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Je 8 He. 0 1 15** e ane Le Heli NN N 22* len 2 2 1 . 1 6 e. 4. eee, Z.. 8435. 2 Se.* 44 8 1 2 Jen en. 1. 29385. Ger. 1 1 44 ,, e, 25 b 6 0 2 0 8 enen e fee,. 208 0 60 1 4 . be abt, ge. Ge, Sean le. cike Cie. are i anf. gen lle mg f be, e 5 ge, 2 25 41* 7 5* . ae. 8 Lee. 25 eee.* Ax. 27 8 5 5 1 ee al 185 Fe. 1 0 25 3 Leg e He 5. a 425 250. N 7 4 1 4. 2 9 f. e gel, C0 4. n U 1 30 S 1 uuf, 5 05 ö . elan.. 176. GE. 8 8 5 5 * 92 Aus. 8 e S K. beg A* 2. 2 6. e, 5 50 3 eL. 0 f 0 1 3„ e e, el. 7 8 22 e. TN„. 8 en x 5 e 7. 781 ö ö 8 5 4 le. fene 5 4 4 gde I. 3 „% M bee. Fer. a Are Ii 100 1 — 2 Uœ-—ꝑ.ü f.— ⁰——+ ede e een — 8 N.„ 3 N* ö 0 0 J. 1 1 8 Nerſen L 5. Dapfffta. Lavermers.. ̃ 8 8 und Freüherrns 6 8 . onne 5353 n Türckej Prrſien p. 8 N S e Hei 9035 un 1 wach. 9 6855 5 Beſchreibung 5* IOHAN BAPTI5 TA TAVERNIER. . Bitter und Krehherꝛ von Aubonne, In Turckey /Perſien und I. innerhalb biertzig Jahren/ durch alle Hege/ die man nach dieſen Laͤnderen nehmen kan/ vernichtet:: Worinnen Vnterſchiedliche Anmerekungen von der Beſchaffenheit der Balg, Regierung/ Gebraͤuchen und Handlungen/ jeglichen Landes enthalten. Samt den Figuren/ Gewichten und dem Maß der Mang, welche in dieſen Laͤnderen gangbar ſind. Anfangs Frantzoͤſiſch beſchrieben/ und in drey Theil abgetheilt/ anſetzo aber nebenſt der Beſchreibung des Tüͤrckiſchen Serrails, und der Krönung des jetzt Regierenden Königs in Perſien/ in der Hoch⸗ 1 0 Sprach ans Liecht geſtellt/ Johann Herman Widerhold⸗ 85 Erſter The il/ Daunen di: eiſen nach Cuͤrckey und Perſten beſchrieben werden. — 1 5 1 5 0 0 60 0 5 „ 0 ———— 8 2. 2„ ö 45 . N, . 0 8„ — 5„ 2 2— 4 1 1 8 2*** 1 5 8 15 5 2 5 a 5 1 5 2 5 6s 0— 3 5 2 2 5 4 5—„ N 3 5* 8 8— U 8 0 5 1 8. 8 a 2. J 1„— 5 2255 7* 5 — 1 J K 3 f 5 7. 0 5 4. 1 ö * ** 3* U N 4 5 5 N. 4 N 8 8 1 f—. 2** 5 ie g 8 —. 7 4 8 8 5 2 5 45 8 7.* 0 7 5„* 7 0 7 5 0 2 1 1 N 1 2 5. 1 3 0 0 5 5 1 5 5 8— 7.— 7 5 7* 5 7 8„ 7 5 *. 7 8 8*— FAE ene 200 1 N 5 1 5 5 ——. N.— 5 0 1 0 5 5 9 5 f 5. 4 0* 5 A 1* 5 1 1 7 7 e u 85 2„ 5. 3 8 2 5* 5 8 18 7 7 N. 20— 5.— 8 1 15 93* 5 4*— 8„ Dem.. Bauuchleucheggſt⸗Bochgedohmen uüͤrſten und Herꝛen/ a Herꝛen 8 2. N a 75 0 CN E 5 Hertzogen zu Hachßen/ Juͤlich/ Clebe und Berge Eand⸗Grafen in Cuͤringen/ MargBrafen zu Meiſſen Befuͤrſtten Orafen zu Henneberg/ Grafen zu der Marck/und Ravensberg/ Herꝛen 833 zu Ravenſtein/ ie. Meinem Bnaͤdigſten Nuͤrſten und Herꝛen. Siutchleuchtigſter Nuͤrſt/ Gnaͤdigſter Gerz. N Eigung und Beg rde ſeind zwey Begungen die mic uns auff die Welt kommen/ und gleichſam 7 Eeigenſchafften unſerer Geburt ſind; deyde ſuchen nach beſchaffenheit der Seele jhren Enddd œweck/ und bemeiſteren dadurch die Sinnen und das Gemuͤke/ ich wurde auſz den Schrancken meines Vorhabens ſchreiten/ wann ich deſſen uͤberftuͤſſige Beweißchuͤmer anfuͤhren wolte/ allein wie ſolche ſelten berenderlich/ alſo iſt auch ihr Trieb nirgends ungemein/ und wann derſelbe der Vernunfft ſich unterworffen/ niemahls ohne eine gluͤckliche Endung. Durchleuchtigſter Puͤrſt. Eure Peutſeligleit/ die ich als ein unwuͤrdiger genoſſen/ hat eben die Neigung herauß gelocket/ die ein jeder/ ich kan ſagen die gantze Wel zu Euerem Durchleucheigſten Hauſe vor laͤngſten getragen/ die D i de aber de aber iſt ein ſteter Anreitzer geweſen/ ſolche demſelben unter Auggen zu legen/ wie ich dann bekennen muß daß dieſelbe mir bhiermnen wenig Ruhe gelaſſen/ und caͤglich ihren Endzweck f zu erlangen gecrachcec. Der Ruhm Eurer Groſzmuͤtigen Vorfahren/ inſonderheit aber die Tugenden Eures Surchlaͤuchtigſten Herzen Vacters ſel. haben ſich dermaſſen außgebreitet/ das Euer Geſchlechce unter den beruͤhmteſten ſtehee/ und in dem noch allen borzuztehen/ daßz/ ob ſchon andere mit Tapfferkeit/ Beichthum und Ir:diſchen Guͤtern/ ſich beſeeliget ſchaͤtzen/ ſo lan doch Eure Hochheit mit der Rroͤm̃igkeit als einem ſehr ungeme ien elemod prangen/ und den Vorzug behaupten. Es iſt zwar nicht ohne/ daß weltliche Augen woelcliche Dinge hoch halten/ allein wann ſie derſelben bergaͤnglichkeit erblicken/ ſo koͤnnen ſie ſolche nicht ohne berdrußz Fiuruͤcke ziehen. Es iſt nicht ohne/ daß die Welt einem unkuhigen Alexander Ghren⸗Saͤulen auffuchtet/ die doch ein ſanffemuͤtiger Veſpaſtanus beſſer erdient haͤtte. Es iſt endlich nicht ohne/ daß ihrer biel die Wele ſchrecken/ und ſich zu Goͤtteren machen wollen/ da ſie doch nicht wiſſen konnen/ wer ſie zu ſtuͤrtzen ſuche zallein wer dieſen Schatz/ welchen Ener SDiurchleucheigleit erblich erlanget/ beſtzt/ der iſt bel glückſeliger und viel hoͤher zu ſchaͤtzen/ je weniger er dieſe Hochhaltung zu erlangen erachtet. Vnd dieſes iſt auch niche die geringſte Vrſach geweſen/ die caͤglich zu meiner Neigung newe Anxeitzungen herfuͤr geſuchet/ die Begirde hac niemahls underlaſſen/ ſolche durch eyferige bemuͤhung an den Tag zu geben/ wie ich dann auch hiezu mittel und wege gefunden/ und zwar durch gegenwaͤrciges Buch/ welches ich zu Euerer Durchleucheigleit Puͤſſen lege. eee eee 0 aſſer Die Arbeit eines gluͤckſeligen ſucht auch eines Gluͤckſellgen Guuſt/ und meine Neigung eines Groſzmuͤtigen Gewogenheit: das Vertrauen aber erwartet eine angenehme GeFT A ˙²⁰¹-m ̃ VU ̃7—⁴ͤ—á2. ˙Ü ⁰w!T˙rÜ T: ²mm. ẽ ¹iu᷑̃ͤp R. 3 r J%%%%*ͤͤß d it ck C. it ic 2 2 6 i 5. 2 e. e 2 2 faſſer dieſes Vercks Eurer Hoheit an die Seite zu ſetzen/ nicht zwar dem Stande/ ſondern dem Gluͤcke nach/ dann den Ruhm/ den Eure Surchleuchtigkeit darch die Proͤmmigkeit erlanget/ hat dieſer durch Billichleit erworben/ ich laſſe dabon das Vrcheil der Welt und ſeine eigene Peder/ die er jederzeit mit hoͤchſter Beſcheidenheit gefuͤhret/ ſelbſten Antwort geben. Gleich wie er aber ſeine Dienſte einem groſſen Koͤnige zugeeignet/ als habe ich auch niche gezweiffelt/ meine Bemuͤhungen einem groſſen uͤrſten unter Augen zu legen/ und wie die Neigung/ welche die Vernunfft an der Seite fuͤhret/ nicht ohne eine gluͤckliche Vollendung ſeyn kan/ alſo kan ich auch ſicherlich hoffen/ meine Bemuͤhung werde gleich fals jhren Zweck erreicht haben/ wann Eure Hoheit ſolche mit geneigten Augen annehmen wird. Mein fuͤrnehmſtes Vorhaben iſt jederzeit geweſen/ daß ich die Selzamkeiten Pranckreichs auch unſerm Teutſchlande fuͤrzulegen getrachtet/ und hiezu habe ich mich um deſtomehr berpflichtet gehalten/ weil ich beyder Nach bar/ und das eine zu meinem Vatterlande gehabe. n Die gaͤntzliche Vergnuͤgung/ die ich durch dieſe Arbeit zu erlangen ſuche/ beſtehet auf der Gunſt/ deren ich mich um ſo biel mehr berſichert halte/ weil ich dieſelbe allbereit zubor von Eurer Daurchleucheigkeit genoſſen. Vnd dannenhero werde ich mich gluͤcklich ſchaͤtzen/ wann meine Neigung jhren Zweck erreicht/ und wann ich darchun kan/ daß ich ſey und zu bleiben gedencke Grnaͤdigſter(he: Eurer Durchleucheigkeit Vnterthaͤnigſter und gehorſamſter Diener Johann German Wdethold„ Porꝛed:· Affern demſelben die Begirde/ die ich der Welt zu dienen trage/ nicht W noch unbekandt iſt/ ſo zweifle ich nicht/ er werde diß mein Vorhaben ſich nicht miß fallen laſſen. Ich kan mich ruͤhmen/ daß ich die Luſt der Welt zu nutzen mit mir in die Welt gebracht/ und die Erfah8 rung wird zeuge ſeyn/ daß ſie niemahls in mir erloſchen iſt/ ſondern daß ſie allezeit mein vermoͤgen übertroffen. Mein fuͤrnehmſtes Abſehen aber iſt jederzeit geweſen/ der Teutſchen Nation gleichfals mitzutheilen/ womit die Außlaͤnder zu prangen geſuchet. Das Gluͤcke und eine un ver diente Gunſt hat mir Gelegenheit gegeben/ durch gegen wertiges Werck zu meinem Zweck zu kommen/ welches ich dem Scharffſinnigen und Großmuͤtigen Teutſchlande allhier under Augen lege. Die Guͤte deſſen/ und die darinnen enthaltene ungemeine Denckwuͤrdigkeiten/ haben meinem Vorhaben zur Wuͤrckung geholffen/ ſintemahl alle/ die ſolches in ſhrer Grund⸗Sprache durchblaͤttert/ ruͤhmen koͤnnen/ daß eben ſo wenig ſchlechtes und gemeines darinnen zu finden/ alß der Himmel unnötige Sternen/ und die Erde unnuͤtze Pflantzen traͤget/ wie hoch die Welt dem Verfaſſer deſſen/ der ſolches nicht ohne Sorge und Muͤhe/ derſelbigen mitgethellet/ verbunden ſey/ wird ein jeder ſelbſt bekennen und erkennen müſſen. Ich wurde ſeiner eigenen Beſcheidenheit zu wider handlen/ wann ich ihme deß wegen Ehren⸗Saulen auffrichten wolte. Allein ich kan nicht underlaſſen zu melden/ daß er allein in dieſem Seculo, das meiſte/ beſte/ und fuͤrnehmſte die Beſehaffen heit entfernter Laͤnderen unſerem Europa fuͤrgelegt. Ich welßz/ der Leſer bird ein mehrers ruͤhmen muͤſſen/ und frey geſtehen/ daß er diſes Ruhms nicht unwuͤrdig ſe. ee e ee en Der gelehrte Della Valle, der kluge Dapper/ der muͤhſame Schuͤtz/ nebenſt dem beruͤhmten Neuhoff/ und viel andere/ ſind auch nicht zu verwerfen geweßt/ allein ſie werden nichts deſto weniger unſerem Hoch ⸗Edlen den Preiß gerne laſſen/ je weniger ſeine Beſcheldenheit ſolchen ſich ſelbſt zueignen wird/ ſie haben zwar dieſem an Arbeit und Sorge ein gleiches gethan/ allein an Vollkommenheit und Gluͤckſeligkeit ſind ſie von ihme uͤbertroffen worden/ und wie wir dem erſten/ das Bey wort des Gelehrten/ dem Anderen des Klugen/ und den ubrigen etliche andere zugeeignet/ als werden wir dem Vnſerigen mit Recht und Billichkeit das Lob des Gluͤckſellgen/ Vollkommenen/ und Vnverdroſſenen beymeſſen koͤnnen. 5„ i Damit ich aber auff meinen Zweck komme/ ſo lege ich dem geneigten Leſer gegen waͤrtiges Werck unter Augen/ und kan mich glücklich ſchaͤtzen/ daß des Verfaſſers Qunſt mich er wehlet/ daß ich ſolches meinem Vatterlande fuͤrlegen koͤnnen. Von deſſelben Nutzbarkeit etwas weiters beyzubringen/ dienet nicht zu meinem Vorhaben/ ſon deren laſſe ſelbiges ſelbſten reden. Die. die der rheber . 2 * r e r RR . 95 g Se ſt ü Aud Pete noch 4 5 1 And Paris Er vielmahls Perſten u Sa Ganges u ld aß Maolconden⸗ 5 9 ane dcn Paß Meer ünd Erden nur kan ſe at 1 ein. 8 Ver de den beſ an ihrem Affen egen 22 be eng E 5 e 11 777777. . 1 2 5 au Haülen Den ene no Hüden 8 Aid. acht 5 Mn nicht unterlaſſen/ als ich dem Leſer ſolches mitzuteilen gekrachtet Ein ſeden nah me es an mit dem Gemüte/ mit welchem ich es bereiche/ und dafern mein Ber moͤgen/ meinem Wunſche nicht ein Genu gen thun konnen/ ſo ver beſſereer/ rorinnen meine Sorge und Aufſücht nachlaſſig gewefen. Es iſt bekant/ daß ein Nrenſc) die Gabe ohne Fehler zu ſeyn/ mit ſich auf die Welt gebracht/ noch in der Welt erlangen koͤnnen. Ich werde meine Sorge und Albelt nicht vergeblich nennen“ wann ich verſichert bin/ daß ich demſelben in etwas gedienet/ und wann er glaubt/ daßich ihme noch mehr zu dienen taglich krachte. Gläcke und die Böttliche Hülfe fe wird zugeben/ daß ich ſolches in uud e/ wieich dann ſicherlich deren ich mich oben gerühmet/ niemals auß den Augen ſetzen werde Imübrigen ſirecke derſelbe eine ee nach der Arbeit dieſes berühmten Reife; Mannes/ und laſſe ich nüht iniſfallen/ die Nͤhe dielch dabey angevandt. Ergebrauche ſich ſener Gunſt und Gewogenheit/ und nicht eines allzuſtrengen Brthells/ und wiſſe/ daß ich ſeynund verbleiben werde e 9 7 Dun nume Bobann German Sdderbolh O EAN BAPTIS TE IEA. S valier Baron d. Aubonne, donnons au Sieus EAN HER. 0 MAN WIDERH OCD, Marchand Libraire d BourHoi de Cencuè, permiſion enliere, generale eq ſpeciale d faire Ilz ſnaduire( imprimer en Aleman, ioutes les Relations de dee ee mes Vopages avec les Figures, ſfavoir le Voluimꝰ dis Se fail, les deus Volumes de la Perſb, eq des Indes, un quatriemé Volumè contenant des Relations du 7715 ei de Tunquin, avec quelques T railite, concemant le commert des Indes Orientalbo, eg autres Additions( Augmentalious, que je pourrois faire labenir, nc ſouſiittant pas quuuucun aliire, que luy, enrreprenne la mms choſe, mals voulant my oppoſer autant que ſe pourray, eſlant aſſurc, què ledii cu WMW IDERH OL gen aquitera dignement q falelement, ec inc conßant entierement en luy; Et de la ſoriè ni voulant pas ſhufpir, quiapres les grandes depenſbs, qu il aura faites pour cet Ouvrage, un autre enireprennè del fairò a ſon prejudict(& au mien. Suppliant treohumillement tous Joudtrraint, en ſailb de lample Privilege, què p ày eu de S Maſeſtb' Trecchrbtiennè, d eim peſchen qué telle entrepriſe ne ſe face dans beten dus de leurs Terres e furistlicfions. Fait a Paris le le. de Nbmemir mille ſix cenbſoixante& dia ſopi. 8 3 lean Baptiſte Tavernier. E TAVERNIER, Ge * n d eee Er Eiſer/ den ich trage Eurer Majeſtaͤt zu e donnen/ und die Begude mein Vaterland zu 0 ehren, ſind zwey regungen/ welche nach ſo bieeen Bemuͤhnngen dennoch nicht zugelaſſen/ daf ich einiger geruͤhigen Stunde genieſſen koͤnnen. Meine Pebenszeit hindert mich auff friſche Beiſen mich zu begeben/ muß deßz wegen mich ſchaͤmen/ daſßz ich zu den Dienſten meines Vacterland es faſt unnutzlich bin/ und daß ich das jenige/ deſſen man bon mir gewaͤrcig geweſen/ nicht nach genuͤge erfuͤllen kan. Dennoch aber halte ich darfür/ daß ich hoch berpflichtet ſey/ bon dem ſo ich geſehen in memen Alnmerekungen rechenſchafft zu geben/ und/ dadurch zu meinem Zweck zu gelangen/ ſolche ans Lageliecht zu ſtellen. Ich hoffe auch/ Allergnaͤdigſter Berꝛ/ daß die Beſchreibungen/ welche ich auſß meinen Cage⸗Buͤcheren zuſammen gecragen/ meinen Eandesleuten eben ſo nutzlich und angenehm ſeyn werden/ alß die jenigen Koſtbarkeiten/ welche nur das Gluck auf memen Beiſen in die Haͤnde gegeben. Dañ mein Vorſacz iſt niche allem die wiſfens⸗ begterigen Ghren der Welt zu bergnuͤgen ſondern ich habe mir auch einen biel Edleren Zweck fürgeſetze/ welcher in meinem chun und laſſen/ mein fuͤrnemſtes abſehen geweſen. Gleich wie aber der ſonſt rechtmaͤſoige Gewinn allein/ mich ſo biel Eaͤnder zu durchretſen nicht angereitzet/ alſo hat auch/ das bloſſe berlangen meinen Namen in dißß Buch zu ſetzen/ mich W ſolches ans Piech zu geben bewogen. Meme fuͤrnehmſte Sorge iſt geweſen/ in allen Eaͤndern/ die ich durchzogen/ Eurer Maſeſtaͤt ſonderbahre und ungemeine ſeltſamkeiten bekant zu machen/ und die Wunder Euers Beichs auſtzubretten/ und ein hollkommenes Bildnuß Eurer Macht fuͤrzuſtellen/ darinnen man ſehen koͤnne/ wie weit Eure Vnderehanen an Much und leißz allen anderen Nationen der Welt vor zu ziehen ſepen. Ich wil diß mahlen Eurer Maſeſtaͤtt nicht borcragen/ die Hertzhafftigleit mit welcher ich ſolches bernichcec/ und zwar mit ſo gluͤcllichem fortgang/ dergleichen keine anderen/ auch nicht die allergeſchickteſten in ihren Beſchreibungen gehabe haben. Ich kan mich ruͤhmen/ daß heucheley mir ſehr zu wi der ſeye/ alſo daſz ich mich vielleicht gar zu frey auſßzgelaſſen under ſo bielen Nationen, welche uns unſere Gluͤckſeligkeit mißzgoͤnnen/ und uns ſo biel moͤglich berleumbden und berkleineren/ nur damit ſte unſere Verrichtungen gaͤntzlich hintertreiben koͤnnen. Ich habe mein Gluͤck und Leben oͤffters in Gefahr geſetzt/ wann ich Eure Mafeſtaͤt uͤber alle Puͤrſten in Europa, ja ſelbſt über die Oriencaliſche Koͤnige in jhrer gegenwart erhaben. Dennoch aber habe ich auß aller diſer Gefahr/ diſen Vorcheil gehabe/ daß ich die hoch haltung Eures Namens dem Gemuͤhte aller Barbaren eingedrutet. Durch hilffe diſes/ wegen Groſzmuͤtigkeit/ und Qapfferleit/ hoͤchſtberuͤhmten Namens/ welchen die gantze Welt ehret/ bin ich uͤber ſechtzig tauſend 10 eilen zu Eande mit bollloffiener Sicherheit gereiſet. Ich habe zu ſechs underſchiedlichen malen Cürckey/ Perſien und den beſten Cheil Indiens becrachtet/ und mich underſtanden/ die beruͤhmte DemancGruben zu beſuchen. Ja ich bin ſo gluͤcklich geweſen/ daß die koͤſtlichſten Perlen/ ſo ich mit mir gebracht/ der Kron Eurer Majeſtaͤt zu einem Jierꝛaht haben dienen koͤnnen: noch gluͤckſeliger werde ich mich ſchaͤtzen/ wann Eure Mae. ſtat die Anmerckungen/ die ich uͤber meine Naͤiſen an allen Orten orten zuſaſten getragen/ nicht unwvuͤrdig ſchaͤtzen wird demſelben etliche gnaͤdige Augenblicke zu goͤnnen. Es befinden ſich darinnen die fuͤrnemſten ſonderlichkeiten/ der drey Maͤchtigſten Koͤnigreiche in Aſien/ deſzgleichen auch die Sitten und Gebraͤuche jhrer Einwohneren. Ich habe in der berdrieſzlichen Beſchrabung der Caravanen/ in gewiſſen Orten etliche Erzehlungen untergemiſchet/ welche dem Gemuͤche eine Ergoͤtzlichkeit ſchaffen werden: darinnen den Grientaliſchen Voͤlckeren nachgeahmet/ welche in den Wuͤſten hier und dorten Carabanen aufgerichtet/ die den Reiſenden in ihrer mdigkeit troſtlich zu ſtacten kommen. Der Staat des GroſßzTürcken/ des kKeoͤnigs in Perſten/ und des Groß⸗Mogols/ ſind die eintzigen und fuͤrnemſten/ deren weitlaͤuffige Beſchreibung ich fuͤr noͤtig erachtet/ damit die fuͤnff underſchiedliche Wege/ durch welche man hin Beiſen kan/ und die Irꝛthumen derer/ die ecwan die Gelegenheit dieſer Orten beſchrieben/ entdecket werden. Vnd ob zwar dieſe meine Beſchreibung von aller annemlichkeit/ und geſchicklichkeit der Sprache gleichſam nacket und bloſz/ ſo hoffe ich doch/ die ſonderbarkeit und wicheigkeit der Sachen/ die darinn enthalten/ und ſonderlich die warheit derſelben/ dahin mein vornehmſte bemuͤhung geweſen/ werde nicht zugeben/ daß ſolche ungeleſen/ und bielleicht auch niche ohne ungememe hochhalcung bleiben werden. Alle meine Arbeit werde ich wolbergolten achken/ wann ſich Eure Mafeſtaͤc dieſelbe belieben laßt/ und dißß geugnußz nicht berſchmaͤhet/ dadurch ich bin/ Allergnaͤdigſter Koͤnig und Her: Eurer Maſeſtaͤt Vnderthaͤnig⸗ Getreueſter/ Gehorſamſter Knecht 5 und Vnderthan ä 8 J. B. TAVERNIER Des Verfaſſers Y Morinnen ſeine erſte Reiſen/ ſo er in den ſchoͤnſten Theilen in Europa biß nach Conſtantinopel gethan/ kurtzlich erzehlet werden. 8 Ann die erſte Aufferziehung gleichſam eine andere Geburt iſt/ ſo kan ich wohl ſagen/ daß ich die Luſt zum Reiſen mit mir auf die Welt gebracht. Die anmuhtige Vnderꝛedung von der Erd% beſchreibung/ womit viel gelehrte Leuthe meinen Vatter/ als der durch derſelben Wiſſenſchafft ſich keinen geringen Ruhm erworben/ taͤglich underhielten/ und die ich/ ſo jung ich auch war/ mit groſſem Luſt anhoͤrete/ haben alſobald das vornehmen in S mir er weckt/ einen Theil deren in den Taffeln ent worffenen Landſchafften/ die ich damahlen nicht genugſam anſchauen konte/ zu beſichtigen. Ich hatte ſchon im 22. Jahr meines Alters/ die vornehmſten Lander in Europa, als Franckreich/ Engelland/ Holland/ Teutſchland/ Schweitzerland/ Polen/ Vngarn/ und Italien geſchen/ auch war ich der jenigen Sprachen/ ſo am nothwendigſten und am meiſten uͤblich/ zimlich wohl erfahren. 0 5 8 Mʒaͤeine erſte Außreiß nahm ich in Engell and/ alwo damahlen Jacobus der Erſte diſes Namens/ der ſechß te Koͤnig in Schottland regierte/ welcher ſich Koͤnig von Groß Britannien. den Engellaͤndern und Schottlaͤndern/ durch einen diſen beyden Nationen gemeinen Namen/ ein genuͤgen zu lelſten/ nennen ließ. Auß Engelland gieng ich in Flanderen über/ Antorff meines Vatters Gepurts⸗Statt zu ſehen: auß Flandern ſetzte ich meine Reiſe in die Vereinigte Niderlande fort/ awo meine Begirde zu Reiſen/ durch den groſſen zuſam̃enlauff ſehr vieler Frembdlingen/ welche von allen Orten der Welt zu Amſterdam ſich einfinden/ vermehret wurde. Nach dem ich nun das merckwuͤrdigſte in den 17. Provintzen beſchauet/ begab ich mich in Teutſchland: und als ich durch Franckfurth und Nlugſpurg/ zu Nuͤrenberg angelangt kam mich ein ust an in den Krieg zu gehen/ weilen eben damahlen viel Voͤlcker/ Prag wider einzunehmen/ in Böhmen zogen/ damit ich zu der erfahrung des Kriegs weſens welches mir nachgehends auf meinen Reiſen dienen konte gelangen mochte. Ich war nur eine Tagreiß von Nuͤrenberg/ als ich einen Obriſten zu Pferd/ Namens Hans Brenner/ Philips Brenners/ des Com̃endanten zu Wien Sohn antraff/ welcher mich jhme in Boͤhmen zu folgen uͤberꝛedett/ dann es war ihm lieb einen Frantzoſen bey ſich zu haben. Ich gedencke hier nicht das jenige/ ſo ſich auf den Tag als die Schlacht vor Prag dorgangen/ zů erzehlen/ weilen ſolches zu weitlaͤuffig/ und auß ſelbiger Zeit Geſchichten genugſam bekant. Etliche Jahr hernach verfügte ich mich mit gemeltein Sbriſten nach Wien/ welcher mich dem Kommendanten in Raab/ ſeinem Vettern/ ſo Koͤniglicher Statthalter in Vngarn war/ untergab. Beſagter Fommendant nahm mich vor einen Edelknaben auff: In dieſem Stand kan man in Teutſchland biß ins fuͤnff und zwatzigſte Jahr dienen/ und man begibt ſich nicht eher diſes Dienſts/ man ſeye dann küͤchtig die Waffen zu tragen/ alsdann gelangt man entweder zu einer Fornets /oder Faͤndrichs⸗Stelle. Nachdem ich mich funf und ein halb Jahr bey erwehntem Statthalter auffgehalten/ kam der Peu von l g Mantua lt * N 8 2 R % ⅛ eĩʃꝛT̃ Lö ⏑—— m.., Mantua zu Wien an/ dem Kaͤyſer etliche Sachen/ ſo dem Hertzog ſeinem Herꝛen Vatter angelegen/ beyzubringen: aber er konte nichts außrichten; auch wolte die vorgenomiene Vnderhandlung des Herꝛen von Sabran Koͤnigl. Frantzoͤſiſchen Abgeſandten bey Ihrer Kaͤyſ. Maſeſt. den Inveſtitur Vergleich betreffend/ nicht von ſtatten gehen. Waͤhrender zeit als ich mich in BVngarn aufgehalten/ bekam ich gelegenheit/ etwas im Kriegs weſen zu erfahren/ geſtalten ich dann meinem Herren in mancher ſchoͤnen begebenheit beygeſtanden. Alhier will ich das jenige/ ſo zwiſchen uns und den Tuͤrcken vorgegangen/ ſtillſchweigend vorbeygehen/ weilen ſchon manche Feder davon geſchrieben/ auch ſolches wenig zu meiner Reiß ⸗Beſchreibung dienet. Der Koͤnigliche Statthalter hatte ſich in der a weyten Ehe mit des Grafen von Arch Schweſter verheuraytet/ welcher der vornehmſte Staats bediente des Hertzogs von Mantua, und mit dem Printzen als Abgeſandter nach Wien verſchickt geweſen; Gedachter Graf war der Kaͤyſerin die auß Gonzachiſchem Gebluͤth entſproſſen/ mit ver wandſchafft zugethan/ und nach dem er den Statthalter zu beſuchen angelangt/ wurde mir/ jhm die zeit uͤber ſo er ſich zu ſavarin aufhalten wurde/ auffzuwarten an defohlen Vnd als er auf ſeiner Ruckreiß begriffen/ gab er dem Koͤnigl. Statthalter zuverſtehen/ daß er dem Printzen von Mantua, weilen er niemand bey ſich/ ſo der Sprach erfahren/ keinen ſchlechten gefallen erweiſen wurde/ dafern er wolte zugeben/ daß ich jhm/ ſo lang er ſich am Kayſerl. Hof wurde auffhalten/ dienen mochte. Der Graf/ ſeiner bitt gewaͤhret/ fuͤhrte mich mit ſich nach Wien/ und weil ich das Gluck hatte dem Printzen zu gefallen/ bezeigte er mir bey ſeiner Abreiß/ daß es jhm lieb ſeyn wurde/ mich zu Mantua zu ſehen/ alwo er/ bey dem ſeiner meinung nach ſich erhebenden Krieg/ meiner jhm geleiteten Dienſten/ am beſten gedencken wolle. Oiſe H unſt⸗ bezeugung war kraͤfftig genug/ in mir eine groſſe Begirde zu erwecken/ in Italien uͤberzugehen/ und meine vorgenommene Reiſe weiters fortzuſetzen. 5 Hierauff crachtete ich mein Vorhaben durch meines Herꝛen gutbefinden zu vollziehen/ welcher ſich zwar anfangs darein zuver willigen weigerte/ aber doch entlich in betrachtung meiner ihm treugeleiſteten Dienſten/ erhielt ich einen freundlichen Aböſchied/ und verehrte er mir uͤber das dem gebrauch nach einen Degen/ ein Pferd/ und ein paar Piſtolen/ ſamt einem mit Ducaten angefuͤllten Beutel. Oer Herz von Sabran war eben um diſe zeit auf ſeiner Abreiß naher Venedig begrifſen/ und weilen er gern einen Frantzoſen/ ſo der Teutſchen Spraͤch erfahren/ in ſeiner Geſellſchafft geſehen/ edlente ich mich dieſer Gelegenheit/ und kamen wir innerhalb s. tagen zu Venedig an Der Her: Graf von Auaux, damahliger FranBöſiſcher Abgeſandter bey derſelben Republic empfieng den Herꝛen von Sabran, welcher hn auß Koͤniglichem Befehl heimſuchte/ ſehr hoͤflich. 5 5 Weilen aber den Venetianeren nicht weniger/ als dem Gontzachiſchen Hauß anobgemaltem Krieg gelegen/ wurde der Herꝛ von Sabran von der Republic gleichlAhls ſehr wol empfange/ welche jym s. groſſe Schalen mit conlect und allerhand Zuckerwerck verehren ließ/ deren eine mit einer ſtattlichen guldenen Ketten gezieret war/ ſo er ein wenig um den Halß gehenckt/ und alſobald zu ſich geſteckt. Zwo derſelben wurden unter die anweſenden un Saal außgetheilt/ und weiſen eben dazumahl der Hertzog von Rohan mit den ſeinigen ſich zu Venedig befand/ wurde mir von dem Herꝛn von Sabran aufgetragen/ die ſechs übrigen Schalen in ſeinem Namen der Hertzogen zu uͤberbringen/ welche ſie mit bezeugung groſſes wolgefallens von meiner Hand angenommen. Die wenige zeit uͤber/ ſo wir uns zu Venedig aufgehalten/ hab ich dieſe in der weiten Welt ſo hochberuhmte Statt mit hoͤchſter ergoͤtzlichkeit betrachtet/ daß ſie in vilen ſachen/ als in der gelegenheit/ in der groͤſſe und herꝛlichkeit/ gewerb und zulauf ſehr viler fremden/ Amſterdam gleichet/ welches mein verlangen Europa und Alia zuerkennen/ uber die maſſen vergroͤſſert. Von Venedig reißte ich mit dem Herꝛn von Sabran vollends naher Mantua; der Printz bezeugte alſobald eine groſſe Freude uͤber meiner Ankunft/ mir 8 ein 5 dahn Faͤhnlein/ oder ſonſt eine Stell in der Leib⸗Oompagnie des Hertzogen ſeines Herren Vatters anerbietend. Ich er wehlte dieſes letztere/ mich hoͤchlich erfreuend under dem Grafen von Guiche, nunmehro Marchal von Grammont gedachter Compagnie Hauptman/ zu dienen. Meine groſſe Reißbegierigkeit wolte nicht zulaſſen/ mich lang zu Mantua aufzuhalten: Weilen aber die Kaͤyſeriſchen die Statt belagert hatten/ war ich willens vor meiner Reiß den Außgang des Kriegs zu erwarten. Der Feind wurde endlich gezwungen die Belaͤgerung auffzuheben/ und z war auff einen Weyhenachts Abend: Bey anbrechendem Tag wur den etliche ee zu erkundigen/ ob keine hinderliſt vorhanden/ vnd ſie ſich gaͤntzlich zuruck gezogen. i Die Belaͤgerung waͤhrete nicht lang/ es gieng auch nichts merckwuͤrdiges bey derſelben vor/ ſo da einem jungen Soldaten zum underꝛicht haͤtte dienen koͤnnen. Ich will alhier nur diß kurtzlich melden/ nach dem auf einen gewiſſen Tag 18. Mann commandirt worden/ die breite und hoͤhe des Grabens/ welchen der Feind in abſtechung eines Dams/ zu verthaͤdigung einer uns hinweggenommenen kleinen Schaͤntz/ gemacht hatte/ zu erforſchen/ und als acht Reuter von unſerer Compagnie zu dieſer zahl gerechnet wurden/ erhielt ich vom Printzen mit groſſer mühe/ einer von den achten zu ſeyn: wobey er mir auß guͤtigkeit in geheim geoffenbahret/ daß es heiß dabey hergehen wurde: wie es dann in warheit geſchahe: geſtalten von den is ſo außgegangen/ nur J. wieder zu ruck kamen: Wir ſchlichen dem Dam̃ nach/ zwiſchen dem Rohr hin/ und ſo bald wir uns auf der hoͤhe des Grabens ſehen lieſſen/ gab der Feind ſo ſtarck Feuer auff uns/ daß wir kaum die zeit hatten uns ſelbſten zu erkennen. Ich hatte mir zu allem Gluͤck in dem Seugbauß einen leichten Harniſch von gutem Zeug außerleſen/ welcher mir das Leben erꝛettet: maſſen ich von zwo Kugeln/ deren die eine mir auff die lincke Bruſt/ die andere aber gerad drunder gienge/ getroffen worden/ dergeſtalten daß ſich das Eiſen an beyden orten eyngebogen. Der eine Schuß an der Bruſt ſchmertzte mich hefftig/ und da wir deß jenigen/ ſo wir verꝛichtet rechenſchafft gaben/ nahm der Graff von Guiche meinen guten Harniſch in acht/ ließ jhn außputzen/ und verwahrte ihn dergeſtalt/ daß mir ſolther nach diſem nicht mehr under Augen komen. Wenig zeit hernach erhielt ich meinen Abſchiid/ welchen mir der Printz nach meinem belieben zugeben verſprochen/ nebens einem freyen GeleitsBrieff/ Krafft deſſen. oder 6. Reuter mit mir zu Venedig ſicher ankamen/ alwo ich ſie verlaſſen. Von Venedig begab ich mich auf Loretto/ von Loretto auf Rom/ von Rom auf Neapolis/ von daten ich meinen weg wider zuruck auf Rom nahm/ mich alda ohngefehr 10. oder 12 tage aufhaltend. Dieſem nach beſiehtigte ich Florentz/ Piſa/ Ligurnen und Genua/ alwo ich mich zu Schiff begab/ in willens nach Mar ſilien zu ſeglen. Was das uͤbrige von Italien anbelangt/ hab ich gelegenheit gehabt/ ſolches auf anderen gethanen Reiſen zu beſehen/ darum wil ich vor diß mahlen diſes außbuͤndig ſchoͤ ne Land und ſeine vortreffliche Staͤtte ſtillſchweigend voͤrbey gehen/ weilen ſchon ſehr viel andere jhre Federn daruͤber geſpitzt. Von SMarſilien verfuͤgte ich mich nach Paris/ alwo ich mich eine geringe zeit auffhielte/ und weilen ieh ein groß verlangen trug das Königreich Polen zubeſichtigen/ nahm ich meine Reiß durch die Sch weitz wider in Teutſchland/ nach dem ich zuvor die vornehmſte Oerter der Eydgnoßſchafft beſchaut hatte. Ich fuhre den Rhein hinunter auff Breyſach/ von dar auf Straßburg: nachgehends begab ich mich widerum etwas zuruck in Schwaben/ durch Vlm und Augſpurg auf Muͤnchen. Alda beſahe ich den herꝛlichen Pallaſt des Hertzogs von Baͤyern/ welchen Wilhelm der Fünfte angefangen/ und Naximiltan ſein Sohn bey den gefaͤhrlichſten Kriegs/ laufften/ ſo Teutſchland beunruhigten/ verfertiget hat. Von Nuͤnchen kam ich zum zweyten mahl zu Nuͤrenberg und Prag an/ von dannen verließ ich Boͤhmen/ und gieng in Schleſien/ ſette mich uͤber die Oder auf Breßlau. Von Breßlau richtete ich meine Reiß auff Krackau/ eine von den ö groͤſten * R re „ groͤſten Staͤtten in Europa, welche vielmehr eine auß dreyen Staͤtten zuſaſſien geſetzte Statt kan genent werden/ in welcher vor diſem die Koͤnige in Polen Hof gegalten. Folgends fand ich mich zu Warſchau eyn/ welche auf der lincken ſeiten der Weichßel gelegen/ alda beſahe ich den uͤberauß ſchoͤnen Hof des Kayſers Sigismunds. Von Warſchau gieng ich wider zuruck auf Breßlau/ und nahm meien Weg in nieder Schleſien/ einen vornehmen Kaͤyſerlichen Officirer meinen ſehr guten Bekanten heimzuſuchen. Aber zwo meil wegs von Glogau begegnete mir der Herꝛ Butler ein Schottlaͤnder/ Obriſter uber ein Kayſerlich Regiment zu Pferd/ welcher nachgehends den Walleſtein auß befehl umgebracht derſelbe hielt mich durch ſein inſtaͤndiges anhalten von meinem Vorhaben ab. Er fuͤhrte ſeine Frau int ſich/ die der Frantzoͤſiſchen Nation ſchr geneigt war/ und nachdem ſie mich beyde freundlichſt gebetten/ mich eine zeit lang bey jbnen aufzuhalten/ auch mir deßwegen etliche verehrungen gethan/ konte ich ihren vielfaͤltigen Gunſtbezeugungen nicht laͤnger widerſtehen. Der Koͤnig in Schweden ruckte eben dazumahlen mit ſeinen Voͤlckeren in Pom̃ern: das Kaͤyſerliche Kriegsheer aber gieng auf Stetin zu/ ſich den Seh weden ſo es einnehmen wolten/ zu witerſetzen; da wir aher noch 4 meil wegs davon waren/ vernaͤhmen wir/ daß die Statt ſchon albereit von jhnen eroberet. Dieſe unverhofte Zeitung verurſachte in dem Kaͤyſerlichen Heer/ welches den Turelte-Conte zum General hatte/ keine geringe Vnordnung Es war eoο Mann ſtarck/ aber nach dem neun biß zehen tauſend daſſelbe verlaſſen/ wurden die uͤbrigen gezwungen zu Franckfurt an der Oder/ und um dieſelbige Gegend jhren hinderhalt zu ſuchen. 3 5 Damahlen erfuhr ich/ daß der Kaͤyſer ſich nach Regenſpurg Ver fuͤgte/ ſeinen Sohn Ferdinand den Dritten alda zum Roͤmiſchen Koͤnig kroͤnen zu laſſenn Vnd weil ich jhm ſchon albereit die Vngariſche und Boͤhmiſche Kron aufſetzen ſehen/ war ich willens mich bey diſer dritten Kroͤnung/ welche den vorigen an Herꝛlichkeit weit uberlegen ſeyn ſolle/ gleichfahls einzuffnden Nach dem ich nun von meinem Ooriſten Abſcheld genomen/ reißte ich eilends nach Regenſpurg; Es gleng alles dabey gar praͤchtig her: Viel vornehme Herꝛen lieſſen jhre Dapferkeit um Lurntren ehen. Gerad gegen dem Renn platz uͤber hatte man zwo Schaubuͤhnen aufgerlht/ deren die Auſehenlichere vor den Kayſer/ die Kayſerin und das anweſende Frauenzimer war/ die ändere aber gleichte einem praͤchtigen Kauffladen/ ſo von vielen Koſthahren Edelgeſteinen glaͤntzet; ſiben biß acht Ritter tratten zuſamen/ und vereinigten ſich nach dem Ringel zurennen/ zuvor aber zeigten ſie mit ener Serten den Preiß/ um welchen es gehen ſolte: deren etliche auff zehen tauſend Thaler und druͤber kamen: Derjenige ſo das Gluͤck hatte denſelben zu gewinnen/ gieng frey auß/ die übrigen aber ſo mit jhme gereut/ muſten den Kaufmann deß wegen zu frieden ſtellen. Der Vberwinder empfieng jhn von der Hand des Fürſten von Eckemberg/ geheimen Kaͤyſerlichen Staats ⸗Nahts/ und nach dem er denſelben auf der Spitzen ſeiner Lautzen der Kaͤyſerin anerbotten/ ſie ihn aber hoͤflich abgeſchlagen/ ſtund es dein Ritter frey/ denſelben der jenigen/ ſo er unter dem Frauen zim̃er vor die wuͤrdigſte hielte/ zu uͤberꝛeichen. Es fanden ſich eben um dieſe zeit viel Jubilirer von allen Orten zu Regenſpurg eyn: unter welchen einer bey ſeiner Ankunft ſo elendiglich umbs Leben gekomen/ daß der gantze Hof Staat daruͤber zu mitleiden bewegt worden. Einer von den reichſten Kauffieuthen in Europa, zu Franckfurt wohnhaft/ hatte ſeinen eintzigen Sohn naher Regenſpurg zu der Kroͤnung verſchickt/ daſelbſten allerhand Edelgeſtein zuverkaͤuffen: und wellen er foͤrchtete/ er moͤchte unter wegs gepluͤndert werden/ uͤber machte er dieſelbige ſicherlich an einen Juden alda/ mit welchem er in Handlung begriffen/ mit befehl ſolche ſeinem Sohn einzuhaͤndigen. Diſer junge Menſch verfügte ſich bey ſeiner Ankunft alſobald zum Juden/ welcher jhn berichtete/ daß er von ſeinem Vatter ein Kiſtlein mit Edelgeſtein erhalten/ ſo 5 nach belieben bey jhm abholen koͤnte: Bat jhn zugleich 1 ö 4 uͤhr 91 55 ihn ins Gaſthauß zum Neerſch wein/ alwo ſich jhr Geſpraͤch biß in dle acht verzogen: als ſie aber mit einander fortgtengen/ fuͤhrete ihn der Jud durch eine ſtille Gaſſen/ in welcher keine Laͤden/ gab ihm mit dem Neſſer 8. biß in zehen Stich in den Leib/ und ließ ihn alſo außgeſtreckt auf dem Pflaſter ligen. Dieſer Boͤß wicht bildete ſich ein/ er wurde durch ein Schreiben an den Jubilirer zu Franckfurt/ daß er namlich ſeinem Sohn das Kuͤſtlein uͤberlifert/ ſeine begangene 51 zudecken/ und ſich alſo alles Argwohns befreyen: Aber die grauſame Nordthat wurde durch die Goͤttliche Vorſehung noch ſelbigen Abend entdecket/ und der Jud gefaͤnglich eingezogen. Die That aber wurde auf folgende weiſe ruchtbahr; Es trug ſich zu/ daß ein Kaͤyſeriſcher Trompeter/ namens Hans Maria/ da ſich der Moͤrder kaum davon gemacht/ durch dieſelbige Gaſſe giengim finſteren an den toͤdlich⸗ verwundeten/ in welchem noch einiger Athem vorhanden/ mit ſeinen Fuͤſſen ſtieſſe/ und uͤber ihn fiel/ weilen er aber etwas naſſes unter den Haͤnden fuͤhlete/ meint er anfangs es were ein trunckener NMenſch/ ſo ſich uͤbergeben/ und nicht mehr auf den Beinen ſtehen koͤnnen/ doch gerieth er auf andere Gedaͤncken/ darfuͤr haltend/ es moͤchte jemand ſeyn ſo verwundet worden/ lieff derowegen eilends ſich zu erkundigen/ in eine am Eck der Gaſſen gelegene Schmidte. Der Meiſter und ſeine Knecht nahmen alſo bald eine Latern und giengen angeſichts mit dem Trompeter auf den Platz/ alwo der ungluͤckhafftigejunge Menſch in ſeinem Blut gewaͤltzet lag/ und nur noch etliche Athemszůg zu leben hatte. Der Schmidt wolte nicht zugeben/ daß man ihn in ſein Hauß truge/ damit er von dem Gericht nicht uͤberloffen und beunruhiget wurde/ und weilen ſie in der eyl keinen anderen bequemeren Orth und fertigeren Beyſtand finden konten/ als das nicht weit entlegene Wirthshaͤuß zum Meerſchwein/ trugen ſie jhn dahin; ſo bald man jhm das mit Blut und Koth beſudelte Angeſicht gewaſchen/ wurde er von der Wirthin und jhrer Tochter vor den jenigen/ ſo kurtz zuvor mit dem Juden einen Trunck gethan/ erkant. Aber er gab nicht das geringſte Zei chen einiger empfindlichkeit von ſich/ ſondern verſchied in einem Augenblick: Onderdeſſen wurde der Thaͤter auf dieſe weiſe entdeckt/ noch ſelbigen Abend in ſeinem Hauß gefangen genom̃en/ und dadurch gezwungen ſeine begangene Mordthat zubekennen. Dieſe unmenſchliche That verdiente keine gemeine Sraff: darum wurde das Vrtheil geſprochen/ daß er zwiſchen zween groſſen Hunden an die Fuͤſſe ſolte auffgehencket werden/ damit er in ſhrem wuͤten und toben an ſeinem Leibe zernaget/ und alſo durch die lange der qual mehr als einen Tod auß ſtuhnde/ welche Leibs⸗Straff den Juden ſo einen Chriſten umbringen/ in den Kaͤyſerlichen Rechten auferlegt Dieſer Meichelmord Übertraff alle andere Mordthaten an Grauſamkeit: Doch erhielten die Juden zu Regenſpurg durch groſſe Geſchenck/ ſo ſie der Kaͤyſerin und jhren zwo Fraͤulein thaten/ daß dat Vrtheil geaͤndert/ und der Vbelthaͤter zu einer kuͤrtzeren/ aber nicht gelinderen Straff verdam̃t wurde/ daß er nemlich S ee ge ddl und da an ſeinem Leib/ an unterſchiedenen Orten der Statt geriſſen/ heiß Bley in die Wunden gegoſſen/ und vor der Statt lebendig geraͤdert werden ſolte. Nach beſchehener Kroͤnung vernam ich/ daß der Her: Schmidt/ als Kaͤyſer⸗ ä lichen Reſtdent nach der Othomañiſchen Pforten ſolte abgefertiget werden. Nachdem ich nun von meinen Freunden dieſe Zeitung vernommen/ hatte ich die Hoffnung/ er wurde mir vergonnen in ſeiner Geſell ſchafft zu reiſen; Gleich wol gedachte ich jhm nicht uͤberlaͤſtig zu ſeyn/ maſſen ich unter dem Obriſt Butler/ ſo mir ſehr geneigt war/ eine zimliche anzahl Ducaten erſparet. Als ich auff meiner Abreiß von Regenſpurg begriffen/ gab mir der Pater Joſeph/ ſo ſich in namen des Koͤnigs in Franckreich alda aufhielte/ und mich zu Paris gekant hatte/ zuverſtehen/ daß ich entweder mit dem Herꝛen Bachelier, welchen ſeine Königliche Majeſtaͤt zum Hertzogen von Mantua ſchickte/ verꝛeiſen/ oder der Herꝛ Abt von Chapes, des verſtorbenen Herꝛen Marchals von Aumont Bruder/ und Herꝛen von Sanct Sat La fal um W r — * P M ˙(GRA A 5— Sanct Liebau, auf ihrer vorhabenden Reiß nach G onſtantinopel und ins gelobte Land wurde begleiten koͤnnen. Ich ließ mir dieſen letzteren vorſchlag wohlgefallen/ weilen ich nicht geſinnet war/ mich wider zuruck in Italien zubegeben/ ſondern vielmehr neue Laͤnder zubeſehen gedachte. Derowegen ſtund ich nicht lang um die wahl an/ und nachdem ich mich gegen den Pater Joſeph vor ſeine mir gethane anerbietung hoͤchlich bedancket/ begab ich mich alſobald in gemelter beyden Herꝛen Geſellſchafft/ ſo ich auch nicht eher verlaſſen/ biß ſie von Conſtantinopel in Syrien verꝛeißt. 2 58 ä Ehe wir aber Teutſchland gaͤntzlich verlieſſen/ wolten erſtgedachte Herꝛen zu vorderſt den Saͤchſiſchen Hof beſchauen/ alwo wir auch nach etlich wenig tagen angelanget. Wir nahmen unſeren Strich nach Frey berg/ ſo eine zwar kleine/ aber doch hoͤchſt ſehens⸗wuͤrdige Statt iſt/ weilen der Churfuͤrſten von Sachſen Begraͤbnuß alda iſt/ ſo nicht allein des ſtattlichen Gezeugs/ ſondern auch der kunſtlichen Arbeit wegen/ unter die praͤchtigſten in Europa kan gezehlt werden. Von dannen beſahen wir das vortrefliche Schloß Auguſt⸗ burg/ ſo auff einem hohen Berg gelegen/ alwo unter ſehr vielen merckwuͤrdigen Sachen ein Saal zuſehen iſt/ deſſen eintziger Zierꝛaht in einer ohnzahlbahren maͤnge Hoͤrner von allerhand Thieren/ ſo von oben biß unten auß an die Wand geſchlagen/ beſtehet; unter anderen ſahen wir auch einen Haſen⸗kopff mit zwey kleinen Hoͤrneren/ welchen der Koͤnig in Dennemarck/ dem Chur fuͤrſten vor eine ſonder bahre raretet uͤberſchickt hatte. In dieſem Schloß iſt ein gewiſſer Hof/ in welchem ein uͤberaußgroſſer Baum ſtehet/ deſſen Aeſte ſich ſo weit außgebreitet/ daß man eine groſſe Anzahl Tiſch ſein ordentlich hat drunter ſtellen koͤnnen; Ich hab ſie zwar nicht gezehlt/ der Burg ⸗Vogt aber ſagte mir/ es waͤren ihrer ſo viel als Tag im Jahr. Es iſt ſich aber am meiſten uͤber die gattung dieſes Baums zuverwunderen/ ſo von Bircken iſt/ welcher Art Baͤume gar ſelten zu einer ſolchen groͤſſe gelangen. Vber das iſt auch ein Brunn in dieſem Schloß/ weleher ſo tieff daß man Waſſer auß demſelben zuſchoͤpffen/ weniger nicht als eine halbe Stunde zubringen muͤſſen. Endlich kan man die ſchroͤckliche Hoͤhe dieſes Schloſſes ohne groſſe ver wunderung uͤber die Kuͤhnheit des Baumeiſters/ nicht genugſam betrachten Gantz Teutſchland wohl bekandt/ daß es unvonnoͤthen mich lang mit der Beſchreibung Dreßden/ alwo der Churfuͤrſt gemeiniglich Hof haͤlt/ aufzuhalten. Ich wil nur dieſes gedencken/ daß die Statt/ ob ſie ſchon von keinem groſſen Vmkreiß/ doch ſehr ſchoͤn und wohl befeſtiget iſt/ und deſſen die Elb/ uber welche eine groſſe ſteinerne Bruͤck gebauet/ die alte Statt von der neuen unter ſcheidet. Der Churfuͤrſtliche Pallaſt iſt einer von den praͤchtigſten in gautz Teutſchland/ nur daß dem vornenher ein ſehoͤuer Platz fehlet/ dann ſein vornehmſter Eingang in einem dunckelen Loch gelegen. Die Schatz ⸗ und Kunſt⸗Kammeren/ deren bey ſechzehen an der zahl/ ſtehen allen vornehmen reiſenden offen; auch hat man ein Regiſter von allen raren Sachen/ ſo ſich darinn befinden/ in Teutſcher und anderen Sprachen aufgeſetzt: Der Herr Abt von Chapes, und der Herꝛ von Sanct Liebau wurden vom Chur fuͤrſten/ des jetzt reglerenden Herꝛen Vatter ſehr wohl empfangen/ bey der Tafel behalten/ und mit vielen Gunſt /bezeugungen begnadiget; Man hatte ſelbigen Abend ein groß Threſur, deſſen Stucke von einem ſehr ſchoͤnen und haͤllglaͤngendem Stein/ ſo in den Saͤchſiſchen Silbergruben gefunden wird/ aufgericht/ in dem underſten fach waren viel uͤberguͤldete Becher von allerhand groͤſſe. Ihre Durchleucht gedachte den beyden Herꝛen ihres Koͤnigs geſundheit zubringen/ derowegen erlaubte ſie ihnen einen Becher nach belieben außzuleſen/ mit dem beding ſolchen nach Landes Arth außzulaͤren. Der Herr Abt ließ ſich einen herbringen/ ſo dem anſehen nach nicht groß war/ und der andere Herr forderte einen etwas groͤſſeren aber der gute Her: Abt wurde nicht wenig beſtuͤrtzt/ als er wahr genommen/ daß der von jhm gewölbte Baͤcher durch eine verdeckte Feder/ ſo er ohngefehr e 0 ich un ſich unter ſeinen Haͤnden vergroͤſſerte/ und wie eine Tulißan an der Sonnen/ aufthate/ ſich in einem Augenblick in einen groſſen halbmaͤſſigen Kelch ver wan dlend/ doch wurd er nicht gezwungen denſelben außzutrincken/ dann der Churfuͤrſt verfuhr gnaͤdig mit ihm/ und vernuͤgte ſich mit der gehabten Kurtzweil wegen ſeiner beſtuͤrtzung 5 Von Dreß den kamen wir zu Prag an/ und alſo ſahe ich zum dritten mahl dieſe groſſe und ſchoͤne Statt/ oder viel mehr dieſe Orey⸗Staͤtte/ welche die Moldau/ ſo ſich fuͤnff oder ſechs meil wegs daͤrunter in die Elb ergeußt/ unterſcheldet: Vnd nachdem wir mitten durch Boͤhmen/ und zum theil durch Maͤhren gereißt/ begaben wir uns in Oeſtreich/ und kamen zu Wien an/ vorhabens uns mit eheſtem zu Schiff zu begeben/ dann die kaͤlte lieſſe ſich ſchon etwas ſpuͤren. Vnd weilen dieſe Herꝛen mir alle Reiß ⸗ſorg uͤberlaſſen/ erſuchte ich den Gubernatorn zu Wien/ an den Koͤniglichen Statthalter in Vngarn ſeinen Herꝛen Bruder jhrent wegen zu ſchreiben/ damit er uns mit noht wendigen Geleits⸗ brieffen verſehen mochte/ worinnen er mir alſobald großguͤnſtig wilfahret/ dergeſtalten daß er uns noch dazu mit zweyen Schiffen/ in welchen Stuben/ Kammern und Kuchen waren/ an die hand gegangen. Vnd als wir vns einen Tag zu Preßburg/ die groſſe Kirch und allerhand reliquien, ſo man alda zeigt/ zuſehen/ auffgehalten/ reißten wir hinunter auf Altenburg. Dieſe Statt und Graffſchafft gehoͤret dem Grafen von Arach zu/ ſo in der Abtheilung als ein Appanagiat, einer Koͤnigin in Vngarn zugefallen war/ welche ſie auf dem Tod⸗betth einem jhrer Hof⸗Junckern/ mit dieſer Bedingung vermacht hatte/ daß er und ſeine Nachfahren eine gewiſſe anzahl Pfauen/ deren dieſe Koͤnigin eine groſſe Liebhaberin war/ in dem Schloß ſtets underhalten ſolten; im fall man ſolchem nicht wurde nachgelebt werden/ ſolte die Grafſchafft der Kron wider einverleibt werden. Nach Mittag fanden wir uns zu Sighet ein/ alwo ich alſobald in ein Schifflein tratt/ und ſegelte in aller eyl nach Raab/ ſonſten Iavarin genant/ ſo nur zwo ſtund davon gelegen; Ich uͤberliferte alſobald dem Vice-Koͤnig den Brief/ ſo ich von ſeinem Herꝛen Bruder zu Wien erhalten hatte/ jhn zugleich meiner beyden Herꝛen Ankunfft berichtend/ und weilen ich vor dieſem die Ehr gehabt etliche Jahr in ſeinen Dienſten zu ſeyn/ war er ſehr freudig mich wider zu ſehen/ mit verſprechung/ daß er bey den jenigen Herꝛen ſo ſein Bruder jhme ſchrifftlich empfohlen/ ſein beſtes thun wolte: Den folgenden Tag hernach/ verſchickte er 300. Reuter mit zwo Kutſchen jhnen entgegen/ ſie in denſelben vollends nach lavarin zu fuhren/ und als ſie alda angelangt/ empfieng er ſie ſehr hoͤflich/ auch befliſſen ſich die vornemſten Officirer, jhnen die zeit uͤber/ als ſie ſich alda aufhielten/ mit allerhand Kurtzweil zu begegnen. Sie mußten acht biß zehen tag/ in erwartung der Antwort des Baſſa von Ofen alda zubringen/ auch hatte man den Gubernatorn von Comorꝛen bittlich erſucht/ zu jetzt gedachtem Baſſa von freyen ſtůcken einen Botten zu ſchicken/ um zuerfahren/ ob er zween Frantzoͤſiſchen Edelleuthen den Paß geſtatten wolte; die Sach deſto leichter werckſtellig zu machen/ gaben ſie ſich vor des Herꝛen von Cely Frantzoͤſiſchen Abgeſandten an der Pforten ſeine Ver wandten auß/ und ſo bald wir vom Baſſa eine erwuͤnſchte antwort erhalten/ fuhren wir die Donau hinunter nach Comorꝛen/ alwo der Gu⸗bernator uns andere Schiff zukom̃en ließ. Nachdem wir halb wegs nach Ofen gefahren/ traffen wir abermahlen andere Schiffe an/ welche/ als ſie zu Ofen unſere Abreiß von Comorꝛa vernom̃en/ von dar in aller eyl abgeloffen/ uns unterwegen abzuholen. Dieſelbigen Schiffe gleichen den Raub⸗ und Jag⸗Schiffen/ ſeind trefflich mit Gewehr verſehen/ ſehr bequem und ſo leicht/ daß man vermittelſt ſtarcker Ruderen/ in kurtzer zeit einen weiten weg verrichten kan. Zwiſchen Comorꝛa und Ofen/ an den Graͤntzen des Roͤmiſchen und Tuͤrckiſchen Reichs/ waͤchßelt man die Abgeſandten auß/ ſo man alle 6. Jahr die Friedens Verbuͤndnuß zu nn ä o 1 nuß zu verneueren/ von beyden Orten auf gleiche zeit uͤberſchickt/ auch muͤſſen die Anzahl der Perſonen auf beyden ſeiten gleich ſeyn. Von Wien auf Iavarin blieben wir drey Tag zu Waſſer/ weil die Donau von dem Rechten Weg uͤber die maſſen abfuͤhret/ dann man zu Land nur 2. ſtund zu gehen hat. Von Iavarin iſt man in einem Tag zu Komoria/ von Comorꝛa auf Ofen hat man nicht gar zwo Tag Reiß. Von Iavarin auf Ofen reißt man gar ſelten zu Land/ weilen wegen der Angraͤntzung/ und von beyden ſelten her außſtreiffenden Raͤubern groſſe Gefahr außzuſtehen. Von Ofen auf Belgard oder oder Griegiſch⸗Weiſſenburg/ brachten wir acht Tag unter wegs zu/ aber die Kaͤlte und der Schnee hielten uns ſo lang auf/ ſonſten wann das Wetter huͤbſch/ kan man dieſe Reiß in küͤrtzerer zeit vollfuͤhren. In dieſem boͤſen Wetter reiſen wir nach Conſtantinopel/ alwo wir nicht eher als den 29. Tag nach unſerer Abreis 5 Belgrad angelangen konten/ weilen die Tag gar kurtz/ und die Wege ſehr haͤßlich waren. In Vngarn hat man die lobliche Gewonheit/ ſonderlich an den muͤhſeligen und üngangbaren Oertern/ die Wanderende Perſonen Gaſtfrey zu halten/ ſo ein Buͤrger des Orts beherberget/ und ihnen wohl auftragen laͤßt/ deme der Burgermeiſter zu end des Jahrs die dißfahls angewendete Vnkoͤſten/ auß den allgemeinen Gelteren widerum erſtattet. Aber es iſt alhier zubeobachten/ daß ſie der Orten mit vielen Reiſenden Leuthen nicht uͤberlaͤſtiget/ und in Vngarn/ ſo eines von den Fruchtbarſten Laͤnderen in gantz Europa iſt/ da die Lebens⸗mittel üͤberauß wohlfeil ſeind/ geſtalten wir vor vierzehen Maͤuler den Tag uͤber nicht mehr als zween Reichs thaler verzehrten. Ofen iſt auf der rechten ſeiten der Donau/ und nur eine halbe Stund von dieſem Fluß gelegen; So bald der Baſſa unſere Ankunfft vernommen/ ſchickte er uns ſeinen Bereuter mit koͤſtlich bedeckten Pferden/ ſo von Sclaven an der hand gefuͤhret wurden entgegen/ uns in die Statt zu begletten. Vnter gedachten Sglaven befanden ſich zween Pariſer/ und nach dem ſich unſere Herꝛen jhres Geſchlechts erkundiget/ botten ſie auf die achthundert Reichsthaler/ aber vergeblich um jhre Freyheit an. b Wir hielten uns zwoͤlf Tag zu Ofen auf/ ehe wir von dem Balsa, ſo damahlen unpaͤßlich war/ audientz haben konten Vuderdeſſen ließ er uns alle Morgen zu unſerer underhaltung einen Hammel/ Huͤner/ Butter/ Reiß/ Brot/ und über das zween Venetiſche Zeckin/ oder Goldpfenning vor unſere uͤbrige geringe Vnkoͤſten/ uͤberſchicken. Auf den Tag als er die Her:en von Ohapes und Sanct Liebau fuͤr ſich kom̃en ließ/ verehrten ſie jym ein kunſtliches Sack/ ůhrlein/ deſſen futral mit lauter Demanten beſetzt war. Dieſer Balsa war von ſchoͤner und anſehen licher Leibes⸗groͤſſe/ empfieng unſere Herꝛen ſehr hoͤflich/ und bey jhrer Abreiß nach Belgrad/ ſo ſich den vier zehenden Tag nach jhrer Ankunfft zu Ofen zugetragen/ ſchickte er ſynen ſechs Caleſchen ſamt zween Spahis jhnen das Gelaͤit zu geben/ mit befehl ſie aller Orten Koſtfrey zu halten/ deſſen ſie ſich doch gleichwol nicht bedienen wolten.* Als wir zu Belgrad angelangt/ ſtiegen wir vor einer alten Reiß⸗herberg ab/ ſo man Carvanſera nennet/ aber vier vornehme Kauffleuth von Raguſa/ ſo in ſelbiger Statt einen ſtarcken Gewerb treiben/ fuhrten uns auß dieſer ſchlimen Herberg in eines ehrlichen Burgers Hauß. Die von Raguſa bringen Tuch nach Belgrad/ und vertauſchen es gegen Wachs und Oueckſuber/ ſo man in OberVngaren und Siebenbuͤrgen uͤberkomt. c Gleich wie wir aber die freundliche Empfahung des Baſsa von Ofen nicht genugſam zu ruͤhmen wußten/ alſo kunten wir uns im gegentheil uber das uͤbele verfahren des Sangiacs von Belgrad nicht genugſam beklagen: maſſen er zwey hundert Ducaten vor einen jeden unter uns angehends heiſchen ließ/ alſo daß wir uns vierzehen biß ſechszehen Tag in zur echt⸗ ſezung dieſes unbillichen 1 ( 0 dels zubringen mußten. Vnſere Kaufleuth von Raguſa giengen zu jhme/ deß wegen mit jhme zu reden/ aber ſie konten weiters nichts außrichten/ als daß ein jeder der unſerigen 5. Ducaten erlegen ſolte. Endlich als der Sangiac immerhin auff ſeinem Kopff verblieb/ verfuͤgte ich mich mit unſerem Tolmetſchen zu jhm/ jhme angehends ſehr hoͤflich und freundlich zuſprechend/ da ich aber ſahe das die guten worte bey jhm nichts verfangen wolten/ redete ich auf eine andere weiß/ jhm draͤuend einen Botten von freyen ſtuͤcken zu der Pforten zuſchicken/ und mich alda uͤber ſein geſtrenges Verfahren gegen zween Edel⸗Maͤñer/ ſo dem Frantzoͤſiſchen Abgeſandten mit Ver wandſchafft zugethan/ hoͤchlich zu heklagen/ womit ich jhm ſo bang machte/ daß er ſich an ſtatt der 200. Ducaten/ ſo er vor einen jeden NMañ gefordert/ mit fuͤnftzig vor alle/ welche jhm auch alſobald uͤberliefert wurden/ vergnuͤgen ließ. Waͤhrender vierzehen⸗taͤgiger Aufhaltung hatten wir faſt keinen anderen Troſt/ als daß wir uns wohl tractieren lieſſen/ dann Brot und Wein/ Fleiſch und Gemuͤß alda koͤſtlich gut und wohlfeil iſt/ und weilen Belgrad an einem Ort gelegen/ alwo die Sauw ſich in die Donau ergeußt/ faͤngt man eine groſſe anzahl Hecht und Karpfen/ deren Leber/ Milch und Rogen wir nur aſſen/ die Fiſche aber den Armen gaben. Zween Jeſuiten/ der Kauffleuthen von Raguſa Capellen⸗meiſter/ wußten unſeren Herꝛen mit allerhand luſtigen geſpraͤchen zubegegnen/ womit ſie jhnen den wegen der Bngerechtigkeit des Sangiacs, welcher ſie in jhrer Abreiß verhinderte/ abgefaßten Vn willen vertrieben. Die Kaufleuth ſelbſten/ ob ſie jhnen ſchon in allen Gelegenheiten jhre Freundſchafft erwieſen/ wolten es doch dabey nicht bewenden laſſen/ ſondern lieſſen noch eine ſtattliche Mahlzeit zubereiten/ wozu ſie unſere Herꝛen den Weyhenachts Abend einluden; nach der Mahlzeit giengen ſie in die Meß/ welche zu ſelbiger zeit um die Mitternacht pflegt gehalten zu werden/ wobey ſie eine liebliche Vocal und Inſtrumental Mufic anhoͤrten/ welche jhnen ſehr wohl gefiel. e Zu Belgrad beſtellten wir uns Reit⸗Pferde und Wagen nach Adrianopel zu fahren; da dañ ein jedweder nach ſeiner bequemlichkeit ſich entweder zu Pferd/ oder auf einen Wagen begab. Ich befand mich beſſer auf einem Wagen/ alwo ich mich biß uͤber die Ohren ins Stroh geſteckt/ und weilen ich einen guten Schlaff Beltz um mich hatte/ fuͤhlete ich gantz keine Kalte nicht. Wir kamen durch Sophia ſo eine groſſe Volckreiche Statt iſt/ vor diſem war ſie die Hauptſtat der alten Bulgaren/ und des Balsa von Romeli Reſidentz. Es iſt alda eine zimlich ſchoͤne Moſquee, oder Tuͤrckiſche Kirch zu ſehen/ ſo ehemahlen den Chriſten zugehoͤrt/ der Thurn an derſelben iſt ſo kuͤnſtlich gebaut/ daß drey zugleich hinauf ſteigen koͤnnen/ alſo daß keiner den anderen ſehen kan. Von Sophia komt man nach Philippopolis/ zwiſchen diſer letzteren Statt und Adrianopolis traffen wir zwo Compagnien Tartaren/ ſo zimlich wol beritten waren/ an; Sie ſtreiffen biß diſſeits der Donau ſehr weit in Vngarn hinein/ auch in den Landeren ſo dem Hauß Oeſtreich zukomen. So bald ſie uns vermercket/ ſtelleten ſie ſich in zwo dicke Reyen/ und lieſſen zwiſchen jhnen einen dicken Weg/ durch welchen wir gehen ſolten/ dann ſie zweifels ohn vermeint/ uns alſo durch die Brenn zu jagen/ und durch die menge und vortheil zu erhaſchen. Ste hatten kein ander Gewehr/ als nichts wehrtige Saͤbel/ wir aber waren ſo wohl mit Waffen verſehen/ daß ſie uns nicht leichtlich beykommen konten/ geſtalten ein jeder unter uns ſeine Muskketon mit einem paar Piſtolen/ und die meiſten jhre gute Jagt⸗Flinden hatten. Wir ſtunden in forchten ſie mochten uns angreifen/ dafern wir etwas ſo zu unſerer verthaͤdigung noͤthig/ verabſaumten/ derowegen ſtiegen wir ab/ und ſchlugen eine Wagenburg um unt. Vnderdeſſen wurden die zween Spahis mit unſerem Tolmetſchen zu dem welcher dieſe Tartaren an fuͤhrte/ geſchickt/ jhn zu berichten/ daß wir ſo lang da verbleiben wurden/ biß ſie aufbraͤchen/ und weilen wir Soldaten waͤren/ als wie ſie/ wurden ſie nichts mit uns gewinnen. Ihr Befelchhaber gab zur antwort/ er hette ſeine e alſo in rdnung „ See See 4 f U 47 E 1 = 4 iie se * f 72 E 15 41 el 2 0 n t 3 2 f — Ordnung geſtellt/ uns Ehr anzuthun und weil wir verlangten daß ſie fortzogen/ ſolten wir jhnen et waͤs Geld vor Taback geben: weßwegen wir ſie alſodald befridiget/ und nachdem unſer Tolmetſcher nen vier Zeckin gebracht/ machten ſie ſich fort/ und lieſſen uns den Paß frey offen ſtehen. e Den 23 Tag nach unſerer Abkeiß von Belgrad, gelangten wir zu Adrignopel an/ alwo wir friſche Pferd und andere Wagen nahmen/ vollends nach Conſtantinopel zu reiſen. Adrianopel hatt ſeinen Nahmen vom Kaͤyſer Adrian/ ſo diſe Statt vergroͤſſeret und verſchoͤneret/ vor dieſem wurde ſie Oreſta genennet Ligt am außgang dreyer Fluͤſſen/ welche ſich mit einander in den Archipel ergieſſen. Die alte Statt waͤre nicht ſonderlich groß/ wann ſie die Türcken mit groſſen Vorſtätten nicht erweitert. Sie iſt eine don den Ottomaniſchen Reſidentz Statten/ dann der Tuͤrckiſche Kaͤyſer/ theils eigener Geſchaͤfften/ theils der Jagt/ Luſt ſonderlich der wilden Enten und Keigers⸗ Jagt wegen/ ſich offt alda einfindet. Wat dieſe drey Fluͤſſe bey Adrianopel uͤberlauffen/ und ſich in die ſumpffigte Woraſt und Felder. gleichſam ein groſſes JNeer darauß welches mit eie ner oͤhnzehlichen menge dieſer Voͤgel bedeckt under welehen auch Klanichen und wilde Gaͤnße gefunden werden Der Groß⸗Tuͤrck fangt ſie mit dem Adler und Falcken/ ſo uber die 9 ſchoͤn zu dieſer Jagt abgerichtet ſind. 8 Den F. Tag nach unſerer Abreiſe von Adrianopel/ ſo da war dek 35 unſerer Abſcheidung don Wien/ gelangten wir Niorgens früh um acht Vhr gluͤcklich zu Conſtantinopel an Vnd nachdem wir durch die Statt geritten/ und durch Galata kommen/ fuͤhrte man uns in des Frantzoͤſiſchen Abgeſandten Bewohnung/ alwo wir biß nach dem Mittag eſſen verblieben; So bald der Abend anbrach/ zogen wir in eine nechſt an dem Herden a bgeſandten gelegene Behauſung ſo einem Griechen zugehoͤrig/ welcher uns etliche Loſamenter zuberettet hatte. Die Herꝛen von Chapes und Saͤnct Liebau ruheten zween Monat zu Konſtantmopel auß; ſie verzehrten alda ein anſehnliches/ geſtalten ſie ſtets offene Taffel hielten. Selbigen Winter thaͤten wir eine kleine Reiß nach Dardanellen/ und beſahen zugleich das zerſtoͤrte Troja/ aber weil man allda nichts als Steine ſihet/ iſt es fi wahr der muͤhe nicht werth deß wegen dahin zu gehen. 8 i Weil man uns aber ſehr viel von einem gewiſſen Zimmer/ ſo auff die Franzoͤſiſche weiſe ſolte außſtafftert ſeyn/ erzehlet hatte/ kam uns der Luſten an/ daſſelbtge zů beſchauen/ zu dem end wir uns in des Scutarets Pallaſt verfügten Derſelbe würde von zween Beſchnittenen ver wahret/ welche uns nicht umſoͤnſt hinein laſſen wolten/ ſondern ein groß Geheimnuß drauß machten/ da wir jhnen aber etwas Gelt in die Haͤnd geſtoſſen/ führten ſieuns ins gedachte Zimmer/ alwo wit nichts anders ſahen/ als ein von ſeht ſtattlichem Gezeug auff unſere Lands/ art zubereltetes Beth etliche Lehnſtühl/ ſamt einer Tapezerey/ worinnen die ganze Staſſierung beſtund. Auf einen anderen Tag beſtellten wir drey Schiff/ und fuhren mit unſeren 5—.— nach Caltedonta/ ſoͤam Bfer des Meers gelegen: In ſelbiger Statt iſt eine uhralte Kirch/ in welcher der Saal/ worinnen das berühmte Foncilium/ ſamt den Stülen/ deren man ſich damahlen bepienet har/ zu ſehen iſt; Heut zu Tag iſt es ein Kloſter/ in welchem wir zwween Biſchofße angerkoffen welche/ nach dem ſie uns uͤberal herum gefuhrt/ uns gar hoͤfflich eine Gollation auffſtellen lieſſen. Hernacher beſahen wir die Saul/ ſo dem groſſen Pompejus am auß gang des ſchwartzen Mfeers auffgerichtet worden/ nachgehends ſpatzierten wir von einem Türckiſchen Pallaſt in den anderen/ ſo lauter praͤchtige dem Gros⸗Turcken zugehorige Koͤntgliche Haͤuſer ſeynd/ wir brachten acht Tag auf dieſer anmuthigen Spatzier⸗Reiſe zu/ aber wann man nur die Saͤule beſichtiget/ und ſich an keinem andern Ort aufhaͤlt/ kan ſieinzweyen Tagen verrichtet werden. In gedachten derrailen traffen wir einen alten Beſchnittenen/ ſo ein Frantzos war/ an/ welcher/ als er uns ſahe/ vor Freuden gantz entzuckt war/ und uns beſt ſeines Bermoͤgens getracttiert und auf gewartet 5 Allthier 130 0 Allhier wil ich etwas wenigs von dem Kanal des Schwartzen Meer mele den. Es iſt keine Neers⸗Enge/ an welcher ſich nicht ein Strohm befindet; an dieſen aber ſeynd zwey gantz wider wertige Der gegen Europa traͤgt die Schiffe ins Schwartze⸗Yeer/ aber der gegen Aſia fuͤhrt ſie wieder ins Sittellandiſche Neer, ſolcher Geſtalt traͤgt ſich zu/ daß man in der Spatzier⸗Reiß von Konſtantinopel biß zum Außgang des Kanals im hin und her Reiſen eine ſehr bequeme Fahrt hat/ maſſen man nur von einem Bfer biß zum andern zu ſchiffen 195 Nachdem nun der rauhe Winter vorbey/ ſetzen der Herꝛ von hapes Und der Her: von Sanct Liebau in Geſellſchafft zweyer Spahis jhre Reiſen auf zweyen JagtSchiffen nach Alexandretta fort; Ich habe nachgehends vernommen/ daß ſie das Denckwuͤrdigſte im Egeriſchen Meer/ und auf der Seite Natolien geſehen/ daß ſix von Alexandretta nach Aley/ von Alep zum Euphrat/ von dar wieder zuruͤck auf Alep/ und von dannen auf Damaſco N e Behne ße Ichaber/ der ich eine andere Reiſe im Sinn/ und Perſien zu beſchauen Luſt hatte/ hielte mich noch allezeit zu Konſtantinopel in erwartung einiger Caravanen oder Reis /Geſell ſchafft auf/ worauf man mich von Monat zu Monat vertroͤſtete. Dazumalen war ich der Sachen noch wenig erfahren/ nicht wiſſend/ daß alle Jahr fünf oder ſechs Hauffen Kaufleute/ zu welchen ich mich haͤtte ſchlagen koͤnnen/ von Burſa auß verreiſeten/ und daß ohne diß acht biß zehen Kaufleute gar offt zuſammen ſtehen/ um deſto ſicherer nach Iſpahan zu reiſen. Meine ſothane Vn wiſſenheit verurſachtedaß ich mich zu Conſtantinopel wider meinen Vorſatz laͤnger aufhalten muſte/ geſtalten ich eilff gantzer Monat allda verharꝛete; Waͤhrender Zeit habe ich den Einzug des Herꝛn von Marcheville, ſo den Herꝛn von Oely Frantzoſiſchen Abgeſandten abzuloͤſen ankam/ geſehen; Der Groß ⸗Tuͤrck gab jhm als einẽ Abgeſandten Verhor/ aber der Herꝛ von Oely, ſo ſich ſeines Amts zu begeben nicht Luſt hatte/ brachte durch ſeine kluge Rathſchlaͤge mit dem roß⸗Vtzir ſo viel zu wegen/ daß er allda an ſeiner Stell verblieb/ der Herꝛ von Marcheville aber ſich wieder zurück in Franckreich begeben muſte. Auf den Tag/ als jhm der Tuͤrck Audientz gab/ befand ich mich unter ſeinem Gefolg/ wie ich deſſen in meiner Beſchreibnng des Tuͤrckiſchen Pallaſts Meldung gethan. Endlich/ als ich eilff Monat lang gewartet/ verreiſte eine anſehnliche Caravane von Conſtantinopel nach Iſpahan/ zu welchen ich mich ſchlug/ meine erſte Reiſe in Aſien antrettend. Fuͤnf andere/ ſo darauf gefolget/ haben mir genugſam Zeit und Gelegenheit an die Hand gegeben/ die Beſchaffenheit der Laͤnder und Sitlen der Voͤlcker zu erfahren. Die drey Letſten/ ſo ich gethan/ hab ich biß jenſeit des Ganges und in die Inſel Java fortgeſetzt/ alſo daß ich innerhalb vierzig Jahr mehr als ſechtzig tauſend Meil Wegs zu Land gethan/ dann ich nur ein einig mal auf dem Ocean auf Aſia wieder in Europa zuruͤck kommen bin. Auf dieſe Weiſe hab ich die gantze Turckey/ gantz Perſien/ gantz Indien/ inſonderheit aber die beruͤhmte Diamantgruben/ all wo vor mir niemand auß Europa geweſen/ auf meinen durch verſchiedene Weg gethanen ſechs Reiſen/ mit Zeit und Weil genugſam beſichtiget. Derowegen hab ich mir vorgenommen/ alles das jenige/ ſo ich in dieſen drey maͤchtigen Reichen geſehen/ umſtaͤndlich und mit hoͤchſtem Fleiß zuerzehlen/ ſolcher Geſtaſty daß ich von den underſchiedlichen Wegen/ durch welche man von Paris in e Perſien gelangen kan/ meine Erzehlung anfan⸗ i 8 gen werde. ö 8 Len 0 Der Buͤchern 110 Car ale 55 Erſten Dbale . Reiß ⸗Buchs/ in 5 die Reiſen nach 1 und Perſien 1 werden. 5 Des Autliokis Vorha ben/ en di die Reiſen/ die er in den 1 1 5 Thelen in N biß nach Conſtantinopel gethan⸗ d i erzehlet werden. ————— ä————— 23252S—T—T—T———— Erſtes Buch. Von unterſchiedltchen Wegen/ die man nehmen tan/ wann . man von Paris nah Iſpahan, durch die 1 0 Provinzen der Türcken reiſen will. 8 Das I. Capttel.. Den den Wegen ſo man gehen kan/ wann man von Franckreich auß/ in Aſten und anderen 5 Orten⸗ von welchen man gemeiniglich nach Ipahan retſet/ anlaͤnden wil. 1855 1. Das II. Capitel.. i Von dem 0 von Conſtantinopel nach Ipahan, ſo der jenige 1 den der aber af c ner 8 9858 in 1 gegangen gegangen. 1 2. g Das III. Capitel. e 9 5 Derlmnen 1 von dem Weg von Conſtantinopel nach lb, aan von den n Per⸗ 1 . ſiſchen Gränzen an/ 05 nach Erivan gehandlet wird.. 5 Das IV. Capitel.„„ Werben Nn der Weg von N biß Tauris folget. e N 5 17. Das V. Capitel. 75 a In: welchem ſerner der pee von Conſtantin opel in Perſen⸗ von Tauts 55 10 Ila 5 han, uber Ardevil und Casbin beſchrieben wird.. 55 Das VI. Capitel. In ſich haltende den asc Weg von Tauris nach Iſpahan, cher e Sultauie und andere 5 5 3 28. 5 Das VII. Capitel. 75 Wen dem e bon Seel bac IHpahan durch Natolien.. ö. g Das VIII. Capitel. 8 ö Von der Wag bug(die dem Author bey Tea widerfahben und em einer Art Aae und ſehr ſchoͤner Wollen/ deren in Franckreich zu bringen er der 8 e 8 41. Das IX. Capitel. Von dem Weg von Keren nach Iſpahan, und was ſich mit Nazar Mahamed Ali Beg i . und unverſehenes zugetragen. 43. i Das X. Capitel. Von, den Carvanſerien 5 oder Wirtshauſeren⸗ und guter Oroͤnung der Cara vanen 3 oder Reiſe⸗Geſellſchafften. 46. ö Das XI. Capitel. 0 Von den Camelen/ auff we lche weiſe dieſelben aufferzogen worden Ihre Natur 900 deren unterſchiedliche Arten. N 71. 5 V Ca lte. 0 850 Von der Giͤd⸗Müntz in paßte. 0 0 VV 525 e. Ande 8) 0(8 a 5 E 222000—. rr rr. V Von unterſchiedlichen Wegen/ von Paris nach Ipahan der ö Hauptſtatt in Per ſien/ durch die Mittags⸗Laͤnder 5 der Tuͤrckey und der Wüſten. ä Das I. Capitel. Von der zweiten Reiſe des Authoris, von Paris nach Iſpahan, und erſtlichen wie er zu Mar8 ſilien nach Alexandretten, zu reiſen ſich zu Schiffe begeben. 55. Das II. Capitel. e Beſchreibung der Statt Aleppo, welche heut zu tage die Hauptſtatt in Smyrnen iſt. 59. i f Das III. Capitel.. Von unterſchiedlichen Wegen ins gemein/ von Aleppo nach Ipahan, und inſonderheit durch die groſſe Wuͤſten. f ö 52. Das IV. Capitel.. Von dem Weg von Aleppo nach Ilpahan, durch Meſopotanien und Aſſyrien/ deſſen ſich der Author in ſeiner dritten Reiſe gebraucht. i 69. Folgt ferner von dem Weg von Ninive biß nach Ilpahan, ſamt der Geſchicht von einem Abgeſandten/ Nahmens Dominico de Santis. 5 76. Das VI. Capitel. 5 Von dem Weg/ ſo der Author in ſeiner vierten Reiſe in Aſten genommen/ von Paris nach Ormus, und zu vorderſt von der Schiffart von Marſeille nach Alexandretten. 83. Das VII. Capitel. i N 8 Darinnen ferner von des Authors Weg auff ſeiner vierten Reiſe in Aſien, und abſonderlich von Ninive auß/ biß nach Babylonien gehandelt wird. 8 ä Das VIII. Capitel. 5. Fernere Beſchreibung des Wegs von Bagdat biß Balſara, darinnen von der Religion der St. Johans Chriſten meldung geſchicht. 93. 3 Dae IX. Capitel. Die fortſetzung des Wegs von Balſara nach Ormus. 8 a 100. Das X. Capitel. e f Von des Authoris fünffter Reiſe/ und was ſich mit vier Frantzoſen zugetragen. 103. Drittes Buch. Von der ſechßten und letſten Neiſe des Authoris uind der Weg durch die Mitternaͤchtige Laͤnder Europæ, in Tuͤrckey und Perſien zukom̃en. N Samt einer ſonderbahren Beſchreibung vieler an dem Schwartzen und Caſpiſchen Meer gelegenen Landern. 5 Das I. Capitel. N Von der ſechßten und letſten Reiſe des Authoris, von Paris biß nach Smyrnen. 110. 8. F Von des Authors Abſcheid von Smyrnen, und ſeine Reiſe nach Ilpahan. 15. Das III. Capitel. Weg von Alep nach Tauris, durch Diarbeckiu und Van. Das IV. Capitel. e 25 ö Ein anderer Weg von Alep nach Tauris, durch Geztre und andere Oertek. 121. f ö a Das V. Capi n. i Weg von Alep nach Ipahan, durch die kleine Wuͤſten und nach Kengavar. 122. . n Das VI. Capitel. 1 Ein anderer Weg von Conſtantinopel nach Ipahan, durch das Euxiniſche und ſchwartze Meer/ und von den fuͤnemſten umligenden Statten. 8 Das VII. Capitel. Der Weg von Warſchau nach Ipakan, durch das ſchwarze Meer/ und von Ipahan nach der Moſcau/ nebenſt dem Nahmen der fuͤrnemſten Staͤtt⸗ und Inſeln in Tuͤrckey/ ſo wohl nach jhrer eigenen 8 alß 5 9 5 72955 Tuͤrckiſcher Sprach lauten. 132. 5 a Das VIII. Capitel. 6 Anmerckungen uͤber den Handel in der Inſel Candia und in den fuͤrnehmſten Inſeln des Ari chipelagi, wie auch von etlichen Staͤtten in Griechenland/ nebenſt einer ſonderbahren 8 Nachricht von dem Zuſtand der Galeren/ welche der Groß. Tuͤrck ſo wohl am feſten kande/ alß auch in den Inſeln zu underhalten pffegr. f ä Das 8 1. wer ve c merten Das f Dir Beſchreibung der Statt Ilpahan, weſche die Hauptſtatt in dem gantzen Königreich Per) 505 Das IX. Capitel. Bericht von dem jetzigen Zuſtand in 8 as X. Capitel. 35 8 Bericht von dem felgen Zuſtand 5 dae KI Capie 1 39 as XI 8 Von Comanien und Circaſsien, wie auch bon 1 55 1 Voͤckeren die man Kalmoucho nennet. 143. Das XII. Capitel. Von den Ceremonien und Gebraͤuchen der Voͤſckern in Comanien und Circaſsien 145. Das XIII. Capitel. Von deu kleinen Tartern/die man Nogajeo neñet/ welche der Oomanier Nachbahren ſind. 148. e ö. ˙———— J Viertes Buch. Beſchreibung des Koͤnigreichs Paſin. Das I. Capitel. f Wie weit ſich das Koͤnigreich Perſien erſtrecke/ und in wie viel Provintzen date. let werde. 159. Das II. Capſtel. Von den Perſianiſchen Blumen und Früchten wie auch von den e und Perlen/ die in Perſien gefunden werden.. Das III. Capitel. Von den dienſtbaren Thieren/ Fiſchen und Voͤglen in Perſien. 164. Das IV. Capitel.. Von der Art zubauen in Paſt ien. 1 167. V. Capitel ſien iſt. 8 Das VI. Capitel. Von Zulpha einer kleinen Statt/ welche von Ilpahan nur durch den Fluß Sendern abgeſondert iſt. 170. 5 Das VII. Capitel. Von der Peraner Reigen/ und von des Hocen und Hoſſein b Feſt/ wie auch von dem Kamelfeſt. 6 5 c 184. Das VIII. Capitel. Von den Ganren Religion/ 2 1 von alten Perſtaneren beſanmeen⸗ 6 das Fear anbetten. 1084. Das IX. Capitel. Von der Armenier Rug, und der Art und Weſſe/ wie ſie das Abendmahl halten. 193. Das NX. Capitel. Wie be. e welche Priester werden alen einweichen/ und bon jhrer ſtrengen Le194. 5 as XI. Capitel. Von der Armenier Tauffe. 8 0 1. 4 195 . f Das XII. Capitel. 3 Von der Armenier Heuraht. 1 5 196. Das XIII. Ca l.. e Von der Art und Weiſe wie die Armenter jhre ee, ö 5 198. XIV. Capitel. Das ö Etliche Exempel der Armenier Beſtandigtelc ihre Religion gegen die Wremen Verfolgungen zuvertheidigen. 1 0 Das XV. Capitel. 5 3 eWie der Aurhor auff ſeiner 6. Reis in dem Perſiſchen Hof enßfangen worden/ und was er die Zeit uͤber als er 10 Iſpahan geweſen/ gethan. 8 2025 Das XVI. Capitel. 5 as Koͤnig in Perſien dem Autſior fuͤr Ehr angethan/ und wie er 5 beſchencker. 207. Das XVII. Capitel. 5 Was der Author weiter auff ſeiner Reis verrichtet. f 210. Das XVIII. Eiderl. f Von dem Geſpraͤch ſo der Aurhor mit dem Konig wegen den Fuͤrſten in Europa gehalten/ und wie jhre Mafeſtaͤt befohlen/ daß er den ganten 8 5 ſeyn ſolte/ al er ſich luis 5 213. e Das —.—— U . 5 e Handwerckern und Kaufmans⸗ Wagren in —.—— 1 Sänftes Buch 55 ſic haltend Hiſtoriſche und Polttiſche Beſchreibung eine des Kongreichs Merten ehen dem Wege von 5 nach Ormus. 5 a Das I. Capitel. Sicc Regiſter der Koͤnigen in Perſten von dem letſten Stamme. Das II. Capitel. f ellichen ſonderbaren Thaten der Königen in Perſien/ welche ihre Tugenden und Laſter füͤrſtellen von Oba- Abas dem erſten dieſes Namens biß auff den 5 der anjetzo! regieret. Und zwar erſtlichen von Cha- Abas dem groſſen. f ö 230. Das III. Capitel. Was ſich unter der Regierung Cha- ſef denckwüͤrdiges zugetragen und ſonderſch von dem Tod des. und ſeinen 3. Soͤhnen. a 35 5 Das IV. Capitel. i ö Traurige Geſchicht welche ſich mit Rudolph Sadlern von Zurich gcbärttg zugetragen/ unter der Wa Cha. ef in dieſen Dienſten er ſich dazumahlen e 255 ö ö Das V. Capitel. Von alhen dh Fällen die ſich unter der Regierung Cha-Sef zugetragen. 5 255 Das VI. Capitel. 5 Auff was weiſe Mahamet Beg unter der W Cha· Sefi in lngnaden gerahten. 3 Das VII. Capitel. 3 Von der Religion des Printzen von Jasque, des Koͤnigs von Perſien Vaſallen, unter der Regierug Cha- Sefi des Erſten und Eba⸗ Abas des Anderen. 249. Das VIII. Capitel. Won etlichen ſonderbabren dingen die ſich unter der. Cha- Solimans zugetragen. 25 Das IX. Capitel. 5 Von der Regierung i in Perſien. 5 . e 122. 202.4 Das X. Capitel.. Von der erſten Ordnung oder Stand in Pee in dem 8 auß den Kans oder Aach Verwaltern/ und dem Kriegsvolck beſtehend. e 14. 5 Das XI. Capitel. N Wag in dem Stand/ der Lehrer und Gerichtsleuten/ und insgemein deren die mit den Federn age de als da ſind vornemlich die Beamteten der Rechenkammer. 260. Das XII. Capitel. on dem deimen Stand unter welchem die Kauff⸗ und Handwercksleut begriffen da dann zuPerſten gehandlet wird. 263. Das XI II. Capitel. Wi⸗ die Perſianer aber Gericht und Gerechtigkeit halten und von ſhrer Policy. 8 Das XIV. Capitel.„ Von der Perſianeren Sitten und Oebräuchen.. f 2708. Das XV. Capitel. 3 Vun den Kranctheiten! in Perſi ien und den Mila e wider dieſelben. e Das XVI. Capitel. ee eee ale die Perſi ſaner die Selten abthelen. 8 N 279 Das XVII. Capitel. FF Von der Paten Gaſtereyen/ und jhren gewohnlichen Speſſen e 279. Das XVIII. Capitel. 1 5 4 Von der Perſianern Heurahn. 282. Das XIV. Capitel. 83 Vom Tod und Begrälnuß der Perſtanern. 283. Das XX. Capitel. 5 Der Author reiſet von Iſpahan nach O rmus und beſchreibet der 8 0 8 285. Das XXI. Capitel. 5 Beſchreibiüns der Sur Schitas. f 287. Das XXII. Capite Die Forſeunsder Neis wwiſhenipehen und ee 1 5 2015 7 Das XXIII. Capitel. 3 Ven der Inſul e und Bander Abaſſi. f 297. Das XXIV. Lari. 9 5 Won dem GWcge i bande bon Caſtri. Ilpahan. 302. 550 . 2 , .—— , 7 fie, ir Grſtall s Opeers geöffnet 222 2 , ,x 70 W F, 7 J , , , , 5 4 0 l 0 1 womit Ehr iſti Seidre N wor den. NN bk den umbligenden orte f 1 H F N t Der Hrünoriß der f 6 Stadt Paglat ober Babylon Dre Parſanſt e e Beisbeſehreibung 5 e eie Büch 5 .* Von den underſchiedlichen Wegen die man nehmen kan/ wann man von Paris nach Iſpahan/ der Haubt⸗ Stadt in Perſien/ durch die Mitternaͤchtiſthe Provintzen der Tuͤrckey reiſen wilt. 5* 2 a 0 Das J. Capit welche hauffenwveis ſich zuſamen ſchlagen/ und Nauen in Das. S apitel. den Kauffeuten auf den Straſſen aufpaſſen: Turck Von den Wegen 15 man gehen kan/ wann ſehen ſie/ daß ſie ſtärcker und jhnen uͤberlegen man von Franckreich auß/ in Aſien/ und ſind/ plündern ſie dieſelben/ ſa ermorden ſie bisan denen Orten/ von welchen man ge⸗ weilen gar; 992 1 5 5 1199 5 1 ini ali 1 rei e, wo eine gar ſehöne Ordnung vor die Bequem 5 nach 3 ſpahaur 5 5 aue lichkeit der Reiſenden iſt/ nicht zu befoͤrchten 5%%%Cͥ dieſe Ungemachlichkeiten und Gefahren 5 O NAſien reiſet man denen ie Reiſenden unde swworfſen machen daß mt auf ſolche Wei⸗ man nut den Caravenen die in Perſien und „ e zu jeder Seit oder Indien aber nur von gewiſſen Orten/ und zu n ae, Be⸗ gewiſſer Zeit gehen/ reiſen muß. I quem Die Weiſe wie man in 11025 reiſen anl. 5 lichkeit/ als in Dieſe Catavanen, welche ich an einem an85 Europa; dann da⸗ dern Ort/ benebenſt den Carvanſeren auß führS i- Fuhren von einer ſo in Perſien reiſen wollen/ ſie geſellen ſich gleich. abt do Provittz zu der andern! und das zu den Caraxanen, oder wagen ſich mit einem Land iſt auch gantz anderer Art. Man findet Botten allein/ welch es ich einmal gethan/ ſich 8 in Aſien gantze Landſchafften ungebauet und in einer von dieſen dreyen Stadten emſinden. 2 5 8 unbewohnet/ entweder wegen des unfruchtba⸗ Und ſeynd folgende Weg/ die man von Paris ken Climats und Erdreichs/ oder wegen Faul⸗ auß nach dieſen dreyen Städten halten muß. heit der Laue/ welche lieber armſelig leben/ als Ich wil von Conſtantinopel e 1 Keſtirich, arbeiten wollen. Man muß durch groſſund dahin man zu Waſſer und zu Land gehen kan ö 0 e weitlaufftige Wuſten/ alwo es wegen Mangel und ſeynd beyderſeits zweyerley Wege. Der„ des Waſſers/ und ſtreiffen der Araber/ ſehr ge⸗ erſte von denen zu Land/ iſt der jenige/ welchen Wee und fährlich zu reiſen it; und findet man in Aten ich mit dem Heren de Chapes und Heran die seen keine ordentliche Herbergen oder Wirthe/ die Saint Liebau gegangen welchen zu wiederho⸗ zu reiße. 5 ſich befteiſſen einen Durchreiſenden zu beherber⸗ len unnohtig iſt/nur dieſes wil ich erinnern/ daß gen,und wol zukractieren. Die beſte Herber, Wien bey nahe der holde Weg von Baris auf Pag ch e 8 wochentlichorcina. Smirna unnd Alep auß: und muͤſſen die jemgen 9 5 abſonderlich in Türcken/ it das Zelt/ ſo man Eontſtantinopel iſt. Der andere Weg wird e mitfuͤhret/ und an ſtatt der Wirthe/ muſſen die weniger gebraucht/ er iſt aber beguemer/ und rupel. e e daß een e nicht ſo gefährlich/ weil man keinen Leoſerli. den man in den groſſen Sacken erkaufft/ das chen Paß/ welchen man mit groſſer Mühe erEſſen ſelbſt zurichten. Das Zelt lat man in langet/ von nohten/ auch ſolche Gefahr von ſſachem Feld/ oder auf einem Platzin der Stadt den Seeräuber von unis, Alger, ode andern aufſchlagen/ wo es keine Carvanſera gibt; und Orten/ nicht zu befoͤrchten hat/ als wann man wann es gelind Wetter iſt/ daß die Sonne nicht zu blarleille oder Ligourne zu Schiff gehet. zu heiß ſcheinet/ oder regnet/ it man darunder Auf ſolchem Weg muß man nach Venedig gegag bequem. In den rvanteren aber el. hen/ ind von da auf Ancona, von dannen woche in Perſten ingroſſerer Anzahl/ und vielbe⸗ chentlich viel Schifſe nach Raguls abfahren/ gquemer ſeynd als in Turckey nd Leute die den da hingegen von Venedig gar ſelten eines da Reisenden Lebensmittel verſchafßen und die ſo hin gehek. Von Ragula ſchiffet man langſt gcmerſten dahin komen/ ind am beſten logiert. dem Ufer nach Duraz zo, einer See Stadl in Velheit der Sonſten iſt die gantze Turckey voll Rauber/ Albanien, der uͤbrig Weg von da/ geher zu J ſelbſt fandet man nit lich beſchreiben wil/ gehen von Conſtantinopel“ Wodiec s: — Land. Man muß durch Albanopel drey TagReis bon Durazz0 auf Moneſtier in gleicher diſtanz von Albanopel: von Moneſtier kan man zur lincken Hand durch Sophie und Philipopolis, oder zur Rechten durch Inguiſcher, ſo dreh Tagreis von Moneſtier, und gehen von Adtrianopel iſt/ gehen/ von darauß iſt man in fünff Tagen uͤber Selivree zu Conſtanrinopel, Dieſer letſtere Weg iſt theils zu Waſſer/ und theils zu Land. Es ſind aber noch zwey andere gantz zu Waſſer/ über und under Italien/ nach dem Underſcheid der alten under den beyden Meeren/ ſo eine halbe Inful machen. Man kan zu Venedig einſchiffen/ und wann man langſt dem Golo dahin keine Seerauber kommen/ ſeglet/ fahret man um das VorGeburg Matapan, welches die quſſerſte Graͤntz gegen Mittag von Europa iſt/ damit man in den Archipelagum kominen koͤnne. Der ander Weg iſt uber Marleille oder Ligourne, von dannen gar oft Schiffe in Orient abfah8 ren. Man muß aber um mehrer Sicherheit willen vor den Seeraubern/ die Gelegenheit mit einer von den beeden Flotten von Engel1 land oder Holland durchzukommen/ wol in . acht nehmen/ welche gewohnlich in dem Fruhlng und Herbſt nach Ligourne gehen/ und ſich gerad gegen Morea Über zertheilen/ da dann ein jedes Schiff nach ſeinem beſtimten Ort gehet. Dieſe Flotten gehen/ nachdem ſie Wind haben/ bisweilen zwiſchen der Inſul Elba und Italien/ durch den Faro von MeſſiWegunder Sardinien und Sicilien, und kommen auf die Inſul Malta. Iſt alſo bis man . s Candia in das Geſicht bekomt/ eben der jenige 8 Weg auf Conſtantinopel/ auf Smirna und Tagreiſen entlegen; und muß man nohtwendig/ wann man in Perſien reiſen wil/ an einer von dieſen dreyen Staͤdten in Alia anlanden. underſchie Es ſind etliche die nehmen den Weg durch 5 Egypten/ und gehen durch Alexandria, Caire und Damiette, von dannen gar oft kleine Schiffe nach Jaffa oder St. Jean d Acre, ſo allernechſt dabey gelegen/ gehen/ von darauß gehen ſie nach Jeruſalem und Damaſco, und ſo nach Bagdat oder Babylonien/ wovon ich in einem andern Ort ſagen wil. Wann man nicht warten wil/ bis die Flotten abfahren/ und ſich gleichwol auf einem 1 Schiff allein/ auß Forcht vor den Seeraubern nicht wagen wil/ kan man eine Brigandin ( Raubſchiff) von Ligourno auf Neapolis nehmen/ und von Neapolis auf Meſſina, man a muß aber nicht fern von dem Ufer fahren/ und 8 alle Nacht außſteigen. Ich habe dieſen Weg auch gethan/ und bin von Melnna auf Syraf cuſa gangen/ da noch einige ſchoͤne hinderblieVeſchei, bene Antiquitctten zu beſehen. Dieſe Stadt Eid yr. iſt gleichſam under ber Erden und nahe dar ben eule in Siel iſt ein groſſer außgehohlter Fels/ wann man ln. under demmſelbigen gantz leiß redet/ ſo koͤnnen die jenigen ſo darauf ſind/ hoͤren was man ſagt. Dieſen Felſen nennen ſie das Ohr des Tyrannen Diony ii, dieweiler/ wann er darauf war/ na; bisweilen nehmen ſie auch den breiten Von dem Weg von Conſtantinopel nach Alexandretta, wovon Alepo nur drey kleine 2 XNXàeisbeſchreibung in Perſien/ alles gar genau horen konte/ was man von jhin ſagte/ und dadurch die geheimen Raͤhtſchlage der Vornehmſten von Sy racula, die er an dieſen Ort hatte gefangen ſetzen laſſen/ entdeckte, dyracuſa iſt nicht mehr in dieſem Stand/ als ſie vor dieſem geweſen/ wie ſie über gantz Sicilien herꝛſchete/ und Griechenland uͤber jhre groſſe Macht eiferte/ und ſie bekriegte; aber das Land iſt noch allezeit gut/ und kan man da wol leben/ die Malteſer- Galleern kommen gar oft hin Lebensmittel einzukauffen. Nahe ber der Stadt iſt ein Capuciner⸗Kloſter/ bey deſſen Beſchreß Außgang man eine halbe Stund lang ziwi⸗ er Klatte ſchen zweyen hohen 11 5 gehen kan/ die doch zu sync. ſo abhangend ſeynd/ daß man daran kleine Zellen/ und bey jeder einen Garten hat machen konnen/ darein die Ordens⸗Bruͤder bisweilen ſich von den andern abſondern. Dieſe Einode iſt die anmůhtigſte ſo man ſehen mag. Von Syracuſa bin ich mit den Galleern/ die mit Vickua⸗lien beladen zuruck gehen/ auf Malta gegan gen. Daſelbſt muß man auf Gelegenheit warten/ bis einige Schiffe nach Orient abfahren. Von dieſer Schiffahrt auf dem Mittel laͤndiſchen Meer nach Smyrna und Alexandretta, wil ich in der Relation von etlichen mei nen Particulier⸗Reiſen/ außfuͤhrlicher reden. Es iſt nun geit/ daß wir uns nach Aſia wenden/ und alle die Wege durchlauffen/ die nach Iſpahan der Haubt⸗Stadt in Perſia zuführen. Das II. Capitl. — Iſpahan/ ſo der jenige iſt/ den der Author auf ſeiner erſten Reis in Perſien gegangen. d 12 S gehet gar ſelten einige Caravana Beſchreiblig von Conſtantinopel nach Perſien; zen Sen. D aber von Burle gehen faſt alle 2. Mo⸗ ſtant opel nat etliche dahin: dieſe Stadt iſt die Haubſtadt nach pern. in Bithynien, und ligt nur ein wenig mehr als 3. Tagreis von Conſtantinopel. Dieſe beede Wege gehen bey Chabangi, dahin man von Burſe in zweyen Tagen kommen kan/ zuſanen/ und iſt alſo genug von dem Weg von Conn ſtantinopel nach Ilpahan. Dieſe Reis kan man thun/ entweder mit einer Caravana von Kameelen/ wie ich das erſte mal gethan/ oder es konnen jhrer zehen oder zwoͤlff/ die wol beritten und bewehrt/ zuſamen gehen. g Von Conſtantinopel gehet man uber Scu. Reise von taret an den Gräntzen Aſtens/ und daſelbſt eat au bringt man gemeiniglich das uͤbrige vom Tage lidahen. mit einkaufen/ was man zur Reiſe vonnoͤhten/ u. Hat man zu Conſtantinopel etwas vergeſfen an man es/ weil die Uberfahrt gar kurtz/ wieder abholen. 15 8 825 Wann man von Scutaret abreiſet/ iſt die Dieerte erſte Tagreiſe ſehr angenehm/ denn man gehet Tuareite von Scutaret Über die ſchoͤnſten Felder/ die in der 700 9 5 nachlipahan. gantz voll Blumen ſind. Bald darauf ſiehet man auf beyden Seiten des Wegs/ eine groſſe Lurche Menge der ſchoͤnſten Graber mit jhren Pyra. Begrabnu mides, und kan man der Manner Begrabnuß „„ 105 59 Die Tagr der& Isnic Gro ge al in d Cha ul. 8 on 0 ont an. e iſſe Erſies Buch. 3 don der Weiber ihrem/ leicht underſcheiden; auf der Spitz der Pyramide von jenen/ iſt ein Turban, auf dieſer aber eine Haube/ wie ſie die Weiber in dieſein Land tragen. Dieſe Nacht 5 über bleibt man zu Cartali einem Dorff in Bi0b aue chynien, und die folgende zu Gebile wo vor Dagreis. alters Lybiſſa, ſo wegen Hannibals Begrabnuß berůͤhmt geweſen/ gelegen. An dieſen Ort ſind zwey Carvanſeren, und zwey ſehr ſchoͤne f Brunnen. a. Die dritte 8 Den 3. Tag komt man nachls nich, welche/ Beſchreibüg wie die meiſten glauben/ eine alte Stadt in Ni5 abt cea i ich. Hügel gebauet/ das andere Theil aber auf einer Ebene/ die bis an das Meer gehet/ woſelbſt das Meer einen Buſen machet/ ſo man den Meerbuſen Isnich nennet. Bey dem Hafen ſind 2. cea iſt: Ein Theil dieſer Stadt iſt auf einen entweder wegen des boͤſen Wetters/ oder daß ſie müſſen einen Abweg nehmen/ damit ſie den Maubern nicht in die Hande kommen. Von Chabangi quß/campiert man dieſelbige Nacht an dem Ufer eines zimlich groſſen Fluſſes/ Zacarat genant. Dieſer Fluß laufft gegen Mitternacht/ und hat ſeinen Außfuß in das Rohte Meer. Man gehet daruber auf einer holtzernen Brücken/ und werden viel Fiſche Ddarinnen gefangen. An dieſem Ort iſt weder Dorf noch Carvanſera: aber eine Meil von dieſem Fluß iſt eine groſſe Stadt Ada genant/ Die Star deren Einwohner meiſtentheils Armenier ſind. Lal Wir ſehickten hinein/ und lieſſen uns ſehr guten Wein/ und andere Erfriſchungen die uns nohtig waren/ holen. s 8 1 Von 1975 Fluß an/ bis auf Cancoly da Moles oder Ufermauren/ von groſſen gehaue⸗ man des folgenden Tags uber Nacht bleibt/ nen Steinen/ und 3. groſſe Platz rings herum mit Mauren wie die Zeughauſer eingeſchloſſen/ under den Galerien ſiehet man eine Menge beſchlagen Holtz/ Hauſer und Galleern zu bauen. Weil es in der Gegend von der Stadt eine gute Jagd hat/ und auf dem Land allerhand herꝛliche Früchte/ und ſehr guter Wein wachſet/ hat Sultan Amurat ein Serrail in die Gegend die ann hoͤchſten ligt/ bauen laſſen/ wovon man zugleich das Meer und das Feld überſehen kan. Die Juden haben den groͤſten Theil von der Stadt innen/ und iſt mit Frucht und Bauholtz ihr groͤſter Handel. Wann guter Wind iſt/ kan man zu Waſſer von Conſtantinopel in 7. oder 8. Stunden nach Isnich fahren/ und die Überfahrt iſt nicht gefaͤhrlich. s Den vierdten Tag halt man ſich zu Chabang i ſo eine kleine Stadt/ und an dem Ufer eines Sees Chabangigul genant/ gebauet iſt/ etwas auf/ es ſind 2. Car vanſeren darinnen. Von dem Anfang des Sees bis an die Stadt/ gehet man ohngefahr zwey Meilen theils uͤber Verg(theils an dem Ufer des Sees/ da die fed öfters bis au bie Bauch in das Waſſer G l fallen. Dieſer See hat nicht mehr als 10. MeiDie vierdte agreiſe. ge augiſchen len im Uinkreis/ und fangt man darinnen von in dein See den groſſen Fiſchen eine ſolche Menge/ daß ich Chabangi5 einen Hecht von dritthalb Schuh lang vor z. und under 4. Carvanſeren die T Gahl hat/ reiſet man den gantzen Tag uber hoͤltzerne Brucken oder Damme/ mitten durch den Moraſt. Darngch komt man auf Tuslkebaſar, ſo ein klein Dorf/ und 2. Carvanſeren hat. Die andern Oerter/ woman durch muß/ folgen hiebey auf einander. 5„ Cargueslar iſt ein groſſes Dorf/ und hat ein 17 85 Carvanſera, ligt an einem kleinen Fluß/ darin⸗ en Dor. nen man eine Art Fiſch fange/ welche die Einwohner Bourna-balouki nennen/ iſt ſo viel zu ſagen/ als ein Fiſch mit einer langen Naſen; ſie ſind geflecket wie die Forellen/ ſind aber beſſer/ und werden hoͤher gehalten. i 5 Polia oder Polis, iſt eine Stadt unden an Die Stadt den Bergen gelegen/ die Einwohner ſind meiſtentheils Griechen. Dieſe Berge ſeynd ſehr hoch/ und wahren laͤngſt dem Weg zwey Tagreis lang. Es wachſen allerhand Art von Baumen darauf/ welche ganz grad und hoch ſind/ als die Tannenbaͤrun/ es flieſſen viel kleine Baͤch darzwiſchen/ darüber man ſchwerlich kommen koͤnte/ wann nicht der Groß⸗Vezier Kuprigli hätte Brücken daruber machen laſſen. Und weil das Erdreich in dieſem Gebirg ſehr fett iſt/ ware es unmuͤglich/ daß bey groſſem Regenwetter/ oder wann der Schnee zergehet und zerſchmeltzet/ die Pferd ſich darauß heben koͤnten/ Stuber gekauft. Viel Turckſſche Keyſer haden wann nieht eben der jenige Vezier Sorg davor eulen Canal von dieſem See in den Golkführen wollen/ damit man das Bauholtz/ ſo in den Waldern um den See herum gehauen wird/ deſto bequemer nach Conſtantinopel führen konne. Wann der Groß⸗Vezier/ welcher wider die gemeine Art/ auf ſeinem Bethe geſtorben/ und deſſen Sohn ihm in ſeiner Charge ſuccedierte, noch etliche Jahr gelebt halte/ würde er ohne Zweifel auch dieſes herꝛliche Werck vollfüͤhret/ und dadurch/ wie auch wegen anderer vortrefüüchen Gebau mehr/ bey den Nachkommen ein ewig Gedachtnuß ſeines Namens/ hinderlaſſen haben. 3 Dann ich aber alles mit wenig Worten ſage/ ſo wiſſe der geneigte Leſer zur Nachricht/ daß alle die Ort/ dadurch ich jhn fuhren werde/ nicht weit von einander ligen/ als eine Cara vana vol Kamelen in einem Tag reiſen kan/ wan getragen/ und durch das gantze Gebirg alle boſe Wege bis Conſtantinopel/ haͤtte pfaſtern la.ſen. Dieſes hat ſehr groſſen Koſten verurſachet/ weilen man die Stein ſehr weit muſte herbey führen/ und nicht ein Kiſtelſtein in dem gantzen Gebirg zu finden. Es gibt da eine groſſe Menge Groſſe Tau. von Tauben/ ſo groß als die Hühner/ und ſehr ben. wol geſchmackt/ wir hatten unſre Kurtzweil/ daß wir etliche ſchoſſen/ und machten uns hernach 2. Tag über recht 600 dabey. Zwiſchen der Stadt und dem Gebirg/ iſt eine ſchoͤne Ebene faſt bey 2. Stunden lang/ darnach muß man uber einen Fluß/ der dieſe Ebene waͤſſert/ und da⸗ 8 durch uber alle maſſen fruchtbar macht. Ds Erdreich ilt herzlich/ und bringt einen Uberfluß due Erbe von allem dem jenigen/ ſo ein Menſch in einen Leben von nohten hat. Ich habe auf beyden ark He Seiten des Wegs/ mehr als 20. groſſe Kirch⸗ tte und jhnen keine Verhindernuß darzwiſchen komt/ hoffe gezehlet z und 1 Thircken dieſen Krchböfg. Ge 1 Gebrauch/ daß ſie ſich an die groſſen Weg und Landſtraſſen begraben laſſen/ in der Meinung/ daß die Vorbeyreiſenden vor die Seelen der Verſtorbenen batten. Uber einem jeden Grab ſiehet man eine marmerne Seule/ ſo halb in die Erde gegraben/ und ſind deren eine ſolche Menge von under ſchiedlichen Farben/ daß man darauß wol ſchlieſſen kan/ wie viel ſchoͤne und herꝛliche Chriſtliche Kirchen zu bolia, und in der Gegend herum muſſen geweſen ſeyn. Man hat mich verſichert/ daß in vielen Doͤrfern dieſes Gebirgs noch eine groſſe Anzahl von dieſen Seulen zu finden/ und daß die Tuͤrcken noch 77 5 etliche abbrechen/ und aufjhre Graber etzen. 8 e 8 1 Das Dorf Bendoulour iſt ein Dorf im Gebirg/ und Bendoulour. hat ein Carvanſera. 5 f 1 SGerradar iſt jenſeith des Gebirgs/ und ſind Gerradar. 2. Carvanſeren darinnen. 3 5* Cargesl.. Oargeslar hat gleichfals 2. Carvanſeren, und ligt in einem guten Land. 5 0 Carsgala. Caragalar iſt ein Marckflecken/ mit zwey een e g Coſlar. Oo ſiæar iſt nur ein Dorf und hat ein Carvanfera. CC Die Stadt Tocia iſt eine groſſe Stadt/ auf Huͤgeln ron. gebauet/ die an die hoͤchſten Berg anſtoſſen. Auf Ainabazar heiſſet eine Carvanſera, welche Ainabaza Reis beſchreibung in Perften/— 5 cia, und lieſſen Con voy bege hen/ welcher po. Reuter uns zu beſchutzen/ nigabe. Amaſia iſt eine groſſe Stadt/ unden an ei⸗ Die Stat nem Berg/ wo das Gebirg anfangt/ abhangend gebauet/ und hat wegen des Gebirgs keinen andern Proſpect, als gegen Mittag auf das ebene Feld. Der Fluß ſo vor bey flieſſet/ komt von Tocat, und ergieſſet ſich 4. Tagreis von Amaſia in das Schwartze Meer. Es gehet eine hoͤltzerne Brucke darüber/ welche ſo eng/ daß jhrer nicht mehr als 3. neben einander daruber gehen koͤnnen. Um das Brunnenwaſſer in die Stadt zu führen/ hat man vor dieſem eine Meilwegs lang die Felſen/ bie ſo hart als Marmer/ durchgegraben/ welches eine erſchroͤckliche Arbeit gekoſtet. Gegen Aufgang auf einem hohen Berg/ ligt eine Veſtung/ da man kein ander Waſſer haben kan/ als Regenwaſſer/ das ſie in Ciſternen oder Regenbruͤnnen/ verwahren. In der mitten von dem Berg/ findet man eine ſchoͤne Waſſerquell/ und um dieſelbige Gegend ſiehet man viel Gemacher in Helſen gehauen/ worinen etliche Dervis wohnen. Es ſind in Amalia nicht mehr als 2. ſehr ſchlimme Carvanſeren; das Erdreich aber iſt gut/ und waͤchſet da der beſte Wein/ und die beſten Früchte von gantz Natolia. der Seiten gegen Abend/ flieſſet durch ein brei⸗ eine Viertel⸗Meil von einem groſſen Dorf ligt/ tes Held ein Fluß/ der in einen andern/ ſo viel groſſer/ und Gulelarmae genant wird ôlaufft. Der groͤſte von dieſen Hugeln/ iſt gegen Aufvon dannen man nohtwendige Proviſton holet. Tourcal iſt ein groſſer Flecken an einem Der deco. Berg/ daraufeine Veſtung iſt. Der Fluß ſo cal. gang der Sonnen/ auf dieſen iſt eine Veſtung/ von Focat komt/ fieſſet an den. Hauſern vor bey/ welche der Racha bewohnet/ in der Stadt iſt eine vonden ſchonſten Carvanſeren; ſo man auf dieſem Ort iſt eine von den dem gantzen Weg antrifft. Die meiſten von den Inwohnern ſind Griechiſche Chriſten/ und haben einen Uberffuß von dem aller koͤſtlichſten Wein/ ſo bey jhnen wachſet. d Agitenſalou ligt an einem Fluß/ hat ein Carvanſera; und eine ſchone Turckiſche Kirche. Oxeman iſt eine kleine Stadt unden an eiAgiſenſalou. Die Stadt Oreman. runder 2. von den bequemſten Carvanſeren. Der Fluß Gulelarmac, ſo breit und tieff/ laufft gegen Mittag langſt der Stadt vorbey/ und iſt die Bruck darüber eine von den ſehonſten/ die man ſehen kan; ſie hat 1x. Sehwieboͤgen/ alle von gehauenen Steinen/ und iſt ein ſolches Nicht weit Werck welches den Meiſter lobt. i von der Brücken ſind 6. Muhlen/ ſo genau in emander als ob es nur eine ware/ und gehet man uber einen holtzernen Steg dazu/ wie bey uns uber ben Fluſſen auch ſind. Dieſer Fluß davon 5 ner letſtern Reis noch nicht gar verferkiget gewir reden/ laufft ungefahr acht Tagreis von Ozeman in den Pontum Euxinum. D flecken Aeilar iſt ein groſſer Flecken/ darinnen 2. 0 Carvapſeren ſ ind. 1 Das Dorf Delekiras iſt ein groſſes Dorf/ hal ein car 7J777TT ier gefahr⸗ Dieſe 4. letſtere Tagreiſen ſind ſehr gefaͤhren. er ljch/ wegen der engen Paſſe/ die vor 5 Rauber ſehr vortheilhafftig ſind. Es gibt jhrer eine groſſe Menge in dieſen Landen/ und weil wir Nachricht hatten/ daß ein Hauffen von dieſen Geſellen auf uns laurten/ und uns angreiffen wollen/ ſehicoten wir nach dem Bacha von Tonem Helſen/ darauf ein veſtes Schloß/ und daund darinn ſiengen wir ſehr gute Fiſch. An n Carvanſeren auf dem gantzen Weg. ö Von Tourcal fan man in einem Futer nach Tocat gehen/ und komt daſelbſt der Weg von Smyrna nach Ilpakan quch in bieſen Weg/ wie ich hernacher ſagen wil. i f Io0ocat iſt eine zimlich groſſe Stadt unden die Start an einem hohen Berg/ und rings um einen groſſen Felſen herum gebauet/ welcher faſt in der Mitten/ und worauf ein veſtes Schloß mit einer Garniſon beſetzet. Das Schloß iſt ſehr alt/ und iſt von drey andern/ die etwas geringer geweſen/ noch allein ubrig. Die Stadt iſt ſehr volckreich/ und die Einwohner ſeynd Turcken/(ſo die ſtaͤrckſten) Armenier/ Griechen und Juden. Die Straſſen ſeynd ſehr eng/ die Haufer aber ſind noch zimlich gebauet/ und under vielen Moſqueen iſt eine darunder ſehr prachtig/ und noch gantz neu. Es iſt eine ſehs ſchone Carvanſera habe/ welehe auf meiweſen. Dieſes iſt etwas ungemeines/ jedoch und derſelſehr bequem in Tocat, und welches man auf ben außführdem Weg an keinem andern Ort ſndet/ daß che dung um dieſe Car vanſera, wie alich die andern in der Stadt herum/ underſchiedliche Hauſer ſeynd/ welche den Kaufteuten verlehnet werden/ die allein ſeyn/ und die geit über/ als die Caravanen zu Tocat ſtill ligen/ wegen des groſſen Getoß nicht in der Carvanſera bleiben wollen. Uber das/ hat man in diefen ParticulierHauſern die gantzliche Freyheit Wein zu trincken/ und davon ſo viel in Vorraht mit zu nehf Men/ . 22 3˙ ecken l. itabt kſelüͤhr9* Erſtes Buch. 3 men/ als man auf der Reis weiters von nohten/ man mag ſich auch mit guten Freunden luſtig machen/ ſo man ſonſt nicht wol in den Catvanſeren thun kan/ weil bisweilen etliche Boß wicht von den Türcken dahin kommen/ und auf der Kaufleute Thun genau achtung geben/ damit ſie etwas auß jhren Beutlen erſchnappen mogen. Die Chriſten haben zwolff Kirchen in Tocat, und daſelbſt reſtdiert ein Ertz⸗Biſchoff/ der under ſich ſieben Suffraganeos hat. Es ſind auch zwey Muͤnchen⸗ und zwey Nonnen⸗Kloͤſter darinnen; 14. oder p. Meilen um Tocat herum/ ſeynd lauter Armeniſche Chriſten/ und gar wenig Griechen. Die meiſten ſeynd Handwwercksleült/ und faſt alle Schmied. Ein halbe Viertelſtund vor der Stadt flieſſet ein ſehr ſchoͤner Strom vorbey/ er entſpringet in der Gegend von Erz erom, und bey Tocar gehet eine ſchone ſteinerne Brücke darüber. Gegen Mitternacht von der Stadt laufft er durch einen Thal/ ſo drey oder vier Tagreis lang/ und zwey oder drey Meil breit iſt. Dieſer Thal iſt ſehr fruchtbar und hat eine groſſe Anzahl volckreicher Dorffer. Man kan zu Tocat wolfeil leben/ der Wein iſt herꝛlich/ und wird von allerhand Früchten ein Überfluß dahin gebracht/ und an dieſem einigen Ort in Alia waͤchſet der Saffran in groſſer Menge: Es iſt das beſte Kauffmanns⸗Gut ſo man nach Indien fuͤhren kan/ und verkaufft man das Pfund an dem Ort ſelbſten/ vor dreyzehen oder vierzehen Francken/ nachdem die Jahr ſind/ ob ſchon ſo ſchwer Wachs darunder iſt als Saffran/ ohne welches man ihn nicht erhalten kan. Dieſe Stadt und was dazu gehorer/ iſt der Sultaninen, ſo der Türckiſchen Keyſer Mutter ſind/ hr Leibgedinge. Es iſt ein Aga und ein Cady da/ die von wegen des Turckiſchen Keyſers die Regierung haben/ der Bacha aber/ der ihnen zu befehlen/ und von dem ſie jhre Ordre holen/ wohnet zu Sivas, von den Alten Sebaſte g anant/ ſo eine ſehr groſſe Stadt/ und ohngefahr drey Tagreis von ToDie gröſe cat gelegen. Endlich was von Tocat am alDenuckwür⸗ lex denckwurdigſten iſt/ iſt daß dieſe Stadt der digkeit der Stadt 1e. berühmteſten Paß einer gegen Aufgang ilt/ cab wohin ohn underlaß eimge Caravanen von Perſien/ Diarbequir, Bagdat, Conſtantinopel, Smirne, Synope, und andern Orten kommen/ und daſelbſt theilen ſich dieſe Cara vanen, wann ſie auß Perſien kommen. Die nach Conſtantinopel gehen/ nehmen die rechte Hand gegen Abend/ die aber nach Smirna wollen/ ſchlagen ſich auf die lincke Hand gegen Abend. Auf beyden Seiten wo man zu Tocat hinauß gehet/ iſt ein Zollner/ welcher/ wann die Caravanen durchgehen/ alle Kameel und Pferd ſo Kauffmanns⸗Guter tragen zehlet und muß man vor jedes Kameel einen Orts⸗Thaler/ vor ein Pferd halb ſo viel zahlen. Vor die Kamel aber und Pferd darauf ſie reuten/ und die yi&ualien tragen/ gibt man nichts. Das beſtaͤndige durchreiſen der Caravanen, macht daß ein groſſes Gelt in diefen Ort komt/ und dahero Tocat eine von den beſten Stadten in Turckey iſt. Auf meiner erſten Reis nach Perſien/ konte die Carayana ſo ſehr groß/ zu Tocat nicht logieren; weil der Groß⸗Vezier/ als er die Belagerung vor Bagdat aufheben muſte/ dahin kam/ und alle Carvanſeren, oder vielmehr die gantze Stadt einnahm. Deßwegen unſer Caravan- bachi ſich da nicht aufhalten konte/ ſondern durch die Stadt durchziehen/ und u Charkliqueu campierch muſte; woruber die Armenier nicht betruͤbt/ weil ſie auf ſolche Weiſe mehr Zeit hatten ſhrem Gottesdienſt abzuwarten/ und einen Vorraht von Wein/ der an dieſem Ort ſehr gut wachſt/ mitzunehmen. Wann man von Tocar auß nach Erzerom wil/ ſiehet man gegen Mittag nachſt an der Stadt einen hohen Berg/ und zwiſchen dieſem Berg und dem Fluß/ der gegen Mikternacht/ iſt der Weg/ wo bie Caravana durch muß/ gareng. Auf dieſem Weg haben wir den Groß⸗Vezier/ als er mit vier oder fünf hundert ſeiner Leute von der Jagd kam/ angetroffen. So bald als er unſer wahrgenommen/ ſtellete er ſeine Leute auf beyden Seiten in Ordnung/ und wolte die Caravana ſehen vor ber ziehen. Unſerer waren nicht mehr als vier Francs,(dann alſo nennen ſie alle Europsiſchen Volcker) welche er abſonderlich betrachtete/ und als er unſern Caravan. bach zu ſich kommen laſſen/ fragte er jhn/ wer wir waren? der Caravan-bachi, allen Argwohn den die Francs hatten dem Groß⸗Vezier verurſachen koͤnnen/ zu der Zeit eben als der Groß⸗Turek gegen Perſien Krieg fuhrte/ antwortete ihm/ wir waren Juden; worauf der Groß⸗Vezier den Kopf schüttelte/ und nur ſagte/ wir ſehen nicht darnach auß/ und war unſer groſſes Gluck daß er nicht mehr ſagte. Vielleicht hatte er auch wol wieder nach uns zuruck geſchicket/ und uns anhalten laſſen/ wann er Zeit gehabt: Er fande aber als er nach Hauß kam/ einen Capigi, der daſelbſt ſeiner wartete/ und Ordre voln GroßTurcken brachte/ der Groß⸗Vezier ſolte hm ſeinen Kopf ſchicken/ welches ohne einiges widerſprechen verrichtet wurde. Es war Sultan. Amurat, der damals regierte heftig erzurnet/ Die Europeer/ darun der der Author werden für Juden 0 daß ſeine Armee ruiniert/ und der Hroß⸗Vezik doch nichts auß gerichtet/ konte ſich deßwegen auf keine andere Weis/ als durch den Tod deſſen/ der ſolches verurſachet/ beſanfftigen laſſen. Obſchon die Caravanen eine Seit uber zu Tocat qußgeruhet/ ſo hielten ſie ſich doch zu Charkliqueu, ſo nur 2. Meil davon/ noch zwey oder drey Tag auf/ auß folgender Urſach. Charkliquen ein groſſes Dorf/ ligt in einem guten Land zwiſehen zweyen fruchtbaren Hugeln/ worauf der herꝛlichſte Wein wachſt. Die Einwohner ſeynd lauter Chriſten/ und der meiſte Theil Gerber/ der feurblaue Cardowan wird zu Tocat und in der Gegend gemacht/ wozu das Waſſer da herum/ wie man davor halt/ ſehr dienlich iſt. Mit einem mt 9e 5 des blauen Cardowans ſo berühmt/ als Diarbequir undBagdat wegen des rohten/ Mouſſul oder alt Ninive wegen des gelben/ und Ourka wegen des ſchwartzen iſt. 2000. Schritt von dieſem Dorf mitten in dem Feld/ ſiehet man ei* hen groſſen elſen/ worguf man gegen Morgen Das Dorf Charzcticuen 25 * 0 ſioꝛſtomi in 6 Reis beſchreibung in Perſien/ 8. oder 9. Staffeln in eine kleine Kammer hinauf ſteiget/ dar innen ein Beth/ Tiſch/ und Bucherſchranck/ alles in Felſen gehauen. Gegen Abend gehet man 5. oder 6. andere Staffeln hinauf/ auf eine kleine Galerie ungefahr ſechs Schuh lang und z. breit/ alles gleichfals in Felſen gehauen/ ob er ſchon über alle maſſen hart i iſt. Die Chriſten in dieſem Land berichten vor Die Woh⸗ gewiß/ daß St. Johannes Chryſoſtomus die n 160 Über als er ins Elend vertrieben geweſen/ ſeinem Exili. Galerie dem Volck geprediget habe/ auch in ſeir kleinen Kammer feinen andern Polſter oder viel Platz gehauen/ daß ein Menſch darinnen lien kan. ie hriſtichen Kaufleute/ weil ihrer lzeit die meiſten in den Cara vanen ſind/ bleiben/ wie ich geſagt/ in diſem Dorf Charkliqueu 2. Oder 3. Tage ſtill ligen/ damit die Chriſten Zeit haben ihren Gottesdienſt auf dieſem Felſen zu verrichten/ wohin der Biſchoff dieſes Orts/ mit etlichen Prieſtern/ deren jeder eine Kertzen in der Hand/ komt/ und Meß lieſet. Es iſt aber noch eine andere Urſach/ warum die Caravana zu Charkliqueu dieſe kurtze Zeit ber alda bleibt/ weil nemlich/ wie geſagt/ daſeſbſt der herꝛlichſte Wein waͤchſt/ und nur halb ſo theur iſt/ als zu Tocat, ſo nehmen die Armeniſchen Kaufleut von dar guß einen Vorraht mik quf die Reis. n Zwey Meil von Charkliqueu muß man über ein hohes Geburg/ ſo auf allen Seiten ſehr gahe und gefaͤhrlich iſt. Ich erinnere mich/ daß auf einer von meinen Nuͤckreiſen auß Perſien/ drey Armenier daſelbſt ſehr übel empfangen wurden/ und zwar wegen ihrer Ubereilung und Unbedachtſamkeit. Die Sach verhielte ſich alſo: wann man weißt/ daß eine Cara vana in der Nahe iſt/ ſo haben die Armenier bieſen Gebrauch/ daß ſie ein Tag oder zwey vorauß jhren Mit⸗Bruͤdern entgegen gehen/ und jhnen einiUnalück wel, ge Erfriſchungen bringen; dieſes thaten die s den jeni⸗ f 5 2 r aon zaſtoſen von Charkliqueu, und kamen zu unſerer Cara zander cl Vana mit ihrem guten Wein/ den ſie mitgerana ma: bracht/ die 3. Armenier davon ich ſagen wil/ chen. hertzt wurden/ und Luſt bekamen die erſten in dem Dorff Charkliqueu zu ſeyn; giengen darauf von der Caravana ab/ und auf ihren agage Pferden vorauß/ und dachten nicht/ daß 155 5 er nen einiglinglück zuſtoſſen konte; indem ſie a den Berg hinab marſchierte/ wurden ſie von 6. Reutern/ ſo von Mitternacht auß dem andern Gebuͤrg/ ſo viel hoher als wo wir daruber muſten/ kamen/ angefallen/ welche ſo bald jhre halbe Piquen gegen die Armenier ſencketen/ und 2. davon tödlich verwundet von den Pferden wurffen/ der dritte entkam/ und verbarge ſich under die Felſen. Darauf machten ſich dieſe Rauber ſo hald an die Pferd/ und die Guter/ ſo in kleine Ballen eingepacket/ und auf 100 oo. Reichsthaler a de wurden. Die Caravana war eben oben guf dem Berg/ und ſahe vom weiten dieſes Unglück/ worein ſich dieſe Armenier auß inbedgchtſaunkeit ſelbſten geſetzet/ kunte jhnen aber ncht helffen/ weil die Palſe gar zu ich in dieſem Felſen aufgehalten/ und von dieſer Haken gehabt/ als den harten Felſen/ worein ſo trancken dieſen Morgen ſo viel/ daß ſie gantz beeng/ und dieſe Rauber/ die alle Schlich in dem Gebuͤrg wiſſen/ ſich ſo bald auß dem Staub gemacht. Es iſt groſſe Gefahr dabey/ wann man von der Caravans abgehet/ man bliebe gleich zuruck/ oder gehe vorauß/ und iſt es hrer vielen übel gelungen/ die nur 00. Schritt daJJ Die Caravanen reiſen nicht einen Tag ſo weit als ben andern/ ſondern kommen bald fruher bald ſpater in die Herberg/ nachdem ſie Waſſer und Carvanſeren antreffen/ oder nachdem ſie einen beguemen Ort zu campieren finden/ dahin man Lebensmittel und Futer auß dem Gebuͤrg führen kan. Es ſeynd etliche Herter/ wo man vor zwey oder drey Tag Stroh und Gerſten mitnehmen muß. Wann man im Mah/ da das Gras hoch iſt/ reiſet/ koſten die Kameel und Pferd nichts zu underhalten/ dann man jhnen weder Stroh noch Gerſten gibt/ ſondern ſo bald die cara vana ankomt gehen die Knecht und schneiden das Gras auf dem Geburg ab/ welches viel beſſer/als aul dem ebenen Land: aber die Zeit uber als dieſe Thier nur Gras freſſen/ haben ſie viel weniger Krafften/ und konnen ſolche ſtarcke Tagreiſen nicht thun/ welches den Reiſenden beſchwerlich. Von dem Gebuͤrg/ wo die Armenier angegriffen worden/ komt man auf Almous, ſo ein Das Dorff Almous. klein Dorff an einem Fluß/ daruber eine hol tzerne Bruͤcken gelegen. Über Almous muß man ein gut Stuck Wegs uber eben Feld/ und campieret man darnach an dem Fluß Toufanlu- ſou, der ſehr ſchon/ und in den andern Fluß bey Tocat laufft. Von dieſem Fluß gehet der Weg nach einem hohen Berg/ den die Einwohner des ands Karabchir-beguiendren nennen/ iſt ſo viel zu ſagen/ als der Berg der die groſſen Herren anhale/ weiler ſehr rauch/ und man nohtwendig abſitzen und zu Fuß hinab gehen muß. In den Bbet Wes. ſchlinmen Wegen die wir da antraffen/ blieben 2. Pferd von der Caravana, deren jedes 2. Ballen Engliſches Tuchs truge/ under jhrer Laſt erligen/ es funden ſich aber bald etliche/ ſo ſich luſtig dabey machten. Wir hatten unſere Rechnung gemacht/ dieſen Tag in einem Wieſengrund zu campieren/ wo ein kleiner Vach vorbey fleußt/ und nicht mehr als eine Weil von dem Ort iſt/ wo unſere Pferd geblieben. Es hatte aber eine Compagnie Tartaren/ welche noch auf zwey oder drey andere warleten/ dieſen Ort ſchon vor uns eingenommen/ weil wir nun von ihrer Geſellſchafft/ und wann ſie uns in der Nahe waͤren/ keinen Vortheil zu hoffen/ giengen wir eine halbe Meil weiter/ und campierten an einem zimlich bequemen Ort. wenig Bilcuir, und zwey er ihm aber von unſern beyden todten Pferden Unſer Caravan Pachi ſchickte der Tartaren Capitain zwey oder drey Pfund Falack/ ein fu ec und zwey Flaschen Wein/ womit en i meinen grossen Gefallen gethan, Als auf dem Berg/ Nachricht gegeben/ hat ſich under dieſen Tartaren eine ſolche Freude erhoben/ daß ſo bald 15. oder 20. ſporenſtreichs dahin geritten/ und ſelbige zerſtücket. 2. Stund hernach 8 8 haben wir ſie wiederum ſehen zurückkommen und weil Ad un bg Die Wieſe wie die Tartaren ihre Speiſe zu kochen pflegen. Dor Flecken Adras Aſpidar und Tzbeder. 9. Ein Dorff in Felſen gebauet. Erſtes weil ich ſte gern von nahem ſehen mochte/ ſetzte ich mich allein auf einen Mauleſel/ nahme meine Flinten/ als wann ich jagen wolte/ und machte mich nahe bey ſie. Sie hatten dieſe beyde Pferd geſchunden/ und hatte ein jeder ein Stuck davon zwiſchen den Sattel und das Pferd/ darauf er riette/ gelegt/ auf ſolche Weiſe wird von der Bewegung und Hitze des Pferds das Fleiſch muͤrb und halb gekocht/ welches die Tartaren ſo roh eſſen/ und nicht weiter kochen. Ich habe einen geſehen ein Stück von dieſem Pferds⸗Fleiſch nehmen/ und nachdem er ſolehes zwiſchen zwey ſchmutigen leinenen Tücheren mit einem Stuck Holtz zimlich zerklopffet/ hat er in meiner Gegenwart mit Begierde dadon geeſſen/ daß mir 1 5 acht Tag lang vor allen Speiſen geeckelt. 5. Auf dieſem Berg/ davon ich jetzt geredet/ iſt eben Feld/ und in der Mitten ein Brunne Chesmebeler genannt/ welches ſo viel zu ſagen/ als ein Chriſtallen Brunn/ nahe dabey gegen Mittag ſiehet man ein Dorff. Von dem Ort/ wo wir dieſen Tag cam. piert, komt man auf einen kleinen Flecken/ mit Nahmen Adlras, welcher von lauter Armeniern bewohnet wird.„„ Alpidar iſt ein Dorff/ und ligt von Adras zwey t 8 Izbeder iſt ein ander Dorff in dem Geburg/ wo die Cara vana gemeiniglich zwey oder drey Tage ſtill ligt/ ſo wol wegen des Zolls/ nemlich für jedes Kameel einen Orts⸗Thaler/ und für ein Pferd halb ſo viel/ als auch wegen des herelichen Weins/ den man da ſehr wolfeil haben kan/ und davon ein jeder ſeine Weinſchlauche/ ſo von Bock⸗ Häuten gemacht/ fuͤlet. Ich bin zum offtern an dieſem Ort geweſen/ zweymal aber bin ich diu ehgereiſet/ und niemal etwas bezahlt/ daum weil ſehr viel Leut bey der Caravana waren/ lach eten wir die nur auß/ die uns den Zoll abforderten/ und waͤre es nicht wegen des guten Weins/ davon ein jeder ſich gern prowian. tieren wolte/ reiſete man offt dadurch und beVon lebeder komt man auf ein ander groß Dorff in dem Gebüͤrg/ ſo gantz auf einem Felſen ligt/ und alle die Hauſer ſeynd in Felſen gehauen/ ſo gar auch die Stiegen/ darauf man nach dem Dorff hinauf ſteiget. Von darquß muß man über einen Fluß/ darüber eine hoͤltzerne Brucke/ zu End der Brucken iſt eine Carvanſera, alsdann komt man Das Dorf auf ein ander Dorff Zacapa, und weiter Tacapa durch etliche ſehr enge Paͤſſe/ wo man an zweyen Orten die Kameel abladen/ und die eingeballte Guter 25. oder 20. Schritt weit Buch. 5 7 mal muß man durchtvatten/ die zwey andern mal aber gehet man uͤber zwey Brücken. Von Garmeru komt man auf Seukmen, und andere von Seukmen auf Louri, von Louri auf Doͤrffer. Chaouqueu, ſo noch drey zimliche Dorffer ſeynd. Zu Chaouqueu hab ich einen Mann geſehen von hundert und dreyſsig Jahren. Als Groſſes a alen Amurat Bagdat belagerte/ hat dieſer t Mann allein ſo viel Habern gegeben/ als die gantze Armee fur einen Tag vonnohten gehabt/ zu Vergeltung deſſen hat der Türckiſche Kayſer jhn und ſeine Kinder ſo lang ſie leben/ von allen Auffagen befreyet. 1 5 Wann man uber Chaouqueu hinauß anns. komt/ muß man uber einen hohen und rauhen Berg/ daher er den Namen hat Raggi-Dogij, iſtſo viel als der bittere Berg. Weil an dieſem Ort die Paſſe gar eng/ muſſen die bey der Caravana ſeynd/ einer nach dem anderen gehen/ und zehlt man alsdann alle Kameel und Pferd/ und muß man vor jedes Kameel und Pferd dem Caravan- bachi ein gewiſſes geben/ welches/ wann die Cara vana groß iſt/ guf eine zumliche Summa anlauft. Ein Theil von dieſem Gelt wird zu Bezahlung ſieben oder acht Armenier angewendet/ welche die gantze Neis über/ ſo bald die Caravana in die Herberg komt/ biß ſie wieder gufbricht/ um dieſelbige herum Wacht halten/ das andere geht auf andere Unkoſten/ bleibt aber etwas Uber/ iſt es zu des Capitains von der Caravana Nutzen. 175„ Wann man dieſen Berg uͤberſtiegen/ ampiert man auf einer Ebene/ die ſie Giogande· rei nennen/ und von da an/ biß auf Exzerom trifft man nur drey Doͤrffer an/ Ache kala, Gmuts und Lligia, deren jedes ein Nachtlaͤgeiz vor die Catavanen iſt. Auf dieſen drey letſten Tagreiſen gehet man faſt allezeit an dem lifer des Fluſſes Euphrats/ welcher noch gan ſchwach iſt/ und bey Erzerom gegen Mitrernacht entſpringt. Es iſt zu verwunderen/ 15 Der Fluß uphrat. was fur eine Menge von den groſſen Spargen langst dieſem Fluß wachſen/ dar von man etliche Kamel beladen konte.„ Diſſeits eine Meil von Erzerom muß die Caxravana ſtillhalren/ und komt der Zollner von dieſer Stadt mit des Bacha ſeinem Lieu tenant; und bindet alle Ballen und Küſten/ mit einem Strick kreutzweiſe/ und truckt ſein Siegel darauf/ damit die Kaufleute/ wann ſie in der Stadt ſeynd/ einige Saͤcke mit Gelt oder Stucke Zeug herauß nehmen/ und biß zu ihrer Abreis verſtecken. Des Bacha Lieutenant komt abſonderlich der Caravana entgegen/ urn zu ſehen/ ob die Kaufleute einen guten Vorrath an Wein haben/ und wann er etliche Flaſchen voll darvon bedurch die Menſchen muß forttragen laſſen/ gehrt/ es ſeye gleich ſo bald oder in der Stadt/ man campiert quf einer kleinen Ebne/ ſo un⸗ allo er und der Zollner ungeſcheut bey den den an einem ſehr hohen Berg/ den ſie Dik Kaufleuten herum gehet/ darff man ihnen mebel heiſſen/ jenſeit ligt das Dorff Kourd- nichts abſchlagen. Dann man muß dieſes woes aga, wann tan da vorbey iſt/ muß man drey bedencken/ daß zu Erzerom kein Wein waͤchſt/ Fluſſe durchwatten/ zwey Meilen darvon iſt und iſt der geringe weiſſe Wein/ den ſie da noch ein Fluß daruber man dreymal muß/ trincken/ von Mengrelio, und Heibt allezeit Simern ehe man nach dem Dorff Garxmeru fomt/ein⸗grüͤnlicht/ deß wegen muſſen die Kaufleut von E ie A 4 Tocat, Zu Exerom werden alle KaufmannsGuͤter verſiegelt. 8 Tocat; wo der Wein gut iſt/ einen Vorrath auf die gantze Reis biß nach Perſien mitnehmen. Der Zollner laßt die Cara vaua gemeiniglich drey Tage außruhen/ und ſchicket indeſſen den vornehmſten Kaufleuten einge Früchte/ und andere geringe Erfrifchungen/ poran er ſich hernach wol weiſt bezahlt zu machen. Wann die drey Tage vorbey/ komt er/ und beſihet alle gute Ballen/ und nachdem und gepeich er ſte öffnen laſſen/ zeichnet er alle Kauffnet. mauns⸗Güͤter auf/ weil nun dieſes viel Zeit erfordert/ muß die Caravana wegen dieſer Beſichtigung der Guter/ und andere Kamel zu nehmen/ gemeiniglich 20. oder 25. Tag zu Erzerom verbleiben. 8 Beſchreihn; Erz eto m iſt eine Türckiſche Graͤnz⸗ Stadt Eaton. guf der Seiten gegen Perſten/ und ligt zu guſſerſt auf einem groſſen flachen Feld/ darauf ſchoͤne Dorffer/ und ringsherum ſehr hohe Berge ſeynd. Wann man die Vorſtadte und die Veſtung mit rechnet/ kan ſie wol für eine groſſe Stadt passieren; die Hauſer aber ſeynd ſchlecht und nur von Holtz und Erden/ ohne einige Ordnung gebauet. Auß dem/ was von den alten Kirchen und Armeniſchen Gebauen noch uͤbrig/ kan man leicht abnehmen/ daß keine ſonderliche Zierlichkeit daran geweſen. Die Veſtung ligt auf einer Hohe/ und hat ringsherum doppelte Mauren mit einem ſchlimmen Graben/ und viereckjchten Thürnen/ die ſehr nahe bey einander. Der Bacha wohnet darinnen/ aber ſehr unbequem/ weil die Gehau um die Veſtung ſehr verfallen ſeynd. In eben dieſem Beriff hat man auf der Hoͤhe eine kleine 8 aufgeworffen/ darinnen wohnet der Janiſſaren Aga, und har der Bacha keine Wie der Macht darüber. Wann der Groß⸗Tuürck Firn diefes Bachs oder eines andern Vornehmen Kürſe holen Mannes in dieſem Land/ ſeinen Kopf haben e. will/ ſchicket er einen Capigi, mit Befehl an den Janiſſaren Aga, er ſolle den jenigen/ deſ1 9 beſchloſſen/ hinauf in die kleine Schantz kommen laſſen/ darauf wird das Urtheil von Stund an vollzogen. Ein Exempel deſſen hab ich auf meiner letſten Reiſe auß Perſien 0 geſehen/ weil der Bacha von Erzerom nicht geſchwind genug die 2000. Mann die deꝛ Turckiſche Kaiſer zu dem Krieg in Candia hegehrte/ Uberſchickte: Eben dieſer Oapigiv der ihm 1 Das Urtheil ſeines Tods überbracht/ kame von dem Bacha von Kars, deme er ein gleiches gebracht/ weil er nicht vollig die oo. Mann zu diefem Krieg geſchickt. Dieſer Capigi, als ich hn auf ſeiner Nuckreis nach Conſtantinopel/ in einem Dorff autraffe/ wieſe mir wider meinen Willen die Kopfe dieſer beyden Hachas, die ex in einem Sack nach dem Turckiſchen Kgiſer truge. a b gbwiſchendem erſten und zweyten Thor in der Veſtung/ lehet man zur Rechten vier und zwantzig Stuck Geſchutz/ die über die maſſen ſchon/ aber ohne Schafft auf einander ligen. Man hat ſie nach Ereerom geführt/ damit im Gall der, Turckiſche Kaiſer gegen Perſien Krieg führt/ welches under dieſen beyden VolReisbeſchreibung in Perſien/ ckern nichts ungemeines/ man ſich derſelben FVV Weil Erzerom, gleichwie Tocat, einer von den vornehmſten Paäſſen durch Türckey iſt/ ſeynd underſchiedliche groſſe Cervanleren darinn. Es waͤchſt zwa: Wein in der nahe iſt aber nicht der beſte/ und weil ſehr ſeharff verbotten Wein zu trincken/ muß man davon etwas in geheim kauffen/ daß es der Cadli nicht jnnen werde. Dieſes iſt ſehr denckwurdig/ daß/ ob es ſchon in Erzerom faſt allezeit alt iſt/ dennoch in 40. Tagen die Gerſten/ und in 60. Tagen das Korn wächſt. Mit dem groge Zul, Zoll vor Silber und Gold/ und anderer Kaufmanns⸗Guter/ ſo herauß gefuͤhret werden/ verfahren ſie hier ſehr ſtreng; von der Seiden/ die auß Perſien komt/ zahlt man von einer Laſt vor ein Kameel 42. Reichsthaler/ und Unkdoͤſten zu Exzerom. wigt die Laſt nur 800. Pfund/ dann weil man uber das Geburg muß/ kan man einem jeden Kameel nicht mehr aufladen/ auf der Ebene aber/ muß ein jedes biß auf zehen Centner tragen. Vor eine Laſt Indianiſches Tuchs gibt man biß 100, Reichsthaler. Dieſe Laſte aber ſeynd viel groͤſſer als jene von Seiden. Andere Kauftmanns⸗Guter bezahlen nach jhrem Werth 6. Reichsthaler von 100. Wann die Kaufleute wollen 90. Reichsthaler geben/ ſo wol für den Zoll/ als was den Bacha und den Janit icharen gebühret/ haben ſte die Freyheit/ daß man jhre Ballen nicht offnet/ wann ſie ſchon voll Gold und Edelgeſtein waͤren/ dahero die Kaufleute bißweilen mit den Katneel⸗Treibern darauf handeln/ und auß drey Laͤſten nur zween machen/ damit ſie deſtoweniger Zoll geben. Vor ein Batman Seiden die auß Chamaqui, Gengea, und Teſtis korn/ gibt man zwey Reichsthaler/ ein Bat man aber wiegt 16. Pfund/ und ein Pfund iſt 16. Untzen. Hingegen zahlt man vor die/ ſo guß Guilan koint/ ob ſie ſchon viel feiner und theurer iſt/ nicht mehr als w Reichsthaler für ein Batman. Die Urſach iſt/ weil alle Seiden von Guilan guf Tauris gebracht wird. Von Tauris aber gehet ein anderer Weg/ als durch Erzerom, auf Alepo und Smirnen, welche die beyde Stadte ſeynd/ dahin alle Seiden gebracht/ und zu Francken verkauft wird. Im Vorübergang will ich hierben erinneren/ daß auß Gullan dreyerley Art Seiden kommen. Die erſte nennen ſie Charbaßz, die andere Carvari, und die dritte Loge. Was den Preis davon belanget/ iſt nichts gewiſſes/ ſondern er ſteiget und fallt/ nachdem die Jahre ſeynd. Von Chamaqui, Gengea, und Telbs bringt man zweyerley Gattung/ Charbaf, welche fein/ und Ardache, ſo grob iſt/ warn dieſe 10. gilt/ ſo gilt die andere 18. Geſchicht es/ daß der Zollner die Kauſteut üher den gewohnlichen Zoll übernehmen will,(welches man von den Caravanen, die dadurch gangen/ leichtlich erfahren kan) ſo gehen Wegs von Locat guf Diarbequir, von Dlarbequir quf Van, und von Van auf Tauris, auf ſolche Weiſe wird der Zollner wegen ſeiner 78805 i, Underſchiedene Arten von Seide. ſie an ſtatt des gewohnlichen ee 15 Unbillichkeit geſtrafft/ weil er aber dabey ſei⸗ und die Küſten und Saͤcke das zweyte mal Die Care ne Rethnung nicht findet/ und damit er ma⸗ durchſuchen laſt/ um zu ſehen ob kem Gelt 1 che! daß die Caravanen jhren Weg wieder darinnen ſeye. Es gebühret hnen von alem auf Fraerom nehmen/ hinderlegt er eine groſſe Gelt/ das auß Tuͤrckey geführet wird/ zwey Summa Gelts bey dem Kam von Erivan, von hundert/ und weil die Kaufleute/ in wahdurch dieſe Burgſchaft/ die Kauſteute zu ver⸗ render Zeit/ als ſie zu Erzerom ſtill gelegen/ ſicheren/ daß er ſie hinfüro nicht unbillich ubernehmen werde.. Erzerom iſt von Alters eine von den vornehtnſten Stadten in Armenien geweſen/ und ſeynd noch heutiges Tages in den Vorſtadten viel Armenische Familien, welche in einer ſchr alten Kirch/ die freye Übung ſhres Gotkesdienſts haben. Und weil dieſe Stadt einer von den vornehmſten Paͤſſen in Türckey iſt/ wann man nach Perſten will/ als iſt an der Regierung ſehr viel gelegen/ und tragt Lin groſſes ein. Von den vielen Caravanen, die daburch reiſen/ wird der Bacha und der Zollner reich. wie ich bald hernach ſagen will/ und mögen die Kauffeut ſo ſchlau ſeyn/ als ſie immer wollen/ ſo konnen ſie doch nicht leicht betriegen/ ſie thun alle bey ſich habende leichte Gelt⸗Sorten auf eine Seite/ und zuweilen iſt der Zoller nicht alſo ſtreng/ ſolche zu verwerfen/ ſondern nünts für gut und gewichtig an. Zu Eraerom wird die erſte Perſigniſche Muͤntz Gee kanem ein Ich hab in acht genommen/ daß an dieſem Ort die Leut allerhand Kranckheiten an den Augen 3 den Augen ſehr underworffen/ ſie haben aber keine erfahrne Aertzte die ſolche heilen konnen/ dahero mein Barbierer/ den ich auß Franckreich für einen Diener auf meiner letſten Reiſe mitgenommen/ die Zeit über als ich zu Exzerom ffil gelegen/ groſſen Zulauff gehabt/ und viel Curen gethan. Damit ich gber nichts vergeſſe/ will ich nur mit wenig Worten von einem anderen Weg von Conſtant nopel nach Erzerom ſagen/ welcher aber wenig gebraucht wird. 75 . Andem Sehwartzen Meer v, Tagreiß v. Ein and f. eke J. Tggreiß von Ges oon Etserom ligt Oapezund/ wie es vor Alters dalnach ne genennet worden/ heutiges Tags aber Tara z rom. 8 8 g 5 88 5 0 1 890 Oe de gutem dus alte 4. oder 5. Tagen dahin kommen/ auf ſolche Lewe zu. Weise koͤnte man in 10. oder 12. Tagen mit geringem Koſten von Conſtantinopel auf ErSerom reiſen: Ihrer etliche haben dieſen Weg verſuchet/ es iſt jhnen aber ſo übel dabey gegangen daß ſie cht begehren wieder zu komen. Es iſteime gefährliche Schiffarth und wird ſel⸗ ben„Die Caravans ligt ins geinein ein oder atvey Tage bey dieſer Brück fill/ dieweil ſie ten gebraucht/ weilen das Meer voll Mebel/ und demtingetvitter und Sturm ſehr underwoeffen itt/ und iſt dieſes vielmehr die Urſach/ als die Farb des Sands/ davon es ſeinen Nahmen/ das Sehwartze Meer hat; dieweil nach der gemeinen Art aller Sprachen/ alles was unglüeklich und finſter iſt/ Schwartz genennet wird. 3. 5 Denſelbigen Tag 5 wann die Caravana von Erꝛerom außreiſet/ kan ſie nicht weiter/ ſt als eine halbe Meil gehen/ weil ſie der acha und Soͤllner nahe vor der Stadt anhalten/ mel oder Pferd einen halben boſa, wann man nun zn Conftantinopel zu Wind in iſt jhr Gelt entweder bey einem guten Freund verſtecken/ oder in die Erde hatten vergraben konnen/ ſo bemühen ſich der Bacha und der Zollner/ die dieſe Aufſage auf das Gelt under ſich theilen/ die Kaufleute auf olche Weiſe zu ertappen/ wann ſſe ſie indem geld noch einmal durchſuchen laſſen. Der Zollner komt mit ſeinen Leuten in Perſon hin/ weil er aber die Kaufleut nicht verſchlagen will/ weil ſie/ wie ich geſagt/ einen anderen Weg nehmen konnen/ ſiehet er oft durch die Finger/ und bekomt aufs meiſte für hundert nicht mehr als einen. Und wann es nicht um den Bacha zu thun ware/ der ſeinen Nutzen auch davon hat/ that er ihnen vielleicht ſo viel verdruß nicht/ ſondern begnügte ſich mit dem/ was er bereits zu Erzerom von jhnen bekommen/ damit er ihnen nur dieſen Weg nicht verhaßt machte. Nachdem die Beſichtigung geſchehen/ tractiert er die Vornehmſten von der Caravana zu Mittag/ und zu End der Malzeit/ welche ins gemein um 12. Uhr gethan iſt/ rufen des Baclla beute mit haller Stimme: Ihr Kauſteute/ es iſt euch erlaubt weiters zu gehen. Die Caravan bricht gemeiniglich von dieſem Ort gegen Abend auf/ und welche von des Bacha Leuten ſchlgu ſeynd/ bleiben da biß den andern Tag/ ob ſie einge Kaufleute ertappen konnen/ welche dem Zoll zu entgehen/ in der Stadt geblieben/ und bey Nacht mit jhrem Gelt/ ſich wieder zu der Cara vana machen wollen.„ e Von dem Ort wo die Caravana cam Die Veſtung piert, kommt ſie nuf die Veſtung Haſlan Kala, afen fei. daſelbſt muß man von jeder Laſt für ein Kaialtre geben, wann man von Eræerom quf Erivan gehet/ auf der Ruckreis aber bezahlt man nur die Wann man bey dieſer Beſtung vorbey Ene che enlart man bey einer Brücken an dem Bruck Dorff Choban-Kupri. Dieſe Bruck: eine von den ſchonſten auf dem ganzen Weg/ und gehet man darauf über 2. Fluſſe/ die da zuſamen ſtoſſen/ und deren einer Kars, der andere ſo vondem Berg herab komt,;inguiel eiſſet und alle beyde in den Fluß Aras ffieſſich oftmals an dieſem Ort zertrennet und zz 5 Kaufeute davon etliche auf dan ge N Weg bleiben etliche aber den Weg auf Kars zu nehmen ſich mit einander zum Abſcheid lug machen. Es nehmen jhrer vel den Der Wes Weg auf Kars, deßwegen/ weil man nicht auf Kan. eo er durch den Fluß Aras duchwatten darff/ o ſchr unbequem/ als auch wegen eines Zolls/ ſo auf dem groſſen Weg ligt/ da man für jedes Kamel/ das mit Guteren beladen/ vier/ und für ein Pferd zwey Piallred zahlen muß an 1 Beſchreibüg der Stadt Lars. 10 an ſtalt daß man zu Kars nur die Helſte davon gibet. 8 f Ich bin zweymal den Weg auf Kars gegangen/ er iſt aber viel langer und verdrießlicher als der andere. Von der Bruck an gehet man die erſten vier Tagreiſen über lauter Berg/ darauf dicke Walder und ſehr oͤdes Land/ trifft auch nicht mehr als ein Dorff an/ wann man aber nahe bey Kars kom/ ſiehet man eine viel annnihtigere Gegend/ und gebautes Held/ darauf das Koꝛn und die Frůͤchke nach Hertzens⸗Wunſch wachſen. 5 Fals ligt auf einem guten Boden/ 78. Grad/ 40. Minuten in der Lange/ und 42. Grad 40. Minuten in der Breite. Die Stadt iſt ſehr groß/ aber nicht volckreich/ ob ſte ſehon herzliche Lebens-Mittel/ und um guten Preis hat. Der Tuürckiſche Käyſer hat dieſen Ort oft zum Rendezvous für ſeine Armee erwehlet/ und ſo oft Er ſelbige in guten Stand bringen wollen/ und deut hingeſchicket/ die Doͤrffer zu erbauen/ hat der Konig in Perſten alles zerſtoͤret/ gleichwie er du Zulfa, und vielen andern Orten an der Gräͤntze/ bey acht oder neun Tagreiſen auf dem Weg gethan Zwiſchen Kars und Erivan hat die CaraVana geln a gewiſſe Nachrlager/ ſendern wo es am beguemſten iſt/ campieren ſie. Den erſten Tag gehet man durch ein Dorff/ daran ein Cloſter/ ſo beyde gantz od ſeynd. Den folgenden Tag Die Stadt Anikagas. Mannen gegen Morgen flieſſet ein ſehr ſtrenger kotut man auf eine verfallene groſſe Stadt/ Anikagas genannt/ welches in Armeniſcher Sprach ſo viel iſt/ als die Stadt des Am, ſo der Mahme eines Armeniſchen Koͤnigs und Stiffters dieſer Stadt war. Langſt der Fluß/ ſo auß dem Geburg NMengrelie Frosmt/ und lauffet in den Fluß Lars. A ieſe Stadt war ſehr veſt und wol gelegen/ in einem Moraſt/ davon man noch zwey Damme ſiehet/ auf denen man ihr allein hat beykommen konnen. Man ſiehet auch noch anzeigen von underſchiedlichen ſchoͤnen Cloͤſtern/ davon zwey noch gantz ſeynd/ und halt man Darvor/ daß ſelbige ein Konig geſtifſtet. Jenmacht mehr als Dorffer eit Erivan ſiehet man zwey Tagreis lang und bey dem letſten gehet man an einem groſſen Berg her/ von Dalwen auß underſchiedlichen Orten wann Der Berg 0³ 1 14 8 Weng die Caravana vorbey gehet/ Pferd zu verKaufen gebracht word een. eder auf den groſſen Wir muͤſſen num wiede 5 Weg kornenen/ und zuruck nach der Brücken gehen/ wo die Caravana nach der Kaufleuten — und Belieben ſich getheilet. Sbbeh Joelle S man zur rechten Hand gegen Mittag einen groſſen Berg den die Fuwohner Mingol nennen/ auß dieſein Berg entspringen eine groſſe Menge Quellen/ worauß auf einer Seiten der Fluß Phrat(Fuphrates) auf der anderern/ der Fluß Kals; der ohngefehr fuͤnffzehen Meilen jenſeit Erivierzehen oder fun eh fen Fluß Aras laufft/ ihren Urvan, in den Tage zu reiſen/ und ſeynd keine Meilen von dieſer Bruck ſtehet P Reisbeſchrelbung in paſin/ 5 ſprung haben. Aras, den die Alten Ara des nenneten/ entſpringet auß einem andern Gebürg/ ſo von Mingol gegen Aufgang ligt/ lauffet Schlangen⸗ Wei durch Ober⸗Armenien/ allwo er durch den Zufluß vieler anderer Fluſſe groͤſſer wird/ und ſich endlich zwen Tagreiſe von Chamaqui an den Gräntzen 5 alten Meder, in das Caſpiſche Meer erWeil in dieſem Land/ dadurch der Fluß Aras, Kars, und andere mehr/ die da zuſamen ſtoſſen/ lauffet/ faſt lauter Chriſten wohnen/ ſo ſeynd die Türcken/ ſo wenig jhrer auch ſeynd/ ſo aberglaubiſch/ daß ſie kein Waſſer von keinem dieſer Fluſſe trincken/ noch ſich darinn waſchen/ ſondern/ weil die Chriſten ſolches gebrauchen/ halten ſie es vor unrein. Der Flut Aras oder Axaxes, Die Tuͤrcken halten die Fluͤſſe/ an welchen die Chriſten wohnen/ fuͤr unrein: Sie haben Schopff⸗ und Regen⸗Brunnen vor ſich/ und laſſen keinen Chriſten darzu gehen/ ſo aberglaubiſch und narꝛiſch ſeynd die Türcken in dieſer Gegend; wiewol under den Armeniſchen Weiberen von Tulla, darvon ich folgends in meiner Relation ſagen will/ eben ſo groſſer Aberglaub iſt/ und machen ſie ſich ein Gewiſſen/ wann ſie das Waſſer auß dem Fluß Senderou, der bey Upahan vorbei fleußt/ trincken ſollen/ weil ſich die Turcken darinnen waͤſchen/ deßwegen trincken ſie kein Welches die Azmeniſchen Chriſten Waſſer/ als auß jhren Schoͤpff⸗Brunnen/ ja ſie wollen nicht einmal das Fleiſch eſſen/ das die Turcken geſchlachtet haben. warn man von der Brücken Choban-KuDas Dorff Coumaſour. pri komt/ und nach Erivan will/ iſt Coumaſour. 8 Nach Coumaſour iſt das erſte Nachtlager zu Halicarcara, ſo ein groſſes Dorff die Innwohner ſeynd alle Chriſten/ und jhre Halicarcata, Hauſer ſeynd under der Erden wie die Keller. Ich erinnere mich/ als ich Anno 1675. den 7. Martij auf dem Ruckweg von meiner dritten Reiſe in Perſien dahin kam/ daß der Schnee noch ſo hoch gelegen/ daß man groſſe Mühe hatte/ die Ballen KauſſmannsGüter/ ſo darinnen 1 91 blieben/ herauß zu ziehen/ muſten deßwegen geht gantzer Tag ſtill liegen/ und als der Zollner von Erzevana, wegen des ſchlimmen Wetters Nachricht bekommen/ kame er feloſt in Perſon mit fuͤnf hundert Reutern den Weg zu machen/ Ein Osravana ein gutes Freundſchaft stuck. ließ auch eine groſſe Menge Bauren in der Gegend zuſamen for deren/ und unſere Guter auß dem Schnee ziehen. Dieſes aber that der Zollner nicht uns zu lieb/ ſondern um Platz kommen/ und wann unſere Caravana, die eben ſehr ſtarck war/ nicht vor dieſem Tag ſeines eigenen Nutzens wilken/ weilen den 22. Martij ein anderer Zollner ſolte an ſeinen noch ware nach Erzerom kommen/ hatte er über ooo. Reichsthaler Schaden gehabt. Wir haben auf dieſer Reis viel außgeſtanden/ und weil wir wegen des Schnees nieht 5 wegen konten forr kommen/ war die gantze Car⸗ vana underſchedliche mal zerſtrert. Der mei⸗ Schnee den ſte Theil unſerer Leuten wurden ſchnee⸗blind/ cdl rom von dem ſchlechten Zuſtand der S e 5 ————— .—ů ä— A uSn——-—- vy eee — Erſtes Buch. den drey Kirchen/ von da auß nicht mehr als dare d i N. wegen des ſtarcken Widerſcheins vom Schnee ſo die Augen b nicht meyneten/ daß im Martio ein ſo groſſer Schnee fallen ſolte/ hatten ſie ſich/ wie ſonſten in dieſen Landen der Gebrauch iſt/ nicht zeitlich vorgeſehen. Dann wann man etliche Tage in denen Landen/ die voll Schnee ſind/ zu reiſen u hat/ ſo binden die Reiſende das Geſicht zu erhalten/ ein ſeidenes Schnupftuch/ das wie eine Art von ſchwartzem Flor/ mit Fleiß darzugemacht wird/ vor die Augen. Andere haben groſſe gefütterte Hauben mit Geiß⸗Fellen eingefaßt/ davon die lange Haare uber das Ge10 1 Fund eben dieſen Dienſt thun als er Flor. Zwiſchen Erzerom und Erivan iſt die Caravana ins gemein 12. Tage unter weges/ und muß man den zweyten Tag von Kalicarcara, dreymal durch den Fluß Aras watten/ und den Tag darauf noch emmal/ weilen er Schlangentveis lauft. Anderthalbe Meile von dem Ort/ wo man das vierte mal durch muß/ liegt Veſtung auf dem Berg die Veſtung Kaguisgan, welNatz auf dieſer Seiten iſt/ den ches der letſte N Die Zollner/ die da wohdie Tuͤrcken haben. nen/ kommen von da her/ und fordern jhre Gebuͤhr/ welche von einem beladenen Kameel 4. und von einem beladenen Pferd 2. Piaſtres iſt. In eben dieſem 1655. Jahr/ als unſere Caravana eine Meile Wegs von dieſer Veſtung campierte/ karne ein armer Biſchof zu uns/(dann in dieſem Gebuͤrg wohnen nichts als Chriſten) und hatte 1. oder 16. Perſonen/ darunter etliche Geiſtliche waren/ bey ſich/ brachte uns Brod/ Hüͤner und etliche Früchte/ und begehrte eine Allmoſen von den Kauf Leuten/ ſo er auch bekam/ und gantz vergnügt mit den nigen zurück kehrte. Vor ungefehr 4. oder 5. Monath hatte ein um ſein Aug gebracht. Dieſer Boßwicht kam in das Dorf/ wo dieſer Biſchof wohnete/ und forderte mit Gewalt Geld von hm/ und wie er ſahe/ daß er keines hatte/ ſtieſſe er hm auß Boßheit mit ſeinem Dolchen in das Aug/ daß es hm zum Kopf herauß gienge. Es iſt zwar bey dem Aga darüber geklagt worden und er hatte auch vielleicht den Janitleharen geſtraft/ aber er nahm die Flucht/ und bekam der Biſchof keine andere Satisfaction vor dieſen rebel. i Von dem letſten Ort/ da wir bey dem Fluß Aras campierten/ muß man noch den folgenden Tag/ an demſelbigen Fluß eine viertel Meil von einem Dorf campieren. b dern Tag gehet man uber den Fluß der von Kars komt/ und Perſien von der Tuͤrckey unterſcheidet. Den folgenden Tag bleibt man ft etwan eine halbe Mei von einem kleinen Dorf; an dem Ufer des Fluſſes Aras, und ſiehet von da den Fluß/ dadurch man ſo oft hat watten müſſen/ das lerſte mal. a Von Aras campiexet man auf einer Ebe⸗ ft ne/ nicht weit von einem Dorf/ ſo man ſehen f kan/ den zweyten Tag dem Feld/ und den Tag hernach komt ſie zu ſehr verdirbt/ und weil ſie eiJanitſchar dieſen Biſchof Den anbleibt die Caravana in fe 11 eine halbe Tag⸗Neiſe nach Erivan iſt. a Dieweil wir nun an dem End der Tuͤrckey ſind/ die wir an dem Fluß bey Karsrerlaſſen/ will ich guch dieſes Capitel ſehlieſſen/ damit es dem gunſtigen Leſer nicht verdrießlich falle/ und will mit dem Eingang in Perſien ein neues anfangen. N 7 Darinnen ferner von dem Weg von Con⸗ i ſtantinopel nach Iſpahan/ abſonderließ von den Perſiſchen Grentzen an biß Etiphan, gehandelt wird. 1— Uf dem Weg durch Armenien in Perden/ iſt der erſte denckwurdige Ort in Perſien/ und z. Meil von Erivan, chen ſie die drey Kirchen nennen/ es ſeynd aber 3. Kloſter/ ſo nahe bey einander liegen. In dem ſeo. Groͤſten und Schoͤnſten unter dieſen/ wohnet der Groß⸗ Patriarch von Armenien, das Andere liegt von dieſem nur einen MuſquetenSchuß weit/ gegen Mittag; und ein Viertel Meil jenſeits gegen Aufgang/ legt das Dritte/ welches ein Nonnen⸗Kloſter. Die Armenier heiſſen dieſen Ort Egmialin, welches ſo viel iſt/ als der einige Sohn nach dem Namen der Haupt⸗Kirchen/ die alſo genennet wird. Man findet in jhrer Chronie/ daß man ohngefehr 300. Jahr nach der Geburt Chriſti/ dieſelbige zu bauen 12 0 5 als man den Grund gelegt/ hat der Teufel fate Jahr lang was bey Tag gebauet worden/ zu Nachts wieder einge liſſen es ſey aber in einer Nacht Jeſus Chriſtus erſchienen/ und von dieſem Aut enblick an/ habe aal der Teufel nicht mehr hindern können daß man sch dieſe Kirche nicht aufgebauet. Sie iſt dem heiligen Stegorio zu Ehren geweyhet/ den die Armenier hoch in Ehren halten/ und zeigen ſie eine steinerne Taffel/ worauf ſich(wie dieſe Chronic ſagt) der HEre IEſus Chriſtus geſetzet/ als er dem heiligen Gregorio erſchienen; daher die jenigen/ die in die Kirche gehen/ dieſelbige Tafel mit groſſer Ehrerbietung und Andacht kuſſen.. i Das andere Kloster iſt zu Ehren einer Prin teſſin erbauet/ welche den heiligen Gregorium zu ſehen/ mit 40. Jungfrauen von vornehmen Stand/ auß Italien gekommen. Ein Konig von Armenien hatte den heiligen Gregorium in einen Brunnen mit vielen Schlangen werffen laſſen/ darinn er doch keinen Schaden bekommen/ ſondern hat durch ein groſſes Wun5 14. Jahr darinnen gelebt/ und von ieſer 8 herum die Schlangen keinen Schaden. Diekr abgöttiſche Königkrachtele dieſe Printeſſin/ ſo ſehr ſchoͤn war/ ſarnt hren Geſpielinnen zu ſchanden/ weil aber jhre Tugend ſeine Gewalt/ die er jhnen ſuchte an zu thun/ überwande/ und wel⸗ Drey⸗KirZeit an thun auf 2. oder 3. Meil Wegs 3 er zu ſeinem Stweck uicht gelangen konte/ ließ er ſie auß grümmiger Bosheit alle todten. Dieſes erzeblen die Armenier auß Anlaß dieſes Floſters Stiftung. 0 8 Alle Armenier/ ſo wol die jenigen/ die nach Perſien reifen/ als auch die/ welche auf dieſeim Weg/ davon ich ſage/ von dannen kommen/ haben dieſen Gebrauch/ daß ſie zu den drey Kirchen jhren Gottesdienst verrichten/ des wegen die Ceravana ins gemein fünf oder ſechs Tage da ſtill lieget damit ſie in wahrender Zeit beichten/ und die Abſolution von dem Patriarchen empfangen koͤnnen. Derpariarch„Der patriarch hat Unter ſich 47 ErtzWatcher Biſchoffe und ein jeder Biſchof 4. oder z. andieſem Weyh⸗Biſchöffe/ mit welchen er in einem KloOrte. fſter in Gemeinschaft lebet/ und die Munchen regieret. So bald ſie Meß geleſen/ welches gemeiniglich des Tages in einer Stund geſchehen/ gehen ſie ins geſqmnt an ihre Arbeit/ und bauen das Feld und ihre Garten/ davon ſie jhren Unterhalt haben. Der Groß⸗Patriarch hat ohngefeyr EOO OOO. Reichsthaler Einkommens/ und muſſen alle Armeniſche Chriſten/ die über 1g. Jahr ſind/ Ihme jahrlich ſo viel als z. Stüber geben; Es ſeynd zwar ihrer viel/ die ſo viel Mittel nicht haben/ daß ſie ſolches geben koͤnnen/ aber die Reichen erſetzen ſolchen Mangel/ und ſind etliche/ die biß zwey oder 3. Reichsthaler geben. Dieſes Gelt behalt der Patriarch nicht/ ſondern er muß manches Jahr von ſeinen Mitteln noch zu ſchieſſen/ ja gar ſelbſt fur viel Burg werden/ die armen Armenier dadurch zu erhalten/ die keine Mittel haben/ die Carage, ſo der jeihrliche Tribut/ den ſie den Türckiſchen Furſten/ unter derer Schutz ſie lebergeben muſſen/ zu bezahlen. Sonſten Und br Al ware zu beförchten( daß dieſe arme Leut auß moſen. Math getrieben/ zu dem Türckiſchen Glauben Hnbfielen/ und mit Weib und Kindern verkauft würden/ welchem der Groß⸗batriarch auf alle Weiß und Wege' ſuchet vorzukommen. Ein jeder Ertz⸗Biſchof berichtet jhn/ wie viel vor ſolche Armen unter ſeiner Jurilciction vonnsthen/ was alſo aufeiner Seiten einkomt beheddanf der andern wieder darauf/ e und beko der Groß⸗ Patriarch von den Sooo. Dorſſern Einkünften/ wie mir der Eit⸗Biſhe von e tape ore gewiß ge, ſagt/ daß eh ſo viel unter ſich habe(vor ſich nichts. Von dem Gotkesdienſt der Armenier unnd andeker Mokgenlandiſcher Christen ſo Hel ich dieſet Orten davon habe erfahren kongen/ weil ich anderwerts ſagen/ und wil in dieem erſſen Huch den günſtigen deſer allein beWürbigten jf Anno 16 ,. zu Ende des Februgrij/ kame ich auf meiner Ruckreiſe durch die Drey⸗Kitchen/ und weil wir wegen des groſſen Sehnees nicht forrkomnen konten/ madd er auch die Faltnacht da halten/ und ſolgends ihren fißakan nehmen kan/ am merck15 jeden Weg/ den man mir der Patriarch alle Tag Reis beſchreibung in Perſien/ Gottesdienſt verrichten wolten/ bliebe unſere Caravane 11. Tage daſelbſt ſtill ligen/ worau n ich den andern Tag nach unſerer Ankunft den gelen. S Patriarchen beſuchte/ zu welchem man mich be ftil ien. in ein klein Gemach/ darinnen er nach Art der Ortentaliſchen Volcker/ wie unſere Schneider mit kreutzweiſe über einander geſchrenckten Beinen/ auf einer von Stroh oder Rohr ge: fochtenen Decken ſaß/ hinein führte. Es fa. und 9. Biſchoffe in der Kammer herum/ und einer unter den Biſchoͤffen redete ſehr gut Italiäniſch. Der Patriarch empfing mich gar freundlich/ und bliebe ich faſt 3. Stund lang bey jhm. Unter andern Geſprachen/ die wir zu⸗ Der ſarntnen hatten/ gedachte er/ daßer gerne einen a Frantzoſiſchen Monchen ſehen/ und mnit ihm dad ren. in der Gute uungehen mochte/ weil er wuſte/ eben dieſes daß die Frantzoſen freundlich und hoflich/ da 7 9 hingegen die Italianer ſich gegen jederman 1 hochmuthig erzeigen. Indem wir davon kedeten/ trat ein Monch von dem Kloſter hin⸗ Gre Bußein/ welcher zun Buß/ dieer ſechſeloſt auf⸗ Pele dez gelegt hatte/ von 22. Jahren her mit kei⸗ ichen. nem Menſchen/ wer er auch halte ſeyn mo gen/ geredet; und giebt es in dieſen Orientaliſchen Landern viel unter den Monchen/ die ſich noch wol haͤrtere/ als dieſe Buß iſt/ auflegen. Ich habe niemals eine abſcheulichere Geſtalt/ als dieſen Moͤnchen/ an deim nicht als Haut und Bein ware/ geſchen. Der Patriarch ließ ihn mit Fleiß hinein kommen und vermog der Gewalt/ die er uber ihn hatte/ befahl er jhm/ daß er nach ſo langem Stillſchweigen reden ſolte/ darauf er ſo bald gehorchte„ Alls ich von dem Patriarchen wolte Abſchied nehmen/ ließ er eine Collation von Kaß/ Aepffeln/ Birn und einer gewiſſen * Art Zwiefein aufſetzen/ und nachdem alles auf den Sofra, ſo eine Art von Leder auf die Erden gebreitet/ geſetzet/ baͤttete der Patriarch, und ſprach den Segen uber das Brod/ bra5 es hernach/ und gabe einem jeden ein Stüͤcklein/ vor ſich aber behielt er nur einen Mund voll. Den Wein ſegnete er gleichfals/ aber er trancke nicht davon/ nachdem jch nun eine Birn geſſen/ und einmal getruncken/ nahme ich Abſchied von dem Patriarchen, und gienge weg. Ich will noeh an einem Ort von der ſtrengen Lebens⸗Art der Armeniſchen Eleriſey ſagen wie ſie nemlich ſo ſtreng über der groſſen Fasten/ und die übrige Faſt⸗Tage welche das Jahr über mehr als 6. Monath außtrggen lang die Oaravana zu de 7956 5 ein/ Melonen/ und andere Früchte 1 f Horellen zwey oder drey Schuß lang Dien Sofabend vor dem lerſten Song CaraKirchen ſtill lage/ hatte ich die Chre/ da 7 ſen auf eben ſolche Weise 4. Ertzj⸗Biſchoſfe* 05— — Caravana, Hel ren und Knecht aufden Sontag zu der Meß/ und folgends zur MitkagsMalzeit in das Kloſter bitten. Dieſer Son,, kag iſt bey den Armenmiern der letſte Tag von Sec ſhrer Faßnacht/ und fangt folgendes Tags em Hit zu, darguf die Faſten an. Nachdem nun ber brenn. Gottes dienſt verrichtet/ gieng alles was da ware/ in 5 lange gewoͤlbte Galerie von. oder 20. Schuhe breit/ guf beyden Seiten iſt eine fteinerne Tafel/ ſo lang die Galerie it und lang der Mauer eine Banck darauf zu ſitzen. An dem einen End del Galerie iſt ein anderer viereckichter Tiſch vier Schuh groß/ worüber ein Gewolb von vier Saulen in den vier Ecken underſtützet/ ſo über den Tiſch an ſtatt eines Himmels iſt. Es iſt eine Challe oder Stul vor dem Patriarchen bereit/ von dannen er langſt der Galerie ſehen kan/ und zur rechten und lincken Seiten zwey andere für zwey Ertz⸗Biſchofſe. Der Tiſch und die Stüle ſeynd gleichfalls ſteinein. Die andern Erz Biſchoffe/ Biſchoͤffe/ Monchen/ und die geladen waren/ ſaſſen an den zweyen langen Tafeln. An dem andern End der Galerie, grad gegen des Patriarchen Tafel über/ iſt eine kleine Thure/ drey Staffeln hoch von der Erden/ dadurch die Speiſen von der Kuchen hinein getragen werden. Damalen wurden Beſhe das pielerleyh Art pilau von under ſchiedlichen Faraltbe ben aufgetragen/ wie ich daſſelbige in meiner Relation von der Serrall beſchrieben/ in gleichen verſchiedener Art Fiſche/ und under anderm die ſchoͤnſten Forellen. Es wur den in allem 40. Schüͤſſeln aufgetragen/ ſie waren aber ſo groß und angefüllet/ daß ein Mann genug an einer zu tragen hatte. Vor des Patriarchen Tiſch ſetzte man ſie alle auf die Erden/ und nachdeme ſie gufgedecket/ ſtunde der Patriarch von ſeinem Stul auf/ deme die Ubrigen folgeten/ thate das Gebatt/ und ſegnete die Speiſen. Nachdem nahmen ſechs Serra il. Biſchoͤffe mit groſſen Löffeln die Speiſen auß den groſſen Schüͤſſeln/ chaten ſie in andere von mittelmaſsiger Groͤſſe/ und beſetzten damit die beyden langen Tafeln gantz voll. Der Wein war ſehr gut/ und hatte ein jeder einen Erdenen Becher/ welcher jhme/ ſo bald er getruncken/ wieder eingeſchencket wurde. Was 8 den Patriarchen und die 2. Ertz⸗Biſchoffe/ die an ſeiner Tafel waren anlangt/ ſetzte man jedem nur ein paar Eher und etwas Kraut vor/ ingleichem auch den andern Ertz⸗Biſchoffen/ die an der Gaͤſte Tafel ſaſſen. Ja es waren etliche Biſchoffe/ die nichts als ein wenig von Fiſchen aſſen/ und gar keinen Wein Nach vollbrachter Malzeit gieng ein Biſchoff mit einem Sehreibzeug und Papir in der Hand langſt der Tafel/ zu einem nach dem andern/ und fragte/ was er der Kirchen ſteude mman ren wolte/ darauf ein jeder nach ſeiner Deieſem Ort Almosen zu votion etwas gabe/ wiewol der Biſchoff dabeben vent. mals nur die Namen der Gaſte/ und was ein jeder zu geben willens iſt/ aufzeichnet/ welches folgendes Tags erſt gellefert wird. Es ſeynd etliche von den reichen Kaufſeuten/ die biß guf deme ein jeder fa was er den folgenden I. Theil. reich in der St. Johannes Nacht zu geſchehen zwey Tomans geben/ und das Geringſte/ ſo ein Knecht gibet/ gilt ſo viel alsein or. Was aber ein Or und ein Toman ſehe/ iſt in dem Capitel von der Munze außführlich beſchrieben. Ich hieſſe den Biſchoff für mich vier Tomans ſchreiben/ ſo über 60. Reichskhaler macht/ aber mit bieſem Beding/ daß man folgendes Tags nach verrichtem Gottesdienſt/ das allgemeine Gebaͤtt vor meinen Nong und den Hertzog von Orleans deren Diener zu ſeyn ich die Ehre hatte/ thun ſolte. Worquf er mir zwar nichts antworfete/ gienge aber zu dem Patriarchen/ welcher ihne ſo bald wieder zuruck ſchickte/ und mir ſagen ließ/ ob ich hnen ſchon nichts gebe/ ſo waren ſie gleichtol verbunden/ Gott vor den Allerchriſtſichen Konig/ vor den Hertzog von Orleans, und das gante Königliche Hauß zu bitten. Als der Biſchoff mit dem aufſchieiben fertig/ trug man die Speiſen ab/ und thate der Pattiarch mit danckſagen das Gebatt/ darnach wurden Fruͤchte und ein groſſe Anzahl Melonen aufgetragen. Kurtz darauf aber leutete man in die Veſper/ und gieng ein jeder in die Kirch: dann wir ſeynd nicht mehr in Turckey/ da man den Chriſten keine Glocken geſtattet/ der Koͤnig in Perſien aber verlaubt jhnen alles/ und ſeynd deren in allen Armeniſchen Kirchen/ die die Mittel haben/ ſolche auß Teutſchland brin9 Nach geendigter Beſper ließ mich der Patriarch holen/ und ſagte/ daß es hr Gebrauch nicht ſehe/ ſich an dieſeim Tag mehr als an anderen zu ergotzen/ er wuſte aber wol/ daß die Europeeiſche Chriſten an dieſem Tag groſſe Luſtbarkeiten anſtelleten/ wolte deßwegen/ daß ich und alle die anderen Kauffeute/ die in Teutſehland reiſeten/ uns mit einem BuffelsKampff erluſtigten. In dieſem Land haben.. ſie eine groſſe Menge von dieſen Thieren/ ſo 1 ſie zum Feldbau brauchen/ und geben die ſel“ Kühe deren ſehr viel Milch/ darauß ſie Kaß a und Butter machen/ oder under die andere Milch mengen. Es gibt Kuhe under dieſen geben 15 Damit wir nun dieſen Kampff ſehen moch⸗ Heſchreiten/ führte man uns in einen groſſen rings ie 1 herum mit Mauren umfangenen Platz/ da⸗ feier frei rinnen. von dieſen Buffeln waren/ und damit ſie gegen einander erhitzet wurden/ zeigte man ihnen ein rohtes Tuch/ darauf ſie mit ſolchem Grimm auf einander loß giengen/ daß von den erſten Stoſſen/ die ſie mit den Hornern zuſamen thaten/ zwey auf dem Platz blieben“ und die übrigen ale gelahmt wurden. Als der Kampff zu End/ trug man ei⸗ Das darbey ne groſſe Menge Holtz guf einen Hauffen zu⸗ für Ceremoe N hien fuͤrgeamen dunſchches artzutzunden wie n Franck ag Büffeln/ die taglich biß auf die 22. Maß Milch pflegt. Nachdem das Holtz auf einander gelegt/ gab einer von den Erß⸗ Biſchoffen einem jeden von den Umſtehenden/ ſo wol Herren als Knechten/ eine weiſſe Wachs⸗Kerten/ Tag Rertzen. 14 Tag fur das Wachs geben wolte. Nachdem die Kertzen angezündet/ und ein jeder ſeine in der Hand hatte/ gienge der Patriarch mit einem Stecken/ gleich einem Biſchoffs⸗Stab/ deme die Geiſtlichen und Weltlichen ins ge5 folgeten/ dreymal um dieſen Holtz⸗Haufen/ und ſange ein Lobgeſang. Als es nun an dem war/ daß man jhn wolte anzünden erbote ſich einer von den Kaufleuten/ vor dieſe Ehre/ ein gewiſſes von Oele vor die Lampen in der Kirchen zu geben/ ein anderer üͤberſteigerte dieſen/ und bote mehr/ der dritte verſprache noch ein mehrers als dieſer/ biß endlich die Ehr den Holtz⸗Hauffen anzuzüͤnden dem verblieb/ der das hoͤchſte Gebott gethan. So bald harauf loͤſchete ein jeder ſeine Kertzen auß/ und verwahrte dieſelbe auf das ſorgfaltigſte/ Fraßt und dieweil ſie gewiß darfür halten/ wann auf dem der gewehh, Meer ein Ungewitter entſtehet/ und man eine ten Wachs- von dieſen Kertzen anzündet/ und in das Meer wirfft/ daß das Ungewitter ſo bald nachlaſſe. Ich war ſo fürwitzig und fragte/ wo der Urſprung der Ceremonlen von dieſem Feur/ und dieſen Kertzen herruͤhrte/ worauf mir zur Antund wo diee wort worden. Daß die Mutter Gottes/ wie ſie ihren lun. ſagen/ viertzig Tage nach des Herren JEſu ſorung ge Geburt/ mit jhrem Sohn/ und Joſeph nach dumme. Jeruſalem gekommen/ und als ſie in den Tempel gegangen/ worinnen Simeon ware/ habe dieſer Alte den Heyland auf ſeine Arme genommen/ und den Lobgeſang angefangen: HErꝛ/ nun laͤſt du deinen Diener im Friede fahren/ wie du geſagt haͤſt/ und wie weiter folget. Nach geendigtem Lobgeſang habe alles Volck anfangen zu ruffen: Der Heyland ſeye gebohren; und als ſie auß dem Tempel gekommen/ haben ſie ſolches mit haller Stimme in der gantzen Stadt gußgebreitet. Zu Nachts ſeye jederman/ mit Liechtern in der Hand dem Tempel zugelauffen/ und die meiſten vor jhren Hauſern Feuer angezündet/ wo ſie meineten/ daß der Heyland der Welt muſte vorbey gehen. Dieſes wurde mir damals von dem Urſprung obgedachter Ceremonien erzehlet/ welche bey den Armeniern ſo viel ſeynd Wie dieſe Als bey uns die Liechtmeß. In jhrer SpraFeſtibitat che nennen ſie es Ter en areche, welches ſo viel wandunet zu ſagen/ als/ wo iſt der Herz? Wann die 5 Ceremonien zu End/ werden die Glocken geleutet/ und gehet man zuruck in die Kirche/ * und von dannen ein jeder nach Hauß. Dieſelbige gantze Nacht wird von den Armeniern ſo wol Herren als Knechten mit trincken zugebracht/ und damit die Faſtnacht beſchloſſen/ da hingegen der Patriarch ſeines Orts beſchaͤfkiget iſt/ die Kirchen auf das praͤchtigſte zu ſchmucken.. wohnen/ führen ein uüͤher alle maſſen ſtrenges Strenge geIch hatte mimmermehr geglaubet/ daß bey den Christlichen Kirchen/ die under der Turckiſchen Bottmaͤſsigkeit ſeynd/ ſolche Schatze zu finden. Dann dieſe des Patriarchen Kirch/ in hundert Jahren ſo herzlich nicht geziehret geweſen. Es haben aber die Armenier erſt von der Zeit an/ als der Groſſe Cha- Abas, Konig in Perſien/ ſie mit allem Ernſt zu der Han dlungẽ angetrieben/ ſich darvon alſo beReisbeſchreibung in Perſien/ reichert/ und weil ſie gleich Anfangs groſſen Gewinn hatten/ thaten ſie manchmal Gelübde/ und gaben ſo viel in dieſe Kirch/ daß ſie auf dieſe Stund einen ſo praͤchtigen KirchGeſchmuck hat/ als eine Kirch in der Chri⸗ ö ſtenheit. Der Chor war ringsherum mit gul⸗ przchtigedenem Brocard von Venedig behaͤngt/ und Hebaude un alles Pfaſter/ ſo wol in dem Chor/ als in donde dem Vor⸗Tempel/ und die Staffeln/ darauf Kicchen. man zu dem Altar gehet/ mit den koͤſtlichſten Tapecereyen beleget. Dann ehe man in die Kirchen hinein gehet/ ziehet ein jeder ſeine Schuh auß/ und knyen die Armemier nicht nieder/ wie bey uns in Europa gebrauchlich/ ſondern bleiben aufrecht ſtehen/ wann ſte Meſſe hoͤren/ ſitzen ſie nach Lands⸗Gebrauch. in dem aber das Evangelium geleſen wird/ ſtehet jederman auf. In wahrendem Gottesdienſt haben ſie das Haubt bedeckt/ aber ſo bald die Elevation geſchiehet/ nehmen ſie jhre Kappen ab/ und kuſſen dreymal die Erden. Ein Kreutz und 6. güldene Leuchter ſtunden anf dem Altar/ und 4. filberne Leuchter/ ohngefehꝛ y. Schuh hoch/ waren auf den Staffeln. Nachdem man nun underſchiedliche Pſalmen geſungen/ ſetzte ſich der Patriarch auf einen/ mit einer ſeidenen Decke uͤberzogenen Seſſel/ an einer Saulen aber zu ſeiner Rechten ſaſſen 4. Ertz⸗Biſchoffe. Der gantze Gottesdienſt wurde kut groſſem Geprang von einem Ertz⸗Biſchoff/ deme 2. Biſchoffe zur Seiten ſtunden/ verrichtet; von den Ceremonien aber/ ſo dabey gebräuchlich/ will ich alsdann Mel1 5 1018 wann 75 05 5 Reigion werden zu reden kommen. Der Pa⸗ gn g triarch ließ folgends das Gebatt fur den 355 her 5 nig und den Hertzog von Orleans thun/ da⸗ dale den rauf nahme der Ertz⸗Biſchoff das Buch/ Alerchriſtworauß er das Evangelium geleſen/ und gab nein das ſolches dem Patriarchen/ Ertz⸗Biſchoffen/ Kͤchen⸗Ieatt ein. Biſchoffen/ und alſem Volck zu kuͤſſen. Er reichet aber die jenige Seiten des Buchs zu küſſen/ auf welcher in dem Bund des Buchs einige Heiligthum eingefaſſet/ und mit Chriſtall uͤberzogen ſeynd. Wann alle Ceremonien geendiget/ ſpricht der Patriarch den Segen über das Volck/ jhrer viel kuͤſſeten jhm die Hande/ und damit gieng ein jeder ſeines Ehe wir nach Erivan kommen/ will ich hur mit wenig Worten das jenige/ was abſonderlich und ungemein in der Gegend dieſer Stadt zu finden iſt/ berühren: Gegen Mitternacht 10. Meilen von Eriyan, iſt ein See/ in welchem eine Inſel/ darauf ein ſchoͤnes Kloſter gebauet. Die Moͤnchen ſo darinnen Leben/ und eſſen des Jahrs nicht mehr als ben etlicher viermal Fleiſch oder 1109. 1105 den 5 Tagen redet keiner mit dem anderen/ die übrige Zeit des Jahrs eſſen ſie nichts als Krauter/ welche ſie in dem Garten ſarnlen. Dann ſte ſagen/ das ſeye kein Faſten/ wann man Vurter und Oel eſſe. Das Brot/ ſo ſie eſſen/ wird ihnen von den umligenden Dorffern zugetragen /, und wachſen auf dieſer kleinen dne een Inſel allerhand Arten herzlicher und guter JJC Etwas naher bey Eri van, auf der Seiten gegen dem See/ ſeynd auf einer groſſen Ebne 6. Kloſter/ darunder eines gantz ſamt der KirEin Kloſter chen und Pfeilern/ damit es underſtützet iſt/ ache in den harken Felſen/ darauf es ligt/ gehauen it. Die Armenier nennen dieſe Kirche auf ihre Sprach Kickard, und die Türcken nach jhrer/ Guieurghieche, welches ſo viel zu ſagen/ als/ Siehe und Gehe. In dieſer Kirch Das Speer wird das Eiſen von dem Speer/ damit des Shut Se Herren Chriſti Seiten geoͤffnet worden/(wie keneröffet die Armeiſter vorgeben) verwahrkt/ und wird/ wuerden. wann man zu End des Gottesdienſts ſich daſelbſt einfindet/ einem jeden gezeiget. Einen Heſihe das Abriß habe ich havon genommen/ und hiebey gente beb⸗ ſetzen wollen weil die Armenier dieſen Speer gefügt 12 5„.. a get in hohen Ehren halten/ und glauben/ daß er evon dem H. Mattheo in dieſes Land gebracht worden. 5 3 Funff Meil von Erivan gegen Aufgang der Sonnen/ wann ſie im Winter aufgehet/ fangt das Gehurg Ararat an/ auf deſſen Spitze ich der Kaſten Noe niedergelaſſen/ welches dieſes Geburg zu ewigen Zeiten wird beruͤhmt machen/ wie ich ſolches weiter drunden außfuͤhrlich beſchreiben will. Eine halbe Meil von dieſem Geburg/ wo das Land aufaͤngt eben zu werden/ ligt auf einem Hugel eine Kirche/ und an der Kirch eine Sohle/ gleich einem Brunnen/ welches/ wie man dafur halten will/ die Gruben iſt/ darein der Armeniſche „Die Grube König Cerda den H. Gregor inm werffen ließ/ Schlee weil Er vor ſeinen falſchen Gottern nicht wolte ius gewurf niederknhen. Ztoiſchen dieſer Kirch und Eriken worden. van ſiehet man der Armeniſchen Könige nunmehr verfallene Neſidentz⸗Stadt Artaxare, und wie man auß den verfallenen Gebaͤuden abnehmen kan/ iſt es 9 0 groſſe Stadt/ und darinnen ein herelicher Pallaſt geweſen. 1 Es wird aber wol geit ſeyn/ daß wir nach Stadt in Erivan; ſo nicht mehr als drey Meilen von derten. den drey Kirchen ligt/ kommen. Auf dieſer Seiten iſt dieſe die erſte Stadt in Perſien/ gleich wie Erzerom, die noch im Geſicht ligt/ auf dem Weg von Conſtantinopel nach Iſpahan die letſte Stadt in Turckey iſt. FErivan ligt 64. Grad und 20. Minuten in der Lange/ und 41. Grad/ r. Minuten in der reite/ in einem Land/ worinnen von allem/ was der Menſch zu ſeines Lebens Erhalten verlangen mag/ abſonderlich aber von dem herꝛnpdrag per lichten Wein/ ein Uberftuß iſt. Dieſe Probereiken en piitz iſt eine von den beſten in Perſſen/ wolguß ba ür, der Rönig ſo wol wegen des fruchtbaren Erdreichs/ als vielfältigen Durchreiſens der Ca. kravanen, ein gioſſes Einkommen hat. Der Gouverneur, den man den Kan von Erivan nennet/ hat allein für ſich jahrlich mehr/ als 20000. Tomans, ſo nach unſerer Muntz acht hundert und viertzig kanſend Pfund iſt. Dieſe Stadt/ weil ſie eine Graz ⸗Stadt zwiſchen Perſien und Turcketh iſt/ iſt von beyden Theilen oftmals eingeſſommen/ und wieder eroberet worden/ und ne, dem die glzeichnet. te Stadt gantz zerſtöret/ iſt acht hundert Schritt davon die neue Stadt auf einen Felſen/ bey welchem gegen Abend ein ſehr ſchnell und ſtrenger Fluß vorbey laufft/ erbauet worden. Dieſen Fluß nemnen ſie San⸗ 98 15 gui-Cija; und iſt er an vielen Orten ſehr tieff/ und voll Stein⸗Klippen/ daher komt es/ daß das Waſſer ſchwartz ſcheinet. Under der ſteinernen Brücke mit drey Schwiebogen/ die über den Fluß gehet/ ſeynd etliche Kammern/ worinnen bißweilen der Kan in den heiſſen Sommer⸗ Tagen wegen der groſſen Hitze des Tags ſeine Zeit vertreibet/ und fängt man eine groſſe Anzahl allerhand Fiſche/ abſonderlich aber ſchone Forellen/ die ſehr wolfeil ſeynd. Dieſer Strom entſpringet auß dem See Gigaguni, fünff und zwantzig Meilen gegen Mitternacht von Eriwan, und ergieſſet ſich in den Fluß Aras, der gegen Mittag drey Meilen von der Stadt vorbey flieſ ſek. Ob dieſe Stadt ſchon gegen Abend dieſen Fluß an ſtatt eines Grabens hat/ iſt Die Stadt ſie doch nichts deſto veſter/ weil auf der an⸗ kriyan fpie deren Seiten des Waſſers lauter hoͤhere Berg/ fe veveſigt als die Stadt/ ſeynd. Und weil ſie auf ei⸗ lee. nen Felſen gebauer/ ſeynd die Veſtungs⸗Graben auf das hoͤchſte uber drey oder vier Schuß nicht tieff. An etlichen Orten hat es doppelte Mauren und viel Thürne/ allein weil die Mauren gleich den Haͤuſeren/ nur von Erden ſeynd/ wurde der Regen mehr Schaden thun als das Geſchutz. Ein Theil der Stadt gegen Mitternacht/ iſt gleichſam die Vorſtadt/ und ſeynd zwanzig mal ſo viel Inwohner dar innen/ als in der Stadt/ dann alle Kauf⸗ und Handwercks⸗Leute/ wie auch die Armeniſche Chriſten wohnen da und haben vier Kirchen/ und ein groſſes Kloſter. Man hat auch vor weniger Zeit eine ſehr ſchone Carvanſera dahin gebauet. Was die Stadt anbelanget/ wohnet niemand als der Kan; deſſen Wohnung nach dem Fluß hinauf gehel/ die Kliegs⸗Officierer und Solbaten darinnen. Dieſer Gouverneur jſt machtig/ und hat allezeit Mannſchafft genug/ die Graͤntzen zu bewahren; wann der Sommer allzu heiß/ bringet er dieſelbige Zeit auf dem Gebuͤrg under den Zelten zu. Oo bald eine Caravana qnkomt/ muß er den Konig ſolches berichten/ und wann ein Abgeſandter durchreiſet/ muß er jhme allen Vorſchub an Lebens⸗ Mitteln thun/ und biß in ein ander Gouvernement begleiten laſſen/ allwo er auf Adele b e wird. Auf ſolche Weiſe hat ein Abgeſandter nicht nohtig/ das Gekingſte zu verzehren ſo lang er im Perſiſchen Gebieth iſt wann er nicht will. Gegen Mittag vier Meilen von der Stadt iſt ein hohes Geburg/ wohin die Bauen/ die in den warmen Länderen gegen bal. dea zu wohnen den Sommer uber/ bey ztwantzig tauſend Zelten/(welches ſo viel iſt als gantzen Fanulen) kommen/ und gute Furterung vor jhr Vieh ſuchen; zu End des Herbſts nehmen ſie den Weg wieder nach jhrem Land zuaͤ. Ich weiß bieſes Geb irg ſo wol 2 wegen de 197 8 Fluſſe/ als auch der Beſehaffenheit de 1 Erdreichs mit nichts beſfer zu vergleichen/ als mir dem herꝛlichen Stuck Landes in der Schweiz/ ſo man le bays de , Vaus nennet; ja ſo gar halt man/(wie die AlAang dan ken erzehlen) davor/ daß diele Volcker/ die zwiLande um ſchen den Alpen/ und dem Berg Jura, davon Erivan wer⸗ 0 ö den fůr die alten Innwohner des Days de Vaux behalten. Gegend vor Armenien ſtill gelegen/ und weilen ſie ſolche jhrem Land gantz ahnlich gefunden/ jhre Wohnungen daſelbſt aufſchlagen wolten. Von Tocat an biß Tauris iſt das Land faſt von lauter Chriſten bewohnet/ wie dann dieſer gantze weitlaͤuftige Strich Landes von den Alten Armenien genennet worden/ dahero ſich nicht zu verwundern/ wann man ſo in den Stadten als auf dem Land fünfzig Armenier en einen Türcken ſindet. Es ſind unter9 ö müde alte Armeniſche Geſchlechte in Erivan, ſo jhre Geburts⸗Stadt; aber die Stadthalter/ weil ſie weit von Hof ſind/ uñ dahero jhkes Gefallens handeln/ fahrẽ ſie manchmal ſehr Ubel mit jhnen. In dieſer Stadt wird die SeiDen/ ſo auß der nechſten Provinz komt/ ald zuſamen gebracht/ und iſt man in Erivan und andern Perſiſchen Paſſen der Ungemaͤchlichkeit/ die eingeballte Kaufmanns⸗Guͤter in demZollHauß zu oͤfnen/ überhoben. Man gibt aber ein gewiſſes vor die Wacht quf den Straſſen/ welches ſie Raderies, und die ſolches erheben/ Hbſlichkeit Raders nennen. 3 des Perſibenen ichen Proointzen/ ſind gegen die Fre den ſehr höͤlfich/ abſonderlich aber/ bann ſie jemand finden/ der ihnen gefallet/ oder ihnen etwas neues zeiget. Als ich auf meiner erſten Reiſe nach Perſien von Conſtantinopel weg zoge/ hatte der Kayſerliche Reſident/ Herz Schmidt einen jungen Zuͤrcher/ Namens Rudolph in ſeinen Dienſten/ o ein guter Uhrmacher war/ und bate mich/ ich moͤchke jhn auf meiner Reiſe mitnehmen; als wir nach Erivan kamen/ warteten wir ſo hald dem damals regierenden Kan auf/ welcher uber unſerer Ankunft/ und daß er uns ſehen mochte/ großſe Freude bezeugte. Zu dieſer Zeit waren die Uhren in den Oriemaliſchen Landen ſehr ungemein/ und wie uns der Kan ſagte/ war Rudolyh der erſte Uhrmacher/ der jemals in Perſten gekommen. Er machte him eine Uhr/ dit er von einem Kaufmann hatte/ wieder zu recht/ und ſo wol/ daß er Rudolph mochte arbeiten ſehen/ als guch daß wir ihm alle Tage im Trinckẽ Net Geſellſchaft leiſten/ legte er uns in das Nechſte neben ſeinem Zimmer. Er liebte den Trunck ſehr/ und muſten wir/ ſeine Freundſchafft deſtobeſſer zu gewinnen ſo bald die groͤö ſte. Hitze vorbey/ von vier Uhr an biß lang in die Rechne, alen 1 im ch zaun Stand ngen halten. Gemeiniglich geſehahe es in ſeinem a. G ſchoͤnen Garten auſſer der Stadt/ da leber an Die vier Eck eines Fiſch⸗Behalters/ der in der Mitte des Gartens iſt/ vier groſſe glaſerne Flaͤſchen vom herelichſten weiſſen und roͤthlichen Weimſctzen/ welche ungefehr zuſammen 5 Alexander eine Legion Soldaten hatte/ nachdem ſie jhme eine Zeit lang gedienet/ in dieſer Die Lans oder Stadthalter in den Per⸗ ht Stücken die St gufhorlich. Den vierten Tag wurde die Maur nieder geſchoſſen/ und war dieſer Jürſt/ welcher ſonſt den Ruhm von den Tapfferſten als ein Reisbeßßhreibung in Perſien/ anderthalb Muids hielten. Zwiſchen dieſen groſſen Flaſchen war der Fiſch⸗Behalter mit fünfzig kleinern von zwey oder drey Maſſen/ alle in einer Groͤſſe/ gleichſam eingefaſſet. Die Erde rings herum biß an die Flaſchen war mit groſſen Tapeten beleget/ und an einem End des Behalters war ein Amphitheatrum mit köſtlichen Tapeten behaͤnget; an dieſem Ort machten wir uns luſtig/ und dienet dieſe groſſe Zubereitung zu nichts/ als den Pracht des Kans, den er in allen Sachen liebte/ dadurch Er hatte einen hohen Geiſt/ und iſt eben der jenige/ von dem ich in meiner Beſchreibung von des Tuͤrckiſchen Kayſers Serrail, Meldung gethan/ wie er nemlich Eriyen an den Sultan Amurat übergeben/ mit ihn auf Conſtantinopel gezogen/ und den Kayſer das Sauffen gelernet/ dadurch ſein Favorit worden. Er hat/ wie ich an gedachtem Ort erwehnet/ ein betruͤbtes und ſolches End genommen/ als die an ſeinem Koͤnig verübte Verratherey verdiente. Amuxrat ließ in Erivan eine Beſatzung von i zwey und zwanzig kauſend Mann/ welche ſo i eng über einander lagen/ daß kein Platz ge⸗ rue belanug in der Stadt war/ dieſelben hin und gert. wieder zu verlegen. Aber bald hernach kam Cha- Sei der König in Perſten mit einem groſſen Kriegs⸗ Heer/ verſchantzte ſich in aller Eyl auf Huͤgel/ davon man die Stadt bengen konte/ und an een Schantz/ mit acht Stücken die Stadt un5 zwingen konte/ und beſch Und erobert. nicht hatte/ der Erſte in dem Sturmen/ und 5 eroberte dieſe Stadt/ worinnen/ wie ich bereits erwehnet/ zwey und a. Eee cken zur Beſatung lagen. Er ließ zuvor die Stadt auffordern/ weil ſie ſich aber zu keinem Accord auf einige Weiß verſtehen wolten/ gab er ihnen auch kein Quartier/ ſonden wurden alle in Stücken zerhauen. Dieſes hat zwar Amurat nach der Hand wieder gerochen/ aber auf eine Art/ die nicht allzu ein Sieges prangender Ubertoinder einzog(ließ er wider ſeine gegebene Treue mee e er in Bagdat mand am Leben zu kräncken/ alle Perfſaner — Der Grund⸗Riß der Stade Erivan, mit A. Die Stadt und die Veſtung. Biſſhedie C hriſten wohnen. 4 AA. B. Die Vorstadt wormmnen die Armenſſche dag r Kar D. Das Kloſter. E. Der Fluß Sangui- cia. F. Die Steinerne Brück. G. Die groſſe Land⸗Straſſe/ ſo die Caravanen nehmen. 1 i g H. Die 5 K. Die Schanz/ welche Cha- Sen aufwerffen laſſen/ die Stadt zu beſchieſſen. I. Der Bach/ ſo auß dem Gebirg entſpringt. K. Der Weg nach Tauris. 1 0 1. Der Weg nach Teflis, der Haupt⸗Stadt 1 ln Georgien. Dieſes iſt auch der Weg nach dem Berg/ wo der Kan von Erivan 5 des Sommers ſich zwey oder drey Mohath aufhaͤlt/ und uͤber Eyß trincket. M. Etliche leere Plätze/ worauf man gleich auf den Maͤrckten allerhand Waaren 5 verkauft. ö ö ———————ů—ů ůů Das IV. Capitel. Folget ferner der Weg von Exivan biß auf Tauris. g Tag⸗Reiſe On Erivan biß auf Tauris bringt die auß an J Caravana gemeiniglich zehen Tage zu/ nach Tauts. und Nakſivan liegt auf dem Weg von einem Ort ſo weit als von dem andern. Die Die Andere. erſte Tag⸗ Reiſe gehet uber ein groſſes mit Reis b̃ÿbeſaetes ebenes Feld/ dadurch eine groſſe Men9 Bache flieſſen. Die eehte TagBeſchrei⸗ Reiſe gehet man auf dieſem flachen Feld weiburg des ter fort/ und laſt das Gebirge Ararat um welSerbe tar ches eine groſſe Anzahl Klöſter erbauet/ gegen Mittag im Geſicht. Die Armenier nennen dieſen Berg Meleloular, welches ſo viel iſt/ als der Kaſten⸗Berg/ weil der Kaſten Noah/ als die Waſſer nach der Suͤndfluth gefallen/ ſich daſelbſt nieder gelaſſen. Er iſt gleichſam von dem andern Armeniſchen Gebirg/ welches Ketten⸗weis an einander haͤnget/ abgeſondert/ und von der Mitten an biß auf die Spitze allezeit mit Schnee bedecket. Er iſt auch groͤſſer als alle Berge in der Gegend/ und habe ich jhn auf meiner erſten Reiſe fuͤnf Tage⸗Reiſe weit Die erſte 2 geſehen. So bald jhn die Armenier ins Geſicht bekommen/ kuſſen ſie die Erde/ heben die Auö gen gen Himmel/ machen ein Creutz/ und ſprechen etliche Gebat. Es iſt aber zu wiſſen/ daß dieſer Berg von der Mitte an biß an die Spi5 tze oft drey oder vier Monath uͤber mit Wol. cken bedecket iſt/ und ob ich ſchon dieſen Weg zum oͤftern gereiſet/ habe ich doch nicht mehr als dreymal die Spitzen davon ſehen koͤnnen. Auf der Ebene/ dadurch man dieſen zweyten Tag 9 teiſet/ ſiehet man anderthalb Meil von der Landſtraß gegen Mittag einen aufgeworffe. nen Berg/ welcher allem Anſehen nach von Menſchen Handen gemacht iſt und kan man auß dem verfallenen Gebau darauf genugN fam abnehmen/ daß ein herꝛliches Schloß dar. auf geſtanden/ wie dann die Armeniſche Koͤni8 Nei da ge ſich daſelbſt mit Jagen/ abſonderlich aber * 90 der Kranicht⸗ und Fuchs⸗Jagd/ erluſtiget aben. a Den dritten Tag campieret man an einem Dorf/ da es gutes Waſſer hat/ deßwegen die Caravana ſtill lieget/ weil man ſonſt/ als 5* feines findet. Den fol. Eil, 5 1 Ee ah Wiaſſer weit davon holen muß. Die fünfte in dem Krieg wil. 17 genden Tag muß einer hinter dem andern durch einen engen Paß zwiſchen dem Gebirg/ und folgends uber einen ziemlichen groſſen Fluß/ ſo in den Aras lauft/ und von den Einwohnern Arpa⸗ ſou genennet wird. Wann das Waſſer klein iſt/ kan man durchwaten/ wann aber der Schnee beginnet abzugehen/ daß der Fluß davon anlauffet/ muß man eine Meil Wegs umreiſen/ und über eine ſteinerne Brucke/ die gegen Mittag liegt/ doaruͤber gehen. Jenſeits campieret man nage an dem Dorf Kali-fakiend, da man das . Die 4. und Tag⸗Reiſe gehet allezeit über flaches Feld/„Tah, Reist, und wo daſſelbige endet,/ iſt an einem Baoeß eine Carvanſeta, die ſie Karabagler nennen/ und auf meiner letſten Reis/ im Jahr 1664. erſt gantz außgebauet worden. Dieſer Bach 1 5 entſpringet drey oder vier Meil hoͤher gegen büngeines Mitternacht/ und eine halbe Meile unter Ka- ſonderbaren rabagler gefrieret dieſes Waſſer zuſammen/. und wird zum Stein; wie dañ von eben dieſen Steinen/ ſo auß dem Waſſer formieret wordd/ die Carvanſera erbquet iſt. Dieſe Steine ſind ſehr leicht/ und wann ſie einige vonnothen haben/ graben ſie laͤngſt dem Bach Graben/ und fuͤllen ſie mit dem Waſſer/ darauf in acht oder zehen Monathen hernach iſt es zum Stein worden. Dieſes Waſſer iſt auch ſe und hat keinen üͤbeln be e nichts deſtoweniger bedencken ſich die Bauren in der Gegend/ ob ſie davon trincken wollen/ ja ſie wollen nicht einmal jhr Land mit begieſſen. Die Armenier geben vor/ deß Noah Sohn Sem habe den Felſen/ darauß dieſer Bach entſpringet/ außholen laſſen/ und lauft derſelbe vier oder fünf Meil von der Quell/ und ungefehr zwey von der Carvanſera, in den Fluß Aras. Von dieſer Carvanſera biß auf Nakſtvan iſt nicht weiter als eine kleine Tag⸗Reiß. i Nakſivan iſt halten/ die aͤlteſte Stadt in der Welt/ liegt ungefehr drey Meilen von dem Gebirge/ iſt wie die Armenier davor Dita ſivalt. worauf ſich der Kaſten Noa niedergelaſſen/ und hat auch davon jhren Namen: dann Lak heiſſet auf Armeniſch ſo viel als ein Schif/ und Sivan niedergeſetzt/ oder geblieben. Die Stadt iſt groß genng/ iſt aber durch des Sultan Amürats Kriegs⸗ Heer gaͤntzlich zerſtoͤhret worden. Man ſiehet noch viel ſchoͤne verfallene Moſqueen oder Türckiſche Kirchen( welche die Türcken mieder geriſſen/ dieweil des Mahomets Nachfolger nicht in die Moſqusen der jenigen/ ſo des Klalt 1 bens ſind/ gehen wollen/ und dieſe eben ſo wenig in der andern ihre/ dahero zerſtöͤhren ſolche die Perſianer und Türcken einer un den andern/ nachdem 918. leg wil. Dieſe Stadt iſt ſehr alt/ und glauben die Armenier veſtiglich/ dies i ſeye der Ort/ wo Noa/ als er auß dem Ka⸗ Des Noz ſten gegangen/ gewohnet/ ſagen auch/ er ſeye Wobnunzda begraben/ und ſeiner Frauen Begrabnuß ſeye zu Marante guf dem Weg nach Tauris. e N bey Naleſtvan flieſſet ein kleiner Bach vorbey/ davon das Waſſer ſehr gut/ und die Quelle nechſt bey der andern von dem Bach bey Karabagler iſt. Die Armenier trieben vor dieſem einen groſſen Seiden⸗Handel in dieſer Stadt/ welche nun wieder aufgebauet/ und von dem Kan, ſo darinnen wohnet/ regieret wird. Zwiſchen Erivan und Tauris, iſt durch Cha-Abas den I. dieſes Namens Konig in Perſien/ das gantze Land auf dem Grund verwüſtet worden/ damit die Türckiſche Armee/ welche auf derſelbigen Seiten her kame/ wann ſie keine Lebens⸗Mittel finden wurde/ ſich unter ſich ſelbſt aufreiben mochte. Und damit er das Land gantz od und wuſt machte/ führte er auß Zulfa, und der Gegend herum alle Innwohner/ Jung und Alt/ Eltern und Kinder in Perſien/ davon er hernach in ſeinem Königreich unterſchiedliche Oerter mit neuen Innwohnern beſetzte. In der Provintz Guilan, dgrauß die Seiden gebracht wird ſetzte er allein ſieben und zwanzig tauſend Armeniſche Familien/ es ſtarben aber von dieſen armen Leuten/ weil ſie einer viel gelindern Luft gewohnet waren/ in dieſem rauchen Lande ſehr viel. Die Vornehmſten wurden nach Ilpahan geſchickt/ und zu der Handlung angehalten/ wozu jhnen der Konig einen Vorſchuß von Seiden thate/ ſo ſie nach verrichteter Reiß wieder bezahlten; auf ſolche Weis kamen die Armenier bald zu Kräften. Der Konig gab jhnen zugleich anſehnliche Freyheiten/ und unter andern/ daß ſie ihr eigen Haupt/ und jhre Richter haben moͤchten/ und nicht unter den Perſiſchen Richtern ſtehen/ noch nach dem Geſetze dorften gerichg tet werden. Dieſe haben die Stadt Tulfa Die Urheber erbauet/ welche nur der Fluß Senderon von 7 88 I ſpahan ſcheidet. Es wird aber neu Zulla genentet/ um ſolches dadurch von jhrer VorEltern Vatterland/ den alten Zulta in Armenien zu unterſcheiden/ davon ich an einem andern Ort weitlauftiger ſagen wil. Ein dritter Theil von dieſein Volck wurden in die Doͤrffer zwiſchen Ilpahan und Sciras verleget; nachdem aber die Alten geſtorben/ ſind die Fan nach und nach alle zu dem Turckiſchen Glauben getretten/ ſo daß man heutiges Tages in allen dieſen herzlichen flachen und ebenen Landern/ darein ihre Vatter ſolche zu bauen geſetzet worden/ kaum zwey Armeniſche Chriſten finden wird. Unter den zerſtorten Gebauen in Naklivan, ſiehet man noch eine groſſe Molquee, ſo eine von den Praͤchtigſten in gantz Aſten geweſen/ und wit man glaubt/ zur Gedaͤchtnuß des Nor Begrabnuß erbauet worden. Ingleichem ſiehet man/ wann man zur Stadt hinauß gehet/ an dem Bach/ ſo dabey herfleſſet/ einen Thurn daran die Zierlichkeit N Prächtige Moſquse zu Nakſtvan: der Bau⸗Kunſt zu verwundern iſt. Es ſind gleichſam vier an einander gefügte runde Kirchen⸗Tacher/ darauf eine Art von einer Pyramide, welche ſcheinet/ als ob ſie von zwolf kleinen Thuͤrnen zuſammen geſetzet ware/ in Reisbeſthreibinig in Perſien der Mitten aber bekomt es eine andere Geſtalt/ und gleichſam wie 4. Seiten/ welche oben ſpihig zuſammen gehen. Das gantze Gebau iſt von Ziegelſteinen/ und ſo wol inn⸗ als außwendig ſchoͤn geverniſt/ und mit erhobenem Blumenwerck gezieret. Man halt davor/ Tamerlan, als er Perſien erobert/ habe dieſes Werck machen laſſen. Ehe wir aber weiter gehen/ muͤſſen wir ein wenig von dem Weg abtretten/ und zur Rechten und Lincken unterſchiedliche Kloſter/ und in denſelben ein und anders/ ſo denckwurdig/ beſehen. 2 5 S wiſchen Na den Seiten/ ſo wol gegen Mittag als Mit⸗ der kſivan und Zulfa guf bey⸗ Zehen Klßzwiſchen ternacht liegen/ zwey oder drey Meilen/ mehr und zulta. oder weniger von einander/ zehen Armeniſche Chriſtliche Kloͤſter/ welche den Pabſt vor das Haupt der Kirchen erkennen/ und von ihrer Nation Geiſtlichen/ Dominicaner-Ordens/ regieret werden. Damit ſie aber deren allezeit genug an der Zahl haben mogen/ werden von Jahren zu Jahren von den LandsKindern die Tüchtigſten zu dem Studieren nach Rom geſchickt/ damit ſie die Lateiniſche und Italianiſche Sprach/ ſamt ſolchen Wiſſenſchaſten/ als jhre Proleſſton erfordert/ daſelbſt lernen moͤgen. Man zehlet in dieſer Gegend bey ſechs tauſend Seelen/ Groß en, welche der Römiſch⸗Catholiſchen Kirche in dach allem folgen/ außgenommen/ daß ſie jhre 8 gewohnliche Gebat und die Meß in Armeniſeher Sprach verrichten/ damit es alles Volck verſtehen moͤge. Wann der ErtzBiſchof erwehlet iſt/ wird er nach Rom geſchickt/ und daſelbſt von dem Pabſt confirmiert; ſeine beſtandige Wohnung hat er in einem groſſen Flecken/ ſo einer von den Schoͤnſten in gantz Aſien iſt/ die Frucht und der Wein ſind da herelich/ und iſt von allem/ was der Menſch vonnothen/ ein Überfluß; an einem jeden Kloſter iſt ein Flecken/ oder groſſes Dorf/ deren Namen hiebey folgen. Das Erſte und Vornehmſte unter den Ze⸗ Namen diehen/ dahin ich mit allem Fleiß ztweymal ge⸗ er Klöster. gangen/ liegt gegen Mitternacht/ und heiſſet Abarener das Zweyte Abraghonnex, das Dritte Kerna, das Vierdte Soletak, das Fünfte Kouchkachen, das Sechſte Siaouk,, das Siebende Chiabonnez, das Achte Araghouche, das Neunte Kauzuk, und das Zehende/ ſo an den Grentzen von Curdiſtan, oder Aſlyrien liegt/ Kiſouk. An dieſem Ort glauben die Armenier/ daß Bertholder heilige Bartholomaus und Mattherus Martha als Martyrer hingerichtet worden und enthauptet geben vor/ ſie hatten noch einige Reliquien worden. davon. Viel von den Turcken/ abſonderlich/ die mit dem Fieber behaftet/ kommen auß ſonderlicher Andacht dahin. Es ſind zwey oder drey unter dieſen Kloſtern/ worinnen die Europeriſche Chriſten/ ſo dahin kommen/ auß Chyiſtlicher Liebe wol aufgenommen werden/ ob ſchon die Moͤnchen darinnen ſehr arm ſind. Sie führen ſonſt ein rauhes und ſtrenN Der Ort/ wo Koͤnige beklagen muſſen/ welches ich gar ofters Wundernellen. St. Stkephaus Kloſter. ) Weg von 1 8 ach dem Sf. Stephans Kloſter. Das Dorf Chambe wird von närriſchen euten bewohnt. eee d bene Die deute des Landes halten daf/ es ſeye eine ges Leben/ und nahren ſich meiſt von lauter Dieſe Leute ſind um keiner andern Urſach in dieſe Armuth gerathen/ als wegen der Gubernatoren Grauſamkeit/ welche ſie von Zeit zu Zeit beſchencken muſſen/ und weil jhnen die Mittel mangeln/ groſſe Geſchencke zu geben/ als werden ſie ſchlecht geliebet/ und weil jhnen andere Armenier durch jhre Freygebigkeit zuvor kommen/ muſſen ſie dermaſſen viel außſtehen/ daß ſie nicht ohne Urſach ſich bey dem zu Ipahan geſehen. e e Ein und ein halbe Meil weit von den Vornehmſten dieſer zehen Kloͤſter/ iſt ein hoher von all anderen abgeſonderter Berg/ in Form eines Zuckerſtocks/ dem Berg bie in der Inſul Tenerife gleich; unten an dieſem Berg ſeynd etliche Quellen/ ſo die Kraft un Tugend haben/ die jenigen/ welche von den Schlangen gebiſſen worden/ zu heilen; und auch/ ſo man dieſer Thier auf dieſen Berg tragt/ ſterben ſie alſobald. 3 9 9156 Waann die Caravane in der Abfahrt von Naleſivan nach Zulfa, ſo nur eine Tagreiſe/ begriffen iſt/ nehmen die vornehmſten Armenier gewohnlichen einen Umweg in St. Stephans Kloſter/ ſo gegen Mittag ligt. Ich bin daſelbſten zweymal geweſen/ das Erſle in der Widerkehr meiner vierten Reiſe auß Perſten/ indeme ich den Armenie rn/ mit denen ich in Geſellſchaft ware/ und die allda die Faßnacht zu halten begehrten/ nicht zu wider ſeyn wolte; zudeme waren wir damalen nicht in der Caravane, ſondern zu Pferd/ damit wir nach unſerer Kömlichkeit reiſen mochten. Das zweyte mal war Anno 1668. den 12. Februarij in meiner letſten Zuruck⸗Reiſe auß Indien/ weil ich vermeynte/ allda einen Polniſchen Biſchof/ mit bem ich einige Geſchafte hatte/ anzutreffen; aber weil derſelbe bereits verreiſet/ habe mich allein etliche Stund lang aufgehalten/ und bin um Mitternacht auf Nakklwan gereiſet/ wiewol der Eltz⸗Biſchof mich inſtaͤndig erſucht/ um ein oder zween Tag außzuruhen/ daſelbſten zu verbleiben. Von Nakſivan nach i iſt der gewohnliche Weg/ wie 5 Man muß erſtlich durch ein groſſes Dorf Ecclitta genennet/ allda viel Armenier/ die groſſe Seiden⸗Handlung treiben/ jhre Wohnung und eine ſchoͤne Kirche haben. Zwo Meilen von Eccliſia fähret man uber den Fluß Aras, welcher an dieſem Ort zwiſchen den Bergen eingeſchloſſen wird einsmals gieng ich auf dem Eys daruber. Zween Muſqueten⸗Schuß weit von dannen reiſet man auf einer Brücke uber einen andern Fluß/ der von Mittag komt/ und in den Aras ſich ergeuſſet. Von der Brucke auß gehet der Weg auf einen Hugel/ da ein groſſes Dorf/ Chambe genent/ alle deſſen Einwohner/ beedes Mann und Weibes⸗Perſonen von dem achtzehenden Jahre an jhres Alters narriſch werden/ aber auf eine ſolche Weiſe/ die ohne Boßheit iſt Armenier bewegt/ dieſen * 1 Straf von Gott/ ſeith deme jhre Vor⸗Eltern St. Bartholome und St. Matthæum in dieſen Bergen verfolgt hatten. Von dieſem Dorf biß nach St. Steffan iſt nur noch eine Meil/ aber der Weg iſt ſehr muͤhſam/ allenthalben Abgrund/ allda man nothwendig abſteigenmuß. 1 St. Steffan if ein Kloster/ deſſen Bau doacheeerſt vor dreiſſig Jahren angefangen worden/ St. Steliegt in den Bergen und einer Einode/ dahin 1 Klomit Mühe zu gelangen; die Urſach/ welche die n Ort vor einem andern zu erwehlen/ iſt/ daß jhre Lehr mitbringt/ St. Matthaeus und St. Bartholomaeus hatten in jhrer Verfolgung an dieſen⸗ Ort ſich begeben. Sie ſetzen noch hinzu/ daß St. Matthæus allda Wunder gethan/ indeme als kein Waſſer daſelbſten/ er mit ſeinem Stab auf die Erden geſchlagen/ darauß alſobald eine Quelle entſprungen/ welche ungefehr eine halbe viertel Meil von dem Kloſter unter einem Gewollb mit einer Pforte wol verſchloſſen verborgen/ alſo daß man das Waſſer nicht verderben kan. Die Armenier beſuchen dieſe Quelle mit groſſer Andacht/ und das Waſſer wird durch einen Canal unter der Erden in das Kloſter geleitet. Sie geben auch ſür/ daß allda viel Reliquien/ welche St. Bartholome und St. Matthes dahin gebracht/ gefunden worden; denen ſie andere beygethan/ und ſeynd die Vornehmſten/ die von ihnen ſonderlich in Ehren gehalten/ werden folgende. Ein Creutz von dem Becken/ auf wel⸗ ae Koser e chem Chriſtus ſeinen Jüngern die Fuſſe ge⸗ S. Etewaſchen. In Mitten dieſes Creutzes iſt ein van. Waſſerſtein/ von deme ſie ſagen/ daß wann man ſolchen auf einen Krancken lege/ und derſelbe ſterben ſolle/ der Stein ſchwartz/ und nach des Krancken Tod wiedrum weiß/ wie er zuvor geweſen/ werde. 0 Ein Kienback von St. Stephan bem Die Hirnſchaale St. Matthi. Ein Bein von dem Hals/ ung ein anders von dem Finger St. Johann Baßtiſte. St. Dioniſij des Areopegire. Eine kleine Truhen/ in deren viel kleine Eur Hand von St. Gregorio/ Junger Stücklen Bein/ ſo ſie für Reliquien der 7a Junger halten/ verwahret werden — Wi Aung der Armenier Kirchen Creußweis gebauet/ in Mitten oben mit einem ſchoͤnen Thum/ und darum die zwolf Apoſteln. Die Kirche und Kloſter ſeynd von gehauenen Steinen und ob ſchon das Gebau nicht weitlauftig/ iſt doch darzu ſehr viel Gold und Silber gebraucht worden/ welches viel Armeniſche Hauſer annoch wol empfinden. Man hat dieſen Leuten eine ſolche Andacht für dieſen Ort eingeblaſen/ daß der mehrere Theil der Weiber jhren Maͤnnern unwiſſend/ jhre Kleinod/ auch gar ihre Kleider verkauft/ und das Gelt an die Unkoſten des Baus angeDas 8 Reisbeſchreibung in PerſienDer ütek Das erſte mal als ich in Geſellſchaft eklicher Armenier von Iſpahan kommend/ zu St. mit ſeiner fendt Steffan war/ kamen zwey Biſchoffe amt empfangen. vielen München/ uns zu empfahen/ und fuͤhrten uns in einen groſſen Saal/ da wir wol kractiert wurden. Der Wein ware koſtlich/ und mangelte auch ſonſten nach Gelegenheit des Lands nichts. Die Gewonheit under den Armenien iſt/ den geladenen Gaſten kurtz vor der Malzeit einen groſſen Becher mit Bran„ de ken Wein, ſamt allerlehaktung Zuckerwerek nien ihre und eingemachte Pommerantzen und Citro⸗ H Hie en nen⸗Schalen/ in Loder 8, Porcelan⸗SchuſChina bringt/ anzubieten. Das iſt eine kleine Vorbereitung den Appetit zu erwecken; die Armenier/ auch ſelbſten die Weiber/ pflegen gantze Schalen voll Branten⸗Wein außzulaͤhren. Nach der Malzeit gieng man in die Kirch/ da etliche Lobgeſang geſungen wurden/ und bey der Widerkunft waren in dem Saal Madratzen genug ſich zulegen. In gantz Aſien ſeynd keine andere Beth/ zu Nachts werden die Madratzen auf Teppich gelegt/ und den Tag wiederum aufgehoben/ wir ſahen denſelben Abend den Ertz⸗Biſchoff nur allein in der Kir ch. Um Mitternacht wurden alle Glocken geleutet/ und jeder man ſtund auf in die Kirchen zu gehen. Ich vermeine ſolches ſeye wegen der Faſtnacht/ früher/ als gewohnlich beſchehen/ dann der gantze Gottesdienſt war mit anbrecchendem Tag vollendet. Zwiſchen d. und o. Uhr gienge man zur Tafel/ und zuvor ſahen wir viel Bauren auß umligenden Orten mit Wein/ Früchten und Speiſen/ ſo ſie demErtz⸗Biſehof den mit uns ſpeiſete/ verehren wolten/ ankomen. Wir waren nicht lang an der Tafel/ da Bottſchaft kane/ daß ein Biſchoff zu Zulta, in ſeiner Wiederkehr nach den drey Kirchen/ von dannen er von dem Patriarchen umeinige Gefaͤlle auf etlichen e d ibſtetden ſchicket worden/ geſtorben ware. Ertzches und Biſchoff ſtunde aſobald ſarnt ſeinen Leuten Pane Es von der Tafel auf/ und ſie thaten ſämtlich e das Gebaͤtt fuͤr den Abgeſtorbenen/ wie ſolgrubunt. ches beſchehen/ befahle der Ertz⸗Biſchof zweyen Biſchoffen und ſechs Munchen/ den Leichnam abzuholen/ und in das Kloſter zubringen/ ſie begaben ſich von Stund an auf den Weg/ aber kamen nicht weit/ weil underwegs jhnen Leute/ welche den deichnam trugen/ begegnet/ und alſo kehreten ſie wiederum nach dem Kloſter/ bey welchem ſie bald nach Mitternacht. einen Fluß/ der in den Aras ch c Ida. . bald in der Kirchen auf ein Teppich/ ſo auß dem Boden auß gebreitet worden/ das Angeſicht gegen dem Altar kehrend/ gelegt. Man zündete zugleich viel Kertzen an/ und die uͤbrige Zeit der Nacht/ löſeten zween Munchen einandern ab/ um das Gebatt bey dem Todten zu verrichten. Als der Tag vorhanden/ wurde von dem Ertz⸗Biſchoff/ den Biſchof meiner letſten Reiſe lagerten/ iſt ein Brun⸗ Ein W fen und allen Geistlichen/ die Seel⸗Meſſe nen von lauem Waſſer/ welcher/ wann man der Brun, oder Amt für die Todten verzichtet/ welches bey einer Stund lang waͤhbeke/ und naeh Endung ſer Brucke iſt es/ da der Zoll⸗Verwalter von der Meß/ trug man den Leichnam biß zu dem Altar/ ſo nahe/ daß die Fuſſe daran rühreten. Demnach wurd das Port⸗Tuch/ damit ſein Haubt bedeckt/ aufgehoben/ und als das heilige Oel herbey gebracht worden/ ward der Leichnam von dem Ertz⸗Biſchoff an 6. Orten/ jedesmal gewiſſe Gebgtt verrichtend/ geſalbet/ und als ſolches beſchehen/ das Haubt wiederum bedeckt/ darguf wurde eine halbe Stund lang gebaͤttet. Wie dieſe erſte Ceremony vorüber/ gienge man mit Creutz und Fahnen auß der Kirchen/ ein jeder mit einer Fackel in der and. Als der Leichnam voruͤber getragen wurde/ ſteckte ein Biſchoff in deſſen rechte Hand ein Pappier/ darauf dieſe Wort geſchrieben ſtunden: Ich komme vom Vatter/ und gehe wieder zum Vatter. Darnach ward er zum Grab/ welches auf einem kleinen Berg nahe dem Kloſter/ vorgetragen/ und wie der Leichnam an das Grab geſtellet/ baͤtteten ſie nochmals eine Viertel⸗Stund lang. Underdeſſen ſtiege ein Biſchoff in das Grab/ thate alle Stein/ die ſich darinn funden/ hinweg/ und machte den Plat eben/ darauf lieſſe man den Leichnam/ in ein groſſes Beth⸗Tuch eingewickelt/ hinab/ und der Biſchoff richtete ſolchen/ nach jhrer Gewonheit/ zurecht/ den Kopf ein wenig hochllegend/ und das Angeſicht gegen Aufgang kehrend. Auf dieſes nahme der ErtzBiſchoff/ und alle die zugegen waren/ jeder ein Hand voll Erden/ ſo der Ertz⸗Biſchoff weyhete/ und uͤberlieferte dieſelbe dem Biſchof/ welcher ſolche über den geichnam ſtrauete.Endlichen/ da der Biſchoff wiederum auß dem Grab geſtiegen/ wurde daſſelbe mit Erden let/ und wir kehreten wieder in das KloN t zu vollenden. Meil⸗Wegs/ biß zum Fluß Aras, dene man faſt beſtandig biß nach Zulla auf der Seiten hat/ und allda wiederum in den Weg kommt. Wer begehrt/ kan ein anderen/ um eine Meil kürtzeren Weg/ und den ich etliche mal gereiſet/ gerad uͤber den Berg nehmen/ durch welchen Weg man an den Fluß Aras nur eine halbe Meil weit von Zulta komt. Aber der Weg iſt uͤberauß muͤheſam/ und an vielen Orten ſehr boͤß/ deßwegen der andere gemeiner/ und mehr Neha ip: Wir mmiſſen nun wiederum uns auf Naksivan wenden/ um an die Landſtraß zu kommen/ von deren ich abgewichen/ alle dieſe Armeniſche Kloͤſter zu beſehen. Ein halbe Meil von Nakſivan findet man bogen/ obſchon gemeiniglich derſelbe wenig Waſſer hat/ gebauet. Aber wann der Schnee ſchmeltzet/ oder ſtarck regnet/ waͤchſet dieſer Fluß alſobald/ daß es nicht moglich ware dadurch zu watten. In einer Wieſen/ wann man von der Brucke komt/ allda wir uns in davon trincket/ Oeffnung machet. Bey dieNakſivan den Zoll einnimt/ wañ die Caravana nicht * Steffan gehet man hinab eine ———— Erſtes Buch. 1 nicht in der Stadt einkehret. Man zaßlet meiner letſten Reiſe nach Iſpahan zu Pferd von der Ladung eines Kaineels zehen Abalsis, ſo auf neun Francken unſerer Wahrung kommen/ und diß iſt für die Straſſen zu bewahren. Dergleichen Zoll mehr oder weniger werden in underſchiedlichen Orken in Perſten bezahlt/ und die Waaren bleiben unbeſichtiget. Die Guberngtor oder Statthalter ſprechen ein jeder in ſeinem Gebieth gut dafl/ 2 im Fall welches fr l e we e gantz Perſten ſehr ſicher/ und weme nicht beliebet/ mag guſſerhalb der Caravanen reiſen. „Von dieſer Brucken/ nahe bey Nakſivan, iſt biß nach Zulfa nur eine Tagreiſe/ und weil dieſe Stadt vaſt ganz zerſtoͤret/ lageren die die Waqren geraubet werden ſolten/ gereiſet. Wir lieſſen die Caravane, welche der Landſtraß folget/ und niemalen keinen anderen Weg nimmt/ weilen derſelbe/ wiewolen nicht langer/ aber voll Felſen und Steine/ ſo den Kamnelen die Fuſſe verderben/ hindern uns. Mir ware lieb ein neues Land zu ſehen/ und kill ſoches/ ehe ich der Landſtraß folge/ kürtzlich beſchreiben Von dem Bach/ allda wir die Caravane verlieſſen ware unſer Nacht⸗ Jager in einem Dorff nur ein und ein halbe Meil weit. Den folgenden Tag/ nachdem wir den Fluß Aras fünff oder ſechs Stund auf der Dos etedtSeite ritten/ kamen wir nach Aſtabar, ſo ein len Altabut. Meil von dem Fluß/ und blieben daſelbſten bey zween Tagen uns luſtig zu machen. Es Caravanen gewohnlich 700. Schritt weit heꝛwarts am Geſtad des Fluſſes. N 5. zußene ulla das alte Vatterland der Armenier/ alte Stadt. welche Cha-Abas in Perſienentfüͤhret ͤiſt zwi1000 zweyen Bergen/ an einem engen Ort erbauet/ dadurch der Fluß Aras ſeinen Lauff nimt/ und wenig Land beyderſeits übrig laſſet. Er wird erſt zwo Meil Wegs ungefehr underhalb beſchiffet(dann oberhalb kan derſelbe nicht wol anders als Floſſe tragen) und weil das Land ſich eindringet/ und in eine Ebne gußbreitet/ ſeynd keine Felſen mehr zu befoͤrchken/ und iſt der Fluß ſtiller. Es ware daruber eine ſchoͤne ſteinerne Brucken/ welche Cha- ö f Abas abbrec en laſſen/ und die Ae F Farb/ obſchon von dieſer Wurtzel ſehr lange wurde zerſtoret damit den Tur en nichts Stuck auß der Erden gezogen werden/ ſchneiübrig bleiben moge. Weder an den üͤberge⸗ det man doc von ſolchem Stuck nur einer bliebenen Gebaͤuen/ noch bey jhrer Gelegen⸗ Hand lang ergb/ Buͤndlein davon zu maheit/ kan man abnehmen/ daß ſolches jemalen chen welche für die Sack/ n denen dieſe Waar eine ſchone Stadt geweſen/ die Steine wa⸗ verſchickt wird/ bequem ſeyn. Es iſt ſich zu zen grob/ ohne Kütt zuſamengefüget/ und vertvunderen/ daß gante Carayanen mit diedie Gebau gleicheten mehr den Holen als den ſt gleicheten den ſer Ronas- Wurtzel beladen und die in InHauſern. Die Seiten Nord⸗Weſts ware dien mit zuruckfahrenden Schiffen verſandt an dem meiſten bewohnet/ und auf der andewerden zu Omas ankommen. Dieſe Wurtzel ren Seiten faſt niemand. Weil das Land ee und geſchwinde Farb von ſich. um Sue ſehr fruchtbar end etliche Arme⸗ Ass ein Indianiſches Schiff mit dieſer Wupzel niſche Geſchlechter wiederum dahin kommen/ beladen/ guß Unvorſichtigkeit auf der Rhede welche geruͤhig leben. Nachdem Cogia Na- Ormus, allda ich damals geweſen/ zerſcheiteꝛte/ zar, einer der vornehmſten Armenier/ wel⸗ ware das Meer nach langs dem Geſtad/ da die cher von Zulfa weggezogen/ durch die Hand⸗ Sacke ſchwimeten/ etliche Tag lang gantz roth. lung groſſer Reichkhum/ und bey Cha Abas 18 2 ö bs Als wir von Aſtabat abreißten/ muſten guch Che sen, feinem Nathkommenen“ der wir um Stroh und Gerſten für unſere ihne Kelonter, das iſt/ ein Haubt und ichö ee ee e denter der Armeniſchen Nation ernennet/ groſſen ſelben Tag keines zu bekommen/ Vorſehung Credit erworben/ har derſelbe ſeinem Vatterland zu gefallen/ zwo groſſe Carvanſeras, die thun. Der Weg gehet von dar anfangend e 1 as die eine gantze Stund 1 abwerts biß zu dem den beyderſeits des Fluſſes geſehen wer⸗ 8 üb den/ erbauen laſſen/ und über hundert kauſend Kronen angewendet/ es ſeynd glich zpeh ſchoͤne Gebaube/ ſie ſeynd aber wegen ſeines Fluß Kras, über welchen man im Schiff kähret und die übrige Zeit des Tags reiſet 890 erfolgten Tods nicht allerdings gußgeVV Eine halbe Meil diſſeit Tulfa, ehe man man ztviſchen Bergen VBachen und Steinen/ wir 7 0 denſelben Abend bey einem Abaſprbachlein. Den folgenden Tag ö nach einer Reiſe von zwo oder drey Stun⸗ 8 den/ gieng unſer Weg durch einen Thal/ über ein Bach der inden Aras laufft/ konnt/ über einen hohen Berg, auf welchem drey ſeynd zween Weg nach Taurjs zu 8 5 Der eine auf der rechten Seiten gegen SudOſt/ welches der gewohnliche Teg iſt/ der andere auf der Lmcken gegen Nord⸗Oſt/x welchen ich mit acht oder zehen Perſonen in iſt zwar nur eine kleine Stadt/ aber ſehr ſchon/ und mit vier Caravanſeren verſehen/ es hat auch ein jedes Hauß einen Brunnen. Der Uberffuß des Waſſers macht das Land trefflich gut/ und inſonderheit wachſt allda herelicher Wein. Es iſt das einige Land in der Welt/ ſo den Ronas, der in Perſten und Indien grosen Abgang hat/ herfürbringt. Ronas iſt eine Wurtzel/ welche in der Erden laufft/ und wachſt gleich wie das Süß⸗Holtz/ iſt auch nicht viel groſſer. Dienet zum rothfaͤr ben/ und gibt allen denen auß des Groſſen Mogols Reich kommenden Leinwad⸗ Tüchern/ dieſe Ronas as es ſey. 5 oder bier schlechte Haußlein/ da wir ubernachteten/ gebauet ſtunden. Den anderen Tag/ welches der funffte/ nach dem wir die Satavanen verlaſſen/ reiſeten wir bey drey Stunden abwerts/ biß in ein groß Dorff in 5 5 1729 einer * 258 eimer ſchoͤnen und angenehmen Gegend geleden/ und allda treffliche gute Fruͤchte angetroffen werden. Wir ruheten daſelbſten ein oder zwo Stund/ und von dar kamen wir zu einer groſſen ſteinernen Brucken/ über einen Fluß/ ba auſſer dem Regenwerter wenig Waſſer zu finden. Dieſer Fluß ergeußt ſich in den See Roumi, darvon ein mehrers drunden gemeldt werden ſolle/ und das WaſEin viertel Meil diſſeit der Brucke/ ſeynd drey lauge in die Erde/ gleich wie Saule geſetzte Steine. Das Land⸗Volck gibt vor/ daß ſolche dahin/ als den Ort/ an welchem Da Der Ort Dos rius des Hyltaſpes Sohn/ auf Angebung 55 Ehn ſeines Stallknechts/ wie die Geſchicht melzum König det/ zun Konig in Perſien erwehlet/ zum . Gedenck⸗ Zeichen an dieſen Ort geſetzt worden; und von dannen biß nach Tautis iſt wenig mehr uber eine halbe Meil. e Die Berge in NMeden, welche wir durchreiſeten/ und die Berge/ ſo gegen Aufgang an die alten Parther reichen/ ſeynd die allerfrucht barſten in gantz Peyſten bringen Koꝛn uñ Feuchten in Überfluß; Jumaſſen die ſchonen ebn Helder oben auf den Bergen/ gantz mit Koꝛm angeſaet ſeynd/ und groſſen Nutzen geben. Die Quellen/ die ſich da befinden/ und die fruehtbaren Regen machen alle Dinge viel beſſer und wolgeſchmackter/ als in anderen Landſchaften in Perſten/ da es an Waſſer manglet. elches Urſach/ daß es an ſelbigen Orten Wit haben die Caravane eine halbe Meiſe von Zulfa verlaſſen/ und dahin müſſen wir wieder umkehren/ um die Landſtraß zu Alls die Caravane über den Bach/ da wir ſelbige verlaſſen/ ware/ lagerte ſie ſich am 25 Geſtad des F iuſſes Aras, ſo ſie den folgenden s Dag zu Schiff Uberfuhre/ kame nicht in Zulta hinein/ wie wol ſie nahe waren/ weil jenſeit der Stadt zwo oder dreh Meilen ein ſehr 8 raucher und nieht viel gebrauchlieher Weg/ 15 da man nochtwendtg aul und abe und recht zu melden es kein ordenlicher Ideg zu nennen iſt. Derdwegen lafſet man Tulta zur nehmen) welches doch wenig uin iſt. Narh einet Fweyſtindigen Oreife gehet der Weg ei nein Dorff sugiac geneimet/ vorben/ hernach komt man in den Wald/ welcher mit hohen Feen umgeben. In dieſer elſten Tagreiſe wird kein ander Mafſer als bey einem Brunnlein gefunden weiches aber alſo ſchlecht/ daß auch das Dieb karin davon teineken wit Den folgenden Tag konnt man durch ein eben/ aber wüſt und odes Laih/ dg ein groſſes Carvanſera 900 den/ aber nieht befucht wird/ obschon e e de geben6v5i1i!!ß!! den Steinen die weit hergebracht werden müßen/ düftrbauet iſt. Von apnen alt man das Nacht- Lager zu Watentse fegen Der On der Begräbnis des Weibes Noah beruh5 2 NRMeisbeſchreibung in Perſten met. Dieſer Ort iſt nicht groß/ und vielmehr 1 einem Gebuſch/ als einer Stadt gleich; aber Wel 185 ſonſten an einem ſehr angenehmen Ort/ in ben worden. Mitten einer fruchtbaren Ebne/ die mit dolckreichen Doͤrffern beſetzt iſt/ gele en. Diß ebene fruchtbare Land erſtrecket ſich allein eine Meil Wegs weit um Marante, auſſert deme iſt vaſt alles Wüſteney. Jedoch nicht allerdingen wuſt/ weil ſolches durch und durch ſer beſſelben iſt ſo ſcharff und ſo boſen Ge⸗ eine Heyde unſerem Sand⸗Boden zu Bourſchmacks/ daß niemand dar von trincken kan. deaux gleich/ und demnach die Nahrung fuͤr die Kammel/ ſo allda zu den Caravanen zu gebrauchen/ erzogen werden/ herfürbringet. Deßwegen eine ſo groſſe Anzahl KameelTreiber zu Sugiac und Marante ſich befinden/ und welche Vermog der Ordnung/ ſo under dieſem Volck iſt/ einen Theil der Kameelen zu dieſem Weg verſchaffen. 1 Marante werden 13. Abalsis, ſo ohngefehr vier Kronen ſeynd/ von einem beladenen Kameel bezahlt/ und diß iſt/ wie droben gemeldt/ ein Zoll/ ſo zu Bewahrung der Straſſen aufJJJJJVVVVVVVV Von Narante komt man den dritten Tag eine Meil von Sophiana, in ein Sandboden/ da das Safer nichts Nutz iſt/ nachdem man ein vertiſchtes und zimlich oͤdes Land/ da allein ein ſchoͤne Cara vanſera, in einem Thal gefunden wird/ durchreiſet hat. Sophians Die Send iſt eine zimlich groſſe Stgdt/ welche zu ſehen blies. nicht moglich iſt/ es ſeye dann/ daß man da⸗ g rin ſey/ die Urſach ſeynd die viele Baumen die in den Gaſſen und um den Ort ſtehen/ alſo daß ſolche mehr das Anſehen eines Waldes/ als einer Stadt hat. Dien folgenden Tag welches der zehende gemeiner Tagreiſen von Erivan auß/ nachde. me wir groſſe/ ebene/ ſchoͤne und fruchtbare Felder durchreiſet/ komt die Caravane nach Tautis. Dieſe ebenen Felder ſeynd nit vie kleinen Bachen die von der Meder Bergen auf der Nord⸗ Seiten herkommen/ begoſſen; aber das Waſſer iſt nicht in allem gut/ ſondern theils kan nicht getruncken werden. Auf halbem Weg von Upahan und Tauris, 05 Hügel/ von deme man dieſe ſchoͤne ebene Felder beſchauen kan/ und daſelbſten hatte des Sultans Amurat Kriegs⸗Heer/ da ex Tauris belagerte„ein Feld⸗ Lager. Als Cha- Seh, Konig in Perſſen Bortſchaft bekame/ daß er dieſelbe in die Aſchen gelegt/ und ferner wit mehr als hundert kauſend Mann in das Land hinein zoge fegte er ohne einge Be ſdegung/ man muſte hne nur annghern laßt Einfall der Türcken ſſch zu rachen vuſte. Sie wark allein noch ungefehr y. Tagreis weit von den Ede Denen g F e el in el don, Ker nen und hinden alle Waſſer/ ſo allein auß den elendiglich Quellen kommen/ und durch Canal in den inneren Theil Perſien/ da keine Fluſſe ſeynd/ geleitet werden fenen; und alſo gieuge das Türckiſche Heer guß Mangel Waſſerd, in einem tveſſen und dürren Land/ in welche daſſelbe unvorſſcheiglieh ſich eingelaſſen harte in wenig Tagen zu Grund. 5 Tauris — Beſchreibg der Stadt Tauris. r Tauris ligt in dem dz. Grad 20. Minuten der Lange/ und im 40. Grad ij. Minuten der Breite/ in einem offenen ebenen Land/ da keine Baume geſehen werden/ und allein gegen Nidergaug mit Bergen umgeben/ deren der entfernteſte nur eine Meile weit von der Stadt/ und einer der dieſelbe gegen Norden bey nahe Tauris wird den. Ur das alte Eebatana gehalten. kaiĩe genant/ hat drey berühret/ iſt allein durch den Fluß abgeſondert. Das Land iſt an Korn gut und fruchtbar/ die Kraͤuter ſeynd koſtlich/ und wird ein Uberffuß aller Art Gemüſſe daſelbſten gefunMan halt dafur/ Tauris ſeye die alte Ecbatana, die Saubt⸗Stadt des Reichs der Meden/ es iſt noch heut zu Tag eine groſſe und volckreiche Stadt/ hat einen groſſen Zulauff auß der Türckey/ Moſeau/ Indien und Perſten. Es befinden ſich daſelbſten eine ſehr groſſe Anzahl Kaufteute/ und allerley Gattung Waaren/ inſonderheit Seiden ſo auß der Landſchafft Guilan, und anderen Orten dahin gebracht werden. Mit Pferden/ die trefſich gut und in billichem Preis/ wird da ein groſſer Handel getrieben. Der Wein/ Brantenwein/ und ins gemein alle Lebensmittel/ ſeynd nicht theur/ Gelt ſiehet man mehr als an anderen Orten in Aſten. Viel Armeniſche Geſchlechte, die dorthin ſich geſetzet/ haben groſſes Gut/ mit dem Gewerb/ den ſie beſſer als die Perſianer verſtehen/ erworben. 5 Ein kleiner Fluß/ deſſen Waſſer zimlich gut/ laufft mirtendurch Tauris wird Schein rucken/ jede allein mit einem Schwibogen. Dieſes Waſſer eigendlich zu melden iſt nur ein kleiner Bach/ der zwar zuweilen ſehr ungeſtum/ und wann er waͤchßt/ ein Theil der Stadt überſchwemet. Drunden wil ich von einem zimlich groſſen Fluß/ welcher nur eine halbe Stund Wegs davon abgelegen/ Meldung thun.. Der mehrere Theil der Gebauen zu Tauris q ſeynd von Ziegelſteinen an der Sonnen gebachen/ aufgeführt/ und die Hauſer faſt ins geſamt ein oder hochſt zwey Stockwerck hoch. Das Dach iſt eben/ und ſeynd die Hauſer inwendig gewolbt/ und mit ſamt wol gehacktem Stroh vermiſchter Erde/ ſo hernach mit Kalck weiß gemacht wird/ uͤberſtrichen. Anno 1638. wurde die Stadt von Sultan Amurat dem Turckiſchen Keyſer/ wie droben gemeldt/ bey nahe gantz zerſtoret: aber nun iſt dieſelbe bis auf weniges/ gantz wiedrum auferhauet/ und auch mit wolgebauten Gewolbern für die Waaren/ und viel bequemen/ theils doppelten Stockwerck aufgerichteten Sarvanſeras verſehen. Das ſchoͤnſte iſt des MirzaSadé, Auffeher der Landſchafft/ welcher ſolches feith kurtzem mit einem Marckt⸗Plaß gleich dabey auferbauen/ und eine Molquée oder Kirchen auch Collegium, neben Stifftung gutem Einkommens/ hinzuſetzen laſen. Die ſtareke Handlung zu Tauris, machte dieſe Stadt durch gantz Aſien berühmt/ weil ſie mit den Tuͤrcken/ Arabern/ Georgianern/ Mengrelinen/ Perſianern/ Indianern /Moſeowitern und Tartarn groſſe Handlung füͤhret. Die Bazars oder KauffGervoͤlber/ welche beGroſſe und 23 deckt/ ſeynd jederzeit von ehr koſtlichen Waaren woll/ und für die Handwercksleut andere erbauet. Der mehrertheil ſeynd Schmid/ deren die einen Sagen/ andere Aerte/ und wiederum andere Feilen und Stahel Feur zu ſchlagen um den Taback anzuzunden/ zu bereiten. Es ſeynd auch etliche die Mahlſchloſſer machen; dann auſſert dieſen haben die Orientaliſchen Volcker allein hölzerne Schloſſer. * Es werden daſelbſten Drechsler gefunden/ Vialeit der welche alle herum ligende Ort mit Spinnrc⸗ Handwerker dern und Wiegen verſehen/ und etliche Gold⸗ u aur ſchmiede/ welche wenig andere Arbeit/ als ſchlechte ſilberne Ringe machen. Aber mit groſſer Anzahl Seiden⸗Arbeiter/ die geſchickt/ und zierlich⸗ſchoͤnen Zeug machen/ iſt die Stadt beſetzt/ und ſeynd dieſer mehr als all anderer Handwercksleute. Zu Tauris wird der mehrere Theil der ſo genanten Chagrain· Hauten/ ſo in Perſten in groſſer Anzahl/ ſintemalen/ auß genommen die Bauren/ niemand der nicht Stieffel und Schuh von a e habe/ verbraucht werden/ zubereitet: qute ſeynd von Roß⸗Eſel⸗ oder Maulthier⸗ Leder/ aber nur von dem hindern Theil/ und was von Eſels⸗Haut gemacht/ iſt am meiſten gekoͤrnet. Zu Tauris werden viel uberbliebene Stuck Alte dez von ſchoͤnen Gebauen/ um den groſſen Platz und in der Nahe geſehen/ und laſſet man vier ieſe Haute quien zu Tauris, oder fuͤnff ſchoͤne Moſqueen ungewohnlicher 0 Hohe/ zu grund gehen. Die ſchöneſte under allen die zu Tauris, iſt die jenige/ welche bey dem Außgang der Stadt auf dem Weg nach Iſpahan ſtehet. Die Perſianer verlaſſen dieselbe/ als eine Moſqusen der Ketzer/ welche ſte/ weil ſie von den Sounnis der Set Omars, erhauet worden/ fur unrein halten. Es iſt ein groſſes herꝛliches Gebau/ der Vordertheil von 50. Schritten/ mit 8. Treppen von dem Boden erhoͤhet; auſſen mit gefunißten gebachenen Steinen under ſchiedlicher Farben aufgeführet/ und inwendig mit ſchonem Blumwerck/ Gemaͤhlden/ und unzahlbaren Ziffern und Arabiſchen Schrifſten von Gold und blauer Farb gezieret. Auf beyden Seiten vornen/ ſtehen zween Minarets oder ſehr hohe Thürne/ aber nicht groß/ jedoch iſt eine Stiege darein gemacht worden. Sie ſeynd auch von gebachenen und gefrnißten Steinen aufgeführt/ und diß iſt die Zierde/ welche dem groͤſten Theil der ſchoͤnen Gebauen in Perſien/ gegeben wird/ jeder dieſer Thurnen hat auf dem Gipfel einen Knopf/ auf die Manier eines Perſtaniſchen Bunds oder Kappe gußgehauen. Der Moſqusen y W Schuh breit und in ein groſſen weſſſen durchſcheinenden Stein pierund zwanzig Schuß hoch und wolff breit/ welches an dieſeln Vordertheil einentrefichen Schein hat/ eingehauen. Von dem Vorhof dieſer Molgucen gehet man in den groſſen Thum/ weſcher 36, Schritt im Diameter hat/ er ſtehet auf wolff Seulen inhürnen hat auf mchtige Moſqusen; und 16. anderen e de iel ſeynd ſechr hoch und e. Schuh in die Vicktung. Unden iſt ein Se e beam neh denen Pforten/ daß man von We anderen kommen kan/ der Fuß eder Seule des Schranckeng/ ſo von weiſſem Marmor iſt/ hat kleine Locher dem Boden der Moſquẽen gleich/ in welche man die Schuh/ ſo man inn hineingehen qußziehet/ zu legen pfegt. Dieſer Thum iſt inwendig von vielen gefarbten/ geblumten mit Ziffern/ Schriften/ auch anderem Blumwerck von hoch erhabener Arbeit gezierten Ziegeln überdeckt/ und ſo wol gemahlt/ verguld und kuͤnſtlich geordnet/ daß es ſcheinet/ ob ware alles nur von einem Stuck/ und rechter Schnitzel⸗Arbeit gemacht. Auß dieſem Thum gehet man in einen anderen/ zwar kleinern/ aber zierlichern. Am End deffelben iſt ein groſſer Stein/ der Art wie der jenige an dem vordern Theil des Gebaͤus/ weiß und durchſcheinend und auf Manier einer Pforten/ die man nicht offnet/ gehauen. Dieſer Thum hat keine Seulen/ hat S. Schuh in der Hohe/ und beſtehet gantz von weiſſem Marmor/ von ungewohnlicher Lange und Breite/ gie gantze Schale iſt von violbraunem Schmelgwerck/ darauf allerlen lache Blumen gemahlt. Aber das auſſere der zwenen Thum/ iſt mit gefirnißten und hocherhabenen geblumten gebachenen Steinen bedeckt; auf dem erſten weiſſe in grünem Feld/ und auf dem anderen weiſſe Sterne in ſchwartzem Feld/ und dieſe underſchiedliche Farben komen lieblich ins Geſicht. Bey der Pforte/ durch welche man von dem groſſen Thum in den andern gehet/ wird quf der lincken Seite ein Nußbaumner Seſſel/ der ſchlecht gemacht/ geſehen/ und an der Maur gelehnet/ mit 6. Treppen erhoͤhet/ und ohnbedeckt iſt. Zur Rechten iſt ein anderer Seſſel von gleichem Holtz/ aber von zimlich ſchoͤner Arbeit/ mit einem kleinen Himmel und gleichem Holtz bedeckt/ auch an die Maur gelehnek. Darum ein kleiner Sehrancken/ zu demſelben gehet man 4. Treppen hinauf. Gegen Mittag der Mo ſquẽe, ſeynd zween groſſe weiſſe und durchſichtige Steine/ welche von Sunderichs der Sonnen, wann dieſelbe darauf ſcheinet/ Steine. roht farbig ſcheinen/ und auch bald hernach/ wann die Sonne undergangen/ kan man von dem Widerſchein burch den Stein leſen. Dieſer Gattung Stein iſt ein Alabaſter Art/ und 1 wird in der Nahe bey Tauris gefunden/ wie drunden vermeldet werden ſolleGegen uber der Molqueen aufder andern Seiten der Straſſen/ ſtehet ein Vorderteil eines groſſen Gebaus/ welches allein/ nachdeme man alles andere zu grund gehen laſſen/ uber geblieben. Es war die Wohnung des SchecIman oder de n gerſngſten/ die noch underhalten werherum/ iſt eine ſchoͤne Moſquèen, ein Colle: Siam und ein Schloß„o gang zu grund geben ud alſo werden dieſe Gebaue berlaſſen/ weilen ſelbe den ounnis des Omars Ketzern gediener. Jimlich nahe bey diesem Plagz iſteine Arxmeniſche zerſtorte Kirche dahin ihrer Aiſſage nach/ St. Helena ein Stück von dem . e Es hatte daſelbBader/ ſo auch zerſtoͤret bis auf etAuf dem groſſen Plat zu Tauris/ und da Reisbeſchreibung in perſien⸗ 5 wahren Creutz Chriſti geſchickt haben olle Es wird noch eine NMoſqusen geſehen/ welche vor dieſem St. Johann dem Tauffer geweyhet geweſen/ und wird geglaubet/ daß eine ſeiner Hande aldg lange Zeit aufbehalten worDie Capueiner haben zu Tauris ein zimlich bequemes Haus/ Mirza- Ibrahim, dißmalen Stadthalter in der Landſchafft/ und deſſen Anſehen dem Kan von Tauris, welcher die vornehmſte Verwaltung in Perſien hat/ gleich gehalten wird/ hat meiſtens zu jhrer Einkichtung geholffen/ und jederzeit dieſelben beſchützet. Dieſer Intendant oder Statthalhalter/ iſt bey Hof hoch gehalten/ und hat ſich bey dem König durch ſeinen ohnverdroffenen Fleiß/ und ſonderbare Klugheit/ ſeine Einkunfften zu vermehren/ indem er zu dem Ende einige Griffe erdacht/ dergleichen keinem der jenigen/ welche in dieſem Ait yhme vorgangen/ zu Sinne kommen/ ſehr beliebt gemacht. Derſelbige iſt aler ſchoͤnen Wiſſenſchafften und Künſten/ ſo bey den Orientaliſchen Volckern ungemein/ begierig; er hatte groſſen Luſt/ in oftmalen mit Pater Gabriel de Chinon, des Capuciner⸗Kloſters zu Tauris Guardian; gehaltene Gesprach 55 die Mathematie und Philoſophey ſonderlich ſich zu befteiſſen. Aber die Begierde/ welche dieſer Mirza-Ibrallim gehabt/ auch ſeine beyde Sohne/ dio jhnen P. Guardians Lehr zu nutz gemacht/ indeine er ſie underrichten laſſen/ iſt die furnehmſte Urſach welche jhne bewegt/ den Capucinern ſo viell utes zu erzeigen. E hat denſelben einen Platz ein auß zu hauen erkauft/ und gutwillig einen Theil an den Unkoſten bezahlt. 5 Auf dem Meican oder groſſen Platz der. gang der Sonnen/ bey einer halben Stund lang/ eine ſchroͤckliche Zuſamenſtinnmung von Trompeten und Trummeln; ſie halten ſich einer ſeiths des Platzes/ auf einem Gang von dem Boden erhoben/ und dergleichen beſchicht in allen Stadten in Perſien/ da Gubernatores oder Statthalter beſtellet ſeynd. Wann man von Tauris gußreiſet/ it gegen Norden ein Berg der gantz nahe/ und allein der Fluß dazwiſchen liget. Er wird EinaliZeinali genent/ und vor dieſem ware eine ſchone Armenische Einſidlerey darauf/ welche von den Mahometanern in eine Molqucen verendert worden. Unden an dem Berg iſt eine Veſtung und eine andere Motgusen, ſo man Mitza. Ibrabim ein kluger Here und groſſer Freund der Capueiner. Stadt/ hort man taglich bey Auf⸗ und NderDer Berg Einali-Zeinalli. zu grund gehen laſſet/ weil ſolehe von den Turcken erbauet wordeu. Ein gleiches iſt mit einem Kloſter ſo ein wenig weiter an einem Abgrund gelegen/ und nahe dabey ſeynd zwo Holen darimaetliche Begrabnuſſen und marmorſteiterne Seulen auf der Erden ligend/ geſehen werden. In der Molqucen ſeynd auch etliche Graber der alten Meder Komge; und das ſenige was davon ubrigiſt/ gibt genugſam zu erkennen/ daß ſolches zierlich ſchone Gebaude geweſen. ö. g Swiſchen Tauris und Iſpahan/ ungefhr eine halbe Meil von den etſten Garten der Stadt 8 8 —ꝛꝛ————̃ ͤ——————— Stadt/ zwiſchen vielen Gipffen der Bergen/ die zur Rechten gelaſſen werden/ iſt auf dem hochſten da niemalen Waſſer geweſen/ und dahin ſolches zu leiten unmuiglich ware/ ene Brucke o. Schritt lang/ deren Schwihe gen ſehr ſchoͤn/ aber das Gebau gehet nach und nach zu grund. Ein Mollah hat dieſe Bruck erbauen llaſſen/ von deſſen Vorhaben niemand urtheilen oder etwas muhtmaſſen konnen/ und auf ö ö ſehen nicht nach Lauris kommen/ weil kein anderer Weg und zur Rechten und Lincken Waſſer und Abgründe ſeynd. Seithero hat 1 man auß feiner eigenen Bekantnuß vernomman/ daß nur eitele Einbildung dieſes Werck zu underfangen/ ihne verleitet/ indeme er ge1 wuſt/ daß Cha-Abas der I. diß Namens/ nach 8 Tauris kommen ſolte. Der Konig kame uch wenig Zeit hernach wurcklich dahin/ und als de e er auf dieſem Berg eine Brucke geſehen welche . gantz unnliz/ fragte derſelbe wer ſolche/ und zu was Ende man dieſelbe machen laͤſſen. Darauf der Mollah, der dem Koͤnig entgegen kommae ſich befande/ geantwortet: Herꝛ König/ dieſe Bruck hab ich zu keinem anderen Ende bauen laſſen/ als daß/ wann Ihr Majeſt. nacher Tauris kommen mochte/ ſie dem jenigen/ Der dieſes Wercks Urheber/ nachforſchen moͤchten. Worauß zu ſchlieſſen daß der Mallah kein ander Abſehen und Begierd hatte/ als dem Konig Anleitung zu geben von ihme zu reden. Eine Meil von Tauris, im Nidergang der Sonnen/ wird in der Mitten des Feldes/ ein groſſer von gebachenen Ziegelſteinen erbauter Ser Thurm Kanbaaun genent geſchen. Er hat ungefähr 50. Schritt im Diameter/ und ob a 3 zerſtoͤret/ iſt er doch noch ſehr hoch. Es ſchemet ob ware es der Thurn eines Schloſſes geweſen/ und 7 75 noch hohe Mauren darum/ welche/ ob ſie zwar nur von Waſen gemacht/ ſed och ſehr alt ſcheinen. Man kan für gewiß nicht wiſſen/ wer dieſen Thurn bauen laſſen; aber die uber der Pforten ſtehende Arabiſche Schrifft/ gibt zu urtheilen/ daß es ein Mahometaniſch Werck ſeyn muſſe. Anno 1651. ware zu Tauris und unligenden Orten/ ein groſſes Erdbeben/ davon viel Hauſer nidergeworſfen worden/ dieſer Thurn ſpaltete damalen von oben bis unden entzwey/ und fiel ein Theil eyn/ ſo das inwendige außgefüllet. lauffet/ fieſſet noch ein gröͤfſerer eine halbe Meii le von der Stadt/ über dene an demſelben Ort 5 ein zimlich ſchone ſteinerne Brücke gebguet iſt. 7 Nahe dabey wird ein Begrabnuß mit einem kleinen Thum bedecket/ da der Perſianer Außö ag nach/ des Iman Riza Schweſter begraben ſeopn ſolle/ geſehen/ und von jhnen in hohen Ehren gehalten. Der Fluß ſo under dieſer Brucke durchlaufft/ komt von den Nordiſchen Bergen/ und ergeuſſet ſich in den See Roumi z. Naablnhee- oder 14. Meil von Tauris. Wird Aggi-ſou, Nter Aba, das it/ bitter Waſſer genent/ weilen daſſelbe er. ſehr ſehlim/ auch keine Fiſch darinn gefunden werden. Ein gleiche Beſehaffenheit hat es mi genent/ ſo derſelben Seiten kan man dieſe Bruck ohngemen/ und da er dieſe Frag thate/ nachſt bey jh⸗ 6 Tag gleich wie durch ein Glaß geſehen wird/ fen ſeyn mochte/ igen laſſen. 1 ert dem kleinen Fluß der durch Tauris 1 5 mit dem See/ welcher ungefähr 1. Meil im Umkreis hat/ und iſt das Waſſer gleichſam d Die Fiſche ſo auß kleinen Baͤchen darein kommen/ werden alſobald blind/ und Über etliche Tag an dem Geſtad tod gefunden. Dieſer See hat ſeinen Namen von einer Landſchafft/ und einer kleinen Stadt/ beedes Rouzenent/ ſo von Tauris nur 10. oder 12. Meil Gegen Mittag von dieſem See/ auf dem Weg der zi einer kleinen Stadt Tokoriam genant/ führet/ ſiehet man einen Hügel der allgemahlich ſich nidriget/ und hiemit gleich ſam in eine Ebene ſich niderlaͤſſet/ alda viel Quellen herfürbrechen/ die nach und nach ſich außbreiten; und die Erde/ da ſolche durchfieſſen/ hat etwas ſonderbares/ welches/ weil es merckwurdig/ nicht vergeſſen werden ſoll. Selbige. iſt underſchiedlicher Art: die erſte Erde ſo aufgehoben wird/ dienet den Kalck zu machen; die da⸗ ee runder/ iſt ein gelocherter und ſchwamichter ſenbeit deer. Stein/ ſo zu nichts taugt; und die darauf fol⸗ Erden. gende/ als der dritte Grund/ ſind ſchoͤne weißlechte und durehſcheinende Stein/ dadurch der und wol gehauen/ zur Zierde der Gebaude dienen.. Stein iſt eigentlich nur eine Zuſamengefrierung des Waſſers dieſer Quellen/ es ſeynd zumalen kriechende Thiere damit eingefroren gefunden worden. Der Landſchafft Gubernator/ üͤberſchiekte dem Cha A bas für ein ſonder bar rares Preſent/ einen dieſer Stein darinn ein Eyder eines Schuh langs ſich befunden. Der jenige/ welcher ſolchen dem Gubernator überbrachte/ bekame zu einer Verehrung zwantzig Tomans/ das iſt ſo viel als 300. Kronen/ und ſeithero habe ich fur dieſes Stuck 1000. Kronen gebotten. An etlichen Orten der Landſchafft Mazandran, alwo das Caſpiſche Meer am weiteſten in Perſien hinein ſich erſtrecket/ werden dieſer gefrornen Steine auch/ aber viel weniger als bey dem See Roumi, gefunden/ und zuweilen Stuͤcker Holtz/ und Gewürm darinn geſehen. Ich habe dieſer durchſichtigen Steine ein Kameel⸗Ladung/ das ſeynd bey 10. Centner/ herauß fuhren/ und ſolche zu Marſeille,bis man geſegen was damit zu ſchaf— — Dias. Kapitel. Folgt ferner von dem Haubt⸗Weg von dee dard Mahan Aber rden und V 5 werden geder CaraN meinlich 24. Tagreiſe mit Vane gezehlet. 818 Den erſten Tag reiſet man über dürre Berg/ und komt vier Meil von Tauris, zu ei⸗ ö nem der ſchoͤnſten Carvanſeras inn Perſien. eine ſchöne Cha · Se hat ſolches erbauen laſſen/ ſie iſt weit aner und ſehr bequem/ und koͤnnen dar inn rod. Perſonen ſamt ihren Pferden Platz haben. In f 5 C anz Beſchreiblg der Stadt Axdeuil. gantz Perſien/ und jnſonderheit von Tauris nach Iſpahan/ und von dar bis nach Ormus, werden taglich Carvanſeras, gleich weit von einandern ligend/ gefunden. An einem anderen Ort wil ich dieſe Orientaliſche Wirtshäuſer beſchreiben. 8 Den zweyten Tag muß man einen rauchen Berg/ durch ein engen Weg hinab. Und unden an dieſem Berg konnen die Kaufleut von zween Wegen nach Iſpahan den einen erwohlen/ ein jeder folgt hier inn ſeiner Meinung oder Geſchaͤfften. Die jenigen/ welche dem gewoͤhnlichen und geraden Weg uͤber die Stadt Kom und Kachan folgen wollen/ laſſen zur Lincken einen Weyer/ der die zween Weg ſcheidet; und die jenigen/ welche über Ardeuil und Casbin, zwo andere Stadt zu reiſen begehren/ laſſen den Weyer auf der rechten/ und nehmen den Weg nach langs des Verges. Von Tauris nach Ardeuil, ſeynd nicht viel weniger als 12. Meil; von dem Weyer an iſt das Land zimlich gut/ und dieſen Weg wil ich zuvorderſt beſchreiben. e Weil Ardeuil ſo wenig von Tauris entlegen/ iſt ſelbige bey etlichen Minuten nahend/ in gleichem Grad der Lange und Breite. Dieſe Stadt iſt ſo wol wegen des groſſen und erſten Jugangs der Seiden/ ſo auß der Landſchafft Guilan, deme ſelbe nahend ligt/ gebracht wird/ als wegen der Begrabnuß des Cha- Sen I. diß Nahmens/ Konigs in Perſien/ und anderer Fuͤrſten ſeines Hauſes/ beruͤhmt. Die Gegend iſt ſehr angenehm mit Spatzier gangen zwiſchen den Baͤumen/ Tehinar genant/ die gerad und in einer Weite von einandern ſteen/ gezieret. Die Stadt iſt mittelmaſſiger 5 Fund ligt an einem ſchoͤnen Außgang der Berge. Der nachſtligende Sevalau genant/ iſt einer der hoͤchſten in Meden. Die Hauſer in Ardeuil, ſeynd wie in all anderen Staten in Perſien/ mit Erden gebauet/ und die Gaſſen ungleich/ unſauber und eng/ außgenommen eineeinige/ welche zimlich ſchoͤn; an einem Ende derſelben/ iſt der Armenier Kirchen gebauet. Ein kleiner Fluß laufft mitten durch die Stadt/ welcher von den naͤchſt ſtehenden Bergen herkommet/ er nimt ſeinen Lauff vom Aufgang zum Nindergang. Wird in viel Canal abgetheilt/ um die Gaͤrten zu waſſern/ und an underſchiedlichen Orten ſtehen ſchoͤne Baume/ die das Geſicht beluſtigen/ und die Gelegenheit angenehm machen. Der Meydan oder Marckt⸗Plas iſt groß/ langer als breiter/ hat aufeiner Seiten eine ſchoͤne CarVanſerie, ſo der Kan erbauen laſſen. Es ſeynd an anderen Orten der Stadt/ auch noch ande8 beſetzet/ und an deſſen Ende ein groſſes Portal No re zimlich komliche/ um die Stadt werden ſchoͤne Garten geſehen/ jnſonderheit des Konigs/ dahin man durch einen ſchoͤnen und langen Spatziergang/ mit vier Zeilen Baumen ſtehet/ gehen kan. Obwolen das Erdreich um Ardeuil, für den Weinwachs gut/ ſowerden doch keine Reben alda geſehen 9 5 mehr als vier oder fünff Meilen weit davon/ iſt ein Ort da der Wein gemacht wird. Die Reis beſchreibung in Perſien/ Armenier ſo zu Ardeuil wohnen/ haben beſtändig einen guten Vorraht; aber kein Ort iſt in gantz Perſien als dieſer/ da man den Wein hinein zu bringen/ und zu trincken/ dann ſolches in geheim beſchehen ſolle/ ſich ſo wol vorzuſehen hat. Man muß ſolches gleich als eine groſſe Ubelthat/ verborgen halten/ und dieſer Zwang iſt eine Wirckung des Mahometiſchen Aberglaubens/ weil die Perſigner dieſen Ort ſonderbar in Ehren halten/ vermeinend ein groſſe Sund zu begehen/ wann ſie geſtatteten/ daß offentlich Wein getruncken wurde. Auß gantz Perſien komt das Volck zu dem Grabe Cha- Sef zu walfahrten/ welches neben der ſtarcken Uberfuͤhrung der Seiden/ Weintrincken gefaͤhr8 davon ich drunden Meldung thun werde/ dieſe Stadt eine der berühmteſten in Perſien machet. Die Moſquée, in deren er begraben ligt/ hat viel Neben⸗Gebaude/ und deren Eintag mit einem groſſen Portal ſtoſſer. Die Pforte iſt mit eiſern Ketten/ an groſſen Ringen hangend/ gekreutzet/ und wann ein Ubelthaͤter ſolche berühren/ und in den erſten Hof kommen kan/ iſt derſelbe in Sicherheit/ und gang gegen dem eee de 8 Art der Frey heit für bie Ubelthater. darff niemand ihne angreiffen. Es iſt ein groſſer Hof/ laͤnger als breit/ und auſſen auf den Seiten gegen dem Platz/ langs der Mauren/ ſeynd Kraͤmerlaͤden fuͤr die Kauff⸗ und Handwercksleut gebauet. 155 Auß dieſem groſſen Hof komt man in einen zweyten/ der kleiner/ und mit breiten Steinen gepflastert iſt/ in deſſen Mitte ein Bach durchfſieſſet. Darein gehet man durch eine mit eiſern Ketten/ gleich wie vor dem erſten/ gekreutzte Pforten/ die zur Lincken im Winckel des groſſen Hofs ſtehet. Dieſe Pforte weiſet alsbald under einen Schopf/ darauf groſſe Ercker nach Lands Manier/ da viel Perſonen/ Pilgram oder andere/ welche von Ungluͤck genohtiget/ dieſe Zuflucht zu ſuchen/ geſehen werden. An dieſemn Ort muß man Gewehr und Stab/ ehe man weiter hinein gelaſſen wird/ ablegen/ und etwas einem Moullah, der beſtaͤndig daſelbſten mit Bůchern ſich befader geben In dieſem zweyten Hof/ da ein Bach durchflieſſet/ ſeynd aufeiner Seite die Bader/ auf der andern die Frucht⸗ und Reiß⸗Kaſte und zur Lincken am Ende des 10 50 1 kleine Pforte/ die leitet an den jenigen Ort/ da taglich Morgens und Abends den Armen das Königliche Allmoſen außgetheilet wird/ und ſolches beſchiehet gerad gegen den Kuchen uͤber. Dieſe Pforte iſt Spangen überzogen/ und in dieſen Küchen ſeynd fünff und zwantzig oder dreyſſig in die Dicke der Mauren eee viel Keſſeln“ da viel Speiſe und pilau wol für die Armen/ als für 8 lol ucen, zugerichtet werden. So lange dieſe Außtheilung beſchiehet/ ſitzet der Kuchenmeiſter/ der all den andern a rechter Ordnung hergehe. Derſelbe laſſet taglich 0 forte iſt mit ſilberen Gute Austen. lung 0 ordnung fur die Amen. henmeiſer/ cfehlet/ in einem mit ſilberen Spangen überzogenen Seſſel/ und hat die Aufficht/ daß ales in Erſtes Buch⸗— ters und Mutter ſtehen. Es iſt zimlich ſchoͤn mit Gaͤrten und Hofen/ in deren einem ein Waſſer⸗Kaſten von ſehr hellen Waſſers/ darinn Fiſch gehalten werden/ gefunden wird. täglich den Reiß fur die Keſſel meſſen/ und die Speiſe in ſeiner Gegenwart ſchneiden/ und alles wird in dieſem Koͤniglichen Hauß mit groſſer Aufficht verwaltet.. Am Ende des Schopfs/ ſo dem erſten Hof folget/ ſeynd zwo Pforten/ eine nach der anderen/ mittelmaſſiger groͤſſe/ beede mit ſilberen Spangen uͤberzogen/ dadurch man auf einen Umgang gehet. Zwiſchen dieſen zwo Pforten iſt zur Rechten eine kleine Moſquẽen, alda etlicher Perſigmiſchen Herren Gräber gefunden werden. Wann man über dieſen Umgang gehet/ komt man in einen keinen Hof/ und zur Rechten iſt die Pforte der Moſqusen, alda die Graber der Furſten des Königlichen Perſtaniſehen Hauſes zu ſehen. Man mii ſich wol huten nicht auf die Thur⸗Schwellen/ ſo gewohnlich mit ſilberen Spangen über zogen/ zu tretten: dann ſolches eine Miſſethat/ ſo nicht anderſt als durch eine ſtrenge Beſtraffung/ verſoͤhnet werden konte. Man gehet alsbald durch einen kleinen Gang der in den Vor⸗Tempel mit koͤſtlichen Teppichen behencet/ fuhret/ herum ſeynd Pultbrett mit groſſen Büchern belegt/ darauß die oullahs oder Doctores des Geſatzes/ für den Dienſt der. Oha. Sefi Grab. Moſquéen, heſtandig leſen. Am Ende des Vor⸗Tempels der nicht groß/ iſt ein kleiner Thum acht eckicht/ in Manier eines KirchenChors/ und in mitten deſſelben des Cha- Sefi Grab/ nur von Holtz/ aber wol gemacht/ und ein zierliches Stuck von Schnitzel⸗Arbeit; es iſt nicht uͤber die gewohnliche Manns⸗ Hohe/ und ſcheinet einer groſſen Truhen gleich/ auf deren vier Ecken groſſe güldene Knopfe angemacht ſeynd. Es wird mit rohtem Brocatel/ desgleichen auch die ubrigen dabey ſich befindenden Graber/ mit koͤſtlichen Teppichen/ bedeckt gehalten. So wol in dem Chor als Vor⸗Tempel/ ſeynd viel Ampelen/ deren etliche von Gold/ andere von Silber/ und die groͤſte ſilbern und verguldet/ ſehr zierlich gegraben/ gemacht ſind. Es ſeynd auch ſehr groſſe Leuchter von koͤſtlichem Holtz mit ſilberen Spangen überzogen/ daſelbſt zu ſehen/ dieſelben tragen groſſe Fackeln/ ſo aber nur an jhren hohen Feſten angezuͤndet werden. iſt/ gehet man under ein klein Gewoͤlb/ in deme ein andere Begraͤbnuß eines Königs in Perſien/ deſſen Namen ich nicht erfahren konnen/ eingeſchloſſen iſt/ einer anderen groſſen hoͤltzernen Truhen gleich/ zimlich ſauberer Arbeit/ und auch mit ſeidenem Brocgtel bedecket. Das Gewoͤlb der Molqueen iſt inwendig von Blumwerck mit Gold und blauer Farb H gemaßlet/ und auſſen mit einem ſchoͤnen Firniß underſchiedlicher Farb/ gleich wie die prächtige Moſqueen zu Tauris, gezieret. Um Ardeull ſeynd viel alte Begraͤbnuſſen/ die ſehens werth/ und etlieher anderen zerſtoreten überbliebenen Stuck/ geben zu erkennen wie groſſer Fleiß angewendet worden/ ſolche mit ſchoͤner Arbeit zu zieren. Eine Viertelſtund von der Stadt/ wird eine Molqusen geſehen/ alda die Graber des Cha: Sen Vatder Lange/ und im 36. Grad y. M der Breite. Es iſt eine groſſe Stadt/ deren * Arcleuil, iſt nicht allein wie vor gemelbt/ berühmt/ wegen der Königlichen Begrabnuſſen in jhreimm Begriff/ und Walfahrt die auß gantz Perſien daͤhin beſchehen/ ſondern die groſſe Zufuhr der Seiden durch die Caravanei; ſo bistweilen in acht oder neun hundert Kameelen beſtehen/ hilfft auch noch viel zum Ruhm dieſer Stadt. Wie dieſelbe dem Land Guilan, auß welchem Überfſuß von Seiden komt/ und dem Land Chamaqui, daher auch viel gebracht wird/ nahe liget/ und ein ſtarß cker Paß auß beyden dieſen Orten nach Conſtantinopel und smyrne. Es iſt allhier ein beſtändiger Zugang von Kaufleuten/ und daſelbſten findet man gleich wie zu Tauxis, allerley Waaren. 5 Von Ardeuil nach Casbin, iſt das Land zimlich gut. Allemal nach drey oder vier Meilen Wegs/ findet man Bache die auß den Bergen gegen Norden kommen/ und das Land befkuchten. Die Caravane gebraucht gewohnlich füͤnff Tag von Ardeuil nach Arion, von dar nach Taron zween/ und von dieſem Ort auch ſo viel/ bis nach Casbin. Ene halbe Meil diſſeits Taron, reiſet man über eine groſſe ſteinerne Bruck/ und zwo Meil fürwarts/ komt man nach Kalcal! 5 Arion iſt ein kleine Stadt/ Taton und Kalcal ſeynd zween groſſe Marckflecken; und in gantz Perſien dieſe drey Ort allein da Oli⸗ der Ort da ven wachſen/ und von welchen das Oel herkomt. in einer Ebene/ die ſich bey einem hohen Berg welchen zu beſteigen vier Stund Zeit brauchet/ endiget. Dieſer Berg iſt alſo rauch/ daß die Pferd und Maulthier mit groſſer Muhe hinauf kommen koͤnnen; die Kameel müͤſſen den Weg drunden nehmen/ der noch muheſam genug/ und voll Steine iſt/ ſo von den Bachen dahin gefuͤhret werden/ dieſer Umweg iſt drey oder vier Meil lang. Ich habe zwey Pferd in der Durchreiſe über dieVon dem Thum/ da des Cha-Sef Grab ſen Berg verloren/ auf der Hohe iſt ein Dorf da man eilikehren kan. Wann man von dem Berg hinunder komt/ iſt das Land Von kakeal niet man drey Stund aug die Oliven wachſen. eben/ und ſeynd allein noch drey Meilen bis Oasbin ligt im 87. Grab zo. Miniten/ muten auſer nider und übel gebauet/ guggenommen ſcheh oder acht/ ſo bey des 5 Garten ligen/ und ein wenig Anſehen haben. Die Stadt hat keine Mauren/ und mehr als die Helffte beſtehet in Garten. Es ſeynd darinnen drey Carvanſerien mit Gemaͤchern für die Wagren darinnen/ kitzes dieſer dreyen iſt ſchr groß und bequem. Die Stadt wird allein von Mahotmetanern bewohnet/ und da einige Chriſten mit eingemiſchet/ ſeynd ſelbige in geringer e e Die Stadt asbin. „Köflicher W. telle mice ute. anten Piltaches herfür. Der Baum ſo die 28 Das Erdreich zu Casbin bringt die ſo geſe Frucht tragt/ iſt wenig groſſer als ein Nußbau von zehen oder zwoͤlff Jahren/ ſie wachſen wie Strauſſe einer Weintrauben gleich. Die groſſe Partey der Piltaches ſo auß Perſten gebracht wird/ komt von Mala vert einer kleinen Stadt/ zwoͤlff Meil von Iſpahan/ gegen Aufgang: Diß ſeynd die aller beſten br ſtaches der Welt/ und das Erdreich ſo ſich weit erſtrecket/ bringt einen ſolchen Uberfluß/ daß gantz Perſien und Indien damit verſehen Weiden; Von Casbin komt man in ein kleines Dorf da eine Carvanlerie iſt/ und dieſen Tag ehet die Reiſe ohngefaͤhr ſechs Meilen/ durch ruchtbare Felder/ die mit vielen Bachlein durchfloſſen werden. N 8 Den folgenden Tag gehets noch durch ein gutes Land/ und nach neun oder zehen Stun⸗ f ö b einen Fluß auf einer ſchoͤnen ſteiern Brucke/ den/ fomt man nach Denghé. Dieſes Denghe iſt ein groſſes Dorf unden an einem Berg/ es flieſſet ein ſchoͤner Bach dadurch. Sehr koͤſtliher Wein beydes weiß und roht/ wird alda gefunden/ die Reiſenden ermanglen nicht davon Ihre Geſchir zu füllen. Man bleibt jedoch nicht in dieſem Dorf/ ſondern die Reiſe gehet eine Meile weiter/ damit man eine ſchoͤne Carranſera, ſo ein zimlich gutes Nachtlager/ reichen ieee N In dieſem Dorf Denghe, ſtoſſen die zween Weg von Tauris nach Alan zuſamen/ nemlich den ich uber Ardeul h, un den gewohnlichen auch kuͤrtzeſten Weg uͤber Kom und Cachan beſchrieben/ und dieſen wollen wir nun wiederum vornehmen. In dieſes Dorf kommen auch die Caravanen die nach Indien gehen/ uber Merheed und Candalar, und da ſie den Weg auf Iſpahan verlaſſen/ um die Lincke grad gegen Aufgang zu r ˖‚—Ä 55 Das VI. Capttel. Tauris nach Iſpahan/ uͤber Zangan, Baultanie und andere Oerter. * Meil von Tauris iſt/ kehren/ alda die jenigen/ welche dem gewohnlichen Weg von i Iſpahan Über Zangan und Sultanie folgen wollen/ zur Lincken dem Weg auf Arcleuil und Casbin leitend/ verlaſſen. Dieſer Weyer ſehr gut ſeynd. e Von bannen nach zwolff oder drepzehen Stunden/ da drey Carvanlerien angetroffen werden/ komt man nach Karachima, welches ein gutes Dorf/ in einem tieffen Thal/ ſo wol gebauet ſcheinet. Daſelbſten iſt nur eine kleine Carvanſerie von Erden/ an deren die Pforten ſo nider ſeynd/ daß man ſchier guf den Knien hinein gehen muß. d e Kathe End, iſt getneinlich voll groſſer rohter Endten) die und Casbin, und Reisbeſchreibung in Indien Den folgenden Tag komt man in ein an Das Dorf der groß Dorf Turcoma genant/ da das Erb⸗ Turcoma, reich fruchtbar/ ob es wol ſehr kalt iſt. Es befinden ſich daſelbſten viel Carvanleras einem langen bedeckten Gang gleieh/ gebauet/ die auch nur von Erde; die Leute ſeynd auf einer und die Pferde auf der anderen Seiten. Den folgenden Tag reiſet man durch ein hockericht und oͤdes Land/ und nach acht Stunden komt man in Miana, eine kleine Stadt/ Die Stadt die in einem funpfichten Ort ligt„alda ein eicher der, Zoll für die Straſſen⸗Wachter bezahlet wird. erer Daſelbſten iſt Monſieur Thevenot von J Keſtorben. ſpahan wiederkommend/ geſtorben. Derſelbe hatte viel Perſianiſche und Arabiſche Bucher zuſamen gebracht/ von welchen der Cadi von Miana bie beſten behalten. In dieſer Stadt iſt eines der ſchoͤnſten Carvanlerien in Perſien. Zwo Stund von Miana reiſet man uber die aber zu grund gehet/ deren Schwieboͤgen ſeynd inwendig hol: ſte iſt von gebachenen Ziegel⸗ und Quaderſteinen aufgebauet/ und ſo lang als die Neue⸗Bruck zu Paris. Dieſe Bruck iſt faſt unden an einem hohen Berg Kaplenton genant/ erbauet. Cha- Abas hat ſolche durchauß pflaſtern laſſen/ weil die Erde alda alſo fett/ daß in dem aufgefrieren oder wann es nur ein wenig regnet/ unmuglich/ daß die Caravanen durchkommen koͤnten. Es befindet ſich in Perſien eine Art Kameel/ welche guf fettem Boden/ wann es regnet/ keine Staͤrcke haben ſich zu halten/ und mit dem groſſen Laſt den ſie aufdem Rucken tragen/ bringen ſie ſich ums Leben. Che der Weg gepflaſtert ward/ muſte man an ſchlipferichten Orten/ ba die Kameel durchgehen ſolten/ Teppich darlegen/ welches auch hoch ſetzo an denen Orten/ da das Pffaſter gebrochen/ geſchehen muß. e Faſt zu End des Abſteigens gegen Iſpahan/ iſt auf dem Gipfel eines kleinen Bergs ber von allen anderen abgeſondert/ ein verlaßſene Veſtung/ nahe bey der Landſtraß/ und einem Fluſſe/ welcher/ gleich wie auch der jenige/ ſo auf der anderen Seiten des Berges/ zwo Stund von Miana, nachdeme ſolcher die Landſchafft Guilan, da das Waſſer in viel a 5 der unden an einem Berg/ ſechs i ſen alle Früchten und Korn/ welche durch HulCanal getheilt wird/ durchloffen/ in das Caſpiſche Meer ſich ergieſſet. Aber ins gemein laſſe des Waſſers in Canalen geleitet/ wachſen/ ſich nicht lang aufhalten/ ſie ſeynd auch nicht ſo gut/ und viel beſſeren Kauffs/ als dieſelben ſo in den Landſchafften da es regnet/ und da die Fruchtbarkeit nicht an der Kunſt hanget hervorkommen. Das Korn jnſonderheit bleibt nicht über ein Jahr/ ſondern wann ſolches langer gufbehalten wird/ ſo gebaren ſich Kaͤffer darinnen/ die das Korn verzehren. Und ein gleiche Beſehaffenheit hat es mit dem Meel/ denn ein Wurm ſo darin ſteckt/ daſſelbe dermaſſen verbittert/ daß unmuglich ſolches kan genoſſen werden. 755 Diſſeits des Bergs Kaplenton, werden 8 von de Stat von ferne zrween andere ſehr hohe geſehen/ der eine gegen Norden Saveland, und der andere im Mittag Sehant genant. Es iſt noch ein dritter gleicher Art/ ſo aber von dem Weg nach Iſpahan/ weilen ſolcher von der Straſſe zu weit entlegen/ und nahend der Stad la-. rauf komt man nach Flabat l und weite Stadt/ ſie iſt aber ſehr zerſtoret/ in madan nicht geſehen werden kan. Auß dieſen drey Bergen ffieſſen unzehlbar viel QuelWaſſer iu len/ davon der mehrer Theil des Waſſer komt/ ſo Perſien waſſert; und ſagen die Perſianer dieſer Quellen ſeyen mehr geweſen/ aber daß ſeich 100. Jahren ſich viel verloren haben/ und man weiß nicht wo ſolche hinkommen. Ui den Berg Kaplenton ſeynd viel Doyfer die dem Konig miches bezahlen/ muſſen aber hingegen eine zewiſſe Partey Reiß und Butter/ zu Underhaltung der Noſqusen zu Ardeuil uberſchicken. Sie haben auch ein ſchone Freyheit/ wann jemand einen Todtſchlag begehet/ und in eines dieſen Dor fern fliehet/ darff man jhme daſelbſten nicht nachſtellen; und der Konig ſelbſten iſt nicht befugt denſelVon dem Fluß welcher unden an dem Berge Kaplenton vorbey lauffet/ komt man zu einem ſchoͤnen Car vanlera Techamalava genant/ welche ſeich wenig Jahren erbauet/ und nach dreyzehen Stunden in einem ſehr unfruchtbaren Land/ iſt eine andere Car vanſerie Sartcham genant/ in einem gantz einſamen Ort; welches eine Ur ſach/ daß die Racers ſo de Straſſen bewachen/ ſehr unverſchamt ſeynd/ weilen dieſelben von Staͤdren und Doͤrfern entfernet. en e ee Von Sartcham komt man zu einem Fluß/ derne lange geit auf der Seite gereiſet wird/ bis zu einer Carvanſerie Digbe genant/ welches nahend einem groſſen Dorf: Das Gebau daſelbſten iſt ſchoͤn/ und das Fundament von gehauenen rohten und weiſſen harten und gewelleten Steinen.„„ Den folgenden Tag gehet die Reiſe durch ein uneben Land/ bis man in ein Thal komt/ am Ende deſſelben iſt Zangan, ein groſſe aber ubel gebaute Sꝛadt. Jedoch mit einem ſehr ſchoͤnen Cal vanſera; welches in meiner letſten Reiſe nach Iſpahan ſo voll Volck war/ daß ohngeacht einer ſtarcken Regens/ ich drauſſen hatte bleiben muſſen/ wann nicht zween Armemer mich und alle meine Leute/ in jhre Kammer aufgenommen hatten; aber was die Pferd anbelangen thut/ blieben ſelbe drauſſen. Von Zangan komt man zu einem Carvanſera da der Zoll für den Kan von Sulranie abgeſtattet Sultanie iſt ein Stadt/ ſo eine halbe Meile von der Landſtraß ab/ und nahe einem Berg gelegen. Daſelbſten waren vor dieſem ſchone Moſquèen; wie auß denen Stücken die no übrig ſind/ abzunehmen/ und zwar allein zerſtoͤrte Dinge/ ſo mit der Zeit vollig verzehre werden. Viel Chriſten⸗Kirchen ſeynd in dieſe Moſquèen verendert worden/ und ſo den Armeniern Glauben zuzuſtellen/ ſo waren in Sul. ranie beydes Kirchen und Capellen/ faſt 800. an der Zahl. n I. Theil. Drrey Meil von Sultanie iſt ein Catvanſera, und noch etwas weiter ein groſſer Marckflecken Ija genant/ und dabey auch ein zimlich komliche Carvanſerie; in welcher zwar Wein Darauf komt man nach Kabar, vine alte derſelben haben viel Armenier hre Wohnung; und weil an dieſem Ort guter Wein/ ermanglen die Durchreiſenden nicht ihre Geſchirre zu Von Habar nach Stunden komt mai in ein Dorf Partin genant. Von Zangan nach Partin werden zween Tag zugebracht. Es iſt ein fruchtbare Ebene/ und werden da herum viel Dorfer geſehen; hat zu beyden Seiten im Auf⸗ und Nidergang/ viel hohe und nach ein ander folgende Berge/ und deſſen Breite iſt allein drey Meilen Auf dieſe Ebene folgt ein unfruchtbar und ſchlecht bewohntes Feld/ ſo ein gantze Tagreiſe bis nach Se ava wahret. Man reiſet einem zerſtoͤrten Dorf vorbey/ da nur noch zwey Hauſer ſamt einem Thurn von einer Moſqusen der ſehr hoch und dunn/ uͤbrig ges ſehen werden. Das Dorf ligt an einen Bach. Dieſem nach findet man eine Carvanſerie von Erden/ welche ſeith kurtzer Zeit her er bauet/ und nahe dabey ein Schloß Khiara genant/ ſo auf einem Huͤgel ſehr ſchlecht und liederlich gebauee rt. 93 n 0 1 Erdreich trefich gute Muß bringt. Die ee Carvanſerien, obſchon ſie nur von Erden/ und ſehr klein/ ſeynd jedoch ſehr ſauber und a und wird durch die Vielheit die GroſVon Sexava komt man nach ſieben⸗ſtundiger Reiſe/ durch ein oͤdes und wuſtes Land/ zu einer groſſen Carvanſerle Jagioup genant/ 1 vor dieſem ſchoͤner als jetzo geweſen/ ſie ſteet allein in einem Feld. Uber drey Stund hernach/ iſt ein andere ſehr groſſe/ Kochkerla genant/ und vier Stund weiter/ erreichet man die CarvanſerieDenghe, alda die zween Weg/ wie in vorigem Capitel Meldung beſchehen/ Von Denghe nach Kom, ſeynd drey ſtarcke Tagreiſen/ durch ein ſchlecht oͤdes und burres Land/ außgenommen etliche Oerter/ die zimlich gut ſind/ von Waſſer wird kein anders als in Ciſternen oder Regenbrunnen gefunden. Vier Meil von Dengkeiſtein ſchoͤne Carvanſerie und drey Mreil weiter ligk ein anders/ tauſend Schritt von einem Dorf/ gegen Mittag/ zwiſchen Hügeln, da guter weiſſet und tohter Wein wachſet. Von dieſem fel CarVanteta bis nach Lava; ſeynd nicht mehr als ch noch drey Stund für die Caravane. Sava iſt eine gute Stadt/ in einer frücht⸗ Die Stadt Deren aus. baren Ebene/ mir Dörfern wol 10 0 gröſter Gewerb in kleinen grauen Lamſtlien/ die ſehr krauß/ und zu Beltzen gebraucht werden/ beſtehet. Zwo oder brey Meilen uber Sa. va, iſt das Land zimlich wol gebauet/ und nachdem man durch einen Fluß eine halbe 5 K 3 Stund —————————————f— . 30 Reisbeſchreibung in Perſien/ Stund von der Stadt gerittten; wird zwo cher dahin fliehen thut/ ſich ſelbſten verkoͤſtigen Stund weiter eines der ſchoͤnſten Carvanſe⸗ muß. In Perſien werden die jenigen/ welche rien in Perſien angetroffen/ deſſen Bau man einen boͤſen Handel haben/ und in dieſe Ort der n meiner lerſten Reiſe nach Iſpahan vollenFreyheit fliehen koͤnnen/ von dem Einkommen dete. Von dar nach Kom ſeynd noch ſieben der Molqueen erhalten; und weil ſie alſo fur oder acht Stund durchtrucken und Sandicht jhre Nahrung nicht zu ſorgen/ noch ſich darum Land: aber eine halbe Meil von Rom iſt das zu bekümmern haben/ fallet jhren Freunden Erdreich gut/ und bringt groſſen Nutzen Die Stadt Kom iſteine der groſſen Stadten Perſien/ nin einem flachen Land/ da 7 groſſer Uberfluß iſt. Es wachſen daſelbſten auch gut. Früchte/ und inſonderheit groſſe und treffliiche Granaden. Die Stadt⸗Mauren ſeynd allein von Erden mit kleinen Thürnen/ nahe bey einandern ſtehend/ beveſtiget/ und die Hquſer obſchon ſie nur von Erden/ ſeynd jedoch innen ſehr ſauber. Im Eingang der Stadt gehet man uber einen Fluß auf einer ſteinenen Brucken/ von dannen auf einem komlich gefunden wird. ſchonen fer ein Carvanſera wol erbauet und iſt ein groſſe Moſqucen oder Kirche/ ſo die Perſianer nicht in geringern Ehren/ als die zu 1, Ardeuif halten. Allda werden die Begrabuch ee. nuſſe Cha- Seh und Cha-Abas beß Andern/ mesaner Be, Sich Fatima, des Iman Hocen Tochter/ welbrabnüſſe. cher ein Sohn Ali Fatima Zuhfa Mahomets Tochter war/ geſehen werden. Die groſſe Porten bieſer Moſqusen gehet auf einen lag langer als breit/ alda ein Carvanſera und eiliche Kramladen/ die von auſſen ein ſchoͤnes Anſehen haben. Eine Seite des Platzes iſt nit Ader hideren Mauren gleichſam beſchloſen, darüber ſuchet man den Kiß/ und den kleinen Fluß über dene eine Brucke an dieſen Platz dreye ſoſtnd. Auf dem groſſen Portal der 9255 der Me ſtaben zu Lob Cha- Abas des Andern geſehen. Alsbald komt man in einen Hof der langer/ als breiter/ und welchen man wol einen GarBlatter mit der andern ſchone gelbe Jaſmin/ Blumen und vielerley art Gewachſen g ſten kommen nicht leichtlich hinein/ inſonderheit wann die Kleydung und Perſonen nicht anſehnlich: aber nach der Manier/ wie ich jederzeit in Perſien und Indien gereiſet/ iſt mir ab rden gen Ort der Eingang verſagt In dieſem erſten Hof werden im Eingang zur Lincken kleine Kammern geſehen/ 2 die jenigen/ welche das Almoſen/ ſo vermog der „„ Moſqucen Stiftung täglich außgetheilt wird/ empfangen/ ihren Theil verzehren/ und hernach wiederum fortziehen. Dieſe Gemächer Elliche dienen auch für eine Zufſucht den jenigen/ die Sener ür nicht zubezahlen haben/ Na wie in der Mol8. queen zu Ardeiiil. Dieſe Freyheits⸗Orte leichter mit den Parteyen zu traetieren/ und dieſelben zu einem Verglich zu bewegen. Auß dem erſten Hof komt man in einen n auch gute andern der groſſer/ und gantz gepffaſtert/ und auß dieſem in einen dritten der vierecket/ und auf Manier einer Sommerlaube der Eingang iſt durch eine Porte die am Ende eines offnen Gangs ſtehet/ und daſelbſten ſeynd die Loſamenter der Moullahs oder Prieſter der 5 Moſquten. Von dieſem dritten Hof gehet man auf einer Stiege von gebachenen Ziegelſteinen/ mit zehen oder zwoͤlff Treppen; in einen vierten f nden auch auf Manier einer Sommerlaube erhoWas zu Kom das merckwürdigſte iſt; ben und zu mitten deſſelben ein Waſſer⸗ Trog iſt/ der durch kleine Canal von Waſſer angefüllet wird/ und durch andere Canal die das Waſſer an underſchiedliche Ort dieſes groſſen latzes leiten/ hinwiederum den Ablauff hat. In dieſem Hof ſeynd etliche Gebau/ und auf einer Seite iſt das Vordertheil der Molqucen, ſo nicht unangenehm ſtehet. Dieſe bemeldte Gebau ſeynd drey groſſe Porten/ nach des Lands Manier zimlich rol gemacht. Darvor iſt eine Maur von Ziegelſtein in Manns hohe/ in Rauten manier durchgebrochen. Die Schwelle der mittlern Porten iſt mit einem — leſen. Diese dao que itt acht ekicht/ und in je⸗ dulce iter/ und welchen man wol einen Gar⸗ dem Winckel eine kleine hölzerne Thur von chen Mel ten nennen konte/ weil zu beyden Seiten des Nußbaumen Holt/ grau und gelb gefirnißt. wen. e e gepflaſtert/ Garten⸗ Die Begrabnuß Sici⸗Fatima Mahomets Blumen ſind/ und ich habe un⸗ Groß⸗Tochter/ it am End der Molquée, und zwiſchen der Maur und dem Grab nur ſo viel t achſen geſehen. Ein Holtzer⸗ Platz daß ein Mann durchgehen kan/ mit eine Schrancken zu beyden ſeiten babe wen benen Gele don ſehezehen Schah i daß die vorüber gehenden nichts abbrechen koͤn⸗ in Vierung umgeben; deſſen Stangen ſeynd nen; es wird groſſer Fleiß angewendet/ dieſen rund/ und auf den Orten da ſolche Ereuß weis Ork in gutem Stand zuerhalken. Die Chri- uber einander gehen/ mit dem Schein von viel f 11 ſilbernen Ampelen erleuchtet/ alſo daß es nicht fehlen kan/ daß diß alles nicht ſehr anſehnlich ſihe. Das inwendige der Molguten bis an die Hohe der acht ecken welche den Thum tragen/ iſt von gebackenen Steinen mit Underſchiedlichen Farben vermiſchet/ und die Schale des Thums/ gleich wie das Gewolb 5 des Schoſps der Molqucen/ iſt mit Blumwerck mit Gold und blauer Farb gemahlet. Auf jeder Seiten der Molquse, und bey dem Ort da das Grab der Sidi-Fatima, wid ein groſſer Saal geſehen/ aldg dem Armen das Königliche Allmoſen; beſtehend/ wie anderswo vermelbt/ in Pilau und andern wol und ſauber zugerichten Speiſen/ außgetheilt wird. Von ſeynd nicht rie die unſern/ da der jenige/ wel. dieſem Grab kehrt man zur Lincken/ zu ener Sftieerhoben. Der Porten und der Porten des Thums Auf deim groſſen der NMolqusen befinden ſich viel Moullahs o qusen wind eine Schrifft mit guldenen Buch⸗ der Gelehrte/ die ohnauffhoͤrlich auß Buchern Stiege a oder 20. Schritt dardon/ und u⸗ 15 5 oder anders nach Vermogen herd ber der Porte dieſer Stiege iſt auch noch einige Schrift zu Lob Cha-Abas II. Wann die Porte eroffnet/ ſihet man den Ort/ da der Leichnam dieſes Königs hingelegt worden/ und durch eine andere vergitterte Porte/ under einein kleinen Thum/ das Grab Cha- Sefi ſeines Vatters/ ſo mit einem guldenen Stuck bedeckt iſt. Es wird ohnaufhorlich an der Begrabnuß ha- Abas ſo ſehr köſtlich werden ſoll/ gearbeitet/ und haben mir die Leute der Molquee geſagt/ daß das Gewolb des Thums in79 57 ſilbern Spangen überzogen ſeyn oer Nachdem wir zu Kom ankommen/ und in der Carvanſerie eingekehrt/ ſtunde es nicht zwo Stund an/ da wir ſehr viel Volcks die ſtarck eileten/ furuber gehen ſahen/ und die auß dem Carvanſerie folgeten auch bald nach. Das war in meiner erſten Reiſe in Perſien/ und als ich mich wegen des Zulaufs des Volcks befragte/ wurde mir geantwortet/ daß es der Tag/ welcher vor langſten zu einem groſſen Schauſpiel beſtimmet/ nemlichen die zween Propheten mit einandern in einen Kampf zulaſſen/ und daß es Zeit guf den Platz ſich zubegeben/ weil der Streit ſich anheben ſolte. Wie nun mein Abſehen ware der Sitten uñ Gewonheiten des Lands mich zu erkundigen/ wolte ich auch dieſes Schauſpil ſehen/ und als ich nach dem Pl kame/ welcher ſehr groß/ fande ich eine ſolche menge Volck/ daß ich mit groſſer Mühe bis in dure elle, mitten/ alda der Kampf von zwween Stieren befer Le, ſchehen ſolte/ durchtringen konte; die Sach 305 he: gierige kürtzlich zumelden/ alſo zu: Viel Gauckge repreſen lex in zwo Parteyen abgetheilt/ hielten die Mitmend. ke des Plazes/ da ſie ſich außbreitetk den benohtigten Raum fur den Kampf zu haben/ jedes DT heil hielte einen ſtarcken Stier/ deren der eige den Namen Mahomet/ und der andere den Namen Ali hatte/ es ſeye nun ohngefahr/ oder durch Anſtelſung der jenigen/ denen die Stiere zuſtandig/ beſchehen/ nach einem zweifelhaften Streit/ da man dieſe Thier vor Hitz und Zorn ſchaumend ie S uͤberlieſſe dem Ali den volligen ieg. ſe Freude; und war der gantze Platzmit Pfeiffen und Schallmeyen erfüllet/ ein jeder kame gleichſam den Ali anzubetten/ und rufften alle ſamt diß ſeynd Gottes Werck die Ali gethan. Demnach wurde der Stier Ali under ein Pol ten/ den Kopf gegen dem Volck haltend/ geführt; und nachdeme derſelbe wol geſchmieder uer, det worden/ um die von dem Kampf/ darinn er becher rd ſich ſo dapffer erzeigt/ ermudeten Glieder wiebeulet. derum zu ſtärcken/ ſchickte jhme ein jeder eine Verehrung/ ſo den Gaucklern zu gut komt. Der Kan oder Gubernator von Kom der bey dieſem Schauſpiel/ ant 100. wol gußgeruſtetẽ Reutern gegenwartig war/ verehrete fünffzig Tomans, ſo ſich mit 750. Kronen belauffen/ Die jenigen/ welche jhn begleiten/ und die vornemſten von Kom gaben etliche einen Rock/ kein Frembder war/ der bald ex auf dem Plas ankame/ es ſeye daß er ſahe/ quittierte endlich Mahomet Alsbald bezeugte das Volck eine groſmalen; und was ich erzehle/ beſchahe am Obs gelegt/ bald vernommen/ Ketten gefeßlet/ nach Iſpahan und wieder ihne mit ungewöhnlicher Strenge geſtalter Adelicher Here/ und pfegte demſelben die Pfeiffen und den 5 ind zu lieffern/ welches am Perſiſchen Hof ein anſehenliches Amt iſt. Wie der Kan ankommen/ ließ der König hjne zu der Porten des Pallaſts/ in 4 7 N und Der Kan war ein ſehr höflicher He ſeine Manier welche Dem Heien end avernier gantz Dienſthaft/ nicht loben muſte. So wird onde mich ſamt dem Teurſchen ſo ich mit von Conſtantiopel gebracht/ erblickt; oder daß jhme jemand angezeigt/ daß einige Frembde vorhanden waren/ lieſſe er uns zu ſich fordern/ und nachdeme er uns von der Urſach unſerer Reiſe befragt hatte/ befahle daß man einen Banck herbey bringen ſolte/ damit wir ſitzen konten. Er erforſchete von wannen wir kalen/ und was wir zu Iſpahan zu ſchaffen hatten. Und als wir jhme antworteten/ daß wir willens waren den Konig zu beſuchen; billichte er unſer Vorhaben/ und klagte daß wir hme un ſer Ankunft nicht zu wuſſen gethan hatten. Nachdem wir Abends in der Carvanſerie wieten und brachten uns etliche Erfriſchungen/ und under anderm ſechs ſchoͤne Melonen/ ſamt groſſen vier Flaſehen mit koſtlichem Dieſer Gubernator ware ein ſo wackerer und artiger Mann; und ich habe ſo viel Freundſchaft von demſelben empfangen/ da ich mich nicht enthalten konte/ uber deſſen unatz gluck/ in dem er in des Koͤnigs Ungnad gefallen/ ſo jhme den Tod und darzu einen grauſamen Tod verur achte/ auſſerſt betrübt zu ſeyn. Kan groſſe Höͤfligkeit erzeigt. der zu ruck waren; kauen vier ſeiner LenEtliche Jahr nach meiner Abreiſe von Kom, Welcher g hatte bemeldter Kan, ohne wiſſen des Königs ber bey dem zu Verbeſſerung der Stadt⸗Mauren/ die ware/ eignes Gewalts ein geringe Schatzung Konig inunSab weilen/ die nur gnade komt. von Erden/ und der Brücken uber den Fluß/ weil an etlichen Orten ſolches ſehr nothwendig auf ein jeden Korb Früchten oder Obs/ ſo n die Stadt gebracht wurde/ gelegt. In allen Stadten Perſten ſeind von dem Konig beſoldete Leut; um wochentlich Aufſicht zu haben/ was die Proviant gelten koͤnne/ und zubefehlen/ daß nichts uber den under ihrem beſtimtẽ Preis verkauft werde; welches dieſelben dann jederzeit tzen außkünden laſſen: Cha- Sef regierke daEnd des Jahrs 1632. Als nun der Konig von dieſen Leuten/ welchen der Kan eine Schatzung ohne ſein wiſſen auf die Früchten und wan er ſolcherer denſelbenan bringen lieſſe; maſſen daruber erzůr net/ daß verführe. Des Kan S ware bey dem Konig/ Taback in die Hand zu wart des gantzen Volcks bringen an dem erſten Tag der Wochen eine gute Ordnung zu erhalten/ und dem Volck zu Nuohn ein junger wol7 4 befahle dem Sohn den Knebel⸗Bark ſeineen Valter— Hernach die Naß 05 4* andere einen Gürtel/ und bis auf das geringſte Volck/ ware niemand der nicht ewas von 32 Ohrenabtuſchneiden/ darauf die Augen gußhu zuſtechen/ und endlichen das Haubtabzuſchlg5. en Wiedieſes deſchehen erlaubte der Konig „Beeſtz in nehmen/ und ſchickte ihn/ neben eidem Sohn die Regierung ſeines Vatters in nem verſtändigen alten Mann/ für einen 295 Statthalter nacher kom, mit dieſen WorWann du nicht beſſer regiereſt als dieſer b 5 daß von dieſer Stadt in Guilan zu reiſen/ todte Hund gethan/ wil ich dich grauſamer als Wann man von Kom außreiſet/ gehet der Weg vier Stund lang uber ein groſſes geld/ nd darauf komt man in ein gutes Dorf/ mit ünff oder ſechs Carvanſerien. Von darten iſt faſt nur ein Sandboden bis an einen Ort Abſchirim, das iſt ſuß Waſſer/ genennet/ alda drey Carvanlerien von allen Doͤrfern ab* gelegen/ gebauet ſeynd. Von Abſchirim nach Cachan, reiſet man ſechs Stund in einem Kornland/ und findt alda zwey groſſe Dorffer. Die Stat Cachan iſt eine groſſe volckreiche/ und mit allerley nohtwendigen Lebensmitteln/ ver ſetzene Stadt: Sie iſt mit einer alten/ an vielen Orten eingefallenen Mauren/ alſo daß hinein zu kommen/ die Pforten unnoͤhtig zu ſuchen darff/ umgeben. Auf der Seiten Iſpahaniſt das Erdreich gut/ und bringt viel Fruchte und Wein/ ſo die Juden in e Stadt zubereiten/ herfür. Man zehlet dieſer Juden darinn bis in tauſend Haußhaltungen/ in Iſpahan bey ſechs hundert; zu Kom hat dieſes Volcklein nicht mehr als neun oder zehen Häuser. Es ſeynd zwar noch viel andere Juden in Per8 N.. ſien/ aber die zu Kom/ Cachan und Iſpahan/ weenpen ſich jnſonderheit von dem Stammen FJn Cachan ſeynd ſehr viel gute SeidenAibeiter/ die allerley Gattung guldenen und ſilberen chen da hene ſo auß Perſien kommen/ machen. Es wird auch daſelbſten gemüntzt/ und Kupfer⸗Geſchirꝛ/ ſo groſſen Vertrieb hat/ fabriciert. Die Gemacher zu den Wagren ſeynd ſchoͤn und wol gewoͤlbt/ die Car vanſerien groß und komlich; und eine under anderen/ war ſehr herzlich und koͤſtlich/ nabe des Könige Garten im Eingang der Stadt/ in welchem ich in meiner letſten Reiſe in Aſien eingekehrt. Beedes die Carvanſerie 2 Erſte diß Namens/ machen laſſen/ und groſſen Kosten dazu aufgewendet. Dieſe Carvanlerie hat ohngefahr ioo. Schritt in der Vieuümg/ ſie iſt von Ziegelſteinen/ zwey Stockwerck hoch/ gebauet/ und halt inſich bey 120. gewolbten Kammern/ von mittelmaſſiger Groͤſſe. Dieſes Gebaͤu ware wol werth/ daß es beſſen/ als beſchicht/ underhalten wurde; aber es wird ſehr derſaumt/ und heginnet zu grund zu gehen. In mitten des Hofs ware 95 He Waſſer⸗Kaſten/ ſo jetzo verderbt; bie Perſianer und Tuycken haben dieſe ſchlimals die Garten/ ſeynd Wercke ſo Chabas der me Gewonheit/ daß ſie lieder neue Gebau aufrichten/ als die alten bauſtandig erhalten wollen.“ Man hat ſeithero zu Cachan vier oder fünff Carvanlerien, ſo groß und komlich/ ols des Cha Abas ſeinige/ die man nicht achtet/ ſon— dern zu grund gehen laſſet/ erbauet- Dieſe Gewohnheit gehet ſo weit/ daß auch die KinVor Verlaſſung Cachan iſt zu mercken/ man nicht meiden konne/ wolff Stund Wegs durch eben Land ſo nur ein Saltzboden haben/ den Weg zu nehmen; wann man die Helffte der Reife gethan/ findet man allein eine Ciſternen oder Regenbrunnen/ deſſen Waſſer nicht anderſt als ſehr ſchlim ſeyn kau. Laſſet fahnen e ie Von Cachan reiſet man über eine Ebene von drey Meilen/ hernach gehet der Weg in die Berge/ da gleich Anfangs eine ſehr ſchoͤne Carvanſerie von g iegelſteinen iſt. Von dannen komt man in ein luſtiges Thal/ und reiſet zimlich lang darinn/ nach der Lange eines Waſſerleins/ durch einen engen Weg. Am Ende des Thals iſt ein groſſe Maur ſo durchgehet/ und bis an beede Berg reichet. Dieſt Maur iſt uͤber 100. Schritt lang/ jhre Dicke uber 0. Schuh/ und die Hohe uber fünf zig. Dieſes iſt ein Werck ſo der Groſſe ChaAbas hauen laſſen/ um die Waſſer ſo von oben herab kommen/ daſelbſten zuſtellen/ und eine der die Hauer ſo jhre Vatter bauen laſſen, nicht underhalten und verbeſſern; im gegentheil für ein Unehr achten/ nach deren Abſterben ſelbe zu bewohnen/ und wollen den Ruhm haben/ auch für ſich ſelbſt zu bauen. uns aber nun auf dem Weg nach Iſpahan groſſe Waſſerhaltung zu machen/ deſſen im fahl der Noht ſich zu bedienen. Unden an der Mauren iſt eine S chleuſſe/ ſo man das Waſſer zu behalten/ beſchloſſen halt/ und eroffnet/ wann ſolches auf das Land in die Ebene Cachan lauf⸗ e fen ſoll. Von dieſem Waſſerbehalter nach 10 55 muß man ohngefahr zwo Stund zuCorou iſt ein ſehr groſſes Dorf/ volckreich/ in einem Boden mit hohen Bergen umgeDas Dorf Corou. ben/ und mit viel Nußbaumen beſetzt. Die Hauſer ſeynd nur eines nideren Stockwerers hoch/ und allein von Kieſelſteinen gebauet/ die Carvanſerie iſt ſchoͤn und komlieh. Dieſes Dorf hat nur eine Gaſſe/ aber bey einer halben Meil lang/ in welcher im Winter/ wegen eines 155 Bachs der da durch laufft/ und der Kiſteinen/ deſſen ſolches aller Orten voll/ ſehr ſchlim zu gehen iſt/ gleich wie an viel anderen Orten in Perſten. Es befindet ſich eine groſſe Anzahl Cbacales, welches eine Art Fuchſe/ 9 7 9 die zu Nacht ein beſchwerliehes Geſchrey machen/ denn wann ein einiger ſehreyet/ antworten die anderen alleſam. e Art der Fuͤchſe. Von Corou leiſet man noch drey Mei! zwiſchen den Bergen/ und alsdann ſeynd al⸗ Wü lein noch zwoͤlff Meil bis nach Iſpahan. Durch eine ſtatswahrende Ebene ſo noch weiter gehet/ und an vielen Orten einen guten Boden hat. Allezeit nach drey Meilen Wegs findet man zwey Carvanſerien. Die erſte Achaha-Agakamala; und die zweyte ſo halb Wegs zwiſchen Corou und Iſpahan/ Michiacour genant. Es iſt nicht eine Carvanſerie allein/ ſondern ſeynd viel/ welche bey nahe ein groſſes Erſtes Bu. 33 groſſes Dorf machen. Von Michiacour komt man nach Aganura eine andere zimlich ſchlecht erbaute Carvanſerie; und von Agaberühmte Stadt. pa gehenden Waaren. nura hach einer Reiſe von drey Meilen/ über fette und fruchtbare Felder/ erreichet man Iſpahan. g Dieſe groſſe Haubt⸗Stadt in Perſten/ und des Königs Hof/ wil ich beſchreiben/ nachdeme ich den Leſer vollends durch alle die Wege/ ſo dahin führen/ geleitet; ſintemalen ich nur dieſe Materi allein fuͤr das erſte 5 5 meiner Beſchreibungen vorgenommen habe. e Das VII. Capitel. Von dem Aeg von Smyrne nach Iſpahan/ durch Natolien. 5 Smyrne ein C Muyrne iſt heut zu Tag für die Handlung/ es ſeye zu Waſſer oder zu Land/ die berühmteſte Stadt in gantz Oſten/ und ein groſſen Zugang aller auß Europa in Aſten/ und auß Aſien hinwiederum in Euro0 Daſelbſten kommen die Flotten/ welche zuvor auf der Rhede Li vorne anckern/ von Nidergang aufs gewiſſeſte an/ und von da gehen auch zu beſtimmten Seiten die vornehmſten Caravanen gb. Die ſe Stadt ligt im xo. Grad der Lange/ und im 38. Grad 4. Minuten der Breite/ am Ende des Meerbuſens Archipelagi, der ohngefahr ſteben Meil lang/ und zur Rechten des Ithmi, von dannen die Halb⸗Inſul Clazomene die gegen der Inſul Schio Uber liget/ ſich zu formieren beginnet. Sie iſt in dem jenigen kleinen Theil Aſten/ ſo die Griechen under dem Namen Leonien beſeſſen/ und in faſt gleicher Diſtantz wie Epheſen und Sarden erbauet; und zu Smyrne war eine der ſieben 1 vornehmſten Gemeinden/ davon in der Offenbarung Johannis Meldung gethan. Sie iſt heut zu Tag noch eine groſſe Stadt auf Manier eines runden Schauplaßes/ an der Gaͤhe einer Hohe gegen Nidergang der Sonnen erbauet. Aber nicht mehr ſo groß und herelich als ſie vor dieſem geweſen/ wie aquß der Zerſtorung etlicher Gebauen/ die auf der Hohe übrig/ ſo von der Mitken bis hinauf/ Da die alte Stadt Smyrne erbauet war/ die Der Ort wo 0 lic Ar pus 1 Löwen urgeworffen worden. gar nicht mehr bewohnet/ leicht zu ſchlieſſen iſt. Es werden annoch die Mauren eines groſſen Schloſſes/ und darunder ein zerſtortes Amphireatrum, alda St. Polycarpus, wie man dafür halt/ den Loͤwen fürgeworffen worden/ geſehen. Diß Amphiteatrum, ware nicht auf Form der anderen/ die gewohnlich rund ſeynd/ ſondern nur ein halber Circkel/ und gegen der See offen gelaſſen. Die Türcken haben ſolches bey nahe gantz nidergeriſſen/ und der Steinen zu Erbauung einer Veſtung zwo Meil von der Stadt/ an dem Meerbuſen/ und einem Ort da der Paß eng/ und die Schiffe im einfahren ihren Gruß ablegen/ auch im hinguß fahren Beſchejd geben muſſen/ ſich hedienet. Um der Mühe Stein ſo weit abzuholen/ uberhoben zu ſeyn/ giengen ſie zu Naht/ ob ſie deren von der Chriſten und Juden Graber/ ſo nahe dem Geſtad ſeynd/ ſich gebrauchen wolten: aber ſie nahmen derſelben nur wenig/ es ſeye darum/ daß ſie dieſe Volcker nicht beleidigen wolten/ oder daß ſie die Steine nicht ſo dienlich als die von dem Amphiteatro befunden. Dieſe Veſtung iſt erſt ſeich kurtzem erbauet worden/ und zwar auß merckwurdigen Urſachen. Dann als in den letſten Kriegen der Türcken mit den Venetianern/ die Ottomaniſche Flotten indem Ar—chipelago geſchlagen worden/ wolte der Tuͤrckiſche Keyſer dieſelbe wiederum in guten Stand richten/ und ſchickte in alle Hafen ſeines Reichs/ da jhme bewuſt/ daß ſtats Engliſche und Hollandiſche Schiffe ſich befinden/ dieselben zu bereden/ jhme gegen Bezahlung zu dienen. Er machte furnemlich ſtine Rechnung auf die Schiffe zu Smyrnen, alda deren jederzeit mehr als anderſtwo/ angetroffen werden. Aber als die Haubtleut/ welche alſobald den Vorſchlag wider die Venetianer zu gehen/ verworfen/ vermerckren/ daß man ſie gleichſam darzu zwingen wolte/ huben ſie eilend die Ancker auf/ und machten ſich/ ohne daß man ſte aufhalten koͤnte/ denn damalen weber Veſtung noch Geſchutz zu Smyrne ware/ davon. Der Groß⸗Vezier über dieſe Verweigerung/ welche ſeinem Herren beſchehen/ und daß die Schiffe alſo ohne Hinderung ein und auß fahren konten/ erzürnet/ war bedacht/ um ſolche künfftigs im Zaum zu haben/ eine Veſtung an dem Meerbuſen/ und einem Ort da die Schiffe nohtwendig hart daran hinfahren muſten/ erbauen zu laſſen; man ſiehet alda groſſe Stucke/ die dem Waſſer eben ſtreichen/ und den Paß beſchutzen. Seith derſelben Zeit kommen die Convoy- Schiff/ welche die Flotten begleiten/ nicht mehr bis nach Smyrne wie ſie vor dieſem zuthun pflegten/ ſondern bleiben underhalb der Veſtung über ein Canonſchuß 75 8 Zinmlich nahe bey dem Amphiteatro, ſtehet man auch erliche überbliebene Stuck einer Kirchen/ deren beyde Seiten als ein Capellen durch kleine Mauren die noch ſtehen/ abgetheilt ſcheinen: Aber die Leute des Landes zweiſten/ ob ſoſches die zerſtoͤrte Kirchen St. Policarpen/ Biſchoffen zu smyrnen, oder eines alten Tempels Jani, Neſt ſehe ne. mine iſt vielmal/ beydes durch Krieg/ dergleichen auch durch Erdbeben/ die oft daſelbſt geſpüͤhret werden zer ſtoͤret 5 5 Als ich in einer meiner Reiſe/ mich dorten befunden ward auch ein Erdbeben ſe ehr ſtarck/ aber es wahrete nicht lang. Ungefahr ſechzig Schritt weit von dem Meer/ ſiehet man uͤberbliebene groſſe Mauren/ zween Schuh tieff under dern Waſſer verborgen/ und am Ende der Stadt gegen Nidergang/ ſehnd am Ufer des Meers die Zerſtörung einer Vormaur5 e Gewolber vder Magazinen/ Die Englischen Kaufeut haben in Hen 5 Hel 7 Alte Reliquien zu Smyrna, 34 erſtoͤrungen Sen y rne ſuchen laſſen/ und viel cn Steinene Bilder gefunden/ die ſie in jhr Land geſchickt/ man findet deren noeh taglich; aber wann die Turcken ſuchen pflegen ſte die Bilder gantz zuverderben. Man kan bey einem verwunderlich groſſen Zehen von einem Fuß eines Bilds abgebrochen/ und den ich/ weilen begierig ware ſolchen zuhaben/ theur genug bezahlen muſte/ urteilen daß dieſe Bilder von ungewohnlicher Groſſe geweſen. Dieſen Zehen habe ich nach Paris einer Standtsperſon uͤberſchickt/ welche ſolchen für etwas ſonderbares gehalten/ er iſt von einein weiſſen und harten Stein/ und ſehr wol formieret/ und nach proportion der Groſſe muß das Bild bey nahe ſo groß als der Coloſſus zu Khodes geweſen ſeyn. Auf der Seiten der Stadt da die Vormaur geweſen/ iſt ein ſchlechtes Schloß/ und unden an demſelben ein kleiner Meerbuſen/ dahin zuweilen des Türckiſchen Keyſers Galleen ſich begeben. Viel Volck zu Smyrna. Die Stadt iſt ſehr Volekreich/ und halt nicht viel weniger als 90. tauſend Seelen in ſich. Es werden von Türcken mehr oder weniger Eo. Griechen 5000. Armenier Soo. und Juden 6. oder 7000. gezehlet. Der Chriſten auß Europa/ welche den gantzen Gewerb/ und von welchen bald hernach Meldung beſchehen ſolle/ in Handen haben/ it ein geringe Anzahl. Ein jede dieſer Nationen hat alda eine gantz frey Ubung jhrer Religion. Die Turcken haben 15. Moſqucen/ die Juden 7. Schulen/ die Armenier nur eine/ die Griechen zwo/ und die Lateiner drey Kirchen. Die Frantzoſiſchen Capuciner haben ein ſehr ſchoͤnes K loſter uñ jhre Kirche dienet für eine fare/ da auch das Pfarr⸗Amt verrichtet wird. Es beſinden ſich daſelbſten auch Frantzoſiſche Jeſuiter/ und Italianiſche Obſervantiner. Die Turcken/ die Griechen/ Armenier/ und Juden wohnen auf der Hoͤhe/ und der gantze niedere Theil nach langs der See/ iſt allein von Chriſten auß Europa/ nemlſchen Frantzoſen EngelländHollander/ und Italienern bewohnt. In demſelben Theil haben die Griechen ein alte Kirche und etliche kleine Haͤuſer/ in welchen die BootsKnecht zu eſſen pflegen. Alle dieſe underſchiedliche Europeeiſche Voͤlcker gehen in Aſien ins gemein under dem Namen Francken/ auß urſachen die anderswo angezeigt. Aber der Frantzoſen ſeynd vielmehr als der andern. Jede Nation hat jhren Burgermeiſter oder Agenten/ und der Frantzoſiſche hat zween Statthalter/ einen zu Scalano ye den anScalanova, das iſt der neue Hafen/ welcher zwey Meil uͤber Epheſen gelegen/ und weil es ein ſicherer Hafen/ kommen die Schiffe dahin die Waaren außzuladen/ welches aber die Türcken nicht mehr haben geſtatten wollen. Die llrſach komt daher/ weil dieſer Ort gemeinlich des Tuͤrckiſchen Keyſers Mutter Eigenthem iſt; derohalben verglieche ſich der Statthalter mit dem Gubernator von Scala 1 Reisbeſchrelbung in Perſien/ nove, welcher die Uberführung der Waaren nach Smyrne nur 3. kleine Tagreiſe darvon geſtattete/ ſo den Gewerb dieſer Stadt verderbte/ und den Zoͤllnern inſonderheit groſſen Schaden brachte: Sie erhielten von dem Turckiſchen Keyſer ein Verbott/ daß zu bemeldtem Scalanovè nichts außgeladen wurde/ derowegen fahren die Schiffe nicht mehr dahin/ als um einige Erfriſchungen zu nehmen. i Chio iſt eine der groſſen Inſulen im Archi pelago, dar von anderswo Meldung beſchehen ſolle/ und hat der Statthalter daſelbſten wenig mehr Geſchaͤſte/ als der zu Scalano ve, weil die Schiffe ſo alda anlaͤndẽ/ weder außladen/ noch einige Waaren wegzufuͤhren einzuladen pfſege. Der ſo genannten Francken/ oder Außlandiſcher Quartier/ iſt nur eine einige lange Gaſ⸗ 5 ſe/ deren eine Seiten gegen dem Meer ſo an die Hauſer ruͤhret/ welche ſowol wegen des Außſehens/ als Komlichkeit der Außladung der Waaren/ viel rheurer als die Hauſer/ ſo gegen der Hohe gehen/ gehalten wird. N Das Erdreich zu Smyrne iſt fruchtbar/ grucktkar2 und bringt in Uberſfuß aller nothwendigen Le⸗ keit zu swr bens⸗Mittlen/ inſonderheit treflichen Mein/ und gutes Baumol herfür. Ein halbe Meil von der Stadt gegen Norden ſeynd SaltzGruben. Das Meer gibt ſehr viel gute Fisch/ allerley Weidwerck iſt daſelbſten ſehr wolftil/ mit einem Wort zumelden/ Smyrne iſt ein Ort des guten Lebens. Es ſeynd wenig in Europa erregen da man ſich beſſer erluſtigt/ von den Anßlandi⸗ zun des gu ſchen verſtandenzman machet Spatzier⸗Geſell⸗ ten Lebens. ſchaften/ ladet einandern zu Gaſt/ und befinden ſich alda 3. oder 2. Frantzofſ. Koche die Wirtſchaft treiben. Das Spielen wird fieiſſig geUbt/ und vor dieſem ſpielte man um namhafte Summen; aber ſeit kurtzer Zeit wird aaß gehalten. Es ſeind auch alda Trucktafeln und anderer Sorten luſtiger Kurtzweil. Der SpatzierGang an dem Meer bis zu den Saltz⸗Gruben iſt angenehm/ und auf der Seiten gegen dem Land ſeynd ſchoͤne arten/ dahin gehengewonlich zu Som̃ers⸗Zeit viel deut um der Kuhle zu. genieſſen/ und weil die F reyheit zusmyrne groͤſſer als an einigem andern Ort der Turckey iſt/ hat man nicht noͤthig/ wie anderswo/ wañ man auß⸗ und in die nahe ſpatzieren gehen will/ einen Janitſcharen mit ſich nehmen. Wer Luſt zur Jagd hat/ kan ein kleines Schiflein dingen/ und 2. oder z. Meil von der Stadt gegen den Bergen/ da das Weidwerck gur/ ſich an Land führen laſſen. Es iſt aller Orten ſo gute Schnabel⸗Weide/ daß man unglücklich ſeyn muß/ lahr wiederum zuruck zu kommen. Fur den Werth von zween oder drey Sols, kan man zu Smyrne ein roht Feldhun bekommen/ und ander Geflügel nach proportion. Aber obſchon Smyrne an vielen Sachen einen ſo groſſen Vorzug hat/ ſo iſt dieſelbe auch jhrer Beſchwarden nicht befreyet. Die Hite iſt Sommers⸗ Zeit ſehr groß/ und ware unleidenlich/ wann nicht ein See⸗Wind die Lufft erkühlete: Er entſtehet gewohnlich unn 1. Uhr Vormittag/ und wahret bis auf den ADie Juſuk hio. ——ꝓ.— 825 . Erſtes Buch. bend; und wann ſolcher außbleibt/ it man wegen der Hitz ſehr beſchwart/ über das gehen wenig Jahr vorbey/ daß dieſe Stadt meht mit der Peſt angefochten wird/ die zwar nicht ſo ſtarck/ als in der Chriſtenheit regiert. Die Tuͤrcken foͤrchten und flehen dieſelbe nicht/ ſondern ſteuren ſich auf die Vorſehung. Aber ich halte darfür/ wann die smyrner ſich befſießſen viel Waſſer/ ſo in Winters⸗Zeit um die Stadt ſich ſamlet/ und alſo gelaſſen wird/ wegzuraumen/ die Peſt wurde nicht ſo oft daſelbſten regieren/ welches gemeinlich in den Monaten Mey/ Junij/ und Julij beſchicht; Die giftigen Fieber/ welche darauf im September und October folgen/ ſeynd wol mehrers zubefoͤrchten/ dann dar von ſterben vielmehr Leut/ als an der Peſt. In allen meinen Reiſen hatte ich das Glück/ daß ich niemalen in der gefahrlichen Zeit mich zu Smyrne befunden. Es iſt daſelbſten kein Bacha, ſondern die Stadt wird allein von einem Cady regiert/ welcher den Chriſten nicht ſtreng iſt/ wie an viel andern Orten in der Tůrckey gebraͤuchig. Wann er ſeines Amts mißbrauchte/ hat man nicht weit nach Conſtantinopel ſich bey dem Groß⸗Muffei zu beklagen/ welcher jhme die Hand ſchmierend/ leicht bewogen werden kan/ den Cadi abzuſe5 n/ weil jhme etwann lieb/ dieſe Stelle einem einem Freund zugeben. 5 a 3 Zoll zu Smyrne tragt dem Turekiſchen Keyſer ein groſſes ein/ und wird daſelbſten ſehr genau bezahlt. Wann die Waaren geſchatzt wurden/ koͤnte der Kaufmann nicht ſo viel Liſt/ wie geſchicht/ erdencken/ um die Zoller/ wie genau auch dieſelben Aufficht habe/ mithin zu betriegen; anderſt konten die Kaufleutnicht beſtehen dan dieſe deut ſchatzen die Waar nach jhrem belieben/ und auf ooo. Kronen was nur 300. werth/ in deme ſie vollkommen Meiſter des Taxes ſeynd. In meiner letſten Reiſe habe 4. Hollanderin/ welche auß jhrem and in unſer Schiff kommen/ mir ein gute Freundſchaft erwieſen/ und under jhren Nocken das Koͤſtliche ſo ich mitgebracht hatte/ aufs Land getragen. Die Turcken enthalten ſich dergeſtalten dieſes Geſchlechts/ daß ſie einer Weibsperſon dieſelbe zu beſuchen/ ſieh nicht nahern doͤrffen. Wann man erwiſcht wird/ daß man einige Waar verborgen durchbringen wollen/ wird ſolche nicht conſiſciert, ſondern man muß 9 gantzen Straff allein doppelt Zoll bezahDie Handlung iſt ſtarck zu Smyrne, und ſeind die vornemſten Waaren/ ſo die Franes oder Europeer von da wegzuführen pflegen/ rohe Seiden/ welche von den Armeniern auß Perſien gebracht wird/ Geſpunſt und Camelot vom Geißhaar/ die auß einer kleinen Stadt Angouri genennt/. oder 16. Tagreiſt von von Smyrne kommen/ geſponnen Baumwollen/ deder und Cardouan von underſchiedlichen Farben/ Baumwollen⸗Tuch weiß und blau/ viel Wollen für Matratze n/ Teppich/ geſtebte Decken/ Seiffen/ Rhebarbara/ Gall⸗Aepffel ſo genannte Valanede, Scamonea, und Opium; Dieſe vier letſtgemeldte Gattung Waar wer35 den in der nahe Smyrnen, aber nicht in groſſer Partey geſamlet. Die Caravanen kommen in dieſer Stadt gewohnlich an/ in den Monaten Februarij⸗Jumj und October/ und gehen hinwiederum in gleicher Zeit ab/ nach denen Landen daher ſie kommen. Die Kaufleute ſo mehrentheils Armenier/ verkauffen jhre Waar lieber den Frantzoſen als andern Nationen auß Europa/ weilen die Bezahlung vollig in Gelt iſt/ da hingegen jhnen die Engellund Hollander für die helfte jhrer Bezahlung Tuch auftringen. Weil Epheſen von Smyrne nur anderhalbe Tagreiſe zu Pferdt abgelegen/ und ich in der Widerkunft meiner vierten Reiſe etliche Wochen auf die Abfahrt der Flotte nach Lorne warten muͤſte/ wolte ich mir die Zeit zu Nutz machen/ und ſehen/ was von einer Stadt und deren Tempel/ bie vor Alters ſo berühmt geweſen/ noch ubrig ware. Es waren unſer zwolf/ ſo wol Frantzoſen als Hollander bey einander/ und wir nahmen mit uns drey Janitſcharen zuunſerem Geleit/ ſamt drey mit Wein und andere Mundproviſion beladene Pferdt. 5 Dieſe kurtze Reis beſchahe in Sommer/ und als wir von Smyrne um z. Uhr Nachmittag abreiſeten/ gienge unſer Weg beydes durch Eben⸗ und Bergicht Land bis in ein groß Dorf/ da wir zu Nacht aſſen/ und ein Engellandiſcher Kaufmann ein ſchoͤnes Hauß um in Peſt⸗Seit dahin zu fliehen/ daſelbſt hat. Nachdem wir zwo oder drey Stund daſelbſten geblieben/ ſtiegen wir wiederum zu Pferdt/ und reiſeten/ der Hitze überhoben zu ſeyn/ bis Mitternacht/ wir funden underwegs neun oder zehen Schwieboͤgen/ ſehr eng; und koͤnten nichts anders urtheilen/ als daß ſolches ein Waſſerleitung ware. Etliche junge Leute unſerer Geſellſchaft/ die der Mühe nicht gewohnt/ ruheten auf Kuͤſſen bis um 3. oder 4. Uhren morgens/ alſo daß die Jamitſcharen neben mir einen Theil ſchwaͤrlich aufzuwecken vermochten/ damit wir uns wiederum zu Pferd begeben/ und in der Kuhle weiter reiſen mochten. Von dar bis nach Epheſen iſt ein luſtiger 5550 durch Buſche mit vielen Bachlein begent Ein Viertelſtund von Epheſen iſt ein Molqusee, ſo vor dieſem eine Kirche der Chriſten/ die ſolche von Zerſtoͤrung des Tempels zu Epheſen gebauet hatten. Dieſe Moſquẽe iſt mit einer Maur umgeben/ und gehet man hinauf auf zwo Stiegen von zwolff Treypen jede/ die zu einer Sommerlaub leiten. Demnach gehet man gleichſam als in ein Kloſter/ deſſen Schwieboͤgen mit Marmorſteinen Squlen vonunderſchiedlichen Farben ſehr kunſtlich gearbeitet underſtutt/ und der Boden der Gangen ſo auf dreyen Seiten/ iſt mit groſſen viereckigten Steinen beſetzt. Die ol que hat den gantzen vierten Theil des Platzes der rechten Seite eyn/ und die Port iſt in der mitten Dieſe Moſquèe iſt ein groſſes Gewolb auf fünezerlichen Saulen ſtehend/ vier ſeynd von are ein jede underſchiedlicher Farb/ abez die fünf iſt ein gantz ungemeines Stuck/ weilen Ne 36 Reisbeſchreibung in Per ſien/ von Por phyrſtein/ und die Groſſe iſt um ſo viel haben dem Gubernakor der Landſchafft Gelt mehr hoch zu ach en. flur dieſen Stein/ uin ſolchen in Europa zu fuͤhMdeachdeine wir an dieſem Ort alles was ren/ angebotten/ aber ſelbigen nicht erlangen merckwurdig beſehen/ legten toi ein Theil un⸗ konnen. Man ſiehet noch oo. Schritt von ſceres mitgeneißenen Provianes auf der Som⸗ Epgheſen/ die Hole der ſieben Schlaffer genant/ Der ortder merlaube auß/ und fruhſtuckten/ ohne daß je⸗ ſo unden an dem Hügel/ da die Stadt erbauet/ Schlaffer. mand etwas ſagte. Aber als wir ein gleiches geſehen wid. 5 in dem wiederkehren thun wolten/ ware unſere Von Epheſen kamen wir auf Scalanove, Jetzige Beſche Mahlzeit durch einen Zufall/ ſo ich hernach er⸗ fe zehlen wil/ zerſtoͤret. V Eppheſen hat nicht mehr das Anſehen einer e Feat Stadt, weil dieſelbe allerdingenzerſtoret/ und Eyheſen. ſcheinet/ dieſe Stadt ſeye ſehr groß geweſen/ die Hauſer alle nidergeriſſen. Sie ware an der abhangenden Seiten eines Bergleins gebauet/ in einer Gelegenheit bey nahe Smyrna gleich/ ein Waſſerlein/ nachdeme ſolches ſchlangenweiß durch die Wieſen geloffen/ und viel Um⸗ fla kreis genommen/ flieſſet unden vorbey. Es und wird auf der Hohe annoch der Begriff der Mauren/ ſamt vielen viereckichten Thurnen/ deren etliche noch zimlich gantz ſeynd/ geſehen Under anderen einer ſo merekwurdig/ darinn zwo Kammern/ deren eine ſehr ſchoͤn/ und mit Marmor uͤberzogen iſt. Die Einwohner des Lands halten dafür/ es ſeye der Ort Pauli Ge, wo Sk. Paul gefangen geweſen/ und daß wefuͤngnuß. Der Diana Tewel zu an dem Verglein bey einer Stadt⸗Pforten. Epbeſen. gen eines ſonderbaren Vorzugs/ die Zeit die alles verzehret/ gleichwol dieſem Gebau bis anhero keinen Schaden bringen konnen. Der Diana berühmter Tempel/ iſt unden Es iſt davon nichts mehr als das Portal/ ſo noch gantz/ übrig. Die Gewoͤlber der Kellern beſtehen noch/ und ſeynd ſehr groß/ aber voll Hraths. Wir waren mit Laternen darin/ und muß man ſich krummen/ um hinein zu kommen/ ſinemalen der Wind die Erde treibt/ daß davon der Eingang verſtopfet wird. Aher inwendig kan man ruhig gehen/ die Gewolber eynd hoch und ſchon/ und ift faſt nichts verderbet. Bey dem groſſen Portal ligen vier oder funff Seulen auf der Erden/ und darneben iſt ein Waſſerbecken zehen Schuh im Diameter/ und zween tieff. Das Volck des Lands gibt fur/ es ſeye das Becken da St. Johannes die Chriſten getaufft habe. Ich aber/ der in Indien viel Pagockes oder Tempel der Abgoͤtter/ und ſchoͤnere Gebau als der Tempel zu Epheſo mag geweſen ſeyn/ geſehen/ bin der Meinung/ daß dieſes Becken vielmehr zu des Volcks Opffern gedient/ wie dergleichen in den Pagodes der Indianer ſich befnden. Die Griechen und Armenier/ und jnſonderheit die Francken/ wann ſie nach Epheſen kommen/ trachten ein Stüͤcklein von dieſem Becken abzubrechen/ un ſolches für ein Heiligthum mitzunehmen; aber der Stein iſt alſo hart/ daß ſie noch wenig davon brechen konnen. 