':,lü| ..Jiüi ~v.* , v ETHICS ETH-BIB 0010000 492487 /) 152 ^ 7 : 2 / 2 , : HANDBUCH DER ARCHITEKTUR Unter Mitwirkung von Faehgenoffen herausgegeben von Oberbaurath Profeffor Jofef Durm in Karlsruhe, Baurath Profeffor Hermann Ende Profeffor Dr. Eduard Schmitt in Berlin, und in Darmftadt Profeffor Heinrich Wagner in Darmftadt. Zweiter Theil: DIE BAUSTILE. HISTORISCHE UND TECHNISCHE ENTWICKELUNG. 2. Band: Die Baukunft der Etrusker. Die Baukunft der Römer. J. PH. DIEHL’S VERLAG in DARMSTADT. ARNOLD BERGSTRÄSSER. 1885. Jm. Nr. 7J$. standortO_-2 DIE BAUSTILE. HISTORISCHE UND TECHNISCHE ENTWICKELUNG. DES HANDBUCHES DER ARCHITEKTUR ZWEITER THEIL. 2. Band: Die Baukunft der Etrusker. Die Baukunft der Römer. Von Jofef Durm, Grofsherzogl. Bad. Oberbaurath und Profeffor an der technifchen Hochfchule zu Karlsruhe. Mit 327 in den Text eingedruckten Abbildungen, fo wie 2 in den Text eingehefteten Farbendruck-Tafeln. DARMSTADT 1885. J. PH. DIEHL’S VERLAG. f f EIDG. \t^ 2» [ TECHNISCHE \ * Sv HOCHSCHULE ) SP 1 CH ARNOLD BERGSTRÄSSER. Das Recht der Ueberfetzung in fremde Sprachen bleibt Vorbehalten. f[25 W 2-1 2- Ab U o iriiTfft* -5, Ilolzfchnitte aus dem xylographifchen Inflitut von Adolf Ci.oss in Stuttgart. Zink-Hochätzungen aus der photo-chemigraphifchen Anftalt von C. Angerf.r & Göschl in Wien. Farbendruck-Tafeln aus der lithographifchen Anftalt von Werner & Winter in Frankfurt a. AI. Druck von Gebrüder Kröner in Stuttgart. Vom Handbuch der Architektur ift bis jetzt erfchienen: I. Theil. Allgemeine Hochbaukunde. i. Band, erfte Hälfte: Einleitung. (Theoretifche und hiftorifche Ueberficht.) Von Director Dr. A. Effenwein in Nürnberg. — Die Technik der wichtigeren Bauftoffe. Von Hofrath Profeffor Dr. W. F. Exner in Wien, Profeffor H. Hauen- fchild in Berlin und Adjunct G. Lauböck in Wien. (Preis: 8 Mark.) i. Band, zweite Hälfte: Die Statik der Hochbau-Conftructionen. Von Profeffor Th. Landsberg in Darmftadt. (Preis: io Mark.) II. Theil. Hiftorifche und technifche Entwickelung der Bauftile. 1. Band: Die Baukunft der Griechen. Von Oberbaurath Profeffor J. Darm in Karlsruhe. (Preis: 16 Mark.) 2. Band: Die Baukunft der Etrusker und der Römer. Von Oberbaurath Profeffor J. Dnrm in Karlsruhe. (Preis: 18 Mark.) III. Theil. Hochbau-Conftructionen. 4. Band: Künflliche Beleuchtung der Räume. Von Profeffor Hermann Fifcher in Hannover. — Heizung und Lüftung der Räume. Von Profeffor Hermann Fifcher in Hannover. — Wafferverforgung der Gebäude. Von Baurath B. Salbach in Dresden. (Preis: 16 Mark.) 5. Band: Koch-, Spül-, Wafch- und Bade-Einrichtungen. Von Civil- ingenieur Damcke in Berlin, Profeffor Marx in Darmftadt und Profeffor Dr. Schmitt in Darmftadt. — Entwäfferung und Reinigung der Gebäude; Ableitung des Haus-, Dach- und Hofwaffers; Aborte und Piffoirs; Entfernung der Fäcalftoffe aus den Gebäuden. Von Bau- meifter Knauff in Berlin, Baurath Salbach in Dresden und Profeffor Dr. Schmitt in Darmftadt. (Preis: 18 Mark.) 6. Band: Sicherungen gegen Einbruch. Von Profeffor E. Marx in Darmftadt. — Anlagen zur Erzielung einer guten Akuftik. Von Baurath A. Orth in Berlin. — Glockenftühle. Von Geh. Finanzrath Kopeke in Dresden. —Sicherungen gegen Feuer, Blitzfchlag, Bodenfenkungen und Erderfchütter.ungen. Von Bauinfpector E. Spillner in Aachen. — Terraffen und Perrons, Freitreppen und Rampen - Anlagen, Vordächer. Von Profeffor F. Ewerbeck in Aachen. — Stützmauern, Behandlung der Trottoire und Hofflächen, Eisbehälter. Von Bauinfpector E. Spillner in Aachen. (Preis: 10 Mark.) IV. Theil. Entwerfen, Anlage und Einrichtung der Gebäude. 1. Halbband: Die architektonifche Compofition: Allgemeine Grundzüge. Von Profeffor H. Wagner in Darmftadt. — Die Proportionen in der Architektur. Von Profeffor A. Thierfch in München. — Die Anlage des Gebäudes. Von Profeffor H. Wagner in Darmftadt.— Die Geltaltung der äufseren und inneren Architektur. Von Profeffor J. Bühlmann in München. — Vor räume, Treppen-, Hof- und Saal-Anlagen. Von Profeffor L. Bohnßedt in Gotha und Profeffor H Wagner in Darmftadt. (Preis: 16 Mark.) 3. Halbband: Gebäude für landwirthfchaftliche und Approvifionirungs-Zwecke: I. andwirthfchaftliche Gebäude und verwandte Anlagen (Ställe für Arbeits-, Zucht- und Luxuspferde, Wagen-Remifen; Geflüte und Marflall-Gebäude; Rindvieh-, Schaf-, Schweine- und Federviehftälle; Feimen, offene Getreidefchuppen und Scheunen; Magazine, Vorraths- und Handels- fpeicher für Getreide; gröfsere landwirthfchaftliche Complexe). Von Baurath F. Engel in Berlin und Profeffor Dr. E. Schmitt in Darmftadt. Gebäude für Approvifionirungs-Zwecke (Schlachthöfe und Viehmärkte; Markthallen und Marktplätze; Brauereien, Mälzereien und Brennereien). Von Profeffor A. Geul in München, Stadt- und Baurath G. Oflhoff in Plauen i. V. und Profeffor Dr. E. Schmitt in Darmftadt. (Preis: 23 Mark.) Unter der Prefle: III. Theil. Hochbau-Conftructionen. 1. Band: Conftructions-Elemente. Von Profeffor Barkhaufen in Hannover, Baurath Profeffor Dr. F. Heinzerling in Aachen und Profeffor E. Marx in Darmftadt. — Fundamente. Von Profeffor Dr. E. ScJmitt in Darmftadt. —Wände, Wand-Oeffnungen und Gefimfe. Von Profeffor E. Marx in Darmftadt. —■ Einfriedigungen, Brüftungen, Geländer, Balcons und Erker. Von Profeffor F. Ewerbeck in Aachen. IV. Theil. Entwerfen, Anlage und Einrichtung der Gebäude. 4. Halbband: Gebäude für Erholungs-, Beherbergungs- und Vereinszwecke: Schank- und Speife-Locale, Kaffeehäufer und Reftaurants. Von Profeffor H. Wagner in Darmftadt.— Volksküchen und Speife-Anhalten für Arbeiter; Volks-Kaffeehäufer. Von Profeffor Dr. E. Schmitt in Darmftadt. Oeffentliche Vergnügungs-Locale. Von Profeffor H. Wagner in Darmftadt. — Fefthallen. Von Oberbaurath Profeffor J. Durm in Karlsruhe. Hotels. Von Architekt H. von der Hude in Berlin. — Gafthöfe niederen Ranges, Schlafhäufer und Herbergen. Von Profeffor Dr. E. Schmitt in Darmftadt. Baulichkeiten für Cur- und Badeorte (Cur- und Converfationshäufer; Trinkhallen, Wandelbahnen und Colonnaden). Von Architekt f J. Mylius in Frankfurt a. M. und Profeffor H. Wagner in Darmftadt. Gebäude für Gefellfchaften und Vereine (Gebäude für gefellige Vereine, Clubhäufer und Freimaurer-Logen; Gebäude für gewerbliche und fon- ftige gemeinnützigen Vereine; Gebäude für gelehrte Gefellfchaften, wiffenfchaft- liche und Kunftvereine). Von Profeffor Dr. E. Schmitt und Profeffor H. Wagner in Darmftadt. Baulichkeiten für den Sport (Reit- und Rennbahnen; Schiefsflätten und Schützenhäufer; Kegelbahnen; Eis- und Rollfchlittfchuhbahnen etc.). Von Architekt J. Lieblein in Frankfurt a. M., Profeffor R. Reinhardt in Stuttgart und Profeffor H. Wagner in Darmftadt. Sonftige Baulichkeiten für Vergnügen und Erholung (Panoramen; Orchefter-Pavillons; Stibadien und Exedren, Pergolen und Veranden; Garten- häufer, Kioske und Pavillons. Von Oberbaurath Profeffor Durm in Karlsruhe, Architekt J. Lieblein in Frankfurt a. M. und Profeffor H. Wagner in Darmftadt. J. Ph. Diehl’s Verlag in Darmftadt. ARNOLD BERGSTRÄSSER. Handbuch der Architektur. II. Theil. BAUSTILE. Hiftorifehe und technifehe Entwickelung. 2. Band. INH ALTS-VERZEICHN ISS. Die antike Baukunft. 2. Abfchnitt. Die Baukunft der Etrusker. Seite 1. Kap. Allgemeines und Einleitung. i 2. Kap. Städte-Anlagen, Stadtmauern und Stadtthove. 6 3. Kap. Wohnhäufer, Strafsen und Canäle; Brücken, Tunnel und Emiffare.21 4. Kap. Tempel.36 5. Kap. Gräber ..64 Schlufs. 9 2 Literatur: Bücher über »Baukunft der Etrusker«. 9 2 3. Abfchnitt: Die Baukunft der Römer. A. Einleitung. 94 1. Kap. Hiftorifehe Ueberficht.94 Baugefchichtliche Tabelle.99 2. Kap. Charakteriftik der römifchen Architektur.102 B. Die Conftructionen. JI o 3. Kap. Bauftoffe. 110 Römifche Ziegelarten und deren Mafse. 1*4 4. Kap. Mauern, Freiftützen und Bogen.126 5. Kap. Balkendecken und Gewölbe.161 a) Holz-, Steinbalken- und Steinplattendecken.161 b) Gewölbe.164 1) Tonnengewölbe.166 2) Kreuzgewölbe.. 3) Kuppelgewölbe.176 4) Nifchengewölbe. 196 5) Schlufs. 201 VIII C. Geftaltung und formale Durchbildung der Bauglieder 8. Kap. Tuskifch-dorifche Ordnung . 9. Kap. Jonifche Ordnung. 10. Kap. Korinthifche und Compofita-Ordnung a) Korinthifche OXlnung. b) Compofita-Ordnung. 6. Kap. Dächer 7. Kap. Innerer Ausbau Seite 203 223 237 239 244 250 250 259 11. Kap. Bogen, Thüren, Fenfter und Nifchen; Karyatiden, Atlanten, Kleingliederungen und Ornamente 261 273 273 283 D. Bauwerke. 12. Kap. Städtifche Wohnhäufer 13. Kap. Villen. 14. Kap. Villen und Paläfte der Kaifer 15. Kap. Tempel . 16. Kap. Fora und Bafiliken . . . . 291 294 321 321 324 a) Fora b) Bafiliken.324 17. Kap. Weitere Bauten für den öffentlichen Verkehr; Staats- und Verwaltungsgebäude . . 328 18. Kap. Gebäude für die öffentlichen Spiele.331 a) Bauten für circenfifche Spiele.334 b) Bauten für gymnattifche Spiele.334 c) Bauten für fcenifche und mufifche Spiele (Theater, Odeuin und Auditorium) . . . 336 d) Bauten für amphitheatralifche Spiele (Amphitheater).342 19. Kap. Thermen.343 20. Kap. Triumphbogen, Ehrenfäulen und Standbilder. 330 a) Triumphbogen. 330 b) Ehrenfäulen und Standbilder.333 21. Kap. Stadtmauern und Thore; Aquäducte, Waffer-Refervoire und Brücken; Pflafterungen und Bürgerfteige 22. Kap. Gräber und Grabmäler Literatur: Bücher über »Baukunft der Römer« Berichtigungen. Verzeichnifs der in den Text eingehefteten Farbendruck-Tafeln. Zu Seite 267 : Wand-Decoration im Haufe des Lucretius zu Pompeji. » » 283 : Decoration der Wand und der halbkreisförmig gewölbten Decke im Tepidarium der »kleinen Thermen« zu Pompeji. DIE ANTIKE BAUKUNST. 2. Abfchnitt. Die Baukunft der Etrusker. Von Josef Durm. i. Kapitel. Allgemeines und Einleitung. »Die Tyrrhener heifsen bei den Römern Hetrusker oder Tusker. Die Hellenen aber nannten fie fo von Tyrrhenus, dem Sohn des Atys, der, wie man lagt, Colo- niften aus Lydien dorthin fendete. Diefer nannte das Land nach lieh »Tyrrhenien« und gründete 12 Städte, nachdem er den Tarko als Baumeifter angeftellt hatte, nach welchem die Stadt Tarquinia (Tapxovla, röm. Tarquinü ') benannt ift« [Strabo, Lib. V, 2). An Ligurien grenzend, hatten fie die Ebenen bis zum Tiber inne, die, örtlich von diefem Fluffe bis zu feiner Mündung umzogen, nach Werten vom tyrrhenifchen und fardinifchen Meere befpült werden. Die grölste Länge Tyrrheniens war die Küftenftrecke von Luna (in der Nähe der heutigen Stadt Sarzana) bis Oftia etwa 2500 Stadien, die Breite aber bis an die Berge um die Hälfte kleiner. Dafs auch der viel umworbene Boden Campaniens von den Etruskern zeitweife in Befitz genommen war (fie vertrieben dort die Cumäer und wurden wieder vertrieben von den Samnitern, welche wieder von den Römern verjagt wurden) und fie auch hier 12 Städte mit Capua an der Spitze gegründet hätten, berichtet Strabo (Lib. V, 3) mit dem Vermerk, dafs es Andere fagen. Nach Gardthaufeu war 600 v. Chr. der Norden und die ganze Wefthälfte Italiens bis zum Golf von Neapel etruskifchen Herrfchern unterworfen. Auch der Befitz der lombardifchen Ebene bis zu den Alpen, die Etraria circumpadana, wird in früher Zeit den Etruskern zugeftanden; auch hier foll das Zwölfftädte-Syftem mit Mantua oder Bologna (Felfina) an der Spitze beftanden haben. — Adria, welche dem adriatifchen Meere den Namen gab, war Stadt und Hafen der Etrusker. Die Infein Elba, Corfica und Sardinien gehörten wohl ficher zu den etruskifchen Befitzungen. Den Ausfpruch des Dionyfios von Halikarnaffos, »das tuskifche Volk ftimmt mit keinem anderen in Sprache und Sitten überein«, glaubten auch neuere Forfcher feft halten zu müffen. Man fand in der Sprache Aehnlichkeit mit der finnifchen, oder man glaubte eine Mifchfprache wie Englifch, Armenifch oder Neuperfifch annehmen zu müffen. Die neuerten Forfchungen von Corffen und Dcecke *) kommen nun unabhängig Deecke, W. u. C. Pauli. Etruskifche Forfchungen und Studien. 2. Heft. Stuttgart 1882. — Siehe auch: Mayer, G. Die Löfung der Etrusker-Frage. Peilage zur Allg. Zeitung 1882, Nr 112. Handbuch der Architektur. II. 2. I Land und Volk. 2 2 . Sprache. 3- Abdämmung. 4- Gefchichtliches. von einander und fogar im Widerfpruch mit einander zum gleichen Refultate, indem der letztere definitiv ausfpricht: »Das Etruskifche ift eine indo-germanifche Sprache, die fpeciell dem italifchen Zweige der arifchen Sprachenfamilie angehört (Corffen fagt: Die Etrusker find italifche Indo-Germanen) und zunächft mit dem Lateinifchen, Umbrifchen, Oskifchen, Volskifchen und den anderen, weniger bekannten italifchen Sprachen der Apenninen-Halbinfel verwandt ift.« So ftimmt auch mit dem etruskifchen Alphabet in allen wefentlichen Punkten das Umbrifche, Oskifche und Sabellifche überein, und die Buchftaben haben unverkennbare Aehnlichkeit mit den alten griechifchen; es find deren 20, darunter aber nur 4 Vocale (a, e, i, v). Den Gebrauch, von der Rechten zur Linken zu fchreiben und häufig die kurzen Vocale fallen zu laffen, hat die etruskifche Sprache mit den orientalifchen gemein. Die uns unter dem Namen »römifche« bekannten Zahlzeichen find in Wirklichkeit etruskifche und wurden urfpriinglich nicht von der Linken zur Rechten gelefen, fondern umgekehrt. Von den etwa 5000 etruskifchen Infchriften, die bisher entdeckt find, gehören mindeftens 4 /s zur Gattung der Sepulcral-Infchriften 2 ), die nur die Namen, den Stand, das Alter und die Verwandtfchaft der Todten enthalten, aber keinen Auffchlufs über die Gefchichte des Volkes oder deffen Einrichtungen geben. Bilingues (etruskifch-lateinifche), deren Texte fich nicht immer decken, find fehr feiten und überdies dürftig — nur 12 find erhalten. Die C. 0 . Muller’tche Hypothefe: »Die Etrusker feien ein Mifchvolk von den aus Lydien über die See in Tarquinii eingewanderten und von dort in das Innere vorgedrungenen pelasgifchen Tyrrhenern und den roheren, von den Alpen her gekommenen Rafenern (Taasvat. — tuskifch Rasner betont)«, übertrifft nach Dcccke 3 ) an innerer Berechtigung alle anderen und bleibt »wahr und gütig«, wenn man an die Stelle der Tyrrhener »griechifch-jonifche Coloniften der kleinafiatifchen Küfte« fetzt, die den Etruskern ihre Cultur und ihre Sagen brachten. Die etruskifchen Annalen mögen bis etwa 1044 v. Chr. hinaufreichen. Die Blütheperiode der etruskifchen Macht fällt in die Zeit von 800—400 v. Chr. Die urfprünglich weit ausgedehnten Befitzungen wurden im Laufe der Zeit durch die Angriffe der Gallier im Norden und Offen, der Sabiner, Samniter und griechifchen Coloniften im Süden bedrängt, von diefen zum Theile erobert und auf die Länder- ftrecke Luna-Oftia eingeengt, »das eigentliche etruskifche Mutterland«. Hier ift Tarquinii der Ort, von welchem aus die Einheit und die fefte Verbindung der Zwölfftädte gepflegt und gehalten wurde; es ftand dem vereinigten Städte- und Staatenbund des gefammten Etrurien vor. Auch die damals unbedeutende Doppelftadt Roma-Quirium, welche die herrfchenden Tarquinier zum fiid- lichen Stützpunkte und Bollwerke ihrer Macht beftimmten, gehörte dazu. Tarqui- nifche Edle hielten fich aus diefem Grunde dort auf, und man kann defswegen die Tarquinier in Rom als Regenten feft halten. Diefe machten daraus in kurzer Zeit durch grofsartige Bauwerke und Be- feftigungen eine anfehnliche Stadt. Die kriegerifchen Unternehmungen derfelben find gegen die Sabiner gerichtet; ihre bürgerlichen Anordnungen bewegen fich in den ftrengen Grundfätzen der etruskifchen Ariftokratie. Sinn und Liebe für griechifche 2) Müller, C. O. Die Etrusker. Breslau 1828. — Neu bearbeitet von W. Deecke. Stuttgart 1877. 3) Siehe ebendaf. Beilage II, S. 435. 3 Bildung bewiefen fie, indem fie den Demaratos von Korinth, 660 v. Chr., mit feinem Volke aufnahmen, der Tyrrhenien mit Hilfe der ihm aus der Heimath gefolgten Künftler und aus Rom bezogenen Mittel verfchönerte ( Strabo, Lib. V, 2). Diefer vermählte fich mit einer einheimifchen Frau und erzeugte den Lukumo, nachherigen Freund des römifchen Königs A?icus Marcius, nach deffen Tode der erftere als Luc. Tarquinius Priscus felbft als König in Rom herrfchte. Diefer wurde wieder von den Söhnen des Ancus ermordet und mit den Reiten des cälianifchen Heeres das tarquinifche Rom von Maßarna erobert 4 ). Geftützt auf die herrfchende Claffe der eingewanderten Etrusker habe Tarquinius Prisais feine Herrfchaft in Rom ausgeübt. Von feinen zwei Söhnen tödtete der eine Baftardfohn, Servms Tullius, den legitimen Cnejus und beftieg den Thron im Widerfpruch zum etruskifchen Adel. Sich naturgemäfs auf die national-römifche Partei ftützend, foll er volksfreundlich, eine Verfaffung gebend regiert haben. Servius wurde durch feinen Neffen und Schwiegerfohn, der den Tod des Vaters und die Schwächung der Stammesgenoffen rächen wollte, aus dem Wege gefchafft, und der Neffe beftieg als Tarquinius Superbus den Thron, das alte etruskifche Regiment wieder einführend. Das unter Servius erftarkte nationale Bewufftfein der Römer ertrug aber keine Willkürherrfchaft mehr und machte derfelben mit der Verjagung des Superbus ein Ende, indem es zugleich die Macht des etruskifchen Adels für immer brach. Rom wurde dabei frei, aber auf Koften feiner politifchen Bedeutung; es war nicht im Stande, fofort die etruskifche Erbfchaft antreten zu können, und wir treffen es 100 Jahre nach der Vertreibung der Könige politifch machtlofer, als ehedem 5 ). Mit der Vertreibung des Superbus und nach deffen vergeblich verfuchter Wiedereinfetzung durch Porfenna, König von Clufium, und mit Hilfe der Tarquinier und Latiner erlifcht aber auch der Glanz Tarquiniis felbft, das in der nun folgenden Zeit niemals mehr bedeutend hervortritt. »Tarquiniis Hoheit und Sturz find ficher hiftorifch.« Die einzelnen Städte erliegen nun nach einander der Gewalt der Nachbarvölker; nachdem die Kraft der Städte durch den Widerftand, den fie der gallifchen Völker- Wanderung entgegenfetzten, fchon grofsentheils gebrochen war, beginnt die allmähliche Bezwingung und Unterjochung Etruriens Seitens der Römer. Roms Annalen geben zuverläffigen Bericht über diefes Vernichtungswerk. Von den 12 Hauptftädten (ein vollftändiges Verzeichnifs von den Alten exiftirt nicht; als die vorzüglichften werden aber angeführt: Tarquinii, Veji, Falerii, Caere, Volfinii, Vetulonia, Rufellae, Clufium, Arretium, Cortona, Perufia und Volaterrae) fällt nach 100-jährigem Kriege und 10-jähriger Belagerung 396 v. Chr. Veji in die Hände der Römer, von Camillus erobert. Ein Jahr fpäter fällt Capena und 382 Sutri, welches 10 Jahre nachher durch römifche Coloniften ver- ftärkt wurde. Der kühne Heereszug des Conful Quintus Fabius über den Ciminifchen Bergwald und die Schlacht am Vadimonifchen See (309 v. Chr.) brachen die Macht des inneren Etrurien. Die Jahre 303—283 v. Chr. find voll von den Kriegen der Etrusker, allein und mit Bundesgenoffen gegen Rom. 282 v. Chr. unterlagen die 4 ) Nach Gardthaufen ift Mas — Tarna = M. Tarcna (Tarquinius) und identifch mit Servius Tullius. 5 ) Vergl.: Gardthausen, V. Maßarna oder Servius Tullius. Mit einer Erklärung über die Ausdehnung des Etruskerreiches. Leipzig 1882. 4 mit Bojern und Senonen verbündeten Etrusker dem Schwerte Roms unter Conful P. Cornel. Dolabella . Der Krieg wurde im folgenden Jahre noch weiter geführt, aber auch Friede mit den erfchöpften etruskifchen Städten gefchloffen. Der letzte Triumph über Etrurien im Allgemeinen wurde 280 v. Chr. von M. Philippus gefeiert. Die Faliscer unterlagen, nachdem fie im erften punifchen Kriege nochmals den Kampf erneuert hatten; Caere kömmt ohne Schwertftreich unter römifche Botmäfsigkeit, Volaterrae, Arretium, Populonia und Pifae leifteten keinen ernfthaften, dauernden Widerftand. Roms Siege änderten aber nichts an der inneren Lage Etruriens; man liefs den verbündeten Staat für fich beftehen und nahm nur Truppen und Geld von ihm (Militär-Convention und Matricular-Beiträge). Die Etruriae populi beftanden fort; fie behielten ihre Principes, bei denen fich befonders die alte religiöfe Dis- ciplin fortpflanzte. Das Land war dabei immer noch reich und blühend und Wohlleben zu Haufe. Erft als im Bundesgenoffenkrieg Etrurien die Civitas erhielt und ein näherer Zufammenhang mit Rom ftatt hatte, wurden etruskifche Eigenthümlichkeiten und Elinrichtungen verdrängt. Seiner nationalen Elinheit beraubt und vollftändig romani- firt wurde es endlich unter C. Sulla und die von ihm angelegten zahlreichen Militär-Colonien, durch die Mifchung von Tuscern und Latinern. Nach dem Falle Perufias zählte es Propertius unter die Grofsthaten des Augu/lus, »dafs er den Herd uralten Etruskifchen Stammes verödet.« 5- Die nördlichen Diftricte des eigentlichen Etrurien beftehen in den höheren Lagen hauptfächlich aus fecundären Kalkfteinen, in den tieferen aus Sandfteinen Bauftoffe. un d Mergel, während in den füdlichen ungeheuere Flächen von Tuff mit Betten von Lava, Bafalt oder Schlacken, hie und da auch Kalkfteine gelagert find. Mit diefen phyfikalifchen Unterfchieden hängen manche charakteriftifche Eigenthümlichkeiten, befonders in der Bauweife, zufammen. e. Der zu allen Zeiten bis auf den heutigen Tag noch zu Bauzwecken benutzte Steine 1 * 6 g raue (grau-bläuliche oder grau-gelbliche) feinkörnige Sandftein Toskanas, der harte . Macigno, oder der weichere, plattenartig brechende, gleich wie der gewöhnliche Kalk- ftein, der Travertin, der Marmor und der Alabafter ftanden den Etruskern zur Verfügung, eben fo der leicht zu bearbeitende Tuff und Peperin. Brechen, Bearbeiten und Verfetzen der Steine machte den etruskifchen Handwerkern keinerlei Schwierigkeiten, wie die zum Theile fchön und forgfältig bearbeiteten, erhaltenen Städte- mauern, Grab- und Canalgewölbe, Thore und Brückenbogen zeigen. Denn Sand- fteinblöcke von 4,40 m Länge und 60 cm Höhe kamen bei den Städtemauern von Faefulae, folche von 2, 00 bis 2,45 m Länge in Arretium, von 2,75 bis 4 ,00 ra in Cortona, bis zu 3,2 0 m in Volaterrae zur Verwendung. Während Travertin, der gewöhnliche Kalkftein (Marmor kam, fo fcheint es, feltener zur Verwendung; wenigftens wurden die von Slrabo, Lib. V fo hoch ge- priefenen Marmorbrüche von Luna, von uns als Carrara-Marmor gekannt, nicht von Etruskern und erft zur Zeit Cäfars ausgebeutet; die Verarbeitung des Alabafters dagegen zu Afchenkiften etc. war eine aufserordentlich ausgiebige, wie Hunderte von folchen in Volaterrae u. a. O. beweifen), auch der Tuff faft durchweg der Zeit 5 widerftanden, ift dies weniger bei den Sandfteinen und Kalkfandfteinen der Fall. Die aus letzteren ausgeführten Mauern von Arretium und Volaterrae find furchtbar verwittert; wie ausgewafchene Felfen in abenteuerlichen Formen und Silhouetten flehen fie nach der Wetterfeite zu da. Weniger maffig gehaltene Bauwerke aus diefem Materiale in exponirter Lage konnten defshalb fchon früh verfchwunden fein. Es wird diefer Schlufs um fo weniger auffallen, wenn man bedenkt, dafs die aus dem gleichen Sandfteine ausgeführte reizende Vorhalle der Maria delle Grazie bei Arrezzo 1871 beinahe ganz, dafs die dem Arno zugekehrten Säulen der Uffizien, die der Pazzi-Capelle, das Portal der Baclia in Florenz u. a. in neuefter Zeit wegen Auffpalten oder Verwittern des Materials zum Theile erneuert werden mufften — alfo nach kaum 400 Jahren ! Auch das fchöne Kirchlein Madonna del Calcinajo (Sem gallo oder di Giorgio? 1485,' t>ei Cortona hat jetzt durch Verwitterung beinahe feinen ganzen decorativen Schmuck, Klafter-Kapitelle, Verdachungen, Friefe etc. eingebitfst und geht an den Aufsenfeiten rafchem Verfall entgegen. Wir dürfen defshalb den Mangel jeglicher Spur von Werken der bürgerlichen Baukunft nicht ganz auf eine frühere, ausfchliefslich geübte Holz-Architektur der- felben zurückführen, obgleich Strabo (Lib. V) das tyrrhenifche Holz rühmt, weil es die längften und geräderten Balken zum Häuferbau liefert; nicht unberühmt nennt er Pifae, feines Schiffbauholzes wegen. Die zahlreichen Töpferarbeiten, welche in den Gräbern gefunden wurden, geben Zeugnifs von dem ausgezeichneten Thon, der den Etruskern zu Gebote ftand, die Vorzüglichkeit derfelben den Beweis, in wie vollendeter Weife fie ihr Material zu behandeln verrtanden, und dies nicht nur bei feineren Kunftarbeiten, fondern auch beim gewöhnlichen Thonzeug; Plattenziegel von 85 cm Breite bei l,i5 m Länge und 4,5 cm Dicke, ohne Brandrifs und vollftändig planeben, find in Clufium (Chiufi), feiner Zeit als Verfchlufs bei Gräbern dienend, erhalten geblieben. Der Gebrauch von Luftziegeln beim Häuferbau war diefem Volke wohl eben fo geläufig, als feinen afiatifchen Ahnen. Refte von folchen find übrigens nicht mehr feft zu ftellen, und Backfteine (gebrannte Mauerfteine) als Baumaterial gehören in Italien einer Zeit an, in welcher das etruskifche Volk im Niedergang war oder feine Selbftändigkeit fchon eingebitfst hatte 6 ). Die von Vitruv und Plinius gepriefenen Ziegelmauern von Arretium gehörten der etruskifchen Stadt nicht an, und die von Gell angegebene Tuffmauer auf Ziegelunterlagen in Veji, welche fchon Dennis 7 ) vergebens fuchte, konnte auch von Anderen nicht gefunden werden, und was Dennis von Ziegeln an einem Brückenpfeiler in Veji fand und feitdem auch verfchwunden ift, fcheint (wie er felbft vermuthet) ganz gewifs von einer Unterhaltungsarbeit aus fpäterer Zeit herzurühren. Eifen und Kupfer lieferten die Gruben der Infel Ilva (Elba) in ausgiebigftem Mafse, fie find bis heute noch nicht erfchöpft, die Silbergruben Populonias das Edelmetall. So fehen wir das Land von Natur aus reich verfehen mit Allem, was eine baukünftlerifche Entwickelung begünftigen, fördern und zur Blüthe bringen konnte. Von einftigen Schöpfungen auf architektonifchem Gebiete ift von dem, was den Lebenden diente, nichts übrig geblieben, als halb zerftörte Städte- 6) Siehe hierüber den nächften Abfchnitt: Die Baukunft der Römer. ”) Dennis, G. The cities and cemeterics of Etruria. London 1848. (2. Aufi. 1878.) — Deutfeh von N. N. \V. Meissner: Die Städte und Begräbnifsplätze Etruriens. Leipzig 1852. Band I, S. 11. 7 - Holz. 8 . Terracotten. y- Luftziegel und Backfteine. xo. Eifen, Kupfer, Silber. 11. Baurefte. 6 mauern; nur die Todten und deren Behaufungen geben uns Auffchlufs, und letztere laffen uns die einftige Pracht und Herrlichkeit öffentlicher und privater Bauten ahnen. 2. Kapitel. Städte-Anlagen, Stadtmauern und Stadtthore. 12. Lage der Städte. Stadtplan. 14. Ortfchaften und Caftelle. * 5 - Gründung. 16. Städtemauern. Schon in frühefter Zeit finden wir bei den Etruskern die ftädtifchen Gemein- wefen entwickelt und das Volk in von Natur und durch Kunft feften Plätzen zu- fammenwohnend. Niedrig liegende Landftriche, eine von Natur nicht fichere Lage wurde bei der Gründung von Städten gern gemieden, und fo find nur wenige Hafenplätze und Handelsftädte, wie Luna, Pifae, Graviscae, Pyrgi, Alfium an ebener Kiifte gelegen; von diefen dürfte Pyrgi von griechifchen Coloniften gegründet und erft fpäter in etruskifchen Befitz gelangt fein. In den nördlichen Diftricten nehmen die Städte ftets eine das Flachland beherrfchende Lage auf einzeln flehenden Bergen ein; aber nie fehen wir fie auf den Gipfeln kaum zugänglicher Höhen. Obgleich von einem feefahrenden Volke bewohnt, liegen fie mit wenigen Ausnahmen nicht nahe am Meeresftrande, fondern meift einige Stunden landeinwärts. Hart am Meere auf fteiler Höhe erhoben fich Populonia und Cofa. Am dichteften beifammen waren die Städte in den vulcanifchen Gegenden, in den von Schluchten durchfchnittenen Tafelländern, in denen mit Vorliebe die Landzungen bei der Vereinigung zweier folcher Schluchten zur Anlage ausgewählt wurden (vergl. Norchia, Tarquinii, Volaterrae, Caere, Vulci). Die Form des Stadtplanes hing meift von der Geftalt des Plateaus ab, auf dem die Stadt gebaut werden follte, und wohl kaum von einem religiöfen Statut. So bildet der Stadtplan von Cofa in feiner Begrenzung nahezu ein Quadrat (die Vor- und Rückfprünge innerhalb der vier Seiten felbftredend unberückfichtigt gelaffen), während der von Cortona fchmal und lang geftreckt erfcheint, der von Volaterrae wie die Fangarme eines Polypen nach allen Seiten ausgereckt ift. Aufser diefen eigentlichen Städten dürften aber auch noch offene Ortfchaften (vici) beftanden haben, auch Caftelle, d. h. Plätze von geringerem Umfange, die als Zufluchtsftätten für das Landvolk bei feindlichen Ueberfällen dienen mochten 8 ). Bei der Gründung von Städten und Ortfchaften wurden eigenthümlich feierliche Gebräuche beobachtet, die auch von den Römern noch feft gehalten worden find. Der Gründer fpannte Ochs und Kuh an einen ehernen Pflug und zog der projectirten Stadtgrenze entlang tiefe Furchen, während feine Genoffen die Erdfchollen nach der Stadtfeite legten. Die Furche bezeichnete die Stelle des Grabens, die Schollen die der künftigen Mauer. Zu beiden Seiten der Mauer wurde dann ein Raum bezeichnet (Pomöriimi), der nicht überbaut und nicht gepflügt werden durfte. An den Stellen, wo Thore die Mauern durchbrechen füllten, muffte der Pflug gehoben und fo weit, als die Thorbreite betrug, getragen werden. Von den Städtemauern find uns mächtige Zeugen erhalten, in denen fich thatkräftiges Wollen und technifches Können des Volkes ausfpricht. Ueber 2^2 Jahrtaufende haben fie der Zeit und Zerftörung durch Menfchenhand widerftanden. s ) Vergl.: C. O. Müller a. a. O., S. 238. 7 nd :er in- luge :n- fte rft lie en ch :ht :re :n, die hlt tut ut. rat igt on :en die 8 )- he en og die les ■de igt fte Der Eigenthümlichkeit des Baumaterials entfprechend conftruirt, find fie im Norden aus grofsen Kalkftein- (Travertin-) und Sandfteinblöcken, wenig bearbeitet, wie fie der Bruch ergab, ohne Mörtel auf einander gefchichtet, feiten in den Fugen mit Brocken verzwickt, oft aber auch fchön an den Kanten bearbeitet, und in den Fugen fein fchliefsend, in polygonalen Blöcken an einander gereiht. Im Süden dagegen, wo der weichere Tuff und Peperin zu Gebote ftand, find meift kleinere Steine von regelmäfsiger Form in befonderem Verbände, auch ohne Mörtel gefchichtet, zur Anwendung gekommen. Auch ift vielfach der gewachfene Fels, lothrecht nach der Mauerflucht abge- fchrofft, in diefe Mauerbefeftigung mit hereingezogen. Als Charakterifticum bei allen diefen Mauern mtiffen noch die in beftimmten Entfernungen wiederkehrenden Mauer- fchlitze, welche als Wafferdurchläffe dienten, hervorgehoben werden; fie find wohl unumftöfsliche Erkennungszeichen für eine etruskifche Mauer. Für gewöhnlich find die Mauern an der Aufsenfeite glatt ohne Unterbrechung durchgeführt. Prächtig erhaltene, noch bis zu 10 m emporragende Stücke haben wir in den Reften der alten Stadtmauern von Faefulae (das heutige Fiefole, Fig. 1 9 ). Die aus hartem Fig. i 9 ). Macigno (grau - gelb- lich-grtinem Sand- fteine) hergeftellten Mauern find grofsen- theils aus mächtigen Blöcken, regelmäfsig im Verbände, horizontal gefchichtet, ohne Mörtel und ohne Klammern aufgebaut. Die Oberfläche der Steine ift rauh gefpitzt; kein Saumfchlag umrändert den Quader; doch find die Kanten fauber gearbeitet und die Fugen dicht fchliefsend. Es wechfeln Binder und Läufer in der Schicht ab; die Stofsfugen find theils lothrecht, theils fchräg fliehend; abgekantete Ecken find durch forgfältig eingefügte Sttickeinfätze ergänzt, ähnlich wie am alten ägyptifchen Quadergemäuer I0 ). . Die Schichten find 60 bis 85 cm hoch bei Längen der einzelnen Steine von l,o bis 4,4 m , öfters Verhältniffe der Höhe zur Länge wie 1 : 7 1 /a ergebend, deren Ausführung nur das vortrefflich harte Material ermöglichte. Die Läufer binden dabei durchfchnittlich 1 m, die Binder greifen 1,7 bis 2,0™ tief ein. Schlitze von 20 cm und mehr Breite, durch 2 Schichten gehend, find die charakteriftifchen Wafferdurchläffe. Andere Löcher an den Fugen verdanken ihre Entftehung der Flabgier der Menfchen, welche nach Metallklammern fuchten 11 )- <§>1ac|ii mvtr yw Hitsulat Hinter dem im Jahre 1873 wieder aufgegrabenen Theater in Faefulae 12 ) befindet fich noch ein weiteres Stück Mauer aus dem gleichen Materiale conftrmrt, welches eine auffallende Verfchiedenheit von dem gefchilderten zeigt, indem es aus kleineren Werkftücken ausgeführt und eine complicirtere Form der einzelnen Steine aufweist. Die mehr gekünftelte Geflalt derfelben und die Art der Behandlung ä t wo au ch hr- 9 ) Die Illuftrationen zur »Baukunft der Etrusker« find fämmtlich nach Originalzeichnungen und, mit wenigen Ausnahmen,'nach Originalaufnahmen des Verfafiers angefertigt worden. 10 ) Siehe Theil If, Bd. i diefes »Handbuches«, S. 43. 1J ) Vergl. hierüber in demfelben Bande, S. 57 und die Bemerkungen E. Falkener's bei G, Dennis a. a. O., ö. 440. 12 ) 1809 von v. Schellersheim entdeckt, ausgegraben und wieder mit Erde zugefchüttet. 17- Mauern von Faefulae. 16 . Boflen-Quader 19- Mauern von Arretium. 8 eine fpätere Entftehungs- zeit fchliefsen. Man lieht, dafs der Baumeifter bestrebt war, eine horizontale Schichtung durchzu- ft führen, dabei aber keinen Materialverluft erleiden wollte. Er band fich an die Geftalt der Steine, wie fie der Bruch ergab. Lang gedreckte Quader (1 : 3 und 1 : 4) wechfeln daher mit in der Anfichtsfläche quadratischen ab, hakenförmige mit trapezförmigen. Die Ecken find dabei forgfältig verzwickt, die Stofs- und Lagerfugen gut fchliefsend, erftere bald lothrecht, bald fchräg (Fig. 2 ). Intereffant find die Umränderungen der einzelnen Quader mit 3 bis 6 cm breiten Saumfehlägen mit geraden und Schrägen Stelzungen und die kräftig vortretenden Boffen im Spiegel mit 20 bis 30 cm Ausladung. Form und Behandlung (Boffen mit Saumfchlag) der Quader erinnern an die ähnliche Ausführungsweife bei manchem kleinafiatifchen Gemäuer 13 ). Es mag (liefe Behandlung der Quader-Anfichtsfläche nicht ohne Einflufs auf das Quadergemäuer der Florentiner Paläfle der Renaiffance gewefen fein. Wir finden fie wieder an einigen etruskifchen Brückenquadern (in Bicda), an einzelnen Quadern der Servianifchen Mauer in Rom, an einigen Schichten des Tuffgemäuers der Roma qtiadrata auf dem Palatin und an Unterbauten von Aquäducten, z. B. der Aqua Marcia bei Porta maggiore in Rom, in Viterbo u. a. O. Das Vorkommen ifl feiten, und dies mag zu der in allerneuefler Zeit wieder von einigen Forfchern vertretenen irrthümlichen Meinung Veranlaffung gegeben haben, dafs der umränderte Boffenquader an etrusko-römifchem Mauerwerk nie geübt worden wäre. Dafs folche in Griechenland und Kleinafien in früher Zeit Vorkommen, wurde dabei wohl überfehen 1 *). Uebrigens zeigen auch einzelne Quader der Römermauer in Lindau am Bodenfee Boffen mit Saumfchlag, und bei den jtingflen Ausgrabungen (1883) des Caftells in Oberfcheidenthal (Baden) wurden Boffen-Quader mit Saumfehlägen oder Randbefchlag gefunden. Weniger gut erhalten, aber nach gleichem Principe, wie die zuerft gefchilderten Mauern von Faefulae conftruirt, find die aus der gleichen Steinart (aber von Schlechterer Qualität) hergeflellten Mauern von Arretium (Fig. 3 ). Die Steine find dabei weniger grols, die Schichtenhöhe 40 cm , die Längen 80 bis 100 cni - Conftructiv von gröfstem Intereffe, weil einzig in der Art, ifl der ftid-füdöflliche, leider Hark verwitterte Theil diefer Stadtmauer. Er ifl als Trockenmauer mit Anzug (Böfchung) aufgeführt und durch Strebepfeiler verflärkt. Diefe treten 90 bis 100 cm über die Mauerflucht heraus, haben eine Breite von 2,oo bis 2>4. r , m und laffen einen Zwifchenraum von 4,2 bis 4,3 m zwifchen fich, Diefes Mauerflitck zwifchen den Strebepfeilern ifl aber nicht gerade geführt, fondern flachbogenförmig mit 80 cm Stich eingebaucht (Fig. 3). Die von Dennis 15 ) gebrachten Beobachtungen und Folgerungen über (liefen Gegenftand möchte ich hier nach den eigenen Unterfuchungen an Ort und Stelle in ihrem ganzen Umfange beflätigen. Fig. 2. m^iii luii rfuim^Tm iinfiiiT,iiTmmri H-LVnuu wer? ‘11 UM* «UüüaüWüU vn n liuAVibO/ vVf!>i| uüiUilUh ülü " iW/i/iimaum i TaTn - t'ibTnrd^ inum iiTi htTTt : o'SQ iT7mniiTrfnin(Li>iin>/uiiiiMTfTTnnTi77gi7iiin»r^ mmm mmipmiiKiiiii// nmiinmijiiiiiii. um» iü?u»h um m J * x 13 ) Vergl. z. B. die Kyklopen-Mauer auf Knidos im vorhergehenden Bande diefes »Handbuches«, S. 45. 14 ) Vergl. z. B. im gleichen Bande die Boffage-Quader der Terraffenmauern des Olympieion auf S. 47 u. 48, fo wie die eben erwähnte Mauer auf Knidos. 15 ) A. a. O., S. 646 bis 648. 9 !f',^.. i s ^- .2-- ^3fefc,,Ä: ,/ \ F‘g- 3- 1 Jfm ZC — * «. J0 ■f; /r t i? \fr'' :z,\ {//////////' s// Yf *; . y Gjri>n(jri$3 ^ücjösllicl\^^K äl •V ' ,! 'i'!l!!l!lttr ; 1 <1, m W''' ' -. !> ciMäOinsKick. lf. Aj'rrAiMiiV' jus f^rrfPlijIH__ •sap* ; Auch das nahe liegende Cortona hat mächtige Rette feiner etruskifchen Stadtmauern (Fig. 4 u. 5) aufzuweifen, die nach dem gleichen Syfteme und vom gleichen Materiale gebaut find, wie die erftgenannten in Arretium. Die Steine haben an der Oberfläche ftark gelitten; der Fugenfchlufs dürfte urfprünglich vielleicht eben fo gut gewefen fein, wie in Faefulae. Die Blöcke, Ing. 4. Portern . nicht immer ftreng im Verbände gefchich- tet, find 0,7 5, 1 ,oo und 1,20 m hoch , 2,75 bis 4,00 m lang , 1,00 m einbindend. Eigen- thiimlich find die niedrigeren Ausgleich- fchichten zunächft dem gewachfenen Fels, auf dem fich die Mauern erheben. Die Steine, welche den gröfsten Druck auszuhalten haben, find hier die dünnften. "U. 'Ijtiilll, a-F- i!^ll!l!i!pf lUiV.))! im Mauern von Cortona. IO ! i'v 1 i lliilm. ••.«MW# 2I - Aus gelbem Sandfteine (Panchina) von verfchiedener Güte und verfchiedenem Mauern ° v ' von Härtegrad, der vielfach von kleinen Conchylien durchfetzt und oft einem Mufchel- voiaterrae. kalke ähnlich ift, find die grofsartigen, jetzt noch 10 bis 12 m hohen Mauerrefte von Volaterrae (etrusk. Velathri), Fig. 5- ” nach dem gleichen Principe conftruirt, ausgeführt. Die horizontale Schichtung ift verfucht, aber nicht con- fequent durchgeführt, indem man die Steine, wie fie der Bruch lieferte, fchichtete. Das Mauerwerk ift daher unregel- mäfsig, und die Steine find nur wenig an der Anfichtsfläche, den Kanten und Lagern bearbeitet. Die Schichten gehen oft in einander über (Fig. 5)- Was in Faefulae fteintechnifch vollkommen durchgeführt ift, fteht hier noch auf roher Stufe. Die an den Ecken und Kanten verwitterten Blöcke meffen in den gröfseren Exemplaren der Höhe nach l,o binden bis zu 2,0 m ein und haben Längen von 2,2 bis 3,2 m . Mit diefen wechfeln wieder 1-uiijJl! .-A 41 ’( SB 'ibLLIAillil# Fig. 6. „Maurrmit fliü^lricHsc’qiclntrn-.. Godona . JPliiüMMnmilllllHlf qppsif®® «UUMIHI! rrraf-, ^.in- kleine Quadratfteine und dünne rechteckige Platten. Gut erhalten find die Wafferdurchläffe mit ihren 30cm vor die Mauerflucht vorfpringenden Sohlbänken (Fig. 6). 22 . Diefen Mauern von Volaterrae ähnlich find die aus fchieferigem Sandfteine auf- M “" n geführten in Populonia und Rufellae; nur die einzelnen Steine find nicht fo grofs, Populoma, und es ift mehr auf eine Glättung der Oberfläche, als auf gute Fügung gefehen. Rufeiiae etc. jrj nze j ne Strecken in Rufellae find im roheften Stile kyklopifcher Mauern gefchichtet. Pyrgi, Orbetello, Saturnia und Cofa haben Polygon-Gemäuer, das in den drei erftgenannten Städten ficher von früheren Einwohnern (vielleicht griechifchen Cöloniften, Pelasgern?), als den Etruskern errichtet wurde und daher nicht etruskifcher < Herkunft ift. Für Cofa läfft Dennis 16 ) die Frage des Urfprunges offen, indem er die Möglichkeit annimmt — und es ift dies nicht unwahrfcheinlich — dafs wir in Cofa eine etruskifche Copie von den Mauern Saturnias und Pyrgis vor uns haben. Die Mauern find aus mächtigen, dichten, grauen Sandfteinblöcken ohne Mörtel conftruirt, IG) A. a. O., Band 2, S. 551. 4 11 Höhe eder mit fchwacher Böfchung angelegt und durch viereckige Thürme, die etwa 4 m nach aufsen vorftehen, gegliedert. Die nach beiden Seiten frei liegenden Theile der Mauer laffen erkennen, dafs nach ägyptifch-griechifchem Brauche die Glättung der äufseren Mauerflächen erft nach dem Verfetzen erfolgte. Die Fügung kann fchöner nicht gedacht werden. Die oberen Horizontalfchichtungen der Mauern gehören einer fpäteren Zeit an. In den Mauern von Clufium (Chiufi) und Perufia (Perugia) tritt uns ein neues Syftem von Quader-Bearbeitung und Schichtung entgegen, bei Verwendung von hartem Travertin-Geftein. Die Steine find verhältnifsmäfsig klein, durchfchnittlich 50 cm hoch und eben fo oder doppelt fo breit (die Anfichtsfläche 1 : 1 und 1 : 2). Die Oberfläche bleibt rauh ohne Saumfchlag; die Stofsfugen find nicht immer lothrecht, fondern vielfach fchräg (Trapezquader). Die Mauern find nicht flüchtig lothrecht; fondern fie find treppenförmig abgeböfcht, indem ftets eine Schicht hinter die andere um 3 cm zurückgefetzt ift. Auch diefe kleinen Steine find ohne Mörtel, aber gut verbandmäfsig gefchichtet. Bei den Tuffmauern von Sutrium, Nepete, Falerii (letztgenannte auf alle 30 m Länge durch viereckige, 3 m vorftehende und 5 m breite Thürme bewehrt), Fescennium, Veji, Caere und Rom ift das in Clufium und Perufia roh durchgeführte Princip der Schichtung zum vollendeten Syftem entfaltet. Es ift ein Specificum, Fig. 7. Ttpri-in muv cjps lalulaH um in . —¥ - °'s °); 3. 4 ij§j§ liilM "*3 l . Aiv \ - - mmm T 0 ijo !!)■ V- .-T-: > \ £ ■' ■v'vAc 0 60 | ^ • -i v t T d 60 1 3 - > s' ' . —~—~ 14-';:; plfeiilBll ! ! -f —•+- ! o'G 0 D 23 - Etruskifcher Steiu- verband. + ■ Cfruncjnss rfnrrX->«apyPrrscK;C-W - .- ^s§{§ mitJäiibrlrirlunTa 4S w wt-'tä , S a. A , . Ja : ;'u - ;/Q ' ' '/■'/'////, 1, MM -—* , CTv .■ - 'te.4. t' 12 Fig. 8. ^,0 V' > \U'* ' Quadrrliöli t» o-jo - o-yo QudfjrrUpn^p- j™oc> - ■!~ lo . ein etruskifcher Verband ge- fchaffen, der in den Tuffgegenden überall getreulich wiederkehrt, beinahe in den gleichen Steingröfsen. Bei allen genannten Tuffmauern haben die Steine eine Schichtenhöhe von durchfchnittlich 50 bis 60 cm ; fo z. B. 47 bis 49 bis50 cm am Brückengemäuer von Blera (Bieda); 50 cm in Caere (Cervetri); 45 bis 50 cm in Veji; 60 cm an der Servianifchen Mauer; 59 bis 60 cm an der Umfaffungsmauer des Forum des Augußus in Rom; 60 cm einzelne Mauertheile der Roma quadrata; 65 bis 69 cm am Eingangsgemäuer des Emiffars in Albano; 59 bis 60 cm an der grofsen Stützmauer des Tabularium etc. Fig. 9. Die Anfichtsflächen der Steine zeigen ein Verhältnifs der Höhe zur Länge, wie 1 : 3 ji, 1:1, 1:2, leiten 1:3; die Oberflächen find glatt abgefchlichtet oder auch etwas abgewölbt gearbeitet; der Fugen- fchlufs ift aufserordentlich exact. Kein Mörtel wurde verwendet; dagegen find bei den vollendeten Mauern feilere Verbindungen der Quader unter einander durch Schwalbenfcliwänze und Dollen bewirkt worden. Die Vertiefungen und Löcher für folche liegen am Peperin-Gemäuer der Roma quadrata und des Forum romanum zu Tage '(Fig. 7). Am Marmorgemäuer der Grabkammern der Lydifchen Grabhügel am Gyges-See waren die Quadern mit bleiernen Schwalbenfchwänzen verbunden; an der fog. Heidenmauer auf dem Odilien-Berg im Elfafs (nach C. O. Müller etruskifchen Urfprunges) find Holzfchwalbenfchwänze verwendet (Fig. 8). Aehnliche finden fleh auch in Frankenburg i. E. In dem »merkwürdigen« Werke »A B C d’une fcience nouvelle . Les Vosges avant l’hißoire (Mul- houfe 1876)« werden (S. 149) die Mauern von St. Odilien in das XII. bis XVI. Jahrhundert vor unferer Zeitrechnung gethan ! Gewöhnlich werden fie heute als römifche bezeichnet; doch was follten die Römer hier oben mit der ftundenlangen Umwallung gemacht haben? Ein »Luginsland«, von dem aus man 300 Tage im Jahre nichts als Nebel fall! Ich möchte eher ein gallifches Oppidum vermuthen , eine letzte, geficherte Zufluchts- flätte, in der man bei Auszügen Hab und Gut, fo wie altersfchwache und kampfunfähige Leute zurückliefs. Gallier und Etrusker machten fchon frühe im italienifchen Küftenland Bekanntfchaft durch das Schwert. Können nicht kriegsgefangene Etrusker Lehrmeiller oder Ausführende gewefen fein und kann nicht fo die Miiller’(ch.e Hypothefe Wahrscheinlichkeit gewinnen ? Niebuhr vermuthet, der etruskifche Stamm habe fich einmal nördlich über die jblti !iniehmziie]|a amjrr^erWawsqm iifiW, fl \ 6 Uk, Alpen hinaus, bis nach dem Elfafs und den Ebenen Deutfchlands erftreckt und führt die Mauer am Odilienberg dafür an. Von Intereffe find an den Quadern der Servianifchen Mauer (blofs gelegte Theile in der Nähe des Hauptbahnhofes in Rom) die Steinmetzzeichen (Fig. 9), welche in Form von etruskifchen Zahlzeichen und Buchftaben roh, bald in die vorderen Quaderflächen eingehauen, bald auf einer der nach dem Mauerinneren zugekehrten Seite zu finden find. Der Wechfel in den Stofsfugen ift derart hergeftellt, dafs die der erften, dritten, fünften etc. und wieder die der zweiten, vierten, fechften etc. Schicht nahezu lothrecht über einander liegen. Fig. 10. ^ äV ©- Ts TjF- !- Jini!"; 1 i'iti.i!; i|i IIIH'' Uii[!n,l 1.. 'IC • Ml'ltll Jl 1 ' Ja*/' asrtftkv.’-- 'Ng§f. AM M ..■iiii csFTaiirr YiinSatfb In Caere bildet der auf eine Höhe von 3 m lothrecht abgefchroffte Tufffelfen den Sockel des Gemäuers, auf deffen Abgleichung die kleinen, in der Anfichtsfläche quadratifchen, 50 cm hohen Mauerfteine auffitzen (Fig. 10); hier find in jeder Schicht die gleich grofsen Quader verwendet. In den Mauern der übrigen genannten Städte wird aber die Verwendung von zweierlei Steingröfsen zur feften Norm — zum Canon. Binder und Läuferfchichten wechfeln der Höhe nach ab; ein Läufer ift in der Regel doppelt fo lang, als ein Binder, feiten 3-mal fo lang (Fig. 11). Ueber die Verbandfchichtung der Tiefe nach giebt ein Stück der Servianifchen Mauer Auffchlufs (Fig. n). An der Subftructions-Mauer des Tabn- lariurn fehen wir das gleiche Zurücktreppen der Mauerfchichten, wie in Perufia ausgeführt; auch die Schichten der Servianifchen Mauer fcheinen fo behandelt gewefen zu fein. An einem Stücke wenigftens, das aus lang geftreckten, 29 cm hohen Schichten und durchweg gleich grofsen, 85 cm langen Steinen ausgeführt und deffen Schichtung gut erhalten ift, find 2 bis 3 cm breite Rückfpriinge vorhanden. Am vollendetften ift der Verband an der fchön erhaltenen, vorzüglich ausgeführten Umfaffungsmauer des Augußus - Forum (jetzt Arco de Pautani bei Via H Fig. n "Vfriunj - Ansicht, r-< j 4fr- 'Sjoitjli^i ©.uaiie->Sp A Ä ^cj/cl^- . „ -. JJj <§)! üd\ ihh nisc^m, i^^urp-^efiieSjtvn^ mAs cJryTiift Bonelia) zum Ausdruck gebracht. Die Fugen der Peperin-Quader fchliefsen prefs und fchön; die Vorderfläche ift 8 bis 10 bis 15 cm ausladend, nach den Kanten zu abgewölbt (Fig. 12 ). Eine ähnliche Behandlung findet fleh aber auch an einigen Schichten der Roma quadrata, wofelbft auch Quaderfchichten Vorkommen, bei denen die Steinhöhe gröfser, als die Breite ift und auch der umränderte Boffen-Quader gefunden wird l7 ). Fio-. rr> ^(jrrmanpr Y6m'IorümcJpsj : ]uQ ) ustus.^rco (jP'BnW) ' i- MlliiiiMIÜ Mflliil ijmrn o o JboSSpn , o’og- o'/o — 0' ly-o’ZG ‘YortrfTrricj So lange etruskifche Baumeifter oder fpäter von folchen gefchulte Werkleute in Rom thätig waren, treffen wir das fchön gefügte maffive Quadergemäuer, und Gemäuers, es fei defshalb auch erlaubt, diefe Werke als etruskifche zu bezeichnen und bei diefen zu regiftriren; wir wollen nicht vergeffen, dafs die Stadt ihre erfte architek- tonifche Blüthe etruskifchen Herrfchern verdankte, dafs Tempel, Stadtmauern, Canäle und andere öffentlichen Bauten bis weit herunter von Angehörigen diefes Volkes ausgeführt wurden, und wir wollen uns klar bleiben, dafs die Worte von Dennis, fo hart fie klingen mögen, ihre volle Richtigkeit haben: »Die Römer früherer Zeiten waren ein knechtifches Volk von Nachahmern, die aufser ihrer bellipote7itia wenig lf ) Siehe den nächften Abfchnitt: Die Baukunft der Römer. i5 refs zu der öhe 17 )- mte und bei tek- Ca- lkes mis, iten ;nig Urfprüngliches hatten und von ihren Nachbaren fowohl bürgerliche, als religiöfe Einrichtungen entlehnten, fo wie Alles, was zu Luxus und Genufs diente, ja fogar auch die ernfteren Künfte des Krieges. So war es auch mit ihrer Baukunft und ihren Befeftigungswerken 18 ).« Das gleiche Volk der Etrusker muffte fich in feinen eng gezogenen Landesgrenzen für feine'Bauwerke dreierlei Baumaterial dienftbar machen: es verwendete den Sandftein, den dichten Kalkftein und den Tuff zu den gleichen Zwecken, aber nicht auf die gleiche Weife. Seine Bau-Oekonomie lehrte es, im Norden die Sand- fteine in grofsen, ungefchlachten Blöcken, roher oder feiner gefügt (wie Volaterrae oder Faefulae) zu verwenden, im Süden die kleinen, forgfältig behauenen, im Quer- fchnitt quadratifchen Kalk- und Tufffteine. War defshalb der Caeretaner aus feinerem Guffe und von feinerer Gefühlsweife, als der Mann aus Volaterrae oder Faefulae? war fein feineres Gemäuer aus dem gleichen Jahrgange das Ergebnifs einer in der Bevölkerung wurzelnden Charakterverfchieden- heit? war er minder kräftig und felbftbewufft? Sie find vom gleichen Stamme und wohnen nur wenige Tagreifen von einander entfernt. Alfo gewifs nicht. Manches mag ja conventioneil oder Sache einer Mode fein, dafs man es an diefem Orte fo, am anderen anders macht; ich glaube aber nicht zu irren, wenn man hier alle Verfchiedenheit auf Rechnung der Material - Eigentümlichkeit und deren technifch-ökonomifche Ausnutzung fetzt. Nirgends ift der Satz, »dafs der Volkscharakter und die Bauweife in fehr innigem Zufammenhange flehen«, mehr zu Schanden geworden, als in dem kleinen Küftengebiete Etruriens. Die Kraft und Machtfülle eines Volkes mag fleh in der Grofsartigkeit feiner Baugedanken wieder- fpiegeln, foll aber nicht nach der Gröfse der verwendeten Steinblöcke beurtheilt werden. Auch die Furcht kann gewaltige Schutzwehren fchafifen 19 ). »Keine etruskifche Stadt wurde für vollkommen gehalten, die weniger als drei Thore hatte.« Die älteften Thore waren mäfsig grofse Oefifnungen in den Mauern, die fleh nach oben verjüngten und durch Steine oder Holzbalken horizontal abgedeckt Fig- *3- ©eeel \m - es mm |jggg Ornamsni'-jrl’^rifchhcV^ ©errrfri. RsckenkiRt ’rtL Ji4L/sform. G!hiusi). — .jDeckrnsystrme _ \. / >1 !ln iL izfl / i \ ’s- V (Ponieo. ft —BicJi. Thotntrnt Rsckcnkisttn in J^üRnform^lkaLonla,). G^ufricliniHe rinfach er CJ rjljK " 3171 rn p i- n_ . + — 24 3 °- Inneres. 3i« Canalifation der Städte. folche auf alt-dorifchen Gefäfsen Vorkommen; fie zeigen aber die gröfste Verwandt- fchaft mit den neuerdings in Bologna aufgeftellten alt-umbrifchen Gefäfsen in Thonfarbe, Technik und primitiven Verzierungsmotiven (Fig. 18). Für die Geftaltung des Inneren geben die in Tuff gehauenen Gräber Auffchlufs; auch find uns Zeugniffe dafür von Vitmv und Diodor übergekommen. Beide beziehen ficli wohl nur auf das reichere Stadthaus. Nach erfterem (Lib. VI, 3) find »diejenigen Höfe tuskifch, bei welchen die in der Breite des Atriums gelegten Querbalken wagrechte und (ohne Wandauflager) fchwebende Unterbalken, fchräge von den Ecken der Wände an die Ecken der Unterbalken laufende Dachbalken und ferner ein in der Mitte offenes Dach , tragen, das mit fchräg abwärts gerichteten Latten nach der Mitte zu ableitet.« Er meint fomit ein Atrium compluviatum ohne Säulen. Doch dürften auch Säulen gebraucht worden fein, wenn es nach Diodor richtig ift, dafs die Tusker in den Wohnungen die umlaufenden Säulenhallen als eine Bequemlichkeit für das Gedränge aufwartender Volksmengen erfunden haben ( Diodor, Sicid. V, S. 316). Das Atrium war bei der Anlage des Haufes eines freien begüterten Mannes jedenfalls die Hauptfache, da diefes und nur diefes von zwei Schriftftellern befonders betont wird. »Hier lebte die Familie zufammen, fpeiste der Hausvater mit den Seinen; hier fafs auch die Hausfrau mit den Mägden. Einige Kammern umher für Schlafzimmer, Vorrathsbehälter etc. machten das alterthümliche Haus vollftändig.« Vergleichen wir die Architektur-Reffe und die Grabkammern mit diefen Angaben, fo treffen wir in den Gräbern wohl Freiftiitzen, Pfeiler und Säulen (Cervetri, Tarquinii, Bomarzo, Toscanella), auch kleinere Gelaffe um einen gröfseren Mittelraum gruppirt, in Stein nachgeahmte horizontale Holzbalkendecken, Innenfeiten von Satteldächern mit Sparrenlagen, Firftpfetten, Confolen, ornamentirte Caffetten- Decken, auch nach den vier Wänden abfallende Schrägdecken, bezw. Zeltdächer (Tarquinii-Corneto) mit horizontaler Abplattung im Scheitel, eine hölzerne Dach- Conftruction mit Grath- und Schifffparren, fo wie den Pfettenkränzen in Stein wiedergebend — das Atrium displuviatum oder tefludinatum nachahmend, aber nirgends das von Vitruv befchriebene Atrium tuscanicwn. Auch das Chiufiner thönerne Afchen- haus weist zweifellos auf ein Atrium displuviatum hin. Durch Thüren und Fenfter durchbrochene Scheidewände [Cervetri), an welche Lagerffätten, Bänke, Stühle und bequeme Lehnftühle mit Fufsfchemeln angelehnt find, figürliche und ornamentale Malereien an den Wänden, dort aufgehangene Waffen, Jagd- und Hausgeräthe, ausgelegte Schmuckgegenffände und Thongefchirre vollenden das Bild des Inneren eines Grabes — oder der behaglichen etruskifchen Wohnung. In den etruskifchen Häufern fehen wir zugleich die des frühen Rom, bevor es zu den Fiifsen feines vollkommeneren Lehrers, Griechenlands, gefeffen hatte 23 ). Der vorwiegend auf das Praktifche, auf die Verbefferung der phyfifchen Lage des Volkes, auf Wohlleben und Luxus gerichtete Sinn der Etrusker bethätigt fich ferner in der Anlage eines Syftemes von Abzugscanälen in ihren Städten, um Ge- fundheit und Reinlichkeit auf einer gewiffen Höhe zu erhalten. Bei den Städtemauern von F'aefulae und Volaterrae (fiehe Fig. 6, S. 10) wurde auf Wafferdurchläffe aufmerkfam gemacht, welche in gewiffen Abftänden angebracht 23 ) Vergl. C- O. Müller a. a. O., S. 239. waren und die als Beftandtheile des ftädtifchen Canal-Syftemes zu betrachten find; im Gewölbe des Marta- Canales begegnen wir den Retten einer folchen gröfseren Anlage, und die Cloaca maxima in Rom »wird für alle Zeiten ein Andenken der Aufmerkfamkeit bleiben, welche die Etrusker dem Abzugs-Canalwefen fchenkten.« Die gepflafterten Strafsen werden als ihre Erfindung hingeftellt, und Micali will noch Rette folcher, die vor der Herrfchaft der Römer erbaut worden, zwifchen Caere und Veji und von da nach Capena aufgefunden haben. Reichlicher finden fich die fchmalen, in den Felfen gehauenen, vielfach mit Felfengräbern befetzten Wege mit den charakteriftifchen Wafferrinnen zur Seite. Letztere hielten die vom Bergabhang niederfallenden Waffer ab und fammelten fie. Eine gut erhaltene Anlage ift bei Blera noch zu treffen (Fig. 19). Die jetzige tiefe Lage des Pfades ift wohl der mehr als 2000 Jahre langen Benutzung zuzufchreiben. Eine folclie ’Wafferrinne ift auch längs des Weges, der zur alten Brücke führt, eingehauen; fie leitet das Tagwaffer beim Auftreffen auf den Brückenweg nicht über diefen, fondern in fcharfer Wendung nach dem fteilen Ufer in das Flufsbett. Mit den Strafsenbauten muffte aber auch die Herftellung von Verbindungswegen zwifchen zwei Flufsufern oder zwifchen durch tiefe Schluchten getrennten Ländereien — die Brückenbauten — Hand in Hand gehen, und wir fehen auch auf diefem Gebiete die Etrusker als Meifter. Der Holzreichthum des Landes wies zunächft für Ueberbrückungen von bedeutenderen Spannweiten auf diefes Material, das leicht und bildfam fich dem Zwecke fügte und für welche die Natur im umgeftürzten Stamme dem Menfchen den ein- fachften Weg zeigte. Die in den Gräbern in Stein nachgeahmten Holzdecken laffen auf eine gewiffe Meifterfchaft im Zimmerhandwerk fchliefsen, und fo dürfen wir wohl annehmen, dafs die älteren Holzbrücken in Conftruction und Ausführung einen ziemlichen Grad von Vollkommenheit hatten. Der ältere Pons fublicius (Plinius, XXXVI, 23) über den Tiber war eine von Etruskern in gröfserem Mafsftabe ausgeführte Holz-Conftruction. Nach dem Abzüge Porfenna’s, alfo nach deren Zerftörung, wurde die fragliche Brücke nochmals in Holz-Conftruction aufgeführt, und zwar (was die angeführte Meifterfchaft be- ftätigt), wie das Buleuterion in Kyzikos, ohne Verwendung von eifernen Nägeln, indem die Verbindungen fo eingerichtet wurden, dafs man alle Theile rafch herausnehmen und wieder einlegen konnte, nachdem fich die erfte Holzbrücke bei der Verthei- digung durch Horatius Codes fo fchwer abbrechen liefs. Diefe Holz-Conftruction ift durch fchriftftellerifches Zeugnifs beglaubigt. Die in grofser Entfernung von einander errichteten Pfeiler der Brücke bei Vulci laffen ebenfalls auf eine urfprüngliche Holzüberbrückung mit grofser Sicherheit fchliefsen. Fig. 19. jrjssFnprol'i' brgjjkfja- 'Dil K- —>1 Gepflaflerte Strafsen und Felfemvege. 33 - Holzbriicken. 24 ) Vergl. Dennis a. a. O., Bd. i, S. XXXVII. 26 I I 34 * Steinbrücken. 35 * Bogen und Gewölbe. Das vergängliche Material muffte aber mit der Zeit dem unvergänglicheren weichen; die vorangefchrittene Steintechnik und die Kunft des Wölbens halfen fchliefslich über die Schwierigkeit, grofse Weiten monumental zu überfpannen, hinaus. Die Proben in kleinem Mafsllab waren ja bei den Grabkammern und Canälen gemacht und von Erfolg gekrönt. Nachdem das Princip einmal erkannt war, konnte es auch auf gröfsere Spannweiten verflicht und angewendet werden. Man blieb aber auch bei diefen an der Verwendung von Quadern haften; diefelbe peinlich genaue Bearbeitung der Fugen und Flächen, welche keine Zvvifchenlage von Mörtel duldet, wurde dabei beibehalten. Die Wölbfteine wurden gleich dick gewählt und die Wölbung in gleicher Stärke vom Kämpfer bis zum Scheitel durchgeführt. Der Tiefe nach wurden übrigens die Steine verbandmäfsig gefchichtet; das Plinterein- anderftellen von einzelnen Bogen aufser Verband, die an einander gelehnten Bogen, wie folche häufig an Römerwerken der Kaiferzeit (Pont du Gard, fog. Nymphaeum in Nirnes, Arles) Vorkommen, werden bei den Grabgewölben von Chiufi und Perugia, bei den Brücken von Viterbo und Bieda keineswegs beobachtet. Jene bedeuten daher eher eine Vernachläffigung, als eine Vervollkommnung gegenüber der etrus- kifchen Quaderwölbung, trotzdem die Spannweiten bedeutendere find. Bei den Stadtthoren wurde die halbkreisförmige, aus Keilfteinen gebildete Ueberfpannung der Thorpfeiler bereits erwähnt (fiehe Art. 21, S. 17 bis 21); wir fanden hier zum erften Male »den Bogen zur Kunftform erhoben«. Aber auch »fortlaufend« treffen wir ihn als Gewölbe bei Canälen, Gräbern und Brücken, wenn gleich wir Sempers Ausfpruch 2ä ) nach dem Vorausgegangenen nicht adoptiren können, »dafs das Gewölbe des alten Italien nur fortlaufende Bogen feien und das eigentliche Gewölbe erft eine Erfindung der Kaiferzeit fei.« Im vorhergehenden Bande diefes »Handbuches« (S. 45) wurde das frühe Vorkommen von Bogen und Gewölben in Aegypten und Afien betont, auch auf die Bekanntfchaft der Griechen mit diefen hingewiefen. Letztere werden fogar feit der Auffindung des geheimen Durchganges der Rennbahn in Olympia als die erften genannt, welche den Bogen mit Keilfteinen »bewufft« angewendet hätten, fomit als die eigentlichen geiftigen Urheber deffelben bezeichnet! Der Durchgang in Olympia 50 ) hatte eine Lichtweite von 13 ,71 m bei 32,io m Länge und 4,45 m Hohe; derfelbe ift eingefttirzt gefunden worden, und fomit konnte man nicht beftimmen, aus wie vielen Wölbfteinen der Bogen zufammengefetzt war; man vermuthete 14 (ein Tiefenverband war demnach wohl nicht vorhanden ?) und reconftruirte das Gewölbe ohne Schlufsftein; die Wölbfteine fand man in der Längsrichtung durch n-förmige Eifenklammern mit einander verbunden — gewifs lichere Anzeichen für ein hohes Alter und vollkommene Beherrfcliung der Gewölbetechnik. Eiferne Verbindungsklammern finden lieh auch bei den Keilfteinen der gewölbten Durchgänge des Amphitheaters in Trier. Wie dem auch fein mag, einen ausgiebigen Gebrauch von ihrem »Bewufftfein« haben die Griechen nicht gemacht, und es mufs ihr Ruhm im Bogen- und Gewölbebau immerhin ein dunkler bleiben. Wir wollen die früher ausgefprochene Möglichkeit der gleichzeitigen Erfindung und Nutzanwendung durch verfchiedene Völker an ver- fchiedenen Orten immer noch feft halten, namentlich wenn wir erwägen, dafs Spitzbogen aus Keilfteinen mit beinahe rechtwinkelig zur Bogenlinie flehenden Steinfugen auch in Yukatan Vorkommen 27 ). 25 ) In: Der Stil etc. Bd. 1. Frankfurt a. M. x86o. S. 483. 2C ) Vergl. : Olympia. Bd. V, Taf. XXXV. 27 ) Vergl.: Stepiiens, J. Incidents of travel in Yucataji. London 1843. Bd. 1, S. 429. 2 7 Das Penfum wenigftens, welches andere Völkerfchaften vor Anwendung der Keilfteine zum Bogen auffagen mufften, blieb auch den Etruskern nicht erfpart: zuerft das fchichtenweife Vorkragen der Steine in unbeftimmter, roher Linie zum Scheitelfchlufs auffteigend oder in Form von Spitz- und Rundbogen; dann Keilfteine, deren Lagerfugen nicht genau nach einem Centrum gehen, und zuletzt die Keilfteinbogen mit genauen Centrumsfugen. Die Conftruction des Atriden-Grabes in Mykenai findet fich in den Nurhagen auf Sardinien wieder, die Conftruction der Gänge von Tirynth, allerdings bei geringerer Gröfse der Steinblöcke, im Regulini-Galaffi-Grab in Caere (aus der Zeit der Gründung Roms?) und in der »Melone« bei Camuscia. Die unter den Bogen- Schlufsfteinen liegenden Kragfteine berühren fich hier eben fo wenig, als bei den Pfeudo-Bogen der Mauern in Akarnanien 28 ). Die Schlufsfteine bilden horizontal liegende Platten oder Steine in Akarnanien, gleich wie am Regulini-Galaffi-Grab und im Grabe bei Camuscia (Fig. 20). Die Nurhage beftehen aus Thürmen von der Form eines abgeftiunpften Kegels , die befonders an der Bafis aus oft riefengrofsen, unbehauenen, bisweilen jedoch auch bearbeiteten Steinen gefchichtet, aber nie durch Kalkmörtel verbunden find. Der Eingang 2 °* zum Inneren befindet fich an der Bafis und ift bisweilen fo niedrig, dafs man durchkriechen mufs. Der Gang erweitert fich aber, und man gelangt von diefem in eine ovoidal gewölbte Kammer im Erd- gefchofs, deren mittlerer Durchmefier 5 m und deren Höhe 7 m beträgt. Nicht wenige haben über der erften eine zweite und dritte Kammer. In die obere fteigt man durch eine in der Umfaffungs- mauer liegende Wendeltreppe , die auf eine Plattform mündet. Die Peripherie des Pfeudo- Gewölbes wird nach oben immer kleiner, fo dafs es möglich war, daffelbe mit einer Steinplatte abzufchliefsen. Die Höhen diefer Bauwerke, die gewöhnlich gruppenweife beilammen flehen und deren Gefammtzahl 3000 überfteigt, wechfeln zwifchen 9 bis 15 m , und nur wenige itberfchreiten das Mafs von 20 m - Die Frage über deren Beftimmung ift noch , nicht ausgetragen. Einige halten fie für Gräber, Andere für Cultftätten, wieder Andere für Feftungen und Privatwohnungen. Pais fucht die Frage dadurch zu erledigen, dafs er annimmt, nicht alle Nurhage hätten dem gleichen Zwecke gedient; fie feien ja auch nicht alle gleichzeitig, fondern im Verlauf einiger Jahrhunderte erbaut worden. Der Grundcharakter fei beibehalten worden, während die innere Einrichtung wechselte. Die allererfte Verwendung zu Cult- und Grabftätten hält er für gefichert; ihre Beftimmung als Feftung fei erft fpäter eingetreten. Somit hätten Alle Recht! Als Erbauer nehmen einige Phöniker, andere Chananäer an. Beide Annahmen find nicht haltbar. Mehr Wahrfcheinlichkeit haben die Etrusker für fich. Aber auch diefe will Pais nicht gelten laffen und fucht die Erbauer in Nord-Afrika und an der Weftküfte Spaniens, d. h. er nimmt Libyer an. Die verwandten Bauwerke, die Sefi auf der Pantelleria und die Talayot auf den Balearen, verdankten •Vs»*'*»' j&m farKr c|rrTi^ürvYdncl .■ Siehe Theil II, Bd. 1 diefes »Handbuches*, S. 45. 28 nach ihm, gleich wie die fardifchen Nurhage, ihr Dafein einer Einwanderung eines Volkes libyfcher Ab* Itammung 20 ). Dagegen, dafs die Etrusker die Baumeifier feien, wird die geographifche Lage der Monumente in das Feld geführt, weil fie in jenen Theilen feltener find, die gegen die italienifclie Küfle liegen und die meiften im Weilen und Süden der Infel fich finden. Da fie aber auch über die ganze Infel hin zerflreut und nicht alle aus gleicher Zeit find, fo wäre nachzuforfchen, welche die älteren find. Waren fie Fettungen, fo dürften fie wohl den Etruskern gerade im Wetten und Süden belfere Dienfle geleiftet haben, als in ihrem Vorlande, d. i. auf der örtlichen Seite. Angriffe waren für fie von Nord-Afrika aus zu fürchten; defshalb mufften fie doch zunächft die Angriffsfeite befeftigen und nicht ihre letzte Rückzugslinie. Man läfft doch nicht zuerft das ganze Land vom Feinde überfluthen, ehe man ihm eine Wehre entgegenfetzt. Sind die weltlichen Nurhage jüngeren Datums und waren es wirklich Feltungen, fo dürfte deren Lage eher für Etrusker, als Libyer fprcchen. Als einen Schritt weiter zum Bogen oder Gewölbe ift die Thürüberdeckung des Campana-Grabes in Veji zu bezeichnen, bei welcher die Rundung zunächft noch durch vorkragende Schichten gebildet wird, aber der Schlufs durch einen Keilftein bewirkt ift (Fig. 21). Zum Syftem ift der vereinzelte Fall an den aus Tuffquadern errichteten Freigräberbauten von Orvieto ausgebildet. Auf die ganze Länge der Grabkammern Fig. 21. Tfivwanc] cifssoju Campan^rabtsinVtji. J" V "5a> - - bilden die forgfältig gefügten Keilfteine den Schlufs zwifchen den concentrifch laufenden Widerlagerflächen der zweitoberften Deckfchichten. Dem Abfprengen der fcharfen Ecken an den horizontal vorkragenden Blöcken, welches beim weichen Tuffftein und bei Anordnung einer ununterbrochen durchgeführten Schrägfläche einer Decke unvermeidlich gewefen wäre, ift durch das rechtwinkelige Abkanten oder Stehenlaffen des rechten Winkels der Steine an den Berührungskanten wirkfam vor- 29 ) Siehe: Pais, H. Sardinien vor der Herrfchaft der Römer. Hiftorifch-archaologifche Studien. La Sardegna prittta del Dominio Romano. Studi ßorici cd archeologici di Ettore Pais. Roma 18S1. — Ferner: Rickenbach*, P. H. v. Die Infel Sardinien vor der Herrfchaft der Römer, Hiftorifch-archaologifche Studien nach H. Pais. Brünn 1882. vsb’/// j/z/j/z/Z ^bS^WwwsvwwwswwN | os. o |C\\\\\w\v\vJ £. : „ »- m. $ m 30 gebeugt (Fig. 22). Die Art und Form der Ueberkragung ift hier offenbar durch die Eigenfchaften des Materials bedingt gewefen. Die Steine hatten eine ziemliche Erdfchüttung zu tragen. In vollendeter Weife zeigt fich das Keilfteingewölbe am fog. Pytkagoras-Gxab bei Cortona (Fig. 23), deffen Erbauungszeit Dennis mit der Gründung Roms zufammenfallen läfft, fie jedenfalls viel früher, als die der Cloaca maxima annimmt. Die einzelnen Wölbfteine find durch die ganze Länge der Grabkammer aus einem 2 , 5 5 m langen Stücke; ich möchte aber aus diefem Umftande nicht, wie es Andere thun, auf eine Unkenntnifs des Bogenprincipes fchliefsen, da diefes doch mit der Länge der Wölbfteine in erfter Linie nichts zu thun hat. Fig. 24 . ____ JnäVd’Pinquiiclei’ii. (PfwölbL’V'ftilbsleiiie* o'^o-oyj- 0 -gölanq . w** 1 WJjJfilllllllllll mm _ V '«i-e. 7iil[|.li l iliall l l l iq'/3 i jll o'ja f In ganz vollkommener Conftruction erweist fich das nicht mehr der fehr frühen Periode angehörige Gewölbe der fog. Depofito del Granduca bei Chiufi. Das Gewölbe, das etwa in feiner halben Höhe den gröfsten Durchmeffer zeigt, alfo eine fchwach hufeifenartige Wölblinie hat, ift aus kleineren (0,27 m dicken, 0 ,so m langen) Travertin-Quadern hergeftellt, bei einer vollendet fchönen Fügung und verband- mäfsigem Fugenwechfel (Fig. 24). 3i In gröfseren Dimenfionen tritt das Gewölbe, und zwar fchon in complicirter bei Perufia auf, bei welchem die Keilniedrigen Seitengewölbe übrigens nicht nach einem Centrum Anordnung, am fog. Tevtpio dt San Manno fugen der beiden laufen. Bemerkenswerth ift hier die polygonale äufsere Abfchlufslinie der Wölbfteine. Das Alter und die Herkunft des Gewölbes ift durch die dreizeilige lange etruskifche Infchrift auf den Wölb- fteinen beglaubigt (Fig. 25). Die Technik ift, was die Fügung anbelangt, fo vollendet, wie an den griechifchen Marmorbauten der Perikleifchen Zeit und wird von der Technik unferer Tage nicht erreicht, gefchweige denn übertroffen. Mächtiger als in den Gräbern fehen wir den etrus- kifchenGewölbebau bei den Thor-, Canal- und Brückenbauten entwickelt; die Spannweiten werden bedeutendere, die Werk- fteine an vielen Orten maffiger. Letztere bewegen fich in Stärken von 1 bis 2 m (vergl. Brücke beim Buli- came- und Marta-Canal), während die Spannweiten fich allerdings immer noch befcheidene Mafse (Fig. 26). Nachftehend feien die Spannweiten von mehreren halbkreisförmigen Tonnengewölben, die aus Tuffoder Travertin-Quadern ohne Mörtel conftruirt find, mitgetheilt: I bis auf erhöhen Ü-'/IV- ”,iij M.'S' Qi)jMnrwn'te- 2«.)o^ Liaencjp, «.„oo Jjarng; cjfr'WolbsTfi'tir* o,u - ^30 _ o ^ 0 JLfim, ZB ul 1 ea m e-W r^"^V7^f r 1 0 ^-ZBriicKf düs Trcmfiindi/difrriL. ^ ^TN i * ‘UM i \ u \^ 4 \ «Ulli® Gewölbe des Pythagoras-Q rabes . . . 2,05 m » der Brücke beim Bulicame . 2,io » » der Tomba del Granduca . . 3,io » » des Thorbogens in Volaterrae 4,oo » » des Marta-Canales .... 4,20 » Gewölbe des Tempio di Sau Mamio . . . 4,00 m » der Porta di Augufto 4,30 » » der Cloaca maxima . 3 ,00 bis 3»uo m » der Brücke in Blera 7,40 m . Die dreibogige grofse Brücke bei Blera (Bieda) mit einem mittleren halbkreisförmigen Bogen von 9 m Spannweite dürfte in den oberen Theilen Römerwerk fein, während der grofse mittlere Bogen der Ponte della Badia bei Vulci mit einer Spannweite von 18,60 m ficher römifch ift. Die Pfeiler find zwar etruskifch, dürften aber, wie beim Pons fublicius, urfprüng- lich durch Zimmerwerk mit einander verbunden gewefen fein. Von den Brücken in Veji find nur die Widerlager noch vorhanden oder nur diefe alt-etruskifch. Bei der einbogigen älteren Brücke von Blera ift noch auf die rationelle Mitbenutzung der örtlichen Verhältniffe hinzuweifen. Auf der einen Seite das fteile Felfenufer, auf der anderen plattes Land. Nahe am Wafferfpiegel erhebt fich dort der Brückenpfeiler, mörtellos aus Quadern in der bekannten etruskifchen Schichtung, wie bei der Stadtmauer, und aus dem gleichen Materiale wie diefe conftruirt, hier der Felfen in Pfeilerform abgefchrofft und in Widerlagerhöhe hori- Fig. 27. V Vrrlaril an ein - ,ZBo jer stiert. & “ 7 Sc^i'ck^r, * 90 - zontal abgeglichen. In vollem Halbkreife fitzt das ohne Mörtel gefügte Quader-Gewölbe einer- feits auf dem gewachfenen Fels, andererfeits auf dem gemauerten Uferpfeiler (Fig. 27 u. 28). 33 Fig. 28. Iffl ^rlfVrj^BriicV von TBSena. (cBhcia). pmnwrih- p. W, TVtfc - H ™ßt> .^o^rrslar^, 0' 6° . Wo die Gewölbeftirn oder der Bogen auch als Kunftfortn auftritt, wie bei den erwähnten Stadtthoren, da befchränkt fich folche auf eine breite, aber fchlichte Um- fäumung der ftructiven Elemente. Die letztere umzieht aber nicht als fpielendes Zierglied die Keilfteine; fie ift auch nicht an diefe angearbeitet, fondern bildet einen zweiten Bogen aus mehr langen, als hohen Keilfteinen. Die gröfste Ausladung des Bogenfaumes liegt entweder mit dem anfchliefsen- den Gemäuer in der gleichen Fläche, oder fie tritt nur ganz wenig darüber vor (vergl. Porta Marzia und Porta di Auguflo in Perufia). Die Umziehung des aus Keilfteinen zufammengefetzten Bogens mit einer dem Architrav ähnlichen Gliederung, wie es wohl die Griechen den Römern gelehrt oder wie es griechifche Künftler auf römifchem Boden geübt haben, kennt der etruskifche Baukünftler nicht. Die alt-italifchen oder früh-römifchen Bogen der Stadtthore in Ferentino und Falleri, die wohl vor der Zeit des griechifchen Einflußes gebaut wurden, zeigen eine ähnliche formale Durchbildung, wie die etruskifchen, indem z. B. in Falleri fogar der charakteriftifche Kopf im Scheitel des Bogens nicht fehlt. Handbuch der Architektur. II. 2 . 3 34 ttil':' 36. Tunnelbau. Als Tunnelbaumeifter lernen wir das technifch hoch begabte Volk an zwei wohl erhaltenen Werken, dem fog. Ponte Sodo bei Veji und dem Emiffar des Albaner Sees, kennen. Ponte Sodo (folido) — folide Brücke — heifst die etwa 70 m lange, 3,5 bis 4,o m breite und etwa 6,0 m hohe, grofsentheils künftlich durch die Felsmaffe für den Lauf eines Baches durchgetriebene Höhlung. Kalktuff und Peperin find fcharf getrennt über einander gelagert ; der erftere ift durchbohrt worden und bildet in unregelmäfsigen, couliffenartigen Vorfpriingen die Seitenwände des Tunnels, während das Peperin- Lager eine gute Strecke weit eine beinahe glatte, horizontale Decke bildet (Fig. 29). Fig. 29. Tr, rprno*. SlteX: JSIKft/ifc. Jo/llV Sojo Iri'ffjiU tel ;!T; Spornartig und leicht abfallend (teilte fich wohl einft an jenem Ort das Kalktuff-Plateau der Stadt dem Laufe des Baches entgegen; derfelbe umzog in weitem Bogen, den Zugang fperrend, den Abhang. Man gewann in letzterem einen bequemen Aufgang und eine natürliche Brücke über den Bach, fobald man feinen Lauf kürzte und denfelben unter dem Abhange durchführte. Diefer fchon von Gell ausgefprochenen Anficht, zu welcher ein Blick auf das Terrain an Ort und Stelle leicht hinführt, glaubt Dennis gleichfalls beipflichten zu können, glaubt aber auch in dem Ponte Sodo eine urfprünglich natürliche Höhlung, ein natürliches Flufsbett annehmen zu dürfen, »das man aber durch Kunft erweiterte, um den verheerenden Folgen der Winterwafferfluthen zu begegnen«. Turbidus hibernis ille fluebat aquis. Ovid (Faß. II. 203). Ein Werk, das keinen Zweifel über feinen Urfprung durch Menfchenhand zu- läfft, ift der Emiffar des Albaner Sees. (Vergl. Phüarch, Camillus, 4 und Livius V, 15), Der Krater-See durchbrach einft bei hohem Wafferftand »den landzungenartigen Damm, welcher den See von dem tiefer gelegenen Lande trennte, an feinen unteren Stellen, und eine gewaltige Fluth ftrömte fofort über Ackerfeld und Baumpflanzungen dem Meere zu.« Emiss är cjes PJbntrjStt/. rüg. 30. v-~. Das Orakel zu Delphi befahl den durch diefes Ereignifs erfchreckten Römern: »Römer, hütet euch das Waffer im Albaner See zu laffen; forgt dafür, dafs es nicht in feinem natürlichen Canale zur See fliefse. Leitet es ab und vertheilt es in eueren Ländereien. Dann werdet ihr als Sieger auf den Mauern von Veji ftehen.« Das Gleiche fagte ein Vejenter Seher, der in römifche Gefangenfchaft gerathen war, fchon vorher aus. Man fchenkte aber dem Vejenter erft Glauben, nachdem das Orakel von Delphi gefprochen. Hierauf »zogen ihn die römifchen Kriegsoberften zu Rathe zur Entfühnung der Albanifchen Wundererfcheinung« (LwiusN , 17), nachdem er fchon früher »weiter ausgeführt hatte, worin die gehörige Ableitung beftände«. 37 - Emifi'ar. 36 38 . Religion. [ r Die Naturerfcheinung und die Befeitigung der nachtheiligen Folgen derfelben durch Menfchenhand ift durch diefe alten Zeugniffe wohl als beglaubigt anzunehmen; fie weifen aber auch beftimmt darauf hin, dafs die Arbeit nach den Angaben eines Etruskers ausgeführt wurde und wahrfcheinlich auch von kriegsgefangenen etrus- kifchen Werkleuten. Man mag die Art der Belagerung und des Falles von Veji nun für gefchichtlich wahr erachten oder nicht, fo geht aus den Schilderungen doch fo viel hervor, dafs kein Gefchichtsfchreiber aus dem Alterthume einen Römer als intellectuellen Urheber oder Erbauer diefes Werkes angiebt. Veji fiel 396 v. Chr.; das Werk dürfte aber aus noch älterer Zeit flammen. 1200 111 lang, 2 bis 3 m hoch, mit einem Gefälle von 3 m gegen die Meerfeite, ill der Tunnel durch das Geftein getrieben. Die 3,65 m breite Schleufenkammer ift durch ein Gemäuer von kräftigen, 65 bis 69 cm hohen Boffage-Quadern (ohne Saum- fchlag) umfchloffen, der Tunnelzugang horizontal gedeckt, der Sturz keilförmig ein- gepafft, die Widerlagfteine, wie bei den Decken der Gräber in Orvieto, zur Aufnahme des keilförmigen Sturzes befonders vorgerichtet (Fig. 30). Ueber 2000 Jahre alt, functionirt der Emiffar heute noch in gleicher Weife. 4. Kapitel. Tempel. Tuscos AJla fibi vindicat. Weit entfernt von dem lebensvollen, phantafiereichen Glauben der Griechen, zeigt die Religion der Etrusker in ihren früheften Jahrhunderten Aehnlichkeit mit der ägyptifchen, jedoch am meiften mit den theologifchen Syftemen des Morgenlandes. Düfter, unbeugfam und herrifchen Charakters, umgeben mit einer undurchdringlichen Decke von Myfticismus und Symbolismus, wurde fie berühmt als Religion der Myfterien, Wunder, des ceremoniellen Gepränges und der Obfervanzea, erwies fich aber als nationales Band gegen einen gemeinfamen Feind unwirkfam. Freiheit des Gedankens und Handelns war mit der Anmafsung von Unfehlbarkeit der regierenden Gewalten unvereinbar. Wie Affyrer und Babylonier waren auch die Etrusker einer Alles bevormundenden Priefterherrfchaft unterthan. Der Gottesdienft verfchmolz fich daher auf das Innigfte mit jedem bürgerlichen und praktifchen Intereffe; die Erforfchung des Götterwillens trat bei diefem Volke mehr in den Vordergrund, als bei jedem anderen. Die Divination ift ein charakteriftifcher Zug der Nation, ein Hauptpunkt ihrer Geiftesthätigkeit und Erziehung. Die Grofsen fügten zum irdifchen Glanze noch priefterliche und prophetifche Würde. Die Lukumonen waren die alten Bewahrer der etruskifchen Disciplin. In den Adelsfamilien wurde die Kunde der Divination durch Unterweifung von Vater auf den Sohn vererbt. Auch edle Frauen trieben diefe Wiffenfchaft. Neben den Arufpices wird auch die Arufpica genannt; fie bildeten Innungen und Collegien. Das Gefchäft der letzteren befchränkte fich in den meiften Fällen darauf, »dafs fie angaben, welches Unglück das Prodigium oder Portentum bedeute und durch welche Ceremonien, Opfer, Umgänge es procurirt werden könne; befonders machten fie die Götter namhaft, deren Befchwerde das Zeichen ausdrücke. Die Opfer felbft über- 37 Den en; nes us- 7 eji Dch als ift ift im- in- Luf- hre en, mit en- ch- ion des rei- der un- das des en. rer ehe In iter len en. fie ehe die >er- liefsen fie den Prieftern« 30 ). Der Name bezeichnet im engeren Sinne »Opfer- fchauer«, im weiteren auch »Blitzdeuter und Prodigien-Erklärer«. Staat und Private befragten fie in eigenen Angelegenheiten. Zur Beobachtung von Zeichen war eine Eintheilung und Abtheilung am Himmelsgewölbe und auf der Erde nothwendig. Der für die Aufpicien beftimmte Bezirk war das Templum. Es fehlt an Beweifen für den italifchen Urfprung des Templum. Der Name »templum « mag italifch fein und mit Te|xevoc, Tt[j.vetv, temnere zufammenhängen 3 ’). So hiefs aber auch der Himmel felbft für jede Beobachtung von Blitzen oder Vögeln an diefem, und zwar der ganze Himmel, niemals ein Abfchnitt. Diefer »Himmelstempel« wurde durch gedachte oder vom Krummftab des Augurs bezeichnete Linien in Regimes getheilt. Die Mittagslinie (Cardo) fchied die rechte Gegend (Werten) von der linken (Orten); die Decumanus, welche die Mittagslinie im rechten Winkel fchneidet, trennte die vordere (antica) Seite, den Süden, von der hinteren (pofiica) Seite, dem Norden. Man glaubte, dafs die Götter im Nordpunkt der Welt, der fich dem Auge unbeweglich zeigt, ihre Wohnung hätten; es lag ihnen fomit der Süden gegenüber, der Werten rechts, der Orten links. Der Orten, die Gegend des allgemeinen Aufganges der Geftirne, war die Glück bringende, der Werten, die Gegend des Unterganges, die Unglück bringende Seite. Jede Region wurde wieder in 4 zerlegt, alfo 16 Abtheilungen hergeftellt. Die Regio I, von Nord gegen Oft, war dabei die glücklichfte, die heilbringende. Im Ganzen bedeutete Wert Unglück, Oft Glück; die Lage gegen Norden oder Süden den gröfseren oder geringeren Grad. Waren Cardo und Decumanus vom Augur am Himmel beftimmt, fo war fein eigener Zenith der Kreuzungspunkt (Decuffis) beider Linien. Der durch diefen Punkt bezeichnete Ort erforderte zur Handlung auf der Erde Erweiterungen, die ihm durch Parallele mit den Hauptlinien gegeben wurden, und fo entftand ein Quadrat (jrXtvfKov), nach dem die Tempelwände errichtet wurden. Mochte nun ein Tempel blofs durch Worte bezeichnet oder durch Bretter oder Tücher eingezäunt fein — die Grenzen waren gebannt und durften nicht über- fchritten werden, oder doch nur an der Stelle, welche an der antica pars für den Ein- und Ausgang frei gelaffen war. Der Begriff Templum ift demnach ein für Auguren beftimmter Bezirk, der wohl von einem zum Gottesdienfte geweihten Haufe (Aedes facra) zu unterfcheiden ift. (Rundtempel find daher wohl Gotteshäufer, aber nach etruskifch-römifchem Begriffe keine Templa.) Die Vorderfeite des Tempels muffte nach etruskifchem Ritus gegen Mittag gerichtet fein (vergl. den Capitolinifchen Tempel, bei deffen Gründung etruskifche Arufpices behilflich waren), damit der Eintretende nicht blofs gegen die Bildfäule, fondern auch gegen den wahren Wohnfitz der Götter, nach dem Norden der Welt fchaue. Nach dem Gebete muffte man fich, ehe man abging, nach rechts wenden; man drehte fich der Glück bringenden Morgenfeite zu und wandte dem feindlichen Werten trotzend den Rücken 82 ). Die drei grofsen Gottheiten, welche in jeder etruskifchen Stadt Tempel hatten, waren Tina, Cupra und Menerva, erftere dem Zeus der Griechen oder dem 30 ) Vergl.: C. O. Müller a. a. O. 31) Vergl.: Deecke’s Bemerkungen i, zu C. O. Müller, Bd. 2, Kap. 6. 