1 Nicht fern von dem Tempel wird ein ander Stadt⸗ Thor geſehen/ auf deme ein groſſer Stein von ſieben in acht Schuh in der VieGebächtuuß rung/ mit dem erhabenen Bildmiß Curen des Quttii. berühmten Roͤmers der zu Pferd/ und gantz gewaffnet/ einem Vatterland zu gefallen/ ich in einen Abgrund geſturtzet. Viel Kaufleute ſo nur zwo Meil davon. Auf halbem Weg ergieſſet ſich der kleine Fluß/ ſo bey Epheſen durchlaufft/ in das Meer/ bey deſſen Außlauff befinden ſich ſtats viel Schiffe der Griechen/ den Stor zu fiſchen. Sie machen auß dieſem iſch Eyer/ von jhnen Caviard genennet/ und üllen mit dieſen Eyern die zarteſten Darm/ darauß eine Gattung Wurſt zu machen/ die ch/ und in Form und Lange unſerer Biſcuit oder Zuckerbrod ſeynd/ und von jhnen Boutarde genennet werden. Dieſe Wuͤrſte werden gerauchert/ und alsdann/ wann mons eſſen wil/ in Schnitten getheilet. Bey einem andern Fiſche Seche genant/ iſt kein Blut/ und dieſes der Griechen gantze Nahrung/ in ihrer Faſten/ die ſehr ſtreng; dannenhero wird in ſelbigen Orten mit Ca viard nicht geringer Gewerb getrieben. e Scalanove iſt ein See⸗Port„davon bros i ben Meldung beſchehen/ wir kamen daſelbſten uin ſieben Uhr Abends an. Der Gubernator des Orts/ ware viel hoßſicher als gewohnlich die Turcken nicht ſeynd/ und erzeigte uns viel Freundſchafft. Der Statthalter empfing uns ſehr wol/ und under denen Trachten die er auftragen laſſen/ war eine Schuͤſſel mit Melonen/ die zu Scalanove treflich gut ſeynd. Alls auf den Abend einer unſerer Jaritſcharen/ mit einem unſerer Knechten/ von dem er übel tractiert worden/ in Handel gerahten/ und den folgenden Tag jhne bey ſeinem Hern verklagt/ der es aber wenig geachtet/ ware dieſer Janitſchar alsbald bedacht/ der ganzen Compagnie zum Schaden/ ſich zu raehen/ und um ſein Vorhaben werckſtellig zu machen/ gieng er under einem Vorwand vor uns hinweg. Wir verxreiſeten von Scalanove Morgens früh in der Kühle/ und kamen mit gutem Appetit zu der Aolſquse da wir den Tag zue vor gefrühſtücket. Etliche von der Compag ney/ die hre Bequemlich keiten ſuchten/ fanden kein komlichern Ort als der jenige guf der Sommerlaube/ da wir hereits Mahlzeit gehalten hatten/ um vor der Sonnen/ die ſonſten aller Orten hin ſchiene/ heſchirmt zu ſeyn/ und zum zweyten mal daſelbſten uns zu erquicken. Ich/ weilen mir von dere/ ſo uns hernach begegnet/ nichts guts traͤumete/ war nicht der Meinung/ und trach tete die Compagney zu bereden/ unſere Mahlzeit auf einigem elfen/ der da herum komlich ſchiene/ zu halten. Aber die mehreren Stimmen hatten den Vorzug/ alſo nahmen wir die Sommerlaube der Moſquèe nochmalen ein/ lieſſen unſer Proviant ſamt einer Legel Wein und einer Legel mit Waſſer herbey tragen/ und begunten an nichts anders zu gedencken/ als zu eſſen und zu trincken. Wir hatten eben wrofange . 10 — 5 2 ————̃ ̃ ͤ ́T—— —' „ . —ͤ— 8 —— . ſeß Da ich ohngefehr zwey hund drey oder vier Türcken/ von einem der Molque nãchſtgelegenem Dorff herkommen/ erſahe/ und weil mir das Land beſſer als einigem der Compagnie bekandt/ ſagte ieh alsbald/ daß man komme uns Handel anzurichten/ und lieſſe eilend unſer Legel Wein verſtecken! Dann es iſt zu wiſſen/ daß die Turcken damalen in jhrem Ramezam, das jhre Faſten/ in welcher Zeit der Wein viel genauer verbotten/ eben dazumal gehalten wurde. Ich irrete nicht in meiner Meinung der Überkunft dieſer Türcken und Verrahterey des beleidigten Janitſcharen/ welcher/ nicht zweiffend/ daß wir wiederum auf dieſer Sommerlaube unſere Malzeit halten wurden/ ſolches dem Cadi zu wiſſen/ um durch dieſe uns erweckte Ungelegenheit/ weil er wegen des Knechts/ ber den er billich geklagt/ kein Gehoͤr gefunden/ ſich zu rachen. Dieſe Türcken ubel geſtalt und ſchlecht gekleidet/ waren des Orts Janitſcharen/ ſo der Ca. di ſchickte/ um uns/ wann wir in einem Ort/ den ſie geweihet halten/ und da wir demnach/ ihrer Meinung nach ein Kirchen⸗Raub begiengen/ Wein trincken wurden/ zu überfallen. Ihr Hunde/ ſprachen ſie bey jhrer AnMalzeit kunft/ warum gehet jhr nicht zu eſſen und a 4e, zu trincken/ gar in die Molquée hinein/ den heiligen Ort in einer hochſtraͤfticher machet/ noch mehr als ihr thut/ zu entheiligen. Ihr Hunde/ fuhren ſie zu ſchreyen fort/ Ihr trinckt Wein. Nein/ ſagte ich/ in Namen der gantzen Compagnie Zeit/ die euere That redend/ weil mir die Sprach um etwas bekandt war/ wir trincken keinen/(dann ich hatte ſolchen verſtecken laſſen) ſondern allein Waſſer/ wilt du koſten/ ſprach ich zu deme/ der ſich vor den anderen unnutz erzeigte? und zugleich lieſſe ich von der Lägel/ die mit Waſſer gefüllet war/ außgieſſen. Daneben winckte ich mit den Augen einem dieſer Turcken/ der wol merckte/ daß ich jhme etwas abſonderlich verſprache/ und gegen ſeinen Geſpanen ſich wendend/ ſagte: Was dann/ es iſt wahr/ ſie trincken keinen Wein. Aber das hinderte nicht/ auf den Befehl/ den ſie hatten/ uns zu dem Cadi zu fuhren/ daß wir nicht ihnen folgen muͤſten/ und ich nahme/ mit drey anderen begleitet/ die Commiſsion über mich/ in das mit Antwort auf ſeine Frage zu begegnen. Derſelbe thate uns eben/ aber zimlich ſcharff/ den Vorwurff von den Janitſcharen angefangen; aber er war nicht wenig beſtuͤrtzt/ und zugleich unwillig/ da ſie jhme einhallig ſagten/ daß wir kein Wein hatten/ welches er nicht glauben wolte/ argwohnend/ ſie hielten unſere Parthey/ und zwar war nicht ohne/ daß ich dem Turcken/ welchem ich mit den Augen gewuncken/ under wegs heimlich mit acht Ducaten die Hand gefullet/ uͤber welche Verehrung/ die er ſich ſo reichlich nicht eingebildet/ er ſolcher maſſen erfreuet/ daß derſelbe ſeine Geſpanen krafftig beredte/ nichts zu unſerem Nachtheil vorzu3 1 Cadi. auf dieſen Vortrag/ ert Schritt weit/ der jhme n Dorff zu gehen/ um jhme ht gefiele/ underlieſſe/ doch nicht nach Gewonheik des Lands/ uns den Caffs bringen laſſen/ und wieſe uns zu ſeinem Leukenant/ welcher/ nachdem derſelbe oft von den Stadthalteren und Kaufleuten von Smirnen Verehrungen empfangen/ uns ſehr freundlich aufnahm/ und alſobald die Tafel decken lieſſe. Er gabe uns zu verſtehen/ daß/ weil der Cadi erſt neu in das Amt kommen/ er alles wol bedoͤrfte/ und wenig jhn begnuͤgte. Die Sach nun zu ſtillen gaben wir fünff und zwantzig Ducgten dem abe Mues Leutenant/ welcher/ ſonder Zweifel ſich mit Schadenaßdem Cadi vergliche/ und alſo begaben wir eher uns wieder zu unſerer Compagnie/ die in groſſen Sorgen ſtunden/ wir wurden nicht davon kommen.. 8 Wir entſchloſſen uns auf Smirnen einen anderen Weg/ als den wir kommen/ zu nehmen/ wie beſchehen/ und haben einen gar luſtigen/ theils zwiſchen veſtem Sand/ und theils zwiſchen Wieſen/ da viel enge und wolgepflaſterte Damme waren/ angetroffen. Darnach muſten wir über einen hohen und rauhen 1 8 und kamen in eine Mahometaniſche Scheuren zu uͤberDen folgenden Tag um zehen Uhren nachten. Morgens/ waren wir von unſerer kleinen Reiſe nach Epheſen/ die in dem fünften Tag vollbracht/ in Smirnen wiederum zuruck. Auf unſerm Anbringen vor den Burgermeiſteren des Janitſcharen Verrahterey/ ſchickten dieſelben an den Janitſcharen Aga, und an Cadli ſich zu beklagen/ welche zu ſeiner Straffe ihne von dem Dienſt der Burgermeiſteren/ davon er nicht geringen Nutzen hakte/ entſetzten. Nach dieſem Dienſt wird von dieſen Leuten eiferig getrachtet: Dann uber das/ daß die Jamtſcharen/ die man den Burgermeiſtern zugibt/ denſelben zu dienen/ der Kliegs⸗Dienſte befreyet/ haben ſte ein ſehr gute Beſoldung/ und iſt kein Kauffmann von deme ſie nicht mithin Verehrung bekommen/ inſonderheit am Neuen Jahrsund anderen Feſt⸗Tagen/ ſich einbildend/ was man jhnen auß Gnaden und gutem Willen gibt/ ſeye eine Schuldigkeit/ und wollen auß der Gewonheit ein Geſatz machen. Alſo ward der Janitſchar auf das empfindlichſte under den Turcken/ welche das Gelt allen anderen Dingen vorziehen/ geſtraffet; was uns anbelangen thut/ konten kon Uns wegen der empfangenen Ungelegenheit leicht trösten wir ſeynd die erſten/ ſo darüber lachen/ weit gefehlt/ daß wir uns erzoͤrnen ſolten. (Nuniſtes Zeit von Smirnennach Perſten. Weg bog auffubrechen, und den Weg/ welchen man ae nehmen ſolle zu beschreiben. Die Verſamlung der gantzen Caravane oder eſellſchaft/ iſt gewonlich 2. Meilen von der Stadt/ da dieselbe bey einem Dorff Pongarbachi genennet/ ſich lägeret. Nachdem der Tag der Abreiſe beſtimmet/ verſſihet ſich ein jeder mit jhme auf den Weg nothwendigen Sachen/ und komt den Abend zuvor auf den Ort der Verſamlung/ um 3. biß* 8 kleiner Fluß/ deſſen e Stadt 9 Woh Die Stadt Phdadelphia. 38 Raisbeſehreibu bißweilen ſchon die folgende Na 10 wann es vornen in Norden einen ſchoͤnen ebenen nit den folgenden Morgen beſchichl/ abzureiſen. „Von smirnen nach I at ſeynd ungeſehr 35, Tagreiſe der Caravane, und in meiher letſten Reiſe/ brachten wir 38. Tag biß 5 Pongarbachi zu. 5 e Den erſten Tag reiſeten wir acht Stund in einem luſtigen Land/ und lieſſen etliche Doͤrffer mehr als eine halbe Meil von der Straſſe ligen/ und kamen in ein Waldlein/ bey dein Pactole zu lageren/ welches nur ein and glantzend/ und von allerley Farben beſtehet. Welches den Alten Urſach geben/ ſolchen ſo hoch zu rühmen/ und zu ſagen/ daß das Gold under dieſem Sand fahre. Dieſer Fluß entſpringt auß dem Berg Tmole, und nachdem ſolcher das Erdreich Sardes gewaſſeret/ nimt er ſeinen Lauff in den Fluß Kermus, der in den Archipelagum, in dem Meerbuſem smirnen ſich ergieſſend. Sein Außlauff iſt nur zwo oder drey Meilen von der Stadt/ gegen Norden ſich ziehend. 3 Den anderen ie Reiſe gllei 6. Stund/ Durgout eine kleine zimlich luſtige Stadt/ in einer Ebne zu erreichen. Al * Chriſten/ die auſſerhalb des Türckiſchen Keyſers Gebieth ſich aufhalten/ und durch dieſen Ort reiſen/ zahlen jahrlich ein mal Carrage, Tag war die Reise allein N. der trefliche Früchte herfu ee e noch von alten Reliquien ubrig/ iſt der Reſt eines Amphiteatri, ſamt etlichen Begrabnuſſen/ von dannen nach Außſage der Leute des Lands/ viel Leiber der Abgeſtorbenen/ von den Chriſten geehret/ und fuͤr Heilige gehalten/ und in Europa verführet worden. Sie ware gang zerſtoret/ und die Turcken haben ſolehe von Erden/ nach jhrer Manier wiederuun erbauel. Es iſt eine der vornehmſten Stadien in Myſian geweſen/ und weil dieſelbe dem Erdbeben ſehr underworffen/ haben die Alten mehrertheils jhre Wohnungen auf dem Feld genommen. Wie ich das kerſte mal An 164. den 17. Junij durchreiſete/ hielten die Turcken ein Heſt/ nach empfangener Zeitung/ wie ſie ſagten/ daß die Chriſten in Candien geſchlagen worden. Aber es ware falſch/ und nur erdacht/ um dem Volck ein Hertz zu machen/ weilen daralen Soldaten geworben wurden. Wir blieben dieſen Tag nach einer Nriſe von 6. Stunden an dem Ufer eines kleinen Fluſſes/ ein und ein halbe Mpeil von Philadelphien. Den ſiebenden Tag reiſeten wir u. Stund in kinem groſſen Berg voller Barmen/ ſo die Gallapfel und ſo genannte Valanede tragen/ welches die Schalen der Eichlen ſeynd/ deren die Lader breiter zu jhrer Arbeit ſich bedienen. das iſt/ eine Schatzung von vier oder fünff Wir lagerten in einer Wieſen auf der Hohe Kronen/ aber die Francken ſeynd befreyet zu bemeldtem Durgour, und durch gantz Türckey. Es iſt in dieſer Stadt ein Bacha, Wir mſten daſelbſt einen gantzen Tag harren weil die Oaravane auß Perßſen alda ankame/ und man die Kammel auß wechslen Dien dritten Tag nach fünff Stunden/ reißten wir in uberauß groſſer Hitz/ und kamen zu einem eleyden Dorf. Den vierten Tag blieben wir nach ſechs Stunden nahe einem kleinen Fluß. Vor Mittag gienge unſer Weg über die Zerſtorung des alten Sardes Paubt⸗ Stadt in Lydien/ und Wohnung des Königs Creli. Es wird noch allda das Uberbliebene eines groſſen Pallaſts/ und zwo ſchoͤne Kirchen/ ſamt vielen Saulen und Zierrat von Marmor geſehen. Weil dieſe Stadt von Temuflan, der ſolche belagerte“ ſechs Jahr lang Widerſtand ge— than/ lieſſe er dieſelbe nach Eroberung von Die Gene, Grund auß zerſtoren. Bey Sardles iſt ein nein argen. Donff gleiches Nginens/ in dieſer Stadt war eine der ſicben Gemeinden/ davon in der Offenbahrung Johannis Meldung gethan. Den wien Tag reiſeten wir 7. Stund lang darch ein ungebaulkes Land/ und nahmen unjer Nachtlager in einer Ebne an dem Ufer eines Fluſſes.—— Den ſechſten Tag reiſeten wir an den Mauren der alten Sede ae jetzt Allackars genannt/ allda auch eine der ſieben Geineinden in Aſien geweſen/ vorbey. Dieſe Mauren ſeynd noch zümlich ſchon/ die Stadt iſt groß/ abey nicht volckreich. Auf 4. Hüglen unden an einem hohen Berg gebauet/ und hat bey einem Bachlein Banaſou eines Berges/ liaglibogale, das iſt/ der Nguher⸗ Berg genannt Denachten Tag fuhren wir fort in dieſem Berg zu reiſen/ es iſt ein oͤdes Land/ da man keinen Proviant findet. Wir reiſeten nur 6. Stund Wegs und harreten bey einem Walſerlein/ in einer Ebne Sarroucabaqui genennet. Dien neunten Tag reiſete die ara vane 9. Stund über ein durres Land/ da nur einiges Dorff gefunden wird/ und kame bey einer Brucke/ über einen Fluß Copei· Sou, in der Ebne Inahy genennet/ zum Nachtlager Den zehenden Tag nach einer Reife von acht Stunden/ ineinem hogerichten und unfruchtbaren Lande/ hielten wir in einem ThabBa b genannt till deſſen Waſſer ſehr ſchlecht. In der Nacht wurden wir von einem Ungewitter uͤberfallen/ ſo uns alle ſamt in Unordnung brachte. Der Regen ſo fiele wave ſo kalt als mikten im Winter hatte ſeyn können. Wir wurden naß biß auf die Haut/ und muſten die Bal len mit Teppichen bedecken/ die Waaren für der Netzung zu bewahren. Den eilften Tag rriſeten wir 10. Stund in einem ſchoͤnen Land zwiſchen grünen Thalern/ und ſaͤhen im vorüber gehen warme/ aber schlecht underhaltene Bader. Wir lagerten bey einem kleinen Fluß/ deme wir etliche Stund lang an der Seiten reiſete n Denztoolften fuhren wir in dieſen Thalenn ſechs Stund Wegs fort/ und kamen bey einem Vach zn lagern M, Dien dreyzehenden Tag ware die Reis 8. Stund/ und man bliebe bey einem Dorff in einem Held Doũagaſſe genennet. 85 10 18 ———ä ͤ—üʒüEw!— —— — ———ͤͤ ᷑ͥ——i— —— ——L—ꝛP— —— -— ů ke; Taſſar. 8 Lees Buß. Dien vierzehenden Tag/ nach ſieben ſtundiger Reis giengen wir den Mauren Aphiom- Caraſſar; das iſt/ Schwartze Stadt A bphiom, weilen dieſelbe ein 0 und groſſes wol gebautes Feld vor ſich hat/ da inſonderheit viel Magſamen/ dar von man den Opium und Aphiom, wie die Turcken ſolches nenhen/ machet/ geſaͤet wird/ vorbey. Es iſt der Ort der gantzen Türckey/ da am meiſten verkauft wird; in Perſien iſt deſſen wenig/ aber in dem Land des Groſſen dogols wachſt auch ſehr viel. e „ Aphiom Caraſſar iſt eine groſſe Stadt/ . e er unſauber und ſchlecht gebauet/ und deren alten Namen ich nicht erfahren konnen/ ſintemalen die Unwiſſenheit under den Griechen und Armeneern groß iſt. Aber/ nach dem das alte Hierapolis qn dem Meander, einem berühmten Fluß in klein Aſten/ und der mehr als einiger anderer Fluß in der Welt/ ſchlangenweis ſeinen Lauff nimt/ geweſen ſeyn. Agelches die Dinge zu erfahren/ noch ſchwada machen/ iſt/ daß die Tuürcken/ die alten Nahmen nach ihrer Manier anderen/ und den Fluſſen kein anderen/ als den Namen der fürnehmſten Staͤdte/ da ſolche durchflieſſen/ oder nach der Farb/ die ſelbe von dem Schein des Sands haben/ zu geben pfegen. In dieſer Stadt iſt ein altes/ von Juaderſteinen erbautes Schloß/ auf der St itze eines hohen Felſen/ von den nachſt gegen Mittag ligenden Bergen/ die einen halben Circkel machen/ abgeſondert. Alle Armeniſchen Chriſten/ des Königs in Perſten Underthanen/ die zu Aphiom Caraſſar durchreiſen müſſen/ daſelbſten Carrage, das iſt/ Tribut bezahlen/ und ſeynd deſſen nicht befreyet/ wann ſie ſchon ſolchen bereits zu Erzerom, oder anderswo bezahlt hatten. Ich erinnere mich/ daß ich im Widerkehren einer meiner Reiſe/ einen groſſen Streit an dieſemm Ort/ wegen einiger in meinen Dienſten geweſenen Armemer hatte. Die jenigen/ welche die Schatzung einziehen/ wolten/ daß ich für ſie bezahlen ſolte/ aber ich verantwortete mich/ in Kraft der Francken Breyheit/ ſo wol/ daß meine Armeniſchen Knecht durchkamen/ ohne daß ich die Hand in den Beutel thun müſte. Die Caravane, 355 zu Aphium Caraſfar nicht ſtill/ ſo wol Darum„ weilen keine andere/ als zerſtorte QCarvanſerien daſelbſten/ als dieweilen eine Meil weiter/ man mit Fiſchen gut leben und um billiches Gelt machen kan/ und d Iuwohner der Stadt bringen der Caravane Gerſten/ Stroh/ und andere nothwendige Dinge. Alſo log iert ſie denſelben Tag nach 8 200 ein Theil gienge zur Rechten gegen dem Aufgang nach Syrien/ und der andere zur Lincken/ zwiſchen Norden und Oſten nach Armemen. Nachdem wir uns zertheilet/ reiſeten wir Alep nehmen kommen nach Tarſen/ des heiligen Pauli Vatterland/ und von dar nach Alexandretten/ davon in folgendem Capitel Meldung beſchehen ſolle. Wir giengen fort auf Tocat, und nachdem wir eine olf Ebne von 6. Stunden Wegs durchreiſet/ kamen wir bey einem kleinen Dorff/ an einem ſumpfichten Ort zu laͤgeren. Eine Sach iſt bey dieſem und viel anderen Wegen zu mercken/ ſo zu ernoch zwo oder drey Stund/ ein Theil demanderen vor den Augen. Die ſo den Weg auf kennen gibt/ daß under den Turcken auch ö Treuhertzigkeit zu finden. Sie haben an dem Fierher Anſehen und Begebenheit der Oerter/ ſolle es mehrentheil der Landſtraſſen/ die ſehr weit von cken. den Fluſſen entfernst ſeynd/ Cyſter nen gegraben/ daher/ wann es an Regen in gewiſſen Jahren mangelt/ von den umligenden Dorffeen fur die Durchreiſenden/ welche ohne ſolches groſſe Beſchwarde außſtehen müſſen/ 5 8 getragen wird. ſehr ebenen Land, aber wenig gebauet/ und ſahen eine kleine Stadt/ Boulavandi genennet/ ungefehr den Doͤrffern in dem Land Beauſſe gleich gebauet. Es ſeynd daſelbſten etliche olqusen ſo die Türcken von Serſtörung der alten Griechiſchen Kirchen erbauet/ und haben davon marmorſteinerne Saule/ und andere kunſtlich gemachte Stuck genommen/ um ihre Graber/ deren man oft an den Landſtraſſen findet/ und ſehr viel ſeynd/ werden ſie niemalen zween Leib zuſamen an ein Ort legen/ doch nicht ordenlich/ zuzieren. Es iſt guch in dieſer Stadt ein Carvanſera, mit Bley bedecket/ welches jhre gantze Zierde iſt/ die Reiſenden kehren auſſert boſem Werter ſelten da ein. Win lagerten ein viertel Meil von der Stadt/ und blieben allda den ganzen Den 27. reiſeten wir ir. Stund in einem gie r Tuͤrn 16. reiſeten wir 8. Stund in einem zu lageren bey einem Dorff/ da mur z. oder 4. Hauſer/ jedoch Uberfſuß von Zuͤtterung/ aber kein ander ſehrt Schoͤpff Brunnen/ daher dieſer Ort Euchederin- giu genennet wird. aſſer/ als auß drey ſehr ktieffen Den 18 gieng unſere Neis nicht weiter als füuff Stund in oden Feldern/ und wir nahrmen unſer Nachtlager gleichſam in einem Moraſt/ bey einem ſchlechten Dorff. ber groſſe Brachfelder/ und reiſeten durch ein groß Dorff/ deſſen Inwohner N langs des Fluſſes Neander, uber welchen Jhrein Vieh/ in die Berge ſich begeben/ um man auf einer Brucke/ nicht weit von einem Dorff komt. Es werden darin viel Krebs und Karpfen gefunden/ und ſeynd die Fiſcher gemeinlich allda/ wann die Caravane ankomt. , Den. zertheilte ſich umſer Caravane wise 15 weyen Wegen Tocat und A lep, . Dieſer Karpfen ſeynd einige ungewohnlicher Groſſe/ und 3. Schuh lang. nach ihrer Gewonheit in währendem Sommer Kühle zu ſuchen. Es iſt daſelbſten ein bunlich ſchone Molquse von Quaderſteinen/ und dieles orff/ ſo ein Tekseteſou genennet worden/ war viel groſſer als jero iſt/ wie ſolches auß vielen Zerſtorungen abzunehmen. Wir lagerten zwo Stund undeywarts in einer Wieſen bey einem Bach. 1 „ Den 19 nach F. Stunden giengen wir 4 Boden/ bey einem ſchlechten Waſſer. Den 10. reiſeten wir durch ode und wüͤſte Helder/ die ſchienen jedoch wol gebauet vor dieſem geweſen zu ſeyn/ und nach 10. oder 12. Stund Wegs/ blieben wir in einem Den 21. hatten wir zehen Stund lang ein Land gleicher Art/ nemlich od und dure/ und lagerten am Ende einer langen Ebne/ ſo noch den folgenden Tag waͤhrete/ bey zweyen Schoͤpff⸗Brunnen/ welehe wenig gutes Waßſer hatten. Den 22. reiſeten wir acht Stund in bemeldter Ebne/ und findet man dieſen Tag kleine Thal mit guter Weyde. Die Caravane bliebe bey einem ſchlechten Dorff und Schopff⸗Brunnen. Tag durch ein zimlich ſchoͤnes Land/ und zimlou genannt/ waren/ blieben wir in einer f Den 34. Tag ritten wir durch einen tiefDien 23. erſtreckte ſich unſer Reis nur fuͤuff Stund/ wegen der Beiram, ſo der Tuͤrcken Oſtern ſeynd/ und weilen unſer Caravanbachi, oder Haubt der Caravane ein Turck/ wolte er ſolche feyren. Wir reiſeten dieſen lich wol gebauet/ wir ſahen viel Dorffer/ und kamen auf eine kleine Hohe/ von dannen man ſehr weit ſehen kan. Reiſe in eine Wieſen/ da nur ſchlecht Waſſer. Nahe dabey iſt eine groſſe Ebne/ 8. oder 10. Meil in die Lange ſich erſtreckend/ und nur eine oder zwo breit. Es ſcheinet einem See gleich/ es iſt auch ein geſalzen Waſſer/ welches zuſamen gefrieret/ und Saltz wird/ ſo ſchwerlich arderſt als in warmem Waſſer zergehen kan. Von dieſem See wird falt gantz Natolia mit Saltz verſehen; ein Karren Laſt/ von zween Bufflen gezogen/ koſt auf dem Ork ohngefehr nicht über 4. f. unſerer Frantzofiſchen Wahrung. Dieſer See wird Housſag, das iſt/ ein Saltz⸗Platz genennet. Der Bacha von Couchahar, eine kleine Stadt/ zwo Tagreiſe davon/ bekomt jahrlich von dieſem Saz 24. ktauſend Kronen. Sultan Murat lieſſe von einem Geſtad zum anderen/ da deſſen Heer Amo 163 8. Bagdat, ſo er dem König in Perſien wieder abgenommen g zu belaͤgeren/ durchzoge/ einen Tamm Mächenmnn Den 25. war unſere Reis neun oder zehen Stund egs/ ohne einiges Dorff/ und odes Land. Wen lagerten auf einer Hohe/ bey einem guten Brummen Catz Dache-Celmé, das iſk/ ein Brunn des Schwartzen Stein Den 26. reiſeten wir durch ein groſſes Dorff, ehe kenagar genruniet/ in 1 nen Gilegeaheit/ aher ſchleeht erbauet/ und nach acht Stund Wegs lagerten wir in einer angenehmen Weßdr bey einem anderen Dorff/ Romcouchè genennenr. Den 27. gienge unſer Weg neun Stund lang über Sußholtz⸗ Felder und nachdem wir durch ein groſſes Dorff/ BeſergnenDen 28. reiſeten wir uber eine ſehr lange und wol erbaute ſteinerne Brucke/ eines Neisbeſchreibung in Perſien/ groſſen Fluſſes/ den ſie Jechil- Irma, das iſt/ grüner Fluß nennen. Am Ende der Brucke Keſlié-Kupri genannt/ iſt ein groſſes Dorff/ deſſen mehrere Theil der Hauſeren under der Erden/ gleich wie die Locher der Fuͤchſen/ ſeynd. Wir reiſeten weiker fort/ und kamen nach ſieben Stunden/ unden an ein ander groſſes Dorff Mouchiour genennet/ allda viel Griechen/ die man taglich zum Tuͤrckiſchen Glauben zwinget/ wohnen. Weil an dieſem Ort Christen ſich befinden/ und das Erdreich fur den Weina ich. l WeinWachs gut iſt/ manglets nicht an Wein/ Wah. der zimlich gut/ aber den Geruch vom erſticken/ wie unſer Wein von Anjou hat. Dieſes Dorff iſt wol gelegen/ aber gleich wie das vorige/ uͤbel gebauet/ und ſeynd die Hauſer mehrer Theil under der Erden; es fehlete wenig/ daß einer unſerer Leuten zu Pferd über eines dieſer Hauſer reitend/ nicht hinein fiele. Den 29. war die Reise von ſieben Stunden/ in einem ſchoͤnen Land/ da viel Dorffer geſehen werden/ bey einem derſelben lagerte Brunnen iſt. in einem ebenen/ zimlich wol gebauten Land/ und blieben bey einem Bachlein/ ba ſehr wenig Waſſer/ es wird Cara. ſou, das iſt/ ſhwarZween oder drey Tag ter Fluß genennet. 8 Tas lang ſahen wir in dieſer Ebne nach zwo Meilen Wegs/ gewiſſe aufgeworffene Erde/ künſtlich gemacht/ man ſagte uns/ daß ſolche in waͤhrendem Krieg der Griechen/ um in die Ferne zu ſehen/ und S aufgerichtet worden. Den 37. findet man ein hoͤgericht und ſich die Caravane in einer Wieſen/ da ein Den 30, reiſeten wir neun Stund lang chantzen zu bauen/ 1 Scham uneben Land/ aber reich an Korn/ und nach neun Stund Wegs kamen wir in eine Wieſen/ bey einem Fluß zu lagern/ über den wir den gefolgten Tag auf einer ſteinernen BruDien 32. nach acht Stunden/ war unſer Lager nach langs eines kleinen Fluſſes/ wir ſahen allda viel Turcomanier. Es iſt ein Volek ſo under Zelten/ gleich den Araberen/ Die Tura, manier, ſeine Wohnung hat/ ſie verlieſſen damalen daſſelbe Land/ um anderswo hin zu ziehen/ luden jhr Bagage auf Karren/ von Büffeln gezogen. eee Den 33. geriehten wir aufs neue in die Berg und Holtzer/ deren wir ſeit 18. Tagen keine geſehen; alſo daß wir auch genoͤhtiget waren/ den Kameelen Holtz gufzuladen/ um unſere Speisen zu kochen: Wir giengen damit ſehr ſparſam um/ und bedienten uns bißweilen des dürren Küh⸗ oder Kameel⸗Miſts/ wann wir deſſen bey den Waſſeren/ da dieſes Vieh zu trincken pfegt/ funden. Dieſen Tag gieng under Reis acht Stund weit/ und kamen in eine Wieſen/ da das Gras hoch ware/ und vor dieſem etliche Hauſer geN nach dem i Namen und ſtrengen Fluß Jangou; „ — ͤ——. ũ.ò———— der Erſte geweſen. õͤͥ amen eines nahe dabey liegenden Dorffs genannt. Ein wenig oberhalb dem Ort/ da wir durchritten/ ſahen wir ein zerſtorte Bruck/ ſo uͤber dieſen Fluß gebauet ware. Den 35. reiſeten wir 8. Stund in einen ſchoͤnen wol⸗ gebauten Thal/ und lieſſen zur Lincken ein auf einem Felſen erhobenes Schloß liegen. Die Caravane lagerte denſelben Tag auf einer Hoͤhe bey einem Dorff. Den 36. gieng unſer Weg ferner 8. oder 9. Stund lang in dieſem Thal/ da es viel gute 1 hatte. Wir blieben bey einem kleinen 85. 0 5 8 f g Den 37. ware die Reis nur 6. Stund Wegs zwiſchen Bergen/ auf welchen gefunden wurden enge Paſſe und viel Waſſer/ wir kamen in ein Thal/ reich an Weyde/ zu laͤrens a Den s. Tag giengen wir über einen ſehr rauchen Berg/ vier in fuͤnff Stund Wegs/ und nachdem man hinab kommen/ iſt ein Dorff Taquibac genaumt/ von dannen es nur noch fünff Stund biß nach Tocat iſt. Der Weg von dieſem Ort nach Ulpahan iſt in vorhergehenden Capitlen beſchrieben/ und diß alles/ was die underſchiedliche Weg von Paris nach Iſpahan durch die Nordiſchen Landſchaften der Turckey betreffend/ zu melden geweſen. Das folgende Buch ſoll alle Weg balch die Landſchaften 2 anzeigen/ aber vor Endung dieſes Erſten Buchs/ bewegt mich meine Treuhertzigkeit/ den jenigen/ welche über Tocat in Perſten zu reiſen/ vorhabens/ einen nutzlichen Bericht zu geben/ will auch dieſelben underrichten/ mit welcher Manier in Orient zu reiſen/ und ſolches durch eine genaue Beſchreibung der Carvanſeras und Caravanen, und des Gelts/ da die Wiſſenſchaft einem Neiſenden hoch nothwendig iſt/ dem Leſer vorſtellen. 565 Von der Beraubung/ die dem Autor bey Tocat widerfahren/ und einer Art ungemeiner und ſehr ſchoͤner Wollen/ deren in Franckreich zu bringen/ er A quibac, ſo droben genannt/ und nahend Tocat ligt/ iſt der Ort/ da die Cara vane volſ Perſien/ wann ſelbe von Tocat nach Smirne reiſet/ ſich zu verſamlen pflegt/ und die Gegne der ganzen Reiſe/ da man ſich/ wegen der Straſſen⸗Raubern/ die über alle jhres Handwercks/ abgefuhrte Geſellen ſeynd/ wol vorſehen muß. Ich habe ſolches in einer Zuruckreiſe auß Perſien erfahren/ dann alle meine Vorſicht koͤnte nicht hinderen/ daß ſie mir ein ſchlimmes Stücklein bewieſen. Wir waren drey oder vier/ die neben unſeren Knechten voran reiſeten/ der Caravane zu Taquibac, dahin ſolche erſt/ den folgenden Tag kommen ſolte/ zu erwarten/ wie I. Theil. wir daſelbſten angelangt/ lieſſe ein jeder ſeine Zelte/ an dem Ufer eines kleinen Fluſſes gufſchlagen. Ich hatte damglen viel Ballen Wollen/ davon gleichſam eine doppelte Maur um meine Zelte machen laſſen/ alſo/ daß nur ſo weit offen waͤr/ daß ein Mann hinein kommen koͤnte. Under denſelben befanden ſich vier Ballen/ in welche ich Biſem in bleyernen Büchſen/ ohngefehr für zehen oder zwoͤlf tauſend Kronen werth gethan/ und dieſe 4. Ballen lieſſe hineinwerts legen/ alſo/ daß ſolche die Zelte/ und das Haubt meines Beths beruͤhrken: welches die Rauber/ die nieht ermangleten/ dieſelbe Macht/ die ſehr fuſter war/ uns zu beſuchen/ betrroge: Dann weilen die Ballen/ ſo auſſenwarts lagen und die Vol veyhe machten/ den ſtarcken Geruch des Viſems auch bekommen/ bildeten die Rauber ſich ein/ wann ſie einige davon ſtehlen koͤnten/ oulden ſie eine reiche Beute erhaſcht habk. Die Ballen waren alle an einander mit Stricken gebunden/ ſo ſolche ſteiff zuſamen hielten/ und konte man Der Autor wird beraubet. nicht leicht ohnvermerckt eine von der anderen abſoͤndern. Der Cara vane Wacht befunde ſich nicht allba/ weil dieſelbe erſt den folgenden Tag ankommen ſolte/ und das ware ein Urſach/ daß ich allein ein wenig ſchlummerte/ mich auf die Knechte/ welche gar oft für jhrer Herren Gut ſorglos ſeynd/ nicht verlaſſend. Auf ein heimliches Getos/ thate ich die Augen auf/ und ruffte meinen Knechten aufzuſtehen/ und um die Zelte die Runde zu thun; aber als ſie dieſe Rauber/ die etliche Schritt weiter auf dem Bauch lagen/ in der Finſtere nicht verſparen konten/ ſchlieffen dieſelben alsbald wiederum ein/ und lieſſen jhnen den Platz frey/ jhr Vorhaben werckſtellig zu machen. Sie griffen die Sach alſo liſtig an/ daß endlichen zwo Ballen/ in dem die Rauber die Stricke enkztwey ſchnitten/ los worden/ mit denen ſie davon flohen. Wie der Tag — kommen/ und der Raub offenbahr/ nahmen wir beſtehend in 4. oder J. Perſonen/ wol bewaffnet/ ein Kameel⸗Treiber um Weg⸗Weiſer/ und folgeten jhnen den Weg/ ſo er vermuhtete/ den ſie genommen/ nach/ funden auch nach einer halben Stund die erſten Gemerck jhres Diebſtals. Auß Zorn den ſie hatten/ daß allein Wollen/ ſo ſte gering ſchatzten/ in dieſen Ballen geweſen/ welche ſie auß Forchten des Diebſtals beſchuldigt zu werden/ nicht verkauffen dorften/ zerſtreueten ſie ſolehe underwegs/ und zwo oder drey Meil Wegs lang funden wir mithin an underſchiedlichen Orten/ Haufflein. Ich lieſſe alles wiederum in Sicke chin/ und funde ſch/daß allein r. in 20. Pfund verloren waren. Die Kauffeute die Ballen von Brocatel haben/ ſollen zu Nacht fleiſsige Wacht halten/ daß die Nauber nicht nahe kommen. Dann ſte ſchleihen ſich auf dem Bauch ſtill hinan/ und ſchneiden die Ballen mit Schermeſſern auf/ ſo ſie zu weilen biß auf die Helfte lahren/ und init dem 2 Raub enkrinnen. Auvor iſt gemeldt/ daß diefe StraſſenRauber die geſtolene Wullen für gering geD 3 ſchatzt/ 42 Reisbeſchreibun gin Perſien/ ſchaͤtzt/ weil ſie ſich darauf nicht verſtunden/ Surate biß nach Ormus beſchehen/ anſtellen. und ihnen ſolche auch zu jhrem Gebrauch un⸗ Dann als ich dorten ankommen/ und wiedetauglich ware. Aber im Fundament iſt es rum zu Land in Europa reiſen wolte/ enteine Art Wullen/ gantz ungemein und ſehr ſchloſſe ich mich den Weg nach Ipahan, aber ſchoͤn/ die ich auß Perſien nach Paris/ allda nicht wie gebrauchlich/ uber Schiras, ſondern Sonderbare Niemalen dergleichen feine TBullen geſchen über Lerman, welches ungewohnlich/ zu nehGattung worden/ überbringen laſſen. Nachdein nun men. Ich reiſete nun in dieſem Vorhaben 9 einige curioſen und Stands⸗Perſonen mich von Ormus ab/ und nahme Leut mit/ wich ullen erſucht/ den Ort/ daher dieſe Wullen kommen/ nach Kerman zu fuhren/ dahin ich zu Pferd zu erkundigen/ und zu End des 164 ten Jahrs/ nieht weniger/ als 27. Tage zu reiſen hatte. in meiner dritten Reiſe/ da ich zu Iſpahan wa⸗ Ich kan leicht glauben/ daß Alexander nicht re/ traffe ich einen der ſo genannten Gauren durch dieſen Weg in Indien kommen/ dann oder alten Perſier an/ welche die Sonne an⸗ in dem gantzen Begriff dieſes Landes wind batteten/ der mir ein Meister dieſer Wullen auſſer etlichen wenigen Orten/ und Gruben wieſe/ und von wannen dieſelbe kommen/ und in einigen Felſen/ jedoch oft nicht ſo viel/ 8. der mir deren Eigenſchaft/ und die Weiſe ſol⸗ oder 10. Pferde zu traͤncken/ kein Waſſer geche aufzubehalten/ offenbahrte. Von jhme funden. Uber das ſeynd Ort/ da man wegen num vernahme ich/ daß der groͤſte Theil diger der Berge oft Umweg nehmen muß/ alſo/ daß Wiullen in der Landſchaft Kerman, das iſt/ ein Mann zu Fuß/ der uber die Felſen gehend/ Alt Caramanie, zu finden/ und die beſte inden in einer halben Stund ſo weit/ als einer zu nachligenden Bergen der Stadt/ die den Na⸗ Pferd/ in vier Stund Zeit kommen kan. men der Landſchaft hat/ zu bekommen/ daß die — Kerman iſt eine groſſe Stadt/ welche Die Stadt Schaffe derſelben Orten/ dieſe ſonderbahre oft zerſtoöret worden/ und wird daſelbſten Lermas. Art/ wann ſolche von dem neuen Gras/ von nichts ſchoͤnes geſehen/ als ein Hauß und ein dem Januagrio biß in den Monat Mey/ geeſ. Garten/ darzu die letſten Kans viel aufgeſen/ die Wulle von ſich ſelbſten jhnen abgehet/ wendet/ um den Ort angenehm zu machen. und das Thier antz nackend laſſet/ gleich wie Es wird allda eine Gattung erden Geſchird/ ein Faͤrcklein in warmem Waſſer geſchabet/ ſo dem porcelan nicht ungleich/ und eben ſo Jemwunder, derslwegen unnöhtig die Schaff zu ſcharen ſchön und zart ſcheinet/ zubereitet. Bey nuiliche Art wie in Franckreich und anderswo beſchicht/ ner Ankunft beſuchte ich den Kan, der mir Schaffen. und wann alſo dem Thier die Wollen abge⸗ groſſe Freundſchaft erzeigte/ und den Gaunohmen/ klopfen ſolche die Leute/ davon das res aͤlſobald befahle/ mir Brot Wein/ HuGrobe alsdann herunder fallet/ und das feine ner und Tauben/ die an ſelbigem Ort treftich allein bleibet an der Wullen/ daß wann man gut/ groß und fett/ und kleinen Capaunen eine Parthey zuſamen bringen/ und anderswo gleich ſeynd/ zu verſchafſen. Diß ſeynd die hin verführen will/ man dieſelbe vor Ein⸗ Gauren, die den Wein machen/ und dapackung mit Salz waſſer beſprengen muß/ mit ſolcher ſüt und lieblich ſeye/ thun ſie welches wider die Wurm dienet/ und verhin⸗ den Kamm davon/ m deret/ daß die Wulle nicht verderbe. Zu Beerlein. mereken aber iſt/ daß dieſe Wullen nicht getung des Gebaͤtts bedecken/ zu tragen pflegen/ Id kelteren allein die b Der Kan begunte damalen ſeine Negiefarbt wird/ ſteiſt von Natur vaſt hall braun/ rungs⸗Stelle anzutreten/ und weil er nach oder Aſchenfarb/ und man kan wenig weiſſe Gewonheit der neuen Gubernatoren/ einen finden. Wie dann auch die ſe viel theurer als ſchoͤnen Degen und Dolchen/ ſamt einem jene/ ſo wol wegen jhrer Raritat/ als weil die koſtbaren Pferd⸗Geſchirꝛ/ welches einige&NAoufeis Moufhas, und andere Geſatz⸗Leute/ delgeſtein erforderte/ haben wolte ⸗ verehrke nur weiß an jhren Leib binden/ und an den ich jhme ein Diamant Soo. Kronen werth/ Schleyern/ damit ſie jhr Haubt in Verrich⸗ den er auf den Knopf des Dolchen ſetz en lieſſe. Er begehrte uber das noch von mir fur und wann ſie nicht barten/ haben ſie ſelbe un 2. oder 8. kauſend Franeken/ und ſo wol das den Hals; gleich wie die Weiber in Franck⸗ Preſent als der Verkahff/ ſo ich jhme thgre/ reich jhre Binde tragen. waren eine Urſach/ daß ich leichter zum EinIn dieſe Landſchaft Kerman haben falt kauff der Wullen gelangen konte. Zween alle Gauren ſich begeben/ und ſie ſeynds auch/ Tag nach meiner Ankunft/ lude er mich zum welche den gantzen Gewerb dieſer Wullen in Eintritts⸗ Feſt/ ſo er den Vornehmſten der ihren Handen haben/ und ſolche verarbeiten. Stadt hielte/ und bey meiner Abreiſe/ als Sie machen darauß Leib⸗Binden/ deren man er vernahme/ daß ich ein Maulthier zu meiin Per ſien ſich bedient/ und auch kleine Stuck nem Dienſte ſuchte/ verehrte er mir eines/ ſo Seug/ die alſo zart/ und ſo ſchoͤnen Glantz/ als wol hundert Kronen werth ware. Dieſe wanns von Seiden ware/ haben. Ich brach⸗ Thier halt man in Perſien die furnehmliehte deren zwey Stuck mit in ranckreich/ das ſten in dem Reuten/ die Groſſen Herren beeine habe ich der verſtorbenen alten Konigin/ dienen ſich deren viel eher/ als der Pferben/ und das andere der Hertzogin von Orleans inſonderheit/ wann ſie in einem zimlichen verehret. einzukauffer/ nicht eher als Anno ice. in meiner Wiederkunft auß Indien zu See von ſe ſbſten wonhaft/ und deſſen Vatter 9 ä Alͤllter ſehnd. Aber nicht von dem Kan alIch konte meine Reiſe dieſer Wullen lein eim fienge ich zu Ker man ein Heichen der Perſianer Hoffichkeit. Em junger Herz davor dieſem Guber Gubernator geweſen/ ſich auch bey dem Gaſtmal befindend/ hatte groſſes Belieben mit mir von meinen Reiſen zu ſprachen/ und erbotte ſich gegen mir uberauß dienſthaft. Wie die Perſianer curios, und aller ungemeinen/ und auß frembden Landen kommenden Sachen/ ſonderbahre Liebhaber ſeynd/ befragte er mich/ ob ich nicht einig ſchoͤnes Feuer⸗Geſchos hatte/ ſich anerbietend/ mir dar für was Der Her begehren wurde/ bezahlen wolte. Den folTavernier ck eſchen. Nohr ſarnt einem paar Piſtoletten/ die jhme genden Tag verehrte ich demſelben ein Feurſehr angenehm waren/ neben einer kleinen Uhr/ und weil ich kein Gelt darfuͤr annehmen wolte/ wie ſehr er auch verſuchte mich dahin zu bereden/ bezeugte er einen Unwillen. Endlichen Aherſchickte er mir eine Verehrung/ die ich nicht außſchlagen koͤnte/ und das war ein ſchoͤnes Pferd/ zehen oder zwoͤlf Tomans werth/ das ſeynd ohngefehr 200. Kronen. Dieſer junge Here war ſehr luſtiges Gemuͤts/ hoͤflich/ ſehoͤn und großmůtig/ und all ſein Thun artig. ö Wie derſelbe mir das Pferd über chickt/ lieſſe er mich daneben bitten/ daß im Fall mir ſolches nicht beliebte/ ich kommen ſolte in ſeinen Stall/ eines ſo mir angenehm ware/ zu erwehlen/ ſintemal er das von mir empfangene Preſent nicht danckbarlich genug erkennen koͤnte. Wie ich min bey dem Kan und in Gunſten ware/ diente mir ſolches nicht wenig zu dem Einkauff der Wullen/ ſo ich 8 15.. De 17„oi 91 of 5 Ege vor halte. Dann als ich bereits eine groſſe Ouantirat Parthey zuſamen gebracht/ murrete das Wullen. Volck/ und beklagte ſich bey dem Kan, demſelben vorbringend/ daß ich alle Wullen des Landes wegnehme/ und die armen Leut nichts zu verdienen haben wurden/ welches der Landſchaft ein ſehr groſſes Nachtheil brächte. Auf dieſe Klage lieſſe der Kan mich fuͤrforderen/ und ſagte/ daß er mir nicht geſtatten konte/ ein mehrers von Wullen zu kauffen/ daß das Volck darwider ſchreye/ und ſolches eine Armut in dem Land verurſachen thate. Dieſem Ding zu begegnen/ beredte ich den Kan, daß der König in Perſien einen Verſuch thun laſſen wolte/ ob in Franckreich auß dieſer Wullen Tuch den Engliſch⸗ und Hollaͤndiſchen gleich gemacht werden koͤnten/ damit/ wann es geriehte/ man der Engliſchund Hollaͤndiſchen Tücher ⸗ Arbeiter/ auß Franckreich/ um eine Manufactur in Perſien anzuſtellen/ nicht vonnoͤhten hatte. Auf dieſen Vorwand/ erlaubte mir der Kan, mit einkauffen fortzufahren/ welches ich auch gethan hatte/ wann die Leute/ mit denen ich gehandelt/ Glauben gehalten. r ich hernach vernommen/ daß dieſelben jhrem Verſprechen kein Genuͤgen thun wolten/ dafür haltend/ daß ſicher ich nicht wiederum nach Kerman mich zu beklagen komen wurde; kehrte ich auch nicht ferner dahin/ ſondern ſchickte einen eigenen Mann mit Schreiben an den Kan, dadurch jhme ernſtlich zu verfungen Herren mich alſo bekannt gemacht/ Aber weil 3 ſtehen gebend/ daß ich mich bey dem Koͤnig/ und deſſen Obriſten Miniſter beklagen wurde/ daß die Forchte in Ungnad zu gerahten/ er mir Recht verſchaffete/ und befahl daß alle Wullen/ die mir verſprochen worden/ darauf ich auch Gelt vorgeſchoſſen hatte/ abgefolget/ und nach Iſpahan verſchickt werDieſes iſt/ was ich auß Anleitung der mir bey Tocat widerfahrenen Beraubung/ und wegen der Wullen auß der Landſchafft Kerman zu melden hatte. Ich habe zuvor angedeutet/ daß ich nach beſchehenem Einkauff/ nach Iſpahan verreiſen wolte/ und dieſen ſonderbahren Zwerch⸗Weg/ der demnach weniger als die Haubt⸗Landſtraſſen will ich in folgendem Capitel Das IX. Capitel. Von dem Weg von Kerman nach Iſdahan, und was mit Nazar Mahamed Ali · Beg wunderlich und unverſehens F On Nerman nach Iſpahan, kan man zu Pferd under fünff und zwantzig Tagen nicht kommen. An denen Orten/ da Waſſer zu finden/ iſt das Land zimlich gut/ aber deren ſeynd wenig/ und der mehrere Theil dieſes Wegs iſt nur Sand. Alles das jenige/ deſſen ein Reiſender ſich zu getroͤſten/ iſt/ daß alle Nacht ein Carvanſera, ober Wirtshauß gefunden wird/ und darinn ein oder zween Cyſterne ſeynd/ welches dann in einem ſolchen oͤden Land ein nicht geringe Erquickung iſt. Der mehrere Theil dieſer Wirtehauſern/ ſeynd ſeit wenig Jahren durch fleiſsige Aufſicht Mahamed Ali-Beg Nazar, oder des Königs Ober- Hoff⸗Marſchall und Schatz⸗Meiſter/ der Ruhm⸗wurdigſte Mann/ welcher ſeit vielen Seculis, Perſten vorgeſtanden/ erbauet worden. Er ware Großmutig/ den Francken in allen Dingen gunſtig/ und liebke dieſelben ſonderlich. Diente dem König in allen Treuen/ und beſchutzte das Volck in der Billichkeit/ wider Undertruckung und Trutz der Groſſen/ welches ihme zrwar den Haß von jhren vielen über den Hals zoge/ ſo er aber durch ſeine Aufrichtigkeit und Klugheit/ wie auß hernachfolgender merckwurdiger Geſchicht/ kürtzlich zu vernehmen/ jederzeit überwunden. a Als eines Tags der groſſe Cha- Abas, der MercktwuͤrErſte dieſes Namens/ in den Bergen auf dae G; ſchicht von der Jagdt/ und von ſeinen Leuten entfernet ane ware funde derſelbe einen Juͤngling bey gez. einer Herd Geiſſen/ mit der Pfeiffe ſpielend. Wie der Konig ihne uber etliche Dinge befragte/ antwortete er alſo recht auf jede Frage/ ohnwiſſend/ wer zu ihne redte/ daß 8 44 Cha-Abas darüber verwundert/ dem Gubernator von Schiras Iman- couli- Kan, der 75 jhme entgegen kam/ von weitem winckte/ ſich nichts vernehmen zu laſſen/ dabey der Hirt mercken konte/ daß es der Koͤnig ware/ welcher mit jhme redte. Derſelbe fuhre fort/ ihne zu fragen/ darauf der Jüngling abermal auf eine ſolche Weiſe antwortete/ daß der König je mehr und mehr daruber verwundert war. Als nun hierüber der Koͤnig den Kan befragte/ was jhne von dem Verſtand dieſes Hirten bedunckte? Antwortete er/ daß dafür zu halten/ wann derſelbe leſen und ſchreiben konte/ er Ihr Majeſtat ſehr wol dienlich ſeyn wurde. Der Konig gab jhme den Jungling alſobald unter die Hand/ mit Befehl ihn unterrichten zu lasſen; dieſer junge Menſch/ welcher von Natur einen ſaͤtten Verſtand/ feine Vernunft und gate Gedachtnus hatte/ kame in kurtzer Zeit zu ſolcher Vollkommenheit/ und verrichtete die jhme von dem Kan in dem Hauſe anvertraute Geſchaͤfte alſo wol/ daß auf ſolch Anbringen bey dem Konig Ihr Maj. deliſelben alſobald zum Nazar oder Ober⸗Hof⸗Marſchäll⸗Amt 0 befuͤrderten/ und jhn mit den Namen MahaMahamedAli. Beg wird falſchlich angegeben. med- Ali Beg verehreten. Nachdem der König ſeine treue und gute Verwaltung in allen Sachen erkennet/ verſchickte er denſelben zum zweyten mal in Geſandſchaft an den groſſen Mogol, und war beede mal mit ſeiner Verrichtung ſehr wol begnugt. Mahamed liebte die Gerechtigkeit/ und war gar nicht getieigt/ ſich durch Verehrungen beſtechen zu laſſen/ ſintemalen er niemalen nichts angenommen/ welches ſonſten unter den Mahometanern ungemein iſt. Dieſe groſſe Aufrichtigkeit machte jhme alle Groſſen des Hofs/ und inſonderheit die Verſchnittenen und die Weiber ſo ſtäts in des Konigs Gnad und Gunſt ſeynd/ zu Feinde. Aber bey Lebzeiten Oba-Abas dorfte ſich niemand gelüſſten laſſen/ den Mund wider den Nazar gufzuthun/ denner war/ allzu wol/ und nicht unbillich/ in des Königs Gemüth eingewurtzelt/ daß er an deſſen treuen Dieſten in etwas gezweiffelt hatte. Als Cha- Señ auf Cha · Abas ſeinen Anherꝛn gefolgt/ wie anderswö angedeutet werden ſoll/ der annoch jung; vermeynten des Nazars Feinde nunmehr ein gewonnen Spiel zu haben/ und daß ſie dieſen jungen Koͤnig zu boͤſen Einbildungen wider den Ober⸗Hof⸗Marſchall leicht würden bereden konnen. Die Verſchnittene/ die ſtats bey dem Konig/ brachten demſelben viel Dinge wider Mahamed zu Ohren; aber der König ſtellete ſich alle mal/ als ob ers nicht hoͤrete. u beſehen Luſt bekarne/ ſprache einer der Verſchmitrenen man solte einen Sabel bringen/ der dem Chaabas von dem Türckiſchen Kayſer überſchickt worden/ und welcher gantz mit Diamant und andern koͤſtlichen Steinen uͤberſetzt war. Nicht ohne iſt/ daß der Turckiſche Kayſer dem Cha-Abas einen koſtlichen Sabel überſand⸗ aber lange vor deme/ daß Mahamed in ſeine Dienſt tratte/ hat Cha- Abas ſolEndlichen eines Tags/ da der König etliche worden b in einem viel Saͤbel und Dolchen mit Edelgeſteinen beſetzt/ Stand zu finden/ und verwunderte ſich nicht Reis beſchreibung in Perſien/ chen zer brechen/ und von den Steinen/ damit er beſegt geweſen/ ein ſchoͤnes Kleinod machen laſſen; jedoch wurde dieſer Sabel in dem Schatz/ darüber Malamedd die Aufſicht hatte/ geſucht; und als derſelbe nicht koͤnnen gefunden werden/ ſintemalen ſolcher ſeith vielen Jahren nicht mehr vorhanden geweſen/ war der Konig erzürnet/ weil der Sabel in der Verzeichnus/ da die Prelenten angeſchrieben werden/ begriffen. Etliche Verſchnittene und andere Groſſen des Hofs/ die damalen un den Konig waren/ nahmen die Gelegenheit in acht/ um jhme des Nazars Verwaltung verdaͤchtig zu machen/ und zu einer argwomſchen Einbildung wider den Nazar zu bewegen. Sie trachteten alle ſeine Thaten zu vernichten/ und brachten dem Konig vor/ daß weil Mahamed in ſeinem Namen viel ſchoͤne Qarvan era, Bructen und Damme/ auch für ſich ſelbſten ein koſtbares Hauß/ ſo wol werth/ daß es der Konig beſehen thate/ auferbauen laſſen/ ſolches ohne eine namhafte Verminderung des gemeinen Guts/ 8 darum der Konig von jhme Rechenſchaft begehren ſolte/ nicht beſchehen konte. Auf diß Geſpraͤch kame Mahamed herbey/ und der Konig denſelben nicht nach Gewonheit aufnehmend/ lieſſe etliche verdrießliche Worte wider jhn lauffen/ daß der Sabel ſich nicht befunden; und ſagte dabey/ er wolte ſehen/ ob alles das/ ſo in dem Schatz ware/ und mit dem Einhalt des Regiſters ubereinſtummete/ und daß er jhme 15. Tag Zeit verwilligte/ um alles in Ordnung zu richten; Mahamed unerſchrocken antwortete dem Konig/ daß warm Ihr Mas. beliebte/ ſie den folgenden Tag in die SchatzKammer kommen konten/ ſo er erlangte; ob wol der Koͤnig demſelben zum zweyten mal 15. Tag Zeit/ um alles in guten Stand zu richten erlaubte. Der Konig kam nun den folgenden Tag in den Schatz/ und ſahe alle Ding in ſehr guter Ordnung/ er war auch bereits benachrichtigt/ wie es mit dem geforderten Sabel ergangen. Auß dem Schatz kam der König in Mahameds Hauß/ der jhme eine recht koͤſtliche Verehrung thate; denn es iſt gebräuchlich/ daß der jenige/ welchen der Konig mit ſeiner Beſuchung wuͤrdiget/ Ihre Majeſtat beſchencke. Als nun der Koͤnig von dem Nazar die Verehrung empfangen/ ſpatzierte er durch alle Saal und Kam̃ern des Hauſes/ und war verwundert/ alles gering/ und mit ſchlechtem Filz und groben Teppichen zu ſehen; dahingegen in anderer Herren Hauſer man nur auf Gold und Seidenen Teppichen gehet. Der Komg/ nachdeme jhme der Narars Hauß beſchrieben worden/ vermeynte ſolches in einem viel andern wenig uber eine ſolche Erbarkeit in einem ſo fürtreflichen Zuſtand. Am Ende eines Gangs war eine mib drey groſſen Mahl⸗Schloſſen beſchloſſene Pforte. Der Konig 1 ohngeacht vorbey/ aber im Zuruckgehen zeigte jhme der Meter, ſo ein weiſſer Verſchnittener f des Königs Ober⸗Karmmerling/ dieſe Pforte mit den drey Mahl⸗Schloſſen/ welcher dem Konig Anleitung gabe/ den Mahamed zu fragen/ 1 Erſtes Buch. fragen/ was in dieſem ſo fleiſſig und wol beſchloſſenem Ort ware? Herꝛ Konig/ ſprache Mahamed, es iſt eine Kammer/ die ich billich wol verſchloſſen halten ſolle/ weil all mein Gut darein ſich befindet. Alles was Euer Majeſtat in dieſenn Hauß geſehen/ iſt Ihro gehoͤrig; aber was in dieſer Kammer ver chloſſen/ iſt das Meinige/ und ich verhoffe/ Sie werde nicht begehren/ mir ſol ches jemalen weg zu nehmen. Dieſes Geſpräch verurſachte dem Konig eine groſſere Begierd/ was in dieſer Kammer war zu ehen; und als er dem Mabamed befohlen/ die Pforten zu eroͤffnen/ verwunderte er ſich uber alle maſſen/ daß allein vier Mauren waren/ ohne andere Zier/ als des Mahameds Hirten⸗Stab/ welcher aufzween Nageln lage/ ſeines Wadſacks/ darinn er ſein Eſſen hatte/ die Laͤgel/ ſo er mit Waſſer füllete/ ſeiner Pfeiffe und Hirten⸗Kleids/ ein jedes dieſer Stücken an einem Nagel/ in die Manr eingeſchlagen/ hangend. Der Nazar wolte den Konig nicht lang in dieſer Verwunderung/ und in dein Stillſchweigen/ da er ſich in Anſehung dieſer Kammer befande/ laſſen ſprache/ Herꝛ Konig/ wie der Konig Oha-Abas mich in dem Berg/ da ich meine Geiß Heerde hütete/ angetroffen/ hatte ich dieſes alles/ er hat mir davon nichts genommen/ aaſſet mir es auch/ und mich ſolches ich wiedrum nehmen/ damit ich meine erſte Stelle 1 2* 4 33 2— 0 2 . bediene/ welches von Ihr Majeſtat fur eine hofertiget. Aae, N ſehr webt“ gehe Gnade aufnehmen werde. Der Konig uͤber ſolche hochverminſtige Wort bewegt/ legte zur Stund ſeine Kleidung ab/ und gabe ſolche dem Nazar,(welches die hoͤchſte Ehre/ ſo der Konig in Perſien einem Unterthanen beweiſen koͤnnen) lieſſe ſich andere bringen/ und kehrete damit wiedrum nach ſeinem Pallaſt. Mahamed führe in Verwaltung ſeines Amts foxt/ in welchẽ er auch mit groſſem Ruhm endlichen ſein Lebẽ geendigt/ uñ ſeinen Feinden bliebe nur Spott un Verdruß/ daß jhnen jhr ungerechte Verbund nuß ihn ins Verderben zu bringen/ mißlungen. Dieſer tapffere Herꝛ ware der Francken in Perſien Vatter/ Beſchützer/ und alle mal wann ich oder ein anderer bekandter Franck auf der Gaſſen jhme begegnete/ ſahe er uns ſehr freundlich an/ und fragte/ ob wir mit Wein verſehen? Wann wir dann antworteten/ daß wir Mangel haͤtten/ uͤberſchickte er uns alſobald Wein/ und zwar des Beſten von Schiras. Er konte nicht leiden/ daß uns das geringſte Unrecht beſchahe; und wann wir uns über jemand bey jhm beklagten/ ſchaffete er uns aufder Stett/ daß wir befriediget worden. Es begab ſich eines Tags/ daß als ich mit zween Knechten auf dem Endten⸗Schieſſen an einem Ort des Fluſſes zu IIpahan, da ſolche jhren Sitz hatten/ welches nach langs dem Garten des Nazars Hauß gelegen/ mich befunde/ fünf oder 6. ſeiner Leuten/ denen ich unbekant ware/ mich antaſteten/ und nach meinem Rohr mir daſſelbe zu nehmen/ greiffen wolten/ welches ich aber nicht auß Handen gelaſſen/ biß daß der Schaft einem auf dem Rucken erſchlagen/ und das Rohr einem andern an den Kopf geworffen war/ davon er verwundt worden. Ich hatte noch uͤbrig meine zwo Piſkolen/ ohne welch Geſchoß wir wenig in Perſten uns ſehen laſſen/ aber in Betrachtung des Nazars, den ich in hohen Ehren hielte/ und der den Francken geneigt ware/ wolte ich damit auf deſſen Leute nicht loß brennen/ ſondern machte mich los auß Dar Her? Tavernier wird von ſeinen Leuten augetaſtet. dieſem Handel/ und ritte auf meinem MaulThier wiedrum nach meinem Loſament. Die Francken die erfahren/ wie dieſe Sach ſich zugetragen/ entſchloſſen alſobald insgeſamt deswegen die Beleidigung zu bezeugen. Und der Hollaͤndiſche Burgermeiſter/ der mein guter Freund ware/ begleikete mich zu dem Nazar, um uns uͤber die Frevel⸗That ſeiner Knechten zu beklagen. Derſelbe bezeugte uns/ daß er deswegen erzurnet/ wie wir dann die wurckliche Anzeigung alſobald ſahen/ indem er die jenigen/ welche unterſtanden/ mich uͤbel zu traetieren/ wol abbruͤglen lieſſe. Durch ein ander Exempel mehrerer Betrachtung werth/ will zeigen/ wie gerecht und klug dieſer Herꝛ in allen ſeinem Thun geweſen. Cha · Sefi fame guß der Landſchaft Guilan, und ſeine Zelten waren bey Zulta in Armenien/ allda er mit Jagen zween oder drey Tag ſeine Luſt buſſen wolte/ aufgeſchlagen. Wie jederzeit dem Hofe einige Damen/ die den Koͤnig mit Tanten und Miunmereyen beluſtigen/ zu folgen pflegen/ befande ſich eine von vollkommener 5 Seine Lehenswuͤrdige Thaten. Schönheit/ die der Konig gerne ſahe/ und deren er bereits ſchoͤne Geſchencke gegeben/ diß ware eine Sache/ die einigen Hof⸗Herren nicht unbekane ſeyn konnen; nichts deſtoweniger underlieſſe des Nazars Sohn von der Jugend Uberneh men nicht/ dieſe ſchone Courliſanin in ſein Gezelt zu beſchicken/ allda auch ein anderer junger Herꝛ ſich befunde. Dieſer enthielte ſich/ dieſelbe zu berühren/ aber der andere beſchlieffe ſie/ und gleich den folgenden Tag/ ware folches dem Vatter wiſſend. Der Nazar, es ſeye quß Eyfer fur den Konig/ oder eine pur lautere Wuͤrckung ſeiner Vorſichtigkeit/ des Königs Zorn vorzukommen; denn der Sohn ohnfehlbarlich hatte ſterben muſſen; wolte ſelbſten wider denſelben Straf uͤben/ ſo ſehr ſtreng ware; er lieſſe hn nach Gebrauch des Lands/ an dem gantzen Leib dergeſtalten bruͤgHarte traf eines Patlen/ daß die Naͤgel von all ſeinen Zehen abfie⸗ ters wider len/ und ſein Leib um und um gantz ſchwartzblau geweſen. Es fehlete wenig/ daß er davon nicht gar ſtarbe. Und der Konig/ der die That des Sohns/ und die Straf/ ſo der Vatter demſelhen anthum laſſen/ erfahren/ ſagte mehr nicht/ als daß der Nazar weißlich gethan/ einen Sohn loten abzuſtraffen/ und der Uthe o uber ihn ergangen ware/ vorzukommen. Ich komme min wiedrum auf den Weg von Kerman nach Iſpahan habe Beſchreibung allein abgebrochen/ um den Reiſenden die Wurde und Stand des jenigen/ ber ihnen den Weg durch die Verbeſſerung der Landſtraſſen/ und Auferbauung der groffen Carvanſerien, die alle Nacht in gewohnlichen Tag⸗Reiſen zu Pferd angetroffen werden/ komlicher machen laſſen/ zu erkennen geben moͤchte. N 25 Den ſeinen Sohn. „und habe meine 46 Den erſten Tag nach meiner Abreiſe von Kerman, traffe ich in dem Nacht⸗Lager einen Der Herꝛ Taverniei 5 wird von einem Moullh gar freundlich aufgenomnien. reichen Moullah an/ welcher/ da er ſahe/ daß ich Wei hatte/ mir auß. Hoͤflichkeit ſolchen zu kühlen/ Eys anerbothe; ich hingegen theilte jhme auß meinem Legel oder Bockshaut mit; den folg nden Tag konte ich ſeinem inſtaͤndigen Erſuc en/ in einein Hauß/ ſo er nahend der Lanidſtraß hatte/ zu uͤbernachten/ nicht widerſtehen. Das Hauß ware ziemlich wol erbauet/ und mit einem Garten/ darinnen Waſſer/ gezieret. Er tractierte mich zu Nacht nach Landes Tezd eine groſſe Stabt. Manier/ ſo gut muͤglich; und den folgenden Tag fullte er mir mein Legel mit gutem Wein. Ich erkaufte von jhme ein Maul⸗Thier für E. Toman, ſo mir wol bekam/ weil meine Pferd all zu ſehr beladen/ und eine Erleichterung jhnen nothwendig ware. 85 5 Die folgenden Tage begegnete mir nichts merckwurdiges/ und das Land iſt beſchaffen/ wie im Eingang dieſes Capitels ſolches beſchrieben.. Lend iſt auf dieſem Weg in gleicher Weike von Kerman und von Ilpahan, 93. Grad/ 1. Minuten in der Lange/ und 33. Grad/ ay. Minuten in der Breite. Eine groſſe Stadt in Mitten des Sands/ der ſich zwey Meil weit in bringt/ und ſonderlich gute Melonen underder Ründe erſtreckt. Von Veꝛd auß muß man einen Wegweiſer nehmen/ weil bey dem geringſten Wind der Sand hin und wieder getrieben/ dardurch die Straſſen bedeckt werden/ und man alſo ungefahr in Locher zu fallen/ die alten Cyſternen oder zerſtoͤreten Hauſern gleich ſeynd/ nicht wol fortkommen kan. Zwiſchen dem Sand und der Stadt iſt zum Theil ein guter Boden/ der treffiche Früchte herfür ſchiedlicher Art/ die Einen ſeynd inwendig grun/ andere gelb und Purpurfarh; die Einen ſeynd hart und veſt/ einem Apffel gleich. Es wachſen auch allda gute Weintrauben/ und in ziemlicher Menge/ aber die Einwohner machen wenig Wein/ weil der Gubernator ſolches nicht zulaſſet. Sie doͤrren einen Theil/ und machen von dem anderen Theil Trauben⸗Muß. Man findet auch bey jhnen Überfluß von Feigen/ die groß und ſehr wolgeſchmackt ſind. Sie. machen ſehr viel Roſenwaſſer/ und einer andern Gattung Waſfſer/ deſſen ie ſich jetzt die Hand/ bald die Nagel roth zu farben/ bedienen; es wird von einer gewiſſen Wurtzelklena genant/ zubereitet. In dieſer Stadt ſeynd drey Carvahſeras, und viel groſſe Marck Plätze etliche bedeckte und gewolbte Gaſſen um die Plate/ 8 Gas wie in andern Staͤdten Perſten. Dieſe Ga en ſeynd mit Laden für die Kauf⸗ und Hand wercksleut beſetzt/ und gemeniglich iſt in einem Krammur einerſey Sorten Waare. Zu Nead werden vielerley Gattung Seiden lit Gold und Ober gemengtem Zeug/ Zerbaſte genant/ andere von Seiden allein/ Parai, die umſern glat⸗ und geſtrichelten Taffeten gleich gemacht/ dergleichen auch halb Seiden/ und halb Balunwollen/ und andere wiebrum von Baum wollan allein/ ſo unſeren Barcheten nicht ungleich ſeynd; ſo denn auch Zeug von 8 Reis beſchreibung in Perſien/ f ſonderbarer Wollen/ die alſo fein und zart daß dieſer Zeug ſchoͤner und feiner/ als pur lauterer Seiden, davon ich im vorigen Capitel Andeukung gethan habe. Ob ich ſchon zu Ver nichts zu ſchaffen hatte/ bliebe ich nichts deſtoweniger drey Tage daſelbſten/ weil ich etliche Armenier/ die mir bekant/ angetroffen/ die ohne mir gutes zu erzeigen/ mich nicht weg laſſen wolten. Zudeme war ich begierig/ mit Weile zu beobachten/ Kae ven ob das jenige/ welches ich an vielen Orten/ be⸗ N treffend die Weibs⸗Perſonen zu bemeldtem Mead, vernommen/ wahr ſey; und ich funde es alſo/ daß nemlich die Weiber dieſes Orts die Schonſten in gantz Perſien ſeyen. Es wird keine Gaſterey gehalten/ daß nicht fünf oder ſechs derſelben/ welche mit Tantzen den Gaſten eine Ergetzlichkeit bringen/ ſich dabey befinden/ und dieſe Weiber ſeynd gemeiniglich an Schönheit nicht von den Geringſten. Demme enn zeig, nun ſeye wie ihm wolle ſo ist das Sprichwort ache gemein unter den Perſianern/ daß wann man Errichwertglůckſelig ſeyn wolbe/ muſſe man ein Weib von Vezd, Brod von Ves cas und Wein von Von den Carvanſeras oder Wirthshaͤltſern/ und guter Ordnung der Caravane oder Reiß⸗Geſeliſchaften. e Carvanſeras ſeynd der OrientaliDicchen Voſcker Würchshauſer/ dagegen den Unſerigen ein groſſer Unterſcheid. Sie ſeynd nit alſo bequem noch ſauber/ an ſtoſſen die Stallungen/ in welchen man oft ſo wol als in den Kammern logieret iſt. Viel Leute nehmen im Winter lieber indem Stall/ daes warm/ ihr Loſament/ ſolche ſeynd gleich den Salen und Kammern gewolbet. In dieſen Stallen iſt bey jedaun Pferds⸗Kopf ein Loch mit einem Fenſter/ ſo in die Kammer gehet/ dadurch ein jeder ſehen kan/ wie ſein Pferd gehalten wird. In jedem dieſer Löchern konnen zwey oder drey Perſonen ſich aufhalten/ und es iſt der Ort/ da die Knechte gewohnlich kochen. Der Carvanſerien ſeynd zweyerley: Die Einen haben ein Einkommen/ in welchen nan fer 5 1 wie in unſern Spittalen/ leben an; j zahlen. Von den Erſten werden/ außgenommen zwiſchen Ofen und Conſkantinopel/ wenig geſehen/ und iſt niemand/ als der Mutter und 1 den andern aber muß man die Zech beden und ins Gevierte ungefahr den Kloͤſtern gleich gebauet/ und haben gewohnlich nur ein Stock⸗ 12515 werck/ und ſelten zwey. Durch eine groſſe carne. Pforte iſt der Eingang in den Hof; und in rien. Mirten der drey andern Theilen bederſeſts groſſe Sal oder Kammern für die Vornehmſten der Neiſenden. Auf Seiten des Saals ſeynd viel kleine Kammern/ darein ein jeder ſich abſonderlich begibt. Dieſe Loſamenter ſeynd nach langs des Hofs zwey oder drey Sehun hoch von dem Boden erhoben/ und hinden dar—-—— ————— ͤ ꝙ——— — ——ů—j—— .————5— Erſtes Buch. 105 den Schtveſtern des Turckiſchen Kaͤyſers/ oder den VBeziers und Bachas, die ſich dreymal in dem Lreffen wider die Chriſten befunden/ diee erbauen zu laſſen erlaubt. In denſelden/ welche gemeiniglich von Vermachnus erbauet/ werden die Durchreiſenden ziemlich wol geſpeiſet; und wann ſie wieder weg keiſen/ itt die Danckſagung/ ſo dem Verwalter beſchicht/ für Bezaplung/ ſintemalen man frey gußgehet. Aber von Conſtantinopel biß in Perſien/ haben die Carvanſerien fein Einkommens und werden in denſelben die Kammern leer gefunden. Die Reiſenden muſſen um Makratzen und Küchen⸗Geſchirꝛ ſich bekümmern/ und man kauft um ein billich Gelt von dem Verwalter oder von den Bauren/ die auß den nechſten Doörffern hinein kommen/ Lammer/ Huner/ Butter und Fruͤchte/ nachdeme die Zeit iſt. Man findet auch allda Gerſten und Stroh für die Pferde/ außgenommen anetlichen Orte/ welche ich auf dem Weg verzeichnet habe; auf dem Land zahlt man nichts für die Kammern der Carvanſerien, aber wol in den Stadten/ jedoch ſehr wenig. Die Caravanen kehren gemeiniglich nicht in den Caravanſern ein/ weilen für ſo viel Perſonen und Pferd nicht latz ware/ und konnen uber 1oo. Reuter nicht wol zumal darin logieren. So bald man ankommen/ iſt ein jeder befugt/ ſo wol Arm als deich ſeine Kammer einzunehmen/ denn an dieſen Orten iſt kein Anſehen der Perſon. Bißweilen wird ein Kramer auß Ehrerbietung oder um einigen Genies willen/ einem Handelsmann weichen/ aber es iſt keines Wegs erlaubt/ jemand auß der Kammer/ die er eingenommen/ zu vertreiben. Zu Nacht ſchlieſſet der Verwalter die Pforten/ und muß fur alles Red und Antwort geben/ und befind ſich jederzeit eine Wacht um die Carvanſerie. n Was die Carvanſeras in Perſien anbelangen thut/ hab ich anders wo angezeigt/ daß ins gemein ſolche bequemer und beſſer als die in Tuͤrckey gebauet/ und daß in rechter Entlegenheit/ man deren durch das gantze Land finde. Au 1 Beſchreibung der Carvanſeras iſt leicht zu ſehen/ daß ob ſchon dieſelben nicht ſo komlich für die Reichen/ als unſere Wirths180 in Europa/ ſo ſeynd ſie doch deſtobeſſer ur die Armen/ die man aufzunehmen ſich nicht widriget/ und uber jhren Willen zu eſſen und zu trincken nicht noͤthiget/ indeme einem jeden erlaubt/ allein nach der Decke ſich zu ſtrecken. Per ſien kan man auf manerley Weis reiſen/ in Caravane, oder in Geſellſchaft von 10. oder 12. Perſonen/ oder auch nüt einem Wegweiſer allein. Was mich/ der ich E. mal in Aſien gereiſet/ und das Land an vielen Orten durchſtrichen/ anbelangt/ habe ich auf allerley Manier guf allen Wegen in Otient reiſen muſſen; das Sicherſte aber iſt/ ſich zu einer Caravane zu geſellen/ ob ſchon die Reiſe langer/ weil es gemach gehet 10 0 5 ahteben fi benden Dieſe Kameel⸗FJührer ſeynd trotzige böͤſt urd re Leut/ mit denen nicht zurecht zu kommen ware/ 1 1 heit die mit den Katnelen/ wahret. Denn es if zu mercken/ daß 10. oder 12. Perſonen in Geſeliſchaſt/ welche allein Gelt mit ſich führen/ und mit Waaren nicht beſchweret ſeynd/ in 5 47 einem Tag ſo weit kommen/ als die Caravanen zu Pferd in zween/ und die mit den Kamelen in vier Tagen. e zu gewiſſer Zeit und an gewiſſem Ort ſich ſamlen/ um baſtand zu ſeyn/ den Straſſenraubern/ die oft das Land/ da man durchreiſen muß/ und mehrentheils od und wuͤſt/ und mit groſſen Trouppen durchſtreichen/ zu widerſtehen. Dieſe Kaufſeut erwehlen unter ſich ein Haupt/ Caravan-bachi genant/ und der ſelbe ordnet den Zeug und die Tag⸗Reiſen/ und urtheilt neben den Vornehmſten der Caravane, Über die Streitigkeiten/ ſo ſich unter Wegs zutragen koͤnnen. Es ſeynd wenig rechtſchaffene Manner/ die dieſes Amt verlangen; denn weil der Caravan-bachi guf dem Weg einige kleine Zölle abzurichten hat/ gerathet derſelbe/ auf welche Weiſe er auch ſich verhalte/ allezeit in Verdacht/ nicht treu gehandelt zu haben. Wann die Tuͤrckiſchen Kaufleut die mehrer Zahl einer Cara vane ſeynd/ iſt das Haupt/ ſo erwehlet wird/ ein Turck/ ſo aber mehr Armenier als Turcken/ iſt der Caravan · bachi ein Armenier.„ ö i Der Caravanen ſeynd zweyerley; nemlich von Kameelen/ ſo die Gemeinſten/ weilen dieſes Fuhrwerck am wenigſten Koſten erfordert/ ſintemal die Kameel/ wie drumen gemeldet werden ſolle/ mit Geringem zu nahren/ und die Einen den Laſt von drey andere/ von vier oder funf Pferden tragen. Aber bey dieſen Caravanen der Kameelen/ befinde ſich auch Pferd und Maul⸗Thier/ ſo die Kauffeut fur hren Leib kauffen; denn die Reiſe auf den Kamerlen für den Mann/ wenn das Thier allein den Schritt gehet/ ſehr unbequem iſt; aber wenn ſolches im ſtarcken Trab gehet/ ſitzet man ziemlich ſanft. Es ſeynd auch Caravanen, die allein in Pferden beſtehen/ und im Fall die Kaufleut keine erkauffen wollen/ finden ſie Leute in der Carayane, die jhnen leihen. Die Knechte beſteigen die Bagage· Pferd/ die am wenigſten beladen. Und zu Smyrnen werden viel Pferd um einen billichen Preiß/ von 30, biß 60. Cronen gefunden. Die jenigen/ die nicht willens ſeyndoder die Mittel nicht haben/ viel Koſten außzuwenden/ nehmen einen Eſel/ daran es in ſelbigen Landen nicht mangelt. Inſonderheit iſt bey den Kameel⸗Caravanen nothwendig/ um Pferde ſich zu bewerben/ den Wein zu tragen/ denn die Kameel⸗Treiber/ welche faſt all MaKameel geladen werde/ weil dieſes Thier inſollderheit dem Mahomet geweihet/ der den Wein außdrücklich verbotten. Der Wein wird in Bockshaͤuten/ das Haar inwendig wol verpicht geführt; an etlicher diefer Hauten wird das Haar abgeſchnitten/ aber ſie ind nicht ſo gut/ indeme faſt jederzeit ein Loͤchlein in wenn man nicht Mittel hatte/ dieſelben zu zuchDie Caravanen ſeynd wie ein groſſes Ge⸗ Beſchtei/ leit/ beſtehend in einer Anzahl Kaufleuten/ die e hometaner/ auß einem wunderlichen Aberglau⸗ 1 5 5 ben/ nicht geſtarten wollen/ daß ſolcher auf die Treber. 1 48 Reisbeſchreibung in Perſien/ 5 küchtigen. Es waͤreeiner/ der ſich rauch ſtellete/ Nachfolgende nicht auch leide. Denn wan 168 15 16 unter Wegs von Smyrnen nach keſchicht daß der vorhergehende Kameel Hauris erzürnete. Aber als wir zu Erivan gn⸗ falllet/ bricht die Schntir/ und bleibt der kommen/ beklagte ich mich bey dem Kan, der Folgende befreyet; da hingegen/ wann der 0 demſelben auf der Stett hundert Striche mit einem Bügel geben laſſen. Auf dieſe Wei wird dieſes Lumpen⸗Geſindlein zu Gebühr gebracht/ inſonderheit wenn man nach Smyrne/ ober andere Ort/ da die Francken Burgermei⸗ 5 ſter haben/ komt/ welche auf die dem Cadi vorbringende Klage alſobald Recht erlangen. Das Exempel vieler dieſer Kameel⸗ Treiber/ die abgeſtraft worden/ halt die andern in au und dieſelben ſeynd eine Zeit hero reundlicher als zuvor. In den Morgenlaͤndern iſt die Gewonheit/ die Tag⸗Reiſen in einem Futter zu thun/ es ſeye/ daß man mit der Caravane 2 oder allein reiſe. Aber dieſe Tag⸗Reiſen ſeynd ungleich/ einmal von 6. bald von zehen/ und auch von Fu Stunden; und hier iñ ſol man ſichnach deme Waſſer gefunden wird/ ſo nicht aller Orten iſt/ richten. Jeder Zeit reiſet die Cara vane mehr zu Nacht/ als bey Tag; in Sommerzeit die Hitze zu vermeiden/ und zu andern Zeiten um bey hellem Tag an dem Ort/ da man lagern ſolle/ anzukommen; denn ſo man bey and anlangt/ ware umnuglich/ in der Finſtere alle Dinge anzuordnen/ die Zelten aufzuſpannen/ die Pferde zu futtern/ zu kochen/ und für glle das jenige/ ſo zu einem Nachtlager vonnothen/ Vorſehung zu thun. Zwar in Mitten des Winters/ und bey tieffem Schnee/ verreiſet man ſelten vor zwey oder drey Uhren nach Mitternacht/ und oft erſt bey anbrechendem 1 Aber in dem Sommer/ nachdeme p der Außſpann ſeyn ſolle/ bricht man zu Mitternacht auf/ oder ein Stund nach Undergang In meiner letſten Reiſe von Smyrne auß beſtunde unſere Caravane in der Sonne. 600. Kamelen/ und bey nahe in ſo viel Perſonen zu Pferd. Biß weilen iſt die Geſellſchaft arcker/ und weil die Kameel m nach einaner gehen/ wie bald vermeldet werden ſolle/ ſcheinet eine Cara vane ein Heer zu ſeyn/ es ſeye nun im Gehen oder im Lagern/ nimt dieſelbe einen groſſen Platz ein. Daß man alſo in Aſien zu Nacht reiſet/ gibt zuerkennen/ daß der Luft daſelbſten nicht ungeſund; und die Reiſenden/ welche mehrertheils drauſſen auf einem auf die Erden gelegtem Teppich zu ligen pflegen/ enpfinden keine Ungelegenheit. Die Kameel/ welche in Perſien durch die Nordiſche Landſchaft der Türckey gehen/ folgen einander zu ſieben und ſieben/ ſeynd mit einem Strick/ in der Dicke eines kleinen Fingers/ und Länge eines Klafters/ ſo hinden an dem Crack der ſtarck/ durch den Rincken gezogen ware/ wurde ſolcher von dem gefallenen oder eſtrauchten Kameel nachgezogen/ und dem olgenden ein Stuck von der Naſe wegnehmen. Und damit der Kameeſtreiber/ welcher den ſieben Kameelen vorgehet/ den erſten an einem üͤher ſeine Achſeln gelegten Strick/ haltend/ wiſſe ob die übrigen C. folgen/ hat der lette eine Schellen an dem Hals hangen/ und ſo ald kale nee wird/ iſts ein Anzeigun daß eines der kleinen Schnujren gebrochen/ un die Kammel ſtill ſtehen. Der ſiebende tragt gemeiniglich den Proviant. Denn es iſt zu wiſſen/ wann ein Kauffmann bey der Caravans 6. geladene Kameel hat/ man denſelben den Proviant und ſein Bagage zu tragen einen ſiebenden zu geben ſchuldig/ wann er nur drey beladen/ gebührt ſhme eine halbe Ladung/ und derm jenigen/ welcher neun oder zwolff Laſt hat/ werden Proviant und andere mann neben ſeinen Knechten/ halt ſich in dem reiſen bey denen Kamelen/ die mit ſeiner Waar beladen/ und fürnemlich in den finſteren Naͤchten/ weil bisweilen d Ee ber mit ſcharffen Meſſern die zween Strick/ ſo den Kameel vor und hinden halten/ entzwen ſeinem Belieben geführt. Ein feder Kauffſchneiden/ und denſelben ſtill in Abweg entfuhnit beſchlagen/ und alſo im gehen nicht gehort werden kan. Die einen und anderen/ ſo wol Deit zu vertreiben/ und den Schlaff zu hindern/ Stund vor Tag/ da der Schlaff gewohnlich ren/ ſintemal der Kameel ohne eh 8 12 Kaufleut als Knecht/ und Kameel⸗Führer/ die pflegen Taback zu trincken/ zu fingen/ oder von 5 ihren Geſchafften zu reden/ aber ein oder zwo überhand nit/ hoͤret man das geringſte nicht in der gantzen Cara vane. Es kragt ſich oft reiten die Herren in kleinen Hauffen vor/ und ſtraß! ruhig ſchlaffen. Etliche nehmen auf under das Haubt alsdann dienet/ andere behelffen ſich mit einem Stein/ und im ſchlaffen halt ein jeder ſeines Pfer ds Zaum an dem Arm/ dergeſtalten ruhen ſie bis zu Ankunfft der Caravana, und die jenigen welehe die Letſten ſeynd. wecken die Gant geen gef. 2 bekant/ die bequemſten ſeyen/ und ſonderlich legen ſich an einem beguemen Ort an der Landdem Sattel gelegt ein Külſen mit ſich o ihnen agert an denen Orten die zu in dieſem Schlaff/ deme zu widerstehen unmüͤglich/ d Ne aber in tel des Kan bey den Waſſern. Nach Undergang der Son⸗ Wie die c. andern Endmit einer Schnur an einem Rin⸗ nen(halten die Obacüx, welche arme Nute nage we cken/ ſo an den Naßlochern des Kameels/ wel⸗ Türcken oder Armenier/ die Wacht um das den. ches folgt/ angeknujpft wird/ an emander gefe⸗ Lager/ und für die Wagren. Sie gehen aller ſelt. Dieſe kleine Schnürlein/ ſo die Kameel⸗ 0 0 0 und ruffen einer nach dem andeTreiber in dem Reiſen zu machen pflegen/ ren in Arabiſcher oder Miche Sprach/ 8 eynd leicht zu brechen/ und auf dieſe Weis mit Gott iſt einer/ er iſt barmnhertzig/ und oft ſeFleiß gemacht/ damit wenn der vordere Kameel h ſie hinzu; habt acht auf euch. Wan ſe zu Boden oder in einen Graben fiele/ der ſehen daß die Stunde fort Ae öattel des Kameels her vorgehet/ und an dem .— ſie ſolches dem Caravan-Bachi zu befihlt yhnen zu ruffen/ daß man die Pferde ſattlen/ und eine halbe Stunde hernach/ ruffen ſie/ daß man laden ſolle. Es iſt ſich zu verwundern/ daß bey dem anderen Geſehrey der Chaoux alles in einem Augenblick fertig/ und die Caravane beginnet in guter Ordnung und aller Stille fortzugehen. Ein jeder befteiſſet ſich von dem Abend an bereit zu ſeyn/ ſintemalen es gefährlich/ zurück zu bleiben/ inſonderheit in denen Landen/ da die Näuber herum ſtreichen. Zu Bezahlung dieſer Chaoux oder Wächter wird auf jede Ballen von Smyrne biß nach Erivan 4. eines Piaſtre geſchlagen.. 85 i i Wann die Außſpann weit/ und man befindet/ daß vor neun oder zehen Uhr Vormittag nicht an den Ort zu gelangen/ reiten gemeiniglich eine Stund nach der Sonnen Aufgang/ 8. oder 10. Kaufleut in Geſellſchaft vorher/ ein jeder ſein Felleiſen in Form zweyer Säcken 3 5 ſich fuͤhrend; in einem Theil iſt eine Flaſchen Wein/ und in dem andern etwas zu eſſen. Wann dieſelben an dem Ort/ den ſie zum Fruhſtucken bequem finden/ legen ſte eingroſſen Teppich auf die Erde/ auf welches ein jeder ſein Proviant offentlich außlegt/ und alſo die Geſellſchaft frolich Mahlzeit halt. Die Knechte thun ſhrer Seits desgleichen/ und zuweilen n uu ene abgericht/ eine Flaſchen mit Wein zu entwenden/ die gend außleeren. 8 e Wann man von Conſtantinopel/ myrne oder Alep mit der Caravane reiſet/ muß man ſich nach Tracht des Landes/ da mandurch ſolle/ außrüſten; in Türckey auf Turckiſch/ in Perſien auf Perſiſch; und wer anders thate/ würde außgeſpottet werden; und doͤrfte auch an vielen Orten/ da das geringſte Ding den Gubernatoren/ welche die Fremden leicht für Außſpaher halten/ einen Argwohn bringet/ ſchwerlich durchkommen. Jedoch/ ſo man auf der Reiſe einen Arabiſchen Rock an/ undeine ſchlechte Binde um ſich hat/ ob ſchon ein Franghoͤſiſch Kleid darunder verborgen/ ſo iſt er doch aller Orten ohne Sorge. Wann man den Bund auf dem Haupt tragen wil/ muß man nothwendig das Haar abſchneiden laſſen/ dann im Widrigen würde ſolcher immer glitſchen/ und auf den Haaren nicht halten. Was den Bart anbelangenthut/ mag derſelbe wol bleiWis ſich die Neiſenden in Ihren Kleidungen verhalten. ben/ dann in Türckey die Groͤſten fuͤr die Schoͤnſten gehalten werden; aber in Perſien laſſet man das Kin gantz beſcheren/ und den Knebel⸗Bart ſtehen; und ſeynd auch die Groͤſten und Laͤngſten fuͤr die Schoͤnſten geachtet; Ich erinnere mich/ daß ich einen Pfortner des Koͤnigs in Perſien geſehen/ welcher einen Knebel⸗Bart hatte/ den er hinden an dem Kopf zuſammen binden kondte/ deswegen er auch doppelte Beſoldung erlangte. Uber das muß man ſich auch mit Stiften nach Lands Tracht verſehen; dieſe Stieffeln werden gemeiniglich von gelbem/ rothem oder ſchwartzem Cardoe Leinwad gefüttert/ und Eiſtes Buch wiſſen/ der ſie dann ſtillſchweic 5 49 weilen dieſelben nicht über die Knie ge hen/ ſeynd ſie eben ſo bequem als SchuhDer Sporn bedient man ſich nicht/ weilen das Eiſen unten an den Biglen/ ſo vierecket/ das Pferd zu ſtechen dienet; und ſolches kan um ſo viel leichter beſchehen/ weilen man die Beine nicht niederer als des Pferdes Bauch gehet/ zuhalten pflegt/ wie 2 ſolches auch in gantz Aſien der Gebrauch Man muß vor der Abreſſe ſich auch knit dancer, underſchiedlichem Haußrath/ und inſonderheit nothwendig mit Flaſchen/ Matares genant/ welche von gutem Preuſſiſchem Leder gemacht ſind/ verſehen. Ein jeder führet die Seine an dem Sattelbogen/ oder an einem zu dem Ende mit Fleiß hinden an den Sattel geſchlagenen Eiſenen Ring hangend/ ſo das Pferd nicht beſchweren kan; alsdann muß man auch Bockshaute kauffen/ darvon droben Meldung beſchehen/ es iſt nichts komlichers/ weilen ſelbe miht brüchig ſeynd/ und etliche biß fünfzig hinte halten. Die Kleineſten dienen gewohnlich zum Brantenwein/ welcher den Reiſenden hochnothwendig iſt. Die Matares oder lederne Flaſchen werden mit Waſſer gefüllt/ und das Leder/ dar von ſelbe gemacht/ hat dieſe Art/ daß das Waſſer friſch darinnen bleibt. Hernach muß man auch auf den Proviant bedacht ſeyn/ und Reis und Zweygebachens biß nacher Locat mitnehmen; dann was Huner /Eyer und anders dergleichen anbelangen thut/ findet man faſt aller Orten/ wie auch Futter fur die Pferde/ und friſch Brodt an etlichen Orten. Endlichen muß man auch eine Zelte/ und was zu deſſen Aufrichtung nothig/ eine Matratzen und Decke/ die Pferd Nachts/ ſonderlich bey dem groſſen Schnee/ da ſie oft Morgens gantz begraben gefunden werden/ zu deWann die Caravane dem Außſpann ſich nahert/ eylet ein jeder Kaufmann vor/ um wo Dinge auf der Reiſemoglich/ einen erhoͤheten Ort/ ſeine Waar dahin zu legen/ einzunehmen/ damit wann es regnete/ das Waſſer ſeinen Ablauf habe. Sie legen auch in ſolchem Fall Stein unter die Ballen/ und decken dieſelben mit einem Teppich/ die Waaꝛ vor der Naſſe zu verwahren; die Knechte machen alsdann zugleich einen Graben um die Zelten/ damit das Regenwaſſer/ ſo darauf fallt/ dahin lauffe. Wann ſchoͤnes Wetter iſt/ halt man ſich mit Aufrichtung der Zelten ſelten auf; und ob es ſchon beſchicht/ daß ſolche aufgerichtet wird/ ſo pflegt mans doch alſobald nach dem NachtEſſen wieder zuſammen zu legen/ auf daß/ wann der Aufbruch beſchehen ſolle/ alles bereit ſeye/ und man auch deſtobeſſer umſich ſehen/ und vor den Raubern/ die auß den umliegenden Doͤrffern kommen mochten/ ſich verwahren konne. Aber bey boſem Wetter bleibt das Zelte aufgericht/ biß die Chaoux das erſte mal gerufen. Vor dem Zelte werden die Pferde an Stricke/ die an eiſernen Nageln halten/ E auch 50 aueh an den hindern Fuſſen mit anderen Stricken/ damit ſie von jhrem Platz nicht ferne weichen koͤnnen/ fleiſſig angebunden. Wann die Caravane zu der Zeit ankont/ da kein Gras/ ſo bie Knechte abzuſch neiden pfiegen/ zu finden/ fauft man von den Bauren/ die in das Lager kommen/ Stroh und Gerſten für die Pferdt/ weil kein Habern/ weder in Turckey/ noch in Perſien/ gefunden wird. 5 Was das Kochen anbelangen thut/ ſo wird hierinmen nach der Gewonheit des Lands verfahren/ emlichen eindoch in dieErde gegraben/ das Feuer darein/ und der Topf daruber gethan. Indeme wird der Pilau auf die Weis/ UnbequemLchkeit wegen des Waſſers. wie in meiner Beſchreibung des Turckiſchen Serrails vermeldet worden/ zugericht/ und das iſt die gewohnliche Nahrung/ in allen gegen Morgen gelegenen Landern. 8 Eine der groͤſten Unkomlichkeiten/ ſo die Reiſenden in den Caravanen leiden müſſen/ itt/ wann man zum Waſſer komt/ welches entweder Quellen/ oder Schoͤpf⸗Brunnen/ oder Cyſternen ſind/ daß allein zween oder drey zugleich ſchopffen konnen. Denn gemeinlich wenn man haltet/ verlangen die Kaufteut zwo Stund nach Waſſer/ weilen die jenigen/ denen das Fuhrwereks⸗Vieh zuſtändig/ niemand, wer der guch ſeyn moͤge/ nicht einen Tropffen Waſſers zu nehinen/ geſtalten/ biß daß jhre Kameel/ Pferd/ Maulthier und Eſel all getrancket ſeyn. In meiner leeſten Reiſe in Aſien war ich dieſer Beſchwerlichkeit nicht underworffen/ ſondern bekame Waſſer zu rechter Zeit/ ohne roelches man weder Brodt machen/ no Riß kochen kan. Solches brachte ich zu wegen/ durch Mittel meines Enckels/ welcher ro. oder 12. Jahr ale/ den ich mit mir führte/ damit er in dieler ſeiner Jugend deſto leichter die Orientaliſchen Sprachen erlernen/ und die Beſchwerde ber Relſen/ krelche er fortſetzen ſolte/ gewohnen konte. Weil derſelbe annoch ſchr jung/ hatte ich fur ihn nur einen Eſel/ der einen ſehr ſauften Schritt gieng/ und ſo viel Dienſt als ein Pferd thate/ erkauft. Er gienge jederzeit mit zwey oder drey Geſchirren nach Waſſer/ wañ die Fuhrleut einen ſo jungen Knaben geſehen/ der ſo artig Waſſer begehrte/ konten ſie jhme ſolches nicht verſagen/ ſondern fuͤlleten demſelben ohne Verzug ſeine Geſchirz. Gleich wie ein eber der Leute/ die man mit ſich füͤhret/ ſein Amt hakte/ wenn die Caravane lagert/ da der eine ein Loch in die Erde grabt zum Kochen/ der ander Holtz fallet/ andere in die umliegende Doͤrffer und auf die Verge nothwendig Proviant/ ſo wol für Menſchen als Vieh zu ſuchen/ getzen/ ware meines Enckels Amt Waſſer zu holen; dann wann ich ſchon einen Kneeht hierzu hakte brauchen wollen/ ware derſelbe von den Kameel⸗Juhrern/ die ihm nicht zugelaſſen hatten /Vaſſer zu ſchöpffen/ ehe jhr Vieh getrolickt/ nicht fieundſich empfangen worden. Yam man auf ſolche Weiſe mit vielen Leuten/ dit alle ich bear beiten/ und einander helffen /reiſtt/ wie beſchwerlich es auch oft ſeyn mag/ kan man doch ſagen/ daß man noch ziemReis beſchreibung in Perſten/ lich luſtig reiſe. Dieſes iſt die Beſchwerlichkelt/ bey zeiten Waſſer zu bekommen/ und da man wider die Kameel⸗und Maul⸗Treiber/ welche grobe deut ſeynd/ Gewalt üͤbet/ begebe ſich oft Exempel/ thun wil. 6% Als z ſo fürale genug ſeyn ſolle/ dareines dag vondem Kander abel einen Todſchlag/ wie ich ſolches mit einem nach Iſpahan mit einem Kaufman von Babilonien verreiſete/ und wir in dem Carvanſera des erſten Nachtlagers/ Guetchy genant/ ankommen/ befahle der Kaufmann einem ſeiner Srlaven/ der ein Caffre von den Kuͤſten Mozambique ware/ friſch Waſſer zum Trincken/ auß der Cyſterne zu holen; der Cafre gieng hin/ kame aber ſo bald ohne Waſſer zuruck/ anzeigend/ daß die Kameel⸗ und Maul⸗Treiber/ die ſich in groſſer Anzahl daſelbſt befunden/ jhn bruͤglen/ und dem Cyſternen zu naͤhernnicht geſtatten wollen. Der Kan wan bel bedacht/ oder der Gewonheit unwiſſend/ chickte in Zorn den Sclaven wiedrum/ mit Befehl/ die jenigen/ welche jhme verwehren wolten/ Waſſer zu ſchoͤpffen/ mit Streichen zu tractieren. Der Calre kame wiedrum zur Cyſterne; und als derſelbe gleich wie das erſte mal/ Widerſtand funde/ ſchalte er einen uñ anderen/ welches einen Maul⸗Treiber bewegte/ jhn zu ſchlagen. Der Cakre ohngeſaumt/ zog von Leder/ Ein Maul5 Treiber umund erſtach den Maul⸗Treiber auf der Stette: dieſes Lumpengeſindlein ſarntlich fielen guf denſelben/ bunden ihn/ und fuhrten jhn nach dem Bander-abaſſi, damit der Gubernator ch jhne hinrichten laſſen ſolte. Der Here dieſes Cafre, ſat vielen Kauſteuten/ gaben dem Gubernator dieſer Leuten/ Trotz und Unfug/ und deren Bosheit/ das Waſſer zu verwehren/ klaͤglich zu verſtehen/ neben Bericht/ wie die Sach ſich zugetragen/ und daß die Klaͤger die rechten Anfanger hiezu geweſen. Der Gubernator lieſſe hierůͤber dieſen Menſchen auß jhren Handen reiſſen/ und in Verwahrung nehmen/ und befahle demnach/ daß man zehen oder zwolf dieſer Maul⸗Treiber/ darum/ daß ſie den Diener eines Kaufmanns/ kein Waſſer ſchoͤpffen laſſen wolten/ greiffen/ und bruglen ſolte. gebracht. Er lieſſe auch etliche ins Gefangnuis ſtocken/ die hernach auf Fürbitt der jenigen/ denen das Fuhrwerck jhrer Waaren anvertrauet ware/ und die deswegen derſelben nicht manglen verſchobe die Sach in die Lange/ damit dieſe konten/ loß gelaſſen wurden. Der Guberngtor Leute abzulaſſen/ Urſach bekamen/ und ſich wiederum zuruck begeben thaͤten/ welches auch geſchahe/ biß auf ztween des Entleibten Bruder. Etliche Tage hernach ſagte der Gubernator/ daß er ſeines Theils/ jhnen nicht Recht ſchaffen konte/ weil der Entleibte auß dem Gebieth von Schiras ware/ und nicht mehr thun konte/ als den Ubelthaͤter dahin zu ſchicken/ welches alſobald beſchahe. Der Here des Calre war ein ſehr reicher Mann/ und liebte dieſen Selaven/ weil derſelbe jhme jederzeit wol und treulich gedienet. Er begab ſich in aller Eyl nach Schiras, . ͤ— — ͤů———f— —— — T ee — —— . 3 Erſtes Buch. um bey dem Kan vorzukommen/ und demſelben vorzubringen/ wie die Sach ſich zugetragen. Ich erinnere mich/ daß er/ als er zween Tagreiſe von Schiras ware/ auf dem Weg viel arme Leute/ des Entleibten Verwandte angetroffen/ welche daſelbſten des Catre erwarteten/ um denſelben für den Kan zu begleiten/ und Recht zu begehren; Mir begegneten auch drey Meil von Schiras die Eltern und Wittib/ neben zwey kleinen Kindern des Entleibten/ welche mich ſehend/ ſich zur Erden wurffen/ und mir ihr Leid erzehleten. 2 555 ihnen durch meinen Dolmetſch anſagen/ daß wañ jhnen gut zum Rath ware/ ſie von des Cafre Herꝛn ein Stück Gelt nehmen/ und hiemit dieſem Handel eine Endſchaft machen ſolten. Dieſer Vorſchlag/ welcher von vielen Leuten in der Chriſtenheit ware angenommen worden/ ward von dieſen elenden Mahometanern ganliel wonworffen; der Vatter riſſe ſich den Bart auß/ und die Weiber die Haar/ auß allem jhrem Vermogen ſchreyend/ daß ob ſchon die Francken das Blut der Ihrigen verkauften/ thaͤten ſie nicht ein gleiches/ und wolten ſich nicht zur Ruhe begeben/ biß daß ſie die Hand in des Moͤrders Blut gewaſchen. Als die anderen Verwandten mit dem Cafre zu Schiras angelangt/ verſuchte der Kan alles Muͤglichſte/ daß die Wittib Gelt nehmen mochte; aber nachdeme er nicht vermochte ſie zu bereden/ muſte er endlich den Cafre den Verwandten in die Hand lieffern/ um mit demſelben nach jhrem Willen zu verfahren; und weil ich in derſelben Stund von Schiras nach Iſpahan verreiſet/ iſt mir unbewuſt/ wie ſie mit jhme umgangen. Allhier habe ich kuͤrtzlich gemeldet alles/ was die Ordnung der Caravanen hetrift. Es iſt noch übrig/ abſonderlich von der Natur und Eigenſchaft/ underſchiedlicher Art und Auferziehung der Kameelen/ die dem Menſchen ſo nutzlichen Dienſt erweiſen/ Meldung zu thun. . Das XI. Capitel. Von den Kameelen/ auf welche Weiſe dieſelben auferzogen werden/ jhre Natur/ und deren underſchiedlicher Arten. Mus Weiblein des Kameels tragt ſeine Aucht eilf Monat lang/ und ſeine Millch iſt ein bewaͤhrtes Mittel/ die Narneel98 80 55 auch. chen lang taglich eine Maß deren trincken. Ich habe Exempel der Heilung von dieſer Kranckheit zu Balſara, Ormus und an andern Orten des Perſiſchen Meerbuſens/ auch an vielen Engell⸗ und Hollandiſchen Boots⸗Knechten/ welche auß den Schiffen ſich begeben/ dieſe Milch/ dadurch ſie wiedrum in geſunden Zuſtand gelangt/ zu trincken/ geſehen. mit den neu- So bald das Kameel gebohren iſt/ werden Randelen, demſelben die vier Fuß under den Bauch geverfahren khan/ damit er alſo darauflige; hernach bepelt. deckt 125 15 einem über den Rücken biß auf kilWie man N Waſſerſucht zu heilen; man muß drey Wodie Erden hangendem Teppich/ ſo mit viel Steinen beſchwert wird/ damit das Thier ſich nicht aufrichten konne/ und in dieſem Zuſtand muß ſolches 1. oder 20. Tage bleiben; underdeſſen gibt man demſelben/ aber nicht offt/ damit ſie in Gewonheit kommen/ den Durſt zu leiden/ Milch zu trincken. Daß man jhnen die Fuͤſſe under den Bauch biegen thut/ beſchicht ſte zu gewohnen/ ſich nieder zu legen/ wenn man ſie beladen wil; und ſie ſind auch hierin alſo gehorſam/ daß ſolches Wunder würdig. So bald die Caravans an beſtimten Ort ankommen/ ſtellen all die Kameel/ welehs zinem Meiſter zugehoren/ von ſich ſelbſten in emen Kreyß zuſammen/ und knien mit den vier Juen zur Erden/ alſo daß den Strick/ damit die Ballen gebunden/ los machend/ ſolche beederſeits ſanft auf die Erden ſich mederlaſſen. Wenn die Zeit wiederum zu laden/ komt das Kameel zwiſchen die Ballen ſich zu legen/ und ſtehet/ wann ſolche aufgebunden/ fein ſanft mit ſeiney Ladung auf/ welches in ſehr kurtzer Zeit ohne viel Weſens beſchicht. Nachdem die Kameel entladen/ laſſet man ſolche ins Feld gehen/ Büſche/ dieſelbe abzufuttern/ zu ſuchen; und eine halbe Stunde vor Niedergang der Sonnen/ kommen ſie von ſich ſelbſten wieder zurück; es ſeye dem/ daß einer ungefehr verirret/ der aber durch ein gewiſſes Geſchrey leicht herbey gebracht wird. Wenn ſie wie der zuruck ſind/ ſtellen ſie ſich all in einen Kreyß/ und wird jedem zwo Ballen gekneten Gerſten⸗Meel/ jeder zwo Fauſt groß/ dargeworffen. Das Kameel/ ob ſchon ſolches groß und ſtarcke Arbeit thut/ iſſet doch ſehr we⸗ Wunderdanig/ und begnügt ſich mit dem jenigen/ ſoer in kad den Heiden findet/ da er inſonderheit die Di⸗Kameele. ſteln/ die jhme ſehr angenehm ſind/ zu ſuchen pflegt. Es iſt ſich zu verwundern/ wie mit ſo groſſer Gedult ſie den Durſt leiden. Das letſte mal da ich durch die Wüſte reiſete/ in deren die Cara vane bey 65. Tag zubringen muſte/ blieben unſere Kameel 9. Tag lang ohn getruncken/ weil wir in ſolcher Zeit kein Waſſer gefunden. Aber noch viel verwunderlicher iſt/ daß das Kameel/ wenn es in der Brunſt gehet/ biß in vierzig Tag ohn gegeſſen und getruncken bleibt/ und iſt damalen alſo raſend/ daß ohne genaue Vorſicht/ man von jhme leicht gebiſſen werden kan; wo ſie alsdann anbeiſſen/ nehmen ſie ein Stuck hinweg/ und gehet jhnen auß dem Maul ein weiſſer Schaum neben zwo Blaſen/ beederSchweins⸗Blaſe. fe 25 1e e das Kameel all ein Haar in weniger als drey Tag Zeit gehen, alſo daß demſelben die Haut 5 72 5. damalen wird das Thier von denducken hart geplagt. Der Kaumeel⸗Fuhrer findet darvider kein ander Mittel/ als das Kamneel mit Thaͤr zu überſchmieren/ als dann iſts ſehr gefaͤhrlich/ demſelben ſich zu nahern. Es war billich/ dem Karmel ſo wol als einem Pferdt abzuwarten/ aber der Fuhrer hat für Strigel un Burſten nichts anders als eine Ruthe/ damit er auf das Kamel/ gleich wie man auf ein? Teppich/ ſolches außzuſtauben/ ſchlagt. E 2 Wenn ſeite groß und aufgeblaſen/ gleich einer 52 Reis beſchreibung in Perſien/ Wenn das Kameel verwundet/ oder under und ſiehet der Zollner durch die Finger/ beſoreinem Saum⸗Sattel gedruckt und verletzt gend/ er mochte ſeine Kundſchaft verlieren/ und worden/ pfigen ſie das Thier allein mit Harn dem Kaufmann einen andern Weg zu nehmen/ ohne einige andere Mittel zu waſchen. Anleitung geben. 8 4 5 Zweperley Es ſeynd fürnemlich zweyerley Art Ka⸗ Es iſt Betriegerey zwiſchen den Kameel⸗ 9 9 5 8 meel/ die Einen für die warmen/ und die andern Haͤndlern/ gleich wie unter unſern Roß⸗Kauf⸗ der Kam, fur die kalten Lander tüchtig. fern. Ich erinnere mich/ daß als ich in der Zu⸗ Handler. Die Kameel der warmen Lander/ nemlich ruͤckkunft meiner vierten Reiſe auß Perſien/ zu a die/ welche von Ormus nach Iſpahan gehen/ Casbin ware/ ein Perſianiſcher Kaufmann/ koͤnnen/ wenn der Boden naß und ſchlupffe⸗ welcher vermeynte 8, ſchoͤne und gute Kameel rich/ nicht fortkommen/ ſondern jhnen wur de erkauft zu haben/ mit vieren/ ſo er für die beſten der Leib mit den hindern Fuüſſen von einander gehalten/ betrogen ſich befunden: Sie ſchienen glitſchen/ und aufſpringen/ und alſo das Thier fett und in gutem Zuſtand/ aber der Betrug zu nichte gehen. Es ſeynd dieſes kleine Kameel/ war bald offenbar/ indem er befand/ daß ſie nur die allein 6. oder 700. Pfund ſchwer tragen/ aufgeblaſen. Dieſe Leut ſeynd abgericht/ dem aber hingegen mit geringem Koſten zu under⸗DThier nahe dem Schweif eine Oeffnung zu halten/ und leiden lange Zeit Durſt; ſie wer⸗ machen/ ſo der Einkauffer nicht in acht nimt/ den nicht an einander an die Schweif gebun⸗ und welche ſie ſo gar artig wiedrum zu verdeden/ wie mit denen in den kalten Landern be⸗ cken wiſſen: Dunch dieſe Oeffnung blaſen ie ſchicht/ ſondern man laſſet ihnen ihren freyen die Kameel auf/ und au nachen ſiẽ/ wir dunn Gang/ gleich einer Herd Kuh. Der Kameel⸗ und mager auch daſſelbe iſt ihme ein ſchones Treiber ſingend und mithin pfeiffend/ folgt Anſehen/ ſo offt man die jenigen/ welche verjhnen nach: Je ſtarcker er ſinget und pfeiffet/ meynen ſich wol zu verſtehen betriegen wil/ inje ſtärcker die Kameel fortgehen/ und ſtehen ſonderheit zu der Zeit/ wenn der Kameel ſich geſtill/ ſo bald er mit Singen innhalt. Die haret/ und derſelbe mit Thar/ ſo den Betrug Kameel⸗Treiber loͤſen einander mit Singen noch mehr zudeckt/ geſchmieret worden. ab/ und wann ſie wollen/ daß die Kameel ed. wan ein halbes Stund lein Zeit/ auf dem Hel⸗ a. 5 1 fc und 50 5 1 z Das XII. Capitel. alten ſie ſich auf/ eine Pfeiffen Taback zu 3 1 trincken; hernach wenn ſie wiedrum zu ſingen Von der Geld⸗Muͤntz in Perſien. beginnen/ gehen die Kamel alſobald fort. Die 8 I N meinen Beſchreibungen ſolle billich n Kameel auß den Wuſten ſeynd bey nahe glei⸗ 8 N von dem Gold⸗ und Silber⸗Gelt/ ſo in cher Art/ und ſchon/ aber zart; derwegen man= Turckey/ in Perſien und Indien ganggemächlich mit denſelben/ jhnen nicht ſtarcke bar/ weilen ſolches eines der vornehmſten StůTagreiſen zumuthend/ umgehen muß; hinge⸗ cken/ die einem Reiſenden zu wiſſen nothig/ gen eſſen und trincken ſie weniger als andere/ Meldung beſchehen. In meiner Beſchreibung f und leiden den Durſt gedultiglich. des Türckiſchen Serrails, habe ich von den f Die Kamel der kalten Landern/ nemlich Gold und Silber⸗Sorten/ die in dem Ottovon Tauris biß nach Conſtantinopel/ ſeynd mamſehen Reich lauffig/ gehandelt; min muß groſſe Kameel/ die ſchware Laſt tragen/ und ich in dieſem Buch/ da ſonderlich was Perſien auß dem Koth ſich herauß 155 koͤnnen. Aber anbelaugen thut/ beſchrieben wird/ von den auf einem fetten Boden und ſchluͤpfferichten Gelt⸗Muntzen/ ſo in dieſem Königreich gůltig; Straſſe/ muß man/ wie anders wo gemeldet/ gleich wie in folgendem Buch von den GeltTeppich und zuweilen biß in hundert nach ein⸗ Sorten in Indien einen nothwendigen Be„ 8 5 ſie 3 1 8 5 2 5 richt Eutah 0 85 drigen ware zu beſorgen/ daß ſte mit den hin⸗ rſtlich iſt zu mercken/ daß in Perſien keine Gu 1 Fuſſen außglitſchen/ und ſich zergliedern Gold⸗Sorten/ als um die 1 1 Münte in moͤchten. Wenn die hindern Kameel vorüber/ nige auf den Thron kommen um ſolche under zune ehr werden die letſten Teppich aufgehoben/ und das Volck außzuwerſſen/ davon jederzeit et⸗ e voran gelegt; aber wenn der Weg da befoͤrcht was in dem Platz uberbleibt/ gepragt wer den. wird/ das Kameel mochte glitſchen/ allzulang/ Demnach aber iſt daſſelbe kein gangbar Gelt. muß man nothwendig warten/ biß ſolcher wie⸗ Wenn der Triumph vorüber/ ſeynd die jeniWie die der außigedrucknet. Dieſe Kameel tragen ge⸗ gen/ welche dieſer Stucke bekommen/ nicht ſo Helene meinlich biß in 000. Pfund ſchwar; aber begierig/ ſolche zu behalten gleich wie etwan 8 encele wenn die Kaufleut mit den Kameel⸗Treibern unter uns mit einer Schau⸗Mungzen geſchicht/ ren Vor: ſieh verſtehen/ werden bey Naherung der Zoll⸗ ſondern ſie tragene zudem Wechsler/ welcher theil ſuchen. Städten/ inſonderheit Erzerom, ſo die ihnen für den Werth im Land gangbar Gelt Strengſte iſt/ einem jeden Kameel biß in 00. liefert. Dieſe bemeldte Gold⸗Sorten mogen Pfund aufgeladen/ und alſo auß drey Laſten ohngefehr fünf Francken Frantzoſiſcher Wahzween gemacht. Der Kauftnann ſuchet hierin rung werth ſeyn/ und ſeynd im Schrot unſern ſeinen Vortheil/ und wann der Zoll⸗Verwal⸗ Teutſchen Ducaten gleich. Ich habe deren vor ter an der Sache zweiffelt/ fragt/ warum ſo viel dieſem zehen Tauſend von einem Kaufmann leere Kamtel ſich befinden? Wird demſelben an Bezahlung empfangen/ aber ich hatte mich geantwortete“ daß ſolches Kamel ſeyen/ die zuvor mit jhme um den Werth verglichen; Proviant getragen/ jeboch beſchicht das ſelten/ denn ob ſchon dieſelben jhren Tax haben/ ü a werden —ͤ—ů— ——— ESeuſtes Buch weden ſie jedoch jetz hoͤher bald geringer gehalten/ aber man ſieher deren ſelten/ und ſie werden ohne bey den Wechslern/ die ſolche mit Nutzen einwechſeln/ wenig gefunden. Zum andern muß man in acht nehmen/ daß allerley Silber in Perſien gut/ es ſeye in Stangen/ in Geſchirꝛ/ oder in gepraͤgrem Gelt/ und wird nach ſeinem Schrot und Korn angenommen. Denn man muß bey Eintritt des Königreichs/ es ſeye zu Erivan oder Tauris, da Gelt gepragt wird/ alles Gelt/ ſo man mitführt angeben/ danmt ſolches verſchmeltt/ und under des Koͤnigs Schlag gemunzt werde/ und bey hoher Straf/ mit welcher die Verbrecher/ wenn dieſelben entdeckt werden/ nicht verſchonet bleiben Wenn aber die Geſchaͤfte eines Kanfmaſis nicht zugeben/ weder zu Erivan noch zu Tauris ſich aufzuhalten/ und demſelben komlicher fallet/ ſein Gelt in die Muntz zu Iſpahan zu bringen/ kan er nur einen Schein von den MuntzMeiſtern zu Erivan oder Tauris nehmen/ daß er es daſelbſten e e habe. Die jenigen we ö ö tigkeit nach Iſpahan auf die Zeit in Indien zu reiſen/ verſchaffen konnen/ haben einen groſſen Gewinn auf den Realen/ ſintemalen ihnen die Kaufteut/ die dahin reiſen/ für das Stuck 2. biß in 14. Chayet bezahlen. Drunden ſol Meldung beſchehen/ wie viel ein Mayer gelte. Aber wenig Kaufleut bringen ihr Gelt biß nach Iſpahan/ weil die Munzmeiſter aufden rentzen denſelben eine ſilberne Flaſchen/ oder etwas anders dergleichen verehren/ um ſie zu bewegen/ zu Erivan oder Tauris muntzen zu laſſen. Die/ welche wegen des Seidenhandels in Gui lan reiſen nehmen ihren Weg uͤber Tellis, allda der Muntzmeiſter ihnen zween pro cento Gewinn auf jhr Gelt gibt. Urſach/ weilen dieſes geringer/ jedoch in gantz Gullan gangbar iſt. Zum dritten/ muß man in acht nehmen/ daß auf der ſilbern Muntz/ ſo wol für des Koͤnigs Gebuͤhr/ als für die Muntzung r. pro cento aufgehen. Aber auf dem Kupffern Gelt nur S hoͤchſt y. pro cento. Daher komt/ daß gar oft ein Arbeiter/ der Kupffer vonnothen/ um die 8 ee ö a het Casbe ce, davon bald Meldung beſchehen ſolle/ zu verſchmeltzen; wie wenn wir unſere ſo 5 Doubles einen Keſſel zu machen/ dabey wir aber nicht beſtehen wurden/ weilen ien keine Gleichheit hat/ verſchmeltzen olten. 5 8 5 Hernach folgen die Namen und Werth g 0 e. dae jeder ſilbern Sorten/ deren ſeynd viererley: nemlich Abaſſis, Mamoudis, Chayets und Biſtis; aber dieſer findet man jetzo wenig. Die kupfferne Muntze wird Casbelee genant/ und deren ſeynd einfache und doppelte. Der einfache Casbe kee iſt werth 5. Deniers, und eine Maille unſers Gelts.„ Der Doppelte eilf Deniers Die Vierfachen oder die zween Doppelten ein Biſti. Die zehenfachen Casbe ke oder J. Doppelten gelten ein Chayet. I. Theil. che jhr Gelt mit VorſichZween Chayet machen ein Mamouddi. Zween Mamoudis ein Abaſſi. Dey Real oder Frantzoſiſche Thaler gilt 3. Abaſſis und ein Cha yet, und den Reglen zu Sderlen 60. Stuber gezehlet/ der Abaſß iſt werth 5. f. 6. Pfennig. Und die Rechnung recht zu machen/ ſeynd z. Aballis; und ein Chayet dyey Mailles mehr als ein Krone. Alle dieſe füberne Sorten ſeynd rund/ außgenommen der Piti weleher in Ey⸗Fom gleich wie die Casbe ke; die nicht groſſer/ aber dicker als unſere ſo genante Doubles zu ſeyn pflegen. 8 ä 8 Was den Schlag der gNünten enbelatkgen thut/ haben die ſilberne Sorten weder des appen noch Bildnus/ wie in Eu⸗ Beſeeße zu Königs ropa/ ſondern nur eine Schrift/ einer Seits ud der Tho ils eine des Königs Namen/ under deſſen Regierung vollkommedas Gelt gemuntzt worden/ und auf der andern Seiten den Namen der Stadt/ mit dem Jahr Mahomet Hegyre. N ö Auf der kupfferen Muntz iſt einer Seits ein Loͤwe 5 5 e d ſeinem Rucken/ und auf der andern Seiten Stadt/ da ſolche gepragt worden. Ob ſchon zu Ormus und in andern SeeHafen/ der dem Koͤnig in Perſten zugehorigen Meerbuſen/ wie in der Inſul Bahren, da die Perlen geſiſchet und verkguft werden/ die Bezahlungen in Aba s beſchehen/ ſo wird doch daſelbſten nur von Larins gerebt. Larin iſt eine alte Müntz von Balſara und Arabien/ und die biß in die Inſul Ceylan, da nur von Larins geredt wird/ gangbar iſt. Dieſes Gelt iſt ein doppelter filberner Drath/ in Dicke eines gewohnlichen Federkiels/ und ohngefehr zween zwerch Finger lang. Auf dieſem zweyfach gebogenen Drath ſtehet der Name des Fürſten/ der ſolche muͤntzen laſſen. Acht Larins machen ein Or, und 80. Larins ein Teoman: 0 e Or iſt nicht der Name einer Gelt⸗Sorten/ ſondern allein in Zahlungen under den Kaufleuten gebrauchlich; ein Or iſt ſo viel als fünf Abaſſis. 1 Toman iſt quch wurcklich kein Gelt⸗Sorten/ ſondern allein ein Wort in Zahlungen gebrauchlich/ ſintemalen in Perſien in Zahlungen allein von Toman und Or geredt wird. Ob ſchon gewohnlich ein Toman fur 25. Kronen geſchatzt/ find ſich doch/ daß ſolches eigent9 2 5 auf 46. Francken 15. Denier Was die Gold⸗Sorten anbelangen thut/ beladen die Kauffeut ſich allein mit Ducaten/ auß Teutſchland mit Hollandiſchen/ oder Venetianiſchen/ und ſeynd verbunden/ ſolche im Eintritt des Königreichs in die Muntze zu leffrn; aber wann ſie dieſelben mit Manier zu verbergen wiſſen/ um gewiſſen Perſonen zu verhandeln bekommen ſie mehr Nutzen. Im Außgehen des Königreichs/ müſſen ſie die mitfuhrenden Gold⸗Sorten angeben/ und des Königs Beamten ein Chayzr, und bißweilen mehr von einer Ducaten bezahlen. E 3 Aber ne Beſchreibung/ und die Figuren dieſer Muͤntzen.) len der Name der 3 Larin4. Or. . Tomans. Straffe derer/ ſo das eingeführte Gold nicht „u VFaeisbeſchreibung in Perſien/ Erſtes Buch. Aber wenn der Kaufinann das Gold/ ohnangegeben weg zu führen/ ſich underſtehet/ und ſblehes offenbar wird/ gehets da gar nicht/ wie in die Mun, mit den Waaren/ da man/ wenn man doppelt tze liefern. Zull allein bezahlet/ quit iſt/ ſondern alle ſeine Duegten werden weggenommen. Ein Ducat gilt gewohnlich zwey Kronen/ welcher in Perſten 26. Chayers ware; aber es iſt in demſelben Land kein gewiſſer Preiß geſtellt/ ſondern ſie gelten mehr oder weniger/ nachdem die Begebenheit ſich zutragt. Denn Emdeder Beſchrribungder Wegevon parts nach Iſpahan/ durchie wenn bekandt worden/ daß ein Kaufmann Ducaten mitgebracht/ und es Zeit iſt/ nach Indien zugehen/ oder da die Caravane nach der Mecque abreiſet/ machen beedes die Kaufleut und Pilgrim welche Ducaten/ weilen ſie bequem zu tragen ſeynd/ ſuchen/ daß ein Stück biß auf 27. in 28. Chayets, quch bißweilen hoͤher Diiß iſt alles/ was ich ſonderlichs von aller Sorten der Muntz in Perſten zu melden und vorzuſtellen gemeynert. . —— 8 9 2 1810 5 8 8 Ae 44 8 0 8 Der —— — — 345 N VVVTVUVVVVTEFTTT 77TVTTCCCCCCCVVTCTCVTCVCCCCCCCCCCCC l e n * Der Perſiarchen 1 15 Bceisbeſchreibung Anderes Buch. 5555 * Von underſchiedlichen Wegen bon Paris nach Iſpahan die HaubtStadt in Perſien/ durch die Mittags Lander der Türckey und die Wuͤſten. Das J. Capitel. Von der Zweyten Reiſe des Autoris von Paris nach Iſpahan/ und erſtlich deſſelben Einſchiffung zu Marſeille nach Alexandrette.' En erſte Reiß in perſſen pel nach Erivan, welche ich ſachften/ der Türckey weitlauffig beſchrieben habe. N Nun iſt es an deme/ von den Mittags⸗Landeren/ und von den Wuſten/ allwo viel Emirs und Arabiſche Fuͤrſten/ under denen etliche ſehr maͤchtig ſeynd/ jhren Sitz haben/ Meldung zu thun. Es befinden ſich deren/ welche biß in dreyſsig kauſend Pferd auf den Beinen haben/ mit fuͤnff dieſer Fürſten habe zu reden Gelegenheit bekommen/ und denſelben einige geringe Verehrung gegeben/ die ſie mir hingegen Reis/ Schaffe/ Korbe mit beſchahe über Conſtantinoſamt allen anderen/ durch die Mikternachtiſchen LandSeptemb. 1638. auf ein. Hollandiſches Schiff Terernier welches 4j. Stuck Geſchutz fuhrt. 5 waren bey den Inſuln und bereit die Ancker aufzuheben/ da in Namen der Hrn. Burgermeiſtern der Schiff⸗Haubtmann Befehl bekame/ ohne fernere Ordre nicht abzufahren. Den folgenden Tag ſchickten bemeldte Burgermeiſter erliche zum Schiff auß/ die Zeitung des Koͤnigs Geburt anzukünden/ daruber unſer gantzes Schiff in groſſen Freuden ware/ und alldieweil das Te Deum laudamus zu Marſeille geſungen/ und von dem Volck groſſe Freud bezeugt wurde/ thaten wir auch das unſerige/ zu erkennen zu geben/ daß wir nicht weniger uber dieſe Zeitung erfreuet waren. Alſo ſegleten wir erſt fort zween Tag nachdem wir den Befehl von den Burgermeiſtern empfangen/ dieweil jhnen bewuſt/ daß wir auf Malta zu fahren willens/ uns 1 dahin an den Groß⸗Meiſter mit Unſere gantze Farht biß nach Ale xandretten war zimlich glücklich/ die erſten Tag erſahen wir allein gegen Piombin über/ ein diy Abreiſe von Wir 1 Schiff/ welches uns zuzufahren ſich erzeigte/ Ererplicket umſere Bootsknecht hielten alſobald dafür/ nen gen bey jhnen ware/ keinen Mangel hatte/ und daß es ein See⸗Näuber auß der Barbaren eſſilen ein theilte meiner Compagnie reichlich mit/ dann ſeye/ und irreten nicht/ wie ſolches mir dem Raub ⸗ſchiff. dieſer Tranck laͤſſet ſich nicht lang aufbehal⸗ Perſpectiv/ da das Schiff naher kame/ b ten. Durch dieſen Weg der Wüſten/ den zu erkennen ware. In unſerem Schiff beich in meiner zweyten Reiſe/ Anno 1638. an⸗ funden ſich viel Maltheſer⸗ Ritter welche erDatteln und Sorbet, ſo ein gewiſſes Tranck it/ uberſchickten/ daran ich/ ſo lang ich getretten/ reiſete ich von Alep nach Iſpahan. dag an Das war fur Franckreich ein herzliches Jahr/ Ane ze dug der wegen der Geburt des Königs und ich harekähren, ke die Ehre/ die erſte Bottſchaft davon in Des Herren viel Städte der Türckey in Perſien und Indien zu bringen/ und ſo weit man damalen zu Land reiſete/ wurden aller Orten groſſe Freuden⸗Feſt gehalten/ wie nachmals mit chehrerem vermeldt werden ſolle. Aber zu allerforderſt muß ich meine Einſchiffung zu Marſeille nach Alexandrette zu fahren/ welches der Inhalt dieſes Capitels ſeyn wird/ beſchreiben. Ich begabe mich zu Marſeille den Bz. langten/ daß gegen dem See⸗Nauber drey Canon Schuß gethan wurden/ von dem uns ſeines Wegs fortfahrend/ mit einm Schus geantwortet wurde. Allen denen in unſeremm Schiff ware lend/ daß wir ſolches meht erreichen koͤnten/ inſonderheit die Ritter/ obwoletliche under denſelben von dem Meer unpaßlich waren/ aber wann es zum Gefecht kommen ware/ wurden ſie bald geſund worden ſeyn. An der Mittags⸗Spitze Corſica, erblickten wir zwo Galleen/ die alſobald flohen. Wie wir zu Malta ankamen/ wurden die Schreiben für den Groß⸗Meiſter alſobald. Hr. De Colbron, Saubtmann in dem Hafen/ mit 4 welchem Sie kom̃en zu Larne ca Au. 56 welchem ich die Reiſe von Wien nach Conftankino pel gethan/ uberlieferet. Wir blieben zwölf Tag zu Malta, um das Schiff nach Gewonheit zu leichteren/ damit ſolches hernach geſchwinder lauffen mochte/ und nahmen auch einige Erffiſchungen mit. Weil ſich in dieſer Inſül eine unſegliche Anzahl Wachteln befindet/ fiengen wir derſelben auch über zwey tauſend Stuck/ die wir under die Schopfe bes Schiffs thaͤten/ aber in zween oder drey Tagen funden ſich uber füluff oder ſechs hundert Tod/ ſo die Raten oder ander Ungeziefer 5 5 den Schiffen ſich zeugend/ umgebracht Von Malta ſchiffeten wir nach Larneca, welches ein guter Strand der Inſul Cypern iin Nidergang Fama-gouſta, ſo zu Lard nur eine Tagreiſe weit davon iſt. Wie wir zwo oder drey Stund nach Mitternacht das Geſtad erreichen wolten/ und es ſehr finſter ware/ erblickten wir einsmals ein Schiff nachſt an uns/ man ruffte beiderſeits in Forchten/ ſie moͤchten an einander ſtoſſen. Aber das Schiff 88 fuhre vorbey/ unſer Schiff⸗Haubtmann wolte einen Schus auf daſſelbe thun laſſen/ ſo mißrahten wurde/ weil niemand uns etwas ſagte. e ee biß an den Ort/ da die Conſules, und Kauffleute der drey Nationen der Frantzoſen/ Engel⸗ und Hollander jhre Wohnung haben/ welches nur ein ſchlechtes Dorff iſt. Jedoch aber ein kleines Capuciner⸗Hauß hat/ deſſen Inwohnrr die Capellen des Franzoͤſiſchen Conſuls bedienen/ und einanders darinnen Italidniſche Geiſtliche/ ſo dem Guardian von Jeruſalem under worffen/ jhre Wohnung haben. Wir blieben allein zween Tag zu Larneca, weil unſer Capitain allda nichts anders zu thun/ als ſich zu erkundigen hatte/ ob in ſeiner Wiederkehr etwas zu laden ware/ wie gewohnlich mit geſpunnener und ungeſpunnener Baumwollen fur Madratzen beſchicht. Von dreyen Conſuln, die zu Larneca gewoͤhnlich zu ſeyn pflegen/ waren damalen allein zween daſelbſten/ der Frantzoͤſtſche verſahe des Hollandiſchen Stelle/ die ledig geweſen. In allen Morgenlandiſchen Oerteren iſt die Gewonheit/ wann ein Conſul welcher Nation es ſeye/ manglet/ der Frantzoſiſche die Stelle verſahe/ biß ein anderer geordnet. So lang wir daſelbſten waren/ haben die Frantzoſiſche und Engliſche Conſul, ſo gut ſie gekoͤnt/ und nachdeme die Zeit und Gelegenheit es zugeben/ uns tractiert/ und wir bezeugten aile einer dem anderen es vorzuthun/ unſere Freude wegen des Koͤnigs Geburt. 5 Von larneca biß in Anſchauung der Syriſchen Küͤſten/ hatten wir ſtͤts guten Wind; aber endlichen widerwaͤrtig ſich erzeigend/ wurden wir an ſtatt naher Alexandrette zu kommen/ in Norden drey oder vier Meilen hoͤher gegenciner Stadt/ die Paiaſſes genennt/ guf der Kuſten Cilicien getrieben. Eine halbe Reisbeſchreibung in Perſien/ Meil von dieſer Stadt iſt in dem Meer ein groſſer Felſen/ und zwiſchen demſelben und dem Land eine groſſe Hohe des Waſſers: Die Leut des Lands halten dafur/ daß an dieſem Ort Jonas von dem Wallfiſch außgeworffen worden/ wiewol man ins gemein dafür halt/ daß ſolches in dem Haven Jalla in Paleſtina geſchehen. An dieſen Kuſten von Alexandrette biß nach Paiaſſes, und dortwarts iſt der Weg alſo eng/ und von dem Berg eingethan/ daß an vielen Often die Kameel und Pferd in dem Meer gehen müſſen/ man muß dennoch nothwendig daſelbſten durch/ wann man von den Kuͤſten Syrien kommet/ und nach Conſtantinopel reiſen will. Zwiſchen Alexandrette und Paiaſſes hatte der Ritter Paul, der mir einem Schiff von 300. Mann in der See ware/ bey nahe die Caravane, welche jahrlich die Schatzung auß Egypten nach Conſtantinopel führt/ ſo auß Forcht der Maltheſer nicht mehr zu See geDer Ort allda Jonas von dem Wallfiſch außgeſpeyst worden. ſchickt wird/ überfallen. Dieſer Ritter hatte ſeine Volcker bereits an Land geſetzt/ und verſtecken laſſen; aber zu ſeinem Unglück ward der Anſchlag entdeckt/ alſo daß die Laravane, die er leicht hatte wegnehmen koͤſſen/ ſich vorgeſehen. Wi waren dem Geſtad zimlich nahe/ da bein Schifflein mit 1p. oder 16. Tuͤrcken von dem Des Morgens wurden die Ancker außgeworffen/ und wir ſtiegen auß. Es iſt eine ſtarcke halbe Meil von dem Strand Lerneca jenigen/ welcher J. Galleen von Rhodes commandierte/ unſerem Haubtmann das gewohnliche Preſent zu forderen/ ankame. Dieſe Galleern waren noch under Aneker zu Palaſles und hatten baſelbſt Kriegs⸗Munition wider Bagdat, ſo der Türckiſehe Keyſer zu belaͤgeren entſchloſſen/ gebraucht zu werden/ außgeladen. Die Gewonheit iſt/ wann des Turckiſchen Keyſers Gallen in der See, und ein frembdes Schiff vorbey fahrt/ von demſelben eine Verehrung gefordert wird/ ſo der Schiff⸗Haubtmann entweders gulwillig gibt/ oder mit Ge⸗ en beſchenwalt geben muß. Wann der See Bacha, das iſt/ der Groß⸗Admiral in Türckey in Perſon auf den Gallen/ it das Schiff/ ſo demſelben begegnet/ under 2000. Kronen nicht frey/ und Frembde ſen die Tuͤrckiſchen Galwann ſie von Conſtantinopel auf das Streifen außfahren/ ſehen die Franken/ wie ſie es anſtellen könen/ dafern ſie Nachricht haben/ dieſelben mit jhꝛen Schiffen zu meiden Etliche haben voꝛ den Augen der Galleern durchgehen wollen/ aber ſolches hernach hart entgelken muͤſen. ET begabe ſich eines Tags/ daß als der Wind ſich gelegt/ ſieein Schiff von Marſilien antraffen/ deſſen Haubtmann und Schreiber gegriffen/ e und auf der ſtatt abgeſtraft worden. Man pru⸗ 5 g 5 e N 0 lien wird an dem gantzen eib blau waren/ und es fehlete bart geſnaft. gelte den einen und anderen der maſſen/ daß ſie wenig/ daß ſie nicht davon geſtorben/ und waſondern müͤſten nichts deſto weniger das von jhnen begehrte Gelt erlegen. Es ſeye mm/ daß unſerm Schiff⸗Haubtmann diß Exempel unwiſſend/ wie oder daß derſelbe von Natur hitzig/ bekumerte er ſich nicht daß ſein Verhalten wenig gutes/ nicht allein für das Schiff/ ſondern auch den Francken ins gemein/ nach ſich ziehen mochte. Er ſpottete deren/ die eine Verehrung begehren wolten/ und ſagte w 1 ren noch darzu auf dieſe Straff nicht befreyet/ 2 in Schiff 4 2————ů—ð; ꝙ———-„—ͤͤ— V— — .... Dx. . —— ᷑ UU—‚ꝑ»: ⁊—— li Err Anderes Buch. 37 daß ſie ſich fort machen ſolten/ und daß er allein ſtarcker Natur/ und z. oder 4. Jahr uͤberſtreimit Kugeln jhnen begegnen konte. Alſo kehrten ſie wiederum mit Spott zu jhren Galleern/ und wir waren darauf bald auß der Sorge/ die wir hatten/ daß dieſere des Capitains ſchnode Antwort uns nicht geringe Ungelegenheit verurſachen wurde. Alldieweilen wir an dem Geſtad führen/ zu ſehen wie die Türcken ſich erzeigen mochten huben ſie die Ancker auf/ und richteten die Farth nach der Inſul Rhodes, Aber vor jhrem Abſcheid lieſſen ſie einen Schus auf uns loß gehen darauf unſer Haubtmann/ obſchon mißrahten worden/ mit einem Schus/ welches unſer Sach noch aͤrger machen thaͤte/ geantwortet. Dann die Tuͤrcken vermeinen/ daß wann die Flotte/ oder nur eine Squadron in der See/ und ein krembdes(Schiff vor Augen/ Haſſelbe ſchuldig ſeye/ ſo viel der Wind zugeben mag/ lh zu naheren/ um der Muͤhe/ die theur genug bezahlt werden muß/ ſolches zu ſuchen/ überhoben zu ſeyn. Die Conlules und Kaufleute von Alepo, die vernommen/ wie die Sach ſich zugetragen/ kunten des Schiff⸗Haubtmanns Veꝛhalten keines Wegs für gut achten/ und beſorgten billich eine Weitlauffigkeit/ aber zum Gluͤck war alles ſo bald geſtillet/ und 5 N Nachdeme dieſen Tag der Weſt⸗Nord Weſt⸗Wind e. 5 Strand von Klexandretten, allda die Ancker ungefehr ein viertel Meil von dem Land außgeworffen wuꝛden. So bald die von alexandretten, auf zuvor auß Europa empfangenen Bericht der Ladung der Schiffen eines erſehen/ und die Flagge erkent/ pflegt der Stadthalter des Lands/ daher das Schiff iſt/ ſolches dem Burgermeiſter zu Alepo durch ein Briefflein/ ſo demſelben ing. oder J. Stunden geit/ ob ſchon biß dahin zu Pferd uber 2. Tagreiſe ſeynd/ berbracht werden kan/ alſobald zu wiſſen zu thun. gen an Dieſes Briefflein wird einer hierzu abgerichteBiß eri ten Taube/ die gerad auf den Ort/ daher ſie geger gebrau · bracht worden/ den Flug nehmen thut/ under einen Flugel gebunden. Zu mehrerer Sicherheit werden gemeinlich deren 2.geſchickt/ damit im Fall die eine bey trübem Luffk irrete/ welches zuweilen beſchehen/ die andere den gehler erſetzen moͤchte. un debe, Ale xandrette beſiehet nur in unordenlich Stadt Ale, zuſamen gehaͤuften ſchlechten Hauſern/ von den randrette. Griechen bewohnt/ welche für die Bootsknecht und andere geringe Leute Wirthſchaft halten/ dann was die Kaufleut anbelangen thut/ kehren dieſelben bey den Stadthaltern jhrer Nation ein. Deren ſind nur 2. nemlich ein Frantzoſiſcher und Engliſcher/ der erſte vertrittet gewohnlich die Stelle des Hollandiſchen/ ein jeder hat ſeine Behauſung zimlich bequem. Es ſind gemeinlich eigennutzige Leut/ die das Gelt lieben/ ſo dieſe Aemter/ dabey viel zu erwerben/ annehmen. Dann der Luft zu Alexandretten/ 5 wie auch zu Ormus, iſt uber die maſſen unge1 Luft ſund/ furnemlich im Sommer/ zu welcher Seit dahin zu komen/ koſtet es nicht wenig Gefahr/ alſo daß die jenigen/ welche nicht ſterben/ doch ſchware Kranckheiten außſtehen muſſen. Wer ten/ und dieſen ungeſunden Luft gewohnen kan/ der thut nicht uͤbel daſelbſten zu bleiben/ dann ſo er an einen anderen Ort/ da der Luft geſund/ ſich begeben wolte/ iſt er in Gefahr ſeines Lebens. Hr. Philipp Engliſcher Skadthalter/ iſt der einige der zu Alexandretten 22. Jahr lang gelebt: Aber es iſt zu wiſſen/ daß er froͤliches Gemüts ware/ und ſich wol tractieren lieſſe/ ſo auch die Fuͤrtreflichkeit ſeines Temperaments erforderte/ aber doch nicht hinderte/ daß er an einigen Orten des Leibs Fontanellen haben muſte. Was dieſen ungeſunden Luſt mehrentheils verurſacht/ iſt eine Samlung vieler Moraſten in den nachligenden Ebenen/ welche ſich gegen Oſt und Mittag erſtrecken/ und ſo ind drauß bald die groſſe Hitz herbey kommet/ begeben ſich emſtehende die Eimvohner meiſten theils an den nachge⸗ Ln bei legenen Berg/ in ein Dorff Belan genennt/ allda gut Waſſer und herliche Früchte zu finden. Man komt auch oft von Ale po dahin/ wann das Geſchrey der Peſt in dieſer Stadt gehet/ und gleichwol ſind wenig Leut in dieſem Dorff/ die nicht von einem ſonderbahren Fieber/ davon ſie gelbe und geſchlagene Augen bekommen/ ſo jhnen jhr Lebtag bleiben/ berührt werden. Ohngefehr eine halbe Meil von Alexandretten zur Rechten Landſtraß und gerad gegen uber des Moraſts/ ſo auf der anderen Seite iſt/ wird ein Thurn/ und daran der Wapen Gottfrieds von Bouillon geſehen. Es ſcheinet/ daß ſolcher um den Weg/ welcher beiderſeits mit dieſen Moraſten/ deren Duͤnſte alſo gefährlich ſind/ umgeben/ zu verwahren/ erbauet worden. Von Ale xandretren nach Alepo ſeynd zu Pferd nur 3. Tagreiſe/ etliche die wol beritten/ habens in 2. Tagen verricht. Den Francken iſt Dis Fran, nicht erlaubt zu Fuß dahin zu gehen/ welches nach of. wunderlich ſcheinet/ ich will aber die Urſach lerandrerte kurtzlichen andeuten. Ehe dieſes Verbott ge⸗ Jus gehen ſchehen/ wie der Weg kurtz/ luffen einige Bootsknechte/ die etwan ein kleines Capital von oo. Kronen/ oder auch weniger hatten/ zu Fuß nach Alepo, und kamen mit leichter Muhe/ und ſehr geringem Koſten/ in 3. Tagen dahin. Weil nun dieſelbigen wenig Gelt anzuwenden/ und jhnen lieb ware/ jhre Geſchafte ſchleunig zu verrichten/ achteten ſie nicht die Waaren/ ſo ſie einkaufften/ 4. oder y. pro cento theurer zu bezahlen/ welches fur die b. et eine ſehr ſchadliche Conſequentz ware. Dann es iſt zu mercken/ wann die Schiffe ankommen/ daß der Erſte/ der auß Ubereilung oder Unwiſſenheit/ um eine Waar/ die nur eine Kronen gilt/ 2. Sols mehr gibt/ den Preiß machen thut/ und hiemit alle hernachkommende dieſem Preis folgen müſſen/ derwegen den jenigen Kaufeuten/ die für 10, oder 12. tauſend Kronen einkauffen hochangelegen iſt/ zu verhinderen daß geringe Boolsknechte jhnen vorkomen und die Wagren vertheuren. Dieſe ewonheit wird auch genau in gantz Indien/ und inſonderheit hey den Diamant⸗Adern/ wie an ſeinem Ort vermeldet werden ſolle/ in Obacht genommen. Dieſer Unordnung nun zu ſteuven/ erlangten die Kaufteute/ daß befohlen wurde/ daß die Frembden — — — —.—. 88 W Reisbeſchreibung in Per ſien/ d Frembden kunſtigs nit mehr von Ale xandret· ſo dadurch flieſſen/ und in Mangel deſſen/ konte 5 ten nach Alepo zu Fuß gehen/ ſondern Nferde man ſchwaͤrlich fortkoſen. Die ſtatigs beſche5 nehmen/ und 6. Piaſtre von einem Pferd hin/ hene Aufruhr zu Bagdat und Balſara, welche und ſo viel auch zuruck bezahlen ſolten/ alſo der Tuͤrckiſche Keyſer oft zu belaͤgeren genoͤhtidaß jetzo die übrigen Unkoſten underwegs und get worden/ gaben dem Groß⸗Vezier/ under zu Alepo rechnend/ die Reiſe under 30. Piaſtres Regierung Ache Ane tng dieſn Damm nicht beſchehen kan/ welches den gantzen Ge⸗ machen zu laſſen/ ſo ſamt den Brucken in weniwinn/ ſo ein Bhotsknecht auf der geringen ger als 6. Monat fertig war/ welches für ein Summa/ die er anzuwenden hat/ verzehren Wunder gehalten wurde. Es heſchahe ſolches/ tha ke. AlAlꝛm das Geſchutz un andere Kriegs⸗Munition/ Zu Alexandrette harret man gemeinlich 3. ſo auß Romane und Griechenland zu Belaoder 4. Tag/ ſo wol um ſich etwas auf die See⸗ gerung Bagdat gebracht worden/ durchzufuhFarht zu erquicken/ als einen kleinen Vorrath ren/ welches vor deme faſt unmoglich geweſen für die Reiſe nach Alepo zu ſuchen/ dann ob ware. Am Ende dieſes Damms/ iſt ein lange/ ſchon alle Nacht gute Lager zu finden/ ſo iſt ſehr wol erbaute Bruck/ uber einen Fluß/ weldoch den Janitſcharen/ ſo die Reiſenden be⸗ cher ſamt denen/ durch dieſe Ebne krum herum gleiten/ lieb/ wann man underwegs zu eſſen ffieſfenden Bachen/ gegen Mittag einen See/ und zu trincken/ Proviant bey ſich har. In der Antiochier⸗See genenner/ macher. Sie hat wahrenden dieſen Tagen erneuerten wir mit groß Einkommens wegen des Ahl⸗Hangs/ ſo den Statthaltern unſere gewohnliche Freu⸗ fahrlich 2. Monat vor der Faſten beſchicht daden⸗Bezeugung/ wegen des Koͤnigs Geburt/ mit man deit habe/ ſolche nach Malta /n Siciund einer dem andern zu Trutz/ tractierten ſie lien/ und an andere Ort in Italien zu verfuhr. uns ſehr herꝛlich. 255 Dieſe Ebne iſt mit groſſer Anzahl Oliven2 umen beſetzt/ davon der groſſe Gewerb der Von Ale xandretten auß /reiſet man bey 2. Ba Stunden in einer Ebene/ biß an einen hohen Seilfen/ ſo zu Alepo gemacht wird/ herkomt/ Der Verb Berg Belan genennt. In der Mitten iſt dieſer von dieſem Ort wird ſolche in Meſopotamia/ bein. Berg offen/ ſo dem Nord⸗Oſt⸗Wind da⸗ Chaldea/ Perſien/ und in die Wuſten verfühdurch den Gang gibt/ und wann derſelbe ſtarck ret; dieſe Waar iſt eine der angenehmſten Verwahret/ bewegk er den Strand Alexandret- ehrungen/ ſo man den Araberen thun kan. Es ten, der ſonſten ſehr gut iſt/ ſolcher maſſen/ daß geſchicht denſelben auch ein groſſes Gefallen kein Schiff alda bleiben kan. Die jenigen/ mit Baumol/ und ſo bald man ihnen deſſen ſo ſich dazumalen dorten befinden/ heben die anerbiet/ thun ſie jhre Kappe von dem Haubt/ Ancker in aller Eyl auf/ und begeben ſich auf und ſehmieren ſolches/ wie aueh das Angeſicht die Hohe/ im widrigen waren ſie in Gefahr zu und den Bart/ die Augen gen Himmel auf heGrund zu gehen. Schier vbenauf dem Berg bend/ und in jhrer S rach ruffend/ Gott ſey es N iſt ein Car vanſera, aber ob ſchon ſdlches gut gedanckt. Hier inn halten ſie die alte dewonheit und wol erbauet/ und mit ſchoͤnen Brunnen der Morgenlaͤndiſchen Volckern/ wie davon in umher beſetzt iſt halten ſich doch die Kaufteute H. Schrift genugſam Meldung gethan iſt. wenig allda auf/ und reiſen füͤrters zu einen Ungefehr 1: Meil dortwarts der Ebne/ iſt Griechen/ der Italiarnſch redt/ und nach Ge⸗ ein groſſer Felſe/ under welchem ein kleiner tieflegenheit des Lands zimlich wol tractiert. fer Weyer/ da viel Fiſch/ unſern Barben gleich Man bezahlt jhme für die Zech ein Krone/ wie gefangen werden. Ich ſchoſſe einen mit meinem ein gleiches in den anderen Nachtlagern be⸗ Rohr/ und fand jhne wolgeſchmackt/ aber zu ſchicht/ nach einer Gewonheit/ ſo die Frembden Alepo halt man nichts davon.. 5 ſelbſten aufgebracht/ und die unveranderlich Zwo Stund hernach reitet man durch ei⸗ Der Fluß gehalten wirrd. nen Fluß Alrora genannt/ aber wann es ſtarck ars. Die Stadt Wann man von dem Berg hinab kount/ geregnet/ muß man warten/ biß das Waſſer Antiochia. ſiehet man in Suͤd⸗Oſten die Stadt Antio⸗ wieder verloffen. Von dieſem Fluß/ an dem Uchig auf einem Hügel erbauet. Vor dieſem fer deſſen man ſtill zu halten pfiegt/ daſelbſten gienge der Weg durch dieſen Ort; Als aber zu eſſen/ und die Pferd zu futteren/ komt man die Janieſcharen daſelbſten ſeit etlich Jahren in ein ſchlechtes Dorff Chaquemin genennt/ da von jeder Perſon einen Pialter forderten/ ward ein Carvanſera iſt zu übernachten. Des Orts dieſer Weg verlaſſen. Antiochia iſt micht mehr Bauren geben den Reiſenden Speiſe/ und es berühmt/ ſondern in Zerſtoͤrung gerahten/ ſeit ſeye/ daß man eſſe oder nicht/ koſt es jeden einen deme der Canal/ ſo von der Stadt in das Piaſter, nach der von den Frembden gemachter Meer gienge/ und dardurch die Schiffe hinein Gewonheit/ wie droben vermeldt worden/ dafahren konten/ von dem viel Sand/ ſo nach und rauß das Volck des Lands eine Gerechtigkeit nach dahin getrieben worden/ zugeſtopft iſt. zu machen vermeint. Naehdeme man die Ebne Unden an dem Berg wird gegen Norden Antiochia veꝛlaſſen/ biß nach Chaquemin, wereine halbe Meil von der Landſtraß ein Schloß den die Pferd von einer ſonderbaren Art groſauf einem Hugel geſehen/ von welehem man ei⸗ ſer Mucken dermaſſen geplagt/ daß unmoglich nen Theil der Ene Antiochien beſchauen kan. ware z.oder 4. Stund Wegs fortzukommen/ Sie ijt ohngefehr 1. Meil lang/ und z Peil an wann man nicht mithin zur Rechten oder Lindem Ort/ da man darüber reiſen muß/ breit. cken den Weg uber das Feld nehme/ welche Ohngefehr auf halbem Weg iſt ein langer mit der Gattung langen Diſtlen/ deren die i Daun vieien Bruel en/ wegen der Bach en/ Wullen⸗Streicher ſich bedienen/ erfüͤllet iſt/ 1 . 5 3 N — W— n ͥ b bb————— ĩð̊iꝓ—7ĩ ß§Ü«W.:G—T— m8bf!Půů——————r˖ĩj— ů— 5 — ub Das Kloſter dr. Simeonis S Nligit. Alepo be; ſchrieben. Anderes Buch. 8 wie ſolche hoch/ und den Pferden biß auf das Kreutz langen/ verhinderen ſie die Mucken beyzukommen/ damit der Reuter nicht abgemattet werde. ö 5 f f 12302 Von dem Dorff Chaquemin reiſet man 7. Stund lang zwiſchen Steinen/ und auf halbem Weg wird nichts anders rings herum/ als alte zerſtoͤrete Kloſter geſehen. Es ſind nochetliche faſt gantz aufrecht/ von Quaderſteinen gebauet/ und ungefehr ein halbe Tagreiſe von der Straſſe gegen Norden/ wird das Kloſter St. Zimonis Sryliren, neben einem Reſt deſſen berühmter Saule/ die annoch ſtehet/ geſehen. Die Frembden/ ſo nach Alepo reiſen/ nehmen gemeinlich einen Umweg/ dieſen Ort zu beſehen. Was annoch gantz/ und das ſchonſte von den zerſtoͤrten Kloͤſteren/ ſind gewölbte Eyſternen von Quaderſteinen/ ſo von Lange der Zeit gleich wol nicht ſonderlich beſchadiget worden. Von Chaquemin fomt man zu Mittag in ein Dorff Angare genennet/ allda die Zech ein Piaſter, wie in vorbemeldten Nachtlaͤgeren koſtet. Von einem Dorff zu dem anderen ſind 10. und von Angare biß Alepo nur 3. Stund Wegs. Wir ſtiegen ab bey dem Frantzoſiſchen Conſul, damalen Hr. de Bremon. Die Zollner kamen alſobald unſer Bagage zu beſichtigen/ darnach begaben wir uns in die Quaiſlerie, welches ein Ort/ da die Frembden in Koſt ſich begeben/ ein halbe Kronen des Tags/ und fuͤr den Knecht Z Kꝛonẽ bezahlen muß. Man iſt zimlich wol tractiert/ und ſo bald man angelangt/ komen die anderen Nationen einen zu beſuchen. Das II. Capitel. Beſchreibung der Haubt⸗Stadt Alepo, welche heutiges Tags die Haubt4— Stadt in Smyrnen iſt. Lpo iſt eine deꝛ beꝛuͤhmteſten Staͤdten in Tuͤrckey/ ſo wol wegen jhrer Groͤſſe und Schoͤne/ als wegen des guten Lufts/ neben Uberftuß aller Dingen/ und groſſen Gewerhs/ ſo allda von allen Voͤlckern der Welt/ die dahin kommen/ getrieben wird. Sie ligt im 7. Grad 45. Minut. der Lange/ und im 36. Grad 1p. Minuten der Tieffe/ in einem faſt guten Boden. Ob ich ſchon genau nachgeforſcht/ habe ich doch niemals für gewiß erfahren koͤnnen/ wie dieſelbe vor dieſem genennet worden. Die einen wolten es ſeyeblierapolis, andere Berrœa geweſen; und ſind die Chriſten des Lands dieſer letſtenNeinung. Die Arabiſchen Geſchichtſchreiber/ die von ſhrerEroberung Meldung thun/ nenen ſolche Aleb ohne Andeutung einiges anderen Namens. Dabey iſt zumercken/ daß/ wann die Araber dieſe Stadt Aleb, und die anderen Alep nennen/ ſolches daheꝛ komen kan/ weilen die Araber in jhrer Sprach des Buchſtabens P. ſich nicht bedienen/ und ſolchet in jhrem Alphabethmanglet. Dieſe Stade iſt von den Arabern im 1. Jahr Mahomets kiegy re, welehes ungefehr im Jahr 639. des Chriſtenthurns/ under Regierung Heraclius, Keys 6 men worden. 59 Die Stadt iſt auf 4. Huͤglen gebauet/ und das Schloß liget auf dem hoͤchſten/ in der Mitten der Stadt iſt mit Gewolberen underbauet/ in Sorgen/ die Erde mochte einreiſſen. Das Schloß iſt groß/ und mag ungefehr F. oder 600. Schritt im Umkreis haben. Die Mauren und Thurne/ ob ſie wol von Quaderſtein/ ſind ſe doch von ſehlechter Gegenwehr. Dieſes Schloß hat nur eine Pforte gegen Mittag/ ohne Fall⸗Brucke/ man gehet uber etliche Schwiebogen/ ſo über den Graben/ der ohngefehr 6. oder 7. Klaffter tieff/ hinein. Dieſer Graben iſt nur die Helfte mit Waſſer/ welches ſtillſtehend/ und gleichſam nur geſamlet iſt/ angefüllet. Derubrige Theil des Grabens iſt trocken/ und ins gemein kan dieſer Ort nicht fur einen veſten Platz gehalten werden. Das Waſſer komt von den Brunnen der Stadt/ durch Canal dahin/ und wird ſtaͤts eine ſtarcke Beſatzung allda gehalten. Die Stadt hat in jhrem Umkreis uͤber 3000. Schritt/ und iſt mehr als die Helfte ohne Graben/ und die jenigen/ ſo ſich befinden/ ſind nicht uber 3. Klafter tieff. Die Mauren ſeynd zimlich gut/ und von Quaderſteinen/ mit vielen viereckichten Thürnen/ ohngefehr 70. oder 8d. Schritt weit von einandern/ und zwiſchen denſelben andere kleinere/ umgeben. Aber dieſe Mauren ſind nicht durch und durch gleich/ und an theils Orten nit über 4. Klafter hoch. Die Stadt hat 10. Pforten/ ſo ohne Graͤben und Fallbruckenzunder einer derſelben iſt ein Ort/ ſo die Turcken in Ehren/ und brennende Lampen daſelbſten halten/ vorgebend/ es ſeye der Ort/ da der Prophet Eliſeus eine zeitlang ſich aufgehalten. a a Durch Alepo flieſſet kein Waſſer/ und iſt nur ein kleiner Fluß auſſerhalb der Stadt/ welchen die Araber Cole nennen. Ob ſchon ſolcher eigentlich nur ein Bach/ gibt er doch groſſen Nutzen/ weilen davon alle Gaͤrten/ da ein Uberfluß von Baum⸗Früͤchten/ und inſonderheit/ ſo genante Piſtaches, gröſſer und beſſeren Geſchmacks/ als die/ welche von Casbin kommen/ wachſen/ gewaſſeret werden. Aber/ obwol kein Fluß durch Alep lauffet/ ſind hingegen in den Stadt viel Bruͤnen/ und Waſſer⸗Behalter/ ſo vonz⸗Meil Wegs/ weit hinein geleitet werden. Die Gebau/ ſo wol gemeine/ als ſonderbahre/ ſind alſein innen ſchoͤn/ die Mauren mit underſchiedlicher Farben Marmor bedeckt/ und das Getafel mit Blumwerck und guldener Schrifft geziehret. Beydes in⸗ und auſſerhalb der Stadt/ ſind ohngefehr a0. NMoſqusen, deren E. oder. zimlich koſtlich/ und under denſelben z. mit Bleh bedecket/ geſehen werden. Die vornehmſte und groſſeſte/ ware eine Kirche der Chriſten/ die Alhha, das iſt/ i worden/ von welcher man vermeint/ St. Heiſt eine Moſquée, ſo vor dieſem auch eine Kirlena habe ſie bauen laſſen. In einer Vorſtadt Gebaͤude zu Po. le Gehoͤrt/ genennet che der Chriſten geweſen. Inderſelben wirdeine merckwürdige Sach geſehen. In der Maur zur Rechten der Pforten/ it ein Stein z oder z. Schuh in Bierrung/ und an demſelben ſiehet pets zu Conſtantinopel/ eingenom· man die Geſtalt eines Kelchs/ und einer Hoſtien darauf/ Wundeelicher Stein 1 len/ 60 darauf/ mit einem wachſenden Mond/ der die Hoſtien bedeckt/ und das mit ſeinen Spitzen beiderſeits den Rand des Kelchs beruͤhrt/ man mochte vermeinen/ daß ſolches ein zuſamen geſetztes Werck ſeye/ gleich wie die Moſciſche Gemald: aber alles iſt natürlich/ wie ich es neben etlichen end probiert/ in deme wir mit einem Eiſen auf den Stein/ daß es die Turcken nicht geſehen/ gekratzet haben. Viel der frembden Qonlules, haben dieſen Stein zu kauffen/ ſich bemuhet/ und etliche biß in 2000. Kꝛonen darauf gebotten. Aber die Bachas oder Gubernatoren von Alepo, haben denſelben niemalen verkauffen wollen. Ein halbe Meil von der Stadt iſt ein luſtiger Hugel/ welches der Frembden Spatziergang iſt. Es iſt daſelbſten eine Hoͤle/ da die Turcken vorgeben/ daß Haly etliche Tag ſich aufgehalken/ und weil in dem Felſen die Form einer Hand eingetruckt ſcheinet/ vermeinen ſie/ es ſeye des Haly Hand/ welcher in dieſer Hole ein Zeichen habe hinderlaſſen wollen. 8 Es ſeynd in Alepo zwo oder drey Schuaber wenig Schuler/ ob es ſehon an Gelehrten Leuten/ die in der Gramatic, in Philoſophy/ und in jhrenddeligion⸗Sachen eꝛfahren/ welches die Wiſſenſchaft iſt/ darauf ſie ſich mehrentheils befleiſſen/ keines Wegs manglet. Die Gaſſen der Stadt ſind alle gepflaſtert/ außgenommen die jenigen/ da die Kauf⸗ und Handwercks⸗Leute/ wie anderswo vermeldt/ jhre Kram und Gelegenheit haben. Die vornehmſten Handwercksleute/ und die die groͤſte Zahl machen/ ſind die Seiden⸗Arbeiter/ und die den Kamelot zu machen pflegen. Beides in der Stadt und in den Vorſtaͤdten ſind ungefehr 40. Carvanſerien, und 50. emeine Baͤdeꝛ/ ſo wol für Manns⸗ als WeibsPersonen, ede Theil nach ſeiner Ordnung. Es iſt der Weiber Wolleben in das Bad zu gehen/ ſte ſparen die gantze Wochen allerhand zuſamen/ daß ſie eine gute Collation dahin bringen/ und mit einandern ſich luſtig machen koͤnten. Die Voꝛſtaͤdte ſind gꝛoß und volckreich/ und der mehrer Theil der Chriſten haben allda jhre Wohnungen und Kirchen. Es ſeynd zu Alepo viererley Gattung Morgenlandiſcher Chriſten/ nemlich Griechen/ Armenier/ Jacobiner oder Suriener und Maroniten. Die Gꝛiechen habẽ daſelbſt einen Erz Biſchoßf und befinden ſich in der Zahl iy oder 16000. Ihr Kirchen iſt St. Georgen geweyhet. Die Armenier haben einen Biſchoff den ſie Vertabet nennen/ und ſind deren ungefehr 12000. Seelen. Ihr Kirchen iſt der Jungfrauen Marien geweyhet. Die Jacobiner haben auch einen Biſchoff/ und ſind deren nicht uͤber 10. tauſend/ jhr Kirchen iſt auch under dem Namen der Jungfrau Marien/ gleich wie der Armenier. Die Maroniten dependieren von dem Pabſt/ und ſind derſelben nicht viel uͤber 200. Ihre Kirchen iſt St. Elie geweyhet. Die Romiſch⸗Catholiſchen haben z. Kirchen von Geistlichen namlich Capucinern/ Baarfüͤſſern und Jeſuitern bedient. Der Franbſiſche Wurgermeiſter hatte damalen einen ranciſcahher für ſeinen Beicht⸗Vatter. Zu fahren brauchts 9. oder 10. Tag. Da Reisbeſchreibung in Perſien/ Alepo, beydes in der Stadt und Vorſtadten/ werden 250 tauſend Chriſten⸗Seelen gezehlet. Von Seiden ⸗Zeug und Kamelot/ jnſon⸗ Die vornehmſte Handlung zu Alepo. derheit von Gallapfel und der Schale davon/ ohne welche die xederbreiter das Leder nicht wol zubereiten koͤnnen/ wird alda groſſer Gewerb getrieben. Ingleichem mit Seiffen und viel anderer Sorten Waaren/ es kommen Kauffleut auß der gantzen Welt da hin. Der Tuͤrcken/ Arabern/ Perſier und Indianern zu geſchweigen; Es befinden ſich in 5 e ſtäts viel Frantzoſen/ Italianer/ Engel⸗ und Hollander/ und hat jede Nation jhren Conſul zu Handhabung jhrer Sachen und Gerechkigkeiten. f Dieſe Handlung/ wird nicht wie etliche geſchrieben/ durch Bequemlichkeit der zween Flüͤſſen Euphrates und Tigris/ auf welchen ſis vorgeben die Waaren auf und ab verführt werden/ getrieben; dann wann ſolches beſchehe/ ware ich nicht von Bagdat nach Alepo durch die Wuſte/ und ein andermal von Alepo nach Balſara, auch nicht zum zweytenmal durch bemeldte Wuſten gereiſet/ da ich wegen eines Zufalls/ wie anderswo gemeldt werden ſolle/ 65. Tag underwegs geblieben. Was den Euphrates anbelangen thut/ it unlaugbar daß wegen der viel Muͤhlen die darauf erbauet worden/ um das Waſſer zu ſchopfen/ und das Land zu waſſern/ die Schiffahrt verhindert wird/ und auch ſehr gefaͤhrlich iſt. Ich geſtehe gern/ daß man Anno 7638. einen guten Theil des Turckiſchen Heers/ ſarnt viel Kriegs⸗Munition/ als der Turckiſche Keyſer die Belagerung Babylon vorgenommen/ 5 den Euphrat herab führen/ geſehen; aber man hat damalen alle Mullen wegſchaffen muſſen/ welches ohne groſſe Mühe und Koſten nicht beſchehen konte. Der Tiger iſt wenig ſchiffreich als von Bagdat nach Balſara, 9 0 1 den Schiffen auf⸗ und abfahrt. Im herunder b iſt beſchwerlich/ daß man bey dem geringſten Huf der Araber/ ſo an dem Ufer gefunden wird/ Rechenſchafft geben/ und Gelt alda laſſen muß. Zwar es iſt nicht ohne/ daß die Kaufleut von Mouſſul und Bagdat, auch andere auß Chal. dea wegen der Handlung nach Balſara kommende/ jhre Waaren bis nach Bagdat herauf führen laſſen; weil aber die Schiffe nur von Mannern gezogen werden/ bleiben ſie zurveilen bis in 50. Tag lang undertwegs. Dieſem nach kan leicht geurtheilt werden/ wie groſſer Unkoſten aufgehen wurde/ die Waaren auf dem Euphrat bis in den Bir/ alda ſelbe nach Alep zu gehen/ außgeladen werden muͤſten/ herauffuͤhren zu laſſen. Wann der Dam ſo zwey 9688 ſe under Mouffal, durch den Tiger gehet/ ni ware/ koͤnte man bis in dieſe Stadt ohe 5 auch herauf fahren; aber ſolches kan/ wie ich anderswo vermelden werde/ nicht beſchehen. Wann man ſchon endlichen die Bequemlichkeit des Morat-ſou(alſo nennen de Dur cken den Euphrat) hatte/ und die Waaren auf dieſem Fluß überführen konte/ wurden doch die Kaufleut dieſer Gelegenheit ſih nicht bedieen/ 15 Anderes Buch. 6 nen/ weil die Caravane gewohnlich nur im Sommer reiſet/ und zu ſelbiger Zeit die Arabiſchen Fuͤrſten an den Ufer des Euphrats mit all ihrer Hofſtatt und Vieh zu wohnen kommen/ daſelbſten Waſſer und Gras/ ſo dazumalen in der Wuſten manglet/ zu finden/ und demnach die Kauffeut dieſen Furſten nach jhrem Belieben die Schatzung zu zahlen/ underworffen ſeyn muſten. 5 e 5 habe deſſen in meiner Wiederkunft von? abilon nach Alepo ein Exempel geſehen. Wir teaffen auf dem ganzen Weg nur einen einigen dieſer Für ſten/ der zu Anna ſich aufhielte/ an; welchem die Caravane fůr eine jede Kameels⸗ Ladung vierzig Pialtres bezahlen muſte. Das aͤrgſte war noch/ daß er uns über fünf Wochen lang aufpielke/ damit ſein Volck/ welches uns Proviant verkaufte/ Gelt bekommen mochte. Das lerſte mal in meiner Reiſe durch die Wuſten/ funden wix einen dieſer Arabiſchen Furſten neben ſeinem Bruder/ die beyd noch ſehr fung/ welcher uns nicht fortlaſſen wolte/ biß wir jhme 200. tauſend Piaſtres in ſpecie fuy Larins, ſo eine Muntz des Landes/ davon anders wo Meldung beſchehen ſoll/ geliefert. Er zwunge uns/ ſolche anzunehmen/ und was die Kauffeut/ die dabey jhre Rechnung nicht funden/ einwendeten/ um überhoben du ſeyn/ mochte nichts verfangen. Der Streit wahrete vergeblich 22. Tag lang; man muſte dadurch/ ſintemalen wo Gewalt das Recht nichts gilt. Dabey iſt abzunehmen/ was noch andere Arabiſche Fürſten/ welche nicht billicher ſeynd/ thun/ und ob die Kaufleut jhre Waaren auf dem Euphrate führen zu laſſen/ einen groſdn Ne ſen Nutzen ſchaffen wurden. Es ſeye aber ger. ug/ was ich die Handlung zu Alepo betreffend/ angeführt. Nun folget die Beſchreibung der Regierung. Die Stadt wird von einem Bacha, der in der gantzen Landſchaft von Alexandrette biß an den Euphrake zu befehlen hat/ regieret. Deſſen Leib⸗Wacht iſt gemeinlich von dreyhundert Mann/ und ſeith etlichen Jahren iſt derſelbe zum Vezier ernennt worden. Esi daſelbſten auch ein Aga oder Rittmeiſter/ ſo wol inn als auſſerhalb der Stadt/ welcher ungefehr 400. zu Pferdt commandiert. Ein anderer Aga über 700. Janitſcharen/ itt über die Stadt⸗Thor geſetzet/ deren Schluſßel jhme alle Abend geliefert werden/ und der dem Bacha nicht underworffen iſt. Das Schloß iſt auch under einem andern Befehlhaber/ der unmittelbar von Conſtantinopel dahin verſchickt wird/ und hat under jhme 200. Muſquetierer/ auch alles Geſchütz under ſeinen Handen; deren ſeynd an der Zahl a. oder 30. nemlich acht groſſe Stuck/ die uͤbrigen aber ſehr klein. Es iſt noch ein Aga oder Stadt⸗Haubtmann uber drey Hundert mit Feur⸗Rohren/ und uber das ein Soubachi oder SchaarwachtHaubtmann/ welcher mit ſeinen Officiereren durch die Stadt und Vorſtaͤdt des Nachts die Runde verrichtet. Dieſer iſt es/ der des Bacha Urtheil/ wann derſelbe jemand zum Tod verdammet/ vollſtrecken laſſet. 0 J. Theil. 0 i a Was das Civil⸗ und Policey⸗Weſen anbelangen thut/ iſt ein Cadi oder Preſident ohne Beyſitzer beſtellt. Er urtheilt allein uber alle burgerliche und maleſitziſche Sachen/ und waß derſelbe jemand zum Tod verdammt/ ſchickt er ſolchen mit dem Broceß dem Bacha, welcher alsdann nach Belieben verfahren thut. Dieſer Cadi ſtellet alle Heurahts⸗Brieff und zertrennet auch dieselben; Alle Kauff⸗ und VerkauffContracten/ beſchehen in ſeiner Gegenwart; und er erwoͤhlet die geſchwornen Meiſter eines jeden Handwercks/ welche die Wagren beſi chtigen/ damit kein Betrug vorgehe. Des Tu de ckiſchen Keyſers Einkommen wird durch ein Tefterdar oder Ober⸗Seckelmeiſter/ welcher under ſich an underſchiedlichen Orten/ ſonderbare Einnehmer hat/ eingezogen. i Was letſtlichen die deligion anbelangt/ itt und ihrer der Moufti das Haubt und Außleger des Ge⸗ ian. ſatzes/ ſo wol was die Ceremonien/ als burgerlichen Sachen/ die ſich zutragen mochten/ betrifft. Under den Geſatzleuten iſt noch ein Ohieke oder Gelehrter beſtellet/ um die zu dem Mahometiſeno Neu⸗Bekehrten zu underrichten/ und dieſelben 6 Weiſe und Gewonheiten jhrer Geſetze zu lehren. e Ankunfft zu Alep, ware dem Frantzoſiſchen Conſul vor allen Dingen angelegen ſeine Freude wegen des Konigs Geburt davon wir ihme e gebracht/ offentlich zu bezeugen. Derſelbe begerte von dem Bacha nach Gewonheit/ Erlaubnuß/ und nachdeme er ſolche erlangt/ hielte er ein koͤſtliches Gaſtmahl/ dazu die Vornehmſten der Engelund Hollander erbetten/ und dabey viel Morſel loßgebrennt wurden/ nebſt allen darauf erfolgten Freudenbezeugungen/ ſo an dieſem Ort beſchehen konten. ö 3 Drey Tag nach meiner Ankunfft zu Alepo, hielte der Turckiſche Keyſer Sultan Amurat, daſelbſten ſeinen Einzug/ und nahme ſeinen Weg nach ſeinem Heer/ welches im Marſch ware Bagelat zu belagern. Ich wil mich alhier nicht aufhalten/ dieſe Ceremoni/ dabey nichts ſt ſonderbares ware/ zu beſchreiben/ ſondern es ſol genug ſeyn nur ein Ding/ ſo zimlich merckwuͤrdig/ und darüber ſich zu verwundern/ allhier anzuführen. Nahend Alepo gegen Morgen/ iſt ein Hauß der Dervis, ſo vor dieſem ein ſchoͤnes Kloſter des Ordens St. Baſilü geweſen. Es iſt noch in gutem Stand/ und ſeynd alle Sal/ Kamern und Gange mit Marmor überzogen. Alle dieſe Dervis giengen eine halbe Meil von Derviſch zie de Stad bis an den Berg Oseled dem Tur⸗ Großedlckiſchen Keyſer entgegen/ und nachdem der Su cen etgeperior vor 00 Gemeind hergehend/ an den Len. Keyſer die Rede gethan kamen zween dieſer Dervis, jhme jhre Ehrerbietung abſonderlich zu beweiſen/ hernach giengen dieſelben dem Türckiſchen Keyſer bis in das Schloß zu Alepo, ein halbe Stund Wegs vorher/ ohnaufhoͤrlich mit gantzer ihrer Macht ſich herum drehend/ dermaſſen/ daß der Schaum jhnen auß dem Rund gienge/ und den Zuſehenden die Augen geblendet wurden. Es ſeynd etliche Denn is, welche zwo gantzer Stund lang/ ohne aufhören/ ſich 2 der 62 Reisbeſchreibung in Perſien/ dergeſtalten rings umdrahen/ und halten fuͤr ein Ehre/ ein Ding/ ſo wir für eine Thorheit Alldieweilen der Tuͤrckiſch Keyſer zu Alepo ſich befande/ kame der Bacha von Caire daſelbſten an/ mit einem Geleit von 2000. Janiſcharen/ überauß wol aufgebutzt/ und in zierlicher Ordnung. Ein jeder er Feb e lach bis uber die Büge der Fuſſe hinab gehend/ einen Rock auf Turckiſche Mater/ von Engliſchem Tuch/ und das Futter herum von baumwollen Tuch/ mit mancherley Farben genahet. Der mehrere Theil hatten von Gold und Seiden gemachte Knopfe/ und waren ſo wol das Band um den Leib/ als der Sabel/ mik Silber beſetzt. Der Bacha rifte vorher in ehrbarer Kleidung; aber der Zeug ſeines Pferds/ ware uin ſo viel mehr koͤſtlicher/ und er hatte nichts geſparet/ um vor dem Tuͤrckiſchen Keyſer in prachtigem Aufzug zit erſcheineenn. Zwween oder drey Tag nach des Tuͤrckiſchen Keiſers Ankunft/ ſchickten der fremden Nationẽ Conſules zu wiſſen/ ob ſie bey jhrer Hoheit Audientz haben konten/ und wie ſie ſolches erlangt/ ware der Frantzoſiſthe der erſte/ nach beſchehe. e von einem jeden die gewohnlichen Preſen t. 3 1 nohttwendig zu Ale po ſich etliche Tage aufhalten/ ſo wol ſeine Geſchaͤffte anzuordnen/ als auch bis die Caravane verſamlet/ zu warten/ dafern man mit einem Wegweiſer allein zu reiſen/ ſich nicht wagen wil/ welches ich gleichwol mehr als einmal gethan. Aber man hat nicht Urſach verdruſſig zu ſeyn/ in einer ſolchen groſſen und herelichen ſchonen Stadt/ welche ſicher nach Conſtantinopel und Caike, die namhaffteſte des gantzen Türckiſchen Reichs gehalten wird. Nun iſt es Zeit/ endlichen auf den Weg nach Perſien ſich zu begeben/ dahin man durch underſchiedliche Ort und Lander/ die ich vielmalen hin und wieder zuruck durchreiſet/ kommen kan. 05 Das III. Capitel. Von underſchiedlichen Wegen ins gemein von Alepo nach Iſpahan/ und jnſonderheit durch die groſſe Wuͤſten. N On Alepo nach Iſpahan/ ſeynd funf bHaubt⸗Weg/ welche ſamt zween anderen durch Natolien beſchrieben/ ſieben/ deren man ſich von Conſtantinopelomyrne, oder von Ale po quß in Perſien zu reiſen/ beDier erſte dieſer fuͤnff Wege von Alepo auß/ iſt zur Lincken gegen Aufgang/ uͤber Diarbele und Tauris. Der zweyte gerad gegen Aufgang in Meſopotamien über MMouflul und AmadanDer dritte zur Rechten in Aufgang der Winter⸗Sonne über Bagdat und Kengavar! Der vierdte etwas mehr gegen Mittag/ und durch die kleine Wuſten/ ſo der gewohnliche Weg uber Anna, BagdarUrnd Pallara. Der fünſſte durch die groſſe Wüſten/ ſo nicht viel gewohnlich/ und nur einral des Jahr/ wa die Kaufleut auß Tuͤrckey und Egypten dahin reiſenKameel zu kauffen. Dieſe fünff Weg nun wil ich abſonderlich und in underſchiedlichen Capiteln beſchreiben; und in dieſem Capitel erſtlich von dem Weg durch die groſſe Wuſten/ welchen ich in meiner ziweyten Reiſe in Aſien genommen/ Meldung thun e Die Caravanen die nach Ballara dieſen Weg nehmen/ reiſen nicht fort/ bis daß die Regenwelters⸗Zeit/ ſo erſt im December gemeinlich ſich endet/ vorüber. Welches eine Urſach/ daß ich zu Aleßo ſieben Wochen lang mich aufhalten muſte/ zu warten bis die Caravane zu 0 5 verreiſen gerüſt ware Underdeſſen thate ich Vorſehung von Reiß/ Butter/ Kaß/ Mandlen/ Haſelnuß/ Feigen/ und anderer Gattung truckener Fruͤchten/ ſo genante Boutarde; Caviard, Ochſenzungen und Sehweins⸗Würſte/ ſo man verborgen eſſen muß/ im widrigen komt man in Gefahr bey den Tuͤrcken/ denen das Schweinen Fleiſch verbotlen/ und wird bisweilen übel trackiert. Ich lieſſe auch etliche Haute mit gutem Wein füllen/ und vergaſſe nicht des Oels/ und der Seiffen/ den Arabern ſolche zu verehren/ denen nichts angenehnders ft, Die Caravan feiſete an dem Chriſttag ab/ aber ich folgte derſelben erſt zween Tag hernach/ weilen mix bewuſt/ daß ſolche z. oder 4 Tag eine halbe Tägreiſe von Alepo, an einem Ort/ da der mehrertheil der Geſellſchafft beſtunde/ und under anderen der Caravan-Bachi, alle jhre Zelten hatten/ verbleiben wurde. Uber das wuͤnſchte Mr. de Bremn unſer Conſul, daß ich noch zween Tag beß ihme verharren mochte/ und bey Der Her meiner Abreiſe verſehaffte er mir zween Bedou⸗ ene ins ſo deut des Lands um mich bis zu der are en vane zu begleiten. Nachdem ich mich zu Pferd begeben/ traffe ich dieſelbe dẽ folgenden Tag vor Allfgang der Sonnen an/ da ſie ſich auf ihre Abreiſe luſtig und frolich machten. Dieſelbe beſtunde in ungefahr 600. Kameel/ und 400. Mann ſo wol Meiſter als Knecht, der CaravanBachi ꝗllein wa zu Pferd/ und pfigte vorher zu reiten/ das Waſſer/ und einen bequemen Ort zu lagern/ zu ſuchen. Dann es iſt zu wiſſen/ daß man bey denen Cara vahen, die langſam gehen/ um die Wüſten durchzureiſen/ ſich keiner Pferden bedienet; weilen bißweilen drey gantzer Tag lang kein Waſſer zu finden/ und die Pferd ben Durſt nicht wie die Katmeel/ außſtehen konnen. Weiil ich mich/ wie gemeldt/ zu Pferd begeben/ um die Caravane zu erreichen/ ſo muß ich dabey gedencken/ daß in gantz Turckey allein zu EConſtantinopel/ smyrne und Alepo, denFremden auß Gnaden/ hren Gewerb zu befürderen/ Pferde in den Stallen zu underhalten/ und deren /es ſeye auf die Jagd/ oder zů jhrenGeſchafften ſich zu bedienen/ erlaubt iſt. Dieſe Freyheit iſt noch gröſſer zu Alepo als nicht zu Conſtantinopel noch Smyrne; aber in anderen Orten/ als Damas, Seyde und Caite, wird auſſer den Conſuln der Nationen/ keinem Fremden zu Pferd zu reuten geſtattet. Weil Caire ein groſſe Stadt/ ſt jhnen allein erlaubt einen Esel zu halten/ oder zu entlehnen/ deren man auf den . Platzen * tr, xx — 7 r I„A44444444õõ““L 4—U—ͤ ͤ —— Anderes Buch. 85 pen und Gaſſen/ ſich zu bedienen/ genug Den anderen Tag beſchahe der Aufbrauch mit der Sonnen Aufgang/ und zu Mittag kamen wir an einen Ork/ alda dreh Schopfbrunnen/ einer von dem anderen 500. Schritt weit entlegen. Das Waſſer derſelben iſt trefich gut/ und weil weiters ſo gutes nicht zu finden/ hat man alle Geſchirꝛ oder Haut der Caravane, von dieſem gefüͤllet. Um 4. Uhr Abends lagert die⸗? 1 05 5 rayanbachi nicht Unrecht hatte/ hernach gienſelbe an einem Ort da kein Waſſer ware. Den folgenden Tag was es noch nicht über Mittag/ daß wir zu zween Brunnen kamen deren Waſſer wenig guts/ alſo/ daß allein die Kameel davon trancken. Wir blieben daſelbſten/ ulfd hatten kein weitern Außſpann/ weilen man ſehen wolte ob die Kameel von dem SaumSattel ticht gedruckt waren/ und ob der Lat gleich auf einer/ wie auf der anderen Seiten ſey. Es befande ſich in der Caravans ein Pater, Namens Carlos, ein Neapolitaner und Baarfuſſer/ der ſeines Ordens Hauſer zu Balſara in Perſien und Indien zu beſuchen/ reiſete. Das Kameel auf dem er ſaſſe/ war hart gedrukt/ weilen über das/ dieſer Geiſtliche eine ſchwaͤre Perſon/ derſelbe das undere Theil ſeines Caja va mit etlichen Haͤuten Weins/ und ander Proviant/ Fiues Baur, ſo von Gewicht/ und er verborgen halten wolte/ fuͤſſers Eigensſicigkeit. gefullet hatte. Dieſe Ca javas ſeynd den Kefich gleich/ halb rund mit Wachstuch/ und fur die Weiber mit ſchoͤnem Scharlach bedeckt/ und unden iſt eine Gattung Kaſten/ ſo man beſchlieſſen kan/ da man die Dinge/ deren man auf der Reiſe oft noͤhtig/ inzulegen pflegt. Es werden zwey Cajaras beederſeits des Kameels aufgelegt/ in jedem deren ein Mañ Plat zu ſitzen hat/ und wann es ſich ſchickt daß man nur ein Cajavas anhaͤngt/ wird der Katmeel auf der anderen Seiten/ um das Gegengewicht zu machen/ mit einem Ballen beladen. Wie nun des Geiſtlichen Kameel gedruckt ware/ und der Caravan. Bachi betrachtete/ daß ſolehes wegen allzu ſchwehrer Ladung beſchehen/ bate er den Pater Baaꝛ fuſſer hoͤflich/ daß er/ was er unden in ſeinem Cajava hafte/ auf ein ander Kameel geladen werden mochte/ welches er nummer zugeben wolte/ was man ihme auch zu Gemüuͤht fuhrte/ und wie hoch er gebaͤten wurde/ konte ſolches doch nichts verfangen. Über dieſe WiderſetzAlcchkeit/ ſo ohne Fundament/ ware endlich unſer f Cara vanbachi erzörnet/ um ſo viel deſto mehr/ weil der Geiſtliche in harte Wort außbrach/ mit Drohung daß er wiederum nach Ale po kehren/ und bey dem Conſul ſich beklagen wolte. Er begabe ſich auch wuͤrcklich auf den Weg/ obſchon inan ſhme berveglich vorbrachte/ daß er nicht weit komen wurde/ und daß er ſich in Gefahr begebe ermordt zu werden. Ein Araber ware ſo gutmütig demſelben nachzueilen/ um ihne wiederum zur uck zu kommen zu bewegen aber er konte jhn nicht erreichen/ und weil derſelbe cine gantz guß dem Geſicht entkam/ finkemal der Geistliche von allen ſeinen Krafften forkglenge/ kam er nach einey Stunde wieder zuuu uck/ ohne daß er einige Boltſchafft mit ſich brachte. Wie dje Sonne im nidergehen ware N„ erblickte ich von ferne einen Mann von Alepo eylend daher kommen/ und als derſelbe nahe herbey ruckte/ erkante ich daß es unſer Geiſtli⸗ 5 cher. Er bedachte die Gefahr/ die wir jhme vor e 15 Augen geſtellet/ und befande daß kein beſſer duet. Mittel ware/ als wiederum zu der Caravane ſich zu begeben. Obſchon derſelbe auf zimli⸗ a chem Alter/ war er doch auf dergleichen Reiſen 0 ein Neuling/ und weil ich hierinn beſſer als er/ erfahren/ gab ich jhm zu verſtehen/ daß der Oae alles nach beederſeits gutem Genügen auß. Ich erwieſe dem Geiſtlichen auf dieſer Reiſe alle mir muglichſte Dienſte/ hingegen bezeugte er ein voͤlltges Vertrauen zu mir. Ich gabe demſelben guch wurcklich zu Balſara, wie hoch ich ſeine Aufrichtigkeit achtete/ zu erkennen/ indeme ich jhme eine koſtliche Uhr/ die er/ wie ich vermeine/ dem Furſten dieſes Orts verehret/ und dafür er mir die Bezahlung von Goa zu uͤberſchaffen/ wie auch hernach beſchehen/ verſprache/ ohne Bedenckens anvertraute. 1 Weilen wir nun zween Tag in der Wuſten gereiſet/ wil ich ohne ferneren Umgang ſolche küͤrtzlich beſchreiben. Zwo oder drey Meil von Alepo gehet dieſelbe an/ da dann nach und nach an ſtatt der Hauſer/ nichts anders gls Zelten gefunden werden. Sie erſtrecket ſich„etre“ im Winter gegen Aufgang/ nach langs des Wüſten in Euphrats/ bis nach Balſara, und an den Geſtad Nabien. des Perſiſchen Meerbuſens/ und gegen Mittag bis an die an einander ſtehenden Berge/ die ſolche von dem Steinichten⸗ und Reich⸗Arabien abſondern! Dioſe Wuſten ſeynd mehrertheils eben/ von einem Sandboden/ an einem Ort zarter als an dem anderen/ und man kan ſchwerlich durchkommen/ wann es nicht zuvor geregnet/ und dadurch der Sand ſatt worden. In dieſen Wuſten findet man ſelten Hügel oder Thal/ da gemeinlich ein wenig Waſſer und Geſtaude/ ſo den Reiß zu kochen dienen. Dann ſonſten iſt durch die gantze Wuſten kein Holtz zu bekommen; und mogen die wenigen Bur den/ ſo neben einem kleinen Vorraht Kohlen/ den Kameelen von lepo auß reiſend/ aufgeladen werden/ nur für 8. oder 10. Tag helffen. Da dann zu wiſſen/ daß von 600. Kameelen/ die durch die Wuften gehen/ ſchwerlich xo. mit Waaren/ ſo gewohnlich grobe Tuch/ Eſſen⸗Waar/ und jnſonderheit ſchwartz und blau dein wad/ deren die Araber ſich bedienen/ beladen ſeynd. All die anderen tragen Proviant/ deſſen zu einer langen Reiſe durch ein gantz odes und leeres Land/ da gar keine Lebend mittel zu finden/ nicht weni gerfordert winden ee ee, , In den erſten 5. Tagen unſererReiſeinder Wuſſten/ funden ſvir allein über den anderen/ und oft nur den dritten Tag! Waſſer. Den zwanzigſten Dag unſerer Abreiſe von Alepo, lagerke die Caravan hey 2. Schopfbrunnen/ deren Waſſer gut. Einem jeden ware lieb daſelbſten ſein wüſt Geraͤht zu waſchen/ und der Cara vanbachi machte ſeine Rechnung allda 5 ober 3. Tag zu verharren. Aber e i die wir noch denſelben Abend bekamen/ nohtigte uns zun Aufbruch vor Tag/ um einer BegeF 2 benheit 64 benheit/ die uns ſehr ſchaͤdlich geweſen ware/ zu entgehen. Wir hatten kaum unſer Nachtefſen beſtellt/ daß ein Eylbott mit drey Araberen/ jeder auf einem Dromedario, ankame/ welcher die Bottſchafft der Eroberung Bagdat; nach daß wir unſere Bockshaüut/ welche leer waren/ Alepo, und in andere Stadt des Reichs brachte. Sie hielten bey den Brunnen ſtill/ um ihr Vieh zu traͤncken/ unſer Caravanbachi/ und die Vornehmſten von der Cara vane, verehrten demſelben alſobalden etwas von dürren Fruͤchten/ und Granatapfeln/ ſo er fur angenehm zu haben bezeugte. Er war ſo gutmütig uns anae die Kameel/ welehe des Tuͤrckiſchen Keyſers/ und ſeines Hofs Bagage trugen/ imlich ermudet waren/ man nicht ermanglen wurde/ wann wir angetroffen werden ſolten/ unſere Kameel/ um jene zu erleichtern/ anzugreiffen; derowegen er uns rahte/ von Anna, eine Stadt an dem Euphrat/ uns zu entfernen/ Küpferne Keſſel ein angenehmes Geſeheuck. in Sorgen es moͤchte der Emir derſelben Gegend/ da er etwas unſertwegen erfuhre/ uns aufhalten. 5 N Auf dieſe Bottſchafft lieſſe der Caravan bachi die Caravane um drey Uhr nach Mitternacht aufbrechen/ und gegen Mittag/ da wir tieff in die Wuͤſten hinein kamen/ den Weg nehmen. 5 Schoͤpfbruͤnnen/ dabey drey oder vier Haͤuſer/ zu lagern/ an; da wir Dattlen zu kauffen funden/ und etliche unſerer Caravane bacheten daſelbſten Brod. Wir blieben dorten zween Tag/ um Waſſer zu ſchoͤpfen/ und waren im Aufbruch/ da dreyſſig wolberittene Reuter daher kuren/ um im Namen des Emirs der Wüſten/ dem Cara vanbachi anzuzeigen/ daß er uns beſehen wolte/ und er mit der Caravans ſtill halten ſolte. Wir warteten deſſen drey Tag lang mit Verlangen/ und wie er endlich erſchienen/ begrüßte jhn unſer Cara vanbachi, neben einer Verehrung/ wie gewohnlich. Das waren ein Stuck Attlas/ und ein halb Stuck Scharlach/ ſamt zwey groſſen Küpfern Keſſeln/ jeder ohngefaͤhr ein halben Malter haltend. Dieſe Keſſel ließ er nach Bal ara führen/ und weilen ſolche zum Reiß⸗kochen ſehr bequem/ konte es nicht anderſt als ein angenehmes Preſent dieſem Arabiſchen Fuͤrſten ſeyn/ welcher vielleicht dergleichen in ſeiner Küchen, nicht hatte. Jedoch bezeugte derſelbe/ daß er mit ſo wenigem nicht begnugt/ ſondern forderte über das/ noch 400. Kronen. Wir ſtritten zwar/ aber vergeblich/ ſieben oder 8. Tag lang/ dieſe Sum zu bezahlen. An allen Orten muß man dem Gewalt ſich undergeben/ ein jeder under uns gabe nach Vermoͤgen/ und nachdem jhme das Gelt erlegt worden/ tractierte er die Vornehmſten der Caravane mit Pilau, Honig und Dattlen/ und gab denſelben bey ſeinem Abſchied fünff oder ſechs geſottene Schaaf. Drey Tag hernach/ kamen wir zu zweyen Schoͤpfbrunnen/ bey etlichen gebrochenen Mauren/ von an der Sonnen gebachenen Ziegelſteinen. Dann in der gantzen Wuſten/ und ins gemein in all dieſen Mittags⸗ Landern/ findet man kein Holtz zu brennen/ ſondern nur GeAcht Tag hernach/ kamen wir bey drey Reisbeſchreibung in Perſien/ ſtdud/ damit mühſam der Reiß gekocht werden kan. Das Waſſer dieſer zween Brunnen iſt alſo bitter/ daß unſere Kameel davon nichts trincken wolten; ſolches hinderte gleichwol nit/ fülleten/ in Meinung/ daß wann ſolches geſotten/ die Bitterkeit verlieren wurde/ und den Reiß zu kochen dienen koͤnte. Aber wir erfuhren/ was gemeinlich geſagt wird/ daß auß einem Ding ſo ſchlim iſt/ nichts gutes zu ziehen; und alſo ware dieſes Waſſer ein unnuͤtzer Laſt/ ſo wol für die Kamel/ als für die Perſonen. Von dieſen uns unnützen Brunnen/ reiſeten wir bey 6. Tag lang/ ohne Waſſer antreffend/ welche ſamt den zuvorbemeldten dreh Tagen/ die neun machen/ davon ich anderſtwo Andeutung gethan/ und ſo lang unſere Kameel nit getranckt worden. Das konte ohne merckliche Beſchwarde nicht ſeyn/ und der Durſt quelete in ſo langer Reiſe ſo wol Menſchen als Vieh. Endlichen nach neun Tagen/ funden wir ein Land mit Hugeln/ ſo drey Meil wahret/ und unden an drey dieſer Hüglen waren groſſe Trancke. Unſere Kameel die das Waſſtr eine halbe Meil Wegs weit merckten/ giengen den ſtarcken Trab/ ſo die Manier ihres Lauffens/ und wie ſie Hauffenweis in dieſe Traͤncke eintratten/ machten ſie das Waſſer gantz dick/ rub und katicht/ welches unſere Haute/ da wir ſolche davon gefuͤllet/ verderbt hatte. Dieſes ware eine Urſach/ daß unſer Cara vanbachiʒ und die Vornehmſten unſerer Cara vane, entſebloſſen drey Tag daſelbſten zu verharren/ ſo wol/ damit ein jeder Zeit hatte ſeine Geraht zu waſchen/ als zu warten bis das Waſſer ſich wiederum gelaͤutert/ um alsdann davon einen Vorraht mitzunehmen. Wir waren auch froh des, Geſtäudes ſo um dieſe Waſſertrancke/ und auf den Hugeln ſich befunde/ damit wir den Reiß/ in welchen wir duͤrre Trauben/ Morellen und Mandlen thaten/ kochten/ uns zu bedienen: dann ſeith unſerer Abreiſe von dem Arabiſchen Fuͤrſten/ und in den neun Tagen ſo lang uns Waſſer und Holtz manglete/ hatten wir nichts warmes gekoſtet. Aber vornemlich waren wir hoch erfleuet/ alda Brod zu backen/ und das beſchicht folgender geſtalten: In die Erde wird ein rundes Loch ein halben Schuh tieff/ und zwey oder drey im Diameter gegraben/ und darein von dem Geſtaud ge⸗ Manier das worffen und angezündet/ darauf thut man Ki⸗ Brod zu baſelſteine/ die werden feurig/ und erwarmen bald den Platz. Underdeſſen wird der Taig auf dem runden Leder Sotra genant/ ſo auf die Erde gelegt/ und welches beedes für Tiſch und Tiſchtuch dienet/ zubereitet/ dann in der Wuſten man den Teig zu knetten kein ander Ding hat. Wann das Loch nach Nohtdurfft erwärmet/ werden die Stein und Aſchen herauß/ und nachdem ſolches geſaͤubert/ der Teig der dann von dem Abend bis Morgen/ Zeit zu backen hat/ hinein gethan. Das Brod auß dieſem Loch iſt ſehr wol geſchmackt/ nur zween die Becker in unſerem Land auf das Feſt der drey Koͤnig zu backen pfſegen. 20 1595 dick/ und in der Groͤſſe der Kuchen/ ſo Anderes Buch. 65 Alldieweil wir bey den dreyen Trancken Euphrat dahin zu bringen/ geweſen ſeye. Was oder Weyern uns gufhielten/ hatte ich meine Kurzweil einige Haſen und Rebhuner zu ſchieſſen/ deren an dieſem Ort viel ſich befinden/ mich anbelangen thut/ kan ich davon nicht urtheilen/ und mir nicht ein bilden/ wie von ſo ferren/ ſintemalen der Euphrat von dieſem und davon wir die beſten Mahlzeiten der gantzen Reiſe hatten. Dannes iſt zu wiſſen/ daß wann in der Wuſten an allen Orten Holtz zu finden/ konte man in der Nahe auch gute Dag machen, Waſſer bekommen/ ſintemalen an Mehen Halen und Rebhunern/ und inſonderheit. Baſen/ die den Kamelen zwiſchen den Fuſſen durchlauffen/ und oft von den Kameel⸗Treibern mit Staben todt geſchlagen werden/ kein Mangel iſt. Aber ohne Holtz hat man eine kalte Kuche/ und des Wildprets ohne Genuß/ nur das traurige Anſchauen. An dem Abend vor unſerem Aufbruch/ fülleten wir unſere Bockshaut mit Waſſer/ auß dieſem zu trancken/ welches wiederum gut und ſehr hell ware/ weil die Zeit über ſolches ſich ſetzen konnen. Es iſt allein Regenwwaſſer/ welches in den Tieffen in den Monaten October und November, ſich ſaumlet/ und ſo bald der Sommer und Hitze herbey komt/ gußtrocknet. Als nun der Caravanbachi betrachtet/ daß wir neun Tag lang gereiſet/ und kein Waſſer gefunden/ entſchloſſe er ſich auf dem Weg gegen Mittag nicht fortzuſetzen/ ſondern gerad gegen Morgen zu nehmen/ und dafern man in zween oder drey Tagen nicht Waſſer funde/ ſich gegen Nord⸗Oſt oder gegen Aufgang zu Ort uͤber zwantzig Meil abgelegen/ das Waſſer geleitet werden konnen.. Von dieſem Pallaſt wendeten wir uns gegen Nordoſten/ und kamen nach vier Tagreiſen zu einem ſchlechten Marckflecken/ vor dieſem Cufa und anjetzo Meched- Ali genant/ al⸗ Eines Mada des Ali Mahomets Eydam Begraͤbnuß in 0 einer Moſqueen die nicht gar ſchon iſt/ geſehen Grab. wird. Um das Grab ſeynd gewohnlich vier brennende Fackeln und etliche Lampen/ daruͤber an dem Gewoͤlb hangend. Obſchon die Perſianer den Ali in hohen Ehren halten/ kommen die ſelben doch wenig zu ſeinem Grab walfahrten/ weilen kein anderer Weg als uber Bagdat, ſo under des Turckiſchen Keyſers Gebiet/ muß jeder Pilger daſelbſt acht Piaſtres bezahlen/ welches dem Konig in Perſien gar ſchwehr fället. Cha- Abas, welcher nicht wolte/ daß ſeine Underthanen den Turcken zinßbar waren/ trachtete das Volck von dieſer Walfahrt zu des Ali Grab abwendig zu machen/ und ſolches durch Mittel einer anderen Andacht die er zu Mecheed guf dem Weg von Tauris nach Candahar beſtellet/ und die Konig/ deſſen Nachkommen/ haben jhren Underthanen ſchwerlich erlauben wollen/ das Grab ihres Propheten Ali zu beſuchen/ weilen wenden/ um den Euphrat zu erreichen. Zween Tag nachdeme wir die Reiſe geendert/ kamen wir zwiſchen zween Huͤglen zu einer Traͤncke/ oder Weyer/ bey deme zween Araber ſamt jhren Weibern jeder mit einer Herd Geiſſen und Schaafen ſich befunden. Die uns ſagten/ daß ſie nach AMouſſul giengen/ und uns ſie fur eine Schmach halten dem Turckiſchen Keyſer die Schatzung zu bezahlen. Welches die Urſach/ daß dieſer Molquée wenig Rechnung getragen wird/ und auch nicht viel Perſianer hinkommen/ und neben den Fackeln und Lampen die ſtaͤts bey dem Grabe brennen/ ſeynd allein zween Moullahs die nach den beten Weg Waſſer zu finden anzeigten; Gewonheit in dem Alcoran leſen. In dieund auch von dieſem Ort bis Balſara funden ſem Marckflecken ſeynd nur drey oder vier wir allemal den dritten Tag Waſſer. ſchlechte Schoͤpfbruͤnnen/ deren das Waſſer 8 Funff Tag/ nachdeme wir dieſe Araber wie halb geſaltzen/ und ein trockener Canal/ 8 8 verlaſſen/ ſahen wir ein groſſen Pallaſt von welchen nach des Volcks Auſſag/ Cha- Abas in den Arg, gebrannten Ziegelſteinen gebauet/ und das um das Waſſer auß dem Euphrat den Pilenen Wü Land hatte das Anſehen vor dieſem angeſcket gram zu gutem/ dahin zu leiten/ machen laſgeweſen zu ſeyn/ und daß die Oefen/ darinn dieſe Ziegelſteine gebacken/ mit Stroh gewaͤrmet worden/ dann fuͤnffzehen oder zwantzig Meil da herum/ iſt nicht das geringſte Geſtaud oder Zweiglein Holtz zu finden. Ein jeder gebackener Stein iſt ein halber Schuh in Vierung, und ſechs Zoll dick. In dieſem Pallaſt ſeynd drey groſſe Hof/ und in jedem ſchoͤne Gebau mit zween Reyen Schwiebogen uͤbereinander. Obſchon dieſer Pallaſt noch in volligem Stand/ iſt ſolcher doch unbewohnt/ und die Araber alter Geſchichten ſehr unwiſſend/ haben mir im geringſten wer dieſen Pallaſt erbauen laſſen/ noch anders darum ich ſie hierüber befragt/ nicht ſagen koͤnnen. Vor der Pforten dieſes Pallaſts iſt ein Weyer mit einem trockenen Canal. Der Boden dieſes Canals iſt von gebackenen Steinen/ wie auch das Gewoͤlb/ ſo dem Boden gleich/ und eben iſt/ die Araber halten dafür/ 9 80 125 Leitung des Waſſer von dem ſen. Wir funden an dieſem Ort nichts anders als Datteln/ Trauben und Mandlen/ die uns theur verkaufft wurden. Wann Pilgram hinkommen/ ſo doch ſelten heſchicht/ und die Mittel ſich zu erhalten nicht haben/ laͤſſet der Schel denſelben zu Mittag Reiß in Waſſer und Saltz geſotten/ mit ein wenig Butter darauf/ außtheilen. Dann es iſt daſelbſten keine Weyd das Vieh zu erhalten/ und derowegen findet man kein Fleiſch alda/ dasargſte iſt 195 daß auch kein Holtz da zu bekommen iſt. Wir ſetzten unſere Reiſe fort/ da zwey Tagreiſe von dem Flecken 55 um 1000 ue Vorknittag/ zween junge Arabiſche Herren/ welche under ſich den Namen Soldan haben/ bey uns ankamen. Es waren zween Bruder/ einer ſiebenzehen/ und der andere dreyzehen Jahr alt/ und als wir noch lagerten/ lieſſen ſie jhre Zelten nahend den unſeren aufrichten. Dieſelbe wayen von ſchoͤnem Scharlachtuch/ F 3 und 66 Reisbeſchreibiung in Perſien, und tvie dieſe Zelten innen in underſchiedliche Kammern abgetheilet/ ware die eine gleichſam eine doppelte/ nemlich eine kleinere under der oberen von rohtem Sammet/ mit einer breiten ſilberen Gallaunen. So bald dieſelben in jhren Zelten ſich befunden/ gienge unſer Cara vanbachi, den ich begleitete/ ſie zu begrüſſen. Als ſie vernommen/ daß Fremde bey der Caravane waren/ lieſſen ſie mich fragen/ ob ich nicht etwas ſonderbares zu verkauffen/ darauf meine Antwort geweſen/ daß ich nichts für ſie würdiges hakte. Aber dieſelbigen wolten mir nicht glauben/ ſondern befahlen dem Caravanbachi unſere Kiſten hintragen zu laſſen/ die man in ihrer Gegenwart offnen muſte. Der Ober⸗Stallmeiſter des einen der zween Herren/ wolte nicht geſtatten/ daß jemand jhrer Leuten/ bey den Truhen bliebe/ ſo lang ſolche offen waren/ damit wir nichts verluhren: dann obſchon under den Arabern guten Theils ſich auf das Rauben und Stelen beſteiſſen/ ſo ſeynd doch auch deren/ die Aufrichtigkeit und Ehre lieben/ gleich wie under den Chriſten beſchicht. Ich führte mit mir einen jungen Mahler/ der in ſeiner Truhen viel illuminierte Kupferſtuck/ von Landſchafften und Bilderen hatte/ und under anderen underſchiedliche Bruſtbilder von Hof⸗Damen. Dieſe junge Herren nahmen allein dar von zwantzig Stuck/ die jhnen beliebten/ und die ich denſelben verehrte; aber ſie gaben zu verſtehen/ daß jhre Meinung/ ſolche zu bezahlen/ ſonderlich der Jungere/ ſo der tapferſte zu ſeyn/ das Anſehen ha. te. Es ware bey mir auch ein Barbierer und dieſer junge Herꝛ war hoch erfreuet/ daß er jhme ſeine Zaͤhne/ die verderbt/ außbutztewelches zu deſſen gutem Genügen/ mit einer Feile beſchehen. In wahrender dieſer Zeit/ wurde die Mahlzeit für ſie zubereitet/ und ſie ſchickten fur den Caravanbachi für mich und die Meinigen/ das Beſte ſo ſich befande. Der Caravanbachiĩ hingegen/ beſchenckte dieſelben mit einem halben Stuck Scharlach/ und zwey Stuck Gold ⸗ und Silber⸗Brocatel. Als wir nach dem Nachteſſen Abſchied von jhnen nahmen/ nahete der junge Soldan ſich zu mir/ und nohtigte mich zwolff Ducaten für die Kupferſtuck zu nehmen/ und wir waren ſo bald nicht bey der Caravane zuruck/ daß ſie uns zwey Körbe mit Dattlen/ der ſchoͤneſten und beſten/ die wir ſeith unſerer Abreiſe von Alepo gefunden/ überſchiekten. Zu QMikternacht brachen dieſe Fürſten auf/ den Weg nach dem Euphrat gegen Norden nehmend. Wir verreiſeten bald nachdeme ſie hinweg/ auch dem Euphrat zu nahen/ aber wir wendeten uns gegen Morgen. Nac piertägiger Reiſe/ kame einer der machtigſten Arabiſchen Emirs welcher von Suden gegen Norden ſich lenckte/ über unſere Straſſe. Derſelbe ware eine Per ſon von 50. Jahren/ wolgeſtalt und anſehnlich/ und hatte allein 2000. Pferd bey ſich von 25. oder 30. tauſend/ ſo etliche Tage zuvor/ wie uns geſagt wörden/ vorher geritten. Dieſen 2000. Pferden folgten 50. Kameel mit Weibern beladen/ deren Cajavas oder Kaͤſten/ waren ut Scharlach⸗Tuch daran ſeidene Frantzen/ bedeckt. In mitten dieſer Kamelen befanden ſich ſechs von Verſchnittenen umgeben/ und der Caſavas Frantzen waren von Seiden mit Gold und Silber gemangt. Die Araber erzeigten ſich nicht ſo eiferſüchtig für jhre Wilber wie die Tuͤrcken und Perſianer/ und geleiteten dieſe Kameel nach langs unſerer Caravane, uns von unſerer Straſſe keines wegs/ wie anderſtwo beſchiehet/ vertreibende. Sie lagerten ſich ein Viertel⸗Meil von dannen/ eben an dem Ort/ da wir wegen der Komlichkeit 5 oder vier Waſſer⸗Trancken/ die uns hiemit benommen wurden/ zu halten/ willens waren. Dieſer Arabiſche Furſt hatte viel ſchoͤne Pferde mit köͤſtliehem Zeug/ auch viel ohne Sattel und Zaum; dann der Reuter mit elaabiſche einer ſchlechten Rute/ das Pferd leicht hin Verde und wieder leiten/ und im lauffen bey dem Hals⸗Haar halten könte. Dieſer Pferd ſeund einige in ſehr hohem Preis/ wie anderſtwo gemeldt werden ſolle/ und zu wiſſen iſt/ daß ſolche nicht beſchlagen/ und 24. Stund ohngetruncken ſeyn konne. i Unſer Caravanbachi, der ſich leicht einbildete/ daß er von einem ſo machtigen Fuͤrſten nicht mit leerer Hand em kommen wurde/ war auf die Verehrung ſo jhme gethan werden konte/ bedacht. Es befande ſich bey der Ca- Die Cams. ravane ein Kauffmann/ der von Conſtantinopel einen koſtbaren Sattel mit Zaum und uabiſchen Steigbugel/ alles mit dichtem Silber beſetzt/ dürften. ſo dann einen reich geſtickten Kocher ſamt den Pfeilen und dem Schild/ mitgebracht; alles zuſamen ohngefahr auf eilff oder zwoͤlff hundert Francken werth/ geſchatzt. Darzu thate der Cara vanbachi ein Stuck Scharlach/ vier Stuck Gold⸗ und Seiden⸗Brocatel/ und 6. andere von Silber und Seiden/ und lieſſe alles diß zu dem Fuͤrſten tragen/ denſelben damit zu beſchencken. Aber er wolte von allem dieſem nichts annehmen/ ſondern bezeugte allein/ daß jhme ein Gefallen beſchahe/ wann wir Larins gegen zweymal hundert tauſend Piatres, demſelben abnehmen thaͤten/ welches ſagte er/ uns nicht entgegen ſeyn konte/ weil ſolches gangbare und lauffige Muntz in dem Land ware/ dahin wir reiſeten. Wie nun dieſt Außwechslung jhme zu groſſem Nutzen/ den Kauffleuten aber hingegen zu nicht geringem Schaden gereichete/ ware darüber ein harter Streitz aber endlichen/ in Betrachtung/ er uns daſelbſten hatte aufhalten und verderben laſſen koͤnnen/ wurde einen Verglich zu machen getrachtet/ daß nemlichen er ſich mit der Helffte begnuͤgen mochte/ wie quch geſchehen. Ob er ſchon wie droben gemeldt/ die Verehrung anfangs nieht wolte/ nahme er doch den Sattel/ Zaum und Stiegbugel/ ſamt dem Kocher/ Pfeil und Schild an/ und vielleicht haͤtte er nichts genommen/ wann man jhme die zweymal hundert tauſend Piaſtres, wie er begehrt/ vollig gelieffert haͤtte. Zween Tag wurden zugebracht/ ſolche zu zehlen/ und zu wagen/ und ſo lang ſchickte der Fürſt den n f en 3 1 Anderes Buch. ſten der Caravane, Speiſe genug/ und bey dae Aufbruch 9 5 er uns zwoͤlff Koͤrbe mit Dattlen/ vier junge Kamel/ deren jeder 35. oder 40. Kronen werth geweſen ſeyn moͤchte. d Zween Tag hernach/ begegneten wir einem Scheken, ſo under den Arabern das Haubt des Geſatzes iſt. Er reiſete durch einen Theil des Reichen Arabien nach der Ne. que, ſein Geleit beſtunde in 10. oder 12. Kameelen. Er bliebe die Nacht über bey uns/ und als einer ſeiner Knechten ſeith zween Tagen/ von einem Mußqueten⸗Schuß gefährlich verletzt ware/ verbund ihne mein Barbierer/ und gab demſelben Salbe und Meiſſel/ damit beſchahe dem Schelk ein groſſer Gefallen. Er ſchickte mir zum Nachteſſen eine groſſe Schuͤſſel mit Pilau, und den folgenden Jag bey feinem Abſchied ein Schaaf. Unſer Caravanbachi verehrte jhme zwo Ehlen Scharlach. 1 ö Dien anderen Tag begegnete uns nichts merckwürdiges: aber den dritten traſſen wir 7 nennete einen Araber der Vornehmſten ſeines Hofes/ um uns bis nach Balſara zu begleiten/ und den Barbierer mit den Mikklen wiederum zuruck zu bringen. Er bliebe drey Tag daſelbſt/ in welcher Zeit wir mit dem Araber in vielen Kraͤmen geweſen/ und ſolche Dinge begehrt/ die/ wie uns wol hetwvuſt/ nicht zu finden waren/ welches uns bann zur Entſchuldigung/ und des Arabers mit Manier loß zu werden/ dienete; derowegen wir denselben zuruck wieſen/ jhme zu verſtehen gebend/ daß der Barbierer ohne die Materialien und Artzney/ ſo wir nicht funden/ nichts fehaffen konte. Die Reiſe des ganzen folgenden Tags/ nachdeme uns der Arabiſche Hürſt verlaſſen/ ware noch dürch ein unbewohntes Land. Aber den dritten/ welches der fünff und ſechtigſte und letſte Tag/ ſo wol unſer Reiſe/ als Aufenthalt in der Wuſten war/ funden wir eine zeitlang beederſeits der Straſſen/ groſſe alte Mauren von zerſtoͤreten Hauſeren/ ſo zu erkennen gabe/ daß ſolches Gaſſen und aldort vor dieſem eine groſſe Stadt geweſen ſeye. ein anderen Emir an/ ohngefahr 2. Jahr alt/ deren/ Der Here Endlich kamen wir nach Balſara, Nd welcher von dem Euphrat kam/ und ſeinen a wie auch der Stadt Bagdat Beſchreibung/ konte nach Weg gegen dem Reichen Arabien nahme. Derſelbe hatte mit ſich bey 50. Pferd und 30. Kameel mit Weibern beladen. Er ſchickte alsbald die Cara vane zu beſichtigen/ und als er vernahme/ daß Fremde/ auch under anderen ein Balbierer dabey ſich befande/ lieſſe er den Caravanbachi bitten/ mit der Caravane bis an den jenigen Ort/ da er ſein Lager nehmen wolte/ zu folgen/ welches für uns kein Umweg ware. Wir hatten zwar unſere Rechnung nicht gemacht/ denſelben Tag ſo weit zu reiſen; aber dieſe Begebenheit bekam uns wol/ ſintemalen toir alldg das beſte Waſſer in der gan15 Wuſten funden. Nachdeme des Füren Gezelt aufgerichtet war/ lieſſe er meinen Barbierer zu ſich forderen/ und ich gienge mit demſelben/ zu ſehen warum es zu thun. Er hafte an dem lincken Arm ein Zitkermahl/ mit einem heßlichen Grind/ in Groſſe eines Thalers/ und dieſes Zitter mahl verſchwunde/ And erzeigte ſich jahrlich wiederum in gewwiſſer Jeit. Als er fragte/ ob müglich ware/ ſolches zu heilen/ antwortete mein Barbierer/ daß es wol beſchehen koͤnte/ dafern man die darzu erforderlichen Mittel und Artzneyen hatke/ und daß dieſelben zu Balſara, davon wir nur zwo Tagreiſe entfernt/ zu finden waren. Dann wann er frey ohne Vorbehalt der nohtwendigen Mittlen geſagt hatte/ daß er den Furſten heilen koͤnte/ ware ich in Gefahr geweſen/ meines Barbierers/ welchen dieſer kmir ohne viel Umſtande/ mit ſich geführt haͤtte/ verluſtig zu werden. Der Furſt wolte dem Barbierer auf der Stett 500. Kronen überlieffern laſſen/ um was er für ſeine Heilung rahtſam erachten wurde/ einzukauffen/ aber ich lieſſe jhme durch den Barbierer anzeigen/ Daß ſolches nicht ſo viel koſten wurde/ und daß/ wann er die nohtwendigen Sachen zu kauffen fude( er das Gelt gern vorſchieſſen werde. Der Fürſt mit dieſer Antwort zu frieden/ erwann ich den Weg durch den Euphrat neh⸗ Balara. men werde/ folgen ſolle. Der Pater Viſitator, von deme im Eingang dieſes Capitels Meldung beſchehen/ wolte nicht geſtatten/ daß ich anderswo als bey der Carmeliter Hauß/ abſtiege/ alda ieh drey Tag bliebe/ nach deren Verſſieſſung nahme ich mein Loſarnent für mich und mein Geleite/ in der Stadt. Den anderen Tag unſerer Ankunſſt/ erfriſchte ich mit denen daſelbſten ſich befundenen Francs, die Freudenbezeugung/ welche in allen Stadten meiner Reiſe/ auf die dahin gebrachte Bott ſchafft/ der Geburt des Konigs/ beſchahe. Die Carmeliten und Auguſtlner/ obwol jene Italiaͤner von Nation/ und dieſe Portugeſen waren/ underlieſſen nichts deſtoweniger/ Vormittag das Freudenfeſt in jhren Kirchen zu begehen/ und auf den Abend aſſen wir alleſamt mit ein anderen zu Nacht; dieſe Geiſtlichen hatten trefichen Wein/ ſo ihnen von Goa durch die Portugeſiſchen Schiffe uberſchickt worden. 5 In der Zeit da ich mich zu Ballara gufgehalten/ ſo ohngefaͤhr drey Wochen/ kame daſelbſten ein Ambaſſador des Groß⸗Mogols von Conſtantinopel an/ welcher zu Bagdat war/ dem Turckiſchen Keyſer wegen Eroberung dieſer Stadt/ die in wenig Zeit beſchehen/ Glück zu wünſchen. Ihr Hoheit verehrten demſelben ſehr ſehoͤne Pfeld/ und eine kleine ſehr kunſtliche Uhr/ deren Gehauß gantz mit Rubin und Schmaragd Überſetzt war. Der Abgeſandne annoch unerfahren wie mit dieſem kleinen Werk umzugehen/ underſtunde die Uhr aufzuziehen/ aber er thats verkehrt/ daß die Seite zerbrach. Wie nun ſolches ein Geſchenck von dem Türckiſchen Keyſer geweſen/ war er darüber nicht wenig betrübt/ und weiler vermeinte die Francken haßten in allen Dingen eine Wiſſenſchafft/ ſchickte er alſobalden in der Carmeſiter⸗Hauß/ dieſelben zu bit84 ten/ Dann er befoͤrchte es moͤchte ſeinen Kopf gelten/ dafern er dieſes Stuck ſeinem Herren nicht gantz und vollkommen uͤberbraͤchte. Die Geiſtlichen/ welche ſich auf das Uhrwerck nicht verſtunden/ aber mich davon reden gehoͤrt/ wol erachtend/ daß ich hierinn nicht allerdings unwiſſend ware/ baten mich dem Abgeſandten/ deſſen Credit ſie hiernechſt benohtiget ſeyn moͤchten/ dieſen Dienſt zu beweiſen. Ich ware des Uhrwercks jederzeit ein beſonderer Liebhaber/ und hatte manchmal meinen Luſt eine Uhr von einander zu thun/ alle Stucke eigentlich zu beſichtigen/ und wiederum zuſamen zu richten/ um in den jenigen Landen/ da keine Uhrenmacher ſich befinden/ die Uhren die ich bey mir hatte/ entweder fur meinen Gebrauch/ oder Verehrungen zu thun/ wann ſolchen etwas fehlete/ wiederum ſelbſten zuzurichten. Ich erbotte mich demnach willig auf der Geiſtlichen bitten/ eine Seiten an des Abgeſandten Uhr einzurichten welcher/ als er vernomen/ weme er für dieſen Dienſt ver pflichtet/ ſo derſelbe hoch ſchatzte/ wiewol es meines Theils ein geringes geweſen/ und daß ich willens ware in Perſien und Indien zu reiſen/ kurzum mich bey 68 Neis beſchrekbung in Perſanten ſeine Uhr wiederum zu recht zu ruͤſten. derkunfft in Indien/ dem Groß⸗Mogol die für deſſen Marckſtall mitgebrachte Pferde/ die uberauß ſchoͤn befunden worden/ gelieffert/ und daneben angezeigt/ daß er auf ein anders/ ſo an Schoͤne und Gute alle dieſe ubertroffe/ god o. Kronen gebotten/ aber der Verkauffer auf 10 tauſend veſt gehalten/ er ſeines Theils auch widerſetzlich geweſen/ nicht mehrers als die 8000. geben wollen/ und das Pferd gelaſſen. War der Mogol/ daß ſein Abgeſandter jhme dieſes Pferd nicht gebracht/ und für einen ſo machtigen und den reicheſten Koͤnig in Aſien ein geringes angeſehen/ Aber die maſſen erzoͤrnet/ hielte demſelben ſehr ſcharff dieſe ſpoͤttiſche Kargheit vor/ verbannete jhne für jmmer von ſeiner Gegenwart/ mit Verweiſung in eine von ſeiner Reſidentz weit entfernter Landſchafft. Darauf der Konig alſobald den Engellaͤndern um dieſes Pferd zuſchreiben laſſen/ welches erkaufft/ und nach Surate gebracht/ auch von dem Gubernator daſelbſten bezahlt wurde. Aber zum Unglück ſtarbe das Pferd zwiſchen Surate und Agra, entweder wegen Enderung des Lufts/ oder der Nahrung.* Allhier ſolle zu vermelden nit vergeſſen/ daß in der Zeit da ich zu Ballara ware/ zum zweyſich haben wolte/ und verſprache mir ſehr gule ten mal daſelbſten eine ſolche groſſe Menge Große men: Gelegenheit/ ſo ich aber nicht annehmen koͤn⸗ Heuſchrecken vorüber geflogen/ die von ferne, te. Damalen beforchte man/ daß der Tüͤrcki⸗ einer groſſen Wolcken gleich geſchienen/ und N Hyſthate und theure Pferde. ſche Keyſer Balſara wegnehmen wurde/ weil derſelbe ſonderlich ein Aug auf dieſe reiche Stadt hatte/ ſich deren zu bemachtigen/ welches aber vor Eroberung Bagdat nicht beſchehen konte. In dieſen Forchten bezeugten die Patres Carmeliten und Auguſtiner/ daß ich jhnen ein groſſen Gefallen thun wurde/ den Ambaſſadoren zu bitten/ für ſie eine Salvaguardi von dem Groß⸗Vezier außzubringen/ danit wann die Turcken Balſara eroberten/ hre Hauſer und Kirchen beſchutzt und erhalten ſeyn mochten. Ich erhielte dieſe Commiſſion alsbald/ und der Abgeſandte erlangte/ auf ein an den Groß⸗Vezier abgangen Schreiben/ ſein Anſuchen. Aber das Vorhaben der Tuͤrcken auf Balſara zu gehen/ wurde nicht in das Werck gerichtet/ weil ſie vernommen/ daß der Konig in Perſien mit einem ſtarcken Heer ſich naherte/ und uͤber das/ die Regenwetters⸗Zeit vorhanden/ da nicht muͤglich in dem Feld zu beſtehen/ wie dann der Turckiſche Keyſer/ wann derfelbe acht Tag ſpaͤter für Bagdar geruckt/ die Belagerung auch wiederum hatte aufheben muſſen. f Droben habe ich etwas von Güte der Arabiſchen Pferde/ Andeutung gethan/ und ſeynd den die auf einen ſehr hohen Preis kommen. Nachdem der vorbemeldte/ des Mogols Abgeſandter/ etliche Pferde für drey/ vier und und ſechs tauſend Kronen das Stuck/ gekaufft/ bote er fr ein anders ungemeiner Schoͤnheit/ bis 9000. Kronen. Aber man wolte jhme ſolches nicht under oo. Kronen erlaſſen/ un obſchon ſein Vorhaben ware/ daſſelbe für ſeinen Herren den Konig zu kauffen/ wolte er jedoch nicht ſo viel aufwenden/ und underlieſſe den Kauff. Als derſelbe nun bey ſeiner Wiedavon die Luft gantz ver finſtert geweſen. Dieſes Ungeziefers fliegen gewohnlich des Jahrs vier oder fuͤnff mal zu Balſara durch/ und nachdeme der Wind ſolche uber den Euphrat getrieben/ fallen ſie in der Wüſten zu Boden/ allda ſie vermuhtlichen alle ſterben. Wann dieſe Heuſchrecken nicht alſo durchgiengen/ bliebe in vielen Orten in Chaldea nichts auf der Erden uͤbrig. Es finden ſich deren eine groſſe Anzahl nach langs des Perſiſchen Meerbuſens/ und wann die Schiffe in der Zeit nach Ormus anlangen/ findet man in kleinen Kramen dieſer Heuſchrecken in Butter geroͤſt/ für die jenigen/ welche dergleichen Gekoͤche Liebhaber feynd/ zu kauffen. Ich ware begierig einsmals den Leib einer dieſer Heuſchrecken die ſechs Zoll lang war/ aufzuſchneiden/ und funde darinn ſiebenzehen kleine/ die alle ſich regten/ daher zu urtheilen wie ſehr dieſes Ungezieffer/ ſonderlich in warmen Laͤnderen/ ſich vermehre. Von Ormus gehen gar oft Schiffe mit Dattlen beladen ab/ um damit den Perſiſchen Meerbuſen beederſeits zu verſehen/ fintemal daſelbſten weder Brod noch Reiß geeſſen wird. Ich vergliche mit einem Schiffer/ und bedingte/ daß das Schiff nur halb geladen werden ſolte/ weil man gemeinlich ſolche überladen thut/ und demnach wann ein Sturm entſtehet/ man oft genohtiget wird ein Theil der Labung/ um das übrige zu erretten/ in das Meer zu werffen. Von Balſara bis an den Außlauff des Eud phrats/ werden 20. Meil Wegs ſuß Waſſer gezehlet/ und wird die Reiſe in einer Seeſſuth/ die ſelbiger Enden ſtarck ſeynd/ verrichtet. Wir warteten 7. gantzer Tag auf guten Wind/ und nachdem ſolcher endlich für uns gut e, 8. den/ ———ͤĩ ů¾⅛ m é 2 Anderes Buch. den/ fuhren wir in 48. Stunden an Bangdlerric. Diß iſt der Ort da man anlaͤnden muß nach Perſien zu reiſen/ es ware dann/ daß man bis nach Ormus hinab fahren wolte. Zu Banderric ſeynd allein 5. oder 6. ſchlechte Fiſcherhutten/ von Hürden gegen einanderen aufgericht/ under welchen ſie ſamt jhrem Haußgeſind die Wohnung haben. Daſelbſten werden Eſel die man mit Dattlen zu beladen pflegt/ gefunden/ deren muſte ich mich in Mangel der Pferde für meine Perſon/ Leut und Bagage bedienen. Wir waren bis nach Cazerom 6. Tag under wegs. Es iſt ein bergicht Land/ an theils Orten mit Holtzern umgeben; aber man muß alle Nacht auf dem eld lagern/ weil weder Dorfer noch Wirtshaͤuſer auf dieſer Straß gefunden werden. Der Weg iſt an etlichen Orten luſtig/ und gehet neben vielen kleinen Waſſerlein/ da eine groſſe Menge Turteltauben ſich ſehen laſſen. Wir toͤdteten derſelben viel/ und aſſen theils in Pilau an ſtatt der Huͤhner/ theils an einem hoͤltzernen Spiß gebraten. Dan wir hatten von Reiß/ Butter und Mahl/ guten Vorraht gemacht/ und alle Abend lieſſe ich auf die Manier/ wie in der Wuſten beſchicht/ Brod backen. 1 3 Cazerom iſt nur ein kleine uͤbel gebaute Stadt/ darinn allein ein ſchlecht Garvanſera, in welches einzukehren/ die Reiſenden wenig Luſt haben. a e Tagreiſe meiſtentheils in ſehr rauchen Bergen/ und man konte an vielen Orten ohne gute Anſtallt des Ali-Couli-Kan Gubernators von Schiras, von deme anderſtwo Meldung beſchehen ſolle/ und welcher in Perſien ein groſſes Geſchrey verurſachet/ nicht durchkommen. Derſelbe hatte Weg wo keine waren/ und Brucken von einem Berg zu dem anderen machen laͤſſen/ ohne welches unmuͤglich geweſen ware durch diß Land zu kommen. In mitten dieſer Bergen iſt es offen/ und eine Ebene ſo iy. odes 20. Meil im Umkreiß ſich erſtrecket/ und allein von Juden bewohnet wird/ welche ſeiden Zeug machen/ und uns koͤſtlichen Wein/ deſſen ich einen Vor ruht bis nach Schiras genug zu haben/ gemacht/ brachten. In allen dieſen Bergen findet man nur Hutten der Hirten/ die auß Chaldeg kommen/ und allda die Kuͤhle und Weyde in waͤhrendem Sommer zu ſuchen. i Die Stadt Schiras wil ich beſchreiben/ wann ich auf den Weg von Iſpahan nach Ormus koinmen werde/ ich melde jetzo allein/ daß nachdeme ich daſelbſten 4. Tag in der Carmeliter Loſament geblieben/ Pferde nach Iſpahan/ alda ich in neun Tagen angelangt/ bedungen. Das Land zwiſchen dieſen zwo Stadten/ iſt von Bergen und Ebenen/ brach und gebauten Felderen. Drey Tagreiſe von Schiras, gehet man uber den Berg Mayen, eine kleine Stadt da nichts merckwurdiges. Zween Tag weiter komt inan in die Ebene der Landſchafft Oulcuzar, da des Koͤnigs in Perſien Studterey. Den anderen Tag kame ich nach Veſdecas, alda/ wie anderſtwo ver meldt/ das beſte Brod in Perſien gebgeken wird. Es iſt ein kleine Stadt auf 69 einein Felſei/ da kin ſehr ſchoͤnes Oarvanſera oder Wirtshauß. Ein kleiner Fluß lauft neben der Stadt hin/ in ein Thal/ daher ſehr koͤſtlich Korn gebracht/ und davon das gute Brod ſo man in dieſer Stadt iſſet/ gemacht wird. In 3. Tagen kame ich von Veldecas nach Iſpahan/ alda alſdbalden durch die mitgebrachte Zeitung des Koͤnigs Geburt/ alle Franctzoſen mit Freuden erfüllet waren. Sie gien8 dazumalen Cha-Sef des Cha-Abas Enckel geweſen/ anzuzeigen. Wie die Frantzoſen zu IſpaDer Here. Tavernier, komet nach Iſpahan. gen ſamtlich ſolches dem Konig in Perſien/ ſo han beliebt/ ware nit noͤhtig/ wie in Türekey beſchehen muß /umErlaubnuß zu bitten ein reuden⸗Feſt zu begehen. Viel Armenier die in Franckreich geweſen/ waren auch der Partey man machte Freudenfeur/ und darauf wurden d viel Gaſtmaͤhler gehalten; Als ich etliche Tag hernach den Konig beſuchte/ ſagte er mir/ daß er vernomen/ daß wir uns wegen eines Sohns ſo dem Konig in Franckreich geboren, frolich gemacht. In meiner Beſchreibung Indien/ wil ich vermelden/ wie weit ich dieſe wichtige und gute Bottſchafft gebracht/ und wie ſolche in einer jeden Landſchafft dieſes groſſen Reichs aufgenommen worden. f Das durch Meſopotamien und Aſſirien/ deſſen ſich der Autor in ſeiner dritten Reiſe gebraucht. g a Eine dritte Reiſe in Aſien zu thun/ brache ich zu Paris auf den 6. DeY cember Anno 1643. und nahme meinen Weg hach Livorne, alda ich die Hollandiſche Flotte/ ſo in Orient zu ſeglen bereit ware/ WWMWMMDaon dem Weg von Alepo nach Iſpahan Von Cazerom nach Schiras, ſeynd füͤnff 9 800 1 6 paß Des Heren Taverniers dritte Abreis nach Liot110. angetroffen. Das Schiff auf welches jch mich begabe/ ſchiene vieltnehr einem Kriegs als Kauffahrer⸗Schiff gleich/ hatte y. Stuck Geſchütz/ und waren der Schiff⸗Patron und Büͤchſenmeiſter/ von Perſon wackere Leut. Wir ſchiffeten durch den Canal zu Meſſina, und blieben 4 Tag lang vor der Stadt under Ancker. Und als wir von dannen durch Moreen ſchiffeten/ fuhren wir mit einandern in den Archipelagum, allda die Schiffe ſich theilten/ und jedes die Fahrt nach dem Ort/ dahin ſolches beſtimmet war/ nahme. Das jenige darauf ich mich befande/ uichtete ſich gerad gegen Morgen/ um Alexandretten zu erreichen/ und ware bis dahin unſere Schiffahrt zimlich gluͤcklich/ auſſert daß ſolche um etliche Tag in Begegnung eines Seeraͤubers an der Okientaliſchen Spitzen Candien/ verhindert worden. Wir hatten die gantze Nacht uber guten Wind/ und wie der Tag anbrach/ ſahen wir uns ungefähr eine Meil weit von einandern. Wie das Meer ſtill ware/ lieſſe der Seerauber/ ſo ein groſſes Schiff von 40. in J. Stucken 1 zu ſeyn ſchiene/ ſeine zwey Boot in die See gehen/ um zu trachten/ uns bis auf ein Canonſchuß zu naͤhern. Wir/ die ſich jenem nicht gewachſen genug hielten/ trachteten/ in 9 deme giengen ſtarcker/ und nach anderhalb Stunden Arbeit/ da ſie ohngefahr ein Canonſchuß weit vonuns waren/ giengen ſie wiederum zuruck/ in Gefahr umgeſtürtzt zu werden/ ſintemal unſer deme die anderen naherten/ uns zuruck zuziehen; aber obſchon unſer Schiff der Ruderen ſich bediente/ und unſere Bootsleut/ ſo wir auch außgelaſſen/ von allen Krafften zogen/ konten wir doch nicht weit entkommen. Die S eerauber Conſtabel eine gantze Stunde lang auf Gelegenheit gelauret/ auf ſie loßzubrennen/ welches er auch gethan hatte/ wann er belunden/ daß er ſolche erreichen koͤnte. Underdeſſen hatten wir mit rohtem Tuch Palliſaden um das Schiff gemacht/ und ein jeder brachte ſeine Madratzen/ um auf der Seite gegen den Seeraubern unſer Schiff zu fuͤtern. Als nun dieſelben geſehen/ daß ſie uns nicht beykommen konten/ beſchahen vier oder fünff Schuß auf uns/ die uͤber unſer Schiff giengen/ und uns nicht das geringſte Schaden tharen. Unſer Conſtabel antwortete jhnen mit gleich ſo viel Schuſſen/ derer einer jhren vorderen Maſtbaum niderſchlug/ und von dry anderen/ die er doppelte/ gienge einer/ wie wir urtheilen konten/ in die vordere Kamer jhres Schiffs/ und machte etliche der jhrigen nider. In dieſem Augenblick rufft einer unſerer Bottsknechten/ welcher oben auf dem groſſen Maſt die Wacht hatte/ Schiff ſo von Suden komt. Wir ſahen zugleich daß der Seerquber ſein Schiff wendete/ um auf dieſes Schiffloßzugehen/ deßwegen wir froh waren: dann wan jhr vorderer Maſtbaum nicht gebrochen/ und der Wind jhnen ein wenig gunſtig geweſen ware au uns zu kommen/ ſie uns ohnfehlbar haͤtten Mühe gemacht. Dann gegen dieſen SeeDer Her: Tavernier reiſet nach Alepo. raͤubern/ ſo drey oder vierhundert wol bewaffnete Mann ſeyn mochten/ waren wir nur in geringer Anzahl/ und wann ſie ſich anhangen koͤnnen/ hatten wir bald dem groͤſſeren Hauffen weichen muſſen. 1 c Di.iß iſt alles/ was uns in unſerer Schiffahrt von Livorne nach Alexandrette begegnet/ Ada wir glücklich angelangt/ und von dar/ reiſete ich ſamt meinen Leuten zu Pferd/ bis jhres Ordens/ die in wenig Tagen von Caire ankommen ſolten/ zu erwarten. Weil die Caravane zum mehreren Theil in Chriſten beſtunde/ fiele mir um ſo viel leichter/ die Geſellſchafft zu bereden/ hre Abreiſe aufzuſchieben/ als wann die Türcken in groſſerer Anzahl geweſen/ und zudem/ weil die Faßnacht nahe/ ware vielen lieb ſolche zu Alepo zu halten/ und vor jhrem Abſchied ſich zu erluſtigen. Die zween Capueiner kamen an zu Alepo am Faßnacht⸗Sontug/ welches der lekſte Tag/ da dieſe Geiſtlichen/ und auch die Armenier/ vor der Faſten Fleiſch eſſen. Wir erlaubten denſelben den gantzen folgenden Tag/ um ihre Geſchaffte zu beſtellen/ und an dem Faßnacht⸗Tag aeisbeſchreibung in Perſien, begaben wir uns mit der Caravane auf den Weg/ die beſtunde allein in Pferden und Maulthieren/ an der Zahl bey dreyhundert. Den 6. Marti 1644. reiſete ich von Alepo in Geſellſchafft der zween P. Capueiner ab; der eine iſt annoch zu Iſpahan bey Leben/ Nahmens Pater Raphael/ von welchem ich oft Meldung zu thun/ Anlas haben werde; der andere ware Pater Vves, und iſt zu Surate in Indien/ alda ich jhme ein Grab und Grabſchrifft machen laſſen/ geſtorben. Bey der Caravane befande ſich auch ein Venetianer/ Namens Dominico de Sanctis, von welchem ich bald Meldung thun werde/ ſintemalen die Geſchicht. zimlich merckwürdig. 5 Von Alepo nach Bir, alda man uͤber den Euphrat fahrt/ ſeynd 4. Tagreiſe mit der Caravane zu Pferd. Das Land dadurch man reiſet/ iſt zimlich gut/ und mehrertheil wol gebauet. Wir uͤbernachteten denſelben Abend zu Arabkoui einem kleinen Flecken/ mit einer einigen Carvanſerie.. 5 Den ſiebenden ware ein ſtarcker Regen uns verhinderlich/ daß wir den gewohnlichen Außſpann nicht erreichten/ und nicht weiter als Telbechar ein anderer Flecken da kein Carvanſerie, kommen konten. Wir waren genoͤhtiget eine Meil herwarts zu verbleiben/ und in einer Hohle/ da ſich bey drey tauſend Pferden aufhalten koͤnnen/ unſer Loſament zu nehmen. Das iſt ein Ort/ dahin oft die Beduins oder Hirten da herum/ welche auf Arabiſche Manier ein Leben führen/ und keine andere Wohnung als Felſen und Hutten haben/ ſich begeben. Dieſe Hoͤhle iſt nach und nach gegraben worden/ und ſeynd darinn viel Locher kleinen Kammern gleich. Unſer Caravan- Bachi ſich einer Hinderliſt beſorgend/ ware vorſichtig/ und ritte vorher um den Ort zu beſichtigen. Als er ſolchen leer befunden/ blieben wir daſelbſten 2 e und den folgenden Tag den achten Marti/ gewunnen wir die wegen des Regenwetters verſaumte Meil/ und kamen nach NMezara zu uberuachten. Es iſt nur ein Dorf oh8 0 ne Carvanſera, und auf dieſer gantzen Reiſe nach Alepo, durch eben den Weg/ welchen ich in vorhergehendem Capitel beſchrieben. Ich ware bereit von a lepo den al. Februari/ mit der Cara vane die gang fertig ſtunde/ zu verreiſen: aber die Capuciner balen mich inſtandig/ dieſelbe aufzuhalten/ um zween Geiſtliche nichts merckwuͤrdiges zu ſehen. Ich wil mir allein andeuten/ daß bey dieſer obbemeldten Hoͤhle/ ſo in einem Berg iſt/ ſehr gut zu finden/ und vor die ſem eine Veſtung/ wie einige Merck zeichen zu erkennen geben/ alda geweſen. Auf dem Berg werden aller Orten Ebene/ ſo weit als das Geſicht reichen mag/ geſehen/ und an viel Orten iſt ein gut Land/ durch Canal auß dem Euphrat gewalſert. Alle Baft che daruber man von Alepo bis nach Bir reiſet/ kommen auß dieſem Fluß/ davon ſolche geleitet ſeynd/ um das gantze Land zu waſſern/ welches b ohne diß unfruchtbar ware. N 5 Den vierdten Tag umers Aufbruchs von Alepo, ſo der neunte Mertz ware/ kamen wir an den Ufer des Euphrats. Weil Bir jenſeit und die nen abgeladen werden/ iſt diſſeit des Fluſſes ein ſchoͤn und groſſe Carvanſerie? ſo wol zugeſchloſſen werden kan/ und dahin begibt man ſich in Verwahrung vor den Bedoũins, welche 8 ſonſten Waſſer Waaren oft in einem Tag nicht kon—— ů ů ä 7— e 8 Keiſet uber den Euphrat. ſonſten die Kaufleut anfechten und berauben thaten/ wann dieſelben nicht in einem wol beWee und ſichern Ort waren. ber den Euphrat fahrt man in groſſen Kaͤhnen und ſo bald man drüber iſt/ komt der Zollmeiſter ſamt ſeinem Bedienten/ alle Ballen zu zehlen/ und der Kaufteuten Namen/ denen ſolche zuſtändig ſeynd/ aufzuschreiben. Die Caravane kon hit in die Stadt/ welche gleich einem Amphiteatro an kinem ſehr gahen Berg erbauet/ ſondern peiſet neben hin/ durch einen ſehr mühſamen Weg /zu einer Caxvanleries ſo auf dem Berg iſt. Um daſſelbe ſeynd viel Kammern in Felſen eingehauen/ da die jenigen/ welche in dem Carvanſera kein Platz finden/ hre Zuflucht nehmen. Auf den Abend komt der Soller den Zoll einzuziehen/ zrween Piaſtres von einem jeden Laſt/ es ſehe Pferds oder Maulkhiers /obſchon dieſe mehr als jene tragen/ und adie Stabt „Das Dor armely. ein halbenbialtre von jedem Thier ſo Proviant trägt. Was aber die Reutpferd und Maulthier anbelangen thut/ ninmt der Zoller davon einen Jol! e Bir; öder nach der Landſprach Berygeon genant/ iſt ein zimlich groſſe Stadt des Morgenlandes/ wie gemeldt/ an einem Berg ligend. Unden daran nach langs des Euphrats/ iſt ein Schloß/ welches genugſanie Anzeigungen der Aelte hat. Hält in der Lange die Helffte der Stadt/ iſt aber ſchmial und ſchlechken Widerſtands/ außgenommen vön einern Thurn/ ſo den Fluß beſtreichen kan/ und darauf S öder 9. ſchlechte Stuck ſtehen. An dem hoͤchſten Ort der Stadt/ iſt ein Schloß da der Gubernator ſich aufhält/ ſo ein Aga, und von etlichen Bacha genennet wird/ er hat zur Beſaͤtzung ohngefahr 200. Janitſcharen/ und 400. Spahis. Die Stadt/ wie ingleichem der mehrere Theil in Tuͤrckey iſt uͤbel gebauet; aber es alda nicht an allerley nohtwendigen Lebensmitteln/ man findet treflich gut Brod/ guten Wein/ ſchoͤne Früchte/ und viel Fiſche der betet rr eee e Den 10. Marti nach einer Reiſe von eilff Stunden/ in dem erſten Land Meſopotamien/ welches zwiſchen den beeden Flüͤſſen Euphrates und LTigri ſich erſtrecket/ und jetzb Diarbek genent wird/ kamen wir zu Abend lach Charf F mely. Dieſes Charniely iſt ein gutes Dorff mit einer ſchoͤnen Carvanſerie Und Baderen herum. Zween Muſqueten⸗Schuß weit wird ein von anderen abgeſonderte Berg geſehen/ gleich wie Konrmartre bey Paris. Gantz herum iſts eben/ und oben auf eine Veſtung niit einer Beſatzung von 200. Spahis, weil die Argber zuweilen über den Euphrat gehen/ und an ſelbige Ort ſtreiffen. Als im Jahr 163 r. ein ue Wein von Bagdat, ſo er nicht eroberen Innen, und darvor einen groſſen Theil des Tuürckiſchen Kehſers verloren harte/ wieder zu üer kame/ beförchtend wanner nach Conſtankinoßel kehrete/ daß es ſeinen Kopf koſten mochke und berrachtend/ daß er bey ſeinen undergebenen Volckern beliebt und in Anſehen ware/ entſchloſſe derselbe/ ſich auf dieſen Berg zu ſezeln/ und eine Beſtung daſelbſten/ damiter vol manglet dem Ungewitker ſo er beſoygte/ geſichert ſeyn mochte/ zu erbauen. Es iſt nicht zu zweiffen/ warm das Werck vollführt worden/ daß er Meſopotamien ſich bemachtiget/ und dem Turckiſchen Keyſer viel zu ſchaffen geben hatte. Denn nach Ale po, es ſeye von Tauris, Mouſſul oder Bagcdar zu reiſen/ da man nicht durch die Wuͤſte den Weg nehmen wil/ muß man hohtwendig auf Charmely kommen/ und dieſer Veſtung vorbey gehen/ ſinemalen die Reiſenden/ welche das Waſſer und Erfriſchungen ſuchen/ kein anderen Weg nehmen können. Das Werck ware bey nahe in Defenſion, und 1 hattb der Vezier bereits den Berg ſant der Carvanſerie it einer Maur faſt zwanzig Schuh dick/ und drey Klaffter hoch/ beſchlieſſen laſſen/ da er von den jenigen/ denen er ain meiſten vertraut/ und die von dein Turckiſchen Keyſer entweder durch Drauung oder durch Liſt gewunnen/ erwürgt worden Den folgenden Tag nach zehen⸗ſtundiger Reiſe/ übernachteten wir zu Ourfa, da die Caravane gewohnlich acht oder zehen Tag verharret/ weilen ſolches der Ort/ von dannen die jenigen welche die Maulthier und Pferde gußleihen/ ſeynd/ und die jederzeit einige Geſchaffte alda haben. Wir nahmen unſer Einkehr in der Carvanſerie ſo z pder 400. Schlitt von der Stadt/ gegend ꝛorden abgelegen iſt. Wann flucht in die Holen ſo dabey/ und da es zimlich bequem iſt/ nehmen. Der Zollner komt alsbald die Ballen abzuzehlen/ er offnet nichts; aber wer etwan einen Nebenſack mit ſich hat/ muß für ein halbe Ladung bezahlen/ oder im widrigen ſolchen offen/ damit geſehen werde/ ob einige Waar darinnen/ in welchem fahl man davon den Zoll bezahlen muß. Ourfa iſt die Haubt⸗Stadt in Meſopotamien/ erbauet an dem Ort/ da man dafür halt/ daß Abraham gewohnet habe/ und da die alte Edeſſe ware/ da nach Auſſage des Volcks des Lands/ der Koͤnig Abagarus ſeine gewohnliche Reſidentz gehabt. Man ſiehet noch die Zerſtorung des Schloöſſes/ von dar/ wie ſie zuſetzen/ dieſer Konig geſchickt/ um das Bildnuß Chriſti zu nehmen/ und demſelben ſein Land und Leut wider die Juden/ ſo er vernommen ſeine Feinde recen/ anzubieten. Der Armenier Geſehichtbůcher bringen mit/ daß Abagarus jhrer Nation geweſen/ und daß ſeith derſelben Zeit ſie angefangen Chriſten zu ſeyn/ und den Tauff von der Hand des Apoſtels/ den Chriſtus nach ſeiner Auferſtehung dieſem Furſten geſandt/ zu eitipfahen. Dieſes Schloß iſt doch nicht ſo ganzlich zerſtoret/ daß nicht annoch alda ein groſſer Saal amt drey ober vier zimlich ſchonen Kammern/ und etliche über bliebene Moſaiſche Gemahlde geſehen werden. Ich ware begierig/ alles was in dieſer Stadt merckwürdig/ zu beſehen. Wurde anfangs zu kinem groſſen Brunnen einem Weyer gleich deſſen Quelle ain Ende der vornehmſten Mol. quée der Stadt /ſo Abraham zu Ehren erbauet worden/ geführet. Die Chriſten des vands geben für/ es ſeye der Ort. gu all zuviel Volck daſelbſten/ kan man ſeine ZuDie Stadt Ourfa. Alte Begraͤbnu Das den, Die Stadt ird von einem Bacha regiert/ W. under deme 70. Janieſcharen/ und oO. Spa. his, ſintemalen mehr Reuterey als Fuß volck 72 Auf die Knie gefallen/ um vor Aufopferung ſeines Sohns/ das Gebaͤt zu verrichten/ und daß under ſeinen Knien in der Hole da er ware/ zwo Quellen Waſſer herauß floſſen/ welche den Weyer ſo bey der NMoſquse iſt/ underhalten. Dieſer Weyer iſt mit gehauenen Steinen aufgefühut/ und ſo voll Fiſche/ daß ſolche den deuken die an dem Weyer ſpatzieren/ und jhnen Alenams Brod hinein werffen/ folgen.„Man darf der ric Fische keinen fangen/ weil die Turcken ſolche hoch halten/ und Abrahams Fiſch nennen. Sie decken auch den Platz uber 20. Schritt in der Breite/ mit ſchoͤnen Teppichen um den Weyer/ darauß das Waſſer in die gantze Stadt ſich außbreitet/ und in einen kleinen Bach/ welcher an den Mauren vorbey fieſſet/ ſich ergieſſen thut. In die Hole/ darinn die zwo Quellen/ darf niemand/ ſo nicht die Schuh außgezogen/ gehen/ und ſehr ſchwerlich werden die Chriſten hinein gelaſſen. Ich brachte doch ſolches zu wegen/ und kame mit zween Capucinern hinein/ welches mich 6. Pialtres koſtete. Ich beſahe auch die Kirche/ under deren Portal St. Alexis/ dem Vorgeben nach/ ſtebenzehen Jahr lang ein einſames Leben zu führen/ durchgangen. Selbige iſt mitten auf einem Kirchhof an dem hoͤchſten Ort der Stadt erbauet/ und in Beſitzung der Armenier. Aber ihre Haubt⸗Kirche iſt ein Viertel⸗ Stund von der Stadt/ und ward von St. Ephrem/ der auch da begraben ligt/ erbauet. Das Kloſter iſt noch gantz/ und mit ſchoͤnen Mauren eingeſchloſſen. Ich habe in der Kirchen eine groſſe Bibel von Armeniſcher Schrifft geſehen. Die Begraͤbnuß St. Ephrem iſt in einer Hohle under dem Berg/ da eine kleine Capellen/ in deren zwo oder drey brennende Lampen ſtats underhalten werden/ und alle acht Tag Meß geleſen wird. Es ſeynd um dieſe Hole noch andere/ da ſehr alte Graber der Chriſten zu ſehen. Die Stadt Ourla ligt in einem fruchtbaren und wolgebauten Feld/ welches gegen Aufgang auß dem Geſicht ſich verlieret. An der StadtMauren ſeynd viel ſchoͤne Garten/ die von Bachlein ſo dahin geleitet/ gewaͤſſert werden. Der Boden bringt auch guten Wein/ und man kan zu Ourte ſo wol leben/ als an einigem Ort der Türckey. So lang wir daſelbſten verbleiben muften/ brachte ich meine Zeit zu in dieſen Garten/ die Krametsvöͤgel/ ſo mit grof⸗ B ſen Schagren da vorüber fliegen/ zu ſchieſſen/ dann das Land ins gemein iſt de Schnabelweide voll. Die Stadtmauren ſeynd von gehauenen Steinen mit /hren Zinnen und Thuͤrhen/ welches ſcheinet als ob vor dieſem die Irancken alda Hand angeleget hatten. Aber inwendig ſeynd allein kleine ſchlecht⸗erbaute/ g auch mMehrertheils zerſtörte.Haͤuſer/ und groſſe leere Platze welches Ourke mehr das Anſehen einer Wulten/ als einer Stadt gibt. nohltwendig/ weil die Araber oft in der Ebne/ Inſonderheir zu der Heis/ wann das Korn geſchninen fu yd/ frefſen. Dura it auch endden daran iſt; Reis beſchreibung in heerſien lichen eine der drey Staten da der ſchoͤne Cardowan/ wie in dem Erſten Buch/ da ich von Tocat Meldung gethan/ angedeutet habe /gemacht wird/ und geben die ſonderbaren Waſſer eines jeden Lands/ ſolchen dieſen ſchoͤnen Glantz. Der gelbe wird zu Ourfa, der blaue zu Tocat, und der rohte zu Diarbequir zubereitet/ und kan in keinem anderen Ort der Tuͤrckey/ dergleichen gemacht werden. N Den 20. Marti ware unſer Aufbruch von Abreiſe von Ourfa, Ourfa, und nach 6. Stunden kamen wir zu einem ſchlechten Dorff/ da das Carvanſera gantz zerbrochen. Es iſt dabey eine ſchoͤne Waſſerquelle/ welches das beſte Ding an dieſem Ort; dann im übrigen findet man nichts zu eſen. Dien 21. reiſeten wir neun Stund/ und kamen zu vielen Klufften/ die ſehr tieff/ und da im Eingang gleichſam kleine Kammern ſind. Es iſt vielleicht/ wie abzunehmen/ vor dieſem die Wohnung der Landleute/ welche jhre Heerde daſelbſt hielten/ geweſen. In etlichen Gruben des Felſens/ findet man Regenwaſſer. Halb Wegs dieſer Tagreiſe/ muß man uber Felſen/ * da faſt unmuglich/ und ſehr gefährlich zu Pferd zu bleiben/ reiſen. i N Den 22. nach einer Reiſe von it. Stunden/ nahmen wir ferner unſer Lager bey einer Hohlen/ und ritten durch den Fluß/ ſo unden vorbey laufft. Zu beyden Seiten ſeynd andere groſſe Klüͤfften/ dahin die Reiſenden ihre Zuflucht nehmen/ und das Volck des Lands bringt dahin alles was für Menſchen und Pferd nohtwendig iſt. Die oͤllner/ welche von einem veſtẽ Ort von dieſer Krufft/ zwo oder drey Meil entfernet/ kommen den Zoll/ ſo von der Laſt eines Pferds oder Maulthiers 21 Piaſtres einzuziehen und durchſuchen die Sacke/ um zu ſehen/ ob keine Waaren darinn verborgen. Ohngefähr auf halbem Weg dieſer Tagreiſe/ findet man die Serſtorung einer Stadt/ ſo die Einwohner verlaſſen/ und eine Viertelſtund lang/ reiſet man zwiſchen ſteinenen Grabern/ auf denen in mitten ein Kreutz/ neben etlichen ArmeDen 23. ware unſere Reiſe eilff Stund Wegs/ und kamen in das Nachtlager nach Da. Der Flecken dacardin. daß ſolches ein groſſer Marckfiecken geweſen; aber er iſt gantz zerſtoret; und allein ein ſteinere rucke/ ſehr lang und wol gebauet/ über einen Fluß der in Zeit des Uberlauffs ſehr breit/ ſo den Reiſenden fortzukomen dienet. Die Bauren des Orts haben keine andere Wohnung/ als die Hohlen des Helſen/ und bringen den Reiſenden hinein Butter/ Kaß/ und anders/ ſo ſte wolfeil arlaſſen n Den ag. war die Neiſe von 9. Stunden/ und wir kamen zu übernachten in ein Dorff Cara genant/ auf einem Hügel ligend. Die Caravane kehrete ein in der Carvanſerie, ſo un0 8 aber ich bliebe ſamt den Capueinern ubernacht bey einem Chriſten/ ſintemalen das ganze Dorff mit Neſtortanern/ außgenommen etliche Turckiſche Hauſer/ ſo uber jene geſetzt ſeynd/ bewohnet iſt. Weil noch einige Stunde Tag waren/ führte uns unſer Wirth in Das Anſehen gibt zu erkennen/ Vadacandis Das Dorff ata. I Anderes Buß. 2 7 in bis Kirchen/ da den Vertabet von Meteln, alſo die Stadt commandierend; es heßudet das iſt der Biſchoff/ welcher Geſchaften hal⸗ ſich darin ein Bacha uber 200. Spalliis, und ben in dieſes Dorff kommen/ ſich befande. Es 00. Janitſcharen. Diß Merdin iſt der iſt eine ſehr elende Kirch„wir ſahen nur Ort, da die signora Maani Sicerida, die vier Slecken in die Erde geſteckt/ darauf Gemahlin des wegen ſeiner Reiſen ſo berühmztween ſchlechte Bratter lagen/ ſo für ein Al⸗ ten Petro della Valle herkommen: kau dieneten. Sie dorffen kein eimgen Zier⸗ Es ware erſt in meiner vierten Reiſe/ daß rach darümen laſſen/ und wann der Priester ch diefe Stadt leſahe/ und in unsrer Zuruckden Dienſt verzichtet/ muß er nicht vergeſſen kunft zu Coulalar funde ich die oller/ ſo die 5 ales(ſo wol die Bratter/ als des Altars Waaren beſichtigten. Als ſie vernommen Hedingen Teppich ſd nur von gemahltem Tuch ab⸗ daß Francs bey der Catan ns ſich befanden Anſteundli, seit thun/ dann der erſte Turck/ ſo durchrei⸗ forderten ſie uns ſechs Piaſtres für eine Per4% aal ſet/ wann boͤß Wetter/ die Kirch⸗Thur ein⸗ ſon/ aber endlichen/ nach langem ſtreiten und 5 reiſſet„eine Pferd hinein ſtellet/ den Altar wie wir gedräuet/ daß wir naeh Conſtanti5 verbrennet/ und alles was er findet/ hinweg nopel/ an den Frantzoſiſchen Amnbaſſador mint.„. ſchreibenwolten/ im Faſſſte mi dem: gewohtrIm Außgang der Kirchen führte uns lichen Zoll für die Waaren/ ohne auch hoch a der Bischoff zum Nachteſſen/ zu einem Bau⸗ die Perſonen anzufechten/ ſich nicht begnügen ren/ da er ſein Loſament hatte aber es ware. thaten/ und weil uber das die Tuͤrckiſchen 75 Line kahle Malzeit geweſen/ wann wir nicht. Kaufſeut auch auf unſerer Seiten geweſen/ Felbſten arderwerts Vorſehung gethan/ ine waren wir für 2 Piaſties, eme J erſon quit/ ud W ſonderheit trachteten wir nach Wein/ ſo auß und blieben gute Freund. Zu Abend ſchick⸗e einem Dorff/ eine Meil Wegs weit/ deſſen ten ſie uns in geheim guten Wein/ mit Bitte Einwohner alleſant auch Neſtorianer ſeynd/ ſolchen niemand ſehen zu laſſe n überbringen laſſen. 5 eee Wor Verlaſſung Couls far, ſoll iche noch n Dorf In dieſem Dorff/ da wir einkehrt/ iſt melden/ daß diß Dorff/ ſo zimlich groß/ mehein Weyer/ gang mit groſſen Quaderſteinen rertheils von Armemſchen und Neſtoriam: zunſetzt/ welche von den Kirchen und Gra⸗ ſchen Chriſten bewohnt. Die Armenier halten bern der Chriſten/ ſo da herum waren/ ge⸗ die Andacht in jhrer/ und die Meſtorianer in nommen worden/ under anderem befindet ſich Chaldeiſcher Sprach. Dieſe Letſtgemeldten ein ſehr groſſer/ mit einer Grabſchrift von zeigken mir zwo groſſe Bibel in dieſer Sprach/ groſſer Lateiniſcher Schriffi/ ſo zu erkennen auf Pergament geſchrteben/ und alle groſſen gibt/ daß ſolches eines Normandiſchen von Buchſtaben von Gold und blauer FarbzſcheiAdel ſo Haubtmam zu Fuß ware/ Grab nen ſehr alt/ und ſagte mir einer ihrer Prie⸗ I Bleu. gewesen ſepe. Der Biſchoff ſagte uns/ daß ſteren/ daß die eine vor 937. Jahven geſchrie⸗ Alte Biken. auß ihren Geſchicht⸗ Bücheren zuſchen/ daß ben worden/ aber die andere erſt vor 274. die Frautzoſen eine lange Zeit/ damalen als Sobald der Dienſt verzichtet/ verſchlieſſen ſie e Christen Meiſter in Syrien waren/ da⸗ ſolche in ein Truchen/ und verſteckens under ſeloſten ſich aufgehalten. Dieſes Land iſt die Erden. Ich bote 200. Piaſtres fur die aleine groſſe Ebne/ ohngefehr zwanzig Meilen teſte dieſer Biblen/ aber ſie doͤrften mir ſolche lang/ und die allenthalben wol erbauet ſeyn nicht verkauffen/ weilen ſelbe der Kirchen zukonte/ wann der Türcken Tyranney/ und der ſtandig/ und ſie niche Fug und Macht hatten/ Araber Streiffen/ welche dieſe arme Chri⸗ damit nach jhrem Belieben zu ſchaffen. ſten in das auſſerſte Clend bringen/ ſolches Den 27. nach 9. Stunden Reiſe/ kamen nicht hinderte. n wir zu übernachten nach Karaſera, welches . Den fünff und zwangigſten nach acht vor dieſem eine groſſe Stadt/ und ſonder ZweiStunden Reiſe/ blieben wir iin einem Dorff/ fel von den Chriſten bewohnet ware/ wie ſolCouſaſar genannt/ da kein Carvanſera. Es ches bey. oder 8. Kirchen/ die allda halb zu waren daſelbſten vor dieſem drey groſſe Klo⸗ brochen geſehen toerden/ und deren Thurne ſter/ ein viertel Meil Wegs von einanderen nicht verderbt/ abzunehmen. Seynd zimlich entlegen/ deren die Türcken biß an die Kirch⸗ weit von einanderen/ gegen Norden einer Thuͤrne/ ſo noch aufrecht ſtehen/ zwey zer⸗ dieſer Kirchen/ iſt ein ſchoͤner Gang/ am ſtoͤret. Das dritte und ſchoͤnſte iſt noch gautz/ Ende deſſelben/ eine kleine Pforte/ da mgn und dienet fur eine Moſquée. Um das Klo⸗ einde Suege/ ohngefehr von 100. Treppen/ ſe⸗ Wunderiif ſter ſeynd Laden gebauet/ und in Mitten des de zehen Soll hoch/ hinab gehet: Under dieſer de Kuch. Kloſters iſt eine ſchoͤne Waſſerqnelle. Kirche iſt ein anderer groſſer und hoher ge6 Daenſechs und zwanzigſten blieben wir zu wolbl( guf vielen Saulen ſtehend. Das Coulslar, ſveilen ſolches der Ort/ da man Gebau iſt alſo fünſtlich gemacht/ daß es den Zoll für Diarbekir, ſo zwey Tagreiſe da⸗ haller in die ſer Kirche/ als in der oberen/ aber von ligt/ nemlich 22 Pialt res, für ein jede La⸗ eine Seit hero⸗ hat die Erde viel Fenſter zudie Stadt dung Waar bezahlen muß. g 0decket. Der groſſe Altar iſt in dem HelNerein. Merdin nur zwo Meil von Coulaſar, ſen/ und zur Rechten ſiehet man eine Kamiſt eine kleine Stadl/ auf einem Berg/ mit mer/ die den Tag von vielen kleinen Fenſteguten Mauren/ und einem ſchoͤnen Brunnen/ ren in den Felſen eingehauen/ empfängt. Uo auß dem Schloß komt. Dieſes Schloß ber der Pforten der oberen Kibchen iſt ein iſt 1 98 85 an einem hoheren Ort/ und groſſer Quaderſtein 55 vielen e 5 und andere merckwuͤrdige Dinge. —— N e 74 die nicht zit erkennen. Gegen Norden dieſer Kirchen ſeynd zween groſſe Cyſternen under der Erden/ jede ohngefehr 450. Schritt lang/ 8 a groſſen; Schwieboͤgen/ auf vielen Aulen. nen kleinen Fluß machet/ jahrlich gefüllet. Ein viertel Meil von dieſer Kirchen/ gehet man oder 900. Schritt zwiſchen Felſen hinab/ und findet beyderſeits kleine/ in die Felſen eingehalene Kammeren. Über jeder Pforte iſt eim Kreutz/ und in jeder Kannner ein Tiſch/ Banck/ und ein eingehauener Platz/ in der Lange eines Menschen, ſamt der Form eines Haubt⸗Küͤſſens arm End/ einem Beth gleich/ alles in den Felſen eingehauen. Am Ende dieſer Felſen findet man einen groſſen Saal/ und herum ein Banck eingehauen/ um ſich zu ſetzen. Die Bühne iſt gantz eben/ und nicht gewoͤlbt/ und in Mitte ein Loch/ ſo biß oben auf den Berg gehet. Wie aber ſolches kein Liecht gibt/ iſt es vermuthlich nur gemacht worden/ damit der Rauch/ wann allda gekocht wurde/ ſeinen Außgang funde oder die Kühle an ſich zu ziehen wie ich ein gleiches in vielen Doͤrffern/ nach langs des erfiſchen Meer⸗Buſems geſehen. Über der Thur dieſer letſten Holen/ iſt in dem Felſen die Geſtalt eines Feurs eingehauen/ da viel Perſonen in mitten der Flammen/ vorgeſtellet ſeynd. Auf dem hoͤchſten dieſer Bergen iſt ein ſchlechtes Dorff/ auß dene man Nahrungs⸗Mittel haben kan. Aber vor Einkehr der Caravane pflegen etliche Kaufleut bey den Hirten ſich zu erkundigen/ ob keine Rauber in den Holen ſich befunden/ ſintemalen derſelben oft dahin ſich verſtecken. Im Jahr 1638. als Sultan Amurat, Bagdat zu belageren/ im Anzug/ nahme derſelbe ſeinen Weg durch dieſen Ort/ ſo wol dieſe Zerſtorungen zu ſehen/ als ein veſten Ort/ zwey Meil von Karaſera; ſo eine Zuflucht der StraſſenRauberen ware/ ſchleiffen zu laſſen. Er lieſſe zugleich vier Tagreis weit/ den Weg/ welcher wegen groſſer Quantitat Steinen/ die er wegthun/ und auf Haͤuffen von einem Ort zum anderen tragen laſſen/ ſehr beſchwarlich waren/ ſaͤuberen/ welches die Landſtraß zu erkennen gabe. Er hat auch ein Bruck uͤber den Fluß bauen laſſen/ und ware demnach der Zug des Groß⸗Türcken durch ſelbige Land den Reiſenden hernach ſehr bequem. i f 5 Den acht und zwantzigſten nach acht Stunden kamen wir nach Nesbin, vor dieſem Niilibis genennet/ zwo oder drey Stund herwarts/ iſt nahend der Straſſe eine Gattung einer Einſidlerey/ nemlich eine kleine Kammer/ mit Mauren eingefaſſet/ und da die Thur alſo nieder/ daß/ hinein zu kommen/ man vaſt auf die Erden ſich legen muß. In meiner vierten Neiſe/ als ich dieſen Weg biß nach Mouſſül nahme/ giengen drey oder vier Juden unſerer Caravane nach dieſer Einſtedlerey/ um ihre Andacht daſelbö Dieſelben werden mik von einem nachligenden Berg kommenden Waſſer/ ſo eiReisbeſchreibung in Perſien/ ſten zu verzichten/ weil ſie glauben/ daß ſolches der Ort/ da der Prophet Eliſs us be⸗ 5 Das Land/ welches ſich von Coulalar biß nach Nesbin erſtrecket/ iſt ein breites Feld/ und die erſte Tagreiſe ſiehet man kein ander Kraut oder Gras/ als Bibernell/ ſo groß von Gewachs/ daß deſſen viel 12 Schuh in Diameter hält. Die folgende Tagreiſe iſt das Feld mit einem Kraut/ groß/ grun/ breiten und dicken Blats beſeßet/ deſſen Zwibel eines Gans ⸗Eys groß. Es werden auch daſelbſten viel gelbe/ rohtederſchiedlichen Farben/ und Anemonen und Narciſſen geſehen. Ins gemein iſt der groͤſte· Theil Meſopotamien unfruchtbar und brach/ und ſeynd wenig gute Ort/ die man Nesbin iſt noch der Schatte des alten Niſibis, und qnjetzo nur ein groſſes Dorff deſſen Einwohner meiſtentheils Armenier und Neſtorianer Chriſten ſeynd. Unſer Caravane lagerte eine halbe Meil weiters/ in einem Kirchhof an der Armenier Kirchen rührend. Den folgenden anbrechenden Tag/ als ich ſingen hoͤrete/ ware ich begierig/ in auch beſſeren koͤnte/ wann man Muͤhe und Fleiß anwenden wolte. e b Dias Dorff Nesbin. die Kirchen zu gehen, da ich den Biſchoff mit ſeiner Inful und Stab allein von Holtz geſehen/ mit vielen Prieſteren und anderem Volck/ ſo die Meß anhoͤreten. Die Capueiner waren mit mir/ als der Biſchoff geſehen/ daß wir Francken waren/ kame er nach verzichtetem Amt uns Hoͤfüchkeit zu beweiſen/ und erbotte ſich uns/ was merckwuͤrdigs allda ware/ zu zeigen. Derſelbe fuͤhrte uns under der Kirchen in eine Capellen/ und wieſe das Grab St. Jacobi/ Biſchofſen von Niſibi. Auf dem Kirchhof iſt ein Stein ein Schuh dick/ und ohngefehr ſechs Schuh hoch/ darauf viel 8 0 von Wachs und Unſchlit/ ſo dieſe elenden Leute/ in jhren Angelegenheiten/ und ſonderlichen in Kranckheiten/ opfern. Sie glauben/ dieſer Stein ſeye der Fuß des Bildes eines Heiligen/ ſo darauf geſtanden/ und von den Tüͤrcken nidergeſchlagen worden/ und alſo ehren ſte den Stein/ gleich wie ſie dem Bild des Heiligen ſelbſten thaͤten. Es werden darauf zwar noch etliche Romaniſche Schrifften geſehen/ aber halb außgeloſcht und zertrennet/ alſo daß kein gewiſſer Verſtand darauß zu ziehen/ um zu wiſſen/ weme zu Ehren dieſes Bildnus aufgerichtet worden ware. Ein ſtarcke halbe Meil von Nesbin, gegen Aufgang/ iſt ein zimlich namhafter Fluß/ über welchen zu kommen/ ein ſteinerne Brucken. Underwegs ſiehet man viel flache Mauren/ ſamt einem groſſen Schwiebogen/ daher zu urtheilen/ daß vor Alters die Stadt biß an das Waſſer ſich erſtreckt. Zwo Muſqueten⸗Schus weit von der Bruck/ gegen Nidergang/ nach laͤngs dieſes Fluſſes/ findet man einen 19 4 Deſchäelt we Micken. — Die Stadt oufſſul, halb vergraben/ auf deme etliche Lateiniſche Wort ſtehen/ welche zu erkennen geben/ daß ſolcher ein Grabſtein eines Frantzoͤſiſchen Generalen war; aber es iſt unmoglich den Namen zu erkennen/ weil durch Lange der Zeit ſolcher außgeloſcht. Dieſer Biſchoff berichtete uns auch daß/ als vor dieſem die Moren die Stadt belagerten/ eine unſäͤgliche Menge kleiner Mucken in einer Nacht in das Lager kommen/ welche Menſchen und Vieh ſolcher maſſen geplagt/ daß ſie gezwungen worden/ die Belagerung aufzuheben. Zu Nesbin wird der Zoll/ gleich wie an anderen Orten/ nemlich 22 piaſtres von der Ladung eines Maulthiers oder Pferds bezahlt. Wir blieben daſelbſten drey gantzer Tag/ in welcher Zeit wir uns mit nothwendigem Proviant biß nach Moufſul, ſo fünff Tagreiſe von Nes. bin iſt/ zu haben/ verſahen; ſintemal das Land faſt allenthalben od und unbewohnt. Man findet allein an zweyen Orten Waſſer/ ſo nicht Har gut/ und mithin einige elende Hirten/ die under Zelten wohnen. 1 Den erſten Aprill brachen wir von Nesbin auf/ und kamen nach eilf Stunden Reiſe zu einem Bach/ dahin etliche Hirten uns Huner brachten. g Den Sweyten waren wir zehen Stund Lang zu Pferd/ und kamen bey einem ſchlechten Dorff zu uͤbernachten/ da nichts zu eſſen zu finden ware. i Den Dritten gienge die Reiſe dreyzehen Stund lang/ und wir blieben bey einem ſchlimmen Brunnen/ deſſen Waſſer unſere Pferd ſchwarlich trincken wolten. 8 Den Vierten nach zehen Stund Wegs/ gelangten wir zu einem kleinen Fluß/ da ein zerſtoͤrete Bruck und veſtes Ort/ ſo dabey ware/ zu ſehen. 5 Den Fünfften müſten wir eilff Stunde zubringen/ um wlouſſal, unfern von alt Ni. nive 115 0 0 S 23 „Maouflal iſt eine Stadt/ ſo auſſen ſchoͤn ſcheinet/ mit hohen Mauren von e, ſteinen; aber inwwendig iſts faſt allerdings zerſtoͤret/ und ſeynd allein kleine finstere Bazars, mit einem kleinen Schlos an dem Tyger/ ſo die Wohnung des Bacha. Mit einem Wort zu fagen/ es iſt nichts merckwurdigs in Mou. kal zu ſehen/ und iſt der Ort allein namhaft wegen groſſen Zulauffs der Kauffeuten/ fonderlich der Araber und Curder/ die alt Aſſyrien/ heut zu Tag Curcliſtan genennt/ bewohnen/ allda groſſe Parkhey Gallapfel geſamlet/ und damit Gewerb getrieben wird. Es befinden ſich in der Stadt viererley Chriſten/ nemlich Griechen/ Armenier Neſtorianer und Maroniten. Die Capuciner hatten daſelbſten ein kleines Hauß an dem Tygris/ als aber der Bacha ihnen eine Schmach bewieſen/ weilen ſie ſolches er weikeren laſſen wollen/ ſeynd ſie gezwungen worden/ daſſelbe zu verlaſſen. Die Stadt wird durch ein Bacha regiert/ welcher beydes Janitſcharen und Spahis, bey zwey tauſend Mann underhalt.. 5 J. Theil. ö wurde er doch gar liſtig beſtohlen. Zu Mouſſul ſeynd allein zwey ſchlechte Carvanſeras, und wie kein Platz mehr darinn ware/ lieſſe ich meine Zelte auf dem Meydan, welches der groſſe Marck⸗ Platz/ auſſchlagen. Unſer Caravan-Bachi, Cogia Sapha genannt/ Armeniſchen Glaubens/ und von Iſpahan gebürtig/ zu Mouſſul oft dorchgereſſer/ und dem Wirth bekannt/ erlangte zwo Kammeren. Er wolte 1 te/ nicht wie wir thaten/ aufrichten laſſen/ um der Nacht⸗Wache erhoben zu ſeyn/ ber es gereute jhne den anderen Tag/ da er erfahren/ daß er an einem Ort/ da er vermeinte in gantzlicher Sicherheit zu ſeyn/ ſchlechtlich bewahret geweſen. Ob ſchon das Carvanſera alle Nacht wol verſchloſſen wird/ Wie er daſelbſten nicht langer als zween oder drey Tag bleiben wolte/ vermeinte derſelbe/ es ware genug ſeine Ballen Waar in Ordnung bey ſeiner Kammer auf einandern legen zu laſſen/ aber er nahme nicht in acht/ daß das Carvanſera Einer Seits an die StadtMaur ruͤhrete/ und daß einig Lumpengeſindlein mit Fleiß ſich einſchlieſſen laſſen/ welches under ſo viel Leuten nicht wol vermerckt werden kan. Um Mitternacht funden ſich etliche Rauber auf der Mauren/ und lieſſen ein Seil mit einem Hacken/ ihren Geſellen/ die drunden waren/ hinab/ und nachdem dieſelben die Ballen hinauf gezogen/ eröffneten ſie ſolche/ und nahmen in Cil das beſte herauß. Ihr Raub beſtunde inſonderheit in Zoblen/ deren ſie oͤhngefehr für tauſend Kronen/ von zehen tauſend/ ſo die Ballen werth waren/ hinweg genommen. Dieſe Geſellen hatten bereits vier hinauf gezogen/ und als bey Aufziehung der Funfften/ in deme ſelbe hinab gefallen/ ein Knecht des Caravan- Bachi erwachet/ machte derſelbe alſobald in dem gantzen Carvanſera Larmen. Ein arne wer jeder lieffe alſobald nach dem Gewehr/ und ne aan. wir die auf dem Platz under unſeren Zelten waren/ thaten zugleich etliche Schus auß Piſtolen und Feurrohren in die Luft. Der Bacha über dieſen a beſturtzt/ kame alſobald mit einer Anzahl Jamitſcharen/ um Vorſehung zu thun/ und wie er die Urſach erkundigt/ ſchickre er uns/ ſeiner Ankunft zu berichten/ und zu befehlen/ daß wir mit fernerem Schieſſen inhalten ſolten. Wie feiſſig man dieſelbe Nacht/ auch die folgende Tage nachgeforſcht/ ware doch nicht moglich die Dieben zu erkundigen/ und hat das Anſehen/ daß der Bacha von dem Naub ſeinen Theil bekommen/ es ſeye/ daß derſelbe mit im Anſchlag geweſen/ oder nachdem er die Sach erfahren/ durch die Finger geſehen. „Vor Überfahrt des Fluſſes/ alt Niniye Wag wegen zu beſehen wil melden/ was ins gemein vom Ty⸗ der glaſßen Laufs/ und des Waſſers in acht genommen habe. beobachten. gris und Euphrat/ von dem Underſch eid ſhres Das Waſſer des Euphrats deuchte nnch roͤthlich und weniger ſtreug als des Tygyis/ welches weißlicht/ gleich wie das Waſſſer der Loire ſcheinet. Der Lauff des Euphrats iſt viel G 2 langer 5 Die Stadt Ninive. 76 langer als des Tygris/ und habe von deſſen Urſprung in vorher gehendem Buch Meldung gethan. In der Folge meiner Beſchreibung werde Anlas haben/ den Lauff und die Art dieſer zween Fluͤſſen eigentlicher zu beſchreiben/ und dißſnalen will ich uber den Tygris/ auf einer Schiff brucken reiſen/ um die kraurige Zerſtoͤrung einer Stadt/ die ſo berühmt ware/ und von deren faſt kein einiges Kennzeichen jhrer alten Herꝛlichkeit ubergeblieben/ zu beſehen. 8 anjetzo nur eine Vermischung alter/ überbliebener und zerfallener Mauren/ welche ſich nach langs des Fluſſes/ ohngefehr eine Meil Wegs erſtrecken. Es werden da viel unbewohnte Gewoͤlber oder Holen geſehen/ ohne das recht zu urtheilen/ ob dieſe Gewolber den Einwohnern zur Wohnung gedient/ oder ob darauf etwas erbauet geweſen/ ſintemalen die Hauſer der Tuͤrckiſchen Doͤrffer/ mehrertheils gleichſam in den Boden eingeſenckt/ oder nur ein Gemach hoch ſeynd. Ein halbe Meil von dem Tygris/ iſt ein kleiner Hugel/ mit vielen Hauſeren umgeben/ und oben auf eine zimlich ſehoͤne Melquce. Daſelbſten ſolle nach Außſage des Volcks/ im Land der Des Pro; Prophet Jonas begraben ſeyn/ und dieſer bas Grab. Ort wird von ihnen in ſo groſſen Ehren gehalten/ daß kein Chriſt da hinein gehen darff/ es ſeye dann in geheim durch ſonderbahre Gunſte/ und gegen einer Verehrung. Und auf dieſe Weis kame ich neben den zween Capucinern auch hinein; aber wir muͤſten der Nacht erwarten/ und nach Gewonheit/ die Schuh ablegen. In mitten der Molquée iſt ein Grab mit einem ſchoͤnen/ von Silber und Seiden Perſtaniſchen Teppich bedeckt/ und an den vier Ecken ſtehen vier kupferne Leuchter mit Facklen/ ohne viel andere Lampen und Strauſſen⸗Eyer/ die an der Buͤhne hangen. Auſſerhalb der Moſquẽe waren viel toren/ und drinnen zween Deruis, welche in dem Alcoran Igſen. Ein Muſqueten⸗Schus von Mouſſul, gegen Sonnen Niedergang/ ſthet man ein groſſes zerſtoͤrtes Kloſter/ mit einer hohen Mauren eingefaſſet/ welches mehrer theils noch aufrecht ſtehet. Wir harreten acht oder zehen Tag zu Mouſſul, und als alles zu Fortſetzung unſerer Reis bereit ware/ begaben wir uns froͤlich auf den Weg/ weil ich aber eine zimlich ſonderbahre Geſchicht/ wegen eines Venetianers/ die zu Alepo in unſerer Caravane ſich begeben/ zu beſchreiben/ habe für gut beunden/ dem Leſer ein wenig Ruhe zu laſſen/ und ein abſonderliches Capitel über das jenige/ ſo uns in Fortſetzung unſerer Reiſe von Ninive, biß nach Iſpahan begegnet/ zu ver faſſen. Neisbeſchreibung in Perſien/ 3 Ninive, welche an dem lincken Geſtad des Tygris/ gegen Aſſyrien erbauet ware/ iſt Das V. Capiel. Folgt ferner von dem Weg von Niniye biß nach Iſpahan/ ſamt der Geſchicht von einem Abgeſandten/ Namens Dominico de Santis. 5 agerten wir nur drey viertel Stund weit von Ninive, umetliche Kauffeut/ die zu der Caravane ſtoſſen ſolten/ zu erwarten. Der Weg/ welchen wir nehmen wolten/ iſt nicht der gewohnliche nach Perſien zu reiſen/ aber man iſt nicht ſo vielen Sollen underworffen/ und der Weg kürtzer/ ſintemalen die Caravane nur acht und fünffzig Tag von Alepo nach Iſpahan ſich vorgenommen. Vom Ufer des Fluſſes/ biß an den Ort/ da wir dieſelbe Nacht gelageret/ ſeynd ſtats⸗wahrende Zerſtoͤrungen/ ſo uns genugſam beredte/ daß ſolches eben der Ort/ da vor dieſem Ninive geſtanden. Wir lagerten zween Ta lang bey der Moſquée, da Jonas nach Vorgeben der Türcken begraben/ zimlich nahe/ und man erwehlete einen der vornehmſten Curdliſchen Kauſteuten für unſeren Caravan-bachi, obſchon dieſe Volcker gewohnlich/ dem Diebſtahl ergeben/ und man ſtats gegen jhnen ſich wol in acht nehmen muß. Aber es ware noͤhtig den Mantel nach dem Wind zu hangen/ weil wir durch dieſer Volcker Land/ welches/ wie droben vermeldt/ Alt Aſſorien/ heutiges Tags Curdiſtan genenner/ keiſen muſten und die Sprach dieses Lands gantz ſonderbahr iſt. e „Die erſten zween Tag reiſeten wir Über viel kleine Bache/ die von den Bergen kommen/ und in den Tygris ſich ergieſſen. Unſer erſtes Nachtlager ware in freyem Feld/ bey einem Waſſerlein/ und die andere Nacht kamen wir zu lägeren an dem Ufer eines groſſen Fluſſes/ ſo auß den Bergen gegen Norden herkomt/ und gegen Mittag lauffend/ ſich in den Tygris ergieſſen thut/ under groſſer Menge Fiſchen/ ſo darin gefunden werden/ ſeynd inſonderheit treſiſch wird Bohtus genennet/ iſt ſehr ſtreng/ und gute Forellen. Die Caravane brachte zween Tag zu/ uber dieſen Fluß zu kommen/ weilen keine Schiff allda ſeynd. Man bindet lange Stangen zuſamen/ füͤnff oder ſechs auf einanderen/ einem Floß⸗ Holtz gleich/ Jpunderliſo die Leut des Lands Eilet nennen. Sie gelber Mu wir Über den Tygris waren/ 8 richten ſolches in Vierung/ und binden ber unden daran ohngefehr hundert aufgeblaſene Bocks Hauk/ damit der Eilert, ſo darvon getragen wird/ hoher über dem Waſſer ſeye. Der Kauffmann muß darauf groſſe und dicke Filtz/ ſo er mit ſich. führen ſolle/ legen/ damit das Sdoſe nicht durchdringen konne/ und die Waar/ welche den Kiler ſincken machet/ nicht genetzet we 7 — * 1 Die wei Pferd und Maulthier uber Waſſer zu bringen. autbe. Suuß Anderes Buch. werden. An den vier Ecken ſeynd vier Stangen für Ruder zu dienen; aber damit iſt wegen Strenge des Waſſers wenig außzurichten/ derowegen man auf dieſer Seiten ohngefehr vier hundert Schritt hinquf fahren muß/ und auf der anderen Seiten wird der Filet ſo weit wiederum von dem Ort/ da man anlenden ſoll/ hinunder getrieben/ ſo ſtreng iſt das Waſſer/ inſonderheit auf den Naͤgen/ davon der Fluß wachſen thut. Wann man das andere Geſtad erreichet/ muß der Filet durch viel Mann wiederum biß an den Ort/ da die Abladung der Waaren zu geſchehen pfiegt/ hinauf gezogen werden. Nach dem alle Waar auf dem Land/ wird der Filet auch auß dem Waſſer gezogen/ ſo wol die Bockshaut außzubeſſeren/ als den Kilet wieder deſto leichter durch Maulthier/ auf welche ſolcher geladen wird/ hinauf zu bringen. Was die Pferd/ Maulthier und Eſel anbelangen thut/ welche beydes Perſonen und Waaren tragen/ ſo bald die Hirten/ die in den nachligenden Bergen ſich befinden/ eine Carayane, oder einige Perſonen zu Pferd ſehen/ kommen ſie eilends heran geloffen/ ums hinüber zu führen. Dieſe Leute haben nur ein Baum wollen oder Geißhaaren Sack für jhre Kleidung; und wann man hinuber ſolle/ ziehen ſie dieſen Sack von jhrem Leib/ und wicklen ſolchen um den Kopf/ gleich einem ſe Tuͤrckiſchen Bund. Ein jeder bindet ſich h um den Leib ein aufgeblaſene Bockshaut/ und zween oder drey der erfahrenſten/ ſteigen auf ſo viel der beſten gezaͤumeten Pferd/ reiten die erſten in das Waſſer/ und andere ſchwimmen hernach/ die Pferd und Maulthier vor ihnen her zu treiben/ ſie nehmen mit einer Hand des Thiers Schweiff/ und ſchlagens mit der anderen/ und da ein oder ander Thier ſchwach/ binden ſie demſelben ein aufgeblaſene Bockshaut an den Bauch/ damit ſolches deſto leichter durchkommen koͤnne. Bey dieſer Mühe uͤber dieſen Fluß zu kommen/ iſt leicht zu urtheilen/ daß eine Caravane in 5. oder 600. Pferden beſtehend/ mehr als ein Tag zubringen muß. Nachdem die Caravane glücklich den anderen Ufer erreiche/ ſetzte ſie jhre Reiſe zwey oder drey Tag durch einen ſehr verdrießlichen Weg fort. Die erſte Tagreiſe waren die Pferde ſtaͤts im Waſſer/ biß an die Helfte der Schencklen/ und den folgenden auch eins theils/ am dritten reiſeten wir über ſehr oͤdes eld/ jedoch wurde ein wenig Gras für die ferd/ und Geſtaude Holz/ den Reiß zu kochen/ gefunden. Auf dieſem ſchlimmen Weg kamen wir zu einem anderen Fluß/ die groſſe Zarbe genennet/ da eine Brucke von neun und zwanzig Schwieboͤgen/ von Quader⸗ ſch ſteinen/ daruber wir ritten. Es wird darfuͤr gehalten/ der Alexander der Groſſe habe ſolche/ um mit ſeiner Armee/ als er wider Darium zoge/ daruͤber zu gehen/ erbauen laſſen. Ein viertel Meil weit von dieſer Brucke/ gegen Nidergang/ ſeynd zween 9 7 Flüͤſſe/ die zuſamen ſtoſſen/ und in den Tyger ſich ergieſſen. Von der Bruck kamen wir zu einer kleinen Stadt Chircroul genennet/ die auf einer Hoͤhe/ mit gleichſam drey Redouten. Es befande ſich daſelbſt ein Bacha, deme wir/ die Caravane durchzulaſſen/ eine Verehrung geben muͤſſen. Wir blieben an demselben Ort zween Tag am Ufer eines Bachs gelagett. Von dannen reiſeten wir einen gantzen Tag zwiſchen dürren Bergen/ funden kein Waſſer/ und den folgenden Tag kamen wir in eine ſchoͤne Ebne/ da viel fruchtbare Obs⸗ Baume. Es ſſt die Ebne Arbele, da Alexander Darium geſchlagen/ und hat bey fünffzehen Meil im Umkreis. F mit vielen Bachen gewaſſeret/ undin hagen se Mitten der Ebne iſt ein kleiner Berg/ ohn⸗ worden. gefehr ein halbe Meil im Umkreis haltend mit den alierſchoͤnſten Eichbaumen/ o zu ſehen/ beſetzt/ und oben die Zerſtorung eines Schloſſes/ alle Merckzeichen geben zu erkennen/ daß ſolches ein ſchoͤnes Gebau geweſen. Das Volck des Lands gibt vor/ es ſeye der Ort/ da Darius ſich befunden/ da er mit Alexander gekroffen. Drey Meil davon/ bey einem hohen Berg/ gegen Norden/ wird ein ander zerſtoͤrtes Schloß/ und viel Hauſer geſehen/ und ſagen die Leute/ daß ein Theil Darij Weiber/ als er die Schlacht verlohren/ daſelbſten geweſen/ dieſes Schloß at ein über die maſſen ſchoͤnes Außſehen. Unden auß dieſem Berg entſpringt eine Quelle/ ſo ein viertel Meil darvon/ einen ſchiffreichen Fluß machen thut/ welcher Schlangen⸗Weiſe um die Berge fleſſen/ und von dar ſeinen Lauff nahend einer Stadt Cherazoul genennt/ da ein ſchoͤne ſteinerne Brucken/ mit neunzehen Schwieboͤgen/ deren Cha-Abas nach Eroberung Bagdat, drey abbrechen laſſen/ nehmen thut. Dieſe Stadt Cherazeul iſt auf ein andere Manier/ als andere Stadt beſchaffen/ ſintemal dieſelbe gantz in den Felſen/ der ein viertel Meil Wegs abgeſchliffen/ eingehauen iſt/ man gehet in die Haͤuſer durch Stiegen/ von funfzehen oder zwantzig Treppen/ bald mehr/ bald weniger/ nach Beſchaffenheit des Felſen. Dieſe Haͤuſer haben für eine Thür eine Gattung eines Mühlſteins/ ſo man für und zuruck waltzen muß/ fintemal die Thuͤrpfoſten auf Manier eingehauen/ daß der gewaltzte Stein ſich juſt hinein fuͤgt. Auf den Hauſeren/ welche wie Locher in dem Berg/ ſeynd Holen gegraben/ dahin die Einwohner jhr Vieh ſtellen/ daher zu urtheilen/ daß dieſer Ort ein ſtaucke Zuftucht geweſen/ um die Graͤntze wider das Streiffen der Araber 0 8 auß Meſopotamien/ zu beützen. Wir kamen nach Cheraꝛzoul am Abend vor Oſtern/ und blieben 3. Tag daſelbſten/ nm nach außgeſtandener Faſten/ die wir ſamptlich zimlich ſchmal gehalten/ uns zu erquicken. An dem Oſtertag lieſſe ich einen Teppich bey etlichen Brunnen/ die dick herauß quellen/ legen/ G 3 und rius von Alerander dem Ort da DaMuunderſaß me Stadt. Ge ſundWrunnen. und ladete die 2. Capucimner zu Gaſt. Als dieſelben mich gebaͤtten zu warten/ biß ſie hren Dient verrichtet/ mich aber zu eſſen verlangt/ aſſe ich ein Stücklein Brot und thate einen Trunck Wein mit dieſem Waſſer vermiſcht/ welches Schaͤrffe/ Saure/ gleich wie das Saurbrunnen⸗Waſſer gabe. Ich truncke zum fdeyten mal/ und alſobald darauf fühlete ich eine Bewegung in meinem Leib/ dann zwey Glaſer voll dieſes Waſſers/ ſo viel als eine Naisbeſchreibung in Perſien/ dieſer armen Leuten kein anders eſſen. Dieſe Eichlen ſeynd in Groſſe der Nus/ und ich hatte Luft/ davon in einer anderen meiner Reiſe/ einen Aſt/ daran 30. Eichlen und 23. Gallaͤpfel waren/ mit nach Alepo zu bringen/ ſo ich unſerem Hrn. Burgermeiſter verehrte. 8 Die Landſchaft/ in deren wir damalen reiſeten/ iſt der groͤſte Theil alt Aſſyrien/ und war Soliman- Kan Gubernator. Droben habe ich vermeldt/ daß zu Alepo ein Venetiaſtarcke Antzney würcken. Ich hatte kaum Zeit ner/ Namens Dominico de Santis, ſich indie den Neſtel zu lösen/ ſo ſtarck ware der Trieb und weil ich verlangte zu wiſſen/ ob dieſes Waſſer eine gleiche Wunckung bey anderen hatte; Befahle ich emem Knecht den Capucinern bey der Malzeit auch davon einzuſchencken; dieſelben hatten ſo bald nicht geruncken/ daß ich vermerckte/ ſolches ſeine Wurckung hatte/ aber nicht alſo ſtarck/ wi⸗ bey mir/ weilen ich micht wolte/ daß ſte zum zweyten mal davon truncken. Dieſe Brunnenquellen herfür/ an dem Ufer eines Fluſſes Alrun- Sou genannt/ das iſt/ Gold⸗Fluß/ welcher 3. Tag W Bagdar, in den Tyger ſich ergieſſen ten in ein ſchlechtes Dorff/ auf den Grantzen der Turckey und Perſien. 1 Den folgenden Tag/ ſo der fünfte unſerer Abreiſe von Ninive war/ reiſeten wir durch viel Moraſt und warme Waſſer/ welche die zwey Reich von einandern ſcheiden. In dem Eingang in Perſien iſt gleich Anfangs ein hoher Berg/ voll ſchoͤner Eichbaumen/ ſo den Gallus herfür bringen/ die Cara vane brachte hinauf zu kommen/ bey J. Stunden zu. Im hinauf reiten/ und vorauß da wir droben waren/ horten wir viel Muſqueten⸗Schuſſte/ und konten uns nichts anders einbilden/ als daß die Bauren des Dorffs/ ſo wir verlaſſen/ auf die Wildſeh wein⸗Hatz/ deren dieſe Moraſtiſchen Ort/ gleich wie auch der Hirſch und Rehen/ die Truppen⸗Veiſe in dieſen Bergen lauffen/ voll ſeynd/ waren. Ich erinnere mich/ daß dieſe Bauren uns nichts als um Pulver und Bley verkauffen wolten/ und unſer Caravan. Caravane begab/ deſſen Geſchicht will ich/ in deme wir Iſpahan nahern/ beſchrieben. Derſelbige hatte Compliment· Schreiben/ an den König in Perſien/ voͤn dem Papſt/ Keyſer/ Konig in Polen/ und von der Herzſchaft Venedig/ und reiſete unbekannt durch Türckey: aber ſo bald er auß dieſem Land/ gab er ſich offentſich zu erkennen/ und weil er nichts mehr zu befoͤrchten hatte/ reiſete er under dem Nalnen ae Agenden von der Hereſchaft Venedig.„ A. ſtarcke Tagreiſe/ biß in einen groſſen Marck. 5 Flecken/ dabey eine kleine Veſtung/ von an der Den anderen Tag kamen wir zu übernach⸗ Sonnen gebackenen Ziegelſteinen. Daſelbſten halt der Gubernator der Landſchaft/ einen Stadthalter/ welcher ungefehr 2000. Pferd/ die Graͤntze zu verwahren/ under ſeinem Gebieth hat. Die Veſtung iſt zur Rechten gegen Mittag von der Landſtraß 3. Stund entlegen/ und der Caravan-Bachi, thate dem Stadthalter nach Gebrauch/ die Ankunft der würdigte/ in elendem Zuſtand ware/ mir bekannt worden/ hielte ich dafür/ daß die Chriſtliche Liebe erforderte/ jhme in dieſer Begebenheit einen guten Rath zu geben/ gleich wie jhme zuvor ein anderer mit Gelt an die Hand gangen/ ohne die Patres Capueiner und mich/ Bachi warnete uns/ ihnen deſſen nichts zu⸗ ware derſelbe oft in Noͤhten geſteckt. Ich gabe kommen zu laſſen/ in Sorgen/ ſie moͤchtens wider uns ſelbſten gebrauchen. Als nun der Schuſſe gar oft gehoͤret worden/ und zu ſtarck von Jagern zu ſeyn/ uns dauchten/ waren wir im Zweifel/ was es ſeyn mochte/ welches verurſachte/ daß wir uns vorſahen/ und wir haͤtten ſicher geeilet/ wann wir das Ungluͤck/ darein wir gerahten konnen/ wie hernach vernommen, 1 Als wir über den Berg waren/ kamen wir in eine ſehoͤne Ebne/ mit vielen Bachen zertheilet/ und weil die Nacht herbey rückte/ lieſſen wir unſere Zelten/ nichts mehr beſorgend/ ſintemal wir in dem Land des Könige in Perſien/ da man in volliger Sicherheit dalen kane un beſünden nuffichern. Sir ſchickten, unſere Knecht zu den gelten der auen/ die da herum waren/ um Speiſe zu ſuchen/ aber fat alles Brot- ſo ſie uns brachfen/ ware nur von Eicheln/ dann guten theils gern zu/ daß er ſich ſtaͤts meines Dolmetſehen bediente. Aber ich hatte genugſame Urſach mich zu verwunderen/ daß vornehme Herren/ und eine ſo kluge Hereſchaft/ eine ſolche Perſon in einer ſo wichtigen Sach/ darum es damalen zu thun ware/ für einen Ambaſſadoren geſchickt. Der Groß⸗Turck bekriegte Candien/ und lage nur daran/ den Konig in Perſien dahin zu vermögen/ dem Groß⸗Lurcken den Krieg anzukunden/ um das groſſe Ungewitter von der Chriſtenheit abzuwenden. Ich fuhrte nun dem Abgeſandten zu Gemuth/ daß es rathſam waxe/ ſeine Ankunft dem Commendanten der Veſtung zu wiſſen zu thun/ damit derſelbe ſolches dem Soliman.-Kan, der Landſchaft Gubernatoren avißren mochte. Er danckte mir für dieſen guten Nath/ und bate mich meinen Dolmetſchen zu ſchicken/ welches ich jhme gern verwilligte. Derſelbe war ein Von der Ebene/ da wir gelageret/ ſeynd Caravane, quch deren Perſonen und Waaren zu wilſen. Die ſer Venetianer/ wie ich anderswo vermelden werde ware pon schlechter Qu, Helene lität/ und deme die Bottſchafters⸗Stelle übel eines Veneanſtund/ und weil derſelbe/ als er in Indien Gente. in Dienſten eines ſchwartzen Geiſtlichen/ welchen der Pabſt 19 4 mit einem Biſthum PP — — chte ene1 1 Anderes Buch. em junger Menſch von Bagdat, ſechſerley Sprachen erfahren/ und deme es an Verſtand nicht manglete. Bald nach Mitternacht brach die Caravane auf/ der Caravan-Bachi und mein Dolmetſch nahmen den Weg nach der Veſtung/ die Rechnung machend/ uns zu Abend an dem Ort/ da die Caravane lageren ſolte/ anzutreffen. Aber ſie kamen erſt den folgenden Tag/ keben den Under⸗Commendanten der Veſtung/ um den Ambaſſadoren in Namen des Commendanten/ und hernach auch mich zu complimentieren/ uns bittend/ ohne Mafzeit nit jhme zu halten/ nicht furter zu reiſen. Er bate die Capuciner nicht/ weil er verſtanden/ daß ſie unpaßlich waren/ aber Der Her Nene wird nebenſt em VenlieTiani el Geſalldte doneinem Perſiſchen Haudemann Sar höffi ch faungen. er ſchick te jhnen Speiſe/ deren ſie wenig nohzig geweſen. Dann ſo bald man in Per ſien/ kommen die Hirten ſo wol von den Bergen als Ebnen/ die all under Zelten jhre Wohnung haben/ den Caravanen viel Proviant zu bringen/ ſintemal das Land daſelbſten gut/ es ſeye fur das Vieh oder Jagdt. f Der Abgeſandte und ich/ ſamt meinem Dolmerſch/ und etliche Armeniſche Kaufeut/ die ein wenig Italianiſch redten/ begaben uns mit dein Unde⸗CTommendanten auf den Weg und reiſeten ungefehr z. Stund in den Bergen. Halbs Zegs ritten wir wir pfeifen hoͤreten/ unwiſſend was es ware. Der Under⸗Commendant vermercket/ daß wir hierüber beſturtzet/ führte uns durch den Ort/ Daher dieſes Pfeifen kame/ und wir ſahen/ daß es eine Schlang/ in dicke eines Manns Schenckel/ und 12. Schuh lang/ deren Kopf zwiſchen 2. Aeſten gefangen ware/ ſo jhr groſſen Schmertzen verurſachte. Von dieſen Bergen kamen wir in eine liebliche Ebne/ allda der Commendant under ſeiner Zelte und wartete. Er hatte ſolche an dem Ufer eines Fluſſes/ wiſchen viel groſſen Nußbaumen/ die em angenehmen Schatten gaben/ aufrichten laſſen/ und ſaſſe auf einem groſſen ſeidenen Teppich/ ſo bald wir erſchienen/ ſtunde er auf/ und begruͤßte uns ſehr hoͤfßich/ ſagte/ daß wir willkom waren/ und daß ſicherlich ſein Herz Cha Abas hoch erfreuet ſeyn werde/ zu ſehen/ daß die Chriſtlichen Monarchen/ an ihne einen Ambaſſadoren ſchickten/ dat er ſolches Soliman- Kan, der Landſchaft Gubernatoren berichten wolte/ und daß in dieſer Quahſtat jhme gebuhrte/ ſolches dem Konig zu wiſſen zu thun. In deime er ſchriebe/ brachte man uns neue Fruͤchten/ und Zuckerwerck/ neben Melonen von vorhergegangenem Jahr/ die alſo friſch waren/ als wann mans eben abgebrochen hatte. Wie der Brieff geschrieben/ ſchickte er ſeinen Eil⸗Botten/ und befahle demſelben einem Derogo oder Richter eines Orts/ da wir durchreiſen ſolten/ anzuzeigen/ daß er uns Nahrung für uns und unſere Pferde ſchaffen mochte/ biß wir bey Soliman. Kan ankommen waren. Nachdem der Eil⸗Bott 10 war/ befragte uns der Commendant viel etreffend/ ben Krieg zwiſchen dem Groß⸗Turcken und den Venetiauern/ wie viel tauſend Mayn der Turck beibes zu Waſſer und zu 5 durch ein Holtz/ da rendem dieſem Geſprach/ wurde der Sokkta guf den Teppich/ da wir ſafſen/ gelegt/ und alſobald von groſſen Schuſſeln mit Pil zu, und anderen Speiſen/ nach Lands Art zimlich wol zugericht beſetzt. Er lieſſe uns koftliehen Wein geben/ aber ich wolte davon keinen trincken. Wie wir aufſtunden/ ware es ohngefehr u. Uhr vor Mitternacht/ und ohne viel WortGeprang/ bedauckten wir uns gegen dem Commendanten/ und nahmen unſeren Abſcheid. In der Zeit wir Malzeit hielten/ wurden auch unſere Pferd/ die wir geſattelt und gezainmt gefunden/ verſorgt/ und der jenige Under⸗Conmendant/ welcher uns hingefuhrt/ geleitete uns jezo wiederunn. Um z. Uhr nach Mittnacht erreichten wir die Caravane, da jederman ſchlieffe/ und blieben an dieſem Ort den ganzen Tag/ um mit Proviant beydes für Manm und Pferd und zu verſehen. Land haben konte/ und auf wie viel die Anzahl ſeiner Galſeen und Schiffen, ſich erſtrecken hate/ darquf tir jhne mit Anttvort/ ſo viel uns bekamm war/ begnügten. In wahWir ſchickten in etliche Doͤrffer um Wein: dann von dem Ort/ da wir gelagerer/ biß nach Sneirne, die Stadt/ da ber Gubernator ſich auf hält! ſeynd 4. Tagreiſe durch ein zunlich rauhes Land. Iſt allein von Hirten/ die in dem Land Turcomans genennt werden/ bewohnet/ welche in die Berge kommen/ das Vieh jahrlich 6. Monar lang zu weiden Als unſere Knechte mit dem Proviant wieder kommen/ brachen wir aufum 6. Uhr Abends/ und der Under⸗Commendant/ 6. Soldaten auß etlichen umligenden Doͤrffern nehnzend/ ſagte/ daß er Befehl hatte/ uns biß nach Sneirne zu begleiten/ und dem Soliman· Kan zu liefern. Den zweyten Tag kamen wir zu laͤgeren zwiſchen Hüglen/ bey vielen Zelten dieſer Hirken. Das war der Ort/ da der Commendant durch ſeinen Eil⸗Botten befahle/ daß wir von dein Deroga wol tractiert wurden. Deroga iſt/ wie droben gemeldt/ der Richter in einem Dorff aber dieſer war das Haubt vieler Familien/ deren einige aus Meſopotamia/ andere auß Arabien. Alles ſeynd Hirten/ ſo nicht in Hauſeren wohnen/ ſondern ſich mit jhrer Herde in die Holen der Jelſen begeben es ſeye/ daß die Natur dieſe Holen gegeben oder von der Menſchen Arbeit/ dieſelben dieſen Volckeren zur Komlichkeit gemacht worden So bald Manner/ utns/ nemlichen den Abgeſandten und mich in des Berega Zelte zu führen. Daſſelbe ware ſehr groß/ und in viel Kannneren abgetheüet, mit einem Saal in Mitten von ſchoͤnen Teppichen bedeckt. Wir mußten auf ſchone Kuſſen ſtgen/ und ſo bald brachee man einem jeden eine wfeiſſen Taback/ auch Waſſer die Juſſe zu waſchen. Eine Stund hernach wurden der Pilau und ſehr viel andere Speiſen aufgetragen/ und bey unſerer Abreiſe/ ſo um Meicternacht ware/ gls wir des wir abgeſtiegen/ kamen J. alte Groſſe Hö lichkeit eue Deroga, Deroga Sohn etwas verehren wolten/ erzunnete ſich der Vatter nicht wenig hierüber/ mit G* 80 Reisbeſchreibung in Perſien/ Bezeugung/ daß er ein groſſes Ubel begehen wurde/ etwas von des Koͤnigs Gaͤſten/ inſonderheit von den jenigen/ die auß fernen Landern kamen/ anzunehmen. 5 Den folgenden Tag lagerten wir uns zwiſchen Hügeln/ allda eine unſaͤgliche Anzahl Lilien von vielerley Farben/ von denen die Erde 5 ganz bedeckt war/ ſich befanden. Von WeiſN 5 waren keine/ ſondern alle entweder ſchoͤn der. Violbraun/ mit einem rothen Strichlein in Mitten eines jeden Blats/ oder ſchoͤn ſchwartz/ ſo hoͤher geacht wird/ dieſelben ſeynd in Form unſerer Alien/ aber viel groͤſſer; und das Waſſer/ darein die Zwiebeln dieſer Lilien/ ſonderlich deren Blatter die Schwartzeſten ſeynd/ fuͤnſzehen Tag getruncken/ iſt ein bewährtes und ohnfehlbares Mittel wider die Veneriſche Kranckheit. Wir bereiteten uns von dem Abend an auf die Reiſe/ um morgen zu Sneirne anzukommen/ aber unſer Fuhrer bathe/ auf den Befehl des Gubernators zu warten. Etliche Stund hernach ſahen wir einen wolgeſtalten Mann/ ſo ein Araber zu ſeyn ſchiene/ aber verſicherte/ welcher von Soliman-Kan geſchickt war/ den Abgeſandten zu complimentieren. Er begleitete uns biß zum Zelte/ ſo der Gubernator für den Abgeſandten in einem Garten nahe bey der Stadt/ allda derſelbe auch ein Loſament für die Capuciner verordnet hatte/ aufrichten laſſen. Der Ambaſſador hingegen ſchickte meinen Dolmetſchen/ den Gubernator zu complimentieren/ und als die Stunde/ da wir jhne beſuchen ſolten/ herbey kommen/ ſchickte er ſechs ſeiner Rittmeiſter/ den Ambaſſadorn abzuholen/ welcher mich jederzeit bathe/ jhn zu begleiten. Deſſelben Wohnhauß iſt eines der Schoͤneſten in Perſien; und wir funden jhne auf einem Spatziergang gegen dem Garten/ deſſen Pflaſter mit Gold und ſeidenem Teppich bedeckt war/ und neben nach langs der Maur lagen groſſe Kuſſen/ von Brocatel/ auch wie Gold und Seiden. Nach einigem Geſpraͤch/ betreffend den Zuſtand der Sachen in Europa/ ward das Nacht⸗Eſſen aufgetragen/ in vielen Speiſen beſtehend/ aber wir ſahen keinen Wein/ ſondern das Tranck war von einer Gattung Sorbet und Citronenſaft mit Eys gekuͤhlt/ dabey Zucker fur die jenigen/ de8 ren darein zu thun beliebte/ dann die Lurcken der Meynung/ daß der Zucker die Wind/ ſo dieſer Tranck verurſache/ vertreiben moge; man bliebe lang bey dem Efſfen/ dann es iſt der Gebrauch in Perſien/ daß wann einer ſatt und von der Mahlzeit aufftehet/ ein anderer deſſen Platz alſobald erſetzt/ und der Principal harret/ biß alle das Mahl eingenommen/ alsdann wird alles ohne ander Geprang aufgehoben. Der Ambaſſador begienge in wahrender Mahlzeit eine unhoͤfliche That/ deren ſeine Ubereilung eine Urſach ware. In Perſien bedient man ſich nicht wie in Europa Gold und Silberner/ ſondern langer hoͤltzerner Lofflen/ damit man weit langen kan. Wie nun in eiund aſſe ſolches ohn Bedacht geſchwind hinein; als derſelbt aber die Hitze nicht erleiden konte/ muſte er alles wiedrum nach vielem Kruͤmmen auß dem Mund geben/ und mit der Hand weg werffen/ welches in Gegenwart der gantzen Compagnie beſchahe. Nachdem wir fuͤnf Tag zu dneirne geharret/ entſchloſſe der Caravan- bachi die Reiſe fortzuſetzen/ das uns lieb ware/ und ich begleite te neben den Capueinern den Ambaſſadorn/ um von dem Kan, deme ereine Uhr und ein baar Piſtohlen verehrte/ Abſchied zu nehmen. Der Kan überſchickte jhme hingegen/ wie wir wiedrum zuruck waren/ ein ſchoͤnes Pferd/ und ein Füllen von zwey Jahren. Den folgenden Tag brachen wir auf Morgens um drey Uhr/ und reiſeten unſeren Weg fort auf Amadan, ſo drey Tag von Sneirne iſt. 1 Amadan iſt eine der groͤſten und namhafteſten Staͤdten in Perſien/ unden an einem Die ertadt Berg/ von dem unzehlich viel Quellen kom⸗ ada, men/ dit das gantze Land waſſern/ legend. Das Erdreich iſtan Korn und Reiß fruchtbar/ alſo daß damit die umligenden Landſchaften verſehen werden können; und um dieſer Urſach willen ſeynd viel der Meynung/ daß dem Koͤnig in Perſten/ Bagdat, keinen Nutzen bringe/ weilen jhne deren Underhaltung ſehr viel koſte/ und von Amadan zu bekommen/ was anderen dandſchaften nothwendig iſt. Hingegen kan der Groß⸗Turck/ vermittels der Nachbarſchaft Meſopotamien und Chaldeg/ den Lauf der lůſſen und der Araber/ welche der Perſtaxer einde/ gagdat leicht underhalten/ ſintemal in ſelbigem Land alle Lebensmittel in ſehr billichem Preiß/ und die Bauren nicht wiſſen/ wo ſolche zu verkauffen/ wann der Koͤnig in Perſien jhrer machtig iſt. Wir blieben zu Amadan ohngefehr 10. Tage wegen Regenwetter/ in welcher Zeit die Caravane nicht fortkommen kan. Underdeſſen wurden wir von vornehmen Kaufleuten/ inſonderheit von etlichen Chriſten von Babilon/ welche jahrlich nach Amadan und Iſpahan/ einzukauffen kommen/ beſucht; dieſelben waren erfreuet/ uns zu ſehen/ da ſie zuvor in Forchten ſtunden/ daß wir gebunden/ zum Bacha nach Bagdat, vermog Befehls/ ſo derſelbe dem Bacha von Karkouund Bey von Charaſſou, der das Commando an den Grentzen der Turckey 910 /geführet worden waren/ wie ſie vor jhrer breiſe vernommen. Die Muſqueten Schuſſe/ die wir auf dem Berg/ wie droben gemeldt/ gehoͤrt/ ſeynd von Leuten beſchehen/ welche uns ſuchten/ um uns ein ſchlimmes Spiel zu machen; und wann die ſes Unglück uns getroffen hatte/ ware die Ur ſach allein denn Venetianiſchen Ambaſſadorn/ und der Boßheit eines Rabbi/ welcher mit uns von Alep in der Caravane verreiſete/ beyzumeſſen geweſen. Als dieſer Rabbi ſahe/ daß die Zeit kurtz/ um in Perſien das Lauberhütten⸗Feſt/ welches nahe war/ zu halten/ und wir noch einen weiten Weg biß — f 4 ——T̃ͥ̃—-—:.——— ————̃—ʃb PPTP r 3— O table, ner Porcelinen Schüſſeln eine gewiſſe Bru J eiſen h lieſſe er a teitdes De, ner Porcelinen Schuͤſſeln eine gewiſſe Brühe nach Iſpahan zu reiſen hatten/ verlieſſe er uns dugheit e gerinnt oder Suppen wark/ ſo die Hitze lange behalt/ zu Ninive/ um mit den Juden von Babilon esdkeb ea, f Algeſnndten nghme der Ambaſſador davon ein Löffel voll/ denen er viel naher ware/ das Heſt zu halten, chen Juden auß tat AN. 4 ———— Auderes Duc. auß Boßheit zu ſchmeichlen/ bemuhete derſelbe den Bacha, daß er in der Caravane ein Francken/ der das Anſehen eines Spions/ und Abgeſandcen nach Perſien/ der Heeꝛſchaft Venedig hatte/ weil er keine; Ballen wie andere Kaufleut ſondern allein drey groſſe Trußen mit ſehr ſchonen Kleidern und Gerathe hatte. Dann die Venetianer dieſelben oft/ entweders auß Pracht oder Unverſtand aufſchlieſſen/ und jederman Kleider von Artlas und Procatel piegel und ander Geraͤth vor Augen legend/ beredle der Rabbi/ der alles wol in acht genommen den Bacha, daß ſolches Berehrungen an den Perſtaniſchen Hof zu geben/ verordnet waren. Micht ohne itt da wir auß dem Türckiſchen Gebiet waren/ hat er ſich offent lich zu erkennen gegeben/ und legte an den Tag/ wie droben gemeldt/ alles was ſeine Truhen in ſich halten. Aber ſeine Qualitäten ſtimmeten mit dem Namen eines Abgeſandten ſchlecht überein/ derſelbige ware alſo genau und karg in allen Itücken/ daß wann man zutveilen einem Bedienteneines Kan oder denen Bauren/ die uns eüugeeErfriſchungen überbrachten/ eine Danckbarkeit erweiſen muſte/ er niemalen die Hand inden Beutel gethan/ alles muſte der Meinige entgelten dahingegen ihm alle Ehr wider⸗ B fuhre; welches Urſach/ daß ich entſchloſſe mich von jhme abzuſondern/ gleichwol meinen Dolmetſchen neben den zween Capueinern demſelben uberlaſſend. a Nachdem ich etliche Tag zu Amadangeblieben verreiſete ich von dar mit drey Knechten/ und einem Wegwelfr⸗ auf Iſpahan/ dahin man zu Pferd den neunten Tag gelangen kan; die Caravane, ſo langſam gehet/ bringt doppelt ſo viel geit biß dahin zu. Weil ich nicht geſinnet ware/ zu Iſpahan lang zu verbleiben/ ſondern ohne Verzug nach Indien mein geiſe fortzuſetzen/ wolten die Holländer nicht zugeben/ daß ich anders wo als bey Ihnen die Einkehr nehmen ſolte. Als der Nazar, oder Groß⸗Hofmeiſter des Konigs vernommen/ daß der Abgeſandte/ welchen ich bey der Caravane hinderlaſſen/ in wenig Tagen ankommen ſolte/ bathe er mich/ jhme denſelben zu beſchreiben. Um Reſpeck unſers Europa/ wolte ich jhmme nicht offenbahren/ was ich ungereimtes an dem Abgeſandten wahrgenommen/ ſondern thate der leichen/ ob hatte ich mit demſelben kein großß ö 0 Abend vor des Ambaſſadorn Ankunft lieſſe der Nazar nach Gewonheit allen Francken im Namen des Koͤnigs anzeigen/ daß ſie dem Abgeſandten entgegen gehen ſolten/ welches alſo beſchahe; wir geleiteten denſelben gleich anGemeinſchaft gemacht. Den groſſe Ubelthat ware/ geſchritten/ komt man in einen Gang/ allda einer Seits viel Kammern/ ſo den Ubelchaͤtern für eine Zuflucht oder Freyheite⸗Ort dienen/ darauß auch ſelbſten der Konig ſie zu fordern nicht befügt iſt. Den Tag/ an welchem der neue König in offenrlicher Erremoni das Zeichen der Königlichen Wurde empfängt/ ſchreiter derſelbe uber dieſen Stein/ und wann ohngefehr er ſolehen berührte/ wurden die an der Pforten ſtehenden vier Wachter ſich in Poſtur ſtellen/ ihne hart zuruck zu ſtoſſen. Der Ceremoni⸗Meiſter wolte darguf den Venetſaner in ein koſament/ ſo der Konig gewohnlich den Abgeſandten nach Stand der Fürſten/ von denen ſie geſchickt werden/ ein. gibt/ geleiten; und gienge das Geſchrey/ daß dieſer Geſandte von drey groſſen Monarchen= und einer maͤchtigen Republic geſchickt worden. Aber er bedanckte ſich/ und um Urſachen/ die er hatte/ war ihm lieber/ bey Herꝛn Pietro Pentalet, eines Geſchlechts von Venedig/ eine Einkehr zu nehmen/ maſſen hne auch der Ceremoni⸗Meiſter dahin begleitet/ und das Mittag⸗Mahl tragen laſſen/ ob ſchon Pentaler hierzu bereits Vorſehung gethan hatte. Wie Arabiſch/ Indianiſch/ Syriſch und Malayiſch/ welches der Gelehrten Sprach von dem Fluß Indus biß in China und Japon; und in dem mehrern Theil der Orientaliſchen Inſulen/ gleich wie Latein in unſerem Europa/ die kleine Moriſche oder gewohnliche LandsSprach nicht gezehlet; derwegen iſt ſchwer zu behalten/ was in einer ſolchen Geſellſchaft geangefangen/ in einer andern fortgeführt/ und in der dritten geendigt werden kan; dann wegen der Undermiſchung der Nationen oder Volckern ſeynd wenig Turcken und Armenier/ die nicht drey oder viererley Sprachen Die Hoͤfichkeit der Perſianer iſt groß/ und der Ceremonien⸗Meiſter ſagte zum Ambaſſadorn/ daß dafern demſelben die Perſianiſche Küchen nicht beliebte/ er von Atemadoulet, welcher ſo viel als ein Groß⸗Vezier in Turckey it, Befehl hatte ihme an ſtatt der Speiß Gelt anzubiethen/ um ſich auf ſeine Art tractieren/ und die Speiſen nach ſenem Geſchmack Der Abgeſandte/ welcher Kargbeit zuruſten zu laſſen. wir in der halben Mahlzeit waren/ hatte ic egierde zu wiſſen/ wie vielerley Sprachen allda geredt wurden/ die ſich dann biß in dreyzehen an der Zahl hefunden; nemlich/ Latein, Frantzoſiſch, Teutſch/ Engliſch, HollandiſchItaliqniſch/ Vortugeſiſch/ Perſiſch/ Turckiſch/ redt wird/ weilen ein Geſprach in einer Sprach 4 f b Über die maſſen karg ware/ acceptierte dieſes dieſes Ge Ankum fangs zu des Ali Pforte/ ſo an den Koͤniglichen Anerbiethen galt willig; und zwo Stund handle eee Pallaſt tcoſſet. Es iſt die Gewonheit/ daß all hernach wurde ihm ein Sack mit 50, Tomans, 70 Age; Almbaſſadoren dieſe Pforte verehren/ wegen ſo ungefehr 800, Kronen/ überbracht. Alle. Jſonhan, eines weiß Marmor rund⸗gewolbten Steins/ Francken über dieſen ſchandlichen Geitz geareo zur Treppe dienet; welcher/ wie darfür ge⸗ gert/ hielten hinfort nichts mehr von dem Abhalten wird/ vor Altem auß Arabien/ da dieſer geſandten/ und lieſſen hne allein ſeine Küchen/ drophet ſeine Wohnung hatte/ gebracht wor⸗ die kahl genug ware/ verwalten; ſintemalen er den ſeyn ſolte. Wann man über dieſen Stein/ ſich oft mit einer Ruben oder Swibel/ als in denſelben ohn berührt/ dann im Widrigen eine dieſer Filtzgkeit auferzogen/ beghiigte. Ekliche 1 Tag l eibini den Müͤhſtliche Schreiben 82 Tag hernach hatteer bey dem Konig Audientz deme er ſeine Credentz⸗ Schreiben/ nemlich wie droben gemeldt/ vom Pabſt/ Kayſer/ König in Pohlen/ und der Republie Venedig præſenam perſiſche tierte; die von den drey letſten Standen wurHof verwvorffen. Schlechter Urſprung und Qualikaͤten des Venetianiſchen GeHaudten. den wol aufgenommen/ weil ſie mit güldenen Junftegeln/ und das Papier mit guldenem Laubwerck geziert/ gleich wie gegen den Furſten/ und inſonderheit in Aſien gebrauchlich; aber das Schreiben vom Pabſt ward mit Verachtung verworffen/ weilen ſolches nur ein bleyern Inſiegel hatte/ gleich wie gewoͤhnlich an die Bullen gehaͤngt wird/ und war nur au ein ſchlechtes Blatt Papier geſchrieben; dann die Koͤnige in Perſien/ die in dieſem Stuck empfindlich/ wollen/ daß ein Ding ein Anſehen habe; im Widrigen nehmen ſie es für einen Schimpfauf. Dominieo de Santis hafte viel beſſer gethan mit dem Stand eines Geſandten ſich zu behelffen/ als den Namen eines Ambaſſadorn/ welche Stell er ſo ſchlecht vertreten konte; und die auch demſelben von einem rechten Ambaſſadorn auß Pohlen/ der wenig Zeit hernach zu Iſpahan anlangte/ und ſeine Stelle wol beſſer zu verwalten wuſte/ geſtritten wurde/ anzunehmen. Alle Francken giengen demſelben entgegen/ der Ceremonien⸗Meiſter fuhrte jhne in ein ſchoͤnes Loſament/ und als er jhme ein gleiches Anerbiethen/ wie dem Venetianer beſchehen/ thate/ entweders die Kuchen/ oder Geſt? Antwortete er hoͤflich/ das/ was dem Koͤnig beliebte/ jhme Speiſen zu ſchicken/ er es für eine groſſe Ehr halten wolte. Und wann es um Gold zu eſſen/ zu thun geweſen ware/ der Konig in Pohlen/ ſein Herd/ hme den Laſt von dreiſſig Maulthier mitgegeben hätte. Dergleichen Leute ſeynd zu dieſen Geſchaften tüchtig/ und deren ſollen die Chriſtlichen Fürſten in ihren Geſandſchaften nach Oſten/ inſonderheit nach Perſien/ da man liſtig/ und mehr als in gantz Aſien politiſch iſt/ ſich gebrauchen.. Die Geſchichte des Venerianers zu endigen/ muß der Anfang und das Ende zuſammen begriffen werden; Ich will kürtzlich die Perſon beſchreiben. Als ein Indianer/ der von Natur ein gutẽ Verſtand hatte/ ſich zum Chriſtenthum bekennt/ in den geiſtlichen Stand getretten/ und zu Rom ſich befunde/ ſeine zu oa angefangene Studien gußzufüühren/ wurde er hernach von dem Pabſt/ der /hn lieb gewanne/ fur einen Vicarium nach bemeldtem Goa verſchickt. Dominic de Santis, der dazumalen zu Rom war/ begabe ſich in ſeine Dienſte/ und folgte demſelben biß in Indien/ allda ich hne Das erſte mal in ziemlich elendem Zuftand geſehen; bey ſeiner Wiederkunft zu Venedig/ da er zuvor gantz nicht geachtet worden/ beredte er die Leut/ daß er die Handlung in Aſien vollkommen wol verſtünde/ ſo daß einge Perſonen jhme einige Waar“ die durch Schifbruch hernach zu Leide zu Grund gienge/ vertrauten. Wie derſelbe nun hierauf gantz enitblöſſet ſich befande/ kehrte er wiedrum nach Goa allda er von einigen guthertzigen Perſonen 800. Kronen zu einer Steuer bekommen. Darauf beReisbeſchreibung in Perſien/ gab er ſich nach Iſpahan/ da er den Pater Rigordi, Jeſuiten/ mit welchem er bald Kundſchaft machte/ angetroffen. Von Iſpahan giengen ſie mit einander in Pohlen; als Dominico de Santis allda an dem Hof ſich ruͤhmte/ daß er groſſe Wiſſenſchaft in Aſien erlangt/ und jhme der jetzige Zuſtand vollig bekant/ vertraute jhme der Konig die Commi tion, davon droben Meldung beſchehen/ nach dem Perſianiſchen Hof. Dieſem folgte der Kayſer/ und thate die Herꝛſchaft Venedig desgleichen/ und dieſe machtigen Fuͤrſten/ um deſſen machen/ verleiteten auch den Pabſt ſich zu intereſſieren. Aber dieſer Dominico de Santis, und andere ſeines Gleichen/ die in Aſien ohne Mirtel reiſen/ und den Verſtand nicht haben/ die Geſchafte mit guter Manier und behoͤrender maſſen zu verwalten/ bringen ſich nur in Verachtung/ und der jenigen Furſten/ von denen ſolche Leute geſchickt werden/ Ehr und Reputation in Schimpf. Es ware eben der Pater, welcher nach Seide verſchickt worden/ und von dar ohne ſeiner Vorgeſetzten Befehl f. Geſandſchaft anſehnlicher und wichtiger zu 2 mit einem jungen Handelsmann von Marſeille, deme zu einem Gewerb drey oder vier tauſend Kronen uͤbermacht worden/ verreiſet. Er beredte jhn/ daß er durch ſein Anſehen und Credit ein groſſer Her zu werden Hofnung haben koͤnte: Aber als derſelbe zu Goa ankommen/ ohne Ordens⸗Brief/ gaben die Portugeſen/ welche anderer Nationen Geiſtlichen wenig geneigt/ jhme bald Urlaub/ und er kame wiedrum nach Iſpahgn. Wie derſelbe allein durch unnuͤtze Handel leben konte/ ſchmeichelte er ſich bey Hof ein/ mit dem Vorſchlag/ ſo er groſſe chor. ſich erkuhnte zu thun/ eines Heyraths des Ko⸗ heit eines 9. — nigs in Perſien/ der jung und ſchoͤner Geſtalt Sete. war/ mit dem Fraͤulein von Orleans, under dieſem Vorwand ward er bey dem Konig angenehm/ der jhme eine gute Underhaltung verordnete/ und einige Verehrungen gabe; Als Mademoiſelle von Orleans zu Paris die Thorheit und Verwegenheit dieſer Perſon vernahme/ hatte ſie mit den jenigen/ die ihr dieſe Zeitung ſagten/ nur ein Geſpoͤtt. Wasden Venetianer anbelangẽ thut/ dorfte derſelbe durch Turckey nicht in Europa kehren/ weil jhme bewuft daß er verkundſchaft ware/ un man under Wegs auf ihne ſpahete. Arema· doulet, der deſſengern loß geweſen/ bathe einen Moſcowiter⸗Abgeſandten/ der wieder zuruck reiſete/ ihn in ſeine Geſellſchaft aufzunehmen/ welches dieſer mit Ehren nicht verſagen konte; aber wie ſie beꝛeit ward/ auf das Caſpiſche deer nach Aſtracan ſich einzuſchifft/ gabe der Moſcowit dem Venetianer zuverftehen/ daß er jhne nit weiter mitführen konte/ alſo daß er genötigt ware/ wieder nach Iſpahan zu kehren/ und von dar begabe er ſich nach Goa, allda die Portugeſen auß Gutmuthigkeit jhne nach Lisbova eingeſchiffet. Endlichen kame er nach Venedig/ aber an ſtatt wol empfangen zu werden/ fehlete es wenig/ daß der Rath mit einer Verrichtung uͤbel zu frieden/ nicht eine harte Straf an jhme verüben lieſſe.. ——ĩů————-ãĩ — „ Auderes Buch. —— Qaurem der Inſul ſeynd neben den Bürgern Das vt. Kapitel. ban ae e e Von dem Weg/ ſo der Author in ſeiner berg Auvergne zugehen/ und den Jirke(wel e en von Ge befand andere Fatnach donde und zuwrrderſt von n gokeen o h Sm aden der e e e ebene zen Rock von rothem Sammet/ auf dem vor Ader chaten von Markeille nach Ale. uh hindendes Ordens Creutz angetan; hal Buden? den Helm auf deim Haupt/ die Standarte auf 888 Mente Ach delt ich entſchloſſen/ zum vierten der Achſel/ und zu deſſen Seiten gehet einer des ene mal in Aſien zu reiſen/ beſchahe mein Groß⸗Meiſters page) in der einen Hand ein nach aten. Sc Aufbruch von Paris mit Monlicur Schwerdt/ und in der anderen ein Stilet hal dArdillere des Monlieur du fardin Sohn/ tend alles reichlich übebſetzt welches dem rden 18. Juni 165. Wit kamen an zu Lion den den von Kayſer Carl dem Fünften gegeben 2 cund dingten ein Schif biß nach Avignon, worden. Der page, welcher dae Sehtberdt lda den 2, Juli anfuhren. Den andern Tag und den Stilet truge/ ware Pabſt lanocentij nahmen wir Pferd biß nach Makleillen, alda des X. Efſckel. Abeba ſte bit an die Kirch„den é. ankommen/ und wie wir keine Gelegen⸗ Thür/ allda die Soldaten und Burger/ welche e heit nach Orient antraffen/ muſten wir daſelb⸗ vorgehen/ heederſeits ſich in Ordnung ſtellen/ „ ſten biß den 27. August ſo der ag Sk. Lud⸗ um den Ritter und Page durchzulaſſh: ſie wig war, verharren da wir uns in den Inſuln gehen all vor den groſſen Altar da ber Ritter auf ein Schif St. Criſping genant/ von dem drey mal mit der Spitzen der Standgrten die Eapitain Glatze von Mapſillten comman⸗ Erden berührend/ Reverentz machen thut ünd diert/ begaben. Den 26. ſegelten wir ab mit ei⸗ wann er ein gleiches vor dem Groß⸗Meiſter nem Nordweſt⸗Wind/ der den 27. und 28. verrichtet/ ſtellet er ſich zur Rechten deſſelben zwar warete/ aber ſo ſchwach wurde/ daß nach⸗ Stuhls/ und der bage zur Lincken/ das dem endlichen den 29. und z, ſolcher in Nord⸗ Schwerdt und den Stilet aufrecht haltend. Nord⸗Oſtſich kehrer/ wir die Fahrt richteten/ Die Meß wird nit der Muſic geſüngen/ und Die Inſul Sardinis ins Geſſcht zu bekommen. bey dem Evangelio nimt der Groß⸗Meiſter Den r. Septemb. blieben wir auf dieſer Farth⸗ das Schwerdt und den Stilet auß der Hand des Page, halt dieſelbe die Spitze in die Hohe/ konten licht weit fortkorumenvegen der Stille. Den Zweyten wit der Saen Ausgang T!!! pn. — . —— befunden wir uns an der Kuſten Sardinien/ ſo gegen Niedergang ligt und ohngefehr 6. Meil von dem Land/ da es ſtil worden/ erblickten wir ein Schif/ welches durch ſtarckes Rudern die Flucht zu nehmen begunte. Um den Mittag/ als der Wind wieder Nordweſtentſtunde/ richteten wir uns ferner unſere Reiſe fortzuſetzen; und den Dritten ſahen wir auf der Küſten Africa, die Inſul Galita genant. Den 4. erblickten wir die Inſil Zambino, die vor Tunisligt/ und zu Abend das Vorgeburg 5 Bon, welches die Mitternaͤchteſte Spitzen Alfrica iſt. Den. ſahen wir die Inſul Pantalaria, und die Küſten Sicilien. Den 6. die Inſul Goze: Und den 7. das Schloß dieſes Namens. Weil der Weſt⸗Wind aufſtund/ konten wir Malta nicht erreichen/ ſondern blieben den Tag uͤber in der See. Zu Abend kam ein Nitker⸗Haupkmann des Hafens mit einem Schifein zu unſerem Schif/ und empfienge unſere Patenten. Wie um Mitternacht der Oſtwind al zund enkſtund/ wurden wir in den Hafen getrieben/ * bbc da wir den 8. um 4. Uhr Morgens/ welches ein Freudenalten der Tag Marien Geburt ware/ einfuhren; um . Uhr lieſſe uns der Hauptmann des Hafens ein; und als wir aufs Land geſtiegen/ giengen wir die Ceremonien/ 0 jahrlich an dieſem Tag beſchicht/ um Gott zu dancken/ daß die Tuͤrcken vor dieſem an gleichem Tag die Belagerung dieſer Stadt aufgehoben/ zu beſehen; und das beſchicht auf folgende Weis: ö Der Groß⸗Meiſter gehet in die Kirchen t. Johann/ von allen des groſſen Creutzes/ mit jhren Comether⸗Roͤcken bekleidet/ und dem mehrern Theil der Rittern begleitet. Alle und liefferts jhm nicht eher wiedrum/ biß nach vollendeter Meß. Indeme die Erhebung beſchicht/ macht der Ritter eben die Eexemoni/ die er im Eingang verrichtet; und dazumalen werden alle Glocken geläutet/ das Geſchutzloß gebrant/ und von den Soldaten dreymal Salve gegeben. Nach geendeter Meß gehet der Groß⸗Meiſter auß der Kirchen/ begleitet wie zuvor; und uber das von der ganzen Geiſtlichkeit/ ſamt dem Fußvolck/ ſo vor her gehet/ nach unſerer Frauen Kirchen des Siegs/ alles in Proceſſion.Alldieweilen dar inn die Andacht verrichtet wird/ thut das Fuß volck noch eine Salve/ deren auß dem groben Geſchutz beedes der Stadt/ und der in dem Hafen ſich befindenden Galleern geantwortet wird. Nach dieſem gehen ſie all wiedrum nach St. Johanns Kirchen in gleicher Ordnung/ und alsdann wird die Standart von den Soldaten wieder nach ihrer Herberg begleitet/ und der Groß⸗Meiſter kehret wieder ſamt den Commethern und Rittern nach ſeinem Pallaſt. en 9. brachten wir die Zeit zu/ die Schantzen zu beſehen/ auf welchen ſehr ſchoͤne Stuck ſtehen/ dieſelbe zu beſchutzen. ö Den 10. Nachmittag/ hen wir die Übung der 10 vor dem Groß⸗Meiſter in einem Saal ſeines Pallaſts/ da viel mit dem groſſen Creutz ſich befunden; dieſe Ubungen beſtehen in Voltigieren/ Fechten/ mit der Piquen ſpielen und dieſes beſch icht ſahrlich nur einmal/ in Gegenwart des Groß⸗Meiſters/ welcher nach Endung dieſer Kurtzweil jhnen allerley Zuckerwerck in 5. oder 6. groſſen Becken bringe laſſen. Den r beſahen wir das Zeughauß/ allda 8 wie man mich ver ſichert/ Gewehr um y. in 2d. tauſend 84 dengetd, kaußend Mannaußzurüͤſten/ iſt wol underhaldan r u ken/ und in ſchoner Ordnung. 0 Den 12. beſuchten wir das Krancken⸗Hauß/ da die krancken Ritter mit Silber⸗Geſchirz bedient werden/ ſo wol Arme als Reiche. Den 13. beſichtigten wir den Flecken/ welches die alte Stadt. Und den 14. die Auſſenwerck und das Capuciner⸗Kloſter/ und die folgenden Tag biß den 19. fuhren wir in Schiffen um die Inſul ſpatzieren. Den 20. um 10. Uhr Vormittag/ ſagleten wir ab mit einem Weſt⸗Sud⸗Weſtwind/ der biß den 22. wahrete; aber als auf den Abend der Sud Sud⸗Weſt/ und ziemlich ſtarck entſtunde/ ware ſolches ein Urſach/ daß wir den az. die Küſten Moree, deme ziemlich nahe um das Land/ ſo Navarin ware zu erkennen/ geſehen. Den Abend ſahen wir die Stadt Coron, da mit Baumol ein groſſer Handel getrieben wird. Auß dieſem Hafen fuhre die Turckiſche Armee/ an. 16 4. da ſie inCandien marſchierte, Den 24. um Mitternacht hatten wir den Oſt⸗Nord⸗Oſt⸗Wind. Morgen erſahen wir das Vorgebuͤrg Matapan, welches eine Spitze von Morenland/ und die Mittagigſte gantz Europa iſt/ und zu Mittag die Inſül Cerigo, allda wir drey Schiffe/ die uns mehr als drey Stund jagten/ ins Geſicht bekamen/ welches uns glauben machte/ daß es See⸗Nauber waren; aber als dieſelben ſahen/ daß hre Verfolgung vergeblich/ verlieſſen ſie uns. Den 25. näherten wir gegen der Inſul Candia, lind den 26. ſahen wir einen Berg dieſer Inſul Cameliere genant/ und etliche Spitzen Land gegen Mittag gehend. ins Geſi deren zwey 6. Stund lang uns 0b So bald wir dieſelben erblickten/ ſaͤgleten wir mit aller Macht gegen Suden/ weil ſie den Wind auf uns hakten; aber als dieſelben gefehen/ daß ſie uns nicht erreichen konten/ lieſſen ſie auch ab zu folgen/ alſo nahmen wir/ nachdem wirs auß dem Geſicht verlohren/ wiedrum unſere vorgehabte Fahrt. Von dem 27. biß nach Alexandretten funden wir das Meer gantz voll Bimsſtein/ und ſolches kame her von einem Erdbeben/ welcher kurtz zuvor den halben Theil der Inſul Santorini in Abgrund geſtuͤrtzt. Man vermeynt/ daß dieſes der Schwebel/ deſſen die Erde voll/ und darein das Feuer kommen/ verurſachet/ welches 750, dieſer Inſul Einwohnern/ die ſo wol in der Zerſtoͤhrung als von Schrecken umkom̃en/ das Leben gekoſtet; die Uberbliebent wurdẽ a gleich einer Kohlen/ un der Dampf/ welcher au deſſen Abgrund aufſtiege/ ſchwartzete nicht nur die in der Inſul/ ſondern biß nach Conſtantinopel alles Gelt ſo ſich befunde; und das Getos dieſesErdbebẽ ward biß nachsmyrnengehört. Den 28. Morgens ſahen wir abermal ein Schif/aber ein jedes fuhr ſeſnes wegs fort/ alſo daß wir ſolches bald auß demceſicht verlohrkDen 29. mit anbrechendem Tag erblickten wir die Inſul Copren. Wir fuhren gegen Norden/ um den Hafen/ dahin wi zu fahren willens waren/ zu erkennen/ aber die Stille ver5 Reis beſchreibung in Perſien/ hinderte uns, Um flinf Uhr Abends entſtunde der Wind Oſt Sud⸗Oſt/ welcher uns wiedrum in unſeke Fahrt richtete/ und gegen Mitknacht bey dem Mondſchein kam uns ein Schif ins Geſicht. Weil ſolches ſeine Fahrt nicht anderte/ vermeynten wir/ es ware ein See⸗Rauber/ und hielten uns zum Widerſtand in Bereitſchaft; aber wie das Schif nahe war/ erkanten iir daß olcher ei Griachſch ga mouſalilwar/ welches auf Ale xandrette fuhre. Den 30. nachdem es Windſtil biß Mittagg gerveſen/ entſtunde ein Oft Sud⸗Oft/ mit dem wir ſtaͤts gegen Land fuhren. Denn. Ockob. um d. Uhr Morgens anckerten wir vor den Salines, welches ein Hafen der Inful Puten aaldaunſerecoglulesſich aufhaltk. Den a. ſtiegen wir aufs dand/ un den Fi vielen Chriſten des Lands/ die allda angetroffen/ wie ſie ſich erhalten/ und jhren Tribut bezahlen koͤnten? Sie ſagten mir/ daß ſolches mit groſſer Mühe beſchehe dann weil groſſer Gelt⸗Mangel in dieſer Inſul/ konten ſie nichts getwinnen; und daß ſolehes eine Urſach/ daß 00 3. oder 4. Monat uber 400. Ehriſten/ weil ſie ſhren Tribut/ ſo der Groß⸗Turck von allen Chriſten ſeines Reichs fordern laſſet/ nicht bezahlen konten/ ſich um Mahometiſchen Glauben bekennt. Er fordert jahrlich von einem der Aerimſten 6. Piaſtres, aber es ſeynd Theils/ die oo. biß yo. bezahlen; und dieſer Tribut iſt jhnen von dem ꝛ8ten Jahr an auferlegt. Mir zweiffelt nicht/ daß von Reiſenden del Beſchreibungen der Inful Cypren bereits Den 27. Morgens kamen ims fuͤnf Schiffe an dem Tag aber das ſolle gleichwol nicht hindern/ daß ich auch vermelde/ was über den jetzigẽ Zuſtand dieſer Inſul/ deren ich mich jedes mal/ da ich Gelegenheit hatte/ daſelbſten zuverharrt/ fleiſſig erkundigte/ in Obacht genommen habe, Die Inſul Cypren iſt eine der Namhaffteſtẽ des Mittellandiſchendheers/ und mehr im Auf⸗ hr tzoſiſchen Burger meiſter zu beſuchen/ welcher en uns freundlich empflenge. Ich erforſchete von brenn * * Beſchreiung der Ingang als alle andere hat den Namen eines Kos ſul Epen. nigieichs/ und ungefehr 100. Italianiſche Meil Uunkreiß; jhre Breite iſt ungleich/ in jhrer Vorſtellung iſt dieſelbe gleich einem Triangel/ deſſen Ecke auch ſehr ungleich ſeynd. Sie hat viel Vorgeburge/ deren die Vornehmſten St. Epiphanio/ſo gegen Nidergang; das von Cate gegen Mittag/ das Vorgeburg Dis grega, gegen Winter⸗Aufgang/ das Vorgebürg Cormachiti gegen Norden ſehend/ und das Vorgeburg St. Andre, pelches die Orientaliſche 10 900 Spitzen der gantzen Inſul iſt. Der Inſul vornehmſte See⸗Port ſeynd Salines oder Larneca, da der Franes Burgermeiſter ſich aufhalten/ und davon anderſt wo Meldung gethan habe. Die von Faphound Cerine oder Cerigni. Der Halen zu Famagouſtaiſt für groſſe Schif unnutz allein Kleine und Leichtekonnen dahinein tonnen. Die Venetianer hatten vor dieſem daſelbſten eine Vormaur für etliche Galleern machen laſſen; nun aber iſt ales zerſthrek. In den Hafen Cerines lenden an die Schiffe un Galioten auß Caramanien und e kommend/ und daſelbſten ſteigen aufs dand die Bachas CCCP —. n L—2A—ꝗ4.