32 ) Vergl.: C. O. Müller a. a. O. 39- Etruskifche Disciplin. 40. Templum, 41. Götter. Juppiter der Römer entfprechend, auch mit dem Donnerkeil in der Hand dargeftellt; die zweite der Hera oder Juno; die dritte der Pallas-Athene oder Minerva analog, mit der Aegis auf der Bruft, bewaffnet, zuweilen auch noch mit Flügeln dargeftellt. Aufser diefen fpielen noch eine wichtige Rolle die 12 grofsen Gottheiten (DU con- fentes oder complices) , die »Senatoren der Götter« oder auch »Penaten des Donnerers« und die noch mächtigeren' verhüllten Götter (DU involuti), die Götter und Menfchen regierten und denen fogar Tina (auch Tinia) gehorchen muffte. Neun grofse Gottheiten hatten die Macht, den Donnerkeil zu fchleudern, darunter Hercules, Erde oder Herde, ein Lieblingsgott der Etrusker. Alle diefe und noch andere Gottheiten, die namentlich hier aufzuführen über den Rahmen der Aufgabe hinausginge, find mit jenen anderer mythologifchen Syfteme des Alterthumes mehr oder weniger verwandt, und es ift oft fchwer zu beftimmen, was einheimifchen Urfprunges oder was importirt. Es ift nicht zu verkennen, dafs in Folge vermehrten Verkehres mit anderen Ländern und Völkern in fpäterer Zeit fich die Götterlehre Etruriens mit der Griechenlands »verähnlichte«. Etruskifche Religions- und Ritual-Bücher werden bei alten Schriftftellern (Cicero, Juvenalis, Livius, Plinius etc.) vielfach erwähnt. Ueber die architektonifche Geftaltung des etruskifchen Tempels haben wir wohl Nachrichten von Vitruv (Lib. IV, 77); aber leider ift keine Spur von einem folchen mehr erhalten, um deffen Befchreibung controliren zu können. Wurde in der Kaiferzeit mit diefen aufgeräumt, waren fie wirklich nur aus Holz conftruirt und find fie defshalb frühzeitig zu Grunde gegangen, oder hat das leicht verwitterbare Sandfleinmaterial an vielen Orten ihnen ein vorzeitiges Ende bereitet, während doch die Stadtmauern und Freigräber erhalten geblieben find? Die Städtemauern konnten auch in fpäterer Zeit und jedem anderen Volke zu gleichem Zwecke noch dienen und find vielleicht defshalb fpäter noch unterhalten worden; vor Gräbern hatte man gemeinhin eine heilige Scheu und liefs fie unberührt, während jedes Volk bei feinen Zügen die Paläfte und Häufer des anderen einäfcherte, ein jeder neue Glaube aber die Tempel und Gotteshäufer des früheren mit Fanatismus vom Erdboden vertilgte, und gerade die fiegreiche »Religion der Liebe« hat in diefem Punkte ein ftattliches Sünden-Regifter aufzuweifen. Mit grofsen Anlagen werden wir es übrigens kaum zu thun gehabt haben. Schon im VII. Jahrhundert v. Chr. beftanden unter der Regierung des Kypfelos (660—657 v. Chr.) Beziehungen zwifchen Korinth und Tarquinii. Der Korinthier Demaratos führte Volk nach Tarquinii, das durch feine Kunftfertigkeit Tyrrhenien verfchönerte (fiehe Art. 4, S. 3). Etwas fpäter bedeckten fchon dorifche Monumente den Boden des Eidlichen Italien. Die Tempel von Selinus, Syrakus und Metapont, wohl auch der jetzt noch in Trümmern vorhandene ältefte Tempel in Korinth — mit die älteften überkommenen Heiligthümer griechifcher Baukunft —■ dürften demnach dem feekundigen Volke wohl bekannt gewefen fein. Die Blüthe Etruriens (800—400 v. Chr.) fällt in diefe Zeit, als griechifcher Einflufs befruchtend und belebend auf die heimifche Kunft eingewirkt hatte. Sind die Angaben Vitruv s richtig, und die etrusko-römifchen Tempel fcheinen dies zu beftätigen, fo blieb diefer zwar ohne Wirkung auf die Grundrifsanlage des Tempels; auf die Bauformen im Einzelnen und das Ornament im Allgemeinen wird derfelbe nicht zu beftreiten fein. In Pyrgi, der Hafenftadt von Caere, wird frühe der Tempel der Ilithyia oder Lucina, der Göttin der Geburten, erwähnt — ein Heiligthum, fo reich mit Gold 39 11t; 3g. :11t. on- on- ind >fse ■cle )tt- ge, ger der ren en- ten wir lern : in uirt ter- end ; zu lten un- iren ;ren der fsen r elos hier nien mu- und 1 in t — üthe tend uv s dieb men fein, oder jold und Silber verfehen, dafs es die Habgier des Dionyfios von Syrakus reizte, der auch 384 v. Chr. feine Finanzen mit deffen Schätzen aufbefferte. Aber auch von diefem berühmten Tempel find keine Spuren mehr vorhanden, obgleich angenommen werden könnte, dafs er, wie die Stadt und die Hafenmauern, aus Kalkfteinen erbaut war. Canina glaubt denfelben im älteften dorifchen Stil ausgeführt annehmen zu müffen. Dennis will ihn wie den Pofeidon-Tempel in Paeftum geftaltet wiffen, ein Tempel, der fich mit feinen fchweren Säulen und maffigem Gebälke hoch über die Thürme und Zinnen der Stadtmauern erhob — ein Seezeichen für die Schififfahrer, eine Mahnung zur Andacht. Diefer Tempel kann, wie die Stadt, griechifchen Urfprunges gewefen fein, und fo hätte in ihm das etruskifche Mutterland fchon frühe ein Monument griechifcher Tempel-Architektur, ein Vorbild für verwandte Schöpfungen in formaler Beziehung gehabt. Wahrfcheinlich ift diefe Vorausfetzung nicht, und die Annahme einer Tempelform, die fowohl im Grund- als Aufrifs älter ift, als die vollendete griechifch-dorifche, ift wohl die richtigere. Das Vitruvianifche Recept für den tuskifchen Tempel gilt nur für proftyle, tetraftyle Anlagen bei ungleichen Axenweiten; es beftimmt den Grundrifs, die Säulenftellung, Form und Höhe derfelben, die Ausladung der Balkenköpfe und die Dachneigung. Nicht einmal die Höhe des Architravs ift angegeben; über Geftalt und Form des Unterbaues, des Hauptgefimfes, der Einzelheiten des Giebels etc. enthält es nichts. Was aus diefen Angaben mit Sicherheit zu machen ift, findet fich mit den Vitruvianifchen Verhältnifsmafsen auf umftehender Zeichnung (Fig. 31) dargeftellt — gewifs ein dürftiges architektonifches Bild. Der bezügliche Text hat die ver- fchiedenften Ueberfetzungen und Auslegungen erfahren. Die beiden fragwürdigften, von Semper**) und Reber Zi ), mögen hier mit dem Originale auf ihre Zuftändigkeit und auf ihre Uebereinftimmung unter fich geprüft werden. In welcher Weife die Theillinien im Grundplane in Bezug auf die Mauerftärken und Säulendicken gezogen werden follen, ift bei Vitruv nicht erfichtlich. Der Techniker Semper faffte fie als Axen durch die Säulenmitten auf und dürfte damit das Richtige getroffen haben. Ueber die Stellung der Säulen decken fich die Anfichten der beiden Ueberfetzer, eben fo über die Geflalt und Form der Säulen, Bafen und Kapitelle, und es fchliefsen fich diefe an den kaum mifszuverftehenden Wortlaut des Vitruv ichew Textes an. Man wird diefen Auslegungen ohne Weiteres folgen können; es entfpricht denfelben unfere Zeichnung, welche unabhängig von jenen entftanden ift. Ungenau bleibt nur wieder, in welcher Weife die »latitudo templi« (.AB der Zeichnung) zu nehmen ift, ob als »Breite« von Axe zu Axe der Eckfäulen oder als »Breite« gemeffen von Aufsenfeite zu Aufsenfeite der Eckfäulen. Da bei der Grundrifszeichnung Axen- mafse angenommen wurden, fo werden diefe auch wohl hier beizubehalten fein. Bei dem nun folgenden Satze über die Architrave gehen die Auffaffungen aus einander; Reber will die Balken »über einander« geklammert haben, während fie Semper »neben einander« legt, fo dafs bei letzterem der verlangte Zwifchenraum zwifchen den beiden Balken fo gelaffen ift, wie bei den Stein- Architraven der griechifchen Bauwerke, was auch das einzig Naturgemäfse fein dürfte. Noch mehr aber entfernen fich die Anfichten in der Beftimmung von: » Supra trabes et fupra parietes trajecturae mutulorum parte guarta altitudinis columnae projiciantur, item in eorum frontibus ante- pagmenta figantur«, Semper glaubt »projicere« mit »lagern« überfetzen zu müffen und bezieht die altitudo auf die Höhe der Decken- oder Dachbalken, während projicere an anderen Stellen bei Vitruv und auch in der Lex Puteolana 35 ) ein »Vorkragen« in horizontaler Richtung bezeichnet. Es dürfte fomit der Vorfprung der Deckenbalken über die Architrave, bezw. die Mauerflucht ge- 33 ) Kleine Schriften. Stuttgart 1884. S. 173—190. 3 *) Des Vitruvius zehn Bücher über Architektur. Ueberfetzt etc. Stuttgart 1865. S. 120—122. 35 ) , Ex eo parieie antas duas ad viare vor/um proicito .« cflrdiitav’- 9/4\*l 9 = C'sss,/SS//j>s;js,/,ssj>s/, •Jl.y »Tftnpla. meint und der AVferTchen Ueberfetzung der Vorzug zu geben fein, welche das Vorkragen feil hält. Es dürfte die Stelle, wie folgt, aufzufalfen fein: »Oberhalb der zufammengefügten Balken (Architrave) und oberhalb der Cella-Wände ragen die Köpfe der Deckenbalken um fo weit, als die Säulen des Tempels hoch find, über die äufsere Architrav- oder Wandflucht hinaus, und an ihren Stirnflächen find Simsbekleidungen befeftigt.« Es handelt fleh alfo um die Gefimsausladung und nicht, wie Semper annimmt, um eine Frieshöhe. Die Verwandtfchaft des tuskifchen Tempels mit den »hoch gefriefeten Backftein- tempeln« im Thale der Egeria bei Rom, welches bekanntlich keine Tempel, fondern zweigefchoffige Grabmalbauten find, würde er fpäter wohl kaum mehr aufrecht erhalten haben. 41 Fig. 3 2 - Tus]^iscI]ri'Tfmppl tj f»Tr Vu v- — nacl^ Trvi Gfiocomjo. i Auch der Schlufsfatz »Columen, cantherii, templa ita funt collocanaa, ut ßillicidium tecti abfohiti tertiario refpondeat« begegnet verfchiedenartiger Auslegung. lieber bringt das »tertiarium« mit der Säulenhöhe in Verbindung und bezieht es ohne Noth auf diefe, indem er fagt, dafs der Traufenvorfprung des fertigen Daches einem Drittel der Säulenhöhe entfpreche. Semper dagegen bezieht das Drittel auf die Dachlinie und will dann nicht den Vorfprung der Traufe, fondern die Dachhöhe, bezw. die Giebelhöhe damit beftimmt willen. Der Satz dürfte, wie folgt, auf- zulöfen fein: ...ui ßillicidium refpondeat tertiario tecti abfoluti, d. h. dafs der Fall der Dachlinie oder der Trauffläche, d. i. die Scheitellinie des Giebeldreieckes, gleich dem dritten Theile der fertigen oder ganzen Dachfläche fei. Nach der neben flehenden Figur ift dann die Linie f g, gemeffen vom Traufrande bis zur Giebelfpitze, das tectum abfolutum, die Dachhöhe fh das ßillicidium und f h — */3 fg. Können wir uns mit diefen technifchen Refultaten zufrieden geben, fo bleibt der Mangel von genauen Angaben über die formale Durchbildung diefer conftructiven Elemente durch unferen Autor immer zu beklagen. Mit den unferigen ähnlichen Anfchauungen und Textauslegungen fällt auch die oben flehende fchlichte Reconftruction des Fra Giocondo (Fig. 32) zufammen. Ift das Triglyphon als felbftverftändlich einzufchalten, oder war es eine Be- fonderheit des tuskifchen Tempels, dafs ein decorirter Fries bei demfelben nicht vorhanden war oder wenigftens kein Triglyphen-Fries? Möglich, fogar wahrfcheinlich, dafs er urfpriinglich fehlte; an fpäteren Werken kommt er vor. Denn er ift an Grab-Fagaden zu finden, die über 3 Jahrhunderte und mehr älter find, als Vitruv. Nach ihm haben wir es mit Tempeln in gemifchter (Holz- und Stein-) Bauweife zu thun. Auf ihren Säulen lagerten Holz-Architrave »mit Schwalbenfchwänzen fo verklammert, dafs die Zufammenfügung einen zwei Finger breiten, freien Zwifchenraum enthielt; denn wenn fie fich gegenfeitig berührten und nicht den Hauch und das Wehen des Windes einliefsen, fo würden fie warm und faulten fchnell.« Man möchte beinahe aus diefer letzten Bemerkung auf einen Holz-Rohbau über den Säulen fchliefsen, wenn nicht wieder (mit Terracotta oder Holz?) verkleidete Gefimfe und über diefen hölzerne oder gemauerte und geputzte Giebelfelder angegeben wären. Wir dürfen uns wohl die gefammte äufsere Architektur bei einem fo verzierungsluftigen und farbenliebenden Volke mit irgend welchen Materialien inkruftirt und in bunter Bemalung prangend denken, womit auch der von Vitruv (Lib. III, 3) angeführte Figurenfchmuck im Giebel aus Thon oder vergoldeter Bronze ftimmen würde. An der gedachten Stelle nennt diefer Autor »das Aus- fehen der Tempel gefpreizt, plattköpfig, niedrig, breit«, und führt als Beleg den im Jahre 257 der Stadt geweihten Ceres-Tempel, den Hercules-Tempel und den Capitolinifchen an. Die Holz-Architrave werden mit der Weitfäuligkeit begründet, da man wegen der Gefahr des Brechens weder Stein- noch Marmor-Architrave bei einem Aräoftylos anwenden könne. Material und Säulenftellung find demnach auch bei Vitruv von einander abhängig. Mit Sicherheit folgt nun aus den Angaben Vitruv' s, dafs der tuskifche Tempel fich auf einem rechteckigen Unterbau erhob, deffen Seiten, oder beffer, deffen durch die Säulen und Wandmittel gelegten Axenlinien parallel zu den Rechtecksfeiten fich wie 6 : 5 verhielten und dafs auf diefem fich die Cella, breiter als tief, erhob, die meift wieder für eine Dreizahl von Göttern beflimmt und in drei Gelaffe abgetheilt war, von denen das mittlere, gröfsere der Hauptgottheit geweiht wurde. Die Cella nahm die halbe Tiefe der Baufläche ein; die andere Hälfte derfelben bedeckte eine nach drei Seiten offene Säulenhalle. Der Tempel war fomit immer ein Proftylos. Mit diefer Anordnung hatte die griechifche Tempelanlage nichts gemein; die älteften Tempel in Selinus (600 v. Chr.) zeigen fogar, was die Entwickelung der Cella anbelangt, das genaue Gegentheil. Anftatt Breitbau treffen wir entfchieden betonten Langbau 3■ Fig- 34' ~TomTfuprS 4 fS Juppi!*fr Sapifoh niiOionyS; vs.i.lidiK^ i "yy/A mz gaiujiiimil 'zätmUäi ii iinniiii' Zeit entflammenden Tempel nicht anwendbar, oder man mufs ftatt eines Hexaftylos einen Dekaflylos annehmen und der mittleren Cella 3 Säulenweiten und den beiden äufseren je 2 zur Breite geben, alfo die Angaben Vitruv s ganz bei Seite fetzen. Eines der 4 Reliefs von einem Triumphbogen des Marc-Aurel, im Treppenhaufe des einen der Confervatoren-Paläfte in Rom aufgeftellt, zeigt in fehr feiner Arbeit den fraglichen Juppiter-Tempel mit feinem hoch intereffanten Giebel-Relief und der Quadriga auf der Giebelfpitze, »den durch Domitian wieder hergeftellten Tempel« als Tetraftylos korinthifcher Ordnung (Fig. 35) mit gröfserem, mittlerem Intercolumnium und 3 grofsen Thiiren zwifchen den 4 Säulen. Es ftellt diefes Relief das Vitruvianifche Plan-Schema wieder her und erfcheint fo glaubwürdiger, als der aus den Zahlen des Dionyfios entwickelte Grundplan des Canina und feiner Nachbeter mit den 46 röm. Fufs (ca. 14 m ) langen Architraven! Unter Beibehaltung des alten Grundriffes wurde er erhöht, fo haben wir erwähnt, d. h. es wurde die alte tuskifche Ordnung durch die beliebtere, fchlankere und zugleich prächtigere korinthifche erfetzt, wie fie das Relief zeigt. Die auf den Langfeiten hingeführt angegebenen Säulenftellungen werden dann auch, fo weit die Cella fich erftreckte, pfeudoperiptere gewefen fein. 45 F>g- 35 - Canina und Donaldfon glauben zwar in dem genannten Relief den Capitolinifchen Tempel nicht erkennen zu follen, während Brunn und Hittorf entgegengefetzter Anficht find. Der letztere weist die Ungeheuerlichkeiten in den Dimenfionen der Einzelheiten bei der Reconftruction Canina’s zurück und hält üe ebenfalls für unzuläffig 38 ). Münzen aus der Zeit der Republik (80 v. Chr.) zeigen den Tempel 39 ) gleichfalls als einen Tetra- ftylos, während fpätere denfelben durchweg zu 6 Säulen in der Front angeben. (Vergl. Münzen der Familie Petillia [43 v. Chr.], des Caligula [37—41 n. Chr.], des Veffiafian [69 n. Chr.].) Zur Erklärung diefes Mangels an Uebereinftimmung ftellt Brunn die kaum haltbare Behauptung auf, dafs der Bildhauer des genannten Reliefs wegen Platzmangel nur 4 Säulen gemacht habe, während Hittorf den Tempel durch Umbauten in der Zeit vom Tetraftylos zum Hexaftylos heranwachfen läfft. So erhalt nach ihm der urfprüngliclie Plan 4 Säulen in der Front, mit 89 Fufs langen Architraven (obgleich ähnliche Abmeffungen gegen Canina als unhaltbar bezeichnet); ein zweiter, unter Sulla durch Zufügen einer Säulenftellung an den Langfeiten vergröfserter wird zum Hexaftylos und fchliefslich ein dritter, »den Tempel in feiner gröfsten Pracht und Ausdehnung« darftellend, an der vorderen Seite noch eine Säulenreihe (alfo zufammen drei), wie es Dionyßos für den Sullanifchen fchon will. Diefer fagt ja, dafs f ier Tempel, den er befchreibt, auf den alten Fundamenten wieder aufgebaut fei und fich vom früheren nur durch die Schönheit des Materials und den Reichthum der Ornamente auszeichne, und Tacitus {Hiß. IV, 53) berichtet, dafs man den urfprünglichen Grundrifs niemals änderte. 38 ) Vergl.: Hittorf, J. J. Architeciurc antique de la Steile . Paris 1870. S. 277 u. 278. 30 ) Vergl, ebenclaf, Atlas, Taf. 84. Tarcjuinii. i 'i 1 I . i I > ! "’flJ'rrlio T- Avc^mw.. „'•Ki.’jiiiimn.'nmi min ii[iiimiiiiiiiii!M;iiii|fc .OB'-njJu g ui ja ojououüöuuuouumijüaomjo'iu'C r jt T^ 47 Vitruv giebt für den etruskifchen Tempel die gemifchte Bauweife aus Stein und Holz an, auf welche wir 40 ) fchon hingewiefen und welche auch durch die alten kyprifchen Tempelbauten beftätigt ift. Sie war im Orient und Occident üblich, bevor die Ordnungen in fefte Form kamen. Die Säulen find nach Vitruv verjüngt und fchlank, mit Bafis und Kapitell verteilen, letzteres in feiner gröfsten Ausladung nicht breiter, als der untere Schaft - durchmeffer. Es ift zufammengefetzt aus dem quadratifchen Abacus, einem Viertel- ftab und Hals mit Aftragal. Die Bafis befteht aus einer (runden?) Plinthe, einem Wulft mit Plättchen und Anlauf. Der Schaft ift uncannelirt (Fig. 31). Kapitelle aus Vulci und Tarquinii, Anten und Pfeiler aus Caere mit Bafen und Kapitellen, gemalte und plaftifche Stützen auf Vafen und Afchenkiften mit Bafen und Kapitellen zeigen verwandte Formen, aber keineswegs eine vollkommene Uebereinftim- mung mit dem, was Vitruv angiebt (Fig. 36). Aufserdem find Canneluren bei jenen an den Pfeilern, Anten und Säulen geradezu charakteriftifch. Die Säulen-Bafen, welche im Dromos des Schatzhaufes des Afreus gefunden wurden, und das Kapitell der Altarfäule (Stele) am Löwenthor in Mykenai, fo wie die phönikifch-kyprifchen Kapitelle und die affyrifchen Säulen-Bafen zeigen eine grofse Aehnlichkeit mit den genannten alt-etruskifchen Formen; das Beifpiel A der neben flehenden Illuftration zeigt fogar die Scheiben über dem Wülfte, wie am Löwenthor. Dabei fetze ich allerdings voraus, dafs die Säulenfchäfte der Monumente von Mykenai urfprünglich nach den natürlichen ftatifchen Gefetzen geftellt waren, wie auch Chipiez kV ) u. A. annehmen, und fich nicht nach oben verdickten, wie dies neuerdings colportirt zu werden pflegt 42 ). Die Uebereinftimmung, welche zwifchen den Kunftformen der Bauwerke der älteften griechifchen Anfiedelungen und denen des alten Etrurien und noch fogar der römifchen Republik befteht, machen den Satz wohl wahr, dafs wir die früh- etruskifchen Formen als einem Architektur-Syfteme angehörig betrachten können, welches in heroifcher Zeit gleichzeitig in Italien, Griechenland und Kleinafien herrfchte, und dafs die tuskifche Säule keine degenerirte dorifch-griechifche ift, fon- dern eine feft gehaltene alte Form, die in Italien mit geringen Modificationen ihr Recht behielt bis in die fpäte Kaiferzeit und in den Triumphfäulen des Antonin und Trajan in Rom zur fchönften Blüthe gelangte. Ziehen wir nach diefem zur Ermittelung der alten Säulenform auch noch die oft genannten, gemalten Architekturen der in Chiufi (Clufium) gefundenen fog. Francois- Vafe heran (500 v. Chr. angefertigt; die Gemälde ftellen wohl Architekturen nicht 40 ) Siehe den vorhergehenden Band diefes »Handbuches«, S. 14 und S. 41 diefes Bandes. 41 ) Chipiez, Ch. Hißoire critique des origines et de la formation des ordres Grecs. Paris 1876. S. 146. 42 ) Vergl. die von Curtius (1874) ausgefprochenen Worte: »Wir dürfen vorausfetzen, dafs bei weiterer Durchforfchung Kleinafiens auch monumentale Vorbilder des Löwenthores (in Mykenai) iich finden werden« (Wappengebr. u. Wappenftil, S. in), fo wie: Studies in Aßa minor. “Journal of Hellenic fiudies 1882, April, S. 24 u. PI. XVII, XXVI, XXVIII. Some Phrygian vionuments. Ebendaf. S. 256. Sepulckral cußoms in anctent Phrygia. Ebendaf. 1884, S. 241. Durch diefe Quellen ift fowohl die fymbolifche Bedeutung der Säule zwifchen den auffpringenden Löwinnen, die an einem Monumente durch das Relief-Bild der Kybele erfetzt ift (1884, S. 245), feft geftellt, als auch die fich naturgemafs nach oben verjüngende Form des Schaftes. Was von architektonifchem Aufbau in Mykenai am Portale des fog. Schatzhaufes des Atretis nur zum Theile erhalten oder bei diefem in Bruchftücken gefunden wurde, ift an den genannten phrygifchen Felfengräbern beinahe ganz unberührt vorhanden, und es geben diefe daher vortreffliche Analoga für die Wiederherftellung des argolifchen Denkmales ab. Es kann dabei für uns zunachft gleichgiltig bleiben, welchen Weg der darin enthaltene architektonifche Gedanke und Formalismus genommen, ob ihn Kleinafien nach Hellas in unbeftimmbarer Zeit abgegeben oder ob er eine Abfchlags- zahlung Griechenlands nach Kleinafien in fpäterer Zeit war. Thatfache ift, dafs die Säulen in Phrygien nicht auf dem Kopfe ftehen und dafs u. v. A. »in einer Grabkammer die Bafis und der allgemeine Charakter einer Säule au das bekannte Fragment von Mykenai erinnert« (1882, S. 24). 48 ,_d .n viel älteren Datums dar?), fo haben die am Tempel befindlichen Säulen Plinthe, Schaft und Kapitell — alfo diefelben Beftandtheile, wie die tuskifchen des Vitruv und der Gräber, Afchenkiften und Sarkophage. Plinthen und Kapitelle find hell gelbroth gemalt und * ig " 37 ' mit bräunlichen Linien Ojidlfjaus qp!’ Trjncois'TüsLv umriffen, während die Schäfte fchwarz gefärbt und mit hell eingeritzten Längsflreifen geziert find. Das Gleiche ift beim Quellhaus der Fall. Es deutet diefer Farbenwechfel möglicher Weife auf die Verwendung von zweierlei Material hin, wie dies bei den alt - kyprioti- fchen Säulen in Uebung war. Der Stamm ift ftark verjüngt, und es erinnert die Form des- felben an die der Säulen des grofsen Selinuntiner Tempels. Am Quellhaus find die Säulen- fchäfte bis unter den Architrav geführt, und die Bekrönungen, von denen jede eine andere Form hat, gleichen eher feitlich ausladenden Knaggen, als Kapitellen. Die Kapitelle am Tempel find hoch, birnenförmig, mit einem Abacus abgefchloffen und haben in der Form mit den griechifch-dori- fchen nichts gemein, .erinnern aber an ähnliche in Vulci und Tar- quinii. Die unteren Säulendurchmeffer verhalten fich zu den Säulenhöhen (letztere einfchliefslich Kapitell und Bafis) beim Tempel etwa wie 1 : 6 1 j 2 , beim Quellhaus wie 1 : 8 1 / 2 ; dabei ift der obere Säulen- durchmeffer annähernd nur halb fo grofs als der untere, gleich wie am grofsen Tempel T zu Selinunt. Fig. 38. pj^, C/’vW 7777 / -VrgrlimjS.T 49 Eine ftarke Verjüngung finden wir auch bei den Stützen der Gräber in Caere; wir brauchen daher diefer wegen noch keine Holzfäulen anzunehmen, wenn auch die Verhältnifszahlen des Vitruv iiberfchritten find (Fig. 37). Die Weitfäuligkeit, welche derfelbe feinem tuskifchen Tempel giebt, ift weder beim Quellhaus, F’g- 39- T erst pol1: "Karn/k;. Trmprl cj^Twiiccis-Yast,. r simse. noch beim Tempel erreicht. Der Oberbau beider weist die Formen und Ver- hältniffe des vollendeten griechifch- dorifchen Steinbaues auf. Die drei Tri- glyphen über dem mittleren Interco- lumnium des Tempels oder des kleinen kapellenartigen Heiligthumes find der Stein-Architektur nicht fremd, indem bei den Propyläen zu Athen die ähnliche Anordnung mit wenigftens zwei Triglyphen zu finden ift. Auch die Höhen- verhältniffe des Ar- chitravs und Friefes mit 1 jß bis Y? der Säulenhöhe fchliefsen jeden Gedanken an Holz-Architektur aus, welche auch ln conftructiver Beziehung den alten Ueberlieferungen v °n Holzdecken- und Gefimsbildun- gen widerfprächen. Die Verhältniffe am tuskifchen Tempel bafiren mehr auf dem afiatifchen Modul, die auf der Francois- Vafe auf dem ägyptifchen oder hellenifchen (Fig. 38 u. 39). Wären die Säulen auf der Franfois-V afe z. B. 3 m hoch zu nehmen, fo müßten die Deckenbalken bei der ■Annahme einer Holz-Architektur 0,50 m hoch werden, oder bei einer Säulenhöhe v °n 10 m nicht weniger als l,70 ra ! Handbuch der Architektur. II. 2 . 4 50 Solche, aus den Verhältniffen fich ergebende Mafse fchliefsen fomit die Holz- Conftruction aus und laffen auch die unmittelbare Herleitung gewiffer Formen an Steintempeln aus dem Holzbaue mehr als bedenklich erfcheinen. Das blätter- gefchmückte Hohlkehlengefimfe, die Säulen-Plinthen und Knauf-Kapitelle, fo wie das flach gewölbte Dach find wohl noch afiatifche Reminiscenzen. Tuskifche Bauwerke ftellen fomit diefe Vafengemälde nicht dar, wenn Vitruv noch möglich bleiben foll (Fig. 40). 4 6 - Ueber die formale Durchbildung des hölzernen Oberbaues ift uns von Vitruv Okerkuu Architrav nichts überliefert; nur die Conftruction der Architrave und die Angabe der Gefims- imd ausladung ift von ihm angegeben worden. Die Architrave in den Tuffgräbern von Caere zeigen die fchlichte, rechteckige Balkenform und an der oberen Kante hinlaufende Zierglieder, beftehend aus Plättchen, Viertelftab und Saumplatte. So mögen auch die der Tempel geftaltet gewefen fein, welche der tuskifchen Ordnung angehörten. Was über denfelben angeordnet war, wiffen wir nicht. Viele wollen in den weit ausgeladenen Holzgefimfen der Florentiner Paläfte der neueren Zeit Analogien für das etruskifche Tempelgefims finden, und Niebuhr 43 ) weist auf die Uebereinftimmung in den Charaktereigenthümlichkeiten der heutigen und der alten Toskaner hin. Möglich, dafs eine folche befteht; fie dürfte aber fchwer zu beweifen fein; übrigens ift der Süden confervativ, und ein altes Herkommen wird nicht gern verlaßen, namentlich nicht in technifchen Dingen. Die angeführte Anficht wird dadurch unterftützt, dafs Vitruv nichts von Tri- glyphen fagt. So viel ift ficher: war in alter Zeit ein hölzerner Oberbau vorhanden, fo waren darin gewifs nicht die Formen der dorifchen Stein-Architektur enthalten; »denn der dorifche Steintempel ift keine fo unmittelbare Nachahmung des Holzbaues, und die Holz-Conftruction, die man dem dorifchen Tempel andichtete, wäre ein wahres Monftrum der Zimmertechnik gewefen, wie es nie exiftiren könnte« 44 ). Im gleichen Sinne fprechen fich auch Semper 45 ), lieber 16 ) und Viollet-le-Duc aus. Chipiez 47 ) trifft das Richtige, wenn er ausführt: uLa reproduction fervile, la petri- fication des elements ligneux, n’exiße que dans les monuments moiiolithes, oü les elc- ments reprefentatifs d’une chmpente reelle sont traites cn haut relief et forment des membres fimulees, prives de toute fonction conflructive .« So wenig, wie in unferen alten Holzkirchen die Formen der Stein-Kathedralen enthalten waren, fo wenig dienten etwaige hölzerne Heiligthiimer aus der Heroen- Zeit den fteinernen Tempelbauten als unmittelbares Vorbild. Schon die aus den Materialien Holz und Stein fich ergebenden Gegenfätze in Form und Stellung der Säulen, in der Lage der Architrave: Weitftellung bei Holz-, Engftellung bei Stein- Architraven, laffen die Widerfprüche erkennen, die einer unmittelbaren Ableitung entgegenftehen würden. Denn die von Paufanias erwähnten Holzfäulen hatten ficher nicht die Form und namentlich nicht die Verhältniffe, wie die der älteften Steintempel. Säulenfchäfte und Kapitelle wie am fog. Artemifion in Syrakus, am Tempel in Korinth, am Tempel T in Selinus wird wohl Niemand als einem hölzernen Vorbild entlehnt anfehen wollen, eben fo wenig die Engftellung der Säulen in Syrakus, bei der fich die Abaci der Kapitelle nahezu berühren. Auch die erhaltenen Ober- 4:i ) In: Römifche Gefchichte. III. Theil. 2. Aufl. Berlin 1843. 44 ) Lasius, G. Die Baukunft in ihrer chronologifchen und conftructiven Entwickelung. Darmftadt 1863—68. S. 36. 45 ) Der Stil etc. Bd. I. Frankfurt a. M. 1S60. S. 436. 46 ) A. a. O., S. 250. * 7 ) A. a. O., S. 345. Si bauten aller dorifchen Steintempel zeugen, wie früher fchon eingehend befprochen wurde, gegen jede unmittelbare Entziehung derfelben aus dem Holzbau. Mögen nun die in Kunftfachen confervativen Etrusker auch lange Zeit bei ihren Tempelbauten an der gemifchten Bauweife feft gehalten haben; auf die Dauer konnten fie fich doch des vollkommen durchgeführten Steinbaues und deffen Formen nicht entfchlagen. Eben fo wenig ift auch an die ausfchliefsliche Verwendung nur der einen tuskifchen Säule mit dem Echinos-Kapitell zu glauben. Bei allen überkommenen Monumenten ift fogar diefes am fpärlichften vertreten, und gerade bei den älteften in Caere ift das Voluten-Kapitell am häufigften zur Verwendung gekommen (Fig. 42). Diefes zeigt aber ebenfalls nicht eine degenerirte griechifch- jonifche oder korinthifche Form; fondern es erinnern diefe älteften Kapitelle an affyrifche und an die kypriotifchen Voluten-Kapitelle in Golgos (Fig, 41). Fig. 41. oSmlrnJ^'p'^b» 5 faldt TTpilft-Kapifrlu»* Gjoljos. (örin1fiisier?n i') ft^lanit mit doriscl^firi (qr^all\t.. (T*füs: ptrid^.-Tlorm^i) O ' 56> c '2) . 5Vfc. 'T^nnl'rjisirwnc|fr < §tn'lipi!jstrr- -J/Oi0%. .Mlll"-I QW>cbafuIrn u.Stflt v«n JUakasfrreisW. ("Yolaten-at) Fig' 45 ffiircjfs Irwins in 'oornfio icibio woaius’ 54 Theaters in Rom zeigen in diefer Beziehung eine merkwürdige Uebereinftimmung. Sogar die Aufeinanderfolge und Form der Gliederungen ift die gleiche. In Chiufi gefundene und aufbewahrte Thonftiicke haben das Triglyphon mit lang geftreckten Rofetten-Metopen, deren Grund braun- roth gefärbt ift; dabei ift das Architrav-Band ununterbrochen durchgeführt, und es find nur 4 Tropfen unter den Triglyphen. Gemalt finden wir das Triglyphon in Gräbern bei Corneto (Fig. 45). v Eigenthümlich umgebildet find die Triglyphen in Norchia. Unter den Giebeln kaum mehr zu erkennen, weil vollftändig verwittert, defto beffer aber an einem im Erdreich halb vergrabenen Architektur-Stück. Nur zwei Schlitze furchen die Oberfläche der Triglyphen, die ein glattes Kopfband bekrönen und welche auf einer Leifte mit 3 Zacken auffitzen und zwifchen das Zahnfchnittgefims und den vortretenden Architrav eingeftellt erfcheinen. Sie find nicht mit Rückficht auf die Stützen angeordnet; doch ift die Eck-Triglyphe gewahrt. Die Zahnfchnitte find, wie erwähnt, nach dem Vorbilde von Akrai und wie am Compofita-Tempel in Paeftum über den Triglyphen weggeführt; das Geifon ift in der Form nicht mehr zu erkennen. Das Giebelgefims befteht nur aus einer Sima mit dem affyro-ägyptifchen Blätterkranz, der auch den etruskifchen Bronzen der älteften Zeit (Perufia, Caere) eigen ift. Die Figuren laffen kaum mehr eine Form, gefchweige denn einen Stil erkennen; nur das Gorgonen- Haupt, mit geöffnetem Munde und den 4 Zähnen, an der Giebelecke ift gut erhalten und keine fchlechte Arbeit. Die ehemaligen Giebel-Akroterien find jetzt nur noch unförmliche Steinbrocken (Fig. 48). Fig. 46. Afommrr fj^rnkjstniAollVri«--. Fig. 47. TTös: Qrt<^oriar\o — iAsc^pncisir düs 'P’ppfrin ifjjNMO m ■ Zu einer genauen Altersbeftimmung reicht der Zuftand des Materials nicht mehr aus, und es fehlen auch die nöthigen Anhaltspunkte; fomit flehen wir hier wieder auf dem Boden der Vermuthung oder Schätzung. Dennis 48 ) erwähnt die Figuren des herabgefallenen Theiles des Giebels, welche feiner Zeit im Erdreiche gefunden und nach Viterbo verbracht wurden, und fagt von diefen, fie hätten den alterthüm- lichen etruskifchen Charakter nicht gehabt. Die älteren Meinungen, dafs die Arbeiten aus der Zeit des Demaratos flammen, find nicht zu halten. Die Annahmen von Dennis und Orioli, dafs fie dem IV. oder V. Jahrhunderte Roms angehören, erfcheinen als die wahrfcheinlichften; jedenfalls flammen fie aus derZeit vor der römifchen Eroberung Etruriens, vielleicht von 300 v. Chr. So weit dürfen wir alfo fchon den Triglyphen- Fries bei etruskifchen Monumenten zuriickdatiren. * s ) A. a. 0., Bd. I, S. 169. 9 ' : m, @ön$£rviiorfnmi/5£vm-- ZO- o’ Iso o' 60 •v \\ .. - ■I Xvm 5^f'rrn ■^ 7 ^? 1 /Y-, as mm C'HZ. 61 Fig. 55 - ^Tusrum IVFapr }'( , »IM '5o l^ocK,. —-"T T\om, SQS 1 v-6 Gp.jif. —-h f\schfn kifft . TJot-pi^ gefimfe die gleiche Anordnung der Stirnziegel, wie an den Langfeiten. unterbrochene Reihe Die Ante- von palmettenartigen fixe ftehen nahe und bilden eine wenig Bekrönungen. (Siehe Fig. 51.) Bei der publicirten Reconftruction des Schatzhaufes der Geloer in Olympia wird eine ähnliche Anordnung auf dem Steingefimfe vermuthet und ein hohes Alter für diefe geltend gemacht. Die Angabe gewinnt durch die etruskifche Afchenkifte an Halt. Bei einer marmornen Afchenkifte in Tempelform aus dem Volumnier-Grab bei Perugia, die übrigens fchon eine lateinifche Infchrift trägt und den griechifch-römifchen Einflufs vollftändig zeigt, ift die genaue Angabe und Ausführung der Dachdeckung, des Wafferkaftens an den Langfeiten mit den Löwenköpfen als Wafferfpeier auf der Mitte einer jeden Ziegelbahn und der darüber flehenden Antefixe der Hohlziegel (Fig. 56), ferner die grofse Thür mit den Rahmenflügeln als einzige Oeffnung von Intereffe. Die Tempelgräber von Norchia geben aber noch weiteren intereffanten Auf- fchlufs; es find an ihnen fchon früher Refte von Bemalung gefunden worden, und es haben fleh diefelben an den Sculpturen der Rückwand bis heute (Frühjahr 1882) fichtbar erhalten. Die aus dem Tuff gearbeiteten Figuren waren mit Stuck überzogen, und es find Refte deffelben mit rother Farbe bemalt, an den Speeren und Hälfe der beiden Krieger, welche der geflügelten Geftalt folgen, noch vorhanden. 52- Polychromie. l!j. üL H ! I 1 r 11 ft: : .1 m IN iU : W ■ -tt! i 11 üfi ■ t I f .ir I I ;i fil, J^armor<5arkopfjaa> aus d?nu i oUmnier^rat bpi ~IPfru^ia_. An den Afchenkiften im Allgemeinen und namentlich an den fchönen Alabafter- kiften von Volaterrae, an den Sarkophagen im Florentiner Mufeum etc. treffen wir allenthalben Spuren von Malereien und unter ihnen auch gut erhaltene Exemplare, welche eine vollftändige Polychromie, wie fie Aegypter, Afiaten und Griechen geübt haben, aufweifen. An einer Alabafterkifte (Nr. 327 des Mufeums) in Volaterrae ift das Fleifch der Figuren naturfarbig; die Gürtel und Diademe der Frauen, fo wie die Helme, Harnifche und Schilde der Männer find vergoldet. An einer anderen (Nr. 347) find die fculpirten Eierftäbe abwechfelnd roth und grün bemalt und durch rothe, hell aus- gefaffte Spitzblätter getrennt; die Triglyphen find blau, wie am griechifchen Tempel, und die Rofen in den Metopen roth. An einem kleinen Marmor - Sarkophag find die Zwifchenräume bei den Zahnfchnitten roth ausgemalt und die Sima mit aufgemaltem Blattwerk verziert. Ueberall das griechifche Princip und auch die griechifche Form der Kleingliederungen. Die Wände der Grabkammern in Chiufi, Orvieto, Corneto, Caere und Veji prangen in reichem Farbenfchmucke figürlicher und ornamentaler Decoration. Durchweg die gleiche Farbenfreudigkeit im Inneren, wie im Aeufseren. Wir dürfen hiernach die Tempelgräber von Norchia ohne Weiteres uns fo farbig denken, wie den griechifchen Tempel, dem fie nachgebildet find, und dürfen auch die vollftändige Polychromie für den etruskifchen Tempel unbedenklich annehmen. Auf einem grofsen Terracotta-Sarkophag aus Chiufi (jetzt zu Florenz im Mufeo archeologico ) lagert eine weibliche Figur, deren Bemalung noch felir gut erhalten ift. Die Sarkophag-Wände find durch eine 63 Klein-Pilafter-Stellung gegliedert. Die korinthifirenden Kapitelle haben blaue Voluten-Augen, rothe Blattrippen und eine blaue Mittelblume mit gelbem Fruchtboden. Die Canneluren der Pilafter fmd hochrotin die Aftragale und Plättchen der Bafen blau, der Sockel rothgelb, die Schäfte weifs. Den 25 cm breiten Raum zwifchen den Pilaftern, der braunrotli gefärbt ift, füllen Schilde und violette Relief-Rofetten mit gelbem Fruchtboden und blauen Kreuzblättern mit apfelgrünen Blattfpitzen. Die Umriffe aller Theile find fchwarz umrändert. Die Architrav-Leifte über den Pilaftern ift zweitheilig und trägt oben eine Infchrift; darunter fchmücken fie abwechfelnd roth und blau gemalte, eiförmige Blätter mit gelben Spitzen und weifsen Rändern. Der grofse, 1870 in Corneto gefundene Alabafter-Sarkophag (jetzt ebenfalls in Florenz) zeigt auf einer feiner Langfeiten und auf den beiden Schmalfeiten ausgezeichnet fchön ausgeführte Malereien: Amazonen- Kämpfe in vollendeter Ausführung, Köpfe, Waffen und Gewänder, herrlich gezeichnet und gefärbt 52 ). Auch bei den Peruginer und Chiufiner Afchenkiften ift die Bemalung durchweg erhalten; glänzend mufs in diefer Hinficht die Wirkung des grofsen Volumnier-Grabmales gewefen fein, bei dem Malerei und farbige Plaftik vereint zu treffen waren. Das jedenfalls glänzend ausgeftattete Innere der Tempel-Cella wurde durch bis zum Architrav reichende Thüröffnungen erhellt (vergl. Sarkophag in Perufia, Relief des Juppiter Capitolinus in Rom); die Thürflügel auf diefen Reliefs zeigen das Princip der geftemmten Arbeit mit Rahmen und Füllungen, wie es auch an den Metallthüren zu finden ift. Vor Hypaithral-Tempeln fchützt uns das pofitive Zeugnifs Vitruv's,•. »Ein Bei- fpiel von folchen findet fich in Rom nicht« (Lib. III, 2 ). Deffen ungeachtet wird aber der Tempel des Juppiter Capitolinus mit Vorliebe hypaithrifch reconftruirt (vergl. Hittorf, Ferguffon etc.), und zwar auf Grund einiger Notizen von Schriftftellern und Dichtern. Die bezügliche Stelle bei Ovid (faßes II, 667) lautet: » Terminus, ut veteres memorant, conventus in aede Reßitit et magno cum Jove templa tenet, Nunc quoque, fe fupra ne quid nifi fiedera cernat, Exiguum templi tecta foramen habet.« »Exiguum foramen« heifst aber eine unverhältnifsmäfsig kleine Oeffnung und ift wohl mehr eine rituale Spielerei gewefen, als eine architektonifch ausgefprochene Einrichtung des Tempels. Servius (ad Aeneid. IX, 448) fchreibt: y>Unde in capitolio prona pars tecti patet «. Die »prona pars« ift aber die geneigte Dachfläche; in diefer befindet fleh die Oeffnung, da dem Terminus nicht die mittlere Cella geweiht war; mithin kann auch bei diefer nicht von einer hypaithrifchen Einrichtung im Sinne Vitruv’s die Rede fein. Lactantius (Inß. div. I, 20, 40) und Feßus (de Verb. feg. L, XVIII) beftätigen nur die Oeffnung im Dache aus dem bei Allen gleichen Grunde, dafs dem Terminus nur » fub divo« hätte geopfert werden dürfen. Die genannten Reconftructionen entfprechen den einfachen, klaren Textworten der angeführten Schriftfteller oder deren Sinn nicht. Wollte man eine Beleuchtung des Tempels durch Metopen annehmen, d. h. durch den offen gelaffenen Raum zwifchen den Deckenbalken — abgefehen von allen hieraus fich ergebenden, conftructiven und formalen Inconvenienzen — fo dürfte man nicht vergehen, dafs jene fich unter dem weit ausladenden Hauptgefimfe ver- fteckt hätten und dafs deren Gröfse von der Gröfse der Deckenbalken abhängen würde. Geben wir bei einem mittelgrofsen Tempel den Deckenbalken das grofse Höhenmafs von 30 bis 45 cm , fo ift diefes für ein Lichtfenfter fehr gering, und geben wir den Balken Höhenmafse, wie fie ein Lichtfenfter unter den gegebenen Verhältniffen brauchte, fo müffen wir die Balkenhöhen in das Abenteuerliche fteigern. Ein Grund mehr, um die Triglyphen nicht als Stirnbretter von Holzdeckenbalken anzufehen und deren Ableitung aus einer Holz-Conftruction abzulehnen. 52 ) Ein vortreffliches Bild der Malereien auf dem Sarkophage in Corneto, welches dem Original wenig nachfteht, geben die Farbdiucktafeln in: The Journal of Hellenic Studlcs 1883, PI. XXXV l, XXXVII u. XXXVIII, 53- Tempel-Celia. 64 5-D Charakteriftik. Aufserdem würde bei einem dreicelligen Tempel, wie ihn unfer Normalfchema zeigt, eine Metopen-Beleuchtung, wenigftens für die Mittel-Cella, wenig Sinn gehabt haben. Für den alten tuskifchen Tempel gemifchter Bauweife fehlen uns nach dem Entwickelten abfolut fichere Anhaltspunkte zur »unwiderleglichen« Reconftruction; die Betrachtungen und Unterfuchungen ergaben keine völlig beflimmten Refultate. Der Tempel der fpäteren Zeit war ficher ganz aus Stein aufgebaut und dürfte fich von dem römifchen des letzten Jahrhundertes der Republik nicht unterfchieden haben. Denn mit der Vernichtung der nationalen Einheit, mit dem Uebergewicht der griechifchen Kunft in Italien und mit der Romanifirung des Volkes durch Sulla wird wohl auch dem fpecififch etruskifchen Tempelbau das Ende gefprochen gewefen fein. 5. Kapitel. Gräber. *Parlau le tornbe ove la Storia e muta .« Grofs an Zahl, mannigfaltig in der Anlage und Geftaltung, bald fchlicht, bald prächtig in der Durchbildung find die Grabftätten, welche diefes eigen geartete Volk zur Bergung feiner Todten fchuf. Religiöfe Anfchauung, Art der Beftattung, Bodenbefchaffenheit des Wohnfitzes waren beftimmend für die Form derfelben. Die Gräber befinden fich fämmtlich unter dem Erdreich, feien fie unter natürlich gewachfenem oder unter ktinfUich aufgefchüttetem, oder tief in den Felfen eingefenkt oder an der Vorderwand oder am Fufse einer fteil abfallenden oder künftlich abgefchrofften Felswand eingegraben. In lockerem Erdreich wurden Gruben ausgehoben und mit Mauerwerk ausgekleidet zur Aufnahme der Todten, oder es erhoben fich über dem Erdreich runde oder rechteckige, mäfsig hohe Freibauten aus Stein, auf welche Erde hügelartig gehäuft wurde, und Denkfteine über der Grube oder auf der Spitze des Erdaufwurfes fchmückten das Grab als äufsere Merkmale. Auch labyrinthartige, in den leicht zu bearbeitenden Tuff getriebene Gänge und Kammern dienten in Bergftädten zur Aufnahme der Verftorbenen; in den Städten des Tieflandes nahm die Grube die irdifchen Reffe auf. Die meiften der Gräber ahmen bald im Inneren, bald im Aeufseren die Wohn- fitze der Lebenden nach. Nach vielleicht ältefter Sitte wurde der unverbrannte Leichnam der Grube oder Grabkammer übergeben, zwifchen vier Mauerwände auf das geglättete Erdreich gelegt oder in prächtigen Sarkophagen aus gebranntem Thon, Alabafter oder Marmor in der Kammer beigefetzt. Das Begraben überwog in Süd-Etrurien (Caere, Tarquinii, Tuscania, Blera, Norchia); aber auch in Clufium, Perufia, Volaterrae find Sarkophage und Steinfärge zu finden, in Felfina (Bologna) mit Flufsgefchieben und Lehm gemauerte Gruben. Das Verbrennen, deffen ebenfalls früher Gebrauch durch die alten Afchen- kiften von Albano beglaubigt ift, verdrängte fpäter das Begraben, und das letztere wurde nur noch bei vom Blitze Erfchlagenen beibehalten. Die Sarkophage machten den Urnen und Afchenkiften Platz. 65 Den Eingang zu den Gräbern finden wir vielfach gegen Mittag gelegen; man fuchte alfo eine nord-füdliche Richtung der Hauptaxe des Grabes zu erhalten. Eine beftimmte Orientirung ift übrigens nicht nachzuweifen; eben fo wenig ift die Annahme aufrecht zu halten, dafs der Todte mit dem Kopfe nach Norden lag, da fehr viele Gräber triclinienartig eingerichtet find und bei diefer Anlage die gedachte Annahme von vornherein hinfällig wird. Bei den Tempeln wurde fchon auf die Verwandtfchaft der religiöfen An- fchauungen der Etrusker der friiheften Jahrhunderte mit denen der Aegypter hin- gewiefen und auf die fpätere Verähnlichung der etruskifchen Götterlehre mit der griechifchen. Das Gleiche finden wir bei den Anfchauungen über das Fortleben der Seele, und diefe Anfchauung giebt den Schlüffel für die Einrichtung und Ge- flaltung der meiften Gräber, namentlich derjenigen, welche ein architektonifches Intereffe für uns bieten. Die Anfchauungen über das Fortleben der Seele haben ja auch in Aegypten im Laufe der Jahrtaufende Wandlungen erfahren; nach Maspero 53 ) kann die ältefte wie folgt gefafft werden: Was beim letzten Athemzuge des Menfchen nicht zu Grunde ging, was überlebte, war bei den Aegyptern der -nKaa, der »Doppelte«, d. i. ein zweites Exemplar des Körpers aus einer weniger dichten Materie, als der urfpriingliche, ein Schemen, das Individuum Zug für Zug wiedergebend, das Kind als Kind, die Frau als Frau, den Mann als Mann. Diefes Doppelbild (diefe Doppelgeftalt) muffte man wohnen und einrichten in einem Haufe, angepafft feiner neuen Exiftenz, umgeben von Gegenftänden, die ihm ehemals zum Gebrauche dienten, und es namentlich mit Nahrungsmitteln verfehen, welche fein Leben zu unterhalten beftimmt waren. Solches erwartete es von der Frömmigkeit der Seinen; diefe erhielt es von ihnen an beftimmten Tagen auf der Schwelle feiner guten und ewigen Wohnung dargebracht. Diefe Spenden follten es wieder beleben und die abhängige, fchleichende, unfichere Exiftenz diefes ewig hungrigen und dürftigen Phantoms verlängern, das ftets bedroht war, durch die Nachläffigkeit feiner Nachkommen zu vergehen. Die erfte Pflicht der Lebenden war, die Todten keinen Hunger und keinen Dürft leiden zu laßen; denn eingefchloffen in das Grab, konnten fie nicht felbft für ihre Bedürfniffe forgen; es war Sache der Söhne, die Väter und Grofsväter nicht zu vergehen, fie durch Fleifch, Brot und Getränke zu nähren. Vergafs man diefe heilige Pflicht, fo wurden die Todten gegen die Lebenden aufgebracht, und deren Zorn war zu fürchten. Diefe Auffaffung ift aber nicht einzig bei den Aegyptern zu finden. Diefen Doppelgeftalten entfpricht Zug für Zug das »sl'SwXov« der Griechen und der »Schatten« der Lateiner. Griechen und Lateiner glaubten gleichfalls, dafs die Idole und Schatten im Bereiche ihrer Wohnung (Grabkammer) ein unterirdifches Leben anfingen, das nichts anderes fei, als die Fortfetzung des irdifchen Dafeins. Der Todte blieb fo bei den Lebenden; er blieb durch die Nahrungsfpenden in enger Beziehung mit diefen, für welche er als Gegenleiftung feine Protection gab. Diefer Glaube fcheint allen alten Völkern in den früheften Perioden ihres Dafeins gemeinfam gewefen zu fein. Hur durch diefen laffen fich auch die alten etruskifchen Grabkammern mit ihren Wohnhausartigen Plinrichtungen, angefüllt mit Waffen, Schmuck und Hausgeräthen aller Art, erklären. u3 ) Perrot, G. et Ch. Chipiez. Hißoire de l'ari dans I autiquite. ßgypte. Paris 1882. Ckafi. III: &archUccüire funeraire. S. 129 u. ff. Handbuch der Architektur. II. 2. 5 66 Nekropolen, 55 * Zu förmlichen Städten (Nekropolen) finden wir fie zufammengebaut als kleine Steinhäuschen, regelmäfsig eines an das andere gereiht, durch gerade Strafsen von einander getrennt, den Maflaba von Gizeh nicht unähnlich, bei Orvieto (Fig. 57). Die (teil abfallenden Felswände der fchmalen Flufsthäler bei Viterbo (Val d’Affo, r\\y SB" ü «MP IIIp 1 '" WWfs*m C^raebrr in Örviito. Norchia, Blera etc.) find auf grofse Strecken zu Grabkammern abgebaut und ausgehöhlt (Fig. 58) oder zu frei flehenden Monumenten gemeifselt mit (ehemals) hohen Spitzpyramiden, an die Freigräber im Kidron-Thale und die im ägyptifchen Theben erinnernd (Fig. 59). An anderen Orten erhoben fich kreisrunde Gemäuer mit hohen, durch ein Steinbildwerk gekrönten Erdkegeln bis zu 600 und mehr an der Zahl und bildeten eng zufammenftehend die Todtenftadt (vergl. Montarozzi bei Corneto). Sechzehn Quadratmeilen grofs wird die Nekropole von Tarquinii angegeben. »Die Stadt der Lebenden wurde gürtelartig von der Stadt der Todten um- fchloffen.« Ganze Reihen von Gräbern, in die niedrige, lothrecht abfallende Felswand gehauen, ftehen in der fog. Banditaccia von Cervetri wie in Strafsen, oft in Sackgäfschen verlaufend, einander gegenüber. Das Hügelgrab ( Tumulus) ift auch bei den Etruskern die ältefte Grabmalform. Als weithin fichtbare Denkzeichen in gewaltiger Gröfse erheben fich diefe Erd- anfchiittungen über den Gräbern der lydifchen Könige, ihrer afiatifchen Stammverwandten ; zu Stein geworden, erkennen wir fie in den Pyramiden des Nil-Thales, und wohl unabhängig von jenen kehrt diefe monumentale Urform in Mexico und Yukatan wieder. Tumulus , Fig. 58, Xi^rÖi^ " i!ii/i(i[ ^ralfecacjttiaus c)rm~Yal cj’^s F>g- 59 \ ^Dynast. kHj.. *0 r- 15-Jiynasi* rtfi-HXi vor Ö / naA^rifH'L-. Cjral) di/s T{{f.W (ur^lKinsott,) c^o^!WicJrm?Jrm-o «4a--Jsja, vovCty ^j!lH([ll]illlil) Trlvn^rali ,3113 cjfw T&d’jfc löja liiitliiiillliiliiiiiiiililfliiliiilillilliliiiliiiffl ßssa 68 In allen Gröfsen treten die Tumuli auf; die mächtigften (. Poggio Gajella, Alfium, Cucumella bei Vulci, die Melone bei Cortona) haben einen Umfang von über 200 ra , die kleineren einen folchen von etwa 20 m (Pythagoras-Grab bei Cortona, Cervetri u. a.). Bei den meiften ift der gemauerte oder aus dem gewachfenen Fels gehauene Unterbau noch vorhanden. Beim Poggio Gajella beftand derfelbe aus regelmäfsigem Travertin-Gemäuer, das von einem 1 m breiten Graben umzogen war, während bei Alfium ein niedriges Tuffgemäuer ausgeführt war. In Cervetri war der gewachfene Fels zum Rundbau zugerichtet und architektonifch gegliedert. Die noch fichtbaren oberften Gefimsgliederungen beftehen aus einem 0,37 m hohen, eingefenkten Wulft und einer 0,38 m hohen, glatten Deckplatte; 0,oa m von diefer zurücktretend beginnt der Kegel, deffen Neigung noch an einzelnen Stellen im Felfen kenntlich ift (Fig, 66). Fig. 6o. Statt der Erdanfchtittungen wurde auch das natürliche Geftein, das fich kegelförmig erhob, ausgenutzt oder zugerichtet, fo weit dies dienlich erfchien. Während z. B. die Melone ganz und gar eine künftliche Auffchüttung ift, find der Poggio Gajella und der Monteroni bei Palo natürliche Steinhügel, »die durch Grabgemächer bienenzellenartig ausgehöhlt find«. Beim Pythagoras-Grab befteht der Unterbau aus einer glatten Plinthe, welche 0,04 m über das fein gefügte Sandftein-Sockelgemäuer vorfteht, einem glatten 1,39 m hohen Rumpfe, welcher mit einem 0,2 9 m hohen, 0,oo m vortretenden, glatten Kopfbande abfchliefst, das oben nur auf wenige Centimeter Tiefe gut gearbeitet ift und fich, bei einer Breite von 1 m ; nach Innen in fchräg anfteigender Fläche bis auf 0 ,öo ra verdickt und fomit den ficheren Anhalt für das einftige Vorhandenfein einer kegelförmigen Erdfchiittung auf dem Unterbau giebt (Fig. 23, S. 29). 6g Gefchmückt wurde das Aeufsere noch dadurch, dafs der Gefimsrand des Unterbaues vieler Turnuli mit Sphinxen und Löwen beftellt wurde und dafs die Spitze des Kegels ein Steinbildwerk zierte, das aus einer einfachen Kugel, einem Ovo'id oder einer Birnform auf quadratifchem Unterfatze beftand, oder es nahmen phallifche Stelen und niedrige, nach oben fich verdickende, mit Laubwerk verzierte Grabfäulchen deren Platz ein (Fig. 61). Oft mufften durch die Erdfchüttung hohe Pfeiler geführt werden zur Aufnahme diefer Steinzeichen (Cucumella in Vulci). Fig. 61 . °'7 S LVM t.Tohfn-rai. ä ®0!*1btu. Tfjallisclje. j5Men- | aus lerusia fi’iMiniiiiiiiifiillnmiiiiiiiliiiTii Tnlsina-, Solu m na. fleWimb'ci. ’ mSm iiiiimi■■ r ~ ~ wm Miniiiiiiiiiiliii i7i Das Innere des Tumulus war zu Grabkammern ausgebaut, welche je nach der Bodenbefchaffenheit aus dem gewachfenen Felfen herausgemeifselt waren oder künftlich aus Quadern oder Bruchfteinen conftruirt wurden. Die Grabkammern befanden fich dabei entweder noch unter dem Tumulus- Unterbau, und es führte alsdann ein Cuniculus zu denfelben (Tarquinii), oder fie waren auf Plinthenhöhe des Unterbaues, und der Zugang war durch eine Thür im Sockelgemäuer vermittelt (Cortona), oder aber fie lagen ftockwerkartig im Unterbau und im Kegel über einander vertheilt und hatten dem gemäfs verfchiedene Zugänge, oder fie waren durch enge labyrinthifche Cuniculi zugänglich oder mit einander verbunden (Poggio Gajella, Melone, Monteroni etc.; Grundrifs in Fig. 62.) 1:1 ; i ..I •„iH f'l fN 1 fl! H(. s !; I : I 1 70 Fig. 62. Toflfo-qajtlb br; C^insf- nac\ J)ttmis. rD- sz Ein unentwirrbares Labyrinth giebt Plinius (Hiß. nat. XXVI, 19, 4) nach Varro für das Grab des Porfenna an 54 ). Man hat im Poggio Gajella defshalb auch diefes Grab erkennen wollen; aber wenn es auch die eine Bedingung mit dem Labyrinth erfüllt, fo fpricht doch fein runder Unterbau gegen den von Varro verlangten quadratifchen. Bei der Melone befteht der Innenbau zunächft aus vier, je 2,50 m breiten und 4,15 m langen, bis zum Scheitel 2,so m hohen Hauptkammern, zu welchen ein 4,50 m breiter Promos (wohl ehemals bedeckt) mit gemauerten Seitenwänden führt; ur- fprünglich fcheint diefer durch eine 0,55 m dicke Mauer in zwei Theile getheilt gewefen zu fein, worauf Mauerrefte auf dem Boden hindeuten. Vor dem Eingänge, rechts uud links der grofsen Doppelkammern, befinden fich zwei weitere Gelaffe. Die Conftruction ift die denkbar primitivfte, indem die Umfaffungswände und Decken aus ohne Mörtel über einander gefchichteten, vorkragenden Bruchfteinen hergeftellt find (Fig. 63). Ueber diefen Kammern wurden noch weitere Gelaffe entdeckt. (Siehe auch Fig. 20, S. 27.) Vollkommener in der Conftruction ift das Innere des Pythagoras-Tumulus, indem bei diefem das Princip der Wölbung mit Keilfteinen vollftändig zum Ausdruck gebracht ift. Der kreisrunde Unterbau umfchliefst ein rechteckiges (2,05 X 2,57 m ), 5< *) . . . . inque bafi quadrata intus labyrinthum inextricabilem; quo Ji quis imßroßeret Jine glomere Uni, exitum invenire nequeat. 7i lyHia^oras^-ab Fig. 63. Z>ff!onü, mit einem halbkreisförmigen Tonnengewölbe iiberfpanntes Gemach. Die lothrechten Wände find durch kleine Nifchen unterbrochen, welche zur Aufnahme von Afchen- kiften und Urnen dienten. Möglich, dafs diefe Loculi fpäter find, als der übrige Bau. Nur als Decoration erfcheint der Unterbau des Tumulus bei einem Grabe in Tarquinii; derfelbe birgt keinen Innenbau, und die Decke der Grabkammer befindet Fig. 64. ■dmm jJBronjtcisft ThroinpcisiL DHusGrUEclo^na.. r-c-A 7 -^^ -O C-> • C ;>cSs> ^§2 mm 57 - Grubengrab. 58. Grab-Cippen. 72 fich unter der Sockelunterkante des Unterbaues. Die Kammer ift aus dem ge- wachfenen Fels gemeifselt, der Unterbau gemauert und der Kegel gefchiittet. Wie bei den fog. Schatzhäufern in Mykenai, führte bei vielen Gräbern ( Melone , Campana-Grab in Veji etc.) ein fchmaler Einfchnitt oder Gang ( Dromos ) nach den Grabkammern. Auch die Form und Conftructionsweife diefer Tholi kehrt an Tumulus-Gräbern bei Volaterrae (1831 von Cinci entdeckt) wieder, bei welchen der kuppelartige Innenbau unter der Erdfchüttung einmal aus kleinen viereckigen Tuff- fteinen, das andere Mal aus Travertin-Quadern ohne Mörtel gefchichtet ift. In Reihen ausgefchachtete, rechteckige, 2 m lange, l m breite und eben fo tiefe Grubengräber wurden in den letzten Jahren in dem von den Bojern fchon frühe eingenommenen Felfina (Bononia, Bologna) geöffnet. Die Wandungen der Gräber find aus den Gefchieben des Rheno und aus Lehm hergeftellt. Auf der glatt mit Lehm ausgeftrichenen Bodenfläche der Grube wurde der Todte aufgebahrt und das Grab durch einen fculpirten Denkftein gefchmückt (Fig. 64). Diefe Art der Einfenkung der fterblichen Refte in den Boden wurde auch noch beibehalten, als dem Begraben das Verbrennen folgte. Die thönernen und bronzenen Afchenurnen wurden in das Erdreich eingefenkt, und ihre kunftvoll gemalte oder getriebene Arbeit und ihr Inhalt durch Ummauern mit Gefchieben gegen das Zerdrücken gefchützt (Fig. 64). Die Denkfteine waren aus ca. 18 cm dicken Sandfteintafeln angefertigt und hatten entweder kreisrunde oder geftreckte F'orm mit halbkreisförmigem Abfchlufs; einzelne meffen bis zu 2 m Höhe. Die runden fowohl, als die von länglicher Form waren auf der Vorderfeite mit einem durch die Meereswoge oder ein Laubgewinde gefchmückten Rande verziert und die vordere Seite der Höhe nach durch Horizontal- ftreifen in 3 Felder getheilt, die mit etwa 6 mm erhabenem, figürlichem und ornamentalem Relief bedeckt waren; die Rückfeite zeigt meift eingeritzte, geometrifche Ornamente, Verfchlingungen von Zirkelfchlägen (Fig. 65). Fig- 65. Seltener als diefe Grab-Cippen find gröfsere fteinerne Grabtafeln, welche das Relief-Bild des Verftorbenen im Krieger-Ornat, mit den Waffen in der Hand und mit umftehender Infchrift ausgemeifselt, zeigen. Die Mufeen in Florenz und Vola- terrae enthalten folche, die in Compofition und Ausführung an die berühmte Stele des Arißion (des Marathon-Streiters) in Athen erinnern. Als originelle Arbeit diefer Art darf auch eine aus Sandftein gearbeitete Stele im Florentiner Mufeum bezeichnet werden, die auf einer Seite, in fchwach erhabener Arbeit, eine fitzende Figur mit Lotosblumen, auf der anderen eine Sphinx zeigt und oben mit einer Palmette gefchmiickt ift (Fig. 66). Die Felfengräber find den Landftrichen, in denen der Tuff das herrfchende Geftein ift, eigenthiimlich. Wir finden fie am Fufse fteil und fanft abfallender Felswände als einfache niedrige Kammern, die fich unmittelbar nach der Zugangsftrafse Fig. 66. öffnen (Viterbo, Bieda) und in gleicher Höhe oder nur wenig höher wie diefe liegen, oder ein 1 bis 2 m breiter Dromos führt nach der tiefer im Einfchnitt befindlichen Eingangsthür {Campana -Grab in Veji), wobei die Thürwand aus dem Tuff gefchnitten oder aus kleinen Werkftücken mörtellos gemauert ift. Bei geringer Qualität des Tuffes und ftarker Erdfchüttung wurde die Kammer manchmal mit Wölbfteinen aus dem härteren Travertin ausgefüttert, wie dies beim Chiufiner Grab (Fig. 24, S. 30) gezeigt wurde. Neben diefen oberirdifch zugänglichen Kammern treffen wir auch die unterirdifche Lage derfelben, bei welcher bis zu einer Tiefe von 6 m und mehr unter die Erdoberfläche hinab gegangen ift. Steile, l,o bis 1,2 m breite Treppchen, oft durch 3 bis 4 verfchiedene Tufflager gehend, führen zu den Kammern herab. In den Felfengräbern treten die Bedingungen für die Geftalt des Grabes, wie fie fleh aus dem oben erwähnten Glauben an das Fortleben der Todten ergaben, befonders hervor. Bei diefen ift im Grundrifs und inneren Ausputz das etruskifche Heim, von der einfachen, fchlichten Hütte bis zum reich entwickelten, mit Atrium und Prunkgemächern ausgeftatteten Patrizier-Haufe dargeftellt. Die einzelnen Gemächer find durch Wände von einander getrennt; Thüren vermitteln den Zugang; andere find mit Fenfteröffnungen verfehen; Pfeiler (Cervetri) und Säulen (Bomarzo) ftützen die geraden oder flachbogig abgefchrofften, zeltdach- Und caffettenartig fich erhebenden Decken. Balken, Pfetten, Sparren, Schalung und Ziegelfalzung, Caffetten find an denfelben ausgemeifselt. Die Wände find in einigen durch Pilafter und regelmäfsig angeordnete Nifchen (Cervetri) belebt und in den mtm -HöFif»o 74 Fig. 67. (j|rdb (jrr Stiele imif «Scfylcjf Gjrt>-„•\ y. • IÜWM uniriiiii 1, B u—im mnif; kMiioiiiauiiifiuinnTinnnini'iinTr mmminviniuiiimiimrnmmnrinwiinji'i ein hohes Alter Anfpruch; fie wurden möglicher Weife und fchon in fehr früher Zeit gleichzeitig geübt; die Bevorzugung des einen oder anderen Verfahrens war wohl von localen oder perfönlichen Verhältniffen und Anfchauungen abhängig. In den Grabkammern finden fich beinahe durchweg auf drei Seiten bankettartige Erhöhungen, triclinienartige Vorrichtungen oder Felfenbänke bis zu 0,75 m Höhe, auf welche die Todten aufgebahrt oder die Afchenkiften und Urnen aufgeftellt wurden; auch Nifchen finden wir, fowohl in den Wänden der Grabkammern, als auch in den frei flehenden Felswänden ausgehauen, zur Aufnahme der Leichname, Afchenkiften und Urnen. In dem fehr alten Campana-Grabe zu Veji lagen auf den genannten Felfen- bahren die Skelette der Todten, eines noch angethan mit Harnifch, Helm und Lanze; beim Oeffnen des Grabes zerfielen fie in Staub; offen und unbedeckt, ohne Sarg oder Sarkophag, waren fie auf das Geftein ausgeftreckt. Die Sorge um die beffere Erhaltung der Todten führte wohl zum Gebrauch der Steinfärge, die bei armen Leuten einige Fufs tief in das Erdreich eingefenkt und mit Ziegeln und Steinplatten abgedeckt wurden, bei den reicheren in der Grab- 68. Sarkophage. Fig. 77. «®»©TfS M r (f/M 1 ]?iy n/M i 1 miiT r f 1 [i]iMn!iin?7TTT ’ ,JN :!;!!!IÜII i'niiiiiiiiimiminiii! IH 0 1 q c '-Tf IN OTT > Motk. jJrlb 5iVww* O- 5S- _ ^ I JfVWU i-mri, !! f|j, ■ 35 kammer Aufftellung fanden. Diefer Aufftellung und dem Reichthum der Familie entfprechend, wurde dann auch der Sarkophag kündlerifch durch Sculpturen, Malereien und durch die Koftbarkeit feines Stoffes ausgezeichnet. Alabafter und Marmor verdrängten Kalk- und Sandftein und die gebrannte Waare. Die Marmorfärge in Cervetri haben nur kleine Fufs- und Kopfgefimfe und find an den Wandungen glatt und fchmucklos; den Deckel zieren ausgeftreckt liegende, lebensgrofse F'iguren. Die aus Alabafter angefertigten find bildhauerifch eben fo einfach; aber die glatten Flächen find meid mit koftbaren Malereien bedeckt, Tempera-Malereien auf den reinen Alabafter aufgetragen. (Vergl. den gefchilderten Sarkophag von Corneto im Mufeum zu Florenz, S. 63.) Bei den aus Nenfro oder Terracotta hergeftellten Särgen ift die Vorderwand mit Figuren-Reliefs oder Pilafter-Stellungen und Rofetten, der Deckel mit der liegenden, meift lebensgrofsen Portrait-Figur des Verdorbenen gefchmückt. Die Figuren find dets beim Banket liegend dargedellt, die Männer halb nackt, mit Ketten um den Nacken, oder mit langen, von Wolle umwundenen Brud-Guirlanden angethan, die Patera in der Hand, während de den linken Ellenbogen auf Kiffen oder Polder aufdützen. Die Frauen dützen fich, gleichfalls auf dem Polder liegend, auf den linken Ellenbogen und haben ein Ei, einen Granatapfel, einen Fächer oder einen Spiegel in der Rechten. Die aus Nenfro find meid feiner in der Ausführung, wie die aus Terracotta. Bunt bemalt waren alle. Sieben und zwanzig diefer grofsen Sarkophage wurden feiner Zeit in einem einzigen Grabe bei Toscanella beifammen gefunden. Die Sarkophagform wurde, als das Verbrennen der Todten in Uebung kam, auch auf die Afchenkiden übertragen. Das für den Leichnam nöthige Mafs von 1,8 bis 2,o m der erderen fchrumpfte bei den Afchenkiden auf 50 bis 70 cm zu- fammen. Sie find entweder fchlichte Kädchen mit glatten oder giebelförmigen Deckeln, oder fie ahmen Häuschen und Tempel nach (Fig. 77), oder fie geben den getreuen Abklatfch des reichen, mit Figuren und Reliefs gefchmückten Sarko- phages wieder. An den Ecken der Kidchen bilden Pilader, Säulen irgend einer der drei Ordnungen oder Atlanten den Abfchlufs, zwifchen welchen dann der Relief-Schmuck angebracht id, der Abfchieds-Scenen, Jagden, Kämpfe, Scenen mythologifchen Inhaltes und aus den Homerifchen Dichtungen etc. dardellt. Statt diefer find auch Hippocampi, Greife, Chimären, gefiügelte Genien, einfache Ornamente etc. zu finden. Bemalung und Vergoldung .find bei allen angewendet worden, gleichgiltig, ob fie aus Terracotta, Nenfro, Travertin oder Alabader her- gedellt waren. Bei den auf dem Deckel liegenden Figuren id der Kopf und der Oberkörper meid unverhältnifsmäfsig grofs ausgeführt (Fig. 78). Die Reliefs find vielfach gröfseren, berühmten Compofitionen nachgebildet oder entlehnt, und es kann diefer Umdand auch zur Altersbedimmung der Kiden benutzt werden. Die Gruppe des fiegreichen Alexander, der dem vom Pferde gefunkenen Krieger den Speer in den Leib rennt, mit dem fich zur Flucht wendenden, beforgt dreinfchauenden Perfer-König im Streitwagen dem Mofaik der Alexander -Schlacht im Mnfeo nazionale zu Neapel oder deffen Original entnommen — kehrt mannigfaltig wieder &6 ). Die Afchenkide, auf ein Piededal gehoben, mit pladifchen Figuren an den 56 ) Coneftabile publicirt cliefe Scene als »Uccißone di Troilo Per vtano di Achille «, ohne fich an die gedachte Ver- w andtfchaft zu erinnern. €9. Afchenkiften. *lg- 78. OWg: j’m %nnfüimrr Äntiquamm F'g- 79- ^niK mal <3UsdFfnGjriL ^p^^i’tfifia’sl^lutnrriu^lsff^rwi^ M^VflMflNMM^ONafl : i]llllliHlllllNllli)U»ll * ' • f i'lHIjl! KiS2sa J ).SJL §7 Ecken und Malereien auf den Poftament-Flächen zum frei flehenden Monument geworden, zeigt das Velimna-Grab in Perufia (Fig. 79). Zur Aufbewahrung der Afche wurden aber auch gleichzeitig thönerne und metallene Gefäfse (Urnen) der verfchiedenften Art und Form verwendet. Das ältefte Thonzeug war nicht bemalt, fondern nur mit Figuren geziert, die entweder in den feuchten Thon eingekratzt (Veji) oder nur wenig erhaben gearbeitet waren (Caere) oder in ftarkem, rundlichem Relief hervortraten (Clufium). Fig. 80. iinitnommenfi. EiWskisck- fll }*-lim Irisch - - X '—" jSandwrclisinsuI' untj. Jndian-^fdimtit fLÜLEl €<• tVliNviimK* ceccccc . WA/' WWWsVW O©0 xxxx rs;,{/////// tA K7W7W7vn H 'Ttrt/aniscK AAA#WV 'düäöir \icctccccitt kxvvaii wum1 .icctccccitt \>»»> - 3 . 21 Die eingekratzten oder die mit dem Model eingedrückten Figuren und geome- trifchen Linienverfchlingungen haben in den Motiven mit denen auf alt-umbrifchen Gefäfsen eine grofse Aehnlichkeit. Die gleichen Figuren finden fich aber auch an peruvianifchen und indianifchen Gebilden und an folchen der Sandwichs-Infulaner (Fig. 80). Die erflen Anfänge in der bildenden Kunft haben bei allen Völkern oder Stämmen etwas Verwandtes; gewiffe einfache Motive find allen gemeinfchaftlich, ohne dafs fie der eine Stamm dem anderen abgelaufcht haben miiffte. Aber auch in diefer primitiven Ausdrucksweife find Unterfchiede in der Auf- faffungsweife und in der charakteriftifchen Wiedergabe lebender Wefen, welche in den Kreis der Decoration gezogen find, bemerklich, wie wir fie fonft nur bei vor- gefchrittenerem künftlerifchem Können zu fehen gewohnt find. Nicht Alles ift gleich primitiv; man vergleiche beifpielsweife die Darftellungen von Thiergeftalten, 88 7i* Kanopi , 72, Fumigatoren. 73 - Bronze-Urnen. F 'g- 8l - Schlangen und Enten auf gleichalteri- gem, alt-umbrifchem Thonzeug in Fig. 81 u. 82. Beim gemalten Thonzeug finden wir zuerft die Figuren, meift Thier- gefialten (Löwe, Panther, Wolf, Eber), bänderartig um die Gefchirre geordnet, mit Purpur, Weifs und Roth bunt gemacht; dann fchwarze Figuren auf dem Tbongrunde und, nachdem die griechifche Kunft in Italien die '■H, röthlich-gelben Führung übernommen, röthlich-gelbe Figuren auf fchwarzem Grunde. Fig. 82. -=n -=n l=n 1 Ir- in Ir— 1 1 Tb- 1 l -t n j J li = : Ir Auf ägyptifchen Einflufs deutet die Geftaltung der Afchenurnen als Kanopi hin. Diefelben find in den oberen Theilen den Schultern und dem Kopfe eines Mannes nachgebildet, wohl das Bild des Todten (?), deffen Afche darin enthalten ift. Diefe Kanopi kommen auch aus Bronze und Terracotta zugleich hergeftellt vor, wobei die gehenkelte Bronze-Kapfel einen Terracotta-Kopf trägt (Fig. 83). Als weiteres Einrichtungsftück eines etruskifchen Grabes find noch die eigen- thümlich gebildeten, glatten und verzierten Räuchergefäfse, Focolari oder F'umi- gatoren zu erwähnen, von denen Fig. 84 ein Beifpiel giebt. Das Räuchergefäfs ift auf die Afchenurne geftülpt. Die Bronze-Urnen fchliefsen fich in formaler Beziehung und in der Technik in der frühen Zeit an orientalifche (mit dem Hammer zu flachen Reliefs herausgetriebene Bronze-Bleche), fpäter an griechifche Vorbilder an. Lernten wir aus dem Vorftehenden — den Tempel- ftatuen und Grabgefchirren (Vejenter Thonbildwerke und Arretiner Gefchirre bei Plinius und Vitruv ) — die Etrusker als ausgezeichnete Töpfer und Bildhauer kennen, fo bewiefen die angeführten Bronze-Urnen ihre Meifter- fchaft in der Metall-Technik. Letztere lernen wir weiter fchätzen an den vielen Metallarbeiten aller Art, welche in den Gräbern gefunden, d. h. den Todten feiner Zeit mitgegeben wurden. Andere Funde bekunden die grofse Fig. 83. 8 9 Fig. 84. - o-31 - Kom - (q rroo^Utio- k. Begabung und Gefchicklichkeit diefes Volkes auf jenem Gebiete und in beinahe allen Zweigen der Kleinkunft. Aufgefundene Idole, Lampen und Candelaber, Opferkannen (Praefcricula), 74 - . Bronze-Geräthe, Fleifchhacken (Creagriae), Kohlenpfannen, Dreifüfse, Helme, Beinfchienen und Schilde Waffen etc. aus Bronze bewahrheiten den von Plinius (XXXV) und Tertullian ( Apoleg . 25) ge- priefenen Ruf im Bronze-Giefsen und Meifseln. Mit Metallbildfäulen, mit vergoldeten Bronze-Statuen füllten fie die Tempel Roms, welche fie von der kleinen Laren- Fig. 85. ~Kptn - Gjre^orüino- / « v« iti r^.sx. Thronz.t l. Ih r 90 75* Schmuck. Fig. 86. Statuette an bis zur 50 Fufs * (Qi-t , o i • n hohen Figur (Apollo auf dem D>onsEiampe aus v^oj-tiona-j .(l6Schrau?fn.) . D ' r c ~' ' 1 1 c Palatin) anfertigten. Etruskifche Leuchter waren fogar in Griechenland gefuchte Waare. Als Pracht- ftiick, als eine Bronze-Arbeit erften Ranges kann die 16- fchnauzige Lampe in Cor- tona gelten (Fig. 86). Die Ornamente diefer Bronzen tragen zum Theile afiatifches oder ägyptifches, theils archaiftifches Gepräge. Man vergleiche in Fig. 87 die Details eines Dreifufses. Ein oft wiederkehrendes Motiv ift die Durchfchlingung von feinen halbkreisförmigen Fäden, deren Enden in einer Rofe oder Palmette zufammengefafft find, als umfäumende Verzierung (Fig. 87). Einen hohen Grad von Vollkommenheit und einen gediegenen Gefchmack zeigen die prächtigen Goldarbeiten, welche das Mufeo Gregoriano in Rom und das Fig. 87. mM WJägmM Tlpon«»«, ! s. ,_L)Pon' mmm Mufeum in Perugia u. a. füllen. Diefe Goldkränze, Filigran-Arbeiten, P’ibulen, Ohrgehänge, Armbänder, Halsketten, Ringe mit vertieft gefchnittenen Steinen find heute wieder die Vorbilder für die fo hoch flehenden, modernen römifchen Goldfchmiede- arbeiten geworden (Fig. 88). 9i Fig. 88. Qolcjmt Q\r0tJ^tnfflt (Tfmia) r 5I: 245 ? < Ir - u. III, Jahrhundert ehr. Zeitrechnung) l6l : 180: 180—192: J 93—211 : 203: 211 — 217: 218 — 222 : 222—235. Goldenes Haus des Nero, ausgedehnte Palaftanlage , der Circus am Vatican , der Aquäduct für Caelius und Palatin werden angelegt. Unter Vefpafian wird der Friedenstempel im Forum pacis erbaut, der Capitolinifche Tempel neu aufgebaut und das Coloffeum begonnen. Erbauung der 77/#j-Thermen. Pompeji, Herculaneum und Stabiae verfcliüttet. Brand in Rom, wobei das Pantheon, die Thermen des Agrippa , die Septa etc. Noth litten. Der 70 votirte 77///j-Bogen wird errichtet. Das Coloffeum, das Flavifche Amphitheater wird vollendet. Aehnliche Werke werden in den anderen gröfseren Städten des römifchen Reiches, in Reggio, Pompeji, Herculaneum, Albantim, Tusculum, Sutri, Pola, Verona, Nhnes, Trier, Conftantine etc. ausgeführt. Unter Domitian wird die Stadt in ausgiebiger Weife verfchönert, die unter Titus verbrannten Tempel wiederhergeftellt; die Strafsen werden erweitert; der grofse Flavifche Kaifer- palaft auf dem Palatin wird gebaut; Durchgangs- und Triumphbogen werden errichtet, der Vefpafwis -Tempel unter dem Capitol aufgeführt; ferner das Forum tranfitormm mit Minerva-Tempel, Thermen, Circus, Odeum und aufserhalb Roms Heerftrafsen und Brücken. Das Trajans-Forum mit der Bafdica Ulpia von Apollodorus aus Damascus angelegt. Ehreniaule und Tra/ans-Bögcn, deffen Reliefs am Conftantin -Bogen wieder verwendet wurden. Tempel der Roma und Venus von Hadrian felbfl entworfen und auf das Prächtigfte ausgeführt. Pons Aelius (Engelsbrücke). Maufoleum Hadrian ’s (Engelsburg); Villa Hadrian ’s bei Tivoli; Bauten in Nimes, Athen, Aegypten, Syrien (Haurän). Tempel der I'auflina am P'orum in Rom. Bauten im Haurän: Stil nicht rein römifch, fondern durch die Iiaiiränier modificirt; letztere eingewanderte Süd-Araber (vergl. IVetzßein u. So ein). Confequent durchgeführte Steinbauten aus körnigem Dolerit. Steinhäufer, Steinbalkendecken und Steingewölbe , fteinerne Thür- und Fenfterflügel, fleinerner Hausrath, Kaften, Tifche, Bettdellen, Leuchter werden gemacht (de Vogue). Bosra (Nova Trajana Boftra), Grenzfeftung und Sitz des Praefectus legionis, mit Stadtmauern, Thoren, Naumachie, Triumphbogen, Bad und Tempel. Suweda mit einem Nymphäum und Aquäduct von »Nerz/a Trajanus Caefar« (103). Tempel und Bafilika (IV. Jahrhundert?). Atil mit Tempel, deffen korinthifclie Säulen Statuenträger (Confolen) wie in Palmyra haben. Infchriftlich aus dem 14. Regierungsjahre des Antoninus Pius (151 nach Chr.). Kanawät mit einem Sonnentempel, Theater und Hippodrom, Stadtmauer mit Thürmen. Suleim (Neapolis) mit prachtvollem Tempel und Bädern. Schobba (Philippopolis) mit Stadtmauern, Tempeln, Bädern, Amphitheater. Musmlye (Phaenos) mit Tempel. Bauten im Oft-Jordan-Land: aus Kalkfleinquadern ausgeführt. Djerafch (Gerafa) mit Prachtthor (Trajanifche Zeit?), Naumachie, Theater, Forum, Tempel, Säulenftrafse mit Tetrapylon, grofsem Sonnentempel. Amman (Philadelphia) mit römifchen Mauern, Theater, Odeum, Thermen und Tempel. Die Formen erinnern an die der Bauten von Ba‘albek. Ehrenfäule des Antoninus Pius. Ehrenfäule des Marc Aurel, Reiterftatue auf dem Capitol, Triumphbogen, Tempel des Marc Aurel. Thermen des Commodus; ein Brand zerflört das Forum pacis und einen Theil des Palatin und die grofsen Bibliotheken. Palaft auf dem füdlichen Palatin, Ehrenpforte am Velabrum. yanus quadrifrons . Wiederherftellung des Pantheon. Bogen des Seplimius Severus — Septizonium. Caracalla- Thermen, marmorner Stadtplan, Ilerftellung der Aqua Uarcia. Flagabalus baut auf dem Palatin das Elagabalum, in feinen Gärten auf dem Esquilin einen Sonnentempel. Alexander Severus baut die Alexandrinifchen Thermen, führt Bauten auf dem Palatin aus, errichtet ein Stadium auf dem Circo Agonale, führt die Aqua Alcxandrina aus. 102 7 8 . Land und Leute. 79 - Pflege der Kunft. Grofser Brand in Rom. Villa des Gordianus III. (jetzt: lor de 1 Schiavi). Sog. Tempel der Minerva Medica in Rom, Gallienus- Bogen. Grofse Mauerbefeftigung der Stadt Rom (Aurelianifche Mauer). Sonnentempel. Reftauration des Sonnentempels in Palmyra, Sonnentempel in Ba‘albek (Pleliopolis); Grabmonumente , Tempel und Amphitheater in Petra. Plier mifchte die einheimifch- orientalifche Kunft fich mit der griechifch-römifchen. Diocletia7is- r Y\itrmtn in Rom (jetzt S, Maria degli angelt). Reftauration der verbrannten ßaßlica Julia , Tiber-Regulirungen, Reftauration des Pompejus- r Y\itdXzx%. Des Diocletian Palaft in Spalatro. Amphitheater in Verona (?). Circus und Bafilika des Maxentius, von Conßantui geweiht, Confiantins - Thermen auf dem Quirinal. Triumphbogen des Conßantui. Bauten in Trier unter Conßantm. (Vergl. die Lobrede des Eumenius 310.) Theodoßus der Grofse zerftört den grofsen »Trilithon«-Tempel in Ba‘albek (Pleliopolis) und verwandelt ihn in eine chriftliclie Kirche. 2. Kapitel. Charakteriftik der römifchen Architektur. Im Mittelpunkte eines fchmalen und gefegneten, von drei Meeren umfloffenen Streifen Landes — der gegen Norden durch hohe, mit ewigem Schnee bedeckte Gebirgsmaffen begrenzt und gefchiitzt ift und deffen Südfpitze nahezu genau in der Mitte zwifchen der fyrifchen Küfte und der Meerenge von Gibraltar liegt, welcher fich, in Folge diefer Lage, zum Ausgangspunkt für Unternehmungen jeder Art, feien fie nach Süden, Often oder Werten gerichtet, gleich gut eignete — wurde von Bauern und Hirten die Stadt gegründet, deren Bürger berufen waren, an den höchften Aufgaben, welche dem Menfchengefchlechte zufielen, erfolgreich mitzuarbeiten und der gefammten, damals bekannten Welt Gefetze vorzufchreiben oder den Stempel ihres Wefens aufzudrücken. Ein Brudermord und Gewaltthaten verfchiedener Art ftehen an der Wiege der ewigen Roma; ein grofser Theil der Rohheit und Wildheit im Charakter der Gründer des Staates ging als Erbe auf die Spätergeborenen über, das zu Zeiten mehr oder minder erfolgreich verwerthet und ausgenutzt wurde. Das unbedingte Vertrauen auf den Schutz der Götter, auf das gute Glück und die eigene Kraft war es, was die Angehörigen des jungen Staates auszeichnete und fie zu Unternehmungen und Zielen trieb, welche, einmal in das Auge gefafft, mit eiferner Beharrlichkeit durchgeführt und feft gehalten wurden. Das Bewufftfein, einem grofsen Volke anzugehören, das mit nichts begonnen und Alles geworden war, machte die Bürger des herangereiften Staates ernft und würdig. Charakteriftifch war ihr Selbftlob auf ihre Leiftungen im Kriege, in der Staatsverwaltung und in der Politik, auch die Härte, die Eroberungs- und Herrfch- fucht, deren fie ihre Gegner wohl mit Recht ziehen 58 ). Mehr »kriegsmächtig, als weisheitsmächtig« nennt fie der alte Dichter Ennius. Was wir als römifches Wefen bezeichnen, ift nichts Anderes, als eine Weiterentwickelung deffen, was vor der Gründung der Stadt war. Die vorwiegend auf die 237: 238—248 260—268 271—276 273: 284—305: 305—324: 3 12 '• 306—331 : 375 — 379 : Siehe: Jugurtha’s und des Antiochus Ausfg. 103 ftaatlichen Einrichtungen und die Machtftellung gerichteten Intereffen liefsen zunächft für die Pflege der Kunft nicht viel übrig. Die Ausübung derfelben durch fremde, dienftbar gemachte Elemente in früher und auch noch in fpäterer Zeit geftattete einer eigenthümlichen Auffafiung nur wenig Raum. In den erften Jahrhunderten waren es etruskifche Künftler, welche den Bedarf an Kunftwerken befchaffen mufften, bis diefe von den unterworfenen und einwandernden Griechen abgelöst wurden. »An Bau- verftändigen kann es dir nicht fehlen. Es giebt keine Provinz, die nicht erfahrene und talentvolle Männer hätte; nur glaube nicht, dafs es kürzer fei, folche von Rom aus zu fenden, da fie ja in der Regel aus Griechenland zu uns kommen«, fchreibt Trajan an Plinius (Ep. XLIX.). Stand fchon die griechifche Kunft auf den Schultern der orientalifchen, fo fehen wir bei der römifchen in höherem Mafse jede Urfprünglichkeit verwifcht. Wir haben es hier mit Compromiffen, Combinationen und Entlehnungen zu thun. Aehn- lich find nur die Erfcheinungen im Anfänge der griechifchen, wie der römifchen Kunft. Beide Völker, Griechen und Römer, waren von einer fchon höher entwickelten Cultur umgeben. Phöniker, Aegypter und Inner-Afiaten waren fchon weit voran- gefchritten, ehe es in Hellas nur zu dämmern begann; Etrusker waren fchon früh im Norden und Süden des neu gegründeten römifchen Staates fefshaft, pflegten längft fchon Kiinfte und Wiffenfchaften und herrfchten fogar Anfangs in der Haupt- ftadt deffelben. Schon im XII. Jahrhundert v. Chr. waren die Bewohner der Infein und der weltlichen Ufer des Mittelmeeres im Handelsverkehre mit Aegypten. Rohere, kräftigere Elemente machten die civilifirteren, verweichlichteren dienftbar, und diefe mufften für jene arbeiten, ehe von erfteren die Führerfchaft bei der Arbeit übernommen wurde. So dürfen wir auch nicht vergeffen, dafs in den alten hellenifchen Freiftaaten die Arbeiter Sclaven und Fremde, d. h. Unterjochte waren 59 ). Eine folche Führerfchaft auf das glücklichfte übernommen und ausgetragen zu haben, ift das hohe Verdienft der Griechen; weniger war dies bei den Römern auf dem Gebiete der Kunft der Fall. Die angeftrebte und erreichte Weltherrfchaft muffte alle Individualität fchliefslich verwifchen, wie ja auch die griechifche Kunft unter dem Einflüße der Eroberungszüge Alexander 's und feiner Generale ihre in der Perikleifchen Zeit erlangte Vollendung und Reinheit einbüfste und fich wiederum mit afiatifchen Formen vermählte, aus denen fie zum Theile hervorgegangen und welche fie in der Blüthezeit reinigend abgeftreift hatte. »Griechen, Juden, Chaldäer, Aegypter, Alles ift in Rom zu finden, nur keine Römer mehr. Bürger findet man nicht mehr in Rom, da ift nur die Hefe der Nationen.