— ——— n——— ů——ͤ ů ꝛůw—ͤ Anderes Buch. Bachas oder Gubernatorn der nſul/ wann dieſelben von Conſtantinopel jhr Regierung enzutretten kommen. Nicoſie iſt yr gewohnliche Resten. Dieſe Stadt iſt faſt in mit ten der Inſul/ und ware vor dieſem ſehr groß/ wie ſolches der Begriff jhrer alten Mauren davon noch etwas übriges geſehen wird/ zu erkennen gibt. Die Venetianer hatten ſolche biveſtigen laſſen/ aber die Bollwerck ſeind nicht erhoben noch vollführk wie nach dem Abriß ſeyn ſolten. Die neuen Mauren ſeind inwendig mit einem Waal beveſtiget und zur Gegenwehr baſtand. Die Stadt hat drey Thor eines gegen Auffgang das Thor Fama gouſta, das andere gegen Niedergang Papho, und das dritte Cerines genennt gegen Norden. Die Stadt iſt nicht Unluſtig/ und haben die Venetiager ſchone Pallaſt dar inn bauen laſſen aber die Turcken ſchleiffen ſolche taglich /n. Hofnung el wann einen verborgenen Schatz zufind verkauffen die Steine/ mit denen hernach neue Gebe gemacht werden. Die Tuͤrcken haben die Haubt⸗Kirchen St. Sophien genannt/ um derſelben für ihre vornemſte Moſqueen ſich zu bedienen/ eingenommen; auch über diß kine andere Kirchen des Kloſters St. AuguſtinOrdens. Die Griechen haben daſelbſten vier; wo/ nemlichen Frantzoſiſcher alienſcher Soccolaner Kirund die Francs Capuciner und chen. Dis erſte t die Kirchen St. Jacob genennt/ und den andern die zum H. Ereutz zuſtandig. Die Armenier haben auch eine zimlich ſchone Kirche/ und die zu Zeiten der Francs ein Kloſter ber Nonnen Cartuſitaner genennt geweſen; welches die Graber ſo noch in dein Hof der Kirchen gegrabene Bildnuß der Nonnen und mſonderheit einer Abliſſin mit einem Stab und bie Schrift um den Stein in Frantzoſiſcher Sprach geſehen werden/ zu erkennen gibt. Die Stadt ligt ungefahr in mitten des Felds der Inſul/ an einem ſehr ſchoͤnen und temperierten Ort in einem ſehr fruchtbaren Erdrich/ da Uberfuß von Waſſer/ iſt langer als breit/ und hatte vor dieſem neun Meil Umkreis/ aber als die ge e beveſtigen wolten, habe ſie ſolche in drey Meilen gebracht. Die. Vercke waren alſoſchön/ und die proportion alſo wol und ſſeiſſig in allen Stücken beobachtet/ daß die berumteſten Kriegs⸗BauKunſtler ſolche für die ſchonſte und beſte Veſtulig der e Groß⸗Türck Selim 1 J. ein Kriegsheer under Befehl xlaltaphe ſeines groſſen Veziers dahin Famagouſta iſt eine See⸗Stadt gegen Auffgang/ und dieſer Inſul vornemſte Veſtung/ wol underhalten/ und das Schloß da⸗ ſt rin einem Caſtell gleich. Die Turcken haben 125 die Kirchen der Chriſten/ denen nicht erlaubt in der Stadt zu wohnen/ in Moſqueen verwandlet. Sie haben allein die Freyheit bey Tag hinein zu kommen/ und jhre Kraime bis Abends offen zuhaben/ alsdann ſie ſolche wiederum beſchlieſſen/ und injhre Wohnungen in die umliegenden Doͤrffer ſich begeben. Die Stadt wird von einem Bey der von dem Guberngtor * ufinden/ ſte Welt gehalten haben, wie der der Inſul undependierend/ und eine(alleen u Bewahrung deren Kuͤſten zu underhalten verbunden iſt/ regieret. N Cerines iſt ein andere Stadt/ ſehr lein/ Die Stadt und ohne Widerſtand/ deren grote Theil der Cerine⸗. Mauuen eieallag. An dern Seer it eite zm lich wol erbaute Veſtung darin eine d ee underhalke wird. Drey Meil von bieſer Staot iſt ein ſchoͤnes Kloſter/ von Griechiſchen Geiſtlichen/ in einiger Manier auff Frantoſiſch gebaut; ſie haben etliche Zellen am Ufer des Meers/ da ſie gute Fiſche fangen. Das ganze nachliegende eld bringt Baum wolſn⸗ welches des Kloſters vorne. Gegen Norden iſt allein dieſe nes; ſweil die Inſul weniger dißſen s! gegen Auffgang und Mittag; da aufer Famägduſta die Veſtungen de nes, Limilſo und Papho, Die Einwohner der Inſul ſeind wehrerkheils Griechen/ jnſonderheit in den Doͤrffern; Alle ſo wol Mann als Weibs⸗ erſonen Italieniſch geklehbet. Die Mannsperſonen tragen den Hut den Francken gleich/ und beobachten ſo viel imer moglich/ derſelben Gewonheit. Der Inſul Cypren Gewerb beſtehet in VBaumwollen/ ſo die ſchoͤnſte in gantz Auffgang iſt/ und in Seiben/ die ab er nicht ſch on noch in groſſer Partey zu finden. Die Inſul iſt von Natur zimlich fruchebar/ aber manglet genugſamer Einwohner dieſelbe zu bauen. Die Nahrung/ als Brod Wein/ Fleiſch/ Naß und Milch⸗Speiß ſeind ſehr wolfeilen Kaufs und Bautnol wird gemacht ſo viel/ als für das Land vonnothen. Was den Wein anbelangen thut/ bringt das and deſſen ſo viel/ daß auch bie umligenden Landſchafften damit verſehen werden konnen; und wird deſſelben an underſchidliche Ort/ ſonderlich in die Handels⸗Skaͤdt verführt. Der beſte wachſt unden an dem Berg Olympe gegen Mittag/ und iſt lieblich zu trincken. Die drey erſten Monat nach dem Herbſt bleibt ſolcher in angenehmer Suſſe/ aber hernach verendert er ſich in Starcke. Das Feld zwiſchen daicoſie und Famagoulte bringet den groͤſten theil Baumwollen/ wiewol um Paphos und Limiſſo auch viel gefunden wird. Der vornemſte Ort da die Seide gemacht wird/ iſt Cyrerea ein groſſes Dorff/ ſo mit einem kleinen Fluß auß dem Venus Brummen kom mend/ gewaſſert wird. Von dieſem Fluß werden viel Mühlen getrieben; ſo das vornemſte Einkommen des Bache von Cypren iſt. Es wird auch Seiden in andern Dorffern zwia wan Tamide und Papho geinacht; und auff em Weg fudet man eines biſcopi genennt/ alda ſeind Waſſerleitungen/ welche das Waſer in die Kammer und Gewolber da vor dieſem der Zucker zubereitet worden/ leiten; aber gun gehet das alles u Grund. Seit als die Inſul den Venetignern weggenommen/ hat ein Bacha der für Gubernaror dahin geſchicke worden alle Zucker⸗Nohr/ welche in einem groſſen Feld ſtunden/ verbrennen laſſen. Wann nan gegen dem Dreer gehet bey Limiſſe wind einer der ſchonſten Garten Cypren Chiri genennt/ geſehen, Er iſt ſehr groß/ mit einem herz 28 Sonderbarer Vagelfang in Cypren. 86 lichen Hauß und uͤberauß ſchoͤnen Pomerantzen⸗Garten verſehen. Das ware das Werck eines reichen Venetianers/ der an dieſem Ort ſein Luſt ſuchte/ und viel Guter erkauft/ die, noch viel Baumwollen herfür bringen. Die Spitze gegen Winter Aufgang/ da zu Verwahrung der Inſul ein kleiner Thurn erbauet/ hat den Namen von dem nachliegenden Ort/ und wird Chiti genennt.„ IndCyyren wird ein groſſe guantitat kleiner Vöͤglen den ſo genanten Ortolan gleich/ inſonderheit gegen denn Berg Santa Croce genennt/ gefangen. In den Monaten September und October/ pflegen die Bauren der umliegenden Doͤrffern/ in dem Feld da ſie wuſſen/ daß dieſe Joͤgel gewohnlich ſich niederlaſſn/ um den Saamen eines gewiſſen Krauts ſo in der Inful waͤchßt/ aufzueſſen/ Hutten aufzurichten; wann ſolches durꝛ/ uingeben ſie es mit Leimruthen und fangen auf dieſe Weis die Vogel; aber das muß beſchehen/ wann bie Luft kalt/ dann bey dem Mittags⸗ Wind werden keine gefangen. Ein Jahr iſt der Fang in groſſer/ andere in geringer Anzahl/ und dieſe Vogel ſeind medliche Bißlein für die Venetianer/ welche in der Faßnacht kein Gaſteren halten/ da nicht dieſer Vögeln aufgehaufte Schuſſel voll aufgetragen werden. Sie beffeiſſen ſich deren Jährlich einkaufen zulaſſen/ ſolche zu verfuhren bereitet man ſie auf folgende Weis: Nachdem dieſelben gerupft und in zweh Wall. Waſſer geſotten/ werdens mit Saltz und Eſſig in Faßlein eingemacht. Die Zuruſtung beſchicht zrwiſchen zwo Schuſſeln auf einer Feur⸗Pfannen/ und von ihrer Fettigkeit geben ſie ſelbſten Saft genug von ſich. Es werden deren zuweilen bis in 100. Faͤßlein auß Cypren verführt/ und ohne dieſen Bewerb wurden die elenden Chriſten der Inſul wenig Gelt zu ſehen allein andeuten/ daß dieſelben jhren GewonheiReis beſchreibung in Perſien/ Inſul ſamt dem Theil gegen Auffgang/ und die Biſchoͤffe ſeind der von Papho im Niedergang der Inſul/ der von Cerines in Norden/ und der von Larneca gegen Mittag. Von Religion der Griechen will weder an dieſem Ort noch anderſtwo Meldung thun; weil ich ver nim/ daß jhrer viel davon geſchrieben und ſolches eine bekandte Sach iſt. Will Etliche Ceremonien U eutigen ten und alten Ceremonien ſehr ſleiſſig obligen; Griechen. jhr Geſang iſt Muſicaliſch/ und gewoͤhnlich halten ſie groſſe Meſſen die lang wahren. An den Sonn⸗ und Feyrtaͤgen ſtehen ſie auf zwiſchen ein und zwey Uhr nach Mitnacht Fruͤhmerten zu ſingen. Zu dem ende gehet ein angehender Prieſter von einer Porten zu der anderen mit einem Kloͤpel anzuſchlagen/ die Leute aufzuwecken/ in jhrer Sprach ruffend: Ihr Chriſten gehet in die Kirchen. Die Manner und alten Weiber/ welche eyferig/ ermanglen nicht/ ſich einzufinden; aber die Tochtern und jungen Weiber gehen zu Nachts wegen der Turcken nicht auß; ſondern kommen nur zurn Morgen⸗Gebett und der Meß/ ſo darauf gehalten wird. Es ſeind ſieben oder acht Dorf fer deren Einwohner mehrentheils Maroniten die von dem Berg Libano kommen. Sie reden under jhnẽ in den HaͤuſernArabiſch/ und Erie chiſch mit den rechten Volekern der Inſul/ ſie folgen der RomiſchCatholiſchen Religion/ und haben jhre Kirchen/ jhren Gottsdienſt Chaldeiſcher Sprach verrichtend/ fre. Der Luft in Cypren iſt nicht allerdings geſund/ und die Inſul den Heuſchrecken dermaſſen under worffen/ daß biß weilen von denſelben alle Frucht im Aufgehen abgefreſſen wird/ und alle Garten verderbt werden. Zu Zeit der Hitze begibt ſich dieſes Ungezifer in der Luft/ und verfinſtern ſolchen dergeſtalten/ als wann eine groſſe Wolcken ware; aber wann den Nord⸗Wind aufſtehet/ ſtürtzt er ſelbe in das Meer/ da ſie vergehen. Etliche Hei, bekommen. ä baldümer u Auf dem Berg Santa Croce, das iſt/ heiders f b A iges Creutz genennt/ davon ſolcher den Namen hat/ und das Volck des Lands ſagt; daß St. Heleng von Jerusalem kommend⸗ ein Stuck von dem Creutz Chriſti den Chriſten in Cypren hinderlaſſen/ welche auch 5 Kirchen von der Freygebigkeit dieſer Fuͤrſtin erbauet. Seithero haben die von dem Dorff Leucara ſolches von dorten weggenommen/ und in jhre Kirchen/ alda ichs geſehen/ getragen. Das Stuck iſt in groſſe des Ballens der Hand/ und in einem groffen Meſſingen Creutz mit außgeſtochenen Figuren eingefaſſet. Das Koͤnigreich Cypren hat einen ErtzDiſchoff und drey Weyh⸗Biſchoffe. Der Et Biſchoff hat l von Nic bavon Famagouſta und das Land ſo zwiſchen Nicoſie ud Famagouſte, Morées genennt/ ſamt der Landſchaft Nicoſie und allen umlieenden Doͤrffern dependiert. Derſelbe hat eine Wohnung eine Meil von Nicoſie, da er ſein beſtes Einkommen. Seit etlichen Jahren hat er die Kirchen ziehren/ und den groſſen Altar/ deſſen Arbeit ſehr ſchon/ mahlen und vergulden laſſen. Dergeſtalten hält der Ertz⸗Biſchoff under ſeiner Jurisc ietion das Mittel der ſeinen Titul von Nicolie, In dieſer Inſul ſind dreyerley Arten gefaͤrbter Erden/ nemlich ſchwartz⸗grau/ roth/ und gelbe/ die Venetianer führen eine groſſe Menge von dannen/ die ſie zu Duͤnche und dem groſſen Gemaͤlde gebrauchen. Man findet auch eine Grube/ auß welcher Feder⸗Alaun gegraben wird/ welches der Stein iſt DamiantIius genennet. Man halt darvor/ daß man vor Alters dieſelbe habe wiſſen als eine Art von Baum wollen zu zubereiten/ und zu ſpinnen/ wad darauß machen koͤnnen/ welche im Feur nicht verbrannte/ ſondern vielmehr vollkommen weiß davon wurde. Dahero vor dieſem die Indianer die Leiehnam ihrer verſtorbenen Leinwab durchs ja daß man es alſo zugerichtet/ daß man Lein9% 15 Konige in Schweißtücher von ſolcher geinwad gereinige weil das Schweißtuch nicht verbrennet/ und die Aſchen 5 darinnen blieben/ ſo ſie Na in die dazu aufgerichteten Graber ſeWann der Bacha von Cypren kommen will/ die Veſtung Famagouſta zu beſehen/ laßt ers den Bey ſo Guverneur davon iſt/ wiſſen/ einwickelten/ ind in das Feur wurffen/ damit/ wird. nde gen ben. ——— ⁊ꝗẽ-J—— N Des Heroen Taverniers 4 ö 1 Open en Nord⸗ Weſt/ ab und bekamen gegen Mittag bamagouſta ins Geſicht/ man ſagte n und ſtehet es in des Bey Macht/ ob jhn ſolches zu zulaſſen/ oder ob ers vor rathſam finde/ Ihme ſolches abzuſchlagen/ wie mehrmals geſchehen. Der Bacha Ali-Giorgi, ein ſchöner alter Mann/ von hundert und zwey Jahren/ zog von Nicolien in ſeiner Saͤnften mit zwey hundert Pferdten/ und als er eine halbe Mieil von kamagouſta war/ ſchickte der Gouverneur ſeinen Kutenant mit hundert Reuteren/ ihne zu empfangen/ und in die Veſtung zu begleiten. Die machten ſich aber alsbald bey des Bacha Sanfte/ von welcher die Seinigen zurück giengen/ und den andern Platz machten/ er doͤrffte auch nicht mehr als acht oder zehen ſeiner vornemſten Bedienten bey ſich behalten. In ſolcher Begleitung wurde er under Loſung der Stucke in die Veſtung gelühret/ und von dein Gouverneur auf das herolichſte tractieret. Der Bacha bliebe aber nicht uber Nacht da/ ſondern gieng/ ſo bald er den Ort beſehen hatte/ wiederum zu ruck/ und wurde von eben denſelbigen Neutern bis an den Ort/ wo ſie jhn denſelbigen Morgen abgeholet/ wiederum begleitet. Die Stucke wurden wiederum geloßt/ und weil es zünlich ſpaht/ maſte der gute Alte nahe bey der Stadt auf einem Griechiſchen Dorff ſchlaffen. Dieſes iſt mit wenmigem, was ich von dem gegenwartigen Zuſtand der Inſal Cypern habe anmerten konnen. Nun wollen wir unſern Weg weiter nehmen/ und nach Alexandretten kommen/ davon wir nicht mehr weit ſeind. Den dritten October/ um 3. Uhr des Morgens ſegelten wir mit dem Wind Weſtuns aber als wir noch zu Cypern waren/ Anderes Buch. den 7, ankamen/ weil wir uns geeylet/ und 87 ſehr gute Pferd angetroffen hatten. den Arabern/ und den Curden/ ſo in Aſſyrien wohnen/ Krieg gewveſel/ eher von da weggegangen wären. Dieſe/ nemlich die Curden ſchwünmen zum offtern mit jhren Pferdten/ wie ich im vorhergehenden Capitel erwehnet/ durch den Tyger⸗Fluß/ und nehmen der Araber Viehe weg. Wie ſie dann kurtz zuvor zwey Caravanen angegriffen/ deren eine von Alepo außgegangen/ und dreh Portugeſen ſamt einem Franeiſcaner/ ſo nach Goa wolten/ gantz Nackend außgezogen. 6 5 7 2 Den 28. December reiſeten wir mit andiazteü. unſern Bagage⸗Pferdten bis auf Moufal oder Ninive, und begaben uns den ein und dreyſſigſten fruhe um vier Uhr bey der Cara. vana, welche dieſen Tag nicht mehr gls vier oder fünff Stunde reiſele. Wir thaten bey nahe eben dieſelbigen Tagreiſen/ welche ich bey meiner dritten Reis beſchrieben/ und kamen ohne einigen unglücklichen Anſtoß under wegs/ den andern Jebrugrij zu aouſul an. Wir blieben bis auf den fünffzehenden alda/ dann weil wir den Tyger⸗Fluß hinab fahren wolten/ muſten wir ſo lang warten/ bis die Kilet, oder die im Land gebrauchliche Schiffe/ fertig waren. Dann die Leute an dieſem Ort halten keine fertig/ ſondern richten ſie erſt zu/ wa ſie deut und Guter ſehen/ ſo ſie fuhren ſollen Weil aber unſer viel waren/ muſten wir vier haben. Es fuhren zwar den Tag vor unſerer Ankunft etliche von da weg/ ſie kamen aber von Diar-bequir; und führten Kriegs⸗Munition nach Babylonien. Ju Alepo blieben wir von dem ſiebenden Ant n October/ bis auf den dreyſſigſten December/ Aero. wiewol wir/ wann nicht dazumal zwiſchen daß wir wegen des Kriegs zwiſcheu dem. Tuüͤrcken und den Venetianern/ nicht würden der Überfahrt zu Bohrus, zwey Tagreiſe 7 9 8 hinein gelaſſen werden. So viel ich von von der verfallenen Stadt Ninive gedacht/ laren art weitem habe erkennen konnen iſt der Hafen folgends gar beſchreiben: Ich habe geſagt/ 9 5 Ich muß dieſe Kilet; deren ich bey — ͤ—ꝛ—̃—— P wol verwachel/ und nicht ſo leicht darein zu kommen/ von der Stadt aber/ habe ich gar nichts underſcheiden konnen. 5 Den 4, wurden wir mit anbrechendem Tage die Syriſche Kuͤſten/ das Vorgebirg anger, und den Meerbuſen bey Anriochia gewahr/ und kamen des Abends an dem Meerſtrand bey Alexandretta. Unſer Vice. Conſul ſchickte ſo bald ſeine gewohnliche Botten nach Alepo, von den beyden Tauben aber die er fliegen lieſſe/ koͤnte nur eine durch kommen/ die andere muſte/ weil es all zu dunckel war/ wieder umkehren/ wir aſſen mit dem Engliſchen Vice-Conſul zu Nachts/ und ſchlieffen auch bey ihm/ auf Hollandiſcher Seiten war damals keiner da/ und verrichtete der Frantzoͤſiſche Vice-Condul ſein Amt.. N Den 5. hatte uns unſer Vice-Conſul zu Gaſt/ und thate uns ſamt dem Engliſchen Vice-Conſul allen benoͤthtigen Vorſchub zu unſerer Reiſe/ nach Alepo, da wir I. Theil: ber den erſten erhoͤhet. 8 l die Ruder⸗Kniecht/ deren an jeder Eck des daß ſie von Stangen/ wie das Floͤß⸗Holtz iſt/ gemacht ſeynd/ dieſes iſt aber dabey zuwiſſen/ daß da die andern Stange rund/ dieſe vier eckigt ſeynd/ ja der gantze Kilet iſt ein viereck von ſechs und ehe Schuhen/ und wird doppelt gemacht/ damit die Reiſende oder die Guter nicht naß werden/ zu dieſem End iſt gleichſam ein anderer Kilet, zwey oder drey Schuhe hoch uDamit aber vor Eilets einer iſt/ Platz bleibe/ iſt der oberſte rings herum zwey Schuß breit/ ſchmaler als der underſte/ ſo einer Galerie gleichet/ under welche ſo viel Schlauche angemgchet ſeind/ als des Eilets 1 0 und die Laſt ſo darauf geſaden wird/ erſordert. Es ſeynd deren bißwellen bis guß drey hunhalle wol hundert und funſſtzig. Dieſe Schläuche e Voce Ha wann ſie orgens und Abends h 5 ** 8 uten/ und Seine Ab88 ſen werden/ ſehen ſie hernach/ ob von den ſcharpffen Steinen und Aeſten ſo man im hinab fahren in dem Strohm antrift/ aufgeſprungen ſeind. Auf unſerm Eilet waren dreyſſig reiſende Perſohnen/ und ſechszig Cemner Kaufmanns⸗Gütter/ nach dem Gewicht zu Alepo, welches nach Pariſer Gewicht drey und dreyſſig tauſend fund machet. Auf dergleichen Floſſen ſeind wir den Tyger⸗ Fluß hinab/ bis auf Babylonien gefahren. 1 Das VII. Capitel. Darinnen ferner von des Authors Weg auf ſeiner vierten Reiſe in Aſien/ und abſonderlich/ von Ninive auß bis nach Babylonien den Tyger hinab/ gehandelt wird. wir ſechs Stund lang fortgetrieben/ blieben wir bey einem warmen Bad/ ſo einen Muſqueten⸗Schuß weit von der Tyger iſt/ über Nacht. Es war damals eine groſſe menge Krancken da/ die in dieſem Bad verhoften wieder geſund zu werden. Wir hielten die gantze Nacht Wacht/ weil man aber an dem Ufer des Fluſſes/ alwo mit fleiß gleiche und ebene Platze gemachet ſeind/ ſchlaffen muß/ konten wir ſo wol nicht Achtung geben/ daß nicht des Nachts etliche Araber under dem Waſſer herüber ſchwammen/ und einem Kaufmann zwo Decken/ einem Türcken aber von unſerer Caravana. ſo im Bad war/ das Kleyd weg nahmen. So bald wir den Diebſtahl innen wurden/ grieff ein jeder zu ſeinem Gewehr/ und ſchoſſen zwey oder drey Schüſſe mit Flinten. Von Stund an horten wir an underſchiedlichen Orten im Dorff ein Gerauſch/ als wann ein Hauffen wilder Endten aufs Waſſer fielen/ und dieſes waren die Araber/ welehe unſer Gewehr ſo wir loßgeſchoſſen/ in die Flucht brachte/ Jaſſer N zen wirlofgeſezofſ 0 0 9 es Wald und Gebuſch hatte/ des ſen wir uns bedienten/ und Holtz abhauedaß ſie in das Waſſer ſprungen/ und under dem Waſſer ſchwimmend/ ſich zu retten ſuchten. 8 3 575 Den ſechszehenden nachdem unſere Ruder⸗Knecht fünff Stunde gearbeitet/ kamen wir an einen Damm/ ſo von einem Ufer bis du dein andern üUberzwerch durch den TygerFluß gehet. Er iſt zwey hundert Schuh breit/ und machet in dem Strom einen Waſſerfall bey zwantzig Klaftern tieff. Die groſſen Stein davon er gemaeht iſt/ ſeind durch die Damm Lange der Zeit ſo hart worden/ als ein Felß. groſſen Alo⸗ 6 3 8 15 bn der Groſſe dieſen Damm haben machen laſſen/ act, dieſen Fluß dadurch abzuleiten/ andere aber en funffzehenden Februarij fuhren 5 wir von Mouſſul ab/ und nachdem in die Tyger fallet. be Me dieſen Fluß hinauf iſt ein ſchoͤnes Schloß von gebackenen Steinen auf einen kleinen Rohr loß. Dieſen Abenb brachten allerhand Mileh⸗Speiſen/ und friſchen ButNeisbeſchreibung in Perſien/ wollen/ daß es Darius geweſen/ welcher dadurch verhindern wollen/ daß die Macedonier nicht ſolten darauf hinab fahren. Wir ſtiegen alle auß dem Kiler, und muſte man auch die Guter herauß tragen/ und auf Pferdten und Ochſen/ ſo uns die Araber herbey brachten/ eine Meil wegs von dannen Uuibber die Durchfahrt bey dieſem Damm/ iſt ſich wol zu verwundern. Dann es ſtehen einem die Haar zu Berg/ wann man ſiehet wie der Kilet von einer Hohe bey ſechs und zwantzig Schuhen auf einmal hinunder faͤllet/ und doch zwiſchen den Wellen/ die mit Ungeſtumm wieder die Felſen ſchlagen/ von den Schlaͤuchen allezeit über dem Waſßſer gehalten wird. Die Leute ſo den Kilet regieren/ binden ſich an eine krum gebogene Stange/ daran ſie auch jhre Ruder veſt machen/ damit ihnen ſolche die Wellen niht wegnehmen. Dieſes iſt der Damm/ von welchem ich nach Anlaß der Handlung zu Alepo, geredet/ und welcher die Schiffahrt auf dem Tyger⸗Fluß gaͤntzlich verhindert. Als unſer Eilert an dem Ort/ wo wir ſeiner warteten/ angefahren/ ladeten wir unſere Guter wieder ein/ und blieben an demſelbigen Ort/ an dem Ufer über Nacht/ wir muſten aber gute Wacht hallen; dann die Araber/ wann ſie ſehen/ daß nur zwey oder drey Perſonen auf dem Kilet, und die Kaufleute in der Nahe eingeſchlaffen ſeind/ ſchneyden ſie die Seil an dem keilet entzwey/ und laſſen hn das Waſſer forti reiben/ ſchwimmen alsdann nit den Schlauchen under dem Leib nach/ und nehmen was ſie bekommen konnen. 7 5 5 Den ſiebenzehenden als wir drey Stund Boßheit die Araber. gefahren/ kamen wir bey dem Fluß Zab genannt/ ſo auf der Seiten nach Chladea Eine halbe Meil über Hügel gebauet/ weil aber niemand ſolches bewohnet/ fängt es an zu verfallen. Wir reiſeten dieſen Tag zwolff Stund u Waſſer/ und übernachteten an einem ten/ davon wir die gantze Nacht durch ein groſſes Feur machten/ wegen der Lowen/ deren gemeiniglich an dieſem Ort viel kommen: wir ſchoſſen auch under weilen unſere Den achtzehenden ſchifften wir dreyehen Stunde lang fort/ und blieben des Nachts an dem Ufer gegen Aſſyrien zu. uns die Araber ter“ ſie ſchrammen von der anden Sez1 ten des Fluſſes zu uns/ mit einen Schlauch under dem Leib gebunden/ und den andern tif was Her Erteblung dem an 147 vernier fer, er auf del, Reiſe behel net. ——a—ͤ—ä—o 6 heit b er. ————ͤ ͤ ͤ——————⅜. Anderes Buch. auf dein Kopf/ worinnen ſie das jenige/ ſo ſie bringen wollen/ verwahren; ſie begehren kein Gelt davor/ man muß ihnen a 155 Taback/ Zweyback/ oder Pfeffer geben. Den 15. nach vier Stunden Weges kamen wir bey einem Fluß Altum- ſou, welches ſo viel iſt/ als der Gold⸗Fluß genannt. Er ft kommet auß dem Gebirg in Medien/ und bin ich bald drey Tage lang/ als ich wieder von Etlicher do raber Feld zug. Tegrit, Die Stadt Tauris zurück nach Alepo kam/ und bey Mela uber die Tyger gieng/ langs dieſen Fluß gereiſet. Das Waſſer davon iſt ſehr herzlich/ und lauft auf der Seiten gegen Aſſyrien in die Tyger. An dieſem Ort ſeind auch langs der Toger viel Quellen worauß Hartz flieſſet/ und andere warme Waſſer⸗Bache/ ſo ſehr nach Schwefel riechen. Dieſen ganzen Tag uber ſahen wir nichts/ als Araber und Curden/ ſo langs dem Fluß hergiengen/ die Araber auf der Seiten nach Meſopotamien/ und die Curder auf der andern nach Aſſyrien zu. Sie waren gegen einander zu Feld und marſchierten beyderſeits in guter Ordnung. Die Jungen giengen mit Bogen und Pfeilen auch etlichen Mußqueten vorauß/ und trugen ihrer viel halbe Piquen. Dieſen folgten die Weiber/ Jungfrauen/ und kleine Kinder/ ſambt ihren Herden von Ochſen/ Schaffen/ und einer groſſen menge Kameelen/ die Alten marſchierten zu letſt. Die Araber ſo wol als die Curden ſchickten drey oder vier zu Pferd auf die Hohen zu recognoſgeren: Dann ſo bald als ſie ſehen/ daß ſie ihren Feind uͤberfallen konnen/ ſchwimmen ſie hurtig guf ſolche Weiſe/ als ich vorher geſagt/ mit hren Pferdten durch den Fluß. Weil wir nun dieſern Volck nicht trauen wolten/ fuhren wir neunzehen Stund an einan15 damit wir jhnen auß dem Geſicht kaen. g Den ao. waren wir eylf Stund lang auf . der Tyger/ und machten unſer Nachtl⸗ S ger auf der hahe bey einer Stadt/ mit Namen Tegrit. Seiten gegen Meſopotamien Daſelbſt iſt ein halb verfallenes Schloß/ mit noch etlichen hüͤbſchen Kammern. Gegen Norb und Oſten hat es an ſtatt deß Grabens den Fluß/ gegen Weſt und Suden aber ſeind tieffe mit gehauenen Steinen gefütterte Gräben. Die Araber geben vor/ daß dieſes vor dieſem der aller veſteſte Pl. in gantz Meſopotamien geweſen/ wiewo nahe darbey zwey Hohen ſeind, von welchen ihm Abbruch geſchehen kan. Die Chriſten hatten eine Viertelſtund von der Stadt jhre Wohnungen/ und ſiehet man noch die verfallene Kirche/ und ein Stücke von dem Glocken ⸗Thurn/ worauß man ſchlieſſen kan/ daß es ein groſſes Gebau muß gewesen ſeyn.. Als wir den 21. nach drey Stunden ſortgerdert/ ſahen wir auf der Seiten * 1 ein Dorff/ welches ſie nach Theil, e dem Namen eines in einer Moſquse daſelbſt begrabenen Heyligen Amet-ebtour nennen. Dieſer Ort wird von den Einwohnern vor heylig gehalten/ und gehet eine grofe menge Volcks dahin walfahrten. Wir lürben dieſen Tag zwolff Stund auf dem Waſſer/ und uͤber Nacht/ an dem U5 Den 22. kamen wir zwo Stund von unſerm Nachtlager zu einem Canal/ ſo gegen Meſopotamien zu in die Tyger gegraben/ die Felder zu waͤſſern/ er gehet bis gegen Bagdat über/ und faͤllet daſelbſt wiederum in die Tyger. Wir ſtiegen daſelbſt auf der Seiten gegen alt Chaldeg an das Land/ weil etliche Türcken bey uns waren/ welche in der Molquée Namens Samara, jhr Gebett verrichten wolten. Sie Die votzös Samafa. iſt nur eine halbe Meile von dem Fluß/ und kommen viel Mahometaner auß ſonderbarer Devotion dahin/ vor allen aber die Indianer und Tartaren, weil ihrem Vorgeben nach/ viertzig jhrer Propheten da begraben liegen. Als ſie erfuhren daß wit Chriſten waren/ wolten ſie/ auch vor Geld nicht zugeben/ daß wir einen Fuß darein ſetzten. Fünffhundert Schritt von dieſer Molquee iſt ein ſehr künstlich gebauter Thurn/ von auſſenher mit zweyen Treppen/ auf Schnecken Arth deren eine kieffer in den Thurn gehet/ als die andere. Ich hatte ihn genauer betrachtet/ wann ich hatte doͤrffen naher dabey gehen. Dieſes habe ich nur allein ſehen koͤnnen/ daß er von gebackenen teinen/ und dem Anſehen nach ſehr alt iſt. Eine halbe Meil davon ſiehet man drey groſſe Portal“ welche ſcheinen der Eingang zu einen Pallaſt geweſen zu ſeyn. Ja es hat das Anſehen/ daß vor Alters an dieſem Ort eine groſſe Stadt geweſen 190 weil man z. Meilen langs dem Fluß nichts als verfallenecebgu ſiehet. Dieſen Tag fuhren wir 12. Dien 23. weil wir nicht an das Land ſtiegen/ als nur das Eſſen zu zurichten/ ſchiffeten wir zwanzig Stunden lang fort und ſahen den gantzen Tag auf beyden Seiten 5 AN elendige nur auß Palm⸗Zweigen gemachte wohnen/ ſo die Rader trehen/ womit ſie das Waſſer/ die angrantzete Felder zu waſſern/ auf denn Fluf ziehen. Deſelbigen Tage kamen wir auch bey einem Fluß/ ſo gegen alt Ehaldea zu in die Tyger laufft/ und Odoine genannt wird. b a Den 4. reiſeten wir auß dem Kilet zu ſetzen/ zw Stund gn einander. ohne einen Fuß vey und zwantzig Die Urſach iſt dieütten/ worinnen die arme Leute Stund auf dem Waſſer/ und machten unſerer Gewonheit nach/ das Nachtlager an das 9 ſe: weil die Kaufſeute all ihr Gelt/ und die meiſte Guter auf den und den Bauren zu welche Kilet tragen laſſen/ verwahren geben/ olche/ wann ſie ihr Eſſen und anS3 dere 90 dere geringe Wagren nach Bagelat zu verkauf fen tragen/ zugleich mit hinein bringen. Dieſes thun die Kaufleute darum/ damit ſie in dieſer Stadt 5. von oo. nicht verzollen doͤrffen. Ich vertrauete jhnen auch etliche Sachen/ ſo ſte mir getreulich verwahrten/ und mir ſo wol/ als den andern gute Rechenſchaft gaben; vor jhre Mühe laſſen ſie ſich mit wenigem begnuDes Her: Den 25. Morgens um 4.1 Uhr kamen wir Temes nach Bagdat, ſo man auch ins gemein BabyloSade nien nennt; Um. Uhr des Morgeus machten ſie die Thor auf/ und kamen die Zollner die Guter zu beſichtigen/ und die Perſonen zu beſüchen was ſie bey ſich haben. Finden ſie nichts bey jhnen/ ſo laſſen ſie ſie gehen/ haben ſie aber etwas ſo Zoll geben muß/ führt man ſie in das Zollhauß und zeichnets auf/ laßt ſie hernach gehen. Alle Güter auf dem Eiler werden gleichfals dahin getragen/ und zwey oder drey Tage hernach holen die Kaufleut ſolche wieder ab/ und entrichten den Zoll davon/ welches al10 195 ordentlich/ ohne einige Hinderung ged Ich war ſchon einmahl im Jahr 1632. u Bagdat geweſen/ ich bliebe aber damals nicht langer als 5. Tage: hingegen auf dieſer Reis/ welche ich gegenwartig beſchreibe/ hielte ich mich 20. gantzer Tage deſelbſt auf/ in welcher Zeit ich das denckwuͤrdigſte in der Stadt beſahe/ und bey den Capucinern logierte. Obſchon Bagdat auch ins gemein Babylonien genennet wird/ ligt ſie doch von dem alten Babylonien/ davon wir/ wann es Seit ſeyn wird auch reden wollen/ ſehr weit. Der gegenwartige Zuſtand der Stadt Bagdat, ſo ſchon vor langen Zeiten her eine Urſach des Krieges der Türcken mit den Perſianern geweſen/ iſt dieſer: f 5 Bagdat iſt eine Stadt an dem TygerFluß auf der Seiten nach Perſien/ und durch gedachten Fluß von Meſopotamien abgeſondert. Sie ligt nach Polus. Moͤhe im drey und dreyſſigſten Grad/. Minuten. Auß den Arabiſchen Chronicken hat man/ daß ſie von einem ihrer Califen Namens Almanſour im Jahr der Hegyre des Mahomets 145. und des Chriſtenthums ohngfahr 762. erbauet und der Ur- wörden. Sie heiſſen ſte Dar-al-ſani, welName ches ſo viel iſt/ als ein Ort oder Hauß des Friedens. Etliche ſeind der Meinung/ ſie habe jhren Namen von einer Einſidlerey/ ſo auf einer Wieſen/ worauf die Stadt nun gebauet iſt/ geweſen/ und welche einem gewiſſen Einſidler/ ſo daſelbſt wohnete/ gegeben worden/ dahero iſt ſie Bagdat genennet/ ſo in PerTreu etlicher Bauren Gelegenheit der Stadt Bagdat. ſiſcher Sprach ſo viel bedeutet/ als ein gegebener Garten. Vor ohngefähr viertzig oder fünfftzig Jahren/ als man den Grund zu einer Carvanſera gufgegraben/ fande man in einer kleinen Hoͤhlen in der Erden einen gantzen Leichnam gls ein Biſchoff bekleydet/ mit einem Rauchfaß und Rauchwerck bey ihm. Man fande auch noch etliche Anzeichen von MoͤnchsCellen/ welches das jenige bekräftiget/ ſo viel Reis beſchreibung in Perſien Aral iſche Geſchich⸗Sehreiber melden/ daß nemlich an dem Ort/ worauf Bagdat gebquet/ vor Alters ein groſſes Kloſter/ und viel Chriſten⸗Hauſer geſtanden. Sie iſtt ohngefahr füͤnffzehen hundert Schritt lang und ſiben oder acht hundert breit/ kan alſo über drey Meilen aufs hoͤchſte im Bezirck nicht haben. Die Mauren ſeind alle von gebackenen Stei⸗ deu und Thonen/ und an etlichen Orten mit Wahlen be⸗ ve. veſtigten/ hat auch groſſe Thurn herum/ wie die Bollwerck. Auf allen dieſen Thurnen ſeind zuſamen bey 60. Stuck Geſchutzes/ darunder das groͤſte nicht mehr als fünff oder ſechs Pfund ſchieſſet. Die Graben ſeind breit/ und fünff oder ſechs Ruthen tieff. Der Thore ſeind nicht mehr als vier/ drey gegen dem Land/ und eines auf dem Fluß/ woruͤber eine Schif⸗ Bruck von drey und dreiſſig Schiffen/ deren jedes ſeiner Breite lang von dem andern iſt. Das Schloß iſt in der Stadt/ bey dem Thor gegen Norden El-Maazan genannt. Ein Theil davon gehet auf den Fluß herauß/ und hat nur eine ſchlechte Maur/ an wenig Orten mit Walen beveſtiget/ und etliche kleine Thuͤrne/ worauff in allem ohngefaͤhr ein hundert und fünfftig kleine Stucke/ ohne Schaͤffte liegen. Der Graben iſt eng/ und uber zwey oder drey Ruthen nicht tieff/ hat auch an dem Thor keine ZugBrücke. Die Beſatzung beſtehet in drey hundert Janitſcharen/ welche ein Aga commendiert. In der Stadt aber iſt ein Bacha Iire BeſiGouverneur/ ſo ins gemein Vilir iſt. Sein tzung und Hauß ſo noch ein zimliches Anſehen hat/ iſt Birigkeit. langs dem Fluß/ und hat er allezeit ſechs oder ſieben hundert Mann zu Pferd in Bereitſchafft. Es ligt auch ein Aga darinnen ſo z. oder 400. Spalis under ſich hat: Uber das haben ſie noch eine Art Reuterey/ welche ſte Gingulier, welchesſo viel iſt/ als hertzhaffte Leute/ nennen/ und zw¾ey Aga zu Officierern haben/ deren ſind gemeiniglich/ ſo wol in der Stadt als auf den umligenden Doͤrffern/ bey oo. Die Schluͤfſel von der Stabt und der Brucken/ hat ein anderer Aga, ſo 200. Janitſcharen commandieret/ in Verwahrung. Endlich ſind noch oo. Mann zu Fuß darinnen/ die jhre beſonderen Aga haben/ und ohngefaͤhr 60. Conſtabel/ welche damals ein wackerer Mann/ Nahmens Signor Michaël, ſo vor einen Fraucken paſſiert/ ob er ſchon in Candia geboren/ commendierte. Dieſer Signor Michaél gieng im Jahr 1638. zu dem Türckiſchen Keyſer Sultan Amurat uber/ als er Bagdat belagern wolte/ und hatte das Gluͤck/ daß er ſie in weniger Zeit wegnah1 daran 1705 15 h 0 wol die Breche, welche Signior Michael von ſeiner gufgeworffenen Baterie ſchoſſe/ als wie Au ruhr/ ſo eben dazumal in der Stadt entſtanden Urſach/ wie auß der Hiſtori/ ſo folget/ mit wenigem zu erſehen iſt: a a Der Kan, ſo im Anfang der Belagerung darinnen commendierte/ war von Geburt auß Armenien/ und ſchriebe ſich Seti. couli-Kan. Er hatte ſchon lange Zeit das Commando in der Stadt/ Beldgertln dicker Sa ————— 8— ——— Maund Tho———ů ů 2 e Beſalund gkeit. ggerulig Sab ö Anderes Buch. Stadt/ und zwey Belagerungen von den Turcken darinnen außgeſtanden/ ohne daß ſie dieſelbe hätten bekommen konnen. Als aber der Konig in Perſten einen ſeiner Favoriten dahin ſchickte/ an ſeiner Statt zu commandieren/ und er ein wenig zuvor/ ehe man mit den Stucken Breche geſchoſſen/ in die Stadt gekommen/ merckte der alte Kan, daß er abgeſetzet/ und wolre lieber ſterben/ als dieſen Schimp überleben. Ließ demnach in beyſeyn der Offidieter und aller Soldaten/ ſeine Gemahlin und Sohn zu ſich kommen/ nahme drey Becher Der Com, mit Gifft/ und ſagte zu jhr/ wo ſie jhn jemals Allen ak geliebt hatte olte ſie deſſen nun eine Probe weifach net i, ſen(und hertzhafftig mit ihm ſterben; Den auß eren Sohn ermahnete er gleichfalls zur Standhafzweſtung ligkeit/ und trancken zugleich ein jedes einen uns geben. Becher voll Gifft/ darauf ſo bald der Tod folgeete. Als die Soldaten welche dieſen Gouverneur ſehr liebten/ dieſes traurige Schauſpiel ſahen/ und wuſten/ daß die Türcken ſich zu einem General⸗Sturm auf die Breche, die je langer je groͤſſer wurde/ fertig hielten/ wolten ſie dem neuen han nicht parieren; machten ſo gun, ae bald einen Aufſtand/ und accordierten mit dem eigenen Türcken/ daß man ſie mit Sack und Pack/ ſamt jhrem Gewehr/ ſolte abziehen laſſen. Man hielte ihnen aber keinen Glauben: dann ſo bald die Turcken in der Stadt waren/ ſtelleten die Bachas dem Greß⸗Turcken vor/ daß man ſeinen Feind/ den Konig in Perſien zu ſchrwoqchen/ alle Soldaten in der Stadt muſte niderhauen/ worauf bey die 22000. nidergemacht wurden. Die Turcken hatten ſich des Capuciner⸗Kloſters beimachtiget/ aber Signor Michael Oberſter der Conſtabel/ machte/ daß ſie es wieder bekamen. Worauf die Capuciner zur Danckbarkeit in Franckreich an Pater Joſeph ſchrieben/ er moͤchte den Cardinal Richelieu bitten/ von dem König einen AdelsVrieff vor den Signor Michael gußzutwürcken/ welcher bisherb etliche mal hindertrieben/ daß man dieſe Geiſtlichen nicht auß der Stadt vertrieben.. 0 dus ene, Ich muß nun auch etwas von der burgerlibags: chen Regierung in Bagdat ſagen. Es iſt nur ein Cadi oder Preſident darinnen/ der alles thut/ ja ſo gar des Moufti Amt verwaltet/ und nebenſt einem Chiekelaslan oder Tefterdar, des Groß⸗Turcken Renten eintreibet. Die Stadt hat J. Moſqucen, zwey davon ſeynd zimlich ſchoͤn/ und die Taͤcher mit Zieglen von underſchiedlichen Farben gefirnißt/ bedecket. Zehen zimlich ſchlechte Carvanſerien ſeynd darinnen/ gußgenommen zwey/ die ſehr bequem ſcheinen. In Summa/ die Stadt iſt ſehr ubel gebauet/ und ſihet man nichts ſchönes darinnen/ als die Bazars, die alle gewölbt ſeynd/ weil ſonſten die Kaufleute vor der Hitze nicht darinnen bleiben konten/ und muß man ſie bad über das/ 58 oder a 9 5 n prengen/ auch viel arme Leute auf gemeinen inne Koſten vor ſolche Dienſte bezahlen. In dieHandlungen ſer Stadt wird ein groſſer Handel getrieben/ warden aber doch ſo nicht/ als zu der Zeit/ wie ſie noch under dem König in Perſten war; dan als ſie 28 die Türcken eroberten/ wurde der groſte Theil von den reicheſten Kaufleuten ermordet. Underdeſſen kommen noch auf allen Seiten/ und von allen Orten die Leute dahin/ ſo wol wegen der Handlung/ als auß ſonderbarer Andacht/ weil alle die des Ali Seet folgen/ feſtiglich glauben/ er habe zu Bagdat gewohnet. Sie inüſſen auch/ wann ſie zu Land nach NMecha wollen/ da durch/ und bezahlet ein jeder/ ſo dahin wallfahrten gehet/ dem Bacha vier Plaſtres. ES iſt aber hierbey zu erinnern/ daß es in Bagdat zweyerley Art Mahometaner habe; die eine Rafedis, welches ſo viel iſt als Ketzer/ genant; und die andere ſo das Geſch halten/ welche lekſtere mit denen zu Conſtantinopel in allem uü⸗ 1 bereinkommen. Die Rafedis wolſen auf keinerley Weiſe mit den Chriſten/ la ohne ſonderliches Bedencken auch nit den anderen Mahometanern/ weder eſſen noch trincken. Geſchiehet es/ daß ſie mit jhnen auß einem Geſchir krincken/ oder ſie anrühren/ halten ſie ſich vor unrein/ und waſchen ſich alſobald darauf. Die anderen machen ſich nieht ſo leicht ein Gewißſen/ ſondern eſſen/ trincken/ und gehen ohne Underſchied mit jederman um. Im Jahr 1630. nachdem die Tuͤrcken Bagdat ſchon innen hatten weigerte ſich ein Waſſer⸗Trager von dieſen Rafedis, einem Juden/ ſo jhn auf dem Marckt darum anſprache/ zu trincken zu geben/ und ſchalte jhn noch dazu. Der Jud beklagte ſich darüber bey dei Cady, welcher ſb bald den Waſſer⸗Traͤger mit ſeinetn Schlauche und der Schalen ü ſch forderen lieſſe; als er kam/ begehrte der Cad ſeine Schalen/ gab Kluge That dem Juden darauß zu trinken/ und trancke des da iu ſelbſt darauß: lieſſe darauf dieſen Raledis brugeln/ und ſagte in wahrender Straff zu jhme/ wir ſind alle /Mahometaner/ Chriſten und Juden Gottes Geſchoͤpfe. Mieran haben ſie ſich bishero geſtoſſen/ und laſſen ihren Aberglauben heut zu Tag nicht mehr ſo ſtarck mercken/ ob jhrer ſchon viel ſind/ und ſie den groſten Theil der Einwohner machen. Was vor Meinungen ſie in jhrer Secte haben/ wil ich allhier nicht beſchreiben/ weil zwiſchen jhnen und den anderen Mahometanern/ ein geringer Underſchied/ und ihrer viel weitlaufftig davon geſchrieben; ſondern wil nur erzehlen/ was ich abſonderliches in jhren Leichbegangnuſſen obet ha Wann der Mann geſtorben/ reiſſet die Frau ihr Haube ab/ und laſſet die Haar zer⸗ Der innutſtreuet fiegen/ ſchwartzet hr Geſicht an einem Leicſengese Keſſel⸗ aud mache boch: Sprung duch ein⸗ we ander/ die einen ehe zum lachen als weinen hewegen ſolten. Alle Freunde und Jerwandten ſamt der gantzen Nachbarſchafft/ kommen in des Verſtorbenen Hauß zu ſamen/ und gehen in ein beſonderes Gemach /bis die Leichbegangnuß anfängt. Die Weiber aber machen eine der anderen zum Truß allerhand Affenpoſſen/ ſchlagen ſich auf die Backen/ ſchreyen wie die Zachus. Prieſterinne/ und fangen dann auf einmal nach zwey Trommeln/ welche faſt den Trommeln in Biſeayen gleich/ und von den Weibern eine Viertel⸗Stund lang geſchlagen H 4 werden de genheit u Kleidung. Ange zu Pferd ſolten außgehn. er And Huhren. 922 werden/ zu tantzen. Under deſſen iſt eine under ihnen/ welche zu dieſen Poſſen abgerichtet/ und Traur⸗Lieder anſtimmet/ deren die andere mit heller Stim antworten/ daß man ſie ſehr weit horen kan. Es wurde zu dieſer Zeit zu nichts dienen/ wann man des Verſtorbenen Kinder troſten wolte/ weil ſie nichts verſtehen koͤnnen/ und auf ſolche Weiſe mitmachen müſſen: wo ſie nicht die Nachred haben wollen/ ſie haben jhren Vatter nicht geliebet. Wann man den Corper zu Grab rraͤgt/ finden ſich eine groſſe Menge armer Leute/ ſo Fahnen und den Turckiſchen halben Mond auf groſſen Stecken wie die Picken tragen/ dabey ein/ und fingen im gehen etliche Toden⸗Lieder. Die Weiber gehen nicht zur Begraͤbnuß/ dann ſie dorffen nit auß dem Hauß gehen/ als den Donnerſtag/ wann ſie nach den Grabern gehen/ und vor die Verſtorbene bitten. Und gleich wie der Mann/ vermog des Geſetzes/ verbunden iſt/ abſonderlich die Nacht zwiſchen dem Donnerſtag und Freytag bey ſeiner ehelichen Frau zu ſchlaffen/ als rer act gehen die Weiber des Freytags früh in das 15 Bad ſich zu waͤſchen/ und mit wolriechenden zu beſprengen. Sie mogen auch bisweilen außgehen jhre Freunde zu beſuchen/ wann ihnen der Mann ſolches zulaſt. Wann ſie aber durch die Stadt gehen/ verhuͤllen ſie ſich mit einem Leilach/ ſo um die Augen zwey Locher hat/ daß ſie ſchen koͤnnen wo ſie hingehen/ von dem Kopf bis auf die Fuſſe/ daß man keine Frau/ ja ein Mann ſein eigen Weib/ in ſolcher Tracht nicht erkennen. Im Voruͤbergang muß ich hiebey erinnern/ daß die Perſiſchen Weiber/ ſie muͤſſen dann gar arm ſeyn/ lieber jhr Lebenlang in den Haͤuſern bleiben/ als daß ſie zu Fuß und nicht Und iſt dieſes ein Kennzeichen/ woran man die ehrliche Weiber von den Huhren underſcheiden kan/ weil die Huhre allezeit den Fuß in dem Stiegbugel hat/ eine ehrliche Frau aber/ ſolchen nur in den Riemen ſetzet/ woran der Buͤgel angemachet iſt. Das Weibsvolck in Bagdat iſt nach jhrer Tracht ſehr praͤchtig gekleidet/ under uns aber wurde es lacherlich herauß kommen. Dann ſie tragen nicht allein Kleinodien an den Armen und den Ohren/ ſondern haben noch ein Halsband um das Geſicht/ und bohren die Naßlocher durch Ringe darein zu hangen. Die Arabiſche Weiber laſſen ſich nur die. Haut zwiſchen den beyden Naßloͤchern durchſtechen/ und ſtecken einen guldenen Ring/ ſo groß als ein Federliel dadurch/ der Ring iſt hohl/ ſo wol das Gold zu ſparen/ als auch daß er leichter werde; 6 es ſind etliche/ welche ſo groſſe Ringe tragen/ daß man nit einer Fauſt dadurch fahren koͤnte. Über das/ ſol es eine ſonderliche Schoͤnheit ſeyn/ wañ ſie ſich mit einer gewiſſen ſchwartzen Farb/ rings um die Augen herum ſchwaren/ und ſo wol Manner als Weiber in der Wüſten/ thun von dieſer Farb in die Augen/ das Geſicht/ wie ſie agen vor der groſſen Sonnen⸗Hitze de durch zu conſerviren Nun iſt noch Übrig von den Christen die in der Stadt ſind/ Meldung zu thun. Es ſind derſelben dreyerley Arten/ nemlich Neſtorianer Waſſern/ ſo wol an dem eib/ als auf dem Kopf Reis beſchreibung in Perſien/ die jhre eigene Kirchen haben/ und die Atmenier und Jacobiten/ welche keine haben/ ſondern ſich mit den Capucinern zur Adminiltration jhrer Sacramenten behelffen. Die Chriſten verrichten öfters jhre Andacht eine ViertelMeile vor der Stadt/ in einer Capelle/ die einem Heiligen/ Namens Keder Elias, geeignet iſt/ und damit ſie frey hinein gehen doͤrffen/ ſo zahlen ſie etwas weniges den Tuͤrcken/ welche die Schluͤſſel dazu haben. Zwo Tagreiſen von der Stadt iſt eine ruinierte Kirche/ nebſt einem elenden Dörflein/ von welchem ſie glauben/ daß der heilige Simon und Juda, an dieſem Orte gemartert und begraben worden. Wann ein Chriſt ſtirbet/ kommen die anderen alle zu ſeinem Begraͤbnuß/ und wann ſelbiges verrichtet/ finden ſie das Nacht⸗Eſſen in dem Hauſe des Verſtorbenen bereitet/ in welchem alle die jenigen/ ſo ſich dabey befinden/ wol empfangen werden. Des Morgens kommen ſie wieder zum Grab/ und bitten fuͤr den Verſtorbenen/ wie auch den dritten/ an welehem lle ſo dabey ſind/ gleichfals beym Mittag⸗Eſſen behalten werden. Bey einem ſolchen Begrabnuß befinden ſich oͤfters in hundert guch 150. Perſonen. Am 7. U. 20. und viertziſten Tage/ widerholen ſie gleiche Ceremonien/ ſie brauchen im Gebat für die Verſtorbenen groſſe Andacht/ und verrichten daſſelbe zum oͤfterſten. Dieſe Gewonheit aber iſt den armen Leuten ſehr ſchadlich/ dann ſie wollen es den Reichen nachthun/ und haben oͤfters nicht das Vermoͤgen/ und ſtecken ſich ſo tief hinein/ daß ſie/ wann ſie bezahlen ſollen/ den Turcken jhre Kinder verkauffen muſſen. Es ſind auch Juden zu Bagdat, und finden ſich jahrlich daſelbſt eine groſſe Menge ein/ bey dem Grab des Propheten Ezechiels/ welches anderthalb Tagreiſen von der Stadt erfernet/ jhre Andacht zu verrichten. Endlich muß man wiſſen/ daß nach dem Bagdat von dem Sultan Amurat eingenom̃en worden/ die Zahl der Einwohner niemals uber 1500 o. geſtiegen/ darauß man leicht abnehmen kan/ daß die Stadt ſhrer Groͤſſe nach/ nicht volckreich iſt. i Ich wil allhier noch beyftigen/ was ich merckwuͤrdig befunden/ die gemeine Meinung von den ÜUberbleibheiten des Babyloniſchen Thurns betreffend/ daß hiervon hat die Stadt meiſtentheils den Namen Bagdat bekommen/ ob zwar dieſe Stadt mehr als z. ſtarcke Meilen davon entfernet iſt. Man ſihet anderthalb Tagreiſen von der Spitzen Meſopotamiens/ und faſt in gleicher Weite des Euphrats und Tigris/ ohngefahr 10. Italianiſche Meilen von einer Seiten zur anderen/ einen groſſen aufgeworffenen Dam von Erden/ den man noch auf den heutigen Tag Nemrod nennet. Er ſtehet mitten auf einem groſſen Feld/ und er ſtrecket ſich ſehr weit. Man glaubt ins gemein die ſes waren Reliquien von dem Baby loniſchen Thurn/ der Augenſchein aber/ gibt viel mehr dem jenigen/ was die Araber fürgeben/ Beyfall/ welche dieſen Erdhauffen Agarcouf nenen/ und glauben/ daß er von einem Arabiſchen Furſten aufgeführet worden/ welcher daſelbſt Leueht⸗Feur gehalten/ ſeine Underthanen zur Kriegszeiten zu verſamlen. Ich wil denselben Ihre TodenMahlzeiten Etliche bel meinte Rellguien von dem Babbloiſchen Thurn. odeneiten ———äP— ⅛ D!' ͤ õ v—ͤͤ——— J alhier vorſtelen n dem Stand daich ihn geſehen. Dieſer Klumpen hat in ſeinem Umfang ohngefaͤhr dreyhundert Schritt/ aber von ſeiner Hoͤhe kan man nichts abnehmen/ weil er hergbgefallen/ alſo daß der Fuß/ welcher noch übrig geblieben/ nicht uber 18. oder 20. Klafter Hoch iſt. Er iſt von Zieglenerbauet/ welche nit un Ofengebrennet/ ſondern nur an der Sonnen getrocknet worden/ und jeglicher Ziegel iſt 10. Daumen übers Kreutze breit/ und 3. dick. Das Gebaude iſt auf folgende Art aufgeführt: Eosiſtgleichſamein Bethe von Rohr und Binſen/ welche zerhacket und mit Stroh vermiſchet ſeynd/ ohngefahr anderhalb Daumen dick/ auf dieſem Bethe ligen 7. Reihen Ziegel einer auf dem anderen/ zwiſchen welche allezeit ein wenig Stroh geſtreurt iſt. Nachmalen komt wieder ein ſolches Bethe mie. Reyßen Ziegel/ da dritle beſtehet von. Reyhen/ und die ſes nimet allezeit ab/bis auf den Gipfel. Es iſt ſchwar von der Form dieſes Gebaudes zu muhtmaſſen/ weil die Stuck er auf allen Seiten herunder gec fallen. Es ſcheinet als ob er niehr viereckicht als rund geweſen/ und oben ſthet man noch ein Fenſter und ein kleines Loch/ eines halben Schuchs ins gevierdte/ es ſcheinet als hatte es zu einer Rinne gedienet/ wo es nicht etwan ein Loch iſt/ das zu Aufſchlagungeines Geruſtes gebraucht quien dieſes Gebaudes/ das man ins gemein halb Bagdat in 2. Arm/ deren der eine nach der Lange des alten Chaldeg laufft/ der ander aber ergieſſet ſich an die Spitze von Meſopotamen/ dieſe zwren Theile mach en eine groſſe Inſel/ welche mit viel kleinen Canalen durch ſchmteen iſt. So bald wir bey dieſem ScheidWege an⸗ Des Herm Tavexviers kommen/ ſahen wir gleichſam einen Circkel einer Abreiſe von eine ſtarcke Meil gehabt. So ſtehen noch daſelbſt Reliquien vonerlichen Mauren vs ſoubermaſſiger Breite daß man meinen ſolte es konten. Kutſchen darauf neben einander fahren. Dieſe Mauꝛen heſtehen auß gebackenen Steinen/ und jeglicher Ziegel hat io. Schuh ins gevierdie und 3. inder Sicke. Die Cronicken melden daß dieſes Wir wendeten uns auf die Seiten gegen Chaldeg/ auß Forcht/ daß wir den Arabern nit moͤchten in die Hande fallen/ welche dazuingl mit dem Baſſa von Bagdat, weil ſie dem Keyſer den gebührlichen Tribut nicht zahlen wolten/ Krieg führten. Vonkagdat bis Ballara, brachten wir 10. Tag under wegs zu/ wir ſchlieffenalle Nacht in dem Schiffe/ und hatten auch unſere Küche dar inen. Wat wi Dorfer ſahen/ ſchick ten wir unſere Leut Lebensimittel einzukauffen/ die wir auch in gar hillichem Preiß erhielten Die Mamen der Dorfer/ bie wir am Tyger anworden. Diß iſt alles was ich von den Reli⸗ getroffen/ ſind kolgende: Amarat ein Dorf mit einer Veſtung auß ander Sonnen ehackenen Stadt/ welche ſcheinet daß ſte zuvor im Anfang dealer den Babyloniſchen Thurn heißt/ anzeigen kan/ Steinen erbauer/ deß gleich enguch Sa rarat mit. wiewol es meinem Beduncken nach/ nit werth keiner gleichen Beſtung. Paanſoary ein SMarck⸗ Namn eli iſt/ daß man es anſchaue/ dann ich habe nit bon flecken; und andere 3. Dorfer xAa gar, Gaz ar uf e dem geringſten abnehmen könen/ daß dieſes der Gorno. Bey bieſem letſten Ort ffieſſen der Ty⸗ ger⸗ Flu e bel ene, von bh loBeßgefugte Buchſtaben zeigen folgendes an: . Das neu Bollwerck. Babhloniſche Thurn ſey/ wie jhn Moſes in ſeinem erſten Buch beſchrieben haet. In der fuͤrhergehenden Figur iſt der Grundriß der Stadt Bagdat, welche man ſo wol zu Waſſer als zu Land/ innerhalb 2. Stunden umgehen kan/ entworffen. C. Das Thor Magaan. capi genant: E. Der Ort wo Amurt die krſte Batterie 5 qeifgeworffen/ als er im Jahr 1638. dieſe Stadt belagerte. 5 N E. und H. Zwey alte Bollwercker. 8. Die mäurene Porten. Die Stelle der anderen Batterie, von welcher Amütar in Eroberung der Stadt f Pfeſſegeſcheſſ en K. Das gemaurte Thor. f g L. M. Zwey alte Bollwerckerr. N. Cara Capi oder das ſchwartze Thor! O. Ein alt Bollwerck. 5 Sou. capi oder Waſſer⸗Thor. Das VIII. Capitel. 5 Fernere Beschreibung des Wegs von Bag dat bis Balſara, darinnen von der Religion der St. Johans⸗Chriſten MelDung geſchich kt. Nen r, Mertz nahmen wir eine Barque Nauf de Tyger vongagdat nach Balſara du fahren. Diſer Fluß theilet ſich oberger und Euphrat zuſamen/ und alhier ſihet man 3. Schloſſer/ deren das erſte an der Spitze wo dieſe 2. Fluſſe zuſaimnen gehen/ ſtehet/ und under den anderen am meiſten befeſtiget iſt/ in wel; chem dazumal des Fürſten von Bal ara Sohn dtommandierte; das andere ligt auf der Seiten gegen Chaldea; und das dritte gegen Arabien. Und ob man wol mit den Jollen ſehr ſcharff iſt/ ſo werden doch die Leute nicht beſücher. Die Meerffuten gehen bis an dieſen Ort/ von welche man nit mehr als 15. Meil bis nach Balſara hat/ wir haben dieſen Weg in 7. Stunden hinder uns geleget/ teil wi den Wind und die Fluten zu unſerem Vortheil hatten. Das gantze Land zwwiſchen Bagclat und Ballara iſt nit Dammen durchbrochen/ wie. Holland/ un liget eine Stadt ohngefehr 160. Meilen von der anderen. Dieſes iſt eines von den boſten Landern/ darüber der Groß⸗Türck herſchet/ und hat faſt an allen Orten ſchone Wieſen/ und gutes Futter ſüt das Vich/ deſſen mandaſelhſten eine groſſe Menge/ ſonderlieh Büffel und Stutten zu underhalken pfleget. Die Buffels Kuh gehen bis in den ra. Gute deze Monathkragend andgeben ſo died Weich daß Cole. man in einem ag bis 22. Mgß füllen kan. Ma etlichen Dörfern welche an dem Tiger igen auch 2J. Schiffe geſehen/ die nichts als Butter geführet/ welche an dem Perſiſchendd deer buſen/ ſo wolauf der Seite gegen Perſien als auch gegen Arabien/ verkaufft wird: Als wü die delle des Waggon kagge Speisen. machet alhier auch ſehr viel Butter daß wir an nach Balſara hinder uns gelegt/ ſahen wir nach 5 Reisbeſchreibung in Perſien/ der Lange des Fluſſes viel Gezelte ſtehen undals mich in die 20 Tage daſelbſt aufgehalten/ und wir außſtiegen und ſehen wolten/ wer daſelbſten dieſe jetzige/ da ich 4. Tage zugebracht/ und kan Der Her: ſey/ befanden wir daß es ein Tefterdar war/ etwas weniges von dem Zuſtand dieſer Stadt/ N welcher von Conſtantinopel komen/ die olle uñ dem Leſer vor Augen ſtelen. f beſchencket ande be em Groß⸗Tuͤrck en gebürendeEinkunf⸗ Balſara liget auf der Seiten des wuͤſten A⸗ Beſch eib N 5 ten/ einzuziehen. Ich gienge und beſuchte ihn/ rabiens /a. Meilen von einer verfallenen Stadt/ 1 5 und verehrte jhme 3. Elen Engellandiſch Tuch/ die man! eredon genant/ welche inder Wuͤſten i und einen Puffer. Er bezeugte auf ſeiner Seiten gelegen/ und bey welcher man noch einen Canal gleiche Hoͤfligkeit/ and überſante mir 2. Schoͤp⸗ ſihet der mit Ziegelſteinen gehauet iſt/ dadurch 5 ſe/ 12. Hühner/ nebſt Reiß und Butter/ und das Waſſer auß dem Euphrat dahin gefuͤhret . 8 wlolte ſich gluklich ſchaͤtzen/ wann ich nur etliche wird. Auß den zerfallenen Gebauden kan man — Augenblick bey jhm bleiben wolte. Als wir mit abnehmen/ daß dieſes weiland eine groſſe Stadt einander redeten/ ſagte er/ daß man ihm für jeg⸗ geweſen/ die Araber pffegen die Ziegel allhier ablichen Buffel/ ſo wol für die Ochſen als Kühe/ zubrechen/ und zu Ballara zu verkguffen/ welche von Bagdat an/ bis nahe bey Corno, I. Piaſter hernach zu dem Grund der Hauſer daſelbſt anund z jahrlich geben mute/ welches dem Groß⸗ gewendet werden Die Stadt Balſara liget eine Turck jahrlich bis in die 180000. Piaſtres ein- halbe Meil vom Euphrat/ welchen die Araber tragt. Wan man über diß/ von jeglicher Stut⸗ injhrer Sprache dendcere l areb oder der Araten 2. Piaſtres, und von einem Schoͤps 10. Sols ber Fluß zu nennen pflegen. Die Einwohner zu unſerer Mintze bezahlete/ und die Bauren ihren Balſara, hekcſnen jhr Waſſer auß einem Cangl/ Betrug und Schelmerey einstellen muſten/ welcher Schiffe von Fo. Toßzen tragt und eine koͤnte man jahrlich ooo. Piaſtres einziehen/ halbe heil lang iſt; oben an dieſem Canal ift eideſſen man im gegentheil entbehren muß. ne Veſtung die derhindert/ daß man nit mit SeSeine Au Als kpir dieſen Tefrerdar verlaſſen/ und un⸗ walt einlauffen kan. Das Meer iſt J. Meilen kunft zu ſer Schiffs⸗Parron ſahe daß es gegen Abend von hie entlegen/ es ergieſſet ſich aber noch in z. Lorne. fehr gut Weeter wurde/ und er auf dem Fluſſe andere Meilen/ bis andie Veſtungqorno. Das nichts zu befürchten hatte/ ſegelten wir die gan⸗ gantze vand iſt dermaſſen im runde/ daß wann ße Nacht/ un kamen dee Morgens den 25. Mar⸗ ein Dam der an das Meerufer ſtöſſet/ hierinnen fi glücklich zuorno an. Dicſes Corno iſt eine nit hinderlich ware/ müſte man foͤrchten das zimliche Veſtung/ welche an der Spitze zweyer gantze sand wurde uͤberſchwemet werden. Diſer Flüſſe liget/ die daſelbſt zuſamen fieſſen/ ſo wol Darn ift langer als 1. Meile/ und beſtehet durch auf der einen/ als auf der anderen Seiten/ iſt ein und burch guß lauter gehauenen Steinen/ welkleines Bollwerck/ von welche man den Durch⸗ che ſo wol zuſamen gefügt ſind daß das Waſſer zug beſchützen kan. An der Spitzen dieſes Boll⸗ nit durchdringen kan/ obſchon die Meere wellen werks/ welches voller Stucke ſtehet/ funden wir an dieſem Ort ehr ungeſ f ſind/ und denen in des Fürſten vonBallars Sohn/ welcher daſelbſt dem Perſiſche Meerbuſen zimlich gleich komen. Gubernator war/ und ztwar auf eben dem Boll⸗ Es ſind ohngefahr 100. Jahr verflofſen/ daß werck/ auf welchem das Zolhauß ſtehet. Ob died rabe über Balſara meiſter geweſen/ und dz zwar an dieſem Ort die Schiffe ſehr ſcharff viſt⸗ die inwohner derſelben mit den Europeern keii tiert werden/ ſo genoſſen wir doch groſſe Hoͤflig⸗ ne Handlung getrieben. Dieſe Volcker begnigẽ 5 keit/ ſintemalẽ keiner under uns beſuchet wurde. ſich mit ihrer Datkel⸗ peiſe/ die ſie in ſolchem ul⸗ ö 8 Und weil man gemerckt/ es konte zwwiſchen den berffuß haben daß ſie ſich eintzig und allein da ⸗ ö zweyen Brettern/ ſo dick das Schiffe iſt/ und von bekoſtigen köfjen.Ein gleiches thun auch die Schlechte welche ein wenig von einander ſtehen/ etwas Volcker/ welche auf beyden Seiten des Perſt⸗ Aar verborgen ſeyn/ weil dieſer Platz gemeiniglich ſchenMeerbuſens wohnen/ nemlich vonBalſarn oben mit Reiſern und Rohr bedecket iſt/ welches bis an den Fluß Indus in die 600. Meilen/ deverhindert/ daß die Wellen nicht indas Schiff gleichen auch auf der Seiten gegen Arabien bis ſchlagen/ ſo pfegen die Zolleinehmeꝛ gꝛoſſe Boh⸗ nach Maſcata, die gemeinen Leute wiſſen weder rer bey ſich zu führen/ mit welchen ſie auf allen vom Brod/ noch von Reiß/ und begnuͤgen ſich Sciten durchſtoſſen/ um zu erfahren/ ob allhier nur mit ſolchen Datteln/ und eingeſaltzenen und nichts verborgen ſtecke. Sie tragen zwar alle un der Luft getröckneten Mrerfiſchen. Die Kuhe Waaren ins Negiſter/ der Zoll aber wird aller⸗ eſſen kein Gras/ und ob man ſieſchan aufs Feld erſtzuBalſara bezahlet/ da man alsdañ Nachſu⸗ jaget⸗ ſo finden ſie doch gar wenig under dem chung halt/ ob 1 0 ſo befindet/ wie es in Geſtcude das ihnen dienlich ſey. Man pfleget dem Sollhauſe zu Gorno angegeben worden. ſie aber alle Morgen wann ſie ins Feld gehen/ Cben an ſelbigem Tage erreichten wir den und alle Abend mann ſie wieder kommen/ mit Canal/ welcher von dem Euphrat bis nach Bal Fiſch⸗Köͤpfen und Dattelnüſſe/ die an mit ſara gehet/ allhier traffen wir einen fürnehmen einander kochet/ zu füttern. 5 10 Hollander an/ der jhrer Handlung wegen ſich Als die Turcken einmals mit den Arabern dan rc daſelbſt aufhielte/ und uns groſſe Hoſligkeit er⸗ Krieg führten/ eroberten ſie Ballora; weil erobert zeigte. Er fuhr in einem kleinen Schiffe das mit aber die Araber taglich um die Stadt ſtreiffeScharlach bedecket war/ auf dem luß ſpatzie⸗ ken und alles was ſie antreffen konten/ außren/ und reiſete mit uns nach Balſara, als wir da⸗ plünderten/ machten die Türcken einen Accord 8 ſelbſt ankotchen/ wolte er nicht zugeben/ daß wir mit jhnen/ und verglichen ſich mit einander/ daß uns einer anderen Herberge als ſeines Hauſes/ die Araber bis auf eine Meile um die Stadt/ gebraucht hatten, Ich habe: Neiſen nach Bal: über die Wüſte herſchen ſolten,ſie aber die Turgar berichtet/ die erſte im Jahr 1639. da ich cken/ ſolten Meiſter der Stadt bleiben/ dahin —— . — ꝙ———f' K„*——ů . — p ˙ —— Freibſäg Anderes Buch. 95 fee einen Bala zum Commendanten einſetzten. Dieſer Verglich daurete aber nicht lange/ ſondern ſie wurden folgender maſſen bald wieder uneins die Türcken hatten mitten in der Der Furſt von Balſara, hat mit vielen fremden Voͤlckern Freundſchafft gemacht/ und ein jeder/ er mochte auch herkommen wo er wolte/ it hm angenehm. In dieſer Stadt hat man Stadt ein Schloß/ das ſie Auchel Bacha; oder die Freyheit/ und iſtſo wol geordnet/ daß man Stadt der Bachen Hof nenneten/ erbauet/ und weil die bey Nacht in hoͤchſter Sicherheit hinein gehen Einwohner der Stadt/ welches Araber waren/ der Türckiſchen Guarniſon Meſſterſchafft nit dulden konten kamen ſie öfters mit nander zur Uneinigkeit. Die Araber guß der Wüſten/ kamen denen in der Stadt zu hülffe/ und belägerten den Bacha in ſeiner Bürg. Endlich als man ſahe/ daß kein richtiger Vertrag konte getroffen werden/ entſchloß ſich der Backa Namens Ajudz nach außgeſtandenen vielen Unruhen/ damit er dieſer Beſchwaͤrlichkeit mochte uͤberhoben ſeyn/ ſeine Commendanten⸗Stelle zu verlaſſen/ und verkauffte ſelbige einem reichen Her ꝛn auß ſelbigem Lande/ um 40000. Piatres, dieſer Per? brachte alsbald eine groſſe Menge Volcks zuſamen/ damit er das Volck im Zaum halten mochte. Er nante ſich Efraſias Bacha, und war des Huſſen Bacha, welcher eben dazumal/ als ich durchreiſete/ Cömmendant war/ Groß⸗Vatter: Dieſer Etralias warff das Tuͤrckiſche Joch bald von ſich/ und machte ſich zu einem Fuͤrſten von Bal ſara. Dieſer Baſlas welcher ſeine Herꝛſchafft verkaufft/ war kaum zu Conſtantinopel ankommen/ als man jhme den Strick um den Hals legte; der aber/ welcher ſie jhm ae wolte den GroͤßTurcken nicht für ſejnen Meiſter erkennen/ ſondern ein abſoluter Herz im Lande ſeyn. Naͤchdem aber Sultan Amurat Bagdat erobert hatte/ ſchickte dieſer Fůrſt von Zeit zu Zeit Geſchencke an die Ottomaniſche Pforte/ damit er des kan. Die Hollander komen jahrlich dahin und bringen allerhand Spererehen mit ſich. Die Engellander bringen Pfeffer und etwas agelein; der Portugeſen Handlung aber bleibt ganzlich allhier eingeſtellt/ die AuguſtinerMoͤnche jhre Landsleute/ haben ſich gleichfalls von dannen gemacht. Die Indianer fuͤhren viel Tuch/ Endig und andere Waaren/ nach Balſara Es befinden ſich oͤfters auf eine Zeit allhier Kaufſeute von Conſtantinopel/ Smyrna, Alep, Damas, Cair un auß vielen anderen Orten der Tüͤrckey/ die pflegen den Indianern jhre Waaren abzukauffen/ mit welchen ſie hernach die jungen Kamieel/ welche auch daſelbſt zu kauffen ſind/ beladen. Dann die Araber bringen viel ſolcher Kamele dahin/ ſie zu verkaufen/ und treiben groſſen Handel mit denſelben. Die Kaufleute/ welche von Diarbequir, Mouſſulz Bagdat, auß Meſopotamien und Aſſyrien dahin kommen/ laſſenjhre Waaren auf dem Tiger zurücke gehen/ aber mit groſſer Muhe und Unkoſten. Dann die Schiffe muſſen eintzig und allein von Mannern gezogen werden/ welche des Tages über dritthalb eile nicht hinter ſich legen köntien/ und jhre Jahrt bey widrigem Winde gar einſtellen müͤſſen/ ſie muſſen zu der Reiſe von Balſata nach Bagd at 60. Tage haben/ und etliche bringen gar 3. Monat underwegens zu. 5 i 5 he Pforte/ damit er des Man muß zu Balſara vom 198. 5. Zoll be⸗ Giufe Ein Kepſers Gunſt behalten möchee dieſe Geſchen⸗ zahlen die Zoll⸗Einnehtmer aber und der Fürſt auen ze cke beſtunden meiſtentheils in Pferden/ welche ſelbſt/ erweiſen einem oͤfters die Hoͤffichkeit daß Bala hlechte iſe del er. 0 ara. Turck. ert. 1 . da zu Land von einer ſonderbaren und ungemeinen Gute ſind. Cha- Abas der Groſſe/ Roͤnig in Perſien/ als er ſich der Stadt Ormus betmaͤchtiget/ ſandte eine ſtarcke Armee/ under dem Dolfard hö en Perſern bellgert. Cottlando des Iman-couli- Kan; der zu Schitas Gubernator war/ fuͤr Bal ſara, in Meinung ſelbige zu eroberen; der Fuͤrſt der dazumal Herz daruber war/ ſahe wol/ daß er zum Widerſtand viel zu ſchwach ſey/ und bemuͤhere ſich derohalben mit den Arabern einen Bund zu machen/ daß ſie den Dam/ welcher den Durchbruch des Meers hinderte/ an etlichen Orten durchſtechen mochten. Nachdem dieſes geſchehen/ riß das Waſſer allenthalben ein/ und überſchwenimete ein Stück Landes in die ix. Meilen/ bis an Balſara, und noch vier Meilen daruber/ mit eiter grauſamen Ungeſtünigkeit; dadurch ſpurd die Perſiſche Armee gezwungen/ die Belagerung guftuheben/ theils weil ſie ſich vom Waſſer umringet ſahe/ theils weil ſie vernoſmen/ daß Char Abas mit Tod abgangen/ und hinderlieſſen jhre Stucke für der Stadt/ die ich noch auf meinen Reiſen daſelbſt angetroffen. Allein dieſe Uberſchbemmung hat verurſachet/ daß viel Garten ald Felder unfruchtbar wurden/ und bis quf en heutigen Tag wenig Fruͤchte herfuͤrbrinLen, diewweil noch viel Saſtzwaſſer guf den Aeckurn übrig geblieben. man mit 4 pro cento durchkommen kan. Dieſer Furſt von Balſara weiß dermaſſen ſein Interelle in acht zu nehmen/ daß er jahklich Millionen Fraricken guf die ſette legen kan. Vier Sachen bringen jhm das meiſte ein/ nemlich die Muͤntze/ die Pferde/ Kamele und die Palmbaue/ aber von dieſen letſteren kan er den meiſten Reichthum einziehen. Das gantze Land/ nemlich von dein Orte wo die zwey Fluſe zuſamen gehen/ bis an das Meer/ in die 30. Meil Wegs/ iſt mit ſolchen Baumen gleichſam bedecket und kein Menſch/ er ſey auch wer er wolle/ darff keine Sattel anrühren/ er habe hann zů vor von jeglichem Baum 2 Lakins, welches ohngefaͤhr ſo viel als 9. Sols iſt/ bezahlet. Den Mützen den dieſer Für ſt auß der Münze ziehet/ kommet daher/ well die gußlaͤndiſchen Kauffeute verbunden ſeylid/ alle ihre Kealen in eine Mutz zu tragen allo er ſie umſch melten, und zu Lakins ſchlagen laßt“ welches me faſt 8. om ie. einträgt. Was die Pferde bez trifft/ ſoiſt einem jeglichen gar wol bekant/ daß an keinem Ort in der Welt/ beſſere gefunden werden( und die zum ſtrapetieren dienlicher ſind/ under welchen etliche gefunden werden/ dil bis in 30. Stunden under der Last gehen konwen“ und weder eſſen noch trinken dorffenDarmnit wir aber wieder auf die 1 96 komen/ ſo hat es mit denſelbigen gar eine denckwuͤrdige Beſchaffenheit/ dann man muß viel mehr Witz gebrauchen/ einen ſolchen Baum Auf was Weiſe die Palmbaͤum gepflantzet werben. Die St. Johanns⸗Chriſten wo ſie sutſprungen. aufzubringen/ ais bey den gemeinen. Man machet ein Loch in die Erde/ und leget etwan zyo. oder 00. Dattel⸗Nuſſe/ eine uͤber die andere/ einer Spitz Seulen gleich/ hinein/ auß der oberſten/ welche allein auf der Spitze liget/ und mit Erden bedecket iſt/ ſproſſet der Baum herfür. Die Einwohner des Landes geben für/ daß weil die Beume zkweyerley Geſchlechts ſeyn muſſen jhrer auch allezeit zwen zuſamen geſetzet werden/ ſonſten wird im Gegentheil das Weiblein keine Früchte herfüͤr kragen. Aber etliche wollen verſicheren/ daß dieſes unnohtig ſeheſondern daß man nur allein zur Zeit wann ſie bluͤhen/ die Bluhte von dem Mannlein nehmen/ und ſolche oben in der Weihlein Stengel ecken ſolle/ bann ohne dieſes/ fallen die Früchte erunder/ ehe ſie einmal halb reiff werden. Zu Balſara befindet ſich enbenfals ein Cady wie in Türckeh/ welcher Gericht und Gerechtigkeit verwaltet/ und welcher durch das Anſehen des regierenden Fuͤrſten beſtaͤttiget wird. Allhier ſiehet man dreyerley Sorten von Chriſten/ nemlich Jacobiten/ Neſtorianer/ und St. Johann⸗Chriſten. Die Carmeliter auß Italien/ haben daſelbſt quch ein Kloſter/ die Auguſtiner auß Portugal/ wohneten auch weiland daſelbſten/ aber nachdeme ihre Landsleute den Handel und Wandel/ wie ich zuvor gedacht/ eingeſtellt/ haben ſie gleichfals dieſen Ort verlaſſen. ü 5 Die St. Johanns ⸗Chriſten ſeynd in groſſer Anzahl/ ſo wol zu Ballara als in den umliSachen in ihren Glaubens⸗Artickeln/ alſo daß ich genoͤhtiget werde/ dem Leſer das Fuͤrnemſte hier inn under Augen zu legen. 55 Ich wil aber von jhrem Uhrſprung anfangen/ and vorſtellen/ was ich die Zeit uͤber/ weil ich mich zu Balſara aufgehalten/ hievon erforſchen koͤnnen. Dieſe Leute wohneten vor alters an dem Jordan/ wo Johannes getaufft hat/ und davon ſte jhren Namen empfangen. Zur geit/ oder als die Mahometaner ſich des gelobten Landes bemachtigten/ entſchloſſen ſie ſich/ dieſe Völcker gantzlich außzutilgen/ ob ihnen ſchon Mahomet einen mit eigener Hand underſchriebenen Freyheits⸗Brieff gegeben harte/ in welchem er befohlen/ daß kein Menſch jhnen etwas zu wider thun ſolte/ nichts deſto weniger riſſen nach dem Tode dieſes falſchen Propheten/ ſeine Glaubensgenoſſen/ jhre Kirchen nider/ verbranten jhre Bucher/ und veruͤbten tauſenderley Grauſamkeit wider ſie. Dadurch wurden ſie gezwungen ſich auf eine zeitlang von dannen zu machen/ und in Meſopotamiam und Chaldeam zu gehen/ und erkanten den Patriarchen von Babylon für jhr Haubt/ aber nach 170. Jahren/ oder etwas druͤber/ trenneten ſie ſich von jhm/ kamen und lieſſen ſich in Perſien und Arabien nider/ und bewohneten etliche um Balſara ligende Staͤdte/ deren Namen ich allhier beygefügt: als da ſind Souter, Deſpoul, Rumęa, Bitoum; Mono, EndeNeisbeſchreibung in Perſien/ can, Calafabat, Aveza, Dega, Dorech, Maſquel, Gumar, Carianous, Balara, Onezer; Zech und Loꝛza. Sie bewohnen keine Stadt noch Dorff/ welches nicht an einem Fluß liget/ und viel von jhren Biſchoͤffen haben mich verſichert/ daß die Anzahl dieſer Chriſten/ welche an dieſen Orten wohnen/ ſich bis auf 27000. Geſchlechter belauffe. Es gibt etliche Kaufeute under ihnen/ aber der meiſte Theil ſind Handwercker/ als Goldſchmiede/ Tiſchler und Schloſſer. 5 a f Ihr Glaube iſt mit vielen Fablen und ab⸗ und was ſte ſcheulichen Irthümern angefüllet. Die Perſer und Araber nennen ſie Sab bi, das ſind/ Leute welche jhre Religion verlaſſen/ damit ſie eine neue annehmen mochten. In jhrer Sprache nennen ſie ſich Mendai Jahia, oder Junger des Heil. Johannis, von welchem ſte/ wie ſie furgeben/ hre Glaubens⸗Artickel erhalten haben/ wie auch jhre Bucher und Kirchen⸗Gebrauche. Alle Jahr begehen ſie ein Feſt/ welches gantzer fuͤnff Tage wahret/ zu welcher Zeit Groſſe und Kleine kommen/ und ſich hauffenwweiſe von hren Biſchoffen mit der Tauffe des heiligen Johannis wider tauffen laſen. Ihre Tauffe geſchiehet nirgends als in Ire auff. Fluͤſſen/ und zwar nur am Sonntage. Che ſte zum Fluß gehen/ wird das Kind zuvor in die glauben un lehren. Kirche getragen/ alwo der Biſchoff über ſeinemn Haubte etliche Gebate liſet/ alsdann tragen ſie es zum Fluß/ dabey ſich viel Manner und Weiber befinden/ welehe nebſt dem Biſchoff/ bis an die Knie ins Waſſer tretten. Alsdann liſet der Biſchoff abermal etliche Gebaͤte auß ſeinem genden Staͤdten/ und haben viel ſonderbare Vue und wann er dae Kind dreymal ing Waſſer taucht/ wiederholet er allezeit nachfolgende Worte: Beeſme brad er-Rabi, Kaddemin, Akreri, Menhal el gennet Alli Koulli Eralek, dadurch wollen ſie ſaagen: Im Namen des Herren/ des Exſten und des Letſten der Welt und des Paradiſes/ des hoͤchſten Schoͤpfers aller Dinge. Nachmals fangt der Biſchoff wieder an etwas auß ſeinem Buch zu leſen/ under deſſen nimt der Pate das Kind lauchets ins Waſſer/ und ziehet es alsbald wieder herauß; endlich gehen ſie alle mit einander in das Hauß des Vattern/ da ſie dann das Kindtauffen⸗Feſt bereitet finden. Wann man jhnen vorhaͤlt/ daß ihre Tauffe nit vollkomen iſt/ weil die drey Perſonen der Gottheit/ darinnen nicht benamſet werden/ ſo geben ſie ſchlechten Beſcheid darüber/ und wiſſen keine lechtſchaffene Urſach anzuzeigen. Die haben auch keine Erkantnuß von demGeheimnuß der heiligen Dreyfaltigkeit/ und halten nur dafur nebſt den Mahomekanern/ daß Jolus Chriſtus ſeye. Die Blindheit dieſer Volcker iſt ſo groß/ Dab ſie glauben, der Engel Gabriel fehe der pr ent Sohn Gottes/ und auß dem Liecht geboren/ ohne das ſie zugeben wollen/ die ewige Geburt Jeſu Chriſti als Gottes. Sie bekennen zwar/ daß er ein Menſch worden/ uns von der Schuld der Geiſt und das Wort des ewigen Vatters Aberglau der Sünden/ in welche wir gefallen/ zu erloſen Leib und daß er ohne zuthun eines Mannes/ in dem —————— wos ſte en und e laub ———r̃krjUNUUᷓ v——,.r'—... H— Ilnderes Buch. Leibe der Jungfrauen empfangen worden; aber ſie ſagen/ dieſes ſey dureh Hülffe eines Waſſers auß einem gewiſſen Brunnen/ davon ſiee getruncken/ geſchehen. Sie glauben/ daß er von den Juden geereutzigek/ und arm dritten Tage auferwecket worden; aber daß ſeine Seele zwar gen Himmel gefahren/ der Leib aber hierunden auf der Erden geblieben. Alle dieſe Glaubens⸗Artickel verderben ſie eben wie die Mahometaner/ und ſagen/ daß Chriſtus zwar erſchienen/ ſich der Juden Creutzigung zu underkwerffen/ allein er hatte jhnen an ſtatt ſeiner nur ſeinen Schatten hinderlaſſen/ an welchem ſie ihre Grauſamkeit außgeubet. Wann ſie des HEren Nachtmal genieſſen wollen/ gebrauchen ſie Brod dazu/ welches mit Mehl geknettet/ und mit Wein und Hel vermiſchet word/ weil ſie dafur halten/ in Anſehung/ daß der Leib des Eren J Eſu fürnehmlich auß Fleiſch und Blut beſtanden/ ſolches konte durch das Mehl und den Wein am beſten fürgeſtellet werden/ welches durch das Waſſer/ als welches keine Vergleichung mit dem Blut habe/ nicht geſchehen konte/ ſintemal der HErꝛ Chriſtus/ als er mit ſeinen Jungern das heilige Nachtmahl gehalten/ kein Waſſer/ ſondern Wein getruncken habe. Das Oel gieſn ſie um der Urſachen wegen dazu/ weil ſie ſich dadurch der Gnade/ die jhnen durch das heilige Sacrament wiederfähret/ und der Liebe/ welche ſie zu Gott und dem Naͤchſten tragen ſollen/ erinnern wollen. Den Wein machen ſie auß Trauben die ſie an der Sonnen kochen/ und in ſyrer Sprache Zebibes genennet werden/ ſie gieſſen Waſſer darauf/ und laſſens eine Zeit lang drauf ſtehen. Solches Weins gebrauchen ſie ſich zu der Conſecration des Kelchs. Dieſe gedoͤrꝛte Trauben gebrauchen ſie deswegen/ weil ſie dieſelben eher als den Wein haben konnen/ dann die Perſter und Araber/ under derer Bottmeſſigkeit ſie leben muſſen/ laſſen nicht zu/ daß ſie denſelben haben/ und geben genaue Achtung darauf. Unter allen Voͤlckern/ die der Mahometaniſchen Lehre anhangen/ ſind keine ſo verbittert wider anhre Prieer⸗Wahl. dere Religionen/ als die Perſer und Araber /in denen um Balſara ligenden Orten. Die Worte jhrer Weyhung ſind nichts anders als lange Gebaͤtte/ mit welchen ſie Gott loben/ und ſhme dancken/ und alsdann ſegnen ſie zugleich den Wein und das Brod zum Gedachtnuß deß HErꝛn/ ohne daß ſie von ſeinem Leib und Blul das Geringſte gedachten/ und halten ihrem Vorgeben nach dafür/ daß dieſes gantz lich unnsthig ſey/ weil dem Hoͤchſten ſhre Hertzen allbereit bekant waren. Wann alle dieſe Sachen berichtet mimmet der Prieſter einen Theil von dem Brod/ und theilet es unter die Umftehenden auß. 8 Was hre Biſchoffe und Prieſter betrifft/ ſo wird deſſen Verſtorbenen Sohn an ſeine Stelle erwehlet; und wann er keinen hinderlaſſen/ ſo wird einer von ſeinen nechſten Freunden/ der ihnen aum geſchickteſten zu ſeyn ſcheinet/ und in jhrer Religion am gelehrteſten iſt/ angenommen. Die jenigen/ die ſich bey dieſet Prieſter⸗Wahl einfinden/ ſagen vor demſelben/ welcher die Biſchoffs⸗Stelle antrittet/ viel Gebätter her. M es ein Biſchoff iſt/ und der andere Prieſter ordinieren ſol muß er ſechs Tage faſten/ in welcher Zeit er für den Prieſter/ den er erwehlen ſol/ unaufhoͤrlich batet/ welcher guf feiner Seite die Zeit über gleichfals mit Faſten und Baten 95 zubringen muß. Weil ich ben angezeigt/ daß ein Sohn ſeinem Vatter inder Prieſterlichen oder Biſchoffichen Wurde nachfolge/ ſo kan man leicht abnehmen/ daß Prieſter und Biſchoͤffe gleich wie andere Kute in den Chſtand tretten/ und dannenhero von ihnen nicht unterſchieden ſeyn/ auſſer daß ein Prieſter nach Abſterben ſeiner erſten Frauen verbunden iſt/ ſich mit einer Jungfrau zu verehlichen. Alle dieſelben/ welche geiſtliche Aemter beſitzen wollen/ müſſen auß dem Stamm der Prieſter oder Biſchoͤffe ſeyn/ und daß jhre Mutter bey ihrer Verehlichung Jungfrau geweſen. Alle ihre Biſchoͤffe und Prieſter tragen lange Haar/ und ein kleines Creutz einer Nadel Ich koinme auch zu ihrer Verehlichung/ bey weleher ſie folgendes im Gebrauch haͤben: Die Eltern und Freunde verſamlen ſich in dem Hauſe der Tochter/ nebſt jhrem kuͤnftigen Brautigam. gleichfals ein/ nahet ſich zu der Braut/ wel„Der VBiſchof ſtellet ſich Ihre Vel ehlichungche unter einem Zelt ſitzet/ und fraget ſie/ ob ſte eine Jungfrau ſey/ wann ſie diß bejahet/ ſo muß ſie ſolches mit einem Eyd bekraͤftigen/ nachmals begibt er ſich wieder zu den Umſtehenden und ſchicket ſeine Frau und etliche andere Weiber/ welche in diefen Sachen wol gelehrt ſind/ und gute Wiſſenſchaft darum haben/ und laſſet die Braut beſehen. Wann ſie dieſelbe als Jungfrau befinden/ komt des Biſchofs Frau zurück/ und leget den Eyd ab/ und nach dieſem gehen alle die jenigen! welche gegenwartig ſind/ an den Fluß/ da ſo wol der Brautigam als die Braut von dem Biſchof wieder getauft wird/ nach jhren gebrauchlichen Ceremonien. Wann diß geſchehen/ kommen ſie wieder nach Hauſe/ und wann ſie nahe dabey ſind/ bleiben ſie ſtehenz Nach dieſem nimt der Brautigam die Braut bey der Hand/ und gehet ſteben mal um den Ort/ da ſich die Geſellſchaft verſamlet/ biß an die Thur des Hauſes; der Biſchof gehet allezeit hinder jhnen her/ und 1 55 etwas auß einem Buche/ das er in der Hand träget. Endlich treten ſie ins Hauß/ und der Brautigam und die Braut ſetzen ſich zuſammen under ein Zelt, und wenden die Schultern gegen einander; der Biſchof lieſet abermal etwas/ und tnachet/ daß ſie einander dreymal mit hein Haupt beruhren. Pachmals machet or ein Buch auf/ darinnen unterſchiedliche Weiſſagungen geſchrieben ſtehen/ und ſuchet einen Tag/ welcher zu der Vollziehung ihrer Heu vath glücklich ſey/ den er ihnen hernachmals anzeiget. e in 00 55 a Ihr Glaube. 98 des Biſchoffs Frau die Braut nicht als Jungfrau befindet/ kan der Biſchof auf keine Weiſe ſich bey der Verehlichung einſtellen/ und wann der Brautigam dennoch ſie zu ehlichen ſicch nicht weigerk/ muß er fich zu dieſer Ceremonie eines gemeinen Prieſters bedienen. Das Volck halt es fur eine groſſe Schande/ wann ſie nicht von dem Biſchoff getrauet werden; und wann ſolches ſchon ein ander Prieſter thut/ ſo iſt es ein klares Zeichen/ daß die Braut keine Jungfrau ſey. Weil ſie auch glauben/ daß es eine chat Sunde ſen/ nach beraubter Jungfrauſchaft das Eh⸗Beth beſchreiten/ ſo thun die Prieſter dieſe Copulierung gar ungern/ und bloß/ damit die Ungebuhr/ die darauß entſtehen mochte/ unterwegen bleibe/ dann wann man ſie ſie nicht verehlichen wolte/ wurden ſie auß Unwillen hingehen/ und der Mahometaner Aberglauben beyfallen. Warum ſie aber wiſſen wollen/ ob die Braut eine Jungfrau ſey/ geſchiehet darum/ daß ein ehrlicher Kerl/ der eine Jungfrau zu kriegen meynte/ nicht betrogen wurde; und damit ſie auch dieſes Voͤlcklein deſtobeſſer im Zaum halten moͤchten. Etliche unter dieſen Chriſten haben 2. o 5 Ich kan auch nicht unterlaſſen/ allhier zu gedencken/ was dieſe Leute von Erſchaffung der Welt glauben. Sie geben vor/ daß als nach dem Befehl Gottes der Engel Gabriel die Welt erſchaffen wollen/ er 336000. Teuffel genomen/ und die Erde ſo fruchtbar gemacht/ daß wann man das Getrayde am Morgen geſaͤet/ ſolches am Abend hat einarndten konnen. Daß eben dieſer Engel dem Adam gezeiget/ wie er ſaen und Baume pflantzen/ und alles das jenige/ was zu dem menſchlichen Leben vonnothen iſt/ verſchaffen ſolle; daß dieſer Engel auf der Erden 7. Circkel gebauet/ deren die Kleineſte biß an den Mittelpunct der Erden geruhret/ welche eben als wie die HimmelsKreiſe in einander geflochten geweſen. Sie glauben auch/ daß das Weſen dieſer Circkel auß underſchiedlichen Metallen beſtehe/ nemlich/ daß der Erſte/ welcher dem Centro nahet/ von Eiſen/ der Andere von Bley/ der Dritte h von Ertzt/ der Vierte von Meſſing/ der Funfte von Silber/ der Sechſte von Gold/ und der Siebende von Erden ſey. Und daß dieſer LetReisbeſchreibung in Perſien/ noch jhren rechten Lauf halten/ und von jhrem Ziel niemals abweichen. i Was die andere Welt und das künftige Was ſie vom Leben betrift/ ſo haben ſie hievon nachfolgende muuͤnftigen Meynungen: Sie glauben/ daß noch eine an⸗ del dere Welt ſey/ als dieſelbige/ wo die Engel und Teuffel/ und die Seelen der Guten und Bos ſen jhren Aufenthalt haben. Daß dieſelben eben ſo wol mit Hauſern/ Stadten und Kirchen beſetzet ſeyn/ under welchen die unreinen Geiſter auch jhre Tempel beſitzen/ n welchem ſie ſingen/ baͤtten auf Sditen ſpielen/ und eben ſo wol als wir in dieſer Welt/ eſſen und trincken. Und daß ſo offte als einer in den letſten Zugen liget/ eine unzahlbare Menge Teuffel kommen/ nebſt jhren Obriſten und Hauptleuten/ under welchen 360. von den Fuͤrnehmſten ſich zu dem Todten ſetzen/ und ſo bald die Seele von dem Leibe geſchieden/ an einen gewiſſen Ort begleiten/ in welchem nichts als Schlangen/ Hunde/ Tyger/ Loͤwen und Teuffel ſich aufhalten. Und dafern der Menſch gottlos geweſen/ und in ſeinen Sonden geſtorben/ wird die Seele von dieſen Thieren in Skuͤcken zerriſſen/ dafern aber der Menſch fromm geweſen Muen de Gnaden Gottes geſtorben/ gehet die Seele durch den Leib dieſer Thiere/ biß ſte vor Gottes Angeſichteerſcheinen ſol/ welcher in ſeiner herꝛlichen Majeſtat nebſt ſeinen Dienern die Welt zu richten kommen wird. Sie ſagen auch/ es waren 2. Engel/ welche die Thaten der Seelen abwageten/ und die/ welehe ſie der ewigen Herꝛlichkeit würdig geſchatzet/ alsbald ins Paradeis führten. Daß unter den Engeln und Teuffeln eben ſo wol 2. Geſchlechter ſeynd/ nemlich Maͤnnlein und Weiblein/ wie under den Menſchen/ und daß ſie auch Kinder zeugen konten. Daß der Engel Gabriel ein Sohn Gottes ſey auß dem Liecht gebohren/ und habe eine Tochter/ Namens Sauret, welche 2. Kinder zur Welt gebracht/ daß er ein Hauptmann ſey über viel Legionen Teuffel/ deren etliche ſeine Soldaten/ etliche aber ſeine HanckersBuben ſind/ durch welche er die Sunder zu ſtraffen pfleget. Endlich/ daß ſeine Diener in und wieder in den Staͤdten herum gehen/ und ſehen/ ob ſie etwan Leute finden/ die dem Muͤſſiggang nachhangen/ oder die etwas Bob ſes thun/ die ſie nachmals hart zu trafen 5 n 5 chmals hart zu ſtraffen „Was den Artickel von den Heiligen be⸗ as ſe von trifft/ ſo halten ſie daftir Jus Chur dene habe 12. Apoſteln in die Welt gesandt) an ballen. ſeiner ſtatt den Leuten das Evangelium zu predigen. Daß die glorwindige Jungffau Maria nicht geſtor ben/ ſondern noch biß auf den heutigen Tag hin und wieder in der Welt herum ziehe ohne daß man wiſſe/ wo ſte zu finden ey. Daß der heilige Johannes nach Ihr und feinem Vatter Zacharias und Cliſabeth/ der groſte Heilige im Himel ſey/ von welchem ſie viel Wunderwercke und ungereimte Sachen zu erzehlen wiſſen. Dann ſie glauben/ daß er auß bloſſem Umarmen gebohren worden/ und ſagen/ er hatte ſieh/ als er groß f worden/ ſtere die andern alle in ſich halte/ und der Furnehmſte ſey/ der den Menſchen am meiſten nutzen/ und zu Erhaltung des menſchlichen Geſchlechts ann dienſtlichſten ſeyn koͤnne/ dahingegen die andern nur zu jhrem Schaden gereichten. Wollen auch vorgeben/ daß uber jeglichem Himmel Waſſer ſey/ darvon ſie den Schluß machen/ daß die Sonne auf dieſem Wafer in einem Schif fahre/ und daß der Maſtbarun dieſes Schiffesein Creutz ſey. Sie fabulieren auch/ daß ſich viel Kinder und Diener um die Sonne und den Mond befünden/ und ſie begleiten. Sie mahlen auch ein Schif ab/ von welchem ſie vorgeben/ daß es einem Engel/ Namens Bacan, zuſtandig ſey/ welchen Gott geſanbt/ zu ſehen/ ob Sonn und Mond i Anderes Bach 5 93 worden verehlichet und. Kinder gehabt die Weiber halten ſie für unrein/ und erlauben er auß dem Jordan erzeuget; und ſo offt als ihnen nicht in die Kirche zu gehen. er eines begehret/ hatte er Gott gebeten/ welches Sie haben unter jhnen eine Ceremonie/ die Und nnd te vom er auß eben diesem Fluſſe gezogen habe/ dieſe ſie die Hüner⸗Ceremonie nennen/ ſelbige hal⸗ che Lene e Kinder hab e Frauen unter die ten ſie ſehr hoch/ und wird allein den Prieſtern nien. — Hande gegeben/ die nichts anders an jhnen gethan/ als ſie nur ernahret; ſie geben auch für/ er ſey eines natürlichen Todes geſtorben/ er habe aber befohlen/ daß ſeine Junger ihn nach ſeinem Tode creutzigen ſolten/ damit er dem ran Chriſtogleich ſeyn moge/ auß deſſen Verwandſchaft er geweſen; Endlich ſagen ſie auch/ er ſey in der Stadt Fuſter geſtorben/ und in ein Chriſtalkin⸗Grab/ welches wunderbarlicher Weiſe dahin kommen/ geleget worden/ und daß diß Grab in einem gewiſſen Hauſe nahe bey dem Jordan gefunden werde. 5 Sie verehren das Creutz gar ſehr und zeichnen ſich damit/ allein ſie nehmen ſich wol in acht/ daß es die Tureken nicht ſehen/ und ſtellen Wachten an die Thüren der Kirchen/ wan ſie jhre Ceremonien verrichten/ auß Forcht/ die Tuͤrcken moͤchten hinein kommen/ und Urſache ſuchen/ jhnen eine Avanie zu beweiſen/ welches bey uns eben ſo viel it/ als wann man einem eine unbilliche Gelt⸗Straffe auferleget. Wann ſie das Creutz angebattet/ ſo zer legen ſie es in 2. Stücke/ und machen es nicht eher wieder zuxechte/ biß daß der Gottesdienſt wieder angefangen wird. Die Urſach/ daß ſie das Creutz ſo hoch verehren/ kommet daher/ daß ſie unter jhgen ein Buch haben/ welches der Diwan genennet wird. In dieſem Buche ſtehet unter vielen andern Sachen geſchrieben/ daß alle Morgen die Engel das Creutz nehmen/ und an die Sonne ſtellen/ davon dieſelben eben ſo wol als der Monden das Liecht empfaͤnget. Sie ſetzen noch eine gleichlautende Fabel hinzu/ und ſagen/ daß in dieſem Buche 2. Schiffe abgemahlet waven/ deren das eine ſich die Sonne/ das andre aber der Mond nenne/ und daß in jeglichem ein Ereutz ſtünde/ welches voller Schellen ſey; und dafern in dieſen 2. Schiffen kein Creutz ware müͤſten Sonn und Mond ihres Scheins bevauhl ſeyn/ und die Schiffe Schifbruch leiden. dae Fete Die fürnehmſten Feſte/ welche dieſe Chriſten zu ſehren pflegen/ ſind die drey folgenden: Das Erſte iſt im Winter/ und wahret z. Tage/ ſie pflegen an demſelben die Gedachtniiß des erſten Vatters/ und der Erſchoͤpffung der Welt zu begehen. Das Andre fallet in dem Ar gelaſſen/ die von einer Jungfrau von Zeit ihrer Hochzeit an/ gebohren ſind. Wann man nun ein ſolches Huhn umbringen ſol/ ſo leget der Prieſter/ welcher dieſes verrichten wil/ ſeine gewoͤhnliche Kleider ab/ und nimmet andere/ die hiezu gewidmet ſeyn. Er bedecket ſich mit einei Leinwand/ und guͤrtet ſich mit mem andern; das 3. aber hanget er wie ein Tuch über ſeine Schultern. Nach dieſem nimmet er das Huhn/ taucht es ins Waſſer/ dannit er es waſchen und ſaubern moge/ alsdann wendet er ſich gegen Morgen/ hauel ihne mit einem Meſſer den Kopf ab/ und laſſet es nicht auß den Handen/ biß es ſich gantzlich verbluret hat. Weil nun das Huhn alſo blutet/ halt er die Augen allezeit gen Himmel/ als ob er entzuckt ware/ und wiederholet in ſeiner Sprache zum oftern nachfolgende Worte: Im Namen Gottes ſey dieſes Fleiſch allen denen heilſam/ die davon eſſen. Gleiche Ceremome gebrauchen ſie auch/ wann ſie einen Hammel ſchlachten. Sie ſqubern zuvor den Ork/ worauf es geſchehen ſol/ aufs allerfleiſſigſte/ begieſſen jhn hernach mit Waſſer/ und verdecken jhn mit Reiſern/ es ſtehet eine groſſe Menge Volcks daher um/ als bey einem ſonderbaren Opffer. Wmnn man ſie fraget/ warum auch nit andre Leute/ die keine Geiſtliche ſind/ die Humer ſchlachten doͤrfen/ ſo ſagen ſte/ es ſey jhnen nicht mehr erlaubt/ Als ſte mur zu weichen/ und wiſſen keine andere Urſach anzuführen. Im übrigen eſſen ſie von keiner Speiſe/ welche von den Turcken zubereitet werden/ es ſey dann mit groſſem Widerwillen/ auch ſelbſten nicht einmal die Thiere/ die ſie geſchlachtet. Sie haſſen die Türckendermaſſen/ daß ſie auß keinem Gefaſſetrincken/ n d 5 darauß ein Turck zuvor getruncken/ und wann groſſe Abſie einem zutrincken geben/ ſo zerbrechen ſte als⸗ ſchen. bald das Gefaſſe/ auß Forcht/ es mochte je⸗ a mand anders kommen/ und unwiſſend dar auß krincken/ und ſich verunreinigen. Endlich bringen jhre Prieſter die Türcken auch in greuliche Abſcheu/ wann ſie den Mahomet in Geſtalt eines groſſen Riſens/ der nebſt andern 4. von feinen Verwandten in die hoͤlliſche Gefaͤngnuß 8 dae. em eingeſehloſſen iſt/ abmahlen/ und geben fur/ daß ſie von Auguſt/ währet gleichfals z. Tage/ und wird al n diesen Ork kommen/ welcher ee dae Jeſt des heiligen Johannis genennet Das mit unremen Beſtien/ ſie zu verſchlingen/ er. dritte Feſt wird von ihnen im Juni mit F. tag⸗ fülſet iſt. 5 * — U————— ͤ ——̃ licher Feyer begangen/ in welcher Zeit ſie ſich alle wieder tauffen laſſen/ mit den Ceremomen/ die ich oben angezeigt. Sie halten auch den Sontag feyrlich/ und arbeiten niemals an dieſem Tage. Sie faſten aber nicht/ und wiſſen nichts von der Buſſe. Sie haben keine Canoniſche Bucher/ aber eine groſſe Menge andere/ welche nichts anders als Wahrſagereyen in ſich halten/ mit welchen jhre Prieſter/ wie ſie verſichern wollen/ alles thun konnen/ was ſie nur verlangen/ und koͤnnen es dazu bringen/ I. Theil. Was den Artickel von jhrer Seligkeit hekrift: So halten ſie dafür/ ſie 15 alle ſelig werden und gründen hre Meynung auf dem der Engel Gabriel die Welt nach dem Befehl GO TES gemacht/ hatte er ihme folgenden Diſcurs fürgelegt: Siehe/ o Goti/ jh habe die Welt erbauet/ wie du mir befohlen/ und dabey nebſt meinen Mit⸗Bruͤdern viel Muße angewenDaß ſhnendle Leufel gehorchen mülſen. Alke det/ welche mir geholffen ſo groſſe Berge 5 du Und bilden ſich die Seligkeit ohngezweiffelt ein. 100 zu erheben/ die den Himmel anruͤhren und tragen muͤſſen. Und wer haͤtte ohne groſſe Arbeit den Maſſern den Weg durch die Berge eroͤfnen konnen/ und einer jeglichen Sache ſeine Stelle geben? Wir haben uͤber diß/ o groſſer Gott/ durch deinen maͤchtigen Arm die Welt in eine ſolche Vollkommenheit gebracht/ daß die Leute zu ſhrem Nutzen nichts erſinnen koͤnnen/ was ſie nicht finden. Unterdeſſen aber habe ich zur Vergeltung der Arbeit/ die ich bey dieſem groſſen Wercke angewendet/ groſſe Bekuͤmmernuͤſſen tragen muͤſſen. Als mm Gott zu wiſſen begehrte/ was doch deſſen Urſache ſen/ fuhr der Engel weiter fort alſo zu reden: Mein Gott und Vatter/ was mich am meiſten ſchmertzet/ iſt/ weil ich allbereit ſehe/ daß nachdem ich die Welt durch viel Muͤhe in dieſen Stand gebracht/ viel Juden/ Tuͤrcken/ Heyden und andere Feinde deines Namens kommen werden/ die nicht werth ſind/ daß ſie die Fruͤchte meiner Arbeit eſſen und genieſſen ſollen. Hierauf antwortete Gott: Kuͤmmere dich nicht mein Sohn/ die St. Johanns⸗Chriſten/ welche die Welt/ die du erbauet haſt/ beſitzen/ ſind meine Freunde/ und ſollen alle ſelig werden. Der Engel wunderte ſich/ wie dieſes geſchehen konte/ und fuhr derhalben fort alſo zu reden: Sind dann keine Suͤnder unter dieſen Chriſten/ welche dannenhero dir zuwider/ und deine Feinde ſind? Gott aber widerſetzte: Daß am Tage des Gerichts die Frommen fuͤr die Boſen baͤtten wuͤrden/ und durch dieſes Mittel wuͤrden ſie von allen Suͤnden befreyet ſeyn/ und die Seligkeit erlangen. f Che wir aber den Diſcurs von der Religion der Johanns⸗Chriſten beſchlieſſen/ ſo muß ich noch etwas bedenckliches anzeigen/ daß ſie nemlich vor der blauen Farbe/ die man Endich nennt/ groſſen Abſcheu tragen/ daß ſie ſolche Reiß auch nicht einmal anrühren. Sie zeigen deſſen nachfolgende Uirſachen an/ daß nemlich gewiſſe Juden im Schlaf ein Geſicht geſehen/ welches jhnen zuverſtehen gegeben/ daß ihr Geſetze durch die Tauffe Johannis ſolle abgeſchaffet werden. Als diß die andern Juden erfuhren/ und ſahen/ daß Johannes den HEren Chriſtum tauffen wolte/ nahmen ſie eine groſſe Menge Endich/ den ſie in ihrer Sprache Nil nennen/ und wurffen es in den Jordan. Sie ſetzen dazu/ daß das Waſſer auf eine Zeitlang unrein geblieben/ und hatte die Tauffe des HErzn Chriſti verhindert/ wann nicht Gott durch ſeine Engel zuvorher ein groß Gefaß mit dieſem Waſſer fullen laſſen/ ehe die Juden den Endich hinein geworffen/ und nach mals das Gefaß gen Himel gezogen; als nun Johannes den HErꝛm Chriſtum tauffen wollen/ haben die Engel das Gefaß wieder herab gelaſſen/ deſſen er ſich hernach Reisbeſchreibung in Perſien/ zur Tauffe bedient/ dannenhero geſchehen/ daß Gott dieſe Farbe verflucht habe. Und dieſes iſt alles/ was ich von der Religion dieſer St. Johannes⸗EChriſten erfahren konnen. Das IX. Capitel. Die Fortſehung des Wegs von Balſarz nach Ormus. 1 En 0. April reiſeten wir von Balſars nach dem Bander Qongo, und zu diefer Reiſe namen wir eine Terrade oder ſonderbares Schiffen/ weil die jenigen/ welche Datteln fuhren/ und wie ich oben angezeigt/ beladen war/ ſehr gefahrlich ſind/ wann ſich ein Orcan erhebet. Man muß aber wiſſen/ ehe ich etwas weiters gedencke/ daß die Fahrt auf dem Fluſſe von Ballara weg ſehr ſchwer und gefahrlich iſt/ weil derſelbe mit Sande gantz erfüllet/ und hin und wieder: Sandbancke angetroffen werden/ ſonderlich aber nach der Lange des Golfi, welche der Schiffarth ſehr hinderlich ſind. Auf beyden Seiten des Meerbuſens/ welcher Arabien und Perſien ſcheidet/ wohnen nichts als arme Leute/ deren gantze Kunſt im Fiſchen beſtehet/ und Arabien iſt ſonder Zweiffel um keiner andern Urſachen das Gluͤcklichgenennet worden/ als in Anſehung der beyden andeꝛn/ welche gantzlich verwůſtet uñ unfruchtbar ſind. Als ich einsmals von Surare nach Ormus xeiſete/ und wir gar contrar Welter hatten/ muſten wir wider unſern Willen nach dern Capo Razr algate ſchifft/ damit wir Wind vom Lande haben konten/ welche von den Arabiſchen Küuͤſten kommen/ und muſten uns derohalben Elende Ln, te an den rabiſchen Kuͤſten. ſo nahe als müglich/ ans Land halten. Dieſe elende Fiſcher blieben niemals guß/ ſondern famen täglich an Bord/ und brachten uns friſche und geſaltzene Fiſche/ unter welchen der gröſte Theil z. oder. Schuh lang war. Und ob wir ihnen ſchon Gelt geben wolten/ begehrten ſie doch ſolches nicht anzunehmen/ ſondern wolten mit Reiß bezahlet ſeyn. Unſer Schiffs⸗Capitain hatte Mitleiden mit jhnen/ und ließ ſhnen von dem beſten Reiß geben/ den er hatte/ allein ſie ſchlugen ſolches ab/ und begehrten nur wthẽ Reiß/ der grob iſt/ welchen ſie in den HunerTrogen geſehen hatten/ und damit man die ſes Geffligel und die Saue zu ſpeiſen pfegt. Ich glaube/ daß ſie von demandern nicht begehrten/ weil ſie ſahen/ daß diſer viel groſſer war/ un daß ſie vielleicht mehr haben wurden. Eines Tages kamen. oder d. VBarquen mit dieſen Fiſchern erfüͤllet/ welche alle in unſer Schif ſtiegen/ und eine Menge gute iche nüt ſech brachten Sie harten unter ihnen Kinder und Alte darunter etliche ſich umwendeten indem wir jhnen eiß zeigten/ das ſie fur ihre Fiſche haben ſolten/ und nahmen auß den Huner⸗Trogen etliche Korner 1 a 4 arm Zuſtanb. von dem groſſen Reiſe. Der Schifs⸗Capftam uberlegte bey ſich die erbarmicche Arm die0 5 7 1 105 den e ein Zeien ſie nur machen zu laſſen/ dann ihr ganze Diebſtahlkomekaum 10 ale gen. Es jamerte mich rechtſchaffen ihres Elendes/ und ich bath den Capitain/ daß er mir n einen r Nan chel due 5 ade eng fund Reiß außtra * Anderes Buch. keinen Sack von zo. oder 40. Pfunden folte zukommen laſſen/ welchen ich unter ſie außtheileke/ und jhen zuſprach/ ſie ſoltengut Leben damit machen/ wann ſie wurden heim kommen. Einer aber gab mir zur Antwort/ ſie wolten den Reis nicht eſſen/ ſondern ſelbigen fur die Krancken und etwan für eine Hochzeit aufheben; Hierauß kan man abnehmen die groſſe Armſeligkeit dieſer Araber/ auch dafern das gantze glückliche Arabien gleiche Leute herfüͤr bringet/ ſo muß inan wol beklagen/ daß es nicht gluͤcklich/ ſondern unglůͤcklich zu nennen ſe. In dem Perſiſchen Meerbuſen ſeynd viel Inſeln/ under denen iſt die Fürnehmſte die Inſel Baharen, in welcher jahrlich Perlen gefiſchet werden/ von welchen ich auch an jhrem Ort gedencken wil. In dieſer gantzen Inſel iſt lauter boͤſes Waſſer/ und iſt folgendes mit Verwunderung anzuhoͤren: Die jenigen/ welche gut daß Waſſer haben wollen/ ſchicken jhre Waſſerie taucher des Morgens ins Meer 2. oder 3. Mufqueten⸗Schüſſe von der Inſel. Wann ſie daſelbſten ſind/ ſo laſſen ſie ſich in den Grund des Meers/ und füllen etliche Toͤpffe mit ſolchem Waſſer/ welches gut und ſüſſe iſt; dieſe Topffe decken ſie nachmals wol zu/ und kommen alſo wieder auß dem Grund des Meers. Dieſes Waſſer bringen ſie denen/ ſo ſie abgeſchickt/ undes iſt von ſehr gutem Geſchmack/ alſo daß man dergleichen an keinem einzigen Ort um Die gantze Inſel findet/ deſſen ich mich auf allen meinen Reiſen gar genau erkundiget. Ich wil nur noch etwas anzeigen/ das ich ſonderlich denckwürdig befunden/ daß bey dem Vorgeburge Comorin, und nach der Lange der Coromandeliſchen und Malabariſchen Kuſten/ wo man kein ſuß Waſſer findet:/ und da man keine Weyer machet/ damit man das Regẽwaſſer auffangen moͤchte/ wie an andern Orten in Indien/ da gehen bie Weiber/ wann das Meer abgelauffen/ ſo nahe ſie koͤnnen/ an den Strand/ und ſtechen mit jhren Hacken biß auf a: Schuh tief in den Sand/ und dadurch finden ſie gutes und ſüͤſſes Waſſer/ mit welchem ſie hernach jhre Krüge füllen. An den 2. Fluſſen in dem Konigreich Vilapour, uber welche wir gezogen/ als wir die Diamant⸗Gruben beſuchen wolten/ pfleget man gleicher Weiſe zu verfahren. Das Waſſer in dieſen 2. Fluſſen iſt gleichfals ſehr boͤſe und gleichſam geſaltzen; derhalben machen die Einwohner auch Gruben in den Sand/ ſo nahe als ſie koͤnnen/ und alsdann ſinden ſie gut Waſſer. 2 8 Von Balſara biß an den Ork/ wo der Euphrat ins Meer fället/ iſt ine kleine Inſel/ bey welcher man Ancker wirfft; wir blieben daſelbſt 4. Tage/ und hatten noch 14. biß an den Bander-Congb, allwo wir auch den 23. April ankamen Es ware viel beſſer fur die Kaufleut/ wann ſie an dieſem Orte blieben/ als zu rmus weil daſelbſt gar ungeſunde und ſchadliche Luft iſt/ wie ich ander werts angezeigt. Die Urſache ber/ welche verhindert/ daß man die Hand⸗ ſt lung von Ormus nicht nach Bandler-Congo verſetzet/ ſt/ daß der Weg biß auf Lar ſehr boͤſe iſt; und weil man dazu mur die Kameele ge5 1 Theil. 101 brauchen kan/ die paſſe ſind auch ſehr beſchwerlich/ und der Mangel an Waſſer/ machet/ daß man faſt an vielen Orten ſich zu dieſer Reiſe keiner Pferde gebrauchen kan; von Ormus aber biß Lar iſt der Weg noch ertraͤglich. Wir blieben zu Bander; Congo 2. Tage; alſhier iſt ein Factor auß Portugal/ der die Halfte des ſe⸗ Zolls einnimt/ weil die Portugieſen mit dem Konig in Perſien ſich darum verglichen. Dieſer Factor empfieng uns ſehr hofſich/ und wolte nicht zugeben/ daß wir uns einer andern Wohnung als der Seinigen gebraucht/ darinnen er uns auch aufs beſte jhme moͤglich geweſen/ regalierete. Ehe wit aber weiter gehen/ ſo muß man noch wiſſen/ daß alle Schiffe/ die in den Meerbuſen lauffen wollen/ und von Ormus nach Bal ſara reiſen /einẽ Wegweiſer nothwendig mit ſich nehmen muſſen/ der allezeit das Senckbley in der Hand haben muß/ weil durch und durch fehr viel Sand⸗Bancke angetroffen werden. Den 30. nahmen wir ein Schif nach dem Bander-Abaſſi, und giengen 2. Stunden nach Mittag unter Sagel/ wir ruheten oder 4. Stund von dar in einem Dorffe auf der Inſel Kechmiche, welche am Meer gelegen. Kechmiche iſt eine Inſelz. Meilen groß Die Zuse im Umfang/ und liget J. oder 6. Meilen von Lecken, Ormus; ſie ubertrift an Fruchtbarkeit alle andere Orientaliſche Inſulen/ in welchen weder Getrayde noch Gerſten waͤchſet/ in der SeeInſel aber komt es hauffen weiſe herfür/ und ohne daſſelbe koͤnte man zu Ormus nicht zurecht kommen/ dann auß dieſer Inſel kan man das meiſte Futter für die Pferde haben. In dieſer Inſel iſt auch ein guter Quell⸗Brunn/ welchen zu erhalten/ die Perſier eine Veſtung dahin erbauet/ auß Forcht/ die Portugieſen/ welche damals zu Ormus Meiſter waren/ mochten ſich deſſelben bemachtigen. Dann weil dieſe Inſel/ wie ich davon gedencken wil/ wann ich ſie außfuͤhrlich beſchreiben werde/ kein ander ſüͤß Waſſer hat/ als was in den Ciſternen geſamlet wird/ und daſſelbe auf eine geſaltzene Erde fallet/ kan es niemals ohne Bitterkeit und uͤbelen Geſchmack getruncken werden. Das Waſſer aber zu Banderrcongo in den Ciſternen iſt viel beſſer/ und hilft auch guten Theils darzu/ daß dieſer Ort zur Handlung viel bequemer ſeynmüuͤſte/ wann nicht gantzer 6 Tagreiſe ſo ein beſchwerlicher und boͤſer Weg ware/ b nach Lar, wie ich ſchon zuvor angezeigt: Damit wir aber wieder zu der Inſel Keck Nechiich miche kommen/ ſo muß man wiſſen/ daß die von den Hoh Holländer dieſelbige Anno 164. Und 4a. wegen der Streitkigkeit/ die ſie mit dem Konig in Perſien un der Seiden⸗Handlung halben hatfen/ belagerten. Deſſen wil ich folgende Urſachen anzeigen? Nachdem die Holſteiniſchen Geſandren in Perſien kommen/ bildeten die Hollander ſich ein/ ie würden alle Seiden auf. fauffen uf inNeynung deſſen ſteigerten ſie die; elbe biß auf 0. Tomans, da ſie doch im Preiß nicht hoher als 42 gehalten wurde. Als ſie aber ſahen/ daß die Geſandten wieder weg zogen/ wolten ſie nicht mehr zahlen als 9 40 J 3 alſo 12 Reisbeſchreibung in Perſien/ alſo zween Tomans über ihre Gewonheit ge⸗ te nicht nehmen kau/ wie auf dem hohen ben: Den Konig verdroß ſehr/ daß ſie hr Meer. Inſonderheit aber ſeynd die ſelben/ GefahrlichWort nicht halten wolten/ und wolte dero⸗ Wwelche an dem Ufer des Perſifchen Meer⸗Bu⸗ beit iu ſchiß halben auch nicht ferner zugeben/ daß ſie ihre ſems schiffen/ vielerley Gefahr under worffen/. * 5 Waaren unverzollet verkauffen ſolten/ weil ſie in Annehmung der Seide in dieſem Preis davon befreyet waren. Die Hollander/ als ſie des Koͤnigs Schluß ſahen/ wurden auch trotzig/ und lagerten ſich an den Meer⸗Strand bey Ormus, die Handlung zu underbrechen. Sie belagerten zugleich die Veſtung Kechmiche, in Hofnung/ ſich der gantzen Inſul zu bemeiſteren; aber weil vom April biß zu End des Septembers/ eine ſo groſſe und unertragliche Hitze zu Ormus iſt/ daß man/ wann die Schiffe am Strande ereutzen ſollen/ das Sa Beh niemals auß den Handen muß gelaſſen werden/ weil das Meer an vielen Orten ſehr niedrig iſt/ welches man hat wiſſen konnen/ ſo oft man die Schiffe umgewendet/ fielen die Schiffleute/ wann ſie die Dieffe verſuchen wolten/ auß Ohnmacht/ die ihnen die groſſe Hitz verurſachet/ über Port. Auf dieſe Weiſe verlohren ſie die meiſten jhkes Volcks/ und muſten ihr Furnehmen einſtellen/ nachdem ſie durch viel Geſchencke an die Fuͤrnehmſten Herzen des Hofs/ vom Koig erhalten hatten/ daß ſie nicht mehr als 46. Tomans für die Seide bezahlen doͤrffen. wohnt. Her? Hollebrand/ der Hollandiſche Commendant/ hatte nahe bey einer Schwemme einen Garten erbauet/ zu welchem die Hirſche und Rehe zu trincken kommen. Es ſeynd derſelben eine ſo groſſe Menge/ daß wir Ihrer in einem Tage, gefallet/ er halt auch daſelbſt Huner und Schopſe/ und hat einen Luſt⸗Ort bauen laſſen/ auf welchem er ſich mit guten Freunden zu ergotzen pflegt. Von Kechmiche zwendeten wir unſere Segel nach Ormus, allwo wir auch morndriges Tags/ den erſten Mey/ zwiſchen 9. und 10. Uhr des Morgens ankamen. Der Hollaͤndiſche Commendant ließ alſobald unſere Pagage holen/ welche in dem Zollhauſe waren/ ohne daß wir etwas darfur bezahlen doͤrften. Wir hatten aber unſere beſte Wagren in eine Küſte gethan/ welche von dem Hollaͤndiſchen Commendanten zu Balſara war verſiegelt worden/ und der darauf geſchrieben/ daß es dem Hollandiſchen Commendanten zu Ormus züſtandig ſey. Als nun ſeye der Hollaͤndiſchen Compagnie zuſtandig/ welche an dieſen Orten nichts bezahlen. Die Hollander erzeigten uns viel Hoflichkeiten die Seit über/ weil wir uns zu Ormus gufhielten; ich will von dieſer Stadt ein mehrers ſchreiben/ wann ich von Iſpahan nach Indien abreiſen werde. r Die Schiffarth in den Meer⸗Buſen iſt gemeinlich viel gefahrlicher/ als die in Ocean, weil bey vorfallendem Ungewitter das Waſſer ſehr kurzwellend wird/ daß man die Breid weil das Mer nicht kieff genug/ und mit vielen Sand Dancken/ wo das wenigſte Waſſer iſt/ und da man es am wenigſten vermercket/ angefuͤllet:iſt/ dadurch bie Schiffe/ welche an dieſen Orten ſeglen/ nothwendig Wegweiſer mit e ee und zwar das entweder zu Ormus oder Bandercongo, wie auch von Ballara nach Ormus. Dieſe Wegweiſer ſeynd Schiffer welche einzig und allein um diefes Meer Wiſſenſchaft haben/ und in welchem ihnen alle Oerter bekannt/ die ſie vermeiden muſſen. Der Meer⸗Buſem an der Perſiſchen Seite/ iſt mit einem durꝛen und ſandichten Lande umgeben/ darinnen man kein Waſſer findet/ alſo daß es unmoglich iſt/ zu Lande auf dieſer Seiten/ von Ballara nach Ormus zu kommen. Die Kauffeute waren glücklich wann ſie einen Weg auf der Arabiſchen Seite hatten/ und koͤnten Malcate erreichen/ von dannen konte man einen Canal biß nach Sindi machen/ und biß nach Diu und Surare, welches die drey fürnehmſten Oerter in Indien ſeynd. Die Streitigkeit welche zwiſchen dem Konig in Perſten/ und der Hollandiſchen Compagnie/ wegen der Seidie duc Laree iſt eine andere Inſul/ etwas näher den/ bey Ankunft der Holſſteiniſchen GeTie, bey Ormus, als Kechmiche, ſie iſt aberunbe⸗ ſandten entſtanden/ hat den Emir von Vodana, einen Arabiſchen Furſten angereitzet/ (von welchem ich in dem letſten Buch meiner Beſchreibung/ Meldung thun will) nachdem er den c Stadt Maleste abgenommen ſich nach Ormus zu begeben/ und den Hollanderen/ welche dazumal das Meer durchſtrichen/ einen viel leichteren Weg über Land/ von Maſcate nach Ballara fürlegen/ welches den Kaufleuten die Weg der Spece, rey⸗ und Perlen⸗Handlung/ ſo wol nach Ormus gls EIcatif reiſen/ ſehr angenehm geweſen wafre/ wie ich allbereit zuvor angezeigt. Dieſer Emir entbot ſich/ hnen biß nach Malcalat Kameel zuſchaffen/ welches der Emir von Maſcalat gleichfals biß nach Elcatif zu thun 8 Die Hollander aber merckten wol/ ten/ in des Koͤnigs von Perſien Ungnade fallen wurden/ welches jhnen zu groſſem Pra juditz gereichen wurde. Derohalben bedanckten ſie ſich gegen dem Emir von Vodana, wegen ſeines guten Willens/ und zeigten ihme an die die Zoll⸗Em wohner ſahen/ daß dieſes auf Urſachen/ warum ſie ſich dieſes Wegs nicht Diobllandiſch geſchrieben ſey/ meineten ſie/ es gebrauchen konten. Und der Kong in Perſien hatte auch die Zeit über/ weil die Uneinigkeit waͤhrete/ ſich gegen den Hollandern vernehmen laſſen/ daß ſeine Underthanen/ ohne ihre Gewürtz ſchon wurden beſtehen konnen/ und daß er in ſeinem Königreich eine Pflantze hatte/ die eben ſo ſtarck und warm ſey/ und Ihnen an ſtatt des Pfeffers und der Nagelem wurde dienen konnen. Auf dieſe Weiſe hatten die Hollander/ die jahrlich biß in w. oder 16. hundert tauſend Francken werth/ Sperereyen verkaufen/ für welche ſie Seiden annehmen/ ſie wann ſie dieſen Norſchlag annemnenſol— FkFFF——õꝗ2qCq- T—e—kI——ͤ—:̃———ꝛ ͤ r—̃—2— lich ſchif3 Anderes Buch. nehmen ihren Nutzen nicht gefunden/ wann ſie mit dem Koͤnig waren im Streit geblieben/ und Ormus verlaſſen/ und zu Maſcate ſich geſetzet hatten; hierdurch geſchahe/ daß das Vorhaben zu dieſem neuen Wege gantzlich eingeſtellet bleiben muſte/ welches jhnen doch ſonſten ſehr dienlich hatte ſeyn konnen. In dieſen wenig Worten iſt der Weg/ den f man genommen hattᷣte Von Balſara ware man nach Elcatif, eif 1 1255 ner See⸗Stadt/ in dem gluͤckſeligen Arabien ſcherey iſt/ die dem Emir von Elcatif zugehoket/ dann die Fiſcherey in der Inſul Baharan, welche gegen uͤber ligt/ gehoͤret dem Koͤnig in Perſien. Von Elcarif ware man in eine andere Arabiſche Stadt Malcalat genannt/ angelanget/ in welcher ein anderer Emir reſidieret/ von dannen waͤre man nach Vodana kommen. Dieſes Vodana iſt eine ſehr feine Stadt/ und ligt an einem Ort/ wo zween kleine Fluͤſſe zuſamen flieſſen/ auf welchen man biß ins Meer kommen kan/ und welche alle beyde den Namen Moyeſur fuhren. Das die Stadt Erdreich zu Vodana tragt kein Getraide/ und Vodang, an Pflaumen und Quitten/ die man nicht/ wie bey uns zurichtet/ ſondern den Aepfeln gleich zu eſſen pflegt. Man findet auch hier ſehr viel Melonen und gute Trauben. Weil die Juden den groͤſten Theil der Stadt beſitzen/ po erlaubt ihnen der Emir Wein zu machen. Von Vodana biß an den Meer⸗Buſem/ ſtehet das Land auf beyden Seiten voller Dattelbaume/ deren Fruͤchte dem Volck gemeiniglich zu jhrer Underhaltung dienen muſſen/ weil ſie nicht die Mittel haben/ Korn oder Reiß zu kauffen/ weil daſſelbige von weitem gebracht wird/ und dannenhero ſehr theur iſt. Als der Emir von Vodana nach Ormus kommen/ da die Hollander mit dem Konig in Perſten uneins waren/ in Meinung ſich mit dem Haubt der Compagnie/ welches dazumal Her? Conſtant war/ und an die Stelle des Hr. Obrechit dahin verſandt worden/ zu under5 reden/ zeigte er ihm eine Perle/ die gleich rund i 5 hee und gantz durchſcheinend war/ und im GeAalen wicht 17. Abas, oder viel beſſer zu ſagen/. Larat und 7. Octaven hielte. Dann man muß wiſſen/ daß an allen Orten/ wo man Perlen fiſchet/ nur von Abas geredt wird/ und ein Abas thut z Theil Carat. Her? Gon* ſtant war mein guter Freund/ und bath den Emir, daß er mir dieſe Perle zeigen möchte/ g welches er auch zu frieden war/ und ich konte ſie mit guter Gelegenheit betrachten. Von Ormus reiſete ich nach Indien/ und der Gu⸗ li 5 bernator von Surate fragte mich/ ob ich nichts von dieſer Perle gehoͤret haͤtte. Ich zeigte ihm an/ daß ich micht allein davon gehoͤret/ ſondern ſie auch geſehen. Und als ich das olgende Jahr von ihrn Abſcheid genommen/ ich nach Perſien zuruck reiſete/ gedachte er wieder an die Perlen/ und bate mich/ baß ich/ wann ich wieder nach Ormus zuruck kommen ligend/ kommen/ bey welcher eine Perlen⸗Finur etwas wenig Reiß/ aber anderwerts iſt S an Früchten alles uberflüſsig/ ſonderlich aber 103 wurde/ EO. Roupfes darauf bieten ſolte. So bald ich auß dem Schiff geſtiegen/ ſchickte ich einen Araber zu dem Emir von Vodana, im Nalnen des Hollandiſchen Hanbtmanns/ damit dieſe Botkſchaft deſto geneigter mochte angenommen werden/ ihn zu fragen/ ob er die Perle für 0000. Piaſtres, welches oo Roupies ſeynd/ geben wolte. Aber er wolte ſolches nicht eingehen/ ſagende/ viel Aſtatiſche Furſten hatten jhm viel ein mehrers gebotten/ denen er es doch abgeſchlagen und daß er ſie für ſich behalten wolte. Die Königliche Mutter/ als ſie noch lebte/ zeigte mir eins mals eine Perle/ einer Bienen gleich/ von gleichmaſsiger Eigenſchaft/ und die 6. oder 7. Ca. rat am Gewicht halten mochte. Das X. Capitel. Von des Autors fuͤnfter Reiſe/ und was ſich mit vier Frantzoſen zugetragen. N Eh habe auftneinen bier erſten Reisen i vier underſchiedliche. Wege genommen/ welche ich/ meines Erachtens/ außführlich genug beſchrieben. Nun iſt es an dem/ daß ich von den beyden letſteren auch etwas melde/ auf welchen ich eben de als auf der zweyten Neiſe n/ nemlich über Smyrna, und Tauxis Hach Epahan.“ Ich reiſete demnach auf meiner fünften Des Hennen Reiſe/ Anno 1657. im Februgrio von Paris maenner. ˖ ch Marſeille, und Lon da mie te lee ab/ gienge nach Marſeille, und bon da mit even J einem kleinen Schiff nach Lworno. Als han. wir an einem Morgen ſehr fruͤhe/ die Ancker geleichtet/ wurden wir nach Mittag eines Raub⸗Schiffes gewahr /ſo auf uns zu lieffe/ und uns biß nahe an die See⸗Kuͤſten verfolgte. Wir entkamen ihm aber/ durch Hülf unſerer Segel/ und ſtiegen an einem kleinen Hafen ztwiſchen Ciutar und Toulon zu Land. Meine Kleinod und Edelgeſteine nahine ich alle mit mir/ und lieſſe nichts im Schiff/ als was ſich nicht wol tragen ließ/ ſo doch wol 9. oder looo. Reichsthaler wenth war Weder ich noch die meiſten von unſerer Geſellſchaft/ wolten ſich wieder guf dieſes. wagen/ auß Forcht die See⸗ Rauber dorften darauf paſſen/ und weil wir eben an dem Ort wo wir ans Land gestiegen Pferd angetroffen/ ritten wir wieder nach Marleille. Unſer kleines Schiff aber/ worauf ich einen von meinen Leuten gelaſſen/ wagte es/ und ſegelte des anderen Lags wieder fort/ fame auch mit gukem Woind(ohne einigen unglucklichen Anſtotß den ztweyten Tag zu W ſahenwir ein Engliſches Schiff ſo auß Spanien kam! und nach Livorno wolte/ ankommen und bey den Inſuln/ die Anker außwerffen/ damit ſich aber der Schiff⸗Haubtmann mit ſeinen Geſehaften eilen und abfahren mochte/ wann es uns gefiel/ legten der g i e Baron * N 104. Baron d Ardiliere, des Monſr. Thibaut, Burgermeiſters von Mittelburg beyde Sohne und ich zuſamen/ und verehrten jhme 40. Piſtolen. Durch dieſes Mittel ſegelten wir 2. Tage hernach/ als dieſes Schiff angelangt/ wieder ab/ und hatten zimlich guten Wind/ biß gegen Maſſa über/ allwo ſich der Wind Rtisbeſchreibung in Perſien/ In dem wir warteten biß die Carzvane zur Abreis fertig/ welches unden J. oder E. Wochen nicht geſchehen konte/ und auf die Nachricht/ die ich hatte/ daß ein reicher Jud/ ſo ein Jubilierer zu Conſtantinopel/ etliche/ ſo wol der Groſſe/ als Schoͤnheit wegen koſtbare Perlen/ ſo die beſten Kaufmanns⸗Gü7 1 ter ſeynd/ die man nach Indien führen kan/ Er ſchicket zu verkauffen hatte/ ſchickte ich einen ann von 1 5 lunch meinen Leuten/ den ich mit mir nahme/ und Conſtantldrehete/ und uns nach der Inſul Corſica zuzufahren/ ja endlich hinder Gorgona, einer kleinen Inſul/ 3 Meilen von Livorno, zu anckeren noͤßtigte. Daſelbſt blieben wir vier gantzer Tage/ und das nicht ohne groſſe Forcht/ vor den See⸗Raubern/ welche zum oͤftern zwwiſchen dieſen beyden Inſeln durchſtreiffen/ wir hatten aber das Glück/ daß ſich nicht einer ſehen lieſſe. V Nachdem wir wieder guten Wind hatten/ kamen wir in 4. Stunden nach Livorno, muſten aber ſo viel als eine Quarantaine da außhalten/ weilen Marſeille wegen der Peſt beſchreyen ware. Jedoch wurden wir nicht lang eingeſperꝛet/ und in dem ſich die Orientaliſche Flotte ruͤſtete abzufahren/ brachund wird te ich etliche Tage zu Piſa, bey dem Großdön dem 0 von Fl Hertzog/ zu/ welchem ich die meiſte Zeit uber/ brentz meine Reiſen erzehlen muſte/ wie er mir dann zu rig inbe⸗ guch bey meiner Zuruckkunft nach Livorno denehren ger die Gnade thate/ und mir allerhand Früchte/ halten. meiner Ankunft zu Smyrna, den Seine Abfahrt von Livorno; Kaß/ Wurſt/ und den herꝛlichſten Wein uͤberſchickte. Zwey Tage vor unſerer Abreis/ gienge ich Abſcheid von dem Groß⸗ Hertzog zu nehmen/ wieder nach Pila, und als mich der Cardinal de Medicis fragte/ ob mir der Florentiniſche Wein auch geſchmecket/ antwortete ich/ daß ich denen/ ſo in meiner Geſellſchaft waren/ davon mitgetheilet haͤtte/ und daß er uns allerſeits ſo herꝛlich wol geſchmecket/ daß wir zu unſerer bevorſtehenden Reiſe nichts mehr davon uͤbrig haͤtten. Der Cardinal lächelte daruber/ und ſagte: Er verſtehe mich wol/ thate es auch ſo bald dem Groß⸗Hertzog zu wiſſen/ worauf mir derſelbe/ als ich zurück nach Livorno kam/ des anderen Tags ſechs groſſe Reis⸗Küͤſten mit Wein/ und Ihr Eminentz der Cardinal zwey verehrte/ davon ich die Vornehmſten guf dem Schiff tractierte/ und noch ſo viel uͤbrig behielte/ daß ich bey Frantzoͤſiſchen Conſul daſelbſt noch davon verehren Als wir von Livorno abführen/ waren der Schiffe 7. ſo zugleich in Geſellſchaft mit einander fortſegelten/ dar von jhrer zwey nach Venedig/ eines nach Conſtantinopel/ eines und ſeine nach Alepo, und drey nach Smyrna jhren Ankunft zu Smyrna. Lauff richteten/ ich machte mich auf ein Hollaͤndiſches. Wir landeten zu Melina an/ und iſt uns auf dem gantzen Weg/ biß nach Smyrna nichts ſo denckens oder anzumercken wuͤrdig ware fürgefallen. Ehe wir aber von hier weggehen/ uñ den Weg nach Tauris zu nehmen/ mu ich dem geneigten Leſer eine Hiſtory von vier Frantzoſen erzehlen deren underſchiedliche Begebenheiten uns ein groſſes Liecht geben werden/ die Sitten und Gebrauche ſo wol der Tüͤrcken als Perſianer/ gründlich zu underſuchen. a kannt/ dergleichen Handel über die maſſen wol ver⸗ novel. ſtunde/ nach Conſtantinopel. Ein Edelmann auß der Normandie, Namens de Reville, ſo eben zu Smyrna war/ gab ſich zu ſeinem Reis⸗Gefaͤhrten an/ und giengen zuſamen mit dem Schiff/ ſo den Frantzoſiſchen Abgeſandten Herꝛn de la Hayeß ſamt ſeiner Gemahlin/ nach Conſtantinopel fuhrte. Gedachter Edelmann hatte 2. oder 3000. Ducaten im Beutel/ mangelte jhm auch uͤber die gute Leibs⸗Geſtalt/ und das Anſehen/ das er hatte/ weder am Verſtand/ noch Hertzhaftigkeit/ eine groͤſſere Klug⸗ und Vorſichtigkeit aber haͤtte er wol vonnoͤhten gehabt/ und uͤbereilete er ſich ein wenig/ ſonderlich in dieſen Laͤnderen/ da in allem was man thun will/ die groͤſte Behutſamkeit erforderet wird. Er hatte bey den Moſcowitern abgedanckt/ in Hofnung/ bey den Venetianern in Candia Dienſte zu bekommen: Weil jhn aber der Gouverneur de Gremonville, der damals darinnen kommandierte/ ſo nicht/ als er es verlangte/ underhelffen konte/ entſchloſſe er ſich in Perſien zu gehen. In waͤhrender Zett nun/ als er zu Conſtanti⸗ Ein N nopel war/ gedachte er einem Juden einen uch derſtBoſſen zu ſpielen/ ſo jhm bald uͤbel gelungen cher einen, ware/ 1 folgender Geſtalt: Es iſt be⸗ aue dent daß die Juden gewinnſüchtig ſeynd/ zumachen. und keine Gelegenheit auß Handen laſſen/ wann ſie etwas mit Nutzen zu handlen wiſſen/ kamen deßwegen oͤfters zu dem/ ſo ich der Perlen wegen dahin geſchicket/ weil er ſie aber/ in dem ſie dieſelben am Preis zu hoch hielten/ nicht kaufte/ brachten ſie jhm auſſer den Perlen andere koſtbare Edelgeſteine/ ob jhne vielleicht etwas davon in die Augen ſtechen/ und zu handlen anſtehen moͤchte. Der Normandiſche Edelmann machte ſich mit jhnen bekannt/ und fuͤhrte den/ ſo jhn am reichſten dunckete/ auf eine Seiten/ vorgebend/ weil er geſinnet ware/ in Indien zu reiſen/ wolte er 4000. Ducgten werth an Perlen anrvenden/ erſuchte jhn derowegen/ er möchte ſich darnach umfragen/ und jhm ſolche zu weiſen/ und ſetzte noch darzu/ daß er die Helfte mit paarem Gelt/ die andere Helfte aber mit anderen Waaren bezahlen wolte/ wieſe jhm auch zugleich 2000. Ducaten/ welche den Juden gewaltig in die Augen ſtachen. Etliche Tage hernach/ brachte er ihm vier ſchone Perlen/ ß und etliche Schmaragd/ und weil der Edelmann kein anderes Abſehen hatte/ als den Juden zu vexieren/ wurden ſie des Handels bald einig. Das zweyte mal legte er jhm die 2000. Duegten hin/ welche der Jud/ in Meinung/ er habe den rechten Mann vor ſich/ ſchon 8 a 8 als 2 t delle erſuen in dase ell ————-—::—— als ob ſte ſenn waͤen. Weil nun nicht inehr als die andere Helfte der Bezahlung/ nemlich die Wagren mangelten/ fragte der Jud darnach/ und begehrte dieſelben zu ſehen. Der Me Edelmann hielte jhn nicht lang auf/ ſondern U ſagte ihmſo bald/ feine Waaren/ ſo er ihm zu verhandlen hatte/ ware ein ſtarckes viertagiges Fieber/ ſo er ſchon lange Zeit hatte/ und dwolte er jhn verſicheren/ daß er es nirgends eſſer finden wurde/ zu dem ſchlage er es auch nieht allzu hoch an/ wann er Ihm ſolches vor 2000. Ducaten uͤberlaſſe. Der Jud ſo reich war und an dem Tuͤrckiſchen Hofeinen groſſen Zutritt hatte/ war uͤber dieſen Schimpf dergeſtalt entruͤſtet/ daß bey nahe ein groſſer Laͤrmen darauß entſtanden ware. Dann weil hm der Edelmann geſagt/ daß er nach Perſien und Indien gehen wolte/ hatte er ihn leicht vor einen Spion angeben/ und dadurch einen ubelen Boſſen ſpielen konnen. Weil aber die Juden in ihrer Handlung ohne die Frantzoiſche Kauffeute nicht fortkommen konnen/ beihm fußt redeten etliche von jhnen den Juden/ deme der Schimpf geſchehen/ es ware nur guß kurtzweil geſchehen/ welches er eben ſo hoch nicht nehmen muſte/ und moͤchte er die Sach nicht weiter kommen laſſen; worinn er auch endlich/ weil die Juden/ wie geſagt/ jhrer mehr bedorffen/ willigte. Mein Mann aber/ den ich dahin geſchicket/ als er ſahe/ daß es die Juden mit jhren Waaren gar zu hoch ſpanneten/ kaufte nichts/ und eilete ſich wieder zuruck. Wie dann auch der Normandiſche Edelmann/ auß Forcht/ die Juden moͤchten ihm heimlich einen Boſſen thun laſſen/ auf ſeiner Seiten ſehr auf die Ruckreiſe triebe/ und als ſie von Conſtantinopel biß Burſe zu Waſſer kommen/ nahmen ſie den uͤbrigen Weg/ biß nach Smyrna, zu Land. 1 x Damit ich aber folgends/ und mit wenig Worten/ die Hiſtory von dieſem Edelmann/ und ſeinem Reisgefaͤrdten erzehle/ und zu dem ſetze/ was zwey anderen Frantzoſen von guten Hauſeren/ deren Begebenheiten Urſach ſeynd/ daß jhrer zwey von den Vornehmſten zu Babilomen in Ungnaden kamen/ wiederfahren/ will ich die meiſten Umſtaͤnde/ ſo zu meiner Erzehlung nichts dienen/ vorbey gehen. Als de Reville wieder zuruck nach Smyr0 2 25„ 1 5 f den na kommen/ ſetzte er ſich auf ein Almadies, ſo einem kleinen Kriegs⸗Schiff nicht ungleich iſt/ und auf dem Weg nach Hypre gemeiniglich zu Schio und Rhodes anfähret; von Hypre kan man täglich Gelegenheit nach A. lexandrette haben. Von da gieng er auf Alepo, woſelbſt er ſich mit allem/ was er auf der Reis nach Babilonien/ und von da in Perſien vonnoͤhten hatte/ verſahe. 95 Etliche Tage zuvor/ als de Reville nach Alepo kommen/ langten daſelbſt zwey Frantzoen an/ einer Namens Nerer, und der andere autin, Auditeur des Comptes. Sie hatten vier Reis⸗Küſten bey ſich/ voll falſcher Steine/ welche ſchon gefaſſet/ und meiſten Theils von denen auß dem Temple zu Paris der Wind und das e ſich ein/ ſie wolken darauf in Perſten ein groſſes gewinnen. Von Marſeille kamen ſie auf Seyde, und von Seyde auf Damaſco, weil man ihnen geſagt/ daß ſie mit dem Topichi-Bachi, von dem ich in vorhergehendem Capitel gedacht/ nach Bagdat keiſen koͤnten. Der geneigte Leſer wolle ſich hier bey erinneren daß dieſer Topigi-Bachi, oder Oberſte von den Conſtablen/ der jenige iſt/ der dem Sultan Amurat Bagdat einneh-men helffen/ vor welehe Dienſte jh der Groß Turck zu Damaſco einen Timar, von mehr als 4000. Reichsthaler jahrliches Einkomnens gegeben. Dieſer hatte die Gewonbeit alle Jahr um die Zeit/ wann der Konig in Perſen Bages hatte belageren konnen/ von Damaſco qliß/ dahin zu gehen/ und weil dieſe Zeit nicht langer/ als 3. oder 4. Monat dauret/ gienge er/ ſo bald i und Regenwetter anfenge/ wieder zuruck nach Damaſco. Ins gemein nahme er 20. oder 20. Pferd mit ſich/ und verrichtete die Reis in 18. oder 20. Tagen/ weil er den geraden Weg/ durch die Wuſten durch nahme/ zu welchem End jhm die Arabier Lebens Mittel auf dem Weg zuführen muͤſten. Er thut den Francken/ wann einige da ſeynd/ gern den Gefallen/ und nimt ſie auf dieſen gl5 Auna Weg mit/ weil es ſein Vortheil iſt/ und allezeit eine zimliche Verehrung dazu komt. Dieſe zwey Frantzoſen nun ſprachen den Topigi-Bachi darum an/ daß ſie in ſeiner Geſellſchaft doͤrften mit reiſen/ welches er jhnen auch zuſagte/ jedoch koͤnte es nicht eher/ als in 2. oder 3. Monaten ſeyn/ muſten ſich derhalben ſo lang noch gedulden/ welches ſie wol zu frieden waren/ und ſich beyderſeits darauf verlieſſen. Die Frantzoſen waren aber nicht über J. oder 8. Tage zu Damaſco, ſo machten ſie Kundſchaft mit einem spahi, her ein Abgefallener auß Marſeille bürtig ware. Dieſer erbote ſich/ ſie auf den gewohnlichen Weg nach Meſopotamien zu führen/ da ſie nach. d dann eher anden brache. Zu jhrem Unglück folgten ſie dieſem Rath/ und nachdem ſie ſich in geheim um Pferde beworben/ und damit verſehen waren/ giengen ſie in der Stille/ daß der 1. obe Bachi nichts davon erfahren/ von Damaſco weg. So bald er aber erfahren/ daß ſie ohngeachtet der Hoffichkeit/ ſo er jhnen bewieſen/ weggezogen/ fande er ſich dergeſtalt über jhr Verfahren beleidiget/ daß er ſich beſtändig vornahtte⸗ ſolches an ihnen zu ra chen/ ſchickte darauf ohne einige Zeit zu verliehren einen ſeiner Arabiſchen Knechte/ durch die Wüſten nach dem Bache zu Bagel und lieſſe ihm ſagen/ daß 2. Hrantoſen daſelbſt durchkommen wurden/ welche er ſolke anhalten laſſen. Es waren gewiß zwey Spionen/ Sie werden welche nur deßwegen in Perſſen giengen/ dein König daßelbff einge 9 a des Groß⸗ Türcken Staat und Ink neſſe zu geben und hatte er die Zeit über/ als er zu Ba. maſco getveſen/ nichts anders von ihnen f ſchlieſſen erſiſchen Hof ſeyn koͤnten/ Hoffe; als der Lopigi Bachi von Damaſco auf 106 Melsbeſchreibung in Perſienſchlieſſen körmner. Er beſchriebe ſie vonder Fußſohlen/ biß auf das Haubt/ hre Groſſe/ d Haar und Phiſionomie, nur daimit ſie den Stlicken/ ſo or Ihnen legte/ nicht entgehen bald vor die beyden Frantzoſen/ an welchen de die Topigi-Bachi den empfangenen Schimpf hat raͤchen wollen/ wird leyden muſſen. Drey oder vier Tage nach ihrer Abreiſe von Klepo, S kam de Rezälle mit ſeinem Reis⸗ Gefährten/ Def zwey Frantzoſen nun langeken mit da an/ und nachdem ſie underſchiedliche Re0 ihrem Spahi zu Alepo an/ welcher ſich ſchon zuvor ehe er nit ihnen von Damalco gieng/ vorgenommen/ ihnen zu Ourka ein VühenStuck zu beweiſen. Man ligt gemeiniglich an dieſem Ort etliche Vage ſtill um einen Vorꝛath von Lebens⸗Mitteln/ auf die Reise zu machen; underdeſſen gieng dieſer Verzahter der Spähi zu dem Bacha, und zeigte jhm an/ commendation⸗Schreiben nach Perſſien/ ſo wol von dem Conful, als den vornehmſten Kaufleuten genommen hatten ſie das Gluck/ daß ſie über 7. oder 8. Tage auf eine Caravane, ſo nach Babylonien gieng/ nicht warten dorften. So bald ſie auß dem Kiler einen Fuß auf das Land geſetzet/ weil es vermuthlich war/ daß ſie dieſe zroey waren/ davon der daß erztwey Granzoſen führte welche noth⸗ Topigi acht an den gecna geſchrieken wur dean wendig Spionen ſeyn muſten. Dieſes min den ſte ſo bald vor ihn geführet/ und ihnen zu⸗ und 17 war dem Bache Ulrſach gemg daß erſie beh⸗ gleich ale hee Gier und Brie abgenom⸗ nenen 00 efanglich einziehen und zugleich alles/ was men. Der Bach ließ die Capuriner holen/ den ee din deſegk. ſie hatten/ wegnehmen lieſſe. Das erſte/ was die Brieffe zu verdolmetſchen/ wolte hnen q⸗ r. er angriff/ waren S0. Pialtres in ſpecie, ſo ber 1010 allerdings trauen/ ſondern ließ. ſie bey ſich hatten/ und zu allem Gluck hatten ſie das Gold an denen Orten bey ſich vernehet/ wo ſte nicht beſucht wurden. Der Spabi bekaute auch ſeinen Theil von der Beute/ und ſoll dieſes den Reiſenden zur Warnung dienen/ daß ſie ſich in Türckey wol vorſehen/ mit wem ſie reiſen. 1 e Etliche Tage hanuß kam von des Frantzöſiſchen Conſuls von Alepo Dienern einer/ welchen er alle Jahr nach krivan und Tauris, Wollen zukauffen/ ſchickte/ nach Ourka. Dieſer hatte geſehen/ daß ſein Here der Conſußz dieſe veyde Frantzoſen/ als ſis zu Alepo durchgegangen/ ſehr hoͤflich empfienge/ verwunderte ſich demnach ſehr/ als er vernommen/ daß ſie zu Ourfa von dem Bacha waren gefangen geſetzet worden/ und weil jhn der Bacha kennete/ gienge er zu ihm/ und ſtellete ihm vor/ kwie Dieſe Frantzoſen keiner anderen Urſach halben in Perſien giengen/ als dadurch in Indien zu reiſen/ weilen man ihnen die Hofnung gemacht/ ſie wurden dieſe geringe Waaren/ ſo ſie bey ſich führten/ daſelbſt hoch anbringen. „Aber auß Fuͤrbitt wiedet loß geJaſſeil. Endlich/ auf vielfaltiges Bitten/ und die Verſicherung/ daß die gantze Nation dem Bacha ſolches wurde zu dancken wiſſen/ wurden dieſe beyde Frantzoſen wieder auf freyen Fuß geſtellet: Die 809. Piaſtres aber/ blieben vor die Zehrung im Stich/ und war kein Mittel ſolche wieder zu bekommen. Der Spahi nahme ſeinen Jeg wieder auf Pamaſeus und weil die Frantzoſen keinen Menſchen bey ſich hatten/ der die Sprach verſtunde/ hatten ſie keine andere und ſicherere Zuffucht/ als zu des Conſuls Diener/ und anderten zu allem Gluck ihr Vornehmen/ den Weg über Bagdar zu nehien/ allwo jhnen der Bacha, guf die Nachricht von dem Topigi-Bachi einen ſchlimmen Boſſen wurde geſpielet haben. Ob zwar wol der Weg über Tauris viel weiter iſt/ blieben ſie doch bey hm/ und führte er ſie gar biß nach Iſpahan wurde abef von jhnen nicht ſo belohnet/ als die Dienſte/ ſo er ihnen geleiſtet/ wol werth waren. 1 Ich muß nun wieder auf die Hiſtory des Normandiſchen Edelmanns konnnen/ weleher einen Sicilianiſchen Medicum, und ſeinen Schatzmeiſter/ welcher bey Anfang des Kriegs in Candig/ als ein Sclav gefangen worden/ kommen/ und dieſelben leſen. Aber der Medicus und der Schatzmeiſter/ eben ſo wenig als die Capueiner/ wolten die Puncten des Briefs/ die den beden Frantzoſen hatten ſchaden koͤnnen/ dein Bacha außführlich erklaren. Es halffe aber alles nicht/ und wurden ſie in einen Stall/ der voll Miſts war/ eingeſperzet/ und taglich bedrohet/ daß man ſie vor die Stucke fuhren wolle/ waun ſie die Warheit nicht bekennen wurden. Dann in der That ſelbſt hielte ſie der Bacha vor ſchuldig/ und glaubte dem was jhm der Lopigi-Bachi von jhnen geſchriebk hatte. Weil man aber von Tag zu Tag ſeiner wartete/ ſo baten die Capuciner und der Cadi ſelbſt den Bacha, er mochte ſo lang ſein Urcheil wieder ſie anſtehen laſſen/ biß zur Ankunft des Topigi· achi, um zu ſehen/ bb er ſie kennete/ und ob nicht einiger Miß⸗Verſtand darunder ware/ damit er alsdann ein billicheres Urtheil wider ſie fallen moͤchte. Der Bacha konte jhnen dieſe Bitte nicht verſagen/ und lieſſe ſie 22. Tage in dieſer ſtinckenden n ö Gefangnuß. Als der Topigi ankommen/ be⸗ ener Kral ſuchete er ſo bald den Bachs, welcher ihm ſüg⸗ dener e te/ daß er die 2. Frantzoſen/ auf die von jhm 15. beſchehene Nachricht/ habe anhalten laſſen/ weil er aber von der Reis ermüdet ware/ muſte man ihn gußruhen laſſen/ und konte er ſie Morgen ſehen. 9188 a Als der Tag herbey kame/ fuͤhrete man auß Befehl des Bacha, die zwey Gefangene vor ihn/ und ob ſie ſchon den anderen zwey Frantzoſen/ an den Haaren und der Geſtalt/ etwas ahnlich waren/ ſagte doch der Topigi-Bachi: welcher genugſame Zeit hatte/ die Geſtalt und Bildung der anderen/ ſo ihn beſchimpfet hatten/ kennen zu lehrnen/ zu dem Bacha/ daß dieſe beyde Frantoſen/ die er hier gegenwartig ſehe/ die jenigen micht waren/ welche er gefaͤnglich anzunehmen/ berichtet hätte. Der Bacha erzoͤrnete ſich über dieſer Rede/ und bildete ſieh ein/ der Topigi-Bachi wolle ſeiner ſpotken/ oder habe ſeithero ſeiner Ankunft/ den beyden 8 ( 10 Frantzoſen zu lieb/ ſeine Meinung geandert/ ohne jhn. Aber mit allem ſolchem Liebkoſen ſagte dernnach zu ihm/ woher komt dieſe gah⸗ hielte er jhm doch nicht/ was er verſprochen. linge Veranderung? Seynd das nicht eben Drey oder vier Tage hernach/ als die Engeldie Haare/ die du in deinem Brief beſchrieben? Iſt nicht einer alt und der ander jung? Seynd ſie nicht ſo wie du ſie mir beſchrieben Gewiß haben dir die Capueiner dieſe Nacht etwas verehret/ daß du es wieder laͤugnen ſolleſt/ ſonſt wurdeſt du anderſt ſprechen/ als du lander des Reville Ankunft/ nach Hofe berichtet/ als der Konig wol zuſprechen/ und ſtarck mit dem alten Konig von Georgien trancke/ ergliff der Nazar die Gelegenheit/ und ſagte jhm/ daß ein ſolcher Franck/ als jhn die Engellander beſchrieben/ nach Iſpahan gekommen. Worauf thuſt. Den Topigi-Bachi, welcher zu Bag der Konig alſobald befohlen man ſolte jn Act nicht geringer/ als der Bacha ſelbſt geach⸗ kommen laſſen/ auf ſolchen Befehl gienge der und wird fir tet iſt/ verdroß dieſe Rede/ und richtete die Sa⸗ Reville mit dem Engliſchen Dolmetſchen/ den König 90 chen mit Hulf des Cadli, ſo ein/ daß der Bacha nach Hofe. Nachdem er den Konig gegrüſſet/ heſordert. eke ene endlich die Gefangene loß lieſſe/ jedoch mit die⸗ fragten Ser Majeſtaͤt den Nazar, was er von 193 ase ſerm Beding/ daß ſie nicht in Perſten gehen/ dieſem Hinguis hatte ſagen gehort? Worauf ech u ſolndernden Weg auf Ballara, worauf ſie be“ der Nazar alitwortete man hatte ihn berichpig. reits waren/ nach Indien nehmen ſolten. Vor ter/ daß er im Krieg eine zimliche Oharge bedieefuh⸗ allen Dingen aber muſte der Bacha ſeine Ge⸗ net/ damit ſich der Roͤnig vor dißmal begmigbühr haben/ und lieſſe de Keville ehe er auß Bag dat gieng/ ein Theil ſeiner Ducaten/ die er dem Juden zu Conſtantinopel zeige/ daſelbſt. Als Reville und ſein Reis⸗Gefahrte in Indien kamen/ giengen ſie biß nach Bengala, und warteten des Groß ogols General Nabab-Mirgimola quf. Die Engellander, die mit dieſem Füͤrſten zu thun hatten/ fuhrten ſee zu jhm/ und gaben ihm zu verſtehen/ daß dieſe beyde Frantzoſen Dienſte under ihm nehmen. ß 200. Mann/ under des Koͤnigs in Engelland wolten. Der Nabab aber wendete vor“ daß ſie die Sprach im Land/ und hre Ark Krieg zu führen/ nicht verſtunden/ und gebe es über das ihre Minen nicht/ daß ſie Leute waren/ die ſich bey vielem hin und wieder marchieren des Tags mit einer Pfeife Taback/ einem Trunck Waſſer/ und einer Handvoll Reiß abſpeiſen lieſſen/ ſo würden ſie auch nur ein bloſſes Tuch te. Eine halbe Stund hernach fragte der Konig den Dolmetſchen auch/ was er auf ſeiner Seilen von ihm gehorkt/ worauf jener ankwortete/ man habe jhn für gewiß berichtet/ daß er allezeit 1oo0. Mam commandiert habe. Hierauf fragte der Konig eine zeitlang nichts mehr. Hernach befahle Erdem Dolmerſchen/ Chriſten bedienetsworauf Reville antwortete/ daß er Haubtmann über eine Compagnie von Leib⸗Guarde geweſen. Über dieſe des Neville Antwort/ entrüſtete ſich der Konig und mach⸗te dem Nazar ein zorniges Geſicht/ ſagend Du Hund/ du haſt mir geſagt/ dieſer Fringuishabe Uber 105. Mann zu befthlen gehabt/ und er ſelbſt bekennet/ er ſeye nur Haubttnannüber eine Compagnie von 200. Mann geweſen, frage ihn/ warum er in dieſes Land gekommen er ſolte Ihn ſelbſt fragen was er under den auf dem Kopf/ ſo ihr ganzes Zelt/ und einiger fra s Land geko mt 5 i Schutz wieder die uneftraͤgliche Hitze die in die⸗ R. ile antwortete/ daß er in weit entfernten w, fein Land iſt nicht vertragen konnen. Kanderen ſeine Betrubnuß und Unmuth uber Als nun Re ville ſahe/ daß in Indien vor des Kois in Engelland Tod/ dem er gedienet/ wille kn chan.. ſie lüchts zu thun/ gienge er nach Iſpah an/ in und welehen ſeine Underthanen ermordet/ zu ue 2ar oder Groß⸗ Hofſmeiſter von des Komigs Über diefe Rebe erzornete ſich der Konig noch le Hauß zu wiſſen/ es wart ein range sſeſcher E⸗ niehr dle zuvor und ſagſ mit eigen green, 4 delmann/ der den Krieg wol verſtunde/ an⸗ gen Anblick zu dem Reville, wie iſt es moglich/ 1 kommen. Und ſchiene es auch/ daß die damali⸗ daß du ſolleſt Haubtmann ſeyn über die Leib—— ͤ Hofnung daſelbſt anzukommen. Die Engellander nahmen jhn auf/ und chaten dem Nalinderen ſuchte/ hatke auch von diefer Zeit an/ nicht mehr in der Chriſtenheit bleiben konnen. Wacht des Königs/ dem du gedienet/ und ſolteſt dich geweigert haben zuſamt all deinen ge Zeiten/ es mit dem Reville wol meineten dann man hatte bey Hofe die Nachricht/ daß 0 ert haben“ zufammt all denen 1 underſchiedliche Ser⸗Nauber auf dem Caſpi⸗ Leulen/ deinen König mit deinem Leben zu ver1 ſchen Meer zu Zuilan und Mazandran, ans theidigen/ und bi auf den letſten Bluts⸗Tro⸗. Land ſetzeten. Der Nazar erbote ſich daß ſo pfen vor ien zu echten? Du biſt bes Lebens dald er eine bequeme Gelegenheit ſehen wurde nicht werth/ ſagte der Konig weiter end befaher ſolches dem Konig/ ſo damals Cha-Abas II. le zugleich dem Naser daß er ſich ſeiner Perware anſagen wolte/ und hielte auch ein ſon bemächtigen und an eine ſicheren Ork ſole aber auff g a f te verwahren laſſen/ die Nechenſchaft davor nen eſeht Verſprechen.. 8 le war ein alter Koͤnig von Georgien/ mehr als von 80. Jahren bey Hofe/ welchen der Konig in Perſten/ nach vielfaltig beſchehenen Verweigerungen beredet/ dahin zu kommen/ under dem Verſprechen/ er wolte ſeine Kinder wiederum in ſein Königreich einſetzen.Dieſem wolte der König die Zeit kützen, und nahme ihn zu allen Ergoͤtzlichkeiten, die er hatte/ mit/ er muſte mit auf die Jagd/ und der Konig machte ſich im Trunck nicht luſtig/ fordere er von hme. Des Königs Beſehl fee wurde von Stund an vollzogen/ und war des Nazars Behauſung des Re ville Gefangnus/ ſetze darinnen er zimlich wol gehalten/ und an Speiſen keinen Mangel harte ſo ſehſckten ihm auch die Francken Wein/ daß hm alſo an LebensMütlen nichts aögieng. Hiebey iſt die Gewonheit in Perſten in acht zu nehmen daß nemlich/ wann ber Konig jemand hat laſſen ins Gefangnuß werffen/ niemand/ er ſeye 15 a. Er Er wird entlediget. 108 wer er wolle/ ſich underſtehen darff/ vor ihn zu bitten/ muß man alſo nothwendig die Erledigung auß freyein Trieb des Königs hoffen. Nun war dieſes das groſte Ungluck vor den Gefangenen/ daß der Konig eben damals ein wenig zu viel getruncken/ als er jhn von ſich hatte wegführen laſſen/ und dahero deſto weniger ſich ſeiner erinneren konte. Endlich aber nach 22. Tagen/ wagetenes die Verſchnittenen auf inſtandiges Bitten eines Francken /Nahmens Claude Muſin, der ein Waffen⸗Schmied von Hof war/ und ſtatigs mit jhnen kurtzweilete/ und erinnerten den König an den Gefangenen/ welcher befahl/ daß Neville des folgenden Tags jhme ſolte eine Reverenz machen. Hierauf gab man ihm nach Gewonheit ein Calate, welches das gewohnliche Kleid der jenigen iſt/ die zu dem Konig gehen/ und ihne begrüſſen. Auf ſolche Weiß bekame er ſeinen Abſcheid. Seithero iſt er wieder in Europa kommen/ und hab ich jhn zu Amſterdam angetroffen. 5 1 Nun wende ich mich wieder zu den zwey Frantzoſen/ welche/ wiewol unſchuldig/ an des Reville unglüͤck zu Bagdat Urſach waren/ und welche des Frantzoſiſchen Conſuls zu Alepo Diener nach Iſpahan begleitete. Weil ſie wuſten/ daß ich dem Konig in Perſien eine groſſe Anzahl ſchoͤner und herꝛlicher Jubelen gezeiget/ und daß er mir davon vor mehr als 4. Reichsthaler abgekguffet/ ſchaͤmeten ſie ſich/ die Zeit über/ als ich zu Iſpahan war/ ihre Kinder⸗Voſſen auß Temple gußzulegen. Sieben oder acht Tage aber nach meiner Abreiſe/ wieſen ſie jhre ſchoͤnen Wagren dem Nagar, mit Bitte/ ſolche den Konig ſehen zu laſſen. Als der Nazar die falſchen Stein ſahe/ ententſchloſſen ſie bey ſich nach Indien zu reiſen/ rüſtete er ſich daruber/ und fragte ſie/ vor wen ſie den Konig hielten? Er kauffe dergleichen Lurmpereyen nicht; Se⸗Majeſtät wenden das Gelt an gute und feine Kleinodien/ kamen auch keine andere in ſeinen Pallaſt; wann ſie nicht Frantzoſen wüͤren/ und der Konig nicht die ation/ deren er viel in ſeinen Dienſten hatte/ liebte/ wolte er jhre Waaren in Stücken zerſchlagen laſſen/ und jhren Frevel zu ſtraffen wiſſen. Auf ſolche Weiſe wurden die beyde Frantzoſen gantz beſchamt zurück gewieſen/ und weil ſie ſahen/ daß zu Iſpahan nichts vor ſie zu thun/ ſetzten ſich darauf zu Ormus auf ein Hollandiſches Schiff ſo nach Maslipatan an die Küſten von Coromandel ſegelte. Nach 4. oder. Tagen/ als ſie abgefahren/ ſtarb der Hr. Hautin auf dem Meer/ Herꝛ Neret wurde auch Der bedden kranck/ und bliebe ſehr matt und ſchwach biß zeuge. den Bollandiſchen Schiffen etliche Franzoſiſen Tod. ſche Bootsknechte ſeynd/ gab man jhme einen zu/ der jhn bedienen ſolte/ er war jhm aber nicht getreu: Dann in ſeiner groͤſten Schwachheit entwandte er jhm ſeinen Gurtel/ mit einer zimlichen Anzahl Spaniſcher Piſtolen/ behielte jhn aber nicht/ wie ich ſo bald ſagen werde. Als das Schiffe gluͤcklich zu Maslipatan angelanget/ ſchickte der Hollandiſche Commangeur, davor erkennet worden/ ſelbige wiederum Relsbeſchreibung in Perſien ſo bald nach den Capueinern zu Madrespakas ſo eine Engliſche Veſtung/ nahe bey St. Thome iſt/ und lieſſe ſie bitten/ daß ſie kommen/ und einen krancken Frantzoſen zu ſich in jhr Kloſter aufnehmen mochten; welches ſie zwar alſobald theiten/ er ſtarb aber nach d. Tagen. Der Franzoſiſche Bootsknecht o den Gürtel entwendet/ wolte ſich deſſen/ ſo darinnen war/ bedienen/ und wechſelte etliche mal in dem Wirtshauß Spaniſche Piſtolen/ weil nun dergleichen Art Müntz ſolche Leute ins gemein nicht ſchwaͤr drucken/ gab es einen Argwohn/ daß er den krancken Frantzoſen/ den er bedienet/ müͤſte beſtohlen haben. Solches kame dem Hollaͤndiſchen Commandeur zu Ohren/ welcher den Bootsknecht vor ſich kommen ließ/ und ſo weit brachte/ daß er den Diebſtahl geſtunde/ und biß ohngefehr auf 2. oder 3. Piſtolen/ die er verfreſſen hatte/ alles wieder gab. Ihre Steine auß dem Temple, ließ er auch ſo hoch verkauffen/ als es moglich war/ und die Capueiner brachten auf jhrer Seiten alles herbey/ was dem jenigen/ ſo bey ſhnen geſtorben/ zugehoͤret. Worauf die Hollaͤndiſche Compagnie all dieſes Gelt zuſamen auf Amſterdam uͤbermachte/ und zu Paris Herꝛen Chandelier Parlements-Advocaten/ der ein Schwager und Haubt⸗Erb des Herzn Hautins war/ außzahlen lien. Dieſes iſt nicht das Exempel allein/ welGute Old, ches ich von der ſchoͤnen Ordnung in den Ori⸗ nung i entaliſchen Landeren/ wegen der außlandiſchen hinderlaſſenen Guͤteren/ ſie ſterben gleich in Turckey/ Perſten oder Indien/ anführen koͤnte. Dann kommen dieſe Guter den Türcken in die Hande/ verſchlieſſen ſie dieſelben ſehr ſorgfältig/ ſeynd es aber Waagren/ ſo ſich abhultzen/ werden ſie dieſelbigen nicht anrühren/ biß des Verſtorbenen rechtmaſsiger Erbe und der durch genugſame und gültige An forderen. Kommen dergleichen Guter abe in der Engellaͤnder oder Hollander Verwaltung/ nehmen ſie davon ein Verzeichnuß/ und geben den Erben davon Nachricht/ damit ſie ihnen zu ſicheren Handen kommen. Und zweifele ich ſehr/ ob man an den meiſten Orten in Curopa/ in dergleichen Fallen mit gleicher benErbſchaf ten in den Oriental, ſchen Lan 0 Aufrichtigkeit/ und ſo gender Obſicht ver Dieſes nun ſeynd die Begebenheiten mit den gedachten 4. Frantzoſen/ welchen dem geneigten Leſer von einem und dem anderen/ ſo bey den Tuͤrcken/ Perſignern und Indianern 1 ſonderbahre Nachrit geben onnen. g oben gedach⸗ an ſein Ende. Gleich wie nun ins gemein auf Ich wende mich nun wieder auf Smyrna, wo ich eine zeitlang auf die Caravane nach Perſien habe warten muͤſſen. Als aber alles zur Abreiſe fertig/ nahmen wir den Weg über Tauris, welchen ich gußfuͤhrlich und weiklaͤuffig beſchrieben/ und truge ſich underwegs niehts zu/ ſo anzumercken wuͤrdig ware. Nur dieſes allein will ich erinneren/ daß damals/ als wir zu Tocat geweſen/ eine ſolche Hitze war/ daß wir den gewohnlichen Weg auf 15 H Han 17 Des Heß 1 Taverne Abreiſe vol Smy re. e ga rniel iſe vol nen Auderes Hand gegen Norden ligen lieſſen/ und um des Schattens und der Kühlung willen/ über das Gebürg giengen. An vielen Orten fanden wir noch Schnee/ und die Menge von dem ſchoͤnſten Saurampfer; und oben auf etlichen Bergen/ ſo ſonſt etwas ungemeins iſt/ ſind ein hauf fen Muſcheln/ wie an demlifer des Meers. Von Gefahr gar uͤbcl empfangen zu werdet das/ it noch digte vun den Wuſſnannbasug. bequemſte/ daß/ wann er dem 11 0 barſte Waaren gezeiger/ niemand/ der es weiß von ihm etwas kauffen wird/ dem Konig zu verehren/ weil ſich niemand underſtehen doͤrff? te/ ihm etwas zu ſchencken/ ſo er ſchon zuvor Erzerom giengen wir uͤber Cars, nach Erivan. geſehen Der Kan war damals nicht zugegen/ ſondern hatte ſich die Zeit uͤber/ als die. Hitze dauret/ eine Tagreiſe von der Stadt aufs Geburg begeben. Sein Leutenant den er da gelaſſen/ ſagte mir/ es würde nicht wol ſtehen/ wann ich wieder fortreiſen wolte/ und dem Kan nicht aufwartete/ deſſen Raht ich auch folgete/ und traffe jhn under den Zelten in einem anmuhtigen Thal an/ wo noch viel Schnee lag. An den Orten aber wo der Schnee anfienge zu ſchmeltzen/ kamen viel huͤbſche Blumen hervor/ und hatte man an dieſem Orr zugleich Sommer und ba Winter. Der Kan empfenge 9 die E bey mir waren/ ſchr freundlich gabe uns ein ſchoͤn Zelt ein mit Scharlach bedecket/ und die 0. Digenbber als Pirbey jhen bieden ſchckek er uns alle Mahlzeiten auß ſeiner Küche zu eſſen. Die zwey erſten Tage ſchickte er uns keinen Wein/ daß wir meinen ſolten er ſeye ein guter Muſulman; Er dachte aber wol daß es uns gar zu ſaur ankommen wuͤrde/ uns davon zu enthalten/ befahle deswegen etlichen Reuternandem n en Ort zu holen/ welche uns von zweyerley Gattung brachten/ ſo ſehr gut war. Es wurden uns auch viel Melonen und Granatapfel verehret/ und die Zeit über/ als wir da waren/ hatte ich meine groͤſte Luſt mit der Jagd. Ich handelte auch etwas mit dem Kan, ich wolte jhrn aber meine beſten und koſtlichſten Waaren nicht zeigen ſondern den Konig am erſten ſehen laſſen. Wobey dieſes anzumercken iſt/ wann man einige Guter ſo zu verkaufen/ einen Kan oder Statthalter von den Provintzen ſehen laſſen ſo darff man es nicht wagen und dieſelben dem Konig vorlegen/ weil er alles was vorgehet/ gewahr wird/ und ſich aufs hoͤchſte ſolte beleidiget finden/ wann man jhn eine Sache ſehen lieſſe/ welche man ſchon zuvor ſeinem Sclaven gezeiget/ und würden nicht allein die Waaren verworffen werden/ ſondern der Kauffmann hatte auch Wann man uber Frivan iſt/ mag man von der Caravane abgehen/ wann man wil/ und ſo bald man in Perſien komt/ hat man keine Gefahr mehr auf dem Weg zu befoͤrchten. Als mir nun geſagt wurde/ daß der Kan zu „ Gengea ein Her: wäre/ ſo wol vor 1x. oder 20000. Reichsthaler Kleinodien kauffte/ nahme ich etliche von denen/ ſo ich hatte/ und machte mich mit zween von meinen Leuten auf den Weg nach dieſer Stadt zu. Ich wurde aber gleich den erſten Tag anders Sinnes: dann ſo wol der boͤſe Weg/ den ich vor mir hatte/ als das groſſe Gebürg daruber ich täglich muſte/ und wo nichts als Felſen/ Abgründe/ und kleine See waren/ daß ich ſtundlich muͤſte ſorg haben/ hinab zu ſtürtzen/ benahmen mir den Luſt weiter zu gehen/ und hielte ich vor das beſte wieder zuruck zu kehren. So gedacht ich auch darauf/ welches ich eben jetzt errinnert/ daß wann ich den Kan etliche von meinen Kleinodien ſehen lieſſe/ doͤrffte es mir wegen der brigen/ die viel koſtbarer waren/ Schaden bringen/ und gatte ich dem Konig nichts mer weiſen doͤrffen/ wann ich nicht 5 15 Ungnade haͤtte haben wollen. Wendete beswegen des anderen Tages nach dieſer harten Tagreiſe wiederum nach meinen ubrigen Leuten/ welche ich bey der Cara vane gelaſſen/ und traffe ſie zu Nacſivan an/ als ſie eben außruheten/ und den Weg ferner auf Tauris nehmen wolten. Von Tauris bis Iſpahan/ begegnete mir nichts denckwuüͤrdiges. Als ich nach Hof kam wurde ich von dem Konig wol empfangen/ und verkauffte jhm vor 62000. Reichsthaler Kleinodien/ und andere koſtbare Wagren. Er verehrte mir ein Calate; welche Ehr ich auf meiner ſechſten Reiſe gehabt/ ich verſpare aber ſolche 3 bis auf die folgende Relation, weil ich dem geneigten Leſer mit un20 nohtiger Wiederholung/ nicht verdrießlich ende des zwenten Buchs. Da pemanitbhen A a Keisbeſehreibung 1 Drittes Buch. Bon der ſechſten und letſten Reiſe des Authors/ und der Weg durch die Mitternaͤchtige Laͤnder/ Europa in Tuͤrckey und Perſien zu kommen. Samt einer ſonderbaren Beſchreibung vieler an dem Schwartzen und Caſpiſchen Meer gelegenen Lander. Das I. Capitel. Von det ſeehſten und letſten Reiſe des Authorn von Paris bis nach Smyrne. Ch begab mich auf meine „Der Her: Von Lion reiſete ich nach Marſeille, allda ich zehen Tag bliebe/ auf die Einſchiffung nach Ligourne zu warten/ und fuhre ab daſelbſten neben meinen Leuten/ den 10. Jaruarii 1664. Unſers Schiffs Patron war Jean Flour, ſonſten Poſtillion genennt/ weil er für den beTenne f. ſechſte Reiſe nach Orient ſten und feiſſigſten Schiffer des Lands gehalbegibt ch don Paris/ den 27. No⸗ ten wurde. Tie unſer Fahrt zimlich ſchleud i p* 4 vember 1663. ſamnt 8. Per⸗ nig und glücklich von ſtatten gienge/ erblickten Neiſe nach N ſeonen undesſchiedlichen Be⸗ wir den anderen Tag fruͤh ein groſſes Schiff/ e 0 0 kuffs die ich zu meinem bey den Inſuln St. Margarethen. Wann ö SD. Dienſt bey mir hatte/ und dann das Meer niemands Freund/ und wir reiſete über Lion. Ich fuhrte mit mir den Werth von 400000. Francken/ beſtehend in Edelgeſtein/ Goldſchmid⸗Arbeit/ und anderen ſonderbaren Sachen/ die ich fůr den Konig in Perſien/ und Groß⸗Mogol beſtimmet. Wie ich zu Lion war/ erkauffte ich einen runden und holgeſchliffenen metallenen Spiegel/ ohngefahr dritthalb Schuh im Diameter. Deſſen Wuͤrckung war wunderſam/ dann wann ſolcher an die Sonnen geſtellt/ und ein Thaler an den Wiederſchein der Strahlen gelegt wurde/ war derſelbe in geſchwinde zerſchineltzt. Dieſer Spiegel gabe auch einen ſolchen ſtarcken Wiederſchein/ daß wann man einen Degen vorhielte/ natürlich ſchiene gleich als ob ein anderer herauß kame. Ein Liecht zu Nacht darfür ſtellend/ konte man einen Brief/ denſelben gegen dem Wiederſchein haltend/ auf zweyhundert Schritt weit davon leſen. Dieſes Stuck war dieſer Art eines der ſchoͤnſten/ ſo ſeith langer Zeit geſehen worden. Alſo trachtete ich in meinen Reiſen allezeit einige ungemeine Sachen zu bekommen/ welche den beeden groſſen Monarchen in Aſien/ bey denen ich angenehm war/ gefallen mochten/ und jnſonderheit dem Hheim des Groß⸗Mogols/ der mich in allen Sachen hoch beguͤnſtigte/ und welchem ich in meinen vorigen Reiſen viel ſchone Stuck verkaufft habe. vor uns ein Schiff ſahen ſo die Flucht nahme/ thaten wir desgleichen/ und kamen hey einem kleinen Meerbuſen/ der Hafen Agaie genant/ zwo Meil von Frejus, zu anckern/ allda nur eine ſchlechte Schantz/ neben zwey oder drey Hauſern allein. Wir ſtiegen auß/ weil es ein wenig über Mittag war/ und ſahen daſelbſteneinen ſchoͤnen und ſehr wol underhaltenen Garten mit Gaͤngen von Pomerantzen und CitronenBauten beſetzt/ welche den Ort alſo gruͤn und dem Gemuͤht lieblich und angenehm in mitten des Winters machen/ gleich ob es in vollkommener Sommerszet ware/ es werden daneben guch viel Zierrahten auf Italianiſche Manier/ welchem Land dieſer Ort nahe ligt/ geſehen. Um vier Uhr Nachmittag begaben wir uns wiederum zu Schiff/ und waren nicht ſo bald eingeſtiegen/ daß wir ein groſſes Schiff auf den Hafen mit vollem Segel zufahrend ſahen. Als ich den Patron befragte/ was es ware/ antwortete mir derſelbe/ daß die Zollsbeſtaͤnder von Toulon, ſolches haͤttẽ gußꝛüſten laſſen/ und von allen nach Italien gehenden Schiffen/ einen gewiſſen Zoll Foraine genant/ in Gute oder mit Gewalt/ zu forderen pflegten/ ſo aber die Marſellianer/ wann ſolcher denſelben anbegehrt wurde/ nicht bezahlen wolten. Wie ich nun gol i eine groſſe Ungelegenheit/ ſo entſtehen konte, fe fel befbrchte leſſe ch mir o bald ich indem Schiff ben war/ eudied 2. Drittes Buch.* ii: 55 berur/ war/ von dem Patron ein Kaſtlein/ ſo ich jhme bn. wer⸗ in Verwahrung geben hatte/ und in deme meine koͤſtlichſten Kleinod waren/ liefern. Darauß nahme ich einen Theil zu mir/ und gabe das übrige inder Eyl einem meiner Leuten/ verhoffend/ daß er mich nicht verlaſſen wurde/ weil ich eine groſſe Unordnung auf erfolgten Angriff von dem Zoll⸗Schiff/ ſo ein Aug auf unſeren Patron hatte/ und daher einige köſtliche Stuck zu verlieren/ genugſame Urſach hatte/ zu beſorgen/ hielte ich fur rahtſam/ in ein daſelbſten auf Ancker gelegenem Genueſiſchem Schiff/ ſo dem Zoll oder genanten Foraine nicht underworffen/ mich zu begeben. Wie ich dann mich in Pöſtur ſtellete hinuͤber zu ſpringen; als aber mein Abſehen/ wie weit die beyde Schiffe von einander/ nicht recht genommen/ und ſprange/ fiele ich in das Meer/ da in dem Tumult memand bedacht geweſen/ mir zu hilff zu kommen/ und hatte zwiſchen dieſen beeden Schiffen zu grund gehen muͤſſen/ wann ich nicht zum Gluͤck ein Seil bey einem Knopf erreichet. Wie einer meiner Dienern mich in ſolcher Gefahr erſahe/ ſprang derſelbe eilend in das Genueſiſche Schiff/ und wendete all ſein Vermoͤgen an/ mir hinauf zu helffen/ welches nicht ohne groſſe Muͤhe beſchahe. Under deſſen fuhre das Zolloder Foraine: Schiff jmmer auf das Unſerige/ und ware bereits ſo nahe/ daß mans anhencken konte/ und der Haubtmann/ um unſerem Patron eine Forcht einzujagen/ ruffte/ daß dafern man ſich nicht ergeben thate/ er memand QuarGe waden tier geben wolte. Als nun die von der kouRiffen. raine oder Zoll ſahen/ daß Floutr ſich nicht underwerffen thate/ thaten ſis auß Muſqueten viel Schuſſe auf uns. Einer unſerer VBootsknechten ward bey dem Maſthaum verletzt/ und ſtarbe drey Tag hernach. Des Schiff⸗Patrons Sohn bekame einen Schuß durch ſeinen Rock/ ſo aber demſelben allein die Haut aufgeuttzet/ und dem Vatter ſelbſten wurden zween Schuſſe in ſeine Kappe/ darüber er ſich um etwas entſetzte. Jedoch den Muht nicht ſincken lieſſe/ und gleich wie derſelbige einer der Geſchickteſt⸗ und Erfahrneſten ſeines Beruffe ware wurde er Rahts/ mit Mahier ſein Schiff zwiſchen zwey Genueſiſche/ die daſelbſten under Ancker lagen/ hinein zu bringen/ welches jhme dann alſo glücklich gelungen/ daß derſelbe der Gefahr/ die er vor Augen ſahe/ entrunnen/ dann das Zoll⸗Schiff/ ſo dem unſeren ſich anzuhaͤncken/ und deſſen ſich zu bemeiſtern ſuehtein den Seglen und Stricken ⸗ der anderen Schiffe ſich dergeſtalten verwickelt/ daß unſer Schiff⸗Patron Zeit und Gelegenheit hatte/ ſt duuß dem Hafen zu entkommen/ und durch ſtarckes Rudern die Weite zu erreichen. Es war z um etwas windig/ und ſo bald er in der See ſich befunden/ begunte der Wind alſo gut zu h ſeyn/ daß das Schiff den gefolgten Tag fruh zu Monaco einlieffe/ und von da in zween Tagen zu Genua ankame. Als ich /der in dem Genueſſſchen Schiff ſ dach befunde des Patronen Kloue Schiff daran meine Leute waren/ entrunnen/ und auß Wr 9 g ſtiege ich neben dem jenigen meie N ner Leuten/ der mir gefolgt/ an Land/ um zit trachten/ wie es anzuſtellen/ unſer Schiff wiederum zu erreichen: Aber nachdem ohngefahr ein Schiffer von Frontignan, welcher Wein auß Langueſloc nacher Italien zu führen/ geladen hatte/ angetroffen/ dingte ich mit demſelben mich bis Ligdurne zu lieffern. Begabe mich darauf in ſein Schiff/ wir kamen an VII. lefranche; und hernach nach Monaco da wir eines Morgens früh anlangten. Seo bald ich außgeſtiegen/ gieng ich inden Seine Am Pallaſt hinauf/ die Furſtin in abweſen des wn zune Furſten/ der zu Genua war/ zu begruſſen. Dieſelbe empfienge mich ſehr hoͤflich/ und befahle/ daß mir der Ort/ und was ſonderbares in des Fuͤrſten Kunſt⸗Kammer/ gezeigt wurde. Es ſeynd in derſelben viel ſchoͤne Gemahlde/ und Stuck von Uhrwerck und Goldſchmieds⸗Arbeit. Aber under anderen ungemeinen Sachen zwey Stuck Chryſtall/ jedes uber ztveeln Faͤuſt groß/ in mitten des einen iſt bey nahe ſo viel als ein Glas voll Waſſer/ und in dem annderen Mooß/ welches naturlich/ indem das Chryſtall zuſamen verhartet/ darein geſchloſſen blieben/ und dieſe zwey konnen wol für ſonderbare Stuck gehalten werden. Auß dieſer Kunſt⸗Kamer führete man mich in das Hauß⸗ und tuns er rahts⸗Gemach/ ſo eine groſſe Kammer/ langer 1 15 als breit/ mik vielen Schancken/ darinn das ges ben Gold⸗ und Silbei⸗Geſthir/ viel mit Gold und den. Perlen geſtickte Beth/ und andere koͤſtbare Zierraht verwahret werden. Von der Höhe des Schloſſes ſo auf einem gaͤchſtützigen/ in das Meer vorgehenden Felſen/ wird ſolches mit Luſt geſehen/ und dieſer Fels iſt den hohen Bergen dieſer Küſten allein durch ein Halb⸗Inſul angehaͤngt/ welches dieſen Ort neben anderein Vortheil/ ſo derſelbe von Natur und Kunſt hat/ einen der namhaffteſten in Italien machen thut. Ich beſahe auch die Munz/ da eine ſo groſſe Quantitet der Stuck von 5. Sols, die man in Oſten verführt/ gemüntzt werden. Wie ich in obacht genommen/ daß das Schiff von Frontignan, welches ſehr geladen ware/ all zu langſam fuhre/ bedingte ich den anderen Tag meiner Ankunfft zu Monaco ein kleinen Nachen/ und ſchiffete nach langs der Kuͤſten/ ſo mit ſehr ſchoͤnen Dorffern und Hauſern beſetzt/ bis nach Savone, allda einen anderen Nachen bedungen/ um annoch ohngefähr 30. Meil ſo von da bis nach Genug ſeynd du fahren/ wir brachten die Helffte der Reiſc zimlich luſtig zu: Als aber in ungeſtumer Wind/ ſo uns bey nahe zu grund gerichtet haͤtte/ entanden/ wurden wir gezwungen in das Geſtad/ von deme uͤber 3. Meil entfernet waren/ u kommen zu trachten. Bey deim Ort da wir ahfuhren/ iſt eingroſſes Dorff/ und weil es noch och Tag ware/ un Genua/ bis dahin nur noch 9. Meil/ zuerrechen/ lieſſe ſch Pferde für mich und meinen Diener ſuchen/ obſchon dieſelben nit von den beſten/ trieben wir ſie doch ſolcher maſen fort/ daß wir mit Undergang der Sonnen zu Genug ankamen. 5 e Es iſt nicht zu ſagen/ wie aigenehm der Weg dieſer neun. nach langs 5 8 2 eyk? n Reis beſchreibung in Perſien/ i ſche; dann einer Seits ſeynd nach einander. koöͤſtliche Hauſer und ſchoͤne Garten/ und auf der anderen Seiten ein ebenes Ufer/ an dem die Meeres Wellen fein ſanfft ſich brechen. Bey meiner Ankunfft zu Genua/ funde ich meine Leute/ die wegen widrigen Windes noch nicht nach Ligourne abfahren koͤnnen: Als aber nach zween Tagen die Winde ſich geandert/ und gut auf Ligourne war/ fuhren wir in 24, Skünden der. Erkonmet Ich begrüßte alſobald den Gubernatorn/ nach Lis our. der mir/ ſagte daß der Groß⸗Hertzog Nachricht 8 hatte/ daß ich ankommen ſolte/ und daß er von demſelben Befehl/ mir in ſeinem Namen zwo Küſten mit Florentiner Wein zu verehren/ neben Anmeldung/ daß Ihr Durchleucht begaͤrten/ daß ich dieſelbe zu Piſa, da ſie ſamt der gantzen Hofſtadt ſich befanden/ beſuchen mochte. Auf dieſen Befehl begabe ich mich ohngeſaumt dahin/ uud wurde ſo wol von dem Groß⸗Hertzog/ und der Groß⸗Hertzogin/ als der Fuͤrſtin deroſelben Schnur/ alſo wol und freundlich empfangen/ daß ich den Tag meines Lebens ſolches mit ſchuldigem Relpect, im Gedachtnuß haben ſolle. f i Wie der Groß⸗Hertzog eben damglen wegen der Sach/ davon ein groß Geſchrey in Italien war/ betreffent den Anfall der dem Monſieur de Crequi, Frantzoͤſiſchen Abgeſandten zu Rom/ von den Corſen beſchehen/ darzu er von dem Pabſt und Konig Mittler ernennet worden/ ſehr beſchaͤfftiget geweſen/ hatte er die Zeit nicht/ wie er wol wunſchte/ mit mir ſich zu erſprachen; aber er ſagte mir/ daß weil dieſe Geſchaͤffte in acht oder zehen Tagen erörtert ſeyn ſolten/ er alsdann nach Ligourne ſich begeben wolte/ um daſelbſten einen Theil der Faßnacht⸗Zeit zu verbleiben. 5 Als der Groß⸗Hertzog/ ſaint ſeinem gantzen Hof/ zu bemeldtem Ligourne angelangt/ und wird von gienge ich den ſolgenden Tag meine Schuldigdeſllüße boch keit bey demſelben abzulegen/ er ſagte mit ſehr dare ver buͤndlicher Manier/ daß er Zeit haben wurde funffzehen Tag lang mit mir ſich zu beſprachen/ und daß hme ſehr angenehm ſeyn ſolle/ wegen meiner Reiſen mir zuzuhoͤren. Dieſer Furſt hatte eine Gewonheit alſobald nach der Mittags⸗Mahlzeit ſich zu verſchlieſſen/ und niemand vor vier oder fünff Uhr Abends /Verhör zu geben. Ich hatte die Freyheit/ taglich morgens früh zu ſeinem Beth gelaſſen zu werden/ allda er mich niderſitzen lieſſe/ und waren wenig Tage bis zu meiner Abreise/ daß ich diee Ehr nicht genoſſe. Es befande ſich damalen niemand in der Kammer des Groß⸗Hertzogs als ein Stumm/ der ſeith langer Zeit in ſeinen Dienſten war/ und ſie verſtunden ſich durch Deutung alſo wol mit einanderen/ daß mit Worten nicht beſſer beſchehen konte. Ich beobachtete mit Verwunderulig/ daß/ wann der Groß⸗ Hertzog jhime den Schluſſel zu ſenem Cabinet übekliefſerte um darauß Brieffe oder etwas anders abzuholen/ er niemalen das jenige/ was der Furſt begehrt/ zu bringen gemanglet. Die Zeit/ inderen ich hey jhm ware/ gienge vorbei/ viel Verzeichmluß oder Memoriglien meiner Reiſen/ ſo ich ſauber aufgeſſtzt hatte/ zu leſen/ aher mehrertheils war hme lieber meiner mündlichen Erzehlung/ als dem Leſen zuzuhören. Ihre Durchleucht hatten ſonderlichen Luſt die Wurckungen/ des im Eingang dieſes Capitels/ vermeldten Metallenen Spiegels zu ſehen. Dann wie droben angedeutet/ konte damit durch den Widerſchein der Sonnen/ in geſchwinde ein Stuck Holtz angezündet! und allerley Metall zerſchmeltzet werden. In der Nacht ein Liecht vorſtellend/ konte man ſehr weit davon/ wie droben gemeldt/ einen Brieff oder etwas anders leſen/ der Groß⸗Hertzog verlangte zu ſehen/ ob von dem Mondſchein ſolches eine gleiche Wuͤrckung haͤtte/ aber zum Unglück ſchiene derſelbe nicht die gantze Zeit ber/ die ich zu Ligourne mich befunde. N Nachdem ich von dem Groß⸗ Hertzog/ der and beſchenGroß⸗Hertzogin und der Groß⸗Furſtin Ab⸗ cket. ſcheid genommen/ üͤberſchickte mir der Groß⸗ 5 Hertzog dreyerley Wein auf meine Reiſe/ Wurſte/ Kaß/ Zuckerwerck/ und ein Truhlein viel koͤſtliche Artzneyen/ und Wider⸗Gift in ſich haltend. Es waren herꝛlſche Materialien/ davon die Ikalianer ſehr viel halten; aber dienten mir wenig/ dann ſo bald wir in die warmen Lande kamen/ begunten dieſe Oele/ Balſamn und Artzneyen/ von der Hitze zu ſteden/ davon die Hlaſchen verſprangen. Von 24. mit Schrauben zugeſchloſſene Buchſen Teriack/ bliebe nicht ein einige gantz/ ſondern von allen zerſprunge der Boden. 8 4 Dieſes von dem Groß⸗Hertzog mir uͤber⸗ Seile A ſchickte herꝛliche Geſchenck/ verurſachte mich/ reif ob ich ſchon bereits Abſchied von jhme genommen hatte/ bey demſelben meine ſchuldige Danckbarkeit abzulegen. Nachdeme ich nun mein Compliment verrichtet/ antwortete er mit gantz verbündlichen Worten/ daß er mir wol etwas anders als nur eine Truhen mit Artzuey geſchickt haͤtte; aber wünſchend in meiner Zuruckkunfft mich in guter Geſundheit wiederum zu ſehen/ bedunckte zu Erhaltung derſelben/ jhne nichts beſſers/ als die in dieſer Truhen ſich befindenden guten Mittel und Hertzſtarckungen/ deren ich mich nach erforderender Nohtdurfft oft gebrauchen koͤnte. Nachdem ich jhme meine Ehreꝛbietungerwieſen/ nahme ich auch abſchied von dem Cardinal von Medlicis, ſeinem Bruder/ und den folgenden Tag Mitwoch den 26. Marti/ 1664. begabe ich mich neben meinen Leuten auf ein Hollaͤndiſches Schiff/ Jultiria enant/ deſſen Capitains Namen Jacob gewe55 Als wir in den Nachen ſtiegen/ um zum Schiff zu fahren/ kamen der Groß⸗ Hertzog ſamt der Groß⸗Hertzogin/ und die Furſtin in einen Ercker der gegen dem Hafen das Außſehen hatte/ und würdigten mich zum zweyten oder drittenmal mit glücklicher Neis⸗Wunſchung. Den 27, blieben wir den ganzen Tag zun die Reede/ einige Schiffe die annoch hre vollige Ladung nicht hatten /zu erwarten. Um fuͤnf hr Abends/ kamen der Groß⸗ Hertzog mit den Füͤrſten und Furſtinnen/ ſamt einem Theil des Hofs/ mit zwo Galleern und drey anderen 8 Schiffen eſchen—. 1 J Drittes Buch. Schiffen um die Flotten ſpatzieren fahrend/ da dann ein jegliches Schiff mit etlichen Canon⸗Schüſſen ſie begrüſſet. Um ſieben Uhr/ lieſſe der Befehlhaber der Flott/ den LoſungsSchuß zur Abfahrt thun Sarauf die nu. Schiffe/ in ſo viel die Flott beſtunde/ abſegelten/ unnd die Fahrt auf Melina mit einem NordWeſt⸗ Wind richteten. Von dieſen eilffen waken zwey Kriegs und neun Kauffahrer⸗Schiff/ nemlich vier für Smyrne, drey für Ancona: und zwey für Venedig. Die gantze Nacht hatten wir guten Wind/ aber zimlich ſtarck/ und viel uberzwerche; welches eine Urſach war/ uud was ban hatten wir den Luiſt dieſe zwey Ort wol zu beſeKcagen 5 daß zwey Schiffe ſich von uns abſonderten. Ihre Fahrt wie wir abnehmen konten/ ztviſchen den Elb⸗ und Corſiſchen Jnſuln nehmend alldieweilen wir zwiſchen Elb und Italien durchfuhren. b f Den 28. um. Uhren Morgens/ befunden wir uns zwiſchen Porto Ferraro, und Piombino, und weil ſehr ſchoͤn und helles Wetter war/ en. Von dar kamen wir zwwiſchen zwo kleine Inſuln/ die eine Pal majola genant/ die andere ohne Namen/ durchzufahren. Um zehen Uhr ſahen wir Portolongone, und hernach von Gegen der ud⸗O Wind/ welcher allgemach ſo ſtarck zunahme/ Nacht uͤber/ jnſonderheit wegen kan miral⸗ Seh wann der Wind ſtarck geweſen/ ware ein oder ferren Monte- Chriſto. Im ein Uhr Nachmiktag erblickten wir Caſtiglion-ſere und die Ubrige Zeit des Tags/ fuhren wir den Inſuln Gigio und Sanuti neben hin. Denen zwey Schiffen/ die uns verlaſſen hatten Gelegenheit zu geben/ wiederum zu uns zu ſtoſſen/ obwolen wir guten Wind/ lieſſen wir jedoch bis in die Nacht nur ein Segel aufgeſpannen. Wie wir dieſelben aber nicht vermerckten/ wurden alle Segel aufgerichtet/ und alſo thaten wir die gantze Nacht durch eine groſſe Reiſe Den 29, mit droben gemeldtem NordWeſt⸗Wind begleitet/ erſahen wir Morgens die Inſul Pontia und Palmerola, und auf den Abend die Inſul Ventitione und Iſchia. Wie 8 die Nacht herbey nahete/ und die zwey von uns ſich abgeſonderten Schiffe nicht erſchienen/ wurde ent ſchloſſen/ daß an ſtatt gegen Mella zu fahren/ man gegen Sicilia wenden ſolte/ da man dieſe Schiffe anzutreffen verhoffete. Um eilff Uhr vor Mitternacht verkehrte ſich der Wind in Nord⸗Nord⸗Weſt/ zimlich ſchwach/ ſo Urſach/ daß wir dieſelbe Nacht nur iz. oder 4. Meil weit kommen. 3 Den 30. hatten wir den gantzen Tag ſtill. Nacht eneſtunde ein Sud Olk daß wir die über/ inſon der überzwerchen Wind vielerlitten. 5 Dien. wahrete dieſer Wind bis auf den Abend und war das Meer ſehr hoch welches geg viel unſerer Reiſenden hart angriffe. Um neun Uhr Abends wendete ſich der Wind auf Weſten/ und fuhren wir demnach zu unſerer vorhabenden Reiſe luſtig for t. „Dien 1. April Morgens wax unſer Flott wol wegen boͤſen Wetters des vergangenen Tags(als Finſtere der Nacht gantz zertrennet. Aber gegen acht Uhr /erſahen wir wiederum 10 he e und zugleich die drey Inſuln/ welche vor Trapano ligen/ nemlich Lexanzo, Maretima und Fa vagnanaUm den Mittag kamen alle Schiffe dieſen Inſuln nahe/ wiederum zuſamen/ und als der if Wind gegen vier Uhr Abends ſich gelegt/ ware eine Stille bis um Mitternacht/ da der Nord⸗Veſt entſtunde/ aber ſo ſchwach/ daß 5 wir bis in den Tag nicht weit kommen „ 5 Den 2. währete der Nord⸗Weſt bis um zehen Uhr Vormittag; aber nach dem es trub worden/ enderte ſichs in Oſt⸗ Wind/ und war Urſach daß wir von unſerem Weg abgeleitet wurden/ um nicht gegen der Küſten der Barbarey zu lauffen. wiederum der Weſtwind/ aber ſehwach alſo daß wir dieselbe ganze Nacht kemegroſſe Reiſe e Den 3. mit anbrechendem Tag/ war ein dicker Mebel/ daraufein Regen gefolget. Die Unbeſtandigkeit des Winds/ der augenblicklich ſich enderte/ verurſachte uns dieſen Tag Auf den Abend entſtunde nicht geringe Mühe/ und konten wir allein allgemach bis Abends um ſechs Uhren fortkommen/ da der Nord⸗Weſt qbermal entſtanden/ und wir wiederum unſere Fahrt fortſetzen konten. Dieſe Nacht des dritten Aprills/ genaſe eine Judin/ ſo mit ihrem Mann und Kindern nacher Smyrnen ſieh zu begeben/ willens waren/ einer Tochter/ und gehoben ſich beedes Mutter und Kind ſtatigs wol. f Den 4. mit anbrechendem Tag erſahen wir die Inſul Pantalarea, und obſchon wir Sicilien naher waren/ konten wir jedoch wegen eines Nebels/ ſo von ſelbiger Seiten herkame/ diß Land nicht ſehen/ bis gegen zehen Uhren da das Wetter hell worden. Den ganzen Abend und die Nacht über/ hatten wir dieſen Wind ſehr friſch/ und fuhren ſtaͤts an den KuDen ß. als der Wind die gantze Nacht uns gut war/ befunden wir uns Morgens ein und ein halbe Meil von der Kuͤſten Sicilien/ gegen dem Vorgeburg Paſlaro, und weilen das Wetter ſehr hell und ſchoͤn war/ ſahen wir den Berg Gibel gantz mit Schnee bedecket. Nachmittag/ als wir dem Vorgebuürg vorbey gefahren/ ſahen wir die Kuſten von Saragoulle. Auf den Abend mit der Sonnen Undergang legte ſich der Wind/ und hatten wir die gantze Nacht durch wenig/ welches wegen des Unglucks/ ſo uns hatte begegnen konnen/ gut ware. Dann um zwey Uhr nach Mitternacht/ kame das Admiral⸗ Schiff hinden zu uns/ das andere in Gefahr geſtanden zu grund zu ehen. Diets beſchaheauß Unvorſichizei des Admirals⸗Schiffers/ weleher nicht fleiſſige Wacht beſtellet hatte. Dien 6. Morgen wurde es gantz windstill und waren wir alſo bis gegen zehen Uhr/ dg ein Oſt⸗Wind aufſtunde/ aber ſchwach. Wie wir nicht groſſe Reiſen chaten/ hatten wir den gantzen Tag den Berg Gibel für Augen, und um Mitternacht war dießr Wind friſcher. 535 K 3 Den Wie auch dis fernere Beſchreibung der Reiſe min 24. 114 Den v. Morgens bey hellem Wetter/ erblickten wir das Vorgebuͤrg Spartivento, und als der bemeldte Wind/ den gantzen übrigen Tag wah rete/ ſahen wir gegen Abendetliche andere Landſchafften von Calabrien. Faſt die gantze Nacht uber war es ſtill/ alſo daß wir nit weit kommen konten. 5 Den d. funden wir uns nahe bey dem Vorgebürg Borleno, und in uͤbriger Zeit des Tags/ ſahen wir die Vorgebuͤrge Stillo und delle Co· lonne. 5 Den 9. als um Mitternacht ein ſtarcker Sud⸗Oſt ſich erhube/ und das Meer neben dunckelem Wetter ſehr hoch war/ konten wir Stunden nicht fortkommen. 5 Den 10. Morgens als der Wind in Sud ſich kehrete/ und die Luft ſich lauterte/ ſahen wir uns im Eingang des Venediſchen Meerbuſens/ zwiſchen dem Vorgeburg St. Marien/ und der Griechiſchen Kuͤſten/ deren Berge mit Schnee bedeckt waren. Um zehen Uhr richteten wir unſere Fahrt/ und drey von den fuͤnff geladenen Schiffen/ die einen für Ancona, und die anderen für Venedig/ ſich auſſer Gefahr ſehend/ liefen inden Meerbuſen. Was aber die zwey anderen Schiff/ welche in der erſten Nacht verirretanbelangen thut/ konten wir nicht wiſſen wohin ſolche gerahten. Um Mitternacht enderte ſich der Wind in Nord.. Den rr. Morgens ſahen wir zwo kleine Inſeln/ die eine Faun, und die andere Merlera genant/ auch zugleich erblickten wir die Inſul Corfu. Als um den Mittag der Oſt⸗Wind ſich erhub/ blieben wir in See/ und auf den Abend kamen ſehr viel kleine Voͤgel auf unſere Seil/ davon wir ein guten Fang thaten/ und ein groß Geroͤſtets zuruͤſteten. Wir fiengen auch vier Falcken/ Nachteulen und viel Turteltauben. 5. Den 12. und. weil wir ſtats Oſt⸗Wind hatten/ gienge es nur allgemach/ bis Abends den z. da der Nord⸗ Wind aufſtund/ welcher uns aufs neue auf unſere Farth triebe. Und wie um Mitternacht der Wind ſich in NordWeſt verenderte/ war ſolches uns befürderlich. Den 4. und 1. hatten wir ſtaͤts dieſen Wind/ aber ſohr ſchwach/ und ſahen dieſe zween Tag kein Land/ in welcher Zeit wir ſehr viel Voͤ8 Den 16. bey contimnierendem dieſem Wind/ befunden wir uns Morgens nahe der Inſul Zante. Um acht Uhr wurde es ſiill bis umdrey Uhr Nachmittag/ da der Weſt⸗Wind aufſtunde/ und die kleinen Vogel wegtriebe. Den 17. blieben wir den gantzen Tag windſtill. 1 Den 28. continuierte dieſe Stille/ außgenommen des Morgens und Abends ein WeſtWind/ aber ſchwach/ ohngefahr zwo Stund ſich ſpuͤhren lieſſe. f Den wo. um 2. Uhr Morgens/ kame der Nord⸗Weſt/ und wir erblickten das Vorgeburg Gallo zwiſchen Modon und Coron in Moren. 8 5 1 Den 20, mit dieſem Wind/ der nach Mitternacht ſehr kůͤhl war/ begleitet/ befunden wir 8 Reisbeſchreibung in Perſien/ uns Morgens zwo Canon⸗Schuß weit von dem Vorgeburg Matapan, welches die rechteſte Mittags⸗Spitze gantz Europe iſt. Um den Mittag veränderte ſich der Wind vollig in Weſt/ und kame ſo ſtarck hinder uns her/ daß wir in drey Stunden der Spitzen der Inſul Cerigo vorbey fuhren. Wir ſahen ſo bald ein Schiff von ferren/ welches nicht Luſt hatte uns zu warten/ und in der Nacht verſchwande. Den en verlieſſe uns der Wind um zwey Uhr nach Mitternacht. Morgens ſahen wir die Inſuln Caravi und Falconera einer Seiten/ und das Vorgeburg Schilli anderſeits. Um zwey Uhr Nachmittag entſtunde der SudWeſt/ der uns nach Wunſch triebe/ und Abends ſahen wir die Inſul St. Georg. Den 22. obwol bey ſchwachem Wind/ kamen wir doch zimlich weit/ denn morgens befunden wir uns zwiſchen der Inſul Zea und Moren/ nahe einem Vorgebuͤrge delle Colon ne genent/ gleich wie auch das Vorgeburg der Küſten Calabrien dieſen Namen hat. Wir erblickten hernach die Inſul degrepont, und fuhren ſelbigem Vorgeburg vorbey/ um drey Uhr Nachmittag. Weil der Sud⸗Weſt gegen zehen Uhr Vormittag ſtarck wurde/ thaten wir dieſen Tag eine weite Reiſe/ und ſahen auch die Inſul Andro. Als den 23. der Wind die gantze Nacht ſtarck geweſen/ befunden wir uns Morgens bey der Inſul Ipera, da der Wind in Sud ſich verkehret. Auf den Mittag waren wir an der Spitze der Inſul Scio, dem Land nahe. Den Abend kamen wir unfern von dem Schloß zwey Meil ohngefaͤhr von der Stadt/ weilen es ſtill ware/ zu anckern. 8 i Den 24. um 10. Uhr/ 108 der NordWeſt ſo uns in den Hafen Smyrnen triebe. Den folgenden Tag als den 2. ſtiegen wir auß. Wir waren ganz nicht von dem Meer abgemattet/ ſintemalen ſolches zwantzig Tage lang uns alſo glücklich ware/ daß ich in dem Schiff alſo ruhig ſchreiben konnen/ als wann ich auf dem Land in meiner Kammer geweſen. Ich richtete ſehr viel e meiner Anno 1652. in Indien beſchehener? nung. Wir kehreten ein bey einem F ſen/ der am Ende der Gaſſen der Francs ſchafft hielte/ und dieſe Gaſſe iſt alſo genant/ weilen alle Franes, das iſt Europeer/ daſelbſten jhre Wohnung haben/ ſintemal dieſes Quartier/ deſſen Gaſſen an dem Meer/ ſo hinden an rantzoWirtEx komt in dem Hafen zu smyrns an. die Hauſer ſtoſſet/ wie anderſtwo vermeldet/ ſhnen das bequemilchſte iſt. Das I I. Capitel. 8 Nun folgt von des Authors ſechſten Reiſe/ von ſeinem Abſcheiden von Smyrnen bis nach Ipahen. 8 Ir blieben zu Smyrnen von dem i 2. Aprill bis den 9. Juni/ in wel25 cher Zeit begabe ſich ein ſchrockliches Erdbeben Erdbeben/ der alſo ſtarck war/ daß mein f zehen Enckel* omt in Hafell yrns en Drittes Buß. 116 zehen in eylff Jahr alt/ den ich mit mir führte/ auß ſeinem Beth fiel/ und fehlete wenig daß mir nicht ein gleiches widerfahren. Ich habe anderſtwo Smyrnen beſchrieben/ und demnach ein mehrers davon nicht zu melden. Als die Cara vane nach Tauris abzugehen bereit war/ dingte ich zu denen mit mir auß Franckreich gebrachten Leuten/ drey Armeniſche Knechte/ mir auf dem Weg zu dienen/ und das jenige/ ſo in dergleichen Reiſen nohtwendig/ wann man zu lagern komt/ ſchleunig zu verrichten. Dann ſo bald man in dem Manzil, das iſt/ der Ort des Nachtlagers/ ankommen/ gehet der eine Knecht in die Wieſen/ um das Gras ſo allein den Durchreiſenden zuſtaͤndig iſt/ abzuſchneiden/ der andere in die herum ligende Doͤrffer/ ein Lam oder Hühner zu ſuchen/ wiedrum/ einer pflegt Holtz zu hauen/ wann zu finden/ und Feur zu machen/ welches unſere Frantzoſen/ die all zu zartlich/ nicht ſo leicht als die Leute des Lands thun konten/ über das/ verſtehen ſie die Sprach nicht. Alſo verreiſeten wir von Smyrne Molitags den. Brachmonat/ um 3. Uhren Nachmittag/ und verfügten uns zu der Cara vane, ſo 1 Meil Wegs von dar/ lage/ nechſt dem Dorff dontgerbachi, welches der gewohnliche Sammelplatz iſt. Die Caravane beſtunde auß 600. Kameelen/ und faſt ſo viel Perſonen zu Pferd. Wir brachen des morndrigen Tags noch nicht auf/ weil wir noch auf viel Volcks warten muſten/ ſondern fiengen erſt an fortzurucken den 11. um 2. Uhren Nachtnittag. Weil ich ſchon anderwaͤrts dieſen Weg/ und die Weiſe mit den Caravanen zu reiſen/ weitlaͤuffig beſchrieben habe/ wurde es nur uͤberfluſſig ſeyn/ allhier unſere Reiſe von Tag zu Tag zu vermelden/ darauf uns doch nichts abſonderliches begegnet iſt: und hiemit wil ich mich vergnügen/ nur etliche Begebenheiten zu verzeichnen/ die zu Fortſe8 und beſſerem Verſtand dieſes Berichts ienen. denden Nachdeme wir Samſtags den 14. HerbſtWen monat zu Frivan angelangt/ lagerten wir uns Autan und gufeiner ſehr luſtigen grünen Wieſen/ zwiſchen dient iu der Veſtung und der alten Stadt/ und wolten nit in die Car vanſera gehen/ weil wir vernommen/ daß Krancke dar inn waren. Wir blieben daſelbſt 12. Tage lang/ in welcher Zeit ich hingieng den Kan zu beſuchen/ der mich dann ſehr wol empfieng. Ich habe ſchon anderſtwo angedeutet/ daß uͤber den Fluß zu Erivan eine trefliche ſchoͤne Brucke geht/ von dreyen Swiebbogen/ darunder eine Gattung Kammern iſt/ dakinn der Kan zuweilen die Seit vertreibt/ under währender Tag⸗Hitz. Als ich das erſte mal kam ihn zu grüſſen/ war er an dieſem Ort/ und erluſtigte ſich mit etlichen ſeiner Haubtleuten/ und anderen Kriegs⸗Bedienten. Sie hatten Flaͤſchen mit Wein/ den ſie mit Eis küͤhleten/ darneben allerhand Früchte/ und Melonen Gurcken) in groſſen Schuͤſſeln/ und under einer jeden ſtund noch eine andere Schüͤſſel voll Eis. Nachdem der Kan mich gefragt/ auß welchem Land ich kame/ und wohin ich im ſinn hatte/ befahl er/ mir zu trincken zu geben. Ich bedanckte mich dieſer Hoͤftichkeit/ und ſagte jhm/ es ware unſer Gebrauch/ daß wir darzu eſſen/ wann wir trincken/ darauf befahl er alſobald das Mittageſſen aufzutragen. Underdeſſen ließ ich einen von meinen Leuten komen/ welcher die Geſchencke/ die ich jhm verehren wolte/ mit ſich brachten/ und in folgenden Stücken beſtunden: Nemlich es war erſtlich ein Fernglas/ 6. Paar gemeine Brüllen/ hernach zwey andere die einen groſſen Widerſchein gaben/ 2. kleine Puffer/ und endlich ein Flinthen⸗Jeurzeug Feur auf zu ſchlagen. Er bezeugte/ daß jhme alles dieſes ſehr angenehm ſey/ und jnſonderheit die 6. Paar Brüllen/ dann er hatte bereits das 60. Jahr hinder ſich gelegt. Nachdem ich nun ihn alſo beſchencket/ befahl er alſobald/ man ſolte Wein ins Gezellt tragen/ nebſt einem Lam/ Früchten und Melonen. Ich tranck dreymal uͤber dem Awo er von Eſſen/ der Kan aber tranck nit/ weil er ein Agis war/ das iſt/ weil er eine Pilgramfahrt nach lich bene Meque gethan hatte/ nach welcher keinemdMen⸗ gen wirbt ſchen auf keinerley Weiſe zugelaſſen iſt/ Wein zu trincken/ noch ein ander Getranck das in den Kopf ſteigen koͤnte. Der Kan, und die um jhn waren/ noͤhtigten mich ſehr zum Trincken/ und hatten ſehr gerne geſehen/ daß ich mich vollgeſoffen/ allein ich habe mein Lebtage uͤberfluſſiges trincken nicht geliebet; ich zeigte jhnen auch an/ daß die Frantzoſen den Wein mit Maaß/ und um der Geſundheit/ zu trincken pflegten/ und daß ſie in dieſem fall anderen Francken/ welche dem Weinſauffen gar ſehr ergeben ſind/ nicht gleiche waren. Als die Mittagsmahlzeit vollbracht/ ieß ich jhme durch einen ſeiner Verwandten anzeigen/ er ſolte die Compagnie beurlauben/ ich wolte jhme Jubelen zeigen/ die ich für den Koͤnig bey mir hatte. Er war nicht wenig hierüber beſtürtzt/ als er ſolche koſtbare Sachen ſahe/ und ſonderlich uber einer Perle einer Biren gleich/ die im Gewichte 56. Carat hielte/ wie auch über 10. andere/ die gleichfalls in Geſtalt einer Biren waren/ alle ſehr ſchoͤn und von gleichem Waſſer/ under welchen die geringſte z. Carat gewogen. Die GoldſchmiedArbeit und ſonderlich die Chryſtall⸗Spiegel/ gefielen jhme auch gar ſehr/ er hatte wol etwas von dieſen Sachen gekaufft/ wann er gedurfft/ dann ich hatte jhm angezeigt/ daß alles für den Koͤnig ſey/ und er muſte zu frieden ſeyn/ daß er ſie geſehen/ welches ich hme auch willig vergonnen koͤnnen. Weil ich ſahe/ daß er gutes Muhts war/ nahm ich Gelegenheit über die Boßheit des Zolleinnehmers zu Eriwan, mich zu beklagen/ mit welchem ich den anderen Tag meiner Ankunfft in Streitigkeit gerahten/ die Sache verhielt ſich auf folgende Weiſe: Der ZollEinnehumer pflegte alle Kuͤſten/ ſo wol der Turckiſchen als Armeniſchen Kaufleute aufzuthun/ damit wann etwas ſonderbares darinmen wat re/ der Kan von Erivan ſolches moͤchte zu Geſichte kriegen/ und wann jhm etwas geffele/ es kauffen/ und dem Könige ſchicken konte. Er meinte derohalben ich konte von dieſer Gewonheit auch nicht außgeſchloſſen ſeyn/ und kan bald zu mir als ich kaum war ankommen/ in Meinung meine Kuſten zu eröffnen/ wie er bey a K 4 anderen treitigkeit Herren Taverniers mit einem ZollEinnehmer. . Der Kan von Erivan exweiſet dem Herzn TaVernier groſſe⸗Höfligkeit. fahrt/ wie ich der ſehr viel underwegs außgeſtande/ Stund er ohngeachtet alles Fleiſſes den ſie be a Tag hernach den Geiſt aufgab/ ch 116 andern Kauffeuten verfahren pflegte. Als er eben mit mir davon redete/ muſte er an ein ander Ort gehen/ er kam aber nach 2. Stunden wieder/ und als er ſahe/ daß ich ſie nocht nicht gufgethan/ ſchnautzte er mich groblich an/ fragende warum ich der Gewonheit nicht parieren wolte. Ich gab jhme eine gleichlautende Antwort. und ſprach/ ich würdeſolches nicht thun/ der Koͤnig ſey vor zugegen und daß ich. ſeinetwegen ſchwarlich eröffnen würde. DarÜber erzurnete er ſich ſehr/ und betheurte/ wann er die Kuſten nicht wurde geoffnet finden/ wolte ſie er Morgen mit Gewalt aufbrechenlaſſen/ ich antwortete jhme noch ein mal/ daß ich ſie durchauß nicht eroͤffnete/ und er mochte ſich in acht nehmen/ daß hne eine Drauwort nicht reuen mochten. Und diß war die Urſach unſerer Klage/ und weil ich mich wie ich angezeigt/ beym Kan heſcharen wolte/ bat mich ſein Verwandter/ ich mochte auß Liebe zu ihm/ ſolches nicht thun/ ſondern er wolle den Zoll⸗Einnehmer zu mir ſchicken/ der mich um Verzeyhung bitten wurde/ welches auch geſchahe/ dann als ich eben vomkkKan gieng/ fand ich dieſen ZollEinnehmer/ der mir eine groſſe menge Entſchuldigungen fuͤrbrachte. Damit ich aber dergleichen Unruhe entgehen moͤchte/ begehrte ich ein Paßport von jhm/ damit man mich in den Landern ſeiner Herꝛſchaft mochte ungehindert laſſen/ er verſprach mir dieſes gar willig/ und mit groſſer Freundlichkeit/ agende: Kommet/ und Speiſet mit mir zu Mittage/ und alsdann will ich euer Begehren erfuͤllen. Man brachte dazumal keinen Wein/ dann es waren viel Moullahs und Mahometaniſche Schriſſtgelehrten bey der Tafel/ die meiſtentheils Agis ſeynd/ und nach Meque ihre Pilgeroben/ angezeigt vollfuͤhrt haben. Fre)tags den 26. Septemb. reiſeten wir von Exivan, und den 9. Novemb. kamen wir des Morgens um 5. Uhr den gewohnlichen Weg zu Tauris an. 5 Als ich von Erivan zog/ waren 2. meiner Leute ſehr kranck/ deren der eine ein Uhrmacher nachdem wir zu Tauris ankamen/ in der arvan ſerie, wo wir waren/ ſterben muſte/ der andere Krancke/ welcher ein Goldſchmid warwurde in das Capuciner Kloſter getragen/ da bey jhm anwandten/ 5. a a und zwar durch den Krebs der hin das Maul und die Gurgel abgefreſſen/ welches die gemeiAbſterben 2. Bedienten des Heren K. azyverniers. ne Kranckheit iſt. Ich ließ ſie beyde in der Armenier Kirchhof begraben/ welches ſie nicht zugelaſſen/ wann ſie gewuſt/ daß der Uhrmacher der Proteſtierenden Religion zu gethan geweſẽ. Allhier muß ich anzeigen/ mit was für groſſer Richtigkeit und Sorge die Perſier der Fremdie G den Güter in acht nehmen. Nachdem der Stadtrichter erfahren, daß dieſer junge lihrmacher geſtor hen/ ließ albald die Hammer worinnen ſeine Sachen waren dann er alles für reunde des verſtorbenen jhren Geſatzen nach verwahren/ und wann ſte ſich angemeldet/ ſöhengebenkonte. Als ech das folgende Jahr Neisbeſchreibung in Perſten/ wieder durch Tauris reiſete/ fand ich die Katnmer noch verſchloſſen/ darauß kan man urtheilen/ daß ſie die Kammer nicht darum ver ſigelt in Meinung ſich dieſe Bagage zu bemaͤchtigen/ welehe die Zeit über hatten verderben konnen. Wir blieben 12. Tag zu Lauris, in welcher Zeit ich alle meine groſſe Waaren nach Iſpahan ſandte/ und ich blieb zu Chamaqui einer Perſiſchen Gräntz Stadt in Meinung/ dem Kan baſelbſt etwas zu verkauffen. Allein er war abweſend/ und hatte ſich an das Caſpiſche Meer begeben/ in Willens nach der Ernde wie er jahrlich zu thun pflegte/ die Gefalle des Königs und auch die ſeinigen/ einzuziehen. Es war mein groſſes Gluck/ daß ich ihn nicht antraff/ dann ich vielleicht/ wann ich ihm etwas verkauft/ und nach Iſpahan kommen/ in des Koͤnigs Ungnade gefallen ware/ wie einem anderen Namens Claude Muſin wiederfahren/ der ſich bey unſer Caravane befand/ und dem Kan zu Chamaqui etwas verkauft hatte. Dann als er zu Fſpahan ankam/ und dem Komg zeigen wolte/ was er mit ſich gebracht/ ward der Konig unwillig/ und ſchickte hn ſchimpflich wieder zuruck/ ſagende/ er ſey zimlich kühn dem König daſſelbe zu zeigen/ was allbereit einer ſeiner Selaven geſehen hatte/ der Kan von Chamaqui ſandte guch alsbald daſſelbige was er võ dieſem Man gekauft/ dem Konig zur Verehrung. Es war mir dieſer Gebrauch gar nicht unbekandt/ daß man nemlich dem König nicht furbringen darff/ was allbereit einer ſeiner Underthanen geſehen. Weil ich aber wuſte/ daß der Kan von Chamaqui ein Mann war/ der mir noch wol um 40. oder yo. tauſend Thaler Waren abkaufen konte/ un mein Vorſatz war gleiches wegs nach yndien zu reiſen/ war es mir ein Thun/ den Reſten weder dem Konig zuverkauffen/ oder weiter mit mir zu führen/ da hingegen Mufin der ſeine Reiſe nach Iſpahan richtete/ ſich hatte beſſer ſollen in acht nehmeu. Zwey Tagreiſe underhalb Chamaqui reiſten wir bey Aras fürbey/ allwo man viel Storen faͤnget/ dieſe zwey Tag ſahen wir underwegs nichts als Maulbeer Balune; das Volck thut allhier nichts anders als Seiden machen. Ehe wir bey der Stadt ankommen/ reiſen wir durch lauter Huͤgel/ man kan dieſe Stadt mit beſſerem Recht ein groſſes Dorff nennen/ in welcher nichts ſonderbares iſt als ein Schloß/ weles der Kan bauen laſſen. Ich rede allhier von dieſer Stadt/ als wie ſie noch dazumal geweſen/ als ich aber auf meiner letſten und 6. Reiſe wieder naeh Tauris kommen habe ich vernommen daß ſelbige durch ein grauſamesErdbeben von Grund auß nmider geriſſen worden/ Die Eli Cbamad durchpein, Erdbeben verwi alſo/ daß nicht mehr als ein Franck der einuhrmacher von Genf war und ein Kameeltreiber auß dieſer jamerlichen Noth mit dem Leben davon kommen. Ich habe mir oͤfters furgenommen/ durch die Moſcau in Franckreich wieder zu kehren/ aber ich dorfte mich deſſen keines wegs getroͤſten/ weil man mich verſichert/ daß in der Moſcau keinem weder auß Europa in Perſien/ noch auß Perſien in Europa zu reiſen erlaubt iſt/ und daß man dem Helfrich d e es Herꝛn ——é—̃—— Drittes Buch. Geſandten dieſen Durchzug auß ſonderbaren Gnaden vergoͤnnet habe. Auf der Ruͤckreiſe meiner letſten Reife/ hatte ich mir gaͤntzlich fürgenomen/ dieſen Weg zu gebrauchen/ und ich vermeinte durch Geſchencke einen freyen Paß durch die Moſcau zuerlangen. Derohalb verſorgte ich mich mit einer Laſt Wagren für 12 Kameele/ darunder der dritte Theil auß vielerley Brocard, reine Seide/ Silber und Gold/ beſtunde/ das uͤbrige war Carduan und Perſiſch Zapffen⸗Leder/ das die Moſcowiter gar hoch halten; aber die Zeitung von dem Undergang der Stadt Chamaquiz enderte mir mein Vorhaben/ alſo daß ich meinen Weg nach Smyrnen nehmen muſte. 5 Damit ich aber wieder in Erzehlung meiner 6. Reiſe fortfahre/ ſo reiſete ich den 22. November wieder von Tauris ab/ mit einer kleinen Caravane, die wir den 27. des Morgens um 2. Uhr verlieſſen/ ich geſellte mich zu 12. Armeniern einen nahern Weg zu erlangen/ und deſto eher zu Iſpahan zu ſeyn. Aber die Nacht war ſehr dunckel/ und unſere Wegweiſer wuſten den Weg nicht/ wir marſchierten 4 Stund in einer Ebene/ unwiſſend wohin/ alſo daß wir/ aͤls es Tag war/ nur eine Meile hinder uns geleget/ da wir doch z. oder 4. Meilen wann wir uns nicht verirret hatten/ fortkomen koͤnnen. Zwey Tage hernach verirreten wir uns auch in der Finſtere bey 2. ſtarcken Meilen/ und wurden deſſen eher nicht inne/ bis wir des Morgens 2. Hirten antraffen/ die uns wieder den rechten Weg zeigten. Von dannen bis Cachan begegnete uns nichts ſonderbares/ auſſer ein Moſcowitiſcher Ambafſfador der auß Perſien wieder in ſein Land ziehen wolte/ mit 60. Perſonen oder etliche drüber/ ſein Neben⸗Geſandter war zu Hiſpahan geſtorben. 5 8 Endlich kamen wir Sonntags den 14. Dean un kern ber, nachdem wir umz. Uhr des Morgens zu Pferde geſeſſen/ und durch viel Eiß/ das unſere Pferde abgemattet/ und viel Koht/ welchen die Hitze der Sonnen durch Schmeltzung des Eiſes uͤberſtanden/ auß welchem wir uns mit Mühe ziehen konten/ zu Hiſpahgn an/ davon ich dem Leſer eine gußführliche Beſchreibung in dem folgenden Buche fuͤrzulegen gedencke. cſch wich auf meinen 6. Reiſen/ als ich nach Perſien gezogen gebraucht/ beſchrieben; es ſind uber dieſelben noch 2. durch welche man gleichfahls fortkommen kan/ der eia 5 ne gegen Nord durch die Turckey/ der andere aber gegen Mittag. Der erſte gehet uͤber Diarr bequir und Van, vondannen man auf Tauris komt: der andere uber Anna und durch diekleine Yuſten uber Bagdat. Und ob ich mich zwar dieſer 2. Wege nur bey der Rückreiſe meiner 6. eiſen gebraucht/ ſo halte ich doch nicht unge* n reimt zu ſeyn/ ſelbige den anderen durch welche ich nach Perſien gezogen/ an die Seite zu ſetzer damit der Leſer wiſſen koͤnne/ wie dieſe Wege auf einander gehen/ dadurch man von onſtantinopel/ Smyrna und Alep, welches die drey Haubt⸗Oerter ſind/ allwo die Caravanen gußgehen/ nach Iſpahan gelangen kan. In dieſem Capitel wil ich den erſten dieſer Wege beſchreiben/ nemlich denſelben über Diarbequir und Van, und ich wil volles Sprungs nach Bir oder Beri, welches an den lincken Ufer des Euphrats liget/ gehen/ weil ich dieſen Weg albereit beſchrieben/ als ich uber Bagdat gereiſet. Ich wil auch alle Herter durch welcheman ziehen muß/ genau anzeigen/ mir iſt aber nieht moͤglich darzuthun/ wie weit einer von dem anderen entlegen/ weil der Zug bisweilen geſchwind/ bisweilen langſam gehen/ nachdem Fuhren in den Reiſen gefunden werden/ dann die Abtheilung der Meilen in dieſem Lande/ iſt mit den unſerigen gantz nicht zu vergleichen. Von Bir oder Bert, reiſet man an der Seite des Euphrats bis nach Cecheme. Von Cecheme kommet man nach Mileſara, allhier muß den Zoll von Ourka zahlen/ wann man nicht durch ſelbige Stadt reiſet/ 185 jeglicher Pferdes Laſt gibt man vier PiaTes. f 1 80 Von Nileſara komt man nach Arslan chaye, welches ſo viel iſt/ als Loͤwen⸗Fluß/ und wird um der Urſachen willen alſo genennet/ wegen ſeines ſtrengen und geſchwinden Lauffes/ und welcher ſich inden Euphrat ergeußt. Von Arzlan-chaye kommet man nach Se. verak. Dieſe Stadt liget an einem kleinen Fluß/ der ſich gleichfals in den Euphrgt ergieſſet. Sie graͤntzet mit einer groſſen Ebene/ ſo wol gegen Nord als gegen Suden und Ween/ gegen Morgen aber eine Meile von der Stadt/ iſt das Feld ein lauterer Felſen/ und erſtrecket ſich gantzer vier Meilen. Der Weg/ durch welchen die Kameele/ Mauleſel/ und Pferde gehen muſſen/ it in den Stein gehauen/ als ein Canal 2. Schuh tief und auch ſo breit/ und allhier muß man für jegliche Pferds⸗Laſt einen halben Piaſter geben.„5 Von Severak reiſet man nach Bogazi nahe bey zwey Brunnen/ allwo kein Hauß iſt/ — und wann man daſelbſt einkehren wil/ muß man auf dem Felde bleiben/ welches glich an f. vielen anderen Orten auf dieſem Felde geſcheWeg von Ale p nach Tauris durch Hiarbe⸗ a Von Bogazi komt man nach Deguirman- Bogazi, und von dannen nach Mirzataa, allwo eintzig und allein eine Carvanſerie gefunden wd. Vaon hairzatapa kommet man nach Biatbecquir, welchen Ort die Türcken Oar emu Diarbequir eine groſſe Stadt an einem hohen Ort gelegen/ hat zur Rechten den Tiger⸗Fluß/ welcher dafelbſt gleichſam einen halben Monden machet/ und von der Pau ren der Stadt bis an den Fluß abſchuſſig iſt. Sie wird mit einer doppelten Maur umgeben/ und an der auſſeren ſiehet Thin a g Thurn, Beſchreibũg der Stadt Diarbequir. 118. ö Thürne/ von welchen man vorgibt/ daß die 72. Junger Chriſti zu verehren/ erbauet worden. Die Stadt hat nur z. Thor/ eines welches gegen Abend ſiehet/ an welchem noch etliche Griechiſche und Lateiniſche Buchſtaben die von einem Conſtantino melden/ geſehen werden. Man ſiehet darinnen zrwey oder drey ſchoͤne Platze/ und eine prächtige Moſquèe, welche vor dieſem der Chriſten Kirchen geweſen. Sie iſt mit ſchonen Gewolbern umringet/ in welchen die Moullabs, Derviſch, und die jenigen/ welche Bucher und Papier verkauffen/ wie auch andere Leute die zum Gottesdienſt dienen/ zu wohnen pflegen. Eine Meile von der Stadt/ auf der Nord⸗Seiten/ hat man ein klein Stucke vom Tiger abgeſehnitten/ welches man durch einen Canal in die Stadt geleitet. Mit dieſem Waſſer waͤſchet man den rohten Saffan/ weil es eine ſonderbare Eigenſchafft hat denſelben wol außzuarbeiten; und dieſer Saffian iſt ſo wol wegen der Runtzeln/ als der Farbe/ allem anderen der in Orient gemacht wird/ weit furzuziehen. Man bereitet allhier eine groſſe Menge/ und die ſo den. Zwey Drittel ſind Armenier/ die andedaran arbeiten/ nehmen den vierdten Theil der Stadt ein. Das Land iſt ſehr gut/ und traget ſehr viel; man hat allhier ſehr gut Brod/ und guten Wein/ und man iſſet nichts anders/ als gute Speiſen: ſonderlich hat man allhier Tauben/ welche an gutem Geſchmack und Groͤſſe/ den unſerigen in Europa weit fürzuziehen ind. Die Stadt iſt ſehr volckreich/ und wann man das Volck zehlen ſolte/ wuͤrden ſich allein uber 20000. Chriſten darinnen befinren aber Neſtorianer/ under welchen etliche Jacobiten. Kurtze Zeit her/ wohnen auch Jeſuiten daſelbſt/ welche noch kein eigen Hauß haben/ ſondern eine kleine Kammer in einer Carvanlerie in der Stadt beſitzen. Der Bacha von Diarbequir iſt ein ReichsVezier. Allhier wird wenig Fuß⸗Volck underhalten/ weil man deſſen hier zu Lande nicht ſonderlich benoͤhtiget iſt/ dann die Curden und Araber/ welche allhier einzufallen pflegen/ ſind alle zu Pferd. Sonſſen aber befindet ſich eine ſtarcke Reuterey allhier/ und der Baſſa kan mehr als 20000. zu Roß aufbringen. Eine Viertelſtunde von der Stadt/ iſt ein groſſes Dorff/ nebſt einer arvanſerie, darinnen die Caravanen die in Perſien gehen/ und wieder zuruck kommen/ viel eher als in der Stadt einzukehren pflegen/ weil man in den Staͤdten für eine Kammer in der Carvanſerie; monatlich drey oder vier Piaſttes zahlen muß/ welches aber im Felde nicht vonnoͤhten iſt. e Su Diarbequir fahret man über den Tyger/ und zwar allezeit durch die Fahrt/ auſſer wann der Schnee ſchmeltzel/ und die Fluſſe anlauffen; dann alsdann muß man über eine Brüuͤcke ziehen/ weiche eine Viertel⸗Meile underhalb der Stadt iſt. Eine halbe Meile diſſeits des Tigers/ liget auch ein Dorff/ nebſt einer Carvanſerie, welehe der gantzen Cakavane Sammelplatz iſt/ bey welchem die/ ſo am erſten ankommen/ ſich mit aller Nohtdurfft Reis beſchreibung in Perſien/ auf 10. Tagreiſen bis Betlis verſorgen koͤnnen: dann ob man ſchon auf dieſem Wege allezeit Carvanſerien oder Doͤrffer antrifft/ ſo gehet es doch ſchwaͤr her/ daß man einen guten Biſſen Brod findet. 8 i Wann die Caravana qußziehet/ verrichtet ſie den erſten Tag eine Reiſe von 14. Stunden/ und kommet von dieſein Dorffe nahe am Tyger/ und kehret zu Chaye. bat man ein alvo man für jegliche Pferds⸗Ladung einen Pialter zahlen muß. i 1 8 VonChbaye- batman komt man nach Chikaran; von Chikaran aber läſſet man AZ ou eine kleine Stadt/ auf der lincken Hand der groſſen Straſſe ligen/ von dannen die Zoll⸗Einnehmer kommen/ und jhre Gefälle einziehen/ nemlich vier Piaſters für die Ladung eines Pferdes. 8 Von Aꝛou kommet man nach Ziarat, und von Tiarat nach Zerque, alwo man gleichfahls für ein beladenes Pferd 2. Piaſter geben muß. Von Zerque gehet der Weg uͤber Cocha Kan. Von Cochakan nach Carakan einer ſehr ſchlimmen Carvanſerie, bey welcher ſich die Berge anfangen/ die auch bis nach Betlis wahren. Stadt/ die von einem Bey oder Landes⸗Fürſten beherſchet wird/ und under allen der machVondCara kan komt man nach Betlis einer Beſckreit us der Stadt Betlis, tigſte und beruͤhmteſte iſt/ weil er weder nach dem Groß⸗Tuͤrcken noch nach dem Konig in Perſien etwas fraget/ da hingegen andere Beys entweder vom erſten/ oder vom letſteren depen diren muſſen. Die zween maͤchtige Potentaten ſind verbunden ſeine Freund ſchafft zu ſuchen/ dann auf welcher Seiten ſich man ſchon jhme widerſetzen wolte/ ſo iſt es jhme doch gar leicht den jenigen/ welche entweder durch dieſen Weg von Alep nach Tauris oder von Tauris nach Alep reiſen wollen/ den Paß zu verſperꝛen. Daft an keinem Ort in der Welt/ wird ein ſolcher enger Durchgang gefunden/ den man von den Bergen beſſer verwahren konte/ als dieſer/ bey welchem ſich to. Manner wider ooo. gar wol zu beſchuͤtzen wiſſen. Wann man von Alep auß dieſer Stadt nahe komt/ ſiehet man einen gantzen Tag lauter gaͤhe Berge/ die noch uͤber zwey Meilen wahren/ auf beyden Seiten ſiehet man Berge und Bache/ und der Weg iſt an vielen Orten in den Felſen gehauen/ alſo daß man ſich wol fürſehen muß/ daß die Kamel oder Mauleſel gleich gehen/ damit ſie nicht ins Waſſer fallen mochten. Die Stadt liget zwi4. Bergen/ welche nicht langer als einen StukSchuß von einander ſtehen/ das Schloß liget quf einem Hauffen aufgeworffener Erde/ welche von den Bergen in gleicher Weite ſtehen/ und ohngefahr ſo groß als die Hohe zu Martmartel iſt. Dieſe iſt ſo ſpizig abgeſchliffen/ daß man auf keiner Seiten als durch herum gehen hinauf komen kan/ die Hohe oben/ iſt eine gleiche Ebene/ darauf das Schloß ſtehet/ und ehe man dazu komt/ muß man zuvor über drey Schlag⸗Brücken gehen. Nachmals komt man in 2. Hofe und noch in einen Dritten/ welcher Schlee daſelbſt e le une ig auß des Bey Simmer ſehen kan, Es iſt ein auf diese Weise krieder zu ſenem eren ka ſchwärer Weg auf dieſes Schloß zu ſtei ſchickte er ſchickte er Ihn wieder folt! und ließ dem bey gen“ und man inuß gute Pferdte dazu haben. alelgen el rolleſich len dieſe Bermeſſenheit Niemand als der Bey und ſein Stallmeiſter beym Groß⸗Türcken beklagen/ und wann er dorffen zu Pferdte hinguf komtaen/ die an; dieſen Frantzos nicht wurde Sirangulieren dere aber haben dieſe Frepheit nicht. Die lalſen vFolte er ſch auf andere Weise an hin Stadt erſtrecket ſich auf beyden Seitet 75 lachen Und es iſt gewiß daß dem Grof, Turdem Fuß dieſes Hügels! bis an die anderen cken vielmehr daran gelegen daß dieſer Furs Berge/ und hat 2, Carvanſerien, die eine auf ſeiner Seit n ſey/ als dem Korg in Perſte/ unden an dem Schloß in der Stadt/ und die dann 0 der Konig guß Perſten kame und andere gleichſam auſſerhalb der Stadt /in wel⸗ Van helagerh welke wellbge dand den ure cher die Kaufleute eher als in der andern ein bis dahin off ſtehet/ ſo würde der Zroß⸗Turck i kehren/ dann die in der Stadt wird oͤfters voll ſchwarlich anders konnen zu Hulffe kommen, Waſſer/ wann F. oder 6. Bache welche von als durch die Paſſe die in dem Gebieth desBeys den Bergen kommen und durch die Stadt ſeynd/ und welcher ſtarck genug iſt/ ſolches lauffen/ ſich allzufehr ergieſſen. Der daſeloſt wafß er mit ihm nicht wol ſtehet zu verwehren. regierende Furſt kan ohne den Paß wol beſetzt. Im ubrigen wuß ich bekennen/ daß in dieund verwahret/ dannoch 20. oder auch ap. kau⸗ ſein Land der Curden den Reiſenden der Weg ö ſend Reuter ins Feld lieferen/ nebſt einer ſcho⸗ bn annhemlich wird/ bann wann ſchon aut nen menge Fuß⸗Volck welches dulß denen in dieser Siiteder Weg rauch undſchwar iſt ſelbigem Lande wohnenden Hirten bef ehet/ die ſiehet man doch guf der andern Seiten nichts/ auf das erſte Aufbieten bereik und fertig ſtehen, als ſchone Baume als da ſind/ Eichen NußHen Tae. I. Als ich auf der Zuruckkunft einer meiner und andere groſſe Bäume/ welche mit einer dbeſſchet Neiſen durch Betlis dog/ merckte der Bey bald Weinreben bis an den Gipfel umgeben ſind. fame als kaum die Caravane ankommen/ daß ein Oben auf den Bergen/ wo die Erden ehen und a er- Franck dabey ſeh und befahl man ſolte krr an⸗ gleich iſt/ wachſet das beſte Korn und Weitzen breit Neigen/ daß er mich zu ſehen wünſchete. Ei im gantzen VVV Stabt hen Bey oder Statthalter zubeſuchen/ iſt in Vongerlis da man z. Piaſter für ein Pferds. Perſien und Türckey ein Ding. Ah en 3 Ladung bezahlet/ komt man nach Taduan, da erohalben hin den Bey von Berlis zu alf JJ f 0 verehrte jhm zugleich 2. Stücke Atlas/ Taduan iſt ein Dorf eines Stückſchußes weit 8 HHJJ%% Silber gewürcket. Ich gab ihm auch ſwey chen die Patin zu inem Schußhafen gemacht radar. weiſſe Kappen wie ſie die Türcken tragen/ voll weil ei von alen Seiten durch hohe Felſen vor den beſten/ oben mit Silber/ deßgleichen auch dem Wind beſchirmet wird/ und obſchon det 2. Schliuptucher mit kothen und ſilbernen Fa⸗ Eingang ſehr ſchwahl/ ſo iſter doch gantz nicht den durchtwürcket. Er bezeugte/ daß jhm die⸗ beſchwailich. Er kan 20, oder za gr e Schif ſe Geſchancke gar angenehm waren/ Und ver⸗ in ſich halten und aß die Kauüfſeüte ſehen daß ehrke mir hinwvieder zween Hammel/ gutes es gut Wetter und der TWind geneigt 1 Brod und Wein/ nebſt acgroſenSchſen fri⸗ 5 n einem Schiffe bis nach Van, ſche Trauben welches dazumal etwas ſetzames dahin man ungefahr in 24. Stund kohen kan/ war. Etliche ſeiner fürnemiſten Hof⸗Bedienten, und auf der Fahrt keiner Gefahr underworffen kamen und batten mich/ ich mochte jhnen doch iſt/ da mn hingegen von Taduan nach Van faſt von dem Atlas verkauffen/ den ch dem Furſten 8. 91 Pferd keiſen muß und waß man auß verehret/ als ich ihnen aber ein und anderes Pe ſien fort/ kan man gleicher Weiſe von zeigte/ warfen ſie die Augen aaf Suh Van nach Taduan u Schiff gehen zu de Turbandern/ welche ich Expres auf Fer? Von Taduan gehet der Weg nach Kar bande Farb farben laſſen/ ſie gefielen jhnen ſehr/ und r andere. Ob ich zwar willens war ſie zu behalten/ mute Von Karniduclle nach Kel lat: 8 1000 ſhnen laſſen aber ſie bezahlten ſi . — ——.————— ich doch ſie bezahlten ie. Vonteellar nach Algiaour diese iſteinkles me daß ich durch das Geſchancke ſo ich bad. allo man einen Pialter für die gethan nicht im geringſten zukurtzk. n dung Zöllen iß. 9— 4 habe vergeſſen anzuzeigen/ daß ich die, eit. on Algiadus komt man! chspank lere: weil ich bey dem Bey war/ welcher ſeinem Ge⸗ he e 1 brauch den Calle nach bringen ließ/ ein Currier Von Soſter nach Arche. Von dem Bache von Ale po ankam/ und ihne bat Von Argiche nach Wiarakietpou. er wöchte den Frautol. Wund⸗Arzt del ſenes Jon ch Perker, Herren Selave waf/ ſintemalen er jhn in dem Von Perkeri nach Zuatzaein. Krieg vor Candia gefangen herauß geben kla oll Zuarzaein nach Soulerat. gende/ er hatte feinem Herꝛn über die z.tauſend on Soulerat nach Pevan. Alſier bezahlt Thaler werth entwendet. Der Bez der öl maß. Piaſter für eine Pferds⸗Ladung/ oder wußte was Juflucht⸗Stadte waren/ und der VVV den Franzoſen der zu hmm geflohen beſchützen Von de van komt man nach van alwo man pPoylte/ chick e den Curkier gar unfreundlich zu 2. Tomens oder 4. Abaſſis für ein Pferd zahlen rück/ mit Bedrohung/ wann er ſich nicht weg muß /uñ obwol y an guf des Groß⸗L e 7 1 4 ohe bſt——————. Ä ͤ— . 120 liget/ ſo nepmen ſie doch lieber die Perſiſche Muntz als die/ welche in Turckey gangbar iſt. Van iſt eine groſſe Stadt/ an dem Ufer eines „die Stadt Sees dieſes Namens gelegen. Sie hat ein gute Und der See daſelbſt. Veſtung/ die aufeinẽ Berge liget/ welcher von den andern allen underſcheiden iſt/ und von keinem andern bemeiſtert werden kan. Unden an dieſer Veſtung liget gegẽ Mittag die Stadt welche ſehr Volckreich/ und meiſtentheils von Arxmeniern bewohnet wird. 8 5 Der Van. See iſt einer von den groͤſten in Aſiẽ und halt in ſeinem Umkreiß in die 0. Meilen. Es befindet ſich nur ein Ort von iſchen darinnen/ welche ein wenig groſſer als unſere Sardinen ſind/ welche alle Jahr in groſſer Menge im Aprill gefangen werden. Und zwar auf folgende Weiſe: Eine Meil von der Stadt iſt ein groſſer Fluß Bendmahi genannt/ welcher auß dem Armeniſchen Cebürge kommet. Alle Jahr im Meitzen wann der Fluß wegen des Schnets der zu der Zeit fallt/ anzulauffen beginet/ gehen die Fiſche hinein/ und wann die F iſcher ſehen/ daß ihrer eine zimliche Menge darinnen/ ſo machen ſie ſo geſchwind als immer moglich/ einen Damm dafur/ damit die Fiſche nicht wieder zu ruͤck konnen/ dann ohne dieſes würden ſie in 40. Tagen zu ruck kommen. Alsdann fanget man ſie an dieſen Damm mit Koͤrblein/ und dieſes iſt einem jeden zu thun erlaubt. Mit dieſen Fiſchen treibt mangroſſen Handel/ und verfüͤhret ſie in Perſien und Armenien/ da man ſie/weil die Perſter und Armenier an jhren Feſttagen Wein trincken/ zum Durſt erwecken gebrauchet. Die Einwohner zu Van erzehlen von dieſem Fiſchfang folgende Geſchichte: Ein reicher Kauffmann mietete dem Bac ha dieſe Fiſcherey ab/ davon er zimliches Gelt erwerben konte/ und der Bacha ließ außruffen/ es ſolte niemand ohne des Pachters Befehl und Zulaſſen Fiſche auß dieſẽ See fangen/ da doch die Fiſcherey zuvor gantzund was ſich lich frey/ und einẽ jeden vergonnet war. Als nun Reisbeſchreibung in Perſien/ von Curde, oder beſſer zu ſagen/ das Land welches man heut zu Tage CTurcliſtan nennet/ und ein Stucke vom alten Aſſy rien iſt. Dieſeke ys (dann es wohnen jhrer underſchiedliche in dem Lande/ und hre Hereſchaft beſtehet in lauter Geburgen) ſeynd wie Furſten/ und abſonderliche Herren/ welche an den Grant en des Groß⸗Türcken/ und Koͤnigs in Perſien wohnen/ aber ſich weder um einen noch um den andern bekün mern. Sie ſeynd kleine abſolute Herren/ die ſich in jhren engen Paſſen und vortheilhaftig gelegenen Oertern/ wol zu beſchuͤtzen twiſſe/ und nicht foͤrchten doͤrffen daß ſie jemand anfalle. Sonſten ſeynd dieſe Volcker ins gemein gantz wilde/ und ob ſie zwar ſagen/ ſie waren der Mahometiſchen Religion zugethan/ ſo haben ſie doch wenig Mol lahs oder Schriftgelehrte bey ſich die ſie underweiſen konten. Sie pflegen auch die ſchwartzen Wind⸗Hunde ſehr hoch zu verehren/ alſo daß wan jemand einen in jhrem beyſeyn umbrachte/ der wurde indebensGefahr daruber gerathen. Man darf auch vor jhnen keine Zwiebel mit dem Meſſer abhauen/ aber zwiſchen zweyen Steinen mag man ſie wol zerreiben/ ſo gar groß und lacherlich ſeynd Ihre aberglaͤubiſche Gedancken. a Der Bey, welcher Nuchar gehoͤret/ hat in ſeinem Dorff einen Zoll⸗Einnehmer/ welchem man 16. Abaſſis für ein Pferd geben muß/ ohne das Geſchaͤncke/ welches gemeiniglich auf 7. oder 8. Tomans ſteigt/ und auch biß weilen daruber/ nachdem die Caravane groß iſt. Der Caravan-Bachi iſt verbunden dem Bey das Geſchaͤncke zu beingen/ und wann ſolches nicht geſchicht/ pfegt ber Bey der Caravane aufzupaſſen und ſie zu berauben/ welches gar oft geſchehen. Die Caravane, bey welcher einer meiner Verwandten war/ hat ſolches im Jahr 1672. wol erfahren müſſen/ das Gluck hat jhm ſo wol gewolt daß er nichts verlohren/ als ein Kameel mit Engliſchem Tuch beladen/ nebſt 2. anderen/ welche den Proviant trugen/ Wunder r, die eit zu fſchen herbey kain/ uñ der Kaufman der V de au Thaler geſchaͤ Wunder zu, ö der K der Verluſt wurde auf rooe. Thaler geſchabetragen, feinem Gebrauch nach Fiſchen ließ/ wurden an tet. Der Bacha von Van, und der Kan von ſtatt der Fiſche nichts als chlangen gefangen. Die Leute zu Van ſagen/ daß von derſelbigen Seit an dieſe Fiſcherey niemals mehr vermietet worde/ un ich halte dafür/ daß gleichwol etwas an dieſer Geſchichte ſeyn muß ſintemal die Bal ſen und Statthalter in der Türckey ſolche Leute ſeyn/ die nichts verderben laſſen/ und hatten zweifels frey dieſe Fiſcherey vermittet/ wañ ſie nicht durch gewiſſe Urſachen waren davon abgewieſen worden. In dieſem See ſind 2. Inſuln/ welche underdie vornemſten zu zehlen ſindund gegen Mittag liegen/ die eine wird Adaketons genannt/ auf welcher 2. Armeniſche Kloͤſter ſtehen/ mit Namen Sourpagne, und Sourpkara. Die andere Inſul heiſſet Limadaſi, und das darauf ſtehende KloſterLamquiliaſi in welen die Armeniſche Monchen ein ſehr hartes Tauris, ſtelleten ſich zu Felde/ um zu verſuchen/ ob ſie dieſer Schelmereh abhelffen konten/ ſonderlich aber der Bacha von Van/ welcher wol ſahe daß die Kaufleute unwillig wurden/ daß man ſie ſolcher maſſen tractierte/ und daß ſie ſich reſolviert hätten/ einen anderen Weg ins künftige zu nehmen/ und bemühete ſich ihn zußtwingen/ daß er einen Theil des geraubten wieder herauß geben muſte/ und ließ 2. ſeiner Underthanen nach Van, und auch 2. nach Tauris holen/ welche/ wann den Caravanen Leyd widerfuhre/ darum Rechenſchaft geben ſolten. Die Kaufeute aber gebrauchen ſich dieſes Wegs viel lieber als des anderen/ weil er von Alep nach Tauris zu reiſen etwas kürtzer iſt und weil ſie mit dem zollgeben/ beſſer zurecht kommen konnen. Leben fuͤhren. 5 Von Van kommet man nach Darche k. Von Harchek gber nach Nuchar, welches Die 2 75 ein ſchlechtes Dorff iſt/ und auß 4. oder. HailUnche. fen beſtehet. Es lieget auf dem Gebiet des Beys Von Nuchar fomt man nach Kuticlar. durch eine ſtarcke Tagreiſe/ welche durch lauter G Gebürge gehet/ und an der Seilen viel Bache M. hat/ die man ofters durchwarkẽ muß. Und weil Wer die Straſſe voll Steine liget die von den Bergen 4 55 che ige. wean dieſent 2. Orten/ ohngefaͤhr auf halbem Wege churge/ A Ebern gen herab fallen muß man ſich wol fürſchen a damit die Laſt⸗Thiere nicht ins Waſſer fallen. Dieſer boße Weg traget dembey faſt in die x0. vom 100 Profit ein/ dann wann die Caravane durch einen ebnen Weg gehen koͤnte/ an ſtatt diſes rauhẽ Geburgs/ ſo doͤrften ſie auß z. Labungen/ es ey gleich für Kamel Pfeꝛd ode: Maulthier/ nur 2. machen. In dergleichen Fallen muß der Kaufman und Kameeltreiber ſich wol mit einander verſtehn/ damit ſie auch bey dieſen vergebenen Unkoſten ihre Nechnung finden koͤnnen.„„ Von Kuticlar komt man nach Kalvat. Von kalvat nach Kogia. Von Kogia nach Darkavin. Von Darkavin nach Soliman-Sera. An dieſen vier letſten Oertern findet man gar beeme Carvanſerien 9155 Von soliman- Sera komt man nach Kours. Dieſes Kours iſt eine Stadt/ in welcher ein Bey wohnet/ der dem König in Perſien Schactzung geben muß Er reſidiert aufeinem alten Schloß eine halbe Meil davon/ bey welchem man 9. Abafſis für ein Pferd Zoll geben/ und uber diß der Geſchäncke nicht vergeſſen muß. Dieſe Geſchancke beſtehẽ zwar in nichts alsucker⸗Huͤten/ Schachteln mit Zucker⸗Kor⸗ n nern/ und etlichen andern eingemachten Sache; dañ dieſer Bey iſt ſehr ehrgeſtzig/ und nimmet keine Geſchancke von Gelt. Zu Koues findet man guten Wein/ der ſuß und etwas friſch iſt. Von Kours komt man nach Dexogli. Von Devogli aber nach Checheme. Zwiſchẽ h 8. 5 5 5 ziehet man uͤber ein ebenes eld/ welches auf der dient. Unden an dieſern Felſen der gleichſam ge⸗ 8 g ff lep reiſen wollen. Die Stadt wird von einem Seiten gegen Mittag bis an die Berge gehet/ undgegen Norden nicht kan uberſehen werden. Under wegs ſtehet man auf der lincken Seiten einen Felſen/ ohngefahr 200. Schritt im Umfang/ und 70. oder 80. Schuß hoch in demſelben werden hin und wieder kleine Holen geſehen/ welche vor dieſem etlichen Hirten/ die daſelbſt jhre Heerden gehabt/ ur Wohnung gedrehet itt ſehet man ein Waſſer deſſen Begri einem Becken gleich/ in welchem viel Fiſche ſeynd/ welche hauffen weis under dem Waſger herfür kommen/ warm man ein ſtüͤcklein Brod hinein kvirft. Dieſe Fiſche haben einen groſſen Kopf und ſehen einem Knebel⸗Bart gleich.Als wir mit groſſe Schrot ins Waſſer Heſchoſſen verſchwunden diefe ische ale und wir konten kaum 6. oder. auß dem Waſſer bekommen. Es verdroß die Armenier/ daß ich heſchoſſen/ weft ſie glaubten daß mas die Fiſche auf dieſe Weſſe nicht bekommen konte und wunderten ſich ſehr/ als ſie ſahen daß ſie wieder empor kamen Die Türcken und etliche Armenier wolten nicht davon eſſen/ weil ſie ſie für umein hielten/ ſintemal die Ehriſten ſelbige ge⸗ Holen end i a b Gallapfel und des Tabacks/ folte mancher meifangen und zubereitet die Armenier aber/ welche in Europa geweſen/ lachten über dieſen A. berglauben/ und karien/ und machten ſich det 8 chiler, Von Chechems kommt man nach Dawa. Stadt/ in welcher man 16. Aballis für eine „ geben muß/ und 10. für ein Maul0 Von NMarand gehet der Weg auf SoVVV 8 55 Von Solian aber nach Tauxis. Dieſe 2. Tagreiſen ſeynd under allen auf dieſer Reiſe amm ſehwarſten n Als wir durch dieſen Weg auß Perſten wieder zuruck zogen/ konten wir an vielen Orten kein Brot fürs Gelt haben und wir muſten nothhalben den Weibern etliche Kinder⸗Boſſen geben/ die ſie ſehr lieb haben. Ob zwar alle dieſe Oerter mit lauter Mahometanern erfülſet ſeynd/ ſo findet man dannoch an vielen Orten ſehr guten Wein. Das IV. Capitel. Ein anderer Weg von Alep nach Tau. tis durch Geeite und etliche andere Ch lege dem Leſer allhier einen anderen Tauris nach Alep, als ich einsmals auß Perſien wieder zuruck reiſete/ gebrauchet/ ich will Ihn aber hie her ſetzen als ob ich vn reißt war Alep nach Tauris gereißt ware i Von Alep biß Bir oder Beri; allwo man ber den Euphrat ziehet/ ſeynd Tagreiſen 4 Von Bir nach Ourka welches man eine halbe Tagreiſe zuruck laſſet/ ind Tagreiſen 2 Von urta nach Diarbekir Tagreiſen 6 Von Diarbekir nach Sezire 5 * 2 2 128„ 1 4. Gerite iſt eine kleine Stadt in Meſopo⸗ das Sri kamien gelegen/ welche auf einer Inſul in dem lein cerur Tiger erbauet iſt/ über welchen man durch eine — Schiff⸗Bruͤcken zu ziehen pflegt. An dieOrte verſamlen ſich die Kauffeute/ welche die Gallapfel und den Taback auß Curdoſtan führen/ und die ſo auß ſelbigem Lande nach A Bey commandiert/ und als ich durchzoge/ herꝛſcheten daſelbſt z junge Herzen/ des verſtorbenen Fürſten Sohne/ darunder der Elteſte/ wie es ſchiene/ das 20. Jahr noch nicht überſchritWann man den Tyger hinderſſich gelegt/ komt man in ein Land/ welehes ſich von dannen biß naeh Tauris erſtrecket/ und in 2. gleiche Theile nemlich ebne Felder und Berge abgea ctheilet iſt. Auf den Bergen ſtehen Eichen/ welche Gallapfel tragen/ darunder etliche ſeynd/ welche nebenſt den Gallapfeln auch Eicheln herfürbringen. Auf den Feldern alte e back/ den man in Türckey führet/ und damit Hroſſen Handel treibet. In Anſehung der ni/ dieſes and ſey nit gar zu reich allein derſelbe wurde ſich ſehr betrogen finden/ ſintemal kein Ort in der Welt gefunden wird/ welcher mehr Gold und Silber herfür bringet! als dieſer/ und welches/ wann das geringſte am Halt oder e l auch Von Davachiler aber nach Marand,eine Weg under Augen/ deſſen ich mich von Die Stadt.. 3 Amade. Squren auß dem groſten Theil Aſſyriens jhGewichte manglet/ am ſchwaͤrſten underzubringen iſt. Und dieſes/ was ich ahierſage an auch nicht unglaublich ſeyn/ die Gallapfel ſind eine ſehr noͤhtige Reisbeſchreibung in Perfien/ ten/ die Bey, welche uber diß gantze Land herꝛſchen/ mochten jhnen übel mitfahren. Dann wann ſie beraubt werden(welches nicht ſelten Sach zu der Farbe/ die aber/ geſchicht) ſo wiſſen ſie nicht zu welchem Bey ſie welche auß andern Landern komen/ ſind weder ſollen Zuflucht haben/ der ihnen dieſer Ungeſo gut noch ſo ſchwaͤr/ und von dieſen richtet ein N fut mehr auß/ als z. andere. In dieſem gantzen Lande ſiehet man keine Dorffer/ und die. Hduſer auf dem Felde ſind alle von einandern geſondert/ und ſtehen aufs wenigſte einen Muſqueten⸗Schus don einander Ein jegliches von dieſen Haͤuſern hat ein klein Stuck Weinberg/ und die Einwohner pflegen hre Trauben zu doͤrꝛen/ weil ſie keinen Wein trincken. Von Gerire nach Amadie ſeynd TagAmadie iſt eine feine Stadt/ in welche alle ren Taback und Gallaͤpfel zu verkauffen bringen. Sie ligt auf einem hohen Felſen/ den man aufs wenigſte in einer Stunde erſteigen kan. Auf halbem Wege/ oder etwas drüber/ entFelsen 3. oder 4. groſſe Quellen auß einem Felſen/ und weil in der Stadt kein Waſſer iſt/ ehen des Abends und Morgens die Leute ahin/ und füllen ihre groſſe Schleuche. Die Stadt iſt von mittelmaſsiger Groͤſſe/ und in der Mitten iſt ein feiner Platz in welchem allerhand Kaufſeute ſich aufhalten. Es herꝛſchet ein Bey darüber/ der d. oder 9. tauſend zu Pferd/ und noch eine viel groͤſſere Anzahl zu Fuß aufzubringen weiß/ welches ihm kein anderer Bey nachthun kan/ und das Land/ welches jhme zugehort/ it in dem ganzen Curdoſtan das volck5 Von Bg Siouſmarck ſind Tagkeien 3 on Giouſmark biß Abak ſeynd TagVon Albak biß Salmaſtre ſeynd Tag8 ſtenne zimlich ſchöne Stadt/ an Fal maſtre iſt eine zimlich ſchoͤne Stadt/ an e. den Aſſniſchen und Mediſchen Grantzen/ und iſt auf dieſer Seiten in dem Gebieth des Konigs in Perſien die erſte. Die Caravanen reiſen niemals durch dieſelbe/ weil ſie mehr als eine Meile umziehen muͤſte/ wann ſie ſich aber gelagert/ begibt ſich der Caravan-Bachi, mit 2. oder 3. Kaufleuten dahin/ den Kan zu grüſſen/ und jhn nach Gewonheit zu beſchencken. Dieſem Kan iſt dermaſſen angenehm/ daß die Catavane ſich dieſes Wegs gebraucht/ daß er niemals underlaſſet/ dem Caravan · Bachi, und denen dabey befindlichen Kaufleuten den Calate, die Toque und den Guͤrtel zu verehren/ welches die gröſte Ehr iſt/ die der Koͤnig oder rechtigkeit halben Rechenſchaft geben konne/ und ſie billichen oͤfters ſolche Schelmereyen ſelbſt/ an ſtatt daß ſie dieſelben ſtraffen ſolten. Sie greiffen die Caravanen eher an/ welche nach Perſien ziehen/ als die/ ſo von dannen zuruck kommen/ weil ſie in der Hinreiſe gemeiniglich Gelt mit ſich fuhren/ das dieſen Leuten ein groſſes Wolgefallen iſt. EC ͤhe ich aber die Beſchreibung der Wege durch die Septentrionaliſchen Provintzen Perſien und Tuͤrckey zu Ende bringe/ ſo muß ich zuvor alhier etwas nothwendigs anzeigen/ nemlichen der Provintz Teren, und derſelben Haubtſtadt/ welche von den Perſiern Cheritar Probi re. genennet wird. Dieſe Provintzligt underhalb red. Mazandran, und der alten Perſiſchen Landſchaft/ welche under dem Namen Hierac heut zu Tage bekannt iſt/ und von Iſpahan gegen Aufgang ſich erſtrecket. Die Luft darinnen iſt zimlich temperiert/ und von den boͤſen Dunſten des Guilan ganzlich befreyet/ welches vieler 1000. Armenieꝛ Kiꝛchhof geweſen/ wie ich zuvoꝛ angezeigt/ welche der Groſſe Cher abas dahin geſchickt/ als er ſie alle auß Perſien verjagen wolte. Diß iſt das Land/ in welches ſich der Konig zur Sommerszeit zu begeben pflegt/ wann er friſche Luft ſchoͤpfen/ und ſich mit der Jagd ergoͤtzen will/ und in welches von underſchiedlichen Orten allerhand gute Fruͤchte zugefuͤhret werden. Die Haubtſtadt/ darinnen welcher etliche den Namen der Provintz zueignen/ iſt von mittelmaſsiger Groſſe/ und hat nichts denckwurdiges an ihr/ aber eine geil davon ſiehet man viel zerfallene Mauren/ von einer alten Stadt/ darauß man abnehmen kandaß ſie im Umfang ohngefehr 2. Meilen groß geweſen. Man ſie het noch viel Thürne/ auß gebackenen Steinen/ und an vielen Orten abgefallene 1 die annoch ſtehen. Man ſindet noch alte Schrifften in Stein gehauen/ welche hin und wider an den Thürnen ſtehen, aber weder Perſier/ noch Tuͤrcken/ noch Ar. ber können das geringſte mehr erkennen. Die Stadt umfängel 1 5 hohen Felſe 1 f welchem auch alte zerfallene Mauren eines Schloſſes geſehen werden/ welche/ wie die Einwohner des Lands vorgeben/ des Königs in Perſien Reſidenz geweſen. * —* 8 N 8* ————————.——————— ¶ ¶ —' „ 5 —— 225 e Salmaſtre hiß Tauris ſeynd Tag8 Dieſer gantze Weg von Alep auf Tauris belauft ſich auf 22. Tagreiſen. Aber/ ob er ſchon der allerkürtzeſte iſt/ und am wenigſten Zoll zu geben 9 /ſo gebrauchen ſich doch die Kauffeute beſſelben gar wenig/ wei ſie foͤrch10 Alep nach Ipahan durch die f eine Wuͤſten/ und durch Kengavar. Mun muß ich noch von dem Dege/ wel cher von Alep nach Iipahan der kürtzete zu reiſen iſt/ Meldung thun/ deſſen * Diele ite ilſe wie viel en dieſer eg zu verDrittes Buch: ich mich aber nur auf der Ruckkunft meiner erſten Reiſe gebrauchet/ und zwar durch Gelegenheit underſchiedlicher Zufalle/ welche anzumercken nit unwurdig ſind. Ich wil denſelben aber alhier vorſtellẽ/ als waͤre ich von Iſpahan nach Alep gezogen/ welches dem Leſer eben daſſelbige anzeigen/ welches er erfahren/ wann ich jhn von Alep nach Ipahan begleitet/ wie ich zuvor auf allen meinen Wegen gethan habe. Dieſer Weg nun gehet uͤber Kengavar, Bagdat und Anna, von dañen man in eine Wüſten kommet/ die ich die kleine Wüſten nenne/ weil ſie für weniger Zeit zu durchreiſen brauchet/ als die gꝛoſſe Wüſte/ die ſich gegen Mittag biß an das glückliche Arabien erſtrecket/ und in welcher viel oͤfters Waſſer gefunden wird/ zu dem/ daß ſie im Durchzug nicht biß an das Ufer der kleinen Wuſten erſtrecket. Wann man wol beritten iſt/ kan man dieſen Weg von Iſpahan nach Alep innerhalb 32. Tagen/ wie ich gethan/ hinderſich legen/ und auch noch eher/ wanns die Noth erfordeꝛt/ und wann der Araber/ den man zu Bagdat, gls einen Weg⸗Weiſer mit ſich nehmen muß/ an vielen Orten den Weg zu verküͤrtzen weißt. e 5 Die Caravanen zu Pferd bleiben gemeiniglich von Iſpahan hiß nach k engavar 14. oder 15. Tage underwegs/ wann aber einer entweder allein/ odeꝛ nebenſt ro. odeꝛ 1a. wol beritten iſt/ kan er dieſe Reiſe innerhalb y. oder Eb. Tagen verꝛichten/ wie ich gethan. Das Land/ durch welches man reiſet/ tragt ſehr viel Korn und Reis/ es wachſt auch gute Frucht und Wein darinnen/ inſonderheit aber hat die Gegend um den Fiecken Kengavar, welcher ſehr volckreich iſt/ hierinnen einen ſonderlichen Uberfu s. Von Kengavyar biß Bagdat habe ich faſt 10. Tage zugebracht. Das Land alhier iſt nicht ſo gut/ als daſſelbe von Ipahan nach Kengsvar, und iſt hin und wider ſteinicht. Sonſt beſtehet es auß nichts anders als ebenen Felderen und Huüͤglen/ keine hohe Berge werden darinnen geſehen/ auſſer einem/ der ſonderlich merckwurdig iſt/ von welchem ich alsbald gedencken will. ä 123 Von Charaban nach Bourdis, Elliche/ an ſtatt daß ſie ſolten über Kanga var reiſen/ nehmen einen anderen Weg über Amadan, welches eine von den vornehmſten Stadten iſt/ und von dar gehen ſie nach Touchers, der Meg aber iſt viel langer/ dann nan ſich aber deſſelbigen/ den ich beſchrieben/ gebrauchen will/ bleibet Amadlan zur Rechten gegen Norden ligen. S wiſchen Sahana und Policha laſſet man den eintzigen Berg/ den man auf dieſer Reiſe antrift/ und bey welchem man vorbey muß/ gegen Norden ligen. Er iſt gantz gah/ wie eine Mauer/ auf deſſen Hohe/ ſo weit das Geſichte tragen kan/ viel Bilder von Mannern in e geſehen werde/ welche Chorcocke tragen/ und Rauchfalſſer in den Handen haben/ ohne daß man ſich einbilden/ noch von den da herum Wohnenden erfahren kan/ wie und warum dieſe Bilder in dieſen Stein gehauen worden. Unden reiſet man uber einen kleinen Fluß/ durch eine von Steinen gebaute Mr Hyngefehr eine Tagreiſe von dieſem Berge/ ligt eine kleine Stadt genannt/ welche wegen ihrer Gelegenheit/ Gewaſſern und Früchten/ die daſelbſten wachſen/ und ſonderlich wegen des her lichen Weins/ eine nicht unangenehme Zeit⸗Verkuͤrtzung machenkan. Die Perſianer glauben/ daß diß das Der Ort we Ort ſey/ wo Alexander nach ſeiner Ruckkunft quß Indien geſtorben/ obſchon andere fürge⸗ geſorel. ben/ dieſes ſeye zu Babylon geschehen. Der übrige Weg von dieſer Stadt biß Bagdat, ſtehet voller Dattelbaume/ und hin und wider findet man nichts als elende Hutten/ welche nur auß Palm⸗Zweigen gebauet ſeynd. Von Bagdat komt man in 4. Tagen nach Anna, durch ein ſehr wuͤſtes Land/ ob ſchon 2. Fluͤſſe daſelbſt gefunden werden. 22 7 Anna eine Stadt von mittelmaſsiger Groͤſſe/ iſt einem Arabiſchen Emir underworffen. Eine halbe Meile/ oder etwas wenigers/ ſihet man ein wolgebautes Land/ nebenſt underEtliche tune derbahre Nüdera, ſchiedlichen Garten/ und Luſt⸗Haͤuſern. Dieſe Stadt iſt jhrer Gelegenheit nach der Stadt Paris nicht unaͤhnlich/ dann ſo wol auf einer als auf der anderen Seiten iſt ſie an dem Euphrat erbauet/ in deſſen Mitte eine Inſul ligt darauf eine ſchoͤne Naolquse geſehen wird. Es ſeynd auch gleich wie 0 haris in der Nachtbangen„Dieſe nachfolgende ſind die fuͤrnehmſten dad, Dexter von Ilpahan nach Pagcdat nach den Walen n Tagreiſen/ die ein Mann zu Pferd ohne groſſe . Geſellſchaft verꝛicht kan. Von Iſpahan komt man nach Conſar. Von Conſar nach Comba. Von Comba nach Orangui eg. Von Oranguie nach Nahofiand. Von Nahoũ and nach Kengavar: Von Kengavar nach Sabana. Von Sahana nach Folicha, oder vielmehr Königs Bruck/ weil allhier eine groſſe ſteinerbarſchaft hin und wide viel Gipsmacher/ und man koͤnte nicht ſagen/ wann man alhier an dem Ort ſelbſt ware/ daß ſie auf allen Sei10 mit erſchrocklichen Wuͤſteneyen umgeben ſeye. 1 F333 Von Anna biß Mached-raba ſeynd z. Von bolicha gehet der Weg nach Mai- Tae und andere von dannen biß nach b alba. dacht. 1 Von Maidacht nach Erounabadl. Von Erounabad nach Conaguy. Von Honaguy nach CasliſcirenVon Casliſciren nach Jengui-Conaguy. Von Jengui⸗Conaguy nach Caſered. 5 2 nach Charaban: ö 8 Eil, 5 Mached. raba iſt gleichſam eine Veſtung und ntchede auf einem Hüͤgelein/ an deſſen Fuß ein Brun⸗ e. nen entſpringet/ der einem groſſen Becken gleich ſiehet/ welches ſonſten in den Wuſten gar ungemein iſt. Dieſer Ori beſtehet auß hohen 9 mit viereckichten A f 2 7 Der Flecken Taiba. 124 aufgeführt/ in dem Einbegriff ſind etliche elende Hütten/ darifſen die Einwohner jhr Vieh halten. Ich habe deſſelben eine groſſe Menge geſehen/ aber mehr Laſt⸗ Thier uñ Pferde/ als Kühe. Und weil in dieſen Wuſten kein Futter fuͤr das Vieh zu bekomen iſt/ ſo muſſen ſie nothwendig für jhr Vieh daſſelbe von den Grantzen des Euphrats/ davon ſie weit entfernet/ erbringen. ckens/ und ligt auf einem flachen Felde. Sie hat eine hohe Mauer/ auß gebackenen Steinen/ die an der Sonnen gebacken ſind/ erbauet/ eben als wie zu Mached-raba. Oberhalb des Eingangs dieſes Fleckens/ ent ſpringet ein Brunn auß der Erden/ und machet einen kleinen Weyer. Dieſe Quell verurſachet/ daß man am allerofterſtẽ alhier durchzureiſen pflegt/ ſo wol die jenigen/ die von Alepo, Damas nach Babylonien/ als auch die/ welche von Damas nach Diarbekir reiſen/ und ſich dieſes kurtzen Wegs gebrauchen wolle. Von Taiba biß Alep ſind nur noch 3. Tagreiſen/ aber auf dem gantz Weg die gefahrlichſtend wegen der Raubereyen/ denen man underworfen/ ſintemal dieſes gantze Land von niemand anders/ als von Arabiſchen Hirten/ deren Hand werck in plundern beſtehet/ und von welchen ich in dem Weg von Ninive gedencken will/ bewohnet wird. Waß man nun von Alep nach Iſpahan ſich eben dieſes Wegs gebrauchen wil/ den ich allbereit beſchrieben/ ſo komt man auf folgende Herter/ die ich nebenſt der Entlegenheit/ und jhrem Namen hieher geſetzet. Von Alep nach Taiba reiſet man innerhalb daß weil Sommers Zeit der Weg von Alepo Taiba hat guch das Anſehen eines veſtencleReis beſchreibung in Perſien/ 5 innerhalb 21. Tagen hinder ſich geleget/ und waren alſo noch 6v.uͤbrig geweſen/ daß ich auf der Poſt von Marſilien zu Paris hatte koͤnnen angelangen. 8 ba ———p— Ich kome num auch zur Urſach/ welche mich Genen e angereitzet/ daß ich dieſen Weg uber Kengavar verniers Be und durch die Wuſten eher fur mich genomen/ n 1 hatte in Franckreich eine Handlungs⸗Geſellſchaft aufgerichtet/ bey weleher der Hertzog von Montmorenc) das Haubt war/ er gieng zu Nanres zu Schiff/ mit z. groſſen Schiffen/ und einem kleinen/ deren Reiſe ſo hlucklich war/ daß ſie innerhalb 3. Monaten die Stadt Bantam, nahe an der Meer⸗Enge/ in der Inſul Java gelegen/ erꝛeichten. Als dieſe Schiffe vor Batavia, durch einen ſubtilen Betrug der Hollander verbrannt worden/ wie ich die Geſchichte hiervon in meinem Indianiſchen Reis⸗Buch erzehlen will ſuchte ein jeder Bootsknecht und Reiſender ſeinen Theil/ dazu er durch die Neigung und Einbildung angetrieben wurde. Aber under anderm geſelleten ſich ein Frantzos vonOrleans gebürtig/ ein Seelaͤnder uñ Portuges zuſamen/ und vermeinten auß Indien zu Land/ nach Jſpahan zu gelangen/ und nahmen jhren Weg von Bagdlat nach der Wüſten/ und von Alepo wolten ſie nach Ale xandrette zu Schiff gehen. Nach dem aber unſer Frantzos zu Kengavar 6. gute Tagreiſen von Iſpahan/ in eine gefaͤhrliche Kranckheit gefallen/ und ſeine Mitgeſellen ſahen/ daß ſolches zimlich lang wahren wolte/ verlieſſen ſie jhn/ damit ſie die Gelegenheit zu mich zu ihm geſellen wolte/ würde ich einen als den jenigen uber Tauris durch welchen ich dc dick nach Europa zu reiſen/ willens geweſen. Man daa. „m.—— 5 r Tag reien J jhrer Reiſe nicht verſaumen mochten/ die Ca⸗ i Von Taiba nach Mached- raba innerhalb z puciner/ welche vondieſemKranckendꝛachricht Gefährliche Von daachecd naba nach anna F hatten/ wieſen ihn an mich/ und baten mich un⸗ ufa Von Anna nach Bagdar 40 aufhorlich/ ich mochte jhme in dieſem auſſerſten Emopeer Von Bagdat nach Bourus I Elend zu Pülf komen. Ich muß bekennen/ daß i Von Bourus nach Charaban ich mich kaum dazu bequemen konte/ und weil g Von Charaban nach Caſered I ich albereit mir fuͤrgenomen/ meinen Weg uͤber * Von Caſered nach Conaguy 1 Tauris zu nem̃en/ war es mir nicht wenig zuwiVon Conaguy nach Cafſiſcirin I der/ daß ich meine Meinung anderen ſolte. Ich Von Caſſiſcirin auf ein ander Conaguy f ließ mich aber durch das Zuſprechen diſer guten ö Von Sonaguy nach Erounabad 1 Geiſtlichen uͤberreden/ uñ beſchloß auf ihre einVon Frounabad nach Maidacht I ſtandige Bitt uñ ſehnlichem Verlangen/ dieſemn Von Maidacht nach Sahana 13 grmen Krancken zu Hülf zu komen/ und fals er N Vonsahana nach Kengavar 1 ſterben ſolte/ den Guber nator ſelbiges Orts daVon Kenavar nach Nahouand 1 hin zu bringen/ daß er ſein Vermogen für ſeine Von Nahouand nach Oranguiè 1 Erben verwahren moͤge/ zu folge der loblichen Von Oranguié nach Comba 1 Gewonheit/ welche in Perſien gebrauchlich iſt. 6 Von Comba nach Conſar 1 Ich brgchte derohalben alle meine VerrichtunVon Oonlar nach Ipahan I gen zu Stande/ uñ begab mich in hoͤchſter Eil zu Auf dieſe Weiſe/ wann man entweders von dieſem Krancken. Der Engellandiſche Geſante/ Alep nach Iſpahan/ oder von Iſpahan nach welcher erfahren/ daß ich über Kengavar, und Aep reiſen wil/ kan man innerhalb 32. Tagen durch die Wuſte reiſen wolke/ gab mir die nachgar leicht den verlangten Ort erꝛeichen. richt/ daß er einen expreſſen Mann an den ConKuß vor augezeigkem(habe ich gemercket/ lul von Alepo geſandt hatte/ und wann ick nach Alevandrette innerhalb 2. Tagen zu verrichten/ moglich iſt daß man/ wann ein Schiff * nach Narſillen fertig ſtehet/ wie ich dergleichen bey meiner Ankunft angetroffen/ wann imich nit eine ſchware Kranckheit aufgehalten hatte/ ich innerhalb 2. Monaten von Iſpahan zu Paris ſeyn konnen/ ſintemal das Schiff dieſen Weg Weg ⸗Weiſer erſpahren. Aber ich glaube gar gewiß/ daß es ihme nicht zu thun geweſen 15 mit ich etwas erſparen moge/ als daß die Briefe/ die er dieſem Botten gegeben/ in beſſerer Sicherheit ſeyn konten/ ſintemal es ihm ſehr lieb war/ daß ich ſein Anerbieten mir gefallen laſſen ſolte/ angeſehen 2. Perſonen mit wea niger Drittes Buch. 125 niger Sorge reiſen konten/ als eine einige. Er ſern Lands⸗Mann zu Bagdat und ſahe denſelſchickte dieſen Expreſsen auß keiner andern Ur⸗ ben nicht wieder/ biß etliche Jahr hernach zu ſach/ als daß die Briefe über das Mittellandi⸗ Orleans, als ich von Blois dahin kame/ mein ſche Meer mochten eher in Engelland ſeyn/ als Quartier der Gegen⸗ Schreiber Stelle/ an wann er ſie über den Ocean ſchicken ſolte/ und dem Hof des Heitzogen von Orleans zu bediezwar weil die Engellander einen Zwyſpalt mit nen/ welcher mir zu meinen Reiſen Asien Erdem Konig in Perſten/ wegen des Zolls zu Or- laubmuß gabe. Dieſer ehrliche Mann/ der gumus hatten. Weil ich aber willens war/ mich zu ten Dienſte/ ſo jhme erwieſen/ ſich erinnerend/ Kengavar eine zeitlang aufzuhalten/ in Mel⸗ war hoch erfreuet/ mich wiederum zu ſehen/ nung/ dem Krancken beyzuſtehen/ als konte ich und hate mich daſelbſten zu verharꝛen/ und ſeides Engliſchen Preſidenten Bitte nicht Gehoͤr ner Hochzeit beyzuwohnen. Er verheurahtete geben/ welches mir darm auch gar zu träglich ſich wieder den Willen ſeiner Verwandten/ war/ ſintemal diefer außgeſante Eilbott/ durch mit einem Weib die 40. oder v0. tauſend einen Zufall/ wie ich zu Ende dieſes Capitels Kronen in Vermoͤgen/ aber bereits 7 oder F. anzeigen will) under wegs umgebracht worden. Manner zu Grund gebracht hatte. Dieſe EIch ließ derohalben dieſen Courier fortzie⸗ xempel erſchreckten jhne keines Wegs/ ſondehen/ verüchte meine Geſchckfte und ſetzte mich zu ren er führe/ ohngeacht aller Vermahnungen 4 d Pferd/ und kam in s. Tagen glücklich zu ken- ſeiner Verwandren/ in einem Vorhaben fort/ ſachem E= gavar qn/ allwo man meiner mie hochſtem Veꝛ⸗ und bald nachdetne er in Eheſtand getretten/ e langen erwartete. So bald ich ankommen und vermehrte er mit einem Tod die Zahl der je⸗ durch ein abgeſtiegen/ gieng ich zu dieſem elenden Kran⸗ nigen unglücklichen dieſes Weibs Maͤnneren/ gc cken welcher in einem erbarmlichen Zuſtand die jhme vorher gefahren. 5 — 8 war/ ich ließ denselben Augenblick einen Atzt un Wir verꝛeißten nun von Bagdat, nemlich Neno: Wundarzt holen. Ich ließ hm das Geſchtvar/ der Hiſpanier und ich/ ſamt unſerem Araber/ at eiuem welches ihme die gantze lincke Brust bedeckte/ der zu Fuß par/ und wol lauffen konte. In aue gulfftechen/ welches dann die gantze Quell und maſſen er ſtaͤrs ein Piſtol⸗Schus weit vor uns . un Urſprung feiner Kranckheit war. Es gieng eine fich befande. Es begegnete uns n co ſchrockliche Menge Eiter herauß/ und nachdem wuͤrdigs biß nach Anna, auſſert/ daß wir eiich jhn wol curieren und reinigen laſſen/ brachte nes Tags oo. Schritt weit von uns ein Loͤwen ey es ſo weit/ daß er innerhalb ro. Tagen ſich und eine Lowin zuſamen gebunden ſahen/ und konte auf den Weg begeben/ und ſich nach Bag als unſer Weg⸗Weiſer dermeinte/ daß wir in dat tragen laſſen/ allwo wir auch gar glücklich Forchten ſtunden/ ſte mochten auf uns zu komankamen/ wir ſtiegen bey den Capucinern ab/ men/ ſagte derſelbe/ daß er deren oft antreffe/ welche dem Kranken einen Frantzöſiſchen ſie aber niemalen Schaden thaten. Wundartzt/ der erſt neulich ankommen/ under Der Hiſpanier/ welcher nach Weise deren die Hande gaben/ welcher ihn wieder zu voll⸗ wſeiner Nation ſehr ſparſam war/ und ſich für kommener Geſundheit brachte. ſeine Malzeit mit einer Zwibel begnügte/ wurDieſen Tag habe ich vernommen/ daß der Eil⸗ de von unſerem Araber wenig geliebt/ da hinbott/ welchen der Engliſche Preſident außge⸗ gegen er mir ſehr wol gewogen/ weil derſelbe ſandt/ etliche Tag zuvor mit 2. Geiſtlichen/ wel⸗ kaglieh Gutes von mir genoſſe. Wir waren che einen Araber durch die Wuſten mit ſich ge⸗ nur noch ein Muſqueten⸗Schus weit von annoſen/ und das Packet Briefe dem Conlul zu na, da wir einen wolgeſtalten alten Maunan⸗ dere mer Alepo übesbringen follen/ abgereiſet. Einer von trafen/ welcher gegen mir kam/ meines Pferds von emem dieſen Geiſtlichen Namens Blaile, ein Capuci⸗ Zaum nahm/ und zu mir ſagte/ mein Freund/ alten glich ner begab ſich wieder in Franckreich/ und wolte komme in mein Hauß/ die Fuſſe zu waſchen/ 9 1 8 zus Jeruſalem ſeine Andacht verꝛichten. Der an⸗ und das Brot zu eſſen. Du biſt ein Frembddere war ein Auguſtiner/ und kam von Gos in ling/ und weil ich das Glück gehabt/ dich uf willens/ dem König in Spanien/ welcher dazu⸗ meinem Weg anzutreffen/ verſage mir die mal auch Konig in Portugall war/ etliche ſchrei⸗ Gnade nicht/ die ich an dich begehre. Die Bikbe/ don dem Koͤnigl. Statthalter zu überliefeꝛn. te/ welche dieſer alte Mann thate/ ware nach Ich bliebe nicht mehr als 4. oder z. Tage alter Gewonheit der Orientaliſchen Voͤlekern/ zu Bagdat, in welcher Zeit ich mich mit allen davon wir viel Exempel in H. Schrift finden. nothwendigen Sachen verſorgte/ ſonderlich a⸗ Wir muͤſten nun dieſem alten Vatter in ſein ber ſuchte ich einen Araber/ der mir den Weg Hauß folge/ derſelbe that uns nach ſeinerMoͤgdurch die Wuſte zeigen ſolte/ und deme ich 8. lichkeit alles guts/ u gabe auch Gerſten für unThaler zu geben/ gewilliget. Aber ein Spa⸗ ſere Pferd. Unſer Argger war von Anna, und ner/ welcher iber Goa und Ormus, auß den auß dem Hauß dieſes Alten giengen wir in das en Ta. 11 irſadaß ef eſes geet. Einer der lich 1d eimen vert, — N Philippinen kommen/ begegnete mir zu allem Gluck/ in Willens eben dieſen Weg zu nehmen/ welcher auch die Helfte der Bezahlung die ich meinem getyeuen Weg ⸗Weiſer verſprochen, auf ſich nahm/ und in Betrachtung dieſes Iwdeiten/ welches nicht in uniſerem Beding begrifſen ware verehrte ich jhme zu Alepo an955 ein Bogen ſamt dem Pfeil/ ſo mich 6. 0 W koſteten. Alſo verlieſſe jch un„Ilei en,. feine /er ſehlachtete alſobaldem Lalſt und etliche Hüner um uns wol zu tractieren. Sein Hauß war an dem Waſſer/ darüber wir uns begaben/ um zu dem Gubernator der Skadt zu gehen/ Paß port/ fur welche ein jeder C. Pialtres bezahen mute/ z. für den Hiſpanier/ 2. für mich/ und auch 2. für unſern eg- Leiter zu nehmen. Wir hielten uns auf in einem Hauß bey ber der Stadt Thor/ um mit Brok/ Owehgeba2 3 ckens Fꝛeundlichkeit eines Arabi ſchen Weibes. 126 Reis beſchreibung in Perſien/ ckens/ Dattlen/ dütꝛe Trauben/ Mandlen/ Tod drauete/ weil er die Frepheit genommen und Gerſten für unſere Pferd uns zu verſehen. Das Weib/ bey deren wir ſolches alles nahmen/ hatte eine kleine Tochter von 9. oder 20. Jahr alt/ vollkommen ſchoͤn und luſtig. Sie meinend/ er von geſiele mir ſehr wol/ daß ich ihr 2. Schnuptu⸗ 3. Tagen cher von gemahltem Tuch verehrte welche ſie mit groſſen Freuden alſobald ihrer Mütter zeigte/ deren war ſolches ſo angenehm/ daß ſie kein Gelt für das jenige/ damit wir uns bey jh Wale wie ſehr wir auch anhielten/ ehinen wolte. e Als wir yo o. Schritt weit von der Stadt waren/ begegnete uns ein junger Mann/ von gutem Hauß/ derne 2. Knecht nachfolgten. Er ſaß nach Lands Gebrauch auf einem Cſel/ deſſen Hindertheil roth gemahlt, Er kale alsbald auf mich zu/ und nach deme wir uns ge— 2 gen einander begruſſet/ ſprach er/ iſts auch wol Her: Tavernier und ſein Reis⸗Geſell werden zu enem Arabiſchen Fuͤrſten geführet. moͤglich/ daß ich einen Fremnbdling ankreffe/ und nichts habe/ denſelben zu beſchencken? Ek wuͤnſchte wol/ uns mit ſich auf ſein and Gurdahin er ritte/ zu fuhren; aber als er geſehen/ daß wir auf unſerem Weg fortzurziſen/ uns vorgenommen hatten/ und nichts hatte/ als ſeine Taback⸗Pfeiffen/ bietete er mir ſolche an/ ob wol ich mic dieſel ehm und jhne verſicherte/ daß ich kein Taback leiden konte/ auch m n ſte ich doch ſolche behalten/ wie ichs dann endlich acceptiert, und hernach unſerem WegWeiſer überlieferte/ welches demſelben ein angenehmme Verehrung ware. 80 Wir waren erſt 2. Meilen von Anna da wir bey einer alten zerbrochenen Mauren Malzeit hielten/ willens daſelbſten biß Mikternacht zu ruhen/ daß wir zween Araber ſahen/ welche im Namen des Emir kamen/ unſerem Weg ⸗Weiſer anzuzeigen/ daß er uns Schreiben an den Bacha zu Alepo, in eigene Hand liefern wolte/ und daß ſie Befehl hatten uns wiederum zuruck zu führen. Es ware hierwider nichts zu ſagen/ und den folgenden Tag/ Morgens/ als wir wiederum in die Stadt kamen/ ſahen wir dieſen Fürſten/ der in die Moſquée gieng/ auf einem ſchoͤnen Pferd ſizend/ mit einem Gefolg von groſſer Anzahl ſeiner Leuten zu Fuß/ ein jeder mit einem groſſen Dolchen/ durch den Gürtel geſtecket/ und deren Gefaͤß jhnen biß an die rechte Bruſt/ und das Ohrband auf den lincken Schenckel reichete. So bald wir jhne geſehen/ ſtiegen wir ab/ und uns bey die Hauſer/ da er vorbey ſolte/ ſtellend/ begrüßten kwir denſelben/ da er nahe war. Als er unſern WegWeiſer erſahe/ drauend/ daß er jhme den Leib aufſchneiden laſſen wolte/ ſprach er: Du Hund/ Ich will dich zuchtigen/ wie du verdienet/ und lehren frembde Leut von mir unbeſehen/ durchzuführen. Fuhre dieſelben/ ſagt er weiter/ in des Gubernators Hauß/ allda zu warten/ biß ich auß der Moſquée komme. Nach verꝛichtem Gebatt/ kame der Emir in des Gubernators Loſament/ und nachdem er in einen groſſen Saal ſich geſetzet/ ließ er uns nebendem Weg⸗Weiſen/ deine er nochmalen den mich deſſen niemalen bedient/ muung/ jhme unwpiſſend dur chzuftihren für ſich forderen. ruck ſeyn mit w den/ und befahl alſobald delt Caffe zu bringen Und lieſſe zugleich unſere laderne Taſchen/ ſo ir in unſerer Reiſe nicht verhinderet werſich begeben hatte/ ſo bald wieder zuwurde/ er uns Paß port ertheilet/ dafoldeten. Abe der Guben dtoremſ güte ihne/ und brachte dem Furſten vor daß nit vere der Jagd/ auf die er ſeit Loder ochten. Daruber begabe er ſich zu Friewir hinder uns füßrten/ ex oͤffnen/ zu ſehen ob etwas darin/ ſo jhme belieben thaͤte. In dem meinigen befande ſich ein Stuck über die mafſer zierlich gemachtes Tuth/ für ein Beth⸗Decke/ zwey Stuck fehr feiner Schnuptüͤcher/ 2. Schreibzeug auf Perſianiſche Manier/ mit 5 ſer von Damaſtiſchem Stahel/ das eine mit Japoniſchem Vernieß überzogen und 2. MeſGold/ das andere mit Silber beſchlagen, Alles dieses Zefſel dem Emir, und lieſſe ſich ſolches überlleſern bey dem Hiſpamer wurde in ſeinem Gerähte allein ein altes Kleid gefunden; aber er hatte etliche Diamant bey ſich eingenahet/ wie ich es zu Alepo beobachtet/ allda er etlichen Kaufleuten verurtheilt wurde/ mir die ich dem km zu nne geben mite uerſeken maſſen die Sachen nach dem Werth geſchatzet worden. Wie dieſer Furſt mit dem ſenigen ſo er genommen/ begnügt ware befahle er/ daß man ſehen ſolte/ ob wir mit Proviant für uns und unſere Pferde verſehen waren. Im wiedrigen man uns/ was nothwendig/ verſchaffen ſolte. Wir hatten bereits unſeren Vorrath; jedoch zu erzeigen/ daß wir das jenige/ was er uns geben laſſen wolte/ nicht außſchlagten/ nahmen wir allein 3. oder 4. Handvoll/ ſehr ſchoͤne Dattlen. b 5 Zwiſchen Anna und Mached⸗ raba ſolſe der Weg⸗Weiſer wol in acht nehmen/ um bey dem Schoͤpf Brunnen käglich mit anbrechendem Tag zu ſeyn/ um keine Araber/ welche bey Aufgang der Sonnen dahin Waſſer zu ſchopfen kommen/ anzutreffen; dann man in Gefahr ſtunde/ von denſelben übel tractiert zu werden. Eine Meil ohngefehr/ ehe man ben dem Brunnen ankommen kan/ pflegt der WegWeiſer mit dem einen Ohr auf die Erde nider zu ligen/ um zu hoͤren/ ob jemand dahin zu kommen/ auf dem Weg ſeye. Dieſer Schoͤpfa er mi an/ von dem Frantzoſiſchen Burgermeiſter/ und mich weigerte/ dieſelbe anzunehmen/ 10 Ne eee Brunnen ſeynd etliche alſo tieff/ daß man biß 50, Klafter lang Strick ſo dunn und ſearck/ neben einem laͤdernen Eymer ohngefehr 6. Maß haltend/ mitfuͤhren muß. Ein ſolcher Eymer braucht wenig Platz/ weilen er zuſaanen Aan dat kan/ 1 hernach gleich einer dappe/ wann man Waſſer zu ſchoͤpfen wileen 80 ee Ich kan mit Warheit ſagen/ daß ich niemalen ſo ſchoͤne Jungfrauen geſehen/ als eine ea gute zu Mache zu Mached- raba. Ich gabe einem Araber ein rab. Piaſtre, mir Brot zu machen/ und als ich 2. Stund hernach ſehen wolte/ ob ſolches gebacken/ ſahe ich dieſe Jungfrau den Teig in den Eci Tall, a. Des Here Aunderes Buch. Ofenthun und trie dieselbe allein ware wink; teſie mir glsbald daß ich nich nahen ſolte Ich ſahe auch an dieſem Ort ein über die maſſen ſchoͤnes/ und abgemahlt zu werden würdiges Füllen/ und verſicherte man mich/ daß der Bacha von Damaſco biß go Krönen dafür geboten hatte. Ju Wacheck raba beredte uns unſer Weg⸗ Weiser/ noch z andere zu nehmen/ vorgebend/ daß jhnen ein richtiger Weg bekannt. Aber nachdem bieten uns dice Nacht geleitet/ verlieſſen ſie uns den folgenden Tag/ den Weg mit Fingeren zeigend⸗ Wir konten unſchwar glauben/ daß unſer erſter Weg weiſer ſo viel wüſte als dieſe/ aber daß er dieſelhen wir jhnelrgegeben/ zu haben .„Als unſer Hiſpanker ziviſchen Macheckay. je* 7 5 7 5 5 2 Neegeen tabs Und Faiba-zuruck bliebe/ verlohre er ſein verli Went ſe 1. Dagen/ ſo oder 20. Kronen werth geweſen dhe. ſehn möchte. Wie ich ſolches da er ddieder zu uns kommen/ in Obacht genommen/ und geſehen/ daß er den Daͤgen nicht mehr an der Seiten hatte/ ſagte jhme⸗ daß er jhn verlohren/ darauf bate er unſeren Weg⸗Weiſer inſtandig wieder zuruck zu gehen/ und zu ſuchenn Aber weil wir bereits uber eine Meile weit von dem Ort waren/ da er vermuhtete/ ſolchen verlohren hatte/ koͤnte weder er noch ich den Araber dahin vermoͤgen/ ſolches zu thun/ und hatte derſelbe die Nothwendigkeit fort zu eilen/ um zu dem Brunnen zu kommen, die Entſchuldigung. Wie der Araber zu mir ein gutes Vertrauen hatte/ offenbahrte er mir bald hernach/ daß der Dagen fur ihne nicht verlohren ware/ und daß er ſolchen im zuruckkehren/ wol zu finden wuſte; dann droben habe ich bereits angedeutet/ daß er dem Hiſpanier nicht gunſtig war/ als von deme er die geringſte Gutthat underwegs nicht genoſſe. Die Hofnung/ ſo der Araber hatte/ den Dagen wieder zu finden/ gibt genugſam zu erkennen/ daß dergleichen Leuten/ die oft die Wuſt durchgehen! alle Weg gar wol bekannt/ und daß auf dieſelbigen/ um in der Reiſe ein richtige Ordnung zu halten/ ſich gewiß zu verlaſſen. 1 Zu Taibha kehrten wir nit ein ſondemn blieben auſſerhalb der Stadt bey der Mauren. Allein unſer Araber gieng hinein/ und brachte uns ein wenig geſchnitt Stroh/ welches unſern Kameelen ſehr wol bekam. Der Guberngtor des Orts kam init jhme herauß/ und begehrte von einem jeden 20. Piaſtres, vorgebend/ jhme ſo viel gebuͤhrten/ obſchon er/ wie mir nicht unbewuſt/ mr 4 zn fordeten befügk. Der Araber winke te mir mit den Augen ich ſolte mich dieſes nicht anfechten laſſen/ und nichts ſagen/ darum/ weil er dem Hiſpanier/ wider den er wegen Verſagung hiebevor eines geringen Dings erzoͤrnt/ ein Spiel anrichten wle. Der Gubernator von Talba, welcher im Zorn und mit draͤuen hinweg gegangen/ weil wir jhme/ was er begehrte/ nicht geben woͤlten; kame bald wieder mit eiſenen Ketten/ und hatte den Hiſpanier gefeſſite in die Veſtung fuhren laſſe wann derſelbe nicht ohne Verzug die 20. Piaftreseregt/ was mich unbelangen thut/ der nur noch 127 2. bꝛig hatte/ und died uͤhe nicht nehmen wolte/ das Gold/ ſo ich bey mir eingenahet hatte/ a anzugreifen/ ſagte ich unſerem We WMeiſer/ ö daß er für mich ſich mit dem Gubernator vergleichen ſolte/ und daß ich ihmne/ was er gußgelegt haben wurde zu Alepo wieder erſetzen wolte. Ich ward für A. Pialtres nach Getpon„Swiſchen Taiba und Alep, bate mich Uitſer Weg⸗Weiſer/ me mein Pferd/ deſſen Guͤte demſelben beſſer als mir bekannt ware/ zu kauffen zugeben/ welches ich mit Fug ihme nicht verſagen konte/ in Betrachtung der guten Sorge/ die er für mich auf der Neiſe getragen/ und alſo verkaufte ich jhme ſolches für e, eee „Disc erſten Hauſer im Eingang zu Alepo, auf Seiten der Wuſten ſeynd der Araber und Bedouiner. Als unſer Weg⸗Weiſer in dein zweiten Hauß eingekehrt/ da kr einen Freund hatte ſagte ich jhme/ daß weil er mein Pferd gekauft/ daſſelbe jhme nunmehr uͤberlaſſen/ und zu dem Burgerneiſter zu Fuß gehen wolte. Das thate ich um des Zolls einer Parthey ſchoner Turckis/ ſo ich bey mir hatte/ befreyet zu ſeyn/ und wie ich ſolche in die Taſthe/ ſo ich hinder mir führte/ zu meinem Gerahte gethan/ warff ichs in ein Truchen als ein Ding don geringem Werth/ und bate denſelben/ ſolche für ein oder zween Tage in Verwahrung zu halten. Er ſagte mir/ daß/ wann es pur Gold/ ſolches bey ſeinem Freund wol verſorgt ware und als ich zween Tage hernach/ neben einem meiner Leuten dahin kame/ die Taſche abzuforderen/ manglet im geringſten nichts/ und gienge alſo in Alepo, ohne daß jemand etwas an mich begehrte. Mit dem Hiſpanier gieng es anderſt/ welcher vermeinend/ ſeiner Ehre zuwider lauffen thate/ wann er nicht in die Stadt itte/ von den Zollern durchſuchet wurde/ die zwar/ weil er die Diamant ſehr wol verſteckt hatte/ nichts bey jhme funden. Alſo kam er auch glücklich hindurch/ und ware quit/ den Kaufhauß⸗ Bedienten allein etwas wenigs gebend. ter/ der von mir Seitung von Iſpahan hegehrte. Ich ſagte jhme/ daß er eben ſo friſche/ als ich jhme/ vorbringen konte/ halten ſolte. Weil wenig Tag vor meiner Abreiſe/ der Engliſche Preſindene ihme durch einen E xpreſſen/ ein Pacquet⸗ Schreiben uberſ pickt hätte.. Der Burgermeiſter uber dieſe Wort beſtürtzt/ und Über das zu vernehmen/ daß man mich zu Babylon verſicherer/ daß er daſelbſten neben zween Geiſtlichen/ und einem Araber/ den ſie zum Weg⸗Weiſer genommen/ und welcher des umſerigen Veriwandler ware„ durchgereiſet ermeinte/ weil die ſer Expres nicht erſchienen/ Den anderen Tag kieiher Ackülft uu“ Der ere lepo, beſuchte ich den Engliſchen Burgermei⸗ der Taverniers Ankunft zu Alepo. demſelben ein Unglück begegnet ſeyn mochte/ datuberer wegen vieler Briefen die er hatte“ und weil auf der Rede Alexandretten, eilt Schiff bereit/ nach Engelland abzuſeglen/ ſich befande/ nicht wenig bekümmert ward. Er lieſſe zween oder drey Tag 2 behen/ und 5 128 1 der Bett nicht erſchienen/ ſchickte er 2 Kaußmanner an mich/ zu bitten/ jhnen das jenige/ ſo ich jhme deß wegen geſagt/ zu beſtatigen/ und ihnen uber das/ as eigentlichs davon wuſte/ weitläuffiger zu eroͤffnen. Ich verſicherte diegelben/ daß ales/ was dem Burgermeiſter angezeigt/ die Warheit ſey/ un daß er fich ganglich auf mein beſch ehen Vorbringen verlaſſen konte. So bald die Kaufcut bey jhme zuruck kommen/ vetluhr er keine Zeit/ ſondern dem Bacha Leute anbegehrend/ der jhme ſo viel er wolte/ erlaubt. Schickte alſobald 8. Mann/ ſo wol Araber als Bedoumer fort/ und den WegWeir ſelbſten/ der mich geleitet/ um underſchiedliche Weg zu nehmen/ und in der Wuſten zu ſuchen/ wohin der Expreſs, deßwegen er in groſſen Sorgen ſtunde/ kommen ſeyn mochte. Den ſtebenden Tag jhrer Abreiſe/ kazen zween zuruck welche zwey kleine Sacke 10 Hen in einem deren das Pacguer Schreien ſo der Engliſche Preſident von Iſpahan/ dem Butgermeiſter zu Alepo überſchickt/ ſich befunden. Es ware auch in den Saccken etwas werigs von Gerahte. Dieſe zween Manner brachten jhr Sach fur/ und ſagten/ daß zwiſchen Taiba und Mached-raba, an einem/ um ktwas von der rechten Straß abgelegenem Ort/ gegen Mittag/ ſie 4.todte Leichnam auf dem Sand ligend/ gefunden; daß der eine ſchwartz gekleidet/ und in Stucke zerhackt/ aber die 3. anderen gantz/ jedoch mit vielen Wunden/ und von einanderen ohngefehr zweyhundert Schritt weit ligen. Der zweyen Geiſtlichen/ welche mit dem Expreſſe ſich auf den Weg begeben/ ware ein Capuciner/ und der andere ein Auguſtiner/ welcher vermuthlich der ſchwartz gekleidet/ und in Stuck zerhauene. In etwas geit hernach iſt die Geſchichte/ ſo wol zu Damaleo als Diarbelcir ruchtbar worden/ und eben die jenigen/ welche dieſe Perſonen ermordet/ haben geoffenbahret/ wie es zugangen. Es waren Kaufleut von Damaſco, welche um ihrer Handlung willen/ nach Diarbe kir reißten. Als dieſelben eines Morgens dieſe von Babylon komende 4. Mann nahend einem SchopfBrunnen/ dahin jedes Theil verlangte/ erſäahen/ ſchickten ſie zween auß jhnen vorauß/ um zu erkennen/ was für Leute ſolches ſeyn mochten. Der Pater Auguſtiner/ welcher/ wie zu glauben/ einige Diamant bey ſich hatte/ verineynend/ dieſe Leute waren Rauber choſſe vhne Vorbedacht mit ſeinem Rohr auf ſie zu/ und erlegte den einen/ der auf der Stett tod bliebe. Wie dieſe Kauffeut einen der Ihrigen tod ſahen/ und die Starckſten ſich befunden/ felen ſie auß Grimm auf den Auguftiner/ zerhieben it ne in Stücken/ und toͤdteten die ubrigen; ſich mit dieſer Rache begnugend/ und die Todten nicht durahſihend/ noeh etwas von dem ſo ſie bey ſich hatten/ wegnehmend. Was ihre Pferde anbelangen thut/ ſtunbekant/ wohin ſelbe gerarhen/ obs in die Wufſte gelauffen/ oder von den Kaufleuten/ welches glaub licher/ weggefuhret worden; die Leichnam wurden gelaſſen/ wo manſie gefunden/ und allein hre Kleiber nach Alepo gebracht. Des AuguſtiRas beſchrelbung in Prien/ ſo glücklich getroffen/ daß er jhm ſeinen vorners feine/ welche gantz zerſtijcket waren/ wurden verbrant/ und dar inn etliche Diamant gefunden; dann man urtheilte wol/ daß er von Goa kommend/ deren mit ſich gebracht hatte/ maſſen dieſer Geiſtlichen Gewonheit iſt/ daß ſie fh mit dieſen Steinen/ und offt flir groſſe Summen beladen; welches weilen es den Zollner zu wiſſen kommen/ eine Urſach/ daß man ſie genauer als die Kauffeut/ durchzufuchen pfegt. In den Kleidern des Capuciners wurde allein ein wenig Gelt gefunn/ ſo kr für ſtine Reiß⸗Zehrung nit ſich hatte; und dieſes ſeynd Leute/ die ſich auf keinerey Weiſe der Handlung anmaſſen. N Ich war Vo 1 Schiffe/ welches in wenig Tagen von Ale xan- ner 7 Keerſenabſeclen ole webrum nach Emopa fe zu kehren; aber ich wurde zu Alepo mit einem ſo ſtarcken Grimmen angegriffen/ daß ich ge zwungen worden beyſechs Wochen daſelhſen zu verbleiben. Nachdem ich endlich von einem ſolchen beſchwerlichen Zuſtand entledigt war/ begabe ich mich zu Ale xandretren guf ein , Schif/ der groſſe Henkich genant. Wir hatten ziemlich guten Wind/ biß an bie Kuſten Candien; äber als ſolcher ſich einsmals anderte/ muſten wir auch auf einen entſtandenen Weſtwind unſer Schif offt andern/ um in der See zu bleiben/ und konten ziween Tage lang nicht fortkommen. Eines Morgens mit anbrechendem Tage erſahen wir einen See⸗Rauber/ der alle ſeine Macht anwendete/ uns beyzukommen. Als wir nun ſein Verhalten wahrgenommen/ begunten wir uns zum Widerſtand zu rüſten/ und das Schif zu füttern; ein jeder Reiſender brachte ſeine habens/ auf dem Englischen Her ae, erkranWird auf Malratz/ und waren unſer allein vierzig Mann/ der Hacke der See⸗Räͤuber konte aber uns nicht errei⸗ſen chen/ wie er wunſchte/ weil der Wind legt/ und wir waren uber ein Eanon⸗Schuß weit von einander; das verurſachte ihne ſeine zween Boot qußzüſchicken/ die mit Volck beſetzt wurden/ um mit ſtarckem Ruder zu trachten/ uns zu erreichen. Wir unſer Seits ſchickten unſer Boot auch auß/ und unſer Schif hatke den Vortheil/ daß es ſich auch der Rudern bedienen konte. Allweil wir Gewalt anwendeken/ uns zu entfernen/ nahete der See⸗Nauber ungefehr biß auf ein Canon⸗Schuß/ und that zween oder drey auf uns loß/ aber nur einer berührte allein das End des Schnabels unſers Schifs/ daher wir urtheilen konten/ daß er krachtete in den Boot zu treffen. Urnſer Büchſenmeiſter/ einer der Geſchickkeſten ſeines Berufs/ ware unſers Schif⸗Capitains Schwager/ und bath ihne/ daß man deim See⸗Neiuber ſo weit/ daß das Geſchutz einige Wuͤrckung thun konte/ ſich nahern ſolle/ verſprechend/ daß er See N hme kinige Schuſſe ſchicken wolte. Der Schiſs⸗Capitain war nicht derſelben Ppeynung/ aber alle die SchifLeut und die Reiſende/ ſo ſich hertzhafter erzeigelen/ haben von jhm erlanget/ daß man ſich naher zum See Nauber machen folce/ welches auch geſchehen. Unſer erſter Sturk⸗Schuß hat dern ach „ Franckreich ich ge⸗ angegriffen. ——-————————————̃— 2 V) PU„„„1 ——— ũ— Drittes Buch. 29 5 dern Maſtbaum gebrochen: Der ander hat ei⸗ geſinnet/ ſondern in Sieilien fahren/ und das nen groſſen Schaden am hindern Theil/ und eine ſehr groſſe Unordnung in jhrem Schifgethan/ ſo viel wir es mit unſeren Sehe⸗Glaſern abnehmen koͤnnen. Unſen Büch ſenmeiſter hat hat zum dritten mal geſchoſſen/ aber des SeeNaubers Schif nicht getroffen. Wir hatten ſchon gemerckt/ daß ihre Ruder⸗Knecht mud worden/ und daß man ſie ſchon viel mal aba gewechſelt hatte. Als der See⸗Nauber ſahe/ Kehren ſch daß wir uns ſo heftig wehreten/ und daß wir bayer. ſchon zwey mal in ſein Schif geſchoſſen/ ſo hat er ſeine beide Schiftein/ Cha ſoupe genant/ zuruck ziehen laſſen; unſer Stuck⸗Meiſter wolte ſie in Grund ſencken/ hatte es auch gethan/ wann er naher geweſen ware. Wir hatten auch unſere Chalou pe zu uns gezogen/ und weil das Meer ſtille war/ ſo ſind unfere beyde Schiffe zwo gantze Stund ohne Schieſſen vor einander geſtanden. 3„ Es war allezeit ein Wachter auf dem Maſtkorb/ alles ſo auf dem Meer war/ zu entdecken/ um die eylfte Stund erhub ſich ein friſchel Wind/ und der Wachter ſchrye zugleich/ Schiff. Der Schif⸗ Her? ſtieg alſobald hinauf/ und ſahe/ daß ein ander Schif vom Sud her kam. So bald er abgeſtiegen/ iſt der SeeRauber/ welcher es auch entdecket/ gegen daſſelbige Schif mit allen Saͤgeln gefahren. Uns Wohlers ſo den Kaufeuren/ die nichts anders als Friede ſichen/ niemals angenehm ſo glücklich entgangen zu ſeyn. Der Wind iſt in kurtzer Zeit ſtarcker worden/ und zwar zu unſerer Reiſe gantz dienlich/ alſo daß wir 1 Tagen biß ins GHSeſicht der Inſul Mafrha gefahren. Ich hatte einen groſſen Luſt/ dieſe ſo berühmte Inul zu ſehen/ und der meiſte Theil der Reiſenden hatte auch dieſelbige Begierde. Der Capitain aber und die andere Officierer des Schifs/ welche die Gelegenheit eines ſo guten Winds/ mit welchem ſie nach Marſilien in zwey Tagen zu kommen verhoffeten/ gar nicht verſaumen wolten/ haben jhren eigenen Nutzen der Rei1 ſeuden Vergnugung vorgeſetzt/ und zu uͤberane fee enkſchloſſen. Wir waren kaum y. MeiNellie ach le liber Malcha gefähren/ daß ſich der Wind zugleich geandert/ und dermaſſen zuwider und ſtarck worden/ daß wir wieder zurück gen Malcha fahren müſſen/ allwo wir in kurtzer Zeit ankamen; das Meer war ſo grauſam und ſo ungeſtum/ daß wir in groſſer Gefahr geſtanden/ wann wir weiter von dem Hafen geweſen waren. Unſere Patent/ oder Briefe waren richtig/ und wir von keinen verdaͤchtigen Orten kamen/ ſo haben wir doch an einem Eck der Inſul/ nahe bey der alten Stadt/ drey Tag und drey Nacht bleiben müſſen/ ehe man uns den Eingang zugelaſſen. Eb iſt uns frey gemacht am Abend des dritten Tags. Des anderen/ gacht oder zehen der Reiſenden haben wir uns zuſammen verbunden/ unſerem Schif⸗Herꝛn/ ihm u Marſilien war/ zu eſſen zu geben/ und wel zugleich unseren Fahrt⸗Lohn zu bezahlen/ dal wir in ſein Schif wieder zu ſteigen nicht aber iſt nicht leyd geweſen/ einem ſolchen Fall/ ſe Welſchland beſehen wolten. 5 Indem man die Galeen der Ritter zurüſtete/ in Sieilien zu ziehen/ um die Proviant nach der Gewonheit daher zu holen/ hab ich die Zeit gehabt/ alles was am meiſten in der Inſul Malcha zu ſehen würdig/ in Augenſchein zu nehmen. Beſchreibe es doch nicht/ weil es viel andere ſehon gethan/ und weng ſeſid die jenige/ welche jhren Sitz und Beſchaffenheit nicht wiſſen. Man pffegt micht viel Gelt/ ſondern gute Waaren/ auf welchen man etwas gewinnen koͤnne/ auß den Oſtlaͤndern wieder zu bringen. Dekowegen hab ich meinen Benitel heſehen/ ob mir noch Gelt genug zu der Reiſe in Italien üͤberbliebe/ und ob ſehon ich deſſen noch ziemlich hatte/ ſo hab ich doch zu mehrer Sicherheit etliche von meinen Turckis/ oder Rubinen verkauffen wollen. Ich hatte es noch nicht gar beſchloſſen/ eng durch die Goldſchmidter⸗Gaſſe/ und beſahe die aden; als ein Kaufmann meynend/ daß ich Edelgeſtein zu verkaufen hatte/ mich hoͤflich anredte/ und in ſein Hauß zu gehen bath/ welches ich auch gethan. Ich hab ihm ein Theil von meinen Turckis gezeiget/ und nur 600. Kronen von demſelben begehrt. Er hat mir von Anfang 400. und hernach zoo. gebothen; ich hab auß ſeinem Biethen geurtheilet/ daß ich ſie zu wenig geſchatzet/ deſſen es mich gereuet/ und auf daß er nicht bey meinem Wort ſtehen/ und ſie um meine Schatzung haben wolte/ ſo hab jeh jhm geſagt/ daß ich von einen Land kam/ wo man nur ein Wort hat/ und die Waare nicht uͤberſchatzet/ daß es Zeit ware zu Mittag zu eſſen/ und hab ihn hoffen laſſen/ daß ich wurde ihn gegen Abend wieder ſehen/ und jhm etwas mehr weiſen/ und alſo hab ich mich von jhm , Als ich auß dieſes Goldſchmieds Hauß/ ein anderer/ welcher gegen uber wohnete/ und deſſen Hauß auf eine andere Gaſſe offen war/ der auch mich in des Erſten Lade geſehen kommen/ hat mich angeſprochen/ und mir in wenig Worten geſagt/ er ſehe auß meinein Geſicht/ ich ware ein redlicher Manm/ daß er auch deßgleichen/ und daß ich ohne Zweiffel mit jhm iel eichter und nutlicher/ als mit einein ande; ren handlen wurde. Meines Theils hab ich auth auß ſeinen Worten urtheilet/ daß er ein aufrichtiger Menſeh ware/ und daß ich mehr mit hm/ als nut dem anderen Goldſchmid gewinnen ſolte. So gieng ich in ſein Hauß/ allwo/ wider des Lands Gewonheit/ ſeine Frau und ein Prieſter von Sanct Johann ſein Bruder mich ſehr lieblich einpfangen haben: Ich wiel ihm meine Türckis/ und ſchatzete ſie auf tauſend Kronen/ er ſagte/ es ware zu viel/ und both mix 800 in guten Duplonen. Es„ Hei mier kurtz zu machen/ der Plieſter theilete den Un derſcheid/ und wolte/ daß ſein Brüder mir 900, det etliche Kronen gebe. Wie ich dann ſahe/ daß ſie allebey de alſo frey und richtig handelten/ ſo gab ich ihm meine Turckis/ und nahm ſein Gelt. Er wolte/ daß ich mit jhnen zu Nacht eſſen 10 —— — Und wird daruͤber ins Gefaͤngnuͤß gefuͤhret. 130 und haben mich biß um die zehen Uhr des Abends ſehr wol tractiert. 5 Urnderdeſſen kam der erſte Goldſchmidt/ mit welchem ich hatte geredt/ zweymal in mein Wirthshauß/ und nicht zweiflend/ daß ich mit einem anderen gehandelt/ deſſen er verdroſſen war/ beſchloß alſobald/ mir einen Schimpf zu thun/ und daß ich Edelgeſtein ohne den Zoll zu bezahlen/ verkauffen wolle/ der Obrigkeit anzuzeigen. Meine Wirthin hats geſpuͤhrt/ und als ich am Abend nach Hauß kommen/ mirs zu wiſſen gethan/ und geſagt/ ich ſolte meine Kannner⸗T ür niemand/ der klopffete/ aufthun/ als wann ich ſie ſelbſt reden horete. Bald hernach kam ſie wieder und nachdem ich ihr aufgethan/ ſahe mit ihr kinen Mann/ dem ſie aufzuthun nicht abſchlagen gekoͤnt/ weil er inen mit Silber uͤberzogenen Stab/ als ein Zeichen ſeines Amts in der Hand hatte/ welcher auch mir jhm zu folgen befohlen. Ich wurde in eines vornehmen Frantzoſiſchen Ritters Hauß geführt/ welcher mich im Anfang von etlichen beſondern Sachen der Lander/ auß welchen ich kam/ gefragt; Nach einer viertel Stund kan deſſen Enckel hinein/ und nachdem er mich voi meiner Reiſe erforſchet/ der Commethuͤr fiel Uns in die Rede/ und ſagte mir/ er wuſte/ daß ich viel Edelgeſtein/ und den Zoll nicht bezahlt hätte. Anfangs antwortete ich jhm ſehr höflich/ und ſagte/ daß ich wider die Ordnung gethan zu haben nicht meynte/ ſehend aber/ daß er mit hoher Stimme redete/ und anfieng ſich zu erzürnen/ ſagte ich jhm endlich laut und frey/ daß ich dem Sanct Johann keinen Zoll ſchuldig/ weil die Summa meiner Waaren uͤber die tauſend Kronen nicht kommen/ und daß ich zu reiſen ohne der Lander wodurch ich ziehen ſolte/ Gewonheiten zu wiſſen/ mich niemals underſtanden. Der junge Ritter brachte ſeinem Vetter vor/ die Sache ware nicht weiters Redens werth/ und daß ich ein redlicher Maun. Der Commethür gieng geſchwind auß der Karmmer/ und hernach ſein Enckel/ der ein redlicher und verſtandiger Mann/ und welcher ohne Zweiffel ſeines Vetters Vorhaben nicht gewuſt/ ſagte mir/ ich ſolte in keiner Sorg ſtehen/ er wolte auch mit mir trincken/ und den Luſt haben/ mich von meinen Reſſen reden zu hoͤren; er ließ auch zugleich das Abend Brod bringen/ da wir biß um ein Uhr nach Mitternacht von vielen Oftlaͤndern und derſelbigen Gewonheiten unter einander Geſprach gehalten haben. Weil es aber ſpath worden/ und ich mich nach Hauß begeben wolte/ befahl der Ritker demſelben Beamten/ ſo mich hingeführt/ mich wieder zu begleiten/ welcher auch mich von Kammer zu Karnmer/ eine lange Stiege hinab/ biß in das Gefaͤngnuß allgemach fuhrte/ allwo doch kein Anſehen war/ daß man mich lang behalten würde. Daſelbſt hab ich die üͤbrige Nacht mit etlichen Offtcierern/ fo allda geweſen/ vertrieben. Als num der Tag angebrochen/ nach dem Kerckermgeiſters⸗Ralh/ ſchrieb ich zum Ritter von Believre, welcher zwo Stund het nach kam/ felbſt mir das Gefaͤngnüß mofnen/ ohne daß ich tvas/ weder für das biſund fahret. Und der Dritte/ von Moſcou/ l Reisbeſchreibung in Perſien/ Kerckers⸗Recht/ noch für das jenige/ ſo ich darinnen verzehrt/ bezahlt habe. Der Ritter von Believre hat mir dieſe Gutthat mit vielen Hof1 erwieſen/ und zu Mittag Eſſen gegeben. 85 1 5 i ſind ſieben oder acht in einen Geſellſchaft von Maltha gen Sicilien auf zwo Galeen der ee haben uns zwey oder drey Tage zu Siracuſa/ und etwas mehr zu Meſſina aufgehalten/ allwo wir mit noeh vier anderen Perſonen eine Chaloupe gen Neapel Er reiſet nach Siellien. zu fahren/ gemietet haben. Als wir neben dem Land N hat uns ein widriger und ſtarcker Wind zu Paula am Palm⸗SontagsAbend geſchwind anzulaͤnden/ und allda biß an den folgenden Mitwoch zu verbleiben/ genothiget. Der Herꝛ Marckgraf von Paula war eben zu dieſer Zeit am Ufer des Meers/ allwo er dem Sardellenfang beyſtund/ und erfor ſchete/ woher wir kamen. So ſagte jhm ein Ritter von unſer Geſellſchaft/ daß ſo er Zeitungen von den Oſtlaͤndern zu hoͤren Luſt hatte/ koͤnte ich jhm allein neue und gewiſſe von Perſien und Tuͤrckey beybringen. Der Marckgraf kam zuuns/ faſſete mich bey der Hand/ und bath ſehr hoͤflich/ daß ſo lang das Ungewitter uns zu Paula aufhalten wurde/ ich ſolte bey ihm eſſen. Hernach hat er ſehen laſſen/ daß mein Geſprach ihm nicht unangenehm ware/ und hat mir viele Hoffichkeiten bey meinem Verzug und im Abreiſen erwieſen. Am Palm⸗Sontag beſuchten wir das St. Franeiſei von Paula Kloſter/ ſehr weit von der Stadt gelegen. Man ziehet dahin zwiſchen einem hohen Berg zur Rechten/ und einem Abgrund zur Lincken. Dieſer Berg hanget ſo ſehr/ daß man meynet/ er ſolle zur Stund fallen/ man ſiehet auch am oberſten Felſen/ das Zeichen einer eingedruckten Hand/ und man glaubet allda/ daß der St. Franeiſcus dieſen Berg mit ſeiner Hand geſtützt/ und daß er nicht niederfiele/ verhindert habe. Von paula zogen wir zuſammen gen Neapel/ und eben zu derſelbigen Stund/ da wir Wird voll Marggraf on Paula gar freundlich tractiret. in den Hafen kommen/ hat man der Auferſtehung Chriſti zu Ehr/ alle die Geſchütz dieſer Stadt loß geſchoſſen. Von dannen giengen wir alle nach Rom/ wo ein jeder ſeine Geſchaft beſonder verrichtet. 1 5 Das VI. Capitel. Ein anderer Weg von Conſtantinopel gen Iſpahan/ durch das Euxiniſche/ oder ſchwartze Meer/ und von den vornehm ſten umliegenden Staͤdten. Dun Wegen/ durch welche man von f Europa in Perſien und Indien ſich begeben kan/ wil ich keinen vergeſſen. Es ſind derer noch drey: Der eine von Conſtantinopel neben dem Geſtad des ſchwartzen Meerg. Der jenige von Warſchau/ wann man uͤber daſſelbige Meer von Kaffa gen Trewan eſchres e. we Conſtanß nopel lach reieile voll anti 1 an. Drittes Buch. 21 wann man auf dem Fluß Volga mit dem Strohm fahret. Dieſer Weg iſt von dem Oleario, des Hertzogs von Holſtein Geſandſchaft⸗Schreiber gußfuͤhrlich beſchrieben worden. So werde ich nur von den anderen in dieſem Capitel handlen/ weil mir unbewuſt/ daß jemand von denen geſchrieben habe. Vor allen aber werde ich die Vornehmſte um dieſes Meer auf beyden Seiten/ in Aſien und Europa liegende Oerter/ und die richtige Weite unter jhnen küͤrtzlich beſchreiben. Die vornehmſte Staͤdte/ welche in Euroha an dem ſchwartzen Meer liegen. Von Conſtantinopel biß Varna zehlet nan 200. Itꝗlianiſche Meilen/ derer vier eine Teutſche Meile machen/ Meile 8 Von Varna biß Balchiké 36 Von Balchikké biß Bengali 70 Von Bengali biß Conſtantz 60 Von Conſtantz biß Queli 27 Bey dieſer Stadt Veli lauffet auß der groſte Arm der Donau in das ſchwartze Meer. Ast Wird auch daſelbſt jahrlich der groͤſte Stoͤrfang. Von den Eyern der Storen wird der Caviard, oder die Boutargue gemacht/ von denen ich anders wo geredt. 5 a Von Queli biß Aquerman, Meile 70 Dieſe Stadt Aquerman gehoͤrt dem Kan in klein Tartarey zu/ iſt aber nicht ſeine Reſidentz⸗Stadt/ welche iſt Bacha-Serrail; 120. Meile vom Meer gelegen. Von Aquerman biß Kefer oder Kaffa ſind a ene e e Iſft eine groſſe Kauf⸗Stadt/ in welcher ohngefehr tauſend Haͤuſer der Armenier/ und bey vier oder fünf hundert der Griechen ſind. Ein jede von dieſer Religion hat ſein Biſchof und viel Kirchen. Die St. Peter genant/ war die Vornehrnſte/ Groſſe und ſehr Schone; der Goktesdienſt wird aber nicht mehr darinnen gehalten/ weil ſie baufaͤllig/ und die Chriſten bade f dieſelbe zu verbeſſeren das Vermoͤgen nicht haben. Ein jeder Chriſt/ der über ſünfzehen Jahr alt iſt/ muß dem Tuͤrckiſchen Kaͤyſer anderthalbe Piaſter zum Zoll bezahlen. Er ſchieket in dieſe Stadt einen Bacha, welcher in der AltenStadt Frinck-Hiſſar genant/ wohnet. Aber der Kan in der kleinen Tartarey biß auf die Thor dieſer Stadt gebiethet. Von Kaffe biß Aclaque, Meile 70 ckiſchen Kaͤyſer zu/ it die Letſte in Europa/ und es fleſſet neben dieſer Stadt ein Fluß auch Aſlaque genant/ über welchen iſt die Herꝛſchaft des groſſen Hertzogs in Moſcovien. Auf dieſem fahren die Soſacken/ ſo den Tüͤrcken ſo groſſen Schaden thun/ dann ſie biß weilen mit 60. oder 8o. Raub⸗Schif/ ſo ſie Gelia heiſſen/ derer die Gröſte 150. die andere oo. Mann halten/ niederfahren. Sie theilen ſich auch in 0 ſtoh zwey Theil/ deren einer gen Conſtantinopel/ der 1 0 in Aſten ziehet/ allwo ſie das gantze Ge5 auf Trebiſund plündern und zerDie Stadt Allaque gehört auch dem Tür„Die Seite des Euxiniſchen N ropa halt in der Lange dr. Meile. Die vornehmſte Stadt/ ſo in Aſien a dem Euxiniſchen Meer liegen/ deſſen Geſtad iſt von rr yo. Meilen. VonConſtantinopel biß Peapoli, Meil 250 In dieſer Stadt Neapoli bauet man den meſſten Theil der Schiffe und Galen des Tuͤrckiſchen Kaͤyſers. 1 Neers in B uVon Neapoli biß Sinabe 270 Von Sinabe biß Ouma 240 Von Ouma biß Keraſon 50 Von Keraſon biß Trebiſund 80 Von Trebiſund biß Niſe 100 Von Riſe biß Guni 100 Meile 1170 Dieſer Stadt Guni der halbe Theil gehoͤrt dem Turckiſchen Kayſer/ und der ander dem Konig in Mingrelien zu/ mit welchem jener in guter Freundſchaft lebet/ darum/ daß der meiſte Theil des Eiſen und des Stahls/ ſo von den Türcken gebraucht/ auß Mingrelien uͤber das ſchwartze Meer gebracht wird. Dieſe ſind alle die gute Meer⸗Haͤfen des Euxiniſchen Meers/ ſo von Conſtantinopel biß in Mingrelien zu zehlen: . 12 3 n. 2 15 5 Hi: Quitros, Sinabe, od r Sinope, Onnye, Sam. 6 15 ſon Trebiſond und Gomme, 3 5%% ĩ˙ܲ˙. Eu iniſch Der Hafen zu Nuitros 1 d 5 Mere. fe ſind alda ſicher wider alle B gang aber iſt ſehr ſchtwer/ und die Schifleut des Landes allein/ oder die jenige/ welche oftmals auf dieſem Meer gefahren ſind/ deſſelben Hafen Eingang finden koͤnnen. Man kan noch erkennen/ daß vor Zeiten ſchoͤne und praͤchtige Gebaͤu um den Hafen geweſen ſind/ viel ſchoͤne Saulen am Geſtad und im Meer geſehen worden/ ob ſchon viele andere von dannen gen Conſtantinopel gefuhrt worden. Nahe bey der Stadt gegen Mittag/ wird auch ein ſehr hoher Berg geſehen/ auß welchem fleſſer viel gut Wee daa ani aer Brunnen am Fuß des Bergs entſpringet Wer von Couſtantinopel in Perſten über das Euxiniſche Meer ziehen wil/ der gehet zu Schif von Conſtantinopel auf Trebiſmd und bißweilen auf Riſe oder Gunz welche mehr gefa h Tlebiſund/ ziehen nach Erxerom in inf Tagreiſe/ und von Etzetom ſigch Erivans Tauris und andere Oerter dieſes Wegs. Es ſind abe welt dere dch aue dee begeben/ weil es in vielen Orten grundlos und too man ſich zur Sicherheit begeben möge, gen Nord ligen. Welche auß den Schiffen abDeßwegen hat man dieſes Meer Cara⸗clenSulsdabsiſt ſchwarge Per genennet dann die Oſtländische Bolcker ales,(o boß und gefahrlich iſt ſchwartz zu nennen pfſegen. Die/ ſo biß nach Riſe und Zuni ſaͤgeln/ fnden ſich zu Telis der Haupk⸗Stadt in Jeorgien ein; von Telſis konit man gewohnlich nach Erivan, weil der Weg/ ob er gleich beieſchwwei Der Weg uͤber War125 nach ſpahan. beſchwwerlich/ gleichw,ol kornlicher iſt/ als der jeeit J. fürs Hundert Accis geben. Deieiß iſt die lerſte Stadt in de nige/ ſo gerad nach Tauris gehet. Dieſes ſind die vornehmſten Oerter/ ſo man auf gedachtem Weg von Teflis nach Erivan antrift/ ſamt der 9 jeden Orts von dem andern entlegenen Von Teflis nach Soganlouk, Meil 3 Von Soganlouk nach Senouk- Kupri 7 Von Senouk-Kupri nach Guilkae 3 22 Von Guilkac nach Dakſou 6 Von Dakſou nach Achikent 8 Von Achikent nach Dillou 6 Von Dillou nach Tages 6 Von Vagegi nach Bicheni 4 Von Bicheni nach Frvan 5 Von Erivan folget man dem gemeinen Wege über Tauris wie ich zuvor angezeigt. —— Dias II. Capitel. Der Weg von Warſchau nach Iſpahan durch das ſchwartze Meer/ und von Iſpahan nach der Moſcau nebſt dem Damen der fuͤrnehmſten Staͤdte und Inſeln in Tüͤrcken/ ſo wol nach ſprer gemeinen Benennung/ als auch wie ſolche in Tuͤrckiſcher Sprache lauten. N dieſem Capitel hab ich mir fürgenommen/ die Wege auß den MitterVnäachtiſchen Theilen Europe nach Turckey und Iſpahan zu kommen/ dem Leſer für Augen zu ſtellen; unter dieſen ſol der Erſte ſeyn der Weg von Warſchau nach Iſpahan/ welchem ich die Entlegenheit der fürnehmſten Stadte und der Zolle/ die man hin und wieder zahlen muß/ beyzuſetzen geſonnen bin. Von Warſchau an dem lincken Ufer der Weichſel gelegen/ des Königs von Pohlen Neſidentz⸗Stadt biß Lublin, ſeynd TagreiVon Lublin biß Ilvove, ſeynd Tagreiſen Allhier muß man alle Ballen aufthun/ und 5. Pro cen me Stadt in der Moldau. Von llvoye biß laslovicer, ſeynd Tagreivon den Wagren z. pro cento bezahlen. 4 Diß iſt die letſte Stadt in Pohlen/ und wañ man allhier etwas verkauffet/ ſo muß man alleVon laslovieer nach Vaché, Tagreiſen 8 8 Dit iſt die Haupt⸗Stadt in der Moldau/ in welcher der Waywode/ welchen der GroßTurck als einen Stadthalter im dieſes Land ſchicket/ zu relid ieren pfleget. Allhier wird wieder alles geoͤfnet/ und die Waaren verzeichnet nebſt dem/ was man dafür zahlen muß/ das ſich offters auf y pro cento helauffen kan. Von Lachs biß Ourchaye ſind Tagreiſen z man darf aber allhier keinen Zoll geben. Von Oprebaye nach Rlerrman, ſind TagWeiſen z d. een e 14 N14 8 4 2 in Tagreiſen Reis beſchreibung in Perſien/ Man oͤfnet zwar allhier die Balletz nicht/ nichts deſtoweniger aber muß man doch. pro cento geben. 8 Von Akerman nach Ozou, Tagreiſen 3 Allhier beſuchet man die Waaren auch nicht/ und darf nur 2. pro cento bezahlen. Von Oꝛoubiß Precop, Tagreiſen 5 Allhier wird auch nichts geoͤfnet/ und man verlaſt ſich guf des Kaufmanns Wort/ nichts deſtoweniger aber muß man doch 22. pro cen· to hezahlen t e Von brecop nach Kaffa, Tagreiſen Die Waaren werden geſchaͤtzet/ ohne daß die Ballen eroͤfnet werden/ und fuͤrs Hundert gibt man z. a 5 5 Auf dieſe Weiſe ſind von Warſchau biß Kaffa 5. Tagreiſen zu Wagen/ durch welche auch alle Waaren verſendet werden. Der Zoll belauft ſich ins geſamt auf 182. pro cento, welchem man noch hinzu ſetzen muß die Fuhr und Fracht uber das ſchwartze Meer biß nach Trepizond, allwo man für einen beladenen Maul11. einen Kameel 4. Piaſter bezahEs iſt noch zu mercken/ daß die Armenier gemeiniglich nicht zu Trepizond zu Schiffe gehen/ ſondern ſie ſuchen einen andern Port/ welcher auf eben dieſer Seiten etwas mehr gegen Abend liget/ allwo man nicht mehr als 1x. Piaſter für ein Kameel bezahlen darf. Dieſer Port wird genant On nie, und iſt ſehr bequem: etwas weiter iſt noch einer/ weleher Samſon genant wird/ der auch nicht ſchlim̃ iſt/ aber allhier iſt gar eine ungeſunde und ſehr ſchadliche Luft. Es iſt noch ein anderer Weg von Warſchau nach Trebizond, welcher umz. Tagreiſen kürtzer iſt/ als der Vorhergehende. Von W̃ẽ arſchau nach ache iſt eben derſel⸗ Ein ada be Weg/ den ich allhier angezeigt/ und beſtehet Weg den In An dieſem Ort werden alle Waaren taxieret/ und zu Lache fordert man die Gebühr nach dem Verzeichnuß/ das der Kaufmann nach Galas hringet/ alwo man auf ſein Wort ſchreibet/ die Wagre/ die er angegeben. Galas iſt eiVon Galas nach Megin iſt Tagreiſe 2 Allhier wird gleichfals nichts erofnet/ man muß aber 37. oder 4. pro cento zahlen. Von Meg in nach Mangalia, ſind TagDiieſes iſt einet von den 4. Hafen gegen Nidergang an dem ſchwartzen Meer/ und zwar der Beſte under allen. Diez. anderen/ welche gegen Mittag auf ſelbiger Seiten ligen/ ſeynd Kavarna, Balgik und Varna. Aa gibt man nicht mehr als einen halben Piaſter für den Ballen. Wann man Trebirond hinder ſich geleget/ ſo habe ich im fürhergehenden e ea, nur noch y. Tagreiſen biß Erzerom ſind. durch welchen die Pohlen in Perſien reiſen/ aufzuzeichnen würdig befunden. Urnd dieſes iſt alles/ was ich von dem 115 4 Zu Mangalia Ich a dach ben 8. nach Von Vache nach Galas, ſind Tagreiſen 8 baun. 1000 In Ich kemme nun auch zu dem Wege durch die Moſcau/ weil aber derſelbe allbereit von Heren Ofeario außführlich beſchrieben worden/ in dem Reiſe⸗Buch der Geſandten/ welche der Hertzog von Holſtein nach Per ſien geſand/ ſo wil ich denſelben allhier vorſtellen/ als wie man auß Perſien durch die Moſcau nach Europa reiſet/ durch Hüͤlffe der guten Nachricht/ ſi die mir mitgetheilet worden/ dann ob ich mir ſchon auf meiner erſten Reiſe fürgenommen hatte/ durch die Mitternachtiſchen Provintzen Europe nach Franckreich zu kehren/ welches ich auch gethan haͤtte/ wann der arme Krancke/ den ich zu Kengavar beſucht/ mich nicht davon abgehalten hatte. Und weil allezeit/ ſo o ich nach Orient gereiſet/ mein Vorhaben geweſen/ durch die Moſcau meine Ruͤckreiſe zu nehmen/ ſo habe ich mit groſſem Fleiß einen ſonderbaren Bericht von dieſem Wege eingeholet/ ſintemal etliche Leute die ſich deſſen oft bedient/ mir hierinnen eine vollkommene Wiſſenſchaft mitgetheilt. 5 Ich wil aber von Obamaqui anfangen/ weil ich den Leſer allhereit biß in dieſe Stadt gefüͤhret/ und werde auch nicht vergeſſen die Entlegenheit der Herter/ und die Zolle/ wie ich anderwerks gethan/ beyzufuͤgen. ö Von Chamaqui nach Derbent, ſind TagDerbent, welches die Tuͤrcken Demir capi nennen/ iſt die letſte Stadt/ welche dem Konig in Perſien underworffen iſt; allhier reiſet man uber einen Fluß/ welcher den Namen Chamourka führet. 