« Auch die fpäteren Machthaber, und darunter gerade die fähigften, waren nicht mehr eingeborene Römer; Spanier oder aus fpanifchem Gefchlechte Stammende, Slaven und Syrer ftanden an der Spitze des Weltreiches. Vergleiche zwifchen Volkscharakter und Bauweifen fcheinen unter diefen Verhältniffen überflüffig. Auch bei dem zunehmenden Schönheitsfinn des Volkes, bei dem lebhafteren Intereffe für Kunftwerke, welches fich gegen das Ende der Republik zeigte, blieb doch in den mafsgebenden Ständen eine gewiffe Verachtung des griechifchen Könnens hängen und machte fich allenthalben Luft (vergl. Ausfpriiche von Cato , Cicero etc,). Damit foll aber dem römifchen Volke das Kunftvermögen und Kunftverftändnifs nicht abgefprochen fein, welches fich ja auch in der Stellung und Löfung ganz neuer Aufgaben hinreichend bethätigte. Die dauernde Aufnahme des Bogens als 80. Bautechnil und Bauformen 59) Vergl. Arifioidcs, Politik III, 3. 104 Kunftform in feine Bauweife, die glänzende Entwickelung und Ausbildung von Bogen und Gewölbe, fichern ihm für alle Zeiten einen erften Platz auch in der Architektur-Gefchichte. Hatten ihm auch die Etrusker auf diefem Gebiete fchon vorgearbeitet, mögen ihm Vorbilder dafür aus der Alexandrinifchen oder Diadochen- Zeit (die jetzt vom Erdboden verfchwunden find) bekannt gewefen fein; fo fchwächt dies fein Verdienft nicht ab. Neben dem Bogen- und Gewölbebau geht aber der ägyptifch-griechifche Steinbalkenbau her und mufs fich die Verbindung mit jenem gefallen laffen. Bei Weit- ftellung der Säulen hebt der weit gefprengte Bogen an vielen Gebäuden die frei lagernden Architrave, für welche das Material in den verlangten Gröfsen entweder gar nicht oder nur mit ungeheueren Koften zu befchaffen gewefen wäre, auf und zwingt diefe, wie auch die zugehörigen Säulen, zur reinen Decoration herabzufteigen, indem letztere nur noch den Zweck haben, die Mauerfläche zu beleben. Die Architrave werden dann aus kurzen Stücken im Keilfchnitt zufammengefügt und bilden fcheitrechte Bogen, oder fie greifen tief in die Mauer ein und bekrönen diefe, gefimsartig vorfpringend, in mäfsiger Ausladung. Sobald wir die Mauer nicht ausfchliefslich als raumbegrenzend auffaffen, fondern auch als fliitzend und Gebälke tragend, fo wird diefe viel getadelte römifche Erfindung wohl milder beurtheilt werden können. Oft weist auch die Aufsen-Architektur eines Bauwerkes die vollendete Stein- balken-Conftruction auf, während beim Gliedern und Ueberdecken der Innenräume zum Bogen und Gewölbe gegriffen ift. Die formale und conftructive Einheit des Werkes ift fomit allerdings vernichtet; allein es ift diefes Aufgeben der Einheit in der Conftruction nicht gerade verwerflich. Die neuere Architektur wäre ohne diefes nicht denkbar. Pfeiler und Bogen wurden nach etruskifchem Vorbilde (Volaterrae) durch ein befonderes Kämpfergefims gefchieden; diefe Scheidung, welche an manchen etruski- fchen Bauwerken (vergl. Perufia, Ferentinum) unterlaßen ift, wurde von den römifchen Architekten zur Regel erhoben. Bei der Verbindung von Säule mit Bogen ift bis über die Blüthezeit hinausreichend zwifchen beide das vollftändige Gebälk mit allem Zubehör eingefchoben, was zu herbem Tadel Veranlaffung gegeben hat, welche Bildung aber in vieler} Fällen trotz ihres inneren Widerfpruches für das Auge nicht ohne Reiz ift. Die fo verachtete fog. Verfallszeit der römifchen Kunft finden wir übrigens mit der Löfung auch diefes Conflictes befchäftigt. Das halbkreisförmige Wegbiegen des Architraves und Gefimfes über den beiden inneren Säulen einer Giebelfront, wie dies am Tempel in Atil (Hauran) und am Diocletians-YaXa&e. in Spalatro (Dalmatien) gefchah, ift ein erfter Anfang; die anfchliefsenden Säulenbogenftellungen bei letztgenanntem Monumente geben die vollendete Löfung, das unmittelbare Auffitzen des Bogens auf der Säule, wie fie der mittelalterlichen Kunft fonft als Verdienft angerechnet zu werden pflegt. Nifchen- und Thorumrahmungen in Musmije und Ba'albek find auch als Vorläufer für die Löfung am ZVWA/hm-Palafte zu betrachten. Auch die üblichen, dem Architrave nachgebildeten Archivolt-Profilirungen fuchten die Meifter von Ba'albek durch Neuerungen zu erfetzen, welche nicht zu den fchlimmften Verfuchen gehören. In conftructiver Beziehung und namentlich im Steinfchnitt find gerade in jener Epoche entfchiedene Fortfehritte zu verzeichnen. Die Häufung des Details und die ungebundene Verzierungsluft, die fich auf alle io5 Bauglieder erftreckt, find die fchwächften Seiten der alternden römifchen Kunft. Der ganze fertige Apparat von etruskifchen und griechifchen Bauformen wird von der römifchen Architektur aufgenommen, und nur die alt-dorifche Weife als in den Verhältniffen unbrauchbar bei Seite gelegt. Weit- oder Engfäuligkeit bei geradem Gebälke hing, wie überall und zu allen Zeiten, von der Widerftandsfähigkeit des dazu verwendeten Materials und von der Form und Gröfse des gewählten Quer- fchnittes ab. Für die Verbindung von Triglyphen mit Zahnfchnitten an Gefimfen waren wohl die etruskifchen Vorbilder (Norchia, Sarkophag des Scipio Barbatus u. a.) und für jene wieder, wie bereits gefagt (vergl. Art. 45, S. 51), ficilianifch-griechifche (Terra- cotten von Akrai) entfcheidend. Der decorative Charakter der Triglyphen ift, wie bei den Griechen, beibehalten, indem hier, eben fo wenig, wie bei den erhaltenen griechifch-dorifchen Tempelreften, die Bildung diefer Theile aus einer conftructiven Nothwendigkeit darzuthun ift und die Ableitung aus dem Holzbau »ein Nonfens oder Widerfpruch« wäre 60 ). Als Neuerungen in formaler Beziehung, abgefehen von Verzerrungen und mifs- verftandenen Nachbildungen griechifcher Einzelformen, find noch die reich gebildeten Confolen im Hauptgefimfe, mit und ohne Verbindung von Zahnfchnitten, anzuführen und namentlich noch das fog. Compofita-Kapitell, mit einer Häufung der Formen des jonifchen Kapitells zu denen des korinthifchen, die Lieblingsmotive der römifchen Architekten. Vorkommende Klein-Pilafterftellungen find wohl auf etruskifche Vorbilder zurückzuführen. Die gleiche Farbenfreudigkeit, welche Aegypter, Griechen und Etrusker an ihren Bauwerken zur Schau trugen, ging auch auf die römifche Kunft über; nur machte dort mit der Zeit die vergängliche, mit dem Pinfel aufgetragene Polychromie einer monumentalen in vielfarbigen Steinen Platz. Die hieraus entfprungene Einführung des bunten Marmors in die Architektur ift von Wichtigkeit. Auf einem Stylobat von hellem Marmor erhoben fich beifpielsweife Säulen mit polirten weifsen Marmor-Bafen, darüber glänzende Schäfte von rothem oder grünem Porphyr, grün gebändertem Cipollin oder röthlich-grauem Granit mit weifsen Marmor- oder vergoldeten Bronze-Kapitellen, hierüber leuchtende Architrave, P'riefe mit goldenen Infchriften und Dächer mit vergoldeten Bronze-Ziegeln. In technifcher Beziehung hielt die Baukunft an der etruskifchen und griechifchen Tradition feft. Beim Quaderbau find forgfältige Fügung der Steine, durchdachter Fugenfchnitt, folide Verbandfchichtung, Verbindung der einzelnen Steine meift durch Eifenklammern und Dübel, das Verzichten auf Mörtel bei Anwendung gröfserer Werkftücke ftets die charakteriftifchen Merkmale geblieben bis in die fpätefte Zeit. (Vergl. in Rom: Coloffeum, Tempel des Antonin und der Fcmflina, fog. Vefta- oder auch Hercules-Tempel, Tempel des Mars Ultor mit dem anftofsenden prächtigen Quadergemäuer; ferner alle bekannten Tempel in Syrien, die Porta nigra in Trier etc.) Der Lehmziegelbau wurde in den Städten gegen das Ende der Republik ver- laffen und an deffen Stelle der Backfteinbau gefetzt, der mit vollendeter Meifter- fchaft geübt wurde. Ausführungen, wie bei der Sedia del Diavolo oder dem fog. Tempel des Deus Rediculits bei Rom und bei der Bafilika in Trier bleiben für alle Zeiten muftergiltige ,i0 ) Vergl. Ci-iipiez, Ch. Hiftoire critiqnc des origuies ct de la formation des ordrcs Grecs. Paris 1876. S. 222. io 6 Leitungen des Backftein-Rohbaues, nicht nur was technifche Vollendung des Mauerwerkes, fondern auch was Formbildung betrifft. Rom, die Stadt, war in ältefter Zeit primitiv und befcheiden, die Strafsen ohne Pflafter, der Marktplatz mit Verkaufsbuden einfach, die Frivathäufer aus PIolz und Luftziegeln mit Strohdächern. Der Steinbau war nur für öffentliche Gebäude in Uebung und wurde dabei in ältefter Zeit Peperin von Albano, fpäter tiburtinifcher Travertin verwendet. Bis zur Zeit des Krieges mit Pyrrhus waren Schindeldächer noch üblich, und noch 180 v. Chr. fpottete man am macedonifchen Hofe über die ärmliche, noch kein einheitliches Ganzes bildende Stadt. 174 v. Chr. wurden die Strafsen im Inneren der Stadt mit Pflafter verfehen, und erft mit Sulla wurden die Frivathäufer prächtig, fo dafs die alten Tempel einfach und ärmlich ausfahen. Neben dem Quader- und Backfteingemäuer, die für bedeutende Bauten immer ihr Recht behielten, trat noch das Bruchfteingemäuer und Gufsgemäuer mit Verblendung von Quadern, kleinen Schichtfteinen (Parements) , Platten oder Back- fteinen auf. Der Billigkeit der Herftellung und der Erkenntnifs des Werthes des Kalkmörtels als Baumaterial verdanken die letztgenannten Mauerwerksarten ihre grofse und ausgedehnte Anwendung. Ob in diefen eine fpecififch römifche Technik zu erkennen fei, mufs dahin geftellt bleiben; wahrfcheinlicher ift, dafs wir es mit einer aus dem Orient eingeführten zu thun haben. Neben dem Maffivbau fpielte auch, vorwiegend im Nutzbau und bis in die fpätere Zeit, der Fachwerkbau eine nicht unbedeutende Rolle; auf eine höhere künft- lerifche Ausbildung deffelben, wie fie das fpätere Mittelalter oder die Renaiffance cultivirte, fcheint verzichtet worden zu fein. (Die Holz-Erkerbauten in Pompeji zeigen wenigftens nur die fchlichten, nothwendigen Conftructionsformen.) Als genialfte Leiftung der römifchen Baukunft ift die monumentale Ueber- deckung von Innenräumen im grofsen Stil mittels Steingewölbe zu bezeichnen, welche eine vollftändige Umwälzung in der Geftaltung der erfteren zur Folge hatte. Die Leiftungen der Aegypter und Griechen der guten Zeit auf diefem Gebiete laffen fich auf ein fehr befcheidenes Mafs zurückführen; bedeutender find die der Etrusker, obfchon auch diefe fich noch in engen Grenzen bewegten. Was wollen all die Thor-, Brücken- und Grabgewölbe, was die gewölbten Durchgänge und Dohlen, welche uns die genannten Völkerfchaften hinterlaffen haben, heifsen — auch wenn wir bertickfichtigen, dafs 2 1 /2 Jahrtaufende früher von jenen das Princip fchon erkannt war (Gewölbe der VI. Dynaftie in Abydos 2708—2510 v. Chr.) •— gegenüber der einzigen Leiftung, gegenüber dem Pantheon-Gewölbe! Bedurfte es beim griechifchen Tempel fchon bei Lichtweiten der Cellen von 10 bis lim zur Abftützung der Decke zweier eingefügten Säulenreihen, fo fehen wir hier Nifchen- räume von 24,6 m Lichtweite {Caracalla -Thermen) mit Halbkuppeln, rechteckige Räume von 24 bis 25 m {Maxenthis-’Ba.fiYika) mit Tonnen-und Kreuzgewölben, polygonale und kreisrunde Räume mit Kuppelgewölben bis zu 43,5 m Spannweite überdeckt und zum Theile bis auf unfere Tage, alfo über 1800 Jahre, unverfehrt erhalten. Möglich und fogar mehr als wahrfcheinlich, dafs auch für diefe Grofsconftructionen fchon Vorbilder aus der Alexandrinifchen oder Diadochen-Zeit in Kleinafien vorhanden waren 61 ) oder nach einer Aeufserung Caefar s über Alexandrien (Caefar de bello Alex. I. Nam incendio fcre . . .) an jenem Orte; nichts defto weniger müffen wir dem römifchen Genius die höchfte Anerkennung dafür zollen, dafs er diefe ei ) Vergl. Semper, G, Der Stil etc. Bd. I. Frankfurt 1860. S. 477—479. 107 orientalifche Erbfchaft angetreten und wie er fie zur vollften Ausbildung zu bringen wußte. Aehnlich grofse Leiftungen im Gewölbebau hat nur die byzantinifche Kunft (Hagia Sophia) und die der Renaiffance (Domküppel in Florenz, St. Peter in Rom), welche beide auf der römifchen fufsen, aufzuweifen. Trotz unferer vorgefchrittenen Technik und der vollkommeneren Arbeits- mafchinen würde heute die Ausführung von Conftructionen, wie bei der Maxentius- Bafilika oder beim Pantheon, durch welche Räume überfpannt worden find, in die man den ganzen drei- oder fiinffchiffigen Apparat unferer mittelalterlichen Kathedralen einfchliefslich Strebepfeiler und Schwibbogen hineinftellen kann, ihren Mann doch zu fuchen haben. Auch auf die ganz durchdachte, rationelle Anlage von Gurtbogen und Rippen, welche übrigens meift wieder unter der üblichen Decoration der Gewölbe ver- fchwanden, ift hinzuweifen, fo wie auf die Anwendung von Strebepfeilern. Meift wurden zwar die widerftandsfähigen Maffen in der Combination des Planes der Gebäude gefunden 62 ); fie treten aber auch fichtbar als Pfeiler zu Tage, wie dies die Trümmer der oberen Theile der Maxentius -Bafilika zeigen, oder als Vorlagen nach innen und aufsen oder nach beiden Seiten zugleich die Umfaffungsmauern der eigen- thümlich gewölbten Bafiliken Central-Syriens aus dem I., II. und III. Jahrhundert. Hier finden wir zuerft ein durchdachtes Syftem von Strebepfeilern, welche dem Gewölbefchub entgegenwirken; fie bilden hier zuerft »eine Art Knochengeriift, bei dem die Langmauern die einfache Rolle von Füllmauern fpielen, eine Anordnung, die fich fpäter vollendeter in den franzöfifchen Kathedralen wiederfindet« 63 ). Für Strebepfeiler — ganz allgemein —■ fanden fich z. B. Vorbilder in Griechenland bei den Polygon-Mauern zu Komboti in Akarnanien 64 ) und in Etrurien bei den Mauern von Arretium (fiehe Fig. 3, S. 9). Wir treffen von Bogenformen die fcheitrechte und die giebelförmige, den Stichbogen, den halbkreisförmigen und den Spitzbogen, letzteren als vereinzeltes Beifpiel am Emiffar des Fuciner Sees (unter Kaifer Claudius)-, von Gewölben: das Tonnengewölbe, das Kreuzgewölbe, fowohl über quadratifchem als rechteckigem Raum, das Nifchen- oder Chorgewölbe und das Kuppelgewölbe über kreisrundem, quadratifchem und polygonalem, ein fächerartiges Gewölbe mit Lünetten über halbkreisförmigem Raume ift in der Villa Hadrians, bei Tivoli erhalten; ein Kuppelgewölbe mit einfehneidenden Stichkappen weist die grofse Rotunde der G«raca//«-Thermen auf. Die Nothwendigkeit, über quadratifchen Räumen Kuppelgewölbe zu errichten, liefs fie auch die fphärifchen Pendentifs finden 65 ), und es ift wiederum der Haurän, welcher die erften aus Quadern conftruirten liefert, und das Mäander-Thal, welches die aus Backfteinen hergeftellten aufweist. Die Sedia del Dtavolo, die Minerva Medica und verfchiedene Polygonbauten in und bei Rom zeigen weitere vollendete und verfuchte Löfungen in Backfteinen. Die Gewölbe wurden je nach dem Vorkommen der Materialien und der Bedeutung des Baues oder den ausgeworfenen Koften bald in Quadern, bald in Backfteinen, bald mit Backfteinrippen in Gufsgemäuer hergeftellt. Die Innenflächen 62 ) Vergl. Viollet-le-Duc. Diciionuaire raifonni de Varchitecture etc. Band IV (Paris 1S75). S. 284: Artikel » contrefort «. 63 ) Vergl. Vogüe, M. de. Architecture civile et religieu/e en Syrie du ler au Vlle ß.ecle dans la Syrie centrale . Paris 1866—77. Introduction, S. 7. 6*) Vergl. Heuzy, L. Le mont Olympte et Acarnanie. Paris 1860. 66) Vergl. De Vogüe, a. a. O. io8 wurden glatt gelaffen zur Aufnahme von Stuck und Malerei, oder fie wurden caf- fettirt mit einfachen oder abgetreppten quadratifchen, oblongen, rautenförmigen, fechs- und achteckigen Füllungen. Bei den Quadergewölben kam Mörtel in der Regel niqht zur Anwendung; dagegen wurden zum Verbände in ausgiebigem Mafse Eifenklammern oder auch in den Steinen felbft Vertiefungen mit einpaffenden Auskragungen verwendet; bei den Gufs- gewölben diente Eifen nur zur Befestigung der Stuck-Ornamente. Bekleidungen der inneren Wölbflächen mit Metallblechen (Pantheon?) mögen zu den Seltenheiten zu rechnen fein, während folche auf der Aufsenfeite, namentlich bei Kuppelgewölben, gewöhnlich gewefen fein dürften. Abgleichungen der Gewölberücken zu flachen Terraffen oder in Form von Satteldächern, oft noch mit einer Ziegeldeckung verfehen, w r aren in Uebung; ein hölzernes Schutzdach über dem Gewölbe galt wohl als Pleonasmus. Entweder kam das eine oder das andere zur Anwendung. Bei den Grofsconftructionen wurde Werth auf die Verwendung möglichft leichter Materialien (poröfe, vulkanifche Tuffe) gelegt. Das Vermauern von Töpfen in Gewölben mag bis zum Ende der Republik hinaufreichen; fyftematifch durchgeführt, zur Erleichterung des Gewichtes der Gewölbe und zur Verringerung des Schubes, ift es an keinem wirklich römifchen Bau. »Die Ehre der erften rationellen Anwendung von Töpfen zu Gewölben kömmt ganz den Architekten der byzantinifchen Schule zu« 66 ). Der Schwerpunkt der architektonifchen Leiftung ift nicht, wie bei den Griechen, im Tempelbau zu fuchen, fondern in den hohen, umfangreichen Aufgaben, welche das erweiterte öffentliche und Staatsleben an die Baukunft Stellte. Bafiliken, Foren, Amphitheater, Theater, Cirken und Bäder traten hinzu; das verfeinerte Leben und der Luxus verlangten reichere Wohngebäude und Villen und das Caefaren-Regiment grofsartige Palaftanlagen. Der Todtencult wollte Gräberanlagen mit prächtigen, monumentalen Denkzeichen; die Eigenliebe, Selbftvergötterung und die Spätere Devotion Schufen die Ehrenfäulen und Triumphbogen. Strafsen-, Brücken-, Hafen-, Waffer- und FAftungsbauten etc., Wafferleitungen zu Nutz und Zier waren die Aufgaben, welche den Ingenieuren in jener Zeit geftellt wurden. So weit die Römer ihre Waffen trugen, fo weit trugen fie auch ihre Kunft! Am Saume der fyrifchen Wüfte, in den Felfenfchluchten von Petra, am Geflade des Golfes von Bajae, an den fchönen Küftenftrichen Kleinafiens, im regenlofen Aegypten, auf den Abhängen des fchneeigen Apennin und in den lonnigen Thälern Italiens, an der Donau, am Rhein und an der Mofel, auf den Höhen des Schwarzwaldes und im mittäglichen Frankreich oder nebeligen Britannien — überall finden wir diefelbe Architektur oder diefe nur ganz geringfügig modificirt. Bald gaben Nadelhölzer (Fichten, Tannen, Lärchen, Pinien, Cedern und Cypreffen), bald die faftigen Laubholzwaldungen der immergrünen oder gewöhnlichen Eichen, der Buchen und Kaftanien, bald die füdlichen Palmen, bewaldete Höhen oder kahle Felsgebirge mit ewigem Schnee oder flache Geflade, vom Wellenfchlag des Meeres oder eines Binnenfees umfpiilt, den landschaftlichen Hintergrund ab. Keine Bedenken kommen den Weltbeherrfchern, ob auch ihre Gebilde zum Baumwuchs, zur Natur oder zum Klima des einen oder anderen Landstriches ftimmen möchten, auf welche Stimmung 66) Vergl. Choisy, A. U art de batir chez les Romains, Paris 1873. S. 96 — und deff. Verf.; U art de bätir chez les Dyzantins. Paris 1873. S. 71. 109 manch moderner Aefthetiker fo viel Gewicht legt und defshalb das »Antikbauen« diefleits der Alpen verbieten möchte oder fogar Beziehungen herftellt, an die ein Römer ficher nicht gedacht hat oder gar nicht denken konnte, weil ihm die Vorbedingungen dafür fehlten. Was uns heute die italienifche Landfchaft »charakteriftifch« macht, war früher noch gar nicht da. Opuntien - Cactus und Agave find ein Gefchenk Amerikas, eben fo die jetzt in Mittel- und Oberitalien gepflanzte Platane ('Platanus occidentalis ). Die im Alterthume beliebte, in Griechenland und im Orient heimifche Platanus orientalis gedeiht in nördlich gelegenen Strichen nicht und leidet unter der Winterkälte. Der Oleander kömmt erft in der letzten Zeit der römifchen Republik nach Griechenland und nach Italien entfprechend fpäter; Orangen kamen erft nach der Zeit Alexanders aus Innerafien nach Europa etc. 67 ). Die Bauformen blieben diefelben; das Material, aus welchem fie ausgeführt worden find, mochte fein, welches es wollte; nicht auf die Kunftform hatte diefes Einflufs, fondern nur auf die Art der technifchen Herftellung. Das korinthifche Kapitell bleibt daffelbe, ob es in Terracotta, Marmor, Sandftein oder Metall ausgeführt wurde; nur in den Ausladungen und in der Behandlung des Details ift der Eigenthümlichkeit des Materials jeweilig Rechnung getragen. Das Material zwingt zu keinem Stil, wohl aber zur befonderen Conftructionsweife; wir können mit Back- fteinen eben fo gut gothifch, als antik bauen. Der Mangel einzelner Baumaterialien oder das reiche Vorhandenfein aller möglichen an einem Orte wirkte beftimmend auf die Entwickelung derfelben (der Conftructionsweife). So ift der eigenthümliche Zug der Architektur des Haurän dem Umftande zuzufchreiben, dafs Stein, ein fchwer zu bearbeitender harter (Dolerit?) Bafalt, das einzige Baumaterial war. In Folge deffen wurde der Bogen das Haupt-Conftructions- Element. Durch geiftreiche Combinationen deffelben mit geraden Steinbalken, die bis zu 5 m Länge zu gewinnen waren, wufften die Bewohner des Haurän ihre Tempel, öffentlichen und Privatbauten vollftändig aus diefem Materiale herzuftellen, Mauern, Decken, Treppen, Thiiren und Fenfter nebft deren Verfchlüffen, Wandkarten, Möbel, Leuchter etc. wurden daraus gemacht; das Dach bildeten mit Eftrich überdeckte Steinbalken — kurzum Steinbau in der äufserften Confequenz. Reichthum und Ueberflufs an Mitteln auf der einen, gepaart mit dem Streben nach abfoluter Monumentalität, beginnende Holzarmuth, d. h. Mangel an grofsem Bauholze, auf der anderen Seite führten wohl zu den Metalldachftühlen, von denen ein Beifpiel im Dach der Vorhalle des Pantheon noch vor wenigen Jahrhunderten erhalten war, und zu den aus Bohlen conftruirten Kaftenbalken Pompejis. Gegen das Klima fuchte man fich bei vielen Bauten durch die Art der technifchen Ausführung zu fchiitzen. Das gleiche, flache, forgfam gefügte Ziegeldach wurde fowohl im Süden von Italien, wie auf den rauhen Schwarzwaldhöhen oder in den Thälern der Mofel beibehalten, und nur im Norden wurden den Schnee- belaftungen ftärkere Sparren, kürzere und dickere Ziegel (46 <= m im Zehntland lang, in der Heimath bis zu 85 cm und mehr) entgegengefetzt. Und bis auf den heutigen Tag hat das angeblich aus klimatifchen Verhältniffen hervorgegangene nordifche fteile Dach, das auch der Süden in frühefter Zeit fchon kannte, das flache antike Schindeldach in den fchneereichen Hochgebirgen der Schweiz, der Steyermark und Tyrols oder das flache Thonziegeldach der Häufer an den Eidlichen Abhängen 0T ) Vergl. Hehn, V. Culturpflanzen und Hausthiere etc. Berlin 1874, I 10 8i. ' Wahl der Bauftoffe. 82. Natürliche Steine. der Alpen nicht zu verdrängen vermocht. Nur die Ziegeldächung und die Ziegelfabrikation haben das fteile Dach vereinfacht, aber nicht verbeffert! Unfer Bieber- fchwanzdach mit Schindelunterlage ift eine rohe Leiftung gegenüber dem antiken Platten- und Hohlziegeldach und lange nicht fo dicht fchliefsend, als diefes. Dickere mit Hohlziegeln verkleidete Wände mufften Schutz gewähren gegen Kälte und Näffe; Hypocauften unter den Fufsböden verbreiteten im Winter eine angenehme Temperatur im Inneren der bevorzugten Wohnräume. (Vergl. Kaifer- palaft in Trier, Niederlaffungen bei Mefskirch, Pforzheim und Sinsheim etc.) Ueberall fehen wir das Volk feiner Miffion getreu auftreten und handeln, in der Politik wie in der Kunft und Technik — Alles grofs erfaffend und praktifch, folid durchführend! B. Die Conftruetionen. 3. Kapitel. B a u ft o f f e. »Welche Arten von Baumaterial anzuwenden find, liegt nicht in der - Hand des Baumeifters, weil nicht allerorts alle Arten von Baumaterialien entftehen.“ Vitruv, Lib. VI, 8. ln den früheften Zeiten hat man ficherlich bei allen Niederlaffungen haupt- fächlich und zuerft diejenigen Materialien zu Bauzwecken verwendet, welche in nächfter Nähe zu haben waren, wohl auch folche Plätze zu Anfiedelungen ausgewählt, an denen neben fruchtbarem Boden auch brauchbare Bauftoffe leicht zu gewinnen waren. Handelsverkehr und Kriege mit in der Cultur vorgefchrittenern Völkern machten mit den Einrichtungen und den Landeserzeugniffen derfelben bekannt. Waren fie beffer, als die einheimifchen, fo lag deren Annahme und Einfuhr nahe. Zunehmender Reichthum und Luxus mufften dann die in Bezug auf Güte und Koftbarkeit am meiften gefchätzten zur Verwendung kommen laffen. Es ift dabei aber felbftredend, dafs die erften Materialien auch noch in fpäter Zeit und auch wenn fie fchlechter waren, als die aus der Ferne geholten, zum Bauen beibehalten wurden, und dafs die fchlechteren neben den befferen herliefen, wie dies heute noch der Fall ift. Das Bauen hängt vom Gelde ab, und nicht jeder, der baut, ift in der Lage, es auf das allerbefte machen laffen zu können. Verfuche von Alters- beftimmungen von Gebäuden auf Grund der früheren oder fpäteren Verwendung eines Baumaterials an einem Orte können nach dem Getagten kaum zuverläffige Refultate liefern. Auch im eroberten Lande machte man fich zunächft das einheimifche Material dienftbar, ehe man zum Import fchritt. Bei den natürlichen Steinen unterfcheidet Vitruv weiche, folche von mittlerer Härte und harte. Die meiften wurden in Tagbrüchen gewonnen, >viele auch unter der Erde«. (Vergl. Plinius, Naturgefch., Lib. XXXVI.) Alle weicheren Arten brachen in grofsen Blöcken, waren leicht zu bearbeiten, hielten am gefchützten Orte jede Belaftung aus, während fie im Freien verwitterten und auch vom Seewaffer angegriffen wurden. Sie follten nach Vitruv (Lib. II, 6) 111 zwei Jahre vor ihrer Verwendung zum Bauen, und zwar im Sommer gebrochen und dann am gefchützten Orte gelagert werden. Die innerhalb diefer Zeit fchadhaft gewordenen konnten noch beim Grundbau verwerthet werden; die unbefchädigten dienten zum Bauen über der Erde. Diefe Vorfchrift galt fowohl für Quader, als auch für gewöhnliche Bruchrteine. Zu den weichen Steinen wurden die rothbraunen Tuffe an der Via Flaminia oder aus der Gegend von Cervaretta, ferner die fidenater und gabienfer Steine gerechnet, auch der albaner Stein von grau-grünlicher Farbe (Peperin). In Campanien wird der rothe und fchwarze Tuff erwähnt, in Umbrien, in Picenum und im Vene- tifchen ein weifser Tuff, »der mit der gezahnten Säge wie Holz gefchnitten werden konnte« ( Vitruv, Lib. II, 7). Von Plinius (Lib. XXXVI, 44) wird ein weifser Stein in der belgifchen Provinz angeführt, der fich noch leichter wie Holz fchneiden liefs und ftatt der Flach- und Hohlziegel auch als Deckmaterial bei den fog. »Pfauenfchwanzdächern« diente. Wohl die heute noch in gleicher Weife zur Bearbeitung und Verwendung kommenden Grobkalke des nordfranzöfifchen Beckens. Den gabienfer Stein, »welcher auch der rothe heifst«, bezeichnet Strabo (Lib. V, 3,10) als den nutzbarften für Rom, wefshalb auch die meiften Bauwerke der Stadt daraus aufgeführt würden. In Pompeji ift ein fchwärzlich-grauer, oft in das Grünliche fpielender, feinkörniger Tuff als Quader oder zu Parements oder als Würfelftein beim Opus reti- culatum verwendet und zu gleichen Zwecken ein weicher, gelblicher mit vielen ein- gefprengten Bimsfteinen, der, bruchfeucht weich, an der Luft erhärtet, aber leicht verwittert. Von mittlerer Härte ift der tiburtiner Stein (Travertin), ein weifser in das Gelblich-graue fpielender Kalkftein, der heute noch bei den römifchen Bauten verwendet wird und deffen Brüche aus alter und neuer Zeit, unfern von einander, an der Via Tiburtina liegen (Baumaterial des Coloffeums). Die Haltbarkeit feit bald 2000 Jahren an den verfchiedenften Bauten fpricht am beften für die Qualität diefes Materiales. Vitruv führt von ihm an, dafs es jede Beladung aushalte, dem Wetter trotze, aber nicht feuerfeft fei — fo wenig, wie ein anderer Kalkftein. Die Steine von Antemninae und vom Monte Soracte find gleichfalls hier einzureihen, fo wie die Sarno-Kalkfteine, welche z. B. in Pompeji bei den unteren Theilen der Stadtmauer angewendet find. Den anicinifchen Steinen, der Farbe nach den albanifchen gleich, im Gebiete von Tarquinii, deren befte Brüche am Vulfiner See und in der Präfectur von Statonia fich befanden, werden die beften Eigenfchaften beigelegt; »weder Zeit noch Feuer könnten ihnen etwas anliaben.« Alle Bauten Roms wünfcht Vitruv aus diefen gemacht. Die Bauten von Ferentum find daraus hergeftellt. Ganz Ligurien, hauptfächlich aber Pifa und Luna und von diefen beiden das letztere, waren durch Kalkfteinbrüche berühmt. Sie lieferten fowohl weifses, als bläulich geflecktes Material in grofsen Stücken und fo ergiebig, »dafs die meiften ausgezeichneten Bauwerke in Rom und in anderen Städten davon errichtet waren.« »Der Stein war bequem zu transportiren, da die Brüche nahe über dem Meere lagen, aus dem Meere aber der Tiber Zufuhr aufnimmt« ( Strabo, Lib. V, 2, IS ). Neben diefem einfarbigen, kryftallinifchen Kalkfteine im Lande, der wohl zu- nächft wegen feiner Fertigkeit und nicht wegen feiner Pracht herangezogen wurde, I 12 kamen auch die einfarbigen, griechifchen Sorten, als: pentelifche, hymettifche und parifche in Gebrauch; fpäter wurden alle farbigen und bunten Marmorarten verwendet, und es trieb mit diefen die Kaiferzeit den erftaunlichften Luxus 68 ). Plinius, der zuweilen gern den Römer alten Schlages zu fpielen beliebt, tadelt die Verwendung folch koftbarer Materialien in etwas gar zu philifterhafter Weife: »Dafs die Sterblichen dies zu keinem anderen Gebrauche oder zu keinem anderen Vergnügen thun oder vielmehr leiden, als um zwifchen gefleckten Steinen zu liegen, und doch hebt das Dunkel der Nacht für die Hälfte des Lebens diefe Freude auf« ( Plinius, Lib. XXXI, i). Er tadelt weiter, dafs man fchwieg, als Scaurtts in feinem Haufe Marmorfäulen aufftellte, »als folch gewaltige Mafien, an den Thongipfeln der Göttertempel vorüber, in das Haus eines Einzelnen gefchleift wurden « (Lib. XXXVI, 2). Von fchwarzen Marmorarten wurde der lucullifche und lydifche fehr gefchätzt, von gelben der numidifche und kappadokifche, fo wie der Onyx oder gelb geflammte Alabafter (Kalk-Alabafter), von grünen der theffalifche und lakonifche, von den bunten der karyftifche (Cipollin), jafifche und thebanifche. Säulen, Balken und Mauerquader konnten in grofsen Dimenfionen aus diefem Materiale gewonnen werden. Die Kunft des Schleifens und Polirens verlieh den bunten Marmorforten erft den Reiz, der fie in der Folge fo gefucht machte. Die Haltbarkeit des Materiales hing von der forgfältigen Bearbeitung der Oberfläche ab. Das Schneiden des Gefteines mit Säge und Sand war bekannt; das Schneiden in dünne Platten ift nach Plinius (Lib. XXXVI, 6) in Carien (351 v. Chr.) erfunden worden; der äthiopifche Sand wird von ihm als der belle zum Sägen empfohlen. In Rom wurde die Bekleidung von Mauerwerk mit dünnen Marmorplatten wohl aus ökonomifchen Gründen ftark geübt, zuerft am Haufe des Mamurra, eines Beamten Jul. Caefar's. Schwellen aus numidifchem Marmor, im Blocke verwendet, liefs Lepidus (78 v. Chr.) in feinem Haufe legen. Die Schönheit der Oberflächen der Steine im Freien ift auch im milderen Eidlichen Klima von nicht zu langer Dauer, die Politur im Freien von verhältnifsmäfsig kurzem Beftand, da die farbigen und bunten Marmorforten bald erblinden, die aus wenig homogenem Gefüge rafch an der Oberfläche verwittern und auch wenig tragfähig find. Die hellen, homogenen, weifs-gelblichen, weifs-grauen oder voll- ftändig weifsen Arten verdienen vor allen den Vorzug bei der Verwendung im Freien; die farbigen und bunten wandern beffer in das Innere der Bauten. Grüne und rothe Porphyre, fo wie Serpentinfteine wurden neben dem bunten Marmor mit gleicher Liebe verwendet. Die Sandfteine Toscanas, deren Gebrauch bei den etruskifchen Bauten (vergl. Art. 6, S. 4) angeführt wurde und deren fich auch die Römer bedienten (vergl. Theater und Cyklopen-Mauer bei Faefulae) werden bei den alten Schriftftellern kaum erwähnt. Als harte Baufteine find Bafalt, Lava und Granit noch anzuführen. Thürgewände, Stürze, Säulen, Kapitelle, Cippen, Pflafter- und Mühlfteine wurden aus erfteren hergeftellt, aus letzterem die herrlichen, monolithen Säulenftämme gewonnen, welche durch die Art der Bearbeitung und ihre gewaltigen Abmeffungen uns in Er- ftaunen fetzen. (Vergl. Säulen der Vorhalle des Pantheon und die fog. Pompejus- Säule bei Alexandrien, letztere 20,5 m hoch bei 2,71 m unterem Durchmeffer.) cs ) Vergl. die Aufzahlung folcher in: Gottgetreu, R. Die antiken Marmorarten. Zeitfchr. f. I’auw. 1883, S. 103—132. 113 Als leichtes Material, das nur bei ganz unregelmäfsigem Bruchfteinmauerwerk und bei Gufsgewölben verwendet wurde, fi'nd Cruma, eine grobe, poröfe, leichte Lava-Schlacke von dunkel rothbrauner Farbe, und Bimsftein zu nennen. Ein Stein, der feiner transparenten Eigenfchaften wegen gefchätzt wurde, war der Spiegelftein (Lapis fpecularis) , Selenit, Marienglas. In dünne Scheiben gefpalten, wurde er wohl zum Verfchliefsen von Oeffnungen gebraucht, bei welchen die Luft abgefperrt und dem Tageslicht Zugang verfchafft werden follte. Sein Verhalten gegen Hitze und Froft war bekannt. Ein weifser, mit gelben durchfichtigen Adern verfehener Stein — Phengites (Leuchtftein) — dabei hart wie Marmor, wurde in Neronifcher Zeit in Kappadokien gebrochen. Der Tempel der Fortuna, welche die Saatgöttin heifst, wurde davon erbaut, und defshalb war »das Tempelinnere bei verfchloffenen Thüren am Tage tageshell« {Plinius, Lib. XXXVI, 46). Trotz der reichen Fülle von vorzüglichem natürlichem Baumaterial im Lande muffte doch die gefammte, beherrfchte Welt ihre einfchlägigen Erzeugniffe der gebietenden Roma zur Verfügung Hellen, und fie ward nicht müde, auch wenn fich die Schwierigkeiten der Befchaffung noch fo hoch aufthürmten, ausgiebig Gebrauch davon zu machen. Griechenland, Spanien, Aegypten und Kleinafien mufften ihre Brüche für den Bedarf der Weltftadt öffnen. Neben den natürlichen Steinen geht auch in der römifchen Architektur der Gebrauch von künftlichen Steinen zu Bauzwecken her. Die femitifchen Völker, Babylonier, Phöniker, Aegypter und Griechen waren mit diefem einfachften und älteften Zweige der Thonwaaren-Induftrie früh vertraut; bei den Römern war er von Alters her in Uebung. Aber nicht als gebrannte Waare, fondern als Luftziegel, d. h. als an der Sonne getrocknete Lehmfteine, wurden fie in ältefter Zeit verwendet. Vitruv (Lib. II, 3) und Plinius (Lib. XXXV, 46) verlangen vom Rohmaterial, dafs es kies- und fandfrei fei; es füllen die Steine aus kreidigem und weifslichem Boden oder aus Röthelerde (feft lagerndem, lehmhaltigem Boden) geftrichen werden. Als die geeignetfte Zeit für die Fabrikation wurden Frühling und Herbft erachtet. Vor der Verwendung mufften fie gewöhnlich 2 Jahre lagern; in Utica verlangte ein Gefetz fogar 5 Jahre Lagerzeit. Auf dem Lande mag das Bauen mit diefen Steinen ziemlich lange vorgehalten haben, eben fo die Verwendung derfelben beim Innenbau in Städten. Nach Vitruv wurden fie in Augufteifcher Zeit in Rom, der Stadt, nicht mehr gebraucht; in Pompeji find fie nicht nachweisbar. Die Nachrichten, dafs Städtemauern im regenreichen Klima damit aufgeführt waren, erfcheinen doch wohl nur dann glaubhaft, wenn wir eine deckende Schicht über dem aus Luftfteinen hergeftellten Mauerkern annehmen, z. B. Afphaltirung oder Blendung deffelben mit natürlichen oder künftlichen Hartfteinen. Die fo oft angezogenen alten »Luftziegelmauern« von Arretium erweifen fich in Wirklichkeit als mächtige Bruchfteinmauern (vergl. Art. 19, S. 8 u. 9). Der Luftziegel hiefs Later (ttXIvSoc) und wurde hergeftellt, indem der forgfältig von fremden Beftandtheilen gereinigten und angefeuchteten Erde Strohhäckfel beigemengt wurde, welche Mifchung in der Hand oder in befonderen Formen zu Ziegeln geftrichen wurde, die dann unter Umwenden an der Sonne getrocknet wurden. Der gebrannte Ziegel (Backftein) wurde mit Laterculus oder Later coctus, coclilis, teßaceus 69 ) bezeichnet. Er war ein wichtiger Factor in der römifchen Bautechnik 09) Vergl. Nissen, H. Pompejanifche Studien zur Städtekunde des Alterthums. Leipzig 1877. S. 24. Handbuch der Architektur. II. 2. 8 83. Luftziegel. 84. Backfleine. 114 Römifche Ziegelarten und deren Mafse nach fchriftftellerifchen Angaben und Befunden in Wirklichkeit. Ziegelarten. Fund- oder Länge Breite Dicke Aufftellungsort. in Centimetern. Mauerziegel. Rom. 22 14 3 » 23 14 3 » 24 14 3-4 » 25 14 3-4 » 29 ' 14-16 3—4 » 34 34 3-4 » 59 59 3—4 Nach Plimus (Lib. XXXV, 46) » 60 60 3-4 und Vitruv (Lib. II, 3) war der Tivoli. 42 42 3 »lydifchetr Ziegel der gewöhnlichfte; Ferenti. 59 15 3 er hatte l 1 ^ rom. Fufs*) Länge und » 59 59 3 1 Fufs Breite, alfo etwa 44 X 29 cm - » 27 15 3 Der »tetradorifche« Ziegel war Trier. 54 54 6 M 16 röm. Zoll*), der »pentadorifche« » 55 55 56 60 6 6 6 u. 5,5 O: 0 20 Zoll lang und breit (Acupov, die flache Hand — 4 Finger breit oder » 56 60 sr = 4 Zoll). » 53 28 4—4,5 » 54 29 Palladius empfiehlt den »bi- » 34 35 pedalen« Ziegel, der 2 röm. Fufs 55 55 5—7 'S lang, 1 Fufs breit und 4 Zoll dick Augft. 36 36 4 war. Mannheim. 36 36 4 II Von Fufsboden-Ziegeln werden » 39 31 3,5 M o» die quadratifchen Tejjferae und die Neuenheim. 22 22 5 N oblongen Spicae (Spicata teßacea) Badenweiler. 38-39 32 4 genannt. Mainz. 28 28 3 'S Htifingen. 28 28 3 Mefslcirch. 46 46 5 » 30 30 5 ii » 46 20 5 to Baden. 48 48 6 o» o » 27 27 6 05 Hypocauften-Ziegel . . . . Mefskirch. 20 20 5 S » 23 23 5 3 Sp ica e . Rom. 10 6 2 Mainz. 13 8 3 Htifingen. 17 12 4 R u n d z i e g e 1 s . . . Mannheim. 2! , 5 H-) » 25 ; Durchmeffer 5 W » 20 ) 9 Dreieck-Ziegel /?\ • • Rom. 21 11 3 // b Trier. 27 24 4 Lanoe •—* Taormina. 45 20 10 Bogenfteine -- . Mainz. 35 ob. 20 26 unt. 8 \ / Formziegel zu Säulen, Geümfen etc. Rom, Pompeji etc. in den verfchiedenften Dimenfionen. IIS und beherrfchte im II., III. und IV. Jahrhundert u. Z. in conftructiver Beziehung die Baukunft Roms. In Pompeji tritt er zuerft an einigen Thtirmen der Stadtmauer, dann an den Bauwerken der Sullanifchen Colonie und in gröfserer Ausdehnung an den Neubauten des Jahres 63 n. Chr. auf. In Griechenland dürfte die erfte Anwendung gebrannter Mauerziegel in die Diadochen-Zeit oder noch fpäter zu verweifen fein. Die Richtigkeit der Angabe des Paufatiias tiber das Philippeion in Olympia, wonach daffelbe »als erfter beftimmt datirbarer Backfteinbau auf europäifchem Boden« zu betrachten fei, wird neuerdings in Zweifel gezogen 70 ). Als Mauerftein wurde er in quadratifcher, rechteckiger und dreieckiger Form in den verfchiedenften Gröfsen und Dicken verwendet. Von 20 bis 60 cm differiren die Seitenlängen; von 2 bis 10 cm wechfeln die Abmeflungen in der Dicke. Befondere Formfteine zu Hypocauften oder Cifternen wurden 8 und 9 cm dick gemacht. Die neben flehende tabellarifche Zufammenflellung von römifchen, beliebig herausgegriffenen Ziegelmafsen giebt einen Ueberblick über die Gröfsen von an ver- •fchiedenen Orten gebrauchten Mauerziegeln. Sie erlöst uns auch vom Glauben an ein einheitliches Ziegelmafs in der damaligen Zeit. Die Ausführungen in Italien zeigen, dafs die von Palladius empfohlenen bipedalen Ziegel mehr in Uebung waren, als die von Vitruv angegebenen. Die Verwendung von dreieckigen Ziegeln, bei denen die Hypotenufen-Seite in die Anfichtsfläche gerückt wurde, weist darauf hin, wie ökonomifch man mit dem Materiale zu Werke ging. Die Lagerflächen der Mauerfteine, namentlich gröfseren Calibers, wurden mit Einritzungen der verfchiedenften Art verfehen, um ein befferes Haften des Mörtels herbeizuführen. Bei den Fufsbodenziegeln treffen wir neben der rechteckigen und quadratifchen Form auch die polygonale. Die Berührungsflächen find dann vielfach »unter dem Winkel gefchafft«, um einen guten Fugenfchlufs zu ermöglichen, und die unteren Flächen find eben fo wie die Lagerflächen der Mauerfteine aus dem eben angeführten Grunde mit Ritzen oder Vertiefungen verfehen. Befonders klein in den Abmeffungen wurden die Spicae gemacht. Rundziegel (in Form unferer Lohkäfe) wurden entweder nur bei Hypocauften- Pfeilerchen oder bei Conftructionen von Backfteinlaulen als innerftes Kernftück verwendet. Bei Thermen und Wohnräumen kommen quadratifche Platten von 46 und 54=™ Seitenlänge und rechteckige Platten (51 X 20 cm ) vor mit 4 vortretenden Zacken an den Ecken — die fog. Warzenziegel, die Tegulae mammatae des Vitruv (Lib. VII, 4). Die Zacken oder Warzen fpringen etwa 7 cra vor und wurden nur theilweife in die Wand eingelaffen, um einen allerdings nur wenige Centimeter meffenden Hohlraum zu ermöglichen, durch den erwärmte Luft durchziehen konnte, oder der dazu beftimmt war, durch die Mauer gedrungene Feuchtigkeit vom Wandputz der Innenräume abzuhalten. Bei den Stabianer Thermen wurden fie auf den Kalkbewurf der Wand eingefetzt und mit Metallftiften feft gemacht. Auch bei den Bauten in Trier (Bruchftück im Mufeum dafelbft) find folche nachweisbar (Fig. 91 71 ). 70 ) Vergl. Blümner, H. Technologie und Terminologie der Gewerbe und Künfte bei den Griechen und Römern. II. Band. Leipzig 1884. S. 11 und Fufsnote 4. 71 ) Die Illuftrationen zur »Baukunft der Römer« find zum allergröfsten Theile nach Originalzeichnungen und nach Originalaufnahmen des Verfaffers angefertigt worden. 85. Fufsboden- ziegel. 86 . Rundziegel und Warzenziegel. Fig. 9 1 71 )- 87. Hohlfteine. 88 . Schwamm- fteine. 89. Thon-Mofaik. In den verfchiedenften Gröfsen und von rechteckigem Querfchnitt wurden ftatt der Warzenziegel auch hohle Mauerziegel (Tubuli, Fictiles), meift bei den Luftheizungen in Bädern und Wohnräumen, verwendet. Sie hatten gewöhnlich Wandftärken von 2 bis 2,5 cm , waren oben und unten offen und an den Schmalfeiten mit Schlitzen von verfchiedener Form verfehen (Fig. 92). In »Augft« (auch im Bafeler Mufeum) finden fich folche, die nur oben offen find und auf einer Breitfeite ein gröfseres Mundftiick haben, in denen fich Rauch- und Rufsfpuren fanden und die wohl als Rauchrohre gedient haben mögen. Sie wurden mittels Mörtel und Eifenkrampen an der Wand befeftigt. Aus Thon gebrannte Wafferleitungsrohrerechteckig, kreisrund und halbkreisförmig im Querfchnitt mit oft fehr forgfältig gearbeiteten Anfchlufs- vorrichtungen wurden in unterfchiedlichen Gröfsen allenthalben verwendet. Fig. 92. jjßHt ( ^—. 0 ■tX)- iS" —'■ mm m&äisä Irdene Töpfe wurden zum Ifoliren von Wänden (vergl. Bauten unterhalb des Palatin in Rom) und auch im Mauer- und Gewölbebau verwendet. Ziegelfteine, aus bimsfteinartiger Erde, die getrocknet im Waffer nicht unter- fanken, werden bei Vitruv (Lib. II, 8) und bei Plinius (Lib. XXXV, 49) erwähnt. Sie follen zu Pitana in Afien und im jenfeitigen Hifpanien angefertigt worden fein (vergl. auch Strabo, Lib. XIII, 67). In kleinften Dimenfionen wurden auch verfchiedenfarbige Thonftifte hergeftellt und damit ein feineres Mofaik gemacht, das Opus vermiculatum. Natürliche, verfchiedenfarbige Mauerziegel ergaben fich durch die von Natur aus verfchiedene chemifche Zufammenfetzung der Thonerden beim Brennen von felbft. Hellgelbe und dunkelrothe Steine waren im Gebrauch, oft neben einander am gleichen Baue ii 7 in fchönfter Weife abwechfelnd. (Vergl. Sedia del Diavolo und Deus Rediculus bei Rom.) Die Herftellung von glafirten oder buntfarbigen Ziegeln, wie fie der Orient 9°- Farbige Ziegel- kannte und die »einen Hauptglanz der afiatifchen Kunft bildeten«, mufs den Griechen und Römern wohl bekannt gewefen fein (farbige Ziegelrefte in Olympia, Syrakus, Metapont, Selinus etc.). Der bemalte traditionelle Stucküberzug bei Ziegelwänden und auch bei Thonverzierungen, mit dem man lieh zufrieden gab, oder die fpäter üblich gewordene, viel prächtigere Marmorverkleidung haben fie wohl auf deren Anwendung im Grofsen verzichten laffen. Auch die Ziegelrefte, krumm gebrannte oder zerbrochene Waare, wurden noch 9I - nutzbar gemacht, indem fie, zu kleinen Stücken zerfchlagen, dem Kalkmörtel bei- signinnm gemengt, einen vortrefflichen Beton abgaben oder, beim Eftrich verwendet, das Opus Signinum (fog. von der Stadt Signia) herftellen halfen. Aelter als die gebrannten Mauerfteine find die gebrannten Thonziegel, fchlecht- 92 ' ° Dachziegel. weg %spap,oi, xepajftSe?, Tegulae genannt. Für das hohe Alter derfelben fpricht die Erwähnung der Sage bei Plinins (Lib. VII, 195), dafs Kinyras aufKypros das Ziegeldach erfunden habe. Zur Blüthe- zeit Athens war es fchon allgemein verbreitet. Die Etrusker find mit demfelben bekannt gewefen; auch in Pompeji reicht der Gebrauch ziemlich weit hinauf, da fich Ziegel mit oskifchen Stempeln finden. Ischia verforgte die Städte des Golfes mit Ziegeln 72 ). Die Dachziegel hatten rechteckige oder trapezförmige Geftalt und beftanden, wie in Griechenland, aus flach gewölbten und ebenen Plattenziegeln mit aufgebogenen Rändern an den Langfeiten, den eigentlichen Tegidae, und aus conifchen oder fattel- förmigen Hohlziegeln (xaXuirTfjpes, Imbrices), welche die mit den aufwärts flehenden Rändern an einander ftofsenden Tegulae überdeckten. Die Planziegel waren auf der unteren Fläche glatt und hatten keine Nafen; ihre Abmeffungen waren fo ver- fchieden, wie die der Backfteine. Nicht gleichmäfsig dick geftrichen, verjüngen fie fich nach oben in der Stärke um 1 bis l,s cm . Die durchfchnittliche Dicke ift am unteren Rande 3 cm , der Rand, der nicht vollftändig bis zur Oberkante reicht, 3 bis 4 cm hoch. Neben den Randleiften laufen noch auf der oberen Fläche kleine Rinnen her. Die trapezförmigen Dachziegel haben an der Schmalfeite zurückgefetzte kurze Falze, während die rechteckigen fchräg unterfchnittene haben. Ziegelrefte in den Mufeen von Trier und Karlsruhe (letztere von Badenweiler flammend) zeigen, etwa 5,5 cm vom oberen Rande, Nagellöcher und waren fomit wohl Traufziegel. Die Hohlziegel erhielten an der Dachtraufe meift einen befonderen bildnerifchen Schmuck, indem fie eine aufwärts gerichtete, palmettenartig verzierte Stirnfläche, Thiergeftalten und Blatt-Ornamente aufweifen. Aufser diefen wurden noch befondere Firft-, Grath-, Kehlen- und Traufziegel geformt. Die Firftziegel waren wieder Hohlziegel, aber von cylindrifcher Form mit feitlichen Anfätzen oder Oeffnungen zum Einfchieben der Hohlziegel und mit Ver- bindungsanfätzen in der Längenrichtung zum Aneinanderfchieben der einzelnen Stücke. In ähnlicher Weife waren die Grathziegel gebildet. Die plattenartigen Kehlenziegel ( Tegulae colliciares, deliciares — zur Wafferrinne gehörig) hatten eine unregelmäfsige, fechseckige Form mit 4 langen und 2 kurzen Seiten; zwei der langen Seiten hatten die gleichen aufgebogenen Ränder wie die Tegidae. Statt 72 ) Vergl. Nissen a, a. O., S. 23. 118 93 - Stempel. 94 - Formfleine. 95 - Gefchirre. 96. Mörtel. der Hohlziegel mit Antefixen als Abfchfufs der Dachfläche nach dem Traufrande wurden auch durchgehende Wafferkaften, d. h. Traufziegel mit Sammelrinnen und Wafferfpeiern hergeftellt. Sie beftanden aus einer geraden Fläche, welche fleh unter die Tegulae zum Theile fchob und aus einem ftark aufgebogenen, ornamentirten Rande (Sima), an welchem in beftimmten Entfernungen die Wafferausgüffe fafsen. Bei einigem Winde hatte man alsdann denfelben Effect in der Wafferabftihrung, als wie beim Dache ohne Wafferkaften und Wafferfpeier. Eine Sammelrinne ohne Verbindung mit einem Abfallrohr hat geringen praktifchen Werth. Die in Griechenland in der älteren Zeit vorkommenden flach gewölbten Ziegel (Tegulae) mit ähnlichen, überdeckenden Hohlziegeln mögen nur feiten zur Verwendung gekommen fein, da auf den Trümmerftätten oder in Mufeen gewöhnlich nur die gefchilderten zwei Arten zu finden find. Um das Abziehen des Rauches oder das Eindringen von Luft und Licht in den Raum unter der Dachfläche zu ermöglichen, wurden mit den gewöhnlichen Plattenziegeln auch folche mit Oeffnungen von verfchiedener Form und Gröfse eingedeckt. Von diefen mögen wohl einzelne mit Marien- oder Tafelglas zugedeckt gewefen fein, wie Vorrichtungen an in Pompeji gefundenen Ziegeln vertnuthen laffen. Neben diefen waren aber auch mit Hüten und dachlukenförmigen Auffätzen verfehene im Gebrauch, welche ohne Weiteres dem Eindringen des Regens wehrten und von denen unverfehrte Exemplare in Pompeji und Bruchftücke aus Bauten der Zehntlande in den Mufeen zu Mainz und Karlsruhe fleh befinden. Die Stempelung der römifchen Ziegelwaaren war ziemlich allgemein oder doch ein viel verbreiteter Gebrauch. Die Namen der Fabrikanten, Fabrikmarken und Legions-Zeichen (Nummern und Beinamen derfelben) finden fleh eingeprefft, bald vertieft, bald erhaben gefebnitten. Originalftempel von PIolz, Thon, Gyps, weichem Stein und Metall find erhalten. Die Steine, welche zur Herftellung von Säulen gebrannt wurden, bilden wahr- fcheinlich die Mittelftufe zwifchen den Dachziegeln und Backfteinen. Der Gebrauch derfelben läfft.fich in Pompeji bis in die Mitte des II. Jahrhundertes v. Chr. zurückführen (Bafilika), während dort die Mauerziegel erft in der Kaiferzeit verwendet wurden. Schliefslich find noch die befonderen Formfteine und die Bau-Ornamente, als: Thon-Reliefs, Gefimfe, Friesplatten etc. anzuführen. Von letzteren finden wir die einzelnen Stücke numerirt und mit Löchern zum Annageln verfehen. Dafs man auch in der Herftellung grofser gebrannten Thonftücke die nöthige Fertigkeit befafs, beweifen die Thonfärge, Badewannen (vergl. Capitol. Mufeum in Rom), Amphoren und Weintonnen. Vitellius liefs eine Schüffel machen, für die ein befonderer Ofen auf dem Felde erbaut werden muffte und die etwa 150000 Mark koftete. Sie war »fo grofs wie Sümpfe« und führte den Namen »Schild der Minerva« {Plmnis, Lib. XXXV, 46). Die Städte Rhegium und Cumae waren ihrer Schüffeln wegen berühmt; die famifchen und arretinifchen Gefäfse waren beliebte Tafelgefchirre. Die Verwendung künftlicher Steine zum Bauen fetzt ein Bindemittel voraus, das die kleinen Stücke zu einem fchwer trennbaren Ganzen zufammenfügt. Bei den Mauern aus natürlichen Steinen konnte die nöthige Standfähigkeit durch die rationelle Verbandfchichtung und durch das Gewicht der Materialien gewonnen werden; die Verbindung der einzelnen Stücke unter einander blieb dabei eine rein mechanifche. Beim Backfteingemäuer dagegen müffen Bindemittel und Baumaterial eine chemifche II 9 Verbindung mit einander eingehen und diefe, geflützt auf eine eben fo rationelle Verbandfchichtung, mufs hier den nöthigen Halt gewähren. Bei Bruchfteingemäuer, bei Mauern aus unregelmäfsigen, verhältnifsmäfsig nicht fehr grofsen Sand- oder Kalkfteinen dient der Mörtel mehr zur Ausebnung und Ausfüllung der Zwifchen- räume, welche die unbehauenen oder nur fehr wenig bearbeiteten Steine bei der Auffchichtung frei laffen; auch hat er eine gleichmäfsige Druckvertheilung auf das ganze Lager zu bewirken. Beim Quaderbau, wenn die Steine forgfältig bearbeitet find, fo dafs fie fich in den Flächen innig berühren, hat die Anwendung von Mörtel wenig Werth. Wenn wir heutzutage beim Quaderverfetzen feinen Mörtel oder reinen Kalk auf- ziehen, fo dient dies mehr zur Ausgleichung von Unebenheiten und der dadurch ermöglichten gleichmäfsigeren Druckvertheilung, weil wir die Lagerflächen der Steine nicht mehr fo forgfältig zu bearbeiten gewohnt find, wie dies die Alten thaten. Wir miiffen defshalb mit offenen Fugen verfetzen, während die Quaderfugen bei den Alten oft kaum fichtbar find. Mangel an Zeit und Geld läfft uns von der antiken Praxis abfehen. Die Art der Ausführung hängt eben vor wie nach, wieder und immer wieder, neben der Gefchicklichkeit der Arbeiter, von den Geldmitteln ab. Wie heute noch die Aegypter die Umfaffungsmauern ihrer kleinen Käufer mit Nilfchlamm als Bindemittel aufbauen, fo mögen früher die Luftziegelmauern mit Lehm als Bindemittel hergeftellt worden fein. Die Verwendung von Afphalt als folchem, welche uns von Herodol berichtet wird, hat fich wohl auf Afien befchränkt. Lehmmörtel mag auch noch bei Feuerungsanlagen zu Backfteinmauern verwendet worden fein, wie dies heute noch der Fall ift; auch mag er von leichtfertigen Unternehmern oder bei ftark fühlbarem Geldmangel oder bei Zwifchenmauern kleiner Bauten noch in fpäter Zeit eingefchmuggelt worden fein. Klagen über Kalkunter- fchleife und daraus folgende Häufereinftürze find ja im Alterthume keine Seltenheit. (Vergl. Plinius, Lib. XXXVI, 55.) Das Vorkommen von Lehm in den Lager- und .Stofsfugen, namentlich bei verfchüttet gelegenem oder unterirdifchem Mauerwerk, kann übrigens auch in vielen Fällen auf ein Einfchwemmen des lehmigen Bodens, welches von dem das Erdreich und das Gemäuer durchziehenden Tagwaffer im Laufe der Zeit bewirkt worden ift (wie z. B. bei der Melone in Camuscia) zurückgeführt werden. Die wichtigfte Rolle für die Entwickelung der Technik in der fpäteren Bau- kunft fpielt der Kalkmörtel; der Gewölbebau grofsen Stils wäre ohne diefen nicht möglich gewefen. Er ift den Griechen erft verhältnifsmäfsig fpät bekannt geworden; 300—200 v. Chr. mag er auf europäifchem Boden eingeführt worden fein. Am meiften in Auffchwung kam er, als man »die fchätzbaren Eigenfchaften erkannte, welche Kalk in Verbindung mit Puzzolane gewinnt«. Die erften Verfuche damit wurden am Golf von Neapel gemacht. Strabo (Lib. V, 4) führt Puteoli als grofse Handelsftadt an, »da fie wegen Brauchbarkeit ihres Sandes zu künftlichen Hafenbuchten die Anlage grofser Dämme in das Meer geftattete und die offenen Ufer zu Buchten machte, in denen die gröfsten Laftfchiffe anlegen können.« — »Puzzolan- Erde mit cumanifchem Mörtel gemifcht, in das Waffer getaucht, giebt einen einzigen, den Wogen unbezwingbaren Stein« ( Plinius, Lib. XXXV, 6). Kalk und Sand waren die unfeheinbaren Materialien, denen die Baukunft fo viel verdankt. Kalk follte von weifsen Bruchfteinen oder Gerollen gebrannt, der aus harten Steinen gewonnene zu Mauermörtel, der aus löcherigen zu Putzmörtel verwendet 97 - Lehm- und Afphalt mörtel. 98. Kalkmörtel. 99. Kalk. 120 TOO. Sand. 101. Marmormörtel und Gyps. 102. Holz. werden. Kalk, aus bunten Steinen gewonnen, verwirft Cato. Der gelöfchte Kalk wurde um fo beffer erachtet, je älter er war; nach alter Vorfchrift follte er 3 Jahre eingefumpft fein. Den frifch gegrabenen Sand erklärt Vitruv (Lib. II, 4) für den beften; er foll daher nicht lange an der Sonne liegen. Nur zum Putzen follte trockener verwendet werden. Der befte foll, in der Hand gerieben, knirfchen und, auf ein weifses Tuch gefchiittet und wieder herausgeworfen, diefes nicht befchmutzen. Von Grubenfand führt er fchwarzen, grauen, rothen und röthlich-braunen (Karbunkel) und in Etrurien rothbraunen an, ferner Flufsfand oder aus dem Kies gefchiedenen. Den Meerfand verwirft er, da er fchwer trocknet und falzige Feuchtigkeit abfondert. Für guten Mörtel follten auf 3 Theile Grubenfand 1 Theil Kalk kommen, bei Verwendung von Flufs- oder Meerfand 1 Js gefiebtes Ziegelmehl zugefetzt werden. Plinius (Lib. XXXVI, 52) will bei Grubenfand x /i Kalk, bei Flufs- und Meerfand x /s Kalk, für Mörtel zum Cifternenbau dagegen 5 Theile reinen, rauhen Sand und 2 Theile ftark bindenden Kalk. Zerbrochene und zerftofsene Thonfeherben, dem Kalk beigemifcht, machen den Mörtel fefter und dauerhafter ( Plinius, Lib. XXXV, 6). Marmormörtel und Gyps wurden nur zu decorativen Zwecken verwendet. Der letztere wurde als Gypserde (Cypern) gegraben oder aus Steinen (Syrien) gebrannt. Der befte wurde aus dem Spiegelftein gewonnen. Wenn angefeuchtet, fo wird fein rafcher Verbrauch anempfohlen. Der erftere muffte vor feiner Verwendung fo lange bearbeitet werden, bis er nicht mehr an der Kelle hängen blieb. {Plinius, Lib. XXXVI, 55, 59.) »Mit dem Baume erbauen wir Wohnungen, aus dem Baume werden auch Götterbilder gemacht« ( Plinius, Lib. XII, 2). Holz als Baumaterial ift fo alt und fo wichtig, wie Stein. Mangel oder Vorhandenfein oder Vorwiegen des einen oder des anderen Materials gab in den verfchiedenen Ländern den Ausfchlag für die erften Anfänge und die eigenthümliche Entwickelung der Baukunft. Im Haurän, im vollftändig baumlofen Lande, zwang das einzige Material, der Stein, zum Steinbau, und wir können diefen von der Höhlenwohnung, die ficher bis in das grauefte Alterthum hinaufreicht 73 ), bis zum vollendeten öffentlichen und Tempelbau verfolgen. Der Holzbau konnte fich nur in fchwach bevölkerten, holzreichen Gegenden auf die Dauer halten; die Vergänglichkeit des Materiales und der Maffenverbrauch in dicht bevölkerten Landftrecken liefsen wohl bald zur gemifchten Bauweife, zum combinirten Holz- und Steinbau, übergehen. Die Vorbedingungen zu diefem waren in Italien vorhanden, und wir begegnen demfelben auch in der römifchen Baukunft. Sind auch keine Werke diefer gemifchten Bauweife vollftändig erhalten geblieben, an denen wir die verfchiedenen, zur Verwendung gekommenen Holzarten nachweifen können, fo geben uns doch die verkohlten Refte in Pompeji und die Aufzeichnungen alter Schriftfteller Auffchlufs über diefe und ihre Anwendung. Nufsbaum-, Eichen-, Kaftanien-, Buchen- und Fichtenholz find in jener Stadt nachweisbar. Die Tannen und Fichten Latiums preist noch Theophraß (Pflanzengefch. V, 8); über den Holzreichthum Tyrrheniens, welches die geräderten und längften Balken zum Häuferbau liefere, und fpeciell Pifas, berichtet Strabo (Lib. V, 2, 5); Lärchenbeftände ringsum die Ufer des Padus und an den Küften des adriatifchen Meeres führt Vitrtiv an. Diefer (Lib. II, 9) und Plinius ? 3 ) Bädeker, K. Paläftina und Syrien. Von A. Socin. Leipzig 1875. S. 125 u. 418. I 2 I (Lib. XVI) geben nachftehende Holzarten und deren Verwendung zu technifchen Zwecken, welche bis heute diefelbe geblieben ift, an: Weifstanne, Lärche, Buche, Wintereiche, Zirneiche, Hainbuche, Efche, Erle, Ulme, Wallnufs, Pappel, Linde, Weide, Kiefer, Cypreffe, Ceder etc. Tannen und Lärchen werden wegen ihrer bedeutenden Biegungsfeftigkeit zu Balken empfohlen, die Eichen wegen ihrer Druckfeftigkeit zu Ständern. Das Lärchenholz gilt bei Vitruv geradezu als unverwüftlich. »Wenn diefes Holz leicht nach Rom zu fchaffen wäre, fo hätte man bei Bauwerken den gröfsten Nutzen davon.« Ueber die Haltbarkeit der Hölzer fagt Plinius ganz allgemein, dafs diejenigen Holzarten, welche einen vorzüglichen Geruch haben, auch von Dauer feien. Am beften hielten Eibenbaum, Cypreffe und Ceder, und als Beweis diene das Dach des Dianen-Tempels zu Ephefus, das aus Cedernbalken beftehe; weiters die aus Cypreffenholz hergeftellten Thürflügel dafelbft, welche, obgleich 400 Jahre alt, noch wie neu ausfähen. Vier Jahre hätten diefe in den Leimzwingen geftanden! Ferner das Holzwerk aus numidifchen Cedern am Apollo-Tempel in Utica, das fchon 1178 Jahre ausdauere. Die Balken von Wachholder des Dianen-Tempels in Sagunt, welche fchon 200 Jahre vor der Zerftörung Trojas eingelegt feien, dauerten zur Zeit noch! Von Fäulnifs und Alter würden nicht angegriffen Cypreffe, Ceder, Buchs, Taxus, Wachholder und Olive und fehr fpät erft Lärche, Wintereiche, Korkeiche, Kaftanie und Wallnufs; keine Riffe erhielten Ceder, Cypreffe, Olive und Buchs, was wohl nur dann zutreffen würde, wenn diefe Hölzer technifch ganz raffinirt, ihrer Eigenart entfprechend, verwendet worden wären. Ueber die Gröfse und das Alter der Bäume erfahren wir ( Plinius , Lib. XVI), dafs z. B. auf einem Hügel in der Nähe Roms eine Steineiche von etwa 10 m Umfang ftand und dafs ebenfalls eine Steineiche auf dem vaticanifchen Berge gezeigt wurde, deren Alter das der Stadt übertreffe; fie trug eine Infchrift mit ehernen etruskifchen Lettern. Tiber ftellte einen Lärchenftamm von 36 m Höhe aus, der gleichmäfsig 60 cm dick war; ein Balken, der beim Baue des Diribitorium übrig blieb, hatte 45 cm Dicke und 30 in Länge. Bei dem Schiffe, das Caligula zur Ueberführung eines Obelisken bauen liefs, befand fich eine Weifstanne, deren Stamm 4 Männer kaum umfpannen konnten und der mit etwa 13 000 Mark bezahlt wurde. Cedern von ähnlicher Gröfse werden auf Cypern erwähnt. Die von den Engländern neuerdings befolgte Praxis, im Safte gefälltes oder grünes Holz zum Schiffbau zu verwenden, wurde von den Römern fchon geübt. Duilius ging 60 Tage nach der Baumfällung mit feiner Flotte unter Segel, Scipio im zweiten punifchen Kriege 40 Tage nach der Fällzeit. Als die rechte Zeit zum Fällen des Bauholzes zu Hochbauzwecken bezeichnen Vitruv und Plinius die Tage vom Herbft bis zum Frühjahr (»vom längften Tage bis zum Erfcheinen des Weftwindes«), Wo es möglich, befolgen wir heute noch diefelbe Regel; ihr Einhalten hängt von localen Verhältniffen ab. Der rafche Umfatz des Holzes zu Geld hat auch hier noch ein Wort mitzufprechen. Auch auf den Stand des Mondes wollen die Beiden Rückficht genommen haben, indem fie die Zeit zwifchen dem 20. und 30. Tage des Monates für die geeignetfte erachten. Am beften eigne fich für Rundholz zum Fällen die Zeit, in welcher die Bäume knofpen, weil fpäter die Rinde unablösbar würde. 103. Dauer. 104. Gröfse und Alter. 105. Verwendung und Fällzeit. 122 ioö. Metalle. 107. Eifen. 108. Blei und Zinn. 109. Erz und Kupfer. Als Art der Fällung wird gerathen, den Baum bis zum Kern einzufchneiden, damit der Saft heraustrocknen kann, und dann erft foll er vollends gefällt werden. Cato, »in allen Erfahrungsfachen der bedeutendfte Mann«, räth: »Rühre kein Bauholz an, als bei neuem Licht und wenn der Mond halb ift; alsdann darfft du es aber weder ausgraben, noch am Boden abhauen; am betten fchafft man es an den nächften heben Tagen, in denen der Mond voll ift, heraus. Jedenfalls hüte dich, dafs du Holz befchlägft oder fällft oder anrührft, wenn es nicht trocken oder wenn es gefroren oder bethaut ift 74 ). Von den Metallen waren es vorzüglich Eifen, Blei, Zinn, gediegenes uiid künftliches Erz, die zu technifchen Zwecken, allerdings nicht in dem weiten Umfange, in welchem die moderne Technik he verwendet, verarbeitet wurden. Die Edelmetalle, Gold und Silber, wurden zu Schmuckfachen und Kunftwerken verarbeitet, dünn ge- fchlagen auch zu Ueberzügen von Bronzen und Bildwerken aus den verfchiedenften Materialien oder auch als Beimengung zur Herftellung künftlicher Metalle verwendet. Das Eifen, »das bette und das fchlimmfte Werkzeug im Leben«, wurde ausgiebig fchon feit alter Zeit in den Gruben von Ilva (Elba, hehe Art. IO, S. 5-), alfo im Lande felblt gewonnen. Auch Kappadokien lieferte gutes Rohmaterial. Als das vorzüglichfte bezeichnet Plinius (Lib. XXXIV, 39) das ferifche und ihm zunächft das parthifche Eifen, beides Streckerze. Als Eifenfabrikate waren berühmt die Erzeugniffe von Bilbilis und Turiaffo in Hifpanien und von Comum in Italien. In der Baukunft fehen wir hauptfächlich nur Stangen, Klammern, Dollen oder Dübel, Stifte, Haken, Nägel, Schlöffer und Werkzeuge aller Art aus diefem Material gemacht. Gegen Roft fuchte man daffelbe durch Bleivergüffe oder Ueberzüge von Bleiweifs, Gyps und ßüfhgem Pech zu fchützen. Beim Blei unterfchied man fchwarzes und weifses; letzteres war das kottbarere. Aus dem erfteren wurden Rohre und Belegplättchen (Tafelblei?) gemacht. Bleierne Wafferleitungsrohre mit römifchen Stempeln, in allen Querfchnitts-Dimenhonen, hnden hch allenthalben, und heute find davon in Italien noch welche im Gebrauch — das befte Zeugnifs für deren Güte. Zinn wurde zur Herftellung von Spiegeln gebraucht, deren beliebtefte zu Brunduhum gefertigt wurden; auch die ehernen Gefchirre wurden damit belegt, um ihnen den unangenehmen Gefchmack zu benehmen und um die Bildung von Griinfpan zu verhüten. Gediegen Erz, oder nach jetziger Ausdrucksweife, gediegen Kupfer (Cuprum nativum) wurde nach Plinius (Lib. XXXIV, 1 u. 2) gegraben und durch Feuer geläutert. Im eigenen Lande fand es ficli einft in Campanien, dann im Gebiete der Bergomaten, dem äufserften Theile Italiens. Das Salluftianifche Erz im Alpen- ftriche der Centronen und das Livianilche in Gallien gingen fchnell zu Ende. Das höchfte Anfehen genofs fpäter das marianifche (Sierra Morena?) oder cordubenfifche. Das erfte Erz foll auf Kypros entdeckt und aus Chalcites (Erzftein, Kupferkies) gewonnen worden fein. Seine hauptfächlichfte Verwendung war zu Geld. Was fonft noch als Erz bezeichnet wurde, war ein Erzeugnifs der Kunft. Plinius klagt über den Verfall der Kunft, Erze zu giefsen; »man übe fie nicht mehr wie früher des Ruhmes, fonclern, wie Alles, des Gewinnes wegen.« Die Verwendung diefes kiinftlichen Erzes, der Bronze unferer Zeit, zu Götterbildern (das erfte in Rom eine Ceres 485 v. Chr.), Statuen, Schwellen und Thür- "*) Eine ziemlich umfaffende Aufzählung der wichtigften Nutzhölzer der Alten und deren Verwendung findet hch bei Blümner a. a. O., S. 245—311; die befte antike Quelle hierüber ift Thcofihraft; H. pl. 123 Hügeln der Tempel und zu Geräthfchaften aller Art, als: Tifchfüfsen, Bettgeftellen, Prunktifchen, Dreifüfsen, Leuchtern, Lampen, Candelabern, Kannen, Eimern etc. war eine ungeheuer verbreitete. Als Verbindungsmaterial fand es nur feiten Anwendung in der Baukunft, da das’ Eifen hierfür, nach griechifcher Tradition, das bevorzugte Material war. Seine Verwendung zu Säulen - Kapitellen ift durch Plinius (Lib. XXXIV, 7) beglaubigt, der folche in der von Cn. Octavius erbauten Doppelfäulenhalle bei der flaminifchen Rennbahn und im Pantheon des M. Agrippa angiebt; auch die Kapitelle des Tempels in Palmyra dürften aus diefem Materiale gewefen fein 75 ). Am früheften berühmt war das delifche Erz; durch feine Mifchung das aegi- netifche; als Kranzerz zu Blättern verdünnt und als dehnbares (Staberz) das cyprifche; zu Geräthen und Gefäfsen das campanifche. Sogar dem Silber und Golde wurde das korinthifche Erz vorgezogen. Man unterfchied bei diefer »Edelbronze« drei Arten: eine weifse, in der bei der Mifchung Silber vorherrfchte; eine gelbe, bei welcher Gold vorherrfchte, und eine dritte, bei welcher der Zufatz von Gold und Silber gleichwerthig war. Nach dem Zufall gemifchtes hatte die Farbe der Leber, ftand geringer im Werthe und wurde Lebererz genannt. Bronze-Statuen beftrichen die Alten mit Erdharz; fpäter wurden fie mit Gold überzogen. Als Conftructions-Material treffen wir Erz beim Dachftuhl der Vorhalle des Pantheon, als Bekleidungsmaterial im Inneren der Pantheonskuppel. Stücke von letzterem find heute noch an der Wandung der Lichtöffnung im Scheitel des Gewölbes erhalten. Als Deckmaterial führt es Plinius (Lib. XXX, 7) beim Vefta- Tempel in Rom an, deffen Dach mit fyrakufanifchem Erze bedeckt war. Die Ziegel des Tempels der Roma und Venus waren aus Bronze und vergoldet. Das opake Glas (Email) zu Aufträgen oder Ueberziigen von Thonzeug, Terracotten, Backfteinen und Metall (Email cloifonne , und champleve) wurde in Aegypten in ältefter Zeit fchon verwendet und kann dort in einzelnen Zweigen, durch die Königs-Cartouchen beglaubigt, bis auf Me 7 icheres (IV. Dynaftie, 3122 bis 2956 v. Chr.) zurückgeführt werden. Die Art der Glasfabrikation ift uns, in den Reliefs von Beni-Haffan-el Gadim bildlich dargeftellt, erhalten geblieben. Sie flammen aus der Zeit der XVIII. Dynaftie (1597—1447 v. Chr,). Das Giefsen und Blafen ift hiernach bekannt gewefen. Der Name Thutmcs III. prangt auf einem kleinen, irifirenden Becher. Gemalte Gläfer können in Theben bis 1900 v. Chr. zurück- datirt werden. Auch die Affyrer waren fchon früh mit der Glasfabrikation vertraut. In den Ruinen von Niniveh (Funde von Lciyard und Botta) fanden fich runde Glasvafen mit Infchriften des Königs Sargon, der 17 Jahrhunderte v. Chr. regierte. Die Gläfer von Sidon waren berühmt; die Blüthe der Stadt fällt aber zwifchen 1600—1100 v. Chr. In Afien blieb man bei der Fabrikation kleiner Gläfer nicht ftehen ; man gofs Stücke fo grofs, um einen Leichnam hineinlegen zu können. (Xerxes Dam filrns eff off0 vetufti Beins monumento vitremn alveutn reperit in quo jacebat oleo cadaver .) Fein und gefchmackvoll find die Glaswaaren der Etrusker; fie erinnern an die der ägyptifchen Kunft. Da an der Küfte von Cumae ein Sand vorkömmt, der fich zur Glasfabrikation eignet, fo dürfen wir wohl annehmen, dafs Glasarbeiter fchon früh in Campanien 15) Vergl. Socin a a. 0., S. 547 . 124 III. Tafelglas. 112 . Glasfenfter. und zu Cumae fich niedergelaffen hatten. Die Fortfehritte in der Glasfabrikation auf römifchem Boden werden bekundet durch die Legende, dafs unter Tiber unzerbrechliches Glas gemacht worden fei. Thatfache ift das leichte Glas unter Nero, der Nimbus vitreus des Martial, von dem einzelne Stücke mit 600 Mark bezahlt wurden. Seine ungeheuer mannigfache Verwendung zu Gefchirren, zum Aufbewahren von Flüffigkeiten, Früchten, Gemüfen, Effenzen, Arzneien, zum Ver- fchliefsen von Waaren ftatt Papier oder Leinwand, zu Sand- und Wafferuhren, Lampen, Afchenurnen, Toilette-Gegenftänden, Perlen, Arm- und Halsbändern, zu optifchen Inftrumenten (Vergröfserungsgläfern), die Verbindung von Bronze und Glas (vergl. Plimus, Lib. XLV und LXIII) in alter Zeit find bekannt und berühren die Bautechnik zu wenig. Dagegen ift die Herftellung von Tafelglas und deffen Verwendung einfehneidend für die Geftaltung der Architektur geworden. Verfolgen wir die Pintwickelung der Fabrikation diefes Zweiges und Verwendung bis heute, fo hat kein Material, mit Ausnahme des Eifens, eine folche Revolution auf dem Gebiete der Baukunft hervorgebracht, wie das Glas. Es fleht wohl aufser Zweifel, dafs man den Spiegelftein (Marienglas) als licht- durchlaffenden Verfchlufs fchon früh verwandte; aber auch das Tafelglas wurde, und zwar in nicht gerade kleinen Abmeffungen, in der Kaiferzeit ziemlich ausgiebig verwendet. In Pompeji felbft, noch an Ort und Stelle, und im Mufeum zu Neapel befinden fich kleinere Stücke, in der Sammlung des Louvre ein Stück von 25 X 19 cm bei 4 bis 5 mm Dicke. Im Jahre 1831 wurden in Pompeji Scheiben von SOX^b 1 /* 0111 gefunden, und 1862 erregten in der Sitzung der Akademie der Wiffenfchaften zu Paris gegoffene Scheiben aus Herculaneum von 70 X 40 cm die Aufmerkfamkeit der Gelehrten 76 ). Die Analyfe ergab nahezu die gleiche Zufammenfetzung, wie bei unteren modernen Gläfern 77 ): ICiefel . . 69 antik, 68 modern, Soda . . 17 » V » Kalk . . • • 7 » 9 » Aluminium • • 3 » 4 » Eifenoxyd 1 ;> — » Philo, der eine Gefandtfchaft Alexandriner Juden zu Caligula führte, berichtet, dafs jener einen grofsen Saal mit Glasfenftern zu fchliefsen befahl, welche Philo fehr wohl von denen aus Spiegelftein unterfcheidet (.. .. >> juffit circumquaque feneßras claudi vitro candido, fimili fpecularibus lapidibus quibus lux admittitur, ventus et fol excluditur .« Liber de legatione ad Gajum). Plinius läfft die Galerie in feinem Laurentinum, Juvenal eine Sänfte mit Glas gefchloffen fein. Lactantius (de opificio Dei), gegen Ende des III. Jahrhundertes lebend, fpricht von ». . . .feneßras vitro aut fpeadari lapide obductasi. Zeugniffe für Glasfenfter aus der Mitte des IV. Jahrhundertes bringen der heil. Augußin und der heil. Hieronymus bei. *Feneßrae erant factae in modum retis, ut non fpecidari lapide, nec vitro, fed lignis vermiculatis clauderentun (de verb. Dom. Senn. V, 2), fchreibt der erftere, der letztere: ßeneßrae quae vitro in tenues laminas fufo obductae erant.i Die Fenfter waren mit dünn gegoffenem Glafe gefchloffen! Diefe Citate beweifen doch, wie weit fchon der Gebrauch von Glasfenftern ein allgemeiner war. 76 ) Vergl. Deville, A. Hifioire de Vart de la verrerie dans l'antiquiti. Paris 1871. S. 96— 97. 77 ) Vergl. auch Allg. Bauz. 1863, S. 246: Fenfterglas in Pompeji nach Mazois u. Bontemps. 125 Zur Zeit Sulla's fchmiickte man die Skena-Mauern der Theater mit Glasplatten oder Glas-Mofaiken; man belegte mit folchen bald darauf die Fufsböden und verwendete fie fpäter auch bei Decken und Gewölben. Seneca fagt: »Man galt für arm in feiner Zeit, wenn man feine Decken nicht mit Glas verfah«, und Plinius (Lib. XXXVI, 64) führt aus, dafs Agrippa die Gewölbe feiner Bäder hätte aus Glas anfertigen laffen, wenn diefe Erfindung fchon gemacht gewefen wäre. Es kann fich doch wohl hier nur um mit Glas gedeckte Oeffnungen in den Gewölben felbft handeln oder wohl richtiger um Glas-Mofaiken auf den Gewölbeflächen. Das Bedürfnifs nach mehr »Licht und Luft«, gegenüber den alten Einrichtungen, trat mit wachfendem Luxus immer mehr hervor, wie es auch heute wieder mit jenem Hand in Hand geht und in feiner Uebertreibung bald zur Lächerlichkeit wird. Der Gebrauch der Glasfpiegel kann auch ziemlich zuriickdatirt werden, wenn wir uns eines Ausfpruches des Arißoteles erinnern, der da fagt: »Das Glas und der Kryftall haben ein Blatt von Metall nothwendig, um das Bild zurückzuwerfen, das man ihnen gegenüber ftellt.« Seneca ißpueft. nat., Lib. I, 13) fagt über das Vorkommen und die Anwendung der Glasfpiegel in Rom: »Man bediente fich folcher mit Gold, Silber und Edel- fteinen gefchmtickt in der Naturgröfse des Menfchen. Sie waren entweder in der Mauer befeftigt und ftändige Zimmer-Decoration, oder fie waren durch Gegengewichte beweglich eingerichtet.« Dabei foll felbftredend nicht gefagt fein, dafs diefe Spiegel aus einem einzigen Stücke Glas angefertigt waren; fie mögen der Höhe nach aus 2 Stücken beftanden haben. Gläfer von 70 cm Gröfse find ja gefunden worden. Die Farben-Scala des Alterthumes war nicht fo reich, als die unferer Zeit, obgleich fie jede nothwendige Species enthielt, um in polychromer Beziehung Alles das leiften zu können, was auch das moderne Auge verlangt. Vilruv (Lib. VII, 7) unterfcheidet natürliche und künftliche Farben. Zu erfteren rechnet er: Berggelb (Ocker), Röthel, parätonifches Weifs, grüne Kreide, Operment (Goldgelb), Sandarach (Röthlichgelb), Zinnober, Berggrün, Armenifchblau und Indigo; die meiften diefer Farben wurden in Italien nicht gefunden. Zu den künftlichen Farben rechnet er: Schwarz, gebrannten Ocker, Bleiweifs, Kupfergrün, Stahlblau und Purpur. Die letztgenannte, aus Seefchalthieren gewonnene Farbe habe nicht überall denfelben Ton. In den nördlichen Gegenden fei er fchwärzlich, bläulich, in den öftlichen und weltlichen des Vorkommens der Seemufchel violett, in den füdlichen intenfiv roth. Vom Zinnober führt er an, dafs er auch gefälfcht wurde; für Purpur und Indigo gab es aus Pflanzen und Blumen (Krappwurzel, Hyacinthenblüthe) gezogene Surrogate. Wir fehen aus dem Vorftehenden, dafs die römifche Baukunft nahezu über eben fo viele Materialien zum Ausdruck ihrer Ideen gebot, als die moderne, wenn fie auch einzelne weniger ausgiebig verwerthete, wie letztere. 113. Glasfpiegel. 114. Farben. II 5* Mauerwerk. n6. Quadermauern. 4. Kapitel. Mauern, Freiftützen und Bogen. .... »Aufserdem fteht es in der Gewalt des Bauherrn, ob er in Ziegeln, in Bruchfteinen oder in Quadern bauen will. Daher kommen bei der öffentlichen Gutheifsung drei Richtungen in Betracht, nämlich in Bezug auf die Sorgfalt der Werkführung, auf prächtige Ausftattung und auf die Anlage. Wenn man ein von Seite des Bauherrn prächtig aufgeführtes Bauwerk befchaut, fo wird man den Aufwand loben; wenn ein forgfältig ausgeführtes, fo wird die Genauigkeit des Werkmeifters Anerkennung finden; wenn es aber in Bezug auf die durch zufammenftimmende Zahlen- und Mafs- verhältniffe erzielte Gefammtheit anfehnlich fein wird, dann wird der Ruhm dem Baukünftler gebühren.« „ . 6 ( Vitruv, Lib. VI, 8 , 9 .) Dafs nach diefen drei Richtungen den Römern in weitaus den meiften Fällen Lob gebührt, beweifen die hinterlaffenen Werke. Grofsartig disponirt, durchdacht in der Conftruction und meift vortrefflich in der Ausführung flehen die in ihrem Verfall noch Achtung gebietenden Bauten da. Aus den angeführten natürlichen oder künftlichen Materialien in grofsen Werkftücken oder in kleinen, forgfältig behauenen oder gebrannten Steinen ausgeführt, treffen wir die Mauern. Die älteften, aus Quadern conilruirten Mauern in Italien find keine römifchen Leiftungen. Lateiner und Etrusker haben hier vorgearbeitet und in ihren Städtemauern mächtige Beifpiele hinterlaffen. Die der letzteren find eingehend abgehandelt worden (fiehe Art. 16 bis 25, S. 6 bis 15). Von denen der erfterfen find in den Städten fiidlich von Rom, im heutigen Cori, Paleftrina, Ferentino, Alatri, Veroli, Arpino, Sora, Norma, Segni, Circello etc. noch ftolze Reffe erhalten. Sie mögen zum Theile aus der Zeit vor der Gründung Roms flammen. Polygonal gefchichtete, aus mächtigen Blöcken fein gefügt und geglättet, treffen wir z. B. in Alatri; horizontal gefchichtete, mit Binder- und Läuferfchichten Fig. 93' Tfyov- unc] Von f^lalVL ü"ChilllilWHll«illl 1 h.nm wm» Wi 127 Fig. 94. der Höhe nach abwechfelnd, in Ferentino (Fig. 93 u. 94). Die pelasgifchen Weifen finden fich wieder; fie klingen auch zum Theile in den alt-etruski- fchen Städtemauern durch. Polygonmauern find auch in Italien nicht immer ein Beweis hohen Alters, indem diefe in der Spätzeit noch ausgeführt wurden, wie dies Polygonmauern in Praenefte aus Sullanifcher Zeit zeigen. Im Quadergemäuer bleiben Etrusker und Griechen die Lehr- meifter, an deren Regeln man feft hielt bis in die fpätefte Zeit. Dafs erftere lange die ausführenden Techniker für Rom waren, wurde bereits gefagt. Der fog. etruskifche Verband (fiehe Art. 23, S. 11) findet fich beinahe an allen Quadermauern bis in die Augufteifche Zeit. (Vergl. die ausgeführten Mauern beim Tempel des Mars Ultor in Rom.) Bei den Tuff-, Kalkftein- und Marmor-Quadern bewegt fich das Verhältnis der ”7- Höhe zur Länge in den Grenzen von 1:1 bis 1:5 (Fig. 95). und GrBfse der Das Höhenmafs von 60 cm für die Quadern bleibt nach etruskifcher Tradition Quadern, ein beliebtes. Man vergleiche beifpielsweife das Quadergemäuer beim Tabulärium , das Fundamentgemäuer des fog. Vefta-Tempels in Rom, das Stockgemäuer der Thor uruj FTaurr vonlbrpnTitlo . Fig. 95. jjm forunj Komanurju^ (TD.«. Porta nigra in Trier u. a. m. Die Verwendung von mächtigen Stücken bleibt dabei nicht ausgefchloffen. Die Tempelbauten in Syrien, die Terraffenmauern in Ba‘albek mit Steinen von 9 ,50 m Länge find dafür anzuführen; auch dieffeits der Alpen begegnen wir, z. B. in Trier bei einigen Gewölbeanfängern des Amphitheaters, Steinlängen von 6,15 bis 7,2 8 m . Wer die Riefenquader der weltlichen Mauer in Ba'albek bearbeitet und ge- 128 n8. Quader« Anfichts- flächen. fchichtet, ift eine offene Frage, deren wir aber hier Erwähnung thun müffen. Die mächtigften Römerwerke der gleichen Art reichen entfernt nicht an diefe Gewalt- leiftung. Drei Quadern von je 4 m Höhe, 19,45 m , 19,21 m und 19,52 m Länge, die aufserdem noch 6 m gehoben werden mufften, bilden den noch erhaltenen Unterbau. Ein noch im Bruch befindlicher mifft fogar 21,35 m in der Länge, 4,33 m und 4 ,oo m in der Höhe und Breite. Ueber die Art der Gewinnung und Bearbeitung giebt diefer intereflanten Auffchlufs. Drei Seiten find fertig gearbeitet, die vierte hangt noch mit dem gewachlenen Felfen zufammen. Jene bildeten Stirn- und Lagerflächen, die mit dem Felfen zufammenhängende wurde einfach abgefprengt und kam ohne weitere Bearbeitung in das Innere der Mauer zu liegen. Die Oberflächen der Quadern wurden entweder fauber abgefchlichtet und an den Kanten rechtwinkelig fcharf bearbeitet, oder es blieben die durchgehenden Schläge der Spitzhaue flehen. Diefe zu einer Zeichnung oder einem Linien- Ornament zufammengeftellt, zu einem Motive, wie folches auf den Mofaik-Böden in Trier und Umgegend vorkömmt, finden fich auf den Quadern des Unterbaues des fog. Grabmales des Arün (auch der Horatier und Curiatier genannt) bei Albano. »Inftauratum anno MDCCCXXXVII« fteht am genannten Monumente; nicht unmöglich, dafs auch aus jener Zeit ein Theil der fpielenden Behandlung der Oberfläche der Quadern flammt. Bei Verwendung von Marmor ift die Oberfläche fo forgfam geglättet, wie bei den Quadern der griechifchen Tempel-Cella-Mauern der beften Zeit. (Vergl. die Tempel im Haurän, den fog. Vefta-Tempel in Rom u. A.) Etruskifchem Vorbilde ift der nach 4 Seiten regelmäfsig abgewölbte Polfterquader ohne Saumfchlag nachgebildet. Meiflerhaft durchgeführt und prächtig erhalten (faft wie neu) ift diefe Quaderbearbeitung am fog. Arco de Pantani in Rom (vergl. Fig. 12, S. 14); eine eigenthümliche Abart folcher findet fich am Marmorgemäuer in Ephefus (Fig. 96), Fig. 96. ''A/lW. jol sfr rijj «i 4ts3-i plt T^jijafipfscfjfs Gj Die Buckelquader (Boffage-Quader) mit Saum- oder Randfehlägen ringsum auf der Anfichtsfläche, mit f. Z. fcharf eingefetzten, jetzt noch zu zählenden Stelz- fchlägen finden fich nach klein-afiatifchem, griechifchem und etruskifchem Vorgang allenthalben. Theile der Servianifchen Mauer, Pfeiler der Aqua Marcia, Schichten von der fog. Roma quadrata auf dem Palatin zeigen diefe Behandlung (Fig. 97). An I 2g Fig. 97. -H- n(U'U)iU((H)uiiiuiiiiniulljiii^ V*».Tivifr.rw ^ - »^=f,'fc3ass!f - |lü| : ^lilllhl.lj: iJrAiliiiilTi brüll; ; Z w*e) -t : 3 —^ |S®p grofsen Mauerflächen fyftematifch durchgeführtes Boffage-Quaderwerk ift in Italien feiten an Römerwerken zu finden, bezw. erhalten. (Vergl. Art. 18, S. 8). Quader mit Saumfehlägen und fein gefpitztem Spiegel finden fleh im Inneren des fog. Vefta-Tempels in Rom; dort wahrfcheinlich zur Aufnahme eines Putzes beftimmt. Am gleichen Baue find beim Cella-Quadergemäuer die Stofs- und Lagerfugen befonders ausgezeichnet. Was die griechifchen Techniker bei der raumbegrenzenden Wand ängftlich durch hoch entwickelte Technik zu verbergen fuchten, die Fugen beim Quadergemäuer, wird hier zum Decorations-Element. Mit richtigem Gefühl find Stofs- und Lagerfugen gleichmäfsig decorirt und eine moderne Sünde, welche die Stofsfugen vernachläffigt oder fie bei der Auszeichnung der Lagerfugen nicht mitfprechen läfft und fo dem Gemäuer den Ausdruck des Schwächlichen verleiht, wurde vermieden 78 ). Fig. 98. om_ 'inttiiTirnfmilliil iiiiinifmftlteliimiiiTi oöJPIZi W// o'oZ * \\>W I '' s ' ■mis WiiiiWmMm\\i\ I. -c>»zr- 78 ) Vergl. Semper, G. Der Stil. Band II. München 1863. S. 365: Fufsnote. Handbuch der Architektur. II. 2. 9 119. Fugen. 130 Fig. 99. //y///////////'^/////////^///////// J Die glatten Quaderfpiegel wurden durch dreieckig oder rechteckig eingefenkte Falze von einander getrennt (Fig. 98 u. 99), ein einfaches, kräftige Schlagfchatten abgebendes Decorations-Motiv. Falfche Stofsfugen finden fich an den alten Quaderwerken verfchiedentlich, aber meift nur vereinzelt 79 ). Syftematifch durchgeführt treffen wir fie am Rundbau des Grabmales der Caecilia Metella. Die Aufsenfläche des Werkes ahmt durchweg gleich grofse Quadern in regelmäfsigem Fugenwechfel nach, während die Con- ftruction mit Bindern und Läufern in der gleichen Schicht abwechfelnd ausgeführt ift. Je nach der Schichtung find in einen Läufer bald eine, bald zwei falfche Fugen eingehauen (Fig. 100). Fig. 100. IIS m Um ' tL 1 ) «111 c ct Wk g§HH Uff ilsfti HIHI ft <§> cljnn L a ** e^'^erka nc( 79 ) Angaben darüber ebendaf. S. 366. 120 . 131 Das in Alexandrinifcher Zeit beliebte Quadergemäuer mit ungleich hohen Schichten, das fog. pfeudifodome des Vitmv erhielt fich auch in der Kaiferzeit 80 ). Quadermauern aus unfeheinbarem, wenig widerftandsfähigem Material, z. B. aus Tuff, wurden öfters mit Platten aus foliderem und koftbarerem Stoffe bekleidet. Nach griechifchem Vorbilde wurden bei maffivem Quadergemäuer die Steine als Binder und Läufer im Verband gefchichtet, die Läufer innen und aufsen flüchtig gefetzt, einen Hohlraum im Inneren der Mauer laffend, während die Binder durch Pfeudifodomes Quaderwerk 121. Schichtung. Fig. IOI "lom onnfntrmprl in (ip rasa- TctncbifOrsl'rntpl , l in Cb: ■uirrntw Qfotrdl: Tprrassfnmaufi- drs grossenTritiprU z.u3fa[bekp die ganze Dicke der Mauer gingen. (Vergl. in Fig. ioi: Sonnentempel zu Gerafa und Siegestempel in Suleim.) Eine Schichtung, die wohl ihren Urfprung dem Umftande verdankt, dafs die nach dem Inneren gekehrten Quaderflächen geputzt werden füllten und der Putz auf grofsen Steinflächen fchlecht haftet, ift beim fog. Vefta-Tempel in Rom aus- 80 ) Ueber deffen falfche Benennung fiehe ebendaf., S. 380: Fufsnote. 132 122 . Fügung. 123. Verbindung der Quader. geführt worden. Die Anzahl der Lagerfugen ift im Inneren vermehrt, und es find dadurch kleinere Quaderflächen von Fuge zu Fuge erzielt. Die Steine berühren fich in den Lagerflächen auf das innigfte; der Fugenfchlufs ift ein aufserordentlich vollkommener; in den Stofsflächen berühren fich die Quader, der griechifchen Technik getreu, nur in fchmalen Saumftreifen, um auch hier ohne grofse Mühe den angeführten fchönen Schlufs der Fugen zu erhalten. Diefes Fig. 102. Oder Qi>cliiclftk.lammpr. (TListn.) Verfahren wurde bis in die fpätefte Zeit beobachtet (vergl. Fig, 102: Porta nigra in Trier). Auf die Anwendung von Mörtel konnte und mufste unter folchen Verhältniffen verzichtet werden. Gegen ein Verfchieben oder Gleiten wurden die Steine durch eingelaffene Doppelfchwalbenfchwänze, Klammern und Dollen gekichert. Verband und Gewicht der Steine gaben die nöthige Fettigkeit. Bei ägyptifchen, lydifchen, perfifchen, griechifchen, etruskifchen und dem gemäfs früh-römifchen, auch bei fyrifchen Quadermauern tritt der Schwalbenfchwanz zur Bindung der Steine auf. Fig. 103. TrstatfiipT.^Rom )j]fl|[|| il), r 0 ’33 Eon cfYorlpr ossfura- cScl[vyalWn?cljvfjfnj?au3 Tto!^ u.<§>tr 133 Die i—i-Klammer erhielt bei den Griechen in der Folge den Vorzug, während die Römer fich gewöhnlich mit der einfachen, an den zwei Enden umgebogenen Klammer begnügten. (Vergl. Fig. 102 u. 103 und über die Art der Befeftigung den vorhergehenden Band diefes »Handbuches«, S. 56, 57, 163, 174 u. 199.) Eifen war nach griechifchem Brauch auch bei römifchen Quaderbauten das gewöhnliche Verbindungsmaterial; andere Materialien bilden die Ausnahme. Die ausfchliefsliche Verwendung von Eifen und Blei am Thefeion, am Nike-Tempelchen, am Erechtheion, am Parthenon, am Olympieion, auf Aegina, in Sardes, in Ephefos, am Zeus-Tempel in Olympia, am Pofeidon-Tempel m Paeftum, an den Tempeln in Selinus, an den Propyläen in Athen und Eleufis, am Hadrians- und Marktthor in Athen etc. ift bekannt und deffen Vorhandenfein von C. Bötticher, Hoff er } Penrofe, Hittorf (»crampons en fer scelles avec du plomb«), Choify (»ces agrafes, les Grecs les executaient en fer; jamais ils ne les ont faites en bronze; et le plomb Statt la feule mattere, qui lenr fervit pour foader les ferrements a la pierre«) u. v. A. bezeugt, deren Zeugnifs der Verfaffer feine Autopfie anreiht. Klammern aus Eifeh in Bleivergufs werden auch beim dorifchen Marmortempel und beim Arfmoeion auf Samothrake (Unterfuchungen 1875, S. 7 1 1 7 2 ) von Häuf er angegeben. Bronze-Dübel mit Bleivergufs und bronzene Dübelhülfen find am Ptolemaion auf Samothrake beglaubigt (vergl. Unterfuchungen 1880), während das in den Hülfen gewefene Dübel- und das Klammern-Material unbekannt geblieben ift. Hölzerne, bleierne und bronzene Schwalbenfchwänze find in Aegypten, Lydien, auf Samothrake, in Italien und im Elfafs nachgewiefen, hölzerne Führungsdollen beinahe an allen dorifchen Monumenten (fiehe den vorhergehenden Band diefes »Handbuches«, Art. 40, S. 67). Eifen ift am Vefta-Tempel, am Coloffeum, an den Triumphbogen, am Tempel der Faußina in Rom, an der Porta nigra in Trier, am Tempel in Ba’albek etc., kurz an allen Quaderwerken in allen Provinzen verwendet worden und noch vorhanden, fo weit nicht die Raubluft fpäterer Generationen damit aufgeräumt hat. Klagen über diefe finden fich überall 81 ). Eiferne und verbleite Klammern werden auch von Vitruv empfohlen (Lib. II, 8). Wenn die Steine unter fich diefelben Breiten und Höhen hatten und in durchweg I2 4- gleich hohen Schichten auf einander folgten, fo wurde diefe Schichtung ifodomos Gemäuer”- (laöSo^o?) genannt ( Plinius , Lib. XXXVI, 51). Gemäuer, welches im Kerne aus Empucton- mittelgrofsen und kleinen Bruchfteinen und Mörtel hergeftellt und nur an der Anfichtsfläche mit Quadern verkleidet war, wurde mit emplectos (I^jAex/coc) bezeichnet [Plinius, Lib. XXXVI und Vitruv, Lib. II, 8). Aeufserlich konnte diefes Mauerwerk als ifodomes oder pfeudifodomes erfcheinen. Ohne Verwendung von Durchbindern (Diatonoi) oder Verankerungen durch Eifenklammern waren diefe Mauern wenig empfehlenswerth und werden denn auch von Vitruv mit Recht getadelt. Der jetzige Zuftand des Unterbaues am Grabmal der Caecilia Metella und am Grab des Arim bei Albano giebt genügenden Auffchlufs über die Art der Her- ftellung des Emplectons. Beim erfteren finden wir in Abftänden von 2,27 m , tief in das fatt mit Mörtel ausgeführte Bruchfleingemäuer , Binder eingefetzt, zwifchen welche dann die fchwächeren Läufer geflellt waren. Letztere wurden, weil leicht auszubrechen, nach und nach geflöhten, während die erfteren, die zu feft fafsen, bis heute auf dem urfprünglichen Platze blieben. Weniger ökonomifcli, dafür aber folider ift die Conftruction bei Albano. Dort greifen ganze Binder- fchichten in das Mörtelgemäuer, und es weist diefe Anordnung darauf hin, dafs jenes bei jeder Quader- 81 ) Vergl. den vorhergehenden Band diefes »Handbuches«, Art. 31, S. 56; — ferner im vorliegenden Bande Art. 23, S. 12; — endlich Socitt a. a. O., S. 518: »Die Barbarei der Araber und Türken hat an verfchiedenen Stellen Einfchnitte gemacht, um diefe Eifenklammern herauszuholen.« *34 125 . Parements. Fig. 104. (jjussymafurrjrtif Quaclfrblrn^lin^ v.m i ^ M. m W'l ///yyTFS- IS» ^atKtPr^t |f ||gPgg||g, fylsy JSiruffrsJit ^n^m’btnal c|rs fivün tri f\ib t »+- + 1 !■ UrtfrLau cjrs GfNlmairs cjrrGgpcilü J^rtrlld- ichicht ausgeglichen und fo gleichzeitig mit diefen ausgeführt wurde (Fig. 104). Die Läufer erlitten zum Theil daffelbe Schickfal, wie die am Grab der Metella. In ähnlicher Weife dürfte, nach noch vorhandenen Reften von eingemauerten Binderftücken zu urtheilen, der fog. Eichelftein in Mainz gebaut gewefen fein 82 ). Diefe Blendquadern haben eine durchschnittliche Höhe von 60 bis 70 cm . Sie wurden aber auch auf ein ganz kleines Mafs, nicht viel gröfser als Backfteine, zurückgeführt und in ganz gleichen Gröfsen wohl für den Maffenverkauf gearbeitet. Die Flächen diefer Steine find nur mit dem Mauerhammer, aber fehr forgfältig abgerichtet und in Stücken von 12 bis 19 cm Länge, 8 bis 10 cm Flöhe und 16 bis 20 cm Breite, nach hinten fpitz zulaufend, verwendet. Sie wurden mit Mörtel im Verband vermauert; die Bindekraft des erfteren muffte den Mangel an Gewicht und Gröfse der Steine erfetzen. Es entfprachen die Gröfsen der Blendquäderchen ( Parements ) dann denen der inneren Bruchfteinbrocken, und es war fomit ein ungleiches Setzen zwifchen Blend- und Kernmauer nicht mehr möglich. Badenweiler und Trier haben bedeutende 82 ) Eine ausführliche Befchreibung deffelben, übrigens mit technifch nicht ganz richtigen Darlegungen, findet fich in der Zeitfchrift des Vereines zur Erforfchung der Rheinifchen Gefchichte und Alterthümer in Mainz von Ußnger & Velke. 1883. 135 Refte diefer Art von Mauerwerk aufzuweifen, die äufserft forgfältig gearbeitet und gut erhalten find. Schichtfteine von 15 cm Höhe, dabei ungleich lang und dick, deren jetziger Zuftand auf eine ehedem fehr forgfältige Fügung fchliefsen läfft, finden fich noch an einem Pfeiler der Wafferleitung Zahlbach-Mainz. Schichtfteinblendungen mit Backfteinlagen durchfchoffen find in den Thermen Triers befonders fchön erhalten (Fig. 105). J^dUfnVrrk^cliEsstifs <\tr f\Jprn- TDGEJSIHDIISllSlET’r ~ ,0 ’ ^ dälSölEDtilEDtHZ.. Ibcdli— ■33BSilBäQ[ hSSöSEDGlETh 1 3)GDQI3)hä® *- "T”tvi i - fATflI 1 ~ 7 VrAV~. 1 . „ -■ j s a.wi.,.. i c ^ tk« g ai igrr> v asaaaME vSffl i l —-~-l l , -mzmd fc i x a iEm zn ■zxEmaaxsiMjmm 0 %-%o -1,— fjmp'ni ^wt'rr inTi aclrn wri Irr. fDorn in Tritr. r, 1 'TC ln*9b t -l l"l lwiPE:i[Z3akidl«SjK irr- 11 —m|-rr-:n _ 7Tlf':fTirTT'll\v\\W'li5F^ 3^}EslE33SEH)[H3E^anEDCZ •■ZSSaOtSIIEEüOEDEt rsaa rag '.V.' 3 mwm ■ j|^lS)ED@S®5DEIE3t ic:i®iEariiicac3cap)Eic ~Wasstr!tif l ui iltr bi q rrrmn m Neben diefen parallelepipedifchen Steinchen wurden mit Vorliebe auch Würfel- ^ 6 - förmige, fog. Netzfteine (Opus reticulatum, Structura reticulata) , und zwar [am reüculatum häufigften in Rom verwendet. Die Anfichtsflächen waren quadratifch und hatten 6 bis 7 cm Seite; die Steine wurden auf etwa 4 cm tief rechtwinkelig gearbeitet, verliefen dann unregelmäfsig fpitz nach dem Inneren der Mauer und wurden diagonal gefchichtet. Die Mörtelfugen waren 0,oor>, 0,oio und 0,/n. angeordnet "vffla cta G| orcjiatt.. / ^' i •/>/////; k- °' Zi Villa ff* Semper will im Opus incertum und reticulatum im Princip diefelben Vortheile erblicken, welche das Po- lygongemäuer bietet; die Bindekraft des trefflichen Puzzolan-Mörtels trete an Stelle der Schwerkraft jener. (Vergl. deffen: Stil, Bd. II, S. 380.) Für einen gröfseren Grad von Fertigkeit der Mauern verlangt Vitruv (Lib. I, 5, 3 ) die Einlage von wenig angebrannten Balken aus Olivenholz nach der Dicke der Mauer durchbindend, »damit die beiden Aufsenfeiten der Mauern, durch diefe Balken wie mit Spangen unter fleh verbunden, ewige Dauer haben«. Mauern aus Flufsgefchieben (grofsen Wacken) finden fleh auch an gröfseren Bauwerken neben Quader- und Backfteinmauern. Beim Amphitheater in Verona fetzt fleh das Wackengemäuer direct über den mächtigen Bogenquadern im Inneren auf und ift von horizontalen Backfteinlagen durchfchoffen. Gewöhnlich kommen Fig. 107. mmmefco®. "Vtfon a - Stojtma u Pr • (i JalirU ?). &? L. > V CfS CIS |CID Fig. 108. ACE Torta nüjira in Tri fr. T^eaffrin OramjL'. o p). *3. gp CIS CIS \ 1 - bogen in Orange erhalten (Fig. 108). Uebereinftimmend find an den beiden genannten Monumenten meift drei Buchftaben auf den einzelnen Steinen zufammen- geftellt. Orange weist CIS und CID auf, Trier IIS, ACE etc. Das eigenthüm- liche A diefer Marken findet fich auch an den Steinen der Fenftereinfaffungen der megalithifchen Burg Mammertshofen im Thurgau. 130.. Opus fpicatum. 131- Füllmauern und Gulsmauern. 132. Steinmetzzeichen. 83 ) Vergl. Choisy, A. L’art de batir chez les Romains. Paris 1873. I 33- Megalithifches Gemäuer. 134 . Baclcftein- mauern. 138 Der römifche Urfprung des megalithifchen Gemäuers wird zwar nicht mehr feft gehalten, indem fpeciell für Mammertshofen das Ende des IX. Jahrhundertes als Erbauungszeit angenommen wird; indefs dürfte das letzte Wort in diefer Sache noch nicht gefprochen fein. Technifch intereffant ift das Gemäuer dadurch, dafs es wieder einen Beleg dafür liefert, dafs die Eigenthümlichkeit des Materials eine eigenthümliche Conftructionsweife und Formbehandlung veranlafft. Findlinge des Rheingletfchers, Säntis-Kalk und Punteiglas-Granit vom Tödi, »auf dem langen Wege ihrer Beförderung vom rhätifchen Hochgebirge herunter etwas zurecht gefcheuert, wurden von den umliegenden Feldern aus weitem Umkreife aufgelefen, wohl zur Winterszeit auf Schlitten herbeigefchafft, dann ohne jede weitere Bearbeitung in auffteigenden Schichten jedesmal auf ein Mörtelbett eingefetzt, wobei kleine Brocken zum Verzwicken der entftehenden Fugen dienten«. Die natürlichen Boffen der Findlinge fliehen 30 bis 80 cni über der Maiierflucht vor. Klötze von 2,o bis 2,5 m Länge und 70 cm Höhe bilden in den unteren Schichten die Mauerfteine, die fämmtlich gut verbandmäfsig gefchichtet find und nach der Höhe in den Abmeflungen abnehmen. Nur die Fenfter- einfaffungen aus Rorfchacher Sandfteinen und die Mauerecken des Thurmes verrathen die Hand des Steinmetzen. Randfehläge umfäumen die Boffen diefer Einfaffungsquader, und fcharf gehauene, 8bis4 cm breite Streifen ziehen fich der Mauerecke entlang; fonft ift kein Hammer angerührt worden, um eine auch nur irgend wie gleichmäfsige Fläche herzuftellen. Die Thurmmauern meffen von Ecke zu Ecke 13,95 m bei einer Dicke von 2 ,70 m und einer Höhe von 13,r>o m84 ). Den Mörtel weggedacht, erinnert das Gemäuer noch am meiften an das von Tirynth und die Bearbeitung der Mauerecken an die der Mauern von Meffene 8 ' 1 ). Aehnliches megalithifches Gemäuer findet fich auch am Thurm »Rore« im Aarau, am Thurm von Halwyl am Haiwyler See, am Schofeln (Caflnmi Scopula) auf der Reichenau im Unterfee, ferner am Thurm der Burg Neuenembs im Vorarlberg und der Burg Iberg im Toggenburg. Die beiden letzteren flammen urkundlich, die eine aus der Mitte des XIV., die andere aus der Mitte des XIII. Jahrhundertes. Nehmen wir auch für Mammertshofen 880 als Erbauungszeit an, fo ift Neuenembs immer noch 500 Jahre jünger. Zwifchen dem kyklopifchen Gemäuer bei Argos und dem unter Sulla in Praenefte errichteten liegen beinahe eben fo viele Jahrhunderte, wie zwifchen dem megalithifchen von Mammertshofen und Neuenembs. Wir fehen hieraus wiederum, dafs Gleichartiges nicht immer auch Gleichzeitiges ift und dafs nur die gleichen natürlichen Verhältniffe zu allen Zeiten und fogar unabhängig von einander an verfchiedenen Orten wieder Gleiches hervorbringen können. Zu Altersbeftimmungen taugen defshalb derart verwandte Erfcheinungen auf technifchen Gebieten eben fo wenig oder find mindeftens nicht zuverläffig oder entfeheidend, gleich wie die Steinmetzzeichen 86 ). Bei den Mauern aus ktinftlichen Steinen wurden, was Verband und Schichtung der Steine anbelangt, die gleichen Regeln beobachtet, wie bei denen aus natürlichen. Bei dünnen Mauern empfiehlt Vitruv die Verwendung von abwechfelnd halben und ganzen Ziegeln in einer Schicht unter Berückfichtigung des Fugen- wechfels im Inneren der Mauer und an der Aufsenfeite (Lib. II, 3). Diefe Verwendung von Halbziegeln wurde aber auch auf mehr als U/2 Stein ftarke Mauern übertragen, unter Einhaltung des angegebenen Fugenwechfels. Voll- ftändig aus Backfteinen, ohne Verwendung oder Beiziehung eines anderen Materiales R *) Vergl. Mittheilungen der antiquarischen Gefellfchaft in Zürich, Band XVII, Heft 5, S. 46. 85 ) Vergl. den vorhergehenden Band diefes »Handbuches«, Art. 2r, S. 46. 86) Vergl. ebendaf., Fufsnote 32, S. 148. Fig. 109. o'm-ötb -*r - ^ we^'va S^.V-.,üT m mussm : : -^/^* w vymv M P | w / agRV ' l> ' viüü iilll! -■ V J « bri dm Tsaispr- ^^'.Wüiüi;" < i7T7l7/77TT\ v^' pdldfstrn— OM i\ii!iiit. «■ Jnmtrva Mfdici I o-if pcjM cjrl Di^voio^bPi l^jm) _^_ J^aiscrpalarfTL. Haophst^prKt- m o-o 23 <= Ä JpärsrrMlarsf! ,; ..vv; .. 1 mim OsräMlUtfirrfliriu. &’35“ 0*^ i /" J -K-- . ! \ V ' vj;, / v v , | \ v v \t. v ^ ■7ÄL^f ^aracdllaffl'nnttv Käisrrpalafjii 140 * 35 - Gufsmauern mit Backftein- blendung. 136. Dreieckige Blendziegel. * 37 - Mörtel und -Mörtelfugen. 138. Fachwerk. ausgetührte Mauern find verhältnifsmäfsig feiten. Sie kommen z. B. in Pompeji gar nicht vor. Trier dagegen befitzt wieder in feiner Bafilika einen ganz reinen Backfteinbau grofsen Stils, wie er von den Alpen bis zum Aetna nicht wieder gefunden wird. Die Ausführung deffelben ift eine ausgezeichnete und die langen Schichten verlaufen, ohne jede Curvatur, in tadellofen Horizontalen. In weitaus den meiften Fällen wurde das Material mit gleicher Sparfamkeit verwendet, wie die Quader beim Emplecton oder Diamicton. Die Kleinheit des Blendmateriales verlangte ein inneres Mörtelgemäuer aus möglichft kleinen Stücken, um ein ungleiches Setzen zu verhüten. Daffelbe wurde vielfach, namentlich bei dicken Mauern, durch eingefchoffene, horizontal liegende Ziegelplatten abgebunden, indem z. B. die 1,90 m dicken Gufsmauern der Caracalla- Thermen aufsen mit Back- fteinen verblendet und in Abftänden von 1,30 m mit den grofsen Plattenziegeln durch- fchoffen find (VIII in Fig. 109). Das Mörtelgufsgemäuer wurde wohl auch hier gleichzeitig mit dem Blendmauerwerk aufgeführt und mit den Schichten deffelben ausgeebnet. Die Abfätze, in denen diefe Mauern in die Höhe getrieben worden find, blieben dabei ficher einige Tage nach ihrer Abgleichung ftehen, um ein gleichmäfsiges Erhärten und Setzen der Maffen zu ermöglichen, ehe weiter gearbeitet wurde. Die höchfte Oekonomie verräth die Anwendung von dreieckigen Blendziegeln, indem auf diefe Weife nur halb fo viel Waare gebraucht wurde. Sogar zur Her- ftellung von Säulenfchäften wurden fie verwendet, wobei die längfte Seite der Ziegel nach aufsen gekehrt und der Kern aus gewöhnlichen Ziegeln oder Ziegelbrocken hergeftellt (V, VI, VII in Fig. 109) wurde. Opus reticulatum aus Backfteinen ift fehr feiten und in Pompeji beifpielsweife nicht anzutreffen. Zum Mauern wurde bald ein fehr feiner, bald ein grobfandiger Mörtel, auch folcher mit Zufätzen von zerftofsenen Ziegeln verwendet, je nachdem Rohbau oder Blendbau gefchaffen werden follte. Dem entfprechend find auch die Fugen- ftärken. Bei der fog. Sedia del Diavolo, diefem technifch vollendeten Backftein- Rohbau, find die Fugen nur ‘j*™ dick bei einer Steinftärke von 0,o3 m ; an der Gordians-VlWa. find fie 2 cm bei der nämlichen Steinftärke, an der Bafilika in Trier fo dick als die Steine felbft; an der Maxentius- Bafilika find fie 2 1 /2 cm , bei den Bauten unterhalb des Palatin 1 bis an halbkreisförmigen Bogen, an den Mauern der Caracalla- Thermen 2 x /2 bis 3 cin bei 0,03 Steinftärke, beim Tor de Schiavi fo dick als die Steine, am Kaiferpalaft in Trier 4 cm bei eben fo dicken Steinen. Allgemein wäre etwa zu fagen: Bei mit Ziegeln verkleideten Gufsmauern ift der Mörtel derb und breiartig aufgetragen worden, und die Fugen find durchfchnitt- lich fo ftark, wie die Ziegel. Vom Fachwerk, das allenthalben ausgeführt wurde, wünfcht Vitruv , dafs es nicht erfunden worden wäre; es mache Putzriffe und wirke bei Feuersbrünften sgleichfam wie Fackeln«. Es trage übrigens zum fchnelleren Fertigwerden eines Baues und zur Raumgewinnung bei, indem die Wände am dünnften hergeftellt werden könnten. Tadel und Lob find hier gerecht. Zu feiner Anwendung zwinge übrigens auch der Umftand, wenn man in einem oberen Gefchoffe eine Wand einziehen wolle, der im Untergefchoffe keine entfpräche. Den Unterbau für F"achwerk will er fo hoch gehoben wiffen, dafs das Holzwerk mit dem Boden nicht in Berührung komme ( Vitruv , Lib. II, 8). 141 Wände aus Erde, in eine von beiden Seiten durch Bretter gebildete Form eingeftampft, waren nach Plinius in Afrika und Spanien üblich; eben fo mit Lehm beftrichene Wände aus Flechtwerk ( Plinius, Lib. XXXV). Werden verfchiedene Materialien und Conftructionen am gleichen Baue angewendet, fo will Vitruv für Wohnhäufer in Rom Werkfteine für die Fundament- Mauern (Pilae lapideae ), Backfteine für die Stockmauern (Structurae teflaceae), Bruch- fteine für Scheidewände und Zwifchenmauern (Parietes caementicii). Für die Fundamentmauern wurde fefter Baugrund aufgefucht oder, wenn folcher nur fchwer oder gar nicht zu erreichen war, zur rationellen, künftlichen Be- feftigung des Baugrundes gefchritten. Das Mauerwerk unter der Erde verlangt Vitruv um die Hälfte dicker, als das darüber befindliche. Unter Säulenftellungen feien die Fundament-Pfeiler derfelben mit Bogen unter einander zu verfpannen oder durch eingerammte Erdausfüllungen zu befeftigen. Bei weichem Untergründe wurde der Pfahlroft angewendet. Von Vitruv werden angebrannte Rammpfähle von Erlen- und Olivenholz zur Verwendung empfohlen. Ob man je das zerklüftete, krumme, verhältnifsmäfsig kurze und überdies fehr koftbare Olivenholz (einige tragfähige Bäume machten oft ein ganzes Vermögen aus) zu diefem Zwecke verwendete, bleibt zu bezweifeln. Mächtige Eichenpfähle mit eifernen Schuhen, wie wir fie heute noch verwenden, find uns dagegen erhalten geblieben. Die Lücken zwifchen den Rammpfählen will der genannte Autor mit Kohlen ausgefüllt haben und das Mauerwerk darüber aus möglichft langen, in den Fugen gut fchliefsenden Binderblöcken mit dazwifchen liegendem Mörtelmauerwerk hergeftellt wiffen ( Vitruv, Lib. V, 12). Bei Wafferzudrang wurden hölzerne Senkkaften (vierfeitiges Pallifadenwerk aus eichenen Pfählen und mit Holzbändern zufammengehalten) in das Waffer hinabgelaffen, feft gerammt und mit Bruchfteinen und Puzzolan-Mörtel (2 Theile Puteolan-PIrde und 1 Theil Kalk) ausgemauert und darauf weiter gebaut ( Vitruv, Lib. V, 12). Waren folche Kaffen wegen der Wafferftrömung nicht zuläffig, fo wurden gemauerte Pfeiler verfenkt. Zwei Monate mufften letztere zum Austrocknen an der Luft flehen, ehe fie gefliirzt wurden (Art der Aufmauerung und Verfenkung bei Vitruv, Lib. V, 12). Bei Mangel an Puteolan-Erde wurden hölzerne Doppelkaften verfenkt und der Raum zwifchen den beiden Wandungen mit Letten in Körben von Sumpfgras aus- geftopft. Nach diefer Dichtung wurde das Waffer im Kaften ausgepumpt und der Raum regelrecht ausgemauert ( Vitruv, Lib. V, 12). Um Unterbauten, Terraffen oder Stützmauern, welche offenes Erdreich hinter fich hatten, deffen Gewicht demnach veränderlich war, gegen Ausbiegung oder Beriten zu fichern, wurden an der Aufsenfeite der Mauern Strebepfeiler angewendet. Ein noch erhaltenes Beifpiel diefer Art ift die Tempel-Terraffe des vom römifchen Architekten Coffutius vollendeten Olympieions in Athen 87 ), ein anderes die Tempel- Terraffe von Aizani, bei welcher die Strebepfeiler durch Bogen überfpannt find 88 ). Die Strebepfeiler verlangt Vitruv in Abftänden, die gleich der Mauerhöhe find, und am Boden fo weit vorfpringend, als die Mauer dick; nach oben follen fie allmählich abnehmen und in der Mauerfläche auslaufen. Nach innen follen gegen die Erdmaffen in der Dicke der Hauptmauer fägeförmige Vorfprünge gemauert werden und diefe fo weit eingreifen, als die Mauer hoch ift (Lib. VI, 8). 139- Pifd-Bau und Flechtwerk. 140. Fundamente. 141. Stützmauern und Strebepfeiler. 87 ) Vergl. den vorhergehenden Band diefes »Handbuches«, S. 48. ss ) Vergl. ebendaf, S. 192 u. 193. 142 142 . Koften und Werth. * 43 - Specififch rÖmifche Conftruction. 144. Oekonomie in der Technik. Als einer kiinftlerifchen Ausbildung fähig kommen nur zwei Arten von Gemäuer (Bruchfteingemäuer bedarf zu diefem Zwecke eines künftlichen Ueberzuges) in Betracht: das maffive oder fcheinbar maffive Quadergemäuer und das maffive oder fcheinbar maffive Backfteingemäuer. Beide Arten wurden hoch gefchätzt und gleichmäfsig geübt, und es hing die bevorzugte Anwendung des einen oder des anderen von localen oder pecuniären Verhältniffen ab. Das Bauen mit Backfteinen war nach dem Zeugnifs des Plinius billiger. Von den Wafferleitungsbogen, welche die Nikodemier herftellen wollten, fagt er in feinem Berichte an Trajan, es feien einige aus Quadern auszuführen, andere aus Backfteinen; denn letzteres fei leichter und billiger {Ep. XLVI). Backfteinmauern wurden, wenn fie nur lothrecht ftanden, immer zum Koften- preife eingefchätzt, ein Beweis, wie folid fie erachtet wurden. Bei Bruchfteinmauern zog man für jedes verfloffene Jahr des Beftandes 1 jso des Werthes ab, d. h. man fchätzte deren Dauer nicht über 80 Jahre. Welche Mauer-Conftruction wollen wir nun als fpecififch römifch bezeichnen, wenn die römifchen Baumeifter gleich meiftermäfsig alle Arten, die wir heute kennen und die wir kaum um eine vermehrt haben, beherrfchten ? Neu könnte uns nur das kleine Mörtelgemäuer (Gufsgemäuer) mit Backftein- blendung erfcheinen; ob Römer die Urheber deffelben find, ob fie nur eine jetzt nicht mehr am Orte nachweisbare Technik Afrikas oder Kleinafiens weiter pflegten, müffen wir zunächft noch unbeantwortet laffen. Das letztere ift aber das Wahr- fcheinlichere. »Die Bauweife richtet fleh nach den Geldmitteln.« Aus einem Gufse, durchweg mit dem gleichen Materiale ausgeführt, trafen wir die bedeutenderen Bauten aus der Blüthezeit Griechenlands. Man wollte vor den Göttern nicht geizig erfcheinen. Diefe durchaus folide Opulenz in der Ausführung öffentlicher Gebäude ift in Rom feltener. Man ging ökonomifcher zu Werke. Koftbares und unfeheinbares Material findet fleh am gleichen Baue neben einander verwendet, wie es eben die Mittel erlaubten oder auch die Conftruction erforderte oder es auch eine geplante Incruftation des Werkes ermöglichte. Vom Flickbau, wie er in der Zeit bei einem Baue entfteht und fleh z. B. in Pompeji an vielen Gebäuden zeigt — wo durch Einbrechen von Thüren und Fenftern, Anbauten, Vergröfserungen, Wiederaufbau von halb Zerftörtem die verfchiedenften Materialien bunt durch einander gewürfelt Vorkommen, ähnlich wie bei Flickereien oder Umbauten unterer Zeit — ift hierbei felbftredend abgefehen. Mit Ueberlegung und mit Rückficht auf die Eigenart find die verfchiedenen Materialien beifpielsweife am fog. Vefta-Tempel in Rom verwendet. Die gedeckt liegenden Fundament-Mauern find aus Peperin-Quadern ohne Mörtel forgfältig ge- fiigt, gefchichtet, während der Oberbau aus hartem, kryftallinifchem Kalkftein be- fteht. Die belafteten Stücke der oberften Stylobat-Stufe ruhen auf Travertin-Blöcken, während die unbelafteten Zwifchenftücke auf den Peperin gefetzt find. Auf den weicheren Peperin folgt dann der härtere Travertin und auf diefen erft der weifse Marmorquader, auf dem fich die Marmorfäule erhebt (Fig. 110). Die gleiche Anordnung finden wir am Tempel der Faußina. Die Säulen ruhen auf in die Peperin- Fundamente eingefügten Travertin-Quadern. Auf den harten, weifsen Marmor- Bafen ruhen die monolithen Cipollin-Schäfte, welche wieder korinthifche, weifse Marmor-Kapitelle tragen. Die Cella-Wand ift aus Peperin-Quadern conftruirt, welche 143 siaTrijipp) inKom-- ""•RdPrttOk' \\\\\'>V\\V\V . T fr ■SKctYmor Travtrtiru °'3o Sn^ n \S nn >\\N\ s\V> _J#N« $\\\V 0 nach innen durch Putz, Fig. wonach aufsen durch Marmorplatten verdeckt wurden. Architrav, Fries und Gefims find dagegen wieder aus hartem weifsem Marmor hergeftellt. Beim Tempel der Fortuna Virilis ift der Unterbau und die Cella- Wand, die wohl f. Z. einen Stucküberzug trugen, mit den Halbfäulen aus Peperin, während die Eckfäulen des Pfeudoperipteros und die Säulen des Pronaos, gleich wie die Bafen fämmtlicher Halb- und Vollfäulen, die Kapitelle und Gefimfe aus dem härteren Travertin lind und der Unterbau eine Bekleidung von Travertin-Platten trägt. Die Bindertrommeln der Travertin-Eckfäulen greifen in das Gefüge des Peperin-Gemäuers weit über. Am Pantheon verfchwand das Gufsgemäuer hinter der Ziegelblendung und diefe wieder, wenigftens bei der Vorhalle und im Inneren, hinter Marmorplatten. Auf weifsen Marmor-Bafen erheben fich röthlich-graue Granitfchäfte und über diefen die prächtigften korinthifchen Kapitelle aus weifsem Marmor, welche wieder Marmorgebälke tragen. Am Tabularium find der hohe Unterbau und die Säulen aus Peperin, die Kapitelle und die keilförmig gefügten Architrave aus Travertin. An verfchiedenen Städtemauern finden wir die unteren, dem Sturmbocke ausgefetzten Theile aus harten Kalkfteinen, während die hoch gelegenen aus weicheren Tuffen oder Back- fteinen hergeftellt find. Ueberall die gleiche ökonomifche und rationelle Verwendung der Materialien. Nur die fyrifchen Bauten zeigen die griechifch-ägyptifche, opulent folide Con- ftructionsweife. Schmückende und fchützende Ueberziige erhielten die Mauern aus geringen Materialien durch die erwähnte Bekleidung mit Platten aus hartem und koftbarem Gefteine oder aber durch einen billigeren und doch dauerhaften Putz. Er wurde aufser dem Rauhbewurf in 3 Schichten feinfandigem Mörtel und in 3 Marmorftuck- fchichten (grob geftofsenem, mittelfeinem und feinem) bis zu einer Dicke von 7, bis 8 cm aufgetragen. Putzftärken von 4 bis 5 cm find feiten. Dünn aufgetragener Putz zerklüftet leicht und erhält den gehörigen Glanz nicht. Farbenaufträge auf diefen naffen Marmor-Putz erhalten einen fchimmernden Glanz und dauern fo lange, als der Putz felbft. Für die Herftellung von Gefimfen, welche im Inneren leicht und zart gehalten fein follen, verlangt Vitruv Marmorpulver ohne Beimengung von Gyps. Wegen des 145- Putz. 146. Ifolir-Mauern. 147. Ausmafs. 148. Freiftützen und Steinbalken. 144 & Fi s- Iir - Reinhaltens werden fie in Zimmern glatt verlangt. Auch Quader wurden im Putz künft- lich hergeftellt und deren Fugen dann meift reich decorirt (Fig. in). Für Putz auf Fachwerk wurde nicht wie bei uns nur die Berohrung der Holztheile, fondern die kreuzweife Berohrung der ganzen Wandflächen verlangt: »diefe fleh kreuzenden Lagen doppelter Berohrung über das Ganze hinziehend, verhindern das Abbröckeln und Reifsen« ( Vitruv, Lib. VII, 3). Wenn neuere Schriftfteller behaupten, »dafs der antike Putz zur Haltbarkeit der Mauern wefentlich beigetragen habe«, fo muffte es fchlimm um die Mauern felbft flehen, im Verhältnifs etwa, wie bei manchen modernen tapezirten Innenräumen mit dem Putze, wenn die Tapete diefen halten mufs! Um Feuchtigkeit von Wänden abzuhalten oder zum Schutze gegen feuchte Wände wurden die in Art. 86 (S. 115) genannten Warzenziegel verwendet, wie folche in den Bädern von Pompeji oder auch beim Canale des Prachtbrunnens der Villa in Euren gefunden wurden 89 ). Das Aufführen einer zweiten dünnen Wand in geringer Entfernung von der durchfeuchteten als Mittel zur Abhaltung der Feuchtigkeit von diefer oder eine Verblendung derfelben mittels mit Pech verftrichener Hohlziegel etc. empfiehlt Vitruv und befchreibt diefes Verfahren umftändlich in: Lib. VII, 4. Die fertige Arbeit wurde nach dem Ausmafs bezahlt. Plinius {Ep. XXVIII) wünfeht nach Prufia einen Baumeifter; »denn nach feiner Anficht könnten von den Bauunternehmern, wenn gewiffenhaft nachgemeffen würde, keine unbedeutenden Summen zurückgefordert werden.« Trojan hatte keinen zur Verfügung und fchreibt dem Bittfteller {Ep. XXIX): »Man finde deren in jeder Provinz, denen man trauen könne.« Der Brief (XLVII 1 ) über den Theaterbau in Nicaea beweist, dafs den damaligen Technikern unter Umftänden auch etwas Menfchliches begegnen konnte, gleich wie das dort angeführte Sachverftändigenurtheil das alte Sprichwort bekräftigt: . . . xod xspa[j.$5c %epa[j.£L xorsei xal TSÄTOVl 'USX'COiV. Die Art der Conflruction war bei Freiftützen, Säulen und- Pfeilern aus Stein von der Qualität des Materials und der ihm zugemutheten Laft in höherem Mafse abhängig, als bei den raumbegrenzenden und gebälketragenden Mauern. Hartes und widerftandsfähiges Material geftattete unter gleichen Belaftungs- verhältniffen bei geringerem Durchmeffer bedeutendere Höhen-Dimenfionen oder monolithe Ausführung der Stützen, während ein weicher, leichter, zerdrückbarer Stoff ftämmige und gefchichtete Ständer verlangte. Der weiche, poröfe Tuff oder S9 ) Vergl. Wilmowsky. Archäologifche Funde in Euren im Jahre 1859. Trier 1874. Taf. V. HS Peperin liefs keine Verhältniffe zu, wie fie der kryftallinifche Kalkftein, der Porphyr oder Granit erlaubte. Man vergleiche die unter ähnlichen Bedingungen verwendeten, fchwerfälligen Tuffftützen der alten Tempel gegenüber den leichteren aus dem feilen Marmor oder noch feileren Granit der fpäteren Zeit. Der wohl am früheften im Lande verwendete Tuff zwang, die Säulen aus einzelnen Stücken herzuftellen; wie die Mauern, fo wurden auch die Säulenftämme gefchichtet. Der fefte Kalkftein, der Travertin, geftattete freieren Spielraum, und die kryftallinifchen Kalkfteine, Granite und Porphyre erlaubten bei nicht allzugrofsen Dicken die Verwendung von Monolithen. Bei fehr grofsen Abmeffungen oder wenn Transport und Aufhellung befondere Schwierigkeiten verurfachten, blieb man auch bei den letztgenannten Materialien in der Conftruction aus einzelnen Stücken flehen. Bei der Zufammenfügung beobachtete man die griechifche Praxis, wie der fehr forgfältig ausgeführte fog. Vefta-Tempel in Rom noch heute zeigt. Diefelben Vertiefungen in der Mitte, diefelben Dollenverbindungen mit Gufscanälen, der gleiche Schliff der Berührungsflächen, wie er bei der jonifchen und korinthifchen Ordnung der Griechen gezeigt ift 90 ), findet fich auch hier. Nur haben die Gufscanäle halbrunde und rechteckige Form, während an griechifchen Monumenten die dreieckige bevorzugt ift. Bei Granitfäulen wurde meift die ganze Fläche gleichmäfsig überarbeitet, ohne befonderen Randfchliff, und es find 3 Dübel, oft fehr regellos gefetzt, zur Befeftigung verwendet (Fig. 112). Am fog. Vefta-Tempel flehen die Säulen, entgegen der üblichen griechifchen Art, die übrigens auch ihre Ausnahmen hat, nicht frei auf dem Stylobat, fondern Fig. 112. 90 ) Vergl. den vorhergehenden Band diefes »Handbuches«, S. 174 u 199. Handbuch der Architektur. II. 2. X49- Säulen- Bafen. 146 find mit der oberften Stufe durch Dollen verbunden. Die Trommeln find unter fich und an den verfchiedenen Säulen nicht gleich grofs, indem einzelne Säulen aus 6 Stücken, einfchl. Kapitell und Bafis-Tambour, andere aus 12 Stücken zu- fammengefetzt find. Wie feft diefe aus auf einander gedollten Trommeln con- ftruirten Säulen zufammenhalten, beweist eine folche in Ba'albek, welche gegen die Cella-Mauer des Tempels geworfen wurde. Statt an den Fügungen aus einander zu gehen, drückte fie im Fallen die Quader der genannten Mauer ein und blieb, in den Verbindungsflächen unverrückt, fchräg gegen diefe gelehnt ftehen, wie wenn fie urfprünglich aus einem Stücke ausgeführt gewefen wäre. Nicht immer wurde das gleiche Material zur ganzen Säule verwendet. Bei Ueberzügen derfelben mit Stuck wechfeln z. B. öfters Tuff und Travertin an be- ftimmten Theilen mit einander ab; auch bei feftem Geftein tritt, allerdings dann mehr aus äfthetifchen Gründen, ein Wechfel in den Stoffen ein, indem z. B. die Bafen aus weifsem Marmor, die Schäfte aus Porphyr, Granit oder buntem Marmor, die Kapitelle wieder aus weifsem Marmor hergeftellt wurden. Neben den monolithen oder aus Werkftücken und Trommeln gefchichteten Säulen wurden fowohl an öffentlichen (Amphitheatrum caßrenfe und Kaiferpaläfte in Rom, Bafilika in Pompeji), als auch an Privatbauten Säulen aus Backfteinen oder aus Backfteinen mit Werkfteinen gemifcht conftruirte ausgeführt. Man bediente fich hierzu befonderer Formfteine von oft complicirter Geftalt, oder man benutzte die gewöhnlichen dreieckigen Verblendfteine für die Herftellung der runden Aufsenfläche, während der Kern aus gröfseren und kleineren Backfteinftücken gemacht wurde; bei Verwendung von Formfteinen beftand diefer aus kreisrunden oder polygonalen Scheiben von verfchieden grofsem Durchmeffer in den verfchiedenen Schichten, an den fich dann die Radialfteine anfchloffen. Ein rationeller Verband und Wechfel der Stofsfugen ift in allen Schichten durchgeführt worden. Oft treffen wir auch den unterften, den Boden berührenden Tambour aus einem Blocke harten Gefteines angefertigt und darüber erft das Schichtengemäuer aus Tuff- und Backfteinen der Höhe nach abwechfelnd errichtet (Fig. 113). Die Backfteinfäulen find meift mit Putz überzogen gewefen; als Halbfäulen finden wir fie übrigens auch als vollendet fchöne Backftein-Rohbauarbeiten am Amphitheatrum caßrenfe in Rom. Vergoldete und cannelirte Säulenfchäfte aus Bronze, Stücke von bronzenen Hohlfäulen wurden f. Z. in der Nähe des Lateran und im Theater von Aventicum gefunden 91 ). Die Säulen-Bafen wurden meift aus einem Stücke hergeftellt und gaben die Lehre für die Aufftellung der Schäfte ab; manchmal finden wir fie auch mit dem unterften Tambour zufammengearbeitet; bei Backfteinfäulen find fie entweder aus dem gleichen Materiale aus Formfteinen zufammengefetzt, oder fie beftanden aus natürlichen Steinen und bildeten die Unterlage für den Stamm, oder fie wurden in umftändlicher Weife nach der Form der Säule ausgehöhlt und nach der Vollendung der Säule übergeftreift, wie dies z. B. die aus weifsem Marmor her- geftellten Bafen der gemauerten Halbfäulen auf dem Palatin zeigen. (Vergl. a in Fig. 106.) 91 ) Vergl. Normand, Ch. EJjTai für l’exißence d'utte archiiecüire mitallique antique ou röle du mttal dnns les conßructions antiques. Encyclofedie d’arch. 1883, S. 71. 147 Fig. i13- ^^acFfclrinsati/W in Jornpeji, Aus Werkftücken wurden die Kapitelle monolith oder .gefchichtet ausgeführt und erhielten über dem Abacus nach griechifcher Weife einen Schutzfteg, der oft bis zu 3 cm erhöht war. Bei Backfteinausführungen wurde das Kapitell der Höhe nach in eben fo viele Schichten zerlegt, als das anftofsende Mauerwerk aufwies; dabei ift anzunehmen, dafs die Schichten, aus denen das Kapitell befteht, befonders modellirt und gebrannt und nicht nach dem Brennen erft aus dem gewöhnlichen Vollfteine heraus- gemeifselt wurden. Bei letzterem Verfahren hätte man den Vortheil der Terracotten, die mühe- lofe Vervielfältigung des Ornamentes , aufgegeben und eine fchlechte Ausführung unter grofsem Zeit- und Geldaufwand in den Kauf nehmen müffen. (Vergl. die Ausführung an der Sedia del Diavolo, am fog. Tempel des Deus Rediculus [Grabmal vor P. S. Sebaßiano ] und am Amphi- theairum caßrenfe in Rom.) Kapitelle aus Bronze im Inneren des Pantheon werden von Plinius erwähnt; beim grofsen Tempel in Gerafa wurden die Steinkerne zu Bronze-Kapitellen gefunden und beim Fig. 114. ISO. Säulen Kapitelle. 148 I 5 I - Pfeiler. 152- Architrav. Tempel in Palmyra find folche auf den Säulenfchäften noch anzutreffen, welche Vorrichtungen für die Aufnahme der Metallbekleidung zeigen (Fig. 114). Im Mufeum zu Laufanne wird ein 12 cm hohes, korinthi- firendes Bronze-Kapitell aus der Verfallzeit aufbewahrt. Die Pfeiler wurden aus natürlichen und künft- lichen Steinen bald quadratifch, bald rechteckig oder auch achteckig im Querfchnitt hergeftellt; bei gröfseren Abmeffungen derfelben find oft Pilafter, Halb- oder Dreiviertelfäulen mit ihnen verbunden, d. h. aus dem gleichen Blocke gearbeitet. Grofse Querfchnitte bedingten die Herftellung einer Schicht aus mehreren Stücken, welche dann in den Stofsflächen forgfältig zufammengearbeitet und durch Eifenklammern mit einander verbunden wurden, bei fachgemäfsem Wechfel in den Stofsfugen (Fig. 115). Halbe Achteckspfeiler in fchönfter Backfteinausführung, , dem Umfaffungsgemäuer gleich gefchichtet, find am fi ri-s^idifon^.- 0 osffum-. genannten Grabmal vor P. S. Sebaßiano in Rom erhalten. Auf Säulen und Pfeilern ruhen die horizontalen Balken (Architrave) mit den darüber lagernden Gefimsftücken und Mauertheilen, oder es find von einer zur anderen Stütze Bogen gefprengt, welche die Laften aufnehmen und auf jene übertragen. Oeffnungen im Gemäuer, Thtiren, Fenfter, Nifchen, werden in gleicher Weife durch horizontale Steinbalken oder Bogen überdeckt und abgefchloffen. Die Wider- ftandsfähigkeit des Materiales gegen das Zerbrechen bedingte die Entfernung der Freiftützen von einander und die Zuläffigkeit beftimmter freien Längen der Architrave. Eng- oder Weitftellung ift zunächft von ihr abhängig. Holz-Architrave ge- ftatten die letztere, Stein-Architrave bedingen die erftere. Fefte Steinarten laffen wieder gröfsere freie Architrav-Längen zu, als lofe und poröfe Gefteine. Sollte dennoch Weitfäuligkeit bei nicht genügend lang brechendem, nicht fehr feftem Material erzielt werden, fo griff man bei den Architraven zu befonderen Conftructionsweifen. Die Tragfähigkeit derfelben konnte, wenn fie aus einem fedimen- tären Gefteine beftanden, dadurch etwas erhöht werden, dafs fie auf das falfche Lager gelegt, und um fo mehr, wenn Architrav und Fries aus einem Stücke gearbeitet wurden, wodurch ein günftigeres Verhältnifs von der Länge zur Höhe des Werkftückes erzielt werden konnte. Ein befferes Refultat bei kurzbrüchigen Steinen ergab die Zufammenfetzung der Architrave aus mehreren keilförmigen Stücken, d. h. die Einführung des fcheitrechten Bogens für diefelben. Je nach der Entfernung der Säulen von einander wurden die Stein-Architrave als fcheitrechte Bogen aus 3, 5, 7 und 11 Stücken (einfchl. Widerlagfteine) conftruirt und damit Oeffnungen bis zu 5 m Weite überdeckt. In Pompeji wurden z. B. bei einer Säulenftellung von 2,42 m von Mitte zu Mitte zu den Architraven 3 Stücke verwendet, die mit dem Fries aus einem Blocke gemeifselt find; am Theater in Ferenti finden wir Oeffnungen von 2, 30 m und 8,15 m Lichtweite, am Amphitheater Fig- ns- T.So -L- '0 r-4- . l r °yjV • P -r- Fig. ii 6, <^>djrif ^IBo^en—aus Quadfnu. C^ulistnjchonfn c|ß(2olossfum~ 3 ml? 2.W&0 protia -^omThfattrin JerrnTi. ('liri^VTffirlio !a>E0 MH mm. B &mSSmäs9IL WMff 150 in Verona von 2 ,eo m und 3,40 m , am Theater in Orange von 4,86 m mit fcheitrechten Bogen überfpannt (Fig. 116 u. 117). Die Höhe der Bogenquader fchwankt zwifchen x /ä und x /i der lichten Weite der Oeffnung. Durch die Verwendung von Hakenquadern fuchte man in Orange Fig. 117. onrctiirraYconsTn/cfion,. die früher übliche einfache Conftruction bei der allerdings erheblichen Spannweite von nahezu 5 m zu verbeffern (Fig. 118). Erhoben fich gröfsere Mauermaffen über diefen fcheitrechten Bogen, dann entlaftete man fie durch darüber gefprengte halbkreisförmige Bogen (vergl. Orange, Fig. 118. Ferenti). Der fcheitrechte Bogen bildete alsdann den gewünfchten formalen Abfchlufs und hatte nur das Füllmauerwerk bis zum Rundbogen zu tragen (Fig. 116 u. 118). Eine Ausnahme bildet ein fcheitrechter Bogen des Amphitheaters in Verona, der 3,40 m weit gefpannt, neben einer ftarken Uebermauerung noch ein 3,30 m weites Tonnengewölbe aufnimmt. Mörtel wurde bei all diefen fcheitrechten Bogen eben fo wenig verwendet, wie bei den etruskifchen oder anderen antiken Quaderwölbungen. Dafs man auch bei gutem Materiale dem horizontalen Steinfturze etwas zuzu- muthen wagte, beweist u. A. im Amphitheater zu Verona ein von zwei Gewölben und 1 5 1 einer Uebermauerung belafteter Sturz von 4,20 m abfoluter und 2,75 m frei tragender Länge bei 0,72 m Höhe und 0 ,eo m Dicke. Ueberhaupt verwerthete man bei Verwendung von kryftallinifchem Kalkfteine die aus den bekannten griechifchen Tempeln gezogenen conftructiven Refultate und ging, wie die nachftehenden Angaben zeigen, über diefe nicht hinaus. Architrav-Länge am Tempel des Antonin und der Faußina in Rom . . . 4 ,o m , » » » » der Roma und Venus.6,20 », » » an der Vorhalle des Pantheon: an der Giebelfeite . . . 5 ,o », an der Langfeite 4,45 m , » » am Tempel des Mars Ultor.5,0 », » » am grofsen Tempel in Ba‘albek (über dem mittl. Intercolumnium) 6,38 », » » » » » » » ( » » feitl. » ) 4,56 », » » » Sonnentempel in Ba‘all)ek ( » » mittl. » ) 5,50 » etc. Die Conftruction wurde wefentlich vereinfacht, wenn der Architrav beim Bauwerke nur decorativ auftrat, wie an den durch vorgeftellte Halb- und Dreiviertelfäulen decorirten Wandflächen. Er wurde aus kleinen Stücken hergeftellt mit Iothrechten Stofsflächen oder, unnöthiger Weife, im Keilfchnitt zufammengeftellt, wie bei den frei tragenden, fcheitrechten Bogen-Architraven, und es war dies um fo weniger nöthig, je gröfser das Auflager der Keilftiicke auf der Wand und je geringer der Vorfprung derfelben vor der Wand war. Die älteren römifchen Werke ( Tabularium, Tempel der Fortuna Virilis) zeigen bei den eingemauerten Architraven meift den Keilfchnitt; fpätere weifen weniger ängftlich und dabei rationeller die Iothrechten Fugen (Coloffeum) auf; wieder andere haben neben den Stücken mit Iothrechten Fugen ein keilförmiges Mittelftück, das zum Ueberflufs oft noch auf einem vorkragenden, kräftigen Rundbogen-Schlufsltein ruht (vergl. Bogen des Seßt. Severus, Janus-Bogen), während die fpätefte Zeit wieder auf das alte Syftem des Keilfchnittes zurückgriff, wie die Poria nigra in Trier zeigt (Fig. 119). Fig. 119. 'onslrucrion 152 x 53- Backftein- Der Architrav und der gerade Sturz wurden frei tragend und vorkragend auch Architrav. aus Backfteinen conftruirt. Im erften Falle wurde der fcheitrechte, mit nicht zu dünnem Mörtel gemauerte Bogen in Anwendung gebracht, der bei ftarker Belaftung Fig. 120 . mm 111119 durch einen über ihn hinweg geführten Segmentbogen verftärkt wurde (Coloffeum), oder ein halbkreisförmiger Bogen (Fig. 1 20). An der Aufsenfeite (Kisc^f vornT^wIrr in Fig. 121. Taormina • 1 S4- Bogen. nahm ihm die ganze Laft ab (Maxeniius-BcLfiUka, des Amphitheatrum caftrenfe in Rom wurde der 25 cm vorfpringende Architrav aus 6 Backftein- fchichten gebildet, von denen die unterfte aus 60 cm grofsen Platten befteht, die zur Hälfte in die Mauer eingreifen und auf welche 4 Schichten gewöhnlicher Steine und eine profilirte Deckftein- fchicht folgen (Fig. 131). Zwifchen die horizontale und bogenförmige Ueberfpannung von Maueröffnungen mufs noch die aus Backfteinen conftruirte, giebelförmig an- fteigende eingefchoben werden, wie folche bei den Flachnifchen des Theaters in Taormina ausgeführt ift. Zwei fcheitrechte Bogen ftemmen fich unter fchwacher Steigung gegen einander und überdecken fo die l,o5 m weiten, 0,54 m tiefen Nifchen (Fig. 121). Die Weite der Ueberfpannung von Freiftützen durch Architrave aus natürlichen und künftlichen Steinen war, wie gezeigt, eine befchränkte. Die Schranken wurden erweitert, fobafd flatt der horizontalen Ueberdeckung der Oeffnungen und Ueberfpannungen der Freiftützen die bogenförmige gewählt wurde. Mit letzterer war auch die tibergrofse oder Weitftellung (Araeoftylos) des Vitruv möglich, ohne '^TiScUntirft =» 1 53 dafs der Stein verlaffen und zum »fortlaufenden Holzbalken« 92 ) gegriffen werden muffte; bei Anwendung des Bogens konnte mit den kleinften Werkftücken die weitefte monumentale Ueberfpannung ausgeführt werden. Unter den bekannten Bogenformen wurde der Rundbogen am meiften geübt und erhielt zuerft eine formale Durchbildung. Er wurde von Werkftücken aus einer ungeraden Anzahl Steinen (3, 5, 7, 9, 11, 15, 19 . . .) conftruirt, von denen die dem Kämpfer zunächft liegenden Anfänger und der Schlufsftein in den Abmeffungen meift gröfser gehalten und vielfach auch decorativ befonders ausgezeichnet wurden. Die ohne Mörtel verfetzten Wölbfteine waren in den Berührungsflächen, wie beim fcheitrechten Bogen forgfältig bearbeitet. Gegen ein Gleiten wurden fie oft mit Eifenklammern oder -Stiften oder auch durch Stein-Einfätze gefchützt. (Vergl. Amphitheater in Trier, Coloffeum in Fig. 122.) Die Stirn- und die Laibungsflächen der Steine blieben entweder ohne Fig. 122. Saumfchlag rauh boffirt, oder fie wurden profilirt und mit Ornamenten bedeckt. Gingen die Fugen der Bogenfteine nach einem Centrum, fo war für die Ausführung des Bogens eine Rüftung aus Holz oder aus Holz und Stein zufammengefetzt, wie fie heute noch in Italien üblich ift, nöthig. In holzarmen Gegenden fuchte man, namentlich in der fpäteren Zeit, Lehrbogen fo viel als möglich durch Befonderheiten in der Bogen-Conftruction entbehrlich zu machen, indem man die Fugen nicht nach dem Centrum des Bogens gehen liefs, fondern für diefelben befondere Centren annahm, welche eine mehr horizontale Lage der Fugen geftatteten. Man näherte fich wieder für die unterften Bogenfteine dem Princip der Ueberkragung und bildete nur den Schlufsftein mit nach dem Bogen-Centrum führenden Fugen, wie dies bei den grofsen Thorbogen der Säulenftrafse in Palmyra ausgeführt wurde (Fig. 123). Wollte man die radialen Fugen der Bogenfteine mit den horizontalen Lagerfugen der Schichtfteine des Gemäuers in Einklang bringen, fo mufften letztere mit den erfteren an der äufserften Linie der Bogenumrahmung zufammentreffen. Dies hatte aber bei gleich grofsen Bogenfteinen eine Abnahme der Horizontalfchichten in der Höhe zur Folge, welche nicht durchführbar war. Man liefs daher an älteren Werken lieber die horizontalen Fugen beliebig auf den Bogen einfehneiden, wodurch man dreieckige und trapezförmige Anfchlufsfteine erhielt, die umftändlicher her- 92 ) Vergl. den vorhergehenden Band diefes »Handbuches«, S. 74. Fig. 123 jU j J/ \ cSarulrnstr ^Jusolfum cjpsjijmrus cXamrs'toofru-p pyv* 0 ö w 60 'olosspum-' olosspüm^ (o^$; /io .•j oj IdS'lpr-. 3 A Satul i55 zuftellen waren und fchon beim Verfetzen an der Spitze leicht befchädigt oder nach dem Vermauern abgedrückt wurden. Waren die Bogen von Pilaftern, Säulen und Architraven eingefchloffen, fo fetzte man die Radialfugen über die Bogenumrahmung hinaus nach diefen fort. Ergaben fich zu grofse Stücke, fo kantete man durch lothrechtes Abgleichen die viereckigen Steine zu fünfeckigen ab und erhielt fo noch weiter einen guten Anfchlufs der horizontalen Quader an die Bogenfteine, ein Verfahren, das bis auf den heutigen Tag in Uebung blieb (Fig. 124). In den Hakenquadern der Spätzeit (Palmyra) glaubte man wohl die befte Löfung für den Fugenverband von Wölbfteinen mit Schichtenquadern gefunden zu haben. Sie trugen in Palmyra nicht unwefentlich dazu bei, die Bogen bis zum Schlufsftein ganz ohne Lehrgerüft herzuftellen, haben aber den Nachtheil, dafs fie Fig. 125. 156 umftändlich zu bearbeiten und fchwer zu verfetzen find. Sie miiffen nach zwei Seiten hin paffen und find einmal in der Richtung der Bogenlinie, dann in der Nähe der Schichtfteine in verticaler Richtung in Anfpruch genommen. Wir finden fie defshalb meift abgedrückt, namentlich wenn der horizontale Theil derfelben etwas lang genommen wurde. (Vergl. Palmyra und Flg ' I26 ' auch neuere Bauten, wo diefelben zur Anwendung gekommen find.) Einen rationellen Steinfchnitt finden Fig. 127, füscTimH 1 LtidWra mit un^iicl .‘-V ^bcKsrriftbj ©olosstumd pn ---' ■ \ V ffioopn [Aw^mwwww cBthiisclinitt <3m (5?ol°sssiim~ ■ JE.us.pmfni'rrffrn c|ppipr^Lown-^> * 55 - Gemifchte und wir an den Bogen des Coloffeum, dem Triumphbogen des Sept. Severus und des Titus, am Maufoleum des Hadrian, an der Porta maggiore in Rom (Fig. 125); weniger fchön und empfehlenswerth ift derfelbe am Janus-Bogen und an den Bogen in Ferenti und Verona. Eine Verdickung der Bogenfteine nach dem Scheitel zu ift, den fog. Florentiner Bogen nicht unähnlich, am Triumphbogen in Orange ausgeführt, wobei übrigens die Verdickung formal nicht hervorgehoben ift. Für den Steinfchnitt beim Zufammentreffen zweier Bogen geben die Arcaden des Amphitheaters in . Verona und des Theaters in F'erenti (Fig. 125), für einen folchen beim Zufammentreffen dreier Bogen auf einem Pfeiler Fig. 126 und für denfelben bei Bogen mit ungleich hohen Kämpfern Fig. 127 den nöthigen Auf- fchlufs. Neben den Quaderbogen waren aber auch noch folche aus Bruchfteinen und Backfteinen oder aus beiden Materialien gemifcht in Uebung, zu denen fich noch Backftembogen. die aus Backfteinen und Gufsgemäuer gefeilten. i 57 Gut erhaltene Beifpiele folcher gemachten Conftructionen find uns u. A. im Dome und in St. Barbara zu Trier und in der Villa Hadriana bei Tivoli erhalten. An letzterem Bauwerke wechfeln zwei behauene Tufffteine mit einem Backfteine ab, in Trier dagegen zwei Backfteinfchichten mit einer Kalkfteinfchicht und ein Backftein ganz regelmäfsig mit einem Kalkfteine (Fig. 128 u. 129). Eine eigenthümliche Conftruction von Back- fteinbogen über einander findet fich im Gemäuer des Kaiferpalaftes in Trier, welche an eine ähnliche Spielerei in der Kuppel des Diocletian- Grabmales zu Spalatro erinnert. Ueber Maueröffnungen von 92 cm Weite find nicht weniger als 5 con- centrifche Mauerringe gefpannt, die durch je eine Backfteinfchicht von einander getrennt find (Fig. 129). Bei den aus Backfteinen und Gufsgemäuer hergeftellten Bogen wurden meift nur die beiden Bogenftirnen aus Vollfteinen hergeftellt, die nach der Laibungstiefe durch grofse Plattenziegel mit einander verbunden worden find. Die Zwifchenräume diefes Bogengerippes wurden mit Gufsmauerwerk ausgefüllt. Dadurch ift wohl an Ziegelmaterial gefpart, dagegen mehr Kalkmörtel gebraucht worden; der Bogen felbft aber wurde an Gewicht leichter, wie ein gleicher aus Vollfteinen. Selbftredend mufften diefe Bogen auf Schalung gemauert werden und bis zu einem gewiffen Grade auf diefer erhärten. (Vergl. Kaiferpaläfte in Rom, Fig. 130.) Fig. 128. .jbo^ffl jiusTrpm» trfBa^trinm^ Yifb J&d rtana~. Fig. 129. St-BarWd *£ir§tl bi A i 5 z/oS 5 btiüi- 0 3 l/ c 'it j o'oJf iit'K. K^istrpalast,. 156* Fries. 157* Hauptgefims. 158 /r-^'rSr SS3Ä Fig. 130. ■ ©3nstructionYon^I>acl* rzl£ •/sssa 1 =5^ °0>c, . f. 1 ,! : I~f 1 ^ b j „p 1 lu PTSa Xäisfrpalapstt-T^trk, oV / IVl ^Tl^aWrin.Tfmiik. Der Fries wurde bei Quaderbauten gewöhnlich mit dem Architrav aus einem Stück gearbeitet (Tempel des Antonin, Saturn-Tempel, Goldfchmiedepforte, Vorhalle des Pantheon in Rom, Tempel in Cori und Pompeji), mit lothrechten und mit Keilfugen, gleichgiltig ob der Architrav frei gelagert oder vorgekragt war; aber auch aus befonderen Stücken, die nach griechifchem Vorbilde auf den Architrav gelegt find, finden wir denfelben hergeftellt (Coußantin-V>ogen , Fortuna Virilis in Rom). Bei Backfteinbauten wurde er aus den gleichen Steinen gefchichtet, wie das Mauer werk der Umfaffungswände {Deus Red., Amphith. cafl. in Rom, Fig. 131). Das Hauptgefims mit feinen Untergliedern und der krönenden Sima wurde bei Anwendung von Marmor meift aus einem Blocke herausgearbeitet; bei grofsen und mittleren Dimenfionen treffen wir es auch gefchichtet an. So befteht das Hauptgefims des Tempels des Antonin in Rom, das fich aus Sima, Hängeplatte und doppelten Untergliederungen zufammenfetzt, der Plöhe nach aus einem einzigen Block. Am Triumphbogen des Sept. Severus find Architrav, Fries und das Untergefims bis zu den Zahnfchnitten aus einem Stücke hergeftellt, während Zahnfchnitte, Karnies, Hängeplatte und Sima wieder für fich aus einem Blocke gemeifselt wurden. An der Vorhalle des Pantheon ift das grofse Confolen-Gefims in feinem ganzen Aufbau der Höhe nach aus einem Stücke. Das Beftreben, den ganzen conftructiven und formalen Apparat der griechi- fchen Architektur aus möglichft grofsen Blöcken auf einmal herauszuhauen und zu verfetzen, macht fich allenthalben geltend. Die kleine, oft kindliche Schichtung bei einzelnen Theilen der griechifchen Quaderbauten wurde verlaffen und machte einer, trotz ihrer Maffigkeit, ökonomifcheren Platz. Der Materialverbrauch war bei den grofsen Stücken ein geringerer, als bei den vielen kleineren, welche alle die Zugabe des Werkzolles oder das umfchriebene Parallelepiped im Bruche verlangten; die Arbeit wurde verringert, weil die vielen Lager- und Stofsflächen wegfielen. Bei Backftein-Rohbauten wurde das Gefims aus vorkragenden gewöhnlichen Steinen mit Zuhilfenahme einfacher Formfteine hergeftellt {Amphith. Caß. in Rom), oder es wurden reich ornamentirte, befonders geformte Confol-Steine, Zwifchenftücke etc. verwendet, welche die Formen des Häufleingefimfes bei mäfsiger Ausladung wiederholten. Der conftructive Unterfchied befland dann hauptfächlich in der Kleinheit F>g. I 3 1 Trmprl drs flntonin u.drrTaustiiu. fRom.) finöpsimse vom O ■ (':,.r; ^Dfus T\pdiculus mphithralruin irtnsv aSS -r-_UilU JIMmmimt' tuuiii "1, M 1 1 iimi 1 miniinuilii iiimini'ii'iM Üü tttmm rfiMiltiiiJi 1 'psimsiy. «Sil® V'fc'Tä I 1 ' 'CA.'I! ÄS'^VU."-Ä gÜ ■lllllllM " 111111111 »SS! s ggSliS ||jg!s 5 H ^5 JfWKSunUl uugHrninrnmi'l n 1 iA<’ftWa»CI ftWJBäl II If M iM I §Si» ; B- 158. Giebelgefims. 160 der Elemente und in der geringeren Gröfse der Ausladung. Beim Steingefimfe ift gewöhnlich die Höhe gleich der Ausladung, beim Backfteingefimfe die Ausladung nur 2 ;s der Höhe (vergl. Deus Red. in Rom, Hauptgefims, Fig. 131). Die Giebelgefimfe wurden grofsentheils nach den griechifchen Vorbildern con- ftruirt. Jene find zwar unter fich nicht alle conform; im Wefentlichen ftimmen fie aber darin überein, dafs die Giebelgefimsftücke wie die horizontalen Traufgefimfe gefchnitten und auf die anzeigende Tympanon-Wand gelegt und dort gegen ein Abgleiten durch Dollen gekichert wurden. Als befonders rationell kann diefer Stein- fchnitt nicht bezeichnet werden; denn ohne die Sicherung durch die Dollen konnten die Gefimsftücke in das Gleiten kommen. Ein mächtiger Giebelanfänger, welcher aus dem horizontalen Trauf- und dem anfteigenden Giebelgefimfe zufammengefetzt war, d. h. der diefe Theile in einem Stücke zufammenfaffte, wurde manchmal (Gir- genti etc.) als Gegengewicht aufgefetzt, an den fich die fchrägen Gefimsftücke anlehnen konnten. War diefer Anfänger mit dem unterliegenden Friefe feft verdollt und waren die Friesftücke unter fich durch Klammern verbunden, fo kann man diefes Verfahren gelten laffen. Wir finden es angewendet am jonifchen Tempel zu Thelthata im Libanon. Die beffere Conftruction, die Giebelgefimfe mittels Hakenquader herzuftellen, welche ohne Metallverbindung vorzüglichen Halt hat und welche am kleinen Tempel in Paeftum ausgeführt -war, fand wenig oder keine Nachahmung. Am Giebel des kleinen Tempels in Palmyra, am Pantheon in Rom ift der wohl fehr ökonomifche, aber wenig empfehlenswerthe griechifche Steinfchnitt beibehalten. Bei den horizontal gefchichteten Tympanon-Quadern des Pantheon find zum Theile die wenig haltbaren, fpitzen Ecken derfelben, beim Anfchlufs an das Giebel- Fig. 132. i6i gefimfe, durch hakenförmige Einfätze vermieden. In Cori wurden unter die Stöfse der Giebelgefimsftücke durch die Giebelwand bindende Steinpfeiler geftellt und der Raum zwifchen diefen mit leichtem Mörtelgemäuer (Opus incertum) ausgefetzt (Fig. 132). 5. Kapitel. Balkendecken und Gewölbe. a) Holz-, Steinbalken- und Steinplattendecken. Die Decken waren bei den Wohnhäufern und auch bei den öffentlichen Bauten, wo es galt, grofse Räume auf eine wenig koftfpielige Weife zu überdecken, aus Holz hergeftellt, wohl in der gleichen Art, wie dies zum Theile jetzt noch in Italien üblich ift. Die Balken wurden behauen oder gehobelt und blieben als Deckenbalken fichtbar; auf der oberen Seite wurden fie mit Bohlen, Platten oder Eftrich belegt und dienten als Unterlage oder Gerippe für den Fufsboden. Die caffettirten Flachdecken in Zimmern find auch durch Vitruv (Lib. VII, 2) beglaubigt. Gefchützt wurde die Oberfläche des Holzes durch Anftriche, Brett-, Metall- und Terracotta-Bekleidungen, oder es diente das Holzwerk bei reicher decorirten Räumen diefen koftbareren Materialien als Kern. 'Bemalte Kaften-Terracotten aus Sicilien und Unter-Italien, die allerdings auf griechifche Bauten zurückzuführen find, geben uns noch Auffchlufs über diefe Art der Bekleidung. Was in Grofs-Griechenland gegolten hatte, wird wohl auch, wenigftens in Süd-Italien, zur gleichen Zeit üblich gewefen fein. Die Art der Befeftigung ift durch die Funde in Metapont klar gelegt worden. Die in grofser Anzahl vorhandenen, reliefirten und bemalten, 33 1 /2 cin hohen Thonkaften zeigen Zeitlich viereckige Löcher, durch welche Kupfernägel in das zu bekleidende Holzwerk getrieben wurden. Krumm gebogene Kupfer- (nicht Bronze-) Nägel flecken zum Theile noch in den Löchern; eine grofsere Anzahl von folchen, welche genau in die Oeffnungen paffen, find in den Glaskallen des fog. Mufeums in Metapont verwahrt. Sie meffen durchweg 13 cm in der Länge, find vierkantig und haben einen viereckigen Kopf (Fig. 133). Metall, Form und Gröfse laffen die ehemalige Befeftigung im Holz aufser allem Zweifel; eben fo läfft der Umftand, dafs die Terracotten auf der Rückfeite nirgends Mörtel- fpuren, fondern die ganz reine Thonfläche zeigen, darauf fchliefsen, dafs diefelben nur gegen Holz verwendet wurden. Stücke in Syrakus (Mufeum dafelbfl) und Selinunt (Mufeum in Palermo und Caflelvetrano) zeigen die ähnlichen Befeftigungsvorrichtungen und den gleichen Mangel an Mörtelfpuren. Da einzelne jener Stücke ganz platt find und keine Profilanfätze haben, fo mögen fie als glattes Mittelftück zwifchen zwei Kaftenftücken gefeffen haben. Andere dagegen zeigen Profilanfätze und conifche oder cylindrifche Löcher fowohl auf dem bemalten, als dem unbemalten Schenkel (Fig. 133). Dafs diefe Stücke als Bekleidungen von Steingeifa nicht gedient haben, wenigftens in dem Sinne nicht, wie dies in jüngfter Zeit colportirt wurde, bedarf wohl keines befonderen Nach- weifes mehr. Steinbalken erfetzten, wie bei der Decke des Peribolos am griechifchen Tempel, fo auch am römifchen mit der Zeit die hölzernen, und es ging diefer Material- wechfel auch auf die Decken ähnlicher, weniger tiefen, nach dem Freien fich öffnenden Räume über. Mit Vorliebe wurde aber flatt der umftändlichen Balken-Conftruction auf die Deckung mit caffettirten Platten gegriffen, wie fie am Parthenon und Erechtheion bereits ausgebildet war. Handbuch der Architektur. II. 2 . II * 59 * Holzdecken. i6o. Steinbalkendecken. 161. Steinplattendecken. Fig- 133 - o'oZH- Ürai '/////■'S '%'///'> x^r~^r t'ooiS s - oOOS W/i o' )25 ifl o'oJT 0085 < o | o 3 5 " I o’ 01 ^ oo4 •Xvpftrna^ci -?jf- >r -J o'oil’S ZBn/c]]?te'c^t von trmgltfn 'Irmcoffd mit^B)rffsti^n^sYorncl|fvn^i ilÜBp ■=3 ±mm Ups iiiuiiiiummB i 63 ?wr//////"'''" / " , ■• • - . ■ ’ -.IX'/;'■.■■, ■ ■ -. . . ' • - ..4M'.''- ^ Derartig caffettirte Plat- Fig. 134. ten bedecken heute noch den Umgang am fog. Vefta-Tem- pel in Tivoli; fie wurden auch beim kleinen Tempelchen der Veftalinnen am Fufse des Palatin in Rom gefunden. Während in Tivoli in befferer Weife die Caffetten- Platten aus fchmalen Stücken beftehen, die einerfeits auf der Cella-Mauer, andererfeits auf dem Säulengebälke ihr Auflager haben und radial, ohne Rückficht auf die Caffetten- Eintheilung, geftofsen find, waren fie am Tempelchen in Rom, bei dem allerdings nur 96 cra breiten Umgang, kreisförmig in fchräger Fläche fich berührend, geftofsen, d. h. fie beftanden der Tiefe nach aus zwei Stücken, von denen das eine auf dem Gebälke, das andere auf der Cella-Mauer ruhte (Fig. 134). In beiden Beifpielen ift die urfprüngliche Holz-Caffettendecke im Steine noch durchklingend. Die Zerlegung der Fläche in tragende Rippen und Verfpannungs- füllungen ift übrigens auch bei Steinplatten eine conftructiv rationelle Mafsnahme, die an fchweren, weit aus- hmm Dm irmnr Dst. (<3 «in TtT? ladenden Gefimshänge- platten und Balconplatten bis auf unfere Zeit als richtig anerkannt und geübt wird. Das Beftreben, tragende und füllende oder verfpannende Theile bei jeder raumbegrenzenden Fläche, fei fie Decke oder Wand, zu fchaffen, ift heute bei jedem Material, aus technifchen und öko- nomifchen Gründen, zum Syftem geworden. Beim geftemmten Wandgetäfel, bei der geftemmten Thür, der horizontalen Ilolzdecke, der mit Strebepfeilern verftärkten Steinwand, bei Gewölben lind Metallgüffen — überall treffen wir daffelbe Princip, das fich formal ähnlich äufsern kann, ohne Fig- 135- £iUullUiiiauu5 ß«jsrttifrtt. «S'ttmpla'H’fti4 fc ^r _dm Jnfp H 164 IÖ2. Römifcher Gewölbebau. dafs wir defshalb directe Uebertragungen der Formen von in der Technik zeitlich früher verwendeten Stoffen auf jüngere anzunehmen haben. Freier, aber defshalb nicht ftilwidrig, geftaltete fich die formale Seite der Platten- decke bei den Bauten der Spätzeit. Die fchlichte Eintheilung in quadratifche oder rechteckige Caffetten wurde verlaffen und machte einem bewegten Linienfpiel von fich kreuzenden Streifen und Füllungen mit Ornamenten und Figuren Platz, wie die Decken von Ba'albek und Palmyra dies zeigen (Fig! 135). Die Caffetten (Füllungen) haben bei den Steinplatten den Zweck, das Gewicht der Deckfteine zu verringern, ohne die Tragfähigkeit zu fchwächen; man ift defshalb an keine beftimmte Form derfelben gebunden. Ein Vorwurf in ftiltechnifcher Beziehung trifft wohl die Holzdecken der fpäteren Jahrhunderte, auf welche die Gefchlinge der Steinplattendecken übertragen find, nicht aber diefe felbft. Im Haurän zwang die abfolute Holzarmuth des Landes die Bauenden von vornherein zur Herftellung von Steinbalkendecken, fowohl bei den einfachen Wohnzimmern, als bei den grofsen Räumen der öffentlichen Bauten. Die nicht fehr langen Balken wurden von den Umfaffungsmauern und innerhalb der Räume von einem Syftem von Gurtbogen getragen. Einer hart neben den anderen gelegt und mit Mörtel und Sandfchüttung übertragen, bildeten diefe einfachen, im Querfchnitt rechteckigen Steinbalken: Decke, Fufsboden und Dach des Haufes. b) Gewölbe. Steinbalken und Steinplatten ermöglichten wohl eine abfolut monumentale Decke; zur Ueberfpannung gröfserer Räume, namentlich wenn Freiffützen thunlichft vermieden werden follten, reichten fie aber nicht aus. Das in Afien und Aegypten fchon früh in Uebung gewefene Wölben, das auch in Griechenland bei einigen Grabkammern, Thoren und Gängen oder an Nützlichkeitsbauten in Alexandrinifcher Zeit auftritt und von den Etruskern im Utilitäts- und Schönbau (Canäle und Stadt- thore) gepflegt und vervollkommnet wurde, gab das Mittel ab, auch diefer Anforderung genügen zu können. Mit diefem wurde es möglich, Decken von gleicher Solidität und Monumentalität herzuftellen und zugleich die Umfaffungsmauern des zu überdeckenden Raumes weit aus einander zu rücken. Während es der griechifchen Kunft kaum gelang, einen gefchloffenen, grofs wirkenden Innenraum zu fchaffen (man vergleiche nur alle Tempelinneren mit den fchmalen Schiffen und den ängftlich, ftockwerkartig auf einander geflehten, deckentragenden Freifltitzen), fehen wir hier mit der Zeit gewaltige, mit Kuppeln, Tonnen- und Kreuzgewölben überfpannte Hallen und Säle herausreifen, die in ihrer imponi- renden Grofsräumigkeit in der Baukunft einzig da flehen und an Grofsartigkeit und Kühnheit der Leiftung noch nicht übertroffen wurden; nur die byzantinifche und die Kunft der italienifchen Renaiffance mit ihren Leiflungen von Agia Sofia, Maria dei Fiori und St. Peter fleht der römifchen in der Technik des Wölbens und im Schaffen mächtig und ergreifend wirkender Innenräume ebenbürtig zur Seite. Die Einführung des Mörtels und der kiinftlichen, gebrannten Steine in die Baukunft machte die Ausführung diefer grofsartig gefafften Baugedanken möglich. Die erften etrusko-römifchen Leiflungen auf dem Gebiete des Wölbens wurden mit behauenen, mörtellos gefügten Quadern ausgeführt, die fich in befcheidenen Spannweiten bewegten. Diefe Technik wurde nie ganz verlaffen und bei gewiffen Gattungen von Bauten bis in die fpätelle Zeit beibehalten. Die Art des Wölbens *65 hing vom gerade zu Gebote flehenden Baumateriale der einen oder anderen Provinz, von deffen Qualität und mehr oder minder koftfpieligen Befchaffung, ferner vom Holzreichthum des Ortes, wo das Bauwerk errichtet werden follte, ab. War letzterer vorhanden oder konnte Gerüftholz billig befchafft werden, fo war das Wölben auf Schalung das leichtere und empfehlenswerthere und dann das mit Backfteinen und Mörtel oder Gufsmauerwerk das rafchefte und billigfte. Gewölbe-Conftructionen in Nimes, Narni, Palmyra, der Pont du Gard etc. ver- rathen in ihrer Ausführung oder verdanken ihre eigenthümliche Art wohl dem Umftande, dafs man mit möglichft wenig Gerüft-Material auszukommen gezwungen war. Beim Pont du Gard , der auf feinen Bogen Trinkwaffer nach Nimes leitete und aus Augufteifcher Zeit flammen foll, ift ficher aus genanntem Grunde die verbandmäfsige Fügung der Bogenfteine nach der Tiefe unterlaffen worden. Seine Gewölbe beftehen aus an einander gereihten, unabhängig von einander aufgeführten Quaderbogen. Es brauchte jeweilig nur einer diefer Bogen eingerüftet zu werden und nicht das ganze Tonnengewölbe. War ein Bogen hergeftellt, fo wurde er ausgefchalt und der zweite auf dem gleichen, nun vorgerückten Gerüft- Material begonnen u. f. f. Von den aus Quadern hergeftellten Tonnengewölben in Nimes und Narni ift das eine in tragende Bogenrippen und zwifchengefpannte Füllplatten zerlegt; das andere zeigt eine verbandmäfsige Schichtung der Rippenfteine mit den Füllquadern. In einer Schicht binden die Rippenquader durch die ganze Dicke des Gewölbes; in der darüber liegenden find fie nur vor die eigentliche Gewölbefchale vorgefetzt (Fig. 136), und die Füllungsquader gehen als Schicht ununterbrochen durch. Das Fig. 136. Quadergewölbe in Nimes konnte mit einem einzigen Lehrbogen hergeftellt werden, indem jeder Gewölbebogen unabhängig vom anderen ausgeführt ift und die Füllquader ohne befondere Rüftung in die Falze der Rippenquadern eingeftreift werden konnten. Beim Gewölbe in Narni war die Plinfchalung von 2 Rippenbogen nöthig, und es konnte dann der der erften Rippe beim 3., 5., 7. etc. Bogen wieder verwendet werden, der der zweiten beim 4., 6., 8. etc. Grofse Quadergewölbe bei Hochbauten find vornehmlich in Syrien zur An- 166 i6 3 . Tonnengewölbe : Ans Quadern. Wendung gekommen, während auf italienifchem Boden dem Backftein- und Gufs- gewölbe der Vorzug gegeben wurde. Beinahe alle bekannten Gewölbearten wurden mit den genannten Materialien hergeftellt. i) Tonnengewölbe. Das einfache Tonnengewölbe finden wir in Grabkammern, über Tempel-Cellen, bei Triumphbogen, Thermen, Amphitheatern, Bafiliken etc. ausgeführt. a) Aus Quadern hergeftellt, ift es entweder, wie gezeigt wurde, verband- mäfsig nach der Tiefe gefchichtet, oder es befteht aus an einander gereihten Bogen. Meift kamen gleich grofse Schichten- fteine, ohne Mörtel gefügt, in einzelnen Fällen durch Steinhaken oder Eifen- klammern gegen Gleiten gefichert, zur Anwendung. Kleine Tonnengewölbe find in der Regel an der unteren fichtbaren Fläche glatt gelaffen und gleichmäfsig ftark durchgeführt; Ausnahmen find Verdickungen der Gewölbefchale gegen die Widerlager und Verdickungen gegen den Scheitel. Auf letztere ift bei den Bogen hin- gewiefen worden; fie finden fich auch bei den Tonnengewölben am mehrfach genannten Triumphbogen in Orange (Fig. 137). In Rippen und Füllungen zerlegt fehen wir daffelbe bei den angeführten Bei- fpielen von Narni und Nimes. In Ba'albek treffen wir es 22,5 m weit gefpannt über der Cella und Vorhalle; die erften Schichten find dort noch erhalten und ergaben bei der Vorhalle eine An- fangsftärke der Schale von 1,67 m (Fig. 138); das Cella- Gewölbe war den Halbfäulen der Wände entfprechend durch fchwere Bogenrippen gegliedert. Horizontale Ver- fpannungsrippen in der Stärke der letzteren, alfo eine caffet- tenartige Gliederung der Tonne findet fich bei diefen grofsen Quadergewölben nicht; die angebliche Ueber- tragung einer Holz-Caffetten- decke auf die halbrunde Wölbungsfläche ift hier nicht Fig. 138. Fig. 137 167 zu conftatiren; eher erinnern fie in formaler Beziehung an die halbkreisförmigen, gerippten Decken der alt-indifchen Tempelgrotten (Karli-Grotte, 150 v. Chr.). Die kleinen Tonnen der Triumphbogen machen hiervon eine Ausnahme; fie find beinahe durchweg caffettirt (Fig. 139). ß) Aus Backfteinen hergeftellt, bediente man fich entweder der gewöhnlichen Mauerziegel oder befonderer Formfteine. Letztere wurden nur bei Gewölben von geringer Spannweite verwendet, bei welchen man die Schalung vermeiden wollte oder muffte. Daffelbe Princip der an einander gereihten Bogen ift dann, wie bei den Quadergewölben, durchgeführt. Das Vorbild für diefe Art zu wölben ift wohl in Affyrien zu fuchen. Die Canalgewölbe von Khorfabad beftehen aus an einander gereihten Ringen, die aus 7 plattenförmigen Formfteinen mit radialen Fugen zufammengefetzt find. Die Ringe find geneigt; das Gewölbe bildet defshalb weder auf der Innen- noch Aufsenfeite eine ebene Fläche. Durch diefe Neigung konnte die Schalung erfpart werden. Ein Ring wurde auf den anderen in nicht zu dünnem Mörtel aufgelegt. Wurden die Formfteine gröfser und blieb die Spannweite des Gewölbes klein, fo konnte das- felbe ohne Schalung auch bei gerader Stellung der Ringe ausgeführt werden, wie dies ein Canalgewölbe in Eleufis zeigt (Fig. 140). Fig- 139- A mmatw Talrayrd. • 'V -Jul- Jb.si 164. Aus Backfteinen. Fi g. 140, Jjfeusis fjssyWsciit Gons Gcti v ^Koftnisc^r ßanalconslrac'Voru, Fig. 141 Cassfifirrt/s Te rnfnüpfÄlbE _GG^ XPfl '^ trS G& aS ^’ j C cSjoannwritc=.2-4-, !o ™. , j iiGU. , iGsGsit- n* 5f} y^"o' 9,1» .»if fyicfrMt \#Sl ESSS llvf ccS'Or «= <7^ onnpnfflrwö(l)£ - (§)nstrucTfOft- Gvjajycaifaf’Wmrrk^ ■ ~] Ci8>f>annvf?i!>- j(t i6g Das Tonnengewölbe einer Cifterne von 5 1 j2 m Spannweite aus plattenartigen Backfteinringeif, bei dem gewöhnliche, rechteckige Ziegel von 37 X 27 cm Breite und Länge und 3 cm Dicke verwendet wurden, ift am füdlichen Abhange des Akropolis- Hügels in Athen vor einigen Jahren aufgedeckt worden. Bei diefer nach der fog. Möller fchen Methode gewölbten Tonne find die Ringe durch 4 cm dicke, grob- fandige Mörtelbänder von einander getrennt. Die grofsen, glatten Tonnengewölbe der fpäteren Zeit zeigen die heute noch gewöhnlichfte Art der Wölbung mit Mauerziegeln, die verbandmäfsig nach dem Centrum mit Harken Mörtelbändern gefchichtet find; dabei ift die Schichtung nicht immer fehr forgfältig, wie dies beifpielsweife ein Tonnengewölbe von 16 m Spannweite in den Caracalla -Thermen zu Rom zeigt (Fig. 141 ). Die Wölbfteine wurden in vielen Fällen nicht unmittelbar auf die Bretterfchalung aufgefetzt, fondern auf eine auf ihr ruhende Lage von kleinen, gut vermauerten Backfteinplättchen, die nach dem Ausfchalen des Gewölbes von unten mit einem groben Mörtel abgeputzt und mit einem feinen Stucküberzug verfehen wurden (Fig. 141 ). Sollten vollftändige Holzfchalungen unterbleiben und nur Lehrbogen oder letztere und fchmale, weit aus einander liegende Schalbretter bei der Ausführung der Gewölbe verwendet werden, fo legte man auf jene zuerft grofse, 60 cm lange und breite Plattenziegel, dann kleinere quadratifche Plättchen und fetzte auf diefe erft die Wölbfteine. Diefe doppelte Plattenunterlage wurde aber meift nur dann angewendet, wenn das Gewölbe aus Gufsgemäuer hergeftellt werden follte. 7 ) Aus Gufsgemäuer und Backfteinen gemifcht hergeftellte, glatte Tonnengewölbe mufften ganz auf Schalung ausgeführt werden und bis zu einem beftimmten Grade der Erhärtung des Mörtels auf diefer liegen bleiben. Bei folchen Gewölben wurde in Bezug auf das Material befonders rationell und ökonomifch verfahren. Sie beftanden aus einem Syftem von Backftein-Gurtbogen, die unter fich und in fich durch gröfsere Plattenziegel, in gewiffen Abftän- den von einander, verbunden oder verfpannt waren. Die 6 m weit gefpannten Tonnengewölbe der Bauten am weltlichen Abhange des Palatin beltehen aus einer Reihe von Bacldteinbogen, die hcli aus 3 von Platten durchfehoffenen Ringen zufammenfetzen und die in Entfernungen von einander liehen, welche etwas gröfser als die Backfteinbogen breit find. Letztere find wieder durch Plattenziegel verbunden, welche alle 9 bis 11 Schichten von einem Bogen zum anderen übergreifen (Fig. 142). Diefes Gerippe ift keineswegs fehr forgfältig und genau regel- mäfsig ausgeführt (Choify macht in feinem ausgezeichneten Werke die Conftructionen Fig. 142. v 1 W c'Cc- 165. Aus Gufsmauer- werk. 170 durchweg in der Zeichnung fchöner, als fie in Wirklichkeit find); aber ein gutes Backftein-Material und ein noch befferer Mörtel liefsen über den Fehler — den Mangel an Genauigkeit — hi^wegfehen. Die Zwifchenräume, welche diefes Gewölbegerippe frei liefs, wurden mit einem Gemifch von kleinen Tuff- oder Backfteinbrocken und Mörtel ausgefüllt, und es bildete das Ganze zufammen eine gleichmäfsig ftarke Schale von 60 cm Dicke. Rippen und Füllmauerwerk verbanden fich und erftarrten beim Erhärten zu einer Maffe, deren Zufammenfetzung unter der fchmiickenden Putzfläche dem Auge wieder entzogen wurde; die urfprünglich thätigen Theile wurden bei der Ge- wölbe-Decoration nicht ausgezeichnet, oder fie wurden nicht befonders Achtbar hervorgehoben. Die P'lächen der Gewölbe wurden aber auch belebt und das Gewicht derfelben erleichtert durch Anordnung von Caffetten, die in Geftalt von regel- mäfsigen Vielecken, Quadraten, Rechtecken, Rauten, Drei- und Achtecken etc. in wechfelvollem Mufter Ach ausbreiteten. Das Princip der unter Ach verbundenen, aus Ringen conftruirten Bogen wurde aber auch hierbei nicht verlaffen, wie die grandiofen, 24 m weit gefprengten Tonnen der Maxentius-Qa.