5 Von Derbent reiſen 8 5 5 Allhier ziehet man gleichfals uber einen Fluß/ welcher Bocan genennet wird. g Von Tetarck biß Aſtracan nimmet man kleine Schiffe/ welche zwolf Ruder haben. An dem Ufer des Fluſſes iſt nichts anders als Schilf/ in welchem die Schiffe bey ungeſtumen Wetter in Sicherheit ſeyn konnen. Wann aber der Wind gereigt iſt/ ſo bedienet man ſich eines kleinen Segels/ und kan innerhalb drey oder vier Tagen zu Aſtracan ſeyn; wann man aber die gantze Seit rudern muß/ muß man nohtwendig zu dieſer Reiſe 9. Tag anwenden. Wann man auf dem Caſpiſchen Meer ſchiffet/ auf welchem man allezeit von Lande zu Lande fahret/ ſo muß man ſich fur zwey oder drey Tage mit Waſſer verſorgen/ weil dieſe drey Tage uber biß Tetarck, ſind dag, aber nachmals findet man underwegs lauker gut Waſſer. Man gibt vor jegliches Schiflein 70. Abalſis, eee Muntze nach ſich auf 61. Francken belauft. Wann man aber groſſe Wagren hat/ kan olche groͤſſere Schiffe laden/ danit man die Koͤſten erſpahren moge. 3 i So bald einer zu Aſtracan ankommen/ werden die JWaaren abgeladen/ welche nachdeen mals die Zoll⸗Einnehmer verſiegeln“ und endſich 1. c ſie in des Kaufmanns Wohnung Drittes Buch ft auch aufs beſte. das Waſſer bitter/ und auf dieſer gantzen Seiten ſehr übel zu trincken iſt/ man ſolche auf 5 133 getragen. Drey Tage hernach kommek der Zoll Cinnehmer/ und ofnet alle Ballen/ und empfaͤnget 3. pro cento. Wann ohngefehr dem Kaufmann Gelt manglet/ und er zu Atracan etwas aufnehmen/ und u Moſcau wieder geben muß/ muß einer oͤfters biß 30. fuͤrs Hundert bezahlen/ nachdeme die Ducaten gangbar So fern ein Kaufmann Diamant oder Jubelen bey ſich hat/ und laͤſſet ſolche ſehen/ muß er 5. von Hundert zahlen. Wanner aber ſolches nicht anzeigt /die Zoll⸗Einnehmer aher etwas mercken/ treiben ſie jhn ſo weit ſie konnen/ der Kaufmann aber verantworket ſich Wanner aber Edelgeſtein oder ſonſt etwas anders ſeltzames bey ſich/ und dem Gubernator anzeiget/ daß er ſolches ſeiner Majeſtat überreichen wolle/ lafſet er jhn zu Waſſer und Lande begleiten/ und giebet alsbald durch einen Eilbott Nachricht nach HH fe. Wann der Kaufmann dieſem Gouverneur etwas verehret/ verlieret er nichts/ ſondern hat noch guten Vortheil davon. Zu Aſtracan findet man guten Wein/ und es iſt ein Frantzos daſelbſt/ welcher ſolchen für den Saar zurichtet. Weil aber der zu Chamaqui dieſen weit übertrift/ ſo thut ein Reiſender nicht ubel/ der ſich daſelbſt mit einem guten Vorrath verſorget. Von Aſtracan biß Moſcau reiſet man auf der 4 280 in groſſen Schiffen/ welche Segel in der Wiederkehr durch Ruder getrieben werden/ alles was eingeleget wird/ wird biß auf eieine lens von Cha thut 12. unſerer Pfund/ das wichte 5 nen Teppicht gewogen. Ein Moſcowitiſch Pfund thut 3. Mens von Cha in Perſſen/ und 16. Onzengerechnet. Man bezahlt für jeglich Pfund 14. Caya, welches 3. Abaſſis und einen halben thun/ und ein Abaſſi belauft ſich auf 18. Sols und 6. Deniers nach unſerer Pfund zu Ich muß auch allhier anzeigen/ daß der dez aan Stunden Aracan nach Moſcau zu Waſſer. Weg in der Moſcau weder nach noch Meilen gerechnet wird/ ſondern durch Chagerons, deren 5. eine Italianiſche Meile machen. Diß Folgende iſt der Weg zu Waſſer/ biß nach Moſeau/ und die Benennung der fürnehmſten Stadte/ auf die man zukomt/ nebſt jhrer Entlegenheitt. Von Aſtracan biß Courmija, chage7ööÜ;w ñßs f Von Courmija biß Sariza, c. 200 ſe Von 8ariza biß Sarataf, c. 3570 Von Saxataf biß Samarat, c. 5 Von Samarat biß Semiriskat, c. 300 Von Semiriskat biß Coulombe, c. Von Coulombe s Dieſes iſt eine grolſe Stadt nebſt einer guten Veſtung. 8 Von Calan biß Sabouk. cha, 388 Von Sabouk- cha biß Godamijan, c. 120 150 Von Godamija biß Ni uina, c. 280 Niguina iſt eine groſſe Stadt und ſehr gute Veſtung. 6 b Von Niguina biß Mouron, c. 300 e 188 8 Von Caſin biß Moſcou, c. und war vor dieſem 34 f 250 e nach Moſcau 2950. 121 e ſich auf 190. Italianiſche Meilen beWann man zu Sarataf iſt/ kan man auß dem Schif ſteigen/ und zu and biß nach Moſcaureiſen. Wann kein Schnee iſt/ kan man fahren/ im Gegentheil aber gebraucht man ſich eines Schlitten. Wann nur einer allein iſtund ſeine Bagage nicht über 200. Pfund wieget/ bindet, man alles in 2. Ballen/ leget ſie übers Pferd/ und der Mann ſetzt ſich in die Mitte; was die Fracht anbetrift/ ſo wol vom Mann als von der Bagage, ſo muß man eben ſo viel als von Aſtracan nach Moſcau/ zahlen. Von Sarataf zu Land uber Inlerat zehlet man Tage i„ Von Inſerat nach Tymneck, ſind TagJJ 6 Von Tymneck nach Canquerma, ſind Dielen— 8 Von Canquerma nach Volodimer, ſind Tagreiſen 755 Valadamour iſt eine Stadt groͤſſer als Conſtantinopel. Es iſt eine ſchoͤne Kirche darinnen auf einem Berge/ welcher in der Stadt/ 55 Volodimer nach Moſcau, ſind Tagreiſen f 5 7 Dieſes alles zuſammen macht Tagreiſen 3 Ich muß auch allhier anzeigen/ daß man zu Sarataf nicht ohne groſſe Noth auß dem Schif ſteiget/ und zwar nur wann man im Winter 8 e e kan. Daß es ſind von Saratar biß Inſerat, wie ich angezeiget/ 1. Tagreiſen/ da man ſehr wenig zu eſſen findet/ ſo wol für Menſchen als Vieh. Derohalben wann der Fluß nicht gefroren iſt/ thut man viel beſſer/ wann man auf dem Schif biß Saͤemeriska bleibet/ von dannen man nachmals biß Moſtau allenthalben Dorfer antrift. Der Zoll ſo wol für Edelgeſteine/ als andere WaaNamen underſchiede10 iſt zu Moſcau 11 21 8 5 nemich F. Pro cento. Alle Aſigtiſche Voͤllcker/ als Türcken/ Perſier/ Armenier und andere bleidie Europeer anbetrift/ als 1410 55 Engelſander/ Hollander und andere/ ſo haben ſie einen gewiſſen Ort/ allwo ſie all beyſammen wohnen. Und diß iſt alles/ was ich ſonder bares von dieſem Wege durch die Moſcau erfahren konnen/ den ich inehr als einmal auf meinen Reiſen vorgenommen hatte/ wann ich nicht durch Zufalſe/ denen nicht zu widerſtehen/ davon ware abgehalten worden. 8 Namen etlicher Staͤdte in dem Gebieth des Groß Tüͤrcken/ in ateiniſcher/ Frangzsſiſcher und Tuͤrckiſcher Sprache. 10 Weachdem Conftantinopel vor Alters der Städte. O Bizhns, deßgleichen Nen⸗Rom genennet/ von Mahotnet dem andern Türckiſchen Kaͤyſer den 27. Maij 1453. erobert wordes MoſcowitiſchenZaars Reis beſchreibung in Perſien/ den/ fuͤhret anitzo bey den Tuͤrcken den Namen Iſtam- Bol, Stambol, wie auch Strambol, welches Wolfahrt oder Sicherheit/ und durch das Beywort Bol groß oder breit/ eine groſſe oder weite Sicherheit heiſſet. Adrianopolis, item Adernopolis wird von den Frantzoſen Adrianople, von den Türcken 5 Edrene genennet. Burſa, item Pruſa, Burſe, Brouſa. Belgradum, item Taurunum und Abba Græca, wie auch Belogradum, Belgrade, Beligrad.„„ Buda, item Ofen, Bude, Boudim. Cairus, Cairo, Alcairus, Memphis, Le grand Caire, Meſt. 10 5 Alexandria, Egypti, Alexandrie d Egypte, Iskendrie. Mecha Marraba, La Mecque, Meqquieé. Ballara, Baſſora, Balſara, Baſta. Babylon, Babylonia, Bagdat, Bagdet. Nineve, Ninive, Ninos, Moſol, Moſul, Mouſſoul. 5 s 8 0 Niſibis, Niſibin, Niſibena„Conſtantina, Niſibe, Nisbin. 8 Edeſla. Edeſa, Juſtinopolis, Rloas& Rhoaſſe, Edeſſe, Orufa. 8 —— Tiqueranger, Diarbekir. Eve Togea, Tokat. Simira, Erzerum, Teve, Toupolis, Exzerom. 23. 8 Chamiramager, Van. HFieroſolyma, Hieruſalem ma, Jeruſalem, Koutcheriff. ö i Bamaſcus, Damaſco, Damas, Cam. 5 Tripolis, Tripoli di Soria, Tripoli, Cam 5 Salem, SelyTaraboulus. ö 5 Alepum, Hierapolis, Alepo, Alep, Halep. Tripolis, Tripoli de Barbarie, Taraboulus. — Tunis, Tunis. f 5 Alcairum, Aleair, Alger, Gez air. Candia olim Mazium, Candie, Guirit. Cyprus, Cypro, Cypre, Cupron& Kebres. Chios, Chio, Seie, Chio, Saches, Saquezada & Sakes. 5 e e blei⸗ Nlethelin:—.— Medilli. ben zu Moſcau in den Carvanſerien, was aber f Smyrna, Smyrne, Iſmir& Izmir. Troja, Troyè, Eski,Iſtamboul. Lemnos, Lemnos, Statimene, Limio: Tenedos, Tenedo, Calydne, Pheenia& Lyrneſſy, Boggeadaſi. 5 Nigropont, Negropont, Eghirbos. 3 Dardanella, Seſtos& Abydos, Selto be 5 Avido, les Bardanelles, Bogaz ki. Athenæ, Attica, Athene, Ati. ——-Berut, Biroult. N ——Veide, Saida. 5 Tyrus, Tyr, Sour. N N Aera, Capo di Leuca, Capo di 8. Maria, St. nd Ae e ee Antiochia, Antioche, Ante kié.. Traperus, Trebizonde, Tarabaſon, Tarae Sinope, Sinab, Sinabi, Sinab. In dieſer Veſtung Sinab ſiehet man in der Mauren einen Stein/ an welchem file veri i flirte f. 12 auitdtel f Sinah. Anmerckungen uber den Handel in des ſonderlich den Malvaſter/ mit welchem groſſſr Drittes Buch. kürtzte Buchſtaben in gaktiniſcher Sprach geſchen worden/ und auch ſelbſſten den Namen der Stadt Rom Darauß kan man abnehmen daß an dieſem Orte auch Römer gerveſen ſeyn. Die Lateiner nennen das Mittellendiſche Meer bare Metlirerranneum, item Mare Puum& Thyrenum, die Fralitzoſen La Mer Mediterranée' die Türcken aber akdemis. Das groſſe Meer wird genant Oceanus Magnus, la MerOceane uf Berija) Moukhit“ Und das ſchwartze Meer Mare Euxinum; A Mer Noire, Kara-Deniis. Weil ich endlich die Beschreibung der de ge allhier durchnothige Anmerekungen/ welche ich wegen des Handels in der Inſul Candia und den fürnehmſten Inseln im Archipelago aufgezeichnet/ ncht abbrechem wil/ als habe ſch nicht ungereimt zu ſeyn erachtet/ daſſelbe in ein abſonderliches Capitel zu faſſen/ welehem ich beyzufügen gedencke„etliche Denckwu digte ten von vielen Griechiſchen Stadien/ welche demarchipelago nahe ligen/ nabſt einer ſondelbaren Nachricht/ die Galerren„welche der Groß⸗Turck ſo wol zu Conſtantindpel/ als in underhaͤlt/ betreffend. 2 den Inſeln und andern Oertern feines Reichs 1e 5 e— Das VIII. Capitel, Intl Cad, und in den fürnemſten Ingeuln des Wchigelsei wie aueh vai etlichen Staͤdten in Griechen Land/ nebſt einer vnderbaren Nachricht von dem Zuſtand der Galeeren/ welche der Groß⸗Tuͤrck ſo wol am veſten lande/ als auf den Inſuln zu unterhalte pflegt. Von der Inſul Candi. Wandlia in groſſer Quantitat Korn/ 8 Baungl/ allerhand Gemüſe/ Kat gelb Wachs, Baumwolle“ Sede Leder und — Handel getrieben wird. Wann die Wein⸗zeſe herzu nahet/ verbinden die Bauren/ welche Ilauben een follen, die Süſſe wit Schiel, Leder/ welches ihnen an ſtatt der Schuh dienet/ ſie binden es an mit Faden biß ans Knie/ l, An der groſſen Oize die ſe all den Gelb über welche ſie gehen/ gußſtehen muſſen. Dieen Waldern fin man viel wilde Schweine in den fin det. Die Reuſſen bringen es biß Conſtautinopel/ wie auch den Bourarque und Caviar bavon ich an underſchiedlichen Orten meines Reiſe⸗Buchs Meldung gethan. Ich habe auch angezeigt/ wie ſo wol eines als das andere gemgcht wird/ und auch den Ort/ allwo eine groſſe Menge Stoͤren gefangen wird/ und daß man damit groſſen Handel in gantz Türcken und Perſien treibet/ ja ſelbſt in Ethiopia weil Alle die engen/ die der Griechiſchen und Arineniſchen Religion folgen/ nichts anders in jhrer aſten zu eſſen pffegen. Ich muß annoch anzei 21 12115 Turcken auß den Storen einen 135 ſtardken Seim zu machen wiſſen/ welcher zu jhren Bogen fehr dienlich iſt Es iſt der ſtarckſte Leim von den Weft/ und was man danmt leimet/ wi deher an einem andern Orte brechen/ als en dümſelben“ woes geleimet ist. Er wird einen auf folgende Weiße zugekichtek: Wann man von den einen Stoy gefangen/ und außgewweiher hat/ Stören. findet ſich in demſelben ein Felt/ welches inpeiſdig das Fleiſch bedecker; diefes wirdvom Bauch Herguß geloKopfe hiß unten an den Bauch here gen/ Ls iſt kebricht und ſo breit als 2 Bogen Papier; dieſes Zell rollen ſiedums dick zuſamin ſondermen/ und laſſen es in der Sonne trucknen wann ſie es nun gebrauchen wollen/ ſchlagen ſie es meinem Hammer:“ und wann es wol geſchſagen/ brechehyſtees in Stucker/ welche ſiseine halbe Stund in einem Töͤpfein wir Waſfer hehen/ nachmals ſetet man es auf ein klein el und rührt es unaufhörlich biß es zergangeh man muß fich abei in acht nehmen/ daß der Lan nicht ſiedet/ dann ſonſt würde er gantzlich Candia de bee e Cen einen Mszlchel⸗Mord oder andere That ſo des Todes würdig/ begange hatten/(wañ ſie ſich vorſahen/ daß ſie nit in Handen der Juſtitz geriethẽ und vonder Inſullentwiſchen konte) geſchwind nach Gonſtantinopel/ um Gnade zu erlangen; dann es iſt zu wiſſen/ daß niemand als der VeGe e ſandter„weleher ſich bey dem Gloz⸗Furcken aufßielte die Macht oder Freyheit/ die ſenige loß zů ſprechen/ welche etwan in Candig einigechiſſethat begangen hatten was Ade den een ee ee eee ee Ane Jenekianer noch Meiſter üben ee glich dor einer ſeyn mochte/ ſo hatte er 55 Macht/ dem Miſſethater Gnade widerfahren zu laſſen/ wie ich daun deſſen ein Exempel erzeh⸗ e e len werde/ welches ſich zugetragen zu Zeiten /s der Herꝛ Deryiſan der Baile der Venediger zu Conſtantinopel war. Einer auß Candig welcher ich/ nachdem er eine erſchreckliche Mordact eg neee Inſul ſalvieret/ erhielke Gnade von dem Bailez deſſen aber unangeſehẽ/ hlieb ſein Laſter nicht ungeſtraft/ wie ich ſolches im folgenden erzehlen werde; Ex hatte ſich unterwunden eine J rau mit Gewalt zu nothzuchtigen/ welche/ als fue durchauß dazu nicht verſtehen wolte/ u jhme ſagte/ daß ſie viel ehe die Leber ihres Kindes eſſen/ als ſein unehrliches Aümluthen 2 9 5 würde. Dieſer grauſame Menſch ſehend daß er abgewieſen warden ſes Leder wird auß Reuſſen 1/ alltvo hirtert/ weil er den Zweck ſeines Vorhabens mt erreichen konte/ ver Nene dieſes Kindes lodtete dafſelbe/ und riſſe jhme die Leber guß dem Leibe/ und gab ſie ihr zu eſſen/ und darnach hrachre er ſie guch um/ um endlich ſeine Ungeſtümigkeit vollig zu erſaͤttigen: Wie dieſer zu Gonſtantinopel angelangt/ hielt er gleich bey aß dem Baile ume Fade an/ relche er auch erlangte/ aber der Baile ſchrieb zugleich an den Gouverneur von Candia/ daß/ ſo hald er wurde zurück komen ſeyn/ er jhn ſolte hinrichten laſſen/ Zorwiſſen ſeiner Mutter/ welches dann auch geſchehen/ dan ſonſten hatte ö f ſen in einer er jhme keine Gnade widerfahren laſſen in ein ſo grauſamen That/ und er gebrauchte ſich die 1 Fe nur bloß ann ſeine Frerheit zu done Man mag idol ſagen/ daß dieſ⸗ Kandianiſche Somꝛen ſeſ/ und man v ade ohne Muhe kau5 en agen ae welche noch viel klecklicher/ bey vv ingen konnen. Woclleene Bon der Inſul 8 io: emgolner 7. Scio, bon welcher dieſe Insu der Sdt. s Ihren Namen füͤhret/ iſt bewohnt er enen S Opon ohngeſehr Wee Seen ſer en* bhngefehr 305 Vi welchen ungefehr good Eniechen 8ooe Lateiner/ W ſarmt einigen Juden/ gefunden werden 3 Unter vielen Griechſſchen und datein ſchen Kirchen(deren die Lekſtere noch herkommen von den Seften der Geneſer) hals etfiche/ welche ziemlich ſehont ſeyn/ und die vornehmſte Kirchen der Lateiner ſeynd die ThumKirche/ der Capueiner/ Eſtolank iner DominiKaner und Jeſuiten Kirchen die Türcken haben da ihre Molqusen, uf die Jud ihre Synagoge. Vier Meilen von der Stade/ bey nahe am Ufer des Peers fehet man ein groſſen Skein/ welcher quß einem Felſen gehauen/ gleſchſum gantz rund/ oben aber plat und ein wenig außgeholet; oben herum und in der Mirten ſſht Griechen/ 8800. Homeri Schul in der Inſul Scio. Neeisbeſchreibong in Perſien/ a ſtix nennet/ und was die Turcken Sakes heiſſen/ welches quch der Name iſt/ welchen ſie dieſer Nation ene von den elde oe ede 25 geben; Es bringt dieſelbe eine ſehr groſMenge dieſes Maſtix hervor/ wovon auch ſchr viel in des Türckiſchen Kayſers Pallaſt zu Conſtantinopel verbraucht wird/ allwo die Weiber ohne Aufhören davon zerbeiſſen; ſie geben vor daß ſelbiges den Unffat und die Un1 der Zahne wegnehme/ und dieſelbe hingegen ſauber und rein halte; wann dieſe Zeit alsdann ſendet der Groß⸗Turck alle Jahr auf diefe Inſiileine gerviſſe Anzahl Bottangis auf daß niemand davon etwas entfuͤhre/ ſondern alles vor den Kayſerl. Hof aufgehaben werde; wannes geſchicht/ daß in einem Jahre deſſen ein groſſer Uberffuß iſt/ oder über die Gewonheit/ ſo werffen die Boſtangis nachdem der Kayſerl. Hof gnug damit verſehen/ den ſchlechteſten Maſtiy auf einen Hauffen/ um Gelt darauß zu löſen/ und ſo bald ſie ſelbigen verkauft/ ſamlen ſie denſelben in Sacke/ welche ſie verſiegeln/ auf daß man ſie ohne Verhinderung abführen koͤnne/ weilen die Wachten in den Hclven/ wann ſie die Siegel ſehen/ alles willig paſſieren laſſen 1 Es wachſt auch guter Terpentin man Formen von Stühle auß eben demſelbis in dieser Insel. gen Stein gehauen/ aber einer unter denen iſt diel erhabener als die anderbn/ gleichſam wie ein Stuhl eines Lehrmeiſters/ und die Traditiones dieſes Orts bringen mit/ als wann dieſer Stein geweſen ſey die Schule des Homeriz in welcher er ſeine Diſcipulen unter wieſen. Man finder in dieſe⸗ Jnſül eine ſolche groſſe ſarend unge Feld- Dune daf dan dergleccenim andere Sa, andern Orten der Welt nicht antrift/ aber das chen welche Nareſte iſt/ daß die Bauren ſie futtern/ wie bert deln, dan in Frankreich die Huünet unterhalt/ und 9m. zudem thun ſie ſolehes auf eine ergezende Weiſe; den Moi gen laſt man ſie ins Held gehen/ und um den Abend hat man ein ſicheres Zeichen/ worauf ſie ſich alle bhnfehlbar nach Hauß begeben/ ein jedes bey dem Bauen/ welchem es zugehoret/ gleich wie ein Hauffen Ganſe oder chte/ 0 Man macht in dieſer Inſul ſehr viel Da10 maſt und Barchet welche nachel Caire und 105 allen Staͤdren der Barbaren/ gleich wie auch . e in gantz Natolien; und abſonderlich nacher 16065 Conſtantinopel/verführet werde. 5 Nareeneg, Verge/ welcher gegen Mittag ligt/ wachſen 0 1eſer Jufel ſſchere kleine Baume/ welche ehr merkwürdig 105 ſehn/ jhre Blatter kommen bey nahe auf im Myrthen/ und werfen ſolche lange Zweige/ daß ſie ſich kraumnend biß auf die Erde erſtrecken, 15 aber/ welches Verwunderens werth/ ſo bald ſie 1 i meder konmnen/ heben ſie ſich von ſich ſelbſten 163 allgemach wieder in die Hohe; von dem An15 a fang des May⸗Monats biß zum Ende des Ju6 uu wender man Fleiß an/ daß man den Plitz unter diesen kleinen Bäumen gar ſauber halte/ weilen in diefen zweyen Monaten/ wann unn 1 die Zweige einſchneidet/ eine ſichene Art Gin 3 herguß wirft/ und Tropffenweiſe auf die Erde 1 fleuſt; das iſt eben das/ was man bey uns Ma* Die Inſul Scio war vor dieſem von den Türcken ver pfaͤndet an den Genueſern/ aber hernacher haben die Turcken ſelbige mit Gewalt wieder weg genommen/ und ſeynd biß daher Meiſter davon geblieben. Von der Inſul NAX IS. Sbat in dieſer Juſul gay keinen Hafen/ und die Schiffe/ welche dahin fahren/ um zu handlen/ 5 Na e Inſul xis Und bleiben in dem Haven der Juſul koros, geuant was darinocnoa- ſechs Y von den ſchoͤnſten Haͤven im Arckipeliſt/ and kan mehr wü als 300. Schiffe halten; Es ſeynd allein in der Inſul Naxis uch uͤbrig etliche Stuͤcke von einer alten Maur/ welche waren gleich un mote, wohin ſich etwan 4, dend Man ſucht noch in eben 5 Schiffe retirieren konten. der ſelben Inſul viel zerfallene alte Haͤuſer der alten Fuͤrſten/ und die Pferd Stalle ſeynd faſt noch vollkommen/ gauß gewolbet/ und von lauterm Marmelz dieſe Fürſten waren Herren uͤber 2. andre Inſulen; dieſe Inſul Narisiſt angefüllet von vielen Ooͤrffern/ and es ſeynd z. ſehone Staͤdte darin/ welche ſeynd Bareq na, Qiiße Ki Falet. eilen von Naxis, weleher einer nen mer röig „Bugefehr ein Steinwurf weit von dieser Jnſül hats Etliche eſne herꝛllehe Autiquitat/ uemlich ein platter Felſen/ welcher uſeinem Vmſechweif die inen ſolehen Platz begreiffet/ wie das alte Schloß zu Paris/ le Louvre genamt; nucten auf dieſem Felſen war gebauet der Semipel des dachi, von welchem man aber nüchts mehr ſteht als das Jundament/ die Thür ſſt noch da/ gemacht von dreyen Steinen/ von welchen zwey von beyden Seiten/ der Dritte vbenwerts zuſchlieſt/ ſhre Hoͤhe iſt von elwan 25. oder zo. Fuß/ die Breite aber von ö. Von dieſer Inſul diß auf dieſen Felſen hakt eine ſchoͤne Brucke von auß gehauenen Steinen/ da man oben und an bevden Seiten dis Canalen ſtehe wodurch der Wein/ ſo ben Feyr ung des Feſtes daechigetruncken worden/ in ſichere Gefaͤſſe des Tempels gelauffen. Es iſt Auch in dieſer Juul Navis wo man denkoftlichen Stein finder welchen man Albmergel nennet. Aber vor allem muß ich allhie andeuten/ was ich in acht geudmmen wegen des Witwenſtandtz der Einwohner dieſer Inſul/ and wegen de Gewonhene/weſege ſze daben beobgehtenwann der Mann oder die Frau geſtorben/ ſo gehet dil uberlebende Verſon innerhalb G. Monaten micht auß dem Hanse was auch vor Heſch often vorfallen mochte auch ſelbſten nit aum died eſſe auzußoren Es iſt auch zu wol en daß keine als Lateine an Hricehe in dieſer Jun gefannden werden ſuñ daß die Lerſtere mezroſſererdlnzahl ſehnd, Die Rateiner habt ſbrecrgbiſchof uß etlfeße mo ori der Haupiſts dt an. geiftl. Hauſer/ dert das ei. 3 4* ne welche noch un Stande iſt; quitaͤten in ſer Inf ä 9 2 See = . de groſſe kentzen e wöch, Aer in, l Mie, reſ iſt da nichts merck unſerer lieben Fraue und andere * 10, Rhena. um Korn zu mahlen/ welche man nacher E ne den Capucinern/ das andre den Jeſuiten gehöret/ uñ die riechen haben jhrẽ Ertz⸗Biſchof. Die Inſul Naxeis hat 120. Meilen in die Runde/ und iſt eine von den luſtigſten und ſchonſten Inſplen im Archipel. Die alten Furſten hatten dieſe zu jhrer Neſidentz erwehlet/ von dannen ſie regierten über die meiſte Inſulen Cpelades. dan macht in Ne xis ehr viel eilſes Saltzes/ und es waͤchſt alldg ein herꝛlicher Wein/ ſo weiſſer als auch Blelchert/ wodurch die Einwohner bewogen wor hen/ dein Bicko zu Ehren baſelbſt einen Teinpel zu 0 lehen Nax is zu ſeinem Aufenthalt er5 15 der alten Erzehlungen dieſes 5 groſſe Menge Able und Geyer; man halt be ie ſtedie deute dieſes Lands außſprethen. 42, Tenea der Ting. I., Subiuma. 161 Nixcia: 17. Chios oder Scio. 18. Aſtypalea. 15 10. Amorgus oder A= morgoee 2 Giaroa. 5. Nicaris. 6, Samoa. 7. Pathmoa. 9, Sitino. andern Inſuln im Archipel! Sea iſt eine Jnſul/ worau ver führet/ als Valanede, um das Leder zu farbez wo don ich anders wo gered habe; man ladet auch da keine andere Waaren auß als wel che dahin gebracht werden don den Corſaren/ aber das hat gar wenig zu bedeuten/ und Einwohner ſeynd bemuhet/ ſich von andern Orten her nut duizlichen und nothwendiger Sachen zu verſchen. lilo gibt auch nichts als — ſtantinopel führet/ ſonſten hats in dieſer In keine andere Handlung. Paros hat ebentnaſſig keine Handlung 4 ſche Kirche zierlich ge gantz von Marmel. i Was die Inſuln Sifante, Mi 5 denſelben keine andere Waaren/ als was die Corſaxen von ohngefehr dahin bringen/ wann ſie da etwan anſtoſſen/ und man treibt da andels keine Handlung/ als was zum Underhalt der Eimvoßner vomsthen wannetwain eine oder andere dieſer Inſtln Burgermeiſter gefuuden werden/ I. Leil. ten/ gber die Oerter ſeynd unbekan/ und man erßztunnet die elbe zu entdecken; Siehe da die h der Inſſulen/ ſoman Cyclades hennet/ ſt ifante. ten; rund um die iges zu finden/ uñ von welcher man nichts und die digen Muhlenfeine, Se Urdiges als eine Griechiebene unde dun ane n/ ſie iſt 10 0 Alber zwerch/ 16. Fuß lang/ und 18 con und anDre um Archipel betriſt/ ſo ladet man auch in ſoſche haben nicht viel zu ver— richten/ ſondern ſeynd nur da/ unn die geraubte Sachen auffukauffen. Die BurgermeiſterStellen der jenigen Inſuln im Archipel da die Frgntzoſen beſtartigk ſeyn/ werden vergeben von demehrantzoſiſchencheſandten/ welchen der Koͤnig halt zu Conſtantinopel/ und er begunſtigt damit welche er wil; und gleich wie die Einnahmen davon nicht gar groß ſeynd/ alſ, gibt ers quch mehrentheils den Griechen/ weilen ſie ſich ain beſten auf die Handlung dieſes Von den Staͤdten Arken, Corinthen, Pa. tras, Coron und Modo Die Stadt Athen iſtentfernet vom Meere ohngefehr 2. Meilen/ und ſeynd dar inn bey duns die 22000. Seelen/ nemlich ooo. Gtiechen ehrt 8 5. oder 6000. Fateiner/ und oc. Turcken; ten Städte. under viele antzquitglten/ ſo man danoch ſieht/ ſeynd die jenige am beſten verwahrt worden/ welche in dem Schloſſe ſeynd das Schloß ligt ailf einem Hugel/ auf deſſen Hinunderhang ein Theil der Stadt gebauet iſt/ an der Nord⸗Seite; Es begreift in ſich eine ſehr ſchone und gro Kirche/ von unden biß oben auß mit weiſſem Marmiel gebquet/ underſtutzet mit herꝛlichen L. Beloa oder Sdiois, Il. Vicenese Pfeilern“ pon ſchwartz und rothen MarmelVF e ſe Bilder/ welche ſo hoch erhabẽ I ſcheiners und geben gleichſam li gewafnet ben/ als um diefe Kirche/ un mangelt/(welches uch gantz;. melſtein zierlich gemacht iſt) ſiehet man alle die herklichfte Kriegs ⸗Thaten der alten Griechen in . leinerhabener Arbeit/ und ein jedes Bildnuß Von den Inſulen Zea, Milo, Paros, und Kirche findet ſich ein ſchonerUm⸗ oder SpatzierGang/ auf welchem 4. Perſonen nel einander zugleich wandeln konnen /ſelbiger lehnet ſich in die dange auf 6. Seulẽ von weiſſem Marmel, Seilen/ ſteiſt gedeckt und gepfiaſtert voneineley Materie, Nahe bey dieſe Kirchen hats eine gay ſchoͤnen Palſaſt von weiſfem Ma 5 2. ch zwey Seulen von weiſſem Marmel iber zoerch e ne Zutz ang/ und 18. Juß brei/ welche mit der einen Spiß e auf der einen Seu le/ mit der andern auf der folgenden liegen/ und diß iſts worauf das gantze Hauß ruhete; aulſerhalb am Thor/ welches noch faſt gantz iſt/ ſtehet man geſchrieben dieſe Wort: Aude Agb Onke I og röNU, 138 Innerhalb am Thor lieſet man dieſe Worte: Aide Al A Ma% Ex] One bs rds. Dieſe Stadt Athen iſt die Stadt des Adriani, und nicht des Theſeus. Es hat noch viele Antiquitaͤten zu Athen 7 welche werth zu beſehen ſeyndz. Die Stadt Corinthen/ welche vor dieſem in der Welt berühmt geweſen/ hat nieht mehr als ungefehr 120. 8 aber es ſeynd da reiche Tuͤrcken. Die Stadt ligt unten am Schloß/ welches auf einen unerſteiglichen Felſen gebauet/ und iſt mit Griechen beſetzt/ welche von einem Turckiſchen Aga oder Obriſten commandiert werden. Man ladet zu Corinthen eine ſichere Art Trauben/ welche den Namen dieſer Stadt führen/ und Corinthen genant werden. Zu Patras gibts deren auch/ und iſt dieſes der gantze Handel dieſer zwey Staͤdte. Coron und Modon handlen mit Oliven⸗Oel/ welches in denen Orten ſo gut/ und in ſolcher Menge iſt/ daß viel Engliſche und Hollandiſche Schiffe damit beladen werden. N Zu Athen, zu Patras, zu Coron, zu Modon, und zu Napoli de Roman ien hat man Burgermeiſter. Die Kauffute von Arhen kauffen eyn gulden Stucke/ Sammet/ Atlas/ Tücher/ und andere Kaufmanns⸗Waaren/ mit welchen ſie das gantze Land verſehen; die Waaren/ ſo die Außlaͤnder hinein bringen/ ſeynd Seide/ Wolle/ Schwamme/ Wachs/ Carduan⸗Leder/ Kaͤſe; und diß iſt mit wenigem alles/ was man der Handlung wegen von dieſen Orten ſagen kan. Eigentlicher Bericht/ in welehem Stand anitzo die Galeeren ſeynd/ welche der GroßTuͤrck/ ſo zu Conſtantinopel/ als in den Inſuln/ wie auch andern Oertern ſeines Reichs underhaͤlt. Man hat wol vor dieſem von Conſtantinopel ſehen außlauffen biß hundert und fuͤnf Galeeren; aber nachdem der Groß⸗Vezier vermercket/ daß dieſe groſſe Anzahl an einem Orte groſſe Unordnung verurſachte/ und daß der Obriſte Baſla ſie nicht alle auf einmal verſehen/ noch ihnen fuͤglich Befehl ertheilen konte/ hat er angeordnet/ daß hinfüͤro nicht mehr als 24. zu Conſtantinopel verbleiben ſolten/ die anderen aber in verſchiedene Haven/ ſo der veſten Erde/ als der Inſulen ſolten verlegt werden/ am bereit zu ſeyn/ auf erſten Befelch des Großürcken außzulauffen; vor dem Krieg in Candia war die Zahl der Galeeren verringert/ und ſehr viel weniger als 105. aber wie ſelbiger Reis beſchreibung in Perſien/ ſtrecket ſich die Anzahl der Galeeren/ ſo der Groß⸗Tuͤrck underhält auf 80. Im folgenden werde ich berichten die Oerter/ zu welchen ſie vertheilet ſeynd/ under jhren Beys oder Obriſen 3 a Es ſeynd jhrer dann zu Conſtantinopel 24. welche der Obriſte Balla oder Admiral zur See commandiert/ und wann er etwan um einige Verrichtung von dannen außlauft/ ſo vereinigen ſich die andre Galeern mit jhme nach der Ordre/ ſo ſie davon empfangen; wann dieſer Baſſa zur See gehet/ ſo gibt er einem jeden Sclaven/ ſo ſich aufſeiner Galeere befndet/ neben der gewohnlichen Kleidung/ einen Rock/ auf gewiſſe Weiſe gemacht/ von rothem Tuch/ und eine Haube von derſelben Farbe/ welches aber nicht geſchicht/ als nur auf der Galeeren des Generals/ welcher darinn eine ſonderliche Ehre ſuchet. Auf dieſer Galeere ſeynd gemeinlich 366. Sclaven/ und auf jede Banck ein Bonne- vole, welches Leute ſeynd/ ſo ſich freywillig in elbige Dienſte begeben/ und man hat ſonderlich Sorge/ daß dieſe wol bezahlet wer⸗. 2 9 Sold iſt 2500. Alpres vor eine Reiſe/ die Reiſe aber iſt gemeinlich von. oder 8 Monat; ſie werden underhalten wie die andere Sclaven/ wann ſie aber nicht feiſſig rudern/ werden ſie mehr geſchlagen/ als die andern/ weilen die Freywillige nichts als zu rudern haben/ die Selaven neben dem Rudern noch zu andern Hand⸗Arbeiten angehalten werden; zu wiſſen iſt aber/ daß die Freywillige/ welche auf des admirals Galeere dienen/ oo. Aſpres Sold mehr empfangen/ als die/ ſo auf andern Galeeren ſeyn/ nemlich ooo. Apres für eine Reiſe/ ſo gemeinlich auf 40. Reichsthaler ſich belauft. Deß Admirals Lieutenants Galeere hat 270. Menſchen/ ſo Sclaven als Freywillige/ dieſe und des groſſen Tefterdars oder Schatzmeiſters Galeeren ſeynd die zwey am beſten Außgeruͤſtete under allen; der Lieutenant des Balla zur See hat die Wahl/ entweder die 4. beſte Soldaten von jeder Galeere vor ſich 435 zuſuchen/ oder ſo er die nicht wil/ vor jeden Soldaten 3500. Aſpres ſich zahlen zu laſſen/ welches jhme von dem Obriſten der Galleere bezahlet wird/ daher komts/ daß der Lieutenant des Baſſa zur See reicher wird/ als ale andere Obriſten. n Die Galeere des Tefterdar oder GroßSchatzmeiſters gehoͤret under die 24. von Conſtantinopel/ und er ſchickt einen eigenen Schatzmeiſter/ als ſeinen Lieutenant hin/ um auf ſelbiger zu comandieren; nach dieſer Stelle wird von jedem ſehr getrachtet/ weilen dieſe Galeere/ wie ſchon geſagt/ wol außgeruſtet/ und mit Proviant wol verſehen bleibt/ und alle Bediente der Galeeren bemühen ſich fleiſſig/ dieſem mit groſſem Cyfer wurde fortgeſetzet/ hat man dielmeiſtewiedot 1 Sand e einem Lecken verdoppelt/ dem jenigen/ welcher nur eine hatte/ Gelben. gab man zwey; und wer zweyhatte/ gab man vier/ und fo fortan nach Proportion, welches den Venetianern endlich den Verluſt der Inſul Candiæ verurſachet. Heutiges Tages erGroß⸗Schaßmeiſter zu gefallen/ welcher nach vollendeter Reiſe einen jeden belohnet/ nachdem er ſich wol gehalten. 5 Die Galeere des Janitſchar⸗Aga gehoͤret auch noch unter die Zahl der 24. aber er gehet nicht mit zu Waſſer/ ſondern beſtellet einen nach ſeinem Belieben/ um an ſeiner ſtatt zu commandieren. 8 Der 85 Drittes Buch. Der Bey von Rhodes, ſo man den Titul eines Baſſa gibt/ hat 8. Galeeren. Der Bey von Stancho, welcher gleichſam der Lieutenant des Bey von Rhodes iſt/ hat nur eine Galeere. Srancho iſt eine Inſul 80. oder 100. Meilen von der Inſul Rhodes. Der Bey von Suflam, eine kleine Inſul nahe bey Scio hat nur eine Galeere/ und ſein Lieutenant glich eine/ aber dieſe Galleern find gemeinlich gegen die Schiffe/ welche von Malta und Ligourne gußlauffen/ beſtinmet. Der Bey von Scio hatte vorzeiten nurz. Galleern/ aber ſeit des Kriegs in Candia/ hat man jhme noch 3. andere gegeben/ wegen der Bequemlichkeit/ ſo er hat/ von dieſer Inſul dem Tuͤrckiſchen Lager beyzuſtehen/ deſſelben gleichen hat man auch mit andern Beys gemacht/ wie ich im Anfang gemeldet habe. Der Lieunant des Bey von Scio hat 2. Galleern/ und es ſeynd noch in eben der Inſul 3. andere Beys, welche jeder ein Galleere commandieren/ und ſtehen nicht under dem Baſſa von Scio, ſondern halten ſich auf/ mo es jhnen beliebt/ und verſehen ſich mit Lebens⸗Mittlen anden Oertern/ da ſie wiſſen/ daß ſie es wolfeil haben konnen. N a Der Bey von Smyrne, und ſein Lieutenant haben 2. Galleern/ konnen aber nichts underfangen/ es ſeye dann auß Anordmung des Bey von Scio. g Der Bey von Metelin hat 2. Galleern. Der Bey von der Cavale, ſo ein kleiner Meerbuſen/ 12. Meile ohngefehr an diſſeit der Dardanelles ander Europaiſchen Seite/ hat eine Galeere. N Der Bey von Negrepont hat 7. Galeern. i Der Bey von Napoli in Romanien hat F. Galleern. 3 Der Bey von Coron auf der Seite der Romanie hat eine Galleere. b Der Bey von Modon nahe bey Coron VVV. Der Bey von Famagouſte in Cypern hat 6. Galleern.. 5 Der Bey von Alexandria in Egypten/ hat 5. Galleern. N 8 Der Bey von der Canse hat 2. Galleern. Der Bey von Cand ia hat eine Galleere. Der Bey von Caſtel- Tourneze, oder von Navarin hat 2. Galleern. 5 5 Alle dieſen Gallcern/ wie ich geſagt habe/ machen do. zuſamen. 1 Die leichte Galleern ſeynd nur mit 196. Soldaten verſehen/ und die Zahl ſolte auf 200. kommen/ aber die 4. ſo davon manglen/ kommen dem Bey zum beſten/ under dieſen 96. ſeynd gemeinlich 20. oder 25. freywillige. Ein jeder Obriſter der Galleern hat 3000. laltres vor ſeine Außruͤſtung. Gegen Wey⸗ ſt en wird einem jeden Sclaven ein paar oſen undein Rock von dickem Tuch ein Nantel mit einer Kappe/ und ſo viel Leinwad ſehediz⸗ als zu einem Hembde und ein paar Schlaff1 Hosen nohtig/außgetheüct. 50 in jeder Sclav hat taglich 225. Drachgen Nord und Oſten an Moſcau und Tar139 mes, welches ſo viel iſt/ als anderthalb Pfund derpatten uñ gutes Brots/ und nichts druber. Aber am bekoͤſtigen. Freytage/ welchen die Mahometaner feyren/ wie die Chriſten den Sontag/ gibt man ihnen etwas warmes/ welches gemeinlich in HülſenFrüchten beſtehet/ als Erben/ Bohnen/ oder Linſen in Butter gekocht. Sie haben auch bißweilen einige Allmoſen von den Griechen/ wann ſie etwann in einigem Hafen aufgehalten werden; aber die von Qonttantinopel habens ein wenig beſſer als die anderen/ weilen die Türcken ſo wol als die Griechen und andere Chriſten die Woche zwey oder dreymal Allmoſen geben/ in den Bains, alſo nennet man den Ort/ da die Schlachten gehalten werden/ wann ſie nicht aufs Meer ſeynd/ und man ſchicket jhnen groſſe Keſſel mit Reis und leiſch zu; alſo/ daß in anſehen der Nahrung/ ie etwann allezeit ſo übel nicht gehalten werden/ wie manche davon ſich einbilden. 5 Endlich iſt zu beobachten/ daß wann man zu Schiffe gehen ſoll/ eine groſſe Anzahl der Sclaven ſich kranck oder lahm machen/ aber die Tuͤrcken/ welche dieſen Betrug wol wiſſen/ underſuchen und erforſchen ſie ſo fleiſsig/ daß ſie ſelbige wol underſcheiden koͤnnen/ alſo daß dieſes Underfangen denen angemuſten 0 Krancken nur darzu dienet/ daß ſie ins kunftige deſto rauher und ſtrenger gehalten werden. —— Das IX. Capitel. Bericht von dem jetzigen Zuſtand in — Georgien. Achdem ich mich underwunden habe/ inen weitlauffigen und genauen Bericht von Perſien/ und allen Provincien/ ſo davon dependieren, anzuſtellen/ und den Guͤnſtigen Leſer auf den Ufer des ſchwartzen/ und theils auch des Caſpiſchen Meers herum gefuͤhret habe/ als will ich mit wenigem jetzund beſchreiben die Königreiche Georgien und Meygrelie, welche zwiſchen obgemeldten beyden Meeren ligen/ und etliche andere benachbarte Provintzen/ welche ſich außbreiten/ das Caſpiſche Meer hinunder/ und ſtoſſen gee e andere Zurgien oder Gelegenheit Gurgiſtan nennen/ breitet ſich auß gegen Auf⸗ ne gang biß an das Caſpiſche Aer/ und gegen des Ger. Nidergang wird es durch die Berge von Men. gien. grelien underſcheiden. Vor dieſem war diß ein Königreich/ in welchem die Einwohner durchgehends die Chriſtliche Religion bekann. ten/ aber von kurzer Zeit her haben die Mahometaner ſich darein gemiſchet/ und dafelben Fuß gefaſſet/ und nachdem der Konig in Perſien einige Uneinigkeit darein gebracht/ hat er die Sach ſo wol nach ſeinem Vortheil eingerichtet/ daß er zwey Königreiche darauß gemacht/ er nennet ſie nur Provintzen/ und ſtellet Gouverneurs darein/ ſeit 25. oder 30. Jahren her. Dieſe ſeynd Jurſten dieſes Lands/ A 4 und 140 und auf daß ſie zu dieſer Wurdigkeit mochten erhaben werden/ müſſen ſie den Mahometaniſchen Glauben annehmen. So bald ſie zu Furſten erhoben/ laſſen ſie ſich Koͤnige nennen/ und ſo lang ihr Stamm wahret/ hat der Konig in Perſien keine Macht ihre Kinder auß der Beſitzung dieſer Lander zu ſeß enn Der Vornehmſte und Machtigſte dieſer Königen iſt der/ welcher ſich zu Tegis auf- Kinder wann er deten hat zu verkauf helt/ und man nennet ihn nach der Sprache dieſes Landes/ Konig von Cartele, der jetzt Regierende iſt der Letſte welcher bey den Chriſtenthum mit ſeinen g- Soͤhnen verblieben iſt/ aber vor kurtzer Zeit hat der Konig in Perſien den aͤlteſten Sohn zu ſich gelocket/ und ſo durch Geſehencke/ als Verheiſſungen/ dahin gebracht/ daß er abgefallen/ und ein Mahometa worden iſt. Stracks hernach iſt er auch zum Gouverneur über die andere Provintzerklaret worden/ da er(Vermoͤg der Geſatzen/ ſo die Könige in Perſien dieſen Fürſten auferlegt) ſeinem Vatter in der Regierung nicht man ſie vor ſchön qnſicht/ ſucht man ſie zu gihatte folgen koͤnnen/ wann er nicht den Mahometaniſchen Glauben angenommen hätte. Ein jeder von dieſen Königen oder Gouverneurs von Georgien, hat eine Guarde von dreh hundert Mahometaniſchen Reuteren/ welche ſie den Landeren des Groſſen Mogols. Di beſolden/ und in dieſen zweyen Königreichen wohnen anjetzo 10. oder la. kauſend Mahometaniſche Haußgeſin de. Der Konig von Tellislaßt Gelt ſchlagen im Namen des Konigs in Perſien/ das SilNeisbeſchretbung in perſien/ ſie gar jung in die Kloſter bingen/ da * er nur die Mittel hat/ dem nächſten Anverwandten des Verstorbenen ſechtig Kuhe zu bezahlen. Was die Schulden belrift at der Schuld⸗ Her: Macht alle Güter des Schuldners wegzunehnun/ und zu verkanffen/ biß er zu der ſhme gelehnten Summa wieder gelange/ ſolten aber bie Guter nicht ſs viel auß werffen/ hat er Macht ſein Weib und ſeine gien ſeynd gar untpiſſend/ abſonderlieh was diene deren Glauben in ihrer Religion betrift das i wenige/ ſo ſie wiſſen/ lehrnen ſie in den Klſtern/ wie auch das Leſen und Schreiben n mehr als die Manner; die Uleſach deſſen iſtweilenes nicht allein mehr Tochter⸗als Mar ner⸗Klöſter gibt/ ſondern auch/ weilen gemeinlich die jungen Knaben alle ſich zu denn Ackerbau oder inden Krieg begeben. So bald eine Tochter beginnt groß zu werden/ und daß ter Zeit wegzuftehlen/ und gemieinlich werden cher ſie in außlaͤndiſchen Oerkern verkauft/ wir in Türckey und Perſten/ ja gar biß a verurſſacht/ daß die Elteren/ um vorzukomiſſet daß die Tochter ihnen nicht geſtehlen verde meiſte Theil in dem ſtudieren ſich ergetzet/ nd die ſo darinn in etwas zugenommen/ bleiben ber aber/ wor von ſolches ſchlagen wird/ ſind gemeinlich die Zeit res Lebens darinn. Se Spanische Realen, Frantzoſiſche Thaler und halten auf einige Weiſt re Fehr Jahren jhdergleichen andere Gattungen Gelt/ ſo die von rer Profeſsion/ darnach aber/ wann ſie zu eiArmenia auß Europa/ von den daſelbſt ver⸗ nem tcheren Alter kommen ſeynd/ haben ſie kauften Waaren zuruck bringen⸗Das Gericht dqaſelbſt wird von den Chriſten gehalten/ und kan kein Mahometan/ ſelbſten auch der Konig ſich darein nicht miſchen. Sihe da etliche Stucke/ auf was Weiſe das Gericht daſelbſten gehalten werde. Erſtlich was die Diebſtahl anbetrift/ ſo wird der Dieb frey geſprochen/ wann er ſtebemnal ſo viel erſtattet/ als er geraubet/ zwey Theil davon bekoimt der ſo beſtohlen worden/ eins bleibt dem Gerichte und die andere 4. dem Konig. Hat aber der Dieb nen und wann der die Mittel nicht/ diß geſtohlene ſtebentach zu erſtatten/ ſo wird er verkauft/ und wann ſelbiges noch nicht genug einbringt/ und der Uüuͤbelthaͤter Frau und Kinder hat/ ſo verkauft man erſtlich die Frau/ und wann das die Sunna noch nicht außbringt“ verkaufft man zu letſt die Kinder. Aber was das vortheilhaftigſte vor den Dieb/ iſt/ wann derer ſo beſtohlen iſt/ mitleiden mit hme hat und ohne einige Erstattung Ihn vil gehen laſſen/ ſo koͤnnen auch weder der Konig/ noch das Gericht an ihrer Seiten von jhme das Geringste nicht forderen. Warm einer einen Mord begehet/ ſo berdammet ihn das Gericht zum Tode und ſiefert hn in die Hande der Verwandten des Etmordten um nach jhron Willen die Execution des Urtheils Über ihne ergehen zu laſſen. Jedennoch koͤnnen auch dieſe jhine verzeihen/ wann Freiheit zu kauffen/ auch ſelbſten das heilige Oel zu geben/ eben ſo wol als die Biſchoffe herfüür bringt/ alſo ſeynd die Einwohner dieſer Nad, Inſul auch gar ſtarcke Suffer die ſtarckſte Aken Getkaͤncke ſeynd ihnen aun liebſten und an hMealliner mehr Brandrenivein als Wein Die Wei e hren Mau In, Und w ann el iran erliche ſeiner Freunde zur Malzeit genahriget hat“ ſo bittet die Frau den folgenden/ oder aber aufkinen an deren Tag/ jhre Freundinnen zur Malfeit/ ind man hat in acht genoſſꝛen/ daß/ wann die IWeiber ihre Freundinnen kractieren/ mehr Wein und Brandten wein getruncken werde/ als auf den Gaſtereyen der Manner. Ein Gaſt tritt ſo bald nicht in den E ⸗ Saal oder man reichet jhme da ein wenig kleines Zuckers/ und eine Schale mit Brandtenwwein von 2. Viertel un die Lust zum Eſſen zu erwecken. Sie liehen ſehe die Zwibeln und allerley Garten Krauter/ welche ſie ungekvcht/ und wie man ſie auß den Garten bringt/ wegeſſen. Die Georgianer haben grofse euſt zu reiſen/ und ſeynd gewaltige Handels⸗Leute. Sie haben eine wunderliche Ferkigkeit mit den Bogen zu ſchieſſen/ und haen den Namen/ daß ſede beſten Soldaten von gantz Aſien ſeyn. Die Reuterey des Kong i . „Gleich wie Georgien gar ſtarcker Win due f en Che — Duttes Vith 141 in Perſten beſtehet zum Theil darauß und er halt deren allezeit ekliche bey Hofe/ und verlaſt ſich über alle maſſen auf ihre Treue/ und auf jhre Tapferkeit. Es ſind ihrer auch viel in Dienſtẽ des Groſſen ylogols, dann es Leute ſeynd/ welche haleſtar iger Weise ihren Poſten verwahten und nicht ein Fuß breit davon weichen. Alle Volcker dieſes Landes ſeynd ſchoͤn und roͤhtlicht/ uber alle maſſen wol gemacht/ und was 1 5 1. 9 5 125 in gartz Aſia hoch gehalten. Und auß dieſem Lanbelege Hen gin eren sene it Weiauß ſeinem Gebieth nicht in ein anders abfühRu darff. Neben ſhrer Schönheit haben die Georgia niche Weiber noch einen andern Vordug/ dann ſie ſich rühmen können/ abſonderlich die von Tellis, daß ſie mehr Freyheit haben/ als anderwerts die Weiber in gantz Aſia geKaen Sum Befhlſk desen was von Georgien angemereket haben/ habe noch zu erSahne, Finn/ gar wol gelegen ſey/ zimlich groß und i ber wolgebauet und daß der Seiden Handel darim ſeh gion von der Armemiſchen und Griechiſchen halten/ und daß mit ihnen noch ar beſten umzugehen ſey under allen die ee W von dem jetzigen Zustand in Ne bee/ Bergen an wodurch es von Geox. gien underſcheiden kwifd/ biß ans Meer/ und beſtehet heutiges Tags in We l 1 den dan, Abese ſchwarke 3. Provintzen/ deren eine jede ihren eigenen Köag hat. Die erſte nennet ſich die Provintz von Imerete oder von Baſſachiouc, und der König derung auf dil anderen zv ö Hadan rann daß ſie oft under einandern fehr blutige und grauſame Kriege führen/ Dann/ ſd bald ſie einige Gefangene bekommen/ lbe in Turcken um ſelbige zu ie Gewonheit ſich under einandern zu verkaufen/ iſt in dieſen Landern ſo daß wann der Mann oder das Weib erwan Gelts benöͤhtigt ſeyn/ ſie eins von Verkauffen. ſchr gemein/ Ver „jhlen Kindern ſchicken/ um verkauft zu werden/ und oftmals vertauſchen ſie dieſelben bey den mern/ vor etwan leinen Band/ oder andere Sachen ſolcher Gattung. i dada. Die zweyte Prodintz nennet ſich Mengreden. kk ſte ſtehet/ den König von Dadian. —: 8 ber d * Q— Mai war/ wuſte die ber herkommen/ und iſt verbotten/ daß man ſie 10 e- Aae f, daß Tefl welche die Haublffadr dae imm ſehr groß ſey/ daß die Georgianer/ wie gemeldet/ faſt alle Chriſten/ und daß jhre ReliChriſten/ ſo ſich in O. Engrelien erſtpecket ſich von den 1 welchem ſie gehorchet/ vermneinet einige Anforey zu haben/ wel. Die bitte ist die Provinz ariel, und geredt ha born Serre elt en dakiber herzſchet wird von den Ein- König don Ballachioue, wie der Kong. wöhrern dieſes Lands/ Konig bon Guriel genennet. Die Provintz 9 5 war vor die4 ſem dem Konig von Baſlachiouc underthan/ welcher einen Inrendanten oder Ober⸗ Aufſehern dahin ſchickte/ ſo man auf dieſes Lands Sprach Dadian nennet. Einer von dieſen Ober⸗Aufſehern/ welcher ein Geiſtreicher Gemüßter dieſes Volcks ſo wol zu gelpinnen daß ſie ihn n jhrem Konig begehrten/ und auf ſolche Wieinach dem ſie geſehen/ daß Badian ſich zum Konig gemacht hatte/ folgeten ſie denen von Mengrelien, und machten ſich auch loß von dem Joch des Koͤnigs von Baſſachiouc, und wurffen einen under ihnen auf/ welcher ſich ſt iſt dieſe Provintz von Imereté getrennt f Die Vornehmſten der Provintz Guriel, ſo wol als der erſte“ biß auf die heutige Stunde bey dieſer Wurde erhalten/ durch Beyſtand des Groß⸗Turcken. Selbiger iſt wol zu Frieden/ daß dieſe Provinzen ſich zertheilt haben/ dann wie ſie alle drey under der Gewalt 19 15 ü 5 ö es ihme viel zu khun dieſelbe zu bezwingen Koͤnigs waren/ ſchaffete und der Konig von Baſlachioue, welcher in kurtzer Zeit konte bey die fünftzig tauſend Mann auf die Beine bringen/ widerſtund jhme hefftig. Aber ſo bald Dadian rebelein Hauffen Eiſens zu geben/ mit dem Belierte/ verglich er ſich mit dem Groß⸗Turcken/ und verpflichtete ſich jhme alle Jahr ding/ daß/ wann er von dem Konig von Baſfachiouc ſolte angegriffen werden/ er alsdann Befehl ertheilen ſolte an die Baſlan von Trepizonde, von Erzerom und Cars, daß ſie jhme mit biß guf zwantzig tauſend Pferden beyſtehen ſolten. Ich habe anderswo angemnerckt“ daß das malte Lien ſo in der Türckey verbraucht wird/ von Mengrelien 8 c„ Der dem Gewichte/ ſo die Koͤnige in Perſien/ und Der König von Baſſachioue laßt G elt ſchlagen von eben der Groͤſſe/ und von eben die zu Teflis ſchlagen laſſen/ weilen aber das Silber nicht emerley Wurde iſt/ ſondern es zwey Reichsthaler vom hundert ermangelt/ als wurde ſelbiges keinen Abgang in der Handlung haben/ welche zimlich groß e iſt zrwiſchen den Underthanen des Königs in Perſien und der ſeinigen/ wann eines Funds gebraucht hatte/ in dem er quf ſein Gelt den Namen des Königs in Perſſen er ſich nicht bey dem ſeinen gefügt/ welches macht/ daß ſelbiges ungewegert angenommen wird. Er lieſſe auch wol einiges Gelt ſchlagen under dem Namen des Groß ⸗Turcken/ und wur de vielleicht dabey ein groſſer Vortheil ſeyn. Es Muͤntze die ſes Landes. wird aber in der Tuͤrckey kein ander Helt geAſperen/ außgenommen einige Ducaten/ ſoeredt habe/ da ich vom Serrail gehandelt. Der von 7 wäit⸗ en Jon dem PNamen des ganzen Lands und ſchlagen als der kleinen Muntz/ nmlich der nian nennet den/ under weſſen Bottmaſsig⸗% A f Dulcaten/ man auf Caire ſchlagt/ davon ich weirlauffig Ss in Ich erinnere mich/ daß 142 um das ſeinige davon zu ſchlagen. „Dieſe drey Konige von Ballachiouc, uriel und Mengreljen, ſeynd auch der Chriſtlichen Rellgion zugethan/ und wann ſie Krieg führen/ werden ſte von allen Geiſtlichen gefolget! Etz Biſchoffen Biſchoͤffen Prieſtern und München/ welches nicht geſchicht/ um ſie Tefl gehrgucht ſſch alechand fremdes Gelts/ zum Hechten zu zwingen/ ſondern um den Sol5 und urn das Gebatt zu verzichten. * daten in der Schlacht einen Muth zu machen/ N nach meiner erſten wohner Sik⸗ Reiſe/ jch zu Conſtantinopel geſehen habe/ eiden und ungeſchickſichkeit und ſonderlich eines Abgeſandten. nen Abgeſandten des Königs in Mengrelien, welcher durch ſeine ungereimte Weiſe zu leben/ allen amveſenden Ei peern zum oͤftern Urſach zu lachen gab. Die Geſcheneke ſo ey dem Groß⸗Türcken im Namen ſeines Her zn Gefolg von meht als zwey hundert Perſonen/ aber alle Tage verkaufſte er eine oder andere davon/ um ſein Staadt zu under halten/ dergeſtalten/ daß bey ſeiner Abreiſe ihme nichts, mehr übrig war/ als ſein Seeretar ius id zween ſeiner Diener. Er war don guter Leibes⸗Geſtaͤlt/ hatte aber weſg Geiſtes/ under vielen andern Ungeſchicklichkeiten/ ſo er begangen/ will ich nur von zweyen oder drehen Meldung thun. So oſt er gieng den GroßVizir zu beſuchen/ legte er eine weiſſe gefalle; te Kappe an/ und alle Chriſten verwunderten ſich/ daß der Vizir ihn duldete/ und ihne nicht das Geringſte davon ſagte/ dann ſo ein anderer Chriſt/ wer er auch ſeyn moͤchte⸗ felbiges under fangen hatte/ hatte er unfehlbar entweder ſterben/ oder ein Mahometan werden müͤſſen. Worauß dann zu ſehen/ wie det Groß⸗Tuürck des Königs in Mengkelien 1 40 15 in Ehren halte/ oder wie er ſich cheue ſelbſt die jenigen zu erzornen/ die jhme in ſeinem Namen zugeſandt ſeyn. Er weißt wol/ daß dieſe Volcker das Geringſte nicht verſchmertzen konnen/ und daß ſie auch wegen eines geringen Worts willen zum Sabel greiffen/ und daß nichts zu gewinnen ſey/ wann man ſie erbittern wurde.. Dieſer Geſandte undernahme eins mals zu beſuchen einen Frantzoſiſchen Obriſten/ welcher die übrigen Volcker von dem Frantzoͤſiſchen Regiment commandierte/ ſo in Pape und Velpringue in Guarmiſon waren/ und ſich dem Tur cken übergab im Ungariſchen Kriege. Dieſer Oberſte redete gut Turckiſch/ und war mit im Kriegs⸗Rath des Groß⸗Turcken. ſter her/ hi uͤberlieferte/ beſtunden in Eiſen und Skahl/ und in einer groſſen Anzahl Selaven. Wie, er zum erſten mal Audient hatte/ hatte er ein d Neisbeſihreibung in Perſien/ Auf das Get Sr Kranciſci wird der Dienst daſelbſt prgchliglich verdichtet alle Römiſch; Catholiſche Abgeſandten/ ſo ſich alsdann zu Conſtantinopel heßnden ermangeln nicht demfelben hepzuupohnen undd ſelbige Geiſtliche dalden/ daß n etliche Kramer um jh KloWaaren außſtellen. Der Geſandte von Mengztellen, wie er guß der Kirchen kam und in dieſem kleinen Laden ſo viel Lulnpen⸗ſachen gußgeſtellet ſahe/ kaufft er etliche Ringe von Meſeing gemaeht 2. öder z kleine Spiegel ein, Ulid ite Pfeiffe die erin den Mund nahm und durch die Gaſſen/ wie ein Kind/ biß an ſeine Behguſung pfiffe. 7 a ee * 2 ene 1 Vintzen/ welche ich alleweil beschrieben /o iſt 10 ee e allein Eiſenſondein aueh Gold⸗ und Silbei⸗Minen habe/ welche man in zweyen Gegenden findet/ xagder 6, Tägreiſe votr Teflis, deren die eine Joi. als mit höchſter Mühe zu dieſer Arbeit h kag/ wehen der Gefahr die es hat/ daß die möchte eükallen/ und die Arbeiter zer. teln welches ſchon zun öftern geſchehen⸗ Noch hals kine Gold⸗Mine/ nahe bey einem Ort/ ſeelchet de Farchengtene uennet/ üg ene Silber⸗Nine zu Junehe Fone, fünf Tag reiſe von Eraerom, und ebeſ ſo weit von Er 7 wonheiten und Regeln der Religion in dieſei Königreichen Georgien und Vengrelien Vers Cie bekämen ſeß dige geg wenig darein/ ob ihre Pnieſter und Biſthofe r A. unerfahren oder laſterhaftig ſuynd 8 ſie aan küchtig eynd anderen vorzußtehen. Die Reichſten under ſhten ſehnd In groſſeſtem Ansehen und ſchretben den Armen adlo urs Geſaße bor. . Eben alſo gehets auch mit den Haubleren der 5 5 N Kirchen welche ſich eine ſolche Ja fe Fee, 5 über das Volk angeriaſſet daß ſie dieſelbe verkaufen konnen/ bie ſie dann ſel bige oft den. Turcken oder Perſianern verhandlen/ worzu 3 ſie dann die ſchoͤnſten Knaben und Tochter erweblen/ unn deſto mehr Gelt darauß zu machen. Die Groſſen Here dleſes Lands gebrauchen ſo wol verheurahtete Weiber/ als fa e ter nach ſhrem Willen. Sie erwehlen ihre Kilnder zu Biſchöffen/ wann ſie noch in der Tegen ſeynd/ und wann d mit ſolcher Exrwehlung nicht zu frieden iſt/ ſo nimt die gante Cleriſey ſich des Exwehlten an/ worauß daun oft grauſame Kriege entſtehen. Dann ſie nehnſen s 6 a gene bend. Ae drgſteh daß kan die Leite dieſes Landes nicht u Met7 — und 91 4 2— Nachdem nun der Geſandte ſeine Sachen verzichtet/ und nunmehr nacher Hauß gieng/ ward er guf dem Wege von einem plötzlichen Regen übeifallen/ auf daß er aber bey ſo geſtalten Sachen ſeine Schuhe nicht mochte beſudlen/ nahm er elbige in die Hand/ unnd bedeckte ſie mit ſeinem Kleide/ wolte alſo lieber mit bloſſen Zuſſen naher Hauß gehen. Ex war gewohnet bie Meſſe anzuhoren bey den Bagrfuſſern/ welche jhre Kirche zu Galata haben. antze Dörffer hinweg/ und verkaufen das ar⸗ hen K. me Bol den Turcken und Aae 5 ö ah f lich dieſe Gewonheit/ Manner und Weiber zu verkauffen/ iſt ſo gemein in dieſen Landere das man wol ſagen möge daß dieſes eine von hren vornehmſten Handlungen ſehe/ dann ſolches treiben ſie alle Stunden/ und um gar lieberlicher Urſachen. Ich hake hierüber wol etliche Geſchichten zu erzehlen/ aber ich komme wieder guf eine andere Materi/ che, Die? ihrem belieben/ und hernacher verheurahten ſte Drittes Buch. Mater/ und endige/ was ich noch zu ſagen habe von den Gewonheiten dieſer Völckern. Biſchoͤffe ſcheiden die Eheleute nach die abgeſchiedene Perſon wieder mit andern und ſchicken die Per ſon/ ſo ſie meinen/ daß ſie unrecht habe/ zu verkaufen ſo jemand ſich nicht nach Wunſch verehelichet hat/ der verlaſſet ſein Weib/ und nimt eine andere vor eine Zeit/ ſo jhme gefalt/ und bezahlt ſie/ wie die Turcken thun. Der meiſte Theil under jhnen weiß nicht/ woas es zu bedeuten habe/ daß man die Kinder kauf fen laſſe. Zwey oder drey Tage/ nachdeme ein Weib niederkommen/ komt ein Prieſter mit Oel/ thut einige Gebate/ und ſalbet darauf die Mutter und das Kind/ und glauben/ daß ſolches genug zur dirt ſey. Ins gemein ſiehet man nicht/ daß dieſe Voleker weder in ihren Gebattern/ noch in andern Ceremonien einige Andacht haben. Es gibt bey ihnen viel Kloͤſter oder S. minaria, die Jugend zu erziehen/ wie ſchon gemeldt/ aber man findet viel mehr Tochante ter darinn als Knaben. Die Tochter legen ſich mehr aufs ſtudieren/ als die Prieſter ſelbſten/ und wann ſie weit darinn kommen ſeynd/(es ſey/ daß ſie im Kloſter verbleiben/ oder daß ſie ſich in Dienſten groſſer Herꝛen begeben) ſo horen ſie die Beicht/ ſie tauffen die Kinder/ leiten zur Ehe/ und verſehen andere dergleichen Verrichtungen der Kirchen/ welches eine Gewonheit iſt/ die/ ſo viel ich weiß/ in keinem Ort der Welt/ als in dieſen Landern gebrauchlich iſt. Das XI. Capitel. Von Comanien und Oircaſſien, wie auch von etlichen ſichern Voͤlckern/ man Kalmouchs nennet. e Omanien erſtrecket ſich gegen Aufgang/ biß ans Caſpiſche Meer/ gegen a Niedergang wirds durchs Gebürge underſcheiden; von Circallen gegen Norden/ ſtoßt es an Moſeau/ und hat Ceorgien gegen Mittag; von den Bergen an/ ſo es begraͤntzen 5 5 143 Waſſer/ weilen es imtnerdar trüb iſt/ und ſo laugſom fleußt/ daß man kaum mercken kan ob der Strom dieſenoder jenen Weg abfieſſe. Und aiſo ergeußt er ſich allgemach in das Caſpiſche Meer gegen Mittag des Munds oder Außlauſfs der Volga. Es iſt nicht weit von dieſem Fluß/ wo langs dieſem Meer nach an beyden Seiten in den Ockober⸗ und November⸗Monaten/ eine groſſe Menge Fiſche hervor lauffen/ welche biß auf vier Fuß lang ſeyn. Fornenher haben ſie 2. Fuſſe/ ſo den Handen gleich/ hindenher aber haben ſie an ſtakt der Fuüſſe vier Klauen. Dieſe Art Fiche haben gar kein Fleiſch/ es iſt lauter Fett mit einem einigen Gradt in der Mitten. Und weilen ſie auf der Erden nicht ſchnell lauffen konnen/ ſo ſchlagen die Bauren ſie mit Bengeln tod/ und machen Oel darauß/ welches eins von den beſten Einkommen dieſes Lands iſt. 1 ie Voͤlcker in Comanien Comouchs genannt/ wohnen meiſten Theils unden an Einwohner. den Bergen/ von wegen der ſchoͤnen Quellen/ welche in ſo groſſer Menge auß denſelben entſpringen/ daß etliche Doͤrffer deren dreiſsig biß viertzig haben. Sie leiten drey oder vier derſelben zuſamen/ und machen ein Canal darauß/ ihre Muͤlen zu treiben. Die Bequemlichkeit dieſer Waſſern aber/ iſt nicht allein die Urſach/ warum ſie ſich alſo an den Bergen aufhalten/ geſtalten ſelbige ihnen auch quf der Ebne nicht ermanglen/ ſondern weilen dieſe Volcker meiſtentheils vom Diebſtal/ ſo ſie theils anjhren Feinden/ theils under jhnen ſelbſten begehen/ leben/ ſtehen ſie in ſtater Forcht/ man mochte ſie überfallen/ ſo bald ſie aber das Geringſte davon vermercken/ fliehen ſie in das Geburge mit ſamt dem Vieh. Wie dann alle die benachbarte Volcker/ von welchen ſie gleichſam umgeben ſeynd/ als die von Georgien; von Mengrelien, 5 Circaſsien, Tartarien und Moſcoviter on dem Diebſtal ſich erhalten/ und jhre Lander under einander durchlaufen/ ind Mn,, 1 Es hat noch andere Volcker/ welche man Kalmouchs nennet/ welche an der Seider gegen Abend biß an Tercki,(welchesein Fluß te des Caſpiſchen Meers zwiſchen den Mon fe 8 72 75 ſcowitern und Groß⸗Tartaren wohnen/ ſelde kamen ift/ ſo Comanien von Moſcau underſcheldet⸗ n/ ſel x, nad hat es eine ſchoͤne Ebne/ ſehr bequem zum Acker⸗ bige ſeynd ſtarcke Leute/ aber auch die heß⸗ Hgſhſche bau/ und in welcher es an ſchonen Wieſen nicht lichte und ungeſtalteſte under der Sonnen. esa der ermangelt. Jedennoch iſt dieſe Ebne nicht gar Ihr Angeſicht ift ſo plat und breit/ daß das Lelouch. eine Aug 5. oder 6. Finger breit von dem anvolckreich/ und dahero geſehichts/ daß man einen Acker nimmermehr 2. Jahr nach einander beſaet. Es iſt bey nahe eben eine ſolche Art Landes/ wie man zwiſchen Paris und Lyon findet/ es regnet da von Seit zu Zeit/ und dennoch durchgraben die Bauren die Fluſſe/ um das Waſſer durch Canale auf jhre Aecker zu leiken/ welches ſie ohnlaͤngſt von den Perſianern erlehrnet. Dieſe luſſe fallen von den Bergen gegen Mittag/ und ſeynd in den Landkarten nit zeichnet. Under anderm findet ſich einer/ weldern entfernet iſt. Ihre Augen ſeynd ungewohnlich klein/ das wenige/ ſo ſie von der Naſe haben/ iſt ſo plat/ daß man da nichts als zwey kleine Oeffnungen ſtehet an ſtatt der Naſenlocher. Ihre Knie ſeynd auſfenwarts gebogen/ die Fuͤſſe aber einwarts gegen einander; mik einem Wort/ man kan ſich nichts ſo ungeſtalt einbilden. Im übrigen aber ſeynd ſie gute Soldaten/ und weichen in dieſein Stuck keinen andern Volckern dieſer Gegend. Wann ſie zu Kriege gehen/ nehmen ſie jhre Weiber/ und die Tochter ſo über; zwoͤlf Jahr erꝛeichet/ mit ſich/ wie. ſeli ige cher ſehr groß iſt/ und welchen man nicht durchwatten kan in welcher Jahrzeit es auch ſeyn öge. Man nennet yyn Coyaldu, das it/ dick 144 bige mit gleicher Tapferkeit fechten wie die Manner: Fur Waffen gebrauchen ſie den Bogen/ Pfeil/ den Sabel/ und eine dicke hoͤltzerne Kolbe an dem Sattelbogen/ und haben die beſten Pferde in gantz Aſig. Ihr Haubt oder Führer iſt vom alten Geſchlecht/ und erwehlen gemeinlich den/ welchen ſie für den Starckſten halten. Der Groß⸗Furſt von Moſcau ſchickt ihnen jahrlich Geſchencke/ um die Freundſchaft zu unberhalten/ welche vornemlich in Tüchern beſtehen. Er geſtattet jhnen den Durchzug/ wann ſie etwann in Mengrelien, Georgien oder Circaſſien einfallen wollen/ und in dieſem Stucke ſeynd ſie noch viel beſſer erfahren/ als ſelbſt die kleinen Tartarn. Sie gehen auch wol gar biß in Perſien/ und in die Provintz der Ubeken, welche ein Theil von Groß⸗Tarkarey iſt/ und dringen durch biß an Caboul und Candahar. Endlich zerſtreuen ſie ſich auf allen Seiten/ und ſtreiffen biß gar in Polen hinein. Was jhre Religion betrift/ ſo haben ſie gar eine eigene/ und haſſen die Mahometaner uͤber alle maſſen. Ich wende mich aber wieder zu den Comouchs, den Voͤlckern in Comanien, welche der Religion nach Mahometaner ſeyn/ und ſehr aberglaͤubiſch. Sie eh mec * dem Schutz des Konigs in Perſien/ welcher S ſie liebet und hoch haͤlk/ weilen ſie jhme die Paſſe an dieſer Seite ſicher halten gegen die Kalmouchs und andern Feinden dieſes Konigreichs. Die Manner und Weiber under jhnen ſeynd gekleidet/ wie die kleine Tartarn, und langen auß Perſien das Leinen und die Seide/ ſo ſie vonnoͤhten haben; dann was die Tücher betrift/ ſo hehelffen ſie ſich mit denen/ ſo in jhrem Lande gemacht werden/ und gar grob ſeynd. 85 9 Circaſſien iſt ein ſchoͤn und gut Land/ Circaſjen. und gar underſchieden. Es hat viel ebenes Landes/ Walder/ Hügel und Berge/ auß welchen viel Quellen enkſpringen/ und man findet deren/ die ſo groß ſeynd/ daß ſie ſieben oder acht Doͤrffer in der Gegend/ ver⸗ fe gnuͤgen koͤnnen. Sonſten gibts in allen denen Bächen/ ſo von dieſen Quellen wachſen/ keine Fiſehe. ain allerhand Art Blumen/ und abſonderlich ſchoͤne Tulipan. Es wachßt allda eine Art Erdbeeren/ welche gar kurtze Stiele haben/ und man findet deren gemeinlich vier oder fuͤnf an einem Buſch/ die geringſten davon Fe ſo groß wie die kleine Nuſſe/ und ihre Farbe 1 bleich. Die Erde bringt daſelben faſt ohne einige Muͤhe/ die ſchoͤnſten * Früchte in groſſem Uberfluß herfür/ zudem di andere Garten/ als die Aecker/ hat man keine Aa 3 15 1 Früchte und Nuß⸗ und andern dergleichen ſchon juTuche nen beſchet ſeynd. Ae ſchoͤnen Ba beſtehet in Vieh/ und Pferden/ welche de ſeynd. Es gibt au — ſe/ we fürnemlich in ſchoͤnen n Span ch viel Geiſſen und Sch ſcher Wollen ſo gut gehalten wird/ Reisbeſchreibung in perſien/ Man findet in dieſem Lande rſch⸗Baumen/ Aepfel⸗Biren⸗ ſtehet. i. 5 f. Das Geträncke der Cherken iſt Waſcher Tranck von Hirſen geund macht truncken wie der Wem/ deſſen es keinen gibt dieſer Landſchaft. Kleidung der Manner und Weiber iſt Underſcheid/ ſonder die Weiber kleiden r groͤſter Reichthum ſſchen ſehr gleich feat Sal als die Spaniſehe/ wie dann die Moſcowiter dieſelbe abholen/ um groſſe Filtze darauß zu machen. Was die Ochſen und Kühe betrifft/ ſo ſeynd ſelbige nichts ſonderlichs/ und werden nicht under dem Vieh gerechnet/ welches Carcaſſien bereichert. Dieſe Volcker ſaͤn weder Korn noch Haber/ ſondern nur allein die Gerſten vor jhre Pferde/ und Hirs/ worauß ſie Brot machen; ſie beſaen nicht zweymal nach einander einen i Acker/ ſondern veranderen die Aecker jahr⸗ Im, N lich. Nicht darum/ als wann der Acker Deda nicht gut ware/ um gut Korn zu tragen/ und Koſt. 1 ſonderen ſie bekümmeren ſich nicht darum/ 6 1 und lieben mehr das Hirſen⸗Brot. e gibt da gut Fleiſch und junge Huͤner/ wie auch Wildpret/ mehr als ſie verthun koͤn⸗ Gute Jo d nen. Sie gebrauchen weder Hunde noch reyen und 8 Vogel auf der Jagdt/ und wann ſie auß⸗ Vichuch:. gehen/ ſo rotten ſich ſieben oder acht von 1 0 den vornehmſten⸗Dörffern zuſamen. Sie 2 haben ſo gute Pferde/ daß ſie das Gewild 1 mit rennen ermüden/ und alſo bezwingen. Ein jeder halt allezeit einen Strick fertigs MRR. welcher an den Sgttelbogen angebunden/ 8 und ſeynd ſo geſchickt dem ermudeten Thier den Strick um den Hals zu werffen/ dafßßfßf deren wenig ſeynd/ die entwiſchen konnen. 1 o bald ſie einen Hirſchen getodet/ ſchne˙i dn 8 den ſie jhme die Fuͤſſe ab/ und zerſchlagen 5 die Knochen/ um das Marck darauß zu eſ⸗ 122 ſen/ in der Einbildung/ daß nichts ſo 1575 1 tig ſey/ den Leib zu ſtaͤrcken. Wann ſie 72 vor haben/ einiges Vieh zu ſtehlen/ nehmen 1 ſie mit ſich gantze Ochſen⸗Hoͤrner/ wol ge⸗ 8 kochter/ und in kleine Stucke zerſchnittener Saldaunen, um vorzukommen/ daß die Hun⸗ 5 9 25 de/ ſo das Vieh bewahren/ ſie nicht anbel⸗ 1 len/ und die Hüter nicht aufwecken/ dann 1 eine jede Herde nicht weniger als acht oder 3 zehen Hunde/ zu jhrer Beſchirmung um 5 1 hat/ neben zweyen oder dreyen Hirten. Sie 1 kundſchaften die Zeit auß/ wann die Wach⸗ 1 a ter eingeſchlaffen/ und ſo bald die Hunde an⸗ 4 fangen zu bellen/ werffen ſie einem jeden eins von dieſen Hoͤrnern vor/ welches der Hund 6 ergreifft/ und ſich von der Heerde machet/ daſſelbige zu freſſen. Die Arbeit/ ſo der g Hund hat/ die Daͤrne auß dem Horn zu 4 ziehen/ welche mit Macht hinein gepragt 9 ſeyn/ und an der anderen Seiten die Forcht/ 1 ſo er hat/ daß nicht ein anderer Hund komme/ jhme ſeinen Raub zu nehmen/ verurſachen/ daß der ſeines bellens vergißt. Wahrender Zeit/ und weilen die Hirten/ die den. W ed gearbeitet/ eingeſchlaffen/ machen f ie Rauber die Sache richtig/ und entführen das/ was ihnen in der Heerde am beſten an5 ſer und Boſa, wel macht iſt/ und m In der gar kein ſich wie die —— — E N 0d 8 „ e b 8 N eser 105 Klei. Drittes Buch. 8550 die Manner/ die Töchter wie die Knaben/ und tragen einen gefärbten Rock von Eataun gemacht/ und Schlaff⸗Hoſen dergeſtalt weit/ daß wann ſie das Werck der Natur verrichten wollen/ ſie dieſelbe nur aufzuheben haben/ ohne dieſelbe weiter abzubinden; zu dem tragen ſie ein klein Wullenhembd geſtrickt/ welches ihnen nit gar bis auf die nie abhangt/ und druͤber ziehen ſie eine Art Röcke von grobem Tuch bis auf die Knie/ welche in der Mitte mit einem Seil gegüͤrtet wird. Die Ermel dieſer Roͤcke ſind oben und unden aufgeſchnitten/ und oftermals hefften ſie ſie an/ inden auf den Rucken. Sie ziehen ehe keinen Bart bis ſie die 60. Jahren naheren; und was die Haare/ ſo der Mafſer als Weiber/ ſo der Knaben als der Tochter/ betrifft/ o gehen ſelbige nicht weiter ab/ als eben uber die Ohren. Beyde junge und alte deute laſſen ſich ſcheeren mitten uber den Kopf/ auf zwey Finger breit/ von der Stirn an bis in den Nacken/ und beyde Mann und Weib ſind bedeckt mit einer kleinen Rappe/ ſo von eben demſelbigen Tuch gemacht iſt/ wovon ſie die Roͤcketragen. Zwar nachdem ſie verehelicht ſeyn/ verenderen ſie einiger maſſen jhre Hauben/ dann hinden am Kopf hefften ſie einen dicken Ball von Filtz an/ welchen ſie bedecken mit einer weiſſen Decke/ ſo gar ſauber/ und mit kleinen Faltergen gemacht iſt. Die Strumpfe binden ſie über die Knie/ und gehen gar auf dem Knochel am Fuß; Ihre Schuhe/ welche oben und unden vonCarduan ſehn/ haben oben auf dem Fuß nur eine Nathſeynd gar leicht/ und geſchnitten auf Art und Weiſe/ wie die Schuhe mit einfachen Solen pflegen geſchnitten zu werden. Was ihre Bette betrifft/ ſo nehmen ſie etliche Schaafs⸗Felle/ welehe ſie zuſamen nehen/ und mit Hirſen⸗Laub außfüllen/ und machen alſo eine Art Madratzen drauß: Wann ſie die Hirſen dreſchen/ der Staͤdte noch wird dieſes Laub ſo klein wie Haber⸗Spreuer/ und wann man aufſtehet von dieſen Madra0 ſo ſchwellen ſie auch von ſich ſelbſten auf. ie Küiſſen deren ſie ſich gebrauchen/ ſeynd auf eben dieſelbige Weiſe gemacht/ jedengoch füllen ſie auch etlichemit Wolle auß. Ich komme auf ihre Religion und Ceremonien. Dieſe Volcker ſeynd weder rechte Chriſten/ noch Mahometaner/ und ihre gantze Religion beſtehet nur in etlichen Ceremonien/ welche ſie von Zeit zu Zeit mit muglichſter Pracht verrichten/ dann es muͤſſen alle Einwohner des Dorffs/ Junge und Alte/ auch die Stein⸗Alte nieht außgenommen/ ſich daben einfinden. Ich rede hie allein von Doͤrffern/ weilen in allen den Landern/ welche ich alleweil beſchrieben/ wee Veſtungen zu finden ſeyn. Dieſe Dorffer/ ſonderlich in Circallen, ſeynd bey nahe all auf einerley Weiſe gebauet/ gaz in die Ronde/ und ein groſſer Platz in der Mitten/ und die folgende Figur kan dem Leſer davon leichtlich den Verſtand geben. K* * 143 Das XII. Capitel. Von den Ceremonien und Gebraͤuchen der Voͤlcker in domanien und Circaſßen. Aas vorneniſte under den Feſten oder eremonien der Comouchs und der 0 Cherquen oder Circaſſianen, feyxet man am Ende des Herbſtes/ wobey es auf folgende Weiſe zugehet: Die drey Elteſten im Dorffe verrichten die Ceremonien/ und bediene das Amt/ ſo jhnen in Gegenwart des gantzen Volcks anbefohlen iſt. Sie nemen einen Hammel oder eine Geiß/ und nachdem ſik etliche Gebater geſprochen/ ſtechen ſie dem Thiere die Gurgel ab/ ind wann es genug gereiniget iſt/ kochen ſie es gantz/ außgenomen das Gelunge/ welches 5 gebraten wird. Nachdem alles genug gekocht/ Der Cucsslegt mans auf einen Tiſch/ und tragts in eine der eſttage. überauß groſſe Scheur/ in welcher das gantze i Volck ſich verſamlet. Diez. Alten ſtellen ſich aufrecht vor den Tiſch/ und das gantze Volck/ Manner/ Weiber und Kinder/ ſtehen auch aufrecht hinter ſie: Nachdem nun der Tiſch/ auf welchen der gekochte Hammel hineingebracht/ zerſchneiden die 3. Alten die 4. Fuſſe/ und das gebratene Gelunge/ hernach heben io alles überſieh in die Hohe/ mit einem Woſſe Becher voll Boſas auf daß es von allem Volck hinder ihnen geſehen werde. Ss bald ſie dieſe Speiſe und Beſthe die allhier beygeſügte Fis gur. Tranck ſehen in die Hohe heben/ werffen ſie ſich alle auf die Erde/ und bleiben alſo bis es wieder auf den Tiſch geſetzet iſt/ und bis die 3. Alteneimge ſichere Worter außgeſprochen haben: Hernach hebt ſich das Volk wieder empor/ und bleibet aufrecht ſtehen/ underdeſſen geben die z. Alten ſo das Fleiſch haben/ jeder ein Stuck deme ſo in der Mitten iſt und den Becher halt und hernach nehmen ſie beyde jeder guch ein Stuck vor ſich. Und nachdem ſie alle drey von dieſem Fleiſch geſſen/ ſo trincket der Alte ſo den Becher halt zu erſt/ und hernach wendet er ſich zu dem Alten der zu ſeiner Rechten ſtehet/ un gibr ſhme zu trincken/ ohne daß er den Becher fahren laſſe/ und endlich gibt ers ebenfals dem jenigen zu ſtiner Lincken. Nachdem dieſe erſte Ceremonie verzichtet/ wenden ſich die 3. Alten zu dem Volk/ und reichen jhnen davon zu eſſen und zu trinken/ erſtlich jhremm Haubt oder Oberheren/ und hernach allem Volck/ welche ohne Underſcheid davon eſſen/ ſo wol Groſſe als Kleine. Was eltran von den 4. Fuſſen mochte uͤberi bleiben/ ſolches wird von denz. Alten auf den Tiſch gelegt/ und vollends gegeſſen⸗Nach dem dieſes geſchehen/ ſetzen ſie ſich zun Tiſche auf welchem der Hafnel ligt/ und mimt dann der Elteſte under den z. den Kopf/ und iſſet ein wenig davon/ und gibt ihn darauf dem andern/ welcher hn/ nachdem er davon geſſen/ dem z. darreicht: Nachdem der Letſtere davon geſſen/ legt er hn demErſten wieder vor/ welcher ihme befihlt den Kopf dem Herzn des Dorfs zu bringen/ welcher ſolchen mir tief unde, fem eſpect annitni/ und wann er davongeſſen wehe hat/ überreicht er jhn ſeinem nechſten Verwand⸗ Curemanien ten oder wenns al gibt einer dem gebrauchen. ö a und was ſſe ndern 146 aaderen den Kopf bis er gantzlich verzehret iſt. Nach dieſem fangen die drey Alten an/ von dem Leib des Hammels/ jeder ein oder zwey Biſſen zu eſſen/ worauf ſie den 70 5 des Dorfs zu e e em Reſpect die Haueunder dem Arm haltend/ und gantz zitterend hinzu nahet. Er nim̃t ein Meſſer auß der Hand des Alten/ der es jhme darbietet/ und nachdem er ein ſtücklein von dem Hammel geſchnitten/ und ſelbiges ſtehend gegeſſen/ wie auch des Bola auß dẽ Becher; ſo jhme derandere Alte hernach dar/ gereichet getrunckẽ/ ziehet er ſichmitgroſſer Ehrerbietung zuruck. Deßgleichen thut das gantze Volck/ die Eltere gehen zu erſt/ und was die berg ebliebene Beine betrift/ ſo ſchlagen ſich die Kinder darum/ welcher ſie behalten moͤge. ö 5 Sie halten auch noch ein ander Feſt/ welches ſie feyrẽ ehe man anfangt die Wieſe zuſchneidẽ/ und im ſelbigẽ gehen folgende Ceremonien vor. Ein jeder im Dorff/ der die Mittel hat/ nimt eine Geiß(dann in jhren Ceremonien halten ſie die Geiß hoͤher als die Hammel) die Armẽ aber S. oder zehen/ machen auch eine under ſich auß. Wann nun dieſe Ziegen/ Hammel und Lammer bey einander ſeyn/ ſo ergreift ein jeder die Seinige/ ſticht ſie die urgel ab/ und ziehet die Saut davon/ an welcher ſie den Kopf unddie. Fuſſe laſſen; hernach ſtrecken ſie die Haut auß/ mit zween Stecken/ welche von einem Fuß zu dem anderen gehen/ und hangen ſie an einer in der Erden geſetzten Perſche/ an deſſen oberſte Spitze der Kopf des Thiers geſteckt iſt/ wie in nachfolgender Figur zu ſehen. So viel Thiere als geſchlachtet ſind/ ſo viel Perſchen ſtecken auch in der Erde/ mitten im Dorff/ und auf jeder eine Haut/ und ein jeder ſo vorbey gehet/ machet eine tiefe Ehrbezeugung. 5 Nachdem nun ein jeder ſeinen Bock gekbchet/ wird er auf den Platz/ welcher mitten im Dorff iſt/ gebracht/ undnebſt andern geſchlachIhts Muſee. teten Thieren/ auf ein groſſe Tafel/ gelegt. Der Herz des Orts/ ſtellet ſich auch daſelbſt eyn/ nebſt allen ſeinen Leuten/ und bisweilen kommen etliche ſolcher Herren von underſchiedlichen Doͤrffern zuſamen. Wann nun alle dieſe Speiſen auf der Tafel ſtehen/ ſo ſetzen ſich die zwey Elteſten des Dorffs dazu/ und eſſen etliche Stücke. Nachmals beruffen ſie den Herzn des Orts/ und wann ſich auch etliche andereſolcher Herren dabey befinden/ ſo kommen ſie nebſt den Elteſten des Dorfs zuſannen. Wann dieſes geſchehen/ ſo eſſen ſie ein Stuck/ welches die drey Elteſten für ſie auf die Seite geſetzet/ das übrige aber wird under das Volck/ ſo auf der Erden ſitzet/ außgetheilt/ und von jhnen verzehret. In etlichen dieſer Doͤrffer/ werden bis auf 50. Thiere/ ſo wol Boͤcke/ als Hammel/ Lammer und Ziegen/ geſchlachtet. Was die Boſa, oder das Getrancke anbelanget/ ſo werden öfters uber 200. Maaß hergebracht/ nachdem es eines jeglichen Vermoͤgen ertragen kan. Den gantzen Tag bringen ſie mit Eſſen/ und Trineken/ mit Springen und jhren Flotten⸗Dantzen zu/ weil ſie keine ande, e Muſic haben. Mann kan nicht genug benReisbeſchreibung in Perſien/ cken/ wie übel lautend dieſes Gethoͤne iſt/ und ſie haben gemeiniglich dieſer Pfeiffer Dotzendweiſe beyſaͤmen. Der Erſte under ihnen hat eine Pfeiffe eines Armes laiſg/ der übrigen ihre ſind um etwas kleiner/ und die letſte iſt die gllerkleineſte. Wañ die Alte/ die bey der Tafel ſitzen/ jhren Theil haben/ ſo machen ſie ſich davon/ und laſſen die jungen Manner/ und Weiber/ Knaben/ und Magdlein bey hrem Danzen. Sie bleiben ſo lang dar weil das Getrancke waͤhret/ und des Morgens iſt jhre erſtre Arbeit/ daß ſie die Wieſen abmeyen. 5 Auſſer dieſen offentlichen Gebraucht/ ſnd noch andere/ die ſie nur in geheim/ ein jeder in ſeinem zerglaubUnd ahel Hauſe prakticieren. Man machet alle Jahr in ſche po jeglichem Hauſe ein Creutz einem Hamer gleich/ Schuh hoch/ die 2. Holtzer davon es beſtehet/ ſind ſo dick als ein Arm. Wal das Creutz nun gemachet/ ſo ſtellet der Hauß⸗ Vatter ſolches in die Kamer⸗Thur/ und gibet einem jeglichen von ſeind Leuten/ eine angezundete Wachs⸗Kertzen. Er berüͤhret mit der ſeinigen das Creutz zum erſten/ nachmals thut ſolches ſein Weib/ und endlich auch die Kinder/ und die übrigen Haußgenoſſen. Wann die Kinder noch allzu klein/ und nicht die Kraffte haben/ das Creutz zu berühren/ ſo thut der Vatter ſolches an ſtatt jhrer. Wañ nun die Wachskertze außloſchet/ eheſie gantz verbrandt/ ſo iſts ein Zeichen/ daß der jenige/ der das Creutz damit beruhret/ dieſes Jahr ſterben werde. Wan die Kertze umfaͤllet/ ſo wird angezeiget/ daß der jenige/ dem ſie zuſtaͤnd ig/ vird geſtohlen werdẽ/ und wañ es ein S clave iſt/ ſo 15 es gleiche Bedeutung/ oder/ daß er entfliehen werde. Dann ich habe befunden/ daß alle dieſe Leute groſſe Dieb ſind/ ſintemal ein Dorff dem anderen raubet was es kan/ ſo wol Menſchen als Viehe/ und es bleibet niemand/ 1 5 Herren/ Kinder/ und die/ welche ſie fur Edelleute halten/ hiervon befrehektkt. Wannes donnert/ ſo gehet ein jeder auſſer⸗ ae ſpringt in Gegenwart der Alten/ welche ſich niderſetzen. Dafern einer vom Donner erſchlagen wird/ begraben ſie jhn praͤchtig/ und halten jhn für einen Heiligen/ als welchem ein groſſe Gnad von Gott widerfahren. Trift es aber eines jhrer Pauſer/ und weder Mann noch Weib/ weder Kinder noch Thiere/ verletzet/ ſo darf das gantze Hauß ein Jahr lang nichts thun als dantzen und ſpringen. Man ſchickt alsbald in alle Lander/ und laſſet einẽ weiſſen Bock ſuchen/ den ſtaͤrckſten/ den man finden kan/ und dieſer Bock wird von dẽ Dorffe/ in welches das Wetter geſchlagen/ ernehret/ und hoch verehret/ bis ein anderer Ort vom Doßſer getroffẽ wird. Alle die jenige auß dieſem Hauſe/ gehen von einem Dorff zum andern/ nebſt hren Freunden und Verwandten/ ſie gehen aber nit hinein/ ſondern blelben herauſſen/ dantzen nnd ſpringen/ und alsdañ bringt jhnẽ ein jeder etwas/ davon ſie ſich erhalten koͤnen. Zur Fruͤhlings⸗ Zeit iſt ein gewiſſer Tag beſtimet/ daß in dẽ Dor f wo der Bock/ alle die jenige/ welche vom Doner heimgeſucht worden/ ſich beyſame benden. Alsdan nemen 15 0 halb des Dorfs/ und die jungen Leute von bey⸗ pan 195 derley geſchlechte fangen an zu dantzen/ und zu bes Do 3333 Drittes Buch! Bock/ welcher allezeit ein Kas am Hals hangen hat/ in Form und. Froͤſſeeines Parmeſanes/ und führen ihn in daß Dorf des furnemſten Herꝛn in dem Land. Sie gehen aber nicht zu jhin hinein/ ſondern del er ꝛ komt mit allen den Seinigen herauß/ die ſich für den Bock niderwerffen; wann ſie nun etwas gebaͤttet/ nehmen ſie hme den Kass ab/ und thun alsbald einen anderen an feine Stelle. Dieſen Kas ſehneiden ſee in kleine Stücke/ und theilen ſelbige auß. Nachmals gibt man jhnen wol zu eſſen/ und reiche Allmoſen/ auf dieſe Weiſe gehen ſie guß einem Dorf 2 che zerkvatzen ſich das Geſicht und den Leiban underſchidlichen Orten/ mit ſchneidenden Kiſelſteinen/ andere fallen auf die Erde/ und reiſſen ſich die Haar auß/ alſo baß ſie/ wann ſie vom Begräbtuſß komen ganz Blutrunſtig außſeen. Auf dieſe Weiſe martern ſte ſieh wann ſie jhre Tode begraben/ ſie batten aber nicht für ſie) und dieſes ſeynd alle jhre Ceremonſen. Ire Verch/ Math folgends iſt bey ihrer Heurgt gebrauch⸗ chung lich. Wa der jenige ſo ich verehlichen will/ein Mag dlein geſehen/ das ſhme gefallet/ ſo ſchickt er emen ſeiner nechſten Verwandren/ mit dem Vater und der Mutter der Tochter zu ſchlieſins andere/ durch das gantze Land/ und konnen „ HKlſso ein ziemliches zuſamnen bringen babs ebe Sie haben hicht mehr als ein einig Buch unſie Genen, der fhnen welches ſo groß als einer unſer groſtẽ e alrau⸗ Folianten iſt/ und dieſes hat ein alter Maun 5 Ander ſeinen Handen/ und eint ig und allein die Frey eit ſolehes anzurühren. Wann dieſer Alpanel laub? hoffen ſen was er jhnen geben ſolle/ und dafern ſie keine Eltern mehr hat/ wird ſolches von eint Blutsfreund an ſtatt der Eltern oder Vormund verlichtet Was ſie einander geben/ beſtehet gemeiniglich in Pferden/ Kühen/ oder anderm Vieh. Wann beyde Theile auß einem Dorf ſind und le ſtirbet/ ſo erwohlen ſie einen anderen zum Hüter dieſes Buchs/ ſein Aint iſt/ daß er von einem Dorff zum andern gehet/ wo er weiß/ daß ſich etwan Krancke befinden. Das Buch nimme er mit ſich/ wan er nun zum Krancken komt Und die Wachskertze anzündet/ muß ein jeder Aliß der Kammer weichen/ alsdarm leget er das Büch dem Krancken auf die Bruſt/ machet es auf/ und liſet dar innen/. etliche mal daruͤber/ alſo daß die Luft dem Krancken der Handel geſchloſſen/ ſo gehen die Verwandlẽ des Brautigams/ nebſt dem Hern bes Orts/ in der Tochter Behaßſung/ und bringen denſelben mit/ der jhr Mann ſoll ſeyn. Alsdann ſtehet die Hochzeit bereitet/ und wan ſie gut debẽ gemacht und herdiſch gedantzet/ nun der Brautigam ſeiNe Braut/ und gehet ohne fernere Weitlaufligeit mit jhr ſchlaffen! Sind ſie aber auß underſchledlichen Dorffern z ſo gehet der Her: des Olts/ woriien der Verlobte wohnet/ nobſt ſeinẽ unders Geſichte gehet. Nachmals laſſet er ihn das Buch oftmal kuſſen/ und leget es auf ſein Haubt/ un dieſes Gep range wahrer ohngefahr ein halbe Sinnd. Wann der Alte wieder weg will/ gibt man ſhme zur Belohnung entweder ein Ziegen/ oder Hamel/ Ochſen/ oder Kuh/ 0 wieſſe Hachdem ſich jegliches Bermogen erſtrecketFreunden in das Doyf der Tochter/ die ſieſuchen/ und in des Braut igams Wohnung fuͤhren/ das übrige gehet her/ auf die Weiſe/ wie ich zuvor angezeigt. 5 3.—— a— 5 Wan etliche Fahrweg gehe und ſie keine Kin⸗ ehen der Uberkomen/ it es den Mann erlgubet/ viel Klensen Kinder uberkomet. Wan eine Frau ein eben. Alen bebe, Sie haben guch alte Doeiber under nen/ welche die Kranckheiten heilen wollen/ und dieſe ihre Cur geſchicht auf folgende Wels: Sie berühren deneib'bes Krancken/ un ſonderlich den Ort welcher hie weh thut/ und diſes geſchicht gar oͤfter/ naehmals laſſen ſie Rulpſer über des Krancken Murld gehn/ un je groſſere Schmertzen der Krancke hat/ je beſſer muſen die Weiber kuͤlpſen. Die umſtehenden/ welehe dieſem rulpſen zu hoͤren/ und die alten Seufzer in dem Magen klinge/ glauben ſte/ es ſey dem Krancken ſehr heilſam/ und nachds dieſe Weiber rülpfen/ nachdem empfangt auch der Krancke/ wie ſie dafur halten/ einderung. Allein wo dieſes geſchicht/ ſo geſchiehet es durch Einbildung/ und man muß dieſe Rülps⸗ Weiber ehrlich un wol bezahlen/ die Sach gehe auch wie ſie wolle Wann einem der Kopf weh thut/ ſo habe ſie kein ander Mittel ſich zu heilen/ als daß ſie zrun Barbie rey gehen/ derſelbe machet jhnen mit dem Scheermeſſer a. Schmitt/ an de Ort wo ſie Sehmertzen empfinde die bis aufs Bein gehen/ hernach legt er Salbe darauf/ damit die Wunde wider zuheilen mochte. Diſe deut glauben alle Haubtſchtmertze entſte he von eind Wind/ welcher zwiſchen Haut n Bein ſtecket/ und waf ſie es alſd aufſchneidk/ o bekoten ſie Luft/ un verlieren die ſchmertzen. „In jhren Begrabniiſſen kommen ſie mit den VBarbarn in vile überein/ dann wann ſie jhre Todten zum Girgb begleiten/ fuhr eine zreune ein erſchröckliches Geheule/ etli* Thei 1 i Was auch geſchicht/ daß ei Manoder Bulen hat/ und der Mann trift ſie bey jhm an/ gehet er ohne einziges Wort davon/ und redet ferner memals nut hr. Die Weiber machen es auch auf dieſe Weit/ wan ſie jhre Manner bey andern xMaitreſleneutgppen. Je mehr Buler eine hat je hoher wird ſie gehalten un wan ſiemit eingnder, uneinig/ ſo wirft eine der andern fur/ daß ſie haßlich ſey/ un mangel habe/ und mache daruber mehr Gezancke als der Rege ſweyth iſt. Dieſe Volcker ſind wie die Georgianer o gar gutem Geblut/ ſonderlich aber ſind die Weiber lit/ bis ſie 45. oder 50. Jahr ole werden. Sie ſind ſehr gu beicſam und fachen ſeſbſten das Eiſen auß den Hruben/ welches ſie auch ſchmiden/ un aſlerhand Wererzeug da guß machen. Sie machen alle Dandgeſtuere Sachen vo Gold und Silber/ welches entweder über die Sattel der Pferde gedecket/ ode ſte brauchen daſſelbezu den Kocher Bogen,„file Dinde, oder zu be Tuch davon ſie die Sehnuptucher machen. Wannen Mann oder Frau mi eimender uneinig ſind/ und ſich nit veltragen Fenheh/ gehet der Mann zum Heren des Orts und beklagt ſich über fein Weib/ der Herzlaſer ſolche bald holen verkauft ſie/ und gibt demd an eine andere. Es geſchicht guch ein gleiches dein Mann/ wann das Weib ſich zubor bellagetmit den Nachbaren ofters uneins iſt/ und die 55 NachIhre Leiber/ N e Den Geſtalt/ und ſeht ſchon und wolgeſtaltet/ un ſehẽ allezeit ung Sitten 148 Nachbaren beklagẽ ſich ben dem Heran/ ſo wird ſie gegriffen und den frembden Kauſteuten/ welche mit Sclaven handlen verkauffet/ damit ſie von jhrem Vatterland entfernet ſey/ weil dieſe Volcker alle Krafte anwenden/ damit ſie under d einander in Ruhe leben mochten Dieſelbigen/ welche ſie under jhnen für Edelin del leute halten/ die thun den gantzen Tag nichts f bleiben zu. Hauſe und reden gar wenig. Waf es Abend wird/ ſo reiten ſie bisweilen auß/ und haben einen Sammel⸗Platz/ auf welchem ſie bey dreyſſig oder 40. zuſamen komen/ wann ſie einfallen wollen. Dieſe Einfall geſchehen ſo wol in ihr eigen Land/ als in die benachbarten Oerter (bann es raubet einer dem andern was er kan) und bringen bisweilen viel Selaven mit ſich/ was die Edlen Frauen und Jungfrauen anbelanget/ vertreiben die geit mit ſticken und anderer Madel⸗Arbeit/ und wiſſen ſelbige ſehr zierlich zutnachen. Man trincket in dieſem and keinen Wein/ man gebraucht ſich auch weder des Tapacks/ noch der Caffe. Alle Bauren ſind deſſelben ber über denſelben Ort Herꝛ iſt/ Selaven/ und bauen oder hauen Holtz/ deſſen ſie eine groſſe Menge verbrauchen. Dañ weil ſie nicht wol gekleydet ſo halten ſie die gantze Nacht Feur an dem Ort wo ſie ſchlaffen · Und dieſes iſt alles/ was ich von dieſem Lande aufgezeichnet. Ich ſetze noch etwas dazu/ von den kleinen Tartarn/ welche mit Comanien graͤntzen/ und welche von den vorged achten an den Sitten/ und jhrer gebens⸗Art wenig underſchieden ſeynd. — Das XIII. Capitel. Von den kleinen Tartarn die man Nogaies nennet/ welche der Comanier Nachbarn ſind. er eine gewiſſe Art von Pferdten/ die Oſie recht Aberglaubiſch hoch halten/ uñ es wurde bey ihnen ein Kirchenraub ſeyn/ dieſelbe an Frembde zu verkauffen/ ja ſie machen gar Schwuͤrigkeiten daruber/ ihren eignen Landsleuten zu uͤberlaſſen. Dieſe Pferde gebrauchen ſie/ wann jhrer 50. oder Eo. ja gar bisweilen 100. in des Feindes Gebiete fallen wollen. Wai man weiß/ daß ſich ein 8 junger Soldat findet/ der dergleichen P erde noch nicht hat/ ſo lehnen die Alten/ die nicht mehr bey — nen/ jhre Pferde; mit dem Bedinge/ daß man 4 nen die helfte des Raubs mittheile. Sie ſtreif0 oft weit/ daß ſie bis in Ungarn komen/ unt bis nach Comore/ und Javarin. Zu anfang meiges Reis⸗Buchs habe ich Meldung gethan/ daß ich auf dem Weg von Paris nach Conſtantinopel/ zwiſchen Offen und Belgrad 2. Hauffen ſolcher Tartarn/ deren der eine in 60. dor ander in do. Pferdten beſtund/ angetroffen. Dieſe Pferd konnen entweder von Natur/ oder daß ſte dazu gewehnet worden/ 4. oder g. Tag arbeiten/ wann man ihnen nur alle 8. oder 10. Stund ein wenig Futter/ und alle 24. Stund einwenig Waſſer gibet. Wann ſie 6. oder d. Mongt alt/ ſo werden ſie von jungen Kindern Jekleinen Tartarn haben von alters ſolche Einfallen Schwachheit halber/ ſeyn koͤnReisbeſchreibung in Perſien/ geritten/ die ſie ſpatzieren fuhren/ uñ allezeit eine halbe Stund oder etwas daruber lauffen laſſen/ zum ſtreiffen oder einfallen aber/ werden ſie nur gebraucht/ wañ ſie 6. oder 7. Jahr alt ſind. Sie müͤſſen auch zuvor ein harte Lehr⸗Zeit von 7. oder 8. Monaten außſtehen/ und dieſes geſchiehet auf folgende Weis: Ihr Zaum beſtehet auß nichts anders/ als in einem ſtuͤck Eiſen/ an welchem auf beyden Seiten 2. Ning ſind/ welche das Haubtgeſtelle und den 15 halten. Acht Tag lang legen ſie dem Pferd einen Sack mit Erden oder Sand gefüͤllet auf den Sattel/ alſo daß den erſten Tag der Sack ſo ſchwar als ein Mann iſt/ nachmals beſchwaren ſie jhn alle Tag mehr/ bis er den achten Tag ſo ſchwar als 2. Männer wird. 1 8 eben dieſe Art wird auch dem Pferde das Futter genommen/ die Trancke gemindert/ und den Gurt machen ſie auch um ein Loch kuͤrtzer. In dieſen 14. Tagen wird das Pferdt geritten/ und zwar alle Tag bis 2. oder 3. Meilen. Die anderen 8. Tag wird die Laſt wieder gemindert/ alſo daß die 8. Tag nichts mehr im Sack bleibet. Das Futter wird abermal nach proportion gemindert/ wie die vorigen d. Tage/ und der Gurt wieder um ein Loch langer gemacht. Die letſten 3. oder 4. Tag bekommet das Pferd gar nichts zu eſſen noch zu trincken/ bis ſie ſehen/ daß es den Hunger und Durſt und die Arbeit die man jhm auferlegt/ ertragen kan. Den letſten Tag ermuden ſie ſie/ bis ſie gantz im Waſſer ſtehen/ alsdann wird jhnen der Sattel und Zaum abgenommen/ und das kaͤlteſte Waſſer Uber den Leib gegoſſen. Wann diß geſchehen/ ſo führen ſie dieſelbe auf„ ihm einen Strick an den Fuß/ und 1 5 denſelben ſo lang/ ſo viel ſie wollen/ daß ſie freſſen ſollen/ und geben jhnen alle Tag mehr/ bis ſie jhnen die Freyheit geben/ mit den andern unangebunden auf die Wieſen zugehen. Wañ ſie nun eine 125 che harte Faſten und Arbeit außgeſtanden/ bey welcher ſie wegen weniges Futters/ und weil ſie mit dem Zaum freſſen můſſen/ ſo mager und abgefleiſcht ſehen/ daß es ſcheinet als wolten die Beine durch das eder dringen/ ſo moͤchte ein jeder meinen/ deme ihr Natur nit bekandt/ daß ſie ferner nit koͤnten gebraucht werden. Dieſe Pferde haben ſonſt ein ſolchen harten Huf/ daß man jhre Tritte ſo wol in der Erden/ als im Eiß ſehẽ kun/ als wann ſie beſchlagen waren. Uber diß ſind auch dieſe deute dermaſſen begierig Pferde die nit zu ermůden/ zu haben daß ſie ſo oft ſie ein gutes Fulen under jhrer Stuterey ſehẽ/ gewehd nen ſolches auf anzeigte Weis/ under 50. aber gerathen jhnen kaum 8. oder 10. Wann ſie nun einen Einfall thun/ ſo nimt jeglicher Reuter 2. oder 3. andere Pferd mit ſich/ und beſteiget das rechte nicht/ er wolle dann etwas erobern/ oder wann er von ſeinen Feinden verfolget wird. Was ihre Lebens⸗ Mittel anbelanget/ ſo muß die Stutten beſprungen werden/ dann ſie trin⸗ Lene cken derselben Mich. Die welche Pferde hal ten/ nehmen einen Ledernen Sack mit ſich/ welcher mit ſtücklein Kaſe die an der Sonnen getrocknet/ angefüllt iſt/ und haben. einen be Nuß man wiſſen/ daß es jhr groͤſter Vortheil iſt/ wan 0 1 Nah1 1 —— en Drittes Buch kleinen Srhlkich den ſie/ kus ſie können/ mit Waſſer füllen/ in dieſen Schleich thun ſie 2. oder z. Stücke von dieſem harten Kaſe/ welche/ durch die Bewegung des Pferdes zergehen/ an deſſen Bauch dieſes Gefaſſe angebunden iſt. Auß dieſem Kaſe wird gleichſam eine ſaurt Milch die jhnen zu ihrem gemeinen Getrancke dienet/ gemacht. Alles Ihr Kuchen⸗Geſchirꝛ beſtehet in Hoͤltzernen Schuſſel/ welche ein jeglicher Reuter an dem Sattelbaum füͤhret/ und die er ſo wol für ſich ſelbſten/ als auch für ſein Pferd gebrauchet. Dieſelben welche mit Ihle n dle, ihnen Krieg fuhren/ haben keine beſſere Beut zu hoffen als jhre Pferdte/ es gehet aber gar ſchwar zu/ daß ſie dieſelben bekommen/ dann ſo bald ein Pferd ſeinen Reuter verliehret/ begibt es ſich zu den jenigen/ welche fliehen/ alſo daß mans kaum mir groſſer Mühe erhaltz kan. Uber diß gehen dioſe P ſerdte auch leichtlich zu ſchanden/ wann ſte in ein ander Land kommen/ und tauren ſte kaumfünff oder ſechs Monat/ und konnen zu der Arbeit dar zu ſie die Tartaren gebrauchen/ mmmer angewendet werden. Ihre Kleidung beſtehet in einem rauhen Hamelfahl/ im Sommer drehen ſie es herauß/ und im Winter hinein. Dieſelbe/ welche gleichſam Edelleuth ſeyn ſollen/ bedienen ſich der Wolfs⸗Hauten/ und haben eine Art Hembder und Hoſen auß grobem Baumwollen Tuch gemgcht/ von underſchiedlichen Farben/ als roth/ blau/ bey welchen die Schneider ſchlechten Fleiß anwenden Ihre Weiber ſeynd weiß und wolgeſtalt/ und von hoher Statur/ ſie haben aber gar ein breites Geſichte/ und kleuue Augen/ und wann ſie das dreyſſigſte Jahr überſchritten/ werden ſie gar Ungeſtalt. Es iſt kein * Mann der nicht zwey oder drey Weiber hat/ und ſie nehmen keine/ ſie ſeye dann auß jhrem Geſchlecht. Bey jeglichem Stamm oder Geſchlecht iſtein Haubt ein Edler des Landes/ welcher/ zum zeichen ein Pferds⸗Schwant auf der Piqen führet/ der mit der Farbe des Geſchlechts angeſtrichen iſt. Wann ſie marſchieren ſo kveiß/ ein jeder ſein Ordnung zu halten/ und wann ſie ſich lageren ihr Vieh zu weiden/ ſo begibt ſich ein Stamm nicht zum anderen. Die Kleydung der Weiber und Toͤchtern/ lelg — 25 1 8 9 25 21 a.. will/ ſo muß er feiner Braut Eltern oder dem gantzenGeſchlechteeine gewiſſe quantitet Y feude/ Ochſen/ Ruhe/ oder ander Vieh geben/ und dieſes geſchicht in Gegenpart dei garten Freund ſchaft und der Zurnemſte guß dem Geſchlechtedaben ſich auch ber aoullan finden laſſet. Wann nun der Verglich gemacht/ welches wir bey uns das Verloͤbnuß nennen/ ſo iſt dem Bautigam erlaubet mit ſeiner Liebſten ſpatzieren zu gehen/ dann zu vor hat er ſte noch meht geſehen/ und wann diß geſchehen/ ſo ſchreiten ſie zu dem davon ſie entweder von der Mutter/ und Schweſter oder anderen Weiberen angewieſen worden. Auſſer dreyen Weibern de einem jeden erluuher ſeynd/ mogen ſie ſich auch noch der Sclavinen gebrauchen/ aber die Kinder/ die ſie von ihnen bekommen/ bleiben Sclaven/ und erben nichts. Dieſe Tartarn ſind eines ſehr hitzige Temperaments/ und die Weiber mehr als die Manner. Beyde haben ſchoͤne Haar/ an dem Leib aber ind ſie wenig Hagricht. Die Marmer haben faſt keinen Bart/ und wann derſelbe einem under jhnen etwas ungemein groß iſt/ und er leſen und ſchreiben kan/ ſo kan er ein Moullah werden. Dieſe Volcker haben keine Hauſer/ ſondern wolmen undergzelten ober in ben Wagen die ſie hin und wider ziehen konnen. Die Zeiten ſind 7 für die alte Leute und Kinder/ wie auch für die Sclaven die ihnen dienen. Die ungen Weiber haben jhre Wagen von Bretern gemacht/ und wanu ſte Luft haben wollen/ ſo eröffnen ſie auf jeglicher Seite ein kleines Fenſterlein/ welches einem Gegiter gleichet. Es iſt nen erlaubt alle Abend ſich eine deit lang in den Zelten gufzuhalten. So bald die Töchtern das u. oder 12. Jahr erreichet/ gehen ſie nicht auß dem Wagen bis ſie in den Eheſtand tretten/ auch nicht ein mal wañ ſie die Nothtwendigkeiten jhrer Natur verrichten wollen In dem Boden des Wagens iſt ein Bret/ welches man aufheben kan/ und wann es an einem Ort iſt/ da man Campieret, ſo komet alsbald ein Selav und machet ſolches wieder ſauber. Man kennet alsbald ein Wagen/ darinnen ein Magdlein iſt/ wann er mit Blumen gemahlt/ ſie haben gemeiniglich ein Kameel ogbey gebunden/ und mit allerhand Farben be ſuidlet/ und oben guf dem Kopf etliche eder ⸗VBujſche iſt ein groſſes Membt/ welches jhnen bis auf ſtecken:. die Fuͤſſe gehet/ der Kopf iſt mit einem weiſſen c ben aue auf welchen ein Schleich auß Pferds⸗LederetLumyẽ bedeckt/ und die Stirne mit eine ſchwartzen Schleyer z. oders. mal gebundẽ. Die Weiber nnd Tochter der Edlen/ tragẽ uberdieſe Tuch noch eine art von Mutzen/ die hinden offen ſind/ und ihnen die Stirn bedecken/ als wann ſie jhnen den Kopf mit einem drey eckigten Naßtuch gebunden. Eine von dieſen Ecken hangt über die Stirne/ und iſt entweder auß Sammet/ ihnen f 5 ſie aber davon nehmen wollen/ o rühren ſie ſelAtlas/ Tuch/ oder Brocard gemacht/ und uber und uͤber mit Gold und Silber/ Flitterlein und falſehen Perlen die ſie auch zu den Armbandern gebrauchen/ bedecket. Ihre Underhoſen ſind von ſchlechtem gefärbtem Tuch/ und die BeinKleyder ſind Carduaniſche Stiffeln/ vonallerhand Farben/ welche ſehr ſauber genehet ſind. 3 85 100 ein junger Kerl verheurathen * Die jungen Kerl haben auch ihre Wagen/ was groſſer als ein halber Seheffel/ welchen ſie gemeiniglich mit Pferds⸗Malch anfüllen/ die ſehr ſaur iſt. Ein jeglicher hat eint andern Wagen bey ſich/ auf welchen ſie etliche Schleuche mit Küh⸗WMilch die ſie laſſen ſaur werden/ zuſetzen pflegen. Wann fe eſſen wollen/ ſo dienet jhnen diefe Milch an ſtatt des Getrancks/ wa bige zuvor mit einem groſſen Prügel under einandern/ damit die gerunene nit der dunnen ſich vermiſchen moͤge. Was aber die Pferds⸗Milch anbelanget/ ſo wird dieſelbige nur von dem Herven und von der Frauen getruncken/ und ehe ſie von beyder Milch trinckẽ/ ſchuttẽ ſiezuvor Wal ſer darumder. Wanne ſi ein Freund beſuchelEheſtal Ihre Wohnungen. Ihre Speiſe/ und Geſraͤneke. ſo ſetzen ſie jhme ein ſtuck harten Kaß vor oon welchem ich oben gedacht/ den ſie in jhrer ſprache Kourout nennen/ ſie zerbrechen denſelbigen in kleine Stücklein/ und eſſen jhn mit friſchem Butter. An jhren Feſttagen We ur ſie 1 oder alte Ziegen/ die Pferde aber ſchlachten ſie nicht/ es ſey dann einer ihrer Freunde geſtorben/ wann ſie 199 dem Begraͤbnuß die Anweſenden tractieten müſſen; ein gleiches thun ſie auch/ wann ihnen Kinder gebohren werden/ oder bey Hochzeiten/ oder auch wann ſie im einfallen eine gute Beute/ das iſt/ eine menge Sclaven erhalten haben. Sie trincken niemals etwas anders als Küheoder Pferds⸗Milch/ und wann ſie weder eines noch das andere haben konnen/ ſo leiden ſie eher 3. oder 4. Tage Durſt/ eher ſie ſich zum Waſſer krincken bequemen koͤnnen/ weil dieſelbige die davon getruncken/ von der Colick Beſchwaͤrligkeiten empfunden. Sie eſſen auch kein Saltz/ ſondern halten dafuͤr/ es ſey dem Die Beſchaffenheit und Fruͤchte ihres Landes. Geſichte ſchadlich. Dieſe Tartaren leben auch ſehr lang/ ſind zimlich ſtarck/ und wenig Kranckheiten underworffen. ä Ihr Land iſt meiſtentheils eben/ dannoch ſiehet man an etlichen Orten kleine Hugel/ es wachßt viel gutes Futer darinnen/ und jeglicher Stamm oder Geſchlechte hat ſein Brunnen und Waſſer⸗Kaſten/ auß welchem ſie jhr Viehe trancken/ des Winters wohnen ſie an groſſen Fluͤſſen/ bey welchen die Walder und ſumpfichte Oerter nicht weit entfernet ſeynd/ in dieſelben pflegen ſie jhre Heerde zu ſenden. Und weil in dieſem Land alle Jahr ein groſſer Ihre Jaͤge den und Fiſch Fang. Schnee fäͤllet/ ſo kratzen die Thiere mit den Fuſſen ſo lang in die Erde und ſuchen das Gras/ welches under dem Schnee verborgen iſt/ ſie finden aber meiſtentheiis nichts als Rohr und Geſtaͤude; underdeſſen hauen die Manner Holtz und machen groſſe Feur/ oder fangen Fiſche. An etlichen Orten dieſer Flüſſe werden Fiſche gefunden/ darunder der geringſte g. oder J. Schuh/ etliche aber auch 10. Th f ynd/ die groſſen laſſen ſie in der oder 12. lang Lufft trocknen/ und heben ſie auf/ bis auf den Sommer. Etliche rauchern ſie auch in groſſen Soͤchern under der Erden/ die aber von Mittelmaſſiger Groͤſſe/ werden im Waſſer geſotten/ wiewol ohne Saltz und einiges Gewuͤrtz. Von dem Brod weißt man in dieſem Lande gar nichts/ wann ſie nun die Fiſche geſſen/ fuͤlſen ſie eine groſſe hölzerne Schüſſel mit ſolcher Suppen/ welche ſehr fett iſt/ und trincken ſie guf ein mal auß. 12 852 Wann ſie nicht zu Felde ligen/ oder von jhren Einfaͤllen wieder koͤmmen/ thun ſie nichts anders als Jagen/ ſie dulden aber keine Hunde in jhrem Land als die Wind⸗Hunde. Ein Tartar muß ſehr arm ſeyn/ der nicht einen ſolchen Hund und Jagd⸗Vogel in ſeinem vermoͤgen hat/ und eſſen allerhand Speiſe außgenommen die Schweine. Allhjer muß ich aber zuvor erinneren/ daß dieſe kleine Tartaren von denen ich anetzo/ geredet/ gewiſſe Volcker ſeynd/ delten Vatterland mit Comanien hrantet/ welche die Düreken/ Perſianer/ Reis beſchreibung in Perfien/ Mengeliner/ Georgianer in jhrer Sprache Nogaies nennen; und man kan ſie gar wol under die kleinen Tartaren ſetzen/ weil ſie einen Herren haben/ den der Groß⸗Turck ihnen zu einem Kan oder Konig der kleinen Tartarey vorgeſetzet hat/ und der auch zu Conſtantinopel die inveſtitur empfängt/ wie ich davon in der Beſchreibung des Tuͤrckiſchen Serails, und von den darbey vorhergehenden Ceremonien Meldung gethan. Dieſe Tartaren ſind der Mahometani⸗ Ire ſchen Religion zu gethan. Sie haben under jhnen keine Aertzte/ und gebrauchen ſich Krauter/ von welchen ſie gute N haben. Wann aber die Kranckheit überhand nimmet/ ſo laſſen ſie den Moullah holen/ welcher dena lcoran mit ſich bringet/ und denſelben 3. oder 4. mal für dem Angeſicht des Krancken auf und zumachet. Wann nun' der Krancke ohngefaͤhr geſund wird/ ſo meinen ſie/ es komme vom Alcoranher/ und pflegen dem Moullah einen Hammel oder Ziegen zu verehren. Wann er aber ſtirbet/ ſo kommen alle ſeine Freunde zuſamen/ und begraben jhn mit groſſer Traurigkeit/ und ruffen dabey unaufhoͤrlich Alla Alla. Wann der Todte nun begrabe ſo bättet der Moullah einen hauffen Gebätte her/ und wird für ſeine Mühe nach dem die Erben reich ſind/ bezahlet. Fur die Armen pflegt er 3. Tag und z. Nacht zu betten/ alſo daß er vom Grabe nicht weg kommet/ wann es aber ein reicher/ ſo bleibt er einen gantzen Monat daſelbſt/ bisweilen auch 7. oder 8. Wa ſie eine Wunde haben/ gebrauchen ſie ſich keiner Salbe darzu/ ſondern nur der FleiſchSuppen/ die ſie gantz warm darauf legen/ wañ dieſelbe tieff iſt/ nehmen ſie fettes/ das ſie ſo heiß darauf legen/ als mans erleidẽ kan/ und wan einer die Mittel hat/ daß er ein Pferd ſchlachten kan/ iſt er deſto eher geheilet/ weil das PferdIleiſch und die Fettigkeit eine gute Artzney ſind/ und viel groͤſſere Tugenden haben/ als andere iere. Wann es under dieſen Tartarn nicht gebraͤuchlich ware/ daß ſie die Weiber kauffen/ wann ſie eine heurathen wollen/ ſo würden nicht ſo viel Huren under jhnen ſeyn. Weil aber viel arme Jungling gefunden werden/ die nicht die Koͤſten haben ein Weib zu kauffen/ ſo muſſen ſie den Eheſtand einſtelen. Hierdurch geſchicht/ daß jhrer viel zu Soldaten werden/ und Begierde bekommen in die umligende Lander zu fallen/ daß ſie etwas gewinnen/ wann ſie hernach etwas haben/ kauffen ſie eine/ wann ſie ſich noch verehlichen wolten. Under den jungen Magdlein aber ſeynd keine Huren/ weil ſie/ wie ich zuvor angezeigt/ nachdem ſie das eylfte oder 12. Jahr üͤberſchritten/ in jhren Wagẽ geſperret bleiben muſſen/ und nicht eher herauß korhen/ als bis ſie ſich verehlichen. Sondern es ſind liederliche Meiber die ſichauf dem Tunelplag einſtellen wan ſie Waſſer holen ſollen. Sie dorſfen es auch vor ihren Mannern nicht gar geheim halten/ weil dieſelben gar nicht Eyferſüchtig ſind. Des Morgens gehen die Manier aufs geld entweder zu ihren Heer dẽ i 8 oder der und Be enschaft li ö dreh Tur/ Bal Drittes Buch. 15 oder aber auf die Jagd/ die Weiber aber verfügen ſich zu den Brunnen und Waſſer⸗Kaſten/ das Vieh zu traͤncken/ oder fur jhr Hauß Wiaſſer zu holen. Endlich wil ich allhier noch anzeigen/ daß ob ſchon dieſe Leute faſt eben wie die anderen kleinen Tartern leben/ und einem Fuͤrſten underworffen ſeyn/ ſo verachten ſie die anderen dennoch gar ſehr. Indem ſie jhnen vorwerffen/ daß ſie keine Soldaten ſeyn/ weil ſie in Hauſern und Doͤrffern wohnen/ da ſie hingegen als tapfere deute und rechtſchaffene Soldaten/ nur under Zelten ſchlaffen ſolten/ daß ſie deſto eher bereit ſeyn konen/ hren Feinden zu widerſtehen. Alle dieſelben die in dieſen Landern/ welche ich beſchrieben/ zu Fuſſe gehen/ und auch ſelbſt die Perſianer/ reiben ihre Fuſſe/ wann ſie underwegs ermüdet/ mit Nuſſen/ und halten ſie aufs Feur ſo heiß als moͤglich/ dadurch die Mudigkeit alsbald außgezogen wird. ü Und dieſes iſt alles/ was ich ſonderbares von den underſchiedlichen Wegen/ deren man ſich gebrauchen kan/ auß den vornehmſtendandern Europæ in Türckey und Perſien zu kommen/ aufgezeichnet; und auf was Weiſe die jenigen auß der Moſcau zwiſchen dem Caſpiſchen und Schwartzen Meer reiſen ſollen/ derohalben habe ich dafur gehalten/ es werde nicht ungereimt ſeyn/ etliche ſonderbare Sachen von den benachbarten Voͤlckern dieſer zweyenMeere/ welche alle entweder des Groß⸗Tuͤreken oder des Koͤnigs in Perſien Sclaven ſind/ dem Leſer mitzutheilen. N Weil ich aber in den erſten zwey Buͤchern von vielen Staͤdten in Perſien Meldung gethan/ welche auf den Wegen/ die ich beſchrieben/ angetroffen werden/ und deren Gelegenheit nach jhrer Lange und Breite/ nach unſern Landtaffeln angezeiget. Als habe ich für noͤhtig erachtet/ nach Ordnung des Alphabets/ die fürnemſten Stadte dieſes Reiches/ hiebey zu ſetzen/ nach dem Bericht der Erd⸗Beſchreiber in ſelbigen Laͤnderen/ welche der Oerter Gelegenheit beſſer wiſſen ſollen als wir; und dieſelben beſchreiben ſie folgender maſſen. i e l l. 8 d 8 8 l 28 Geographiſche Beſchreibung Der Laͤnge und Breite der fuͤrnemſten Staͤdte in Perſien/ nach der Gelegenheit in welcher ſie von den Perſiſchen Seographis vorgeſtellet werden. A. Anoul liget under dem Grad 20. a Minuten nach der Lange/ und under dem 36. Grad 35. Minuten nach der Breite. In dieſer Stadt wird groſſer Handel nuit allerhand Eſſen- Waaren getrieben/ weles in Perſten auf die Weiſe wie in Franckreich mit den Quetſchgen zu geſchehen pfleget/ O es werden auch ſehr wol ſchmeckende Pfaauſabſt er gebracht/ welche das Erdreſch da0ſt in groſſer Menge her vor bringt. Abeher liget under dem 74. Grad 22, Mi. nuten nach der Lange/ ind under dem 36. Grad 1j. Minuten nach der Breite/ und iſt 12. Meilen von Casbin entfernet. Es iſt eine zimlich kleine Stadt/ hat aber einen ſehr fruchtbaren eee Abſecun liget under dem 79. Grad ig. Minuten nach der Länge/ und under dem /. Grad 10. Minuten nach der Breite. Es iſt zwar eine kleine Stadt/ ſie liget aber auf einem fruchtbaren Lande/ alſo/ daß die umligenden Herter den Einwohnern keine Lebensmittel mittheilen doͤrffen. f Addebil liget under dem 60. Grad 20. Mimiten nach der Lange/ und under dem 36. Grad 24. Minuten nach der Breite. Es iſt ein kleiner Flecken/ welcher nach Sultanien gehoͤret. Die Einwohner ſind faſt meiſtentheils Chriſten/ und beſitzen auch noch viel alte Kiren. 3 Ah waz liget under dem 70. Grad ix. Minuten nach der Lange/ und under dem zr. Grad 1. Minuten nach der Breite. Es iſt eine kleine Stadt/ halb ver wůſtet in der Provintz Beladcoyvreſton gelegen/ und hat ein ſehr fruchtbares Erdreich. 74 Arbelle liget under dem 69. Grad yo. Minuten nach der Lange/ und 26. Grad 20. Minuten nach der Breite. Es iſt eine kleine Stadt im Felde gelegen/ in welcher die Eſſen⸗Wagren ſehr wolfeil ſind. 1 Ardebil oder Ardeuil ligt under dem 60. Grad 30. Minuten nach der Lange/ und under dem 38. Grad 1p. Minuten nach der Breite; dieſe Stadt habe ich an einem anderen Ort weitlaufftig beſchrieben. Ardeſton liget under dem 77. Grad 10, Minuten nach der Lange/ und 33. Grad 7. Minuten nach der Breite. In dieſen Stadt werden einerley Gefaſſe/ und ſonderlich küpferne Geſchirre gemachet. e Arion ligt under dem 74. Grad 32. Minuten nach der Lange/ und under dem 32. Grad 25. Minuten nach der Breite. Die umligende Felder ſtehen voller Oliven⸗Baͤume/ und in dieſer Stadt wird mit dem Oliven⸗Oel die grofe Handlung getrieben. Von Taron und Kalal, an welche Ortẽ auch ſehr viel hervorkomt/ habe ich anderwerts Meldung gethan; dieſes ſind die zwey/ welche eine halbe Meile von emander ligen/ und auf dem Wege von Casbin nach Ardeuil angetroffen werden. In dieſen drey Orten wird eintzig und allein in gantz Perſien das Oliven⸗oͤl zubereitet. Aſſed-Abad liget under dem 63. Grad 40. Minuten nach der Lange/ und under dem 34. Grad 30. Minuten nach der Breite. Dieſes iſt eine kleine Stadt/ welche in dem Lande A= madan liget. ten nach der Lange/ und 24. Grad 40. Minuten nach der Breite. Und iſt ein gar kleinet der dem 82. Grad 15. Minuten nüch der Lange/ und under dem ze. e Azadkar ſonſten Vevin genant/ liget unAva liget under dem 7p. Grad 10. Minu* l Breite Dies. Stade ſeheraufeine gro en Ebene/ auf welcher ſich viel Kerizes oder erirdiſche Waſſer⸗Gange befinden/ deren 1 auch bis indie 400. gegehlet werden. r Bab El Abab, oder die Thür der Thüren/ ſoijſten auch Demir. capi genant/ oder die eſerne Thüre. Die Tartaren nennen dieſe Stadt Meujon. Sie liget im 75. Grad 15. Minuten nach der Lange/ und 4. Grad 18. Minuten nach der Breite. Auß deme was davon ubrig bliebẽ/ kan man leicht urtheilen/ daß es weiland ein veſter Ort geweſen. 8 Badkeiſt liget under dem dy. Grad 32. Minuten nach der Lange/ und in dem 35. Grad 20. Minuten nach der Breite. Es iſt eine gar kleine Stadt/ aber ſehr luſtig/ und auß der maſſen wol gebauet. Baſte liget under dem do. Grad iy. Minuten nach der Large/ und under dem 29.Grad u Minen nach der Breite. Dieſe Stadt ligt in der Provintz Kerman, und hat nichts beſonders an Ihr/ als die Beſchaffenheit der Luft/ welche von anderen Landern gantz underſchieden iſt. Dann man empfindet in einen Tage Kalte und Hitze/ dann der Morgen iſt nicht allein friſch/ ſondern auch zimlich kalt/ und das Übrige des Tages beſtehet in ſeiner gewohnlichen Hitze/ nachdem ſelbige die Zeit mit ſich bringet. Dennoch aber erwecket dieſe gehlinge Verenderung keine ungeſunde Luft/ und dadurch geh eher daß die Skabt ehr veicktech „ Baffeuehe; ſihe Mahmeterrt. Beilgsgon liget under dem 63. Grad z Minuten in der Lange/ und under dem 41. Grad 20. Minuten in der Brtite. Dieſe Stadt ligt nahe bey Derbent an dem Caſpiſchen Meer/ und hat ein ſehr fruchtbares Erdreich/ welches Korn und allerhand Fruͤchte Balle liget under dem 9 r. Grad 6. Minuten nach der Lange/ und 38. Grad 10. Minuten nach der Breite. Von dieſer Stadt bis nach der Stadt Moultan an der Indianiſchen 36. Gräͤntze/ ſind nicht mehr als drey Tagreiſen Grad ip. Minuten nach der Lange/ und 28. Grad 2. Minuten nach der Breite. Man halt dafür/ dieſe Stadt ſeye von dem Calile Mouktadererbauet/ nahe dabey iſt die groſſe Wuüſten Berrslamnmnm Berdos liget under dem 63. Grad y. Minuten nach der Lange/ und under dem zy. Grad . imuen inder Breite. b 9 1 e halten/ und gemeinlich ute Mauleſel. Man gewohnet ſie einen gu0 Schenna g eh dena hee Stricke von gleicher Lange an die eee kleinen welche in der Mitten mit zween anderen u en Se een 151 0 f di Weſſe fihet man ſte Abends und Hzorgens dein Kon ge beirn. Deſe Stadt wud ſonſten 500 50 erer Hir an 0e dach Er ah Diener. 8 4 Nalsbeſcrabung ln pern, nen gehen/ und dadurch zimlich zahm wer den Berzende liget under dem 63. Grad la. Minuten nach der Large/ und 8. Grad 40. Minuten nach der Breite. In dieſer Stadt wird viel groſſer Droguet gemacht/ mit welchem ſich die Kameel⸗Treiber und andere geringe Leute zu bekleiden pfegenn. HBeſton liget under dem 79. Grad 18. Minuten nach der Lange/ und under dem 7. Grad 20. Minuten nach der Breite. Das Erdreich uin dieſe Stadt iſt ſehr fruchtbar/ und bringet viel Getraid und Früchte herfürt. Bimoncheer liget under dem 74. Grad 10. Minuten nach der Lange/ und under dem 37. Grad 30. Minmten nach der Breite. In dieſer Stadt wird groſſer Seiden⸗Handel getrieben/ trelche auch anderwerts verführet wird eee en ee e hHoſt liget under dem r. Grad 28. Minuten nach der Lange/ und under dem 32. Grad 16. Minuten nach der Breite. Es iſt eine groſſe Stadt/ und hat ein Sehloß/ welches in gantz Perſien das beſte und veſteſte iſt/ nebſt underſchiedlichen guten Carvanſerien. Bourou-J erde ſigt under dem 4. Grad 30. Minuten nach der Lange/ und under den 34. Grad 20. Minuten nach der Breite. In dieſer Stadt hat man viel Fruſchte/ bas ſonderbarſte aber iſt/ daß an dieſem Orte viel Safran zu wachſen pffegt/ welcher hernach in viel zander verführt wird. Von dieſem Ort haben viel beruͤhmte Manner jhren Urſprung gehabt/ welche ſehr nützliche Schrifften hinderlaſſen. 1234 er n n iget under dem Ez. Grad iy hemkon Minuten nach der Lange/ und 4. Grad ie. Mimiten nach der Breite. Dieſe Stadt hat ein ſehr gutes Schloß/ und groſſe Carvanlerien, nebſt einer guten Anzahl Thurne/ von welchen das Volck in die Moſqusen oder zum Gottesdienſt beruffen wird/ davon ich anderwerts i Chirasliget under dem 78. Grad ix. Minuten 1. dem 29. Grad 6. Minuten nach der Breite. In meinem ift Buch wi bh diet Seer dußfihrlich beſchrei 5 eine von den füͤrnemſten und denckwurdigſten in gatnz Perſten iſt. yhirvan liget under den ez. Grad ip. Minuten nach der Lange/ ind under dem 38, Grad 22. Minuten nach der Breite. Es iſt eine alte Staͤdt/ n welcher alle Seiden Cara vanen aukommen/ und eine von den beſten Kanats ober Herꝛſchafften in Perſien/ wegen ihres groſſen Einkommens. Im Jahr 1665. als ich mich e eben daſflbſt befande hakte der Kan zu Chir ie van Mehmed genant/ ohne das/ was ihm gebühret hake bühret harke/ uber 19000. Tomans innerhalb 9. Monach daſelbſt eingezogen/ von der Seit des Einteſts in die Herzſchafft dieſer Provinz. e das Krondouchaque oder Hglgeiſen geſtellet/ wegen dieſer unbillichen Eintziehung/ und alle ſeine Guter fielen Dan p D. Dankon ligt under dem /S. Grad/ iy. Minuten nach der Lange/ und under dem 37. Grad 20. Minuten nach der Breite. Es iſt eingroßſe Stadt aber das Erdreich ergibt nichts. PDarabguierd ligt under dem 80. Grad iy. Minuten nach der Lange/ und under dem 30. Grad y. Minuten nach der Breite. Um dieſe tadt herum findet man an etlichen Orten Sal von allerhand Farben/ als weiß/ ſchwartz/ roht/ grun. Man machet auch eine gewiff Gattung von glaͤſſernen Flaſchen/ daran die Arbeit ſauber und artig iſt. An dieſem Ort hates ſehr viel ionen/ Pomerangzen/ auch iſt ein Uberfluß an Aepflen/ darauß man AepfelWein machet. Nahe bey dieſem Ort hat es eine Schwefel⸗Minen/ und Moumie, welche Specerey in Perſien ſehr hoch geſchtzt wird/ darvon wird ein Safft gemacht/ welcher zuſamen gebacken/ klebricht und ſchwartz/ der zu e verrenckter Glieder trefich gut iſt. i Deheſton liget under dem 80. Grad 1. Minuten nach der Lange/ und under dem 38. Grad 1y. Minuten nach der Breite. Es iſt eigentlich keine Stadt/ ſondern eine Anzahl orffer/ die aller⸗nachſt beyeinander ligen. Deras ligt under dem 79. Grad 30. Minuten nach der Lange/ und under dem zi. Grad 32. Minuten nach der Breite. Iſt eine groſſe aber ſehr u del gebaute Stadt. Deyinmaar liget under dem 62. Grad 5. Minuten nach der Lange/ und under dem 38. Grad 40. Minuten nach der Breite. Iſt eine e darinn nichts ſonderliches zu ſeen iſt. 5 K. Din Ver ligt under dem 63. Grad 15. Minuten nach der Lange/ und under dem 35. Grad nach der Breite. Dieſe Stadt ligt in einem ktreflich guten Gelaͤnd/ welches genugſam Lebensmittel ertragt/ alſo daß ſie nicht noͤhtig haben von jhren Benachbarten zu kauffen. Es hat gar viel Moſquèen darinn. a Doulad ligt under dem 74. Grad iy. Minuten nach der Lange/ und under dem 7. Grad 10. Minuten nach der Breite. Das Gelande ſo zu dieſer Stadt gehort/ tragt eine Menge weiſſe Maulbeer⸗Baum/ und wird gar viel Seiden fabricieret. Dourak ligt under dem 74. Grad 32. Minuten nach der Lange/ und under dem 32. Grad . Minuten nach der Breite. Es werden in dieſer Stadt ſehr viel Aba-Habes gemacht/ welche ſind wie die Soutanes ohne Ermel/ deren ſich die Araber gebrauchen: Sie ſind von Kamelot von oben an bis unden verbandelt/ und haben dreyerley Farben/ weiß/ ſchwartz und grau. Der Euphrat und die Tyger/ welche nahe bey Dourak an einem Ort Hella genannt/ zuſamen fiieſſen/ machen ein Moraſt/ darauf man Rohr pflanzt/ welche vor Federn gebraucht werden die Orientaliſchen SpraNene die Turckiſche/ Perſiſche // Arabische/ bey penlſche und Hebreiſche damit zuſchreiben ey welchen groſſe Verenderung der Zügen erfordert wird/ da die einen grober als dieandern 0 wüſſen bach Form und Geſtalt der VBuchſtaben. Dieſes iſtinacht zunehmen daß dieſe Schrifſten nicht wol mit unſerer Dintenwelche allzu ffüſſtg it kepnen geschrieben werden, dan deer Gerkung Schuſken muß man eine dicke Dinten gebrauchen/ welche beh Drittes Buch. 153 nahem iſt wie die Buͤchdrucker⸗Farb/ etwas wenig dünner. Wann dieſe Rohr geſchnitten werden zu ihrer geit/ ſo werden ſie handvollweis in den Moraſt getaucht/ gleich wie man ſſe in Franckreich den Hanff ſenckt: Dieſes gibt ihnen eine ſchone Farbe wie keünlle morte und wann ſie důrꝛ ſind/ haben ſie eine gewiſſe Harte/ welche ſie tugenlich maͤchet/ daß man darmit ſchreiben kan/ ob ſie gleich viel dicker ſind als unſere Ordinari⸗Federen.* a E Flalbetem ligt under dem 87. Grad 1. Minuten nach der Lange/ und under dem 27. Grad 15. Minuten nach der Breite. FEltüb ligt under dem 0. Grad ty. Minuten nach der Lange/ und under dem 32 Grad . Minuten nach der Breite. Enderab ligt under dern z. Grad ry. Minuten nach der Lange/ und under dem 37. Grad 16. Minuten nach der Breite. EFrivan; ſihe Chirvan; welches man auch Eſpharaien ligt under dem 81. Grad 40. Minuten nach der Lange/ und under dem 7. Grad 15. Minuten nach der Breite. Das Gelande umher tragt ſehr viel Aepfel und Bieren/ und insgemein von allerhand Lebensmitteln. Eſtakre ligt under dem 78. Grad 20. Minuten nach der Lange/ und under dem 30. Grad 15. Minuten nach der Breite. Dieſe Stadt wird vor die alteſte der Provintz Fars gehalten/ welche vor dieſem eigendlich Perſen genennet wurde; ſie war die Haubt⸗Stadt in dem gantzen Land/ ſehr wol gebauet/ und mit hohen Mauren gezieret. Das Gelaͤnde hat viel WeinNaben und Dattel⸗Baume, gleichtvol machen die Einwohner dieſer Orten nicht viel Wein/ dann ſie auß dem beſten Theil ihrer Trauben einen gekochten Wein/ den man Trauben⸗Safft nennen mochte/ zurichten. Sie treiben groſſe Handelſchafft mit jhren Datteln/ die ſie in underſchiedliche Oerter uͤberbringen/ und ligt dieſe Stadt nicht weiter von Chiras als 10. bis auf 1a. Meil Wegs. Eſterabat ligt under dem 75. Grad ze. Minuten nach der Lange/ und under dem 36. Grad 50. Minuten nach der Breite. In dieſer Stadt wird eine Menge Brauner⸗Zeug und ander leichtes Tuch gemacht. Ferah ligt under dem 80. Grab te. Minuten nach der Lange/ und under dem 39. Grad 15. Minuten nach der Breite. Dieſe Stadt ligt auf treſlich gutem Boden und iſt ſehr alt/ intemalen ſie von Abdalla dem Sohn des Taer, zur Zeit des Maimon Rechid, welcher einer von den Caliphes des Beni: Abbas war/ erbauet worden. 1 5 Firou Minuten nach der Longe/ und under dem 0. Grab 10. Milutten nach der⸗ Breite. Es iſt ki kleine Stadt under der Boteniaſſgkeit Chiras, vor Zeiten wurde ſie Hourbehction geheien: Das Land hat ſehr viel Datkeln und Naxciſſen Blumen/ darauß ſte ein wolriechendes Oel machen/ deſſen ſich die Damen zimlich bedienen.. ee Ae nee un Girette ligt under dem zy. Grad 40. Minuten nach der Lange/ und under dem zr. Grad 40. Minuten nach der Breite. Dieſe Stadt iſt der groͤſten eine in der Provinz Kerman, und gantz mit Moraſt umgeben. Nahe hierbey findet man underſchiedenliche Steine die Meſſer/ Scheermeſſer/ Federmeſſer und Latizeten davon zu wetzen; und welches etwas ſonderbares iſt/ findet man Steine welche ein jedes von dieſen underſchiedlichen Inſtrumenken zu ſchäͤrffen dienlich ſeyn/ nach deim es ſich bedarff. Die groſte Handelſchafft dieser Stade beſtehet in Getraid/ welches die Armenier haͤuffig einſamnlen/ als welche allein das Feld bauen und wacht wenig Dinckel oder Spalg. Sie haben auch Datteln davon ſte hen Benachbarten zukommen laſſen n. SGirreadegon, welche gemeinlich Paygon genennet wird/ igt under dem, Glad z. Hinuten nach der Lange/ undunder dem. Grad J. Minuten nach der Breite. An dieſem Ort hat es einen Uberftuß guter Fruchten. Goutem ligr under dem 4, Grad 46. Minuten nach der Lange/ und under dem 37¹ Grad 20. Minuten nach der Breite. Es iſt eine kleine Stadt/ darinn aber gut Leben gemacht wird der groſte Theil Einwohner ſind in Seiden⸗Arbeit beſchafftige rt Hamadan ligt under dem y. Grad 20. Minuten nach der Länge/ und under dem 755 Grad nach der Breite. In dieſer Stadt iſt der Paß nach Mecque zu gehen/ und ſehieſſen die gleichſam hinunder/ die auß dem hohen Perſiſehen Gelande abreiſen. Das Land ernehret treftich viel Vieh/ darvon ſie Kaß und Batter machen/ die Haut aber/ welche ſehr gut ſind/ guter Taback allda gemacht. Haln-Eltaf, als wolte man ſagen itteldunct der Schonheit igt under dem v Grad 32. Minuten nach der Lange/ und under dem 34 Grad 40. Minuten nach der Breite. Ob diee Stadt gleich einen ſchoͤnen Namen hat/ iſt ſie doch von ſehr ohngeſchickten groben deuten etvohnet. Sie iſt klein vor dieſem aber war Nieten e rn Ueber d gewendet , Hartes lig under dem, Grad 40 Mbiuch nach der age d e de Ch J. Minlten nee der Drete, Igs Gelande dieſer Stab trägt eine Nenge Darkeln auch nach Babylonien führen. Auch wird zimlich i fluch andert Gattung Früchte/ welche man in s Reisbeſhrebung in Herſin Firouꝛabad ligt under dem 82. Grad ze. Fiiſpahan ſiehe Hlaphan. 5 Hurmon ligt under dem 8p. Grad 5. Minuten nach der Lange/ und under denn 3a. Grad 30, Minuten nach der Breite. Esiſt nur ein kleine Stadt/ da der Lufft nicht ſehr geſund/ und ohnertraglich iſt. Das Land tragt eine Eſſig einnacht/ und in underſchiedliche Lander FHeaye ligt under dem 4. Grad ze. Minu 70: Minuten nach der Breite. Es iſt eine groſHelaverde ligt under dem 91. Grad 30. Minuten nach der Lange/ und under dem zg Grad. Minuten nach der Breite. Dieſe Stadt hat erbauen eben dieſer Abdalla des Taker Sohn/ deſſen ich droben gedacht/ zu der Seit als Maimon Caliphe zu Babylon war. lerar ligt under dem 8. Grad zo. Minuten nach der Länge/ und under dem zs. Grad 56. Minuten nach der Breite. Dieſe Stadt ligt in der Provintz Ooraſſan⸗ und iſt erbauet worden durch den Sulrankleuſſen- Mirza, welcher auch etliche Oollegia vor die Jugend aufgerichtet. Es hat etlich ſchoͤne und lange Gange von Baumen/ von welchen Cha- Abas der L. diß Namens/ einen Abriß genommen/ zu dem kreſtich ſchoͤn und prächtigen Sratziergang/ welchen er zwiſchen Iſpahan und Zulla geFeſp· Medi ligt under dem 74. Grad ax Minuten nach der Lange/ und under dem 32. rad y. Minuten nach der Breite. Ui diese Skadt herum wachßt ein Uberffuß ſchoner Friichten welche man nach Ballara und underſchiedliche Herter verſchickt. Nn „ Hellne Fbneamadé ligt under dem 50. Grad. Minuten nach der Lange/ und under dem 92. Grad 20. Minuten nach der Breite. Dieſe Stadt iſt mit hohen Mauren umgeben/ und wird gar keine Handelſchafft getrieben/ dann die Einwohner von den Früchten hres Landes vermigt leben. 1 Menge Dattlen. gemnon ligt under dem 58. Grad ty. Mimiten nach der Lange/ und under dem 6. Grad 70. Minuten nach der Breite. In dieſer Stadt wird ſehr viel Kupfer verarbeſlet/ welches ihre Handlung iſt. ar Jend: Babour ligt under dem 75. Grad z. Minuten hach der Lange/ und under dem 315 Grgd. Minuten nach der Breite. Es iſt ei ne wolbeveſtnete Stadt/ darinn das verrühmte Grab deshaelef Vakoub-cha alten Königs von Chiras ſtehet. Es hat eine Menge Dattlen allda/ darmit ſte auch handen. Alon ligt under dem 80. Grad 35. Minuten nach der Lange/ und under dem 36. Grad 50. Minuten nach der Breite. gut allda/ und Hal Ulberffuß an ebensmitteln. Ipahan, vor dieſem genant Hiſpahan, Spahn; und Sephaon, welche man auch DarHleltener nennete/ welches heißt Stadt und Siades Königs igt under dem de, Grad 4e. . 8 Minuten nach der Lange/ und under dem zz Grab ä——— 8 Drittes Buch. 3 155 Minülten nach der Lange/ und under dem 32. Grad 40. Minuten nach der Breite. werde deſſen in folgendem Buch eine Beſchreibung machen. 2 S K. 3 Naar ligt under dem 78. Grad 4. Minuken nach der Lange/ und under dem 42. Grad 30. Minuten nach der Breite. Dieſe Stadt wird auch Kars genant/ dar von ich in dem erſten Buch Meldung gethan. Kachan ligt under dem 76. Grad y. Minuten nach der Lange/ und under dem 4. Grad 70. Minuten nach der Breite. Ich hab weitlaufftige Meldung dar von gethan/ als ich die Weg durch die Mitternachtige Tuͤrckiſche Pro vintzen beſchrieben. 1 Feafre- Chirin ligt under dem vr. Grad 50. Minuten nach der Lange/ und under dem 34. Grad 40. Minuten nach der Breite. Diß iſt nur ein kleine Stadt/ welche aber zuvor groß geweſen/ und durch einen Perſiſchen Konig Nouchirevon-Aadel,; welcher dek Gerechte zugenennet ward/ erbauet worden. Dieſer Koͤnig iſts/ auf deſſen Thun und Lehre die Perſianer all jhre Sitten gegründet haben. Kaien liget under dem 83. Grad 20. Minuten nach der Lange/ und under dem 36. Grad 22. Minuten nach der Breite. In dieſer Stadt iſt guter Lufft/ auch hat es trefliche Früchte/ und iſt verruhmt/ daß ſie ſehr viel verſtandige geſchickte Leut underhalte. 1 Kalaar liget under dem 76. Grad 25. Minuten nach der Lange/ und under dem 7. Grad 27. Minuten nach der Breite. Es iſt eine von den vornehmſten Städten des Landes Guilan, darinn ſehr viel Seiden gemaeht wird. EKealin ſiget under dem 8 Grad. Min uten nach der Lange/ und 35. Grad 31. Minuten nach der Breite. Das Gelaͤnde dieſer Stadt tragt ſehr viel Korn und andere ſchoͤne Fruͤchke/ auch halt man ſehr viel Vieh. f Karkoub liget under dem 74. Grad 45. Minuten nach der Lange/ und under dem 32. Grad ry. Mnuten nach der Breite. In dieſeb Stadt iſt der Paß vor die Pilgram/ welche nach Mecque gehen/ und don dem hohen Perſiſchen Gelaͤnde herkommen. e Easbin oder Kaſuin ligt under dem 55. Grad 40. Minuten nach der Lange/ und under dem 36. Grad 15. Minuten nach der Breite. Es iſt ein alte Stadt/ darinnen wenig Waſſer und wenig Fruͤchte gefunden werden/ aber ſehr viel gute Welſche Pimpernuͤßlein wachſen/ deſſen ich anderſtwo Meldung gethan habe. FKaſſre.el-lehous gemeinlich Kengavar genant/ liget under dem 76. Grad 20. Minuten nach der Lange/ und under dem 33. Grad JJ. Minuten nach der Breite. Das Gelaͤnde umher iſt gut/ und trägt koͤſtliche Fruͤchte. EFaxeron ligt under dem 88. Grad 30. Minuten nach der Linge/ und under dem 28. Grad den weuuten nach der Breite. Das Gelaͤnde ieſer Stadt trägt viel Citronen und Lmonen/ Ach ein Safft gemacht/ und in viel Lander Lrſchickt wird. Es hat auch viel CypreſſenBaume/ welche treflich ſchoͤn aufwachſen/ weilen das Erdreich ſehr bequem darzu 15 KFerah liget under dem 86. Grad 40. Minuten nach der Lange/ und under dem 34. Grad 15. Minuten nach der Breite. Dieſe Stadt ligt in gutem Lande/ welche ſich vergnügt mit dem jenigen/ was die Erde hervor bringt/ gantz keine Handelſchafft treibende. Kerman oder Kirman liget under dem gt. Grad 15. Minuten nach der Lange/ und under dem 29. Grad 50. Minuten nach der Breite. Sie iſt die Haubt⸗Stadt in einer Provintz/ welche eben dieſen damen hat/ davon ich in dem anderen Buch weitlauffige Meldung gethan. Kervak liget under dem 87. Grad 32. Minuten nach der Lange/ und under dem 34. Grad y. Minuten nach der Breite. Es wachſen alldorten ſehr gute Frucht. EKirmoncha ſiget under dem bz. Grad 45. Minuten nach der Lange/ und under dem 34. Grad 37. Minuten nach der Breite. Rom liget under dem y. Grad 40. Minuten nach der Lange/ und under dem y. Grad 37. Minuten nach der Breite. Von dieſer Stadt hab ich weitlaͤuffige Meldung gethan in der Reisbeſchreibung. Nouh de Mavend ligt under dem 74. Grad ij. Minuten nach der Lange/ und under dem 36. Grad 15. Minuten nach der Breite. e kleine Stadt/ vor dieſem aber war ſie der groͤſten eine in gantz Perſien. EKoucht ligt under dem 83. Grad 40. Minuten nach der Lange/ und under dem 33. Grad 20, Minuten nach der Breite. Das Gelaͤnde dieſer Stadt trägt gut Korn und andere Früchte. f i 586 Koy ligt under dem Eo. Grad 0. Minuten nach der Lange/ und under dem 27. Grad 40. Minuten nach der Breite. Kevachir, anderſt Verdechir genant/ ligt under dein 80. Grad 30. Minuten nach der Lange/ und under dem 28. Grad ry. Minuten nach der Breite. 5. 5 L. 5 8 Lahijon liget under dem 4. Grab 27. Minuten nuch der Lange/ und under dem 27. Grad. Minuten nach der Breite. In dieſer Stadt wird viel von Seiden gearbeitet/ und abſonderlich ein geſtrichelter Zeug/ welchen die zu dand Teflile nennen/ er iſt halb von Sei den und halb i jhre Roͤcke machen/ die ſie Kaba yes heiſſen. Louſſek ſiehe Touſſea. 55 Maatmeter anderſt Barkrouche genätk/ 5 e 4 ligt unter dem 7. Grad z. Minuten nach der Lange/ und under dem 36. Grad 50. Minuten nach der Breite e Mehrouyon; gemeinlich Bebbehon genant/ ligt under dem 75. Grad 15. Minuten nach der Lange/ und under dem 39. Grad zy Minuten nach der Breite. In dieſer Stabt wird eine Menge Taback von gelben Blattern gemacht/ welehe man von allen Orten auß 8 Perſten 156 Perſien herbringt und aufſucht/ die Perſianer fragen nicht viel nach dem Roll⸗Taback/ weil er jhnen zu ſtarck waͤre/ ohnaufhoͤrlich/ wie ſie thun/ darvon zu trinckön. 1 Meraquè liget under dem 71. Grad 20. Minuten naͤch der Lange/ und in dem 37. Grad 40. Minuten nach der Breite. In dieſer Stadt gibt es ſehr viel ſchoͤne Früchte/ und iſt einer von den ſchoͤnſten Luſt⸗Garten in Perſien.. Mlerend liget under dem 63. Grad 15. Minuten nach der Lange/ und under dem Grad 37. Minuten nach der Breite. Das Gelaͤnd dieſer Stadt tragt koſtliche Früchte/ und diß überfaf) 5 Miervaſas liget under dem 87. Grad 32. Minuten nach der Lange/ und under dem 34. Grad 1p. Minuten nach der Breite. Das Erdreich um dieſe Stadt herum iſt fruchtbar von Getraͤid und Frucht.. Mierverond liget under dem 88. Grad 40. Minuten nach der Lange/ und under dem 34. Grad 30. Minuten nach der Breite. Dieſe Stadt ligt in einem ſehr guten Gelaͤnde. Meſched, ſiehe Touſs. 8 Moukon liget under dem 63. Grad w. Minuten nach der Lange/ und 37. Grad 40. Minuten nach der Breite. Man nennet ſie auch Berbent, und dieſe Stadt ligt ohngefahr 20. Meilen von dem Caſpiſchen Meer. Das Feld tragt viel Getraid/ und iſt tretich ſchoan. M.ourian liget under dem 84. Grad. Minuten nach der Lange/ und under dem 7. Grad 15. Minuten nach der Breite. Dieſe Stadt iſt ſehr volckreich/ und gibt ſchoͤne Platz und Moſquèen. Nachevan, oder Nacſivan liget under dem El. Grad 3a. Minuten nach der Lange/ und under dem 39. Grad 40. Minuten in der Breite. Deren Beſchreibung ich in dem erſten Buch Natel liget under dem 7. Grad 40. Minuten nach der Lange/ und under dem 36. Grad 2. Minuten nach der Breite. Es hat in dieſer Stadt ſehr viel Fruͤchte und gute Krauter. Nehavend oder Nahouand ligt under dem 73. Grad 45. Minuten nach ber Lange/ und under dem 24. Grad 29. Minuten nach der Breite. Die Leut von dieſew Land halten darbor/ daß dieſe Stadt ſey geweſen vor dem Loutons das iſt/ die Sund furt. Neher Terii ligt under dem 75. Grad nach der Lange/ und under dem 32. Grad 40. Minuten nach der Breite. Dieſe Stadt iſt verheeNellahliget under dem 84. Grad 4. Minuten nach der Lange/ und under dem 38. Grad 40. Minuten nach der Breite. Es wachſen in dieſer Stadt herꝛliche Früchte. et worden in dem Jahr 279. von dem Hegire Nichabut liget under demo Grades Minuten nach der Lange/ und 6. Grad 20. Minuten nach der Breite. Nicht weit von der Nachbarſchafft dieſer Stadt/ it die Mine wo man die Tuͤrckiſen von dem alten Felſen grabet/ dar von Facbechrabung n Pufenich anderſtwo Meldung thun werde. An dieſem Ort hat es von langer Zeit her Chia, welches warhaffte Perſiſche Mahometaner ſind. a Oujon ligt under dem 61. Grad zy. Minuten nach der Lange/ und under dem 32. Grad 24. Minuten nach der Breite. Es ſtehet ein ſehr ſchoͤn Schloß in dieſer Stadt/ auch ſind die Früchte alldort ſehr Qt. 2 Kachmikdon liget under dem 87. Grad 34. Minuten nach der Lange/ und under dem 35. Grad 1x. Minuten nach der Breite. Rem- hormous ligt under dem 74. Grad 45. Minuten nach der Lange/ und under dem 31. Grad 45. Minuten nach der Breite. Die Perſtaner ſagen/ daß in dieſer Stadt der Selmon ſey geboren worden/ welcher des Ai Pfleg⸗Vatter/ und des Mahomets Eidam geweſen/ den er auch erzogen/ und jhn in ſeiner Kindheit guf den Armen getragen. Rey ligt under dem 76. Grad 20. Minuten nach der Lange/ und under dem v. Grad J. Minuten nach der Breite. Das Gelande iſt von dem beſten in gantz Perſien/ von dannen niit man das Getraide/ Früchte und Krauter zu Underhalt der Einwohneren. Roudbar, gemeinlich Roumar genant/ ligt under dem 7. Grad 37. Minuten nach der Lange/ und under dem 37. Grad 21. Minuten nach der Breite. In dieſer Stadt wird viel von Seiden gearbeitet. 2 ERoupyon ligt under dem 71. Grad 36. Mihaurten nach der Lange/ und under den 36. Grad J. Minuten nach der Breite. Man heißt ſie auch Mareſſon, das Schlangen ⸗Ort/ weil es um dieſe Stadt herum viel hat/ welche in dem Moraſt der Provintz Mazandran ligt. SCaaſſour liget under dem 86. Grad 20. Minuten nach der Lange/ und under dem zy. Grad 15. Minuten nach der Breite. Saron ligt under dem 6. Grad 20. Minuten nach der Lange/ und under dem 36. Grad . Minuten nach der Breite. Dieſe Stadt gehort in die Provintz Guilan, und wird viel von Seiden darinn gearbeitet. Say ligt under dem 78. Grad ip. Minuten nach der Lange/ und under dem zs. Grad 40. Minuten nach der Breite. In dieſer Stadt gehet der Kupfer⸗Handel ſtarck/ dann Sebzevoar ligt under dem 81. Grad 5. Minuten nach der Lange/ und under dem 36. Grad 4. Minuten nach der Breite. Diß iſt eine kleine Stadt/ welche vor altem Bihae genant war/ darinn eine gantze Menge Manna, welches gelblicht iſt/ aufgehoben wird. Semiton ligt under dem 7. Grad 30. Minuten nach der Lange/ und under dem 34. Grad 40. Minuten nach der Breite. Diß iſt eine kleine aber luſtige Stadt/ dar innen gut Waſſer und koͤſtliche Früchte gefunden werden. Sephaon * ———j————ñ—‚4ü— —— — 1 1 U 1 Sephaon, ſſehe Llaphan. 815 Seriir-el-lan liget under dem 63. Grad Y. Minuten nach der Lange/ und under dem lie Teleht lig m 6. Grad 1j. Minuten nach der Lange/ und un40. Grad iy. Minuten nach der Breite. Serkaiche ligt under dem 90. Grad F. Minuten nach der Lange/ und in dem 33. Grad 50. Minuten nach der Breite. In dieſer Stadt wird viel Arbeit von Weiden gemacht/ welche in Tüͤrckey und Perſten verſchiekt wird. Ser kaſs oder Serakas ligt under dem 8. Grad y Minuten nach der Lange/ und under dem 26. Grad ry. Minuten nach der Breite. Dieſe Stadt iſt angenehm/ theils wegen der Situation, theils wegen Menge des ſchöͤnen guten Waſſers. 330, 0 Sermeghon liget under dem 87 Grad 7. Minuten nach der Lange/ und under dem 7. Grad 32. Minuten nach der Breite. Das Erdreich dieſer Stadt iſt zimlich gut/ nichts Lellisdi 5 under deim 60. Grad 1p. Minuten nach der deſto weniger tragt es wenig Fruͤchte Seryeſton ligt under dem 78. Grad 1j. Minuten nach der Lange/ und under dem 29. Grad . Minuten nach der Breite. Um dieſe Stadt herum hat es treflich gute Pflantz⸗Erde/ und einen ſchoͤnen Garten⸗ Luft. Seruon ligt under dern 79. Grad. Minuten nach der Lange/ und under dem za. Grad 10. Minuten nach der Breite. Diß iſt nut eine kleine Stadt/ das Geland aber tragt einen Surjon ligt under dem v4. Grad 4. Minuten nach der Laͤnge/ und under dem 0. Grad 20. Minuten nach der Breite. In dieſer Stadt werden von den ſchoͤnſten Perſiſchen Tapeten/ welche man gemein lich— he Tapeten nennet/ gemacht. Auch werden 5 i viel Chaals, veſches Glüttel von Geiß⸗ Haaren ſind/ gearbeitet/ und die Perſtaner kreutzweis über ihre ſchone ſeidene Gürtel winden/ dart man ſie deſto beſſer ſehen moͤge. An dieſem Ort wird ſehr viel Vieh gealten/ von dem man Butter macht/ welcher in Kalbs⸗Haͤuten an andere Oerter uber bracht wird. So hkreverede ligt under dem 73. Grad 36, Minuten nach der Lange/ und under dem 36. a e Minuten nach der Breite. 8 ouſs ligt under dem 73. Grad 45. Minuten nach der Lange/ und under dem 32. Grad 5. Minuten nach der Breite. Sultanie ligt under dem 76. Grad iy. Minuten nach der Laͤnge/ und under dem 9. Grad 40. Minuten nach der Breite. Dieſe Stadt ligt in einem guten Land; aber vor Ankunfft und Undergaug des natürlichen Tages iſt der Lufft ſehr ohngleich: dann zu Abend/ zu Nacht/ und zu Morgen/ iſt es ſehr kalt/ der Tag aber gantz warm. 5 n Taberon ligt under dem 80. Grad 34. Zunuten nach der Lange/ und under dem 35. 20 Minuten nach der Breite. nuten all con lige under dem 8. Grad. Mien nach der Lange/ und under dem 36. Grad 57. Mügten nach der Breite. Dieſe Stadt der Lange/ und u ligt in gutem Gelaͤnde/ wolches viel Uberfluß hat an Korn/ Früchten/ und ſchoͤne Waſſer⸗. Tauris auch Slernerdehi ligt under dem der dem z9. Grad 18. Minuten nach der Breite. Diß iſt eine groſſe Stadt/ aber ohne Mauren. Es hat hat allda ſehr ſchoͤne Bazars oder Kauffmanns⸗Gewolber/ wie auch groſſe Gebaude der Volcker des Lands/ und wird viel Seiden verarbeitet. Deſſen ich weitlaͤufftige Meldung in meiner Reisbeſchreibung ge5 Tebeſs ligt under dem do. Grad 40. Minuten nach der Lange/ und under dem 8. Grad I. Minuten nach der Breite. Man heißt, es aulch Atleſs. In dieſer Stadt wird Sammer/ Atlaß oder Sarin und andere Seiden⸗Are beit gefunden. VV Taeeflis die Haubt⸗Stadt in Georgien/ lige Lange/ und under dem 43. Grad 15. Minuten nach der Breite. Ich hab hie beſſer droben deren gedacht. i ö Toukon ligt under dem 82. Grad 45. Minuten nach der Lange/ und under dem 8. Grad 40. Minuten nach der Breite. Das Gelände herutn it zmlich gut den Haubt⸗Stadten der Provintz Coraſſan, ligt under dem 8a. Grad 30. Minuten nach nuten nach der Breite Daſelbſt iſt die verrühmte Molquce des Ian Reza, dahin groſſe Walfahrten geſchehen. In dieſer Stadt wird Beltz und Top fwerck gearbeitet/ viel ſchoner als das Meylandiſche Geſchirꝛ. 5 Tuoouſlea, anderſt Louſſek genant/ ligt under dem 8ỹ. Grad 40. Minuten nach der Laͤnge/ und under dem 37. Grad yo. Minuten nach der Breite. Das Erdreich iſt fruchtbar an Korn und anderen Fruͤchten. Vesd ligt under dem 9. Grad ry: Minuten nach der Lange/ und under dem 32. Grad 1j. Minuten nach der Breite. Ich habe weitlaufftig darvon geredt in meiner Reisbeſchreibung. 1 8 Vevin,; ſiehe Azadkar. Zemme ligt under dem 89. Grad 14. Minuten nach der Lange/ und under dem 8. Grad 35. Minuten nach der Breite. Dieſe Stadt ernehret ſehr viel Haar⸗ und Wollen⸗tragenZenjon ligt under dem vz. Grad 36. Minuten nach der Lange/ und under dem 36. Grad 5. Minuten nach der Breite. Es iſt nur eine kleine Stadt/ aber verruhmt wegen der Aelte/ bas, anderſt Meched genant/ eine von und daß ſie vor Zeiten geweſen iſt ein Sitz der Wiſſenſchafften/ nachdem etliche gute Perſtſchen Authoren von jhro außgangen/ welche ſie durch jhre Schrifften beruhmt gemacht haben. Zertah ligt under dem 79. Grad 30. Minuten nach der Lange/ und under dem 32. Grad O 30. Mi abt in der Provintz Belad-Ciſton Das rin ein ſehr ftarckes Sehloß ſtehet mit tiefen Neben/ und vor dit Stein⸗Iruchte. Tourligt under de my Grad 20. Minuten nach der Länge/ und under dern Grad. 32, Minuten nach der Breite. Es iſt nichts Neisbeſchreibung in Pe nach der Bikitk Ind ieſer Stadt Kerman ligt/ wird tref/ welches die fayance man ſehr viel lan: iſt/ damit die Perchen/ welches ſie vor Sie machen auch js vordere Theil des welche in der Provintz lich ſchoͤn Topf⸗Geſchir uberttifft/ gemacht/ und hat na, welches eine rohte Fark ſtaner ihre Nagel roht ma eine groſſe Zierd halten. darvon roht zur Zierd/—ç ferds/ den Schwantz und das Undere des merckliches in dieſer Stadt/ welche ligt in der Pft Probint Belad-Coufeſton. oben ligt under dem dy. Grad ry. Minuten nach der Länge/ und under dem zy Grad 39, Minuten nach der Breite. Dieſe Stadt ligt in der Provintz Mazandran, und hat ein Zurend ligt under dem 7z. Grad 40. Miwüten nach der Lange und nder dem: Grad mii e 2 8 Bauchs/ bis ſo hoch da es die Sp chen! Gleiches thut man auch mit den Pleriges; aber man thut zugleich ein kleines Bord von Spitzen/ rings herum hinſere alten Ducales zu/ welches gef Ern lichen Huͤte/ und nicht er oder Hertzog iſt denen Pferden ger ——— 8 —!.:— r ———— TCTCCCCCVTTVCC CVCVCCCCCCCCCCCCCCCCCCVCCCCCCCCTCTT eee ee e e e ee Keisbeſchreibung NWůuerdees Bü Beſchreibung des Königreichs Perſien. e Wie weit ſich das Koͤnigreieh Perſien erſtrecke/ und in wie viel Provintzen ſelbiges abgetheilet werde. Stand 1 3 80 es nun iſt/ hat gegen Mitternacht Aae de Haſechs g gegen Mittag das . groſſe Meer zu Y Gräntzen; gegen e Morgen ſtoͤſſet es an die Lander des Groß⸗Mogols; und gegen Abend wird es von des Groß⸗Furcken ſeinem durch die beyde Flüſſe Euphrat und TygerabDamit man nun beſſer begreifen moͤge/ wie weit ſich des Koͤnigs in Perſien Gebiet erſtrecke/ iſt zu wiſſen/ daß dieſer Monarch auſſer halb dem ſo eigentlich Perſien genennet wird/ einen guten Theil des alten Aſſyrien und Gro Armenien die alten Koͤnigreiche Parthen un 5 Meden/ die Königreiche Lar und Ormus; und alles von Perſten gegen Morgen an/ bis jenſeit Candahar, ja faſt bis an das Königreich Smdiz ſo an ſtatt der Grantzen iſt/ beſitzet. a Diiewell aber die jenigen Europeer/ ſo vor mir in Perſien gereiſet/ entweder ſolches nicht geachtet/ oder keine Gelegenheit gehabt/ ſich gründlich zu erkundigen/ wie viel eigentlich Provintzen ſeyen/ darauß dieſes groſſe Koͤnigreich beſtehet; wie mir dann die klugſten und „erfahrneſten Perſianer ſelbſt/ mit denen ich doch ſiehr vertraulich umgangen/ nichts gewiſſes davon haben ſagen konnen; als muß man nohtwendig/ ſo man anderſt dieſes Koͤnigreich beſchreiben wil/ daß einiger Nutzen darauß zu ſchoͤpfen/ ſich an die alte Geographie halten/ aud nach dem Namen der alten verfloſſenen JTieit davon ſie uns Nachricht gibt/ die jenigen veoh dieſer Zeit/ bb ſie uns ſchon weniger bekant/ tel gerte heutigen Seribenten meiſtennchen chſelt ode verfälſchet wo; demein9 Theil. 15 ———————————— Das I. Capitel. werden. 5 90 N A das Caſpiſche/ und Landes/ ſo zwiſchen den beyden Fluſſen Araxes aber Meſopotamien zwiſchen dem Euphrat rüͤhmſten Staͤdte darinnen. nien oder Chaldæa, nhunmehro aber Hierak- Arabi. mehr/ amm meinſten berühmt ſind. f dan, Cachan, Com und Casbin, vfolleleht au 1 noch Vesd, wo man ſie nicht under die Provinke — Auf dieſem Fuß nun der vornemſten Provintzen/ deren Situation und Gleichheit/ ſo ſie under ſich haben/ deren eigentlichen Namen und berüͤhinſter Staͤdte darinnen/ kan Perſien ain fuͤglichſten in folgende Provintzen getheilet Die Erſte iſt Groß⸗Armenien, ſo in unſe⸗ Deſſelpen ren Landkarten umecht/ und ohne einigen ce Grund Turcomannia genennet wird: mit meien. 1 beſſerem Fug aber koͤnte mans noch in gemein Ermenik heiſſen/ weil faſt niemand als Armenier darinnen wohnen. Dann dem Stuck und Cyrus, nunmehro Aras und Kur, liget/ geben die in dem Land den Namen Iran; und 5 öfters Carabag; iſt auch eines von den beſten 5 und reicheſten Landern in gantz Perſien. Die Haubt⸗Stadte in dieſer Provintz/ ſind Erivan, Cars, Nacſivan, Zulpha und Van, welche an einem See ligt/ der eben dieſen Namen hat/ und die groͤſte in gantz Aſien iſt. 8 Die Zweyte heiſſet Diarbel, vor dieſem: Diarbek und der Tyger; deren vornemſte Staͤdte ſind Bir an dem Euphrat/ Car- emit oder Diarbekir an der Tyger/ Urfa, Mouſſul, Gezire, MerCurdiſtan, vor alters Aſſyrien, iſt die drit⸗ Cain te/ und erſtrecket ſich langs des Tygers Ufer gegen Oſten/ von dem Van See an/ bis an die Grantzen von Bagdat, Ninive, Cheriſul, Amadie, Sneirne, Betlis und Salmaſtre, ſind die beDie Vierdte wurde vor dieſem Babyld- 4. Hierkarabi genennet; worinnen die Staͤdte Felouja an dem Euphrat/ Bagdat an dem TygerFluß/ Meched. ali Gurno und Balſara an dieſen beyden Fliſſſen zuſamen/ und in dem Land Burus;, Charaban, Erounabat und andere Die Fünffte it Kierak-agemiß oder das denke alte Parther⸗Land/ worinnen die vornemſten eu Staͤdte ſind Hiſpahan, Touchercan; Hamagen Kermgn oder Sigiltan rechnen wil, Fiſpae nag 160 han aber iſt im gantzen Konigreich die Hauhtund der Perſiſchen Könige gewohnliche Reſidentz⸗Stadt/ welche ich drümten außführlih beſchreihen wil. langs dem Caſpiſchen Meek dabifſen die Sidte Herbent oder Demik. capi, Baku und Chamaki; ingleichem die Provintz Edzerbaijan, wokinnen die Städte Tauxis,Arcdeuil, Sülranie, und andere mehr ſind. Dieſe beyde Provintzen haben bey nahe alt NAsddien, ſo ſich bis ß Ufer des Caſpiſchen Meers erſtreckte, Klan und Ty lan Und Masandran, gleichfals langs Wanka. det Caſpiſchen Meer/ machen die ſiebente und wurden vor dieſem Hyrcanien geheiſen; die vornemſte Staͤdte und Flecken ſind Firur cu Sufkkar- a bad und Mionikiellè bey Eintritt des 6. Chitvan. Geburgs; Giru, Talara⸗peſet und Sara, gulf der Ebene; und erb abad, Ciarman und Glerel gegen dem Meer. . binbed. Die Acchteiſt Flisrabad vor deem lergiana, und ei ſtrecket ſich bis an den FlußkuchKhané-Kurkan, den die Alten Oxus hieſſen; die Staͤdte Eſtarabat, Amulund Damkam, Se a werden dar innen vor die vornemſten gehalten. 2. Uebels. Die Neundte beſtehet in dem Lande der Tasten. IIchekes⸗Tarraren, ſo faſt gantz alt Bactriana und Soydliana iſt; die Haubt⸗Stadte ſind Samarcand, Balk, Boccara,&cc. W 10 canin, Dit Jehente heiſſer Coraffen, vor dieſem Aria; und ein Theil von Bactriana; under anderen Stadten darinnen/ ſind Eri oder Erat, Meched, Niſabur, Thun; Sc. am meiſten berühmt! Zu Meclied wird under einem verüldten Gewolb des Propheten Leman Riza Fegräbnuß gezeiget/ welches die Perſianer in abſonderlichen hohen Ehren haltern. zr scbleten. Fableſtan bor alters Paro pamiſus; iſt die Eylffte/ und har an den vornemſten Staͤdten Beklabat; Asbe; Büſt, Sarants,&c. Aber das Land und die Stadt Candahar, ſind auch mit under dieſer Provintz begriffen/ wie nicht weniger Pulk und Alunkan an den Graͤntzen des Gilf eh dn 12, Sigiſtan. Die Zwolffte Provintz machet Sigiſtan ſonſten Drangiane; worinnen Siſtan⸗ Chalak, Kets,& die aubt⸗Stadte ſind B. Aache- Die Dreyzehende begreifft in ſich das 1 85 Land/ ſo ſie vor dieſem Arachoſien nenneten/ und dem König in Perſien zuſtehet/ ligt an den Grentzen des Königreichs Sindli, hat aber keine Steͤdte die ſonderlich bekandt ſind. 14. Mactan: Die Vierzehente iſt Macran, langs dem Meer Mogoſtan, vor Alters Geclroſia, davon die vornerniſten Stadte ſind Makran, Firch, Chalafe, und gegen Guzarate zu/ her Ser⸗Ha7. kenn. Cermans vor dieſem Caramania, ſo ſich bis an den Meerbuſen Otmus erſtreckte/ mapet die Funfzehende/ und ſind die beriuhinſten Sſtaͤdte darinnen Kermau, Bermazir, der Hafen Kulleſtele und das Vorgeburg Jacques. 16. raiſttan. Die Eechzehende iſt Karliktan ſo vor dieſem eigentlich Perſien genennet wurde; deſſen vornehmſte Staͤdke ſind Schiras an dem Fluß * Reis beſchreibung in Perfien/ Kur, Caſeron, Benaru, Firuſabat; Darab⸗ 1 guier,&cc. Mierzu wird auch gerechnet die kleine Provintz Laraſtan, ſarnt der Stadt Lar bis fangt vier Tagreiſe von Hilſpahan, an einem kleinen Thal an/ der nicht breiter als tauſend an den Hafen Gomron, gegen Ormus über. Dieſe Provintz erſtrecket ſich nach Sud⸗Weſten bis gegen dem Perſiſchen Meerbuſen/ und Schritt/ aber wol ry. oder 20. Meilwegs lang iſt. Ein kleiner Fluß flieſſet mitten dadurch/ und an einem Abhang dieſes Thals/ ligt die wegen des Uberauß ſeho nen und wolgeſchmackten Brods/ beruͤhmte Stadt Jesdekas, davon ich anderwerts Anregung gethan. Vor dieſemm erſtreekte ſich dieſe Provintz nicht ſo weit/ ſondern endigte/ ehe Cba⸗Abas das alte Koͤnigreich Lar, und foͤlgends das Konigreich Ormus eroberte/ zu Benarou, zwey Tagkeiſe von Lar: nach der Hand aber/ ſind ſie jhr beyde einverleibet worden/ und hat ein jedes ſeinen Sultan gen Könige. Die Mieerhafen in dieſer Provinz/ langs oder Statthalter vor ſich/ an ſtatt jhrer voridem Per ſiſehen Meerbuſen/ ſind Zander Abasſi und Bander- Congo. Der erſte/ ſonſt Somron geheiſſen/ wird ins gemein der Hafen von Ormus genennet/ ob er ſchon drey Meilen davon ligt/ und an dem veſtern Land/ da hingegen die Stadt Ormus in der Inſel gegen uͤber gelegen/ weilen ſeithero die Perſtaner ſich der ſelben bemaͤchtiget/ keine Schiffe mehr da anfahren. Bander- Congo iſt zwey Tagreiſe jenſeits gezu Gomron, und der gen Weſten; die Lufft iſt da viel geſunder als Weg nach Schiras kürtzer/ welches den Kaufleuten ſehr bequem fiele/ wann nicht das hohe Geburg/ darüber nan muß/ die vielen Abgründe vor die Kameele/ und andere Laſt⸗Thiebe/ all zu gefahrlich ware, Dieſes iſt hier noch zu erinneren/ daß auf dem Weg von Balſara nach Perſien/ wann man auß dem Außlauff des Euphrats herauß ſchiffet/ man innerhalb 2. oder 0. Stunden zu Waſſer/ zwey andere kleine Hafen in dem Perſiſchen Meerbuſen antrifft/ nemlich Bander-Rik, und Bander-Rakel, waren aber nur die Teträtes oder Schiffe/ in der Gröͤſſe als verwundern iſt es/ nachdem die Einwohner in dieſer Gegend/ den Gebrauch des Eiſens gantz nicht wiſſen/ wie ſie jhre Schiffe ſo ſauber und ſtarck außarbeiten/ daß ſie auf dem Meer beſtehen konnen/ da doch die Bretter nur mit einem Seile ſo ſie auß der Wolle/ von den in Indien beruͤhmten Cocos. Nuͤſſen ſpinnen/ zuſaDiie letſte von den Provintzen iſt Culiſtan, vor alters Sullane, welche die beyden Flüſſe Euphrat und Tyger/ nachdem ſie zuſamen geſtoſſen/ von Chaldæa gbſcheiden; die vornehmſten Stadte ſind Sutter vor Zeilen Sutz Ahavvas, Scabar, Ram-hormus, c. „zich nne in Perſten das Land nicheeinerley Art iſt/ alſo iſt auch nach Beſchaffenheit der Provinzen die Lufft underſchiedlich. ZukEkzerbaijan iſt es ſehr kalt/ aber bocca die Haubt⸗Stabt des Königreichs Ahalveri, 1 Call 0 gut 11 We tel N Perſſell ei Viertes Buch. Luft; Hingegen iſt zu Mazandran Über die maſſen boͤſe und ungeſunde Lufft/ und dieſes dahero/ dieweilen das Land ſumpffig/ und eine unglaubliche Menge Ungeziefer darinnen iſt/ wann nun im Sommer der Moraſt außtroͤcknet/ ſtinckt es/ und ſtecket davon die Lufft an. Es iſt auch ſo viel ſchlimmes Waſſers zu Mazandran, daß oftmals ein gantzes Stuck Landes davon uͤberſchwemmet wird/ und die Einwohner davon eine bleiche Toden⸗Farb bekommen. Ich habe an einem andern Ort gedacht/ daß Cha. Abas der Erſte dieſes Namens/ zwantzig tauſend Armeniſche Familien/ ſo er ſelbſt auß den Staͤdten Erivan, Nakſivan, Zulfa, und in der Gegend Kars bis gegen Erzerom, mit ſich hinweg gefüͤhret/ in dieſes Land geſetzet/ theils dadurch zu der Tuͤrcken groͤſtem Schaden/ die Grantzen wůſt und od zu machen/ welce/ wann dieſe mächtige Potentaten Krieg wider einander fuhrten/ einen Uberfluß daſelbſt funden/ jhre Leute zu underhalten/ theils auch das Land Mazandran dadurch zu bauen/ und volckreicher zu machen. Von dieſen 20000. Familien aber/ ſeynd heutiges Tages kaum 3000. mehr uͤberig/ ob ſchon das Land ſehr n eine unzehliche Menge WaſſerVoͤgel darinnen zu finden ſind. Die Provintz Guilan iſt in dieſer von Mazandran mit eingeſchloſſen/ und die Lufft iſt ſo wol in jener/ als in dieſer/ ſo ungeſund/ daß man ins gemein ſagt/ wann jemand dahin geſchickt wird/ daſelbſt zu regieren/ er ſeye auch war er wolle: Hat er geraubt/ gemordet/ oder geſtolen/ daß man In nach Guilan ſchicket. 9 Das Land Ilpahan, ſo faſt in der Mitte des Koͤnigreichs ligt/ hat ſechs Monath Hitze/ und ſechs Monath Kalte/ ob ſchon in ſeinem gantzen Bezirck die Polus Hohe nicht mehr Als ze. bis 34. Grad iſt. Es ſchneyet um die Jahrszeit vier oder funffmal/ und bisweilen ſo ſtarck/ daß man vor dem groſſen Schnee keinen Weg in dem Feld ſpuhren kan. Eine Mieil von der Stadt gegen dem Gebüͤrg/ iſt ein Stein zwey oder drey Schuhe hoch/ wann es nun komt/ daß ein Schnee fallt ſo hoch als der Stein/ iſt es ein Anzeigen eines fruchtbaren Jahrs/ und daß das Feld/ wann der Schnee angehet/ wol werde geduͤnget/ und befeuchtet werden; und der erſte Baur ſo davon die Zeitung nach Hof bringt/ bekomt von dem Konig hundert Tomans. Der Regen iſt bey jhnen/ auſſer dem Aprill/ darinnen es bisweilen überfluſſig regnet/ etwas ungemeiIn denen Provintzen ſo gegen Mittag/ abbeonderlich nach den Meer⸗ Hafen ligen/ iſt eine Ulnkerträgliche Hitze/ die ſehr geführlich/ und den meiſten von unſeren Europeern das Leben koſtet/ vornemlich aber denen/ ſo ſich in Eſſen und Trincken nicht maſſig halten. Die Flüſe ſo durch Perſien fleſſen/ ſind 50 wenig) ja nicht einer in dem gantzen Ge8 der recht ſchiffreich iſt. Aras oder Ara8 15 wie ihn die Alten geheiſſen/ iſt der groͤi Oel etliche Floſſe/ er feußt durch Theil. Früchte/ einem irꝛdiſchen Paradeiß nicht un ſchaͤdlich iſt. Auf ſolche Weiſe nun muß man in Perſien die Fluſſe abſchneiden/ und den Mangel des Regens zu erſetzen/ ihren barſte under allen Morgen⸗Landern preiſen; bim, Intendanten von der Provintz Edzerman twargenommen/ daß bey achtzig Jahren Armenien und habe ich in dem erſten Buch dieſer Reisbeſchreibung/ nach Anleitung der Gelegenheit dazu/ oftmals davon gehandelt. Die anderen kleineren lauff n nicht weit/ dann an ſtatt daß ſie mmer ſollen gröſſer werden/ wie bey uns in Europa/ nehmen ſie/ je weiter ſie von jhrer Quell ſind/ je mehr und mehr ab und vertrocknen endlich in einer unzehlichen Menge kreiſes oder Canale/ wodurch ſie das Waſſer auf die Felder leiten und ſelbige waſſern/ dann ohne dieſes wurde nicht einmal Graß wachſen/ außgenommen in dem Land Mazandran, welches vom September oder October an bis in den Marrio wegen allerhand anmuhtiger Blumen und herzlichen gleich iſt. Auſſer dieſer Zeit aber/ wie ich bereits erwehnet/ hat es die ungeſundeſte Lufft von der Welt/ und die den Fremden ſehr Lauff hemmen/ dann weilen das Land von Natur ſehr gut/ traͤgt es/ wann es nur ein wenig 8 wird/ von allem ein Uberfluß. Es iſt aber zu wiſſen/ daß das Korn welches an den Orten wachßt/ dahin das Waſſer nicht geleitet worden/ ſehr gut iſt/ und ſich lange Zeit halt/ wie bey uns/ da hingegen jenes auf dem gewaſſerten Feld geringer geachtet/ und nicht uͤber acht Monat zu halten iſt/ weſlen alsdann kleine Wurme darinnen wachſen/ und ſolches freſſen; damit es nun nicht verderbe/ lan ſie es zu Meel malen: Und mag man wol allhie ſagen/ das auß dieſem Ubel etwas Gutes erfolge dann wann ſich dieſes Korn aufhalten lieſſe“ ſo würde man ohne Zweiffel einen groſſen Vorraht davon ſamlen/ und hernach dem Volck/ wann ein Mißwachs kame/ auf das theurſte verkaufſfen. Wegen dieſer unzehlichen Menge Waſſerleitungen/ kunte man vor dieſem das Königreich Perſien vor das fruchtaber heutiges Tags hat die Zahl davon ſehr abgenommen/ und ſeithero der Krieg von Jahren zu Jahren dieſes Königreich verheeret und verwuͤſtet/ ſiehet man im durchreiſen die meiſten Canale verſtopfſet/ oder zerſtorel. Ich kame einmal mit dem Naiera-Ibrabaijan, der ſeine Wohnung zu Tauris hat/ davon zu reden/ dieſer ſagte mir/ daß die Fruchtbarkeit Perſien ſehr abgenommen/ und her/ allein auf dem Gebieth von Tauris, bey vierhundert Quellen kheils durch allerhand Zufälle/ theils durch Nachlgſſigkeit derer ſo darüber beſtellt geweſen/ verfallen. Und erzehlte er mir dieſes“ als das allerſchadlichſte ſo Perſien hatte zuſtoſſen kommen/ dieweil der gantze Erdboden/ wann er nicht durch Waſſerleitungen/ die auß den Quellen kommen/ gewaſſert wird/ unftuchtbar iſt; Was die Garten anlanget/ werden diea O 3 ſelbe 05 werſelbe mit Brunnenwaſſer begoſſen/ und ſolches durch Hulff eines Nads, ſo ein Ochs herum treibe. Durch dieſe Befindung kan man ſo viel Waſſer als man verlanget/ darein lauffen laſſen; das flieſſende Waſſer aber iſt viel beſſer/ weil es nicht ſo kalt/ und das Erdreich fetker machet. Dahero komt es/ daß die Früchte ſo von dem Geburg kommen/ wo das Exdreich nicht anderſt als voin Regen und ſtarcken Thau fee wird/ viel wolgeſchmackter ſind/ und ſich viel langer halten/ als die auf dem flachen Land. a Der Berge gibt es in Perſien eine groſſe Menge/ ſind aber meiſtentheils ſehr trocken/ und unfruchtbar/ daß man nichts darauf ſaen kan: Man findet in gleichem in gantz Perſten kein Holtz/ und nmiſſen um einer friſchen Brunnquellen willen/ die Reiſenden manchmals einen weiten Umweg nehmen/ ja es ſeynd etliche Oerter/ da man zehen oder zwolff Meilen reiſet/ und kein anders Waſſer antrifft/ als was man in Schlauchen mik ſich führet. Die Berge ſeynd alle ſehr hoch und rauh/ und an den Granzen dieſes Konigreichs diehen ſie an ſtatt der Bollwercke und Paſteven. Auß vielen gräbt man das Saltz/ wie die Steine auß den Steinbrüchen/ und bekomt man vor den Werth eines Stubers ein viereckigtes Stuck andenhalb Schuh groß. Man finder auch flaches Feld darauf de! Sand lauter Saltz iſt; es hat aber nicht ſolche Krafft als das in Franckreich/ ſondern man muß die een wolgeſchmackt zu Saltzen/ noch ſo viel „JJ Die Ertz⸗Gruben ſeynd erſt vor kurtzer Zeit in dieſen Bergen entdecket worden/ haben aber faſt alle Kupfer⸗Adern/ darguß machen die Perſianer von noch zimlicher Arbeit Schuüͤſſeln/ Teller/ Becken/ Keſſel/ und allerhand Haußraht/ dieweil ſie kein ander Zinn haben/ als was ihnen auſſer dem Land zugeführet wird/ welches ſie jhre kupferne Geſchirzu überzinnen/ gebrauchen/ wie ſie oͤſters zu thun pflegen. Die Kupfer⸗Schmiede halten das Kupfer ſo auß denen Landern die gegen Weſten ligen/ gebracht wird/ hoͤher als das ſhrige/ ja hoͤher als das/ ſo von Pegu komt/ aber das auß Japon, ziehen ſie als das beſte/ allen anderen vor. Das Bley komt auß der Provintz Kerman; und das Eiſen und Stahl in groſſer Menge auß Casbin und Coraſan: aber daſſelbige Eiſen komt bey weitem nicht bey jenes auß Moruan, noch bey das Spanische. Der Stahl iſt ſehr fein/ und ſo kart/ daß er ohne einige Kunſt/ durch das Waſſer eine ungemeine Hartung bekommet/ ſonſtei aber zerſpringt er wie Glas/ daher komt es daß keine Federn oder einige zierl iche Arbeit darauß zu machen iſt/ weil man ihm keine gute Hartung geben kan. Dieſe Art Stahl läßt ſich auch micht an das Eiſen ſchweiſſen/ und wann wan ihm im ſchmſden ein wenig zu groſſe Hitze gibt/ wird er wie verbrante Erde bder Stein⸗Kohlen. Den Stahl den wir Damas nennen/ bringt man auß InReisbeſchreibung in Perſien/ dien/ und heiſſet auf Perſiſch Sau herdar. Ss finden ſich auch noch in Perſten Gold⸗ und. Silber⸗Adern/ darauß man abnehmen kan/ daß man vor Alters darinnen gearbeitet. Der groſſe Cha: Abas wolte weiter nachgraben laſſen(als er aber geſehen daß die Unkoͤſten groſſer als der Gervinn/ der davon zu hoffen/ hat er davon abgelaſſen. Vor wenig Jahren hat man wieder daran anfangen wollen zu arbeitn/ es war aber Verluſt dabey; dahero iſt das Sprichwort entſtanden/ welches in Perſien gebräuchlich/ wann man von einer Arbeit dabey kein Nutzen iſt/ ſagen wil: Nokré Kerven dehkrarge noh-halflel, iſt ſo viel zu ſagen/ als: Das Gelt von dem Bergwerck zu ketven; da man zehen muß Unkoſten machen/ wann man nem wil herauß graben. Alſo konnt ales Gold und Silber/ ſo ſie in Perſten haben/ auß fremden Landern/ und ab ſonderlich auf Culopa/ wie ich in dem Capitel von der Muntz ſolches angemercket. Von der Regierung Cha- Abas des IL. an bis auf Cha- Abas den II. ſahe man in Perſten mehr Gelt als jetzund/ und brachten bie Armeniſche Kaußſeute ſolches auß Europa/ darauß man hernach LandMuntz muͤnzte. Aber ſeithers etlichen Jahren bringen ſie nichts als Du caten oder Zequins; welche Sorten man am beſten mit ſich führen kan. Ja ſie haben dieſen Fund er dacht/ und verbergen ſolche in ſhre Kleider und Camiſole/ damit ſie jhnen wiht geſtolen worden/ wie oftmals bey den Caravanen geſchiehet wann ſie dureh Türcley reiſen/ und damit erſparen ſie auch den Zoll an denen Orten/ wo man eben ſo genau nicht dureh ſuchet/ was die Kaufleute bey ſich fuhren. 7 75 Von den Perſtaniſchen Blumen und Fruͤchten/ wie auch von den Tuͤrckiſen und Perlen. Je Blumen in e e den unſerigen in Europa/ ſo wol wegen der underſchiedlichen Arten/ als des euſſerlichen prächtigen Anſchquens/ nicht die geringſte Vergleichung; dann ſo bald man über den Tyger⸗Fluß komt nach Per ien zu/ trifft man nichts als Roſen/ Lilien und einige kleine Feld⸗Blumen an. Was die Roſen anlanget/ findet eine groſſe Menge/ ingleichem von den NaphtaBliſigen davon das Waſſer hernach durch gantz Aſien in die Orientaliſchen Lander verführet wirdz. i. „Ich bin niemals von dem Perſiſchen Hof weggeſeiſet daß mich nicht etliche groſſe Herren/ abſonderlich aber vier oder funff von den vornehmſten weiſſen Verſchnittenen/ deren eder vor ſeinein Gemach einen kleinen Garten hat deren viel/ und diſtillieren die Perſianer davon Per ten 1 fen. 1 in 1 1 Dertes Büch eee e hat/ inſtändigſt gebetten/ ich mochte ihnen doch einige Blumen auß Franckreich mikbringen; dann/ wie geſagt/ ſo haben ſie nicht viel beſonders in Perſten. Wann eim groſſer Here etliche ſchoͤne Blumen bekommen kan/ melnet er/ er koͤnne keine beſſere Aufwartung Und kräcke e thun des Konigs Gnad zu erlangen/ als wann er dem Konig einen Strauß dapon in einem Cryſtallinenen Gefeß/ gleich wie wir indranckreich unſere Blumen in kleine Geſchirꝛ voll 3 ſtellen/ damit ſie friſch bleiben/ verEs gibt in Per ſien von gleicher Art Fruͤchte als in Franckreich/ aber nicht in ſolcher Menge/ außgenommen an etlichen Orten/ vornemlich zu Lpahan. Sie ſind auch nicht ſo wol geſchmackt als die Unſerigen/ weil ſie kein Waſſer bekommen als zu underſt an dem Staunn bey der Wurzel. Under den Fruͤchten in Perſten ſind Aepfel/ Bieren/ Pomerantzen/ Granat⸗Aepfel/ Pflumen/ Kirſchen/ Merillen/ Quitten/ Kaſtanien/ Meſpeln/ und andere Arten mehr. 1 Vonden Merillen/(oder Morellen) zu ſagen/ gibt es deren kleine/ die weit beſſer ſind als die unſerigen/ und an etlichen Orten eine groſſe e Es ſind wol ſieben⸗ oder achterley Arten/ davon jmmer eine nach der anderen reiff wird. Wann man eine aufmnachet/ ſpalt ſich der Kern in zwey Theil/ und der intterſte Kern ſo eine zarte Haut hat/ weiſſer als der Schnee/ hat einen viel annehmlichern Geſchmack/ als wann er mit Zucker eingemacht ware; ja man kaufft dieſe Frucht oftmals nur um des innerſten Kerns willen. Von den herzlichſtendpelonen iſt ein Uberfuß/ und iſt keine Gefahr dabey/ wann man davon zu viel iſſet/ wie bey uns. Es ſind etliche geweſen/(wie dann in Perſien alles mit dem Gewicht verkaufft wird) die ſechs und dreiſſtg Pfund ſchtwer/ auf einen Tag gegeſſen/ und doch keine Ungelegenheit davon geſpuͤhret. Es werden alle Tage eine unglaubliche Menge in lpahan gebraut; von Mitternacht an bis un 4. Uhr des Abends/ wird eine Laſt nach der anderen auf Pferden/ Eſeln oder Mauleſeln nach dem Marck den ſie Me ydlan· ſcha neunen/ gefuhret/ und ſind deren underſchiebliche Arten. Die erſten im Jahr heiſſen ſie Guermez, ſind ungeſchmackt/ und waſſericht. Die Aertzte im Land ordnen daß man ſie eſſen ſolle/ weil ſie wie ſie ſagen/ des Menſchen Leibs⸗Conſtitution wiederum verneuern/ wie im Frühling bey den Pferden das Gras. Die nach den Guermez kommen/ ſind beſſer/ und ſo fort an/ bis auf die letſten im Jahr/ die man den gangen Winter uber vertwahret/ auf ſolche Weiſe hat man das gantze Jahr durch Melonen/ und W die friſchen komen/ finden ſie noch von Z enalten. Auf gleiche Weiſe wiſſen die Perwater einen Vortheil auch andere Früchte zu 8 und aufzubehalten. e „Ob es nun ſchon in Perſien eine groſſe Sue doelonen hat/ laſſen ſie doch auf fedem 8 9 oder Stengel nur eine/ und wann ſie eie uß groß iſt/ bucket ſich der Gartner/ ſeine Frau/ oder die Kinder/ und nehmens zwey oder i dreymal ins Maul/ damit die Faſerlein davon kommen/ welche wie ſie darvor halten/ verhindern daß fie nicht ſuß/ und wol zeitig werden. Man findet auch/ wie ich an einem andern Ort davon Amegung gethan/ zwiſchen Casbin und Sultanjen welſche Pimpernußlein/ und werden bis in Indien/ gleich rwe die von Alepo in Europa verfuͤhret. Sie haben deren eine beſondere Art/ wie die Jritten⸗Kern/ ind Aber nicht ſo gut als die andern/ ſolche roͤſten die Perſianer mit der Schale in Butter nehmen aber viel Saltz darzu/ damit ſie Durſt machen/ und ſetzens hernneh guten Freunden zur Collation auf. Sie haben auch Mandeln und Feigen/ aber gan wenig Haſel⸗ und welſche dees e e, Was das Oel und Oliven anlanget/ ſind nur die beyde PMovintzen Guilan und Mazendran, die Perſien aber zum Uberſfuß/ damit verſehen; wiewol die Oliven ſo man verkaufft/ wie verfaulet/ ſchwartz voll Sands/ und gegen denen in Provence ſichts werth ſind. „Es iſt nun Zeit daß wir auch von dem einn Wein in Perſien etwas ſagen. In Arme eren nien und den umligenden Provintzen/ alss Mengrelien, Georgien und Medien ſind groſſe Weinberge. Des Winters/ weil das Land ſeh x kalt iſt/ werden die Reben in die rden/ und des Sommers wieder herauß gegraben. In den andern Provintzen da es nicht ſo kalt iſt/ werden die Weinberge wie hey uns in Europa gebauet/ außgenommen/ daß ſie keine Pfahle oder Rebſtecken gebrauchen. Es wacchſt in Perſien dreyerley Art Wein/ der von Schirag als der beſte/ wird vor den Konig und die Groſſen vom Hof verwahret; der von Vesck iſt auch ſehr gut/ aber der von Ilpahan iſt von der mittel Gattung. Der Wein von Vesd,. wird nach Lar verführet/ wo eine groſſe Amahl Juden ſind/ und wil dieſes Volck an keinem Ort wohnen/ wo nicht entweder Wein wacchſt oder wo ſie ſelbigen nicht von anderen Orten um einen billichen Preiß haben koͤnnen. Von eben dieſein Wein von Vesd, wird auch nach Ormus geführet/ und halb ſo theur als den Mein von Schiras verkaufft/ welches verurſa. chet/ daß daſelbſt ein groſſer Abgang davon f iſt Was den Wein von llpahan betrifft/ wird derſelbige auß einerley Art Trauben gekeltert/ welche in dem Mund ſehr ſuß ſchmecken/ aber endlich in dem Hals Leyd thun/ und ſehr erhitzen/ wann man zu viel davon iſſet. Dieſe Trauben nennen ſie Kichmichẽ ſind weiß/ und nach der gemeinen Leute Meinung/ haben ſie keine Kern und ſind doch Kern darimmenaber ſo klein/ daß man ſie kaum ſpuhren kan und ſind oben auf dem neuen Wein/ als kleine aſerlein. Mau halt darvor/ der Wein vn Ipaban erklte den Magen/ baß davon boſe Dunſte in das Haubt ſtiegen. Was die Elkaltung anlanget/ kan ich nichts davon ſagen x dieſes aber weiß ich/ daß er den Kopf ſehr erhißet/ wann man zuviel davon tricker. In Perſien brauchen ſie keine Faſſer/ daß ſie den Wein darein thun/ ſondern groſſe auß Erden 1 gebrante 164 Sonderbare Keller. gebrannte Töpfe/ deren einige inwendig gefrmiſt/ andere mit Fett von Haͤmmels⸗Schwantzen beſtrichen ſind/ dann ohne den Firniß oder dieſes Fett würde der Wein ſich in das irdene Geſchirꝛ ziehen. Es ſind etliche von dieſen Topfen ſo groß/ daß ſie bis eine Ohm halten/ andere aber halten nur eine halbe. In den Kellern ſiehet man eine groſſe Menge dieſer Topfe in ſchoͤner Ordnung/ und ein jeder mit einem hoͤltzernen Deckel/ uber welche alle zuſamen ein rohtgefarbtes leinen Tuch gleich einem TiſchTuch/ von einem End bis zu dem andern außgebreitet iſt. 15 i Der Konig und groſſe Herren des Koͤnigreichs/ haben eine andere Art von Kellern/ theils zum Pracht/ und dann mit ſolchen Perſonen/ denen ſie Ehr bezeugen wollen/ darinnen zu trincken. Dieſe Keller ſind wie ein viereckichter Saal/ da man nur zwey oder drey Staffeln hinab gehet/ in der mitten iſt ein kleiner Teich voll Waſſers/ und der Boden des Saals iſt von der Maur an/ bis an den Teich/ mit einer koͤſtlichen Tapeten/ ſo mit Fleiß dazu gemacht/ beleget. An den vier Ecken des Teichs ſtehen vier groſſe glaſerne Flaͤſchen/ jede von ohngefahr zehen Maſſen eine mit weiſſem/ die andere mit roͤhtlichen Wein. Zwiſchen dieſen groſſen Flaͤſchen ſind kleinere glaſere Flaͤſchen von gleicher Form/ nemlich rund und mit einem langen Hals/ und jede von zwey oder dritthalb Maſſen/ nach der Ordnung geſetzet/ ſo daß von dem weiſſen und roͤhtlichten Wein eine Flaͤſche allezeit auf die andere folget. Rings um den Keller herum ſind uͤber einander viel Loͤcher in die Mauren gehauen/ in deren jeden eine Flaſche von weiſſem oder rohtem Wein geſetzet/ etliche ſind mit fleiß ſo groß gemacht/ daß man zwey Flaſchen darein ſtellen kan. Es ſind etliche Jenſter dadurch der Tag Kraͤuter und Wurtzeln. in den Keller komt/ und alle dieſe in ſchoͤner Ordnung geſetzte/ und von underſchiedlicher Farbe Wein angefüllte Flaſchen/ ergotzen das Geſicht ſehr. Indem ſich der Wein darinnen lang haͤlt/ laſſen ſie ſolche allezeit gefuͤllet/ und wann eine geleeret/ wird ſie ſo bald wieder angefuͤllet. 1 5 Von allerhand Garten⸗Kraͤutern und Wurtzeln/ gibt es in Per ſien genug/ abſonderlich aber von dem ſchoͤnſten Romanischen Lattich. Hülſen⸗Früͤcht aber haben ſie nicht/ und koͤnnen es auf den heutigen Tag noch nicht dahin bringen/ daß die Erbſen da wachſen. Die Carmeliter und andere Moͤnchen/ haben von etlichen Jahren her Spargen/ Artiſchocken/ Cardon und Wegwarten in Perſien gebracht/ dergleichen man daſelbſt zuvor nicht geſehen/ nun aber waͤchſt es alles da ſo wol als in Europa bey uns. In dem Capitel von der Perſtaner ihren Speſſen/ und Manier wie ſie dieſelben zurichten/ wil ich ſagen was ſie vor Brühe über ihre Garten⸗Kraͤuter machen; dann in dieſem Lande muß man nichts von den kleinen Kräutern die zu den Porages oder Suppen gebraulht werden/ gedencken/ weil man nicht eintnal weißt was eine Suppe iſt/ auch keine andere haben kan/ als den Pilau, welcher Reis beſchreibung in Perſien/ doch nach der Art/ als ich jhn anderwaͤrts baſchrieben/ eigentlich keine Suppe kan genen⸗. net werden. 8 Von den Turckiſen und perlen/ die Perſien hervorbringt/ wil ich weitlaͤufftig Meldung thun/ wann ich von den Edelgeſteinen reden werde/ hier wil ich nur allein die Ort anzeigen/ wo ſelbige gefunden werden. a Die Turckiß finden ſie drey oder vier Tagreiſe von Meſched, auf einem Gebürg Phirouskou genant. Der alte Felſen wird nunmehr allein vor das Konigliche Hauß verwahret. Die anderen aber auß den neuen Felſen/ werden jederman verkaufft/ die Farbe aber an dieſen iſt weit nicht ſo lebhafft und beſtaͤndig als an jenen auß dem alten Felſen. 91 Der Perlenfang iſt bey der Inſel Bahren, in dem Perſiſchen Meerbuſen/ und werden die von einer gewiſſen Groͤſſe/ dem Konig vorbehalten/ die jenigen aber ſo ſie fangen/ ſind ſo darauf abgerichtet/ daß der Koͤnig wenig davon zu ſehen bekomt/ wie ich der Lange nach in dem Tractat von den Perlen und Edelgeſteinen erzehlen wil. Das III. Capitel. Von den dienſtbaren Thieren Fiſchen und Voͤgeln in Perſien. ö 5 i Je dienſtbaren Thier in Perſien/ ſind bi 5 die Pferde/ Mauleſel/ Eſel/ und Vie Kameele. Von den Kameelen/ deren Natur/ Underſchied und Dienſten ſo ſie leiſten/ habe ich in dem zweyten Buch außfuͤhrlich gehandelt; iſt derowegen noch uͤbrig daß ich von den Pferden/ Maul⸗ und anderen Eſeln in dieſem Land/ einige Anregung thue. Die Perſiſchen Pferde ſind von mittelmaſſiger Groͤſſe/ kleiner als die Unſerigen/ ſehr ſchmal von Bruſt/ aber munter und hurtig. Im Lauffen tragen ſie den Kopf nicht hüͤbſch/ und das auß einer boͤſen Gewonheit/ ſo jhnen die Perſigner angewohnen. Sie wiſſen die Pferd auf der Reitſchul abzurichten/ ohne daß ſte darauf ſitzen/ abſonderlich aber lernen ſie dieſelben vermittels zweyer Stricke/ die die Fuſſe in gleicher Diſtantz halten/ den Zelt gehen; dadu lichten ſie vornemlich auch die Mauleſel oder Mauleſelinen/ die ſie zum reiten brauchen/ ab; dann die Alten halten es vor ſonderlich ehr bar/ auf einer Mauleſelin zu reiten. In Summa die Per ſiſchen Pferd ſind zum reiten ſehr faͤhig/ und leicht zu underhalten. Man gibt ihnen nur von einem Abend bis zu dem andern/ einen Sack mit geſchnitten Strohe/ und jhr gewiſſe Maaß Gerſten/ ſolches wird ein wenig durch einander gemiſchet/ dart ſie es miteinander auffreſſen. Wann die Gerſten beginnet Aehren zu ſchieſſen/ geben ſie jhnen 1. oder 20. Tag davon zu freſſen/ ſolches reinige die Pferde/ gleich wie das Gras/ ſo wir bey uns den Pferden im Frühling geben. Wann jhnen die Sahne davon ſtumpf worden/ und fuer 8 wieder Perlen; ſien. 50 4 e un, 5 0 el 1 pe „%ä%ĩ m— Muehe, An etlchen Oerterndes Königreichs Per7 den anderen Morgen/ ſo bald der Tag anwieder zurecht bringen will meuget man dieſe grüne Gerſten/ klein geſchnitten/ under das Strohe/ und bricht nach und nach taglich von der Gerſten ab. Die Perſiſchen Pferde werden nicht außgeworffen/ bleiben dahero ſehr thaurhaft/ und thun bis in das achtzehende Jahr/ gute Dienſte: Des Winters bricht man jhnen die Eiſen nicht ab/ ſondern ſchlagt nur etliche Eiſe⸗Naͤgel. Ihre Pferds⸗ Zeug ſind leicht und ſauber gemacht/ und welches etwas beſonders iſt/ halten ſie in jhren Stallen an ſtatt eines Bocks/ wie bey uns/ eine Sau. Von Eſeln haben ſie zweyerley Art. Die ſo im Land gezogen werden/ brauchen ſie nur zum Laſt tragen/ wie bey uns in Franckreich; die anderen aber von der Arabiſchen Art/ ſind viel munterer/ und werden ſehr wol gehalten ſind auch theurer als die gemeinen Pferde. Es ſind wenig von dieſen Eſeln die nicht gemahlet ſind/ wie ich geſagt hab/ daß des Königs Pferde gemahlet werden/ und von dieſen wird manchmal einer bis auf hundert Reichsthaler bezahlt. Die Kaufleute auß Iſpahan halten ſolche Eſel in jhren Haͤuſern auſſer der Stadt/ und reiten darauf alle Morgen/ nach ihren ſien hat es auch wilde Thier/ als Loͤwen/ Baren/ Leopardenzaber ſehr wenig/ uñ hoͤrt man nicht/ daß einiger Menſch von jhnen beſchadiget werde. Man findet auch Stachel⸗Schweine/ wie ich davon zu zweyen underſchidlichen mahlen zween Menſchen vor den Konig habe bringen ſehen/ davon der eine mit einem Stachel von dieſem Schwein in das dieke von dem ch 1 Bein/ der andere aber in dem Schenckel hart verletzet worden. Ein anderer wurde mit einem ſolchen Stachel under der lincken Bruſt/ Durch den eib geſtoehen/ davon er geſtorben. Und iſt ſich daruber nicht zu verwunderen/ dal die Hollander haben in der Schantz/ die ſie an dem Vorgebuͤrg de bonne Eſperance gufgewoyffen/ noch den Corper von einem Loͤwen in Verwahrung/ weleher von vier oder fuͤnff ſolchen Stacheln durchſtochen/ tod in dem Feld gefunden worden; wie ich ſolches auß0 in der Relation von meiner Zuruckei Wir wollen nun von den Fiſchen in Perad ſten Feden. Darunder. Menge Hecht/ Karpffen/ und derſchönſten Forellen in deim Fluß Aras, gibt; in den anderen Flüſſen allen aber/ findet man nichts/ als eine Art Fiſche/ die den Barben gleich ſeynd. In dieſen Canalen under der Erden/ dadurch das Waſſer das Feld zu wafſſeren geleitet wird/ hat von man das wenigſte eſſen kann An vielen Orten langs den Fluͤſſen ſind weiſſe Maulbeer⸗Baͤume/ und ſo bald ſie anjangen Früchte zu bekommen/ iſt es eine Luſt n/ wie eine zehliche menge Krebs einer Hund groß drunder und drüber/ ſo bald die Henne undergegangen/ auß dem Flüß auf . ice Baum ſteigen/ und die Früchte elſenz auß Batavien nach Europa/ erzehlen s es eine andere art Fiſche/ voller Graͤdte/ dabricht ſiehet man wie ſie herunder steigen, und wieder in den Fluß kriechen. Es iſt ein gutes und wolgeſchmacktes Eſſen/ um dieſe Krebs/ aber wie die Artzney⸗Verſtandige da⸗ 0 vor halten/ hitzen ſie ſehr. Beh wehrendem Fro werden auß dem Caſpiſchen Meer eine groſſe menge iſch Salmen/ und Lachs⸗Forellen/ oftmals vier oder Meclen haben ſie an Stoͤren keinen Mangel/ weil es(wie ich ſchon vorher erwehnet) bey dem Außfluß des Aras-Stroms einen groſſen Stoͤr⸗Fang hat. Auß eben dieſeim Meer brinpfen/ ſo ſie ein wenig ſaltzen und rauchern/ wie füͤnff Schuh lang gebracht:. In der Provintz en ſie eine gewiſſe art Fiſche gleich den Karunſere Bückling. Auß dem Perſiſchen Meerbuſen aber kommen nichts/ als geſaltzene iſchee Königreich verfuͤhrt werden An Voͤglen findet man in Per ſien bey nadie hernach in groſſer Menge durch das gantze he eben dergleichen Arten als in Frankreich; Henan jedoch weiß ich mich nicht zu erinneren/ daß ich eder Vieh. daſelbſt Wachteln geſehen habe. Was die * Tauben anlanget/ ſind es lauter Feld⸗Tauben/ und halten ſie deren in den Staͤdten/ um damit auf die Jagd zu gehen/ und andere zu fangen; die Perſianer bringen mit ſolcher Jagd manchen gantzen Tag/ es ſeye gleich Hitz oder Kalte/ zu: Weil es den Chriſten verbotten Tauben zu halten/ als finden ſich viel von dem gemeinen Lumpen Geſind die um dieſer Freyheit willen zu dem Türckiſchen Glauben trettten. Um Iſpahan herum zehlet man 5 mehr/ als drey kauſend Tauben⸗Hauſer/ ſo ge der Tauß groſſe Thürne von gebackenen Steinen/ gleich ben⸗ Hauer unſeren Tauhen⸗Hauſern ſind/ aber fuͤnffoder weil ſie einen jeden Staͤngel dick damit beleſechs mal groſſer. Einem jeden iſt verlaubt/ aufſeinem Grund und Boden dergleichen Tauben⸗Häuſer zu bauen, ſo doch wenig geſchie het ſondern die meiſten gehoren dem Konig zu/ der mehr Einkommens von dem Miſt/ als ff Miſt brauchen ſie die Melonen zu düngen/ und gen/ muß man deſſen im Land eine groſſe Menge haben. 6 Hunern/ und fetten und gemaſteten Hüdie Capaunen chen. ordnung gethan/ daß hinfür o ein jeder von den keichſten Armenier ihtne jaͤhrlieh eine gewiſſe Zahl von ſolchen Capaunen geben delt g hee Indianische Huner gibt es in gantz Aſten/ und die erſten/ die kvir in Europa geſehen/ ſind „Es ggiebt auch in Perſien einen Uberfuß an nern/ und haben die Armriier guß den Curopaige ſchen Ländern die Erfindung mitgebracht wie iel fett zu machen. Die erſtendavon haben ſie dem Konig verehret/ welche der König ſehr gurbefunden/ und darauf die Be auß Weſt⸗Indien gebracht worden/ allen von gebracht“ ſo ſich da zimlich vermehret. Die Arngetnier/ die nach Venedig handeln/ haben ſich ſehr angelegen ſeyn laſſen/ auch von der Art nach Iſpahan zu bringen/ und ſo balb der Koͤnig davon gegeſſen/ hat ex A nach Batavien haben die Hollander einige da 166 Reisbeſchreibung in Perſien/ ſolle/ damit ſie ſich vermehren/ die Eyer under die reichſten Armenier von Zulpha gußtheilen/ die Jungen davon mit Fleiß aufzuziehen/ und dem Konig jahrlich eine gewiſſe Anzahl davon zu lieferen. Als aber die Armenier ſahen/ daß man jhnen einen neuen Tribut von Indianiſchen Hunern/ gleich mit den Capaunen/ auflegen wolte/ haben ſie/ von dieſer Auflage ſich zu befreyen/ vor junge Indianiſche Huner wenig Sorg getragen/ und ſolche ſterben laſſen. Worauf die Perſianer/ welche argliſtig/ und jhren Sachen wol nachſinnen wollen/ weil des Koͤnigs Leut einen Argewohn eines Betrugs hatten/ die Armenier nothigten/ die todten Indianiſchen junge Huner zu verwahren/ und jhnen zu zeigen. Dieſe Geſchicht iſt mir auß Anlaß etlicher/ ſo ich zu Zulpha in underſchiedlichen Haͤuſern an die Wand angehaftet geſehen/ darüber ich mich verwundert/ erzehlet worden. Man findet auch in Perſien/ gleich in Franckreich/ abſonderlich in der Provintz Mazandran allerhand Waſſer⸗Vogel/ als Ganß/ Endten/ Taucher/ und dergleichen. Zu gewiſſen Zeiten ſiehet man an den Mediſchen und Armeniſchen Grantzen eine groſſe menge Vogel/ die den Amſeln bey uns nicht ungleich ſeynd/ und jhre beſondere Eigenſchaft machet/ daß ich jhrer hier gedencken muß. under⸗ Wann an dieſen Oertern das Korn beginnet t van zu wachſen/ ſiehet man mit Verwunderung/ eine unglaubliche Summen Heuſchrecken/ davon alle Felder bedeckt ſind. Die Armenier N aber haben kein ander Mittel dieſes Ungeziefer zu vertreiben/ als daß ſie in Proceſſion um die Felder gehen/ und ſelbige mit einem Waſſer/ ſo ſie in jhren Hauſern fteiſſig verwahren/ beſprengen. Dieſes Waſſer holen ſie von weitem auß einem Brunnen in jhrer Kloͤſtern einem an den Graͤntzen/ worinnen vor dieſem/ wie ſie vorgeben /) die Corper vieler Chriſtlichen Martyrer geworffen worden. Dieſe Proceſſionen und Beſprengung mit Waſſer/ wahren drey oder vier Tag/ darauf ſiehet man dieſe Vogel deren ich gedacht/ Hauffenweis herbey kommen/ und ſind in zwey oder drey Tagen/ ob ſie die Heufchrecken eſſen/ oder dieſelben vertreiben/ alle Felder davon befreyet. Von der Natur dieſer Heuſchrecken/ und wie ich einsmals in einer bis in ſiebenzehen kleine/ alle vollkommlich gebildet/ gefunden/ habe ich an einem anderen Ort gehandelt/ dahin ich den geneigten Leſer will gewieſen haben. An Maub⸗Vogeln mangelt es Perſien gleichfalls nicht/ und findet man da Falcken/ Habicht/ Fineken⸗Habicht und andere dergleichen Vogel zur Jagd/ deren des Konigs Zugerey aufs beſte verſehen/ und deren man uber acht hundert zehlet. Die einen ſind vor die wilden Schwein/ Wald⸗Eſeln/ und einer gewiſſen Art Rehe; Die anderen Kranich/ Reyger/ Gaͤnſe/ und Feld⸗Huner mit zu heitzen. Ein bu ne dieſen StoßVoͤgeln werden auß Rußland gebracht. Die groſten und ſchoͤnſten aber/ kommen auß dem Geburg/ ſo ſich gegen Mittag von Schiras an bis an den Perliſchen Meerbuſen eyſtrecket. In meiner Beſchreibung bes Serrails habe ich von dem prachtigen Aufzug/ des Konigs in Per ſien auf die Jagd und wie die Voͤgel das Wildbraͤdt fangen/ oder anhalten/ gehandelt. Wann der Konig mm dieſe Ergotzlichkeit haben will/ laßt er durch ſieben oder acht tauſend Bauren eine groſſe menge Wild bradt/ von fünffzehen oder zwanzig Meil wegs in einem kleinen Thal/ oder geſchloſſene Ebene zu ſamen treiben/ daß nichts zu ruck kan. Dann entweder von Naur oder durch HandArbeit/ iſt der Ort ſo verwahret/ daß kein Hirſch noch wildes Schwein durchbrechen kan/ und der Koͤnig von den Groſſen bey Hof begleitet/ mit einem Sabel oder halben Lantzen in der Hand/ gehet bald auf dieſes/ bald auf jenes loß. Bisweilen braucht er auch Bogen und Pfeil/ oder gar Birſch⸗Buͤchſen/ und wan er den erſten Schuß nach dem Wildbradt gethan hat/ moͤgen die ubrigen groſſen Herren/ die jhn begleiten auch darauf ſchieſſen. Zu der Schtvein⸗Hatz, und Hirſch⸗Jagd Der daft hat der Kong auch groſſen ufd und wann es ner e komt/ daß die Hunde mud ſind/ und nicht nad Dehn Nee der f 1 1 5 einen Vogel fliegen/ der ſich/ wie ich geſagt/ dem Wild auf den Kopf ſetzet/ und unaufhorlich mik dem Schnabel bicket; auf ſolche Weis⸗in dem es ſich wider des Vogels Angriff wehret/ und abmattet/ gewinnen die Hunde Zeit wiederum an das Thier zu kommen/ ſo angehalten worden. Dieſe Vogel ſind abgericht einen Reuter im vollen Lauff aufzuhalten/ und werden nicht eher von jhm ablaſſen/ bis ſie von dem Falckner/ der ihnen jhr Wild⸗Recht zeiget/ abgeruffen werden. Die Perſianer richten ſie aber auf ſolche Weiſe ab. Sie nehmen eine gantze Hirſch⸗Haut mit dem Kopf und Lauffen/ und füllen ſie mit Stroh auß/ damit es die Geſtalt des jenigen Thiers bekomme/ ſo ſie vorſtellen wollen. Nachdem ſie dieſelbe an den Platz/ wo ſie ins gemein die Voͤgel abrichten/ aufgeſtellet/ legen ſie ſein Geeß auf den mit Stroh gefüllten Hirſch⸗Kopf/ abſonderlich aber in die beyden Locher/ wo die Augen waren/ damit der Vogel mit dem Schnabel darein picke. Wann er etliche Tage lang gewoh⸗ Ihr 1 00 net iſt/ zu eſſen/ machen ſie die vier Lauff des dee Hirſchen auf ein Brat/ auf vier kleinen Ra⸗ 25 dern/ veſt/ daß man jhn fort rollen kan/ laſſen ihn hernach von weitem durch etlichedenſches mit langen Stricken fortziehen/ und von Tag zu Tag etwas geſchwinder/ damit der Vogel nach und nach/ unvermerckt angewehnet werde/ das jenige/ was er einmal angegriffen/ nicht zu verlaſſen/ endlich laſſen ſie den Hirſchen durch ein Pferd/ welehes auß allen ſeinen Kraften lauffen muß/ fortziehen. Weil die Jagerey hinder des Koͤnigs Garten iſt/ und das Thor nach dem Fluß zu gehet/ als werden dieſe Vogelalle Morgen an deſſen llfer /oder auf den Inſuln! deren zwey oder drey ſtehenwann das Waſſer klein iſt/ abgerichtet. Auf gleiche Weiſe verfahren ſie auch mit den wilden Schweinen, Eseln Fuchſen/Haſen/ und Anderen Jagdbaren Thieren/ füllen die He. 090 Weid“ . wl, 5 er 10 15 he aufgerichtet geweſen/ komt der Baumeiſter au in pe Viertes Buch. dapon mit Stroh auß/ und laſſe/ wann manauf die Jagd gehet/ darauf die Vogel anfallen. Wie nun die Perſianer groſſe Gedult haben/ und ſich keiner Mühe leichtlich dauren laſſen/ ſo haben ſie einen ſonderlichen Luſt die Raaben gleich dem Habicht abzurichten: Sie haben ein gewiſſes Thier Once genannt/ ſo eine geſprenckelte Haut hat/ als ein Tyger/ aber ſehr zahm iſt. Dieſe Once führet einer hinder ſich auf dem Pferd/ und wann er einer Gazelle gewahr wird/ ſetzet er ſie ab/ welche ſo leicht und hurtig iſt/ daß ſie der Gazelle ob ſie ſchon un/ glaublich geſchwind lauft/ in dreyen Sprungen auf den Halß ſitzet/ und ſo bald mit den enen mag en Zahnen erwurget; geſchiehet es aber auß Ungluck/ daß der Streich mißlinget/ und die Gazelle entkomt/ ſo bleibt die Once auf der Stell gantz beſtürtzt und beſchahmet/ ſo daß ſie zu der Zeit ein Kind nehmen/ und umbringen kan/ ohne daß es ſich zur Wehr ſetze. Die Gazellen aber ſind eine Art en ede gantze Land voll laufDie Konig in perſien lieben die Jagd ſehr/ und zeigen vornemlich darinnen ihren groſten Fracht. Einsmals wolte Cha. Sefi alle Außländiſche Abgeſandten/ darunder der Tartariſche/ Moſcowitiſche/ und Indianiſche waren/ tractieren/ fuhrte ſie zu dem End auf die Jagd/ und wurde in ſhrer Gegenwart eine groſſe Anzahl von hohem Wildbradt/ als Hir55 ſche/ Dann⸗Hirſche/ Rehe/ ant wilde Schwein/ gefangen/ welches der König alles zu richten/ und noch denſelbigen Tag verſpeiſen ließ; un⸗ 0 i„%% en eee 055 angeſtrichen/ darunder ſie eine Moſtowitider wehrendem Eſſen aber/ wurde einem Baumeiſter befohlen/ auf das geſchwindeſte/ allein von den Koͤpffen der wilden Thier mitten in Jſpahan einen Thurn aufzuführen/ davon man noch guf den heutigen Tag die Wahr⸗Zeichen ſieher. Als der Thurn in einer zimlichen Hosmit groſſen Freuden zu dem Konig/ welcher mit dem Abgeſandten ſpeiſet/ und berichtete/ daß an dem Gebau nichts mehr mangelee/ als noch ein Kopf von einem groſſen ſtuek Wild/ davon man die Thurn⸗Spitze machen konte. Der im Trunck/ oder vielleicht den Abgeſandten ſeine unbeſchrenckte Gewalt uber ſeine Underthanen zu zeigen/ ſahe ſich trutzig nach dem Baumeiſter um/ und ſagte zu hm: Du haſt recht/ und kan man keinen Kopf finden der ſich beſſer dazu ſchicke/ als deiner. Darauf wurde des Koͤnigs Befehl vollzogen/ und muſte der ungülckſeelige Baumeiſter ſeinen Kopf hergeben. e Das IV. Capitel. Von der Art zu bauen in Perſien. se weil das Königreich Perſien ſehr wenig Holtz und Steine hat/ ſeynd O ins gemein alle Staͤdte/ außgenomDu ger. In ein 5 f mer/ ſich darinnen nieder zu ſetzen⸗ und abzu167 men etliche Huſer/ auß Erden erbauet; Die Erden aber iſt eine Art Leimen/ und ſo wol geknettet/ und gearbeitet/ daß man ſie/ wann ſie die rechte Haltung hat/ mit leichterer Muͤhe/ als Waſen zerſchneiden kan. Die Mauren werden Abſatz⸗weiſe/ nach der Proporrion, als man die ſelbe hoch aufführen will/ gebauet/ und zwiſchen die Abſatze/ deren jeder dreh Schuh hoch iſt/ legt man zwey oder drey Rei5 5 856 Semen gebackener dee. Dieſe Steine werden in einer viereckigten 5 Form gemacht/ von drey Fingern hoch und 1 ſieben oder acht daumen breit/ und daun ſie unſt. nicht auffpringen wann man ſiean der Sonnen trocknet/ legt man zerriebenes Stroh darauf/ welches verhindert/ daß ſie nicht von der allzugroſſen His zerbrechen. Man ſetzet den zweyten Abſatz nicht darauf/ es ſeye dann der erſte zuvor trocken/ und der zweyte muß ſchmaler ſeyn/ als der ſo darunder iſt/ und ſo das übrige nach Proportion, gibt man aber nicht wol darauf acht/ ſo wird der Bau bisweilen ſo ſchmal/ daß man nach dem vierten oder fuͤnften Abſatz nicht ſo viel Breite oder Dickemehr hat/ daß man noch einen neuen darauf ſetzen kan. Dieſe Gebau von Steinen ſo an der Sonnen gebacken/ ſind zimlich ſauber/ und wann die Maur aufgeführet/ bewirft ſie der Maurer mit Maur⸗Speiſe/ auß Leimen und Stroh gemengt/ wie ich geſagt/ davon die Maur gantz gleich und eben wird;(Und wan die Abſatze auf ſolche Weiſe bedecket/ ſcheinet es die Maur ſeye an einem Stuck aufgeführet.) Uber die Maur⸗Speiſe wird ſie mir Kalck ſche grüne Farb mit Gummi zerriben miſchen/ danmt der Kalck deſto klebrichter werde. Wan ſie nun mit einem groſſen Winſel damit uͤberſtrichen/ wird ſie damalceniert/ und ver ſilbert/ und ſiehet wie Marmel. Die Arten behelffen ſich mit einer bloſſen Maur/ oder laſſens aufs hoͤchſte/ grob anſtreichen/ ſo nicht viel koſtek. Alle Hauſer ſind bey nahe auf ſolche und. Huber Manier gebauet. In der Mitten iſt ein groſ⸗. ſer viereckigter bedeckter Platz/ von zwantzig oder dreyſſig Schuhen/ und in deſſen Mitte ein Teich voll Waſſer. Auf der einen Seiten iſt er gantz offen/ und von der Maur an/ bis an den Teich des Pflaſters mit Tapeten beleAn einem jeden Eck iſt eine kleine Kamkühlen/ dahinder hat es eine groſſe Kammer/ davon der Boden mit Tapeten/ Matratzen/ und Kuͤſſen beleget/ jedoch alles/ nachdem es der Stand oder die Mittel deſſen/ ſo das Hauß bewohnet/ zu laſſen. Auf beyden Seiten ten des groſſen viereckigten Saals ſeynd zwey andere Kammern mit vielen Thüren dadurch von einer in die andere zu gehen. Der groſſen Herren ſeynd auf eben ſolche Art gebauet/ ſeynd aber viel weitläuftiger/ und haben vier dergleichen groſſe Platze oder Sale/ nach den vier Winden/ eine jede hat jhre zwey Kammern auf der Seiten/ ſo zu ſamen gcht machen/ und um einen groſſen Saal 1455 a g del N 168 RNeisbeſchreibu der Mitten iſt/ herum ſeynd: Der Konig liche Pallaſt iſt von gleicher Art/ und ſeynd ins gemein in Perſien die Hauſer nieht hoch/ wunderſelten ſiehet man drey Stockwerckaufeinander. Alle diſe Sale und Kammern ſeynd Gewolbet/ uñ tyun es uns die Per ſianer hier innen zuvor. Dann da wir viel Muße und geit an unſere Gewoͤlbe wenden/ führen ſie hingegen jhre in kurtzer Zeit von Ziegelſteinen auf/ und zu weilen ſo breit und hoch/ daß man wol ſagen mag/ das Werck lobe den Meiſter. Das oberſte Theil der Hauſer iſt fach und eben/ gleich dem Erdboden/ und wird mit eingeweichter Erde/ worunder klein geſchnittenes Stroh gemenget/ uͤberſtrichen/ und gleich geſchlagen; daruber wird ein Satz von Kalck geleget/ und ſieben oder acht Tag lang eben geklopffet/ davon er ſo hart wird als Marmel. Komt aber kein Kalck darauf/ ſo wird die uberſtrichene Erde mit groſſen in dem Ofen viereckigten gebrannten Steinen beleget/ damit der Regen nicht darauf haften/ und dem Gebau ſchaden bringe. Wan es aber ſchneyel/ ſo geben ſie fteiſſig acht/ daß der darauf gefallene Schnee ſo bald herab geworffen werde/ damit das Eſtrich nicht zerſpringe. Von auſſenher iſt an den Hauſern nichts ſchoͤnes inwenbig aber ſeynd ſie noch zimlich huͤbſch und fein außgebutzet/ in dem das Maut werck mit allerhand Mahlereyen von Blumen und Vogeln gezieret/ in welcher Kunſt die Peyſianer nicht unerfahren ſeynd. Ihre groͤſte Luſt haben ſie an der Menge kleiner Kammern/ mit vielen Thuͤren/ und Fenſtern/ vor denen entweder von Holtz oder Gybs zierlich außgearbeitete Gegitter ſind/ das leere aber zwiſchen dem Gegitter/ iſt mit ſtüͤcklein Glaſer von underſchieblichen Farben außgefüllet. Auf ſolche Art ſeynd vornemlich die Fenſter in den Gemaͤchern ihrer Weiber und an anderen Oertern des Hauß/ wohin dieſelbe kommen konnen. Dieſe Fenſter ſind ins gemein Blumen⸗Kruͤge/ welche ſamt dẽ Blumen/ Stielen/ und herauß ſproſſenden Zweiglein von Gybs formieret ſind/ die Blumen aber ſind auß kleinen ſtücklein von Glaß/ und ſolchen Farben/ ſo dieſelbe am beſten nach dem Leben abbilden/ gemacht. Sie koͤnten wol/ wann ſie nur wolten/ Glaß⸗Fenſter auß Chriſtall haben/ aber wie ich geſagt/ damit man nicht dadurch an den Ort/ wo jhr Weibs Volek iſt/ ſehen konne/ werden ſie auf ſolche Weis gemacht/ welche woch zimlich ins Geſicht komt. Die Thuren im Hauß ſeynd von ſehr ſchoͤnem Holtz auß Tchinar, und von ſauberer Schreyner Arbeit. Die jenigen von den Perſianern die den Pracht lieben bekleyden die quſſerſten Gemacher des Dauß mit jhren beſten Mobilien/ welche in Teppichten/ Kuſſen/ Matratzen/ und Decken beſtehen/ dann die innerſten Gemacher/ Haram, oder das Frauen⸗Zimmer genannt/ werden nicht ſonderlich aufgebutzet/ weil nimmermehr einiger Menſch darein komt/ als der Mann. In etlichen Kammern ſind 0 kleine Kamin/ dieweil man in Perſten das wunderung antwortet/ er konte nicht glauben/ ng in Perſien/ Holtz aufrechts in der Hohe brenner/ dannt es nicht rauche/ und weil wegen des Mangels das Holz theuriſt“ machen ſie doch ſonſt kein groſſes Geur. Die Perſianer gleich anderen Oulentaliſchen Volckern wiſſen den Gebraueh der/ von der Erden erhabenen Bethern nicht/ ſondern wann ſie wollen ſchlaffen gehen/ breiten ſie auf dem gebretterten Boden/ ſo mit Teppichten beleget/ entweder eine Matratze/ oder außgehauene Decke/ und wickeln ſich darein. Des Sommers ſchlaffen ſie des Nachts under dem freyen Himmel/ oben auf jhren Hauſern/ und weil die Weiber auch darauf ſchlaffen/ haben ſie erhalten/ daß die Mollahs, ſo gewohnlich auf den Moſquéeen ſingen/ des Morgens nicht auf die Thürne ſteigen doͤrffen/ dieweil von da ſie die Weiber konten ſchlaffen ſehen/ es kan aber vor eine Grau keine groſſere Schmach ſeyn/ als wann ſie von jemand niit unbedecktem Geſicht/ geſeVon auſſenhen/ wie ich erwehnet/ konmen die Hauer nicht ins Geſicht/ jedoch ſind die den groſßen Herren zu gehoren/ ſo fornenber ane oerl Alas haben bahn de jenige/ ſo zu ihnen kommen/ jhre Pferd ſtellen konnen/ damit die vorübergehenden nicht davon verhindert werden. Nachdem wir nun von der Beſchafſenheit des Königreichs Perſten ins gemein/ und von einer jeden Provintz deſſelben ins beſonder gehandele haben/ will es die Zeit erfordern/ daß wir in die Haubt⸗Stadt des gantzen Konigreichs kommen/ und will ich dieſelbige ſo warhaftig beſchreiben/ als ſie mir allezeit vorgekommen/ und wie ſie in der That an ſich ſelbſten iſt/ nemlich als eine Stadt/ darin⸗ 1 nen nichts ſonderlich ſchones/ und dahero wenig zn loben it. e e e Ich habe mir nicht einbilden konnen/ nachdem einige/ ſo durch Perſien gereiſt die Stadt Iſpqhan/ als eine von den ſchoͤnſten Staͤdten in jhren Reisbeſchreihungen abgebildet/ was ihnen nur ſchones moge vorkommen ſeyn/ ſo jhnen das Geſicht verblendet/ dieweil auſſer dem groſſen Meidan, oder Plat vor dem Königlichen Palaſt/ und Each, der langen Gaſſen/ die nach Zulpha gehet/ Aube nicht das geringſte darinnen iſt/ ſo anmuthig Sit 3% zu nennen. Ich erinnere mich/ als ich eins⸗ ban. mals einen Frantzoſen/ einem von meinen guten Freunden entgegen gieng/ und nachdem wir mitten durch Iſpahan durchgezogen/ und nach meiner Wohnung in Zulpha wolten/ daß mir derſelbe als ich ihn fragte/ was er von dieſer/ Stadt hielte/ mit Verdaß wir durch eine Stadt kommen waren/ und hatte er mich in dem ſelbſt fragen wollen/ wann wir in Iſpahan kommen er Das V. Capitel. Eine Beſehreibung der Stadt Iſpahan/ welche die Haubt⸗Stadt in dem ganhen Königreich Perſien iſt. Spahan, Spahan, oder Sphaon, wie es die Ver ſtaner gußfprechen/ ligt im 90. Grad in der Lange/ und 32. Grad 4. Min. in der Breite/ in der Proving Fierge, welche ein Theil — Jpa⸗ von deim alten artiſchen Königreich iſt. Sie iſt ſehr groß/ und die Haubiſtabt in dem ganzen Koͤnigreich Prrſien/ wo der Konig gewohnlich ſeinen Hof halt. Wie indem Perſiſchen Archio zu finden/ ſo ſeynd es vor dieſem nur 2. an einander ſtoſſende Doͤrffer geweſen/ deren eines dem Haider, und das andere dem Neamed Olahizugehörte/ wie dann die beyden Helfte der Skadt Iſpahan/ noch dieſe beyde Nahmen behalten/ worauß 2. Partheyen under dem Volck/ und bißweilen groſſe Uneinigkeit und Hader entſtehet/ weilen ein jede hr Quartier deim andern vorziehen will. Deß wegen kunte Iſpahan ohe und bevor der Groſſe ChaAbas, die Königreiche Ear und Ormus eroberte/ vor nichts anders/ als ein Dorff gerechnet werden/ nachdem aber dieſer Konig betrachtet/ wie herzlich dieſelbe gelegen/ weil er den neueroberken Provintzen/ deſto naher ſeyn wolte/ und zugleich das Absehen hatte ſein Reich gegen Oſt und Weſten gleich Er gegen Suden gethan/ durch die Waffen zu ertveiteren/ verließ er eine Wohnung zu Casbin, und Sultanien, und verlegte ſeine Reſidentz gleichſam in die Mitte ſeines Königreichs/ Dieſe Stadt/ welche von derſelben Zeit an/ ſo groß worden/ als ſie heutiges Tages iſt/ ligt auf einem groſſen fachen Feld/ ſo ſich quf dreyen Seiten/ biß auf fünfzehen oder zwantig Meil Wegs erſtrecket; dieſe Ebne iſt ſchr fruchtbar/ abſonderlich aber an den Otten/ wohin man das Waſſer leiten kan. Auf der Seiten gegen Süden/ ohngefehr zwey Meilen von der Stadt/ iſt ein fuhr hoher Berg/ auf deſſen Spitze gegen Weſten/ man noch Anzeichen von einer Schanz ſiehet/ und halt man davor/ Darius ſeye darauf geweſen/ als Alexander den Perſtarern die andere Schlacht auf dieſem fachen Geld geliefert. Gegen Oſten ligt eine Hoͤle/ woran die Natur und die Kun zugleich gearbeitet“ und eneſpriteger eine Quelle darinnen/ von ſehr gukem Waſſer; hemeiniglieh wohnet ein Dervis darinnen/ die Gauren kotnmen auch ie zu dieſer Hohlen/ des Jahrs zwey oder drey mal/ und verꝛichten daſelbſt ihre Opfer/(von welchen ich an inen Ort ſigen wil) wel ſe ven damen Ihren Kirchhof/ der nur eine kleine Meil davon ligt/ ſehen koͤnnen. S Die Stadt Iſpahan/ ſamt den Vor9 kädten, iſtim Bezirck nicht viel groͤſſer als a 15 18 zu Paris aber iſt ehen mal mehr Voldice g Se. iſt ſich nicht zu verwunderen da 1 Thel ob ſie ſchon weitlauftig iſt/ danViertes Buch noch nicht viel Vülcks hat/ weil jede Fam lien ihr Hauß beſon der/ und faſt jedes Hauß ſeinen Garten hat/ dahero komt es/ daß ein groſſer Theil der Skadt lar und unbewohnet iſt. Man komme von welcher Seiten hinein/ als man wolle/ ſo ſſehet man/ ſo bald die Thurne von den Molqueen, und dann rings um die Hauſer herum Baume/ ſo daß Iſpahan von weitem mehr einem Wald/ als einer Stadt gleichet; und weil das ebene Feld herum fruchtbar iſt/ wird es ſehr bewohnet/ es ſind aber wenig groſſe Doͤrffer/ ſondern nur auf das meiſte 3. oder 4. Hauſer beyſamen. Die Mauren um die Stadt ſeynd quß Erden/ und hat etliche heßliche Thurn ohne Spitzen oder Grund/ keine Bolltwerck/ noch Schlechte M Un guren/ Bolltwercke/ d Thürne Schanzen/ oder einige andere Wehre. Die zu IpabanSradt⸗ Gräben taugen auch gar nichts eynd nicht tieff/ eng und allezeit trocken. Und weil die Mauren nur auß Erden ſeynd/ ſiehet man an underſchiedlichen Oertern gantze Stucke davon eingefallen/ oder von den Inwohnern niedergeriſſen/ damit ſie einen nahern Weg haben/ wann ſie in oder auß der Stadt gehen wollen. Sie hat zehen Thore/ aber gleichfals Die Naht von Erden/ ohne einige Wehre/ davon ſeynd ibker Thore die Vornehmſten/ Der Vaſalſchab, welche nicht weit von des Königs Pallaſt/ Der- To ki, Der-Mark, Der-Vaſal-Lembon, Der-Nas ſan-Abad, Der Cha, und Der- Dekt. Die Thore/ ſo die Stadt beſchlieſſen/ ſeynd auß Mrettern grob an einander gefüget/ mit eiſernen Blakten/ 4. Swerchſinger breit/ und eines Thalers dick belegt/ und das Holtz und Eiſen mit platt⸗kopfſchten Nageln zuſamen geheftet. Die Stadt⸗Schluͤſſel werden nicht dem Commendanten geliefert ſondern ein bloſſer Pfoͤrtner hat ſelbige in Verwahrung/ der ſeines Gefallens auf⸗ und zuſchlleſſetz wiewol man auch ſonſten durch die an underſchiedlichen Orten von dem Ragen/ oder den Einwohnern medergeriſſene Mauren/ bey Tag und Nacht auß und in die Stadt kommen kan/ wie ich bereits erwehnet. Die Stadt Iſpahan iſt ſehr dunckel/ die Gaſſen eng/ ungleich/ und meiſten theils finſter/ wegen der Gewolbe/ darunder man bedeckt von un Straſſen d. Gaſſen einem Hauß zu demanderngehen kan wie man dabei dann bißweilen darunder 200. Schritt im fin⸗ 5 ſtern 1 muß. Dieſe Straſſen ſind i voll tauſenderiey lnffats/ und todes Viehes/ ſo 5 unſt ſte hinein werffen/ darauß ein grauſamer Geſtanck entſtehet/ und wol eine Peſt verur ſachen kome/ wann nicht ein uber alle maſſen geſunder Luft da ware/ wie ich an einem andern Ort davon gedencken will. In den meiſten von dieſen Gaſſen ſind Brunnen der Erden gleich/ ſo des Sommers zugeſtopfet/ des Winters aber geofnet werden/ damit dadurch der Ragen und der Schnee/ gleich als durch eine Rin in die gewoͤlbte Cangle/ die mitten in den Gaſſen ſind/ moge geführet werden. Über das iſt vor einem jeden Hauß ein Loch/ darein allerhand Unflat geworfen wird/ ſolches laren die 5 Bauren auß/ und füͤhrens weg/ Ihre Ale: cker damit zu dungen/ welche gut und fruchtü P barer 0 barer davon werden. Alle Morgen komt der Baur/ und beladet ſeinen Eſel davon/ und iſt merckwürdig/ nachdem er allerhand Unftat brauchet/ ſein Feld zu dungen/ daß er gleichwol der Armenier und Juden ihren/ welche Wein trincken/ abſonderlich aber der Francken/ welche noch mehr trincken fleiſsiger aufſaumlet/ als der Perſtaner jhren/ die kein Wein trincken. Der Vortheil davon iſt den Hauser gut iſt/ verkauffen. e Die Gaſſen in Iſpahan/ wie in allen Perſiſchen Staͤdten/ feynd nicht gepfiaſtert/ welches ſo wol Sommers als Winters ſehr unbequem iſt. Dann im Sommer verderbt der Staub/ welcher von dem geringſten Wind von einer Gaß zur anderen getrieben wird/ die Augen/ es ſeye dann in der Straſſe/ wo die vornehmen Kaufleute wohnen/ und um den Meydan herum/ allwo des Tags dreymal/ Morgens/ Mittags/ und Abends/ von gewiſſen Leuten/ ſo deßwegen gedinget/ die Gaſſen mit Waſſer beſprenget werden/ damit ſich dadurch ſo wol der Staub lege/ als auch/ daß es einige Kuͤhlung gebe. Es gibt auch eine groſſe Menge eben dieſer Leute/ die mit einem Schlauch voll Waſſers/ einer Trinck⸗Schalen in der Hand/ und Eyß in einem Sack/ durch die Gaſſen gehen/ und denen/ ſo es begehren/ zu trincken geben. Sie nehmen von niemand Gelt/ ſondern werden von den Geltern/ welche ihrer viel von den Sterbenden durch Teſtament vermachen/ bezahlet. Dieſer Staub auf den Gaſſen/ welcher des Sommers ſo unbequem iſt/ wird im Winter zu Koth/ und wann es geregnet/ oder der Schnee angehet/ tritt man darinnen biß an die Waden. Es iſt wahr/ daß man um dieſelbe Zeit keinen Menſchen auf der Gaſſen findet/ dann/ wie ich erwehnet/ iſt in jeder ein gewolbter Canal/ und wann die Erde durchgeweichet/ iſt es oft geſchehen/ daß ſie under dem Pferd eingefallen/ und ein ſolches Loch worden/ daß das Pferd und der Mann nicht ohne Verletzung haben konnen herauß gezogen werden. Sonſten/ wie ich in der Beſchreibung von des Groß⸗Turcken Serrail Nür:iſche angereget/ ſeynd die Perſianer ſo gar aberglaͤubiſch/ daß ſie keinen Menſchen in jhre Haäuſer wollen kommen laſſen/ ſo von der Straß komt/ und nur das geringſte an ſeinen Kleidern mit Koch beſprützet iſt/ dieweil ſie davor halten/ wann ſie die Flecken ohngefehr anrühren/ ſeyen ſie ſo bald verunreiniget; und dieſes iſt die Urſach/ daß man zu niemand gehet/ wann es geregnet/ oder der Schnee ani ſeye dann im groſſen Fall der Man findet auch hie und da in den Gaſſen/ unden an den Mauren kleine Graben/ worein die Perſtaner ſich offentlich vor jederman niderzuſetzen/ und ihr Waſſer abzuſchlagen keine Scheu tragen/ und weil an ſehr viel Orten kleine Waſſer vorbey lauffen/ nehmen ſie davon in die Hand/ und waſchen damit ſo Reisbeſthreibung in perſien/ bald das Glied/ welches die Ehrbar⸗ und Schamhaftigkeit nicht nennen läßt; wann ale 14 ſie aber auß Noth ihr Waſſer an einem Ort Höflichkeit abſchlagen muͤſſen/ wo kein Waſſer zu bekommen/ reiben ſie auß einem unfſaͤtigen und ſchandbaren Aberglauben eben daſſelbige Glied an die Mauer/ oder mit; Erden/ und bilden ſich noch darzu ein/ es ſtehe gar wol/ und ſeye 5 g ein Zeichen der Beſcheidenheit. knechten/ welche eine Ladung vor einen Efel von fuͤnf biß zehen oder zwoͤlf Kasbeke, nachdem Es hilft uber das nicht wenig dazu/ daß die Gaſſen in Iſpahan ſo unſſatig ſeynd/ daß die Metzger das Blut und allen Miſt von dem Viehe/ ſo ſie ſehlachten/ darein lauffen laſſen/ welcher Umath dann ſo lang da liegen bleibet/ biß jhn die Bauren wegführen. Wann ein Pferd/ Kameel/ Maul⸗ oder andere Eſel verꝛeckt/ werden ſie auf die Gaſſen geworffen/ und iſt deßwegen kein Anſtalt. Es iſt zwar wahr/ daß/ ſo bald Leute kommen/ und das todte Thier von dem jenigen kauſſen/ deme es geweſen/ und Hariſſe darguß machen/ welche ſie den armen Taglohnern verkauffen. Dieſer und iel Hariſſé wird auf folgende Weiſe zubereitet: Nich zul, Man laßt das Fleiſch von dem toͤdten Viehe eichten al mit Korn kochen/ und nachdem es wol gekocht/ gen. wird es zuſamen durch einander geruhret/ daß es wie ein Brey wird. Es wild aber auch Hariſlè von gutem Hammel⸗Fleiſch gemacht/ und ſo wol einer als der ander auf dem groſſen Meydan, oder andern Platzen in der Stadt verkauffeet N 5 Weil die Stadt Iſpahan unſauber/ und wann es geregnet/ allezeit miſt⸗ und kothig iſt/ ſo muß man auch wiſſen/ daß die jenigen/ ſo die Mittel dazu haben/ niemals zu Fuß gehen/ ſondern allezeit reiten/ und ein oder zwey Lackehen/ die ſie Chaters nennen/ vor ſich lauffen haben/ welche Platz machen. Man reitet den meiſten Theil durch die Gaſſen in einem kleinen galop. und darff man nicht forchten/ aum daß man einigem Kind Schaden thue. Dann Kunden die Kinder ſpielen da nicht auf den Gaſſen/ wie bey uns/ ſondern/ ſo bald ſie auß der Schul kommen/ ſetzen ſie ſich bey jhre Vatter/ welche ſie allgemach nach und nach in jhrer Handthierung under weiſen/ und dieſes geſchicht durch Dieſe Ohater oder Lackeyen ſeynd Leute/ deren ganzes Thun iſt/ wol lauffen/ in welcher Kunſt ſie under ſich ein Meiſter⸗Stuck haben. Der König und die Groſſen vom Hofe/ haben deren viel in jhren Dienſten/ wie dann die Perſianer einen ſonderlichen Staat darinn ſuchen/ viel Diener zu halten. Dieſe Chater ſeynd ſehr geſehwind/ und halten im Lauffen jhre gewiſſe Lehr⸗Jahr auß. Von dem ſechſten oder ſiebenden Jahr an werden ſie gewohnet 1 dangſem iu kaufen. Das eiſte Jahr lau due fen ſie gleichſam in einem kleinen Trab eine fcb Meile in einem Athem/ das zweyte/ zwey oder eit in drey Meilen/ und ſo mit zunehmenden Jah⸗ kn ren nach Proportion. Wann ſie oöngefehr achtzehen Jahr alt ſeynd/ fangt nan an/ und gibt ſhnen ein klein Sacklein mit Mal/ und ein Blech auf den Nucken/ daß ſie Brot backen koͤnnen/ ſamt einer Flaschen Waſſers/ re schl lichkel rb zus en l 0 10 fl eic Viertes Buch 171 Wafſſers/ und muͤſſen ſie alſo beladen fortHufen. Die Urſach aber/ warum ſie alſo mit ihnen verfahren/ iſt 1 5 Wann man ſie in das Land verſchicket/ ſo bleiben ſie nicht auf dem Weg/ den die Caravane gehet/ ſondern gehen gerad zu/ und durch wuſte Einoden/ wo ſie kein Waſſer finden/ müſſen ſich derowegen daran gewehnen/ jhre Lebens Mittel mitzutragen. Der König und andere groſſe Herken haben keinen von dieſen hate rn, der nicht Meiſter worden/ dieſes aber geſchicht nicht ohne ſonderbahre Ceremonien/ und muß er einen Lauff thun/ der vor ein Meiſterſtuck eines Chaters gehalten wird. Iſt der Heeꝛ des jenigen Ohaters, ſo Meiſter werden will ein groſſer Herr/ ſo bittet er alle ſeine guten Freunde dazu/ und laßt auf dem Meydan eine Bühne oder Geruſt aufſchlagen/ alltvo eine Collation zugerichtet/ und dahin die Huren kommen/ und die Geſellſchaft erluſtigen. Es iſt keiner von den Gaſten/ der nicht etwas mit ſich bringe/ und ſolches nach vollendetem Qauff dem Charer verehre/ einer eine Kappe/ der ander einen Gürtel/ und von dieſen Geſchencken/ ſo er bekomt/ theilet er den andern Chatern mit. Ex komt auf den Platz mit bloſen Ober- Schenckeln/ und die Beine mit einem gewiſſem Fett wol gerieben/ hat d nichts um den Leib/ als einfache kleine SchlaffHoſen/ und einen Gürtel mit drey Schallen/ die jhm wider den Bauch ſchlagen. Mit dieſer Außruͤſtung laufft er von Ali. Capi, davon ich in der Beſchreibung des Meydans ſagen will/ weg/ und von der Sonnen Aufgang an/ biß zum Nidergang laufft er zwolf mal biß zueinem Stein/ der nach dem Ge⸗ ſt bhuͤrg zu anderthalb Meil von der Stadt ligt/ und laufft alſo in dieſer kurtzen Zeit/ ſechs And dreiſsig gemeiner Frantzoſiſcher Meilen/ welches weiter iſt/ als von Paris nach Orleans. Underdeſſen/ weil der Chater laufft/ iſt Kourouk guf dem Meydan, und auf dem gantzen Weg/ dadurch er komt/ und drey oder vierhundert Reuter reiten beſtaͤndig hin und her/ um zu ſehen/ ob kein Betrug in des Chaters lauffen/ mit drunder gehe/ und ſo oft er wieder zuruck/ nahe bey Iſpahan komt/ keiten ſie vor auß/ und berichten/ daß er zuruck komme. Sy oft er ablauffet und wieder komt/ gehen die Trompeten und Paucken/ und bey dem Stein/ welcher an dem End iſt/ ſo weit er lauffen muß/ ſeynd etliche/ welche Pfeil haben/ davon ſie bey jedem Lauff/ dem Chater einen geben/ welchen er nach AliCapi bringt. So oft er zuruck komt/ trocknen ihn die Huren ab/ und liebkoſen hm; Aber in dieſem lauffen iſſet er nichts/ weil es ihn am lauffen hinderen wurde/ doch trincket er underweilen von den Forbet. Wann er ſeine Lauffe wol verꝛichtet hat/ welche man an den zwolf Pfeilen/ die er zuruck gebracht/ zehlen kan/ würd er nach gut befinden der vornehmſten under des Koͤnigs Lackeyen/ welche def übrigen allen zu befehlen haben/ und Die er darum l bittli Fe- 5 5 ü ittlich erſüche in di e e e ber in dn Meiſterſehaft aufgenommen. Die Fans oder Statthalter in den groſſen Provintzen laſſen jhre Chatern an jhren Neſidentz⸗Otten/ und mit gleichen Ceremonſen lauffen/ werden auch von ſederman beſchencket/ wie zit Ipahan/ welches bißrdeiſen auf eine groſſe Summa hinauß lauft/ die ſie hernach/ wie 1 geſagt/ nut ihren Gesellen ſonderlich denckwurdiges. Ai ber Seiten da den gegen Mittag ſtoͤſſet ſie an die Stadt⸗Mau⸗ 78. Iſpabauren/ und iſt zweymal ſo lang als breit/ ohne einige Wehr/ guſſer etlichen ſchlechten runden Thurnen alle auß Erden/ wie das gantze Werck ſelbſt iſt. Darinnen verwahret der König alle die Raritaten/ die er gekaufft/ oder welche jhm von den Stadthaltern der Provintzen und andern Frembden ſeynd verehret worden. Dann was ſeinen Schatz anbelanget/ glaube ich/ daß derſelbige vornehmlich in güldenen Gefaͤſſen beſtehe/ welche in dem Königlichen Pallaſt/ zu ſeinem Gebrauch aufbehalten werden. Vor der Veſtung iſt ein groſſes Feld/ welches gebauet/ und mit Reiß und anderer Früchte beſamet wird das Capueiner Kloſter ligt auch nicht weit davon 3 Gant Iſpahan ins geſaint/ außgenomen/ Unerbenliden groſſen Meydan, und etliche Bazars, ſo ge⸗ che Gedauwoͤlbte Gaſſen 19 darimmen die Kauſteu⸗ de daselbst te wohnen/ ſtehet vielmehr einem groſſen Dorff/ als einer Stadt gleich. Die Hauſer ſeynd nicht an einander/ und die Garten daran ſehr ſchlecht gebauet/ ja in den meien iſt nur ein untuͤchtiger Baum. An ſtatt daß die Gaſſen ſollen ſehnur gerad ſeyn/ wie ich geſagt/ gehen ſie Sehlangen⸗Weiſe/ und immer ein Hauß vor dem anderen hervor/ welches uber die maſſen unannehmlich anzuſchauen. Es iſt zwar nicht ohn/ daß man bey etlichen Jahren hex anfangt beſſer zu bauen/ aber nur allein auſſer der Stadt; dann welche Mittel haben zu bauen/ haben auch ſo viel/ daß ſie Pferd halten konnen D/ nach der Stadt zu reiten. Was die Weiber anlanget/ iſt es hnen gleich/ ob ſte in 55 55 der Stadt oder drauſſen ſeynd/ weil ſie doch gar ſelten auß dem Hauß kommen/ und meDen dale p dan oder groſſen Platz in Iſpg⸗ Der epa han hat der Groſſe Cha- Abas baulen laſſen/ oder Muck welches nicht geſchehen ware/ wann ein Printz/ an in J. ſo noch von den alten Königen in Perſten her⸗ ſeaban. ſtammete/ jhme den alten Meydan, ſamt dem Hauß darzu, und underſchiedlichen Gerochtigkeiten die davon dependieren, hakte abtretten wollen. Weil er ihm aber ſolches verweigerte nahme ſich Cha- Abes vor/ eren neuen Platz anzurichten/ und die Kaufen te dahm zu ziehen dadurch dieſes Pringen Hauß gantz in Abgang gekommen, weil die meiſten von da weggezogen/ und wenig mehr in dieſer Gegend der Seadt wohen. Unweit von dieſem alten NMeyclan, FFF ĩ 172 wohnen auß einer Seiten die Auguſtiner/ auf der gu deren die Carmeliter/ und ſeynd die Jun Bauln/ iſt der Hühner und Tauben⸗Marckt. Seiten iſt dieſer Meydan noch gantz/ werde ber me ale Früchte und andere e under den bedeckten Gaͤngen verkauft. Die beuten anderen Seiten ſeynd wie verfallen/ wan aber alles ingutem Stand ware/ würde er ſo ſchon ſeyn/ als der neue/ und iſt ſich zu verwunderen/ warum der Print/ der ihn bauen laſſen/ nicht dieſen Platz genonunen/ welchen Cha- Abas vor ſeinen erwehlet/ weil er viel naher bey dem Fluß ligt/ und davon groſſen ohngefehr ſieben hundert Schritt lang/ und zwey oder drey hundert breit/ und dahero viel länger als breit. Er iſt auf allen vier Seiten verbauet/ und ligt ſeiner Lange nach von Norden gegen Suden. Rings herum ſeynd bedeckte Gange/ und darauf ein gleicher Poden/ mit Erden beſchüttet. Langs derſelben auf der Seiten nach der Stadt zu/ ſeynd kleine Kammern/ neun oder zehen Schuh hoch/ welche/ weil ſie nur von Steinen/ ſo an der Sonnen gebacken/ erbguet ſeynd/ ſehr verfallen; in den meiſten wohnen die argſten Huren von der Stadt. Etliche Schritt von den bedeckten Gangen iſt ein Canal/ deſſen beyde Ulſer mit Steinen eingefaßt/ aber gar uͤbel im Bau underhalken werden/ er gehet rings um den Platz herum/ und hat Cha- Abas in gleicher Ordnung Baume dabey ſetzen laſſen/ ſie chem aber ſehr ab/ und wann dier berdorzer/ end ſie e daß ſie keinen andePla ren au den Platz ſetzen. Der Canal/ daran viel Steine manglen/ hat auch nicht allezeit genug Waſſers/ und von dem/ ſo des Sormmers über daxinnen ſtehen bleibt/ komt ein unleiden licher&„ Mitten auf dem Platz iſt ein groſſer Baut ader Maſt gepffäntzet/ gleich wie bey uns in Europa/ wan man nach dem Vogel ſchieſſet/ wie er dann nun einem bey nahe 5 Seeic mässigem duft Spieles willen gufgerich. let iſt. Wann der Konig ſchieſſen will/ ſetzet Schieſtn. man auf die Spitzen des Baums einen gulen Becher welchen man mit dem Pfeil muß herab ſchieſſen. Man muß im vollen Lauff/ und nicht eher biß man bey dem Baum vorbey/ ruckwarts über des Pferds Kreutz darnach ſchieſſen/ welches noch von der glteen Getvonheit der Parther herzuͤhret! die flehend Ihre Feinde erlegten. Der guldene 5 H W 0 ſo jhn I 89 abe ich geſeh 105 s ſetzigen auff Ipaban un iſt der Or vo man Holtz und Kohlen VerAlbere ſoidle kgüfft. Zwwiſchen eben diefen Baum und Bert. der Uhr/ welche auf der Nord⸗ Seiten iſt/ int nichts alls alt Eiſen/ alte Jerds⸗ Zeug/ Teppich oder ſonſt alter Haubrach zu verkaüf1 d Großvater Che Seße in fünf a Frey von dieſen Bechern herab ger d Neisbeſchreibung in Perſien/ fen/ wie bey uns auf dem Kiempel⸗Marckt. Zwiſchen der anderen Mofquse gegen Mitlag/ grad gegen der Uhr uber/ und dieſem Der übrige Platz auf der Seiten des Koniglichen Pallaſts/ iſt allezeit ſauber und rein/ ſeynd auch keine Kramer Laden darauf/ dieweil der Konig zum öftern des Abends dahin komt/ und die Baren/ Loͤwen/ Stier/ Widder/ Hahnen/ und andere dergleichen Thier/ ſo man auf dieſen Plat führet/ wider einander ſtreiten ſiehet. Das Volck in Iſpahan/ gleich in vielen anderen Stadten/ iſt in zwey Theile getheilet/ die einen nennen Der groſſe Mey dan nun iſt ein Platz/ ſich Fledari, die anderen aber Nametlai, und geſchehen in allen dieſen Thier⸗Kampfen, von beyden Theilen anſehenliche Wettungen gegen einander. Der Konig bleibt neural, und gibt dem/ deſſen Thier im Kampf die oberhand behalten/ bald J. bald 10. biß weilen auch zwantzig Tomans, und der die Wettung gewonnen/ verehret jhm auch etwas. Sie haben auch ein Spiel/ da ſie die Eyer mit den zuſamen ſtoſſen/ und ſelbige brechen/ 0 drey biß vier Reichsthaler koſtet. Die Hühner/ ſo ſolche legen/ kommen auß einer Gegend/ Saute vare genannt/ ohngefehr hundert Meilen von Iſpahan/ nach der Provinz Karaſon zu/ und gibt es Hahnen von dieſem Ort/ von hundert Thalern/ ſeynd aber viel ſchoͤner und ſtarcker/ als die geineinen Hahnen. Nachmittag ſpielen die Gauckler und Seil⸗Taͤntzer auf dem Mey dan; gegen dem Abend/ uinziehen die Marionetten- Spieler einen viereckichten Platz mit Tüchern/ und laſſen hinder einem anderen ſehr duͤnnen Tuch jhre Narionerten ſpielen/ die nichts als Schatten ſeynd/ und tauſenderley artige und laͤcherliche Bewegungen vorſtellen. Wann das Spiel auß iſt/ fordern ſie etwas von den Zuſehern/ und gibt 27 ihnen ein jeder ſo viel er will. Alle Frehta⸗ Mach hy ge ſeynd wie Marckt⸗Tage/ und iſt der xac ye ga dan gantz voll Volcks und Bauren, welche von allerhand Arbeit/ ſo auf den Doͤrffern gemacht wird/ in die Stadt tragen/ als Thuren! gauze Fenſter/ ſo man nur anhangen darff/ Fenſker Rahmen/ Mahlſchloſſer/ und andere dergleichen Gattung. An dieſen Tagen werden auch Pferde/ Kameel/ Maulund andere Eſel verkaufft/ welches von allen Orten viel Volcks herbey ziehe. Auf der Seiten gegen Abend/ wo der Königliche Pallaſt/ und des Ali Thor 15 ſiehet man zwiſchen den bedeckten Gaͤngen/ und dem Canal d e ee grobe und kleine Stuck Geſchutz auf ihren Schaften welche“ ſamt der Uhr auf dem Meydan, von welcher ich kurtz hernach ſagen will“ der Groſſe Cha Abas von Oumus, nachdem Er dieſelbige Stadt erobert/ dahin biügen laſſen. Die Eroberunger den Engellanden wit zu danken/ ohne deren Hülf er zu ſeinem Zloeck nicht hatte gelangen konnen, % Dieſes ſeynd nan die Gebelue in welchen dieſer groſſe Platz eingeſchloſſen/ und damit been aſſe Je gib en n fall. Vuttes Buch. ich den geneigten Leſer von einem Quartier zu dem andern führe/ wil ich auf der Seiten gegen Suden anfangen/ auf welcher Seiten von dem Eck an gegen Oſten/ biß an eine Molquée, die in der Mitten iſt/ lauter Sattlersquidere Eck dieſer Seiten iſt der Buch⸗Handler/ Buchbinder und Kiſtenmacher ihre Quartier. In der Mitten von dieſer Seiten gegen Mittag iſt ein groſſes Portal zwiſchen zweyen Thurnen/ wodurch man nach einer Molqueen gehet/ deren Thur gantz mit ſilbernem Blech Überzogen/ und iſt dieſe gewißlich die ſchoͤnſte Thur und der praͤchtigſte Eingang von allen Moſqusen; Gantz Perſien an dem andern End auf dieſer Seiten/ wo ſie an die gegen Weſten ſtoͤſſet/ iſt ein groſſes Portal/ wodurch man zu einer verborgenen Thur in den Koͤnigl. Pallaſt gehet/ gleich daran/ ſo bald man hinein komt/ iſt man bey des Groß: Schatzmeiſters Wohnung/ der ein weiſer Ver ſchnittener iſt/ uñ weil er die Schluſſel zu dem Gemach hat/ worinnen der Schatz und die Saͤcke mit Gelt verwahret/ muß er alles bezahlen/ was der Konig befiehlet. Durch dieſe verborgene Thur werden alle Lebensmittel vor den Koͤniglichen Hof hinein gebracht/ und gehet man dadurch nach der Kuchenmeiſterey/ und was darzu gehoͤrt/ welches einen groſſen Hof machet; die eine Seiten davon iſt vor die/ ſo Teppich/ Gold/ Seiden und guͤldene Stück machen/ welche der Konig in ſeinem Dienſte hat. Wie dann die Francken/ ſo zu Zulpha wohnen/ und von dem Konig beſoldet werden; und andere Kunſtler/ ſo vor andern eine beſondere Wiſſenſchaft haben/ des Tags auch in dieſem beſchloſſenen Platz arbeiten. Die Weſt⸗Seiten/ welche eine von den beyden nach der Lange des Meiclans iſt/ iſt auf ſolche Weiſe angerichtet. Von dem Winckel gegen Suden/ der an das Quartier der Kiſtenmacher ſtoͤſſet/ biß an den Koͤniglichen Pallaſt ſind lauter Kramer/ ſo allerhand kleine und geringe Waaren von Nürnberg und Venedig zu kauf haben. Was den Koͤniglichen Pallaſt anlanget/ K iſt keine beſondere oder zierliche Beſchreibung davon zu machen/ weil ſo wol an den Gebauen/ als den Gärten daran/ kein ſonderlicher Zierrath iſt. Ich bin gewiß ver ſichert/ daß/ ſo oft ich zu Ihr Majeſtat dem König geholet worden/ ich ſo weit in demſelben gekommen/ als man iminer mag/ ich habe aber/ auſſer den vier groſſen Saͤlen/ 1 ſie Divans nennen/ nichts geſehen/ ſo mir ge allen/ als etliche kleine niedrige und enge Spatziergaͤnge/ worinnen kaum ſhrer zwey neben einander gehen konnen. Ich habe zween von dieſen Divan, deren einer auf der Seiten/ wo das Thor an dem Königlichen Pallaſt iſt/ auf dem Neiddan herauß/ ſo hohl/ der ander aber inwendig iſt/ wo der Konig die Abgeſandten empfangt/ an einem andern Ort außführlich beschrieben; die andere beeden ſeynd bey nahe auf gleiche Art gebauet/ Aber kleiner/ in dem einen von denſelben hatte ich in dem Calaar, oder mit Gold geſticktem Kleid/ ſo mir der Konig verehrt/ bey jhme Audientz. 5„CC Von dem Thor des Königlichen Pallaſts an/ biß an die Pforte des Ali, von jhnen Ala Capi genant/ haben die Goldſchmiede/ SteinKrame ſind/ von dieſer Moſquse an biß an das ſchneider und Siegel⸗Graber hre Laden. 5 Dieſe Pforte des Ali iſt gantz ſchlecht ohne einigen Zierrath/ und iſt der Durchgang in den groſſen Spatziergang/ an deſſen End ein anders Thor/ daran die Thuͤr⸗Schwell ein runder Stein/ dem die Perſianer ſonderliche Ehr beweiſen. Dieſes iſt eigentlich das Thor/ welches man des Ali Pforten nennet/ uud der Hof jenſeiks iſt eine ſichere Frey⸗Stadt vor und darein fliehen koͤnnen. alellbelthcder ſodahin hee ufüchr ehen Zwiſchen des Ali Pforten und dem andern Winckel gegen Weſten/ auf eben dieſer Seiten/ iſt ein groſſes Thor/ wodurch man in eine Bazar geher/ darinnen alle Armenier/ ſo zu Zulpha wohnen/ ihre Kramladen haben/ und allerhand Tücher/ die ſie auß Europa bringen/ als Engliſch/ Hollaͤndiſch/ Venediſchen Scharlack und andere Waaren/ ſo in Perſien nicht gemein ſind/ verkauffnn. Wo dieſe Bazar, darinnen die Armenier Carvanſejhre Kramladen haben/ endet/ gehet man in nien und eine groſſe Carvanſera von zwehen Stockwercken/ welche Cha-Abas II. Frau Mutter aufbauen laſſen. In der Mitten iſt ein groſſer runder Teich/ und an den vier Ecken vier groſſe Thor/ dadurch man in vier andere Carvanſerien gehen kan. Ich wil wol im Vorbeygehen den jenigen/ die hinfüro in Perſien reiſen/ und dahin handeln wollen/ eine gute Nachricht geben; Wer nicht groſſe und ſchwere Waaren hat/ der muß keines von den unterſten Gemaͤchern beſtehen/ welche dreymal ſo theuer ſind als die Obern/ dieweil die Kaufleute/ ſo groſſe Ballen Guter haben/ die Unterſten gern haben/ damit ſie die Muhe erſpahren/ jhre Waaren hoch hinauf zu tragen. So ſind quch die Gemächer/ darein die Sonne am meiſten ſcheinet/ und dahero im Sommer die groͤſte Hitze haben/ um den beſten und geringſten Preiß zu haben. Es ſind zwar alle Kammern in den Carvanſerien von dem Konig um einen gleichen Preiß geſchatzet; der Verwalter aber/ ſo auf ſeinen Vortheil ſiehet/ machet die Kauffeute weiß/ die Kammern/ ſo ſie begehren/ ſeyen ſchon vermiethet/ vornemlich aber die Eck⸗ Kammern/ die die groͤſten und bequemſten ſind. Muß alſo ein Kaufmann, der ſeiner Geſchafte halben ein Jahr zu Iſpahan bleiben wil/ ehe er den Schluſſel zu einem guten Gemach bekomt/ dem Verwalter ein oder zwey Tomans, nach dem er eine Kammer begehrt/ verehren. Sonſten wann des Verwalters Grißſe nicht waren/ kamen die Kammern nicht ſo hoch/ weil ſie allein/ wie geſagt/ von Herbergen zu Iſpahan. 2 Sicherhei dem Köhjg geſchätzet ind. Das Beſte in ird dieſen Carvanſerien f D . ie Kaufſt/ daß man darinnen ente in den aryanſe. viel ſicherer als in Paxticulier-Hauſern/ nen. dann solte einem etwas von feinen Wagten heſtohlen werden /oder det fene ſo alf Berg 3 174 kauffet/ banauerotieren/ muß der Verwalter/ ſo wol eines als das andere gut machen. Hergegen muß der Kauffmann auch von allem/ was er verkaufft/ 2. vom hundert geben/ und wann ein Kauff geſchloſſen/ gehet man nach dem Verwalter welcher ſo wol die Waarenals den Namen des Kauffers und Verkauffers aufſchreibet/ und in ſein Buch einträgt. Weil nun der Verwalter vor dem Kaäͤuffer ſtehen 9 5 erkundiget er ſich/ wann er ihn nicht wol kennet/ ob er auch zu bezahlen habe/ wo ſich ſolches nicht befindet/ nimt der Kaufmann ſeine Wgaxen wieder. Biß weilen verſtehet ſich der Verkaluffer/ dann er die zwey vom hundert erſpare/ mit dem Kauffer/ und ſiehet wie er die Güter ohne Vorwiſſen des Verwalters auß dem Hauß bringt/ davor er dem Aufſeher etwas verehrt/ daß er ein Aug zu thue. Geſchicht es aber/ daß der Kauffer Banquerot machet/ darff der Kauffmann deßwegen nicht klagen/ weil der Kauff nicht in des Königs Buch eingeſchrieben/ und er demſelben die Gebühr hinderhalten. Ich rede davon auß eigener Erfahrung/ dann nachdem ich underſchiedliche mal mit einem gehandelt ſo mich allezeit gar wol zahlte/ und der von jederman ſehr reich gehalten wurde/ thate ich den letſten Handel mit hm um 67. Tomans werth/ ſo ich dem Verwalter nicht anzeigte/ Fernere Beſchreibung des Meydan oder Marckt Mlatzes. und darüber um mein Gelt kam/ dann mein Schuldner laͤugnete mirs/ weil es ſich nicht in des Koͤnigs Buch fande/ welches an ſtatt einer Verſicherung der Bezahlung iſt. Wann der Termin verfſoſſen/ und der Schuldner das Gelt nicht liefert/ muß der Verwalter ſolches eintreiben/ bezahlt er nicht was er ſchuldig iſt/ laßt man jhm alle Tag mit einem Stock etliche Streich auf die Hußſdſen geben/ biß er Wait e e Was die Sicherheit der Bazars anlanget/ iſt auch nichts zu beforchten/ und verſchlieſſen die Kauſſeute des Abends ihre Kram ⸗Laden nicht ſonderlich/ weil ſie die gantze Nacht durch in⸗ und außwendig ſehr wol verwachet werden. Die kleine Laden guf dem Ney dan betreffend/ verſchlieſſet ein jeder des Abends ſeine Waaren in eine Kuͤſten/ mit einem Malſchloß welche hernach alle an einem Ort auf dem Platz geſetzet werden. Über die groſſen Kauffmanns⸗Waaren aber/ als Zelte/ Seiler/ und andere dergleichen/ die groſſen Platz einnehmen/ wird Kür ein groſſes Tuch geſpannet/ und an Stecken in die Erden geſtecket/ angehefftet. Dann es iſt auch die gantze Nacht uber eine Wacht auf dem Meidan. Ind weil ich wieder auf dieſen Platz komme/ muß ich gen. Bech eibüng darvon gar zu Ende brinSwwiſchen des Jul Pforten und dem Thor/ baduuch nian in den Bazar, iwo die Armneſiſchen Lader ⸗Bieiter/ ſo kleine Schlauche/ die man under des Pferds Bach hanget/ Waſſer⸗Simerlein und andeſe 11 0 Weng gehe Sachen mghen. Die Reisbeſchreibung in Perſien/ gehet/ ſitzen die Preu6 9 Mey dans, auf welcher man under den bedeckten Gängen underſchiedliche Kammeken gemacht/ ſo auf den Plat dra Ge und dahin man gehet Taback und Caffe Schwerdfeger/ und Bogen⸗ und Pfeil⸗Macher/ haben auch da jhren Stand. Von dieſer letſtern Pforten an/ biß an das End der Gallerie, ſeynd die Materialiſten und SpeIn dem Eck/ wo die Weſt⸗ und NordSeiten zuſamen ſtoſſen/ iſt ein Thor/ der Eingang zu einem groſſen Bazar, darinnen die Kaufleute Nocke/ Helnbder/ Schlaff Hoſen/ Strümpfe/ und ſolcher Gattung Waaren mehr feil haben. Es werden auch Weiber- und Manner⸗Schuhe vom Chagrin da verkauffet/ ſolche Art von Schuhen aber tragen nur die jenigen/ die etwas mehr als geWeiße Leute fed zz Von dieſem Bazar gehet man in einen anderen/ der noch groͤſſer/ und davon der vierte Theil voll Kupferſchmiede iſt/ die Topfe/ Schüſſeln/ Teller/ und andern Haußrath machen. Deßgleichen ſeynd auch FeilenHauer und Saͤgen⸗Klingen⸗Schmiede darinnen. Das übrige von dieſem groſſen Bazar iſt mit Tuch⸗ Far bern beſetzet. An dem Ende hat es eine ſehr ſchoͤne Car vanſera, worinnen die Kaufteute ſeynd/ ſo Biſem/ Preuſiſch Lader/ und allerley Futter von Beltzwerck verkguffen.„ Ich habe bereits an einem anderen Ort erwehnet/ daß der Koͤnig von den Bazars und Carvanſeren, ſo er bauen laſſen/ ein groſſes Einkommen habe/ und daß ſolches vornehmlich zu des Koͤnigs Tafel/ und gewohnlichen Underhalt ſeines Hauſes gewidmet ſeye. Dann weil die Geſatze des Mahomets den Königen verbieten/ das Volck mit Zoͤllen/ Schatzungen/ und andern Auflagen zu beladen/ glauben ſie nicht/ daß das Gelt ſo davon erhoben wird/ rechtmaſsiger Weiſe zu des Lebens Erhaltung konne angewendet werden/ und machten ſie ſich ein Gewiſſen etwas davon für ihren Mund zu gebrauchen/ in der Meinung/ ihre Speiſen wurden ihnen nicht gedeyen. Auß dieſem Verbott des Mahomets/ nehmen ſich die Kaufleute ſelbſt die Freyheit/ die Zoͤll ſo oft du berfahrenals ſe kopen und g gaben nicht daß ſie dadurch den Konig beleidigen/ weil ſie nicht wider das Geſatz ſundigen/ und das um ſo viel deſto mehr/ dieweil die Wagren/ twalin man schuldig ware alle Zölle zu entrichten/ ſo hoch au Preiß ſteigen würden/ daß alle Handlungen dadurch ins ſtecken kamen. Das Einkommen von den Carvanleren, Bazars und Garten ware vielleicht auch nicht genug vor des Königs Küchen/ es iſt aber dieſes dabey zu mercken/ daß von den Kanen, oder Stadthaltern über die Provintzen/ einer ſe nichts auß dein Königlichen Schatz darzu angewendet wird. „Ich komme nun auf die Mord⸗Seſten trincken. nach dem andern ſeine Wochen über die Kuche underhaͤlt und verſorger/ daß auf ſolche Weizu ſer. U e S Viertes Buch. krincken. Dir Baͤncke in dieſen Kammern ſind gleich auf einem runden Schau⸗ Platz gemacht/ und in jeder ſtehet in der Mitten ein rund GeLaß voll fieſſenden Waſſers/ womit ſie die Tabacks⸗Pfeiffen außbutzen/ wann ſie von dem Rauch ſchwartz und unſauber worden. Alle Perſianer/ ſo nur ein wenig Zeit übrig haben/ kommen taglich zwiſchen.und 8. Uhr des Morgens dahin/ und wird jedem/ ſo bald eine Pfeiffe und eine Schale mit Caffe gereichet. Der Groſſe Cha- Abas aber/ ein Here von gutem Verſtand/ als Er merckte/ daß in dieſen Zuſamenkunften bißweilen von StaatsSachen gehandelt wurde/ mißfiele jhm ſolches ſehr/ und erdachte/ jhre heimliche Anſchlaͤge/ ſo ſie daſelbſt anſpinnen moͤchten/ zu hindertreiben/ dieſen Fund. Er befahle/ daß alle Morgen in jede Kammer/ ehe ein Menſch hinein komt/ ein Moullah gehen/ und die Taba k⸗ und Caffe-Trincker/ bald auß einem Stück von dem Geſatz/ bald auß den Hiſtorien und der Pokterey underhalten ſolte. Dieſe Gewoneit/ davon ich an einem anderen Ort Mel176 6. Schuh hoch/ und„oder g. Schuh von einander/ vor das Mail- Spiel zu Pferd/ nd 1 man im Rennen die Kugel treffen/ und kugleieh daſsiere n Von dieſem Portal gehet man in einen beſchloſſenen Platz/ welcher dem auf dem Marckt zu St. Germain ficht inmgleich iſt/ auf dieſem ſeynd die Kaufſeute/ die gulden und ſilberne Stucke/ und andere koͤſtbare Zeuge zu verkauffen haben/ die reine Leinwad wird auch da verkauft: Die vierte und Oſt⸗Seiten des Meyddans, iſt der anderen groſſen Seiten/ wo des Königs Pallaſt iſt/ gleich/ und in folgender 1 angerichtet: In der Mitten iſt eine Motqué; davon der Tach⸗Stul mit gebackenen Steinen bedecket/ und der Tach⸗S tul ſo wol als das Portal ſo ſehr hoch/ iſt gantz gevernießt. Man ſteiget 9. odet to: Staffel darzu hinauf/ und des Ali Pforte auf der anderen Seiten ligt jhr im Geficht. Von dem End dieſer bedeckten Gange/ ſo an die Nord⸗Seilen ſtoßt/ biß an die Molquee; dung gethan/ wird noch heutiges Tags gehalken/ und nachdem ſie 2. oder 3. Stunden mit ſolcher Übung zugebracht/ richtet ſich der ſeynd lauter Seiden⸗Kramer/ ſo mit kund Dezgleichen platter Neh⸗Seiden/ und anderen bac Auch der Seiden⸗Wagren/ als Band/ Neſteln/ Knie. Händler Moullah auf/ und ruffet allen im Gemach zu: Niemen/ und dergleichen handlen. Von Gluck zu! Ein jeder gehe von hier/ und an ſeine Geſehaͤfte! Auf dieſe des MoulJah Erinnerung/ machet ſich ein jeder unverzüglich davon/ und vedehret jhm die gantze Geſellſchaft etwas wenige. In der Mitten von der Nord⸗Seiten iſt kin groſſes Portal/ auf welchem das Uhrwerck ſtehet/ o Cha-Abas quß Ormus hicher bringen laſſen/ als Er dieſe Stadt von den Porder Moſquée an/ biß an das andere End/ ſeynd allerley Gattung von Holtz⸗Drehern/ welche faſt nichts als Kinder⸗Wiegen/ und Spinn Nader maehen. Es ſeynd auch Wollen Schlager da/ welche dle Baum Wolle bereiten/ daraluß ſie die piquieiten Decken machen. Auſſer den bedeckten Gaͤngen feynd nichts als Schmiede/ ſo Senſen/ Hammer/ Zangen/ Nagel/ und mehr derſer⸗Schmiede da ſeyn. Dieſes iſt nun alles/ was ſo wol in der Stadt Iſpahan/ als dieſem groſſen Platz/ merekwuͤrdiges kan zuſamen geſücht/ und beſchrieben werden. Es haben zwar etliche/ theils ſchriftlich/ theils in Kupfer dieſelbigne viel anderſt heraußgeſtrichen/ aber das Pa⸗ 55 pier/ ſo alles vertragen kan/ ſtellet ins gemein die Sach viel ſchoͤner vor/ als ſie an ſich ſelbſt in der That iſt/ und der Mahlern Gewonheit iſt/ zu beſchmeicheln/ welches gantz wider meine Natur iſt. Ich habe die Sachen beſchrieben/ wie ſie an ſich ſelbſt ſeynd/ und ich habe ſie auch oͤfter/ und eine langere Zeit auf meinen ſechs Reiſen/ die ich innerhalb biertzig Jahren in Perſien gethan/ geſehen/ als einer von den Fraͤncken/ ſo in Aſien gekommen iſt. kugeſen eroberte. Es iſt aber ein unnützliches Werck/ weil es nicht gehet/ und noch kein Anehen darzu hat/ daß es wieder in Stand gebracht werden ſolle. Rings herum gehet ein giolſe Gang, jo auf allen Seiten offen und gu etlichen Saulen ein ſchlechtes Tach hal. Auf dieſer Gallerie, oder Erxcker/ wie mans nennen will/ wird ale Abend/ wann die Sonne undergehet/ und zu Mikternachts/ ein Aufzug mit Paucken und Trompeten geblaſen/ ſo man durch die gantze Stadt hoͤret. Es iſt aber/ die Warheit zu ſagen/ die Muſie ſo gar dungenehm nicht/ und thun einem die Ohren davon wehe. Es ſeynd etliche kleine Kammern auf dem Gang vor die vornehmſten Muſſcanten. Sorten haben alle Stabe/ wo die Kans reſidieren/ nicht aber in den anderen/ die Freyheit/ dergleichen Trompeten und Paucken zu halten. gleichen ſchtnieden, wiewol auch etliche MelWe Auf beyden Seiten an dem Portal undee:e: che er Uhr/ ſeynd 5. oder 6. Jubilierers⸗Laden/ 5 Das VI. Capitel.. Sphe. S ekljehe Rubine/ Perlen Schmaragden/ Vranaten/ und Turckis gußlegen/ aber nicht von groſſem Werth. Eine jede Gattung ligt eſonders in einer kleinen Schalen/ und der Von Zalphe einer kleinen Stadt/ ſwelche von Iſpahan nur durch den Fluß ganze daden iſt mit einem ſeidenen Garn über ⸗ 8 ag sondere„ dean! dadurch man die Steine beſehen kan, Je Stadt Tulpha, welche andere 5 date davon geſtohlen werden. ul und Giolfa nennen/ weil ein jeder egen dieſein Portal uber/ nach der In den frembden Woͤrtern der Stad⸗ damen und Sub- Seſten zu ſeynd 2. Marckſtenne /oder te/ Provintzen und Flüſſe der Orthographie Gelegen he ne folget/ der Stadt Lulpha, 176 folget/ welche jhn am beſten duncket/ ligt von Iſpahan gegen Suden/ eine halbe Stund zu. Fuß zu gehen/ und der Fluß Sencleru fiieſſet bey nahe von einer Stadt ſo weit als von dey anderen/ darzwiſchen durch. Das ſchoͤnſte in Iſpahan und in gantz Perſien iſt der Weg/ ſo von einer Stadt zu der anderen gehet/ wiewol er in Franckreich vor nichts außgearbeitete Gitter davor. abſonderliches wuͤrde gehalten werden/ da man viel Privat⸗Hauſer findet/ ſo ſchoͤner und beſſer gelegen ſeynd/ als dieſe/ welche ich eben jetzund zu beſchreiben vornehme. Es iſt ein Gang mehr als 1500. Schritt lang/ und 70. oder 80. breit/ ſo von dem Fluß/ worüber an demſelben Ort eine ſehr ſchone Brucke gehet/ davon ich drunden kveiker ſagen will/ faſt in der Mitten üͤberzwerch durchgeſchnitten. Dieſe Gaſſen fängt bey einem Thurn an/ der ohngefehr 40. Schuh in die viereck hat und hinden an den Königlichen Pallaſt ſtoſſet/ er hat 2, Stockwerck/ von oben biß unden voll groſſer Fenſter/ und auß Holtz kuͤnſtlich arb Der Konig und die von dem Königlichen Hauß gehen allein dadurch in dieſe Gaſſen: dann wer von pahan quß nach Zulpha, oder andere Oerter jenſeit des Fluſſes will/ gehet durch der Stadt Thor/ ſo an den gedachten Thurn anſtoſſet/ in dieſe Gaſſen. Und ſo viel mit wenig Worten von dieſer Gaſſen/ und wie dieſelbige angelegt iſt/ ins gemein wird ſie die Straſſen von Tcharbag; welches ſo viel iſt/ Gaſſen und Wege daſelbſt. als der vier Gaͤrten genennet. Langs dieſer Straſſen iſt ein Canal/ und von dem viereckichten Thurn an/ worauß die Bache entſpringen/ biß an die groſſe Brücken/ flieſſet das Waſſer dadurch/ die beyde Ufer daran ſeynd von gehauenen Steinen/ 2. oder 3. Schuh breit/ ſo bißweilen von den Fußgaͤngeren vor einen Fuß⸗Pfad gebrauchet wird: dann der ordenliche Weg ſo wol vor die zu Fuß als vor die zu Pferd/ iſt auf beyden Seiten der Gaſſen/ von denen in einer geraden Reye gepflantzten Baumen an/ biß an die Mauren der Königlichen Garten/ ſo die Gaſſen auf beyden Seiten beſchlieſſen. Dieſer Weg iſt mit gehauenen Steinen gepfiaſtert/ und ohngefehr vier Schuhe breit. Auf jeder Seiten iſt nur eine Reye von Baumen/ ſie ſeynd aber ſehr gerad und hoch/ werden ins gemein Tehinards genannt/ und haben allein in der Hoͤhe einen dicken Buſch; der Zwiſchen⸗Raum aber von den Baumen und dem Canal iſt nicht gepflaſtert/ ſondern nur Erdreich/ welches zu weilen beſcet wird. Ohngefehr 200. Schritt von dem viereckichten Thurn/ fallt der Bach in einen Fiſch⸗ Behalter/ von 30. oder zy. Schuhen im Umkreiß/ und an dieſem Ort ſo wol/ als an den anderen/ die weiter drunden ſeynd/ wo es guch dergleichen Behalter hat/ gehen uͤberzwerch die Gaſſen erhabene und gepflaſterte Kreutzwege/ gleich wie die andere/ von 10. oder 42. Schuhen breit. Auf der lincken⸗ Hand dieſes erſlen Behalters„iſt ein viereckichter Thurn/ bey nahe von gleicher Groͤſſe/ und eben ſo gebauet/ als der jenige/ ſo beydem Eingang Reaisbeſthreibung in perſien/ der Gaſſen iſt/ in deſſen underſten gewolbten Saal/ ſo in der Mitten einen mit Waſſer angefuͤllten Siebe Weyer hat/ pflegt man den Tranck Caffe zu trincken. f Alle Garken auf beyden Seiten der Gaf⸗ die m ſen/ ſo wol jenſeits als diſſeits der Bruͤcken die Ga ſeynd des Koͤnigs. Man muß ſich aber nicht einbilden/ ob waren dieſe Garten ſo wenig/ als der zu Hezarügerib, ſo doch der ſchoͤnſte in gantz Perſten iſt/ auf folche Weiſe außgeziehret/ und im Bau underhalten/ wie die Unſerigen in Europa. Dann da ſeynd keine zierliche abgetheilte Blumen⸗Felder/ oder Spatziergange von Hambuchen/ und dergleichen Zierrath/ wie in Franckreich und Italien ſehr gemein iſt; ſondern an vielen Orten laſſen ſie das Gras wachſen/ und begnugen ſich allein mit den fruchtbaren Bäumen/ deren ſie eine groſſe Anzahl haben/ abſonderlich aber der groſſen/ obenher dicken/ ſchatichten und ordentlich nach der Reye gepflantzten Baͤumen/ ſo der gantze Zierꝛath in den Perſianiſchen Garten iſt. Auf beyden Seiten der Garten⸗Mauren/ welche die Gaſſen einſchlieſſen/ ſeynd in gleicher Weite von einander/ zierlich außgearbeitete Thuren/ und auf jeder ein kleiner Saal. In der Mitten der Gaſſen aber/ zwiſchen dem groſſen viereckichten Thurn/ wo ſie anfaͤngt/ und der Brucke/ iſt auf der lincken Hand ein Hauß vor die Dervis, welchen der Konig einen ſeiner Garten eingeraumet/ darinnen zu bauen. Sie haben darinn etliche Heiligthum von dem Ali, oder ſonſt einem anderen Propheten in Verwahrung/ ſo man im vorbey gehen under einem Gewoͤlb ſehen kan/ und neigen ſich die Perſianer davor ſehr tieff. Dieſer Dervis kommen alle Tage um z. oder 4. Uhr/ Devi es für g tell. * 1 0 theilen ſich in gewiſſe Quartier/ allezeit ein aerichen Alter mit einem Jungen. Sie gehen von eihaben · nem Laden zu dem anderen/ und underrichten das Volck in etlichen Puncten des Geſatzes/ underweilen antwortet der Junge dem Alten welcher des Predigers Amt verꝛichtet. Ihre gantze Kleidung ſeynd 2. Schaff⸗ oder BocksHaute/ ſo ſie von hinden und vornen hencken/ und ein groſſer 4. oder Finger breiter Guͤrtel/ mit vielen groſſen meſsinen Blatten beſchlagen. Auf den Achſeln haben ſie eine andere Schaffs⸗ Haut/ welche ſie vornen under dem Kien zuſamen heften/ und an ſtatt der Hauben haben ſie ein kleines Lams⸗Fall/ daran ſie die Fuſſe laſſen/ ſo jhnen uͤber den Hals und Backen herab hangen. In der Hand haben ſie einen Kolben/ faſt eben wie die Mahler Johannem den Tauffer in der Wuüſten abzumahlen pflegen. Dieſe Pervis ſtecken zwiſchen die Haut/ damit ſie ſich bedecken/ etliche ſchlechte Blumen/ nach der Zeit im Jahr/ oder auß Mangel der Blumen allerhand Art Krauter/ welche ſo wol der alte Dervis als der junge/ nach geſchehener Predigt und Vermahnung/ den Kauf⸗ und Handwercks⸗Leuten geben/ und dargegen einige Allmoſen empfangen. Gegen dem Abend kehren ſie wieder nach Hauß zu/ und haben( welches ich bald wer 6 . e 2 Viertes Buch g und ihn ſen zu ſagen) allezeit ein groß Gefäß voll Waßi dig. fer/ und etliche kleine Krüge vor der Thuͤr/ im ren/ einem un den anderen gegeben/ nachdem er es vonnohten und hat ein ſedes Hauß oder nuider Bi Sommer auch Eys/ damit ein jeder/ ſo voruber gehet/ und Durſt hat/ an ſelbigem Ort krincken konne/ ohne daß man ihm davor etwas abfordere. e i Der Fluß Senderu, ob er ſchon gleich allen anderen Fluſſſen in Perſten/ den Aras auß genoimmen/ nicht ſchiffreich iſt/ bringt er doch der Stadt Iſpahan groſſen Vortheil. Gegen Süden hinder dem Geburg/ jenſeit Zulpha, flieſſet ein anderer Fluß/ Abkuren mit amen/ welcher v. oder 6. Meilen uber Iſpahan/ ohngefehr auf eine oder anderthalb Meil nahe bey dem Senderu, vorbey flieſſet. Cha-Abas der I. dieqſes Namens/ thate einen Verſuch/ dieſe beyde Strom in einander zu führen/ und etliche Felſen/ ſo im Weg ſtunden/ ſprengen zu laſſen; weil er aber ſolches nicht zu Werck richten koͤnnen/ haben ſeine Nachfolger ſolches nicht weiter fortgefuhret/ wozu ſie wol eines von unſern beruͤhmten Europaiſchen Ingenuers henoͤhtiget geweſen. Gewiß iſt es/ wann es ſich hatte thun laſſen/ daß das Feld bey Iſpahan den groͤſten Nutzen wurde davon gehabt haben/ und wurde das fruchtbarſte und lieblichſte Land worden ſeyn/ ſo man finden koͤnnen/ da hingegen dieſer Fluß zu nichts mehr dienet/ und unbrauchbar wirb/ in dem er durch dürꝛe Oerter/ und uber die Saltz⸗Felder lauffet. Was den Fluß Senderu anlanget/ laufft er zwar bißweilen im Winter uͤber/ im Sommer aber hat er ſehr wenig Waſſer/ ſo daß man ofter zu Fuß durchwattet/ als uͤber die Brücken gehet. Drey oder vier Meil über Iſpahan/ wird er durch underſchiedliche Graben auf die Felder und Garten geleitet/ welche ohne dieſe Waſſerung ſonſt unfruchtbar blieben. Es ſeynd zwar an vielen Orten hin und runnen/ ſie haben aber nicht ſo viel Waſſers als zu dieſen Feldern vonnoͤhten iſt/ zu deme ſo iſt das Fluß⸗Waſſer viel beſſer/ weil es über fett Erdreich laufft. Über das iſt noch anzumercken/ daß das durch die Graben abgeleitete Waſſer nicht wieder in den Fluß fallt/ ſondern in dem Feld vertrocknet ſo daß dieſer Fluß/ wie er bey Iſpahan vorbey fleußt/ ſchon ſehr geſchwaͤchet iſt/ und endlich wegen der vielen Ableitungen zu einem kleinen Bach wird/ der ſich 10. oder 12, Meilen von Iſpahan ganzlich in einen Moraſt verſencket. Dieſer Waſſer⸗Mangel/ ſo in gantz Perſien ſehr gemein/ iſt Urſach/ daß man es ſehr zu Rath halt/ und ſparſam außtheilet/ ja theur verkauffet. Wie dann das Amt eines Ober⸗Aufſehers uber die Waſſer/ davon die Königliche Rent⸗Kammer ein groſſes Einkommen hat/ eines von den beſten bey Hofe iſt von den meiſten geſuchet/ und den ſo es beGarten ſeinen beſonderen Graben/ dadurch das Waſſer auß den groſſen Egnalen geleitet wird. Es muß ſieh aber ein jeder wol hüten/ daß er auſſer der Zeit/ wann es ihm erlaubet/ und die Neye an ihm iſt/ kein Waſſer in ſeinem Graben laſſe/ dann wann man ſolches erfahren ſolte/ winde er mit einer geringen Staff nicht durchkommen. Ich habe zrwey Francken gekennet/ welche/ weil ſie des Nachts/ ehe die Reyhe an ſie kame/ ſich underſtanden Waſſer zu nehmen/ bey nahe jhre Guter daruber verlohren hatten/ die jhnen waren eingezogen worden/ wann nicht der Konig auß ſonderbahrer Gutigkeit gegen die Francken/ vor allen andern aber/ gegen die Frantzoſen/ Gnade eingewendet haͤtte/ anderdeſſen hat es gleichwol einen jeden eine groſſe Summa gekoſtet. Dieſes habe ich auß Anlaß des Fluſſes bey Iſpahan anführen wollen: Nun ſſt es Zeit/ daß wir die andere Helfte der Gaſſen/ und den Garten Hezardgerib, ſo an dem End ligt/ beſehen/ und dann nach Zulpha kommen. Vier Bruͤcken/ deren jede ohngefehr eine Brachen in Viertel Meil von der anderen iſt/ gehen zu Jbahan, Iſpahan uͤber den Fluß Senderu. Dieſe/ ſo die gedachte lange Gaſſen/ in zwey Theil getheilet/ wird Alyverdy-Kan genennet/ welcher ſie bauen laſſen/ andere heiſſen ſie auch die Zulpha: Brucke. Sie iſt von guten gebackenen Steinen/ und mit gehauenen Steinen eingefaſſet/ gantz gleich/ in der Mitten nicht hoher als an beyden Enden. Die Lange davon wird nicht viel under 300. Schritt/ und die Breite wol dreissig ſeyn/ ſie ſtehet guf vielen ſteinern und ſehr niedrigen Schwiebogen/ und hat/ ſo lang ſie iſt/ auf jeder Seiten eine Gallerie qcht oder neun Schuh breit. Auf underſchiedlichen anderen Schwiebogen/ fünf und zwantzig oder dreyſsig Schuhe hoch ruhet das Tach/ welches ſo gemacht/ daß die jenigen/ ſo lieber in der freyen Luft ſeyn wollen/ wann die Hitze nicht ſo groß iſt/ darüber hin gehen können. Der Weg/ ſo am meiſten gebrauchet wird/ iſt under den Gallerien; ſo an ſtakt der Bruſtwehr ſeynd/ und uͤber dem Fluß an underſchiedlichen Orten offen ſeynd/ dadurch ſie Kühlung bekommen. Sie ſeynd nicht dem Boden der Brücken gleich/ ſondern etwas hoher und haben ſehr bequeme Treppen darauf zu ſteigen. Die Mitte von der Brucken/ ſo nicht tiber fünf und zwanzig Schuh breit/ iſt vor die Wagen und andere Fuhfen. Im Sommer wann das Waſſer klein/ iſt noch ein anderer Weg/ ſo wegen der Kuhlung über die maſſen angenehm iſt/ nemlich ein kleiner Weg/ der guf den Grund des Fluſſes ſeichet/ und mit Steinen belegt iſt/ daß man Beſchreiohne einen Fuß zu hitzen/ darüber gehen kan/ 8 und ſind deßwegen durch einen jeden Schwib⸗ aher bogen unter der Brücken Thuͤren durchgebro⸗ an. chen/ dazu man von oben herab außeiner in die Dicke der Mauren gemachten Treppen ſteiget; auf beyden Seiten der Brücken ſind dergleichen komt groſſe Geſchancke koſtek. Ich will dadon niehts weiters ſagen/ als nur allein von bebe der Ordnung/ welche zu IIpahan und Zulpha Jpahan gehalten wird. Ein jeder Garten iſt nach ſei1 Woſſ hoch oder gering geſchaßzet/ vor daun dealer“ ſo er wochentlich eigrnal bekomt/ ann das Waſſer wird in gewiſſen Quartieeen Wie auch der andern heyden. 178 Reis beſchr eibung in Perſien/ gleichen/ darauf man auf das flache Tach über der Gallerie ſteiget/ deren jedes mit den Lehnen auf jeder Seiten über zwey Nuthen breit ift. Oind alſo ſechs Wege über die Brucke/ einer in der Mitten/ vier auf beyden Seiten/ nemlich uber die Gallerien und jhre flache Lacher/ und dann der kleine Weg durch die Schwibbogen. Dieſe Brücke iſtin Warheit ein ſchoͤnes Werck/ und beſſer zu ſagen/ daß einige/ ſo man in Perſien ſchoͤn nennen kan; jedoch fehlet noch ſehr viel/ daß ſie dem Gebau an der Pont neuf zu Paris ſolte gleich enn. Ubber dieſen Fluß ſind noch drey andere Brücken/ eine oberhalb/ und zwey unterhalb der Zulpher· Bruͤcken. Die Erſte unter den Dreyen iſt zwar ſehr ſchlecht gebauet/ komt aber den Armeniern von Zulpha ſehr bequem/ wann ſie ihrer Handthierung nach/ gegen die Weſt⸗Seiten gehen/ und im Rückweg wieder gerad uͤber dieſe Brücke zuſtrecken/ da ſie ſonſt Uber die andere einen groſſen Umſchweif nehmen/ und durch gantz Iſpahan gehen muͤſten. Die Erſte von den beyden andern Brucken/ unterhalb derer zu Zulpha, hat des jetzigen Koͤnigs Her: Vatter Cha-Abas II. bauen laſſen. Sie iſt bey nahe auf eben ſolcehe Weiſe gebauet/ hat aber abſonderlich etwas huͤbſches vor der andern/ nemlich mitten auf der Brucken einen ſechseckichten Platz/ und einen ſchoͤnen Waſſerfall/ ſo man an dieſem Ort in dem Fluß hat machen laſſen. An den beyden Enden von dieſer Bruͤcken hat der Konig zwey ſchoͤne Haͤuſer/ und weil die Fahrt von dieſem Fluß an keinem Ort ſo anmuthig/ als an dieſem/ und dabey ziemlich tief iſt/ war es zum Theil eine Urſach/ daß Cha- Abas eine Bruͤcken dahin bauen laſſen. Anders Theils geſchahe es auch um der Gauten willen/ welche jenſeit des Fluſſes wohnen/ damit ſie nicht mehr durch die groſſe Gaſſen Tcharbag gehen ſolten/ ſondern von Iſpahan auß naher zuſtrecken/ und eher nach Hauß kommen konten. Dieſer Platz/ wo die Gauren wohnen/ iſt nur wie ein groſſes Dorf/ davon die erſten Haͤuſer bey nahe an dem Fluß anſtoſſen/ und die Gaſſen von Iſpahan biß an dieſe Brucke iſt viel langer und breiter als die von Teharbag, iſt auch auf beyden Seiten mit einer ſchoͤnen Reihe Bäumen beſetzet/ in der Mitten aber flieſſet Ich habe kurtz zuvor geſagt/ daß auf jeden Zugaͤngder Gauren⸗ Brücken /zu des Koͤnigs Luſt/ ein ſchoͤnes Hauß ſeye; davon hat ChaAbas der Groſſe/ das eine diſſeits auf der lincken Hand deß Fluſſes gegen Iſpahan/ an die Capueiner gegeben. Dann ſo bald als ſie nach Iſpahan kamen/ mochte ſie der Koͤnig wol leiden/ underzeigte ihnen allen geneigten Willen Sie muſten ihm von jhrer Lebens⸗Art Nachricht geben und fragte er ſie/ ob ſie auch Gelt Denali Nehmen? Als die Capuciner geantwortet/ daß ſiert wd ie keines anzurühren pfiegten/ ſondern mir von von dem grossen Cha- Allmoſen lehten/ und ſich mit wenigem beAbasbiel gutes erzei„ bet, Hnuigten, gedachte der Kcung daß ſie von el nen Unterkhanen wenig bekommen würden/ nnd gab ihnen dieſes auß ſant den daz ge hörigen Garten zur Wohung. Sie wohne ten aber nicht lang darümen/ weil das Hauß zu viel zu unterhalten koſtete/ und zu weit von der Stadt ſag/ welches ſo wol hnen des Winters unbequem war/ wann ſie ſolten nach Iſpahan gehen/ als auch etlichen Roͤmiſch⸗Catholiſchen/ die dem Gottesdienſt in jhrer Capellen beywohnen wolten. Verlieſſen deswegen jenes Hauß/ und kauften um das Gelt/ ſo jhnen Paret Joſeph, ihres Ordens zu wegen brachte/ dieſes/ wo ſie jetzund wohnen Es iſt ſehr bequem und wol gebauet/ auch unter den vier Hauſern der geiſtlichen Francken/ ſo ſich ſo wol zu Iſpahan als Zulla wonhaft nieder gelaſſen/ am beſten gelegen/ und dem Koͤniglichen Pallaſt am nechſten. e Cuydlich hat es eine viertel Meil unterhalb 4% der Gauren⸗ Brücken noch eine alte Brucke ſo der gewohnliche Weg von Iſpahan nach Schitas iſt. Ich komme nun wiedrum in die groſſe Gaſſen Tcharbag, mit welcher es über 800. Schritt noch jenſeits der Zulfer Brücke biß an den Garten Elezardgerib, eine gleiche Bewandnus hat/ als ich dieſelbe im Anfang beſchrieben/ und komt der Bach/ ſo durch dieſe andere Halft der groſſen Gaſſen lauft/ von eben demſelben Fluß/ welchen man/ wie jch geſagt/ drey oder dier Meil uber Iſpahan abgeſchnitten. Ungefehr 400. Schritt davon hat 5 es einen Waſſerfall/ ſo in einen runden FiſchWepper fallt/ und auf jeder Seiten 10. oder 1a. Staffeln/ welche man hinauf ſteigen muß wann man biß an das End der Gaſſen wil. Das Hauß vor dem groſſen Garten Hezardgerib welches ſo viel iſt als tauſend Morgen Lands/ ligt im Geſicht/ und beſtehet in einem groſſen Saal über dem Thor/ und vier kleinen Kammern an den vier Ecken. a Was den Garten anlanget/ wird er zwar in Perſien vor ſchoͤn gehalten/ wurde aber in Franckreich wenig geachtet werden/ dann ich sed. deren viel um Paris herum unvergleichlich ſehoͤne geſehen/ und bin ich verſichert/ wann ein Per ſianer die zu Verlailles und in anderen Konigliehen Hauſenn geſehen haͤtte/ würde er nicht mehr ein ſo groſſes Werck auß dem Garten zu Klezardgerib ingchen. Die gantze Zierde bavon iſt mit wenig Worten dieſe/ daß er weil er guf einem abhangenden Hugel gebauet/ in 16. flachen ebenen Feldern/ ſo von einer Mauer 6, oder v. Schuh hoch unkerſtutzet/ beſtehet/ das Waſſerwerck aber ſpringet durch und durch auß Rohren gar dunn; das Zierlichſte in dem gantzen Garten/ ſo am beſten angeleget/ iſt das vierte Feld/ auf welchem ein gloſſer achteckigter Teich iſt/ von mehr als 120. Schuhen im Diameter; und ringes herum in Aleicher Weite von einander ſpringet/ das Waſſer auß unterſchiedlichen kleinen Rohren fast 3. Schuhe hoch/ es gehen drey Sie hinab zu gedachtem Teich. Mitten durch bie Haupl⸗Allee ſo ſich an dem Hause endet/ gehet ein ſteinener Canal/ welcher ſo breit iſt/ als der in der Gaſſen Tebarbag, ſo von jhm das Waſſer hat/ und init jhm in gleicher Linie iſt. In e dem dem zwweyten Feld iſt von gleicher Form und Groſſe ein Teich/ wie in dem Vierten; und in dem Letſten/ ſo das End von dem Haupt⸗Weg und der Lange des Gartens iſt/ gehet ein anderer Canal über zwerchs durch alle Wege/ welche zuſamt dem Groſſen die gantze Lange des artens machen. Endlich ſiehet man etliche Sale/ welche um friſche und kühle Luft zu ſchopffen/ an allen Orten offen ſind/ in gleichem langs dem Canal etliche Waſſerſalle/ Blumen⸗ Felder/ Garten⸗Beth/ Spatzier⸗Gaͤnge von Hambuchen und andere; dergleichen Garten⸗Zierrath aber muß man weder in dem Garten Kezardgerib, noch einigem andern in gantz Perſten ſuchen. Wann man ohngefehr 100. Schritt jenſeit der Bruͤcken in die groſſe Gaſſen Teharbag komt/ gehet auf de rechten Hand zwiſchen den groſſen Garten⸗Mauren/ ſo dem Koͤnig zugehoͤren/ eine andere Gaſſe nach Zulpha; über zwey oder drey Muſqueren⸗Schuß nicht von der Brücken iſt Zulpha. dete, Die Stadt iſt eigenklich eine Colonia von der den Armeniern/ welche Cha- Abas der Groſſe/ Ran zu. guß einer Stadt in Armenien Zulpha genant/ davon bieſe Colonia noch jhren Namen hat/ 0 wie ich in dem erſten Buch angemercket/ weggeführet; und hat von der Zeit an dergeſtalt zugenommen/ daß ſie nunmehr auf dem heutigen Tage/ indem ſie faſt eine halbe Meile lang/ und halb ſo breit iſt/ vor eine ziemlich groſſe Stadt kan gehalten werden. Sie hal zwey Haupt⸗Gaſſen/ welche bey nahe ſo lang als die gantze Stad i ſind. Die eine davon iſt auf beyden Selten mit einer Reihe Tehinars beſetzet/ welche an der Wurtzel von einem kleinen Waſſer⸗Canal/ den die Armenier/ vermog daruͤber aufgerichteter Ordnung in jhre Garten/ dielb ſelben zu roaſſern/ leiten/ befeuchtet werden: Die ue meiſten ubrige Gaſſen haben gleichfals eine Reihe von Daumen/ und einen Canal. Was die Hauſer anlanget/ ſind dieſelben insgemein zu Zulpha hubſcher gebauet/ und von beſſerem Anſehen/ als zu Iſpahan. Die Hiſtory/ wie die rmenier anfalgs in dieſe Perſiſche HauptStadt geſetzet worden/ wil ich als eine unter den groͤsten Proben von des Cha-Abas J. klugen Verſtand/ welcher durch ſeine Waffen und uud wa daran ſonerbareg zu inden. die Handlung das Königreich wiederum in vorigen Flor geſetzet/ mit wenig Worten hiebey anführen. 5 Nachdem Oba Abas ſeine ſieghafte Waffen eiſe dz Jelte u weik in Armenien fortgeſetzet hat er dieſelbe Aa and gantze Provintz damit ihn die Turcken hinfüro fn we auf derſelbigen Seiten nicht mehr beunruhigen mochten/ gleichſam wuſt und od gemacht/ indem er alle Armenier/ ſo wol auß Zu pha als Nacſivan, und in der Gegend von Kkars und Erivan biß nach Erzerom qliß dem Land/ und 2 Perſten ziehen laſſen; unter welchen die auß Alpha nach Iſpahan und den umligenden ten geſchickt wurden/ den meiſten Theil aber dran in Ubrigen führte man nach Mazanunge end and zu bauen/ wiewol ſie wegen der dein Loden Luft daſelbſt/ wie ich an einem ann Ort ermnnert/ faſt ale geſtorben/ ſo daß 750 vonden 24000. ſo dahin kamen/ kaum. oder 6ooο mehr übrig ſind. Etliche Jahr hernach gabe Cha-Abas den Armeniern/ die er nach Iſpahan geſetzet/ jenſeit des Fluſſes einen andern Platz ein/ da ſie hinfiüro wohnen mochten/ und als dieſe erſten Armenier jhre neue Colo niam wol angerichtet/ zogen die andern/ nach deren Exempel/ auch auß Tauris, Erivan und andern Orten/ und ſetzten ſich nach Zulpha. Die Zahl der Einwohner in dieſer neuen Stadt hat von ohngefehr 10. oder 12. Jahren her durch andere Chriſten von unterſchiedlichen Secten/ als Jacobiten/ Cophten und Neſtorianern/ noch zugenommen/ welche zuvor in den Vorſtadten bey Iſpahan wohneten. Weil nun der Konig haben wolte/ daß ſie auch jhre Wohnungen bey den Armenianern auf der andern Seiten des Fluſſes haben ſolten/ vor ſie aber keine Haͤuſer leer waren/ verlaubte er ihnen/ daß ſie oberhalbzulpha gegẽ Abend langes dem Waſſer ſo viel Platzes einzunehmen/ als jhnen zu jhren Wohnungen und Garten noͤthig ware. Dieſer Cha-Abas iſt gegen die Armenier/ weil er ſie auß jhrem Lande weggefüͤhret/ darum nicht ſo unbarmhertzig geweſen/ wie ſich der gemeine Mann wol einbilden doͤrfte/ dann ſie waren nichts als lauter arme Bauersleute/ welche damals noch nichts von der Kaufmannſchaft und Handlung wuſten/ und wohnten dazu in einer Provintz auf den Grentzen/ da jhnen oftmals ſo wol von den Turcken als Perſianern ſehr uͤbel mitgefahren wurde. Von dieſer Zeit an haben die meiſten von ihnen groſſes Gut erworben/ wie ich weiter drunten ſagen wil/ und haben die Armenier zu Zulpha heutiges Tags nicht Urſach/ ſich nach dem Land jhrer Vor⸗Eltern ſehr zu ſehnen. Damit man aber wiſſen moͤge/ wie ſie an die Handlung gekommen/ und folgends darinnen zugenommen/ muſſen wir die Sachen etwas weiter herholen. N 8 Cha- Abas, der ein Herꝛ war von einem groſ⸗ Des groſen ſen Verſtand/ und ſich hertzhaftig alles unter⸗ 2 1 ſtunde/ überlegte bey ſich/ daß Perſten ein un⸗Furnehmen fruchtbares Land/ worinnen keine Handlung 8 und dahero auch ſehr wenig Gelt ſeye/ beſchloſ⸗ in perſien ſe demnach durch die Einwohner des Landes/ rohe ungefaͤrbte Seiden auß Perſien in Europa zu ſchicken/ um zu ſehen/ wie hoch ſie daſelbſt anzubringen/ und auf ſolche Weiß Gelt in das Königreich zu bringen. Zu dieſem Ende wolte er alle Seiden in ſeinem gantzen Land an ſich bringen/ und wann er ſolche von ſeinen Unterthauen um einen billichen Preiß/ ſo er ſetzen wolte gekauft/ den vol igen Gewinn davon von ſeinen Factolen vor ſich ziehen. Kame ihm auch zugleich in Sinn/ Freundſchaft und gute Beſſtandnuß bey den vornehmſten Königen in Europa zu ſuchen/ und damit er dieſelbige uf feine Seiten wider die Turcken bringe/ Abgeſand? ten an ſie zu chicken. Den Anfang machte er bey dem Konig in Franckreich/ und war der er⸗ Sendet oz ſte Abgeſandte/ den erin Europam an Heinrich Sieden 115 den Groſſen ſchjckte/ Pater Jultus, en Capuct⸗ buch ner. Zu allem Unglücke aber langte er erſt ekli⸗ Frauckreich. che Monat nach des Koͤnigs Tod an/ 25 19 f ie 180 Reis beſchreibung in Per ſien/ hielte keine andere Antwort/ als wann der Ko⸗ ſchickte 2 Verehrte hierauf ſolche von Stund nig in Perſien etwas mit Franckreich zuthun/ an der Kömngin/ dem Abgeſandten aber gab er oder zu ſuchen hatte/ můſte er einen neuen Abge⸗ ein Geſchenck von gar geringem Werth/ ſo Wie auch nach Spanen. und was ſich damit zugetragen. andere Ordre hakte/ widerſetzte ſich dieſem die Seiden in die Chriſtenheit zu verſchickenſandten an Konig Ludwig XIII. ſchicken/ wel⸗ daß der arme Perſtaner nicht wuſte/ wo auß ches aber verblieben. hbheuoch an/ und ſich über niemand/ als den/ der jhn Drey oder vier Jahr hernach fertigte Cha- in dieſe Handel eingemiſchet/ beklagen konte. Abas einen Abgeſandten an den Koͤnig in Spa⸗ Der Pater Auguſtiner hatte underdeſſen auf nien ab/ und gabe jhm einen andern Perſiſchen ſeiner Seiten genug zu thun/ allerhand EntKaufmann wegen des Kauf handels zu/ ſamt ſchuldigungen zu erſinnen⸗ ſich von des Abgeeiner anſehnlichen Menge/ eingeballter Sei⸗ ſandten Vorwurfſen und Beſchuldigungen den. Nun war zur ſelben Zeit ein Portugeſt⸗ loß zu wickeln/ welcher als er ſeinen Fehler erſcher eren in Perſien/ der bey kante/ und daß hierinnen nicht weiter zuhelffen dem König in groſſen Gnaden/ und weil er ſtünde/ ſich gantz betrübt wieder in ein Schif ſewieder zurück in Spanien kehren wolte/ be⸗ tete/ ſo nach Gos ſeglen wolte/ von oa gienger diente ſich Cha-Abas dieſer Gelegenheit/ inder nach Ormus, und von Ormus nach Ißſpahan/ Meynung/ er hatte einen guten Wegweiſer wo der Konig damals ſich aufhielke. Als derangetroffen/ und gienge der Abgeſandte ſamt ſelbige ſeine Ankunft erfahren/ und dabey von ſeinen Zugeor dneten mit jhme zu Goa zu Schif⸗ dem ungluͤcklichen Fortgang ſeiner uͤbelgefe/ mit dem Vorſatz um das Vorgeburg Bong führten Handlung/ Bericht eingenommen/ Spei herum zu ſegeln/ und zu Waſſer nach ließ er jhn ſo bald ergreiffen/ auf den Meydan un inne Spanien zu kommen. Der Auguſtiner⸗ führen/ und daſelbſt in Gegemvart alles pan 0 Moͤnch/ ſo dem Koͤnig in Perſten vermeynte Volcks den Leib aufhauen. Niemand hatte lohnet.. einen groſſen Dienſt zu thun/ oder ein anders von dieſer Geſandſchaft mehr Nutzen als der Abſehen hatte/ ſtellete underwegs dem Abge⸗ Auguſtiner⸗Monch; dann nachdem der Abge⸗ 170 ſandten vor/ wann er ſchon die Seiden/ ſo er ſandte wieder abgereiſet/ ruhmete er ſich an dem nach Spanien führte/ daſelbſt in ſeinem Spaniſchen Hof/ wie er der jenige ware/ ſo. Werth anbringen konte/ muſte er doeh zu⸗ den Konig in Perſten auf die Gedancken gegleich darauf bedacht ſeyn/ daß es mit gu⸗ bracht/ den König in Spanien am erſten/ ter Manier/ und ſo viel moͤglich/ zu ſeines wegen Einführung des Haufhandels in Königs Reputation geſchehe/ man wuſte beederſeits Landen/ zu erſuch en welches zwar wol/ daß er das Gelt liebte/ man dann vor Ihr Majeſtät des Catholiſchen weiffelte aber auch nicht daß jhme ſeine Königs Unterchauen der gröſte Vortheil Ehre noch lieber ſeye. In Anſehung deſſen ſeyn wurde. Wie dann der Spaniſche riethe er jhm/ daß/ an ſtatt man die Seiden Hof auch glaubte/ daß dieſer Auguſtinerverkaufte/ er dieſelbe dem Konig in Spanien Monch deswegen einige Vergeltung wol ververehrte; dann weil er ein großmuthiger und dienet hatte/ und gabe ihm das Biſtthum prächtiger Her: ware/ würde er dem Konig in Ceu ra. Perſien ein ander Geſehenck von nicht gerin⸗Zwolf oder vierzehen Tage hanmach kabenen Jath zu folgen. Der Perſiſehe Kauf⸗ ſein voriges Vornehmen(den Kauf⸗ Handel mann aber/ ſo von dem Konig eine gantz in Persien ins Aufnehmen zu bringen/ und Vornehmen auß allen ſeinen Kräften/ als bediente ſich zu dieſem End hierinmen eier ſich aber nicht mächtig genug ſahe( ſol⸗ 1 Kaufinanns Sohn auß IſpaPerſiches zu hindertreiben/ proteſtierte er dage⸗ han/ deme gen/ und nahme ſeinen Weg durch Lan- anvertraucte“ und damit nach Vemdig guedoc und Provence ſieder zurück/ fegte ſich schickte. So bald dieſer junge Perſſane. von Marſeille biß Alexandketta zul Schif/ daſelbſt ankommen/ legte er ſich in ein ſehr und gieng von da ſo geſchwind er konte in Per⸗ prachtiges Hauß/ und machte über alle ſien nach dem Kong/ deme er alles außführlich maſſen groſſe Unkoſten/ davon die Huren erzehlte/ was fich in Spanien zugerragen. Cha- das meiſte auch mir genoſſen. Solches nun Abas lobte hierauf fein Verfahren/ und erwar⸗ fortzuführen/ muſte er einen Theil Se iden tete mit Verlangen die Zurückkunft ſeines Ab⸗ verkauffen, und wurden über das die KoDer pers, dean den, As mmdie rohe Perlite Seiden en den Tage zu Lace groſſer Als die ſcde Geſald, dein König in Spanien velehret worden/ mu. Nepublie mit Vertounderung gahe/ daß eiie wird vom ſte der Abgeſandte mit hochſter Beſtürtzung ne Privar⸗Perton in ſolchein Pracht lehKönige in Spanien ga ſchlecht empfangen. v ſehen/ daß ſolches Geſchenck nieht hoch geach⸗ te/ und dabey nicht begreifen konte/ daß tet/ ſondern gantz kaltſinnig von bem Konig eine ſolche Menge Guter einem allein zugehorangenommen wurde/ welcher jhn noch dazu ten/ kamen ſie auf die Gedancken/ er mochte age ob ſein Here der Konig Ihn vor ein vielleicht ein Agent von einer groſſen Kauf Weib hielte/ daß er ihm Seiden zu ſoinnen manns ⸗Compagnie ſeyn/ welche dieſem fungen . l „ off germ Werth dargegen thun. Der Abgeſand⸗ me eben diefer Oha-Abas, weleher dieſe 80 mee 4 te lieſſe ſich keichtlich datu bereden/ und als über nuit Fortſetzung feiner ſſeghaften Joaf⸗ Fal 0 er in Spanien war/ machte er die Amſtalt/ fen/ um dadurch ſich und ſeine Lande in Ru- wegen h dem don dein Auguſtiner⸗Monchen gege⸗ he zu ſetzen/ beſchaftiget/ war wieder auf Handl ine groſſe Menge Seiden 9 he bbel ge 2 * Viertes Buch. Mienſchen ſolche thöͤrrechte Unkoͤſten verlaubte/ ſchrieben deßwegen nach allen See⸗Hafen in Orient/ um zu erfahren/ war er ſeye/ und woher er komme. Es konte aber weder der Venetianiſche z Reſident/ zu Conſtantinopel weder der Conſul zu Smirna davon einige and tes Nachricht geben; ſondern es wurde von Alean scha, po an die Republic geſchrieben/ daß dieſer junge Perſianer eines voruehmen und reichen Kaufmanns Sohn auß Ilpa han/ und wie man glaubte/ von dem Konig als ſein Agent nach Venedig geſchickt ſeye/ die Seiden daſelbſt zu verkauffen. Auf dieſe Nachricht nun/ und auß Sorge/ dieſer junge Menſeh moͤchte in kurtzer Zeit/ alle von dem Konig in Perſien jhme anvertraute Guter durchbringen/ weil er je mehr und mehr groſſere und laͤcherliche Unkoͤſten machte/ hielte der Rath zu Venedig vor das beſte/ daß man ſich ſeiner Perſon und der ubrigen Guter bemgehtigte/ damit er dieſelben nicht noch gaͤntzlich verſchwendete; und berichFeuer kete zugleich durch ein ſehr hößiches Schreiben en ann dem Konig in Perſien/ hr Verfahren mit dieVain n ſem jungen Perſianer/ ſeinem Underthanen/ dabey erinnerend/ wie daß es hochſt noͤthig/ daß der Konig jemand nach Venedig ſchicke/ und den Werth vor die noch ubrigen Guter/ 181 geſchahe/ und er ſehr dadurch beleidiget wurde/ dieſer ſtunde am erſten vom Tiſch auf/ und verbarge ſich in des Thorwarters Gemach/ und als jederman hinauß war/ gabe er Antonio Doro mit einem Dolchen ſo biel ain ae Stich/ daß er die folgende Nacht darauff zu surneeſtarb. Dieweil num alle Francken geſehen⸗ 140 18 wie die Sach zugegangen/ daß Doro der Anfanger geweſen/ und Mata von him allzu ſehr beſchimpffet worden/ waren ſie alle guf einer Seiten/ und ſuchten die Sache zu vermitteln/ damit es nicht vor den Konig käme. Das Weib ſo Doro hey ſich hatte/ wurde zu frieden geſtellet/ damit es den Thaͤter nicht weiter verfolgte/ weil dergleichen Art Weiber in dieſen Landen ſo hoch als die Ehe⸗Weiber gehalten werden/ und kame Maralſi des ganzen Handels vor 50. Tomans loß. Ich wende mich aber wieder zu Cha-Abas, und dem SeiDer junge Perſianer/ welcher unverant⸗ a wortliche Unkoſten zu Venedig gemachet/ kon⸗ Was ſich fer, te ſich wol einbilden/ daß er bey ſeiner Zuruck⸗ 17 91 95 kunft ſehr übel wuͤrde empfangen werden/ und Saen wuſte ſonder zweifel wol wie es etliche Jahr al zuvor dem Perſiſchen Abgeſandten ergangen/ en. hielte derowegen davor/ daß es am beſten vor welche man in deſſen ergehten wolte/ ſo hoch Jhn ſeyn wurde in Europa zu bleiben und dieans Gelt zu bringen als immer moͤglich/ abholen lieſſe. Hierauf antwortete der Konig in Perſien dem Rath auf das hoͤflichſte/ mit Ver ſicherung/ daß er dieſer Dienſte zu ſeiner Zeit wiederum gedencken wolte/ und zu allem Gluck gieng eben zur ſelbigen Zeit/ nemlich zu End des Sommers/ im Jahr 1627. Don Antonio Doro auf ſeiner NRuckreiſe auß Indien nach Venedig/ durch Sultanien z wo damals Cha-Abas war. Dieſer Antonio Doro, welchen man nach der Lands⸗Sprach DOotgia Altun nennete/ war auß Meſopotamien gebuͤrtig/ und nachbem er ſich der Handlung wegen/ zu Venedig niedergelaſſen/ hatte er ſchon etliche Reiſen in Perſien und Indien gethan/ und hatte damals zum Gefehrten einen andern Venetianiſchen Kaufmann /Namens Maraſß. Dieſer Gelegenheit bediente ſich der Konig/ und recomandierte jhnen ſeine Seiden/ ſo er noch zu Venedig hatte/ damit dieMd e, ſelbe verkauft würde/ gabe ihnen auch einen w erſoigt klugen verſtändigen Perſiſchen Kaufmann/ mit Briefen an den Rath/ und Ordre/ jhm das Gelt/ vor die verkaufte Seiden einzuhandigen/ mit/ welches dann ſo bald geſchahe. Im vorübergaug will ich hiebey anführen/ wie dieſer Antonio Doro etliche Jahre hernach zu Surate, in meinem Beyſeyn/ und daß viel von den Franken ſolches geſehen/ als wir auß der 8 Wohnung/ woſelbſt uns der Herꝛ Miclaus Obrecht/ ſo das Haubt von der Compagnie/ herzlich traetiert hatte/ her⸗ J auß giengen/ unglücklicher Weiſe ermordet worden. Antonio Doro und Mataſſi ſein Meisgefehrt waren under der Zahl der eingeladenen Gaſte/ und wurden uber Tiſch zu ſaN 10 ſo daß dem Mataſſi dabey zu viel * 0 * net es zu unſerer Hiſtori nichts/ daß wir wiſſen/ wo er hingekommen ſeyhe. Als nun Cha- Abas auß dem Ubeln Verfahren ſeiner beeden Abgeſandten/ in Spanien und nach Venedig/ zugleich auch auß anderen Anzeigen wol ſchlieſſen konte/ daß die Perſianer zur Handlung nicht klug und verſchlagen genug/ ſondern von Natur den eiteln Pracht uñ groſſe Unkoͤſten ſehr liebten/ welches kein Thun vor die Kauffeute/ als die ſparen/ und die Haußhaltung verſtehen muͤſſen/ gedachte er an die Armenier/ in der Meinung mit denſelben beſſer fort zu kommen. Er wuſte daß dieſelbe ſtarcke/ und zum langwuͤrigen Reiſen daurhafte Leute ſeyen/ dabey ſehr maſſig und ſpar⸗ Our Abas ſam/ ſo koͤnten ſie guch weil ſie Chriſten waren/ zen ſen Heilt deſto bequemer und ſicherer durch die gantze e e Chriſtenheit handeln und wandeln. Suchte ſuchen. derowegen die verſtandigſten und klugſten zu der Handlung under jhnen auß/ und gabe einem jeden nach dem er jhn tüchtig fande/ ſo viel Ballen Seiden/ welche ſie nach jhrer Zuruckkunft um einen billichen Preiß/ wie ſie jhnen angeſchlagen worden/ bezahlen ſolten/ konten ſie ſie theurer verkauffen/ war der Uberſchuß vor jhre Mühe und die Reiskoͤſten. Dieſe Armenianer ſind in geringer geit ſo klug und 5 verschlagen worden/ daß heutiges keine Hand⸗ wachen lung iſt/ deren ſie ſich nicht underfangen. Daf schwar fälſie reiſen nicht allein in Europa/ ſondern lauf⸗ ler fen bis an die guſſerſte Graͤntzen von Aſien/ in Indien/ nach Funquin, Java, den Philippiniſchen Inſuln/ und durch gantz Orſent/ außgenommen China und Japon. Wann ſie aber jhre Sachen nicht wol gußgerichtet/ kehren ſie nicht wieder zurück nach Ipahan, weil es ein Ort iſt/ da man allzu genaue Rechen ſchaft geben muß/ und wwo man jederman geſchwind und gutes echt ſpricht/ wie dann den Factorn mit prügeln nicht verſchonet wird/ wann ſie mit den Gütern ihrer Herren übel Haß gehalten haben. 0 „Die Armenier ſind umb ſo viel heſto ge5 0 zur Handlung/ weil ſie wie ich geſagt/ x ſparſam ſind/ und entweder auß Liebe zur Tugend/ oder auß Geitz gar maſſig leben. Daum wann ſie von Hauß auß ſich auf eine ferne Reiſe begeben machen ſie einen Vorrath von Zwey back/ gerauchertem Büffels⸗Fleiſch/ Zwieffein/ geſchmeltzter Butter/ Mel/ Wein/ Wie die Ar, And gedorꝛten Früchten. An den Tagen wañ menier ſich nuf der Reiſe verſorgen. ſie Fleisch eſſen dorffen/ kauffen ſie nichts von rohem Fleiſch/ es ſeye dann/ daß ſie in dem Gebuͤrg etliche kaͤmmer oder junge Geiſſen un einen geringen Preis antreffen/ und ſind wenig under ihnen/ die nicht jhr Garn bey ſich fuͤhren/ womit ſie in den Teichen oder Flüͤſſen dabey ſie komen, fiſchen konnen. All dieſer Vorrath koſtet ſie wenig Fuhrlohn dann/ wie ich an einem andern Ort angemercket/ wann ein Kaufmann 6. Kameele mit Gütern beladet/ koſtet ihn das ſiebende ſeinen Proviant ſo 13. und Bagage zu fuͤhren/ nichts. Die jenige beladen konnen/ haben zwey frey/ und nach Proportion einer gröſſtren Zahl/ dañ das ſiebende Kameel wird allezeit vor die Zelte und der Kaufleute Proviant daruber gegeben. Kommen ſie in eine Stadt/ wo ſie eine Heitlang bleiben muſſen/ tretten ihrer 5. oder 6. Und Haußhalten. zu ſamen/ mieten eine leere Kammer/ und meublieren ſie mit jhren Matratzen/ Decken/ und Haußraht ſo bald/ welches fur wahr ein groſſe Spar ſainkeit iſt. Im ubrigen wiſſen ſie jhren Vorrath ſo wol zu Rath zu halten/ daß ſie öfters/ wann ſie auß Franckreich oder Italien zurück gekommen/ noch davon mit nach Hauß gebracht haben. Wann ſie in die Chriſtenheit reiſen/ nehmen ſie Saffran/ Pfeffer/ Mußcatnuß/ und andere Specereyen init ſich/ und bezahlen damit in den Doͤrffern das Brod/ Wein/ Butter/ Kaß/ Milch⸗Speiſen/ und anderen Proviant/ ſo ſie von den armen Weiberen kauffen. Kommen ſie von da wieder zurück/ bringen ſie wiederum allerhand kleine Kraͤmer⸗Waaren von Nürnberg und Venedig/ als kleine Spiegel/ Meſſinge und geſchmeltzte Ringe/ falſche Perlen/ und dergleichen Gattung Wagaren mit/ damm ſie gleiche jhre Lebens Mittel underwegs guf den Doͤrffern bezahlen. B Als ſie anfiengen zu handeln/ kamen wenig Caravanen wieder zu ruck in Perſten/ welche nicht uber 200000. Francken an Gelt mit ſich brachten/ ungerechnet die groſſe Menge HolGroſſer Gewinn welchen ſie laͤndiſches und Engliſches Tuchs/ ſchoͤne Brocard, Spiegel⸗Glaſer/ Venediſche Perlen/ Uhren und andere dergleichen Wagren/ welchen ihnen in Perſien und Indien angenehm und noͤthig duncken. a Mit einem Wort zu ſagen/ ſe haben in der Handlung dergeſtalt zugenonunen/ daß deren Nel geweſen/ ſo von 2000. bis 20000. Tomans hinderlaſſen haben. Under allen ArmeKonig entrichten muſſen. Reisbeſchreibung in Perſten/ niern aber war der reichſte und machtigſte ot. lch ihre gia petrus( Corgia helſet ſo viel als Herz) wel⸗ Handl cher nach ſeinem Tod 40000. Tomans an haa⸗ erobert rem Gelt/ ohne ſeine Hauſer/ Land⸗Guter/ Edelgeſtein/ gold⸗ und ſilberne Geſchirꝛ/ ſamt prächtigen mobillen hinderlaſſen. Dann in Perſien rechnen die Mahometaner und die Chriſten weder die mobilien/ noch Hauſer oder ligende Guter under eines Kaufmanns Reichthum/ ſondern allein das baare Gelt zu der Handlung. Dieſer Cotgia Petrus war under den Armenianern ſo wol der Allmoſen halben/ die er reichlich hinwieder außgabe/ als auch um der groſſen Kirchen willen/ welche er bauen laſſen/ und ein Art von einem Kloſter iſt/ darinnen ein Biſchoff und Mönchen wohnen coca ſehr wehrt und hoch geachtet worden. Soi auch noch der ſchoͤne Platz/ auf welchem rings de herum Kramladen ſind/ und wo der Marckt gehalten wird/ eines von den Gebquen/ ſo jhm noch die Nachkommen zu daneken haben/ und ſeine Gedaͤchtnuß bey den Armeniern noch beſtäͤndig in hohen Ehren halten. Aber alle dieſe groſſe Guter wurden bald nach ſeinem Tod durch ſeines Sohns Ehrgeitz durchgebracht/ als welcher nach dem Kelonter· Aint/ von dem ich bald außführlicher ſagen will/ embſig ſtrebete/ und daß Seinige durch Geſchaͤncke verſt trus boek weſel thate/ dabey aber doch nichts erhielt. Dann 1 Gotgia Nazar ſo der erſte Kelonter geweſen/ den Cha-Abas Über alle Armenier zu Zulpha eingeſetzet/ hatte einen Sohn hinderlaſſen/ welcher des Cotgia Petrus ſeinem vorgezogen wurde/ darauf dieſer/ als er ſeine Guter aller Orten unnützlich/ ohne etwas zu erhalten verehret/ und nicht mehr ſo viel hatte/ daß er in Perſien leben konte/ genoͤthiget wurde in Indien zu reiſen/ und daſelbſt einige Gelter/ ſo man jhm ſchuldig war/ einzutreiben. Wir giengen mit einander auf Surate, und von da auf Golconda, daſelbſt gieng er von mir/ und ſeiner Geſchaͤften halber nach Pegu, wo er hernach geſtorben.„ Die Armenier zu Zulpha haben vor allen anderen Orientaliſchen Chriſten dieſen Vortheil/ daß ſie Land⸗und unbewegliche Guter beſitzen/ und genieſſen dabey groſſer Freyheiten/ dann der Koͤnig gibt nicht zu/ daß jhnen das geringſte unrecht geſchehe/ oder daß einiger Mahometaner zu Zulpha wohne. Sie ha⸗ Fro ben auch dieſes Privilegium, daß ſie ſo praͤch⸗ ate tig doͤrffen bekleydet ſeyn/ als die Perſianer und gleich jhren an jhren Pferdten gulden und ſilberne Zaͤume führen. Ihre Weiber ſeynd gleichfalls ſehr reich und prächtig gekleydet/ und tragen Venediſchen Brocart, und andere koſtbare Zeuge/ ſo in chet werden. e eee Der Konig erwohlet einen auß jhnen/ ſo ihm gefällt“ zu ihrem Haubt/ welcher ſie under des Konigs Gehorſam halt/ und regieret. Dieſen nennen ſie Kelonter, und iſt er in vorfallenden Streit⸗Haͤndlen und jhnender ordentliche Richter/ ſchatzet auch einen ſeden zu der jahrlichen Anlage/ welche ſie dem Ihre der Chriſtenheit gema⸗- f i ert. 4a P. iwer eſel — dun gen pekandt. . der lincken Hand zu der rechten/ und haben Ihre Sprache iſt ztweyerley; die Gemeine und der Gelehrten Sprache. Die gemeine verſtehen alle Armenier/ aber die Gelehrten ihre wird nur bey dem Gotts⸗Dienſt ebraucht/ und dahero nur den Geiſtlichen Sie ſchreiben gleich uns/ von von ohngefahr vier hundert Jahren her/ jhre beſondere Buchſtaben. Sie reden dreyerley Sprachen/ ſo jhnen faſt angebohren/ und doch gantz von einander under ſchieden ſeynd; die Armeniſche/ welche ihre alte Mutter⸗Sprach/ und von den Vattern auf die Kinder fortgepflantzet worden; die Perſiſche/ ſo die Lands⸗Sprach iſt/ worinnen ſie heut zu Tage wohnen; und dann die Tuͤrkliſche/ die ſie gleichfalls von ihren Vorfahren geerbt/ und deren ſie ſich am meiſten in der Handlung bedienen. Was die WeeiAche ber anlanget/ reden ſie nichts als Armeniſch/ weil ſie mit den Frembden und Außlandiſchen keine Gemeinſchaft haben/ auch gar ſelten auß jhren Hauſern kommen. Es ſind auch etliche under den Armeniern/ welche Italidniſch/ und ſo gar Fyangoſiſch auf hren Reiſen in Europa gelernet haben/ und ſolche Sprachen reden. 1 In Zulpha ſeynd ohngefahr fünffzehen er. oder ſechszehen ſo wol Kirchen als Armeniſche Capellen/ under welche auch zwey Non7 0 100 Wieibs⸗Perſonen“ kaum a finden/ die der Roͤmiſch⸗Catholiſchen Me⸗ ſt ell, ligion zugethan ſend. Was aber die Arehe menier betrift/ halten ſie ſo veſt und ſteiff nen⸗Kloͤſter zu zehlen ſeynd. Sie haben einen Ertz⸗Biſchoff/ und underſchiedliche Biſchoͤffe und Monchen/ deren ich bereits in dem erſten Buch etwas gemeldet/ und werde ich hald Gelegenheit haben/ weiter davon zu reden. 