(\\i\i& in Rom beweifen (Fig. 141 ). Man kann nicht fagen, dafs die in der Stärke von 2 Thonplatten ausgeführten Stirnbogen derfelben befonders fchön ausgeführt wären; die Steinfugen gehen nach allen möglichen Centren, nur nicht nach dem der Bogenform, und Fig. 143. doch haben die noch flehenden, über 1 Jahrtaufend alten Tonnen keinen Scheitelrifs aufzuweifen. Wie hoch die Bindekraft eines guten Mörtels mit der Zeit zu veranfchlagen ifl, davon giebt das den Be- fland des Bauwerkes nicht alterirende Ausbrechen eines beinahe 8 m weiten Bogens einer Zwifchenwand, auf welcher die beiden mächtigen Tonnen zufam- mentreffen, ein Beifpiel (Fig. 143). Der Vergleich mit anderen gewölbten Bauwerken fpäterer Zeiten läfft die Gröfse diefer frühen Leiflung noch mehr bewundern. In I xintiusk die mit Tonnengewölben überfpannten Räume der Seitenfchiffe wären beifpielsweife der Dom in Limburg, die Thomas-Kirche in Berlin etc. bequem einzuftellen (Fig. 144). Zu bemerken ift noch, dafs bei diefen Gewölben fchwere Stuckverzierungen vermittels Eifenftiften feft gemacht wurden, von welchen Ach zahlreiche Exemplare an den herabgefttirzten Gewölbeftücken der Maxentius-Baülika nachweifen laffen, oder Ae wurden an eingefetzten hölzernen Dübeln befeftigt, von welchen einzelne Laibungsbogen in den Caracalla -Thermen noch Refte zeigen. : ! i : ! i 172 i66. Bogenform. 167. Aufsergewöhn- liche Ausführungen. 168. Geftaltung. Bei diefen Tonnengewölben war die Bogenform entweder der Rund- oder der Flachbogen; letzterer wurde meift nur bei Klein-Conftructionen, Zimmerdecken von Privathäufern (Pompeji) etc. angewendet. Bei Stirn- und Laibungsbogen findet man beinahe überall die verquickte Form eines Rundbogens, der am Kämpfer um ein Weniges im Verhältnifs zur Spannweite, etwa 0,30 bis 1,20 m , je nach der Gröfse der Bogen, hinter die Pfeilerfluchten zurückgefetzt ift (Caracalla- Thermen, Mnxentius- Bafilika, Minerva Medica etc.). Der hierdurch entftandene Abfatz ift durch lothrecht bis zur Bogenfläche emporgeführtes Mauerwerk wieder ausgeglichen, fo dafs die reine Rundbogenform bei der deco- rativen Behandlung der Bogenftirnen nicht mehr vorhanden ift. Die Form ift zu unentfchieden, als dafs fie aus äfthetifchen Gründen entftanden fein könnte; fie dürfte wohl aus einem technifchen Vorgänge abzuleiten fein. Man wollte den Lehrbogen ein unverrückbares Endauflager geben und die Unterbolzung an diefen Stellen fparen, wie dies heute noch allenthalben gemacht wird, und dazu waren die Abfätze an den Kämpfern das geeignete Mittel. Man opferte die reine Form einem Vortheile in der Ausführung. Mit fteigendem Scheitel treffen wir das Tonnengewölbe über den Treppenläufen in den Amphitheatern 93 ) und als Ringgewölbe bei den Umgängen diefer Bauwerke. Conftructiv find bei diefen die gleichen Grundfätze entwickelt, wie bei ci)inpliiif(f4l>r Fig. 145. 3 6 ~i:r den geraden Tonnengewölben. Zuweilen macht fich eine weniger forgfältige Auswahl im Material bemerkenswerte, indem auch roh hergerichtete Bruchfteine oder Flufsgefchiebe zum Wölben verwendet find. Abwechfelnd horizontal und anfteigend in beftimmten Zwifchenräumen ift im Amphitheater zu Trier ein aus Quadern con- ftruirtes Tonnengewölbe ausgeführt (Fig. 145). 2) Kreuzgewölbe. Das Kreuzgewölbe ift eine fpätere Erfindung. Wir finden es ausgeführt über quadratifchem und rechteckigem Raume, auch bei langen oblongen Plallen, eines neben das andere gefetzt, durch fchmale Tonnen zu einem einheitlichen Decken- 93) Im grofsen Theater in Gerafa find die Zeigenden Gewölbe aus ftaffelförmig geftellten Bogen conftruirt. i73 fyftem verbunden, bei gefchloffenen und ftark durchbrochenen Umfaffungsmauern, die oft zu vier Begrenzungspfeilern mit nach vier Seiten offenen Bogen zufammen- fchrumpfen. Bei quadratifchen Räumen wachfen die Diagonalbogen unmittelbar aus den Pfeilerecken heraus (Kaiferpaläfte, Janus-Bogen etc.), oder in die Ecken geftellte Säulen mit einer tief einbindenden Kämpfergefimsplatte nehmen die Gewölbeanfänger auf, oder bei Wiederholungen tragen vorgeftellte Wandfäulen auf vollftändig entwickelten Gebälken die Gewölbe. Architrav, Fries und Gefimfe ruhen dann nicht einzig und allein auf den Wandfäulen; fondern fie find noch tief in das Wandmauerwerk eingefpannt (vergl. Villa Hadriana , Mixentius -Bafi 1 ika, Diocletians -Thermen etc.). Fig. 146. 'frmfn ! 74 169. Kreuzgewölbe: Aus Quadern. Bei rechteckigen Räumen ift das Kreuzgewölbe eine Durchdringung von zwei ungleich langen Tonnen, die den gleichen Durchmeffer haben. Der Scheitelpunkt des Gewölbes fällt im Grundrifs mit dem Schwerpunkte der Figur zufammen. Die Anfallspunkte der Diagonalbogen find daher nicht in den Mauerecken; fondernein jeder ift halb fo weit von diefen entfernt, als die Länge die Breite des Raumes überragt, und alle vier Wandbogen haben die gleiche Form und Gröfse. Diefe Anordnung hat den Vortheil, dafs fie die Stücke der Querwände, welche von den Tonnen getroffen werden, als Strebepfeiler für das Kreuzgewölbe erfcheinen laffen und eine Durchführung der Langwände in geringerer Dicke geftatten (vergl. Cara- calla -Thermen in Fig. 146 ). Technifche und formale (decorative) Gründe führten wohl mit der Zeit zu einer Erhöhung des Gewölbefcheitels über den höchften Punkt der Wandbogen und liefsen eine weniger fcharfe Betonung, d. h. Abflachung der Grate wünfchens- werth erfcheinen. Sie führten zu einer beftimmten Art von Kreuzgewölben, die in den Grabkammern vielfach wiederkehrt und bei der die Grate in der Nähe des Kämpfers noch lebhaft vor- Fi g- I 47- treten, fleh aber von da gegen den Scheitel immer mehr verflachen, um fleh fchliefslich in der Höhlung einer kugelförmigen Fläche ganz zu verlieren. Sie wurde in der Folge befonders von den byzantinifchen Architekten cultivirt und blieb auch in der neueren Kunft in Italien fogar bis heute in Uebung. (Vergl. Stanzen Raffael 's in Rom, Loggia des Pal. Doria in Genua u. a.) Um die genannten Anforderungen zu erfüllen, durfte der Diagonalbogen des Gewölbes keine Ellipfe, fondern er muffte ein Theil eines Kreisbogens fein, und das Gewölbe war um fo fefter, je höher der Scheitel deffelben angenommen wurde (Fig. •84. 147 ). Die Horizontalfchnitte zeigen deutlich das Verlaufen der Anfangs fcharfen Gratecken nach dem Scheitel zu. a) Kreuzgewölbe aus Quadern. Die Römer des Abendlandes vermieden bei Quadergewölben gern die Durchdringungen; fie legten lieber die Kämpfer der fleh fchneidenden Gewölbe verfchieden hoch. Die Römer des Orientes, die Klein- Afiaten und Syrer nahmen dagegen die intereffante Steinfehnittaufgabe auf. In den i75 Subftructionen von Ba'albek begegnet man aus Quadern conftruirten Kreuzgewölben, die genau denfelben Steinfchnitt mit hakenförmigen Gratfteinen zeigen, wie wir ihn heute im gleichen Falle zu machen gewohnt find. In Gerafa (Djerafch) und Pergamon treffen wir bei der Conftruction des Grates ftatt der Hakenquader ein verbandmäfsiges Uebergreifen der Schichtenquader des einen Gewölbes über die des anderen, wie wir es heute noch bei Backfteingewölben ausführen (Fig. 148). Fig. 148. Hatten die fich fchneidenden Gewölbe bei gleicher Kämpferhöhe nicht den gleichen Durchmeffer, fo entftanden die Stichkappen. Sie wurden in Pergamon (nach Curtius II. Jahrh. vor Chr.) für fich tragend ausgeführt, dabei die Wölbfteine nach der Fläche des gefchnittenen Gewölbes fo abgerichtet, dafs die Steine des letzteren leicht angepafft werden konnten (Fig, 148). Mörtel wurde bei diefen Quader-Conftructionen nicht angewendet. ß) Kreuzgewölbe aus Backfteinen und Gufsgemäuer wurden bis zu einer Spannweite von 24,5 m [Maxentius- Bafilika) ausgeführt. Stirnbogen und Grate wurden aus Backfteinringen mit Plattenziegeln durchfchoffen, ähnlich wie dies bei den Tonnengewölben erläutert worden, hergeftellt. Je nach der Spannweite der Gewölbe find diefe Ringe einfach, doppelt (Janus-Bogen) oder dreifach (Kaiferpaläfte) ausgeführt; die Plattenziegel find in allen Fällen nach der Wölbungsfläche abgekantet; andere durchziehen radial gefleht die Gewölbeflächen. Die Zellen zwi- fchen diefem Ziegelgerippe find, wie gezeigt worden, mit Gufsgemäuer ausgefüllt, das fo dick, als jenes gefchichtet wurde. Diagonalrippen und Stirnbogen verfchwanden auch hier wieder unter dem in gleicher Weife das F'üllgemäuer deckenden Putz (Fig. 149). Neben den glatten Gewölbeflächen waren auch hier, wie bei den Tonnen, Caffettirungen in Uebung. Bei einem Kreuzgewölbe über rechteckigem Raum in den Caracalla -Thermen fehen wir die Anfänger (Fig. 150, Strecke von b bis a ) maffiv aus Backfteinen herausgemauert und in der gleichen Ebene mit diefen, von a bis zum Scheitel, die 170. Aus Backfteinen und Gufs- mauerwerk. 176 I 7 1, Entwickelung. Fig. 149. \f> :p cS ^onstructi' ■tc.« GjfwilL^nirttjN oxPk H£r^C c^k\ P rzh Schalung mit grofsen Platten aufgefetzt, hinter diefer die mit kleinen Plättchen und auf den letzteren das Gufsmauerwerk. Bei einem anderen find die Plattenfchalen bis zum Kämpfer heruntergeführt und fchliefsen dann einen Backfteinanfänger wohl nicht ein; fondern es dürfte das Gufsgemäuer bis zu erfterem heruntergeführt fein. Fig. 150. 3) Kuppelgewölbe. Das Kuppel- oder Kugelgewölbe in feiner einfachften Form, ohne Durchbrechung, Gliederung und Lichtring, ift, nach Relief-Darftellungen zu fchliefsen, wohl fchon früh in Affyrien und wahrfcheinlich noch früher in Chaldaea ausgeführt worden und fand erft verhältnifsmäfsig fpät feinen Weg nach Rom. Die erften Kuppeln wurden durch horizontale Ueberkragung (vergl. die Schatzhäufer) oder durch fchwach nach dem Horizonte geneigte Ringfchichtungen hergeftellt; dabei war die ältefte Form mehr conifch geftreckt, als genau halbkugelförmig. Zuerft über kreisrundem Raume errichtet, reihen fich fpäter die Verfuche über zehneckiger, achteckiger und quadratifcher Grundform an. Während bei runden Räumen das Auffetzen der Kuppel ohne Weiteres erfolgen konnte, waren bei den polygonalen befondere Vorrichtungen nöthig, um den 177 Fig. 151. - Uebergang von den Polygonecken nach der Halbkugel zu ermöglichen. Die römi- fchen Baumeifter im Hauran ftellten Anfangs den Uebergang durch Steinplatten her (Fig. 151), eine Conftructionsweife, die übrigens nur bei kleinen Räumen angewendet werden konnte. Im Abendlande erleichterten die polygonalen Räume den Uebergang, und diefen um fo mehr, je mehr Seiten das Polygon hatte. War der Durch- meffer der Kuppel gleich dem des dem Vieleck eingefchriebenen Kreifes, fo fafs das Kuppelgemäuer in der Nähe der Mitten der Polygonfeiten auf eine Strecke weit auf der Umfaffungsmauer (vergl. D in Syftem I) und trug fich nur über die ein- fpringenden Winkel frei hinaus (B lf D u a 1 , C 1 ). Handbuch der Architektur. II. 2. 12 178 172 . Pendentifs. Die natürlichfte Form für die Unterftützungen oder Uebergänge an diefen Stellen war das fphärifche Dreieck; in ihm ift der Urfprung der Pendentifs zu fuchen. Die Anfänge derfelben zeigen fich fchiichtern an den römifchen Back- fteinbauten, bei der fog. Minerva Medica , den Gräbern an der Via Praeneßina und einigen Polygon-Räumen der Caracalla- Thermen. Bei diefen haben aber die unterftützenden Dreiecke keine reinen Kugelflächen, indem der Uebergang noch durch fucceffive Ueberkragung horizontaler Schichten hergeftellt ift. Es ergiebt fleh defshalb mitten durch das Pendentif ein Grat, der nach dem Kuppelanfang zu verläuft (Fig. 151, Syftem I, xy im Grund- und Aufrifs). Die Form ift noch eine unbeftimmte. War der Durchmeffer der Kuppel gleich dem des dem Vieleck umfehriebenen Kreifes, fo hatte man die Durchdringung eines acht- oder zehnfeitigen Prismas mit einer Halbkugel auszuführen. Ein Schnitt durch Centrum und Ecke des Polygons ergab einen gröfsten Kreis der Kugel. Die Dreieckszwickel zwifchen den Scheitel- F'g- 153 - ^rosstTWt/ndt. l^upprl if,^d , icV|P^pp i rr a ./ ©aracaüaffjnrtnfii. -f^oi 9HB Fig. 152. ^Dtcjia ltmpio cjflta Tt JS S . «ri'J?Q = c \ cp-£/ i,Cr->p ^ v. ° 'oa^tco ^W-TUiG (f~ Fig. 158 ^.y i ti' ! 'cl , jmf s^f ■BP ■K MÄllöIp HB Mip-' dmwa «if\ ftiiru njTTw SäflSfe- ggg HJl® j. :S&, ; ,m mm ß.M# m j m| - 184 b) Als Beifpiel einer Grofs-Conftruction erften Ranges, einer Kuppel über kreisrundem Raume von 43,5 m Lichtweite, fei das Pantheon in Rom angeführt, deffen einftige Beftimmung und Kuppel-Conftruction zu vielen Abhandlungen Ver- anlaffung gegeben, die in Bezug auf den technifchen Theil offene Fragen bleiben müffen, fo lange das Bauwerk unverfehrt flehen bleibt. Beftimmt fehen und wiffen wir, dafs der Unterbau aus mit Ziegeln verblendetem Gufsgemäuer hergeftellt ift, dafs die Blendung forgfältig ausgeführt und das Gemäuer von doppelten und dreifach über einander weggeführten Entlaftungsbogen durchfetzt ift. Theile des Gemäuers waren im Aeufseren, wie bei der Vorhalle noch erfichtlich, mit weifsen Marmorplatten verkleidet; andere Theile mögen geputzt gewefen fein; alte Stiche (Roma antiqua . . . CIO. 13. LXVIII, Taf. 38, von Lafrerio) geben noch Klein-Pilafler-Stellungen an der Aufsenfeite an, die wohl nie exiftirt haben. Die Vorhalle dürfte, nach den Anfchlüffen zu urtheilen, erft errichtet worden fein, nachdem die Rotunde fertig war, aus Gründen, die jedem Bautechniker auf den erften Blick als felbftverftändlich erfcheinen. Im Inneren deckt gegenwärtig eine Marmor- und Stuckbekleidung, die mit dem Kämpfergefimfe abfchliefst, die Wände. Ueber diefem erhebt fich das mit hell graugelbem Rauhputz überzogene, gegen den Scheitel offene Caffetten-Gewölbe, das durch 5 Zonen mit je 28 Caffetten gegliedert ift. Am Lichtkranz befindet fich noch ein reich ornamentirter Bronze- Reifen, der auf eine Ausfchmückung der Kuppel mit Metall fchliefsen läfft. Letztere ift aufsen mit Bleiplatten abgedeckt. Der Anfang derfelben verbirgt fich im Aeufseren durch die höher geführte Umfaffungsmauer, durch eine glatte Attika und eine Anzahl von Stufenringen, welche bis zur halben Höhe der Kuppel hinaufgeführt find. Zur Ermittelung der Conftruction müffen wir uns hiernach grofsentheils auf die Angaben Anderer verlaffen. Unter Benedict XIV. (1747) wurden umfaffende Reftaurationen des Baues vorgenommen; dabei foll die bei Pirancß (1756) und Canina (1840) veröffentlichte Art der Einwölbung zum Vorfchein gekommen fein, die aus 8 durch Bogen verfpannte Rippen, welche gegen den Lichtkranz gewölbt find, und zwifchengefetztem Gufsgemäuer beftand. Diefe Conftruction erfcheint möglich, wenn man annimmt, dafs die Kuppel aus zwei über einander liegenden Schalen befteht. In die von innen Achtbare Caffetten-Kuppel ift fie nicht einzureihen; denn Rippen und Bogen würden von den Caffetten willkürlich durchfchnitten, oder fie müffte fich nur auf die oberfte glatte Zone befchränkt haben, und dafür ift der Apparat doch etwas zu weit aus einander gerückt. Nimmt man eine zweite Schale an, fo mufs die genannte Conftruction in diefer gelegen haben. Diefe verfteclct fich aber hinter dem Aufbau des äufseren Obergefchoffes und hinter dem Stufenbau über dem Hauptgefimfe vollftändig. Obergefchofs und Stufenbau mufften an einigen Stellen vollftändig zerftört gewefen fein, wenn die Conftruction in allen Theilen erkennbar fein follte. Der Zu- ftand der Umfaffungsmauer und Gefimfe läfft aber auf eine folche Zerftörung nicht fchliefsen. Man könnte daher leicht verflicht fein, zu glauben, dafs Piranefi feine Lefer mit einer eigenen Erfindung abfpeist. Mit Rückficht auf die unficheren Angaben wären folgende Annahmen oder Ausführungen zuläffig. Für alle Fälle ift die der Höhe nach in drei Gefchoffe abgetheilte Umfaffungsmauer eine Hohl- körper-Conftruction mit zellenartig ausgefparten Räumen, in deren mittlerem Gefchoffe eine den Nifchen im Grundriffe entfprechende Bogen-Conftruction, die zum Theile durch die ganze Mauerftärke durchgreift, angebracht ift, welche den aus dem Gewichte der Kuppel entftehenden Seitenfchub auf beftimmte Punkte der Umfaffungsmauer leitet. Diefe Punkte fallen mit den Seitenwänden jener Nifchen zufammen. Es kann alfo die Umfaffungsmauer mit den durch alle drei Stockwerke durchgehenden Nifchen fo angefehen werden, als beftehe fie aus zwei in einer gewiffen Entfernung von einander aufgeführten concentrifchen Ringmauern, die an den Stellen S, Sj, S 2 , S 3 (Fig. 159) durch Zungen mit einander verbunden find. Diefe Zungen find dann die nicht fichtbar zum Ausdruck gebrachten Strebepfeiler für die Kuppel-Conftruction; fie find nach innen gelegt, und der zwifchen denfelben vorhandene Raum ift als Nifche zum Hauptraum gefchlagen. Sie verfchwinden, wie bei der Maxentius -Bafilika und anderen Grofs-Conftructionen, in der eigenthümlichen Dispofition des Planes, während man fie bei der Minerva Medica und beim fog. Venus-Tempel in Bajae auch äufserlich zur Geltung kommen liefs. Die Angaben über die Conftruction im Tambour find als zuverläffig anzunehmen. Die alte Marmor- VX \ /»r r Wvö^%- Mutlimassliche Knppel-Constrnction des Pantheon in Rom, ;in HS9 MH am s wmA : ffjf '//ss////);//s/s///////s/ ’777777777TT, -TSV,/,//},■>//>' WA‘ Construction des Mauercylinders und mnthmassliche Constrnction der cassettirten Kappel des Pantheon in Rom. ilBBilÄ i8 7 Incruftation des zweiten Gefchoffes war fchadhaft geworden, wurde 1747 durch den päpftlichen Architekten P. Poß entfernt und durch die jetzige Stuckbekleidung erfetzt. Bei diefem Gefchäfte muffte die Mauer blofsgelegt werden, und es konnte alfo kaum ein Irrthum unterlaufen fein. Zwilchen den durchfetzenden dreifachen Bogen AA fpannen fich kleinere Doppelbogen, welche die Laft des darüber flehenden Kuppelmauerwerkes aufnehmen und auf erftere, welche fleh auf die Nifchenwandzungen auffetzen, übertragen (Fig. 160). Nach dem Vorgänge der Kuppel des Toffia-Grabes bei Tivoli kann nun die Pantheon-Kuppel aus einer einzigen Schale beftehen, und die Caffetten-Rippen find eine über die andere durchgehend bis zum Lichtring durchgeführt und durch breite horizontale Gurtbänder verfleift. In der oberen glatten Zone können noch einzelne Plattenringe eingefchoben fein. Die Füllungen, welche diefes Rippenwerk aus Back- fleinen umfchliefst, wurden mit Gufsmauerwerk ausgefetzt, das in der oberen Zone mit den Rippen die gleiche Dicke hatte, in den 5 unteren Felderreihen aber auf flaffelförmige Lehrhaften aufgefchüttet wurde, um fo in einfachfter Weife die Caffetten zu erhalten. Um beim Nachlaffen oder Wegnehmen der Lehrbogen diefe hölzernen Lehrhaften für die Caffetten leicht loslöfen zu können, wurden die horizontalen Caffetten- Wände nicht winkelrecht zur Wölbungslinie hergeftellt; fondern fie fcheinen im Grundplane nach dem Mittelpunkt zu laufen. Mit einem optifchen Experiment hat diefe Anordnung um fo weniger etwas zu thun, als fie nicht die fertige Form giebt. Aufserdem wirkt fie jetzt unfehön (die unteren Flächen er- fcheinen zu breit und die oberen verkümmert, wenn man nicht gerade in der Mitte des Raumes fteht); fie ift nur von einem Punkte, vom Centrum des Grundplanes aus, für einen einzigen Befchauer ge- niefsbar. Möglich ift es auch, dafs der Gang und die Verfpannung der Rippen und Gurten nach dem Lichtkranz in der von Piraneß angegebenen Weife ftatt hatte, mit dem Unterfchiede, dafs die Hälfte (14) der auffteigenden Gurten gegen den Scheitel geführt und der glatte Theil nach der im Grundplane in Fig. 160 rechts angegebenen Weife ausgefpannt war. Dabei ift unterftellt, dafs das Gewölbe aus einer einzigen Schale beftelit. Verwerthen wir die Angaben Piranefi' s fo voll als möglich, fo bleibt nichts übrig, als eine doppel- fchalige Kuppel anzunehmen und den Römern die Priorität der Erfindung von Doppelkuppeln zu überlaffen. Vortrefflich im Gedanken und praktifch ausführbar ift, was Fig. 159 im Schnitt und Grundplan zeigt. Nach der Erhärtung der inneren Caffetten-Kuppel auf dem Lehrgerüfte konnte diefe als Gerüft für die äufsere Schutzkuppel dienen; man konnte fo mit geringem und leichtem Holze für die Rtiftung aus- kommen. Durch die Üebermauerung erhielt das Gewölbe ftärkeren Halt und vermehrte Stabilität und durch die Abdeckung mit Bronze-Ziegeln Schutz gegen die Witterung. Der bald zweitaufendjährige Beftand ift ein Zeugnifs für die Qualität der Conftruction und der Ausführung 98 ). Der Vorwurf eines fchwerfälligen Unterbaues oder einer zu maffigen Widerlager-Conftruction wird doch etwas niedergehalten, wenn man erwägt, dafs wir es eigentlich nur mit einer l,so m dicken Umfaffungs- mauer aus Gufsgemäuer zu thun haben, aus der 8 gekuppelte oder im Ganzen 16 Strebepfeiler 4,5 m weit hervorragen, welche die ganze grofsartige Kuppel-Conftruction aufnehmen. Die aus Quadern conftruirten Strebepfeiler des Colner Domes ragen nicht viel weniger weit aus der Umfaffungsmauer vor; diefe nach aufsen, jene am Pantheon nach innen. Für die ftatifche Beurtheilung von Gewölbe, Widerlager und Ausfpannung der concentrifchen Ringmauer geben die Schnitte in Fig. 161 wohl den beften Auf- fchlufs. Durchmeffer und Höhe des Raumes find einander gleich; fie verhalten fich wie 1 : 1 , gleich wie am Dome in Cöln; auch die wirklichen Mafse diefer beiden Bauten (im Querfchnitt genommen) decken fich nahezu, wie das Diagramm zeigt. Der Vorfprung der Strebepfeiler vor der Umfaffungsmauer beträgt 1 /n der Spannweite, die Stärke der Strebepfeiler einfchl. Umfaffungsmauer ift 1/7,5 derfelben und die Dicke der Umfaffungsmauer beträgt I/24. e) In die Claffe der Grofs-Conftructionen ift auch die Rotunde der Caracalla- Thermen mit 35 m lichtem Durchmeffer zu rechnen. Tambour und Gewölbe beftehen auch hier aus Gufsmauerwerk mit Backfteinblendung; die letztere ift am Gewölbe, fo weit dies noch vorhanden, im Inneren durchgeführt. 98 ) Vergl. hierüber auch: Viollet-le-Duc. Dictionnaire rai/onni de Varchitecture cic. Band 4. (Paris 1875). S. 347: Artikel » couj>ole «. k Fig. 161 in ’Npn'W. 1 ISS , i flJTI- fil > *401 TKftr ^ 43 , ;* 94 - nnn h ■ 189 16,8 m über dem Fufsboden erhob fich ein Lichtgaden von 8 grofsen, flachbogig tiberfpannten Fenftern, lind es war fomit wohl der Scheitel des Gewölbes gefchloffen. Die Flachbogen der Fenfter find Theile von durchgehenden doppelten Rundbogen , die in der Rundung des Baues, aber lothrecht emporfteigend gewölbt find. Die Kämpfer diefer Bogen fallen mit dem Kämpfer der Kuppel zufammen. Die Verbindung diefer lothrechten Bogen mit der tiberhängenden Fläche des Kuppelgewölbes muffte zur Anlage von Stichkappen führen. Fig. 153, D zeigt den jetzigen Zuftand eines Pfeilers mit den Bogen- und Stichkappen- Anfängern; letztere find äufserft forgfältig und fchon gemauert und in der Fugenführung muflergiltig. Nach diefem Thatbefland läfft fich unfchwer die einflige Form der Kuppel wiederherflellen und auch der Beweis liefern, dafs die von Blouet verfuchte, fonft fehr verdienftvolle Reconftruction der Thermen fpeciel in diefem Theile nicht zutreffend und dafs das Kuppelgewölbe mit Stichkappen (Lünetten) eine römifche Leiftung ift. Die Kuppel geräth bei Blouet um 6 m zu hoch. Von der Conftruction oberhalb der Lünetten läfft fich jetzt nichts mehr fett Hellen (Fig. 162). Fig. 162. f) Die Kuppeln bei Bajae, wohl Beftandtheile ehemaliger Thermen-Anlagen, zeichnen fich ebenfalls durch bedeutende Spannweiten aus, indem fie Lichtweiten von 28 bis 30 m zeigen. Sie gehören aber, ftreng genommen, nicht in die Claffe der Gewölbe; denn Form und Schichtung der Steine haben nichts mit dem Keil- fchnitt zu thun. Ihre Exiftenz und Fettigkeit beruht lediglich auf der Bindekraft des Mörtels aus der Erde von Puteoli (Pozzuoli). Der fog. Venus-Tempel, eine Rotunde von 28,6 m Lichtweite mit 4 halbkreisförmigen Nifchen und 4 Durchgängen im unteren Theile des Tambours und 8 Fenfter- öffnungen im oberen Theile, ift aus Gufsgemäuer mit Blendungen von Backfteinen und Opus reticulatum aus Tufffteinen hergeftellt. 4 Fig. 163 ^fun^m^ape, .(so^hustmprlj^V, 'sg'Sv? 1 , rv 5? ^urcritnpssir inmidif: "-^äurrstarrkj,, . 2 ™ so Fig. 164. !pi^bo^nförini|t J^ifppfJ hfaftv- (So^J^nfniVfnprl.) Öpannwrm iss 'XTpmt Tuffitfi v _;•-. e $ p ®ssrrt TiTR^ioC ^iclittTi 3ac) wzzm IIHMfff 191 Die Umfaffungsmauer ift durch Strebepfeiler verftärkt (Fig. 176); die Dicke der erfteren verhält fich zur Spannweite durchschnittlich genommen wie 1 : IO- Die Backfleinblendung im Inneren des Raumes ifl horizontal gefchichtet und über den Stichbogenfenflern halbkreisförmig emporgeführt (Fig. 163). In die fphärifchen Zwickel zwilchen diefen Bogen ift gerade gefchichtetes Mauerwerk aus kleinen, ziemlich regel- mäfsig gerichteten Tufffleinen eingefetzt, welches fich wohl bis zum Scheitel der Wölbung fortfetzte. Die ähnlichen, halb runden Führungen der horizontalen Backfteinverblendfchichten kehren bei der Minerva Me - dica wieder; ein befonderer conflructiver Sinn kann denfelben nicht beigemeffen werden (Fig. 165). Beffer erhalten, indem die Hälfte der Kuppel bis zum Scheitel noch fteht, ift die des fog, Dianen-Tempels. Die Wölbungslinie ift hier fchon eine Befonderheit, indem fie die Form des gedrückten Spitzbogens zeigt. . Der Tambour der 29 , 5 ™ weiten Rotunde ift aus Gufsgemäuer, das mit Backfteinen und Tufffteinen in den Schichten abwechfelnd verblendet ift. Diefe Art Mauerwerk ift bis über den oberen Lichtgaden, über die Scheitel der 8 grofsen Fenfter hinausgeführt. Von dort beginnt eine Zone von 25 Backftein- fchichten, welche durch Plattenziegel B und Bi (Fig. 164) abgebunden find, darüber eine zweite Zone, welche aus regelmäfsig bearbeiteten, 30 cm langen und 9 cm hohen Tufffteinen befteht, die mit der Platten- fchicht Bi abgebunden ift; das darauf folgende Mauerwerk ift bis zum Scheitel aus regelmäfsigen, kleineren Tufffteinen hergeftellt. Diefe Steine aller Zonen find aber bis zum Scheitel nicht nach dem Centrum der Wölbungslinie, fondern horizontal gefchichtet. Die Dicke des Gewölbes, welche nach dem Scheitel zu abnimmt, beträgt, in der Nähe des letzteren gemeffen, noch 1,20 m - Die ganze Oberfläche ift mit einem Mörtelgufs, dem klein gefchlagene Backfteinbrocken beigemengt find, 12 cm dick überzogen, und diefer, jetzt noch in vortrefflichem Zuftande, bildet die fchützende Schale des Gewölbes (Fig. 164). Die Leichtigkeit der Steine, die fteigende Wölbungslinie, die Güte und Bindekraft des Mörtels liefsen die Horizontal- fchichtung bei der grofsen Spannweite zu. Fig. 165. ■Ffimrvd v IPI il 192 174 - Kuppelgewölbe über polygonalen Räumen. Die verfchiedenen principiellen Unterfchiede in der technifchen Herftellung diefer gewaltigen Kuppelgewölbe mögen in den unter a bis f vorgeführten Beifpielen zur Genüge erkannt werden. ß) Kuppelgewölbe über polygonalen Räumen. Ueber polygonalen Räumen konnten die Kuppeln nicht fo unmittelbar auf die Tambours gefetzt werden, wie bei den kreisrunden; es bedurfte, wie in Art. 172 gezeigt wurde, befonderer Vorrichtungen, der Pendentifs. Letztere wurden durch Ueberkragung oder Wölbung hergeftellt. Je mehr fich das Vieleck dem Kreife näherte, um fo gefahrlofer war die Ausführung. So konnte bei zehneckiger Grundform das Experiment auch für gröfsere Spannweiten gewagt werden, z. B. beim fog. Tempel der Minerva Medica in Rom bis zu 25,o m . Die Conftruction der Pendentifs ift nicht genau feft zu ftellen, da der Putz die fraglichen Flächen deckt (Fig. 165); fie fcheint aber, nach anderen Ausführungen zu fchliefsen, aus einer Ueberkragung von Backfteinen zu beftehen. Intereffant bleibt die Conftruction der Kuppel, weil in ihr das am Pantheon durch Piranefi unftcher angegebene Syftem der Wölbung offen zu Tage liegt. Die Umfaffungsmauern beftehen aus Gufsgemäuer mit Backfteinblendung, die Gewölbe aus Backfteinrippen und Gufsmauerwerk. Aus den einfpringenden Ecken erheben fich breite, aus 5 mit Platten durchfehoffenen Backftein- fchichten conftruirte Gurten, welche wohl bis zu einem Scheitelringe geführt waren. Ueber den Scheiteln der doppelten, durch die ganze Mauer durchfetzenden Fenfterbogen erhebt fich mitten auf jeder Seite des Zehneckes ein zweites Syftem von je 2 Gurten, die nur bis zur halben Höhe der Kuppel geführt und durch kleine Halbkreisbogen mit einander verbunden find. Alle diefe Gurten find durch eine Reihe von Horizontalringen aus Platten verfpannt und bilden zufammen das Gerippe der Kuppel. Die Räume zwifchen Gurten und Ringen find mit Gufsmauerwerk ausgefetzt (Fig. 166). Der Seitenfchub der Kuppel ift durch diefe Anordnung auf die io Ecken geleitet, welche dem entfprechend durch Strebepfeiler verftärkt find (flehe Grundrifs und äufsere Anficht in Fig. 174 u. 177), während die Füllmauern nur 1 /ie des Durchmeffers dick find. Das ganze Syftem der Druckvertheilung in der mittelalterlichen Gewölbe- Technik ift hier wieder ausgefprochen oder im Keime vorhanden, wie bei den Kreuz- und Tonnengewölben. Man darf nur die Rippen aus den Gewölbeflächen vortreten laffen, fie entfprechend profiliren, die Strebepfeiler mehr fprechen laffen und fie formal ausbilden, um aus diefen römifchen Conftructionen das fertige Princip der gothifchen zu erhalten. Ueber achteckigen Räumen muffte der Ausführung der Pendentifs gröfsere Aufmerkfamkeit zugewendet werden, namentlich wenn die Abmeffungen derfelben grofse waren. Beifpiele folcher find uns in einem Octogon bei Tor de’ Schiavi (ca. 13 m Lichtweite) und in einem der Caracalla -Thermen (ca. 20 m Lichtweite) erhalten. Sie find aus Backfteinen durch fucceffive Ueberkragung mit fich verlierendem Theilgrat hergeftellt, wie Fig. 155 u ' 1 56 zeigen. Die Kuppel über diefen Pendentifs war bei dem erftgenannten Raume ähnlich, wie die zweite Zone der Toffia-Kuppel bei Tivoli conftruirt; im zweiten beftand fie aus Gufsgemäuer auf einer Plattenfchale. Die Kuppel-Conftruction von S'. Lorenzo in Mailand, welche hierher zu fetzen wäre, entzieht fich im jetzigen Zuftande einer technifchen Beurtheilung. Ihr römifcher Urfprung wird aufserdem angezweifelt. Die Form der Kuppel, welche Itreng genommen ein Kloftergewölbe über achteckigem Raume ift, deckt fich mit der des Batißero und des Domes in Florenz — einer Form, die an römifchen Kuppeln über polygonaler Grundform fonft nicht zu finden ift. Aus diefem Grunde fcheint mir die Annahme von Hübfch mehr gerechtfertigt, als die von Burkhardt. Römifche Kloftergewölbe find bis jetzt nicht bekannt geworden, während die altchriftliche Kunft fich deren bediente. : Fig. 166 n mm mgm Cc’o^ jf’/e £<£*,<><.- r'rAr-.c r>0( &c?v* gi io<^m 16 [ r ^upof!q>twcloe. ülrr ^tnntd N. ■) TlinirvaX ?_fllC<3 IH Handbuch der Architektur. II. I.Änd’vä T^jsiica in~Rsjn- .1 jiapljstcnimi in Tiqrfn*- ^at.Oti’marafyirtk, WcS 1 -Gjrrron in Cöln-,- TTordr ';*?< ? , ' * iWV.Mä&Ää üiySsswJwo* WO&w JflW «I ^VolÄn Kr , \^V^ e, ° Ä d- SK.Y'isSV.) O.. Bfnfimi 4j - 'ri JsimviW- } ii(ltilÄ|M|im||M lllIjiMljlHilijg^V; f \; -A3 h #*'■-• "- : l?- 198 i79* Caflfettirungen. t8o. Topfgewölbe. Viertelkugel. Die Exedra in der Villa Hadriana bei Tivoli (von 17 ,i m Durch- meffer) kann als Beifpiel diefer Behandlung gelten (Fig. 171). Das Gewölbe ift im Grundrifs in 7 Sectoren zerlegt, wovon 4 in der Kugelfläche liegen bleiben, während 3 als fteigende Tonnen mit kleiner werdendem Durch- Fig. 171. 'mm: meffer ausgebildet find. Da Putz das Gewölbe deckt, fo ift feine Conftruction im Einzelnen nicht feft zu ftellen. S) Caffettenartig gegliedert, wie das Tonnen- und Kuppelgewölbe, finden wir das Nifchengewölbe im Hadrianifchen Tempel der Roma und Venus in Rom. Zierliche Rauten beleben die Gewölbefläche in fchönfter Weife. Bei den angeführten Beifpielen wurden für die Wölbungen Kalk- und Back- fteine, Kalkmörtel und Puzzolane als Material genannt. Bei den grofsen Gewölben bevorzugte man namentlich Materialien von fehr geringem Gewichte, vulkanifche Tuffe von aufserordentlicher Porofität. In Pompeji (Stabianer Thermen und Töpferofen vor dem Herculaner Thor) und in Rom {Tor de Schiavi [Achtecksbau], Torre Pignattara an der Via Labicana [Grab der heil. Helena], Circus des Maxentius , Minerva Medica, Janus Quadrifrons) finden fich in den Gewölben vielfach vermauerte Töpfe 10 °). Diefer Gebrauch mag, 100) Vergl Nissen a. a. O., S. 64 — ferner: Overbeck, J. Pompeji in feinen Gebäuden etc. 2. Aull. Leipzig 1884. S. 380 endlich: Choisy, A. &art de batir chez Its Romains. Paris 1876. S. 96. 199 wie gefagt, bis zum Ende der Republik zurückreichen. Uebrigens waren es nach der Sachlage keineswegs ftatifche Gründe, welche die Römer jener Zeit veranlafften, diefes Material zu verwenden; man machte einfach fchadhaft gewordene Amphoren, die aus vortrefflichem Thone hergeftellt waren, auf diefe Weife für bauliche Zwecke nutzbar. Sie find über die ganze Gewölbefläche zerftreut, fitzen oft in Gruppen beifammen oder vereinzelt und kommen eben fo gut in den Widerlagern, als im Scheitel des Gewölbes vor. Fig. 172. dbcl] fussfinrs mmm c—4 AAO'Ir-' CXü' mWF? WVancj starrdrrlöpft. jo / io- 15 - j8 .millim ,e£p, oP, QoO] I 'Villa cjpsGfoy’cj IJH-.Tf- Das eingeftiirzte Kuppelgewölbe bei Tor de Schiavi (Villa des Gordiati) zeigt in den auf dem Boden liegenden Stücken die in Fig. 172 gezeichnete Anordnung und Form der Töpfe. Erft die byzantinifchen Architekten zogen aus diefem Material Nutzen für ihren Gewölbebau durch eine fyftematifche Anordnung und ftatifch rationelle Vertheilung deffelben. In Ravenna bildeten in einander gefleckte Töpfe (C in Fig. 173) durch eine fpiral- Fig- 173 - T> förmige Schichtung eineReihe unverfchieblicher Ringe, ein C . ' Gedanke, der in den Kuppeln der Bauten auf dem Berge Athos wiederkehrt, in- c- dem ‘dort zwifchen die gewöhnlichen Wölbfteine Ringe von fleh deckenden HohlA- lygjl '''' cbynm_ J JD.s if .. ziegeln vermauert find (A in ÜHlOS. V^yrnria Fig. 173). Der Gebrauch von Töpfen zu Wölbungen hat fich in Syrien bis heute erhalten, und Fig. 173 giebt bei B die Form eines folchen Topfes wieder. Das Vorkommen verfteckt oder offen liegender Strebepfeiler wurde in der iSr - Einleitung und bei den verfchiedenen Gewölben fchon erwähnt. Conftruirt find fle Strebepfuler - als fchlichte Mauerklötze — aus Achtbar vortretenden Quadern im Haurän (Chaqqa, II. oder III. Jahrhundert), aus Gufsgemäuer mit Backfteinblendung in Italien (.Minerva Medica in Fig. 174 u. 177, Maxentius- Bafilika, Bajae in Fig. 176). Der Raum zwifchen denfelben ift ganz oder theilweife zum Inneren gefchlagen (Chaqqa in Fig. 175), und im letzteren Falle beleben die Pfeiler die Aufsenfläche der Umfaffungsmauern Fig. 174. Jvjinprvy mn\ica -\om^ surri F 'g-175 aA oO T' T"T /St S.-r Ss/"S'/'ssSSs/J/SSJ///////'?/'//■/////SS////S/SSSSJ’yTjy/'/ySfS/ als Verticalgliederungen, wie bei mittelalterlichen Bauwerken. Als fchräg abfallende Mauermaffen find fie über den durchbrochenen Scheidewänden zwifchen den Tonnen der Seiten- fchiffe der Maxentius- Bafilika zum Theile noch erhalten. Die 3 , 05 m dicken, trapezförmigen Pfeiler find von rundbogigen Oeffnungen durchbrochen, um durch diefe die Verbindung von einem Plateau zum anderen der niedriger gehaltenen Seitenfchiffe zu ermöglichen, eine Anordnung, die wir an mittelalterlichen Bauwerken wiederholt finden (Fig. 178). Fig. 176. o^lYnrnfrinprl ■ cbtrr pr pff 1 Irr ir ) 5 ap 1 . 5) Schlufs. Die Decoration der Gewölbe gefchah bei glatten und caffettirten Gufs- und Backfteingewölben unter Zuhilfenahme von Stuck und Malerei (Pompeji, Kaifer- paläfte in Rom, Gräber an der Via latina etc.). Die Quadergewölbeflächen blieben bei Grofs-Conftructionen vielfach glatt; bei kleineren Tonnen find die Motive der caffettirten Steindecke auf die Wölbungsflächen übertragen. (Vergl. 1;fo die ganzen Deckengewölbe auf Eifen fich ftützend hergeftellt würden.« Die Fugen feien oberhalb mit Haarmörtel zu ver- ftreichen, und an der Unterfläche wäre vor dem Putze ein Auftrag aus Mörtel mit zerftofsenen Thonfeherben zu machen. Die Ausführung zweier folchen Gewölbe über 101 ) Rich, A. Illuftrirtes Wörterbuch der römifchen Alterthiimer etc. Aus dem Engl, von C. Müller. Paris u. Leipzig 1862. S. 408: »Mufivum« = ein aus kleinen Stücken von farbigem Glas oder einer Email-Mifchung zufammengefetztes Mofaik, im Gegenfatz zum »Lithoftrotum«, das aus farbigen Steinen gemacht wurde. 203 einander wird befonders bei Bädern empfohlen; »denn es wird dann die vom Dampfe herrührende Feuchtigkeit das Holz des Balkenwerkes nicht verderben, fondern fich zwifchen den beiden Gewölbedecken verziehen«. Gewölbte Flächen wurden auch aus Holz und Stuck hergeftellt, indem man Latten aus Cypreffenholz, 2 Fufs von einander, bogenförmig mit Holzklammern und eifernen Nägeln an die Deckenbalken befeftigte, und diefe mit gequetfchtem Schilfrohr ausflocht, das von unten mit grobem Sandmörtel beworfen und dann mit feinem Mörtel und Marmorftaub abgeputzt wurde (vergl. Vitruv, Lib. VII, 3). Aufser diefen letzten Angaben erfahren wir von Vitruv über Bogen und Gewölbe weiter nichts, als dafs man über hölzernen, durch Mauerwerk belafteten Balken Entlaftungsbogen machen Folie, dafs die Umfaffungsmauern bei Gewölben dicker zu machen feien und dafs bei Bogenftellungen auf Pfeilern der äufserfte Pfeiler breiter gemacht werden müffe, damit er Widerftand gegen das »Auswärtstreiben der Lagerfteine« leifte. Und doch find grofse Gewölbe-Conftructionen unter feinen Augen ausgeführt worden, und die etruskifchen Leiftungen auf diefem Gebiete mufften ihm bekannt fein. Hielt er fie fo ganz für felbftverfländlich, dafs er kein Wort weiter darüber zu verlieren brauchte, oder waren fie ihm unwichtig? Doch kaum, da er viel weniger Wichtiges und Landläufiges (nicht für uns, fondern für die damalige Zeit) umftändlich vorträgt; fie als eine Neuerung betrachten, der er verftändnifslos gegenüber geftanden hätte, verbieten die genannten älteren Ausführungen. Viele der Gewölbe widerftanden der Zeit; Erdbeben, mangelnde Unterhaltung und wuchernde Vegetation oder abfichtliche Zerftörung durch Menfchenhand führten mehr den Untergang der meiften herbei, als die Qualität der Arbeit und des angewandten technifch-ftatifchen Verfahrens. Schadhaft gewordene Bogen wurden durch Untermauerung und Unterfetzung von engeren Bogen, Auskeilen und Ausgiefsen der Zwifchenräume mit Beton ausgeb effert. 6. Kapitel. Dächer. Die Neigung der Dachflächen und die fich hieraus ergebende Conftruction des Daches hängt zunächft von der Art des Deckmateriales ab. Die Unvollkommenheit und Vergänglichkeit deffelben verlangt entweder einen möglichft rafchen Waffer- abflufs, oder die gute Befchaffenheit geftattet ein längeres Verweilen, bezw. An- fammeln der Tagwaffer auf demfelben, d. h. durch diefe Umftände wird ein fteiles oder ein flaches Dach bedingt. Das Dach der im Blockftil erbauten Häufer der Kolcher bildete eine fpitze Pyramide, die mit Erde und Laub bedeckt war; die Dächer der Heiligthümer auf der Burg des alten Rom, die Hütte des Romulus, waren mit Stroh gedeckt (vergl. Vitruv, Lib. II, 1,5); die uralten Afchenkiften von Albano (vergl. Art. 29, S. 22) zeigen ein fpitzes Strohdach und geben wohl ein Bild von dem älteften Typus des italifchen Haufes. Hieraus ergiebt fich auch für den Süden das fpitze oder fteile Dach als das ältefte, und es blieb fo lange in Uebung, fo lange man fein vergängliches Deckmaterial gebrauchte. 185. Holzgewölbe, 186. Vitruv und die Gewölbe. 187. Schlafs. 188. Dachform und Dachdeckung. 204 189. Dach- Conftruction, Die Eindeckung mit eichenen Schindeln, deren Verwendung Vitruv (Lib. II, 1) den Galliern, Spaniern, Lufitaniern und Aquitaniern zufchreibt, geftattete einen geringeren Neigungswinkel der Dachflächen, und die Eindeckung mit Ziegeln ermöglichte bei dichtem Fugenfchlufs das flache Dach. Der confervative Süden weist uns heute noch an der Capanna der römifchen Hirten das fteile Strohdach, an den Bauernhäufern der Alpenabhänge das ftark geneigte Schindel- und Steinplattendach, an den Stadthäufern das flache, nach dem antiken Principe conftruirte Thonziegeldach. Sattel- (Giebel-), Pult-, Zelt- und Walmdach waren bekannt; letzteres war auf dem Lande das vorherrfchende, das erftere in der Stadt. Im Giebeldach des Tempels fpiegelt fleh die Geftalt des älteften italifchen flädtifchen Haufes wieder 102 ). Fig. 179. Verfchiedene antike Reliefs, auf welchen Käufer dargeftellt, Afchenkiften, welche Wohnhäufern nachgebildet find (vergl. Art. 50, S. 58), die phrygifchen Felfengräber, ägyptifche Reliefs und Stab-Conftructionen, wie auch altchriflliche Kirchendachftühle, auch folche des Mittelalters und der Neuzeit im Lande Italien, fo wie Schilderungen alter Schriftfteller und erhaltene Bauverträge (Lex Puteolana) geben uns Auffchlufs oder Anhaltspunkte für die Conftruction des entwickelten antiken Daches. Allenthalben treffen wir das Pfettendach mit durchgehenden Bundbalken, die bei gröfseren Spannweiten zwifchen den Auflagerpunkten ein oder mehrere Male direct unterftützt oder an das Zimmerwerk aufgehängt find. Deckenbalken, Pfetten, Streben, Hängefäulen, Bruftriegel und Sparren find zu Hänge- und Sprengwerken in heute noch üblicher Weife zufammengefügt, und die Hölzer zeigen auch in den Abmeffungen keine ftarken Uebertreibungen gegenüber dem heutigen Gebrauch. Ueberall treten uns rationelle Conftructionsweifen unter Berückfichtigung der Materialeigenthümlichkeiten und daraus entfpringende Conflructions- und Decorations- 102) Für das Giebeldach des Privathaufes vergl. das in Capri gefundene Relief im National-Mufeum zu Neapel: Icaro cd Erigone che feßeggiano Bacco Indiana — ferner: Nissen a. a. O. ; Kap. XXIV. 205 XiVusly- Fig. 180. %)'pk T'tiry^iocj^. ucri \i mi/rav formen entgegen. An allen genannten Beifpielen überragt das Dach fchützend die Umfaffungsmauern, und das Traufgefims ift entweder durch überhängende Sparren oder vorkragende Deckenbalken und Sparren gebildet (Fig. 179 u. 180). Die Mauern konnten dabei einen Abfchlufs nach oben durch ein fchlichtes oder reich entwickeltes Steingefims gehabt haben. Das Sparrengefims fchliefst das letztere nicht aus, wie die noch vom alten Geilte durchwehten, wohl traditionellen toskanifchen Palaft- und Wohnhausgefimfe zeigen (Fig. 181, Pifa u. Siena). Das genannte Relief (Icaro ed Erigone) des Neapolitaner Mufeums zeigt die tiber- hängenden Sparrenköpfe unverkleidet; Vilruv verlangt beim Holzgefimfe des etruskifchen Tempels Verkleidungen; auch die Lex Puteolana fchreibt folche vor 190. Sparren- gefimfe. m (>■>antepagmenta abiegnea lata \dodrantem\ craffa \feimmciam\ cumatiumque imponito ferroque plano figito « ). Von der altväterifchen Reconftruction des Puteolaner Vordaches, die dem Corp. infcript. lat. (AJomm/en) hei gedruckt itt, aber dem Texte durchaus nicht entfpricht, kann fiiglich abgefehen werden. Denn fo tieht eine lationelle Ilolz-Con d fuctiou nicht aus, und ein Techniker wird nur die Auffaffung von Choify 103 ) annehmbar finden können. Fig. 182. v Abfolut nothwendig war die Verkleidung der Sparrenköpfe nicht, wie die genannten toskanifchen Holzgefimfe heute noch zeigen. Man konnte dem Hirnholze Schutz gewähren durch das Vorftehenlaffen der unterüen Ziegelreihe oder durch befondere, mit Waffernafen verfehene Traufziegel, wie folche in Griechenland und 103 ) In : L art de batir chez les Romains, Paris 1876 S. 145. 207 Süditalien nachgewiefen find (Fig. 182). Vollkommener wurde aber der Schutz jedenfalls durch die angehefteten Verkleidungen; dabei konnten die Holzleiften (Antepagmenta) mit Terracotta-Tafeln bekleidet fein, worauf die Refte fo vieler reliefirten und bemalten, kleinen, mit Nagellöchern verfehenen Terracotta-Friefe hindeuten, oder es war die Schutzleifte mit dem Traufziegel aus einem Stücke gearbeitet, worauf Refte in Metapont (vergl. Art. 48, S. 57, ferner Fig. 182 u. 183) hinweifen. An folchen Sparrengefimfen find auf keiner Darftellung Traufrinnen angegeben, und fie waren wohl nie in Uebung, es fei denn, fie wären aus langen Holzftiicken gehöhlt und an die Sparren befeftigt Fl S- i8 3- gewefen, wie an den Tyroler- und Schweizerhäufern unterer Tage, an denen ja ein gutes Stück alter Tradition hängt. Die Annahme von Ter- racotta-Rinnen aus kurzen Stücken auf fo beweglicher Unterlage, wie ein überhängendes Sparrengefims, wäre widerfinnig und würde ein technifches Unding fein. Auch die Verkleidung der Pfetten-, bezw. Balkenköpfe verlangt der Bauvertrag von Puteoli f» Infuper id et antas mutulos robiflos II craffos \beffem \, altos pedem I proicito . . . Infuper fimas pictas ferro figitot). Diefe kann nun aus Holzbrettchen oder Terracotta-Tafeln oder beiden zugleich beftanden haben. Wir finden fie auch wieder an den genannten Tyroler Holzhäufern. Die Holzgefimfe wurden mit der Zeit, in den Städten wenigftens, durch Stein- gefimfe verdrängt. Man liefs das Abfchlufsgefims der Mauer weiter vortreten, theilte diefem die Aufgabe des Schützens zu, fchnitt die Balken und Sparren zurück und belaftete mit deren Enden die nach innen gekehrten Theile des ausladenden Steingefimfes. Will man die Form des Steingefimfes (befonders dorifchen Stils) aus dem alten Holzgefimfe ableiten, fo führt eine Unterfuchung zu dem fchon früher feft geftellten Ergebniffe, dafs die Deckenbalken urfprünglich einen Beftandtheil des Holz- gefimfes bildeten und dafs dann diefe nicht hinter den Triglyphen, fondern über denfelben angenommen werden müffen. Die Conftruction alter Holzgefimfe kann, wie erwähnt, am beften an etruskifchen Werken noch nachgewiefen werden. Es fetzten fich diefelben, ähnlich wie an den Holzbauten derjenigen Gegenden, in denen der Holzbau feit ältefter Zeit in Uebung geblieben ift, aus den vorkragenden Balken und den zugehörigen aufgefattelten Sparren, welche mit ihren Enden über die erfteren hinausreichten, zufammen. Wird diefe Gefimslehre durch Schalbretter bekleidet, d. h. werden die Antepagmente vor die Balken- und Sparrenköpfe geheftet, fo ergiebt fich ohne Weiteres die typifche Form des dorifchen Steingefimfes, felbft- redend ohne deffen Auszierung. Die Holzbalken- und Sparrenvorfprünge kann man in jenes hineintragen oder aus ihm herauslefen, wie die in Fig. 184 dargeftellten 191. Steingefimfe % «Scljwaru, % "vräld tug. 184 ©oncor^uKuipfl in ZBalK f "CO ;V'^ t ; !i ;;';;i[i|!|!|ii 1 ;;';; ,v . ^?iai llliii«! 1 ii ; i*W &JTUS ^3«3!/T?n faf'f'p/, . n^mn\rs Beifpiele von Akragas (nach dem heutigen Zuftand aufgenommene innere Ecke), Segeft und Rhamnus darthun. Die Steinbalken des Peribolos lagen an allen dorifchen Tempeln in der gleichen Höhe über dem Triglyphon, was zu Gunften diefer Ableitung des Steingefimfes von dem aus Balken und Sparren gebildeten Holzgefimfe fpräche. Auf diefe Mög lichkeit ift im Abfchnitt »Baukunft der Griechen« 10J: ) bereits hingewiefen worden; fie würde ganz entfchieden gegen die Vitruvianifche Auffaffung des Triglyphon zeugen. Man kann es aber auch bei der zuerft gegebenen Erklärung des Steingefimfes als vorgerücktes Abfchlufsgefims der Umfaffungsmauern bewenden laffen. Die geringere Ausladung der Steingefimfe (namentlich wenn zu diefen poröfer Kalkftein von geringer Tragfähigkeit verwendet werden muffte) gewährte den Mauern Siehe Theil IT, Hand 1 diefes »Handbuches«, S. 13. 209 nicht mehr denfelben Schutz gegen das ab- fallendeRegenwaffer, wie die Holzgefimfe. Durch ein Vorfprin- gen der unterften Ziegelreihe über die Gefimskante fuchte man die Traufe wei- Fig. 185. r 1>.n. ter vom Baue wegzurücken, aber in nur wenig wirkfamer Weife (Fig. 185). Das Waffer fiel bei windftillem Wetter den Langfeiten entlang an der Vorderkante der Ziegel frei herab zur Erde oder wurde bei Sturm gegen die Gefimfe, Mauerflächen oder Säulen ge- peitfcht. Unzuträglichkeiten bei dem gefchilderten primitiven Wafferablauf, der fich wohl >93- bei Bauten aus feftem Gelteine, wie Marmor halten konnte, der aber, wenn nicht ftändige Reparaturen nothwendig werden füllten, bei mit Stuck überzogenen Steinbauten auf die Dauer unthunlich erfcheinen muffte und zu Anordnungen drängte, um dem genannten Uebelftande abzuhelfen, führten zum Gebrauch der Wafferrinnen längs der Dachtraufen. Sie waren urfprünglich, wie die Ziegel, aus gebranntem Thon: Das Dach- waffer wurde durch fie gefafft und an beftimmten Stellen durch befondere Ausgtiffe weit vom Baue weggeleitet, fo weit dies Wind und Wetter geftatteten. Die Durchführung der Vorderwand des aufgeftülpten Wafferkaftens auf den fteigenden Giebelgefimfen gefchah mehr aus formalen, als aus technifchen Gründen, obgleich man auch hier einen ficheren Abfchlufs der vorderen Ziegelreihe haben muffte. Sie ift wohl aus diefem Grunde auf den Marmortempel übergegangen und als krönender Schmuck am Giebel beibehalten worden, während fie bei der Güte des Materials und weil die Wafferfpeier bei Sturm und bei hohen Tempelbauten das gewünfchte günftige Refultat doch nicht ergaben, an den Langfeiten entbehrt werden konnte. Die thönernen Wafferkaften, welche auf den Steingefimfen ihr fettes, unverrückbares Lager hatten und der Länge nach unter fich auf das forg- fältigfte durch mit feinem Mörtel ausgegoffene Falze verbunden wurden, waren für fich gefondert ausgeführt, wie dies am Tempel C in Selinus gewefen zu fein fcheint (Fig. 186), oder fie waren mit den Traufziegeln aus einem Stücke gearbeitet, die fpätere, gang und gäbe Art. Mit der Aufnahme der Steinziegel (Marmorziegel) an Stelle der Thonziegel muffte bei öffentlichen oder Cultusbauten auch die Thon-Sima der Stein-Sima weichen. Form und Ornamentation der alten Thon-Simen wurde dabei unmittelbar auf die Stein-Simen übertragen. (Vergl. die fteinernen Rinnleiften von Himera und Akragas mit den thönernen von Selinus in Fig. 186.) Eine befondere Schalung wurde wohl in den wenigften Fällen über den Sparren I94 . hergeftellt, wenngleich der Bauvertrag von Puteoli eine folche verlangt (»operculaque Uachfchallm s- abiegnea impomtcn). Die etruskifchen Gräberdecken zeigen, wie nachgewiefen wurde, den Ziegelbelag ohne Schalung. Die Entfernung der Sparrenpaare von einander richtete fich dann nach der 195. Breite der Ziegel, welche unmittelbar auf erftere gelegt wurden. An der unterften Handbuch der Architektur. TI. 2. 14 Fig. 186, elinifs m, Wk *8&» i ifSüäsSlS *??■»• ■»£«* - «•«->»> i^ß{M ~' l *' ; Irf"'55. ; ms iü liÜ 211 Ziegelreihe mufften die folgenden ihre Stützen haben, da Lattungen und Nafenziegel kaum nachzuweifen fein dürften. Beim Tempel auf Aegina (fiehe Theil II, Bd. i diefes »Handbuches«, S. 104) 's 6 - hatte diefe ihren Halt an Eifendollen, welche aus dem Stein-Geifon hervorragten; die Lex Puteolana verlangt fie mit Eifenftiften auf die Antepagmente der Sparren befeftigt (gtegulas primores omnes in antepagmento ferro figito « ; vergl. auch Art. 50, S. 58). Die Dachdeckung gefchah für gewöhnlich mit gebrannten Thonziegeln von verfchiedener Form und Gröfse; bei Prachtbauten wurden Marmor- oder Metallziegel (Blei und Bronze) verwendet. (Vergl. Art. 91, S. 117.) Das mehrfach erwähnte Relief (Jcaro cd Erigone) weist viererlei Arten von Dachziegeln auf, welche an Sarkophagen und Afchenkiften, die Haus- oder Tempelform nachahmen, ähnlich wiederkehren und deren Originale beinahe auf allen Trümmerftätten antiker Bauwerke diesfeits und jenfeits der Alpen gefunden wurden und in allen Alterthümer-Mufeen in reicher Anzahl wieder zu finden find (Fig. 187). Es find flach gewölbte, halbkreis- und fattelförmige Hohlziegel und Flach- oder Planziegel mit aufgebogenen Rändern. Fig. 187. 'Jlarmomlirf (Jcaro ed Empnt) im J^usto na^ in"X?apf! . (l ,1,^) Die ältefte Art der Eindeckung ift wohl die mit flachen Hohlziegeln gewefen, welche, neben einander gelegt, an den Stöfsen nach Fig. 187 II durch Hohlziegel gedeckt wurden, wie bei der mittelalterlichen Deckung mit Nonnen und Mönchen. Sie wurden verdrängt durch die befferen, grofsplattigen Planziegel {Tegulae 105 ) mit feitlich aufgebogenen Rändern und die conifchen oder fattelförmigen Deckhohlziegel (Imbrices 105 ). Bald fcheint fich für diefe eine fefte Form herausgefunden zu haben, die einfach und leicht herzuftellen war und dann in allen Ländern in Uebung blieb, die Römer befetzt hielten. Spitzfindige Spielereien bei der Fügung und Ueberdeckung, wie fie bei griechifchen Marmorziegeln Vorkommen, find bei der gediegenen römifchen Waare nicht zu finden. 105 ) Tegula = Deckplatte, Dachziegel (Livius, Cicero). — Imbrex — Hohlziegel (Plinius, Plautus). 212 Fig. 188 . O- m o'Ssr 197. Flachziegel. I98. Hohlziegel. 199. Antefixe. Die Ziegel find bald rechteckig, bald trapezförmig oder aufsen rechteckig und innerhalb der Ränder trapezförmig geftaltet; fie haben entweder zurückgefetzte oder nur unterfchnittene Falze (Fig. 188). Die Gröfsen find fo verfchieden, wie die der Backfteine, wie beifpielsweife die nachftehenden Mafse zeigen: 85 X 115 cm 49 X 75 cm 46 X 58 49 X 117 » 26 X 66 » 44 X 57 58 7* X 85 » 49 X 66 » 40 X 54 50 1 / 3 X 80 » 49 X 65 » 36 X 46 51 X 85 » 47 X 64 » 20 X 45 48 X 80 » 45 X 60 » 46 X 59 » 31 72 X 36 Die Ziegel der Zehntlande find meift kürzer und dicker, wie die im Mutterlande. Für erftere kann als Durchfchnittsmafs 36 X 46 cm , für letztere 49 X 66 cm angenommen werden. Die Hohlziegel entfprechen in der Länge den Flachziegeln, find in den wenigften Fällen genau halbkreisförmig im Querfchnitt, fondern meift flacher bei einem inneren Durchmeffer von 13 bis 18 cm und noch feltener fattelförmig geftaltet (Fig. 189). Viele der Hohlziegel zeigen auf der Innenfeite Mörtelfpuren, zum Zeichen, dafs fie an vielen Orten auf den Flachziegeln in ein Mörtelbett gefetzt wurden. Nafen und Nagellöcher find an denfelben nicht gewöhnlich oder kommen kaum vor. Die unterften Hohlziegel der Dachbahnen find bisweilen an der Stirnfeite ge- fchloffen und durch Figürchen, Köpfe oder Palmetten geziert und bilden fo einen wirkungsvollen Schmuck des Traufgefimfes (Fig. x91). Derfelbe dürfte übrigens nur bei befferen Bauten angeordnet worden fein. Es bilden bei den Ziegelfunden die mit Antefixen gefchmückten Hohlziegel einen verfchwindend kleinen Bruchtheil; im Zehntland, wo die Luxusbauten wohl auf ein kleinftes Mafs zurückgeführt waren, find fie fehr feiten, was unferen Satz beftätigen mag. Auch in Pompeji find fie in geringer Anzahl vorhanden. 21 ' Fig. 189. "l^OfniiscVZgityl in c|rn . V. m j- . mdm~j ■Sy*# —*. (mm/. «WWW»! W//I//1I111 ’:?m. '.V a> . 32- Fig. 190. Tirst-u^raH^dfc^un^ wif l/ttnrnauevuii^- Ml 214 Fig. 191. "S^cl^sn'Vt^ • auch zur Herftellung der Firfte und Grate bei Sattel- und Walmdächern, wenn bei diefen niedrige Aufmauerungen angewendet wurden, wie folche heute noch überall im Süden gebräuchlich find (Fig. 190), fobald man befondere Firft- und Walmenhohlziegel fparen will. Das feltene Vorkommen von befonders geformten Fig. 192. TljöWne Prst^r) iri"Pompeji. -d> /»•ejjV»« 00 5 ( +- 215 Firftziegeln läfft den Gebrauch derfelben nicht als allgemein oder als gewöhnlich üblich erfcheinen. Sie überdeckten zwei Hohlziegelbahnen und waren mitten auf der Flachziegelbahn geftofsen. Der Länge nach waren fie durch 3 bis 5 cm vorftehende Zungen verbunden, deren Anfatz gut ausgedacht ift (Fig. 192). Seitlich hatten fie zur Aufnahme der Dachhohlziegel entweder halbkreisförmige Einfchnitte oder röhrenartige Anfätze (Fig. 192 u. Art. 51» S. 60). Eine eben fo gute oder beffere Verwahrung erfuhr der Firft noch durch fchmale Sattelziegel mit aufgebogenen Rändern und Falzen für das Anfchieben der Flachziegel. An den Anfchlüffen zeigen in Pompeji gefundene Exemplare Mörtelrefte; die Hohlziegel waren daher in Mörtel gelegt. Die an den Firft ftofsenden Hohlziegel mufften den Sattelflachziegeln analog gebildet fein, griffen nach zwei Seiten über, waren auf dem Scheitel mit Palmetten geziert und wiederholten fo in fchöner Weife den Schmuck der Traufe auch auf dem Firfte (Fig. 192 106 ). Wurde die Aufmauerung und Abdeckung der Grate beim Walmdach unter- laffen, fo waren zur Deckung die ähnlichen, befonders geformten Hohlziegel mit Einfchnitten oder Anfätzen erforderlich, wie auf dem Firft. Schwieriger als P'irft und Grat waren die Kehlen bei dem nach innen abfallenden Dache, beim Compluvium, dicht zu halten. In einfachfter Weife konnte dies zwar mittels Einlegen von Hohlziegeln gefchehen, wie es an italienifchen Bauern- häufern noch geübt wird; man erhielt aber dadurch nur eine technifch rohe Einrichtung. Ueber die Schwierigkeiten half eine weitere Ziegelform, die nach der einen Diagonalen leicht gebogenen Rautenziegel mit 2 abgekanteten Ecken und 2 aufgebogenen Rändern hinaus ( Tegulae colliciarum). Diefe ermöglichten einen vollkommenen Anfchlufs an die Plan- und Hohlziegel der zufammenftofsenden Dachflächen und gaben eine dichte und breite Wafferrinne ab. Sie meffen nach der Diagonalen bis zu 97 und 104 cm (Fig. 193). Kein Dach der Neuzeit kann fleh mit diefem nach allen Richtungen in feinen Beftandtheilen durchdachten und erprobten Ziegeldache meffen 107 ). Die P'lach- und Hohlziegel der Traufe unterfchieden fleh an den gewöhnlichen Bauten, wie heute noch, durch nichts von ihren übrigen, die Dachfläche bedeckenden Kameraden. Bei reicheren oder öffentlichen Bauten fahen wir aber fowohl die Flach- als die Hohlziegel der Traufe befonders geformt und verziert. Palmetten fehmiiekten die Stirn der Hohlziegel; fie konnten aber auch auf den Flachziegeln auffltzen, wobei dann die Hohlziegelftirnen unverziert blieben. Ragten die Flachziegel über den Gefimsrand vor, fo war der vortretende Theil der Unterfläche mit Malerei gefchmiickt (Fig. 182 und auch das Beifpiel aus Meta- pont in Fig. 50, S. 57). 106 ) Vergl. auch: Tempeldach auf Aegina in Theil II, Bd. i diefes »Handbuches«, S. 104 — feiner die Dach-Conftruction des Tempels der Nemefis zu Rhamnus bei: Mauch, J. M. v. Die architektonifchen Ordnungen der Griechen und Römer. Berlin 1875. Taf. X. 107 ) Ueber die Art der Dachdeckung geben die neueren Ausgrabungen in Pompeji Auffchlufs. So z. B. »das theilweife und auch nur eine Zeit lang erhaltene, jetzt zufammengebrochene und verfchwundene Dach des Periftyls in der Ca/a dt Sirico (1852) .... — Ein zweites, beffer erhaltenes und jetzt vollftändig reftaurirtes Dach findet fich im Haufe des C. Vibtus in der hinteren rechten Ecke« (vergl. Overbeck und Mau a. a. O., S. 256 u. 257). — .... »Dächer find in Pompeji fafi: gar nicht erhalten; befferen Auffchlufs über fie geben die Ausgrabungen von Herculaneum (vergl. Zahn, W. Die fchönften Ornamente und merkwürdigsten Gemälde aus Pompeji, Herkulanum und Stabiae etc. Berlin 1828—45. Band II, laf. 63, 64 u. lexttafel). Indeffen hat auch Pompeji zwei Refte von Dächern aufzuweifen, Niccolini Ca/a dt Lucrezio p. 17 und Strada Stabiana, Ca/a Numero 57, p. 5. Im letzteren Haufe war das Dach der Küche vorhanden ; die Ziegel deffelben waren mit Oeffnungen verfehen, durch welche das Regenwaffer auf andere unterhalb derfelben angebrachte breite Hohlziegel fiel, von denen es aufgefangen und abgeleitet wurde, zugleich aber auch Licht eindrang« (vergl. Marquardt, J. u. 1h. Mommsen. Handbuch der romifchen Alterthümer. I. Thl. Leipzig 1879. S. 232). 201. Kehlen. 202. Traufen. Fig. 193. ^ehnifta.t - XompFix. Sc^n/fr e i. C^-H. 203. Dachrinnen. lik M Das Auffangen des Dachwaffers in befonderen Wafferk affen oder Rinnen, wie dies die ftuckirten, griechifch-ficilianifchen Tufftempel verlangten, übertrug fich bei der reicheren Geftaltung und Durchbildung des Wohnhaufes wohl bald auf das Compluvium deffelben. Das Anfammeln des herabfchiefsenden Waffers und das Ableiten an beftimmten Punkten auf den Boden muffte als eine Annehmlichkeit erkannt werden, und das letztere hatte namentlich bei der geringen Höhe der Häufer und der gefchloffenen Lage der Atrien auch befferen Sinn, als bei hohen Tempeln. Auch diefe Einrichtung darf nur an bevorzugten Wohnungen vorausgefetzt werden. Die Sammelrinne konnte eine ununterbrochen durchlaufende fein, oder fie war für jede Ziegelbahn gefondert. Erftere war bei den genannten ficilianifchen Tempelbauten in Uebung, urfprünglich aus Terracotta, fpäter aus Stein hergeftellt. Sie muffte bei beiden Materialien aus verhältnifsmäfsig kurzen Stücken zufammengefetzt werden, und die Dichtung war an den Stöfsen eine fchwierige Aufgabe. Wir treffen peinliche und umftändliche Falzverbindungen, die noch mit feinem Mörtel ausgegoffen und durch eingelaffene Metallklämmerchen unterftützt wurden. Vollkommen kann diefe Verbindung nicht genannt werden; fie kann auf die Dauer einen dichten Schlufs nicht ergeben haben und bedurfte wohl ftändiger Reparaturen. Die zweite Art, das Dachwaffer zu faffen und abzuleiten, ift gegenüber der erften ganz entfchieden als ein Fortfehritt zu bezeichnen. Die Sammelrinne befteht bei diefer aus eben fo vielen und eben fo breiten Kaffen als Ziegelreihen, welche durch die aufgebogenen Ränder und die Hohlziegel von einander getrennt find. Die Hohlziegel treten dabei möglichft weit vor und verhüten das Durchfickern von Waffer an den Stöfsen, aber auch nicht vollkommen. Die fpätere Zeit fann auf Verbefferungen und wuffte auch hier fchliefslich Rath zu fchaffen. Die unterften Hohlziegel wurden befonders geformt; fie bogen fich über der Fuge der Rinnleifte bis zur Oberkante derfelben aufwärts und endigten haubenartig mit einem Köpfchen oder im rechten Winkel übergreifend mit einem Unterfatz für die Aufnahme einer Palmette, fo die Stofsfugen der Kaftenrinnen ihrer 217 ganzen Ausdehnung nach, aber auch vollftändig deckend (Pompeji). Sicherer kann die Verwahrung nicht getroffen werden. Die äfthetifch zweifelhafte Zugabe des Köpfchens oder der Palmette auf dem Simen-Rande mufs dabei allerdings mit in den Kauf genommen werden. (Vergl. Fig. 186; auch die Publicationen über die Ausgrabungen auf Samothrake und in Olympia.) P'ormal finden wir die Traufrinne bald mit lothrechter Vorderwand architrav- artig abgeplattet mit Zahnfchnitten und kleinen Karniefen bekrönt, bald fimenartig gefchwungen mit Plättchen und Eierftableiften abgefchloffen, auf der Vorderfläche mit Pfeifen, Palmetten oder figürlichem Schmuck in Relief und Malerei geziert (F'g- 195)- Einen einfachen Traufziegel mit aufgeftülptem glattem Rinnenrande und feit- lichem Wafferausgufs (Pompeji) zeigt Fig. 194«; Fig. 194 b (aus dem Mafeo Fig. 194. ^ 5777 %?/? ’XtcUI f!to H aüS Jj nazionale in Neapel) ftellt gleichfalls einen Traufziegel einfachfter Art dar; bei Fig. 194 c kann in der Rinne die Vorderwand befonders eingefetzt gewefen fein, da wir ähnliche Vorrichtungen in Fig. 194 d u. e (Rom und Neapel) finden; fie können aber auch als Einfaffungsziegel bei einer gröfseren Dachöffnung gedient haben. Zur Ableitung des Waffers aus den durchgehenden und durch die Ziegelbahnen abgetheilten Kaftenrinnen waren deren Vorderwände durchbohrt und mit fog. Wafferfpeiern befetzt. Diefe primitive Art der Ableitung konnte fich in der Technik Jahrtaufende lang bis beinahe auf die allerneuefte Zeit erhalten, bis endlich das Abfallrohr eine beffere Vermittelung zwifchen Dachrinne und Erdboden herftellte! Die Wafferfpeier find bald einfache, oben offene oder gefchloffene, im Quer- fchnitt rechteckige oder runde Canäle, aufsen bunt bemalt (Metapont, Pompeji), oder es find kurze Röhren mit trompetenartigem Mundftück (Vorbilder in Athen, Olympia, Selinus) oder geöffnete Löwenrachen, durch welche das Waffer flofs (Akragas, Himera, Metapont etc.). Später reihten fich den typifch gewordenen Köpfen von Löwen noch die anderer Thiere als Wafferfpeier an. Pantherkatzen, 204. Wafferfpeier. 'IkiW.i Fig. 195 it|t] difs Ttnueotla.. C-fompy0 . o'oG I Fig. 196. '^^sstrsprirp (Tf^cöjfei) Ompcj! - o'o6 1 219 Luchfe, Wölfe, Hunde, Delphine, Eber find verwerthet, bis zuletzt auch noch die Gefichtsmaske des Menfchen an die Reihe kam (Pompeji in Fig. 195 u. 196). Statt des Kopfes wird auch ein Theil der ganzen Thiergeftalt angebracht. Auf dem wafferfpeienden Delphin fitzt ein kleiner nackter Junge; aus dem Trauf- rande fpringen Wolfshunde und Löwen hervor, welche ihre Vordertatzen auf zungenartige Ausgüße legen, deren Unterfeiten mit Akanthus gefchmückt find. Das Waffer lief durch die Zungen ab, und die darüber hockenden Beftien bewachten gleichfam den Ausflufs. Die Masken haben den breit gezogenen Mund der Schau- fpielermasken; die ausgereckten Zungen waren zum Schutze des Thones mit dünnen Bleiblättchen belegt. Mit dem grofsen Eberkopf (Pompeji) find die ftramm angezogenen, wenn auch etwas verkümmerten Vorderfüfse des Thieres in Verbindung gebracht und geben dem Speier den Charakter des Lauernden, Herausfpringenden, wie dies die mittelalterlichen Wafferfpeier einige Jahrhunderte fpäter wieder zeigen. Den Kehlen entfprechend fitzen auch in den einfpringenden Ecken der Atrium- Traufrinnen Wafferfpeier entweder unmittelbar im rechten Winkel der Ecken oder Fig. 197. Jc^wassrrspriir 'von Tem cotta. auf einer vorgefchobenen, unter 45 Grad laufenden Platte, wie die oben flehenden Fig. 197 zeigen. Eine fchablonenmäfsige Gleichförmigkeit der Conftruction giebt es auch hier nicht. Lüftung und Beleuchtung des Dachraumes konnten bei Giebeldächern und nach aufsen abfallenden Pultdächern leicht durch Oeffnungen in den Giebelwänden hergeftellt werden. Anders bei einfpringenden Pult- und Walmdächern, oder wenn der Giebel mit Figuren- oder Ornamenten-Schmuck ausgekleidet war. Hier bedurfte 205. Lüftung und Beleuchtung des Dachraumes. 2 20 Fig. 198. (Tomptji..) es (wie noch heute) befonderer Dachluken, welche in Form von fog. Haubenziegeln (Fig. 198) in die Ziegelbahnen eingereiht oder als gewöhnliche Flachziegel mit rechteckigen, kreisrunden und brillenförmigen Oeffnungen verfehen, aufgelegt wurden und durch welche Licht in den Bodenraum kam. Die erfteren gewährten dem- felben durch die Haube Schutz gegen das Eindringen von Regen; bei den letzteren wurde wahrfcheinlich Marienglas oder gegoffenes Glas aufgelegt, um das Eindringen von Tagwaffer zu verhüten. Eine Vorrichtung an einem länglichen Dachziegel in Pompeji läfft fogar mit Sicherheit darauf fchliefsen (Fig. 199). Diefe Vorrichtung kann für einen Thonziegel ingeniöfer nicht gedacht werden; der aufgeftülpte, an 3 Seiten herumgeführte Rand hielt das ablaufende Waffer der Ziegelbahn von der Glastafel ab; diefe felbft hatte ein gutes Auflager auf dem Fig. 199. ■ r 221 unteren Saume und durch Stifte, welche durch die beiden Löcher in den Auflagerzungen und das Glas gefleckt waren, den nöthigen Halt und die Fettigkeit gegen Sturm. Das Fehlen der unteren, äufseren Randleifte machte das Abfliefsen des Waffers von der Glastafel möglich. Glastafeln von 58 X 60 cm flehen im Local- Mufeum in Pompeji; daher wird wohl die Annahme einer folchen von 21 X 80 cm zuläffig fein; aufserdem könnten bei der in Frage flehenden Vorrichtung auch 2 bis 3 über einander greifende kleine Glastafeln zur Verwendung gekommen fein. Die grofsen unbedeckten Hypaithral-Oeffnungen gewinnen angefichts diefer fehr forgfam durchdachten Mafsnahmen gegen die Abhaltung von Regenwaffer bei ganz gewöhnlichen Häufern, welche keinerlei gottgeweihte Kunftfchätze aufzunehmen hatten, gewifs fehr an Wahrfcheinlichkeit! Kam es im Dachraum mehr auf Lüftung, als auf Erhellung an, fo wurden Ziegel mit gedeckten, Schornfteinen ähnlichen Auffätzen verwendet (Fig. 198). Die- felben erhoben fleh mitten aus der ebenen Fläche der Planziegel und hatten in den auffteigenden Wandungen 4 Schlitze und oben einen tellerartigen Abfchlufs. Fig. 200. rls in l\onL. Nichts blieb verabfäumt, um das antike Ziegeldach nach jeder Richtung zu einem vollkommenen zu machen. Vom Sonnentempel in Rom ift uns noch eine gröfsere Anzahl weifser Marmorziegel erhalten, welche im Tabulariuni aufbewahrt werden. Die Flachziegel zeigen die ähnliche Form, wie die einfachen griechifchen Marmorziegel; die Deckziegel find fattelförmig gebildet mit halbkreisförmigen, 8 cm langen Ueberdeckungsanfätzen. Arbeitsmarken (lateinifche Buchftaben) finden fleh auf den Schrägflächen def Deckziegel (Fig. 200). Die Raubgier der Menfchen bereitete in Folge der Koftbarkeit des Materiales den Metallziegeln ein frühzeitiges Ende, als fremde Völkerfchaften die römifchen Lande verw.üfteten und die römifche Religion in Verfall gerieth. Conßantius liefs die ver- 206 Marmordach 207. Metalldach. 222 208. TerrafTendach. 209. Gewölbtes JDach. goldeten Bronze-Ziegel des Pantheon herabnehmen; wir kennen fie nur noch aus Berichten. Dem gleichen Schickfale verfielen auch die Dach-Conftructionen aus Metall, von denen wenigftens eine bis in das XVII. Jahrhundert erhalten blieb, die uns eine Aufnahme Serlio 's noch im Bilde verewigt hat; es ift dies der 1632 abgetragene Bronze-Dachftuhl der Vorhalle des Pantheon in Rom (Fig. 201). Fig. 201. 3o lAfcfc-. Er beftand aus Bindern, welche fich über dem Mittelfelde aus einem durch 2 Wandbüge geftützten Bundbalken und 2 fich über diefem erhebenden Streben zufammenfetzten. Auf diefen Bundftreben ruhten auf jeder Dachfläche U-förmige Dachpfetten und im Scheitel eine Firftpfette von gleicher Form, welche die das Deckmaterial tragenden Sparren aufzunehmen hatten. 450000 röm. Pfund Metall wurden beim Abbruch gewonnen 108 ). Auch die fünffchiffige Bafilica Ulpia in Rom, von Trajan erbaut, war mit ehernem Balkenwerk überdeckt und wurde wegen diefer Conflruction von den Zeitgenoffen als ein Wunder der Baukunft gepriefen. Die Terraffendächer (Eftrichdächer) wurden nach Plinius (Lib. XXXVI, 62) von den Griechen erfunden und follen fich nur unter folchen Himmelsftrichen bewährt haben, unter welchen der Regen nicht friert. Die Deckenbalken wurden mit zwei fich kreuzenden, nur an den Enden feft genagelten Bretterlagen bedeckt, über diefe eine Unterlage von Farnkraut oder Spreu gelegt und darauf ein 1 Fufs dicker Mörtel feft gerammt; diefe Maffe wurde mit einer 6 Finger dicken Deckfchicht überzogen, auf welche grofse, nicht unter 2 Finger dicke Platten gelegt und ab- gefchliffen wurden. Der Dachfläche gab man ein Gefälle von 1 ^2 Zoll auf 10 Fufs; Vitruv verlangt dagegen 2 Zoll Gefälle auf 10 Fufs (Lib. VII, 1). Als Beifpiel eines vollkommen monumentalen Daches ift noch das über dem Gefimsrande des Baues fich erhebende Gewölbe anzuführen. Dach und Gewölbe ift dann eins; ein befonderes Schutzdach über einem folchen Gewölbe, wie es die fpäteren Architektur-Epochen zeigen, exiftirte bei den Römern nicht. Die Oberfläche des Gewölbes wurde einfach mit einem feinen Putze oder Eftrich überzogen oder mit Metallplatten bekleidet, und es war daher die Gewölbeform mit der Dachform identifch, oder fie erlitt nur geringe Veränderungen gegen 1C8) Vergl.: Normand, Ch. a. a. O. und die fehr plaufible Reconftruction des Dachftuhles in: Choisy, A. Uart de bahr chez les Romains. Paris 1876. S. 155 u. Fig. 199. 223 die erftere, wie dies wahrfcheinlich bei den mit Kreuzgewölben überdeckten Thermen- Sälen und gewölbten Bafiliken der Fall war. (Vergl. Fig. 178; ferner Art. 183, S. 202; endlich Pantheon in Rom, verfchiedene Rundbauten bei Rom und Bajae, Wohnhäufer im Süden Italiens.) 7. Kapitel. Innerer Ausbau. Der innere Ausbau erftreckt fich auf die Herftellung von Fufsböden, Thiir- und Fenfterverfchlüffen, Treppen, Heizungs-Anlagen und Decoration von Decken und Wänden. Bei privaten und öffentlichen Bauten war eine Dielung für Fufsböden, auch in den oberen Stockwerken auf den Holzgebälken, nicht gebräuchlich. Man bediente fich dafür von Alters her der Eftriche. Zu ebener Erde wurde aufgefchütteter Boden zunächft feft gerammt und dann der Eftrich mit Schlegeln feft gefchlagen, wie aus dem Namen Pavimentum (von pavire — feft fchlagen) hervorgeht. Nach Vitruv (Lib. VII, 1) wurde zuerft die aus Kalk und 3 /t Eftrichfteinen beftehende Maffe aufgelegt und mit hölzernen Rammklötzen bis zu einer Dicke von 8 /t Fufs zufammengeftampft. Dann wurde die Deckfchicht aus 3 Theilen Thonfeherben und i Theil Kalk 6 Zoll dick aufgetragen, diefe mit dem Richtfcheit abgeebnet und verfchliffen oder darauf ein Fufs- boden von verfchiedenförmig oder rechteckig gefchnittenen Marmor- oder Thonplatten gelegt. Hierzu verwendete Backfteine wurden nach »tiburtiner« Art ährenförmig zufammengeftellt. Auf diefe wurde oft noch Marmorftaub aufgefiebt und eine Deckfchicht von Kalk und Sand gezogen. Die einfachen Eftriche wurden fpäter durch die von Griechenland kommenden Litho- ftrota, die mit Steinchen eingelegten Böden, verdrängt. Der erfte Boden diefer Art wurde zu Rom im Tempel des capitolinifchen Jup- piter, 149 v. Chr. ausgeführt ( Plimus, Lib. XXXVI, 61); 40 Jahre fpäter find derlei Böden fchon ziemlich allgemein zu finden. Sowohl ornamentale Mufter, als auch figürliche Dar- ftellungen wurden mit den Steinchen gebildet; letztere wurden bei vorgefchrittener Technik fo klein genommen und in den Farben- abftufungen fo fein ausgewählt, dafs diefe Steinftiftenzeichnungen den feinft gemalten Bildern glichen. (Vergl. Mofaik der Alexander- Schlacht in Pompeji etc.) Bei den einfachen Boden-Mofaiken in den Caracalla -Thermen fitzen die Steinftifte in einer 10 bis 12 bis Fig. 202. cSfi'ffrnmosailC. (Saracalfafymntri- 210 . Fufsböden. 224 211 . Thüren- und Laden- verfchlüffe. 18 cm dicken, ziemlich feinen Puzzolan-Mörtelfchicht, ragen 3 cm aus diefer vor und haben eine Seitenlänge von 1 bis l^gcm (Fig. - 202 ). Die Thüren im Inneren der Privathäufer wurden, wie heute noch im Süden, durch Vorhänge erfetzt, doch nicht ausnahmslos; denn in Pompeji find im Haufe des Rufus auch gezimmerte (d. i. vom Schreiner angefertigte) Thüren in den inneren Gemächern nachgewiefen. Hauseingänge und die Eingänge zu öffentlichen Gebäuden und Tempeln, die Stadtthore, Verkaufsläden, die Zugänge zu umfriedigten Grundftiicken etc. wurden mittels maffiver Thiirflügel gefchloffen. Vitruv (Lib. IV, 6) unterfcheidet dorifche, jonifche und attifche Thüren und giebt ein ausführliches Recept für die Rahmen und FTllungenmafse an; dann fpricht er von Klappthüren, zwei- und vierfliigeligen Thüren; unter letzteren find wohl bei öffentlichen grofsen Bauten zweiflügelige, die der Höhe nach noch in zwei für fich aufgehende Theile getheilt find, zu verliehen. Drei- und vierflügelige Klappthüren find in Pompeji in verfchiedenen Privathäufern nachgewiefen. Fig. 203. vom Pantheon Als Material wurde Stein, Holz und Metall oder mit Metall bekleidetes Holz verwendet. In Pompeji find uns kunftvoll gewonnene Gypsab- güffe von Holzthüren bekannt geworden; im Gebäude der Eumachia, im Haufe des Sallußius dafelbft find gemalte und blinde Thüren erhalten; auf vielen Steinbildwerken find folche in Relief dargeftellt noch vorhanden. Sie zeigen das Princip der modernen, ge- ftemmten Schreinerarbeiten. Die älteften Thüren mögen, wie dies Vafengemälde zeigen , aus Brettern gefpundet, durch Schlag- und Quer- leiften verftärkt (vergl. Thüren auf der Francois-V afe) 109 ) Facf.-Repr. nach : Canina, L. Architettura antica etc. Scz. III. Architetiura Romana. Monumcnti. Rom 1834. Taf. XLV. 225 und bei öffentlichen Bauten mit Metallblechen bekleidet gewefen fein, welche Bekleidung dann auch auf die gehemmte Arbeit übertragen wurde. Die innere Conftruction wurde von der äufseren metallifchen Bekleidung in Eintheilung und Relief wiederholt. Die Anordnung von Rahmen und Füllungen kam auch der Fertigkeit der Metall-Conftruction zu gute; in der Folge liefs man auch den urfpriinglichen Holzkern fallen und brachte für derartige Metallarbeiten das Princip der Hohl-Con- ftruction zur Ausführung. Die Thüren von 5 . Cosma e Damiano und des Pantheon in Rom (Fig. 203) find noch prächtige Beifpiele von folchen. Das Princip der geftemmten Arbeit übertrug fich auch auf die Steinthüren der Gräber, fo wie der öffentlichen und Privatbauten des Haurän. Die fchlichten, glatten Thiirflügel aus Steinplatten, die uns fchon an etruskifchen Gräbern bekannt geworden find (flehe Fig. 24, S. 30 u. Fig. 35, S. 45), erhielten die gleichen Rahmen und Füllungen, wie die Holz- und Metallthüren. Auch hier wurde durch ftarkes Rahmenwerk und fchwächere Füllungen das Gewicht der Flügel erleichtert, ohne die Fertigkeit derfelben zu fchwächen 110 ). Die Ladenverfchlüffe waren etwas bäuerifch geftaltet, gegenüber den Thürver- fchlüffen, welche übrigens in Städten, wie Pompeji, nach den Abgriffen zu urtheilen, auch nicht immer die feinfte Arbeit zeigen. Sie beftanden aus einer fchmalen Thür, die von aufsen zu öffnen war, und aus einem Rahmfchenkelgeftell, das mit über- gefchobenen Dielen ausgefetzt war. Der Dielenverfchlag erhielt feinen Halt in Falzen, die aus der Ladenfchwelle und dem Sturze herausgehauen waren und nur bis zum Thürflügel reichten 111 ). Aehnliche Anfchlagvorrichtungen an Schwellen finden fich auch bei den Thoren römifcher Wirthfchaftshöfe im Kanzler bei Pforzheim, deren Doppelthüren unten in den Ecken und inmitten der Schwelle an einem Steg (welcher beim Einfahren mit einem zweirädrigen Karren nicht hinderte) ihren Anfchlag hatten und hier noch durch ein eingelegtes Spannholz gegen unbefugtes Oeffnen von innen gefichert werden konnten. Die Fenfteröffnungen wurden durch Stoffe, Holzläden, Metall- und Holzgitter, Glastafeln und verglaste Flügelfenfter gefchloffen. Die Holzläden waren gefpundet oder geftemmt, wie die Thüren. Geftemmte Zweifüllungsläden find auf einem Marmor-Relief in den Uffizien zu Florenz angegeben. Eiferne Fenftergitter, aus Flach- und Rundeifen conftruirt, find zu Pompeji im Local-Mufeum und zu Neapel im Mufeo naziönale in genügender Anzahl, reichere Gitter, zum Verfchliefsen gröfserer Oeffnungen und als Brüftungen, aus Marmor und Bronze find in den Kaiferpaläften und Thermen zu Rom und im Mufeum zu Neapel erhalten geblieben (Fig. 204). Das einftige Vorkommen von hölzernen Fenfterrahmen ift in Pompeji nach- gewiefen U2 ); Metallrahmen mit Sproffen waren bei Privathäufern eine Seltenheit, find aber in letzteren und in den Thermen gefunden worden. Die Fenfterflügel wurden in frühefter Zeit mit geöltem Leinen oder mit Spiegel- ftein (Marienglas), deffen Verhalten gegen Hitze und Frort bekannt war {Plimus, Lib. XXXVI, 45), fpäter mit gegoffenen Glastafeln, verfchloffen. Bei kleineren Fenfteröffnungen wurden die Glastafeln ohne weitere Vorrichtung eingefetzt, d. h. eingemauert. 110) Vergl. Marmorthür eines Grabes in Pompeji — ferner Overbeck a. a. O., S. 4x1 u. 507 — endlich: Semper, G. Der Stil etc. Frankfurt a. M. 1860—70. Bd. I, S. 366—369 u. Bd. II, S. 260. m ) Vergl. Overbeck a. a. O., S. 378. 112) Vergl. Overbeck a. a. 0 ., S. 506. Handbuch der Architektur. II, 2. *5 2x2. Fenfter. II 226 Fig. 204. JirunjMifrfr'C JsTdPi’l.) 0 '06 53U lir 4- - - - -A- ■ -X- t'03 i dog , Xavtnor^itttv CKpmj) o‘c'5' \ 3 o'o %. f ^rii^roswn mit o . 0 5$ ( (qtassdieilcitJ 4- /' 0'23 Joo^ Offl prji <3. n ■ Im Tepidarium der Villa des Diomedes (Pompeji) wurde ein Fenfter gefunden (1,25 x 1> 15 m )> d as 111 einem Holzrahmen vier quadratifche Scheiben von 27 cm Seite enthielt. In den kleineren Thermen Pompejis war das (l,o X 0,70 m ) grofse Fenfter mit einer einzigen dicken Glastafel gefchloffen, die in einem ehernen, um zwei Zapfen drehbaren Bronze-Rahmen gefafft war; das grofse Fenfter des Tepidarium dafelbft hatte ebenfalls einen Bronze-Rahmen; im Haufe des Faun wurde ein kleines, noch theilweife mit Glas gefchloffenes Fenfter gefunden 113 ). Bei Metallrahmen wurden die Glastafeln in F'alze oder Rinnen eingefetzt und durch drehbare Bolzen an diefe feft gedrückt (Fig. 204). Liiftungsfenfter wurden in Pompeji mittels durchbrochener Thonplatten hergeftellt. In der Cafa del Labcrinto ift die Thonplatte, welche die Fenfteröffnung fchlofs, durch 6 halb runde Oeffnungen durchbrochen. Unter Metallbekleidungen, Farbenüberzügen und koftbaren Malereien verfchwand das Holzwerk der genannten Schreinerarbeiten; gewöhnliche Plolzarten wurden, durch die Kunft des Fournierens und Leimens, mit koftbareren bedeckt ( Plinius Lib. LXXXIV, 16, Ofiand.