1 2 118 Cs ſeynd/ wie ich beſſer droben angereget/ ſo wol zu Iſpahan/ als zu Zulpha viererley Art geiſtliche Francken. Die Auguſtiner/ Carmeliter/ und Capuciner/ ſind du Iſpahan/ und zu Zulpha die Jeſulten; aber nicht mehr als zwey oder drey aufs hochſte/ von jedwederm dieſer vier Geiſtlichen Orden. Die Jeſuiten ſo arn letſten dahin kommen/ haben in Zulpha nicht mehr als ein kleines Hauß/ hergegen hat ihr Garten einen zimchen Bezirck in ſich. Die Zahl dieſer Geiſtlichen zuſamen iſt viel gröſſer als jhrer Pfarz⸗Kinder: Damm in gantz Iſpahan und Zulpha, ſo wol von den Francken auß Europa hingezogen ſeynd/ als denen ſo in Perſien gebohren/ wird man an Manns⸗ und fünff oder ſechs uͤber jhre Religion/ daß ſie ſo gar von keiner anderen wollen reden hoͤren/ und hat man bey underſchiedlichen Zeiten her/ wol wahrgenommen/ daß etliche auß jhnen nur 950 ihres Beutels und des Gewdens wilder“ ſich geſtellet als wolten ſie eine anere annehmen. Pater Ambroſius ein Cae ſo e Surate gufhaͤlt/ iſt N Theil. g Uiates Buch 185 eine Zeit lang zu Zulpha geweſen/ und haben viel der Vornemſten Armenier/ in der Hoffnung der Kauf⸗Handel ſolte mit Franckreich angerichtet werden/ ihre Kinder ſo wol zu dieſem Pater gls zu den Jeſuiten geſchickt/ die Frantzoſiſche Sprache zu lernen. Es wäahrete aber nicht gar lang; dann der Ertz⸗Biſchoff/ und die Armenische Biſchoffeauß Forcht/ dieſe Kinder mochten einige Erkandtnuß von einer anderen Religion/ als der hren bekommen/ excommuniciexten alle Vatter/ welche jhre Kinder in dieſe Schuhle ſchickten. Als ſie aber ſahen/ daß man dieſe Excommunication nicht hoch achtete/ verſperreten ſie alle Kirchen/ und wickelten das Volek wider dieſe geiſtliche Francken auf/ daß ſie gezwungen würden/ des Pobelss Gewalt zu weichen/ und auf eine Zeit lang von dannen zu ziehen. Pater Ambroſius ſetzte ſich funff oder ſechs Meilen von Zulpha jenſeit des Gebuͤrgs/ auf ein Dorff/ welches von lauter Armetiern bewohnet iſt/ und ſchickten ſie noch immer fort ihre Kinder zu jhm in die Schul. Nachdem aber die Biſchoffe ſolches erfuhren/ ſchickten ſteinen Hauffen junger Monchen nach dieſem Dorff/ welche dem barer Ambroſio ſehr übel mit fuhren/ ſo daß er gezwungen worden/ Perſien zu verlaſſen/ und nach Surate wo er noch auf den heutigen Tag iſt/ ſich zu begeben. Die Armenier bekuͤmmerten ſich wenig darum/ was darauß ent ſtehen mochte/ und hielten nicht davor/ wann auch ſchon dieſer geiſtliche Franck in dem Tumult ware erſchlagen morden/ daß man um eines eintzigen Menſchen willen/ ihre gautze Nation außrotten wurde/ oder daß ſie deßwegen einige Ungnade zu befoͤrchten hatten. Uübr das ſeynd in Iſpahan auch Juden und Banianen, oder Indianiſche Goͤtzen⸗Diener. Der Juden ſeynd eben nicht ſo gar viel/ und ob ſie ſchon ſehr Arm und elend ſcheinen/ ſeynd ſie doch ſolche in der That nicht. Sie miſchen ſich jhrem Gebrauch nach in alle Handel/ und wann man einige koſtbare Jubelen kauffen oder verkauffen will/ darff man jhnen nur davon ſagen. Under der Regierung Oba-Abas hat ſie Atkematdoulet dergeſtalt verfolget/ daß ſie durch Liſt oder Gewalt des Mahomets Glauben annehmen muſten/ ließ aber jedem vier Tomans geben. Endlich aber als der Konig wahrgenommen/ daß ſie ſich nur auß Forcht/ zum guſſerlichen Schein als Mahometgner ſtelleten/ verlaubte er jhnen daß ſie wieder zu hrer Religion tretlen/ und nach derſelben leben mochten i Der Banianer oder Indianer ſend ohngefahr zehen oder zwolffauſend in Iſpahan/ uud kenner man see ſo bald an ſhrer ſchwarzbraunen Farb noch eher aber an einem gelben Zeichen/ ſo ſie ſich mit S affran an die Juden und Heyden zu Iſpahan. Stirn machen/ und Vermog Ihrer Religion/ tragen müſſen. Ihr Turban iſt kleiͤner/ als die Turban ins gemein zu ſeyn pflegen/ 2 2 Ihre ſcheid zwiſchen der Der Banianen Handel und Wandel be ien 0 Delk unde 13 zn Iſrahan. mit ſie ſolches wol genieſſen mogen/ und iſt g jemand einer anſehenlichen Summa Gelts benothiget/ kan er dieſelbe auf eine gewiſſe ſe Verſicherung/ alsbald des anderen Tags Die fuͤrnemſten Religionen zu Iſpahan 5 Der under⸗ mit wenig Worten den unſerigen gemacht/ und Blumen darauf geſticket. Sie handeln alle mit Wechſeln/ und ſind ſehr verſchlagen/ vor allem aber haben ſie einen vortreflichen Verſtand das Gelt zu ben jhnen ihr meiſtes Gelt under handen/ dahaben/ aber das Ine re ſſe belauft ſich hoch/ und bisweilen bis auf achtzehen vom hundert/ wird aber gantz in geheim bezahlet: Dann weil des Mahomets Geſaͤtze allen Geltwucher und Intereſſe verbieten/ wird die gantze Summa/ ſo bald die Obrigkeit nur den geringſten Wind davon hat conſiſcieret. Ich habe an einem anderen Ort von dem Vortheil geſagt/ deſſen ſie ſich bedienen/ wann ſie Intereſſe von jhrem Gelt erheben wollen/ daß man es nicht gewahr werde/ und ob er ſchon Handgreiflich iſt/ ſo komt es doch nicht an Tage/ wann etliche ſeyn/ die jhr Gelt auf Zinſe auß⸗ i 5 9 155 0 8 1 welche noch darzu dapffere Soldaten/ und Auß dieſer Erzehlung der Religionen in leyhen. Perſien/ als da ſeynd die Mahbrmetaniſche/ die Religion der Gauren/ der Juden/ und der Banianer oder Indianer iſt leichtlich zu ſchlieſſen/ daß nach der Zahl der Volcker die jhweil der Konig und das gantze Land derſelben beyfallet. Die Religion der Gauren hatten die alten Perſianer/ ehe ſie zu des Ali, erſte Nachfolger 85 Olman, weil ſie wie ſie davor halten/ des eines von des Mahomets Nachfolgers Glauben getretten. Und die Armeniſche/ zu deren ſich die meiſten von den Orienkalſſchen Chriſten bekennen/ regieret zu Zulpha, und erſtrecket ſich durch etliche Perſiſche Staͤdte und Doͤrffer/ wie ich auf allen meinen Wegen von meinen Reiſen angemercket. Ich will aber nur den geneigten Leſer von dieſen dreyen Religionen ſo viel berichten/ als ich zu underſchiedlichen Zeiten/ und mit gutem Weil/ von jhrem Glauben nehmen koͤnnen. Von der Perſianer Religton/ und von des Hocen und Huſſein groſſem 305 wie auch von dem Kameel2 S ſtond deren ſo viel/ die von des S Mahomers Geſagzen geſchrieben/ daß D ichs vor unnsthig achte/ dieſe Matery hier zu wiederholen. Genug ſoll es ſeyn/ „ZCorten den underſcheid zwichen der Turckiſchen und Perſiſchen Religion NReisbeſchreibung in Perſien/ ſhre Schuhe aber ſeynd bey nahe gleich den groſſemm Pracht geſeyret wird/ beyfügen kennen. Die Vornemſten in Iſpahan genet wirdTürcken anhangen/ behaubten/ daß Abounen anhangen/ drey davon/ und zwar die dreyn erſten/ ſo ich genennet/ die vornemſte ſeynd. Des Mahomets ſeine hat die Oberhand Mahomets Glauben annimmt/ durch das zu zeigen; welchem ich eine Beſchreibung Türen von dem greſſen Feſt des Ar Soßnen ide l Hecen und Fluſſein, ſo in Perſten mit gan. Der Underſcheid deu die Mahometaner in der Religion under ſich haben/ beſtehet nicht in verſchiedener Außlegung und Erklarung des Alcoxans, ſondern in den underchiedlichen Meinungen/ welche ſie über des en/ worauß i des Mahomets erſte Nachfolger haben“ wo fürnemlich zwey gantz wieder einander lauffende Secten entſpringen/ deren die eine Secte der Sunnen; und die andere der Schiais genen⸗ 3 Die von der erſten/ welche auch den b Da ue umckelbar nachgefolget; dem Abonebakter gen be, aber Omar; dem Omar Oſman und dem ete/ 775 1 Oſman Mortuz-Ali des Mahomets Enckel Sedken. Eidam. Olman kpdre des Mahomets Secretarius und ein Mann von groſſem Berſtand geweſen/ ſo wol als die anderen dre/ baker dem Mahomet/ als ſein Statthalte groſſe Haubtleute waren, und ihr Geſatze die Vernunft außbreiteten. Dahero komt es/ daß denen von der Sunnen Secke nicht zugelaͤſſen iſt/ von dem Geſatz zu dilputiren 9 ſolches allein durch die Waffen zu be-? Die zweyte Secte/ nach welcher die Perſigner leben/ wird der Schiais Secte geheiſ. Dieſe verwerffen des Mahomets dreß Nachfolger„Abou⸗baker, Omar und erſt Mahomets Succeſſon, welche ſeinem Encke!! und Tochtermann dem Ali gebührete am Ihre rechtmaſſig und mit Gewalt an ſich gezogen wennn Dieſe Succeſlion, ſagen ſie/ beſtehet in eilff Hohe ul hohen Prieſteren/ die vom Kli herſtammen/ fer. und mit ihme die Zahl von zwolffen machen. Die Ordnung iſt folgende: L Ali ein Sohn des Abou-taleb. II Hecen, der erſtgebohrne Sohn des Ali III. Huſſein, ſein zweyter Sohn, weleher wegen der Vertheidigung und Ceremonien habe erfahren/ und in acht 6 n Tod le muſte. Der Ort/ wo jhm die Sunnen die a Schlacht lieferten/ und awo er geſtorben/ wird Kerbela genennet/ nahe bey Babylon/ und iſt ſeines Vatters Succeſſion den Tod leiden ein heyliger Ort/ ſo von den Perſtanern in höehſten Ehren gehalten wird. IV. Iman-zin 1 Abedin. V. Mehemer-el-Baker. VI. Iafer el Scadek, welcher dieſe Gewonheit in Per⸗ 12 87 ſten eingefuͤhret/ daß ein Chriſt/ Jud/ oder Indianiſcher Gotzen⸗Diener/ wann er des Geſaͤtz ein Haubt⸗Erhüber ſein gantzes Hauß/ 150 eingeſetzet wird/ mit Aude Br be Nea der und Schweſter/ wann er etliche hat; ken ja es iſt ihm noch zugelaſſen/ ſeinen Eltern ſo viel davon zu geben/ als er will. Daherd komt es/ das viel Armenier/ Georgianer/ und andere Christliche Underthanen des .— 8 Konigs chen el Reli Honigs in Perſien Mahometaner werden/ dannt ſie die Guter jhres Hauſes allein erben: n und entſtehet darauß noch ein ander Ubel; 8 daß nemlich die anderen Kinder/ damit ſie verlaugnen/ und den Mahometiſchen annehKatzem. Der VIII. Ali el Bezza, deſſen Grab zu Meched in dem Coraſan von den Perſianern faſt ſo hoch verehret wird/ als des Mahotmet ſeines. Der IX. iſt Mabammerel Ioüad. Der X. Ali el Hadi. Der XI. Hocen el Aſkeri. Der XII. Mouhemmet el Mohadi Saheb-Zaman. Von dieſem letſten Iman haben die Per ſianer eben dieſe Meinung/ welche wir von Enoch und Elia haben; dahero jhrer viel/ jhm wol aufgebutzte Hauſer/ Stalle voll koſtbarer Pferdte/ und andere zu ſeiner Bedienung/ wann er wieder kommen wird/ nothwendige Sachen/ in jhren Teſtamenten vermachen. Dieſes alles aber iſt zu nichts Nutz/ weil man von dem ſo ihm vermachet worden/ nichts gebrauchen kan; und werden die Pferde von den ihm vermachten Renten und Einkunften underhalten“ Die Hauſer aber verſperret. Sie geben dieſem Iman den Zunamen Zaheb- Zaman, welches ſo viel iſt/ als ein Herꝛ der Zeit. Dieſen zweyten Seeten der Sunnen und . Schiais hangen die drey vornemſten Köͤnigreiche in Indien an/ als da ſrynd/ das Keyſerthum des Groſſen Mogols, und das Königreich Golconda, und Viſapour, wie ich weitlauftiger in meiner Beſchreibung von dieſen Landern ſagen werde. Das erſte und letſte vor dieſen dreyen Königreichen/ ſeynd von der Sunnen Secte/ nemlich die Koͤnigen und 1 groſſen bey Hof/ dann was das gemeine Volck anbelanget/ ſeynd ſie faſt alle GotzenDiener. Es iſt zwar nicht ohn/ daß an dieſer beyden Koͤnigen Hofen auch etliche Schiais ſeynd/ dann weil es under den Indianern gar wenig Kriegs⸗Officierer gibt/ ſeynd die f meiſten darunder Perſianer/ und dahero von der Schiais Secte/ welche jhr Gluck in Indien machen wollen/ aber den Koͤnigen zu gefallen denen ſie dienen/ leben ſie zum wenigſten Auſſerlich zum Schein/ nach ihres Herren Religion. Anlangend das Königreich Golconda, darinnen auch viel Perſtaner ſeynd/ thut man daſelbſt offentliche Bekandtnuß/ von der Schiais Geſatze/ und halt der heutige König Kouroub. cha mit groſſem Eyfer ö daruber. 1 Werne Wir wollen nun auch von dem prächti1. daes, gen Feſt/ ſo die Perſtaner des All Sohnen d Hocen und Huſſein, feyren/ etwas ſagen. Acht oder 5 ſchwafrtzen ſieh die ſo die eyferigſten über dem Geſatz ſeyn wollen/ über den gantzen Leib/ und in dem Geſicht/ und gehen gantz nackend/ nur allein die Scham mit einem kleinen Tüchdamen ſchlagen/ und mit tauſenderley wunTheil. a nicht enterbet werden/ jhren Glauben auch men. Der VII. Nachfolger iſt MouſſaWeiber/ daß ſie zu ihren Liebhabern kommen zehen Tag uͤber vor dem Feſt/ 90 bedecket/ auf den Gaſſen. In beyden Handen baben ſie Kiſſelſteine/ welche ſie zu f 185 derlichen und krummen Vorſtellungen des Leibs/ und Geſichts unaufhörlich und mit ſolcher Gewalt ruffen: Huſſein, Hocenz Hocen, Huſſein; daß ihnen davon der Schaum vor dem Mund ſtehet/ des Abends aber werden ſie von etlichen andachtigen Leuten in jhre Haͤuſer aufgenommen/ und wol geſpeiſet. Dieſe Tage über/ ſo bald die Sonnen undergangen/ ſiehet man auf den Ecken an den groſſen Plätzen/ und etlichen KreutzGaſſen/ Kantzeln vor die Prediger aufgerichtet/ welchen man zuhoͤret/ und die das Volck zur Andacht auf das bevorſtehende Feſt vorereiten. Dieweil nun Männer und Weiber/ alte und junge/ dahin gehen/ iſt im gantzen Jahr keine beſſere Gelegenheit vor die . koͤnnen/ als dieſe. 5 1 Dieſes Heſt will ich beſchreiben/ wie ich es im Jahr 1667. den 3. Julij/ durch Hilf des Nazars, oder Königlichen Groß⸗Hofmeiſters/ welcher den Hollandern und mir einen guten Platz auf dem Meydan gegen den Dela über/ wo der Konig war/ einraumete/ ſelbſt geſehen. Dieſer Dela iſt ein groſſer Saal/ auf der Seiten des Thors zu dem Koͤniglichen Palaſt/ als ein Ercker herauß gebauet/ und des underſten Stockwercks hoch. Der Grund davon ſtehet auf vielen Seulen/ und iſt mit Gold⸗ und Himmelblauem Laubwerck gezieret. In der Mitten aber hat es eine Art von einem runden Teich/ darein das Waſſer durch eine Waſſer⸗Kunſt geleitet wird. Dieſer Saal iſt auf drey Seiten offen/ die lang 1 11 dar ſte davon gehet auf den Pat hinauß/ und auf ren 11 8 remonien der anderen gegen uͤber ſo zu iſt/ ſiehet man fürgeben. in der Wand/ und den Loͤchern ſo darein gemacht/ underſchiedliche Engliſche und Hollandiſche Bilder von Manns ⸗ und Weibsperſonen/ mit Glaͤſer und Flaͤſchen in den Handen/ und in ſolcher Poſtur als wann eines dem anderen zu krincken wolte. Dieſes lieſſe cha-Abas II. durch einen Hollander auf ſolche Art mahlen. 5 Des Morgens um 7. Uhren kame ChaSephi II. welcher ſeithero ſeinen Namen verandert/ und ſich heutiges Tags Cha- Soliman nennen laßt/ in Begleitung der Vornemiſten vom Hof/ und ſetzte ſich in der Mitten von dem Dele auf ſeinem Thron/ die ubrigen Herren aber blieben alle ſtehen. So bald er ſich geſetzet ließ ſich am ende des Pferd der Groß⸗Bogt auf einem ſchoͤnen Pferd/ deme etliche junge Herren folgten/ ſehen; und lieſſen das Volck/ welches bey dieſem Fürſt erſchienen/ heran rucken/ damit ein jeder in ſeiner Ordnung vorbey giene. Dann damit man die Unordnung/ welche vor dieſem dabey mit underlieffe/ in den ein Quartier der Stadt oder Kirch⸗Spiel dem anderen vorgehen wolte/ vermeiden mochte/ befahl der Konig/ der Groß⸗Vogt ſolte Ceremonien⸗Meiſter ſeyn/ und einem jeden ſeine Stelle anweiſen. Als er nun die Anſtalt machte/ daß die Quartier oder Men ie Com Compagnien/ deten an der Zahl zwolſfe ſind/ marſchieren ſolten/ hioſſe man ihn ſtill halten/ und kame damit ein mit einem Bogen/ Kocher/ und Sabel bewaffneter Reuter auf den Platz deine 5. Manner/ deren jeder eine lange Piquen/ und auf derſelben einen Kopf trugen/ ſolgeten. Dieſes waren Köpfe von den Usbeken/ der Perſianer Nachbaren/ und abgeſagten Feinden von Natur; und befahle der Konig/ daß man einem jeden von denen ſo die Kopfe trugen/ und ſelbige jhren Feinden abgehauen hatten/ J. Tomans, dem aber der ſie führte/ 10. geben ſolte. Nach dieſem ließ man in den Platz kommen ohngefahr 360. Turcken/ welche von den Turckiſchen Grentzen/ wo man die Bauren mit Gewalt weg⸗ und nach Canrroceſiones did führte/ entflohen. Dieſe beklagten ſich/ zu Ehren jhrer Hejligen. daß man re alte Gewonheit/ nach welcher man die Soldaten in der Helfte des Octobers in die Winterquartier ſchickte/ geſchwachet/ und ſie zwingen wolte/ ſo wol Winters als Sommers/ im Jelde zu ſeyn/ zumalen ohne das Candia der Tuͤrcken Kirchhoff/ von welchem man gar ſelten einen wieder ſehe zurückkommen. Man lieſſe ſie bis auf die Mikten des Platzes fortrucken/ woſelbſt ſie den Konig zum drittenmal grußten/ und baten/ er mochte jhnen verlauben/ daß ſie mit Weib und Kind/ und jhrem Viehe in ſeinem Königreich wohnen mochten. Worauf der Konig verordnete/ daß man jhnen mit etwas Gelt an die Hand gehen/ und ein Stück Lands/ ſelbiges zu bauen/ einräumen ſolte. Hierauf verrichtete der Groß⸗Vogt ſein Amt/ und ließ die Compagnien heran rucken/ deren jede eine Saͤnffte/ wie man die Krancken darinn zu tragen pflegt/ ſo jhrer 8. oder 10. trugen/ bey ſich hatte. Auf einer jeden Tragbahr war ein Sarck/ drey oder vier Schuhe hoch/ und F. oder 6. lang/ das Holtz daran ward mit gold⸗ und ſilberem Blumwerck gemahlet/ und der Sarck mit Brocart bedecket. So bald die erſte Compagnie Ordre hatte zu marſchieren/ wurden drey Hand⸗Pferd mit ſchoͤnem Zeug vorgeführet/ und hatte man auf beyden Seiten des Sattels den Bogen/ Pfeile/ Schild/ und Sabel angehengt. Als ſie ohngefahr 100. Schritt auf dem Platz fortgerucket/ und den Konig ins Geund was ſſe ſicht bekalnen/ lieſſen die/ ſo die drey Pferd führnichr Hen ten/ ſelbige galopieren/ und die gantze Com8 riſche Haͤndel gebrauchen. pagnie ſo jhnen folgte/ ſienge an zu lauffen/ zu tantzen/ und machten daß der Sarck in die Hohe ſprang. Es wurffe auch ein jeder ſeinen kleinen Nock/ Gürtel und Mutzen in die Hoͤhe/ und ſteckte die Finger in den Mund/ daß er deſto heller Pfeiffen kunte. Andere waren/ wie ich ſie ſchon gleich im Anfang des Capitels beſchrieben habe/ bald gantz nackend/ ſchlugen zibeh groſſe Kiſelſteine/ ſo ſie in den Handen hatten/ zuſamen/ und ſchrien als die Unſinnige/ Hulſſein FHlocen, Hocen Huſſein, wir ich heſagt/ ſo lang/ bis hnen der Schaum vor dem Mund ſtunde. Nachdem ſie drey oder viermal auf dern Platz herum gezogen/ ß man die anderen Compagnien auch/ ein jede in ihrer Ordnung herbey kommen/ und vor jeder auch Reisbeſchreibung in Perſien/ drey Hand⸗Pferde/ welche dieſer Propheten Pferde/ worauf ſie ritten als ſie in der. Schlacht waren/ bedeuten ſolten. Sie machten alle dergleichen verſtellte Gebaͤrden/ und zogen ſo oft auf dem Platz herum/ als die erſte/ und wann eine Compagnie vorbey wan/ ſtellete man ſie in ein Eck/ daniit die andere auch Platz hatte. Uber dieſe wurden noch zwey andere Compagnien herbey gefüͤhret/ jedwedere mit jhrer Tragbahr horher/ und einen kleinen Sarg darauf/ in dem ein kleines Kind lag/ ſo ſich ſtellete als wann es todt ware. Alle die dieſe beyde kleine Kinder begleiteten/ weineten und ſeuffzeten/ die beyde Kinder des Hullein dadurch vorzuſtellen. Dann als dieſer Prophet ermordet worden/ wurden ſeine Kinder von Verick dem Kalife zu Bagdat auch gefangen/ und erwuͤrget. Hey dieſer Gelegenheit ſiehet man eine groſſe Anzahl Huhren bitterlich weinen/ welche zu dieſen Ceremonien kommen, und glauben/ daß nen/ wann ſie wainen/ alle ihre Sünden vergeben werden. Als dieſes Volck alles auf dem Platz war/ obſchon der GroßVogt noch ſo gute Anſtallt gemachet/ waren doch viele die ſich mit einander ſchlugen/ weil ſie es vor eine Ehre halten/ ſich/ abſonderlich in des Koͤnigs Gegenwart/ wacker herum zu ſchlagen/ und dieſe Meinung haben/ wann jemand bey dieſer Gelegenheit umkomme/ werde er vor einen Heiligen gehalten /wie dan in y der That ſelbſt ein jeder etwas darzu gib/ daß ſh Faller 0 tale, 25 10 rem Ah 0 er ehrlich begraben werde. Wie der Groß ge d Vogt ſahe/ daß die Schlagereyen jmmer eif⸗ den! feriger und hitziger wurden/ und eine groͤſſere Unordnung darauß entſtehen konte ließ er. Elephanten hervor fuͤhren/ welche dem Streit ein Ende machten/ weil alles Volck die Augen auf dieſelben wurffe; und hatte auch Oba. Selt als ein junger Herꝛ niemals von einigen Elephanten geſehen/ was dieſe in ſeiner Gegenwart machten. Es gienge einer hinter dem andern/ nach ihrer Qualitet/ nachdem ſie nemlich viel zu verpflegen koſten/ oder einer beſſer als der andere zum Krieg abgerichtet iſt. Es hat aber eben die Meinung nicht/ als wann der Konig in Perſien die Elephanten im Krieg under ſeinem Kriegsheer brauchete/ ſondern Ehrenthalben behalt er dieſelben/ welche jhme der Indianiſchen Koͤnige Abgeſandten verehren. Dieſe nem Procaxt, und Franzen darum/ und ſaſſen auf dem erſten/ als dem Hoͤchſten ihrer zwey/ der eine auf dem Hals/ ſo den Elephanten regierte/ und der andere mit einer halben Piquen/ in der Hand/ daran ein groſſer Fahne mit des machen pffegen. Die vier andere thaten dergleichen/ und nachdem ſie mit dem vorderſten i eee 5. Elephanten hatten groſſe Decken von guldeKonigs Wappen auf dem Kreis. Auf den vier anderen ſaſſe auf jedem nur einer/ ſo nn regierte. Als ſie auf den Platz kamen/ wo der Konig ſaſſe/ ſtellete man ſie alle. guf eine Reyhe/ und der Groͤſte in der Mitten/ fienge an ſeihe vorderſſe Fuſſe vornen hinauß zu ffrecken, e und die hinderſten zuruck zu ziehen/ daß der Juin Bauch bald an die Erden rührte/ welches eine fe 17 Art von der Reyerentz iſt/ ſo die Elephanten zu 11 ——— Faller tall gen 10 n Koh n l l 0 60 1 1 bit ſich 1 . 10 5 ————— ———— Vierdtes Buch. Theil ihres Ruͤſſels dreymal die Erden berühret erhoben ſie ſolche jedesmal wieder über den Kopf. Hernach wendete man ſie um/ daß der hinderſte Theil des deibs kame/ wo zuvor der Kopf ware/ und hube jhre Decken auf/ damit der Kbung ſahe/ ob ſie wol gehalten/ und noch bey Leib ſeyen/ und damit führten ſie jhre Meiſter hinweg. 5 Auf der Seiten neben dem Saal worauf der Konig ware/ hatte man eine kleine Bühne/ ohngefahr p. oder 6. Schuhe niedriger als des Konigs ſeine/ aufgeſchlagen/ und mit Tapeten belegt. In der Mitten davon war ein Seſſel mit ſchwartzem Sammet belegt/ worauf ein Mulla ſaſſe und noch. andere Mullen um jhn herum. Dieſer Mulla thate eine Rede über des Huſſein und Hocen Tod/ bey einer halben Stunde lang/ und als ſolche geendiget/ lieſſe Ihm der Konig einen Oalaat, oder Koͤnigliches Kleid geben/ es wurden zwar den anderen auch einige gegeben/ aber weit geringere als dem Mulla, ſwelcher die Rede gethan. So bald ſie die Königlichen Kleider angezogen/ etzte ſich eben derſelbige ulla wiederum in ſeinen Seſſel/ und thate vor die Geſundheit des Koͤnigs/ und die Wolfahrt des gantzen Reichs ein GeWal-. f Dieſe Ceremonien zuſamen/ waͤhreten von 7. Uhr des Morgens an/ bis gegen Mittag; worauf ſich der Kong in ſeinen Haram begache as aber das gemeine Volck anbelanget/ bleibet niemand auf dem Platz/ ſondern führen dieſe Todenbahren ſo lang in der Stadt herum/ als es Tag iſt/ und ob ſchon die jmmer moͤglichſte Anſtalt gemacht wird/ kan man doch nicht verhindern/ wann zwey Compagnien auf einander ſtoſſen/ daß ſie nicht wegen der Oberhand oder des Vorzugs/ einander in die Haar kommen/ und zu Boden ſchlagen; dann ſie dorſfen kein ander Gewehr als Pruͤgel wie die Hebel führen 8 Etliche Zeit nach des Huſſein und Hocen Jeſt/ fehren die Perſianer noch ein anderes/ pen, welches ſie ö feines Opfer/ das Kamerl⸗Feſt nennen. Dieſes 8 289 E„ 1 5 hans, b ſey kein Widder/ ſondern ein Kamerl geween/ welches Gott an Statt des Ismaels zu opffern geſchicket/(dann ihrer Meinung nach/ hal Ismaël und nicht Iſaae ſollen geopffert werden) und laſſen zu ſolcher Solennitet das ſchoͤnſte Kameel ſo ſie finden konnen auß ieren/ und butzen es mit falſchem Gold und Silber auß/ und fuhren es in aller Frühe quſſer der Stadt auf einen groſſen Platz vor einer Moſquçen, jenſeit des Fluſſes bey Ipahan, auf der Seiten von Zulfa, der Doroge aber/ der ſo viel als der Groß⸗Vogt iſt/ und alles Volck gehn selbiges zu begleiten/ mit. Der Konig 9 5 vor dieſem die Gewonheit/ ſelbſt bey dieem Feſt zuerſcheinen/ wie ich mich dann erinneue/ daß ich jhn in Begleitung vieler vornehmen Herren vom Hof dabey geſehen; aber 5 1 lichen Jahren her komt er nicht mehr dazu ſondern der Doroga vertritt ſeinen Platz. So bald der Koͤnig dahin gekommen/ verzur Gedachtnuß des Abrahams Medes Fest halten ſie in groſſen Ehren/ und ſagen es 187 richteten underſchiedliche Mullen eine halbe Stund lang das Gebat/ darauf nahme der Konig eine Art von enem Wurff⸗Spieß/ und wurffe jhn nach dem Kameel. In Abweſenheit aber des Konigs/ thut ſolches der Doroga. Von Stund an wird das Kameel mit den Stricken/ ſo ihm an die Fuſſe gebunden/ zur Erden geworffen/ und nachdem ihm der Hals abgeſchnitten/ wird der uͤbrige Leib in eylff Stücke zerſchnitten/ und der Kopf macht das zwolffte/ damit von den 12. Compagnien in Iſpahan eine jede jhren Theil davon bekomme/ welchen ſie in jhres Oberſten Hauß tragt/ ſo von uhralter Zeit her dieſe Ehre allezeit gehabt. Dieſes Stuck vom Kantel wird eingeſaltzen/ und bis auf das folgende Feſt verwahret/ das Stuck vom vergangenen Jahr aber/ wird mit Reiß gekochet/ und iſt das vornehmſte Gericht bey der Mahlzeit/ die der Oberſte der gantzen Compagnie gibt/ und weil ein Theil vol ſo viel Volcks nicht zureichet/ ſondern nur vor die Vornehmſten iſt/ welche es vor die groſte Ehre halten/ wann ſie davon zu eſſen bekommen/ laſt man vor die ubrigen von der Compagnie eine groſſe Menge anderen Reiß mit Hammelund die Ce remonien die dabeh fuͤrgehen. . Fleiſch und Hühnern kochen/ und gibt uͤber das reichliche Allmoſen vor die Armen. Auf ſolche Weiſe feyren die Perſianer jhre zwey groſſen Feſte/ und iſt dieſes das jenige/ ſo ber Haubt von des Kli Sect, welche eine von den zwey groͤſten Linien in des Mahomets Neli⸗ 5 gion iſt/ kan geſagt werden. Nun wil ich auf die Sect der Gauren oder Guebren kommen/ welche noch von den alten Perſianern uber geblieben/ und deren ich in meiner Erzehlung bey der Provintz Kerman, woſelbſt ſie in groſſer Anzahl ſind/ gedacht habe. Sie haben ihr Quartier zu Iſpahan auf der anderen Seiten des Fluſſes nahe bey Zulpha. — Von der Gauren Relggion/ welche von das Feur anbaͤteten. Sonnen eyferſichtiger geweſen/ die Geheimniſſe ſeiner Religion zu verbergen/ als die Gauren) und damit ich dieſes entdecken mochte/ ſo ich davon berichten wil/ habe ich eine zeitlang auf underſchiedlichen meinen Reiſen/ ſo wol in Per ſien als in die Lander den alten Perſianern herſtammen/ ſo p Jemals iſt einiges Volck under der Die Gauren halten hre Religions- N Puneten ſehe. N geheim. N des Groß⸗Mogols/ fleiſſig mit ihnen umgehen muſſen. Von den der Gauren, e Von der Zelt an/ als die Perſtaner aufen gen die Gauren zu verfolgen it ein groſſer Theil derſelben nach Surate, und andere in der Provint Guzerate gelegene Herter geflohen. Heutiges Tages aber laßt ſie der Konig in Pekſten frey leben/ und ſind deren zu Kerman, alfwo 2 4 ich Kirchen de ren. * ich zu End des 1654. Jahrs/ wegen etlicher Geſchaffte ſo ich mit jhnen außzumachen hatte/ drey Monath lang geweſen/ uber 10000. und hatte ich in wahrender Zeit Gelegenheit genug/ mich in der Art jhrer Religion/ und ihren Getwonheiten zu erkundigen. Indien wohnen/ ſind alle Handwercks Leute/ und der meiſte Theil davon Dreher in Helffenbein/ die von Kerman aber Wollen⸗Arbeiter/ wie ich in der Beſchreibung von dieſer Stadt/ erwehnet habe. Vier Tagreiſe von da/ haben r ſie eine Haubt⸗Kirch/ allwo jhr vornehmſter Prediger ſeine Wohnung hat/ und dahin ſie Die Zeit ihres Lebens einmal walfahrten zu gehen/ verbunden ſind. Daß es auch Gauren zu Iſpahan in der Perſiſchen Haubt⸗Stadt gibt/ wil ich an einem andern Ort Meldung Von jhrem Uhrſprung und jhren e rope. SEie ſagen/ daß jhres Propheten Vatter von ſeineim Geſchlecht ein Franck/ Arer genant/ und ſeines Handwercks ein Bildſchnitzer geweſen. Er ſeye aber auß ſeinem Vatterland gezogen/ und bey jhnen/ nemlich in der Stadt Babylon zu wohnen kommen/ und daſelbſtein Frurbeien. Wich Jamens Beg bdon geheurathet. Einsropheten. und was ſich 5 ſeiner 8 Empfangniß Gottes/ kiume man nicht warnchinen/ daß jhzugetragen. mals habe dieſe Frau in der Nacht ein Geſicht gehabt/ und ſeye ihr vorgekommen/ als wann G Oli einen Engel auß dem Paradeiß zu ihr ſchickte/ welcher jhr koſtliche Kleider brachte/ und ſie damit bekleidete. Es habe ſich auch ein hunmliſches Liecht ſo bald uͤber jhr Angeſicht auß gebreitet/ und ſie ſo ſchon gemacht als die Sonne/ nachdem ſie erwachet/ habe ſie ſich ſchwanger befunden/ und nachgehends den Propheten/ den ſie Ebrabim- zer Areucht nennen/ zur Welt gebracht. Die Sternſeher hatten auch zu dieſer Zeit guß dem Geſtirn von dieß m von Golt geſchickten Kind/ Kundſchafft gehabt/ wie daß es die Menſchen/ und derſelben Hertzen regieren ſolte. Dieſe Sternſeher hatten dem Konig ſolches offenbaret/ und geſagt/ daß ein Kind ſolte geboren werden/ welches jhn einsmals ſeiner Kron berauben wurde. Dieſer Konig ſeye als ein Tyrann zur Regierung gekommen/ und auß Forcht dieſelbe zit verlleren/ habe er befohlen/ daß man alle ſchwangere Weiber in ſeinem gantzen Koͤnigreich todten ſolte/ welches auch vollzogen worden. Das Wunder werck aber/ wodurch die Mutter und das Kind beym Leben erhalten worden/ iſt folgendes. Nemlich durch eine ſonderbare Vorſehung res Propßeten Mutter/ gleich den anderen Weſbern ſchwanger ſeye/ dadurch een Leben bliebe/ und zu ſeiner Zeit den Propheten zur Welt brachte. Ihr Mann/ der bis daher keine Kundſchafft von dieſer Geheimnuß gehabt/ als er ſahe/ daß ſein Kopf darauf ſtunde freywillig/ daß ihm ein Sohn geboren/ ſein Frau aber ſeye ſchwanger worden/ ohne Die ſo in von geſtochen wurden/ ohne einiges Mittel Reis beſchrelbung in Perſien/ daß er etwas davon gemercket habe/ ſehe auch durch jhre Liſte/ den jenigen ſo Befehl hatten/ alle ſchwangere Weiber umzubringen/ entganben erhalten. Dieſes Kind/ wie die Gauren vorgeben/ hat ſo bald es zur Welt gekommen/ anfangen zu lachen/ welches doch ſonſt wieder die Gewonheit aller anderer Kinder iſt/ die/ ſo bald ſie gen/ und auf ſolche Weiſe jhr Kind beym Leauß Mutterleib kommen/ zu wainen pfiegen/ Sein& als wann ſie das Elend dieſes Lebens allbe⸗ bur reits fuͤhleten; dann weil er in dieſe Welt ka5 t. me/ uͤber aller Menſchen Hertzen zu triumphieren/ muſte ſolches mit Freuden⸗Zeichen geſchehen/ wie dann alles Volck anfienge ſich darüber zu erfreuen/ und uber die zukunftige Gluͤckſeligkeit/ die ſie ſich einbildeten/ zu frolocken. Als dieſes der Konig erfuhre/ ließ er die Sternſeher von ſich kommen/ und begehrte zu wiſſen/ was eine ſo ungemeine Sache wol bedeuten/ und auß dieſem Kind wol dermaleins 5 werden mochte. Es haben ihn aber die Sternſeher ſonder Zweifel nach ſeinem Verlangen nicht vergmiget/ ließ deswegen das Kind vor ſich bringen/ in willens ſolches mit ſeiner eigenen Hand mit dem Schwert zu erwuͤrgen/ koͤntees aber nicht vollbringen/ weil jhn G Ott an ber Stelle geſtraffet/ daß jhim der Arm verdorret. An ſtatt nun der Konig ſich uͤber eine ſolche augenſcheinliche Züchtigung hatte de1 murigen ſollen/ übernahme ihn der Zorn noch viel mehr/ und befahl daß man ein groſſes Feur anzünden/ und das Kind zu verbrennen/ darein werffen ſolte. Aber durch die Allmacht Got⸗ und brennen/ zubereitete/ in ein Roſen⸗Beth verwandelt/ darauf es ſanfft und wol ruhete. Die ſe/ welche ſo bald anfengen dieſen kleinen Propheten zu verehren/ nahmen von dieſem Feur/ ſo ſich noch bis auf dieſe Stund gehalten/ und verwahren es/ wie ſie ſagen/ zur Gedaͤchtnuß dieſes groſſen Wunder wercks/ halten es auch in ſehr hohen Ehren/ als ein Heiligthum/ weil es die Wüͤrdigkeit jhres Propheten zu erkennen gediener/ davon ich folgends außführlicher handlen wil. Der Konig gienge noch weiter/ weil er durch dieſe beyde Wunderwerck in ſeinem Hertzen ſeiner Gottloſigkeit noch nicht konte uͤberzeuget werden/ und ließ noch allerhand neue Marter vor dieſes kleine Kind zubereiten. Aber Gott ſtraffte ſeinen und ſeines Volcks Unglauben/ und ſchickte eine ſolche Mengekleiner gifftiger Fliegen/ daß alle die ſenigen/ ſo dadavon ſterben muſten/ wann ſie ſich nicht gein ſeiner Hartnäckigkeit immel fortfuhre/ wurde noch exemplariſcher abgeſtrafft; dann eme von diea ö ſen Mucken ſtoge jhm in das Ohr/ daß er dade/ wann en deim Konig verborgen hielte/ und 9 0 er ſolchesauderwerts gewahr würde/ geſtinvon exbarmlich ſterben müſſen. Der/ ſo jhm in der Regierung nach folgete/ nennere ſich Cha-Glochtes, und underfenge ſich auch bey dem Antritt ſeined Reiche 115 n El 5 Er i. . bernal cen ige 2 75 ſchwind vor dem Propheten demürigten/ und Leis Ihm zum Zeichen ſhrer Bußfertigleit die Fuſſe kuſſeten. Der Konig aber/ welcher Gu tes wurde dieſes eur/ ſo man das Kind zu ver⸗erer heit a 100 Uh eile ne G. Sn 5 Kl Viertes Buch: kleine Kind/ welches von Tagezu Tage am Alals fein Vorfahrer/ weil er erkennete wo dieſe ker und Tugenden zunahme/ zu verfolgen/ und lieh es ins Gefangnuß werffen; ware aber ſehy beſtürtzt als man ihm ſo bald die Zeitung brachte/ daß ſein Pferd/ welches er am meiſten liebte/ weil er ſich verſichert hielte/ wann er ſolches in einer Schlacht ritke/ daß er ohngezwweiffelt den Sieg davon truge/ die vier Fuſſe verlohren hatte; Ware derohalben viel kluger Straffe herrührete/ und ließ den Propheten auß dem Gefangnuß holen/ bate jhn ſeines Unglaubens halben um Berzeyhung/ und erſuchte Ihn/ daß er vor die Wiedergeneſung ſeines Pferds/ eine Vorbitt einſegen wolte. Worauf der Prophet ihm dieſe Genade that/ und Gott zum vierdtemnal bate/ ſo daß jedesmal einer von Pferds Fuͤſſen/ wieder an ſeinen vorigen Platz kam; und wurde der König alser dieſes Wunder werck geſehen/ halb dadurch bekehret/ ent ſchloſſe ſich auch dieſes Kind vor einen Propheten zu erkennen. Damit er aber der Warbeit noch mehr mochte verſichert ſeyn/ daß er von Gott geſchickt ſeye/ truge er jhm vor/ ob er ſich wol in ein Bad von zerſchmeltztem Silber/ welches er wolte zurichten laſſen/ ſezen wolte/ mit Verſprechen/ wann er ſo geſund/ und unverletzt wurde wieder heraußkommen/ als er ſich darein geſetzt/ wolte er und ſein gantzes Volk/ jhn/ als einen von Gott geſendeten Pro⸗W.̃ pheten annehmen/ und ſich in allem/ was er ſie underrichten wurde/ underwerffen. Der Prophet nahme dieſes Erbieten mit einer groſſen Beſtandigkeit an/ und ſetzte ſich/ ſo bald das Wehe, Bad/ wie der Konig begehrte/ zubereitet worAteucht, als wann man ſagen wolte/ der im er w 1 den/ ohne einige Forcht darein/ und gienge wieder herauß als er darein getreten/ ohne daß Ihm das geringſte Leyd geſchehen. Hierauf bätete jhn der Konig ſo bald an/ und alles Volck ſo zugegen ware/ hielte jhn vor einen warhafftigen Propheten/ und nennete jhn ZerSilber gebadet iſt. e Wie dieſer Prophet ſahe/ daß ihn alles Volck ins gemein ſehr hoch hielte/ verborge er ſich vor jhren Augen/ und ſahen ſie jhn nicht mehr. Sie wiſſen auch nicht eigentlich/ wo er hingekommen/ dahero die meiſten glauben/ er ſeye mit Leib und Seel in das Paradeiß aufgenommen worden. Andere ſagen/ als er nahe bey Bagdat eine eiſerne Todenbahr gefünden/ habe er ſich darein gelegt/ und der Sarg ſeye von den Engeln weggefuͤhret worden. Sie geben jhrem Propheten drey Kinder/ welche aber noch nicht auf der Welt ſind/ obman Ihnen ſchon jhre Namen gegeben/ und ſagen/ Daß von dieſers Propheten Ebrahim Saamen/ als er wunderbarer Weiſe uͤber einen Fluß ohne Schiff gefahren/ drey Tropfen in das Waſſer gefallen/ und daſelbſt bis an das Ende der Welt aufbehalten werden. Das Gott eine Jungfrau/ welche er ſehr liebte/ auf eben dieſes Waſſer ſchicken werde/ welche von Aumehmnung des erſten Tropfens von dieſem Samen/ mit dem erſten Kind/ welches ſie 89 zum vorquß Uchider nennen/ werde ſchwanger werden. Er werde mit groſſem Anſehen in dieſe Welt kommen/ und machen/ daß das Geſetze/ welches ſein Vatter Ebrahim gegeben/ angenommen werde/ werde auch durch leine Beredsamkeit im Predigen/ und viel andere Wunderwerck ſolches beſtätrigen. Das zweyte Kind Ouchiderma genant/ werde guf gleiche Weiſe empfangen werden/ und das Vornehmen ſeines Bruders befördern/ und als ein Beyſtand in ſeinem Predig⸗Ambt durch die gantze Welt/ werde er der Sonnen auff zehen Tage lang aufhalten/ damit alles Volck auß dieſem Wunderwerck ſehen moge/ daß ſie glauben muſten/ was er ihnen verkundigen wurde. Der Dritte werde ſich Senojethotius nennen/ und von eben derſelben Mutter/ gleich den anderen beyden/ empfangen werden. Er werde mit groͤſſerem Anſehen als ſeine beyden anderen Brüder/ auf die Welt kommen/ und endlich alle Volcker zu jhres Propheten Religion 5 Hierauf wer⸗ Wos ſſe de die allgemeine Auferſtehung folgen und zur meaeuſelbigen Zeit alle Seelen in dem Paradeiß und ſche Meinunder Hollen wiederkommen/ und ihre Leiber au, gem pro 165 nehmen. Alsdann/ meinen ſie/ werden die en vorbei Berge und alle Merall in der Welt zerſchmel⸗ een. gen/ den groſſen Abgrund/ wo die Holle iſt/ damit außzufüillen und alſo der Teuffel jhre Bohnung zu zerſtören. Nach dieſer groſſen Veranderung werde die Erde gantz gleich/ und angenehm zu bewohnen ſeyn/ auch ein je. der ſeinen Theil haben/ nachdem er in ſeinem Leben viel Gutes gethan. Ihre groͤſte Freude aber ſeyn/ GOtt anzuschauen/ und ihn ſammt ihrem Propheten Ebralum zu loben, Dieſem ſetzen ſie noch hinzu/ daß vor der Auferſtehung die ſo in dem Paradeiß ſind/ weder Gott noch die Engel ſehen konnen/ außgenommen einen einigen/ welcher allezeit bey Gott iſt/ und ſeine Dienſte und Befehl gußrichten muß. Dieſes der Gauren Paradeiß komt noch eher mit der geſunden Vernunfft überein/ als das jenige/ worauf der Maho met ſeine Nachfolger vertroſtet/ und kan man auß allem dem/ ſo a ich bis hieher erzehlet/ leichtlich abnehmen/ daß fehle ſie eine unvollkommene und dunckele Erkant⸗ Ertintnüg nuß/ von den Geheimnuſſen der Chriſtlichen Gottes. Religion/ wie vor Alters viel Volcker under den Heyden gehabt/ haben. W Von den Büchern der Gauren. Nachdem Ebrahim. zer. Ateucht mit eib und Seel in das Paradeiß verſetzek worden /p empfengen ſie durch ſeine Vermittelung ieee ben Bucher des Gesees“ welches nen Gott auß ſonderbarer Güke/ ſie in dem Weg zu hrer Seligkeit darauß zu underrichten/ geſchicket⸗ Folgends bekennen ſie noch ſieben an⸗ Nele dere darinnen eine Erklarung und Außlegung Bücher uber alle Traume/ ſo man haben kan/ enthalten; und endlich noch ſieben andere/ worinnen alle Geheimnuſſe in der Artzneh/ und glle moͤglichſte Mittel ſich lange Zeit bey guter Geſundheit zu erhalten/ beſchljeben ſind. 11. a geben 7055 duncksWiſſen geben vor/ daß vel zehen von dieſen Büchern/ 190 nemlich die/ ſo von der Artzney und Außlegung der Traume handeln/ verlohren worden/ weil Alexander der Groſſe/ als er jhr Land eroberte/ dieſe vierzehen Bücher als einen groſſen Schatz mit wegführen laſſen; die übrigen ſieben aber/ worinmen ihre gantze Religion beſchrieben/ habe der Alexander, weil ſie in einer Sprach beſchrieben geweſen/ die niemand als die Engel verſtehen konte/ zum Trutz verbrennen laſſen/ Ezoct habe ihn aber alſobald darauf/ wegen ſolcher Verwegenheit geſtrafft/ und in eine abſcheuliche Kranckheit fallen laſſen/ davon er geſtorben. Es hatten ſich aber etliche Prieſter und Lehrer/ ſo ihr Leben zu retten/ auf das Gebuͤrg geflohen/ nach des Ale Xanders Tod wiederum zuſamen gezogen/ und als ſie geſehen/ daß von dieſen Büchern keines mehr uͤbrig/ ein anderes/ ſo viel ſie ſich noch auß oftmals wiederholter Leſung der andern/ haben erinnern koͤnnen/ geſchrieben; wie ich dann dieſes Buch/ ſo zimlich groß/ und mit gang abſonderlichen Buchſtaben welche mit den Perfiſchen/ Arabiſchen und Indianiſchen nicht uͤbereinkommen/ geſehrieben/ ſeloſt geſehen. Und verſtehen ſhre Prieſter ſo darinnen leſen/ ſelbſt nicht/ was ſie leſen/ ſondern haben andere Bucher/ welche jhnen das jenige/ ſo in dieſem Buch enthalten/ außlegen Ihre Tauffe, und erklaren. Wann ſie in dieſem Buch leſen/ ſo wol als wann ſie betten/ verbinden ſie den Mund mit einem Schnuptuch/ als wann ie ſich foͤrchteten/ die Wort mochten ſich mit der Lufft vermiſchen/ und davon einige Unreigigkeit an ſich ziehen Von jhrer Art zu Tauffen. Bey den Gauren iſt die Beſchneidung nicht im Gebrauch/ ſondern nehmen nachdem ihre Kinder geboren/ etwas mit ihnen vor/ ſo nahe bey unſerer Tauffe komt. Neulich ſie waſchen das Kind etliche Tage hernach als es geboren/ in einem Waſſer/ worinnen ſie etliche Blumen ſieden laſſen/ und in waͤhrender dieſer Abwaſchung/ verrichtet hr Prieſter ſo zugegen iſt/ etliche Gebat. Stirbt das Kind ohne dieſes Bad/ komt es gleichwol in das Paradeiß; aber die Eltern müſſen ihrer Nachlaſſigkeit halben/ vor das Kind Rechenſchafft geben/ weil dieſes Bad ſeine Verdienſte/ und die Gnade vor Gott/ groſſer machet. a Die Gauen koͤnnen/ Verinog ſhrer Religion/ fünff Weiber nehmen/ wann ſie dieſelben erhalten koͤnnen/ es iſt jhnen aber nicht zugelaſſen? eine davon/ es ſeye daun um eines uberwieſenen Ehebruchs willen/ oder daß ſie zu dem Mahoimeliſchen Glauben gelrekcen/ zu verſtoſſen/ und ſich von jhr zu ſcheiden; Ja er muß noch ein Jahr warten/ und ſehen ob ſie jhr begangener Fehler meht gereue/ in ſolchem Fall/ warn ſie es erkennet/ legt ihr der Prieſter quf drey Jahr eine Blülß auf nach welcher Zeit ſie ſech wieder verheurahten/ und ſich zuſamen halten. 5 Reis beſchrelbung in Perſien/ Bey den Heurahts⸗Ceremonien begehret f 1 1 84 der Prieſter in beyſeyn der Zeugen des Mannes und des Weibs/ Einwilligung; darauf nimt er Waſſer/ ſpricht etliche Gebat drüber/ und waͤſchet ihnen/ indem er nochmals elliche Wort dabey ſagt/ die Stirn/ damit iſt die remoſſſen Heuraht geſchloſſen. Es iſt jhnen aber bis auf den dritten Grad ſich zu heurahten verhaben zugelaſſen iſt/ ſo iſt doch dieſes dabey zu mercken/ daß under dieſen nur eine iſt/ bey welcher er verbunden iſt“ zum bwenigſten alle Nacht zwiſthen dem Freytag und Sonnabotten/ und wiſſen von keiner Dilpenſation Ob mum wol einein jeden funff Weiber zu bend zu ſthlaffen/ und dieſe gehet den anderen vor. Bleibet ſie aber ſieben Jahr unftuchtbar/ kan er eine andere heurahten/ darff aber die Erſte nicht verſtoſſen/ ſondern iſt ſchuldig dieſelbe zu behalten/ und ſeinen Mitteln nach So bald die Weiber oder Jungfrauen fühlen/ daß ſie jhre gewohnliche Zeit haben/ gehen ſie geſchwind auß jhren Hauſern/ und halten ſich gantz allein auf dem Feld/ in einer kleinen Hukten/ von drey Hürden auß Weiden gemacht/ und davor ein Tuch an Statt der Thür hanget/ auf/ und bringet man ihnen wahrender Zeit über alle Tage zu eſſen und zu trincken/ wann ſie davon wieder frey ſind/ ſchiund wash e und Jul abel 1 0% frauel lich brauch ket eine jede nachdem ſie Mittel hat dem Prieſter eine Ziege/ Henne oder Taube zum Opfer/ gehet darnach ins Bagd und bittet etliche von Ihren Freunden i Von jhrem Faßten/ geſten/ und vornehm i ſten Ceremonſen. Die Gauren/ ſo wol Manns als WeibsPerſonen/ trincken alle Wein/ eſſen auch Schweinen gleich/ wann ſie dis Schweine/ ehe ſie ſie ſchlachten/ ſelbſt gemaſtet haben; wie ſie dann wol acht haben/ daß ſie keinen Koht oder Unfſaht freſſen; dann ſolten ſie die Zeit 08 über/ als ſie ſie maſten/ gewahr werden/ daß ſte etwas unflatiges gefteſſen/ iſt es jhnen ernſtlich verbotten/ davon zu eſſen. Sie ſcheeren ihre Haar nicht ab/ wie andere Orientaliſche Volccker/ ſondern ziehen dieſelben ſehr lang. Sie ſchneiden auch jhre Nagel nicht ab; und wann ſie auß einem Zufall dieſelbe oder die Haar abſchneiden müſſen/ tragen ſie das/ ſo ordneten Ort. Sie haben fünff Tage im Jahr daran ſte weder Fleiſch/ Fiſche/ Butter oder Eyer eſſen; und dreß andere/ an welchen ſie gar nichts eſſen/ bis auf den Abend. Uber das/ haben ſie auch vor 30. jhrer Heiligen/ ſo viel Feſt⸗Dage/ welche ſſe mit groſſer Ehrerbietung feyren/ und niemand unter Ihnen davon arbeiten laſſen. Vor allen aber wird das Ge5 ſie abgeſchnitten/ an einem mit Fleiß dazu verAuel 1 6. burts⸗Feſt jhres Propheten mit groſſem Pracht begangen und geben ſie denſelben Lgge über reiche Allmoſen. 47 8925 Es kommen auch an einem Tage im Jahr/ ale Weber in eder Stadt oder Dorff aue men 110 gu, 1 1 ee e, ofen, abe Jul l ban, Warum 1 ach men/ und ſchlagen alle Froͤſche todt/ welche ſie guf dem Feld finden konnen; und iſt dieſes ihE Men res Propheten Geſetz/ welcher einsmals von denſelbigen beunruhiget wurde. Ihre Prieſter haben Bucher voll allerhand Figuren mit Waſſer⸗Farben ſehr heßlich gemahlet/ worinnen vorgeſtellet wird/ wie die Sunden/ vor allen aber die Sünden wifalten e der die Natur/ vor welcher ſie under ſich einen Mae greulichen abſcheu haben/ in der Hollen werden geſtrafft werden. Sie lehren auch/ daß an der Welt Ende/ die Holle/ und die Teuffel vergehen werden; Gott aber werde ſich der Verdammten erbarmen/ und ſie in das Paradeiß nehmen/ weil ſie vor ihre Laſter ſchon genug gelitten. 8 s Von jhren Ceichbegaͤngnuſſen. Wann die Gauren kranck ſind/ laſſen ſie ihre Prieſter zu ſich fordern/ und thun ihnen gleichſam eine Beicht/ worauf der Prieſter jhnen Allmoſen zu geben/ und andere gute WerKkke zu thun auffeget/ damit ſie Vergebung jhrer unden erlangen moͤgen. Ihre Todten werden weder begraben noch verbrennet; ſondern ſie tragen dieſelben auſſer der Stadt auf einen groſſen mit Nauren rings ulnher eingefaſſeten 0 eine groſſe Menge Seulen 7. oder 8. Schuh hoch ſtehen/ und binden an derſelben eine den Todten aufrecht/ und mit dem Geſicht gegen Aufgang der Wine, Sonnen. Die/ ſo den Korper begleitet/ tretfac und ten beyſeits/ und thun von weitem ihr Gebat/ Müngese bis die Naben herbey kommen; dann um dieTberg ſen Ort herum gibt es dieſer Vogel allezeit ſehr viel. Setzet ſich einer von dieſen Raaben auf des Verſtorbenen rechtes Aug/ glauben ſie/ daß derſelbige Menſch ſeelig worden/ und auß groſſer Freude/ ſo ſie darüber haben/ theilen ſie Allmoſen auß/ und machen ſich insgeſamt mit Eſſen und Trincken auf dem Feld luftig. Greiffet aber ein Raabe das lincke Aug an/ halten ſiees vor ein böͤſes Anzeigen/ gehen gantz traurig zurück/ und redet keiner mit dem andern/ geben auch keine Allmoſen/ und eſſen noch trincken nicht. Weil ich nun/ wie ich an einem andern Ort angereget/ drey Monat lang zu Kerman mit den Gauren einige Geſchaffte hatte/ kunte ich mich nicht entſchlagen zwey oder drey mal dieſen Ceremonien beyzuwohnen. Wie ſie das Feur anbaͤtten. Die Gauren verehren das Feur nicht ſolcher geſtalt/ daß man darauf ſchlieſſen koͤnne/ als wann ſie ſolches anbaͤtteten. Machen auch keinen Abgott darauß/ ſondern ſagen/ daß ſie nur einen Gott/ Schoͤpfer Himmels und der Erden erkennen/ und jhn allein anbatten. Was aber das Feur anbelanget/ verwahren und verehren ſie daſſelbige nur um des groſſen Wunderwercks willen/ durch welches jhr Prophet/ wie ich droben geſagt/ auß des Feurs FlamNa ſe mit ga men errettet worden. Als ich zu Kerman war/ 1 bate ie At ſehn/ und daß ſie es ſchon eine Ztit hero nehmen/ faͤlſchlich ſchweeren koͤnne. len die Prieſter jhnen die abſcheuliche Straffen Hunde ch e/ ſie mochten mich doch dieſes eur abe. e ſehen laſſen/ ſe amworteten mir aber/ es könte 1¹ niemand mehr gehen lieſſen/ und zwar auß dieſen Urſachen/ welche ſie dabey anführeten. Eines mals/ ſagten ſie/ kame der Kan von Kerman, bieſes Feur zu ſehen/ in jhren Tempel/ und weil ſie es nicht abſchlagen doͤrfften/ zeigten ſie jhm ſolches. Es hatte ſich aber der Tan die Hoffnung gemacht/ ein ungemein helles und gantz anderes Feur/ als man in den Gemachern oder Küchen brennet/ zu ſehen/ und als er nichts als ein allgemeines und gewoͤhnliches Feur ſahe/ fienge er an zu fluchen/ und ſpeyete in das Feur ſo man ihm gezeiget. Worauf dieſes heilige Feur/ weil es dadurch entheiliget worden/ in Geſtalt einer weiſſen Tauben da von 121 55 wie die Prieſter ſahen/ daß ſie ſich dieſes Unglück durch jhre Unbedachtſamkeit ſelbſt über den Hals gezogen/ fiengen ſie ſamt dem gantzen Volck an zu baten/ und reiche e und kame zur Stund dieſes himmliſche Feur in gleicher Geſtalt an ſeinen vorigen Ort. Die Prieſter theilen jhnen alle Monat einmal davon auß/ laſſen ſichs aber theur genug bezahlen. Und wann ſie jemand einen Eyd thun laſſen/ geſchiehet es bey dieſem Feur/ weil ſie nicht glauben/ daß ein Menſch ſo gottloß ſeyn/ und vor dieſem heiligen Feur/ welches ſie zum Zeugen N umades Meineyds vorſtellen/ und ſie bedrauen/ daß dieſes himmliſche Feur von jhnen fliehen werde/ wann ſie ſo verrucht ſeyn/ und vor demſelben falſch ſchweeren werden. 1973 Die Gauren haben eine gantz andere Sprach und Schrifft/ als die Perſianer/ tragen auch eine andere Art Kleider. Sie ſind Leute die gern wol eſſen mogen/ und trincken uͤber der Mahlzeit ſehr viel Wein und Brandenwein. Sie eſſen von keinem Haaſen/ weil das Weiblein davon ſeine ordentliche Zeit hat/ willen/ eſſen ſte auch keine Maulbeeren/ weil ſie glauben/ daß ſie in dieqſem Stuck auch etwas/ die den Haaſen/ von der Weiber Natur Ich habe droben erzehlet/ daß die Gauren mit Fleiß lange Paare und Barte ziehen/ und wann ſie auß einem Zufall ſelbige abſchneiden laſſen/ ſolche nicht in jhren Haͤuſern behalten/ ſondern auſſer der Stadt an einem beſonderen dazu beſtimten Ort tragen. Man muß aber dieſes noch dabey wiſſen/ daß wann ſie den Bart oder die Haar kamen/ und etliche Haar auf das Kleid fallen/ und uber ſechs Stunden darauf bleiben/ ſolches Kleid mit Kuͤhe⸗ oder Ochſen Urin muß gewaſchen und dadurch gereiniget werden. Wann ſie ohngefahr einigen Unflath antreffen oder anrühren/ müſſen ſie/ ſo bald ſie nach Hauß kommen/ ſich mit ſolchem Urin waſchen. Geſchiehet es/ daß ein Prieſter/ die ſie Cazi nennen/ gef dem Weg einen Todten antrifſt/ und ſelbigen ohngefahr anſiehet/ muß er ſich mit An a Von ſhren Sitten und Gebraͤuchen. Der Gauren Sprache und Schreihent Aft. wie die Weiber; und eben um dieſer Urſache Ihre ſtinckichte Reinligkeit. welches jhre groͤſte Reinigung iſt. Die Gauren haben aber nicht allein dieſen Aberglauben/ fondern man pflegt auch dergleichen an vielen Orten in Indien zu thun. Sie ſagen auch nicht/ daß ſie dieſe Gewonheit von jhrem Propheten haben/ ſondern ſie ſeye ſchon lange Seit dor ihm gebräuchlich geweſen. Ich fragte einsmals einen von ihren Prieſtern/ worauß ſie die Krafft dieſes Urins verſpühret hatten/ welcher mir zur Antwort gabe/ daß zu Zeiten des erſten Menſchen/ eine gewiſſe Perſon geleund was ſie bet/ welcher durch Boßheit des Teuffels/ einen daun ar Zufall an ſeinem Arm bekommen/ davon er Shen. verderbt und gang ſchroaug worden als er aber auf dem Feld geſchlaffen/ ſeye ein Tropfen von eines Ochſen der ſich zu jhm genahert/ Urin auf ſeinen Arm geſprungen/ davon die Haut an dem Ort/ wohin er gefallen/ wieder gantz weiß worden. Als der Menſch wieder erwachet/ und ſolches wargenommen/ ſeye er dem Ochſen nachgefolget/ bis er piſſen wollen/ und habe ſolchen Min uber ſeinen Arm lauffen laſſen/ wodurch er wieder heil/ und ſo weiß worden als der andere Von dieſer Zeit an/ ſagen, ſie/ habe man die Krafft und Wuͤrckung dieſes Urins erkennet/ und diene ihnen zur Reinigung vor allerhand Unreinigkeiten. Sie machen auch ein Waſſer darauß/ ſo ſie denen/ die in eine groſſe Sunde gefallen/ und ſelbige gebeichtet haben/ zu trincken geben/ und nennen es des Cazi Waſſer/ der Urin aber/ darauß ſie ſolches machen/ muß mit Weiden⸗Rinden und anderen Krautern/ ſo ſie noch darzu thun/ vermiſchet/ und 40. Tage verwahret werden. Ir. Weyh⸗Nachdem 1 Waſſer. gebeichtet/ und es eine Raach⸗ ſchreyende Suünde iſt/ muß er zehen Tag in des Caei Hauß bleiben/ und nichts eſſen/ als was jhm der Prieſter gibt; vor ſeine Ablolurion aber muß er ſich gantz nackend auß ziehen/ und bindet man ihm an die rechte groſſe Zehen einen kleinen Hund/ den er in des Cazi Hauß uberall mit ſich herum ſchleppet/ und dieſes bald einen ganzen Tage/ bald mehr oder weniger/ nachdem die begangene Sunde iſt. In ſolcher Geſtalt begehret er von dem Cazi, daß er ihn reinige/ was jhn belange/ glaube er daß er gereimiget Worauf ihm der Prieſter antwortet, welcher viel reiner als er ſeye/ muͤſſe ſeye. ihn reinigen. Folgends gieſſet er ihn zum ſiebendenmal von dieſem Waſſer auf den Kopf/ eim/ und von ſeinen Stinden loßgeſprochen. dmc, Aber der Cazithut diefes tucht umſonſt/ ſonBuſſe. dern es koſtet den Suͤnder ein zimliches/ und traetieret er nach verrichteten Ceremonien in des Cazi Hauß alle ſeine Bekandten. Weil ich mum uber dieſen lacherlichen Aberglauben gantz beſturtzet war/ fragte ich einen under jhnen/ ob die Weiber vor dem Caæi auch eine ſolche Buß thun muſten? und ſagte er mir/ daß des Cazi Frau eine gleiche Buß mit den Weibern und Jungfrauen vornehme. Ulber das/ haben ſie noch dieſe ſettzame Geſche Gewon⸗ wonheit/ daß ſie einem Sterbenden in den let.— 5 Wa ſten Todes doͤhten einen kleinen Hund auf die Ihre narriReisbeſchreibung in Perſien/ Bruſt legen; und wann ſie ſehen/ daß jhm die Seel wil außfahren/ halten ſie des Hunds Maul auf des Sterbenden Mund/ und laſſen jhn in ſolcher Poſtur zweymal bellen/ als wolten ſie gleichſam die Seele dieſes Menſchen in dem Hund auffangen/ welcher ſie hernach/ wie ſie ſagen/ in die Hande des Engels/ ſo beſtellet iſt dieſelbe aufßunehmen/ lieffern werde. D:⸗hero wann ein Hund ſtirbt/ tragen ſie jhn vos die Stadt/ und baten zu Gott uber dieſes Aaß/ gleich als wann durch ihr Gebaͤt die Seele dieſes Thiers nach dem Tod einige Glückſeligkeit zu hoffen hatte. e Von den Thieren welche ſie lieben/ und welche ſie haſſen. ö b Gleich wie etliche Thiere ſind/ die die Gauren ſehr hoch halten/ und ſo gar ihnen groſſe Ehre anthun/ ſo gibt es im Gegentheil andere/ vor welchen ſie einen abſcheu haben/ und ſolche ſo viel moglich/ außzurotten/ ſich euſſerſtes bemühen/ weil ſie nicht glauben daß Gott dieſelben geſchaffen/ ſondern ſie ſeyen auß des Teuffels Leibe hervor gekommen/ davon ſie noch ſo viel Boͤſes bey ſich haben. Die zwey ſo ſie am allermeiſten lieben/ ſind die Kuhe/ oder der Ochs/ und der Hund; und iſt jhnen von jhren Prieſtern ernſtlich verbotten/ kein Rind⸗ oder Kuͤhe⸗Fleiſch zu eſſen/ noch ſelbige umzubringen. Und iſt dieſes die Urſach/ darum ſie dieſe Thiere ſo hoch halten weil der Ochs dem Menſchen groſſe Dienſte thut/ und das Feld/ welches die Früchte zu deſſelben Nahrung hervorbringt/ bauet. Die Kühe aber halten ſie noch wehrter als den Ochſen/ um der Milch willen/ abſonderlich aber wegen des Mittels ſo ſie von ihr haben/ ſich zu reinigen/ und Vergebung ihrer Suͤnden zu it Fe Die Thiere davor ſie einen Abſcheu haben/ waer ſind die Schlangen/ Eydexen/ Krotten/ Frö⸗ ond den ſche/ Krebs/ Ameyſen/ Ratten und Mauſe/ Viehe 1 vor allen aber die Katzen/ welche jhrer Meinung nach/ dem Teuffel gleichen/ und von jhm ſolche Starcke haben/ daß man ſie nit groſſer Muͤhe umbringen kan. Und der Abſcheu vor den Katzen/ macht/ daß ſte keine in jhren Hau. ſern dulden/ und wollen lieber die Unruhe von aa e den Ratten und Mauſen/ welche ſie auf eine i 10 0 Kopf/ andere Weiſe fangen konnen/ vertragen. und gibt ihm davon zu trincken/ damit iſter Was die übrigen Thiere und Ungezieffer/ von denen ich gemeldet/ anlanget/ laſſen die Gauren dieſelben/ wann ſie kranck werden/ durch arme Leute/ die ſie davor bezahlen/ auf ſuchen/ bringen ſie hernach um/ und rechnen dieſes Opfer under die Zahl der guten Werck/ welche der Seele eines Verſtorbenen zu gut kommen. Daß ſie aber die gedachten Thiere nicht leiden konnen/ iſt der Glaube den ſie haben/ daß dieſe Thiere nicht von Gott geſchaffen/ ſondern von dem Teuffel herkommen/ der ſich derſelben als Henckern bediene/ die Ver e. dammten zu peinigen/ und zu qualen. Bemühen ſich derowegen ſo viel ſie konnen/ ſolche außzurotten/ als wann ſie ein Werck den 40 N Barm Barmhertzigkeit khäten/ und der Verdamten homels Nachfolger Omar deim U, dieſes MaPein dadurch verringerten/ welche an der N Ende ihrem Sagen nach/ mit allen andern in das Paradeiß eingehen werden. Dieſes iſt nun alles/ was ich von der Gau— e Religion auf das allergenaueſte habe anmercken konnen/ worbey ich nichts mehr zu erinnern habe/ als daß jhr letſter Kömens auß ſeinem Lande vertrieben worden. Dieſer Omar eroberte des Gauren⸗Königs. gantzes Land/ und gab ſolches den Stadthal. tern und Landvoͤgten zu vegieren/ welche ſo Tyranniſch und unbarmhertzig mit dem Volck umgiengen/ daß ſie muſten des Mahomets * Glauben annehmen. nig Cha- lesherd geheiſſen/ und von des Ma5 Wiek as GGG Saber. Von der Armenier& 8 5 8 f 8 —— —— 5 ß eee iſt/ herauß. Gehet darauf mit dern Von der Art und Weiſe/ wie die ArmeVBelck, und das Prod ist ber dem Kelch wil ich nur allein von ſhren kuſſet 0 5 Err/ welcher und wie ſie . wol zu beobachten/ welche Altar/ und iſſet das im Wein geweichte Brod. Das IX. Capitel. des Chors iſt/ und mimt den Kelch darinnen ſe/ wiel ganzen Muffe um den Altar herum und ner das Abendmahl halten. ppricht etliche Gehalt Nach diem wende 0000 ſicch init deim Kelch in der Hand. gegen das N dieſem kleinen Tractat Vo iber d 1 bonder Armenier Religion/ alsdann fallt alles Volck nieder auf die Knie/ . on hren kuſſer die rden und ſchlägt an die Dru O vornehmſten. Ceremomen der Erz Biſ⸗ ſprichk unter deſſen folhandeln/ weilen etliche ganz gende rd der HE beſondere Puncten davon feinen Leib und ſein Blut fur euch gegeben die 110 welche noch nch ſamanbekaut fund. e und wendet ſich darauf wieder gegen den baite Secithero die Armenier in Europa gerei⸗ Dann es iſt zu wiſſen/ daß ſie den Wein nicht — 8 ——¼u——— ſet/ haben ſie angefangen ihre Kirchen beſſer zu dieren als ſie zuvor waren; wie ſie daunnichts ſparen⸗den Chor und den Altar wol zu ſchnnicken/ und gehet man durch und durch auf ſchönen Teppichen/ gebrauchen auch zu dem Ge5 a Zierrath die berührnteſten Arbeits FLeute/ und präehtigſten Zeuge/ ſo ſiefnden kot nen. Der Chor iſt 5. oder 6. Staffeln hoher als das uͤbrige Theil der Kirchen/ und iſt in jedeer Kirche nur ein Altar/ auf welchen ſie das died len/ ſo ſie heiligen/ ſetzen aber den 8 elch worinnen der Wein iſt nicht alsbald 1 auf. Wann ein Ertz⸗Biſchofmit CeremoW. lieſet/ werden bey dem Evangelid eie groſſe Menge Wachsliechter/ ſo den Fakeln gleich ſind/ angezündet. Nach dem Evangelio nehmen etliche angehende geiſtliche Stabe/ von ungefehr J. Schuhen lang in die Haände/ woran an dem End groſſe Platten von Meſſing und kleine Schellen ſind/ und wann ſie beweget werden/ einen Schall wie die Zimbeln von ſich geben. Andere/ ſo keine Stabe . halten in jeder Hand eine kleine Platte rings herum mit Schellen/ und ſchlagen eine trincken/ ſondern nur das Brod darein dun. cken. Wann dieſes geſchehen/ wendet ſich der Ertz⸗Biſchof zum zweyten mal mit denn Brod und dem Keich in der Hand gegen dem Volck/ und die/ ſo communicieren wollen/ kommet einer nach dein andern/ biß unten an den Chor dann hinauf zu ſteigen iſt keinem Weltlichen/ er ſeye auch wer er Biſchof gibt denen/ ſo commumicieren/ das Brod in dem Wein/ ſo in dem Kelch war eingeduncket/ und brauchen die Armenier bey dem Abendmahl ungeſauert Brod/ lach und rund/ ohngefehr eines Thalers dick und ſo groß als eine Hoſtia/ welches der Prieſter/ ſo conſecrieven muß/ den Tag zuvor ſelbſt machet. Sie gieſſen kein Waſſer unter den Wein in dem Kelch/ dann ſie ſagen/ das Waſſer ſeye um Tauffen der HErꝛ IEſus Chriſtus aber habe bey der Einſetzung des. ö genommen/ und ſolchen ohnvermiſchet getrun⸗cken. Wann die Armenier zu der Communion gehen ſpricht der Ert Dichof oder der Prieſter folgende Wort: Ich bekenne und glaube/ daß dieſes der Leib und das Blut des wolle/ verlaubet. Der ErtzAbendmahls Wein die G ander zuſammen. Unterdeſſen ſingen wollalt und Weltliche mit einander/ ſo ſehr * e a. Sei utet. Bey dem Ertz⸗ Biſchof iſt auf jeder 1 lee de. dus nein Biſchof/ deren der eine als Disco . n aun der aber als Sub · Diaconus dienet/ f 8 Soc 5 geit it wachet er auf der Seiten dem Volk 1.80 11 ein Fenſter auf/ ſo inder Wand Sohns Gottes ſeye/ welcher der Welt Sünde weg nimt/ und nicht allein unſerer/ ſondern das Heyl der gantzen Welt iſt. Dieſe Wort wiederholek der Prieſter vor zum dritten mal/ damit ſie unterrichtet werden/ und wiſſen mogen/ zu was eee ee 11 1 194 vor einem Zweck ſie das Sacranmnt einpfangen. So offt der Prieſter dieſe Wort ſpricht/ wiederholet das Volek ſolche von Wort zu Wort/ dann ſie ſind ſehr unwiſſend/ und gibt wenig Weibsperſonen unter ihnen/ die leſen und ſchreiden koͤnnen. Wann der Prieſter dem Volck das Abendmahl reichet/ bricht er die Hoſtig in kleine Stuͤcklein/ duncket ſie n den Wlin/ und gibt hernach einem jeden Communicanten einen kleinen Biſſen; uͤber dieſes aber iſt ſich am meiſten zu verwundern/ daß ſie auch das Abendmahl den kleinen Kindern von zwey oder drey Monaten reichen/ welche ihre Mutter/ wann ſie communitieren/ auf den Armen tragen/ da doch dieſe kleine Kinder meiſtentheils wieder außwerffen/ was man jhnen gibt. Imübrigen ſo communmſcieren ſie nicht durch ihre gantze Faſten/ weil ſie alsdann keine Meſſe leſen/ als des Sontags um Mittag/ und nennen dieſe Meſſe eine ſtille Meſſe/ dann ſie ehen den Prieſter nicht/ und und was zur lieſet er nur das Evangelium und den GlauFaſtemeit, ben laut/ ſonſt iſt ein groſſer Vorhang vor bebachlch den Altar gezogen/ daß man davor weder den iſt. Prieſter/ der conſecrieret/ noch den Altar ſehen kan. Den grünen Donnerſtag um Mittag wird auch eine ſtille Meſſe geleſen/ und kan nach verrichteter Meſſe/ wer beichten und commucieren wil/ ſolches thun; aber ſie warten ins gemein biß auf den heiligen Sonnabend/ an welchem eine ſolche Meſſe Abends zwiſchen 5. und 6. Uhren geleſen wird; alsdann beichet und communicieret jeder man/ und iſt jhnen Ipre deſt⸗ nach der Communion verlaubt Fiſch/ Eyer/ Tage. wird/ ſo bald der Tag anbricht/ eine ſtille Meſſe geleſen/ nach welcher der Prieſter noch einmal deichtet und communicieret/ darnach iſt jederman verlaubt Fleiſch zu eſſen; das Vieh aber muß an dem Oſter⸗Tag erſt geſchlachtet werden/ dann wann es des Abends zuvor geſchlachtet worden/ dorffen ſie nicht davon eſſen. Sie haben noch vier andere Feſte im Jahr/ welche ſie mit gleichen Ceremonien begehen/ und 8. Tage lang weder Fleiſch/ noch Fiſch/ EyerButter oder Oel eſſen; Dieſe 4. Feſte ſind Weyhnachten/ das Feſt der a Marie Verkuͤndigung/ und ö Ablſonderlich aber laſſen ſie an dieſem Letſten hre groͤſte Devotion ſehen/ dann es ſernd etliche/ welche gantzer drey Tage lang nach einander nicht das Geringſte zu ſich nehmen/ andere aber faſten gar 3. Tage an einander. Das X. Capitel. Wie ſie die jenigen/ ſo Prieſter werden wollen/ einweyhen/ und von ihrer ſtrengen Lebens⸗Art. Ann ein Vatter eines von ſeinen Kindern an die Kirche verlobet/ fuhENuccer ſolches zu dem Prieſter/ welcher jhm dal Mefgewand auf die Schuldern leget/ und dabey etliche Gebt ſpricht/ nach welem der Vatter und die Mutter das Kind Reis beſchreibung in Perſien/ wieder nach Hauß fuhren. Dieſe Ceremonien geſchehen ſieben mal in unterſchiedlichen Jahren/ nachdem das Kind jung iſt/ biß es zudem Alter komt/ daß es kan Meſſe leſen. Iſt es nicht Wazu einem Moͤnchem/ ſondern nur zum Prieſter⸗ key, Butter/ Oel und alle andere Speiſen zu eſſen/ außgenommen Fleiſch. Auf den Oſter⸗Tag anct Georg. ſie das vierte mal die Ceremonien mit dern ien ge Meßgewand auflegen/ begehen; dann jhre Prieſter verheurathen ſich nur einmal/ ſtirbt aber die Frau/ und er wil ſich wieder verheurathen/ kan er keine Meſſe mehr leſen. Wann die 6. erſten Ceremonien verrichtet/ und der junge Menſch zu dem 18ten Jahr komt/ welches das Alter iſt/ worinnen ſo wol die/ die Moͤnche werden wollen/ als die verheurathete Prieſter doͤrffen Meſſe leſen/ ſchreitet man zu der ſiebenden und letſten Ceremony/ welche durch einen Ertz⸗Biſchof/ oder Biſchof geſchehen muß/ und wird der jenige/ ſo Prieſter werden wil/ mit allen Prieſterlichen Kleidern/ welche ſie tragen/ wann ſie Meſſe leſen/ angekleidet. Wann dieſes geſchehen/ gehet er in die Kirche/ und darf in einem Jahr nicht wieder herauß/ ſondern wird zu allen geiſtlichen Kirchendienſten gebrauchet. Der Prieſter/ ſo verheurathet iſt/ nachdem er Meſſe geieſen/ bleibet 5. Tage darinnen/ ehe er in ſein Hauß komme/ zu eſſen und zu trincken/ oder bey ſeinem Weib zu ſchlaffen. Und ſo wol Monche als Prieſter/ wann ſie ein ander mal wollen Miſſe leſen/ muͤſſen J. Tage ohne Schlaf in der Kirchen bleiben/ doͤr fen auch mit jhren Handen/ ohne den Loffel/ damit ſie eſſen/ nichts beruhren/ und weder außſpeyen/ noch die Naſen butzen. Die J.andern age nachdem ſie Meſſe geleſen/ ov es ſchon ſolche Tage ſind/ an welchem ſie ſonſt wol doͤrffen Fleiſch un Fiſche eſſen/ eſſen ſie doch keines/ ſondern doͤrffen nichts als Eyer ohne Butter und Hel/ und im Waſſer und Salz gekochten Reiß eſſen. Wann der Prieſter des Morgens/ ehe er Meſſe geleſen/ ohngefehr nur einen Tropffen Walſers eingeſchlucket hatte/ kan er nicht adminiſtrieren. 1 thum verlobt/ ſo verheurathen ſie daſſelbe/ wañ ir Cee Ihie kebens Art it ehr ſreng und ſcharff re wie dann viel Biſchoffe des Jahrs nicht mehr bens als vier mal Fleiſch und Fiſche eſſen/ vor allem aber/ wann ſie Ertz⸗Biſchoffe werden/ ſo leben ſie von nichts als Hülſen⸗Früchten. Des Jahrs haben ſie 6. e 3. Tage/ entweder allgemeine/ oder abſonderliche Faſten/ und wahrender dieſer Zeit/ eſſen ſo wol Geiſtals Weltliche nichts als Brod/ und etliche Kraüuter/ wie ſie auß dem Gatten kommen. An des H. Georgij Feſt/ faſten ſie wie ich geſagt/ die gantze Woche durch ſehr ſtreng/ und die tmeiſten eſſen nur den Donnerſtag/ weil ſie dieſen Heiligen in ſonderbaren hohen Ehren halten. Unter andern war zu Zulpha in der VorStadt von Iſpahan ein Armemier/ Namens Teron, deſſen Aberglaube ſo groß ſch war/ daß er auch ſein Pferd mit ſich faſten lieſſe/ und daſſelbige dieſe gantze che über gar ſelten fütterte und tränckete. Was die armen Leute/ die arbeiten müſſen /a: langet/ eſſen ſie etliche im Waſſer und Saltz gekochte Hulſen⸗Fruchte; dann die hohe een 1 1 1 den ſten durch/ dorffen ſie ſo wenig als andere Butder oder Oel eſſen; und ſolte jemand ſchon in 5 Todes⸗NRothen ligen darf er doch an ver bottenen Tagen kein Fleiſch eſſen. Dieſes iſt ihnen allein verlaubet/ daß ſie moͤgen Welſche⸗ oder nüßlein oder andere Sachen/ darauß man Oel preſſen kan/ nehmen/ ſelbige ſtoſſen/ und ner den Reiß/ Hulſen⸗Fruͤchte/ oder jhre Von der Armenier Tauſſe. Ee Armenier haben die Gewonheit 5 Ae Kinder guf den Sontag zu taufofen Fund wann ſie etliche in der Wochen kaufen/ ſo geſchicht es darum/ weil ſie in FTodes⸗Gefahr ſeyn. Die Ceremonien dabey Wuguf, find folgende: Die Heb⸗Amme nimt das den Armen/ biß der Ertz⸗Biſchof/ Biſchof oder Prieſter/ welcher es tauffen muß/ einen Theil von der Form zu tauffen geleſen; alsdann nit der/ welcher tauffet/ das Kind nackend/ und taucht es ins Waſſer/ nachdem er es wieder herauß gezogen/ legt er es auf des GevatHaſel⸗Nuſſe/ Mandelen/ Welſche PimperKind auf den Armen/ un Nind/ kraͤgt es in die Kirche/ und halt es auf men iſt dieſe„welche die Armenier guf ihre Sprach Balalſan-lague, pir aber guf Teutſch Paradieß⸗Blumen nennen.: Wann dieſes Oel gemacht iſt/ ſo ſchickt er es in Flaſchen in alle Kloͤſter/ ſo wol in Aſia/ als Europa und Africa/ und wann ſie von dieſem Oel nicht haben/ ſo konnen ſie nicht tauffen. Wann die Tauf⸗Cexemenien vollendet iſt/ gehet der Gevatter auß der Ki d in jedweder Hand eine angezuͤndete weiſſe Wachsferze, nach dem Stand des Kinds Vatter. Wann man auß der Kirchen gehet/ machen die Trommeln/ Trompeten Schallmayer und andere des Lands gewohnliche Inſtrumenten ein groß Gethoͤn/ gehen vor dem Kind her/ und begleiten es biß ins Hauß/ wann ſie dahin kommen/ aberliefert der Gevatter das Kind wiedrum in der Mutter Hande. Sie aber falt ſo bald vor dem Gevatter nieder/ kuſſet hm die Fuſſe/ und in 5 ſolcher Poſtur küſſet ſie der Gevatter auf den Kopf. Es gibt weder der Vatter noch Gevatter/ dem Kind niemalen den Namen aber der jenige/ welcher es tauffet/ gibt ſhm den Namen eines Heiligen/ deſſen Feſt auf den Sontag der Tauffe falt. Wann ungefehr auf denſelben Soutag ſich in jhrem Calender kein Heiliger befudet/ ſo nimt er den Namen des erſten Heiligen/ ſo in der Wochen komt/ und haben ſolcher Geſtalt keinen ſelbſt⸗beliebigen Namen unter 5 ters Arm/ und lieſet noch etliche Gebat. Under⸗ D Geſtalt f li deſſen daß er dieſelbe lieſet/ halter Baumwolle ihnen. Wann das Kind wieder nach Hauß in den Handen/ prahet dieselbe/ und macht ei⸗ komt verſamlet ſich allda viel Bocks und die nen Faden eine Halben Ehlen lang darauß; er Gaſterey iſt vor die verwandte Freund und acht noch einen andern gleicher Lang/ von dem/ der das Kind getauft hat/ welchem inge other dünner Seiden/ und von diesen zweyen nein der groͤſte Thel der Prieſter und Monchke Haden! welche er zuſammen fzechtet/ macht er auß den Kloſtern oder von der Pfarz wo die Leine kleine Schnur/ und legt ſie dem Kindum Tauf geſchehen iſt(folgen, zubereitet. Das ge⸗ Ihre ſcwelden Hals. Sie ſagen/ daß dieſe von zweyen un⸗ meine Volck greiffet ſich dergeſtalt bey ſolchen H e derſchiedlichen aden gemachte Schnür/ da- Gaſtereyen/ nicht allem bey Kindtauffen, ſon⸗ und udpon der eine von weiſſer Baumwolle/ der an⸗ dern auch bey Hochzeiten und Begraͤbmiſſen/ tauffen. der von fother Seiden it das Blut und Was⸗ ab, daß fisſehk offt des andern Morgens nichts ſer/ welche auß dein Leib Chriſti gangen/ als er wehr zu leben haben/ und das jenige/ was ſie f ie am Creutz mit einem Speer durchſtochen wor⸗ zü dieſen unzehlichen Unkoſten entlehnet/ nicht 155 den/ bedeute. Wann dieſe Schnur um des Kin⸗ bezahlen koͤnnen/ und haben die Perſtaner diedes Hals geknapffer/ nimt er das heilige Hel/ und ſalbet das Kind an underſchiedlichen Orken des Leibes damit/ machet auch uͤber jeden ſe Gewonheit/ daß ſie den jenigen/ welehe ſchuldig ſind/ und nicht bezahlen können/ auf den Ecken der Straſſen mit Prügeln Schlage auf Ort/ den er ſalbet ein Zeſchen des Ereutzes/ und die Fußſohlen gebenlaſſen jaſte werden unterppricht jedesmal die Wort: Jh kauffe dich im weilen ſo übeltractierk(dann dieſes geſchicht Namen des Vaters/ des Sohns/ und des H. zwey oder dreymal in der Wochen) daß ihnen Geiſtes. Er faugt an zu ſalben auf der Stirn, die Nägel von den Fuſſen fallen/ und ſie ſich hernach an dem ien/ nachdem komt er auf nicht niehr daraut halten können Die olauden Magen Achſeln Hande und Fuß. bier verfahren destvegen mie nen dergeſtalt, Pioerbey iſtzumercken zu welcher Zeit und damit die Freunde und Verwandten des 0 ede Weiß ſie dieſes 17 9 50 eg n Eee Be 0 955 ſie ihre Kinder in der Tauf/ und die jenige/ wel⸗ ſo viel geden mogen eine Schulden zu bezahe de Fee len. Aber ſie finden auch Mittel/ dieſer che ſich in den Todes⸗Zugen befinden/ Salben i n n e en e unſe⸗ Straf zu entgehen; und wann ſie ſehen/ daß Aurichten. Alle ſieben Jahr/ den Tag vor unſe⸗ Stalin b nn f. 8 1 ber lieben Frauen Feten Spamer um wel ſte nicht bezahlen konnen/ ſo begeben ſie ſichin das Al. Capi, welches ſo viel zu ſagen/ als das Thor ſhres Propheten /ſo ein Aufent⸗ Kelch, halt iſt allen den jenigen/ welcher Sachen uͤbel der Schul ſtehen Vund welche jhre Glaubiger nicht bezah⸗ dener. len konnen. Dieſe Oerter haben ſolche Freyheit/ daß ſie alnch der Konig ſelbſt nicht kan heraüͤß holen laſſen/ und werden von den fahrN„555 lichen ches Feſts willen ſie eine kleine Faſten von dicht Tagen anſtellen macht der Parkiarch das un. dige Hel aumd iſt niemand als er welcher diebey Age e Macht und Gewalt hat. Er niet zu ſol15 wiede Bünden und vielerlen Artzney⸗Gei 1 87 0 Vornehmmſte von dieſen BluTheil. Etliche rey lichen Renten/ welche auf dieſen Orten ſtehen/ und von denen Allmoſen/ welche man allda taglich gibt/ ernahret. Die Armenier/ ſo arm ſeynd/ und wegen der Tauf⸗Mahlzeit keine Schulden machen wollen/ haben vor weniger Zeit dieſe Gewonheit/ die Schande zu bedecken/ welche ſie vermeynen davon zu haben/ wann ſie nicht in dieſer Begebenheit hre Freunde herolich traetieren/ eingefuhret. Sie laſſen das Kind in der Wochen tauffen/ daß man glaube/ das Kind ſeye ſehr krauck/ und das um ſo viel deſtomehr/ weil ſie in aller Eyl ohne einige Ceremonien in die Kirch gehen/ und ungufhoͤrlich weinende/ agen/ das Kind wolle ſterben. Wann eine Frau vierzehen Tag/ oder drey Wochen/ auch wol zwey Monat vorm ChriſtTag mederkomt/ ſo ſchieben ſte die Tauf biß auf ſoͤlches geſt auf/ wofern nur das Kind nicht kranck wird. Und ſind dieſes die Eeremo ien/ welche man gemeiniglich bey dieſer Tauf hat. ben de Ar. In allen Stadten und Dörfern/ wo Arine8 9. Hier ſehnd/ und wo ein Fluß dunchgehet oder würdig. Iq fich ein Fiſch⸗Weher befindet(haben ſie zieh oder drey flache Sehiffe mit Tapeten bedeckt/ worguf man gehet/ und auf den ChriſtTag kinen Altar aufrichtet; Des Morgens/ ſo bald die Sonne aufgehet/ komt die gantze Armeniſche Cleriſen/ ſo wol von dieſem als andern umligenden Orten auf eben dieſe Sehif/ mit ihrem Zierath/ Creutzen und Panieren/ kauchen das Creutz dreymal ins Waſſer/ und ſchůtten jedesmal geheiligtes Oel darauf/ hernach leſen ſie die gewöhnliche Form zu tauffen/ der Biſchof aber oder der Prieſter nimt das Kind/ taucht es in den Weyher/ oder in den Fluß zum dritten mal/ mit den gewohnlichen N Wolte: Ich kauffe dich im Namen des Vatters /c. und ſalbet es/ wie jch droben ſchon geſagt habe. Es iſt zu verlvundern/ daß nicht der meiſte Theil der Kinder vor Kalte ſterben/ wann die Jahrs⸗Zeit ein wenig rauh iſt. Der Konig in Pai befind ſich gemeiniglich bey dieſer Ceremonie/ wann er zu Iſpahaniſt/ und halt zu Pferd an dem Ufer des Fluſſes/ init den Groſten von ſeinem Hof. Nach vollendeter Ceremonie gehet er nach Zulpha, in des Kelonters Hauß/ welcher Regent oder Richter uͤber die Armenier/ und bey welchem das Mit, kag⸗Mahl zubereitet iſt. Es iſt kein Ort in der 1 Wielt/ wo man einen Koͤnig mit geringerer Was ferner mut weichen Mühe könne tracteren/ als in Perſten. Dann denen wann ein Privat⸗Perſon den Konig bittet bey taetieren Ihm zu eſſen/ und wann jhin Ihre Majeſtat diezunen. e Ehre thun wil/ gehet er nur zu dem Oberſten der Officierer/ und bringt jhm zwantzig Tomans, welches ungefehr drey hundert Thaler ſeynd/ und ſagk/ daß Ihr Majeſtat kane ahlzeit zu halten in dem Hauß ſeines Sclavens. Alsdann iſt vor dieſe zwallzig Tomans der Oberſte gehalten alles das/ was zur Mahlzeit noͤthig iſt/ in deſſen g nig tractieret/ zu ſchicken. Ohne dieſes iſt es eine Sach deren man ſich nicht würde untennehmen koͤnnelf; dann weil der Konig niemals anderſt als auß güldenen Geſchirren ſpeiſet/ konte keine Privat⸗Perſon ſolche vorſetzen. Zu — deſſen Hauß welcher den KoReisbeſchreibung in Perſien/ Eu der Mahlzeit über xeichet man dem Konig das Geſchenck/ wie man allezeit in olchen Begebenheiten zu thun pflegt; und ist ſolches gemeinglich eine Calanterie quß Europa/ welches nicht viel weniger als vier biß fünftauſend Thaler koſtet. Wann ſie nichts hübſches jhm zu prælentieren haben/ legen ſie gleichen Werth an Venetianiſchen Ducaten in ein Becken/ und Überreichen es dem Konig in groſſer Demuth. Sie geben auch Geſchenck an etliche groſſe Herren und vornehmſten Verſchnittenen/ welche it ſeinem Geleit ſeyn/ ohne was ſie des Königs Frau Mutter/ wann er eine hat den Sultanen ſeinen Weibern und ſeinen Schweſtern/ ſchicken. Alſs geſchicht dieſe Mahlzeit/ was das Trartarnent gunlanget/ wol ohne ſonderliche Uno onung/ aber auf Seiten des Beutels gehet es nichr ohne groſſe Unkoſten ab/ und korn es die Armenier von Zulpha leichtlich ertragen. Ich habe mich zweymal zu Iſpahan bey dieſer Tauf⸗Ceremonien auf den Ehriſt⸗Tag befunden. Das erſte mal hab ich allda geſehen Cha-Seſi, und das ander mal Cha- Abas II. ſeinen Nachfolger/ welche allebeyde zu ſehr getruncken/ dadurch jhre Vernunft ſo verwirret worden/ daß ſie graufame Thaten verubet/ welche jhrem Gedaͤchtnuß ein ewiger Schandflecken ſind. ChaSell hat in der Rückkehr von dieſem Fest feine Gemahlin des Cha-Abas Frau Mirkter mit Tru einem Dolchen erſtochen und Cha- Abas hat bey gleicher Gelegenheit eine noch abſeheuliche⸗ viele re That begangen/ dann nachdein er zu Zulpha zu viel gerruncken/ und wieder nach ſeinein Pallaſf kehrete/ hat er noch mehr trincken/ und drey Weiber! mir hm zu trincken/ nothigen wollen. Als dieſelbeaber geſehen/ daß er nicht nachlaſſen wolte zu ſauffen/ haben ſie jn allein gelaſſen/ worauf der König auß Zorn/ daß ſie ohne Abſchied davon gangen/ und ihm im Sauffen nicht Geſellſchaft leiſten wolten/ ſie durch ſeine Verſchnittene nehmen laſſen/ und weil es im Winter war/ befohlen/ daß man ſie ins Jeuer werffen ſolte/ welches auch alſobald vollzogen worden/ alſo wurden dieſe arme Weiber verbrant/ und der Konig legte ſich ſchlaffen. Ich hab nur im Vorbeygehen/ dieſe beyde Exempel beybringen wollen/ umzu deigen/ wie genau und fertig man den Perſiſchen Königen gehorſame; ohlje daß man ſich getraue zu fragen/ ob hr Befehl recht oder unbillich ſeye. Dieſes iſt/ was ich von den Ceremonien und Gewonheiten der Perſer bey ihrer Tauf habe anmercken konnen. Nun wollen wir auch ſehen/ was ſie bey ihren Heurgthen und Begrabnuͤſſen vor Ceremonien gebrauchen. ie e Das XII. Capicl. Von der Armenier Heurache Armenier verheurathen insgemenn hre Kinder/ ohne daß fich beyde Partheyen jemalen geſehen haben/ und f Vatter I bel 0 S 3 Viertes Buch. 197 Vatter oder Bruder etwas drum wiſſen. Die Unter dieſein Schleyer iſt ſie dermaſſen verjenige/ welche man verheurathen wil/ müſſen borgen/ daß ſie eher einem groſſen Leilgch gleiſich nach dem richten/ was jhnen die Eltern chet/ weil man ihr nichts ſiehet als die Augen. Mie chbe⸗ und Verwandten ſagen. Und wann die Mut⸗ Ihrer zwey gehen auf den Seiten eines jeden dan ke unter ſich die Heurath beſchloſſen haben/ re⸗ Nerds der Zügel zuhalten/ und wann es noch den ſie deswegen mit jhren Mannern/ welche Kinder ſeynd von drey oder vier Jahren(dann dann das/ was ſie gemacht/ gut heiſſen. Auf man verheurathet ſie bißweilen in ſo geruͤgem a dieſe Gutheiſſung komt des Knabens Mutter/ Alter) ſo ſeynd drey oder vier Menſehen/ ſo ſie 1 ſamt zwey alten Weibern und dem Prieſter in indem Sattel halten/ nach dem Stand ihrer des Magdleins Mutter Hauß/ und gibt jhrei⸗ Eltern. Ihns folget eine groſſe Menge Volcks/ nen Neing im Nannen des jenigen/ mit welchem ſo wol von Verwandten/ als beyderſeits Freunman ſte trauen wil; Nachdem komt der Jung⸗ den/ etliche zu Pferd und andere zu Fuß/ mit eiling/ und der Prieſter liſt etwas auß dem ner Wachskertze in der Hand/ als wann ſie in Evangelio/ dieſe Parthey zu ſegnen; hernach Proceſſion giengen/ und es folgen hinder dieſen gibt man jhm er was Gelts/ nach dem Vermo⸗ nach Trommeln/ Trompeter/ Schallmeyen 15 gen/ ſo des Magdleins Vatter hat. Folgends und andere Inſtrumenten/ nach des Lands prerſentieret man der Compagnie zu trineken/ Art/ biß in die Kirche. Wann ſie abgeſtiegen/ und dieſes heiſſet man den Handſtreich/ oder machet jederman dem Bräutigam und der Verlobnmuß. Sie verſprechen zuweilen hre Braut Platz/ welche vor dem Altar nieder n Kinder/ wann ſie noch nicht zwey oder drey knien/ und den Gürtel allzeit in der Hand hal3 Jahr alt ſind/ auch wol zwey Weiber/ ſo gute ten/ es iſt aber im Vorbeygehen zu beobachten/ , uud vac, Freundinnen ſind/ und ſich zu gleicher Zeit daß ſie in einer jewedern Armeniſchen Kirche 1 ung, ſechwanger befinden/ verſprechen einander eine nicht mehr als einen Altar haben. Braut und Heurath under den zwey Kindern/ welche ſie Braͤutigam fügen ſich dann zuſammen/ und 1 tragen wann das eine ein Knab/ und das ande⸗ halten die Stirne zuſammen/ darauf komt der re ein Magdlein ſeye; iſt dieſem alſo/ verſpricht Prieſter/ und wendet den Rücken zu dem Alman ſie/ ſo bald ſie gebohren; und von der Zeit tar/ nimt die Bibel/ und leget ſie auf jhre an/ wann der Knab den Ring gegeben hat/ Kopffe/ an ſtatt ſeines Pults/ damit ſie ziemwürde er ſich auch noch in zwantzig Jahren lich beladen ſeynd/ weilen ſie ins gemein in nicht verheurathen/ ſo iſter ſchuldig/ ſeiner Lieb⸗ groß Folio/ und alſo ſchwer genug iſt. Je⸗ f ſten alle Jahr auf deu Oſter⸗Tag ein Kleid doch bleibet ſie ſo lang darauf/ als man 8 ſamt aller Außſtaffierung/ nach jhrem Stand die Form der Heurgth lieſet“ welches ins gezu chicken. Drey Tag zuvor/ ehe inan die Heu⸗ Bmein ein Biſchof oder Eltz Biſchof verrichkrath celebrieret, laſſen der Vatter und Mutter tet. Dieſe Form komt ſehr mit der Unſerigen des Knabens eine Gaſterey zurichten/ und ſol⸗ uberein. Der Biſchof fragt den Bräutigam che bey die Eltern des Maͤgdleins tragen/ wo Nehmet ihr nicht eine ſolche vor eure hre Sia, ſich beyderſeits Vertwandte auch befinden/ die Frau? Und zu der Braut ſagt er: Nehmet 5 Manner ſeynd an einem beſondern Ort/ wie ſhr nicht einen ſolehen zu eurem Mann? nuch die Weiber dann ſie eſſen miemalen mit Worauf ſie allebede mit einem Zeichen des Sander in offentlichen Beluſtigungen. Den Kopfs antworten Wann der Che⸗Segen Jag vor der Hochzeit ſchickt der Brautigam geſprochen/ hoͤren ſie die Meſſe; Nach dieſem die Kleider ſeiner Braut/ ünd ein wenig hernach fehren ſie allzumgl wieder in des Magdleins holet er das jenige ab/ ſo jhm der Braut Mut⸗ Hguß/ in eben derſelben Ordnung/ wie ſie N 285 Hauß/ in e ſelbe 9 5 N ker auf jhrer Seiten gibt; Und waß die Braut ſeynd herauß gegangen. Die Hochzeiten wäh⸗ Hochteſten, keine Mutter mehr hat/ ſo kleidet eine Alte/ von ren 3. Tage/ und es gibt/ wie ich ſchon geſagt/ een nechſten Verwandten den Bräutigam arme Leute/ welche ſich bey dieſen GelegenMuerauf ſezet ſich der Bräutigam auf ein heiten ganz und gar verderben/ und ſich weSees, erd und die Braut aufein anders welche“ gen dieſen gemachten Unkosten nimmermehr N fine wannes reiche Leute ſind/ ſtattliche Zeuge mit wieder erholen können. Es wird mehr Wein n fihgn, filbern und guͤldenen Zaͤumen haben/ und die getruncken auf den Weiber⸗ eiten/ als de haben/ gehen zu den Vornehmſten ⸗ we che zu erſt ins Beth/ und die Frau ziehet jhm die ſynen zu dieſen Eeremonien die Ihrige gerne Strumpf auß/ ſie leget aber jhren Schleyer lehnen; Wann ſie auß der Kirchen kommen/ nicht eher ab/ bevor ſie das Liecht außcgeloſchet. gehet der Brautigam voran/ und hat aufdem Es ſeye zu welcher Zeit es wolle/ ſo ſtehen die Haupt einen Schleyer von leibfarben zartem Jpeiber vor Tag auf/ und gibt es Armenier/ Lintvad/ oder von einem gold⸗ und ſilbernen welche ſchon zehen Jahr verheurathet geweNetz oder Garn/ davon die Maſchen ſehr eng ſen/ und das Angeſicht jhrer Frauen noch nicht und Ehe ſeynd/ und ihn biß auf das Unterſte vom Ma⸗ geſehen/ haben ſie auch niemalen reden geho⸗ fand. gen bedecket. In ſeiner Hand halt er das End ret; dann ob ſchon der Mann ſamt allen ſei5 Gürtels/ drey oder vier Ehlen lang/ und nen Verwandten mit jhr reden kan/ ſb ant4 0 dd welche zu Pferd hinden nach komt/ wortet ſie doch nicht/ als nur mit dem Kopf. weiſſen Andere End. Sie iſt auch wit einem Sie eſſen memalen mit ihren Marmern und 105 da Jechlevere vom Kopfbiß auf die Fuſſe/ wann der Mann heut ſeine Freunde gaſtieret/ T rd biß aufdie Haft davonbedeckt. ſo kractieret ſiedje Ihrigen den andern Tag. Reisbeſchreibung in Perſien/ . 13 55 der zur Erden kehren/ und bleibe ſo lang da /biß „„ VVT 1 0 Glahn 1 . 1 ſagt/ ſcharret man das Grab zu. Die/ ſo von Das XIII. Capitel. 198 den Freunden und Verwandten wieder zurück in des Verſtorbenen Hauß kehren wollen/ finVon der Art und Manier/ wie die Arme⸗ den all da ein zubereitekes Mittag⸗Mahl/ und nier jhre Todten begraben. wann auch gleich andere Leut mitkommen/ werden ſie nicht abgewieſen. Sie haben auch die Gewonheit/ etlichen Prieſtern ſieben Tage lang Mittags und Abend⸗Mahlzeiten zu geben/ wie auch einer groſſen Menge Armen/ wofern ſie die Mittel haben. Sie glauben nicht/ Narriſcher daß die Seele des Verſtorbenen ſelig ſeye/ wo re ſie nicht ſolche Unkoſten machen/ wann ſie es zu da der Be keit d thun im Vermoͤgen haben/ und daher komt es/ ſtorbenen. O bald jemand geſtorben/ gehet der/ ſo ö zu den Sterb⸗Dienſten beſtellet iſt/ ge0 ſchwind in die Kirche/ und holet eine nien be den Kann voll Weihwaſſer/ welche er/ wann er es den lorbe in des Verſtorbenen Hauß gebracht/ in ein f groß Geſchirꝛ voll Waſſer ſchuttet/ worein ſie den todten Cor per legen. Dieſer Menſch wird genant Mordichou, welches ſo viel zu ſagen/ als einer der die Todten waͤſcht/ und vor dieſen Mordichous hat man einen ſolchen Abſcheu unter dem Volck/ daß es die groͤſte Schande iſt/ mit ſolchen Leuten zu eſſen. Alles/ was er bey einem Todten findet/ gehoͤret jhm zu/ ſolte es auch irgend ein ſchoͤner Ring ſeyn; und iſt die Gewonheit in Orient/ ſie mit einem paar Schlafhoſen/ Hemd und Camiſol ſchlaffen zu legen/ weil man ſich keiner Beth⸗ Tücher bedient. Nachdem der Todte gewaſchen/ ziehet man jhm ein weiß Hemd/ Schlaſhoſen/ und Camiſol an/ und ſetzet jhme eine Hauben auf; dieſes alles aber muß gantz neu/ und von niemand gebraucht worden ſeyn. Hernach legt man jhn in einen groſſen Sack/ von neuem Leinwad gemacht/ und nahet das Loch am Sack zu. Wann dieſes geſchehen/ ſo kommen die Prieſter/ nehmen den Coͤrper/ und tragen jhn in die Kirch/ in Begleitung aller Verwandten und Freunde des Verſtorbenen/ welche alle Wachskertzen in den Handen haben. Wann ſie in der Kirch ſind/ ſetzen ſie den Leib vor den Altar/ wo der Prieſter etliche Gebaͤt thut/ nieder/ hernach zundet man Fackeln um den Corper herum an/ und laͤſt jhn die gantze Nacht in ſolchem Stand. Den andern Morgen fruhe lieſet der Biſchof oder ein ſchlechter Prieſter die Meſſe/ wann dieſelbe auß ift/ tragt man den Coͤrper hinauß vor des an ſelbigem Ort wohnenden Ertz⸗Biſchofs oder Biſchofs Thor/ dahin er von ſeinen Freunden und Verwandten und allem Volck/ welches in der Kirch geweſen/ und meiſtentheils Wachsliechter in den Handen tragt/ begleitet wird. Wann ſie dann vor dieſe Pforten kommen/ gehet der Biſchof auß ſeinem Hauß/ und ſpricht ein Pater Noſter vor die Seel des Verſtorbenen. Nach dieſem gehet der meiſte Theil von denen/ die den Coͤrper auß der Kirch biß vor die Pforte Ibrebeiehen des Biſchofs begleitet haben/ wieder nach e Hauß'/ und bleibet niemand als die Freunde und Verwandte. Alsdann laſſen der Biſchof und die Prieſter den Leichnam durch acht oder gehen arme Leute die ich alda befinden/ nehmen/ und auf den Kirchhof tragen. Man ſinget auf dem ganzen Weg etliche Gebat/ und die Prieſter continuiren damit/ indem man ihn ins Grab legt. Darnach nimt der Biſchof zu dreymalen Erden/ und ſagt dieſe Wort: Du biſt von der Erden komen/ und wirſt wiedaß allezeit der meiſte Theil von geringem Volck armſelig/ und wie der Mahometaner Sclaven ſind/ von wegen des Gelts/ ſo ſie entlehnen/ und nicht wieder bezahlen koͤnnen. Waſ ein Ertz⸗Biſchof oder Biſchof ſtirbt/ gebrauchen ſie noch dieſe Ceremonien/ ſo ſte keinem Weltlichen thun/ nemlich wann bie Meſſe geleſen/ ſo ſchreibet der Ertz⸗ ober Biſchof/ ſo dabey iſt/ einen Zettel/ ſchneidet den Sack auf/ worinnen der Todte iſt/ und leget jhm den Zettel in die Hand/ auf welchem dieſe Wort geſchrieben ſind: Bedencke/ daß du biſt kommen von der Erden/ und wirſt wieder zu der Erden kehren. Stirbreiner von jhren Selaven/ ehe jhn ſein Here frey gelaſſen hat/ ſo ſchreibt ſein einen Zettel mit dieſen Worten: Er ſolle ſich nicht bekummern/ er halte jhn vor frey/ und gebe jhm die Freyheit; dann ſte glauben/ man würde es jhm in der andern Welt vorwerffen/ daß er ein Selav ware/ und daß ſeine Seele ſo auch dieſe mangelt/ die Kinder dieſen Brief. Wann es ſich zutraͤgt/ daß ſich ein Armenier ſelbſt umbringt/ ſo laſt man den Leichnam nicht vor die Thür des Hauſes tragen/ ſondern man macht ein Loch an einem Ort der Mauer/ wo man es am bequemſten findet/ um den Leib hinauß zu ſetzen; und von da tragt man jhn ohne einige Ceremonien zur Erden. Die vorhergehende Nacht vor dem Feſt des H. Creutzes/ gehen Manner/ Weiber und Kinder auf den Kirchhof/ und tragen eineddenge Lebensmittel dahin/ vergeſſen auch des Weins nicht. Anfangs beweinen ſie den Todten/ und wann ſie ein Zeitlang in dieſem traurigen Stand zubracht/ ſo iſſt und trinckt ein jedweder/ und alſo vertreiben ſie die gantze Nacht bald mit Weinen/ bald mit Freſſen und Sauffen. Die arme Leute uberheben ſich bißweilen der andern Unkoſten/ die ſie auf den Kindstauffen/ Hochzeiten und Begraͤbnuſſen machen; aber ſolten ſie in der Nacht vor dem Feſt des H. Creutzes auf die Kirchhoͤfe nichts zu eſſen noch zu krincken bringen/ wurden ſie ſich die Unglückſeligſten von der gantzen Welt ſchaͤtzen; ſie gehen aber mehr um ſich zu ergetzen dahin/ als Gott um der Verſtorbenen Seelen anzue 7 e In Herꝛ/ wann die Leiche ſchon in der Kirchen iſt/ noch darüber wurde betrübt werden. Hat der Sclav keinen. Herꝛn/ ſo gibt jhm die Frau/ und 8 c bon Ven en. PFF. c Viertes Buch. wb d In Summa/ die Armenier halten ſehr ia Je, hart über jhren Gebraͤuchen und Ceremonien/ ans Pur Und ob es gleich under jhnen etliche ſeynd/ ſo die Mahometiſche Religion um des Zeitlichen willen annehmen/ ſo ſeynd doch die Exempel ſeohr rar/ ja ſie finden ſich im Gegentheil viel eher veſt und beſtaͤndig in ihrer Religion/ gegen alle Mahometiſche Verfolgungen. Wie uns das folgende Capitel etliche Exempel zeigen wird. a 3 — Das XI V. Capitel. Etliche Exempel der Armenier Beſtaͤndigkeit/ jhre Religion gegen die Mahometiſche Verfolgungen zu vertheidigen. i Ann einige Armenier ſeynd/ welche dieſe Schwachheit haben/ und biß8 weilen jhre Religion/ entweder auß Sorn und Umvillen/ oder um jrgend eines ſchaͤndlichen Gewinns willen/ welcher ſte dazu antreibet/ verlaſſen/ ſo kehret doch der meiſte theil mit einer ernſthaften Bußfertigkeit wieder zuruck/ und ſiehet man deren wenig/ welche beſtaͤndig allezeit bey der Mahometaniſchen Parthey bleiben. Iſt es/ daß ein Armenier ſolcher Geſtalt gefallen/ und begehret wieder in jhre Gemein zu kommen/ ſeinen Fehler zu bekennen/ ſo kan er keine Abſolution empfangen/ als an dem Ort/ wo er abgeſchworen hat/ und man wurde ihm dieſelbe in allen 6 andern Staͤdten oder Doͤrffern abſchlagen/ fellenen wo er ſie auch begehren wurde. Was ſie aber Naum die zum oftern zu dieſem Abfall verleitet/ itt/ daß Afeleer es junge Leute gibt/ die das jhrige alles verzehret/ und denen der Vatter nichts mehr ferner zu verthun geben will. Alsdann gehen etliche hin/ und werden Mahometaner/ nur um des Ali Geſaͤtzes willen/ welches mit ſich bringt/ daß wann ein Chriſt ein Mahometaner worden/ jhm alle Güter ſeines Vatters zugehoren/ und ſeine Bruder keinen Theil daran haben koͤnnen. Und ob es gleich nur ein Vetter ſeyn ſolte/ ſo bekomt er doch alsdann das Gut ſeines Vettern. Dieſes aber iſt dabey zu mercken/ daß dieſe Regel nur under den Chriſten/ ſo dem Koͤnig in Perſien underworffen/ in acht genommen wird. Aber ſeit etlichen Jahren her/ haben die Armenier/ dieſe Unordnung zu verhinderen/ etlicher maſſen Vorſehung gethan. Dann wann ſie in jhrer Freundſchaft jrgend einen Debauchanten ſehen/ ſo ſchlieſſet der Vatter oder Vetter beyzeiten eine fal; ſche und erdichtete Verkauffung aller ſeiner Guter/ mit einem ſeiner vertrauten Freunde. Der Contract aber muß vor dem Multi und Cadi gemacht ſeyn/ welche/ ob ſie wol ſehen/ aß es nur eine Erdichtung/ doch kein Wort qu ſagen/ dahero komt es/ daß heut zu Tag z o wenig junge Armenier von ihrer Religion ölen, ge Arm on ihrer Relig 5 Einsmals kam einer mit einer groſſen enge Wagren nach Smyrnen, und wurde 199 ſeinen Vatter und Bruder darum zu betriegen/ ein Mahometaner. Nachdem er aber ein eiederlcher Theil ſeines Guts mit freſſen und ſauffen ver⸗ Aöfall eines ſchwendt/ kam er wieder zu den dreyen Kirchen/ ener wo der Groß Patriarch ſeine Reſidentz hat/ und begehrte Abſolution wegen ſeines begangenen Fehlers. Er konte aber dieſelbe nicht erhalten/ ſondern der Patriarch ſagte jhm/ er muſte nothwendig wieder an den Ort kehren/ wo er ſeine Religion abgeſchworen harte/ und vor dem Prieſter zu Smyrna ſeinen Fehler erkennen. Weil er nun eine warhaftige Neue bey ſich empfunde/ thate er/ was jhm der Patriarch anbefohlen hatte/ und etliche Tag hernach/ als er die aufgelegte Buß gethan/ und den meiſten Theil von dem/ was von ſeinem Gut noch uͤbrig geblieben/ den Armen gegeben/ gieng er zu dem Cadi, und redete denſelbigen mit einer Verwunderungs würdigen Reſolution folgender Geſtalt an: Du weiſt/ daß ich vor etlichen Jahren ein Mahometaner worden/ und komme ich nun dir anzuzeigen/ daß mich daſſelbe bereits gereuet/ und noch Reu und Leid darüber trage/ als über ein verdammtes Geſatz/ welches ich ergriffen/ und den Heyland der Welt verlaͤugnet habe/ davor ich mehr als zu viel den Tod verdienet: Anfangs glaubte der Cadi, es ware jrgend ein Aberwitz/ davon man jhn noch konte befreyen/ und bemuͤhete ſich/ jhn durch gute Hofnung allgemaͤchlich wieder zurecht zu bringen/ als er aber ſahe/ daß der Armenier in ſeiner Erklarung beſtandig bliebe/ und anfenge dem Mahomet zu fluchen und zu laͤſtern/ ließ er jhn auf den Platz führen/ wo er alſobald mit Saͤbeln in Stucken zerhauen/ und mit Pfeilen der Leib durchſchoſſen wurde. Man kan zu der Armenier Lob ſagen/ daß/ ob ſie wol ſehr unwiſſend/ und in jhrer Religion uͤbel under ꝛichtet ſeynd/ dannoch/ wann jhnen einiger Unfahl zuſtoͤſſet/ oder ſie um jhres Glaubens willen ſterben ſollen/ ſie alsdann hertzhaftig/ und mit groſſen Freuden an die Marter gehen. 2 Im Jahr 16yr. hat zu Diarbekir in Meſopotamien/ ein junger Turck ein Maͤgdlein ſeiner Nation geheurahtet/ des Brautigams Mutter/ war eine ſehr gute Freundin von einer der Armeniſchen Weibern in der Stadt/ und die nur einen einigen Sohn von o. oder 12. Jahren hatte/ dieſelbe war auf des Tür⸗ Krempel der cken Hochzeit geboten/ ſo ſie nach lang an⸗ feel gehaltener Bitte ihrer Freundin/ nicht ab⸗ Arens 5 ſchlagen konte. Der Armenierin Kind/ ſo zu⸗ ner. gegen war/ als des Brautigams Mutter die ſeinige zu dieſem Feſt einlude/ fragte ſeine Mutter/ ob ſie jhn nicht mit dahin nehmen würde? Die Frau/ welche des Lands Gewonheiten wol wuſte/ ſagte zu jhrem Sohn/ daß es nicht geſchehen konte/ und daß keinem Knaben uͤber J. oder 6. Jahren erlaubt ware/ under die Turckiſche Weiber oder Jungfern u kommen. Das Kind hielte nichts deſto weniger bey der Mutter inſtandigſt an/ ſie mochte jhn doch mit ſich nehmen? und eine Bgaſe/ welche zugegen/ ſagte jhrem Enckel zu gefallen/ daß ſie ihn als ein Maͤgdlein kleiden N wolte/ 200 wolte/ darauf man nicht Achtung geben wurde/ mit einem Wort/ die Mutter lieſſe ſich beydes durch die Baas und jhren Sohn uͤberreden/ und als der Tag herbey kam/ fuhrte ſie jhn als ein Maͤgdlein gekleidet/ mit ſich. Die Hochzeiten in Türckey wahren ins gemein zum wenigſten. Tag/ und war bey derſelbigen eine alte Frau/ ſo allezeit ein Aug auf der Armenierin Kind hatte/ weil es ihr viel zu geſchickt/ und hurtiger als ein Maͤgdlein ſchiene/ inſonderheit wann es dantzete. Des Abends/ ꝗls ſich die Gaͤſte nach Hauß begeben/ nahme dieſe Alte des Brautigams Mutter auf eine Seiten/ und ſagte/ ſie glaubte nicht/ daß die Armenierin jhre Freundin ein Magdlein mit ſich gebracht hatte/ ſie urtheilte auß allen ſeinen Actionen/ daß es ein Knab ſeye/ welchen man verkleidet hatte. Des anderen Morgens/ nachdem ſich die gantze Geſellſchaft wieder verſamlet hatte/ komt die alte Turckin/ und ſagt eben ſelbiges zu der Mutter und Baſe Nürꝛiſches des jungen Armeniers; dieſe 2. Weiber beGezaucke der fanden ſich deßwegen ſehr beleidiget/ und beTuͤrckiſchen Weiber. Ihre Graus an jhm veruͤbet. Sei die 10 8 e an einem jaheten/ daß es ein Maͤgdlein ware/ worauf die Turckin/ daß ſie dieſes nicht wolte gelogen haben/ ein Mittel fande/ dieſes Kind zu ertappen/ und nachdem ſie es in der Sclaven Kammer des Bräutigams Mutter geführet/ zogen ſie jhm die Slaff⸗Hoſen auß(dann es tragen in Orient ſolche ſo wol die Maͤgdlein als die Knaben) und befunden/ daß ſich die Alte in jhrer Meinung nicht betrogen hatte. Das Geſchrey davon breitete ſich ſo balden im gantzen Hauß auß/ und folgte darauf ein groſſer Tumult. Alle Leute von der Hochzeit ſchryen/ daß die Gemacher verumneiniget/ und daß die Armenier in dieſes gethan habe/ jhrer zuſpotten/ und jhre Geſatz zu verlachen. Über dieſen Handel kamen viel von den vornehmſten Mahometanern in des Hochzeiters Hauß gelauffen/ ergriffen die Frau/ die Bas/ und das Kind/ und fuhrten es zu dem Bachaa, damit das Recht daruͤber ergehen mochte. Der Bacha ſchickte die 2. Weiber wieder zuruck/ das Kind aber behalt er J. oder 8. Tag lang/ in der Meinung/ das Volck wurde ſich beſanftigen laſſen. Aber er mochte dieſem Volck ſchmeicheln und zeigen/ daß es noch ein Kind ware/ der Vatter auch umſonſt halb ſo ſchwer Gold/ als das Kind war bieten ſo halfe doch alles/ was man ſagen und thun konte/ nichts. So wolte guch der Bacha, welchem das Volck ſehr anlage/ das Kind nicht zum Tod verdammen/ ſondern fi gabe es under die Hande des Hochzeiters Verwandten/ welche eine unerhoͤrte Grauſamkeit an ihm; Sie führten dieſes arme Kind mitten auf den groſſen 15 der Stadt/ armen Kind und nachdem ſie es nackend/ biß auf die Schlafgeruͤbet. Hoſen außgezogen/ fingen ſie an daſſelbe gantz lebendig/ vom Hals biß auf den Gürtel zu ſchinden/ zogen Ihm aber deſſelben Tags nur die Haut am Rucken ab/ und naehdem ſie es die gantze Nacht wol verwahret/ kamen ſie des anderen Tages wieder/ Ihm den Bauch und die Arm zu ſchinden. Der Cadi, MoulJah, und die meiſte Vornehmſte der Stadt Neis beſchreibung in Perfien/ ermahnten das Kind/ jhr Geſetz anzune men/ daß man es nicht weiter quale. Seine Mutter kam auch dazu/ umfafſete daſſelbe jnbrunſtig/ und beſchwur es/ mitleyden mit jhr und jhm ſelbſten zu haben/ und ſein Leben zu erhalten/ ein Mahometaner zu werden. Aber weder das Wainen/ noch die allerhertztringeſten Wort/ wanckend machen. Sondern antwortete ſtinb deſſel n Hberel, welche ihr der Schmertze in den Mund gege⸗ farlche 7 ben/ kunten dieſes Kinds Beſtaͤndigkeit nicht Kündigen ner Mutter mit einer hertzhaften und ſtarcken Stimme/ es habe bißhero gedultig gelitten und wolte auch noch ferner leiden/ und entſetzte er ſich vor der Pein und Marter nicht/ dieſes aber ſchmertzte jhn am meiſten/ daß ſeine eigene Mutter begehre/ daß er ſeinen Seligmacher verlaͤugnen ſolle/ welches er doch nimmermehr thun wurde. Die Turcken/ an ſtatt/ daß ſie von dieſes Kinds Beſtaͤndigkeit ſolten bewogen worden ſeyn/ hatten gantz kein Mitleyden/ und fuhren fort den Bauch und die Arme zu ſchinden/ und lieſſen nach vollbrachter dieſer grauſamen That daſſelbe wol verwacht/ biß auf den andern Tag auf dem Platz. Dann ſie waren willens alle Tage etwas von ſeinem Leib zu ſchinden/ biß daß es ſterben wurde. Der Bacha aber/ welcher ein Abſcheu von dieſer Grauſamleit hatte/ kam des andern Morgens mit ſeiner Guarde auf den Platz/ und ließ jhm den Hals abſchneiden. Man glaubt/ daß er eine Summa Gelts heimlich bekomen/ dieſes Kind von der neuen Marter/ ſo man jhm zubereitete/ zu retten. f 925 Das Exempel einer Beſtändigkeit im Glauben/ von einem jungen Armenier/ ſo hiebey folget/ iſt nicht weniger als das vorhergehende/ Verwunderungs wuͤrdig. Die Stadt Van iſt volckreicher von Armeniern als Turcken/ und dahero begegnen ſte einander ſehr freundlich/ und ſeynd oft beyſamen. Wann man ſo wol auß Turckiſchen als Armemiſchen Schulen gehet/ ſo ſpielen die Kinder ohne Underſcheid mit einander/ machen auch biß weilen Partheyen/ und werffen ſich mit Steinen. Es trug ſich eines Tags/ zu allem Ungluſck/ in menier/ ohngefehr von 12. Jahren/ einen jungen Tuͤrcken an den lincken Schlaf traf/ davon er alſo tod zur Erden gefallen/ worauf die andere Türckiſche Kinder ſich ſeiner ſo bald bemäachtiget, und durch Hülf anderes LumpenGeſinds/ die ſich da befunden/ zum Bacha geüͤhret. Der Vatter/ Mutter/ und die Verwandten des todten Kinds/ kamen alſobald/ und begehrten Recht/ ſchryen alle gegen dem Bacha, das Kind müͤſte ein Mahometaner werden/ und alſo wurde es vor das Blut des Todten bezahlen koͤnnen. Die Eltern des Armeniers waren auch allda/ ihn zu vertheidigen/ und remonſtrierten, daß es Kinder waͤren/ ſo mit einander geſpielt/ und daß ihr Kind ſo wol als der zunge Türck in der Gefahr geweſen ware. Die Sach aber deſto leichter —— . ——m— außzuführen/ botten ſie eine anſehenlicheSumma Gelts ihr Kind wieder loß zu machen. Aber die Verwandte des Todten/ 1 5 feine TTT — 5s krt i m! ele, einem ſolehen Streit zu/ daß ein junger Ar⸗ ren —————— ———-—SD T—————— e 5 en gd mann erm er 3 Viertes Buch. kleinern Vertrag hoͤren/ ſondern trungen auf den Bache, das Recht zu ſprechen. Der Bacha hakte wol gewunſchet/ das Kind zu erretten/ Aber als er ſich gezwungen ſahe/ ein Urtheil zu fallen/ muſte er es in die Hande der Verwandlen liefern/ ſagende: Daß ſie den jungen Armenier eben auf die Manier/ als das jhrige ungebracht worden toden ſolten. Die Türclen nahmen alſobald das Kind/ und nachdem ſie es auf eben denſelbigen Platz/ wo das andere ſo erbärmlich umgebracht worden/ gelühret wurffen die erften Steine die Eltern des todten Kinds/ nachgehends lief ander Linnpen⸗Volck darzu/ und ſteinigten es zu Tode. Es ware niit Verwunderung zu ſehen die Beſtändigkeit dieſes Kinds/ welches ohne einige Bewegung/ und mie fleudigem Geſicht ſeinen Cameraten den Armeniern/ ſo jhm weinend nachfolglen/ zurieffe/ daß es ſterben wolte vox den Glauben Jeſu Chriſti/ und daß wann es jhnen auch alſo begegnen wurde/ ſie ch alsdann eben ſo/ wie er/ verhalten ſolten/ und weder den Tod/ noch die grauſamſte Peihigung förchten ſolten. Nach dem es nun tod/ litigen ſeine Eltern den deib weg/ und begruben jhu ſo ehrlich/ als jhnen moglich war. Es iſt die Gewonheit under den Kauſteuten in Orient/ daß/ wann ie in ine HandelsStadt komnien/ ſie gleich anfangs an die Ort/ wo man Taback und Calfs trinckt/ gehen. Dieſe Oerter ſeynd groſſe/ doch niedrige Sale/ ſehr ſauber und ieiſten theils gewpölbet/ in der Mitten iſt ordinari ein kleiner Weyer/ und um denſelben ringsherum Baycke/ wie in einem Amphicheatro zu ſeyn pflegen. Ein Armeniſcher Kaufmaum kame auß Indien/ mit einer Menge Waaren/ und lendete zu Oaire an/ gienge auch ſo bald an einen 5 dergleichen Ort/ zum Taback und Caffe. Als 5 er ſich niedergeſetz/ und weilen es ein groſſe ite war/ eine Mütze ſo auf die Artheniſche Manier/ von underſchiedlichen Farben gemacht war/ abgelegt/ und dieſelbe hinderſch gelegt/ behielte er nichts auf dem Kopf/ als ſein klein Kaplein. Indeſſen, wann die KaufAnd andere Leute auf dieſen Platzen ſeynd/ zu krincken„konit ins gemein ein Moullah, von denen/ die ſich underſtehen/ künftige Dinge zu agen/ und gehet un den Weyer herum ſpatzieren/ ſagt etliche Verſe/ oder leget etwas von dem Geſatz auß. Wann er dann dieſes ohngefehr eine Stund angetrieben hat/ ſagt er zu den Kauffeuteh/ ſie kötiten nun mit Glück und Segen an jhre Haldthierung gehen/ und wurdee ſieeinen glücklichen Außgatg haben; alsDaun ſtehet alſobald ein jeder auf/ gibt jhm 1 und gehet/ wohin ihn ſeine Geſchafte a gag leder Hunenche Kam ee er idee dufzuſtehen/ hatte ihm ein Turck/ ſo ſich hinder ihn gesetze ſeine Mütze verborgen/ und ſeigel weiſſen Turckiſchen Bund auf den Kopf fog dar lieffen alſobald alle Tuͤrcken/ und Fenwartig waren/ hinzu/ grüſſeten ihn, in backen daß ſie ſich ſehr erſreueten/ daß Ihm Gott die Gnade gegeben/ jhr Geſaßz anfel zu entſehuldigen/ daß man 201 zunehmen. Der Armenier/ ſo ganz beſtürtt/ nimt den Turban wirft jhn guf die Erden/ und tritt jhn mit Füͤſſen. Uber dieſer verachtlichen That/ erzoͤrnten die Turcken dergeſtalt/ daß ſie jhn alſobald ergriffen/ und zu dem Bacha führeten/ vor welehem ers gut hatte/ ſich i an hm ſchelmiſcher Weiß den Turban guf den Kopf geſetzet hätte/ die Türcken behaubteten das Gegentheil/ und betheurten/ daß er Ihn ſelbſt genommen hätte; in wahrendem dieſem Streik kamen der Moufti und Cadi, ſo davon Nachricht bekommen/ dazu/ und begehrten Bericht/ wie ſich die Sach zugetragen/ und nachdem der Turcken Außſage Glauben beygemeſſen/ iſt beſchloſſen worden/ daß der Armenier das Leben verliehren/ oder des Mahomets Religion annehmen muſte. Als er aber ſich vernehmen lieſſe/ daß er dieſes mm mermehr thun würde/ führten ſie ihn ind Gefangnus/ und als er etliche Tage allda geweſen/ hat man ihm angezeigt/ daß/ wann er nicht ein Maßometaner werden wolte/ wurde man jhn auf den Platz führen/ und lebendig verbrennen: Wag geſchicht/ die Forcht vor ſo greulicher Pein/ eee machte jhn wancken/ ja endlich gantz und gar Sein Abfall abfallen/ und ein Mahometaner werden. Vier oder funf Jahr hernach/ als er wieder auß Indien nach Caire kam/ und der Bacha eines Tags mit den Groſſen des Lands Rath hielte/ auch nach Gewonheit öffentliche Audient gabe(welches zibeymal in der Wochen geſchicht) gieng er in den Saal/ nahete ſich zu dem Moufti, ſo viel er konte/ nahme ſeinen Turban in beyſeyn der gantzen Berſamlung/ und warff him eolchen vor die Fiſe/ mit dien ſen herzhaften Worten: Sihe da/ du Hund/ Bekehrung du biſt Urſach⸗ daß ich dieſen ſo lang getragen/ welches mich bißhero gereuet/ reuet mich auch noch anjetzo von Hertzen: Dann ieh weiß/ daß weder du/ noch dein Geſatz etwas nutze ſeynd/ dgrauf ſprang alſobald jederman auf jhn zu/ und fuhrten ihn auf den Plat/ da er mitten N in den Flammen mit Veiwunderungs⸗wür⸗ ate ed. Ich will noch 90 ein ungemeines Ekempel eines Cafre beyfügen/ welcher in der Armeniſchen Religion auferzogen worden. Ein keicher Kaufmann von Zulpha, Cotgia Sulte800 genafft wurde von Cha: Set ſehr geliebet/ ahero er auch oft auß Fteundſchaft bey hm ſpeiſete. Zu allem Unglück machte ſich der Konzigeines Tags daſelbſtletig und nachdem feat ob ge ae ond befande e ſich be der Rckkehr nach ehem Paſlaſt ehr bel wean ode die ehre dengel es ö che hm aul der Gaßerey eo hin der ulehe 8 liner gegeben vergeben werden. Dieſer Ruff kam ihm alſobald zu Ohren/ und auß Foͤrcht/ man tnochte ſich einer bemachtigen/ und eine greulſche Pein anthun/ wann der König ſteiben ſolte/ rahme er Gift/ und ſtarbe zwey Tah hernach. Den andern Tag des Abends/ befand 5 ſich der Konig etwas beſſer/ und den folgenden war er wieder vollig geſund/ der arme Armenier aber/ hatte zu ſehr geeilet/ ſich 5 202 anzuthun/ über welchen doch der Koͤnig einige Betruͤbnuß bezeugetrt. Cs iſt eben der Cotgia Sbultenon„ welcher deſſen Meiſter geweſen/ von deme ich anjcho erzehlen will. Als derſelbe auf allen Seiten ſeine Factoren gußſchickte/ hat jhm einer von denſelben eines Tag/ einen Care zugeführet/ welcher von e bey Melinte hergekommen. Dieſer Selav war ſehr jung/ und dergeſtalt verſtaͤndig/ daß er in wenig Zeit die Turckiſche und Perſianiſche Sprach erlernete/ und nachdem er in der C hriſtlichen Religion underꝛichtet worden/ winde er getauft/ und Hluzod, das iſt Joſeph/ genennet. Als ſein Herꝛ geſtorben/ iſt er ein Mahometaner worden/ und ſich als ein Dervis einkleiden laſſen/ in welchem Kleid er den groſten Theil der Mahometaniſchen Furſten Lander durchgewandert/ und drey dder vier Wallfahrten nach Mecha oder Me dina gethan. Nach Verlauf zwanzig Jahken/ kam er wieder nach Tulpha, die Kirchen um Vergebung wegen ſeines Falls zu bitten/ und thate die übrige Zeit ſeines Lebens eine ſo ſtrenge Buß/ daß alle Welt keit eines an mitleyden mit jhm hatte. Er aſſe allezeit uzn, hee den vierten Tag nur ein klein Stück Brot/ trancke auch nichts als Waſſer/ und flehete mmer zu Gott/ und ſchluge ſein Haubt und ſeinen Leib. Wann die Bischöfe und Armeniſche Moͤnche zu hm kamen/ und ſagten/ daß er zu viel thate/ in dem er ſich dergeſtalten quelte/ antwortete er jhnen nichts anders als dieſes: Er ſeye nicht werth auf der Welt ju ſeyn/ nachdem er ſeinen Heiland verlaugnet/ er hofte aber/ Er würde ihm gnaͤdig ſeyn/ und Erbarmung mit hm haben. In ſolcher ſtrengen Buß ſtarbe er zu End des ein tauſend ſechs hundert ſechs und ſechszigſten BußfertigWie der Autor auf ſeiner ſechſten und leſten Reiſe an dem Perſiſchen Hof empfangen worden/ und was er die Zeit uͤber/ als er zu Iſpahan gewe5 ſen/ daſelbſt gethan. 5 Reisbeſchrelbung in Perſien/ mich zu bewillkommen/ und in ſeinem amen alle erſinnliche Dienſte anzubieten; Ich bedanckte mich gegen ſie vor ihren geneigten Willen/ ich konte aber leichtlich mercken/ daß jhr vornehmſtes Abſehen war/ ſich durch meine Mittelung bey Hoſe mit einzuſchleichen/ und zu ſehen was ich mitbraͤchte/ damit ſie auch jhren Nutzen davon haben mochten. Den andern Tag hernach ſchickte der Nazar Her; wege eben dieſe Aememier, und vier Reuter wieder dun geo e zu mir/ und ließ mir ſagen/ der Konig begehr⸗ meniern te zu ſehen/ was ich mitgebracht/ und hatte ame 0 1 f 0 l zul, wilkorn, geben/ als ich wolte/ welches auch mit groſſm der Kelonter Befehl/ mir dazu viel Leute Geprang geſchahe/ eben als wann man eines Abgeſandten Geſchencke mit Ceremonien nach dem Konig trägt. Alle Francken zu Zulpha, da ich wohnete/ ſetzten ſich zu Pferd/ und begleiteten die groſſe Stucke/ als groſſe Spiegel mit Steinen beſetzet/ Chriſtalline Leuchter und dergleichen Sachen. Die Armenier wolten auch dergleichen thun und mit gehen/ ich danckete jhnen aber vor die Mühe/ ſo ſie nehmen wolten; und wie ich ſahe/ daß ſie ohngeachtet alles/ was ich/ ſie davon abzuhalten/ einwenden mochte/ dennoch dabey blieben/ mit mir zu gehen/ gabe ich jhnen endlich zu verſtehen/ daß ich jhrer nicht vonnohten/ und verſtändig genug ware/ meinen Geſchaften vorzuſtehen/ wuͤrden ſie aber nach Hof kommen/ ſo wolte ich den Konig nicht die Helfte von meinen Jubeln ſehen laſſen. Und hatte ich jhnen nicht ein wenig ernſtlich zugeredt/ ware ich hre nicht loß worden. So bald ſie aber wieder zuruck giengen/ ſetzte ich mich zu Pferd/ und ritte geſchwind in Begleitung der beyden Reuter/ welche mix der Nazar geſchickt/ nach dem Capuciner Kloſter/ wo ich meine Kleinodien gelaſſen/ weil der Ort ſicherer/ als meine Wohnung zu Zulpha. Pater Raphael iſt der Oberſte in dieſem Kloſter/ und von denen Capucinern/ welche die Religion gußzubreiten/ in Per ſien geſchickt ſeynd/ und iſt eben der jenige/ von dem ich/ als ich die Wege nach Per ſien beſchrieben/ Meldung gethan/ und mit dem ich die Reiſe von Alepo nach Iſpahan gethan. Er iſt der betuhmteſte Mathe maticus; und ſeynd der Groſſen viel bey Hof/ denen er die Jnſtrumente mit eigener Hand gemacht. Und weil er ſchon über 20. Jahr in Perſien iſt edet er die Lands⸗Sprach uberauß wol/ hat 0 6 15 B ich wol auf allen meinen Reiſen an je 77 dem Perſiſchen Hof ſehr hoͤflich em⸗ ſich auch durch dieſes Mittel bey Hof ſehr be1995 Opfangen worden/ ſo will ich doch nur liebt gemacht/ wie ihn dann der Konig wol rrzehlen/ wie wol man nich auf meiner let⸗ kennet/ und ins gemein zum Dolmetſchen brauſten Reiſe empfangen/ und was ich mit dem chet/ wann er mit einigen Frantzoſen zu thun 15 Konig zu thun gehabt/ dann weil es einmal hat. In dem mich mum die Reuter in des Kö⸗ Loe e faſt wie das andere hergegangen/ mag ich nigs Nahmen holten/ ſchiekte man zu gleicher ra. ſolehes/ als unnohtig/ nicht allezeit wider⸗ Zeit/ z. oder nach Pater Raphael, welcher deen beuen nicht in ſeinem Kloſter/ ſo in der Stadt Jch kame demnach im Jahr 1664. den ligt/ anzutreffen war; dann weil es der Ehriſt 20. Decembre das ſechſte mal zu Iſpahan Abend war/ hat er etliche Romiſch⸗Catholian/ und ſo bald der Nazar oder Königliche ſche/ ſo zu Zulpha wohnen/ und zu ihrer DeSGroß⸗Hofmeiſter/ davon Nachricht hatte/ vorion ſich preparierren/ beſuchet. Deroweſtchickte er den Vornehriſten von den Artne⸗ gen dieſe Reuter bey allen Francken von Hauß niern/ den ſie Kelonter nennen/ mit ſieben zu Hauß giengen/ und den Pater ſuchten. Dann oder acht der Vornehmſten von der Nation/ dieſez iſt hre Gewonheit/ wann der e Viertes Buch. 203 jemand in des Koͤnigs Namen ruffen laßt/ ſo bleiben/ hernach holte jhn der Nazar den Komüſſen ihn nothwendig die Reuter ſo ge⸗ nig zu grüſſen/ welcher ihm ſo bald ſagte/ daß ſchickt werden/ nach Hof bringen ⸗ ſonſt wur⸗ jhm alles/ was er da vor Augen ſahe/ ſehr wol den ſie in Lebens⸗Gefahr daruber kommen. gefalle/ und wolte er mich nichts davon wieder Endlich aber funden ſte jhn/ und kam er noch 1 führen laſſen/ wann ichs um einen bil6 ein wenig vor mir in den Pallaſt. So bald lichen Preiß laſſen wolte. Fragte mich da1 ich mit meinen Jubelen angekommen/ führte rauf/ wo ich hingereiſet/ als ich auß ſeinem man mich an den Ort/ wo die Groſſen Abge⸗ Reich gezogen/ und als ich antwortete/ daß ich ſiondten Audient haben/ und trafe ich den Na⸗ nach Indien gegangen wolte er noch dazu ear mit dem Pater Raphael, und alle Fran⸗ wiſſen/ wem und wie hoch ich meine übrige 10 Leeken/ welche meine groſſe Stucke von Silber⸗ Kleinodien verkauffet/ worauf ich antwortete/ e r Arbeit begleitet dall an. Der Darzueat, dag Chalta Kan, des vor 20e. Cuplen Wat fu te underdeſſen alles guß einander legen laſſen/ gekauffet. f nen. damit der Koͤnig ſolche/ wann er in den Saal ö Indem mich der Koͤnig allezeit ſtehend/ die Klemnodergeſtalt außfragte/ zeigte jhm der Nazar ein üer Se Stuck nach dem andern/ und ich lleſſe durch chen, wer Jaza Parer Raphael den König underthanigſt bit⸗ ae e ner gold⸗ und ſeidenen Decke belegten Boden ten/ ober mir die Gnade thun/ und einen groſin Ordnung legte/ und alle Stücke gantz ge⸗ ſen Spiegel von Stahl zum Geſchenck von nau/ und niit ſolcher Verwunderung betrgch⸗ mir annerden wolte/ deſſen Tugend und Wurkete/ daß er etlich mal zu andern Groſſen vom ckung ihme b ater Raphaèl außlegte/ wie daß in Hof/ ſo da waren/ ſagte/ daß niemand derglei⸗ deren Befindung viel beruͤhmte Mathematici chen ſchoͤne Sachen/ und in ſolcher Menge/ groſſen Koſten und Fleiß angewendet. Gleichjemals in Perſien gebracht/ und bate mich wie nun Pater Rapfiael den Ruhm von einem duch/ daß ich dem Koͤnig/ von deme ich groſſe Gelehrten/ und erfahrnen Mathematico hat/ Ehr und Gnade empfangen würde/ nichts gefiele ſein raiſonnieren dem Konig ſehr wol/ verhalten wolte. Nachdem ich nun betheurte/ und als er von ſeinem Platz nach dem Spiedaß ich nichts mehr als was bereits vor Augen gel zu gienge/ verwunderte er ſich! daß ſein W lage/ zu beigen hatte/ befahl er! daß jeder mem ſicht darinnen ſo ungemein groß ſchiene Und abtretten/ und niemand als er und ich in dem ließ einen von ſeinen Verſchnittenen, ſo eine 5 Saal bleiben ſolte. Ein Viertel; Stund abſcheulich groſſe Habichts⸗Naſen hatte/ bahernach kam der Koͤnig durch eine Thur/ ſo vor ſtellen/ und als der Spiegel ſolche ſo viel von ſeinem Gemach in den Saal gehet/ und langer und groͤſſer vorſtellete/ konte ſich der Kohatte nur dreyzehen Verſthnittene zur Leib⸗ ˖ Wacht/ und zwey alte Manner/ deren Amt nig des Lachens nicht enthalten/ und gienge mehr als eine Viertel⸗Stund damit um beiſt/ dem Konig/ wann er in ein mit gold⸗ und gabe ſich darnach wiederum in ſein Gemach/ ſteidenen Tapeten belegtes Gemach gehet/ die und ließ mich/ den Nazar und den Pater allein. Schuhe auß⸗ und wann Er wieder herauß ge⸗ Zu welchem der Nazar damals dieſe eigentliche het/ anzuziehen/ bey ſich. Er hatte damals Wort auf Perſich ſagte: In Aga Frenguiin 1 einfache/ von roth und weiß gewürffeltem calar Jouaer tooufa onorda bout qul PatN TD.affet gemachte Schlaf⸗Hoſen an/ die jhm/ cha beſiar cachalbout, welches ſo viel heiſt: wann die Fuſſe bloß waren“ nur biß auf die Dieſer Aga Fringui hat dem Konig ſo viel 5 Waden giengen/ und einen kleinen Nock biß Raritaͤten/ Edelgeſtein/ und kuͤnſtliche 5 4 halben Leib daruber aber einen grof⸗ Silber⸗ und Gold⸗Arbeit gebracht“ daß en ꝛantel von gulden Stück/ mit biß auf die des Königs Hertz gantz darüber erfreuet käme/ nur beſchauen dorfte. Ich legte meine Kleinodien und Jubelen auch auß/ welche der Nazar lle mit eigener Hand/ auf dem mit ei0 bun 60 10 Erde hangenden Ermeln/ und den ſchonſten Jobeln gefüttert. Auf einen groſſen Leuchter Von Christall auß dem Felſen gegraben/ welchen ich an einer Stangen über zwey Saulen hangend hatte/ wurſfe der Konig am erſten die Augen/ und es war in Warheit auch eines von den ſchonſten und reichſten Stücken dieieſer Art, als man hat ehen nigen. Pach dieſem betrachtete Er die Tapeten mit Figu5 ken/ welche ich auch mitgebracht/ und daruber 90 8 Er ſich ſehr verwunderte. n Darauf hieß wich der Narar hervor kreten/ und dem Kong die Reverentz machen/ welcher mich ſo bald er: Tanne/ und zu dem Nazar ſagte: Dieſes iſt der Aga Fringui, welcher mir vor fuͤnf oder ſechs Jahren einen Hauffen ſchoner Sachen verkauffet/ eben als Mahamed eg Athemat- Dulet war. Als der Konig egg Nos 5 f wahhet, alſo redete/ ließ man den Pater Raphael ruffem/ welcher/ als er hinein kamm eine zeitlang bey einer Säulen in dem Saal muſte ſtehen iſt. Hierauf verbote der Nazat; als ein hochverſtaͤndiger Herz/ und der inallem gute Ordnung hielte/ auß Forcht es mochten einige Stuͤcke von meinen Kleinodien entwendet werden/ es ſolte kein Perſianer dabey gehen/ und ſagte zu mir/ daß ich nur allein die von den Francken ſolte in den Saal kommen/ und meinie Sachen helffen einpacken/ laſſen/ welche ich wolte. Ich ließ 3. oder 4. davon kommen und legten mit Hülfdes Parer Raphaels, alle Kleinodien in ihre Futter/ worauf ſie in eine Küſten/ welche ich auß Befehl des Nasars mit meinem Pit ſchaft ver ſiegeln muſte/ verſchloſſen/ und in eines don den Königlichen Gemachern/ umder Sicherheit willen getragen wurden. Was die Silber⸗Arbeit/ Spiegel /euchter/ und Tapeten anlanget /ſolte ich dieſelben nur einem von den vornehinſten Officirern von der Wacht/ zu verwahren/ anverkrauen, „Die Sonne way ſchon undergegangen als en od, uns der Nazar tit gröſſer Ehrerbietung don 950 von Reisbeſchreibung in Perſien/ ſich lieſſe/ und uns verſicherte/ daß der Konig auß feinem Gold gemacht waren. Daum in mit allem/ was er geſehen/ ſehr wol zu frie⸗ Perſien wird kein ander Gold verarbeitek. den. Der Pater Raphaèl aber/ kam mit uns Man brachte uns drey von dieſen Balſn auß nach Zulpha, damit er des folgenden Tags der Gold/ und auf jedem fünf oder ſechs ſolche Devotion quf den Chriſtag abwarten konte. Teller mit Früchten/ und ſetzte ſie vor uus Es war aber kaum die Sonne wieder am nach Gewonheit auf die Teppich/ ſo auf der Himmel/ ſo ſuchten jhn ſchon 4. Reuter in Erde gebreitet waren. Under den Erſtenfragſeinem Kloſter/ und wurden zu gleicher Zeit te mich der Nazar zwey oder drey mal/ ob ich drey andere mich abzuholen nach Zulpha in auch Wein haben wolte/ ich bedanckte mich meine Behauſung geſchicket/ wo ſie mich ſamt aber/ und ſagte ihm/ daß ich ins gemein keidem pater antrafen/ und muͤſten wir jhnen oh⸗ nen trincke/ als des Abends, Hierauf befahl ne ein Augenblick Zeit zu verlieren/ ſo bald er von Stund an/ daß man mir vier groſſe folgen/ und auf das hurtigſte zu dem Konig Flaſchen von des Koͤnigs Mund⸗ Wein in kommen. Der Nazar wartete unſerer mit meine Behauſung bꝛingen ſolte/ davon ich noch Verlangen/ und brachte man/ ſo bald wir ſelbigen Abend meine gute Freunde trackierte. hin kamen/ die Kuſten mit den Kleinodien/ Den woran mich der Nazar nach meinem Pitt⸗ meine Jubeln zu ſchatzen/ und geriehte ich zum ſchaft ſehen lieſſe/ ob es noch unverſehrt; dann oͤftern mit denen ſo ſie ſchatzen ſolten/ in Streit; dieſe Leute wollen/ daß alles recht und billich dann es waren etliche Stucke darunder/ welhergehe/ und brauchen in allem was ſie thun/ che ſie nicht um die Helfte ſchaͤtzeten/ was ſie groſſe Vorſichtigkeit. Die Kuͤſte wurde auf⸗ werth waren. Gegen Abend gaben ſie jhre gemachet/ und die Jubeln herauß genommen/ aufgezeichnete Preiß dem Nazar, und ich gleichwobey mich der Nazar nochmals fragte/ ob falls die meinigen/ es ware aber under beynichts davon mangele. Darauf befahl er ei⸗ den ein groſſer Underſcheid. Und truge ſte nem Secretario, den Namen/ die Eigenſchaft/ der Nazar ſo bald alle beyde/ mit allen Kleinound den Werth eines jeden Stücks/ wie ich dien nach dem Konig/ und als er von da wieſolches dem Pater Raphaél ſagte/ in Perſi⸗ der zuruck kame/ und ſahe/ daß die Sonne ſcher Sprach aufzuzeichnen. Als dieſes ge⸗ bereits undergegangen/ nahme er mit groſſen ſchehen/ lieſſe er den Oberſten der Goldarbei⸗ Complimenten von uns Abſchied. Pater Rater kommen. Dann es iſt zu wiſſen/ daß in phae! machte ſich nach ſeinem Kloſter/ und Perſien eine jede Proteſſion jhren Oberſten ich mich nach Zulpha, allwo ich in meinem hat/ der des Koͤnigs Diener/ und von hm Hauß drey Frantzoſen von meinen Freunden beſoldet wird. Uber das/ ſo hat dieſer Ober⸗ antrafe/ ſo meiner mit Verlangen warteten. Seine Klei: ſte der Goldarbeiter von allen Jubelen/ ſo dem Wir aſſen noch zu Nachts mit einander/ und Koͤnig/ oder den Groſſen vom Hof verkauft/ truncken von des Königs koͤſtlichen Wein ſcha, zwey von dem hunderk/ und muß dieſe zwey den mir; des Nazar geſchicket. vom hundert der Verkaͤuffer zahlen. Jedoch Den folgende Morgen ſehr kan ich wol ſagen/ daß er von mir niemal et⸗ Nazar wieder etliche Reuter au was bekommen. Dann ſo oft ich nach Iſpa⸗ den Pater Raphael, die übrige han gereiſet/ habe ich allezeit/ ehe ich dem Koͤ⸗ meinem Quartier abholen ſolten. Als ich nach nig etwas gezeiget/ bey dem Athemat⸗Dulet, Hof kame/ krafe ich den Nazar mit dem Pater oder dem Nazar proteſtieret, daß ich dem Sar daſelbſt an. Der Nazar empfenge mich/ wie ins guer-Bachi, welches der Nam des Perſiſchen gemein/ ſehr hoflich/ und ſagte zu mir lachend/ Goldarbeiters Oberſten iſt/ durchguß nichts daß ich etwas faul ware. Ich gabe jhm aber zu geben wolte. Es wurden aueh etliche Jube⸗ verſtehen/ daß es nicht ſo wol meine als ſeine lierer/ die Stücke nach einander zu ſchatzen/ Schuld/ wann ich etwas zu ſpat kame/ dann herbey geruffen/ worunder einer die Diaman⸗ der gute Wein/ den er 6 ten/ der ander die Perlen/ dieſer die Rubin/ Anlaß gegeben/ mich m und jener die Smaragde/ nemlich auf wel Den gantzen Nachmittag brachten ſie zu früh ſthickteder eren bdavon ihrer z. Pee. mir geſchickt/ hatte mir ö gegebe nit meinen guten Freunelche den biß zimlich ſpat in die Nacht zu ergetzen/ ſich ein jeder am beſten verſtunde/ ſchatzete. und dabey des Koͤnigs und ſeine Geſundheit zu Underdeſſen redete der Nazar mit mir aufs trincken. Hierauf fienge er nochmals an zu afreundlichſte/ wie dann auch andere Konigli⸗ chen/ und ver ſicherte mich/ daß dem Konig meiche Bediente in gleichem khaten/ und befahle/ ne Kleinodien alle ſehr wol gefallen/ der Preiß man ſolte; vor mich und den Pater bringen/ aber den ich dar auf geſetzet/ ware zu hoch/ und was man ins gemein des Morgens zu eſſen mußte ich mich billicher finden laſſen/ wann ich pflege/ als Brot/ Kaſe/ Milch/ Milch⸗Raum/ des Koͤnigs Gnad verlangte/ und Er in AnſeTrauben/ und ſo friſche Melonen/ als im hung meiner alle andere Frantzoſen/ ſo noch ins Herbſt/ ob es ſchon damals zu End des De⸗ kuͤnftig nach Iſpahan kommen wurden/ gnacembers ware. Man ſolte geſagt haben/ daß dig aufnehmen ſolte. Er gebrauchte ſich deꝛgleidie Trauben erſt waren geleſen worden/ und chen koͤſtlichen Reden mehr/ und hate ich bpavon den friſchen Melonen waren dreyerley rer Raphael er mochte jhm in meinem Namen Gattung/ davon die einen roth und grun/ und auf gleiche Weiſe begegnen/ und zugleich zu die andern faſt weiß waren. Man ſetzte uns verſtehen geben/ daß ich von dem Preiß/ loſe üͤber das gileh viererley Art eingemachte Confe⸗ ich meine Kleinodien geſchatzet/ nichts abbrecturen vor/ und zweherley Zuckerwerck/ alles chen konte. Und giengen underdeſſen etliche in groſſen Becken/ welche nit breiten Randen Tage hin/ ehe wir uns vergleichen den um Ein N75. um ene. en e den leb u 85 lilkd mit azur nauf koſten/ ſagen wurde/ wolte mir der Konig 25. dem SupKüng Supplication auffetzen/ worinnen ich Ihr Maa 1 Mien gen durch die gewoͤhnlichen Reuter nach Hof geholet/ welches zu der Zeit da Schnee lag und in einer Stadt/ die voll Kohts wie ich Ipahan beſchrieben/ ſehr unbequem war. Endlich aber nach vielem hin und wieder gehen/ ſagte mir der Nazar, wañ ich den allernechſten Preis/ und was mich meine Jubelen ſelbſt vom 100. vor meinen Gewinn geben/ und nur die Jubelen behalten/ weil ich die: perlen in Indien hoͤcher anbringen koͤnte. Darauf konte ich nicht anderſt/ ſonder muſte dieſes Gebott annehmen/ und den Accord/ wie vs der Nazar haben wolte/ underzeichnen/ welchen er ſo bald nach dem Konig truge. Als Ihr Mapeſtaͤt ſolchen geleſen/ befahlen ſie dein Nazar, er moͤchte von mir vernehmen/ was ich vor eine Gnad von jhm begehren wolte/ und zugleich ſagen/ daß mich der Konig vor ſeinen ordinari Jubilierer brauchen wolte/ und daß um meinetwillen/ alle Francken/ ſo hinfuͤro in Perſien kommen würden/ in ſeinem gantzen Land wol ſolten aufgenommen/ und gehalten werden. Vor meine Perſon aber/ weil ich nach Indien gienge/ wo es keinen Wein gibt/ wolle er mir ſo viel zu meiner Proviſion davon geben laſſen/ als mir bis zu meiner Zuruͤckkunft noͤthig. Damit ich nun des Koͤnigs Befehl ein Genügen lieferte/ ließ ich mir eine jeſtät underthaͤnigſt erſuchte/ ſie mochten vor mich einen Befehl in der beſten und gewoͤhnlichẽ Form/ und mit dem Siegel bekraftiget/ außferligen laſſen/ darinen mir zugelaſſen ware/ durch ſein gantzes Land/ mit ſolchen Waaren/ und auf ſolche Weiſe/ als es mir beliebte/ zu handeln und zu wandeln/ ohne daß ich gehalten ſeye/ einigen Zoll deßwegen zu entrichten. Ich ſtellete ihm auch zugleich vor/ daß ich/ weil ich bereits ſchon alt/ meines Bruders Sohn mit mir in Perſien gefuͤhret/ und zu Tauris Under der Aufſicht des Parer Gabriels de Chinon gelaſſen/ die Tuͤrckiſche und Perſiſche Sprach zu lernen/ und ſich ſo qualificiert zu Machen/ damit er mir in meiner Handlung und eiſenduccedieren/ und dem Konig dienen koͤnne. Erſuchte demnach Ihr Majeſtaͤtunderthaͤnigſt ſelbigen under hren Schutz zu nehmen. Als dieſes geſchehen/ ließ der Koͤnig an den Kan zu Tauris wegen meines Vettern ſchreiben/ und that jhm zu wiſſen daß er denſelben ſchon vor einen künftigen Diener ſeines S hielte/ und verſehe er ſich/ daß ſhm die eit uͤber/ als er zu Tauris bleiben würde aller guter Will wiederfahre/ um ſo viel deſto mehr/ weil er noch jung ſeye. Dann er war nicht alter als 10. oder in. Jahr/ und hatte eben das rechte Alter frembde Sprachen zu lernen. Abd Den folgenden Tag/ als ich mit dem Nadit dem dak wegen meiner Jubelen den Accord geſchloſlische den du gabe der Koͤngg in dem groſſen Saal des 5 der Usbecken oder Tartaren Ab1 5 den Audientz. Alle groſſe Herren/ 24 2118 der Kron/ funden ſich in dem 8 3 4 f 1 5 3 Vierdtes Buch. viereckigten Kuſſen von guldem Brocard und underdeſſen wurde der Pater und ich alle Morerſten Hof/ dadurch der Abgeſandte gehen muſte/ ein/ und ſtunden 9. der ſchoͤnſten Pferde/ mit underſchiedlichen/ jedoch ſehr koſtbaren Sattel und Zeug auf der Parade/ zwen darunder war gantz mit Daimanten bedecket/ zwey andere mit Rubinen zwey mit Schmaragden/ die übrigen mit Turckiſen/ und das letſte uber und uͤber mit den koſtlichſten Perlen geſticket. Wann es eines groſſen Monarchen z Was fernek ey demEinAbgeſandter geweſen ware/ den der Konig hoͤ⸗ fag desdlbgeher/ als einen Tartariſchen Kan gehalten /hät⸗ ungen, r ten ſie wol bis auf 0. Pferde aufgeführet/ dieweil nach des Füͤrſten/ ſo ſie geſchicket/ Stand und Hochheit/ mehr oder weniger Pferd bey des Abgeſandten Audientz/ auf die Parade gebracht werden. Füͤhret man 25. bis 30. auf/ ſo folget auch der gantze Pracht dabey. Dann ein jedes Pferd mit zwey Zugeln an zwey groſſe gůldene Nagel/ ſo in der Erden ſtecken/ angebunden/ und ligt der Hammer von Gold dabey. So iſt auch das Seil/ ſo an des Pferds hinder Fuſſe gebunden/ an einen groſſen guldenen Nagel veſt gemacht. Man ſetzet auch vor jedes einen guldenen Keſſel damit man das Waſſer auß einem viereckigten guldenen Trog/ ſo in der Mitten zwiſchen den Pferden ſtehet/ ſchopfen kan; Dieſes alles aber iſt nur zum Pracht und Gepraͤnge/ dann man traͤncket an dieſem Ort die Pferde nicht. Von dem erſten Hof/ gieng der Abgeſandte in eine lange Gallerie/ in weleher auf beyden Seiten die Muſquetierer in der Reyh ſtunden/ und von dannen in den groſſen Garten durch einen Spatziergang ungefahr 8. Ruthen breit/ welcher ganz mit Marmorſteinen gepflaſtert/ und in der Mitten einen Waſſer⸗Canal 4. Schuhe breit hat/ worauß hie und da Waſſer in die Hoͤhe ſpringet. Auf beyden Seiten dieſer Allee, bis an den Saal/ darinnen der Konig war/ hat es einen Weyher/ faſt eben ſo lang als die Allee ſelbſt/ und ſpringet in der Mitten auch Waſſer in die Hohe. Underſchiedliche Kriegs⸗Offjicier ſtunden langs gane der Allee, und am Ende der beyden Teiche/ wa⸗ dabeß ren auf der einen Seiten 4. Loͤwen angebunden/ und auf der anderen Seiten lagen auf ſeidenen Teppichen z. Tieger⸗Thier/ und ſtunden etliche mit halben Pieken in der Hand dabey ſo ſie verwahrten. Dieſer Saal iſt nicht ſo breit/ als lang/ und rings herum offen. Das flache Tach ſtehet auf 16. hoͤltzernen Saulen/ jeden von 8. Zwerchhand breit/ und einer abſcheulichen Groͤſſe und Hoͤhe. So wol das Tach/ als die Saulen iſt alles mit groſſem Blumenwerek von Gold/ Himmelblau/ und anderen undermengten Farben gemahlet⸗ In der mitten iſt ein Teich von dern allerſchonſten Marmorſteinund ein 2aſſerwerck“ darauß auf allerhand Arten Waſſer ſpringet. Der Boden darauf man gehet⸗ iſt mit dem koͤſtlichſten Gold und ſeidenen Tappeten/ die abſonderlich zu dieſem Sagal gemachet worden/ beleget/ und nahe bey dem Teich iſt der Boden 12. Schuh lang/ und 8. breit/ einen Sehuh hoͤher erhaben/ als am ubrigen Theil des Sgals und mit einem von uind nas fer den allerprächtigſten Teppichen beleget. Dar⸗ gie auf ſaß der Konig in der Mitten auf einem gangen; 8 S hatte 206 atte hinder ſich noch eines ligen von einer aneren Art Brocard uberzogen/ und lehnete ſich an einen groſſen Teppich/ darauf weder Blumẽ noch higuren/ ſondern allein etliche Perſiſche Buchſtaben geſticket/ ſo etwas auß jhrem Geſatz in ſich hielte. Als ſich der Konig geſetzet/ ſtelleten ſich die Verſchnittene mit Muſqueten zu ſeiner Seiten. Ihr Majeſtaͤt hieſſen den Athemat- dulet, mit noch vier oder fünff anderen niederſitzen/ worauf mir der Athematdulet winckete/ daß ich mich auch ſetzen ſolte. Weil aber der Konig wol weiß/ daß die Francken nicht gern mit Kreutzweiſe übereinander geſchlagenen Fuſſen lang auf der Erden ſi5 ließ er mir ſagen/ ich mochte ſtehen bleien/ ſo koͤnte ich die Ceremonien deſto beſſer ſehen. Des Königs Kleyd war von Gold und Seiden geſtreiftem Zeuge/ der Grund aber von ſeinen Mantel war Gold/ mit kleinen ſilbernen und ſeidenen Blumen/ und das Futer von ſo ſchwartzen und glantzenden Zobeln/ als man ſie jemals mit Augen geſehen. Er hatte einen koſtbaren Gürtel umgegurtet/ und auf ſeiner Muͤtze einen Buſch von Reyger⸗Federn/ mit einem zierlich durchgebrochenen Kleynod angehaftet. In der mitten dieſes Kleynods war eine Perle als eine Bieren/ ohngefaͤhr fuͤnfſtzig Carat(oder zweyhundert Gran) ſchwar/ und mit groſſen Topaſſen und Rubinen eingefaſſet. Die vier Ketten daran waren um die Mutze herab geſlochten/ und mit Diamanten und Rubinen beſetzet. Es ſaſſe der Konig bey nahe ſchon eine halbe Stund/ als der Nazar und Ceremonien⸗Meiſter den Abgeſandten in den Saal fuhrten. Er vor ſich ſelbſt/ noch ſeine Leute waren zum koſtbarſten gekleydet/ und muſten die von ſeiner Suite unden an den Treppen ſtehen bleiben/ dann der Saal ligt vier Staffeln hoher/ als der Garten. So bald der Abgeſandte dieſelben hinauf geſtiegen/ fiele er vor dem König auf die Knye/ gienge darauf neun oder zehen Schritt fort/ und thate nochmalen dergleichen/ nachdem hieſſe jhn der Ceremonien⸗Meiſter nieder ſitzen/ und lieſſe zwiſchen dem Koͤnig und jhm ſo viel Platz als vor acht Perſonen. Der Nazar gienge zum oöftern von dem Konig zu dem Abgeſandten/ und von dem wieder zu dem Koͤnig/ ich konte aber nicht erfahren/ was ſie ſagten. Endlich kame der Nazar uch zu mir/ und als ich jhm ſagte/ daß ich wol gern mochte hinweg gehen/ machte er daß ich dem Konig konte Reverentz machen/ worauf ich mich auß dem Saal/ und in mein Quartier verfügte. Den anderen Tag kame ich wieder zu dem Nazar, weil er mich bey guter Zeit des Morgens ruffen laſſen/ und mir ſagte/ daß der Koͤnig nicht allein in mein Begehren gewilligetſondern mir noch über das dẽ Calaate gebẽ wol te/ welches ſonſt niemand/ als den Kanen oder Statthaltern in den Provintzen zu ſonderbaren Ehren gegeben wirdz und hatte er zugleich befohlen/ daß man mir meine Bezahlung lieferen ſolte. Auf dieſe Nachricht nahme ich meinen Weg nach? ulpha, undP. Raphael ſeinen nach Reis beſchreibung in Perfiendẽ Kloſter/ und wolten des Königs fernern Befehl erwarten; es kame aber kaum ein jeder von uns nach Hauß/ ſo kant Spornſtreichs wieder etliche Reuter/ die uns nach Hof holeten/ woſelbſt der Nazar, der Groß⸗Schatzmeiſter/ und underſchidliche andere Bediente in der SchatzKammer mit den Gelt meiner warteten/ und mir ſolches in verſiegelten Sacken gebs ſolten. Der Nazar nennete mir die Sucke/ welche der Konig behalten/ und daß nach dem Preis wie ich ſie gelaſſen/ ſich alles zuſamen auf 3460. Toman 6 belieffe/ welches ich in meinem Rechenbuch finden wurde/ wie es ſich dann auch alſo fand. Nachdem fragte mich der Groß⸗Schatzmeiſter/ ob ich einen Toman nach dem anderen/ oder nur einen Sack zehlen/ und die anderen alle/ weil in jebem yo. Toman waren/ darnach wagen wolte. Ich nahme darauf zween Sacke/ und als ich das Gelt darinnen/ einen Toman nach dein anderen gewogen/ woge ich hernach nur die gantzen Sacke/ und fande die alle richtig. Aber von den 2460. Toman, ſo ich empfangen ſolte/ gab man mir nur 3300. und ſagte der Schatzmeiſter/ es ware dieſe Gewonheit/ daß von allem was man dem Konig verkaufte 5. von dem 100. vor die Königliche Bediente in der Schatz⸗Kammer abgezogen/ und einbehalten werden. Ich wiederſprach aber dieſen Punct auf das eyferigſte/ und ſagte zu dem Schatzmeiſter/ wann es dieſe Meinung haͤtte/ wolte ich jhm das Gelt laſſen/ und meine Kleynodien wieder zu ruck nehmen. Der Konig hatte mir füͤnff und zwantzig vom hundert vor meinen Gewinn verſprochen/ nach ſeiner Rechnung aber hekame ich vom hundert nur zwantzig davon ich nicht einmal mochte reden hören. Als der Nazar ſahe/ daß ich dabey beſtandig bleibe/ und ohne Gelt guß der Schatz⸗Kammer gienge/ ließ er die Bücher aufſchlagen/ und nachſehen/ wie man mich auf meinen vorigen Reiſen gehalten/ und fande/ daß man mir jederzeit was mir der Konig verſprochen/ gantz bezahlet/ und nicht das geringſte abgebrochen/ wandte ſich darauf zu mir mit lachendem Mund/ und ſagte/ man muͤſte es mit den Bedienten in der Schatz⸗Kammer nicht allzu genau nehmen/ dann die Ehr und Gnade ſo mir der Konig thun wurde/ ſolte mir lieber ſeyn/ als tauſend andere Toman. Wolte ich nun den Nasar nicht vor den Kopf ſtoſſen/ willigte ich endlich in die hefte davon/ ſo ſie mir abgefordert hatten/ und ſich auf 82. und ein halben Toman helieffe/ womit der Schatzmeiſter ſich auch vergnügte/ und ſo bald ſechszehen Hamals ſo die Laſtträger ſind/ holen lieſſe; Der Nazar befahl/ man ſolte jhren Namen/ und wo ein jeder wohne/ aufzeichnen/ damit nicht under wegs einer mit einem Sack davon gienge. Wie ich aber ſahe/ daß es ſehr ſpaht harte f ich den dlasar daß es mochtezbis auf eine andere Zeit verſchoben werden. Dann weil ich wuſte/ daß mein Gelt parat lage/ eylete ich auch nicht ſehr/ daſſelbe abzuholen/ ſondern erluſtigte wich den folgenden Tag unt etlichen Francken im Jagen/ und hatten in wenig Stunden a 8 gute ———— D — — Viertes Buch. gute Jagd/ dann das iſt allezeit voll Wildpradt/ und ſind auſſer denen vom Hof wenig/ die jagen; machten uns darauf bey unſerer Zuruckkunft bis zwo oder drey Stund nach Mitternacht zuſamen luſtig/ und ſchlaften etwas über unſere Gewonheit/ wurde aber von dem groſſen Getos der vier Reuter/ ſo mir der Nazar ſchickte, qufgewecket. Dieſe erzoͤrneten ſich dergeſtalt/ daß ſie mir anfiengen harte Wort zu geben/ warum ich nicht wolte/ 20 , En folgenden Tag/ brachte mir einer 5 von des Nazars vornemſten Bedienten das Calaate, damit mich der Koͤnig ehren wolte/ nemlich ein gantz Perſiſches Kleyd/ ſo in einem Rock/ und Oberrock/ einen Guͤrtel und eine Mütze/ beſtunde. Er uͤberlieferte mir auch zugleich drey Königliche Patenten; darunder das eine mit dem groſſen Koniglichen Siegel und des Athemat; dulet ſeiHer? Tavernier wird mit dem Koͤniglichen Rock beſcheneket. nem geſigelt war/ daß ich in den gantzen Konig 110 daß des Königs Beſehl vollzogen würde/ und reich von allen Zollen ſolte befreyer ſeyn. Das Kü mein Gelt micht an dem Tag/ an welchem mich andere mit dem kleinen Siegel war an den 5 der König zu bezahlen/ befohlen/ abgeholet Kan zu Schiras, barinnen ihm befohlen wurhatte. Man muß aber auch geſtehen/ daß kein Land in der Welt/ da man ſeine Bezahde/ daß er mir/ wann ich durch die Stadt kame/ drey Laſt vom guten Wein lieferen ſolte. 5 „„ ce de, dg ſo hald vom Hof haben kan/ als in Per⸗ Das dritte aber/ gleichfals mit dem kleinen dla bey ſen; und wird man under einer ſo groſſen Siegel/ war an den Statthalter zu Tauris, el 165 8 705 5 8 e 7 Nineteen Sunmma nicht ein falſches ſtuck Gelt finden/ chlich. e i ö 5 8 weil alles Gelt ſo außgezahlet wird/ auß dem Schatz kommt/ und von ihrer vielen ſo darauf beſtellet Yend/ fleiſſig durchgegangen und Uberſehen wird. Wann dieſes geſchehen/ wird es in Lederne Saͤcke in deren jedern 50. Toman gehen/ gethan/ und von dem OberAufſeher mit ſeinem eigenen Pitſchaft verſigelt welcher dem ſo bezahlet wird/ ſo wol vor die Sunn/ als daß es gültige Munze ſeye/ gut ſeyn muß. Hergegen hat er auch vor ſeine Mühe/ und von dem Sack/ den er dazu gibt/ anderthalb Abaſſ vor jedem Sack. Ich muſte nun eyligſt mit den Reutern fend, nach Hof wo der Nazar iweiſer wartete/ und h. ef mir von Stund an mein Gelt liefern ließ. Ich lieſſe es aber in der Hollander Quartier tragen/ weil Her? Roothalß/ welcher damals zu Iſpahan der Compagnie Geſchafte underhanden hatte/ als er wuſte/ daß der Konig meiner Bezahlung halben ſchon Befehl gegeben/ mich durch Pater Raphael anſprechen ließ/ ich mochte jhm 2, oder 3000. Toman lehnen. Ich lehnete jhm aber nur zwey und zwantzig hundert/ weil ich das uͤbrige ſchon etlichen Armeniſchen Kaufleuten/ ſolches zu Surate wieder zu empfangen/ verſprochen hatte/ wie mir dann Herꝛ Roothals das jenige ſo ich hm vorgeſtrecket/ zu Ormus wieder zahlen ließ/ und wird dieſes Anlaß geben/ zu einer kleinen Hiſtory/ welche ich doch bis auf meine Reisbeſchreibung nach Ormus, verſparen will. Solche Art Gelt zu ubermachen/ komt den Kaufleuten ſehr wol/ welche dadurch das Fuhrlohn/ und allerhand augenblickliche Zufahle vermeiden koͤnnen. Als ich nun mein Gelt gezogen/ nahme ich meine ubrige Jubelen/ und die andere Wagren/ ſo ich allenoch ingutem Stand fande wieder zurlick/ und dieſes iſt der eigentliche Verlauf meines Kaufs/ welchen ich mit dem Konig in Perſien geſchloſſen. Das XVI. Capitel. engen in Perſien dem ae r angethan/ und wie er jhn beſchencke, gelhan/ un We ihn Theil, I. wegen meines Bruders Sohn/ welcher ſich daſelbſt bey den Capucinern gufhielte; und that der Konig dadurch zu wiſſen/ daß er jhn vor ſeinen Diener einen hielte/ und dadurch under ſeinen Königlichen Schutz aufnehme. Der geneigte Leſer wird zu End dieſes Buchs die Form dieſer Patenten finden/ weil ich ſie in meiner Erzehlung deſto beſſer fortzufahren/ nicht hieher habe ſetzen wollen. Der Naar ſchiekte den Pater Raphael mit dem jenigen ſo mir das Calaate brachte/ damit er mir die Eigenſchaft des Geſchancks/ ſo mir der Konig verehrte/ beſchreiben/ und zugleich ſaAufre, G. . ſagen ſolte/ mich fertig zu halten/ damit ich in meinem Perſiſchen Klend/ ſo bald er mich wurde holen laſſen/ kommen/ und dem Konig davor daneken ont. Bevor ich aber weiter ſchreite/ muß ich hier zwey nothendige Stuck erinnern. Das erſte iſt/ daß die Perſianer alle Geſchancke ſo ein hoherer vom Stand dem geringern gibt/ Calaat oder Calaate nennen/ ſo ſind auch die Geſchaͤncke die der Konig gibt under ſchiedlich/ bisweilen iſt es nur ein Rock/ bisweilen ein Ober⸗ und Underrock mit dem Gürtel/ bisweilen gibt er auch den Turbanz und ein Pferd mit Sattel und Zeug dazu/ nachdem er die Perſon ehren will. Iſt es ein Kriegs⸗Officier den der Konig hoch halt/ Der Perſier Gewonheit wegen der Königlichen Geſchaͤncke: 5 uñ nach der Armẽe ſchickt/ ſchicket er demſelben nachdem er jhn ehren will/ einen Degen/ bisweilen auch einen Dolchen: Das andere ſo ich zuerinnern habe iſt/ daß/ ſo wol in Perſien als komt/ man dem jenigen/ ſo ſolches uͤberbringet/ wieder eines dargegen geben muß. Will der Koͤnig einem von den Stathaltern in den Provintzen das Oalaate verehren/ ſo benamen Ihr Majeſtät den jenigen ſelbſt der es überbringen ſoll/ und komt bisweilen der Statthalter mit tauſend Tomans, vor des jenigen Recompens, von dem er das Koͤnigliin der Tüͤrckey/ wann man ein Geſchanck beche Geſchaͤnck empfaͤngt/ nicht davon. Wird aber das Celgane an eine particulier Peron die der Konig damit ehren will/ geſchicket/ mag der Nazar einen von ſeinen vornemſten Bedienten dazu erwoͤhlen/ der es überbringen ſolle/ deſſen Muͤhe man danckbarlich erkennen muß. Jeh gabe vor mich dem Patet Raphael 25. Tomans; mit Bitte/ S3 5 0 208 er moͤchte dem/ ſo mir das Calaat uberbrachte/ ſolche in meinem Namen verehren, und dabey ein Compliment machen/ weil er die Sprach Uberauß wol redete konte er ſolches viel beſſer ls ich/ ablegen. Solches thateer/ ſo wol mit guter Manier Vals auch zu meines Beutels Vortheil/ dann er gabe des Nazars Bedienten nür die helffte von obiger Sunna/ und ſchickte jhn vergnügt wieder zu ruck. Ztwey Tage hernach batte ein Holländer ſo allerhand Waaren gebracht den Pater Ra phael und mich/ wir mochten ihn zu dem Nazar führen/ welches wir auch zur Stund thaten/ und begehrte der Nazar von Ihm/ daß er den anderen Tag in des Königs Pallaſt bringen ſolte/ was er dem König zu zeigen hatte. Hierauf wurden um die beſtimmte Jeit die Waaren iipeine Galerie vor dem grofſen Saal/ darein der König kommen ſolte/ gebracht/ und nachdem der darar ſelbſt die Muhe genomen/ alle Stucke in Ordnung zu legen/ hieß er alle ſo zu gegen waren/ außge nomen den Pater Raphael, den Hollander/ und mich/ hinauß gehen. Aber der Konig beſahe denselben Tag die Waaren nicht/ und weil die Nacht herbey kam/ gieng ein jeder von uns nach Hauß. Den Tag darauf bekam ich von dem Nazar Befehl/ das Calaate anzuziehen/ und ließ er mich wiſſen/ daß der Konig dieſen Tag Der Herr gußgehen/ und ich ihm die Reverentz machen Tavernier wird in dem ſolte. Perſiſchen Kleyd fuͤr dẽ Koͤnig gefor dert. te. So bold ließ ich ſolches allen Francken/ ſo damals zu Zulpha waren/ wiſſen/ damit ſie ſich der Gewonheit nach fertig machen/ und mich nach Hof begleiten konten. Es wurde auch den Trompetern und Trommelſchlagern befohlen/ ſie ſolten ſich fertig halten/ und mich/ wann ich auß dem Pallaſt kame/ biß nach meinem Hauß begleiten. Und iſt die, ſes in ſolchen Fahlen der Gebrauch damit auf dem Trompetenſchall/ das Volck auß jhren Hauſern lauffe/ und den jenigen ſehe/ welchen der König beſchäneket hat. Ein jeder von den Francken wolte damals vor dem anderen am praͤchtigſten gekleydet ſeyn/ und als ich mit einer ſo wol außgebutzten Suite nach Hof kame/ bedeurte der Nazar, daß er gantz beſturtzt ſeye/ ſo viel ſchoͤne und wolgeſtalte Leute zu ſehen. Abſonderlich aber betrachtete er zwey junge Hollander/ welche in der Indlaniſchen Compagnie Dienſten/ und ſehr nett und artig gekleidet waren; und als er underſchiedlicher Sachen/ wegen dieſer beyden jungen Hollander von mir erkundiget/ ließ er das Frühſtück auftragen.„ Och bezeugte underdeſſen dem Nazar was uberauß groſſe Freud ich hatte/ uber der Ehr ſo mir Ihr Maſeſtat gethan, und wie ich mich nicht genugſam über der Schönheit Und seine Und dem Pracht des Oalaats ergötzen noch ver8 Freude über der hm wiederfahrnen Ehre. wundern koͤnte. Und vermehre ſich meine trachte was ich vor guſt und Vergmigen haben werde/ wann ich in Franckreich und anderen Orten in Suropa beo ich durchreien mute/ zeigen würde/ wie die Francken an dem Koöndglichen Hof in Perſien geehret/ und gelieVorüͤbergang ammercken/ daß Moſcau/ nur zu zu Cachan angetroffen/ zu Iſpahan/ auß gen worden/ geſtorben. Freude noch von Tag zu Tag/ wann ich beReisbeſchreibung in Perſien/ bet werden/ wann ſie etwas dahin brachten/ daran der König Belieben truge.— HOb man mich wol nach Hof geruffen/ hatte ich doch denſelbigen Tag bey dem Konig keine Audientz/ weil er etwas unpaßlich wurde/ worauf uns der Nazar; als ihm ſolches geſagt worden/ und wir das Frühſtück eingenommen hatten/ uns unſeren Abſchied gab. Und iſt es mein Gluck geweſen/ daß der Konig denſelben Tag nicht außgieng. Dann die zwey folgende Tage/ an welchen ſich der Konig noch niaht allerdings wol befande/ gab der Nazar dem Konig zuverſtehen/ was ich vor eine Freude hatte/ wegen der Ehr/ ſo mir der Konig gethan/ und wie ich alle meine Sachen darnach anrichtete/ mich bey allen Groſſen in Fralickreich und in anderen Europaischen Landern mit 1 a Darauf gerſſchen meinem Calaate ſchen zu laſſen. fan 19 befahl ihm der Konig/ er ſolte mir noch in Mantel ſeinem Namen den groſſen Perthſchen Mantel mit hangenden Ermeln/ und Zebeln gefüttert/ dazu geben. Dann in des Konigs Garderobe iſt allezeit dergleichen Huter im Vorrath/ ſo theils von den Moſcotvieiſchen Angeſandten verchret/ oder von den Kauffeuten ſo ſich zu des Abgeſandten Sunne ſchlagen/ gekauft werden. Und will ich im die Abgſandten ſo in Perſten kommen/ keinen Zoll geben/ und daß bisweilen/ abſonderlic) aber auß dieſem Ende Abſchickungen geſchehen/ den Kaußeuten mit ſhren Wagren ohne Zoll damit durchzuhelfſen/ als ob ſie zu dem Abgeſandten un ſeinem Gefolge gehoͤrten. Dieweil ich von dieſen koſtbaren und prächtigen Futern ſo auß Moſcau kommen/ zu reden gekommen/ will ich von dieſer Matery noch etwas erzehlen/ ſo denen Moſtowitiſchen Abgeſandten begegnet/ davon ich den einen auf der Rückreiſe nach ſeinem Land Überſchlag und rechnete nach/ daß alle ſhre Geſchanck/ die ſie dem Konig brachten/ und welche vornemlich in allerhand koſtbaren Belßzfutern beſtunden/ fünffzehen oder zwantzig kauſend Tomans werth waren/ und deſſen/ ungeachtet wurden ſie doch ſehr übel empfangen/ die Urſach aber iſt mit wenig Worten dieſe: Under anderen Geſehanel en /o die Abgeſandte dein Konig brachten/ war auch eine koſtbare und praͤchtige Kutſch/ mit ſechs ſchoͤnen Pferdten/ ſie hatten zwar 1e. mitgenommen/ die helfte aber ſtarb davon auf dem Wege. Als der Tag herbey kam/ daß ſie ſolten ſhr offentliche Audient haben/ begab ſich der König in den Saal des Divans fo auf dem groſſen Platziſt/ und fragt alſobald/ wo die Abgeſandken waren/ und als man ihm ſagte/ daß ſie noch nicht gekonnnen/ erdonhet er ſich darüber ſehr/ weil er nicht ver, meinte/ daß er auffwarten muſte. De meiſte aber ſo jhre Ankunft verhindert/ 5 ſein Collega aber; M Verdruß und Wider⸗ ch eh ö ve willen/ daß er von dem Konig übel enpfan⸗ ge 16% Man machte den pſange S 8 „ ³˙ Viertes Buch. die Kutſch/ welche von Zulpha auß/ wo die Abgeſandten logieret waren/ bis nach Iſpahan auf dem Weg vielmals einen Anſtoß hatte/ weil inan diß⸗ und jenſeit des Fluſſes/ der die beyde Stadte von einander ſeheddet/ uber viel kleine Canale/ dadurch das Waſſer in die Garten geſeiket wird/ fahren muß/ und eine Kutſche/ in dem uber die Canale nur kleine Brücken vor die Pferd und zu Fuß/ ligen/ nicht anderſt als durch ſehr viel Leute kan herauß gehoben werden. Der Konig wurde des warlens uͤberdrüſſig/ weil jhn dunckete/ daß ſolches ſeiner Ehre zu viel ſeye/ und fragte im Zorn/ auf was vor eine Weiſe die Abgeſandten kamen/ und als man jhm ſagte/ daß ſie zu Pferd waren/ und eine Kutſche bey ſich hatten/ welche ſteaufhielte/ befahle er ſeinem Groß⸗Stallmeiſter ſehr ernſtlich/ er ſolte ſie abſitzen/ und zu Fuß kommen laſſen. Dieweil nun des Koͤnigs Befehl/ auf das genaueſte muſten verrichtet werkraff/ als ſie gegen dem groſſen Platz Meydlan wenden wolken/ gedachte er zwar nichts von des Konigs Zorn/ ſagte jhnen aber/ wann ſie zu dem Koͤnig wolten/ muſten ſie von dem Pferd abſitzen. Die Abgeſandten denen dieſes Compliment ſehr frembd vorkame/ weigerten ſich deſſen/ und war der Groß⸗Stallmeiſter noch der Höflichkeit/ daß er ſie bis an das Eck deß Platzes/ vo der Konig jhrer koͤnte gewahr werden/ fort reiten lieſſe/ daſelbſt ſagt er jhnen/ ſie doͤrfften nicht weiter/ ſondern můſten nothwendig vom Pferd abſteigen; als er aber ſahe/ daß ſie noch dawider redeten/ und ſich dazu nicht reſolvieren konten/ that er/ als wann er dem vornemſten Abgeſandten wolte vom Pferd begleiteten/ und wurde das gewohnliche ruhch ſtuͤckaufgetragen. Kurtze Zeit darauf kam der Nazar in den Saal/ und zwey Bediente mit ihm/ welche den Mantel trugen/ den mir der König ſchickte/ er nahm ihn auß ihren Handen/ und legte mir denſelben ſelbſt um die Schultern mit dieſen Worten: Der Koͤnig will dich gantz beſchencken. Der Zeug daran war ſehr praͤchtig/ und das Futer aber ſehr koſtbar/ und wurde auf 8oo. Reichsthaler geſchatzet. Indem mich der Nazar, ehe er mir den Mantel unnlegte/ grüſſete/ ſtunden alle Francken auf/ und machten jhm arch eine Reverentz/ hierauf fuhr er weiter fort/ und wünſchete mir Gluck zu der abſonderlichen Ehr/ die mir der Konig thaͤte/ und damit ichs deſto beſſer begreiffen mochte/ verſtcherte er mich/ daß der Konig auf ſolche Weis nur etlich wenige von den groſſen Kanenoder Statt8 leſte N eus haltern uͤber ſeine Provintzen/ und dann die den/ und ſie der Groß ⸗Stallmeiſter eben an⸗ 9. 90 bgeſandten der jenigen Furſten/ die er vor; anderen hoch und in Ehren hielte/ ehre. Der Nazar hatte min wol den Mantel als das Calaete in meine Wohnung ſchicken konnen/ er wolte mix aber denſelben in eigenen Handen geben/ und mir dadurch das Geſchaͤnck/ welches ich dem Bedienten der jhn gebracht wieder haͤtte geben muſſen/ zu erſparen. 3 Die beyde junge Hollander/ deren der. eine Caſembroodr, und der andere Roodenberg hieſſe/ gefielen dem Nazar über die maſſen wol/ und fragte er mich noch ein und anders ſo wol wegen ihres Vatterlands/ als ihrer Bedienung. Dargufgienge er von mir weg/ und nach dem Konig. Eine halbe exzeigt. Stund darnach kamen F. oder C. Bediente/ und holeten mich die zwey Hollander und den Pater Raphaél, den übrigen Francken wurde befohlen/ an dem Ort zu bleiben/ wo ſie waren. Als ch zudem Nazar kame/ ſagte ich jhm/ daß ich dem Konig wann er mit mir reden wurde/ ohne die Hilff des Pater Raphaels nicht antworten konte/ darauf er alsbald befahl/ man ſolte jhn herein holen. Nach dieſem nahme mich der Nazar bey der Hand/ und führte mich in den Saal/ wo der Ko. nig guf einem groſſen Kuſſen ſaſſe/ und keine 5 andele Leib⸗Wacht als 12. Verſchnittene deren etliche Bogen und Pfeil/ die anderei Was bey an aber Muſqueten führten/ um ſich hatte. Als. ich dren oder vier Schritt in dem Saal fort⸗ für Ceren, gegangen/ hieß mich der Nazar niederknyen/ nien fürganund mit der Stirn die Erden berühren/ muſte den. aber ſo bald wieder aufſtehen. Darauf 1 meer nich wieder bey der Hand/ führte nch. bis g., oder 5. Schritt nahe an dem Ort wo der ner Erzehlung g Vonig ſaſſe“ und hieſſe mich noch eine ſolche Und weil ich geſagt/ daß der Koͤnig Un⸗ Nevereutz 4 wie ich bey dem Eingang päßlichkeit halben denſelbigen Tag/ als mich gethan. Nach ieſem muſte ich ſieben oder „ de Nazar, Ihr Maſeſtat in dem Perſiſchen acht Schritt zuruck treten/ und auf dem dare, Klepd, ſo er fir verehrk/ die reverentz zu ma⸗ Platz ſtchen bleiben. Die bepde Hollander en ac chen abholen laſſen/ nicht außgegangen z wur⸗ führte er auch gleiche Weiſe/ un mit eben dieſen. Hef beruf de ich drey Tage hernach nach Hof beruffen/ Ceremomen auch hinein/ und ließ endlich den aim mach alle Francken/ wie das erstemal Pater Raphael zu meinem Dolmetſchen holen. . Theil. e e ee S 3 Derr 0 1 — i helffen/ gab jhm aber eine ſolehe Hilff/ daß er a0 banden eher drunden war/ als er ſichs verſahe/ und 5 beſchim⸗ mute der andere Abgeſandte dergleichen thun. 8 Kamen alſo zu Fuß zur Audient aber ſo beſtürtet/ Uher dieſe Beſchimpffung/ daß der jenige/ ſo 17 7 das Wortithun ſolte/ daruber verſtumete. Als 1 der König ihre Beſtürzung wahrnahme en ſhickte er ſie ſo bald wieder zu rück/ und ließ 2 ſhnen ſagen/ ſie ſolten jhr Begehren Schriftlich geben. Underdeſſen fuhre die ſchone Kut1 ſche/ welche die Moſcowiter ungefahr auf 3 1000. Tomans ſchaͤtzeten/ zwey oder dreymal auf dem Platz herum/ und that der Kong nicht/ als ob er ſie hoch achtete/ bliebe auch von der Zeit an/ ſo wol als die andere die der Konig in Engelland dem Konig in Perſien verehrt hatte/ ohne Gebrauch ſtehen/ dierweil das Land ſo hie und da eine groſſe Menge Canal hat/ dadurch das Waſſer auf die Felder geleitet wird/ und dahero vor die Kutſchen gantz und gar unbequem iſt. Ich komme aber wieder zu mei* 210 VMeisbeſchrelbung in Perſien/ Der Koͤnig fragte mich/ ob ich auß Indien zu Waſſer oder zu vand wieder zuruck reiſen wurde? Ich antwortete darauf/ daß ich meine Reſolution darnach faſſen müſte/ nachdem ich meine übrigen Jubelen verkauffen/ und in Indien einen Nauff von anderen Wagren thun würde. Der Konig verſetzte daß er etliche Muſter von underſchiedlichen Stücken zu machen befohlen/ welche er gern hatte/ daß ich in Franckreich machen ließ/ und fragte mich/ wañ er mir ſie jetzund gebe/ ob ich ſie mit mir führen/ oder alſobald in Franckreich ſchicken wolte/ damit man underdeſſen/ als ich in Indien reiſete/ daran arbeiten konte. Ich erbote mich aber/ daß ich dieſelben ſo bald/ als ſie mir jhr Majeſtat würden lieffern laſſen/ in Franckreich ſchicken wolte; und gienge/ als dieſes Geſprach zu Ende/ zurück nach der Thur im Saal. Der Nazar nahme darauf den Pater Raphaẽl bey die Hand/ und als er jhn vor dem Koͤnig eine Reverentz machen laſſen/ uͤberreichete er dem Koͤnig des Paters Supplication; worinnen er Des er underthanigſt bate/ der Konig wolle ſich geBirdeund fallen laſſen/ die Patenten und Privilegien ſeiVortrag an ner Vorfahren/ vor die Herren P. P. Capueiden König. ner/ von der Zeit an/ als ſie in Perſien ſich angerichtet haben/ zu erneuern/ und zu bekrafftigen/ ließ auch zugleich einen ſehr künſtlichen See⸗Compaß/ gleich einem Aſtrolabio, ſo er mit ſeinen eigenen Handen gemacht/ dem Konig uͤberreichen. Dann wie ich ſchon mehr als einmal erwehnet/ muß man durch gantz Orient niemals/ weder vor dem Koͤnig/ noch die Statthalter in den Provintzen/ mit leeren Handen kommen/ und der ihnen nicht etwas curieuſes bringet/ iſt niemals angenehm/ oder willkommen. Der Nazar ſetzte den Compaß vor dem Konig nieder/ und laſe die Supplication, an dem Ende aber erzoͤrnete ſich der Ko; nig in etwas/ und ſagte zu dem Nazar: Wie kan ich in des Raphaels Begehren willinen/ da er alle Tage trachtet die Muſulmaͤnner von jhrer Religion abzufuͤhren/ unſer Geſetz verachtet/ und hingegen ſeiDes Kůnigs nes allen denen/ ſo er verfuͤhren kan/ vorprediget; er iſt nicht werth/ daß er ſich vor mir ſehen laſſe. Der Narar ſahe daß der Konig zornig war/ und ſuchte jhn wieder zu beſanfftigen/ indem er Ihr Majeſtat vorſtellte/ daß boſe Gemüter ſolche anklagen wider den Pater geſchmiedet/ damit ſie einen freyern Zugang bey Hoff haben mochten/ und daß er ſich nichts undernehme/ ſo Ihr Majeſteit mißfalWelcher be⸗ len möchte. Über dieſen Einwurff des Nazars, ſchiene der Konig zu frieden zů ſeyn/ und nahm den Compaß in die Hande/ machte ihn auf/ betrachtete jhn/ und fragte/ wie er zu gebrauchen; und ſaͤgte darauf dem Pater Raphael/ er ſolte in des oberſten Aſtrologi Gemach gehen/ und ihm von dieſem Inſtrument einigen Underricht geben; er war aber nicht zu finden/ und giengen wir alſo alle zuſamen auß des Königs Pallaſt/ und der Pater Raphael nach ſeinem Kloſter; die Fraͤncken aber und feinen eigenen Nutzen fiehet: wie dann die PerWas der Author weiter auf ſeiner Neiſe N rund me/ wie mir der Nazar befohlen/ ſagte er mir ſo f ich/ ſezten uns zu Pferd/ und nahmen mit un⸗ bald/ der König wolte die Diamante/ eben wie derſchiedlichen Trompetern und Trommeln vorher/ unſern Weg zurück nach Zulpha. Under anderen waren auch vier Europe iſche Trompeter/ zwey auß Pohlen/ und zwey auß Moſcau dabey/ ſo von den Moſeowitiſchen Abgeſandten/ die wenig Tage zuvor wieder zu⸗ Sein. ruck gekehret/ weggiengen/ und zuruck blieben. ande Es war aber der zweyte Abgeſandte/ dann der chen Hof Principal-Abgeſandte ſtarb zu Ipahan auß Verdruß und Widerwillen/ daß er von dem Konig ſo ſchimpflich gehalten worden. Als wir nach Zulpha kamen/ war es ohngefaͤhr drey Stund Nacht/ und giengen 1a. Laqueyen mit Wachs ⸗Hackeln vor uns her. Die Manner und alte Weiber lieffen mit Liechtern auß den Haͤuſern/ und woltenuns ſehen vor bey ziehen/ jhrer viel preſentierten uns Schalen mit Früchten und Zuckerwerck/ ſarnt dem beſten Wein/ und noͤhtigten uns ſtill zu halten/ und faſt vor jeder Thür zu trincken. Als wir in mein Quartier kamen/ ſetzten wir uns zu Tiſche/ und brachten einen guten Theil der Nacht ſehr luſtig zu. Dann der Nazar hatte mir von dem 6 0 herlichen Wein von Schiras, dieſem Feſt zul h?! 1 ren geſchicket/ davor ich jhm auch in meiner Frantzoͤſiſchen Kleidung des folgenden Tags danckte. Er wolte von mir wiſſen/ wie unſere Frolichkeit abgelauffen/ und als ich jhm ſolches außfuͤhrlich erzehlet/ ſagte er ſolches ſo bald dem Konig/ welcher mich wiſſen lieſſe/ daß ich einmal dabey ſeyn ſolte/ wann er ſich luſtigmachte/ ſolte auch vor jhm in ſeiner Gegenwart trincken/ und die Ehre haben ſeine Muffe zu hoͤren/ und ſeine Weiber tantzen zu ſehen. Ich ruͤhmte gegen dem Nazar, daß mir der Konig allzu groſſe Ehr auf einmal thaͤte/ und daß ich alle Stunde wurde bereit ſeyn/ des Koͤnigs Befehl zu empfangen; und underredeten uns hernach von underſchiedlichen Sachen; dann es iſt ein Her? von groſſem Verſtand/ und ſehr curieus, der aber allezeit in den Careſſen, ſo er den Francken erweiſet/ auf ſeines Koͤnigs und „«„% eee eee S ſianer ins gemein under allen Volckern in gan Aſien/ die Liſtigſten und Verſchlagenſten ſin⸗/ und den Europeern am Verſtand und Argliſtigkeit nichts nachgeben. Das XVII. Capitel. verrichtet. Stücks under meinen Kleinodien/ ſ o ein hangendes Kleinod von Diamanten/ in Form einer Biern/ und welches von oben bis unden durchgeboret/ erinnerte/ nicht gekauffet/ befahl er dem Nazar, er ſolte mich holen laſſen/ und um ſelbiges Kleinod handeln/ La weil es jhm ſehr wol gefallen. Als ich nun mit Her wi dieſem Stück/ und einem Diamant⸗ Ning da⸗ germ von ich drunden noch ſagen wil/ nach Hof ka⸗ la en 2 Ls ſich der Koͤnig noch eines kostbaren ö kb h er S die an dem hangenden Kleinod durchboren laſſen/ gedachte aber kein Wort/ daß ſie der Konig kauffen wolte. Ich antwortete dem Nazir Ihr Majeſtet müſten dann dieſelben nohtwendig in Europa ſchicken/ dann ich wuſte wol/ daß niemand in ſeinem gantzen Königreich zu finden/ der ſolches wurde zu Werck richten konnen. Sagte ihm dabey/ es waren zu Ipahan zwey. Hollandiſche Diamant ⸗ und Steinſchneider/ ſo nach Indien reiſen wolten/ er mochte ſie nur hohlen laſſen/ und von jhnen ſelbſt vernehmen/ ob ſie ſich dieſer Arbeit/ ſo jhrer gar wenig verſtehen/ underfangen wolten. Aber dieſe Antwort gefiele dem Nazar nicht/ ſondern ſagke mit einer zornigen Stimm; Meineſt du nicht/ daß wir in dieſem Land nicht eben ſo geſchickte Leute haben/ als bey dir? Ich merckte aber wol/ daß er ſich nur alſo ſtellete/ und dadurch das Kleinod wolfeiler haben wolke/ ließ mich auch nicht mercken/ als ob ich dieſe Worte empfande/ ſondern zoge/ jhn deſto beſſer ſeines Irꝛthums zu überweiſen/ auß meinem Jack einen Diamant⸗Ring/ worinnen des Königs in Engelland Way pen geſtochen/ und zeigte jhm ſolchen. So bald er dieſen ſahe/ wurd er beſturtzet/ und bekennete/ daß die Francken Verſtand hatten/ wolte mich doch dabey bereden/ wann er ſichs under fangen wolte/ getrauete er ſich noch wol die Diamanten durchboren zu laſſen; weil es ſich aber gllzu lang verziehen doͤrffte/ würde es der nachſte Weg ſeyn/ wann ich dem Konig mein Kleinod um einen billichen Preiß verkauffen wolte. Ich wieſe ihm ſo bald was es mich koſtete/ ich forderte aber gleich wie von allem/ was ich dem Konig verkaufft hatte/ noch daruber 25. vom 100. worüber der Nazar mich auf allerhand Weiſe dahin zu bringen ſuchte/ daß ichs um den Preiß/ als er haben wolte/ laſſen mochte. Endlich aber/ als er ſahe/ daß ich nicht davon abgehen/ noch etwas von dem allernaheſten Preiß/ den aſtr ich hem geſagt/ wolte fallen laſſen/ nahmeer das e Kleinod mit dem Ring/ und truge es zu dem dien. König/ welcher von Stund an die Diamanken von dem Strauß abmachen/ und nach einem Frantzöſiſchen Goldarbeiter Namens Sain, ſo ſchon etliche Jahr her bey jhm in Dienſten iſt/ ſchicken ließ/ mit Befehl /er ſolte es an einen Federbuſch auß Perlen hefften/ welchen der Koͤnig mit ſeiner Hand gezeichnet/ was aber den Diamant/ darinnen das Wappen gegraben/ anbelanget/ brachte ihn der Nazar wieder zurücke/ und ſagte/ der König haͤtte geſchen was darauf gegraben. Ich ſagte mit Fleiß nichts weiters als daß es eines Europciſchen Fürſten Wappen ſeye/ weil ich mich noch wol zuerinnern wuſte/ was dem Chevallier de Repille, deſſen Begebenheit ich erzehlet/ wegen des verſtorbenen Koͤnngs in Engelland/ deſſen wappen auf dieſen Diamant geſtochen war/ e Als nun dieſe durchgeborte DiaJDinten dem Goldarbeiter geliefert worden/ gab mir der Nazar, weil er den Kauff vor den Slemod von Diamanten mit mir geſchlof. 8 be Vein berpitſchiertes Papier/ darauf ich auß 3 der Schatzkammer meine Bezahlung holen ſolte. Der Groß⸗Schatzmeiſter bezahlte mir zur Stund ſo viel als mich meine Diamanten koſteten/ die 25. vom oo. aber/ welche ich auch vor meinen Gewinn forderte/ wolte er mir nicht geben. Als ich ſahe/ daß die Sachen ſo ſtunden/ nahme ich im Zorn mein Papier auß des Groß⸗Schatzineiſters Handen wieder zu: rück/ und brachte es dem Nazar und führte ihm zu Gemuht/ daß ich mich uber ſein Ver⸗ Iyme wird fahren zum hoͤchſten beſtürtzte/ und ſo man mir ene e die verſprochene 25. vom 100. nicht wolte zah⸗ lung gewejlen laſſen/ wurde ich das Diamantine Kleinod gert. wieder zuruck nehmen. Dieſes ſagte ich hm mit eben dieſen Worten/ und mit harter Stim/ ſo viel mir moglich war/ der Pater Raphael dorffte nicht auf ſolche Weiſe mit jhm reden. Wie der Nazar ſahe/ daß ich mich daruber erzoͤrnete/ fuhrte er mir mit gelinden Worten zu Gemüht/ was ich von dem Konig vor Ehr empfangen/ und daß keinem Abgeſandten oder Statthalter in einer Provintz/ jemals das Calaate mit ſolchem Pracht gegeben worden vals mir. Wann mancher im Königreich einen ſolchen Paß hatte wie mir der Konig gegeben/ er würde jhm alle Jahr ooo. Tomans gelten/ und noch andere Sachen mehr/ damit ich nicht zu frieden war/ als er aber merckte/ daß ich einen Weg als den andern unwillig war/ ließ er mir durch den Pater Raphael ſagen/ wann ich nicht zufrieden/ ware es ſeine Schuld/ weil er dem Konig nur allein von dem Preiß der Diamanten geſagt/ aber nicht an die 28 vom 100, Gewinn gedacht hatte. Nachdem aber alles ſo beſchloſſen/ konte er deßwegen nicht mehr mit Ihr Majeſtet reden/ und ſo ich nicht Sein unwil zu frieden ware/ wolte er mir lieber das jenige drrͤber. ſo ich noch drüber for derte/ auß ſeinem Beutel bezahlen. Ich mochte mich aber auch erinnern/ was er nur auß gutem Hertzen und ohne Genuß vor Dienſte gethan; wie ich dann geſtehen muß/ daß er niemal etwas/ von allem was ich jhm angebotten/ hat nehmen wollen/ auſſer einer von Gold geſchmeltzten iht/ womit ich doch genug zu thun hatte/ daß er ſie an nahm/ und viel Ceremonien koſtete. Dann er betheurte ſo bald gar hoch/ daß er ſie nicht annehmen dorffte/ er habe ſie dann zuvor den Konig ſehen laſſen/ welches er endlich auf mein inſtandiges Bikten auch thate/ und in einem kleinen Schüſſelein von Siegelwachs/ wie ſie auß Japon kommen dem Konig durch einen VBerſchmittenen überſchiekte/ der Kong aber ſchickte ſie ihm wieder zurück/ und ließ ihm ſagen/ er ſolte ſie mir zu Lieb behaltnn. Underdeſſen giengen etliche Tage vorhey/ an welchen ich genugſam ſruhren lieſſe/ daß ich nicht wol zufrieden ſehe; und ob mir ſchon der Naar einen Botten über den anderen ſchickte ich ſolte mein Gelt vor das Kleinod/ auß der Schatzkammer abholen/ gienge ich doch nicht auß dem Hauß. Endlich aber/ pie ich kein ander Mittel ee ich bey mix/ meine Bezahlung abzuholen. Auf dem Weg begegneten mir/ zwey Reuter/ die mir von des G Koͤnigs 0 wegen ſagen ſolten/ daß Ihr Majeſtet meine uͤbrige Jubeln nochmals beſehen wolte/ deswegen muſte ich nochmals zuruck gehen/ und dieſilbe abholen/ und ſo bald mich der Nazar bey Hof ſahe/ fienge er an zu lachen/ und fragte mich/ ob ich noch zornig waͤre/ und mein Gelt nicht geholet hatte/ ich antwortete/ daß es damit keine Eyl/ und ich ſolches noch nicht angeruͤhret und eubl haͤtte. Kurtz zu ſagen/ der König kauffte noch ander zwen Stück von meinen Jubeln/ und bezahlte i mir dieſelben/ als ich ſie gebotten/ und vor meinen Gewinn noch 25. vom 100. Daß ich alſo in allem/ vor das/ ſo ich dem Konig verkauffet/ ohngefahr 3500. Tomans bekommen. 2 Das XVIII. Capitel. Von dem Geſpraͤch/ ſo der Author mit dem Koͤnig/ wegen der Fuͤrſten in Europa gehalten/ und wie Ihr Majeſtet befohlen/ daß er den gantzen Tag dabey ſeyn ſolte/ als ſich der Koͤnig luſtig machte. 1 e ( N Es folgenden Tags wurden acht oder neun Reuter außgeſchickt/ etliche ſolten den bater Raphaël holen/ andere ſolten auß der Hollander Quartier die beyde junge Hollander/ welche dem Konig die Reverentz gemacht/ als ich das Calaate empfanHerz raver. gen/ nach Hof holen; und zu mir kamen quch gemi Ihrer drey/ welche mich dergeſtalt fortgetrienach Hof be hen/ daß ich kaum geit hatte/ mich anzukleiden. kuffen. Ind ſo bald wir auf die Pferd kamen/ gieng es im vollen Jagen nach dem Pallaſt zu/ allwo ich den Nazar in ſeinem 110 und den Pater Raphaël mit den beyden Holländern/ antraffe und hatte er noch zwey andere Frantzoſen/ ſo des Konigs Bediente/ holen laſſen. Der Konig war eben damals auß dem Haram, oder Frauenzimmer⸗Pallaſt/ und gabe einem Kan, den er dem Abgeſandten von dem GroſſenMogol entgegen ſchickte/ Audientz. Dieſe Geſandtſchafft/ als die erſte/ ſo von der Zeit an/ als der damals regierende Koͤnig zur Kron gekommen/ auß Indien kam/ war eine von den anſehnlichſten und praͤchtigſten Underdeſſen beredete ſich der pater 2 phaël in der Marhematic, niit etlichen von des Konigs Officierern/ ſo gegenwartig waren/ und als der Nazar darvor hielte/ daß man vor den Koͤnig kommen koͤnte/ nahm er mich mit dem bater und den zweyen Hollaͤndern/ und Und vor den führte uns nahe zum Saal/ wo Seine Majeer, l, er ſich befande. Er befahl uns allda zu warten/ und gieng hin zu ſehen/ wann es Zeit ſeyn wurde/ uns hinein zu führen. Als er nach einer Viertelſtund wiederkommen/ lieſſe er uns vier Staffeln hinauf in den Saal tretten/ worinnen der Konig auf einem kleinen eines halben Schuhes hoch erhabenen Ort ſaſſe/ darguf zwey Polſter mit einem reichen Teppich bedeckt/ lagen. Er lehnte ſich wider ein groſſes Kuſſen/ von vier Schuh lang/ und hatte vor 202 Raeisbeſchreibung in Perſien/ ſich acht oder zehen Schüſſeln mit Früchten und Confect ſtehen. Der Nazar lieſſe mich am erſten ſeine Majeſtet gruſſen/ und die andern machten jhm auch nachgehends ihre Reverentz. Nach dieſem lieſſe man uns niederſitzen ohngefahr 10. oder 12. Schritt vom Kong. Vor ſich hatte er zwey Flaͤſchen mit langen Halſen/ von Venediſchem Chryſtall/ rund und gekrauſet/ vollschiras. Mein/ und eine guͤldene Schalen/ auf der Seiten aber eine Art eines guldenen Zuͤberleins/ uit einer Handhab/ von eben ſolcheim Wein/ ohngefahr drey oder vier Finger hoch/ angefüllet/ ſamt einem groſſen guldenen Löffel/ welcher eine gute Pariſer Chopine halt. Auß dieſen Flaſchen ſchencket man dem König zu trincken ein/ und der Wein in dem guldenen Zuber/ iſt vor die/ ſo der König in ſeiner Gegenwart wil trincken laſſen. Nachdem wir nun hinein gegangen/ wendete ſich der Konig anfangs zum Parer Raphael, ſagende: Raphablz bia, bia; iſt zu ſagen: Raphael komme her/ komme her. Der Parer ſtunde alſobalden auf/ gienge nahe zum Konig und fiele nieder auf die Knie; Raphael führe der Konig 760 Wann du wilt Wein trincken/ ſo bleie hier/ wo nicht/ ſo gehe hinauß. Der pater Raphasl frincket niemaſen Wein; und gleich wie er etwas eigenes hat in ſeinen Artz ney⸗Mitteln/ ſo allen andern gantz zu wider/ wann er von einem Fieber/ oder ſonſt einer andern Kranckheit einen Anſtoß fühlet/ ſo vertreibt er ſolchen mit einem Glas Wein, Jedoch es Köll Heſtbich, nit den t ahl ſagte er dem Konig zu gefallen/ daß/ weilen ſhm Seine Majeſtet dieſe Ehre thate/ ſo ware er zu frieden ein wenig Wein zu trincken/ dieſe Antwort gefiele dem Konig ſehr wol/ und ſagte lachend zu hin: Dieſes iſt ſehr gut/ ſetze dich nieder; Nachgehends befahl er einem von den zweyen Holländern Calembroot genant/ er ſolte uns Wein einſchencken/ welches er mit Zittern thate/ weil er ſich zuvor niemalen auf einen Hut auf den Teppich gelegt/ der Konig aber befahl jhm denſelben wieder auftuſetzen/ indem es in Perſien vor ſehr unehrbar gehalten wird/ das Haubt blos zu haben. Er ſchenckte uns dann einem jeden von dem Wein auß dem Suberleih in den guldenen Loffel/ und gab uns/ guß Befehl des Koͤnigs/ denſelben gantz voll/ nachdem nahim er ſeinen Platzwieder. Gleich wie allezeit etliche junge Herren bey dem Konig nem ſolchen Gaſtmal befunden. Er hatte ſei560% gen g g chen hg, mahl gauge ſind ſo jhm aufzuwarten/ ſo befahl er einem von i een er ſolte den Zuber und den groſſenn Löffel nehmen/ und ſich bey uns ſtellen; und lieſſe uns noch einmal den groſſen Loffel voll Wein einſchencken/ und ob wir gleich dieſem jungen Herzn winckten/ denſelben nicht gantz voll zu ſchencken/ ſo ſtellte er ſich doch/ als wann er uns nicht anſehe/ und war keiner under uns befreyet/ denselben zu trincken. Aber wann es continuieret haͤtte/ ſo wurden wir nicht lang haben außhalten konnen. Nachgehends gabe man uns zu/ auß guldenen Schalen zu trincken. Ich habe ſchon bemercket/ daß die Perſianer keine Speiß eſſen als in der dagen dea ——— ͤZàPjn——-— el, b, vol . 8 Viertes eit/ welche geſchicht des Abends um vier oder flünff Uhr: Der Konig/ welcher wol wuſte/ daß die Franzoſen nicht gern trincken/ ohne etwas gutes dabey zu eſſen/ befahl dem Narar, er ſolte uns ekliehe gekochte Speiſen laſſen her br ingen. Man deckte vor uns nach Gewouheit ein groß Sofra von guldenem Brocarr, at ſtakt emes Tiſchtuchs auf/ und uͤber den Sotta ein Leder/ von eben ſolcher Lang und Breite/ und von geblümter Gattung/ hernach legte man Uber das Leder ein Art Brot/ welches eben die Lange des Sofra hatte/ dann wann der Solra zehenEhlen lang ware/ wie ſolches oft geſchicht/ o würde das Brod eben ſolche Lange haben. Brod iſt nicht viel dicker als ein Pad man faldet daſſelbe/ wie wir eine SerVierte falten. Man macht es mit einem WeltzHoltz/ und backt es auf Uberzinnten kupfernen ner Platten. Und dieſes geſchicht nicht/ daß man l- daſſelbe eſſe/ ſondern wie man ſich in Perſien keiner Deller bedienet/ ſo iſt diß Brod an ſtatt eines Tiſchtuchs/ um dainit alles ſo auß den Schüͤſſeln fallt/ und was vor einem jeden vor Speiſen uͤberbleiben/ aufzuheben/ und daſſelbe wickelt man all zuſamen in das Leder/ und wird vor die Arme gegeben. Nachgehends beleget man alle Ecken des Sora mit herlichem Brod/ von ohngefahr zwey Sehuhen lang/ und einen breit/ desgleichen oder beſſer wenig in der gantzen Welt gefunden wird. Wann das Tiſchtuch ſolcher geſtalt/ nach Manier und Art des Lands gedeckt war/ truge man uns ein Menge gebratener und gekochter Speiſen auf/ wie auch groſſe Lachs/ Forellen/ derer das Caſpiſche Meer eine groſſe Menge hat. Man brachte damal dei Konig zwey groſſe Kuſten/ eine voll Limonen/ welche von Mazandran kommen/ die andere mit Granat⸗Aepfel/ von Schiras, und nachdeme man zwey oder drey Schüſſeln davon gefüllet/ winckte der Konig/ daß man uns ſolte von dieſen ſchoͤnen Fruͤchten bringen Nachdem wir ein wenig geeſſen hatten/ rieff der Konig dem Pater Raphael, und befahle ihm/ ſich bey hmm zu ſetzen/ rieff darauf wür auch . mit meinem Namen/ und ließ mich desgleichen Feannung diederſken. Nacßgehends kam er auf den miha Diſcours von meinen Neiſen/ und fragte mich/ Hen u. bas ich in Indien geſehen/ und bey welchen Koͤmet.. Nigen ich den meiſten Zutritt gehabt hatte/ auch bb ich ſie wol kennte/ wann ich jhr Bildnuß ſeaan, hen würde. Worauf er dem Naerer befahl Aude ekliche davon zu holen, um mir zu zeigen. Dieini, ſer eter iſt das Haubt von den weiſſen Verſchnittenen/ und gleich wie in Franckkeich der erſte Cammer⸗Juncker. Er begleitet den Konig an alle Ort/ und tragt allezeit auf der Seiten eine koͤſtliche Taſche/ worinnen des Koͤnigs Schnuptücher ſeynd/ um jhm dieſelbe zu gehen/ tognner ſich deren bedienen wil; dann wie ich geſagt/ ſo gibt man in den Morgenlandern ö e Serviette Uher Tafel/ ſondern ein eder nh G ines Schnuptuchs, ſo er an ſeifeld Wurkel hencken hat: Man biauchet aber U nietal die Naſen zu butzen; dann gleich die Perſianer Taback trincken/ ſo buBuch; 23 tzen ſie doch die Naſe nicht/ ſpeyen auch ſehr wenig auß. Auf den Teppigen ſtehen gewiſſe kleine Geſchire/ etliche von Gold/ etliche von Silber/ Und andere von Porcellan/ nach dem Stand der Kule/ und dieſe Geſehirꝛ werden gebraucht darein außzuſpehen/ öder vielmehr das Waſſer ſo jhnen ins Maul komt/ hinein zu laſſen/ worzu ſie auch hre Schnuptucher . e Nachdem nun der Meter etliche Porrrait mit halbem Leib in miniature gemahlet/ herbeygebracht hatte/ wie guch etliche andere in einem groſſen Futer/ welches der Konig ſelbſt oͤffnete/ und als mir Seine Majeſtat eines nach dem andern zeigten/ erkante ich alſobald den Größ⸗Mogol/ Cha. Gehan, welchen ſein Sohn Aureng-Zeb damals gefangen. Ich kante auch drey von ſeinen Sohnen/ weil erm 1 ich den vierdten nicht geſehen. Ich ſahe auch den under under andern die Bildnaſſe der Könige von idee Golconda und Viſapour; und des Printzen wen.“ Chaſtakan ſeines/ ſo des Groß⸗Mogols Fk. Mutter Bruder iſt/ wie auch die von den zweyen Rajas, mit welchen ich an dieſer Könige Hof Kundſchafft hatte. Under dieſen Gemaͤlden ware eins von einer jungen Perſianerin/ welches mir der Konig gegeben/ um in Franckreich zu weiſen/ wie die Weiber in Per ſien gekleidet ſeynd. Er begehrte W daß ich ihn das Conterfait meiner Frauen nochmals mochte ſehen laſſen/ welches ich in einer kleinen Büchs von Paris mitgebracht hatte/ er erinnerte ſich aber nicht/ daß es noch in ſeinem Haram war/ wo er es ſeinen Weibern gezeiget/ als ichs jhmn vor drey oder vier Tagen gegeben hatte. Der Nazar ware daran Urſach/ dann als und zeiget er mich einstmals allein mit ihm zu trincken auch dem. noͤhtigte/ und wir niemand als den Pater Ra⸗ Biba er phael zum dritten Mann hatten/ welcher nicht ner Frauen krancke/ ſagte er mir/ daß der Konig gern etliche Weiber auf Frantzöſiſch gekleidet/ ſehẽ mochte/ und daß er glaubte/ daß ſelbige ſehr angenehm in ſolcher Kleidung ſeyn wurden/ worauf ich das Portrait meiner Frauen auß meinen Sack zoge/ ſo der Nazar gantz erfreut/ alſobalden dem Konig durch einen Verſchnittenen ſchickte/ und mich zum oͤftern fragte/ ob ich daſſelbe Ihro Majeſtet verkauffen wolte/ ich ſagte jhm aber/ daß es nicht geſchehen konte/ und daß es eine Sache waͤre/ die ich mein Tag des Lehens zu verwahren gedachte. Naehdem nun der Koͤnig hingeſchickt/ das Portrait in ſeinem Haram zu holen/ wurde es jhm alſobalden gebracht/ und als er es noch ein wenig beſehen/ gab er mir daſſelbe wieher Nachgehends preſentierte man dem Konig zwey groſſe Portrait von Hel⸗Farben in Rahmen eingefaßt/ welche etliche Kaufleute von Zulpha, mit ſich von Venedig ode Livorno gebracht hatten; Es waren zwey Couftiſane auf Frantzöſiſch gekleidet/ die eine als eine Witwe/ die andere mit einem Paps⸗gey auf der Hand/ ſo ſie biſſe. Als mich der Ko nig gefragt/ welche under dieſen beyden ich vor die ſchoͤnſte hielte/ antwortete ich/ daß es meiner Meinung die jenige war/ ſo den Papagey auf der Hand hielte: Er fragte mich 3 Und was ſich i hends, i 2. Reisbeſchreibung in Perſien/ ferner zuge⸗ hends/ warum ich nicht der andern zum Vorttagen. theil judicieret hatte? Worauf ich ſagte/ daß dieſelbe eine Witwe ware/ ſo gar traurig ſchiene/ als wann ſie der Welt abgeſagt hatte. Der Konig fienge darauf an zu lachen/ und wendete ſich gegen den Parer Raphael, ſagende: Patri, Patri, iſt es moglich/ daß eine Frau wie dieſe iſt/ den Eheſtand und die Welt ſolte verlaſſen haben? Endlich begehrte der Koͤnig meine Meinung/ betreffende die Schonheit der Weiber: Ich antwortete jhm/ daß man ſich hierninnen ſehr nach dencdewonheiten des Lands 170 muſſe/ und daß man in Japonien die Weiber liebte ſo breite Geſichter hatten in China werde erfordert Heren Ta- daß ſte kleine Fuſſe haben/ in den Inſuln Bor. b neo und Achen ſeyen die am hoͤchſten geſchaSchbubeit tzet/ ſo die ſchwartzſten Zaͤhne haben/ und die der Weiber; Weiber/ in der Inſul Macaſſar oder Celebes, ſchoͤn zu machen/ ziehet man jhnen vier Zaͤhne/ wann ſie noch jund ſeynd/ von vornen auß/ und ſetzet an deren Stakt vier guldene dahin. Und erinnere ich mich uber dieſer Materi/ daß ich in Batavien ein Capitain von der Inſul Java geſehen/ welcher ſich vier Zahne hatte außziehen/ und vier Diamant an deren Platzeinſeßen laſſen. Endlich ſagte ich zum Konig/ daß man in ſeinem Reich die groſſen Augbrauen ſo zuſamen ſtoſſen/ ſehr hoch hielte/ und hingegen in Franckreich das gegentheil ware/ da ſich die Weiber dieſelben mit kleinen Zaͤnglein außreiſſen/ und nur einen ſchmalen Strich ſtehen laſſen. Und daß endlich die Sehoͤnheit beſtunde in der Meinung der Menſchen/ was an einem Ort ſehoͤn/ ſeye an dem andern nicht ſo/ dieweil die Gewonheiten underſchiedlich/ und daß in dieſem Fall/ gleich wie auch in andern/ ein jeder ſeinen eigenen Gefallen habe. Aber was iſt deine Meinung von den Weiſſen und Schwartzen/ fragte mich der Konig noch einmal/ welchem dieſer Diſcours wol geflele. Sire antwortete ich jhm; wann ich Weiber kauffen wolte/ ſo wurde ichs machen/ als wann ich Brod/ Diamant und Perlen kauffe/ und allezeit die weiſſeſten gußleſen. Dieſe Antwort machte/ daß der Konig lachte/ und ließ mir alſobald auß ſeinem Trinckgeſchirꝛ zu trincken geben/ welches eine groſſe Ehre iſt. Und damit wir Seiner Majeſtet mehr Relpect erweiſen mochten/ giengen wir/ der Parer Raphael und ich allgemahlich zurück/ an den Ort/ wo die Hollander waren/ aber der Konig ließ uns alſobald wiederkommen/ und es war bald zehen von der Weiber Schoͤnheit/ ab/ und auf einen 8 viel ernſtlichern kamen/ welcher war von dem Der König jetzigen Zuſtand in Europa. Der Konig thate befraget den mir underſchiedliche Fragen/ nacheinander/ die Sener von erſte war von Franckreich und ſeiner Groſſe/ dem jetzigen und ſagte/ daß alles das jenige was von NieSung dergang vortreſlches und vollkommenes käme/ ware auß Franckreich: Ich antwortete Ihr Majeſtet/ daß getwißlich die zwey vornehmſte Reich in der Welt/ Perſien in Aſien/ und Franckreich in Europg ſeyen. Ex fragte mich folgends/ was ich von dem Groß Türcken hielte/ worauf ich antwortete/ daß anitzo ſeine Gewalt nicht ſo fehr zu foͤrchten/ als ſie vor dieſem geweſen; und daß man in dem Krieg vor Candlia wol erfahren/ daß ſie nicht ſo groß ſeyn/ als man ſich eingebebildet; und daß ſein Reich einige Zar hero ſehr verfallen: wie ich dann zu Smyrna und andern Orten in Tuͤrckey wargenommen/ daß man ſeine Bauren mit Schlagen zum Krieg treiben muͤſſe/ jnſonderheit aber die/ ſo man in Candia ſchickte; endlich/ daß der meiſte Theil ſeiner Provintzen wuſte ſeyen/ und daß von Smyrna bis nach Erzerom die Caravane, wobey ich war/ in zwey und zwantzig Tagen keine lebendige Seele in den Doͤrffern ſo auf der Landſtraß ligen/ antreffen konnen/ und alſo gezwungen geweſen/ zwey Meil auß dem rechten Weg/ ja gar bis ins Geburg zu gehen/ um Lebensmittel vor uns und unſere Pferd zu bekommen. Ich ſetzte noch hinzu/ daß der Groſſe ChaAbas, Seiner Majeſtet Uhr⸗Groß⸗ er:⸗Vatter/ oftmals Abgeſandte zu den Chriſtlichen Koͤnigen und Fuͤrſten in Europa abgeſchicket haͤrte/ um ſie zu ermahnen/ das jenige zu thun/ ſo ſie anjetzo thun/ und wann dieſer groſſe Konig das Gluck gehabt hatte/ das jenige zu ſehen/ was anjetzo vor gehet/ ſolte er wol gewuſt haben/ daſſelbe ſich zu Nutz zu machen. Ihr Majeſtet wuſte auch wol/ wie die Sachen einiger Zeit hero zugegangen/ und die Teutſchen zweymal zwey herzliche Sieg davon getragen hatten. Darauf fiele mir der Konig in die Rede/ und ſagte/ daß es wahr ſeye; aber die Teutſchen und der Turck/ hatten don derſelben Zeit her/ Frieden gemacht/ welchen man nicht brechen ſolte. Worauf ich dem Konig Antwortete/ daß/ wann alle groſſe Herren jhren Nachbarn Glauben halten würden/ wie Ihr Majeſtet thaͤten/ wurden nicht ſo viel Kriege ſeyn/ und alle Laͤnder im Frieden leben. Es war niemand im Saal/ ſo etwas von dieſem Diſcours hatte verſtehen konnen/ dann der Konig hatte den Pater Raphael und mich/ ſo nahe bey ſich ſitzen laſſen/ daß kein einiger von den andern/ ſo Reſpects wegen von fernen blieben/ ſo gute Ohren hatte haben koͤnnen/ etwas zu hoͤren; zudem redeten Ihr Majeſtet ſehr leiß/ und antworteten wir ihm desgleichen. Es war niemand/ als ein alter Her auf Georgiſche Manier gekleidet/ ſo ohngefahr funff oder ſechs Schritt hinder dem Konig ſaß. Oftmals wann der Konig tranck/ netzte er nur die Uhr des Morgens/ als wir von dem Diſcouts, Leſtzen/ rieff dann dieſem Herren/ und reichete jhm das Übrige zu trincken dar/ weleher darauf wieder nach ſeinem Platz kehrete. Es verlangte mich zu wiſſen/ wer dieſer ſeyn moͤchte/ und nachdem ich mich befragt hatte/ wurde mir geſagt/ daß es des Koͤnigs Ohm/ ein Bruder ſeiner Frau Mutter jeye; dann der Perſianiſchen Koͤnige Ohm vom Vatter her/ werden die Augen außgeſtochen/ wie ich anderswo ſagen werde. n 1 Nachdem der Dilcours von der Macht des Groß⸗Turcken geendiget/ wolten der Pater a Raphael dp Ka Groß dit cken. 5%% 5 7 erich ſolg f ge „% Vier tes Baphael und ich/ aufſtehen/ und wieder an unſere Ort gehen/ aber der Konig hielte uns zurück/ und fragte uns noch/ wie viel Koͤnige in Europa/ und welche die machtigſten ſeyen? Ich antwortete darauf Ihr Majeſtet/ daß es eine von der gantzen Welt erkante Warheit 0 ſehe/ daß der Konig in Franckreich der machch den tigſte under allen. Der Konig fragte mich Ibuige in weiter/ ober noch jung ſeye? Ich antwortete uch, ex ſeye nicht alter als ſechs und zwantzig Jahr/ und habe einen Sohn von drey Jahren/ welchen man den Dauphin von Franckreich nennete/ und einen einigen Bruder/ zwey Jahr Unger als der Konig. Worauf ich eine Medaiſle guß meinem Sack zoge/ wie dieſelbe/ ſo Ihro Majeſtet an die Schweitzer gegeben/ als er mit ihnen die Allianz erneuerte. Der Koͤnig in Perſien betrachtete das Bildnuß Ihrer Majeſtet lang/ und der Pater Raphael legte das jenige/ ſo drum herum geſchrieben/ auß/ was da bedeutete der Altar/ das Buch/ und Monſeigneur le Dauphin auf der Seiten des Königs. Jeh ſagte zum Konig/ daß Ihro Majeſtet in Franckreich/ den Schweitzer iſchen Abgeſandten/ ſolche Medaille hatte geben laſſen/ mit guͤldenen Ketten/ dieſelbe daran zu hencken/ und daß alles von Gold ware. Der Konig fragte mich/ warum dieſes ſo ich Ihm wieſe/ nicht auch wie die andern/ von Gold ware? Ich ſagte/ daß es eins von denen/ ſo der Meiſter/ der ſie geſchlagen/ in geheim gemacht hatte/ um dieſelbe ſeinen guten Freunden zu geben. Wannes von Gold geweſen ware/ ſo wuͤrde ich es dem Konig angebotten haben; aber ich erinnerte mich alſobald deſſen/ was dem Engellandiſchen Agenten in gleicher Begioebenheik/ begegnet/ und vermeinte mir dieſes Exempel zu Nutz zu machen. Die Sache hat ſich weniger Worten alſo zugetragen: en% Eines Tags/ als der Engellaͤndiſche Agent gane an iich bey dem Groſſen Cha-Abas, einiger Ge10 de ſchfſte wegen befande/ geriehten ſie auf den g Diſcours von dem neuen Schlag der Müntzen/ in etlichen Standen in Europa/ ſo man braget. Der Konig verwunderte ſich/ wie es moglich ware/ daß man die Buchſtaben herum ſo wol zeichnen koͤnte/ und ruͤhmte die Erfindung/ dadurch verhindert wurde/ daß man die Stucke nicht beſchneiden koͤnte/ und hielte dieſe Gattung viel hoͤher/ als die Spaniſche Realen/ ſo gantz unformlich ſeynd/ und der meiſte Theil davon nicht wichtig ſind. Darauf zoge der Agent ein Silber⸗Stuͤck auß ſeiner Taſche/ auf der einen Seiten mit dem Bild St. Georg zu Pferd mit ſeiner Lantze/ und preſentierte ſelbiges dem Koͤnig. Nachdem der Kos nig ſelbiges wol betrachtet/ und etlichen Herren/ ſo bey jhm waren/ gezeiget: ſagte er/ ich ver wundere mich/ wie dieſe Francken den Morcuz. Aly ſo wol auf jhre Muntze zu ſetzen gewuſt haben. Er wolte zugleich wiſſen/ wer der ſenige Print ſeye/ ſo dieſe Muntz ſchlagen lieſſe und als der Agent geſagk/ daß es der dung in Engelland ſeye/ wuͤnſchte Cha-Abas 900 dieſen Stücken dreiſſig oder vierzig zu haben/ die ſo wol geſchlagen waren/ weilen der Prophet Mortuz-Aly darauf ſtünde. Der A= gent ſchriebe alſobald in Engelland/ worauf man jhm von dieſen wolgeſchlagenen Stucken füufftzig uberſchicket. Aber als er dieſelbe denn Koͤnig überreichen wollen/ hat ſie der König/ weil ſie von Silber waren/ nicht anſehen wollen/ und zum Agent geſagt/ daß Engelland ſehn arm ſeyn müſte/ weilen es/ dieſe Stucker zu machen/ kein Gold hatte finden konnen. Um zu zeigen/ wie die Koͤnige in Perſten mit nichts anders als mit Gold wollen bedient ſeyn/ und wie ſie dieſe Materi ſehr hoch halten/ ſo wil ich noch zwey Exempel davon beybringen/ ſo under der Regierung eben dieſes OhaAbas ſeynd vorgangen. Es war die Gewon⸗ Ein anders heit/ daß die Engellander und Hollander alle oaamvel dar Jahr/ in der Zurüͤckkunfft von jhren Geſchafften guß Ormus, dem Konig ein Geſchenck gaben/ nun begab ſich/ daß under andern Stucken/ ſo jhm die Hollander gaben/ eine Uhr in einem Kaſten von Chryſtall/ in Form eines Kreutzes war/ und mit einem Fuß ohngefaͤhr ſechs Daumen hoch/ aber es war ſo wol der Fuß/ als der Zierraht des Kaſtens/ von uͤbergüldtem Meſſing. Eben zu der Zeit war ein junger Menſch von Orleans zu Ilpahan, genant Leſcot, ſeines Handwercks ein Goldſchmied/ denſelben baten die Engellaͤnder/ er ſolte ihnen ein von Gold geſchmeltzte Zierung/ und ein Futer zu der Uhr machen/ welches er gethan/ das Fundament des Fuſſes aber/ war gelaſſen wie es war. Als nin der Schatzmeiſter dieſes Geſchenck kwolte einſchlieſſen/ ſtriche er das Gold/ um ſeine Eigenſchafft und Titul in das Buch zu ſchreiben/ weilen kein Gold in die Schatzkaminer komt/ es ſeye dann zuvor geſtrichen. Dieſer Menſcch/ als er ſahe/ daß der Fuß dieſer Uhr nichts als Meſſing war/ liuß es ſo balden dem Konig ſagen/ welcher ſich daruber beleidiget befande/ und die Uhr ſo balden dem Engellaͤndiſchen Agenten wieder zuruck ſchickte/ mit Befehl/ er ſolte einen Fuß von Gold und Geſchmeltz daran machen laſſen/ ſo auch von Stund an/ von eben dieſem Goldſchmied gemacht worden Im Jahr hernach thate der Hollandiſche Befehlhaber nach Gewonheit ſeine Verehrung/ und weil derſelbe/ wie jhm zwar lieb geweſen waͤre/ under den Specereyen und ſchoͤnem Holldndiſchem Tuch/ ſo er neben etlichen Gold und Silbern Stucken verehret/ jedoch nichts ungemeines befunden/ legte er in ein hoͤltzern ſchwartzes/ und mit Bildern geziertes Japoniſches Becken zwey tauſend Ducaten oder Venetigniſche Zeckin. Wie man ſolche in die Schatzkammer truge/ und liefern wolte/ wurden darunder zwween falsche befunden/ glſobald zuruck geſchickt/ und zu Handen des Kalamachi oder Dolmerſchen Bartholome genant, gelſeffat um von demſelben dem Befehlhaber gegen zwo anderen guten zugeſtelltzu werden. Als der Befehlhaber hierüber nur geſpottet/ und ſolche nicht außwechſeln wolte/ und mich eben bey jhme befande/ ſagte ich demſelben/ daß er des Lands Gewonheſt unwiſſend/ und dafern er nicht ohnverzoͤglich andere zween dagegen g erſtattete/ ben ehe ber keine anderen geben wolte. Zwo Stun n Hollune waren nicht vorbey/ daß des Konigs Leut ſie9 Be; hen oder acht an der Zahl/ in der Hollander Loten entſtanden. Fortſetzung Verniers mit 216 erſtattete/ bels darauß entſtehen koͤnte. Aber was ich demſelben vorbrachte fruchtete nichts/ indem er eigenſinnig bliebe/ und demnach der Dolmetſch die zwo falſche Ducaten wiederum in die Schatzkammer bringen muſte zu ſeiner Entſchuldigung meldend/ daß der BefehlhaZwo Stund ſament kamen/ und als ſie den Dolmetſchen ſcher Dea, hey der Pforten ant raffen/ denſelben zu Boden die Fußſole gaben/ und jhne nicht entlieſſen/ bis daß zwo andere Ducaten beygebracht/ und über das/ ſie für jhre Muhe befriediget worden. Ehe dieſelben weggiengen/ gaben ſie dem Dolmet ſchen einen ſehr harten Verweiß/ hme ſeinen Frevel und Unwiſſenheit vorhaltende; Iſt dir nicht bewuſt/ ſagten ſie/ daß in des Konigs Schatz kein ander als gut Gold gelieffert werden ſolle? Es iſt beſſer/ der Befehlhaber gebe allein 1oo o. Ducaten dem Konig/ und daß ſelbige alleſamt gut ſeyen. Iſt er willens den Kong zu betriegen? oder zwingt der Koͤnig jemand wider ſein Willen? Und alſo war dieſe Sach geendiget. Aber hiebey iſt zu wiſſen/ daß alle die Verehrungen ſo dem Konig beſchehen/ nach deren Werth geſchaͤtzet werden/ und daß nach dieſer Schatzung man dem Groß⸗Pfortner oder Thuͤr⸗Haubtmann/ zehen/ und ſeinem Leutenant fünff pro cento geben muͤſſe. Dieſes Groß⸗Pfortner Amt iſt eines der beſten des Hofs/ und auf das Geſchlecht ſo ſolches heut zu Tage bedienet/ erblich/ alſo daß der Koͤnig ſelbſten/ ohne merckliches Verbrechen/ ſolches jhnen zu entziehen/ nicht befugt/ wie dar von in meiner Beſchreibung des Tuͤrckiſchen Keyſers Pallaſt Meldung beſchehen. 8 i Nun komme ich wiederum auf das Geſpraͤch/ ſo ich mit dem Konig angefungen/ betreffend den groſſen Vortheil ſo Franckreich 0 Über all andere Koͤnigreich/ und die hohe Qualiteten ſo dieſer Monarch habe/ da ich verſpuͤrte daß er mix mit Luſt zuhoͤrete. Nachdeme derſelbe von deſſen Gewalt/ und wie groſſe Macht er auf die Beine richten konte/ Bericht eingenommen/ begunte er ſein Geſprach auf die Macht und Gewalt des Koͤnigs in Hiſpanien und deſſelben Gold⸗ und Silber⸗Gruben/ darvon in der Welt ein groſſes Geſchrey it/ zu richten. Er begehrte hierüber meine Meinung zu vernehmen/ ich bekennete jhm zwar/ daß der Koͤnig in Hiſpanien viel Königreich und Fürſtenthumer beſaſſe/ und daß in Europa kein Furſt ware/ der ſo viel gand hatte. Aber hingegẽ ſagte ich jhme/ daß alle dieſe Koͤnigreich von einandern zu weit entlegen/ und demnach einander nicht leichtlich Hülff leiſten koͤnten; daß ſtarcke Beſatzungen hin und wieder erfordert werden/ um das Volck im Zaum zu halten/ und daß dieſe Beſatzungen ein groſſes Gelt koſteten. Was des Honigs Gold⸗ und Silber⸗Gruben anbelangen thun/ wann die Reisbeſchreibung in Perſien/ Flotten glücklich nemlich Leinwad/ Brantenwein/ Schifffilund andere dergleichen/ ſo in Occidental⸗Indien verführt wird ein guten Theil davon/ und ſonſten ein Uberfluß aller Dingen/ auch damit ſeine Nachbarẽ damit zu verſchen/ hatte. Aber/ ſagte mir hierauf der Koͤnig/ jhr habt Volcker in Europa/ welche durch den Adel regiert werden/ wie die Venetianer nur beſchrieben worden; und ieh vernimme/ daß der Hollander Regiment in allerley Leuten underſchiedlichen ö Stands/ und von der Gemein beſtehe/ welches legten/ mit einem Stock ſo viel Streich auf jedoch/ wie man ſagt/ keines wegs hindere/ daß dieſe Land nicht treflich politiert ehen. Was meineſtu/ fuhre der Konig fort zu ſagen/ von dieſen underſchiedliehen Regierungen/ und welches glaubeſt du das beſte zu ſeyn? Jeh konte auß des Königs Rede unſchwer abnehmen/ daß der freye Stand jhme nicht beliebte/ und alſo antwortete jhme auch ohne viel Bedenckens/ daß die Monarchiſche uñ Erb⸗Regierung/ und jnſoͤnderheit under dem Mannlichen Skamm allein/ wie in Franckreich/ ſicher die edelſte/ und für die Wolfahrt des Volcke/ n Betrachtung der Beſtaͤndigkeit/ und weniger der Verenderung underworffen/ die beſte ware. Ich ſahe/ daß der Konig deme/ ſo ich ſagte/ ſehr eiferigehoͤr gabe/ und oft lieſſe er zwoͤlff unge Curtiſanen, welche in dem Sagal ſungen und dantzten/ inhalten. Ich ſagte jhm aueh uͤber das/ daß Per ſien in Franckreich ſehr hoch geachtet wurde/ und daß als der Groſſe Cha-Abas an Koͤnig Heinrich den IV. eine Bottſchafft geſchickt/ viel Frantzoſen hiemit in ſein Land verleitet hatte. Der jenige Geſandte/ welchen der Konig in Per ſien in Franckreich verſchiekt/ war ein Capuciner Namens Pater Juſtus; aber zum Unglück kame derſelbe kurtz nach Ableiben des Koͤnigs/ zu Paris an/ alſo daß man damalen welig an die Perſianiſche Bottſchafft gedacht. Wie ich dem Konig von dieſer Geſandſchafft des Cha-Abas Meldung thate/ ſagte er/ daß jhm in gutem Angedencken ſeye/ daß ſein Anherꝛ ein Ambaſſadorn in Franckreich geſchickt hatte/ aber er verwunderte ſich/ daß nicht hingegen von daher einer in Perſien abgeordnot worden ſeyhe. Hierauf gabe ich dem Konig zu verſtehen/ daß weilen kein anderer Weg auß Franckerich nach Perſten/ als durch Turckey und Moſcau/ weder der Groß⸗Turck/ noch der groſſe Knez einem ſo ſtarcken Geleit/ wie ein Frantzoſiſche Geſandſchafft/ um ihres Königs Hoheit und Herelichkeit zu erhalten erforderte/ den Paß nicht geſtatten wolten. Daß jedoch der Koͤnig in Franckreich underſchiedliche kecommendation · Schreiben nach Perſien für ſeine Underthanen/ die dahin jhren Gewerb treiben/ abgehen laſſen/ welches der Konig bekennete/ und deswegen ein gutes Genügen bezeugte. Derſelbe fragte mich zum vierdtenmal denſelben Tag/ je nachdem drey Stund verfloſſen waren/ l ber den Zuſtand Europer/ onder zweifel zu hoͤren/ ob ich jederzeit mit meiner Rebe Übereinſtimmen wurde/ oder um alles deſto beſſer in Gedachtnuß zu faſſen. Ihr Majeſtet ſich überkamen/ Franckreich wegen der Waar ſo hernach gegen P. Raphael wendend/ fragte den darauß nacher Piſpanien verführt werden/ als ſelben/ ob er ſich freuen wurde/ wann er ihne als ſeinen 0 reich verſchicken thate:; Darauf der Pater allein wit einer tiefen Reverentz antwortete/ und hierauf giengen wir wiederum an unſere e Und der Koͤnig schickte einen jungen Herzen/ uns zu trincken einzuſchencken/ weiben er nicht wolte/ daß es der Hollander ſeyn polte; aber er goſſe die Schale ſo voll/ daß unfüge te; ö moglich ware/ ſolche in einem Zug außzutrincken/ und was wir ihne bittend ſagten/ maſsig zu ſeyn/ moͤchte nichts verfangen. Ich G70 Lubi 5. 9 55 Herzen/ dann derſelbe ſtunde geht oder neun ae Stund beſtandig/ die Flaſche und Schale 1 ſprechen/ uns aufzuwarten/ ſtats mit groſſer Ehrerbietung/ die Augen under ſich ſchlagend. Wir blieben uber ſechzehen Stund in dieſem Saal/ in Gegenwart des Konigs/ in welcher Zeit alle Verſehnittene/ die daſelbſten den Konig zu bewahren ſich befunden/ auch ſtehend und ohn geeſſen und getruncken geblieben. Ein gleiches war mit zween andern Herzen/ deren der eine dem König die Taback Pfeiffen darꝛeichet/ und der andere Ihr einſchenckte Majeſtar/ wann ſelbe begehrte/ zu trincken tiſanin auß dem Saal/ in einen groſſen Gang gegen dem Garten ſehend/ und der in Lange des Saals iſt/ ſich zu ſetzen. Der Sotra oder Tiſch⸗Teppich war daſelbſten dargelegt/ mit Früchten und Zucker⸗Werck beſtellet/ und eine von deren Zahl ſchenckte jhnen nach der Neye ohnablaͤſs ig Wein ein. Es iſt ſich zu ckem Trincken/ doch nicht truncken werden; dann wie dieſelben/ nachdem wir wiederum N unſere Platz eingenommen/ in den Saal kaeg Fe. Sele und Neue gethan/ gab der Konig jhnen ein Gemerck/ ſich wegzubegeben/ und lieſſe uns ſein Muſic hoͤren. Die beſtunde in Stimmen und Inſtrumenten/ welche etlicher maſſen ſich dem unſern gleichen. Es ware eine Gattung Laute/ und Form einer Citter/ ſamt einer kleinen Spineken/ und zwo oder drey groſſe Pfeiffen. Der Roͤnig lieſſe auch auf dem Gang/ da die Curkiſanin waren/ einen groſſen Kaſten von Ebenholtz/ über 8. Schuh hoch/ mit vielen filberen Bilderen geziehret/ bringen/ in deme eine Orgel/ welche von Uhrwerck getrieben/ pielte. Das ware ein Stuck der jenigen/ welche der Moſcowitiſche Abgeſandte dem Konig in Perſtien verehret. In deme dieſe Orgel klingte/ erinnerte ſich der Konig/ daß ein Mantzoſiſcher Goldſchmiedt/ Sain genennet/ und in deſſen Dienſte war/ auf der groſſen Pfeiffen/ und einer Sackpfeiffe/ die er mit auß Franckreich gebracht/ ſpielete. Und befahle daß man ihne forderen laſſen ſolte; dann weil Voſelbe ſehr behend von Leib/ und luſſiges ken a e Haute der Konig von ſeinen Voſ2 Che len und ſonderlich/ wann er einen ehr verwunderte mich der Gedult dieſes jungen nden Handen haltend/ ohne einiges Wort zu In der Zeit der Konig von ernſthalten Sachen mit uns ſprachete/ giengen die Curverwunderen/ daß dieſe Weiber bey ſo ſtarmen/ ſcheinete in dem geringſten nicht/ daß ſie getruncken hatten. Als dieſelbenetliche Tänze e ſelben/ und frage ihne nochmalen/ ob er haben Naish(and den Kiten kn ſtine Achſel/ die andere wirft er zur Erden/ Herzen/ die ſich gegentvartig befinden/ angereitzet/ denſelben alferley Schimpf zu beweiſen/ weil ſie wol ſehen/ daß der Konig deſſe dn lachet und diese len Spit ihne bel ſtigen. Der Konig lieſſe auch einen ander jungen Frantzoſen/ Bernard genennetcher auch in ſeinen Dienſten ware/„ Dieſer Bernard kame in Perſien mit einem Frantzoſen/ La Chappelle genennet/ welcher/ weil er nicht vermochte/ zween Mann/ die er mit ſich auß Franckreich gehracht/ zu erhalten= froh ware/ des einen ledig zu ſeyn. Ich na me Bernard mit/ und lieſſe jhne das Buchſen⸗Schmied Handwerck bey einem andern Frantzoſen/ Namens Claude Muffin, lehrnen. Wie er nun darein geſchickt worden/ iſt derſelbe endlich in des Koͤnigs Dienſte getretten/ der jhne nicht wenig liebt/ ſo wol D/ weil er von gutem Humor/ und die Turckiſche und Perſianiſche Sprach vollkommen wol verſtehet/ als fuͤrnemlich darum/ weil er immer verhoffet durch ſtarckes Liebkoſen jhne zum Mahometiſchen Glauben zu vertmoͤgen. Und iſt nicht allein der Eyfer für die Religion/ welche den Koͤnig verurſachet/ ihne zum Abfall zu bereden/ ſondern auch um des vielen Außbutzens und Squberens/ der von deſſen Hand kommender Arbeit uͤberhoben zu ſeyn/ wie ich anderſtwo angemeldet die Mahometaner mit allem dem jenigen/ 1 der Chriſten Hande gehet/ zu thun Wie dieſe bepde Frantzoſen in den Saal was femere getretten/ befahle der Konig dem Bernard bey Herzen alſobald/ ihme in ſein Trinckgeſchirꝛ zu krin⸗ Aüneſenheit cken einzuſchencken/ welches beſchahe/ und als 58 a Als zu Hofe fürder Konig getruncken/ befahl er jhme auch Kaen. aliß eben dieſem Geſchirꝛ zu trincken/ und fragte denſelben zugleich/ ob er nicht luſt hattr ein guter Muffulman zu werden. Nach dieſein lieſſe der Konig uns/ nemlich den po: ter Raphael und mich zu fich nahern/ und befragte uns wie zuvor/ betreffend die Sachen Europæ wie bereits gemeldt/ daß er uns zum viertemmal einerley befragte. Darauf befahl er Bernard in ſein Geſchir: uns zu trincken einzufchencken/ und hernach jhme ſolches gantz anzufüllen. Der König truncke die Helfte/ und gabe die andere ſeinem Oheim zu trincken. Als ich ſahe/ daß der Konig dem Bernard ſo groſſe Wolgewogenheit bezeugte/ nahme ic) Anlaß Ihr Majeſtat vorzubringen/ daß ich jhne bas Buchſenſchmied Handwerek halte lehrnen laſſen aber daß ſeit der Zeit er in ſeinen Dienſten ware/ derſelbe ſich dergeſtalten in Schulden geſtecket/ daß er wenig Mittel hatte/ ſein Hauß. weſen zu underhalten; aber recht zu agen Bernard ware ein zimilicher Verſchwender. Der uns 5 1 165 8 cht einen Der Konig wendete ſich hierauf gegen dem, Funden 1105 e 5 0 8 a 5 net auiſchen nicht ein guter Muflulman werden wolte; Glauben zu N worüber dereden. und wird er von dem Nazar oder anderen 218 Reisbeſthreibung in Perſien/ ä worüber Bernard antwortend/ den Konig Dem König zu gehorſamen/ nahtne ich die bey w 1 f bare/ ihne auf Neſen Artickel nicht zu nöhti⸗ der Hand ſo ich für die alteſte achtete/ und Hae u gen. Mir it wol bewuſt /ſagte bamalen der fühpke ſie zu Ihr Hal. Die uns beydenahend der dur, Hönig/ ieh gegen Pater Raphael wendend/ daß in dieſer Sradt du alle Frantzoſen verhindereſt/ ich zum Mahometiſchen Glauben zu bekennen. Ich gibe dir ſie alle/ bewahre ſie wol/ aber ſchencke mir nur dieſen/ dann ich habe jhne lieb. Zugleich ſtund der König auf/ ſonder Zweifel wol vermerckend/ daß ein jeder/ der da getruncken/ gern friſchen Luft/ und einen Abtritt nehmen thare. Er bliebe bey einer Viertel⸗Stund drauſſen/ in welcher Zeit der Pater Raphael Gelegenheit nahme/ mit Bernard zu reden/ und denſelben zu ermahnen/ daß er beſtaͤndig bleiben/ und ſeine Seligkeit allem Verſprechen/ ſo jhme vom Konig beſchehen mochte/ vorziehen ſolte 1 f Als der Konig wiederum in den Saal kommen/ ſich geſetzet/ zu Bernard wegen des Muſſulmans nichts mehr ſprechend/ und ſonder Zweifel ein Zeichen ſeiner Freygebigkeit uns bezeugen wolte/ befahle er dem Nazar, einen Sack mit fünfzig Tomans bringen zu laſſen(dann wie droben gemeldt/ halt ein jeder Sack der Schatz⸗Kammer dieſe Zahl) i und ſo bald es beſchehen/ gab er ſolchen dem Ain e„welcher/ nachdem er dem König chencket d. mit einer tieffen Reverentz gedancket/ damit auß dem Saal weggieng/ um denſelben jemand zu Handen zu ſtellen/ und kame bald wieder hinein. i Der König beruffte hernach zu ſich die zween junge Hollander/ und fragte dieſelben viel Sachen jhres Landes und deſſen Regiment. Pater Raphaél, der ihnen für ein Dolmetſch dienete/ ſagte dem Konig/ daß jhr Land durch ſonderbahre Stande regieret werde/ ſie aber einen Fuͤrſten für einen Obriſten zu Waſſer und Land hatten. Nach dem dieſes Geſprach geendet/ giengen die zween Hollander wiederum an jhre Ort/ und der Konig fragte mich/ ob under den jenigen Leuten/ ſo ich mit auß Franckreich geführet/ nicht einer ware der auf einem Inſtrument ſpielen konte. Ich antwortete dem Konig/ daß einer ſich befande/ der auf der Orgel und Spineren ſpielen thaͤte. Er befahle alſobald/ daß man denſelben fordern ſolte/ und daß underdeſſen die Curtiſanin tantzeten und ſingeten/ und zugleich den Elezar. pichet, das iſt/ den groſſen guldenen Loͤffel zu bringen/ ſo wir alle einer nach dem andern in einem Zug außzutrincken/ und nichts darinn uͤberbleibend/ laſſen muͤſten. Nachdem wir alle„% Der Konig bezeugte/ daß er ein Gefallen ſolches gethan/ begehrre der König von uns zu wiſſen/ welche under dieſen Curtiſanin mich die ſchonefte bedunckle. Alſobald ſtunDe ich auf/ und in mitten dieſer zwolf Weiber mich ſteileud/ machte dieſelben mit Tanben iuhalten nahim eine Fackel in die Hand/ um ſosche desto beſſr zu betrachten. Der Konig lacheſe und hatte ein Befallen jh und meine Weiſe zu chen ſagte ume/ daß ich die je nige/ ſo mir beliebte/ vor hne führen ſolte. wil ſagen/ die ſianer pflegen zu Ihr ſitzen machte. Der König zeigte mir rinnen mit der Hand eine andere/ und fragte/ warum ich nicht viel mehr dieſelbe/ die ſchoͤner und junger ware/ genommen hatte/ beyden befehlend mich zu klͤſſen/ damit ieh erfahren moͤchte/ ob die Kuſſe der Jungen nicht angenehmer als der Elteren. Ich antwortete dem Konig/ daß/ wann ich eine dieſer Weiber zu nehmen hatte/ bey der Wal die ich gethan/ bleiben wolte/ dafür haltend/ daß die Klugheit ben dem Alter zu finden/ daß aber Ihr Majeſtat wol erachten konten/ ich keine weder alt no junge begehrte/ und obſchon ſelbe mir die Alte/ die ich Ihr Majeſtat zu gefallen erwehlet/ geben thaͤte/ um dieſelbe nach meinem Loſament zu ſchicken/ ich mich ſolcher Gabe nicht bedienen doͤrftez ſintemalen/ wann wir verehelichet/ uns weder zu Hauß noch auf den Reiſen/ mit keinem andern Weib vermiſchten/ ſondern allein an unſer Cheweib hielten/ und derſelben an allen Orten/ wie unſer Geſatz uns dahin verbinde/ Treu und Glauben hielten. Wie der Nazar ſahe/ daß es ſtat in die Nacht(den es gegen eilf Uhr gienge) befahle er einem Hofmeiſter alle Speiſen/ die den gantzen Tag allda geſtanden/ aufzuheben/ und das Nachteſſen für den Konig und fur uns aufzutragen/ welches alſobald beſchahe. Wir wurden mit ſehr viel Speiſen/ underſchiedlicher Gattung Reiß und Fiſchen trackieret. Am Ende der Malzeit/ lieſſe man Herz Daulier, einer deren ſo ich mit auß Franckreich geführet/ hinein kommen. Nachdem er * dem Konig ſeine Ehrerbietung bewieſen/ wurde ihme eine Spineten gebracht/ und ſo bald begunte er darauf zu ſpielen. Als der König hernach zu wiſſen begehrt/ ob er ſingen konte hube Herz Daulier, welcher der Muſic er⸗ alder 0 10 fahren/ an nach Hof⸗Art zu ſingen/ aber weil t 1 er keine ſtarcke Stimm/ und in Perſten nur ſe den die groben Stimmen geachtet werden/ dem⸗ ers nach die ſeinige dem Konig nicht beliebte/ fuhre er nicht fort ſondern ſchwieg alſobald ſtill. Wie ich dieſes geſehen/ und mir unmoglich ware/ mich nicht ein wenig frölich zu erzeigen/ ob ich zwar der Muſic unerfahren; aber von Natur eine zimlich ſtarcke und klare Stimme habe/ ſange ich ein altes Lied/ deſſen Anfang Alſo ter 1 Kempli dtonnement je conſulte en moy meſme„ Si je dois preferer Amarante à Bace haͤtte/ mich zu hoͤren/ in dem er zu mir zum zweyten mal ſprach/ Baricala]! Baricala] bas Werck Gottes/ und die Perlegen alſo zu ſagen/ wann etwas jhnen Verwunderung und Gefallen bringek. Bald hernach befahle mir Ihr Maj. ein ander Geſang anzuſtimmen/ und ſo bald leiſtere ich Gehorſam/ ein Lied/ ſo alſo anfangt/ erwehlend. Amis, ce buffet m importune,&. gangell 1 l iche gebn Fäntze en v ell Ne Nee 5 hn. ihme wol bewußt/ daß pater Rap hal nie. Naphaël und ich wiederum an unſere Ort/ da wir noch eine zeitlang blieben. Als aber endlich der Nazar in obacht genommen/ daß der Schlaff uns überwunde/ und dem Konig ſolches andeutete/ befahle Ihr Majeſtat uns zu beurlauben/ welches der Nazar alſobald thake/ und uns ſehr angenehm ware; dann wir befunden uns daſelbſten von 8. Uhr Vormittag biß nach Mitternach/ das ſeynd bey 17. Stunden ſo mud genug hat machen konnen. Vier oder y. Tag giengen vorbey/ daß der Koͤnig nit auß dem Haram; da er ſtats bey ſeinen Weibern ware/ kame. An einem Morgen/ da das Welter ſehr ſchon/ ſtiege Ihr Maj. zu Pferd und lieſſe in etlichen Lochern des Fluſges/ ſo fur Fiſch⸗ Behalter dienen/ fiſchen. Der Fang wahrete biß gegen rx. Uhr/ da der Konig wiederum in den Pallaſt kehrete/ und nach der Mittags⸗Malteſt mit etlichen Herren zu trincken ſich einlieſſe. Zu Abend befahl er/ daß man da in unnd Bernard forderte/ neben einem andern Frantzoſen Marais genennet/ der auch in Ihr Mafeſtat Dienſte ware. Derſelbe iſt ein Pitſehier⸗Graber und Büchſen⸗Schmied/ und ſpielet zimlich wol auf der Geige. Bald hernach wurde auch Herz Daulier, um auf der Spineten zu ſpielen/ beruffen. Um Mitternacht fiele dem Konig ein mich zu begehren/ aber hme wurde geſagt/ daß ich zu Zulpha ware/ und wann es nicht ſo ſpat geweſen/ iſt kein Zweifel zu tragen/ er hatte mich durch einige Reuter in den Pallaſt holen laſſen. Und als der Köͤnig zugleich fragte/ wo Pater Raphael ware/ ſagte er zu etlichen anweſenden Herꝛen/ daß er denſelben Wein zu trincken beredt hatte/ darauf einer dieſer Herzen anttoortete/ daß malen Wei krincke/ aber daß er um Ihr Majeſtaͤt/ dir ihme zu krincken befohlen) zu gehorſamen/ nicht weniger thun konnen. Hbſchon ich bey dieſer letſten Er goͤtzlichkeit des Koͤnigs mich nicht befunden/ erfuhre ich jedoch den folgenden Tag/ was da vorgangen; aber genug ſeye es/ daß ich allhier nur eines vermelde/ um zu zeigen/ daß es bißweilen gefahrli ch mit Jurſten ſich allzu gemein zu machen. Bey dem Konig befande ſich ein ehrender Alter/ ſo Agy, das iſt von der Reiſe der Mecque kommend/ ware; und die jenigen/ welche dieſe Pilgerfahrt gethan/ doͤrffen nimmer. Wein trincken. Under denen, Herzen/ die mit dem Konig truncken/ wgre einer/ ſo der, Dach zu viel gethan/ und begunte Boſſen/ ie dem Konig mißfielen/ zu treiben. Er ſchluge mit der Fauſt zum zweiten mal dieſem 8 ſeinen Bundt von dem Haubt/ widrigbe ſich quf des Königs Beſehl zu teincken/ und miſchete ſich under die Curtiſanen die kauutzeten/ dabey einige Unhofichkeit verubend. Alles diente zu een mi tele dem König; 85 eſes zuſamen mißfiele dem Konig ſolcher in 10 zuiſamnen mißfiele dem König f J. Theil. 9 Fuͤnſtes Buc t „Her? Daulier ſpielete nochmalen auf der Spineten/ und underdeſſen giengen Pater ziehen einen Ring dadurch. Dieſer Nine 11 5 alen/ inſonderheit der Schimpf/ den Hein Isy beiwieſe/ daß/ als er das iweyte 3855 mal ſeine Unbeſonnenheit zu verüben/ ſich erküͤhnte/ Ihr Majeſtalt erzoͤrnet; ſagke/ dieſer, unpdſich Lecker vergiſſet die Ehrerbietung/ und ver⸗ fa 1 0 meinet/ er ſeye nicht mehr mein Leibeigener/ echt bo daß man denſelben bey den Füſſen hinguß jobnet, ſchleype/ und fur die Hund werffe. Alsbald fielen oder 5. Königliche Beaute auf jhn/ und ſchleppeten denſelben zum Saal hinauß. Er wurde biß den Morgen verwahretl/ da der Nazar kame/ jhne ſolcher maſſen pruglen zu laſſen/ daß er auß der ſtaͤtte den Geiſt aufgab. Jederman verwunderte ſich/ daß er nach des Nonigs Befehl nicht für die Hund geworffen worden/ und hat man dafür gehalten eine des Koͤnigs Weiber/ deren die Ungnade/ in die er gerahten/ bekannt/ habe fur jhne gebaͤtten/ daft ſeine Straf geendert wurde. Dann es iſt die groͤſte Schande in Perſien einem Geſchlecht/ wann der König beſfihlt/ daß jemand daͤrauß von den Hunden zerꝛiſſen/ und verſchlüngen werde Eine der Curtiſanin/ gabe auch eine jhrer Geſellin eine Maultaſchen/ zwar nicht in Gegenwart des Königs/ ſondern da ſie mit einandern zu trincken/ auf vorbemeldtem Gange beyſamen waren. Die Sach gienge jedoch nicht ſo ſtill zu/ daß der Konig nicht erwan davon gehort/ und als er gefragt/ wass das ware/ erzehlete man ihme wie das Gezaͤnck ſich zugetragen. Alsbald befahle Ihr Maj. daß die jenige/ welche die Maultaſchen gegeben/ fuͤr den Beroga oder Start⸗Richter geführet/ und nachdem dieſelbe in deſſen Gegenwart einen Eyd gethan/ micht mehr von der Zahl der Curtiſanin zu ſeyn/ ein andere an deren Steil geſetzeh wurde/ daß man jhro hernach hundert Lom ans geben/ und der Deroga ſie zu verheurahten trachten ſoltk. Die ÜUppigkeit dieſer Meiber ſeheinet auch biß auf die Manier ihrer Kleidung/ und welches das unluſtigſte an denſelben/ iſt zu ſehen/ daß alle das lincke Naßloch durchſtochen/ daran ein guldener Ring mit einer Perlen/ Rubin oder Schmaragd hanget. In dem Königreich Lar und Ormus durchſtechen ſie das NaßBein/ um hinden ein gulden Blech von Rubin/ Schmaragd oder Türckis geziehret/ nit einem Hacken zu heften/ welches Blech ihnen die gantze Naſe bedecket. Die Arabischen Weiber haben einen anderen Gebrauch/ dieund ekliche in der Gröſſe einer fiachen Hand/ und pas ſie eſſen/ gehet da hindure). Die jenigen welche das Vermogen haben/ laſſen eine Perlen/ oder einen ſchonen Stein durchlöchern um an dieſen Ring zu hangen. Meine Geſchafte nun niit dem König zu endigen/ Ihr Majeſtaͤt vernehmend/ daß ich bereit ware nach Indien zu verreiſen/ lieſſe mich abholen/ um mir viel Abriß/ deren etliche von derſelhen eigenen Hand waren/ zuzuſtellen. Dau der Konig hat ſehr wol reiſen gelehret von 2. Hollardiſchen Mahlern/ ſelbigen durchſtechen das Mittel dei cher/ oder welches ſolche underſe 2 1 Habit ltd „Kleidung der Tarterin der eine Angel, der anbere Lokar. N T önige. die Hollaͤndiſche Compagnie jhme zugeſchickt hatte. Zu allen dieſen Abriſſen hat er hoͤltzerne Formen machen laſſen/ deren die einen fuͤr Trinckgeſchirꝛ/ andere für eine Form Teller/ und einer fuͤr ein Dolchen ware. Alles dieſes ſolte von Goldſchmieds⸗Arbeit geſchmeltzet/ und mit Edelgeſteinen beſetzet ſeyn/ und der Konig lieſſe mir alle dieſe Muſter zu Herꝛen ra. handen ſtellen. Ich nahme von Ihr Maje15 1 ſtat zugleich Abſcheid/ und beſuchte den folgenden Tag den Naꝛar in einem ſchoͤnen Hauſe/ ſo er nach laͤngs des Fluſſes gegen der Cauren Quartier erbauen lieſſe/ und als er bey der Mittagsmalzeit mich behielte/ ſchickte derſelbe underdeſſen in die Stadt/ das Mas/ ſo der Konig jhme befohlen/ mir zuzuſtellen/ für Teppich/ die in Franckreich gemacht werden ſolten/ abzuholen. Der Naar beſörgend/ ich mochte die Commiſsion dieſer Arbeit/ ſo biß in zwey hundert kauſend Kronen ſich belauffen konte/ uber mich zu nehmen/ bedenckens tragen/ und zweifeln/ daß/ nachdeme ſolche gemacht/ der Konig anders Sinnes werden/ und ſelbe nicht kauffen doͤrfte; ſagte mir/ daß ich nichts zu befoͤrchten haͤtte/ und da ich begehrte/ wolte er mir zur Stund einen Theil des Gelts bezahlen laſſen. Aber ich danckte jhme/ und habe mich niemalen weder mit dem Konig in Perſien/ noch mit einigem Fuͤrſten in Aſien einlaſſen wollen. Alſo nahme ich Abſchied von dem Nazar, der mich ſeiner Wolgewogenheit in allen Begebenheiten verſichert/ und mir bey meiner Abreiſe groſſe Hoͤflichkeit erwieſe. ö. 588 8 re cr.be kr Befehl des Koͤnigs in Perſien/ von Wort zu Wort nach der Eigenschaft der Perſiſchen Red⸗Art/ und dem Cantzley Stylo uͤherſeßert. As Gebott/ von deme/ dem die Welt gehorchet/ iſt gegeben allen Beglerbeys von hoher Natur/ dem Sieghaften und Groſſen Herꝛen/ den Zierden des Koͤnigreichs/ den Beſitzern der Ehren/ und den Richtern der hohen Oerter/ den Practicio der Gerechtigkeit/ und den Vieirs, die das Recht erhalten/ welche das boͤſe auf die Seite legen/ den Commiſſarien oder Factoren/ und denen/ welche ſich der Geſchaͤfte und Schwaͤrigkeiten des Pallaſts annehmen/ den Verwahrern der Wege/ und Erhaltern der guten Sitten in den wolgeordneten Konigreichen/ Gott behute ſie vor allem Ubel. Daß ſie wiſſen ſollen/ daß nach dem Aga Tavernier ein Frantzöſiſcher Kauffmann/ von allen ſeines gleichen/ und ſeinen Mitgeſellen außerwehlet/ dem Leutenant der Adler/ welcher alles/ was er wüͤnſchet hat ſo viel ſhoͤne Sachen und Wercke under das Geſicht gebracht. Als hat er die Staffeln der Gewogenheit und Bewillkommung gefunden/ und wir haben jhme Reisbeſchreibung in Perſien/ veſtiglich befohlen/ daß/ wann er etwas vollzogen/ ſolches fuͤr unſer heiliges und reines Geſicht gebracht werde/ es muͤſſen auch durch welchen Weg oder Seite des weiten Koͤnigreichs/ unden benahmte ſeine Bewegung oder Ort haben wird/ alle Empfaͤnger des Pallaſts oder andere jhme kein Warten oder Aufhalten verurſachen/ jhme kein Hindernuß noch viel Verdruüßlichkeit machen/ und ſollen wiſſen/ daß es ihnen noͤhtig/ Ihme alles Gutes und Ehre zu erweiſen/ damit er reiſen konne/ wie er wolle. Und weil das Zeichen der hohen Geburth/ das Liecht der gantzen Welt von Kragon, von dem hoͤchſten Adel/ dem Meiſter der Zeit dieſe Schrift geziehret und erleuchtet/ als ſollen ſie derſelben Beyfall und Glauben geben. Durch das Gebott des Hoͤchſten/ e. ö 1 Kragon war ein Koͤnig von China, und wegen ſeines Siegs Großmutigkeit und Gerechtigkeit dermaſſen berühmt/ daß die Koͤnige in Perſten oͤfters in jhren Befehlen oder Patenten/ dieſen Namen gebrauchen/ ſich oͤfters Ehren halben nur ſeine Stadthalter Die Empfaͤnger des Pallaſts ſeynd wie 1 Zoll⸗Verwahrer/ und dergleichen inge. N 8 Abſchrift eben dieſes Befehls de Koͤnigs in Perſien/ nach der Teutſchen A uͤberDee welchem ales gehorchet har befohlen/ dem Hochgebohrnen Beglerbe) s, den Siegreichen und Gro ſen Herzen/ die ſein Reich ehren und ziehren/ den Rechten Richtern/ den Gerechten Vizirs, welche regieren/ allen Commiſsarien/ und den jenigen/ die ſich der Geſchaͤfte des Königlichen Hauſes annehmen/ und denen/ welche die guten Sitten des wolbeſtelten Reichs des Kragons in acht nehmen. Daß ſie 99 5 ſollen/ daß nach dem Aga Tavernier, ein Frantzöſiſcher Kaufmann/ der Außerwehlte von ſeines gleichen/ uns füͤrtreftiche Sachen gebracht/ die wir geneigt angenommen/ als hat er bey dem Vieir der Adler/ alle Ehre und Gewogenheit erlangt. Und befehlen veſtiglich/ daß/ wann er etwas ſonderbahres/ wie ſch jhm hefohlen/ machen laſſen/ ſolches unſerer Majeſtaͤt gebracht werde. Es ſoll auch kein Zoll⸗Einnehmer/ Commiſſarius/ oder andere dergleichen/ wo er etwan durchziehen moͤchte/ das geringſte jhm forderen/ und weder Gelt noch Geſchencke von jhm begehren/ viel weniger jhme Verdrußlichkeit oder Hindernuß erwecken/ ſondern alle Gute und Ehre erzeigen/ damit er gehe/ wo er hin will. Und weil dieſer Brief geziehret und erleuchtet iſt mit dem Sigel des Liechts des Kragons, als ſollen jhme gedachte Folge und Gehorſam leiſten. Ein 7600 5 5 8 e 0 5 5 e Tee er ein gol, Asa n ane len .. Aleiuuule HKoenepder . Laden, „%% t le, Bafin, bell den 5 1 Hope len 22 2. 5 ee 7 3 1 . e e„e buefvtebeh 2 ite e, Le a en Un Ne, Ballen aßen. d, g. F D 177 8 ma ne l 92 8 Holte ent den. 1 2 2. Hoge. Al, al at. Bin feen, den, lihen alle,. 5 ee, Kfelrtenl Hino... e Nee g 7 2 1 0 5 7 f 8 5 5 5 25 5 a Molnmat 11 5 N 5 5—— —— i 5 5 en neh 4 2% Wa niet,„a hintæ tales. 12. Froh liblæ ugliel Leclgutel gende Nei ive lelies, ia dan Rig, beutel Aba ll den Siggi. Viertes Buch. 2 einem Frantzoſiſchen Kaufmann/ und laſſe ich „daruber quittieren. Alle Sroß⸗Virirs, und ZollEin anderer Befehl des Koͤnigs in Perſien/ an den Gubernator zu Schiras, durch welchen jhme ſeine Majeſtaͤt befihlet dem Autor z. Ladungen Wein fuͤr ſeine Reiſe nach Indien zu geben/ von Wort zu Wort/ wie das vorhergehende/ nach der Perſiſchen Sprach und dem CCanßzley dul eygentlie e Abele. Kr Befehl deſſen/ welchem die Welt cgehorchen ſoll/ iſt alſo/ daß der BeDrühmte und Hohe Here/ deſſen Amt poll geehret werden/ der Gubernator und Urſprung der Vizirs und der Groſſen MirzaMahomet Sadec. Der Vieir de Fars verfſchere ſich der Königlichen Gnaden/ ſo bald er den Inhalt dieſes Befehls wird verſtanden haben. Er gebe z. Ladungen Wein von d ben/ welcher in einem Amt iſt/ dem Auer 3 ſten von ſeines gleichen/ dem Aga Tavernier. 75 ä 2 5 2 272 74 e 0 72 — 7— 2 2 . 0 2 Einnehmer/ und dieſelbigen/ welche an den Palſſen ſeyen/ ſollen ihme keine Beſchrvaͤrlichkeit machen/ jhme nichts nehmen/ ſondern jhn passieren und gab im en wo er will/ und gehorchen. Gegeben im Monat Jamady Elaker, im Jahr des Mahomets 1075. welches das Jahr der Hlegyre des Mahomers iſt/ und nach unſerer Rechnung in das Jahr ein tauſend ſechs hundert funf und ſechzig/ und in demo Mongt Jauugrij fället. A hat dee Durch das Wort Außerleſen zeigen die Orientaliſchen Volcker an/ einen ehrlichen Menſchen/ deſſen gute Qualitaten jhnen bee Ich hatte zwar ſo wol zu dieſer/ als zu der vorhergehenden Uberſetzung das Perſiſche Original beyfügen wollen/ allein ich hatte Befehl/ ſolches dem Kan zu laſſen/ damit er es bey der RenntKammer aufweiſen e Sid des ite Buchs. nſich haltende eine Hiſtoriſche und Politiſche Beſchreibung des Koͤ3 e eee, nebenſt dem Wege von Iſpahan nach 5 Ormus. Das J. Capitel. Geſehlecht⸗Regiſter der Könige in Perſien von dem letſten Stamm. Achdem der Groſſe Tamerlan ſeine Waffen auch gegen einem Theil Aſiens gei richtet hatte/ und des Baja. / ets Armee/ den er nebenſt ſeinem Weibe gefangen hatte/ zu nicht gemacht/ kam er a wieder in Per ſien/ allwo ſich dazumal ein Cheik, Namens Aidargweleher wegen ſeiner Heiligkeit in groſſem Anſehen war/ aufhielte. Dieſer Mann war ſehl verſtändig/ und under den Geiſtlichen der Fürnehmſte/ dadurch er nicht allein ſehr hoch gehalten wurde/ ſondern auch bey allem Volck ein perſ einen guten Namen erlangte. Er that nicht Selen, allein den Tamerlan groſſe Ehre an/ ſondern meist dem erwieſe quch den Fuͤrnehinſten ſeiner Armee Groſſen Ta. merlan ſonderhahre lan, der ein Großmutiger und Tapferer Furſt Bufichkeit. war/ zur Vergeltung eine Anzahl der Gefangenen/ die er mit ſich auß Turckey gebracht/ verehrete. Der Cheilc ſandte etliche von dieſen Sclaven nach Ardeüiil, und an die umligende Oerter/ die ubrigen aber behielt er bey ſich. Sonſten trug dieſer Cheik einen gantz Sone den andern Hut/ als die gemeinen Perſianer weil ſürdehmen er vorgab/ daß er vom Mahomet in einer gragata. den Linien herſtamme/ dieſer Hut iſt einer Mutzen gleich/ welche oben breit zuſamen gehet und in a. Ecken gefalten iſt/ zu Ehren der 12. Propheten. In der Mitten iſt eine Spitze eines Fingers lang/ welche ſcheinet/ als bb ſie in die Mutze gienge/ ſie iſt aber nur ſauber angeheftet; derohalben wolte er/ daß alle die jenigen/ die m der Tamerlan als Sclaven gegeben/ einen ſolchen Hut tragen ſolten/ und dadurch werden heut zu Tage jhre Nachkommenen/ die man dor ais nennet/ von andern Keisbeſchreibung Perſianern underſcheiden. Daher iſt auch der umligenden Doͤrfern ſeynd/ dieſelbenalle Frenhen/ daß ſie einer ſolchen groſſen Menge Sclaven Meiſter waren/ und daß der meiſte Theil des Voleks/ die jhrem Vatter ſehr 905 ſie mehr und mehr zu gewinnen/ ſehr freygebig/ ſonderliche Höflichkeit/ alſo daß jhme Tamer— Gebrauch entſtanden/ daß in allen Stadten/ in welchen die Kans oder Stadthalter reſidieren/ dafern Sophi daſelbſt/ oder auch in den tag auf dem Platz zuſamen kommen/ und Golt für die Geſundheit des Koͤnigs/ des Kans, und des gemeinen Weſens anzuruffen pflegen/ nochmals ſendet jhnen der Kan die Koſt/ und erzeiget jhnen noch andere Freygebigkeiten. 8 Dieſes Oheik Aidars Kinder/ als ſie as ſchienen weil ſie ihn für einen Heiligen hielten/ auf ihrer Seite war/ erzeigten ſich gegen jhnen/ und als ſie ſich ſtarck genug befunden/ erweckten ſie eine Aufruhr wieder Alamout, den König in Perſien/ der dazumal jhr recht maſsiger Herz war. Nach vielen Scharmutzeln lieferten ſie jhm eine Schlacht/ in welcher er verlohre/ und vom UHmael Sophi, des Cheik drit⸗ N tem Sohne welcher eigentlich der erſte Konig auß dieſem Stam̃e iſt/ mit eigener Hand umgebracht wordẽ. Und alſocnemlich Sophi) werden dieſelben genennet/ welche den Alcoran nicht/ als nur nach der Außlegung des Al annehmen/ welcher des Mahomets Eidam/ und ein Urheber einer neuen Secte in dem Mahometiſchen Glauben geweſen. 5 e Dieſem Iſcnahel Sophi folgte in der Re⸗ Lueg *— 7 7 7 Ch, gierung Oha Thats ſein Sohn/ und dieſem Kaare Cha- Iſmahel II. welcher aber nur kurtze Zeit che ne. den Thron beſeſſen. Seine Grauſamkeit ver⸗ me Cat urſachte/ daß die Furnehmſten im Lande ſeinen vecce gl, Bruder/ den„anomed Coda-bende un ſeine erſtaheel Statt erhoben/ ob er wol weder im Regiment ae noch Kriegs⸗Weſen erfahren. Ihrer viel ha- Sinn ben geglaubet/ er ſeye blind geweſen/ aber er hatte nur ein blodes Geſichke/ welches ſhme durch ein glüendes Eiſen/ daß jhm ſein grimmiger Bruder/ in den erſten Tagen ſeiner Re5 ö gierung/ — ͤ— —äĩ—.— ———„—— Ü ——ñä—f—P——— ͤ d-t— n Fauͤnftes Buch. 5 gierung/ über die Augen ziehen laſſen/ zimlich geſchwachet worden. Er war ein Vatter des Cha- Abas, welcher jhm ſuccediert, und in Perſten alles in guten Stand gebracht. e Abs, Cha. Abas der Erſte/ erwarb durch ſeine . Tapferkeit und Tugend/ den Namen eines Groſſen. Als er den Thron beſtieg/ war gegen Oſten und Norden nichts in ſeiner Gewalt/ als die Stadt Casbin, aber nach dem er alter worden/ und in Verwaltung des Regiments eine Wiſſenſchaft erlanget/ eroberte er/ weil er ehr mutig und verſtaͤndig war/ ſo wol durch eine Waffen als Geſchicklichkeit/ viel gegen bend gelegene Lander/ und inſonderheit die Königreiche Lar, Ormus und Candahar. Ich abe oͤfters in meinen Reiß⸗Buͤchern/ von den Wunderthaten ſeiner Regierung Meldung gethan/ und werde annoch Gelegenheit haben/ ils künftige/ ſo wol von jhme als andern Perſianiſchen Königen/ und ihren ruhmwuͤrdigen Thaken/ die jhme nachgefolget/ zu gedencken. Von vielen Soͤhnen/ welche dieſer Oha Abas hatte/ blieb ſhm keiner übrig/ als SephiMirza ein verſtändiger/ und im Krieg wolerfahrner Fürſt. Alle Leute waren ihme ſonderbahr geneigt/ und dadurch zogen ſie jhm ſeines Vatters Mißgunſt über den Hals/ welcher foͤrchtete/ er wurde/ den Thron zu erlan00 gen/ kaum ſeines Vatters Tods erwarten det Ute wollen. Dieſen Haß vermehrte noch mehr „leni, daß Sephi-Mirza einsmals auf der Jagd/ zu fame erſt in Gegenpart des Konigs/ einen Pfeil ahn nach einem Schwein geſchoſſen/ welches in 1 Per ſien für eine groſſe Ubelthat gehalten wird/ weil keinem erlaubt iſt/ ſeinen Bogen eher/ als der König/ zu ſpannen. Michts deſto weniger verbarg Cha-Abas ſein Mißfallen/ und ließ ſich nichts mercken/ weil er ſich gegen dem Printzen/ als der noch ohne Erben war/ nicht herauß laſſen doͤrfte. Als aber dem SephlMirza ein Sohn von einer jungen Sclavin gebohren wurde/ welcher ihm ſehr geftel/ und ſeine Gunſt mit dieſem Kinde taglich wuchs und zunahm/ vermehrte ich auch der Haß gegen ſeinem Sohne/ welcher dieſes jungen rintzen Vatter war/ derohalben ließ er jhm/ weil er dieſe Mißgunſt nicht langer verbergen konte/ die Augen außſtechen/ aber dabey blieb es nicht/ ſondern er befoͤrchtete dennoch ſeinen blinden Printzen/ beſchloß derohalben ihne umzubringen/ und befahl einem ſeiner Hof⸗Bedienten/ ſeinen Kopf zu holen. Dieſer Her: weigerte ſich/ hoch beſtuͤrtzt dem Konig zu gehorchen/ und ſprach/ er wolte eher ſeinen Iggenen abreiſſen/ als ſeine Hande in ſeines Hurſten Blut eintauchen. Der Konig ward unwillig/ daß er ſeinen Befehl nicht verrichten wolte/ jagte jhn derohalben von ſeinem Hof/ und endlich ins Elend/ des andern Tages gab 5 e einem andern gleichen Befehl/ der demſelad 1 auch nachkam/ und ohne eigene Schwadacht. gude hie ſeines Sohnes Haubt in einer 5 amen Schüſſel üͤberzeichte. Als er die100 Spectackel vor ſich ſahe/ gieng elbſt/ und jagte in Anſchauung dieen Geſichtes/ den jenigen/ der dan 223 rinnen ſeinem Befehl nachkommen/ von ſich/ ſehalt hn ſehr/ und verbot/ daß er nimmer in ſein Geſicht kommen ſolte/ beraubte jhn auch ſeiner Guter/ und ließ ihme nicht mehr/ als ein Mamoudy des Tags/ welches nach unſerer Müͤntze 9. Sols ſeynd/ zu ſeinem Underhalt/ mittheilen. Der andere aber/ welcher dem Konig in dieſem blutigen Befehl zu gehorſamen/ hertzhaft abgeſchlagen/ wurde herꝛlich beſchencket/ dann der Konig ließ jhn/ nachdem etwas Zeit verfloſſen/ wieder nach Hof kommen/ und gab jhme eine der fuͤrnehmſten Land vogkehen im Reicht Von derſelbigen Zeit an/ werden alle mannliche Kinder auß Koniglichem Gebluͤte/ ins Haram; oder die Weiber⸗Burg eingeſchloſſen/ und in der Unwiſſenheit enogen/ was gibt jhnen 2. oder 3. Verſchnittene/ die ſie im Leſen und Schreiben underꝛichten/ und jhnen bey jhren Ergoͤtzlichkeiten Geſellſchaft leiſten/ welche in dem Bogen ⸗Schieſſen beſtehen/ oder wann ſie auf einem Eſel in die Garte des Harams ſpatzieren reiten/ wann es jhnen erlaubt iſt/ man gibt ihnen auch keine Pferde/ und werden die gantze Zeit über dem Volck niemals unders Geſicht gelaſſen. Auf dieſe Weiſe feng Cha- Abas an ſeinen Enckel zu auferziehen/ er gab ihm aber alle Tage mehr und mehr Opium, damit er je langer je toͤlpiſcher werden tuo chte/ ſo gar/ daß er/ als er nach ſeinem Tode den Thron beſtiegen/ dermaſſen erkaͤltet geweſen/ daß die Aertzte noͤhtig befunden/ jhme Wein zu geben/ damit er ſich erwaͤrmen/ und mehr Krafte erlangen mochte. Cha- Che 50 Abas regierte 40. Jahr/ und ſtarb zu Auß⸗ Tod und Tegang des 1628. Jahrs. Vor ſeinem Tode be⸗ amen. fahl er/ man ſolte ſeinen Leib an einen Ort legen/ welches der gantzen Welt unbekannt ſey/ Und ſeinen Sohn auf den Thron erheben/ und Cha- Sephi nennen. N 5 Als nun Cha- Abas die Augen beſchloſſen/ begab ſich der General über die Reuterey/ und der Oberſte der Schützen/ als ſie ſeinen lerſten Willen vernommen/ in aller Eil nach Iſpahan/ kan en in den Pallaſt/ und begehrten nit der Mutter dieſes fungen Fuͤrſten zu reden. Sie die Mutter erſchrack nicht wenig daruber/ und vermeinte/ ſie waren kommen jhren Sohn umzubringen/ nachdem ſie aber eines beſſeren verſtandiget worden/ und vernommen/ daß man hren Sohn auf den Thron heben wolte/ weil ſein Groß vatter ſolches vor ſeinem Tode befohien/ umfieng ſie dieſen Furſten/ und übergab ihn den Verſchnittenen. Als er auß dem Eatam kam/ giengen dieſe 2. Herzen/ welche vom Kötige Befehl bekommen, nebenſt vielen anderen jhme entgegen/ grüſten Ihn/ und erkannten ihn für jhren König. Man zog ihm alſobald ſein Kleid ab/ und riß ſolches in Stücken/ welches in Perſien ein Zeichen der Trauer iſt/ man legte jhm nach Gebrauch ein gantz ſchlechtes an/ welches er biß um Mitternacht tragen muͤſte. Mach dieſem empfieng er den Koniglichen Schmuck/ wurde auf den Thron geſetzet/ und von den Groſſen des 8 Obe. Sephi s gegruſſet/ und zum Koͤnig er 4 erwehwehlet. zum Koͤnig 224 erwehlt/ des folgenden Tages geſchahe ein gleiches auch von dem Volcke. Dann nac dem der Konig den Koͤniglichen Zier rath empfangen/ hoͤrte man viel Trompeten/ Paucken/ Und eine ürnehmſte baten. Schallmeyen und andre Inſtrumemen/ an gewiſſen Oertern des Meydans, welche hiezu beſtellt waren; und das diente zum Zeichen/ daß ſich das Volck den andern Morgen auf dem Platze ſamlen/ und dem neuen Koͤnige Gluck wunſchen und huldigen ſolte. Cha- Self blieb etliche Jahre ein ziemlicher Fremdling in der Kunſt zu regieren/ theils wegen ſeiner Jugend/ theils weil er ſo viel Wein zu ſich genommen. Endlich erofnete er die Augen/ und das Erſte ſeiner denckwurdigſten Thaten war/ daß er/ als er ſich zu Gasbin gufhielte⸗ dem Ali-Kkauli-kan das⸗Haupt abſchlagen ließ/ welcher dem ChaAbas die Koͤnigreiche Lar und Ormus erobert hatte. Ein oleiches widerfuhr aueh ſeinen drey Soͤhnen/ voie ich nachmals erzehlen wil. So bald er wieder nach Iſpahan kam/ ſpielete er den 7. fürnehmſten Heren ſeines Hofes ein gleiches/ und machte ſich nach und nach zur Regierung vollkommen tüchtig. Jani-kan der General über die Reuterey war der Furnehmſte darunter/ die Sache gieng kürtzlich zu ſagen auf folgende Weiſe her: Man hielte dafür/ Cha- Abas häkke einen heimlichen Befehl hinterlaſſen/ für den Mirza Tacke und die Sultanin/ oder Konigliche Mutter/ des Innhalts/ daß man dieſe Herren/ nach dem Cha- Sei ſeinen Thron beveſtiget/ vom Brod thun ſolte/ und daß er allentHalben Stadthalter geſetzet/ deren er ſich verſichern koͤnte. Dieſe Herren/ welchen diß Vornehmen zu Ohren kam/ konten leicht abnehmen/ daß die Zeit der Vollziehung herzu nahete/ kamen derohalben dem Athemat-doulet Mirza-Tacke zuvor/ und giengen alle an einem Morgen in den Pallaſt/ brauchten auch alsbald Gewalt/ indem ſie den Pfoͤrtner niederſtieſſen/ und weil er wieder aufftehen wolte/ mit einem Dolche umbrachten. Nach dieſer That giengen ſie alsbald zum Koͤnige/ und der JaniKan gab ihm trotzig zu verſtehen/ ſie waren kommen/ den Mirza- Tacke umzubringen; der Koͤnig verhielte ſeinen Zorn bey dieſer verwegenen That/ daß ſie des Koͤnigs Anſehen ſo gar unverſchonet gelaſſen/ und ſprach zu jhm/ er hatte wol gethan/ indem er dem Befehl/ welchen er ihme zu geben im Sinn gehabt/ vorkommen ſey. Die Königliche Mutter verwaltete dazumal alle Reichs⸗Geſchafte nebſt dem Athemat. doulet, von welchem ſie alle Tage 400. Ducaten zu jhrem Luſt⸗Gelde empfieng/ und hielte gemeiniglich heimliche Rathſchlaͤge mit jhme in dem Haram, in welches er frey gehen doyfte/ angeſehen er gantz verſchnitten war/ wie ich ins künftige gedencken wil. In bieſer heimlichen Rathſtube wurffen dieſe zwey Perſonen des Nachts wieder über einen Hauffen/ was dieſe Herren beſchloſſen/ und brachten den Koͤnig alf andere Gedancken/ weil ſie über ſein Gemlithe Meiſter waren. Die Sultanin über dieſe That hoͤchlich erzurnet/ verdeckte eben ſo nol jhren Unwillen als der Konig/ und ſtellte Reisbeſchreibung in Perſten/ die Sache alſo/ daß ſie ſich zugleich raͤchen/ und ch des Koͤnigs Anſehen erhalten koͤnte. Acht oder 9. Tage hernach/ als dieſe 7. in der Rathſtube bey dem Koͤnige waren/ trat ein Verſchnittener hinein zum Zeichen/ daß ſich der Konig davon begeben ſolte/ ſo bald diß geſchehen/ traten eine groſſe Menge Verſchnittene hinein/ dieß bemachtigten ſich des Jani-kans und ſeiner ſten Hof Bundsgenoſſen/ und hieben jhnen die Koͤpffe ten umb iger feilt, bediell, ab. Ihre Leiber und Koͤpffe wurden alsbald gen. dem Volcke guf dem Meydan fuͤrgelegt/ und das Volck ſich um des Koͤnigs Thun und Laſſen bekummern ſolle/ ſo ſtieſſen die meiſte dieſe Koͤpffe mit Fuͤſſen/ und einer ſprach zum andern: Siehe/ die Koͤpffe der Hunde/ welche des Koͤnigs Willen nicht vollſtrecken wollen. 1 8 Ich habe allererſt gedacht/ daß der MirꝛaTacke gantz verſchnitten geweſen/ dannenhero er ungehindert in des Koͤnigs Weiber⸗Burg gehen koͤnnen/ und ich halte dafür/ es wird dem Leſer nicht unangenehm ſeyn/ dieſe Geſchicht zu wiſſen/ weil es etwas ſonderliches iſt. Er war weil es in Perſien nicht gebrauch lich iſt/ daß 7 unter der Regierung Cha-Abas J. Guberna⸗Weie? tor zu Guilan, und hatte einen ſeiner Pagen auc ſchandlicher Weiſe mißgebraucht/ dieſer Kna⸗ Sie en be machte ſich heimlich davon/ in Meynung an 7 0 10 facht 1 nach Iſpahan zu gehen/ und ſich bey dem Ko⸗ komme. nige zu beklagen. Er reiſte Tag und Nacht/ und nahm friſche Pferde/ wo er nur der ſelben finden konte/ wie die Chapars oder Königliche/ und Fuͤrſtliche Eilbotten zu thun pflegen/ als der Konig ſeine Klage vernommen/ ſandte er jhn wieder in die Provintz/ und machre ihn zum Stadthalter an des Mirza Tacke Stelle/ fertigte auch einen andern Bedienten ab/ mit Befehl/ deſſelbigen Kopf zu bringen. Und weil dieſer Page annoch jung war/ gab er hm einen Mann mit/ deſſen er ſich in ſeinen Rathſchlagen gebrauchen ſolte. Als der MirzaTacke unterdeſſen ſahe/ daß ſein Page unſichtbar worden/ und auß gewiſſen Anzeigungen leicht abnehmen konte/ er würde ſich beym Ko nige beklagen/ und jhme wenig gutes auf den Hals ziehen/ beraubte er ſich ſelbſt deſſelben/ wont er geſuͤndiget/ vnd ein ſo ſchandlich Laſter begangen. In dieſem ſchlimmen Zuſtande legte er ſich in eine Sanfte/ und nahm einen Wundartzt zu ſich/ der jhn in acht nehmen ſolte/ und nachdem er durch einen andern Weg/ damit er dem Königlichen Befehl/ nemlich ſein Haupt zu liefern/ nicht moͤchte in die Haͤnde fallen/ zu Iſpahan ankommen/ ließ er ſichgantz ſchwach in den Pallaſt tragen; begehrte auch alsbald mit dem Konig zu reden/ der uber ſeiner Ankunft ſehr beſtürtzt wurde/ und überreichte hm ineiner guldenen Schuſſel die ohnſehlbark Kennzeichen ſeiner ſelbſt eigenen Zuchtigung und der Vergebung/ die er begehrte; der Kbſandte jhn derohalben wieder in ſeine tey nach Guilan, und rufte den Pagen zuruck! welchen er mit einer andern verſorgete. Unter andern Lehren/ welche Cha-Abas ſeinem Sn ckel Cha- Sefi hinterlaſſen/ war auch dieſe/ 1 f 5 md 90 nigſahe! daß er hart genug geſtraft worden dh Landvog⸗ L. hilt 1 1 8 Seß l arnehml bench ien aue 0 0 960 Fiaunftes Buch.. er befahl/ den Mirza Tacke an ſtatt des Athemat doulet zum fürnehmſten Stats⸗Diener zu machen peil er zu dieſem Amt keinen ge95 Mann im gantzen Reiche gefunden Cha: Sef war nicht zu frieden/ daß er dieſe Herren auß dem Weg geſchaft/ welche ſeinem Anſehen eingreiffen wolten/ ſondern er begehrte auch den Kopf des Ali-merdan-Kan, welcher zu Candahar Gubernator war/ weil ſein übergroſſer Reichthum/ darüber man ſich in Indien verwundern muſte/ jhme allzu verdachtig vorkommen/ ſintemal alle ſeine Gefaſſe von Golde/ und ſein Hauß konte ſchier dem Koniglichen Pallaſt fürgezogen werden. Allein es wolte nicht gelingen/ dann da der Kan ſahe/ als fen twurde/ weil man inner einen nach dem anbdernabfertigte/ konte er leicht abnehmen/ es ſey dem Konig um nichts anders als um ſeinen Kopf zu thun. Er hatte das Exempel der andern Herren für Augen/ die die Ihrigen in der Nathſtube hergeben muüſſen; Danmt er ſich dude: nun auß dieſer Gefahr reiſſen mochte/ ubergab N er Sandahar dem groſſen Mogol, und erlangte . bag, dafür ſonderbare Ehre und Freundlichkeit. Die Reichthümer des Ali-merdan-Kan waren keine an ſich brachte Gůter/ ſonderner hatke ſie geerbet/ und führte fein Geſchlecht von den alten Königen von Candahar her/ welche auß den Tartarn jhren Urſprung genommen. Je groͤſſere Gnade der groſſe Mogol dem Ali merclan- Kan erzeigte/ und jhn zu Ehren erhub/ je groſſere widerfuhr auch zu Iſpahan ſeinen zwey Kindern/ da doch jederman glaubte/ er wurde wegen jhres Vaters Unthat ihnen den Bauch aufſchneiden laſſen; Dieſer politiſche Grif des Cha- Seli konte nachmals ſeinem ö Sohn Cha-Abas II. guten Nutzen bringen/ als er Candahar mit o. tauſend Mann belaN beſtund meiſtentheils auß Perſianern/ wie ich anderwerks angezeigt/ und die erinnerten ſich/ When 5 freundlich Cha- Sefi mit den Kindern des c merdan-Kan umgangen/ und gaben dem uch auch in kurtzer Zeit derſelben wieder bemaäͤchtigte. Dem Mogol war dieſer Verluſt ſehr mißfallig/ und fragte einsmals den Alimerdan-Kan, durch was für Mittel Candahar wieder könte erobert werden/ der gabe jhme dur Antwort/ die Sache wurde nit ſchwer ſeyn/ wa er wieder einẽ ſolchen Verrather antreffen konte wie er geweſen. Es ſind nur zwey Wege von Iſpahan nach Indien zu kommen/ nemich der von Ormus, wann man ſich zu Surate u Schi begibt/ oder der uber Candahar zu zande. Man mag ſagen/ daß Candahar ein geſegener Platz iſt/ nach dieses Landes Beſchafheit/ dann ſie nicht auf die Weiſe/ wie die 15 oper Stadte einzunehmen unterwieſen ſehr Sonſkenwardie Regierung des Cha⸗seß Ckeimodaltig“ und davon wil ich anderwerts orbiingen/ und mich begnngen /all er durch 2. oder 3. Courrier nach Hof berufhier eines von den Fuͤrnehmſten dem deſer vorzuſtellen und zugleich anzuzeigen daß die Trunckenheit nirgends zu entſchuldigenſeovg. Als er einsmals von Zulpha auß des Ke⸗ erempel ber lonters Wohnung in weſcherer fich erluftiget/ L une und den Wein etwas uͤbermaſſig zu ſich genommen/ wieder in ſeinen Pallaſt kam/ befahl er/ die Königin ſolte zu him kommen. Weil ſte aber vernommen/ daß er übermaſſig getruncken/ verweilte ſie in etwas/ indeſſen ſchlief der Konig ein. Als er bald wieder erwachte/ und die Königin nicht ſahe/ befahl er zaum andern mal/ ſie ſolte kommen; man zeigke ihr ſolches an/ und daß der Konig unwillig ſey/ und daß ſie ohn Verzug kommen müͤſte/ welches auch geſchehen. Als ſie in die Kammer komt/ und ſiehet/ daß der Konig wieder entſchlaffen/ legt ſte ſich in ein außgehauen Loch/ n Meynung/ zu warten/ biß der Konig erwachet ſey/ welches gemeiniglich mit Tapeten verdecket/ und zur Verwahrung der Decken und Matratzen gebraqucht wird; der König erwachte abermal/ und gls er die Königin nicht ſahe/ fragt er gantz zornig/ warum ſie nicht da ſey? Die Sultanin des Königs Mutter/ welche/ wie ich zuvor angezeigt/ eine Georgianiſche Sclavin/ und wider dieſe Königin/ die eines Georgianiſchen Königs Tochter war/ einen koͤdlichen Haß führte/ weil ſie ſich verachtet ſahe/ ergrif die Gelegenheit/ dem Koͤnige uͤbele Gedancken zu machen/ und weil ſie ſich ehen in der Kammer befand/ zeigte ſie hm mit der Hand/ daß die Königin in dieſem Loche verborgen; Der Ko⸗ 1 8 5 nig ſtund in der Furie auf/ ergrif ſeinen Dolch/ 58 10 und ſtieß denselben dieſer armen Furſtin. oder der Lrunmal in den Bauch, und entſetzte ſich nicht ne Cen, im geringſten über dieſer grauſamen That/ ſon⸗ num. dern schlief alsbald wieder ein. Des Morgends erinnerte er ſich/ wiewol nicht ver ſichert deſſen/ was er des Abends gethan/ fragte derogerte; dann die Armee des groſſen Mogols halben nach der Königin/ man gab jhm aber alsbald zu verſtehen/ wie es mit derſelben hergangen, daruber er eine hohe empfindliche Reue bezeugte. Er ließ auch zu ſelbiger Zeit einen 80 n um Belehl durch ſein gantzes Land ergehen/ daß Konig in Perſſen nicht viel zu ſchaffen, welcher niemand mehr Wein trincken ſolle/ und gebot ſeinen Stadthaltern/ alle Gefaſſe zu zerbrechen und verſchütten/ wo ſie etwas von dieſem Geträncke fnden würden/ welches auch allenthalben vollführer wurde/ aufgenommen in den Hauuſern der Engellander/ Hollander und Capuciner. Aber dieſe Gebot wahreten nicht lange/ und ſie lieſſen kein Jahr vorbey gehen/ daß man nicht Wein machte/ und eben wie zuvor ieee Eben dieſer Cha- Seß kan einsmals von einer groſſen Gaſterey/ die ein gemeiner Mann zu Zulpha Namens Corgia Soultenon gebalken und krancke abermal ſchr viel/ davon ſich des Morgens ſehr kranck befande/ und ward von einem Fieber angefallen/ daß jederman glaubte/ er wurde ſterben. Der Afmenier welcher ihn gaſtieres/ hatte erliche Feinde/ die vorgaben/ er hatte dem Koͤnig vergeben wollen/ weil er ſehr h und wann er ſterben ſolte/ mochte er wol zuſehen. Über dieſer Bottſchaft ward der Arimenter dermaſſen beſtüͤrtzt/ daß er alsbald ein Glas mit Gift zu ſich nahm/ und in zwey der drey Stunden das Leben laſſen muſte. Man ließ zwar zum Schein nachfragen/ wer ihme dieſe Foͤrcht eingejagt/ weil man aber davor hielt/ es kame von etlichen furnehmen Hof bedienten/ ſo blieb die Sache im Stillſchweigen ſtecken. Unter der Regierung Cha- Se ſandte jhme der Kan von Erivan ein Füllen/ welches i ich geſehen; und wie man vorgab/ von einer und ſtiebet. Mauleſelin gebohren worden. Der Konig ſtarb un Jahr 1642. weil er zu viel getruncken/ nachdem er 14. Jahr regiert hatte. Cha. Abel. Cha-Abas der II. dieſes Namens/ des W Cha-Sefi Sohn wurde zu Casbin mit gekrwehlet. brauchlichen Ceremonien zu End des 1642. Jahrs auf den Thron erhoben/ und hielt zu Anfang des folgenden Jahrs ſeinen Einzug zu Iſpahan. Nachdem man einen Tag zu Dieſer Solennitat beſtimmet/ wurde allen Handwercks⸗Leuten angezeigt/ ſich gewafnet auß der Stadt zu begeben/ und als diß geſchehen/ wurden ſie auf beiden Seiten des Weges geſtellet. Man ließ von allen Orten viel deuter und Fußvolck zuſammen kommen/ glſo daß dieſelben nebſt dem Volck zu Iſpahan und den andern umligenden Orten uber 5. Meil Weges einnahmen. Zwey Meilen gegen der Stadt war die Erde wit lauter guldenem und ſilbernem Brocat hedecket/ oder mit andern ſeidenen und koſtbaren Zeugen/ woeelches alles dem Koͤnig nichts koſtete/ dann der Oha-Bander oder das Haupt der Kaufleute hatte einem jeglichen vorgeſchrieben/ wie vieler Zeug hergeben ſolte zu dieſer Solennitat. Der Athemat- doulet ließ gleichfals allen fremden Nationen anzeigen/ ſonderlich aber den Engellaͤndern und Holländern/ daß ſie ſich eichfals bey dieſem Einzug einſtellen ſolten. Weil aber nur 1. oder 2. Frantzoſen zu Iſpahan ſich befunden/ ſo konten wir keine CompaAne machen/ ſondern ich begab mich zu den PHollandern; wir kamen auf drey Meilen auſſerhalb der Stadt/ ehe wir den Konig antraffen/ welcher Endten jagte/ und ſein gantzes Mauß/ welches prachtig gezieret war/ bey ſich hatte. Nachdem uns der General uͤber die Reutereyerſehen/ begab er ſich zu uns/ und hachdem ex ums angezeigt/ daß er dem Koͤnige von unſerer Ankunft Nachricht geben wolte befahler/ wir ſolten ſhme folgen. Nachdem Seingimug der König an einen Graben voll Waſſers dn Iſpahan Fonunen/ jenſeit deſſen ein Moraſt war/ ließ er ſeinen Vogel auf die Endten loß/ welche Jagerey ſehr anmuthig iſt. Weil gantz Perſien im ebenen Lande mit Graben durchſchnitken iſt ſo führt der Konig allezeit zwey oder drey Verſchnittene mit ſich/ welche vor jhm hergehen/ um zu ſeßetz/ oh man auch durchtenen/ welcher gar zu hurkig war/ und weil er allzu gehlings mit dem Pferde durchſetzen 5 9 * 226 Reis beſchreibung in Perſien/ ſetzen kan. Er harte dazumal einen Verſchnitwollen/ fiel er biß an den Sakkel ins Waſſer hinein. Der Konig ward dadurch gezwungen/ mit ſeinem gantzen Hofe ſtill zu halten/ indeſſen fand der Jani. kan oder General über die Reuterey Gelegenheit/ ſich zum Konig zu machen/ und jhme anzuzeigen/ daß die Hollander kommen waren/ jhn zu gruſſen/ und eine glückliche Regierung zu wunſchen. Wir ſtiegen alsbald von den Pferden/ und der Konig von Nicolaus Obrechit, dem Furnehmſten der Hollandiſchen Compagnie gekuſſet wurde. Herꝛ Baſtian; welcher der andere im TContor war/ und der/ weil er die Land⸗Spraehe gar wol verſtund/ indem er oͤffters Seiden daſelbſt holete/ gemeiniglich Perſianiſche Kleider an hatte/ nahete ſich zum Konig/ jhme gleichfals den Stieffel zu küſſen/ der Konig aber meynte dem Habit nach/ es ſeye einer ſeiner Unterthanen/ der ſich allzugroſſer Freyheit gebrauchte/ und wegerte ſolches/ zog auch den Fuß zurücke/ fragende/ wer dieſer Mann ſey? Jani-kan gab jhm zur Antwort/ es ſey ein Hollander/ welcher allezeit auf Perſiſch gekleidet ſey/ und alsbald reichte er jhm wieder den. Schenckel dar/ welcher ſo wol von jhme/ als guch nachmals von mir gekuſſet wunde. Als diß geſchehen/ zog der Roͤnig wieder fort/ uud wir folgten jhme; Als wir an den Ort kamen/ wo der Weg mit Tapeten bedecket war/ 9 befand ſich daſelbſt der Groß⸗Moufti„der Groß⸗Cadi, und eine groſſe Menge andere Moullah, welche nach jhrer Weiſe das Gebat verrichteten. Als ſolches vollendet/ zog der Koͤbig weiter/ der Arhemat⸗ doulet war auf der lincken Hand/ welche für die Furnehmſte in Perſien gehalten wird; und der General uͤber die NReuterey guf der Rechten/ doch alſo/ daß beyde ein wenig zurück blieben/ daß des Pferdes Kopf/ worauf der Konig ſaß/ allezeit den Vorzug hatte. Der Konig ritt guf dem Brocat/ und dieſe Ehre widerfuhr jhm allein/ weil der Weg nur ſo breit/ als das Tuch war/ bedecket worden/ welches nachdem der Konig füruͤber/ zur Beute gemacht wurde/ fintemal das Volck alsbald örüͤber her ſtel/ und wegtruge/ was immer muͤglich ſeyn konte. Eine viertel Meil vor der Stadt iſt ein Garten/ und an der Pforten deſſelben ein groſſer Saal/ in welcheim ſich der König eine Zeitlang aufhielte/ und eine halbe Stunde lang daſelbſt verweilete. Aber der Furnehmfte ſeiner Sternſeher trat hervor/ und ſprach zum Konig/ er hatte die glückliche Stunde zu ſeinem Einzug verſaumer/ und würde ſolche eher nicht als in drey Dagen wieder finden. Und weil die Perſtaner dieſen Leuten groſſen Glauben zuſtellen/ welche ſie aſſes überreden/ was ſie nur wollen/ ward man ſchluſſſg/ daß der König dieſe drey Tage in 00 G0 bes Elcsaragerib zubringen ſolte/ allo ſich auch alle Fürnehmſten des Hofes des Morgens einſtelleten und nicht eher als des Abends wieder weggiengen; Ich und die Hollander unterlieſſen auch nich/ unſere Hofhaltung 8, anzu Sat olennita⸗.: f bal uber kranck man keinen Wein/ und wix muug finden, ſten für unſer Getrancke mit Granaten⸗Supe ige 0 FViuͤnſtes Buch.. 227 anzuſtellen/ und wir wurden des Morgens mit man richtete jhm ein neues Gezelt auf und Früchten und des Abends mit pilau und Speiſen verſorget/ man bediente uns mit einem groſſen achteckigten Becken/ welches dem Körige auf der andern Seiten war/ gegen über ſtunde/ und Früchte in ſich hielte. Ex hatte öfters groſſe Luft/ weil er noch jung war/ zu ſehen/ wie das Waſſer eine Pomerantze in die Hohe trieb/ weil es aber ſehr ſchwach war/ o fiel die Pomerantze bald herunter/ wann ſich das geringſte Windlein rührete; nach dieſem wurde der Hahn zugedrahet/ damit man eine andere auflegen konte. Dieſe drey Tage u. pezu frieden ſeyn; die Farbe betrog uns/ und ehe wir es gekoſtet/ glaubten ich und die Holländer/ daß tvir Schiras. Wein trincken werden. Den Tag/ als der Konig ſeinen Einzug zu Iſpahan hielt/ war der Weg von dem Garten des Hezardgerib biß an den Pallaſt annoch bedecket/ und auf dem Meydan wurden drey Tage nach einander viel Kunſt⸗Feur angezündet/ und rings herum um den Mlatz von oben biß zu unterſt viel Liechter geſehen. In den fürnehmſten Carvanferien ziereten die reichſten Kaufleute nach Landes Ark jhre Kammerthuͤren/ und vertheileten eine Menge Confituren unter die jenigen/ die ſie zubeſehen hinkamen. Den andern Morgen nach dem Einzꝛͤug ließ der Fuͤrnehmſte der Hollandiſchen Compagnie/ welches ſehr prachtig war/ eine kleine Carvanſerie mit koſtbaren Teppichen umfaſſen/ und Triumph⸗Bogen aufrichten; Er gab auch ein prachtiges Mahl/ bey welchem er viel kleine Stucke loͤſen ließ/ der König that ihm ſelbſt die Ehre/ ſich dabey einzuſtellen. Man hat nachgerechnet/ daß die Unkoſten nebſt dem Prærſent für den König die Holneue Teppichte; über diß würden auch die 12. Hand pferde/ die für ihn hergeführet worden/ deren Geſchirre mit Edelgeſtein beſetzet/ alle Tage verandert. Anderthalb Meilen an der Stadt ſahe man viel ſeidene Tücher auf den Weg geſpreitet/ biß an den Pallaſt/ und der König kam ihm ſelbſt entgegen biß an den Ort/ wo dieſe Tücher anfſengen. Ob ſchon Cha-Abas ſehr jung war/ ſo wolte er doch nichts deſtoweniger ſehen laſſen/ daß er ſich fir einen machtigen Konig hielte/ und in ſeinem friedſqrnen Regiment dennoch gefürchtet wurde/ und daß er einem vom Thron geſtoſſenen Furſten/ der von jhme Hülſſe begehrte enges gen gieng. Nachdem er ſich nun dieſem Fürſten genahert/ trieb er das Pferd in etwas an/ doch aber mir zum Schein/ und als er bey den Tarbar kam/ that er den Fuß auß dem Biegel/ ſich ſtellende/ als ob er abſteigen wolte/ das er doch nit that. Der Tartar/ welcher ſchon ziemlich alt war/ ſtieg alsbald vo ſeinem Pferde/ den Koͤnig zu gruſſen/ welcher jhme/ nachdem er abgeſtiegen/ etwas Höflichkeit erzeigte/ und alsbald ſaß der Arhemat-doulet und dieuͤbrigen Herren des Hofes wieder zu Pferd/ und zogen fort; der König und dieſer Furſt ritten auf dem ſeidenen Tuche/ und dieſer zwar an der lincken Seiten des Koͤniges. Cha: Abas ſtund ihme nachmals auch rapffer bey/ und ſchickte ihme 1v. Tauſend zu Roß und 8. Tauſend zu Fuß/ nebſt o. Thomans zu Hülffe. Der Tatar hingegen gab jhmeeine Povintz/ welche mit Perſten grentzet/ davon er die meiſten Einkommen ziehen konte/ weil alle die jenigen/ die darinnen wohnen/ baſtres oder Turcomans ſind/ die viel Vieh halten/ welches der groͤſte Reichthum deſſelbigen Landes iſt. 1. „ Cha- Abas war ein tapfferer und großmu⸗ us abs ländiſche Compagnie biß auf S. oder 900, thiger Fürſt/ und den Fremden ſehr gerdogen, Pochheend Tomans gekeſtek. E verſtunde ſehr wol das Reiſſen/ und hatte tung der eu. Das folgende 1643. Jahr kann der Fürſt der ſeinen Luft darin uñ ſahe mit ſonderbarer Freu⸗ Saen Usbeckiſchen Tartarn in Perſon nach Iſpa⸗ de allerhand Arbeit/ die auß Europa kommen/ han/ den Cha- Abas um Hülfe zu bitten/ wi⸗ ſonderlich aber auß d ranckreieh/ es ward nichts der ſeine Kinder und eigene Unterthanen/ die an ſeinem Hofe hoch gehalten/ was nicht auß rebellieret/ und ihme Krieg angekundiget hat⸗ eines Franzoſen Handen kommen/ oder den ten. Der Aelteſte ſeiner Söhne hatte zum er⸗ Namen hatte/ daß es guß Franckreich ſey. ſten die Waffen ergriffen/ und als er in einer Auf allen meinen Neiſen/ die ich durch dieſes Schlacht den Vortheil erhalten/ ſchlug ſich Reich vervichtet/ bin ich allezeit hoͤchſt vergnuder andere Sohn auch liederlicher Weiſe auf get von ſeinem Hofe geſchieden/ und wann ich feine Seite/ daß er aber ſeinen Muth nicht jhm etwas ſonderbares brachte/ iſt mir ſolches ſänplich fallen ließ/ war/ daß die Fuͤrnehmſten allezeit wol bezahlt worden. Er war dem 115 Her⸗ſchaft jhm annoch beyſtunden. Zu Wein/ wie ſein Vorfahr ſehr ergeben/ und hat Ende des Jahrs 1642. verlohr dieſer Fuͤrſt ſolchen öfters uber die maſſe zu ſich genommen/ die andere Schlacht in welcher hme das ſincke dadurch er Sachen verrichtet/ die uns ſolten luge durch einen Pfeil verletzet wurde/ alſo grauſam ſcheinen/ aber in Perſſen für nichts 26 185 daß er eine Zeitlang nichts thun konte. Als er anders als rechtmaſſige Straffen des Angewieder geheilet/ kam er/ wie ich gedacht/ das horſams koider ſeinen Hexen gehalten werden; éelgende Jahr zum Konig in Perſien/ bath dann man muß wiſſen/ daß die Perſtaner ihres en enelben um Hulffe/ die er auch gar leicht er⸗ Köͤniges Geſetze hoher halten/ als des Mahodhe dle Cha. Abas wolte ihn prachtigempfan⸗ mets. Und ob ſchon Mahomet das WeintrinWan 17 und ſandte mehr als o 00. Reuter ihm cken verbolten/ ſo bleibet es doch keines Weges ſbolet. acta rene entgegen/ welches vier Tag⸗ wunterwegen wann ber der Konig ſolches mit Aue Iſpog hat iſt/ und 5. oder 6. tauſend einem außdtüucklichen Befehl derlletet/ ſo iſt Nan behk gur? Tagreiſen. Es wurde hen kein Meuſch unter ſeinen Untekthanen/ des von audern Bedienten aufgewartet; dieſem zuwider handlen wird. Es iſt auch 19 5 0 unter 228 unter jhren fuͤrnehmſten Religions⸗Artickeln/ daß man dem Koͤnige/ als wie Gott gehorchen ſolle/ und wann ein Perſianer etwas verſpricht/ und bey des Koͤnigs Haupt ſchweret/ ſo iſt die Sache ohnfeylbar und ohngezweiffelt richtig. Früchte der Einsmals als er in ſeinem Haram auch überNerds maſſig gecruncken/ wolte er/ daß drey ſeiner Cla.Abas. Weiber ein gleiches thun ſolten; Sie entſchuldigten ſich mit dieſem/ und ſprachen ie waͤren willens/ in kurtzer Zeit eine Pilgerfarth nach Meque zu thun. Der Konig befahl jhnen ſolches zum andern und dritten mal/ als ſie es aber zu thun abermal abſchlugen/ geboth er/ man ſolte ſie binden/ eingroſſes Feur machen/ und ſie hinein werffen/ darinnen ſie auch verbrennen muſten. 8. Als er auf ein ander mal gleichfals truncken worden/ bathe er auch eine ſeiner Frauen/ ſie ſolte Wein krincken/ welches ſie aber nicht thun wolte. Daruber ward er ſehr zornig/ und befahl den Obriſten unter den Verſchmittenen/ man ſolxe ſie verbrennen/ wie den andern dreyen widerfahren. Der Verſchnittene wolte zwar dieſem Gebotte nachkommen/ aber die Frau erhielte durch Thranen und Bitten ſo viel von dem Verſchmittenen/ daß es ihn jammerte/ und ſie loß ließ/ in Meynung/ er wurde jhr verzeyhen/ wann der Wein jhm auß dem Kopf kommen/ weil er fie ſehr lieb hatte. Der Konig/ als er nüchtern worden/ fragte er den Verſchnittenen/ ob ſein Befehl vollzogen ſey/ als er jhin aber zur Antwort gab/ er hatte dafür gehalten/ es ſey billich/ die Executſon um etwas gufzuſchieben; Der Konig fand ſich daruber hoch beleidiget/ und ließ ihn auf der Statt verbrennen/ die Frau aber erlangte Gnade. Dergleichen Thaten hat Oha-Abas mehr verrichtet/ von welehen ich anderwerts melden wil. e Wunderba. Unter ſeiner Regierung wurd jhme ein wilrex Eſel. pur waren/ fürgeführet/ derſelbe hatte in der Mitten der Stirne ein Horn ohngefehr eines Schuhs lang/ und wurde jhme vom kan oder Gubernator zu Schiras verehre. Cha- Abas regierte ohngefehr 24. Jahr/ und ſtarb an einem Orte/ Theron genant/ weil er ſich durch all zu vieles Trincken wie ſein Vatter/ die Bruſt entzundet/ und ſein Leib ward nach Kom in ſein Begrabnuß gefuͤhret. So bald er verſchieden/ ſandten die Herren/ die bey hm waren den Lopigi Aga, welcher der Hauptmann über die Moſquetierer war/ nebſt dem Mirza Bajad oder dem Furnehinſten unter den Sternſehern/ dem Fuͤrſten/ der anjetzo den Thron beſitzet/ davon Nachricht zu geben. So bald ſie zu dem Haram kommen/ begehrten ſie mit der Mutter und dem Sohn zu reden! welche dafür hielten/ ſie waren vielleicht Ulm eines gar traurigen Handels wegen ankommen/ aber man ver ſicherke ſie bald eines beſſern/ und als der Furſt herauß kam/ fielen ſie zu ſeinen Füſſen/ und gruͤſten hn Konig/ mit Bericht/ daß ſein Batter dieſe Welt verlaſſen; der Füͤrſt zerriß über dieſer nenen Bottſchaft der Eſel von rothen Haaren/ welche wie PurNeisbeſchreibung in Perſien/ 5 ſein Kleid/ wit gebrauchlich iſt/ und ich zuvor angezeigt. Sonſten pfegen dieſe Fuͤrſten gemeinmglich/ wann ſie herauß gehen/ und allerhand Ceremonien vollbracht/ für dem Haram nieder zu fallen/ und nachdem ſie auf die Ferſen geſeſſen/ guͤrtet man demſelben/ den ſie als Koͤnig grüſſen/ den Sabel an mit dieſen ee Eure Majeſtaͤt beliebe ſich zu erin Sabel anzugürten. Wann dieſes geſchehen/ le weicheter zurück/ und laſſet die Trompeten und Paucken erſchallen/ alles Volck/ das dieſes horet/ lauffet des Morgens auf den Meydan und ruffer für der Thur des Pallaſts: Pateba Sa: lamelck„ das iſt: Sey gegrüſſet Konig. Und hierinnen beſtehet die gantze Ceremonie/ welche/ wann ein Perſianiſcher Konig auf den Thron erhoben wird/ fürzugehen pfigt/ ich habe mich bey dergleichen Fallen zweymal befunden/ aber nicht ſehen konnen/ daß man dem Cha- Sef dem I. noch dem Cha-Abas dem II. die Krone aufgeſetzt/ welches auch in gantz Aſien nicht gebraͤuchlich iſt. Man iſt in itziger Zeit begnuͤget/ dem Konig in Perſien den Sabel anzugürten/ welches auch zu Conſtantinopel dem Groß⸗Turckbn zu geſchehen pffegt/ und wann man jhm nachmals den Sophis- Put aufſetzet/ welcher mit vielen Perlen gezieret iſt/ ſo hat doch dieſer/ welchen ich anderwerts abgemahlt/ keine Gleichnuß mit einer Kron. Und weil auch die Per ſianer niemals denſelben mit der dieſem Namen belegen/ als habe ich nicht un⸗ au gereimt zu ſeyn erachtet/ weder von der Krone noch von der Krönung einige Meldung zu K thun/ und zwar unn ſo viel mehr/ weil gnugſame diet Termini ſind/ ſolche zu beſchreiben/ waim ich. gedencken werde/ wie die Könige in Perſten zun Regierung kommen. Ich kan dieſes ebenfals auch von dem groſſen Mogol, dem Könige zu Vilapour, ind dem Könige zug olconda ſagen; dam want ſie zum Thron kommen/ und man ſhnen den Sabel angürtet/ ſo ſetzt man ihnen einfältig den Turban oder den Bund aufs Haupt/ welcher hernach mit köſtlichen Edelgeſteinen/ die dieſe Monarchen in jhren Schatzen haben/ bedecket wird. 5 Beſchlei ung des 2.8el. bel nern/ zum „ daß ein Sclave die Ehre gehabt/ euch dieſen nige eie fühl, rah 0 — Als nun Cha-Sef JJ. den Thron beſtie⸗ Falch gen/ fiel er eine Zeitlang hernacher in eine gefahrliche Kranckheit/ zudem er vor dieſem niemals vollkommene Geſundheit gehabt. Bey dergleichen Fallen iſt es gebrauchlich/ daß alle fürnehme Hof bediente/ ja ſelbſt die Stadthalter in den Provintzen/ wann ſie Nachricht da⸗ 5 von haben/ eine Summa Geldes/ nach jhrer Freygebigkeit oder Vermögen nach Hofe ſchicke. Dieſes Gelt beſtehet gemeiniglich in Golde/ und wird in ein groſſes guldenes Becken/ wel. ches reichlich mit Perlen beſetzet iſt/ und dregmal uber des Königs Haupt gehalten wird! mit dieſen Worten: Patcha bachena coutben olſon; oder diefes Geld wird geheiliget auf Geſundheit des Haupts des Koͤniges Wann nun der Koͤnig wieder geſund iſt/ bleibet alles diß Gelt den Armen/ zu welchem den 1% eh Fiaͤnfftes Buch. Koͤnig und ſein Karamn noch viel Allmdſen zulegen; ſtirbet aber der Konig/ ſo komt das Oelt in den Schatz/ und den Armen wird. nichts davon gegeben. Den 20. Augſtmonat 1667. war der aller ſchwereſte Tag ſeiner Kranckheit/ und man glaubte nicht/ daß er den Morgen erleben wurde. Alle fürnehrme um Perren des Hofs/ als ſie jhn in dieſem Zua ſtande ſahen/ giengen in die Moſquee Baba ron genant/ welche auſſerhalb der Stadt iſt/ und bathen Gott um ſeine Geſundheit/ und gaben zuſamen faſt in tauſend Fomans den irmen. Des andern Tags befahl man auch den Armenſaner⸗Chriſten/ G Ott für des Koniges Geſundheit anzuruffen/ welches ſie auch . ſo wol Weltliche als Geiſtliche thaten/ und 9 an dem Ufer des Fluſſes/ welcher zwiſchen Zulpha und Iſpahan iſt/ für jhn bateten. Sie ſandten auch jhren Kelonter mit 0. Tomans an Golde/ ſolche über des Koͤnigs Haubt zu alten/ allein es geſchahe nicht mit denſelben Worten welche gebräuchlich ſind/ wann das Gelt von denen die des Ali Lehr folgen/ gegeben wird/ ſondern ſie ſagen mehr nicht: Als Berai re faddukk, welches ſo viel iſt/ als diß Gelt iſt zu den Allmoſen beſtimmet. Wenig Zeit hernach befand ſich der Koͤ1 nig auß aller Gefahr; es war aber noch nicht . 10 genug/ ſondern er wolte vollkommen geſund 1b. 5 e werden. Weil er aber allezeit krancklich war/ ag Wa und die Aertzte die rechte Urſach ſeiner Kranck1 5 den heit nicht ergründen konten/ meinte er nicht l= 1910 neſung hinderlich ſey/ und gieng derohalben . mit zwey oder drehen von ihnen gar übel um. 5 Endlich uͤbergab er ſich andern Aertzten/ welche dafür hielten/ daß Perſien um keiner andern lirſache von zweyeyley Ubeln zugleich angefallen würde/ nemlich weil Theurung im Tande ſey/ und der Konig ſich unpaͤßlich befand als daß die Sternkundiger keine gluckliche Stunde getroffen/ in welcher ſie den König auf den Thron geſetzet. Weil ße ſich nun in ſolchen Ungnaden ſahen/ und behaubten 5 10 ligen/ ſo gaben ſie dem Könige zu verſtehen/ hein man hatte nicht den rechten Augenblick in acht genommen/ als man jhn auf den Thron geſebet/ derohalben ſeine Geſundheit zu erlangen/ und ſein Reich in einen beſſeln Stand zu ſezen/ alle Ceremonien zu einer glucklichern dbu Stunde wieder angefangen Fund ſein Nam l 11 verenderte werden müſte. Dieſer Vortrag chen gefiel dem König und ſeinen Rahten/ die Aeͤertzte und Aſtrologi traten zuſamen/ und erwarketen eines unglücklichen Tages/ auf welchen nach jhrer Meinung/ eine glückliche Stunde folgen ſolte. Under den Gauren/ von denen ich in den fuͤrhergehenden Büchern ſaeldung gethan/ ſind etliche/ welche fürge8 Würeh en“ daß ſie auß dem Geſchlechte der Rueme welche bey den Perſtern und Partern Ju 5 Haben ihren Ursprung genommen. 1 He ecitigen Lags/ nahmen ſie wolken/ ſie haͤtten eben ſo viel Verſtand/ als die Altrologi in der Erkaͤntnuß des Zukunff2 einen von dieſen Gauxen/ der ſich tühmete/ daß er von den giten Konigen herſtamme/ und ſetzten ihn auf den Thron/ alſo daß er den Rucken an ein hoͤltzern Bild lehnete/ welches ihn natürlich füͤrſtellete/ alle furnehmt Herren des Hofes/ kamen und dieneren ihm als ſhrem Ronige/ und thaten alles was er befahl. Dieſes wahrete bis auf die glückliche Stun: de/ welche endlich ein wenig für der Sonnen Undergang erſchien/ und alsbald trat ein Officier herfür/ und hieb dem holtzernen Bilde mit ſeinem Sabel den Kopf ab/ der Gaur bieſes ſehend/ ſtund auf und nahm die Flucht. In dieſem Augenblicke krat der Konig in den Saal/ und wurde nachdem man jhm den So. fi- Hut aufgeſetzet/ und den Sabel angegurtet/ auf den Thron erhoben/ er verenderte auch ſeinen Namen/ und nante ſich Soliman, Undso man das übrige gieng mit gleichen Ceremonien her/ deenet. wie ich vorhero beſchrieben/ und die Trompeten und Paucken lieſſen ſich auf vor angezeigte Weiſe hoͤren. Sie muſten/ dem Geſetze ein Genugen zu thun/ dieſes Schauſpiel vorſtellen/ welches wolte/ daß der Konig zu Verenderung des Namens/ und den Thron aufs neue zu beſteigen/ ſich eines Printzen der etliche Pretenſionen dar zu hatte/ gebrauchen muſte; und dieſes geſchahe indem er den Gauren/ welcher vorgab/ daß er auß dem Stamm der alten Könige ſey/ und über das der Religion ſeines Landes zuwider war/ vom Thron jagte. Von der ſelben Zei an/ befand ſich der Konig allezeit beſſer/ die Theurung war auch nicht mehr ſo groß/ und die Aerßzke erlangten wieder ihr voriges Anſehen; die A rologi aber kamen in Ungnaden/ außgenommen drey oder vier die für ſehr geſchickte Manner gehalten Wed: 5 i Dieſer Cha. Soliman; ehe er zur Regierung kommen/ hatte nichts als Weiber und Schwartze Verſchnittene geſchen/ bey welchen er ſich in der Kunſt zu regieren/ wenig vollkommen machen konnen. Auel o hat man mich berichtet/ daß er ſich mit der Regierung ungerne beladet/ ſondern ſich lieber auf der Jagd mit ſeinen Weibern ergotzet/ und ſelten in Sachen das gemeine Weſen betreffend/ mit ſeinen Rahten underredet/ ſondern ſie in allem ſchalten und waltenlaͤſt. Er laͤſt ſich oft in zehen oder zwolff Tagen nicht ſehen/ in welcher Zeit ſich kein Menſch zu ihm nahen und feine Klag furbringen kan. Der Leſer findet in einem abſonderlichen Buch von ſeinem Zuſtand etwas weitern Bericht. Ich wil dem Leſer alſobald das Verhalten eines jeglichen von dieſen Koͤnigen vorſtellen/ und von der Regierung Cha- Abas des I. anfangen/ und ſolches bis gif den Cha. Soliqan, welcher anjetzo herꝛſchet/ außfuhren. ———- + Uàä2 — Das II. Capitel. Von etlichen ſonderbaren Thaten der Koͤnige in Perſien/ welche ihre TuV gen genden und Laſter fuͤrſtellen/ vom Cha- Abas dem Erſten dieſes Namens bis auf den soliman welcher anjetzo regieret. Und zwar erſtlichen Cha- Abas dem Groſſen. „Obe bes f. Ha- Abas welcher der Ehre ſehr geFin dec neigt war/ krachtete kaglich auf Mitund Under⸗ tel und Wege ſein Reich in guten thanen. Stand zu bringen/ und mit allerhand Gutern zu bereichern. Er wolte nicht zugeben/ daß das Gelt auß feinem Lande geführet murde/ und die Wolfahrt ſeiner Underthanen ag ihm taglich im Herzen. Er wolte nicht leiden/ daß ein einiger Indianer und Baniane in Perſien Handlungs halber wohnen ſolte/ und dieſelben ſind auch eher nicht hinein kommen/ als zur Zeit Cha- Sefi des Erſten/ und Cha- Abas II. welche beyde ſehr jung auf den Thron erhoben worden. Und Cha- Abas hatte auch gutes Recht/ daß er keine fremde Volcker in ſeiner Herꝛſchafft leiden wolte. Denn ſie ſind in Warheit arger als die Juden/ was den Wucher anbetrifft/ und es fehlet wenig/ daß ſie nicht alles Gelt im Reich in jhren Haͤnden haben/ welehes ſie von fuͤrnehmen Leuten bis auf 9. oder 10. fuͤrs hundert empfangen/ und lehnen oͤfters mit groſſer Inrerelle guf die Beſoldungen/ daß ſie bis zwey oder drirthalb des Monats einziehen koͤnnen. Von dioſer Gelt⸗Peſt und Wucher/ wolte Cha- Abas ſeine Hereſchafft befreyen, aber ehe dieſen Banianen/ von denen ich in meinem Reiſe⸗Huch mehr Meldung thun wil/ die Thuͤre in Perſien zu kommen/ offen ſtunde/ war der gantze Gelthandel under der Armeniern zu Zulpha Gewalt. Man kan zwar nicht laugnen/ daß ihrer viel fehleten und banquerotieren muſten/ dadurch jhr Credit um ein groſſes ins Abnehmen gerieht. Denn ich habe albereit anderwerts angezeigt/ daß wann ein Armenier ſahe/ daß ſeine Sachen in fremden Landern/ darinnen er handelte/ nicht am beſten ſtunden/ kam er nicht wieder in Perſien/ und dannenhero konte man ſich ſchwerlich an jhn halten. Was die Banianen, welche die groͤſten Wucherer ſind/ anbelanget/ ſo ſind dieſelben oͤfters an groſſem Ubel ſchuldig durch die Grauſamkeit/ welche ſie gegen die armen Leute außlaſſen/ under vielen Exempeln die ich davon anführen konte/ wil ich mich mit einigem/ welches ſonderbar denckwuͤrdig iſt/ anzuführen vernugen. Schr Als ich zu Ilpahan im Jahr 1662, mich elde nge, aufhielte hatte ein Ban ian einein armen Per4. Wu, ſier/ welcher auf dem Platze Tuch verkauffte/ ers. feechs oder ſieben Tomans gelehnet/ daß er jhme ein und einen halben des Mongts Inrerelle geben ſolte. Dieſer arme Menſch konte mit dem Capital nicht gewinnen/ ſondern verzehrte es/ und wuſte nicht wovon er dem Banianen weder die lnrereſſe noch die Haubt⸗Summa zahlen ſolte. Dieſe Leute wollen alle Monat jhre Intereſſe ziehen/ und es waren zwey oder drey Monat füruͤber/ daß er von ſeinem Schuldner nichts empfangen. Weil er ihn nun alle Augenblick qualte/ und jhn zu prüReis beſchreibung in Perſien/ ſprach. Bey ſeiner Ankunfft ſetzte ihm des auf eine Decke/ der Perſianer auf eine andegen Mauleſel binden/ der ſie durch die Stadt ſchlepte/ bis ſie endlich wegen vieler Schlage geln draͤuete/ wie man denſelben/ die nicht bezahlen wollen/ zu thun pflegt/ ward dieſes Perſianers Mutter endlich unwillig/ daß ſie jhren Sohn ſolte ſo qualen ſehen/ und ſprach einsmals des Morgens zu jhm/ er ſolte au den Meydan gehen/ und dafern er den Baniane antreffen konte/ zu hr ins Hauß füͤhren/ ſie wolle jhm nicht allein die Inrereſſe ſondern auch etwas von dem Capital/ mit Gelte das ſie noch aufbehalten/ bezahlen. Des Abends fand er den Baniane ſeinen Schuldner/ der jhm/ nachdem er ſeine Wagren in ſein Gemach engeſchloſſn zu bezahlen verPerſtaners Mutter allerhand Früchte zu eſſen für/ und ließ jhn an das Courſi ſitzen/ welches das Loch iſt wo man das Feur hienein thut/ weil es ſehr kalt war/ und ein Schnee gefallen. Als er nun ſo aß/ und ſich warmete/ kam die Nacht herbey/ das Weib ſaumete ſich immer/ damit die Zeit vergehen mochte/ endlich brachte ſie jhm ſein Gelt/ und auch noch etwas vom Capital/ damit er gar wol zufrieden war. Weil es nun noch jinmerdar ſchneyete und der Ba⸗ ö niane dieſes Wetters nicht gewohnet war/ weil er die Hitze liebete/ konte des Perſters Mutter ihn leicht überreden/ daß er die Nacht bey jhr bleiben/ und ſich dieſem bo ſen Wekter nicht underwerffen ſolle. Dm Banianen gefiel dieſes Anerbieten/ und als. die Schlaff⸗Stunde kommen/ legte er ſich 10 h 0 re/ alſo daß niemand als dieſe zwey in dieſer Kammer ſchlieffen. Ohngefahr zwo Stunden vor Tage/ kam des Perſianers Mutter ſachte hinein/ und hatte ein Scheermeſſer in der Hand/ und weil ſie im F inſtern dem Banianen den Hals abzuſchneiden meinte/ und ſich an jhm rechen wolte/ fehlete ſie zu allem Unglück/ und brachte ihren eigenen Sohn ums Leben. Der Baniane, welcher glück G lich entgangen/ machte ſich heünlich auß dem ire 0 Hauſe/ und zeigte ſolehes dem Divan⸗Be⸗ uns? que, welcher der fürnehmſte Richter iſt/ an derſelbe ließ das Weib alſobald greiffen/ und nachdem ſie die That bekandt/ an einen jun4 1 15 Thier ihr mit den Fuſſen gegeben/ todt Im Jahr 1667. acht oder zehen Tage ehe ich von Ipahan abreiſete/ wurde des Morgens? nahe bey den Capucinern ein Banane auf den Gaſſen todt gefunden/ welchem man die Arme und Beine abgeſchnitten/ und den Leib mit vielen Stichen durchboret. Man legte zwar den Leib in ein Loch/ und bedeckte ſolches mit Exden/ aber die Hunde ſuchten es wieber herauß/ und man hatte bey meiner Abreiſe noch nicht erfahren/ wer dieſen Mord begangen hatte. Alle Leute hielten dafur/ es ſey einer geweſen/ deme der Baniane Gelt gelehnet.. a Cha-Abas wolte nicht allein/ daß alle Handlung in ſeiner Underthanen Gewalt ſen/ damit er den Nutzen davon haben mochte/ 135 N dass Gelt in fein Reich ziehen/ ſondern er ke quch daß eß darinnen bleiben/ und! auffer halb geführet werden mechle.& wol daß die Pilgerfahrten/ welche bie Pei nach Mecha und Medina thun/ dahin ie des Tributs/ welchen die Turcken und Aranichts gls Gold führen/ ſo wol zu Bezah ber/ durch derer Land ſie ehen/ von ihnen fordern/ als guch zu jhrem Underhalt Allmoſen und Geſchencke/ die ſie bey dem Grab zu hun pflegen/ er ſahe/ ſage ich/ daß dieſe Pflgerfahrten viel Gelt auß Perſien füͤhreten/ und bezeugte ſich hierinnen mehr dem gemeinen Weſen/ als der Religion geneigt/ indem er ſich einer ſonderliehen Klugheit gebrauchte/ Dieſe Pilgerfahrten zu verhindern/ und zu verke und hatte/ wann andere Herren nicht gebaken/ Ihnen beu Bauch aufſchneiunder vielen Scheltworten die ficht ſagte/ weil ſie ſo wenig / ſtelleke er ohen bie gro Kinder hat/ und ein erk ſo ge 0 vichte verkgufwelcher viel mias zu eſſen/ würde er auf bieſe WW. fehr als 800. und 43. zn geniesen Er fragte auch die Herren die für h den/ was man für ein Urheil ber d gleichen Leute ſolte ergehen laſſen 2 und weil er ſahe/ ſolche Furcht eingejagt/ daß keiner das Maul is gemeine Weſen trügen/ und r nachlaſſig ſich erteigigebechtiskeit f dale en 5 den damit das Gelt im Lande bleiben mochte.. ö N mne vu. 25 Glen des 5 .- Abas. a dufthun konte/ befahl er/ man ſolte wikten auf dem Platz einen Ofen aufrichten/ und einen Bratſpieß daran man einen Mann braten koͤnne/ machen laſſen und den Ofen die gantze Nacht heitzen/ und nahe dabey ein an5 Ma⸗ deres groſſes Feur anzunden. Des Mormen Iman-Reza; von einem ihrer Imansben gens ließ der König den Becker und Koch ſie hoch verehret. In dieſer Moſqués wird holen/ und durch die gantze Stadt fuhren/ eine Reliquie, namlichen ein Fuß von dem vornen her giengen Manner und ſchryen zum Kameel des Mahomets aufgehoben/ welcher b über des Iman-Reza Grab hanget. ChaAbas beſchloß in Perſon in dieſer Moſquse „ſeine Andacht zu verrichten/ alle furnehme Peren folgeten jhme/ und nach ihrer WieZu Meched, in der Provintz Coraſſan, war eine Molquse die dieſer Cha-Abas balien klaffen/ welche ſehr prachlig iſt/ ſintemal das Dach mit lauter Gold bedecket/ und die Thur nicht weniger herꝛlich iſt. Sie führet den NaVolck: Aniſeho wird man einen Decker daſden Ge; in einen warmen Ofen werffen/ darin⸗ ſchrbelich nen er verbrennen ſol/ weil er das Brod beſraft. nach falſchem Gewichte verkaufft/ und berkunfft machten ſie viel Geſchrey von den Wunderwercken des Iman-Reza, bas dem Moͤnige ſehr angenehm war/ daß er auf dieſe Weiſe Mittel finden konte/ durch ſein Exemdieſen Koch wird man lebendig braten/ weil er die Speiſe naeh falſchem Gewichte verkauffet hat. Auf ſolche Weiſe wurben dieſe zwey Meuſchen umbracht/ dem ganpel ſeine Underthanen von der Pilgerfahrt nach Meque abzuhalten/ und ſie nach Meeched zu weiſen/ um jhre Gelübde daſelbſten e Man kan auch under ſeine Klugheiten zehlen/ daß er ſich fters verkleidete/ unnd wie ein gemeiner Einwohner durch die Stadt gleng/ als ob er etwas kauſſen wolte/ theils daHit er erfahren mochte/ wie es im gemeinen Weſen hergienge/ und ſich nicht auf ſeiner Bedienten Nachricht verlaſſen durfſte/ und f ſuchte zu entdecken/ ob die Kauffeute etwan man- Couli- Kan und ſeiner drey Soͤhmit falſchem Maaß oder Gewichte ungien⸗ een. gen. Des Abends gieng er eindmals wie ein ö f Baur gekleidet/ und kaufſte bey einem Becker N eine Mad Brod/ nachmafs gieng er auch zu einem Koch/ und kauffte eine Nan gebraten Fleisch. An einem andern Ort habe ich angezeigt/ daß ein Man 900. Drachmas gder 6. eise Pfund/ und ein Pfund 16, Untzen habe. Als nun der König den Kauff geſchloſſen /gieng er wieder in den Pallaſt/ darinnen die Furnehm⸗ r Regierung dieſes Kom ſten des Hofes ſeiner warteten/ und befahl als⸗ den groͤſten Theil des Königreichs Lar, und bald dem Athemat-doulet; er ſolte in ſeiner des Königreichs Ormus, nebſt der gantzen Gegenwart das Brod und Fleiſch wagen. Seiten des Perſiſchen Meerbufens/ von dem Er befande alsbald daß am Brod 5 Drach⸗ Vor⸗Geburge Jalques bis nach Ballara ihne 755 mangleken/ und an dem Fleiſch 43. Als underwürffig gemacht/ er hatte bieſe Sladt der Konig diß ſahe/ erzoͤrnete er ſich ſehr wider gleichfals erobert/ aygeſehen er ſolche belg̃ des oder vier die vor ihm ſtunden/ und die ſich gerte wann Cha: bas Cod ſolsd es zur ſilbiderte men Weſens ſolten annehmen/ ſon⸗ gen Zeit nicht gehündert harte. Er ward ge38 lich aber uber den Commendanten der zwungen die Belagerung aufzuheben/ weil er tzen Ipahan und Königreiche zu einem Crempel/ darauß ein jeder die ſcharffe Gerechtigkeit des Oha-Abas abnehmen kamm. Das III. Capitel. Was ſich under der Regierung Oha. gel des Erſten/ denckwuͤrdiges zugetragen/ und ſonderlichen von dem Tod des Man-Couli-Kan war„ Salm ige Riras Deſſen Hereſchafſt ſich under der men der e 0 Provinz W Ar Uh an den Perſiſchen Mierbuſen waren dazumal die Machtigſten in Perſten. Es war dieſer man- Oculi- Kan, welcher under der Regierung dieſes Königs Cha. Abas 1 Sein Rejchſich der Reichsgeſchaͤffte annehmen muſte/ und dazumal wurde Cha-Sefi des Cha-Abas Enckel/ nach ſeines Großvatters außdrucklichem Befehl auf den Thron erhoben/ wie ich zuvor Meldung gethan. 8 Iman- Couli- Kan beſaß ſehr groſſe Reich2 und thumer/ und wurde von der gantzen Welt luͤcke. geliebet und geehret/ und hatte ſtats den Kern der beſten Perſiſchen Mannſchafft bey ſich. Uber diß gel er ſich auch ſehr prachtig/ und in ſeinen Außgaben kam er ſchier dem Konig gleich. Dieſes verurſachte/ daß Cha-Abas, welcher einsmals von dieſen Sachen mit jhm redete/ jhm anzeigte/ er ſolte zuſehen/ daß allezeit ein Mamoudi weniger beh jhm/ als in dem Königlichen Pallaſt aufgienge/ damit gleichwol zwiſchen dem Konige und dem Kan ein Underſcheid ſey. Durch ſeine gute Qualiteten gewan dieser Mann aller Leute Gemüter. Dann er hielt ich prachtig und freygebig/ und ließ ſolches dnderlich die Soldaten und Gelehrte gemieſſen/ er liebte ſehr die Fremden/ und Reisbeſchreibung in Perſien/ Herꝛ war/ welches jhro diß Orts viel Forcht verurſachte. Er gabe vor/ er ſeye ein Sohn des Groſſen Cha-Abas, und des Cha- Se dlteſter Bruder. Seine Pretenſion war auf folgendes gegruͤndet: Die Koͤnige in Perſien vermeinen einen Kan oder andern Herꝛn des Reichs hoch zu ehren/ wann ſie ihnen eine auß jhren Weibern zu Ehe geben/ eine ſolche 1 Cha- Abas auch dem Iman Couli-Kan, die er ſonderlich lieb hatte. Man hielte dafür/ daß ſie ſchwanger geweſen/ als ſie auß dem Haram kommen/ und ſie gebahr auch wuͤrcklich ſechs Monat nach dem ſie mit dem Kan verehliget/ einen Sohn/ deſſen er nur vermeinter Vater/ und welcher/ weil er vor dem Cha· Sefi in die Welt kommen/ vorgab/ daß jhme als einem Sohn des Cha⸗Abas, der Thron rechtmaſſig eigen ſeye. Vermoͤg dieſer Pretenſion, welche dem letſten Willen des Cha-Abas, zu Liebe ſeinemEnckel dem ha Sefi, gaͤntzlich zuwider war/ und dieſer junge Her/ ſehr ehrſüchtig/ für nichts anders als ein weil jhme alle gute Sachen wol gefielen/ trug Sohn des Kans ſolteerkant worden/ begehr⸗ 7 er eine nee Sa daß die Faun und te er unaufhörlich von ſeinem Vatter/ er ſolte 0 Wiſſenſchafften möchten in aufnehmen ge⸗ ſich des Ole sel bemächtigen, und ihn um 8 rahten. Er ließ zur Underweiſung der Ju⸗ Konig machen/ oder aufs wenigſte zugeben/ de gend ein Collegium zu Schiras aufrichten/ daß er nach ſeiner Verſtoſſung den Thron be⸗. ſteigen koͤnne. Als ſie einsmals mit dem KoDes vun und viel Carvanſerien, ſo wol in der Stadt als auf den Landſtraſſen/ zur Bequemlichkeit den Reiſenden bauen. Er ließ die Berge nig bey Schiras auf der Jagd waren/ kam die⸗ Gal ſer junge Herz gantz ungedultig zu ſeinem den 15 umbrül durchſchneiden die Wege zu verkuͤrtzen/ und fuͤgte andere zuſamen durch Brücken eines wunderſamen Gebaͤudes/ daß man ſich kaummerlich einbilden kan/ wie man ſolche Bogen machen koͤnnen/ die von einem Berge auf den andern gereicht/ uͤber ſolche abſchuͤſſige Oerter und Bache. 15 155 Dieſer Iman-Couli-KRan weil er ſehr alt war/ kam nieht mehr nach Hofe/ und wolte lieber auf ſeiner Landvogtey ſeyn/ in welcher er machtig war/ und von jeglichem geliebet und geehret wurde. Der Konig war noch ſehr ſung/ und die Regierung beſtunde in ſeiner Mutter/ und des Athemat-doulets Handen/ die einen groſſen Haß wider den Kan gefaßt hatten. Dieſe zwey Leute welche ſich mit einander verbunden/ des Koͤnigs und ihr Anſehen zu erhalten/ und gaͤntzlich ſeinen Nutzen in acht zu nehmen/ konten derohalben nicht leiEr fällt in den/ daß der Hof des Kans groſſer waͤr als des Anraden. Königs/ und daß weder von den Einkommen des Landes Schiras, noch von Lar und Ormus, noch von der gantzen Seite des Perſiſchen Meerbuſens/ das geringſte in den Schatz gelieffert/ ſondern alles von dem Kan und ſeinen Soͤhnen nach jhrem Gutduncken verwaltet wurde. Hierzu kam auch/ daß der Konig mht das geringſte von ſeinen Einkommen/ zu ſich zog/ ſondern uber das/ noch dem Kan Gelt ſandte/ die Voͤlcker die er in der Provintz underhielte/ zu beſolden. Das groͤſte aber/ welches der Königlichen Mutter zu Hertzen gieng/ cwar/ daß der alteſte Sohn des Kans einigen Anſpruch zum Reich hatte/ welcher ein muhtiger ehrgeitzger und junger Vatter. Siehe/ ſprach er/ die Zeit iſt kommen/ daß einer von uns beyden kan Koͤnig ſeyn/ und ſo du wilt/ ſo wil ich dir des Scha- Sei Kopf bringen. Der Kan aber hielt jhn bey den Armen und ſprach/ er wolle timmermehr in ſeines Koͤnigs Tod willigen/ und eher tauſendmal ſterben; daß jhme der verſtorbene Konig oͤfters ſeinen Willen kund gethan/ und beſchloſſen/ daß Cha⸗Sef ſein Enckel nach jhme regieren ſolte/ weil er ſeines Sohnes Sohn war/ und alſo auch ſein rechtmaſſiger Erbe; daß er jhme außdruͤcklich befohlen/ dieſen Oha-Seſi guf den Thron zu ſetzen/ welches er auch verſprochen/ und geſchworen/ ſeinem Willen nachzukommen/ und er wolle auch den Cha- Sefi in ſeiner Herꝛſchafft bis auf den letſten Athem ſchuͤtzen und jhme beyſtehen. 8 125 Durch dieſen hurtigen und großmuͤhtigen Schluß underbrach der Kan das e welches dieſer junge Herꝛ im Sinn hatte/ nemlich den Konig anzugreiffen; die Mutter des Koͤnigs/ welche auch jhre Spionen hatte/ wuſte gar wol/ was man wider jhren Sohn/ und die Ruhe des Reichs fuͤrnehmen wollen/ und glaubte es ſey nicht unbillich/ dieſem Ubel vorzukommen/ und daß man nicht lange warten doͤrffe/ ſich der Leute/ die dem Koͤnig den Tod geſchworen/ zu bemaͤchtigen. Die zwey andern Soͤhne des Kans, waren auch auf deſſen Seiten/ den man fuͤr ſeinen Elteſten hielte/ und welcher ſich mit gutem Recht einbildete des Cha⸗Abas Sohn zu ſeyn; was aber den Kan anbetrifft/ ob zwar ſein Vorhaben gantz nicht zu ſchelten/ ſo gerjeht er doch 1 .. ein welches er hey allen Soldaten hatte/ und weil hene ſederman gunstig war /in Verdacht und Schuld/ weil er gleich ſam einen Schatten der Königlichen Hoheit ſpührenließ. Die Sul* ani berahtſchlagte mit Athemar⸗douſet, was man für Mikkel ergreifen ſolle/ den Sturm/ welcher auf des Königs Haubt angeehen fer/ u hindertreiben/ und ſtellete jheme endlich vor/ daß er ſeines dehens nicht ſicher ſey/ wofern der man- Couli Kan und ſeite alteſten Sohne nicht aut dem Weg geſcr afft wurden. Der Konig glaubte diß leſcht/ und beſchloß ſich ſo wol des Vatters als der Kinder/ aufs Seh wehrigkeit dabey ſte nach Hofe zu ruffen/ mute derowegen ein anderes Mittel für die Sand nehmen. Zur ſelbigen Zeit fuhrte Sul. dan Amürar der Türckiſche Keyſer/ eine gröſſe Armee zu Felde/ er eroberte wurcklich Evan, „, und nachdem Lauris, welches/ weil er ſolches 1005 alan licht behalten konte/ verwüſten ließ. Auf die ſcheheibeit erte Zeitung von dieſem Zuge/ und daß der ich der e 5 5 N e al ee Turck ſich gegen Armenien machte/ ließ der Ohle Konig in Perſßen alle kans oder Statthalter 0 1 VHV daß ſie gif 00 es dem Kerclevouzs alle der Konig ſeine gantze 111 9 der Kong wolte der erſte dabey ſeyn und 509 15 mit ſolcher Eyl von kipanhan, daß der groſte T heil ſeiner Bagage ja das Haram, ihne nur drey Tage hernach folgen konten. So bald der Kan zu Schiras von dem Konig Ordre empfangen/ weil er der fuͤrnehmſte Kan in Perſten And Generaliſfimus über die Armee war/ verſamlete er alsbald ſeine Volcker/ welche in kurher Zeit marſchieren koͤnten. Sie waren vorkrefiſch außgeruͤſtet/ dann weil er/ wie ich zuvor gedacht/ die beſten Soldaten hatte/ und auch guke Officierer/ ſo konte auch nichts herzlicher/ hichts ſchoͤner und ordentlicher geſehen werden als dieſe deib⸗Armee die er dem König zuführke. Als er nun nach Casbin zu reiſen mit ſeinen drey Söhnen un Zuge begrlffen war/ machle ſich der Elteſte/ nach dem er ſich wol bedacht/ dum Vatter/ und ſprache: Herꝛ wir eilen ſo ſehr uns beym Koͤnige einzufinden/ um keiner andern Urſach/ als daß unſere Kopfe zu unſeren Fuͤſſen fallen ſollen. Du redeſt vielleicht nieht unwahr mein Sohn/ ſprach der Rau, aber ich habe bis auf dieſen Tag dem Koͤmig memals zu widerſtreben getrachtet/ ſondern gethan was er befohlen/ es mag nun geſchehen was wil/ ſo wil ich ſhme dennoch bis in den Tod gehorſam ſeyn. Als der Kan zu Casbin mit ſeinen Sohnen ankommen/ empfieng jhn der Konig mit groſſen Freuden. Da aber etliche Tage her⸗ 5 nach alles Volck verſamlet war/ geſchahe eine Sblieral⸗Muſterung/ und darauf folgte ein wal Jeſt“ welches drey Tag wahrete/ und zu 1 eim alle Kans und groſſe Herren eingelaMwuürden. Die drey Sohne des Ian-Cou* 1 en auch under ber Zahl der Vatter 5 J. Theil.. 9 385 . ³² 3 GVV das Anſehen iſte zu bemächtigen; allein es war groſſe . 233 aber eneſchuldigte ſich/ theils wegen ſeines Alters/ als weil er vorgab er wolle die Zeit zu des Koͤnigs Geſchafften anwenden/ und Gott für ſeine Gefündheit und Wolergehen anrufen; wann aber ſeine Majeſtet ſolches auß drücklich haben wolte/ wurde er nicht underlaſſen dabey b erſcheinen. Als der Konig diß vernommen/ ließ er dem Kan zu Schiras ſagen/ er ſtelle es in ſein Belieben und Freyheit/ nd er mochlr thun was ihn am beſten zu ſeyn duncke/ er wolle ſym auf keinerley Wzeiſe zu wider haudlen. Des dritten Tages ſtund der Konig auf/ ſagte zu keinem kein Wort/ und gienge guß bein Saal in eine Kammer/ die nicht weit davon war. Eine halbe Stunde hernach/ kamen drey ſtar⸗ und laſſet fe ckeund herthaffte anner hittein; ehſtetliahen aan abr anderen die jhnen folgeten/ dieſelben hielten die Sabel in den Handen/ bemachrigten ſich der Sohne des Kans, welche ſich keines weges wehren konten/ und hieben jhnen die Kopfe ab. Die Kopfe wurden bald in eine gulden: Schuſſel gelegt/ und dem Konig gebracht/ welcher befahl/ man ſolle ſie dem Vatter zeigen/ und wann diß geſchehen/ jhme das ſeinge gleich fals abhauen/ und derſelben vier zu machen. Dieſelben/ welchen dieſes anbefohlen/ funden den Kan hatende/ und nachdem ſie hn geſtoͤret/ jhme ſeiner Sohne Kopfe zu zeigen/ bar er/ ſie mochten jhm vergonnen/ daß er ſein Gebot vol⸗ i lende/ welches jhme auch erlaubet wurde. Als und ein 7 0 es mum geſchehen/ wendere er das Geſichte/ und ace ſagte kein ander Wort/ als was bey de Perſiern gebrauuchlich iſt: nemlich/ des Koͤnigs Wille geſchehe/ und alsdann hieb man jhme das Haubt ab. Man krug es nebſt den andern dreyen in eben dieſer Schuͤſſel fur den Konig/ welches auch gleichfals der Koniglichen Mutter ins Haram geſendet wurde. Enan-CouliKan hatte eine von den beſten Familien in Perſien/ die beſtund aufs wenigſte in 2. Kindern. So bald dem Kan und den drey alteſten Soͤhnen der Kopf abgeſchlagen/ ſchickte der Konig in aller Eyl etliche Chappars oder Eilbotten nach Schiras, dem Leutenant des Kans dieſe Poſt zu bringen/ mit Befehl/ alle ſeine Kinder gleichfals zu kodten. Dieſes geſchahe auch auf der ſtatte/ außgenommen den zween jungſten/ welche noch an den Bruten lagen/ und von jhren Saugammen verſteckt wurden/ alſo daß man niemals etwas weder von ihnen/ noch vertilgvon den Kindern erfahren konnen. Von der Zeit an/ daß Iman-Couli-Kan Was ſich fer; mit ſeinem ganzen Geſchlechte ums Leben kom⸗ nem Ledcel men/ iſt Schiras ait dem ganzen Lande das zugetragen; dazu gehoͤret/ under der Virirs Bottmaſſigkeit chen/ was ſie hm jahrlich geben ſolten. Im Jahr 166. und 1666. gab der Vieir jahrlich ooοο,Tomans aber im Jahr 1667. geſchahe ein neuer Verglich mit dem Könige/ ber ließ ſich acht tauſend Tomans abziehen/ weil er ein kleines Stück Landes/ das er einem ſeiner ſchafft abgeſondert. N Huͤuber dieſes muſte auch der Zubernator zu ee e, ee Favoriten geben wollen/ von bieſer Herꝛ 234 Reisbeſchreihung in Perſten/ Schiras, dem Konig jahrlich ein Geſchencke ſchicken/ von dem beſten und rareſten/ daß in der Provintz herfürgebracht wird. Dieſe Geſchencke beſtehen gemeiniglich in guten Pferden/ dann es in gantz Perſten keine beſſere Stutterey als in der Provintz Schiras. Und in derſelben wachſen auch die beſten Granaten im gantzen Reiche/ nebſt einer groſſen Menge Pomerantzen und Citronen. Man machet darinnen underſchiedliche Arten von Oel und wolriechenden Waſſern/ und die Weiber gebrauchen ſich dieſes Oels/ das Haubt und den Leib zu waſchen. Under anderen iſt ſonderlich das Noſen⸗ol/ welches brauner Farbe/ und gleichfam gefroren iſt/ und in dem Preiß/ weil die Roſen nicht jahrlich in gleicher Menge wachſen/ geſteigert und vergringert wird. Die Untze wann es arm teureſten iſt/ koſtet zehen Lomans. Man machet auch in dieſem Lande ein Waſſer von Blumen/ die auf einem Baume det unſern Weiden gleich ſiehet/ u wachſen pflegen/ dieſes Waſſer wird Arak-Bilmitche genant/ und dieniet vortreflich zum kühlen. Mit gllen dieſen Safften und Oelen/ muß der Gubernator zu Schiras den Koͤnig gleichfals beſchencken. Sie werden in Flaſchen gethan von underſchiedlicher Groͤſſe/ und mit ſeinem Sigel verſigelt/ nachmals hat man gewiſſe Kaſten dieſe Flaſchen zu führen/ welche dem Flaſchen⸗Futter zimlich gleiche kommen/ die man bey der Armee braucht/ und die in Teutſchland ſehr gemein ſind. Sonſten wann der Gubernator zu Schiras nur den Konig beſchencken doͤrffte/ ſo waren die Koͤſten noch wol ertraglich/ aber auß Forcht/ es mochte jhm jemand einen ſchlimmen Poſſen mit ſpielen/ und jhme bey dem Koͤnige etwas ſchlimmes anſpinnen/ muß er auch bey den Groſſen des Hofes die Gunſt nicht verſchütten/ welches durch Geſchencke am beſten geſchehen kan. Die alten Kans, welche ſehr machtig und faſt kleine Furſten waren/ konten vor die ſem zufrieden ſeyn/ wann ſie dem Konig nur etliche neue Früchte für ſein Hauß ſandten/ weil es aber jetzo viel fehlot/ daß die Statthalter zu Schiras dieſer Macht ſich anmaſſen konnen/ ſo iſt es vonnoͤhten/ daß ſie mit den jenigen die um den Konig ſeyn/ wol ſtehen/ und in jhrem Anſehen und Aemtern erhalten werden. Weil ſie nun die Mittel dazu haben müſſen/ ſo entſtehet daher jhre Grauſamkeit wider das Volck/ welche/ weil ſie mit unbillichen Aufgagen oͤfters gedrücket werden/ ſich bisweilen auß. oder 6. Doͤrffern verſamlen/ und beym Konige beklagen. Die aber/ welche dieſe arme Leute ſoltͤn fuͤr den Konig laſſen/ und bey jhme anbringen/ verhindern vielmehr dieſes/ weil ſie durch Geſchencke die man ihnen gegeben/ beſtochen worden. Auf ſolehe Weiſe werden die arinen Bauren gezwungen/ weil ſie nicht lange auß ihrem Hauſe wegbleiben koͤnnen/ und keine Mittel finden mit dem Konig zu ſprechen/ ſich wieder nach ihren, Doͤrffern zu begeben/ und 2 dem Joch des Gußernators zu under werfen. Cha-Señ, von welchem ich in dieſem Capitel auch etwas ſonderbares gedencken wil war uber alle tmaſſen ſtrenge/ und ſeine Straf. fen lieffen oͤfters guf Grauſamkeit hinquß. Als er einsmals auf der Jagd war/ kam ein armer Mann hinter einein Felſen hergegangen/ und war von einem Dorf abgeordnet/ daß er ſich bey dem Koͤnige über den Zubernator der Provintz/ welcher mit den Underthanen unbarmhertzig umgieng/ bektagen ſolte. Ex war ofters zu Hofe geweſen/ aber niemals fur den Kong Gr au sal feit des Ch Sei. kommen/ noch jemanden gefunden/ der ſeine Klage bey demſelben wollen anbringen. Als nun dieſer arme Menſch hinder dem Felſen herfur kam/ ein Papier in der Hand haftend und den Konig anruffte jhme Gerechtigkeit zu erzeigen/ nahm der Konig ohne einig Wortſprechen ſeinen Bogen/ und jagte hme zwey Pfeile in den Leib/ davon er ſterben muſte. Die Urſach/ welche ihn zu dieſer grauſamen That bewogen/ war/ weil er etliche Weiber bet ſich guf der Jagd halte/ und bey ſoſchen Fallen erlangen die Ungluckſeligen keine Gnade/ wann ſie guf dem Wege angetroffen werden/ wo der Konig vorbeh ziehet/ ja ſelbiſt auch in den umligenden Orten/ allwo die Verſchnittene allenkhalten herum lauffen/ und Befehl haben/ alle Manner die ſie antreffen/ unnubringen. Wan der Konig mit ſeinen Weibern außziehen wil/ ſo laft er ſolches außruffen/ und bieſes wird Courouk genant/ es iſt ein ſehr verdrießliches und unbequemes Weſen für die jenigen/ welche ſich in der Nachbarſchafft befinden/ an denen Orten wo die Weiber vorhey ziehen ſollen. Dann ſo bald man Nachricht davon hat/ ſo müſſen alle Manner auß den Dorſſern wei⸗ der 90 11 1 1 dor 1 5 chen/ auf eine Meile oder zwey von dieſer und in jener Seite des Wegs/ und darff memand als Weiber daſelbſt bleiben. Wann das Courouk zu Epahan qußgeruffen wird/ muß ein jeder ſein Hauß verlaſſen/ mag auch das aller ſchlimſte Wetter ſeyn/ und wann er nicht einen guten Freund in weit abgelegenen Orten finden kan/ ſo iſt ſein nachſter Weg in das Geburge. So weit greifft die Eifferſucht der Konige in Perſten um fich; und dieſer Meinung fallen auch faſt alle Printzen in Aſten bey/ die underthanen ihrem Exempel folgende/ gebrauchen ſich auch groſſer Furſichtigkeit/ daß ihre Weiber von keinem Manne geſehen werden/ es ſeye gleich wann ſie zu Hauſe ſind/ das ſie doch gar ſelten verlaſſen/ oder wann ſie auß gehen/ wie ich anderwerts angezeigt. N Die Perſianer/ ſo wol Manner als Weiber/ haben ſich das Taback⸗trincken dermaſſen angewehnet/ daß es eben ſo viel iſt/ jhnen das Leben/ als den Taback zu nehmen. Der meiſte Theil under jhnen/ leiden lieber Mangel an Brod/ und die Arbeiter/ ſo bald ſie etwas gewonnen/ oder jhr Taglohn empfangen haben/ kauffen vor allen Dingen Taback/ und das Ubrige wenden ſie aus Brod und Früchte; dann das gemeine Volck iſſet wenig Speiſen/ und ins gemein Melonen/ wann ſie zeſtig ſind: Dafern nun der Konig den Taback verbieten laſſet/ wie ofters mit dem Wein geſchehen/ ſo wurde das Ver bott nicht lange wahren konnen/ ſondern der Konig wurde einen groſſen Theil ſeiner Einkommen verlieren/ weil eius 0 gſialg 1 ber des backs 2 den 5 l Le Fuͤufftes Buch. ld allein die Stadt Iſpanan jhme jahrlich 40 kauſend Tomans eintraͤget/ von Tauris bekommt 20D, von Schiras 2⁊0 0. andere Staͤdte des Reichs geben auch das Ihrige nach ProPortion. Cha. Se hatte einsmals den Taback durch ſein ganzes Reich verboten/ ohne daß man die Ulrſach deſſen erfahren konte/ die Spionen welche gußgeſchickt worden/ zu ſehen was die Leute thun/ funden in einer Carvanſerie, die man die Indianiſche Carvanſerie nennet/ zwey reiche Kauſteute auß Indien die Taback truncken. Dieſe wurden alsbald gefangen und geunden zum Könige geführt/ welcher befahl/ man ſolte ſie alsbald auf den Meydan führen/ und die Gerechtigkeit über ſie ergehen laſſen/ daſelbſten goß man ihnen geſchmoltzen Bley in unge. win den Mand/ bis ſie davon ſturben. Em eder glaubte/ der Konig wolle ſie nur ſchrecken/ und wurde jhnen G nad erzeigen/ wann ſie wuͤrden auf den Platz kommen/ aber der Konig wolte ohne Verzug/ daß ſein Befehl vollfuhret werde/ drey oder ver Banianen oder Indianer/ gaben dem Arhemat- douler zu verſtehen/ ſie wolten/ wann Seine Majeſtet dieſe zwey Kar ſleu255 derſcheiden mochte/ welche um jhn ſaſſen. Alsbald kamen etliche Reuter und hiebem jhm mit dem Sabel die Hand ab. i 5 1 Das IV. Capttel. Traurige und denckwuͤrdige Ceſchihte/ welche ſich mit Rudolph Stadlern von Zuͤrich gebuͤrtig/ zugetragen/ under der Regierung Cha Seh, in deſſen Dienſten er ſich dazumal aufgehalten. 5 Udolph Stadler von Zurich gebürtig/ ſeines Beruffs ein Uhr macher/ begab Oe ſcchin Dient Hern Schmids/ welcher des Keiſers Reſident bey der Türckiſchen Pforten war/ und kam mit jhme nach Conſtantinopel. Ich habe im erſten Zuch meiner Reiſebeſchreibung angezeigt/ daß man mich gebeten dieſen Menſchen mit mir in Perſien zu führen/ und daß man ſich angewehnet/ denſelben Rudolph Schmid von dem Namen ſeines Herꝛn dem er diente/ zu nennen. Als wir zu Lud Ilpahan ankamen/ fieng er an zu arbeiten/ und g machte eine ſehr künſtliche Uhr/ in Groſſe eines zu J olyh te begnadigen wolte/ 2000. Tomans in die Schackammer legen. Dieſer Miniſter trug dem Könige dieſen Vorſchlag vor/ aber er erzoͤrnte ſich daruber dermaſſen/ und fragte jn/ ob die Hunde die Indianer meineten/ der Koͤnig in Perſien verkauffe die Gerechtigkeit um Gelt/ und gab nochmals Befehl/ man ſolte ſie ohne einzigen Verzug hinrichten. Ebben dieſer Oha Seß ließ einem Herrn ſeines Hofes/ welcher eines Laſters wegen uͤberzeugt worden/ die Augen gußſtechen. Einer ſeiner fuͤrnehmſten Bedienten/ welcher bey dieſer Execution zu gegen war/ ſahe daß man einei andern die Augen mit dem Meſſer außſtechen wolte/ wurde gezwungen die ſeinigen zu zu machen/ und zog das Geſicht zurück/ als ob vor dieſem Specktackel ein Abſcheu harte. Der Konig merckte dieſes/ und ward unwillig/ daß er eine Abſcheu davor hatte/ gleichſam/ als wann er ſein Vornehmen licht gutheiſſen wol/und fuhr endlich in dieſe zor nige Worte herauß/ ſagende: Kanſt du nicht ſehen gegen die Boſen Gerechtigkeit uͤben? Und darauf befahl er/ man ſolke ihm gleichfals die Augen auß dem Kopfe reiſſen/ welches auch ungehindert geſchehen muſte. 1 Es iſt in Perſien gebrau hlich/ daß ſo oft der Koͤnig vorbey ziehet/ niemand mit den Fingern auf jhn zeigen darf/ oder der ſelbe muß die Hand verlieren/ welche jhme durch den erſten/ der dem Konige nachfolget/ und ſolches in acht nimmet/ abgehauen wird. Als Cha- Seß einsmals ins Feld zog/ befanden ſich zwey Kaufteuke auf dem Wege wo der Konig vorbey ziehen ſolte: Sie blieben ſtehen/ den Konig zu ſehen/ und als er nahe bey ſie kam/ bat der eine ſeinen Gefarten er ſolte jhm den Konig zeigen/ weil er 1 ſchon oft geſehen. Dieſer/ welcher wol Fides helcher der Konig ſey nenilich der den 0 0 uſch auf dem Hut hatte/ und weil er jhn fit er ihn under den andern Herren unchu, dal Gesicht kante eigtenntder Hand auf Reichsthalers. Vor ihm hatte man noch keinen Uhrmacher in Perſten geſehen/ und die Engellaͤnder/ welche dieſes wolgemachte Stuck ſahen/ wuͤnſcheren es zu haben/ in willens/ ſolches dem Konige/ der dazumal zu Casbin war/ zu ſchenecken. Rudolph begehrte dafür 200. Thaler/ ſie aber wolten nur die Helffte geben; ideſſen reiſete der Iman-Couli-Kan, oder der Statthalter von Schiras; über Ipahan zum König/ die Engellander/ die hm hoch verpfuichtet waren/ verehrten jhme die ſe Uhr/ und bezahlten dafur dem Rudolph Stabler 206. Thaler/ wie er begehrt. Der Kan erkante der Engellander guten Willen/ und gab jhnen zu verſtehen/ ſie wurde nicht für jhn bleiben/ ſondern er wolle ſie dem Konig ſchencken/ ſo bald er nach Casbin kommen wurde. Man hatte zuvor keine ſolche Schlag⸗Uhr in Perſien geſehen wie dieſe/ und die Uhrmacher⸗Kunſt war nur etwas weniges bekandt worden. Als der König dieſe Uhr/ welche der Kan jhm alsbald bey ſeiner Ankunfft verehrte/ ſahe/ gefiel jhme ſolche au der maſſen/ und hieng ſolche an eine güldene Kette an den Hals/ und bedeckte ſir mit dem Rocke. Diß war die erſte Uhr die er gehabt/ als er aber den Spanner anſetzte/ als wolte er ſie aufziehen/ zerbrach die Welle/ ind konte jhm alſo nichts mehr nutzen. Dieſer Zufall var jhim leid/ als er aber erfahren/ daß derſelbe/welcher ſie gemacht/ zu Ilpahan ſehe/ befahl er/ nat olte jhn in aller Eyl nach Casbin abholen. Als Rudolph daſelbſt ankam brachte er die Uhr bald wieder zu ſtande/ alſo daß der König ſo wol mit ihm ſelbſt/ als mit ſeiner Arbeit/ ſehr wol zu frieden war/ er verſprach hme aueh jährlich eine Beſoldung von 0. Tomas, nebſt Kom der Koſt/ einem Knecht/ und zwey Pferden/ be dem König 7 fahl auch/ daß er jhme mehr dergleichen Uhren machen ſolte. Ein geſchiekter Arbeiter/ der in . 8 V 4 des Gn * * 236 ͥ KReisbeſchretbung in Perſienl gn Wenig Tage hernach/ machten die Holdes Königs Dienſten iſt/ hat allezeit diefen Vortheil/ daß er/ ſo oft als dem Konig etwas wolgefalliges under Augen komt/ ohne ſeine Beſoldung/ die jhme jederzeit richtig bezahlt wird/ annoch von dem Koͤnig ein Geſchenck zu gewarten hat/ welches gemeinlich den dritten Theil/ oder die Helffte der Beſoldung erreichet/ oder auch die Beſoldung wird ihme verbeſſert/ welches bir Preſen t Rudolph muſte alle Morgen ſich bey dem Koͤnig einfinden/ und die Uhr aufziehen/ weil er nun gut Turckiſch redete/ hatte der Konig oft ſein Wolgefallen/ wann er ſich bey jhm erkündigte/ was er neues erfahren/ und ſhme allerhand Fragen fuͤrlegte. Alle Morgen wann Und wird von ihme ehr wert gehalten. er vom Konig gieng/ wurde jhme Ehrenthalben eine Schale mit Wein gegeben/ und der Ronig liebte ihn dermaſſen/ daß er ofters/ ſo wol ſelbſt/ als durch ſeine Hof⸗Bedienten/ anhielte/ er ſolte die Chriſtliche Religion verlaſſen und ein Mahometaner werden/ weil er gerne ſein Lebemang ihn in ſeinem Dienſte behalten hatte. Die Holſteiniſchen Abgeſandten/ als ſie zu Iſpahan ankommen/ und erfahren/ daß dieſer Rudolph bey dem Konig in groſſen Gnaden ſey/ bernuheten ſich jhn auf jhre Seite zu bringen/ welches jhnen urn ſo viel leichter zu thun war/ weil Rudolph mit den Hollandern nicht wol ſtunde/ intemal er mit dem Herꝛn Obrecht dem Furnehmſten under jhnen/ zu Ilpahan Handel gehabt. 0 Nudolph befande ſich oͤfters bey den Holſteiniſchen Geſandten/ und hatte einsmals mit jhnen ſich uͤbermaͤſſig luſtig gemacht/ als er des Nachts in ſeine Wohnung/ in welcher er eine junge Neſtorianerin hatte/ kam/ fande er einen jungen Perſier in dem Hofe/ der einen von den Kon glichen Thuͤrhütern zum Bruder hakte. In Perſten pfegt man es für eine groſſe Ubelfind/ und einer der ein Weib bey ſich hal/ der wird für jhren Mann gehalten/ ohne daß man that zu halten/ wann jemand ohne Exrlaubnuß des Ehemanns/ in ein Haus gehet/ wo Weiber flraget ob er ſelbige geehliget habe. Dieſer junſich eilends uͤber die Garten⸗ Maur/ die nicht ge Perſianer wolte allem Anſehen nach/ entweder zu des Rudolphen Frau/ oder zu jhrer Schweſter/ die ſie bey ſich hatte/ oder zu einer ſeiner Sclavinnen/ und erſchracke zimlich/ daß er ſo bald wieder von der Freſſerey kam/ welches ſonſten um dieſe Stunde nicht gebrauchlich war/ glaubte derohalben/ es ſey der kuͤrtzſte Weg ſich zur Flucht zu ſchicken/ und machte gar hoch war/ davon. Rudolph der wol wuſte wer es war/ ſagte dem Thurhüter des Morgens/ daß er ſeinen Bruder in ſeiner Wohnung gefunden/ und wolte jhn um ſeines eigenen Beſtens willen erinnert haben/ er ſolte nicht wieder kommen ſonſt wo er ſich noch einmal würde finden laſſen/ wolle er jhm ubel davon helffen. Ein gleiches 6 dem jungen Salant az und glaubte gar gewiß/ er würde nicht mehr ſo kühn ſeyn/ einen Fuß in ſeine Wohnung zu ſetzen. i noch nützlicher iſt als kuͤndigte er auch ſteiniſchen Abgeſandten ein groſſe Gaſteren/ zu welcher alle Francken eingeladen wurden. In ſolchen Begebenheiten verlaſt man die Geſellſchafft nicht gern eher als um Mitternacht/ dann gegen Abend faͤngt man an ain luſtigſten zu ſeyn/ und die Taͤntzerinnen tantzen zu ſehen. Als Rudolph ein wenig getruncken/ komt jhme 8 der junge Perſianer in Sinn/ er ſtehet etwas vor Nacht auf/ ſaget zu niemanden kein Wort/ und gehet gantz allein in ſeine Wohnung/ er eroffnet die Thur gay leiſe/ und findet den jungen Galant zum andern mal. Der gute Kerl machte ſich zwar zur Flucht fertig/ und wolte wie zuvor/ ber die Garten⸗Maur entſpringen/ aber Rudolph ließ jhme nicht die Zeit dazu/ ſondern bemächtigte ſich ſeiner/ mit Hulffe ſeiner Frauen Sclaven/ die auf das Geſchrey herzuſieffen/ und band jhn mit dem Leib und Armen an einen Baum/ der in dem Hofe ſtund. Als er jhn nun alſo arreſtieret/ ſprach er/ er wolle morgen mit jhm reden/ und weil er ein wenig Wein im Kopf hatte/ legte er ſich auf eine Decke ſchlaffen. Seine Diener/ als ſie jhn nicht mehr bey der Gaſterey ſahen/ glaubten er hatte ſich ſtillſchweigend nach Hauß begeben/ und giengen gleichfals heim/ als ſie nun den Perſtaner an den Haum angebunden ſahen/ ſrotteten ſte ſeiner. Einer under jhnen kam jhm zu nah/ damit er ſeiner deſto beſſer lachen konte/ und warff jhm ſeine Dumheit vor/ daß er ſich ſo binden laſſen/ empfieng von jhme einen Stoß mit dem Fuſſe/ welehen jhme der Per ſlaner der gar gelencke Zuſſe halte/ und deine es weh that in dieſem Zuſtand zu ſtecken/ in den UnderLeib auß aller Gewalt verſetzte. Er file ohnmachtig guf die Erde nieder/ es fehlete wenig/ daß er nicht geſtorben. Die Knechte fiengen T bei 1 n heilt hierüber ein Getümmel an/ einer under ihnen ger un erweckte den Rudolph/ welcher/ nachdem er erfahren was vorgaugen/ ein Piſtol nahm mit drey Kugeln geladen/ und ſolches guf bes Perſiers Kopfe loßbrannte. Dieſer Galant ſtarb/ und Rudolph fragte wenig darnach/ ſondern verließ ſich auf des Koͤnngs Gunſt/ und kam des Morgens wieder zu jhm die Uhr aufzuziehen. Der Konig/ welcher gemeinlich zu fragen pflegte/ was ſich Neues zu Iſpahan zugetragen/ verwunderte ſich ein wenig/ daß Rodolph trotzig herauß ſagte/ er hatte ſeines Thuͤrhuters Bruder umgebracht/ welchen er zweymal in ſeinem Hauſe gefunden/ und jhme ſolches nicht allein verboten/ ſondern auch den Thurhuter gebaͤtten/ ſeinen Bruder zu erinnern/ daß er ſich nicht mehr da finden lieſſe. Der Konig ſprach hierauf/ er hatte recht gethan/ und der Tod ſeye jhme gegeben/ welches in Perſten eine Art zu reden iſt/ und ſo viel heiſſet: als/ Er iſt gar billich geſtrafft/ weil die Eifferſucht die dieſen deuten angeboren iſt/ nicht zugibt/ wie wie ich alberkit angezeigt/ daßeiner/ r ſey auch wer er wolle/ in Abweſenheit des Mannes/ oder ohne ſein Wiſſen/ ſeiner Weiber Kaminer ſich 11 nähern darff. Rudolph nachdem er des Kö⸗ Gnade nigs Gnade erhalten/ bedanckte er ſich gar de mig/ und gieng wieder in eme Won ur. 5 i Mirza e le el M 7. . en tet Fuͤnſtes Buch. den. Damit er nun den Koͤnig noch beſſer beMirza- Tacke von deme ich vor erzehlet/ und welcher damals Achemat-dulet war/ ware dem Rudolph nicht guͤnſtig/ und hatte dazu gute Urſach/ welche ich mit wenig Worken erzehlen will. Von der Zeit an/ weil das Uhrwerck in Perſien eingefuhret worden/ und man geſehen/ daß es dem Konig ſehr angenehm war/ ſo brachten alle Armeniſche Kaufleute die nach Europa reiſeten/ jederzeit J oder 6. Uhren mit ſich/ davon ſie dem Koͤnig und Athemat- dulet etliche verehrten/ alſo daß der Mirza-Tacke deren in 25. oder 30. hatte. Weil nun die Uhren leicht zu ſchanden gehen/ pflegte jhme dieſelbe 2. oder 3. Jahr lang der Rudolph allezeit zu verbeſſern/ ohne daß er ihme jemal das geringſte gegeben. Rudolph den der Konig immer je mehr und mehr liebte und von jhme taͤglich neue Wolthaten empfieng/ hatte ſein kleines Vermoͤgen in etwas verbeſſert/ und hielte vier oder 5. Knecht/ und ſieben oder acht Pferd. Der Athematrdoulet wolte jhme auch endlich ſeine Danckbarkeit erzeigen/ weil er jhme die Uhren ſo oft zu recht gemacht/ und meinete/ er wurde jhme einen gefallen thun/ wann er jhm 1x. oder 20. Kameel mit Stroh und Gerſten beladen ſeine Pferdte zu fuͤtern verehrte/ und dieſes Preſent/ welches auch Gelt koſtete/ hatte dem Rudolph ſollen lieb ſeyn/ weil es von einem ſo vornehmen Heren kommen. Rudolph aber fragte nicht viel darnach/ und einer von des Ahte⸗ i bey denlbelthatern gebrauchlich iſt. Acht Tag mat-doulets Diener bekam an ſtatt des Danckſagens zur Antwort/ gehe ſage deinem Herꝛn/ ſprach Rudolph/ daß ich weder ein Pferd noeh Eſel bin/ und er mag ſein Geſchaͤncke ſelbſt freſſen. Dieſe liederliche ede gieng dem Nirza-Tacke del maſſen zu hertzen/ daß er feſtiglich vorſetzte/ ſich mit Belegenheit zurachen/ und glaubte derohalben gar gewiß/ er koͤnne keine beſſere finden/ als bey der Mordthat/ welche Rudolph wieder den Perſiaper begangen.. Der Athemat-doulet ließ ſich alle Morgen vermog ſeiner Schuldigkeit bey dem Konig finden/ und trug jhm vor alles was den vergangenen Tag und die Nacht uͤber vorgea lauffen, Under andern Zeitungen/ underließ er nicht Seiner Majeſtaͤt anzuzeigẽ/ daß Rudolph eines ſeiner Thuͤrhuͤter Kinder umgebracht/ der Konig der dieſes ſchon wuſte/ ſprach Rudolph hätte jhme ſolches ſelbſt geſagt/ aber er hatte ihn auch begnaͤdiget/ weil er mit gutem Recht dieſen Menſchen umgebracht. Der Achemardoulet, welcher meinte er hatte das recht Spiel in den Handen/ den Rudolph zu verderben/ machte die Sach viel arger/ und gab vor Ruda dolph hakte alles bemantelt. Über diß zeigte Ang dn er Seiner Majeſtat auch an/ es ware jetzo eine gute Gelegenheit/ daß man den Rudoplh zwingen konte den Mahometaniſchen Glauben anzaunehmen, weil wann ein Chriſt ein Mouſul5 es Chnlhrilge⸗ ſolches anders nicht als durch r m huiſten Blut verſohnet werden kan/ oder uͤſſe aufs wenigſte ein Mahometaner wer237 reden moͤchte/ jhn entweder umzubringen oder von dem Chriſfenthum abwendig zu machen/ zeigte er jhm an/ es ſeye niemals ein ſolcher geſchickter Arbeiter in ſein Reich kommen/ welcher underſchiedliche Heimlichkeiten wuſte/ die zum gemeinen Weſen ſehr nutzlich waren/ und die er dem Konig noch nicht offenbahret/ under welchen auch ſey das Waſſer in die Hohe zubringen/ er haͤtle auch guten theils vernommen/ daß er Seiner Majeſtat Dienſte verlaſſen/ und mit den Holſteiniſchen Geſandten wieder in Europa ziehen wolle. Mit dieſen Worten ließ ſich der Konig uͤberredẽ/ daß Rudolph ſchuldig ſen/ und daß er nicht uͤberleget/ wie die Sache hergangen/ ließ jhn derohalben vor ſich kommen/ und ſprach er hatte der That die er verubet beſſer nachgeforſchet/ und befunden/ daß er ſolche bemaͤntelt/ wolte jhme derohalben ankundigen/ er ſolte ein Mahometaner werden/ oder ſich zum Tod ruͤſten. Rudolph antwortete ohne entſetzen/ und mit trocknen Worten/ er wolle nimmermehr ein Mahometaner werden/ und blieb auch auf dieſer Meinung/ ob jhme ſchon viel Herren die dazumal gegenwartig waren/ ein anders weis machen wolten/ und ihn ermahneten/ er ſolte in des Koͤnigs Begehren willigen. Der Konig ob er zwar ſeine Reſolution ſahe/ meinte doch die Scharpffe wurde jhn ein beſſers außpreſſen/ und ſandte jhn mit dreyen Pruͤgeln auf dem Halſe ins Gefaͤngnuß/ wie hernach ward es dem König leyd der ihn ſehr lieb hatte/ daß er dem Geſatz verbunden/ hn ums Leben zu bringen/ wann er kein Mahometaner werden wolle/ und berufte jhn in den Pallaſt/ und als er abermals vergeblich bey jhm angehalten er ſolte das Chriſtenthum fahren laſſen/ verſprach er jhme 2000. Tomans, aber Rudolph wurde treu und beſtaͤndig befunden/ in dem Glauben zu ſeinem Heyland. Der Koͤnig als er ſahe/ daß er nichts mit jhm gewinnen konte/ ſandte jhn wider ins Gefaͤngnuß/ in welchen er etliche Tag bleiben muſte. Und weil der Konig ſein Wort zuruck ziehen ſolte/ daß er dem Rudolph gegeben/ ſintemal er die That gut geheiſſen/ trachtete er auf alle Mittel und Wege ten/ welches die eintzige Artzney war jhn beym in Leben zu erhalten. Er ließ jhn derohalben zum 1 andern mal zu ſich komen/ uñ bott yhm oooo. Tomans an/ und ein Weib auß ſeinem Haram mit allen jhren Kleinodien/ aber Rudolph ſchlug ſolches mit eben der Muthigkeit ab/ welche er dem Koͤnig und den Fuͤrnemſten ſeines Hofs ſchon zuvor zu erkennen gegeben. Man ſahe daß er niemals die Farb veranderte/ ſondern es dem Konig allezeit trocken under die Augen ſagte/ ſorechende/ wann ſeine Majeſtat jhn bey ſeinem lauben wolte leben laſſen/ ſtehe er wieder auß getreuem Gemuͤthe zu ſeinen Dienſten/ wo nicht/ koͤnte er jhn auch hinrichten und auf den Plat führen laſſen. Uber dieſer dapferen Reſolution ward der Konig unwillig über den Rudolph/ und uͤbergab ihn/ 5 i 90 i a N ahe jhn zum Mahometaniſchen Glauben zu verlei⸗ Welcher ibn m Mahoetaner zuachen geneket. Seine Standhafligkeit. Und Tod. 238 mordten Bruder/ daß er jhn auf den Meydan führen/ und die Gerechtigkeit an jhme außuͤben moͤge. Die Hollſteinſſchen Geſandten vermeinten taglich ſie wurden beym Konig Audientz haben/ in Meynung den Rudolph zu erhalten/ und bildete ſich ein es wurde jhnen auch nicht abgeſchlagen werden/ und wurden jhme alſo davon helffen koͤnnen; aber der Athematdoulet, welcher leichtlich jhr Vorhaben merckte/ verhinderte allezeit daß ſie nicht konten zur Audientz kommen/ bis Rudolph hingerichtet war. Des Morgens ließ der Konig einen Befehl ergehen/ es ſolten ſich alle Francken ſo wol geiſt⸗als weltliche/ nebſt den Armeniſchen Geiſtlichen auf dem Meydan einſtellen/ bey des Rudolphs Tod zu ſeyn/ damit ſie ſein Hlut aufnehmen/ und den Leib in einen Sarck legen konten/ ſeine Majeſtat befahl auch/ man ſolte ſelbigen nach Zulpha führen/ und jhme auf der Armenier Kirchhof ein Grab aufrichten laſſen. Als nun Rudolph auf den eydan gefuͤhret wurde/ und das holtzerne Inſtrument/ welches die Perſianer balenck nenen/ an etlichen Orten aber in Franckreich die Ziege genannt wird/ auf dem Halſe hatte/ verfehlete des ermordten Bruder/ welcher nach jhrem Geſeitze die Krecution verrichten muß/ den erſten Streich/ und traff in das Holtz oder Palenck, daß es jhme ans Schienbein ſiel und jhn hart verwundete. Darüber entſtunde ein Geſchrey under dem Volck/ welches ſich um den Verurtheilten hermachte/ und verhüte/ daß die Execution nicht außgefuͤhret werden konte; der König erfuhr ſolches alsbald 15 befahl man ſolte jhn wieder ins Geſaͤngnuß führen/ nach etlichen Tagen ließ er jhn wieder zu ſich kommen. Etliche fuͤrnehme Herren hielten mit Macht an/ er ſolte nur zum Schein und auf eine Zeitlang ſeine Religion anderen/ und der Koͤnig entboth ſich dieſes mal jhm 20000. Tomans zu geben. maͤchtig ſeine dapffere Beſtaͤndigkeit zu fallen/ der Koͤnig ſehende/ daß er weder durch Verſprechen noch drauen was gußrichten konte/ üͤbergab jhn den Verwandten des Er mordten/ die jhn auch alsbald auf den Platz fuͤhreten. Damit ſie nun keinen Fehlhieb mehr thun moͤchten/ nahmen ſie jhm das Palenck vom Halſe/ Rudolph nachdem er ein kurtzes Gebatt verrichtet/ ſyrach er zu dem der diekecution außführen ſolte/ er ſolte hauen/ welcher auch jhme alsbald de Kopf vom Leib ſonderte⸗Dieſe Vollziehung geſchahe zu End des Oetobers 1637. Rudolph war ohngefahr 28. Jahr alt. Nach ſeinem Tod wurde alles nach des Königs Befehl verrichtet/ und des Morgens machten die Armenier ein Geſchrey/ ſie hatten bey ſeinem Gabe Engel geſehen. Die Carmeliten und Capuciner weiche dieſen Rudolph ſehr lieb hatten/ haben an jhre Freunde geſchrieben/ daß wann er vor ſeinem Tod ſich zur Röomiſchen Catholiſchen Kirchen bekandt hatte/ dazu ſie hn unaufhoͤrlich verleiten wollen/ hakte er in Anſehung der herꝛlichen StandReisbeſchreibung in Perſien/ ſahe daß nichts mehr an jhm zu hoffen/ des erAber niemand war ſo haftigkeit ohne einigen Zweifel ein Martyrer Chriſti genennet werden können. Sie kazen gemeiniglich zu Abends ins Gefaͤngnuß/ jhn zubeſuchen/ um zu machen/ daß ihme das Palenck welches er um den Halß hatte/ und mit welchem er unmoglich ſchlaffen konte/ abgenommen wurde/ welches zu erhalten ſie nicht wenig Gelt gekoſtet. Herr Nicolaus Obrecht. nan e der fürnemſte under den Hollandern zu Iſpa⸗ ben zugel han/ ließ bey dieſem d all ſeine Chriſtliche Groß⸗ ven. muthigkeit gleich fals blicken/ ober wol wuſte/ daß er mit dem Rudolph nicht wol ſtund/ und bey jhm in Ungnaden war/ ſo that er ihm damals alles gutes/ und ich weis/ daß er zuerhalten/ daß man jhme des Nachts das Palenck abgenommen/ mehr als 120. Tomans gnwenden muſſen a ee e At e Alle Francken legten etwas zuſamen/ jhme ein Grabmal aufzurichten/ welches mit einem kleinen Tach/ das auf vier Pfeilern ſtuhnd/ zehen oder zwoͤlff Schuh hoch bedecket wurde. Aber die Armenier haben ſolches ofters zerbrochen/ dann ſo oft ſie das Fieber angeſtoſſen/ haben ſie bey dieſem Grab gebattet/ und allezeit ein Stuck von dem Stein mit ſich genommen/ dadurch geſchehen/ daß es alle Jahr hat muͤſſen verbeſſert werden. Der Arhemar-doulet welcher nicht underlaſſen ſich andem Rudolph zu rachen/ hatte dem Konig gleichfals zuverſtehen gegeben/ daß dieſer Halßſtarrige/ nachdem er beſchloſſen/ eher zu ſterben/ als ein Mahometaner zu werden/ einem Sclaven den er die Uhrmacher⸗ i Kunſt gelernet offenbaret/ was er ſonſt mit jhm verlohren/ dadurch der Konig bewogen worden/ deſto eher in ſeinen Tod zu willigen. Aber acht oder zehen Tag hernach gieng die Uhr die der Konig bey ſich trug/ gant unrichtig/ und des Rudolphs ſein Lehr⸗Knabe konte ſolche nicht zu rechte machen/ derohalben wurde der Konig von Ungedult und Zorn eineil er ſeinen Uhrmacher verlohgenommen/ ren/ alſo daß ei ſich erzůrnete/ und jhme dem Athemat-doitlet die Uhr an den Kopf warff Des ſagende: Da/ du Hund/ der du biſt/ du zun ge haſt mich uͤberredet/ daß ich den Rudolph da umbringen laſſen/ welehes der geſchickteſte Mann geweſen/ der ſemals in mein Reich kommen wird/ du biß weriß/ daß ich dir den Leib aufſehneiden laſſe/ und ich ſchwehr bey meinem Thron/ daß ich 5 15 keinen Chriſten um der Religion willen mehr umbringen will/ und ich glaube daß keiner under euch iſt/ der das Hertz hat/ fuͤr des Ali Geſaͤtz ſein Leben zu opfferen. Von derſelben Zeit an/ it man allezeit mit den Francken wol umgangen/ und keiner 1 ums Leben kommen. Ob ſchon etliche under jhnen in Reden gegen dem Konig Ziemlich verwegen geeen 5 Das don — g % le r Das V. Capitel. Von etlichen ſonderbaren Faͤhlen/ die ſich under der Regierung Cha- Abas II. zugetragen. e get/ daß Cha- Abas der andere/ des Cha-Sefi Sohn nicht weniger ſcharpf un ſtreng geweſen als ſein Vatter/ und jederzeit gewolt/ daß jhme augenblicklich und ohne Verzug geehret wurches das Geſchlecht⸗Regiſter der Kode. Ich habe auch deſſen Exempel beygebracht/ in denen ichs erzehlet/ wie er etliche Jeiber auß ſeinem Haram umbringen und verbrennen laſſen/ weil ſie nicht wollen Wein krincken/ aber man hielte dafür/ er hatte ſolches nur zum Schein gebraucht/ weil er erfahren/ daß ſie ſich wider den Konig ver ſchworen/ das man nicht allezeit verſichert ſeyn kan. Dann man muß wiſſen/ daß der meiſtetheil der Weiber verzweifeln wollen/ wann ſie ſehen/ daß der Konig das rechte Alter erlanget/ ſich der Reiehs⸗Geſchaften anzunehmen/ und ſich der Regierung/ und dem gemeinen Weſen gantzlich zu beſleiſſtgen. Alsdann ſuchen ſie alle Mittel herfur/ jhn umzubringen/ und einen jungen Konig zu haben/ Nabe d., der der Wolluſt ergeben/ die Zeit mit jhnen niche zubringen moͤge. Wann ſie nun zu ihrem „Vorhaben nicht gelangen konnen/ und ſich zutrift/ daß der Konig bey dreyſſig oder funff und dreyſſig Jahren ſich auf ernſthafte Geſehafte leget/ und jhrer nicht mehr als drey oder vier von den ſchoͤnſten beſuchet/ ſo muß ſich eine jegliche in jhre Kammer begeben/ nebſt dem ſchwartzen Verſchnittenen/ und 2. oder 3 Sclaven/ und konnen auf ſolche Weiſe ferner nicht init einander umgehen. Sie werden deßwegen von einander geſondert/ damit ſie niemals als nur zu gewiſſer Zeit mit einander reden können/ und zwar in Beyſeyn ſolcher Leute die dem König alles vortragen/ alſo daß es ihnen unmoglich iſt/ ſich wider ihn zuverbinden/ welches dafern ſie gan0 Sreheit hätten Ihnen nicht ſchwar werden Cha-Abas hatte 2. Schweſtern die er un wat 0 2. reiche Herren feines Koͤnigreichs vereheliehE a8 ke/ welche aber von einem gar geringen Ort jhren Uhrſprung genomen. Kurtze Zeit hernach als er erfahren/ daß ſie ſchwanger worden/ befahl er man ſolle jhnen Mittel beybringen/ daurch die Fruͤcht verderben moge/ und in dieem wurde jhme auch alsbald ein Genugen gethan. Es verſtreichen wieder 12. oder. Mongt/ daß dem Konig abermal angezeiget wurde/ ie wären Schwanger. Als er diß verdom/ gab er zwar zu/ daß die Frucht mochte ollkommen werden/ und dieſe 2. Schweſtern amen auch nieder/ und brachten 2. Sohn zur Fauͤuſtes Blich Ch habe in dem erſten Capitel/ welnigen in Per ſien in ſich halt/ ange zei239 Welt/ aber der Konig befahl/ man ſolte jhEben dieſer Cha- Abas ließ einsmals demſelben/ welcher jhme die Tabaeks⸗Pfeiffen anzuſtecken pflegt/ wegen eines liederlichen Worts die Zunge abſchneiden/ dann als der Konig einem ſeiner Pagen gebott/ er ſolte zu jhm gehen und die Pfeiffe laſſen fertig machen/ und der Page bath er moge nicht verweilen. Gab ihm nen keine Nahrung geben/ ſondern ſte ſterben dieſer zur Antwort/ Gehennemèsabreijle oder fahre zur Hoͤllen/ wann du nicht Gedult haben wilſt. Der König welcher dieſes ſelbſt horete/ befahl man ſolte jhm die Zunge abſchneiden/ welches auch geſchahe. Er bat denſelben/ welcher dieſes verrichtete/ daß er ſolche ſo nahe als er koͤnte an den Gaumen abſchneiden/ und ſie gantz kurtz laſſen moge/ welches auch geſehahe/ und auf ſolche Weiſe konte er ſtattilende noch etliche Worte Das Volck beſehwerte ſich offt über den Nazar, welcher gleichſam Groß⸗Meiſter in dem Königlichen Haufe iſt/ und ſonderlich die jenigen/ welche auß frembden Landern kommen. Er hatte von einem gar ſehlech2 4 ten Orte ſeinen Uhrſprung genommen/ und war in kurtzer Zeit ze dieſem hohen Amt erhoben/ weil er des Königs Gunſt gar wol zu erlangen/ gewuſt. Allein die Hoffart war dermaſſen bey ihm eingeriſſen/ daß er alle Herren und fürnehme Hof⸗Bediente verachtete. Man konte ohne Geſchanck bey jhm nichts außrichten/ und er bezahlte niemand/ er hätte dann ſeinen Vortheil dabey. Alle Welt beklagte ſich uͤber hn/ und man wuſte nicht wie mans anſtellen ſolte/ dieſe unerträgliche Ungerechtigkeſten dem Konig vorzubringen/ dieſelben welche des Tags um den Konig zu ſeyn pfigen/ waren quf einer Seite und ſeine Creaturen. Endlich fand man Rath/ ſolches den zwey Verſchnittenen/ welche des Nachts bey dem Konig wachen/ beyzubringen. Der eine hieß Aga Sarou, und war Meter, welches ſo viel iſt/ als in Franckleich der Kleyder⸗Verwahrer/ und der andere Aga-Kafour welcher Schatzmeiſter war. Dieſe zwey Verſehnittene als ſie ſahen/ daß der Konig eins mals des Abends gutes Muths war/ fielen ſie auf den Biſcurs von diesen Groß⸗Meiſter/ und erzehlten ihne alle Unge⸗ f rechtigkeit dart ber ſich das Bolek hekſagte /und Der dare von der Regierung übel redete. Der Konig komt beym war dazumal auſſerhalb Iſpahan/ und harte ſeine Zelten und feiner fiirnenſten Hof⸗Bedienten auf dem Feld guffchlagen laffen. Eines Tags als er des Morgens auf die Jagd gehen wolte“ kam der Naar, der allezeſt ein kieimliches Gefolge hinder ſich hatte„zu des Königs Gezelte/ der Meter aber ſprgch/ er ſolte nicht hinein gehen. Als dieſes geſchahe/ kam der Konig eben herauß/ und als er den Nazar ſahe/ befahl er/ man ſolte dieſem 5 Hunde den Hut abreiſen/ welcher vom Bed Ge0 — 8 24⁰ Faetebeſchreibung in PerſienGeſchanck genommen/ und muſte alſo drey ders wiſſen/ als was ſie mir füͤrbringen. Tag und Jene an ber Sonnen ſitzen. Nach⸗ Darauf befahl er man ſolte dem Hern mals befahl er jhme eine Ketten an den Halß Muſicanten zwey Zahne auß brechin/ und und Armen zu legen/ ver; ante ihn zur ewi⸗ ſolche in des Agis Kopf ſchlagen/ welcher gen Gefangnuß/ und gab ihme nicht mehr weil er ziemlich alt war/ ſchier gar daruber als ein m oudi zu ſeimm Underhalt/ aber geſtorben ware. Was den Jater-Kan aner ſtarb in weniger d 0 im Gefangnuß geſeſſen. Weil ich auf meinen Ungnaden/ wurde ins Elend verjagt/ und Miiſen allezeit getrachtet der Leute mit denen bekam des Tags nicht mehr als ein Maieyumgangen/ Gemüte zu erforſchen ſo kon⸗ moudi zu ſeine Unterhalt. Weil er aber te ich auch gar leicht erkennen/ daß er ſeine ein Mann von guten Qualitaten und mit Dienſte gar theur verkaufte/ als ich das erſte Verſtand/ Großmüͤthigkeit und Freund⸗ i mal mit ihm zu thun hatte/ und wann erzehen lichkeit begabet war/ auch wuͤrcklich von Jahr eher geſtorben/ hatte ich in denen Ver⸗ dem Konig ſehr geliebet wurde/ ließ er hn kichtungen die ich vermitels ſeiner mit dem Kö⸗ wieder nach Hof beruffen/ allwo er ſich dernig gehabt/ vielleicht beſſer konnen zu recht maſſen zu rechtfertigen wuſte/ daß ſein Makommen. 8 Jjeſtät jhme die Landvogtey in der Provintz Here war/ und ſich ſehr prachig hielte/ ver⸗ meran für die Haubt⸗Stadt gehalten wird. waltete die Statthalterey Alterabat. Im Chemelouboſtan, bedeutet ein Land welAnfang gieng er gar Leutſelig mit den Leuten ches gebquet iſt/ damit es Früchte herfuͤr um/ aber er wurde je langer je mehr ſtren⸗ bringen kan/ und in gantz Perſien wird ger/ und preßte den Leuten mit Gewalt kein Land gefunden/ darinnen mehr Wienamhaffte Summen auß. Man underließ ſen und Schloſſerdie aber alle verfallen ſeynd/ gleichfals nicht/ ſich beym König zu bekla⸗ geſehen werden. 5 eit/ nachdem er 8. Tag belanget/ derſelbe ſiel auf eine Zeitlang in Jafer-Kan, welcher ein ſehr freygebiger Chemelouboſtan übergab/ in welcher Segen/ zwey Tag hernach als er mit etlichen Als Jaler- Kan wieder zu Gnaden komHerren ſeines Hofes gerruncken/ fragte er men/ ließ der Konig einsmals etliche fürden fürnemſten Seiten⸗Spiler/ welcher al⸗ nehme Herren holen/ mit jpnen zu trincken/ lezeit etwas neues zu erzehlen hatte/ und ſolches und befa f auch gar artig vorzubringen wuſte/ ob er nichts tzoͤſiſche Arbeiter die er in ſeinen Dienſten vom fafer· Kan gehöͤret/ der Konig ſetzte ferner harte/ für ihn kommen laſſen. Der ein war hinzu/ man hatte ſich uͤberjhn beklaget und ein Goldſchmid/ Namens Sain die anIhn beſchuldiget/ er gienge unbarmhertzig mit deren zween Uhrmacher/ Namens Lagis und hl zugleich/ man ſolle fuͤnff Franden Leuten um/ welches er in den vier andern Varin, und die übrigen Büchſenſch mid/ de⸗ e Landvogteyen niemals gethan/ und alſo ren der eine Marais, und der andere Berwiſſe er nicht recht/ wem und was er glau⸗ nard genenner wurde. Als man ſich ein ben ſolle. Der Konig redete ſolcher Geſtalt/ wenig mit dem Wein erhitzet/ zog der Konur zu ſehen/ was der Muſtcant und erli⸗ nig den Rubin vom Finger/ den ich jhme che andere die dabey ſtunden/ von Jafer- für hundert Tomans verkauft/ und einen Kan reden würden. Und weil ſich an allen Diatmant⸗Ring/ der dreyzehen oder vierzeHofen Heuchler füden/ war dieſer Mann hen tauſend Tomans werth war/ und gab quch einer darunder/ er wuſte gar wol/ daß ihn dem Jaker- Kan, mit welchem er eine der Jafer· Kan beym König in groſſen Gna⸗ Zeit lang gantz heimlich redete. Der Na- giche 1 den war/ gab derohalben ihm gantz eyferig zar ob er wol ein wenig weit vom Ko⸗ l 5 zuverſtehen“ der Joker Kan ſey fälſchlich ale nig ſaß“ verftund dannoch ohne zweifel ek, za ſo angegoſſen/ und betheurte/ daß er an was und weil jhme der Wein Muth machallen Orten wo er jhn geſehen/ verſpuͤret/ te/ ſprach er gar ſtarck 5 Konig/ wann baß er allezeit hurtiger zum geben/ als zum er ihme vier tauſend Reuter geben wolle/ ſo nehmen geweſen. Es befand ſich auch ein wolle er alles diß Lumpen⸗Gefinde in StuAgis bey dem König mit Namen Manou- cker hauen. Der König ſprach/ er oll ſchweichar-Kan, welcher allererſt von der Pilger⸗ Geben ee gehen/ weil er an dieſen fahrt zu Meque wieder kommen. Der Kö⸗ Re nig fragte dieſen gleichfals/ was er vom weil die Usbeckiſchen Tartarn öfters auf eden keinen Gefallen hatte. Er glaubte ö 10 0 Verhalten des Jaker-Kans hielte/ als wel⸗ der Seiten Meched einfielen/ und aller⸗ 1 cher jhme lange Zeit bekandt geweſen/ und erſt davon gedacht/ der König redete mit ob er glaube/ daß dieſer Mann das Volck un⸗ Jaler- Kan von dergleichen Sachen. Von billicher Weis betraͤnge/ dieſer Agis wolte den Frantzoſen/ die gleichfals mit dem Kogleichfals dem Hönig micht zu wider reden/ nig getruncken/ hatten ſich ihrer dreh ſeine Antwort ſtinmnete mit dem Muſican⸗ ſchon fort gemacht und ſchlaffen geleget/ ten über ein. Der König welcher ſich der nemlich San Lagi und Bernard; VaSachen wol erkündiget/ wendete ſich end⸗ rin und Marais aber/ welche den Wein beſſer lich zu den anderen Herren die gegenwartig vertragen konten/ oder hatten vielleicht wen waren/ und ſprach: was halter jhr von die⸗ ger getruncken/ hielten annoch Stand in dem ſen zweenn Heuchleren/ welche viel ein an⸗ Saale. Marais hatte eine Gewonheit/ N f Fünftes Büch er/ wann er getruncken/ gantz und gar nicht ſchweigen konte/ und gehoret hatte/ daß der Nazar zum König geſprochen/ er wolte mit oo, Reutern alles diß Lumpengeſinde in Stueken hauen/ welches er gleichfals von den ſtkeiffenden Tartaren verſtanden/ nahm er die Küunheit/ und ſprach zum Konig/ wann Seine Majeſtat einen General über dieſe Armes ſetzen wolle/ wurde keiner tuͤchtiger als der JaferKan gefunden werden/ und ſtrich zugleich denLang lie ſelben für dem Konig ruhmrahtig herauß. Der een Konig befahleer ſolle ſchweigen welches er auch ue eine kleine zeitlang that/ der Wein aber hatte Eg Ihme das Gehirn dermaſſen erhitzet/ daß er den voyigen Diſcours wieder anfieng/ der Konig ergrimmete daruͤber dermaſſen/ daß er befahl/ man ſolte jhme die Kleider herab reiſſen/ mit den Fuſſen auß dem Saal ſchleppen/ und den Hauch gufſchneiden. Der Meter bemächtigte jh alsbald des Marais, weil er den Francken ſehr geneigt war/ und der Konig ſelbſt ſolche lieb hatte/ und vielmehr/ als alle andere/ wie ich zuvor angezeigt/ verzoͤgerte mit der Execution in etwas/ und zug jhme die Kleider gar langſam ab. Man inuß aber allhier wiſſen/ daß/ ſo bald der Konig et was befihlet/ muß ſolehes auf der ſtatt geſchehen/ und wann der König einen umzubringen beſihlet/ ſo ſtehet er alsbald von ſeinem Orte auf/ und begibt ſich ins Haram, welches ein Zeichen iſt/ daß keine Gnade zu hoffen. Wann Er aber ſitzen bleibet/ ſo hat es koch ein Anſchen/ der Verdammete werde Vergebung erlangen/ und derſelbe/ der die Execution vollführen ſoll/ ſuchet/ ſo viel moglich/ die Sache auf den langen Banck zu ſchieben. Sie pflegen gemeiniglich demſelben/ welcher in ingnade gefallen/ den Hut abzunehmen/ und ziehen/ und ſolches dem Konig für die Fuſſe zu ſchleppen. Dieſes geſchicht ſo nahe als immer moglich/ damit der Konig Mitleyden mit jm 90% b habe und Gnade erweiſe/ angeſehen etliche 15 Herven öfters für ſie zu bitten pfſegen. Dan15 noch aber ſeynd jhrer gar wenig/ die davon oinmen/ und dieſelben/ welche auf die Weiſe Gnade erlangen/ bekommen doch aufß wenige doo. oder 200. Brüͤgel⸗Streiche auf die Jußſolen/ und über den gantzen Leib/ davon ſie voters ſterben müſſen. Der Meter, welcher ſahe/ daß der Konig nicht aufftund/ zweifelte nicht/ der Marais wurde noch Gnade erlangen/ und nachdem er ihme die Kleider abgezogen/ zog er jhn mit den Fuͤſſen dem Konig je Welte langer je naher/ biß er/ als er ihn ſo ſchleppen ſahe/ ſprach/ man ſolte ihn laſſen/ darauf er ſeine Kleider wieder zu ſich nahme/ und ſich an Linen Ort ſetzete. Kurtze Zeit hernach ſtunde Nr Konig auf/ und befahl ihm/ er ſolte in ſeine 1 opnung gehen dahin ihn auch Vatin,Sain, 15 Lagis, ſpelehe wieder erwacht waren/ fühalen. Der König/ welcher nur auf einen Audaublick auß dem Saal gegangen/ kam alsü wichen ga und fieng wieder an zu trincken/ blieb 10 fat biß gegen Tag wahrete/ Bernard di der datt bey him und verließ ihn nicht/ a Ich ö ſich in ſein Haram begeben. l 8 angezeigt/ auf was Weiſe 3 E 7 Die Kleider/ ein Stück nach dem andern/ abzudie Kinder der Koͤnige in Perſſen ereogen werden/ wann der Elteſte nach ſeines Vatters Tode den Thron beſchreftet/ ſo komt er auß dem Haram als guß einem Gefaͤngnuß/ in welchem er niehts jemals geſehen/ und alles was jhme vorkomt/ iſt etwas neues. Wann er noch jung iſt/ uberlaſſet er faſt alles dem Der Perf Gutduncken und der Verꝛichtung ſeiner Fur⸗ en huge nehmſten Bedienten/ und thut in den erſten dach an den Jahren ſeiner Regierung ſelten etwas anders/ erſten Jabals den Wollüſten nachzuhettgen. Under fis gung nen, nen Ergoͤtzlichkeiten machet er ſich bekandt/ was etwas ſonderbahres in ſeinem Reich zu finden/ und mit dieſer Luſt werden jhme endlich die Sachen/ die er wiſſen ſoll/eingetrͤcket. Sonderlich aber beſthet er die fürnehmſte Kirche der Armenier zu Zulpha, welches das groſſe Convent iſt/ darinnen der Ertzbiſchof/ etliche Biſchoͤffe/ und viel Moͤnche wohnen. Was jhn gemeiniglich zu dieſer Curiofttat anlocket/ iſt der Luſt den Er hat/ wann Er Armenierin in der Kirchen ſiehet/ welche ſehr ſchon ſeynd/ und darzu wird er auch von den Sukaninnen angetrieben/ welchen es ſehr lieb iſt/ wann ſie ſich auch einmal ergoͤtzen koͤnnen. Wann dieſes nun geſchicht/ ſo horet man das Couruc zu Zulpha, und alsdann muͤſſen ſich alle Manner nach Iſpahan/ oder in die Carvanſerien, oder aber zu jhren Freunden begeben. Oha-Abas II. iſt oft auf dieſe Weiſe zu Zulpha geweſen/ eius mals wurde jhme under anderm von der Schonbeit des Kelonters Corgia Saftas; des Cotgia Nazat,(dſſen ich oben gedacht) Sohns Weibe geſagt/ als ber Koͤnig dieſes Weib geſehen/ gefiel ſie jhme ſehr/ und wuͤnſchere/ ſie moͤchte mit den Sulkaninnen gehen/ die ſie ins Haram führeten/ in welchem ſie y. Tage verblieben/ nachmals gieng ſie wieder in jhr Hauß/ nebenſt einer Perlenen Hals⸗Schnur/ die ihr der König bey jhrer Abreiſe gegeben. Ich erinnere mich/ daß nach dem Tod jhres Ehemanns/ ein Armenier mir dieſes Hals⸗Band zu verkauffen gebracht/ ich boͤte jhun 600. Tomans, ex wolte aber ein mehrers haben/ alſo daß wir mit einander nicht eins werden konten/ ich habe endlich erfahren/ daß es nach Conſtantinopel welkahſewerden Und dieſes iſt alles/ was ich von den Thaten des Cha- Abas des 1 I. ſonderbahres aufzeichnen konnen/ welchem man zwar fürwerffen konte/ daß er zu viel Wein getruncken/ und ſich oͤfters den Zorn einnehmen laſſen/ allein er hat auch die Gerechtigkeit ſehr geliebet/ und iſt ſehr großmůtig und hertzhaft geweſen/ ſonderlich aber gegen die Fꝛancken/ und am meiſten gegen die Frantzoſen/ die er jederzeit geliebet. .—. Das VI. Ca VI. Capitel. Auf was Weiſe Mahamet-Beg under der Regierung Cha- Abas des Anderen in Ungnaden gerahten. Ahamed- Beg von Tauris, eines, 7 1 Mah b Schneiders Sohn/ welcher ihn Dereiehrüg 5 um ſtudieren angehalken Er war gage eines munteren Gemůts/ und von Natur zum eit eher 57 guten 242 Reis beſchretbung in Perſten/ N. guten geneigt/ und weil er ſich in der Welt her⸗ beit an/ kam nach 18. Tagen wieder nach Iſpa⸗ 71 fal vor thun wolte/ ob er ſchon von gar geringem han/ und brachte 2. oder 3. Centner minerali⸗ 1 Stande war/ ſo wolte jhm doch das Glück ſo ſche Erde/ die er vor die beſte hielte/ mit ſich. Er. wol/ daß er das Ait des Majer-Bachi, oder ließ darauf alſobald Oefen bauen/ das Metall Vet des Fürnehmſten under denen/ welche die zu ſchmeltzen/ und der Arhemat⸗doulet gab Fon Münze prägen/ welchen wir in Franckreich den auch Ordrean den Gubernator/ und andere 4. zu Jen Ober⸗Mültz⸗Meiſter nennen/ erlangte/ er hat⸗Stands⸗Perſonen/ daß ſie ſolten gegenwartig te das Recht/ alle Oerter/ wo Müuͤntzen geſchla⸗ ſeyn/ wann Chapelle die Prob machen wurde/ gen werden/ die under ſeinem Gebiet lagen/ zu und wol zu ſehen/ damit keine Schelmerey mit beſichtigen. Allein durch dieſe Wurde fand er underlauffe. Dieſes Ertzwar nichts anders als noch keine Gelegenheit in des Koͤnigs Rath zu Erde/ und kaum eines Hallers werth Silber kommen. Er erlangte aber durch ſeine gute daran/ ob aber ſchon die Umſtehenden jhme zimQualitaten/ dadurch er bey allen Geſellſchaf⸗ lich ſcharf auf die Hande ſahen/ damit er keinen ten groſſe Verwunderung nach ſich zoge/ als⸗ Betrug under miſchen moͤge/ ſo war Chapelle bald etwas hoͤhers. Er machte ſich mit dem Al- doch viel liſtiger als ſie/ und ließ einen Aba is laverdi- Beg bekannt/(welcher Name ſo viel in den Ofen fallen/ ohne daß es jemand gewahr heiſt/ als der Herꝛ gebe es) der dazumal Mert. werden konte. Der Arkemat⸗ doulet, deme die chekar- Bachi, oder der Obriſte Jager war/ Probe gebracht worden/ erkante leicht/ daß ſoldieſer ſchatzte ſich gluckſelig/ jhn beym Koͤnig chenicht richtig ſey er hofte aber etwas beſſers anzubringen/ deme er auch alſobald gefiel/ und guß diefem Chapelle zu locken/ verhalle derojhme dafür danck ſagte. Nachmals/ als Ma- halben ſeinen Glauben/ und befahl nichts hamet-Ali-Beg, der Groß- Hofmeiſter des mehr/ als daß er das Graben einſtellen ſolte/ Koͤniglichen Hauſes/ mit Tod abgangen/ u⸗ weil der Nutzen dem Unkoſten nicht die Wage bergab der Koͤnig dem Mahamet- Beg dieſes halten wurde.. Aumt/ welcher bey Sr. Maj. von Tag zu Tag Chapelle, welcher ſeine Waaren verwungroͤſſere Gunſt erlangte/ und ſich bey den Fuͤr⸗ derlich anzubringen wuſte/ und machen konte/ nehmſten des Hofes beliebt machte. Er gab daß auch ein geringer Schein/ den er von der denſelben in vielem nach/ und nahm nichts vor Bau⸗Kunſt und Beweg⸗Kunſt hatte/ gelten wider jhre Wurde/ ſondern verbarg ſeine muſte/ blieb dennoch ro. gantzer Jahr lang bey Rach gier/ weil er die Zeit noch nicht erſahe/ ſol⸗ dem Athemat. doulet in Gnaden/ welcher neue ches an den Tag zu geben. Sachen treſſich liebte/ und oͤfters vorgab/ daEr wird zun Als nachmals auch Kalifẽ Sultan, welcher mit er bey den König je langer je angenehmer 1 25 Athemat-· doulet war/ in der Provintz Ma. wiirde/ er ſey etlicher kleiner Erfindungen/ die befördert. Zandran geſtörben/ uͤbergab der Konig ſein jhme Chapelle gezeiget/ Meister und Urheber Amt dieſem Mahamet- Beg, welcher ſich in die⸗ geweſen/ deme er auch eine ehrliche Beſoldung ſer hohen Wurde alſo verhielte/ daß ein jeder geben ließ. Der Koͤnig ſelbſten hielt etwas auf Menſch mit ihm zu frieden war. Seine Ge⸗ Ihn/ ob wol aber dieſer Machiniſt guten dancken waren ſonderlich gerichtet die Mine Fortgang hatte/ ſintemal er ſich underſtanden ralien zu ſuchen/ und es gieng albereit ein Ge⸗ Stücke zu gieſſen/ das Waſſer für den Konigſchreh etliche Jahr under dem Volck/ daß/ wañ lichen Pallaſt in die Hohe geführet/ und Mühman in gewiſſen Bergen /g. oder 10. Meilen von len gemacht zu den Muntzen/ gleich wie in i Iſpahan/ gegen Abend gelegen/ graben ſolte/ Franckreich/ ſo ſchlug es jhme doch des erſten ö wurde man Gold/ Silber und Kupfer finden. Tages mit der Mühlen/ die er den Königl. ArZur ſelbigen Zeit kam ein Frantzos auß der beitern angeben/ fehl/ alſo daß die Straube/ Normandie, Namens Chapelle de Han, von welche ſehr wol gemacht war/ auf den dritten welchem ich auch anderwerts gedacht/ nach J. Schlag in Stuͤcken brach/ und die Mühle verſpahan. Dieſer rühmte ſich/ er haͤtte gute Wif⸗ derbte. Mit ſeinen ubrigen Kunſt⸗Stuücken ſenſchaft von den Aineralien ind der Chimie, gieng es ihm nicht viel beſſer/ und that dieſe ro. er verſtunde auch die Bau⸗Kunſt vollkommen/ gantzer Jahr lang nichts/ das dem Konig wolund hatte auch darinnen viel Heimlichkeiten gefallen könte/ auſſer daß er anfenge Aepfelentdecket. Derohalben verfügte er ſich zun cu Moſt zu preſſen/ weil er nichts anders erfinden bernator/ weil er gehoͤret/ daß der Arkemat· konte/ ſeinen guten Namen zu erhalten. Als er doulet geſonnen ſey/ in etlichen gewiſſen Ber⸗ nun endlich ſahe/ daß er in Perſien nichts mehrhypn gen zu graben/ und gab jhm zu erkennen/ er zu hoffen hatte/ entſchloß er ſich nach Indien zu Aach konte jhnen hierinnen gute Dienſte leiſten. Der reiſen/ und kam nach Ormus, un ſtarb daſelhſt⸗ chen Gubernator meinte dem fürnehinſten Staats⸗ Als nun der Athemat. doulet init de Golb⸗ dagen. Diener einen Gefallen zu erweiſen/ wann er und Silber⸗Minen nichts außrichten konte/ 0 ihme einen Mann zuführete/ deſſen er ſich beh nahm er zum Kupfer ſeine Zuflucht/ deſſen g nt⸗ a ſeinenn Vorhaben gebrauchen konte/ nachdem deckung dein gantzen Reich auch ſehr zur raglickh Mon nun der Athemat, der dazumal mit dem Konig geweſen. Dann in dieſen Kupfer⸗Gruben hat ö dunn zu Casbin war/ des Chapelle Reden vernom⸗ mat auch Laſur-Adern gefunden/ welches in 1 men/ welcher jhme ſehr viel verſprach/ und ſich Perſien in groſſer Quantitat verbraucht/ und b groſſer Sachen ruͤhtnete/ ſandte er jhn nach J⸗ datnit das Blum⸗Werck an dem Getafel und ſpahan wieder zuruck/ mit Befehl/ daß jhme Gekvolbern der Hauſern gemahlet wird. Che der Gubernator allen noͤhtigen Vorꝛath zur dieſes ontdecket wurde/ hatte man keine andert Arbeit/ die er in dem Gebirg vornehmen ſolte/ Lalur, als die rechte/ welche auß der groſſen. verſchaffen moge. Chapelle ſieng quch ſeine Ar⸗ Tartarey komt/ und ſehr theur veꝛkauft Hi 2 Belt 10 U fa bur Dieſe af auß Perfien iſt eine Ant von Kulde und geſiebet iſt/ wie man mit dem rechten Laſur Betritt zu verfahren pflegt/ ſo wird ein feine Farb daen 905 von/ welche eine reine/ und den Augen annehmJbl, liche Farbe gibt. Auf dieſe Weiſe doͤrfte Perſten nicht mehr nach der Tartariſchen Laſur lagen/ und der Mahamet⸗Beg ließ auch verbieten/ daß ſich die Mahler nicht der frembden/ ſondern der Perſianiſchen gebrauchen ſolten; aber das Verbott waͤhrete nicht lang/ weil die Perſianiſche Laſur nicht in der Luft dauren konte/ wie die rechte/ ſondern endlich eine dunele und traurige Farbe bekam. Bißweilen Ward ſie voll Schuppen/ und blieb nicht an der Spitze eines zarten Pinſels hangẽ/ wurde alſobald veꝛlaſſen/ als ein gefaꝛhte Eꝛde/ uñ die daſuꝛ guß der Tartarey ward wieder hervor geſucht. Es iſt gewiß daß vor Alters Gold aid Silber⸗ Gruben in Perſten geweſen/ welches len und zerbrochenen Helſen ſehen kan. Naͤchdemaber das Silber und Gold gemein worden/ weil deſſen eine zimliche Mafige auß dem Königreich der Abyſkner guß der Inſulsumata guß China, und andern Orten kominen/ wie ich dann in meinem Indiſchen Reiß⸗Buch/ wann ich der Metall⸗ Gruben gedencken werde/ Meldung thun ill/ und durch die SilberFlotten/ die auß Peru zugeführek/ und eine groſſe Mänge durch die Seiden⸗Handlung guß Japon gezogen worden/ von derſelben Zeit q/ ſage ich haben die Perſtaner underlaſſen /n hren Landen nachzufſchen/ und ſich mit den Gold⸗und Silher⸗Muntzen/ die auß Europa kochen/ vergnuget/ davon ich bey Beſchreibung man annoch heut zu Tag auß den Berg⸗Fal1 der Orienkal Münz/ ein mehreꝛs gedencken wil. Man ſthet in Perſien weder Zinn noch Bley gls was guß frembden Landern gebracht wird/ der meiſte Theil davon komt auß Engelland. Aber nachdem Mahamet- Beg ſich vielmals bemuhet, und unaufhörlich nach geſucht/ Aitendlicheine Bley⸗Mine nahe bey Verdeentdecket worden/ dabey kam hne alſobald in den Sinn/ er würde Silber in dem Bley finden/ welches er wieder der ganzen Welt Meinung 890 Eirrahten verſüchen wolte. In dieſem Vorhaben/ ließ er einsmals eine groſſe Menge von dem Bley auß dieſer neu⸗entdeckten Gruben ſchmeltzen/ und weil er ſahe/ daß er kein Silber fande/ wolte er es gleichwol auch mit frembdem Bley verſuchen. Er verbrauchte aber auf einmal eine ſolche enge/ daß/ da zuvor das * daan verkauft wurde/ müſte man ſolches doch 15 inkurtzer Zeit hernach um 8. bezahlen. Und weil 1 Alles Holtz/ welches zu Iſpahan verbreñt wird/ auf Camelen 18. oder 20. Tagreiſen zugeführt muß werden/ ſo belieffen ſich nur allein die Unld t koſten des Holzes/ das zum chmeltzen verbreñt pen bende, hoͤher als der Pꝛofit/ den man hatte habat, agg ben konnen/ ſo man ein wenig Silber darinn gefun en. Weil nun Mahamet- Beg guf dieſe 1 0 ſeine Rechnung nicht funde/ leß eꝛs bald fene und wolte nicht mehr das Bley/ ſoune euch nmn t er-Beg, beſſen Gemüte von Nalin meg pfer⸗ Minen/ und wann der Stein zerꝛieben neue Bley nicht hoher/ als um einen Aballis, die 243 wiſſens⸗ begierig waꝛ/ underließ nit etwas neues ferner zu entdecken/ und fand in Perſien die helleuchtenden Steine/ die man Tale neñet/ welche aber in ſolche kleine Blattlein/ wie die ſo auß Moſeau komen/ nicht konten zerſchnitten werde. Und das iſt jederzeit das nuitzlichſte geweſen/ was er in Perſien entdecket. Dann wann dieſer Stein in kleine Stücklein/ wie Einſen⸗Koͤrner zerſchlagen wird/ dan man kan ihme allerhand Farben geben)und mit wolgenetztem Kalck vermiſcht iſt/ nachet er/ daß die Mauren/ welche mit Büͤrſten gerjeben werden/ wie ein Jaſpis glaͤntzen/ und in die Augen ſpielen. Er fand auch Feder⸗Alaun/ welcher ein wenig dicker war/ als der guß Cypern/ und nit ſo viel Zaſerlein hatte. Er enkdeckte auch Kohlen⸗Gruben/ die aber nit ſo wol brañten als die Wald⸗Kohlen/ oder die von Lüttich oder Engelland. Endlich fand er glich durchſcheinenden Marmor/ dem Felſen Chryſtgl gleich/ von underſchiedlichendarben/ alſo daß man in gantz Perſten von nichts anders/ als von den herzlichen Entdeckungen/ und groſſem Verſtand des Mah z miet Begs redete. Er waz dermaſſen aufs Metall ſuchen veꝛpicht/ ulid liebte die jenigen/ die jhme einige Nachricht davon mittheilen konten/ ſo ſehr/ daß/ wer nur bey jhm Zugang haben wolte/ entweder ſeine Sache auß zuführen/ oder aber in dem Amt beſtatiget zu werden/ der doͤrfte nur gegrabene Steiſte bringen/ an denen ei wias ſonderbares wa/ encweder an der Farb/ oder an der Geſtalt/ oder an dem Gewicht Ex gab als haldim Namen des Königs Vollmacht/ dem Uberbringen des Berichts/ ſch an dem Ort ein zufinden/ nd die Bauxren anzuhallen/ daß ſie Fron Dienſte thun muſten/ in den Bergen zu graben/ und die Felſen zu zerbrechen. Wann man nichts/ oder nux etwas weniges fand/ warf er die Schuld aufdie Unwiſſenheit der Arbeiter/ und hielte ofters bey den Francken im Namen des Königs an/ ſie ſolten Leute auß Europa kommen laſſendie das Mekall⸗Schneiden beſſer verſtunden weil man in Perſien keine haben konte. Über dieſes legte ſich xahamer-Beg guch Elche en auf die Wiſſenſchaft der Berg⸗Kunſt/ alleiner dere Erfinhatte zu ſeiner Underweifung eines beſſern Mei⸗ dungen. ſters vonnohten/ als des Shapelle. Wann der Konig des Somers in ſeinem Megeler oder in der Rath⸗Stube/ ſich nebenſt ſeinen Herꝛn/ die dabey ſeyn muſſen/ befindet/ iſtein Jing gleichſam fie ein halbes Segel aufgerichtet/ welches ander Buhne hanget/ un von ⸗ Bedienten hin und wider gezogen wird/ es ſihet einem Wadel gleich und diener friſche Luft zu machen. Dieſes Inſttument wind Basen genennet welches ſo alheiſegls Win de Weber eder J für die Weſber. Mahame r- Beg hemuhete ſich/ ein Inſtrument oder Ngd zu erfinden/ damit es ſich bon ſich ſelbſt, und durchein Treib⸗Werck bewegen konte. Die beſten Wert meister auß dem Konigl⸗Hauſe en ihre Prob⸗Stuck nach ihrer Einbildung/ aber es wolte feinem gelingen daun was ſie anſtelleten/ hatte gar zu ſtarcke Bewegung/ und machte eben ſo ein ſtarckes Getümmel) als eine Walck oder Papier⸗Huhle. Auf ſolche Weiſe war alles vergeblich/ und die alte Erfindung den Wind 244 underließ auch nieht die Waſſer⸗Kunſte zu verſuchen/ welche in Perſien ſo wol wegen der groſſen Dürꝛe/ als auch wegen Mangel des Waſſers ſehr nutzlich ſeynd/ allein es fehlte Ihme an nothwendigen Materialien/ als da ſeynd Balcken/ Boͤcke/ Rader/ Stricke und Eiſen/ und konte daſſelbe/ was ihtme Chapele auß einem groſſen Buch/ das allerhand ſolche Kuͤnſte durch Figuren vorſtellet/ gezeiget/ nicht ins Werck ſetzen. Mit ſolchen Dingen brachte Mahamed- Beg etliche Stunden bey Nacht zu. Wir wollen nun auch ſehen/ was er des Tages verzichtet/ und auf was Weiſe er den Sachen des Hofes und des Reichs fuͤrgeſtanden. Mahamer- Beg hatte zwar gute Qnalitaten/ wie ich ſolche beſchrieben/ aber daneben Stine La war er von Laſteren auch nicht befreyet. Die er Nachgier und Ehꝛ⸗Sucht war ihm von Natur angebohren/ und wuſte keine Maß zu brauchen in der empfindlichen Beleidigung/ wann jhme jemand was zu wider gehandelt. Durch dieſe Rachgier angetrieben/ beraubte er underſchiedliche Kans jhrer Stadthaltereyen/ ließ hre Güter confiſcieren/ und brachte ſie in die 5 15 Noth. 60 koͤnte mein Buch allhier N zu meiner Zeit vorgangen/ vergroſſern/ und ſonderlich ein und anders von den Kans zu Erivan; Ardeiilund mit vielen Hiſtorjen/ welche Coraſan anführen. Allein mein Reiß⸗Buch mehr zu verkleinern/ will ich vergnuget ſeyn/ dem Leſer vorzuſtellen/ was dem Kan zu Eri van begegnet/ ob er ſchon dem Mahamet-Beg nichts zu wider gethan/ wie ich in dieſer Geſchicht melden will! Der Kan von Frivan hatte einen Sohn/ 1 welcher von Geſichte ein ſehr ſchoͤner und lieblicher Herꝛ war/ und blieb meiſtentheils beym und Nach Hönig/ hne zu dienen. Als ſich einsmals der gier. themat · doulet eine chen/ aber der Arkemat. doulet befand/ daß jhme das Haubt ſchon ſehwar war/ und winckete derohalben dieſem jungen Herzen/ er ſol⸗ m Gef baden/ noch die Haare ſich abſchneiden laſſen/ le die Schale wieder zuruck tragen. Als er nun wieder bey dem Konig vorbey gieng/ und ſprach zu hm/ der Arhemat doulet wolle hicht trincken/ befahl er alſohald/ ex ſoltejhm Seine Be den Wein aufs Hembd ſchüͤtten. Dieſes geſchimpfung. ſchah auch glſobald/ und der Athemat⸗doulet muſte zugeben/ daß jhme der Rock gufgemacht/ und der Wein/ wie der Konig befohlen/ hinein gegoſſen wurde/ allein er verbarg ſeinen Unwillen/ und ließ ſich nichts mercken. Er keſolvierte ſich aber alſobald/ ſich wegen dieſes Schimpfes an dem Kan zu Eriyan, welcher dieſes Herꝛen Vatter war/ zu raͤchen/ und weil er wol wuſte/ daß viel Klagen über den Fan zu Erivan ergangen/ bediente er ſich dieſer Gelegenheit Ihme zu ſchaden. Weil zu Erivan lemand anders als Armenier wohin der Veſtung in Beſatzung liegen/ hatten ſie einen Abgeſandten auß ihnen nach Zulpha an Reisbeſchreibung in Perſien/ mit den Haͤnden zu bewegen. Mahamet. Beg Konig mit etlichen Herꝛen luſtig machte/ befahl er dieſem 1 Herzen/ er ſolte dem A. Schale mit Wein reidaß ſich Leute funden/ die jhme die Spi bothen/ und die ſich dannoch ſeinen Wunſch den Kelonter geſandt/ jhn zu bitten/ er moͤge jhre Klagen annehmen/ und ſolche bey dem Koͤnig vorbringen. Der Athemat. doulet, welcher Nachricht von der Sach hatte/ ließ den Kelonter zu ſich kommen und ſtärckke jhn in ſeinem Vorhaben/ gab ihm auch guten underꝛicht wie ers anſtellen ſolte/ und war jhm behülſlich/ daß er in 3. Tagen in der Armenier Sachen mehr außrichtete/ als ſonſten in 3. Monaten nicht geſchehen. MabamerBeg befahl jhm/ er ſolte ſich zu einer gewiſſen Stunde bey des Königs Stall finden laſſen/ und als der Konig kam/ fiel der Kelonter für jhm nieder/ und forderte Gerechtigkeit wider die Beleidigung des Kans von Erivan. Der Mabamet- Beg thate auf feiner Seiten auch ſein beſtes zu der Armenier Klage anzuwenden/ alſo daß der Konig/ ob er wol nur einen Theil angehoret/ dennoch nicht underließ den Kan auf des Kelonters, und ſeines vornehmſten Raths⸗Bedienten Vorbringen/ zu verdammen. Ein Königlicher Bedienter eines hurtigen und lebendigen Gemuts/ Namens Negelcouli: beg, wurde in aller Eil abgeordnet/ ſich des Lans zu bemächtigen/ als er nach Erivan kam/ fand er jhn auf dem Richterſtul ſizen/ allda einen nahen Freund des Kelonrters zu einer Geltund Leibs⸗Straff verdammete/ und ſelbigen ſeiner Land⸗Gutern entſetzte. Dieſer Offcierer gieng hertzhaftig in das Megeler oder in die Rath⸗Stube/ trat auch glſobald für den an, und ſprach/ daß er ſich im Namen 14 des Königs ſolte gefangen geben. Er gab jhm mn e zugleich einen Stich in den Hals and le hm ſchale hernach den Triangel/ nach Gebrauch/ welcher auß 3. groſſen Hoͤltzern beſtehet/ wie ich ſolchen an einem andern Ort beſchrieben/ auflegen/ alſo daß der Hals geſehloſſen/ und die Arme und Hande durch ein ander Holtz/ welches gußgedrehet/ gefangen waren/ dadurch er viel ertragen muſte. Auf ſolche Weiſe wurde der Kan nach Iſpahan gefüͤhret/ als er aber daſelbſt ankommen/ erzeigte jhme der König annoch Gnade/ und gab ihm ſein Hauß zu einem Gefaͤngnuß ein/ er konte aber weder noch auß der Weiber Gemach gehen. Und dieſes ſeynd die Geſatze/ welche die Gewonheit den jenigen aufgelegt/ die in des Hofes ungnade gefallen/ und daß ſie der Konig injhren Hauſern gefangen halt/ wann er die begangene Übelthat nicht nach der Scharſſe ſtraffen wil. Der Kan, welchen der Koͤnig liebte/ kam balb hernach wieder bey hm zu Gnaden/ und erlangte ſein voriges Amt/ nemlich die Intendanten⸗Stelle/ uber die Moſquse des JJ 1 Ob nun wol Mallamet. Beg durch die groſſe Ehren⸗Stelle des Athemat⸗ doulets, o wol bey Hof als indem Reich ſehr machtig wurde/ und bey dem Konig in groſſem Anſehenn war/ ſo hinderte doch dieſes alles nichts) 87 nicht wolten gefallen laſſen. Aber der 1175 90 10 11 —„—k—.—hñ————At—— öZ1ũvaPeͤñͤ—ßÄör·—ᷣ—ᷣ:lͥ3ꝛ3ů3ꝛ33ꝛ3sꝛ˙ĩs———2ꝛꝛꝛů————— Zang war nicht allezeit zu jhremm Vortheil/ wie ſolches Mirza-Haddi, der Gubernator zu Schiras zu ſeinem gröſten Schaden erfahren muſſen. Es war ein reicher und verſtaͤndiger Mann/ und kunte ſich einsmals nicht enthalten/ ſich gegen dem Mahamed- Beg herauß zu laſſen/ daß er nicht ſeiner Meinung ſey/ ſondern wolte ſeine Fehler und übeles Verhalken genugſam bekannt machen. Die ſem hohen Miniſter gieng des Mirza-Haddi Kühnheit dermaſſen zu Hertzen/ daß er ſich 9 alle Mittel und Wege ſich zu rachen für die Hand zu nehmen. Er brachte boſe Sachen wider jhn vor/ und ſtellete Leut an/ die ſich bey jhm Ulber den Gubernator zu Schiras beklagen muſten. Es mag nun dieſer entweder rechtmaſſiger oder falſchlicher Weiſe angeklagt woꝛden ſeyn/ ſo erſchien er doch vor dem Mahamed- Beg; Nutzen zu gebrauchen/ dann er wolte ihm zu verſtehen geben/ daß er/ wann er zu Anfang des Ungewitters gewichen/ und dem Malts mat. Beg nachgegeben und ſeine Verbitterung in den Wind geſchlagen/ weil er ihme nicht wiederſtehen konnen. Das Geſprach/ welches er mit dieſem Geiſtlichen fuhrte/ machte die Ungedult über ſeiner Gefangnuß etwas ſiiſſer/ dann er war ſonderlich den Geiſtlichen Europaern gar ſehr geneigt/ und ſuchte jhnen auf allen Seiten etwas angenehmes zurleiſten/ vor allen andern aber den Carmelitern/ welche zu Schiras ein Hauß haben/ der ſie/ als er noch Gubernator war/ vielmals wieder die Mahomeraner/ die ihnen ſehr gehaſsig waren/ heſchiitze t Auf was Weiſe er ſich an dem NMir-Kaſſem Beg dem Deroga oder Stadt⸗Vogt zu Ful, als vor ſeinem Richter/ und wolte/ an ſtatt Iſpahan gerochen/ habe ich gleichfalls hieher eee daß er ſich indie Zeit ſchicken/ und des entzunde⸗ zu ſetzen/ fuͤr würdig erachtet/ darauß man aber Rach ken Arllemad- doulets Gemüte beſänftigen ſollen/ welcher auf nichts anders/ als auf Rache bedacht war/ dannoch ſeine Unſchuld verkhaidigen/ und glaubte/ man wurde ihn keines Wegs undertrucken konnen. Mahomed-Beg aber ſagte dem Konig vor/ was er wolte/ verließ ſich auf ſein groſſes Anſehen/ und beraubte den Mirza Haddi aller ſeiner Güter/ ſtieß ihn auch daruber ins Gefangnuß bey dem Nazar, Nahmens Imael- Beg. So bald er daſelbſt ankommen/ hub man ihm die Fuſſe auf/ und heftete ſolche mit einem ſpitzigen Nazum Gefaͤngnuß dienete. gel an die Mauer/ nachmals wurde er dermaſſen geprügelt/ daß er ſich durch einen Knecht müͤſte laſſen hinein tragen. Sein Vieir oder Leutenant/ und ein Verſchnittener/ welcher ſein Kaſnadar oder Schatz⸗Meiſter geweſen wurde eben auf dieſe Art kractiert/ und man ſperzeke ſie in eine hohe Kammer/ die ihnen g ö Kurtze Zeit hernach ward der Vieir loß gelaſſen/ der Mirza Haddi aber/ undder Verſchnittene muten gefangen bleiben. Ich habe zuvor gedacht/ daß der Mirza-Haddi ein ſehr verſtaͤndiger Mann war/ und auch verſtaͤndiger Leuke Geſellſchaft ſehr lieb hatte/ dannenhero vergoͤnnete jhm ee der Nazar, daß er von einem Europciſchen hen Geiſtlichen oͤfters beſucht wurde/ mit welchem er den Verdruß ſeiner Gefangenſchaft alſo vertrieb/ weil ſie von 8 chen mit einander zu reden hatten. Als einsmals von einem und anderm/ was anjetzo vorgieng/ redeten/ erzehlte jhm der Geiſtliche/ daß wann die Europaer auf dem Meer koaken/ und ſie von einem Sturm und ſichtbarlichen Lebens⸗Gefahr ergriffen wurden/ pflegls ſie nehmen kan/ wie die Orientaliſche Volcker in jhren Verꝛichtungen/ ſo kluͤglich zu verfahren wiſſen/ und eben ſo wol die Zeit zu rath halten/ und allerhand Stratagemara und Kunſt⸗Griffe/ deren man ſich ſeinen Begierden ein Genůgen zu thun/ gebrauchen kan/ als unfere Volcker in Europa/ herfuͤr ſuchen koͤnnen. Dazumal als Mahamet- Beg noch Mayer Baſſa war/ wurden guß der Konmglichen Küche etliche ſilberne Geſchirꝛe geſtohlen. Der Deroga ſandte alsbald ſeine Beb ente/ ſich aller Goldſchmiede zu Iſpahan zu bemachtigen/ welche von dem Diebſtal keine Wiſſenſchaft hatten/ ſondeꝛn gantz unſchuldig waren Nichts deſto weniger ließ er ſie gefangen ſetzen/ und wol verwahren/ und gab jhnen genugſam zu erkennen/ ſie würden nicht loß kommen/ er hatte dann eine gute Summa Gelts jhnen abgetrüͤcket. Dieſe arme Goldſchmiede/ weil man ſo übel mit jhnen umgieng/ hatten ihre Zuflucht zum Mayer Baſſa, welcher etliche ſeiner Leute zum Deroga ſandte/ und ihn bitten ließ/ er ſolte bedeneken/ daß dieſe arme Goldſchmiede an dem Diebſtall gantz unſchuldig waren/ und etlicher maſſen under ſeine Juriſciction gehoͤreten/ weil ſie Gold und Silber arbeiteten/ derohalben ſoll er jhme nicht abſchlagen/ ſie loß zu laſſen. Der Deroga, der 1 geltbegierig ware/ ſahe/ daß man jhme kein Gelt geben wolte/ welches er von den Gefangenen begehrte/ und gab derohalben des MabhametBegs Bedienten zur Antwort/ er wiſſe gar wol/ was ſein Alnt ſey/ und daß ſich eines Schneiders Sohn in ſeine Geſchafte mengen wolle/ ſaget zu hm/ ſprach er ferner/ wann er will ſo will ic) jhme ſeiner Schweten ſie einen Theil der Waaren auß dem Schif ſter Hoſen zeigen. Es iſt gewiß/ daß er ſie Her schi u werffen/ dun das uͤbrige erhalten wurde/ kurtze Zeit zuvor durch ſeine Spionen in 5 wagen und dieſes geſchehe ofters mit ſolcher Behen⸗ nem Garten angetroffen/ in welchem ſie ſich 108 fl de digkeit/ daß das koſtbahrſte viel eher/ als das mit zweyen jungen Herꝛen luſtig gemacht/ und ban wider, geringſte ins Meer geworffen wurde/ wie es beyden eine gute Summa Gelts abgejaget/ 5 ihnen unbeſehen und unaußgeleſen under die welche die gemeine Gelt⸗Straf bey weitem Hande kame/ Mirza-Haddi fonte nach ſeinem uberſchrikten. Mahamet⸗ Beg, der dazumal 801 erſtand urtheilen/ was er jhme ſagen wollen/ noch nicht in ſo groſſem Anſehen/ vor dieſen alben er gab ihm zu verſtehen daß die Zeit Schimpf zu rachen/ verhalete ſeinen unwil2 125 verffoſſen/ ſich dieſer Nachricht mit len/ und wartete mit Gedult/ biß ihme die i„Theil..* 3 Zeit 1 5 8 1 * e e.* 5 c Zeit eine guͤnſtige Gelegenheit vom Deroga Rechenſchaft zu fordern/ und ſich deſto beſſer an jhin zu rachen an die Hand geben würde. Als er nun nochmals zu groſſen Ehren kam/ und die hoͤchſte Würde im Reich erlangte/ und ſahe/ daß er bey dem Konig in groſſen Gnaden war/ dachte er auf Mittel den Deroga zu verderben/ welches er auch gar glucklich und erwünſcht ins Werck ſteilen konte. Candahar iſt wie ich oben angezeigt/ eine GraͤntzVeſtung/ zwiſehen Perſien und Indien/ und dannenhero entſtehen zrwiſchen dieſen beyden Koͤnigen oͤfters Kriege. Es gieng ein Geſchrey/ es hatten ſich frembde Volcker an derſelben Gegend ſehen laſſen/ und deß wegen zeigte der Athemath- doulet dem König an/ es ſey auf allen Fall gut um Iſpahan etwas Volcks zu werben/ und daß man auß dieſen Baüren/ die der Arbeit getbohnt/ gute Soldaten machen koͤnte. Der König/ welcher auf des Waahamer-Begs Worte ſchr viel hielte/ befahl /er ſolte keine Zeit verliehren/ ſondern Leute aufbringen/ die unn das ebene Land gute Wiſſenſchaft haͤten. Mahamer-Beg, kwelcher ſeine Rache von fernem herfuͤhrete/ und den Deroga hecht ins Netze zu fuhren meinte/ gab dem Konig zu verſtehen/ er wurde ſich bey dieſem Geſchafte keines kuͤchtigern Mannes/ als des Mir-Kaſſem- Begs gebrauchen koͤnnen/ als welchem die Verꝛichtung ſeines Amts/ genugſame Wiſſenſchaft vom Zuſtand der Felder/ und der um Iſpahan ligenden Doͤrffer hatte geben konnen/ der Konig hielte dieſe Wahl für rathſamn/ und uͤberließ dem Deroga dieſe Commiſsion/ Mahamet- Beg gab jhm 2. andere zu/ welches 2. Spionen waren/ und auf all ſein Thun ſolten Achtung geben. Mirkaſſem-· Beg ließ alsbald ſeinen Geitz un Grauſamkeit/ ſeiner Narur nach/ in ſeiner Commiſs ion blicken/ und eben das wunſchete auch derſelbe/ welcher jhme ſolche zu wegen gebracht. Anſtatt/ daß er nach des Koͤnigs Intention/ nur bie jenigen/ welche gutwillig kommeh würden/ hatte werben ſollen/ ſo bemachtigte ſich dieſer Deroga eines jeglichen/ und ſonderlich der reichſten Bauten/ welche Sohne hatten/ die zum Kriege geſchickt waren. Ihre Vatter/ die jhre Kinder ſehr liebten/ gaben lieber Gelt/ als daß ſie zugaben/ daß ſie in den Krieg geführet wurden und Mir-Kaſſem. ſich an jhme gerochen. beg gebrauchte ſich auch dabey aller Gewalt. Underdeſſen ſchlief Mahamed= Beg keines Wegs/ ſondern ſeine Spionen/ die mit jhm zu Felde waren/ zeichneten alles auf/ was der Deroga unbillicher Weiſe erpreßte/ und ſonderlich die jenigen Gelt⸗Sumen/ die die Elteren geben muſten/ damit ſie jhre Kinder wieder bekommen. Als er nun wuſte/ daß er ateri genug haͤtre/ dieſen Mann des Diebſtals zu beſchuldigen ließ er den Bauren durch UnderHündler ihre Forchtſamkeit verweiſen/ und gab jhnen zu verſtehen/ der Deroga handele gantz undegar wider des Königs Intention, Seine Majestät exprels befohlen/ man ſolte niemanden/ als die/ welche von freyem Willen . Reisbeſchreibung in Perſien/ 5 Dienſte nehmen wolren/ werben/ und die wel. che am ungeſchickteſten zur Arbeit befunden würden/ außleſen/ und wann es der Konig wiſſen ſolte/ wie ſeine Underthanen dermaſſen tribuliert wurden/ ſo wurde er jhnen das abgejagte Gelt wider geben laſſen/ und ſie doͤrften nichts mehr thun/ als ſich nur bey Hofe beklagen. Alle Gemeinden underlieſſen meht ſich auf dieſe Nachricht zugrunden/ ſandten derohalben Deputierte nach Iſpahan/ welche der Mahamet-Beg mit Bezeugung groſſer Gunſt gegen ſie/ alsbald bey dem Konig anbrachte. Seine Majeſtat/ als ſie jhre Klagen gehoͤret/ und Mahaméed-Beg gleichfals das Seinige bey der Sache gethan/ befahl/ man ſolle ein Hie vollkommenes Verzeichnuß machen/ alles des jenigen/ was des Deroga Comimiſſariſ gerau⸗ 90 bet/ und daß alle Bauren ihre Klagen kuͤhnlich fuͤrbringen ſolten. Der Mahamet-Beg nahm die Zeit guch in acht/ und vermoͤg ſeines Amts und bes Königlichen Befehls/ ſandte er Leute in die Dörffer/ welche von jeglichem Mauren einen Eyd nehmen muſten/ daß er bey Gelt⸗ und leiblicher Straffe darthun muſte/ was man jhme mit Gewalt genommen/ biß auf einen Stroh⸗Halm. Dieſer Eyd ſtund auf einem Papier/ und von dein der ihn gemacht/ underzeichnet/ mit folgenden Worten: Mein Kopf ſol dem Körg ver fallen ſeyn/ und meine Guͤter dein Divan, oder RenntKammer/ wann ich nicht auf der ſtaͤtte dem Königlichen Befehl Folge leiſte. Als hun das Verzeichnuß verfertiget/ von allem dem Gelt/ welches ein jeglicher dem Detoga gehen muſſen/ wurde ſolches durch den Mahamet-Beg bem König vorgelegt/ er machte ſeine Tyrannen noch groͤſſer/ und ſtelte Seiner Maſeſteit vor/ daß er in 20, Jahren auf dieſe Weiſe das gauze Gebieth der Stadt Iſpahan gefreſſen. Was ſeine zwern Mithelffer betrift/ die dem Veroga zugegeben worden; aber wie ich ſchon zuvor gedacht/ eher ſeine Spionen als Beyſtande waren/ dieſelben zog der Mahamet. Beg gar richtig in den Handel/ und ſtelte die Sach alſo an/ daß alles uber den Mir-Kallem. Beg hinauß gehen müſte. Auf des Königs Befehl welcher dazumal auſſer00 5 halb Iſpahan war ſolte der Deroga auf den Meydan werden/ und alle reytage eine gewiſſe Anzahl Streiche auf die Fußſolen empfangen. Dieſes war das Urtheil/ welches der MakatnedBeg dem Konig eingeblaſen/ und er hatte uber l diß noch erhalten/ daß jhme die Seen⸗ Adern an den Ferſen aufgeſchlitten worden/ daß er die Ftiſſe biß an die Knöchel durchbohret haben ſolle. Er wolle guch/ daß alle ſeine Güter dem Konig ſolten heimfallen/ allein hiermm erzeigte hm der Konig Gnad/ und war zu frieKönigs Befehl war verſiegelt/ und der Mahamed.-Beg gab dem Negef. coulhbeg dieſe Comtniſsion/ durch welche er ſich zuvor an en Vermnggen anf hugeſel, Ader — dem an zu Erivan gerochen/ und hatte al, geführet/ mit den Füſſen angeheftet Faunſtes Buch. nun zu Iſpahan ankam/ ließ er die Fürnehmſten der Stadt/ als da ſeynd der Groß- Vizir oder Gubernator zu Iſpahan/ der Deroga oder Stadt⸗Vogt/ welcher ſich nichts verſahe/ und andere Herzen/ die in den fürnehimſten e ſaſſen/ zuſgmen beruffen/ welche ſich alsbald bey der groſſen Pforten des Koͤniglichen Pallaſts verſamleten. Ehe der verſieglete Brief geofnet wurde/ wurde zuvor für des Koͤnigs Wolergehen offentlich gebaͤtten/ als ſolches volfendet/ übergab man dem Vieir das Schreiben/ welches auch alsbald laut geen leſen wurde. Als der Vieir dem Deroga, der daſelbſt gegenwartig war/ ſein Urtheil alſo ankündigte/ entſetzte er ſich darüber nicht wenig/ und hub die Augen gen Himmel/ darauf gab 5 Ihm der Negel;couli-Beg eine Fauſt⸗Schlag in den Hals/ warff jhn vom Pferde/ und ließ jh nach Gewonheit binden. Er wurde alsbald auf die mitten des Platzes geführet/ und auf die Fußſolen geprügelt/ daß jhme die Nagel davon ſprungen. Den folgenden Freytag wurde er wieder guf dieſen Ort geführet/ und gleicher Weiſe geprügelt/ nachmals wurden jhme auch die Fuſſe durchhohret. Dey Deroga war ſehr alt/ und die Schmertzen/ die er außgeſtanden/ ſetzten jhn in einen Zuſtand/ daß erden Negef-couli-beg ſelbſten zum Mitleyden bewegte/ alſo daß er alſobald nach Hofe ſchrieb/ wofern man ferner fortfahren wurde/ dieſen alten Mann zu martern/ wurde er ungezweifelt ſterben/ weil er keine Kraft mehr hatte. Auf dieſe Nachricht befahl der König/ man ſolte jhm ferner kein veid zufügen/ er wurde hernach mit ſeinen Weibern in das niderſte des Hauſes eingeſperꝛet/ und zwar ſeines Amts/ nicht aber ſeiner Guter/ beraubt. 8 „ AUlhderdeſſen aber hatte Mahamet⸗ Beg allererſt einen Theil ſeines Vorhabens hinauß geführet/ und wolte ſeine Naache noch mehr gußlaſſen/ und den Mr-Kaflem- beg, nachdem er ſeinen Leib genug gekrancket/ auch ſeiner Guter berauben/ damit nun ſolches gerahten möchte/ ſo gebrauchte er ſich dieſes Vortheils. Er ſetzke in des Deroga Amt einen Georgianiſchen Renegaren/ Namens Padlada- Beg und und zeigte jhme alle Mittel/ wie er das Volck krücken/ und groſſe Gelt⸗Straffen von jhnen einziehen koͤnne. Des Mahamed-Begs Vorhaben war/ dem Konig durch den Excels, den der neue Detes in 5. oder 6. Monaten verlben komen/ darzu thun/ was der Mir-KkaſſemBeg für eine ſchröckliche Summa innerhalb 30. Jahren Seit/ welcher Stadt⸗Vogk geweſen/ hatte erobern koͤnnen. Dek Georgialltſche Renegat underließ auch nicht/ auf des Mahamed-Begs Aniſtiſtung und Underꝛicht unlechtmaſßsige Gelt⸗Summen zu erpreſſen/ und machte das Narben und Tribulieren dermaſIn grob“ daß innerhalb ſechd Monaten das Volek auſteng fur den Königlichen Pallaſt zu klagen. Der Divan Bequi, welches der Ober8 opere Schultheiß iſt/ handhabete das enn e daabameg- Peg aber/ als er ſahe daß Vorhaben zuruck gehen wolle/ weil die Bache gar zu eilfertig artgeſtellet worden/ ſuch— te ſich am Divan Bequi zu raͤchen/ und ſtellte eines Morgens/ als der Konig auß ſeinem Haram gieng/ viel Mꝛuſquetierer ins Gelhehr. Der Konig verwunderte ſich/ als er ſolches MahemerBegs Rachgier wider den Divan. Bequi. ſahe/ und fragte den Achemar douler, was das bedeuten ſolle/ derſelbe gab hin zur Antwort Seine Majeftat ſehe micht in Sicherheik/ weil ber Diyan-Bequi das Volck auf; wickelte/ der König hierüber ſehrerzornet befahl alsbald/ man ſolte dem Olyan-Zequi hie Augen außſtechen/ welches auch auß dem Meydan, awo man ihn fad/ Lollführet. Dieſer alte Mann/ deſſen Kopf gantz blutete/ und der auf ſeines Knechtes Schos lag/ prach zu jhm/ er ſolle nach Mecque reiſen/ und für des Königs Geſündheik bätten. Alle ſeinte Guter wurden eingezogen/ und in die SchatzKammer gelegt/ dem ir ⸗kaſſem⸗beg aber wurde das Seinige gelaſſen/ und er brachte das übrige ſeines Alters in ſeinem Haufe eil Die guten Qualitaten des Mahamet⸗begs haben das rachgierige Gemůte/ und die& rauſatnkeit/ welche ihn gaͤntzlich eingenomnuen/ und ofters zu groſſer Ungerecheigkeit vergnlaſſet/ in etwas verdunckelt. Aber ſonſten kan auch niemand laͤugnen/ daß er nicht einen ſehr guten Verſtand gehabt/ und ſehr geſchickt geweſen/ dem gemeinen Weſen fürzuſtehen. Als ich guf der Reise in Ber ſien kommen zeigte ich jhme alsbald alle Kleinodien/ die ich fur den donig mit ni cht/ über deren hebliche dern König mit mir gebra Arbeit er ſich nicht genugſam derwu koͤnte. Er befahl/ ich ſolle ſie alle zuſamen in eine Kiſte legen/ und itiit meinem Pittſchaft ver ſiegeln/ und als er ſahe/ daß/ nac dem er ſiſcher Sprach gegeben/ ich dannoch ſolches nicht velſtegelte/ erſtaunete er gane über die Aufrichtigkeit der Frantzoſiſchen Nation und % Seite ee eit gegen dem Herze Tavernier. 1„. über das Vertrauen/ das ich auf ihn ſetzte. dem Konig anzunehmen/ von welchem ich auch die einem Frembden am Perſiſchen Hof wiederfahren kan/ empfangen habe. Und weil ich wuſte/ Faß Mahamer⸗Beg zu curjoſen Sachen allezeit geneigt war/ als verehrte ich jhm kin Rohr/ darauf man achtzehen mal nach einander ſchieſſen/ und von ſich ſelbſten durch den. Niahamned- Beg schalte dieſes Rohr über Er war gantz willig/ ſich meiner Sachen bey 3000. und 600. Tomans nebeniſt aller Ehre/ die Schivantz Schrauben konte geladen werdieſer Invention fande/ ſo trachtet el doch auf Mittel/ dieſelbe abzuſchaffen. Er ſahe/ daß alles Pulfer/ welches zu dieſen Schüſſen ſolte angewendet werden aufeinmal angehen konte/ als einem andern/ wider den er das Geschoß gerichte. Und weil er eine Erfindung gern und koͤnte alſo einer ihne eher felhſteß ſchaden verbeſſeren will, und ſolches nach einandek vollkommen zu machen gedencket/ philoſophierte Mahamet Beg lang uber dieſein Nohr/ und meinte er würde eim Mittel treffen/ daß er ein gleiches konne machen laſſen/ bey welchem derſelbe/ der ſich deſſen gebrauchte/ ſicher und unverletzet bleiben konte. Seine Uneinigkeit mit dem MirTchekarBaſſa. Und iſtigkeit ihn von Hofe zu 248 Er trug ſeine Meynung zweyen Frantzoſiſchen Büchſenſchmieden vor/ welche in des Konigs Dienſt waren/ und nach ſeiner Angebung die Sache gar gut machten/ auch ein Rohr zu wegen brachten/ das eben dieſe Wuͤrckung that/ ohne daß man dabey in Gefahr ſeyn dorfte. 10 komme aber wieder auf die Geſchichte/ des ahamed-Begs, welche ich mit wenig Worten hinauß fuͤhren wil.. f Mahamed- Beg war allezeit bey dem König in groſſen Gnaden/ und hatte alle die jenigen/ die er nicht geliebet/ und jhme nicht gnugſam Reſpect erwieſen/ vom Hofe geſchaft. Endlich hatte er auch einen fürnehmen Favoriten/ Namens Mir- Tche-kar-Baſcha im Kopf/ welchen der Konig fehr liebte/ und den er nicht ſo leicht als die andern auß dem Sattel heben konte. Die Gemuther dieſer zween Leute wolten einander niemals nachgeben/ ſondern meyneten beyde in des Koͤnigs Gedancken Maꝛeiſter zu ſeyn/ und alle Sachen unumſchrenckt dirigieren. Mir-Tehekar Baſſa, welcher den Mahamed Beg an den Hof gebracht/ und war am laͤngſten in Gnaden geweſen/ und wolte derohalben/ der andere ſolte jhm nachgeben/ Mahamed Beg aber wolte wegen ſeines Standes und ſeines Amtes/ weiler Ahtematdoulet war/ und der Nechſte nach dem Koͤnige/ wolte behaupten/ der andere ſeye jhm gar hoch verbunden. Bey dieſem Handel gieng ein Geſchrey wegen eines Aufſtands in Georgien, und Mir-Tchekar Baſſa war kurtze Zeit zuvor Koular- Agaſi oder Hauptmañ uber die Sclaven worden. Der Athemat-doulet tüberredete den Konig/ es ſey noͤthig/ etwas Volck in Georgien zu ſchicken/ und man koͤnne dem Koular-Agaſi das Commando darüber geben/ weil er dieſen Mitbuhler ſeines Glückes gerne vom Hof geſchafft hatte. Es geſchahe auf des Koniges Befehl/ daß dieſer Günstling mit einem flegenden Lager abreiſte/ als er aber auf die Grentzen kam/ und keine Feinde antraf noch niemanden fand/ der ſich widerſetzen wolte/ ſchrieh er an den Konig/ es ſey gantz unnoͤthig/ die Soldaten abzumatten/ und ineinem Lande/ wo kein Krieg/ noch das geringſte Zeichen eines Aufſtands zu erkennen/ herum zu fuhren/ und bath derohalben ſeine Majeſtat/ zuzugeben/ daß er wieder nach Hof kommen moͤge. Der Athemat· doulet, welcher von ſeiner Rückkunft hoͤrete/ ſtellete dem König vor/ es ſey nothwendig/ daß das Volck noch eine Zeitlang aufden Grentzen bleibe/ dann wann ſie ſo bald wieder abziehen ſolten/ wuͤrde man allerhand Unruhen/ die zu foͤrchten/ verurſachen/ die wegen des Heers Gegenwart annoch müͤſten verborgen bleiben. f AUnterdeſſen fielen die Ubeckiſchen Tarkark an den Coraſſaniſchen Grentzen ein/ und hatten allbereit unterſchiedliche von deß Gubernators in der Provintz Leuten/ welcher Manoutchek hieß umgebracht. Dieſes Gubernators Verwandter war daahamed Beg, und zeigte dem Konig an/ der Kan von Coraffan hatte ſich in dieſem Fall ſehr tapffer gehalten/ und erzehlte hm/ wie die Sache zugangen/ wie Reis beſchreibung in Perſten/ auch/ daß er etliche ſeiner Leute daruber im Stich gelaſſen. Der Konig ſandte dem Kan auf dieſes des Arhemat-doulets Anbringen den Calaat, und wolte jhme durch dieſes Ehrenzeichen darthun/ wie er wegen ſeiner Tapfferkeit und Wolhalten ihn ſo hoch hielte. Auf der andern Seiten ſchrieb der KoularAga zum andern mal/ und weil er ſahe/ daß ſie wegen der groſſen Fürſichtigkeit des Mahamed Begs dem Könige nicht konten in die Hande kommen/ ſchickte er endlich den Verſtaͤndigſten unter ſeinen Leuten/ und auf den er ſich am meiſten verlaſſen konte/ nach Iſpahan/ zu verſuchen/ ob er dem Könige den Brief ſelbſten in die Hande geben konne. Er gieng in den Pallaſt/ und miſchte ſich unter andere Knechte/ ohne daß er jemanden ettoas ſagte. Mahamed Beg, welcher eben vorbey gieng/ und einen ſahe/ der jhm von Geſichte unbekant war/ und allezeit ein Mißtrauen bey ſich fuhrte/ fragte jhn/ warum er da ſey/ und wo er herkame. Er antwortete dem Arbemat⸗doulet ohne Entſetzen/ er ſey ein gemeiner Soldat von den Neichs⸗Gräntzen/ und weil er eine Zeitlang für ſeine Dienſte keine Beſoldung empfangen/ war er kommen zu ſehen/ ob er keine Vergeltung bey Hofe haben konte. Der e fragte nicht viel nach dieſer Rede ſondern gieng vorbey/ redete kein Wort/ und begab ſich in 19.. ud wie Line Behauſung. Elliche Augenblick hernach gu ku 1 fand der Algeſandte dieſes ans Gelegenheit/ Jae ſich zum Meter zumachen/ welcher der Für⸗ aalen nehmſte unter den Verſchnittenen iſt/ und zeigte jhm an/ er haͤtte Briefe von groſſer Wichtigkeit an den Konig/ und muſte dieſelbigen jhme in eigene Hande lieffern; als nun der Meter ſeiner Majeſtat ſolches anzeigt/ ließ er den Geſandten um Mitternacht für ſich fordern/ alſa/ daß er ſeines Herꝛn Befehl gar glücklich außfuhren konte. Als der König den Brief leſen laſſen/ welcher jhtne alles das jenige entdeckte/ was der Athemar-doulet lalige verborgen gehalten/ ſo wol wegen der ſchlechten Nothwendigkeit/ daß der König Volcker an den Geotianiſchen Graͤntzen halten muſte/ als auch/ ß der Kan von Kofaſan einen Theil von ſeihen Leuten verlohren/ wunde er dermaſſen uber dieſen hohen Miniſter erzurnet/ daß er hn alsbald ruffen ließ/ und jhme ſolche Worte gab/ daß jhme das Hertz hatte bluten mogen/ und ſich kümmerlich entſchuldigen oder verantworten konte/ ja es fehlyte 1 daß er ihn nicht ſelbſt auf der Stelle umbracht hatte; der Nazar und etliche andere Herren/ welche gegenartig waren/ nahmen die Kühnheit/ und gaben dem Könige zu erkennen/ die guten Dienſte/ die Mahamed Beg dern gemeinen Weſen gethan/ und weilen es ſeiner Majeſtat gefallen/ Ihn auß dem Staube zu groſſen Ehren zu erheben/ ſo wurde es auch ihre zu groſſem Ruhm gereichen/ einen Menſchen/ den er geliebet/ und der ihme noch nutzen konne/ nicht gantzlich zu verderben. Der Kolnig/ welcher den Mahamed- Beg glich würcklich liebte/ wurde durch dieſe Reden ein wenig beſanftiget/ und 90 ihn dem Nazar zu verwahren/ wecker g 1 * s belraſſt 1 ade 15 5 uud ie er Faunſtes Buch. mals auch ein gar trauriges Ende erlangte/ wie ich anderwerts angezeigt. Drey Tage hernach wurde Nahamed Beg mit ſeiner gangen Familia nach Kom verwieſen/ durfte ſich aber weder ſcheren noch baden laſſen/ noch unt jemanden/ mit weme es auch ſeyn koͤnte/ Geenter Aeinſchaft treiben. Dieselben/ welche jhn wegführten/ hatten Befehl/ ſie ſolten jhn nach ſeinem Gefallen gehen laſſen/ und nicht eylen/ und nachdem ſeine erſten Verwahrer zu Kom durch andere abgeloſet wurden/ hatte er ſehon etwas mehr Frehheit/ dadurch er glaubte/ man wür. de ihn ehſtes zurück ruffen/ dennoch wahrte ſein Elend etliche Jahr/ in welchen die Freyheit ſich von Tage zu Tage vergroͤſſerte/ und allerhand Gebäude das Waſſer in die Hoͤhe zu führen/ aufrichtete/ in welcher Wiſſenſchaft groſſe Geſchicklichkeit hatte. Die Frantzoſen heſuchten jhn in ſeinem Elende/ und erzeigken jhme eben die Ehre/ als ob er noch in der hochſten Gluckſeligkeit geſeſſen/ alſo/ daß er lie That offentlich lobete/ und danckte jhnen/ Laß ſie gleichwol in dem Stande ſeiner Unnade ihn hoch gehalten. Er war auch wuͤrcklich/ als er noch in Guſten war/ den Francken e,(ehr geneigt/ und ſonderlich unſerer/ nmlich der lüb der Frantzoſiſchen Nation, wie er ſolches in and 11 Hallen gegen mir zur Genüge außgedae wur, laſſen. Auß meinen lerſten Briefen auß Perſien/ die ich im Jahr 1674. empfangen/ habe ich vernommen/ daß Cha-Soliman, welcher anitzo regieret/ dieſen Mahamed-Beg wieder in ſein Amk geſetzet/ und daß er annoch Athemar- doulet ſeh/ weil der Konig zur Regierung des gemeinen Weſens keinen geſchickkern Mann als jhn/ finden konnen. 1 Das VII. Capitcl. Von der Rebellion des Prinzen von Jal. que, des Königs von Perſien Vaſalken/ unter der Regierung Cha Sephůi des I. und Cha-Abas des II. 1 85 Wiſchen dem. Vorgebirge Jaſque und 05 885 Y zwey Spitzen in Perſien ſind/ welche gegen Mittag ſtehen/ liget ein Bergichtes th und ſumpffichtes Land/ welches ſich von der Seiten des Oceani biß an die Provinz Kers 1 man erſtrecket/ und zu welchem man an vielen Orten nicht kommen kan. Es wird von den kleinen Fuͤrſten beherꝛſchet/ deren der eine ein Mahometaner/ die andern aber/ deren Lander gegen Orienr gelegen/ Heyden ſind. Dieſer Erſte iſt der Machtigſte unter allen reyen/ und dem Gebieth Ormus am nechſten. e füͤhret den Namen des Furſten von falue; welchen er von ſeinen Vor⸗Eltern erlan* und nachdem ſich Cha. Abas der Erſte 90 Stadt Ormus bemächtiget/ wolte er uch ſich über dieſelzige gantze Seite/ welche dem Vorgebirge Guadel, welches die 0 249 ſich biß an das Vorgebirge Jalque erſtrecket/ zum Meiſter machen/ allein er fand alsbald Widerſtand; Er erhielt aber dennoch ſo viel/ Auf was daß der Fürſt deſſelbigen Landes den Konig Weie die in Perſien für ſeinen Her en erkennen/ und Fürſten von aſque der ihme als ein Vaſall jahrlich einen gewiſſen Aung Tribut zahlen muste. Zeit der Regierung Cha- len wer, Abas, der ſeine Sachen ſehr wol anzuſtellen/ den und jederman im Gehorſam zu halten wuſte/ bezahlte dieſer Fuͤrſt den Tribut/ dazu er verbunden war/ allezeit richtig. Als aher ChaSeli hoch ſehr jung ſeinem Groß⸗Vatter in der Regierung folgte/ und ſich wenig um die Neichs⸗Geſchaffte bekummerte/ waff dieſen Fuͤrſt das Joch vom Halſe/ und wolte me mehr bezahlen; Dieſe Sache blieb auch fe lauge Cha- Sen regierte/ ſtecken/ und wurde nicht geachtet; der Fürſt von Jalque wolte ſich des Cha- Abas II. unmundiges Alter gleichfals zu Nutz machen/ und begehrte jhme keines wegs zu huldigen; Er meynte/ er wurde Ihn bey dieſem Alter nicht angleiffen/ und hielte ſich gerüͤſtet in einem Lande/ deſſen Eingang für eine Armee ſehr ſchadlich iſt/ wie ich hernachmals gedencken wil. Als er gber endlich den Tribut etliche Jahre abgeſchlagen/ und der Kan von Ormus pratendiette/ daß die Sach unter ſeine ſürrisdie ion gehore/ und Jide dee daß dieſe Weigerung des Königs Ehre zu⸗ bdellon. wider ſey/ und zeigte dein Cha⸗Abas, welcher d ſich der Sachen etwas beſſer anzunehmen begunte/ an/ er ſolle Volcker wider dieſen Jurſten ſchicken/ damit er wieder zu ſeiner Schuldigkeit gebracht wurde. Der Konig gab eben deim/ der ihmne dieſes vor brachte/ diee le und der Kan brachte geſchwindezwanig tauſend Mann zuſammen/ welche meiſtentheils in Aeuterey beſtunden/ und meynte damit denſelben/ den er ſuchte/ leicht Aufgang marschieren/ und folgke in wenig biegt Tagen jhnen nach/ mit drey oder vier hundert Reutern. Damit ers nun kurtz machen mochte/ ſo zog er gleich gegen das Vorgebirge Jaſque, aber dieſer Weg/ der zwar kurtz war/ war auch deſto gefahrlicher/ weil das Land ſehr moraſtig/ und mit ſchimmerendem Sande bedecket iſt, Der Kan von Ormus verrichtete dieſen Zug gleichſam aufder Poſt/ wie die fuͤrnehmen Herren gemeiniglich zu thun pffegen/ allein es gieng ihm ſo unglücklich/ daß er in einen ſolchen Moraſt gerieth/ darinnen er nehſt zwanzig oder dreyſſig Reutern erſticken muſte. Als des Kans Tod kund worden kam die Armee euch an den Ort/ ſo bald aber der Kong dieſe Zeitung Ahielt/ ſandte ex des Kans bon Omus dieser rebelliſche Fürſt leicht urtheilen man elde hp nich in Ruhe aßen und de der neue Kan keines weges unterlassen würde/ Ihn anzufallen, dannenbero wunde er nehmen. Der Kan verrichtete auch feinen Zug ſo geſchwind als jhm moglich/ und 10 5 el 2 1 erſten Vagegen Er wird be. 250 ein in das Land dieſes rebelliſchen Füͤrſten/ allein derſelbe gewann die Schlacht/ und zwang den Kan, der ſehr viel Volck verlohund aht ren/ daß er ſich wieder nach Ormus begeben den Sig. muſte/ hiezu kam noch die grauſame Hitze/ daDurch die übrigen von ſeinem Heere faſt gaͤntzlich zu ſchanden gemacht wurden. Dieer Fuürſt von falque wurde hoffärtig über ſeinem Glück/ und bildete ſich ein/ die Pekſianer würden nicht ſo bald in ſein Land kommen/ ſondern die Luſt wurde jhnen ins künftige wol vergehen. In dieſen Gedanken entſchloß er ſich/ eine Reiſe nach Meeque vorzunehmen/ und dem Propheken für ſeinen Sieg zu dancken/ und begab ſich nahe an dem Vorgebirge Jaſque zu Schiffe/ in willens von darnen nach Arabien zu ſchiffen. Der Kan, dem es an Spionen auch nicht mangelte/ bekam Nachricht von ſeiner Abreiſe/ und ſchickte fünftehen oder zwantzig gewafnete Barguen/ an den Argbiſchen Kuſten aufzupaſſen/ von welchen er alich gefangen/ und nach Ormus geführet wurde; Dazumal war ſehr groſſe Hitze/ und der Kan war mit allen den Seinen/ welches wie ich zuvor angezeigt/ gebraͤuchlich iſt/ in das Gebirge gezogen/ welche zehen oder zrwolf Meilen von der Stadt ligen und der Furt von faſque wurde in ſein Gezelt geführet. Er werb gefangen. Weil man nun vom Koͤnige Nachricht erwartete/ was mit dem Gefangenen anzufangen/ kann dieſes Fürſten Gemahlin/ welKane e che ſein Unglück erfahren( durch einen ſtarmeine Tap cken Weg und ganz geheim nebſt fünf oder berket. ſechs hundert Reutern welche der General Leutenaut über ſhres Mannes Volcker coinmandierte/ und als ſie den Kan um Mitternacht in ſeinem Gezelke fand/ brachte ſie ihn mit eigener Hand um! hieb den meien Theil ſeiner Leute/ welche ſchlieffen/ in Stucken/ führte zehen oder zwolf ſeiner Weiber weg/ und erloſete ihren Fürſten den Perſianern under Augen/ welche keine Zeit hatten/ Als die Zeitung von dieſer kühnen That nach Hofe gebracht wurde„ ſandte der König mit groſſem Widerwillen den dritten Reisbeſchreibung in perſien/ Der Koͤnig/ als er erfahren/ daß dieſer Leutenant in des Kans Macht ſey/ ſchrieb er jhme/ daß er ihn jhme übergeben wolte ſeiner zween Brüder Tod zu rachen. Der Kan erdachte eine ſo grauſame Leibes⸗Straffe/ die niemals gehoͤret worden/ welches war/ den Leutenant mit angezündeten Liechtern zu ſpicken/ und in dieſem Zuſtand wurde er alle Tage auf einem Kameel zwiſchen Eilf und zwölf Uhr zu Mittage durch die Stadt geführet. Ob wol dieſes eine un außſprechliche Pein war/ ſintemal das Fleiſch von den Liechtern gantz gebraten wurde/ ſo vertrug doch der Leutenant/ welches ein anſehnlicher und hurtiger Mann war alle dieſe Schmertzen/ mit unglaublicher Standhafftigkeit/ die man nicht genugſam verwundern kan. Als man Ihn endlich drey Tage nach einander auf dieſe Weiſe herum geführet/ und alle Tage dieſe ſchroͤckliche Marten wieder angefangen/ bath der Fürnehmſte unter den Hollandern/ und auch die fremden Kaufleute den Kan, man mochte dieſen unglückſeligen Leutenant nicht länger guchlen/ welcher ſie auch jhrer Bitte gewaͤhrte/ und ihn alsbald an das Meer⸗Ufer fuhren/ und ih f 4 18 Von eilichen ſonderbaren Dingen die ſieh unter der Regierung Cha- Solimans a Ch habe hievor bey Beſchreibung der 1 N Könige in Perſien dieſes letſten Geocchlechts einige Umſtande von dem Anfang des Regiments Cha- ef vermeldet: Nun ſeynd noch andere/ die ich gleichfals merckwurdig Fein Ali-Couli- Kan, welcher bey Regierung Cha-Abas des II. zwar in nicht geringen Gnaden ware/ muſte jedoch zum dritten oder vierten mal von Hof ſich abſentieren/ weil derſelbe allzufren eredt/ dann er war ſehr frech/ und konte Bruder/ als Stadthalter nach Ormus mit geredt! dann te„„ e Tefehl an den Kan iu Schiras⸗ und al die fichks verſchweigen⸗ um dieser Uuſach poll 0%, n Lar und Kerman; eine Armee von zwanzig 1 er den Namen/ des Koͤnigs Low gen den dreyſſig tauſend Pferden aufzurichten ſich ſelbſten gegeben; dann ſagt er/ wann bellen wieder zu ſeiner Schuldigkeit zu bringen; der Kan von Oimus war das Haupt b bey dieſer Artnee/ wie die Schlacht geſcha⸗ deren man in be und wal dem Fürſten von Jalque van 2. gebrauchen ufege. Das kaſſe mal“ alsdarAndern Heydniſchen Fürſten begeſtandk wur filbe veſwieſen wurde bliebe er vier oder de/ miſten die Perſier abermal weichen. Der gakedeſe ohne jemalen gußgelaſſen/ in eigroͤſte Verluſt/ den der Furſt der Rebellen ner Veſtung eingehalten; aber weil er wo davon hatte/ war/ daß ſein General Leute beredt/ und ſein Geſprach bewegend warnant/ welcher ein treflicher Feld⸗Herz war erlangte er endlich von dem Commendanten unnd der feine Gemahlin ſotapffer ſecondierte eines Tags Erlaubnuß/ auf die Jagd zu ge, als ſieſhne auß der Perſtaner Hande erloſete/ hen Als er wiedrum zurück kommen ul, gefangen orden. der Commendant ihn beſuchte/ feler daß man meiner nicht noͤthig/ werde ich angefeſſelt; und hingegen!“ wann man mich gebrauchen wil/ Ne gleich den Loͤwen/ Perſien J ſich zus 9 . Fuͤnftes Buch. ben heben zween oder drey Jungen/ die jhm zur Bedienung gelaſſen worden/ hart an/ und lielſe jhne ſo ſtarck bruͤgeln/ daß wenig gefehlet/ er nicht davon den Geiſt aufgeben; Indeme die Jungen ſchlugen/ gabe der Gefangene den Commendanten weNeige dr, Lei einer Unvorſichtigkeit einen harten Verſelhe eil weiß/ ſprechend/ daß es beſchehe/ jhne ſeine erat Schuldigkeit zu lernen/ und auf ein ander Virauer mal eine Perſon/ die jhme von dem Konig in Verwahrung anvertrauet worden; und ie/ wann ſie zu entrinnen willens geweſenwol drauſſen hatte bleiben koͤnnen/ nicht auf die Jagd zu laſſen. Cha. Sefi; der noch ſehr zung/ und von dieſem Ali-Couli- Kan gehoͤrt reden/ wurde offt begierig/ denſelben 251 Ein jeder befiiſſe ſich/ nach guſſerſteim Vermogen/ bey jhme ſich angenehm zu machen indeme er ſahe/ daß derſelbe bey dem König lieb ware. Aber/ ob ſchon jhme weder für ſeinen Marckſtall/ noch ſeine Perſon nichts manglete/ hatte er ſedoch bey dem Anfang ſeiner Einruſtung Gelt vonnothen./ und weil derſelbe bey den Perſignern/ die deſſen wenig haben/ ſintemalen die Handlung nicht in ſhren Handen/ keines aufbringen konte/ nahme er ſeine Zuflucht zu den Armeniern/ und begehrte von denselben fünf oder ſechs hundert Towans aufzunehmen. Des bez lonters Meynung f dit ſe Summg e * We u men zu ſehen/ aber die groſſen Heron des Hofs wegen ſeines trefichen Verſtands erſthreckt/ und beforchtend/ er moͤchte wiederum in Gnade kommen/ krachteten ſtaͤts den Konig von dieſen Gedancken abwendig zu machen. Jedoch als der König des All-CouliKan freche That/ die jhme nicht mißfiele/ der nahme/ befahle er/ daß man dem ſelben die Freyheit/ und zu ſeiner Underhaltung ein mehrers geben ſolte. Drey oder vier Monat hernach/ als der Kong in dem Rath ſich befunden/ kame mit jedermans Verwunderung Ali- Couli- Kan hinein/ der zu Ihrer Mapjeſtät mit tieffſter Ehrerbietung ſich nahend/ zu derſelben Sprache/ daß der Lowe entbunden/ und kommen ſeye/ Ihro die Fuſſe zu küſſen. Der Konig begunte zu lachen/ und jhne freundlich anſchauend/ ſagte/ daß er recht gethan haͤtte/ welches dieſemm Herꝛn Hoffnung machte/ daß er in kurtzer geſt bey dem Konig ſo angenehim ſeyn werde als er in ſonderbaren Gnaden des Könlgs ſeines Heren Vattern geweſen. Er betroge ſich glich micht in dieſer Hoffnung/ und gleich wie der elbe nicht weniger angenehm in ſeinen Geſprachen als ein kaͤpfferer Kriegs⸗Held ware/ nahme ihn der König bald zu einem geheimen Rath/ und ſetzte denſelben zum oberſten Feld⸗Her en ſeines Kriegs⸗Volcks/ wie er under der Regierung Cha⸗Abäs guch Rien 1 So bald man bey Hofe geſehen/ wie wol Ali-Couli-Kan von dem Konig aufgenommen worden/ wurde nicht mehl gezweiffelt/ daß derſelbe in kurtzem des Koͤnigs Gemüth gewinnen/ und eben das Anſehen/ in deme er bey Lebzeiten des Königs ſeines Vatters gerweſen/ erlangen wurde. Ein jeder damalen nach Hof⸗Weiſe bemüͤhete ſich/ demſelben eine Freude/ entweder falſche/ oder wölmeynend/ uber ſeine Wiederkunft zu bezeugen( und mit Verehrungen/ dannt er ſein 1 auß wiedrum in guten Stand ſetzen koön( Je für ſo groſſes Glück zu liebkoſen. ment ſchickte Pferde /Maulthier und Ka8 15 köstliche Teppich/ und ins gemein alHelen os in Perſten nöthig/ eines groſſen een Hauß mit Haußgerqgth zuverſehen; gehren wurde chen. Als eines Tag 0 Zulpha ſpatzierte/ ſagle jhm Kli- Couli-Kan; daß Ihr Majeſtat der Armenier HauptKirche/ da das Kloſter/ allda der Eltz Biſthof neben etlichen Biſchoͤffen und vielen München ſeinen Siß hat/ beſehen ſolle; Wie der Konig in die Kirchen/ allda jhn der ErtzBiſchoß von ſeinen Geiſtlichen begleitet/ empfienge/ getreten/ und jhme alles noch fremd vorkam/ ſintemal er bißhero ſtaͤts in dem Haram eingeſchloſſen ware/ fragte derſelbe ſoinen geheimen Freund/ welcherley dieſe in ſo ungewöhnlicher Manier gekleibete Leite waren? Ali⸗Conli-Kan zu jhm ſprache: willen hinauß. Dieſer Königliche geheime Sreund wider die Armenier erzurnet/ machke ſhnen bey dem Konig einen ſolchen boſen Willen/ daß derſelbe beſchloſſe/ ſie zu noͤthigen/ zum Mahoſmeriſchen Glauben ſich zu bekennen. Aber Ali-Couli- Kan; ſwelcher auß Georgiſchem Geschlecht war/ feuete/ da er ſahe/ daß der dem Köing von ihme eingeblaſene Haß wider dieſe Nation ſich ſo weit erſtrecken wolte/ und andern Theils erachtete/ daß die Armenier zum Mäßormetiſchen Glauben zu zwingen/ Ihme keinen Nützen bringen konte; Derotwegen war er begnügt/ Ihnen allein die Forcht einzufagen/ welches ſich zu ſeinen Füſſen zu werffen/ und denſelben zu bitten/ daß durch ſeinen Eredit er verſchaffen mochte daß der König nicht zu dieſet verdrüßlichen Exttemitqt greiffen thate. Aber dieſe Znade zu erlangen/ muten ſie dem König zehen kauſend Tomans verehren/ und 155 1 Freund vier oder fünf Tauend geben i Denz. September 1667 thate der König neben allen Groſſen ſeines Hofs ehen Nut(und konte nichts herzliehers als deſſen Marckſtahl eingebildet werden. A 115 kräftig genug ware/ die Armenier zu noͤthigen/ den? A ſagte alsbald/ daß Water den es Teufel ſeyen; daruber der Konig zur nend/ t Führeſt du mich ins Hauß denen ge der Teuffel? und zugleich gienge er in Un⸗ geben. 252 leben ge den auß der Schatzkamlier genommen/ und auf denn Meyckan aller Reichthum/ darvon anderswo Meldung be1 1 und der nur allein vor dergleichen homp gezeigt wird/ vorgeſtellet; das ſeynd nemlich Eymer/ oder eine Gattung Keſſel von dichtem Golde/ die Pferde darauß zu traͤncken/ welche aber nur für Zierde da ſtehen. Der groſſe Keſſel/ ſo mit Waſſer angefüͤllet wird/ die Nagel/ die ſamt den Rincken/ daran man die Pferde bindet/ in die Erde geſteckt/ und der Hammer/ damit die Naͤgel in die Erde geſchlagen werden/ ſeynd all wie droben gemeldet/ von dichtem Golde. Nachdem der Konig auf die Weiſe/ wie in Perſien uͤblich/ mit dem Mallien geſpielt/ und mit dem Bogen geſchoſſen/ um einen Becher oder Trinck⸗Geſchirꝛ/ welcher an der Spitze des groſſen Baums in Mitten des Mey dans gufgericht/ herab zu ſchieſſen/ ſetzte er ſich in den Divan, ſo underhalb der Pforte Ali⸗Capi, von dannen er den Luſt hatte/ die Elephanten/ Loͤwen/ Stier und Wider ſtreitend zuſehen. Was das VerwunGroſſer Pracht des Koͤniglichen Marſtalls. derlichſte dieſen Tag/ ware ein Mann auf dem Sattel ſtehend/ mit ſeinem Pferd mit verhaͤngtem Zaum dreymal den Mey dan zu Überlaufen/ derſelbe fiel zwar in dem erſten mal hinab/ aber die zwey folgenden hielte er ſteif/ und verurſachte jederman VerwunDer droben getneldte ali Couli-Kan præſentierte eines Tags dem König zween wolgeſtalte Jüngling/ der eine 1. der andere 17. Jahr alt/ welche beyde eine trefliche Stimmie zu ſingen hatten. Als der König hr Geſing gehoͤret/ hatte er dieſelben gern in ſeinen Dienſt behalten/ und 1 daß jhme Leyd wäre/ daß er ſie nicht in feinen Haram laſſeh koͤnte/ weil ſelbe bey den& 5 ſeh zu alt waren. All- Couli- Kan mit Schaden dieſer fween Jüngling dem Konig zu ſchmeicheln/ ſagte demſelben/ daß er ſchon Mittel fnden wolte/ Ihro Majeſtat hier inn ein Genugen zu verſchaffen/ und daß dieſelbe in kurtzer Böse That Seit eine getwiſſe Proba ſehen ſolte. Er hakte 1100 rantzoſiſcher Wunddes alr Con · vernommen/ 1 antzoſiſcher Wund„n, Altzt/ damglen zu Iſpahan ſich aufhaltend/ zit Tauris 6. Kinder des Mitza- Ibrahim, von dem in meinem erſten Buch Meldung beſchehen/ an dem Stein geſchnitten hatte; und nachdem er denſelben beruffen laſſen/ fragte er ihn/ ob er auch dieſe zween Jünglinge ver1 koͤnte. Um den Wundartzt zu vereiten/ dieſe Sach zu underſtehen/ verehrte er jhme gleich anfangs ein Kleid ſamt der Kappe und Leibbinde/ ſo zuſanimen hundert Kronen werth geweſen ſeyn mochte/ daneben demſelben verſprechend/ daß wann die Jungling mit dem Leben davon kamen/ er eine gnugſame Belohnung/ beydes von dem Konig und hme ſelbſten bekommen wurde. Der Wundartzt geitzig und Loßhaft/ lieſſe die zween Jüngling nehinen/ und wurde mit ihnen gutwillig oder durch Getvalt die That vollbracht/ ſo wol geultaninnen zu ſeyn Reis beſchreibung in perſien/ lungen/ inmaſſen ſie ſehr wol geheilet worden. So bald dieſelbigen in gutem Zuſtand waren/ wurden ſie von Ali: Couli- Kan dem Konig dargeſtellt/ der daruber zwar verwundert aber jhme nicht leyd war/ ſintemal dieſe zween Jüngling deimſelbem ſehr beliebten/ und minmehr in dem Stand/ jhme in ſeinem Haram den jhre Kinder in ſchlechtem Zuſtand. 1 Dienſte zu leiſten. Als aber Gott eine ſolche boͤſe That mißfiele/ ſtarbe vier oder fünf Tag hernach Ali-Couli- Kan, und bliebe der Wundartzt/ der nicht wuſte/ bey weme ſeine Belohnung für ſeine Ubelthat zu ſuchen/ ohnbezahlt. Er entſchloſſe ſich/ eine Bittſchrifft an den Koͤnig durch Meter Farou, OberKleider⸗Verwahrer uͤbergeben zu laſſen/ und wie er ſolche ermeldtem Meter eingehaͤndigt/ war er von demſelben befragt/ ob er ſich zum Mahometiſchen Glauben bekennen wolte. Als hierauf der Wundartzt antwortete/ daß er ſolches nimermehr thun wolte/ jagte jhn der Meter als einen ſchaͤndlichen Geſellen hinweg/ mit Vermelden/ daß er niemalen geglaubt/ daß ſolches die Christliche Religion zugeben 0 hatte/ dergleichen Boßheit zu verüben/ wel⸗ und dach ches eine Urſach/ daß ſeit derſelben Zeit die dan el Perſianer uns gleichſam in Abſchen haben/ lachen g mafjen dieſe That ein groſſes Jeſchrey zu Iſpa⸗ Belol han veranlaſſet. Dieſe zween Jüngling/ geburtig von Cachan; hatten berde noch Vatter und Mutter/ und waren in Ehe verſprochen. So bald die Eltern dieſe Vottſchaft vernommen/ kamen dieſelben nach Iſpahan/ und 1 5 8 wurden viel Zaͤhren vergoſſen/ und um ſie zu befriedigen/ verordnete der Konig den Eltern für jhr Lebenlang/ nachdem die zween Jungling 105 dargeſtellt wurden/ ein Einkommen; Dieſer ſchandliche Wundarßt/ funde nicht beſſer ſeine Rechnung mit Mirza Ibrahim; der Landſchafft Aufſeher/ wegen der ſechs Georgiſchen und demnach Chriſtlichen jungen Kindern/ die er zu Tauris verſchnitten/ indeme er demſelben tauſend Piaſtres verſprochen hatte. Keiner von dieſen Sechſen ſturbe/ und wurden dem Konig für ſeinen Haram uͤberſchickt. Dieſe boſe That verurſachte aueh eingroſſes Geſchrey in dem gantzen Land/ und nachdem die Kinder geheilet waren/ konte den Wundartzt mit groſſer Muhe von dem Aufſeher die Haͤlfte des Verſprochenen bekommen/ dann die andere Halfte hatte er nemalen empfangen/ und alle Frantzoſen wunſcheten/ daß jhme gar nichts zu Theil worden 74 15 Dias IX. Capit l. Vonder Reziaung in Paſn. Nele Regent in Perſen iſvollkom Eee menes eigen Gewalts/ und hat der Aae Konig über ſeine Unterthanen 0 0 ud. este ne ge bes Hu ute lebe an! 5 f ————'-..—— ——— rꝛ?́₄2EHZ4d a——ᷣ Fuͤnftes Buch. Leben und Tod/ Jug und Macht/ von einigem Rath und anderen Proceß in Europa gewohnlich nicht dependierend. Er kan auf welche Manier jhme beliebt/ auch die Vornemſten des Reichs hinrichten laſſen/ ohne daß der Haubtſtand deßwegen ſich angegriffenbeßnde/ noch daß jemand darüber Rechenſchaft von ihme fordern doͤrffe/ und kan wol nit Warheit geſagt werden/ daß kein Obrigkeit in der elt/ einen ſo vollkommenen Gewalt/ dem Konig in Perſien gleichend/ habe. 5 ann der Konig Kinder Mannlichen Ge1 den Thron geſetzt; und zu mehrer Verſtchebr. zung ſeiner Perſon/ laſſet er ſeine Bruder in dem Earam verwahren/ und die Augen außſtechen. Aber/ da er den geringſten Argwohn/ daß dieſelben ihme nach dem Leben ſtellen/ loſſetter ſie ohne andere Erlaͤuterung und Bericht hinrichten. Er verfahret nicht nur allein dergeſtalten wider ſeine Bruder/ ſondern auch ſeiner Bruͤdern Sohne/ und keine Schwestern. Mir gedenckt/ daß in meint erſtenddeiſen ſolche Strenge nicht geübt wurde/ ſondern genug ware/ jhnen ein gluend 5 Eyſen uber beede Augapffel zu ziehen; und Hhicht wie jetzo beſchicht/ außzureiſſen/ da man ßpolche mit der Spitze eines Dolchen außgraben thut/ gleich wie man mit den grunen Nuſſen zuthun pflegt. Aber ſeit Cha · Seſi in Obacht genommen/ daß er berrogen/ und ſein Befehl/ dieſem ungluckſeligen Furſten ein glüend Eyſen uber die Augen zu ziehen/ ſo ſchlechtlich vollſtreckt worden/ in deme ihnen annoch etwas at dem Geſicht geblieben befahle er/ daß man jhnendie Augen außreiſſenſolte. Als ich Anno 1644. bey zween dieſer Fürſten in demLoſament der Hollandern, die ſie gaſtierten/ mich befande/ und die Fackeln Nachts angezundet wurden/ merckte ich unſchwar/ daß dieſelben noch ein wenig ſehen/ und was ihnen fürkame etlicher maſſen erkennen konten/ welehes andere ſo wol als ich/ auch in acht genommen/ und nachdeme ſolches dem Konig vorgebracht worden/ befahl er/ daß ins künftige denczurſten Wen, besehaktune die Augen ſoltk außgeſtochen wersche den. Cha seß gienge in ſener Srauſaunkeit noch weiter/ und wolte auch ſeines alteſten Sohns Cha- Abas, des Throns rechtmaſſigen Erben nicht ſchonen/ dann er befahle einem ſeiner vornemſten Verſchnittenen/ demſelben ein Eyſen/ der Urſach unbekandt/ uber die Augen zu ziehen/ aber weil der Konig nicht geſagl/daßein glüͤend Eyſen ſeyn ſolte/ ob ztwar ſolches damalen ſein Meynung ware/ zoge jhme der Verſchnittene/ welcher mit dieſem jungen Fürſten Mitleyden hatte/ zwar würcklich ein Eyſen uber die Augen/ das war aber gantz kalt/ und kame hernach zum Konig/ anzeigend/ daß er ſeinen Befehl bollſtreckt hatte. Dieſer junge Fürſt durch en Verſchmittenen underrichet/ ſtellete ſich 8 8 als ein Blinder/ bis daß der Kong auf Feinem Todhelh lage/ und damalen reuete es ſene regie Sohn te Alter erreichet habe. Es ſind eli a das e fe daß er ſeinem alteren Sohn 0 dicht nehmen laſſen/ deme als rechtmaſigen Erben eines Staats/ der Thron geir ſchlechts hat/ und ſtirbt/ ſo wird der alteſte auf 5 253 buͤhrte. Als der Verſchnittene jhne in groſſer Anfechtung ligend/ und bereit den Geiſt gufzugeben ſahe/ verſicherte jhne/ daß er dem Fuͤrſten das Geſicht wiederum zu wegen bringen wolte/ und dem Konig dieſen Troſt vor ſeinem Hinſehied zu geben/ führte er in dieſem Augenblick ſhme den Fürſten vor Augen. Solches verlaͤngerte dem Konig das Leben/ bis auf den folgenden Tag/ und alſo hatte er Zeit allen groſſen des Reichs welche damalen bey jhme ſich befunden/ zubefehlen/ nach ſeinem Abſterben Cha- Abas ſeinem altern Sohn/ als jhrem Konig/ und kechtmaſſigen Nachfolger des Throns/ Gehorſam zu leiſten. N Dieſer elenden blinden Furſten nochmalen zugedencken/ waren derſelben zu meiner Zeit viel zu Iſpahan/ und war mir inſonderheit einer bekandt/ der noch bey Leben/ und mit herꝛlichen Qnalitaten begabt. Derſelbe ob er ſchon gantz blind iſt/ hat nichts deſtoweniger zu ſchoͤnen Dingen ſondere Begierde. Er hat zu Iſpahan ein Hauß erbauen laſſen/ ſo beſehend werth. Wan man jhme etwas ſon⸗ Gate Suan; derbares auß Europa bringer/ nimt er ſol⸗ künden gur, ches in die Hand/ und laſſet ſich von zween ſien. oder drey Verſchnittenen die verſtandig/ und ſtats um jhne ſeynd/ alles wol erklaren. Das Uhrwerck iſt ihme ſonderlich angenehm/ und er fühlets mit den Fingern/ ob eine Uhr recht in jhrem Gehauß ſehe/ oder nicht. Zu wis ſen/ welche Stund es ſede/ laſſet er zwolff Knoͤpfft bey die zwolff Ziffer auf deim Uhrblat ſetzen/ und den Zeiger einer ſeits abſchneiden damit er die Seiten die zeigen ſolle/ wiſſen moͤge/ und nicht jrren konne. Durch Miktel etlicher kleinen Figuren/ ſoderſelbe von weichem Wachs zubereitet/ und auf eine Tafel in Ordnung ſtellet/ verſtehet er die RechenKunſt/ und kan eine genaue Rechnung ſtellen. Ich verwunderte mich vieler anderer Dinge/ durch welche er zu erkennen gibt/ daß er von Nati mit einem treftichen Verſtand begabt; und ich hakte ein groſſes Mitleyden über den erbarinlichen Zuſtand/ in welchem er/ obſchon von Königlichen Geblut Perſten/ ſich befunde. Obwol die Aenter des Königs gewohnlich von dein Vatter auf den Sohn erwachſen/ und gleichſam erblich ſeynd/ hindert ſolches jedoch nicht/ daß der König nach ſeinem Gefallen/ die Verwaltungen der Land⸗ S. ſthafften/ und anderer Wuͤrdẽ ſeinen Goulons, 8 das ſeynd deſſen Leib⸗Eygene/ übergebe/ jnſon⸗ eiten auch derheit wan jhme derſelben Verſtand bekandt/ 1 9 und daß er verhoffet wol bedient zu werden. 5 Der Vatter datt das Ant unde deſſen Geſchlecht verbleibe, erachtet einen Sohn nach und nach anzuführen/ und die Nachfolge in f dem Aut für denſelben zu erlangen. Aber wann der Vatter ſtirbt/ und deſſen Sohn deme die Nachfolge zugeſagt/ voch zu jung/ wird ihme ein verſtaudiger Mann zugeben, an deſen Stell zu regieren/ bis daß derſe o das rerher ſche/ welche durch Verehrungen den jenigen/ die in Guaden ſind/ beſchehen/ damit dieſelben für ſie das Y Wort Abtheilungen des gemeinen Weſens in Peren 254 d Wort führen und be dem Konia durch jhren Crrdit einen Rücken haben; zu Aenitern 8 ĩͤ 5 N Das gemeine Weſen in Perſien/ kan gleich wie faſt alle Stand Europe/ in drey Theil oder Grad underſchieden werden. Der erſte it der Wehr tand/ in dem Adel/ und Koniglichen Hauß den Kans oder LandſchaftsVerwaltern und dem Kriegs⸗ Volck beſtehend. Der andere/ der Lehrſtand/ in dem Geſatz und Gerichtsleuten. Und der dritte/ wie in unſeren Landen der Naͤhrſtand in KaufHandwerck⸗ und Ackersleuten leſtehend. Von dieſen dreyen Standen/ will ich in dreyen underſchiedlichen Capiteln abſonderlich Meldung thun/ um confuſion zu vermeiden/ und den Leſer allegemach zu Exkandtnuß des Regiments dieſes Königreichs zu leiten. Er wird mehr Höflichkeit und Klugheit als in Tuͤrckey finden; und das iſt auch under allen Velckern Aſien/ an den Perſtanern loͤblich/ daß ſie die gute Ordnung und Gerechtigkeit lieben/ und die Frembden in allen Dingen begunſtigen/ jnſonderheit die jenigen/ welche auß Europa kommen/ und die Frantzoſen mehr als all andere. Das X. Catel. Von der erſten Ordnung oder Stande Die farnemſten Bediente und Staats Diener in Per„„ gleichſam Perſien/ in dem Koͤniglichen Haußden Lans oder Landſehafts⸗Verwaltern/ und dem Kriegs⸗Volck beſte0 iſt Athemat⸗ doulet, das iſt eine Stuße des Reichthums/ genennt. Und wie der Groß⸗Vezier in Turckey; und kan unſeren alten Königlichen Richtern verglichen werden. Wie alle Geſchafte des S er dobriſt. Beamte des Königreiche/ Roͤhigreichs/ durch ſeine Verwaltung gehen müſſen/ muß derſelbe vielmehr einer von der Feder/ als ſein Soldat ſeyn; und hierinn iſt ſein Stelle des Groß⸗Veziers Ait/ welcher das Haubt des Kriegs⸗Heers ſeyn ſolle; und um des geringſten Faͤhlers willen/ oder eines Verdruß des Turckiſchen Keyſers/ auf der ſtet Stranguliert wird/ ungleich. Dann in Perſien/ da die Regierung gelinder/ ſterben die Obriſten Miniſter gewohnlichen in ihrem Amt; oder dafern ſie abgeſetzt/ werda ſie abgeſondert leben. und erſtlich das Anit des Athematdoulets. den dieſelben in eine Stabt verwieſen/ all5 n. Davon ich ein bir Adige Exempel in der Ungnad wier Alahanter-Beg vorgeſtellet habe. dieſes Oorißſen Amts wol zu bedencken/ und vorzeſchen weil“ nachdem der Arbemardonler in dem Naht etwas beſchloſſen/ die Verſchnixene ſo der Konigs geheilne Freund/ Und die Sultan ſo die wercheſten gehalten ſcynd/ oftmals zu Nacht umſtoſſen/ was dieſer Obriſte⸗Beamte ben Tag geſchloſſen; und Neisbeſchreibung in Perſienlein die Aemter des Zeit der Minderjährigkeit der Koͤnigen und bis daß ſie ein Alter erreichet die Geſchafte in In dem übrigen iſt ſich in Verwaltung jnſonderheit wann der Konig noch jung von Jahren/ und den Luſten ſich ergibt/ der Geſchaͤft nicht achtend. ö Von den Kriegs⸗Haäubtern will Meldung thun/ wann ich zu Beſchreibung der Macht Perſten ſchreiten werde/ und will allhier alKöniglichen Hofs nacheinander nehmen. VV das iſt/ der Se⸗ dead. Und 5 W Der Nazer oder Nazar ö hende/ har die Ober⸗Aufſicht all des Königs Güter/ Studterey/ Haußrath/ Kleyder und Geſchirꝛ/ und iſt deſſen Anm ohngefahnrtr 95 des Ober⸗Hofmarſchalls in Francek! Der Mehter der jederzeit ein weiſſer Ver⸗ z. des 1 ſchnittener/ iſt des Koͤnigs Ober⸗KammerDiener/ und folget ſtaͤts dem Konig mit einer Taſche auf der Seiten; darinn Naßtůcher um dem Konig zu geben/ wann er begehrt. Darum iſt er verbunden/ faſt beſtandig bey dem Konig zu ſeyn/ und weil er demnach in ſeines Heren Gnade/ falt jhme leicht dem jenigen/ welchem er gewogen zu dienen/ und anuf deren deren Freund er nicht iſt/ zu ſchaden. Zu i de Obacht zunehmen/ haben dieſer Mehters etliche bey nahe das gantze Konigreich regiert. Der Bau-akhor-Eachi oder Ober⸗ Stall- dn meiſter/ hat die Aufſicht über des Konigs or bee 1 88 Stalle/ welche gleich wie die Pforte Al- N capi, davon anderswo Meldung gethan/ 8 Orte der Zuflucht ſeynd; und wer um Mord oder Banquerotierens halben darein fliehet/ iſt in Sicherheit. Alle Pferdt in desKonigs Manckſtall ſeynd mit einem heiſſen Eyſen auf dem lincken Schenckel gezeichnet/ und die Pferdte anderer Leuten auf dem rechten. Die welche der Konig den Reutern in ſeinem Heer dienend/ geben laſſet/ haben gleiches Zeichen; und dieſe Pferd dorffen nicht verkauft werden; ſondern liſt allein erlaubt ſole e zu ver tauſchen. Wann es ſich zutragt/ daß dieſer Pferdte eines under Händen des Reuters ſtirbt/ muß derſelbe an dem Ort/ da des Konigs Gemerck iſt/ die Haut abziehen/ und den under Officierern des Feldheren zu Pferdt liefern/ um ein anders zu haben/ im widrigen eines quß einem Beutel erkauffen. Dieſe Leute die Haut in das Waſſer tauchend; erkennen/ nicht wiſſend auß welcher Erfahrenheit/ ob das Pferd von Kranckheit oder von Alter geſtorben/ oder ob ſolches au * Boßheit getodet worden. Dann in Perſien ſo wol als anderswo Reuter die Verichwender/ und andere Sparſam ſeynd/ welche wan kein Krieg/ oder wann ſie in Quartier/ lieber ohne Pferd ſeynd/ und oft deſſelben ſich zuentledigen/ ein Kunſiſtucklein davon die Pferde ſterben gebrauchen um des Koſtens nic, hoben zu ſeyn/ und allein ihr Perſon zu erhalten. Dann zu mercken iſt/ daß der Konig 15 Perſlen ſo wol in Friedens⸗ als Kriegs fen vierzig tausend Pferd underhalt/ fü lich in Breitſchaft zu ſtehen/ daß jedein Real, ker bewußt/ wo er ſeinen Sold zn empfah Reute Fauͤnſſtes Buch. id daß bey fünffund zwanzig Jahren/ nemlich ſeit Eroberung Candahar, daß die Perſiaher mit hren Nachbauren keinen Krieg haben. Inwährender ſolcher langen Friedens⸗ Zeit/ befinden ſich/ wie droben gemeldt Neuter/ welche um eine Zeitlang des Koſtens ein ferd zu underhalten/ das ihre hinrichten. woe au: Aber wann man wieder auffitzen ſolf/ um in a, 6 bringen/ und erkandt wird/ daß der Reuter ein Pferd vorſetzlich getodet/ gibt man jhme 0 kein anders/ ſondern er muß eines auß ſeinem er, auch ihre Sabel/ die Muſqucten/ die Bogen und Kocher/ und bey allen Muſterungen i 1990 5 ſie alles dieſes den Commiſſarien zeiAls Cha. Abas der andere dieſes Namens un October rey. zu Oasbin ware/ hielt er wle eine Haubt⸗Muſterung der Reuerey/ ſo zefal hen oder zwolff Tag währete. Der König e Under dem Porkal eines ſeiner Gärten ſitzend/ und die vornemſten Kriegs⸗Officierer vor jhme ſtehend/ ſehe/ taͤgluh eine gewiſſe Zahl Compagnie/ die ſehr wol außgebutzt und berite ten/ vorbey marſthieren/ nur ein Reuter ritte Bel zumal lauffend/ und ein wenig oberhalb dem Ort da der Konig ſaſſe/ anfangend. Wann der Reuter gerad gegen dem Konig ſich befande/ ſchoſſe derſelbe nit einem Pfeil gegen einer Scheiben von Waſen/ zur Lincken aufvung beſchehen/ vermehrete der Konig den old der jemgen Reuter/ welche nach Urtheil der Richtern wol getroffen hatIch ware damals zu Casbin„und erindre mich eines Reuters/ welcher als er bey dem Konig vorüber gienge/ den anderen zu em Pfeil nicht ſchieſſend/ ſondern die Hand 5 die Bruſt und hernach auf die Stirn i tend/ welches der gewohnliche Gruß 8 ſo man vor dem Konig abzulegen pflegt. 155 Reuter ware ſehr häßlichen Angehes in deme ſolches fach und braunlieht/ und iel, Konig war über dieſer ſeiner That! 801 ſchlechten Geſtalt beſtürst ſagte im auß daß man dieſen garſtigen, Schwartzen lebender ſolte/ des Konig Befehl warde Pf ld vollſtreckt/ man nahme ihme ſein 50 und Waffen/ und war an beine/ daß dal duch geprügelt wurde/ wann der Gene uber gewuncken hatte denſelbigen nicht g n en Dieſer General gabe dem Kö0 beg b. verſtehen/ daß dieſer Reuter einer von eſten Soldaten des Heers ware; und — —————— I N— 101 K er ſolches in den Belagerungen Erivan 5 daß N genugſam erwieſen hatte/ die deſſen Vatter einer der zeigen a. driten mal die Belagerung Bag* id, iert der erſten Muſterung zuerſcheinen/ und den Erfahrnen des verſtorbenen Pferds⸗Haut zu Gelt kauffen; dafern er nicht will beurlaubet eyn nicht allein ſeynd der Reuter Pferd; mit des Königs Gemerck bezeichnet/ ſondern gerichtet/ und nachdem die gantze Muſtewider nur im Schritt ſeines Pferds ritte/ mit der dußgehalken. Auf des Generel beſche hene Bitte befahle der Konig dem Reukerr das Pferd und die affen wiederum zuzu ſtellen/ und daß er jhme wie anbere mit ſeinem Pferd den Pfeil ſchieſſend vorbey lauffen ſolte“ Wie er vor der Scheibe war/ da er den Schuß thun ſolte/ an ſtatt zu thun gleichſeinen Geſellen/ und wie deb Konig befohlenz leitete der ſelbe ſein Pferd zur Rechten und Lincken/ auf alle Seiten ohne einiges Wort ſprechen! Der General beförehtend der Koͤmg mochte ſich erzürnen rufſte jhme zu ſchieſſen/ der Neuer aber antwortere alsbald: Her: wohin wilt du/ daß ich ſchieſſen ſolle? An den jenigen D dahin andere geſchoſſen haben g Kopf ſchüttlend und zu lachen gntend⸗ 5 gesch 0 ſagte; Ich babe keinen Luſt meine ach Pfeile gegen der Erden zu verderben; in dunſern und weiß mich deren allein wol gegen N dem Leib oder Kopf meines Koͤnigs Feinde zu bedienen. Alsdann haͤtte ich ehe drey Sehüß gethan/ als einiger anderer gedacht huͤtte einen zu thun. Zugleich zoge er zween Pfeil auß ſeine m Kocher/ nohme den einen zwiſchen die Zähne; khate den anderen auf ſeinen Bogen/ und ſein Pferd friſch anhauend/ gienge nit Fleiß der Scheibe vorbey) um liach Weſſe ber Parkher zurück zu ſchieſſen/ ünd traſße in mitte des Weiſſen. In dieſem Augenblick mendekeser um und nochmal wie zubor der Scheiben vorbey gehend/ ſchoſſe er mit dem anderen Pfeil in eben das Loch darauß der erſte Pfeil gezogen worden. Der Feldherz damalen zu dem Konig ſich nahend; ſagte zu ſh me/ daß guf jeniges“ was er ſetzo geſehen und gehort/ genugſam zu urtheilen gabe daß wie zuvor geſagt/ dieſer Retter einer der dapfferſten und hurtigſten des Reichs ſeye; welches Iht Majeſtat bekandte/ und als der Reuter kommen/ dem König die Jus; ſezukülſſen; verordnete derſelbe ſhime ann ſtatt drey ſo er zuvor empfienge/ funffzehen Toman. füt feinen Solde ee enen „Der lit ehikar-Bachi oder Grof Lee. Jägermeister/ der zugleich das Ant des Groß⸗Falckners Verwaltet und har under ſich über kauſend Begune und eine groſſe Amzahl Vogel/ davon ſch anderſtwo/ da die Jagt der Perſiaßter beſchrieben/ weiklaufftger Meſdiung ge Han hadre von dem Ober⸗Jagermfeiſter/ ind hat die Aufficht/ der Hunde/ Lopen/ Kopaͤrden und anderer Thier/ deren man iin Jagen Der Kindar-Bachi iſt der jenge/ deme die a wen. Verwaltung des Koͤnigs Sättel und Geng 5 1 28 Dienten in „Der Zenkon-Courlchiſi, iſt der Obriſte Coutlebif. deren/ die dem Konig den Bügel halten/ wann L. Tenkoner zu Pferd ſteig Der Keleg higs Sabel. Der Oriaje-Courle Der Lahanuien iſt gleich wie der Obriſtt. biß, den Bogen und Staats⸗Seeretarius/ und dieſes Amt wegen ſeiner Wichtigkeit wird ſelten anderen/ als denen/ welche in ſonder baren Gnaden ſeynd/ anvertraut. Dieſer iſts/ der vor dem Koͤnig alle Bitt⸗ und andere Schriften ſo jhme preſentiert 8 able. N f 5 Der KaznadaxAhne, gemüngte Gelt“ ſo in des licher aue ſich befindet; welches wir den Ober⸗Seckelchen Bes oder Nentmeiſter nennen. Von dieſem Gelt Perſten. een wird/ iſt anderſtwwo Meldung beſcheDeter Ichik-Agaſt- Bach/ iſt tie der OberHoffmarſchall; viel andere Beamte under Der Mehmender-Bachi, hat die Verwaltung die Ambaſſadoren und Abgeſandten 8 8 Hakim- Bachi, iſt des Königs LeibMedicus/ und alle andere des Reichs werden allein auf deſſelben gutheiſſen angenommen. Der Munedgim-Bachi iſt das Haubt der Sternſeher: dann der Perſianiſche Hof hat ein ſtarcken Glauben an dieſe deut/ und verhalt ſich ſehr nach deren Bericht Der Divan-Begui, iſt der Obriſte Vorgeſetze/ oder Aufſeher des Gerichts/ ſo wol in Burgerlichen als Criminal Sachen/ und halt ſein Gerichts⸗ Kammer in dem Ali-capi, oder dem Königlichen Hauß; ſintemalen Ihr Majeſtat der Geſchaͤften ſich anmaſſend dem Gericht oft beywohnen. Vor dieſemGerichtsBeamten ſo von hoher Wurde iſt/ werden alle Malefiz⸗Sachen des Korigreichs anhangig gemacht. Er iſt der ſenige/ welcher den Kans und anderen Vornehmen in Perſien den Proces machen thut. e Dasdnt, Der Derosseiſ obngefchr ui des Derogz, richter in Fr 6 keaͤn an Drwan-Begu i als dem Haubt des Gerichts appellierk werden/ derſelbe hat die . und Schlaͤgereyen Aufficht wider die Raub⸗ l b und Mordthaten, ſpricht darüber die Uirtheil/ es iſt glich ſeines Ants/ zuverhinderen daß keine offentliche Haͤuſer zu der Unzucht gehalten werden. Wann er jemand alda erwiſcht/ hat er Macht denselben mit Pruͤgeln oder eier Straff zu züͤchtigen; aber öfters ſpahrt er die Streich; und findet beſſer ſein Rechnung ſie an dem Beutel zu ſtraffen. er 8. er Solragi⸗ Bachi iſt der/ welcher das Sora oder Miahlzeit⸗Teppich dem König vorlegt/ und dieſer Teppich/ iſt wie anderſtwo geneldet/ ein gulden oder ein geblumtes Seiden ⸗Stuck/ ſo auf den Teppich der auf dem Boden it/ dargelegt wird. Neisbeſchreibung in Perſien/ „„ Vvornemlich für den Konig der ſelten anderen e- Courlchiſi tragt des KoBachi, verwahret alles elt/ ſo in des Königs Kiſten und der Manier wie ſolches in die Säcke und ander diſtillierten Waſſern/ ſo die PerſiaFranckreich/ von ſeinem Urtheil Der OChirakgi Bachi iſt Aufſeher über, cus, den Wein; und weil der Wein von Schiras bach adden trinckt/ iſt keinem anderen zu Schiras erlaubt chte Wein zu machen/ ehe und bevor der Hof ſeinen Vorrath habe/ oder der Cbirakgi-Bachi ſolcher geſtatte; und ſeynd auſſer den Fran? 19 und Juden wenig die deſſen zu machen Mie Der Nleche L. Bachl ß das Habt der dees Facklenträger/ und derſelbe verſchaffet alle 1 Kerzen für den Hof die von Wachs ſeynd. Es haͤnget zwar in etlichen Saͤlen ein groſſer Leuchter unden breit und oben einem Kelch gleich/ in welchem Unſchlit ſamt zween Tacht gethan werden/ wann die angezundet/ das Unſchlit allgemach ſchmeltzen ma chen/ und dieſe Leuchter ſeynd von Gold. Dieſer NaecheakBachi bekomt alle Straffen ſo die jenigen/ welche mit Wuͤrffeln oder Karten ſpilen/ geben miüͤſſen/ weil das Mahometiſche Geſatz allerley Gluͤcks⸗Spiel verbieten thut. Dieſer Beamte hat viel Leut under ſich/ die an de jenigen Ort gehen/ da ſie erfahren wo die Spi lerſich farmen und er iſt befügr mit Gewalt in die Hauſer die jhme verdachtig/ und deren Eygener wenig geachtet/ einzubrechen; dann was der reichen und groſſen Herren Hauſer anbetreffen thut/ darff er ſich in denſelben nicht ſehen laſſen; weil er in Gefahr ware Stoſſe zubekoemen. ie Der Kahüergi-Bachi, hat die 0 320 des ſo genannten Kahus, Roſen⸗Waſſers/ 4 ner zutrincken pflegen/ als Bilmiche von braunen Weidenbaums⸗Knopffen bereitet; das Roſen⸗Waſſer iſt lieblich zutrincken/ dieweilen ſolches nicht trocken wie bey uns beſchicht/ diſtilliert wird.„„ Der Kataſetache, iſt des Konig Wund? Artzt oder Barbierer der demſelben zu Aderlaſſet/ und das Haubt beſchirt/ und darff er keinem andern lein Stell zuvertretten übergeben. Was die Artzte/ davon droben Meldung beſchehen/ anbelangen thut/ ſeynd deren vierzehen oder fünfzehen beſtellet/ die den Konig Jahrlich über 2800. Tomans koſten.. Der Capigi- Bachi iſt der Ober⸗Pfortnet/ cops der under ſich viel andere Beamte hat/ und en. der/ welcher jetzo dieſe Stelle bedienet/ ſo der groſſe Cha-Abas erblich erklart; iſt auß dem Geſchlecht der Georgier/ wie ich ſolches in meiner Beſchreibung deß Groß⸗Türcken Pallaſt vermeldet habe. Zuwiſſen iſt/ daß der Konig vier oder fünff hundert junge Leibeigene erhalt/ die er leſen und ſchreiben lehrnen laß ſer/ und nachdeme ſie im Alter zunehmen/ und geſchickt ſind/ werden dieſelben zu underſchiedlichen Verrichtungen verordnet. d Der duelikulrugagear, iſt der welcher die zue Verwaltung des Zeugs zur Kleydung für des Königs Hauß hat und ſolche den Schneidern übergibt, derſelbe ſtellet die Abſchnißlen und als ten Kleyder auf die Rechnung/ es gehet nicht e ſtücklein verlohren/ und ſolche muͤſſen biene 5 zkults . . die Soldaten zukleyden/ ſo ihnen hernach 5 n jhrem Sold abgezogen wird. Der Selaudlar- Bachi, iſt das Haubt der Trabanten/ davon anderſiwo weitlauffige Meldung beſehehen. 3 Der NMir⸗- abe, das iſt/ ein Fuͤrſt des Waſſers⸗ iſt der Ober⸗Aufſeher der Waſſern/ deal h 6 welches fur den Nutzen das beſte Amt des Koͤnigreichs. Derſelbe koͤnte nicht wol wie in Frankreich Oberſter⸗Forſtmeiſter genennt werden/ weil des Holtzes ſehr wenig in Per0 8 fe done das ſien; und ich habe auf allen meinen Reiſen dieſes Hands keines als bey dem Capiſchen Meer geſehen. Wie Perſien nichts ehne Waſſer welches auß den Fluͤſſen und geſchmoltzenem Schnee durch Canal auf die Felder und Aeker geleitet wird/ herfür bringt; verkauft der Mir abe ſolches ſehr theur und rantzioniert die Bauren treſſich/ welche derowegen nachdem ſie angeſcaet/ lieber einen Theil ihrer Ernd Augeben/ als ſehen/ daß alles auß mangel Das Karkrone, iſt das Hauß der Kohiglichen Manufactuxen/ in deme ſchoͤne Teppich von Gold/ Silber/ Seiden/ und Wollen/ Gold und Silber/ Brocatel/ Sanmnet le dern Fräntzoſen auch in Schmeltzwerck ſchmid/ die allein ſilbere Ring machen; obSilber eingefaßt zu werden. und Taffet/ von mancherley Gattung gemacht werden. Es befinden ſich daſelbſten Arbeiker die Pantzer/ Sabel/ Bogen/ Pfeil/ und andere Waffen machen. Wie auch Mahler von zarter Arbeit/ Steinſchneider/ und Goldſchon ſie es auch von Gold thun konten; weigen die Perſigner/ wann ſie Gold bey ſich haben/ hr Gebatt nicht verrichten doͤrffen/ tragen dieſelben niemalen guldene Ring/ dann Ihnen allzu ſchwarlich fallen wurde/ ſolche kaglich oft von ſich zu legen/ und wieder anzuſtoſſen. Wie in unſerem Land die Steine ſo wir an den Fingern tragen/ in Gold allein Lingefaſſet werden; wann ich dem Konig eidigen Stein in einem Ring verkauft! hat er enfelben alsbalden zerbrechen laſſen/ um in Von Gold ſchmiden die groſſe Arbeit machen/ ſeynd keine in Perſien/ ntemalen al170 old und Silber Geschirr von den Kl 1 0 chmiden gearbeitet/ und hernach auf dem 5 dene, Pan zubereitet wird; aher ſie 8 0 die Wiſſenſchaft noch nicht in Eyeren zu drähen/ noch das Silber glat und 195 zuſchmiden/ welches Urſach/ daß ſie 50 Schüſſeln noch Becken in Eyer⸗FJorm/ Arbez er Konig underhalt dißmalen zween Kosce ted die Steine einzufaſſen, beyde Franua/ der eine Sain, und der an 5 Jena gebohren Etoile genennt. Dieſelſtannelewerck Auzehrey, welches die Per525 Fennech füche thun koͤnnen/ und Chabellen alle Raritaren unſers Europa e hatte wol gewünſcht/ daß dieſe 8 10 5 800 konnen/ aber ſie perſtehens nicht. Fanſtes Blich. derk zu Jhaben die Wiſſenſchaft ihr Arbeit mit 257 Der Konig hat in ſeinem Dienſt einen Frantzoſiſchen Uhrenmacher/ mit Namen Varin von Lion, und einen Büchſenſchmied Bernhard genant/ von dem ich Meldung zu thun oft Anlas gehabt. Auch einen anderen Uhrenmacher Namens Dedier Lagis von Geuff; aber derſelbe/ nachdem er jhme viel Jahr gedienet/ und viel Gutthaten empfangen/ hat ſeinen Abſchied erlangt/ wiederum nach ſeinem Vatterland zu kehren; dann der Konig keinen Fremden wider ſeinen Willen guf halte Der Nakkache- Bachi iſt das Haubt der Die VerMahler/ und dieſe machen allein zarte Arbeit dab des von Farben mit einem Firniß vondMaſtiß⸗Kor⸗ de nern in einem Oel geweichet/ zubereitet/ dieſes Oel iſt ſonder barer Art/ und würdig ſolches zu beſchreiben. Im Niedergang des Caſpiſchen Meers/ oberhalb Chamalei, iſt ein Fels ſo auf das Geſtad herfuͤr gehet/ auß welchem das Oel/ davon obbemeldter Firniß zugeruͤſtet wird/ flieſſen thut/ und im heraußkommen klar gleich einem Brunnen⸗Waſſer/ ſo gar/ daß auch Leute damit betrogen worden/ die vermeint haben deſſen zu trineken. Das Oel wird nachmals allgemach dicht/ und nach neun oder zehen Tagen fett/ wie das Baumol/ jedoch ſtäts weiß bleibend. Ich war begierig davon zwo Flaſchen nach Paris zu bringen/ und bereitete damit neben Heren Prior de Souvrés zu einer Prob ein Firniß/ welcher aber niemalen recht trocknen wollen; wir urtheilten/ daß die Urfach/ weil die Sonne/ da dieſer Firniß trocken werden ſolſe viel weniger Krafſte in Franckreich als in Perſien habe. Es iſt kein bewehrter Mittel wider die Kemorboides, als dieſes Oel. Wann ſolche außwendig/ muß Baumwollen darein genetzet/ und uber den Gebrechen gelegt/ ſinds aber inwendig/ in den After geſtoſſen werden. Es ſind drey oder vier andere Felſen ſehr hoch/ zimlich nahend dem obgemeldten/ darauß auch dieſes Oels flieſſen thut/ ſo aber dichter und ſchwartzlich iſt. Die Seite des Felſens/ auß deme das weiſſe Hel ffleſſet/ ſiehet gegen Nidergang/ und die Seiten ber anderen davon das ſchwartzlichte Oel komt/ ſeynd im Aufgang. Von dieſem letſtgemeldten Oel wird in viel Landſchafften Merſien verführet/ alda das gemeine Bolek nichts anders brennet/ und der Konig der dier ſe Oel verpachten thut/ hat davon ein groſſes Der Tegeach-Bachi iſt das Haubt der 5 Schreiner. Und der jetztmalen Namens a- 1 798 955 cab an, ein Armenier von ulpha, welcher der groſte Künstlerin Perſſen. Er iſt ein Urheber vieler ſchoͤnen Erfindungen/ und ineiner Reiſe die derſelbe in Europa gethan/ hat er ſich die a Buchdrucker⸗Kunſt alſo wol eingebildet/ daß er eine Druckerey zu Ipahan hernach in das Werck gerichtet/ und ſelbſten die Form und Model /oder was darzu gehöret/ zubereitet. Weil dieſe Stelle eines Haubts der Schreiner/ von keinen andern als Mahomtanern bedient werden ſeſſe/ hat der Konig oft bey dieſem Armenier angehalten/ den Chriſtlichen FCC Glau77 Glauben zu verlaugnen/ aber er hat ſich jederzeit ſtandſtaßßt widerſetzet/ und demnach wird derſelse an dieſem Amt allein wegen der Fuͤrtrefſi keit ſeines Geiſts/ und durch den Schutz Der Embar⸗ Der Embardar- Bachi hat die Aufſicht uar Bach. her des Kön gs Kornhaͤuſer/ und anderen Vorraht oder Proviant/ der auch viel Beamten under ſeinein Befehl. donde. Der Odopdar-Bachi iſt der Brennholtzc. Verwalter/ und hat die Sorge in behoͤrender Zeit die Holtzlagen zu füllen. 5 DäkKer mehrer Theil dieſer Beamten haben jhr Nahrung auß des Konigs Küchen/ und wird einem jeden Fleiſch/ Butter/ Reiß/ Gewürtz/ und anders zum Pilau dienend/ verTuchemal- Der Tuchemal Bachi iſt der Ober⸗AufMehl. ſeher des Königs Küchen. Demſelben ligt ob zu befehlen/ was man dem Koͤnig auftragen ſolle/ und wann man abtraͤgt/ nimt dieſer Beamte das beſte Gericht/ ſteckt darein ſein Meſſer/ und laſſets/ als jhme vermoͤg ſeines Amts gebührend/ in ſein Hauß tragen. Nun folgen die Kriegs⸗ Beamten/ deren ich allein die vornehmſten beſchreiben wil. Sepeh ssl. Sepeh Salar iſt der Oberſte Feldherꝛ der Armeen des Königs in Perſien/ und wird dieſes Amt auſſer Kriegszeiren ſelten beſtellt/ auch ſo bald der Krieg geendiget/ har zugleich das Amt ein Ende. Er hat ſeinen Platz in dem Raht unmittelbar unden an Athemat⸗doulet. Gleich wie dreyerley Gattung KriegsVoͤleker in Perſien/ welche gleichſam drey Heer Machen/ alſo hat auch ein jedes Theil ſeinen Feldoberſten. Und dieſe drey Theil ſeynd die Corchis, bie Goufams und die Tufenkgis. Der Urſprüg Die Corſchis kommen her auß einem alder corſchis. ten fremden Geſchlecht/ ſo jederzeit wegen der Tapferkeit berühmt geweſen. Dieſe Bolcker lagern under Zelten/ gleich wie die Turcomannen/ und ſchicken beyzeiten jhre Jugend zu dem Konig/ mit aller Nohtwendigkeit außſtaffiert/ und underhalten dieſelbe bis ſie dem Konig bekandt worden. Seynd alles Leut zu Pferd/ werden wol bezahlt und underhalten/ und gelangen oft zu den vornehmſten Aemtern des Königreichs. Werden gemeinlich Kelelbachs, das iſt/ rohte Kopfe genant/ dieweilen ſie vor die ſem rohte Kappen getragen. Man halt dafur der Konig under halte bis 22000. dieſer Cortchis, alle gute Soldaten/ die im Schlagen mit Verwunderung tapfer ſich erzeigen. Cha- Abas der I. verſuchte ſein moͤglichſtes dieſes Kriegsvolck auß dem Weg zu raumen/ und auf deren Vertilgung die Goulams zu erheben. Sein Haß wider dieſe Corſchis beunde allein auf dem Eifer und Forcht ſo er beommen/ weilen dieſes Volck zu machtig jhne bedunckte/ und er pfegte ſeinen geheimen Freunden zu ſagen/ daß allein die Corlchis baſtand waren dem Königlichen Gewalt ſich zu wideretzen. Derdwegen er nach allen Mitteln trachtete/ dieſelben zu underdrucken/ und nahme jhnen einen Theil ſhrer Freyheiten/ um ſolche den Goulams genieſſen zu laſſen; aber es bliebe Neisbeſchreibung in Perſten/ dabey/ und konte er ſeinen Swelk nicht erreichen. Dieſe Kriegsvolcker/ und die andern haben jhre ſonderbaren Officierer. Der Feldherꝛ der Corſchis Corſchi-Bachi genen/ ſolle auß hrem Mittel ſeyn/ und iſt der Konig nicht 165 V einen andern an dieſe Stelle zu ordnen. Der Mimbachi commandiert 100. Mann. Der Luz-Bachi 100. und der Ombachi 40. Der Corſchi-Bacha nan 171 hat 150. der Mimbachi 20. der Vuz- Bachi re 1 5 30. und der Ombachi 15. Tomans jahrlichen Butt Sold/ und jeder Reuter von 9. 10, bis in ij. Tomans. Über dieſes hielt der Konig jederzeit nach Verftieſſung dreyer Jahren eine General⸗Muſterung/ und gibt alsdann den Corund eines jeden Dienſt erkennet. Konig beſchloſſen einen Herren hinrichten zu laſſen/ übergibt er gewohnlich einem Corſehi die Vollſtreckun g Der Sculer-Agaſi iſt Feldherr der Goulams, das iſt/ der Leibeigenen; dann würcklich ſeynds Leibeigene/ oder Sohne der Leibeigenen ſchis einen Drittel mehr als jhr gewohnlicher Sold/ jedoch einem mehr/ dem andern weniger/ je nachdem der Konig Gnad erzeigen wil/ Wann der allerley Nationen/ von denen der Konig ſehr wol bedient. Der mehrere Theil iſt von abgefallenen Georgianern/ und deren ohngefahr 18000. ander Zahl/ alle auch zu Pferd/ haben von F. bis 8. Tomans Sold. Die Courſckis ſeynd ſehr ſparſam; aber ſo bald die Goulams jhre Bezahlung empfangen/ machen ſie ſich luſtig und gut Geſchirz/ im gegentheil wann die andern einen Piaſtre übrig/ kauffen ſie ein Schaaf; dann weil dieſelben ſich allein under Selten aufhalten/ beſtehet all jhr Vermoͤgen in Vieh. Der mehrere Theil des Perſiſchen Hofs/ iſt auß dieſen zwey Volckern/ und ſeynd under den Courlchis und Goulams viel vornehme Herren/ die zu den oberſten Aemtern gelangen. Die Goulams haben dieſes jnſonder1000 bench heit/ daß die Emporungen ungemein under jh⸗ meren nen/ dann weilen dieſelben alle Leibeigene/ und underſchiedlicher Nationen/ haben ſie unbig dereinandern kein Anhang noch Verwandſchufft; und wann der Kong jemand derſelben ſtraffen wil/ bedient er ſich des Oberſten auß ihnen/ um ſeinen Befehl außzurichten. Auf geringſtes wincken des Königs/ gehet er ſeinem Geſellen das Haubt abzuſchlagen/ und des einen Ungnade iſt des andern Beforderung. Die Goulams haben für all jhr Gewehr nur den Pantzer und einen Helm auf dem Haubt/ und Sabel/ ſarnt Bogen und Pfeil/ erliche zwar andere noch Arm⸗Waffen und Aexte. Dieſe Reuter verſchantzen ſieh nicht zu Feld/ wie in Europa beſchicht/ und haben auch kein Felbmarſchalck/ die für jeden den Platz ordnen. Nachdem die Vornehmſten an den beſten Orten hr Quartier bezogen/ richten die anderen jhre Zelten auf wo ſie konnen/ und trachten ſo viel mmer moglich/ jhres Oberſten Zelre ſi zu nähern. 5 Der Tufenkgiler-Agaſi iſt Feldherꝛ der von 15 0 ie 10 Tafenlggis, ſo das dritte Heer. Dieſe Sol, ane daten ſeynd neu angeſtellt/ beſtehend 1 hann. * D 10 An, Je von dem Pzug genommen werden/ well ſe Mühe und Arbeit beſſer außſtehen konnen. Dieſelben ſeynd zu Fuß/ und haben allein den Sabel und Muſqukten; aber wann ſie marſchieren/ nehmen ſie under drey oder vieren ein Sferd oder Maulthier/ um ihr Bagage und Proviant zu tragen. Ihr Sold iſt 4. in y. Tomans jahrlich/ und ihre Officierer haben diuehr oder weniger nachdem ſie eine Stelle bedienen. Dieſe Neuling werden nicht hoch geachtet/ die alten Voͤlcker ſpotten derſelben/ Als armer elender Bauren die vor dem Feind hicht erſcheinen doͤrffen. Nechts deſtoweniger kan das Perſianiſch Fußvolck ſehr gute Dienſt Leiten; aber obſchon die Zahl 40 bis in yo doo. ſtcch erſtreckt/ bedient der Konig ſich deren nicht es erfordere dann Pe die auſſerſte Noht. Wann derſelbe in Perſohn marſchiert/ lafßet challein 8. oder 10000. welche auß einer Landſchafft nach ſeinem Gefallen kommen muſſen/ aufmahnen/ diefelben ſeynd in dem Heer nutz lich/ inde me ſie als Marquedenter und Koͤche dienen. Dieſes Fußvolck nun wird auß den Hirten die under Zelten wohnen/ genommen 5. min Sommerszeit begeben ſie ſich in die kalten Lande/ um in wahrender Hitze daſelbſt zu bleiben/ und gegen dem Winter gehen ſie wieder in die warme Lander. Jedem Geſchlecht oder Stamm iſt bewuſt/ wie viel man ſolches underhalten ſolle/ und iſt kein Fußknecht der nicht ſeyn neues Kleid in der Truhen habe/ daneben ſein Muſquete/ Sabel und Dolchen wol gebußtzet und geruſt. Obſchon alle dieſe Soldaken nur grobe Bauren und ſchlecht aufer zogen/ ndert jedoch ſolches keines wegs/ daß ſie nicht wol abgerichtet/ die Waffen im Fall der Noht gebrauchen dann allezeir nach Berfleſfung Z.oder 3. Monat/ haͤlt jeder Landſchafts⸗Verwa ter Muſterung aller Soldaten die under ſeiber Regierung ſeynd/ und Übung der Waffen e 555 denselben in ſeiner egenwart. Sie müſſen gehen und gehen nachemandern ihme vorkey de genes ſeynd ſo viel halbe Piquen in die Er9 und auf jeder deren Spitze einen e darut jeder Soldat vor ſeiner Piquen f. dena dem Apfel der darauf ſteckt/ ſchiee de a Das Ziel iſt ohngefähr von 100. Schrilt chien die jenigen/ welche den Apfel herab walten bekomen von dem Landſchaffts⸗BerAntenne Verehrung. Wann ber„ng n Theil des Fußvolcks begehrt/ ſt einem jeö den bewuſt under welchem Verwalter er ſich ſolle/ ſie ſeynd all wol außgerüſt und einfinden angestellt worden. Dieſer Beamte hat under ſich 2000. Mann/ und verordnet deren glle Nacht eine Anzahl um den Pallaſt. Wann der Konig in dem Naht/ ſtehet derſelbe ſtats mit einem Stab in der Hand/ und wirfft ſich zur Erde/ wann der Konig jhme wincket/ ſich zu nahen/ um einen Befehl auß ſeinem Munde zu empfangen; ſo er mit unglaublicher Behendigkeir thut/ und Ihro Majeſtet Befehl mit groſſem Fleiß verrichtet. Der Topigl. Bachi iſt ber Zeugwpart. und Des ropa Obriſter zu See; aber er hat wenig Geſchaffte Bach. weder in einem noch dem andern Amt. Dann was das groſſeczeſchutz anbelangen thut/ ſeynd nur ztwey oder drey ſchlechte Stuck in etlichen Grentz⸗Orten/ und die zu Ilpakan, wie drohen geineldt/ ligen zu boden. Groſſer Schiffe werden in Perſien keine andere geſehen/ als die ſo auß Eul opa und Indien nach Ormus und Balſara gehörend/ kommen. Die Perſianer haben in allem nur allein etliche Schiffe in dem Per ſiſchen Meerbuſen/ und nach langs der Kuſten des Caſpiſchen Meers/ allda ſie eine kleine Flotte wider die UHsbegs, Kalmouks und andere Volcker underhalten. Nun iſt noch uͤberig von den Kans oder Landſchafften Verwalteren Meldung zu thun/ welche gewohnlich guß den Corlehis und Goulams, gleich wie die Beamte des Königlichen Hoff/ beſſellet werden. Die Urſach deſſen iſtdaß bie Cortchis und jnſonderheit die Goulams, wolgeſtalte deute/ und welche zu jhrem guten Anſehen auch viel tapferer als die naturlichen Perſigner, Die gebornen Perſigner ſeynd keine ſchoͤnen Leute/ welches an den Gauren oder Guebres, glte des Lands herkommen/ die gelblicht/ und mehrertheils heßlich geſtaltet ſeynd/ zu erkennen. Das Volck in Perſten iſt eſt ſchoͤn worden durch Vermiſchung der Georgianer mit den Perſianern/ ſintemalen jene zwiſchen dem Cgſpiſchen Meer und Pont Euxino wohnend/ die ſchoͤnſten Volcker in Aſien ſeynd. Derowegen auch wenig Perſtaner von dem König bis guf den geringſten ſeiner Underthanen/ die nicht Kinder von Grorger oder Georgin ſeyen/ oder wenigſt auß deren Geblüt entſproſſen. Dann auß ſelbigem Land wird jahrlich eine groſſe Anzahl Sclaven geführt/ und durch Hemahten mit denſelben ſo Tapferkeit der Georgier amt ihrer Schoͤnheit und guten Anſehen/ in Perſien gebracht worDie Kals, oder Verwalter der groſſen 6 8 5 5 Landſchafften/ ſeynd wie kleine Koͤnige/ von al⸗ fe b bereiber el deeſeben nemaſen rene le Felds heben als in geit der Muſterung oder eh ugs. Dieſe Volcker geben dem König lem Volck geforchtu ent 5 oder wenig und von allem ihrem Vieh groß nachdem dieſelben einmal verordnet/ werden alen nur eins vom hundert/ ſamt einem ſie nicht abgeſezt es ware dann daß ſie uber alle 0 wn,/ ſo nur 18. Sols 6. Deniers unſer Weh⸗ maſſen tyranniſierten/ welches wider jhre Reu da nt n gierung klagens verurſachete. Ihnen ligt alsWee chel der Echek-Agali iſt der Obriſt der Ee. dann ob/ durch Preſente den jenigen/ die bey fm alchis, ſo des Königs Leibwacht/ und Mu⸗ Hofe in Gnaden ſeynd/ beſchehend e zu trachten/ die Klagen wiederum zu ſtillen; dann wann ſolches dem Konig zu Ohren kame/ wurde es beydes der Gubernatorn oder Verwaltern/ und der jenigen/ ſo die Geſchencke augenomen/ 0 2 4 Koͤpfe 8 ſqueten von chr g nner e nicht 1e Lon ehr groſſem Lauff tragen. Esiſt ö 5 lang/ daß dieſelben von Arhemat-doulet N 5 amet⸗-Beg, da er den Diva Bequi, wie ich diz, e B da er wan-Bequi, wie c dircheſchicht beſchrieben/ hinrichten wollen/ 2⁰ 5 ch Kopfe koſten. Es ſennd deren Vewaltungen Zroſſer Landſchaffken/ darauß der Kan jahrlich ſieben in acht kauſend Tomans Einkommens jeden Jahrs/ dem König groſſe Geſchencke zu Aberſchicken/ im widrigen geriehten ſie bald in Ungnad. Ich habe anderſtwo auch angedeuCalaat ober vollkommene Kleidung. Under den Kans ſeynd noch andere geringere Verwalter/ Sultans genant/ jedoch von dem Konig beſtellet/ und die auch allein von ſhme abgeſetzt werden koͤnnen. Wann dieſelbe jhren Gewalt mißbrauchen/ kommen die Klagen für den Kan, und wann ſich zutraͤgt/ daß ſolche den Stand betreffen/ muß der Kan dem Konig davon Bericht ertheilen/ welcher alsdaim nach gut befinden/ Vorſehung thut. Wann aber die Klagen von keiner Wichtigkeit/ und allein die Policen betreffen thun/ iſt in dieſem Fall dem Verwalter der Landſchafft eu- Franckreich in Europa iſt. ket/ daß dieſe Landſchaffts⸗Verwalter/ ein jeder 8 wochenklich des Königs Küchen underhalten muß/ und hingegen uber ſchickt jhnen der Konig zum Zeichen ſeiner Wolgewogenheit/ den Neisbeſchreidung in Perſien/ In Summa man m bercnen daß der per e t tauſend Lo we Hof der zierlichſte und herzlichſte in Hose hat; aber hingegen ſeynd dieſelben verbunden ö jahrlich um Nourous, das iſt/ zu Anfang eines Orken e und beſchutzt werden/ und mit einem gantz Orient iſt/ daß die Fremden beſſer als an andern Orten aufgenommen/ und allda 15 ort zu melden daß Perſten in Aſien ſeye/ was Von dem zweyten Stand/ beſtehend in den Lehrern und Gerechts⸗Leuten und ins gemein von der Feder/ als da ſeynd vornemlich die Beamte der Rechenmme 2 Er zweyre von den dreyen Standen n Perſien/ begreift ins gemein die . łeeute von der Feder/ oder Gelehrte: als da ſeynd die Lehrer des Geſetzes/ die Gerichts⸗ und Rechenkammer Beamte/ davon underſchiedlich Meldung beſchehen ſolle. erlaubt/ Recht zu ſchaffen/ und dieſe Sultan Wie der Arhemat: douler der Ober⸗Be⸗ b wiederum zur Schuſdigkeit zu vermögen. amte in dem Weltlichen/ alſo iſt der ede in abe Es iſt eine dritte Ordnung der Verwal⸗ Perſten der Obriſte im Geiſtlichen/ und Hohe zecke tern oder Guberngtorn Aſlels genant/ welche wie Königliche Statthalter an den jenigen Orten/ da vor dieſem Kans geſetzt waren/ und da noch ſeyn ſolten/ jo aber der Konig abgeſchafft/ um alles Einkommen derſelben Landfſchalſten in ſeine Schatzkammer zu ſamlen. Dann in den jenigen Landſchafften/ da der Koͤnig die Kans leidet/ verzehren dieſe und jhre Under⸗Beamte(welche in jhrem Namen und Zahl bey nahe der des Königlichen Hofs gleich ſeynd) faſt alles Einkommen bis auf ein jahrlichen Tribut/ ſo der Kan dem Konig zu geben verbunden. Oka Seli, des Groſſen Cha- Abas Enckel/ war der Erſte/ der einen Theil dieſer Kans abgeſchafft/ um ſeine Kiſten mit den Einkünften der Landſchafften zu füllen/ und 8 hubhe an bey Iman Couli-Kan der Vornehmben habe. ſte under allen/ davon ich die Geſchicht beſchrieAu alem dem ſo in diem apfel wol von des Königs ola als den Gubernatorn oder Verwaltern der Landſchafften/ und Kriegs Offlcierer n beſchrieben/ it unſchwer e ee herslichſte und prachtigſte aller Hofen in Aſten/ es ſeye in Köſtlichkeit der Kleidung/ die allein in Sold ⸗Silber⸗ und Seidenen Zeug/ in dem Winter mit Zobel auß Moſcau kommend/ gefütert/ beſkehen/ oder in groſſer Anzahl der Beamten/ welche ſehr prachtig in jhrem Aufzug ſich erzeigen. Es kan ſich nichts prachtigers eingebildet werden/ als wann der Konig mit allen vornehmen Herren/ deren jeder den Vogel auf der Hand rragt/ begleitet/ auf die Jagd reit welches ich dann in meiner Relation des Turckiſchen Keyſers Pallaſt genau beſchrieben habe. Die Herelichkett der Perſianer erſcheinet auch in hren hohen Besten/ welN 0 des Geſetzes/ welcher jedoch in dem aht oder offentlichen Ceremomien/ ſeinen Sitz erſt nach Athemar· doulet nimt. Dieſer Underſchied iſt zwiſchen dem Sedre in Perſten und dem Mufti in Lurckey/ und ins gemein zwiſchen den Geſatzgebern in Perſien/ und Turckey/ daß der Kirchenſtand in Perſten/ nicht wie in Turckey/ hindert in dem weltlichen Stand zu Würden zu gelangen/ und daß oft beſchiehet daß von der Würde des dedre, man zu einem Arhemat· doulet ertwohlet wird. Die Wurde eines Sedre beſteher nicht auf einer Perſon allein/ ſondern kan zween ertheilet werden/ weilen zweyerley Vermachnuſſe ſeynd/ nemlichen die einen durch den Konig/ die, anderen von andern Leuten beſchehen. Dero⸗ N wegen zu Verwaltung dieſer zrweyerley Gutern/ etlich mal zween Sedres verordnet wer den; der eine Sedre Kras, das iſt/ ſonderbat und Specis! genant/ welcher alles Einkommen der Königlichen Stiftungen under Handen hat/ und ſolche den Moulhas und Studieren den die es verdient/ außtheilet; der andere e dre el Maukoufat genqnt/ der under feinen Verwaltung ſonderbarer Perſonen Stiftung hat; Und Anno 1667. verordnete der König zween Sedres, welche zwo ſeiner Schweſtern Der Sede iſt demnach der Obriſt des Geſetzes/ und hat in Verwaltung alles 9 7 fir die Moſqueen oder Kirchen geſtifftet wird/ um ſolches nach gut befinden anzuwenden; aber el mimt jederzeit das Seine vorauß/ und ehe der ſelbe andern mittheilt. Er hat under ſich wen Manner/ deren Gewalt bey nahe gleich/ 1255 auch jhre Verrichtung; der eine zit Scheil e Selom und der andere adi genant/ und die ſeonds dir ale Reiigions⸗Puntken ſehlichen, — Sunſtes Buch. die über die Derſtoſſung urtheilen/ und die offentlichen Contracten und Verſhreibungen aufrichten. Dieſe zwey Aemnker ſtehen in der Wahl des Königs/ und in allen vornehmen Staͤdten des Königreichs/ ſeynd zween derReichen Geiſtliche oder Kirchen Richter/ für alle Sachen das Geſatz betreffen. 1 In jeder Molqusen oder Kirchen iſt ein ichnamaz„welcher jederzeit der Erſte das Gebaͤt anzufangen/ und dem Volck vorzubatken pflegt/ welcher ſolches jhme nachthut/ und Wh mr Kats die Augen auf denselben gerichtet halt. N 261 Es iſt in jeglicher Moſquse ein MonteveIi, deſſen Amt iſt guf das Gebaude und die Bedienung achkung zu geben/ desgleichen auch ein Moüazen, der des Morgens und Abends ruffet: Es iſt nicht mehr als ein Gott/ und Mahomet iſt ſein Prophet/ und andere dergleichen Sachen. Nun komme ich auch zu den Collegiis die die Perſianer Medresé nennen/ in welchen ſehr viel Schühler ſeynd⸗ die mit geringen Unkosten von Legal- Geldern jn den Collegiis underhalten werden. Man gibt ihnen eine Kammer ohne einig Gerahte/ und ſie muſſen ſich amine Dieſer Pichnamaz iſt der jenige/ welchen die te/ u üſſen ſie mit einer elenden Decke oder Mabratzen verin Peſenen Türcken Iman nennen. Die Moulhas ſeynd 7 die Lehrer des Geſetzes/ gleich wie die Hockgias in Türckey/ und haben groſſe Beſoldung von denen Gütern ſo den Aolqusen geſtifſtet/ um alle Freytag in dem Alcoran zu leſen/ und ſolchen dem Volck zu erklären. Der welcher liſet/ iſt in einem Stuhl/ und der jenige ſo erklaret in einem anderen beſſer hinab/ zur Lincken des Leſers. Dieſelben ſeynd auch verbunden/ in den Wiſſenſchafften all die jenigen/ welche ſich pre entieren/ zu underrichten/ zum Zeichen jhrer Heiligkeit tragen ſie ein groſſen weiſſen und/ und haben allein ein ſchlechte Kleidung von Katpelot/ gleicher Farb. Ihr Gang iſt 5 gra vitekiſch/ und jhr Geſpraͤch ſehr ernſthafft/ undalts dieſes pur lautere Heucheley. Wann dieſelben in Geſellſchafft vieler Leute ſich befinden/ ſtehen ſie alſobald auf/ und ſagen ſie muſſen gehen das Gebat verrichten. Zugleich waſchen ſie das Haubt/ Hand und Fuſſe/ und legen auf den Boden ein Filz/ oder wann ſie arm dur eine ſchlechte Decke von Schilff. Dieſer File i fünff oder ſechs Schuh lang und drey keit/ und wann der Moulha an ein End ſich ſtellet/ wird an dem andern die Vorbildung ei55 Lochs/ dem Filtz ungleicher Farb geſehen/ h welches er einen flachen Stein legt/ der von Llecha komt/ und bisweilen breiter/ bisweilen un eie chmnahler/ als ein Hand⸗ Teller iſt. Dieſe wl, oulhas tragen allezeit einen ſolchen Stein 6 gut ſch⸗ weil ſie die Erde bey jhrem Gebat oͤfers küſſen müſſen/ derohalben kuſſen ſie lieber anen Stein der von einem heiligen Ort kom05 als die ſchlechte gemeine Erde. Sie haben glich meiſtentheils einen kleinen Compaß g ſich/ dadurch ſie mercken konnen/ auf welda Seiten Mecha ligt/ und im Gebat ſich 80 richten. Ich habe an einem andern Ort ri che daß alle Moſqusen gegen Mecha geet ſeynd/ eben wie der Latemniſchen Chriſten ſe f f ſtudi ren haben ſolten/ und ſich auf einmal in einer chen gegen Morgen ſtehen. Es ſcheinet/ d. bey jhrem Gebet ein groſſer Eifer ſey/ und gb eit über/ wann jemand auf ſie achtung und nehmen ſee ch wol in acht was ſie bun unnd keden. Sie sind ſehr abergläubiſch etwas K Uf 5 5 a 9 8 1 75 anzurühren/ wie ich anderwaͤrts geIhe ound ſonderlich was die Chriſten under ch Handen gehabt. Der Aberglaube eli gie und heie darin 8 Grund ſo weit jhnen moglich/ dringen wollen. geg glue gehet endlich ſo weit/ daß der Vi. derge debiras lieber ſeinen Schenckel ungehei11 dun, als zugeben wollen/ daß ein Wundrühre. en ich mit mir gebracht/ denſelben anſorgen. Sie haben keinen beſtandigen Lehr Studenten meiſter/ ſondern hoͤren die Lection wb es ihnen in Perſien. beliebet/ bis peilen bey dem Principal im Col legio, bisweilen ander werts/ weil gemeiniglich der Principal den ſie Mouderès nennen/ under allen am unverſtandigſten iſt. Aber auſſer dieſen Lehrern finden ſich doch noch fürnehme Manner in groſſen Stadten/ dis ſich nicht ſchaͤmen/ zu Erlangung eines groſſeren Anſehen/ die Wiſſenſchafften zu lehren/ und dieſe werden bey den Perſiern gar hoch geehret. Dadurch werden ſie bewogen zu Verſamlung der Studenten/ jhre Freygebigkeit herfür zu geben/ welche gleichſam Trompeten ſeynd/ durch welche jhrer A kroum oder Lehrer Wiſſenſchafft außgebreitet wird; wann aber die Freygebigkeit ein Ende/ ſo verſtummen auch die Trompeten/ und die Zahl der Zuhörer wird von Tag zu Tage verringert. 5 a Weil ich allezeit begierig geweſen/ mich Lun denge, von gelehrten Leuten hren Büchern und Wiſ⸗ 55 und ſenſchafften zu befragen/ ſo habe ich gleichfals hieher ſetzen wollen/ was ich davon vernehmen konnen. Der Student liſet zwey oder drey Zeilen auß einem Buch/ welche der Lehrer hernach explicieret. Ein anderer folget nach/ und liſet gleichfals zwey oder drey Linen/ und alſo folget einer auf den andern/ ein jeder der gufgeſtanden/ und geleſen/ bleibet ehrenthalben ſtehen/ bis jhme der Doctor ſaget/ oder ſagen laſt/ er ſolle ſich niderſetzen. Einer von dieſen Poctorn kan auf einen Tag von allen Tiſſenſchaften profitieren/ dann man halt keinen für einen Gelehrten/ der nicht von allem zu reden weiß. Wann die Perſianer nebſt dem Fleiß den ſie bey den Studis gebrauchen/ und der Maſſigkeit/ wie auch dem guten Kopf/ welchem die Liebe zu den Wiſſeſchafften eingepflantzet iſt/ unern Merhodus zu underweiſen/ und zu ſtudieSache vollkommen machten/ und dabey wie wir in Europa die Bucher hatten/ ſo doͤrffte niemand zweiflen/ ſie wurden gelehrt werden. Und ob ſie auch ſchon alles dieſes Vortheils entbehren muſſen/ ſo haben ſie dennoch gar feine Wiſſenſchafften in jhrer Theologie, inder Loic und Phyſie, darinnen ſie allezeit auf den Ihre Bucher kommen meiſtentheils von einem alten Perſiqniſchen Autore her/ welcher Kodgia Neſir geheiſſen/ und auß der Stadt Touls, welche in der Provintz Koraſſan ſiget/ gebürtig gewe 252 8 geweſen. Es iſt glaublich/ daß er ſo wol in der Griechiſchen als Arabiſchen Sprache ſehr erfahren geweſen/ weil er etliche alis Auto res die in dieſen beyden Sprachen geſchrieben/ ns Perſſche überſetzet. Sie haben auch jhre Stücke von Ariſtote, den man in Oceident für verlohren balt; besgleichen des Prolomei Almageſtas, die ſie Ma eſti nennen; etliche Lrackat von Euclide, nebſt des Archimedis Fragmentis; des Eben-Heiſſero Optica, und andere gute Bücher. Man hat mich ver ſichert daß ſie ſich langer als 800. Jahr der Sinuum Langenrium und Secantium bedienet/ und die Maͤthematiſchen Inſtrument ſind ſhnen ſehr ange„nehm. Sie haben uber diß/ auch eine groſſe Neigung zur Posſie, deren Zierlichkeit in ſchönencGegenſaßzen beſtehet/ und in ſchoͤnen Gleichnuſſen/ ſie beobgehten das Neimnen/ wie unſere Frantzsſiſchen Poeten. Von Altzuey⸗Büchern haben dieſelben Galenum, von ihnen Ga. Unous genant/ Averhoes dem ſie den Namen Abouali, das iſt Großvater/ geben/ und Hermus Trismegiſtus, welchen ſie Ormous nennen. Der vornehmſte jhrer Geſchichtſchreiber * iſt Rouzs el ſapha genqnt/ und iwas er geſchrieben iſt ein Zeitbeſchreibung von Erſchaffung der Welt an/ bis guf ſeine Zeit viel Fabeln und Etliche wun⸗ wenig wahres in ſich halte meld 510 4 die Welt von den Teuffeln unzehlich viel Jahr Autoren. vor Erſchafſung Adams bewohnet und regleret worden/ und daß Gott die Behereſchung der Erden ihnen wegen ihrer Miſſethaten benehmend/ ſolche dem Menſchen zu bauen übergeben hatte. Die Bücher ob ſie ſchon ſehr thrur/ ſeynd jedoch zimlich gemein/ und der mehrertheil der Handwercksleuten ſelbſten kauffen deren/ indem ſie begierig auch die Wiſſenſchafften zu erlernen/ und ihre Kinder dahin anzuhalten. Sie ſchicken dieſelben beh zeiten in die Schuhle/ von jhnen Wieklebs genant/ und ſeynd deren viel in jedem Quartier. Sie verführen ein wunderlich Geſchrey in dieſen * Schuhlen/ indeme dieſelben ihre Leckiones alleſamt zugleich mit lauter Stimme gufſagen/ und der Schulmeiſter dem jenigen der underlaſſet zu ſchreyen/ Streiche gibt. Aber die Kinder von gutem Hauſe heſuchen dieſe Schulen nicht/ ſondern ihre Eltern nehmen Leute in das Hauß dieſelben zu underrichten ſolche vor den achtzehenden oder zwanzigſten Jahr jhres Alters/ nicht außlaſſend/ es ſeye Farm alf die Jagd zugehen/ mit dem Bogen z ſcieſſen/ oder Malle zu ſpielen. Daher komt daß dieſe Kinder verſtandig/ hoͤflich und eßlerbirtig/ und auß ihrem Mund mieinal ein wing Wort gehöret wird/ ſinteinglen dieſelben keine Geweinſthafft mit dem gemeinen Bolek oder Pöbel gebt. Richter und Was die ekichts⸗Leute anbelangenthut/ 5 ſeynd des Piven tegui und der Beroga Melding gethan/ und bon zen andern ſoll es beſchehen/ arm ich das Hericht und die Policen Nun gelange ich an die Rechenkammer/ 2 * haltend. Er meldet/ daß cket alsdann ſeinen Dien Ihme angewieſene zu empfahen. In jedem da viel Beamte ſeynd/ welche ich in die OrdReis beſchrelbung in Perſien/ nung der Leut von der Federſeze. Alle Vue cher und Regiſter gehen durch ihre Harde Einkommen und Herzichafft des Königs betreffen. Alles wird in der Rechenkammer zu Iſpahan Defter-krone genennet/ eingeſchrieben/ und dieſelbe nimmt Wiſſenſchafft aller Unköſten. Was die Lehenanbelangen thut Moulund jnſonderheit die e das Kerber genant/ welche ſonderbaren Perſonen zuſtandig/ ſeynd ſolche dem Konig ein gewiſſe jahrliche Gebühr ſchuldig/ und auf dieſen Zoll ober Einkunfft iſt es„daß die Gubernaom oder Landſchaffts⸗Verwalter ernſtliche in? ann Der NMeltemphi und NMemalik ſeynd bie Schatzer der Gütern der Herzſchafften; und dleſes bie vornehmſten Aenſter des Bekter kro. Ae ne: ihnen gebuhret die Wiſſenſchafft aller des 17 a Königs Einkunfften Verlehnung/ Loſungen/ bee Vertheilungen und Außfertigungen/ der Ein nehmer und Einſamler. Es iſt noch ein anderer Schätzer der Vermaͤchnuß⸗Gutern Melte Der i ee das Regiſter des Meſtempbi und Memalik gufficht zu haben/ deſſen Nam zu mehrer Bekrafftigung einiger Außfertigung/ es ſeye warum es wolle/ Der Deroga oder Richter des Defter⸗Kron iſt verordnet die jenigen/ welche ſo wol in Einnehmen als Einforderung ſich beſchuldigt be⸗ g finden/ auf Leib und Leben zu verfolgen. ul, Wa „In der Nechenkammer werden die Auf⸗ aun 9 theilungen/ ſo die Beſoldungen der Konigli⸗“ chen Beanten auweiſen/ gelieffert. Ein jeder Beamter gehet die 1 abzuholen/ und ſchiDiener an die Ort/ un das Flecken oder Dorff iſt ein Reis oder Haubt/ ſo der Vornehmſte des Orts/ bey deme man ſich qhmeldet/ um das Gelt zu verſchaffen: dann wahn der Baur zu Sede 44 derſelbe gemeinlich davon/ an ſtatt de Zahlung alles im ſtich laſſend. Die groſte Beſtehlung von des Konigs Gelt in dieſer Nechenkammer/ ſo verübt wird/ iſt daß nachdem ſte die Veri zeichnuß der Beſoldung eines jeden Beamten in Handen/ man denſelben einen Zedel liefert um kleine Poͤſtlein an underſchiedlichen Orten bis auf die jhnen gebuhrende Summa zu enpfahen/ alſo daß dieſe kleinen Parteyen/ die an vielen von einandern entlegenen Orten einzuziehen/ mehr Verluſt als Nutzen ſeynd; derowegen ſie lieber dem Beamten der Pechen kam mer eine Verehrung geben/ um das Gelt ſamnelhafft an einem Ort zu empfahen. Weil abel auch dieſe Beamte nicht federman ein Gen gen thun können befinden ſich gewiſſe Thahltldars ober Einſamler der Einkunfften/ welche 980 die Anweiſungs⸗Zedel/ ſo die Beamten in der de da Schatzkammer bekommen/ um haar Gelt/ ſo 115 105 gering als muglich/ an ſich erkaufen/ und wann ſie eren viel beyſamen/ alsdann auf einmal deren Belauff zugleich einziehen/ und hiermit ein namhafftes gewinnen. Bey dieſem e zerfahren des Delter- Krone, werden viel Leute under“ N 5 5 gedruckt ane e 5 1 1. Der groſte Theil des Landes in Perſjen gei. höret dem Kong/ und viel gemeine Leute haben 5 N Fuͤnftes Buch. 1 1 955 Adruckt dann zum Exempel/ einer der Jö. zomans jahrlich Beſoldung/ wird gezwungen a Theil davon nachzulaſſen/ um das nlige in baarem Gelt zu bekommen und diß iſt oͤfters eine Urſache/ daß die Perſiſchen Arween ruiniert worden/ und den armen Solda0 ſehr ſchtwer fallet. Under der Regierung N des J. und zu Anfang ſeines Sohns Sha: Set ob ſie wol mit jhren Nachbarn Krieg führeten/ ſo war doch alles viel beſſer beſtellt; nachdem aber der Groß⸗Turck Bagdat weggegommen/ und Perſten mit den Turcken und Indianern Friede gemacht/ gedachte der Komg und ſeine Bedienten an nichts anders/ als 10 der guten Zeit zu bedienen/ ohne daß ſie ſich elnüheken ſich der Bezahlung der Soldaten du entledigen. olches Mietungs⸗weiſe/ das übrige iſt auch berpacht/ und jeglicher Theil muß fahrlich ein gewviſſes geben. Der König hat nuch noch gloſſe Einkommen von den Zollen/ und Accis der Waaxren. Das eintzige Baſider-Abaſſi, welches der benachbarte Ort bey Ormus iſt/ wo man nach Indien zu Schiffe gehet/ traͤget dem Konig in dem ſchlechteſten Jahre/ wann kein Zufall zuſtoßt/ in 20000. Tomans ein. Die Engellander ſolten zwar die Helffte davon Groſſen Cha-Abas gemacht/ weil ſte hm ihre Schiffe geliehen/ und jhme bey Eroberung der Inſel Ormus beygeſtanden/ weil aber die Engellander anjetzo gar ſchwach an demſelbigen Orte ſeynd/ vergnügen ſie ſich mit dene/ was wan jhnen gibt/ welches ſich niemals uber acht dundert Tomans belaufft und hiervon müſſen ſie noch die Helffte den Officierern fahren laſſek⸗ daß ſie das Ubrige bekommen/ und müſſen nen noch einen Schein geben daß ſie die ganSumma empfangen dann ſonſt bekonnnen J Es komt dem Konig auch noch ander Gelt en, welches die Handwercksleute geben muſand hievonwlich imfolgenden apelgei Kun en/ wann ich von den Kaufleuten und ſtlern/ auf welchen das gemeine Weſen beAbel Meeddong thun werde/ ich wil aueh da101 Nerhand gemachte Sachen/ und Waaben die in Perſten zu bekomen ſind zu beſehrei⸗ ihnen erſt vor! Zeit ein Schreiner Franck war/ und ſich Montagne nennere geen kicht underlaſſen. 1 Das XII. Capitel. Ven dem dritten Stand/ under welehen die Kauff⸗ und Handwercks⸗ geute be— ſchied/ und ſind dieſe beyde Handlungen dergeſtalt vom inander underſchieden/ daß die in dem Land nur von den Perſianern und Juden getrieben wird/ die andere aber auſſet dem Land/ haben die Armenier gantz und gar an ſich gezogen/ und ſind gleich ſam des Koͤnigs und der Groſſen im Land ihre Facdoren/ ſo die Seiden verkauffen. 3 Was die Handwercksleute anlanget/ ſind davon ein hauffen Zunfften/ ſo dem Koͤnig jahrlich eine gewiſſe Aufgge bezahlen/ welche ſie Bonitchè nennen/ als da ſeynd die Schuſter/ Meſſerſchmicd/ Eiſenkraͤmner/ und andere dergleichen. Ihrer etliche ſind aueh von ſolcher Aufgage befreyet/ als die Schreiner und Maurer; hergegen aber müͤſſen ſie dem König Fron⸗Dienſte thun/ welche wol ſo viel einbringen als die andere geben. Wann der Koͤnig zu einer Arbeit/ die Eyl hat/ zwantzig Maurer begehrt/ fordert ſie jhr Obriſter der Marmar-Bachi alle zuſamen/ und die ſo am meiſten geben/ ſind von derſelben Arbeit befreyet; dann begehret der König 20. laſſet er ihrer 40. kommen/ und gehet es her wie an allen Orten/ ein jeglicher ernehret ſich von ſeinem Handwerck. Ein gleiche Beſchaffenheir hat es auch mit dern Oberſten der Schreiner/ und anderen dergleichen/ welche alle des Königs bee nder ſolte ie Helfftet ſoldete Diener ſind/ und nicht ar beiten dorffen/ haben/ vermoge des Contracts den ſie mit dem wann ſie nicht wollen/ ſondern min den andern/ ſo under ihnen ſtehen/ befehten. Und iſt dieſes zu wiſſen/ daß es in Perſten wenig gute Meiſter under den Seyreinern und Zimmerleuten gibt/ welches ohne Zweiffel daher ruhret/ weil ſte wenig Materi zu ihrem Handwerck haben/ dann wie ich ſchon an einem gudern Ort angemercket/ jſt in gantz Perſien wenig Holtz. Sie haben keine Tiſche/ Stühle/ oder hoͤlzerne Berhladen/ daun von deren Gebrauch wiſſen die Perſtaner nichts/ und beſtehet der Schreiner meiſte Arbeit in huren und Fenſter⸗Rahmen/ welche ſie ſehr artig zu machen wiſſen. Abſonderlich ſetzen ſie die Jalouſten, wie man ſie zu nennen pfleget/ auß kleinen Stuckſein Holzes ſo artig zuſamen/ daß tan durch die Locher kaum eine kleine Kugel ſtecken kan. Es iſt zwar wahr/ daß dieſe Seh reiner/ weü ſie kein andern Werckzeug haben/ als ein Beil/ Segen/ und Meiſſel/ daun den Gebrguch des ⸗Hobels/ hat jhnen erſt vor weniger Zeit ein Schreiner ſo ein 3 wijeſen unmoglich ſo uber Ar beit machen konnen/ als die unſerige in Europa; jedoch iſt ſich zu verwundern/ daß ſie mit ſo wenig Werckzeig jhre Arbeit ſo wol außarbeiten An ſtatt daß wir Delborers beguchen ſie kleine Borer von underſchiedlieher Groͤſſe/ ſo ſie mit einem 95 4 Fiiſſen/ da dann zu gleich von den Kuͤn⸗ Dogen e e daran, herun drehen. ih ten/ Handwerckern/ und Kauffmanns. Von den vornekinten Kunſten zu reden/ deu 15 r fim oil ich bey der Schyffft/ oder Kunſt zu ſchreiben/ ſo an ſtatt der Buch druckerey bey jhnen iſt weil die Perſianer noch zur Zeit den Gebrauch davon nicht wien/ den Anfang machen. Alle jhre Bucher ſeynd mit der Hand geſchrieben/ daher komt es auch/ daß ſie dieſe Kunſt ſo hoch halten. Ich habe beſſer droben Amegu 10 ge5 han/ e den 1— N 8 5 in Verſian gehandelt wird. 8 i. N Perſten beſtehet die Kauffmannſchafft gleich wie in allen andern LanLand der cheils auß der Handlung in dem weite Heils geiſſer denſelben in fremde und ehifernte Lander; jedoch iſt dieſer Under80 264 Reisbeſchreibung in Perſien/ khan/ daß ein kluger und ſehr ſinnreicher Armenier/ ſo in Europa geweſen/ zu Ipahan in d 264 eine Buchdruckerey anrichten laſſen. Und hatte man ſchon in Armeniſcher Sprach die Epiſteln St. Pauli/ die 7. Buß⸗Pfalmen und einige Gebatbůcher gedrucket/ war auch ſchon Ihre Kun, die Anſtalt gemacht/ die gantze Bibel aufzuleberuch e gen. Weil aber der Druck gantz bleich/ und Schreibet. man niernals eine rechte Schwartze hat zu verfertigen gewuſt/ muſte man allerhand Unordnung zu verhüten/ ſo dieſe neue Erfindung anfienge zu verurſachen/ das gantze Werck wieder über einen Hauffen werffen. Dann eines theils wolten die Kinder nicht mehr ſchreiben lernen/ und wendeten vor/ daß ſie ſich allein zu dieſem End auf dieſe Kunſt legten/ damit ſie zur Gedachtnuß eine Bibel/ oder das Neue Teſtament/ von jhrer eigenen Hand geſchrieben/ hinderlieſſen; anders theils ſchnitte dieſe Buchdruckerey jhrer vielen die ſich mit Schreiben nehreten/ das Brod ab. e Und derſel⸗„Die Perſianer haben dreyerley Schrifften. 5 Schriff Die Erſte/ ſo die zierlichſten Buchſtaben hat/ . wird Neſtalik genennet: die Zweyte Obakeſté oder Divanni, wird bey Gericht gebraucht; und die Dritte Nes kr iſt laͤuffig/ komt aber ſehr nee bey bie Arabiſche. Sie ſchreiben mit kleinen Indianiſchen Rohren/ und ſagen/ wann man wol und ſchon ſchreiben wolle/ můſſe man das Rohr ſo leicht und genau faſſen/ und ſo wenig darauf drucken/ daß wann eine Fliege ſich auf das ander End ſetze/ daſſelbe auß den Haͤnden falle. Wann ſie ſchreiben/ muſſen ſie das Papier in den Handen haben damit ſie ſolehes nach allen Bewegungen des Rohrs mit drehen konnen/ ſonſt würden ſie die Zůge ſo groß und ſchmahl als ſie wol ſeyn muſſen/ nicht machen konnen. Ihr Papier machen ſie auß alten baumwollen en Lumpen/ zimlich grob/ ſchwaͤrtzlicht und nicht ſtarck: dann wann es zuſamen gelegt wird/ zerreiſet es gar leichtlich. Sie glatten es mit einem Inſtrument ſo auß Glaß gemacht/ und uͤberſtreichen es hernach mit einer Seiffen damit die Schrifft deſto beſſer darauf fflieſſe, Ihre Dinte iſt von Gallaͤpfeln und geſtoſſener Kohlen/ oder Kienruß. 5 Weil ich nun eben von der Schrifft handele/ muß ich auch von den Sprachen ſo im Land gebraͤuchlich ſind/ etwas melden. Die Perſianer theilen dieſelben in viererley Sprachen ab; als da iſt die Perſiſche/ welche ſie elich, so viel als die liebliche und anmuhtige Errachen in nennen; die Türckiſche mit Namen Sciaſcet Willich. oder die aufgeblaſene und prallende; die Araue kch. hiſehe/ deren ſie den Namen Feſchich oder der beredten geben; und dann die vierdte Cobaher oder der groben Bauren Sprach. Die Perſiſche/ deren ſich ins gemein die ehrbaren Leute gebrauchen/ it faſt gantz auß Arabiſchen Worern zufamen geſetzet/ weil ſie an ſich ſelbſt nicht Woͤrter genug hat; was aber die Bauren auf den Doͤrffern anbelanget/ haben ſte eine ſo ſchlimme und verderbte Sprach/ daß ſie die in Stadten kaum verſtehen konnen. Die Arabiſche iſt der Selchrken Gprgch⸗ in welcher die vornehmſten Bucher beschrieben/ gleich wie die gateiniſche ben uns in Europa; bey Hof abk. wird Türckiſch geredet/ wiewol viel reiner und lieblicher als zu Conſtantinopel. Die Perſiſche iſt an des Groß⸗Mogols Hof/ wie auch an den Hoͤfen der Könige von Golconda und Vila pour ſehr im Gebrauch/ und würde ſich ein vornehmer Mann an dieſen dreyen Hofen ſehr beleidiget finden/ wann man Indiſch mit m redete/ und er nicht auf Perſiſch antwortete/ ob er ſchon Indiſch kan. a So viel die Mahlerey betrifft/ habe ich ſchon droben erwehnet/ daß in Perſien nur allein en mignature getnahlet wird/ und was die Vogel und das Blumwerck anlanget/ treffen es die Mahler ſehr wol/ die Contrefait aber und Gemahlde nach dem Leben/ ſind nicht ihres Thuns/ verſtehen ſich auch nicht darguf. In Gold⸗Silber⸗ und Seiden⸗Arbeit/ ha J. man wol auß den koſtbaren Tapeten/ und ſcho⸗ bene nen Brocard abnehmen kan/ daran das Gold und Silber nimmermehr ſchwartz wird/ oder durch die Lange der Zeit ſeinen Glantz verliert. So ſind auch eine groſſe Menge deren/ ſo allerhand Seidene Zeug machen/ und andere ſo die Toquen oder Mutzen/ und gold und ſeidene Gürtel verfertigen. Under andern ſind auch etliche/ ſo ſich nur allein darguf legen/ und mit Gummi⸗Waſſer auf dem Taffet/ darauß die Weiber Hemder und Schlaffhoſen machen gold⸗ und ſilberne Blumen mahlen; und fangen ſie nun an eine ſolche Menge von dieſem Taffet zu machen/ daß ſie die Zeuge ſoauß Indien kommen/ nicht hoch mehr achten/ ob ſie ſchon vorgezogen werden/ weil ſie reiner ſind. Auf dem ſchwartzen Taffet machen ſie nichts; dann wann die Weiber ihre monatliche Zeit haben/ ziehen ſie ein Hernbd von ſchrwartzem Taffet an/ und wann man bey einer Gaſterey die Gaſte zu erluſtigen die Baladinen kommen laſt/ und eine darunder iſt/ ſo ein ſchwartzes Hembd von Taffet an hat/ laſt man ſie zwa dangen/ kein Menſch aber gehet bey ſie/ und muß ſie ſo gar allein eſſen. ge von allerhand Farben Leinen Tuch gelng⸗ m chet/ auf welches ſie gleichfals mitGumi⸗Wa ſer/ Blumen/ ja ſo gar etliche Figuren mahlen/ ob es ſchon wider das Geſetz iſt; und haben ſich die Perſianer erſt von der Zeit an darauf gelegt/ wie die Armenier auß Europa einige ſchlechte gedruckte/ und mit Waſſerfarben gemahlte Zeuge mitgebracht. Dieſe Tücher braut chen ſie vor die Sgal⸗ und Kammer⸗Thipen zu hencken/ auch wol vor die Locher in die Man ren/ darein ſie alle Morgen/ wann ſie aufgeſtanden/ jhre Maoratzen verwahren. a Under andern können die Perftaner über die maſſen wol mit Vitriol damalcenieren/ al Sabel/ Meſſer/ und dergleichen; die Nat a des Stahls aber/ den ſte dazu nehmen/ thuran ſich ſelbſt das meiſte dabey/ dann ſie mit ihre Stahl/ oder dem unſrigen dergleichen min werdenzu Werck richten. Dieler Stahls auß Golconda gebracht/ und laſt ſich allein wo. damaſcenieren/ iſt auch von gantz and erer 0 b 100% ben ſie in Perſten die herꝛlichſten Muſter/ wie Saen 0 Über das wird in Perſten eine groſſe Men⸗ Ge bl 600 ee 5 eiden a, 9 1 % e laſſen/ wie die Kirſchen ſind/ und an ſtatt daß man ihn ins Waſſer duncket/ wie wir zu thun hegen/ wird er nur in ein naſſes Tuch eingewickelt/ ſonſt wann man ihm eben die Hitz geben wolte/ wie dem Unſrigen/ olte er ſo hart werden daß er in der Arbeit wie Glaß zerſpringen würde. Dieſer Stahl wird mit Stücken in ſolcher Form verkaufft/ wie bey uns das Brod vor ein Sols und wann man wviſſen wil ob er gut/ und 8 kein Betrug darunder ſeye/ bricht mans entzwey und iſt jedes Stück groß genug vor einen Sabel; dann man findet bisweilen von dem/ ſo nicht wol zubereitet iſt/ und nicht zum damabesnieren tauget. Ein ſolches Stuck Stahl/ u Golconda über 9. oder 10. Sols nicht gekostet/ komt in Perſien auf J. Abaſſis; und je weiter es geführt wird/ je theurer wird es. Dann in Turctey wird es bis auf 3. Piaſtres derkaufft/ und nach Conſtantinopel/ Smyrna, Heppo und Damaſco, wohin es vor Alters am meiſten verführt wurde/ als die Handlung auß Indien uber das Rohte Meer nach Caire Hletng/ gebracht. Heutiges Tages aber/ ſo wenig der Konig von Golconda zulaſt/ daß der Stahl auß ſeinem Lande verführet werde/ ſo Hroſſe Aufficht hat der Koͤnig in Perſien/ daß von dem ſo in ſein Land gebracht worden/ nichts weiter darauß komme. Dieſes er innere ich aber nur zu dieſem End/ damit ich ihrer viel eines beſſern berichte/ welche der Meinung ſind/ daß die Sabel und Meſſer ſo auß Tuͤrckey kommen/ vom Stahl zu Damaſco gemachet worden; welches ein Irethum iſt/ dieweil kein Stahl in der Welt zu finden/ als der zu Gol Onda, ſo ſich damaſcenieren laſſe/ und nicht wie der Unſrige verderbe. b An guten Meiſtern ſo allerhand Gewehr Van Machen/ hat es in Perſten gleichfals keinen Mangel abſonderlich aber von Bogen und feilen/ ſo in dieſen Landen die groͤſten Kriegs0 kuſtungen ſind. Was aber die Pferds⸗Zeug anbelanget/ thun es hre Meiſter den Unſrigen hupor/ urid vor allen in der Naht/ welche ſie ſo autig und kunſtlich auf eine beſondere Weiſe 0 1 eppen wiſſen/ daß es ſcheinet/ ob ware es geltricket. Die Gold⸗ und Suberſchmied/ 105 wie ich geſagt/ nicht viel beſonders/ und 0 gehen nichts als Draht⸗Arbeit. So habe ich nuch ſchon an gedachtein Ort von den Uhrenmachern und Buͤchſenſchmieden/ ſo in des KoͤDienſte und Francken ſind/ geredet. a de Deren ſo von Chagrain und Carduan Learbeiten/ gibt es eine groſſe Menge; von Lurduan aber laſſen ſich nur die allerarmſte aike Schuhe machen/ und der Chagrain iſt vor d F. dle Groſſen/ auch wol vor die von geringer London. 5 8 Pune von den beſten Handwerckern einem Ge der ſien/ iſt derjenigen/ ſo das ſchoͤne jrdene bot Hire zu Kerman machen/ welches unſerm 89 55 vers weit vorgehet/ weil es/ wann es wochen wird/ jnwendig ſo weiß iſt als von a dale. Die Hitze kan es licht vertragen wie Der gr ene 8 W 77 18 Wergan und iſt ſich zu verwuͤndern/ Fates Buch a bien als ber Unſtige dann wann man jhn harten wil muß man ihn jm eur nur roͤhtlicht werden meſſinemn Draht zuſamen genahet. * N wann ein Getranck ſa heiß es jmmer ſeyn mag/ in eine Porcellane Schalen gegoſſen wird/ wird man weder an dem Fuß/ noch dem ober ſtin Ranfſt die Hitze fühlen. Von dem gemeinen Volck gewinnen jhrer viel jhre Nahrung mit den glaſernen TabacksPfeiffen/ welche ſie wieder zuſamen ſetzen; dann wann ſie zerbrochen/ kan man die Stucker mit einer gewiſſen Kütte vom Kalck und dem Weiſſen vom Ey gemacht/ wieder aneinander fuͤgen/ hernach werden mit einem kleinen Boyer/ daran die Spitz von Digmandiſt⸗ Locher in das Glaß gemacht/ und die Stucke mit dunnem „ Von den Kauffmanns⸗Gutern i Provintz Guilan koint/ das vornehmſte. Es verfüͤhret/ als ſich ihrer etliche einbilden/ und habe ich damals geſehen/ als die Hollander die ſtareke Handlung nach Japon hatten/ daß ſie/ ob ſie ſchon jhr moͤglichſtes gethan/ niemals viel uber ooo. Ballen darauß haben fuͤhren koͤnnen/ darunter noch der meiſte Theil von der Seiden⸗Waar/ welche die Armenier in Europa ſchicken ſolten. Jedoch hat es die Meinung nicht/ als wann in Perſien nicht mehr Seiden ware/ ſondern/ wann man ſie alle auß dem Land verführen wolte/ muſte eine unzehliche Menge Handwercks Leute und Tagloͤhner Hungers ſterben. Heutiges Tages bekommen die Hollander wenig uͤber 200. Laſte darauß. Vor dieſem wuede die Menge von Brocard, Sammet und Taffet auß Perſien in Europa gebracht/ und der meiſte Theil von Sammet/ gienge nach Pohlen und Moſcau; heut zu Tage aber werden dergleichen Gattungen von Zeuge eben ſo ſchoͤn/ und wolfeiler in Europa gemacht. g N n Perſien Waaren und zu reben/ iſt under allen die Seiden ſo auß der 80 maus Perſten. wird aber davon nicht ſo viel auß dem Land Es wird auch viel von ungeſponnener Seiden nach Tuͤrckey/ Pohlen und Moſcau verführet/ und zum Sticken verbrauchet/ weil die Farben davon ſehr lebhaft ſeynd/ und in dieſen Landern alle Weiher jhre Schnuptucher/ Hembder/ Schleyer ſo ſie auf den Köpfen tragen/ und andere Leinwad die ſie brauchen/ Der Ohagrain und Carduan ſo in Perſten gemacht werden/ ſind auch ein Stück von der Hollandiſchen Handlung/ welche davon eine groſſe Menge nach Indien und Japon verfithren. Es komt auch viel davon nach Moſcau Die berühmte Wurtzel Ronas, davon ich gemeldet/ twird faſt allein nach Indien verführet/ dahin auch ein groſſer Handel mit glſerdau 1 Früchten iſt/ welche man mit Eſſig in glaſerne Flaͤſchen leget/ wie dann auch eine groſſe Menge von underſchiedlichen wolriechenden Waſſern/ davon ich an einem andern Ort geſagt dahin gebracht wind. Die Welſche Pimpernußlein wachſen wie ich geſagt/ mi einem groſſen Uberfiuß in der Gegend bey Casbin z die Mandeln aber kommen von Vead, und von Kerman hexüm; die e el en b Marerigin dem erſten Buch dieſer Meiſebeſchreibung len. 266 Reis beſchreibulg in Perſien/ Roſinen werden auß unterſchiedlichen Orten zwey ſo viel als zuvor jhrer drey trugen: Man des Koͤnigreichs/ abſonderlich aber von Schiras kan aber unter ſo ſchwerer Laſt mit den Kamee⸗-- N gebracht/ und die Pfaumen Alubacara ge⸗ len des Tags nicht mehr als zwey oder drenrn chte und Früchte nant/ wachſen an den Tartariſchen Grentzen; Meilen fortkommen. Die Perſianer handlen een inerten ge, ſie gleichen unſcren Briuniolen/ und ſind vor zwar auch mit Pferdenun Mauleſeln/ aber nit bandelt die Krancken treflich gut; Man darf nur 5. ſonderlich/ und gehet das Meiſte nach Indien. wild. oder 6. davon ſieben laſſen/ und die Brühe da⸗ Was die Hammel anlanget/ moͤchte einer von nehmen/ ſo gibt es eine leichte Purgation; faſt erſtaunen/ wann man ſiehet/ wie viel gantze will man aber/ daß die Purgation etwas ſtar⸗ Heerden auß Medien und Ober⸗Armenien ge⸗ Grose 5115 cker ſehe/ nimt man nur ein wenig Sennenblat⸗ trieben werden/ und holen ſie die fremde Kauf; ane ter dazu; Alle dieſe kleine Waaren werden leute biß von Tauris und Hamadan; ſie werauch uber Ormus nach Indien verführet/ und den biß nach Conſtantinopel und Adrianopel verthun die Banianẽ oder Goͤtzendiener/ weil ſie getrieben/ und die meiſte Hammel/ ſo in Nanichts eſſen/ was ein Leben hat/ ſehr viel davon. rolien und Romanien geſchlachtet werden/ Ein hauffen Schachteln mit eingemach⸗ kommen auß Perſien/ wodurch viel Geld in ten Quitten/ und Quitten⸗Latwerge/ ſo zu Bal das Land gebracht wird. Im Monat Martio/ ſara gemacht werden/ kommen auch nach In⸗ April und Maij/ um die Zeit/ wann es junge dien/ es kauft ſie aber niemand/ als die Maho⸗ Larnmer giebt/ und man mit den Cara vanen 4 metaner und Portugieſen/ vor allen aber die reiſet/ vergehen wenig Tage/ daß man nicht Portugieſen/ welche ſolche die groſſe Faſten viel und groſſe Heerden davon antrifft/ darüber/ und an andern Faſttaͤgen zur Collation unter die Geringſte von 100. Stücken iſt; brauchen. Die Banianen aber kauffen nichts und weil taglich etliche daͤmmer zuruck bleiben/ davon/ auß Forcht/ es doͤrfte vielleicht/ inden ſo die Schaffer nicht tragen konnen/ kauſſen die Lattwerge gemacht worden/ eine Fliege dar⸗ ſie unſere Knechte ſehr wolfeil/ und ſind delicat ein gefallen ſeyn. Ja ſie kauffen nicht einmal zu eſſen. Drey oder vier Kaufleute tretten offt von den welſchen Pimpernüßlein/ wann ſie 6. zuſammen/ kauffen einen Haummel/ und theilen oder 7. Monat alt ſind/ weil ſich alsdann die ihn unter ſich/ wie ich mit mehrem/ als von den Schale an dem zugeſpitzten Ende aufthut/ und Caravanen gehandelt worden/ davon ange⸗ 8 weil die Ammeiſen ſehr verleckert darauf ſind/ mercket. Weil nun dieſe Herden gegen dem Nair und ſo bald ſie darein kommen dieſelben außho⸗ Monath October außgetrieben werden/ nnd M len/ foͤrchten ſie/ wann ſie eine Nuß aufmachen/ 6. Monath lang unterwegs bleiben/ iſt ſich zu⸗ N ſie mochten eine Ameiſe toͤdten/ ſo wider jhr verwundern/ wie ſie es außdauren koͤnnen/ abGeſetz iſt/ wor innen jhnen verbotten/ einiges ſonderlich wann Schnee liget/ und weder Heu Thier oder Ungeziefer zu todten/ wie ich in mei⸗ noch Stroh vor ſie zubekommen iſt; Dann ner Oſt⸗IJndiſchen Reisbeſchreibung weiter man reiſet bißweilen zwey oder drey Tage/ und ſagen wil. i trifft kein Dorf an/ alsdann hauen die Hirten/ Von gedoͤrꝛten Früchten komt das meiſte ſo die Heerde treiben/ die Zweige von den Bauauß Medien, davon ein Theil nach Tocat, das men/ und freſſen die Schafe die Rinden davon. ander aber nach Diarbe⸗ kir, Ninive und Bag Vor dieſem konten die Jubilierer noch etdat verführet wird. Unter dieſem doͤrren Obs liche Tuͤrckis von den alten Felſen auß Perſien 5g ſind ſehr wolgeſchmackte kleine Merillen/ wel⸗ bekommen/ aber ſeithero y. oder 20. Jahren/ 25 N che( wann ſie mit ein wenig Waſſer geſotten findet man keine mehr da/ und konte ich auf mei werden einen ſo herolichen Syrup geben/ als ner lerſten Reiſe nicht mehr bekommen/ als wann ſie in Zucker eingemacht waren. Es drey/ die noch ziemlich ſauber waren. Hingewird ein groſſer Handel damit getrieben/ weil gen ſind der Turckis vom neuen Felſen genug ſie ſonſt keine andere Confituren vor die Kran⸗ zu bekommen; ſie werden aber nicht ſonderlich cken in dieſen Landern haben. geachtet/ weil ſie jhre Farbe nicht halten/ und Es wird auch/ wie ich ſchon erinnert/ in in kurtzer Zeit grun werden. So viel habe ich Perſien eine groſſe Menge gemahlte Leinwad von den Perſiſchen Manufacturen und Kaufgemacht/ weil es aber ſehr grob/ und nur vor manns⸗Gutern auf das genaueſte hiebey arqrme Leute zu gebrauchen iſt/ bleibet der meiſte mercken konnen. e Theil 1 7 e etwas we⸗. bad niges nach Tuͤrckey davon verfuhret.& Capie e fach Von jhrem Viehe loͤſen die Perſianer e Das XIII. 8 90 Ge⸗. 5 auch ein ziemliches Gele/ und damit ich vonden Wie die Perſianer uͤber Recht und G Kameelen anfange/ verkaufen ſie deren ſehr rechtigkeit halten ⸗ uñ von ihrer Police. viel nach Armenien und Natolien. Jedoch halt N Perſien wird jederman geſchrwi es etwas hart/ biß die Stadthalter in den Pro⸗ und gutes Recht ertheilet/ und werdef vintzen einige auß dem Land laſſen/ und auſſer Sins gemein die Proreſſe/ ohne der Ae dem ware der Handel noch viel ſtärcker. Dann vocaten und Procuratoren Hülffe/ oder ein 8 die Türcken halten die Perſiſchen Kameele ſehr Rechten/ von Stund an außgemachet; unterhoch/ weil ſie ſtarcker ſind als die Ihrigen/ wie deſſen folget doch nit darauß/ daß die Gerichts es dann etliche darunder gibt/ ſo biß auf yo o. perſonen nicht ſolten leichtlich konnen beſtock Pfund ſchwer i ragen konnen. Man gibt jhnen werden/ ſondern ſie ſind in jhren unrechkmaſſaber nur dieſe Ladung/ wann die Kaufſeute na⸗ gen Anforderungen/ welche ſie doch ſo heim ich he an die Zoͤlle kounnen/ damit ſie nicht ſo viel kreiben/ als es immer moͤglich iſt/ noch eher verzollen doͤrffen/ dann alsdann laden ſie auf zu befriedigen/ als die Turcken/ und komt 05 ö . unrecht“ Fuͤnſtes Buch. 5 unrechtes Stück an den Tag/ klagt man es ö 1 der es nicht ungeſtrafft laſt hinichterin Been. 5 5 a Die Kanen oder Stadthalter halten das Gericht in ihren Provinzen/ in des Königs Namen/ deſſen Per ſon ſie præſentieren über das aber ſetzer der König in jede Stadt einen an-Begui, ſo von jhme alles dependieret/ und der Kan einen Deroga, der ſo viel iſt/ als in kanckreich der Lieutenant Criminel, Dieler unter ſucht und ſpricht das Recht im Dieb/ Schlaͤgereyen und Mordthaten/ und hat Achtung auf bie Hutenhauſer/ wie jch anersſog gemeldet; Unter ſich hat er einen Radas„ ſo gleichſam Wachtmeiſter über die Schaar pache iſt/ und des Nachts mit ſeinen Schgarwachtern allerley Unordnung zu vermulen/ durch die Gaſſen gehet/ und die/ ſo er Alber bie Zeit daſelbſt findet/ wann ſie nicht g9genugſatze Entſchuldigungen anzuführen wiſfen ns Gefangnuß ſetzet. Es iſt auch noch kin Slohrer, welches ſo viel als der Erſte oder Vornehmſte iſt/ wie vor Zeiten bey den Römern der Tribunus Plebis, und in Franckreich le prevoſt de Marchands. Dieſer Kelonter dependiert allein vom Konig/ welcher in jede Stadt einen ſetzet/ und iſt ſein Amt/ das Volck gegen die unrechtmaͤſſige Gewaltthaten der Stadthalter zu beſchützen.. Was den Tobdſchlag anbelanget/ wird derſelbe guf das ſchaͤrffſte geſtraffet/ und nog den Schuldigen kein Gold von der Straf heſreyen. So bald man den Morder ergriffen/ führet man ihn vor den Divan Begui, loelcher einen kurtzen Proceß mit jhme machet. Es iſt/ wie ich ſchon erwehnet/ der Gebrauch/ den Thaker des Entleibten Freunden zu überlieffern/ enen es verlaubt iſt/ ſich mit dem Moͤrder um dne gewiſſe Summa Gelts zu vergleichen; Weil ſie aber in Perſien vor dergleichen Verlagen einen Abſchen haben/ geſchiehet es dahedi gar ſelten/ und die/ ſo ſolche eingehen/ ſeynd 2 0% 7 0 10 1 ſe de 5 e . f uch irgend ſehen laſſen. Des Enkleibten neunde führen den Thäter auf den gewoͤhnTian Nich platz und toͤdten jhn ohne einigen Floſtoder Zuſpruch/ grauſamer Weiſe/ und werden ſelbſt zu Hanckern an jhm. Ob ich nun Folſchonetliche Exempel von derglachen EyeScho rempel von dergleichen Exea ich den an einem andern Ort angeführet/ wil ehen noch dieſes/ ſo mir beyfallt/ hiebey ee 0 Es klagten etliche Bauren um Schiras derum bey dem Kan, daß man das Waſſer/ ſo abge,Canale auf alle Felder geführet wird bogkleitet hate/ darauf ſchickte der Can einen Mate Mignons(es iſt genug bekant/ was s Wort bedeute) um zu ſehen/ wo ſolches Kerkomme/ und in welcher Gegend das Waß g eher Oeg te Weiber nach Hof/ und hielten bey dem Koi gunsbagleitet worden. Dieſer reiſete mit einer 15 5 Equipage und einem ziemlichen Vorden dh Wein von Schiras gb) und als er auf n Abend einen jungen Edelmann/ ſo von der dane und etwas Feder⸗Wildpratt bey we ae, antraffe/ bathe er jhn/ er mochte das/ 1165 42 dem/ was er bey ſich fuhrZeit ihres Lebens verſchrenet/ und dorffen 26 te/ geben/ und wolten ſie ſich dabey luſtig machen. Dieſer junge Edelmann/ ſo kurz verheurathet/ und ſchon von Perſon war/ gefeſe des Kans Favoriten uber die maſſen wol/ und erhielte auch von jhm/ baß er eine Zeitlang in die Nacht ſich in einen Glaß Wein niit Ihm zu ergetzen verſprache. Des Favoriten Zelt wurde nahe bey dem Dorf aufgeſch lagen/ und ſetzten ſie ſich mit frolichem Muth zuſammen/ und fiengen an zu Nacht zu eſſen. Der junge Ehemann hatte kein Zelt/ gienge deswegen nach gehaltener Mahlzeit von da weg/ und auf das Gemach/ welches er im Dorf vor ſich hattezurichten laſſen/ wurde aber gantz beſtürtzet/ als der ander zu jhm kam/ und von jhm inſtandigſt begehrte/ welches nur zu nennen ich einen Abſcheutrage. Er wi harten Worten/ un 6 an den rechten kame/ er ſolte davor hingehen und ſeinen Rauſch gußſchlaffen; wolte Ihm auch nicht uͤbeler mitfahren/ weil er des Kan und wie er ſahe/ daß nichts zu erhalten/ zogeer auß Verzweiflung/ daß ay ſeinen Zweck meht erlangen konte/ und auß Scham/ daß er ihm derſetzte ſich ihm ſo bald mit dverwieſe jhm/ daß er nicht Perſane wird ſchelmiſcher We ſe umge8 bracht. Favorit war. Jener aber hielte noch mehr an // in junger * ſolches angemuthet/ einen Doͤlchen/ under mordere ſchelmniſcher weiſe dieſen jungen Perſianer. Als die That geſchehen/ entflohe er/ und Lerbarge ſich auf dem Gebirg; aber das Gieſchrey über dieſe Mordthat breitete ſich über all auß/ und kamen die Wittwe/ die Mutter Seine Verund Schweſter des Getodteten ſo bald mik weinenden Augen vor den Pan, und rieffen um vandten ſucen ſeinen Tod eu raGerechtigkeſt. Ich habe allerweil erſt geſagt/ chen. daß in ſolche: n der Gebrauch ſeye/ daß des Entleibt erwandten um Blut ruffen/ welches geſchatzet/ und mit Geld bezahlet wird/ wann die jenigen/ ſo es verfolgen/ damit zu frieben ſind. Es geſchiehet aber gar ſelten/ weil man uͤber einem ſo ſchimpflichen Vergleich in den groͤſten Spott und Verachtung komt; „ wird jhnen alſo der Thater gebunden und geknebelt geliefert/ an welchem ſie alle Grauſarmkeitẽ/ ſo hr verbittertes Gemüth nur erſinnen kan/ ſo lang verüben/ biß durch ſeinen Tod ihre Rache ganzlich geſtillet. Der Kan, ſo ſeinen Mignon ſehr liebte/ und gern ſalvieren wolte/ gab dieſen Weibern zuverſtehen/ daß er ihnen eine anſehnliche Summg Gelds zahlen wolte/ wann ſie den Thaͤter nicht weiter ver Es wird jßklagen geboten. folgen wurden; als er aber ſahe/ daß ſie auf keine Weiſe davon hoͤren wolten/ ſondern noch draueten/ ihn bey dem Konig zu verklag wann er jhnen nicht den Morder in jhre Haude lieferte/ wurde er gezwungen/ jhn ſuchen zu laſſen/ und nach Iſpahan zu ſenden/ unter dem Vorwand/ er konne in dieſer Sache nicht Richter ſeyn/ ſondern uͤbergebe ſie gantz und gar dem Konig. Hierauf giengen dieſe bekrübnig ſo inſtandig um Gerechtigkeit an/ daß ob er ſchon vielleicht den Thater/ dem Kan zu lieb pardonieret haͤtte/ er jhnen doch eadlich den2 ö f ſich von ſeinem Blut bezahlt machen/ und wurde er von Stund an auf den Mey day geen Gelt anllben übergabe? und ſagte ſie mochten Ihre Grau- führer/ kpoſelbſt hin die Witttwe einen Dolſumkeit ge⸗ 80 durch das Hertz ſtieſſe/ die Mukter und Schweſter folgeten/ und thaͤten dergleichen/ ſamleten darauf alle drey das Blut in eine Schale/ und truncken es ihrem Durſt nach/ die Rache dadurch zu ſtillen. Es wird aber nicht allein in Per ſien ſe ſtreng uͤber der Gerechtigkeit gehalten/ was den Todſchlag anbetrifft/ ſondern es geſchiehet alich ein gleiches wegen der nor dnungen und chemeine Inſolenkſen/ ſo in den Huren⸗Hauſern vorgePen in hen/ davon ich dem geneigten Leſer nur ztwen bochſttafbar. Exempel vorſtellen wil. Es kame ein junger Hollandiſcher Kaufmann nach Iſpahgn/ und lieſſe ſich ſo bald auf Perſiſch kleiden eindmals gienge er Abends an einen ſolchen Ort/ und Fraffe etliche Perſianer da an/ ſie geriet hen zuſäammen in Skreithandel/ ſo daß ſte ſich ſchlugen/ und dieſer ſehr übel zugerichtet davon gieng. Der Hollandiſehe Dollmetſch beklage ſich in ſeinem Namen bey dem Athematdoulet, welcher es vor den Konig brachte/ worauf der Konig befahl/ man ſolte die jenigen/ ſo den Hollander ſo ühel traetiert harten/ und den Dollmetſch mit jhnen/ konnen laſſen. Als i der Konig fragte/ warum ſie einen Fremden 4 geſchlagen?(Dann die Fremden werden in Saen Perſien ſehr wol gelitten) antworteten die andawoi, Deren/ ſie hatten an dieſem Ort keinen Fremden/ ſondern nur einen guf Perſiſeh gekleidet geſehen. Darauf ſagte der Konig zu dem Dollmetſch/ wann der Hollander nach ſeiner LandsArt ware gekleidet geweſen/ wuͤrden jhn die anderen als einen Fremden daran erkennet/ und gewißlich kein Leyd gethan haben/ weil aber die Sachen ſo hergangen/ kan ich ſie nicht ſtraffen. Hguß ein groſſer Lermen/ weil die Wurthin ihre eygene Tochter zu aller Leichtfertigkeit hingabe. Als der Kong ſolches eyfahren/ ließ er 5 die Mutter von einem Thurn ſtürtzen/ und die Fiochter wurde von den Hunden/ welche der Konig zu dergleichen Straffen halten laſt/ zer5 riſſen; Damit aber dieſe Hunde deſto blutbegieriger anzufallen gewehnet werden/ wirfft man ihnen alle morgen zer ſplitterte dammelsKopfe vor /o ihre einige Nahrung ſind Vor allem aber iſt in Perſien die beſte Anſtalt/ wegen der Sicherheit auf den Straſſen/ von welcher ich an etlichen Orten meiner NeisPeſchreibung nur obenhin gedacht. Es iſt Gute rde aber zu wiſſen/ daß von einem gewiſſen Ort zu Scheibe dern andern/ abſonderlich aber an denen Oerd Reißen, kern wo ein Waſſer iſt/ und man nothwendig „Ein gnder mal eneſtunde in einem ſolchen drüber muß/ Wachten geſetzet werden welche ſie Kadars nennen/ dieſe kommen auf das geriungſte Zeichen/ ſo jemand angegriffen wird zu hilf/ und fragen einen jeden/ ſo vor bey gehet/ woher er komme/ und wohin er wolle Geſchiehet es daß ſie nicht auf gehorige Weiſe anttvorken konnen oder jhre Antwort nicht mit einander bereiteten/ führet man ſie ſo bald nach dem nechſten Stadthalter/ welcher ſie/ wann ſie eines Raubs uber wieſen worden/ der Gebühr nach zu ſtraffen weißt. Dieſe Radars ſind dergeſtalt in gantz Perſten hin und Neisbeſthreibultg in Perſien/ f aden denen dec fen Taback/ ſo man hen ter abzuhelffen/ wit denn Sabel einen Styel die Perſigner eine ander. wieder außgeſegt/ daß/ wann man wiſſen wil/ wo ber jenige hingekommen iſt/ ſo eine Ubelthat begangen/ man nur an dieſe Ort ſchicken darf/ wo ſie ſich aufhalten. Eigentlich davon zu ſagen/ iſt es bald unmoglich/ daß man auß Perſſen entrinnen kan/ weil alle Paſſe zu wol verwahret ſeynd/ und wolte jemand auſſer der Straſſen/ über das Gebirg/ oder andere Neben wege zu entkommen trachten/ wurde er ſich dadurch/ weil er nicht auf der graden Strafſen bleibet/ ver dachtig machen/ und von dieſen Radar ſo hin und wieder ſtreichen/ eingezogen FCC Ü ˖»„„ Eeinsmals als die Caravana von Tauris nach Iſpahan aufbrach/ ſuchte ein armer Tropf unter dem Getunnnel/ und der Unord⸗. mung/ welche ſich genſeiniglich bey der Abreiſe der Cara vana zu ereygnen pfleget/ ein Felleiſen ae dun stehlen/ und entwiſchte damit well erden ia Weg nicht wuſte uber zwerch Feld. Als der ſen la Kaufingun gewahr wurde/ daß er heſtohlen rf, worden/ beklagte er ſich bey dem Stadthalter darüber welcher ſo bald in der Stadt darna h ſichen ließ; Weil aber alles Nachſuehen vekgebens ſchickte er ſo bald an die Wacht auf den Wegen Ordre/ auf das genauſte nach dem Thater zuſuchen“ und ſo bald ſie ſolchen wurden ertappet haben/ zu jhm zu bringen; Unterdeſſen als der Dieb eine Zeitlang in dem dürren und 1 Feld herum geſtrichen/ wurde er endlich auß Durſt gezwungen/ das Felleiſen ligen zu fen/ and nach Waſſer zu gehen. Die Radats fragten ihn/ woher er ſo allein und über zwerch Feld kaͤme/ weil er aber ſich nicht allerdings gnugſam verantporken konte/ nahmen ſe hn beym Kopf/ und führten jhn nach dem Stadthalter“ da er ſo bald des Diebſſahls uͤberzeuget/ und auch von Stund an zum Tod perurtheilet ſvurde; dann die Diebe und Naͤuber haben nimmermehr einige Gnade zu hof ei fen und tverden durch unterſchiedliche Hater kene hingerichtet; Bald werden ſie hey den Füßen/ n mit dem Kopf gegen die Erden an eines Ka. meels Sattel aufgehaͤncket/ und der Bauch 5 gufgehauen. Bald wird einer e 1 1701 bigkelk in den Mund gibt H atiß Barth 0 2 — 6 an den Kopfeingeinauret/ und mit eitder us er ohne eil geandere Hul ao ſterben, Bihweilen geh, Fel es zwar aßen Vatüberhehender deu, o Gequaleten alif fen Bitten/ und der Male Aber der ef ae dec ce e, dem Richter hoch 1 0 Uber das haben wischen vier Mauren eingemaurek/ und lot goſſen(welcher/ wann er erhärtet/ dein er alſo wütend und tobend dahin übt. Die allergrauſanſte Master uud e Ae wannſie den zum Tod Berdamten auen Pferd ſtzen und hinter warts die beyden al, er ruffet/ und doch kaum gu e 8 il 0 i Luk ehh 11 il 1 m trafft 75 90 liche ga 00 = 1 9 9 10 Dieb, ls Ihen wüsten an einen Stecken gußſpannen/ hernach aber mit einem t einem Meſſer hin und wieder an dem Leib Löcher machen/ und brennende Liechter durchſtecken als wann er geſpicket ware/ biß der grme Menſch elendiger Weiſe verbrennet/ wie ich bey der Hiſtory von des Prinzen von Jal que Rebellion angetnercket habe. Als ich einsmals mit Pater facob de Nice, CarmeliterOrdens/ und damaligen Viſttato ren in dieſen Landen/ von Iſpahan nach Schiras reiſete/ klaffen wir zwey Meilen von dieſer letſteren Skaddt ihrer drey an/ ſo auf ſolche grauſame Weiſe gemartert worden/ welche uns bathen/ ihnen der Marker abzuhelffen; wir konten uns aber nicht dazu reſolvieren/ ſondern lieſſen allein durch unſere Diener einem jeden eine Ifeiffen Taback geben/ welchen ſie verlangten. Der Diebſtahl/ ſo in der Stadt geſchiehet/ wird auf folgende Weiſe geſtraffet: Der Malificant wird mit dem Kopf gegen die Erden/ aneines Kameels Sattelknopf angebunden/ und naehdem jhme der Bauch aufgeſchnitten/ alſo durch die Gaſſen der Stadt herum geführet/ und vor ihm her außgeruffen: Der Korug hat ihn um dieſes Laſters willen alſo ſtraffen laſſen. Wann ſie ihn gnugſam herum gefuhret/ und er noch nicht tod iſt/ haͤncken ſie ihn an den nechſten Baum oder Galgen/ und begraben ihn/ wann er geſtorben. Dieſe Radars haben keine groſſe Beſoldung/ dahero muͤſſen ſie ſehen/ daß ſie von den Reiſenden mit guter Manier etwas bekommen/ wie ſie dann den Kaufleuten vorzuſtellen wiſſen/ daß ſie hrentwegen wachen/ und groſſe Mühe haben/ die Straſſen ſicher zu halten/ deßwegen auch wol etwas verdieneten. Sie chlagen auf jede Laſt einen kleinen Zoll/ nemlich quf ein Kameel etwas mehr/ als ein Mauleſel/ auf einen Mauleſel mehr als auf ein Pͤferd oder Eſel; aber von den Lebensmitteln ü bent gibt man nichts. Geſchiehet es/ daß ein Kaufmann beſtohile en wird/ muß der Stadthalter derſelben Proen de Lintz/ wo der Diebſtahl geſchehen/ davor gut Erſah ſeyn und das geſtohlene Gut dem Kaufmann/ eme auf ſeinen Eyd/ und was ſeine Bucher ußweiſen/ geglaubet wird/ bezahlen. Wie 8 die Stadthalter in ſolchen Fallen die Aufteute ſehr wol zu frieden ſtellen/ weil ſie rchten/ ſie mochten/ wann ſie nach Iſpahan oinmen/ hre Klagden vor den Konig bringen. rede/ was dieſe loͤbliche Ordnung im Haltzen Königreich Perſten anlanget/ auß der rung/ weil mir zrvey Ballen/ ls ich auß Judien nach Iſpahan zurück reiſete/ geſtohlen/ zulld der Preiß davor bezahlet worden. Ich wolte eben auß einer Carvanſera; Machet gea ban, fortreiſen/ da wurden die Kameel⸗Trei/als ſie laden wolten/ gewahr/ daß von meiſa deten zwey Ballen mangelten/ und 10 en mirs ſo bald. Ich ſetzte mich ohne Zeit lee leren Pferd/ und nahme etliche Kauftreiber i der Oaravana, und meine KameelNc or mit mir zurück/ biß in eine Stadt/ mit a wiel Jabron zwischen Lar urſd Schiras, 8 15 85 borigen Tages durchgereiſet. Ich Buch. 5 i 7 beklagte mich bey dem/ ſo an dieſem Ort zz befehlen hacte/ welcher mich ſehr hofich em ſich hat/ dann wer einen 269 pfieng/ und in meinen Büchern nachſehen hieſſe/ wie hoch ich meine Waaren einkauſt/ und vor Zoll zu ſtehen kamen/ und funde es ſich/ daß ſie mich 1400. Piaſtres foſteten/ worauf der Stadthalter auf mein Wort/ meine Bücher/ und die Außſage glaubhaftiger Zeugen/ daß es ſich ſo ver hielte ſich erbothe/ mir dieſe Summa zu bezahlen/ ich wurde jhm aber einen Gefallen erweiſen! wann ich bey meiner Zurückkunft von Iſpahan erſt das Geld erheben wolte/ und weil es eine Sache war/ ſo ſch wol konte geſehehen laſſen/ thate ich ihm dieſen Gefallen ſehr gern. Bey meiner Zurückkunft nach Jahron, ſchickte ich einen von meinen Leuten zu ihm/ ließ jhn in meinem Namen gruſſen/ und ſagen/ ich wolte mir morgen die Ehre geben/ ihn zu beſuchen. Er wartete aber nicht biß auf den folgenden Tag/ ſondern ſchickte mir noch denſelben Tag meine Bezahlung in Gold/ und noch dazu zur Verehrung drey Flaͤſchen mit Wein/ einen Hammel/ eine junge Geiß/ und eine Schale mit friſchen Datteln/ ſo die beſten in gantz Aſien ſind. Es iſt aber nicht genug/ daß ich ſie die Beſten nenne/ und muß ich ſolches im Voruber⸗ Herziche gang erinnern/ damit ichs hernach nicht ver⸗ Pa geſſe dann ſie haben eine gantz beſondere Ey⸗ en genſchafft/ davon ſie ſo herꝛlich und den Confituren gleich werden/ und ſehen von Natur/ als wann ſie in Honig oder Syrup eingemachet waren. Man verführet ſie hin und wieder in Perſien/ und auf zweyerley Weiſe/ entweder noch an den Aeſten in Kuͤſten/ wie wir zur Reiſe brauchen/ und laſſen ſie o. oder 10. ungefehr an jeden Aeſten/ oder die Früchte allein ohne dem Aſt/ in kleinen irdenen Hafen/ ſo biß auf zwey oder drey Pfund halten. Dieweil ich nun von den Wegen handele/ ſoll es wol nicht ungereimt kommen/ daß ich hiervon etwas Meldung thue/ welches zwar noch ſehr durch gantz Perſien/ heutiges Tags d aber in keiner andern Orientaliſchen Provinz name f In/ Beſchaffenwelche ſie Chappars nennen/ und alle Verrich⸗ beit habe. gebrauchlich iſt nemlich von den Courrierern/ tungen von dem Koͤnig an die Stadthalter in den Provintzen/ und von denſelben wiederum an den Kong bringen. Wann einer von dieſen Courrierern abgehet/ gibt jhm des Königs oder Stadthalters Stallmeiſter ein Pferd/ und einen Mann/ ſo nachlaufft/ und daſſelbe wieder zurück bringet/ trifft er unterwegs einen Reuter an/ hat er Macht/ denſelben abzuſetzen/ welches gar offt geſchiehet/ abſonderlich wann ſie mercken/ daß jhre Pferde mud werden/ und mag der Abgeſetzte wieder nach ſeinem Pferd laufſen/ oder jemand ſchicken/ der es wieder hole. Oftmals mißbrauchen ſie ſich auch dieſes Gewalts und wann ſie erſt vor einer viertel Stund Pferde gewechselt/ und einen andern antreffen/ welcher ſie düncket beſſer beritten zu ſeyn/ nehtnen ſie ihm ſein Pferd wieder/ und darf ſich der Reuter nicht widerſetzen/ ob er ſchon ſtarcker iſt/ und noch etliche andere bey n von dieſen Chappars 5 nur Was es nt 270. Reisbeſchreibung in Perſien/ 8 e krümmen wurde/ hatte ſich twürde/ muten die armen Leute/ und das geund jbre keiner Gnade zu getroſten. Underweilen/ wann Feyletten. der Currrier wol beritten iſt/ macht er denen/ ſo 0 er antrift/ mu eine Forcht/ und ſtellet ſich/ ob wolle er ihm ſein Pferd nehmen/ wovor hm dann der Reuter etwas geben muß/ ſo dieſer Currier kleine Profiten ſeynd. Ein gleiches aber doͤrffen ſie keinem Francken thun/ wie ich bann underſchiedliche mal einige von dieſen Chapars angetroffen/ ſo bey mir vorbey gerikten/ und kein Wort geſagt/ bißweilen gab ich jhnen wol eine Schalen voll Wein/ davor ſie mir ſehr dancktken. In Tuͤrcken waren vor dieſem auch dergleichen Currier; als aber Sultan Amurat erfuhren/ daß ihm die jenige/ ſo abgeſetzt wurden/ ſehr fuchten/ richtete er von einem Ort zu dem andern Poſt⸗Hauſer an/ und mußte das Land in jedem J. oder g. Pferde halten. Dieſe gute Anſtalt iſt noch/ dahero hat ein Reisender in Turkey nicht ſo viel Ungemaͤchlichkeiten zu beforchten/ als in Perſien. Gleichwie nun bey allen Standen/ vornehmlich um der Lebens⸗Mittel willen/ eine gute Policen angerichtet/ ſo iſt gewißlich in dieſem Stuck die Perſiſche eine von den beſten in Hasbepden der Welt. Sie haben einen Nohreleb/ ſo wie a a der Richter im Policey⸗Teſen iſt und mikz. und Verkau er Speiſen ober 4. Allelloren, alle Eſſen⸗Speiſen und e Vietualien ſchatzet. Den erſten Tag in der It. Wochen wird allezeit offentlich außgernffen/ was bas Pfund von jedem koſten ſoll/ und rathſchlagen underdeſſen die verordnete Richter zuſamen/ ob man die künftige Woche den Preiß von den Victualien ſteigern oder verringern ſolle. Dieſe Ordnung wurde durch Cha- Abas den Groſſen eingeführet/ und wur5 de zur Seit ſeiner Regierung viel ordentlicher/ als biß hero in acht genommen/ und muß man zuvorderſt/ ehe ich weiter gehe/ wiſſen/ daß in Perſien alle Lebens⸗Miktel nicht nach der Maß/ ſondern nach den Gewicht verkauffet werden. Und kan man bey ſo guter Anſtalt een Kind zu Marckt ſchicken/ und kauffen laſ„detmiebe, men/ und mir mein Gelt herauß geben. Wurde jemand falſch Gewicht brauchen/ oder etrehen im verkgußfen ſtraff bar. ſen/ was man wil/ ſtehet mir das Gekaufte nicht an/ muß es der Verkaͤuffer wieder nehwas nur um einen Heller theurer/ als der geſetzte Preiß iſt/ verkauffen/ wird er ſo bald deßwweegen geſtraft. Die gemeine Straffe der jenigen/ ſo auf einem Betrug ertappet werden/ iſt/ daß ſie ein groß Takte · Kolas, ſo eine hohe Rappe iſt/ wie unſere Bienen⸗Stoͤcke/ auf dem Kopf/ und eine Schalle an dem Hals tragen miſſen. In dieſer Ruſtung fuͤhret ſie ein Stadt⸗ Diener durch die Straſſen/ damit ſie . 1 0 werden/ 3 8 ſes geſchehen/ muſſen ſie ein gewiſſes Straf geben(und bekommen mit einem Stock etliche Streicheauf die Fußſolen. Underweilen iſt die Stuafe auch etwas ſchärffer/ wie es einem Becker und Garkoch bo eden begegnete/ deren Hiſtoriich als ich von der Regierung des Groſ⸗. ſen hebe handelte auger. Wannnicht über der Polſcen/ was die Victualien anbelanget/ ſo einſtlich gehalten meine Volck ins geſamt/ darunder leiden Dann die Handwercks⸗Leute/ welche den gantzen Tag über/ weit von jhren Haͤuſern in den Krarnen arbeiten/ da under deſſen jhre Weiber beſtandig bey ihrem geringen Garten⸗Werck zu Hauß bleiben/ eſſen nach Gewonheit des 9 Landes zu Mittag nur etliche Fruchte/ undd dn verſehen ſich erſt des Abends/ wann ſie vonſhrer Arbeit gehen/ mit Brot/ und gekochten oder gebratenen Speiſen/ davon allezeit auf den Marckten ein groſſer Vorꝛathiſt. Weil in Perſien wie ich erwehnet/ faſt zu ſagen kein Holtz iſt/ und man in den Kuchen nichts als Geſtrauch/ Kühe⸗Kameel⸗ und Geiß⸗Miſt/ und andere dergleichen Sachen brauchet/ kochet man des Abends auf den Marckten in groſſen Keſſeln vor das gemeine Volck/ ſo den Tag uͤber arbeitet/ das Hleiſch in groſſerMenge. Und um dieſer Urſach willen/ wind ſo ſteiff und veſt uber der Ordnung von den Vietualien gehalten/ damit ſo viel arme HandwercksLeute/ oder Tagloͤhner nicht betrogen werden. Durch das Exempel von dem Stadthalter zu kom, weleher um eines geringen Accis willen ſo er auf etliche Victualien geſehlagen/ ernſtlich geſtraffet worden/ habe ich an einem andern Orr genugſam bewieſen/ wie die Gerechtigkeit/ und eine gute Ordnung in Perſien gehandhabet werden/ nun aber will ie; auein bey dem Beſchluß dieſes Capirels/ noch dieſes hinzu ſetzen/ was ich einsmals zu Tauris geſe?⸗ 6 hen. Ein Becker in der Stabt beklagte ſich 00 10 bey dem Kan; daß der Mohreſeb das Brot Ach nicht ſteigerte/ und daß man unmoglich dabey ue zurecht kommen koͤnte. Der Kan gab ihm zu fen. i verſtehen/ daß es nicht ſeines Amts/ ſondern die dazu beſtellte Obrigkeit muſte hierinnen die Vorſehung thun. Der andere aber bildete ſich gewiß ein/ der Kan konte auß eigener Macht thun/ was er wolte/ und ſchickte hm 50. Tomans zur Verehrung. Wie der Kan das boßhaftige Vornehmen/ und des Beckers Bubenſtuͤck merekte/ daß er ſich mit des armen Voleks Schaden zu bereichern ſuchte/ und dazu jhn ſelbſt in einem ſo boͤſen Verdacht hatle/ ob wolte er die Gerechtigkeit um Gelt verkauffen/ befahl er ihn auf den Platz zu führen/ und ſo viel Streich mit dem Stock auf dee 925 Fußſolen zu geben/ biß er noch 0. Tomans bringen lieſſe/ welche der Kan auf der Stelle under die Armen theilete/ und den Preiß des Brots an ſtatt demſelben zu ſteigern/ um etwas verzingerr e 2 5 Das XIV. Capirel. Von der Perſianer Sitten und Gag. Je eines Volcks Religion und N Gottes dienſt iſt/ ſo ſeynd auch ins geDie Perſtaner behalten nicht die Namen ihrer Samllien/ ſondern auf Jubiſche Art ee. Jae dem andern zu underſtheiden/ und wann ſee jeGſchlechte: mand nennen wollen/ ſagen ſie/ dieſer iſt dieſes oder jenen ſein Sohn. Wann ſie ein Kind beconeiden und ihm einen Namen geben wollen/ ſchreiben ſie 3. oder 4. duf ſo viel Zettel/ und laſſen hernach ein Kind einen davon durchs Loß herauß nehmen/ nach welchem das Kind gledann genennet wird. Sie haben keine beſtimmte Seit zur Beſchneidung/ wie die anderen Mahometaner/ geſchicht aber doch meiſtencheils/ wann ſie noch gar jung ſeynd/ damit die Kinder nicht ſo viel Schmertzen fühlen/ als wann ſie ſchon etwas erwachſen. Die meiſten Weiber/ ſo unfruchtbar ſeynd/ ſchlucken des Kinds abgeſchnittene Vorhaut in ſich/ in der Meinung/ daß die Mutter dadurch geofnet/ e aden, and ſie fruchtbar werden ſol en. ſhen. Die Perſianer ſeynd ins gemein ſehr zum Waahꝛſagen geneigt/ und halten die Siernſeher vor beruhmee Leute ziehen ſie auch als Ora cula zu Rath. Der Konig hat allezeit z.oder 4 um ſich/ welche jhm die glückliche und unHluckliche Stunden ſagen. Alle Jahr wird in Perſien ein Kalender/ mit Namen Tacuim, verkauft/ welches eigentlich Ephemerides ſind/ und die Lange und Breite der Planeten/ deren Conjunction und Oppoſition/ und dergleichen in ſich halten. Dieſer Tacuim iſt voll Wahrſagungen vom Krieg/ Kranckheiten und Theurungen; er weiſet/ wann es gut ſeye neue KleiN der anziehen/ Aderlaſſen/ Purgieren/ Reiſen/ und dergleichen mehr. Ja ſie haben ſo einen ace ſtarcken Glauben von dieſem Tacuim, daß der 11640 eelige/ ſo einen bekommen kan/ ſich in allem ſei170% dunn Thun darnach richtet. Andere/ welche 1 gern wiſſen wolten/ ob jhr Vornehmen werde don ſtatten gehen oder nicht/ gehen zu einem Alten 5 bekor über das Geſatz/ und bitten/ er wolle fie en das Buch El Couran dufſchlagen/ und jhnen fein agen was ſie vor einen Außgang zu hoffen lan, Harken. Dieſer Doctor ſagt weiß nicht was 100 lieu vor unbekandre Wort/ ſo das gemeine Volck 5 a 1 5 her und machet das Buch auf/ kak, bag er/ das Vornehmen werde einen guten mußgang gewinnen/ komt er aber im aufſchlaN der Ge bot ſo verneinet/ muß man von 5 nefelgen. Auf ſolche Weiſe urtheilen ſie ſehr — fel von zukunftigen Dingen/ wie einsmals pn Gartner/ Iſmael genannt/ ſo bey den „Lapueinern in Dienſten war/ begegnete. Frwolle wiſſen/ ob er bey dem Ochſen/ den er duſſen wolte wurde Proft haben und gieng 155 0 em Mulha, denſelben darüber rath zu beltende; aber der gekaufte Ochs ſtarb den trübte Os hernach/ ſo den Gartner ſehr beches 1 Als einer von den PP. Capucinern ſolund K ahren⸗ wolte er den Mulha beſchaͤmmen/ re: wel dieſe ihm/ wie ſeine Kunſt ſo falſch wabei, dieler boßhaftige und betrogene Menſch awendete zu eimer Entſchuldi⸗. Gore Mete tu einer Entſchuldignng vor/ daß ne vorher geſehen/ daß dieſer Gartner 8 lemi eichtfertiger Geſelſchaft in Huſo bald ein Gebott/ ſo etwas bejahet/ Dach ablaſſen/ und dieſelbe nicht weiter deen. Der Maulha verſicherte jhn/ daß er bey dem Kauf groſſen Vortheil und Nutzen ha⸗ ft 271 renwinckeln verzehren wolte/ habe derowegen/ ſolche Sunde zu verhüten/ ihm auf ſolche Weiſe davon geholffen/ weil es billich/ daß er 29 e ſeines boſen Bornehmens wegen/ mit dem Verluſt ſeines Oehſen geſtraft wurde. Ulber das haben ſie auch das Ram le, ſo eine Aut Tbeiſſagung ist, durch zuſqmen geſetzte Puncten mit grad oder ungꝛad/ wie die Wurffel/ und haben die Rammals von dieſer Kunſt jhre Laden/ damit ſie durch jhr Weiſſagen etwas Gelt erſo rappen mogen. Sehen ſte Leute kommen/ hab nie hre darzu beſtelte Rerls/ ſo die Hand zugemacht halten/ und ein Ram. mal fragen ob ſir wiſſen/ was er in der Hand verborgen halte. Alsdaum verſamlen ſich viel Auerband Perſonen/ und der Remmal geſchaftig walget fungen ng einige gewiſſe Wuͤrffel von jhnen Kiabetam, Gluckelepen das iſt/ viereckichte Dinge genenin/ darauf/ wie ber bien. zuvor gemeldt/ Punetlein/ grad und ungraadd ſeynd/ herum. Nachdem num viel ute beyſamen/ ſagt er von Stuct zu Stuck/ was der jenige/ mit deme er einen Verſtand/ in der Hand halte; und dieſer daruber verwundert ſich erzeigend/ reitzet mit ſeinem Exempel die Einfaltigen/ etwas auf eine ſolche Aufſchneiderey daran zu wagen. Sie haben noch den Faal, das iſt/ ein Buch aufzuthun/ um vermittels der Zahl grad und ungrad/ das bevorſtehende Gluck oder Unglück zu erkennen. Was die Außlegung der Traume anbelangen thut/ wann der Schwermer ſſch geſetzet/ ſagt er dem jenigen/ der nach ſeimem gehabten Traum es begehrt/ zukunftige Dinge. Der ſelbe hat vot Ie Kunſtlich ein groſſes offenes Buch voll mancherley Bacher n wunderlichen und ſeltzamen Figuren/ um die Leute aufzuhalten/ und zu trachten/ jhnen in ſeinem Buch einige Geſtalt dem jenigen/ ſo ſie im Traum geſehen zu haben/ ſagen/ zu zeigen. Alſo bekomt er von dieſen albern Leuten etwas auf denſelben machende Hofnung/ daß er ohnfehlbahr vorſagen wolle/ was ihnen kunſtigs begegnen ſolle. Dieſe Betrieger halten ſich gewohnlich um des Königs Pallaſt auf/ allda auch die Muſsiggaͤnger zuſamen kommen/ deren werden in gleichem auf der Straſſe nach ulla, da ſie die Leute durch jhr Geſih waz auf zuhalten trachten/ viel geſehen. Die Perſianer ſeynd auf garſtige Reden und Scheltwort fehr geneigt/ und wann zween mit einandern zancken/ an ſtatt der Faͤuſten ſich u gebrauchen/ beſchicht ihr ſchlagen allein mit der Zunge/ da ſie daun einandern ſehr fluchen. Aber gleichwol wird keine Gottslaſterung von Correa. jhnen/ wie auß dem Munde unſerer Europaern rungen bey gehort/ und wann ſie bey Gottes Namen wann del ſchweeren/ oder dem Teufel ſich ergeben/ hören olten/ wurden ſie gantz verwunderend ruffen: Iſt dieſer Menſch naͤrꝛiſch/ der alſo dem Teufel auf Borg ſich ergibt/ und dem Himmel abſagt? Wann dieſelben eine Sach beſtatigen wollen/ ſeynd alle jhre Seh wür/ Set agire-clia, das iſt/ bey des Königs lieben Haubt/ und Erua Pigumber, bey dem Geiſt des Propheten/ welche beyde Schwur gleiche Kräften haben. Hiebey erinnere jeh mich/ daß als ich eines Tags mit etlichen Leuten des 8 4 Hrantzoͤ 272 Frantz ſiſchen Abgeſandten von Galata nach Conſtantinopel reiſete/ wir an dem Ufer ſtill hielten/ um 2. Türcken/ die mit einandern zu Streichen kommen waren/ zuzuſehen. Nachdem dieſelben geſcheiden worden/ ſagte der eine tauſend Schmaͤchwort wider den andern/ und als dieſer ſolches mit Gedult angehoͤrt/ ſprach derſelbe; fuͤr alle Verfluchnngen/ die du wider mich gußgeſpeyet/ wünſche ich dir nur ein Ubel/ nemlich/ daß deine Seel in jener Welt nicht mehr Ruhe habe/ als der Hut eines Frantzoſen in dieſer hat. Wir konten uber den narriſchen Einfall dieſes Turcken/ deme ſolcher vermuthlichen daher kommen/ daß er geſehen/ wie wir uns under einander begrüßten/ und den Hut ſtaͤts in Handen hatten/ des Lachens uns nicht 8 ö Die Perſianer ſeynd von Natur ſehr gleißAe Heu neriſch und groſſe Schmeichler/ und ſtreben mit groſſem Fleiß angeſehen zu ſeyn/ und darnach haben dieſelben jhre groͤſte Begierde. Sie nehmen die Geſchaͤncke gern an/ und thun gern hinwiederum Verehrungen/ inſonderheit Vornehme Herꝛen. Wann dem Konig eine Verehrung beſchicht/ wird ſolche geſch aͤtzt/ und nach dieſer Schaͤtzung muß man dem OberPfoͤrtner 10. und deſſen Stadthalter J. pro cento Uberſchicken. Diß iſt ein Gerecht ſame/ ſo der Konig demſelben verwilligt/ und dafern man jhme ſolches nicht gutwillig uͤberſendet/ F macht er ſich mit Gewalt bezahlen wie ich dann wider einen Abgeſandten der Hollaͤndiſchen Compagnie/ welcher die 10. und 5. pro cento nicht bezahlen wolte/ verüben geſehen. Der Pracht und Unkoͤſten in Perſien ſeynd Über die maſſe/ wie jeh dann ſolches an underſchiedlichen Orten 155 meiner Beſchreibung dargethan habe. Die Vornehmen Herꝛen ſind rachtig in jhrem Aufzug/ die Geſchirꝛ jhrer Pferde mit Gold und Silber bedecket/ und begierig viel Haußgenoſſen/ deren Namen und Aemter nach Gebrauch des Hofs gerichtet/ zu haben. Die Perſianer pfigen einandern an allen vornehmen Feſttagen zu beſuchen/ und ein glüͤckhaftes Feſt zu wunſchen. Die vornehmſten verharꝛen zu Hauß/ um die Beſuchungen der jenigen/ die geringer als ſie/ zu erwarten; alsdann ſteigen dieſelben zu Pferd um hingegen jenen ein gleiches zu erweiſen. Die Hofleut thun dieſe Beſuchungen das gantze Jahr durch/ und gehen zu den Vornehmſten Herꝛen in den Divan oder Saal/ biß daß dieſelbigen auß dem Haram, da jhre Weiber ſeynd/ kommen/ wartende. Wann dieſe Herzen in den Saal eintretten/ neigen ſie ſich gegen der Erden/ die Hand auf die Bruſt haltend; die Compagnie/ welche jhr gewartet/ zu begrüſſen. und andere Nach einigen beſchehenen Complmenten/ beSagen 775 dieſelben ſich zu Pferd/ wie ein gleiches ren. 5 ie jenigen/ die kommen ſeynd ſie zu beſuchen/ ee ban gen begleen /um durch jhr Gubſt einige Gnade von jhme zu empfahen. Die Gnade nun/ welche der Konig gewonlich dergleichen Leuten erweiſet/ iſt/ ſie in ſeinem Namen an einen Kan, oder LandſchaftsReisbeſchreibung in Perſien/ Verwalter zu ſchicken/ denſelbeneinen Vogel/ oder den Calaat, ſo Ihr Maj. jhme verehret u überbringen/ neben Befehl/ dem Bringer eine 1 2 Summa Gelts zu liefern. Der Kan empfangt ſolches Geſchanck/ gleich einem Schatz/ obſchon oft daſſelbe von geringem Werth/ und dem Bringer das auferlegte Gelt zu Hande ſtellend/ gibt jhme über das ſeiner ſeits eine Verehrung/ daneben ſo viel moglich/ die Freude bezeugend/ daß er von dem Koͤnig mit Uberſchickung dieſes Vogels oder Calaat ſo wol bedacht worden. Der Konig ſchicket zimlich oft den Landſchaft⸗Verwaltern/ zu einem Zeichen der Ehren und Wolgewogenheit/ ein koſtbahres Kleid/ Calaat genennet. Dieſer Calaat, da⸗ Ole K. von ich anderswo bereits Anmeldung zu thun/ ſchre ln, Anlaß gehabt/ und welches ich alhier dem Le⸗ en ſer noch beſſer beſchreiben will/ iſt ein Kleid Kun nach Perfſagiſcher Tracht/ ſo gemeitlich von agen Gold⸗ und Silber⸗Stuck. Dieſes dienet den deal“ Verwaltern jhren Gewalt zu ſtaͤrcken/ und bey dem Volck ein groͤſſer Anſehen zu machen/ als die jhren Kan von dem König geliebet ſehend/ denſelben mehr in Ehren halten und foͤrchten. Wann es mithin an dieſen GnadenBezeugungen mangelt/ trachtẽ die Gubernatoren/ oder Landſchafts⸗Verwalter/ ſolche durch Verehrungen/ ſo ſie des Koͤnigs geheimen reunden/ und andern Vornehmen Herꝛen des Hofs thun/ zu erlangen. 8 Wann der Kan Nachricht/ daß der Calaat jhme geſchickt/ gehet derſelbe auß der Stadt entgegen/ von allen ſeinen Beamten/ den Vornehmſten des Orts/ und groͤſtem Theil des Volcks begleitet. Dabeh müſſen auch die Taͤntzerin mit hren Trompeten/ Trumeln/ und andere ſo auf Inſtrumenten ſpielen/ ſich einfnden. Die Verſamlung beſchicht gewonlich in einem Garten/ ein oder zwey Meil von der Stadt/ allda der Königl. Abgeſandte/ der den Calaat hringet/ ſich befinden thut. So bald der Gubernator denſelben erſtehet/ thut er ein groſſes Gebaͤtt für den Konig/ Gott danckenddaß Ihr Maj. ſeiner gedencken. Hernach nint er den Calaat auf ſich/ welcher nach Qualitat 10 des Gubernatoren oder Verwalters. Dem ei⸗ nac an nen ſchicket der Koͤnig allein den Rock; andern 11 105 den Rock/ Mantel Guͤrtel und Kappe; aber ken wann es einer der Vornehmſten des Reichs ie auch den Sabel und Canjare. Mann die Ambaſſadoren den Calaat empfahen/ gibt es o groſſe Streitigkeiten. Dann dieſelben werben nach dem jenigen Ort/ daher ſie kommen/ gehalten/ und dafern der Abgeſandte nicht von einem groſſen Fuͤrſten komt/ will man demſklben den Sabel und Caniare nicht zuſtellen. Ellichen gibt man die Caniare, und nicht den Sch bel/ und andern den Sabel und die Canas nicht. Dieſe 2. Stuck ſeynd gewonlich mit 1 delgeſteinen uͤberſetzt. Nachdem der Kan mn dem Calaat angethan/ kehret derſelbe am dem gantzen Volck wiederum in die Sta 4 gehet in des Königs Hauß(dann in jeder Stadt eines iſt) Kuſſer die Saule der%,, ken/ und verzichtet ein Gebalt für die ſcht führe des Kongs, Hanh lehikt r ſch in ſein Loſament/ allda ein groſſes Gaſt⸗ und FBreuden⸗Mahl gehalten wird/ den Calaar gllen den jenigen/ welche kommen zu jhme/ Moubarek- Bachet, das iſt/ daß dieſes geſegnet/ und eine gute Vorſagung ſeye/ zuſprechen/ Nie ggnn Die Perſianer ſeynd dem Spielen wenig ergeben/ ſintemalen dann auch das Geſatz glle Gluck⸗Spiel verbieten thut/ und das Einkomen/ ſo der xlechaldareBachi hat /iſt von den Strafen der Spielern. Derſelbe halt zu dem Ende Spacher/ denen die Kauſteut/ und andere geringen Stands/ den Eingang ihrer „ Sauſer nicht verſagen dorffen/ aber die Hoben Stands⸗Perſonen ſpotten dieſer S pacher und zahlen nichts/ wie ich ſolches in Erzehlung dhe, des Königs Hof⸗Beamen angedeutet habe, Weh Under der Perſianern Spiel/ iſt eine Manier ut Karten Gengele genennt. Unſerer Karen ſeynd viererley/ aber ſie haben achterley. Sie haben auch eine Gattung Schach; und Drett⸗Spiel/ und dieſes uͤben ſie zum oſtern. Die Kramladen⸗eut haben in den Gaſſen ein gewiſſes Spiel mit kleinen marmorſteinern Kugeln/ welches bey nahem dem Schnell⸗Kugeln See eee Ballen Kegel⸗ und Kugeln⸗Spiel ſeynd bey jhnen unbekandt/ und ſie konnen ſolche ſich auch nicht einbilden. Obſchon dieſelben vorgeben/ daß jhnen in dem Geſatz verboten um Gelt zu ſpieleübertretten fie jedoch oft das Verbot aber fie ſpielen ſehr wenig/ und geben das Gelt gewonlich den Armen. Obwol Mahomet Goldund Silber⸗Geſchir: zu machen/ und deren ich zu bedienen/ verbietet/ meldend/ daß das Mekall für den Gewerb der Menſchen und di heine frepgelaſſen werdenſolle wird doch dieſes Geſatz allein von den jenigen/ denen es au Gold und Silber mangelt/ gehalten/ dann die Reichen machen ſich kein Gewiſſen das Gea zu übertretten/ und viel Bold⸗ und SilAae 5 Geſchir: zu jhrem Dient zu halte Wee ic 0 Bey des die Perſtaner/ und alle Orientg, Volcker/ wiſſen vom ſhagiern 01 en e uns im Gebrauch nichts und kone ich nicht genug verwundern/ zu ſehen/ wie lla un Gang eines Garten 2, oder z. Stund 110 Teppich legen/ um darauf ſich zu ſetzen/ amd das grun anghſchauen. Wann dießtlheg zlwan gufſtehen/ beſchichts allein um Obs ab00 echen/ und zu eſſen/ und ſie halten viel meht uke N/ wann ſie ſolches ſelbſten abbrechen/ ſen Malen ihnen entgegen/ die Dinge zu eſwer, welche mit andern Handen bekaſtet alen die milchigen Wee auen weden imd Fuge Peng gaftereyen berüffen/ allda dieſelben ohn⸗ flach 0 ande, dean han kanten und kauſenderley Gebaren. bela aden/ die anweſende Compagnie zu Wi Es befinden ſich dey ihnen auch eke Spier welche in Subiilieat den 1 uf und ab ſpatzeren gehen. Sie hinge⸗ Bat ein dalſen an dem ſhonſten Orr des Garten bett unſern nicht weichen. Unſere Taſchenſpieler nehtnen/ under jhre Bacher zu thun/ Knöpfe/ dieſe aber geſchickter/ bedienen ſich groſſer Hüner⸗Eyer/ und haben ins gemein aller Sachen mehrere Geſchicklichkeit. Dieſelben geund auf offentlichen Platzen zu ſpielen. Nach Endung jhres Spiels machen ſie tauſenderey luſtige Gebarden/ den Zuſehern etwas anbegehrend/ welchen dann fi ey ſtehet/ jhnen ein klein Stücklein zuzuwerffen/ oder nichts zu geben. Ihre Seil⸗Tantzer übertreffen uch die unſern weit. Ich habe deren vie mal geſehen/ welche oben an einem Thurn ein Seis angebunden/ und auf dem Platz angeſpannet/ hernach von da gerad hinauf gegangen/ und alſo ruͤckling wiederum hinab von dem Thurn auf den Platz/ eine Gewicht⸗Stange in den Händen haltend. Bey jedem Tritt guf dieſem Seil machen ſie aß ſolches zwiſchen den groſſen uind den andern Zehen komme/ welche den veſt beſchlieſſen/ und alſo gehen dieſellen auf und ab/ bißweilen ein Kind guf dem Hals habend/ welches den Mann un Der Aberglaub regieret bey den Perſig⸗ Ihe Aber; wenn ſo wel oder mehr als bey den Turcken aachen Vor Verzichtung jhres Geb An kung Gehatts müſſen ſie Meinungen. ſich waſchen/ und haben zu dem Ende in jedem Hauß ein Waſſer⸗Kaſten/ welcher gemeinlich/ weil das Waſſer eine zeitlang dgrinn/ voll Wurme/ dann an vielen Orten in Perſien iſt kein Überfluß von Waſſer. Sie tauchen das Haubt in dieſes Waſſer/ waſchen damit den Mund und das Angeſicht/ und wann man ihnen ihr Gayſtigkeit hierinnen vorhalt/ antworken dieſelben/ daß des Waſſers genug zur Reinigung ſeye/ deſſen ſolle/ wann es nicht flieſſend iſt/ vier Schuß hoch ſeyn. Der ffieſſenden Waſſer/ wie wenig auch deren/ ſeynd es jedoch genugſam ſie zu reinigen/ und zum Gebatt kuchtig zu machen/ indem dieſelben au das Mahometiſche Geſatz ſich halten/ welches lautet/ daß/ wann von dem Pichl, ſo der Kath des Kameels/ Waſſer foſſe/ ſolches zur Reinigung genug ſehe. Sie haben eine andere Abwaſchung durch ni eech befohlen e das davon etwas angedeutet/ ſind gantz zugeſchloſſene Kammern“ allein einen Tags⸗ Schein von oben/ da runde Fenſter ſeynd/ bekommend/ wie ich ſolche an bemeldtem Ort bewelches eine Kammer ſieben in acht Schuß in die Vikrung/ allda in Mitten eine groſſe i kupferne Platte/ in Jorm eines Becken/ ſehr ſach/ und darunder wird ein Feur von Geſtrauch oder Roß Mist gemacht„(dann an, dere Materi an dieſem Ort zu breiſden verbotten) die Platte erwarmt alles Waſſe ſo in dem Gemach/ und wann sere 5 „„ ereit und BadIhre Barerer. 274 Bereitſchaft/ gehet ein Knecht auf die Sommerlaube/ mit einem Horn blaſend/ um den jenigen/ die willens in das Bad zu kommen/ ſolches zu wiſſen zu thun. Dafern ein Perſianer oder Ba e acht Tag underlieſſe/ in das Bad zu gehen/ wurde derſelbe ein unleidenliches Beiſſen an ſeinem gantzen Leibe fuͤhlen. Das komt daher/ daß die Schweißloͤcher/ ſo durch die Warme des Bades zuvor Inne Bider eröfnet/ wiederum ſich ſchlieſſend/ die Dampfe des Leibs jhren Außgang durch dieſe Schweißloͤcher nicht mehr haben/ daher ſie allenthalben ein beſchwaͤrliches Beiſſen empfinden. Die Ordnung iſt/ daß die Manner Morgens in aller frühe/ biß zwo Stund nach Aufgang der Sonne/ in dieſe Bader gehen/ nach welcher Seit ihnen verboten dahin zu kommen/ aber die Vornehmen Leute haben all jhre eigene Badſtube in den Hauſern. Zwo Stund nachdeme die Manner das Vad verlaſſen/ kommen die Weiber hinein. Bey Eingang der Badſtube iſt der Ort/ da man ſich entkleidet/ und alsdann hinein gehet. Wann jemand kein Tuͤchlein hatte/ die Scham⸗Glieder zu bedecken/ wird demſelben eines gelehnet/ hernach gieſſet man jhme warm Waſſer auf die Achſel. Alsdann komt ein Mann oder Weib/ wann die Weiber in dem Bad/ mit einem Stucklein rauchem Zeug/ den Unrath von dem Leib abzureiben. In dieſem Zuſtand gehet der Menſch/ ſich in ein Kaſten warmen Waſſers/ von jhnen Kolletain genannt/ einzutauchen. Wie allerley Leute in dieſe Bader kommen/ und under einander ſich zu waſchen pflegen/ iſt wol zu befoͤrchten/ daß man nicht eine haßliche Kranckheit davon trage/ wie man deſſen genugſame Exempel ein und anderen Geſchlechts/ ſintemalen viel in dieſen Baͤdern/ die doch der Unkeuſchheit niemalen ergeben geweſen/ verderbt worden. Es ſeynd auch in Perſien gewiſſe Perſonen Saas genannt/ die aͤuf den Gaſſen Waſſer zu krincken geben/ und ein jeglicher trinckt ohne Underſcheid auß einer Schale; wann dann das Land alſo feucht ware/ wie viel Laͤnder in Europa/ und ſie den Gebrauch der Bader nicht hatten/ iſt ſicher/ daß die Kranckheit/ die man zu nennen ſich ſcheuhet/ ſehr gemein under ihnen ſeyn wurde. Ihre Barbierer ſehnd ſehr geſchickt/ und ubertreffen die unſern in Ningfertigkeit der Hand; alſo daß man das Raſieren faſt nicht empfindet. Sie haben auch ein kleines EiſenInſtrument/ damit ſehr wol die Nagel an Handen und Fuͤſſen abgeſchnitten werden. Was die Barte anbelangen thut/ laſſen die Geſätz⸗ Leute ſolche jhnen mit der Schar abſchneiden/ aber den Bart nicht ſo lang/ wie die Türcken in Gewonheit haben. Die Hofdaſelbſten ſtehet das Ende des Zeugs Reisbeſchreibung in Perſien/ beſchreiben. Dieſelbigen haben einen Rock/ von jhnen Caba ye genennet/ der ein wenig under die Knye hinab reiche. Iſt von ſehr feinem Leinwad/ mit groſſen Stichen ge; der. ſtept/ um die darinn ſieh befindende Baumwolle zu halten/ deren Sommers⸗ Zeit/ damit ſelbe deſto leichter ſeyen/ wenig darein gethan wird. Dieſe Leinwadt waren ſehr guten Kaufs/ wann nicht die vornehmen Leuke bey nahe taglich eine andere gebrauchten/ dann weil dieſe Leinwad alle gefarbt/ und die Farbe nicht halten/ bekommen ſolche/ ſo bald nur ein Tropfen Waſſer darauf fällt/ einen Flecken/ und hernach wurden ſie ſich beſchatmen/ einen ſolchen mehr zu tragen. Die Ermel ſeynd lang und glat an dem Arm und werden bey dem Gelaͤnck beſchloſſen. Der Rock iſt auch dem Leib eben/ biß auf den Nun folget der Perſianer Kleidung zu Gürtel/ von dar ſolcher ſich im hinab hangen/ erweitert; wird auf der einen Seiten/ under der lincken Achſel mit Banden von gleichem Zeug/ und auf der andern under der rechten Achſel gebunden. Uber dieſem Nock tragen ſie einen ſchoͤnen Gurtel oder LeibBand von Seiden gemacht/ und andere Enden mit guldenen Blumen geziehret/ uber welchen ſie noch einen andern/ von der anderſtwo angedeuten feinen Wollen von Kelman, gemacht/ binden. Die Reicheſten ſuchen eine groſſe Ehre/ biß in drey Leib⸗Band zu tragen/ die zwey erſten von Seiden/ und das dritte/ ſo das oberſte/ von Wollen. Under dieſem Rock oder Kleid haben ſie ein Under⸗Hembd von Baumwollen Tuch/ in Blum⸗Werck geſtept/ und ihre Hembder ſeynd von Seiden underſchiedlicher Farb. Sie tragen/ ſo wenig als moglich/ den Leinwad/ dieweil der Seiffen ſehr wenig in Perſien ſich befindet/ auch die Leute weiß zu waſchen nicht wiſſen. Wann wir auß Indien nach Iſpahan kommen/ bringen wir alleteik fuͤr fuͤnf oder ſechs Monat zu gebrauchen/ weiß Geraͤth mit/ und nehmens alſo beſudeltt wiederum naher Indien/ da man den Leinwad viel ſauberer und weiſſer/ als in Perſen beſchicht/ waſchet. Ihre Under⸗Hoſen/ die auch von Seiden/ rechen ihnen biß auf die Knoden hinab/ und ſeynd nicht offen/ wie die unſeren/ was Hoſen ſeyen/ iſt denselben unbekannt. Ihr Selle oder A0, e Turban oder Bund nennen/ iſt von einm ſeidenen/ mit Gold und Silber gemengtem Stuck Zeug gemacht/ und in Groſſe un Form einer unſerer groſſen runden Kürbis gleich/ das obere iſt ein wenig flach 100 f Gold⸗ oder Silbern Blumen geziehret/ glei 0 0 einer Gattung eines Strauſſes. Dieſe Kap pen ſeynd ſehr ſchwar/ inſonderheit die en, gen/ dabey wenig Seiden/ und mehrer then Gold und Silber. Die Geringſte dier lelſt⸗gemeldten geſtehet auf zwey hundert Kronen/ und deren ſo die Koͤnige und Vor nehmen Herzen zu kragen pfiegen/ eine und Kriegs⸗Leute laſſen den Bart ganzlich Abſchneiden und bleibt allein ein biß auf die 255 11 ml Knabel⸗Bart/ 105 je halten für eine groſſe Ehre ſolche lange die gantze Zierde des Angeſichts. 8 i C——T——TTT—T—T—T—T—T—T—T—TPT—T—T—TPT—T—T—T—T—T—T—T—T—T—T—T—T—T—T—T—T—T—T—T—T—T—T—-—..——b——————— e. wol auf vier oder fünf hundert Kronen. Selten wird ein anſehenlicher Beamter geſehen/ Woge der, nicht an ſeiner Kappe elliche Edelgeſtein be habe. Die Hof und Kriegs⸗ deut/ beydes 40r fl. . groß und klein/ haben vornen an dem Leib einen Dolchen in dem Guͤrtel ſtecken/ und dieſer Dolche iſt mehr oder weniger/ nach eines jeden Stand und Vermögen mit Edelgeſteinen beſetzt. Der geringſte Soldat laſſet die Scheyde und Griff des Seinigen mit . Silber überziehen; aber der Vornehmen HerN ken jhrige ſeynd mit Kleinodien geziehret/ und an dem letſten Dolchen/ der für ChaAbas dem 1 I. gemacht worden/ habe ich einen Diamant über ſechszig Carat wegend geſeen/ welcher ſamt andern daneben ſich beundenen Steinen zwoͤlf oder dreyzehen tauend Tomans, ſo ohngefehr zwey hundert tauſend Kronen geſchatzt worden. In allen Mahometiſchen Hofen haben die Furſten und urſtin von Koniglichem Geblüt/ die FreyNit/ zween Dolchen zu tragen/ auf jeder 1 eite einen; aber die Freyheit erſtrecket ſich 1 allein auf das Königliche Hauß. 09 einen andern Rock/ ohngefehr auf Manier 10 Ala unſerer ſo genannten julte-au corps. Der . Rock iſt oben mit einem Knopf angeheftet/ und vornen ſeynd gemeinlich neun Knöpfe mit Schlingen/ je drey und drey beyſamen/ und in gleicher Weite underſcheiden/ die aber nur für eine Zier dienen/ dann ſie nicht im Gebrauch den Nock einzuknoͤpfen. Die Knopf⸗Schlingen des Koͤnigs Rock ſeynd wit Edelgeſteinen beſetzt/ und der Zeug des Rocks iſt von Tuch oder Brocatel/ Winers Zeit mit Marter/ oder einer gewiſſen attung grauen/ auß Koraſan kommenden a Schaf Bel deſſen Wolle ſo fein als Sei/ lang/ kraus/ und hoch geacht/ gefuttert 80 Die Perſianer halten viel von bundten 0 in jhren Kleidern/ dann der Rock oder 1 genannte juſte⸗ au- corps, iſt einer Farb/ A dünder⸗ ock einer andern/ die UnderJen wiederum einer andern/ und jhre Schuh/ inſonderheit der Weibern/ ſeynd enthy er grün/ oder roth/ oder gelb/ oder Violbun. Der Gürtel und der Bund ſollen 7 0 Want don geſtricheltem % e 1. n leſer Kleidung haben ſie noch i denn, Ane Zeit eine Gattung langer Maͤnlen a 0 auf die Ferſen reichend/ mit Erm5 0 licher Lange/ werden auch mit koſtbahmen Heul, Werck gefüttert. Die vornehVol 1 und auch viel auß dem gemeinen 7 ſparen Gold und Silbern Zeug weSerge, als wir in unſerm Land eine ſchlechte . Ae er Zeug. Ein Hofmann/ der jahr1 ge; ae ſieben oder acht Tomans Beſoldung/ inen. ö eidung/ und dieſer Pracht„„ i Pracht nimt taglich zu/ much bey ſchlechten Leuten Aeg daß 2 oft init Mühe den Knecht und den HerÜber droben gemeldtes Kleid haben ſie Zeug ſeyn/ nur die wol über vier oder funf Tomans auf i 27 ren underſcheiden kan/ und das Sprichwort gill heutiges Tags in Perſien/ korbebe lebas; das iſt/ je ſchoͤner du bekleidet /e beſſer wirſt du aufgenommen und geehret werden/ und einen Zutritt bey Hof und Groſſen Herzen haben. Oha-Abas II. geſtattete dieſe Unordnung/ welches der Groſſe ChaAbas deſſen Uhr⸗Anher?/ nicht thate/ ſondern wolte/ daß ein jeder nach ſeinem Stand gekleidet ſeyn ſolte. Dann als er eines Tags beobachtete/ daß einer ſeiner Leuten uber anderen Strumpfe von guldenem Zeug an hatte/ fragte er denſelben/ wie viel er Beſoldung hatte/ wie der Konig nun leicht erachten konte/ daß/ ſo köͤſtliehe Strümpfe zu tragen/ und kunftigs ſo viel aufzuwenden/ dieſe Beſoldung nicht ertragen mochte/ hat er/ andern zum Exempel/ ſich vor dergleichen Ubermaß zu hüten/ befohlen/ demſelben ſo viel Streiche an die Fußſolen zu geben/ daß er wenig Tag hernach aufgegeiſtet. Andere melden/ daß dieſer Beamte uber die Frag/ ſo der Konig an jhne gethan/ beſtuͤrtzt/ demſelben geantwortet/ daß/ weil er mithin Podagrams⸗Schmertzen empfinde/ er ſich dergleichen Struͤmpfen bediene/ weil man ihne verſichert/ daß er mehrere Warme davon haben wurde; darauf der Konig antwortend/ daß man jhne ein ſchlechtes Mittel gelehret/ und er ein viel küͤrtzeres und ſicherers. wider das Podagram hatte/ befahle/ daß Durch welman ihne/ wie droben gemeldt/ tractieren che das Poſolte/ und auf dieſe Weiſe iſt er des Poda⸗ 1 grams/ daruber derſelbe ſich beklagt/ entlediget worden. Vor Regierung Cha-Abas, der Urſach hatte/ an einem ſeiner geringſten Haußgenoſſen/ Strümpfe von guldenem Zeug zu ſehen/ ſich zu verwunderen/ ware dieſer Pracht in Perſien nicht gewohnlich/ und iſt erſt in Gebrauch kommen/ ſeit die Engelſaͤnder und Hollander in Perſien angefangen u handlen/ und jhre Tücher dahin zu bringen/ zund die Armenier deſſen/ von dem in Europa für verkaufte Seiden/ erloͤſtem Gelt verkauft haben. Vor derſelben Zeit wüßte man in Perſien nicht was Struͤmpf waren/ jederman hatte den Gebrauch/ der geringſten Soldaten und des armen Volcks/ welche um die Bein nur ein Band von Geiß⸗ oder KameelMaar/ zwo Elen lang/ und fünf oder ſechs Finger breit/ haben; der Fuß iſt nackend in dem Schuh/ es ſeye dann/ daß in wahrender Kalte ſie ſich der Socken bedienen/ dieſe Gattung Strumpf beduncket ſehr bequem zu ſeyn/ inſonderheit fur die Soldaten und arme Leute/ als welche oft gezwungen ſtarcke Ragen gußzuſfehen/ und durch Bache zu watten/ nur allein dieſes Band abzubinden und u trücknen/ welches wenig Zeit erfordert/ bemühet ſeynd. Da hingegen in unſerm Eu. ropa die Strumpf/ wann ſie naß/ in zwo Stund Seit kaum krocknen/ und mit groſſer Mühe von den Fuſſen gezogen werden konnen. Die Perſianer bedienen ſich nun heut Und deſſen Strafe. Ibe Strüm/ zu Tag der Skruͤmpfe/ aber ligen nicht glat nend an den Peinen/ ſondern ſeynd unden und ochuße. en in gleicher Weite/ bey den Ferſen mit einem kleinen Stücklein Lader/ ſo zrween Spwerch⸗ Finger darunder reichet/ gefüttert/ dann ohne diß wurden die Strumpf von dem Schuh/ der nicht gebunden/ und der bey jedem Schritt auf die Ferſen ſchlagr/ gar bald zerꝛiſſen ſeyn. Ihre Schuh ſeynd von FiſchHaut oder Cardouan/ und bey nahe unſerer Weibern Pantoffeln gleich/ mit einem kleinen Eiſen under dem Abſaß; dann ſie haben keine ſo genannte Quartier an den Schuhen/ und werden/ wie vorgemeldt/ nicht gebunden. Weil man die Schuh/ auf den Teppichen zu gehen/ ſehr oft außziehen muß/ fallt jhnen komlicher dieſer Gattung Schuh/ als wann ſie ſolche/ wie wir zu thun pflegen/ ſich zu bedienen. Die Leute von inittlerem Stand/ kleiden ſich an ſtatt Brocatel in Holland⸗ oder Engliſch Tuch/ und das gemeine Volck in Leinwad/ und anderem groben Zeug/ underſchiedlicher Farben gefarbt/ und zwar gewohnlich violbraun/ blau/ grun/ und andere dergleichen Farben/ ſchwartz außgenommen. Die geringen Leute tragen wenig andere Farben/ weil die Flecken nicht ſo bald als an den andern geſehen werden. Wie der Winter in etlichen Landſchaften Perſten zimlich herb/ haben ſie dagegen , gute Beltz/ deren ſeynd dreyerley. Die wa. Schaf und Fuchs/ die geringſten/ und zum S ebrauch geringer Leute/ die krauſe LammerFehl von Lezd und Kermen, Katzen⸗ und Wieſel⸗Haut fur die ſo mitlern Stands. Die Marter für die Vornehmen Herzen des Mofs/ und andere zu Wurden erhabene Perſonen/ kommen auß Moſcau/ und ſeynd deren das Stuck biß auf funf hundert Kromen geſtehet. Die Lammer von Vezd und EKerman, werden gewonlich/ wann ſie nur vierzehen Tag alt/ getodet/ damit man die Saut krauß haben konne; dann je alter dieſe Lammer werden/ je mehr die Krauſe ſich daran verliehret. Die Perſianer wiſſen die Kunſt/ Roͤcke wider den Raͤgen/ Wind und Kalte zu machen. Dieſelben ſeynd von Wulle/ die man walcket/ gleich wie unſere Hutmacher die Hut zu walcken pflegen. Weil droben gemeldt/ daß in Perſien kalt ſeye/ und kein Holtz als bey dem Caſpiſchen Meer zu finden/ ſoll nicht vergeſſen werden/ von der Weiſe/ wie ſie ſich in dieIhre Stu ſen Landen warmen/ Meldung zu thun. In ben. allen Hauſern ſeynd kleine Kammern/ die in Mitten ein viereckicht Loch eines Schuhs tieff/ und nach Groſſe des Gemachs zween oder in Dee ba ae a oben darauf ligt ein Ding unſern niedern Seſſeln gleich/ ſo das Loch bedeckt/ ſamt einem groſſen Teppich/ welches hindert/ daß die Warme des jenigen/ ſo man in dieſem Loch anzundet/ licht entcgehe/ under dieſem Seſſel ſitzet man biß an den Sürtel/ alſo daß der Menſch unRaisbeſchrribung in Perſien/ an das Gelaͤnck der Hand. Auf dem Haubt Rucken/ biß under den Gurtel hinab empfindlich/ und in geſchwinde von groſſer Kalte/ in eine groſſe Hitz/ und hiemit in ei⸗ N nen daimpfigen Schweiß gerahtet/ ſo die Leut/ Nen wann man ſich nicht vorſehen thut/ zum öde Schlaf treibt. Alle Vornehmen Leute ha⸗ 5 ben Kamin in jhren Kammern. Des Kamins Vorhang iſt ſehr nidrig/ und in halbem Circkel/ zween oder drey Schuh hoch von dem Boden/ hat auch nur ſo viel in Breite/ und iſt auf dieſe Weiſe gemacht/ um des Rauchs uͤberhoben zu ſehnn. 6 Wass die Hoffichkeit der Perſtanern an⸗ 175 belangen thut/ wann dieſelben vor Leuten/ Ehre die hoͤhern Stands/ als ſie ſeynd/ ſich be⸗ guns finden/ knyen ſie/ jhre Ehrerbietung zu beweiſen/ nieder/ um nach jhrer Weiſe auf die Verſen zu ſitzen/ und ein jeder nimt Platz ſeinem Stand gemaß. Dieſelben ſeynd grofſe Complimentierer/ in jhrer Sprach/ Travezea genanit/ und jhre Weiſe zu begruſſen/ iſt der unſerigen gantz ungleich/ ſintemalen ſte niemalen das Haupt entdecken/ ſondern neigen/ und an ſtatt unſerer gewonlichen Reverentz/ die rechte Hand auf die Bruſt legen. Nun iſt Zeit auch von den Weibern Meldung zu thun/ und zu ſehen/ was in dieſem Stuck merckwurdig enge. „Die Weiber in Perſien ſeynd auch ſehrt prachlig gekleidet. Ihr Kleid ist nicht in ge Leib und Nock underſcheiden/ ſondern alles dard an einem Stuck/ und alſo der Mannern ie Roͤck nicht viel ungleich/ iſt vornen offen und gehet nicht uͤber die Waden hinab. Ihr Gurtel iſt nicht zugezogen/ ſondern ſie laſ⸗ 90 ſen ſolchen alſo liederlich hangen/ und jhre 1 Ermel ligen dem Arm glat an/ in Lange biß 104 de haben ſie eine kleine Kappe/ gleich einem kleinen Thurn in die Hohe gerichtet/ und nach jhrem Stand oder Vermögen mit Edelgeſteinen geziehret. An dieſer Kappe hanget hinden an etlichen ein ſeidene Schleyer/ welches jhnen nicht wenig Zierde git/ und jhre Haar/ die jhnen in Zoͤpfe geflochten/ gehen jhnen uͤber die Achſel hinab. Sie tragen gleich den Mannern Under ⸗Hoſen/ biß auf die Ferſen hinunder reichend/ und jhre Schuh ſeynd auch der Mannern ihrigen nicht ungleich. Die Weiber zu Ormus, wegen groſſer Hitze des Lands/ haben für gantze Kleydung allein Underhoſen/ ſame einem 1 Hembd darüber. Die Armenierin tragen e es,. jnſonderheit ein kleinen Rock ohne Ermel/ unn ſchen 9 gefahr den Mannern gleich; und haben das l Haubt mit einem feinen Leinwad umwickelt ſo ihnen das Kyn bindet. Ihre Haar ſennd an einem Zopf beyſamen; daran ſie noch andere binden; um einen langen Schweif d. machen/ in einem Sammetem oder Atlas geſticktem Futer eingeſchloſſen/ ſo eee 1 20 Die jenigen/ welche gutes Vermogens ſeynd! ſchtnucken ſich mit viel Edelgeſteinen“ un anderſtwo habe die Zierung der Waere — 1 7 cbt rbel ung Kle/ elle en 0 er. 5 Ace b, J Funftes Buch. den Königreichen Lar und Ormus beſchrieben. In Perſien werden viel ſchone Weibsegg, berfonen gesehen/ ſo wol ſchwargbraun als debt weiſſe. Dann wie man deren einer und an. derer Geſtalt/ von allen Orten hinbringt; erwohlen die jenigen/ ſo damit ein Gewerb kreibande ſchoͤnſten die ſich finden. Die weiſſen rolnmen auß Pohlen/ Moſcau/ Circaſſien/ Mengrelien/ Georgien/ und von den Granen der groſſen Tarkarey. Die ſchwartzbrauhen/ auß dem Land des Groſſen Mogols, und dem Königreich Golconda, und Viſapour, And die ſchwartzen/ von den Ku And des rothen Meers. Die Weider in Per ſten Melinde, wer der guch ſeyn moͤge/ auſſer jhren Mannern ſehen/ wann dieſelben in die gemeine Bader gehen(welches allein von denen die niedrigen Stands ſeynd/ und die Mittel nicht haben/ in hren Häusern Badſtuben zu halten/ beſchicht) ſeynd ſie mit einem groſſen Schleyer von dem Haubt/ bis auf die Fuß bedecket/ und nur zwey kleine Locher bey den Augen/ dadurch ſie ſehen können/ um jhren Weg fortzugehen. in hren Haͤuſern ſeynd es Muſſiggaugerinund bekummern ſich um einig Ding mcht/ auch felbſten/ was die Haußhaltung betrift/ eſſen nicht mit jhren Mannern/ wann auch nur die geringſte Perſon von guſſenher komt. Demnach ligt/ alles dem Mann ob/ und ſeynd die Weiber keines weg Meiſter/ ſondern wol eher Seclqavin. Den mehrentheil des Tags brin⸗ fe 1 t ſo bald ſie deſſen beriehtet/ und ſolte es . Une mit Taback trincken underſchiedlicher Manier zu/ und wann dieſelben in das Bad en/ will ein jede die ſchoͤneſten Kleyder a Ne 95 laſſen/ und die beſte Collation hinbringenlh die welche Mittel haben Leib⸗Eygene zu halten bie Ihnen abwarten/ laſſen ſich jetzt die Arme bald die Schenckel und Beine reiben/ bis daß ie entſchlaffen; und leben alſo in Wolluſt; in deme Ihnen in jhrer Gefangenſchaft kein angere ergotzlichkeit zu theil wird. Alſo daß ſo 15 deine Tochter verheurahtet/ hat dieſelbe Sun andere Geſellſchaft als die Weiber und Derſchmittene/ und die Weiber von hohem ff kand/ ſeynd die jenigen/ welche aufs genaueicherwahret werden. Je hoher ein Mann bin jhme iſt/ ein groſſe Anzahl Weiber Nacht, Shgrne zu hben und die kee guter deſd er Uber dieſelbigen hat/ halter ſie in litten. ken zu y wenig 5 Wurden oder Vermogen erk 0 fu Ne n oder Vermoͤgen erhoben/ je groͤſ en Derſtändnuß gutwillig odermit Gewalt. 8 ſeynd zweyerley Verſchnittene/ die nin und Weiber der vornehmen Herwahren. Die einen weiß/ welche erg den Weibern ſich nahen/ und die eee des Harams zubewahren/ bechem d nel die andern ſeynd ſchwartz/ ſcheußlich von geſicht/ und nett verschnitten/ wie ingleiren die vorgemelten/ und dieſe letſten bewah3 00 is innere des Harams. B wendig/ d gehen der Die Leute nigs W Wann es nothaß ein vornehmes Weib außgehet/ alben viel mit Stecken vor und nach/ abweg zuweiſen. Wann des Kö⸗ das haben d 8 5 55 dem Land/ muß man ſich ſer Kranckheit zu entgeh hüten daſelbſten ein oder zwey Meil weit/ wie anderſtwo gemelk/ nicht geſehen zu werden? dann eine groſſe Anzahl Verſchnittene zween oder drey Tag nach einander das Land herum ſtreichen/ um das Volck mit Schlagen auß g zu raumen/ underdeſſen bleiben ſchwartzen Verſehnitkene beſtandig die W. ber zu bewahren. Jam bey Aung des Königs mit ſeinen Weibern/ jemand der etwann entſchlaffen/ oder ſich verweilet harte/ nicht eylend ab Weg gienge/ wurde derſelbe hne erblickt/ auf der ſtetr und ohne Umgang in Stucker zerhauen. Als Cha Abas II. neben ſeinen W nd ware/ entſchlieffe ein ermüͤdeter Knecht/ unglücklich under einer Zelte die er hatte aufrichtenhelffen. Wie des Königs Weiber dahin kommen/ dieſen Mann ſchlaffend gefunden/ und daruber ein groſſes Geſchrey gemacht/ ward er von den Verſchnittenen ohngewecket in die Teppich. darauf er lage/ gewickelt/ und alſo lebendig begraben. Als Cha-Sell, Vatter des Cha- Abas II. auch eines Tags ant ſeinen Weibern auf dem Land ware/ und ein. Baursmann der ſonſt kein Recht finden konte/ jhme eine Bittſchrift darreichen wolte/ ſchoſſe hne der Koͤnig ohne Verhör/ mit zwey Pfeilen durch und durch/ alſo daß derſelbe auf ber 1 ſtett tod niederfiele/ aber der Konig wurde wegen dieſer That nicht wenig geſcholten Wann dieſe Weiber durch ein Dorff ſen wollen/ müuſſen alle Mannsperſon eibern auf dem Land in mitten der Winters⸗Zeit/ und zu Mitternacht ſeyn/ auffkehen/ und durch den Schnee entfliehen/ und auf ſolche Weiſe werden des Koͤnigs/ und vornehmer Herren Weiber verVon den Kranckheiten in Perſien/ und den Mittlen wider dieſelben n Ch will den Anfang bey den gewohnlichen Kranckheiten der Kindern machen. Dieſelben ſeynd den Pocken ig underworffen/ aber haben den Erbgrind mehrentheils bis in das zehende oder zwöiffte Jahr ihres Alters. Die her kommen/ daß man an ren/ ſo bald ſie. oder Monat erreichet/ und gewohnlich beſehicht ſolches Wochentlich zwey Krancthei. oder drey mal, Aber dieſer Erbgrind greiffet an ler. gleichwol das Geſicht nicht an/ weil dieselben! ein Haar kragen/ und in den Bund abthun. Es waren in Urſach kan wol dafangt ſie zu beſchaVBegrüſſung nieNerer 15 jel Leute von der Vuuiſhen ante argegrſfen wan micht der Luft geſund/ und das Land/ welches ſehr trocken/ und guter Eygenſchaft/ die Provintz Waazandran außgenommen. Aber uber en und weil der Mann 55 niſder zweymal zu ſeinem Weib ſich thut es ſeye Und Mitte dafur. Ihre preſervatif-Artzney. dann/ daß er des Bads/ ſich gebrauche/ gehet alles Gift und Unreinigkeit ſo er bekommen haben moͤchte/ durch den Schweiß auß. Was Podagram und der Stein ſeye/ iſt jhnen unbekandr/ und ſeynd allein die Armenier mit dieſer lerſten Kranckheit angefochten; aber man hat in acht genommen/ daß es die jeni95 welche mehr Wein als Waſſer getrunWider das Grimmen/ wird dem damit behafteten Roß⸗Fleiſch zu eſſen gerathen/ und ich habe durch diß Mittel viel geneſen geſehen. In Indien haben ſie ein ander Mittel wider das Grimmen. So bald der Menſch ſolches empfindet/ nimmt man ein Eiſentradt anderthalben Schuh lang/ und eines Federkiels dick/ und nachdem ſolcher gluend gemacht/ wird er über die Haut under den Verſen gezogen/ bis daß ſelbe gebraten/ und der Tradt bis auf das rohe Fleiſch reiche; alsdann der Patient das brennen füͤhlend/ beginnend aufzuhüpffen/ und ſo bald empfindt derſelbe kein Schmertzen mehr. 5 88 Jus gemein ſeynd die Perſianer ſonderlich diein Vermoͤgen/ oder ein ehrliches Außkommen haben/ viel weniger/ als die Voͤlcker in Europa den Kranckheiten underworffen. Die Urſach iſt/ daß ſie nicht ermanglen in dem Fruͤhling das Holtz auß China ee welches eine Wurtzel ſo auß dieſem Land komt/ und eine Art Rhebarbara iſt/ ſo ſie fur eine bewehrte Artzney halten/ dieſelbigen bedienẽ ſich deren alſo: Viel Tag lang laſſen ſie dieſe Wurgel in Waſſer ſteden/ ſo viel als der Artzt verordnet. Zum Exempel/ den erſten Tag thut man ein Untz in drey Maß Waſſer/ und jeden Tag vermehrt man das Gewicht der Wurtzel bis auf den zwoͤlfften Tag/ und von dem zwolften/ bis an den zwanßigſten Tag. Dieſes Tranck iſt lieblich zu trincken/ und ohngefahr unſeren bleichen Weinen gleich. All dieweil man dieſes Trancks gebraucht/ kan der Menſch nur allein wenig Brod und von einem gebratenen Hünlein eſſen/ und nachdem dieſes geendigt/ muß man einen gantzen Monat das Obs meiden/ wann dieſes Tranck eingenommen/ wird die Perſon zu ſchwitzen wol zugedeckt/ von dem ſtarcken Schweiß/ der außgehet/ werden die Bethtuͤcher gantz gelb/ ja ſelbſten die Maur der Kammer. Dieſe Wurtzel verdirbt leicht/ gleich wie die Rhebarbara/ und wann dieſelbe gut/ koſtet das Pfund hundert Kronen. Die Perſtaner geſtehen ſelbſten/ daß die Artzney⸗Kunſt in jhremvand ſchlecht in Ubung ſeye/ und ſeynd einhellig/ daß allein die Francken ſolche recht verſtehen. Nachdem der Artzt Ihre untviß des Zufahls der Kranckheit ſich erkuͤndiget/ Aueh e verordnet derſelbe öfters nur von den vier kalten Samen/ oder ein ſchlechte Decoction ſo ein jeder in ſeinem Hauß zurichten kan/ von einem Materialiſten was darzu nothwendig abho3 ken tal wider den Blutgang nehmen ſie ArtzneyKunſt. ſaure Milch/ und ohnzerribenen in Waſſer geſottenen Reiß/ ſolchen under die Milch Neisbeſchreibung in Perſien/ miſchend/ und bisweilen thun ſie gepulveriſierHauß geſetzet/ ſtirbt. Auf der andern g= te Rhebarbara ein wenig darzu. Gleich im Anfang der Kranckheit wird als⸗ 1 bald dem Patienten das Brod verboten/ und an ſtatt deſſen heller und klarer Reiß in HunerBruͤhe und oͤfters allein in klarem Waſſer gekocht/ verordnet. Aber die Diat oder Maſſigung/ iſt das gemeinſte Mittel ſo die Aertzte in allerley Kranckheiten verordnen/ und auch fuͤr das bewehrteſte halten/ dieſes Mittel die Warheit zu bekennen/ it in vielen Zuſtanden gut/ aber oft verkehren ſie es in Gift/ weilen es nicht mit Ordnung und Fundament iſt/ ſo ſie verordnen/ aber auß Gewonheit/ weil es gewiß iſt/ daß ſie oftmals das gute verbieten/ und das ſchadliche verordnen. In Perſien hat es nicht ſo prächtige Spittale vor die Krancken/ wie bey uns in Europa. Wann ein chen/ daß er Kranck iſt/ auf einen Eſel/ und jhrer zwey oder drey halten hn. Wann er bey dem Artzt iſt/ nimmt derſelbe des Patienten Hand/ fuͤhlet den Pulß/ ſtehet nach der Zungen/ fraget wie die Kranckheit angefangen/ und nach und nach zu genommen; darnach ordiniert er jhm auf einem kleinen Zettel drey Finger breit/ einen Tranck auf einmal/ als drey Magen zuſatnen nicht vertragen kon⸗ J eee„ Wann ein Artzt geholet wird/ uͤber die Kranckheit zuconſultteren/ wird er ſich ſtellen/ als ob er keinen Vortheil dabey fuchte/ wird auch nichts nehmen aber ſein Attar oder Materialiſt weiß ſchon was er zuthun hat/ und ſchreibet den Krancken alles ſo hoch an/ daß er el 1 crel 9 10 davon dem Artzt ſeine Mühe noch bezahlen kan. Sie leiden nicht/ daß der Krancke in waͤh0 f 5 0 Krancker die Mittel nicht hat/ den Artzt zu ſich cn kommen zu laſſen/ ſetzet er ſich mit einer Ser- fun viete oder Binden um den Halß/ zum Zeinen. Dergeſtalt/ wann von denen Krancken der 0 faſt nur das helle Waſſer gehet/ muß doch die Artzney wol gewurcket haben/ weil viel von 1 0 0 f 95 render Kranckheit ein friſches Hembd oder an e deres Kleyd anziehe/ ob es ſehon von Schwei ie jenigen ſo den Artzt konnen zu ſich kommen laſſen/ ob es ſie ſchon mehr koſtet/ als wann ſie zu jhm giengen/ haben ſie doch nich mehr Linderung/ als die anderen. Tann er zu jhnen komt/ obſchon der Krancke alle Anzeigen des Tods von ſich gibt/ ſagt er doch zu denen im Hauß/ die Kranckheit ſeye nicht gederumgeneſen/ und geſchihet doch zum often daß er/ ſo bald die Aertzle den Fuß au e ten ſagt er zu des Krancken Freunden die Kranckheit ſeye ſehr gefährlich/ und könne 1 vor den Außgang nicht gut ſeyn. Auf fol; faͤhrlich/ und der Patient werde gewiß wikche Weiſe kan man ihn nichts beſchlldigen, 1 gehet es nicht hinauß/ wie er zu dem eine geſagt/ ſo fehlet es jhm doch bey dem andern N 1 17 der 0 ne eehte It . Namen Da Fee naturlichen eh machet/ hoͤr Die ſo darauff ſpie keit/ daß ſie in allen ein junger Sohn gebo An Wente, 0 Breite 77 ſie die Monat nach Aut ffolgenden Namen. Nonat komt mit un 1 . s XVI. Capitel. Wie die Perſianer die Zeiten ablheilen. er ſtaner theilen gleich uns einen Tag/ in vier Theil. Der f erſte iſt von Aufgang der Sonnen/ bis um Mittag; der andere vom Mittag bis zu der Sonnen Undergang; der dritte von der Sonnen Undergang/ bis unn Mitternacht; und der letſte von Mitternacht/ bis die Sonne des folgenden Tags wieder aufgehet; zu Mitternacht/ des Morgens/ und wann die Sonnen undergehet/ wird in jeder Stadt von Kupffernen Trommeln/ bey nahe unſeren Heerpaucken gleich/ aber viel groͤſſer/ Schallmeyen/ kleinen Trommeln/ Meſſingen Becken/ und anderen dergleichen Inſtrumenten/ eine Muſie gemacht. Es ſeynd Leute/ ſo deßwegen beſoldet werden/ daß ſie eine viertel Stund lang ſpielen můſſen/ und ſtellen ſie ſich auf eine won, Hohe/ daß man ſie davon in der ganzen Stadt welle hören koͤnne. Sie haben auch groſſe Horner/ fegen. mit einem breiten Mundſtuck/ und wann man darein blaſet/ kan man es uber eine halbe Meil wegs hören. Dieſe Horner aber werden nur in der Stadt wo der Koͤnig Reſidiert/ und dieſen wo ein Kan Statthalter iſt/ geblaſen. An allen jhren Feſten/ oder wann der Koͤnig einen neuen Statthalter oder Officier et man auch dieſe Inſtrumenten. len/ baben dieſe GerechtigHauſern/ wo ſie wiſſen/ daß hren worden/ ſich doͤrffen hren laſſen/ und muß man ihnen etwas an Gelt geben. Die gemeinen Leute konnen dieſes nicht überhoben ſeyn/ aber die groſſen Herren treiben nur ihr Geſpott damit. 0 Die Perſianer gebrauchen ſichi ung der Zeiten/ ſo wol in weltlichen Sachen/ n/ die die Religion betreffen/ der Monaten nach des Monds⸗Schein/ davon die Namen folgende ſeynd. Der erſte Mouharrem, der zweyte Sepher, der dritte Rebia-el-avel, e r vierte Akrer, der fünffte Gemadikauel, a ſechſte Semadilakerer, ber ſiebente Regebg 0 achte Ohaabon, der neunte Ramegan; der hende Chaval,der eylffte Zikade, der zwoͤlfte de er ſich Rock bekame/ un ſten nach proportion, ſo wo Leuten/ als den Groſſen ſehr dulhaggé, und fangen ſie einen jeden Monat Monde gen wann ſie das Zunehmen des ogds ſehen und ſpuͤhren ko In der Aſtronomie, un ie il ekaim oder Kalender zu machen/ die Länge außrechnen wollen/ dem Sonnenſchein/ b Azar hat 3l. Tag/ Onaun 30. Ajar 31. Harizon 30. Temouzé 31. n Eiloul zo. Techrion el-auel 31. Techelle elilani 30. Kanon, eE-auel 31. Kanonwant 31. Chaabat 28. oder 29. und dieſer . nſerm kebruario uber ein. Necherſte Monat Kar fängt nach unsrer cbuung den 11. Martij an/ ſo daß dieſer ift; unt unſerm Martio Alten Kalenders N 81. dann alle jhre Monaten Mahd wann ſie jhren Roumi nennen/ welches ſo viel iſt/ als Roͤmer Monak. Sie gebrauchen auch die Egyptiſche Monaten/ deren Namen ſeynd: Ferverdin, Erdibehoct, Eourdud, Tir, Morded, Cheriver, Mehré, Abon, Azer, Dei, Bahmen, Eſpendarmouzé. Der erſte Monat Ferverdin fangt allezeit an/ wann im Frühling Tag und Nacht gleich ſeynd/ und hat jeder Monat nur 20. Tag/ zu End des Jahrs aber ſetzen ſie die fünffüͤbrigen noch dazu/ und nennen ſie Kramſe- monſterelzé. 55 Der erſte Tag im Fruͤhlig/ wann Tag ſeynd/ iſt bey den Perſianern der erſte Tag im Jahr/ welchen ſie Neo z onze qiß nennen/ und eines von 0 ſten iſt. An dieſem Tag kommen die meiſten groſſen Herren im gantzen Königreich nach Hofe/ gruſſen den Konig/ und bringen hm ein jeder nach ſeinem Stand/ Geſchaͤncke/ haben ſie keine Raritaten/ oder etwas koſtbares bekommen koͤnnen/ geben ſie Ducaten am Gold/ und gibt ein ſoſcher Herꝛ bis guf zehen tauſend. Die ſo nicht bey Hof ſeynd/ als die Kanen und Statthalter/ underlaſſen auch nicht jhre Geſchancke zu uüberſchicken/ und bekomt der Koͤnig dieſen Tag uͤber einen groſſen Schatz. Sie dancken auch Gott/ daß er ſie das neue Jahr hat er 9 5 ſen/ und die Fruͤchte auf dem Feld ſo etwas hoch ſtehen vor Ungewitter behuͤtet. Dann von dem Aquinatio vernali haben ſie keinen Froſt mehr/ welchen ſie ſonſt/ wegen der Meſonen und Kukummern/ ſo des Jahrs Über hen. mehr als vier Monat der armen Leuten Speiſe ſeynd/ ſehr foͤrchten. Wann ein Perſigner an dieſem erſten Tag im Jahr kein Gelt hat/ einen Cabaye oder Rock zu kauffen/ würehe ſelbſt verpfanden/ damit er einen d gehet der Pracht in Per5 under geringen und Nacht gleich Das XVII. Capitel. Von der Perſianer Gaſtereyen/ und jhren gewohnlichen Spann. ſie eben nicht viel f N Perſten fragen J nach gelicaren Speiſen, V auß Noth oder Tugend/ und ſſen Herren als geringe Leute ner. Wie ſie dann/ weil es wenig Holtz gibt/ und abſonderlich zu Iſpahan ſehr theur iſt/ des Tags nicht mehr als einmal gekochte Speiſen eſſen/ und beſtehet ihr Mittags Mahlzeit ſo ſie Charẽ nennen/ in Brod/ Käß ohne Raam ſo in Bockshaͤuten verkauft/ Milch/ Wein/ Melonen/ und anderen nach der Jahrs⸗ Zeit reiffen Früchten/ wozu die Reichen noch allerhand Conßturen geben. Des Abends aber eſſen ſie gekochte Speiſen/ und ins gemein den Pilau, und etwas gebratens. Sie fauffen von allem nicht mehr/ als ſie aufei zurichten wollen/ und machen keinen Vor b Aa 2 N dah ſo wol die gro ſehr maſſig. hren vornemſten Fean demſelben Tag Ihre Epejſen. und Wildpraͤdt. Jure Oeſen. 1 Garkün. 280 dahero ſir alles doppelt bezahlen müſſen. Es ſeynd aber nur die Mahometaner/ die auf ſolche Wiiſe Hauß halten; dann die Armenier leben ſehr ſparſam/ und machen ſich von ch allem einen Vorrath/ und wann ſie einmal zur Nochdurft eingekauffet haben/ ziehen ſie den Beutel nicht lezyt wieder. Der Perßßaner gewohnliche Speiſen ſind/ Hammel/ junge Geiſſen/ Huner/ und junge Tauben/ dann Rind⸗Hleiſch eſſen ſie ſelten. So habe ich auch droben die Urſach geſagt/ warum kein Mahometaner vom Haſen eſſen will. Der Koͤnig und die groſſen Herren/ ſo die Jagd lieben/ eſſen gar wenig davon/ und wann ſie ein wildes Schwein gefangen/ verehren ſie bisweilen ſolches etlichen Chriſten/ in der Hofnung vor die Ehre ſo ſie jhnen anthun/ wiederum eine Gegen⸗Verehrung zu bekommen. Die Armenier haben zwar auß Europa mitgebracht/ wie die Capaunen fett zumachen/ und die Welſchen Huner aufzuziehen/ ſie kommen aber nur auf des Koͤnigs Tafel/ und haben ſie mit dieſer Handthierung nicht viel gewonnen/ wie ich an dieſem Ort/ wo ich von den Einwohnern der Stadt Zulpha gehandelt/ angemercket habe. Sie wiſſen in Perſien nicht wie in Franckreich die Speiſen auf mancherley Arten zu zurichten/ und wird bey jhren Gaſtereyen nichts ſo ein Appetit machen konte/ aufgeſetzet/ ſondern jhre Speiſen ſind mehr vor die ſo den Hunger ſtillen wollen/ als die ſo einen niedlichen Geſchmack lieben. Wañ man das Hammel⸗Fleiſch und die Lammer in Perfien auf nuſere Art zu braten wuſte/ waren ſie ſehr gut; aber die Perſianer braten nur im Ofen/ und dazu ſeynd jhre Oefen gantz anderſt/ als die unſerige. Sie ſeynd in die Erden gegraben/ und ohngefahr dritthalb Schuh breit/ und fun foder ſeche hoch. Auß Mangel des Holte werden ſie mit Geſtrauch gehitzet/ oder einer Art Torff von gekneteter Erden/ mit Vich⸗Miſt vermiſchet/ welche ſie Stuͤckweis an bie Wand lehnen/ doͤrren darnach auf einen Hauffen legen/ und nach Nothdurfft Feur damit machen. Sie braten einen gantzen Hammel auf einmal/ welchen ſie in dem Offen aufhaͤngen/ und ein groſſes Becken mit Reiß darunder ſetzen/ ſo von des HammelsFett gekoche: wird. Ein einiger Sehwantz von dieſen Hammeln wieget bisweilen zehen oder zwoff Pfund/ und gibt fünff oder ſechs Pfund Hett; iſt auch nach unſern HaͤmmelSchwantzen zu rechnen/ gantz verkehrter Art/ unden breit/ und oben ſchmahl. Es gibt zu Iſpahan einen hauffen Garkoͤche/ und ſiehet man in jhren Garkuchen viel gebrattene Haͤmmel hangen/ davon ſich ein jeder ſo etwas kauffen will/ ſchneiden laßt/ was er will. An einem anderen Ort iſt gekochtes Fleiſch zuverkaufen/ an einem anderen Reiß; aber mit einem Wort zu ſagen/ in den Perſiſchen Kuchen findet man keine Lecker⸗Bißlein oder elwas ſ denen die gern niedlich eſſen/ einen Appetit machen konte. Sie machen auch nach jhrer Art noch ziemliche Confituren/ Keisbeſthreibung in Perſien/ wiſchen. nach der unſerigen aber iſt nicht viel beſonders daran/ und eingemachte Fruchte mil Eſſig 0 155 von jhren beſten/ ſo Appetit maen ſoll. i Ihr Brod iſt gut/ und ſehr weiß/ und Iyr Bic weil ſie genug Getreyd im Land haben/ haben ſie nicht nothig von anderen Orten etwas bringen zu laſſen. Es wird alle Tag gebacken/ und machen ſie jhr Brod wie Kuchen/ gantz dunn/ und mit Koͤrnern von Siſamo uberſtrauet. An etlichen Orten wird es in Oefen gebacken/ davon der Boden von kleinen runden Kiſſelſteinen iſt/ die ſich leichtlicht hitzen laſſen/ und die c 5 tze lang halten. Aber zu Iſpahan ma het und man in ein ſehr groß Irden Gefaß einem beit i groſſen Hafen gleich/ unden auf dem Grund x Feur/ und wann er recht heiß iſt/ kleibet man den Teig an die Seiten des Gefaſſes/ daran es ſehr wol gebacken/ weil es uber ein Finger nicht dick iſt. Die Armenier machen eine andere Art Brod/ ſo dunn als ein Karten⸗Blat/ und ohngefahr im Umkreis anderhalb Schuhe breit/ ſolches backen ſie auf einer Eiſernen Blatten/ ſo gar ein geringes zu hitzen koſtet. 