-Ausg.) Fourniere aus Ahorn, Buchs, Palme, Eiche etc., J 13 ) Vergl. Overbeck a. a. O., S. 204, 207, 350 — ferner: Nokmand, Cii. a. a. O., S. 68 — endlich: Mazois, F. Lcs ruines de PomJ>ei. Paris 1824—38. Ed. IF, PI. II u. S. 77. 227 Elfenbein und Schildkrot werden von Plinius angeführt; auch wird von ihm eine griechifche, campanifche und ficilifche Art der Schreinerkunft erwähnt, über welche wir nichts Näheres mehr wiffen. Die Holzverbindungen waren wohl diefelben, wie fie an ägyptifchen Schreinerarbeiten (Mufeum in Bulacq) noch erhalten und welche bis heute die gleichen geblieben find. Verzapfungen mit Holznägeln, Verdollungen, Spundungen und Verzinkungen find an den gedachten ägyptifchen Holzarbeiten gerade fo, wie am allermodernften Stücke Schreinerarbeit ausgeführt (Fig. 205). Fig. 205. 2/0 f^f pfiscJtf'TfscljJrv-artri H>i vsm iiCBi/laftj) Thür- und Kenfterbefchläge wurden aus Bronze und Eifen angefertigt; letzteres Material überwiegt in Pompeji. Die Flügel bewegten fich in Angeln, in gleicher Weife, wie die etruskifchen Grabthiiren. Dort waren es einfache Zapfen {Cardines), welche, mit den Thürflügeln zufammenhängend, aus dem gleichen Stoffe wie diefe waren und in pfannenartigen, in Steinfchwelle und Sturz eingehauenen Vertiefungen fpielten. An der Marmorthür des bekannten Grabes in Pompeji waren Pfannen und Zapfen aus Bronze; ein Bronze-Griff diente zum Anziehen des Flügels.; der Verfchlufs wurde mit einem Bronze-Riegel und einem durch einen Schltiffel zu öffnenden Schlofs bewirkt. In Zapfen und Pfannen drehten fich auch die Metallthüren; die der öffentlichen Bauten (Tempel) fchlugen nach aufsen auf, die der Privathäufer nach innen. Es find dies Vorrichtungen, wie wir fie heute noch, vom Materiale abgefehen, bei grofsen Hof- und Scheunenthoren oder fchweren Metallthoren machen. Bei Holzthiiren waren aber auch, und wohl namentlich bei kleineren Thüren, zum Beweglichmachen Scharnier-Bänder im Gebrauch, von denen fich in Italien und in den Zehntlanden zahlreiche Exemplare erhalten haben. (Vergl. Mufeen in Palermo, Neapel, Zürich, Avenches etc.) Sie find meift aus Bronze und beftehen aus zwei Anfchlagbändern, welche an einem Ende je zwei Oefen haben, durch die ein Stift gefleckt ift. Auch Scharnier-Bänder, welche eine Drehung der Flügel (bei Klappthüren) um 180 Grad ermöglichen, find erhalten geblieben (Fig. 206). Neben 213. Thiir- und Fenfter- befchlage. 228 F ‘g- 2o6 - den Scharnier-Bändern find noch Metallwinkel zur Verftärkung und als Eckfchoner im Gebrauche anzuführen. Diefe nicht gerade elegant ausgeführten Befchläge find mit Nägeln an das Holzwerk befeftigt gewefen; die Holzfchrauben waren noch nicht bekannt; wenigftens find bis heute keine folchen nachgewiefen. Der Verfchlufs der Thiirflügel wurde zu- nächft durch die in Schwelle und Sturz fich einfenkenden Riegel (Peffuli) bewirkt. Verftärkt wurde diefer Verfchlufs durch Querbalken (Sera), für welche rechts und links in die Thiirpfoftenlaibungen Löcher eingehauen wurden, oder durch Schrägfttitzen, für welche Widerlagfteine oder Löcher im Boden noch zeugen, oder es wurden beide zugleich angewendet. Dem primitiven Verfchlufs durch Hölzer und Riegel, der nur von innen zu löfen war, folgte ein folcher durch Kaftenfchlöffer, die von aufsen durch Schliiffel zu öffnen waren. Sie waren der Mehrzahl nach, wie heute noch, aus Eifen angefertigt; doch wurden in der Cafa del Gran Mufaico zu Pompeji auch verfilberte Thür- fchlöffer und Bronze-Befchläge mit Relief-Ornamenten gefunden. Die vorhandenen Schlöffer find vom Rofte ftark zerfreffen, fo dafs deren Con- ftruction nicht fo ohne Weiteres im Detail feft geftellt werden kann. Die Schlüffef, welche aus Bart, Rohr und Griff, wie die unferigen beftanden, dienten zum Heben oder zum Schieben eines Riegels. Schlepp- und Druckfedern kamen beim Riegel- verfchlufs im Kaftenfchlofs nicht vor, eben fo wenig Hebeldrücker oder Oliven. Das. Zeichen zum Oeffnen wurde dem Thürhüter durch den auf der Mitte des ThürT.WWillst aislompfji mi Bältrmo. flügels befeftigten Klopfer gegeben. Bei den Schlöffern werden fefte und Vorhängfchlöffer aus Metall erwähnt, und es find folche aus römifcher Zeit noch genugfam vorhanden. Bei den Schlüffeln werden hölzerne, carifche und lakonifche angeführt. Ein heute noch in Nord-Afrika übliches, aus ältefter Zeit ftammendes hölzernes Schlots war auch bei den Römern im Gebrauch, deffen Befchreibung bei Marquardt und Mommfen 114 ) lautet: »Ein hölzerner Riegel, 14 Zoll bis 2 Fufs lang, ift an der Aufsenfeite der Thür durch ein rechtwinkelig darüber liegendes Schlofs gelegt und greift, wenn die Thür eine einfache ift, in ein Riegelloch der Mauer. Der Riegel felbft hat an der oberen Seite 5 Löcher, die, wenn er eingefchoben ift, unter dem Schlöffe liegen, und in welche aus dem oberen Theile des Schloffes 5 Bolzen fallen, um den Riegel feft zu halten. Er ift 1!4 ) A. a. O., Bd. VII. Leipzig 1879. S. 226 bis 230. 229 aber hohl bis etwa zur Hälfte. In diefe Höhlung fleckt man einen hölzernen Schlüffel in der Form eines dicken Lineals, der 5 den Löchern in der Lage ent- fprechende eiferne Stifte hat. Indem man diefe von unten in die Löcher des Riegels eindrückt, hebt man die Bolzen und zieht zugleich den Riegel auf.« Intereffanter als diefes ift das Radfchlofs der antiken Bronze-Thür von S. Cofma e Damiano in Rom (Fig. 206). Der Riegel deffelben ift gezahnt und wird durch ein eingreifendes Zahnrädchen, das durch einen eingefchobenen Schlüffel gedreht wird, vor- und rückwärts bewegt. Der Gedanke des modernen Bascule-Verfchluffes und unferer Riegelfchlöffer ift hier bereits ausgefprochen. Ein fehr intereffantes, auch feiner formalen Durchbildung wegen bemerkenswerthes Beifpiel eines Stellriegels für eine Thür Fig. 207. ynd^cijlüssrl aus”p 0 rnpfji giebt das in Pompeji gefundene, in Fig. 207 dargeftellte Stück, an dem die mechanifchen Vorrichtungen gut und leicht zu erkennen find; ferner kann auch der in Fig. 207 gegebene, grofse, gleichfalls in Pompeji gefundene Schlüffel einer Hausthür als bezeichnendes Beifpiel eines folchen angefehen werden 115 ). Unterfuchungen neueren Datums über römifche Schlöffer wurden von Chubb 11(i ) gemacht. Eine Schrift von Nötling 111 ) ift keine an- tiquarifche Forfchung, fondern nur eine Be- fchreibung der vom Verfaffer felbft gefertigten Schlofsmodelle, welche im Antiquarium zu Mannheim aufge- ftellt find. Hölzerne und eiferne Schlöffer gleicher Conftruction wurden auf der Saalburg gefunden. Modelle derfelben wurden von Jacobi in Homburg v. d. H. für den Verkauf angefertigt 118 ). 115 ) Vergl. auch: Mazois a. a. O., Bd. II, PI. VII. 116 ) Chubb, J. On the conftruction of locks and keys. London 1850. 117 ) Nötling, E. Studie über altrömifche Thür- und Kaftenfchlöffer etc. Mannheim 1870. 118) Vergl. auch: Cohausen, v. Die Schlöffer und Schlüffel der Römer. Annalen des Vereines für Naffauifche Alterthumskunde 1874, XIII, S. 135. 230 214. Treppen. Selbft fchliefsende Thüren, welche in den Bädern (vergl. kleine Thermen in Pompeji) nothwendig wurden, waren einfach durch die Schrägftellung der Thiir- pfoften hergeftellt worden. Beim Oeffnen mufften dann die Thürflügel gehoben werden, welche losgelaffen durch ihr Gewicht in die urfprüngliche Lage zurückfielen. Die Fenfterflügel bewegten fich in Zapfen, wie die Thüren (vergl. Rundfenfter der kleinen Thermen in Pompeji) und wurden wohl nur durch Riegel verfchloffen. Erwähnt mag hier noch fein, dafs bei hölzernen Kiften oder Truhen ausgehöhlte Knochen (Knochenröhrchen) als Scharniere verwendet wurden. Die Treppen wurden bei den öffentlichen Bauten: Tempeln, Bafiliken, Amphitheatern etc. als mächtige . Freitreppen oder grofse Podeft-Treppen mit geraden Läufen aus Steinblöcken hergeftellt, wie die Stylobate der griechifchen Tempel lly ). Die Stufen ruhten dabei auf gewölbten Unterbauten oder maffivem Gemäuer, hatten alfo durchweg ein ficheres Auflager. Auf ein fehr befcheidenes Mafs zurückgeführt, finden wir fie als Dienft- oder Arbeitertreppen in Tempeln und Bafiliken, als Wendeltreppen in rechteckigem und kreisrundem Raume, mit und ohne Podefte, mit parallelepipedifcher oder cylin- drifcher Spindel, aus Werkftücken oder Backfteinen conftruirt. Als gut erhaltene Beifpiele für die beiden Arten mögen die Wendeltreppen im Tempel der Concordia und der Juno in Gir- genti und die der Maxentius - Bafilika in Rom dienen. Bei erfteren find Spindel, Umfaffungsmauer und je drei Treppentritte oder zwei Tritte und der Podeft aus einem Blocke gehauen; bei letzterer find Ziegelplatten ftufenförmig von der Umfaffungsmauer und von der Spindel aus fchräg gegen einander geftellt und darüber die Tritt- ftufen gemauert (Fig. 208). Im Haurän konnten mit dem vortrefflichen Steinmateriale auch Treppen mit frei tragenden Läufen hergeftellt werden; vielfach führen diefe am Aeufseren der Wohnhäufer nach den oberen Gefchoffen oder dem Terraffendach, wie bei unferen füddeutfchen Bauernhäufern. Die künftlerifch durchgebildeten Stocktreppen, das Treppenhaus, kennt die antike Kunft beim Wohnhausbau nicht, obgleich die Mieth- häufer in den grofsen Städten fehr hoch (bis zu 21 m) gebaut wurden. Da die Bauplätze in letzeren meift fehr theuer waren, fo wurde dem Treppenhaus nicht viel Fig. 208. v ^ \CTuno1fniprl 1 i H 5 ■Mmm ^FiiTHg) Dl» oao Uinnm,;. «gss 1I9 ) Vergl. Theil II, Bei. 1 diefes »-Handbuches«, Art. 26 (S. 51). 231 Raum gegönnt. Steile Holztreppen, fo fchräg geftellt, wie eine Leiter, unbequem und unbeholfen, ohne Setzftufen, verbanden die Stockwerke unter einander. Vitruv (Lib. IX, Vorw., 8) verlangt zwar die Treppen ziemlich flach anfteigend; denn er wiinfcht das Dreieck, welches fleh aus dem fchrägen Treppenbalken, aus deffen Hori- zontalprojection und aus der Gefchofshöhe zufammenfetzt, nach den Zahlen 5, 4, 3 gebildet, wobei die 3 der Gefchofshöhe zugetheilt ift. In Pompeji waren in den Wohnhäufern und auch in einigen öffentlichen Gebäuden die Treppen meiftens aus Holz und nur der Antritt aus Stein hergeftellt. Letzterer ift jetzt noch vielfach das Merkmal für das einftige Vorhandenfein der durch Feuer zerftörten Holztreppen 120 ). Die Wände und Decken der Innenräume wurden meift mit Putz bekleidet (vergl. Vitruv , Lib. VII, 2—5; ferner Art. 144, S. 143) und diefer mit Malereien gefchmückt. Stuckgefimfe trennten Wand und Decke fcharf von einander. Je nach der Beftimmung des Raumes verlangt fie Vitruv (Lib. VII, 3) bald glatt, bald verziert. In Zimmern mit Feuerftellen oder in welchen viele Lichter geftellt werden, feien fie glatt zu laßen, in Sommergemächern und in Exedren, wo Rauch und Rufs keinen Schaden anrichten können, mögen fie ornamentirt fein. Dem entfprechend verwirft er auch eine reiche Ausftattung und Verzierung der gewölbten Decken in den Winterfpeifefälen. Die bei den Wandmalereien angewandte Technik war in Pompeji (und was für Pompeji gilt, darf auch für das übrige Italien angenommen werden) nach den Unter- fitchungen des Malers Otto Donner zum gröfsten Theil ein Malen al fresco, fowohl bei den glatten farbigen Gründen, Ornamenten und Figuren, als auch bei den abgegrenzten Bildern. Diefe Technik al fresco war die vorhergehende; die Leimfarben- und Tempera-Malerei war dagegen eine fehr untergeordnete und fcheint nur aushilfsweife angewendet worden zu fein. Die enkauftifche Malerei kam gar nicht zur Anwendung. Die verwendeten Farben waren mit wenig Ausnahmen anorganifche, minera- lifche — die gleichen, deren fich die heutige FVesco-Malerei bislang bedient. An einzelnen wenigen Beifpielen in Pompeji ift der Nachweis geliefert worden, dafs auch fertige, auf befondere Stucktafeln gemalte Bilder in die Wände eingefetzt wurden. Dabei ift noch zu bemerken, dafs bei allen fich wiederholenden Decorationen, feien diefe plaftifch oder nur gemalt ausgeführt, höchft feiten die Schablone angewendet wurde; die Ausführung aus freier Hand war die Regel. Statt der Stucküberzüge und Malereien wurden aber auch, nach Vitruv (Lib. VII, 4) zu fchliefsen, Holztäfelungen an Wänden bis zu einer gewiffen Höhe, ferner Verkleidungen mit Marmorplatten, Mofaik- und mufivifcher Schmuck (Glas-Mofaik, vergl. Art. 177, S. 202), Metallbekleidungen und Intarfien an Decken und Thiiren angewendet. Befondere Pleizungs-Einrichtungen für die Wohnräume waren im füdlichen Klima nicht nothwendig, und es find auch im Süden keine nachgewiefen. Man begnügte fich wohl damals, wie heute noch, bei befonders unfreundlichen Tagen im Winter der Kohlenbecken. - Letztere wurden aus Bronze in allen Gröfsen angefertigt (2,12 X 0,77 m in Pompeji) und beftanden aus einem aufFüfsen flehenden Rofte von Bronze-Stäben, der eine lothrecht flehende Metalleinfaffung hatte. Auf den Roft 120) Vergl. auch Overbeck a. a. O., S. 506 — ferner: Nissen a. a. 0 ., S. 60z. 215 - Wandbekleidungen. 216. Heizung. 232 wurden Ziegel gelegt und auf diefe Bimsfteine, auf welche dann erft glühende Holzkohlen gefchiittet wurden. Die ehernen Becken waren mit dem Boden oder der Wand nicht feft verbunden, fondern mobil und konnten an jeden gewiinfchten Platz gerückt werden. Auch in den warmen Bädern wurde von diefer Vorrichtung noch Gebrauch gemacht. Sie mufften fich aber bei grofsen Räumen und wenn hohe Wärmegrade darin verlangt wurden, als unthunlich erweifen. Sie konnten als befeitigt angefehen werden, als zu Anfang des letzten Jahrhundertes v. Chr. die hohlen P'ufsböden von Sergius Orata erfunden wurden und mit diefen die mit Hohlfteinen ( Tubuli ) oder Warzenziegeln (Tegulae mammatae ) bekleideten Mauern aufkamen. Durch die Hohlräume unter dem Fufsboden und in den Wänden liefs man von einer Feuerftelle aus warme Luft eintreten und durchziehen; man erwärmte fo Fig. 209. in befferer und mehr gleichmäfsigerWeife, als heute, auch das gröfste Gelafs. Diefes Syftem der Heizung wurde dann auch von den Bädern auf die Wohnräume übertragen und diefe mit der gleichen Einrichtung verfehen; fie wurde nothwen- dig, als die An- fprüche in Bezug auf eine vollfländige Durchwärmung der Zimmer, namentlich im nordifchen Klima, fich fteigerten. Beinahe alle römifchen Niederlaffungen diesfeits der Alpen waren mit einer fol- chen verfehen, wie die noch vorhandenen Refte in Villen, Paläften und Meierhöfen zeigen (Sinsheim, Mefskirch, Pforzheim, Trier etc.) Die Einrichtung befteht aus dem Praefurnium , der eigentlichen Feuerftelle und der Hypo- 233 canfis (Hypocaußum ), nach welcher ein Fuchs auf dem kürzeften Wege führte, mit der wieder die Hohlfteine der Wände in Verbindung ftanden. Vitruv (Lib. V, io) verlangt den Boden des Hypocaußum aus Plattenziegeln mit Gefälle nach der Feuer- ftelle hergeftellt. Auf diefem follen fich 60 cm hohe, mit Haarmörtel gemauerte quadratifche Backfteinpfeilerchen von 24 cm Seitenlänge, 60 cm aus einander ftehend, erheben, die mit zwei Lagen 60 cm grofser Plattenziegel überdeckt feien, welche den Eftrich trügen. Statt der viereckigen Pfeilerchen finden wir auch runde, ftatt folcher aus Backfteinen wurden auch aus Sandftein angefertigte verwendet, welche gleich grofse Stand- und Auflagerflächen hatten, nach der Mitte zu aber dünner gehauen waren; die Pfeiler find an vielen Orten auch nur 45 cm hoch, und ftatt eines Plattenbodens im Hypocaußum finden fich auch Eftrichböden. Im Uebrigen ift den gedachten Anforderungen Vitruv s allenthalben entfprochen (Fig. 209). Das Feuerungsmaterial beftand ohne Zweifel aus gut' gebrannten Holzkohlen, die wohl Wärme, aber keinen Rauch abgaben; denn kaum finden fich Heizcanäle oder Ziegelpfeiler oder von letzteren getragene Decken oder das Innere der Tubuli ge- fchwärzt von Rauch oder Rufs. Von letzteren ftanden nicht alle Bahnen mit dem erwärmten Raume unter dem Fufsboden in unmittelbarer Verbindung. Unter fich waren fie durch feitliche Oeffnungen verbunden; ohne Zweifel waren fie oben wieder fo abgedeckt, dafs der Dunft nur an einzelnen Stellen durch Ableitungsrohre einen Abzug in das Freie hatte. Wäre eine Rufs bildende Feuerung gewählt worden, dann würden fich wohl die Wandungen der Tubuli in kurzer Zeit damit bedeckt haben und die Circulation der warmen Luft wäre erfchwert oder gehemmt worden; das Reinigen aller diefer Thonrohre, von denen aufserdem ein grofser Theil von unten nicht zugänglich war, wäre ein Ding der Unmöglichkeit geworden. Spaltholz als Feuerungsmaterial mufs daher ausgefchloffen werden. Der confervative und holzarme Süden bedient fich ja heute noch im gegebenen Falle, z. B. bei Herdfeuerungen, Vorzugs- Fig. 210. weife der Holzkohle 1 _-■»»» ■ 1 _ II I I 1 I I 1 i I l '///, und nicht des Spaltholzes 12 x ). Die Tubuli wurden gegen die Um- faffungsmauern mit Mörtel vermauert und einzelne durch Eifen- krampen an diefe be- feftigt. (Vergl. Bäder am Fufse des Palatin in Rom.) Für Ventilation wurde durch verfchliefs- bare Oeffnungen , (an Ketten hängende Me- tallfcheiben bewirkten 121) Vergl. darüber auch: Overbeck a. a. O. — ferner: Schmidt, Ch. W. Baudenkmale der Römifchen Periode und des Mittelalters in Trier. Lief. II. Trier 1839. S. 22 u. 33. 234 217. Aborte. 218. Werkzeuge. 2x9. Hebgefchirre. nach Vitruv , Lib. V, 10 den Verfchlufs), durch die Gewölbe gehende Ziegelrohre (Kaiferpalaft in Trier) oder durch gemauerte Luftzüge geforgt; von den letzteren find fehr forgfältig aus Platten und Backfteinen conftruirte in den Caracalla- Thermen zu Rom erhalten (Fig. 209 A). Von der gleichen Feuerftelle aus wurde neben dem Hypocaußum auch das Badewaffer in grofsen cylindrifchen Keffeln (2,20 m Durchmeffer) erwärmt. Diefe Art ihrer Aufhellung machte es möglich, dafs ein einziger Fleizer in einem der Bäder in Pompeji die Abwartung der Luft- und Waffererwärmung beforgen konnte (vergl. kleine Thermen in Pompeji und Fig. 2x0). Die Heizung der gewöhnlich gemauerten Küchenherde gefchah ebenfalls durch Holzkohlen, wie auch die kleinen tragbaren Bronze-Herde, die Oefen zum Warmhalten der Speifen, die Becken mit Wafferfchiffen und die Backöfen durch Kohlen geheizt wurden. Ein folcher in der Cafa dcl Salluftio (Pompeji) wurde noch mit einem Schornfteinauffatz gefunden 122 ), »ein feltenes aber in Pompeji keineswegs unerhörtes Beifpiel, indem Schornfteine auch in Privathäufern (z. B. Reg. VII, Ins. 12), in denen fie aus Thonrohren beftehen, Vorkommen«. Nach dem Vorgänge in Pompeji zu fchliefsen, dürften wohl auch die anderen Städte Italiens mit öffentlichen und privaten Aborten ( Latrinae ) verfehen gewefen fein. In Pompeji waren folche am Gebäude der Eitmachia , in den Thermen, im Theater, am Forum civile, an letzterem Orte fogar mit Wafferfpiilung, zu finden. In den Wohnhäufern lagen fie entweder in der Nähe des Badezimmers, meift aber in der Nähe der Küche. Sie waren durch befondere Thüren verfchliefsbar, oft doppelfitzig eingerichtet, auch grofs und ftattlich decorirt, durch Fenfter und Licht- fchlitze erhellt. Werfen wir noch einen Blick auf die Werkzeuge, welche zu diefen technifchen Herftellungen nothwendig waren, fo finden wir eine merkwürdige Uebereinftimmung zwifchen den uralten und den heute noch, namentlich im Süden, gebräuchlichen Inftrumenten. Wir können auf Gemälden (Pompeji), auf Reliefs (Trojan- Säule und Grabmonumente in Rom), an thatfächlich noch vorhandenen Stücken (Pompeji, Neapel, Mainz u. v. a. O.) jederzeit die Uebereinftimmung nachweifen. Auch die ägyp- tifchen Mufeen (Boulacq), eine grofse Anzahl von ägyptifchen Relief-Darftellungen geben noch Auffchlufs und liefern den Beweis, w'ie confervativ die Handwerker aller Zeiten mit ihrem Gefchirr geblieben find. Aexte und Hämmer, Steinhauer-Klöppel und -Eifen, Kelle und Mörtelmulde find noch diefelben, wie vor einigen Taufend Jahren. Winkel, Senkel, Zirkel, Klappmafsftäbe, Setzlatten und Bleiwagen, die Schreinerwerkzeuge als: Sägen, F'uchsfchwänze, Hobel, Bohrer etc. waren im Gebrauch und ziemlich genau fo conftruirt, wie die unferigen. Bronze, Eifen, Holz und Knochen wurden zur Herftellung derfelben verwendet. Zum Bewegen der Werkftücke finden wir Heb- und Ruckeifen, zum Heben den Wolf aus zwei Keilftiicken, einem Parallelftück mit Durchfteckbolzen beftehend (Pompeji), grofse Schlingfeile, welche in U-förmige Falze der Werkfteine eingefenkt wurden, Rollen und F'lafchenziige, als Arbeitsmafchinen den Hafpel, den Göpel, das Tretrad, als Wafferfchöpfmafchinen das Schöpfrad und die Schnecke etc. 123 ). 322) Vergl. Overbeck a. a. O., Illuft., S. 385. 123 ) Vergl. Vitruv Lib. X, 1—xi — ferner das bekannte Relief im Lateran-Mufeum in Fig. 211 — weiter: Overbeck a. a. O., S. 460—461 — ferner: Blümner a. a. O., S. 193—208, 215, 220—227, 342—344 — endlich: Durm, J. Polychrome u. conftructive Details der griechifchen Baukunft. Berlin 1880. Taf. 11 u. 13, S. 14 u. 15, fo wie Fig. 211. 235 Fig. 211. ©Harmornliifa«» dun. Laf[ranmuBimin."Pgno i *&)£. 1 1 “ ' ' * lifc'F, ih^Mwaifr ' . Für den Transport grofser Säulen empfiehlt Vitruv (Lib. X) das Einfpannen derfelben, gleichfam als Axe, zwifchen 12 Fufs hohe Wagenräder oder fie nach Art der Strafsenwalzen zu faffen und zu rollen. Die Ausführungen der grofsartigen Gewölbe-Conftructionen allein laßen auf eine kunftgerechte und fichere Anwendung von Baugerüften aller Art fchliefsen, welche wir, nach ägyptifchen Reliefs zu urtheilen, bei grofsen Bauten als Stangen- gerüfte (aus Standbäumen, Streichen und Traghebeln beftehend) uns denken dürfen, fo rationell ausgeführt, wie die beften unferer Zeit. 220 . Gertiftc. 236 221 . Qualität der Ausführung. 222. Koften- voranfchläge und Bauverträge. Die Donau-Brücke des Trajan, welche aus Geradholz und Bohlenbogen con- ftruirt war, läfft uns ja die Römer als Meifter im Zimmerhandwerk erfcheinen 124 ). Die Qualität der Arbeiten ift, wie fchon früher gefagt wurde, bei allen gröfseren Werken meift eine vorzügliche; fie hält nicht immer gleichen Schritt mit der Entwickelung oder dem Verfall der künftlerifchen Formen, indem wir auch der Verfallszeit noch manche fchöne, technifch vollkommene Ausführung verdanken. Princip blieb von Anfang bis zu Ende beim Quadergemäuer, fowohl bei den lothrecht emporfteigenden Umfaffungs- oder Theilwänden, als auch bei den Gewölben: die forgfältigfte Schichtung, Bearbeitung und Fügung der Stofs- und Lagerflächen der Quader, die Vermeidung von Mörtel, aber die Zuhilfenahme von Eifen oder Holz zur engeren Verbindung einzelner Stücke. Beim Backftein-Rohbau finden wir ebenfalls forgfältigfte Schichtung, möglichft gerades und dünnes Material bei nicht zu ftarken Mörtelfugen. Letztere verhalten fleh an den beften Ausführungen diefer Art zu den Backfteindicken, wie 1 : 3 oder 1 : 4 ( Amphitheatrum cafli-enfe in Rom) oder 1 : 6 ( Sedia del Diavolo in Rom). In der fpäteren Zeit werden die Mörtelfugen gleich dick, wie die Backfteine gemacht, und bei geringeren oder mit anderem Materiale verblendeten Mauern wird die Mörtelfuge oft dicker, als der Stein felbft. Trotz diefer forgfältigen, technifchen Vorrichtungen und der Routine, welche durch die vielen und grofsen Ausführungen gewonnen werden muffte, liefsen fleh auch an römifchen Monumenten fo gut Curvaturen der Horizontalen nachweifen, wie an griechifchen, mittelalterlichen (vergl. den Dom in Pifa 125 ) und an jenen der Re- naiffance (Palaft Farnefe und Farnefina in Rom und zahllofe andere) und der aller- neueften Zeit (an allen Orten), obgleich an den letzteren nicht immer Erdbeben und Pulver-Explofionen gerüttelt haben und fie fo wenig abfichtlich find oder auf einer hyperfeinen Theorie beruhen, als in Rom oder anderwärts. Die Curvaturen nützen nichts und fchaden nichts bei der Feftftellung des künftlerifchen Werthes eines Bauwerkes; höchftens berühren fie etwas fatal, wenn das Auge fie erkannt hat; der Genufs an einem Bauwerke, fei es in Ruinen oder noch neu, ift dem Verfaffer wenigftens durch deren Vorhandenfein noch nie erhöht worden. Martens »fleht 126 ) gerne von den bekannten, für jeden praktifchen Architekten gänzlich unnützen Streitfchriften über horizontale Curvaturen ab«, die nur Unheil gefliftet hätten — und wir wollen fie hier del’shalb nicht um ein Blatt vermehren, da die Anfichten des Verfaffers in diefem Punkte im vorhergehenden Bande diefes »Handbuches« u. a. O. niedergelegt find und er trotz neuerer Einwürfe keine Veranlaflung hat, von den früheren Darlegungen abzugehen. Für Schriftgelehrte, Techniker der Schule und Phantaften werden fie defslialb immer noch willkommene, discutirbare Themata bleiben. Koftenvoranfchläge und Bauverträge wurden verlangt und ausgeführt, letztere oft bis in das kleinfte Detail verfolgt und ausgearbeitet, wovon in der mehrfach genannten Lex Puteolanä ein intereffantes Beifpiel erhalten geblieben ift. Dafs man in den Koftenvoranfchlägen dem Architekten gegenüber ein Einfehen hatte, beweist Vitruv (Lib. X, Vorw.), indem er demfelben einen Spielraum von 25 Procent zugefteht. Er nennt es sein hartes, aber nicht ungerechtes Gefetz«, wenn in Ephefus die Techniker bei einer Ueberfchreitung des Anfchlages um mehr als 25 Procent mit ihrem Vermögen (fo fie welches hatten) haftbar gemacht wurden. Bei der Uebernahme eines Baues mufften fie bis zur Vollendung deffelben mit ihrem 12i ) Vergl. Fröhnbr, W. La eolonne Trajane etc. Paris 1872—74. Bel. IV. PI. 129. 125 ) In: Rohault , G. de Fleury. Les monuments de Pife au moyen age. Paris 1864. PI. XII: Lignc des fietits materiaux, welch« die ähnliche Krümmung zeigt, wie die Horizontalen des Thefeion. 126 ) In: Der optifche Mafsftab. 2. Aufl. Berlin 1884. 237 Vermögen Caution ftellen. Hatten fie den Koftenanfchlag dann nicht überfchritten, fo wurden fie durch Erlaffe und Auszeichnungen geehrt; Ueberfchreitungen bis zu 25 Procent wurden vom Staate bezahlt und nicht weiter geahndet. — Das Gefetz verdiente Nachahmung! C. Geftaltung und formale Durchbildung der Bauglieder. .... Aufser diefen altitalifchen Kunfttraditionen und dem. frühen Uebergewichte, das hellenifche Bildung über den Gefchmack der italifchen Völker gewonnen hatte, find als dritter Factor, der den Bauftil der fpäteren weltbeherrfchenden Roma entliehen half, die unmittelbaren ägypto-afiatifchen Einwirkungen auf Sitte, Lebensweife und Kunlt der Römer, kurz vor und während ihrer Univerfalherrfchaft, zu bezeichnen. Die Römer, in ihren treu verwahrten indo-germanifchen Kunfttraditionen noch halb afiatifch, fanden fich dort in den örtlichen Provinzen mehr heimifch als die Griechen und lösten die Aufgabe der Verfchmelzung afiatifch-ägyptifcher und europäifcher Motive zu einer allgemein herrfchenden Weltarchitektur! Semper, G. Der Stil etc. Bd. I. Frankfurt 1860. S. 479—505. Alt-italifche, tuskifche, griechifche und ägypto-afiatifche Elemente und Ein- ^ Wirkungen find an den römifchen Bauwerken erfichtlich und treten an ihnen nach bemerkungen. einander, neben einander und vermifcht auf. Nach diefen find verfchiedene Perioden in der Formgebung zu unterfcheiden, und für die Art der letzteren war, worauf fchon hingewiefen wurde, das in jenen gebräuchliche Baumaterial mehrfach mafs- gebend. Sie laffen fich in folgende vier zufammenfaffen: 1) die frtih-republikanifche Periode; 2) die Zeit der Triumphe über die in Cultur und Kunft vorgefchritteneren und durch gröfseren Reichthum ausgezeichneten Staaten Süd - Italiens, Griechenlands, Aegyptens und Afiens; 3) die der beteiligten Weltherrfchaft unter Augufius und feinen Nachfolgern; 4) die des gröfsten Reichthumes und Luxus, der Verfchwendung und des Sittenverfalles. Die Bauformen der erften Periode lehnten fich noch an die gräko-italifchen an und wurden von etruskifchen Künftlern gehandhabt; fie zeichnen fich durch fchlichte, feingliederige, rein empfundene Einzelheiten und durch weifes Mafs- halten in der Verwendung von Ornamenten aus. Der grau-grünliche Peperin, feltener Travertin, und Luftziegel, mit Stuck, Terracotta und Farbe überzogen, find das herrfchende Baumaterial. (Vergl. Sarkophag des Scipio Barbatus , das Tabnlarhun in Rom, der Hercules-Tempel in Cori.) Die der zweiten ftehen unter dem Einfluffe füd-italifcher und oft-griechifcher Meifter, tragen aber noch nicht das fertige römifche Gepräge. Das Material bleibt noch vorwiegend Tuff mit Styckbekleidung und Travertin, dann Luftziegel und Back- ftein. (Vergl. Tempel der Fortuna Virilis, Marcellus -Theater in Rom.) Die Bauformen der dritten Periode zeigen die vollendete Verfchmelzung italifcher und griechifcher Weifen, eine reichere Verzierung und fchönes Ebenmafs der Kleinglieder; flatt Tuff mit vergänglichen, gemalten Stucküberzügen werden fefte, vielfarbige, zum Theile edle Steinforten und forgfältig geformte und gebrannte 238 Ziegelwaare als Baumaterial verwendet. (Vergl. Coloffeum, Tempel des Mars Ultor, Vefta-Tempel, Tempel des Antonin und der Faußina, fo wie des Deus Redimlus in Rom.) Die der vierten zeichnen lieh durch Ueberladung der Gliederungen mit fchon fehr verflachten Ornamenten, durch Häufung von Einzelformen, gefuchte Motive und fchwülftige Verzierungsweife bei ausgefuchtem Reichthum des Materiales aus. (Vergl. die Bauten in Ba'albek, Palmyra, Spalatro.) Schon in den Bauten der erften Periode ift der gräko-italifche Säulenbau aufgenommen und in allen folgenden feft gehalten worden. Kein Bauwerk ift ohne ihn zu denken, ziehe er fleh nun frei vor den Umfaffungsmauern hin, oder fei er in Form von Halb- oder Dreiviertelfäulen mit diefen zu einem ein- oder mehr- gefchoffigen Ganzen verbunden. Der Formenkreis der Säulenbildungen ift der gleich reiche in allen Perioden, wie in der griechifchen Kunft; er wird noch erweitert durch das Fefthalten an der alt-italifchen oder tuskifchen Säulenform und durch das Zufügen der Compoflta-Ordnung und deren Auswtichfe. Es treten alfo zu der dorifchen, jonifchen und korinthifchen Ordnung noch die tuskifche und Compofita-Ordnung hinzu. Neben den Säulen find als Freiftützen, ganz allgemein, noch die Pfeiler in den verfchiedenften Formen verwendet worden, auch die menfchliche Figur als Karyatide oder Atlante — weibliche oder männliche, Taft aufnehmende Geftalten. In der erften Periode dürfte die heimathliche tuskifche Ordnung die bevorzugtere gewefen fein, obgleich, wie die etruskifchen Felfengräber zeigen, die Stützen mit Voluten-Kapitellen den Baumeiftern diefer Zeit auch geläufig waren. Die fertige, griechifch-dorifche Ordnung mit ihrem verwandten Apparate vermochte die genannte heimifche in der Folge auch nicht zu verdrängen; denn kaum Fig. 212. 1,1,11 aus Tomppji. jTflfpuistisch 'T\ömiscli--(Dorisc}|i 239 find Beifpiele für die Anwendung diefer vorhanden. Ihr jetziges Fehlen fchliefst allerdings eine frühere Anwendung nicht aus; eine fpätere Zeit kann damit aufgeräumt haben. Für diefelbe kann die dorifche Säulenftellung des Tabularium angeführt werden, im Hauran das Grabmal des Hamrath 127 ), in Pompeji die Flalle des Forum trianguläre u. a. (Fig. 212). Was Vitruv über die Verhältniffe der dorifchen Ordnung angiebt, pafft weit mehr zu der Auffaffung derfelben in der entwickelten römifchen Zeit, als zum griechifchen Canon; wenn auch manchmal den griechifchen Anforderungen, z. B. in dem vielfach vorkommenden Fehlen der Bafis, Rechnung getragen zu fein fcheint, fo find doch fofort wieder alle übrigen Beftandtheile der Säule tuskifch. (Vergl. Säulen der 3 Tempel von 5 . Nicola in Carcere 128 ), des Tfora , //z/.?-Theaters, der Diocletians-Thermen etc.) In den folgenden Epochen gewinnt, nachdem die weiche, jonifche Ordnung zu keinem rechten Gedeihen gelangen wollte, die reiche korinthifche und Compofita- Ordnung, zuletzt mit P'iguren-, Trophäen- und Phantafie-Kapitellen aller Art ausgeziert, die Oberhand über alle anderen und wird in der römifchen Baukunft zur herrfchenden. Nur an den mehrgefchoffigen Bauten finden die einfacheren Ordnungen noch dauernde Verwendung, indem mit richtigem Verftändnifs Seitens der Baumeifter die kräftige tuskifche das unterfte, die zartere jonifche das mittlere, die prächtige korinthifche das oberfte Stockwerk gliedert. Doch auch diefe Regel hat ihre Ausnahmen. 8. Kapitel. Tuskifch-dorifche Ordnung. Die tuskifch-dorifche Säule befteht aus Bafis, Schaft und Kapitell oder auch nur aus den zwei letztgenannten Theilen, je nach dem Vorherrfchen des etruskifchen oder hellenifchen Einfluffes oder fpäter nach dem Gefchmacke des Baumeifters. Die Bafis fchrumpft oft zu einem fchmalen Plättchen mit Anlauf zufammen, befteht aber auch aus der quadratifchen Plinthe und darauf ruhendem, kräftigem Wülfte mit Plättchen und Anlauf; oft auch ift fie der attifchen mit und ohne Plinthe nachgebildet, oder es treten an Stelle der Scotien die Kymatien als überführende oder verbindende Gliederungen (Fig. 213). Die Höhe der Bafis ift kleiner oder gleich dem unteren Säulenhalbmeffer. Den Schaft verlangt Vitruv, wie bei der jonifchen Säule, verjüngt und mit Entafis verfehen, was mit den meiften der ausgeführten Beifpiele übereinftimmt. Die Oberfläche follen nach ihm 20 Flach- oder Hohlftreifen beleben, was nur mit Ausnahmen ftimmt, indem z. B. die Schäfte in den Diocletians- Thermen 24 Canne- luren haben, andere wieder ganz glatt gelaffen find (Theater des Marcellus , Coloffeum, Musmije etc.), wieder andere nur theilweife cannelirt find, oder Flach- und Hohlftreifen bedecken zugleich den Schaft, fo dafs das untere Drittel von den erfteren eingenommen wird, während die oberen zwei Drittel durch flachbogig geformte Hohlftreifen belebt find (Tempel in Cori, Tabularium in Rom). Die Dicke des Schaftes, d. h. deffen unterer Durchmeffer, verhalte fich fowohl bei der tuskifchen, als dorifchen Ordnung, nach der gleichen Quelle, zur Höhe 127) Vergl. de Vogüe a. a. O., PI. I. P 28 ) i n; Ruder, F. Die Ruinen Roms etc. 2. Aufl. Leipzig 1879. S. 208. 224. Säule. 225. Bafis. 226. Schaft. 240 Fig. 213 . JfyrerllustljESitr. fjllbno. mm., . \%nsaivii,. 227. Kapitell. (diefe gemeffen einfchl. Bafis und Kapitell) wie 1 : 7 , was wieder nur annähernd mit den Ausführungen ftimmt, indem folgende Verhältnifszahlen fich ergeben: in Albano.1 : 7 , 5 , am Marcel/us-Thtaier 1 : 7,78, bei den Dioc/etians-Thevmen 1 : S,o, am Amphitheater in Nimes 1 : 8,g, am Coloffeum.1 : 9 , 3 , am Amphitheater in Capua 1 : 10- Das Streben nach gröfserer Schlankheit macht fich allenthalben bemerklich. Das Kapitell beliebt gewöhnlich aus dem quadratifchen Abacus, der an feiner oberen Kante durch Zierglieder eingefaßt i(l, aus dem Echinus mit den Reifchen und aus dem Hals; der letztere ift nicht bei allen Ausführungen vorhanden. Beim dorifchen und tuskifchen Kapitell verlangt Vitruv die Höhe gleich dem unteren Säulenhalbmeffer, welche für die Abgrenzungen der genannten drei Haupt- theile wieder in drei gleiche Theile zu theilen ift. In den wenigften Fällen ift diefe Regel zutreffend. Die Höhe ift beinahe durchweg gröfser, als der untere Plalb- meffer der Säulen; am Coloffeum und in Capua beträgt fie fogar mehr, als der Durchmeffer derfelben. Der Echinos ift meift als Viertelftab gebildet, macht aber auch nach tuskifchem Vorbilde dem Kyma Platz (Fig. 213) und ift in einem Falle mit überfallenden, eiförmigen, im anderen mit emporwachfenden Blättern geziert. Auch die kleinen Zierglieder werden dann meift mit Blattwerk, Perlen, Heftbändern gefchmückt, der Hals mit Rofetten befetzt und auch die untere Seite der Dreieckszwickel, welche 241 beim Auflagern des quadratifchen Abacus auf dem runden Echinus frei bleiben, durch Umränderung und Rofetten-Schmuck hervorgehoben. In diefem Schmucke der Haupt- und Zierglieder, deren Verhältniffe meift fein gegen einander abgewogen find, übertrifft diefes Kapitell an fchöner, vornehmer Einfachheit das griechifch-dorifche in allen Theilen und in der Gefammt- erfcheinung. Als Freiftütze treffen wir auch den Pfeiler, in vielen Fällen durch Halbfäulen und Pilafter reicher gegliedert; als Abfchlufs der Mauerecken neben dem Wand- den Eck-Pilafter. Verhältniffe, Kapitell- und Bafen-Formen find bei letzteren die gleichen, wie bei den Säulen, oder fie werden an Schlankheit übertroffen, wie z. B. am Amphitheater in Verona, an welchem die Pilafter-Höhe einfchl. Fufsfchicht das ll 1 ^- bis 12 1 , , 2-fache des Durchmeffers beträgt. Eine Verjüngung der Pilafter ift für gewöhnlich ausgefchloffen; obere und untere Breiten find einander gleich. Da die Schäfte meift aus gefchichteten Quadern beftehen, fo find an vielen Orten (Pola, Verona etc.) die rauh vorgerichteten Steine beim Verfetzen beiaffen worden, und nur Fufs und Kapitell wurden formal von vornherein fertig geftellt. Das Abarbeiten der Schichtenquader ift nicht überall vollendet worden, und es ftehen heute die urfpriinglich als glatte Pilafter gedachten Mauerftreifen als Ruftica- Pfeiler mit fein profilirten Kapitellen da; diefelben fanden in der Renaiffance, fo wie fie waren, unbedenklich Aufnahme, weil man in der Verehrung für das Alterthum deffen Leiftungen zunächft kritiklos nachahmte. Man nahm das Unfertige für fertig, und daffelbe hat für uns und gewiffe Bauten unbeftritten feinen eigenen Reiz oder trägt fogar zur Vervollftändigung der Wirkung des Kräftig-Derben ent- fchieden bei. Das Gebälke befteht aus dem Architrav, dem Triglyphon und dem Geifon. Verhältniffe und Formen diefer Theile unterfcheiden fich wefentlich von den hellenifchen. Während bei den letzteren Architrav und Fries beinahe gleich hoch und beinahe gleich dem unteren Durchmeffer der Säule oder wenigftens 2 /3 deffelben hoch find, fo verlangt Vitruv für feinen dorifchen Architrav, einfchl. Bandleifte, nur den Halbmeffer der Säule zur Höhe und das Triglyphon ^2-mal höher als diefen, was mit den Ausführungen meift ftimmt; denn es verhält fich beifpielsweife der untere Säulendurchmeffer zur Architrav-Höhe: in Albano.1 am Marcellus-Theater . . 1 an den Diocletians-Therraen 1 0 , 50 , 0 , 51 , 0 , 53 , und in allen drei P'ällen ift das Triglyphon einfchl. Kopfband ^2-mal höher als der Architrav, deffen Dicke ftets gleich bleibt dem oberen Säulendurchmeffer. Der Architrav ift in den beiden erften Perioden nach hellenifchem Vorbilde einfach glatt in der Vorderfläche und mit einer Kopfleifte geziert, an der, den Triglyphen entfprechend, die Tropfen-Regulae hängen (vergl. Marcellus-Theater ); fpäter wird er mehrfach abgeplattet und durch Zierglieder reicher geftaltet; auch wird die Kopfleifte bei allen Triglyphen verkröpft, indem letztere vor die Architrav-Flucht vorgefetzt find. (Vergl. Diocletians -Thermen und Ordnung in Albano; ferner Fig. 214.) Der Fries befteht aus Triglyphen und Metopen, deren Vertheilung und Stellung von der Säulenftellung abhängig ift, oder umgekehrt die letztere von der erfteren. Handbuch der Architektur. II. 2. * b 228. Pfeiler und Pilafter. 229. Gebälke. 230. Architrav. 231. Fries. 232. Gefims. 242 Fig. 214. r\ fp- Tfl"nl'QT’7"E An älteren Monumenten war der Triglyphen-Fries und die fich daraus ergebende Säulenftellung nach hellenifcher Weife angeordnet (Cori), während fpäter überall die Regel des Vitruv befolgt ift, welche an den Ecken Halb-Metopen verlangt; »denn durch diefe werden alle Fehler, fowohl der Metopen, als auch der Säulenweiten und der unteren Seiten des Gefimfes gehoben, weil die Abtheilungen gleich gemacht find« 129 ). Ueber den äufseren Intercolumnien werden je 1 Triglyphe und 2 Metopen, über dem mittleren je 2 Triglyphen und 3 Metopen verlangt; in Cori find der Eck-Triglyphen und der Kleinheit des Friefes wegen über jedem Inter- columnium je 3 Triglyphen und 4 Metopen angebracht. Die Breite der Triglyphen gleich dem unteren Säulenhalbmeffer, entfpricht fowohl den Regeln des Vitruv, als den Ausführungen, eben fo die Quadratform der Metopen. Die Schlitze der Triglyphen find nicht immer bis zur Bafis herabgeführt (vergl. Albano), während ihre Endigungen der griechifchen Scotien entbehren. Statt der Unterfchneidungen ift oben die gleiche Abfchrägung charakteriftifch, wie an den lothrecht emporgeführten Einkerbungen. Das Kopfband verkröpft fich rings um die Triglyphen und ift in gleicher Höhe über den Metopen fortgeführt, welche entweder glatt gelaffen oder mit Pateren, Rofetten oder Bukranien gefchmückt find (Fig. 214). »Ueber den Kopfleiften der Dreifchlitze erhebe fich das Kranzgefims (Geifon, Corona) mit einer gewellten, dorifchen Leifte zu oberft und einer zweiten unten und in einer Ausladung von 2 /ä und einer Höhe von ^3 Mafseinheit,« fagt Vitruv. Da die Dicke der Säule, nach ihm, 2 Mafseinheiten beträgt, fo geriethen wohl die 129) Vergl. Theil TI, Bd. i diefes »Handbuches«, S. 91 . 243 Fig. 215. ^tarcrllusff'iMf'ei'’ kw/'/////»///// ''////////////SS////'/////////, Gefimfe etwas dünn, wenn 1 fi Säulendurchmeffer zu ihrer Höhe und 2 jj Halbmeffer zu ihrer Ausladung genommen würden. Die Ausführungen ergeben mit den gewellten dorifchen Leiden meid eine Höhe von mehr als einem Halbmeffer und eine Ausladung von 2 /3 Durchmeffer und mehr der Säule. Den Dreifchlitzen und den Me- •topen-Mitten entfprechend, verlangt Vitruv bei diefen fchräg hängende Dielenköpfe mit einem Tropfen-Schema von 6 X 3 = 18 Tropfen, getrennt durch glatte oder mit Donnerkeilen befetzte Zwifchendiicke. Auch diefer Bedingung id in den wenigden Fällen Genüge geleidet, indem die Mutuli , datt fchräg, oft horizontal vorkragen und auch mit 6 X G = 3G Tropfen befetzt find, welche nicht immer auf vortretenden Platten, fondern in caffet- tenartig vertieften Füllungen auffitzen, oder aber die Mutuli fammt Zubehör fehlen ganz und ein in feinen Formen jonifches Gefims fchliefst den Aufbau ab (Fig. 215). Bemerkenswerth id noch, dafs bei den älteren Bauten im Haupt- gefimfe über dem Triglyphon Zahn- Fig. 216. Terraeol!^ ausj^Ayrdk^s. ••uiihi-H'liH'iililillHiiilH'u.H'iÜ.'iH’ . . . ... M 244 fchnitte hingeführt find (Sarkophag des Scipio Barbatus, Marcellus-Th.ea.ter), nach gräco-italifchem oder etruskifchem Vorbilde, das an vielen alt-ficilianifchen Werken erhalten geblieben ift. (Vergl. Art. 47 und Fig. 216, welche das Gefimfe eines Puteale aus Terracotta in Syrakus darftellt.) 9. Kapitel. Jonifche Ordnung. 2 33- Die Werke jonifcher Bauweife find fpärlich, das Befte nur in Fragmenten erhalten, Gutes davon an Theatern und Amphitheatern und im kleinen Tempelchen der Fortuna Virilis in Rom, fehr Verftümmeltes am kleinen, oblongen Tempelchen in Tivoli, Leidliches zu Pompeji in der inneren Säulenftellung des Juppiter-Tempels dafelbft — von dem wir uns belehren laffen und mit dem wir die Ueberlieferungen Vitruv's vergleichen könnten. Die Säule befteht aus Bafis, Schaft und Kapitell; erftere ift der attifchen nachgebildet und gewöhnlich mit einer Plinthe verfehen. Für diefe beanfprucht Vitruv (Lib. III, 5) die halbe Säulendicke zur Höhe, was mit den Ausführungen ftimmt, wie auch die Breite der Plinthe mit 1 ‘la Säulendicken (Fig. 217). Fig. 217. ilnHillllbillui'ihiinFTlTr Mi 1 .ml 1 I tHlliM l ! VI l ( fl Ul II Ul < 11 " 245 Der Schaft verjüngt fich und ift mit Entafis verfehen; er ift, je nach dem verwendeten Materiale, glatt gelaffen, oder mit 24 halbkreisförmigen Canneluren gefchmückt, die durch breite Stege von einander getrennt find. Die Verjüngung beträgt 1 j 7 bis */« des unteren Durchmeffers, welcher fich zur ganzen Säulenhöhe, einfchl. Kapitell und Bafis, verhält wie 1 : 8 x /2 oder 1 : 9 . Das Kapitell ift griechifcher Form nachgebildet; daffelbe wiederholt auch alle Eigenthümlichkeiten des griechifchen, welche fich aus der verfchiedenen Art der Stellung der Säulen ergaben. Mit Voluten an 4 Seiten, ohne Weiteres zur peripteren Stellung geeignet und mit helleniftifchem Accente, finden wir es an den Bauten Pompejis; auch geziert mit den aufftrebenden Palmetten bei den Voluten-Anfchlüffen und mit Blumen und Ranken in den Polftern und Voluten-Gängen, wie bei den Kapitellen von Solunto, Sardes u. f. w. 130 ). Mit Voluten an zwei Seiten und befonderem Eckfäulen-Kapitell, mit aus- fpringender Eck-Volute und Halb-Voluten in der einfpringenden Ecke, find fie an den meiften Monumenten Roms gebildet. Schön und an griechifche Einfachheit der guten Zeit erinnernd find die Kapitelle am Marcellus -Theater und am Tempelchen der Fortuna Virilis. Die Voluten zeigen zwar nicht mehr die elaftifchen, griechifchen Linien und die feine, doppelte Um- ränderung; fie erfcheinen, durch den horizontalen Sattel verbunden, etwas träge, halten fich aber doch von aller Willkürlichkeit frei. Kleinafiatifchen und attifchen Vorbildern (Milet, Priene, Nike-Tempelchen und Tempelchen am Iliffos in Athen) folgend, entbehren fie eines Halsgliedes und machen fo den Eindruck des Gedrungenen. Für die Spiralen fchuf man fich eine fefte Formel, nach der folche mit Hilfe von Zirkelfchlägen gezeichnet werden konnten 131 ); die Volutengänge verblieben nicht mehr in einer Ebene; man liefs einen Gang über den anderen, wenn auch nur mäfsig, vortreten bis zu dem am weiteften herausgedrehten Auge (Fig. 217, Grundrifs des Kapitells). Die Polfter wurden mit Schilfblättern oder Akanthus belegt, welche fich rechts und links des trennenden Wülftes nach dem Voluten-Rande erftreckten. Eine fchöne Spielart des jonifchen Kapitells giebt das in Fig. 218 dargeftellte, in Rom befindliche, das im Detail von griechifcher Formgebung zeugt. Jonifche Baftard-Kapitelle haben die 8 Säulen des fog. Saturn- Tempels in Rom, mit 4 aus- fpringenden Voluten und dreifachem Echinos. Varianten jonifcher Kapitelle find von Canina (Sez. III, Fig. 2i£ 130) Vergl. Theil II, Bd. 1 diefes »Handbuches«, S. 168 u. 173 — ferner: Mazois, F. Les ruincs de PompH. Paris 1824 . Tome III, PI. XX. 131) Methoden zum Aufzeichnen find von Avüer, Goldmann, Palladio und Vignola bekannt gegeben. 234- Schaft. 235- Kapitell. 246 236. Anten und Pfeiler. 237 - Stellung der Säulen. 238. Architrav. Taf. LXVIII) veröffentlicht, von welchen das mit Figürchen in den Voluten-Augen hervorgehoben zu werden verdient. Anten und Pfeiler find, wie die Säulen, aus Bafis, Schaft und Kapitell zu- fammengefetzt. Die Bafis zeigt die gleichen Profilirungen, wie die der Säule; die Schaftfläche bleibt glatt oder ift cannelirt; das Kapitell ift, dem der zugehörigen Säule entfprechend, entweder mit ausfpringenden Voluten oder mit Voluten und Polftern verfehen; dabei ift das Kyma ftets fanft ausgebaucht und tritt etwas über die Schaftfläche vor (Fig. 21g). Die fyrifchen Monumente halten meift die hellenifti- fchen, ausfpringenden Voluten feft. Während die griechifche Kunft für die Ante und den Pfeiler (vergl. Erechtheion, Nike Apteros) eine befondere Kapitell-Form, abweichend von den Voluten-Kapitellen, Fig. 219. erfand, begnügte fleh die römifche in nicht gerade vollendeter Weife, die letzteren auf die flache Mauerftirn oder eckige Stütze möglichft unmittelbar zu übertragen. Die Säulen verlangt Vitruv (Lib. III, 5) geneigt flehend, und zwar »fo, dafs die gegen die Cella-Wände gerichteten Innenfeiten in lothrechter Linie ftehen, während die äufseren Seiten die ganze Verjüngung haben. Denn fo wird die äufsere Anlage der Tempel nach einem richtigen Verjüngungsgefetz ausgeführt fein.4 Diefes Gefetz findet fich aber bei den wenigen beftehenden jonifchen Bauten nicht befolgt; auch die Griechen machten bekanntlich bei der jonifchen Ordnung davon keinen Gebrauch, während fie es bei der dorifchen nur zum Theile an wendeten 132 ), indem z. B. die Säulen der ficilianifchen Tempel aus durchweg parallelflächigen Trommeln conftruirt find. Die Gliederungen der Bafen und Kapitelle würden nach Vitruv fich nicht in wagrechter Richtung befinden und der Ausgleich zwifchen diefen und dem horizontalen Stylobat und Architrav durch ungleich hohe Schutzftege ( Scamilli impares) erfolgen — was nirgends nachweisbar ift (Fig. 220). Der Architrav ift doppelt oder in der Regel dreifach abgeplattet, mit Karnies- leiften und Plättchen bekrönt, meift fo hoch oder etwas höher, als der untere Säulenhalbmeffer, und fo dick, als der obere Säulendurchmeffer. 132) Vergl. Theil II, Bd. 1 diefes »Handbuches«, S. 66. 247 ^onibdir- Alle Glieder über den Säulen- Kapitellen: Epiftyl, Fries, Giebelfeld, Akroterien etc. will Vitriiv um 1 /i2 ihrer Höhe vorneigend haben, »damit fie beim Anblick lothrecht und nach dem Winkel- mafs flehen.« Beim Marcellus -Theater ift ein Vorneigen der Abplattungen ausgeführt; an anderen Bauwerken find diefe lothrecht und wieder an anderen zurückneigend (Fig. 222). Die Abplattungen find zuweilen durch Perlftäbe von einander getrennt, die Flächen meift glatt gelaffen, aber auch, z. B. bei den fpäten fyrifchen Bauten, mit Mäander-Gefchlingen verziert (Fig. 221, Siegestempel in Suleim), der krönende Karnies glatt oder mit Herzlaub ge- fchmückt. Der Fries ift meift niedriger, als der Architrav, gleichgiltig ob ihn Bildwerk ziert oder nicht; feine Vorderfläche ift entweder lothrecht oder convex, aber niemals vorwärts geneigt (Fig. 223). Vitruv will den mit Reliefs ge- fchmückten Fries Ft höher, was beim Tempel der Fortuna Virilis nicht zutrifft, und den glatten 1 j 4 kleiner, als den Architrav. Das Hauptgefims ift dem griechi- fchen der gleichen Ordnung nachgebildet als Zahnfchnittgefims mit unter- fchnittener Hängeplatte und auffteigen- der Rinnleifte, die zuweilen mit empor- ftrebendem Akanthus verziert und mit Löwenköpfen befetzt ift. Für die Zahn- fchnitte fchreibt Vitruv ein Verhältnifs der Breite zur Höhe wie 1 : 2 , eine Breite des Zwifchenraumes von 2 |3 der i \ vollen Breite vor, eine Ausladung gleich \ der Höhe, und diefe gleich dem mittleren Streifen des Architravs, was in vielen Fällen zutrifft. Die gröfste Ausladung des Hauptgefimfes fei der Höhe deffelben gleich; »denn alle Vorfpriinge, welche als Höhe haben, haben ein gefälliges Ausfehen« führungen allenthalben ftimmt (Fig. 224). Fig. 220. nac t r('\^ruv' l 239- Fries. x\\\\\\\\\\\\\\\\\\V^ Hauptgefims WwiwVG \\\\\\Vv\\VLG\\\\\\\\^^^\\\R w\\\\\\< eine eben fo — ein Satz, grofse Ausladung der mit den Aus- Fig. 221 ^em Sitofstrmprl in ^»ule/rn^ mr\ ii gag. G w^ ~Vom Imiprl in Pjl'il X i'A-' <^s>*sao^i Ipi r&vigjgd» « ••ÄSSii 249 Fig. 222. lorfvna yirili IS Fig. 223. Fig. 224. ^ 10 c] e f* 1 <ä n s m e iw 250 241* Giebelfeld. 242. Korinthifche Ordnung. 243* Säule. Das Giebelfeld liege bündig mit der unteren Abplattung der Epiftyl-Vorderfläche, was wohl nur bei fchmucklofen Tympana ftatt gehabt haben dürfte, während es bei den figurengefchmückten eben fo zurückgerückt war, wie an den griechifchen Werken 133 ). Die Höhe des Giebels will Vitruv gleich dem neunten Theile der Gefims- leifte, gemeffen von einem Ende zum anderen, die Eck-Akroterien fo hoch als das Giebelfeld in der Mitte und die Firft-Akroterien 1 js höher als diefe. Der Giebel geräth in folcher Weife etwas flach und entfpricht mehr den griechifchen Ausführungen, als den römifchen, während die Akroterien, in diefem Falle wohl aus Figuren beftehend, etwas grofs ausfallen würden. Zahnfchnitte follen nach Vitruv am Giebelgefimfe unterbleiben; »denn diefes haben die Alten nicht gebilligt.« Deffen ungeachtet wendete fie der Syrer Andronikos (100 v. Chr.) an den Giebeln des Thurmes der Winde in Athen an, und auch am Giebel der Fortuna Virilis find fie vorhanden; auch in Aphrodifias und in Patara find fie zu finden. An einem Grabmal am letztgenannten Orte flehen fie winkelrecht zur Giebelfchräge, fonft ftets abfolut lothrecht. Will man mit Vitruv die Zahnfchnitte als fleingewordene Dachlatten anfchen, fo find fie über den Mutuli anzubringen; »denn Niemand flehte an griechifchen Bauwerken die Latten unter die Sparren« — und am Confolen-Gefimfe im Inneren des Thurmes der Winde 134 ) find thatfächlich die Zahnfchnitte über den Confolen ausgeführt! 10. Kapitel. Korinthifche und Compofita-Ordnung. a) Korinthifche Ordnung. Im ganzen römifchen Bauwefen, fpeciell im Tempelbau ift die korinthifche Ordnung die weitaus vorherrfchende gewefen. Rom befitzt in der Vorhalle des Pantheon noch das fchönfte Beifpiel, noch fchön trotz theilweifer Zerftörung und »bom- baftifcher« Reftaurirung der drei Säulen der Ofifeite durch Bernini• ferner gute Leiftungen in den Reften des Mars Ultor- und des Vefpafian- Tempels. Für Rom find auch noch der Cafor-Tempel , der des Antonin und der Fauftina , fo wie der Neptun-Tempel (Dogana di terra), letzterer der geringere unter diefen, anzuführen. Aufserhalb Roms find der Minerva-Tempel in Affifi mit feinen einfachen und ziemlich reinen Formen, zwei Säulen des Dioskuren-Tempels in Cori, der Hercules-Tempel in Brescia, der fog. Vefta-Tempel in Tivoli, die Maifon carree in Nimes und die grofse Menge der fyrifchen Prachtbauten als zum Theile wohl erhaltene Beifpiele zu nennen. »Die korinthifchen Säulen« haben aufser den Kapitellen alle Mafsverhältniffe fo, wie die jonifchen; nur die Höhe des Kapitells macht fie verhältnifsmäfsig erhabener und fchlanker« ( Vitruv , Lib. IV, 1); fie beftehen gleichfalls aus Bafis, Schaft und Kapitell. 133) Vergl. ebendaf, S. 103. 134) Vergl. ebendaf., Illuftration auf S. 205. 251 Die Bafis fetzt fich zufammen aus der quadratifchen Plinthe und den kreisrund geführten Gliederungen des attifchen Säulenfufses. Statt der einfachen Einziehung zwifchen den zwei Wulften finden wir diefe auch verdoppelt und durch zwei gekuppelte Rundftäbchen von einander getrennt. Die Gliederungen find entweder glatt gelaffen oder mit Ornamenten, als Heftbändern, Perl- und Laubftäben, Pfeifen und Akanthus, geziert 135 ). Die Höhe der Bafis einfchl. Plinthe ift gleich oder meift etwas höher, als der untere Säulenhalbmeffer (Fig. 225). Bei den Bauten in Ba'albek ift unter die Plinthe vielfach noch ein glatter prismatifcher Unterfatz, etwas höher als jene und nur wenig über fie vortretend, eingefchoben. Fig. 225 . "////. '7///Z />, PF vr Jf ^omntfmpd Der Schaft verjüngt fich nach oben um 1/7,5 des unteren Durchmeffers (52 Partes gegen 60 136 ) und ift mit oder ohne Entafis ausgeführt (vergl. Pantheon); die Höhe der Säule einfchl. Kapitell und Bafis verhält fich zum unteren Durchmeffer:’ in Ba'albek.1:9 am Confiantin -Bogen . 1 : 0,5 am Tempel des Antonin 1 : 9,5 am Pantheon. . . . 1 : 9,5 und 1 : 9,7 am Vefpafian-Teirppd. . 1 : 10- Je nach der Art und Farbe des Materials und der mehr oder weniger reichen Durchbildung des Baues find die Schäfte glatt oder cannelirt. Bei politurfähigem, dunklem Gefteine ift gewöhnlich auf eine Gliederung verzichtet, da fie wenig zur Geltung käme oder die Glanzlichterftreifen jene erfetzen; bei hellem, gleichfarbigem Geftein befteht fie meift aus 24 durch Stege von einander getrennten Hohlftreifen, die oben und unten bogenförmig oder auch gerade (Pompeji, Tivoli) gefchloffen find. Oft ift das untere Drittel der Canneluren wieder mit flachen Pfeifen ausgelegt, fo dafs der Stamm unten kräftiger erfcheint. Ein reicherer Effect wurde noch erzielt durch Auflegen von Rundftäbchen auf die Stege (Fig. 226, Schola Xantha und Inneres des Pantheon) oder durch karniesförmige Geftaltung der Hohlftreifen (Fig. 226 und Säulenfchäfte in S. Agnefe bei Rom). Bei den Endigungen diefer reicheren Canneluren fetzen fleh zwifchen die Halbkreife Blattfpitzen ein, wie dies Fig. 226 zeigt. Noch reicher geftaltete fich der Schmuck des Schaftes, wenn 135) Vergl. Canina a. a. O., Sez. III, Taf. LXXIII. 136) Die Baumeifter der Renaiflance machten den unteren Halbmefler des Säulenfchaftes zum Theilungsmafs oder Modulus und theilten diefen wieder in 30 Partes. I •'! nüPi'ä'arrrrtrr^ 25: Fig. 226. •"'''•Sf" Talmyrj. "Tanli l^fon m "Kanawalf . -'»"‘m M'IBdUlM y " f ( o[frasa- ■ Iky KJ j) !Jh 246. Kapitell. nawaf^ der unterfte Theil durch hoch emporftrebenden Akanthus bedeckt wurde, wie dies das Beifpiel aus Gerafa (Fig. 226) aufweist. Auch gewundene, mit Schuppen und Blättern belegte, fo wie mofaicirte Schäfte (Pompeji) find gerade nicht gewöhnlich, doch vorkömmlich 137 ). Die Schäfte der fyrifchen Bauten zeigen eine eigenthtimliche Zuthat in den Confolen, welche unvermittelt aus der Mantelfläche, etwa in halber Höhe des Stammes, vortreten und wohl zur Aufnahme von Statuen (Votiv-Gegenftänden?) beftimmt waren (Fig. 226: Palmyra und Kanawät). Was die griechifche Kunft an Kapitell-Formen aufzuweifen hat, das wiederholt zunächft auch die römifche. Wir treffen Nachbildungen der den ägyptifchen Kelch- Kapitellen entlehnten, mit Akanthus und Schilfblättern gefchmückten Kapitelle des 137 ) Vergl. ebendaf. Taf. LXXXI. 253 T^rrnfh’l^piMI iwfy'Yil'ruY’ ■ Bacchus-Theaters und des Thur- Fig. 227. mes der Winde in Athen 138 ), fo wie die vollendeten, aus 2 Reihen Akanthus und Helices beftehenden Formen — nur Alles weniger fein oder durch Zuthaten an Gliederungen bereichert, wie das übrigens fchöne Kelch-Kapitell von Kanawät (Fig. 226) dies zeigt. Ein 43 cm hohes, aus gelblichem Sand- ftein beftehendes Brüchftück im Mufeum zu Trier ift in der Form beinahe identifch mit dem genannten fyrifchen. Auch die Kapitelle des Tempels in Patara zeigen Verwandtes. Für den Aufbau und die Anordnung des Kapitells mit Akanthus und Helices giebt Vitruv (Lib. IV, 1) die »zufammenftim- menden Mafsverhältniffe«, welche in Fig. 227 veranfchaulicht find. Vergleichen wir die Ausführungen mit diefem Schema, fo trifft Einzelnes wohl zu; aber die Höhe ift zu gering bemeffen. Liest man, wie Reber vor- fchlägt, im Vitruvianifchen Texte ■»fine abacoi. ftatt »cum abaco «, dann ftimmt das Recept nahezu mit beinahe allen in Rom erhaltenen Beifpielen überein. Was für die Säulen angeführt wurde, gilt auch für die Gliederung der Pilafter, Pfeiler und Anten. Die Bafis ift die gleiche; der Schaft ift fowohl glatt, als cannelirt oder von Kleingliederungen eingerahmt und die tiefer liegende Fläche mit auffteigendem und Ranken-Ornament plaftifch reich verziert — eine Decorationsweife, von der die Bau- meifter der überreichen Bauwerke der Spätzeit und befonders wieder die fyrifchen ausgiebigften Gebrauch machten. (Vergl. Triumphbogen in Orange, Bauten in Ba'albek und Palmyra etc.) Eine Eigenthümlichkeit zeigen die Pilafter der Vorhalle des Pantheon, bei denen die fcharfe Kante an der Ecke einem Rundftäbchen mit befonderer Bildung der Endigung Platz machte (Fig. 226). Das Rund-Kapitell der Säule wurde, gleich wie bei der jonifchen Ordnung, in allen feinen Beftandtheilen in das Flache überfetzt und keine befondere Kapitell-Bildung für den Pilafter, den Pfeiler oder die Ante angenommen. TT! TT. v)JL i/ntprrr ^Durdim^srr 4* SivTt 247. Pilafter und Anten. 13 R) Vergl. Theil II, Bd. \ diefes »Handbuches«, S. 198. Fig. 228. @ 58 » sSSsäSs», .te. . SäSS HM IMÜÜ& 1 I SiiPf; il um „,. „ " ! :rc:ftiii(.ftijlji[i! Kapitell und Geliiilke ans den Thermen des igrippa in Rom, spefi. ans dem an das Pantheon anstossendeii grossen »aale 255 »Die übrigen Glieder, welche über den Säulen angebracht werden, fetzt man entweder aus den dorifchen Mafsverhältniffen oder aus der jonifchen Bauweife auf die korinthifchen Säulen,« fagt Vitruv (IV, i). Die korinthifche Ordnung hat nach ihm keine befonderen Satzungen für die Gefimfe; man könnte defshalb entweder vom Triglyphon, mit Kragfteinen am Kranzgefimfe und Tropfen am Gebälke, Gebrauch machen oder mit Reliefs gefchmückte Friefe und Zahnfchnitte im Gefimfe wählen. Von beiden finden wir die Anwendung. Im Uebrigen ift die Combination des Triglyphon mit jonifchen Säulen ( Cafa del Fauno und Apollo-Tempel in Pompeji 139 ) nichts Aufsergewöhnliches. Korinthifche Säulen mit Triglyphen find an einigen Grab- Aediculae 14 °) in Athen erhalten, ferner am Auguflus- Bogen in Aofta; fie waren auch am kleinften, jetzt zerflörten, compofiten Tempel in Paeftum, bei dem fich über den Triglyphen noch Zahnfchnitte befinden, vorhanden. Schöne Beifpiele verzierter Friefe mit Zahnfchnitt-Gefimfen geben der Tempel des Antonin und der Faußina und die Thermen des Agrippa in Rom ab, bei denen namentlich einmal der Greifenfries, dann der Delphinenfries als reizende Arbeiten hervorzuheben find (Fig. 228). Der Architrav ift in der Regel dreifach abgeplattet; die Abplattungen find durch Rundftäbchen oder Plättchen und Karniefe von einander getrennt und oben mit einem Karniesglied zwifchen Plättchen und Rundftab bekrönt. Gliederungen und Flächen find entweder glatt gelaffen oder mit Ornamenten decorirt, wie dies die Beifpiele in Fig. 229, dem Pantheon und dem Dioskuren-Tempel in Rom entnommen, zeigen. Die Abplattungen find meift nach rückwärts geneigt. Am Tempel in Atil ift — keine Regel ohne Ausnahme — nur eine mit einem grofsen Mäander- Schema verzierte Abplattung vorhanden (Fig. 221). Die Dicke des Architravs entfpricht dem oberen Säulendurchmeffer, während feine Höhe 1,4 bis 1,5 untere Halbmeffer (42 bis 45 Partes ) beträgt. Die Soffite ift entweder mit einfachen, eingefenkten Profilen rahmenartig oder mit einer Mittel- fugen-Decoration verfehen oder mit reich ornirten Gliederungen und mit reliefirten Ranken-Ornamenten bedeckt (Fig. 230). Der Fries ift entweder gleich hoch, wenig niedriger oder wenig höher (39 bis 45 Partes ) als der Architrav, gerade (Pantheon) oder convex (Neptun-Tempel \Dogana di terra]) , nach den griechifchen Vorbildern, glatt oder, wie gezeigt, mit Bildwerk (Fruchtgehänge in Tivoli, Ba'albek und Suleim) gefchmückt. In nicht gerade fchöner oder zu rechtfertigender Weife find Architrav und Fries an der vorderen Giebelfeite der Tempel oft in eine glatte Fläche zufammen- gezogen und zur Infchrifttafel mit ringsherum geführter Rahmengliederung gemacht (Fig. 229). Das Gefims als Zahnfchnitt- oder Confolen-Gefims gebildet, mifft in der Höhe 1 2 k bis 2 untere Halbmeffer (51 bis 69 Partes) und ift nach der Vitruvia- nifchen Regel fo weit ausgeladen, als feine Höhe beträgt. Die Confolert find als Balkenköpfe (Palmyra) gegliedert oder zeigen die Form fchön gefchwungener Voluten- Confolen, deren Unterficht mit Akanthus-Laub bedeckt ift, oder es find auch die im Thurm der Winde zu Athen vorkommenden, verkümmerten Confolen nachgebildet (Orange in Fig. 231 c, Ba'albek). An anderen Orten treten dafür die ganz glatten, karniesförmigen Confolen auf (Fig. 231). I 39 ) Siehe: Overbeck a. a. O., S. 351. HO) Vergl. den vorhergehenden Band diefes »Handbuches«, Illuftration auf S. 245, 248. Gebälke. 249. Architrav. 250. Fries. 25t. Geiims. (Iif : ü! I ! J 256 Fig. 229. «UiosJ^räi^QTi/ppi iS llfiwiuillliniiiii" »asss&i 1 Die Vorderfläche der Hängeplatte ift glatt oder mit in Relief gearbeiteten Mäander-Schematen (Suleim, Ba'albek) oder Pfeifen, mit ftark ausgehöhltem, lothrecht flehendem Wafferlaub (Tempel des Antonin und der Faußind) reich verziert, die Platte felbft durch zwifchen den Confolen befindliche Caffetten erleichtert und bereichert, in denen hängende Rofetten den Schmuck vollenden. Fig. 230. Die Rinnleifte, glatt oder mit aufftrebendem Wafferlaub oder Akanthus-Blättern zwifchen Löwenköpfen gefchmückt oder mit Rankengefchlingen auf der Vorderfläche bedeckt, ift karniesförmig geftaltet, mit einem breiten lothrechten Plättchen endigend. Die Giebelgefimfe wiederholen die Formen und Anordnungen der horizontalen Traufgefimfe, deren Confolen auch den Giebel entlang geführt werden; letztere flehen dann entweder winkelrecht zur Giebelfchräge (Orange), und nur die an der Giebelfpitze befindliche Confole ift lothrecht, oder fie flehen in den meiften Fällen abfolut lothrecht und haben dann ftatt eines rechteckigen einen rhombifchen Anfatz. Gerade das fonft fchönfte Monument diefes Stiles — das Pantheon — hat diefe Inconvenienz aufzuweifen. Das Giebelfeld war bei den Prachtbauten wohl mit Figuren ausgefchmiickt, wovon das fchöne Relief des Capitolinifchen Juppiter-Tempels vom Bogen des Marc- Aurel , jetzt im Confervatoren-Palaft zu Rom, ein greifbares Zeugnifs giebt (vergl. Fig. 35> S. 45). Die vielen Löcher im hohen (1 : 5 1 ji) Giebelfelde des Pantheon 252. Giebelgefims. 253 * Giebelfeld. Fig. 232. JW ©«POE JÄiAMCmNIN Parthenon etc . London 1883. S. 22 u. 23, Facf-Repr. nach: Fergusson, J. The Handbuch der Architektur. II. 2 . *7 258 laffen auf Befeftigungsvorrichtungen eines Bronze-Bilderfchmuckes und, bei dem geringen Zurücktreten der Giebelwand hinter das Gefims, auf einen folchen in Relief fchliefsen. Die fpätere Kunft löste in ihren formalen Ausfchreitungen das Giebelfeld auf, indem fie über der mittleren, weiteren Säulenftellung (Atil, Musmiye, Darftellungen von Tempeln auf Münzen Hadrian's und der Gordiane in Fig. 232) das ganze Gefims mit feinem Apparat von Zahnfchnitten und Confolen halbkreisförmig oder in Form eines gedrückten Bogens in daffelbe hinaufbog und fo den ruhig fchönen Abfchlufs des Daches über dem Hauptgefimfe vernichtete. Ob ein »mehr Licht« oder die Caprice das urfprünglich Treibende bei diefer Neuerung war, mag hier dahin geftellt bleiben. Beides ift möglich. Vom künft- lerifchen Standpunkte dürfte fie nicht zu rechfertigen fein; das urfprünglich reiche Motiv des gefchloffenen Giebels ift zum dürftigen Rahmen herabgefunken. Unfchön wirkt die Gleichheit der Form der geraden und bogenförmigen Gefimfe, fo wie der unmittelbare Uebergang vom Geraden in das Gebogene am Kaiferpalaft in Spalatro und an den Tempeln zu Atil, Musmiye und Damas. Fig- 233- 259 Eine Löfung, wie fie im Inneren der Diocletians- Thermen oder am Crypto- Porticus des Diocletians-'?a\ 2 S\. • em - tw Mehr einem bildhauerifchen Experiment, als einem architektonifchen Werke gleichen die Trophäen-Kapitelle, welche über einem Kranz von Akanthus-Blättern Waffen, Rüftungen und Helme und an den Ecken den Abacus tragende, geflügelte Victorien haben (Fig. 236). 11. Kapitel. Bogen, Thüren, Fenfter und Nifchen; Karyatiden, Atlanten, Kleingliederungen und Ornamente. Der Bogen bringt in formaler Beziehung (worauf fchon hingewiefen wurde) an feiner Stirnfeite entweder, nach etruskifchem Vorbilde, die kräftigen, boffirten Keil- fteine fchmucklos zum Ausdruck, oder die gleichen Profllirungen, wie folche an Thiir- und Fenfteröffnungen ältefter Zeit zu finden find, zieren die Stirn, der Form des Bogens folgend. Da der Bogen eine Maueröffnung nach oben fo gut abfchliefsen kann, wie ein gerader Sturz (Architrav), fo kann man Angefichts der gleichen Function beider auch für beide die gleiche decorative Behandlung wählen, und es brauchen defs- halb die profilirten Bogen noch lange nicht als gekrümmte Architrave getadelt zu 257- Trophäen- Kapitell. 258. Bogen und Archivolten. 2Ö2 259 - mpfer. mm Fig. 237 '■mmmmmsTz ■U= ft1| ....i..iimiiiiiininminin..n n .. BMii'Hir^llJiTi r i | i UTil ii'^üärc, iijmm*] «i miümiiiintULiitiiiii mm mm TalmytvL .wW-W Fig. 238. werden oder doch nur in dem Falle, wenn fie die horizontalen Anfätze über dem Kämpfer, wie in Nicaea, Aizani, Spalatro, Musmiye, Damas undAtil, zeigen, welche Beifpiele der Verfallsperiode angehören. (Vergl. Fig. 233, S. 258.) Die gute Zeit läfft die Rahmenprofile des Bogens unmittelbar aus dem Kämpfer herauswachfen, nach etrus- kifchem und griechifchem Vorbilde (Wafferleitungsbogen beim Thurm der Winde in Athen). Die abgeplatteten Bogenprofile wurden mit der Zeit aufgegeben und dafür vertiefte Rahmen, conform mit der Gliederung der Pilafter, als Bogenprofile angewendet, wobei dann die umrahmte Fläche mit Ranken-Ornamenten, Laubfläben oder Früchte- Guirlanden wirkungsvoll gefchmiickt ift (Fig. 237 u. 238, Beifpiele aus Orange und Palmyra). Bei den profilirten Bogen fitzt — und dadurch unterfcheiden fie fich wefent- lich von vielen etruskifchen — die unterfte Abplattung bündig mit dem darüber liegenden Gemäuer, und alle weiteren Profilirungen treten daher über die Mauerflucht vor. Bogen und Pfeiler find defshalb durch horizontale Gefimfe (Kämpfer- gefimfe) fcharf von einander getrennt und diefe den Ordnungen oder dem Reich- thume des Gebäudes entfprechend einfacher oder reicher gegliedert (Fig. 239); am grofsen Durchgang des Conßantin -Bogens ift ein ganzes korinthifches Confolen- Gefims als Kämpfergefims verkleinert wiederholt. Von der Gröfse der Ausladung diefer Kämpfergefimfe hing auch der Vor- fprung von anftofsenden Pilaftern oder Dreiviertelfäulen ab; bei guten Werken ragen die Gefimfe nicht über die Fläche der Pilafter oder die durch die Mittelaxe der Säule gelegte, parallel mit der Wandfläche gehende Ebene vor. Verftöfse gegen diefe Regel find übrigens genugfam vorhanden. cJoniscl] • TA. jSbfpt’ Den Bogenfchlufs bezeichnet ein befonders geformter, gröfserer Keilftein, der 2So - • n/r • n r i 1* i Schlufsftein. nach etruskifchem Vorbude geziert war. Ment lind es prächtige, nach unten verjüngte Voluten-Confolen, mit Blätter- oder Figurenfchmuck verfehen, welche, über Fig. 240. "vom ii ";t\ H J ' i ili 4 -p- st ii i ä |! u ia 264 2ÖI. Auffitzen der Bogen. die Bogenprofile mächtig heraustretend, den Schlufs markiren, wie dies in vollendet fchöner Weife am Tiius -Bogen in Rom der Fall ift (Fig. 240). War die Säule zur Aufnahme eines Bogens beftimmt, wie in den Thermen und Bafiliken, fo erhob fich in der frühen Zeit der Bogen nicht unmittelbar über der Säule, fondern über einem aufgelegten Gebälke, das fich aus Architrav, Fries Fig. 241. und Gefims zufammenietzte. Die Verfallsperiode fchuf hier Neues und, nach der Anficht Vieler, auch Befferes, indem fie das Gebälke in der Höhe verminderte und aus Architrav und Gefims zufammenfügte oder auch ganz wegliefs und die Bogen unmittelbar über den Säulen beginnen liefs (Fig. 241). Bei den Archivolten, welche mehr als ein Halbmeffer breit find, verfchneiden fich die Profile in der Richtung der Säulenaxe über den Kapitellen. Den vor eine Wand geflehten Vollfäulen kommen in der Regel (es giebt auch Ausnahmen) Pilafter entgegen. Pilafter und Säulen find dann fo weit von einander abgerückt, dafs fich die Kapitelle beider gegen einander frei entwickeln können oder in ihren gröfsten Ausladungen fich nicht berühren (Fig. 242). Nicht Fig. 242. 265 in allen Fällen find die bogentragenden Säulen unmittelbar auf den Boden herabgeführt, fondern manchmal, wie die decorativ vorgeftellten, auf Sockel oder Pofta- mente gefetzt, deren Höhe bei den decorativen Säulen x /3 bis 1 ja der Säulenhöhe gleich kömmt (Fig. 242). Bei den Thiiren unterfcheidet Vitruv (Lib. IV, 6) dorifche, jonifche und attifche. Bei den erfteren foll an Tempeln die oberfte Linie des Kranzgefimfes der Umrahmung bis zum Kapitell-Rand der Vorhallenfäulen hinaufreichen; die Lichtöffnung fei in der Höhe fo zu bemeffen, dafs, wenn die Tempelhöhe vom Fufsboden bis zum Deckengetäfel in 3^2 Theile getheilt wird, zwei von diefen die fragliche Thürhöhe abgeben, während 5,5/12 der Höhe zur Breite zu nehmen feien. Thüren bis zu 30 Fufs (= 9 m ) Höhe müffen im Lichten verjüngt fein, während folche, die über diefes Mafs hinausgehen, lothrechte Gewände, mit der lesbifchen Leifte und dem Perlftab profilirt, haben follen. Das Verhältnifs der Gewändebreite zum Lichtmafs ift von ihm nicht angegeben; der Sturz foll Ohren haben, und über ihm foll fich ein glatter Fries nebft Verdachung erheben. Die jonifchen Thüren feien ebenfalls im Lichten zu verjüngen und genau fo zu machen, wie die dorifchen; die Breite fei 1/2,5 der Höhe, während x /i 1 der Plöhe die Gewändebreite abgebe. Der Fries fei dem dorifchen nachzubilden, während die Verdachung von zwei aus Stein gemeifselten, an der Stirnfläche 2 /3 Gewändebreite meffenden Confolen getragen werde. Die attifchen Thüren werden wie die dorifchen gemacht; nur erhalten fie eine reichere Gewände- und Sturzprofilirung und werden durch nach aufsen aufgehende Klappthüren ohne Gitterwerk gefchloffen. Unter den erhaltenen Thüren finden wir folche mit verjüngten und lothrecht anfteigenden Gewänden, mit und ohne Ohren beim Sturze, mit glatten Friefen und fchlichten Verdachungen, auch mit einem Blätterfries gefchmückte Thüren, die feit- lich von grofsen Confolen getragene und mit kleineren Confolen gezierte oder giebelgekrönte Verdachungen (Palmyra) haben. Die meiften gehören Bauten korinthifcher Ordnung an. Verjüngt mit Ohren ift die Tempelthür in Cori, verjüngt ohne Ohren die des Rundtempels in Tivoli; lothrecht anfteigende Gewände haben die Thür des Pantheon in Rom, die Tempelthüren in Ba'albek und Palmyra. Als edelftes Beifpiel einer attifchen Thür kann die des Pantheon von 12 m lichter Höhe angeführt werden (Fig. 203), als reichftes einer jonifchen die nahezu gleich grofse Thür aus Ba'albek (Fig. 243); die breiten, reich ornamentirten Gewände find bei letzterer x /a der lichten Weite breit und wirken im Ganzen ungemein vornehm. Die Fenfter find, wie die Thüren, im Lichten bald genau rechteckig, bald trapezförmig geftaltet; die Umrahmung fetzt fich aus Bank, Gewänden und Sturz zufammen, die in gleicher Weife profilirt find, wie die der Thüren, wozu noch bereichernd die Verdachung oder der Spitzgiebel mit und ohne palmettenartige Eck- und Firft-Akroterien (Palmyra) hinzutritt. Die Gewände, über welche mitunter der Sturz vorfteht und Ohren bildet, ruhen entweder auf fchlichten Bänken, wobei die Profile auf diefen, wie die Canneluren der Säulen auf den Stylobaten, unmittelbar auffitzen (Tivoli, Palmyra), oder die Profilirungen der Gewände find auch an den Bänken und Stürzen herumgeführt, und es ift fo ein Rahmen mit Ohren unterhalb und oberhalb der Lichtöffnung gebildet (Fig. 244, beide aus dem Rundtempel in Tivoli). it.. 262. Thüren. 263. Fenfter. Fig. 243. 35 äV! Dtk^ a ü7 a »'■! [iVmua» 111 > S111II IJLIJUIllJllJJUilllJLlLILl db= V5- -ÜhTSrni^ Fig. 244 ivoIl äräg&^p; * y« *- " ^SjÜg ^ S iMlilWilWil nnnnnummnii wni|lg| BMatai uy^j^v^^Msaiasa^ UTilÄSKU .' i „v$s;*?f?j 3 gpS! tS(U jS. 267. fWfiiwalnlwminl W 5 ?S läBSÜ™ *: *i%3 ». Sä ' Wi\ "V?an(i-!Decorahor| im JdauXe des Xtucretiuß ßu. jPompeji. 3 A.ufcjenommen. i.jJ. 1866 Von jJ.X>urm. Iath.v.'Wcmer A: Winter, Frankfurt jdandb.d./lrch K. 2 J P. Pichls Verlag (A.Bcrqstraelscr),Darmstadt tmsmmm ^wes»«säafcwit*aM*^ iää 6 . ^ - aüBasaagi 2 67 Eine reichere Umrahmung, als die Fenfter, erhielten die Nifchen, welche zur Belebung der äufseren Wandflächen in Ba'albek, Palmyra, Gerafa, Musmiye u. a. O. angeordnet find. Rechteckig oder halbkreisförmig im Grundplan geftaltet, umrahmen die Oeffnung bis zum Kämpfer oder im anderen Falle bis zum Architrav Pilafter oder Säulen, über deren Kapitelle, beifpielsweife am Juppiter-Tempel in Gerafa, ficli die Archivolte als Abfchlufs- rahmen unmittelbar auffetzt ohne weitere Zuthaten, oder es ift, wie in Ba'albek (Fig. 243), der Architrav über den Kapitellen hinweggeführt, und Fries und Gefimfe find darüber halbkreisförmig als ab- fchliefsender Rahmen aufgebogen, oder das ganze Ge- bälke, aus Architrav, Fries und Gefims beftehend, ift aufgebogen und bildet den Abfchlufsrahmen, wie in Musmiye (Fig. 245). Das Viertelkugelgewölbe zieren dann noch aufserdem fein gerippte Mufcheln, deren Wurzeln bald im Scheitel, bald am Kämpfer fitzen (Fig. 243 u. 245). Die rechteckigen Nifchen Fig. 245. find meift mit geradem Gebälke abgedeckt (Fig. 243 a u. c), über dem fich fowohl Flachbogen- als Spitzgiebel, die oft recht häfslich verkröpft find, erheben oder auch halbkreisförmige Tympana angeordnet find. Karyatiden und Atlanten als Stützen werden wie in der griechifchen Kunft (Erechtheion in Athen und Zeus-Tempel in Akragas),' fo auch in der römifchen angewendet worden fein, wenn auch in Wirklichkeit keine Belege dafür mehr vorhanden find. Für erftere haben wir das Zeugnifs des Plimus, der für das Pantheon folche von Diogenes von Athen angefertigte angiebt; eine von diefen Karyatiden wollte man in der im Braccio nuovo aufgeftellten, von Thorwaldfen reftaurirten (Kopf und Arme) wieder erkennen. Für den bekannten unwahrfcheinlichen Adlet' fchen Reftaurationsverfuch des Inneren des Pantheon, der mindeftens 3,so m hohe Figuren verlangt, erfcheint fie mit 2,25 m zu klein. Dem athenifchen Vorbilde gleicht fie jetzt in der Haltung und Auffaffung vollkommen 143 ). In kleinem Mafsftabe finden wir in Terracotta ausgeführte Atlanten, welche in der Haltung und Armftellung an die Giganten in Akragas erinnern 144 ), im Tepidarium eines Bades in Pompeji, als Gefimsträger zwifchen kleinen Wandkaften- nifchen. (Vergl. die Wand-Decoration eines pompejanifchen Bades auf der neben flehenden Farbendruck-Tafel.) 264. Nifchen. 265. Karyatiden und Atlanten. 143 ) Vergl. Theil II, Bd. i diefes »Handbuches«, S. 178. 1H) Vergl. ebendaf., S. 142. 268 2Ö6 - Die Kleingliederungen find im Grofsen und Ganzen den griechifchen nach- Klein- .... ° gliederungen. gebildet und haben, je nach dem Formgefühl des Architekten oder auf Grund äufserer Einflüffe, in den verfchiedenen Perioden verfchiedene Wandelungen erfahren. Schon in der Aufeinanderfolge derfelben bei Gefimsbildungen etc. ergeben fich mancherlei Ungereimtheiten gegenüber dem logifchen griechifchen Aufbau; im Einzelnen werden die Formen weniger lebensvoll und elafhifch; bei den Kymatien verwendete man ftatt der frei gezeichneten Curven lieber die Zirkelfchläge und fetzte aus letzteren überhaupt die Formen vielfach zufammen; fpäter bedeckte die iibergrofse, ermüdende Verzierungsluft, ohne vorherige Prüfung über Sinn und Thunlichkeit, Alles mit Blättern und Bliithen. Dabei ift aber nicht ausgefchloffen, dafs in allen Perioden der römifchen Kunft auch Gutes neben dem Schlechten herläuft; öfter greift ein fein geftimmter Künftler, auch der Spätzeit, in feinen Detail- Bildungen auf echt griechifche W T eifen zurück und fchiebt die fonft feiner Zeit eigenen Bildungen bei Seite. Ein Beleg dafür findet fich beifpielsweife im Detail der Diocletians -Thermen (305 n. Chr.), das an den Ecken der Eierftab- und Waffer- laubleiften eines jonifchen Gebälkes die gleichen Löfungen wie am Erechtheion U5 ) zeigt und von dem üblichen, bequemeren Auflegen eines Akanthus — des Feigenblattes, mit dem die römifche Kunft fo gern ihre Blöfsen deckt — abfieht. 2 ® 7 - Was aus dem im vorhergehenden Bande diefes »Handbuches« (S. 176) dar- md 3 geteilten Eierftab und Herzlaub der griechifchen Kunft mit der Zeit geworden ift, Herzlaub, davon geben Fig. 246 u, 247 die nöthigen Proben. Beim Herzlaub blieb zunächft Fig. 246. fyllfnistisi^OomppjO Fig. 247. Trspas : Ror noch die Form, wenn auch nicht mehr in der fein empfundenen Umrifslinie’, und nur die abwärts gerichtete Mittelrippe des lanzettförmigen Blattes muffte einer auf- fteigenden Blüthenknofpe Platz machen; fpäter wird die fliiffige Umrifslinie des Blattes in eine zackige, kleeblattförmige verwandelt und nur noch diefe beibehalten, während die Flächen zwifchen und auf den einftigen Blattflächen mit emporgerichteten und abwärts gehenden Knofpen und Blumen ausgelegt wurden. Auf eine befondere Ecklöfung ift gemeinhin verzichtet; der Zufammenftofs im Winkel wird durch ein nach beiden Richtungen fallendes Akanthus-Blatt gedeckt (Fig. 248). Der Eierftab wird in der helleniftifchen Zeit etwas blechern, fleht eher einer geöffneten Perlenmufchel, als einem Blatte ähnlich und ift in diefer Form mit be- 145 ) Vergl. ebendaf., S. 175. 