05 33 Die Geſchirꝛ ſo die Perſtaner gebrau⸗ Ito, chen/ ſeynd von rothem Kupffer/ und bisweilen uͤberzinnet. Dann ſie brauchen nichts von Silber/ weil Mahomet ſolches in ſkti e, nem Geſatz/ wie ich ſchen er wehnet/ ver botten; und laßt ſich der Konig auß nichts anders als Gold bedienen/ davon er einen groſſen Vorrath hat. Sonſten gebrauchen ſie auch vil von dem Irdenen Geſchirꝛ/ uf Porcelan Art/ ſo in dem Land/ abſonderlich aber zu Kerman und Chamaqui gemacht wird. Zu Suppen/ Bruhe/ oder dergleichen zu eſſen/ brauchen ſie holtzerne Loffel/ der Reiß aber wird ſo dick gekochet/ daß ſte jhn mit Handen eſſen konnen/ wie ſie dann mit anderen a Speiſen dergleichen thun/ und die Hand ag ſtatt der Serviete nur an jhr Sch nuptuch abk An dem Taback haben ſich die Perſianer geh dergeſtalt gewehner/ daß e 1 e laſſen koͤnnen. Das erſte ſo ins gemein auf den Tiſch komt iſt Pfeifen Tahack/ und ca. e, und machen ſie damit den Anfang/ wann ch ſie recht luſtig ſeyn wollen. Sie trincken nn f auf eine beſondere Weiſe/ nemlich in einer glaſſernen Flaſchen/ mit einem Halß breh Hachen dick/ worein ein hoͤltzerne oder ſilbern Nohre gehet. Der Halß von der Flaſchen“ an welcher außwendig eine Blatten iſt/ wir gefüllet/ und der feuchte Taback ſamt einer Kohlen darauf geleget. Under dieſer Platten iſt ein Loch/ worein ein langes Rohr geſtecket; wann man dann den Athem an fi ziehet, ſo gehet der Tabacks Rauch et Ge walt durch die Rohren under ſich/ u 15 das Waſſer/ dem ſie allerhand Farben geben/ und davon die Flaſche nur halb voll machen. Wann der Rauch in das Waſſer komt ſteiget er wieder in die Hohe/ und komt 17 15 * Broh ie 0 1 irb. Nel 158 a, * . das anziehend uin erinnern habe zu End bringen. 0 eds dcn zuanche ſt 75 b Athems/ dem in den Mund/ o Taback trineket d die Staͤrcke des Tabacks durch das Waſſer gebrochen/ ſonſt konten ſie es unmoglich auß dauven/ wañ ſie ungufhoͤrlich ſo viel trinckenwoltẽ/ wie ſtethun. Der Caffe, welchen ſie außkleinen Porcelanen Schalen trincken/ wird auch auf geſetzet/ und allerhand Zuckerwerck; aber die mieiſten haben allezeit kleine Schachteln voll davon in dem Sack/ damit ſie denen von der Geſellſchaft mittheilen können wann vielleicht as Zuckerwerck/ ſo vorgeſetzt worden/ nicht viel kauget/ wiewol es dem ſo die Gaſte traetiert/ ſchimpfich iſt. Sie ſingen ſehr wenig/ wann fi ſich beym Trunck luftig machen/ hergegen haben ſie einen hauffen leicht fertiger Reymen/ welche ſie ganz ernſthaftig hervor bringen; und alſo bringen ſie mit Taback trincken/ und diſcurieren den Tag über zu/ bis M Abend die Speiſen aufEhe ich aber von jhren Abend⸗Malzeiten und Gaſtereyen etwas weiters ſage/ muß ich noch das jenige/ ſo ich von jhrer unartigen Gewonheit immerfort Taback/ und andere garſtige Specereyen zu ſich zu nehmen/ noch Under den Perſtanern gewehnen ſich ſo wol Manns⸗ als Weibs⸗Perſonen von Jugend auf/ ſo an das Taback⸗Trincken/ daß ein Tagloͤhner oder Handwercksmann/ ſo nur fünf Sols zu verzehren hat drey davon auf den Taback wenden wird. Und ſagen ſie/ wann ſie keinen Taback haben/ koͤnnen ſie auch kein Damaquè, das iſt/ froͤliches Gemüt haben. Wann ſie ſhren Kamazan, oder die groſſe Faſten haben/ iſt des Abends das erſte/ ſo ſie fertig machen/ eine Pfeife Taback/ und geſtehen zwar ihrer viel/ daß ihnen das uͤbermige Taback⸗Trinken ſchadlich ſeye/ haͤlt mans jhnen aber vor/ ſagen ſie weiter nichts/ Als Adedehud, es iſt die Gewonheit ſo. Auſſer dem Taback/ ohne welchen ſie zu allem untuͤchtig ſeynd/ haben ſie das Opium welle gſamen/ welch en ſie aufſchneiden/ 5 noch auf dem Stengel iſt/ und auß um außgepreßten Saft/ eine Mallam darauß lulen fe gleich wie dieſe iſt/ darauß die Pilburt formiert werden. Anfangs nehmen ſie o viel davon/ als ein Stecknadels⸗Knopf 83 ein wenig mehr/ und ſteigen alſo gamer auf/ biß auf die Groͤſſe einer halben asc. Wann ſie ſo weit gekommen/ nnen ſie nicht mehr davon ablaſſen/ wo ſie derben/ oder ſich an den Wein geben vollen. Dieſe Theriakis, oder ſo das Onehmen/(welcher Namen bey ihnen als bium dun rente ſeynd) ſiehet man in ihren Os 0 ſo zerſchlagen/ als wann ſie die von dieſer 8 0 wur Specerey/ ſo jhnen das Hirn iet/ und ſie Zeit währender Opera1 51 85 allerhand laͤcherlichen Actionen/ J N Fiuünſtes Buch af ſolche Weis wird die nach verlohren hätten. Laſſen ſie einen v vorüber gehen/ und nehmen nichts ſte/ warn die Würckung vorbey/ eben ſo kalt thum und plumb/ als zuvor/ deßwegen muſſen ſie immmer fortfahren/ und etwas davon nehmen. Wiewol dieſes die einige Urſach iſt/ warum ſie nicht alt werden/ und wann ſte bey die viertzig Jahre kommen/ haben ſie 5 groſſe Schmertzen/ welche von der Kalte des Opij, ſo gleichſam Gift iſt/ hetzuhren. Will und nie ſe 5 ſich auß VBerzweiftung einer ums Leben brin⸗ pen e gen/ ſchlucket er einen groſſen Klumpen da⸗ ken dam von ein/ und kiinckek Eſoig darauf damit abkürzen ihm durch einen Gegen⸗Gift nicht wiederum könne geholfen werden. Auf ſolche Weiſe l Sie haben n ſo ſie Kolkemaar nennen/ und von gekochtem Magſaamen machen. Es wird wie Brühe getruncken/ und ſeynd abſonderliche dene 5 Hauſer Kokemaar-Kronè genennet/ worin ies nen die jenige zuſamen kommen/ ſo den andern die die wunderliche und laͤcherliche Poſturen/ Sie haben noch eine andere Am Ge tränck fich lußig zu machen und zu ergokenGeſo dieſer Tranck in ihnen verurſachet/ anſehen/ einen Spaß machen wollen. Ehe er anfaͤngt zu operieren zancken/ ſchänden und ſehmaͤchen ſie ſich under einander/ jedoch ohne Schlag; hernach/ wann der Tranck ſeine vollkommene Wuürckung hat/ machen ſie wiederum Fried/ und vertragen ſich/ einer macht groſſe Complimenten/ der andere erzehlet al lerhand Hiſtorien/ in Summa Ihr Thun lich haben ſie noch ein Getraͤnck/ ſehr bitter/ und uͤbel zu trincken/ ſo ſie Bengus nennen/ und auß Hanf⸗Blaͤttern/ und einem andern Kraut/ ſo es ſtarcker/ als die obgedachten Träncke alle machet/ zubereitet wird. Die davon trincken/ ſtellen ſich als Ertz⸗Narzen an/ deßwegen es auch im Geſaͤtz ver botten iſt/ und Neden iſt lacherlich und narꝛiſch. Endobſehon die andern zugelaſſen eynd. Man wird nicht leicht in Perſien jemand finden/ der nicht einem under dieſen Traͤncken ergeben/ ohne welches ſie jhrer Meinung nach nicht vergnügt leben koͤnten. Die Usbelks haben von weniger Zeit her/ die Manier in Perſten aufgebracht/ daß Tchouherſſe, ſo gleich einer Blumen/ oder vielmehr Baum wollen auf dem Hanf⸗Acker gefunden wird wie den Taback zu trincken/ welches noch dazu Verwirꝛungen im Kopf machet/ daß man ſich dißweilen artig und luſtig/ bißweilen aber doll und raſend anſtellet/ ins gemein aber ſeynd die/ ſo davon gebrauchen/ zwey oder drey Stunden lang gleichſam ohne Verſtand. und iſt ihre gantze Entſchuldigung/ es gedrießlichkeiten/ ſo jhnen zuſtoſſen/ darüber zu ergeſſen. des Morgens in das Hauß/ wohin ſie gebatten woꝛden/ und bringen den gantzen langẽ Tag mit Aa Taback Ihre Gaſtereyen halten ſie auf folgende Weiſe: Die geladene Gaſte 1 0 ſo bald Obſchon das Geſatz den Perſſanern den Wenn verbietet/ trincken ſie ſich doch davon voll/ en Tagen mit bleichen Geſichtern/ ſehwer⸗ ſchehe die Zeit zu vertreiben/ und der Ver * 282 Taback trincken/ und Hiſtorien erzehlen zu. Reis beſchreibung in perſiendas Confect aufgetragen/ und alsdann gehe! won Ander der Hand bringt man jhnen bisweilen es erſt an das ſtarcke trincken: und meinet der 855 Thee Gate, Caffe, Zucker werck/ Eonfituren/ und nach der⸗ Wirth er habe erſt bey der Gaſterey ſeinen wan eben. ſelben Jahrszeit Früchte. Auf den Abend Zweck erreichet/ wann die Gaſte die Thur nicht W wird ein Sotra, auf ſolche Weiſe/ wie ich an einem andern Ort gemeldet/ aufgedeckt/ und geſottene und gebratene Speiſen aufgetragen/ davon ich gleichfals an underſchiedlichen Orten in meiner Reisbeſchreibung gedacht habe. Iſt der jenige ſo die Gaſterey halt/ ein vornehmer Mann/ ſo hat er einen Hofmeiſter/ ſo mit einem groſſen Loffel in der Hand auf der Erden und wie der kniet. Alsdann machet der Wirth dem vormehr finden konnen/ wie es dann oft ſo hergienge wann ſie jhre Diener nicht fuhrten/ und haben ſie doch bisweilen nicht Starcke genug ſie zu halten/ daß ſie nicht noch in dem Gemach oder auf dem Weg fallen/ ſo des Wirths gröſte Freude iſt: dann wann einer oder der ander noch ſo bey Verſtand iſt/ daß er ſelbſt gehen kan/ ober ſchon wancket/ beklagt ſich der jenige N llsdann macht ſo ihn gebaͤtten/ als ob er die Unkoſten vergebGüte zu em nehmſten under den Gaſten ein Compliment, lich angewendet.. 8 mit Ver ſicherung die Mahlßeit ſeye allein vor Zum Beſchluß dieſes Capitels/ muß ich jhn zugerichtet/ und wann er befehlen werde/ ſo wolle man die Ubrigen auch davon genieſſen laſſen. Wann die Complimenten/ ſo wol von einer als der andern Seiten verrichtet/ fangt der Hofmeister an mit dem groſſen Loffel den Reiß und die Speiſen in kleine Schüſ8 2 ſeln/ die jhm die Diener darreichen/ und zwar in eine ſo viel als in die andere/ abzutheilen/ und werden dieſe Schuſſeln nach der Ordnung vor einen jeden Gaſt geſetzt. Dann haben die Eompliment ein End/ weil ſich jederman zum Eſſen ſchicket/ und nehmen den Reiß mit voliger Hand/ das Fleiſch aber nur mit den Fingern. Underweilen mengen ſie geronnene Milch darunder/ und machen Klumpen darauß ſo groß loben; aber under den Armeniern ſiehet man ner. l Eheleute von 5. oder 6. Jahren/ ſo beyſamen in einem Beth ſchlaffen. Der Mahometaner Geſetze verlauben jhnen nicht mehr als vier als ein Ball im Ballhauß/ ſchluckens hernach auf einmal hinunder/ das macht daß ſie nicht nnng uber dem Eſſen bleiben/ und einer dem andern Platz machet; dann wann einer hat aufgehoret zu eſſen/ ſetzet ſich der andere ohne einige Ceremonien an denſelben Platz. Es werden auch/ wie ich in meiner Beſchreibung des Serrails erinnert/ allerhand annehmliche Saffte in Porcellanen Gefajſſen aufgetragen/ und ſolche Gefaſſe ſtehen in gemahlten und kunſtlich außgearbeiteten hölzernen Becken. Sie nehmen zu Zeiten zwey oder drey Löffel davon/ daumit der Pilau beſſer ritſche/ und ſie dem Durſt vorkommen/ dann es iſt ihr Gepbraguch nicht under dem Fleiſch eſſen zu trinGießkanne mit warmem Waſſer/ das Geſicht und die Hande zu waſchen/ und endlich nach dem der cee die Gaͤſte tractieret/ an dieſelben ein Compliment gemacht/ gehet ein jeder wieder nach Hauß. Die Diener im Hauß ſind beſchafftiget einem jeden ſeine Schuhe 0 vor dem Gemach ſtehen/ zu langen/ davor ſie von jedem ein geringes Tranckgeld bekommen. Die Armenier kractieren hre gute Freunnoch ſagen/ daß die Perſianer ſehr beſcheiden ſind/ und jederman der urn Eſſen Zeit zu jhnen komt/ gern mit ſich eſſen laſſen/ ver wundern ſich auch uͤber der Francken Gewonheit/ welche/ wann ſie eſſen/ die Thur zuſchlieſen. —ͤ———„— Das XVIII. Kapitel. Von der Perſianer Heurahten. E Er perſtaner Gewonheit iſt/ ihre e S Kinder bey gar guter Zeit/ ja im ac 0 geimten und zehenden Jahr zu ver5 Past Eheweiber zu nehmen welche ſie Nekka nen, nenzſie haben aber noch andere Tmoutha oder gemiedete Weiber genant/ deren ſie ſo viel neh⸗ 6 men dorffen/ als ſie ernehren konnen/ und auf ſo lange Seit als ſhnen gefallet/ jedoch muß ſolches nach des Richters Gutachten geſc ehen. So koͤnnen ſie auch jhren leibeigenen Magden 5 ſo ſie kauffen/ bey ohnen/ und werden ſo wol einer als der andern Kinder/ vor ehrlich gehalten/ erben auch in gleiche Theile/ der Erſtgeborne ſo wol als die andern; zwey Tochter aber b a 13 bekommen nur eines Sohnes Theil. Wann cken. Nach der Mahlzeit bringet man eine der Termin der jenigen Weiber darauf ſte ge⸗ zu dungen worden verfoſſen/ ſchicket ſie der Mann ves wiederum zuruck/ wann er ſie nicht langer ha ⸗ a ben wil/ ſie ſind aber alsdann vermoͤg des Geſetzes verbunden/ ſich 40. Tage innen zu halten/ damit man ſehen moͤge/ ob ſie ſchwanger ſeyen. Der Mann gibt einem Weib die er heuraauf ſeine Güter/ und ſchicket jhr Gelt und Zeu ge ſich zu kleiden. Die Jungfrau ſchicket/ hm „ 19 11 b bilden . „„ ber u mne de auf gleiche Weiſe/ außgenommen/ daß ſie zwar auch etwas auf ihrer Seiten/ aber gar nier. Ihre Gaſteren mit einem Trunck Brantenwein wenig/ und geſchiehet alles durch Underhandund Zuckerwerck anfangen/ und darauf einem lung der Weiber; dann die beyde Partheyen Jeden Gaſt zwey hart geſottene Eyer geben. haben ſich vorher niemals geſehen. Wann Der Uinderſchied under der Pahometaner und der Tag der Hochzeit herbey gekommen/ ſchicket man mit Trompeten und Trommeln erliArmenier Gaſtereyen beſtehet darinnen/ daß ck die erſten bald fertig werden/ die andern aber che Pferde oder Menſchen mit der Braut Geeſſen geſchwind/ und lange Zeit ehe ſie trincken/ rath und Mobilien beladen/ nach des BrautiJa ſictrincken nichteher als bis die Mahlzeſtzu gams Behauſung/ es geſchiehet aber ſehr oft Ende gehet. Wann das Gebat nach dem nur um der bloſen Ehre willen/ wie in unferen Tiſch geſchehen/ werden die Speiſen ab/ und Heurahts⸗Verſchreibungen in Europa/ 775 1 Sunſtes bone ze, bistoeilen ein grösserer Schein als in der That fin Aera ſelbſten iſt. Die Braut wir ingefig cord fel Die Braut wird zu Fuß hinge ban führet/ und folgen ihr viel Weiber mit bren. nenden Wachsliechtern in den Handen/ die Muſicanten aber mit Trommeln und andern Inſtrumenten gehen vorauß. Wann ſie bey der Haußthur ihres künfftigen Ehemans iſt/ und er ihr vielleicht/ die Eltern nur zu ihrer ochter Heuraht zu vermoͤgen/ einen groͤſſern Brautſchatz verſprochen hatte/ als er zu geben willens iſt/ oder geben kan/ laſt er die Thür zugeſchloſſen. Man klopfet an/ er aber laſſet ſich verlauten/ er begehre die Tochter um dieſen Preiß nicht endlich wird man doch nach underſchiedlichem Widerſprechen von beyden Seiten/ der Sachen einig/ und gehet ſie mit f den Weibern/ ſo ſie begleiten/ und allen Freunden in das Hauß. Alsdann liſet ein Molha die Heurahtsbebingungen/ und gehet darauf le junge 7295 ſamt allen Weibern mit ihr in den jnnerſten Theil des Hauſes/ die Manner aben hre Gaſterey vor ſich beſonders/ und die Weiber auf jhrer Seiten dergleichen. Dieſes iſt alles/ was auf dem Hochzeitage vorgehet/ die folgende aber ſind nicht allezeit ſehr erfreulich/ und geſchiehet gar oft/ daß a lich under beyden Partheyen einige Mißverl ſtändnuß ereignen. Wann ſie nicht wol zuſaPn men ſich verſtehen/ und der Mann ſeine Frau n uͤbel halt/ ſuchet die Frau geſchieden zu wer4 den/ ſolches aber kan ſie nicht begehren/ ſie fordere dann zugleich jhr Talac oder verſprochenes Heurahts⸗Gut. Der Mann weigert ſich dann ſolches zu geben/ und wann das Weib weiter darauf dringet/ wird ſie bisweilen noch ubler gehalten/ daß ſie endlich ſagen muß: All ingluͤck ſeye auf deinem Kopf/ wo du mich nieht gehen laͤſt/ ich begehre nichts . Alsdann gehen ſie zu dem Call oder ſcateeleslume ſo ein Doctor im Geſetziſt/ und cheiden ſich in ſeiner Gegenwart voneinander/ daß ein jeder Theil wieder frey wird. Vermoͤg bes Geſetzes ke. 5 1 8 eſetzes koͤnnen ſie ſolches zum dritten 1 20 thun; hernach aber kan eben daſſelbige duc co eie nicht wieder bey Ihrem Mann wohnen 45 5 che dann/ wann er ſie das vierdtemal wieder ä ud len wil daß ein anderer ſie geheurahtet/ . Jenn 0 wieder verſtoſſen habe. 0 5 2 5 Kinder nehmen ihren Adel von dem 1 K.. wenchh er/ ſie ſeyen gleich von einer leibeige06d un Magd, einer Amoutha, oder einem Eheweib geboren Der Perſiſche Adel Negabet den gründet ſich darauf/ daß ſie von Maſich de erſtammen. Die davon ſind/ nennen de Kinde welches ſo viel iſtals Furſten/ und jhvonder Mirza, als wann man ſagen wolle Amer geborne, Es ſind jhrer eine groſſe ahl und viel arme drunder; wann ſie nicht fan wenigsten jhre Guter oder hohe Aemter por bringen/ ſo werden ſie wegen des bloſſen Tituls Mir, nicht ſonderlich geachtet. 5 ebe 1 285 ——— Das XIX. Capitel. Bie es bey dem Tod/ und der Begraͤbnuß der Perſianer herge he. Ndem fünffzehenden Capitel ei J on den Perſiſchen Krankheiten und Aerkten gehandelt/ nun iſt noch übrig/ daß ich von jhrem Tod und Begral nuſſen guch etwas melde. Wann die Krankheit gefahrlich/ iſt es der Gebrauch/ daß man auf den fa chen Dächern der Häuser underſchiedliche Feur anzündet/ und daburch den Nachbarn zu wiſſen mache/ daß ſie Gott für den Krancken bitten ſollen. Wann er ſtirbt/ heulet und wei⸗ Mas ſie bey net das gantze Hauß/ abſonderlich aber die 1 10 Weiber/ welche ſich die Haar außrauffen/ und für wunderſolche wunderliche und ſelzame Geberden ma⸗ 105 3 chen/ daß man ſagen ſolte/ ſie ſeyen von einem boſen Geiſt beſeſſen. Under jhren Toden⸗Klagen/ führen ſie weitlaͤufftig alles an/ was der Verſtorbene Loͤbliches in ſeinem Leben gethan/ und machen alle Augenblick ein erſchroͤckliches Geſchrey. Nach dieſem ſchicket man zu dem Caſi, und machet jhm zu wiſſen/ daß dieſey ober jener geſtorben/ und ber Cal antworter dem/ ſo jhm die Nachricht bringet/ Serchouma ſalamer-bachet, elehes ſo viel zu ſagen: Gott erhalte dich lang geſund. Underdeſſen macht er einen Befehl an den Murderchur ſo bie Toden waſchet/ daß er den todten Cor per wegnehme/ und in dem Hauß ſo mit Fleiß dazu an einem fiieſſenden Waſſer gebauet/ waſchen ſolle/ und verſigelt denſelben mit ſeinem eigenen Pitſchafft. Alsdann kommen ein ganzen Hauffen Mulhas, tit ber Moſquse ahnen/ ſo lange Stecken ſind wie die Piquen/ und oben an dem End mit einer eiſernen oder meſſinen breiten Platten/ aber ſo ſchwach/ daß ſie ſich von der geringſten Bewegung krummen. un dieſe Stecken iſt auch Taffet herum gewickelt/ wie an unſern Fahnen wann ſie aufgewickelt ſind. Dieſe Muſhas ſtimmen mit vollem Halſe das Der priester Alla, Alla, Alla, qn/ und ſonſt weiter nichts/ Bewonbel dantzen auch bald auf einem/ bald auf dem an⸗ ten bey den dern Fuß; und weil die/ ſo am ſtarckſten ruf naſſen nefen konnen/ am meiſten Gelt bekommmen/ ſtecken ſie/ daß ſie deſto beſſer und mit groͤſſerer Macht ruffen konnen/ jhre beyde Daumen in die beyden Ohren/ und halten die ubrigen Finger auf die beyden Backen. Wann der Corper gewaſchen iſt/ werden des Verſtorbenen Kleider darinmen er verſchieden/ dem Naurderchur gegeben/ als ſeingebührliches Recht. Indem der Todten⸗Sarg worinnen der Körper liget/ zur Begrabnuß getragen wird/ iſt es der Gebrauch/ daß ein jeder ſo jhm underwegs beegnet/ ſeine Schuldern hergebe/ und den Leichnam tragen helffe/ biß jhn ein anderer wieder abloſet/ wiewol des Verſtorbenen Freunde hernach ihre Mühewalcung danckdarlich erkennen. Iſt es eine vornehme Perſon/ werden alle ſeine Pferde geſattelt und gezaumet/ ja noeh andere mehr dazu gelehnet; auf das eine leget man ſeinen Turban, auf das a 4 andere Und Gräber. Perfſaglauben von begraben worden/ gefüllet/ zwey Engel/ Na500 Verſtor⸗ mens 1 5 und Manguer kommen/ und den ſtorbenen Menſchen bis an den Gürtel lebendig machen/ zugleich auch Rechenſchafft ſei„ andere ſeinen Sabel/ auf die übrigen ſeine Pfeile/ Bogen/ Schild und ins gemein alles dadurch man des Verſtorbenen Stand oder Hertzhafftigkeit wil zu verſtehen geben. Dieſer Pracht iſt aber nur allein bey groſſer Herren Begrabnuß im Gebrauch; dann mit den geringen Leuten machet man nicht viel Geprangs/ und wird der Todte mit dem Ruffen und Singen der Mulhas auf den Kirchhof geHinnoſe bracht. Der groſte zu Uahan heiſſet Cabre. zu rpahan. ſton; iſt aber ſo groß er iſt/ kein einige ſchoͤne Begrabnuß darauf. Die Armenier laſſen bisweilen einen groſſen Stein auf den Platz ſetzen/ wo ſie begraben ligen/ die Reichſten aber laſſen vier Seulen aufrichten/ und ein Gewoͤlb darauf/ damit/ wann ſie jahrlich nach Gewonheit auf dieſen Graͤbern zum Gedaͤchtnuß der Verſtorbenen eſſen/ ſie vor der Sonnen Hitze befreyet ſeyen. 5 7 Aber wieder auf der Perſianer Kirchhoͤfe zu kommen/ ſo machen ſie eine Gruben ſechs Schuhe lang und tieff/ die Breite aber iſt nicht über zwey Schuhe. Alsdann wird auf der Seiten der Gruben nach Mecha zu ein Platz außgegraben/ ſo groß/ daß ein außgeſtreckter Korper darinnen ligen kan/ darein wird der Verſtorbene geweltzet/ und auf die Seiten mit dem Geſicht nach Mecha zu geleget. Auf beyden Seiten des Kopfs werden zwey Ziegelſtein geſetzet/ damit wann die Erden einfallt/ hm das Geſicht nicht bedecket werde. Iſt es ein reicher Mann oder guter Soldat geweſen/ werden ſein Turban, Sabel/ Pfeile und Kocher mit begraben/ und bey dem Korper etliche Speiſen geſetzet/ die Armen werden auch über das/ nachdem des Verſtorbenen Vermoͤgen groß geweſen/ geſpeiſet. Endlich wird dieſes Loch mit gebackenen Steinen zugemauret/ und die andere Gruben nach unſerer Art mit Erden gefullet/ darnach gehet ein jeder ſeines Wegs. Die Mulhas allein kehren wieder nach des Verſtorbenen Behauſung/ da ſie geſpeiſet/ und vor das vielfaͤltige ſchreyen und ſingen bezahlet werden. Folgends kommen die guten Freunde zu des Verſtorbenen Erben/ und klagen jhm uͤber den Todesfall ſeines Verwandten/ das Leyd. Ihre meiſte Underredungen dabey ſind von Verachtung der Welt/ und ſagen ſie/ daß man darinnen ſeye/ als auf einer Wanderſchafft/ da einer eher als der andere an den beſtimten Ort komt. Acht Tage hernach ſetzet ſich der Erbe zu Pferd/ und beſuchet ſeine Freunde wieder. ordnen ſie ins gemein in jhrem Teſtament/ daß ihr Leichnam entweder nach Mecha oder Meched, ſpo einer von jhren Heiligen begraben ligt/ getragen werde. f glauben/ daß/ ſo bald die Gruben/ dar innen ſie Verſtorb nes Glaubens begehren/ und auf welehe Seiten er ſein Gebaͤt verrichtet; nachdem er nun Reisbeſchreibung in Perſten/ Was die groſſen Herren anbelanget/ ver„Die Perſianer ſo wol als die Tüͤrcken/ Gutes oder Boͤſes gethan/ gehen ſie auch mit Auferſtehung anlanget/ ſagen ihrer etliche/ dieſe Pein ſeye nichts anders als eine groſſe Bejhm um. Was die Quaal der Seelen vor dern kümmernuß und Reue/ daß ſie micht ſolche Wiſſenſchafften erlernet/ oder nach einer ſolchen Vollkommenheit der Seelen getrachtet/ als ſie wol hatten thun koͤmnen/ und Gott von jhnen fordere. Andere ſind der Meinung/ daß der Verdanten Seelen von Traumen und erſchroͤcklichen Geſichten ſehr gegualet werden: da hingegen die Seligen beſtaͤndig ſolche Erſcheinungen und Geſichte haben/ welche ſie ergötzen/ bis der daheb-el.Zaman, oder Meiſter der Zeit erſcheine/ und des Mahomets Geſetz bekrafftige/ welcher mit ſeiner eigenen Hand den Dedgar, oder Ante⸗Chriſt toͤdten wird/ und daß alsdann von Stund an/ alle ſo noch leben/ ſterben/ und zugleich die allgemeine Auferſtehung/ ſo ſie Maavedet⸗hechrè nennen/ darauf erfolgen werde. Eben die Leiber werden ſich mit deren Seelen wieder vereinigen/ und auf dem Gerichts⸗Tage vor dem Thron des Richters der gantzen Welt erſcheinen; zu demſelben aber ſeye eine Brucke Polſerat genant/ viel ſcharffer als eines Meſſers Schneide/ worüber die Muſulmanner viel geſchwinder und hurtiger gehen werden/ als ein Vogel flieget. Die Aberglaubiſchen aber und Unglaubigen werden in dem erſten Schritt auf dieſer Brücke/ dadurch ein feuriger Bach fiieſſet/ ſtraucheln/ und von tauſend Teuffeln mit Hacken und Zangen darein geſtuͤrtzet werden. Dahero wann ein Perſtaner von dem andern/ wegen einiger Pretenſion feine Sarisfaction haben kan/ drauet er jhm endlich mit ſolchen Worten: Es iſt gut/ ehe du uͤber den polſerat geheſt/ ſolt du mirs doppelt wiedergeben/ ich wil dich bey deinem Rock halten/ und dich nicht ehe daruͤber laſſen/ du habeſt mich dann bezahlet. Aber die klug ſind ſpotten nur dieſer Reden/ und antworten mitlachendem Mund: Laß es ſeyn/ wir wollen ſehen ob ich ſtraucheln werde/ wann ich uͤber den Polſerar gehe. Der Thorhüter in dem Paradeis/ Ruſuen genant/ wird jhnen/ wie ſieſagen/ die Thur aufthun. Da werden ſie auf dem Rand des groſſen Kauſſer ſſtzen/ ſo ein Brunnen iſt/ darauß ihr Prophet jhnen mit einem groſſen Loffel Waſſer wird zu trincken geben/ und werden eine groſſe Menge Weiber haben/ die mit Fleiß erſt erſchaffen worden/ ſamt allerhand delicaten und niedlichen Spelſen. Danni aber dieſer heilige und zur Ergotzlichkeit beſtimte Ort/ nicht durch einigen Un flath/ ſo auf Eſſen und Trincken zu folgen pfleget/ verunreiniget werde/ wird alles durch einen wolriechenden Schweiß von jhnen gehen/ und werden ſie ewig in dieſem Stand bleiben. An, dere die verſtandiger ſeynd/ ſagen/ man muff alle dieſe Sachen ſo grob nach des gemeine! Manns Verſtand vorstellen dabey aber glauben/ die ewige Seeligkeit beſtehe in nichts anders als in einer volltommenen Erkautnuß a ler Wiſſenſchafften; was aber die 0 5 He Jen keiſe Ji 19 Und fh neigte ges keen 0 lac g 4% bel, ihr ö 01 bel litaten jhr Vergnügen haben. langet/ werden dieſelbige auch nach jhren QuaDas XX. Capitel. 8 Der Author reiſet von Iſpahan nach Or. . und beſchreibet den Weg biß nach 5 von Ilman-Couli-Kan, Stadthal ter zuschias erbauet/ und luſtige Gaͤrken daran hat/ Schixas. Bich wol den Weg von Iſpahan nach Ormus; und von dannen wieder auf Iſpahan zum oͤfftern gereiſet/ will ich doch allhier nur von dem Weg/ den ich auf meiner letſten Reis den 24. Febr. 1665. von Iſpahan nach Indien genommen/ handein. Als ich alle meine Geſchafte verrichtet/ und eine bequeme Zeit war/ nach Indien zu reiſen/ gienge ich von Iſpahan nach Mittag ab/ und bliebe eine Meil Wegs von der Stadt auf dem Feld/ biß dahin mich etliche meiner guten Freunde begleitet hatten; Ich ließ meine Pferde daſelbſt trancken/ und ruhete biß des Nachts um 10. Uhr/ darnach ließ ich laden/ und kame/ wie der Tag anbrach/ eine halbe Meil von dem groſſen Dorf Ipehanek, dadurch man muß/ an einen Ort/ wo ſich die Kadars oder Wachten/ ſo auf die Wege beſtellet ſind/ aufhalten; Gegen 10. Uhr des Morgens erreichte ich ein anders groſſes Dorf/ Mahiar genant/ und traffe eine ziemlich gute Carvanera darinnen an. Von Iſpahan an biß an dieſes letſte Dorf iſt das Erdreich ſehr unfkuchtbar und tragt keine Baume/ außgenommen/ wann man nahe bey Mahiar komt/ da findet man etwas wenigs von gutem und fruchtbaDen 26. umz. Uhr nach Mitternacht brache ich auf/ und nahme meinen Weg durch ein Ihetrocken und eben Feld/ welches jedoch eine eile von Comche, einer ziemlich groſſen Stadt/ daſelbſt ich des Morgens um m. Uhr 1 e erwas beſſer wird. Es ſind unter15 liche/ wiewol nur auß Erden/ doch ziem7 one Carvanſeren darinnen/ und beſtefen de gantze Stadt auß einer Reihe Dorf0 ſo ener halben Meile lang an einander jens Drey viertel Meil Wegs ungefehr eim er Stadt ligt eine artige Moſquee, mit wieſtelen nicht darimen fiſchen laſſen/ weil er/ zu Ch gen einen von ren Propheten dem We 1 dieſe Moſquẽe exbauet iſt/ zugehoͤret. ſſt/ aun dieſer Ort im Sommer ſchakticht ch vor der Hitz zu verwahren/ bey die10 15 tech don. Uhr dee Morn/ hi led Feld 2 Makloub um to. durch ein wol beſaͤetes ebeund legte mich in eine Catvanſera i Sul genant.. mich O ue hach r ach Sttenacht aul und i „Stund Wegs durch eine dürre „ beſegten Fiſch⸗Weyer; aber die Moulſchlaffen muſte. 5 dis Reiſende im hin und her Reiſen dada aher ampieren als ſich in die Stadt h olgenden Tags den 28. machte ich Heyde/ in eine kleine Stadt Vesdecas, ſo in der Mikte eines großen T hals auf einen Felſen gebauet/ und legte mich in die Car vanſera unten an der Stadt.(Von dem Brod zu Vesdecas, als dem Beſten in gantz erſien/ habe ich an einem anden Ort geſagt;) Eben denſelbgen Tag Morgens um 7. Uhr kam ich bey einem ſchoͤnen Hauß/ Namens Amnebad, ſo d Den 1. Martij reiſete ich um 1. Uhr nach Mitternacht fort/ und kam über einen kurtzen/ jedoch ſo rauh und harten Berg/ daß man ihm davon den Namen Korelinnal-tehekeni, ges geben/ welches ſo viel iſt/ als der Berg darauf die Pferd die Eiſen zerbrechen. Von da gehet der Weg bey einem elenden Schloß/ mit Namen Gombeslala vorbey/ und übeuffach Feld nach Dehigherdou, oder dem Nuß⸗Dorf, allwo ich gegen 10. Uhr des Morgens ankame. Ich ſtunde denſelben Morgen eine ſehr groſſe Kalte auß; wie dann daſſelbige Land/ und wo man die folgende Tagreiſe durch muß/ es ſeye um welche Jahrszeit es wolle/ ſehr kalt iſt. Den 2. gieng ich von Mitternacht biß um 10, Uhr des Morgens durch den Schnee/ und darunter 3. Stunde uber eine unfruchtbare Ebene/ biß auf Cue kuzars da es eine neue und wolgebauete Carvanſera hart Den 3. war ich von 5. Uhr an biß um den Mittag zu Pferd/ und zwar anfangs uber gedachte Ebene/ langs einem Teich durch ſehr ſchlimmen Abeg/ weil alle Locher mit Schnee bedecket waren/ daruf uber einen langen und verdrießlichen Berg/ biß ich endlich bey vinein groſſen Dorf/ ale pas gengut/ herab kame/ von dannen man auf einem Hugel ein verfallenes Schloß ſiehet: Die Einwohner ſind Georgianer von Herkunft/ ſind aber zu des Mahomets Glauben getretten; ob ſchon die Carvanſera alt und in ſchlimmen Stand/ funde ich doch wegen unterſchiedlicher Bache/ ſo vorbey fiieſſen/ Wein und Fiſche da. Den 4. brache ich mit dem Tag auf/ und reiſete langs einem ebenen Felb/ welches OhaAbas I. den Georgianern zu bauen gegeben/ biß ich gegen u. Uhr/ Ondgiom erreichete/ ſo ein gutes Dorf/ und an einem Fluß niit einer ſchoͤnen ſteinernen Brücken ligt/ die Carvanſera aber war ſo unfiatig/ daß ich auſſerhalb Den F. ließ ich Morgens um 2. Uhr aufpacken/ und fande ſo bald a. Meil Wegs lang den allerſchlimſten Weg/ durch lauter Koth vor mir; darauf muſte ich über einen ſehr rauen Berg/ auf welchem die Wege mit groſſen Kiſelſteinen und Koth gantz bederk er ſind/ und 10 lange Zeit erforderk/ biß man hinab komt/ ch muſte durch ein Dorf/ von dem Namen eines Propheten iin Land/ Ian. lade genant/ welcher in einer ziemlich huͤbſchen Moſqusen daſelbſt begraben ligt/ und daher auch der Berg ſeinen Namen hat/ auf welchem faſt keine andere/ als bittere Mandelbaume zu finden And durch was ſet. kunft zu Schixas, fuͤr Oer Seine An286 finden ſind. Dieſe Mandeln werden nach Indien verführet/ und in der Provintz Guzerate vor kleine Müntze gebrauchet. Ich marſchierte eine Zeitlang zwiſchen rauhen und ſehr hohen Fgelſen fort/ biß ich einen kleinen Fluß antraffe/ ſo biß nach Mayn, einer geringen Stadt lauffet/ daſelbſt legte ich mich in eine gute Carvanſeta. 0 Dien 6. machte ich mich drey Stund nach Mitternacht wieder auf den Weg/ und uber ein auf allen Seiten mit dem Gebirg umgebenes flaches Feld/ worunter ein Berg von dem andern abgeſondert iſt/ auf welchem/ wie ſie ſagen/ ein Schloß geſtanden/ ſo von Alexandro dem Groſſen zerſtoret worden/ daß das Geringſte nicht mehr daran zu ſehen iſt. Ich muſte über zwey groſſe ſteinerne Brücken/ und kame darnach auf Ab: gherme, einen Ort auf der Ebene/ dabey eine halb außgebauete Carvan. ſera ligt/ und hat den Namen von einer groſſen Quell nahe dabey/ davon das Waſſer etter er gerei/ was warm iſt. Die jenigen/ ſo das verfallene Gebau zu The- elminar beſehen wollen/ nehmen/ wann ſie uͤber die letſte Brucke gekommen/ die lineke Hand langs dem Fluß/ und haben nicht mehr als zwey oder drey Meilen Dien 5. ließ ich um 2. Uhr des Nachts wieder aufpacken/ und muſte uber ein groſſes Flaches Feld/ da man nichllleicht wieder zurück kan/ wann Schnee ligt. Des Morgens gieng ich uber einen ſchoͤnen und langen Damm/ Puligor genant; dieſer Damm iſt 1500. Schlitt lang/ und bey nahe 1. breit/ und hat an gewiſſen Orten drey oder vier Bruͤcken/ darunter das Waſſer ablauft/ dann das Land iſt gar moraſtig; an dem End des Damms iſt eine wolgebaute Carvanſera, weil es aber ſo viel Schnacken mit langen Stacheln darinnen hat/ iſt ſie faſt gantz oͤd; ſieligt unten an einem Berg/ da ich vorbey gieng/ und drey Stund hernach hielte ich mich in einer CarVanſera, ſo gleichfals unten an einem ſehr gehen Berg ligt/ ein wenig auf. 8 Des Abends um E. Uhr kam ich zu Schiras an; ehe ich aber hinein gehe/ muß ich zwey nothwendige Stuck erinnern/ deren eines den Weg von Iſpahan nach Schiras, und das andere/ das verfallene Gebau zu Tche-eliminar, betrift/ und werde ich vielleicht daruber Gebirg/ die ich genennet habe/ durchzukommit etlichen/ ſo mit mir geredet/ und doch keine ſonderliche Wiſſenſchaft davon haben/ nicht einerley Meynung ſeyen. Was den Weg von Iſpahan nach schikxas anbelanget/ iſt zu wiſſen/ daß man bey ſchlimmen Wetter/ und wann viel Schnee ligt/ nothwendig bey Vesdecas von dem geraden Weg abgehen muß/ dieweil es unmoͤglich iſt/ auf den engen Wegen zwiſchen dem Neisbeſchreibung in Perſien/ 1 ſchon Schnee darauf ligt/ hat man doch die Gefahr/ nicht von den gehen Bergen zu ſtürtzen/ und nimt Leute auß dem Lande mit/ ſo die Wege weiſen. Dieſer Weg iſt zwey Tagreiſe langer/ als der Gewohnliche/ und war vor dieſem gantz unbekant/ dieweil an einem Ort der Fluß wider den Berg ſtoͤſſet/ und dadurch denſelben ſo gehe machet/ daß man nicht dadurch kommen konte. Es hat aber Iman-Couli-Kan vor die Bequemlichkeit der Kaufleute/ mit groſſer Mühe Gehe ung de Wels 10 und Koſten in den Felſen einen Weg fuͤnf⸗ acc c zehen oder zwantzig Schuh hoch über den Fluß erhoben/ machen laſſen/ und ſo breit/ daß ein beladenes Kameel genugſam daruͤber gehen konte. Auf der Seiten nach dem Fluß zu/ wurde eine kleine Maur drey oder vier Schug hoch aufgefuͤhret/ damit die Laſt⸗Thiere/ wann ſie einen Fehltritt thun wurden/ nicht in das Waſſer fielen; Dieſer Weg wahret eine halbe Meil/ und hat man bald darnach das Nachtlager in einem groſſen Dorf auf der Ebene/ darauß man Leute nimt/ ſo die Fahrt durch den Fluß zeigen. Jenſeit des Fluſſes gehet der Weg durch lauter eben und fruchtbar Feld/ und unterſchiedliche Bache/ biß an das Gebirg/ von da nicht mehr als anderthalb Meil nach Tche-elmi⸗ f nar iſt. Auf der Spitze des Bergs/ und der rechten Hand der zandſtraß find dwelf Saulen, ſo noch aufrechts ſtehen/ und gleichſam ein viereckt machen. Zwiſchen den beyden Bergen aber/ ja ſo gar biß an den Weg/ ſiehet man eine groſſe Menge Loͤcher in den Felſen/ ſo nach den Saulen zu ſehen/ und darein vermuthlich die alten Perſianer jhre Goͤtzen geſetzet. Von dannen komt man nach Tehe⸗elminar, allwo ich zum oͤftern/ abſonderlich aber m mit einem Hollander/ Herꝛn Angel/ der von ue der Hollandiſchen Compagnie/ den dama⸗ ſier. ligen Koͤnig in Perſien/ Cha- Abas II. reiſſen zu lernen/ geſchickt worden/ geweſen. Er bliebe langer als 8. Tage da/ alle die alten Gebaue abzureiſſen/ davon ich ſeilhero andere Abriß geſehen/ die dieſen Ort/ als etwas abſonderlich ſchoͤnes vorſtellen; als er aber ſeinen Abriß verfertiget/ bekennete er ſelbſt/ daß er ſeine Zeit uͤbel angeleget/ und die Sache der Mühe nicht wert ſeye/ daß man einen Abriß davon machen oder daß ein Curieuſer eine viertel Stun deswegen von dem Weg abgehe. Dann endlich ſind es an ſich ſelbſt nichts) als alte Saulen/ ſo zum Theil noch ſtehen zum Theil aber auf der Erden ligen etliche ſehr uͤbel gemachte Bilder/ mit kleinen viereckichten dunckeln Kammern; aul welchen allen die jenige/ ſo gleich wie 5 ich/ die vornehmeſten Pagoden in a, men; man muß ſich das Gebirg zu meiden, dien geſehen/ leichtlich ſchlieſſen konnen 5 wie ich einsmals im Winter thun muſte/ auf daß vor dieſem Tche-elminar nichts dig die lincke Hand gegen Oſten ſchlagen/ und ein abgottiſcher Tempel geweſen. kin allezeit auf der Ebene fortgehen/ dann ob bekraftiget mich noch. 5 1 dieſes in meine 5 5 Meinung/ 8 de 0 Sch 17 0 1% 0 8 und zeſchteß ug de ſſpahal, z del Dau er Val gen Meinung/ weil in gantz perſten/ wegen des uberflüſsigen Waſſers/ kein bequemerer Ort vor einen Gotzen⸗Tempel zu finden/ als dieſer/ und waren vermuthlich die kleine Kammern vor die Prieſter/ worinnen ſie im dunckeln aſſen/ damit nicht irgend ein kleiner Schnacke ſich in hren Reiß/ oder Früchte/ welches/ wie ich ſchon erwehnet/ der GoͤtzenDiener einige Speiſe iſt/ mit undermenge. Von Tcheelminar guß ſchlaͤffet man ins gemein/ eine halbe Meil davon auf einem Dorff/ da es den herolichſten Wein gibt. Von dannen biß Schiras iſt die Tagreis zimlich ſtarck/ abſonderlich/ wann der Schnee angehen willz dann da iſt man faſt allezeit im Wafſer/ und ſcheinet der Weg einem kleinen Meer nicht ungleich. a 8 Das XXI. Capitel. Beſchreibung der Stadt Schiras. Ee Stadt schiras ligt in der Lange under dem 78. Grad/ Ip. Minuten/ e Cund in der Breite under dem 29. 36. Minuten. Die Gegend herum iſt von Norden gegen Suden ohngefehr 4. Meilen/ und von Weſten biß Oſten bald 5. Meilen/ lauter it eben Feld. Dieſe Ebne iſt ringsherum mit * hohen Bergen und Felſen/ darauf weder Kraut noch Baume wachſen/ umgeben. Gegen Suͤd⸗Oſt/ wo des Winters die Sonne gufgehet/ iſt ein See vom geſaltzenen Waſf ſer⸗ welcher nicht viel under 4. Meilen in Umreiß hat. Wann man uber die Ebene gegen Mittag reiſen wil/ komt man zaſchen zween ge/ welche eben nicht ſo nahe zuſamen ſtoſſen/ ſondern darzwiſchen noch Platz laſd/ vor die anmuͤhtigſten Thaler einer halben eil/ mehr und weniger breit/ man ſiehet quch darzwiſchen gebautes Feld/ und ſchoͤnen Wieß⸗Wachs. Das Erdreich bey Schiras i fruchtbar und gut/ aber an wenig Orten und iſt ſonderlich wegen der koͤſtlichſten und beſten Weine in gantz Per ſten/ ſehr berühmt; . 1 der Stadt iſt nichts ſchones/ und ſiehet, als iw dienen die Helfte davon verfallen ware. Vor gem waren Mauren auß Erden darum/ ſie dend aber faßt alle eingefallen/ und nicht wie5 5 aufgeführet worden. Die Hauſer ſeynd Rleichfals auß Erden/ an der Soꝛmen gekrörkner/ und mit Kalck beworfen. Und well u bißtweilen zu Schixas regnet/ ſo zu Iſpahan icht geſchicht/ tauren die Haͤuſer nicht lang nichr/ ſo bald dieſe Erden von dem Regen ſodewächer wird. Das Collegium allein/ N Han-Couli-Kan hauen laſſen/ und etliche dlqucen ſeynd von gebgckenen Steinen/ und under den WMoſqusen iſt die/ ſo ſie cha- w 1 außeſcrte nennen/ die Vornehmſte/ wird auch einer ſonderbahren Devotion etwas beſſer f 0 walken, als die andern/ obſchon nichts i ers oder denckwürdiges daran zu ſehen Gegen Nord⸗Oſt reichet die Stadt biß Fünſtes Buch. 287 einer viertel Meil nahe an dem Berg und von einer kleinen ſteinern Brücken an/ ſo bey dem Außgang der Stadt iſt/ biß unden an den Berg iſt eine lange und grade Straß/ und eine Moſquèe, die Iman-Couli- Kan bauen laſſen. Von auſſen hat ſie zwar ein zimliches und wa s fexverfallen. Vor dem Thor iſt ein achteckichter n feen. Platz/ und in der Mitten ein Teich von gleicher Figur/ darein das Waſſer von dem Geburg langs der Straſſen lauft. Auf beyden Seiten dieſer Gaſſen/ von der Moſquss an/ biß an den Berg/ iſt eine Maur/ und hie und da groſſe Thuͤren gegen einander über/ worauf 3. oder 4. offene Kammern gebauet/ damit man ſo wol die Voruͤbergehenden/ als quch in die Garten/ die mit dieſen Mauren umfaſſet ſeynd/ ſehen koͤnne. Inwendig ſeynd in grader Reyhe Cypreſſen⸗ Baum/ und ohngefehr 200. Schritt von der Moſquce, iſt Mitten in der Gaſſen noch ein Teich/ worein das Waſſer/ ſo auß dem Gebuͤrg komt/ erſtlich fallt. Dieſe Gaſſe oder Spatziergang/ iſt eines von des Iman ⸗Couli-Kan Gebauen/ nachdem er den Berg/ ſo an dem End iſt/ durchſchneiden laſſen/ und dadurch den Weg von Schiras nach Iſpahan/ eine Tagreiſe kuͤrtzer gemacht. a f * 5 In schiras haben ſie 3. oder J. Glaß⸗Hüt⸗ Glas out, ten/ darauf die Menge von groß und kleinen ten alda. flaͤſchen gemachet werden/ darinnen ſie Roen⸗ und andere wolriechende Waſſer/ ſo ſie in dieſer Stadt brennen/ hin und wider verſchieken. Es werden auch von underſchiedlicher Art Geſchirꝛ da gemacht/ darein ſie die Früchte in Essig legen/ und in frembde Lander/ abſonderlich aber nach Indien/ biß nach der Inſul Sumatra, Batavia, und andere Oerter/ verfuͤhren/ wie ich ſchon an einem andern Ort erwehnet. Man machet zu Schiras Confituren, von allerhand Früchten/ von Cuckummern/ Eitronen/ Birn/ Aepfeln/ Pflaumen/ Kirſchen/ und friſchen Mandeln/ ja ſie koͤnnen ſo gar die Weintrauben im Eſsig einmachen. Sie leſen dieſelben ab/ wann ſie halb gruchte und zeitig/ und ſuͤßlicht werden/ und bekommen die Trauben/ wann ſie auf ſolche Weiſe eingemacht werden/ einen gewiſſen ſauren Geſchmack/ welcher/ abſonderlich in der groſſen Hitze/ ſehr angenehm iſt. Dahero holen die Indianer die Menge von allen dieſen Früchken/ welche ſie in jhren Landern nicht haben/ weil ſie den Gotzen⸗Dienern/ die von nichts eſſen/ was ein Leben gehabt/ wol zu ſtatten kommen. Bey den Mahometanern laſſen die Groſſen Herzen auch allezeit etliche Schuſſeln von dieſen Früchten auftragen/ ſolte es auch nur zum Schein ſeyn/ dann ſie halten ſich ſehr lang/ und ſehen faſt eben ſo ſchon/ orden. 8 Stadt/ noch der Gegend herum/ etwas davon gearbeitet. Und faͤngt man allein an/ viel Chites, oder gemahlt leinen Tuch/ zu 8 f machen/ als wann ſie erſt von den Baumen gebrochen Was die Seiden Arbeit und andere Maanufacturen anbelanget/ wird weder in der Gewoͤchſe daſelbſt. machen/ aber ſehr grob/ und nur vor das gemeine Volck. 1 3 a Wann man gegen Nord ⸗Weſt zu der Stadt herauß komt/ ſiehet man einen groſſen Gang/ in welchem 3. Steine/ an dreyen Orten geſetzet/ ſo ſie Mils nennen. Sie ſtehen ſo weit von einander/ daß man von einem Stein zu dem andern/ eine Manns⸗ und Weibs⸗Perſon underſcheiden kan. Vor dieſem waren auf beyden Seiten dieſes Gangs/ Mauren/ ſeynd aber heut zu Tag an den meiſten Orten eingefallen. Er reichet biß an den Garten RagCha, welches eigentlich ſo viel iſt/ als des Konigs Garten. Über der Garten⸗Thuͤr iſt ein halb verfallener Saal/ und am End des groſſen Zangs, in welchemgegenüber ſchone Cypreſſen⸗Baͤume gepflantzet/ iſt ein zimlich hübſches Gebau/ ſo man verfallen laſt. Auf der lincken Hand von dieſem Ort/ hat es einen mit Stein eingefaßten Teich/ und dieſes iſt alles/ was man in dieſen Garten ſchoͤn nennen kan/ wiewol es in Franckreich nicht hoch wurde geachtet werden. Von fruchtbaren Baumen/ Roſen⸗ und Jalmin⸗Stoͤcken/ iſt der gantze SGanrten voll/ aber unordentlich durch einander/ und nichts in einer Gleichfoͤrmigkeit/ oder mit der Schnur abgemeſſen. i Etliche au-. Von dieſein Garten biß an den Berg/ ſt dere deuck? 2 Meil Wegs lang auf einer Ebne/ lautet chen in seit. Wein⸗Wachs /ſo underſchiedlichen Prival15. Per ſonen zugehoͤret/ und hat ein jeder ſeinen Theil mit Mauren eingefaſſet. Jenſeit der Weinberge/ fangt das hohe Gebüͤrg an/ darauß viel kleine Bache entſpringen/ ſo zuſamen 5 einen Fluß machen/ den ſie Bend-Emir, von dem Namen eines groſſen Dorffs/ darauß die gröoͤſte Quelle komt/ nennen. Man muß ſich Aber nicht verwundern/ wann man in underſchiedlichen Beſchreibungen der Aſiatiſchen Königreiche/ findet/ daß einem Fluß underſchiedliche Namen gegeben werden; dann in der Türckey/ Perſien und Indien/ nimt ein Fluß die Namen aller Stadte und Doͤrffer/ wo er vorbeyjflieſſet/ an ſich/ daß alſo die Reiſende in den Namen nicht leichtlich uͤberein ſtimen werden. Dieſer Fluß Bend- Emir waſſert der Einwohner zu Schitas alle jhre Weinberge/ weil es daſelbſt von dem Fruͤhling an/ biß in den Herbſt nicht regnet/ und dahero den gantzen Sommer über/ in der Juhrt des Fluſſes bey der Stadt/ kein Waſſer iſt. Darauß kan man leichtlich ermeſſen/ daß es um den Fluß Bend- Emir gar eine geringe Sache ſeye/ und daß in Franckreich viel anſehenlichere Fluſſe zu finden/ welche nicht einmal in die Land⸗Karten % Die Beschaf- Was die Weine zu Schiras anbelanget/ ber herlge ſchnd ſe in Warheit die beſtein gang Perſien Geſchmack es kvird aber davon nicht eine ſolche Menge gee machet als ſich mancher wol einbilden doͤrfte. zee Von dieſem groffen Weinberg/ und vonallem/ was auf den Hugeln/ vier oder fünf Meil 1 eee vor Wein kan geleſen werden/ machet nian die Rechnung/ daß mehr als die Helſte Trauben entweder underwegs/ wann Reisbeſchreibung in Perſien/ jhnen der Stadthalter zu Schitas ihren Gldoͤrꝛet/ oder in groſſer Menge verwahrt werde/ weil die Perſſaner ſonderlichen Fleiß daran wenden/ ſolche lang aufzubehalten/ und werden ſie nach oder 8. Monaten/ noch eben ſo friſch ſehen/ als wann ſie erſt vor 8. Tagen waren geleſen worden. Uber das wird auch eine groſſe Menge Trauben zu dem gekochten Wein/ wie ſie jhn nennen/ verbraucht/ ſo den armen Leuten und Reiſenden/ abſonderlich aber den Fuhrleuten ſehr wol komt/ welche keinen Wein trincken doͤrffen; dann ſie vermiſchen dieſen gekochten Wein mit Waſſer/ und tuncken ihr Brot darein/ welches ſie erluſtiget/ und neue Kraften gibt. Der Wenn/ und alle andere Sachen/ werden nicht mit der Maß/ ſondern nach dem Gewicht verkauft/ wie aber das Perſiſche Gewicht ſeye/ davon habe ich an einem andern Ort/ Anlaß gehabt zu reden. Cha- Abas II. trancke gern Wein/ hatte auch ſeinen Luft/ wann ſeine Groſſen vom Hof/ und Frembde mit jhm truncken/ und hat man wahrgenommen/ daß im Jahr 1666. in welehem es bey vielen Jahren her/ den meiſten Wein gegeben/ vor den Koͤniglichen Hof yoood. Mens gemachet(man muß aber eine Men von Keuhné 5 oder eine alte Men, ſo nach unſerm Ge⸗wicht 9. Pfund/ von 32. Untzen iſt/ verſtehen dieweil der Wein allein nach dieſem Gewicht verkauft wird) und gab der Konig den. Nationen von den Francken die Freyheit/ daß ſie ſo viel/ als er für ſeine Hofhaltung bekommen/ aueh moͤchten machen laſſen. Dieſe 4. Nationen waren die Abgeordnete/ wegen der, Handlung von der Frantzöſtſchen Compagnie/ die von der Engliſchen und Hollaͤndiſchen Compagnie/ und der Factor auß Portugal/ ſo zu Bander· Congo wohnet/ und dieſen Wein von Schiras, in alle Stadte/ ſo die Portugeſen in Indien haben/ über ſchicket/ wie er dann ſich und die ſeinigen von dein Gewinn/ ſo er davon machet/ underhalt. Wurde alſo von dem Koͤnig dieſen vier Nakionen verlaubt ooog. Mens Weins zu machen/ nemlich den Frantzo9 weil man hofte/ jhre Schiffe wuͤren ankommen/ und von den ubrigen dreyen Nationen/ jedweder 2000. Wann man aber den Bedienten/ bey denen man die Trauben außlaͤſen muß/ eme Verehrung gibt/ bekomt man nicht allein die ſchonſten/ und um den be⸗ 4 ſten Preiß/ ſondern ſie laſſen auch zu/ daß man mehr Wein/ als verlaubk iſt/ machen muoge wie ſie dann in eben demſelben 1666. Jahr thaten/ und uͤber 5000, Mens mehr machen lieſſen. Die Juden auß dem Stamm Lens deren zu Schires bey 600, Familien ſeyn machten damals biß hundert oder hundert un zehen tauſend Mens Weins; dann es iſt die f armen Leuten jhre meiſte Handlung/ wiel d winn zimlich zu beſchneiden weiß. Die hac ner und andere Mahometaner dörffen kei Wein tnachen/ ja es iſt ſo gar under jhnen ne groſſe Sunde/ nun die Hand mit an 4 gen. Underdeſſen laſſen doch die groſſen Hen 5 ren in geheim Wein machen/ und kauffen under a 10 nuder den Norwvand/ als wann ſie ſolche verwahren/ und die übrige Zeit des Jahrs davon . eſſen wolken/ eine groſſe Menge Trauben. Dieſes hat ſich in dem Jahr/ als ein ungemeiner Überfluß von Trauben war/ mit dem Wein zu Schiras zugetragen/ und belieffe ſich die Summa von allem Wein auf 20005. Mens, welches nach unſern Faſſern in Franckreich/ as Faß zu drey hundert Pinten, oder halben Maſſen gerechnet/ 4125. machet. Dieſer Wein wird in Bonteillen oder glaͤſſernen Fläſchen verführet/ und mit Stroh ſo wol in die Kiſten Woge eingepacket daß gar ſelten eine davon bricht. un, In Schiras iſt eine alte Moſquee, und darinnen des Sadi, welchen die Perſigner vor Ihren beſten 1 halten/ Begrabnuß, Vor dieſem way ſie ſehr ſchoͤn/ und ein groß⸗ und wolgebautes Collegium dabey/ aber ſo wol dieses gantze Gebaͤu/ als auch viel andere Hauſer in der Stadt/ fangen an zu verfallen. Alsbald an derſelben Moſquse gehet man etliche Staffeln hinab in einen ſehr breiten runnen/ bey welchem ein Trog mit Fiſchen erfüllet iſt/ die man aber nicht anrühren darf/ weil ſie dieſes fur einen Kirchenraub halten würden/ weil er einem Sadi zuſtändig iſt. Ein wenig jenſeit dieſer Moſquse, auf einem hoben Felſen, ſieher man die eingefallenen Mauren eines Schloſſes/ und oben auf dem Gipfel einen vieveckichten Brunnen in dem Felſen/ der ſehr hart iſt/ gehauen. Dieſer Brunnen iſt uͤberauß tieff/ und ohngefehr 10. oder 12. 0 wich 0 8 b welch Juß breit. Man hat mich berichtet/ daß vor dieſem die Weiber/ ſo jhren Mannern untreu worden ſeyn/ hinein geworffen; anjetzo haben eine groſſe Menge Tauben ihre Naſter daringen gemacht.„„ Under vielen Luſt⸗ Garten/ die man zu chiras ſiehet/ und die keinen Mangel am Waſſer haben/ hat es einen/ in welchem man sonnen groſſen Spatziergangs/ einen Schen,Feich. für ſich findet/ welcher ſechstzig 8 dbchrt ins Gevierte hat. Das Waſſer komt ˖ er einen in dem nachſtgelegenen Felſen zimh artig gehauenen Waſſer⸗Fall/ hinein/ auf W Felſen man ein Luſt⸗Hauß antrift/ ka man auf obgedachten Teich ſehen Uhr and welches wie manauß dem was noch ig iſt/ urtheilen kan/ nicht uneben gebauet 88 heweſen. Es wird aber ſehr übel underhalten/ Als ei Fe cs Ale dieſe Garten guad wie ich ſchon gemeldet/ ſo lieben die Peran neh einen neuen Bau aufzuführen/ auß nien alten zu underhalten/ welchen ſie fe Mangel geringer Außbeſſerung laſſen einſen⸗ N. A Ohe Baumen gezieret/ und ſiehet man zu chihier ue ſchonſten von der Welt. Ich muß alnen micht mit ſtillſchweigen vorbey gehen/ eiStade derbaren Brunnen(der ſech in der ſche dr beſndet und welchenich underſchede verſſ mal geſehen. Die Eirwohner des Orts nen 0 eren daß das Waſſer dieſes Brundaß n fünfzehen Jahren dermaſſen wachse/ gegen md e. her855 enden fünfzehen Kahren/ biß au c een fal n f f „Theil. N Fiunſtes Buch zars, gut gebauet/ und allwo das Waſſer in deſenſ einem Canal mitken durch lauft. Jetzo kom⸗ diger hen. me ich auf das/ was in den um Schſras nechſt 9 0 Oertern vornehmlich ſehens würGegen Sud Weſt/ eine gute Frantzoſiſche Meile von der Skadt /iſt ein Hugel von dem groſſen Geburge abgeſonderk/ auf welchem man drey Pforten ſtehet/ die von einem Abgottiſchen Tempel noch übrig geWas ferner ö ckwuͤrblieben. Es ſeynd ihrer vier geweſen aber 5 5 die gegen Mittag iſt eingefallen/ die drey übrigen stehen noch/ und beſtehet jedtwedere auß drey Steinen. In einem jedtredern von den zween Steinen/ welche die Pfoſten Thüren machen/ ſiehet man zwey Bilder foſten der außgeſchnitten/ weiche ſich einander anſehen/ und die Arme gegen einandern außſtrecken; Eines von dieſen Bildern halt in der einen Hand ein Gefaß/ auß welchem eine Flamme hervor gehet/ und in der andern/ etwas gleich einem zuſamen gelegten Teller⸗Tuch/ den man in Franckreich zu reichen pfleget/ wann man ſich die Hande gewaſchen: Das andere Bild halt in der einen Mand etwas gleich einem Beutel/ und in der andern etwas/ das einer euer⸗Kugel ahnlich ſiehet; die zwo übrigen Pforten ſeynd dieſer gleich. Dieſe Bilder ſeynd in Lebens⸗Groͤſſe gemacht/ aber die Geſichter daran ſeynd gantz verdorben. Z ween Muſqſeten⸗Schüſſe von hie erhebt ſich ein Berg in der Ebne/ auß welchem gegen der Norder Seite viel Quellen entſpringen/ und gleichſam einen Teich voll guter Fiſche machen. Man ſiehet auch allhier ein und andere groſſe Baume/ und ein kleines Hauß/ worinn ein Dervis wohnet. Der Ort iſt angenehm/ und alle dieſe Quellen machen einen Canal/ der genug Waſſer führet/ die Felder in der Ebne/ ſo beſaet ſeynd/ zu waſſern. Es ſcheinet/ als ob vor Zeiten die Abgoͤttiſchen Einwohner ſich allhie haben zu baden pflegen/ ehe ſie in den Tempel/ ihr e und Opfer zu verzichten/ gegangen Eine halbe Frantzoſiſche Meile von hie/ unden an dem groſſen Gebirge/ iſt ein Platz/ der ohngefehr fünf hundert Schritt im Umkreiß hal/ auß welchem man viel ſchoͤne Quellen flehet hervorkommen/ welche einen Teich Etliche andere Antiquitaten zu Schiras. machen/ der an vielen Orten gantzmit Kraut üͤberwachſen/ und mit groſſen Baumen umgeben iſt/ man findet alhie gute Fiſche. In einem Winckel des Berges ſiehet man vier ubernatürlich groſſe Bilder/ in den Felß gehauen. Die zwey gröſſeſten ſehen ſich einander an/ und wann ſie recht beſchauet/ ſo hat das jenige/ welches zur Lincken ſtehet/ einen groſſen Turban auf dem Kopf/ als wie der Groſſe Vieir und die Bacha zu Conſtantinopel tragen/ wann ſie in den Divan gehen. Von dem Turban an/ biß mitten auf die Stirne/ gehet eine Binde als von Hagren Etliche alte Bilder daſelbſt. geflochten/ derer Ende in groſſen Locken uber den Hals hinunder 39155 Es hat einen Antiiu e „ 290 Autiquiſchen Rock an/ und einen kurtzen breiten Dagen an der Seiten/ welches man auch an dem andern Vilde/ das gegen ihm über ſtehet/ ſiehet/ ohne daß dieſes an ſtatt des Turbans faſt eine Art von BiſchofsHuten auf dem Kopf hat. Die andern zwey Bilder/ die under die erſten zwey ſtehen/ ſtrecken gegen einander die Armen auß/ und ſo weit als man urtheilen kan/ ſcheinet das eine einen Mann/ das andere ein Weib flüurzuſtellen. Es hat das Anſehen/ als wann der Mann dem Weibe wolte einen BlumenStrauß überꝛeichen; aber die Warheit zu ſagen/ ſo ſeynd dieſe zwey Bilder ſehr verdorben/ zu dem iſt es ſchwaͤr ſie recht zu beſehen/ weil ein wenig under jhren Fuſſen/ ein Feigen⸗ Baum zwiſchen den Felſen herguß gewaſchen/ deſſen Zweige und Blatter ein Theil davon bedecken Ein Sa Ztdey tauſend Schritt von da iſt See. S fehr zehen Franzoͤſiſche Meilen in Umkreiß hat/ und entſpringet er meiſtentheils auß den vielen geſalzenen Quellen/ die von den Bergen herunder kommen: Man machet allhie viel Saltz. Es ergieſſet ſich auch in dieſem See ein Saltzer⸗Fluß/ über welchen man auf eine groſſe ſteinerne Brücke gehet/ drey Frantzoſiſche Meilen von Schiras, wann man ein auf Bander-Abaſſi will. f Eine halbe Frantzöſiſche Meile von der Stadt/ gegen Nord⸗Weſt/ trift man zween merckwuͤrdige Brunnen an/ einen oben auf dem Berge/ den andern auf dem Abhange/ beyde in den Felſen gegraben/ und uͤberauß tieff. Man findet kein Waſſer darinnen/ weil ſie halb mit Steinen angefüͤllet/ die aalle die jenigen hinein werſſen/ welche ſie zu ſehen/ hinkommen. Man findet auch noch allda einige Zerſtoͤrungen von einer Veſtung/ welche vor dieſem auf dieſem Berge/ zu Bewahrung der Wege/ iſt angelegt worden. Dann ehe der Iman- Couli- Kan den Berg/ von welchem ich droben gemeldet/ Reisbeſchreibung in Perſienee mit geſalzen Waſſer/ weleher ohngewelches die beſte um gantz Schiras herum iſt. Nahe dabey iſt ein kleiner Platz mit Pfählen umgeben/ und mit vier Pfeilern an den vier Ecken verſehen/ um ein Tach zu halten. Allhie ſitzet der Dervis, und empfaͤngt die jenigen/ ſo jhn beſuchen/ denen er nach Gewwonheit des Landes Taback vorſetzet. Dieſes iſt eines von den angenehmſten Oertern in gantz Perſien/ in dem man auf einmal die gantze Ebne von Schiras, und die gantze Stadt von einem Ende zum andern/ mit ſamt den Garten überſtehet. Aber man begibt ſich an dieſen Ort/ nicht nur allein deßwegen/ weil man ſich ſo weit allda kan herum ſehen/ oder den Dervis zu beſuchen ſondern guch einen Cypreſſen⸗Baum mit. ae Verwunderung anzuschauen/ welcher drey bie. oder vier Schritte von obigem Platz/ zwi⸗ ge, ſchen den Helſen ſtehet/ und ſo dicke iſt/ daß Wan vier Manner ihn kaum umfaſſen können; Er iſt auch nach Proportion hoch/ und halt man jhn fur den allerſchoͤnſten CypreſſenBaum in gantz Perſien/ ob es gleich derer viele darinn gibt. Auch fehlets dieſem ſchͤ nen Baum am Waſſer nicht/ zumalen die jenigen Quellen/ von der ich gleich geredet/ unden an ſeiner Wurtzel wegfleuſſet/ und ihn umgiebet/ hernachmals acht oder zehen Schritte beſſer hinunder in eine Cyſterne allt/ die allezeit voll iſt/ und von da durch einen kleinen Canal/ ſieben oder acht hu dert Schritte von dem Berge/ in einen Garten/ in der Ebne gelegen/ geleitet wird. In dieſem Garten findet man annoch Uberbleilſel von einem Schloſſe/ eines der alten Ko nige in Perſien/ und auß dem jenigen/ nas man noch ſſehet/ kan man nicht urtheilen /p daß dieſes ein prächtiges Gebaue geweſen. Dieſer Konig hieß Padchach Quiéchel, welches ſo viel ſagen will/ als der Grindige Konig/ welches dann nicht zu verwunderen/ in dem man kaum einen Jherſianer fnden wird/ der nicht den Grind habe/ oder nichet gehabt habe. hatte durchgraben laſſen/ ſo konten alle die⸗ Zwo groſſe Frantzoſiſche Meilen gegen g ſelbigen/ die von Schiras nach Norden/ oder gegen Aufgang der Sonnen reiſen wolten/ Sud ⸗Weſt/ unden an dem groſſen Gebirge iſt eine Einſtedlerey/ Pir- Bouno genannt/ keinen andern Weg nehmen/ als der unden allwwo drey oder vier Dervis ſich aufhalten f an dieſem Gebirge/ weggehet/ in dem kein ſer Kan die beyden Koͤnigreiche Lar und Ormus bezwungen/ ſo ließ er alle die kleine Veſtungen/ die an den Wegen aufgefuͤhret waren/ einkeiſſen/ weil er ſahe/ daß dieſes unnütze Unkoſten für den Koͤnig/ und eine Laſt für die Kaufleute ware/ welche an dieſen Hertern muſten eine Art Zoll geben. Heutiges Tags ſeynd die Wege allda frey/ und koͤnnen die Kaufleute ohngehindert/ und anderer vorhanden war; aber nachdem dieGegen Norden/ ohngefehr ein und ein halbe Frantoſiſche Meil von der Stadt auf dem Abhange eines ſehr hohen Berges/ beck, krift man eine kleine Molquse, als wie eine dere denckwürdige Dinge um Sehiras. Einſiedlerey an/ und fünfzehen Schuh weiein ſchoͤne Quelle/ fer hinunder ent ſpringet weil er ein gar luſtiger Ort. Dieſe Der vis lagern ſich allezeit an den ſchoͤnſten Oertern/ 1. und wann ſie eine Pfeiffe Taback ſchmaſu⸗ ven, 1 chem/ nehmen ſie dermaſſen ihre Gravitet in ache acht/ daß/ wann gleich der Konig kame/ ſie ben nicht einmal aufſtunden ihn zu grüſſen. In Perſien aber verwundert man ſich gar nicht uber den Stolz dieſer Der vis well ſſe es allezeit alſo getrieben derwaſen daß ſie auch niche glauben verbunden zu ſeyn/ dem Konig baseſichke zu kehren wann er fürbey gehe wie man es dann zum oſtern geſehen. Der vornehmſte Jieraht dieser Einſilerey/ tere Waſserguelle“ welche den Garten und biel herum ſtehendBaume befeuchtek. Sie machet einen Cana, ein wenig weiker als des Dervis Behauſung und dieſes bewog den Iman Couli- Kan; alda. einen Thier⸗Gayten anzulegen/ den er mit 1125 0 0 0 ein ade rer C, reſſel itt elbig l. 1 pe men/ alda ſpatzieren zu gehen; nach deſſen Tode aber hat man ſeiner nicht geachtet/ und laſſet man die Mauren alle eingefallen. 85 Wann man auß Schiras gegen Abend werts/ ein Viertel einer Frantzoſiſchen Meilen/ von der Stadt gehet/ kot man an einen Kirchoff mit Mauren umgeben/ in deſſen mitten an er Seiten gegen Mecea zu/ einen Schwiebogen ſiehet/ der von Dervifſen und andachtigen Leuten hauffig beſuchet wird/ die allda jhr Geat verrichten/ weil dieſes die Begraͤbnuß des ugla Hafiz iſt/ den ſie in groſſen Ehren halten. Das Jahr ſeines Todes wird auf ſeinem Grabwahl angezeiget/ und iſt das rz ſte Jahr nach wenn Chriſti Geburt; Er hat ſich ein groſſes Anſefe hen under den Perſtanern erworben/ durch ein . Bes, groſſes Buch von der Sitten Lehre geſchrieben/ und weil er einer von den beſten Poeten einer Zeit geweſen/ hat er ein weitlaͤuffiges Geicht zum Lobe der guten Weine hinder ſich gelaſſen/ welches viele hat glauben gemacht/ daß ieſer Hugia Hafiz kein gufrichtiger Muſulman ſey geweſen/ weil er eine Sache gelobet/ die gußdrücklich in des Mahomets Geſetze verNahe an dieſem Kirchhoff iſt ein groſſer Garten/ den man wegen ſeiner ſchoͤnen Cypreſſen⸗Baͤume/ die ſein eintziger Zierraht ſeyn/ beſiehet: Selbige ſeyn verwunderens wahrt/ ſo wol wegen jhrer Dicke als Hohe; under denen einer/ ſo mitten im Garten ſtehet/ zu finden/ welcher im Jahr 16077. von dem berühmten ChaAbas gepflantzet; gleich wie mich deſſen der Gartner verſichern wollen. Es ſcheinet wol/ aß er ſey von der Hand eines Koniges gepflanbel/ und alſo deswegen wol in acht genommen/ Gal er viel dicker als alfdere/ die uͤber 100. Jahr ſtehen. 15 Wann man auß Schiras gegen Norden deher d krifft man unden am Berge einen Gara nder vorigen Koͤnige in Per ſien an/ genant 8-Firdous; Er iſt voller fruchtbarer Waluf 8 und findet man eine groſſe Menge Roſentöcke drinnen. Am Ende des Garten auf alem Abhange des Berges erblicket man ein Sch Vai dec und unden dran einen groſſen dee dor de. Die reichen Einwohner in schirasſchn dane gen n Liebhaber von ſchonen Garten gewewüchi, kein d haben viel drauf gewendt/ ich hab aber e den weder zu Schiras noch Ipahan angeen/ der im geringſten mit den ſchoͤnen Gaͤr⸗ ſch geringſt f ſich underſchiedliche Doͤrffer/ und wird obgetenund dran aas tzlichen hanke ond dran ligenden ergotzlichen Luſthauſern 9 dagleichen die man um Paris ligen ſiehet. bons e was ich habe denckwurdiges een n derſcedche wal gene habe auf 2 ſchicden kommen. Ob gleich in der Stadt verdock d Carvanſera ſich befinden/ ſo logieren Kao ranken gemeinlich in dem Barfuſſer ſeyn 10 aber die jenigen/ welche wollen alleine eben bieten ſich in ein ander Hauß/ welches 8 0 5 5 Munchen zukommet/ und welches i beſhwalahagen e weil es jhnen zu . Theil. band Toildanfillete/ und war es eine güſt bey Lebzeiten dieſes Heren/ der ihn ließ in acht nehiras und den umligenden Oertern/ al a Mitternacht auf den Weg/ und reiſete bis 10. Das XXII. Capitel, Die Fortſetzung der Reiſe zwiſchen Ipahan und Ormus, von Schiras ai bis nach Bander-Abafli. i 8 En 16. Marti um 8. Uhr Morgens Heren rabrach ich von Schiras guf/ und nach deiſ von dem ich 6. Stunden in einer Ebene schuras, gereiſet/ die eine Stunde von der Stadt gufhoret fruchtbar zu ſeyn kam ich in ein Carvanſera genant Babaadgi. Das Waſſer allhie iſt hicht gut/ und von dieſem Orte an ſpühret man keine Kälte mehr. Des Tages war ich mik dern» Sonnen auf/ und kam in ein groſſes und wolgebautes Carvanſera, aber welches gantz allein und entfernet von Doͤrffern lage. Man nennet es Mouzafferi, und an dieſem und an keinem Ort in Perſien mehr/ hab ich ſchwartze Erdſchwaͤmme(auf Frantzoſiſch Trufles genant) angetroffen/ die ja ſo groß und gut waren/ als die jenigen ſo man in dem Delphinat findet/ und zwar in ſo groſſer Menge/ daß bey meiner Ankunfft in das Carvanſera, ich einen gantzen Keſſel voll uͤber dem Feur vor mir fand. Ich lieſſe mir rohe geben/ um ſie auf unſere Art zuzurichten zu laſſen/ und des andern Tages nahme ich ſo viel als mir beliebete/ mit mir zum Vorraht. Dieſes Land nehret nichts als Ziegen und Schaafe/ und ohngefaͤhr zwo Frantzoſiſche Meilen weiter/ flieſſet ein Fluß langſt dem Gebuͤrge hin das gegen Abend liget. 8 Den 18 machte ich mich mit dem früheſten zar auf/ und reiſete nicht langer als bis 11. Uhren/ Länder durch durch ein ſteinigt Land/ und zwiſchen Berge 11 5 er gedie voll bitter Mandel⸗ und Terebinthen⸗Baume ſtunden. Ich kam in ein ſchoͤnes Car van ſera Namens Paira zu ligen/ nahe an einem Fluß der von Abend komt/ und welcher das Land allhie zimlich angenehm machet. Es befindet ſich ein wenig Holtz in den Thaͤlern/ und ein und ander Dorff jenſeit des Fluſſes/ gegen Den ig. war ich um vier Uhr des Morgens zu Pferde/ und reiſete laͤngſt einem Thal voller Doͤrffer/ und welches der jenige Fluß/ von dem ichgleich geredet/ zimlich fruchtbar machet. Gegen acht Uhren blieb ich in einem Oarvanſera, welches achteckicht gebauet war/ und eine groſſe Frantzoſiſche Meile von dem Fluſſe liget; zwichen dem Fluß und der Garvanſera befinden dachtes Carvanſera von den Einwohnern Kal. fer genant.„ 0540 Den 20. begab ich mich um zwey Uhr nach Uhr Morgens durch ein trockenes Thal. Au dem Wes kraffichviel Hirten 0 0 Land al voce inen zu heiß begunte zu werden/ verlieſſen und ſich unn friſchere Luft zu ſchöpffen/ nach Schiras hin zogen. 9 8 5 Die jenige die mit jhren eigenen Pferden reiſen/ und eines von den angenehmſten Oertern in Perſien/ wie auch einige Antſquiteten/ ſehen Bb 2 wol1 meinen Weg der Caravanen zu nehmen/ auf wollen/ lencken ſich bey jhrem Aufbruch auß der Carvanſera Kalfer genant/ an ſtatt den gedie rechte, Hand nach der Seiten der Fluſſes u der andzrthalbe Frantzoſiſche Meilen von der Caxvandera flieſſet. Wann man uͤber dieſen Fluß geſeßrt/ komt man in einen engen Weg/ welcher über einen gaͤhen Felſen gehet/ ohngefahr zwo Frantzofiſche Meilen lang/ man hat das Geburge zu der rechten/ und den Fluß zu der lincken Hand/ dieſer Weg iſt an etlichen Orten nicht ſo breit daß zween Jleuter neben einander gehen konnen. Langſt dieſen Weg ſichet man viele kleine Fußſteige das Geburge hinauf gehen/ durch welche man zu gewiſſen 7 Mas er fer, Holen kommet/ derer elliche ſo groß ſehn/ daß ner under Igtvey bis drey kauſend Menſchen darinnen 7555 heſe⸗ Naum haben mochten. Nach, dieſem Weg eim jrdiſches Paradeis zu nennen/ oder doch zum komt man in eine Ebene/ welche 4. bis v. Frantzoſiſche Meilen im Umkreiſe hat/ und Daclivan genant wird/ voll Pomerantzen⸗Granaten⸗ und Citronen⸗Baume. Es gibt under dieſen Pomerantzen⸗Baumen etliche/ die kaum zween Manner umfaſſen konnen/ und die ja ſo hoch als unſere groſſe Nußbaume ſeyn. Dieſer Eitronen/ und Granaten/ und iſt in Warheit wenigſten der aller ſchoͤnſte und angenehimſte Ort in gantz Perſien. Ich bin zu verſehiedenen malen da geweſen/ und wird dieſer Ort hauffig von denen die ſich allda erluſtigen wollen/ beſuchel. Man laͤſſet Gezelte under dieſen Baumen aufgeſchlagen/ und bringen die Bauren Gelegenpei eines luſtigen Orts. allerhand Erfriſchungen herdey/ vornehmlich aber Rebhuͤner/ Haſen/ und eine Art von Gemſen/ welche die Frantzoſen Gagelles nennen. Der Fluß welcher dieſe Ebene befeuchtet/ iſt ſehr fichreich/ jnſonderheit von Karpfen/ Barben/ Hechten/ und Krebſen/ und erinnere ich mich/ daß auf meinen underſchiedlichen Reiſen allezeit ein Baur deſſelbigen Orts des Morgens mich an das Ufer des Fluſſes fuhrete/ und am meiner Gegenwart gleich mit der Hand gi ſche feng; ja er war ſo fertig in ſeiner Kunſt/ daß wann er einen Fiſch bekam/ der ihn nicht groß genug dauchte/ er jhn wieder ins Waſſer warff und einen andern fieng. Weil man nim oftmals 10. bis 12. Tage allda verhartet/ ſo fehlen die in der nahe ſich aufaltende Daͤntzerinnen gar nicht/ euch zu beſuchen/ um euch mit jhren Dantzen zu beluſtigen/ und ein und ander Glaß guten Schiraſſer Wein/ den man allda zur Gemige haben kan/ beſcheyd zu thun. Die Engellander und Hollander/ welche zu Ormus ſich aufhalten/ komen oftmal in dieſe Ebene den Sonner allda zuzubringen/ weil der Fluß und die Baume alhie eine angenehme Kuͤhlung machen: dann ſie nicht allemal begehren bis nach Iſpahan zu gehen/ auß Ur ſachen/ weil ſo oft ſie ſich dahin begeben/ ſie gehalten ſeyn dem Konige ein Geſchenek zu thun; deſſen ſie ſich aber gar gerne entübriget ſehen wann ſie können. Die Urſache warum in dieſer Ebene die Baume ſo ſchoͤn und groß wachſen/ iſt die Kühle Aufft die der Fluß machet/ deſſen Waſſer man die Thiere kaum davon trineken wollen. M gen befand ich mich in viel groſſerer Ge 45 Reis beſchreibung in Perſien/ N durch underſchiedliche Cauaile/ die viel nahe an einander ligende Teiche machen/ herum leitet/ und durch dieſes Mittel alle dieſe Baume befeuchtet: und iſt dieſes auch faſt der eintzige Nutzen den Perſten von dieſem Fluß hat/ zumalen auſſer dieſer Ebene die er bewaſſert/ er ſeinen Lauff durch lauter Felſen und Berge oder ſaltzigte Felder nimmet. Den 20, Mertzen um 10. Uhr Morgens/ gelangete ich in ein Caryanſera ouchele genant/ an/ welches gantz allein unden an einem Felſen liget. Funffhundert Schritt von da iſt eine Quelle deſſen Waſſer gantz warm/ und einen ſchwefelichten Geſchmack hat/ daß alſo Nan muß derowegen ſeine Zuffucht zu einer Tiſterne nehmen/ die man einen Muſquetenſchuß weit von der Caxvanſera antrifft; aber ſeith etlichen Jahren hat man nicht drauß trincken konnen/ ſreil ein Jude/ indem er Waſſer darauß ſchoͤpffen wollen/ und hm der Fuß entglitten/ hineingefallen. Die Mahometaner aber ſo ſehr abergläubiſch/ riſſen dieſe Ciſterne gleich ein/ und gruben endlich eine andere neben hey 1 N der vorigen. Ort verſihet gantz Ipahan mit Pomerantzen/ Drey Viertel Meiltvegs von NMouchel, hat man ztveen Wege nach Laer zu gehen für ſich(einen für die Kamele/ und den andern für die Pferde und Maulthiere: der erſte iſt drey Tagreife länger als der andere/ und wird genant der Weg durch die Wuſten/ auß Urſachen/ weil von einem groſſen Flecken an/ der von lauter Kameeltreibern bewohnet wird/ und alwo man an der erſten Tagreiſe zu Nacht ble bet/ man nichts anders als Hirten⸗Hütten dik guuſeh bald hie bald da ſich befinden/ antrifft. Auf 1 dieſem Wege ſiehet man eine ungläub liche! Menge kleiner grauer Rebhuner/ hergegen qu dem andern Wege fehr viel groſſe/ und wann ſte auffiegen ſcheinets als wann ſich eine Wolcke in die Lufft erhebet. Auf dieſen zweyen Wegen/ und jnſonderheit auf demſelben den die Kameele nehmen/ trifft man auch eine anbere Art Vogel an/ die unſeren groſſen Rebhunern gleichen/ aber mit Endten⸗Füſſen, Die 1 Kamele konnen keinen andern Weg als diesel nehmen/ ob er gleich viel weiter iſt als der abe re/ und durch ein wüͤſtes Land gehet/ weil ſie unmoglich uber den Berg bey Jarron, v welchem ich gleich reden werde/ kommen kon und Maulthiere durchbringen kan./ Den 21. Mertzen um 2. Uhr des Morgen brach ich von Aaoucheke auf reſſte biß alle Uhr durch ebene/ aber ſteinichte Felder und a, langte in eine kleine Stadt/ Jarron geha an, die man gber mit mehrerem Rechte eile Palmen⸗Wald nennen konte; die Datteln ber alhie ſeynd uberauß gut. Ich herbergeles. einem ſchoͤnen Carvanſera 500. Och ol ſens/ muſte ich das hohe Gebüͤrge bey J auch anfangen aufzusteigen/ aber im herunde 3 nen/ und alto man mit groſſer Mühe/ Pſerbs⸗ N der Stadt entlegen/ und blieb 2. Tage baſelb 5 920% Den aaleließ ich gleich nach Mikternge geh aufladen/ und nach einer guten Stunde dun nel In Fuͤnftes Buch. als ich niemals in allen meiner vorigen Reiſen din geweſen/ und über dieſes ſchiene der Mond gar nicht/ und war alſo die Gefahr deſto groſſer. Wann man mm auf den Gipfel des Berges gekommen/ und man hernach durch einen muͤhſamen Weg/ alwo man auf der rechten Hand nichts als einen ungeheuren Abgrund fiehet/ ſieben oder acht hundert Schritte hat angefangen herunder zu ſteigen/ komt man an eine Brucke/ die nur einen Schwiebogen hat/ und von einem Berge zu dem andern gehet. des Baufmneiſters nicht genugſam verwundern/ und it die ſes eines von den kunſtlichſten Gebaͤuen/ die ich jemals geſehen/ und eines von den Gedachtnuß würdigen Wercken des el e/ Y. =. = 75 dude Den 2. reiſete ich von z. Uhren des Mor45 e ene deb un den Nein. Aachdemich ern 155 5 S unde lang geritten/ gienge ich über einen „ Werg/ der ſehr uͤbel herunder zu ſteigen war. 5 man ener dieſen Berg klugen und fader 5 Waſen underſt deſſen eine Quelle die gut f e t giebet. Eine groſſe örantzoſiſche Meil . f 05 komt man auf ein gar ſchoͤnes Car1 lem ata dloülesere genannt/ ſo mitten in ei⸗ fe 1 gur genchmen Holte ige und alwo man g 10 alhie Oypring⸗Waſſer antrift/ aber weil man b 0% nach 5 5 zu eſſen haben kan/ gehet man bi 1 ne gel etadombè ein gutes Dorff in einer Ebn fel man egen Eine Viertel⸗Meile diſſeits/ erblicket 5 N ble kleene gaͤhen Felſen/ einigen UberN i l eines alten Schloſſes/ das Dorff aber 5 1 55 mit Palmen⸗Baumen beſetzt/ Iman. Couli- Kan, als welcher ſich angelegen ſeyn lieſſe/ dem Kauf⸗ Handel zum beſten/ die Wege bequem zu machen. Wann man nun zu underſt an dieſes Ge8 buͤrge gekommen/ muß man noch uber 2. andere gehen/ die ſo wol im herauf⸗ als herunderſteigen einem gar ſchwar ankommen. Auf einem dieſer letſtern Berge finder man eine Cyſterne/ welche/ ob ſie ſchon zimlich groß/ dannoch zu Ende des Sommers gemeiniglich lar iſt/ wegen der vielen reiſenden Leute/ die den Fruͤhling uͤber alda ſeynd vorbey gegangen/ Und geſchoͤpfet haben. Auf dieſen Geburgen befindet ſich eine groſſe Menge Raͤbhuͤner/ daß man nur laden und ſchieſſen darf/ um ihrer ſo biel/ als man begehret/ zu haben. Gegen 8. Uhr Morgens/ gelangte ich in ein Carvanſera, Chakal genannt/ ſo gantz alleine in einem oͤden Lande lieget/ in welchem man nichts als bittere Mandeln/ und Therebinten⸗Baume antrift. Wann man ſich dem Carvanſera nähert/ trift man 2. oder 3. Cyſternen an/ ſo den Reiſenden dum groſſen Labſal dienen/ weil das Waſſer auf dieſem Wege ſehr rahr. Zu Chakal befinen ſich 9, oder 10. Radars, die Wege ſicher zu halten/ die auch Aufſicht auf das Carvanſera haben. So bald man ankommet/ fragen ſie/ ob nian etwas von Rehe zu eſſen begehret/ dann le ſhres Schuſſes verſichert ſeynd/ und nur in das Gebürge gehen doͤrffen/ welches voll dieſer Thiereiſt. Es gibt auch alda ſehr viel Räbhu0 ie ſogroß als unſere Hühner ſeynd/ und 8 leicht zu ſchieſſen/ ſo viel man derer begehrt. er bie Geſchicklichkeit 22093 und iſt dieſes Carvanſera gut/ und mit einer zimlich guten Eyſterne verſehen. Den aprreiſete ich durch eine Ebene/ die 3. Stund lang war/ und blieb in einer kleinen Stadt/ Benarou genannt/ die zimlich wol gebauet/ zu underſt eines Berges/ auf welchem man aunoch die verfallenen Mauren eines alten Schloſſes gewahr wird. Dieſe Stadt ligt an den Grantzen der Landſchaft kars und des Königreichs Lar, welches ſeinen Anfang nimt/ wann man von Benarou außgehet. Den 26. begab ich mich eine Stunde nach Mitternacht auf den Weg/ und reiſete biß o. Uhr Morgens, theils ein Thurn/ den Paß zu verwahren/ gebauet. Ich blieb zu Bihry, eine kleine Stadt/ meinem Winckel der Ebne gebauet/ welche an ein hohes Geburge ſtoͤſſet. Das Carvanſera alhie iſt neu/ und zimlich praͤchtig von der Mutter des Aimas- Kan zu Lar gufgeführet. Der berühmte Cha- Abas, nachdem er dieſes Land von den Guebren gewonnen/ zwang die Einwohner den Mahometaniſchen Glauben anzunehmen. Eben in dieſer Carvanſera war es/ da dem Herz Thevenot, welcher durch ſein Reiſen ſich heutiges Tags ſo beruͤhmt gemacht/ ein groſſes Unglück begegnete/ in dem er ſich durch ſeinen Diener/ eines von ſeinen Piſtolen geben ließ/ und ſolches neben ſich ins Bethe legte/ welches aber loß gieng/ und jhm das ober Bein durch151 5 wordurch er faſt in Lebens⸗Gefahr gefieh re. Den 27. machte ich mich früh Morgens um 4. Uhr auf den Weg/ und um 7. Uhr reiſete ich durch ein Dorff/ in einer kleinen Ebne gelegen. Eine Meile von da blieb ich ineinem Carvanſera, genannt Pai-Cotali, welches ſo viel/ als der Fuß des Gebuͤrgs bedeutet/ weil es unden an einem Berge aufgebauet iſt. Von hie biß nach Lar ſeynd nicht mehr als 4. oder 5. Stunde reiſens/ aber der Weg iſt verdrießlich/ und muß man über underſchiedliche ſtarcke Bache ſetzen. f Man kan in acht nemmen/ daß in der Abreiſe von Bihry man auch einen anderen Weg zu der rechten Hand gegen Abend nehmen kan. Er iſt zwo oder drey Meilen küͤrtzer/ aber ſonſten ſo übel und eng/ daß an vielen Orten kaum zween Reuter neben einander reiten konnen/ und ſiehet man uͤberal nichts anders als Felſen und Abgrund L“ar iſt die Haubt⸗Stadt der Landſchaft en Tikul eines Konigreichs trage. Sie iſt mittelmaſſig groß/ und von allen Seiten mit hohen Bergen umgeben/ rund um einen Felen erbauet/ auf welchem ein Schloß von gehauenen Steinen aufgefüͤhret iſt/ allwo der König in Perſien Beſatzung halt. In diebiß ſem gantzen Lande iſt es ſehr warm/ und hat man kein anderes als Regen⸗Waſſer/ welches man in Ciſternen aufhebet/ und big weilen einen ſtarcken Bach verurſachet/ welcher durch die eine Seiten der Stadt füeſſet/ und über einen Waſſerfall von zween Abſatzen/ der von W 9 Und was er durch ebene Felder heifs daun zwiſchen Bergen auf einem dieſer Berge war eg ameroß eben deſſelbigen Namens/ welche vor dieſem Gelegenheit der Stad Lar. gehauenen 294 Reis beſchreibung in Perſien/ gehauenen Steinen aufgeführet iſt/ herunder fallet. In dieſer Stadt und in der Nahe herum gidt es viel Baume jnſonderheit Palm und Amarisken⸗Baume; in den Garten aber und aue den Bergen ſtehet man eine groſſe Men ge Pomerantzen⸗ Baume. 8 Su Lar ſeyn nicht mehr als zwey Carvanſeras killes inder Stadt/ welches nicht zum beſten/ das andere am ende der Stadt/ an der Seiten gegen Ormus gelegen/ welches ziemlich bequem ware/ wann bey ſtarckem Regenwetter es nicht voller Waſſer ſtühnde/ daß man bisweilen gantze Tag warten muß/ ehe ſich das Waſſer derlauft. Deßhalben die Francken gemeiniglich bey den Hollandern zur Herberg ligen/ welche am ende der Stadt ein Hatiß haben welches ſie zu halten gezwimgen ſeyn/ auß Urſachen/ daß wann ſie jhre se Seiden von Ilpahan nach Ormus abführen/ ſie nothwendig zu Lar andere Kameele nehmen muͤſſen/ weil eine jedwede Stadt jhr Recht hat/ und die von Iſpahan nicht weiter gehen doͤrffen/ zu dem ſie auch ſo zart ſeyn/ daß ſie die Hitze/ welche man von Lar an bis nach Ormus empfindet/ nicht außſtehen koͤnnen. Der Stadthalter zu Or mus ſalſſet ſie bisweilen lange Zeit warten/ ehe er jhnen friſche Kameele geben laͤſſet/ welches jhnen dann zum groſſen Nachtheil gereichet/ in dem jhre Schiffe/ ſo zu Ormus guf die Ladung warten/ underdeſſen viel verzehren. Dieſes nun zu verhindern/ iſt kein beſſer Mittel/ als wann man dem Statthalter ein Geſchaͤncke anbietet/ welches das allgemeine Mittel wider allerhand Verdrießlichkeiten iſt. e Weil ich mich einmal auf meinen Reiſen in Geſellſchaft des Herren Conſtant/ welcher das Haube der Hollander ware/ befunden hatte/ blieb ich bey jhm zu Lar faſt vierzehen Tag/ dann weil die Hitze noch groß/ die Schiffe auch zu Ormus noch nicht ankommen waren/ wolten wir uns lieber zu Lar ſo lang aufhalten/ bis wir Zeitung von derſelben Ankunft empfangen hatten. Der Statthalter war ein Mann der Geſellſchaft liebte/ und ſpielete im Schach und Verkehren/ und das zwar wider die Gewonheit der Perſtaner ziemlich hoch; weßwegen der Herꝛ Conſtant und er ſich gar oft zuſamen befunden/ und gantze Tage mit ſpielen zubrachten. Eines Tags bate er uns auf die Veſtung zum Eſſen/ hatten wir alſo durch dieſes Mittel Gelegenheit/ ſelbige zu ſehen/ und glaube ich nicht/ daß weder vor oder nach uns ein Franck jemals ſey hinein kommen. Dieſe Veſtung zu Lar liget oben auf einem Felſen/ und gehet nicht mehr als ein Weg hinauf/ auf welchem /wann man zu Pferde gehen wolte/ man groſſe Mühe hatte. Sie iſt viel langer als breit/ und hat an den 4. E= Sen,“ als vier Vollwercke/ zwiſchen weichen Thine aufgeführet ſeyn/ darinn die Solda31 ten jhre Wohnungen haben. Hie ſchicket auch der Honig die jenigen Printzen hin/ die er enttrcker im Krieg gefangen bekommt/ oder deren er Burch Liſt Habhaft wird. Vir traffen bey unſerer Ankunft zween allda an/ einen auß Georgien/ und den anderen auß Mengrelien/ und wie wir uns gleich wolten zu Tiſce ſetzen/ ſchickte der Stadthalter hin/ und ließ ſie fragen/ ob jhnem beliebte/ ſich mit uns luſtig zu machen/ welches ſte annahmen/ und zum Eſſen kamen. Dieſe Printzen hatten alle Tag ſchn ein jeder ein Toman zu verzehren/ und 10. Me„ oder 12. Diener die jhnen aufwarteten. An e n dem einen Ecke dieſer Veſtung gegen Abend uu hatte man ihnen ein gewiſſes Hauß mit 3. oder 4. Kammern zur Luſt erbauet. In der mitten des Hofs iſt wie ein groſſer Saal/ welcher ein Zeughauß abgibt voll Bogen/ Pfeile/ Rondatſchen und Mußqueten/ wormit man ohngefahr tyoo. Mann außruſten konte. Was die Muſqueten anbelanget/ ſo hat man in acht zu nehmen/ daß die Einwohner der Landchaft Lar, und inſonderheit diefer Stadt den Ruhm haben/ daß ſie die beſten Schützen in gantz Perſien ſeyn/ und daß man auch allhie die beſten Meiſter Buͤchſen⸗Lauffe zu machen/ antreffe/ aber mit Schwantz Schrauben wiſſen ſie nicht u machen Des Statthalters Behauſung ligt an dem groſſen Weg/ und hat von auſſen nichts ſchoͤnes; nur vor der Thure iſt ein ziemlich artiger Platz von ohngefahr 60. Schritten ins gevierte/ mit Mauren umgeben/ von welch eim man in zwey groſſe Bazars die von guten Steinen aufgeführt/ und wol gewolbet ſeyn/ hineingehet. Dieſer Statthalter/ von welchem ich gleich geredet/ iſt durch Gunſt des Mebters ſeines Brudern zu dieſem Amt kommen/ welcher/ weil er allezeit um den Konig ſelbigen anzukleyden/ und hm Schnupftucher zu reichen/ ſeyn muß/ einer von den Vornemſten Bedienten(wie ich dann gemeldet) bey Hofe iſt. Gedachter Statthalter/ weil er ſeinen Bruder alt und betaget/ ſich aber mit 4. Sohnen verſehen ſahe/ entſchloß ſich um ſein Hauß in Anſehen zu erhalten/ den jüngſten von ſeinen Soͤhnen verſchneiden zu laſſen/ danut dieſer dermal eins zu ſeines Vettern Dienſte gelangen moͤchte. Die Sache ware z. oder 4. Tag vor unſerer Ankunft zu Lar geschehen/ und nachdem er erfahren/ daß der Her? Conſtant und ich/ jedweder einen Wund⸗Artzt bey uns hatten/ ließ er ſie holen/ um den Knaben zu beſehen/ aber es war zu ſpaht/ und ſtarb er 3. oder 4. Tag hernach. Ward alſo der Vakter ſeines verfluchten Ehrgeitzes halber durch Unmuth über den Verluſt eines Sohns/ und den Schimpf und Spott/ den er bey allem Volck ver dienete/ rechtmaͤſſig geſtraffet. 10 50 Die meiſten Einwohner zu Lar ſeynd Ju eie, nf den/ welche in Seiden arbeiten und allerhand Sgehen verfertigen/ vornehmlich ſchoͤne Leib Binden/ welche dieſe Stadt berühmt machen. Die Bauxren tragen auf dem Kop eine Art Filtz von ſeiner Wollen gemacht/ und gut gewalcket. Er ſcheinet einem Hut nich ungleich welcher noch nicht feine Forme hal/ und der Rand/ welcher hinden und vornen zel ſchnitten/ gleichet 4. Hornern. Inſondenheit machet man jhrer viel zu Kermen, alli man auch von eben dieſer Wollen Zi e und fehl etragen 5 emol 1 el verfertiget/ derer man ſich auf der Reiſe wider den Regen bedienet. Man machet auch ihrer anderswo in groſſer Menge/ aber grobe; ihre Farbe/ iſt weiß/ blau/ grun/ braun/ und roht. Dieſeg andſehaft bringet gute Kameele/ 155 e ein groſſer. Handel getriben wird. 1.. f nude. So warm die Tage zu Lar ſehn/ 0 fliſch Wan ſeynd die Nachte/ und ohne die Mucken die igen ſtechen/ und die einen nicht ruhen laſſen/ konte man mit Luſt ſchlaffen. Es gibt ein unglaubliche Menge Ciſternen in der Stadt/ und in der Nahe herumzund iſt es auch noͤthig/ daß derer eine groſſe Anzahl ſey/ weil bisweilen zwey oder drey Jahr ohne Rege bFVorhey gehen. Wan das Regenwetter einfallt o füllet man nicht gleich den erſten Tag die Ciſternen/ ſondern man ſtopffet vieln ehr alle docher zu/ wodurch das Waſſer hinein laufen koͤnte/ weil man warten muß/ bis die Erde wol ſey abgeſpullet/ und das erſte Waſſer/ allen Unflaht mit ſich hinweg geſchwemmet habe. Was die Außtheilung des Waſſers benrift/ ſo halten ſie darin ute Ordnung gleich als wann dieſe Ciſternen öffentliche Kelker voll Wein waren. Man oſſnet derer gar felten dre zugleich; und wann dieſes geſchicht/ iſt der Statthalter oder eine andere dazu abgeordnete Perſon gegenwartig; dieſes Waſſer ſo faul es auch ſey/ wird in dieſem Land für ein koͤſtliches Getranck gehalten; und weil es oftmals gantze Jahr in dieſen Ciſternen ſtehet/ ſo wachſen unzaͤhling viel kleine Würmer daritten/ ob man nun gleich das Waſſer durch ein leinen Tuch ſeyhet: oder es guffieben laſet/ ſo ſiehet man doch allezeit keine Korner deinnen/ welches der Saatne von dieſen beurmeniſt. Von dieſem faulen Waſſer komt man inſonderheit in den Beinen und uſſen gewiſſe Würmer/ welche ich an einem auderen Ort beſchrieben; und hab ich nach geeiner fünfften abgelegten Jleiſe bey meiner aut unt zu Paris geſehen/ daß mir einer ohen ß dem linken Beine/ welcher dritthalb Edie dung herautz gekrochen/ und ein ander/ ei, reg Halben Elen lang/ under dem Knoͤchel am %u Lar bezahlet man Zoll für die jenige/ die dar e Zoll für e jenig 6 We ſicher halten/ und man wird beſuFur ob man auch Gold und Silber wegfuͤhre. Scha weden Ducaten/ zahlet man einen 0 455 welches die Helfte von einem Mation it und für Silber⸗Geld nach proporen 8 b erſten Aprill Morgens um g. Uhr/ d fiat in einem unfruchtbaren und ſteinens Land/ ein Dorff außgenommen NaNis Tcherkab vo m f almenBine 11 allwo man viel P antrift nd etliche mit Korn beſäete Felder vanſer Ich herbergere in einer kleinen Cardrig 110 Hacnzenghi genannt/ es iſt gar niedt der deer gebauet/ mit 4. 0 einstreichen. 8 don allen Seiten tnoge hinbon Lar auf/ und reiſete bis 3. Uhr 8500 Sie ſeynd alle auf dieſe Art bis e gebauer/ urd gar nahe eines hey 295 dem andern/ zu groͤſſerer Hulffe der Reiſenden/ welche in dieſem Land des Schattens und der kühlen Luft vonnothen habon. Was die Laſt⸗Thiere anbelanget/ ſo muſſen die drauſſen bleiben/ weil in dieſen Caryxanſera keine Stalle zufinden. Alle Hauſer von Lar an/ bis nach Ormus ſeynd auch auf eine gewiſſe Art gebauet/ da ein Canal als wie ein Schorſtein unden vor dem Saal bis zum Lach hinanß gehet/ damit der Wind hinein wehen/ und eiſige Kühlung gebenmoͤge. Vor die Frembden aber bie der Luft des Lands nicht gewohnet ſeyn/ iſt es gefahrlich an dieſen Oertern zu ſchlaffen e Den andern um 4 Uhr Nachmittag gieng ich von Chameenghi weg/ weil in dieſem Land ſich gemeiniglich gegen Abend ein kleiner Wind erhebet/ welcher die Hitze elwas leiden⸗ Ius er un licher machet. Ich reiſete bis; Uhren durch derweas aueine wůſte Ebene/ hernach ztorſch en abſcheuli⸗ eeteofen chen Helſen/ und gegen 10. Abends gelangete ich in ein groſſes Dorff voller Palmen⸗Baume Kormout gengnů t. Z wiſchen Lar und Kormout iſt der verdrießlichſte Weg in gantz Perſten/ weil man oftmals kein Waſſer antriſt. Wann man von Funden nach Ormus gehet/ im Anfang des Sommers/ ſo findet man gemeiniglich die Ciſternen voll Waſſer/ in der Nuckreiſe aber trift man ſie oftmals leer an/ wegen dor groſſen Menge Laſt⸗Thiere/ die allda ſeynd fürbey gegangen; weßwegen die Reiſende oftmals gezwungen ſeyn/ dieſen gantzen Weg ohne ſich außzuruhen zumachen/ und a. ober 3. Meilen auß dem Weg zuweichen/ um Waſſer zu ſuchen; Dien dritten ein wenig nach Mitternacht/ Zofe brach ich von Kor mout guf/ und nach einer beit des ſiebenſtundiger Reiſe in einen boͤſen Wege vol⸗ en ler Kieſelſteine und Saltz Waſſers zwiſchen durch welche hohe Berge/ kam ich in ein neues Carvanlera er gereißt. Tenquidalen genannt. In der Mitten iſt ein kleiner Brunn lebendiges Waſſers/ der guß einem Bach kommet der von dem Gebürge herunder fleſſet; und weil ein Thal und ein anderer Bach darzwiſchen ſeyn/ ſo hat man dieſes Waſſer under dem anderen Bach weggeleitet/ hernach einen Waſſer⸗Gang gebauet/ um in gleicher Hohe mit dem Ort zu kommen/ worguf das Cavanlera gebauet iſt. Aber Wir Waſſer ob man es gleich trincken konte hat es doch etwas Salsiges an ſich5 eee eine ziemlich gute Ciſterne gebauet. Man hat auch den Berg/ der nahe an das Cavalera liget/ durchgraben/ um das Waſſer in eine Cbene zu leiken/ welche vor dem lift uchtbar geweſen/ anjetz aber wol erbauet/ und mit zwey guten Doͤrffern gezieret iſt. Ein reicher Kaufftann hat dieses Werck machen laſſen/ und ichen ſeine Kinder das Einkommen davon; dieſe zwey Dorffer aber verſehen das Carvaulera, mit allem was die Reiſende und ihde Pferbe noͤthig haben 5 Den vierten ſetzte ich mich um 1. Uhr Nach⸗ gad liitternacht zu pferd/ und reiſeteburch ein unbe⸗ deten jßJ77VàCWC0V00TꝙVo'e'iͤm! 296 Reisbeſchreibung in Perſien/ einer dug bauekes Land/ und welches bey Regenwetter voller ſtarcker Bache iſt. Man findet allhie nichts als zwey kleine Carvanſera; gegen 8. Uhr Morgens/ kam ich in eines Gourbalarghant genannt. Es iſt von dem Geld eines Kauffmanns ge bauet worden/ der es zu dieſem Ende in ſeinem letſten Willen vermachet. Gedachter Kauffmannn kam von Ormus, und weil jhm an eben dieſem Ort wegen der uͤberalß groſſen Hitze und auß mangel Schattens die Kraffte entgiengen/ als hat er durch gedachte Freygebigkeit denen jenigen einige Erfriſchung zu wegen bringen wollen/ die durch eben diefen Weg zu reiſen gezwungen waren. Den fünften begab ich mich ein wenig nach Mitternacht auf den Weg/ und reiſete bis um 7. Uhr Morgens/ durch ein duͤrres und gantz weites Land/ allwo viel Maſtix⸗Baume waren und blieb zu Nacht in einem ziemlich Das Dorf güten Dorff/ Cauvreſtan genannk/ allwo ich Ceurreſtan. groſſe Felder mit Gerſten ſahe/ welche man einerndnete. Wann gar zu viel Frembde zuſamen ſeyn/ und daß die Carvanſera voll iſt/ kan man bey den Bauren Herberg bekommen/ welche gewohnet ſeyn die eiſende in jhre Hauſer aufzunehmen/ weßwegen ſie ein und anders Einkommen haben. Die ebenen Felder um Couvxeſtan ſeynd ziemlich gut/ weil ſie koͤnnen von etlichen Bachen/ die von dem Geburge herunder kommen/ befeuchtet werden/ welches Waſſer man zuſamen halt/ um ſich deſſen füglich und in Zeit der Noth zu gebranchen. Dieſer Ort iſt im Ruff wegen ſeiner WaſſerMelonen/ welche unſern Kurbſen an Groſſe gleichen/ und die beſten in gantz Perſien ſeynd. Ihr Fleiſch iſt ſchon roth/ end ſuß wie Zucker/ welches dann den Reiſenden zur groſſen Erfriſchung dienet. Ich erinnere mich/ daß wie ich eines Tags mit dem Heren Cönſtant durch dieſen Ork reiſete/ der Kelonter allhie uns zwo Ruben verehrete/ davon die eine J. Konigliche Mens, welches ſo viel als dreyſſig Pfund/ und die andere 5. ſolcher Mens und ein halbes wug. Wir befunden ſie ſehr guten Geſchmacks.. N Den ſechſten begab ich mich ein wenig nach Mitternacht auf den Weg/ und reiſete bis der Tag anbrach/ durch lauter ſandigte Felder/ allwo es unmoͤglich ware/ ohne Wegweiſer auß dem Land geburtig/ die rechten Wege zu finden. Des Morgens um z Uhr gieng ich über zwo ſteinerne Brucken/ welche ein langer Dam Was ſichun, an einander haͤnget. Ehe man zu der erſten Brücken gelanget/ komt man auf einen Dam/ der eine groſſe viertel Stund dauret/ und zwiſchen dieſer erſten Bruͤcken und der andern/ befindet ſieh noch ein anderer Dam/ der auch ziemlich lang iſt. Die andere Brucke iſt ja ſo lang/ als die neue Brucke zu Paris/ und fieſſer under ihr ein ſtarcker Fluß weg/ ſo geſaleen Waſſer führet Seine Ufer ſind an ſehr vie len Orten lauter Trieb⸗Sand/ daß es alſo che man dieſeh Brucke gebauet ſehr gefahrlich war/ dieſen Fluß durchzuwatten/ dann die jenigen/ welche nicht die guten Oerter wuſten/ blieben in dieſem Sand ſtecken/ daß man ſie mit groſ5 1 0 wird/ um ſich hernachmals in de ſer Muͤhe herauß ziehen muſte. Wie dann ſolches eines Tags einem Hollatder Namens Mayer, wider fuhre/ welcher auß Ungedult geſchwind uber den Fluß zu kommen/ ſich dermaſſen in dieſem Sand verwickelte/ daß ohne geſchwinde Hulffe unſerer Diener und etlicher WBauren/ welche wir fuͤr Wegweiſer angenommen hatten/ er mit ſeinem N welches man niemals herauß ziehen konte/ allda würde verblieben ſeyn. Weil nun dieſes Werck wol wurdig iſt/ daß man ſeinen Uhrheber kenne/ als will mit wenigem berichten/ wie es damit hergegangen. Es gibt in Perſien/ wie auch in anderen 5 5 00 Landern kluge und geſchickte Leute/ derer Ga⸗ 8% ben aber nicht bekandt ſeynd/ und die bey Hofe g Leut nicht koͤen ankomen: auß Verdruß aber eines ſtillen Lebens/ und das ſie ſich aller Mittel bemachen ſo begeben ſie ſich entweder in Indien/ und bieten ihre Dienſte dem Groſſen Mogol, oder dem Koͤnig von Golcondaz oder guch dem Konig von Viſapour an. Ein Perſtaner Na00 cl 0 Peiſſe, raubet ſehen/ in jhrem Vatterland jhr Glück zu mens Ali, hatte dieſer Urſachen halber ſeine Zuflucht zu dem Konig von Golconda genommen/ und machte ſich in kurtzem ſo beliebt/ daß obgedachter Konig ihn zum Haubt ſeiner Armee machte. Wie er ſich dermaſſen in Gnaden ſahe/ feng er an/ ein Schift mit allerhand Kauffmanns⸗Waaren/ die es in dem Königreich Golconda gibt/ als weiſſe und gemahlte Leinwad/ Endich/ Zucker/ und andere Sachen/ alle Jahr nach Ormus zu ſchicken/ und nachdem er an Reichthum zugenommen/ ſo ſchickte er an ſtatt eines/ zwey hinein. Aller Profit aber/ der er auß den verkaufften Waaren zog/ blieb zu Ormus, guch alles was er auf dieſe Weiſe innerhalb viertzig Jahren zuſamen bringen konte/ ward zum Bau obgedachten Dams und der zwo Brücken angewandt/ um durch dieſes Mittel in Per ſten ſich einen unſterblichen Namen zu erwecken. Im Anfang glaubte man nicht/ daß er feinen Zweck erhalten wurde/ zu malen die S tein auß dem Gebüͤrg/ welches ziemlich entlegen ware/ mußten geholet werden; Aber er handelte mit den Einwohnern des Lands daßer ihnen für zwey fac me Mens oder zwoͤff Pfund Stein/ die ſie hinzu fuhren wuͤrden/ einen Casbe ke oder 2. Liards FrantzoͤſtſcherMuntze/ geben wolte. Nachdem der Kauff geſchloſſen/ ſo ward von den herum wohnenden Bauren eine unglaubliche Menge Stein auf Kameelen und Eſeln zugebracht; 0 e und war dieſes dem armen Volck ſehr vortheis haftig/ welches ſonſten/ außgenommen/ un in der Zeit da die Fuhren von Ormus na Schiras, und Ilpahan gehen/ mehr als 6. Monat im Jahr ohn etwas zu gewinnen/ zu bringen muſſen. uh . mel 10 uu Under dieſen Brücken fleußt ein Jiu 15 der von der Seiten Kerman herkomt/ un der durch andere Waſſer/ die mit groſſen Gerauſche das Gebuürg herunder laufen ver Perſiſchen Meerbuſen bey Bander-Conge 0 ergieſſen. Und wird das Waſſer die ſes 1 ſes gantz Salzig/ in dem es durch dieſes Gei welches faſt nichts/ als klares Salg iſt/ Von der groſſen Brücken an/ bis nach Guirchi, iſt das angenehumſte Land in gantz Perſien/ und als wie ein ſchoͤner Luſt⸗Wa dd. zu Guicchi findet man 2. Carvanſeras(oder öffentliche und allgemeine Herbergen) deren eine gar ſchoͤn und bequem iſt/ die andere aber Har übel gelegen; auß Urſachen/ daß das Erdreich allda lauter Sand/ welcher vom Wind bisweilen in groſſer Menge in nachſt gedachte Carvanſera getrieben wird/ daß es unmoͤglich alsdann drinnen zu verharren/ gar nahe krift man zehen oder zwoͤlff Araber Hüten an/ derer Weiber ſo bald man zu Guitchi ankomt/ alsbald Milch und Butter herzu bringen/ oder tpas ſie ſonſten von Erfriſchungen haben . Ohngefehr anderthalbe Meilen von Guirchi, komt man an 2. Wege/ einer zur Lincken/ der am meiſten ſcheinet gebraucht zu ſeyn/ der ander zur Rechten. Man koͤnte ſich alhie gar leicht in der Erwehlung betriegen/ wann man nicht gute Weg ⸗Weiſer bey ſich hatte/ und es wurde der jenige uͤbel ankommen/ der ſieh zur lincken Hand/ gegen einem Berg/ welcher zimlich hoch/ wenden wurde/ dann dieſer Weg voller gaher Abſchoͤſſe/ als ein immerwahrender Eingang zwiſchen Felſen durchgehet/ und unmoͤglich daraut zu kommen/ wann man ſich einmal dar innen verirꝛet hat. Das jenige aber/ was die Einwohner von gewiſſen Geſpanſten und boͤſen Geiſtern/ welche ſich in dieſem Gebürge befinden/ und die Wanders⸗Leute umbringen/ iſt für ein Mahrlein zu halten. Der andere Weg zur Rechten/ ſt nur allein brauehbar/ aber faſt nichts anders/ als ein immerwährender Sand/ biß nach Bander-Abafſi, dierauf bringt man gemeinlich einen Tag zu. Man gehet zwo Carvanſeras fürbey/ von welchen die letſtere den Namen Bendl-ali fuͤhdet und am Strande des Meers gebauet iſt. Allhie hat man den Heren de Lallin hegra0. 5 5 5 1 die der Nang von Franckreich in Perſien und Indien JLecchicket hatte/ um die neue Oriendaliſche Compagnie in den Stand zu bringen. , Von Band⸗-ali, bis Bander-Abaffi, ſeynd nicht mehr als zwo groſſe Meilen/ und iſt der N mei Theil des Wegs mit Palmen⸗BauDas XXIII. Capitel. Vun der Inſul Ormus uiid Bander-A* delege 8& mus iſt eine Inſul/ gelegen under edu dem 92. Grab und 45. Minuten a nach der Lange/ und under dem 25. Grad heinukennach der Breite/ im EinJang des Perſtſchen Meerbusens/ zwo gute 5 Me von deim veſten Land/ und hat mehr als beg keln an Umkreis. Es wacht in derſel1 fein Baum noch eintziges Graß/ und iſt Gaunſſtes Buch. bige in der Portugieſen Hande gerieth/ ſo fungantz mit Salt bedrekt/ welches ſehr gut/ und weiß wie Schnee iſt/ und befindet ſich demnach gantz und gar Unfruchtbar. Uber dem findet man auch allhie kein ſüſſes Waſſer/ ohn was vom Himmel fallt/ ſo man in Eiſternen aufhebet. Der Sand von Ormus ſſt in einigem Preiß/ weil er ſeht ſcd wartz und glantzend/ und bedient man ſich deſſen über die Schrift zu ſtreuen. Die Portugieſen in Ormus ſchickten vor dem in alle jhre Kauff⸗Hauſer/ die ſie in Indien haben/ von dieſem Sande/ und die Frembden/ die nach Lisdone kamen Orienkaliſche Waaren einzukauffen/ erkandten an dieſem Sand/ daß ſie in Indien gemachet waren/ und verlieſſen ſich gantzlich darauf/ dermaſſen/ daß ſie mit den Factoren keinen andern Kauff ſchloſſen/ als ein gewiſſes fürs hundert/ zun Proftt. Aber die Portugieſen mißbrauchten ſich des leichten Glaubens der frembden Kanfleute/ und lieſſen von obigem Sand nach Lisbone kommen/ machten die Indianiſchen Zeug nach/ und verhoͤherten den Preis der Wgarxen/ welches aber die Urſach ware/ daß der Betrug entdecket ward.. Vor der Portugieſen Ankuſt in Ormus, hatte es eine Stadt allda/ alltwo die König von Ormns/ dic auch Konig von Lar waren/ und was dapflegten jhren Sitz zu halten. Wie nun ſel⸗ 9 155— den ſie allda zween junge Printzen/ Sohne des 2 1 verſtorbenen Königs/ welche ſte mit ſich in Hiſpanien führten/ weil ſte wol gewachſen waren/ obſchon ſie von Farben etwas braun/ ſo that jhnen der Konig alle Hoͤffichkeit an/ und ließ jhnen ſo viel reichen/ daß ſie ſich Ehrlich halten konten. Eins mals/ als man jhnen den Tag vorhero das Elcurial und alles was ſon⸗ 1 undere Fiſten ſehens würdig/ zu Madrit it/ gewieſen/ ſo gur bey dem fragte ſich der Koͤnig/ wie es jhnen in Hiſpa⸗ deſes aten nien gefiele/ und was ihnen deuchte von dem/ Theile. was ſie allda geſchẽ harten worauf ſte zur Amwort gaben/ daß jhnen nichts ware vorkommen/ worüber man ſich nicht verwundern muſtez als aber beyde Printzen zugleich anſiengen zu ſeuftzen/ und der Konig die Urſach zu wiſſen begehrte/ gaben ſie zu erkennen/ daß die Trauligkeit/ nicht mehr under jhrem Baum zu ſeynſie alſo zu ſeufzen bewogen hatte. Daun man muß kwiſſen/ daß nahe bey der Stadt Ormus ein Baum ſtuhnde/ der auch der eintzige in der gantzen Inſul war/ von welcher ich ſchon gemeldet habe/ daß nichts darinnen wachſt. Dieſer Baum nun/ iſt eben derſelben Art/ als der jenige welcher eine Stund von Bandder; zu fden/ und in Peiſien als ein Wander ge⸗ Dame achtet wird/ in Indien aber gibt es viel. Die Perſtaner nennen ihn Lul, die Portugieſen Arber de Reys, und die Frantzoſen! Arbre des Banianes, weil die Bananen darunder eine Pagode nebſt einer Carvanſera; ſworein ſie viel kleine Teiche um ſich zu baden/ gebauet haben. Dieſer Baum hat nur einen eintzigen Stamm/ und macht doch faſt eien kleinen Wald: dann von ſeinen Zweigen gewiſſe Nancken herunder hangen/ welche ſo bald ſie die Erde berühren Wurzel und Saft gea winnen 298 winnen/ und nach zwey oder drey Jahren einen neuen Stamm und neue Zweig herfuͤrbringe/ die eben alſo wie die erſten/ dieſen Baum in unglaͤublicher Weite fortpflantzen. Nachdem die Portugieſen ſich Meiſter von Ormus gemacht/ fiengen ſie an auß einer uͤbelgebaueten/ eine überauß ſchoͤne und praͤchtige Stadt zu bauen/ dann dieſe Nation den Pracht ſehr liebet. Die Eyſen an den Thůren und Fenſtern waren alle uͤberguldet/ und ſagt man dieſes durchgehends im Land/ daß wann die Portugieſen waren Herren von Ormus geblieben/ man jetzo an den Thüren und Fenſtern/ an ſtatt des Eyſens/ lauter Gold und Silber ſehen würde. Weil ſie nun alle Reich waren/ ſo ſtreitten ſie mit einander/ war es einer dem anderen in Erbauung praͤchtiger Hauſer/ und Verfertigung ziehrlicher Badwannen wurde zuvor thun/ in welche letſtere ſie den gantzen Tag durch im Waſſer/ nebſt jhren Weibern und Kindern lagen/ auß Urſach/ der ubergroſſen Hitz/ die ſie ſehr plahete/ und weßwegen auch wenig under jhnen alt wurden. Die Veſtung war auch damals ſehr ſchoͤn/ und überauß wol underhalten; ſie hatten auch auf einer Hohe in der Inſul eine Kirche der heyligen Jungfrauen gewidmet/ erbauet; worinnen ſie jhren Gotts⸗Dienſt verrichteten/ und ſich auch zugleich derer/ als eines Spatziergangs bedienten/ weil ſte ſonſt kei⸗ ſt nen anderen auſſer dieſem hatten. Was die Veſtung anbelangt/ ſo iſt ſie noch bis anhero in ziemlichem Zuſtand/ und nachdem die Konig von Perſien ſich derſelben bemeiſtert/ underhalten ſie allda eine Beſatzung/ und ſetzet der Kan von Ormus, welcher zu Bander Hof halt/ allda einen Commendanten nach ſeinein Gefallen. Die Stadt aber iſt gantz und gar verwuͤſtet/ und haben die Hollander die beſten Stein/ und die ſchoͤnſten Marmor von Or. mus, under dem Schein/ für ihre Schiffe ſo ledig zurück giengen/ Pallaſt einzunehmen/ nach Batavia entführet/ und jhre Haͤuſer davon gebauet/ und außgezieret. Sie hatten derer noch mehr auf dieſe Weiſe weggebracht/ wann der Kan zu Ormus ſich endlich nicht darwider geſetzet/ und es jhnen verbotten hatte. Hergegen iſt jhnen vergoͤnnet/ ſo viel Saltz zu laden/ als ihnen beliebet: Dieſes Saltziſt ſchoͤn und weiß/ wie ich ſchon gemeldet/ und würtzet ziemlich gut: Sie verführen es bis in Japon, und packen es in eben die Kiſten/ wor ein ſie die Naͤgelein gehabt haben. Dann es iſt zu mercken/ daß wegen der uͤberauß groſen 80 des Lands/ man gezwungen iſt/ ſo bald je Schiffe zu Ormus angekommen/ die Nagelein in Sacke zu ſchütten. Ein jedweder Sack halt 200. Pfund/ und leget man ſie langs an das Meer/ damit ſelbiges die Naͤgelein befeuchte. Wann ſie etliche Tag an dem Ufer gelegen/ tragt man ſie in die Pack⸗Hauſer/und bogieſſer ſie ale Tage mit Meer⸗Waf⸗ H ſer/ biß man ſie auf Iſpahan oder andere Oerter in Perſien ſchicket; wann man nicht dieſes Reisbeſchreibung in Perſien/ Handel ſehr geſchwachet/ gehen die nicht mehr ſo gut für die Kaufeute. Ich habe c thäte/ würden alle Nagelein/ wegen der groſſen Trockne zu lauter Staub werden. Zwiſchen der Inſul Ormus, und dem ve⸗ 0 ſten Lande/ it das Meer nicht ſonderlich tieff/ gerne dahero die groſſen Schiffe/ die in den Meer⸗ de l Buſen hinein oder herauß gehen/ die andere orm Seile der Inſul nehmen. Die Veſtung/ welche auf der Spitze der Inſul gegen Abend auf gefüͤhret iſt/ iſt gantz mit dem Meer umgeben/ und hat Perſien fur ſich. Eines Tages/ wie ich mit dem Hr. de PEtoile, langſt dem Geſtade bey Bander gegen Aufgang der Sonnen zu ſpatzieren gieng/ erſahen wir in dem Meer zwiſchen der Inſul und dem veſten Lande/ ich weiß nicht was/ welches ſich in dem Waſſer erhebete/ und konten wir anfaͤnglich wegen der Weite nicht erkennen/ was es war. Wie wir aber recht zuſahen/ erkanten wir endlich/ daß es ein Menſch war/ welcher ſchiene ſich fur uns zu foͤrchten/ und deßwegen ſich unſer nicht nahern wolte. Bald ſchwam er/ bald ſtund er auf den Fuſſen/ weil das Meer/ wie ich gemeldet/ alda ſehr niedrig. Wir gaben jhm Zeichen/ daß er herüber kommen ſolte/ mit Bezeugung/ ſo gut/ als wir es jhm von ferne zu verſtehen geben konten/ daß er ſich von uns nichts boſes zu befoͤrchten hatte. Wie er an uns kommen war/ verſtunden wir/ daß es ein Engellaͤnder war/ welchen der Konig in Perſten von der Compagnie begehret hatte/ um jhm in der Veung Ormus zu dienen/ und weil jhme die Gefangnuß verdrießlich fiel/ zumalen die jenkgen/ die alda hingeſchickt werden/ gar ſelten wieder herauß kommen/ ſo hat er ſich gewaget/ 2. Meilen durchs Meer zu ſchwimmen/ um ſich in Freyheit zu ſetzen. Weil er nun nichts als ein geringes Leinwad um den Leib hatte/ ſo giengen wir wiederum zuruck nach Bander, von da wir ihn mit Eſſen und Kleidern verſahen/ und die Sachen dem Haupte der Engellandiſchen Compagnie zu wiſſen thaten: Worauf man den Flüchtigen gegen Abend nach Bander brachte/ und heimlich in 8 höchſter Eile uf ein Schiff/ welches alda fun in Ancker lage/ ſetzte. Ws Gegen dieſer Veſtung von Ormus über L auf dem veſten Lande gegen Perſten zu/ hatten die Portugieſen eine andere Veſtung fünf hunderk Schritte von Bander gelegen/ alwo ſie ihre gußgeruͤſtete Bareken/ deren ſte 2p. oder 30. halten/ hinlegeten/ weil ſonſten kein Ort in der Inſul hierzu bequem war. Wann man einiges Schiffes in dem Meer⸗Buſen gewahr ward/ ſchoſſen die in der Veſtung von Ormus ein Stuck Geſchutz los/ womit dieſen Bar; cken das Zeichen gegeben ward/ von dieſen Schiffen den Zoll einzufordern; dann ſonſten die Schiffe biß naher Ballara hatten gehen konnen. Zu dieſer Zeit gewonnen die Kaufeuke viel/ und man trauete in Angebung der Waguen ſhren Worten/ ohne die Schi, burchzuſuchen; ſezund aber da der Kauf, 8e Sachen auf a g noch under der Veſtung zu Bander von dieſen gere 8 N Barcken 5 FBanftes Buch. Varcken der Porkugeſen geſehen/ allein der Konig von Perſten achtet jhrer nicht/ und iſt ihre Anzahl ſehr gering/ weil ſie an etzo nicht vonnshten ſeyn. 55 9 Cha- Abas hätte niemals Ormus ohne der Eugellander Hülfe einbekommen; dann weil Die Perſianer gar leine Schiffs⸗Macht haben/ o loqres keine Sache/ die ſte allein vornehmen dagen Wefſwegenſie dann überein kamen, ag der Korg ſich zu Gomron, ſonſten BanNe ee gen ane/ ſetzen ſolte/ und mit 20000. ann die Küſten bewahren. Weil dann nun de von Ormus fein ander Waſſer/ als was ſie m Cyſternen aufheben/ wie dann ſchon von 8 gemeldet/ und dieſes bald drauf gehen dude/ als wurden die Portugeſen gezwun0 werden/ Waſſer auf dem feſten Lande zu i en Underdeſſen ſolten die Engellander von schen Schiffen die Stadt und VBeſtung be8 1 0 und im Fall ſie die Stadkeinbekaen ſolte der Raub in gleiche Theile ztwiſchen dont Konig von Perſien/ und den Engellaͤnain getheilet werden. Was die Perſonen anclangerſo ſolten alle Chriſten den Engellan5 1 zugehoͤren/ mit jhnen nach jhrem Gut1 Hreibll 1 Jui, umusern lad 5 auf ag Nat da. f 0 Aach cken zu verfahren/ daß ſie nemlich koͤnten aft Geit auf ſie ſetzen/ oder ſie zu Sclaven machen/ oder ihnen die Freyheit geben. Solen ſich aber einge Mahometaner in der Stadt befinden/ ſolten ſie dem Konig in Perſten verfallen ſeyn. Daß ins künftige alles/ was von den Zollen/ die zu Gomron ſolten angerichtet werden/ einkame; davon ſolte die eine Helfte eim König/ die andere Helfte den Engellandein zukommen. Zu welchem Ende die En9 micnaderein auß neben dem Zollhauß bauen Köthen worzu ſie einen Schluſſel/ und der ges einen andern hatte. Daß die Stadt ſchleiffer werden/ in der Veſtung aber eine 5 eaſianiſche Beſatzung geleget werden ſolte. Sch die Engellander allezeit mit 4. Kriegsden in Hafen ſeyn ſolten/ um zu verg Ale daß die Portugeſen zu Waſſer keinen . ſchlag ins Werck ſetzen mochten. Es 15 mus wurde demnach eingenommen; 1 ge aber ſchwaͤr hergegangen/ wann der Hach gellche Commendant darnnen dem daß 5 Feiner Kriegs⸗Offccierer gefolget hatte; G en enllücheine Schleuſſseroffnet und den mit Wachen der Stadt und der Veſtung lägerern ler angefüller zarte welches den BeGedacht zätte groſſe Verhinderung gegeben. bey ſein 5 Commendant hatte ohne Zweifel d Wänel N Ankunft zu Goa den Kopf verloren/ wandten nicht von einen vornehmen Bere ihn der ware geſchützet worden/ und ſchickete ber seiner duese nach Portugal, alwo er alwar für flelerentſezel ward. Dieſer Mann fähig/ 95 ich kapfer/ und keiner Verꝛahterey einigem a meinet aber/ daß er den Platz auß indem eſchspffen Widerwillen übergeben keinem gyftolziglich geantwortet/ daß er von zune en. ben behehrte Underweiſung anm ber ubergab Ormus ward der Raub e Weiſe getheilet/ daß nemlich ein 05 1 Auf folgend den Unglaͤubigen wider den haken. Die Hollaͤn Japon gemacht/ alwo O00, Chriſten waren/ welche die Frucht der Jeſinnter Mikon, die Portugeſen dem Vice-Ree zu Goa zu wiſſen 0 Theil der Koͤntg/ das andeke die Efſheerber: bekonnnen/ welches in ein groſſes Schiff/ von mehr als 60. Stücken geladen ward/ u es ſich nach durate, um von da nebenſt 4. oder. andern/ welche alle G0 abzureiſen pffegen/ nach Engelland zu gehen. Wie dieſes Schiff zu Surate angelanger/ kam der Engellandiſchee Præſident, nebenſt allen feinen Leuten/ um icht mit dem General über die Einnahme O rms; luſtig zu machen/ und etliche Tage hernach vie die Flotte abreiſen ſolte/ ward ein hereliches Gaſtmal auf dem Admiral⸗Schiff und ubrigen Schiffen zugeruͤſtet/ alwo beh dem Geſundheit⸗Trincken/ die Stucke geloſet wur* den. Wie nun das kleinſte Schiff ſein G ſchütz loßbrannte/ kam Feuer darinnen auß/ ohne daß man weiſt wie/ und weil die AnekerSeile gleich anftengen zu brennen/ auch das Meer ſehr hoch war /ſtieß dieſes kleine Schiff an den Admiral dermaſſen/ daß in weniger/ als 2. Stunden Zeit/ dieſe beyde Schiſſe vom Feuer verzehret wurden. Dieſes Unglück machte viel Leute gedencken/ daß als eine recht maͤſsige Straffe Gottes war/ die die Engellaͤnder wol verdienet harten/ weil ſie ſich mit die Chriſten verbunder haben es falt eben alſo in 5 5 und eine Ernde vieler Jahren waren. Nachdem 0 5 ſich diefe eines Porkigeſiſchen Schiffes be⸗ eden maͤchtiget/ welches von Japon nach Cos wol, dung der te/ funden ſie Briefe darinnen/ durch welche onen thaten/ daß/ wann er jhnen einige Truppen zuſchicken koͤnte/ ſie ſich ohnfehlbar Meiſter von gantz Japon machen wolten/ weil ſie ſchon ge. der Vornehmſten Printzen der Inſuln Kimo und Nicoco quf ihrer Seite harten. Die Hollander nahmen dieſe Briefe/ und ſegelten gleich nach Japon, entdeckten dem König das Vorhaben der Portugeſen/ und verurſachten dadurch den Undergang des Chriſtenthums in allen dieſen Inſuln. Die Chriſten gewonnen zwar die erſte Schlacht/ in der andern aber/ wurden ſte biß aufs Haupt niedergelegt/ weil der König alle Einwohner ſeines Lands aufgebothen. Man hat die Hollander gekadelt/ banßf ſie auf ſolche Art die Chriſtliche Parthey ber rahten/ die Portuge ſen aber/ daß ſte ihre Brief nicht in das Meer geworffen/ welches in der gleichen Zufallen alle die jenige thun ſollen/ welche wichtige Schreiben bey ſich kragen. Was die ubrigen Artickul des Vertrags anbelanget/ ſo hielte weder der Konig in Perſien/ noch die Engellaͤnder jhre Zuſage. Der Konig wolte alle Leute/ ſo wol Chriſten aas Mahometaner für ſich behalten/ vorgebenddaß/ weil ſie ſich in dem Lande geſetzet/ ſo wa ren ſie ſeine Underthanen. Schickete ſie demnach nach Iſpahan/ um ſich ihrer in denen Sachen zu bedienen/ worzu er ſie tüchtig befand/ alwo die meiſten Portugeſen den Mahometiſchen Glauben annahmen. Er 1 5 guch auch das grobe Geſchutz für ſich/ wovon er eti 5 in die Veſtung Lar, das uͤbrige aber nach Iſpahan fuhren ließ/ wohin auch das Uhrwerck zu Ormus gebracht ward/ wie ich in der Veſchreibung des Mey dan gedacht. Anderſeits hielten die Engellander auch gellander nicht jhre Zuſage/ dann nachdem ſie das erſte unn dere. Jahr 4. Schiffe jhrem Verſprechen nachtadt und Underhalten hatten/ ſo ſchickten ſie des andern men iron Jahrs nicht mehr als 3. Hernachmals nicht nicht gebal⸗ mehr als eines/ und innerhalb J. oder 6. Jahren ſahe man gar keines mehr. Underdeſſen underlieſſen ſie nicht alle Jahr die Helfte des Zolles zu fordern; aber der Cha-Bander, oder das Haupt der Kaufleuten/ wie er ſahe/ daß ſie jhrem Verſprechen/ in Underhaltung gedachter Schiffe nicht nachkamen/ handelte heimlich mit den Kaufleuten des Zolls halber/ und bildete hernach den Engellandern ein/ daß ein Ballen/ welcher mehr als für 1000. Thaler Wagaren in ſich hielte/ nicht mehr als 200. Reichsthaler werth ware/ heimlich aber ließ er ſich das Übrige von den Kaufſeuten bezahien/ und gab nicht zu/ daß die Engellaͤnder etwas Wie die Enlieſſen eroͤffnen/ oder in das Zollhauß kamen. Zur Beſchoͤnung ſeines Verfahrens brachte er jhnen vor/ daß ſich die Kaufleute beklagten/ wann man jhre Ballen beſichtigte/ und außtrüͤcklich ſagten/ wann er mit der ſcharffen Beſuchung fortfuhre/ ſie nicht mehr nach Gomrom kommen wurden. Wann auch ein Kaufmann underſchiedliche Ballen im Zollhauß hatte/ ließ der Cha- Bander bey Nacht einen guten Theil derſelben in des Kaufmanns Behauſung tragen/ daß die Engellaͤnder deſſen nicht gewar wurden: Wurden ſie alſo um den meiſten Theil des jenigen betrogen/ was jhnen/ laut jhres Vertrags/ von dem Zoll zukommen ſolte. Der Konig ziehet in dieſem Zoll J. von hundert/ und muß man noch den ChaBander und ſeinen Bedienten um geſchwinde befoͤrdert zu werden/ und auß dem ungeſunden Luft/ und groſſen Hitze/ die zu Gomron iſt/ zu kommen/ 2. für das hundert zahlen. Ob nun gleich alle Jahr gemeiniglich 20. biß 22000. Tomans auß dieſem Zoll gehoben werden/ ſo hab ich doch geſehen/ daß man den Engellaͤndern kaum 500. biß 600. gegeben hat/ der A. gent und Mackler ziehen ohngefehr eben ſo viel von dem Cha- Bander, damit ſie durch die Finger ſehen mogen. Die Engellaͤnder hergegen bemühen ſich ein gleiches dem ChaBander zu thun/ und ſelbigen/ wie ſie koͤnnen/ zu betriegen. Dann weil die Engell⸗ und Hollaͤndiſche Compagnie keinen Zoll in Perſien zahlet/ ſo laſſen die Engellaͤnder vieler gemeiner Kaufleute Waaren/ mit dem Zeichen der Compagnie mercken/ hernach vertragen ſie ſich mit jhnen/ und geben ſie jhnen zu Gomron wider/ under dem Schein/ als wann ſie ſie jhnen verkauften/ wovor ſie nicht mehr als 2. fur das hundert geben. Man hat alhie zu mercken/ daß die Zolle in Perſten und Indien nicht vermietet erden und daß der Cha-Bander nichts anders als ein Abgeordneter iſt/ den der Konig dahin ſezet/ und der von nichts/ als von 15* Reisbeſchretbung in Perſien veſten Lande lieget/ zu reden. dem/ was er eingenommen/ Rechnung gibet. Dieſes iſt/ was ieh habe koͤnnen merckwur digs von der Inſul und Stadt Ormus in acht nehmen. Jetzo iſt es Zeit von Jomron oder Bander-Abaſſi, welches faſt gegen über auf dem ef dieſen Ort in aufnehmen zu bringen/ iſt ſetz⸗ ger un ger Zeit eine zimlich groſſe Stadt/ voller ſchhͤ⸗ 1 ner Pack⸗Hauſer/ uber welehe der Kaufeute l Bander-Abaſſt, alſo genannt/ weil der berühmte Cha- Abas zum erſten hat angefangen/ a Bes Behauſungen ſeyn. Wie die Portugeſen Or⸗ eie mus noch ein hatten/ ob ſie gleich in ſelbiger Stadt wohneten/ ſo geſchahe doch aller Handel zu Bander, weil die ſicherſte Anlendung/ ſo an dieſer Küͤſten zu finden/ alhie iſt. Fur 1. Jahren/ war es noch ein ofner Ort/ und weil man dannoch bey Nacht konte hinein kommen/ und alſo des Zolls entgehen/ hat man jhn mit Mauren umgeben. Die Engell⸗ und Hollaͤnder haben alhie jhre Kaufhauſer und Wohnungen/ ſchoͤn am Geſtade des Meers gebauet/ und weil alhie die beſte Anlendung im gantzen Per ſiſchen Meer⸗Buſen als finden ſich allezeit eine groſſe Menge Schiffe alhie ein/ die guß Indien kommen/ und Waaren fur Per ien/ Turckey/ und andere Oerter Aſiens und Europæ⸗ mitbringen. Zur Zeit wann die Schiffe ſollen ankommen/ findet man ein hauffen Kauffeute alda/ aber meiſten thails Perſianer/ Armenier und Indianer/ welche ſich in Perſien aufhalten/ und man wurde einen viel gro ſern Zulauf von obgedachten Oertern ſehen/ ih wann ſie nicht die boͤſe Luft zu Bander ſcheue⸗ a a ten/ welcher ſie zwinget zu Iſpahan zu blei⸗ bene e ben/ biß die andern Kaufſeute wieder zuruck geh kommen/ von welchen ſie die jenigen Waaren/ ſo ſie vonnoͤhten haben/ einkauffen. b Der Luft zu Bandeer iſt ſo ungeſund/ und heiß/ daß die Frembden/ wofern ſie wollen geſund bleiben/ nicht laͤnger als den Chriſtmonat/ den Jenner/ den Hornung/ und Mertz uber allda verharꝛen; dann was die Einheimiſchen anbelanget/ die der Luft gewohnet ſeynd/ o können ſie länger außdauren, und das biß n den Aprill/ nach Verlauf deſſen ſie drey oder vier Tagreiſen von da ſich weg begeben/ un friſche Luft 5. oder 6. Monat lang in dem Ge1 bürge ſuchen/ und in dieſer Zeit das jenige vel zehren/ was ſie in den vorigen 4. oder J. Monaten gewonnen. Die jenigen/ welche ſich ta gen wolten/ in der groſſen Hitze zu Gomrom zu bleiben/ würden ein ſolch hiziges Fieber bekomen/ daß/ wann ſie am ſelbigen nit gar ſtunben ſe wol ſchwarlich zu ihrer vorigen Eil ſundheit gelangen wurden/ und dieſe undo e kommene Geſundheit ziehet eine gelbe Farbe nach ſich/ die Lebens lang nicht zu verge 1 pflegt. Wann der Mertz⸗Monat vorüber 0 ö fangt der Wind an ſich zu enden/ alſo/ 7 man gemeinlich Weſten oder Sud⸗Weſten hat/ welcher einem manches mal ſo warm a, chet/ daß man kaum Athem holen kan. 15 Araber nennen ihn El-Samiel, oder den Fi b Wind. und die Perſſaner Bade- Sampo weil er dieſelben/ uber die er gehet/ gahling die baten a iu 5 bas daß wann man einen Schenckel oder Arm/ oder etwas andes von einem ſolchen erſtickten Menſchen in die Hand nimmet/ ſo wird es wie eine leimichte Fetligkeit/ und als ob der Menſch ſchon vor einem Monat verſtorben. Dieſer Wind wird gemeinlich in Julio, Junio und 8 daßalto geſpuͤhret/ und nicht allein hier/ ſonNang eg ern auch um Mouſſul und Bagdat. en ounit Wann ich mich nicht im Jahr 1632. auf am Ore N Woſer dem Wege von Ilpahan nach Bagdat in Gebabe eelſchafft etlicher Arabiſchen Kaufleute befunden/ hätte ich unfehlbar nebſt vier Perſtanern erſticken müſſen. Dann weil die Araber wu⸗ g 0 Meer um den Pander ange füllet iſt/ ſeynd ſten/ daß dieter Wind kommen wurde/ ſo hieſfen ſie uns geſchwind abſteigen/ und auf den auch legen/ und mit unſern Manteln bedecken. Wir muſten in dieſem Zuſtand eine guö ke halbe Stunde bleiben/ und dieſe Zeit über meinte ich zu erſticken/ als wir wieder aufſtunn/ funden wir unſere Pferde ganz im Walſer/ daß ſie auß Mangel der Krafſte uns nicht fragen konten. Dieſes wiederfuhre uns zwey Tagreiſen von Bagdat, und am denckwürdigſten iſt/ daß wann dieſer Wind waͤhet/ niemand auf dem Schiff/ wann einer auch ſchon nackend ware/ verletzt wird; Er iſt oft ſo heiß/ daß er brennet als ob man vom Donnerſtral ſey berührt worden. n ̃ Weil nun die Luft zu Gomron boͤß und ſchaͤdlich iſt/ ſo kan leicht folgen/ daß der Erdboden auch wenig gutes herfür bringet/ dann es iſt nichts als Sand/ und das Waſſer/ welches auß den Cyſternen gebracht wird/ iſt nicht von dem beſten. Wann inan die Koſten anwenden wil/ ſo laͤſt man das Waſſer auß einer Jar guten Quell/ weſche drey Meilen von dem ä * Bandar liget/ bringen/ und dieſes Waſſer wird 85 Illin genennet/ und man verkaufft es ſehr 5 heur. Vor dieſem ſahe man nicht das geAUugſte Krautlein um den Bandar, aber durch 5 fend alen Fleiß den man dabey gebraucht ef endlich Zwibeln Salat und Ruben f die 15 kommen/ weil die Erde mit Brunſen, 1 07 an aller erſt gemacht/ gefeuchtet werden i 555 dadurch die Zeit die einer zu Bander zuDiet/ etwas erträglicher gemacht wird. K 1 Zeit über wann daſelbſt gehandelt wird/ An einer gar wol daſelbſten leben/ dann es nunmaüglet weder an Schiras- noch Vesd: Wein/ 8 70 le Hamel ⸗Tauben und Rebhüͤner/ werbe sgemeine Speiſen gebraucht/ die Hühner Fiuünftes Buch.. das Leben bringet. Am wunderlichſten aber iſt/ ſen es in einem halb geſe Abaffi, Und nicht nach Bander-Congeos allſer gefunden wird/ iſt/ daß von Ormus biß Handthierung als das Fiſchen/ ſie eſſen kein Biod. und es ſend hren ſehr weng die die Mittel haben/ daß ſte ein wenig Reiß zuſamen bringen konnen. Die Volcker/ welche von Balfara bis an Sinde, welches guf der Seiten gegen Indien liget/ wohnen/ haben keine audere Speiſt als Datteln/ und Ziſche/ die ſſe meiſtentheils in der Lufft tuͤsernen laſſen. Sie hmen ben Kopf und das Eingeweyde/ nee ie ft aben/ und laſen Waſſer einko75 0 0 den Dakte bien/ guf w. 000 gefunden haben. hen/ mit welchen das 2 auch gute Schollen/ Schmerten und Sardinen. Wann man aber Auſtern eſſen will ſo muß man ſolche er preis bey den Fischern holen laſſen/ weil die Inwohner im Lande keine zu eſſen pfſegen. Die groͤſte Luſt/ die man zu Bander haben kan/ iſt/ wann man under den Banianen⸗ Bauin gehet/ und daſelbſt kleine Gaſtereyen anſtellet/ des Morgens kan man im Kühlen Haſen jagen/ dann es manglet nicht an guten Haſen/ und die Engellund Hollander/ wann ſie von Iſpahan und Schiras kommen/ bringen der ſelben mit fich. Es ſehnd zwo Veſtungen zu Bander, eine gegen Abend/ die andere gegen Morgen/ alwo die Portugeſen jhre Schiffe hin rertrierten/ wie ich oben gedacht. Dieſe Stadt machet ſich von Tag zu Tag berühmter durch zugenonunen/ und nach dem man den Hole ländern verboten, die Steine von Ormus zu fuhren/ hat man ſich derſelben bedient/ und ſchoͤne Hauſer darauß erbauetrt. Eine von den ſürnehmften Urſachen/ um welcher willen Ormus mütiert worden/ und darum man die Handlung nach dem Bandler⸗ lch 15 558 würdige Luft/ und noch gutes Waſ⸗ 1 55 daJ ſelbſt. wo gar gefunde Congo viel Inſuln ſeynd/ bey welchen die Schiffarth gar gefahrlich iſt/ und man hat mehr als eines Windes vonnohten. Hierzu komt auch/ daß/ wann ein Schiff 20. oder 27. Stücke führet/ ſo hat ſelbiges nicht genugſam Waſſer/ und kan weder nach Bander-Congo, noch diech Ballara konten. Es iſt aueh noch eine ſehr gerdrießliche Sache daß von dem Bandan dcr man gar ſelten zu eſſen weil ſie nach 0 gosbiß ngen de taidt 1 8 ſche heertwaſſer ſchmecken. Was die Ji, debe en 0 25 e 5 idenlbelanger“ſo werden dieselben ſehrgue, Oct e e en Teeg aber f hat guch in groſſer Menge gefunden. Pian von e„ kalt man iänera duch daſelbſt Muſchel⸗Auſtern und aller⸗ halb feen odere 55 er ſich lie5 gelen nun And getrocknete und eingemachte Fruͤchte. gen/ und man fit et kene halben gute CarMaude 0 Die Einwohner des Landes ſeynd ſehr Lankerien uud uſliſhungen/ wie ſeh in der Genen, cer and haben nicht mehr als ein Hembd Veſch diefes Wegs angezeigt. 1 hre gange Klebung. Was die Weiber Der Grof Chsubashatte mit den Pori ch e Kleinedien anbetrifft/ deren wil ich kugeſen arge u bes Zolls zu Eander- Congo 0 daa gedenken weil ich an einemandern Ort bende lehetz Berglich getroffen pie mit den N cke on gedacht/ und zwar als ich von den Vol⸗ Engel ernyals er aber ſahe/ daß hre Macht en dc an dem Perſſchen Menden rob5 1. Dl gethan; ſte haben keine andere pen. durch den Krieg/ den ſie kt den Hollandern führten/ ſthr geſchtwachet wurde/ gieng er nuit 5 e jhunen ſt. Vegi 1 den/ und wie man mit denſelben in Perſien zu kdchick. verfahren pflegt. Es geſchiehet oͤfters daß eine ſolehes enge Schiffe zu Gomron ankommen/ 302 ihnen um wie mie den Engellandern/ und noch arger/ und man gibt ihnen anjetzo ſo wenig/ daß es nicht die Muhe belohnet/ einen Factor daſelbſt zu halten. Bander- Congo ligt under dem ſieben und zwantzigſten Grad/ dreyſoig Minuten nach der Breite/ und wann der Wind gut iſt/ kan man in 2. Tagreiſen von Bander⸗Abalſi dahin ſeglen. Es ſeynd etliche/ die ſich einbilden/ daß die Franken/ welche guß bloſſer Curioſitat in Aſien reiſen/ mit Muhe auf der Hollaͤnder und Engellander Schiffen fortkommen konnen/ und daß gemeiniglich die jenigen/ welche nach Indien handeln/ von welcher Nation ſie auch ſeynd/ kaumerlich zugeben/ daß auch ihre eigene Lands⸗Leut kaͤumerlich von jhrem Thun und Laſſen einige Wiſſenſchaft faſſen konnen. Was aber mich anbetrift/ ſo habe ich jederzeit geſehen/ daß/ wann ein gemeiner Menſch nach Indien gehen wollen/ denſelben haben ſo wol die Hollander als Engelkander allezeit gar freundlich auf jhre Schiffe genommen; und wann dieſes guch— ſchon nicht ware/ ſo koͤnte man doch auf den Schiffen/ deren ſich die Einwohner gebrauchen/ fort kommen/ die oͤfters beſſer ſeynd als andere. Auf einer meiner Reiſe fanden wir viel beſſer/ ich und Herꝛ von Ardilliers, daß wir auf einem Schiffe/ welches dem Konig von Golconda zuſtandig war/ und von Ormus nach Maslipatan gieng/ nach Indien reißten/ als auf der Hollander Schiffen/ ob ſie ſchon eben dieſt Reiſe vor hatten. Ich muß annoch von den Wechslen redaß man mehr Waaren/ als Gelt findet/ und die Kaufleut ſchreiben ſolches alsbald nach Lat, Schiras, und Iſpahan, und in andere Perſiſche Stodte/ und die jenigen die baares Gelt haben/ und hendeln ſenden ſelbiges in aller Eyl nach Gomron. Von dem Tag an/ da man das Gelt empfaͤnget/ muß man ſolches in 3. Monat wieder geben/ und die Intereſſe belauft ſich 6. und 12. pro cento. Warm die Waaren zu Iſpahan oder an andern Orten ankommen/ ſo darff ſie der Kauffmann nicht anrühren/ ehe er die entlehnte Summa bezahlet/ wann nicht der Glaubiger/ der jhme trauet/ erlaubt/ daß er die Balten eroͤffnen darff. Wann es ein Perſiſcher Kauffmann iſt/ der zu Iſpahan woh net/ und die Waaren weiter fuhren will/ der mimt wider Gelt auf/ damit er dz jenige zahlet/ was er ſchuldig iſt/ und gibt es an dem Ort wieder/ wo er hingehen will. Es ſeynd ſo wol Tuͤrckiſche als Armeniſche Kaufleute/ die zu Surate Gelt aufnehmen/ und ſolches zu Gomron wiedergeben/ nachmals nehmen ſie wieder auf/ und zahlen ſolehes zu Iſbahan/ von Iſpahan nach Erxzetom, und Babylon/ chun ſie ein gleiches/ in dem ſie das dalte an jeglichem Ort mit neu⸗entlehntem Belt bezahlen. Dash elt welches man zu Erzerdm gufſimt/ wird en weder zu Burſe oder Conſtantinopel/ oder aber zu Smyrna bedahlet. ZW as man zu Bagdar aufipunt/ wird zu dahar qubelangt/ welcher der gemeinte ist wel man faſt allenthalben Waſſerfindet/ ſo will! Nadssbeſchreibung in Perſien/ Alep bezahlet/ und weil piel Türcken und Armenier ſeynd/ die von Conſtantinopel nach Smyrne, Ligorno; und Venedig reiſen/ die nehmen in dieſen 2. erſtern Stadten Gelt/ und bezahlen die erſteren Wechſel/ und geben ſolches wieder/ wann ſie in den a. letſteyn Stadten in Italien eynd. Ich habe auf meiner Reise allezeit die Rechnung gemacht/ daß wann man das Gelt zu Golconda gufnimet/ und zu Ligorno unt Wechſel/ gegen Wechsel bezahlet/ ſo koſtet es 91. weniger/ auch oft bis auf 100. und dies ſes iſt was ich bey dieſer Matery anmercken konnen 4 Die Gelegenheit der Stadt Gomron oder Bander. Abaiſi, habe ich nebſt der Inſul Ormus und den umliegende, Inſuln auf dem Kupffer⸗Blatt der 145. Seiten dieſes Theils entworfen/ und dieſem beygefügt die Spitze des glucklichen Arabien/ wie auch den groſſen Baum der Banjanen, allwo der geneigte Leſer ſelbiges in der underſten Figur ſinDas XXIV. Capitel. Von dem Wege zu Lande von Casbin biß Iſpahan/ an den Graͤntzen des Gebiets des Groſſen Vaogols, durch die Provintz Candahar. (er Weg nach Indien iſt ein alter Weg/ und wurde vor dieſem vielmehr gebraucht/ als heutiges Tags/ ehe die Portugeſen nach Ormus kamen/ und die Schiffarth nach Perſien und Indien durch der Europeer Schiffe/ welche jahrlich zu dom ron anlendeten/ eingefuhret worden. Dann vor dieſer Zeit ſahe man auf dieſem Meer nichts anders als elende Schiftein/ die nicht genugſam waren/ alle Handlungs⸗Waaren/ die in und auß Indien giengen/ zu üͤberbringen. Aber ob es ſchon viel bequemer und ſparſamer geſchehen kan/ wann man zu Gomron zu Schiffe gehet/ ſo findet man doch auch allezeit Kauffeute/ die jhren Weg zu Lande neh id men/ und durch denſelben werden auch die 25 4 ſchoͤnſten Teppichte/ die in Indien zu finden/ 6 100 gebracht/ dieſelben/ welche guß Moſcau/ Poh⸗ J len/ und den Mitternaͤchtiſchen Landern der Tüuͤrekey kommen/ und weder nach Iſpahan noch nach Ormus reiſen wollen/ die muſſenwann ſie zu Casbin ſeynd/ den Weg nach Iſpahan auf der rechten Hand liegen laſſen und ſich richtig nach den Georgianiſchen Provintzen wenden/ und nach Corallon und Can, dahar ziehen. Von dieſem Weg will ich nichts ſonderbahres anführen/ welcher gar ſelten ge braucht wird/ dann man muß durch viel Nis, N ſteneyen veiſen/ in welchen man öfters innerhalb zwween oder dreyen Tagen kein Waſſer fünbel Was aber den Weg von Iſpahan nach Can von demſelben alle Herter/ durch welche mch reiſet/ wie auch wieweit einer von dem ande 25 legen iſt und war amm weng Won 110 g her ſetzen. In Perſten rech net man die Enie er ſetzen. In Perſten rech net m hel genheit der Oerter nach Agats, welche mit den groſſen Meilen in Languedoc und Provence überein kommen/ man leiſe nun gleich von Jſpahan ab/ oder vonCasbin, ſo werden doch alle Waaren auf die Kamele geladen/ und die beute deiſen zu Pferd/ bißweilen bey der Caravaneß bis, weilen auch ihrer zehen oder zwölf mit einander. Die Namen und Entlegenheit der vornemſtẽ Herter/ durch weſche man reiſet auf de Weg von Iſpahan nach Candahat, ſeynd folgende: 8 Von Ilpahan hiß Sakunegi, Agats Von Sakunegibiß Mouchena de radar 10 Von Mouchena de radar biß Nanni 8 Von Nanni biß Danaraquie 15 Von Danaraquié biß Baſabad 17 Von Balabad biß. Abiger 9 Von Abiger biß Biabanack 7 ö Von Biabanact hiß Caſen!!i 5 Von Caſeni biß Samagi 10 Von samagi biß Sadarou 15 Von Sadarou biß Chechme-cha 8 Von Chechme: cha biß Kart 14. Von Karte biß Tabas, Stadt/ 4 Von Tabas biß Eſpaque 7 Von Eſpaqus biß Teouqué 7 Von Teouquè biß Talkcaué Von Talkéaué biß Cors Von Cors biß Teſaitan Von Teſaitan biß Berjan* Von Berjan biß Moti Von Moti biß Sarbicckaõ Von Sarbicha biß Mont Von Mont biß Dourat 1 Von Dourat biß Chechmeband Vonchechmeband biß Zela Von Tela biß Fara, Stadt/ Von Fara biß Tecourmazetan Von Teccurriazetan hiß Siabé OO AA AA 1— Von siabè biß Bacou Von Bacoù biß Dilaram Von Dilaram biß Chaquilen Von Chaqullan biß Dexkkax Von Dex kak biß Grichẽ. Stadt/ Von riche biß Kouskienogoutr 10 8 Von Kouskiénogout biß Candahar 12 1 St. Die Stabt Candahar iſt die Hauptt Gin. Stadt in einem Lande/ welches under die ProN N —. * bote behorer die die Perſſchen Könige eroeen doe en/ und iſt allezeit eine Urſach gewedes Kriegs zwiſchen hnen und den Konigen in Indien von der Zeit an/ daß es Cha: as der J. ſeinem rechtmaſsigen Herzen abgenondnen. Und weil dieſe Stadt ſchr denckwürdig der dach Indien gehen/ und von dannen toe babe, daſelbſt durchzuziehen pflegen, ſo f 0 o wol die Indianer als Perſiaſichdar cuore gußgeſpert/ biß Cha- Abas we Darüber zum Fur neh mſten Hrn. gemacht/ a liber Jure der zu Candahar pegierte/ ſich 1 als dem Groſſen NMogol underwürfAe uwolſen. Dieſes geſchahe mit der BeGee daß allezeit ein Furſt auß ſeinem Webhlechre zu Candahal, doch als ein Vaürdig iſt/ ſo wol wegen ihrer vortheilhafti17 Gelegenheit/ als auch weil alle Caravanen 3 in des Königs von Perſien Schutz be303 ſal und Tributbar herꝛſchen ſolle/ und Alimerdan-Kan, deſſen ich zuvor gedacht/ und auch noch gedeneken werde/ war ein Sohn des letſtern Fuͤrſten zu Candahar. Dieſer Fürſt hinderließ nach ſeinem Tode groſſe Reichtheͤmer/ und als der Aliwerdan Kan an des Groſſen Kogols Hof kam/ waren alle ſeine Gefaͤſſe von Gold/ eben ſo wol als des Königs in perſſen. Er hatte ſo viel Gold in Adee ſeinen Kiſten/ daß er vom Indianiſchen Kö⸗ des Alinernig zu ſeiner Underhaltung nichts annehmen Kan. wolte/ und begnügte ſich mit der Ehre/ die er hatte/ daß er das furnehmſte Amt im Reich/ biß an ſeinen Tod besitzen konte. Er ließ ein ſchones Hauß/ nebenſt einem praͤchtigen Garten/ an das Ufer eines Waſſers erbauen/ deme in dem gantzen Gebieth des Groſſen Mo. gols qn Herzlichkeit keines zu vergleichen war. Ehe diß Hauß gebauet wurde/ beſuchte ihn der Konig auß Lat nebenſt ſeinen Fuͤrſtinnen/ der Alimerdan-Kan wolte dem Konig etwas ſchencken/ und man ſagt/ daß ſeine Frau viel Kiſten voller Gold geöffnet/ und dieſen Fuͤrſtinnen gezeiget/ ſagende/ Seine ajeſtat doͤrfte ſich nicht wunderen/ wann ihr Maſt nichts annehmen wolle/ dann erhatte genug/ davoner und ſeine Kinder leben konten. i Das meiſte/ was ih me zu dieſem Reichthum geholffẽ/ wuͤr die Klugheit/ deren er ſich bediente/ nach dem Exempel ſeiner Vorfahren/ den Vortheil von den Catavanen zu ziehen/ die dazumalen viel oͤfterer durch Candahar feißten/ als heut zu Tag/ wie ieh ſchoneldung gethan. Wal eine Caravans ankam/ einp fieng er bieſelbe mit groſſer Freundlic/ keit/ und nachbem ſie ſich niedergelaſſen/ krgetler ke er ſie/ fande under deſſen ein Mittel/ daß ſie mit dein Zoll nicht ſo bald abgefertiget worden. Wann ſie nun alle jhre Sachen zu Stande gebracht/ damit er ihnen moͤge zu verſtehen geben/ daß er/ weil er ſie traetiert/ gleichfals verlange von jhnen ebenmaſſig tractiert zu werden/ und daß er gern wolle ſich noch ein nal mit nen luſtig machen/ welches die Kaufeute Ehren halben nicht abſchlagen konten. Des Morgens ließ er jhnen ſagen/ wie er mit ſhrem Tractament ſo wol vergnuüget/ und er muſte mit jhnen noch Valet trincken/ damit abermal drey Tage zugebracht worden/ und alſo geſchahe es oͤfters/ daß eine Oosravane zu Candahar drey Wochen/ biß weilen auch gar einen Monat und mehr verbleiben muſte. Und alſo konten die Furſten von an dahar gar wol verurfachen/ daß die Caravanen die eit über ihre Lebens⸗Mittel verzehrten/ und deſto mehr Gelt un Lande laſſen müſten. Als nun der Groſſe Cha- Aas ſich dieſes Orks bemaͤchtiget/ überließ er denſelben ſeinem Enkel Oba-Seß in einer friedlichen Befitzung/ lagert. und under ſeiner Aegierung geſchahe/ daß Ki. merdan-Ean, ſenes Batters 9 eachfolger/ dieſe Statt dem groſfen ogol, wie jeh zuvor gerdt/ in die Händ gelteffert. Cha- Abas den Anbere/ des Cha-Sen(Sohn eroberte ſolche herngcher wieder/ im Jahr 1650. und der Groß Mogoß welcher dazumal Cha. gehan way/ ſandte ſeiE nen — Candahar Die Stadt dreymal be ten Belaͤge304 Reisheſchreibung in Perſien/ Fuͤnftes Buch. nenalkeſten S ohn Namens Dara- cha, jhn wi⸗ ſchicht mit allen Umſtanden nochmals hieher der herauß zuhagen Obſchon aber ſeine Armee ſetzen wollen/ weil ich zu Anfang dieſes Buchs in mehr als drey hendert tauſend Kopffen be⸗ nur etwas weniges davon gemeldet. 1 5 ſtuhnd/ ſo wurde doch dieſer Ort dermaſen In dieſer Figur bey dem 145. Blatt dieHeltzhaft beſchützet/ daß der Jeind zurucke ſes Theils/ iſt der Grund⸗Niß dieſer Stadt weſe en muſte/ weil die Lebens⸗Mitteln jhnen und berühmten Veſtung Candahax, welche mangelten/ und die meiſten ſchon Hungers ge⸗ der beſte Platz in Aſten iſt/ entworffen; beyſtorken waren. Im felgenden Jahr/ brachte gefügte Buchſtaben zeigen folgends an. Cha-Gehan eine andere Armee/ die eben ſo N. Das fürnemſte Bollrerck. machrig war/ als die erſtere/ zuſamen/ und B. Ein ander VBollwerck. 3 ſandte ſeinen andern Sohn Namens Sultan. C. Ein Berg/ welcher bis an das niichſte Sujah, der ſich ſehr dapffer und freygebig gegen Bollwerck gereichet/ welch Cha · Sen nachdem den Soldaten verhieſte. Er war aber nicht er die Stadt erobert/ davon abſondern laſſen. gluͤckſeliger als ſein alteſter Bruder bey die⸗ D. Des Gubernators Pauß. 5 er neuen Belagerung/ und begab ſich von E. Die Wohnung der Officterer und Solſich ſelbſt wider zurujcke/ weil er nichts außrich⸗ daten. e ten konnen. Begum Saheb, die alteſte Toch⸗ F. Der Marckt od groſſe Platz in der Statt. ter des Tha-Gehan und dieſer Fürſten Schwe⸗ G. Diegroſſe Gaſſe. 92 ſter wurde von jhrem Vatter auß dermaſſen kl. Sween Damme/ auf welche man in die geliebet/ alſo daß man vorgab/ daß ſich dieſe Stadt gehet. Liebe auch uͤber die Gebühr erſtrecke. Weil I. Ein kleiner Fußſteig von Moraſt in die g 1 ſie nun in der Herꝛſchafft groſſe Macht hatte/ Stadt. 8 weil der Konig nicht viel mehr nach der Re⸗ I. Einkleiner Weg/ welcher von der Stadt 8 gierung fragte/ und auch groſſe Reichthumer nach der Veſtung ge her. beſaß/ verſprach ſie/ ſie wolle auf jhre eygene Und dieſes ſind die denckwurdigſten Dinge/ Uknoͤſten eine Armee aufbringen/ welches auch die ich ſo wol in Per ſien/ als in der Turckey in geſchahe; man halt dafür/ dieſe Armee ſey bis acht genomen/ welche ich bis in die. mal duꝛchin vier hundert tauſend Koͤpffen beltanden. Es reiſet/ und zwar durch underſchiedliche Wege waren lauter dapfere deute/ und von denen man innerhalb viertzig Jahren. Ich bin begierig ge⸗ 7 viel halten konte. Dieſe Fuͤrſtin wolte/ daß weſen/ die Sach recht zuerkundigen/ und bin ihr dritter Bruder Naniens Aureng-zeb darinmen auch ziemlich guf den Grund komen/ Generaliſſunus über die Armee ſey/ und ließ allein ich muß den Leſer erinnern/ daß er gute mit derſelben Candahar angreiffen/ daß je⸗ Küuſten un Wiſſenſchafik keines wegs inAſten derman glaubte/ es wurde in wenig Tagen ſuchen darff dal dieſelben daripen nicht zu finübergehen. Er hatte allbereit etliche mal ſtür⸗ de/ ſo wol/ was Mahler/ Schnitzler/ und Goldmen laſſen/ als er einsmals mit der Fuͤrnem⸗ Arbeit anbelanget/ die in unſerm Europa geſeſeiner Armee Rath hielte/ und ſie fragte/ wer hen werden. Was Teppichte/ geſtickte Tücher/ die Ehr davon tragen ſolte/ wann er die Stadt guldenen/ ſilbernen und ſeidenen Broegrd beund was ſch kroberke. Sie gaben hierauf zur Antwort/ trift/ die in Perſen gemacht werden/ und uben dor dei daß niemanden als der Princeſſin ſolche zu zu⸗ ber welche wir uns vor dieſem gewundert ng denck⸗ ſca herben/ weil ſie die Armee auf ihre Koͤſten alles dieſes iſt unſern Manukackuren bey weimürdine zu, geworben hatte/ und dannenhero muſte man tem nachzuſetzen/ alſo daß ſich die Perſier ſhr die Ehre wegen Eroberung dieſes Platzes anjetzo über die koſtbaren Tuͤcher/ die au ohne zweifel überlaſſen/ als Aureng-zcb die⸗ unſern Landern kommen/ verwundern müſſes hörte, underließ erfemmer die Stadt zudru⸗ ſen/ und die alsbald/ wann wir ſolche brincken/ entweder auß Eyfer gegen ſeiner Schwe⸗ gen/ entweder für den König/ oder andere ſter/ oder daß er ſich ſeinen zweyen Brüdern fürnehme Herzen gebraucht werden. In der durch Eroberung dieſer Stadt nicht vorzie⸗ Wiſſenſchaft zu bauen/ iſt Aſien gleichfals hen wolte/ weil ſie ſolche verlaſſen miſſen/ und ein Frembdling/ dann man ſiehet keine ſo weil indeſſen das Regenwetter einfiel/ ſo mu⸗ herzliche und prachtige Gebaude/ und Köſte er die Armee in aller Eyl abführen. Der nigliche Haͤuſer/ wie in Franckreich/ welche Konig war halb verzweifelt/ als er ſahe/ daß an der herelichen Arbeit/ allen Pracht und drey groſſe Artuten/ wider Candahar nichts Schönheit/ die bey allen Orientaliſchen Morichten konnen/ und daß er daruͤber ſo viel tau⸗ narchen zu finden/ weit uͤbertreffen. Und ſend Menſchen verlohren/ er nahm derohal⸗ habe ohne verwundern nicht horen k nnen ben den Alimerdan-Kan einsmals auf die daß gewiſſe Leute dem Kömgreich Perſel Seiten und bat ihn/ er moͤge jhme aufrichtig und andern Aſigtiſchen Landern ſolche He, 7 ſagen/ wie er ſich bieſes Orts wieder bemaͤchti⸗ lichkeit beygemeſſen/ die jhnen doch weder b gen koͤnte. Dieſer Furſt gab dem Konig bald Natur noch Kunſt zugeeignet hat. Dann wart Antwort auf ſein Begehren/ und zwar mit we⸗ dieſes/ was ſie vorgeben/ wahr iſt/ ware es 110 nig Worten/ nemlich/ ſprach er/ wann der Ko⸗ ohne allen Zweifel nit verholen blieben/ und a 5 nig einen ſolchen fndet/ der mit ſich accordieren kan den Leſer verſichern/ daß ich die Sachen kei laßt/ wialch gethan, alodann wird Candahar nes Wegs anderſt, als ſie an ſich ſelbſt ge in ſeinen Handen ſeyn. Ich habe dieſe Ge⸗ in dieſem meinem Reiſe⸗Buch abgemah et Ende der Perſianiſchen Reisbeſchreibung/ und des Erſten 5 Theiss der Aſiatiſchen Reiſen. en/ ona BAPTISTA ev rb Nrn. Nitter ind Nrehher? von Aubonne, In Turckey/ Perſien und Indien/ inerhalb bierezig Jahren/ durch alle Wege/ die man . ah Rue Landeren nehmen e 1 Worinnen dancheus, Anmerckünger n von der Beſchaffenhett 55 eben, 10 Regierung/ Gebr braͤuchen und Handlungen/. jeglichen Landes enthalten. 8 e den derm, Sang und dem Hg der we vac in dieſen Laͤnderen gangbar ſind Anderer Theil/ Sunna Indien und die Seuchen dye a 0 e ee 5 5 Wh Johann Herman e M. DC. LXX 5 . 5 S Dan Indranſchen Beiß⸗Beſchrebung · eie uch 8 Von dem Weg/ welchen man von Iſpahan nach Agra, und von dar nach Dehli und Gehanabt, alda jetzo des Groſſen Mogols Hof/ wie auch nach den Hofen der Konigen von Golconda und Viſapour, und an viel andere Orte in Indien zu reiſen nehmen kan. Das Erſte Capite!l. Weg von Ilpahan nach Agra, da inſonderheit von der Schiffahrt von Ormus nach Surate Das I. Eapitel Von den Zalen, Münzen Wechſan Gericht und Maß in Inden. Das 71. Capitel. Von den Fuhren und der Manier in Indien zu reiſen. Das 1, Capitel. Weg von Surate nach Agra durch Brampour und Seronss. 1 Das„. Capitel. Weg von Surate nach Agra durch Amadab aa. 17. Das/ Capitel. Weg von Ilpahan nach Agra uber Candahar.. Das II. Cap. Fernere Beſehreibung des Wegs von Dehli nach Agra.* Das„III Cap. Von dem Weg von gra nach Parna und Daca in der Provintz Bengala, a und dem Streit/ ſo ſich zwiſchen dem Author und Cha. eſt- kan zugetragen hat. 29 Das 1A. Cap. Weg von Surare nach Golcon dea. 7 Das X. Capitel. Von dem Königreich Golconda und den Krlegen/ ſo daſelbſt ſeit wenig Jahren geführer worden. 38 Das XI. apitel. Weg von Golconda nach Maslipatan, von andern Maſulipatan genant. 44 Das II. Cap. Weg von Surate nach Gos und von dar nach Golconda durch Viſapour. 47 Das XIII. Capitel. Bericht vom jetzigen Zuſtand der Stadt Go. 48 Das XIV. Capitel. Von den Verrichtungen des Auchoris zur Zeit/ da derſelbe in ſeiner letſten Reiſe 1648. zu Goa ſich aufgehalten. ü Das X. Capitel. Geſchicht von Pater Ephraim, Capucinern/ und wie derſelbe mit uͤbereilung f in die Inquiſition zu Goa geſetzt worden. e N Das XVI. Capitel. Weg von Goa nach Maslipatan, durch Cochin 61 Das xyIII. Capitel. Der Weg von Maslipatan nach Gandicot, einer Stadt und VBeſtung in der Landſchafft Carnatica, und bericht/ was der Author mit Mirgimola, der über das Heer des Königs von Golconda Feld⸗Obriſter war/ gehandelt/ da auch von den Elephanten weitlaufſtige Meldung geſchichtt 68 Das X IX. Capitel. Von dem Wege Oandicot nach Golconda.„ Das X N. Capitel. Von der Zurückreiſe von Surate nach Ormus und wie der Aurhor in ein ſehr ſcharffes und gefahrliches See⸗gefechte/ davon er glücklich entkommen/ ohngefehr Helden:! 1 8³ Hiſtoriſche und Politiſche Beſchreibung von dem Reich des 6 Das Erſte Capitel. Beſchreibung der jüͤngſten Kriegen in Indoſtan(oder in dem gegen Aufgang gelegenen In Ddieüuen) darauß der ſezige Zustand des Reichs und Hofs des daogolszuſehen if. 475 Das II. Capitel. Von der Kranckheit und dem erdachten Tode des Chagehan, des Sone, m Indien/ und dem Aufruhr/ welchen ſein Sohn erregt 2 Das 171. Eapitel. Von der Gefängnuß Chagehas⸗ und wederſelbe vom Aufengrebe f nem dritten Sohn roegen des Unrechts ſo er dein Furſten Boulacki ſeinem Ene. Sehanguir Groß⸗OSohn/ deme/ als dem Aelteſten das Reich des Groſſen dag g9ebühret hatte/ bewieſen/ geſtrafft worden. 9 Das 1. Capitel. Von des Darachia Flucht in die Königreiche Seimdii und Guzerate, Ul age Been nde dene h gen e Das J. Capitel. Wie Aurengseb ſich des Throns bemachtiget/ und füreinen Konig erkaa1171171 Das J. Capitel. Von der Gefion gultan Mahmoud-Aurengzeb und Sultan Solimas 0 Chekour, Daracha dlteſten Sohne. eee eee 1 2 l Des I. aa 155 ben Ae 5 5 auengeeb⸗ 11 den Tod Chegeban eines Vatters. 99 Das v7. Capitel. Von den Zubereitungen welche guf das Feſt des gr oſſen Mogols, wann derſelbige jahrlich abgewogen wird/ beſchehen/ von Koͤſtlichkeit ſeines Throns 55 f Herꝛlichkeit ſeines Hofes. 5 Das. X. Capitel. Von etlichen andern ſonderbaren und merckwürdigen Sachen/ an bam ö Hofe des Groſſen Mogols. 103 Das x. Capitel. Wie der groſſe Mogol alle ſeine Kleinodien dem e zeigen laſſen. 105 98 XI. Capitel. Inhalt des Paßports/ welchen Nabab Cha- Eſt- Kan dem Author Überſchicket/ ſamt etlichen Briefen/ ſo er jhme geſchrieben/ und die Antwort e auß welchen die Schreibens⸗Art ſelbiger Lande zu ſehen iſt. 8 Das*I. Capitel. Von den Waagren/ die ſo wol auß dem Reich des Gr oß⸗Mogols als 205 b den Koͤnigreichen Golconda und Viſapour, und andem benachbarten Hereſchafften g gezogen werden. Das 174. Capitel. Von dem Betr 9/0 o in den Wacren es ſeh gleich durch die Boßheit der Arbeiter oder durch Verſtandnuß der Unterhändler mit den Befehlhabern gesch hen kan d Dos XIV. Capi Von den Mitteln eine Handlung Compagnie in dem Obe anzurichten. Das 8 X. Euntel. Von den Diamanten/ Gruben und Fluſſen/ wo ſolche gefunden Wilbenz und zwar erſtlich von der Reiſe des Aurhoris in die Gruben zu Raolconda. Das XVI Capitel. Reiſe des Authoris in die andern Gruben/ und auf was Weiſe man darinn Das die Diamanten ſuchet. 128 Das IL Capitel. Folge der eiſedes Autoris in die Diamant⸗Gruben. 30 a8 Kr Capitel. Von unterſchiedlicher Art der Gewichte/ nur die Diamanten zu waͤgen/ von der Gattung Gold ⸗ und Silber⸗Muntze/ ſo daſelbſten gangbar/ die Wege/ durch welche man dahin gelangen kan/ und die Regel, welche man hat/ den Preiß der Diamanten zu wiſſen. 132 5 XIX. Capitel. Von den gefar bten Steinen/ und von den Oer tern⸗ wo ſe je herauß gezogen werden. 34 8 XX. Capitel. Von den Per len und den Orten/ wo ſie gefiſcht werden. 36 8 Dun XXI. Capitel. Auf was Weiſe die Perlen in den Muſcheln gezeuget werden/ und 11 f und zu welcher Zeit ſie gefſſcht werden. i 138 Das** 11. Capitel.Anmerckungen uͤber die groſten und ſchoͤnſten Diamanten/ dieder 5 i in Europa und Aſia geſehen. Das XX 15 8 5 8 Von den Corallen/ gelben Agatſteinen und den Orten/ vo ſolche 5 en werden Das XXIV. Cap. Von dem Biſem und Bezoar und anderm/ ſo zur Artzney dienlich. 146 de AI. Capitel. Von me enen das Gold in Aſia und Affrica gezogen wird. 148 95 XXV I. Capitel. Erzehlung einer mercklichen Tr euloſigkeit/ welche dem Autor als er von Blurate nach e 8 eee i 151 Das 3. Buch. Nen der 6 der ebenen und Ungläubigen in Juien/ von des Autoris Reiſe von Surate nach Batavia, und von Batavia in Holland/ 209 von. n. Wee fuck eee Made gener elcutene Bekantnuß der Ma Ju.. 1 Von den e 1 0 15 0 1 105 in dos ul Capitel. Von dem Glauben 1 bgot 1 185 Capitel. Von den Heidni 8 g Dis Capitel. Von der Heiden e ö f 5 98 Von den Faquirs ae ft Das vn. Se der 52 Glauben der Heiden/ b 1 den Stund! der Seele des 0 5 Da en na Da 15„Vonder Gelvonheit der Haden die Leiber zu verbrennen. fer 8 ee Wie ſich die Weiber in Indien mit den Leibern ihrer todten a a rennen. a s. Capie. Mercktwuͤrdige chende unterſchiedlicher Weiber/ die ſich nach dem. Da 5 1. e ſhrer Manner verbrant haben. g apitel. Von den für bahnen Pagodes der Indianiſchen Heiden. 5 Das b Folge der Beſchreibung der fürnemſten Pagoden ber Indianiſchen HeiDas ITI. Ccpitel. Von dem Wahlfahrten der Heiden in ihre Pagoden. 174 Das XIV. Capitel. Von den unterſchiedlichen Gebräuchen der Heiden.„„ Das X. Copitel. Von dem Königreich Butam; auß welchem der Biſem/ die Rhebarllara N und efliche Futterung kommen. JGGCCGCCCCCC 178 Das Nn Capitel. Von dem Königreich Tipra. i Das xv. Capitel. Von dem Königreich lem. 8 Das x VIII. Capitel. Von dem Königreich Siam. Das XIX. Capitel. Von dem Königreich Macaſſar, und der Holländiſchen Geſandſch 0 5 Das X. Capitel. Der Aurhor ſetzet ſeine Reiſe in Orient fort/ und begibt ſich zu Mingrela zu Schiffe nacher Batavia; die Gefahr/ ſo er auf der See gußgeſtanden/ und ſein Ankunfft in das Eyland Ceylan. V Das XX I. Capitel. Abreiſe des Authors von der Inſul Ceylan, und ſeine Ankunfft zu a Batavia. N N„ 5 1595 Das xXxII. Capit el. Von einer Sache/ ſoman wider den Author zu Batavia ungereimter Weiſe vorgenommen.„„ 1 Das XXIII. Capitel. Der Author beſiehet das Koͤnigreich Bantam, und erzehlet wegen de JUVVVVVVVVVVVVVVVVVVVVV V Das XXIV. Capitel. Der Aurhor gehet wieder auf Batavia, und etliche Tage hernach kehret er wieder zu dem Konig von Bantam um) und kpegen dieſer Urſach erzehlet er die gefaͤhrliche Schwermereyen etlicher Facquirs oder Pilgern bey ihrer Surf. 5 „Die ee eee„ e ee e Das xx. Capitel. Von dem Kriege der. Holländeren mit dem Käyſer von Java. 209 Das X XVI. Capitel. Der Author leget ſeinem Bruder welcher zu Batavia ſtirbet/ die ſetſte 5 5 e wieder neue Streithaͤndel mit dem General und ſeinem Das XVII. Capitel. Der Author begibt ſich auf ein Holländiſches Schiff/ um in Europa 0 dlumzukehren. i 8 28805 1 Das XXV III Capitel. Die Holländiſche Schiffsflotte komt zu St. Helenen an/ und der We Author beſchreibt dieſes Ey land 5 f Das XX. Capitel. Die Holländische Flotte verreiſet von der Inſul St. Helenen/ und dern Author ſanget in Bolland glücklch aun. Reisbeſchreibung In Indien. N Dias erſte Buch. Don dem Weg welchen man von Ipalkan nach Agra, und von dar nach Dellly und Gehanabat, alda jetzo des groſſen Mogols Hof; wie auch nach den Höfen der Koͤnigen von Golconda und kan. Viſapour, und an viel andere Ort in Indien zu reiſen/ nehmen 2 K..:..—.... 1 Das J. Capitel. Weg von Iſpahan nach agra durch Gomron, da inſonderheit von der Schiffahrt von Ormus nach Surate Meldung beN N dieſer Reisbe0 ſchreibung in Indien wil ich ein gleiche Ordnung halten/ wie in meinem 9 Tractat der Reiſen 1 Sin Perſten beſche5 0 hen/ und von dem 25 1 8 l 2 Weg von Iſpahan nach Dehly und Gehanabad, alda diz mal der 3. Groſſe Mogol ſein Reſidentz hat/ den Anfanz be machen. 5 78 eee 55 dada ſeen Obmwol Indien mit dem Köngreich Peree 8 mehr als 400. Meilen von dem groſſen ee dies an die bange Kerken der Berge mitten 0 Aſien von dem Midergang bis zu Aulode Gebende von den Alten der Berg Taurus nicht faucale geuenner“ grentzet/ fo iſt ſedoch der odo weit von Perſien nach Indien als auß ſchen Urcken in Perſien zu reiſen/ dieweilen zwischen dieſem Land und Indien nur ein Sandaken, und weitlaufftige Wuſteneyen ſind wekein Waſſer gefunden wird. Derowegen amd chan nach Agra allein zween Wege zu , d der Perſiſchen nicht zu viel zu naheren/ ſondern die Weite zu nehmen/ zu beſichtigen; gleich wie Wee/ zu Ormus ſich zu Schiff begebend/ der N ate halen zu Land durch Candahar. Der nm Hieſer Wege bis nach Ormus, hefindt ſich Buer Perſiſchen Heis am End des letſten g be Spit beſchrieben; nun folget Melde, Schiffahrt von Orwus nach Surate Die Schiffart auf dem Indianiſchen Meer kan nicht zu allen Zeiten/ wie auf dem fung dee Europaiſchen Meer vorgenommen werden/ ibi n ſondern man muß das bequeme Wetter beob⸗ 9 achten/ auſſert deme iſt keines wegs rahtſam ſich auf die See zu wagen. Die Monat November/ December/ Januarius/ Februarius und Martius ſind allein die jenigen zur Einſehiffung von Ormus nach Surate und von dar nacher Ormus gewohnlich; jedoch mit dieſem Underſcheid/ daß man von Surare ſelten ſpahter als zu End des Februarü außfaͤhrt; aber von Ormus abzuſeglen kan bis zu End des Mertzens/ ja gar bis mitten April weilen alsdann der Wind von Nidergang/ ſo das Regen⸗ und welche wetter nach Indien bringt/ zu blaſen anfangt/ 5 110 gewartet werden. In den vier erſten Mong⸗ zuwenden ken regiert ein Wind von Nord⸗Oſt mit dem der. man von Surate nach Ormus in I. oder 20. Tagen ſeglen kan/ hernach allgemach gegen Norden ſich wendend kan er beydes für die Schiffe ſo nach Surare fahren/ und von dar kommen/ bequem ſeyn; und in dieſer Zeit machen die Kaufffeut gemeinlich ihre Rechnung dreyſſig oder funff und dreyſſig Tag auf der See zu bleiben; aber wann man von Ormus nach Surate allein 14. oder j. Tag zubringen wil/ muß man im Martio oder zu Anfang bes Aprillen zu Schiff gehen/ weil man den Wind von Nidergang zur ſelben Zeit beſtäͤndig im Rucken hat. 5 Die Schiffe von Ormus qußfahrend/ pflegen Maſcate guf der Küſten Arabien/ um ſich die von Surate kommend thun/ um den Einang des Meerbuſens zu erkennen; aber weder die einen noch die andern berühren Malcate, weil ſie dem Arabiſchen Fürſtun/ weleher diſen Platz den Portugeſen abgenommen/ den Zoll zahlen müͤſten. 1 4 f Maſeate 0 Beſchreibung der Stadt Maſcate, und was dabey denckwuͤrdig. Beſchreibung der Stadt Suxa· Te. 9 8 Reeisbe Maſcate iſt eine Stadt am Ufer des Meers/ gegen uͤber dreyer Helſen/ welche den Zugang ſehr ſchwar machen/ und unden an einem Berg darauf die Portugeſen drey oder vier Schantzen hatten/ ligend. Zu mercken iſt/ daß Malcate, Ormus, und Balſara, die jenigen drey Ort in Oſten/ da die Hitze am unertraͤglichſten. 5 8 Vor dieſem waren die Engellander und Hollander allein dieſer Schiffahrt Meiſter/ aber ſeith etlichen Jahren/ halten die Armenier/ Mahometiſten der Indien und Banianien auch Schiffe/ auf denen man aber nicht alſo ſicher wie auf der Francs Schiffen; weilen weit gefehlet/ daß die Indianer der See ſo wol/ als dieſe erfahren/ und ſo gute Schiffer haben. Die Schiffe/ welche nach Surare ſeglen/ welches der einige Hafen im gantzen Reich des Groſſen Mogols pflegen Diu und die Spitze St. Johaf zu beſichtigen/ laufen hernach auf die Rede Souali, ſo nur 4. Meil von Surate, und 2. vom Außlauff des Fluſſes gegen Nord. Man ſchickt die Waaren zu Land/ oder in kleinen Schiffen zu Waſſer/ weil die groſſen Schiffe Urſach des Sandes bey dem Außlauff/ ohne entladen zu ſeyn/ nicht hinein kommen koͤnnen. Die Hollander/ nach deme dieſelbe jhre Waaren zu Souali an Land geſetzt/ ingleichem auch die Engellaͤnder/ kehren wieder zuruck; ſintemalen weder dem einen noch dem andern/ in den Fluß zu kommen erlaubt; aber der Koͤnig hat endlichen dieſen letſten einen Ort/ um daſelbſten die Regenwetter⸗Zeit uͤber zu bleiben/ vergoͤnnet.. Surate iſt eine Stadt mittelmaͤſſiger Groſ2e/ mit einer ſchlechten Veſtung verſehen; unen an derſelbigen/ es ſeye zu Waſſer oder zu Land kommend/ muß man vorbey gehen. Sie hat 4. Thurn an den vier Ecken/ und weilen die Maur mit keinem Waal beveſtiget/ iſt das Geſchůtz auf Geruſt geſtellt. Der Guberngtor der Veſtung/ hat allein den Soldaten in der Beſatzung zu befehlen/ und kein Gewalt in der Stadt/ welche ihren ſonderbaren Gubernatoren hat/ die Koͤniglichen Zoll/ und andere Einkunfften ſeiner Provintzen/ einzuziehen. Die Stadt⸗Mauren ſeynd allein von Erden/ und der gemeinen Leute Hauſer den Scheuren gleich/ mit Rohren oder Bintzen gemacht/ von Kuͤhemiſt mit Erden gemiſcht/ die leere Ort zu bedecken/ damit nicht durchgeſehen werde/ überzogen. In ganz Surate ſeynd nur neun oder zehen Hauſer/ die zimlich wol gebauet/ deren der Cha-bander oder Vorgeſetzte der Kauffleute/ zwey oder drey hat; die ubrigen ſeynd Mahometiſchen Kaufleuten zuſtaͤndig/ der Engellander und Hollander Hauſer ſeynd nit die geringſten/ denn jeder Vorgeſetzte und Befehlhaber/ befſeiſſet ſich dieſelben wol zu underhalten/ und ſtellen die Koſten jhrer Compagnie auf Rechnung. Dieſe Hauſer zwar/ ſeynd nur in Vermietung/ weil der Konig beſorgend/ daß eine Veſtʒ ing gemacht werden mochte/ dahero einigem Eranc eine eigene Behauſung nicht geſtattet. Die Patres Capueiner haben ein gantz bequem Hauß/ nach Manier unſerer Hauſer in ſchreibung in Indien/ Europa/ ſamt einer ſchoͤnen Kirchen/ bauen lafſen/ darzu ich ſelbſten einen guten Theil des Koſtens gegeben; aber wie in meiner Perſer Beſchreibung vermeldet/ muſte der Kauff under demg damen eines Maronitiſchen Kauffmanns von Aleppo, Chelebi genannt/ beſchehen. —— — Das II. Capitel. Von den Zollen/ Muͤntzen/ Wecholen/ Gewichts/ und Maß der Indiern. Jederholung/ die man in einer lan⸗ a gen Reiſe nicht wol underlaſſen kan/ ha ju meiden/ ſo ſolle dem guͤnſtigen Le„ 1 ſer gleich Anfangs ein verſtandlicher Bericht/ de do was in Indien/ betreffend die Zoͤlle/ Mütze/ Wechſel/ Maaß/ und Gewicht/ gebrauchlich/ gegeben werden. den/ muß man ſolche in das Zollhauß/ an die Veſtung ſtoſſend/ liefern. Man iſt alda ſtreng/ und durchſucht die Leute ſehr genau. Was gemeine Leute ſeynd/ muſſen von all jhren Waaren/ g. in y. pro cento, oll bezahlen; aber die Engliſche und Hollaͤndiſche Compagnie/ bezahlen weniger. Zu glauben jedoch iſts daß/ wann man betrachtet/ was ihnen an Geſandtſchaffts⸗Unköͤſten/ und Verehrungen/ ſo ſie jahrlich dem Hof thun muſſen/ darauf gehet/ die Waaren ſie ein geringes weniger/ als andere gemeine/ geſtehen thun. 9 Von Gold und Silber wird 2. pro cento bezahlt/ und ſo bald ſolches gezehlt/ laͤſſets der Muntzmeiſter wegnehmen und ingand⸗Muntze/ damit die Summa nach dem Halt des empfangenen Gelts zu bezahlen/ verwandlen. Man uͤberkomt mit demſelben des Tages/ da er die neue Muntze für Wiederbezahlung lieffern ſolle/ und für ſo viel Tage daruber es anſtehet/ den Zinß/ ſo er nach Proportion der Sum ma/ bezahlen muß. Die Indianer ſind ſpißfindig/ und ſelzam/ was das Gelt und Bezahlungen anlangt; wann das Gelt ſeith 3. oder 4. Jahren gepraͤgt/ iſt 2 pro cento Verlu und alſo nach deme ſolches alt; denn ſie agen das Gelt habe ohne Abgang nicht durch ſo viel Hande gehen koͤnnen. In des Groſſen daogels Reich kan man allerley Gelt bringen/ weil in allen Gren Stadten eine Hunte/ alda ſolches auf den auf ſerſten Halt gerichtet/ wie das Gold und Si ber Krafft des Königs Befehl iſt/ und in ande Muüntze vertvandlet wird. Auf dem Silber in Staͤnglein und altem Geſchirꝛ ſo man ohne Zahlung des Macherlohns kaufft/ iſt der ige nigſte Verluſt/ denn auf dem gemuͤntzten Gen kan man des Abgangs der Müntzung nicht 1 berhoben ſeyn. Alle Kguſſe werden gemeihll die Bezahlung mit in ſelbigem Jahr gemunttem Gelt zu thun/ geſchlofn⸗ und ſo die 7555 lung in alten Sorten geſchicht/ muß man 10 f entſchlieſſen nach der geit da die elben geprch, wie droben vermeldt/ darauf zu verliehren. den allen von Stadten entfernten Orten/ da gemeinen Volck das Belt nicht wolbekant ant So bald die Waaren zu Surate gußgela⸗ Aa 0 . 10 W die keine Wechsler ſind/ wird kein einig Stuck Gelt empfangen/ es ſeye dann in das Feur gewoorffen/ und fürnemiich iſt dieſer Gebrauch bey Uberfayrt des Waſſers. Und wie jhre Schiffe von Waͤnden gemacht/ allein mit einer Ochſenhaut bedeckt/ und demnach ſehr leicht ſind/ halten ſie dieſelben in den Walden/ und tragens nicht zum Waſſer/ um hinüber zu fahren/ es ſeye dann/ daß ſie jhr bezahlung dar vor empfangen. 0 8 Was das Gold anbelangen thut/ gebrauhen ſich die Kauffeut/ die deſſen tragen/ ſolcher Diel daſſelbe zu verbergen/ daß wenig davon den Zollern offenbar wird. Sie verſuchen/ was dur immer müglich/ um den Zollen zu entgeen um ſo viel deſto mehr/ weilen kein ſo groſſe Jude Befahr wie in Europa/ darauf ſtehet. Dann kika wann man in Indien an dem Zoll in Betrug ergriffen wird/ iſt man mit doppelter Bezah15 nemlich 10. an ſtatt y. pro cento quit; lelemalen der Konig die Frechheit der Kaufful/ dem Gluckſpiel/ da es doppelt oder nichts ilk vergleichen thut. Jedoch hat die Sach eſthero lich um erwas geendert, und hat man fat zu Tag groſſe Mühe/ die Zoller zu einem 0 chen Vergleich zu vermoͤgen. Der Konig 8 1 den Engliſchen Haubtleuten zugeſagt/ Nenn, aß dieſelben bey Außſteigung jhrer Schjfffe/ Ard nicht durchſucht werden ſolten; aber als alf eihe Zeit ein Engliſcher Haubtmañ nacher Tata, eine der groͤſten Staͤdte in Indien/ unweit oberhalb Rm Scimdy, ſo bey Außlauff des Fluſſes Iudou, führe/ und vorüber wolte/ war er von Der Zollwacht ſtill geſtellt/ und weil er ſich nicht dußreden konte/ was er auch darüber einwench thate/ ohngeachtet durchſucht. Sie funden m jhme/ deſſen er bereits zuvor auch in N 0 ſchiedlichen Reiſen ſeines Schiffs/ in die 105 adt gebracht/ derſelbe wurde gegen Bezahig allem des gewohnlichen Zolls/ entlaſſen. Der Engellaͤnder über dieſen Schimpf erzuͤr. ä 8 S 5 S * gt/ entſchloſſe ſich zu rachen/ und gebrauchte a fee dem Ende eines artigen Stückleins. Er Fel ein Spanfercklein braten/ und ſamt dem nent an eine Chiniſche Schuſſel legen/ mit eiSd choͤnen Leinwat zudecken und gabs einem ſch 0 neben jhme in die Stadt zu tragen/ de 1 einbildend/ was beſchehen wurde: wie . 0 den olbaußalde der Stadt Guber0 einem Divan beyſamen ſaſſen/ vorbey und ale mangleten ſie nicht jhne ſtill zu ſtellenſel jf s der Sela mit ſeiner gedeckten Schuſder fort paſſierte/ ſagten ſie zudem Haubtmann/ er mz f 88 ö hn 5 8 muͤſte ſolche in das Zollhauß tragen chu bedammit man ſehe was darinn ware. Je f ge/ ſoderſelbe ruffte/ daß der Sclav nichts trugaben Zoll ſchuldig/ je weniger er benahm„war 3 nach einem langen Gezanck ven dee ſelbſten auß den Handen des SclaIöne m berngkor/ und Cha-Bander, fragten dem Dol Lilmlichen harten Worten/ warumer länder 91 Al nicht parieren wolte/ der EngelAtwortet hingegen/ das was er truge/ Ware fein Jane a ie Schüſ—1 Dei di nd warffe die Schüſder Cha-Bander, und der MüntzmeiDer Gedchuſl und trugs in das Zollhauß. ſel hiemit in jhrer Gegenwart/ alſo hart darnider/ daß das Ferckel und das Hett/ die gantze Statt beſchmiſſe/ und an ihre Kleidung ſprutzte. Wie nun die Schweine bey den Mahometiſten ein Greuel/ und vermoͤg ihres Geſatzes/ alles was damit berührt wird/ unrein/ haben ſie andere Kleider nehmen/ die Teppich auß dem Divan wegthun/ und ein anderen Bau machen laſſen můͤſſen/ ohne daß man dem Engellaͤnder ein Wort ſagen doͤrffte/ dann der Cha-bander und der Muͤntzmeiſter einen gewiſſen Befehl wegen der Compagnie haben/ als von deren das Land einen groſſen Nutzen hat. Was die Haubter der Compagnie/ ſo wol Engliſche als Hollandiſche/ und deroſelben Zugebene anbelangen thut/ halt man ſie in ſolchen Ehren/ daß keiner deren niemalen/ 5 wann ſie ariß den Schiffen kommen/ beſucht werden; aber dieſelben haben auch nicht im Gebrauch/ das Gold verborgener Weiſe/ wie die gemeinen Kauffeute thun/ durchzutragen/ dann ſolches wurde jhren Ehren zuwider gehalten werden. Der Gewerb zu Tara, welcher hiebevor groß war/ begint ſehr abzunehmen/ weilen die Einfahrt in den Fluß/ taglich gefahrlicher wird/ und das Sand/ welches ſich 1 ſammlet/ den Paß faſt beſchlieſſen Als die Engellander geſehen/ daß die Gewohnheit auf kame/ ſie zu beſuchen/ er dachten ſie einen Liſt das Gold in geheim durchzubringen/ und wie dieſelben nach dem Gebrauch in Europa/ der Perriquen ſich bedienten/ ver bargen ſie in deren Kappen die Jacobus, Roſenobel/ und Ducaten/ ſo oft ſie auß jhren Schiffen aufs Land ſtiegen. Ein Kauffmann wolte etliche Kiſtlein Corallen/ den Zollern unwiſſend/ nach Surate bringen. Wie das Schiff bereit wa⸗ 55 re inden Fluß zu gehen/ ließ er die Kiſtlein an 8 das Hindertheil des Schiffes binben/ und weilen es drey oder vier Schuh under Waſſer/ konten die jenigen/ welche kommen waren/ die Waaren im Schiffe zu beſichtigen/ ſolche nicht ſehen. Es verliefen viel Tage/ ehe die Waaren außgeladen wurden/ und daß dieſe Kaͤſtlein in Sicherheit in die Stadt gebracht werden koͤnten/ ohne daß die Zoller etwas dar von erfahren. Die Sache gerieht endlich gar fein/ aber der Kauffmann war ſolches gereuend/ indem er uͤbel dabey beſtunde/ dieweilen der Fluß zu Surate beſtaͤndig trüb/ und dick/ und die Waar eine lange Zeit under Waſſer geweſen/ hat ſich ein zaher Schleim/ gleich einer weiſſen Kruſte/ ſo mit harter Muͤhe darvon zu bringen/ an die Corallen gehengt; und wie je wiederum polliert worden/ verlore der Kauffmann mehr als zwolff pro cento darauf. Nun folget von der Muntze/ welche in In⸗ nmabare dien in dem Stgat des Groſſen Mogols gang⸗ Mine in bar/ und aller Sorten/ Gold und Silber/ ſo des croſſen man dahin/ eher aber in Stengel/ als ge⸗ Mogols. muntzt/ um mehrern Gewinn zu haben/ brinen ſolle.. i ö 9. Erſtlich iſt zu wiſſen/ daß nutzlich ſeye/ verarbeitet Gold oder Silber zu kauffen/ aufs hoehſte lautern/ und in Stanglein gieſſen zu laſſen. A. 2 Dann Dann wann ſolches gelaͤutert/ erſpart man die Fracht von dem zuvor darein gemiſchten Metal; und ſo kein gemüntzt Gelt dahin geſchickt wird/ iſt man des Zolls/ ſo der Koͤnig und der Muüntzmeiſter fur die Muntzung dar von nehmen/ befreyet. Wil man gemüntzt Gold da hin ſchicken/ oder tragen/ ſo ſind die beſten Sorten Roſenobel/ alte Jacobus, Albertus und andere dergleichen alte Stück/ als von Portugal und andern Landen/ und allerley Gold⸗Sorten/ ſo im vergangenen Seculo gemuntzt worden. Auf dieſen alten Stucken iſt jederzeit ein Vortheil für den Kauffmann. Under die Zahl der guten nach Indien dienlichen Gold⸗Muntze/ ſeynd auch die Ducaten auß Teutſchland/ ſo wol der Fuͤrſten als der Reichs⸗Staͤdten/ wie nicht weniger die Pohlniſchen/ Hungariſchen/ Schwediſchen und Denemarckiſchen/ welche alle in einem Halt angenomen werden/ zu begreiffen. Die Venetianiſchen Ducaten oder ſo genanten Zeckin/ waren vor dieſem für die beſten gehalten/ und galten das Stuck 4. oder 5.. Frantzöſiſcher Wahrung/ mehr als alle andere; aber ſeith zwolff Jahren ungefaͤhr/ ſcheinet/ daß ſolehe geſchwachet worden/ dahero dieſelbe nun nicht hoͤher als andere/ angenommen werden. Es finden ſich annoch uͤber das/ die Ducaten/ welche der Türckiſche Kayſer Mogols Gewicht der Gold ⸗ und SilberSorten. in dem Caixe ſchlagen laſſen/ und die von Sals und Maroc, aber dieſe drey Sorten ſeynd die geringſten/ und gelten gemeiniglich 4. ß. weniger als die andern.„ In dem gantzen Reich des Groſſen Mogols wird Gold und Silber bey einem Gewicht Tolla genant/ welches unſers Gewichts 9. Denar und 8. Gran/ gewogen. Wann des Golds und Silbers viel zu verkauffen/ bedienen ſich die Indianer eines mit des Konigs Gemerck bezeichneten/ meſſingen Gewichts/ und mit demſelben wagen ſie alles zumal/ dafern es nicht uber 100. Tollas. Dann aller Wechslern Gewieht von 1. bis 100. Tollas, geſtellt/ welche unſers Gewichts 38. Untz 21. Denar und 8. Gran machen. Von dem ungemuͤntzten Gold und Silber/ wann viel beyſamen/ machen ſie die Prob/ und wann ſolches beſchehen/ bezahlen ſie darum ſo viel ſie jmmer koͤnnen/ einer dem andern zu Trutz. Wie ſich Kaufleut befinden/ welche zu weilen 40. in o. tauſend/ oder mehr Ducaten haben/ waͤgen die Indianer ſolche bey einem/ auch mit des Konigs Gemerck bezeichneten Gewicht/ juſt ſo viel als ein hundert Ducaten haltend; und waf es ſich zutraͤgt/ daß die oo. Ducaten leichter als diß Gewicht/ werden fuͤr den Mangel kleine Steinlein/ bis daß es vollig/ n und wann alles gewogen/ wird dem Wechsler der Belauff des Gewichts dieſer Steinlein/ gutgemacht. Aber vor Abwagung der Gold⸗Muntze/ es ſeyen Ducaten oder andere/ werden dieſelben in ein Kohlfeuer geworffen/ darin dieſe Sorten von ſich ſelb2 ſten glueld werden/ alsdann wird das Feuer gezogen. Und dieſes beſchicht zu erkennen/ ob nichts falſches darunder/ auch das Wachs/ benoͤhtiget ſind. Reis beſchreibung in Indien/ oder Gummi/ ſo bisweilen mit Fleiß/ damit ſie deſto gewichtiger ſeyen/ daran geſchmieret/ zu ſchmeltzen machen. Weil aber etliche Stuck zuweilen alſo artig gefüͤtert/ daß kein Betrug daran zu erkennen/ wann es ſchon durchs Feur gangen; ſolches nun zu erfahren/ krummen die Wechsler ein Stuck nach dem andern/ und dabey ſehen dieſelben/ ob ſie juſt oder nicht/ alles was nicht gut/ ſchneiden ſie entzwey. Nachdem ſie alles beſehen/ laſſen ſie die zweiffelhafften lautern/ und bezahlen/ was gutes herauß komt/ andern gleich. Von allem dieſem Gold/ werden die ſo genannten Roupies gemuntzet; außgenommen die jenigen Ducaten/ welche auf der einen Seiten ein Bildnus haben/ die man ſelten ſchmeltzt/ weilen ſie den Tartariſchen/ und andern Nordiſchen Kaufleuten/ als des Königreichs Boutan, Aſen, und anderen weiter entlegenen/ verkaufft werden. Dieſer Gattung Ducaten/ iſt der Weibern ſelbiger Landen/ vornehmſter Schmuck; 5 hangen die Ducaten an jhre Hauben/ daß ſolche auf die Stirne ſchlagen. Die andern Ducaken/ darauf kein Bildnus/ werden von den Nordiſchen Kauffleuten nicht begehrt. 5 Was alle andere Gold⸗Sorten anbelangen thut/ werden deren ein groſſe Quantitat/ den Goldſchmieden/ Goldziehern/ und ins gemein all den jenigen/ die Gold zu jhrer Arbeit gebrauchen/ verkaufft: dann ſo man deren loß werden kunte/ ohne Roupies dar ß zu Muntzen/ wurde man keine praͤgen; welches auch ſelten geſchicht/ auſſert der Zeit/ da die Konige zur Krone gelangen/ und alsdann dieſes Gold neben den ſilbernen Roupies, under das Volck preiß geworffen werden; auch den Gubernatorn der Provinzen/ und andern Groſſen des Reichs/ deren dieſelbe eine groſſe Anzahl/ dem Konig bey Antritt ſeiner Regierung desgleichen auch bey der Solennitat/ da der Konig/ wie ich anderswo darvon Meldung thun wil/ jahrlich abgewogen wird/ weilen ſie nicht allezeit Kleinodien/ oder etwas anders/ ſo darzu würdig/ finden/ zu verehren gebrau⸗ ch chen/ zu verkaufen/ beſchicht. Es iſt ihnen az lieb/ wann ſie bey dieſer Begebenheit der gul⸗ bel denen Koupies bekommen konnen; deren ſie ah ſonſten auch den Hofleuten/ durch welcher ulff zu hoherer und beſſerer GubernatorStelle zu gelangen/ ſie verhoffen/ zu verehren In einer meiner Reiſen hab ich ein Ghei, pel der Krafft dieſer guldenen Roupies in bhacht genommen. Cha-Gehan, des jetzt regie renden Aureng-Zeb Vatter/ gabe einem ler ner Hoff⸗Herren/ die Gubernator⸗Stelle del Provintz Tata, deren der Simdi die HaullStadt iſt. Obwolen in dem erſten Jahr ſe nes Regiments/ groſſe Klagen über die dh ranney und Preſſuren/ ſo er 1 das Pal übte/ einkamen/ litte jedoch der Konig/ daß 5 5 bey vier Jahr lang in der Provinz kegiert nachdeme dieſe Zeit verfſoſſen ward er nas, Hofe beruffen. Alles Volck dieſer Pon war daruber erfreuet/ vermeinend der alte halte denſelben allein wiederum gefordert/ um jhne hinrichten zu laſſen. Aber es gienge viel anders: dann der Konig empfienge denſelhen ſehr freundlich/ und ſetzte jhne alſobaiden fur einen Gudernatoren in Halabas, welches wol höher/ als jenes von Tata, ſo er quittiert/ zu achten ware. Die Urſach dieſes freundlichen gufnehmens von dem Konig ware/ daß er demſelben vor ſeiner Ankunfft zu Agra, in geheim ein Preſent von 50. tauſend guldenen RouPies, welche unſerer Frautzoſiſchen Wahrung dopo. Francken/ und ohngefaͤhr 20000. dupies machen/ ſo wol für die Begum· Saheb, welche damalen den gantzen Staat regierte/ als ur andere Damen und etliche Hofherren/ die ihn durch jhren Credit underſtutzen koͤnten/ Überſchiekt. Allen dieſen Hofleuten ſeynd dieeGold⸗Sorten in Quantitat angenehm/ beydes weilen ſolche geſchmeidig zuſamen gehen/ um ſie zu verbergen/ desgleichen auch/ daß ſie ihren Weibern und Kindern/ dem Konig unwiſſend/ nach jhrem Tod ein groſſes Gelt zu hinderlaſſen/ ſich ruͤhmen koͤnnen; ſintemalen/ wie runden vermeldet werden ſolle/ wann ein vornehmer Herꝛ mit Tod abgehet/ der Konig alles eines Gus/ außgenommen die Kleinod/ deren daten, das Weib meiſter bleibt ein Erb it. den aber ufeate. Anregung zu thun/ iſt zu wiſſen/ daß ſelbige under Kaufleuten nicht gangbar/ dann wie eine Rouꝑie von Gold/ nur 14. ſilbere/ welches ſo viel als 21. Hrancken/ zu 20. ß. Frantzoſiſcher Wahrung/ das Stuck gerechnet/ gelten/ und dieſer guldenen Roupies, auſſert bey den Groen/ wenig gefunden werden; wann dann bechicht/ daß dieſelben eine Zahlung thun/ wollen ſte ſolche jederzeit für eine ſilberne Koupie, oder wenigſt um 4 hoher als ſelbige gultig/ ſegen/ dabey aber der Kauffmann ſein gechnung nicht finden kan. Cha Eſt-Kan bes onigs Vetter/ deme ich für 96. tauſend Roudies Wagren verkaufft hatte/ befragte mich/ die Zahlung beſchehen ſolte/ welcherley We oder Gold/ oder Silber/ mir dienlich 5 be. Und ehe ich demſelben mit Antwort begnet/ ſagte er dabey/ wann ich jhme folgen olte/ ſolte ich die guldene Rouples erwehlen; e Naht er mir gabe nur darum/ weil benw ewuſt daßer einen Vortheil dabey haner Gurde. Meine Antwort war daß ich ſeiBefel eynung folgen wolte/ ſo balden gabe er ehl/ daß mir der Belauff obbemeldter flbernen⸗ in guldenen Roupies jeder zu 14 leut de Roupies, obwolen ſolche zwiſchen Kaufffen/ wie mir wol bewuſt/ allein um 14. gangecnndeahlkwerden ſolte; wie beſchehen. Ich Furs evahtſam, die Bezahlung alſo wie ber K ſt mir ſelbe thun laſſen/ anzunehmen/ in annung der Jiedervergeltung des Verts/ oder doch ein Theil daran/ in anderem lederum zu genieſſen. Ich lieſſe zween Tag ſt ac en een 95 demnſelben nach deren Verffieſſung/ ſagte 98 aurderum zu geben/ aber vergeblich/ und wien du der Bezahlung/ die r mir in e. II. Theil. Erſtes Buch. Nochmalen von den guldenen Roupies en/ daß ich zwar getrachtet hate/ gupies im Preis/ wie ich ſelbe empfan⸗ g tauſend Roupies thun laſſen/ 3428 f Roupies, Verluſt ware/ weilen die Roupies, ſoer mir zugemuhtet für 145 ſilbere Roupies das Stuck anzunehmen/ nur 14. gelten thaten. Darauf er ſich erzürnete/ ſagend/ daß er den Wechsler/ oder Hollaͤndiſchen Vorhaͤndler/ dergeſtalten geißlen laſſen wolte/ daß er daran gedencken wurde/(dann in Indien wird nichts von Bruglen geredt) weilen er vermeint/ derſelbe ware hieran eine Urſach/ in dem er die guldenen Roupies jm Preis/ wie mir ſolche gezahlt worden/ nicht annemmen wollen; daß er dieſe Leute das Gelt zu erkennen lernen wolte/ daß alles der alten Roupien die z; der ſilbern Roupies, das Stuck/ mehr werth/ als die/ſo damalen gemuntzt wurden. Wie mir nun die Nakur der Aſtatiſchen Fuͤrſten wol bekant/ und daß man kalt ſinnig mit denſelben umgehen muß/ ließ ich jhn alles was er nur gewolt/ ohne widerſprechen/ außreden/ und da ich ſahe/ daß er wiederum zu frieden ſich begabe/ und ein freundliches Angeſicht bekame/ bate ich denſelben/ daß er belieben mochte/ jhme den folgenden Tag/ die empfangene Summa wiederum hin tragen zu laſſen; oder daß er nur/ was zu voͤlliger Bezahlung manglete/ erſetzen laſſen thate/ daß ich die guldene Roupies für 1445s ſilbere das Stuck/ weil er mich vergwiſſert/ daß ſolche ſo viel gelten/ annehmen wolte. Dieſer Fuͤrſt ſtutzte hierüber/ und ſahe mich eine gute Weile ſtillſchweigend ſcheel an/ und befragte/ ob ich die Perlen/ die er nicht kauffen wolte/ bey mir haͤtte. Ich antwortete mit ja/ zog alſobalden dieſelbe auß meinem Buſen/ und Uberlieſerte jhme dieſelbe. Es ware eine groſſe Perlen/ von ſchoͤnem Waſſer/ aber übel gedrahet/ welches jhme den Luſt darzu benommen hatte. Wie derſelbe dieſe Perlen in Handen/ ſagte er zu mir/ von dem vergangenen ſtill geſchwiegen/ wie viel wilt du mit einem Wort für dieſe Perlen haben? Ich forderte 7. tauſend Rupies, obwol/ ehe ſolche wiederum in Franckreich zu tragen/ mich mit drey tauſend begnügt hatte. Darauf replicierte der Fuͤrſt/ wann ich dir ſieben tauſend Rupies für dieſe Perlen geben thäte/ ware dir der Verluſt ſo du vorgibſt/ der auf den guldenen Roupies ſeye/ wol erſetzt. Komm morgen/ da wil ich dir fünff tauſend Roupies zahlen laſſen; dann meine Meinung iſt/ daß du befriediget verreiſeſt/ und über das/ ſolt du die Königliche Kleidung/ neben einem Pferd haben. Darauf machte ich eine tieſſe Reverentz/ und bate/ weil ihme beliebt mir ein Pferd geben zu laſſen/ daß es ein junges/ und zu meiner vorhabenden weiten Reiſe dienliches ſeyn mochte. Den folgenden Tag empfieng ich/ wie er geſagt/ den Rock/ Mantel/ wey Band um den Leib/ ſamt einer Kappe/ welches/ wie anderswo vermeldet/ die Außaffierung/ ſo die Furſten den jenigen/ welchen ſie eine Ehre beweiſen wollen/ zu geben gewohnet. Der Mantel und Rock/ raren von üͤldenem Stuck/ die zwey Band von Gold und Silber geſtrichelt/ die Kappe von Baumwollen/ feurfarb/ 5 guldenen Strichen/ 3 und taliäniſche Dublonen dien nicht nutzlich. 5 6 Raeisbeſchreibung in Indien/ 5 muß/ und erſtlich ſoll/ von dieſem Meldung und das Pferd ohne Sattel mit einer gruͤnſameten Decke/ darum eine kleine ſilbere Frantze/ bedeckt. Der Zaunm ſehr eng/ an theil Orken mit Silber eingelegt. Ich glaube/ das Pferd ſeye niemalen beſtiegen worden/ dann wie daſſelbe in der Hollander Wohnung/ da ich mein Loſament hatte/ gebracht worden/ und ein junger Menſch darauf geſeſſen/ ſprange das Pferd auf eine ſo ſeltzame Manier/ und ſchuͤttelte jhne ſolcher geſtalten/ daß nachdeme daſſelbe in dem ſpringen das Dach von einer Huͤtten/ die im Hof war/ abgeſchlagen/ er bey nahe um das Leben kommen; wie ich nun betrachten konte/ daß dieſes unbendige Pferd nicht fur mich ware/ ließ ich daſſelbe wiederum dem ChaEtſt- Kan hinfüͤhren/ jhme erzehlend/ was damit ſich zugetragen/ und ſagte; es ſchiene/ ob begaͤrte er nicht/ daß ich wieder in mein Land reiſete/ wie er mich doch um jhme etwas ſonderbares zu bringen erſucht hatte. Aldieweil ich alſo die Sach vorbracht/ thate er nur lachen/ und befahle/ daß man jhme das Pferd/ deſſen ſein Vatter ſich bedienet/ herfuͤhren ſolte: das war ein groß Perſianiſch 1 vor dieſem da es jung/ fünff tauſend Kronen gekoſtet/ aber damalen/ ware ſolches bereits acht und zwantzig Jahr alt; es wurde geſattelt und gezaͤumet dargebracht/ und der Fuͤrſt wolte/ daß ichs in ſeiner Gegenwart beſteigen ſolte. Er gienge noch einen alſo ſtarcken Schritt/ als ich jemalen ein Pferd gehen ſehen; und wie ich darauf ſaß/ ruffte der Fuͤrſt mir zu/ und ſagte: nun wolan/ biſt du jetzt zu frieden? dieſer wird dich nicht abwerffen. Ich bedanckte mich/ und nahme zugleich von jhme meinen Abſchied/ den folgenden Tag noch vor meiner Abreiſe/ ſchickte er mir einen groſſen Korb mit Aepfel/ das ware einer von den 6. die jhme Cha-Gehan überſandt/ die auß dem Königreich Kachemir kamen; in dem Korb befande ſich auch ein groſſe Perſianiſche Melon. Alles dieſes mag zuſamen 100. Roupies werth geweſen ſeyn; ich verehrte ſolches des Hollaͤndiſchen Befehlhabers Frau. Das 155 fuhrte ich nach Golconda, und verkauffte es alda für 500. Roupies, weilen es noch gute Dienſte thun koͤnte. e Wiederum auf die Materi der Muntzen zu kommen/ wil ich dem jenigen was vorher gemeldt/ hinzu ſetzen/ daß nicht wol gethan ware/ 8e S nacher Indien gulden Louis, noch Spaniſchſche duch J⸗ und Italieniſch Dublonen/ oder andere ſeith wenig Jahren gepraͤgte Gold⸗Sorten zu brinſiud in In⸗ gen/ weilen zu viel darauf zu verlieren; die Indianer/ denen dieſes Gelt noch nicht bekant/ laukern alles/ und bey dieſer Laͤuterung finden ſie ihren Nutzen. In dem übrigen trachtet ein jeder ſein Gold in geheim durchzubringen/ damit dem Zollhauß⸗Beamten nichts davon bekant werde/ und wann der Kauffmann daſſelbe 9 0 19 anzuſtellen weiß/ 955 er Loder 6, 5. Frantzoſiſche Wahrung/ auf jeder Ducaten gewinnen. 8— 9 Slider Nun folget der Bericht von der ſilbern Minz. Münz/ da zwiſchen dem Gelt des Landes und dem fremden/ ein Underſcheid gemacht werden beſchehen ö Die ſilbere Sorten/ welche in Indien gebracht werden/ ſeynd Teutſche Reichsthaler und Spaniſche Realen. Die erſten anzudeuten/ werden von den Pohlniſchen/ auß der Tartarey und Moſcau/ und die andern von denen auß Conſtantinopel/ Smirnen und Aleppo kommenden Kauffleuten/ und zwar der mehrere Theil von den Armemern/ die jhre Seiden in Europa verkauffen/ uͤberbracht. Alle dieſe Kaufleut trachten jhr Gelt durch Perſien in geheim zu ſchicken/ dann/ wann die Zoller dart bekamen/ müſte das Gelt den Muͤntzmeiſtern geliefert werden/ ſolches in von Lufft Abalſis ſo des Koͤnigs Münte iſt/ zu vermuntzen/ und wann dieſe Abalſis in Indien kommen/ gerendert man ſolche in Roupies, welches under 10 pro cento Verluſt fur den Kauffmann nicht beſchehen kan/ ſo wol fuͤr den Muntzſchlag als fuͤr den Koͤniglichen Perſianiſchen Zoll/ ſo man zahlen muß. Zu wiſſen/ worin dieſer Verluſt der 10 Z pro cento, und bisweilen mehr/ je nach Beſchaffenheit der Realen/ ſo man gemeinlich in Perfien bringt/ von Perſien in Indien beſtehe/ muß man ſich des jenigen/ was in meinem vorhergehenden Buch/ betreffend die Muͤntze und den Wechſel in Perſien/ vermeldet/ erinnern. Ich habe angedeut/ daß die Realen in Perſien Ur 3. Chaes ſo 34 Abaſſis machen/ gangbar/ und daß zuweilen/ wann das Gelt genehm/ ein halber Chaes mehr gegeben werde/ daß alſo der Abaſſis 4. Chaes, und der Toman 50. Abaſſis oder 200. Chaes gelte. Wann nun die Real fuͤr 3. Ohaes gangbar/ bekomt man 62 Tomans fiir 100. Realen. Fur 6: Tomans in Indien jeden für 291 Roupies gezahlt/ 1915 Roupies. Und wann man Sevilliſche Realen in Indien bringt/ darvon ich drunden Anmeldung thun wil/ bekomt man für 100. Stu von 21;. bis in 21). Roupiess und fur Mexicaniſche allein 212. Roupies für 100. Realen? demnach iſt auf dieſen 10T Realen/ und auf den Sevilliſchen 1. Stuck pro cento, Gewinn. Derowegen muß man wiſſen/ daß drey oder viererley Gattung Spaniſche Realen/ und da fur die o. nach deren Halt bezahlt wird/ von 208. bis in 214. und 215. Roupies. Die beſten under allen ſind die Sevilliſche/ und wann ſie gewichtig/ bekomt man fur 100. Stuck 23. Roupies und zuweilen bis in arp. nachdem das Gelt genehm oder uͤberflüſſig.. Die Spaniſche Realen ſollen inchewicſ 3. Gros 7; Gran mehr als zwo Roupies Hal ten/ aber das Silber der Roupies iſt viel beſſals der Realen; dann die Roupies ſind! 1 Halt von iu. Denar und 14. Gran/ hingege. die Sevilliſche Realen/ gleich wie die Frantz ſiſche Thaler nur r. Denar. Die Mexican“ ſche Realen halten allein 10. Denar a Fur die Spaniſche Realen 73. Vals wage bekomt man 4 Mamoudis, deren einer 20. ches gilt; aber ſe mien gut ſeyn(wie ang deut/ im Gewicht 73. Vals, deren 87. ein machen/ und im Val. Denargeſthene eh ö N 5 ſeer/ 1 17 Weilen die Teutſchen Reichsthaler mehr als die Reglen wagen/ gibt man für 100. biß robe keaupies babe zu beobachten/ daß für die 8 Realen oder Reichsthaler 21. in 216. . zu bekommen; ſcheinet es ſolte eine b oupie weniger als 30.5. Frantzoſiſcher Weh180 gelten. Aber wann der Kauffmann die f end Zol deß Gelts rechnet/ wird er bedie en/ daß eine koupie jhm hoher geſtehe. Alle ie Realen und Reichsthaler werden bey ein5 ndert gewogen/ und wann das Gewicht ſich icht findet/ that man ſolches/ wie hernach vermeldet werden ſoll/ gleichwie mit dem Goldwagen beſchicht/ mit kleinen Steinen vollig Wech ider Provinz ſic mit einandern verſtehen; ſteigern dieſelben die machen. Damit aber der Kauffmann ſein echnung finden moͤge/ muß er in acht nemmen/ daß alle Mexicaniſch⸗ und Sevilliſche Reglen im Gewicht 21. Denar und 8. Gran/ Ns iſt/ pra. Gran halten/ unſer Frantzoſiſcher Thaler aber ſoll 27. Denar. 3. Gran/ das ſeind/ 709. Gran wagen., Die Indianer haben für ſilberne Muntz die Roupie, halb/ quart/ acht Theil und ſechszehen Theil/ die koupie halt im Gewicht. Demar:. Gran/ uñ iſt im halt 11. Denar ig. Gran. Sie haben noch ein andere filberneMuntz Mamoudis genennt/ aber dieſelbe iſt allein zu Surate und in der Provinz Guzerate gangbar. Die Schiedmuͤntz in Indien iſt von Kupfdene fer/ und pecha genannt/ ungefahr 2. Iard unſerer Wehrung wehrt/ es ſeind von z. Pecha, z ween und auch vieren/ je nachdeme es in einer Provintz/ bekomt man für eine ſilbere Koupie mehr/ oder weniger diſer Pechas. In meiner ungſten Reiſe galt zu Surate eine Roupie 49. echas; aber zu weilen geltens 50. auch wol umg6. Zuagra un Gehanabat ware der Preiß .und 56. Pechas; die Urſach deſſen iſt/ daß Je näher man zum Kupffer⸗Bergwerck komt/ e mehr man dieſer Pechas für eine Roupie beont ein Mamoudi gilt allzeit 20. Pechas. dne In dem Reich des Groſſen da ogols ſeind ſcnun noch andere Ding/ die für kleine Münz dienen; be leanlichen kleine bittere Mandlen und Muſchm de Aber in der Provintz Ouzerate allein ben man ſich für klein Gelt /oder Schiedumsdicer birrem Mandlan,ſe auf Peisten S 0 wie ich in dem erſten Theil meiner 1 ahreihungen gemeldet habe/ ſelbige wach. dürren und trockenen Orten zwiſchen iſt 95 das Baumlein/ der ſolche herfůr bringt/ genen leich. Diese Mandlenwerden made roten, und ſeind bitterer als Colloquiar deegen kein Sorg zu tragen/ daß die Kinder bud. n. Man gibt fur einbecha jetzt y. und 8 andere Gattung/ für Gelt⸗Müntz d 1 eiſt von den Muſchlen Cori genennt: ſo ſeln b zungekehrt; deren auſſert den Inwerde aldives nirgend anderſtwo gefunden c8 ac und dieſes it dae grote Emkommen chein dals dieſer Insel: ſinremalen man ſoldean das gantze and des groſſen ogols, in die n aanreiche Vilapour und Golconda und biß heend dene für dune zu dienen bringet. Nadend dem Meer werden biß in 80. für ein PeErſtes Buch. a 7 g cha gegeben/ und je weiter von dem Meer/ je weniger man bekomt/ wegen der Fracht/ und demnach kan man zu Agra nur 50. oder y. für einpecha haben. In dem übrigen/ nach der Indianer Rechnung/ machen looOOO. Roupies ein Lekke. 10OOOO. Lekkes ein Kraur. 100000. Kraur ein Padan. 100000. Padans ein Nil. 5 In den geringſten Dorffern in Indien ſeind Wechßler/ Cheraf genennt/ mit welchen d die Wechſel gemacht/ und von denſelben die dien und. Wechſelbrieff ertheilt werden/ und wie dieſe Wechsler. Wechsler und Gubernatorn der Provintz ſich Roupies gegen die Pechas ui die Pechas gegen die Muſchlen. Alle Juden/ welche in dem Reich deß Groß⸗Turcken der Munzſorten und Wechslen ſich anmaſſen/ werden für ſehr arg und liſtig gehalten; aber in Indien wurden ſie ſchwarlich für Lehr⸗Jungen dieſer Wechslern erkant. Dieſelben haben eine ſehr verdruͤßliche Gewonheit in jhren Zahlungen; und hab ich droben bereits/ was die gulden Roupies anbelangt/ darvon Meldung gethan/ wann eine Zahlung in dieſer Muͤntz beſchicht. Sie ſagen je langer es/ daß die, ſilberne Koupies gemuͤntzt worden/ je weniger ſelbe gegen denen taglich/ und ſeidt kurtzem geprägten werth ſeye; weilen die alten oft durch die Hande gangen/ ſelbe hiemit abgeſchliffen und leichter werden. Alſo wann ein Kauf geſchloſſen wird/ muß man die Bezahlung in Roupies Cha- ienni, das iſt/ neu Gelt bedingen; im widrigen kommen ſie mit/ vor y. oder 20. ja mehr Jahren gemüntzteoupies aufgezogen/ darguf biß in 4. pro cento Verluſt. Sintemahlen ſie ſchon auf denen die erſt vor zwey Jahren geſchlagen z. pro cento fordern/ oder wenigſt S, derowegen die armendeute/ welche nicht leſen konnen/ wann dieſe Roupies, oder Pechas gemuntz/ werden; weilen man jhnen allzeit etwas/ namlichen auf einer Koupie 1. oder E. Pecha und auf einem Pecha 3. oder 4. Coris abzeucht/ betrogen ſein muͤſſen. Falſche Muntz wird wenig gefunden/ wann ſehr ungefahr in einẽ Sack eine falſcheoupie, von jemand empfangen/ ſich befünde; iſt beſſer ſelbe entzwey zuſchneiden und zu verliehren/ als davon etwas zu ſagẽz dañ ſo ſolcher bekant würde/ ware Gefahr dabey; weil deß Königs Ordnung vermag/ den Sack dem jenigen/ von deme ſolcher empfangen/ wiederum zu liefern/ und dasgehet alſo von dem ein zu dem andern/ biß man den falſchen Muntzer entdeckt/ und wann derſelbe erwiſcht; wird zur Straffe ihme allein die Hand abgehauen/ wañ es ſich zutragt/ daß man den falſchen 1 7 nicht bekomt/ un daß der jenige/ der das Gelt geben/ unſchuldig befunden wird/ iſt derſelbe gegen Bezahlung einer Straffe quit. Welches den Wechslern groſſen Gewinn bringt: dan wann jemand Gelt einnimt oder außgibt/ wird ſol hes ihnen gewieſen; und darvon haben ſie für die Gebühr ad. Roupie pro cento. Auß dem Larquet oder Königlichen Schatz . 1 komt Cha. Eſt- Kan belagert die 8 kornt nie mahlen kein falſch Gelt/ Sintemalen alles ſo darein geliefert/ zu vor durch deß Königs Wechsler gar genau beſichtigt wird/ und die groſſen Herren haben auch jhre Wechsler. Ehe man das Gelt in die Schatz⸗Kammer legt; muß ſolches durchs Feur gehen; und wanns gluend worden/ loͤſcht man das Feur mit Waſſer/ und mimbt das Gelt herauß/ dafen ein oder ander Stuck nicht recht Weiß und das geringſte anſehen hatte/ ob waren ſolche mit Metall vermiſcht: werdens zur Stund entzweh geſchnitten. So oft die Roupies in die Schaß⸗Kammer komen werdens mit einem Pfriemen ſo darein geſchlagen wird/ gezeiehnet; dar von ſie ein Loͤchlein doch nicht durchgehend bekommen/ und findt man deren/ welche 7. oder 8. Lochlein haben/ und ſo viel mal ſeinds in die Schatz⸗Kammer gebracht worden. Sie werden zu tauſend in Sacke gethan/ und ſelbe alsdaß mit des groß Schatzmeiſters Pitſcha Verſiglet/ auch darauf wieviel Jahr daß gemuͤntzet worden/ gezeichnet. Der Gewinn welchen die Schatzmeiſter deß Konigs ſo wol als der groſſen Herren haben/ beſtehet darinn: Wannein Kauf gemacht wird; beſchicht ſolches auf neue in lauffendem Jahr gemuͤntzte Roupies; aber wañs zur Bezahlung komt, wollens die Schatzmeiſter in altẽ Roupies, darquf zu weilen biß in. pro cento zu verliehren/ liefern; und wer neu Gelt haben will/ muß ſich mit jhnen vergleichen. In meiner füͤnfften Reis beſuchte ich; nach meinem gethanen Verſprechen; daß er der erſt ſein ſolte; was ich neues nacher Choupart eine Statt in der Provintz Dacan, die er belagerte/ u kommen. Wie mich bey demſelben befande; verkauffte ich jhme in wenig Zeit/ und mit wenig Worten/ den groͤſten Theil deſſen/ ſo ich auß Europa gebracht/ un bekahme das Wort/ daß wie er taͤglich von Surate Gelt für die Armee erwartete; mich nach empfang deſſelben/ fuͤr das jenige ſo er mir abgekauft/ auch bezahlen laſſen wolte. Ich konte mir jedoch nicht einbilden/ daß dieſer Fiurſt bey einem ſo maͤchtigen Kriegsheer ohne eine groſſe Summa Gelt ware; und glaubte vielmehr daß derſelbe in dem Si hatte; mich in einen Verluſt in der gold oder ſilber Sorten in der Bezahlung/ wie in meiner vorigen Reis beſchehen/ zu bringen. Es beſchahe auch wie mir traumete/ was aber mein und meiner Leute und ferdte Underhaltung anbelangte/ gab er Heſfehl daß mir morgen und abend uͤberfluſſig zubracht ward/ und oft ließ er mich abholen/ mit jhm zu 8 Es giengen 10. oder 12. Tage vorbey/ daß ich nichts von dem Gelt/ ſo er erwartete/ vernahme/ und weil ich entſchloſſen von jhme meinen Abſcheid zu nemmen/ gieng ich in ſeine Zelte; darüber war er heimlich beſtürtzt/ god ſprache/ mit einem ſauren Geſicht mich anſthauend: Warum wilt du ohnbezahlt weg reiſen/ wer wurde dir hernach dein Gelt geben? darauf eben trotzig/ als er darein ſehend gab ich ihm zu Antwort/ mein Konig gebracht zu ſehen/ den Cha- Eſt Kan. So bald Stadtchou. ich in Surate ankommen/ thate ich ſolches jhme zu wuͤſſen/ und bekame Befehl von demſelben Reisbeſchrelbung in Indien/. wurde mich bezahlen; dann derſebe ware alſo gütig; daß er allen ſeinen Uuderthauen wann ſie für einiges von ihnen in fremden Landen Verkauftes/ kein Genügen bekommen; die Bezahlung verſchaffen thate: Wie wurde es dann/ ſagte er weiter im Zorn/ dein Konig achene darauf war meine wieder⸗Antwort; mit zwey oder drey guten Kriegs⸗Sthiffen/ die er nachdem Port Surate oder an ſelbe Kuſten/ um die ſo von Mocca kommen/ zuer warten/ ſchicken konte. Auf dieſe Widerpart erzeigte er ſichempfindtlich/ jedoch ſeinem Zorn den Zaum nicht ferner ſchieſſen lafſend befahle er allobalden eie nem Schatzmeiſter mir einen Wechſelbrieft nach Aureng· abad zu geben/ darüber war ich froh/ weilen es der Ort/ dardurch ich nach Golconda zugehen/ reiſen muſte/ und uber das war ich der Fracht und gefahr meines Gelts üͤberhoben: Den folgenden Tag ward mir den ſt. Wechſelbrieff geliefert/ und ſo balden nahme ich von dem Füͤrſten/ der nicht mehr erzuͤrnet ware/ und mir ſagte/ wann ich wiederum in Indien kame/ nicht ermanglen ſolte jhne zu beſuchen; wie in meiner ſechſten und lerſten Reis beſchehenz meinen Abſcheid. Als ich in ermelter meiner letſten Reiſe zu Surare ankame/ war er zu Bengala, dahin ich mich begabe; und jhne beſuchte; er kaufte von mir alle reſtierende Waaren/ welche ich weder dem Koͤnig in Perſien/ noch dem groſſen Mogol, verkaufen konnen. Nun von meiner Bezahlung für obbemelten Wechſelbrief Andeutung zu thun/ nachdeme ich zu Aureng⸗ abad ankommen/ gieng ich zum Groß⸗Schatzmeiſter/ der/ ſo bald er mich geſehen/ ſagte/ jhme ſeye wohl bewußt/ warum ich kame; daß er bereits ſeit 3. Tagen deßwegen berichtet/ und das Gelt für meine Bezahlung auß der Schatzkammer genommen. Wie alle Saͤcke fur meine Summa dargebracht waren/ ließ ich durch meinen Wechsler einen eroͤffnen/ der ſo bald ſahe/ daß es deren Roupies, darauf 2. pro cento zuverliehren. Ich bedanckte mich gegen dem Schatzmeister/ und ſagte: daß mit dieſem Gelt mir nicht gedient/ und einen meiner Leuten/ mich zubeklagen/ auch die Bezahlung in neuer Muntz zubegehren/ oder meine Waaren wie der zu nemmen geſinnet/ an den Cba- Eſt-Kan verſchickell wolte; wie ſo bald beſchehen. Weil aber die Antwort uber die Zeit qußbliebe/ ſagte ich zum Schatzmeiſter/ daß ich ſelbſten zu demſelben zu reiſen und meine ihm verkaufte Waaren wie; derum zu nemmen willens ware. Ich halte 1 5 für/ derſelbe habe bereits Befehl bekommen was er thun ſolle; dann wie er geſehen daß, Ernſt ware zu verreiſen; ſagte er zu mir/ daß ih 5 meleyd ſein wurde/ waz ich dieſe Mühe nein, ſolte; und beſſer ware/ daß wir uns mit einn, derm vergleichen. Entlichen nach vilem treten verluhr ich an ſtatt 2. einen pro cento, und b 5 andern hätte gewißlich auch verliehren 1 1 ſen; wann ich nicht zu gutem luck einen 15 raf. angetroffen/ der zu Golconda einige We 1 ſelbrief zu bezahlen; dann weilen derſelbe 1 Gelt in Bereikſchaft hate war ihm lieb deen nige ſich zubedjenen; un erſezte mir gleiche fu 910 5 N 1. 0 1 Ne, es 2 5 1 .. 2 ee e e e ee D. eee 9 eee 5 8 5 5 2 98 . n . 2 N 2 . N Sie Wie ihrerz Streich Eiſen bey ein ander han; gen deren obere Helffte aus Kupffer die un. tere aber auß Silber beſtehet. eee eee 28 8 I e 722 See Se re eee ere ers r8 der eee eee In dem gebieth deſß großen Nogols und mandern Orthen in Indien werden dieſe Buchſtaben von den Heyden anſtatt der Ziffern gebraucht/ Ob ſie ſchon an der Sprache von einander unterſchieden. 5 9 n dq q Eq 8 45 2 JFC* 12 JJ 8 44ͤ «„ 14 4. 24 EV 34 N* 44 c 5 Y i qy f Y Ey 33 ß 35 8 q; 26 3 EZ 36 3 46 7 9„n q ⁷ 29 ESO 3 9 47 8 21 is qr 28 2 ER 38* 48 q 2 de Ex 390 w 49 d 00 TN. 20000. 8 g 1 looo. der W achß. Die ch et“ dienen ſich 1; kleiner Stuͤcklein/ halb von Kuma/. Tag hernach zu Golconda in einer Dieſe Wechsler das Gelt zu probieren befer und halb von Sllber/ welches die Probicke ind; Wie in beyſtehendem Kupfer zu ſehen iſt: ſchiedliche Halt gerichtet/ und gebrauchen ſie dieſelben allein wann des Gelts wenig/ oder Au dem gearbeiteten Silber: dann was groſſe Dumtnen anbelangen thut/ werden ſolche in die Kauterung getragen. All das Gelt wird bey dem Getvicht Tolla genennt/ ſo ein Gewicht 9. denar, 8. Gran/ oder 32. Vals halt/ und die 81. Vals machen/ wie vorgemeldt/ ein un und demnach die 100. Tollas, 38. Untz Adenar, 8. Gran. N Folget hernach der Underſcheid der dreyzehnerley. Halt des Gelts. Der erſte und geringſte Halt/ rechnen ſie den Tollazu 15. Pecha, pwelche unſerer Frantzoͤſiſchen⸗ aͤhrung machen: 9. ß. 2. d. Nea. zu 18. Pecha, machen 10. fl. 2. d. N. 3. zu 20. Pecha 12. fl. 6. d. N.. zu 23. Pecha 14.. 6. d. N. 5. zu 26. Pecha Iyeß. 10. d. N. 6. zu 29. Pecha 17. P. 6. d. N. 7. zu 33. Pecha 19. P. 2. d. N. S. zu 35. Pecha 201ßf. 10. d. N. 9. zu 38. Pecha 22.5. 6. d. N. io. zu 40. Pecha A d N. II. zu 43. Pecha 25.5. 10. d. N. Ia. zu 46. Pecha 27.6. 6. d. N. Iz. zu 49. Pecha 29. f. 2. d. be Allhier ſoll nicht vergeſſen werden/ zumelen/ wie weit die uſſerſte Karckheit/ ſo wol der Cherafs oder Wechslern/ als der Indianer ins gemein ſich erſtrecke/ und zwar mit einem gempel/ welches ſonderbar/ und daran unere Europeer noch memalen geſunnen/ wirdes genug ſeyn/ das iſt/ daß ſie das Gold/ ſo im wobieren auf dem Stein bleibt/ und deſſen 1 0 Chriſten nicht achten/ die Indianer aber 0 10 ein ſo geringes nicht zu unnutz gehen las. dedollen durch Mittel einer Kugel in groſ50 5 Ballen/ deren man ſich in den Ballen1 ben bedient/ halb von ſchwartzem Pech/ und 90 5 weiſſem Wachs zubereitet/ von dem bierſtein/ ſo in Form un groſſe deren unſere be d Arbeiter ſich bedienen/ denſelbẽ uͤbeꝛſtreili/ Lein abziehen/ und nach Verftieſſung erfinder Jahren verbrennen ſie die Kugel und ü 9 hiemit das Gold/ ſo ſich daran gehengt. nd das iſt/ was ich denckwuͤrdigs/ ſo wol ban der Zöllen/ als der Muntzen in Indien/ allem obacht nehmen konnen/ und reſtiert nur alben och von den Wechslen etwas zu 1095 alle Waaren/ welche in dem Reich des ſenigen zaogols gemacht/ auch ein Theil der Apon n den Königreichen Golconda und Vi. Ga, 5 nach Surate gebracht/ um von dar zu ropg 9 ulderſchiedliche Ort/ in Aſia und Eue führet zu werden/ nimt man von SuDieſe z. kleine Stücklin ſind alle auf underrate zum Einkauf dieſer Wahren/ an die Ort/ von dannen ſelbige kommen/ als Lahor, A gra, Amad. abat, Seronge, Brampour, Daca, Patna, Banarou, Golconda, Decan, Viſapour und Pultabar reiſend/ Geſt mit ſich/ und kan man deſſelben an dieſen Orten/ lpecies gegen ſpecies gebend/ loß werden. Wann aber der Kaufmann in dieſen Orten/ ſich zu kurtz an Gelt befindet/ und zu völliger Abzahlung der erkauften Waaren Gelt aufzunehmen/ genoͤhtiget; muß derſelbe ſolches/ zu Surate auf dem Verfall Tag/ ſo nach zween Monaten/ neben zimlich theurer Wechſels gebühr/ wiederum erſtatten. i 8 Von Lahor nach Surate iſt der Wechſel biß in En pro cento. Von Agra, von 45 in y. pro cento. Von Amad.abat, von 1. 4 Il. Von Seronge, 3. Von Brampour von 25 in 3. Von Daca à 10. Von Patna von 7. in 8. Von Banarou à 6. pro cento. Aber von dieſen drey letſten Orten werden die Wechſel⸗Brief nur biß nach Agra geſtellet/ und daſelbſten andere auf Surate gemacht/ jedoch alles nicht hoher/ als auf obbemeldten Preiß geſtehend. f i Von Solconda, von 4. in 5. pro cento. Und nach Goa gleich. a Von Decan 43. Von Vilapour, a3. a Von Dultabat von 1. in z pro centoꝰ Es tragt ſich zu/ daß ein und ander Jahr die Preiß der Wechslen/ von 1. biß 2. pro cento gufſteigen/ wann die Rajas oder geringe Vaſall⸗Fuͤrſten die Handlungen beunruhigen/ in deme ein jeder pretendirt/ daß die Waaren/ um den Zoll dar von zu haben/ durch ſein Land paſsiren ſollen/ deren ſind inſonderheit zween zwiſchen Agra und Amad- abat, deren der eine der Raja von Antivar, und der andere der Raja von Bergam, welche deßwegen den Kaufleuten groſſe Ungelegenheit machen. Man koͤnte zwar dieſer zween Fuͤrſten Lande wol meiden/ einen andern Weg von Agra nach Surate, durch Seronge und Brampour nehmend; das Erdreich aber iſt fett mit vielen Fluſſen/ deren mehrertheils ohne Brucke und ohne Schiffe eingenommen; und iſt unmoglich/ als erſt zween Monat nach Ende des Regenwetters dardurch zukommen; welches die Urſach/ daß die Kauffeute/ welche auf die beſtimte Zeit zu See zugehen/ in Surare ſich einfinden muſſen/ gemeinlich jhren Weg durch das Land dieſer zween Rajas nemmen; weilen man zu allen Zeiten/ auch wann es regnet; dardurch der Sandboden ſo bey nahe durch das ganze Land gehet/ veſt gemacht wird/ daſelbſten durchkom1 been ich m In dem ubrigen iſt ſich nicht zu verwunderen/ daß der Wechſel preiß 105 hhch/ dann die jenigen/ welche das Gelt leihen/ jhrerſeits die Gefahr hetten/ wann die Waaren geraubet wurden; das Gelt fur ſie auch verlohren wahre. In Reisbeſchreibung in Indien/ In surate wird/ wann man zu Schiff gehen will/ Gelt genug gefunden/ dann der vornehmen Herren in Indien groſter Handel iſt/ ihr Gelt auf Gluck und Unglück auf die Schiffe nach Ormus, Ballara uind Mocca auch biß nach ankam, Achen, und in die Inſul Philippinen zu verwenden. Nach Mocca und Balſara, iſt der Wechſel von 22. biß 24. pro cento, und nach Ormus/ von 16. biß 20. pro cento; und fur andere vorgenante Ort gehet der Wechſel nach proportion der Entlegenheit; wann die Waaren durch Ungewitter zu grund gehen/ oder in den Gewalt der Malavares, welches die See-Nauber des Indianiſchen Meers ſind/ gerahten/ iſt das Gelt für die jenigen/ die gewagt ſolches außzuleihen/ verlohren. 5 Es iſt nur noch übrig von der Maas und Gewicht etwas zu melden/ zugegen iſt der; Theil einer Elen von Agra, und der z der Elen von Amadabat und Surate. Was das Gewicht aubelangen thut/ iſt die Men gewohnlich 69. Pfund/ das Pfund von 16. Unz; aber die Men, damit der Endich gewogen wird/ iſt alwicht ſerre genant/ welches 1 Pfund/ von 16. Von den Fuhren/ und der Manier in Indien zu reiſen. f Manier/ wie ſich in dem Reiſen in Indien zu verhalten/ Meldung zu thun; dieſelbe it meines erachtens nicht weniger bequem/ als all das jenige/ ſo man komlich in Franckreich Umdemwes, oder Italien zu reiſen erfinden können. Wider ſung nie den Gebrauch in Perſien bedient man ſich/ in gaben und Indien zu dem Juhr⸗werek und Reiſen/ weder Net en, der Eſel Maulthier/ noch Pferden; ſondern Sarteehb alles wirdauf Ochſen oder Karben berbrgchtsolle. weil das Land eben: Wann etwan ein Kaufmann ein Pferd mit ſich auß Perſten bringt /i es nur damit zu prangen/ und ein Hand⸗ Pferd oder daſſelbe mit Nutzen/ einem vornehmen Herren zu verkaufſen Ochſn wer ⸗ Einen Ochſen werden 300. in 70. Pfund dendukrne ſchwar aufgeladen/ und iſt mit Verwundegen gebrau⸗ 25 0. 1 1 chet. rung zu ſehen/ wie oft 10. in la. tauſend Ochſen in einem Fuhrwerck/ Nis/ Korn und Saltz/ an die Ort/ da eines gegen dem andern gaußgetauſcht wird/ namlichen Ris dahin/ wo nur da keines iſt/ zu tragen/ zuſalnmen auf dem Weg ſich befinden. Man bedient ſich zwar auch der Camelen inder Fuhr/ aber gar ſelten/ dann dieſelben ſind fuͤrnemlich/ der groſſen Herren Ragage zu tragen/ beſtellet: wann die Seit erforderte/ daß man gern die Waar bal zu Surate hakte/ und eingeſchiffet zu werden/ gebraucht man ſich der Ochſen und nicht der Karren. Wie das gantze Land des groſſen lein von Pfund 33. In Surate iſt das Ge2 Or Antritt der Reiß nach Agra, iſt nothwendig von den Fuhren und der Korn; Korn da nur Reiß waͤchſt/ und Saltz/ g Mogols wol gebauet/ ſind alle Jelder mit Graben beſchloſſen/ und hat jeder ſeinen Wey er/ oder Waſſerſamlung/ die Felder zu begieſſen/ welches für die Reiſenden ſe ehr unkomlich? dann wann dieſelben ein ſo groſſes Fuhrwerck/ inengen Paſſen antreffen/ muſſen ſie bißweilen zween oder drey Tag verharren/ biß daß alles durchgangen. Die Fuhrer dieſer Ochſen/ haben ihr Lebtag kein andere Handthierung/ wohnen nicht in Haͤuſern/ und führen Weib und Kinder mit ſich. Es ſind deren/ die 100. Ochſen einer eigen hat/ andere mehr oder weniger. Sie haben ein Haubt/ der ſich gleichſam Fürſtlich halt/ und beſtaͤndig eine Ketten von Perlen/ an dem Hals hangend tragt. Wann der Haufen deren/ ſo das Korn tragen/ deme/ ſo den Reiß auf haben/ einandern begegnen/ beſchicht es oft/ ehe einer dem andern weichen will/ daß ſie in ein blutigen Streit gerahten. Wie nun der groſſe Mogol betrachtet/ daß dieſe Gezancke der Handlung ſchad⸗ und der Überbringung in ſein Land der Lebens⸗Mitteln hinderlich; brachte er ſo viel zu wegen daß die zween Obriſten dieſer Fuhrwercken zu Ihm kamen/ wie beſchahe/ und nach dem der Kong dieſelben ermahnet/ um ihres gemeinen Nutzens willen/ kunftigs freundlich mit einandern ſich zu veitragen/ und die Schlage bey Begegnung zu underlaſſen/ beſchenckte er jeden mit einer Lekes, oder hundert tauſend Roupies, und einer m Manier des Fuhrwercks 5 in Indien beſſer zu erklaren/ iſt zu wiſſen/ daß daa Ketten mit Perlen. Dem Leſer die die Abgörkerer derſelben Lande vier Zünfte/ die zu ſie Manaris nenten/ und deren jede auf hun dert tauſend Seelen ſich erſtrecken mag. Dieſe Voͤlcker wohnen/ wie vorgemeldt/ nicht in Hauſern/ ſondern under Zelten/ und haben kein andere Handthierung/ als die Waaren auß einem Land in das andere zu führen/ die erſte dieſer Zunft/ laſſet ſich allein zun Korn/ die andere zu dem Nis/ die dritte zu dem Gemus/ und die vierte allein zu dem Saltz/ welches ſie von Surate, biß gegen dem Vorgebirg Comorin laden/ gebrauchen. Dieſe Zunft/ werſt den auch noch auf folgende Manier underſchenn den: Ihre Prieſter/ von denen hernach Ane gung beſchehen ſoll“ bezeichnen die der erſten Zunft/ mit einem rohten Gummi/ in mitten der Stirn/ eines Thalers groß/ und machen nac? lange der Nase einen Strich darauf etliche Frucht⸗Koͤrnlein/ bald 9. bald 12. in Fort einer Roſe/ kleibend. Die der Zweyten/ ſind mit einem gelben Gummi an gleichen Orten. aber dabey mit Ris; die der Dritten wit rauem Gummi/ eben alſo/ und biß au die Achslen/ ſo dann mit Hirs⸗Kornlein bedeich net. Was die der vierten Zunft anbelatreinem Sack/ ſo biß weilen 8. oder 10. Pf wigt/(dann je ſchtwarer ſelbe iſt /e mehr Rune d ſie darvon haben) an dem Hals hangen da 5 dieſelben fur ein Buß taglich/ mogen he. ö Verrichtung jhres Gebatts/ ſich auf den gen ſchlagen. Alle in gemein haben en Scr N gen thut haben dieglbenei Sale ſchreihen 1 1 fu 0 ell. Erſtes Buch. 55 oder Zoyf/ in Form eines deib⸗Bandes/ 1 an ein klein ſilber Bůchslein/ in Groͤſſe einer Haſelnuß/ als ein Heiligthum herab han1 darinn eine aberglaubiſche Schrift/ ſo hre Prieſter darein verſchloſſen. Sie hangen deren auch den Ochſen an/ auch anderen Thieren under jhrer Heerde gebohren/ und die ſie ſonderbar lieben/ und eben ſo werth als 1 1 nder halten/ fürnemlich/ wann ſie deren keishare Der Weiber Kleidung iſt nur ein . echter deinwad/ weiß oder gefarbt ſo. 5 er d mal um den Leib/ in orm eines Rocks/ von dem Gürtel biß hinab gehend/ ſcheinet/ als denen ztoder 4. Rocke über einandern. Von em ürtel über ſich laſſen ſie die aut Blum1 9 gleich zer hacken oder ſchrapfen/ und mahn die Blumen hernach underſchiedlicher Farben mit Wurtzen⸗Saft/ daß ihr Haut einem geblümten Zeug gleich ſcheinet. Alldieweilen dieſe Leute morgen frühe jhre Thier beladen/ und die Weiber die Zelten zuammen legen/ richten die Prieſter/ ſo jhnen olgen/ in dem ſchoͤnſten Ort der Ebene/ da ſie Win ein von erhobener Arbeit gemachtes Sn in Geſtalt einer Schlange/ um eine Okange von 6. in 7. Schuh hoch gewickelt/ auf; da ein jeder vorbeygehend/ ſeine Ehrerbietung erzeigt/ die Toͤchtern gehen dreymal herum. Wann alles vorbey/ thun die Prieſter das Bild von dem Ort 9 7 5 den ſolches auf den darzu beſtimten Ochſen. Das Fuhr⸗Werck von Karren beſtehet gemeinlich von ein oder hoͤchſt zweyhundert; leder Karren iſt mit zehen oder zwolf Ochen beſpannen/ und von vier Soldaten/ ſo er jenige/ dem die Waaren zuſtaͤndig/ beſolen muß begleitet. Auf jeder Seiten des 8 gehen zween/ und über jeden Karden augen zwey, Seil/ deren vier Ende von an Soldacen in Handen gehalten/ damit/ 1 m der Karren in einem boſen Weg auf a Seite hangen cthaͤte/ die Soldaten wel00 der andern Seiten die Seile ſteiff hal8 und daß der Karre nicht unnfalle/ verhinamen 5 Alle Karren/ welche von Agra oder auß 9 91 Orten des Reichs nach Surate komfahre und widerum durch Agra und Janabat mer, ni mülſen Kalck der von bafochekombe v erbringen dieſer Kalck/ ſo bald derſelDieſeg vaucht/ wird alſo hart als Marmor. erden 90. des Koͤnigs groſſer Nutze/ in deme führe alck an den Ort/ da jhm beliebet/ hinJonen laſſet/ aber hingegen ſind die Karren Reiden; 0 8„ a wen eien„in folget von der Manier in Indien zu Pi daſelbſten die Ochſen an ſtatt der 9055 dienen/ deren ſind/ welche eben ſo nahe s unſere Zelter gehen. Aber wol iſt ſen faut nehmen: Wann man einen Ochiu gebſe oder miekek deſſelben zur Reiſe ſich 1 guchen/ daß die Horn über einen Mucke och nicht ſeyen/ dann wann die ſiehen, 15 uf Thier plagen/ will ſolches widert den Kopf auf/ und kan/ wann ang/ ſelbige dem jenigen/ der darde Horn zul +¹ auf ſitzet/ in den Leib ſtoſſen/ wie man das oft geſehen. Sonſten laſſen dieſe Ochſen ſich wie unſere Pferde leiten und regieren/ haben für Gebiß allein ein Strick um die Schnautze gehend. In dem ebenen Land da keine Stein/ ſind die Ochſen unbeſchlagen/ aber wol in rauhen Orten/ beydes wegen der Steine und der Hitze/ ſo die Horn verderben konnen. In Europa werden die Ochſen bey den Hoͤrnern angebunden/ aber die Indianiſchen haben einen groſſen Hocker auf dem Hals/ der dienet/ ein Halsband von Leder vier Finger breit/ zu hallen/ und ſolches wird dem Thier/ wann man daſſelbe anſpannet/ nur uber den Kopf geworffen. 1 Man findet zum Reiſen auch kleine leichte Kutſchen für zwey Perſonen/ gemeinlich aber gebraucht man ſich deren einer allein um kommlicher zu ſeyn/ auch ſein Gerath; ein kleiner Weinkeller und andere Sachen/ ſo jhren Platz unden an der Kutſche/ die mit zween Ochſen allein beſpannen/ haben/ bey ſich zu führen. Dieſe Kutſche ſo mit Umhangen und Küͤſſen/ wie in unſeren Landen verſehen/ ſind nicht hangend/ aber in meiner jungſten Reiſe/ lieſſe ich eine/ unſeren Kutſchen gleich machen/ die zween Ochſen damit dieſelbe beſpannen ware/ koſteten mich bey ſechshundert Roupies. Der Leſer wolle uber dieſen Preiß ſich nicht veꝛwunderen/ dann es der Ochſen die ſtarck ſind/ und welehe ſechzig Tag lange Reiſen/ jedes Tags zwoͤlf in fuͤnfzehen Meil beſtaͤndig im Trab thun. Wann ſie eine halbe Tagreiſe verrichtet/ gibt man jedem eine Ballen in groſſe eines unſerer Brodtvon 1.5. als welche von Waitzen⸗Maͤhl/ Butter und ſchwartzem Zucker geknettet; und Abends haben ſie ihr beſtimtes Futer von geſtoſſenen Ziſer⸗Erbſen/ ein halbe Stund im Waſſer geweichet. Der Miet⸗Lohn von einer Kutſche iſt mehr oder weniger gemeinlich des Tags eine Roupie. Von surare nach Agra ſind funf und dreyſſig oder viertzig Tag Wegs/ und für die gantze Reiſe werden von viertzig biß funf und viertzig Roupies bezalt. Von Surare nach Golconda iſt es faſt gleich/ beydes mit dem Weg und Miedt⸗Lohn/ und alſo nach proportion in gantz Indien. 3. Die jenigen/ welche die Mittel haben Ihrer Kranckheit zu pflegen/ bedienen ſich der Pallanquin oder Sanfte/ darinnen man gar bequem reiſen kan/ dieſe Pallanquin find in Form eines Ruh⸗Beths ſechs oder ſieben Schuh lang/ und drey breit/ umſchrancket. Eine Gattung Meerrohr Bambouc genennet/ die man beyzeiten/ um die Form eines Bogens zu bekommen/ legen thut/ damit die Decke des Pallanquins, welche von Attlas oder Brocardt zu halten/ wann die Sonne auf der einen Seiten beginnet einzuſcheinen/ wird die Decke von einem neben dem Pallanquin gehenden Knecht herabgezogen. Damit der Reiſende bor der Sonnen bedecket ſeye. Neben dieſem Knechte iſt ein anderer/ der einen Stab mit einem gleichſam runden Schildt von 2 1 ö 4 * den gemacht und mit ſchoͤnem Zeug artig uͤberzogen tragt/ um den jenigen/ der in dem Pallanquin ſich befindet/ vor der Sonnen Hitze/ wann dieſelbe jhme ins Geſicht ſcheinet/ eilends zu beſchirmen. Die zwey Ende der Bambouc, oder Meerrohren/ ſind guf beyden Seiten an dem Pallanquin ztwiſchen zween/ jeder. oder 6. Schuh langen Staben/ creutzweiß gehend/ angebunden. Dieſer Bambou oder Merrohren ſind/ die biß in 200. Kronen koſten/ und hab ich ſelbſten für das hundert ap. Kronen bezalt. Drey Mann auf das meiſte jederſeits vor und nachgehends tragen den Pal. lanquin, auf der Achſel/ einer zur rechten/ der andere zur lincken; und glſo gehen ſelbige geſchwinder/ als unſere Seſſel⸗Traͤger zu Paris/ auch ſanfter. Sintemalen ſie von Jugend auf darinn geuͤbet ſind. Will man geſchwind fortkommen/ und biß 13. oder 14. Meilen des Tags reiſen/ ſo werden 12. Mann/ den Pallan quin zu tragen/ damit von Zeit zu Zeit eine Abbpechslung beſchehe/ erfordert. Für alles bezalt man einem jeden monatlich mehr nicht/ als 4. Roupies; jedoch/ wann die Reiſe lang und mehr als 60. Tage zuzubringen/ biß in z. KRoupies. 8 l Es ſey zu Kutſchen/ oder in den Pallanquin, wann man mit Reputation in Indien reiſen will/ ſolle der Reiſende 20. oder 30. gewafnete Mann/ die einen mit Bogen und Pfeil/ die andern mit Muſqueten bewafnet/ bey ſich habe/ denſelben wird gleich den Pallanquin Trägern/ bezalt. Bißweilen zum Pracht wird ein Fahne mitgetragen/ welches die Engellaͤnder und Hollander/ zu Ruhm jhrer Compagnie/ jederzeit zu thun pflegen. Dieſe Leute erweiſen den Reiſenden nicht allein Ehr/ ſondern halten auch zu deroſelben Beſchüͤtzung/ die Nacht⸗ Wache/ einen den andern abloͤſend/ und beffeiſſen ſich dergeſtalten zu dienen/ daß keine Klag wider ſie beſchehen koͤnne. Dann zu wiſſen iſt/ daß in denen Staͤdten/ da man dieſelben annimt/ ſie einen Vorgeſetzten haben/ der für jhre Treu gutſpricht; welchem ein reiſe ein Roupie gibt. 1 nden groſſen Doͤrffern/ hat gemeinlich ein Mahometiſt den Gewalt/ und findt man daſelbſten Sehaffleiſch/ Huner und Tauben zu kauffen/ aber in denen Orten/ da allein Banianes ſind/ wird nur Mahl/ Ris/ Kraut und Milch gefunden Wie die groſſe Hitz in Indien die Reiſenden/ welche nicht gewohnet Nachts zu veiſen und den Tag zu ruhen/ verurſachet; wann dieſelben etwan in einen Flecken/ der bef lohn wird/ kommen/ ſollen ſie trachten bey Undergang der Sonnen/ da jhnen auch gelegen fortzukommen/ von dar zu verreiſen. Dann wann die Nacht herbey kommen! und die Thor verſchloſſen/ laſſet der Befehlhaberwelcher für die Rauberey/ ſo in dem Begri eines Gebiets gutſprechen muß/ niemand erauß welded/ es ſeye alſo des Königs Befehl/ welchem er Gehorſam leiſten muſte. Wann ich in dergleichen Ort kame/ verſahe ich mich nit Nahrung/ und reiſete bey guter Zeit Neisbeſchreibung in Indien/ jeder bey ſeiner Wegff zu ſtarck/ und weilen ſelbiger Ort an das wiederum fort/ um under einem Baum in der Kule zu verharren/ biß die Zeit weiter zu reiſen herbe) kommen. FFFC*VVVU»'.'u,u 1 In Indien wird die Weite von einem Ort zu dem anderen bey Gos und Coſtes gezehlel. Ein Gos macht ohngefehr vier unſerer gemeinen Meilen/ und ein Coſte ein Meil. Nun iſt es Zeit von Surate nach Agra und Janabar fortzureiſen/ und zu ſehen/ was merckwuͤrdiges auf dieſer Reiſe in acht zu nehmen. a Weg von Surate ach Agra dur ch Bram · pour und Seronge. a Ale Wege nach den vornemſten Staͤdten in Indien zu reiſen/ ſind mir nicht 2 weniger/ als die in Türckey und Perſien bekandt/ und für ſechs Neiſen welche ich von Paris nach Iſpahan gethan; kan ich doppelt ſo viel von Iſpahan nach Agra, und an viel andere Ort im Reich des groſſen Magols verrichtet/ ehlen. Aber dem deſer wurde verdrießlich fallen/ ihne mehr als einmal einen Weg zu fůhren/ und die underſchiedliche Neiſen die ie gethan/ auch was mir jedesmal in den ſelben begegnet/ umſtandlich zu beſchreiben; derowegen die Zeit meiner Reiſen zu melden/ underlaſſend/ wird es genug ſeyn/ demſelben einen genauen Underricht eines jeden Wegs vorzuſtelen. Von Surate nach Agra ſind allein zel Weg/ der eine durch Brampour und Seronge; der andere durch Amad⸗- abat; der erſte ſoll den Inhalte dieſes Capitels machen. Von Sourate nach Barnoly coſtes 14. Barnoly iſt ein groſſer Flecken/ da man einen Fluß durchreiten oder reiſen kan/ man komt in dieſer erſten Tagreis durch ein Land/ welches jetzt Wald/ bald Korn⸗ und Reis cker/ und alſo vermiſcht iſt. ö 4 Von Barnoly nach Balor, coſtes 10. Balor iſt auch ein groſſer Flecken an einem Weyer/ der bey einer Meile im Umkreis/ und an deſſen Ufer eine gute Veſtung/ die aber da underhalten nicht geachtet wird. Drey Viel tel Meilen diſſeit des Fleckens reiſet man durch einen kleinen Bach/ jedoch mit Mühe weilen darinnen under Waſſer viel Sten und Felſen/ davon die Kutſchen umfallen kan dieſe Tagreiſe iſt faſt allzeit durch Geholz 3 Von Balor nach Kerkoa, oder wie ſolche a heut zu Tag genennet wird der Carvanſes ab 7704 Begum, costes Diß Cervanſera iſt groß und bezuem fl gum- Saheb des Cha- gehan Tochter/ hat ſel d be auß Guthertzigkeit bauen laſſen/ dann zute ware die Tagreis von Balor nach Nava ond/ der Rajas, welche oft den groſſen haogol⸗ paß, ſen Lehenleute ſie doch ſind/ nicht geen haft len/ gräntet; gienge ſelten ein Geſpanſ emdorten durch/ ohne ein übel Tractament zu pfahen/ worzu ſonderlich hulffe⸗ walt d * „, faudvoler Sehölke. Ztviſchen der Caruanera fahret man durch einen Fluß/ und noch urch einen andern/ nahe bey Navapoura. N Von Kerkoa nach Navapoura coſtes 15. 00 avapoura iſt ein groſſer Flecken mit Webern Git hdoch iſt mit Reiß daſelbſten der groͤſte daltderb. Daſeloſten durchffieſſet ein Waſſer/ benden das Erdreich ſehr gut/ und das de Reiß egeuſt/ welcher Waſſer erfordert/ al der Reiß/ ſo in dieſer Gegend wachſt/ hat eine ſonderbade Eygenſchaft/ derotwegen er auch vorauß geachtet wird/ er iſt von Korn kleiner als der ge105 und wann derſelbe gekocht/ ſt er ſo weiß als der Schnee/ und hat über das ein BiſemGeſchmack/ alle groſſen Herren in Indien eſſen 15 9 andern. Ein angenene Verehrung jemand Hagerſſen zu en iſt ein Sack von dieſem 8 ſeiß/ ſehrgut. Von dem durch Kerkoa flieſſenem Bach und andern Fluſſen/ darvon droben Meldung beſchehen/ hat der Fluß von Surate ein Urſprung. 5 5 Von Navapoura nach Naſabar coſtes 9 5 Von Naſabar nach Dol- medan 14 Von Dol. medan biß Senquera coſtes 7 Von Senquera biß Tallener coſtes 10 Zu Tallener fahrt man uͤber den Fluß/ der nach Paroche gehet/ allda derſelbe ſehr breit/ ſieſe 5 dar in den Meerbuſen vor CTambaya ieſſet. Von Tallener biß Choupre coſtes 15 Von Choupre biß 807 coſtes 13 Von Senqelis biß Nabir coſtes 10 15 Von Nabir biß Balddel Poura coſtes 9 15 An dieſem letſtgemelten Ort muß man von en mit Waaren geladenen Karren/ den Zoll don Brampour bezahlen/ aber die/ welche Leut a hren ſeind frey; von Navapoura hiß BramErd 5 gut Land von Frucht/ Reiß und ch. 9 92 Padalpoura nach Brampour coſtes eceün e Vrampour, iſt ein groſſe aber ehr verderbWan Oed und deren Hauſer 1 8 5 mit 5 80 gedeckt. In mitten der Stadt ſtehet N 19 ein Schloß/ darinn der Gubernator ſei8 ahnung hät. Die Regierung dieſer b es Kant wird alſo hoch geachtet/ daß allein gen Fam 88 Sohn oder Oheim darzu gelanware m„ Aureng zb dißmablen regierend/ n in Zeit der Regierung ſeines Valkers i100 Felt Gubernatbr zu Hrampour; Aber keene de Einkanff der brooine keel teh, vor diesem den Namen einen Kom, tale hatte wie ich anderswo vermelden will Degte worden/ iſt die Gubernators Stelle Mucſeben nunmehr die vornemſte des Groſſen geoftels Reich: In dieſer Stadt wind ai unt Handel getdieben, und ſowol zu bemeleine gran bout als inder gantzen Provintz wird ſien l Zahl ſehr dünne Leinwad⸗ſo in Perden a Surckey Moſequ/ Pohlen⸗ Arabien/ in deren oſſen Karren derkührewerden gemacht, d Auen von underſchiedlichen Farben und fich deren Jefürbek dund die Weibel bedienen d Leindad Air Schleyer und Leibbinde; und dieſe Nan c auch für Det Hane und kaßtücher twie die jenigen in Europa den II. Theil. Erſtes Buch. Schnupftaback zu brauch pfiegen deren habe. Es ſeind andere deinwad/ die weiß gelaſſen werden/ und ein oder zween von Gold oder Silber/ nach der Lange des Stucks/ und an beyden Enden von der Breite eines Zols/ biß auf 12. Oder iy. an den einen mehr an andern hin. gegen weniger haben/ es iſt ſolches Gold und Silber mit Seiden in Blumen werck geweben/ und auf beyden Seiten gleich. Wann die Leinwad/ welche in Pohlen; da groſſe Abgang verführt werden/ an beyden Enden nicht wenigſt 3. oder 4. Zoll breit Gold oder Silber harten/ oder dafern das Gold oder Silber undertwegs in der See⸗Fahrt Furate, Ormus, Trebizond und Mangalie und anderer Orten/ ſchwartz den/ derowegen dieſelbe wolin acht zu nehmen daß fleiſſig eingepackt ſeyen/ damit die Feuchtigkeit nicht durchtringen konne/ welches dann in einer ſo langen Reiſe viel Fleiß und Mühe erfordert/ theils dieſer Leinwad ſeynd Bandweis zuſatnen gelegt/ halb Baum rollen/ und halb Gold und Silber/ und dieſe Stuck werden Ornis genennt. ben von 1x. biß 20. Elen/ und die koſten biß 100. in 50. Roupies, die geringſten ſeind nicht under 10. oder 12. die jenigen welche ungefahr allein 2. Elen breit/ dienen fur vornehme Damen/ zu Lib⸗Banden und Schleyern auf den Kopf, und deren werden in Perſien und Türckey viel vertrieben. Zu Bampourtwerdenhöch andere Gatung Leinwat gemacht und ſeind wenig Provintzen in gantz Indien/ die ein groſſen Uberfſuß an Baumwollen haben. Von Brampour auß reiſend/ muß man noch uber einen andern Fluß/ als den jenigen/ von deme ich droben Meldung gethan/ und weil kein Brug darüber/ wann das Waſſer klein, kan man dadurch fahren/ und zu Schiff in Zeit des Negenwetters. Von surate nach Brampour ſeind 32. coſtes, und dieſe ſind die kleineſten in Indien/ ſintemalen man in weniger als einer StundZeit eine Meile weit kommen kan. Mir komt alhier zu Sinn eine wunderliche Aufruhr/ die ſich zu Brampour. Anno 1641. da ich von Agra nach Surate zuruck kame/ zugetragen; deren Urſach/ wie hernach folgt/ furtz verkneldet werden ſolle: Der Piovintz Gubernator von Muͤtkerlicher Seite des Konigs Enckel/ hatte under ſeinen Pagen einen Jungling/ ſchön von Augeſicht/ und war von zimlich anſehenlichem Geſchlecht/ deſſen Bruder/ der Pervich ſich hielte; der Gubernator eines Tages in ſeiner Kammer mit dieſem Page allein d ſich befindend/ verſüchte er/ ſelbigen mit Verehrung und Liebkoſen/ ſein guſſerſtes/ umb mit ſhmne ſeinen Willen zu vollbringen; aber der Jüngling/ welcher über dieſes verfluchte Vorhaben ein groſſes Abſcheuen hatte/ entwiche/ und offenbarete ſolches unverzogeillich ſeinem Bruder. Der Dervich phübedacht/ was hies rinn zu rahten/ gab ſeinem Bruder ein Meſſer/ welches er leicht under dem Rock verbergen 8 konartz wurde/ konte der Käuffmam ohhe groſſen Verluſt der Waar nicht loß were Es befinden ſich derſelAufruhr zu Brampour, Anno 1641 14 konte/ und ſagte: wann der Gubernator ferner an ihne ſetzen wurde/ er jhme zu Willen zu werden zwar dergleichen thun/ aber wann er zur That kommen wolte/ demſelben das Meſſer in den Leib ſtoſſen ſolte. Der Gubernator/ deme unbewußt daß der Page ſeinem Bruder Dervich die Sache entdecket/ gabe demſelben taglich friſche Verehrungen/ um jhne in ſein ſchaͤndliche Begierde einzuwilligen zu vermoͤgen; und wie der Gubernator einsmals in einem kleinen Gemach am Ende ſeines Gartens ware/ befahle er allen ſeinen Leuten abſeit zu gehen/ ußgenommen den jungen Page, welchen er bey ſich behielte/ um jhme Luft zu machen/ und nach Gebrauch des Lands den Mucken zu wehren/ dann es ware auf den Mittag/ da ins gemein maͤnniglich zur Ruhe ſich begibt. Damalen erzeigte ſich der Gubernator freundlich gegen dem Page, mit ſonderbarer Liebkoſung/ und weil derſelbe nicht groſſen Widerſtand thate/ vereinte der Gubernator/ er wurde nun zu ſeinem Zweck gelangen konnen. Als der Page geſehen/ daß jener die Vollſtreckung fuͤrnemnmen wolte/ ermanglete er nicht mit dem Meſſer demſelben drey Stich in den Leib zu geben/ und roͤdtete ihne alſo/ ohne daß er das Maul/ um Hilf zu ruffen/ aufthate/ nach dieſer That gienge der Page zum Pallaſt hinauß/ ſich keines wegs entfaͤrbend/ und die Wacht vermeinte/ der Gubernator hatte jhne/ ein Bottſchaft zu verrichten/ außgeſandt/ nachdeme der Dervich von ſeinem Bruder vernommen/ wie die Sach beſchaffen/ um denſelben vor der fury des Volcks zu erretten/ und zugleich das ſchaͤndliche Vorhaben des Gubernators zu entdecken/ verſchafte eylends/ daß alle Dervichs ſeine Geſellen/ die Mahometiſchen Fahnen/ welche um die Moſquee herum ſtacken/ zu Handen nahmen/ und ruffen zugleich; daß alle Dervich und Faquiers, auch andere/ ſo gute Mahometiſten waren/ jhnen folgen ſolten. Ehe eine Stund vorbey/ ware ein unzahlbare menge LumpenGeſindlein beyſamen/ der Dervich neben ſeinem Bruder denſelben vorgehend/ kehrten gerad nach dem Pallaſt und ſchreyten ſo ſtarck ſie mochten; Laſſet uns für Mahomet ſter ben; oder daß man uns dieſen ſchandlichen Menſchen herauß gebe/ damit jhne die Hunde nach ſeinem Tod freſſen/ weilen er nicht würdig/ under den Muffulmans begraben zu ſeyn. Die Wacht des Pallaſts ware zu ſchwach/ ſolchem Hauffen zu widerſtehen/ und man hatte denſelben ein Genügen thun muſſen/ wañ der StabdtDeroga neben 5. oder 6. andern Herren nicht Mittel gefunden/ das Volck zu ſtillen; demſelben vorhaltend; daß man gleichwol für des Koͤnigs Enckel einig bedencken haben muͤſte; darauf ſie ablieſſen/ und ſich wiederum zuruck begaben, dieſelbige Nacht wurde des Gubernators Leichnam ſamt deſſen Haram nach Agra verſchiget; und ware Cha⸗gehan damahlen regierend/ da er dieſe Zeitung vernahm nicht betruͤbt; weil derſelbe von aller ſeiner Underthanen Gut erbt/ und gabe auch hernach dieſein Page eine geringe Regierung in Bengala. 0 Reis beſchreibung in Indien Von Brampour biß Piombi: ſera, Coſtes f, Alhier iſt/ he daß weiter fortgefahren werde/ zu mercken/ daß wo das Wort Sera gefunden wird/ ſolches einen groſſen mit Maur⸗oder einem Hag ungebenen Ort/ in welchem rund herum fünfzig oder ſechtzig mit Stroh bedeckte Hütten ſeind/ bedeute. Dar inn befinden ſich Mann⸗ und Weibs⸗Perſonen/ welche Mahl; Reiß/ Butter und Kraut verkauffen/ auch das Brodt backen/ und den Reiß kochen. Wann ungefahr an demſelben Ort ein Mahometiſt/ gehet derſelbe im Dorf ein ſtuck Schaffteiſch oder ein Hun zu ſuchen/ die jenigen/ welche dem reiſenden die Nahrung verſchaffen/ ſaͤubern demſelben auch die Hütte/ die er einnehmen will/ und verſehen ſolche mit einem Beth von Gurte gemacht/ darauf man die mit ſich führende Matratzen legen kan. N Von Piombi. ſera biß Pander, Coſtes 9 Von Pander nach Balki-ſera, Coſtes 6 Von Bal ki- ſera nach Neve lki-ſera, Coſt. 5 Von Nevel ki. ſera nach Couſemba, Coſt. VondCouſemba nach Chenipour, Coſtes 3 Von Chenipour nach Charüa, Coſtes 8 Von Charoũa nach Bich- ola, Coſtes 8 Von Bich ola nach Andy, Coſtes 4 Zu Andy fahrt man über einen Fluß der zwiſchen Banarou und Patna in den Gangum fleußt. 5 f Von Andy nach Onquenas, Coſtes 4 Von Onquenas nach Tiquery, Coſtes Von Tiquery nach Toolmeden, Coſtes 4 Von TLoolmeden nach Nova. ſera, Coſt. 4 Von No va- ſera nach Ichavour, Coſtes 4 Von Ichavour nach Signor, Coſtes Von Signor nach Chekaipour, Coſtes 3 Von Che kaipour nach Dour- ay, Coſtes 3 f Von Dour-ay nach Alter-Kaira, Coſtes 3 Von Alter- Kaira nach Telor, Coſtes 4 Von Telor nach San-Kaira, Coſtes 3 Von San-Raira nach Seronge, Coſtes 12 Seronge iſt ein groſſe Stadt/ deren meiſte bauen. Einwohner Banianiſche Kauf- und Hand? Sie wercksleut/ von Vatter auf den Sohn ſeind; See welches einelurſach/ daß daſelbſten einige Hau Ea ſer mit Steinen und gebacken Steinen aufges ae Es wird alda mit allerley gemahlten U Leinwad/ Chites genaiſt; dar von alles gemeine denn Volck in Perſien und Türckey gekleydet/ un deſſen man ſich in vielen andern Landen filk Bethdecken auch Tafeltuͤcher bedient/ ein groſſer Handel getrieben. Dergleichen Lein wad werden auch anderswo als zu Serontze gemacht/ aber die Farben ſeind nicht alſo lebhaft/ und verbliechen von oftmahligem ka ſchen/ mit denen von Seronge iſt das widrige dañ je oft dieſelbẽ gewaſchen/ je ſchoͤner ſie wel den. Es gehet daſelbſten eln g da deſſel Waſſer hat die Eygenſchaft dieſe Lebhaftigkeit den Farben zu gebe/ und in Regenwetters⸗Zeilt welches vier Monat lang wahret/ unckt die ar beiter die geinwad nach den Muſtern/ ſo ihne von den fromden Kaufleuten gegeben werbe daf ſo bald das Regenwetter vorbey/ e krübes iſt das Waſſer/ und je eher man die deinwab darin waſchen kan/ je langer hernach die 125 8 ben dauren und je friſcher und lebhafter dieſelbige ſind. i 5 and Ju bemeldtem Seronge wird auch eine Gat1 iu onder, ig 0 det gemg* em Leib nichts zu ſeyn/ und ob ware manunbedeckt/ ſcheinet. Den Kaufteuten iſt verbotten eelben wegzufüßhren/ dann der Gubernator che glle für des groſſen aogols. Hofhaltung aand die Vornehenſten des Hofs verſchicket. von laſſen ſich die Sultanin, und der groſN Herren Weiber Hembder und Röcke für le Hitze machen; der Konig und ſeine Groſſen 5 en ein Belieben dieſelben durch dieſe Hemer zu ſchauen/ und damit tantzen zu laſſen. Von Brampour nach Seronge ſind 101. Illes welche ſtaͤrcker als die von Surate nach Sampour find; dann die Kutſche bringt eine kund und bißweilein Stund zu/ einer dieſer Ates zu thun. In dieſen oo. Meilen Wegs Landes reiſer man ganze Tage in fruchtbaren Morn⸗ und Reis⸗ Feldern/ die unſern Feldern in Beauſſe ſehr gleich: dan ſelten werden Hoͤltzer und von Seronge nach Agra iſt das gefunden/ ind faſt gleich beſchaffen weil die Dorffer na6 an einander/ kan man nach Komlichkeit reien/ und die Tagreiſen nach Belieben richten. on Seronge nach Magalki- ſera, coſtes 6. 7 Von Magalki-ſera nach Paulki-ſera 2. Von Pauli- ſera nach Kaſariki-ſera 85 Von Raſariki-ſera nach Cadolki-ſera 6. Von Chadolki-ſera nach Callabas. 6. dene a g., Callabas iſt ein groſſer Flecken/ daſelbſten al ge Lor dieſem ein R ja reſidierte/ welcher dem Wel dosen Aogol zinsbar war/ gar oft wurde die ann eſpanſchaft/ ſo dardurch reiſete/ geplünderet/ nder forderte von den Kaufeuten einen überdan den Zoll.. Aber Aureng- zeb hat/ ſeit neh eit er zur Krone kommen/ ermelten Raja ehe einer groſſen Anzahl deſſen Underthanen 4 cken aten lasen es ſind nahend dem Fle00 e Thürne an der Landſtraſſe auf0 ede iet/ um und um mit vielen Fenſtern/ in 111 ů 8 deren zween Schuh weit von einande[f- er in Manns ⸗Kopf geſteckt worden. In meio f Calle Reiſe Anno 1665. da ich durch r füͤſch s führe ware dieſe Execution noch ba gabe dann die Kopfe waren annoch gant und 5 Sn einen groſſen Geſtanck von ſich. 8 Vo Callabas nach Akmate coſtes 27 In Akmate nach Collaſar coſtes 9. Gllalar iſt eine kleine Stadt/ deren Einr ſanntlich Abgoͤtter. Wie ich in be5 meiner jüngſten Reiſe daſelbſten einfuhGeſchnen eben auch dahin acht groſſe Stucke Pfund die einen 47. Pfund/ die anderen 36. don„ schwar treibend/ jedes Stuck wur de und 5 paar Ochſen gezogen; Ein groſſer und toalbcker Elephant folgte dieſem Geſchutz nicht wan etwan ein boſer Paß/ da die Ochſen deehant orkkommen konten/ mußte der EStucke derben/ der mit ſeinem Ruſſel die nach lange Oltieſſe. Auſſert dem Stadtlein Vaume der Landſtraſſen/ ſind viel groſſe Orten nagen gues genennet/ und an vielen Pagode abend dieſer Baumen werden kleine 1. Das ſind ihre Tempe jeder II. Theil. 1 pel/ deren jeder flat, N 00 r wo. den get/ de; W 100 Wi 1 Erſtes Buch. en tulg deinwad gemacht/ die alſo fein/ daß auf fehr funf Schuh hoch ſtunden/ 15 vor der Thur/ ein Bild hat geſehen. Der Elephant bey einem dieſer Pagodles, da ich lagerWon 0 8 A te/ und vor deren Thur drey Bilder/ ohngei vorüber gehend; wie er nahe darbey tar/ ſeinem Ruſſel eines dieſer Bilder und brachs enczwey/ er erwiſcht das folgende/ und wurff daſſelbe ſo hoch und ſo weit/ daß ſolches in nahme mit vier Stuck zerbrach/ und dem dritten rieſſe er mit dem Ruͤſſel den Kopf herunder. Ekliche vermeinten daß der Elephant von ſeinem Regierer alſo angewieſen/ und demſelben ein Seichen gegeben worden/ welch es ich nicht in acht nahme; underdeſſen ſahen die Baniarinen ſolches mit ſchalen Augen an/ und doͤrften doch nichts ſagen/ dann dieſes Geſchutz zu begleiten/ waren mehr als zweytauſend Mann/ alle des Konigs Bediente und Nahometiſten außgenommen die Büchſen⸗Meiſter/ die waren Franguis Frantzoſen/ Engellander und Hollander. Der Konig ſchickte diß Geſchütz in die Provintz Decan, da ſeine Armee wider den Raja Seva- gi, welcher das vergangene Jahr Surate geplündert/ und darvon ich anderswo Meldung thun will/ zu Feld lage. Von Collaſar nach Sanſele coſtes Von Sanſele nach Dongry eoſtes 4. Von Dongry nach Gate coſtes 5 Sate iſt ein Berg⸗Enge/ ſo ein halb Viertel Meil wahret/ und da man von Surare nach 4 55 Gate ein Berg⸗Enge. Agra zu reiſet/ hinab gehet. In dem Eingang werden zwey oder drey verderbte Schloſſer geſehen/ der Weg iſt alſo ſchmal/ daß zween Wagen ſchwerlich neben einandern durchkommen konnen. Die jenigen/ welche von Mittagwerts; als von Surare, Goa, Viſapour, Golconda, Maslipatan und von anderen Orten/ nach Agra zu reiſen kommen/ konnen dieſen Paß/ in dem kein anderer Weg/ es ware dann durch Amadabat, nicht meiden: vor dieſem ware an jedem Ende dieſer Enge eine Pforte/ und an dem gegen Agra ſind F. oder 6. Keqamlade der Banianjen, welche/ mal/ ſchmaltz/ Reis Kraut un Gemus verkaufen In meiner jungſten Reiſe/ hielte ich mich in einem dieſer Kramladen auf, der Kutſchen und Karꝛen neben andern/ die bey diſem Paß auch abgeſtiegen/ zu erwarten. Nahe dabey war ein groſſes Maga in, voll Sack mik Reis und Korn/ und hinder diſen Sacken hatte eine Schlang z.oder 14. Schuh lang/ auch groß nach proportion/ ſich dient von deren wurde ein Weiß/ die auß dieſen Saͤcken Frucht nahme/ gebiſſen; und wie ſie ſolches gefühlet gieng dieſelbe auß dem Magain ſchꝛeiend/ Kam, Ram, bas iſt/ O Gott! O Gott! Alſobalden lieffen viel Banjanes, Mann und Weib ihr zu helffen/ herbey/ und bunden derſelben oberhalb dem 5 Arm ſtarck/ vermeinend zu hindern/ daß det Gift nicht weiter hinauf dringen konte; aber das war vergeblich/ dann das Angeſſcht geſchwoll ihr alsbald, und wurde ganz lau /ſie ſtarb auch ehe ein Stund vorbey war. Die genanten Kagipous, welche für die beſten Soldaten in Indien gehalten werde/ ind der Abgotterer Kriegsvolcker/ welche ſich keine Gedanke 2 machen/ Biß/ den 16 Reis beſchreibung in Indien/ machen ein Todten anzugreifen/ oder ſich zuwehren/ je nachdeme es ſich zutragt. Wie dieſe Frau in hinzugen lage/ kamen/ zu derſelben vier Reuter/ welche/ als dieſelben/ was ſich zugetragen vernom̃en/ in das Magalio jeder ſeinen Sabel neben einem Springſtock in Haͤnden haltend giengen/ uñ dieſe Schlang toͤdeten. Die Leute des Ors nahmen dieſelbe und wurffen ſie für das Dorf hinauß/ ſo balden kame ein groſſe quantitat Voͤgel auf das Aaß zuſtoſſend/ welches/ ehe ein Stund vorüber/ gaͤntzlich verzehrt ward. Des Weibes Verwandte trugen den Leichnam zum Waſſer/ ſolchen zu waſchen; wie beſchahe; hernach verbrandten ſie denſelben zu Aſchen. Ich muſte an dieſem Ort zween Tage verharren/ dieweil der Fluß che in der Hohe mit Mauren und Thuͤrnen umgeben/ gebauet. In dieſem Begriff ſeind etliche Weyer von Regenwaſſer geſarnlet/ und was daſelbſten geſaet wird/ iſt genugſam die Beſatzung zu ernehren/ welches die Urſach/ daß dieſer Ort einer der beſten in Indien geachtet iſt. Auf der Neigung dieſes Bergs/ die gegen Nord⸗Weſt ſiehet/ hat Cha gehan ein Luſthauß bauen laſſen/ von deme man die 9 55 Stadt uberſehen/ und welches für eine Veſtung gerechnet werden kan: Unden an dieſem Hauß ſiehet man viel erhobene in den Felſen gehauene Bilder/ die alle des Satans Geſtalt haben; und derſelben iſt eines von ungewohnlicher Hohe. N Seit dem der Mahometiſten Konig deſ⸗ 5 darüber man fahren muß/ da wir verhoft ſol⸗ ſelben Lands ſich bemeiſtert; iſt dieſe Veſtung 15 cher fallen wurde; indeme es 3. oder 4. Tag Soüaleor der Ort/ dahin derſelbe die Fürſten 0 geregnet/ ſtundlich wuchſe; derowegen wurde und groſſen Herren/ deren Perſon/ ſie verſichert zung ich gezwungen ein halbe Meile weiter hinunder hinuͤber zu fahren/ man trachtet allezeit ohne Schiffe durch zukom̃en/ dan die Schiffe zu ſuchẽ/ muß man Karren und Gutſchen entladẽ; ja gar von einandern thun/ um ſie auf den Armen dieſen halb⸗meiligen Weg/ ſo der argſte iſt/ den man ſich einbilden konte/ zutragen; dieſer Weg iſt mit groſſen Felſen gantz beſetzt/ und zwiſchen dem Fluß und dem Berge eingeſperret; alſo wann die Waſſer groß ſind/ bedecken ſelbige dieſen Weg gantz/ ſo daß wenig Leut guſſer denen im Land/ die ſolchen zu finden wuͤßken/ dieſelbigen gewinnen jhre Nahrung mit den Durchreiſenden/ von denen ſie/ ſo viel moͤglich/ ſich bezahlen machen; Es ware aber leicht den Weg zuverbeſſen/ und bequem zumachen/ wa man eine Brugge bauen lieſſe/ ſintemalen daſelbſten weder Holtz noch Stein manglen. Von Gate nach Nader, coſtes. 4. Nader iſt ein groſſe Stadt auf der Neigung eines Bergs/ oben auf demſelben iſt ein Form einer Veſtung/ und der gantze Berg mit Mauren umringt. Der mehrere Theil der Hauſer; gleich wie in andern Staͤdten in InBeſchreibung von der tadt G 0 üaleor. dien ſind mit Stroh bedeckt; und nur ein Stock/ aber der reicht deute zwey Stockwerck hoch; um die Stadt herum werdẽ viel groſſe Weyer geſehen/ welche vor dieſem mit Quaderſteinen aufgeführt waren; aber hernach zu underhalten/ derſaumt wordk. Eine Meil dar von ſeind noch etliche ſchoͤne Begraͤbnuſſen. Der jenige luß/ den man den Tag zu vor durchgereiſet/ und 4. oder g. coſtes jenſeits Nader wiederum paſſiert/ umgibt die z. Theil der Stadt und deß Bergs/ darvon ſelbige bey nahe einer Inſel gleichet/ uñ nach einem weiten Lauf Schlangenweiß/ fließt derſelbig entlichen in den Zangum. Zu Nader werden viel geſtepte Decken; die einen Weiß/ andere mit Gold/ Silber und ſeidenen Blumwerck geſtickt/ gemacht. g Von Nader nach Barqui- ſera, coſtes, 9. Von Barqui-ſera nach Trie, coſtes. 3. Von rie nach Golialeor, coſtes. 6. Goüialeor iſt ein groſſe/wie andere auf Indianiſche Manier/ uͤbelgebaute Stadt/ dardurch lauft ein kleiner Flüß/ ſe iſt nach der Lange eines Bergs/ im Nidergang liegend/ wel0 ſeyn wollen/ verſchicken thu. Nachdem Cha-gehan durch Betrug zur Krone kommen/ wie hernach vermeldet werden ſolle/ lieſſe derſelbe alle Füͤrſten und Herren/ die er vermeinte ihme ſchaͤdlich ſeyn konten/ einen nach dem andern/ in Verhaftung nehmen/ und dahin führen/ jedoch aber beym Leben und dem Genuß ihres Einkommens bleiben. Aureng. zeb deſſen Sohn aber/ that hingegen das widrige/ dann wan derſelbe etwan einen groſſen Herren dorthin verſchickt/ muß er nach Verflieſſung 9. oder 10. Tag von dem Gift ſo jhme eingeben wird/ ſterben; Dieſes Mittel verübt er/ damit er nicht als ein Blutgirriger Konig von ſeinen Voͤlckern angeklagt werden moge So bald derſelbe den Fuͤrſten Morat Balcche ſeinen jungſten Bruder/ den er die Waffen wider jhren Vatter Cha-gehan zu ergreiffen/ verleitet; und welcher ein Gubernator der Provinz Guzerate ware/ ſich einen König derſelben nennen laſſen/ in ſeinem Gewalt hatte/ lieſſe er denſelben nach dieſer Veſtung/ da er auch ſturbe/ führen/ man hat Ihr eine koͤſtliche Begrabnuß in der Stadt in einer Moſquéèe, welche zu dem Ende ſambt einem groſſen Platz davor rings herum mit Gewolbern/ under denen viel Kramladen erbauet werden/ aufgerichtet. Es iſt die Gewonheit in Indien/ wann ein gemeiner Bau beſchicht daß auch davor ein groſſer Pla um Marckt zu halten/ ſambt einer Stiftung für die Armen denen man taglich das Almoſen reichen thut und dann für den jenigen/ ſo das Werck ma? chen laſſen/ Gott bitten; angeordnet und erbauet werde. Funf coſtes von Goüaleor fal ret man durch einen Bach Lantke genennt. Von Goũaleor nach Baterki- ſera. coſtes 75 Von Paterki- ſera nach Quanqui ſera. 10, In Beterki-ſera iſt eine Brugge mit groſſen Schwibogen/ der Fluß ſo daburch lauffet iſt Gnannad genennt. 1 Von Quanqui-ſera nach Dolpoura: 5 es. 3 5 Zu Dolpoura iſt ein groſſer Fluß Obel, melnadi genannt/ man Überfahrt denselben ß Schiffen/ er ergeuſt ſich zwiſchen Agra u Halabas in den Fluß Cemena. Von Von Delpoura nach Minasqui- ſera, coſtes. 1 Menasqui-ſera iſt auch ein Fluß JaSeugadigenandt; man gehet darüber auf einier ſehr langen mit Quaderſtein gebauten ruck Jaoulcapoul genennet. 5 dieſe ſind noch 8 Von Minaſqui- era biß an coſtes N f 5 Unfern von dieſel Bruck werden die Waaren beſichriget/ damit/ wann dieſelbe zu Agra, man kein Betrug in dem verzollen brauchen könne. Furnemlich aber beſchicht ſolches/ au ſehen /ob under dey groſſen Quantitat Kiſtlein mit in Eſsig eingemachten Früchten in gla10 ſernen Geſchiren/ keine Kiſten mit Wein ſeyen. bet Vo g 1 dabeh⸗ 0 1 der Bruck Jaculcapoul biß Agra . oſtes. 0. Alſo ſind von Seronge nach Agra 106. co · 2 ſtes, welches gemeine colles, und von Surate biß nach Agra 339. 5 Das V. Capitel. 8 Weg von Suxate nach Agra durch Amada * den Staͤdten ſind Korn- Reis- Hirsund Zucker⸗Rohr- Felder: vor Ankunft in Baroche muß man über einen G luß ſchiffen/ welcer in Cambaya lauffet/ und ſich hernach in Faden den deer⸗Buſem gleichen Namens ergieſſer. Wehn, Sarochs iſt eine groſſe Stadt/ mit einer alten ohngeachteten Veſtung; dieſer Ort aber iſt jederzeic berührnt geweſen wegen des Fluſges der eine ſonderbare Eigenſchaft hat/ den intwad zu bleichen; welches eine Urſach/ daß Maar von allen Orten des Konigſen Mogels, da es an Gelegenſers manglet/ dahin bringt. Es werden alda ſehr viel baftas oder Leinwad breit und ſchmal gemacht; ſind ſehr ſchoͤne und ebene Finwad/ das Stuck von 4. biß 100. Roupies. In bemeldtem Baroche muß der Zoll von al5 1 einkommenden und außgehenden Waaren 8 dio werden. Die Engellander haben da1 ſten ein ſchoͤnes Hauß/ ich erinnere mich/ be als ich dorten von Agra und Surate nedei dem Engliſchen Preſldenten kommend/ n angelangt; alſobalden etliche 8 10 busen und fragten; ob demſelben 20 lebte/ einige Stuͤcklein Ihrer Künſte zu ſefe welches er chate. Das erſte ware daß und ſane Kerten in dem eur glüend machten/ ſelbige alſo um den Leib legten/ dar von ſie Ae mertzen zu empfinden bezeugten; aber oh0 endend Früchte er begehrte/ daß ſi olches fuͤr8 an da olle; und da jhnen geſagt wurde/ daß Dat engues haben wolte; bebeckte ſich der bucß henſpielern einer mit einem Leinlach und Juckte ſich Wunder zu ſehen/ wie ich funf oder ſechs mal zur Erden. Der es zugienge/ verleitete Erſtes Buch. liſche Preſident hatte 0 8 On Surate nach Baroche coſtes 22 i 0 Das gantze Land zwiſchen dieſen bey; daß er keinen deren/ die langer allda/ dergleichen Reiſe nach Broudra, weiter/ ſondern Taſchenſpieler boeiligen Schaden. Hernach ſteckten dieſel⸗ g urg ein Stücklein Holtz in die Erden/ und z bzagten jemands der Anweſenden/ welcher 17 mich in ein Kammer hinauf zu gehen/ von dannen ich zwiſchen dem dein ach en/ ſo an einem Ort oſſen ware, durchſahe daß er under den Achslen in das Hleiſch mit einem Schermeſſer ſchnitte/ und mit dem Blut/ ſo darauß flieſſe/ dieſes Stucklein Holtz anſtriehe. Alle mal wann er ſich wiederum aufrichtete/ wuchſe das Holtz zuſchens/ und in dem drikten mal kamen Aeſte mit Knöpfen herfür/ das vierte mal wurde das Baſumlein belaubet/ und in dem fünften mal ſahe man Bluͤhte, Der Engdamalen ſeinen Prediger bey ſich/ welchen er nach Amadabat gefüͤhret/ um dem Hollandiſchen Befehlhaber ein Kind/ darzu er Gevatter erbetten war zu tauffen; dann zu wiſſen/ daß die Holländer keinen Prediger/ auſſer denen Orten/ da zugleich Kaufteut und Soldaten ſind/ halten. Dieſer Engliſche Prediger nun bezeugte ſo bald daß er nicht zugeben konte/ daß die Chriſten bey dergleichen Schauſpiel gegenwartig waren/ und wie er geſehen/ daß dieſe Leut auß einem Stüͤcklein Holtz in weniger als eine halben Stund Zeit einen Baum 4. oder. Schuh hoch mit Laub und Bluth/ wie ſolches in Fruhlings⸗ Zeit zuſehen/ herauß ſchaffeten/ gienge er denſelben zu zerbrechen/ und ſagke offentlichen/ Sachen zuzuſchauen/ verharren wunden/ nimmermehr das heilige Abendmal reichen wolte. Dieſes verurſachten den Preſidenten die Taſchenſpieler/(die von einem Ort zum anderen/ mit Weib und Kindern/ gleich wie die jenigen/ die wir gemeinlich in der Chriſtenheit Egyptier oder Böhmen nennen/ herum ziehen/ zu beurlauben) nach deme er denſelben zehen oder zwolf Kronen verehret/ damit ſie wolbegnugt Die jenigen/ welche Luſt haben Cambaya zu ſehen/ haben allein. oder 6. coſtes ungefehr umweg; wann man zu Baroche, an ſtatt die ls der gewohnlichen Straſſe/ genommen wird; reiſet man gerad auf Cambaya, von dannen hernach der Weg nach Amadabat gehet. Ohne habende Geſchäfte oder Begierde den Ort zu beſehen, reiſet man dieſen Weg nicht/ darum nicht allein weil derſelbe/ wie gemeldt/ um 5. oder 6. Mil fürnemlich wegen der Gefahr das Ende des Meerbuſems zu überfahren. Cambaya iſt ein groſſe Stadt am Ende 1 eines Meerbuſerms/ ſo auch dieſen Namen hat. der Sicht An dieſem Ort werden die ſchoͤnen auß Indien Caubexa. kommende Agaten; namlichen die Kelch Meſſerhefte/ Korner zu Roſenkräntzen/ und andere Sachen gearbeitet. Um die Stabt wird auch Endich/ der Art wie der von Sarquelte gemacht; dieſelbe war wegen der Handlung u der Zeit/ da die Portugeſen in Indien florierten/ berühmt. In der Gegend der See werden noch viel ſchoͤne Hauſer/ ſo ſie erbauen/ und auf Portugeſiſche Manier außrüſten laſſen/ geſehen; aber anjetzo ſind ſolehe unbewohnt/ und gehen taglich zu Grund. Es ware damalen in Cambaya, eige ſolche gute Ordnung/ daß iwo Stunde c e in 18 in die Nacht/ jede Gaſſen mit zwo Pforten/ die noch geſehen werden/ beſchloſſen wurde/ und wird mit Beſchlieſſung der Vornemſten; als deren/ die gegen dem Platz gehen/ fortgefahren. Eine der vornemſten Urſachen/ daß dieſe Stadt einen Theil der Handlung verlohren/ iſt/ daß die See/ welche biß nahend dahin kame/ und alſo die kleinen Schiffe leicht daſelbſten einkommen konten; ſeit etlichen Jahren kaͤglich weiter dar von ſich ziehen thut/ alſo daß die Schiffe nunmehr bey vier koͤnnen. Viel Pfauen werden in Indien/ ſonderlich um Baroche, Cambaya, und Broudra, gefunden. Das Fleiſch der Jungen iſt ſehr weiß und wolgeſchmackt/ wie unſere Welſchen Huͤner/ und laſſen dieſelben Truppen weis auf dem Felde ſich ſehen; zu Nacht aber ſitzen ſie auf die Aeſte der Bäumen. Bey Tag kan man ihnen ſchwaͤrlich beykommen/ dann fe bald ſie des Jagers gewar werden/ nehmen ſie die Flucht geſchwinder als die Feld⸗Huner/ und verſtecken ſich in das Geſtrauch/ dahin zu kommen nicht moͤglich/ weilen man alle Augenblick behangen bliebe. Derowegen dieſelbe nur in der Nacht gefangen werden muſſen/ und ſolches durch folgenden Liſt: Man nahert ſich dem Baum mit einer Gattung Fahnen/ darauf beyderſeits Pfauen lebhaft gemahlet/ oben an der Stangen ſind zwey Liechter/ deren Schein den Pfauen beſturtzend machet/ ſo daß der ſelbe ſeinẽ Hals biß an das Ende der Stange ſtrecket/ allda eine Schlinge von einer Schnur ſo der jenige der den ðahnẽ halt/ wañ ergeſehen/ daß der Pfau alſo ſeinen Hals biß an das EnThier gefangen. Im ubrigen iſt ſich wol zu hůbei. Land der Rajas, da die Abgotter Meiſter/ zu toͤden; welches an anderen Orten in Indien/ da die Gubernatoren Mahometiſten ſind/ und Was ſich in die Jagt frey laſſen/ nicht gefaͤhrlich ſſt. Es 1255 11 begabe ſich auf eine Zeit/ daß ein reicher Kaufſtauiſhen man/ ſo durch das Gebiet des Raja von Dantie var reiſett/ mit einem Schutz auß einem Rohr/ betragen. auß groſſem Frevel oder der Gewonheit des Landes ohnwiſſend/ einen Pfauen toͤdete. Die Banianes uber ſolche verwegene That/ ſo bey jhnen für einen erſchrocklichen Kirchemraub gehalten wird/ ſehr erzůrnt/ nahmen den Kauffmann neben ſeinem Gelt/ welches ſich wol 300000. Roupies belauffen thaͤte/ bey dem Kopf/ und nachdem ſie denselben an einen Baum gebunden/ mit unmenſchlicher Manier 3. Tag lang gegeiſſelt/ gabe er endlichen ſeinen Geiſt auf. f N Von Cambaya komt man in ein Dorff/ ſo nur 3. coſtes dar von entlegen/ und darbey ein Pasode oder Tempel, dahim der mehrertheil der Indianiſchen Hof⸗Damen zu opfern kommen. Dieſer Tempel iſt mit nackenden Bildnuſſen G2 beſetzet/ und iſt under anderm eine groſſe Geſtalt/ wie ein Apollon/ deine die Scham gantz entdecket. Wann die alten Hof7 Damen in jhrer Jugend eine Sununa Gelt oder fuͤnf Meilen weit der Stadt nicht nahern de dargeſtreckt/ zuziehen thut/ wird alſo dieſes Beſchreil üg fen weder Vogel einig oder ander Thier in dem Reis beſchreibung in Indien/ geſainlet/ kauffen ſelbige davon kleine Stlaviſ nen/ die ſie tantzen und uppige Lieder auf all Räancke ihrer Schandthaten lernen. Dach, dem dieſe junge Maͤgdlein das eilfte oder zwolfte Jahr erreichet/ werden ſie von ihren Frauen in dieſen Tempel gefuhret/ da dieſelpen dann füͤr ein groſſes Glück achten/ dieſem Bilde angebotten und uͤberlaſſen zu werden. 4 Von dieſſen Pagode oder Tempel ſind biß nach Chiidabad 6. coſtes. Welches eines der ſchoͤnſten Hauſer des groſſen Aogols, iſt hat ein weiten Begriff/ in darinnen Garten und groſſe Weyer/ ſamt allen Zierlichkeiten/ deren die Indianer faͤhig/ ſind. 8 Von Chiidabat biß nach Amadabat ſind. allein.coſtes. Nun kommen wir wiederum n nach Baroche und in den gewohnlichen Weg · un Von Baroche biß nach Broudra, coſtes 22. Broudra iſt eine groſſe Stadt/ auf einem guten Boden/ und wird daſelbſten mit Leinwat groſſer Gewerb getrieben. f Von Broudra nach Neriade ein andere Stadt ſind coſtes 18. Von Neriade hiß Amadabat, coſtes 20 4 Amada: bat iſt eine der groſten S taͤdten in e Indien/ und daſelbſten ein groſſer Gewerb mit geaßen Seiden/ Gold/ Silber/ und mit Seiden ge⸗ l miſchte Teppich/ Salpeter/ Zucker/ ein⸗ und. ohneingemachter Zucker/ Tamar iſcken/ Mirabolans, und Plat⸗Endich/ ſo 3. Meil von Amadabat, in einem groſſen Flecken Sarquelie genant/ zubereitet wird. An dieſem Ort ware eine Bagode oder Tempel/ welchen die Mahometiſten in Beſitz genommen/ um eine Moſquèe barauß zu machen. Vor denn Ein gang muß man durch drey mit Marmor gepflaſterte/ und mit Gaͤngen umgebene Hofe gehen/ und in den dritten den Fuß zu ſezen/ iſt ohne Außziehung der Schuhe unerlaubt. Die Molquce iſt inwendig auf Moſaiſch geziehret/ der groͤſte Theil ware von Agath/ underſchiedlicher Farben/ die auß de Bengen von Cambaya, ſo nur zween Tag darvon ligen/ herkommen. Viel Begraͤbnuſſen alter Abgoͤttiſcher Koͤnigen/ welche ſind wie kleine Capellen auf Moſaiſche Manier/ mit kleinen Marmor⸗Saͤulen/ mit einem Gewolb/ darum der die Begrabnus iſt/ underſtuͤtzend werden da geſehen. Durch Amadabat, auf del Seiten Nord⸗Weſt laufft ein Fluß welcher zur Zeit des Regenwetter/ ſo in Indien drey oder vier Monat wahret/ ſich ſehr außbreitet/ und einen ſtrengen Lauff bekommet/ und jahrlich groſſen Schaden thut. Mit allen anderen Fluſſen in Indien hat es eine gleiche Beſchaffenheit/ und wann das Regenwetter vorbey/ muß man uber de Fluß zu Amadabat zukommen/ da keine Brucke iſt/ aufs wenigſt ſechs Wochen oben zween Monat warten. Es ſind. daselbſten zwar zwey oder drey Schiffe/ aber man 111 ſich deren wenig/ als wann der Fluß nich mehr ſo ſtreug/ bedienen; zu dem wird zus Überfahrt viel Zeit erforderet. Die Bau ren machen es kurtz/ und von einem 1 ſtadt an das andere zu kommen/ bedienen ich * Erſtes Buch. ch allem einer Vocks⸗ Haut/ ſo ſie mit 5 gefüͤle/ auf den Leib binden/ und alſo o Stan. 8 1 e ſchin Weib und Mann diß Waſſer überihwimmen; und wan dieſelben auch ihre Riner mit hinuber nemmen wollen/ dienet jhnen eine Gatung Irdener runder Topffen; mit einem Mundloch vier Finger hoch; und nachdeme ſie jhr Kind in dieſen Topf gethan/ ſtoſſen le denſelben mit dem Kind ſchwimmend vor 8 her. Dabey mir eine Geſchicht die zu . madabat, in der geit/ da ich namlichen Anno 642. daſelbſten ware/ ſich zugetragen/ zu Sinhe komt/ und die zumerckwurdig/ um es mit 5 hwweigen zu vergehen. wage. 2 Ein Baur ſamt ſeinem Weib ſchwummen e Ausmahls/ auf bemelte Manier durch den Fluß/ und hatten mit ſich/ in einem dieſer Toben, pfen ſteckend ein Kind von zweyen Jahren/ eme man allein den Kopf herauß gehend geehen hatte: Wie dieſelben mitten des Fluffes waren/ traffen ſie einen Sand⸗Banck an/ und dabey einen groſſen Baum/ welchen das Waſe daran getrieben hatte/ und an dieſem Ort „ ſtieſſe der Vatter den Topf/ darin das Kind a0 7„ 5„ 1 ware/ unn daſeloſt ein wenig zu ruhen: Wie 00 der Topf dem Baum/ deſſen Stamm ein we10 nig uber das Waffer außgieng/ nahend war; ſiehe da kam eine Schlang auß den Wurtzlen des Baums herauß/ und ſprang in den Topf/ da das Kind ware/ da die Eltern über dieſen Unfall alſo erſchrocken/ daß ſelbige ihre Site derlohrẽ/ uñ den Topf/ den der Fluß weg triebe/ 1 fahren lieſſen/ und blieben eine gute weile halb kod am ende dieſes Baums. Ohngefahr zwey Meilen beſſer hinab/ waſchete ſich ein Banian Deen ſeinemm Weib und einem kleinen Kind/ in deſem Fluß/ vor dem Eſſen. Dieſelben ſahen fh Topf von weitem auf dem Waſſer daher ahren/ und das halbe eines Kinds Kopf/ ſo zum Mundloch herauß gienge. Der Bania eme alſo balden zu Hülffe/ und ſtieſſe den Wiwi er ſolchẽ erreichet/ an das Land. Das 5 eib/ deren das Kind ware; folgte geſchwind/ in dem Topf ſteckende Kind herauß zu thun/ 155 die Schlang/ welche dieſem Kind/ kein 0 d gethan/ nach herauß ſprang/ und ſich um as andere/ bey ſeiner Mutter ſtehende Kindag ald daſſelbe ſtache/ und alſo vergiftete/ wüglelches furtz darauf den Geiſt aufgeben e het Uber dieſe wunderlich und ſonderbabet. eſchicht waren dieſe Leute nicht ſo ſtaretk din be als ſie ganglich glaubten daß ſolches ber den heimliche Anordnung ihres Gottes“ ande enſelben ein Kind entzogen/ um ihnen ein deets zubeſcheren wie beſchehen und bogen nuch pe bald getröſtet. Über eine Zeit herBi kame das Geſchrey dieſer Geſchicht dem en zu Ohren/ er gienge zu dem ande9 990 denſelben zu berichten/ was ſich zugetra2 08 0 undſein Kind weder vonſhmezu begehren Sbeſe dchete zwischen Ihnen eine groſſe bauten eite der andere Baur wolte beGott 10 das Kind kogre ſein/ und daß ſein die Schlan daſſelbe/ an ſtatt des anderen/ ſo Summ chlang umgebracht/ beſehert haͤtte. In zu erkunden/ die Artzte ſich verſamlen/ die beg/ es war ein groſſer Handel/ und 19 kame endlich für den Konig/ der beſahle/ daß das Kind ſtinem Nalürlichen Vatter wiederum zugeſtelt werden ſolte. 5 Ungefahr in gleicher Zeit begabe ſich in bemelter Stadt Amadabst ein kurzweilige Geſchicht!. Eines reichen Banianen Kauffmanns/ Namens Saintidas, Frau/ ware ohne Kinder/ und gabe genugſam zu erkennen/ daß ſie derſelben gern hatte/ ein Knecht des Hauſes/ nahme dieſelbe auf eine Zeit beyſeits und ſagte: Wann ſie das jeuig eſſe/ was er ihr geben wolte/ ſo wurde ſie eines Kinds verſichert ſeyn koͤnnen; Als nun die Frau zu wiſſen begehrte/ was es wäre/ ſagte der Knecht/ daß ſolches ein kleiner Fiſch ware deren ſie nur allein drey oder vier eſſen ſolte. Nun iſt bey der Banianen Religion/ wie anderſtwo gemelt; alles was das Leben gehabt zu eſſen verbotten/ deßwegen dieſes Weib ſolchem Vorſchlag zu folgen/ ſich nicht entſchlieſſen konte/ weil aber der Knecht verſprache die Sach dergeſtaltẽ zuverandern/ daß ſie nicht erkennen ſolte/ was ſie eſſen wurde/ ob es Fiſche ſeyenz entſchloſſe ſie ſich endlich das Mittel zuprobieren; und die folgende Nacht legte ſich dieſelbe nach des Knechts Underricht jhrem Mann bey. Eine Zeit hernach vermerckte die Frau daß ſie Schwanger/ der Mann ſtarb; und deſſen Verwandten forderten ſein hinderlaſſenes Gut. Die Wittib widerſetzte ſich/ mit vermelden/ ſie muſten Gedult haben/ biß man ſaͤhe; ob das Kind/ damit ſie Schwanger/ glücklich in die Welt kommen werde/ oder nicht. Über dieſe Zeitung waren die Verwandten/ die ſich ſolchern nicht verſahen/ beſtürtzt; ſtrafften die Frau mit Lugen/ und machten nur ein Geſpoͤtt/ Sintemalen ſie fünffzehen oder 16. Jahr jhrem Mann ohne Kinder beygewohnet hatte. Wie dieſelbe ſahe/ daß dieſe Leut ſie immerfort plagten/ that ſie vor dem Gubernator einen Fußfall/ jhme erzelfend/ wie die Sach ſich zu getragen/ der daruber befahle/ daß die Verwandten/ biß die Frau geneſen/ warten ſolten. Etliche Tag nach ihrer Niderkunft/ wolten des Verſtorbenen Verwandte/ welche in nit geringem Credit waren/ und die nach einẽ ſolchen ſchoͤnenErbe verlangen trugen/ behaubten/ daß das Kind nicht Ehelich ware; und die Frau ſolches nicht von jhrem Verſtorbenen Mann hatte. Der Gubernator lieſſe hierüber um die Warheit Eine andere küͤrtzweilige Geſchicht alda. 45 ſchloſſen/ das Kind ſolte in ein Schweiß Bad geſetzt werden. Wann es wahr/ daß das Weib deß vorgegebenen Mittels ſich gebraucht/ des Kindes Schweiß ein Fiſch⸗Geruch haben wurde; dieſes beſchahe/ und wurde alſo befunden. Auf dieſe Prob befahle der Gubernator/ daß des Verſtorbenen Verlaſſenſchaft/ dem Kind/ deſſen Vatter er hiemit erkent ware/ bleiben ſolte: Die Verwandten aber gantzbetrübt/ daß ein ſo gutes Bißlein jht en entgehen ſolle; appellierten von dieſerllrthel/ und kame nach Agra den Koͤnig deſſt zu berichten. Auf das jenige/ was dieſelben jhme vorbrachten/ lieſſen Ihr. Maj. dem Gubernator ſchreiben B 4 die . die Mutter ſatnt dem Kind nach Agra zu U Andere Begebenheit alſchicken; dannit/ daſelbſten in ſeiner Gegenwark eine gleiche Prob gemacht wurde/ welches wie das erſte mahl gelungen; daruber die Verwandten ſich fortgemacht/ und wurde das Gut der Mutter und dem K ind nochmal zu erkennt. i Ich erinnere mich noch hiebey einer andern luſtigen Begebenheit/ welche zu Amadabat, allda ich zehen oder zwoͤlff mal geweſen/ als auf eine Zeit/ Deny kommend/ dorten ware/ mir erzehlet worden. Ein Kaufmann/ mit welchem ich oft gehandlet/ und der von Cha. EltKan, Gubernatorn der Provinz/ und des Konigs Oheim/ ſehr gelleßt ware/ und halte ben Ruhm/ daß er niemahlen gelogen. Nachdem dieſer Oha-Eſt-Kan die brey Jahr ſeiner Regierung/ nach Gewonheit des groſſen Mogols Reich/ zi End gebracht/ und Aureng- Zeb des Cha-gehan Sohn/ an deſſen Stell kommen/ begabe er ſich nach Agra, da der Hof dazumal ware. Elnes Tags/ da er ſich mit dem Konig erſprache/ ſagte derſelbe/ daß er viel ſonderbare. Dinge/ in all denen Regierungen/ damit Ihr Maj. ihne gerurdiget/ geſehen und beobgchtet; aber uber eines er ſich ſehr verwundere/ namlichen daß er einen reichen Kaufmañ gefunden/ welcher niemalen gelogen/ und uber 55 48 70. Jahr alt ſeyhe. Der Konig eben ſo wol uber eine ſolche ungewohnliche Sache verwunhe dert/ gabe dem Cha- Elt. Kan zu erkennen/ daß er den jenigen/ von deme er Andeutung gethan/ gern ſehen mochte/ und befahle jhme denſelben nach Agra zu beruffen; wie beſchahe. Das verdroß den guten zalten nieht wenig/ ſo wohl in Betrachtung des fernen Wegs/ da 27 in 30, Tag erfordert werden/ als daß er dem Koͤnigein Verehrung bringen muͤſte. Wie er dann auch thate/ und wurde ſolche/ beſtehend in einer guldenen Schachtel oder Buchſe/ den ir, Werth und under hallen dieſekeen in hren nian in groſBerle darein zu thun/ mit Diamant/ Rubin und Schmaragd verſetzt/ fur 40. tauſend Roupies geſchetzt. Nachdem er den Konig begrüſſete/ und die Verehrung gethan/ begaͤrte derſelbe allein ſeinen Namen/ darauf gabe er zur Antwort; daß ſein Name ware/ der Mann/ ber nietnahlen gelogen; und der Konig denſelben weiter fragend/ wie ſein Vatter genennt wurde: Herꝛ/ ſagte er: Ich weiß es nicht. Ihre Maj. mit dieſer Antwort begnügt/ lieſſe es dahey bleiben/ und wolte mehr meht wuſſen/ befahle/ daß demſelben ein Elephant; welches ein groſſe Ehr/ ſarnt 10. kauſend Roupies guf ſeine Reis gegeben wurde. Die Banianen halten die Affen in groſſem Pagodes oder Templen/ die ſie anbatten. Zu ſem Werth. Amadabat ſeind zwey oder drey Hauſer/ die fur Spittale dienen/ fuͤrnemlich fuͤr Ochſen; Kühe/ Affen/ und ander untuchtig und gelahmet Biſh/ und fuhrt man alle/ ſo man finden kan/ bahin/ um ſelbe zu nehren. Auch iſt noch das zu mercken„daf, Wochenklich am Dienſtag und Freytag/ alle Affen um Amadabar, auß eigenem jhrein Antrieb/ in die Stadt und auf die Hauer/ deren jedes ein kleinen Altan Reisbeſchreibung in Indien. hat/ da man in Zeit der groſſen Hitze ruhet/ komen. Man underlaſſet nieht dieſe zween Tag die Altane mit Reiß/ Hirs/ Zuckerrohr/ wann es in der Sei iſt/ und an deren dergleichen Sachen zu verſehen; dann wann die Affen ihre Verſorgung daſelbſt nicht funden/ wurden ſie die Ziegel/ damit der übrige Theil des Hauſes bedeckt/ zerſtucken/ und groſſe Ungelegenheit verurſachen. Zu mercken alhier iſt daß die Affen nichts eſſen/ ehe und bevor ſie ſolches wol gekoſtet; und nichts hinab ſchlüͤcken/ ſte haben dann zuvor für den künftigen Hunger/ in deme dieſelben beede Backen/ biß in den folgenden Tag zu behalten/ raht gemacht. AZausvor iſt gemeldt/ daß die Banianendie Affen ſonderlich wehrt halten; wie folgends ein Exempel under viel andern/ die ich beybrim gen konte/ Zeugnuß gibt. Als ich mich au eine Zeit zu Amadabat in der Hollander Loſament befunde; war daſſelbſten ein jhrer Nation neu ankomener Jüngling/ in der Schreibſtuben zu dienen; deme die Gewonheit des Lands annoch unbekandt/ dieſer einen groſſen Affen auf einem Baum des Hofs ſehend/ ein Seichen ſeiner Geſchicklichkeit oder vielmehr ſeiner Jugend zu geben/ ſchoſſe denſelben mit einem Fuſilrohr herunder: Ich war damalen mit dem Hollandiſchen Befehlhaber an der Tafel; wir horten den Schuß nicht ſo bald/ als ein groſſes Geſehrey der Banianen/ die in der Holſander Dienſte ſeind; und welche kamen eine bittere Klag führend/ daß man den Affen getoͤdtet. g fort; und mit groſſer Mühe und vielen Entſchuldigungen konten ſie wiederum befridiget/ und zu bleiben beredt werden. 175 Fn der gegend Amadabat befindet ſich ein groſſe Anzahl Affen; und iſt zu mercken/ daß an denen Orten/ da dieſer Thier viel ſeind/ Raaben geſehen werden. Donn ſo bald ſie Eyer haben/ ſteigen die Affen auf die Baume und werffen die Cyer herunder. Da ich eines Tags/ von Agra kommend/ und auß Amadea bat mit dem Engliſchen Preſidenten der Dieſelben wolten kurzum 9 9 ell be Geſchaften halben/ verreiſete/ und wiederum nach Surare kehrete/ und wir vier oder fuͤnff Meili von Amadabat durch einen kleinen Wald führen/ von Baumen/ Mangues genannt; hen wir auf denſelben viel groſſe Affen Mann. lein und Weiblein/ deren viel jhrer Junge in jhren Armen hielten: Ein jeder unde ant hatte ſeine Kutſche/ der Engliche Preſſden lieſſe ſtill hatlen/ un mir zu ſagen/ daß er ein tn fliches und kunſtliches Rohr hatte/ ſo ih worden/ mich battend; weil er wuſte ich ein guter Schutz ware/ daſſelbe auf nen dieſer Affen zu probieren. Als abel ner meiner Knechte/ ſo des Lands io 5 mir gewuncken/ ſolches nicht zu was ß trachtete ich den Preſidenten von ſein 6 Vorhaben abwendig zu machen/ ware doch vergeblich; dann er nahme ſei 5 umd erſchoſſe damit eine Ain dir 6 1 gen von dem Gubernatoren von Damen beide ei2 4 tref1 7 0% 170 1 Al fullen/ enen oi Erſtes Buch. lwiſchen zweyen Aeſten hangen/ jhre Jungen auf die Erde fallen laſſend. Alſobald beſchaewas mein Knecht/ der mir gewuncken/ gleichhun vor geſehen; dann zur Stunde kamen alle * 51 auf dieſen Baumen waren/ über 60. 925 er Zahl m Grimm herunder/ und ſpran0 daf des Prefidenten Kutſche zu/ dene ſie onder Zweiffel/ ohne geſchwinde Hulffe/ indee die Kutſche beſchloſſen worden/ und eine Nie es d de ah Finzahl Knechte/ die ſich bey der Kutſche befunden mit aller Macht die Affen abgetrieben/ deb age hatten. Ohwolen dieſe Thier meiKurſchen die etliche Schritt des Preſidenken ſeiner nachfolgte/ ſich nicht naheten/ ware doch wegen des Grimms dieſer Thieren/ die groß und ſtarck geweſen/ in nicht geringen orchten; ſie verfolgten des Preſidenten Kut5 10 einer Meilwegs/ alſo ſehr waren ſie erAber laſſet uns in unſerm Weg von Surate nach Agra fortfahren. N Von Amadabat nach Panſer, ſeynd Coſtes 5 Von panſer nach Maſana, Coſtes. 14 dn Von Maſana nach Chirpour, Coſtes. 14 ü Chirpour iſt ein zimlich feine Stadt/ alſo bt. genennt wegen des groſſen Gewerbs/ ſo mit den gemachten Tuͤchern/ Chites, daſelbſten getrieben wird. Vier oder fünff hundert Schritt gegen Mittag iſt ein kleiner Fluß. Als ich in einer meiner Reiſe/ zu Chitpour ankame/ lagerte ich mich under zween oder drey Baume/ u Ende eines groſſen Platzes/ nahend der kadt. Bald darnach wurden vier oder z. owen zu zahmen/ fürgefuhrt; darzu/ wie mir 5 worden gewohnlich fünff oder 6. Mom Zeit erfordert wird/ und wird folgender ö wel en darmit verfahren: Man bindet die Lo. wen bey den hindern Füſſen zwoͤlff Schritt ti er dog einandern/ mit einem Strick an einen 3 die Erden geſchlagenen Pfal/ und ha. Loͤwen noch einen andern Strick um Die ale welchen der Meiſter in Handen halt. moe Pfahl ſind in einer Linen; und aufelner 9 5 Zeilen in 20 Schuh underſchieden/ ſo Net ander Seil geſpannen/ in die Lange/ binder wen erhaben. Die dem Löwen an die fel en d. Juß angebundene Strick/ laſſen demSeil; ie Freyheit/ bis auf dieſes geſpannete wert 900 ſchieſſen; den jenigen aber/ die dortn abt„mit Darwverffung kleiner Steikrürne Stücklein Holtz/ anzureitzen/ und zu üben den/ zum Zeichen dienend/ ſich nicht darr zu wagen. Das Volck/ dieſes Schau⸗ g a ſehen/ laufft herzu/ und wann der angebruno bis an das geſpannte Seil zugewen gelt zeucht der Meiſter/ der den dem Lohalt 1 Hals gehenden Strick in Handen g we das Thier zuruck; und auf dieſe Weiſe Ahn man den Löwen 8 den Leuten Hitpour, die tzweil auß meiner Hude gehen. 5 Wunden folgenden Tag hatte ich ein andere und 5 Troppen Mahometiſcher Fakirs, Dervichsbegegnet/ deren zehlte ich. 2¹ Ihr Haubt oder Vorgeſeßzter/ ware des Chagehan-guir Ober⸗Stallineiſter/ deſſen Hof derſelbe damalen/ als ſein Grof⸗Sohn Sultan Boulaki auf Befelch ſeines Oheims Chagehan, wie anderswo gemeldet werden ſolle/ ſtranguliert worden/ quittiert. Andere vier waren nach dem Vorgeſetzten/ die vornehmſten dieſer Truppen/ und auch am Hof des Cha-gehan geweſen. Die ganze Kleidung dieſer fünff Dervichs heſtunde in 3. oder. Ehlen Leinwat Pomerantzenfarb/ davon dieſelben Gürtel gemacht/ deren Ende einer Seits hinab zwiſchen den Schenckeln durch/ und auf der andern Seiten wiedrum hinauf bis under den Guͤrtel gieng/ und alſo vor und hinden/ was die Scham erfordert/ bedeckte. Ein jeder hatte auch ein Tigerhaut auf der Achſel/ under dem Kinn gebunden: vor jhnen her wurden 8. ſchoͤne geſattelte und gezaͤumte Pferde gefüͤhret/ drey derſelben hatten gůldene Zaum/ und die Sattel mit guldenen Spangen beſetzt/ die fünffüͤbrigen aber ſilberne Zaum/ und die Saͤttel mit ſilbern Spangen/ jeder von einer Leoparts⸗Haut bedeckt. Die andern Dervichs hatten für jhre gantze Kleidung allein ein Seil/ ſo denſelben an ſtatt eines Gurtels diente/ daran ein Stucklein Leinwat gebunden war/ um ihnen/ wie den andern/ die Schamglieder zu bedecken. Das Haar jhres Haubts ware in Form wie Zoͤpffe aufgebunden/ und giengen um ſelbiges herum/ ſo auf Manier eines Tuͤrckiſchen Bunds ſchiene. Alleſamt waren wol bewaffnet/ mehrentheils mit Bogen und Pfeilen/ etliche mit Muſqueten/ andere mit Springſtoͤcken/ und einer Gattung Waffen/ deren wir in Europa keine haben: das iſt ein ſcharffes eiſen Blatt/ in Form eines Schuſſel⸗Randes ohne Boden/ der ſelben legen ſie acht oder zehen uber den Kopf um den Hals/ gleich einem Uberſchlag alſo tragend. Wann ſie ſich dieſer gleichſam flachen Reiff bedienen wollen/ nehmen ſie ſolche/ und werffens wider einen Mann/ gleich wie etwan bey uns mit einem zinnern Teller beſchicht/ mit ſolcher Starcke/ daß wenig fehlet/ derſelbe nicht mitten entzwey geſchnitten werde. Ein jeder hatte auch noch ein Horn/ gleichſam wie die Jaͤgerhorn/ damit bey deſſen Ankunfft und Abreis an einem Ort/ er ein groſſes Gethoͤn macht/ und mit einer Scharre oder eiſern Inſtrument/ ohngefahr einer Mortelkellen gleich/ wie die Indianer gewohnlich auf der Reiſe tragen/ und damit den Platz/ da ſie lagern wollen/ ſchaben und butzen/ da dann etliche pflegen den Staub auf einen Hauffen zu machen/ und ſich deſſen/ um ſanfft darauf zu ligen/ für Matratzen und Haubtkuſſen/ zu bedienen. Drey dieſer Pervichs hatten lange Fechtdeen/ die ſie vermuhtlich von den Engellandern und Hollaͤndern bekommen. Ihr Bagage beſtunde in vier Reis⸗Kiſten/ mit Arabiſchen und Perſianiſchen Büchern/ und etwas Kuchengeſchirꝛ; und hatten 10. oder 12! Ochſen/ um die Krancken und Unpaßlichen zu tragen. Wie dieſe Dervichs an dem Ort/ da ich mit meiner Kutſche gelagert/ und 50. Perſonen/ ſo wol Landleut/ die man/ wie vorgemeldt/ 8. 5 N Zu Bargant i: 5 itt ein Zoll. Zoll bezahlen muß. In einer meiner Reis nach 22 Reisbeſchreibung in Indien/ Reiſe mitnim̃t/ als meiner eigenen Knechte/ bey mir hatte/ ankommen; und als der Vorgeſetzte dieſer Geſellſchafft/ mein Geleit ſahe/ fragte er/ wer dieſer Aga ware/ und lieſſe mich hernach bitten/ jhme zu weichen/ weilen der Platz vor anderen da herum/ mit ſeinen Dervichs zu logiren/ bequem ware. Wie mir nun dieſer Vorgeſetzte/ und die andern jhme folgende Dervichs, nach jhrem Stand beſchrieben worden/ wolte ich demſelben dieſe Höflichkeit gern beweiſen/ und in das jenige/ darum dieſelbigen mich freundlich erſuchen laſſen/ willigen/ wie beſchehen/ und jhnen von dem Ort/ den ich hatte/ wiche; ſintemalen ein anderer Platz mir eben ſo gut geweſen. Alſobald wurde der Ort mit viel Waſſer begoſſen/ und ſauber und eben gemacht; und wie es in Winter szeit/ alſo um etwas kalt ware/ wurde für die funff Dervichs zwey Feur angezundet/ welche ſich in Mitten ſetzten/ und vor und hinden warmeten. Noch ſelbigen Abend/ nachdeme dieſelbigen zu Nacht geſſen/ kame der Gubernator der Stadt/ dieſen J. Dervichs Ehr zu beweiſen/ und in der Zeit ſie daſelbſten verharreten/ ſchickte er jhnen Reiß und anders/ ſo ſie zu eſſen pflegen. Wann die* ſelben an einem Ort ankommen/ ſchickte der Vorgeſetzte etliche in die Stadte und Doͤrffer zu bettlen/ und die Nahrung/ ſo ſelbe mitbringen/ und für Allmoſen bekommen/ wird alſobald in gleiche Portion under jhnen außgetheilt/ da dann ein jeder ſein Reiß zu kochen/ ſorgen mag: was uͤbriget/ geben ſie alle Abend den Armen/ und behalten nichts bis den folgenden Tag. 3 Von Chitpour bis Balambour; ſeynd Coſtes. 12 Von Balambour nach Dantivar, Coſtes. 11 Von Dantivar nach Bargant, Coſtes 17 Bargant iſt ein Raja Sand/ da man den Agra durch Bargant fahrend/ ſahe ich den Raja nicht/ aber ſeinen Leutenant/ der mich hoͤflich tractierte/ und mir Reiß/ Butter und Obs/ nach ſelbiger Zeit/ verehrte. Hingegen beſchenckte ich denſelben mit drey SchlaffhoſenBand/ von Gold und Seiden/ ſamt 4. Naßtůͤchern von gemahltem Tuch/ und zwo Flaͤſchen/ die eine voll Brantenwein/ die andere Spaniſchen Weins. Bey meiner Abreise lieſſe er mich 4. oder. Coſtes weit/ durch 20. Reuter begleiten. ö In der Wiederkehr eben dieſer Reiſe/ ſchickte ich meine groͤbſte Waaren zu Fuhr vorher/ um meinen Weg abzukuͤrtzen/ wolte ich wiederum meine Reiſe dorten durch nehmen. Ich hatte bey mir 60. Bauren oder Leute des Landes/ und 7. oder S. Knechte/ die mir gewoͤhnlich aufwarteten. Wie ich eines Abends an den Grentzen des bemeldten Raja von Bargant, zu lagern ankame/ verſamleten ſich alle dieſe Vauren um mich her/ mir anzuzeigen/ daß den Weg nach Bargant zu nehmen/ wir in Gefahr ſtunden/ alle erwürgt zu werden/ dann der Fürſt deſſelhen Landes niemand verſchonete/ und nur von dem Morden ſich erhielte; es ware dann/ daß ich noch 1oo. andere Bauren wurgelangt/ kamm derſelbe in Perſon mich 10 de nehmen; im widrigen ware kein Anſehen/ der Jiauber Handen/ die er hin und wider gußſchickte/ zu entgehen/ und daß ſie verurſacht waren/ beydes für mich und ſie/ mir dieſen Bericht zu geben. Ich erſtritte mich lang mit den ſelben/ und hielte jhnen jhre Zagheit für/ jedoch endlichen/ damit ſie mich nicht einen Ver wegenen anklagen konten/ entſchloſſe ich mich o. Mann zu nehmen/ die ſte in den nachſt gelegenen Doͤrffern zuſamen gebracht. Durch des Raja Lande allein drey Tag Zeit zu reiſen/ forderten mir dieſelben ein ſeder 4. Roupies, welches ſo viel/ als man ihnen für einen gantzen Monat bezahlt. Den folgenden Tag/ wie ich meine Reiſe fortſetzen wolte/ erzeigten ſich dieſe Geſellen ſeltzam und wanckelmutig/ und ſagten/ daß ſie mich verlaſſen/ und jhr Leben nit wagen wolten; darüber mich bittend/ jhrem Vorgeſetzten nach Agra, der Burg für dieſelben ware/ nit zuzuſchreiben/ ob waren ſie wider meinen Willen von mir gewichen. Drey meiner Knechte thaten dergleichen/ und blieben allein bey mir der Knecht/ ſo das Handpferd fuͤhrte/ mein Kutſcher/ und drey andere Knecht/ mit denen ich mich im Geleit Gottes/ der mich auf allen meinen Reiſen ſonderlichen beſchutzet/ auf den Weg begabe. Ohngefaͤhr eine Coſte von dem Ort meines Aufbruchs/ ſahe ich von weitem ein Theil dieſer Bauren/ die mir folg ten: ich lieſſe meinen Kutſcher halten/ um deren zu erwarten; als die Vorderſten mich erreicht/ ſagte ich zu jhnen/ wann ſie mit mir kommen wolten/ muſten ſie neben meiner Kutſche hergehen/ und nicht alſo nachziehen; wie ich aber ſahe/ daß dieſelben annoch forchtſam/ und nicht entſchloſſen/ ſagte ich jhnen/ daß mit ſo vetzagten Leuten mir gar nicht bedienet/ und gabe hnen vollig Urlaub. Als ich ohngefähr noch eine Meile gereiſet/ lieſſen ſich nach Lange eines Bergs/ ohngefaͤhr 50. Reuter ſehen/ von denen 4. auf mich zuritten: ſo bald ich derſelben wargenommen/ gieng ich auß meiner Kutſche/ und weilen ich dreyzehen Geſchoß bey mir hal te/ gabe ich jedem meiner Leute ein Rohr⸗ Die Reuter je mehr und mehr ſich nahend/ lieſſe ich meine Kutſche zwiſchen jhnen und mir ſtehen/ und ſtellte mich in Poſtur/ wann man mich angreiffen wurde Feur zu geben. Aber ſie winckten mir/ daß ich nichts zu foͤrchten halte; und einer derſelben herzunahend/ ſagte mir es ware der Furſt ſo auf der Jagd/ und ſchick te zu wiſſen/ wer fremdes durch ſein Land reiſete? darauf antwortete ich demſelben/ daß ich eben der jenige Franguy ware/ welcher vor oder 6. Wochen/ auch durchgereiſet. Zu a lem Gluck folgte der Leutenant/ deme ich Branten⸗ und Spaniſchen Wein verehret/ dieſen A. Reutern auf dem Fuß nach; und nach deim derſelbe bezeugte/ daß er ſich erfreuete/ mic wiederum zu ſehen/ fragte er/ ob ich Wein hal, tes meine Antwort ware/ daß ich ſelten one Wein reiſete/ und zwar/ weil die Engellandef und Hollander mir zu Agra viel Flaſchen 10 f verehrt/ war ich damit verſehen. So bal f der Leutenant bey dem Raja wiederum zur d a bn hen verſichernd daß ich willkoff/ und begart/ 92 ich an einem Ort under den Baumen/ anderhalben Coſtes von dem Ort/ da wir damalen waren/ ſeiner warten ſolte/ da er nicht ermanglen wolte ſich einzufinden/ um mit mir zu trin1 0 Auf den Abend kam er dahin/ und blieben wir zween Tag daſelbſten/ uns zu erluſtigen: der Raja lieſſe etliche Tantzerin dahin beruffen/ ohne welche die Perſianer und Indianer nicht vermeinen/ daß man ſich luſtig machen konne. Bey meiner Abreiſe gab mir der aja 200, Reuter/ mich z. Tag lang bis an die Dune ſeines Landes zu begleiten/ und waren drey oder vier Pfund Taback/ das gantze Preſent/ ſo ich jhnen darfur gethan. Wie ich zu Amadabät ankame/ wolte man ſchwarlich Han daß ich von einem Fuͤrſten/ der den Namen hatte/ alle Fremde durch ſein Land reiſende/ bel zu tractiren/ alſo wol empfangen worden ware. Von Bargant bis Bimal, Coſtes 15 15 Von Bimal nach Modra, Coſtes 17 wn, Von Modra nach Chalaour, Coſtes 10 M Chalaour iſt ein alte Stadt/ auf ef e, e Chalaour iſt ein alte Stadt/ auf einem rg mit Mauren umgeben/ und deren ſchwer 0 beyzukommen; vor dieſem war es ein veſter e Platz. Oben auf dem Berg iſt ein Weyer/ g und ein anderer drunden/ zwiſchen jhme und dem Ende des Bergs/ der Weg in die Stadt zu gehen. 