269 fonderer Vorliebe in den Städten füdlich von Rom gebräuchlich. Bei den grofsen Bauten in Rom muffte diefes Detail wirkungsvoller gearbeitet werden; wir treffen daher hier die grofsen Unter- und Einfehneidungen, um eine möglichft lebhafte Licht- und Schattenwirkung zu erzielen. Von den Spitzblättern bleiben nur noch Endigungen und Mittelrippen beftehen, und erftere gleichen zwifchen den eiförmigen Blättern eingeftellten Pfeilfpitzen. Als weit gehendfte Leiftung in der Verzierungs-Manie ift auch das Auslegen des Randes mit Akanthus und das Verzieren der Eiform mit Blumen anzufehen, bei der dann die Spitzblätter in breite Wafferlaube umgewandelt find (Fig. 247). Für die Ecklöfungen, fowohl bei der aus-, als einfpringenden Ecke, gilt das beim Herzlaub Gefagte. Perlftäbe folgen mit wenigen Modificationen dem griechifchen Vorbilde, wie auch die Riemen- oder Bandgeflechte, Mäander-Schemata und Rofetten. Letztere erhalten oft eine bewegtere Form, indem fie aus der ftarren ägyptifch-griechifchen Gebundenheit heraustreten; Aftragale werden neben der typifchen Perlen-Decoration auch als gewundene Taue charakterifirt. Bei den fcheinbar thätigen Gliedern, den Zahnfchnitten, find die Flächen der Zwifchenräume wenig wirkungsvoll, bald nur wenig hinter die Fläche der fcheinbar tragenden Theile zurückgerückt, bald fchräg gefchnitten; vielfach find fie auch nach dem griechifchen Vorbilde 14(i ) behandelt. Die fpätere Verzierungsluft fetzte zum Ueberflufs auch hier in die Zwifchenräume oft nichtsfagende, kleinliche Deco- rationen, wie dies der Zahnfchnitt des Vefpafian -Tempels in Fig. 248 zeigt. Die 268. Perlftäbe etc. (269. Zahnfchnitte Fig. 248. forti/na wimis. ^743rcrllusff|fyfri" . )cörf>t Spvpr: Tpsf>asUnfrmprI_ "Xom. -pp 1 1 \ rorli vir; pinsprin^iljcit. Xcl^l Ecke ift bald mit einem tragenden oder beffer, in der Luft fchwebenden »Zahne« in ganz antiftatifcher Weife befetzt (Fig. 248, Fortuna Virilis) oder nach griechifchem Vorbilde frei gelaffen. Während fleh die griechifche Kunft damit begnügte, die Unterficht der deckenden Platte an der Ecke mit einem leichten Palmetten-Ornament zu zieren, fetzt die römifche hier eine hängende Verzierung, den Pinienzapfen, ein. li6 ) Vergl. ebendaf., S. 184. yitSssfe 27O 27O. Voluten- Confolen. 271. Deckplatten. 272. Akanthus, Im einfpringenden Winkel ftofsen zwei tragende »Zähne« zufammen und vereinigen fich zu einem winkelförmig geftalteten Ganzen; gehen die Zahnfchnitte auch am Giebel entlang, fo ift gewöhnlich der volle Zahn im Scheitel angebracht (Fig. 248). Die Voluten-Confolen des Gefimfes find 'meift decorativ aufgefafft, indem fie mehr einen bildhauerifchen Schmuck, als functionirende Glieder bilden, über deren Form das Nöthige bei den korinthifchen Hauptgefimfen getagt wurde; die Stellung derfelben an den Ecken ift gewöhnlich und in der befferen Zeit ftets die gleiche, wie bei den Zahnfchnitten aus der guten Zeit. Diagonal-Confolen finden wir erft in der Verfallszeit und da nur feiten (Palmyra). Auch die fonft Schmuck ausfchliefsenden Vorderflächen der Gefimsplatten werden bei den überladenen Werken der Spätzeit mit Pfeifen oder Mäander- Schematen verziert, bei Zahnfchnittgefimfen mit einer flachen Waffernafe verfehen, bei Confolen-Gefimfen caffettirt und mit Rofetten gefchmiickt. (Vergl. Art. 251, S. 257 und Fig. 231 ebendaf.) Die bei den architektonifchen Auszierungen am meiften verwendete Pflanze ift der Akanthus, der in allen Gröfsen angewendet wurde, deffen Form und Schnitt je nach dem verwendeten Materiale und des Künftlers Individualität die gröfste Mannigfaltigkeit zeigt. Bald ift dem griechifchen Vorbilde mit dem fcharf gezackten Blattfchnitte und den breiten Pfeifen und Rippen nachgegangen (Fig. 249, Vefpafian- Tempel in Rom, Cori), oder die Blätter nehmen unter Beibehaltung des Umriffes Fig. 24g. Cori. C^rsl/lrir. (D , 0 S V rErL omt ranmi/seurtL. 271 und der Partieneintheilung — was wir als das gewöhnlich römifche bezeichnen können, weil es am meiften vorkommt und eine Neuerung gegenüber dem typifch griechifchen ift — mehr die Geftalt der heimifchen Oliven- oder immergrünen Eichenblätter an. Rippen und Pfeifen werden dann feiner und an den Umfchlägen oft mit gezackten, kleinen Blättchen verfehen (Fig. 249, Mars Ultor, Dioscuren-Tempel und Lateran-Mufeum in Rom). Bei ftark auf den Effect gearbeiteten Stücken find die Blattpartien noch durch tiefe Einfchnitte von einander getrennt, wie dies ein im Lateran-Mufeum aufgeftelltes Compofita-Kapitell zeigt. Einen eigenthümlichen Charakter nimmt der Akanthus in einigen Provinzial- ftädten (Pompeji, Tivoli etc.) an, indem die Blattfpitzen nach der Blattfläche wieder zurückgebogen find und fo dem Blatte felbft ein gekräufeltes, einem Kohlblatt ähnliches, nicht gerade fchönes und unklares Ausfehen geben (Fig. 249, Pompeji). Auf griechifcher Grundlage bleiben die fyrifchen Architekten bei der Formgebung des Akanthus; nur verfallen fie meift in eine fchematifche, lahme Weife. Die Blätter bleiben fcharf gezackt; die Flächen haben guten Licht- und Schattenvvechfel, find aber zu tief eingefchnitten, und die fonft lebendig und edel emporquellenden Blattpartien verlieren fich in nahezu horizontal ausbiegende von fchwächlichem Charakter (Fig. 249, Gerafa, Bosra). Sonft wurde beinahe die ganze heimifche Pflanzenwelt mit ihren Blättern, Blumen und Früchten in der Ornamentik, bald ftrenge ftilifirt, bald vollftändig naturaliftifch, verwerthet. Lorbeer, Eichenblätter und Eicheln finden wir auf den Wulften von Friefen und Bafen fyftematifch aufgereiht und durch Bandfchleifen zufammengehalten; das Gaisblatt in den ftreng architektonifch gebildeten Palmetten; naturaliftifch gebildetes Weinlaub mit Weintrauben an Afchenurnen; Geranienblätter, Fig. 250. * 273. Uebrige Pflanzen. 272 Fl S- 2 5 ! - Mohn, Lilien und Rofen als Gefchlinge; Knofpen und entfaltete Blumen, Winden, Kürbisblüthen und Blätter, Wafferlaube, Kornähren, Feigen, Obftforten, Früchte aller Art an den Feftons der Friefe und den Archivolten von Triumphpforten; Vögel, kleine Vierfüfsler und Infecten beleben oft bei Füllungen und Friefen die Blatt- und Rankenwerke, welche aus einem Akanthus- blatte, aus Menfchen- oder Thiergeftalten ent- fproffen. Die Verbindung von ftreng ftilifirten und naturaliflifch gebildeten Ornamenten ift es, was gewiffe decorative Leiftungen der römifchen Kunft fo wirkungsvoll und fo anmuthig er- fcheinen läfft. Am freieften und fchönften entwickelt fich der Akanthus und das ganze Gefolge der hei- mifchen Pflanzen und Blumen an den Pracht- Candelabern, Urnen, Vafen, Füllungen und den Werken der Kleinkunft, von denen das Lateran- Mufeum das reichfte Material an rein architek- tonifchen Gebilden, das vaticanifche und nea- politanifche an folchen der Kleinkunft aufzuweifen hat — unerschöpfliche Fundgruben für den ftudirenden Architekten. Mit den fchönften Triumph feiert die römifche Ornamentik im Akanthus- und Rankenwerk, das die Vorderwand der vaticanifchen Biga ziert, der Naturalismus in einem von Rofengefchlingen umgebenen, in Relief ausgeführten Candelaber des Lateran- Mufeums (Fig. 250 u. 251). Ein Guttheil der römifchen Ornamentik fleht im Banne der griechifchen Kunft; Manches derfelben mag nach verfchollenen Vorbildern aus der Diadochen-Zeit gebildet fein; aber Vieles und wahrhaft Schönes, das auf Selbftändigkeit Anfpruch machen kann, hat Sicher auch der römifche Genius gefchaffen. 1 / i 1 Uten-. D. Bauwerke. 12. Kapitel. Städtifche Wohnhäufer. .... »Man vergifft aber leicht, dafs zwifchen den Homerifchen Liedern und der Bauordnung des Kaifer Zeno die Entwickelung von 12 Jahrhunderten liegt, in denen die Worte mit den Dingen ihre Bedeutung gewechfelt haben. Man vergifft, dafs der Hausbau von der jeweiligen Cultur abhängig ift; denn in einer Burg wird anders gebaut als in einer Stadt, in einer Feftung anders als in einem offenen Marktflecken. Und endlich vergifft man, dafs fowohl der Plan, als die Einrichtung eines Haufes durch Material und Technik bedingt wird. In alten Tagen war Jeder fein eigener Baumeifter und holte aus dem Walde fo viel Stämme, als er bedurfte; auf das Blockhaus folgte der fteinerne Bau, bis die Verbreitung des Kalkmörtels und die Ausbildung des Handwerkes der Bauthätigkeit denjenigen Spielraum gewähren, welcher die Höhe der Civilifation kennzeichnet.« .... Nijfen, H. Pompejanifche Studien etc. Leipzig 1877. S. 594. Unter vorftehenden Vorausfetzungen haben die für den rörnifchen Haus- und Palaftbau aus zerflreuten Nachrichten der Literatur abgeleiteten Schemata nur bedingten Werth. Erft die feit 1748 begonnenen Ausgrabungen in Pompeji gaben fefte Anhaltspunkte für die Geftaltung des rörnifchen Haufes. Dafs die Grundriffe der pompejanifchen Häufer nicht auf griechifcher Tradition fufsen, beweifen das dem griechifchen Haufe fremde Atrium mit Tifch und Truhe, die Alae und das Tablinum, ferner das Aufgehen der Hausthür nach innen — welche Einrichtungen ausdrücklich als römifche bezeugt find. Bauernhaus und Stadthaus müffen zunächft aus einander gehalten werden. Der ältefte Typus des italifchen Bauernhaufes dürfte wohl in den bei Albano gefundenen Afchenkiften (flehe Art. 2g, S. 22) erhalten geblieben fein. Bei diefen erhebt fich über nicht fehr hohen, gefchloffenen Umfangswänden ein fpitzes Strohdach, das bald als Satteldach (Tectum pectenatum) , bald als Zelt- oder Walmdach (Tectum tefludinatum) erfcheint. Ein grofses Thor vermittelt den Zugang; diefes und eine Oeffnung über demfelben geftatten den Abzug des Rauches, der Luft und dem Lichte Zutritt in das Innere. Man hatte im Grofsen und Ganzen kein anderes Mittel, letzteres in das Haus zu bringen, wefshalb die grofse Hausthür auch Lumen heifst 147 ). Die ganze Wirthfchaft — Wohnung, Scheune und Stall — war unter einem Dache. Unverkennbare Verwandtfchaft mit demfelben dürfen wir auf Grund der Ueber- lieferungen 148 ) in den Anordnungen des uns näher liegenden altfächfifchen Bauernhaufes wieder erkennen. Bei diefem nimmt die Mitte des oblongen Grundplanes die grofse Diele ein, an der fich rechts und links die Ställe und Kammern hinziehen; die rückliegende Schmalfeite in ihrer ganzen Ausdehnung ift von der grofsen Fleet mit dem Herd eingenommen, an die fich die aus einer grofsen Stube und zwei Schlafftuben beftehende Wohnung anfchliefst. Der grofse Dachraum darüber ift als Kornboden oder Vorrathsraum ausgenutzt. Licht erhält die Diele durch die U7) Vergl. Marquardt a. a. O., S. 211. H8) Vergl. Galen. De aniidotis, bei Nissen a. a. 0 ., S. 610. Handbuch der Architektur. II. 2. *8 274. Bauernhaus. 274 275 - Grundplan. 276. Stadthaus: Atrium. Thür der der Strafse zugekehrten Giebelfeite, Wärme durch den Herd, deffen Rauch durch die Eingangsthür abziehen mufs. Die Diele ift der wefentlichfte Theil des Haufes, um den fich die übrigen Räume gruppiren und der zu allen Verrichtungen und Hantierungen dient, die im Freien nicht vorgenommen werden können, der aber auch bei frohen Anläffen als Tanz- und Feftplatz benutzt wird. Das Bauernhaus ging dem Stadthaufe voran; gewiffe Eigentümlichkeiten des erfteren (Fig. 252) find in das letztere (Fig. 253) hereingetragen worden, und fo läfft fich im Atrium des Stadthaufes die Diele des Bauernhaufes, in den Alae die Fleet mit dem Herd, im Tablimtm mit feinen Seitengemächern die grofse Wohn- ftube mit den feitlichen Schlafräumen, in den Cubicula und Läden die Kammern und Ställe wiedererkennen. In dem einen, wie in dem anderen concentrirte fich das Leben der Familie und die wirth- fchaftliche Thätigkeit im Atrium, welche Bezeichnung auch ganz allgemein dem altrömifchen Wohn- haufe beigelegt wurde. Herd und Brunnen waren hier anzutreffen; die Feuer- und Wafferftelle umfchlofs das Atrium mit feinen Einrichtungen; in diefem Raume wurde gekocht, geopfert, gegeffen; an der Rückwand ftand die Truhe (Geldkaften) und das Ehebett dem Eingang gerade gegenüber; hier fafs auch die Hausfrau mit den Mägden fpinnend; keine Trennung nach den Gefchlechtern, keine Männer- und Frauenabtheilung fchied, wie bei den Griechen, das Haus in zwei Hälften, in eine avopoivtu? und eine r (wa.iVMVi.uc;. Das Atrium mit gefchloffenem Dache (Teftudinatum) und der Beleuchtung durch die Thür ift die ältefte Form deffelben, die fich auf dem Lande auch wohl bis in die Kaiferzeit erhielt, während fpäter das Atrium mit einer Lichtöffnung im Dache jene ältere Form verdrängte. Das Atrium »teßudinatum « war aber auch zugleich i>displuviat 7 mu<, d. h. das Regenwaffer wurde nach aufsen geleitet, welcher Umftand das Freiftehen des Haufes verlangte. Ein freier Ambitus von 2 1 /2 Fufs Breite, der das abfliefsende Waffer aufnahm, war bei Häufern mit Zeltdächern gefetzlich durch die XII Tafeln angeordnet. Wohl fchon nach dem gallifchen Brande wurde in Rom, wie wir dies in Pompeji fehen, Haus an Haus gebaut, und es kam das Atrium compltiviatum in Aufnahme, bei welchem das Meteorwaffer in das Innere geleitet und in einer Cifterne gefammelt wurde, ehe die Wafferleitungen in Gebrauch kamen. Fig. 252. w 0 u ffiedtrsiiciisisclies ßautrnliaus. p).H t "Tjöm . 275 Dem Compluvium , der Oeffnung im Dache, entfprach dann das Implnvimn auf dem Fufsboden, eine Vertiefung von der Gröfse jener Oeffnung, in welcher das Tagwaffer, das von den Traufziegeln abfiel oder vermittels Kaftenrinnen aufgefangen und durch Wafferfpeier auf den Boden geleitet wurde, fich fammelte und aus diefer nach dem Brunnen (PuteusJ geführt wurde. Nach der Conftruction wurde noch das Atrium tuscanicwm, das tetraßylon und corinthium unterfchieden. Bei erfterem ruhten die Sattelfchwellen oder Traufränder des Daches auf zwei Querbalken (Unterzügen), während bei den letztgenannten der Traufrand durch vier und mehr Säulen geftützt war; dabei konnte er auch in die Höhe gerückt fein und den Firft der Pultdächer bilden, wenn das Tetraßylon oder Corinthium zugleich ein Displuviatum war. Das durch das Compluvium reichlich in das Innere einfallende Licht geftattete eine andere Ausnutzung und beffere Beleuchtung der Innenräume und machte Lichtöffnungen nach der Strafse entbehrlich. Die Eingangsthür konnte auf ein geringeres Lichtmafs zurückgeführt werden, da fie nicht mehr als Lumen thätig war; fie blieb aber immer noch, ihrer ehemaligen Doppelbeftimmung eingedenk, grofs und ftattlich. Das Tablinum mufs fchon als Erweiterung einer urfprünglich einfachen Plananlage angefehen werden. Zuerft war es eine bretterne Laube, an die äufsere Rückwand des Haufes angelehnt, die dann durch ein Durchbrechen der Wand und Entfernen des Ehebettes aus dem Atrium mit dem Haufe verbunden wurde. Jene blieb im Sommer offen; im Winter wurde fie durch eine Bretterwand gefchloffen. Höfe hatten die alten Stadthäufer nicht; aber eine folgende Erweiterung und bequemere Vertheilung der Räume fügte die Perißylia, die von bedeckten Säulengängen eingefchloffenen Gärten, mit ihren Nebengebäuden, als; Vorrathskammern, Küche und Herd, hinzu. Im Atrium verblieb an Stelle des letzteren ein Tifch ( Curtibulum). Diefen Erweiterungen im Grundplane folgten folche nach der Höhe; das auf ein Stockwerk berechnete Haus erhielt ein weiteres Gefchofs, deffen Zimmer alle Cenacula hiefsen und mit Fenflern, d. h. durch Läden zu verfchliefsenden Lichtöffnungen, verfehen waren. Sie wurden theils vom Eigenthümer benutzt, theils ver- miethet. Unbequeme, architektonifch bedeutungslofe, leiterartige Treppen führten zu denfelben hinan. Die gröfsere Anzahl folcher Treppen in einem Haufe muffte für den Mangel an Bequemlichkeit derfelben entfchädigen. Gegen das Ende der Republik trieb in Rom Platzmangel im Inneren der Stadt zum Stockwerksbau. Miethhäufer fowohl (über deren Einrichtung wir zu wenig Kenntnifs haben), als Familienhäufer wurden mehrgefchoffig erbaut. Als Maximum der Höhe derfelben wurden unter Augußus 70 Fufs feft gefetzt, welches Mafs von Trajan auf 60 Fufs zurückgeführt wurde. Klagen über theuere Miethen und fchlechte Bauart folcher, auf eine möglichft grofse Rentabilität angelegten Miethhäufer finden fich allenthalben. Die Bewohner der oberen Stockwerke befänden fich beftändig in Gefahr, da bei Ueberfchwem- mungen die Fundamente fchwankend würden, und defshalb werden Einftiirze fo gewöhnlich genannt, wie Feuersbrünfte. 44000 folcher dicht fliehenden, nur durch enge, winkelige Gaffen von einander getrennten Mieth-Cafernen ftanden gegen 1780 Herrfchaftshäufer. 277. Tablinum. 278. Höfe und Perißylia. 279. Stockwerksbau. 276 280. Mittelgrofses bürgerliches Wohnhaus. Wir können im alten Rom, genau wie in unteren modernen Grofsftädten, dreierlei Arten von Wohnungen unterfcheiden: 1) Solche, die aus Laden (Taberna) und Werkftätte mit einem Zimmer im Obergefchofs beftanden; 2) die Miethwohnung für Einzelne und Familien in den Obergefchoffen (Cena- cula) — vielfach mit eigenem Ausgang nach der Strafse und befonderen Treppen; 3) die Familien- oder Herrfchaftswohnung. Das Gefchofs zu ebener Erde blieb immer das bevorzugte. Beim Anwachfen der Bedürfniffe und der Anfprüche an das Leben liefs man es aber bei den einfachen räumlichen Erweiterungen des Haufes nicht bewenden; in der Ausftattung und Einrichtung der Wohnung machte fich mit der Zeit, namentlich unter den Notablen, ein Luxus geltend, der fich in das Unglaubliche fteigerte und unter Nero feinen Höhepunkt erreichte. Bei diefen reichen Häufern treten dann noch weitere Räume als: Gemäldezimmer ('Pinacotheca) , Spielzimmer (Sphaerifleriumj , Badezimmer (Nymphaeum) , die mit Säulen und Galerien gefchmückten grofsen Salons (OeciJ , offene Converfations-Zimmer (Exedrae) , Hausaltäre mit den Bildern der Hausgötter (Lararium) oder kleine Kapellen (Sacellum, Sacrarium) und in der Wirthfchaftsabtheilung ein Backhaus mit Mühle (Piflnnumj etc. hinzu. Keller (Hypogaea) gehörten zu den Ausnahmen; fie find wenigftens in Pompeji feiten. Ein klares Bild von der Eintheilung eines mittelgrofsen bürgerlichen Wohn- haufes giebt die fog. Cafa de capitdli figurati zu Pompeji in Fig. 254, II, das eines ganz kleinen in Fig. 254, 1 . Der Fufsboden des Erdgefchoffes ift um zwei aufserhalb der Thür gelegene Stufen höher, als der Bürgerfteig. Die Thür liegt nicht unmittelbar an der Strafse, fondern ift etwas zurückgerückt und läfft fo einen kleinen Vorplatz (VeßibulumO, in welchem der Eintretende bis zum Oefifnen der Thür, gefchützt gegen Wetter und gegen das Gedränge auf der Strafse, warten konnte. Es liegt in diefem Vorraume eine Reminiscenz an jene grofsen Veftibule der Notablen -Häufer, welche am gewöhnlichen Bürgerhaufe zwecklos waren und dann mit dem Verfalle des Inftitutes der Clientei überhaupt keinen Sinn mehr hatten. Der Eingang ift architektonifch bedeutfam geftaltet; Pilafter mit reichen Kapitellen und Gefimfen umrahmen den- felben; Malereien, gute Sprüche, der Name des Befitzers, »eine fymbolifche Verzierung von Unglück abwehrender Kraft« fchmücken die Wände; die Schwelle trägt den Grufs für den Eintretenden; Salve. Zumeift hölzerne, zwei- und mehrflügelige (Klappflügel-) Thüren öffnen fich nach dem Inneren und führen in einen Flur, in dem der Haushund an der Kette lag oder auch nur mit der warnenden Umfchrift »cave canem « mufivifch auf dem Boden oder gemalt an der Wand dargeftellt war. Hier hielt fich auch der Pförtner (Oßiarius, Janiior) auf, der nebenan fein befonderes Gelafs hatte, das mit einem kleinen Schlitzfenfter nach der Strafse zu verfehen war. Der gegen das Atrium durch ein Velum abgefchloffene Flur enthielt auch (in den meiften Häufern noch im IV. Jahrhundert n. Chr.) hinter der Hausthiir den Schutzgott (Lar, Tutela) des Haufes; mit der Zeit erhielten übrigens die Laren im inneren Theile des Haufes ein eigenes Sacrarium. Das Atrium, das ungefähr den dritten Theil der Hausfläche (ausfchl. Peri/lyl) einnimmt, ift als tuskifches fäulenlos, das Impluvium klein im Verhältnifs zur ganzen Bodenfläche des erftgenannten. Es ift ein von profilirten Steinen eingefafftes, recht- 2 77 Fig- 254- m m m m eckiges Baffin, wohl nur wenig kleiner, als das einftige Compluvium. Canäle und Rohrleitungen gehen unter demfelben hin zur Abführung von Regenwaffer; Oeffnungen im Fufsboden leiten daffelbe zu jenen. Ein Marmortifch fleht an der Schmalfeite, die Truhe (Geldkifte) an der Rückwand beim Tablinum. Gegen die Sonnenftrahlen fchützte man das Atrium durch Auffpannen eines Velums über dem Compluvium. Nach dem Atrium öffnen fich fünf kleinere und zwei gröfsere Zimmer, welche als Wohn- und Schlafzimmer dienten; fämmtliche konnten, nach den Vorrichtungen im Fufsboden zu fchliefsen, mit Holzthüren verfchloffen werden — ein Zimmerverfchlufs, der fonft in den wenigften Fällen üblich, da diefer meift durch die leichteren Vela bewerkftelligt wurde. Das eine der kleinen Gelaffe enthält einen Brunnen und die Treppe. Vollftändig offen nach dem Atrium waren die Alae und das Tablinum, das letztere der eigentliche Mittelpunkt des Haufes, das dem Herrn als Gefchäfts- zimmer diente. Gewöhnlich wurde diefes vom Atrium durch ein Velum getrennt, 278 28 i . Gröfseres Wohnhaus. 282. Laden. 283. Lage und Abmefiungen der Zimmer. während es nach dem Perißyl einen Bretterverfchlufs mit Thür erhielt, eben fo die beiden grofsen, nach diefem lieh öffnenden Zimmer, wie die Vorrichtungen auf dem Fufsboden noch zeigen. Zwifchen Tablinum und Zimmer ftellt ein ebenfalls durch Thüren verfchliefs- barer Gang die Verbindung zwifchen Atrium und Perißyl her. Die Wände aller genannten Räume waren mit Malereien bedeckt und jene felbft mit Hausgeräthen, Schmuck- und Kunftgegenftänden, koftbaren Stoffen und Bildwerken, Statuen, Vafen, Candelabern, reliefirten hängenden Marmorfcheiben etc. ausgeftattet. Einen be- fonderen Schmuck erhielten die Alae durch die Imagines (Ahnenbilder); diefe waren urfpriinglich porträtartige Ausftellungs-Masken aus Wachs (wächferne Todten- masken), und bei den Leichenfeierlichkeiten wurden die Abgüffe derfelben zu Büften verarbeitet und an den Wänden in kleinen tempelartigen Schränken auf-' geftellt, unter denen Infchriften die Namen und Thaten der Dargeftellten verherrlichten. Bei den Emporkömmlingen, bei den Hausbefitzern ohne Ahnen mufften fpäter die Bildniffe der Kaifer oder fonft berühmter Männer die Imagines erfetzen. Hinter dem Atrium (bezw. Tablinum ) fchliefst lieh das Perißyl , das im gegebenen Falle, wohl um breite, nutzbare Gänge zu erhalten, nur an drei Seiten von folchen umgeben war, an. Eine Stellung von Halbfäulen längs der Scheidemauer mufs für das Fehlen des vierten Ganges fchadlos halten oder das architek- tonifche Bild fo gut als möglich vervollfländigen. Eine nochmalige Erweiterung erfuhr der Grundplan, wenn hinter dem Perißyl Oeci mit Säulengängen und freiem Garten (vergl. Cafa di Panfa in Pompeji) oder ein zweites, gröfseres Perißyl angelegt wurden. In letzterem Falle war das erfte Perißyl mit Gefellfchaftsräumen, das zweite mit Wirthfchaftsräumen und Sclaven- zimmern umgeben. Eine Vergröfserung nach der Höhe trat ein durch die Errichtung eines Obergefchoffes, das Halle und Perißyl ganz oder theilweife umgab, nach innen und aufsen Fenfter hatte und zu Wohn- und Efszimmern, zu offenen und halb offenen Erholungsplätzen ausgebaut war. Waren mit dem Haufe, um es rentabler zu machen, Läden verbunden, fo öffneten fich diefe nach der Strafse und waren mit dem Inneren des Haufes nur dann in Verbindung, wenn der Hausbefitzer zugleich auch der Verkäufer im Laden war. Sonft waren fie vom Inneren abgefchloffen und nur von der Strafse aus begehbar; der Miether verfchlofs bei Nacht die Ladenöffnung durch einen mit einer Thür verfehenen Bretterverfchlag, der wohl auch im Winter oder bei Regen vorgemacht wurde (Fig. 254, III). Vitruv (Lib. VI, I—4) verlangt nun neben der herkömmlichen Dispofition der Räume bei der Lage beftimmter Zimmer auch die Berückfichtigung der Himmelsgegend, was wohl in den meiften Fällen fchon durch die Eigenthümlichkeiten oder Unregelmäfsigkeiten im Stadtplane frommer Wunfch bleiben muffte, wohl auch bei dem typifchen Grundplan kaum ermöglicht werden konnte. Seine Vorfchläge dürften fich, wie fein Hausplan, nur auf das erweiterte, frei flehende Patrizier-Haus beziehen, da Räume von ihm herein gezogen find, die im gewöhnlichen Haufe nicht Vorkommen, und- auf weit gehende Anfprüche der Miether fcheint man bei der Ausnutzung von Grundftücken zu Bauplätzen und deren Ueberbauung fo wenig Rückfichten genommen zu haben, wie heutzutage. Schlafzimmer und Bibliotheken, eben fo die Frühlings- und Herbft-Speife- zimmer verlangt Vitruv nach Offen gelegen, Winter-Speifefäle und Badezimmer nach 279 Werten oder Südweften, damit fie Abendbeleuchtung haben, die Sommer-Speifefäle und Gemälde-Galerien dagegen, wie auch wieder einige Arten von Werkftätten, als Maler-Ateliers und Teppichwebereien, nach Norden. Im Grofsen und Ganzen will er die Einrichtungen und Raumvertheilungen nach den klimatifchen Verhältniffen eines Landes gerichtet wirten. Für den Norden empfiehlt er eingebaute (nicht frei flehende) Häufer, für den Süden offene, nach Norden gerichtete. Die Abmeffungen der verfchiedenen Räumlichkeiten follen nach Vitruv auch in gewiffen Verhältniffen zu einander flehen. Seine bezüglichen Regeln ftimmen mit der Ausführung vielfach überein und entfprechen faft durchgängig den an guten Leiftungen zum Ausdrucke gebrachten Verhältniffen. Für die Atrien wird ein Verhältnifs der Breite zur Länge wie 2 : 3 oder 3 : 5 verlangt, oder auch die Breite als Seite eines Quadrates angenommen, deffen Diagonale dann die Länge giebt. Diefen Angaben entfprechen die Atrien im Haufe des tragifchen Poeten mit 2 : 3, des Salluß mit 2 : 3, des Panfa mit 2 : 3 */z. Die Höhe derfelben bis zu den Balken mit der Länge ift etwas knapp angegeben; dagegen ftimmt die Tiefe der Seitengemächer mit V* bis Va der Atrium- Länge und die Höhe gleich der Breite genommen allenthalben überein (vergl. Haus des tragifchen Poeten, des Hole. Rufus, des Salluß). Das Tablinum foll J / 2 > 2 /a, 2 js fo breit als das Atrium fein, je nach der Gröfse des letzteren, was wieder als zutreffend bezeichnet werden mufs; ferner betrage die Höhe bis Balkenunterkante Vs mehr als die Breite, und für die Höhe bis zu den Deckenfeldern ift noch ß der Breite zuzufchlagen. Für die Periflyle verlangt Vitruv die Querlage in Bezug auf die Hauptaxe des Haufes, welche z. B. im Haufe dei Dioscuri und del gran Mufaico u. a. zu Pompeji eingehalten ift, die aber eben fo oft in anderen verlaffen ift; die Längenaxe fällt alsdann mit der Hauptaxe des Baues zufammen (z. B. Cafa di Panfa). Die Säulen find fo hoch zu nehmen, wie die Tiefe der Hallen, was beifpielsweife in der Cafa del Centenario zutrifft. Die Säulenftellung ift durchweg eine aräoftyle. Für die Triclinien (Speifefäle) wird im Grundplan die Länge doppelt fo grofs, als die Breite, und die Höhe gleich der Summe von Breite und Länge verlangt; ferner follen die Exedrae (Converfations-Säle) oder quadratifchen Säle lVä-mal fo hoch als eine Seite gemacht werden, desgleichen feien Gemäldefäle namhaft grofs zu machen. Die korinthifchen Säle wurden den Speifefälen im Verhältnifs gleich gemacht oder auch geräumiger; fie erhielten einfache Säulenftellungen auf Unterfätzen oder auch ohne folche; Architrave und Gefimfe wurden mit einem halbkreisförmigen Tonnengewölbe tiberfpannt. Die ägyptifchen Säle hatten nach Vitruv einige Aehnlichkeit mit den Bafiliken, mit dem Unterfchiede, dafs erftere den Umgang aufsen (damit oben unter freiem Himmel ein Umgang fei, vergl. Text des Vitruv), die letzteren im Inneren hatten. Im Grundrifs war die Anlage eine dreifchiffige, im Aufrifs das Mittelfchiff überhöht. Die überhöhte, mit Säulen gefchmückte (pfeudoperiptere) Wand war von Fenftern durchbrochen und trug eine Caffetten-Decke; die aus der Wand vortretenden Halbfäulen waren 3 jt fo grofs, als die unteren Saalfäulen (Fig. 255 zeigt eine hypoftyle ägyptifche Halle). Von den kyzikenifchen Sälen fagt Vitruv, dafs fie in Italien nicht mehr gebräuchlich feien; fie lagen nach Norden, mit dem Blick in das Grüne und nach 284. Atrien und Seitengemächer. 285. Tablinum . 286, Periftyl. Triclinium, Exedra und Pinakothek. 288. Korinthifche und ägyptifche Säle. 289. Kyzikenifche Säle. 28 o 290. Innere Decoration. Fig. 255. diefem fich öffnend. Zwei Tafeltifche mufften in denfelben gegen einander fchauend aufgeftellt werden können ; an den Schmalfeiten erhielten fie bis beinahe auf den Boden reichende Fenfter. »Das Bild der antiken Bauwerke vervollftändigt fich erft, wenn man den farbigen Schmuck hinzudenkt 149 ).« Die ftructiven Theile des Haufes, Säulen, Gebälke, Giebel und auch die raumbegrenzenden Wände und Decken waren mit kräftigen Farben bemalt, wie auch der Fufsboden im Schmucke bunter Mofaiken prangte und farbenprächtige Stoffe, vor Thüröffnungen und zwifchen den /brz/?r/-Säulen gefpannt oder auf dem Boden liegend, den Farbenreiz des ganzen Inneren erhöhten. Der tief blaue Himmel, die glänzenden, durch das Compluvium fallenden Sonnenftrahlen, das fpiegelnde Waffer einer Fontaine, ein Flor von bunten Blumen, gefchmückte Menfchen in farbigen, reichen Gewändern, reizende Durchblicke und Perfpectiven, Beleuchtungs-Effecte in den einzelnen Räumen laffen das füdliche Heim, abgefchloffen vom Strafsenlärm und Staub, in einem Zauber erfcheinen, der den nordifchen Wohnungen trotz Glasfenfter und Glasdächer, Wintergarten und Centralheizung, für immer fremd bleiben mufs. Die anmuthige Decorationsweife in Stuck und Malerei konnte nur im gefegneten Klima des Südens aufkommen und beftehen; fie konnte fich nur bei einer Bauweife ohne Fenfter fo eigenartig entwickeln; »fie verlangte die ganze Wand zum Gedeihen und weniges Hausgeräthe.« So wenig, wie in der grofsen monumentalen Kunft, fo wenig waren die Römer in der Decoration originell; fie traten auch hier nur die griechifch-orientalifche Erb- fchaft an, die fie in ihrem Sinne ausbeuteten und erweiterten. Sie griffen zu Zeiten auf längft vergeffene Weifen zurück und liefsen uralte Verfahren wieder neu aufleben. So wurde die fchon in der fpäteren griechifchen Kunft-Epoche aufgekommene Skenographie in Augufteifcher Zeit wieder aufgenommen und nachher durch das uralt- barbarifche Verfahren, das Incruftiren mit bunten Marmorplatten, wieder verdrängt. Vitruv (Lib. VII, 5) führt drei Decorationsarten in chronologifcher Ordnung auf. Hiernach hätten die Alten (Griechen?), welche den Wandfchmuck einführten, in diefem »zuerft« die marmornen Belegplatten nachgeahmt, dann die Gefimfe und die verfchiedenförmig mit einander abwechfelnden ockergelben und mennigrothen 149 ) Vergl. Burckhardt, J. Der Cicerone etc. Bafel 1860. 28 i Felder; die Späteren hätten Gebäude und Säulen, wie auch hoch ragende Giebel, Landfchaften, Gruppenbilder etc. dargeftellt, und jetzt (zur Zeit Vitruv s) mache man abenteuerliche Mifsgeftalten; an Stelle der Säulen Rohrftengel, ftatt der Giebel geichweifte Zierathen, Candelaber als Tempelftiitzen etc. zum Wandfchmuck. »Der durch krankhafte Gefchmacksrichtung getrübte Sinn« wiffe das Richtige nicht mehr von dem Caprieiöfen zu unterfcheiden. Semper 150 ) läflft diefe Reihenfolge, und mit Recht, nur in dem Falle gelten, wenn Vitruv mit feiner erften Art auf die heroifchen Zeiten (Marmor-Incruftationen zu Mykenai) zurückgegangen fei. Diefe Incruftations-Methode war während der hel- lenifchen Kunftperiode wieder vollftändig verloren gegangen; fie muffte der Skeno- graphie des Polygnot und Agatarch Platz machen und wurde nach langer Vergeffen- heit durch afiatifchen Einflufs in der helleniftifchen Zeit wieder aufgenommen, indem fie jene Skenographien wieder verdrängte. Von den Griechen der Alexandrinifchen Zeit entlehnten die Römer diefes Verfahren und das aus deffen Nachahmung ent- ftandene Decorations-Princip mit farbigen Stuckfüllungen 151 ). Unter Alexandrinifch-ägyptifchem Einfluffe entftand auch die üppige Wandmalerei mit den phantaftifchen Architekturen und ihren Rohrfäulchen, Baldachinen, mit Sphinxen und Greifen bekrönten Giebeln 15 2 ). Die Wiederaufnahme der alten Wandmalerei und der polylithen Wandbekleidung wurde ungefähr zu gleicher Zeit oder die der einen kurz nach der der anderen Mode; letztere verdrängte den Mauerputz und die damit verbundene Wandmalerei beinahe gänzlich oder zwang diefe, zur Mofaik-Malerei überzugehen, um fich der Incruftation mit echtem Marmor zu affimiliren 15S ). Die Wiederaufnahme des von Vitruv als älteftes angegebenen Verfahrens der Marmor-Incruftation fängt erft in Augufteifcher Zeit an, fich auszubreiten, wefshalb er ihm wohl, wie den Gewölben, keine weitere Würdigung zu Theil werden läfft. Beftimmteres darüber erfahren wir von Seneca : »Jetzt glaubt fich Jemand arm und miferabel eingerichtet, wenn feine Wände nicht von mächtigen und koftbaren Marmorfüllungen ftrahlen.« Plinius führt Weiteres an und beklagt den Verfall der Malerei, welche durch die Marmor-Incruftation verdrängt werde (vergl. die Angaben über das Haus des Redners Craffus, des Mamurra, des Catulus, Scene des Theaters des Scaurus etc.). Eine Art Mofaik in Pietre dure , in den Marmor eingefetzte edlere Steinarten, welche allerhand Gegenftände und Thiere abbildeten, wurde unter Kaifer Claudius aufgebracht; unter Nero verfah man die Marmorgetäfel mit künftlichen Adern und Drüfen, z. B. den numidifchen mit Purpuradern etc. Von den genannten verfchiedenen Decorationsweifen find uns in Pompeji, Herculaneum, Rom u. a. O. an öffentlichen und Privatbauten recht bedeutfame Proben erhalten geblieben, und da Pompeji fo wenig, wie Rom an einem Tage erbaut worden ift, fo treffen wir in diefer einzigen Stadt beinahe alle von Vitruv genannten und von Semper kritifch beleuchteten Decorationsv^rfahren neben einander an, was wohl jedem künftlerifch oder technifch gebildeten Befucher der Stadt feit 1748 aufgefallen und klar geworden fein mag; »es ergeben fich durchgreifende 150) In: Der Stil etc. Bd. i. Frankfurt a. M. 1860. S. 492. 151) Vergl. ebendaf. Taf. XV; Wand aus dem Haufe des Sallufi. 152) Vergl. ebendaf. Taf. XIV. 153) Vergl. ebendaf. S. 495. 282 291 . Sockel, 292. Hauptfeld. Verfchiedenheiten, in denen Aelteres und Jüngeres vorliegt.« Wir können defshalb nicht von einem einzigen römifchen Decorations-Syfteme fprechen; wir müffen, wie bei den Bauformen, die Perioden unterfcheiden, in welchen das eine oder das andere üblich war, und deffen Charakteriftik und allgemeinen Kunftwerth in das Auge faffen; denn die Decoration mit farbigen Stuckquadern an der Wand, die Incruftation mit Marmortafeln ift in gewiffem Sinne eben fo gut römifch, wie die Grotesk- Malerei und Skenographie 154 ). Die fchematifchen Quader-Incruftationen und deren Nachbildung in Stuck und Malerei als Wand-Decoration erwecken nur bedingtes Intereffe; ein gröfseres be- anfpruchen die frei entworfenen, phantaftifchen, gemalten Architekturen mit ihrem Bilderfchmuck, ihren vegetabilifchen und grotesken Ornamenten. Burckhardt 155 ) giebt den Alten Recht, dafs fie keine wirklichen Architekturen mit auf Täufchung abgefehenen Perfpectiven nachahmten, die neben echten doch nur kümmerlich wirkten — eine Anficht, der man fich gern bequemen kann, trotz der Einwürfe des gelehrten Mathematikers von Tralles und der Philippica des Vitruv, Eine Gefammtanordnung, ein gewiffes Syftem in der Decoration ift nun allen diefen gemalten Wand-Decorationen eigen, fie mögen der früheren oder fpäteren Zeit angehören, es mag die Hand des griechifchen oder römifchen Malers daran kenntlich fein, d. i. die Dreitheilung der Wand der Höhe nach und die Zerlegung der Wand in Felder, welche fich in beftirnmter Weife durch alle drei Zonen fortfetzen 15jikiüJ i ii#^ii i Jiii»jmiwimij)kHji(jkmiro KE II j tf?e ^VYY^i Ir"''** '•■ ^maT mm f^ai'.tJ‘.TiJi'..T-i»fi»j fi»»j'»i'.f'i'.tJ'.tJ’iri i JAtJf'J > mi : -fj‘tJ t »i'.fi , -»J ! .TAyj.fj-.j .♦ j'.?J.t. 1 .» jt i .t J .fi .< JL«r.«.i'.*J‘ "Decoralion der "Wand u. der Iqalbkreigförmig gewölbten I)ecke im Jepidarium der „kleinen Jhermen” 311 ]?ompej.i. Jlutgenommen i. J. 1866 Von jJ.Durm. jdandb d y\rch K 2 J.P.DieM's Verlag (A.Bergstraefser),Darmstadt I.ith.v'Werner k Winter, Frankfurt }M 283 auch nur Medaillons mit kleinen Putten oder Köpfen zieren, mehr oder weniger reich umrahmt, die feitlichen Felder. Die Umrahmung des Mittelfeldes beftand in der guten Zeit noch aus kräftiger gehaltenen, gut profilirten architektonifchen Gliederungen; Säulen, Architrave, Friefe und Gefimfe find zwar in der Form von der fie umgebenden Stein-Architektur vollftändig emancipirt, aber noch möglich, und nur die giebelartigen Auffätze weichen von der ftrengeren Bildung ab. Dabei ift die Ausführung eine äufserft zarte und forgfältige, wie die Ueberbleibfel in den Kaifer- paläften u. a. O. in Rom zeigen. Die fpätere Zeit trägt den Stempel einer flotteren Mache, wendete fich aber von der folideren Zeichnung und ruhigeren Compofitionsweife ab und liefs fich zu Ausartungen hinreifsen, die oft an das Barocke ftreifen, von welcher Art gerade Pompeji ein Guttheil aufzuweifen hat. Am wenigften glücklich war man aber, als man die ganze Architektur, und einige Theile der fonftigen Decoration von hellem Stuck erhaben auffetzte. Im Friefe war die ftrenge Theilung aufgehoben; hier entfaltete die Phantafie ihr reiches Spiel; Grotesken, Guirlanden, fabelhafte Architekturen, Menfchen- und Thiergeftalten wechfeln bunt mit einander ab, meift farbig auf hellem Grund gemalt, wie von freier Luft fich abhebend. Befonders anziehend und vornehm fehen die Gemächer aus, deren Wände gelbe Sockel und fonft völlig weifse, matt glänzende Wandflächen haben, auf denen die Architekturen goldgelb und die Bilder und Medaillons farbig fich abheben, wovon auf der Farbendruck-Tafel bei S. 267 ein Beifpiel gegeben ift. Die Gefimfe find durchgängig feingliederig gebildet, in Pompeji mit Relief- Ornament und Farbe geziert. Von Decken ift in den Wohnhäufern wenig erhalten geblieben, mehr von folchen in öffentlichen Gebäuden und in Gräbern. In der Villa des Diomed zu Pompeji find die Gewölbe der unteren Gelaffe mit Fortfetzungen der Bildwerke der Wände auf hellem Grunde verziert; in den Kaiferpaläften Roms, in der Villa der Gordiane (Tor de Schiavi), in den Thermen Roms und Pompejis, in den Gräbern vor den Thoren Roms etc. tritt die reliefirte Stuckdecke meift in Verbindung mit Malerei auf. Was an den Wandflächen tadelnswerth erfchien, gelangte an den Decken zu aufserordentlich fchöner Wirkung; gerade die Verbindung des Stuckes mit der Malerei ift es hier, welche die Decoration fo lebensvoll und eigenthümlich erfcheinen läfft. Allerdings find auch die reliefirten Ornamente und Figuren mit der- felben Freiheit und Keckheit gemacht, gleichfam hingefchrieben, wie die gemalten. Auch bei diefen fcheint Alles aus freier Hand gemacht, und nur die Rahmen mit ihren conventioneilen Verzierungen, als Eier- und Perlftäben, find mit dem Model eingeprefft. Mit zum Reizendften in diefer Art gehören die weifsen Stucke im Tiber-Mufeum zu Rom, welche bei der Tiber-Correction gefunden worden find; ferner die bekannten, gleichfalls weifsen Stucke eines Grabes an der Via Latina und eines Rundbaues bei Tor de' Schiavi. Vortrefflich find auch die gewölbten Stuckdecken der Pompejanifchen Thermen. Wir geben in der neben flehenden Tafel das Stück einer folchen, welche in fchönfter Weife die Verbindung von Stuck und Farbe zeigt. Nur Blau und Rothbraun und ganz mäfsig Grün find neben dem Weifs des Stuckes verwendet, und doch welch reizende Wirkung durch die äufserft glückliche Behandlung und Vertheilung der Farben! Nicht Alles, was von Verfchiedenheit in der Anordnung und Durchführung 293. Fries und Gefims. 294. Decke. m i j ü! -f 284 295 - Schlufs- betrachtung. gefagt wurde, geht auf Koften der Syfteme oder Perioden; Vieles hängt wohl vom Sinne des Beftellers und des Malers ab und von den Mitteln, die zur Verfügung ftanden. Wer die phantaftifch-reichen Architekturen auf den Wandfeldern mit ihren Profpecten und P'iguren nicht bezahlen konnte, muffte fich mit einfachen Feldern und fie trennenden Bandfriefen begnügen. Wie im Grundplane der gleiche Gedanke auf die verfchiedenfte Art variirt wurde, fo erblicken wir auch bei der Decoration das Leitmotiv hundertfältig abgewandelt, ohne dafs weder bei dem einen, noch bei dem anderen das urfprüng- liche Gefetz aus den Augen verloren wäre. Schliefslich noch die Bemerkung, dafs die Farben, wohl der fecundären Beleuchtung wegen, meift ganz und derb aufgetragen wurden, wie dies die frifch blofs- gelegten Malereien verrathen. Durch die Einflüffe der Witterung find fie jetzt alle matter geworden; zum Theile find fie verblichen oder haben fich bald nach ihrer Aufdeckung durch den Zutritt von Luft ganz verändert ,5S ). »Luft und Sonne lagen dem antiken Menfchen mehr am Herzen, als uns; er liebte weder das Treppenfteigen, noch die Ausficht auf die Strafse, welche uns fo viel zu gelten pflegt.« In diefem einfachen Satze Burckhärdt 's 159 ) ift der ganze Unterfchied zwifchen einer beftimmten Claffe der antiken und modernen Wohn- häufer ausgefprochen, nämlich der Familienhäufer. Wir dürfen bei einem Vergleiche nicht in den Fehler Früherer verfallen, welche alle antiken Wohnhäufer gleichmäfsig behandelten und mit den modernen daffelbe thun. Das Miethhaus mit und ohne Läden unterfcheidet fich bei uns eben fo fehr vom Familienhaus, wie dies im Alterthum der Fall war, und wir dürfen defshalb nur Gleiches mit Gleichem vergleichen. Der antike Menfch hielt es für bequemer und vornehmer, in feinem Haufe, fpeciell im Familienhaufe, zu ebener Erde zu wohnen und verlegte dahin feine Gefellfchafts-, Repräfentations- und Wohnräume und in ein etwaiges oberes Gefchofs Schlaf- und Dienftbotenzimmer, zu welchen untergeordnete Leitertreppen hinaufführten; das häusliche Leben war von der Strafse abgefchloffen und concentrirte fich bei ihm im Inneren des Haufes, woraus die Gruppirung der Wohnräume um einen inneren, luftigen Hofraum hervorging, von dem fie auch ihr Licht erhielten. Diefe Einrichtung machte eine Gliederung der Umfaffungswände des Haufes nach der Strafse und eine Durchbrechung derfelben durch Fenfter überflüffig. Die Wohnung zu ebener Erde, Gruppirung der Räume um einen luftigen Lichthof, Fenfter- lofigkeit nach der Strafse — dies find die Kriteria des antiken Familienhaufes (Fig. 254). Diefen gegenüber flehen im modernen Wohnhaufe, hervorgerufen durch eine veränderte Anfchauung über Vornehmheit und Bequemlichkeit im Wohnen, welche fich fchon im Mittelalter und in der Renaiffance in Italien (toskanifche Paläfte) geltend machte, die Verlegung der Wohnung in das obere Gefchofs und die daraus hervorgegangenen Confequenzen. Der Zugang zu den Haupträumen muffte in der Anlage und Ausftattung ein diefen entfprechender fein; es muffte das architektonifch ausgebildete Treppenhaus entftehen, welches der Angelpunkt für die Hausanlage wurde, gleich wie das Atrium für das antike Haus. Das Cavaedium wurde zu 158 ) Verfafler war im Mai 1866 Zeuge, wie der feuerige, zinnoberrothe Grund eines mit gelben Grotesken gefchmückten, 131^011 breiten Friefes in wenigen Tagen nach der Blofslegung in vollkommen reines Schwarz überging. Das Uebergehen der Farben finden wir übrigens an vielen Renaiflance-Decorationen in Italien, bei welchen z. B. das Blau durch Zutritt von Feuchtigkeit leicht in fchönes Apfelgrün übergeht. (Vergl. Loggien Raffael 's u. Villa Madama.) 159 ) A. a. O. 285 Corridoren und Gängen umgemodelt; die fecundäre Beleuchtung, welche die Zimmer durch den Umgang vom Hofe aus empfingen, wurde durch directes Seitenlicht von der Strafse aus erfetzt. Der einfache Taufch in der Höhenlage des Hauptwohngefchoffes ift es, der das moderne von dem antiken Haufe unterfcheidet; alles Uebrige, was wir fonft als Charakteriftika zu betrachten gewohnt waren, find nur die Confequenzen diefer Verlegung. Nicht die Vervollkommnungen in der Glasfabrikation riefen einfehneidende Umgeftaltungen hervor; denn diefe waren fchon vollzogen, noch ehe man die Vortheile der Glasfabrikation voll geniefsen konnte (fie waren fogar im Alterthum gröfsere, als im Mittelalter) — fie machten das Wohnen nur behaglicher und hohe Anfprüche an die Art des Wohnens auch im Norden möglich. Die Stockwerkshäufer mit Läden zu ebener Erde und Fenftern nach der Strafse in den verfchiedenen Gefchoffen hatte das Alterthum in feinen Grofsftädten bereits erfunden, und es dürfte fich deren Aeufseres, den reichen architektonifchen Schmuck ausgenommen, in der Gefammtanficht von vielen der heutigen ftamm- verwandten wenig unterfchieden haben, während im Inneren der beffere Treppenhausbau für uns wieder charakteriftifch ift. Ladenöffnungen von 3 bis 4 m lichter Breite find in Pompeji gewöhnlich und werden es auch in Rom gewefen fein; zwifchen fie fchiebt fich in der Regel ein fchmaler Eingang, der in das Innere des Haufes führte. Das Auf 1 öfen der unteren Gefchofswand nach der Strafse in wenige fchmale Stützen (Pfeiler) und grofse Oeffnungen (fiehe den Grundrifs vom Haufe des Poeta tragico in Fig. 254, III) bei darüber liegenden, von Fenftern durchbrochenen 4 bis 5 Obergefchoffen (man erinnere fich der 18 bis 21 m hohen Häufer Roms) ift demnach keine Errungenfchaft der Neuzeit; nur die beffere Art des Verfchluffes der Oeffnungen ift deren Verdienft, und hier machte das Tafelglas im Norden das möglich, was im Süden ohne folches längft beftanden hat — die grofsen, empfehlenden Schaufenfter für die Waaren nach der Strafse zu. Die offene Auslage des Südens wurde im Norden hinter die Glasfcheiben verlegt, der Käufer gezwungen, hinter diefen, ftatt wie früher von der Strafse aus, feine Einkäufe zu beforgen. Mit den Wohnhäufern auf dem platten Lande waren vielfach auch landwirth- 296. fchaftliche Gebäude in Verbindung gebracht. Vitmv führt hiervon Scheunen, wirth f C a h n a d fdiclie Speicher 16 °), Heu- und Futterböden, Backöfen, Keltern und Oelkammern, Rinder-, Gebäude. Schaf- und Ziegenftälle mit Mafsangaben in feinem Lib. VI, 6 auf, welche dort nachgelefen werden mögen 161 ). 13. Kapitel. Villen. Während das Wohnhaus in feinen Räumen nicht mehr oder nicht viel mehr bot, als was zum anftändigen Unterkommen oder Wohnen abfolut nothwendig war, nimmt die Villa, und namentlich in und in der Nähe der Hauptftadt des Reiches, einen gröfseren Charakter an und geht in ihren Beftandtheilen weit über das Be- lö(>) Ueber römifche Getreidefpeicher find auch in Theil IV, Bd. 3 diefes »Handbuches« (Art. 145, S. 115) Notizen'mit IUuftrationen zu finden. 101) Deutfche Ausgabe von F. Reber, Stuttgart 1865. S. 185 bis 188. 286 298. Situation. 299. Villa ßjetido- urbana. dürfnifs hinaus. Prachträume, Bäder, Wandelbahnen, Räume für körperliche Uebungen traten zu den Wohnräumen hinzu. Den Stockwerksbau vermied man oder culti- virte ihn nur fo weit, als er fich in einzelnen Fällen durch die Lage des Baues auf unebenem, anfteigendem Terrain von felbft ergab, durch ein terraffenförmiges Zurücktreten der Gefchoffe (vergl. Villa des Diomed in Pompeji). Sonft legte man auf ebenem Bauplatze die verfchiedenen Räume um Atrium und Perißyle, und nur geringere Gemächer fanden in einem einzigen Obergefchoffe ihren Platz. Eben fo wenig, wie beim Stadthaufe, war bei der Villa ein grofser Werth auf das Aeufsere oder auf die Fagaden gelegt. Das Schwergewicht der architek- tonifchen Leiftung lag auch hier in der Grundrifsdispofition und in der prächtigen Durchbildung der Innenräume. Mit Vorliebe fuchte man als Bauplätze Grundftücke am Meeresftrande auf oder baute fogar in das Meer hinein, um vor der Malaria ficher zu fein; Baurefte und Veduten pompejanifcher Wandmalereien deuten mit Sicherheit hierauf hin. Aber auch im Binnenlande wurden fie hergeftellt, wie die Trümmer von Villen in der römifchen Campagna (Roma vecchia), bei Tusculum, Tivoli etc. beweifen. Aus der urfprünglichen Villa ruflica, dem Meierhof mit feinen Wohn- und Wirthfchaftsgebäuden — von denen diejenigen, welche für den Herrn und feine Familie eingerichtet waren, mit Aedificia pfeudourbana bezeichnet wurden, weil fie Fig. 256. Fig. 257. Römischer Landsitz. (Facf.-Repr. nach: Viollet-LE-DuC. Hiftoire de 1 'ha.bitation humaine. Paris 1875. S. 215 u. 217.) VG !> mmm, üt mßmm 3 287 nach dem Plane und mit der Pracht des Stadthaufes gebaut und ausgeftattet waren — fchälte fich mit der Zeit die Villa urbana heraus, und man verftand unter diefer ein mit allem ftädtifchen Luxus ausgeftattetes Wohnhaus in landfchaftlich fchöner Umgebung. Mit der pfeudourbanen Villa war vielfach eine gedeckte Wandelbahn und ein kleines Cafino verbunden, das nur wenige Zimmer enthielt, in die fich der Hausherr zu ungeftörtem Wohnen oder Arbeiten zu gewiffen Zeiten zurückziehen konnte. Reiche Gartenanlagen, Bosquets und Blumenbeete, Baffins mit fpringenden Waffern etc. umgaben diefe. Als Beifpiel für die Lage und Gruppirung der Gebäude eines folchen römifchen Landfitzes mag der neben flehende, nach Viollet-le-Duc 162 ) gezeichnete Situationsplan (Fig. 256) gelten, da Greifbares nicht mehr erhalten ift, und für den Grundplan des angegebenen erweiterten Wohnhaufes A die Fig. 257, die im Wefentlichen das enthält, was Plinius in feinen beiden Briefen über feine tuskifche (Lib. V, Ep. 6, an Apollinaris) und feine laurentinifche Villa (Lib. II, Ep. 17, an Gallus) angiebt. Im Situationsplan (Fig. 256) ift das Wohnhaus mit A , die Wandelbahn mit J , das Cafino mit K bezeichnet. Im Grundrifs des Hausplanes bedeuten: A. Veflibule. B. Prothyron. C. Ofliarius (Pförtner). D. Sprechzimmer. E. Atrium. F. Perißyl. G. Triclinium. * g. Vorzimmer. //. Privat-Speifezimmer. Veltibule, Atrium , Perißyl \ von den verfchiedenen Wohn-, Efs- /. Bibliothek. I, i, Garderobe u. Anrichteraum. U. Deckenlichtfaal. T. Raum zur Aufftelljing koft- barer Vafen. K. Schlafzimmer. L. Frzgidarium. | Laconicum. in. 1 id das grofse Triclinium liegen und Schlafzimmern, Sälen, Bad N. Tepidarium. W. WafTerleitung. 5 “. Aborte. V. Küche. A". Zimmer für die Sclaven des Herrn. R. Treppe zu Keller und .Speicher. n der Ilauptaxe des Baues und werden räumen, Wirthfchafts- und Bedientenzimmern umfchloffen. »Einem Staatsbau ähnlich« erhob fich beim Laurentinum die an beiden Seiten mit verfchliefsbaren P'enftern verfehene Halle, mit Ausficht nach dem Meere und nach den von Veilchen duftenden Gartenanlagen. Intereffant bleiben die Schilderungen der landfchaftlichen Umgebungen und der Gartenanlagen, auch der laufchigen Plätzchen beim tuskifchen Landhaufe 10 3 ); man glaubt fich nach Villa Albani, Parn- phili oder in die vaticanifchen Gärten (Villa Pia) verfetzt, wenn die aus Buchs gefchnittenen Thierfiguren, die mit dichten Hecken eingefaßten Spazierwege, die mit Cypreffen und Lorbeer oder mit von Epheu umrankten Platanen befetzten Laufwege der Rennbahn, die aus Buchsftöcken zufammengefetzten Buchftaben, welche den Namen des Herrn oder des Gartenkünftlers melden, erwähnt werden. »Mary« prangt heute in riefengrofsen lebendigen, grünen Lettern auf der bekannten Wiefe der Pamphili-Doria. Geradezu einladend wirkt die Befchreibung der am oberen Ende der Bahn befindlichen Bank von weifsem Marmor, von Weinreben überdeckt, die von vier kleinen karyftifchen Marmorfäulchen getragen werden; Waffer fliefst aus der Bank in ein Marmorbecken, auf deffen Rand Schüffeln mit fchweren Gerichten flehen und auf deffen Wafferfläche leichtere Speifen auf Schiffchen und Vögeln ein- herfchwimmen; von da blickt das Auge durch den Wafferftrahl einer die Luft er- frifchenden Fontaine in ein von Marmor glänzendes Schlafgemach, deffen F'enfter 162) in: Flißoire de l'habitation humaine. Paris 1875. 163 ) Die Briefe des Plinius haben zu vielfachen Reconftructionen der fraglichen Villen Veranlagung gegeben, von denen u. A. bei Canina (a. a. O., Sez. III, Tav. CCXL) eine veröffentlicht ift. Eine andere wurde von Scamozzi verfucht (fiehe den Anhang der italienifchen Ausgabe von Mazois, F. Le palais du Scaurus etc. Mailand 1825), und in neuerer Zeit hatte fich IV. Stier (fiehe: Architektonifche Erfindungen. Herausgegeben von H. Stier. 1. Heft. Berlin 1867) damit befchäftigt. Am wenigften glücklich ift unter diefen die des Scamozzi. 288 von Reben umrankt find und das Innere gleichfam im Dämmerlicht erfcheinen laffen. »Man liegt hier wie im Walde, nur trocken, und auch das Murmeln einer Quelle fehlt nicht.« Wie reizend ift auch die Schilderung des kleinen, von vier Platanen befchatteten und von einem Springquell belebten Platzes beim Sommerhaus, deffen Schlafgemach bis zum Gefimfe mit Marmor verziert, deffen Deckenmalereien Baumzweige mit Vögeln darauf darftellen. Dann wieder der Fifchteich unter den Fenftern eines Zimmers, in den über ein Marmorbecken hinweg das Waffer plätfchert! Dann über dem Auskleidezimmer das Sphaeriflerium für mehrere Arten von Körperübungen eingerichtet. Nützliches neben Angenehmem 1 Fig. 258. b d -ti—fl“ J—ll r~i 1111 1 : Grundriss des Palastes des Scanrns. Nach F. Mazois. (Facf.-Repr. nach dem in Fufsnote 164 genannten Werke.) 289 Von einer ftädtifchen Villa, oder beffer, von einem römifchen Privatpalafte entwirft Mazois 164 ) ein anziehendes Bild, aber auch nichts weiter, als diefes. Nichts ift mehr an Ort und Stelle von all der einftigen Herrlichkeit übrig geblieben; nur im Worte lebt fie fort. Fig. 258 giebt den Grundrifs des Entwurfes. Zur Situation ift zu bemerken, dafs mit A die Rampe, welche nach dem Palafte führte, der Clivus Scauri , bezeichnet ift, mit B die Strafse nach der Curia hoßilia , mit C der Bogen des Dolabclla und der Aquaeduct, mit D der Palaft der Familie Anitia, welche zufammen die einftige Lage des Bauwerkes auf dem Caelius beftimmen. Nach dem Verlaffen der Strafse (B) öffnet fich eine grofse mit Bäumen, Blumen und Statuen ge- fchmückte Area, die auf 3 Seiten von Säulenhallen umgeben ift, hinter denen fich Kaufläden aufthun. Der Palafteigenthümer zog aus diefen und den das Haus theilweife umgebenden Miethwohnungen keine kleine Rente. Rechts und links des Haupteinganges befinden fich grofse Wartefäle für die den Morgen- befuch abftattenden Clienten. Diefer Theil der Anlage entfprach dem Veftibulum der Alten. Durch eine Art Corridor, das Prothyron, mit den Gelaffen für die Pförtner, gelangt man in das Atrium Corinthium P, das auf zwei Seiten Gelaffe für Sclaven und auf der dritten die Alae, das Tablinum und die Fauces begrenzen. Auf diefes folgen das grofse Periftyl G, die fchönen Säulenhallen, welche Gartenanlagen, Baffins und Ruheplätze umgeben. So weit ift der Normalplan des altrömifchen Haufes erfüllt, der fich in den Gruppen F und G leicht erkennen läfft. Links fchliefsen fich eine bafilike Halle, 6 Triclinien von verfchiedener Grofse, 2 periftyle Höfe und 3 Säle für Gemälde ( Pinacotheca ) an; rechts find runde und tetraftyle Oeci und Exedrae, ein korinthifcher und ein ägyptifcher Saal und die aus 3 Sälen beftehende Bibliothek, von denen einer zur Aufnahme lateinifcher, zwei für die griechifcher Werke beftimmt find. Diefe flehen unmittelbar mit der Exedra in Verbindung, in der fich Gelehrte und Literaten zu verfammeln pflegten; in nächfter Nähe befinden fich die Bäder und das Sphaerftcrium , der Platz für das Ballfpiel und fonftige körperliche Uebungen. Die Ecken des Dreieckes bezeichnen die Standorte der 3 Spieler. In der Hauptaxe F G liegt das Sacrarium , die Hauskapelle des Scaurus. Rechts neben derfelben ift des Hausherrn Privatwohnung, deren Zimmer fich um ein Periftyl gruppiren, und das Venereum, Links davon ift die Wohnung der Plausfrau mit einem Bade, an die fich Sclavenwohnräume anfchliefsen. Im gröfseren Säulenhofe H befindet fich die Bäckerei ( Piftrinum ) mit den zugehörigen Magazinen; im Hofe I die Küche mit ihren Nebengelaffen, und links davon die Stallungen und Remifen. Der ganze Complex bildet eine fog. Injula, ein von allen Seiten frei flehendes Bauwerk. Fig. 259 giebt unter I das Sacrarium mit dem Verbindungsgange von Herren- und Frauenwohnung in gröfserem Mafsftabe. Vor der mit Statuen gefchmückten Kapelle ift ein Vorhof mit dem Altar in der Mitte; zwei Zimmer für den Wächter und die Utenfilien fchliefsen fich an denfelben an. An jeder Seite der Cella ift ein kleiner Trefor, in dem man wichtige Papiere oder Kleinodien, unter den befonderen Schutz der Gottheit geftellt, aufbewahrte. Fig. 259, II ift das Vorbild für das genannte Sacrarium, welches heute noch in der Nähe von Roma vecchia fteht. In Fig. 259, III find die Bäder in gröfserem Mafsftabe dargeflellt; darin bezeichnet: 1 den Vorhof mit einem Baffin zum Kaltbaden ( Baptifterium ) in freier Luft; 2 und 3 Räume zum Ablegen der Kleider (Apodyteria); 4 das kalte Bad (Frigidarium) ; 5 Dienfträume; 6 Einzel-Cabinets; 7 das lauwarme Bad (Tepidarium ); 8 den Raum zum Aufbewahren der Salben und Oele ( Elaeotherium ); 9 das Schwitzbad iSudalorium) ; 10 den Raum für Warmwafferbereitung; 11 jenen für Dampfbereitung, und 12 die Refervoire. In ähnlich glänzender Weife war wohl ein Theil der Villen entworfen und ausgeftattet, deren Trümmer am Strande von Pozzuoli und Bajae zerflreut ftehen und an die fich die berühmteflen Namen des römifchen Alterthumes knüpfen, wohl IGi) i n: Le ftalais de Scaurus, ou dcfcription d'une maifon romainc. 4. Auf!. Paris PL II. Handbuch der Architektur. II. 2. J 9 Fig. 259 il—Li. 300. Villa urbana, Privatpalaft. 290 3oi. Jagd-Villa. 302. Hofgebäude im Zehntland. auch die Villa des Maecenas in Tibur, die Gärten und der Palaft des Sallnfi in Rom. Die Villa des Diomed in Pompeji war nur ein fchwacher Abglanz diefer. Den eben vorgeführten palaftartigen Villen gegenüber erfcheint die fog. Jagd- Villa zu Fliefsem etwas bäuerifch, da ihr wohl mit Riickficht auf das rauhere Klima die von Säulenhallen umgebenen Fig. 260. tJm.TCanjjW! ] o o o □ □ a □ a o □ □ q Q a □ □ 0 n p a n □ □ □ □ n □ □ a □ a a n □□□npa 0 a d n □ □ a o □ n a n □ a a o tu' 'JFq^utjh. "bfi □ OOP a n n p □ o o D naan 0 n a n Dann 0 □ □ a DO DU a & □ nncn 0 □ n □□ 30 ODD Doaoo □ open X).n- • Atrien und Perißyle fehlen; letztere wurden durch eingefriedigte (Wirth- fchafts-?) Höfe, die aufserhalb des Baues liegen, erfetzt. Gänge und Zimmer waren regelmäfsig angeordnet und hatten zum Theile indirectes Licht und indirecte Zugänge. Die befferen Räume waren, jeder mit einer befonderen Heizkammer, mit Heizvorrichtungen verfehen; die dem Hofe zugekehrte Ecke des Baues nahm ein Bad mit feinen Heizkammern ein. Bedeutfam und an eine Stelle des Plinius über fein Laitrentinum erinnernd, ift der grofse gewölbte Gang (Wandelbahn) zwifchen den vorfpringenden, wohl thurmartig gebaut gewefenen Rundräumen, der eine ganze Front des Baues einnimmt. Die Gröfse des Grundplanes, etwa 60 X 64 m , fo wie die prächtigen Mofaik-Böden, welche in den Zimmern auf- Flg ' 261 • gefunden wurden, laffen auf einen vornehmen Befitzer fchliefsen 16 5 ). Manches in der Dispofition zu P'liefsem erinnert an jene kleinen Hofgebäude, die in den Zehntlanden in Ueberreften noch allenthalben erhalten find, z. B. bei Sinsheim , Pforzheim, Brötzingen, Mefs- kirch in Baden u. a. 0. 16 6 ). Die gleichen, T\ottniscljpr>f im' 1 fial<|c|isfnct,l^n^ifr”j)fi Tfor^titn-- \ Z H: 6° i Stjll. Z ’o. dO ‘ 0 St. "W»~Wa ^ nj i m m * r. (f( 1 u 165 ) Vergl. Schmidt, Ch. W. Die Jagdvilla zu Fliefsem. Trier 1843. 166 ) Vergl. Cohausen, A. v. Der römifche Grenzwall in Deutfchland etc. Wiesbaden 1884 — ferner: Näher, J. Die baulichen Anlagen der Römer im Zehntland etc. Carliruhe 1883. 291 von Mauern eingefchloffenen Wirthfchaftshöfe, das Wohngebäude ohne Atrium und Verbindungsgänge, die befferen Räume mit Hypocaußen verfehen, die frei flehenden oder eingebauten Bäder finden fich hier wie dort. Charakteriftifch find bei Wohnhäufern und Bädern die halbkreisförmigen Ausbauten. Für die Bezeichnung »Bad« fpricht bei den kleinen Freibauten des Gehöftes nicht das Hypocauftum allein • denn diefes kann fich, wie gezeigt, unter jedem beliebigen Wohnzimmer auch befinden, fondern hauptfächlich die Kleinheit der Räume. Gelaffe von 4 bis 6q m Bodenfläche (Fig. 260) dürften wohl kaum zum Wohnen gedient haben. Das Bild der Anlage einer Villa pfeudourbana im Zehntlande giebt Fig. 261, nach den Aufnahmen Näher s im Walddiftrict »Kanzler« bei Pforzheim. 14. Kapitel. Villen und Paläfte der Kaifer. Die Kaifer-Villen und -Paläfte bewegen fich in gröfserem Rahmen und find nicht immer einheitliche Leiftungen in unferem Sinne; »fie waren etwas Anderes, als blofse Villen, vielmehr ein Inbegriff vieler einzelner Prachtbauten der ver- fchiedenften Art und Geftalt« 167 ). So umfaffte die Villa Hadriana bei Tibur, drei- Fig. 262. Cairopo Ifl) Villa Hadriana bei Tibur 168 ). gefchoffig in ihren Wohn- und Prachträumen, neben diefen eine capriciöfe Zufammen- ftellung der berühmteften Bauten der alten Welt, die Hadrian im Kleinen nachahmen liefs und deren Trümmer heute noch in technifcher, archäologifcher und malerifcher Hinficht gleich werthvoll und intereffant find und deren Anlage zum Theile aus Fig. 262 entnommen werden kann 168 ). 167) Vergl. Burckhardt a. a. O. 168) Facf.-Repr. nach: Gsell-Fels , Th. Rom und Mittelitalien. 2. Aufl. Leipzig 1878. Bd. I, S. 447. — Vergl. auch: Canina a. a. O., Sez. III, Tav. CCXLIII. 169) Vergl. auch: Canina, a. a. O., Sez. III, Tav. CCXLIII. 3°3- Kaifer-Viilen Fig. 263. ruiL fäuMarÜLZihcri. rrmnTT lliiiZ'J. I“ U ma mu (Gmp. d. M- SudesJ \ S-ufiiaetasicL m -jf JUaer >.*Tw •:v&3| ras«1 Kfer£?:4 M.MWJ wim =55 »üj*i älSüll wJTt M.y// # m m m m & Manche der Tempel ftimmen im Grundrifs mit den entwickelten Regeln des Vitruv überein; am nächften kommt letzteren der Tempel in Cori (Fig. 265) und unter den hexaftylen der Tempel A unter den dreien von S. Nicola in Carcere zu Rom (Fig. 266). Bei diefer, der tuskifchen verwandten, wohl altitalifchen Form des Tempels blieb man aber nicht ftehen, fondern zog bald die hellenifche mit in den Geftaltungs- kreis; »denn nicht allen Göttern find die Tempel nach denfelben Grundfätzen zu erbauen, weil bei dem einen diefe, bei dem anderen jene Verfchiedenheit in der Verrichtung der religiöfen Handlung ftattfindet« ( Vitruv , Lib. IV, 8). Die Geftaltung foll fich nach Satzungen, Gewohnheiten und nach der Natur der Sache richten. 297 Fig. 265 Trlrvi style Trmprt IFortuna Wrilis ■{0 art VI. etc. Oxford 1883. PI. XIX. 116 ) Vergl. auch: Reber a. a. O., S. 400—405. 301 der Concordia in Rom und der dreicellige Tempel in Brescia find Beifpiele dafür, indem Treppenaufgang, Portikus und Giebel auf die Langfeite treffen (Fig. 269 u. 270). Eine eigenthümliche Löfung für den Zugang zeigt der Sonnentempel in Palmyra; bei diefem ift der Zugang zwifchen zwei Säulen der Langfeite gelegt, und eine vollftändige Thürumrahmung mit Confolen und Verdachung ift vor die Säulenfchäfte, bis zur Kapitell-Höhe anfteigend, geftellt (Fig. 271). Auch der Proftylos mit doppelter Säulenreihe (seine aus dem tuskifchen und griechifchen Bau verquickte Eintheilung«) und der Pfeudoperipteros find nach Vitruv zu den abweichenden Arten zu zählen. Von Rundtempeln führt Vitruv (Lib. IV, 8) die Monopteroi —• die cellen- lofen — und die Peripteroi, deren kreisrunde Cellen von einer Säulenftellung rings umgeben find, an. Waren das Pantheon und einige der verwandten Rundbauten in der Nähe von Rom gleichfalls Tempel, fo ift noch eine dritte Gattung zuzufügen, bei welcher die Cella-Wandung ohne jeden Säulenfchmuck fich zeigte und nur der Haupteingang durch einen mehrfäuligen Portikus ausgezeichnet war. Was bei der »abweichenden Art« der im Grundrifs rechteckigen Tempel, z. B. am Concordien- Tempel in Rom — der Anfchlufs des (dort von ihrem naturge- mäfsen Orte wegverlegten) Portikus an die Cella — ohne Weiteres und in regelrechter Löfung ausgeführt werden konnte, wurde hier zur Klippe, welche zu umfchiffen alle Verfuche fcheiterten. Keiner der ausgeführten Anfchlüffe kann vollftändig befriedigen. Ein Monopteros ift uns nicht erhalten geblieben; dagegen giebt eine Medaille Domitian ’s (Fig. 272) ein mit der Schilderung Vitruv ''s übereinftimmendes Bild eines folchen; auch die Wandmalereien Pompejis liefern Bezügliches. Im Vefta-Tempel zu Tivoli und im Hercules-Tempel (früher Vefta-Tempel genannt) zu Rom haben wir noch herrliche, gut erhaltene Beifpiele Fig. 273. Fig. 272. VU della Rotono |9 £)j “s.* PANTHEON IS — ® ® (1 V Via della Minerva 20 30 40 50 3 M- Rundtempel y 1 1® Facf.-Repr. nach : Centralbl. d. Bauverw. 1883, S. 447. 302 der Peripteroi; Refte von weiteren Rundtempeln oder geheiligten Rundgebäuden find zu Pozzuoli ( Serapeum , das Canina als Monopteros reconftruirt 177 ), zu Pompeji (fog. Puteal oder auch Brunnenhaus beim griechifchen Tempel), zu Rom im Hofe von A. Nicola de Cefarini und in dem neuerdings aufgedeckten Vefta-Tempel am Fufse des Palatin (Fig. 274) erhalten. — DerVefta, der Diana, dem Hercules und dem Mercur waren nach Servius {Ad Aen. IX, 408) diefe Rundtempel geweiht. Beim Rundtempel in Ba'albek ift eine Ver- fchmelzung des geraden tetraftylen Portikus mit der peripterifchen Säulenftel- lung um die runde Cella verfucht — ein Verfuch, den allerdings nur die Spätzeit wagen konnte und der in feiner Löfung an die barock- ften Schöpfungen der Spät- Renaiffance ftreift. Die grofse Weitftellung der Säulen ift ermöglicht durch das halbkreisförmige Einziehen der Architrave zwi- fchen je zwei Säulen (Fig. 275 ) - Für die Rundbauten der von Viiruv unbeachtet ge- laffenen dritten Gattung ift als glänzendftes Beifpiel das Pantheon anzuführen, der ftolze, weltberühmte, bald 2000 Jahre allen Unbilden der Zeit und der Menfchen trotzende Bau Agrippa’s und feines Baumeifters Valerius von Oftia (25 v. Chr.). Der ganze architektonifche Zauber ift hier in das Innere verlegt, und darin ift nur die Cella-Wand auf das Reichfte durch abwechfelnd halbrunde und viereckige Nifchen belebt, Haft das einzige, was von Agrippa' s Bau noch (un- Vefta-Tempel am Fufse des Palatin in Rom» Fig. 275. dO ' - M pfl in. T; aal\> """ ( pü.sH-. 3°3 berührt) übrig ift« 178 ). Eine drei- fchiffige, acht Säulen in der Front enthaltende, gerade Vorhalle ift dem Haupteingange vorgelegt, deren dis- harmonifcher Anfatz an den Rundbau von dem oben angeführten Tadel auch nicht frei zu fprechen ift (Fig. 273). Die bei Canina 179 ) gezeichneten »Rundtempel« an der Via Appia und Via Praeneßina find von diefem nach Mafsgabe des Pantheon reconftruirt und als Tempel bezeichnet, waren aber wohl Heroa oder Grabmäler, wie der fog. Tempio della toffe bei Tivoli, während die formverwandten, gewaltigen Rundbauten mit fchlich- tem Aeufseren und reichem Inneren bei Bajae u. a. O. (vergl. Art. 173, S. 189) Beftandtheile grofserThermen- Anlagen waren, vielleicht Laconica , für welches auch das Pantheon noch von Vielen gehalten wird 180 ). Eine eigenthümlicheVerbindung von oblongen Neben-Cellen mit kreisrunder Haupt-Cella und exedraarti- gem Vorbau zeigt der Tempel des Romulus, Sohn des Maxentius , neben der Bafilika des letzteren (vergl. für den Grundrifs den Forum- Plan in Fig. 293, S. 322 und für den Aufbau Fig. 276 nach einer Zeichnung des Panvinius [1560]). Eine beffere Löfung des Anfchluffes des Portikus an die runde Cella wurde erzielt, wenn die Aufsenwand der letzteren polygonal geftaltet war und die Rundform auf das Innere befchränkt wurde, wie dies beim Tempelgrabmal des Diocletian 178) Burckhardt a. a. O. 179) a. a. O., Sez. III, Tav. LI. 180) Vergl.: Burckhardt a. a. 0 ., S. 17: »Urfprünglich von Agrippa als Haupthalle feiner Thermen gegründet und erft fpäter von ihm als Tempel ausgebaut und mit der Vorhalle verfehen . . .« Ferner: Haussoullier, C. Le Pantheon d‘Agrißße d Rome . Encyclopedie d'arch. 1882, S. 36. Nach diefem war es Siefatio Piale , der 1834 den Beweis antrat, dafs das Pantheon nichts Anderes fei, als ein Laconicum der Thermen des Agrippa, da ein folches Rundgebäude weder den Charakter eines Tempels habe, noch in der Form und Anlage mit einem der erwiefenen Rundtempel ftimme. Nach Form und Gröfse hat es auch mehr Aehnlichkeit mit dem grofsen Rundfaal der Caracalla-T^x^-a. oder den Rotunden bei Bajae. — Borrmann, R. Neue Ausgrabungen in Rom. Centralbl. d. Bauverw. 1883, S. 446. — Lanciani. Notizie degli Scavi di Antichitä etc . 1882 — Reber. F. Ruinen Roms etc. 2. Aufl. Leipzig 1878. S. 249: »Die Urfpriinglichkeit des Pantheon als Tempel wird von Piale, Bunßen, Becker verneint«. — Schöner, R. Das römifche Pantheon. Allg. Zeitung, Beilage 1883, Nr. 320. »Nicht urfprünglich Thermenfaal, fondern von vornherein zu einem felbftändigen und höheren Zwecke beftimmt.« — Geymüller, H. de. Documents inidits für les thermes d’Agrippa 1883. — Nispi-Laudi , C. Marco Agrippa e i ßtoi tempi. Le therme ed il Pantheon 1882. Nach diefem lag das Lacoiiictwi der Thermen wohl in der Hauptaxe des Pantheon, war aber nicht identifch mit demfelben (vergl. Geymüller a. a. O., S. 21, Fig. 3). Diefes fcheint fogar noch im XVI. Jahrhunderte feine kreisrunde Form vollftändig intact gehabt zu haben. Zwei fo gewaltige Laconica in der gleichen Anlage anzunehmen, fcheint etwas gewagt, und man wird wohl die Beftimmung des Pantheon als Tempel von vornherein oder doch während des Baues feft halten dürfen. 1811 Facf.-Repr. nach: Parker, J. G. The archeology of Roi7ie. New edit. of pari VI etc. Oxford 1883. Fig. 276. Portikus am Tempel des Romulus in Rom 181 ). 3 * 5 - Polygonaler Grundrifs. 316. Aufbau; Aeufseres. 3°4 Fig. 277. in feinem Palafte zu Spalatro (Fig. 277) der Fall war. Wie beim Pantheon und bei den Grabmälern an der Via Praeneßina wechfeln im Grundriffe halbrunde und viereckige Nifchen mit einander ab, und die inneren Wandflächen find noch überdies durch Säulenftellungen wirkungsvoll belebt. Eine doppelte, tetraftyle Säulenreihe bildet den Portikus, zu dem eine grofse Freitreppe hinanführt; jeder Achteckfeite find, Eckfäulen eingerechnet, vier Säulen vorgeftellt. Die Tempel erheben fich bald auf mehrftufigem Unterbau nach griechifchem Vorbilde, und Vitruv (Lib. III, 4) will dann eine ungerade Anzahl Stufen, und zwar ringsum nach dem gleichen Mafse gebildet, mit 5 /'ß bis 3 /4 Fufs Steigung und U/s bis 2 Fufs Auftritt. Entgegen der griechifchen Auffaffung verlangt er wirkliche Gehftufen. Bald werden aber auch, und dies ift vorzugsweife die Uebung, nur an einer Schmalfeite, der Eingangsfeite, Trittftufen vorgelegt und an den anderen drei Seiten, in der Höhe der letzteren, ein Unterbau durchgeführt, der aus Plinthe, Sockelfufs, Sockelgemäuer, Kranz- gefims und Säulenftuhl befteht. Diefe Freitreppen, von Zargenmauern in der Höhe des Unterbaues und wie diefer profilirt, eingefaßt, nehmen dann entweder die ganze Breite der Giebelfront ein, oder fie find nur in der Breite des mittleren Intercolumniums durchgeführt. Oft unterbrechen Podefte die Treppe, oder die Trittftufen find zum Theile zwifchen die Säulen- unterfätze eingefchoben (vergl. die verfchiedenen Grundrifsanlagen in Fig. 265, 266, 267, 268 u. 269). Auf dem Stylobat oder diefem dreifach gegliederten Unterbau ftand die Aedes facra, die Cella mit den fie umgebenden Säulen, welche Gebälke, Decken und Dach trugen. Die gewählte Ordnung bedingte die formale Durchbildung und die Verhältniffe des Tempels. Die toskanifche, jonifche und korinthifche ift vertreten; ein Tempel in compofiter Ordnung ift nicht bekannt geworden; die korinthifche wurde mit Vorliebe angewendet. Fries und Architrav find an der Giebelfeite meift zu einer grofsen Infehrifttafel zu- fammengefafft worden; das Tympanon, die Giebelfpitzen und -Ecken waren in vielen Fällen durch Figurenfchmuck geziert. Fig. 278 bringt das Bild eines römifchen Tempels, des von A. Normand reftaurirten Vefpafian -Tempels in Rom mit feinem Treppenaufgang, Altar und Giebelfchmuck zur Anfchauung 182 ). P/v 60 v-imbifmpp! JSpalaf'r, 3 . vf. 182 ) Facf.-Repr. nach: Eucycloßidie d'arch. 1883, PI. 845. gpggBpn öl»@3t ! 'e«^W^^*^^»3(S86är3Ja!S H Ji li “TiiiüS HM Sk $\\m£ Bf| !iEi!! ;ii aiiiifeii jjIM ommmmucüsmvG M«! illiii Ppsaipiilijp! li pgftp&ftji uIUl* I JJlJU M« h. Jmt ll nllli lltlh ij HGil siAÄai'Ää "'iö '""' ['(j.ii:i-iiiiiin»(';w)!/'üi!iii'ii]; |lM)ltll!!lU!|IHI «i; i mt l)illi!liiitN|»!i,;ii;).),)h;i)l-i | i t !!i|‘!ii:ii iffillfflEiilUllJlll!ilill!l!ijlcl)l!J]]'Jir!ll,'J «i! wuiiMiii';; !i i i ‘i'i iiii QMiÄiiuüü I ■libLLlJ.ltkli,'...!, '■il/li:; f.;l'i !!!!ii: IMÖ ; '.. " i:: . .. .uJjÄi.i as wmm lempel des Vefpafian in Rom. Nach A. Nor via nd (1852 Handbuch der Architektur. II. 2 3°6 Fig. 279. Die Cella-Wände, »in ihrer Dicke der Gröfse des Tempels angemeffen« ( Vitriiv, Lib. IV, 4), aus kleinen Bruchoder Backfteinen oder mäfsig und gleich grofsen Quadern hergeftellt, find an ihrer Aufsenfläche einmal vollftändig glatt gelaffen, wie die der griechifchen Tempel, nur mit dem Unterfchiede, dafs bei den letzteren die Fugen nicht zur Geltung gebracht find, während fie »des malerifchen Linienfpieles« {Vitriiv, Lib. IV, 4) wegen bei den römifchen felir wirkungsvoll ausgezeichnet find. In der Anordnung der Schichten klingt die griechifche Weife vielfach durch. Man vergleiche beifpielsweife die Form und Reihenfolge der Schichtfteine des Erechtheion in Athen 183 j mit der neben flehenden des Tempels in Terracina (Fig. 279). Auf die Plinthe folgt die hochkantig geftellte Plattfchicht wie am Parthenon, Thefeion, Pofeidon-Tempel in Päftum; dann kömmt ein verziertes Friesband, wohl nach kleinafiatifchem Vorbilde, und darüber die ifodome Quaderfchichtung, deren Steine durch rechteckige Falze an den Stofs- und Lagerfugen von einander getrennt find. Das andere Mal treffen wir die Wandflächen durch Pilafter, Halbfäulen und Nifchen gegliedert, auch durch Fenfter und Thüren durchbrochen (vergl. Tempel in Cori, Fortuna Virilis in Rom, Rundtempel in Ba'albek, Vefta-Tempel in Tivoli, Juppiter-Tempel in Fig. 280. T^yndrrmpri ngcK .Irr iVy 1 A /c \ A /< 1 Gerafa). . Diefe Arten der Wandgliederungen und -Durchbrechungen gelten fowohl für die rechteckigen Tempel - Cellen, als auch für die kreisrunden (vergl. Hercu- les-Tempel in Rom, Vefta-Tempel in Tivoli, Rundtempel in Ba'albek). Für die Wandgliederungen der grofsen Rotunden fehlen uns die Anhaltspunkte , da fie 183 ) Siehe Theil II, Bd. i diefes Handbuches", S. 164. 307 alle der äufseren Bekleidung beraubt Fig. 28 i- find 184 ). Für den Aufbau der Monopteroi und Peripteroi giebt Vitruv (I-ib. IV, 8) be- ftimmte Regeln, welche aus Fig. 280 leicht abgelefen werden können. Die Höhe des Daches in der Mitte verlangt er fo, »dafs die Höhe der Kuppel mit Ausfchlufs der Blume halb fo grofs fei, wie der Durch- meffer des ganzen Gebäudes«. Diefe Vor- fchrift dürfte aber nur auf den Monopteros Bezug haben; für den Peripteros wird man ohne abgetreppte Dachflächen, d. h. ohne eine gefonderte für den Umgang und eine folche für die Cella, nicht auskommen und wird auch von der Kugelform der letzteren abfehen müffen, vielmehr nach dem Vorbilde des Reliefs eines Rundtempels in den Uffizien (Fig. 281), nach der Handzeichnung des Panvinius eines folchen und nach dem noch vorhandenen Beifpiel des Tempelgrabmales des Diocletian, auf das Zeltdach greifen müffen, deffen Spitze doch fo hoch liegen kann, als es Vitruv für das Kuppeldach wünfcht (Fig. 280). Beim Proftylos will er den Raum zwifchen den Pronaos-Säulen vergittert wiffen; für das einftige Vorkommen Relief in den Uffizien zu Florenz 18 ’ 5 ). diefer Vergitterungen bei den Rundtempeln haben wir fichere Beweife. Die Medaille der Julia Domna (Fig. 282) zeigt am Vefta-Tempel eine folche, eben fo das Relief in den Uffizien (Fig. 281); den beften Anhaltspunkt aber giebt die Geftalt der Säulen des am Fufse des Palatin gelegenen Vefta-Tempels. Auf der Mantelfläche find einander diametral gegenüber liegende, glatte Streifen angebracht, welche einen guten Anfchlufs und ein folides Feftmachen der Bronze-Gitter ermöglichten und an denen die Befeftigungs- vorrichtungen für jene noch erhalten find (Fig. 283 186 ). Fig. 282. Medaille der Julia Domna 1 * 5 ). 184 ) In dem Werke: Lafrcrio, A. Roma antiqua et nova etc., anno CIO . 10 . XLVI — CIO . IO . LXV.1II, ift auf Taf. 38 die Aufsenfeite des Pantheon in drei Stockwerke getheilt angegeben, von denen das unterfte eine fchliehte Quaderbekleidung .aufweist, während die zwei oberen eine Gliederung der Wandflächen durch Pilafter zeigen. 135) Facf.-Repr. nach: Notizic degli Scavi di Antichita. Dec. 1883. 186) Vergl. auch: Futti 1 tronchi di colonne conferva.no i fori per le grappe dei cancelli, e perfino le impiombature di dettc grappe in: Notizic degli Scavi di Antichita. Dec. 1883, S. 475 u. 476. 3°8 t 318. Innerer Ausbau. 3 X 7- Ausführung. Fig. 2S3. Bei den grofsen Rotunden bildete das Kuppelgewölbe der Cella auch das Dach. Das Hauptgefims der Cella war am Aeufseren viel höher gerückt, als das Kämpfer- gefims im Inneren, wodurch die volle Halbkugelform der Wölbung von aufsen nicht zum Vorfchein kam, fondern nur die flach erfcheinende obere Hälfte. Der Uebergang vom Gefimfe nach dem Gewölbe war dann durch einen ringsum geführten Stufenbau vermittelt. Vergoldete Bronze-Ziegel fchützten aufsen die Ge- wölbefchale, während die Satteldächer der oblongen Tempel meift mit Thon- und Marmorziegeln abgedeckt waren. Nach den Mitteln, nach der Gröfse und nach der Bedeutung des Ortes, wo der Tempel gebaut werden follte, richtete fleh deffen mehr oder weniger reiche und monumentale Ausführung. Im kaiferlichen Rom genügten kaum die koftbarften Marmor- und Granitforten, während man fleh in den Provinzial-Städten grofsentheils mit beftucktem Tuff- oder Gufsgemäuer, mit geputzten Tuff- und Backfteinfäuleri zufrieden gab; dort fpannten fleh Marmor-Architrave und -Gefimfe von Säule zu Säule, hier mit Stuckgliederungen überzogene Holzbalken. Welches Material auch verwendet wurde, echtes Geftein oder beftucktes Holz als Surrogat für diefes — der Tempel prangte bei feiner Vollendung im gleich hohen Farben- fchmuck, den wir an den Bauten Pompejis heute noch fchauen. »Wir dürfen überzeugt fein, dafs ehemals die Tempel, die jetzt als Ruinen farblos find, mit Einfchlufs der Tempel und Monumente aus weifsem Marmor an den betreffenden Stellen eben fo farbig decorirt waren« 187 ). Dem vergänglichen Farbenauftrag folgte in der prachtliebenden Kaiferzeit eine monumentale Poly- chromie, mittels buntfarbigen Gefteins und der Edelmetalle. Entfprechend dem Aufsenbau war auch der Vorraum und das Innere der Tempel gegliedert und ausgeführt. Der Fufsboden war mit abgerichteten Steinplatten aus mehr oder weniger gefchätztem Materiale oder mit Mofaiken ausgelegt; die Vorhalle deckten bald mit Stuck, Getäfel oder Metall überzogene Holzbalken, oder es waren nach Art der griechifchen Tempel 188 ) caffettirte Steinplatten, welche den oberen Abfchlufs des Umganges (Ba'albek, Vefta-Tempel in Tivoli, Vefta- Tempel in Rom) bildeten, oder Steinbalken verfchiedener Lagen und Ranges, deren Zwifchenräume mit Steinplatten zugelegt waren. Die drei Schiffe der Vorhalle des Pantheon waren mit drei parallelen, reich caffettirten, wohl aus Metall conftruirten Tonnengewölben überfpannt, über denen fleh der eherne Dachftuhl erhob. Reich durch Säulen und Nifchen mit Figuren waren die Wände der Cella im Inneren gegliedert und mit Marmor bekleidet 189 ), die Decke entweder aus horizontal Säule des Vefta-Tempels am Fufse des Palatin in Rom 18 ’). 187 ) Siehe: Semper, G. Der Stil etc. Bd. 1. Frankfurt a. M. 1860. S. 498. 188) Vergl. Theil II, Bd. 1 diefes «Handbuches«, S. 89, 90, 99—101, 180 u. 181. 139) »J n F 0 ]g e einer Mahnung der Wahrfager mufs ich den Tempel der Ceres auf einem meiner Landgüter ausbeffern 3°9 Fig. 284. Tempel des Ve/paßan in Rom. — Liingenfchnitt 19ü ). ca. n. Gr. llgisii %v////M \>vMWWM iP^ÄJrek iglggl «§»fp ipfllS ...... mm w C» WmwM ,txz ßß0^. BateH lffe£3 “; M gggggp WSßMWS wmm wmmm>. W/0//y#i. WßßdMtk. J't.lHiVKIl lnurniMifel mnK iii H i , ^•sr: »b®m lagernden Holzbalken zu caffettenartigen Gefchränken verbunden, gefügt oder als halbkreisförmiges, caffettirtes Gufs- oder Steintonnengewölbe, von einer Langwand zur anderen gefpannt, ausgebildet. Von der architektonifchen Gliederung der Cella des oblongen Tempels und der Aufhellung der Aedicula mit dem Götterbild und der Geftaltung der horizontalen Holzdecke geben Fig. 284 u. 285 nach A. Normand’s Reconftruction des Vefpafian -Tempels in Rom ein gutes Bild; für die Wand- und Deckengliederung einer gewölbten, rechteckigen Cella giebt Fig. 286 den nöthigen Auffchlufs. Mit Vorliebe cultivirte die Kaiferzeit (Tempel der Venus und Roma in Rom, grofser Tempel in Ba‘albek) die monumental gedeckte, gewölbte Cella und fchuf fo die eigenartige Verbindung griechifchen Säulenbaues mit römifchem Gewölbe- und erweitern laßen.Ich wiinfche daher, dafs du 4 Marmorfäulen, von welcher Gattung du willft, und auch Marmor zur Auslegung des Bodens und der Wände kaufft. Auch wird man ein Bild von der Göttin felbft anzufertigen oder zu kaufen haben weil jenes alte aus Holz durch die Länge der Zeit an einigen Stellen verftiimmelt ift.« (Plinins an Mufiins, Ep. XXXIX, Lib. VIII.) 190 ) Facf.-Repr. nach: Encyclopedie d'arch. 1883, PI. 887; 1884, PI. 917. lyüiSü tl d ‘ lll I _ HL k'| tjjftsä '///////s7?S*J *‘*.fflV Ult ■ WM'A 'feß&ufl&raa i' MSifl BfeSfcfc iü'iS Jj l^jl^.^-l«- »IS IlfHH ’ J 4 rvM:^ üff^S- JrI 3 i 2 !. jiMfeMlijS| warn SSECS'JTCTJ • i‘ gfoM §§ | aifedSläj ||S llili Ü1 ^p Rgpfi IP^WMIä 4V|j:jj IHlI Siiillillliliifii &$$*&$ J " n. WMWM wwmtmm Tempel des Vefpaßan in Rom. — Querfchnitt ,90 \ ’.'aoo "■ Gr - : . -7 ; ( lüf p i bau und mit diefer jedenfalls grofsartigere, wirkungsvollere Innenräurne, als fie die griechifche Tempelbaukunft herzuftellen im Stande war, allerdings unter Aufgeben der Einheit und des harmonifchen ^ufammenklanges von Innen- und Aufsen- Architektur. Der Schmuck der Wände bei kreisrunden Cellen hing von der Gröfse der letzteren ab. Er befchränkte fich bei kleinen Cellen auf Bemalung oder Auskleidung der Flächen mit Mar- Fig. 286. mor; bei gröfse-. ren gaben die bei den Grundriffen erwähnten Nifchen und vor- oder zwifchen- geftellten Säulen die reichere archi- tektonifche Auszierung, verbun- m 1 iii:iiiii)iii den mit Stuck-, Edelmetall- oder Marmorbekleidung, Malereien und der Aufftel- lung von Bildwerken. Glatte, mit Stuck und Malerei bedeckte Kugelgewölbe bildeten im einen, mit Ornamenten ausgezierte caffet- tirte im anderen Falle die Decke. Von der archi- tektonifchen Aus- fchmiickung der Wände giebt das wohl erhaltene Innere des Tempelgrabmales des Diocletian (Fig. 287) eine Vorftel- lung, wenn wir auch über die ur- Wand- lind Deckengliederling einer gewölbten rechteckigen Cella, fprüngliche Art des Deckenfchmuckes im Unklaren gelaffen werden; von Wand- und Deckengliederung zugleich liefert, wenn auch nicht mehr Alles urfpriinglich ift, das Pantheon eine folche. 312 Fig. 287. 7/7VS77> '■'''{""■'SS'’-' %ypA/y///////.////////// - '////SS/. ■'///P///'' @ral>! , fmpr] jlDioclth fäptatVo ■^Larn6niscl]nitt.) Aus der Zeit jener ^.eftaurationen des Pantheon, deren von Domitian bis auf Caracalla mehrere erwähnt werden, flammt wohl die Auszierung der Niichen mit Pilaftern und Säulen, da die Kapitelle der- felben nicht mehr die gleiche, vollendet reine Bildung zeigen, wie die der Vorhalle. Aus der Zeit des Sept. Severus find wohl die Giebelaltäre. Schwer zu entfcheiden ift, aus welcher Zeit die Bekleidung der unteren Wandflächen mit Streifen und Rundflächen aus verfchiedenfarbigen Steinen flammt. Die beiden Gefimfe dürften Anfpruch auf Agrippa machen. Die jetzige Bekleidung der Wandfläche des zweiten Ge- fchoffes, die Giebel Verdachungen der Nifchen dafelbft find notorifch aus dem vorigen Jahrhundert 191 ). Lafrerio giebt 19 -) die Flachnifchen mit gerader Verdachung zwifchen zwei Pilaftern und einer runden Scheibe darüber, wie es die unteren Wandbekleidungen bei den Aediculen mehrfach zeigen. Den Eck-Pilaftern der Nifchen entfprechend, find auch Pilalter im oberen Gefchoffe gezeichnet und der Raum zwifchen den Pilaftern durch Streifen in ein I.angfeld und zwei Schmalfelder abgetheilt. Gerade Verdachungen der Nifchen zeigt auch eine Studie Peruzzi’s 193 ). Canina’s Reftauration 19J ) geht mit den Angaben Lafrerio’ s ziemlich, wenn auch nicht vollftändig zufammen. Burckkardt 19ä ) bezeichnet diefe I’ilafter-Reihe »als eine natürliche und wohlthuende Fortfetzung des Organismus im unteren Stock« und beklagt das tible Einfehneiden der runden Wölbungen von Altar- und Thürnifche, weil mit diefen »eine doppelt bedingte Curve entlieht, die das Auge nicht erträgt, fobald es fie bemerkt hat«. Uebrigens ift die römifche Kunft nicht arm an folclien Inconvenienzen ; in den Caracalla- Thermen kommen noch häfslichere Verfchneidungen vor, die allerdings einer fpäteren Zeit angehören. Die durchfetzenden halbkreisförmigen Mauerbogen über den anderen Nifchen dürften aus dem angeführten Grunde im Inneren urfprtinglich kaum in gleicher Weife zum Ausdruck gebracht worden fein, wie der Altar- und der Thürnifchenbogen. Für die Art der Auszierung der Kuppelfläche und der Caffetten fehlen pofitive Anhaltspunkte. Möglich, dafs einft eine Metallbekleidung diefelben fchmückte; wahrfcheinlicher ift eine Stuckbekleidung mit Farbe und Vergoldung, wie folche bei den Caffetten anderer Tempelgewölbe nachgewiefen ift. Der 19 1 ) Vergl. Burckhardt a. a. 0 ., S. 17—20. 192 ) In dem in Fufsnote 184 (S. 307) angeführten Werke. 193 ) Vergl. Geymüller a. a. O., Fig. 7. 19 ‘) A. a. O., Sez. III, Tav. XLVI. I99 ) A. a. O. 3 r 3 Metallfchmuck durfte fich mit aller Wahrfcheinlichkeit auf die Verwahrung des Deckenlichtrandes mit profilirtem Bronze-lälech befchränkt haben, die auch in allen alten Aufnahmen angegeben ift und die fich auch in Wirklichkeit bis auf den heutigen Tag an Ort und Stelle erhalten hat. Sie beftelit aus einer mit Akanthus gefchmiickten Sima, einer gezahnten Hängeplatte, darunter ein Eierftab und unter diefem eine mit Pfeifen gefchmttckte flache Kehle. Die Beleuchtung der Cella am Tage gefchah durch Vorderlicht, Seitenlicht und Deckenlicht, und es war entweder eine diefer Arten allein angewendet oder zwei derfelben waren mit einander verbunden. a) Unter Vorderlicht fei die Beleuchtung durch die Thür der einen Schmalwand der Cella verftanden. Die Thüren fämmtlicher noch vorhandenen römifchen Tempel find gleich denen der griechifchen, im Verhältnifs zu dem Raume, zu welchem fie führen, enorm grofs. Da auch beim römifchen Tempel nur wenige Menfchen im Inneren zu verkehren hatten, fo mufften die Thüren noch einen anderen Zweck haben, als den Zugang zu vermitteln oder abzufchliefsen. Wie das Wohnhaus der alten Zeit, fo empfing auch die Tempel-Cella Luft und Licht nur durch die Thür — durch das Lumen (fiehe Art. 146, S. 273); daher hier, wie dort, die grofsen Abmeffungen der letzteren. Sie dürfte aber auch noch den weiteren Zweck gehabt haben, bei geöffneten Thürflügeln das gewöhnlich im Verhältnifs zum umfchliefsenden Raume koloffale Standbild des Gottes den der Gottheit Nahenden in voller Gröfse und Majeftät von der Ferne, oder wenigftens von aufsen fchon, fehen zu laffen. Auf eine intenfive Tagesbeleuchtung kam es dabei nicht an, wenn auch der Schmuck im Inneren ein noch fo reicher, die Bildhauerarbeiten am Götterbild noch fo feine und vollkommene waren. Das Alterthum legte auf die Möglichkeit einer kritifchen Berichtigung geheiligter Kunftwerke bei Tageslicht fo wenig Werth, wie die neuere Zeit im confervativen Süden. (Vergl. z. B. die feinen prächtigen Skulpturwerke in der abfolut dunklen Grabkammer des 7 z', die Malereien und Kunftgegenftände in etruskifchen und italifchen Grabkammern, die Madonna des Sanfovino in St. Agoßino zu Rom, den für die polychrome Plaftik intereffanten GiovanniBaplißa von Gagini im Chor der Kirche von Caftelvetrano u. A.) Was Alberti für den chriftlichen Kirchenbau wünfchte, dürfte in alter Zeit für den heidnifchen Tempel wohl in höchftem Mafse gegolten haben. »Um die Würde des Kirchenbaues zu erhöhen, wähle man mäfsige Innenbeleuchtung, weil der Schauer des Halbdunkels die Andacht vermehre.« Auch geflattete er, »dem Sinne des Alterthumes entfprechend«, nächtliche Beleuchtung und duftfpendende Flammen. Greifen wir übrigens einen der bekannteften und befterhaltenen römifchen Tempel heraus, den des C. Cäfar und L. Cäfar, Söhne der Julia und des Agrippa , aus dem «Jahre 4 unferer Zeitrechnung, die fog. Maifon carree in Nimes, deren Widmung und Erbauungszeit durch eine zweilinige, mit Nägeln und Krampen be- feftigt gewefene Infchrift aus Bronze-Lettern beglaubigt ift 19 Platz des Nero-Ko\o(fes. 6. Tempel der Roma und Venus. Q. Lavacrtitn des Ela- gabalus. / r * 33 * Lll_iJkih V 20 \ ^ - 5 ö.l io. Kirche S. Maria Antiqua (in den Ruinen des Lavacrums). 14. Velin. jj. Portikus der Livia. 17. Bogen des Conßantin. 18. Meta Sudans, so. Coloflfeum, Flavifches Amphitheater. nd r. Caput Viac Sacrae. 2. Sacellum Streniae. mit Namen angeführt. Für zg. vergl. den Plan in Fig. 292 (Atrium Vefiac) auf S. 319. □ 0 n Via Sacra in Rom. of Rome. Neiv edit. of pari VI etc. Oxford 1883.) j>. Summa /acra via. 6. Bafilika des Maxcntius. 3 2 9 ‘ Urfprung. 33 °* Zweck. 33 1 * Grundplan. 324 ftofsen die Bafilika, der Apollo-Tempel, eine Gemüfe-und Fruchthalle, das Macellum, der Sitzungsfaal der Decurionen, die Schule, das Gebäude der Eumachia , der Tempel des Genius Augufli —- wie es Vitruv verlangt (Lib. V, 1 u. 2). In gleicher Weife fehen wir das Forum Romanum von Bafiliken und Tempeln umgeben, mit Triumphbogen, Ehrenfäulen, Springbrunnen auf das Prächtigfte ge- fchmückt, im Norden vom Kapitol mit feinen Bauwerken überragt (Fig. 293 u. 294). Vom Forum Romanum zur Zeit der Republik, als Platz mit Hallen und Buden, ift allerdings nichts mehr zu erkennen. Das wichtigfte von diefen an der »wärmften Seite« ( Vitruv, Lib. V, 1) des Forums gelegenen Bauwerken war die Bafilika. b) Bafiliken. Dem Namen nach (aroa ßaaikstoc — bafilica ßoa , d. i. königliche Halle) könnte die Bafilika griechifchen Urfprunges fein, und es liefse fich diefer auf die Königshalle in Athen zurückführen. Ihre Ausbildung in grofsem Stile hat fie wahrfcheinlich erft durch die Architekten Alexander' 's d. G. und deffen Nachfolger erfahren. »Hier (Alexandreia) nahm die Baukunft zuerft die grofsen Raum-Dispofitionen der ägyp- tifchen Tempelpaläfte und vor Allem die Form der Bafilika in fich auf... es entftanden (Bauwerke) nach den grofsartigen Vorbildern der ägyptifchen Monumente« 21J ). Die hypoftylen, ägyptifchen Säle (vergl. Fig. 255, S. 280) dürften wohl das Vorbild für die einfchlägigen Alexandrinifchen Bauten abgegeben haben. Von den ägyptifchen Sälen fagt auch Vitruv (Lib. VI, 3), dafs fie mehr mit den Bafiliken Aehnlichkeit zu haben fcheinen, als mit Speifefälen. Die Bafiliken füllten den Gefchäftsleuten, dem Handel und Verkehre dienen; fie follten auch »während des Winters ohne Beläftigung durch die Witterung« zugänglich und benutzbar fein ( Vitruv, Lib. V, 1). Schon diefe eine Bedingung des Vitruv fetzt einen gefchloffenen, überdachten Raum voraus und fchliefst jede hypaithrifche Halle aus. Später verband man mit diefen »antiken Börfen« eine Gerichtsftätte, die am hinteren Ende, erhöht und vom Gefchäftsverkehre abgetrennt, angebracht war. Sie nahm in einer Apfis den Sitz des Praetors und deffen Perfonal auf. Da nach Obigem in den Bafiliken gröfsere Menfchenmengen dem Verkehr nachgehen und an den Gerichtsverhandlungen theilnehmen mufften oder darin fich ein Stelldichein gaben, fo waren in den Abmeffungen möglichft grofse Räume zu fchaffen. Wie gewaltig man hierbei zu Werke ging, davon giebt die dreifchiffige Maxcntius- Bafi 1 ika einen Beweis, deren Querfchnitt fo grofs gegriffen ift, dafs der fünffchiffige Kölner Dom, mit feinem ganzen Apparat von Bogen und Strebepfeilern hineingeftellt, in feinen äufserften Ausladungen die Umfaffungswände der Seiten - fchiffe noch nicht erreicht (Fig. 295). Der Grundrifs war bei diefer Gebäudegattung an ein feftes Plan-Schema nicht gebunden. Die Anlage ift bald eine einfchiffige (Aquino, Praenefte), bald eine dreifchiffige (Otricoli, Pompeji, Maxentius- Bafilika, Trier [bei letzterer fcheint die Drei- fchiffigkeit nicht bis zur Decke, fondern nur bis zur Galerie durchgeführt gewefen zu fein 212 ]), oder eine fünffchiffige ( Bafilica Julia, für das Centumviral-Gericht erbaut, Bafilica Paulla und die prächtigfte von allen, die Bafilica Ulpia , deren Grundrifs durch Fragmente des Capitolinifchen Stadtplanes feft geftellt ift). 211 ) Vergl. Semper. G. Der Stil etc. I. Band. Frankfurt a. M. 1860. S. 481. 212 ) Siehe: Hettner, F. Das römifche Trier. Trier 1880. S. 13—14. 325 Fig. 295. QutrscUlHclfsCölnPcDom: ’lltqoff^rfrFi/.^.f^>./S^. Afc. 7)folifnmassrii3ci\ Tarier. prchl^-'Kom. II:W. Upigpi istö ~?T 777 >/‘ -fV~+- ^J 3 )fei 5 cViffi^e jwölbtt r ^ j ■sSäSW, Fig. 296. ^Rasilit^a drsY?! 1 ri/v nach.Ni" ,BarWo.( 1556) . inf& rur jn—, < •Ti >- e ° § <* s 3 ^ *? ^ jS «u .o/) CS *-3 • p}.\ \ -\ \\ \ kJülft IIIPSpu’i \\.\\ iaÖHiii uv \isU\h i«i|i >t ] er neben einander zwei fehr geräumige Theater aus Holz errichtete, 34i_ von denen jedes auf einer Angel im Gleichgewicht fchwebend lieh drehte; fie waren, wenn Vormittags in beiden Schaufpiele gegeben wurden, von einander abgewendet, damit die Bühnen fich nicht wechfelfeitig durch Geräufch ftörten. Dann wurden fie plötzlich umgedreht, fo dafs fie einander gegenüber ftanden, und wenn der Tag fich bereits neigte, machte er daraus, indem das Getäfel verfchwand und die Flügel fich an einander fchoben, ein Amphitheater, um Fechterkämpfe zu geben, nachdem er das noch weit mehr preisgegebene römifche Volk herumgefahren hatte. Als die Angeln lahm geworden waren und fich verrückt hatten, brachte er Abwechslung in feine Sache, indem er die Geftalt des Amphitheaters beibehielt.« Wenn in früher Zeit oft im Circus die Brettertheater Aufftellung fanden, fo fehen wir das verwandtfchaftliche Verhältnifs auch bei den Monumentalbauten bis zu einem gewiffen Grade feft gehalten, indem Theater und Circus oft mit einander verbunden oder wenigftens hart neben einander gerückt find. In Peffinunt 234 ) ftand das Theater mitten an der Langfeite des Hippodroms; in Orange find Theater und Circus in den Längenaxen parallel neben einander gelegen; in Aizani fchlofs das Theater an die Schmalfeite des Circus mit fich deckenden Hauptaxen an. Fig. 309. Grundrifs des Theaters in Orange 235 ). — ’/seo n. Gr. 356 - Circus und Theater. 234 ) Vergl. Theil II, Bd. 1 diefes »Handbuches«, S. 229. 285 ) Facf.-Repr. nach: Lasius, G. Die Baukunft etc. Darmftadt 1863—68. 342 357' Zugänge und Aufsen- Architektur. 358- Gut erhaltene Beifpiele. 359- Odeum und Auditorium. 360 . Allgemeines. Die Zugänge zu den Rängen waren von der Lage des Baues abhängig. War derfelbe an den Bergabhang gelehnt, wie in Orange, fo vermitteln an der äufseren Umfaffungswand angelegte Stufen den Zugang zu dem oberen Rang (Fig. 309); war es auf ebenem Terrain und ringsum frei flehend erbaut, fo waren gewölbte Unterbauten zur Aufnahme der Sitzftufen nöthig, durch welche man auf einer gröfseren Anzahl von geradläufigen Treppen nach den einzelnen Rängen gelangte. Nach aufsen öffneten fich diefe Unterbauten, wie bei den Cirken, als gut beleuchtete, Schutz gewährende Wandelgänge, und diefe Anordnung ergab einen in den Maffen wirkungsvoll durch Lichtöffnungen gleichmäfsig belebten und gegliederten, archi- tektonifch mächtig und reich wirkenden Fagadenbau, der dem griechifchen Theater fremd war. In mehreren auf einander folgenden Gefchoffen reihten fich Bogen an Bogen, durch Halbfäulen oder Pilafter von einander getrennt, mit horizontal lagernden Architraven, Friefen und Gefimfen überfpannt. Der tuskifchen Ordnung im erften Stockwerk folgte die jonifche im zweiten und die korinthifche im dritten in fchönfter Abftufung. Den edelften Aufsenbau zeigt in diefer Beziehung das aus Travertin-Quadern hergeftellte Marcellus- Theater in Rom. Mit zu den' gröfsten, durch foliden Quaderbau ausgezeichnet, rechnet das Theater in Orange und mit diefem das aus Back- fteinen und Marmor aufgeführte, zum Theile wenigftens römifche Theater in Taormina. Sonft find noch, wegen ihrer mehr oder weniger guten Erhaltung, zu nennen: die Theater in Sagunt, Arles, Pompeji, Herculaneum, Tusculum, Fiefole, Philadelphia, Petra und Gerafa in Syrien etc.; auch das Theater (Odeion) des Herodes Atticus in Athen kann hierher gerechnet werden 236 ). Ueber das Theater des Pompejus und feine Anbauten giebt uns ein Fragment des alten Marmor-Stadtplanes von Rom noch ergiebigen Auffchlufs. In der letzten Zeit der Republik waren in Rom halb und ganz mufikalifche Aufführungen nach griechifcher Weife bereits gewöhnlich. Reiche Privatleute hatten befondere Auditorien, Säle zu dichterifchen und mufikalifchen Wettflreiten, und man glaubte in dem auf dem Esquilin (im Jahre 1874) aufgedeckten, oblongen Saale mit halbkreisförmiger Exedra und den amphitheatralifch anfteigenden Sitzen darin 23 7 ) ein folches Auditorium erkennen zu follen. Als periodifch wiederkehrende Feft- fpiele wurden die mufifchen Spiele von Nero (60 n. Chr.) eingeführt und noch von Gordian III. erneuert. Das höchfte Anfehen gewannen die von Domitian (86 n. Chr.) geflifteten, alle 4 Jahre gefeierten Agones Capitolini; er liefs für die mufikalifchen Aufführungen auf dem Mars-Felde ein befonderes, bedecktes Theater — das Odeum — erbauen. Sonft wurde jedes kleinere, mit einem Dache bedeckte Theater, das als Concert-Saal diente, mit dem gleichen Namen Odeum bezeichnet ( Suct. Dom. 5). Als beft erhaltenes Beifpiel für ein folches kann das erwähnte, etwa 6000 Menfchen faffende Odeion des Herodes Atticus in Athen gelten. d) Bauten für amphitheatralifche Spiele. Die urfpriinglich nicht amtlichen und nur bei Leichenfeierlichkeiten gegebenen Fechterfpiele errangen fich bald vor den übrigen öffentlichen Vergnügungen die Gunft des Volkes; fie wurden in der Kaiferzeit als aufserordentliche Spiele äufserft häufig gefeiert und erhielten fich bis zu Anfang des V. Jahrhundertes u. Z. Auch 236) Vergl. Theil IT, Bd. 1 diefes »Handbuches«, S. 225 u. 226 . 237) Vergl. Grundrifs und Schnitt davon bei: Reber a. a. 0., S. 48 g. 343 für die Abhaltung diefer Spiele wurden mit der Zeit befondere, monumentale Bauwerke errichtet, und zwar früher in Campanien als im kaiferlichen Rom, denen temporäre Holzbauten, wie das erwähnte Theater des Curio, vorhergegangen find. Das erfte fteinerne Gebäude diefer Art in Rom wurde von Staiilius Taurus (29 n. Chr.) erbaut, ging aber beim Neronifchen Brande wieder zu Grunde. Ein zweites baute Vefpafian, das Titus dedicirte und Domitian vollendete — das heute noch in gewaltiger Ruine erhaltene Coloffeum, welches einft 87000 Zufchauer faffte. Aufser diefem gab es in Rom zur Zeit Conflantins nur noch eines, das Amphitheatrum caßrenfe, deffen Umfaffungsmauern, in die heutige Stadtmauer mit hereingezogen und aus fchön geformten und gefügten Backfteinen hergeftellt find. Der Plan zerfiel auch hier in den Zufchauerraum und den Spielplatz — die meift elliptifch geftaltete Arena, die nicht immer aus dem feften, gewachfenen Erdreich, wie in Pompeji, fondern vielfach aus einem, auf tiefen Mauern ruhenden Bretterboden beftand. Diefe Mauern umfchloffen aufserdem befondere Gelaffe, die als Käfige für wilde Thiere, Verfenkungen und Räume für Mafchinerien zu Verwandelungen dienten (Rom, Capua, Puteoli). Nach Texier find bei den nachflehenden Arena folgende : der Ellipfe grofse Axe: kleine Axe: Pozzuoli .... m,o 66,8 Rom. 00 co 53,6 Capua .... 76,i 45,8 Verona .... 76,6 44,3 Pola. O O 44,8 Arles. 69,5 39,3 Meter. bedeutenderen Amphitheatern die Abmeffungen der der Ellipfe grofse Axe : kleine Axe: Pompeji . 66,6 35,o Nimes . 69,i 38,» El-Jemm . 77,3 57,3 Tarragona . 84,4 55,2 Pergamum . 51,o 37,0 Meter. Aehnlich, wie im Theater, erhoben fich die Sitzplätze in mehreren Rängen, die durch Gürtelgänge von einander getrennt waren, deren oberften eine Säulenhalle umzog und welche von Treppen in Cunei getheilt wurden. Die Ordnung war hier im Wefentlichen diefelbe, wie im Theater; das gemeine Volk und die Frauen nahmen die oberften Reihen ein. Der Zufchauerraum konnte auch mit dem Zeltdach überfpannt werden, deffen Aufziehen durch Seefoldaten gefchah; auch die Sprengungen mit wohl riechenden Flüffigkeiten fanden hier fo gut, wie im Theater, ftatt. Für die Abhaltung von Seegefechten konnte an vielen Orten die Arena unter Waffer gefetzt werden. Die ringsum laufenden Sitzftufen waren durch zur Arena parallele Mauern, durch Zwifchenwände, Pfeiler, Bogen und Gewölbe geftützt, und maffive, aus Stein conftruirte, geradläufige Podeft-1reppen führten zu den Gürtelgängen; durch weit geöffnete, in doppeltem Ringe den Bau umziehende Arcaden gelangte man zu den erfteren, während zwifchen den Treppen breite Corridore nach den inneren Ringgängen führten (Fig. 310). Ernfter und maffiger erhebt fich die dem Theaterbau analoge Aufsen-Architektur. In vier Gefchoffen gliedert fie fich am flavifchen Amphitheater; 80 Bogenöffnungen, im unteren Gefchoffe, jede 4, 20 m weit und 7, 05 m hoch, durchbrechen die Umfaffungsmauern der 185 m langen und 156 m breiten Ellipfe. Statuen fchmückten die Oeff- nungen in den zwei oberen Stockwerken; die 2, 10 ra breiten Pfeiler beleben in drei Gefchoffen toscanifche, jonifche und korinthifche Halbfäulen, während die gefchloffenen 361. Grundplan und Einrichtung. 362. Aufbau. .fff; JI ; »Mi |)!; Pfeil Ipp ,4t 'Ui%sN flR £ 363- Tfaierhetzen. 344 Fig. 310. •*r*v P. * j* \\y • ■* ■ imiin -.mvjr.:* ’P 0 »J Grundriße des Coloffeums in Rom 238 ) — ca. Yisoü n. Gr. Maffen des hohen Obergefchoffes durch flache, korinthifche Pilafler und kleine viereckige Fenfter gegliedert find. Halbfäulen und Pilafler der oberen Stockwerke flehen auf Poftamenten und tragen fchlichte Gefimfe mit glatten Friefen, und nur der oberfle ift mit Confolen decorirt; Confolen, ehemals zur Aufnahme der Mafien beftimmt, ragen in kurzen Intervallen aus dem glatten Umfaffungsgemäuer des oberflen Gefchoffes hervor. Alle wichtigen, conftructiven und architektonifch bedeutenden Theile find aus Travertin, und nur Gewölbe und innere Wände find aus Backfteinen und Tuff hergeflellt. In ähnlich folider Weife waren die gleichfalls noch gut erhaltenen Amphitheater in Verona, Pola, Puteoli, Capua, Nimes, Herculaneum, Pompeji (in welchem vier Treppen von aufsen nach dem oberen Range führten 239 ), Albano, Tusculum, Reggio, Sutri, Conftantine und, dieffeits der Alpen, Trier etc. gebaut. Die Abhaltung von Thierhetzen (Venationes ), zuerft von Fulvius Nobilior (186 v. Chr.) in Rom eingeführt, wurden in der Folge aus dem Circus in das Amphitheater verlegt und in grofsartigem Umfange im letzten Jahrhundert der Republik und befonders in der Kaiferzeit vorgenommen. Man gab denfelben zuweilen durch Coftiime und Decorationen den Schein einer Theatervorftellung, die irgend eine aus der Mythologie oder Gefchichte bekannte, furchtbare Todesart zum Gegenftand 238 ) Facf.-Repr. nach: Reber, F. Gefchichte der Baukunft im Alterthume. Leipzig 1867. S. 451. 239 ) Vergl. Overbeck a. a. O., S. 176—180. 345 hatte. In Bezug auf Scenerie wurden fie mit märchenhafter Pracht ausgeftattet und erhielten fich bis in das VI. Jahrhundert 240 ). Zur Darftellung von Seefchlachten in gröfserem Mafsftabe wurden befondere Baffins (Naumachiae) gegraben, das erfte von Caefar in der Codeta minor auf dem Mars-Felde. Zwei Flotten mit 2000 Ruderern und 1000 Seefoldaten manövrirten darin. Die zweite Naumachie gab Auguflus in einem Baffin von 1800 Fufs Länge und 1200 Fufs Breite in der Regio transtiberina, Die gröfste wurde unter Claudius (52 n. Chr.) auf dem Fuciner See aufgeführt, wofelbft 19000 Mann, als Rhodier und Sicilier gekleidet, fochten. Für die Fechterfpiele wurden die Gladiatoren in befonderen Schulen unterhalten und ausgebildet. Seit der Zeit Domitian s gab es in Rom zu diefem Zwecke 4 kaiferliche Schulen und eben folche in Capua, Praenefte und in den Provinzen- Von der inneren Einrichtung derfelben giebt die Ruine XXVII des grofsen OverbecB fchen Planes von Pompeji, jetzt faft allgemein für eine Gladiatoren-Schule gehalten, eine Vorftellung: einen oblongen freien Platz, rings von Säulenhallen umgeben, 56 X 45 m , einfchl. der 4,4 m breiten Hallen meffend, umziehen in zwei Ge- fchoffen die Wohnungs-Cellen der Gladiatoren, 'die darin gut verpflegt und ftreng gehalten wurden. _ 364 Naumachiep. 365- Gladiatoren- Schulen. 19. Kapitel. Thermen. In alter Zeit legte man dem Baden nicht viel Gewicht bei; man genügte 3 ° 6 ' 0 ^ Allgemeines. demfelben alle 8 Tage einmal in der Lavairina, dem Wafchhaufe neben der Küche, und im Hochfommer nahm man nach Bedarf Flufs-, bezw. Seebäder. Später erft entftand nach griechifchem Vorbilde das Balneum, eine aus mehreren Badezimmern beftehende Einrichtung, wie wir folche in einigen pompejanifchen Häufern (Cafa del Laberinto) und in verfchiedenen Villen antreffen. Seit dem zweiten punifchen Kriege wurden öffentliche Bäder (Balneae oder Balnea) von Gemeinden oder Specu- lanten errichtet, die einem Pächter übertragen wurden und gegen ein Badegeld zugänglich waren. Dabei wurden Freibäder durch Stiftungen ermöglicht oder auf die Gemeinde-Caffe übernommen. Zur Kaiferzeit wurde das Baden ein luxuriöfes Vergnügen, feit Agrippa die den griechifchen Palaeftren nachgebildeten Thermen eingeführt hatte, d. h. »umfangreiche und grofsartige Anlagen, welche aufser einer complicirten und zu ver- fchiedenem Gebrauche beftimmten Badeeinrichtung auch den ganzen Apparat der griechifchen Gymnafien enthielten« 241 ). Die Anlagen und Einrichtungen überboten fleh dabei von Jahr zu Jahr an Grofsartigkeit und Pracht. Die öffentlichen Bäder wurden mit der achten Stunde geöffnet und in Rom gefetzlich vor Einbruch der Nacht gefchloffen. In der fpäten Kaiferzeit wurde dann auch Nachts bei Licht gebadet, was aufserhalb Rom immer geftattet gewefen zu fein fcheint, da man im älteren Bade zu Pompeji Taufende von thönernen Lampen fand. Die Gefchlechter badeten urfprünglich getrennt und erft fpäter kamen die Mixta Balnea , das gemeinfchaftliche Baden, nicht zum Vortheil der guten Sitte und des guten Rufes des weiblichen Gefchlechtes, auf. 240) Vergl. Marquardt u. Mommsen a. a, O., Bd. VII, S. 543. 241) Vergl. ebendaf., S, 268. 346 3 6 7 * Einrichtung. 368. Tepidarium. Die Herrfcher Überboten fich in der Gründung und Erbauung diefer üppigen Anftalten. Agrippa, Nero, Titus, Domitian, Trajan, Caracalla, Diocletian und Conftantin liefsen folche ausführen. Refte, und zwar oft fehr anfehnliche, von diefen und anderen find allenthalben erhalten geblieben in Italien, in den Donau-Provinzen, in Numidien, in Frankreich, am Rhein, an der Mofel, am Neckar, in England. Keine Ruine giebt aber ein in allen Theilen klares und vollftändiges Bild von der ganzen ehemaligen Einrichtung. Das regelrechte Bad der Spätzeit beftand: 1) aus dem Aufenthalt in erwärmter Luft, 2) aus einem warmen Wafferbad, 3) aus einem kalten Wafferbad und 4) in Fig. 311. ^Sacj in ©dirwin-l! (ihassinstuW.) :p/j 1 o40 jartjHfc. wnm anmm "Piscina ^Pr^rfWn. ■///SAN der Abreibung. Dafür waren mindeftens 3 Gelaffe erforderlich: 1) die Cella tepi- daria , 2) die Cella caldaria und 3) die Cella frigidaria , zu welchen noch, bei gröfseren Mitteln, ein Aus- und Ankleidezimmer (Apodyterium) und ein Abreibungszimmer (Unctorium) hinzutreten konnte, während das Schwitzbad (Laconicum) eine Einrichtung für fich war. Die Dispofitionen eines folchen einfachen, zu Caerwent in England ausgegrabenen Privatbades giebt Fig. 311. Der Eingang ift durch die Thür des Frigidariums; rechts vom Eintretenden befindet fich das mit Hypocauften verfehene Apodyterium, links die Piscina mit kaltem Waffer; auf das Apodyterium folgt das gleichfalls mit Heizvorrichtungen verfehene Tepidarium und auf diefes das Caldarium mit dem Warmwaffer-Baffin und, wieder durch eine Thür getrennt, in unmittelbarer Nähe des Heizapparates ein kleines Laconicum. Die warme Luft des Heizofens (Praefurnium) beftrich zunächft den Boden des Laconicum, dann das Caldarium, das Tepidarium und theilte fich fchliefslich, ziemlich abgekühlt, dem Apodyterium mit. Das Tepidarium war für gewöhnlich das erfte Gelafs, in das man fich begab (wo man fich auch auskleidete, wenn man dies nicht fchon in einem befonderen Apodyterium oder im Frigidarium gethan hatte) und in welchem man fich zum Transpiriren niederfetzte, fich auch abreiben und falben liefs. 347 Von diefem aus betrat man das Caldarium und nahm ein warmes Wafferbad, in älterer Zeit in einer Wanne, fpäter in einem Baffin, das, von Sitzen umgeben, an der einen Schmalfeite des oblongen (2 : 3 nach Vitruv, fonft auch 1 : 2 und 2 : 2 1 /») Raumes hergerichtet war. An die andere Schmalfeite fchlofs fich eine mit Sitzen verfehene, halbrunde Nifche an, die ein flaches rundes Becken (Labrum), zu kalten Uebergiefsungen beftimmt, enthielt. Alsdann benutzte man das Frigidarium , einen Raum, worin ein einfaches oder auch Doppel - Baffin mit kaltem Waffer aufgeftellt war, in deffen Nähe für die Wartenden Nifchen mit Bänken (fog. Scholae) angebracht waren. Wem das Waffer hier zu kalt war, der konnte auch die allgemeine Piscina der Palaeflra benutzen, welche unter freiem Himmel lag und die Temperatur der Luft hatte. Das Abreiben und Einölen wurde zuweilen vor dem warmen, gewöhnlich aber nach dem kalten Bade, unmittelbar vor dem Ankleiden vorgenommen, um dem Transpiriren ein Ende zu machen; es gefchah, wie in Art. 367 erwähnt, im Tepidarium oder in einem befonderen Raume. Das Laconicum, ein Dampfbad, kam erft zu Ende der Republik durch Agrippa in die Mode, und der Gebrauch deffelben war keine angenehme Erfrifchung, fondern eine angreifende Cur, mittels welcher man die Folgen iibermäfsiger Tafelgenüffe befeitigen wollte und die vor Allem die Verdauung befördern follte. Das Bad wurde nach Vitruv (Lib. V, 10) in einem überwölbten Raume, der mit Deckenlicht und Verfchlufsvorrichtung (eine an Ketten bewegliche eherne Scheibe), um die Temperatur reguliren zu können, verfehen war, genommen. Für die Beheizung der Räume wurde in Art. 216 (S. 231 bis 234) bereits das Nöthige erwähnt, und es fei hier nochmals darauf hingewiefen, dafs die Sufpenfurae von C. Sergius Orata, einem älteren Zeitgenoffen Cicero' s, erfunden wurden und dafs die Tubuli an den Wänden noch neueren Datums find. Was weiter an Räumen in den gröfseren Bädern vorkommt, find Einrichtungen der Bequemlichkeit und des Luxus, wie: Wartezimmer, Unterhaltungs-Salons, Reftau- rants, Läden, oder fie gehören zur Einrichtung der griechifchen Gymnafien, wie: Garderoben, Säulengänge, Xyften, Exedrae , Ephcbeum (Halle für Unterricht), Elaeo- thefium und Conißorium (Räume für Oelung und Beftäubung), Sphaeriflerium (Raum für das Ballfpiel) und die allgemeine Piscina. Für diefe Art von umfangreichen Bädern geben die im Jahre 1857 aus- gegrabenen Thermen in Pompeji, die allerdings von den grofsen Kaifer-Thermen in Rom weit überholt werden, eine überfichtliche, gute Vorftellung (Fig. 312). Der Plan fetzt fich zufammen aus einem Männer- und Frauenbad (das erftere aus Apodyterium, Tepidarium, Caldarium und Frigidarium, das letztere aus Frigidarium, Tepidarium und Caldarium beftehend), aus einer grofsen, an drei Seiten von Säulenhallen umgebenen Palaeflra mit der Piscina für die Palaeftriden und zugehörigen Auskleide- und Wartezimmern, einer Anzahl Einzelbädern, grofser Latrine und auf zwei Seiten der Strafse zugekehrten Verkaufsläden und Boutiquen. Zwifchen dem Männer- und Frauenbad liegt das Praefurnium mit den 3 kupfernen Wafferkeffeln des Vitruv. Ueber die Kaifer-Thermen liegt eine grofse Anzahl von intereffanten Reftau- rations-Plänen vor, die zum Theile in Prachtwerken 24 2 ) publicirt und in den weiteren Kreifen bekannt geworden find und auf welche wir füglich verweifen können, aller- 369- Caldarium und Frigidarium . 370- Laconicum *. 37 1 * Heizung. 372 - Sonftige Räume. 242 ) Z. B. Blouet, A. Les thcrmcs de Caracalla. Paris 1828. :^.j iw 348 Fig. 312. —©-i>- (Baj fn^Pomppjr. H, I* ZPaLäeslVa, [Ä \/.'\ ; 1%. TrU ■ T.piJ: ®f^ '^t'affurniytr? "71 ftrc JC-"K.upfrrk^ssel 373 - Heilbäder. dings mit der Bemerkung, dafs nicht alles dort Gebotene für baare Münze zu nehmen ift. Auf eine Kritik oder Berichtigung der einzelnen einzugehen, dürfte aufserhalb des Rahmens diefes »Handbuches« liegen. Dieffeits der Alpen ift uns in den Ruinen des Bades zu Badenweiler im Schwarzwald ein intereffantes Beifpiel eines Männer- und Frauenbades, und zwar eines Heilbades mit warmen Quellen (jetzt 24,6 Grad C.) erhalten geblieben. Unter dem Gefichtspunkte eines Heilbades dürfen wir bei diefem nicht, nach der gewöhnlichen Schablone der Luxusbäder der fpäteren Zeit, Tepidarium, Caldarium etc. fuchen und feft ftellen wollen; wir müffen vielmehr bei der Erklärung des Grundplanes der veränderten Beftimmung eines Heilbades Rechnung tragen, ein Umftand, der von früheren Forfchern allzuwenig berückfichtigt worden ift. Nach Fig. 313 (Grundrifsaufnahme nach Leibnitz und Naeher) fcheidet fich die Anlage von der Mittelaxe aus in zwei nahezu gleichmäfsig durchgebildete Hälften, von denen wir die eine, nach allgemeiner 349 Fig. 313 - J*. RirciMtr bd djrrbtrt’. FfH'Q Annahme, als das Männer-, die andere als das Frauenbad bezeichnen dürfen. Die in der Längenaxe des Baues für jede Abtheilung getrennt liegenden Zugänge führen zunächft in einen Vorhof, der kaum von Säulenhallen umgeben gewefen fein dürfte, ficher aber an der Eingangsfeite in das Badehaus ein weit ausladendes Schutzdach hatte. Durch ein geräumiges Veftibule, vor deffen Portal ein Altar der Diana Abnoba ftand, gelangte man in zwei wohl den gleichen Zwecken dienende Räume, von denen der eine, mit Hypocauften verfehen, als Apodyterium für Kranke, der andere ohne folche für die zur Erholung oder zum Vergnügen Badenden gedient haben dürften, oder es mochte die Lage des einen nach Norden die Heizungsvorrichtung, welche ein befonderes Praefurnium hat, wünfchenswerth erfcheinen laffen. An diefe Räume, und von denfelben, fo wie direct vom Veftibule aus zugänglich , fchliefsen fich an jeder Seite zwei durch Thüren mit einander verbundene, ungleich grofse Badefäle mit grofsen Piscinen und Solien (Einzelbädern) an. Vor die zwei mittleren Säle, und von diefen aus zugänglich, legen fich 5 kleine Räume, von denen 2 kreisrund mit runden Piscinen und 3 andere oblong mit Hypocauften verfehen find. Vor den 3 mittleren liegt das Praefurnium; ein kleines Gelafs theilt den fchmalen offenen Wirthfchaftshof auf der Südfeite in zwei gleiche Theile, blieb aber von jedem der Höfe aus zugänglich. Wir glauben nicht zu irren, wenn wir mit Leibnitz die Anficht feft halten, dafs in dem genannten kleinen Raume die warme Quelle gefallt war und dafs von hier aus die Zuleitung des Thermal-Waffers erfolgte. Es lief dann am wärmften in die zwei kleineren Baffins und in die Solien diefer zwei Säle, die den wirklich Kranken zum Gebrauch dienten. Diefe konnten lieh dann nach dem natürlich warmen Wafferbade (Caldarium) durch die Thüren x und y in die Schwitzzellen (Laconica) und nach dem kreisrunden Labrum oder Frigidarium zu den kalten Uebergiefsungen oder Abwafchungeu begeben. Schon mehr abgekühlt, gelangte das Thermal-Waffer in die grofsen Baffms, welche mehr von den fich Erholenden und auch von Gefunden benutzt wurden. Die Nifchen in diefen beiden grofsen Sälen konnten entweder Scholae oder Solia fein. Technifch intereffant ift die Art der Bekleidung des Baffm-Randes und der Stufen mit Dolomitplatten (Fig. 311). Von befonderer Anlage find auch die Bäder von Nimes mit ihrer Quelle, grofsem Periftyl mit den niederen Säulen, Nifchen und Schwimm-Baffin, von denen Camna 2i3 ) ein wenig plaufibles Bild giebt, und die von ihm gezeichneten Meerbäder von Stura 244 ). 2 «) A. a. 0., Sez. III, Tav. CXLIV. 2«) Ebenda!., Tav. CXLIII. 350 374 - Triumphbogen. 375 - Erhaltene Bogen. 376 * Material. 20. Kapitel. Triumphbogen, Ehrenfäulen und Standbilder, a) Triumphbogen. Zu Ehren der heimkehrenden Sieger wurden in der Hauptftadt wohl fchon in früher Zeit feftlich gefchmückte Pforten oder Bogen, aus Holzwerk gezimmert, mit bemalter Leinwand behängt, mit Blumengewinden, Kränzen und Trophäen ge- fchmückt, errichtet; fie fanden quer über der Strafse, durchweiche der Triumphzug ging, Aufftellung und wurden nach Ablauf der Fefllichkeit wieder abgetragen. Diefe vorübergehenden Decorationen wurden in der Kaiferzeit zu flehenden Bauten umgewandelt als monumentale Zeichen, die den Ruhm eines Triumphes im Gedächtnifs des Volkes für alle Zeiten erhalten follten. Anfangs klein und ohne befonderen Aufwand, mit nur einem Durchgang errichtet, nahmen fie in der Folge gröfsere Verhältniffe an, erhielten drei Durchgänge und wurden in reichfter Weife mit Sculpturen (Reliefs und Statuen) und Infchriften gefchmiickt. Die flehenden Bogen, welche von Livius (XXXIII, 27 und XXXVII, 3) in der Zeit der Republik erwähnt werden, können nach dem klaren Wortlaute des Textes nicht als »erfte« fleinerne Triumphbogen angefehen werden. Der eine von L. Ster- tinius aus der Kriegsbeute beim Niederlegen feines Commandos in Spanien, das ausdrücklich ohne triumphalifche Ehren vor fich ging, der andere von P. Scipio Africanus vor Beginn des Feldzuges erbaut, waren wohl fog. Jani, d. i. Bogen zur Zierde der Stadt, mit vergoldeten Bronze-Figuren und marmornen Wafferbehältern gefchmückt; fie heifsen auch Fornices und nicht Arms, wie die des 2 'itus, Sept. Severus und Conflantin. Die kaiferlichen Bogen befchränkten fich Anfangs fchon nicht ausfchliefslich auf die Hauptftadt; fie fanden eben fo gut in den Provinzen ihre Aufftellung. Wir können folche aufserhalb Roms verfolgen in Benevent, Ancona, Rimini, Sufa, Aofta, Verona, Pola, S. Remy, Orange, Befangon, Carpentras, Cavaillon, Rheims, Alcantara, Merida, Bara, Caparra, Athen, Thebaffa und El Kafr. Unter diefen find die dem Augußus , Trajan und Hadrimi dedicirten am meiften vertreten. Rom allein hat jetzt noch fechs meift gut erhaltene Triumphbogen aufzuweifen: die Bogen des Sept. Severus , des Gallienus, des Drufus, des Titus und des Conßantin, fo wie die dem Sept. Severus geweihte fog. Pforte der Goldfehmiede am Forum boarium; von dem prächtigen, einft mit Säulen aus Verde antico gefchmückten Bogen des Marc-Aurel find wenigftens noch die kofibaren Reliefs (jetzt im Confervatoren-Palaft) erhalten geblieben. Gut erhalten find auch die Bogen in Benevent und Ancona; alle find jedoch ihres metallifchen Schmuckes, der vergoldeten Bronze-Standbilder, Reiterfiguren und Pferdegefpanne, welche auf den bezüglichen Medaillen angegeben find, beraubt. Die Spuren der Befeftigung deffelben find an vielen leicht erkennbar (z. B. in Ancona). Die meiften Bogen find aus widerftandsfähigem, koftbaren Materiale ausgeführt; fo beftehen z. B. beim Bogen des Sept. Severus (203 n. Chr.) der Unterbau aus Travertin, die Säulen aus prokonnefifchem, das Uebrige aus pentelifchem Marmor; der Bogen des Titus ift gleichfalls aus pentelifchem, die Säulenfchäfte des Conftantin- Bogens find aus numidifchem (Giallo) , die Statuen der Dacier aus phrygifchem, 35 i dem fchön purpurgeäderten Pavonazetto , die Köpfe und Hände derfelben aus weifsem Marmor hergeftellt. Im Grundplane zeigen fich die Bogen meift als fchmale Mauerftreifen oder Couliffen, welche in der Mitte eine grofse Durchgangsöffnung haben, zu der in fpäterer Zeit noch zwei Seitenöffnungen hinzutraten. Fig. 314 giebt eine Zu- fammenftellung der üblichen Grundriffe. Bei den älteren Monumenten bleibt der Fig. 314. Or^nqt, Constanfin-T\om. /lncona~ >> //■////>■" Vs/sssSs/ diefer Schöpfungen ift wirkungsvoll und gefchickt vertheilt und angebracht; fie zählen mit zu den eigenartigften, charaktervollften und bellen Leiftungen der römifchen Baukunft. Der Form und nicht der Bedeutung nach find hier noch die Eingangs erwähnten Jani einzuftellen, die Bogen, welche entweder facraler Natur und mit 353 Fig. 316. fflVOTlTODMYiSPASl_ VHSPASJAMÖ A¥G¥STO 7 VVz<:,y-Bogen in Rom. Götterftatuen gefchmückt waren und zur Zierde der Stadt errichtet wurden oder die, um gelegentlich Obdach zu gewähren, an Strafsenkreuzungen oder öffentlichen Plätzen Aufftellung fanden. Ein Beifpiel eines folchen vierftirnigen Bogens ift in dem nichts weniger als fchönen und recht falopp ausgeführten, jetzt der Statuen beraubten Bogen des Janus Quadrifrons in Rom erhalten. b) Ehrenfäulen und Standbilder. Ein weiterer, in der Kaiferzeit beliebter, an die Perfon des Feldherrn und des Kaifers, fo wie ihrer Thaten erinnernder Denkmalfchmuck war die Ehrenfäule. Urfprünglich, nach griechifchem Vorbilde, ein Piedeftal für ein Standbild, wurde fie fpäter auch zur Trägerin der bildlichen Darftellung der Thaten des Gefeierten, welche fie, auf ihrer Mantelfläche in Relief gemeifselt, zur Schau trug. Das Denkmal fetzte fleh aus einem vierfeitigen, mäfsig hohen Unterbau, aus der Koloffal- Säule felbft, aus dem cylindrifchen, mit einer Kuppe verfehenen Aufbau, der die Statue aufnahm, zufammen. Sie wurden bei Verdienften um den Staat, früher vom Senat, fpäter vom Volke zuerkannt und die Koften aus Staatsmitteln oder durch Sammlungen gedeckt. Handbuch der Architektur. II. 2. 23 380. Ehrenfäulen. 354 3Sl - Zu den älteften Ehrenfäulen in Rom gehörte die Columna roßrata, welche dem Erhaltene _ , Säulen. Duilius zu Ehren errichtet wurde und zur Erinnerung an deffen Seefieg mit Schiffs- fchnäbeln gefchmückt war (26 v. Chr.). Einen Anhaltspunkt für die Geftaltung derfelben geben jetzt nur noch die auf Silbermünzen des Augußus und Vefpaßan vorkommenden Piedeftale mit ihren durch Schiffsfchnäbel gefchmückten Standfäulen der Kaiferftatuen. Von den Ehrenfäulen jüngeren Datums ftehen in Rom, Cuffi, Alexandreia, Ankyra, Conftantinopel, Brindifi noch wohl erhaltene Beifpiele, voji denen die dem Trajan und Marc-Aurel in Rom geweihten die prächtigften und fchönften find. Aus 28 cylindrifchen Marmorblöcken conftruirt, erheben fich beide auf viereckigem Unterbau 27 und 29V2 m hoch in die Luft und zeigen in 22, bezw. 20 Spiralwindungen und in 200 m langen Relief-Darftellungen Scenen aus den Kriegen Trajan's gegen die Dacier und Marc-Aurel' s gegen die Marcomannen. Wendeltreppen von 185, bezw. 206 Stufen führen im Inneren zur Plattform, zum Abacus des Kapitells empor, auf dem fich der cylindrifche Unterfatz mit Kuppe, welche das eherne, vergoldete Standbild des Kaifers trug, erhebt. An die fonft übliche Cannelirung der Säulen ift in einem fchmalen Anfatz unter dem Wulft des Kapitells erinnert. Fig. 317 . Tos i'wnt drr Tr^nssault^' 135 r.rA^viw^i vi~NTKVA: r .ThrtK^v- Arr\rmKri>:PiiTfqi)TfK'H;u.All , ir!EKl^H ISSI vofUiMiNiiiiiriinimii »ES»’ jtjmmmumi mm lUMiMg IMi W L5JE I; 382. Die Unterfatze der Trajan- und Antonin- Säule (Fig. 317) geben wünfchens- piedeftaie wer the Anhaltspunkte, in welcher Weife die Piedeftale für Einzelftandbilder behandelt Standbilder, waren; ein weniger anfpruchsvolles Piedeftal, welches das Standbild des Agrippa 355 trug, ift uns beim Propyläen-Aufgang in Athen erhalten geblieben. Jedenfalls war aber auch die cylindrifche Geftalt, die Säule, und die dreifeitige Form (Unterfatz der Nike des Päonios, verfchiedene Candelaber-Unterfätze) nach griechifchem Vorbilde in Uebung. Eine künftlerifche Durchbildung erhielten auch die Wegfäulen, Meilenfteine (Milliaria), die alle 1000 Schritte an den Heerftrafsen aufgeftellt waren. Auf viereckiger Plinthe erhob fich der cylindrifche Schaft mit korinthifcher Bafis und einfachem Karnies-Kapitell; auf der durch horizontale Ringe getheilten Mantelfläche waren Zahlzeichen und Infchriften eingehauen und das Ganze wohl durch Kugel und Spitze bekrönt 247 ). 2i. Kapitel. Stadtmauern und Thore; Aquäducte, Waffer-Refervoire und Brücken; Pflafterungen und Bürgerfteige. Die in der Ueberfchrift genannten Bauwerke gehören, ftreng genommen, in das Gebiet der Feftungsbaukunft und des Ingenieurwefens und können defshalb nur fo weit in Betracht kommen, als viele Thore und Durchläße bei Aquäducten und Brücken architektonifch intereffant durchgebildet find. Die zur Vertheidigung eingerichteten Stadtmauern waren in gewiffen Intervallen durch halb runde oder viereckige Thürme bewehrt und mit Zinnen verfehen; be- feftigte Thore vermittelten den Zugang in das Innere der Stadt. Die Stadtmauern Pompejis und Roms geben noch den wiffenswerthen Auffchlufs über die Geftaltung derfelben, die aus Fig. 318 erfichtlich ift. Sandftein-, Tuff- und Kalkfteinquader, fpäter auch Backfteine dienten als Baumaterial. Thorbauten konnten auch der offenen Stadt angehören, und fie unterfchieden fich dann in der Anlage wefentlich von den Thoren befeftigter Städte. Die erfteren waren gewölbte Durchläffe für Fuhrwerke und Fufsgänger; die anderen hatten eine Einrichtung, welche wir bei den etruskifchen Thoren (fiehe Art. 25, S. 15 bis 21) fchon kennen gelernt haben und die aus einem äufseren, durch Fallgitter und einem inneren, durch eifenbefchlagene Holzthürflügel verfchliefsbaren Thorweg be- ftand und aus einem Propugnaculum, einer Art offenen Vorhof, der die beiden von einander trennte. Das Herculaner Thor in Pompeji und das Anguftus-TYiox in Aofta (Fig. 319) zeigen noch diefe Einrichtung und den Anfchlufs an die Stadtmauer. Die älteren Thore hatten, wie die etruskifchen, nur einen gröfseren gewölbten Durchlafs, während fpäter bei offenen und beteiligten Städten neben diefen auch folche mit zwei Durchläffen {Porta dei Borfari in Verona, Porta maggiore in Rom, Porta nigra in Trier, Seethor in Pompeji) oder mit dreien (Herculaner Thor in Pompeji, Thor in Aofta) oder auch mit vieren (Stadtthore in Nimes und in Autun) zu finden find. Bei den zweithorigen Anlagen konnten die Oeffnungen gleich grofs und für Fufsgänger und Fuhrwerke beftimmt fein, oder fie waren ungleich und dienten, wie am 383- Wegfäulen. 384- Stadtmauern. 385. Stadtthore. 247) Vergl. die Abbildung bei Canina a. a. O., Sez. III, Tav. CLXXX1II — ferner bei: Rich a. a. O., S. 394. 356 Fig- 3* tompfj; Seethor in Pompeji, die eine für Fufsgänger, die andere für Fuhrwerke. Bei den drei- und vierthorigen waren gewöhnlich die mittleren für Wagen und Pferde und die kleineren feitlichen für Fufsgänger beftimmt (Aofta, Au- tun, Nimes). Die Thorwege waren häufig durch Galerien und Ober- gefchoffe überbaut und zwifchen Flankenthürmen eingekeilt (Aofta, Trier, Fanum). Beifpiele von Anordnungen der verfchiedenen Durchläffe giebt Fig. 319 24S ). Ernft und ftreng ift gewöhnlich der Charakter diefer Werke, mit verhältnifsmäfsig wenig Schmuck am Aeufseren. Nach etruskifcher Art find zuweilen die Schlufsfteine der Bogen durch Köpfe ausgezeichnet (Nolaner Thor in Pompeji), oder die Bogenquadern gehen fchmucklos durch. Trotzig und gut wirkt die Porta ihren nur vorgerichteten Profilen neben der ziemlich reichen Blendfäulen- und Bogen-Architektur. Eine Abficht oder einen befonderen Feftungsftil möchte ich in der halb fertigen Steinmetzarbeit diefes Bauwerkes nicht erkennen, obgleich es 91 'WWVA " Vs/ss/Z, Fig. 319. x ompflU. m nicht unmöglich wäre, dafs man fich beim vorliegenden Zwecke in der fpäten Zeit der Erbauung in einer folchen gefallen haben konnte. Wahrfcheinlicher ift, dafs man in unruhiger Zeit es bei diefem Stadium der Arbeit bewenden liefs, indem ja der Bau auch fo feinen Zweck erfüllte. Eine halb fertige Steinhauer- 248 ) Vergl. in diefer Beziehung ferner: Mazois a. a. O. — weiters: Overbeck a. a. O. — endlich: Canina a. a. O., Sec, III, Tav. V, VI, VII, VIII u. IX und auf Tav. XI, XII die ganz fchlichten, thurmbewehrten Thore Roms. 357 arbeit zeigen beifpielsweife auch die Propyläen in Athen, die Tempel in Segeft, Paeftum etc. Gleich wirkungsvoll, nur reicher im Detail, ift die fog. Porta maggiore in Rom, ein Durchlafs unter den Aquäducten der Aqua Claudia und Anio nova. Die dreifach getheilte, mit langen Infchriften bedeckte Attika enthält die Canäle der zwei Wafferleitungen; der tragende, maffive Travertin-Unterbau ift aus Ruftica-Quadern her- geftellt; zwei rundbogige, mit Ruftica-Keilquadern überwölbte Thoröffnungen, Durchgänge von zwei Strafsen, der Praeneftinä und Labicana, durchbrechen denfelben. Mittelund Eckpfeiler haben gleichfalls rundbogig überdeckte Oeffnungen, welche durch Aedicula umrahmt find, deren Ruftica-Säulenfchäfte (gleichgiltig, ob urfprünglich beabfichtigt oder nicht) jetzt mit den Ruftica-Quadern der Mauerflächen und Bogen übereinftimmen und zu den korinthifchen Kapitellen und den reich profilirten Gebühren und Giebeln einen wirkungsvollen Contraft bilden. Unter der mittleren Oeffnung ift eine weitere fichtbar, deren Schwelle unter dem gegenwärtigen Strafsen- Niveau gelegen ift (Fig. 320). Fig. 320. TTUJsi JVQR.MI A1II~T n^Mn 1—rrntnam i!fTlTniflliiiiii'm'iiiiiiii|niiii|iiiiiiiiHHiiiiniiiiifmiiimniiiiiinniin ^\\vvG.\VV\\\hwv\s\\\\v\^ I •////////,,>*\ null Einen einfacheren Strafsendurchgang hat die Aqua Marcia, bei der heutigen Porta S. Lorenzo. Drei Canäle find über einander weggeführt, von denen fich der untere, hinter dem Gebälke, der mittlere hinter dem Giebel, der obere hinter der Attika des Thoraufbaues birgt. Der Durchlafs befteht aus einem einfachen, durch Kämpfer und Schlufsftein markirten Bogen mit abgeplatteten Archivolten, rechts und links von Pilaftern mit dorifirenden Kapitellen eingefafft, über dem fich dann der gedachte, aus Gebälke, Giebel und Attika beftehende, mit Infchriften ge- 1 386. Aquaeduct* Thore. 358 fchmückte Aufbau erhebt. Fig. 321 giebt den Querfchnitt diefes Thores und zeigt zugleich die einfache Conftruction der Wafferleitungs-Canäle, welche von Pfeilern und Bogen in einfach zweckentfprechender Form getragen und in langen Linien meilenweit durch die römifche Campagna zur Stadt geleitet waren oder noch find und heute, zum Theile in Ruinen, ein Guttheil zum malerifchen Reize der Umgebung Roms beitragen. Gleich einfach und zweckentfprechend waren auch die Refervoire ausgeführt, Refervoire. von denen uns in Bacoli in der fog. Piscina mirabilis , dem Schluffe des Julifchen Aquäductes, ein Beifpiel erhalten ift — ein Raum von 71 m Länge und 27 m Breite, mit auf 48 Pfeilern ruhender gewölbter Decke. Von Brückenbauten, eines der Kapitel, über das Vitruv eben fo wenig Auf- fchlufs giebt, wie über die gewölbten Grofsconftructionen des Hochbaues feiner Zeit, ift uns ein intereffantes Beifpiel .in der Fabricifchen Brücke (62 v. Chr.), heute Ponte di quattro Capi genannt, erhalten; fie verbindet die Tiber-Infel mit dem Ghetto und ift architektonifch einfach, aber intereffant durchgebildet. Die aus Travertin-Quadern mit Peperin-Kern gemauerten, sstnöurchgan|.drrfjipT'firc!^. 25™ weiten Bogen lehnen fich gegen einen 20™ breiten Strompfeiler, der von einem breiten gewölbten Durch- lafs durchbrochen ift, welchen dorifche Pilafter einfaffen. Bis auf die Brüftung und einige Ausbefferungen ift an diefem Werke alles antik, und es ift nicht unmöglich, dafs die Anfänge der erfteren in den zwei noch vorhandenen Hermen-Säulen mit den Löchern für Bronze- Spangen erhalten geblieben find. =»1 »r lliüit iwü r 1 “! z/// ////// \>s/s. '#JH Für gewöhnlich beftand übrigens das Brückengeländer aus einer niedrigen Mauer als Bruftwehr (Pluteus). Der Fahrweg (Via, Agger) der Brücken war, wie bei den Heerftrafsen, mit polygonalen Steinplatten (Lavablöcken) belegt und von erhöhten Bürger- fteigen mit Bordfteinen (Crepido) eingefafft. Architektonifch reiche Portale fperrten oder zierten oft die Mitte oder die beiden Enden der Brücken, wie in I St. Chamas, wo, wie am Bogen in Sufa, die Attika I durch liegende Löwen erfetzt war. Die Brücken zeigen W/sss/sA'////, den unter einander mannigfache Uebereinftimmung in der Anordnung und im Aufbau. Von Leiftungen, wie der Pont du Gard, und anderen verwandter Form können wir als abfoluten Nützlichkeitsbauten, gleich wie von den Wafferleitungsbogen der Campagna abfehen, die jedes architektonifchen Schmuckes entbehren. Von Pflafterungen der Land- und Stadtftrafsen find uns von Rom bis Pompeji 389. Strafsen- pflafterungen Proben in grofser Menge erhalten geblieben. Aus ungemein harten, forgfältig ge- und fügten, polygonalen Lavablöcken hergeftellt, haben fie der Zeit bis heute getrotzt. Trottoire. Die fanft abgewölbten Fahrwege fafften die Bordfteine der höher gelegenen Bürger- fteige (Margines) ein; eingelegte Trittfteine ftellten in den Städten die Verbindung von einem Trottoir zum anderen her 249 ). Hinter den 30 bis 40 cm breiten Bord- 249) Vergl. Mazois a. a. O. — ferner: Overbeck a. a. O., S. 59 . 359 fteinen wurde in Pompeji der Bürgerfteig aus feft gedampfter Erde, aus Sand, aus Ziegeln, aus gewöhnlichen Kalk- und Tufffteinen oder aus Marmorplatten ausgeführt, je nachdem der Hauseigentümer, dem Herftellung und Unterhaltung oblag, mehr oder weniger dafür aufwenden wollte. Den Bordfteinen entlang waren auch Prell- fteine angebracht; das Regenwaffer der Pthrftrafse lief durch verfchiedene Abzugs- Öffnungen im Pflafter in unterirdifche Canäle und wurde durch diefe aus der Stadt entfernt. Die Pflafterungen der Strafsen in der Stadt Rom wurden übrigens erft fpät und allmählich durchgeführt, fo dafs noch nicht einmal im Jahre 45 v. Chr. die ganze Stadt damit verfehen war. 22. Kapitel. Gräber und Grabmäler. Das Grab war auch bei den Römern, »nach der übereinftimmenden Anficht des Alterthumes, eine Wohnung, in welche der Verftorbene zieht, um dort eine andere und beffere, aber doch fe'inem früheren Leben entfprechende Exiftenz zu beginnen; es hat daher den Charakter eines Haufes (finnbildlich oder wirklich), welches, fowohl für den Todten, als für die Zufammenkünfte der Familie bei den Todten, einer beffimmten Einrichtung bedarf«. Defshalb wurden den Todten Kleider, Effen, Geld, Waffen, Handwerkszeug etc. mitgegeben, den Frauen Toilette- Gegenftände, den Kindern Spielzeug 250 ). Sinnbildlich verkörpert fich das Haus fowohl in den Afchenkiften von Albano, die der alten Hirtenhütte, der Capanna, nachgebildet find, als auch in den fchräg geftellten, gleichfam Obdach gewährenden Dachziegeln des Soldatengrabes. Der Wirklichkeit nahe gebracht, fehen wir es in den grofsen, aus dem Felfen gemeifselten Grabkammern mit den verfchiedenen Gelaffen und in den mehrgefchoffig emporgebauten Grabmälern der Grofsen und P'ürften und fanden es früher fchon in den Gräbern der Etrusker und in den den Holzhäufern oder den Holz- und Steinhäufern nachgebildeten, kleinafiatifchen Felfengräbern. Form und Gröfse der neuen Wohnung hing zum Theile von der Art der Be- ftattung der Todten ab — hier vom Begraben oder Verbrennen. In Rom und Latium war das Begraben die ältefte Sitte; neben diefem lief, gleich wie in Etrurien, das Verbrennen her, und es war bald der eine, bald der andere Gebrauch vorherrfchend. Im I. Jahrhundert u. Z. find in Rom Sarkophage eine Seltenheit; häufiger kommen fie in der Zeit der Antonine vor und regelmäfsig im III. und IV. Jahrhundert, in welcher Zeit das Chriftenthum dem Verbrennen wieder ein Ende machte. Uebrigens wurde letzteres nie ganz aufgegeben; noch Carl der Grofse hatte Verbote dagegen zu erlaffen. Für das Verbrennen diente ein befonderer, vom Begräbnifsort getrennter ummauerter Raum, ein Ußrinum. Die Wohlhabenden befafsen zu diefem Zwecke in der Nähe ihrer Gräber ein Stück Land; Unbemittelte gaben ihre Todten an die öffentlichen Verbrennungsftätten. In Rom felbfi: findet man als die ältefte Art des Begräbniffes in Felfen gehauene, 3,80 m lange und 1,93 m breite Grabkammern, ftets für 4 Leichen hergerichtet, 390- Todten-Cultus. 39 1 - Beftattungs- art. 39 2 - Begräbnifs- art. 250) Vergl. Marquardt u. Mommsun a. a. O., Bd. VII, S. 355 . 3 6° 393 - Begrabnifs- ort. 394 - Strafsengräber. 395 - Freibauten. die mit den Füfsen nach der Eingangsthür gelegt wurden; ferner Steinkaften, aus einem Stücke gearbeitete, 60 X 40 X 55 cm grofse Cinerarien. oder aus mehreren Stücken zufammengefetzte und mit einem flachen Deckel verfehene Sarkophage mit eingefchloffenen Thon- und Bronzegefäfsen; weiter aus Quadern conftruirte, 5 X 4 m grofse Grabkammern, die etwa aus Sullanifcher Zeit flammen. Hierher find auch die tiefen Brunnengräber (. Puticuli ) zu zählen, Maffenbegräbniffe für arme Leute und Sclaven, die unverbrannt über einander geworfen und der Verwefung überlaffen wurden. Hingerichtete Verbrecher liefs man auf dem Felde als Beute der Raub- thiere liegen. In Pompeji wurden arme Leute im Pomoerium, am P'ufse der Stadtmauer be- ftattet und der Name der Beftatteten in die Steine der Stadtmauer eingekratzt oder der Ort durch Aufftellung von Cippen in Hermen-Form gekennzeichnet 251 ). Die Vornehmen, fo z. B. jede römifche Gens, hatten gemeinfame Begräbnifs- plätze, wo die Genoffen deffelben Namens, ihre Freigelaffenen, auch Clienten und F'reunde ihre Ruheftätte fanden. Bis zur Kaiferzeit ’ reichen diefe Gentil-Be- gräbniffe. In ältefter Zeit follen die Römer ihre Todten im Haufe und innerhalb der Stadt beerdigt haben. Aber fchon das XII. Tafelgefetz enthielt das Verbot: ■»Homiucni mortuwn in urbe ne fepelito , neue urito«., welches immer in Giltigkeit blieb. Nur die Veftalinnen und einzelne Perfonen wurden » virtutis caufai davon fuspendirt. So hatten die Valerier und Fahnder ein Erbbegräbnifs am Forum; in feltenen F'ällen wurden folche durch eine Lex auf dem Mars-Leide angewiefen 252 ). Aufserhalb der Stadt — wenn nicht auf einem Landfitze — unmittelbar vor den Thoren begannen die Begräbnifsftätten, und alle von Rom ausgehenden grofsen Strafsen waren mit Grabmälern befetzt, welche mit ihren Infchriften das Gedächt- nifs an die Todten wach halten mufften; an der Via Flaminia, Claudia, Salaria und Nomentana, an der Via Praeneflina, Tiburtina, Labicana, Appia, Latina, Oflienfis, Laurentina und Aurelia erhoben fich und erheben fich zum Theile noch die Denkmäler zum dauernden ehrenvollen Andenken, welches oft die Grabmäler der Reichen als Werke höchfter Pracht, die der Kaifer als Koloffal-Bauwerke erften Ranges entliehen liefs. Diefe Strafsengräber find nach ihrer architektonifchen Form und nach ihrer Beftimmung verfchieden. In erftgenanntem Sinne unterfcheiden wir: unterirdifche Grabkammern nach etruskifcher Art, wie wir fie in Caere, Perufla u. a. O. (in Art. 58 , S. 73 ) kennen gelernt haben, und Freibauten von verfchiedener F'orm, Grofse und Bauart; in letztgenanntem: Familiengräber, Columbarien, Grabftätten für Unbemittelte und Gräber einzelner Perfonen (Kaifergräber). Die Freibauten find es, welche zunächft unfer Intereffe feffeln, da in ihnen ein Guttheil römifcher Bau- und Bildhauerkunft verkörpert ift. Von fpecififch »Römifchem« kann auch bei diefen nicht die Rede fein, wenn nicht die Columbarien als folches bezeichnet werden follen, welche reiche Familien und befonders die Kaifer als gemeinfame Grabftätten für ihre zahlreichen Sclaven und Freigelaffenen bauten; Speculanten machten es ihnen in anderem Sinne nach, indem fie Columbarien für arme Leute, die nicht fo viel Geld hatten, um ein eigenes Grab zu kaufen, gegen eine Entfchädigung errichteten. Die Erbauung derfelben wurde in der Folge ein 251 ) Vergl. Overbeck a. a. O., S. 396. 252 ) Vergl. Marquardt u. Mommsek a. a. O , Bd. VII, S. 350. 36 i Gegenftand von Gefellfchafts- oder Genoffenfchaftsunternehmungen. Der praktifche Sinn der Römer erkannte wohl bald in diefer Beftattungsart wirthfchaftliche und pecuniäre Vortheile, da fie wenig Grund und Boden und geringes Anlage-Kapital erforderte. Sonft cultivirten fie die Grabmalformen aller Völker, mit denen fie der Krieg oder der Handel in Berührung brachte. Der etruskifche Tumulus und die ägyptifche Pyramide, Tempelgräber und Grabthürme etc. kommen neben einander vor; neben vielem Schönen auch manches Schrullenhafte, wie das Bäckergrabmal des Euryfaces in Rom und das Triclinium funebre in Pompeji. In einfachfter Durchführung waren die Freibauten mit einer Mauer umfriedigte kleinere Grundftücke, in denen man mehrere Todte begrub, deren Platz durch Grabfteine oder Cippen in Hermen-F'orm bezeichnet wurde, von denen Fig. 322 zwei Beifpiele aus Pompeji und Rom giebt; den ausgemeifselten Geräthfchaften nach zierte der römifche Stein (Mufeo Capito- * Ig ' 322 ' lino') einffc das Grab eines mehr oder weniger berühmten Fachgenoffen. In reicherer Form treten die Freibauten als Grabnifchen (Exedrae ) über dem unterirdifchen Grabe, als gröfsere mit Tuffquadern bekleidete Monumente in Altarform auf einem maffi- gen Unterbau, der die Grabkammer enthält (Pompeji), und als Monumente in Tempelform (Rom, Pompeji , Palmyra) auf. Letztere zeigen fich in Rom und Um- gregend zum Theil als reizende Backftein-Architekturen, von denen die beiden noch erhaltenen, öfter genannten Bauwerke, Scdia del Diavolo und Tempel des Detis Rediculus, fchöne Beifpiele find. Runde und polygonale Denkmalbauten find uns zum Theile in Ruinen noch erhalten im Grabmal der Familie Toffia bei Tivoli und in den Kuppelbauten bei Tor de Schiavi und Torre pignattara und ein grofsartigftes Beifpiel im Begräbnifs- tempel des Diocletian zu Spalatro. Gewöhnlich zweigefchoffig aufgeführt, enthielt das untere Stockwerk die Grabkammer, während das obere als kapellenartiges Heiligthum ausgebildet war und wohl als Verfammlungsfaal der Familie bei den Leichenfeierlichkeiten diente. Von viereckiger Grundform ift das mit Pilaftern gezierte Grabmal des C. Poblicius V5 f M-L ■ ’'AvLPC ;A TLX MALBVTIV-S -M-L'fV CA LUSTRAT VS.T V.MAL - - MEScjlJjg 396- Einfache Formen. 397 - Rund- und Polygonalbauten. 362 398 - 7 'umuli. 399* Felfengraber etc. 400. Sarkophage und Urnen. Bzbiilus in Rom und das mit einem Portikus von 6 Säulen gefchmückte Tempelgrab in Palmyra (Fig, 323). Am gleichen Orte fleht auch der in feinem Inneren mehrere Stockwerke mit Wandvertiefungen zur Aufnahme von Urnen bergende Grabthurm, deffen äufserer Schmuck, aufser der Eingangsthür, aus einer Bogennifche mit auf Confolen ruhendem Balcon befteht, der das Standbild des Todten ausgeftreckt liegend trägt 253 ). Die gut erhaltene Pyramide des Ceftius in Rom fei als Beifpiel für das Vorkommen auch diefer Grabmalform erwähnt. Bei den gröfseren Denkmälern klingt der Gedanke des etruskifchen Tumuhis immer wieder durch. Auf quadratifchem Unterbau erhebt lieh ftets ein cylindrifcher Oberbau mit kegelförmiger Abdeckung. Weder das zierliche Grabmal der Julier in Saint-Remy aus der Zeit des Triumvirats 254 ), noch das wuchtige der Caecilia Metella, noch die koloffalen Kaifergräber des Auguflus und des Hadrian können fich davon frei machen. Gleichgiltig, wie die Wandflächen der einzelnen Aufbauten gegliedert, decorirt oder durchbrochen oder aus welchen Materialien die einzelnen Theile hergeftellt find, immer finden wir Cubus, Cylinder und Kegel in diefer Reihenfolge auf einander ge- ftülpt 255 ). Von der gewaltigen Gröfse des letztgenannten Kaifergrabes, der Moles Hadriani, giebt deren Unterbau, die heutige Engelsburg in Rom, noch einen Begriff. Von aus dem Felfen gehauenen Grabkammern kann als Beifpiel in Rom das Scipionen- und Nafonen-Grab angeführt werden, von prächtig ausgefchmückten, gewölbten Grabkammern die zwei von Fortunati , an der Via latina aufgedeckten mit ihren koftbaren Stückarbeiten und reichen Malereien an den Decken. Die in den Grabkammern aufgeftellten Sarkophage und Urnen wurden aus Thon, Alabafter, Tuff, Kalkflein, Marmor, Porphyr, die Urnen auch aus Glas angefertigt und waren Kunftgegenftände geworden, denen man in der Ausführung eine ganz be- fondere Sorgfalt angedeihen liefs. Auch in diefen hielt man fich zumeift an die etruskifchen Vorbilder; auch an ihnen wurde oft die Haus- oder Tempelform nachgeahmt, der Deckel im Sinne eines mit Ziegeln gedeckten Satteldaches mit allem Zubehör gebildet, während Feftons oder prächtige Reliefs die Wandungen fchmück- ten. Trotz der Aufftellung im dunkeln Raume hat man es nicht verfchmäht, der Ausführung die gröfste Sorgfalt angedeihen zu laffen, die fie oft zu Kunftwerken erften Ranges erhebt. Neben dem anfteigenden Deckeldache treffen wir auch einen flachen Polfter- deckel, auf dem nach etruskifcher Sitte das Bild des Verftorbenen mit feiner Gattin ruhte. Prächtige Beifpiele von Sarkophagen und Urnen find in den Mufeen von Fig. 323- r p ul erd Ifpmprl ■HIHIHI 253) Vergl. Wood, R. The ruins of Palmyra etc. London 1753. Taf. 36, 37, 39, 55, 56, 57 — ferner: de Vogüe a. a. O. 25i) Vergl Desjardins a. a. O., Bd. III, S. 16. 255) Vergl. die Befclireibungen der Kaifergräber und Reftaurationsverfuche derfelben in: Canina a. a. O., Sez. III, Tav. CCXXII u. CCXXIII. 363 Florenz, Rom und Neapel • Fig- 3 2 4 - in grofser Anzahl vorhanden ; befonders fchöne Urnen in dem an Ar- chitektur-P'ragmenten fo reichen Lateran-Mufeum und in der Sala dei Can- delabri desVatican (Fig. 324); der gediegenfte, nur aus ärmlichem Peperin ausgeführte Sarkophag des Scipio Barbatus im Vatican, der reichfte aus weifsem Marmor her- geftellte, mit der Ge- fchichte des Achilleus in vorzüglicher Relief-Dar- ftellung im Mzifeo Capi- tolino. Die erwähnten Co- lumbarien, wegen der Aehnlichkeit ihrer Einrichtung mit den Tau- benhäufern fo benannt, waren grofse, gewölbte Räume, deren 4 Wände in über einander liegenden Reihen mit kleinen halbkreisförmigen Nifchen, zur Aufnahme von Afchenurnen, vollftändig bedeckt waren und deren Zahl fich oft auf mehrere Hunderte belief. Jede Nifche war für 2 Urnen eingerichtet, welche, in die Mauer eingelaffen, die Afche des Verdorbenen enthielten und mit einem Deckel gefchloffen wurden. Die Namen der Verdorbenen waren jeweilig unter den Nifchen an der Wand angefchrieben (Fig. 325). Gemalte Vafen als Afchenkrüge kommen zwar in etruskifchen, nicht aber in römifchen und lateinifchen Gräbern vor; wo folche vorhanden find, dienen de zum IN nschmvrne susdtm ticdl wfisspm JMjrnioi in "Rom Schmucke der Grabkammern. Wer nicht einmal im Stande war, fich in einem Columbarium ein Plätzchen zu erkaufen, kam auf den öffentlichen Begräbnifsplatz; ein folcher war auf dem Campus esquilinus in Rom eingerichtet. Das Beifetzen der Afche gefchah dann entweder in Gruben oder, wie bei den Gräbern im Zehntland, unter Hohl- oder zufammengedellten Flachziegeln (Fig. 322). Im Mufeum zu Trier finden fich letztere zu einer Art von Sarg nach dem in Fig. 322 dargedellten Querfchnitt zufammengefetzt, oder es id aus 4 Plattenziegeln 401. Columbarien. 402. Gemalte Vafen. 403- Oeffentliche Jlegräbnifs- pHitze. 3 6 4 Fig. 325. J\6m i'scVjis CoiumW irii/m Iür 509 rtp^iort n iT! n ^ _I_ y 3MSl bHa 'OfO ^¥0’ fll 0000000000000 0000000000000000 LJ O^o^oojoojoj^|oo|ooj^^ 3 'm. so mit Boden- und Deckziegel ein Behälter conftruirt, der die Afchenurnen aufnahm und fie vor unmittelbarer Berührung mit dem Erdreich fchiitzte. Stein-Sarkophage und zufammengenagelte Holzfärge find bei den römifchen Begräbniffen in Trier nachgewiefen. 404- Die den unterirdifchen Gräbern einfachfter Art verwandten Katakomben waren Katakomben, e i ner religiöfen Gemeinde, hier der erften chriftlichen Gemeinden, nach deren Satzung die Glaubensgenoffen auch nach dem Tode zufammenbleiben füllten. 405- Eine befondere Stelle nehmen die grandiofen Felfengräber in Petra mit ihren Gräberblmeu. zum Theile überaus prächtigen, aus der abgefchrofften Felswand gehauenen Koloffal- Fagaden (bis 30 ra Höhe) ein, hinter welchen fich ftets ein fchmucklofer, unbedeutender Innenraum birgt, wie bei den ähnlichen Werken der Etrusker (Norchia). Sie ftammen meift aus dem III. und IV. Jahrhundert und zeigen eine Verquickung römifcher und einheimifcher (orientalifcher) Kunftweifen, bei gewöhnlich ftark an das Barocke ftreifendem Aufbau. »Charakteriftifch für Petra find die immer wiederkehrenden kleinen Urnenverzierungen oben und an den Seiten der Grabthüren. Die Kapitelle der Pilafter find meiftens roh und erinnern beinahe an ägyptifche Motive 256 ).« Das prächtigfte Grab dafelbft mit gutem Detail ift die 26 m hohe fog. Schatzkammer Pharaos, mit den gebrochenen Giebeln und dem kuppelgekrönten, fchlanken Thurme in der Mitte, der eine mächtige Steinurne trägt. Ein anderes übertrifft diefes zwar noch an Gröfse, ift aber von etwas fchwülftigerem Stile. Ein Beifpiel diefer Art giebt Fig. 326. An diefe peträifchen Arbeiten, namentlich in Bezug auf die Kuppelform, mahnt auch das 21 m hohe Secundiner-Grab- oder Ehrenmal im Dorfe Igel bei 25ß ) Vergl. Eädeker, K. Paläftina und Syrien. Von A. Socin. Leipzig 1875. S. 306—309. iiipflipiä i-- Ttlsrnfcntb in .PcIVva 366 Trier. Aehnlich geftaltete römifche Grabmäler will auch Barth im Süden von Tripolis (Africa) gefunden haben. Andere in Petra befindliche Monumente mit fich verjüngenden Wänden und flachem Dache, frei aus dem gewachfenen Felfen gearbeitet und durch breite Rinnen von diefem getrennt, ähnlich den Felfengräbern im Kidron-Thal bei Jerufalem, fcheinen aus früherer Zeit und mehr der einheimifchen Kunftweife entfproffen. Sie erinnern, wie jene, an verwandte Schöpfungen in Aegypten und Etrurien im Val d’Affo. (Vergl. Fig. 59, S. 67.) Fig. 327. '"Henri RaW_ ^rmomli'rf W-S.S inXntn (■■■llj! IO mV Literatur. Bücher über »Baukunfl der Römer«. Vitruv. De architectura. — DeutfcTie Ueberfetzung von F. Reber: Des Vitruvius zehn Bücher über Architektur. Ueberfetzt und durch Anmerkungen und Riffe erläutert. Stuttgart 1865. Piranesi, G. Le antichita Romane. Rom 1756. Canina, L. Gli edifici di Roma. Rom 1849— 5 2 - Reber, F. Die Ruinen Roms und der Campagna. Leipzig 1863. (2. Aufl. 1878.) Choisy, A. L'art de bätir chez les Romains. Paris 1873. {Motiv, edit. 1876.) Leger, A. Les travaux publics, les mines et la metallurgie aux temps des Romains etc . Paris 1875. Parker, J. G. The architecltiral hiflory of the city of Rome. London 1881. Atifser dtefen Werken wurden vom Verfafler noch die folgenden Schriften benutzt: Roma antiqua et nova etc. Inv. M. A. Bonorato etc. ScuIßt. A. Lafrerio. Rom 1544—75. I veßigi deir antichita. di Roma etc. da Stefano Du Parc (Lticnne Du Peracj etc. Rom 1575. Loffredo, F. L’antichita di Pozzuolo etc. Neapel 1675. (1. Ausg. 1580.) Desgodetz, A. Les edifices antiques de Rome etc. Paris 1682, 1695 u. 1779. Montfaucon, B. de. L’antiquite exßliqnee et reßrefe?itee en figures. Paris 1719. Wood, R. The rums of Palmyra etc. London 1753. 1,Franz. Ausg.: Les ruines de Palmyre etc. London 1753.) Wood, R. The rums of Balbec etc. London 1757. (Franz. Ausg.: Les ruines de Balbec etc. London 1757.) Ichnograßhia vetcris Romae cum notis J. P. Bcllorii. Rom 1764. Adam, R. Ruins of the ßalace of the emßeror Diocletian at Sßalatro in Dalmatia . London 1764. Cameron, Ch. The baths of the Romans etc. London 1775. Ponce, N. Arabesques antiques des bains de Livie et de la ville Adrienne etc. Paris 1879. Lavallee , J. Voyage ßittoresque et hißorique de VIßrie et de la Dalmatie, redigS d’aßres l'ttinlraire de L. F. Caffas. Paris 1802. Ponce, N. Collection des tableaux et aräbesques antiques trouvls a Rome etc. Paris 1805. Vai.adier, G. Raccolta delle ßiu inßgni fabriche di Roma antica etc. Rom 1810—26. Mazois, F. Lc ßalais de Scaurus, ou defcrißtion d’une maifon Romaine etc. Pricidi d’une notice biograßkique ßar M. Varcollier. Paris 1819. (4. Aufl. 1869.) Cresy, E. and G. L. Taylor. Architectnral antiqnities of Rome etc. London 1821 — 22. Mazois, F. Les ruines de Pomßei. Paris 1824—38. Blouet, A. Reßauration des thcrmes d’Antonin Caracalla, ä Rome etc. Paris 1828. Zahn, W. Die fchönften Ornamente und merkwürdigeren Gemälde aus Pompeji, Herkulanum und Stabiae etc. Berlin 1828—45. Platner, E., C. Bunsen, E. Gerhard u. W. Roestell. Befchreibung der Stadt Rom. Stuttgart u. Tübingen 1829—37. Larorde, L. de et Linant. Voyage de l’Arabie Petree. Paris 1830. Burckhardt, J. Der Cicerone etc. Leipzig 1835. {4. Aufl. bearbeitet von W. Bode 1879.) Schmidt, Ch. W. Baudenkmale der römifchen Periode und des Mittelalters in Trier und feinen Umgebungen. Lief. 1—5. Trier 1837—45. Tkxier, Ch. Defcription de VAfie mineure faite f>ar ordre du gouvernement frangais de 1833 h 1837 etc. Paris 1839—49. Ternite, W. Wandgemälde aus Pompeji und Herculanum etc. Mit erläut. Text von C. O. Müller. Berlin 1839—58. Isabelle, Ch. E. Les idifices circulaires et les domes etc. Paris 1843—45. Zrstermann, A. Ch. A. Die antiken und die chriftlichen Baftliken nach ihrer Entflehung etc. Leipzig 1847. Reynaud, L. Traiti d'architecture. Paris 1850—58. (3. Aufl. 1867 — 80.) Lanza, F. Dell' antico palazzo di Dioclciiano in Sßalato. Trieft 1855. Carrara, F. Die Ausgrabungen von Salona im Jahre 1850. Aus d. Ital. überf. von v. A. Haslingen-Schickfuss ; herausg. von J. F. Neigebaur. Leipzig 1854. Overbeck, J. Pompeji in feinen Gebäuden, Alterthümern und Kunftwerken. Leipzig 1856. (4. Aufl. im Vereine mit A. Mau 1884.) Caristie, A. N. Monuments aniiques h Orange, arc de triomphe et thcdtre etc. Paris 1856—57. Archives de la commifßon des monuments hißoriques publUes par ordre de fon excellence M. A. Fould etc. Paris 1856 ff. (Liv. 1—131.) Wetzstein, J. G. Reifebericht über Haurän und die Trachonen etc. Berlin 1860. Mittheilungen der k. k. Central-Commiffion zur Erforfchung und Erhaltung der Baudenkmale. 5. Jahrg.: Spalato. Von R. Eitelberger. Wien 1860. Rich A. Illuftrirtes Wörterbuch der römifchen Alterthümer etc. Aus d. Engl, überfetzt von C. Müller. Paris 1862. Hübner. Ueber das Alter der Porta nigra in Trier. Monatsberichte der Kön. Preufs. Akademie der Wiffenfchaften zu Berlin. 1864, Feb. Berlin 1865. S. 94. Vogü£, M. de. L’architecture civile et religieufe en Syrie du ler au Vlle fi'ecle dans la Syrie centrale. Paris 1866—77. Reber, F. Gefchichte der Baukunft im Alterthume. Leipzig 1867. Wilmowsky, v. Die römifche Villa zu Nennig etc. 1865 u. 1868. Bernoville, R. Dix jours en Palmyrene. Paris 1868. Nötling, E. Studie über altrömifche Thür* und Kaften-Schlöffer etc. Mannheim 1870. Palmer, E. H. Defert of the exodus: foriy years wanderings. London 187t. (Deutfche Ueberfetzung: Der Schauplatz der vierzigjährigen Wüftenwanderung Ifraels etc. Gotha 1876.) Adler, F. Das Pantheon zu Rom. Berlin 1872. Burton, R. and Ch. Drake. Unexplored Syria. London 1872. Froehner, W. La colonne Trajane d'apres le furmoulage exicuti ä Rome en 1861—1862 etc. Paris 1872—74. Parker, J. J. The archeology of Rome. London 1872—80. (New edit. of part VI: The via facra, containmg an acconnt of the excavations in Rome from 1438 to 1882. Oxford 1883.) Luynes de. Voyage d’ exfloration ä la tner morte, ä Petra et für la rive gauche du Jonrdain. Ed. de Vogiii. Paris 1874. Conze, A., A. Hauser u. G. Niemann. Archäologifche Unterfuchungen auf Samothrake etc. Wien 1875. Bädkker, K. Paläftina und Syrien. Von A. Socin. Leipzig 1875. Marquardt, J. u. Th. Mommsen. Handbuch der römifchen Alterthümer. Leipzig 1875—78. BlüMNER, H. Technologie und Terminologie der Gewerbe und Künfte bei Griechen und Römern. Leipzig 1875—84. Guhl E. u. W. Koner. Das Leben der Griechen und Römer nach antiken Bildwerken dargeftellt. Berlin 1876. Chipiez, Ch. Hißoire critique des origines et de la formation des ordres grecs. Paris 1876. Desjardins, E. Giographie hißorique et adminißrative de la Gaule romaine. Paris 1876—85. Nissen, H. Pompejanifche Studien zur Städtekunde des Alterthums. Leipzig 1877. Conze A., A. Hauser u. O. Benndorf. Neue archäologifche Unterfuchungen auf Samothrake etc. Wien 1880. Bender, H. Rom und römifches Leben im Alterthum. Tübingen 1880. Uggeri, A. Giornale pittoreschi degli edifizi antichi di Roma et dei contorni. Rom 1880. (Franz. Text-Ueberfetzung: Journies pittoresques des edifices de Rome ancienne. Von H. d’Auribeau. Rom 1880.) Kekul6, R. Die antiken Terracotten. Bd. 1, Abth. 1 u. 2: Die Terracotten von Pompeji. Von H. v. Rohden. Stuttgart 1880. Jordan, H. Capitol, Forum und Sacra Via in Rom. Berlin 1881. Mau, A. Gefchichte der decorativen Wandmalerei in Pompeji. Berlin 1882. Naeher, J. Die baulichen Anlagen der Römer im Zehntland (badifchen Antheils). Carlsruhe 1883. Hauser, A. Spalato und die römifchen Monumente Dalmatiens etc. Wien 1883. Geymüller, H. de. Documents inidiis für les thermes d’Agrippa, le panthion et les thermes de Diocletien. Laufanne und Rom 1883. Choisy, A. Uart de batir chez les Byzantins. Paris 1883. Fergusson, J. The Parthenon etc. London 1883. Lürke, W. Gefchichte der Architektur etc. 6. Aufl. Band 1. Leipzig 1884. Cohausen, A. v. Der römifche Grenzwall in Deutfchland etc. Wiesbaden 1884. Jordan, H. Topographie der Stadt Rom. Berlin 1884. Ronchaud, L. de. La tapifferie dans l'antiquiti etc. Paris 1884. Martha, M. Archiologie itrusque et romaine. Paris 1884. Lange, K. Haus und Halle. Leipzig 1885. Miller, K. Die römifchen Begräbnifsftätten in Württemberg. Stuttgart 1885. Hikschfeld, G, Paphlagonifche Felfengräber etc. Berlin 1885. Marucchi, H. Defcription du Forum Romanum et gttide pour le vifiter. Rom 1885. Ferner nachftehende Auffätze: Haussoulier, C. Le Panthion d'Agrippa, ä Rome. Encyclopidie d'arch. 1882, S. 36. 3 68 Uchard, J. Architeciure de Potnpiu Ordre ionique. Revue gen. de Farch. 1860, S. 242 u. PI. 45—53. Uchard, J. Architeciure de PompH. Ordre corinthien. Revue gen. de Farch. 1862, S. 145 u. PI. 38—40. Perrot, G. , E. Guillaume et J. Delbet. Exploration archiologique de la Galatie et de la Bithynie etc. Revue gin. de Farch. 1874, S. 235 u. PI. 52. Rochas, A. de. Principes de la forüfication antique. Revue gin. de Farch. 1880, S. 5 u. PU 1 — 3* Schöner, R. Das römifche Pantheon. Beil, zur Allg. Zeitung. 1883, Nr. 320, 329, 336, 337. L’atrio di Veßa. Notizie degli Scavi di antickitä 1883, Dec. Borrmann, R. Neue Ausgrabungen in Rom. Centralbl. d. Bauverw. 1883, S. 446. Normand, Ch. EJjfai für Fexißence d'une architeciure mHalliqne antique etc. EncycloP&die d‘dreh. 1883, S. 61. Mittheiiungen der Zürcherifchen Gefellfchaft für vaterländifche Alterthiimer. Bd. I: Römifche Gebäude in Kloten. Von F. Keller. Zürich 1837. Mittheilungen der antiquarifchen Gefellfchaft in Zürich. Bd. IX, Abth. 2, Heft 1: Die Schweiz in römifcher Zeit. Von Th. Mommsen. 1854. Bd. XII, Heft 7: Die römifchen Niederlafiungen in der Oftfchweiz. Von F. Keller. 1860. Bd. XIV, Heft 4: Römifche Alterthümer aus VindoniflTa, Von O. Jahn. 1862. Bd. XVI, Abth. 1, Heft 1: Aventicum Hehetiornm. Von C. Bursian. 1867. Stiller. Aus der Campagna von Rom. Zeitfchr. f. bild. Kunft 1878, S. 113. Holtzinger, H. Der Clitumnustempel bei Trevi. Zeitfchr. f. bild. Kunft 1881, S. 313. Fischer, H. L. Das Mufeum Tiberianum.. Zeitfchr. f. bild. Kunft 1882, S. 236. Salzenberg, W. Einige Bemerkungen über die Gewölbeconftructionen des antiken Rom. Zeitfchr. f. Bauw. 1857, S. 424. -!"! Berichtigungen. S. 9> Zeile 21 V. u. : Statt »Fig. 4 u. 5« zu lefen: »Fig. 4 u. 6*. s. 10 , » 17 V. 0. : Statt »Fig. 5« zu lefen: »Fig. 6«. 14 V. u. : Statt »Fig. 6« zu lefen: »Fig. 5«. S. 58, » 6 V. u. : Statt » abiegineas« zu lefen: » abiegneas «. S. 63» » 25 V. 0. : Statt » faßes « zu lefen: »faßt«. s. 108, B I v: u. : Statt »1873« zu lefen: »1883«. s. I 43i » 14 V. 0. : Statt »trugen« zu lefen: »trug«. s. 189, » 9 V. 0. : : Statt »fpeciel« zu lefen: »fpeciell«. s. 222, B 1 V. U. : Statt »Fig. 199« zu lefen: »Fig. 201«. s. 239. » 8 V. U. : Statt »Musmije« zu-lefen: »Musmiye«. s. 267, • 3 u. 4 v. u.: Statt »auf der neben flehenden Farbendruck- Tafel« zu lefen: »auf der Farbendruck-Tafel bei S. 283«. s. 291, » 5 V. u. : Statt »168« zu lefen: »169«. s. 329. * 23 V. u. und S. 330, Zeile 7 V. 0.: Statt »Loliliana« zu lefen: »Lolliana«. s. 366, » 10 V. u. : Statt »1879« zu lefen: »1779«. ' i &F\?FT 5&3 mmmm \? - $ ^ S** : *>*3 ';pV\--;j?> '?• ■::?? H$R> ■' '.ft^'£*•>* iri-: •- •&V*' Imm U. r: m TTTTT HdMlonqjg HOUfiz H13 -.:7:r«t^;l -stefywZ' j>£*£