1 Von Chalaour nach Cantap; ſtynd Coſtes 12 Von Cantap hach Serlana, Coſtes 15 Von Serlana nach Palavaſeny, Coſtes 14 Von palavaſeny nach Pipars, Coſtes 11 Von pipars nach Mirda, Coſtes 16 N. Von Dantivar hach Mirda, ſeynd drey reiſe/ und iſt ein bergicht Land/ welches etli0 Rajas und ſonderbaren Fuͤrſten/ die doch Abe, olsen 40g etwas bezahlen/ zugehoͤrt. mend din feinen Armeen; von denen ſieviel 1 Nutzen haben/ als die Schatzung/ die ſie 15 ane ine geben muſſen. 5 188 St e iſt eine groſſe/ aber ubel gebaute lech, Wie ich daſelbſten ankam waren ch. Wurtshaͤuſer voller Leute/ weilen des cha. Gena Peuhme welche des Stehr klelt Kan des Obln jhre Tochter mit Soltan Sujah hen ha- gehan zweyten Sohn/ ſich zu verget mne begleitend. Alda ware ich genöͤhti5 in le Selke auf einem Damm dai beyden gal de aber 9 05 Lee ch ihr be den fürze/ Otund hernach wude dont . Ele 1 zu ſehen/ daß fuͤnffzehen oder zwantzig dune daher kommen/ von dieſen groſſen wgre 0 was ſie konten zu verbrechen; es wie 5 verwunderliche Sach/ zu ſchauen/ mit ihr 0 Thiere die groſſen Aeſte der Baume/ em Ruſſel zerbrachen/ gleich wie wir in verbrechen. Dieſe Verwuͤſtung ſ 50 ſchiffe mch 0 ß durch kommen koͤnnen/ werden dieſe Feinwad beſch 080 8 auf Befelch der Begum, um ſi ch/ da Deſeſhrvohner zu Mirda jhrer nicht geachtet; ſie ſoll micht gebührend empfangen/ noch wie en thun/ beſchencket/ ſich zu raͤc men th hen. Von Mirdla nach Boronda, ſeynd Coſtes 12 Erſtes Bucht hingegen gibt derſelbe jhnen namhaffte Von Boronda nach Costchiel, Coſtes 12 Von Coëtchiel nach Bandar-· Sonner ys 14 Von Bandar-Sonnery nach Ladona, Coſtes 105 Von Ladona Stadt/ nach Chaſou, Coſtes 2%%% Von Chaſou nach Nuali, Coſtes 17 Von Nuali nach Hindoo, Coſtes 19 Von Hindoo nach Baniana, Coſtes 10 Dieſe zwey letſten Ort ſeynd zwo Staͤdte/ alda wie in dem umligenden Land/ plat und runder Endich gemacht wird/ und weil ſolches der beſte aller Endich/ iſt derſelbe guch doppelt ſo hoch im Preiß. b Von Banjana nach Vettapour, Coſtes 14 Voertapour iſt eine gar alte Stadt/ da wullene Teppich gemacht werden. Von Vetrapour nach Agra, Coſtes 12 Von durate nach Agra, ſeynd in allem CoWann man gewiſſe Tagreiſen/ jede von . Coſtes thun koͤnte/ ware von Surate nach Agra in 33. Tagen zu kommen; weilen man aber under Wegs ruhet/ und ſich an etlichen Orten aufhaͤlt/ iſt die Reiſe gemeinlich von 35. in 40. Tage. 1 5 Das VI. Capitel. Weg von Iſpahan, nach Agra uber Candahar. f — I Ch habeeinen Theil dieſes Wegs ge⸗ Veſhnez nau beſchrieben/ und den Leſer bis hung des S Wegs von nach Candahar begleitet. Iſt noch Upaben nach uͤbrig denſelben von Candahar nach Agra zu führen/ dahin allein durch zween Weg zu gelangen/ entweder durch Caboul oder durch Multan. Dieſer letſte Weg iſt um 10. Tag kürtzer als der andere/ aber die Geſpanſchafft fahrt ſelben wenig/ weilen von Jandahar bis nach Multan faſt den gantzen Weg durch nur Wuüſteney/ und zu weilen in drey oder 4. Tagen kein Waſſer gefunden wird. Iſt derowegen der gemeinſte und gebahnteſte Weg durch Caboul. Nun werden bis dahin von Candahar 24. Tag/ von Caboul nach Lahor 22. Und von dieſem Ort bis Dehly oder Geha nabat 18. von Pchly nach Agra 6. welche mit 60. von Iſpahan nach Farat, und 20. von dieſem Ort bis nach Candahar zuſanzen von Iſpahan nach Agra 150. Tagreiſe machen. Aber die jenigen Kauffeut/ welche eylige Geſchaffte haben/ nehmen etwan z oder 4. zuſamen/ Pferde/ und reiſen den Weg/ in halb ſo viel Zeit/ nemlich in 60. oder 7. Tagen. Agra über Candahar, Multan iſt eine Stadt da viel deinwad ge⸗ Zutaten macht wird/ die all nach Tata, hiebevor ehe das Sand/ die ein Fort des Fluſſes verderbt/ verführt wurden; aber ſeith dem der Paß bechloſſen/ alſo daß die groſſen Schiffe nicht hinnach Agra, und von dar nach Surate, gleich wie auch ein Theil der Waaren von Lalo gebracht. Und weil die Fracht hoch geſtehet/ kommen dieſer Zeit wenig Wagren von 41115 0 an wird viel Leinwad gen macht. 24 tan und Lahor,'s ſeynd auch viel Arbeiter von dar weggezogen/ welches eine Urſach daß auch des Königs Einkunfften in dieſen Provintzen ſehr verringert ſeynd. Mulran iſt der Ort/ da alle Banianen, welche nach Per ſlen zu handlen reiſen/ und da dieſelben die Handthierung der Juden/ wie anderswo vermeidt/ üben/ id jhnen ſelbſten durch jhren Wucher eine Theurung verurſachen/ herkommen. Sie haben ein ſonderbares Geſaßz/ vermnog deſſen/ jhnen an gewiſſen Tagen des Jahrs/ Huner zu eſſen erlaubt/ und daß zween oder drey Brüder nur ein Weib nehmen doͤrffen/ under welchen der Eltere der Kinder Vatter gehalten wird. Auß dieſer Stadt komen auch Zauckler und Zaucklerin/ die ſich in underſchiedliche Ort in Perſien gußbreiten. 5 ö Nun folget der Weg von Candahar nach Agra Ulber Caboul und Lahor. 8 Von Candahar nach Chariſafar, Coſtes 10 Von Chariſafar nach Zelate, Coſtes 12 Von Zelatè nach Berazy, Coſtes 8 Von Betazy nach Mezour, coſtes 6 Von Mezour nach Carabat, coſtes 17 VonCarabat nach C hakenicouzè, coſtesiVon Candahar bis nach Cha kkenicouzæ; auf den Grentzen Indien/ iſt das Land von vielen geringen Herren/ welche dem Konig in Perſien einige Verehrungen thun/ regiert. Von Chalenicouzè bis Caboul, coſtes 40 In dieſen 4. Coſtes Wegs werden allein drey ſchlechte Doͤrffer/ alda ſelten Brod und Gerſten für die Pferd/ und derowegen das ſicherſte/ fen. In den Monaten Juli und Auguſti/ gehet in ſelbiger Gegend ein warmer Wind/ welcher den Alhem benimt/ und auf der ſtett die Leute hinrichtet; iſt ein gleicher Wind wie der jenige/ von deme in meiner Beſchreibung von Perſien/ Anregung geſchehen; welcher auch zu gewiſſen Zeiten bey Babylonien und Mouflul erk 1 Caboul iſt eine groſſe und zimlich wol beveſtigte Stadt/ daſelbſten hin kommen fahrlich die von UNsbe k jhre Pferde zu verkauffen/ deren Anzahl man uber 68. tauſend ſchetzen thut. Auß Perſien werden auch viel Schaffe und ander Vieh dahin gebracht/ und iſt der groſte Anſtoß der Tartarey/ der Indien und Perſien. Man findet daſelbſten Wein/ und ſeynd die Lebensmittel ſehr woffeil. In voruͤber gehen/ iſt allhier eine ſonderbare Sach von den Voͤlckern/ Augans genent/ zu mercken/ welche von Candahar bis nach Co. boul gegen den Bergen Balchjhre Wohnung N haben/ welche ſtarcke Leute/ und berühmte 00 nächtliche Rauber ſeynd. Der Indianer Geaer ur wonheit iſt mit einem krumen Staͤblein Holtztel. auß einer Wurtzel gemacht/ taglich morgens früh die Zunge zu ſaubern und zu ſchaben/ darvon dieſelben viel Unflat außtwerffen/ und zum Erbrechen bewegt werden. Obwol die obbemeldten Voͤlcker/ welche das Land der GrenBeſchreibunglder Stadt Ca boul. ten Perſien und Indien bewohnen/ dergleichen Gewonheit haben, erbrechen ſie ich doch wenig des Morgens; aber hingegen wann dieReisbeſchreibung in Indien/ Proviſion mitzunehmen angetrofſelben jhre Mahlzeiten halten/ und ſo bald ſie zween oder drey Biſſen geſſen/ bekommen ſie das Aufſtoſſen/ und müſſen ſich erbrechen/ hernach eſſen ſie mit gutem Appetit. Wann ſie dieſes nicht bten/ brachten ſie hr Leben nicht auf dreyſſig Jahr/ und würden Waſſerſuͤchtig. Von Caboul nach Bariabè, Coſtes 19 Von Bariabe nach Nimela, Coſtes 17 Von Nimela nach Alyboüa, Coſtes 19 Von Alyboüa nach Taka, Coſtes 1% Von Taka nach Kiemry, Coſtes 1 Von Kiemry nach Chaour, Coſtes Von Chaour nach Novẽchaar; Coſtes 14 Von Novechaar nach Atek, Ceſtes, 19 lovéchaa. k Cotes 0 Atek iſt eine Stadt an einer Spitze/ da zun 110 zween Fluſſe zuſamen ſtoſſen/ ligend/ eine der Ern fuͤrnemſten Veſtungen des Groſſen Mogéls c N g Ohne ein Paß port von dem Konig/ wird kein 05 Fremder daſelbſten eingelaſſen. Pater Rous ein Jeſuiter/ ſarnt ſeinem Gefahrt/ war willens durch dieſen Weg nach Iſpahan zu gehen/ hatten aber von dem Konig kein Paßport/ wurden derowegen zuruck gewieſen/ und kamen wieder nach Lahor; da ſie zu Waſſer ſich begaben, um nacher dem Scimdy zu Schiffen/ von dar dieſelben nach Perſien gereiſee t Von Atek nach Calapane, Coſtes Von Calapane nach Roupate, Coſtes Jon Roupate nach Toulapéca, Coſtes 16 Von Toulapèca nach Keraly, Coſtes 19 Von Keraly nach Zerabad, Coſtes 16 Jon Zerabad nach Imiabad, Coſtes 18 Von Imiabad nach Labor, Coſtes 18 w Labor iſt die Haubtſtadt eines König reichs/ an einem auß den Nordiſchen Ber bah gen herab flieſſenden fuͤnff Fluſſen/ welche den 0 Indum vergroͤſſern/ und den Namen beni ab die gantze Gegend/ die von denſelben begoſſen wird/ haben/ ligend. Dieſer Hluß laufft he zu Tag von der Stadt ein Viertel⸗Meilwegs abgelegen/ iſt in ſeinem Lauff verenderlich/ Jo 0 daß die benachbarten Felder oft von deſſen Ei, gieſſung beſehaͤdiget werden. Die Stad 16 M Aae Wa t iſt groß/ und erſtreckt ſich uber eine Peil in dee Lange; aber der groͤſte Theil der Häuſer(bee che hoͤher als die zu Agra und Hehly⸗) gehen zi u, grund/ und haben die ſtarcken Regen derk N 1 viel darnider geworffen. Des Koll, allaſt iſt zimlich ſehön/ und nicht mehr lis vor dieſem/ am Ufer des Fluſſes/ welche wi droben gemeldt/ ſich von der Stadt um 0 Viertel⸗Meil weggezogen. Man findet aut“ Wein daſelbſten. F Ich habe in acht genommen/ daß/ nachd 0 me man uͤber Lahor und durch das Konigrel 45 Cachemir, ſo in Norden folgt/ kommen/ l f Weiber von Nati/ nirgend an dem Leibe gun die Männer ſelbſten ſehr wenig Haar an en Kinn haben. 15 e Von Lahor nach Venat- Kan, Coſtes 5 Von Menat-kan nach Fary-abad, Coſtes 5 N Vonbaty-abad nachsera-da kan, Coſtes 15 N 5 Von Sora-dakan nach Sera-balour? 50 ſtes i f Von Sera- balour nach Sera-douras? 95 f ſtes 5 Aon 2 Erſtes Buch. Von Sera-durai nach Serinde, Coſtes 17 5 0 Serinde Stadt/ nach Sera-Mogoul, ö 88 5 17 fl Don Sera- Mogoul nach Sera-Chabas, CoVon Sera-Chabas nach Diraurik Coſtes 17 Vondirauril nachdera-Cxindal, Coſtes 14 lies on Sera-Crindal nach Guienaour, CoVon Guien aour nach Dehly, Coſtes 24 5 Allhier iſt zu mercken/ daß bey nahe der gantze Weg von Labor nach Dehly und von fer nach Agra wie ein Spatziergang beydereirs mit ſchoͤnen Baͤumen beſetzt/ welches ſehr 105 eine an dero Statt Seen 9 lt.„ Dehly iſt eine groſſe Stadt/ nahend dem 1 Gemna, welcher ſeinen Lauff von Nord n Suden nimt/ hernach von Nidergang gegen Aufgang/ und zu Agraund Kadioue durchſleſſend/ endlich in den Gangum ſich ergieſſet. 1 5 als Cha- gehan die neue Stadt Geha10 ad, deren er den Namen gegeben/ erbauen alen da derſelbe lieber ſein Reſidentz als zu gra hielt/ weil der Lufft milder/ iſt Dehly chr zerſtoͤret/ und faſt gantz in verfallenen auren/ alſo daß wenig mehr aufrecht ſtehet/ als Haußlein da arme Lente wohnen koͤnnen. Die Gaſſen ſeynd eng/ und die Hauſer von ſo genannten Bamboue oder Meer⸗Rohren/ wie in gantz Indien; allein drey oder vier Herren des Hofs/ haben in Dehly jhre Wohnung in weiten beſchloſſenen Platzen/ da dieſelben jhe gelten aufſpannen laſſen. Daſelbſten hatte 100 in der Pater Jeſuiter, welcher zu Hof ware/ Gate Ein Loſament. N Aach 5 Sehanabad, gleich wie Dehly; iſt eine diele Stadt und eine ſchlekte Maurmacht au bſonderung. Ale der Partteula⸗hernen Hauſer/ ſeynd in eingeſchloſſenen Pla11100 . 10 fei 5 ein mitten deren das Loſament/ damit man a 00 alwo die Weiber einbeſchloſſen/ ſich en uihern könne. Der meiſte Theil de großeren/ wohnen wegen Komlichkeit des 1 ö Gaaſers/ auſſert der Stadt. Im Eingang dange rde au, der Seiten Behly ift eine Ade breite Gaſſe/ bederſeits mit Gewoͤliſtd 80 die Kaufkut ſich aufhalten, und oben ſegehet ebau einer Altane gleich. Dieſe GaſPalast ü den groſſen Plat/ da des Konigs eite Gul und eine andere ſehr gerade und ander aſſe gegen bemeldtem Platz nach einer born Porte des Pallaſts in weſcher die den chmen Kauffeule/ welche keine offene dae bt er Koͤnigliche Pallaſt hat eine gute halckerdeie im 1 1 5 von ſtaruch draderſdeinen wit Sinnen aufgebaut un, Thurn. dehenden Zinne/ rings herum/ ein Quader Die Gräben ſeynd voll Waſſers/ mit detz ſteinen aufgefuͤhrt. Die groſſe Pforte die ol 5 ſo wol als der vordere Hof/ da tinkomm ymen Herren mit ſhren Elephanten uß d konnen/ iſt von keiner Koͤſtlichkeit. 1 Obel. Hofe komt man in einen lan7 delle) dußzaſchen aber anetlaben uten der ben die Baume/ und werden keine andere ſe d des 25 gen und breiten Durchgang/ der zu beyden Seiten ſchoͤne Schoͤpfe/ und under den ſelben viel kleine Kamern hat/ da ein Theil der Wacht zu Pferde/ ſich gufhalten thut. Dieſe Schopfe ſeynd ohngefähr zween Schuh über der Erden/ und die Pferde ſo außwendig an Ringe angebunden/ eſſen auf dem Rand. An erlichen Orten ſeynd groſſe Pforten/ die zu underſchiedlichen Zimmern als der Weibern/ und den Ort/ da Gericht gehalten wird/ leiten. In Mitten dieſes Durchgangs iſt ein Canal voll Waſſers/ ſo in gleicher Weite von einandern/ unterſchiedliche kleine Waſſer⸗Kaſten formieret/ und zu beyden Seiten kinen ſchoͤnen Spatzierweg hat. Dieſer lange Durchgang fuͤhrt in eine groſen Hof/ alda die Omerhas, das ſeynd die vornehmen Herren des Königreichs/ gleich wie die Bachas in Türcken/ und diek ans in Perſien/ in eigener Perſon Wacht halten: fur dieſelben ſeynd in dieſem Hof/ rings umher Loſamenter/ und jhre Pferde vor den Pforten angebunden. Auß dieſem zweyten Hof/ gehet man in einen dritten durch ein groß Portal/ auf Seiten deſſelben iſt gleichſam wie ein kleiner Saal/ zween oder drey Schuh hoch vom Boden aufgehoben. In demſelben werden die Koniglichen Kleider/ und die ſo genannten Calaat und Nocke/ die der Konig/ wann er jemand/ es ſeye Fremder oder Einheimiſcher/ würdigen wilverehren laſſet/ aufbehalten. Ein wenig beſſer hinein dieſes Portals/ iſt der Ort fur die Trommel/ Trompeten und Schalmeyen/ die kurtz zuvor/ ehe der König zu Gericht gehet/ um den Ohmras ſolches wiſſend zu machen/ gehoͤrt werden; ingleichem wann der Konig bereit iſt gutzuſtehen. Im Eingang dieſes drite ten Hofes/ iſt imm Geſieht der Divan oder Kos nigliche Audienz Saal/ vier Schuh hoch von der Ebne erhoben/ und an drey Orten offen. Zwey und dreyſſig Marmelſteinerne Saulen underſtüͤtzen das Gewolb/ und dieſe Saulen ſeynd ohngefahr vier Shuh in der Vierrung/ ſamt dem Jußblatt/ von gegrabener Arbeit. Wiecha-gehan dieſen Saal anfangen bauen laſſen/ wolte derſelbe/ daß ſolcher nut dergleichen wunderſamen Steinen/ wie in Italien des Groß⸗Hertzogen Capellen iſt/ durchauß gezieret wurde; aber nachdeme die Probe an zwey oder drey Saulen/ zween oder drey Schuh hoch beſchehen/ hat er befunden daß zu einem ſolehen groſſen Werck/ genig dieſer Steinen zu bekommen/ nicht muͤglich/ und da ber das/ ſolches eine unermeßliche Summa Gelts erfordern wurde; darauf hin dieſe Arbeit eingeſtellt worden/ und muſte das Blumwerck/ ſo er darauf mahle Gul e ſeyn. In der Mitte dieſes Sgals/ nahe dem Theil gegen dem Hofe/ iſt das Auſſehen Orts/ einem Schauplatz gleich/ da des Königs Thron/ Audient zu geben/ und Gericht zu halten/ aufgerichtet wird. Es iſt ein kleines Beth ſunſeren Feld⸗Bethen gleich mit vier Saulen/ dem Himel/ Lahne/ ein Hauͤbtpfulbe und der Decke/ und das alles mit Demanten bedeckt. Jedoch wann der Konig darauf ſich ſetzet/ wird auf das Beth eine von Gold oder E ſonſten 26 ſonſten reich geſtickte Decke gebreitet/ der Kos nig gehet uber 3. Staten/ zween Schuh lang hinauf. Auf einer Seiten iſt ein Sonnenſchirm an einem Stab/ eines halben Spieſes lang/ und an jeder Saule des Beths eines des Königs Waffen angehenckt/ an eine ſein Schilt/ an die andere ſein Sabel/ an die dritte deſſelben Bogen/ und an die vierdte den Kocher und Pfeil und anders dergleichen. In dem Hof underhalb dem Thron/ iſt ein mit Saulen umgebener Platz/ welche Saulen zu gewiſſen Zeiten mit ſilbern und mit guͤldenen Zwingen bedeckt werden. An den g. Ecken dieſes Schrancken/ ſitzen die 4. Staats⸗Secretarii welche beydes in burgerlichen⸗ und malefitzSachen der Advocgten Stell bedienen. Viel Herren ſtehen um dieſen Schrancken herum; und diß iſt auch der Ort/ da die Muſicanten/ die in der eit/ da der Konig in dem Divan ſich befindet/ gehoͤret werden/ ſich aufhalten. Muſie iſt lieblich und angenehm/ und auch in den ernſtlichen Gedancken keines wegs verhinderlich. Wann der Konig auf ſeinem Thron iſt/ befindet ſich ein oder anderer vornehmerHerꝛ bey jhme/ und oͤfter ſeynd es ſeine Kinder. Swiſchen eylff und zwolff Uhren/ pflegt der Nabab, welcher der oberſte S tagts⸗Miniſter/ und dem groſſen Vezier in Türckey gleich/ dem Köͤnig vorzubringen/ was in der Kaner da er Preſident/ und welche im Eingang des erſten Hofs iſt/ ſich zugetragen/ und wann er gußgeredt/ ſteher der Konig auf. Zu wiſſen aber iſt/ daß/ ſo lang der Kong auf ſeinem Thron ſitzt niemand er ſeye wer er wolle/ auß dem Pallaſt zu gehen erlaubt; nichts deſtoweniger kan ich ſagen/ daß der König dieſes Geſetzes/ welches fin maͤnniglich allgemein/ mich befreyet/ wie die Urſach hernach vermeldet werden ſolle. 55 Als ich eines Tags/ indeme der König im Divan are/ wegen einer eylfertigen Sach/ die 8 gar keinen Aufſchub lite/ auß dem Pallaſt gehen wolte/ hielte der Wachtmeiſter mich bey dem Arm/ trütziglich zu mir ſprechend/ daß er mich nicht furter gehen laſſen wolte; Ich ſtritte mit demſelben eine zeitlangz aber wie ich ſahe/ daß er mich rauch traetierte/ ergriffe ich meine Canjareſ Dolch! jhme ein Zorn⸗Streich zu gehen/ welches auch beſchehen ware/ wann nicht z. oder 4. Wachter/ die zugeſehen/ mich abgehalten. Zu meinem Gluͤck gienge der, Nabab damalen des Königs Oheün/ eben vorbey/ und wie derſelbe die Urſach unſers Streits erkundiget/ befahle er dem Wachtmeiſter/ mich fort zu laſſen. Hinderbrachte hernach dem Konig/ was ſich zugetragen/ und zu Abend ſchickte der Nabab einen ſeiner Leute in Namen Ihrer Maj. mir anzuzeigen/ daß ich in den Pallaſt nach meinem Belieben/ und wañ derſelbe in dem Divan ſich befinde/ ohngehindert ein und außgehen mochte; deß wegen ich den folgenden Tag dem Nabab danckte. Gegen Mitten bemeldten Hofs/ it ein kleiner Canal/ ohngefahr 6. Zoll breit/ alda alle die jenigen/ die von guſſen zur Verhör begaren/ alldieweilen der König zu Gericht ſitzet/ ſtill halten guiſſen; und iſt denſelben ohnberuffen/ nicht erDieſe Reisbeſchreibung in Indien/ laubt/ daꝛuber zu ſchreiten/ auch dieAmbaſſaboren ſelbſten/ ſeynd dieſer Ordnung nit befreyet. Wann ein Abgeſandter bis an dieſen Cang i font/ ruffet der jenige/ welcher die Stelle/ die Ambaſſadorn einzuführen/ vertrittet/ gegen dem Divan, da der Konig ſich befindet/ daß die ſer oder jener Abgeſandte zu demſelben be gare. Alsdann zeigt ein Staats⸗Sceretarius ſolches dem Konig an, welcher oft ſich ffellet/ ob hoͤrte ers nit/ jedoch bald hernach die Augen au den Abgeſandten richtend/ laſſet er demſelben durch bemeldtensecretarium wincken/ ſich zu nahen. Auß dem Saal des Divan gehet man zur lincken auf ein Somerlaube/ von dar der Fluß geſehen wird/ und von dieſem Ort gehet der Koͤnig durch eine kleine Kammer in ſeinen Haram. Dieſes iſt die jenige Kammer/ n deren ich das erſte mal/ wie ich anderswo vermelden werde/ von Ihrer Majeſtaͤt Audientz bekane. Zur lincken des oft angeregten Hofs/ da der Divan, iſt eine Moſquèe ſehr wol gebauet/ deren Dann gantz mit Bley ſehr fleiſſig verguldt/ a dermaſſen wol/ daß etliche behaubten wollen/ er ſeye gantz von Gold überdeckt. In derſelben verrichtet der Konig ſein Gebat taglich/ außgenommen den Freytag/ da er in die groſſe Mon quẽe die ſehr ſchön/ und aufeiner groſſen alta. ne/ hoher als die Hauſer der Stadt/ und darauf man durch viel groſſe Schnecken kommet/ gehen ſoll. Den Tag/ wann ſolches beſchicht/ wird ein groſſes Garn y. oder 6. Schuh hoch /un die Schnecken herum geſpannen/ zu verhüten/ daß die Elephanten deren ſich nicht nähern/ und die Ehrerbietung fur die Moſquẽe zu bezeugen. Die rechte Seite des Hofs/ iſt mit S chop fen/ ſo einen langen Gang machet/ ohngefahr ein halben Schuh hoch von der Erden erhoben // verbauet/ und nach ange diſer Schopfen/ ſeynd des Königs Stallungen/ darein man durch vie Pforten gehet. Die E kalle f eynd beſtaͤndig mit ſehr ſchoͤnen Pferden/ deren das geringſte zoo. Kronen gekoſtet/ andere werden auf ooo. Kronen eines geſchatzet/ verſehen. Vor jedes Pforte des Skalls/ haͤnget eine Gattung De e von ambouẽ oder Meer rohren geflochten/ unn geſpalten ſo klein als unſere Weiden; aber„ wir in unſeren Landen die Weidenſtaͤblein mit Weiden ſelbſten binden/ werden hingegen dor? ten dieſe Bambouc oder Meerrohr mit geßwiun, ter Seide/ ſo Blumwerck vorſtellet/ gebunden, welche Arbeit ſehr zahrt/ und groſſe Gedult el fordert. Dieſe Decken dienen wider die Mu“ cken/ damit ſolche die Pferde nicht plagen ka i aber dieſes iſt nicht genug/ dann jedem Pfer 4 werden zween Stallknecht zugeben/ einer deren jmumer beſchaͤfftiget/ denſelben Luft zu machen, f Vor den Schöpfen hangen auch dieſe: Decken i gleich wie vor den Stallthuren die aufgezoge 3 und abgelaſſen werden koͤnnen/ je nach dem von nöhten; der Boden des Ganges it ſchoͤnen Teppichen bedeckt/ die Abends auf, hoben werden/ um an demſelben Ort den P 0 den das dagger zu machen. Dieses geſchlche jhrem eigenen an der Sonne gedozetenn en ſo ein wenig zerriben wird. Die jenigen 910 welche auß Peꝛſten/ lrabie/ oder auß Alb 55 . 50 Erſtes Buch. 5 27 1 au din gabrachtwerden erfahren Breite in 10 50 Sandboden welches Som⸗ ge gde 8 3 groſſe Ender ung/ dann in Indien merszeit dase Nen eine groſſe Hitz verurſachet. e 9 8 man denselben weder Hau noch Habern. Iſt die groſte Stadt in Indien und vor dieſem Köngliche den es Pferd bekomt morgens zwo oder 3. Bal⸗ der Königen Si geweſen. Der vornehmen Reſtdentz 9355 Groͤſſe eines Brods von 1 ß. von Wai Herren Haͤuſer ſeynd ſchon und wol erbauet; 15 und Schmalz bereitet; man hat groſſe ader der gemeinen Leute Hauſer/ haben nichts 10 1 diefelben zu dieſer Nahrung zu gewoh⸗ dergleichen/ ſo wenig als auch in andern Staͤd5 und brauchet oft 4. oder J. Monat Zeit ten in Indien. Sie ſeynd hin und her zerſtreuet/ 0 1 Der Stallknecht muß mit einer Hand und uͤbermaurt/ damit die Weiber nicht geſe50 dad die Zunge halten/ und mit der ande⸗ hen werden konnen; und demnach kan man ſich tigten Ballen in den Rachen ſtoſſen. In Zei⸗ leicht einbilden daß in all diefen Stadten nichts N der Zuckerrohren oder des Hirs/ gibt luſtiges/ wie in unſern Stadten Europe zu ſe4955 au von den Pfeꝛden zu mittag/ und abends hen/ und wie Agra mit Sand gantz umgeben/ noder zwo Stund vor der Sonnen Nider⸗ iſt Sommerszeit/ wie oben gemelt/ ein uber die bvh beronen ſie ein Maß Ziſererbſen/ zwiſchen maſſen groſſe Hitz daſelbſten; welches zum theil 0 Steinen zerrieben/ und in Waſſer einge⸗ eine Urſach/ daß Cha. gehan dorten nicht mehr 8 obere und dieſes dienet an ſtatt des Habern reſidieren wolte/ und ſeinen Hof nach Gehanaanheerſten, Was anderedes Königs Stalle back verſezt. i 5 viel langen thut/ ſeynd in denſelben zwar auh Alles was merckwürdig zu gra, iſt des Ko⸗ Was ads d ſchoͤne Pferde/ aber die Gebaue ſehr ſchlecht/ nigs Pallaſt/ und etlich ſchone Begrabnuſſen/ en aß nicht werth darvon etwas zu melden. beydes nahe der Stadt/ als in der Gegend herdeen. Wehe . Semen iſt ein ſchoner Fluß/ ſchiffreich/ der gachdeme ſolcher zu Agra 4 e ſeinen amen in dem Gange zu Hallabas verliehren f ut. Der Konig underhalt zu Gehanabad viel eine Schiffe/ ſpatzieren zu fahren/ welche nach Landes Art/ ſehr ſchoͤn gezieret ſeynd. — Das VII. Capitel. Folget ferner der Weg von Dehly bis nach agra. On Dehly nach Badelpoura, Coſtes 8 Von Badelpoura nach Peluel. kiſera, Coſtes 18 Von beluel- Ki- ſera nach Cotki-ſera, 15 Von Cot ki- ſera bis nach Cheki-ſera, 16 Zu bemeldtem Che ki-ſexa iſt einer der groͤ— 5 Fagodes ober Tempeln der Indien/ neben e M Spittal für die Affen/ ſo wol für die/ weldie gemeinlich daſelbſten ſich gufhalten/ als für m enenngen auß der Nachbarſchafft dahin kom10 nden/ die von den Banianen mit Nahrung iſorgt werden. Dieſer Pagode oder Tempel wird Aura genennet/ und wurde vor dieſem von den Abgoͤktern in viel groͤſſern Ehren/ als Gochalken Die Urſach ware/ weil der Fluß or 5 vor dieſem unden an dieſem Tempel 0 e 1 5. und hiemit die Banianes ſo wol des/ als die jenigen/ welche von ferne zu ten/ baren hinkamen/ die Bequemlichkeit hatFluß Eingang in den Tempel/ ſich in dieſem gang u waſchen/ ingleichem nach dem Auß⸗ h vor Zubereitung des Eſſens/ welches ſie 1 itung 18 107 chen nicht thun doͤrffen; zu deme hafiene ben den Glauben/ wann ſie in dem beſſer don Waſſer ſich waſchen/ jhre Sunde Jahre ußgetilget werde. Aber ſeith etlichen den 4 5 hat der Fluß ſeinen Lauff gegen NorCoſte N und flieſſet nunmehr eine ſtarcke nit me 5 dem Tempel/ welches eine Urſach/ daß 98 viel Wallfahrten dahin beſchehen. Von G eki. ſera nach goodlłi- ſera, coſtes gra 1 5 nach Agra, Coſtes 1 6 fi. Theil.“ Grad zr. Minuten in der denim ihre Andachten daſelbſten zu um. Der Koͤnigliche Pallaſt iſt weit im Begriff/ mit doppelten Mauren an theil Orten beveſtiget/ und auf den Mauren ſeynd kleine Loſamenter/ für etliche Hofbeamtete gebauet worde. Der Gemen flieſſet dem Pallaſt vor bey jedoch iſt zwiſchen dem Fluß und der Maur/ ein groſſer Platz da die Elephanten miteinandern ſtreiten. Dieſer Platz nahend dem Waſſer/ iſt expres hierzu erwehlet worden/ dañ der Elephant/ welcher meiſter wird/ ſolcher maſſen ergrimet/ daß man in langer Zeit denſelben nicht bezwingen konte/ wann er nicht in das Waſſer geſtoſſen wurde: zu dem Ende muß man einen Liſt brauchen/ und den Elephanten mit angezuͤndeten Rageten und Feurwerck/ an eine Stange gebunden/ in das Waſſer jagen; dann wann derſelbe ohngefahr zween oder drey Schuh tieff darinn/ begibt er ſich alſobald zu frieden. a Von dem Pallaſt/ auf Seiten der Stadt/ iſt auch ein groſſer Platz/ und die erſte Pforte/ daran nichts koͤſtlichs/ durch etliche Soldaten bewacht. Ehe der Konig ſeinen Sitz zu Agra verlaſſen/ um nach Gehanabad ſich zu begeben/ wann derſelbe für eine Zeit auf das Land zoge/ gabe er einem ſeiner vornehmſten und vertrauteſten Omerahs den Pallaſt/ da ſein Schatz war/ in Verwahrung/ bis zu des Koͤnigs Wiederkunfft; und ſo lang wiche der Omehras, weder Nacht noch Tag nicht von der Pforte/ da des Koͤnigs Wohnung ware; und in einer ſolchen Abweſenheit deſſelben/ hatte ich Erlaubnuß den Königlichen Pallaſt zu Agra zu beſeen. Als der Konig nach Gehanabad verreiſet/ dahin der gantze Hof/ auch die Weiber folgten/ wurde die Regierung des Königlichen Pallaſts einem Herren/ welcher der Hollander/ und insgemein aller Franguis guter Freund/ übergeben. Herz Velant, des Hollandiſchen Comtoirs zu Agra Vorgeſetzter/ kame/ ſo bald der Konig verreiſet/ dieſen Herꝛn zu begruſſen und nach Gewonheit zu beſchencken. 9 Welches Geſchencke in Specereyen/ Japoniſchen Kaſten/ und Hollandiſchem Tuch/ alles ohngefahr(000. Kronen werth/ beſtunde. Der Hollandiſche Weider begaͤrte bey dieſer 1 Cere 28 Ceremoni/ mich bey ſich zu haben; aber dieſer Here/ wegen der ſhime angebotten? Verehrung ich beleidigt befndend/ bewegte den Hollaͤndiſchen Vorgeſetzten/ ſolche wiederum wegtragen zu laſſen/ außgenommen ein Stablein von Meer rohren/ von 6. die under dieſem Preſent waren/ ſo er behielte/ mit Vermelbung/ daſſelbe in Betrachtung der zu den Franguis tragenden guten Freundſchafft/ annehmen wolte. Dieſes waren von denen Rohren auß Japon, welche durchaus knopffig; und das Gold/ damit ſolche gezieret waren/ muſte man auch noch darvon thun/ dann anderſt als gantz ſchlecht/ er daſſelbe nicht beliebte. Wie die Complimenten beederſeits beſchehen/ begaͤrte der Gubernator vom Heron Velant zu wiſſen/ worinn er jhme dienen konte? und als darauf der elbe/ indem der Hof abweſend/ den Pallaſt innen zu ſehen/ um Erlgubnuß gebatten/ war ſolches verwilliget/ und wurden uns ſechs Mann zum Geleit/ zugegeben. Die erſte Pforte/ alda wie vor gemeldt/ des Gubernators Loſament/ iſt ein langes und inſteres Gewoͤlb/ von deme man in ein groſſen Hoff/ rings herum mit Schoͤpffen/ wie zu Paris der Koͤnigliche Platz oder Luxembourg beſchaffen/ komt. Der Gang/ welcher im Geſicht/ iſt breiter und hoher als die andern/ mit z. Reihe Saulen underſetzt/ under denen Gaͤngen/ welche die z. ubrigen Theil der Seiten des Hofs inhaben/ und die ſchmaler und niderer/ ſeynd viel kleine Kammern für die Soldaten der Wacht. In Mitte des groſſen Gangs/ iſt ein ſonderbar Loch in der Maur/ in welches der Koͤnig auß ſeinem Haram, durch einen kleinen verborgenen Schnecken ſich begibt/ nach deme er daſelbſten nidergeſeſſen/ einem halben Leib gleich ſcheinet. Dazumal hat derſelbe keine Wacht um ſich/ dieweilen er nichts zu foͤrchten/ und weder vor noch hinden/ weder zur Rechten noch zur Lincken/ jhme niemand beykom̃en kan. In groſſer Hitz hat er allein einen Verſchnittenen bey ſich/ und oͤffters eines ſeiner Kinder/ jhme Luft zu machen. Die Vornehmen des Hofs halten ſich in dem Gang/ underhalb dieſem Loch auf. Zu Ende des Hofs/ auf der lincken Seiten/ iſt ein zweytes Portal/ dadurch man in ein andern groſſen Hof komt/ auch mit Gaͤngen umgeben/ under welchen auch kleine Kammern/ für einige des Pallaſts Beamtete ſind. Auß dieſem zweyten Hof gehet man in den dritten/ alda des Konigs Wohnung. Cha. gehan underſtunde/ das Gebwwolb eines groſſen Gangs zur Rechten gantz mit Silber bedecken zu laſſen/ und ein Frantzos/ Namens Auguſtin, von Bordeaux, ſolte das Werck machen. Nachdeme aber der Groſſe Mogol in ſeinem Staat/ niemand tuͤchliger/ als dieſen befunden/ nach Goa mit den Portugeſern eine wichtige Sache zu verhandlen, in ſeinem Namen zu verſchicken/ bliebe dieſe Arbeit vermitten; dann weil ſie den Verſtand des Auguſtins foͤrchteten/ haben ſie demſelben in ſeiner Wiederkehr zu Cochin mit Gift. vergeben. Dieſer Gang ward hernach mit Laubwerck von guldenen und himelblauen Farben gemahlt/ und der Boden mit Teppichen bedeckt. Reisbeſchreibung in Indien/ Under dem Gang ſtunden pforten /in viereckete und ſehr kleine Kammern einzugehen; zwo oder drey die geoͤffnet worden/ haben wir geſehen/ und wurde uns geſagt/ daß all die andern dieſen gleich waren. Die ubrigens. Seiten des Hofs ſeynd gantz offen/ und haben allein ein ſchlechte Maur/ eines halben Manns hoch. Auf des Seiten gegen dem Fluß/ it eindbivan oder Belveder, quf Erckerform gebauet/ dahin der Konig ſich ſetzt/ wann er ſeine Schiffe und der Elephanten Streit wil ſehen. Vor Eingang dieſes Divan iſt ein Eingang/ ſo an ſtatt eines Vor5 dienet/ und ware des Cha- gehan Vorhaen/ denſelben durch und durch mit Aeſten oder Stammen von Rubin und Schmaragd/ welche die grunen Trauben/ und auch die/ ſo begunten zu farben/ naturlich vorſtellen ſollen/ ziehren zu laſſen: aber dieſer Vorſatz/ ſo in der gantzen Welt erſchollen/ und welcher mehr Reichthum als er hatte verſchaffen koͤnnen/ erforderte/ wurde zu nichten; und ſeynd allein 2. oder 3. Stammen vonGold/ mit jhren Blattern/ wie alles alſo ſeyn ſollen/ von Farben mit Schweltzarbeit naturlich gemacht: die Smaragd/ Rubin/ und Granaten/ zeigen die Trauben. Ohngefahr in Mitte des Hofs iſt ein Bab wañe 40. Schuh von einem Bord zum andern haltend/ auß einem einigen grunfarben Stein/ mit Staffen/ auß und inwendig eingehauen. 0 Was die Begrabnuſſen weſchenund um ue U 0 90 5 1 Agra, anbelangen thut/ finden ſich deren ſehr scha ſchone/ und ſeynd wenig Verſchmittene des Kö⸗ N nigs Haram, die nicht ehrſüchtig/ ſich ein koͤſtli ches Grab aufrichten zu laſſen. Wann dieſelben groſſe Reichthum erworben/ wolten ſie gern in die Mecque gehen/ und viel Verehrungen da hin tragen; aber der Groſſe d ao gol deſſen Will iſt/ daß das Gelt in ſeinem gand bleiben ſolle/ erlaubt ihnen ſelten dieſe Pilgerfahrt zu thun; und weil dieſelben derowegen nicht wiſſen/ was mit ihrem Reichthum zu thun/ verwenden ſie den mehrertheil an diſe Begraͤbnuſſen/ um na jhrẽ Tod jhnen ein Gedachtnus zu hinderlaſſen. Under allen Begrabnuſſen zu Agra, iſt des Cha-gehan Gemahlin die prächtigſte. hatte dieſelbe jnſonderheit nahe dem Taſimacan, da alle Fremde anlangen/ aufrichten laß ſen/ damit mäanniglich ſolche ſehen/ und dir Koſtlichkeit derſelben preisen ſolte. Der Ta ſimacan iſt ein groſſer Bazar, in 6. groſſen Hbfen beſtehend/ alle mit Schoͤpffen umgeben/ under welchen Kammern zur 2Bohnung di, Kaufleute ſind/ und werden daſelbſt ſehr groſſ Quantiteten Leinwad verkaufft. Die Beg nuß dieſer Begum oder Soldanin Komgin/ im Anfang/ nach Lange des gluſſes/ in eine FN groſſen Platz mit Mauren umgeben/ un a dieſclbene Gang wie auf ben auen bielen Orten in der Chriſterheit. Dieser Pia iſt wie ein Garten/ mit Abtheilung der 19 tenbethen gemacht/ aber wie in unſern Lan nur Sand darein geſchuttet wird/ iſt an 5 N deſſen aldort weiß und ſchwartzer Marmor, In dieſen Platz gehet man durch ein groß G tal ein/ und ſo halden wird auf der lincken 72 ten/ gegen der Mecque ein ſchoͤner Gang g hen/ 85 daſelbſten drey oder vier Locher/ dahin der dufti zu gewöhnlichen Stunden das Gebat zuthun/ ſich begibt. Ein wenig uber die Mitte des Hofs/ auf der Seiten gegen dem Waſfer ſeynd drey groſſe Altane uͤbereinander aufgericht/ und an jedem Ecke derſelben/ ein Thurn/ 5 inwendig ein Schnecken/ um zur Stund De Gebaͤts zu ruffen. Oben darauf iſt ein alm/ der nicht viel weniger praͤchtig/ als der es Vel de- Grace oder Gnadenthals zu Pa118. In uñ auſſen iſt derſelbe von weiſſemMarmer gufgeführt/ und in der Mitten gebachene Steine. Under dieſem Dam iſt ein leeres Grab; dann die zegum ligt under einem Gewoͤlb/ weles under der erſten Alkane/ begraben. Gleiche Veranderungen/ ſo an dieſem Ort under der 0 0 beſchehen/ werden auch droben um das 5 ab verübt/ und von einer Zeit zur anderen/ dle Teppich/ Leuchter und andere dergleichen Zierkaht abgewechßlet; auch befinden ſich daelbſten jederzeit etliche Vollalss zu batten. Ich abe dieſes groſſe Werck/ darzu 22. Jahr und 20. kauſend Mann/ die ohnaufhoͤrlich daran gearbeitet haben/ gebraucht worden/ darauß wol zu erachten/ wie ſo ein mercklicher Koſten ö grquf gangen/ anfangen und vollenden geſehen. Man haͤlt dafür/ die Geruſte haben mehr als das gantze Haubtwerck gekoſtet; dann weil Mangel an Holtz/ muſte man ſelbe von gebrochenen Steinen machen; gleich wie auch den Einbau ber Gewollber/ welches groſſe Arbeit und Koſten erfordert. Cha. gehan halle jenFeit des Waſſers/ an ſeiner Begrabnuß laſſen aufangen; aber der Krieg/ in den derſelbe mit feinen Sohnen geriethe/ ware eine Hinderung/ N a5 nicht fortgefahren wurde/ und AurengTeb jetzt regierend/ lieſſe ſich nicht angelegen hn/ ſolches vollführen zu laſſen. Ein Verſchnitkener neben 2500. Mann/ ſt beſtellt/ beyeis der Begum Begrabnuß und den alma. can deren ſolche nahend iſt/ u verwahren. ni Eine Coſte von der Stadt/ wird des Koͤ0s Akabar Begräbmuß geſehen; der Vermittenen Begrabnuſſe beſtehen allein in einer Acgemir 4. kleinen Kaſern an den. Ecken. m Von Dehly nach Agra kommend/ ſihet 300 ein groſſen Bazar, nahend deme ein GarWi da König Gehan-guir des Cha-gehan Ge begraben, Uber dem Portal dieſes ſchwiels“ it deſſelben Grab mit einem groſſen Von auen Schleyer bedeckt mit viel Jacken ſülteweiſſem Wachs umgeben/ und zween Jeſich nan beyden Enden abgemahlet. Man hat wider ge wenig verwundert/ daß Cha-gekan u deren Greuel/ dieſes Gemahl gelitten/ 7 nicht wol auß anderer Betrachtung 15 fabi deren/ daß der Konig ſein Vatter/ und der: ſten/ von den Jeſuiten einig Fundament Inezarhematic und Altrologi erlernet hatten. a Agen andern Begebenheik aber/ war er nit Franck igt; dann als derſelbe einsmals einen ſchr lich lrwemer Wamens Coreie aden er renſte hatte/ und welchen er mit ſchoͤnen Ehren bewurdiget/ beſucht/ wurde der Jef.* Lil die jhr Hauß nahend der WohTheil. en Gebrauch der Mahometaner/ denen Erſtes Buch. 29 nung dieſes Armeniers hatten/ geleutet/ deren Klang/ ſo dem Krancken beſchwerlich ſeyn konte/ dem Koͤnig mißfallend/ befahle der ſelbe/ daß man ſolche herab nehmen und ſeinem Elephanten an den Hals hengen ſolte/ wie alſobalden beſchehen: Als etliche dag hernach/ der Konig den Elephanten dieſe Glocke/ welche zimlich groß war/ an dem Hals hangen habend/ geſehen/ beſorgte derſelbe/ dieſes ſchware Gewicht mochte dem Elephanten ſchaden/ und lieſſe dieſelbe von deſſen Hals wiederum herab nehmen/ und auf den Platz Coureval genennt/ welcher gleich einem Schrancken/ da ein Schultheiß deſſelben Quartiers das Gericht halt/ tragen/ alda ſolche ſeithero verblieben. Dieſer Armenier war mit Cha· gehan guferzogen/ und weilen derſelbe von herlichem Verſtand/ und ein treflicher Poet/ war er bey dem Konig in groſſen Gnaden/ der jhme ein und andere anſehnliche Gubernatorn⸗Stelle anvertrauet; aber niemalen weder durch viel verſprechen/ noch mit drauen/ denſelben zu der Mahometaner Religion vermoͤgen koͤnnen. Das VIII. Capitel. — Von dem Weg von Agra nach Patna lind Streit/ ſo ſich zwiſchen dem author und Cha: Eſt-Kan des Koͤnigs Oheim zugetragen hat. 1 2 En 25. November 1665. verreißte ich von Agra auf Bengala, und über5 nachteke in einem ſchlechten Carvanſera oder Wirtshauß/ von Agra allein Coſtes z Den 26. kame ich nach Beruzabad, Coſtes Diß iſt ein kleine Stadt/ alda in meiner Wiederkehr mir Sooo. Roupies, für Reſt des Belauffs/ der zu Janabat an Giafer- Kan verkaufften Waaren/ bezahlt wurden. 5 Den 27. nach Serail Morlides. Coſtes 9 Dien 28. nach Serail Eſtania, Coſtes 14 Den 29. nach Serail Haii-mal, Coſtes 12 Den 30. nach Serail Sekandera, Coſtes Den 1. December nach Sanqnal, Coſtes 14 Dieſen Tag begegneten mir ro. Karren/ jeder mit 6. Ochſen beſpannet/ und ooo. Roupies beladen; und diß iſt die Einkunfft der Provinz Bengala, die uber alle Unkoſten und Außgaben/ auch des Guberngtors Beutel wol geſpickt/ auf ooo. Roupies ſich belauffen thut. Eine Meil herwaͤrts Sanqual fahrt man auf einer ſteinern Brücke über einen dluß/ Sainour genent/ der in dend emene ſo nur eine halbe Meil von dieſem Ort/ ſich ergeußt. Wann man auf die Seiten Bengala komt/ nach Seronge und Surate zu reiſen/ und den Weg um 10. Tagreiſe abküͤrtzen wil/ den Weg auf Agra verlaſſend/ muß man zu dieſer Brucke komen/ und von da den Fluß Gemene überſchiffen. Aber gewohnlich wird der Weg nach Agra gebraucht/ weilen die andern Straſſen v. oder 6. Tagreiſe ſeynd/ und man durch das Gebieth der Rajas, ſo ohne Gefahr geplündert zu werden/ nicht beſchehen e muß. — 3 Den Daca in der Provintz Bengala, und dem 30 Reisbeſchreibung in Indien/ Den 2. Decemb. kam ich in ein Carvanſera malen in ſeinem Dienſte Hr. Glaucle Maille Cherourapad genant/ ſeynd Cotes 2 von Bourges, welcher für ein Wund⸗Artzt Halb wegs komt man durch Gianabadd, ei⸗ und Doctor der Artzney gebraucht wurde. ne kleine Stadt/ nahend derſelben/ ohngefehr Derſelbige war es/ ſo uns warnete/ kein Waßeine Viertel Meil hiewarts/ reiſet man uber ſer auß dem Gange, welches die Ruhr verurein Hirs⸗ Feld/ da ſahe ich einen Rinoceros, achte/ ſondern eher auß dem Schopf⸗Brunwelcher von den Hirs⸗Rohren/ ſo ein kleiner nen/ zu krincken. Der Oberſte der PerſianiKnab von neun oder zehen Jahren alt/ demſel⸗ ſchen Doctoren der Artzney/ die der Gubernaben darreichete/ aſſe. Wie ich zunahete/ gabe tor beſoldet/ wurffe eines Tags ſein Weib von er mir auch Hirs⸗ lehren/ und alſobald kam der Sommerlaube herunder; vermutlichen zu das Thier auf mich zu/ das Maul vier oder dieſer That auß Eiferſucht gereizet. Eu verfünfmal auffperrend; ich ſtieſſe jhme von dem meinte/ ſelbige ſolte zu Tod fallen; aber ihr Hirs darein/ und wann ſolehes verſchlungen/ wurden allein zwey oder drey Rippe im Leib führe das Thier fort/ das Maul aufzuſperren/ gebrochen; des Weibes Verwandte thaten damit demſelben mehr dargereichet wurde. dem Gubernator einen Fußfall/ um Recht betDen z. kame ich nach Serrail Chageada, tend. Der Gubernator beſchickte den Doctor/ Sees 10“ und befahle demſelben/ ſich fortzumachen/ ſeiDen 4. nach Serrail Ata kan, Coſtes 13 ner Dienſte nicht mehr begehrende: Er gehorDien J. nach Aureng-abad ein groſſer ſamte dieſem Befehlzlieſſe ſein gelahmtes Weib Flecken/ Coſtes 9. in einem Ballanquin tragen/ und begabe ſech Vor dieſem ward dieſer Flecken anders alſo ſamt ſeinem gautzen Haußweſen auf die genennet/ und diß iſt der Ort/ da Auren- zeb, Reiſe: Derſelbe ware nur drey oder vier Tagjetzt regierend/ wiber ſeinen Bruder Sultan reiſe von der Stadt/ da der Gubernator unSujah, der das gantze Land Bengala regierte/ paßlicher/ als gewohnlich/ ſich befande; er begetroffen und obgeſigt/ demnach derſelbe die⸗ ruffte den Arzt zuruck; welcher hierauf ſein ſem Flecken ſeinen Nahmen gabe/ und ein ſcho⸗ Weib/ 4. Kinder ſamt 13. Sclavinnen/ die er nes Hauß/ ſamk einem Garten und eine kleine bey ſich hatte/ erſtoche; und darauf wiederum Moſquse baſelbſten erbauen lieſſe. zu dem Gubernatoren kehret/ der ſtill ſchwiege . Den 6. Decemb. nach Alinchanz coſtes 9 und jhne in Dienſt wiederum annahme. N Ohngefehr zwo Meilen herwarks Klin. Den b. fuhre ich in einem groſſen Schiff zu. chan, komt man zur Gange, Herz Bernier über den Gaugum, nachdem ich von Morgen des Königs Leib⸗Medicus, und einer Namens biß Mittag auf einen Schein von dem GuberRachepot, in deren Geſellſchaft ich ware/ ver⸗ nator/ ſo Hr. Maille mir uberbracht/ um Erwunderten ſich/ dieqſen Fluß/ von dem ein ſo laubnuß der Uberfahrt zu haben/ an dem Ufer groſſes Geſchrey/ nicht breiter als die Seine gewartet. Dann beyderſeits iſt ein Derogaz del vor dem Louvre zu Paris iſt zu ſehen/ dann niemand ohne einen Schein heruͤber laͤſſet; er ſie vielleicht ſich eingebildt/ daß derſelbe wenigſt gibt auch Achtung/ welcherley Waaren weg in der breite der Donau underhalb Griechiſch geführt werden/ für jeden geladenen Karren Weiſſenburg ware. Dieſer Fluß Gangus muß man 4. Roupies, und von einer Kutſche hat von dem Mongt Nartio, biß in Junium einen bezahlen/ und iſt das Schiff darvon man oder Julium, in welcher Zeit das Regenwet⸗ ſonderbar geben muß/ nicht darium begriffen. ter einfallet/ an Waſſer ſo groſſen Mangel“ Dieſes Tags war das Nachtlager zu 8a. daß die Schiffe nicht hinauf fahren koͤnnen. dou llerail, ſo Coſtes 5 16 Wie wir uns nun bey dem Gange befunden; Den 9. zu Vakedil. ſera, Coſtes 10 f truncke ein jeder ein Glaß Wein/ mit Waſſer Den 10. zu Bouraky-ſera, Coſtes 8 6 ver miſcht/ welches uns das Leib⸗wehe verur⸗ Den u. zu Banarou, Coſtes 18 aal, ſachte/ aber unſere Knechte/ die des Waſſers Banarou iſt eine groſſe wolgebaute Stadt/ an daa allein truncken/ wurden dar von wol heftiger derenmehrentheil Hauser ſeynd von Juader⸗ 0 geguelek. Die Hollander/ welche jhr Woh⸗ ſteinen/ und hoher als anderer Indianische. nung an dem Ufer des Gangi haben/ trincken Staͤdte Hauſer; Aber unkomlich iſt/ daß Di kein Waſſer guß dieſem Fluß/ es ſeye dann Gaſſen gar ſchmal. Es finden ſich daſelblten geſprten; die aber in dem Land gebohren/ ſind viel Carvanleras, und under denſelben ein 10 von Jugend an darzu gewehnet: der Konig groſſes und ordenlich gebautes. In mitten de ſelbſten und der ganze Hof trinckt kein anders. ſen. Hof 2. bedeckte Gange dasein wad/ Selbe f Taglich ſthet man eine groſſe Anzal Camel, Zeug/ und andere zarten Waaren verfaußſe i dis nichts anders thun/ als Waſſer auß dieſein werden; die Verkaͤuffer ſind ede 8 Fluß abzuholen. Arbeiter ſelbſten; und hiemit bekoren 5 8 4 en ed Den 7. komt man nach Halabas,coſtes 8 leute die Waaren auß der erſten Hand. Halabas iſt eine groſſe auf einer Spitze er, Arbeiter ſind verbunden/ ehe ſie feil halt eine groſe balite Stadt/ da der Gangus und Gemens dem Zollbeſteher ſich anzumelden/ um bes e Halabas iſt ſich,verſniſchen es iſt daſelbſten ein ſchoͤnes nigs Waap' an die Stuck deinwad oder Zen Schloß von Juaderſteinen und doppelten anhängen zu laſſenzüm widrigen winden fe, Graben und des Gubernatoren Wohnung/ ſtraft und geprügelt. Die Stadt ligt ine welche eine der vornehmſten Herren der In⸗ den des Gangi, welcher den Mauren Vorne, bien/ und weil derſelbe wenig geſund/ under⸗ fieſſet/ und ein groſſer Fluß/ thut in dene er, halt er etliche Perſianiſche Aerzte/ er hatte da⸗ 2. Meilen underhaſb gegen Nidergang⸗ lege f 3 Stadt. gieſſen. In dieſer Stadt Banarou haben die 5 Abgotter eine ihrer furnehmſten Pagodes oder . empel/ wie ich in dem anderen Buch/ von der Banianern Religion ſchreibend/ Meldung thun will. Ohngefehr 500. Schritt von der Stadt gegen Nord⸗Weſt/ iſt eine Moſquse, allda viel Mahometiſche Begrabnuſſen geſehen werAan, deren einige von ſehr ſchoͤnen Gebauen. dle ſchoͤnſten ſeynd mitten im Garten mit 9 huren beſchloſſen; die jedoch Tagloͤcher ein Nalben Schuh in Vierung haben/ damit die Vorbeygehenden darein ſehen konen. Die vorZemſte under allen iſt/ wie ein Fußblatt in Vierung/ jede Seite ohngefehr 40. Schuh haltend. In mitten dieſer Altane ſihet man elne Saule 2. in 35. Schuh hoch/ von einem Stuck/ welche drey Manner ſchwarlich umfaſſen können. Iſt von einem graulechten Stein/ alſo hart; daß ich mit meinem Meſſer Varein nicht ritzen konnen. Und wie dieſe Saul in Pyramide ſich endet/ iſt auf der Spitze eine groſſe Kugel/ und under derſelben die Saule mit groſſen Knoͤpfen umgeben. Alle vordere heil dieſes Grabes ſeynd voller Bildnuſſe der Thieren/ auf dem Stein erhoben/ eingehauen dieſelbe ware viel hoher zuvor geweſen z wie dañ viel Alt⸗Vaͤtter/ welche etliche dieſer Begrabnuſſen verwahren/ mich ver ſichert: daß ſeint 0. Jahren ſolche mehr als 30. Schuh hoch ſich geſamlet habe/ und gaben vor/ es ſeye die Begraͤbnuß eines Koͤnigs von Boutan, der allda/ auß ſeinem Land ziehend/ um dieſes Konigeich zu eroberen/ darauß hernach die Nachkommene des Tamerlans jhne verjagt/ begraben worden: Auß dieſem Königreich Boudan wird der Biſem/ wie in meinem dritten Buch beſchrieben/ gebracht. Zu Banarou bliebe ich den 12. und z. welche ztween Tage es ohnablaſsig regnete/ ſo mich Zoch nicht hinderte/ meine Reiſe von dem z. Abends über den Gangum mit einem Schein 0 dem Gubernatoren fahrend/ fortzuſetzen. Aer reiſenden Bagage, wird vor Eintritt des n 5 chiffs beſichtiget: Die Kleider ſind frey; ag ber von den Waaren muß man den Zoll be10 zahlen. i 8 col Den. Übernachtete ich zu Baterpour, Den 14. zu Satragy-ſera, coſtess 8 Den w. zu Moniarky-ſera, coſtes 9 Denſelben Tag Morgens/ nachdem ich zwo 85 gereiſet/ fuhre ich durch einen Bach cnalar- ſou, und 3. coſtes von dar durch ein wir anderen Saocde- fou genennet. 5 Dien 16. zu Gourmabad, coſtes 8 1. Diß iſt ein Flecken an einem Fluß Goude a 0 genennet/ darüber man auf einer ſteizen Brucken fährt. 5 Gde. 8 8 en 17. zu Saſeron, coſtes 5 Ber 5— iſt eine Stadt unden an einem ö tendeſſadbeh en groſſer Weyer/ und in mitmedal Alben eine kleine Inſel/ da eine ſehr ſchöelles Neal ald in derlelben die Begräbnus 9 abab: Selim Kan genennet/ der ſolche in 5 Erſtes Buch. i 1 der Zeit er Gubernator der Provintz ware/ erbauen laſſen. Uber eine ſchoͤne ſteinerne Bruck kommet man in dieſe Inſel/ welche mit lauter Quaderſteinen gufgeführet und beſetzet iſt. Einer ſeits des Weyers/ iſt ein groſſer Garte/ und in mitten deſſelben eine andere ſchoͤne Begrabnuß des Sohns bemelten Nabab SelimKan, der auf ſeinen Vatter in der Regierung dieſer Provinz folgte. Wann man zu dem Bergwerck Sovlmel pour, von dem in meinem letſten Buch dieſer Beſchreibung Anmeldung beſchehen ſolle/ reiſen will; verlaͤſſet man die Landſtraß Patna, um gerads gegen Mittag/ durch Ekerbourg und die berühmte Veſtung Rhodas/ wie auch an bemeldtem Ort angeregt werden ſolle/ zugehen. Den 18. fuhre ich zu Schiff uͤber den Fluß Son- ſou, ſo von den Mittags Bergen herkomt/ und wann man hinuͤber/ muſſen die jenigen/ welche Waaren haben/ einen gewiſſen Zoll darvon bezahlen. 5 ö Deſſelbigen Tags kame ich ins Nachtlager nach Daoud-Nagarſera, allda eine ſchoͤne Begrabnuß/ coſtes„„ Den 19. nach Halva- ſera, coſtes 10 Den 20. nach Aga: ſera, coſtes 9 Moꝛgens begegneten mir hundeꝛt und dreiſſig Elephanten/ ſo wol groß als klein: welche zu dem groſſen Mogol nach Dehly, zugefuͤhret wurden. f a Den 21. nach Patna, coſtes 10 5 Patna iſt eine der groͤſten Staͤdten Indien/ rana iſt eine am Ufer des Gangi, auf Seiten des Nider⸗ Srapen gangs/ und hat in der Lange nicht viel weniger/ Indien. als zwo coſtes. Die Hauſer ſind allda nicht ſchoͤner/ als in dem meiſten theil anderer Stadten in Indien/ und faſt alle mit Stroh oder Rohren gedeckt. Die Hollaͤndiſche Tompagnie hat daſelbſten/ wegen der Salpeter ⸗Handlung/ ſo ſie in einem groſſen Dorff/ Choupar genennet/ welches auch am Geſtad des Gan 5 zehen coſtes oberhalb Patna ligt/ leuteren 55 f ſet/ ein Loſament. i Wie wir zu bemeldtem Patna mit Herren Bernier ankamen/ begegneten uns in der Gaſſen die Holländer/ ſo nach Choupar wiederkehrten/ und jhre Kutſchen/ um uns zu begrüſſen/ ſtill halten machten. Wix giengen nicht wiederum von einanderen/ biß wir auf offener Gaſſen zwo Flaͤſchen mit Wein von Schiras gelahret hatten/ darwider in ſelbigem Lande/ als da man ohne Ceremonien und mit voller Freyheit lebt/ nichts geredt Ich bliebe zu Patna acht Tage/ in dieſer Zeit beſchahe etwas/ welches ich dem Leſer zuerkennen geben wird/ daß die Sodomiterey under den Mahometiſten keines wegs ungeſtrafft bleibe. wuͤrdige Hi4 welcher 1000. Mann zu Fuß com mandierte⸗ ſteri bon eiwolte ſtch eines jungen Knabens/ der in ſeinen Ane nen Dienſten ware/ und ſich offt dieſen Anfech⸗ ſanem Heiz tungen widerſetzte/ mißbrauchen: der Jun⸗ ken. ge ſolches dem Gubernatoren klagend/ bekame zun Beſcheid/ daß/ wann ſein Her jhne 25 Ein Mimbachi, Eigemert 62 umzubringen/ der Haubtmann nahme die Zeit und Gelegenheit ſo wol in acht; da derelbe in einem Hauſe/ ſo er auf dem Lande hatte/ ſich befunde/ daß er den Jungen zwunge und mit demſelben ſeine ſchandliche Begierde vollbracht: Dieſer Junge heftig ſich bekumerend/ beobachtete auch eine Zeit ſich zu ſeinem Herren auf der Jagt/ und von den anderen Bedienten ohngefehr ein Viertelmeil wegs entfernet war/ kame er hindenzu/ und hieb jhme mit einem Sabel den Kopf ab. Er lieffe rachen; dann wie derſelbe eines Tags mit . Reis beſchreibung in Indien, noͤhtigte; er nicht ermanglen ſolte/ denſelben Ich kame nach Paquelpour zu libernachten coſtes VVV Denz. nachdem ich 4. Stund wegs auf dem Gango gefahren/ trafe ich den Fluß/ Katare von Norden kommend/ an/ und uͤber nachtete in einem Dorff/ Pongangel genennet/ von Ende der biß an den Gangum ſtoſſenden Bergen/ coſtes 1 5 1 Den 4. ein Stund underhalb Pongangel fand ich einen groſſen Fluß/ Mart. nadi genennet/ von Norden kommend/ und uͤbernachtete zu Rage-mehale, ſo coſtes 6 Rage: mehale iſt eine Stadt zur ö Rechten Ente nach 95 0 That/ ſo ſtarck er vermochte/ in die Stadt/ allenthalben außruffend/ daß er ſeinen Herren um ſolcher Urſach willen umgebracht des Car gi zu Land dahin reiſend/ findet man geen ein oder zro colles wegs die Straſſe nit ge, e, backenen Steinen biß an die Stadt beſeßt. ea e vilf Zum nimmet. * hatte; und kame in des Gubernatoren Hauß/ welcher ihne gefangen ſetzen lieſſe. Aber nach 6. Monat wurdeer wieder ledig/ und was des Verſtorbenen Verwandte thaten/ damit der Junge zum Tod verurtheilt werden mochte/ ware umſonſt/ dann der Gubernator ihne nicht hinrichten laſſen dorſte/ das Volck/ ſo offentlich ſagte/ der Junge recht gethan harVon Patna ſchifte ich naher Daca den 29. Wan zwiſchen eilf und zwoͤlf Uhren. Wann der Fluß/ wie ſonſten nach der Zei des Regenwetters/ ſtarck geweſen ware/ hatte ich zulklallabas, oder wenigſt zu ß anarou zu SchifDiieſen Tag kam ich in das Nachtlager naher Sera Beconcour, ſind coſtes if. 5 175 coſtes herwarts Beconcour iſt ein luß/ Ponpon- ſou genennet/ welcher von Den 30. zu Sera Erija, colles 5 Dien 31. nach ohngefehr 4. coſtes WegsReiſe/ ſihet man den Fluß Kada/ ſo von Mittag komt drey coltes beſſer hinunder einen anderen/ Chanon genennet/ von Nord fiieſvon Suden und endlichen 6, coſtes beſſer hinab den Fluß Aquera, von bemel dtem Strand herffieſſend; dieſe 4. Fluſſe 1 ſich in den Gangum, und verliehren in demſelben jhren Namen. Dieſen gantzen Tag ſahe ich groſſe Berge auf Seiten Suͤden und von dem Gango jetzt 10. coltes, hald iq. coſtes ent6 0 0 kame ich in das Nacht⸗Lager nach Monger, eine Stadt/ coſtes 18. Den 1. Janugrij 1666. nach dem ich zwo Stund gefahren/ ſahe ich den Gander, ſo ein ſchiffreich Waſſer von Norden kommend/ und . in den Gangum ſich ergieſſendd. gira, coſtes Wie aber dieſelbe gantze Tagreiſe der Lauff 2 5 1 ſchlangenweis/ kan man dog aa coltes u Waſſer eiſen. des Gang ſehr krum und De 2. Januari von 6. Uhr Morgens biß u. Uhr ſahe ich 3. Flüſſe von Nord kommend/ ſich in den Zangum ergieſſen. Der erſte Rono va, der andere Tae, der dritte Chanan genennet. 1 Nittag komt/ und ſeinen Lauff in den Zan moglich durch zukommen. ſer Crocodillen an de des Fluſſes ge Diß mal ware das Nacht⸗ Lager zu N 5 5 19 8 Dieſelbe ware vor dieſem der Gubernatorn der Provintz Bengala Sit; weilen es ein ſchon Land fur die Jagt/ und groſſer Gewerb daſelbſt getrieben worden; nachdem aber der Fluß/ einen andern Lauf/ und von der Stadt mehr als eine groſſe halbe Meil entfernet/ genommen/ haben beydes der Gubernator und die Kauffeut/ ſo wol um dieſer Urſachen willen; Als den Konig von Aracan und viel Portugeſiſche Banditen/ die bey dem außlauffen des Gangi ſich aufgehalten; und denen von Dacala ſih f auf die ſie ſtreiften/ nicht geringe Ungelegenheit verurſachten/ im Zaum zu halten; nach bemeltem Daca, welche heutiges Tags ein vornehme Handel⸗Stadt iſt; ſich verſetzet. Den E. in einem groſſen lecken E. Coltes, von Rage · mehale, genannt Donapour, ankomend/ ſcheidere ich mich von HerꝛnBernier der zudand nach Caſenbazar und von dar nach Ogouli zu 5 reiſen willens ware; dann wann der Flu klein; iſt wegen eines groſſen Sand⸗Bancks vor einer Stadt/ Soutiqui genannt; nich Denſelben abend kam ich nach Toutipour. Von Rage- mehale, Coſtes 12 Daſelbſten ſahe ich im aufgang der Son⸗. Den 7. kame ich nach Acerat, Coſtes 2. Coſtes Wegs. Denſelben gantzen Tag he ich eine ſo gr nen viel Crocodillen/ auf dem Sand ligen. Von Acerat nach Daca ſeind zu Land noch. e Anzahl Erocodillen; bab 5 mich endlich gelußtete um zuſehen/ ob das e nige/ ſo gemeinlich geſagt wird/ daß ein Rohr ſchuß düdes Thier in geungcen ncht Gefen wahr ſeye? auf einen zuſchieſſen; wie bechoft der Ochuß gienge auf den Kinback unde olg das Blut hernach; aber er bliebe nicht auf dein onder begabe ſich in das Waſſe. Platz; i . 1909 8. ſahe ich noch eine groſſe mri und ſchoſſe ich guf zween zu zwey malen/ jede ant Kugſen bo bald ſch dieſlhe bee, empfunden legten ſie ſich auf den Rucken/ ſpelreten den Schlund auf und ſtarben. Denſelben Tag kame ich zu abernache nach Douloudia, ſo Coſtes Die Raaben waren Urſach/ daß wire i nen von den Hiſchern in die Rohr verbelg nen ſeronen Giſch/ gefunden; dann ale er Schiffer geſchen/ daß ein groſſe Anzahl 990 Vogel, die ein groſſes Geſchrey hatten/ und in die Rohr hinein flogen; da herum waren hielten te dafür/ es müuſte etwas ſonderbares daſelbſtẽ ſehn/ und nach ffeiſſigem nachſuchen/ fanden ſie genugſame Fiſche zu einer guten Mahlzeit 1 Den 9. um zwey Uhr Nachmitkag/ kamen gar zu einem Fluß/ Oharivor genennt/ von Norden fleſſend/ und unſer Nacht⸗ Lager war u Dampour, Coſtes 1 8 Waden 10. Übernachteten wir am Ufer des reißten denſelben Tag/ Coſtes 1 Den u. Als wir an den Ort/ da der Ganſſers/ von den Hauſern abgelegen/ und . 5 K 5* l 905 in 3. Arm/ deren einer hach Daca gehet/ ſich a, eilet; anlangeten/ hatten wir das Nachtlä1%, ger bey dem Eingang dieſes Canals/ in einem 10 500 groſſen Dorf/ Jatrapour genennt/ Coſtes 20 1 Die jenigen/ welche kein Bagage führen/ können von Jatrapour nach Daca zu Land rei/ und hiemit viel abkürtzen/ dann der Fluß einen groſſen Umbſchweiff mimt. 1 „ Den u. zu Mittag/ fuhren wir einem groſſen Flecken/ Bagamara genennt/ vorbey/ und kamen zu Nacht nach Kaliata, ein anderer groſſer Flecken/ Coſtes N 11 Den z. zu Mittag funden wir einen Fluß/ wo Coſtes von Daca, Laquia genennt/ von Nord⸗Oſt kommend 000 80 der Spißen/ da die zween Fluſſe zuſamen kommen/ feind beederſeits Veſtungen/ mit vielen Stucken verſehen. Ein halbe Coſtes underhalb iſt ein anderer Fluß/ Pagalu genennt/ uber den gehet ein ſehoͤne Bruck von gebackenen Steinen/ welche Nlirza-Mola erbauen laſſen. Dieſer Cauß komt von Nord⸗Oſt/ und noch ein halbe oſte underhalb/ iſt ein anderer Fluß/ adam. aligenennt/ von Norden komend;uber welchen uch ein Brucke von gebackenen Steinen/ beeele des Fluſſes werden viel Thurn geſehen: a lebelchen viel Straſſen⸗Rauber Kopffe/ gleichſam eingefaſſet ſeind. Abends kamen wir zu Daca an/ und reiſe1. ben denſelben Tag/ Coſtes 9 eilt g Pacaiſt eine groſſe Stadt/ die ſchalein in f une erſtreckt/ dann ein jeder gern ſeine Wohei g nahend dem Gango hütte. Dieſe Lan8 10 von mehr als zwo Coſtesund ztwar von Bnulen von Backenen Steinen gebauter b 920 dar von droben Meldung geſchehen/ von ach Daca, iſt nur ein gevolge von Hauſern von Innandern abgelegen und mehrertheils wohnen merkeuken o die Schiffe bauen, bedagen Dieſe Hauer ſind epgennüch zu eim kur ſchlechte Hutten/ von Rohr mit feind Uberzogen/ aufgerichtet. Die zu Daca 0 wenig beſſer erbaut; des Gubernators des Haun iſt auch nur ein ſchlechtes holeerren an auf einem Platz/ mit hohen MauInder 55 en z er hat ſein Loſament gewohnlich Plage 5 Jelten/ die er in einem Hof dieſes derbefundſchlagen 8 Wie die Hollanüchen inden/ daß jhre Wagren in den gewohnkonten usern zu Daca recht verwahrt ſeyn laſſen aben ſie ein ſchones Hauß aufbauen geringer. Der Capuciner Kirchen nicht F und die Engellander auch eines/ ſo ſt a 5 cbt viel bedient/ under uberſich gehen/ und Schi 5 chif6&“m“1iiim iſt ganz von gebackenen Steinen erbaut/ und die Arbeit zimlich ſchoͤn. 1 In meiner jungſten Reiſe nach Daca, hatte Nabab Cha- Eſt-KRan, der damahlige Gubernator in Bengala Krieg mit dem König von Cha Ea. Aracan, deſſen Kriegs⸗Macht gewohnlich in 200. langen Galleen und vielen andern kleinen Schiffen beſtehet. Dieſe Gallen fahren durch den gantzen Meerbuſen Bengala, und lauffen in den Gangum, in dem das Meer uͤber Daca hinauf gehet. Cha. Eſt· Kan des jetzt regierenden Koͤnigs Aureng-Zeb Oheim/ eines der klugſten Haubter ſeines gantzen Staats/ verleitete viel Oberſte des Koͤnigs von Aracan Kriegsheer auf ſeine Seite/ und einsmals kamen 40. dieſer Gallen/ von Portugeſern commandiert/ zu jhme zu ſtoſſen; um dieſe friſchen Volcker deſto veſter zu ſeinem Dienſte ſich zu verſichern/ gabe er einem jeden der Portugeſiſchen Haubtleuten einen ſtarcken MonatSold/ und den Soldaten nach Proportion/ die Landvoͤlcker aber bekamen nur doppelt ſo viel als ſonſten gewohnlich ware. Es iſt ſich zu verwundern zu ſehen/ wie ſo geſchwind dieſe Galleen mit dem Ruder gehen. Viel derſelben ſeind trefſich außgeziehrt/ darbey dann das Gold und die blaue Farb nicht geſpart worden. Die Hollander haben deren etliche zu jhrem Dienſt jhre Waaren zu fuͤhren/ und oft muſſen ſie noch mehr darzu mieten/ und geben alſo vielen Leuten etwas zu verdienen. Den andern Tag meiner Ankunft zu Daca, ſo der 14. Januarij ware/ begruͤſſete ich den Nahab, und verehrte demſelben eine von Gold geſtickte Decke/ mit guldenen Spitzen/ von Spanniſchem Stich umſetzt; ein groſſes LeibBand von Gold/ und Silber/ mit gleichem Stich; und ein Ring mit einem ſehr ſchoͤnen Schmaragd. Wie ich abends bey den Hollandern/ da ich mein o ſament hatte/ wieder zuruck kommen/ ſchickte mir der Nabab Granaten/ Chineſiſche Bomerantzen/ zwo Perſianiſche Melonen/ und dreyerley Art Apffel. Den. zeigte ich jhme meine Waaren und verehrte dem Printzen ſeinem Sohn eine Uhr/ in guldenem/ mit geſehmeltzter Arbeit/ gemahlten Gehauſe/ ein paar mit Silber beſchlagenen Piſtolen/ und ein Perſpectiv. Alles was ſch/ ſo wol dem Vatter als dem Sohn ein Printz von ungefuhr zehen Jahren alt/ verehrt/ geſtunde mich über 000. Francken. Den 16. kame ich mit demſelben/ des Preiſes meiner Waaren überein und nahme darauf einen Wechſelbrieff von feinem Vezier um meine Bezahlung/ zu Caſenbazar zu empfahen. Er wolte mich ztwar zu Daca bezahlen, aber die Hollander/ denen die Beſchaffenheit beſſer/ als mir bekannt/ benachrichteten mich/ daß es gefahrlich ware/ Gelt nach Caſenbazar mit zuführen/ dahin man ſchwaͤrlich anderſt/ als den Gangum hinauf zu fahren/ weilen der Weg zu Land/ ſehr boͤß/ woll Geſtaud und Moraßt/ kommen kan: die Gefahr beſtehet darinn/ daß bey der geringſten Ungefümme die kleine Schiffe/ deren man ſich 34 Reisbeſchreibung in Indien/ Schiffer Gelt vermercken/ falt denſelben leicht/ das Schifflein umzuſturzen; und das zu Grund gangene Gelt alsdann zu finden/ und ſolches ſich zu zueignen. 3 Den 20. nahme ich von dem Nabab meinen Achſcheid/ der mich bate bald wieder zukommen/ und lieſſe mir einen Paß ertheilen/ in deme ich ein Edelmann ſeines Hanſes; tituliert geweſen. Wie bereits zuvor in der Zeit da derſelbe Gubernator zu Amadabat ware/ und ihne bey der Armee/ in der Provintz Decan da der Raja Seva- gi, wie ich anderswo melden werde/ eingefallen/ beſucht. In Kraft dieſer Paßporten/ deren Inhalt dem zweiten Buch einverleibt werden ſoll/ koͤnte ich in allen Landen des groſſen Mogols, als einer von ſeinem Hauß/ hin und wieder ungehindert reiſen. Den ar hielten die Hollander/ mir zu gefallen/ ein köſtliche Mahlzeit/ und ladeten darzu die Engellander/ und etliche Portugeſer/ ſamt einem Capuciner jhrer Nation. Den 22. beſuchte ich die Engellander/ deren vorgeſetzter oder Preſident ware Her? Prat; und heknach den Portugeſiſchen Auguſtiner/ auch etliche andere FCC Von dem 23. biß den 29. thate ich einigen Kauf für u. tauſend Roupies, und da alles eingeladen ware/ nahme ich Abſchied. 8 Den 29. gbends fuhr ich von Daca ab. Alle Hollander begleiteten mich zwo Meil wegs weit/ mit ihren kleinen bewaffneten Schiffen/ und wurde der Spanniſche Wein du ſolcher Zeit nicht geſpart. Nachdeme ich von dem 29. Januarij/ biß auf den u. Februarij/ auf dein Fluß zugebracht; lieſſe ich meine Diener und die Wagren in dem Schiff zu Acerat, da ich ein Schiff nahme/ welches mich in ein groß Dorf/ Mirdapour genennt/ brachte. Den 12. nahme ich ein Pferdt/ darauf zu reiten/ und wolte noch eines/ für mein Bagage zutragen/ haben; weilen aber keines zubekommen/ muſte ich hierzu/ zweyer Weiber mich bedienen. Den Abend kam ich zu Calenbazar glücklich an/ alda ich von Arnoul von Wachtendonk, Directorn aller Hollandiſchẽ Somtroits in Bengala, freundlich empfangen/ und bey jhme das Loſament zu nemmen/ gebetten wurde. Den 1. brachte ich den Tag mit den Hollaͤndern/ die ſich bey meiner Ankunft luſtig machen wolten/ in Frollichkeit zu. Den 14. kehrete Herꝛ von Wachttendonle wieder nach Ouguely; alda der Hollander Ober⸗Comtoir are; und denſelben Tag/ kame einer meiner Bedienten/ den andern vorher veiſend/ mir Bottſchaft zubringẽ/ daß die deute/ jhmne den Abend zuvor von dem Nabab ncht Befelch zu kommen; ware; wann die Bezahlung noch nicht beſchehen; ſolche zu undenlaſſen/ ohngemeldt/ warum Cha. Eſt. Kan dikſe wiedrige Ordre gegeben. Ich kehrete/ uber dieſe procedur zimlich beſtüͤrtzt/ wiederum nach meinem Loſament. 1 Den 16. ſchriebe ich dem Nabab, um die Urſach zu wüſſen/ warum er ſeind Einneter befehl gegeben/ mir die Bezahlung nicht zu thun. Den. fuhr ich in eine Schiff/ mit 4. Rudern gezogen/ ſo die Hollander mir geliehen/ nach Auguely, und ſelbige/ wie auch die folgende Nacht/ hatte ich mein Lager in dem Schiff Den 19. Abends fuhr ich einem groſſen Flecken/ Nandi genennt/ vorbey; und biß dahin komt der See⸗ Fluß/ damalen entſtunde ein ſolcher ſtarcker und ungeſtümmer Wind/ und wuchſe das Waſſer alſo hoch/ daß wir gezwungen wurden/ unſer Schiff aufs Land zu ſetzen/ und z. in 4. Stund zu verharzꝛen. Den 20. kame ich zu Ouguely an/ und bliebe dort/ biß den 2. Martij zu welcher Zeit die. Holländer mich herꝛlich tractierten/ uñ alle in demſelben Land mogliche Ergoͤtzlichkeiten mich genieſſen zu machen/ trachteten. Wir fuhren viel mahl auf dem Waſſer ſpatzieren/ und hatten zu unſerer Speiſung allerley Garten⸗Gewaͤchs/ welche in unſern Garten kuropeær zufinden: Salat underſchiedlicher Art/ Kol/ Sparſen/ Erbſen/ und inſonderheit Bonen/ deren Saamen auß Japon kommt; ſintemalen/ die Hollander begierig/ von allerley Gattung Kraut/ und Gemuß inden Garten/ die ſie mit ſonderm Flei bauen lieſſen; zuhalten; jedoch haben die ſelben keim Artiſchocken herfür komenmachẽ konnen Den 2. Martij reiſete ich von Ouguely ab/ und kame den 5. zu Caſenbazar an. 4 Den folgenden Tag nacher Madeſoubarzaki, zu wůſſen/ ob der Einnemmer/ der vormalen nicht bezahlen wolte/ ſeithero einen andern Befehl von dem Nabab empfangen? daß drobẽ habe ich vermeldt/ daß ich von Stund an/ des Cha. Eſt- Kan Schreiben/ mich uͤber ſein a 8 Procedur beklagen/ und wuſſen wolle/ warum er den Wechſelbrieff wiederruffen habe. Der Vorgeſetzte der Hollaͤndiſchen omtoirs/ fügte einen Brieff dem meinigen bey/ dem Nabab zu Gemüth führend; daß ich jhme alzuwol bekant ware/ in deme wir hievor zu Amadabatbey der Armee zu Decan ind an andern Ortes mehr/ mit einandern zuſchaffen hatten um al ders als guten Willen/ dagegen verdient z haben; daß zu betrachten/ ich der einige/ welch 0 die ſchonſten Sachen auß Europa in Indien welche ich neben mein? Waaren in dem Schif brachte/ ein ungütlich Tractament aber das gelaſſen hatte/ wegen eines Sturmwinds/ der zween Tag gewütet/ und zu Nachts ſtarcker ware in groſſer Gefahr geweſen. f Den n. gaben mir die Hollander ein Bal lekis nacher Madeſou-bazarki zu reiſen/ alda der Obeß Einnehmer des Cha⸗-Elt- Kan ſich befande deme preſentierte ich meinen Wechſelbrieff. Nachdeme derſelbe ſolchen geleſen; ſagte er, der Brieff ware gut/ und daß er mir darfür Bezahlung thun wolte; wann Mittel nicht ware/ zu continuieren/ wie er begartez zu geſchweigen/ daß wa ich mit Unwile wegreiſen ſolte/vonmir/ weil ich hin und lde, in nicht geringem Anſehen und Credit die nigen/ welche Willens waren/ nach Indien ei inge rariteren zubringen: denſelben ein gleiche Tractament/ wie mir widerfahren/ beſorge chend/ leicht abwendig gemacht werden 1 5 Aber weder mein/ noch des Birectorn S ben/ hatten die verhofftte Wöurckung nicht ear. Erſtes Gn mit der e der Nabab dem innemmer ertheilt; ichen ig tauend Konus theilt; nemlichen zwantzig tau Nag diele mir zu bezahlen/ nicht zu friden. Der dee ab vermeldete noch dabey/ im fall ich mit eſer Bezahlung nicht begnugt ſeyn wolte; ich eine Wgaren wiederum zuruck nemen mochDieſes des Nababs Procedur, war von drey chalcken/ welche ſich an des groſſen Mogols 5 i befunden auß Boßheit angeſponnen/ wie e Geſchicht hernach kurtzlich folgen thut. ie pepe bft regierend/ hat auf Anhalten e er en f m/ eine für die Kaufleut/ ſoauß Europa und Aren baren anden um einige Jubelen bey Hof zu heel. 18 auffẽ; ſehr ſchädlichecewonheit angeſtelt. 5 15 dieſelben es ſeye zu Waſſer oder zu Land dukommen; werden ſie von den Gubernatorn ſch Orten jhrer Ankunft; zufolg habenden Beſehls; ſamt den Waaren/ gutlichen oder mit zewalt zu dem Konig geſchickt/ welches der b chly oder Gehanabad, da der Koͤnig damafal du, ah ſich befande/ ſchickend; gegen mir verubet. e k un ſeind bey dem Konig die droben gemelSten 2. Perſianer und ein Banane, welche alle Jabelen/ ſo man dem König zu kauffen geben will/ zu beſehen uñ daruber zu urtheilen beſtelt. Der eine Perflaner wird genenet Nabab AkelLan, das iſt/ Furſt des Verſtands/ und der hat alle Jubelen und Edelgeſtein des Königs in Verwahrung. Der ander Mirza-Mauſon, deſſen Amt iſt/ die Stucke zu ſchatzen. Der Ba. miane, Halli-Kan genennt/ ſoll erkennen; ob die Steine nicht falſch oder etwan einen Mangel aben. Dieſe 3. Manner haben von dem zoͤnig Bewilligung erlangt/ daß ehe jhme ſtwas des jenigen/ ſo frombde Kauſteut demſel55 ins Land brachten gewieſen wurde; ſie al. 95 und die erſten beſehen/ und alsdann 0 ü b überbringen ſolten. Und ob ſchon mie ben einen Eyd gethan/ von den Kaufkeuten ichts anzunehmen/ thun ſie es doch/ und trachd viel moglich/ herauß zu preſſen/ und die ſchnente zu verderben/ wann dieſelben etwas f ones darauf ein guter Gewinn zu hoffenſerche wolle te daß man ches ihnen oekkanufdeu um die helfte des Werths/ erlaſſen ſolle; beruidrigen ſeind dieſelben alſo Boßhaft, vor usch Konig die Jubelen um den halben Wehrt dere. über das/ it der Koͤnigaureng eb Gele elgeſteinen wenig begierig/ und jhme das Het duigenehmer. Alle Fürſten und vornehmen arben des Hofs/ geben dem Konig an ſeinem 16 fl davon anderswo Meldung beſchehe ſoll Klalche Verehrungen und was dieselben eite fehr dien zukauffen inden beſchehendie Preeu gulden Roupies welche wie bereits ana let de Konig angenehmer als jenes/ ſeind. ſchr 10 0 ein Verehrung vonEEdelgeſteinen ang kung 1 als gemuntzt Gelt iſt. Bey annahe5 Nude sets laſſt derKonig ol Diamande N n Schmaragd/ und Perlen guß ſeinem N 9 hehmenz welche durch den jenigen, der 0 hat/ ſolche zuſchatzen/ underſchiedliche en um den groſſen Herren/ dſe demo ew Kau oupies weniger/ als der Wechſelbrieffin dhe Guberngtor zu Surate Anno 1665. mich nach Buch. 8 nig ein Preſent gebẽ muſſen/ zu verkauffen; eingehaͤndigt werden und auf dieſe Weiſe bekomt der Konig beydes das Gelt/ und ſeine FJubelen. Noch ein ander Nachtheil für den Jubilierer iſt/ wan der Konig einige Edelgeſtein beſehen; kauft ſolche nimermehr kein Fuͤrſt oder groſſer Herꝛ/ deme es bekant/ und uber das/ wal dieſe drey zu Beſichtigung der Jubelen verordnete/ ſolche in jhrem Loſament/ dahin mans bringen muß/ beſehen und darüber Urtheilen/ daſelbſten allezeit underſchiedliche; dieſe auf die Digmant; jene auf Rubin andere auf Sah maragd und Perlen erfahrne Banianen ſich befinden, welche/ das Jewicht/ die Güte/ die Reinigkeit un Farb jedes Stucks/ aufs Papier bringen; waß hernach der Kaufman mit den Jubelen/ zu den Fuͤrſten und Gubernatorn der Provinz komt, ſchicken dieſe Leute demſelben die Verzeichnuß und den Preiß/ den ſie Boßyafe nur auf die helfte des Werths ſetzen. Dieſe Banianen ſeind in Die nanians der Handlung tauſend mal ärger als die Ju⸗ 1 55 den/ un auch auf allerley Liſt und Betrug beſſer vielargerals abgericht wann ſie ſich rächen wollen; Nun die Zuber. folgt die Beſchreibung des ſchlimen Boſſens/ ſo dieſelben mir geſpilt. 780 Wie ich zu Gehanabad anlangte/ kam der⸗ Selpige wil, ſelben einer zu mir/ anzeigend/ er hatte von dem ten dem AuKonig Befehl ehe und zuvor ſolches jhme vor⸗ en ein kame zu ſehẽ/ was ich mitgebracht/ ſie wunſch⸗ Boſſen. ten zwar/ daß der Konig nicht zu Sehanabad geweſen ware; weilen ihr abſehen ware/ ſelbſten von mir was ich hatte/ zu kauffen; um herna dem Koͤnig und dem Fürſten/ in Begebenheir mit groſſem Gewinn wiederum zu kauffen zu geben. Welches aber ſie von mir nimmermehr erlangt haben wurden. Den folgenden Tag kamen dieſelben alle drey/ und zwar nach einandern zu mir; und begarten under anderm einen groſſen Strauß/ von neun groſſen Perlen/ auf zweyerley Form; deren die groͤſte 30. und die geringſte 16. Carat im Gewicht hatte/ ſamt einer andern Perlen auch in Birn form/ von r. carat ſchwaͤr. Den Strauß behielt der Konig/ was aber das einge Perlen anbelangen thut da dieſelben vermerckt/ jhr Zuſprechen umſonſt/ und ich jhnen nichts verkauffen wolte/ ſtelleten ſie die Sach dergeſtalten an/ daß ehe der Konig meine Jubelen zuſehen hekame/ Giafer-Kan; Ihr. Maj. Oheim/ dieſe Perlen in die Hand geriethe/ und auch nicht wider hinauß geben wolte/ vermeldendꝛer geſiñet ware/ mir ſolche ſo wol als der Konig zu bezahlen/ darnebend bittend/ ſtill darzu zu ſehweigen/ dan deſſen Vorhaben ware/ dem Konig das Perlen zu verehren. Als der Koͤnig/ was jhme gefaͤllig under meinẽ Jubelen/ außgeſucht/ kaufte darauf Oiafer Kan underſchiedliche Stuck von mir/ und beſchloſſe auch den Kauf um obbemelte groſſe Perlen etliche Tag hernach lieſſe er mir die Bezalhung; wie wir mit einandern überein kommen/ thun außgenommen für die Perlen/ auf deren Preiß er mir oo. Roupies abkurtzen wolte. Die ziween Perſianer/ und der Ban ane beredeten denſelben Falſchlich; ob hatten ſie dieſe Perlen bey meiner Ankunft/ wann ihnen ernſt geweſen/ um d. oder 10. tauſend hh 0 1 36 wolfeiler als ichs jhme angeſetzt/ bekomen koͤn⸗ i 8 l ſig verguldt; ſintemalen die Verguldung alnen/ das war ein pure lautere Lugen; gleichwo ſagte mir Giaker Kan, wann ich das dafur ana Gelt nicht annemmen wolte/ ich die erlen wiederumb zuruck nehmen mochte welches alſobalden beſchehen; neben Verſicherung/ er ſelbe den Tag ſeines Lebens nicht mehr ſehen ſoltez ich hielte mein Wort/ uñ bliebe veſt in meinem Vorſatz. Darzu mich zum theil verurſachte das verlange/ ſo ich hatte/ auch dehaEſt· Kan etwas ſonderbares/ wie ich gethan/ zubringen/ und wann mir erlaubt geweſen ware/ denſelben gleich nach meiner Ankunft zu Su. rate zu beſuchen/ wolte ich zu dem Konig nach Gehanabad mich nicht begeben haben; deßwege ich auch mit Gubernator zu Surare in groſſen Streit geriehte. Daß wie ich denſelben begruſſete/ ſagte er mir alſobald/ es habe eine andere Beſchaffenheit als vor dieſem/ in deme der König gaͤntzlichen der erſte ſeyn wolte/ was neues und ſonder bares in ſein Reich gebracht wurde/ zu beſehen. Ich dlilputierte uber 4. Monat lang mit diſem Gubernatorn; Aber vergeblich/ dann endlich muſte ich fuͤr den Konig/ um zu verhuten/ daß ich nicht etwann ein andern Weg nehme/ wurden mir. mich biß nach Chalaour zu begleitẽ/ zu gegeben. Wie ich nun nach Bengala verreſſetzſchriebẽ die obbmeltẽ 3. Auffſeher der Jubelen/ vor Zorn. gleichſam berſtend; und ſonder zweifel auch von Giafer· Kan, deme lieb ware ſich wegen meiner Verweigerung zu rächen, angereitzet; an Cha. Eſt· Kan, daß ich einige Jubelen brachte/ jhme zu zeigen/ und under andern Stucken ein ſehr ſchoͤne Perlen/ welche an Giafer-Kan bereits verkauft ware/ aber von demſelben; nachdeme er befunden/ ſolche um 10. tauſend Roupies Uber den Wehrt angeſetzt ware; wiederum gegeben. Oie schrieben nach Proportion quch uber andere Stuck/ die ich bey mir hatte; und auf dieſen falſchen und boßhaften Bericht; welchen Cba. Eſt. Kan, erſt nachdem mir der Wechſelbrieff bereits ertheilt ware/ bekame/ hat dieſer Fürſt befohlen/ mir auf der gantzen Summa/ 20. tauſend Roupies, abzukuͤrtzen; ſo endlich auf die helfte namlich 10. tauſend geſtelt worden; und alſo muſte ich mich in Gedult tröſt dem Cha-Eſt-Kan gegeben/ Meldung beſchehen/ ſolle mit Stillſcheigen nicht uͤbergangen werden/ was ich den Konig/ dem Nabab Giafer-Kan, dem Verſchnittenen der groſſen Begum Aureng· zebs Schwoͤſter/ dem GroßSchatzmeiſter und den Portern der SchatzKammer verehrt. Daf zu wüſſen/ daß/ es ſeye/ wer da wolle/ der Verhör von dẽ Konig begaͤrt/ zu aller vorderſt befragt werde/ wo das Preſent für den Konig ſeye. Und darüber urtheilt man/ obs würdig? Ihr Maj. preſentiert zu werden. Niſnermebr darf jemand mit lahrer Handerſcheinen/ und iſt dieſes eine Ehre die theur gekauft wird. Wie ich nun zu gehanabad ankomnmen/ reverierte ich den Koͤnig den 12. Sept. 1665. uñ waren meine Verehrungen/ wie folgt. Erltlich ein Schildt oder Standarten Reuter/ cke Weilen droben von der Verehrung/ die ich Neisbeſchreibung in Indien/ 5 von Ert/ mit erhobener Arbeit/ berauß fei lein 300. Ducaten/ ſo 1800. Francken Frantzoſicher Wehrung betragen/ und das ganzStuck 4378. Francken gekoſtet! in mitten par die Geſchicht Curtiß, der mit dem Pferdt und gewaffnet/ in den Abgrund zu Rom/ auß deme ein giftiger Luft aufgienge/ vor dieſem ſich geſturtzt; und rund herum die Belagerung der Stadt Rochelle, ſehr eygenlich vorgeſtellet. Es ware das Meiſterſtuck/ eines der fuͤrtreflichſten Arbeitern Franckreichs/ und demſelben von dem Cardinal von Richelieu angsdingt. Alle vornehme damalen bey dem Konig Aureng. zeb ſich befinden/ waren uber die Ziehrlichkeit dieſer Arbeit/ gleichſam verzuckt; und ſagten/ man müͤſte dieſes köͤſtliche Stuck dem groſſen Elephanten/ der die Standarten dem Koͤnig/ 115 Ihr Maß. auf zogen/ vortruge; auf? Zum andern einen Chriſtallinen Streitkolben/ auf allen Seiten mit Rubinen/ und Schmaragden in Gold in dem Chriſtall ein gefaßt. Dieſes Stucke koſtete zug. Fran. N a l 2.45 l Drittens ein Pferdt⸗Sattel auf Türckiſche manier/ mit kleinen Nubiten/ Perlen/ und Schmaragden verſetzt/ 1892. Francken. Und endlichen ein anderer Sattel mit dern Decke/ alles von Gold und Silber geſtickk 1730. Francken werth. Und belieffe alſo dit Summa der Preſenten/ dem Konig gegeben/ zuſamen 12119. Francken. Die Verehrungen dem Nabab Giafer⸗ 5 Kan des groſſen Paogols Oheim gethan/ waren eine Tafel neben 19. Stuck/ um den Kaſten zu machen; alles von denen auß Italiakomen, den ſonderbaren Steinen/ underſchiedlichel Farben/ allerley art Blumen/ und Voger vorbildend/ das Werck iſt zu Florentz gemachk worden/ und hat gekoſtet 2500. rancken Ein Ring mit einem vollkommenen Nil bin/ ſo gekoſtet 300. Francken. Dem Groß 8 ein Uht int guldenem Gehauß und kleinen Sehmaragden verſetzt 720. Franckenn. Dek Portnern der Koͤniglichen Schal, Kammer und den jenigen/ welche das Geb auß dem Schatz tragen/ 200. Roupies, ſeyis, 300. Francken. 8 1 Diem Verſchnittenen der groſſen Beute, des Königs Aureng-eeb Schweſter eine Ihk mit gemahltem Gehauß/ hat gekoſtet 260. Alle Verehrungen; ſo wol dem groſſen Mogol, als Cha-Eſt-Kans und Giafer- Kal wie auch den Groß⸗Schatmeiſtern des 1 7 nigs/ den Intendanten des Kan, den Haubt leuten detz Paflaſts/ und den jenigen/ die zweymal den Calaat oder Ehren⸗Klel Namen des; Königs/ und ſo viel in der Begum ſeiner Schweſter/ und ei Giafer-Kan gebracht; von mir beſchenn geſtunden auf 23187. rancken. Alſo chen iſt/ daß die jenigen welche bey Können und Furſtlichen Hoͤfen/ ſo wol in Tur pe Herren/ welche And Ast Erſtes B Perſien als Indien etwas auß richten wollen/ ohne zuvorderſt in Bereitſchaft habende/ anſehenliche Preſent/ und mit der Hand für underſchiedliche Beamte/ deren Credit man vonnoͤhten/ beſtandig in dem Beutel/ eine Sach vorzunehmen/ ſich vergeblich underfangen wurden. Ich habe in dem Erſten Buch von der Verehrung/ denn jenigen/ der mir den Calaat oder Ehren⸗Kleid im Namen des Königs in Perſien überbracht/ welches 200. Kronen geweſen/ gegeben/ keine Meldung gethan. 5. Weg von Surate nach Golconda. Ach Golconda hab ich viel Reiſen und N durch underſchiedliche Weg/ Jetzt zu See von Ormus nach Maslipatan, bald von Agra, und zum oftern von Surare, welches der groſte Zulauff auß Indoſtan iſt/ gethan. In dieſem Capitel ſoll allein der gewonliche Weg von Surate nach Zolcondaʒ dem eg von Agra, weil beede zu Dultabat, wie hernach zu ſehen/ zuſammen ſtoſſen jedoch nicht vergeſſend/ und zumalen nur zwo Reiſen/ die ich Anno 1645. und 1653. gethan/ um dem Leſer nicht verdrießlich zu ſeyn/ beſchrieben werden. Von Surare verreißte ich den 19. Januarij 1645. und kam in das Nachtlager nach Cara 0 bari, welches Coſtes e. Von Cambari nach Barnoli, Coſtes Von Barnoli nach Beara, Coſtes 12 Von Beara nach Nauapour, Ooſtes 16 Diß iſt der Ort/ alda der ſch onſte Reis der elt wachſt/ ſo ein Biſem⸗Geruch hat/ wie ſolches hiervornen angedeutet. 1 Von Nauapour nach Kinkula, Coſtes 18 Von Rinkula nach Pipelnar, Coſtes 1 Von Pipelnar nach Nimpour, Coſtes 17 Von Nimpour nach Patane, Coſtes 14 Von Patane nach Secoura, OCoſtes 14. Von secoura nach Baquela Coſtes 10 Von Baquela nach Dilgon, Coſtes 10 Von Dicgon nach Duftabar, Cotes 10 den Daltabat itt eine der beſten Veſtungen in Sand arde des groſſen Mogols, duf einem er 9 5 Der Jallerſeits unt Bruſtwehren verſehen: dat, Weg dahin zu kommen ist alſo ching, aß nur ein Pferd oder Camel zumal durchien kan, die Stabt ligt unden an dem Berg 915 guten Mannen umgeben/ dieſer Ort/ an Alte ſo viel gelegen/ welchen die Jogolszuder 85 a die Könige von Viſapour und Gol A ſich aufgeſehnet/ uud das Joch abgebeuffen verlohren; war bey Regtkrung Ge. ein gen durch ſubtilen Kriegs⸗Liſt wiederum e Cha. mmen. Sultan Courom, hernach 8 Geban genemet/ commandierte in Dedes Königs ſeines Vatters Kriegs⸗Heer; der e Kan des Cha-Eſt- Kan Schwaher/ Woler der Feld- Herren war/ lieſſe etliche 8 derſtlde denen dem Fuürſten lauffen/ darüber elbe dergeſtalten erzoͤrnet/ daß er vonſtund Schutz; gen/ aber ver Butch. 37 an/ einen der ſo genanten papouehes oder Schuhen/ die bey der Thuren gelaſſen werden/ nehmen/ und jenem fünf oder ſechs Streich damit auf die Kappe geben lieſſe/ welches in Indien die euſſerſte Schmach/ alſo daß der jenige/ deme ſolche widerfahren/ ſich nicht mehr ſehen laſſen darff. Dieſes alles beſchahe mit Zuſamenſtimmung des Sultans und des Feld⸗Herren/ um den Leuten die Augen deſto beſſer zu verblenden/ und fuͤrnemlich den Spionen/ ſo fuͤr den Konig von Vilapour, in des Furſten Kriegs- Heer ſich befunden haben mochten. Das Gerücht/ daß Alt⸗Kan in Ungnaden/ wark bald außgebreitet/ und er ſelbſten begehrte von dem Konig von Vilspour dieſer/ welcher nicht klar genug ſahe/ um den Liſt zu entdecken/ empfienge jenen ſehr freundlich/ und verſicherte jhne ſeiner prote. ction. Wie Aſt-K an ſo wol aufgenommen ſich ſahe; bate er den König/ daß um beſſerer Sicherheit willen ihme erlaubt werden moͤchte/ mit 10, oder 12. ſeiner Weiber und ohngefehr ſo viel Bedienten/ in die Veſtung Dulkabad ſich zu begeben/ welches demſelben verwilliget wurde. Er kame hinein mit d. oder zehen Camelen/ und waren die ſo genanten Caja vas, welche auf beiden Seiten der Camelen/ nach Gewonheit wol zugeſchloſſen; damit die Weiher nicht geſehen wurden. Aber an ſtatt der Weiber waren in jedem Caja va zween gute alte geuͤbte Soldaten/ wie quch jeder der Verſchnittenen/ ſo die Camel leiteten/ dero wegen ihnen leicht fiele/ die Beſatzung/ welche ſich nichts beſorgete/ niderzumachen/ und des Orts ſich zu bemachtigen; welcher ſeithero in dem Gewalt des Groſſen Mogols geblieben. In dieſem Platz ſeynd viel ſchoͤne Stuck Geſchüͤtz/ und die Buͤchſen⸗Meiſter gewonlich Engellander ober Hollander von Nation. Die Veſtung iſt war mit einem kleinen Berg überhohetz aber barauf ſchwerlich/ es ſeye dann durch die Veſtung ſelbſten/ zu kommen. Es ware daſelbſten ein Hollaͤndiſcher Conſtabler/ welcher/ nach deme er dem Konig y. oder 16. Jahr gediener/ feinen Abſcheid begehrte/ und die Hollandiſche Compagnie ſelbſten/ welche demſelben zu des Koͤnigs Dienſte anfangs verhuͤlflich geweſen/ thate jhr guſſerſtes/ jhne zu entledigeblich; weil er ein guter Buchwar/ und die Feuerwercke ſhme treflich wol gelungen Raus Jelleing der mäche tigſte Abgoͤttiſche Furſt in Indien/ und der die groſte Hülff/ damit Aureng- zeb guf den Thron erhoben wurde/ geleiſtet: ward als Ge. neraliſimus der Kriegs⸗ Heeren dieſes Königs/ wider den Raja Se va: gi geſchicket/ und da derſelbe der Veſtung Dultabat vorbey fuhre/ von dieſem Hollandiſchen Oonttabel hegrüſſetzdeſſen Buchſen⸗Meiſter waren/ wie er auch/ alleſamt Franguis. Der Hollander dieſer Gelegenheit ſich bedienend/ ſagte zum Raja; dafern er ihme ſeinen Abſcheid geben wolte /er verſprechen hake Mikkel zu finden/ das Gee: ſchütz auf den Berg/ der die Veſtung überhöͤhele/ gebracht werden koͤnte/ und dieſer Berg ſware bereits e 00 f ſen⸗Meiſter und ein 38 Soldaten in Meſatzung gelegt/ zu verhüten/ daß nicht jemand deſſelben ſich bemeiſterte: der Raja mit dieſem Vorſchlag ſehr wol zu frieden/ verſprache dem Hollander ſeinen Abſcheid von dem Konig neben einem ehrlichen Preſent zu wegen zu bringen/ dafern dieſes Vornehmen gelingen wurde. Wie dann hernach gluͤcklichen und zu des Furſten gutem Genugen ſolches erfolgte/ derſelbe hielte auch ſein Verſprechen/ welches er dem Hollander gethan: Inmaſſen ich jhne im Eingang des Jahrs 1667. zu Surate, allda er nach Batavia zu fahren zu Schiff ſich begeben/ ankommen geVon Dultabat nach Aureng:abat, coſtes 4 Aureng abat Aureng· abat war vor dieſem nur ein Dorff/ darauß Aureng. zeb ein Stadt/ die zwar nicht jezt beſchloſſen/ baͤuen laſſen. Dieſe namhaffte Erweiterung beſchahe/ ſo wol wegen eines See/ zwo coltes Umkreis habend/ an deme das Dorff erbauet war/ als zu Gedaͤchtnuß ſeiner erſten Gemahlin/ die daſelbſten geſtorben/ und deſſen Kinder Mutter geweſen; dieſelbe ligt am Ende dieſes See gegen Nidergang/ da der Koͤnig neben einer Moſguse ein prachtige Begrabnus/ und ein ſchoͤn Carvanſera auf bauen laſſen/ begraben. Die Moſquee und Begraͤbnuß haben mercklich viel gekoſtet;weilen ſie von weiſſem Marmor/ ſo durch fuhr von Lahor gebracht wird/ und bey J. Monat Zeit under wegs bleibt/ aufgeführet ſeynd. Wie ich eines Tags von Surate nach Golconda leiſete/ begegneten mir J. Tag von Aureng· abad mehr n deen der mit dergleichen Marmor beladen; deren der geringſte mit 12. Ochſen bef an dae e Von Aureng-abat nach Pipeli, Coſtes 8 Von Pipeli nach Aubar, ſeynd Coſtes 12 Von Aubar nach Guiſemner, Coſtes Von Guiſemner nach Aſti, Coſtes Von Aſti nach Saruer, Coſtes Von Saruer nach Leſona, Coſtess 16 Von Leſona nach Nadour, Coſtes 12 Zu Nadour muß man uber einen Fluß/ ſo 10 12 in den Gangum lauffet/ und vier Roupies von einem Karren bezahlen/ und noch darzu um hinuͤber zu kommen/ einen Schein von dem Gubernatoren haben. Von Nadour nach Patonta, ſind Coſtes 9 Von Patonta nach Kakeri Von Kakeri nach Satapour, Coſtes Von Satapour nach Sitanaga, Coſtes 10 10 12 Von Sitanaga nach Satanagar, Coſtes 10 An dieſem letſtgemeldten Ort beginnet das Land des Koͤnigs von Golconda anzufangen. N 5 Von Satanagar nach Meluari, Coſtes 16 Von NMeluari nach Girballi, Coſtes Von Sirballi nach Golconda, Coſtes 14 Dieſer Weg von Surate nach Golconda iſt weit/ Coſtes Und ih brachte damit 25. Tag zu/ und. Tag mehr in meiner Reiſe Anno 165g. aber ich nahme auch von Piplenar, da ich den 1. Martij/ nach deme ich den& von Surate gbreiſete/ onkame/ einen anderen Weg. 1 10 2 Reis beſchreibung in Indien/ Den 12. zu Birgam 8 Den z. zu Omberat. 0 10 Den 14. zu Enneque. Tenque eine gute 11 Veſtung/ welche den Namen zweyer Furſtin an f der Indien hat. Ligt auf einem Berg/ an al? Pen len Saften mit Bruſt⸗Wehren verſehen/ nur eine kleine Straß iſt gegen Aufgang um hinauf zu kommen/ und in dem Ort ein Weyer: man kan daſelbſten anſaen/ um F. oder 600. Mann zu erhalten; aber der Konig will keine Beſatzung darinn haben/ und gehet der Ort zu Grund. a Den 1p. zu Geroul.„ Den 16. zu Lazour, da ein Fluß/ bey deme ein Canon⸗Schuß weit gegen Aufgang/ eine der groͤſten Pagodes oder Tempeln des Landes erbauet/ alda taglich groſſe Anzal Pilger ſich einfinden. 58 5 3 Den 17. zu Aureng· abad.* Den 18. zu Pipelgan oder Piply. Den 19. zu Ember.. Den 20. zu Deogan. Den 21. zu Patris. Den 22. zu Bargan. Den 23. zu Palam. 5 Den 24. zu Candear groſſe Veſtung/ aber einer ſeits von einem Berg überhoͤhet. 5 Den 2. zu Gargen. Den 26. zu Nagouni, Den 27. zu Indove. Den 28. zu Indelvai. e Den 29. zu Rigiuali, zwiſchen dieſen zwey letſtgemeldten Orten iſt ein kleiner Fluß/ welcher des groſſen defel band und das Land 3 des Koͤnigs von Golconda ſcheidet. Den 30. zu Maſapkipet. Den zr. zu Mixel-mola-Kipet. Den 1. Aprill zu Golconda. 0 Von Agra nach Golconda zu reiſen/ muß man auf Brampour nach vorgeſchriebenem Weg; und von dieſem Ort nach Dultabar, ſo allein y. oder 6. Tagreiſe davon/ und von Pul33 nach den uͤbrigen von mir verzeichneten Man kan noch einen anderen Weg von Surate nach Golconda zu reiſen/ nemlich ubs Goa und Viſapour/ wie in der ſonderbahren Beſchreibung meiner Reiſe nach Goa verime det werden ſolle/ nehmen. Nun folget die Beſchreibung des jenigen/ was ich merckwuͤrdigs in dem Königreich Golconda beobachten kde. nen/ und der letſten Kriegen/ ſo daſſelbe wider ſeine Benachbarte in der Zeit ich in Indien, ware/ außgehalten. i Das X. Capitel. Von dem Königreich Golconde, und ben Kriegen/ ſo daſſelbe ſeit wenig Jahre außgehalten. 5. —„ ss gantze Königreich iſt ins gemen, Sac 9 5 hal Cala E e Ogeiß/ en/ Schaaff/ ul ehr, und anderen 8 ⸗Mittlen/ und wie ken ſehr viel Weper darinnen gefunden werb f * Ee Buß „ ler in die Stadt/ mit den franden Kaufleuten zu handlen; und hernach kahren ſie wiederum anheim. In die ſer Vorſtadt ſeind zwo oder drey ſchoͤne Vos que, die den frömden für Caravanſeren dienen/ in der nahe werden viel Pagades oder Tempel geſchen. Durch eben dieſe Vorſlaͤdt gehet man auß der Stadt nach dez Veſtung Golconda. 3 Über die Bruck kommend iſt eine groſſe Gaſſe/ die zum Königlichen Pallaſt fuͤhret/ auf der rechten Seiten ſeind etliche Hauſer der Hofherren/ und 4. oder J. Catvanſeras zwey Stockwerck hoch; mit groſſen Saͤlen un Kamern/ da man ſich erkuͤhlen kan. Zu ende dieſer Gaſſe iſt ein groſſer Platz/ jener ſeits von dem Pallaſt eingenommen/ und in mitten ein Ercker/ dahin ber Konig bey ertheilender Verhoͤr ſich ſetzet. Des Pallaſts groſſe Pforte gehet nicht auf dieſen Platz; ſondern auf ein andern/ dieſem nahend/ durch welche gehend/ man alſobald in einen groſſen Hof mit Schoͤpffen umgeben/ darunder die Konigliche Wacht ſich aufhalt/ komt. Auß dieſem Hof gehet man in einen andern/ auf gleiche Manier erbaut; und daherum viel ſchoͤne Gemacher mit Taͤcheren/ auf Som̃erlaube oder Altane Manier gebaut; und darauf wie quch dem Theil des 9 5 ghuh viel Ziſch/ insonderheit einer Art med Fisch“ Eperlen geneſtiet/ der ſchr i gedllcheund Linen vat in Mitten hat. Die Aakur hat mehr als die Kunſt in dieſen 5 0 Hiteinlich an erhoheten Olten/ da allein ge demchenen Land ein Daß vonnehen, Sides Waſſer knuhalten/ geholfen. Dieſe Daltze ſeind biß weilen eine halbe Meil wegs 15 aud wann die Regenwetters⸗ Zeit vorerden von einer Zeit zur andern die 75 chleuſſen erofnet/ dem Waſſer den Lauf auf o Land zu laſſen/ welches ſich damn in underhiedliche kleine Canal ſamlet/ um die Felder db de e iſt der Name der Haubt Stadt 9955 Königreichs; aber dieſelbe wird gewonvo Sotconde gleich wiedie Beſtung die darSind Coſtes weit entlagen/ und des Koͤnigs Oiziſt genennet. Dieſe Veſtung hat bey awo Melken uinkreiß, und erfordert demnach Oe ſtarcke Beſazung. Dieſelbe iſt wie jene 5 ladt/ da dey Konig ſeinen Schatz hat; weil 0 eine Wohnung zu Bagnagar; nachdeme e gelle von dem Kriegsheer/ des AurengGellu s wie hernach vermeldet werden ſolle/ beWat gubet worden verlaſſen Hhagnagaꝛ iſt nun die Stadt/ die gemeinlich Golconda genennt wird; ſelbe war von dem Uranheren des jetzt regierenden Konigs/ auf anhalten eines ſeiner Weiber Nagar genennt/ ie ex einbruͤnſtigliche Liebte angefangen/ jhme war es allein ein Luſt⸗Ort/ da del Konig ſchone 5 arten harte; Als aber ſein Weib demſelben ſt vorgebracht/ daß der Plaß wegen des FlußS ſchon und bequem/ um ein Pallaſt und ein A zu bauen/ hatte er endlich das Funda8 den laſſen/ ind wolte/ daß die Stadt ſeiif Weibes Namen/ nemlich Bag. nagar, das der Nsgar-Garten/ gegeben wurde. Dieſe den gor lig 1. Grad(wenge e. inuten in hend hee Das Land umher iſt eben/ und na5 der Stadt ſeind viel Felſen/ wie bey kon8 eblead. ö 8 ane Ein groſſer Fluß netet die Stadt⸗Maur if Seiren Sud ⸗Weſt/ und ergeußt ſich en ch bey Maslipatan in den Bengaliſchen 0 herng munen. da Bagnagar iſt eine groſſe Stei. 10 Bruck/ nicht viel geringer als die neue fc e dens lber digen Fluß Die Stab baut g 5 el; aber ohngepfaſtert; gleich wie auch voll Skadte in Perſten und Indien ſeindbest Sande welches in Sommers⸗Jeit ſehr Ach durch Je die Brucke erreicht wird/ gehet man eine ole gel Vorſtadt/ Erengabadgeneñt/ er und Aude s lang/ da alle Kauffeur Mackde Wo beiter mid ins gemein der Po bel jhene weng haben; ſintemal die Stadt nur Gen e erſoren Königlichen BeamVoir 8 5 unnd Kriegs⸗Leuten bewohnet. Uhrabends„Vormittag biß vier oder fuͤnff eee t ngefahr in der groſſe rlenns wol gega uud hall; mit vielen groſſen Gaſſen gedummen die Kaufeut und MackPallaſt/ da die Elephanten ihren Platz haben/ ſind ſchoͤne Garten/ und ſo groſſe Baume/ daß ſich zu verwundern/ wie dieſe Gewolber einen ſolchen ſchwaren Laſt tragen koͤnnen/ und kan mit Warheit geſagt werden/ daß dieſes ein recht Koͤniglicher Pallaſt ſehe. ö Es ſeind ohngefaͤhr 50. Jahr/ daß in der Stadt ein praͤchtiger Bagode oder TempelBau angefangen worden/ und der groͤſſeſte in gantz Indien/ wann derſelbe vollführt ware. Inſonderheit iſt ſich uber die Groͤſſe etlicher Steine zuverwundern; und der Stein/ des jenigen Orts oder Lochs/ da das Gebett verrichtet werden ſolle/ iſt ein gantzer Felſen/ einer ungewonlichen Groſfe/ daß fünff Jahr ſolchen herauß zu ziehen/ zugebracht werden muſſen/ und wurden beſtaͤndig zu dieſer Arbeit fünff⸗oder 600. Mann gebraucht. Und noch mehr erfordert denſelben auf die Ruͤſtung/ um nach dem Ort des Bagode geführt zu werden/ zu waltzen/ und hat man mich verſichert/ daß 1400. Ochſen vorgeſpannet worden/ den Stein zu ziehen. Drunden ſolle angedeut werden/ warum dieſes Werck unvollkommen geblieben; wann daſſelbe vollfuhrt worden/ waͤre es ohnlaugbar das fuͤrtreflichſte Gebau in gantz Aſten zu ſchaͤtzen geweſen. Auf der andern Seiten der Stadt/ da der Weg nach Maslipatan 1155 ſeind zween groſſe Weyer, jeder ohngefahr eine Cote Umkreiß haltend/ darauf ekliche außgeziehrte/ in des Koͤnigs Luſt verordnete Schiffe; und an dem Ufer viel ſchoͤne den vornehmen des Hofs zugehorige Hauſer zu ſehen g Drey Coſtes Wegs von der Stadt iſt eine ſehr ſchoͤne Molquse, allda die Graber der Königen von Golconda ſind/ und taglich um vier Uhr Nachmittag/ wid daſelbſten f SR 40 allen Armen/ ſo dahin kommen Brod und Pilau qußgecheilt. Wer etwas ſchoͤnes wil ſehen/ muß auf ein Feſt ſich dahin begeben/ dann dazumalen ſeynd die Graber von Morgen biß Abends mit koͤſtlichen Teppichen bedecket. Was ich von Ordnung und Policey dieſer Stadt habe beobachten koͤnnen/ iſt erftlich/ wann ein Frembder vor die Porte komt/ wird derſelbe genau durchſucht/ um zu ſehen/ ob er Saͤltz oder Taback habe/ weil ſolches des Königs groͤſte Einkunft iſt. Sodann muß bißweilen der Frembde ein oder zween Tag/ auf Erlaubnuß hinein zu kommen/ drauſſen verharren. Ein Soldat thut die Ankunft einem Officierer der Haubtwacht zu wiſſen/ und dieſer ſchickt zum Deroga, um denſelben zu berichten. Wie nun oft beſchicht/ daß der Deroga beſchaftiget/ oder guſſer der Stadt ſpatzieren gegangen/ auch der Soldat ſich oft ſtellet/ ob hatte er den Deroga nicht angetroffen/ um Anlaß zu haben/ widerum hinzugehen/ und hiemit für ſeine Mühe ein mehrers zu forderen/ muß der Frembde allen dieſen Umſtanden außwarten/ und bißweilen ein in zween Tag drauſſen verbleiben. Wann der Koͤnig Gericht halt/ komt er/ wie vorgemeldt/ in den Ercker/ der auf den Platz das Außſehen hat/ und alle die jenigen/ welche da zuſchaffen/ ſtehen gegen über dem Ort/ da der Koͤnig ſich befindet: Zwiſchen dem Volck und der Pallaſts⸗ Maur werden drey Reyhen Pfaͤl eines halben Spieß hoch geſtecket/ und am Ende mit Stricken kreutzweis durchflochten/ und iſt nicht erlaubt/ ohnberuffen über dieſes Ziel zu ſchreiten/ welches allein in der Zeit/ wann der Koͤnig Gericht hält/ aufgerichtet wird/ und die gantze Lange des Platzes durchgehet/ und gegen dem Ercker uber iſt eine oͤſnung: Die jenigen/ welche geforderet werden/ durchzulaſſen. Dieſes beſchicht über ein von zween Mann gehaltenem/ alsdann nidergelaſſenem Seil/ damit der Beruffene ungehindert durchkom̃en koͤnne. Under dem Ercker iſt ein Staats⸗Secretarius, die Bittſchriften zuempfahen/ und wann derſelbe 5. oder 6. in Händen/ thut er ſolche in einen Sack/ der von einem in dem Ercker ſich befindenden Verſchnittenen an einem Seil herab gelaſſen/ und Mie die zu Golconda auf und ab der Macht ziehen. hernach ſart den Bittſchriften/ ſolche dem Konig einzuhandigen/ wiederum hinaufgezogen wird. 5 1 Die Vornemſten Herren gehen alle Montag/ jeder nach ſeiner Ordnung in Perſon auf die Wacht/ und werden erſt/ wann 8. Tag herum/ abgeloͤßt: under dieſen Herren ſeynd/ die deoder 6000. Pferd commandieren/ und under jhren Zelten uin die Stadt laͤgeren. Wann dieſelben die Wacht aufführen/ gehet ein jeder auß feinem Loſament guf den gewohnlichen Plaßzaber wann ſie die Wacht abführen/ kommen ſie ip ſchoͤner Ordnung uber die Byucke/ und von bar durch die Haubtſtraſſe auf den Platz vor dem Ercker in folgender Ordnung: Erſtlich 10. oder 12. Elephanten mehr oder weniger/ nach dem Stand des jenigen/ der von der Wacht abzeucht. Ein theil mit jhrem Keſich/ Reis beſchreibung in Indien/ dem Buch des Deroga eingeſchrieben/ 1. verbunden/ wochentlichen am Freytag in einer kleinen Kutſche gleichſehend; andere allein mit einem Mann/ der dieſelben regieret/ und ein andern an ſtatt des Kefichs/ der einen Fahnen tragt. 5 2 Nach dieſen Elephanten folgen die Camel/ zween und zween/ biß weilen 30. in 40. jeder Camel mit ſeinem Sattel/ darauf ein kleine Feldſchlang gebunden/ welche ein Mann von dem Haubt biß auf die Fuſſe in Lader gelleidet/ einem Underkleid gleich/ und auf dem Kreutz des Camels ſitzend/ vier Lunte in der Hand habend/ vor dem Ercker/ da der König iſt/ ſehr artig herum drahet. Dieſem nach folgen die Kutſchen/ um welche die Haußgenoſſen zu fuß gehen. Dañ die HandPferd/ und endlichen der Herz/ deme alles dieſes zuſtaͤndig iſt/ in Perſon; und 10. oder 12. HofDamen/ die am Ende der Brucken ſeiner warten biß auf den Platz vor jhme her ſpringend und tantzend. Auf denſelben folgen in ſchoͤner Ordnung die Reuterey und das Fußvolckzund wie alles dieſes anſehenlich und praͤchtig/ hatte ich wochentlich z. oder 4. Monat lang/ die ich zu Bangnagar bliebe/ weil mein Loſament in der Haubtſtraſſe war/ die Ergetzlichkeit/ dieſen Hauffen Volck/ welche mehr oder weniger an der Zahl/ nach dem Stand des jenigen Herren/ 10 0 die Wacht abfuͤhrte/ vorbey ziehen zu Die Soldaten haben fuͤr gantze Kleidung nur z. oder 4. Elen Leinwad/ mit denen ſie in mitten des Leibs ſich umdecken: tragen ihre Haar lang/ und machen damit einen groſſen Knopf auf dem Haubt/ den Weibern gleich/ auf deme ſie allein für die gantze Bedeckung ein dreyſpiziges Tuchlein/ der eine Spitz biß auf die Mikte deſſelben gehend/ und die anderen zween auf dem Genick gebunden/ habs. Tragen keine Sabel wie die Perſianer; ſondern an einem kleinen Leib⸗Gurtel ein breites Schwert gleich wie die Schrweizer darnit ſie hauen und ſtechen. Die Rohr jhrer Mußqueten ſeynd ſtarcker als die unſern/ und auch das Eiſen b ſſer eſſer und ſauberer; derorpegen dieselben nicht bald verſpringen. Die Reuter ſeynd mit Bogen und Pfeil/ dem Schilt und Streit⸗ Hammer Sturm ⸗Haube und Pantzer/ der hinden von der Sturm⸗ Haube biß über die Achſel hinab haͤnget/ bewafnet.„ Eine ſo groſſe Menge gemeiner Wie befinden ſich/ ſo wol in der Stadt als de Vorſtadten/ und in der Veſtung die ein, anderen Stadt gleich daß deren Mae zwantzig tauſend geſtellet wird. Auſſert 105 ſen iſt ſonſten keinem andern Weib(laden dieſes Leben zu fuhren; dieſelben bezahlen 40 Konig keine Schatzung; ſondern ſeynd ale, wiſſer Anzahl/ mit ihrer Vorgeſetzten 15 75 Muſic auf dem Plat vor dem Ercker zu fe ſcheinen. Wann der Konig daſelbſten fie ker findet/ tantzen ſie in deſſen Gegenwart; 1 aber abweſend /ſo wird ihnen von aeg Verſchnittenen mit der Hand a in ſich wieberum zuruck zu begeben. Abende der Kühle laſſen dieſelben vor ihren Hauſern/ welches mehrentheils kleine Hütten ſeynd/ ſich ſehen/ und wann die Nacht herbey komen/ hangelt ſie zum Gemerck eine brennende Kertze oder Lampen an die Thür/ und dieſes iſt die Zeit/ da alle Laden/ da man den Tari, ſo ein Gerranck von einem Bau gemacht/ und ſo ſuß als unſer neuer Moſt/ verkauffet/ eroͤffnet werden. Manbringt ſolchen in Hauten auf Pferden/ des mit zwo beladen/ und die einen ſtarcken rab gehen/ von J.oder 6. Coſtes Wegs weit/ und kommen taglich deren ohngefehr. oder 600. in die Stadt: der Koͤnig hat hiervon einen Zoll/ der ſich jahrlich ein namhaftes belauffen thut/ und diß iſt fürnemlich die Urbach/ daß diefe gemeine Weiber geduldet werden/ weil auß jhrem Anlas viel des Tari, verbraucht wird; darum die jenigen/ ſo deſſen verkauffen/ jhre Laden in der NachbaurDieſe Weiber ſeynd alſo geleichig und 5 abgerichtet/ daß/ als der Konig jetzt regielend/ Maslipatan, beſehen wolte/ 9. derſelben zug in diefe Stadt Thron ſitzend/ ſehr eigentlich und artig die Geſtalt eines Elephanten vorſtelleten; J dieneten an ſtatt 4. Klauen/ viek afidere den Leib“, und rine den Rüͤſſel/ und der Konig oben auf/ als auf einem hielte dergeſtalten ſeinen Ein. N Alles Volck zu Goleonda beides Mann und Weibsperſonen ſeynd wolgeſtaltot( ſchoͤn von Leib/ zimlich weiß von Angeſicht/ nur allein die Bauren ſind um etwas ſchwantzhraunlicht. Des jetzt Regierenden Königs Name iſt/ Abqoul-Coutou- Cha, und ſmit wenig Worten will ich dem Leſer deſſen Herkommen entwerffen: Bey Regierung Akbar Koͤnigs in Indien/ des Gehan-guir Vetter; erſtreckken die Mogol jhre Herꝛſchung gegen Mittag Glein biß nach Narbeder und der Fluß, von üden kommend/ daſelbſten durchlauffend/ und in den Gangum ſich ergieſſend/ ſcheidete hre dand/ von den Landen des Raja von NarN ugue, die biß an das Vorgebirg Comorin leicheten/ in demme die anderen Rajas gleichſam get duese 1 kovintz Dultabat, und der nur deſſen Underthanen/ und von jhme ihren f ewalt hatten. Dieſer Raja und ſeine Vorhren/ ſeynd die ſenigen/ welche jederzeit wi0 die ſo auf Temur-leng in Indien gefolder Krieg geführet und waren do maͤchtig/ 55 der letſte Kaja, weleher wider Alcbar kriegvier Heer von ſo vielen Feld⸗Oerren regie1 505 auf den Beinen hatte. Der Vornehmſte jeſer Bieren lagerte ſich in dem Land/ ſo heut 5 Tag das Koͤnigreich Golconda; der Andeae in dem Lande Vilapour; der Dritte in der Veerte in dem 3 Brampour. Als der Raja von Narſin0 ohne Erben abſturbe/ eignete ſich ein jeder 00 vier Feld⸗Herren das Land/ darinn er zu; den undelgebenen Kriegs⸗Heer lage Gelid wurffe ſich zum König auf/ einer von „ Aeonda, der andere von Vilapourz der dritbar. W feine vier Feld⸗Herren MahometaI. Theil. Erſtes Buch. Muntz die jetzt mehr/ on Brampour, und der vierte von Dulta- 9 f Obwol der Raja ein Abgotter/ waren je⸗ ſt 4¹ ner/ und der von Golconda der Sect Haly, auß einem alten Geſchlecht des Turcamans, die das Land Hlamadan in Perſien bewohnen dieſer ware/ wie gemeldt/ der Vornehmſte/ und wenig Tage von des Raja von Narfingue Abſterben/ erhielten dieſelben ein namhaften Sieg wider den Mogol, nach deme niemand ſie hindern konte/ den obern Gewalt ſich zuzueignen; aber ſeither haben ehanguir, AKbars Sohn/ das Land des neuen Königs von Brampour, Cha: gehan, des Gehan„ gulr Sohn das Land des Königs von Dultabat, und Aureng-zeb des Cha-gehan Sohn ein Theil des Laubs des Königs von Vilapour eingenommen, Der Konig von Golconda gher wurde weder von Gehan- guir, noch von Chargehan Hlcht hekriegt; a ſondeen ſie lieſſen denſelben in Ruß mit beding jedoch/ daß er dem Mogol jahrlich eine Schatzung von 200000, Pagodes, welches Goldbald weniger gelten von 6e biß 72. Francken Frantzöſiſcher Wahrung bezahlen ſolte. Heut zu Tag iſt der mächtigſte under dem Rajas dieſes groſſen Landes/ bey nahe eine völlige Inſel diſſeit des Gang der Raja von Velonz welcher ſeine Hersſchulig biß an das Vorgebirg Comorin erſtrecket Tn der auf den Raja von Narſingue, in einem Theil deſſelben Landes gefolget/ dieweil aber in ſeinem Land keine Handlung iſt/ halt dieſer Furſt ſich ſtill/ und kommen die Frembden wenig in Der jetzregierende Konig von Golcondla, iſt ohne mannlichen Leibs⸗Erben/ und hat allein drey verheurahte Toͤchteren. „Die Eltere einem Verwandten des groſſen Chek der Mecquè, und weil/ was dieſem dige Hiſtori 1 e 5 1 dem Heurat ſolches mit ſtillſchweigen nicht uͤberſehen wer⸗ des Cheles mit des Köͤnigs Tochter vorhergePallaſts/ viel Hofleu⸗ gangen. Heurath vorhergegangen/ merckwuͤrdig/ ſolle den. Als dieſer Chek in faquir Kleidung zu Goleonda angelangt/ hielte er ſich etliche Monat bey der Pforten des ö te/ die jhne befragten/ warum er dahin kommen ware? zu antworten nicht wuͤrdigend. Da endlichen dem Koͤnig ſolches zu Ohren gebracht worden; ſendete derſelbe ſeinen obriſten Artzt/ der gut Arabiſch redte/ um von dem Chele zu vernehmen/ was er begehrte und worum er da ware? der Artzt und etliche Herren des Hofes/ die auch mit demſelben redten/ erkandten alſobald/ daß er eine Perſon von Verſtand/ und fuhrten jhn zum Konig/ welchem ſeine Beſuchung und erſte Geſprach ſehr angenehm ware; als aber endlich der Chek ſich vernehmen lieſſe/ daß er kommen/ um die Princeſsin zu heurahten/ war der Koͤnig uber dieſen Vortrag nicht wenig beſtüͤrtzet/ von theils Hofſeuten/ von einem Mann/ der nicht allezeit recht bey Sinnen/ aufgenommen/ und ein Gelächter darauß gemacht; jedoch/ wie derſelbe in ſeinem Begehren ſteiff verharret/ ſo gar/ daß er/ dafern man ihme die Princeſ ſin nicht zur Ehe geben wurde/ deln Lande ein groſſes Unglück drauete/ ward er in Veraft geſetzt/ da er eine lange Zeit bleiben mue. Der Konig endlich beſſer haltend/ denſelben widerum in ſein Land zu ſchicken/ lieſſe er ihne RR 42 zu M. slipatan, in ein Schiff/ welches Waaren und Bilger nach Mocca fuͤhrte/ und von dar man hernach zu Land nach der Mecque reiſet/ begleiten. Ohngefehr zwey Jahr hernach/ kame dieſer Chek wiederum nach Golconda, und griffe die Sach dergeſtalten an/ daß die Princeſsin jhme vermahlet worden: Er kame auch in dem Königreich/ welches er heut zu Tag regieret/ und da er völlige Macht hat/ in groſſen Credit und Anſehen. Er iſts/ welcher verhindert/ daß der Konig die Veſtung Golconda, dahin er ſich begeben hatte, als Aurengzeb ind deſſen Sohn in Bag: nagar, wie bald vermeldet werden ſolle/ eingezogen/ nicht übergeben; dann er fiele den Konig an/ drauend/ daß er jhne umbringen wolte/ wann er nicht Stand hielte/ und dem Feind die Thor zu eroͤffnen gedachte. Dieſe kühne That war nur Urſach/ daß derſelbe von dem Konig hernach mehr geliebet/ auch von jhme in allen wichtigen Geſchaͤften zu einem Rath geReis beſchreibung in Indien/ Pater Ephraim/ dem ich hernach bey unſerer erſten Zuſammenkunft gedancket. Wie nun der Chele ſahe/ daß er den Pa ter nicht auf halten koͤnte/ und daß der ſelbe ſeine Reiß zu Fuß von Golconda nach Maslipatan fortzuſetzen willens ware; wolte er ſolches nicht zugeben/ ſondern verſchafte/ ihme einen Ochſen und zween Knechte zum Geleit; und weil der Chek auch nicht erlangen moͤchte/ daß der Pater 30. pagodes von jhme annehme/ befahle er den zween Knechten/ daß/ ſo balden ſie zu Maslipatan ankommen/ dem Pater den Ochſen und die Pagodes überlaſſen ſolten/ das ermangleten dieſelben nicht alſo zu thun: Im widrigen waren ſie bey jhrer Widerkunft zu Golconda in Gefahr des Lebens geweſen. Ich will die Geſchichte vom Pater Ephraim/ dem ſeithero viel Widerwertigkeiten begegnet/ außfuͤhren; wann ich Goa, welches der vornehmſte Ort ſo bie daneben in Indien haben/ beſchreiben werde.. braucht wurde/ und alſo nicht allein als des Königs Eidam; ſondern als oberſter StaatsMiniſter/ iſt er jetzo der Vornehmſte an dem Die zweyte Tochter des Königs von mac Golconda; ward dem Sultan Mahamud; donc Hofe Golconda. Und der iſt es auch/ daß der groſſe Bagade oder Tempel zu Bagnagar uUnvollkommen geblieben; ſintemal derſelbe dem gantzen Koͤnigreich ein groſſes Ungluͤck gedraͤuet; wann man fortfahren wurde/ den Dieſer Furt Bau zu vollführen. Dieſer Fuͤrſt tragt eine ſonderbare groſſe Liebe zu allen den jenigen/ welche der Markemarie erfahren/ und verſtehet dieſelbe zimlich wol; derowegen/ ob er wol ein Mahometan/ iſt er jedoch allen denen Chriſten/ welche dieſer Kunſt erfahren/ guͤnſtig; wie derſelbe ſolches dem Pater Ephraim Capuciner/ der zu Golconda nach Pegu, dain er von ſeinen Vorgeſetzten verſchickt war/ durchreiſete/ inſonderheit bezeuget hat. Er Aureng: gebs elteren Sohn/ vermaͤhlet/ und diß ware die Urſach dieſes Heuraths: Als Mir-Gimola, Königs von Golconda Kriegs Heer Ober⸗Feldherꝛ/ von deme derſelbe zu Beveſtigung ſeines Throns( groſſe Dien: Au, ſte empfangen/ gegen Bengala, um einige Rajas zur Gebühr zu bringen/ marchierte/ hinderlieſſe er dem Konig nach Gewonheit/ zum Zeichen der Treu ſeine Weib und Kinder fuͤr Geiſſel! Derſelbe hatte viel Toͤchtern/ und nur ein Sohn/ der eine groſſe Höffhaltung hatte/ davon viel geſagt ware. Das Ay ſehen und der Reichthum/ ſo Mix- Gimola erworben/ erweckten jhme Feinde/ welche wegen eines ſo groſſen Glucks eiferend/ in deſſen Abpweſen/ ſolches zu ſtürtzen/ und bey dem Ko; a. nig jhne in Ungnad zu bringen/ trachteten. Die⸗ d ſelbigen gaben jhme zu erkennen/ daß der Ge⸗ Ge walt des Mirgimola Ihr Maj. verdächtig ſeyn aalen verſüchte alles/ was moglich war/ jhne zu bewegen/ daß er in dieſem Land bliebe/ mit Anerbietung/ in ſeinem Koſten jhme ein Hauß und Kirchen erbauen zu laſſen/ und zumalen demſelben vorbringend: daß es jhme an Geſchaͤften und Pfarꝛgenoſſen keines wegs ermanglen wurde/ indem daſelbſten einige Chriſten/ Portugeſen/ und viel Armenier/ welche jahrlich um der Handlung willen dahin kaͤmen. Aber Pater Ephraim/ der Befehl hatte/ furder zugehen/ und in Pegu ſich zubegeben/ koͤnte dieſes Anerbieten nicht annehmen/ und wie er von dem Chele Abſcheid nahme/ beſchenckte hn derſelbe mit dem Ehren⸗Kleid alſo herꝛlich/ als hatte ſeyn koͤnnen; weilen es die völlige Zugehoͤrd ware; nemlich die Cappe/ der groſſe Rock/ der Arcalou oder Juppe/ zrwey Underhoſen/ zwey Hembder/ und zween Gurtel amt einem Band/ welches um den Hals und auf das Haubt wider der Sonnen Hig gethan wird. Der Pater über dieſe Verehrung heſtürtzet/ und dem Chek zu erkennen gebend; daß er ſolches nicht mitnehmen konte: wolte doch derſelbe/ daß es beſchehe/ und ſagte/ daß er damit einen ſeiner Freunden beſchencken koͤnte: Zween Monat hernach/ bekame ich zu Surate dieſes Preſent/ im Namen des ſolte/ daß deſſelben gantzes Vornehmen dahin zwecke/ Ihne zu entthronen/ und das Konigreich Golconda, ſeinem Sohn verſicheret zu machen/ daß er/ biß darwider zu mittlen ver ſdumet/ nicht warten ſolte/ und daß einen ſolchen Feind/ der um ſo viel deſto mehr zu foͤrchten/ weil derſelbe ſehr gewarſatm ſich helle auß dem Weg zurqumen/ das beſte und ſchleunigſte Mittel waͤre/ jhme mit Gift zu verge ben. Der Kong lieſſeſich leicht bereden/ und e gabe ihnen ſelbſten die Commission dien Vorſchlag zu vollſtrecken: als dieſelbigen 5 ber die Sach nicht recht angegriffen/ geſtar l ten es ihnen/ zu ihrem Zweck zu kommen drey oder viermal gefehlet/ bekame enden chen des Mirgimola Sohn darvon Lufft( e und thate ſolches ohnverzogenlich feilen ff Vatter zu wiſſen: man hat nicht eig, lich erfahren koͤnnen/ was für einen 5 0 fehl der Vatter hierauf gegeben; aber 5 Sohn/ ſo bald er von demſelben Antwort 0 kommen/ gienge er zum Konig mit we 1 er unerſchrocken redte/ und fine Batter de, dieſen Lon, Erſtes Buch. 5 43 Jederzeit erwieſene treue Dienſte/ ohne welche in nicht zur Kron gelangt ware/ vorhielte/ wel90 auch in Warheit alſo; aber dieſe Handel a Hofs alhier zu erzehlen/ ware alzu lang. ieſer junge Her?/ welcher von Natur zornunitig ware/ griffe den Konig mit ſolchen empendlichen Worten an/ daß Ihre Majeſt. von deſſen Uingebuhr beleidigt/ im Zorn aufftunde/ und die Groſſen des Hols/ die ſich zu gegen be8 auf denſelben zufielen/ und ſchimpflich ractierten. Zur Skund ward er auf Befehl — Königs ſtill geſtellt/ und ſamt der Mutter 7 ſeinen Schweſtern/ gefaͤnglich eingeſetzt; über dieſe Begebenheit/ darinn bey Hof ein droſſes Geſchrey entſtunde/ war Mugimola, ber die Zeitung bald bekame/ in der maſſen entfuſtet daß er/ den Gewalt in ſeinen Handen fe Gund⸗ und von den Soldaten geliebt/ von Wach bin Skund an entſchloſſe/ dieſes Vortheils/ zur ache des empfangenen Schimpfs/ ſich zu edienen. Derſelbe ware wie droben gemeldt vey kengala, um etliche Rajas, welche ſhr Land bah langs des Gangi hatten/ zur Gebühr zu bingen. Er hielte fur rahtſam/ bey Sultan ujah des Cha- gehans zweyten Sohn/ damalen Verwalter in Bengala, als dem naͤchſt gelegenen Furſten/ anzuhalten/ um jhreg acht wider den Konig von Golconda, welchen er nit mehr als ſeinen Herren/ ſondern den groͤſten ſeiner Feinden achtete/ zuſamen zu ziehen. Derſelbe ſchriebe dieſem Fürſten/ daß/ wanner zu jhme ſtoſſen/ demſelben Mittel an die Hand geben wolte/ des gantzen Königreichs Golconda meir zu werden/ und daß er eine ſolche trefliche legenheit des Groſſen Mogols Reich/ deſſen abe ihne ſo wol/ als die andern Furſten ſeine f 1 angienge/ zu vermehren nicht veree ſolte. Aber er empftenge von Suldam ujall, der jhme zu verſtehen gabe/ daß er Kon, ort eines Manns/ der geneigt/ ſeinen 9 zu verrahten/ hernach auch vielmehr ei5 remden Furſten/ welchen er Raach zu uͤben 1 05 Seite gebracht/ ein gleiches leicht befh en möchte/ nicht trauete/ und derowegen able—— willfahrige Antwort. Auf dieſen Hlagigen Beſcheyd/ ſchriebe Mirgimola water eb der damalen in ſeiner Verklug ing Brampour ware/ und der nicht ſo nem lee wie ſein Bruder/ den jhme beſchehea ſeine Völcker gegen Bagnagar anziehen marchjerte Aureng- zeb mit den ſeinigen deme becken Tagreiſen auf Decan, und nachie ſch e e Heer zuſamen geſtoſſen/ befunden nig en vor der Pforte Bagnagar; ehe der KöFei ange Anordnung thun konte/ und allein alte in ſeine Veſtung Golconda ſich zu en welche Aureng-zeb, nachdem derdeen das e Stadt Bagwager außgeplundert und den ſohald 15 auß dem Pallaſt weggenommen, alangeſo habe Der Konig alſo hart ſich Je zu ten ſchend funde rahtſam /ſich indie zu ſchicken/ und um dieſes Wetter/ weles jhme fo;. 10 5 1 105 gantzen Undergang draͤuete/ ſtig, Auf Ihne nicht verlaſſen ſolte/ keine gunVorschlag annahme. Aldieweil MirgiUberſchiclte er dem Mirgimola ſein Weib und Kinder mit Ehren wiederum. Es iſt beydes Tugend und Großmutigkeit in Indien ſo wol als in Europa zu finden/ und deſſen wil ich ein trefiches Exempel an der Perſon des Koͤnigs von Golconda darſtellen. Etliche Tage/ nachdem die Feinde die Veſtung belagert/ wurde Aure geb guf ſeinem Elephanten ſitzend/ und die Auſſenwerck beſichtigend/ von einem Buchſenmeiſter erſehen/ ſagte zum Konig/ weleher eben auf dem Bollwerck ware/ wann Ihro Majeſtat begaͤrte/ wolte er ſich underſtehen/ dieſen Furſten mit einem Canonſchuß wegzuheben/ und ruſtete ſich zugleich Feur zu geben. Aber der Konig hielte Ihn bey dem Arm/ und ſagte: daß er ſich wol hůten ſolte ſolches zu thun/ dann man das Leben der Fürſten/ nicht alſo gering ſchatzen müſte: der Buüͤchſenmeiſter/ welcher hurtig war/ gehorchte dem Konig/ aber an ſtatt uf Aureng· zeb loß⸗ a zubrennen/ gienge der Schuß auf deſſen Feld⸗ Ihr Feldherr heren/ der beſſer vor dem Konig war/ und weg⸗ chosen r genommen wurde/ welches den Sturm/ ſo er und die Bezu thun bereit geweſen/ verhindert/ und das agehen gantze Heer in Schrecken brachte. Als AbdulJaber- Beg des Königs von Golconda Heldherꝛ/ der unweit darvon mit einem fliegenden Lager in ooo. Pferden beſtehend/ ſich befande/ vernommen/ daß der Feind durch den Verluſt jhres Feldherꝛn/ um etwas in Unordnung gerahten/ machte jhme ſolches zu nutzen/ indeme er mit allem Gewalt in ſie ſetzte/ jhnen vollend das Hertz nahme/ dieſelben in unordnung brachte/ und ſie muhtiglich 4. oder J. Meilwegs bis in die Macht verfolgte. Wenig Tage vor dem Tod dieſes Feldherꝛn/ ware der Konig von Golconda ubereilt/ und in groſſen Noͤhten ſich befindend/ und an Lebensmitteln in der Veſtung groſſer Mangel erſcheinend/ bereits gaͤntzlichen reſolviert/ die Sehlüſſel dem Feinde zu liefern/ aber wie droben gemeldt/ es riſſe hme Mirza-· Mahemed ſem Eidam/ ſolche auß den Handen/ mit bedrauen/ dafern derſelbe in dieſem Entſchluß 7 0 wurde/ er jhne nidermachen wolte. Welches die Urſach/ daß der Konig/ ſo jhne zuvor wenig liebte/ denſelben hernach ſehr werth hielte/ und ſolches taglich zu erkennen gabe. 8 4. Wie nun aureng:-zeb die Belagerung„ Velagern aufzuheben verurſacht wurde/ war derſelbe et⸗ aufs neue. liche Tage beſchafftiget ſeine Voͤlcler wiederum zu ſamlen/ und kam jhm friſche Hulff/ damit belagerte er Golconda gufs neue. Die Veſtung ward wiederum 1 angegriffen/ e hingegen beſchahe auch tapfere Gegenwehr; aber Mirgimola, der dem Konig annoch etli⸗ wireimole cher maſſen geneigt/ und auch deswegen/ wie ei⸗ nen Sil nige/ aber ohne offentliche Erklärung/ ſagen/ fad. ſehr groſſe Urſach hatte/ wolte nicht zugeben/ das Aureng-aeb zur Extremität ſchritte/ ſondern vermittelte einen Stillſtand der Waffen/ für etliche Wochen. 0 Cha- gehan des Aureng- zeb Valker/ hatte vor dieſem von dem Konig von Golconda, zu deme derſelbe nach Verluſt des Treffens mit ſeinem altern Bruder/ wider Gehan- guir jh ren Vatter/ den ſie bekriegten/ fohe/ viel gutes D 4 empfan 44 f empfangen. Als Schan-guir ſeinen altern Sohn in Gewalt hatte/ lieſſe er demſelben die Augen außſtechen; aber Cha: gehan ſein jungerer Bruder/ viel vorſichtiger/ nahme die Flucht/ und wie jhne der Koͤnig von Golconda freundlich empfangen/ machten ſie miteinandern genaue Freundſchafft/ Cha- gehan ſeinem Gutkthaͤter ſchwerend/ daß er denſelben um einiger Urſach willen nimermehr bekriegen wolte. Mirgimola, der wol wuſte/ daß leicht ſeyn wurde/ zween Konige/ welche mit einander Freunde waren/ wiederum zu vergleichen/ wann nur Aureng: eb ſeines Theils etwas nachgebe/ und uichts deſto weniger nicht verReis beſchreibung in Indien/ chen/ und durch jhre Vermittlung/ die Fürſtin an Mirza-Abdul-Coſing, des Königs Vettern/ vermaͤhlet. Von dieſer Che ſind zween Sohn/ welches die Forderungen Aureng· zebs Sohn/ den der Vatter anjetzo in der Veſtung Goualeor, weil er ſeine Partey/ dem SultanSujah ſeinem Oheim zu gefallen/ verrahten/ gefangen halt/ zu nicht machen thut. Dieſe Furſtin waͤre gleich Anfangs ohne einiges Bedencken/ dem Mirza- Abdul: Coſing gegeben worden/ wann derſelbe nicht ein unordentliches Leben verführt/ deswegen der Koͤnig nichts von jhme hielte; aber ſeith ſeiner Ehe/ hat er ſich bekehret. 86180 1 Anjetzo befoͤrchtet der Koͤnig von Goleon- e da die Mogols wenig; dieweilen nach deren en 0 Exempel, kein Gelt auß ſeinem Land geführt en wird/ und er demnach eine groſſe Summa auf den Krieg/ wann es erforderlich/ zu wenden/ zu⸗ Sale ſamen gelegt hat. Uber das/ iſt derſelbe der dect Hali ſehr zu gethan/ ſo weit/ daß er keine zue kürtzt wurde/ führte beyden in geheim/ ſeine Meinung zu einem guten Frieden zwiſchen jhnen zu machen/ zu Gemuͤhte. Er verſchaffte/ daß der Konig von Golconda dem Cha- gehan der erſte/ ſehr höflich zuſchriebe/ und bate zwiſchen jhme und Aureng· zeb Schiedrichter zu ſeyn/ ſein Sache demſelben vollig uͤbergabe/ und und wird des verſprechend/ was er handlen/ tractieren/ und aufſetzen wurde/ es ware auf welche Manier es ſeyn moͤchte/ er ſolches underſchreiben wolte. Auf Angeben bemeldten Mirgimola, ward dem Cha- gehan hingegen gerahten/ in Antwort des Schreibens vom Konig von Golcon8 euraht 8 0 11 1 8 N 1 da, demſelben den Heuraht ſeiner zweyten can Mahadung ebe Zebs Sohn/ vorzuſchlagen; mit Beding/ daß Soßn/ und nach Abſterben des Königs/ der Fürſtin VatSohn/ und des Honigs ter/ ſein Eidam/ des Koͤnigreichs Golconda von Golconda zweyten Tochter. Mirgimola wuͤrekk den Frieden auß; Erbe ſeyn ſolte. Wie nun dieſer Vorſchlag beyderſeits beliebet/ und die Artickel von beeden Koͤnigen underſchrieben worden/ wurde beydes der Friede und der Heuraht zugleich/ mit groſſer Herzlichkeit beſchloſſen. Was Mirgimola anbetreffen thut/ verlieſſe er den Dienſt des Königs von Golconda, und begabe ſich mit Aureng- zeb nach Brampour. Wenig Zeit gb wid hernach/ ward derſelbe von Cha- gehan zu eioberer nem Oberſten Staats⸗Miniſter und Obere Feldheren ſeiner Kriegsheeren angenommen; zeb durch die Niderlag Sultan Sujah, gewaltig zur Krone geholffen. Im übrigen ware Mirgimola ein Mann von groſſem Verſtand/ welcher beedes in den Kriegs und Stands⸗Geſchäfften/ nicht geringe Wiſſenſchafft hatte. Ich hatte Gelegenheit mit demnſelben vielmal du ſprachen/ und verwunderte mich uber die Billi hund Geſchwindigkeit ſeines Beſcheids/ h auf die jhme vorkommenen Bittſchrifften/ ſeinen Befehl aller Orten ertheilend/ und viel Schrifften underſchreibend/ mit ſolcher Behandigkeit/ als wann es nur um eine einige Sach zu thun geweſen ware. ö Die dritte Fürſtin von Golconda, ware dem Sultan Sejed zweyten Chek der Mecque dorfſrochen/ und bereits ſo weit kommen/ daß der Tag zu wurcklicher met wald. Aber nachdem Abdoul-JaberBeg des Kriegsheers Feldherꝛ/ ſaunt ſechs andern Herren/ den Konig von Golconda, um denſelben von dieſem Vorhaben abwendig zu machen/ beſucht/ war dieſer Heuraht gebroTochter/ mit Sultan Mahamud des Aurengſen; wordurch und er ware der jenige/ welcher dem Aurengwelchen ich gewoͤhnlich gebraucht. N ſes Portal/ und zu beeden Seiten eine ſcho Vermahlung beſtimKappe wie andere Mahometanen/ weilen man ſagt/ Hali habe keine getragen/ ſondern das Haubt mit etwas anders bedeckt hatte/ aufhaben wil; welches guch die Urſach/ daß die Perſtaner/ ſo in groſſer Anzahl ihr Glück zu ſuchen/ in Indien kommen/ viel lieber zu dem Konig von Golconda, als zu dem Mogol ſich begeben. Eine gleiche Beſchaffenheit hat es mit dem Konig von Vilapour/ welchen die Koͤnigin/ des Konigs von Golconda Schweſter auch in der Sect Hali zu auferziehen/ ſich befl 0 ebenfals viel Perſianer zu ſeinem Dienſt verleitet werden. 155 Das XI. Capitel. Weg von Golconda nach Maslipatan, volt andern Maſalipatan genennt. 8 On Golconda nach Maslipatan, wel den 100. Coſtes geraden Wegs gezehlt; wann man aber durch die Dia mant⸗Gruben/ auf Perſich Coulour, und in Indianiſcher Sprach/ Gani genennt/ rei, wil/ ſeynd es 11a. Coſtes, und das iſt der Weg/ — Von Goleonda nach Tenara, Coſtes Tenara itt ein ſchoner Ort/ da vier ſchone Hauſer/ jedes mit einem groſſen Garten/ gel 5 en werden. Eines der vieren/ zur lincken 1 Landſtraſſen/ it unvergleichlich ſchöner als andern drey. Alles iſt von Quaderſteinen, und doppelten Stockwerck/ alda groſſe Ga ge/ ſchoͤne Sal und Kammern. Vor ge Hauß iſt ein groſſer viereckichter Platz 15 5 fähr dem Königlichen Platz zu Paris g 5 90 Vor den anderen Hauſern jedem/ iſt eing ne g eil n Altane/ ungefahr 4. oder J. Schuh hoch da der Erden erhoben/ und ſehr wol gewolbt⸗ br ſelbſten pfegen reiſende Stands⸗Ferſone en Loſament zu nehmen. Uber jedem Portal er groſſer Schrancke/ und eine kleine e i für die Weiber. Wann vornehme Per dacht * 4 re Coſtbeit Zu migen Wonen lip Ju wiſfeni nicht in den Loſarzentern einlehren wollen/ konnen dieſelben jhre zelten inden arken aufſchlagen lafſen; und iſt zu toiſſen daß man nan Platz in dieſen z. Hauſern/ wellen das vierdte/ ſo das gröſte un ſchonſie/ allein für die Königin iſt/ hazen kan. Jgaß dieſelbe alda ſich nit befindet/ kan mans beſehen/ und darinn ſpatzieren/ dann der Garten 8 lünnen hat. Der gantze Plaz iſt rings heram mit kleinen Kammern/ für die armen Reienden beſetzt/ denen man taglich Abends das Illmoſen in Brod/ Reiß und Gemuß/ ſo fur ſie zugerichtet wird/ reichenthut; den Abgolkern aber/ welche nichts/ was von anderen Leuken gekocht/ eſſen/ gibt man Mal/ Brod zu baen und ein wenig Butter: dann ſo bald jhr Brod in Manier der Kuchen/ überſtreichen ſie 5 lelbes zu beyden Seiten mit zerlaſſenem But* 5 Von Tenara nach Jatenagar, Coſtes 12 Von Jarenagar nach Patengy, Coſtes 12 on Patengy nach Pengeul, Coſtes 14 Von Pengeul nach Nagel par, Coſtes 12 Von Nagelpar nach La. Kabaron, Coſtes it Von Lakabaron nach Goulour oder Gani, darvon ich in meiner Beſchreibung der Bergwercken/ Meldung thun werde/ Coſtes II Der groͤſte Theil des Wegs von Lakabaron nach Coulour, jnſonderheit dieſem Ort nahend/ iſt gantz von Felſen/ alſo daß ich an 2. oder drey Orten/ meine Kutſchen müſſen abheben laſſen/ welches geſchwind beſchicht. An en jenigen Orten zwiſchen dieſen Felſen/ da dn weng gut Erdreich/ findet man Caſſia5 Baum/ ſo der beſten und laxierenſten in gantz f In len/ welches ich wuͤrcklich bey meinen Anechten/ die deren im vorüber reiſen geſſen/ ermercken konnen. e Nach der Lange des Fleckens Coulour, laufftei Fluß/ de i ein groſſer Fluß/ der nahe bey Maslipadan ich in den Mcerbuſen bey engala ergeußt. 5 Colt on Coulour oder Gani nach Kah-Kkaly, 8 5 5 Von Kah kaly nach Pezouar, Coſtes 6 ey Bezoũar fahrt man wiederum uͤber e Fluß Coulour. 8 5 5 f 3 on Bezoũiar nach Vouchir, Coſtes 4 on Vouchir nach Nilimor, Coſtes 4 5 iſchen V ouchir und Nili mor, umgefahr auf Wegs/ fahrt man uͤber einen groſſen Fluß Schiff. 8 80 a Jen Nilimor nach Mil mol, Coſtes 6 Von Milmol nach Maslipatan, Coſtes 4 Aulipatan iſt eine groſſe Stadt/ da die nur von Holt zerſtreuet. Der Ort/ wand oder See iſt allein wegen des Sala 90 ſo der beſte des Meerbuſens BenZu, Kia daß nur von dannen Schiffe nachbe9 8 8 Arachan, Bengala, 8 ſuln da und Ormus, wie auch nach den Inb gadegalear Sumatra und Manilles abMind, ehen, beruͤhmt e 5 1 5 * iſt/ daß vonolconda nach MasWaal. hohen Bre Kay ren gehen/ weil die Weg mit Dergen/Weyern/ und Bachen/ gar zu Buch. ſehr luſtbar/ und viel ſchoͤne Waſſer 1 Floß/ weilen an demſelben Ort keine 45 ſehr verſezk/ und viel enge und uberauß mühſame Wege. Sehr ſeh werlich kan man eine kleine Kutſche durchbringen/ welches ich zwar bis zu den Diatnant⸗Gruben gethan/ muſte aber meine Kutſche/ um durch den boͤfen Weg und Paß zu kommen/ oft abheben laſſen. Eine gleiche Beſchaffenheit hat es/ von Golconda bis in das Vorgebuͤrge Comorin; von Karren wird in demſelben gantzen Land nichts geredt/ und werden allein Ochſen und Pferde/ ſo wol für die reiſenden Perſonen/ als die aaren zu fuͤhren/ geſehen und gebraucht. Aber in Mangel der Kutſchen/ hat man die Begquemlichkeit der ſo genannten Palle kis, ſo viel groſſer iſt als in dem ubrigen Theil Indien; ſintemalen man in derſelben ſaͤnffter/ ſchlauniger/ und wolfeiler fortkommen kan. i Das XII. Capitel. patan, und von Golconda in das Gebuͤrgecomo· rin zu reiſen. Weg von Surate nach Goa, und von dar nach Golconda durch Viſapour. zu Land/ theils zu See reiſen; weil aber Od Surate nach Goa„kan man theils der Weg zu Land/ jnſonderheit von Daman bis nach Rejapour ſehr bos/ nehmen die meiſten Reiſenden jhren Weg zur See/ dem Geſtaad nach mit der Almadier, ſo ein Schiff mit Rudern: ungeachtet daß die Malavares, welche Indianiſche Seerquber/ wie hernach vermeldet werden ſolle/ an den Kuͤſten ſehr zu befoͤrchten ſeynd. Der Weg von Surate nach Goa, wird nit mehr bey Coſtes, ſondern bey Gos, ſo ungefahr vier unſerer gemeinen Meilen ſeynd/ gezehlet. Von Surate nach Daman, Gos Von Daman nach Baſſain, Gos Von Baſſain nach Chaoul, Gos 9 Von Chaoul nach Daboul, Gos 12 Von Daboul nach Rajapour, Gs 10 Von Rejapour nach Mingrela, Gs 9 Von Mingrela nach Goa, Gos 4 Alſo inallem von Surate nach Goa, Gos 61 Die groſſe Gefahr an den Küſten iſt/ wie droben gemeldt/ ſo man in die Hande der Malavares, welche Ertz Mahometaner/ nud uͤberauß unbarmhertzig wider die Chriſten ſeynd/ gerahtet. Ich habe einen Barfüͤſſer Munchen/ der von dieſen Seeraubern gefangen worden/ geſehen/ welchen ſie/ um ſchleunig die Rantion 7 10 von jhme zu haben/ ſolchermaſſen gefoltert/ daß deſſen rechter Armb und auch der Schenckel um das halbe kürtzer/ als der andere waren. Die Haubtleut geben jeden Soldaten für 6. Monat Zeit/ ſo dieſelben gewonlichen auf der See ſeind/ nin allein den Wehrt von zwo Kronen/ und kein Portion von dem bekomenden Raub; Aber zu den Kleidern und Nahrungs⸗Miktlen der Gefangenen/ haben ſie zecht. Wahr iſt/ daß die Soldaten nachdeme dieſe Zeſt verfioſſen/ Ihren Abſchied haben konnen; und wann die Haubtleut begehren/ daß ſie bleiben ſollen/ mülſen ſie jhnen einen andern Sold geben. Dieſelben wagen ſich ſelten 8 zu „ . 4.6 See/ als 20. oder 25. Meilen/ und wann die Porkugeſen dieſer Seerguber bekommen/ iſt ein kurtzer Proceß/ aufgehenckt/ oder ins Meer geworffen zu werden. Dieſer Malavares ſtynd in ihren Schiffen bisweilen an der Zahl 200. und oft 210. Mann/ und fahren mit Squabronen von 10. und U. Schiffen, ein groſſes Schiff anzugreiffen/ und foͤrchten das Geſchutz nicht. Dieſelben kommen alſobald an den Bord der Schiffen/ und werfen mit Handgranaten auf die Tenne welche groſſen Schaden verurſachen thaten/ wann man nicht Reis beſchrelbung in Indien/ gefordert wurden. Der Preſident Ubermachte alſobalb das Gelt/ und ich ſahe ſie wiederkommen/ die einen geſund/ andere mit dem Fieber behaftet. Die Malavares ſeynd alſo ſehr aberglaubiſch/ daß dieſelben niemalen etwas unſaubers und unreines mit der rechten Hand berühren/ ſondern uͤberlaſſens der Lincken/ an deren Fingern ſie die Nagel/ ſo jhnen an ſtatt Kämme dienen/ lang wachſen laſſen; dann ſte haben lange Haar/ den Weibern gleich/ ſo ſie mit einen Tuchlein drey Spitzen habend/ um das Haubt herum wicklen. gute Aufſicht hatte/ darwider ſchleunige Mittel zu gebrauchen. Dann wie dieſer See⸗Rauber Gewonheit bekant/ ſo bald man dieſelben nahen ſihet/ wer den ohnverzogenlich die Locher . Welen droben von Damen Auregug Se beſchehen /ſolle hernach mit wenigem vermeldt ich werden/ wie dieſe Stadt von Aureng· zeb, jetzt Pama regierend/ belagert worden. Viel ſeund der Auen Streit eines Eugliſchen SchifCapttaius mit den Malvares. der Tenne verſtopft/ und alles mit Waſſer gefüllet/ damit die Hand⸗Granaten/ welche mit Cein werck gefüllet/ keine Wurckung haben mogen. a 8 Ein Engliſcher Capitain/ Melter Clerc genennt/ von Bantam nach Surate fahrend/ begegnete auf der Hohe Cochin einem Squadron diefer Malavares von 25. oder zo. Schiffen/ diefelbigen kamen an das Schiff und griffen ſolches mit allem Gewalt an. Wie er ſahe/ daß wicht muͤglich ware/ dieſem erſten grünmigen Anfall zu widerſtehen/ lieſſe er etliche Faßlein Pulver/ von hme an gewiſſe Ort verordnet/ mit Feur anſtecken/ darvon die Tenne in den Lufft ſprunge/ und hiemit auch eine groſſe Anzahl dieſer See⸗Nauber/ die ſich darauf befunden. Die andern verloren jedoch den Muht nicht/ und kamen auch auf Bord. Als nun der Engliſche Capitain ſahe/ daß kein Mittel mehr ware/ Widerſtand zu thun/ hefahle er allen ſeinen Voͤlckern in zween Boot ſich zu begeben/ und bliebe allein in ſeiner Kammer/ dahin die Seerauber noch nicht kommen koͤnten/ legte das Feur an das Zund pulver/ ſo er zubereitet hatte/ und welches bis an den Ort/ da ſehr viel Pulver ware/ geſtreuet/ und ſprunge hiemit in das Meer/ da ſeine Leute jhne guffiengen/ alle Malavares aber die in dem Engliſchen Schiff waren/ ſprungen in die Lufft und erſofſen. Die zwey Boot/ darinn ohngefaͤhr 40. Engellander ſich befunden/ wurden nichts deſto wemger von den ubrigen Malavares weggenommen; Ich frühſtuͤckte eben damalen zu Surate mit dem Engliſchen PreſidentenkremeIn genennt/ da derſelbe ein Schreiben von Capitain Clerc empfange/ der ihne berichtete/ daß er bey damorin, welches der vornehmſte Konig an der gantzen Küſte der Malvares iſt/ Sclav ware. Dieſer Fürſt hat e ee der/ dem Lumpengeſind nicht under Handen laſſen wollen/ weilen dieſelben in Gefahr des Lebens under ihnen waren/ Urſach/ daß mehr als 1200. Aeiber/ deren Manner in beyden malen da das Schiff mit eur angeſteckt worden umfounmenein den d edittibſtand gerahten. Er fundt ein Putteldieſelden zu ſtllen/ aner je den zween bialtres für den Tod jhres Manis verſprechelid/ welches ſieh uber 2400, Kronen belieffe auler 400, Klonen ſo für das doösgelt des Capitains/ und übriger Engellander die erſte am Ende des 164. und die andere Meinung/ daß die Elephanten in dem Krieg groſſe Thaten verrichten/ deme zwar alſo/ aber nicht allezeit/ wie man ſich einbildet; dann offt an ſtatt in des Feinds Heer Verheerung anzurichten/ das widrige beſchicht/ indeme ſie ſich umwenden/ und jhr eigen Volck/ welches ſich auf dieſelben verlaſſet/ verderben: wie ſolches Aureng: zeb in Belagerung dieſer Stadt/ genugſam erfahren. Als derſelbige 20. Tag darvor gelegen/ ruſtet er ſich endlichen auf einen Sonntag zum Sturm; in der Einbildung/ daß nach dem Exempel der Juden/ die Chiſten an jhrem Sahath nicht fechten wurdenDer Commandant in Daman, ware ein alter/ erfahrener Soldat/ welcher hiebevor ſant dreyen Soͤhnen/ die auch bey jhme ſich befanden/ in Franckreich gedienet. In der Skabt waren auch do. von Adel/ und ſonſten kapfere Leut, welche von underſchiedlichen Orten in die Stadt kommen/ um ihre Tapferkeit zu erweiſen. Dann obwol des Mogols Heer auf gooOοο. Mann beſtunde/ konte derſelbe jedoch einen Entſatz in die Stadt zu bringen/ nicht hindern; ſintemalen er keine Schiffe/ und alſo ſolche allein zu Land angreiffen muſteDen Soimtag/ da der Sturm beſchehen ſolte/ ſieſſe der Gubernator der Stadt/ wie in dem Kriegs Naht heſchloſſen ware/ alſobald nach Mitternacht Meß halten und darauf von der gaunen 5 Reuterey und theils Fußvolcks/ einen Auß⸗ Ke fall thun/ die marſchierten gleich Anfangs auf ce den Ort/ da 200. Elephanten waren/ und warffen mit Feurwercken hauffig auf dieſelben zu/ welches ſie in der fnſtern Nacht solcher maſſen erſchreckte/ daß ſte nicht wuſten wo hin auß/ und weilen jhre Führer nicht mehr mei 75 ſeyn konten/ ſich umkehrten und mit ſolcher Aus geſtumme in die Belaͤgerer hinein ſetzten/ da 1 1 zwo oder drey Stunden Zeit/ der halbe d 1 0 des Aureng-zebs Kriegsheer nidergem 4 ga war/ und uber drey Tag die Belagerung auf, de de gehoben 1 5 70 deme Hat 115 00 nimmermehr an die Chriſten ſich reiben wol 1 Nacher Goa habe ich zwo eiſen goth 5 Anfang des 1648. Jahrs. Das erſte ma blieb ich allein ſteben Tag daſelbſten⸗ n a te zu Land wederumnach Surat Von a/ reiſteich durch nicholi. ſo aufveſtem zan and don dort nach Vitspours darauf gel. — Die Erſtes Buch. 27 Golconda, Aureng.-abat und Surate. Ich olnte zwar meinen Weg nach Surate, ohne durch Golconda zu gehen/ nehmen/ muſte aber eſchafften halben dahin reiſen. 2 oh Joa nach Viſapour, ſeynd Coſtes 85 .„Welche Reiſe gewohnlich in acht Tagen Zeit verrichtet wird. 15 Von Viſapour nach Golconda, Coſtes 1o0 So ich in neun Tagen verrichtet. di Von Solconda nach Aureng- abat, ſeynd ie Tagreiſen nicht alſo wol eingerichtet; dann lödweilen beſchicht die Reiſe in 16. andere mal raucht man 20. bis in 25. Tag. Von Aureng-abat nach Surate, verrichtet wan die Neiſe/ itzt in zwolff/ bald kan es under . in 16. Tag nicht beſchehen. g 9 ilapour iſt ein groſſe Stadt/ davon weer von den gemeinen Gebauen noch wegen der andlung/ nichts ſchrifftwurdiges zu melden. es Königs Pallaſt iſt weit genug/ aber übel 0 aut weilen in den Graben/ welche um en Pallaſt/ und voll Waſſer ſeynd/ ſehr viel Croecodillen ſich befinden/ kan man nicht leicht deykommen. Der König von Vilapour, hat in ſeinem Land drey gute See⸗ Hafen/ nemlich edapour„ Daboul und Crapaten. Dieſer letſte iſt der beſte/ und komt das Meer bis unden n den Berg/ alda nahend dem Land 14. in 15. Klaffter tieff 0 0 Auf dem Berg iſt eine Schantz mit einer Waſſer quelle/ uñ obwol dieer Ort nirgend üͤberhoͤhet/ und von Natur unUberwindlich/ achtet jhn jedoch der Konig/ ſeit er wit den Portugeſen Frieden gemacht/ gantz nicht. Crapaten iſt nur y. Tagreiſe von Goa hegen Norden und Rabague, da der Konig e Pfeffer verkauffen laſſet/ iſt von CrapaKöſdegen Aufgang auch ſo weit entlegen. Der Colle von Vilapour, gleich wie der Koͤnig von oleonda, waren dem Groſſen Mogol zinßgr/ aber nun nicht mehr. 5 ber Dieſes Königreich itteine zeitlang wegen 90 Emporung des Nair Seva. gi, der bey dem 5 1 8 0 Viſapour ware/ was wir in Francka0 Capitain der Lelbwacht nennen/ in Une geweſen. Derſelbe hatte eine Ubelthat 1. minder, darum der Konig jhne greiffen/ und endli fangen chafft/ da er lange Zeit ware/ und 0 ben auch darinn geſtorben/ ſetzen laſſen. e ohen der junge Seva⸗ gi ſein Sohn/ eimende Hoſſen Haß wider den Kong bekomauf aß er für das Haubt von Bandlis, ſich geworffen/ und weil derſelbe freundlich/ 0 ſeygebig/ konte er nach Begaren/ Volck 0 Rü und zu Fuß bekommen/ brachte auch daten dein ein Heer zuſamen/ dann die Solallen Hufen Ruhm ſeiner Freygebigkeit/ von bwag ben herzu laufften. Er ware in Stand Vilan du underfangen/ als der Konig von 1 885 ohne Leibs⸗Erben ſtarbe/ und ru 15 bemeiſterte er ſich ohne groſſe Hinund 90 eines Theils der Kuſten Malavar, Dabenpwe Rejapour„ Raſigar, Crapaten, lt dar 8 und andere Ort hinweg. Man n daß in Schleiffung der Schantzen den/ und derſelbe unſagliche Schage gefündarauß ſeine Bolcker/ von denen er wol bedient ware/ weil ſie auch jede bezalt worden/ underhalten habe. E vor Abſter ben des Konigs/ nahn weil dieſelbe ſich ohne Kinder ſah Knaben an Kindsſtatt auf a e chen liebte/ und wie droben in der tat auf. Lehr der Sect Hali mit groſſem Fleiß auferziehen/ und nach des Komgs Tod für deſſen Nachfolger außkunden lieſſe. Wie Se vagi ſich maͤchtig befande/ fuhrte der ſelbe den Krieg immer fort/ und beunruhigte dieſer Königin Regierung eine zeitlang. Thate aber endlichen der erſte Friedens⸗Vorſchlag/ und wurde der Ver⸗ 7 155 glich mit Beding/ daß er das von ihme einbe⸗ mir vorgekommene Land/ als Vaſall des Königs/ der wen davon die Helfte der Einkunften haben ſolte/ König de behalten mochte/ geſchloſſen. Wie min ver⸗ wird fen mittels dieſer Friedens⸗Handlung/ der junge Will. Konig auf dem Thron heveſtiget ware/ under⸗ ö nahme die Königin die Walfahrt nach der Mecque; Ich befande mich eben zu Ipahan, da ſie in jhrer zuruck Reiſe daſelbſten durchfuͤhre. Nun folget ferner von der Reiſe nach Goa. Wie ich von Surate in meiner zweyten Rei⸗ Des dlutors ſe nach Goa, abſchiede/ begabe ich mich auf ein zone daes Hollaͤndiſch Schiff Maeltricht genennet/ wel⸗ nach Gos. ches mich biß nach Mingrela, allda ich den u. Januagrij/ 1648. ankame/ gefuͤhret. Mingre la iſt ein groſſer Flecken/ ein halbe uingrels ein Meile von dem Meer entlegen/ in dem Lande Flecken. des Koͤnigs von Vilapour. Es iſt eine der beſten Schifflande in gantz Indien/ und der Ort/ da die Hollander jedesmal/ wann ſie Gos ploquieren wolten/ Erfriſchung genommen/ und für jhre Schiffe/ die in underſchiedliche Ort in Indien für jhre Handlung fahren/ noch nehmen; dann zu bemeldtem Mingrela iſt ſehr Allda gur gut Waſſer/ und auch guter Reis. Dieſer dancer dd Flecken iſt auch ſehr beruͤhmt wegen des Cargamon, welches die Orientaliſchen für die beſte Specerey halten/ und nirgend deren als in auch die beſte dieſem Land gefunden wird; daher dieſe DSgar ſche Sate ſehr werth und theur iſt. Es werden daſelbſten key gefunden auch grobe leinen Tücher zum Gebrauch in wird. dem Land/ und eine Gattung grober Zwilch/ Toti genennet/ ſo allein fuͤr Pack⸗Tuch der Waaren dienlich/ gemacht: derowegen nicht um der Handlung willen/ ſondern viel mehr wegen der Erfriſchungen/ ſo man zu Mingrela haben kan/ daß die Hollandiſche Compagnie daſelbſten ein Contor halt; dann wie zuvor vermeldet/ nicht allein alle von Baraviaz guß apon, Bengala, Ceylan, und anderen Orten mehr kommende/ und nach Sutate, nach dem rohten Meer/ Ormus, Balſara,&c. gehende Schiffe/ hin und wieder/ auf der Reede Mingrela Anckern/ ſondern die Hollander/ alldieweilen dieſelben mit den Portugeſen Krieg haben/ und die Fahrt/ allda ſie gewonlich alsdann acht oder zehen Schiffe halten thun/ ſperren; ſchicken jhre kleine Schiffe nach Mingrela, um Proviant abzuholen. Dann ſie halten den Eingang des Fluſſes geht Mongt lang beſchloſſen/ in welcher Zeit zur See nichts in Goa kommen kan. Zu mer 1 5 7 7 5 48 Reis beſchreib Dugingang mercken ist hieben/ daß bemeldter Paß Goa au Cen und ein Thei deß Jahrs von dem Sand/ ſo die „Nong, Sud⸗und Weſt⸗Winde dahin treiben/ ver1 e letz iſt/ welche dem groſſen Regen vorgehen alſo daß nur ein oder ein halben Schuh Waſung in Indien/ 5 und biß auff 2000. Eronen jaͤhrliches Einkommen hatten/ und hernach in meiner zweyten Reiſe Abends in der Finſtere zu mir kamen/ und ein Allmoſen begehrten/ von ih1 0 Die do rem Hochmuth gleichwol nicht ablaſſend/ in⸗ 100% ſonderheit die Weiber/ welche in Pallekis c kommen“ an der Pforten deß Hauſes bleis ata ben/ und einen Jungen/ der ſelbe begleitet! ey fu hinein ſchicken/ um in jhrem Namen das b Compliment abzulegen. Man ſchickt jhnen ſer für gar kleine Schiffe/ reſtiret; Aber warm die ſtarcken Regen kommen/ alsdann fuhren die Waſſer/ welche ſtuͤndlich wachſen/ dieſen Sand hinweg/ und eroͤffnen den ü Paß für die groſſen Schiffe. — Das XIII. Capitel. Bericht von jetzigem Zuſtand der 5 Stadt Goa. 8 f Oa ligt. Grad/ 32. Minuten der Breite in einer Inſul/ welche 6. oder 7. Meilen Umbkreiß haltet/ an dem Fluß Mandoua, der zwo Meilen 7 unterhalb ſich in das Meer ergeuſſet: Die 1 lber, Inful hat Uberftuß an Korn und Reiß/ bringt fluß an Früch aueh viel Früchte/ als da ſeynd Mangues, ten. Ananas, Adams⸗ Feigen und Cocos- Nuß; aber gewißlich ein guter Apffel iſt beſſer als all dieſe Früchte. Alle die jenigen/ welche Eu8 ropa und Aſia recht beſehen/ ſeynd mit mir 0 einig/ daß der Hafen zu Goa, der zu Conſtanund Soulon kinopel und der zu Toulon die ſchoͤnſten Hafehle He fen unſers groſſen Bezircks ſeyen. Die Stadt ſen. iſt ſehr groß/ und ihre Mauren von ſchoͤnen ö Steinen/ die Hauſer ſeynd meiſtentheils prächtig erbauet/ und inſonderheit des Koglichen Stadt⸗Verweſers Pallaſt/ halt in ſich ſehr viel Gemacher/ und in theils der Salen und Kammern/ welche ſehr groß/ werden viel Gemahl geſehen/ deren jedes abſonderlich die Schiffe/ ſo von Lisbona nach Goa kommen/ und von dannen nach bemeldtem Lisbona abfahren/ ſambt dem Namen des Schiffs und des Capitains/ wie auch die Anzahl der darauff ſich befindenden Stücken Geſchutzes/ vorſtellen thun. Wann Goa set mit die Stadt mit Bergen/ von denen ſelbige Bergen gautz gantz umbgeben/ nicht alſo eingethan/ umgeben. spare ſie ſonder zweiffel viel volckreicher und der Lufft geſünder: aber die Berge verhindern/ daß die Winde die groſſe Hitze nicht mildern konnen. Die Inwohner zu Goa behelffen ſich mit Kuh ⸗und Schweinenfleiſch. Beſchreibung der Stadt Goa. Sie haben auch Humer/ aber wenig Tauben/ fe und obwolen dieſe Stadt dem Meere nahe/ ſeynd doch die Fiſche ſehr werth. An Zuckerwerck gllerley Gattung/ deſſen ſie viel eſſen/ iſt bey ihnen kein Mangel. f Ehe die Hollander den Portugeſen den Gewalt in Indien niedergelegt/ ſahe man zu Goa nichts anders als Koöſtlichkeit und Meichthumd; aber fit der Zeit dieſe letzkkommene Jenn den Gewerb aller Orten abgeſchmickene haben ſie die Quelle hres Golds und Silbers verlohren/ und ſeynd ihrer vorigen Herzlichkeit beraubet worden. In meiner erſten Reiſe nach Goa kennete ich Nute welche bey groſſem Vermogen waren/ Die Portugeſen ſind von den Holn in Land ö inStand ge etzt worDen. etwas nach gutem Willen hinauß/ oder wer begierig ſie zu beſehen/ bringts jhnen ſelbſten/ welches aber ſelten geſchicht/ weilen dieſelben mit einem Schleyer gantz ſich bedecken/ zudeme/ wann man in Perſon die Gutthaͤtigkeit jhnen an die Pforte bringt/ uͤberlieffern ſie gemeiniglich ein Recommendation Briefkin von einem Geiſtlichen/ darinn gemeldet/ wie die Perſon guten Vermoͤgens geweſen/ und nun in Armuth und Mangel gerathene alſo gibt ſolches offt Anlaß zu einem Geſpraͤch mit der Schoͤnen/ und umb Ehrerbietung willen/ werden dieſelben offt auff eine Collarion eingeladen/ welches bißweilen biß den andern Tag wahret. Wann die Portugeſen nicht ſo viel Veſtungen auff dem veſten Land hatten behaupten wollen/ und nicht/ indeme ſelbige der Hollander anfangs nur geſpottet/ ihre eigene chen verſaumt/ waren ſie nicht in ſolchen geringen Stand geſetzet worden. M Die Portugeſen/ welche in Indien reiſen/ haben ſo bald nicht das Vorgebuͤrg Bona Spel erreichet/ daß ſie nicht all idalgues oder voll Adel ſich nennen/ und dem Namen Pedro oder Jeronimo, den dieſelben bey Einſchiffung halten/ Dom hinzu ſetzen/ derowegen werden ſie gemeiniglich zum Spott Fidalgues deß Vorgebürgs Bona Spel genennet. Und gleich wie 7 dieſelben jhren Stand verandern wollen/ alſo verandern ſie auch die Eygenſchafft/ und kan mit Warheit geſagt werden/ daß die in Indie 5 10 wonhaffte Portugeſen die rachgierigſten und aeg lach eyferſüchtigſten Leute in der Welt gegen hr Weiber ſeyen/ dann ſo bald ihnen ein Arg, wohn auffſtoſſet/ richten ſie ihre Weiber ohn Bedencken/ entweder mit Gifft oder mit eie nem Stilet hin. Sind unverſoͤhnlich/ ihre 1 Feind vergeben ſie nimmermehr. Wann dik 1 Staarcken bederſeits gleich/ alſo daß dieselben nicht aneinander gerathen doͤrffen/ befehle jhren ſchwartzen Sclaven/ welche auff und den jenigen/ der jhnen genennt wird/ iu dermachen; und ſolches beſchicht ent 1 mit einem Stilet/ oder durch einen Oc quß einem Hand⸗Rohr/ oder auch mit ain 10 Stange eines halben Spieß hoch/ ſo ſie in tragen pfſegen/ wann dieſelben etwan den nigen/ deme der Tod gedrauet/ lang nie 4 chl jhrer Herren/ blind hinein gehorsamen 77 Cob 0 1010 gel e da weder 20% 16 1 1 91 t. finden/ und weder in der Stadt noch auſſs, halb/ demſelben beykommen konnen/ ſie den Mord ohne ſcheuhen und Ehre 0 auch vor dem Altar/ deſſen ich zwey ieee eines zu Daman, und das anbere zu Hon e hen. Als drey oder vier dieſer wa en Sclayven etliche Perſonen/ die ſie nden e/ hege Sean ff Erſtes Buch. 5 ä 45 polken/ in der Kirchen die Meß anhoͤrend/ er N 0 ſhhoſſen ſie auf dieſelbigen durch die Fenier hinein loß/ nicht betrachtend/ daß wol eher dun unschuldiger verletzet/ oder erſchoſſen wer8 Inte. Ein gleiches geſchahe zu Goa, und 8 7. Perſonen vor dem Altar erſchoſſen/ ute d, Gebder Meßprieſter übel verwundet. Das Shuener richt nit dieſer Sachenkeine Kundſchafft/ . gen 05 en gemeinlich die Vornehmſten des Lanlan rheber ſeynd. Was die Proces anbe5 Hen thut/ kan man deren Endſchafft nimken Ehen, dieſelben werden vonden ſo genannund Frans ſo auß dem Land für Anwald nd Furſpreche dienen/ verwaltel/ und wersch in der gantzen Welt keine liſtigere und ah. Harfffinnigere Leute gefunden. tug ef iederum von dem Gewalt/ ſo die Porgeſen vor dieſem in Indien hatten/ Amedene ju thun/ ſo iſt gewiß/ wann die Hollan˖ niemalen dahin kommen waren/ man heu1 50 Nags in dem mehrern Theil der Portu. en Hauſern/ kein Stüͤcklein Eiſen/ ſondern es von Gold und Silber gefunden hatke; ann ſie hatten nur zwo oder drey Farthen Japon in die Inſuln Philippinen und Nei uques oder in China zu thun/ um groſſen i donſchthum zuerwerben/ und bey ihrer Wieerkunfft für einen/ fünff oder ſechs/ ja auf etlien Waaren bis in zehen zu gewinnen. Die gemeinen Soldaten ſo wol als die Landſchaffts Verwaltere und Capitains/ ſamleten fich ein groſſes Gut durch den Gewerb. Der KönigIhe Stadt⸗Verweſer allein/ kreibt keine Handlung/ oder wann ſolches beſchicht/ ſo iſt dunder dem Namen einer andern Perſon/ und war derſelbe hat ohne diß genug Einkommens. deeaglicher Stadthalter zu Goa, ware vor N em die beſte Stelle der Welt; dann wenig tunciarchen die ſolche Landſchaffts⸗Verwalle. Koen welche ſo viel als die/ ſo von dieſem Wia en lichen Stadt⸗Verweſer dependieren/ fete, walcaben geben koͤnnen. Die erſte dieſer VerWelle in 1 ungen iſt Mozambique, und für 3. Jahr/ u ei fe pelcher Zeit der Gubernator oder Vawal5 oder fünff mal hundert tauſend Krokan 5 zuweilen mehr Gewinn wegnehmen en kern ſie keinen Verlust mit den Cares He bon, Dieſes ſeynd ſchwartze Volcker/ welkom an uderſchiedlichen Orten auß Africa auf de n/ um von dem Commandanten/ der des Gun Fluß Saine ſich auf haͤlt/ und der allein zampuberngtoren oder Verwalters von oWaar ue Factor iſt/ Leinwad und Eiſenfür 9 5 Abzuholen. Dieſe Cares bringen Gold einer derdgaren/ ſo ſie wegführen; wann aber en hel ſelben underwegs im her⸗ oder hing rb/ iſt alles/ was demſelben vertraut ohne Hoffnung etwas mehr zu bekomn 0 9 g 0 rlohren. Der Gubernator oder Ver. en baozambique handlet auch mit e nach lan wartzen/ welche jhre Wohnungen daa dieſegeogs der Kuſten Melimnge haben/ und a er bang d für die Waren /ſoſteabholen/ Cleente ſten hn und Ambra. In meiner letvon dab, Indien/ hatte der Gubernator II. Thel der/ weilen die drey Jahr ſeiner Verwaltung verfloſſen waren/ nach Goa wiederum zuruck kam/ nur allein in Ambra für ungefähr 200000. Kronen werth/ das Gold und die Elephanten⸗Zaͤhne/ welche ſich ein mehrers beliefen/ nicht/ dar zu gerechnet. Die zweyte Gubernators⸗Stelle oder wlan die Verwaltung ware Malaca wegen des Zolls enen den man daſelbſt zahlen muſte. Dann es iſt Stelle. ein enger Paß/ alda alle Schiffe von Goa nach Enger Paß Japon, China, Cochinchine, Jave, Macas- un gol alda. lar, Philippine und andere Ort fahren wollen/ nohtwendig durch müſſen. Sie hatten zwar ein anderen Strich nach langs der Kuſten der Inſul Sumatra, gegen Niedergang nehmen/ und durch die Enge der Sonde fahren/ oder die Inſel Java in Norden ligen laſſen koͤnnen; aber bey wieder Ankunfft der Schiffen 2 5 95 zu Goa, muſte man die Zoll⸗Urkund von a- ſutunde van laca qufweiſen/ welches ſie verurſachte dieſen Nelaes auf; Weg zu nehmen. 7 5 Die dritte Gubernator⸗ oder Verwal⸗ Ormus die tungs Stelle/ ware Ormus, wegen der ſtar⸗ Prin n cken Handlung ſo daſelbſten getrieben wurde/ Stelle. und des Zolls ſo alle Schiffe/ die in den Perſiſchen Meerbuſen ein⸗ und außlauffen/ bezah⸗ Zoll alda. len muſten. Der Gubernator von Ormus bekame auch viel Zoll von den jenigen/ die nach Penne e der Inſel Bahren Perlen zu fischen/ ſchiffeten/ Jul dare und wann ſie kein Paß port von jhme nahmen/ lieſſe er jhre Schiffe durch ſeine Galleern zu grund richten. Die Perſlaner mit den Engelaͤndern/ welche zwar einen ſehr geringen Theil/ wie ich in meiner Beſchreibung von Perſien angedeutet/ haben nun dieſen Zoll; aber wiewol dieſelben die Kaufleut zimlich ſtreng halten/ bekommen ſie doch bey weitem nicht ſo viel Zoll/ als die Portugeſen eingezogen. Und eine gleiche Beſchaffenheit hat es mit den Hollaͤndern zu Malaca, als welche mit Mühe ſo viel einziehen/ die Beſatzung die ſie daſelbſten halten/ zu bezahlen. Der vierdte Gubernator war der zu Ma- Maſeate die ſcaté, ſo auch von groſſem Einkommen iſt. dennen Dann alle auß Indien/ dem Perſiſchen Meer⸗ Stelle. buſen/ auß dem Rothen Meer/ und von den Kuͤſten Melinde kommende Schiffe/ die Spitze Maſcate berühren/ und oft alda Waſſer nehmen muͤſſen. Wann einige Schiffe daſelbſten nicht anckerten/ ſchickte der Gubernator den Zoll/ ſo 4. pro cento, einzufordern/ und Sal in dle wer ſich widerſetzte/ ſtuhnde in Gefahr durch des Gubernators Galleern zu grund geſchoſſen zu werden. a Der fuͤnffte Gubernator ware der in der Ceylan die Inſul Ceylan, von deme alle Ort/ ſo die Por⸗ feilt ens tugeſen/ ſo wol an der Küſten Malavar, als berugtorsin dem Meerbuſen Bengala, und andern Or⸗ Stele. ten in Indien innhatten/ dependierten; und die geringste dieſer Verwaltung/ brachte Jährlich zehen tauſend Kronen Einkommens. Auſſer dieſen namhafften Lands⸗Verwaltungen/ welche in Verordnung des Komglichen Stadt⸗Verweſers waren/ hatte derſelbe noch viel Aemter in Goa und andern Orten in Indien zu beſtellen. An dem Tag ſeimes Einzugs in Goa, hat deſſen Leibwachts⸗HaubtE mann 30 5 mann bey 40 tauſend Kronen Gewinn. Die drey Aemter/ als Ober⸗Kriegs⸗Baumeiſter/ Aufſeher der Veſtungen/ und Ober⸗Feldzeugmeiſter/ brachten jahrlich 0000. Pardos, zu 27. fl. Frantzoſiſcher Wahrung/ Einkommens. Die Portugeſen waren dazumal alleſanmt reich/ der Adel durch Mittel des Lands Verwaltungen/ und andern Aemtern/ die Kaufleut aber durch den Gewerb/ ehe die ngelaͤnder und Hollander komen/ hnen den Weg abzuſchneiden. In der Zeit/ da dieſelben Ormus inn hatten/ lieſſen ſie keinen Kauffmann zur See nach Indien durchpaſſieren/ ſondern muſten den Weg zu Land uͤber Candahar nehmen. Wann die Turckiſchen/ Perſianiſchen/ Arabiſchen/ Moſcowitiſchen/ Pohlniſchen/ und andere Kaufleute in dem Bander-Abafſiqnkamen/ hielten dieſelben zuſamen/ und ſchickten auß jhreim Mittel vier der tuchtigſten/ um aller Gattung Waaren zu beſichtigen und die Zuglitãt/ und den Preis zu wiſſen. Nachdem hre Verrichtung den andern uberbracht ware/ kamen ſie mit einandern wegen des Preiſes uüͤherein/ und nahmen die Waaren hinweg/ welche hernach nach Proportion und Zahl der auß underſchiedlichen Landen ſich befindenden Kaufleuten/ gußgetheilt wurden. In gantz Gebrauch Aſien iſt der Gebrauch/ daß ohne Gegenwart des Ver“ eines Macklers/ nichts verkaufft wird/ und jede Gattung Waar hat jhren ſonder baren Mackler. Sie ſeynd die jenigen/ welche den Verkguffern das Gelt für die Waar gut machen/ und hingegen von den Kauffern empfahen/ was ſie erhandlet; von theils Waaren wird jhnen ein/ von andern 12 bis in 2. pro cenDie Portugeſen nun/ hatten in ſelbiger Zeit einen groſſen Gewinn/ und litten durch Gute guſtalt Fallimenten keinen Verluſt. Wider die Seehen Era, Rauber thate der Königliche Stadt⸗Veꝛwehalters zu ſer gute Anordnung; dann ſo bald das Redie Seer genwerter vorüber/ und die Zeit verhanden einRiuber. zuſchiffen/ lieſſe derſelhe die Nauffahrer⸗Schifi fe nach deren Zahl/ mit Galioten bis in 25. oder 30. Meil in die See convoyren/ dann die Malavares entfernten ſich von dem Geſtad nicht über F. oder 20. Meil weit. Die Capitain der Galioten und Soldaten/ undernahmen auch einen kleinen Gewerb in jhrer Fahrt/ und weil die ſelben des Zolls befreyet/ konten ſie/ um in wahrenber Regenwekters⸗Zeit/ da man in Beſatzung bleiben muß/ ſich ehrlich zu erhalten/ etwas gewinnen. Es manglete auch damalen nicht an guter Kriegs⸗Ordnung/ damit die Soldaten befuͤrdert wurden; dann allen den jenigen auß Portugal kommenen/ gabe man/ nach neun jaͤhrigen Dienſten/ ein Amt zu See/ oder zu Land/ und wann dieſelben ſolches nicht annehmen wolten/ geſtattete man jhnen fur einen Kauffmann zu reiſen. Wann ein oder der andere Verſtand hatte/ konte derſelbe ſeinen Nutzen leicht ſchaffen/ weilen er genug Credit funde/ ſintemalen viel Leute ſich befunden/ welche ihr Gelt gern an wendeten/ und auf Glück und Ungluck/ um rod. pro cen. to nach Wiederkunft zu haben/ außliehen tha. Neisbeſchrelbung in Indien/ ten. Wann aber das Schiff verlohren gien ge/ verliehrten auch die Außlieher jhr Gelt oder Waaren/ aber wann das Schiff glücklichen zuruck langte/ bekamen ſie für eine/ drey oder vier Kronen. W n 90 41 Die Volcker des Landes Canarins genennt/ haben kein Amt under den Portugeſen/ auſſert in Rechts⸗Haͤndlen/ als Furſpreche/ Anwalde/ oder Schreiber/ und werden genng gehalten. Wann ein Weiſſer oder Europeer ia von einem dieſer Cenaxins oder ſchtoactzen deu, feen ten/ geſchlagen wird/ iſt für denſelben keine ag Gnad/ ſondern muß die Hand verlieren. Bey un des die Spanier und Portugeſen bedienen ſie deren fur jhre Schaffner/ jnſonderheit die Spanier/ in den Inſuln Manilles, oder Pi? lippinen befinden ſich dieſer Schwartze alſo lich/ daß etliche dem Koͤmglichen S tadt⸗Verw eſer bis in 20. tauſend Croilats eder Genuefer Thaler/ angebotten/ um die Erlalubnus Strumpfund Schuh zutragen/ ſo jhnen verbotten iſt. Dieſer Sehwartzen werden geſehen in koͤſtlicher Kleidung und miteinem Geleit von go. Selaven/ aber baarfuß; und wann die Portügeſen denſelben Schiffe außzuruſten und ſolche nach jhrem Belieben mit Haubtlel ten zu beſetzen/ erlaubt/ hatten ſie in Indien nicht ſo viel Ort/ oder wenigſt nicht alſo leichk erobert. Dieſe Schwartze ſeynd verſtaudtg und gute Soldaten/ und haben mich Geiſtli. 1 verſichert/ daß dieſelben in jhren Coſlegiis in 6. Monat Seit mehr lernen/ als die Portugeſen in einem gantzen Jahr/ in welcherley Wi 5 ſenſchafft auch ſie ſich befteiſſen wollen; wel⸗ 1 ches die Urſach/ daß ſie von den Portugeſen ſo 7 gering gehalten werden. Die rechten natur, N, lichen bes Lands um Goa, ſeynd Abgotterer' und verehren mancherley Gattung Bilde beren Bildnuß in dieſem Werck vorgeſteltß, ſeynd/ ſie ſagen/ es ſeye die Bildnuß deren welche vor dieſem gute Werck gethan/ deßwegen dieſelben zuloben und hre Bildnuß ane e betten/ wol würdig ſeyen. Viel diefer Abge 1 ter bet: en die Affen an/ denen zu Ehren an vi 0 len Orten in Indien/ wie anderswo vermelol, Pagodes oder Tempel ſeynd gebauet worden, die man mit Einkunfften fur eine gewiſſe 1% zahl/ und andere mehr/ die von auſſen her zue 00 mal wochentlich ſich zu ſattigen kommen/ ven 1% ſehen. In eirem Dorff der Inſul sellere ae Eee ein Pagode oder Tempel/ in welchem die 110 b 4 gotterer in einem ſilbern Grab die Gebein u„„ Klauen eines Affen/ fleiſſig aufbehalten: den 5 gebend/ derſelbe hatte jhren Gottern durch 1 a Fleiß/ ſo er anwendete/groſſe Dienſtt betoi nde indem er/ wann einige Furſten/ als jhre Heng ſte verfolgten“ davon Zetung bracht on auch deß wegen uber Meer ſchwimmete. o vielen Orten auß Indien/ kame mami oyß ceſſion zu dieſem Pagode, um daſelbſt ödfin⸗ 1 fein; aber die Geiflichkeik zu oe us nemlich der Inquiſttor nahme endlichen alba 1 Grab hinweg/ und brachtens nach Oo, des ſolches eine zeitlang geblieben/ wege lichen Streits ſo darüber zwiſchen den Ga die und dem Volck entſtunde. Dann Abgöl. 5 7 0 Erſtes Buch. Abgotkerer eine groſſe Summa Gelts/ um Ihr Heiligthum wiederum zu haben/ anerbotken/ ware das Volck der Meinung/ man ſolte olches annehmen/ weilen daſſelbe/ ſagten ſie/ en weders den Krieg wider jhre Feinde zu fühen/ oder den Armen zu ſteuren/ dienen konte; aber die Geiſtlichen waren dieſer Meinung zu wider/ und behaubteten/ daß/ um welcher Urd ſachen willen es jmmer waͤre/ man dieſe AbBuchen keines wegs leiden ſolte. Der Ertzecho und Incuilror eigenes Gewalt“ ieſſen endlichen dieſes Grab wegnehmen/ auf ein Schiff tragen/ und zwantzig Meil weit von dem Lande ins Meer ſencken. Man hatAthoches zwar verbrennen koͤnnen/ aber die Abgotterer konten die Aſchen darvon ſamlen/ welche jhnen zu einem friſchen Aberglauben feen ze. eri gegeben hatte. nd. dene befinden ſich ſehr viel Geiftliche/ Waste ind auſſert dem Ertz⸗ Biſchoff und ſeine Geiſtlichkeit/ werden daſelbſten Dominicaner/ Au0 iner/ Franciſcaner/ Baarfuſſer/ Jeſuiker/ und andere Orden geſehen/ neben zwey Dionnen-Klöſtern deren die Auguſtiner die urectores ſeynd. Die Baarfurſſer/ welche Weletſten dahin kommen/ ſeynd an dem beſten rt logiert/ und obwolen dieſelben um etwas von dem vornehmſten Theil der Stadt entfernt/ haben ſie hingegen den Vortheil/ daß ihr Hauß an einem lufftigen/ und für die Gefſundheit am bequemſten Ort der gantzen Stadt ligt/ und iſt ſehr wol gebauet/ mit zween bedeckten Spatzier gangen uͤber einander. Die Auguſtiner/ welche die erſten zu Ooa waren/ hatten ſich zwar unden an einer einen Hohe geſetzt/ und war jhre Kirche auf r Haubt⸗Straſſe/ darvor ein ſchoͤner Platz. . bauhdeme aber die Jeſuiten ein Hauß ern laſſen/ erſuchten ſie die Auguſtiner/ hwardieſe Hohe/ ſo damalen wie ein oder Ort a 125 under dem Vorwand/ zu Beluſtigung 5 Schülern einen Garten darauß zurichhe laſſen zu kauffen zu geben wie beſcha9 ſie lieſſen ein prachtiges Collegium Klo ſten bauen/ welches der Auguſtiner hinter erſticket/ und ſolchem den Lufft verben ert. Deßtwegen zwiſchen beyden TheiFun Streitigkeit entſtanden⸗ aber die dune, den er haben endlichen jhre Sach gewun00 1 er 5 5 5 5 ö mae Die Jeſuiten werden zu Goa under dem n en Kin auliſten erkennet wegen ihrer groben trachen St. Paulo getoidnak. Diesel wir in den keine Hut/ noch viereckete Kappen/ Europa/ ſondern eine Gattung Kaphen in Fanden 3 ahngeſcheen eines Huts ohne Bord/ und Tur fahr den Kappen der Sclaven des Groß⸗ ſt deken gleich/ wie ich dieſelben in der Befache des Türckiſchen Pallaſts entworflchen d de haben fünf Hauſer in Ooa, nemeden Collegium St. Paul/ das Semiciat, und das Profelſion-Oquß der Noviin dieſer gutige Jeſus. Die Gemähldoben eb letſten Kirchen/ ſeynd uber die maſſen 5 1 ſchoͤn. Im Jahr 1663. ward durch ein nachtlichen Accident, der mehrere Theil des Collegii eingedſchert/ und ſolches wiederum erbauen zu laſſen/ hat weniger nicht als 60000. Kronen gekoſtet. f Der Moſpital zu Goa war vor dieſem in gantz Indien ſehr beruͤhmt/ und wie derſelb ein groſſes Einkommen hatte/ wurden die Krancken darinn ſehr wol bedient/ welcher auch noch/ das erſte mal als ich daſelbſten geweſen/ eine ſolche Beſchaffenheit hatte; aber ſeith der Zeit ein anderer Schaffner dahin kom⸗ Abgang des men/ iſt man übel verſorget/ und viel unſerer Sowitle zn Europeer/ welche hinein gehen/ werden Tod wiederum hinauß getragen. Seithero jedoch hat man etliche zu erretten/ das Mittel des oftmaligen Aderlaſſens erfunden. 0 Wie die nach Nohtwendigkeit bis in 30. und 40. mal/ 11 W in N und euriert wie einsmals mit mir/ da ich zu Surate war/ werden. ſo lang als boͤſes Blut heraußlaufft/ beſchicht/ veruͤbt worden; dann ſo bald all das boſe Blut/ welches einem Eyter gleich/ herauß/ iſt der Krancke guſſer Gefahr. Schmaltz und Fleiſch ſeynd für jhne Gifft/ alſo daß wann derſelbe dieſer Speiß iſſet/ er in Gefahr des Todes fallt. Vor dieſem hat man fur die/ auß der Kranckheit entrunnen/ etwan ein lieblich und angenehmes Gericht zubereitet/ heutigs Tags aber/ muſſen ſie ſich mit einer Brůhe von Kühfleiſch/ und einem Schüſſelein Reiß begnügen. Gemeinlich ruͤffen dieſe armen wiederum geneſenden Leute/ als groſſen Durſt leidend/ um Waſſer; aber die Aufwarter/ welches anjetzo Schwartze oder ſo genannte Meſtifs, geitzige und unbarmhertzige Leute ſind/ geben denſelben ohne Gelt dagegen nicht einen Tropfen/ und jhrer Boßheit ein Faͤrblein anzuſtreichen/ laſſen ſie den Leuten das Waſſer nur verborgen zukommen/ vorwendend: der Artzt habe jhnen ſolches verbotten. Zucker und Zuckerwerck/ manglen jhnen nicht; aber dieſes iſt zu Erlangung der Geſundheit wenig dienlich/ ſintemalen in einem heiſſen Land/ viel ehe kühlende und erfriſchende Mittel erfordert werden. 5 Betreffend das vielmalige Aderlaſſen unſerer Chriſten/ ſo ſolle nicht vergeſſen werden/ annoch zu melden/ daß wiederum eine Farb zu bekommen/ und zu voͤlliger Geſundheit zu gelangen/ man demſelben zwolff Tage lang drey Glaͤſer voll Kuͤh⸗Harn/ nemlich eines Morgens/ das andere zu Mittag, und das dritte Abends zu trincken gabe; wie aber dieſes/ ſo leicht zu erachten/ ſehr unlieblich/ ſchlucket der Geneſene ſo wenig muͤglich/ hinunder/ wie groſſe Begierd derſelbe quch ſeine Geundheit zu erlangen haben moge. Dieſes Mittel hat man von den Abgoͤttern des Lands erlernet/ und mag der wiederum die Geſundheit erlangte/ dieſes Getrancks ſich bedienen oder nicht/ wird er jedoch bis daß die beſtimten zwolff Tage/ die er das Bemeldte gebrauchen ſollen/ eher nicht auß dem Spittal ge2 E 2 Das Des Anthoreu Verriehtungen und 55 5. 5 648 auc. ſeſben bittend/ zu verſchaffen/ daß nur ein be. Von den Verrichtungen des Authoren, in der Zeit da derſelbe in feiner letſten Reiſe 1648. zu Goa ſich aufgehalten. ) Ween Tage vor meiner Abreiſe von o Mingrela nach Goa, ſchriebe ich an Herren St. Amant Kriegsbaumeiſtern/ denwaffnetes Schiff wegen der Malavares, welche auf felbiger Klſten ſtreichen/ geſchickt wurde/ welches er auch alſobald gethan. Den 20. Januarii 1648. reiſete ich von Mingrela ab/ und kame den 21. zu Goa an; und weil es bereits ſpat ware/ verſchobe ich auf den folgenden Tag/ den Königlichen Staats⸗Verweſer Dom Philippe de Mafcaregnas, welcher zuvor Gubernator in Ceylan geweſen/ zu begrüͤſſen. Derſelbe empfienge mich ſehr freundich/ und in Seit der zweyen Monaten ohngefahr/ die ich daſelbſten bliebe/ lieſſe er mich durch einen von Adel/ fuͤnff oder ſechs mal abholen/ und in das Pulver⸗Hauß auſſerhalb der Stadt/ alda er ſich ſehr oft befande/ fuͤhren. Er hatte ſonderbaren Luſt die FeuerRohr ſchaͤfften zu laſſen/ und anders dergleichen/ daruber er meine Meinung begaͤrte zu ſehen/ und under vielen Sachen/ die ich demſelben bey meiner Ankunfft verehret/ ware ihme ſonderlich/ angenehm eine Piſtol von ſehr kunſtlicher und reicher Arbeit/ welche mir/ als ich zu Alep durchreiſete/ der Frantzoͤſiſche Burgermeiſter zum guten Jahrs⸗Geſchenck verehret; die andere war verlohren/ und das Paar hat fuͤr ein Preſent/ ſo die Nation dem Pacha thun wollen/ dienen ſollen; derſelbe haͤtte alsdann ſich rühmen koͤnnen/ daß er die ſchoͤneſten und aller kunſtlichſt gemachten Piſtolen in gantz Aſien hette. Die Königlichen StadtDie Königll⸗Verwweſer zu Goa, laſſen niemand/ wer der Neunetnag ſeyn mag/ auch ſelbſten ihre Kinder nicht/ an on laſſen die Tafel; aber in dem Saale/ da dieſelben niemand an Mahlzeit halten/ iſt eine kleine Underſcheidung/ alda die Tafel fur deſſen vornehmſte Beamte/ wie ſolches an Fuͤrſtlichen Hoͤfen in Teutſchland⸗gebrauchlich/ bedeckt wird. Den folgenden Tag beſuchte ich den Ertzbiſchoff/ und den dritten beſtimte ich den Inquiſitorn zu begruͤſen. Aber wie ich mich in ſeinem Hofe eingefunden/ ſchickte er einen von Adel/ mir anzuzeigen/ es ſeye jhme ſehr leib/ daß er mich dieſen Tag nicht empfahen koͤnne/ dierpeilen er mit Außfertigung der Briefen nach Portugal/ darauf zwey Schiffe/ ſo dahin abzufahren in Bereitſchafft ſtuhnden/ warkleten/ ſehr beſchafftiget ware; wann es aber jedoch Gewiſſens⸗Sachen antreffen thaͤte/ er alles hindan ſetzen wolte/ mir Gehoͤr zu geben. Als ich dem von Adel zu verſtehen gabe/ daß ich allein kommen ware/ demselben meine ſchuldige Shkerbjetung zu erzeigen/ und wiederum hiemit fortgehen wolte/ bate er mich/ mur ein Augenblick zu warten/ und nach dende von jhme dem Inquiſitorn/ was geſagt/ wiederum hindrebracht worden/ kame er nochmalen/ mich Reis beſchreibung in Indien/ im Namen ſeines Herꝛn zu verſichern/ daß derſelbe ſich mir obligiert erkenne/ und daß/ ſo bald die Schiffe fort ſeyn wurden/ er mir ſolches zu wiſſen thun wolte/ damit wir uns alsdann in guter Weile mit einandern erſprachen koͤnten. Wie nun die Schiffe abgeſegelt/ kame bemeldker von Adel in Namen ſeines Here/ des Inquiſitorn/ mir zu ſagen/ daß der ſelbe meiner um zwey gegen drey Uhren nach mittag in dem Ingquiſition⸗Hauß erwartend ſeyn wolte; dann ſeine Wohnung war in einem anderen Hauß/ beyde aufs prachtigſte erbauet. Ich ermangletenit/ in beſtimter Zeit und Ort/ mich einzuſtellen; bey meiner Ankunfft kame ein Page, der mich in einen groſſen Saal führte/ da ich ohngefahr eine Viertel⸗Stund in demſelben herum ſpatziert/ wurde ich von einem Beamten abgeholt/ und in die Kammer/ da der Inquiſitor ware/ gefuͤhret. Nachdeme ich uͤber zween Gange und etliche Gemaͤcher paſſiert/ kame ich in eine kleine Kammer alda der Inquiſitor am Ende einer groſſen Tafel in Form eines Billards, welche/ wie auch der gantze Haußraht dieſer Kammer/ mit grünem Engliſchem Tuch bedeckt/ ſaſſe. So bald ich kommet/ und nachdem ich mein Compliment dias. abgelegt/ befragt/ welcher Religion ich zugethan ware? Mein Antwort ware/ daß ich die proteſtierende hekante. Er 1 ferner/ ob meine Eltern auch dieſer Religion? un da ich mit ja geantwortet/ verſicherte derſelbe mich nochmalen/ daß ich willkomm ware/ und ruffte daraufetlichen Leuten/ ſo nahend woren/ daß ſie herein komen mochten. Zugleich wurde ein Teppich aufgehoben/ und ich ſahe zehen oder zwoͤlff Perſonen/ welche in einer Kammer daneben ſich befunden. Die erſten welchehinein traten/ waren zween Auguſtiner/ denn folgten zween Dominicaner/ zween Baarfuſſer und andere Geiſtliche/ welchen der Inquiſitor gleich Anfangs ſagte/ wer ich ware/ daß ic) kein verbotenes Buch bey mir trage/ und wel len ich jhrer Ordnung nicht unwiſſend ware/ habe ich meine Bibel zu Mingrela gelaſſen. Wir erſpracheten uns mit einander über zwo Stund lang/ und füͤrnemlich von meinen Reiſen/ und bezeugeten all die jenigen/ ſo gegenwa tig waren/ daß ſie meiner Erzehlung mit dau zuhöreten. Drey Tage hernach/ lieſſe der quiſitor mich bitlen/ in einem ſchoͤnen Hau eine halbe Meile von der Stadt abgelegen un den Paarfüſr⸗Munchen zuſtandig mir ihn, die Mittags⸗Mahlzeit zu halten. Diß iſt eine der ſchoͤnſten Gebau in Indien und wil ich ee wenigem vermelden/ wie die Geiſtlichen dies. Beſitzung an ſich bekommen. In Goa w. ein Edelmann/ deſſen Vatter und Großval ker durch die Handlung groſſes Gut eim ben/ und dieſer hat bemeldtes Hauff( en ches billich in die Zahl der ſchoͤnen Palle 5 gezehlet werden kan/ bauen laſſen. Er 9 te ſich nicht verheurahten/ und wie er min Andacht lebte“ war berſellige ſchr ohe ben Auguſtinern/ fur die er eine ſo 55 eſbirt, beleugte/ 90 all ſein E peer 5 den 5 ber Lin 9 6h a 0 agli i ch. e hinein trate“ hatte er mich freundlich bewil ug Erſtes Buch. ſeinem Tod/ auf der nicht. Dann als die Bottſchaft nach Batavia nird alda dalern man jhne nach rechten Seiten des Altars begraben/ und ein preichtiges Grabmal jhine machen laſſen wol5 Nach der gemeinen Außſage war dieſer 8 delmam gußſatzig/ welches etliche Eiferſüchige/ die Leute mit Gewalt zu bereden getracher/ weilen ſie geſehen/ daß er all ſein Gut 18 Auguſtinern gegeben. Dieſelbigen ſagten/ der Platz auf der rechten Seiten des Alkars 10 nur für den Koͤniglichen Statt⸗Verwen und daß man keines wegs einen Außſchzigen dahin legen ſolte; damit ſtimmeten die Auguſtiner neben einem guten Theil Volcks uberein. Als nun hieraufetliche des Convents/ lich bey demſelben anmeldeten/ und baten/ einen ndern Ort in der Kirchen zu erwehlen/ ward er Edelmann daruber erzurnet/ und kame nicht mehr zu den Auguſtinern; ſondern verlichtete ſeine Andachten bey den Barfuſſern/ . elche jhne mit außgebreiteten Armen emFauee⸗ diengen/ und was jene verſagten/ annahmen. Wade Nach diefer mit bemeldten Baarfüſſern gewccbterd reundſ chaft/ lebte er nicht lang mehr/ aud als ſie denſelben herzlich begraben/ bliebe Ihnen all ſein Gut/ ſamt dieſem prächtigen 0 auß/ allda wir koſtlich tractiert/ und mit er Muſie in währender Malzeit ergetzet wurden. i Ich bliebe zu Goa von dem 221. Januarij/ biß den II. Martij/ da ich Abends/ nach von 0 dem Königl. Statthalter genommenem Aba ſchied/ verreiſeke. Ich begehrte auch den Abwe ſchied eines Frantzöſiſchen von Adel Namens Mie da Belloy, der erlaubt wurde/ aber auß Unvorſichtigkeit deſſelben/ daß er mir nicht geſagt/ micht er zu Goa ware? fehlete wenig/ daß er at wiederum ergriffen/ und neben mir in die cpullirion geführet worden. Auf folgende In anier ſeiner Außſage nach/ kame derſelbe in 1 0 Holland zu beſehen/ und weil jhme nieſil Gelt vorſtrecken wollen/ entſchloſſe er Hondach Indien zu reiſen. Er lieſſe ſich in der 8 andiſchen Compagnie für einen gemeinen /in 5 underhalten/ und kame zu Batavia 995 er Feit/ da die Hollander in der Inſul bald in wider die Porkugeſen kriegten. So die Die uhu, alt bel l buWin 5 e 1 6 e 15 15 391 verſeß z uten geſtoſſen/ welche in dieſe Inſu 8 gſhickt wurde/ 55 als der Hollandiſchen 85. Cob 6e Generaleine Verſterckung tapferer daun haft unden von einem Frantzöſiſchen ſehr maß des§ a und erfahrenen Haubtmaun/ Namens mt geführet/ erſahe/ entſchloſſe er Neden eines der Orten in bemeldter Inſul/ we en. Es beſchahen drey Stürme/ in u u inſere Frantzoſenmannlich ſich erzeigt/ ed dan hann pon glich angeregter S Amans und JoNr den. Jon Roſen/ welche beide verwundt wuru herthaff Dollandiſche General/ ſo dieſe zween ban ur 0 Manner kante/ verſprache denselben ien 00 5 wd men ohnung/ daß/ wann Negombe überden be a en, 1 ai, ant 105 von ihnen Gubernator des Platzes Wie der Ort eingenommen worden/ „General ſein Tort/ und ſeßte S. A. uberngkoren/ aber das galte Theil. ö fen. Auß ſeines Vatters Hauß verreißte 53 kame/ erlangte ein kurtz auß Holland kommender junger Mann/ des Generals Ver wanter/ die Gubernators Stelle von Negombe, dem S. Amant zu Nachtheil/ und kame mit Befehl von dem Rath zu Batavia, jenen zu enfſetzen. Wie S. Amant ſich dergeſtalten tractiert geſehen/ machte derſelbe. oder 20. Soldaten mehrentheils Frantzoſen/ darunder Hr. du Belloy, des Mareſts, und Johann von Roſe abwendig/ und uͤbergienge mit denſelben zu den Portugeſen. Dieſe kleine Zal/ aber hertzhafte Leute/ brachte den Portugeſen einen ſoͤlchen Muth/ daß dieſelben Negombe, darauß ſie getrieben worden/ angegriffen/ und in dem zweyten Srurm eroberten: In ſelbiger Zeit war Dom Philippe de Maſcaregnas, Gubernator der Inſul Ceylan, auch aller von Portugal dependierenden Platzen. Er wohnete in der Stadt Colombo, und wie er Schreiben auß Goa, daß der Königl. Stadt⸗Verweſer daſelbſten geſtorben/ und der Rath ſamt dem gantzen Adel ſeine Perſon um dieſe Stelle anzunehmen begehrt/ empfangen hatte/ wolte er vor ſeiner Abreiſe vorbemeldten S. Amant, ſam denen mit ſich Geführten/ ſehen/ um denſelben Gubernator. Selbiger wird bald entſetzt/ und ein Hollaͤnder eiugeſetzt. Negombe wird von den Pyrtugeſen wieder eroberet. Dom Philippe de Maſcaregnas iſt Güͤbernator der Inſul Ceylan, eine Vergeltung zu thun. Er ware ein wackerer Here/ und ſo bald er jhren anſichtig wurde/ entſchloſſe ſich derſelbe/ ſie mit nach Goa zu nehmen/ es ſeye/ daß er vermeinte/ daſelbſten zu jhrer Befürderung beſſere Gelegenheit zu haben; oder daß er ſolche hertzhafts und relolvierte Leute in ſeinem Geleit liebte/ um beſſer den Malavares, welche jhnen mit 40. Schiffen aufpaſſeten/ da hingegen Er allein 22. hatte/ Widerſtand zu thun. Wie ſie nahend dem Vorgebirge Comorin ſich befunden/ waren die Winde in der maſſen widerwar tig/ und ent. ſtunde ein ſo ſtarckes Ungewitter/ daß die gantze Flotte zerſtreut wurde/ und viel Schiffe zu grund giengen. Die jenigen/ welche mit Bom Philippo waren/ wendeten all jhr Vermoͤgen an/ jhne ans Land zu bringen/ da ſie aber ſahen/ daß es vergeblich/ und alles zu ſtucken gienge/ ſprangeS. Amant, ſamt 5. oder 6. andern darunder/ auch des Mareſts, du Belloy und Johann von Roſe geweſen/ mit Stricken und Stuͤcker Holtz in die See/ und erretteten den Dom Philippe neben jhnen. Dieſe Geſchicht abzukuꝛtzen/ wie ſie zu Goa ankomen/ und Dom Philippe daſelbſten ſeinen Einzug/ als Koͤnigl. Stakthalter gehalten/ gaber dem S. Amant die General Feldzeugmeiſter⸗ und Intendanten⸗Stelle uber alle den Portugeſen in Indien zugehoͤrige Veſtungẽ/ und verſchafte demſelben hernach einen Heurat mit einer jungen Tochter/ die jhme 20. auſent Cronen zubrgchte/ deren Vatter ein Engellandeꝛ/ welcher de Dienſt der Compagnie verlaſſen/ und mit einer unehlichen Tochter des Koͤnigl. Statt⸗Verweſers zu Goa verheuratet ware. Johañ von Roſen bate den Statthalter/ S. Amanta groſſe Lebens⸗Geſahr i Dieſer wird durch ſeine apferkeit General Feldzeugmeiſter und Jutendant Über alle Portugeſtſche Veſtungen. daß er wieder nach Colombo geſchickt werden mochte/ allda er durch ſeine Gunſt eine junge Wittfrau Meſtium, die jhme groſſes Gut zubrachte/ geheurgtet. Des Mareſts, von deme Dom Philippe, der geſehẽ/ wie lobliche Thatẽ er E 3 ver verrichtet/ und viel Wunden in der Belagerung Negombe bekommen/ wurde zum Capitain ſeiner Leibwacht angenomßzen/ welches die vornemſte Stelle am Hofiſt. Er hatte jhme auch ſonderlich für ſein Leben zu danckenz daun er dles Mareſts der jenige/ welcher ihne guf die Achſel genomen/ und vom Schiffbruch errettet. Du gelloy wuͤnſchte/ daß man jhme vergoͤnte/ nach Macao ſich zu begeben/ welches demſelben alſo erlaubt wurde. Derſelbe hatte vernommen/ daß ein Theil von Adel ſich dort hin begaben; nachdem ſelbe durch die Handlung viel gewunnen/ und daß ſie die Fr oͤmden freundlich aufzunemen pflegten/ und groſſen Luſt zum Spiel/ welches des du Belloy groͤſte Begierd ware/ hatten. 8 Er bliebe zwey Jahr zu Macao und machte ſich luſtig; Wann er mangel an Gelt hatte/ leiheten jhme dieſe von Adel gerne. Eines Tags gewonne derſelbe ohngefahr 6000. Krogen; aber wie er darauf in Spielen erhitzt war/ gieng alles wiederum/ und noch ein mehrers/ ſo jhme ſeine Freunde vorgeſtreckt/ verlohren. Wie er ſich alſo in Verluſt ſahe/ und jhme niemand Borgen wolte/ hub er an a wider ein Gemahl/ welehes in der Kammer du belley hienge/ und etwas heiliges vorbildete/ zu flupyielet/ und chen/ in dem Zorn/ ſo der Spielern Gewone heit/ ſprechend; daß dieſes ihme vor Augen Bild. hangendes Gemald eine Urſach ſeye/ daß er l verlohren/ und wann ſolches nicht alda ware/ er gewonnen haͤtte. Der Inquiſtor bekam deſſen alſobald bericht/ dann in allen Staͤdten AIJndien ſo von den Portugeſern dependierend/ 1 enge deren einer beſtelt/ fintemalen derſelbe allein und Oer. befügt/ die jenigen Perſonen/ welche etwas wiInquiſitorn der die Religion geredt/ greiffen zu laſſen/ die in Go. Zeugen zuverhoren/ und den Schuldigen ſamt der Kundſchaft mit erſt abfahrendem Schiff nach Goa zu ſchicken; allda der Ober⸗Inquilitor den Gewalt/ den Beklagten ledig zu ſpre5 chen oder zum Tod zu verurtheilen. DubBelloy 5 e nun wurde an Fuſſen mit Eiſengefaſſelt in ein und wie er kleines Schiff/ welches 10. oder 12. Stuck Geentlediget. ſchutz auf hatte/ gefuhrt/ und dem Haubtmañ befohlen auf denſelben acht zu haben/ dann er für jhn gut ſprechen ſolte. Aber der Haubtmann/ welcher ein wackerer Mann ware/ und deme bewußt/ daß du Belloy von gutem Hauß/ lieſſe jhne der Feſſel entledigen; und an ſeiner Tafel ſpeiſen/ verſahe denſelben auch in wahrender Reiſe/ ſo ungefahr 40. Tage geweſen/ mit nohtwendigen Leinen Gezeug und Kleidung. Den 19. Februariß 1649. kamen ſie zu Goa an/ und ware das Schiff kaum in dem 92375 8 585 85 e e 155 . Königlichen Stadt⸗Verweſers daſelbſten ſich 1 befunde/ beydes die(chreiben zu empfahen/ lese bn“ wund was in China vorglenge/ zu vernenumen. eontie u Wie derſelbe du Bel loy in ſeinem Zuſtand ſaCon. he/ und daß der Haubtmann jhne nicht auß dem Schiff laſſen wolte/ er ware dann dem Gewalt des Inquitarn übergeben; war er nicht wenig beſturtzt; Weil aber S. Atnand damalen in groſſem Aufehen ware/ erlangte me wiederum in Europa zu verhelffelle derſelbe von dem Schiff⸗Haubtmann/ daß er Reisbeſchreibung in Indien den du Pelloy mit ihre in die Stadt gehen lieſſe. Dieſer zohe mit Fleiß ſeine alte Kleyder/ welche gantz zerkunbt und vol Unzifer ſtacken/ wiederum an; S. Amand/ deme wol bewußt daß mit der Inquiſition nicht zu ſchünpffz/ fuhrte ihne ohnverzogenlich zu dem Inquiſnorn welcher dieſen Edelman in ſo elendem Zuſtand anſchauend/ mit demſelben Erbarmd hatte/ und jhme/ biß er ſeinetwegen Bericht erhalten/ die Stadt für ſein Gefangenſchaft erlaubte; jedoch mit Beding/ daß auf erſtes begehren er ſich ſtellen ſolte. Nachdeme dieſes ſieh 6 zugetragen/ fuͤhrte S. Amand den du Bello) in mein Loſament/ eben da ich außgienge/ den 5 Biſchoff von Mire zubeſuchen/ welcher mir vor dieſem zu Conſtantinopel/ da er Guardian der Franciſcanern von Galata ware/ bekandt worden. Ich bate dieſelbigen/ ein wenig meiner zu warten/ und mit mir zu Mittag zu ſpeiſen/ welches ſie thaten/ und darauf olkexierte ich Herren du Belloy mein Loſament und Tiſch/ wie er dan guch bey mir bliebe; lieſſe demſelben 3. Kleyder machen/ und mit nothwendigen weiſſem Geräth verſorgen. Ich bliebe noch ß. oder 10. Tag zu Goa, in welcher geit ich den du Belloy nicht dahin zu bringen vermochte/ die neuen Kleyder anzuziehen/ deſſen die Urſach mir unbewußt war/ er verſprache zwar von einem Tag zum andern ſich damit zu kleyden? Wie ich auf meiner Abreiſe war/ ſagte ich jh me/ daß ich von dem Stakthalter Abſchied zu nemimen gienge; er bate mich auch um den ſelnigen zu bitten/ welches ich gern thate/ und nicht vergeblich. Wir fuhren abends in dem jemgen Schiff/ darin ich hinkommen ware/ ab alten Kleyder/ die er in das Meer wurffe/ und wider die Inquifttion/ ohn daß mir die Urſach bekant/ in maſſen ich von all dem jenigen/ ſ ſich zu getragen/ nichts wußte/ fuuchete/ aulund die neuen anzuziehen; ich ware in 1 1 wunderung da denſelben alſo fluchen zu her 15 und ſagte jhme/ daß er noch nicht auß ben ha 15 den der Poktugeſer ware/ und daß neben fun oder 6. Bedienten/ ſo ich hatte/ wir zu ſchwac, waren/ 40. Mann/ die in unſerm Schiff e derten/ widerſtand zu thun/ begarte daril von jhme die Urſach ſeines fluchens wide di Inquiſition zu wüͤſſen. Er verſprache mir gantze Geſchicht/ wann wir abſonderlich/ zue zehlen; welches er/ wie wir zu Mingrela 1% Moe um Mitternacht begunte Hr. du Belloy ſcin. 7 mos, E ennſt gen um 7. Uhr anlangten/ alſobald chate J a. unſerm außſteigen funden wir etliche H oll der ſamt dem Befehlhaber/ welche an edle 15 waren/ Auſtern zu eſſen/ und Spaniſch zu trincken. Dieſelben befragten mi 1 bald/ wer der jenige ſeye/ den ich bey mil! mein Antwort ware/ dieſes ſeye einer von dan 55 welcher mit dem Frantzofiſchen Abgeſan in Portugal kommen/ und von dar ne Indien geſchiffet; weil aber jhme der ein halt in diefer Stadt/ auch der Pon 10 8 0 Weiß nicht gefallen/ habe er mich gebatt hen/ 5 oder vier Tag hernach kaufte ich fü denfe ch beni, oder fünff andern/ die zu Zoe geblieben /, nach Lands Gebtauch/ ein Ochſen nach Surste mee, e mit ſamt einem Sehneiden an Parer fü den Tenon Capucinern; in deme jhne erſuchend/ ebnen dieſem von Adelzu deſſen Underhe 0 0 meinen Mackler Monatlich zehen Kronen befat. aal, zahlen zu laſſen/ und von dem Engliſchen Preſtdenten auß zubringen/ daß er bey erſter Gelegenheit zu Schiff gehen konte; ſo aber nicht 8 beſchahe; ſondern der Parer Zenon, welcher Aan P. Geſchäften ſeines Mil⸗Conſorten/ Pater Une Ephraims, wie ich in folgendẽCapittel anzeigen Achse werde/ nacher Goa reiſete mit ſich nahme. Der pater Zenon vermeinte ſonder zweifel/ daß du Belloy in der Inquifition ſich wiederum ſehen laſſend und um Verzeihung bittend/ ſolches leicht erlangen wurde. Nicht ohne iſt zwar/ daß e Gnad erlangt; aber nachdem derſelbe zwey Jahr in der Inquiſition ware/ darauß er anderſt nicht als mit dem Schwefel⸗Hembt/ an deeme ein groſſes S. Andres Creutz/ ſo vornen auf den Leib komt/ entlaſſen worden. Ein anderer Frautzos Namens Louis von Bar, an der Seine, ſo bey jhme ware/ empfienge gleiches Tractament; und ſie begleiteten beyd die jenigen/ welche zum Tod geführt wurden. Du altung durch und alſo einen höͤſen Vorſatz hatte/ endecket worden ware. Das ware genug dieſem Edelmann das Leben zu koſten/ wann Herz de Celi Hrantzöſiſcher Ambaſſador mit Verthrungen welches in Türcken in dergleichen gefährlichen Begebenheiten/ das beſte Mittel iſt/ darneben vorbringend/ daß er der jenige Edelmann/ welcher nur allein fur ſeinen Luſt reiſete/ und bey erſter ſich begebender Gelegenheit nacher Perſien zugehen willens ware; nicht eylends gemittelt/ und dieſes angezundete Feur geloſchet hatte. Des des Mareſts Vorſatz ware gleichwol damalen keines wegs weiter zu reiſen; ſondern nachdem er ſein auſſerſtes verſucht/ um dieſe Fürſten zu erledigen/ wiederum nach Pohlen zu kehren; aber ihne vor dem Gewalt der Türcken zu beſchützen/ muſte man vorgeben/ er wäre willens nach Perſien ſich zu begeben; und zwar es alſo anſtellen/ daß ſolches würcklich beſchehen mochte. Der Türckiſche Kayſer hat ſich entſchloſſen/ dieſe Fürſten nimmermehr zu entlaſſen; aber dieſelben waren alſo glücklich ein Mittel zu finden/ einen jungen Turcken des Haubtmañs der ſieben Thurnen Sohn/ deme der Vatter gewohnlich die 5 ö r ge lich die Wie lit Schlüſſel/ um die Porten der Gefangenſchaft 115 15 auf- und zu zuſchlieſſen, vertraute/ auf ihre gen auß der Belloy thate ſehr unweißlich/ wiederum nach i eiten zu bringen. Wie nun die Nacht/ da Turcken Gez oa zu kehren/ und noch viel Ubeler zu Aingrela wider ſich zu zeigen; allda die Pollander/ welchen 1 Besch daß er vor dieſem/ wie ſie von dem Befehlhaber von Surare berichtet worden/ auß ihrem Dienſt entloffen/ alſobald Mg, dul Ihne greiffen“ und af ein nach Batavia Wa fahrendes Schiffe fuhren lieſſen. Sie ſagten/ e daß ſie denſelben dem General der Compagnie Uberſchückten/ um mit jhme nach beliebẽ zu verbahnen aber ich bin glaubwürdig berichtet/ Dat als das Schiffe von dem Ufer entfernet/ dieſer unglückſeelige von Adel in ein Sack geleckt und in den See geworffen worden. Und bees ware das erbärmliche Ende des du bel. 0 5 Was Herz des Mareſts anbelangen i 19 war ſein Ende nicht traurig/ wie nachd,(gend mit wenigem vermeldet werden ſolle. We Bemeldter Her? des Mareſts war einEdelnun! 0 ba aalchdem er ſich gerauft und ſeine Wieder part gahen des Pohlniſchen Heers in Ansehen . hen/ und ſich beliebt gemacht. In ſelbiger e heel der Türckiſche Käyſer zween Pohlnideen ze Con aum anden nun ieben Thürnen/ gefangen. Dieſer Feldherꝛ lchte des des Marelts Dapffer⸗ und Geſchickgute daß derſbe kühn/ und uber das ein an dulege⸗Vaumeiſer betrachtend/ thate e 0 ben den Vorſchlag nacher Conſtantinotel bieden; umzuſehen/ ob er durch einig Mitköſme e Jurſten der Gefangenschaft befkeyen gern an; und kiltche T liß mit ware jhme ſonder zweifel ſein en gelungen, wann nicht ſolches durch ürcken die denſelben anklagten/ daß aben Thurne gar zu genau den Grundeinem Reiß bley abzeichnend/ beſichtigt/ an mann guß dem Delphina bey Loriol, welcher, f l igt in Polen geflohen; allda Er ſehr ruhm⸗ e haten erwieſen/ dardurch er bey dem Des Marelts nahme dieſe Commiſſion ff hr Flucht beſchehen ſolte herbey kommen; ſtel⸗ gen. lete ſich derſelbe/ ob thaͤte er etliche Pforten zu⸗ 5 ſehlieſſen lieſſe aber alle Marekſchloß offen und brachte die Schluͤſſel ſeinem Vatter; gleichwol doͤrfte er ein gleiches an den zwo erſten Porten zuthun nicht underſtehen/ um nicht endeckt zu werden; dann bey einer derſelben hielte der Haubtmann mit der Haubtwacht. Dieſer junge Menſch/ welcher dieſen Furſten ganzlich ergeben/ die Sach bey zeiten betrachtend; war auf Leitern von Stricken/ bedacht; darauf über zwo Mauren zu kommen und zu dem ende wurde eine Verſtandnuß mit jemanden drauſſen/ auch nicht weniger drinnen/ deme dieſe wichtige Heimlichkeit offenbahret wurde/ erfordert, Wie man nun gegen dieſen Furſten nicht der Strenge nach verfuhre/ war zugelaſen/ daß jhnen mithin einige gerichte auß des Frantzoſtſchen Ambaſſadors Küchen uberchickt wurden; welcher Anlaß gabe/ daß der Kuchemeiſter/ der es mithielte/ jhnen etliche Paſteten/ die mit Stricken/ darauß ſie Leiteren gemacht/ gefüller/ überſandte. Die Sach ward ſo wol angeordnet und geleitet/ daß es gelunge; und der junge Turck mit den Fürſten in Pohlen/ da derſelbe ein Chriſt worden/ und in Aemtern und Gelt genugſame Belohnung bekommen/ entflohen; die ubrigen/ welche zu Befreyung der Fürſten geholffen/ folgten auch nach in Pohlen; und wurden nach Proportion ſehr reichlich belohne t. Urnnderdeſſen kame Here des Mareſts zu J: pahan an; Und wie derselbe alſobald bey den Peha unt Capueinern ſich angemeldet/ führten ſie hne in mein Loſoment; da ich jhme eine Kammer und meinen Tiſch anerbotte. Er bliebe eine Zeitlang zu Iſpahan/ und machte in ſolcher Zeit mit den Engellandern und Holländern/ E 4 hin; Reisbeſchreibung in Indien ihn wie er es auch würdig ware/ hoch achteten/ Kundſchafft. Aber als derſelbe auß Fürwitz einer allzu frevelen Sach ſich unterſtenge/ fehlete es wenig/ daß er/ und neben jhme alle Francs, die zu Iſpahan dafmalen ſich befunden/ ums Leben kommen. Nahend dem Carvanſera, da wir unſer Loſament hatten/ war ein groſſes Baad/ dahin Manns⸗ und WeibsPerſonen ein Theil nach dem andern in gewiſſen Tagen ſich begeben/ und die Koͤnigin von Viſapour in der Zeit jhres Au enthalts zu Iſpahan in jhrer Widerkehr von der Mecque Sein gefahr offt kam/ mit den Weibern der Francs, dabey licher fürwiz ſie groſſen Luſt hatte/ zu ſprachen/ weil der Garker Bad zu ken ihrer Wohnung an das Bad/ da dieſe Iſſahan. Weiber gewohnlich ſich einfinden/ ſtoſſete. Wie nun der Herr des Mareſts eine groſſe Begierde hatte zu ſehen/ was zwiſchen dieſen Weibern ſich zutruge/ thate ſeinem Fürwitz durch Mittel eines Spalts/ ſo er indem Gewoͤlb des Bads in Obacht genommen/ ein Genugen/ ſtiege auſſerhalb auf dieſes Gewolb/ das gleichſam gang eben/ und wie ichs in meiner Erzehlung deß Turckiſchen Pallaſts und Perſien beſchrieben/ durch einen heimlichen Ort/ ſo an unſer Loſament rührte/ legte ſich auf den Bauch/ und ſchauete durch dieſen Spalt/ ohne daß er geſehen/ was er zu ſehen ſo ſehr gewüuͤnſchet/ und dergeſtalten war derſelbe 10. oder 12. mal daſelbſten/ er konte endlichen ſich fl nicht ferner enthalten/ mir ſolches zu offenbaren/ darauf ermahnete ich jhn/ daſſelbe nicht mehr zu thun/ ſintemalen darauf ſein und mit jhme aller Francs eib und Leben ſtünde. Aber meiner treuen Vermahnung nicht achtend/ gienge er noch zwey oder drey mal dahin/ und wurde dieſes letſte mal von einer der Weibern des Bads/ welche auf das weiſſe Gerathe Achtung haben/ und ſolches an den Pfailen/ die an dem Gebau ſeynd/ truͤcknen/ als dieſelbige durch einen kleinen Schnecken hinauf gienge/ entdeckt/ dann als ſie jhne auf dem Bauch liegend ſahe/ nahme ſie ſeinen Hut/ und hube an zu ſchreyen; Herꝛ Des Mareſts, dieſer Gefaͤhrlichkeit zu entgehen/ und zu verhüten/ daß diefes Weib kein ferner Geſchrey machte/ winckte jhr ſtill zu ſchweigen/ uñ gabe derſelben hiemit ohngefehr zween Foman, die er zu allem Glück von dem Geld/ ſo ich jhme zu ſeiner Nothwendigkeit vorgeſtreckt/ bey ſich hatte/ in die Hand/ und gienge davon. Wie er in dem Carvanſera wieder zurück kam/ ſahe ich/ daß er gantz beſtuntzt ware/ und hatte wol erachtet/ daß ihme eine Widerwertigkeit begegnet/ derohalben nothigte ich jhne/ mir zu offenbahren/ was geſchehen ware. Er wolte ſchwerlich die Sach geſtehen; endlichen bekennete er mir/ wie er von dieſem Weib entdeckt worden/ und getrachtet/ dieſelbe mit einem Stück Geld zu geſchweigen. So bald hatte er dieſe Bekantnuß nicht gethan/ daß ich jhme anzeigte/ er müſte ohnverzogenlich davon füehen/ dann die Gefahr viel groſſer aer ſich einbilden thate. Der Hollendiſche Befehlhaber/ deme angelegen zu wiſſen/ wie die Sach ſich zu getragen/ um ohnverzogenlich einem Ubel/ deſſen allzugeſchwinde Wuͤrckung wir befoͤrchteten/ zu ſteuren/ wart der Meynung/ jhne eylend fortzuſchaffen; zu dem Ende wurde er mit einem Maulthier und Geld/ ſo viel zu ſeiner Reiſe nach dem Bander, 11 vonnsthen/ von dar er mit erſtem Schiff nach ech Surate ſich begeben ſolte/ von uns verſehen. nieder lu Ich gabe jhme Recommendation Schreiben Sure an den Engliſchen Præſidenten/ der mein 5 Freund ware/ und bate ihn/ demſelben auf Begehren biß in 200. Cronen zu bezahlen. Ich ſchriebe in meinẽ Brief ſehr růhmlich von jhm/ und thate Meldung/ wie der Hollandiſche Befehlhaber zu Iſpahan ſich anerbotten/ jhne nach Batavia nuit Schreiben an den General zu ſchicken/ welcher nicht ermanglen wurde/ jhme/ nach dem ers würdig/ ein Amt zu geben/ dann weilen die Hollander damalen mik Portugal in der Inſul Ceylan Krieg hatten/ war ein behertzter uind verſtandiger Mann/ wie des Mareſts ihnen hoch notig. Sie ermangleten auch nicht bey jhme ſtarck anzuhalten/ daß er ſich für ſie gebrauchen laſſen mochte/ demſelben zu ſchmeichlen/ und in ſeinem Aufenthalt zu Iſpahan mit vielen Verehrungen zu gewinnen. Aber endlichen führte er jhnen zu Gemüͤth/ daß/ weil er nicht ihrer Religion/ ſich ein Gewiſſen machen müſte/ für ſie wider die Borkugeſen zu dienen/ und daß ſolches die einige Urſach/ welche jhme in dem Weg liege/ Ihr eundliches Anerbieten anzunehmen. Die Schreiben/ die ich jhme an den Engliſchen Præſidentenzu Surate mitgabe/ thaten von allem dieſem Meldung/ und weil Herꝛ Des Mareſts nach Goa zu reiſen willens/ umden Portugeſen zu dienen/ ſehriebe der Preſident an den Königlichen Statthalter daſelbſten/ von dem der elbe ſehr beliebt ware/ und recommendlirte dieſen Edelmann in dermaſſen/ daß auch demſelben der Hollander beſchehenes Anfuchen feloſten um o viel mehr zu Nutzen kame. Der Königliche Statthalter empfenge den Herm Des Mareſts ſehr freundlich/ welcher zuverſtehen gebend/ daß ſein 0 nach der Inſul Ceylan ware/ dun in der Portugeſen Num gebraucht zu werden; fuhr mit erſter Gele genheit dahin ab/ mit guter Recommendation i von dem Statthalter an Dom Philippe e Maſcaregne, der damalen noch Guber nale aller Platzen( ſo die Portugeſen in der Inſul und in der Nachbarſchafft in Beſitz hatten geweſen. Er kame daſelbſten an/ drey Tag nach dem Negombe verlohren gangen! un wie die Portugeſen dien Ork, wie droben gr meldt/ wieder einbekamen/ war Herꝛ Des den relts einer der jenigen /o die meiſten Wunde empfiengen/ und den groſten Ruhm dre 5 tragen. Er war auch der onde e ch rettung Dom Philippen von dem Schi 12 7 Aub ch die groͤſte Hülff bewieſen; Als nun beme 1 0 0 ar, on Phüppe zum Konglehen Saß deere Vertveſer ernennet worden/ hielleer dafür /d 15 06h Des Mareſts feine geringere Belohnung/ 15 aden Hauptmann über ſeine Leib⸗Z Pacht verdiene, e hatte/ in welchem Amt er auch z. oder 0 gli Me nat hernach ſtarbe. Er wurde von dem Kona demo chen Statthalter/ der jhn ſehr liebie/ 115 ret/ 95 Erſtes Buch. kraurt/ ſein Gut hat derſelbe einem Prieſter/ mit deme er ſehr genaue Freundſchaft gepfſogen/ mit beding/ daß er mir 250. Cronen/ die ich ſhme vorgeſtreckt hatte/ bezahlen ſolte; aber die ich nicht anders als mit Mühe auß 10 ers Hand bekommen konte/ üͤbermabdalber In der Zeit/ da ich zu Goa war/ wurde Mae e keit kurtzem von Lisbone, daſelbſten eingelaſdei berühren wolte/ wurde es von einer Ungeume/ welche 5. oder 6. Tag gewehret/ ergriffen. und in der maſſen getrieben/ daß die Schiffer nicht mehr wußten/ wo ſie waren. Endlich leffen ſie in ein Meer⸗Buſem/ dreiſsig Meil von dem Vorgebirge/ da dieſelben viel Wohnungen gefunden/ ſo bald ſie geanckert/ ſahen den Ufer gantz mit Mannern/ Weib und Nindern verſtellet/ welche jhre Verwundezung weiſſe Leute und ein Schiff/ gleichwie dieſes runde ware/ zu ſehen/ bezeugten. Ubel ware es/ daß ſie einandern nur allein durch Zeichen verſtehen konten/ und nachdem die Porzugeſen dieſen Cares tabac, zweygebachens Dot und Brantenwein gegeben/ brachten Aeſe hingegen den folgenden Tag viel junge Strguſſen/ und andere Vogel/ groſſen Ganen gleich/ die aber alſo ſehr fert/ daß man kein Fleiſch an jhnen ſahe. Die Federn dieſer Vogel ſeynd ſehr ſchoͤn/ und die an dem Bauch gut zu Bethen. Einer der Portugeſiſchen Schiffern/ der in dieſem Schiff ſich befande/ veraufte mir ein groſſes Kuͤſſen dieſer Federn/ underzehlte/ was ihnen in dieſem Meer-Bum/ allda ſie 27. Tag verblieben/ begegnet. N e gaben von Zeit zu Zeit dieſen Cares ets/ als Meſſer/ Axken/ falſche Corallen und 0 alen/ in Hofnung/ einen Gewerb/ und fürdemlich/ wo das Gold ware/ zu entdecken/ En ſie ſahen etliche/ die deſſen Stucklein/ den 0 Hloß ⸗Naglen gleich/ an den Ohren hangen her Sie entführten zween nach Goa, wie Müde vermeldet werden ſolle/ und ich habe eidan. erſelben geſehen/ welcher an jedem Ohr/ t. er 6, Orten dieser Stücklein Gold hatan 0 Jer bemeldte Schiffer ſagte mir/ daß deren dliche der Webern dieter Volckern ten. zun dem Kin und an den Naßlochern hardügeſ toder neun Tag/ nach dem die Porf brachte in dieſem Meer⸗Buſem angelangt/ lein deen ihnen dieſe Calres auch kleine Stuckmbra, ein wenig Gold/ und etliche/ aber eine Elephanten⸗Zaͤhn/ Strauſſen und se Vögel und etliche Hirſchen Fisch hatan ehr viel. Dieſe Portugeſen wendeten erſahnglichlten Fleiß an/ durch Zeichen zu war e ſie dieſen Ambra/ der ſehr ſchoͤn Stn habmen. Der Statthalter wieſe mir ein e dein deſſen ſo nur Zunze gewogen; aber ben/ al 1 daß er niemalen ſo guten geſefahren,; diefen. Sie wünſchen auch ſehr zu erbie Cleo ober ſie das Gold nahmen; dann was f phanten⸗Zahn anbelangen thut/ waren zusdeßlpegen unbekümmeret; ſintemalen ich viel Elephanten ſehen konnen/ auß 0 nur ein Geſchicht von einem runden Schiff/ ſo en/ erzehlet; wie daſſelbe das Vorgebirg Bona 57 einem Fluß/ welcher in dieſen Meerbuſem ſich ergeußt/ zu trineken. Da endlichen die Portugeſen/ nachdem dieſelben drey Wochen daſelbſten zugebracht/ geſehen; daß/ weilen ſie einandern nicht verſtehen konten/ unmoglich ware/ etwas zu entdecken/ entſchloſſen ſte ſich mit erſtem gutem Wind wiederum abzuſeglen. Und wie dieſer Calres beſtandig etliche in jhrem Schiff ſich befanden; weil die Portugeſen mit Taback/ zweybackenem Broͤdt/ und Brandtenwein freygebig waren/ entführten ſie zween mit nach Goa, in Hoffnung/ ſie wurden die Portugeſiſche Sprach erlehrnen/ oder daß etwan ein Kind von jhnen ihr Sprach lehrnete. Der Schiffer ſagte mir/ daß/ als ſie abgeſeglet/ und die Cares geſehen/ daß ſie zween von den jhrigen mitgefuhret/ welche dem Anſehen nach/ nicht die geringſten waren/ ſie ſich die Haar außgerauffet/ als unſinnige Leute auf die Bruſt goſchlagen/ und ein erſchroͤckliches Geſchrey und Heulen verführet haͤtten. Aber wie dieſelben zu Goa angelangt/ koͤnten ſie nimmer etwas der Portugeſiſchen Sprach erlehrnen/ und darum konte man auch von jhnen wegen jhres Lands Beſchaffenheit/ darauß die Portugeſen allein ohngefehr 2. Pfund Gold/ 3. Pfund Ambra, und zy. oder 40. Pfund Elephanten⸗Zahn gebracht/ wie gewuͤnſchet worden/ nichts gewiſſes erfahren. Der eine dieſer Cakres lebte na dieſem nur noch 6. und der andere 1x. Monat/ und ſturben beede von Trauren und Unluſt. Alles was mir von dieſer Geſchicht bekandt/ habe ich von Hr. de S. Amant Kriegs⸗Baumeiſter/ und Ober⸗Aufſeher aller Portugeſtſchen Veſtungen in Indien/ in deſſen Dienſte der jenige Schiffer/ der mir von dieſer neuen Erfindung Bericht gegeben/ vernohmen. Von Goa reißte ich wiederum nach Mingrela, von dar/ wie ich anderswo vermelden werde/ nach Batavia, welche Reiſe/ und was mir auf derſelben/ und in meiner Zuruckkehr zu See von Batavia nach Europa begegnet/ ich genau beſchreiben will. Aber eine Sach die zu Mingrela, in Zeit der 9. Monaten/ die ich daſelbſten geweſen/ und ehe ich in dem Schiffe/ ſo mir von Hr. de S. A mant lberſchickt worden/ nach Goa reiſete/ ſich zugetragen/ ſolle allhier nicht vergeſſen werden. 5 Als ein Abgotterer geſtorben und das Feuer in dem Grab/ nach ihrer Gewonheik/ ſchen grauen den Leib zu verbrennen/ bereit; befande ſich deſ⸗ zu ſen Weib/ die ohne Kinder ware/ auf von dem Gubernatoren erlangte Erlaubnuß/ neben den Prieſtern und Verwandten bey dem Grab/ um ſamt ihres verſtorbenen Manns Leib verbrannt zu werden/ in dene ſie dreymal/ wie gemeinlich/ un das Grab gegangen kame plotzlich ein ſo ſtarcker Regen/ daß die Prieſter/ welche ſolchem entfüehen wollen/ in dem eilen die Grau in das Grab ſtieſſen; aber der Regen war ſo ſtarck und waͤhrete ſo lang/ daß darvon das euer geloſchet wurde/ und die Frau micht verbrennen koͤnte. Zu Mitternacht ſtunde dieſelbe auf/ und kame an einem ihrer Verwandten Hauß anzuklopfen/ dahin wie 0 9 b ſtori einer erglaͤubiMingrelg. 58 Reisbeſchreibung in Indien/ laͤnder und Pater Zenon Capuciner/ ſie zu der Herzu die Chalteau des Pois, Parlaſehen/ giengen. Sie ware in einem ſcheutzpatel 4 5 hraims 1 ments⸗Rath von Paris/ und hatte eine Sa ft und lichen und gantz ungeſtalketen Zuſtand/ und forchtſam anzuſehen: der Sehmertzen/ welchen dieſelbe ſonder zweifel bereits außgeſtanden/ hinderte gleichwol nicht/ daß ſie zween Tag hernach von jhren Verwandten begleitet/ ſich verbrandte. Von dieſem ummenſchlichen Aberglauben ſolle in der Beſchreibung der Religion und Ceremonien der e weitlaͤuffige Meldung gethan werden. N 5 Das XV. Capitel. Geſchicht von pater Ephraim Capucinern/ und wie derſelbe mit Ubereilung in die Inquiſſtion zu Goa geſetzt worden. Ole der Chez welcher die Eltkre der Princeſsinen von Golconda geheurahtet/ den Pater Ephraim nicht bereden könte zu Bagnagar, da er jhme ein Hauß und Kirchen erbauen zu laſſen/ ſich anerbotte/ u bleibenz verſahe er denſelben mit einem Ochſen und zween Knechten/ jhn nach Naslipatan zu führen; allda er willens ware ſich zu Schiff zu begeben/ um vermog von ſeinem Vorgeſetzten habendem Befehl nach Pegu zu fahrenz weil derſelbe aber keine Schiff angetroffen/ um ſein Vorhaben ins Wort zu ſetzen/ krachteten die EngellanHaubt⸗Contor fur alles das jenige/ ſo das Konigreich Golconda, und die Land Bengala und Pegu belrift/ haben; dieſelbigen brachten jhme für/ daß er daſelbſten eine groſſere Ernd/ als in einigem anderen Ort in Indien/ dahin er ſich begeben mochte/ machen konte; und lieſſen jhme alſobald ein ſchoͤnes Hauß und eine Kirche erbauen. Aber die Engellander ſuchder jhne nach Madrespatan zu bringen/ allda ſie eine Beſtung St. Georg genant/ und ein ſonderbahre Gaab zu allerley Sprachenſalſo daß er in kurtzer Zeit die Engliſche und Portugeſiſche Sprach vollkommen erlehrneit. Die Geiſtlichen zu Saint Thomẽ ſehend/ da der Pater Ephraim in groſſem Anſehen ware/ und durch ſeine Predigen einen guten Theil jhrer Pfaarꝛ⸗Genoſſen nach Madreſpatan, verleitete; bekamen wider denſelben ein ſolchen Eyfer/ daß ſie beſchloſſen/ hne auß deln Weg zu raumen/ und ware das Mittel ihren Zweck zu erreichen dieqſes: Wie die Engellan⸗ dan der und Portugeſen/ ſo nahe beyſatnen/ koͤn⸗ heim ten dieſelben ſchwärlich ohne Handel ſeyn/ un und gemeinlich nahmen beyde dieſe Nakio⸗ ge/ nen den Pater Ephraim fur einen Schiebmann/ dieweil er friedfertig und von guter Vernunft/ und beyder Sprachen volllonnlich erfahren ware. Eines Tags fiengen die Portugeſen mit Fleiß einen Streit al mit eklichen Englischen Schiffern“ die auf der Rede Sainr Thomé ſich befunden/ und wol abgeprugelt wurden. Als nun der Engliſche Preſident Rechenſchaft wegen dieſer That begehrte; erhube ſich zwiſchen beeden dieſen Nationen ein ernſtlicher Streit/ daruber auch die gantze Handlung deſſelben Lands zu grund gangen ware/ wann die Kauffeute beederſeits nicht in das Mittel ſich geſchlagen/ um die Sach zu vergleichen. Denen von dem boſen Vorſatz/ ſo etliche Particular- Perſonen wieder Pater Ephraim anſpunnen/ nichts bewuſt. Aber alles hin und her Gehen dieſer Kaufleuten war ven? geblich; dann auß Anſtifftung der Portlß geſi 5 Geistlichen muſte Pater Ephraim der Sach ſich annehmen, Mittler ſeyn und einem und dem anderen Theil Klag und Ankwort überbringen/ welches er dann gutwi 40 lig gethan. Aber derſelbe ware ſo bald nicht in Saint Thoms ankommen/ daß er von de hen oder zwölf Beamten der Inquiſirion lichkeit . Oer 9 ten in dieſein Stuck nicht ſo viel des Pater Ephraim als ihren eigenen Nutzen/ und iſt die Urſach/ warum ſie jhne aufgehalten/ zu wiſſen. anfteſn N- deres pen ist von- Thomsen kleine Sees kleine m Stadt der Küſten Coromandel, zimlich wol 5 1 erbauet/ und damalen den Portugeſen zuſtaͤnSiabts e dig/ nur ein halbe Meil abgelegen. Die Handlung andieſem Ort S. Thoms ware ſtarck/ onderlichen in Leinwad/ und befanden ſich ſehr vuiel Kauf und Handels Leut allda/ deren meiſtentheils gern nach bemeldtem Madrespatan zu den Engellandern ſich begeben/ warm ſie nicht geſehen/ daß keine Ubung ihrer Religion daſelbſten ware; aber ſeit dente die Engellander dieſe Kirchen bauen laſſen/ und den Pater Ephraim angehalten; verlieſſen viel Portuge0 1 e unde ole ge. fürnemlich durch den groſſen Fleiß dieſes geiſtlichen/ das Volck zu under richten/ in deme er ihnen alle Son⸗ und geſt⸗ Tag beides in Portugeſiſcher und Lands Sprach predigte/ welches jhnen zu Saint Thoms ſehr ſeltzam warez Pater Ephraim ware von Auxerre, ein Brugegriffen/ in ein bewaffnetes Jagt welches alſobald nach Goa abgeſegelt/ ge fuͤhret wurde. Sie feſſelten jhne an Han, den und Fuͤſſen/ und waren zwey und ewa zig Tage auf der See; ohne daß jhme ger ſtattet worden/ einen Tritt auf das Land in thun; obwolen der mehrere Theil der fen gen/ die in dem. Schiff waren/ weil mne b allezeit an dem Geſtad fahret/ faſt alle Na auf dem Land übernachteten. Wie 1 5 171 ſelbigen zu Goa ankommen warten A biß in die Nacht(den Pacer Ephram e l dem Schiff in das Inquiſſtion- Hauß ze ande führen/ in Forchten/ wann ſolehes ben Tag beſchehe/ und dem Volck etwas bal von bekaudt wurde/ ihne/ als der in elbe, 4 ger gantzen Gegend Indien in groſſem A 1 hen ware/ wegnehmen mochten. Sas Gerte, daß Parer Ephraüm in der Eiquiſftion daa war alſo bald an vielen H rten gufßgebreitet, 79 5 wie käglich zit Sucare viel Bolck auß den 0 1 den der Portageſen ankommet bekamen — die Erſten def e Zeitung/ darüber alle 9280 C8 0 g Erſtes Buch. daſelbſten ſich hoch verwundert hatten. Inſonderheit befande ſich hater 955 1 ner/ welcher hie vor deß Pater Ephraim Mitg onſort geweſen/ hierlͤber ſehr beſtürtzt und 5 net/ und nach deme derſelbe darauf mit f men Freunden die Sach überlegt/ ent ſchloſſe r nach Goa ſich zu begeben/ obwol er in Geen. K r ſtunde/ auch in die Inquiſition zugegthen. Und zwar es ware ein Gewagtes/ dann dach deme jemand darinn eingeſchloſſen/ wird der jenige/ welcher ſich erkühnet für denſelben N 199 em Inquiſitorn, oder einem deſſen Ragen zu bitten/ alſobalden auch eingeſteckt/ und ur einen gröſſern Mißthater als der jenige/ 5 den er intercedirt, gehalten. Weder er Ertz⸗Hiſchoff zu Goa, noch der Statthalfe ſelbſten doͤrffen ſich der Sach nicht anmaſen/ und über dieſe zwey Perſonen allein hat le Inquiſition kein Gewalt. Jedoch wann ich zuträgt/ daß dieſelbigen etwas zu Bechimpffung der Inquiſition, des Inquiſitorn und eines Raths in Portugall begehen/ wird wider ſie/ nachdeme der Konig und der OberAquiſitor befehlen/ wann die Antworten einomen/ procedirt, und die Sach wieder in Portugal gewieſen. 5 Pater Zenon ware deßwegen nicht wenig verwirret/ und wuſte nicht/ wie er dieſe Reiß vornehmen ſolte/ weil er keinen Geſpanen hatke/ weder an ſeine ſtatt zu hinterlaſſen/ noch mit ſich zu fuhren/ und damalen war der Wind widerwertig/ und ſeynd die Malavares jedereit zu foͤrchten. Endlichen begabe er ſich auf den Weg/ die Reiſe zu Land zu verrichten/ weles 25. oder 30. Tag erforderte/ nahme zum fahrten Heren de Ia Boulaye le Gout, von chem in meiner Beſchreibung Perſien 0 bibung beſchehen. Der Pater bekoͤſtigte denen biß nach Goa, dann bereits eine gerauohn det war ſein Beutel leer; er hatte auch eil Hülff der Engellander/ Hollander und mi cher anderer Francs, die zu Iſpahan jhre lde Hand aufthaten/ niemalen nach Surate ammen konnen. Als ſie zu Goa ankommen/ 4 e Pater Zenon alſobald von etlichen ie inden/ dieer daſelbſten harre/ und denen beste rſach ſeiner Reiſe nicht unbekant ware/ ſalte t/ die jhme anzeigten/ daß er ja ſich hüten duth 5 den Mund für den Pater Ephraim auf58 1 wann er nicht wolt demſelben in der den ealtion Geſellſchafft leiten. Einem je0 iſt die Strenge dieſes Gerichts bekant/ und zu biredt allein verbotlen/ für den Gefangenen ger ten/ ſondern auch demſelben ſeine Anklaigentdegen zu ſtellen“ weniger den Namen ſch 998 zu machen. Wie nun Pater Zenon lache dat er zu Goa nichts außrichten konte/ nach 8 er dem Herꝛn de la Boulaye: wieder feiner Nele zu kehren/ und lieſſe demſelben zu b die Wise 50. Cronen/ die er zu Paris an wicderunlb korelte der in Indien gestorben, N ermiterſt erlegen solte bezahlen. Alſo reiſete ab und er Gelegenheit wiedrum nach Surate um daselbſt, Zenon gerad auf Madrespatan, init bare 8 eigentlich zuvernehmen/ wie es g Ephraim zugangen. Als er die Ver39 ratherey/ ſo wider denſelben zu St. Thome verübet worden/ verſtandigt war/ entſchloſſe er ſich darum Rechenſchafft zu haben/ und offenbahrte/ dem Engliſchen Præſidenten ohnwiſſend/ ſein Vorſatz dem Hauptmann der Veſtung/ welcher gleich/ wie auch ſeine untergebene Soldaten wegen der dem Pater Ephrairn rarer Ze. widerfahrnen Schmach/ ſehr erzurnt. Er billichte nicht allein des Pater Zenons Vorhanons Anſchlag/ umb den Pater ben/ ſondern verſprache demſelben beyzuſtehen ber und die Hand zu bieten. Der Pater erfuhre ß der InUiſition durch Spionen/ die er außgeſchickt hatte/ daß 5 1 der Gubernator von St. Thome alle Sam⸗ digen. ſtag Morgens in aller Fruͤhe ſeine Andacht zuverrichten(in eine Capellen/ die eine halbe Meile von der Stadt auf einem kleinen Berg und der H. Jungfrauen gewidmet) gienge. Er lieſſe ein Fenſter in einer kleinen Kammer deß Kloſters dreyfach vergittern/ und die Thür mit zwey guten Schloſſern/ und ſo viel Mahlſchloſſen verſehen/ und nachdem von jhme alle nothwendige Verſehung beſchehen/ gienge er zu dem Hauptmann der Veſtung/ der ein Irrlander und ſehr tapfferer/ anſehnlicher Mann war/ auch ſein gegebenes Wort hielte/ hme in dem Hinderliſt/ ſo er dem Gubernator von St. Thoine zuzuſtellen beſchloſſen hatte/ zu helffen. Derſelbe gienge in Perſon mit 30. ſeiner Soldaten/ den Pater Zenon zu begleiten ſie giengen ſaͤmtlich um Mittnacht auß der Veſtung/ und verbargen ſich an einem Ort des Bergs/ darauf dieſe Capelle der H. Jungfrauen iſt/ da ſie nicht kondten geſehen werden/ biß in den Tag. Der Gubernator von St. Thome ermanglete nicht/ nach ſeiner Gewonheit/ nach der Capellen ſich zu begeben; kurtz nach Aufgang der Sonnen/ und als derſelbe von We Pallequis abgeſtiegen/ um zu Fuß den Berg/ welcher rauch/ hinauf zu gehen/ wurd er alſobald von dem Irꝛlaͤndiſchen Hauptmann und deſſen Soldaten/ die auß dem Hinderhalt neben Pater Zenon herfuͤr kamen/ umringt/ gegriffen und nach Madrespatan in das Capuciner Kloſter/ n obbemeldte für ihne zubereitete Des Gubernators von St. Thome Kammer geführt. Der Gubernator dieſes Uberfall Überfalls ſehr beſtürtzt/ proteſtirte wider Pater Zenon, mit Bedrohung/ daß der Konig in Portugall dieſes Vornehmen wider einen Gubernatorn ſeiner Plaͤtzen/ hoch empfinde werde/ und dergleichen Rede trieb er taglich die Zeit über/ die er in der Zellen bleiben muſte. Pater Zenon antwortete hierauf anders nichts/ als daß ſonder Zweiffel jhme ein freundlichers Tractament zu Madrespatan als dem Pater Ephraim /in der Inquiſirionzu Goa, dahiner denſelben führen laſſen/ wider fahre/ daß er jhn wieder ſtellen/ und hernach alich wiedrum unten an den Berg/ da er mit eben ſo viel Recht/ als wenig man gehabt/ den Pater Ephraim wegzunehmen/ gegriffen worden ware/ geliefert werden ſolte. Unterdeſſen wurde der Weg zwiſchen St. Thome und Madrespgtan funf oder E. Tag lang von dem Volck/ welches bey dem Engliſchen Prerſidenten gebeten/ durch ſein Anſehen zuverſchaffen/ daß der Gubernator ledig gelaſſen werden moͤchte/ ſehr Klein 0 60 ſcheid ertheilen/ als daß er nicht in ſeinem Gewalt ware/ und daß in Betrachtung der Manier/ mit deren man gegen Pater Ephraim verfahren/ er unter gutem Recht den Pater Ze. non nicht zwingen koͤnte/ den jenigen/ welcher ein Urheber deß Unrechts/ ſo ſeinem Mit⸗Conſorten widerfahren/ loß zu laſſen. Der Prerſident bate allein/ dem Pater zu erlauben/ daß ſein NRaoeis beſchreibung in Indien 8 ttt. Aber derſelbe konte jhnen kein andern Be⸗ ein gerechte Straff/ weil er auf dieſe Weiß auch viel Leute/ ſonderlich in der Zeit ſeiner Verwaltung in Ceylan ums Leben gebracht. Er hatte jederzeit des allerſubtilſten Giffts um ſich deſſen/ wann er eine geſchwinde Raach verüben wolte/ zu bedienen/ und wie er hiemit viel Feinde ſich gemacht/ die bey dem Exempel der jenigen/ welche er hinrichtete/ ein Gleiches für jhre Perſon beſorgten/ wurde ſein Bildnuß an einem Morgen zu Goa gufgehanckt gefunGefangener in die Veſtung kommen/ und an ſeiner Taffel ſpeiſen mochte/ mit Verſprechen/ denſelben auf all Begehren wiedrum zu ſtellen/ den/ damalen ware ich daſelbſten Anno 1648. d Unterdeſſen war in Europa wegen der Ver⸗ ene welches er leicht erlangte; aber hernach ſein hafftung Pater Ephraims ein groſſes Geſchrey. age Wort nicht halten konte/ dann der Trommel⸗ Here von Chaſteau de Bois, deſſen Bruder L Geſch ſchlager der Beſatzung ein Frantzos und ein beklagte ſich bey dem Portugeſiſchen AmbaſKaufmann von Marleille, Roboli genannt/ welcher ſeit etlichen Tagen daſelbſten ſich befunden/ offerirten dem gefangenen Gubernatorn von St. Thome jhre Dienſte zu ſeiner Befreyung/ dafern jhnen eine gute Belohnung egeben wurde; welches er denſelben verprach/ und auch/ daß ſie auf dem erſten von Goa nach Portugal abfahrendem Schiffe freyen Paß haben ſolten. Nachdem der Vergleich beſchehen/ ruͤhrte der Trummenſchlaͤger den folgenden Tag die Trummel der MorgenWache eher/ als ſonſten gewohnlich/ und ſehr Deß Guber⸗ starck; unterdeſſen lieſſen Koboli der KaufSt. Shane mant und der Gubernator von St. Thome/ Beſtehung. an jhren zuſammen gebundenen Beth⸗Tuchern/ indem Winckel eines Bollwercks/ welches nicht hoch/ ſich hinab. Der Trommenſchlager verlieſſe zugleich ſeine Trummel/ und folgte jhnen nach; und weil St. Thome nur eine halbe Meil von Madrespatan, waren ſie alle drey daſelbſten/ ehe jemand etwas von jhrer Flucht auß dieſem Ort erfuhr. Die gantze Stadt St. Thome erfreute ſich uͤber die Wiederkunfft des Gubernators/ welcher alſobald ein Schiff nach Goa abſchickte/ um dieſe Bottſchafft dahin zu bringen. Der Trommenſchlaͤger und der Kaufmann Roboli führen zugleich nach bemeldtem Goa ab/ und wie ſie daſelbſten mit Recommendation Schreiben von dem Gubernatorn von St. Tholne ankommen/ ſadorn/ der in ſeinem Loſament ſich nicht wol geſichert hielte/ und eylend ſeinem Herꝛn dem Koͤnig ſchriebe/ daß demſelben belieben moͤchtemit erſt nach Goa abgehenden Schiffen/ die Befreyung des Pater Ephraims zu befehlen. Der Pabſt lieſſe auch ſchreiben/ ſich erklarend/ dafern man denſelben nicht auf freyen Fuß ſtellen würde/ er die gantze Geiſtlichkeit in Goa in den Bann thun wolte. Aber alle dieſe Schreiben waren vergeblich/ und hatte Pater Ephraim für ſeine Erledigung allein dem Konig von Golconda zu dancken/ welcher jhn ſehr liebte/ und ſein duſſerſtes verſuchte/ denſelben zu bereden/ zu Zagnagar zu bleiben. Er hatte von jhme etwas von der Mathematic erlernet/ wie auch ſein Eidam/ der Arabiſche Fuͤrſt/ welcher ſich anerbotten/ in ſeinem Koſten dem Pater ein Hauß und Kirche erbauen zu laſſen/ welches ſeithero für zw¾een nach Goa kommene Auguſtiner beſchehen. Der Koͤnig bekriegte dazumal den Raĩa der Landſchafft Carnatica, und deſſelben Kriegs⸗Heer/ lage bey St. Thome; ſo bald er wegen des unverantwortlichen/ wider Pater Ephraim von den Portugeſen verübten Stuͤckleins/ Nachricht bekommen/ ſchickte er an Mirgimola ſeinen Feldherꝛn Befehl/ St. Thome zu belagern/ und alles mit Feuer und Schwerdt zu verderben/ wann er nicht gewiſſVerſprechung von dem Gubernatorn des Orts bekarne/ daß Pater Ephraim in zween Monaten loß ſeyn ſolte; die Abſchrifft des Könige Befehls/ wurde an dieſen Gubernatorn gl⸗ 91 e e der Stadt ein ſolcher armen eure entſtunde daß man nichts mehrers ſahe als ein aua Schiff nach dem andern nach Goa abfahren dente um den Königlichen Stadthalter zu ne 11 gen/ daß Pater Ephraim ohnverzogenlich and war kein Kloſter noch gutes Hauß/ ſo jhnen nicht Geſchencke 9 der Nane Oe halter ſelbſten/ Dom Philippe de Maſcaregne, erwieſe denſelben groſſe Freundlichkeit/ und lieſſe ſie in ſein Schiff gehen/ neben jhm nach Portugal zu ſchiffen; aber der Stadthalter und die zween Frantzoſen ſturben auf der See/ undexreichten Portugal nicht.„ c ile, Zu melden iſt allhier/ daß einiger KoͤnigliPhuippe de cher Stadthalter von Goa niemalen einen ſolKegler chen grofſen Reichthum/ wie obgemeldter Dom Stadthalter Philippe de Maſcaregne geſamlet/ derſelbe in do. hatte ſehr viel Diamant/ alles Stein im Gewicht von zehen biß in 40. Cargt; aber inſonderheit zween/ die er mir/ als ich daſelbſten war/ gezeigt/ deren der eine ein Dickſtein. und der ander 67lund ein halben Carat gewogen/ beyd ſauber/ ſchoͤnen Glantzes/ auf Indianiſche Manier geſchnitten. Das Geſehrey gienge/ demſelben ſeye auf einem Schiff mit Gift vergeben worden/ dabey geſagt wurde/ daß ſolches chan freyen Fuß geſtellet wurde/ welches auch alſo würcklich beſchahe. Inmaſſen demſelben 25 Namen deß Inquiſitorn angezeigt worden,. er herauß gehen koͤnte. Aber obwol die 1 geöffnet ware? wolte er jedoch nicht auß ale Gefangenſchafft gehen/ es ware dann/ daß 195 5 Geiſtichen zu Gos kamen/ und ihn in Pore, ſion abholten/ welches ſie auch alſobald dba nachdeme er herauß/ begabe ſich derſelbe innen Kloſter der ſo genannten Capuciner/ ſog ſam Franciſcaner Ordens/ und ble ae ſten. Tag. Von dem Pater Eph rat ſeich offt vernommen/ was jhn ſonderlich 0 5 ner Verhafſtung verdroſſenz und zwar/ da ben 7 e 00 l , ba ebdro Ihm zuſtandig/ befindet/ aufgezeichnet/ um alles Erſtes Buch. der Inquiſition und ſeinen Rath/ wa dieſelben Ihne befragt/ ſo gar ungelehrt befunden/ daß er auch nicht glauben konte/ daß ein einiger derſelben jemalen die H. Schrift geleſen habe. Man hat ihne in eine Camder zu einem Maltheſez welcher ein Ertzboß wicht/ und zum dritten mal in der Inquifition ware/ auch kaum. Wort ohne Schwer und Gott verlaugnen redte/ und den Jantzen Tag/ auch ein theilder Nacht mit Taback trincken zubrachte/ ſo dem Pater Ephraim/ wie wol zu erachten/ ſehr groſſe Ungelegenheit gemacht/ einlogiert. 1 Wann die Inquiſition jemand ergriffen/ wird derſelbe alſobald durchſucht/ un was man in dem Loſament von Haußrath und Kleidern emſelben nach befindender Unſchuld/ wiedeTum zugeſtellt zu werden; aber das Gold/ Silber und Kleinod werden nicht verzeichnet/ noch mehr geſehen/ ndern dem Inquiſitorn/ für die Gerichts⸗Unkoſten gebracht. E. Ephraim wurde auch beſucht/ aber hatte in ſeinem Sack/ ſo dieſe Geiſtlichen an jhren Mantlen genahet haben/ uñ auf die mitte des Rucken ruh ret/ nichts anders/ als einen Kam/ einen Schreibzeug/ und etliche Naßtuücher. Sie beſunnen ſich nicht/ daß die Capuciner noch einen kleinen Sack in dem Ermel bey den Achslen haben/ darein ſie auch etliche Nohtwendigkeiten ſtecken/ und weil er daſelbſten nicht beſucht worden/ blieben jh me a oder ſein Holtz eingemachte Reis bley/ welche ein Mittel waren/ daßbater Ephraim weniger verdeliſdig in ſeiner Verhaftung/ uñ ſchielend/ wie er hinein kame/ hingegen faſt ohne einige Mangel an dem Geſieht wiedrum herauß gienge. In er Inquiſition iſt die Gewonheit/ daß die Geangene taglich Morgens gefragt werden/ was le zu eſſen begehren/ un ſolches lieſſe man jhnen denſelben Tag zukommen. Der Maltheſer ſahe Laſt allein auf TDaback/ und begehrte deſſen Morgens zu Mittag/ und Abends/ welches die 8 tunden/ da man jhnen zu eſſen bringt. Dieſer wahlt ware bereits gantz geſchnitten und in weiß Papir/ eines viertel Blats groß/ eingewache dann in gang Levaur der Geſchmttene 5 Schnupftaback/ alle Materialien/ und an85 kleine Waar/ ſo einzuwicklen bequem in fauch apir gechan werden(welches des Ber6 ina Nutz der beides Papir und Waar mit 9 labern wigt. Daßer komt/ daß in Aſien ſehr del Papir verbraucht wird/ und iſt ſolches der to vencaler, die das jhre biß in Perſien ver2 icken groſte Handlung. Diſes melde ich nuß Mal P. Ephraims welcher dieſe Stuͤcklein dra Harihn dem Malcheſer der Taback gedh cht wurde feiſsig aufbehielte/ und darauf hiieb er inſeiner Gefangenschaft mit ſeinen Debate ewas Dm taglich u Sümkame lin 1 bas Mittel dadurch er des Mangels ies eſichts um viel entlediget worden; dan/ 8 derſelbe das erſte mal wieder vorkomEphebute ich faſt cht glauben daß es der P. qu ware/ welcher zuvor ſtarck ſchielete/ und nunf ſt m f f aſt nichts mehr an jhme deſſen geſehen Würde tree e meh 10. ende Wie die Camer/ da derſelbe eingeſchloſ5 118 fr ein gantzes Liecht nur allein ein . Theil.. 6 halbſchühiges/ vieꝛecketes/ mit eiſenen Stangen vermachtes Loch hatte/ und daſſelbe alſo beſchaffen/ daß wañ P. Ephraim ſchreiben wolte/ er allein auf der jenigen Seiten/ die ſeinem gewonlichenGeſicht entgegen ware/ eiecht hatte/ und hierdurch wurde ſein Geſicht zurecht gebracht/ ſo daß er auch noch einigen Nutzen von ſeiner Gefangenſchaft bekommen. Niemalen wolte man jhme ein Buch noch Liecht zukommen laſſen/ und ward er imm übrigen ſo ſtreng/ als ein Boͤßwicht/ der bereits zum andern mal in der Inquiſition geſeſſen/ mit einem Schwefel⸗Hembd/ und St. Andreas⸗Kreutz auf der Bruſt/ ſo die Malefieanten zum Tod begleitet/ und zum dritten mal in die Inguiltion geführt worden/ gehalten. Aber es kan dem P. Ephraim zu Ruhm geſagt werden/ daß/ ſo viel Gedult er in ſeiner Gefangenſchaft gehabt/ ſo viel Beſcheidenheit und Liebe derſelbe guch nach ſeiner Erledigung bezeugt/ und obwol jhme in der Inquiſition viel leids widerfahren/ hat er doch niemalen hernach uͤbels davon geredt/ noch weniger einige Klage hoͤren laſſen/ zu geſchweigen/ daß er in Sinn genommen/ deßwegen etwas zu ſchreiben/ welches/ wannes beſchehen/ der Welt ſicherlich viel an das Liecht gebracht haͤtte/ ſo dem jenigen/ von den Portugeſen Sanctiſſima Cala genennt/ nicht zum Ruhm gereichet waͤre. Zu deme/ wie zuvor vermeldt/ můſſen alle die/ ſo auß der Inquilition erlaſſen werden/ ſchweeren von allem deme/ was ſie geſehen und befragt worden/ nichts zu offenbahren/ demnach konten dieſelbigen ohne Ubertrettung jhres Eyds/ darvon nichts reden oder ſchreiben. Nachdem Pater Ephraim y. Tag zu Goa in dem Cloſter der ſo genannten Capuches um nach 1p. oder 20. Monatlicher Gefangenſchaft/ ſich zu erholen/ zugebracht; begabe er ſich wiederum auf den Weg nach Maclrespatan; und im durchreiſen zu Golconda legte er ſein Danckſagung bey dem Konig und Arabiſchem Furſten ſeinem Eidam ab/ daß dieſelben jhme die Freyheit zuwegen gebracht. Der Konig erſuchte denſelben aufs neue/ ganzlich zu Bagnagar zu bleiben/ weil er aber geſehen/ daß ſeine Begierde in ſein Cloſter zu Madrespatan wiederzukehren/ gerichtet/ lieſſe er jhn/ wie das erſte mal/ mit einem Ochſen/ Knechten zum Geleit neben Gelt/ verſehen. Das XVI. Capitel. Weg von Goa nach Masliparan, durch Cochin, in der Geſchicht der Eroberung von den. Hollaͤndern diſer Stadt beſchrieben. Achdem die Holland. Compagnie alles was die Portugeſen in der Inſul Ceyelan lieſſen/ weggenommen/ hatlen dieſelben ihr Absehen auf die Stadt Cochin, in deren Landſchaft der wilde Zimmet/ der zhnen in Vertrieb deſſen der Inſul Ceylan Schaden brachte/ wachſen thut. Dann wie die Kaufteut geſehen/ daß die Hollander ihren Zimmet ſo hoch hielten/ verſahen ſie ſich mit dem auß Cochin, den ſie ſehr wolfeil bekommen konten/ und als dieſer Zunmet in Ruf kame 5 wurde — 5 Reis beſchreibung in Indien/ wurde deſſelben nach Gomron verführt/ und allda den Kaufleuten auß Perſien/ Tartarey/ Moſcau/ Georgie, Mingrelie, und auß der Gegend des ſchwartzen Meers verkaufft. Die Kaufleut von Balſara, Bagdat; die Arabien verſahen/ von Meſopotamien/ Anatolien/ Conſtantinopel/ Romanien/ Hungern und Pohlt/ verführten auch groſſe Partheyen. In all den vermeldten Orten wird viel Zimet verbraucht/ da deſſen faſt in alle Speiſen/ entweder gantz/ oder geſtoſſen/ um den Geſchmack angenehmer zu machen/ gethan wird. Bey den Chriſten pflegt man den gekochten Ris/ ſonderlich in der Faſten/ dermaſſen mit geſtoſſenem Zimimet zu uͤberſtreuen/ daß ſolcher nicht geſehen werden kan/ und die Hungerer übertreffen hierin andere 8 Die Turcken und andere Aſiatiſche Volcker thun alsdann Zimmet in kleinen Stenglen in ihren ſo genanten Pilau. Das Kriegs⸗Heer/ welches von Batavia zu der Belagerung Cochin verſchicket wurde/ ſtiege auß an einem Ort/ Belli Porto genannt/ allda eine Schantz/ ſo die Hollander mit DatDie Hollän⸗ kel bäumen aufgeworffen. Iſt nahe bey Crander thaten auf die lich. gãanor eine kleine Stadt/ welche die Hollander ein 1 im vorhergangenen Jahr eingenommen hatte; Stadt Co- aber damalen der Stadt Cochin, auf die ſie chin, ſelbige zu erobern/ aber vergebzwar einen Verſuch gethan/ nicht Meiſter werherte ſie ſich der Stadt Cochin biß auf ein Ca non · Schuß/ und war zwiſchen dem Lager und derſelben ein kleiner Fluß. Der Ort/ da die Hollander ſich lagertẽ/ iſt Belle pine genaũt/ nach deme ſie ſich nach der Gelegenheit des Orts/ ſo gut muͤglich/ verſchantzt/ machten ſie etliche Battereyen/ welche aber der Stadt wenig Schaden bringen konten/ weilen ſie zu weit darvon entfernet waren. Jedoch blieben ſie in dieſem Poſten/ biß jhnen mehr Volck zukame; dann dieſe allein auß dreyen Schiffen/ unter Commando eines der tapfferſten Soldaten dieſer Zeit waren. Wenig Tag hernach erſchiene der Guberngtor von Amboine mit zweyen Schiffen/ uñ hernach bracht ein Hollaͤndiſcher Hauptmann/ eine Anzahl Chinglas, welches Volccker auß der Inſul ey lan ſeynd. Dann die Macht der Hollander in Indien ware nicht ſo ſtarck/ als ſie aber iſt/ wann dieſelben nicht den Landsleuten mit denen ſie jhre auß Europa kommende Voͤlcker verſtarcken thun/ ſich bedienten. Die auß der Inſul Cey lan ſeynd tüchtig in den Laufgraͤben/ aber zum Angriff kein nutz/ die von Amboine gute Soldaten/ deren 400. an der Zahl/ wurden zu Belle. pine gelaſſen; die gantze übrige Armee gieng wiedrum zu Schiff/ und jetzte Fuß nahend Cochin bey einer Kirchen St. Andree gewidmet/ allda die Portugeſen neben etlichen Malavares der Hollander ſtandhafft erwarteten; wie hen/ daß der Feind unerſchrocken außſchiffte/ gaben ſie einmal eur/ und ffohen darvon; aber weilen es allem auf die Boot⸗Schiffe loß gienge verlohren die Hollander wenig Bolck. n Compagnien Porkugeſen an dem Ufer des Meers/ und an der Weite auf dem Land bey eiden konten. Wie die Armee auf dem Land/ naiegeſedem Marſchieren ſahen dieſelben etliche ner Kirchen/ St. Johann genannt/ und u 11 kenetliche Reuter ſolche außzuſpahen aber die den Portugeſen flohen/ ſteckten die Kirche mit Feur den45 0 16 an/ und 1 Held den Holländern welche ſich der Stadt nahend/ erblickte ein Frantzoſiſcher Soldat/ Namens Chriſtoph /* der in ihren Dienſten war/ einen Korb an einem Bollwerck herab hangend/ und gienge hertzhafft/ died Nußqueten⸗Schuͤſſe nicht foͤrchtend/ hinein/ um zu ſehen/ was in dieſem Korb wire; aber er ward nicht wenig beſtürtzt/ als er ein ſchwaches Kind/ von ſeiner Mutter/ damit ſie daſſelbe nicht vor Hunger ſterben ſehen müſte/ dahin gethan/ darin gefunden; dann Cochin ware bereits eine geraume Zeit v den Hollaͤndern belagert/ und keine Lebenst 0 10 unh 1 0 Mitttel in die Stadt kommen. Der Soldat zu erbärmd bewegt/ nahme das Kind/ und gab demſelben zu eſſen von dem/ ſo er hatte; daruber der General erzuͤrnet/ ſagend/ daß der Soldat das Kind an ſeinem Ort hatte ſterben laſſen ſollen; beruffte den Kriegs⸗Rath/ und wolte/ daß derſelbe arquebuſtert würde/ welches ſehr unbarmhertzig; der Rath aber milderte die Urthel/ uñ verurtheilte jhn zur Wippe. Dienſelben Tag wurden von jeder Compagnie zehen Mann nach einem Hauß des Konigs von Cochin commandiert; aber ſie funden niemand/ dann im vorigen Jahr ſolches bereits gepluͤndert worden. Die Hollander machten damalen vier Koͤnige des Lands/ und 1600. Schwartze nieder/ und kam allein eine alte Konigin/ die ein gemeiner Soldat/ Namens VanRea, gefangen nahm/ mit dem Leben dar von. Der Obriſt des Volcks gabe dieſem Soldaten zu ſeiner Belohnung alſobald die. HauptmannStelle. Eine Compagnie wurde in dieſem Hauß gelaſſen; aber die Königin nur 6. Tage lang und demsamarin, pelcher der Machtigſte der geringen Königen dieſer Kuſten ware/ dein die Hollander/ wann er jhnen getreu ſeyn wur de/ und ſie die Stadt Cochin eroberten/ die Stadt Cranganor zu geben/ verſprochen, Fe Die Hollander nun beguntẽ ſich zuverſchal⸗ 0 10 tzen/ und Battereyen aufturichten/ und bediene der, ſich zu jhrer Beſchirmung der gegen einanden geſetzten Dattelbaumen/ die mit Erden aufhefuhrt; ſie machten eine Schantze bey der vorbemeldten Kirchen St. Johan/ ſo nahe am Meer der durch 500 mit einer Batterey von 4. Stucken/ uñ ein andere bey St. Thomas, da der Spittal di Verwundeten war/ uñ an der Krancken Spi tal ſtoſſete; über diß noch eine Battere y von) 1 Stücken und 2. Feurmoͤrſeln an eine Orc vere genafit. Bißweilẽ warffẽ ſie Feurkuge n bißweilen Steine hinein/ dieſe thalen den Be, lägerken groſſern Schaden als jene. Das ke. der Ort/ da die Hollander das meite Bock ei; lohren. Inſonderheit aufeinem kleine Fluß bn ſie eine Sruck mit von Grund außgefüllte Sacken/ um hinüber zu kommen/ machen wolle 45 weil dieſer Fluß vo der Spitze eines Bolle beſtrichen werden konte. Das Pfeffer⸗Haulß ein groſſes Magazin, von dein Meer une ben/ und damalen ware niemand darin. l als die Portugeſen geſehen/ daß der Sande 1 Erſtes Buch. lens kware einen Sturm zu them/ beſetzten ſie olches mit Volck/ neben zwey Stucken/ welever ces eine Urſach/ daß das Vorhaben der BruAlen cken vermitten bliebe/ und anderſt ent ſchloſſen kun. e bwurde. Fünf Wochen giengen herum/ ohne daß etwas namhaftes außgerichtet worden/ erblichen thaten die Hollander in der Nacht einen Sturm/ aber wurden mannlich abgelieben/ und verluhren auß Unvorſichtigkeit es Gubernators von Cranganor, der ſie anührte/ und damalen/ als der Angriff beſchahe/ kruncken ware/ viel Volck. Derſelbe ware auch under der Zahl der jenigen/ ſo die Portu. gefangen bekamen: Der Hollandiſche ene lieſſe alſobald die in dieſem Sturm uuc beacachliebene Soldaten zuruck in ein Schiff Moth en beruffen. Zwey Monat hernach entſchloſſe 3 lbe einen anderen Sturm/ eben an dem t/ da der jungſte Angriff beſchehen/ und damit an Volck kein Mangel ware/ wurden die nigen/ welche bey Belle· epine lagerten/ durch ein groſſes Kriegs⸗ Schiff abgeholet. Aber zum Unglück ſtieſſe daſſelbe auf einen SandBanck und zerſcheiterte/ alſo daß viel Volck 0 ö fetlohrenghenge. Die/ ſo ſchwimmen koͤnten/ damen bey Cochin ans and/ dann nirgend anderdwo moglich/ un waren ungefehr 10. Maß/ ſo wol Soldaten als Boots⸗Knecht/ und wurden von den Portugeſerngefangen genommen. Der General verzagte darum nicht zu ſturmen/ lieſſe alle Boots⸗Knecht außſteigen/ und die einen mit halben Spieſſen/ andere mit Hand⸗Granaten/ und etliche mit Dagen verſchen/ willens die folgende Nacht den Sturm zu geben. Weil aber ein Frantzöſtſcher Leuwut Namens 8. Martin vorbrachte/ daß/ 6 ann man zu Nachts ſtürmete/ die Gefahr zu geſorgen/ in der Finſtere in die Locher/ ſo die Delagerten auf der Schantz gegraben haben n bechlen/ zu fallen/ und daß bey Tag weniger und aten wurde deſſen Meinung gefolget/ folg oeſchobe der General die Sach auf den beenden Tag“ da derſelbe dang mit auge ( der Sonne ſeine Volcker in Ordnung ſteldn, ſtde and unn 6. Uhren von vier Sompagnien feen ane ungefehr 10. Mann ſcarer zu ſtürmen Wen daſangen lieſſe. Die Hollander verluhren in 8 5 bie Portugeſen/ die tapfer Wiederſtand Hall und 0e Soldaten, welche von den N andern auß Unwillen/ daß jhnen ſechs und Tegalber Monat⸗Sold/ wegen des Verluſts Lug en inbehalren worden/ ſo denſelben den Aber enahme den Holländern ferner zu dienen/ ſes baun gen zu Hülff bekamen; dann ohne dieha 50 8 die Stadt nicht zween Monat ſich fürge koͤnnen/ ind der jenige/ welcher dieſelbe Hricge beſchutzte/ ware ein Hollandiſcher they inn anmelter derregen von ſeiner Par0 zwüngarfangenes ſchlechte Tractement gealter Dun wurde/ zu dem Feind zu gehen. e 5 Holeander/ welche auf der Seit CaScha 5 Cochin konnmen/ und bereits einer Nacht mche bemachtiget blieben die gante ren die Jsewebr/ und den folgenden Tag waPedtrags⸗Artirul geſchloſſen/ und die I. Theil. 8 letſten Angriff viel Volck/ und noch Stadt uͤbergeben. Die Portugeſen karnen etliche Leichnam tod⸗ gebliebener Geiſtlichen ab⸗ dar ach zuholen/ die übrigen aber/ lieſſen die Hollander weiters be neben den jhrigen/ ſo tod waren/ durch die Chi⸗ ben. neſer in das Waſſer werffen/ und die Verwundeten in den Spittal fuhren/ und die/ welche ſich ergeben hatten/ giengen neben dem KriegsBaumeiſter bey Nacht zu Sehiff/ fuhren ſtill zwiſchen der Hollaͤndern Schiffe durch/ den jenigen/ von denen ſie angeredt wurden/ woher ſie kamen/ antworkend/ daß ſte von den Hollanderen Befehl hatten/ und ihnen anzeigen ſolten/ gute Wacht zu halten. Dieſer Liſt gelunge jhnen zimlich wol/ dann obſchon auß den Schiffen etliche Canon⸗Schuß auf dieſelben beſchehen/ fuhren ſie doch jmmer fort. Die Portugeſen/ vermoͤg der Eapitulation/ zogen auß Cochin, mit Gewehr/ Sack und Pack/ aber ſo bald ſie vor der Pforten/ allda die Hollaͤndiſchen Volcker in Schlachtordnung ſtunden/ muͤſten ſie das Gewehr vor dem General niederlegen/ außgenommen die Haubtleut/ denen jhre Daͤgen gelaſſen wurden. Der General hatte den Soldaten die Pluͤnderung der Stadt verſprochen/ aber wie er das Wort/ um Urſachen/ die er jhnen zu verſtehen gabe/ nicht halten koͤnte/ machte er denſelben auf 6. Monat Sold Hofnung/ welches wenig Tag hernach in 8. Roupies fur jeden beſtunde. Der Samarin begehrte dem General/ Kraft ſeines Verſprechens/ die Stadt Cranganor zu uͤbergeben/ die jhme auch gegeben wurde; aber zuvor lieſſe der General alle Schantzen einreiſſen/ und blieben allein die einfachen Mauren/ damit der Samarin nicht zufrieden ware. Der groͤſte Theil der jenigen/ die geſund ſich befunden/ wurden an einen gar geringen Koͤnig ſelbiger Kuſten/ Koͤnig von Porca genent/ verſchickt/ um mit demſelben zu tractieren/ und in dieſer Begebenheit erwieſe ſich der Hollandiſche General/ wie bald vermeldet werden ſolle/ unbarmhertzig un unmenſchlich; es waren bereits 4. Tag/ daß die Soldaten um Gelt nichts zu eſſen bekomen koͤnten/ welches zween veranlaſſet auf eine Kuhe zu greiffen und dieſelbe zu ſchlachten;der General/ dem ſolches wiſſend worden/ lieſſe den einen auf dem Platz aufknuͤpfen/ willens den andern arquebuſieren zu laſſen/ aber der Konig von Porca errettete jhme das Leben. N Wie der Verglich mit diſem Konig gemacht wane/ hielte der Holland. General ſeines uͤbrige Volcks Muſter ung/ ſo wol Boots knechten als Soldaten/ uñ beſtunde die Zal gufs ooo. Mañ ungefehr/ alle ubrigen ſind nider gemacht worden/ oder an Krankheit geſtorben. Wenig Tag Die Stadt Oananor ohhernach wurden erlich Compagnie befelcht/ die Stadt Cananor zu beldgeꝛn/ die aber ohne eini⸗ neigen zuruck komen/ lieſſe der General eine Crone mai e 8 oberet. chen/ um de neuen Konig von ochin gufzuſetze. Sintemal der andere vertrieb worden/ un den Ind der neus Konig von Cochin geTag/ welchen er zu dieſem End eꝛrwehd/ ſatzte er ſich an einen Ort einem Thron gleich/ unden an krönet. deme ein Malavare/ Montani genannt/ von 2. oder 3. Capitaink begleitet/ u deſſendzuſſen kniete/ um die Cron von ſeiner Hand zu empfahen/ 1 und Was ſich 805 9 a 1 8 Widerſtand gen Widerſtand ſich ergeben. Wie die Volcker fande 17 70 0. uktheilet 64 und die Beſitzngeines Königreichs/ welches gar nicht weit ſich erſtreckete/ nemlichen eine kleige Landſchafft um Cochin, einzunehmen; dieſer General von Holland abfahrend/ ware Koch auf ein Schif/ demnach war die Kronüg eines elenden Mala vare von eint Man/ der viel mehr mit einem Koch⸗Loͤffel als mit dem Degen umgangen/ ohne Zweiſſel Sehens wol werth. Aumterdeſſen kamen die Schiffe/ welche die von Cochin außgezogene Beſatzung nach Goa begleitet/ ſanit dem geraubten Gut wieder zuEinige Hol rück/ welehes wider die Artickel der Capitulalendedden ne tion, die lautete/ daß ſie nit Ober ind UnterArtickel der Gewehr/ Sack und Pack außziehen/ und nach Cophudation Goa, ohne daß jhnen etwas genommen wurde/ begleitet werden ſolten. Aber ſo bald ſie in der ee/ nahmen die Hollander dieſen arme veuten alles/ was ſie noch bey ſich hatten/ und durchſuchten ohne Anſehen beedes Mann und Weib/ derwegen dieſelbẽ mit dem Raub zuruck kehrtk. Wie der Hollandiſche General von Bakavia wieder zurlick kommen/ kehreten die noch Ubrigen in der Belagerung Cochin Geweſenen faſt jeder wiederum an ſeinen Ort/ und blieben allein ſo viel in der Stadt/ als zu Verwahrung derſelben vonnoͤthen. Es wurde von Batavia ein Gubernator dahin geſchickt/ welcher und laſſen die Soldaten zu Beveſtigung der Stadt zu Frbereſte“ arbeiten hart antriebe/ und ein Abſchmntt in der ben. Stadt/ von der Pforten St. Johann biß zur Kirchen St. Pauli auch des gantzen Quartiers/ Calivete Negele dann es zu viel Beſatzung erfordert hatte. Bald nach der Belagerung und Übergang der Stadt Cochin, waren die Lebens⸗Mittel daſelbſten in ſehr billichem Preiß/ aber das daurte kurtz; ſinkemalen der Gubernator alſobalden den Taback und andere Waaren verliehe/ und hatte demnach eine Perſon allein Gewalt darüber/ der nach ſeinem Belieben den Preiß ſtellete. Dieſer Gubernator war über die Soldaten ſehr ſtreng/ hielt dieſelben gleich als in einer. Gefaͤngenſchafft in der Stadt eingeſchloſſen/ und konten weder Wein noch Suri, welches ein Tranck von Dattelbaurnen herkommend/ noch Brantenwein trincken; Urſach/ weilen die Auflagen all zu hoch. Zu der Zeit/ da die Portugeſen Cochin hatten/ konte man mit ze ß. mehr als unter den Hollandern mit 10. f. außrichten/ dieweilen die Portugeſen die Stadt mit Auffagen nicht beſchwareten. Dieſer Gubernator ware alſo ſtreng/ daß er um einen ſehr geringen Fehler die Leute in die Inſul Ceylan an einen gewiſſen Ort/ da Ziegelſtein gemacht werden/ bißweilen für y. oder 6. Jahr/ auch offt für jhr Lebtag verwieſe. Aber gar offt/ wann ſolches an dieſem Ort beſchicht/ obwell, vol die Urthel nur allein erliche Jahr in ſich on ven Hält komt man doch memal wiedrum herauß. len Sur, In der Beſatung Cochin war ein Soldat 20 genaltt/ von Alx auß der Pro vintz, Rachepot genannt/ b n Cocin ſpelcher/ da derſelbe nur eine halbe viertel dane eld Stunde als der Wachtzedel abgeleſen/ zu 2 Sin lung ſpath kame! auf das hölzerne Pferd 3. Tage inner fang zu ſitzen verurteilt worden. Es iſt ſolches die gewohnliche/ aber ſehr ſtrenge Straff für Ein kurtzworden. Reisbeſchreibung in Indien/ die Fehler begehende Soldaten; dieſes Pferd iſt auf dem Ruͤcken alſo ſcharf/ daß mit dein Gewicht/ ſo dern Ubelthaͤter an die Fuß gehangt wird/ der ſelbe in 3. oder 4. Stund gantz verletzet und verwundet wird. Als der arme Proventzal vernommen/ daß er zu dieſer Folter verurtheilt wäre/ nicht nur für 3. Stund/ ſondern für z. Tag beſorgend/ er ĩnoͤchte gar erligen; an ſtatt in die Haupt wacht zu gehen/ verbarg er ſich in das Loſament eines Frantzoſen/ ſeines Freunds/ welcher erſt kurtz verheurathet war; die verheuratheten Soldaten gehen wochentlich 3. mal in jhren Loſamentern übernachten/ aber die ubrigen Nacht muͤſſen ſie in der Hauptwacht ligen. Wie nun der Gubelnator geſehen/ daß der Proventzal nicht erſchienen/ liß er die Trummel durch die gantz Stadt rühren/ und außruffen/ daß der jenige/ welcher denſelben offenbahren thate/ zu ſeiner Belohnung 100. Piaſtres hekommen; aber hingegen der/ welcher jhn verborgen halten und verſchweigen werde/ nit ihme hne einige Gnad nufgehanckt werden ſolte. Der Proventzal dieer Daune Nach icht bekonmende“ wolke ente, het fel Merch an ſeines Wirths Tod nicht ſchuldig ſeyn; und nachdem er Gelegenheit gefunden/ fünf oe 1 1 100 oder 6. ſeiner Geſpanen/ welche des Guberna⸗ du torn Strenge auch müde waren/ und nicht mehr langer eden konten/ abwendig zu machen/ flohen ſie die folgende Nacht mit einander/ und kamen/ weilen es ſehr finſter und Regenwetter war/ glürklich davon. Giengen zwar einer Schild wacht vorbey/ aber wurden nicht vermerckt/ ſintemalen die Finſtere und der Regen jhnen zur Beſchutzung diente/ und ſie waren entſchloſſen/ die Schildwacht/ wann dieſelbe geruffen hatte/ nieder zu machen. Als ſie die gantze Nacht durch gangen/ kamen ſie nahend Porca zu einem klein Fluß/ welcher zwar wann das Meer zulaufft/ groß und tief/ ſo daß dieſe armen Soldaten genothigt waren/ ſich biß auf die Unterhoſen zu entkleiden/ um ge4 ſchwind hinüber zu kommen/ in Forchten/ man mochte jhnen nachſetzen. Wie der Hunger 1. hube zu kommen/ da gedachten dieſelben er mit beſſerer Weil als zuvor an die Gefahr deß Todes/ in deren ſie ſteckten; dann nicht a ein verſtundẽ ſie des Lands Sprach nicht/ ſondern welches das argſte/ muſten ſie beſtandig dran, ſen blechen dan die Abgecterer welche delle gantze Spitze Indien bedecketen/ nut nicht bie Wand an ihren Hauſern/ befoͤrchtend/ ſie dann ſolche miederreiſſen müſte/ zuberuhreng ſtatteten. Der Aberglauben dieſer Leute ge, ſo weit/ daß ſie auch auſſerhalb dem Wieg an ander ſelbſten nit arrühren dörffen, Was e, gefehr dieselbe einander beruhrẽ/ muſſen aſſer bald ſich waͤſchen/ und dreymal in das Wa 3 tauchen; widrigen falls doͤrffen ſie weder el 5 noch trincken/ noch auch in jhr Hauß gehk. 95 Proventzal un deſſen Geſpanen begegne e ne Portügeſ. Jeſuiten, der befragte woher kamen/ und wurde von ihn Ahne Juto 0b wie alles hergangen/ berichtet. Mit Rac 1 war es übeler/ als mit dẽ andern all beſchaff 5 weilẽ derſelbe in dem letſtẽ Sturm vor Spe gu ill He glhuzteen bet . 1 5 17 f ſten/ Firlen Mußqücten⸗Schuß in den Schenckel bekommen/ und die Wunden/ ſo noeh nicht allerdings zugeheilet ware/ unterwegs wiedrum/ indem er verſaumt worden/ aufgangen; deßwiegen jhtne faſt unmuͤglich geweſen/ ohngedet erreukonmen der Pater Jeſuut konte emſelben nicht anderſt helffen/ als für jhn/ wie auf ein Blatt von einem Datteibaum/ in Malavariſcher Sprach beſchehen/ an den Konig Sodormes welchen die Holldnder auß ſelbigem e vor Eroberung Cochin vertrieben hatken/ zu ſchreiben. Rachepot ſamt ſeinen GeManen/ giengen den von dem Jeſliten vorgeſchriebenen Weg/ dieſen Konig zu begruſſen/ von dem er in Gegenwart eines Malavaren/ welcher der Portugeſiſchen Sprach erfahren/ teundlich aufgenommen ward. Der König befragte den Rachepot, ob er bey jhme bleiben wolte? Derſelbe antwortete/ daß er bereit wade jhme zu dienen/ ingleichem auch ſeine Geſpanen/ deren Haupt er gleichſam ſeye/ und daß ſie dücht von einander ſich trennen wolten. Der 0 befahle/ daß zu Heilung der Wunden deß Proventzalen kein Fleiß erſparet wurde/ glſobald ward demſelben eine Zubereitung von 85 50 und Schmaltz/ davon er Linderung bekam/ aufgelegt; der Konig lieſſe jhn taglich zwey oder drey mal fur ſich kommen/ jetzt ein Mußqueten loß zu ſchieſſen/ bald mit einem halben Spieß zu fechten/ und befragte denſelben mancherley von der Mamier deß Kriegs in Europa. Bißweilen bekame er Luſt ihne ſingen In laſſen; aber er konte ſolches nur betrübt thun/ weilen er ſehr ſchlechte Nahrung hatte/ ſintemalen der Konig ihm und ſeinen Geſpaneneme ſehr genaue Unterhaltung/ ſo kaum ge5 ware/ darauß Ris/ der darzu ſchwartz/ zu N duuffen verordnechatke Jedoch muſte er GeDiult haben/ beides biß er vollig geheilet und ekwas von der Malavariſchen Sprach erleree/ dann ohne ſolches hatten ſir ſchwerlich auf Aladrespatan durch das Land kommen konnen. Von Cochin biß an den Ort/ da ſie ſich anden hatten ſie groſſe Mühe durch Zeichen aan und anders zu verſtehen zu geben/ und in Jem groͤſten Hunger/ wurden jhnen von den Landleuten allein etliche Dattlen angebotten/ 8 eſches ſſe wenig ſättigen konte. Auf eine ihrer 0„Tagen lieſſe der König den Rachepot aud ſeine Geſpanen fürfordern/ und jedem dieſes Feſts auch zu gemeſſen/ vier Feigen die 5 0 enn feiner Gegentrart eſſen muten/ liefern. 1 05 e Malavares ſagten/ daß denſelben hiemit von dem König groſſe Ehrebewieſen worden een aber deen armen Leuten/ welchen für wie imerhaleung ein gar geringes berordnir Vie weren Baß Nis leber gewesen Die Volcker deſſelben Lands gehen gantz nackend“ 8 haben allein mit einem Leinwath die cham⸗Glieder bedeckt; und der Konig ſelb100 iſt hierinn einem ſelner geringſten Untergane gleich/ außgenommen/ daß er ein wenig ln einen Ohren tragt 10 headers in Zeit von 40. Tagen voler eilet/ entſehlofſe er ſich/ neben ſeinen Ge1 5 n zu ſuchen/ und machten ſich einstmals/ ohne einigen Abſchied von jemand nehmend/ ud acht davon/ nahmen jhren Weg gegen Sud⸗Oſt auf Madrespatan, dahin ihr Abſehen ware; es iſt unſchwer zuerachlen/ weilen dieſelben ohne Gelt/ und nir einige Wort der Lands⸗Sprach wuſten/ daß ſie auf dleſer jhrer Reiß viel Ungemachs erlitten. Erhielten ſich von dem Allmoſen/ und wann ſie in Doͤrffer kamen/ beſchahe offt/ daß etliche der Abgotter auß Forchten flohen/ weilen ſelbiger Bergen Volcker nicht gewohnt ſeynd/ weiſſe Leute zu ſehen. Andere/ welche nicht alſv erſchrocken/ kamen zu denſelben/ und gaben ihnen Ef ſen und Trincken/ und theils waren noch 5 freundlicher/ führten ſie indie Nachbarſchaffk/ um jhnen jhre Verwandte und Freunde zu zeigen. Wie ſie uͤber die Berge waren/ und in das ebene Land kamen/ giengen dieſelben durch das Holtz zween und ein halben Tag lang/ keinen einigen Menſchen antreffend/ und damalen verſahen ſie ſich des Todes/ und zum Uber⸗ Webb fluß jhres Elends/ wurden ſie von einer groſſen Anzahl Blutſaͤugern/ deren dieſe Holtzer gantz voll ſeynd/ angegriffen/ daß ſie nothwendig immer fort lauffen muſten/ um ſolehen mehr Zeit zu laſſen/ an jhre Schenckel und Bein ſich zu hangen/ da bißweilen ein Hauffen groſſer als ſeine Geſpanen werden auf ihrer Reje pon den Blut ſaugertz ſehr angeiffen, die Fauſt ſich ſamlet; derwegen dorfften ſie aa keinem Ort ſtill halten oder ruhen/ als wann ſie zu einem Bach kamen/ urn darein ſich zu kauchen/ und alſo in dem Waſſer die Blutſauger/ ſo an jhren Leib ſich gehangt/ herab zu ziehen/ alsdann aller Orten viel Blut herauß floſſe/ und dieſelben nicht wenig ſchwaͤchete/ und uͤber das funden ſie niemand/ der ihnen etwas zu eſſen gegeben hatte. Die Blutſauger deſſelben Landes ſeynd ſehr klein und dunn/ und gehen nicht in das Waſſer/ ſondern bleiben in dem Graß. Nachdeme dieſe arme Leute die erſte Tag⸗Neiſe biß zwo oder drey Stund in die Nacht in dem Holtz gangen/ kamen ſie zueinem kleinen Fluß/ in Mitten deſſen ein truckener Platz ware/ und daſelbſten hin begaben ſie ſich/ um die Nacht Über zu ruhen; ſintemalen an dieſem Ort/ ſo gantz im Waſſer lage/ die Blutſauger nicht zu foͤrchten waren. Den folgenden Tag giengen ſie jhres Wegs wiedrum fort;? aber von den Blut ſaugern gleich wie den vorgehenden Tag/ verfolgt; Abends ruheten ſie bey einem Baum/ allda ein von der Erden a. oder v. Schuh von Holtz erhoͤheter Ort ware ſo ſonder Zweiffel von jemand/ um vor dieſen Blutſaugern ſicher zu ſeyn/ aufgerichtet wordenz und dieſer erhoͤhete Ort/ dienete jhnen zum Lager der zweyten Nacht/ als dieſelben nun mit anbrechendem Tag weiter fortgiengen/ kamen ſie endlichen zu Mikegg zu einem Pagode oder Tempel/ allda viel Bramines oder BanianenPrie ſter waren/ welche Mitleiden habend/ſtein 5 ſo erbcxmlichem Zuſtand zu ſehen/ und zu vernehmen/ daß ſie in 3 Tagen nichts zu eſſen gefunden/ jhnen Ris/ Obs und mio Schmaltz zugerichtetes Kraut darſtelleten. Das aber beſchahe von ferne mit Deuten/ daß ſie zu jhnen ſich nicht nähern ſolten/ gleich wie in Europa gegen denen mit 5 Ahe, . 66 ten/ denen das Allmoſen auf ein in dem Weg gebreites Naßtuch/ von dem der Siehe entfernet/ geworffen wird/ der Gebrauch iſt. Wie ſie bey 3. Tagen ohngeeſſen zugebracht/ überluden ſie ſich auf einmal der maſſen mit Speiſe/ daß ſie alleſamt den folgenden Tag das Fieber beka eulledigt zu ſeyn/ hieſſe es hernach faſten; bann in Indien die Maſsigkeit das beſte Mittel wider allerlen Kranckheiten. Nachdem ſie nach Nothdurft ſich wieder erquickt/ wolten ſie die Reiſe fortſetzen; aber wie ihnen von den Braminen angezeigt wurde/ daß das Holt noch ſehr lang/ und daß ſie wegen der Blutſauger/ wann ſie keinen Ort funden/ wider dieſes Ungeziefer beſchirmt zu ſeyn/ in Gefahr des Lebens ſtunden/ und denſelben rahteten/ die Nacht uber noch dorten zu bleiben/ um Morgen in aller frühe ſich auf den Jeg zu begeben/ folgten ſie dieſem Rath. Dieſelbe Nacht fiele ein ſtarcker Regen; derowegen einer der Prieſtern Dieſen armen Soldaten winckete/ jhme in ſein Wie ſolches beſehehen/ Loſament zu folgen. wieſe er dieſelben in ein Loch/ welches under dem Hauß war/ ſie bittend/ ſolches nicht zu berühren/ und obſchon er jhnen zu eſſen brachle/ wolten ſie jedoch jhren Magen mit keiner Speiſe beladen/ auf daß das Hieber/ damit ſie angefochten/ nicht mehr überhand nehme. Wie es vollig Nacht ware/ giengen dieſe elende Leute auß dem Loch herauß auf eine Sommerlaube des Hauſes/ um beſſer zu ruhen/ damit dieſelben aber an dieſem Ort nicht ertapt wurden/ kehreten ſie mit anbrechendem Tag wiederum in das Loch; der Bramine Meiſter des h Hauſes führte ſie nochmalen zu den Pagode, und lieſſe jhnen daſelbſten Speiſe geben/ und die Beine mit einem gewiſſen Kraut/ deſſen Geruch den Blutſaugern zuwider/ reiben/ gabe auch einem jeden eines Eys groß Kalck/ in einem Tüchlein eingewickelt/ mit vermelden/ wann die Blutſauger an jhre Beine ſich hanben thäten/ nur mit dieſem Tuͤchlein ſolche zu erühren/ darvon ſelbige alſobald abfallen wurden; man und Feuer ein gleiche Wurckung; dann die Landleut/ durch die Ort/ da die Blutſauger ſich aufhalten/ gehend/ jederzeit ein brennender Lunte in der Hand tragen. Die Soldaten durch dieſes Mittel kamen beſſer fort/ und wurden nicht mehr wie zu vor von dieſen Blutſaugern geplagt. Erreichten das ebene Land gegen vier Uhren Nachmittag/ und begaben ſich zu einer Veſtung den Banianen zugehörig/ welche jhnen Gemuß zu eſſen/ und Molcken zu trincken gaben/ dann in ſelbigem Land wenig Waſſer weilen ſolches gar ungeſund/ getrun⸗ f. cken wird. Dieſe Leute wieſen jhnen den Weg nach Madreſpatan, ſo gut ſie koͤnten dann die Soldaten hatten von der rechten Straſſe geirret/ und waren zu weit gegen Suden gegangen. Gegen Oſten hatte kürtzt/ und waren durch ein Land mit Bergen/ von Chriſten St. Johannis/ von deren Religion in meiner Beſchreibung Perſten und Balſara Meldung beſchehen/ bewohnet/ komReis beſchreibung in Indien men/ und um deſſen wiederum hat die Erfahrung/ daß Saltz n ſie den Weg abgemen. Im Jahr 164g. haben die Chriſten beides in dieſen Bergen wohnend/ und die von Ballara, ein Geſandſchaft an den Koͤnigl. Stadt⸗ Jehan halter nach oa, um von demſelben/ die Frey⸗ inn gag heit/ in der Inſul Ceylan zuwohnen/ überſich treiben abgeſchiekt. Aber wie der Statthalter/ jhnen ſolches nicht anderſt als mit Beding verwilligte/ wann ſie ſich zur Roͤmiſch⸗Catholiſchen Religion bekennen/ ſo dieſelben aber mitten. Es wurde zwar von Goa ein Jeſuit Bekehrung zu verleiten; aber wie derſelbe 1 5 außrichten konte/ wendete er ſeinen Fleiß auf die 5 90 alſo wol erlehrnte/ daß man bey ſeiner Red vermeinte/ er ware in dem Land gebürtig. Von Zeit zu Zeit wurden von jhme etliche bekehrt/ und nach Goa verſchickt/ welches er bey den St. Johannis Chriſten/ die gar hals5 Abgoͤtterer/ deren Sprach er in kur* Geſeh 50% Chriltele Ut ſald nicht thun wollen/ bliebe dieſer Vorſchlag verzu 0 Chriſten abgeſandt/ um dieſelben zur ſtarrig auf jhrer Meinung verharreten/ niemalen zuwegen bringen koͤnnen/ und wie dieſer Jeſtuit bey 40. Jahren under dieſen Abgoͤttern ſich aufgehalten/ welche nicht zugeben/ daß weder hre Perſonnoch Hauſer berühret werden/ iſt unſchwar zu erachten/ daß er in dieſeꝛ Zeit viel erlitten/ und daß nicht wol ein herberes Leben ſeye als das ſeinige geweſen; dann er muſte in die Weiſe der Abgotterer ſich ſchicken/ welche nichts/ was das eben gehabt/ eſſen/ und wie er von einem Ort zum anderen gienge/ konte die Nahrung derſelben Landen/ jhme ſchwaͤrlich ſo viel Kraft geben/ ſeine groſſedRue außzuſtehen. 8 8 5 Rachepot und deſſen Gefährte hatten das Glück/ einsmals auf den Abend dieſem Pater 1 begegnen/ der war eines Theils erreuet dieſelbenz hen/ und nachdem ſie von 5 uſe jhme/ woher ſhre Aube befragt worden /erzehleten ſie demſelben alles/ was ſich in der Belagerung Cochin zugetragen/ wie jhnen von den Hollandern ſo unbarmhertziges Tractament widerfahren/ und viel erbarmlicht kete denſelben wieder nach Zoa zu ziehen/ allda ſie auf den Portugeſiſchen Schi Zufall auf ihꝛergfeiſe begegnet. Der Pater rah* 2 f 2. t nehmend/ die anderen Voͤlcker darauß zu ver⸗ 6e 0 10 ffen Dien? nehmend/ Gelegenheit finden konten/ wieder Europa zu komen. Aber weil er von ihnen vel ſtanden/ daß ſie ſich entſchloſſen hatten auf Madreſpatan ſich zu begeben/ gab er denselben eine ſchriftlche Verzeichnuß des Wegs edo konte er die Tagreiſen von Guinchy, 5 200 Stadtlein von den Mahometanern bewog, we net/ anderſt nicht als durch ſehlechte Dorfflei 0 ben nel olgenden Tag ermahnere er ſie/ einen N 41 f oder allein ſo zu melden Weylerſtellen. zu faſſen/ und verehrte jhnen 24. Maß Reiß, welches für funf oder ſochs Tag gemig was re. Als dieſelben zu Zumchi, ſo zwey 195 drey Tagreiſe von dem Ort/ da ſie den, 1 oder ter Jeſuten verlaſſen/ ankommen; funden 15 5 vier Portugeſen/ die von Cochin, wie 0 Vortrag die Stadt den Hollanderen 5 bergeben/ im Werck ware/ geflohen. ei 5 ſe vier Elende/ welche Mammelucken Wee 1 z% 175 1 15 Erſtes Buch. reitzeten die Neuankommenen an/ bey den Maometanern/ die jedem drey Pagodes mongtich anerbotten/ Dienſte zu nehmen. Die Noht/ indeme diefelben in dem aͤuſſerſten Elend 5 ſich befunden/ hatte ſie getrieben/ dieſes AnerDielen anzunehmen/ wann nicht zugleich jhnen ware zu verſtehen gegeben worden/ daß ſie ſich eſchneiden laſſen/ und jhren Glauben verlaugnen muſten; und auß Forcht/ ſie mochten wier ſhren Willen aufgehalten werden/ machken ſie ſich ſtillſchweigend darvon/ und ſetzten re Reiſe bis nach Madreſpatan, ſo zehen Fagreiſen von Guinchy, ohnerſchrocken fort. 9. res Leidens war noch viel in einer ſo langen eie/ indem ſie nur vom Allmoſen ſich erhalwas, den muten/ und allein ihr Anligen durch Zei 98 Hen zu verſtehen geben konten. Zu Madreaan batan wurden ſie von den Parribus Ephraim n and Zenon Frangzoöſfiſchen Capueinern/ treuRaule gertig aufgenommen/ und wie dieſelben von der Sonnen gantz ſchwartz und verbrant an em Leib waren/ ſchelte ſich/ nachdeme ſie füͤnff oder 6. Tag geruhet/ nit ohne groſſen Schmergen/ die gantze Haut von jhnen ab. Die Engellander waren ſo gutthatig jhnen Platz auf einem nach Europa zuruck fahrendem Schiff/ anzubieten: aber Rachepot, der ſich vorgenommen hatte/ wiederum zu Land nach Eukopa zu kehren/ lieſſe ſeine Geſellen fortfahren/ und bliebe annoch außzuruhen/ bey zween Monat zu Madreſpatan. In welcher Zeit durch Hulffund Mittel der Capuciner/ er über 100. Kronen/ ſamt drey Kleidern und nohtwendigem weiſſem Geraht/ erwurbe/ und ſolches mit klennen von Roßhaar ſehr ſauber von jhme gemachten Ringen/ darein Sprüche und Ziffern/ artig eingefochten waren; dieſe Ringe gefieen den Portugeſiſchen Meſtices, welche in jhem Land wenig ſonderbares zu ſehen bekomwen/ daß etliche jhme für einen Ring eine Dukaten bezahlten. 00 1 Wie Rachepot ſo viel Gelt/ wie gemeldt/ We a keamlet; begabe er ſich zu dand von Madredcledeen garten nach Surate, von dar nach Agra, und lll In dieſem Ort nach Dehly, alda ich wenig Wh 1 hernach/ in meiner letſten Reiſe in Indien ſahe note. Wie ich nun denſelben in Nohten te 1 nahme ich jhne in meine Dienſt/ und ſtreckmir die auch vor meiner Abreis“ Gelt vor ſo be emalen erſetzt worden. Von jhme haich alle Umſtaͤnde der jetzt erzehlten Reiſe/ nochomtnen; aber mir waren auch ſonſten de andere 1p. oder 20. Perſonen/ welche eben . en Weg von Goa nach Cochin und von 7 anten Ort nach Madreſpatan greiſet/ bei 5 5 Der Weg iſt zwar zimlich kurtz/ und ang an Mangel weder an Lebensmitteln noch denten Waſſern; aber ſonſten finden ſich auf Urn 5 en viel Beſchwerlichkeiten/ welches eine Dee Vas ſolcher ſehr wenig gebraucht wird. unver erfolgung von den Blutſaugern faſt genheiteedenlich iſt eine der groͤſten Ungeleianelken. Der groſſe Aberglauben der Bavern lanen di 7 l 1* ö Perſone die nicht geſtatten wollen/ weder ihre ſonen noch jhre Hauſer zu berühren/ iſt ſehr derd. och Ihre verdrießlich ja wann man auß jhren Teichen Waſſer ſchopffete/ wurden ſie ſolche alsbalden einreiſſen/ zerbrechen/ und deren ſich nimermehr bedienen; welches eine Urſach/ daß jederzeit eimge zhrer Prieſter dieſelben zu bewahren/ beſtellt ſeynd. —— Das XVII. Capitel. Der Weg zur See von Ormus nach Maslipatan.. En 11. May des 1652. Jahrs/ reiſe⸗ Deggutboꝛs te ich von Gomron nach Maslipa- Gift nn tan, und fuhre ab auf einem groſſen nach was Schiff des Konigs von Golconda, welches an. jahrlich in Perſien komt/ und mit feinem Leinwad und ſo genanten Chires oder gemahlten Tüchern/ die ſchoͤner/ auch im Preis hoher als die gedruckten ſeynd/ beladen. Die Hollaͤndiſche Compagney hat in Gewonheit/ die den Konigen und Fürſten in Indien gehoͤrige Schiffe/ mit einem Ober ⸗ und Under⸗Schiffund 2. oder 3. Buͤchſenmeiſtern/ ſintemalen weder die Indianer noch Perſianer in der Schiffarth erfahren/ zu verſehen. In dem Schiff da ich mich befande/ waren uber das noch 6. Hollaͤndiſche Boots⸗Knechte/ und 100. ohngefahr auß dem Land. Wir fuhren auß dem Perſiſchen Meerbuſen mit einem guten und ſanfften Wind/ kamen aber nicht weit/ da war das Meer ungeſtuͤm/ und entſtunde ein ſo heftiger Sud⸗Weſt⸗Wind/ wiewol für unſern Strich dienlich/ jedoch alſd ſtarckdaß wir allein noch einen kleinen Segel aufgeſpannet laſſen dorfften. Die folgenden Tage wurde der Wind viel ungeſtummer/ und tobete das Meer ſtaͤrcker/ alſo daß/ weil wir in dem 16. Grad/ ſo die Hohe Goa iſt/ uns befunden/ und der Regen/ Donner und Wetterleuchten den Sturm vermehrten/ konten wir uns keines andern mehr als eines MittelSegels/ darzu nur halb abgelaſſen/ bedienen/ und fuhren alſo in der Ungeſtuͤmme viel Tagelang. Bey den Inſuln Maldives fuhren wir vorbey/ ohne daß wir an Land komen konten/ und bekame unſer Schiff viel Waſſer. Dann daſſelbe bey J. Monat in wahrender groſſen Hitz/ auf der Reede von Gomron geſtanden/ und wann man in Heeg auſſerhalb dem Waſſer iſt/ nicht feiſſig begieſſen thut/ ſo gehen die Bretter von einander/ welches dann einelirſach/ daß/ wann das Schiff hernach beladen wird/ viel Waſſer hinein laufft. Die Hollander underlaſſen nicht jhre Schiffe Morgens und Abends mit Waſſer zu beſchüͤtten/ um ſolche zu erhalten/ ſintemalen ohne dieſe Vorſehung/ man in Gefahr ſtehen muß/ bey entſtehendem Sturm und Ungewitter/ zu grund zu gehen. Wir hatten in unſerem Schiff cy. Pferd/ welche der Konig in Perſien dem Konig von Golconda zu einer Verehrung ſchickte/ und ohngefehr 100. ſo wol Perſiſche als Armeniſche Kaufleute/ welche wegen ihrer Handlung in Indien ſchiffen wolten. Eines Tags 55 Nacht 0 4 5 . Lin ſolcher ungeſtürmner uberzwercher Wind/ 8 ff ware/ ſchickte er uns an den Ort/ da man auf daß aller Orten das Waſſer in unſer Schi lieffe/ und das argſte war noch/ daß unſere Pompen nichts nutz. Zu unſerm Glück hatte ein Kauffmann in dem Schiff zwo Ballen Preuſſiſch Leder/ welche er nach Indien führen wolte/ da man dieſer Hauten/ die kühl ſeynd/ um kleine Nuh⸗Bethlein/ daraufman des Tags ein paar Stund zu ſchlaffen pflegt/ zu bedecken/ ſich bedienet. Es waren in dem Schiff auch vier oder fünff Schuſter oder Sattler/ welche dieſe Haut zu nahen wuſtendieſelben nun thaten allen denen die im Schiff waren/ zumalen auch ihnen ſelbſten/ dann wir in nicht geringer Gefahr waren/ einen gröſſen Dienſt. Sie machten auß dieſen Hauten groſſe Eymer/ und brauchten vier Stuck zu einem/ hernach wurden in der Tenne fuͤnff groſſe Loͤcher an underſchiedlichen Orten gemacht/ durch welche dieſe Eymer himmder gelaſſen/ und von erlichen Sehiffeuten gefullet worden. Selbige hielten ohngefahr das Maaß einer Pipen/ und um ſolche herauf zuziehen/ ward ein groſſes Schiff⸗Seil von dem Haubt bis an ben fordern Maſt geſpannen/ und ſo viel Mollen/ als der Eymer waren/ daran gebunden. Fur jeden Eymer hatte man eine genugzu ziehen/ dergeſtalten erſchöpffeten wir das Schiff in einer oder ander halb Stunden Zeit. Denſelben Tag wie der Sturm ſo ſtarck war/ begabe ſich eine wunderliche Sach: Es ſielen Wunderliche Begebenheft. e e 1 darvon ſolcher von oben bis unden durchloͤdrey Donnerſtrahlen auf unſer Schiff. Der erſte auf den Maſt⸗Baum des Vordertheils/ chert wurde/ und fuhre der Stral der Teime eben guß dem Maſtbaum/ nach Lange des Schiffs/ drey Menſchen toͤdtend. Der andere Schlag fiele zwo Stund hernach/ und todete zween Mann auf der Tenne/ fuhre hernach von dem Vorder ⸗ in das Hindertheil des Schiffs. Der dritte kane bald darauf/ der Schiff⸗Patron/ Under⸗Schiffmeiſter/ und ich/ 5 waren an dem groſſen Maſt beyſamen; und als der Koch kame den Patron zu fragen/ ob er das Nachteſſen auftragen ſolte/ machte der Strahl dem Koch unden an dem Bauch ein kleines Loch/ und verbrante demſelben alles Haar/ wie/ wann man ein Schwein beſenckt/ ohne einigen andern Schaden. Aber wahr äiſts/ da man jhn mit Cocos-Oel auf dieſem empfunde ſtechende Schmertzen. Loͤchlein ſalben wolte/ ſchreyete er ſehr/ und Dien 24. Juni Morgens/ ſahen wir Land/ und wie wir zimlich nahe kommen/ erkanten wir/ daß unſer Schiff vor Ponte de Galle, bie erſte Stadt der Inſul Ceylan, ſo von den Holländern den Portugeſen abgenommen. Von dieſem Ort bis guf die Reede Maslipatan hatten wir zimlich feines Wetter/ und kamen daſel bſten den 2. Julü ein oder 2. Stund nach der Sonnen Aufgang/ an. Unſer SchiffPatron ſtiege alsbald auß/ um den Hollandiſchen Befehlhaber zu begrüſſen und als er demſel ben geſagt/ daß ich neben Heren Louis du Jardin, von deme in meiner Beſchreibung von Reisbeſchtelbung in udien wir uns zu demſelben zu reiſen; und fo Perſien Meldung beſchchen/ in dem Schiff zuſteigen pfiegt/(dann von da bis in der Hole laͤnder Loſament/ eine groͤſſe halbe Meil iſt) zwey Pferd entgegen. Der Hollandiſche Befehlhaber und die Kaufleute einpfengen uns ſehr höflich/ lieſſen zwo Kammern zubereiten/ und nohtigten uns bey ihnen zu bleiben/ welches wir aber nur für dieſelbe Nacht annahmen. Den folgenden Tag/ lehrten wir ein/ bey Heren kercules einem Schweden von Nation/ der in Hollaͤndiſchen Dienſten ware/ und weilen er verheurahtet/ ein ſonderbare Behauſung hatte. Um viel Mühe und Sorg überhoben zu ſeyn/ begaben wir uns bey demſelben in die Koſt; der Hollaͤndiſche Befehlhaber lieſſe uns oft bitten mit jhme in ſeinem Loſament zu ſpeiſen/ und waͤre demſelben lieb geweſen/ daß wir daſelbſten geblieben. Wir waten/ ſo die Hollander eine halbe Meil von deß Stadt haben/ uns zu beluſtigen/ und weilen drey von denſelben verheurahtet/ waren deren Weiber gemeinlich unſere Ergetzlichkeit.- Wir beſchenckten ſie hinwieder mit mancherley Art ſchoͤnen Obs und gutem Wein/ ſo wir au 6 den g 10 a Perſien gebracht/ und Herꝛ du Jardin, der eis 4 ſame Anzahl Leute beſtellt/ um dieſelben herauf guter Tantzer und Lauteniſt ware/ trachtet W ſeinem Ort jhnen einen Luſt zu machen. Die Engliſchen waren auch unſere Freunde/ und tractierten uns zwey oder dreymal/ ſo gut ſit konten/ bey denen jederzeit nach dem Mahl die Gaucklerin/ an denen es in ſelbigem Land kein Mangel hat/ jhre Kurtzweil ſehen lieſſeln Den 18. und 19. Juni/ kaufften wir ein Pallekis, drey Pferd und ſechs Ochſen/ unn uns/ und unſere Knechte und Bagage zu tragen Wir waren entſchloſſen/ gerad nach Golcon da zu reiſen/ den König zu beſuchen/ und dem ſelben die Perlen ſo wir hatten/ deren die gering ſte 34. und die groͤſte zy. Carat im Gewicht g? halten/ und andere Kleinodien/ deren der gro⸗ 5 ſte Theil in Schmaragden beſtanden/ zu veikauſſen zu trachten. Als aber die Holländeuns zu verſtehen geben/ daß wir eine vergeble che Reiſe thun wurden/ weilen der Könng nichts ſonderbares und köſtliches zu kaufen pflegt es ſehe dann zuvor von airgirole oe fein Kriegs⸗Heer führte“ und der oberſt Mun ſter ſeines Hofs ware/ beſehen worden; Un. wie derſelbe in der Belagerung e 15 der Landſchafft Carnarica ware/ 11117 ber Weg welchen wir dahin genommen haben eine Stadt und Veſtung er Weg von Maslipatan nach Candle,, und Ber der Aurhor mit Mirgimola, der ib Heer des Koͤnigs von Golconde ſchafft Carnatica, 7 dlet/ d i Obriſter war/ gehan auch den ren zwey oder dreymal mit jhme in einem Ga 55 Erſtes den Elepßanten weitlaͤuffige Meldung beſchicht. 5 8 F On Maslipatan verreiſeten wir den 0 20. Juni um 5. Uhr Abends/ und uͤbernachteten nur in der Hollander Garten/ welcher wie droben gemeldt/ nur eine Halbe Meil von der Stadt entlegen. Wir wunden von den Vornehmſten derſelben begleidet/ und machten uns mit jhnen ein guten Theil er Nacht luſt ig. 5 Den folgenden Tag als den 21. nachdeme wir von den Hollandern Abſchied genommen/ dienge unſere Reis allein drey Meilen weit/ 5 abemächteten in einem Dorff Nalmol ge0 Den 22. in einem andern Dorff Wouhir, 10 6. Meil/ ehe man dahin komt/ mußman auf einem Floß über ein Fluß fahren. kan Den 23. nach einer ſechsſtundigen Reis/ a amen wir in das Nachtlager nach Patemer, welches nur ein ſchlechtes Dorff/ alda wir weben des Regenwetters den 24.25. und 26. bleien muſten. 0 9 dan, Den 27 konten wir wagen des Waſſers * darvon die Straſſen aller Orten voll/ nicht t„ Werden erreichten einen groſſen Flecken Bezouart geN nennt/ muſten auch daſelbſten bis den 31. verharren/ weil der Fluß/ daruber wir zu fahren atten/ von dem Regen alſo angeloffen/ daß das Schiff wegen Strengigkeit des Waſſers nicht hinziber kommen konte/ und haben dieſe Leute auch die Wiſſenſchafft nicht/ ein Seil ber das Waſſer zu ſpannen/ daran die Schifbe hallen werden. Und zu deme erforderte fie dei bis die Pferd welche der Konig in Perund dem Kong von Golconda uber ſchickte/ nb denen wir den Vorzug laſſen muſten/ hinubertwaren; derſelben befanden ſich annoch o. imd auf der See verdorben. Nab Sie wurden zu Airgimola, welches der al 8 oder Groß⸗Vezier/ geführet/ weilen 1 che enge ſo er nicht geſehen/ oder hme wald bra gefallen thut/ nicht für den Konig ge0 ken Swud/ dann derselbe nichtskaufſt guch 8. 9 ol Weaehrung annimt/ als mit Raht und Je dehwwiſſen dieſes oberſten Miniſters/ welcher 8 fol g den erſten Augenschein einnehmen. Wa Glach die uns bewogen den Nabab zu Ganaut Inder Zeit unſers Aufenthalts zu Bezou. dere engen wir viel Pagodes oder Tempel/ N dergt das Land voll/ und mehr als irgend ana 50 1 in Indien/ weilen guſſert den Verdane sen kur der Orten und derselben Haußgenoſ0 05 alte Nahometaner ſeynd/ alles Volck abate dene d zu beſchen. Der bagode des Fleend ben fe owarr iſt ſchr groß/ und mit Mau und ſaſdeſchloſen Man ſthet alda zwey 8 ches, Saulen/ ohngefahr zwaltzig mitder Loch die tragen die Qugderſtein dale mit uhren han ebẽ bedekt. Welche SaͤuGeſtaltz ken ihrer Geiſter/ und viel Thiere dormehr als anderhalb Meil weit kommen/ und und diß ware/ wie droben angedeut/ die obenen Bildern/ die abſcheuliche ſtellen/ gezieret. Von dieſen Bildern der Geiſter/ ſeynd die vier Horner/ andere viel Fuſſe und Schwantze haben/ andere ſo die Zunge gußſtrecken/ und mancherley wunderliche Gebenden zeigen. Und dergleichen Bildnuſſen ſeynd in die Steine der Buhne/ ſo den Tempel oder Pagode hedecken/ eingehauen/ und zwiſchen den Saulen Bilder ihrer Gotter/ jedes auf einem Fuß zum Fundament/ erhoben. Der Pagode iſt in Mitten eines groſſen Hoffs langer/ als breit/ und der Hof mit Mauren umgeben/ welche auch innen und auſſen mit Bildern/ gleich wie der Tempel/ verſehen. Und inwendig rings um die Mauren/ ein Gang mit v6. Saulen underſtutzt/ auf Form eines Kloſters. In dieſem Hof iſt der Eingang durch ein groß Portal/ uber welchem zwey groſſe Locher übereinandern ſeynd/ deren das erſte von zwoͤlff/ und das andere von 8. Saulen underſtutzt. Unden an den Saulen des Tempels/ werden alte Indianiſche Schrifften geſehen/ welche dieſer Abgotterer Prieſter/ ſchwerlich zu erklaren wiſſen. Wir beſahen ein Bagode oder Tempel/ auf einer Hohe gebauet/ dahin eine Stiege von 103. Treppen/ jede ein Schuh hoch. Der Tempel iſt vierecket mit einem Dom; und um die Maur ſeynd erhobene Bilder/ gleich wie an deren des Tempels zu Bezouart. In der Mitte iſt ein Bild mit kreutzenden Beinen/ nach Landes Gebrauch ſitzend/ und hat in dieſer Poſtur ohngefahr vier Schuh Hohe. Sein Haubt iſt mit einer dreyfachen Krone/ von deren vier Horner herauß gehen/ bedeckt/ und das Gef⸗ ſicht gegen Aufgang richtend/ einem Menſchen gleich. Die Pilgram/ welche zu dieſem Tempel/ jhre Andacht zu bezeugen/ kommen/ gehen mit zuſamen geſchloſſenen/ und gegen der Stirne haltenden Handen hinein/ hernach zu dem Bild/ daſſelbe ruttlend/ und vielmal Ram, Der Abgßt, Ram, das iſt/ Gott/ Gott/ anruffend/ ſich na⸗ Menund des hen. Wann ſolches beſchehen/ leuten ſie drey⸗ fer ſo ſe mal eine an dem Bild ſelbſten hangende Glo⸗ Siege cke/ nachdeme ſie daſſelbe zuvor an underſchied⸗ hun. lichen Orten des Angeſichts und Leibes/ mit etlichen Far ben beſudiet haben. Etliche bringen Gütterlein voll Oel/ ſalben damit das Bild/ und bringen demſelben Opfer von Zucker/ Oel/ und anders ſo gut zu eſſen iſt/ die Reichen thun Gelt darbey. Dieſer Tempel wird von 68. Prieſtern/ welche ſalnt jhren Weibern und Kindern von den Opfern/ die dem Bilde gebracht werden/ ſich ernehren/ bedient. Damit aber die Pilgram in dem Glauben ſeyen daß ihr Gott ſolche Opfer wegnehme/ laſſens die Prieſter zween Tage darvor ſtehen/ und den dritten Tag Abends/ thun ſie ſich deren bedienen. Ein Pilgram zu dem Tempel komend/ um von einer Kranckheit oder Wehe heil zu werden/ pflegt nach ſeinem Vermoͤgen in Gold/ Silber/ oder Kup fer/ die Geſtalt des Glieds/ da den Schade oder Schmertzen/ mitzubringen/ und ſeinen Gott zu verehren/ und wann ſolches geſchehen/ zu ſingen/ desgleichen auch all andere/ nach gelieffertem Opfer/ thun. Vor der fe Der Abödt Ein Weib ſo hren Mann verlohren/ uüchet Raht ey ihrem Gbttzenhild/ ut jhre Kinder ernehren olle. 2 des Pagode der Tempels iſt ein ebenes Dach/ von 16. E qulen getragen/ und gegen deme uber ein auders auf vier Saulen/ alda fur die Prieſter gekocht wird. Gegen Mitlag/ iſt in dem Berg ein groſſer ebener Platz/ gleich einer Altane eingehauen/ da man under vielen ſchonen Baͤumen in dem Schatten ſeyn kan/ und auch ein ſehr ſchoͤner Schopff⸗Brunnen/ zu ſehen. Die Pilgram kommen von ferne dahin/ und wann under ihnen ſich Arme befinden/ werden diefelben auß dem Allmoſen der Reichen/ welche jhre Andachten zu verrichten/ an dieſen Ort kommen/ erhalten. Das groſſe Feſt 1 oder Tempels/ iſt in dem ris, quf welche Zeit dort hin ein Monat Octo mercklicher Zulauff von den Volck. Wie wir uns daſelbſten befunden/ ware ein Weib drey Tage heſtaändig in dem Tempel/ inſtandig von dem Bild Raht begehrend/ weil ſie jhren Mann verloren/ wie ſie ſich und jhre Kinder zu erziehen/ und zu ernehren/ verhalten ſolte. Als ich einen der Prieſtern befragte/ warum dieſes Weib noch keine Antwort bekommen/ oder bb ſie ſolches noch erlangen wer* de? ſagte er mir/ daß ſelbige das Belieben jhres Gottes erwarten miſte/ welcher jhro alsdann auf ihr Begaren mit einer Antwort begegnen wurde. Ich vermerckte alsbald/ daß ein Betrug dahinder ſteckte/ und ſolchen zu entdecken/ entſchloſſe ich mich in den Tempel zu gehen/ um ſo viel eher/ weilen alle Prieſter abweſend/ und zum Eſſen gangen/ und allein einer vor der Pforten ware/ welchen ich ſchickte WVaſſer von einem Brunnen/ zween oder drey Mußqueten⸗Schüß weit entlegen/ zu holen. In dieſer Zeit gienge ich in den Tempel/ da die Frau/ mich erblickend/ ſchreyte ſie noch ſtarcker dann weil der Tempel kein Liecht/ als was von der Thür herkame/ hatte/ war es ſehr finſter darinn; alſo daß ich gleichſam greifen muſte/ was hinder dem Bild vorgienge/ ich nahme ein Loch ſo groß daß ein Mann hinein kommen konte/ in acht/ da ohne Zweiffel der Prieſter ſich verbarge/ und an ſtatt des Bildes redte. So geſchwind konte ich nicht ſeyn/ daß der Prieſter/ dene ich um Waſſer geſchickt/ mich nicht annoch in dem Tempel erwiſcht; der ſelbe fuhre mich mit Scheltworten an/ daß ich alſo jhren Tempel entweyhete; aber wir wurden bald wiedrum Freunde/ durch Mittel 2. Roupies, damit ich ſhme die Hand fuͤllete/ und barauf preſentierte er mir den Betle. Den z. reiſeten wir von Beꝛouart ab/ und fuhren über den Fluß/ ſo eben der jenige/ der nach dem Bergwerck Gani oder Conlour, ſeinen Lauff nimt/ derſelbe ware damalen wegen des von acht oder neun Tagen waͤhrenden Negenwetters/ einer halben Meilen breit. Als wir überhalb dem Waſſer drey Meilen gereiſet/ kamen wir 171 5 Goͤtzen/ 4. oder. Schuh hoch/ alle ſehr ungeſtallt/ eirs viel Kopfe/ ein anders viel Arm und Bein/ Reisbeſchreibung in Indien/ Dult! kan zu einem Pagode oder Tempel, auf einer Hohe gebaut/ da man wm. oder 20. Deppen hinauf gehet. Indeine wird das Bild einer Kuh, von ſehr ſchrdartzemMar⸗ Y mor/ neben viel anderen Bildern oder ein anders wiedr um viel Horner habend/ geſe⸗ e hen; die ſcheutzlichſten werden am meiſten an⸗ e gebetten/ und mit Opfern verehrt. Ein Viel⸗ del e kil⸗Meil von diesem Tempel“ iſt ein groſſes deu Dorff. Denſelben Tag reiſeten wir noch 3. aul Meil bis in ein ander Dorff Kahr Kali genent! werden, da wir übernachteten/ nahend demſelben iſtem Pagode oder Tempel/ darinn 5. oder 6. Bilder von Marmor zimlich wol gemacht/ geſehen werden. 11 5 g 8 8 75 Conde Den. Augſt/ nach ſiebenſtündiger Reiſe we h erreichten wir Conde vir tine groſſe Stadt/ mit wol 1 doppelten Hraben/ obenbreiter als unden gantz een mit Quaderſteinen aufgefuͤhrt. Man komt 1 dahin durch einen Weg nit ſtarcken Mauren beederſeits beſchloſſen/ und von einem Ort zum andern ſeynd etliche Thurne/ doch von geringer Gegenwehr. Gegen Aufgang ſtoſſet dieſe Stadt an einen Berg/ welcher ohngefahr eine Meil im Umkreiß hat/ und oben mit ſtarcken Mauren umgeben/ von o. in yo. Schrit ohngefahr/ it wie ein halber Mond aufgeworf fen/ und im Einſchluß der Mauren drey VeW aber nicht underhalten werden. Dien 2 reiſeten wir nur 6. Meil/ und kamen in das Nachtlager in ein Dorff Copenour Den z. nach achtmeiliger Reiſe nach aden quige ein zimlich gutes Dorff/ alda ein groſſer Pagode oder Tempel mit vielen Kammern/ welche fur die Prieſter der Zanianen gemacht worden; aber heut zu Tag iſt alles zerſtoͤret. In dem Tempel ſeynd noch etliche Bilder ubrig/ aber alle verderbt; nichts deſtowenigenk werden ſie von dieſen elendendeuten angebettet. Den 4. kamen wir auch d. Meilen weit/ in das Dorff Noſdrepar zu übernachten. Eine halbe Meil herwarke/ ſt ein groſſer Fluß; aber damalen mit wenig Waſſer/ weil das Regen wetter noch nicht konunen ware/ verſehen. Den nachdeme wir auch 8. Meil Hoff ſet/ erreichten wir zu uͤbernachten/ das orff Conde court 5. Den 6. nachdeme wir 7. Stund zuge bracht/ in einem Dorff Dakije genant. Den v. kamen wir nach dreymeiliger Reiſe ineine Stadt Nelour genant/ alda viel Pa· godes oder Tempel/ und nachdeme eine Viertel⸗Meil weiter/ einen Fluß überfahren/ reiſeten 11 6. Meil bis in ein Dorff genennt an. Den 8. übernachteten wir zu Serepele⸗ bo ein kleines Dorff 8. Stund von Gandaron. 1 Den 9. thaten wir 9. Meil/ und kamen zu 00 6% N a f lol 75 oder 1. ond ubernachten in einem zirnlich guten Dorffk 5 ter genant.. a. Den 10. reiſeten wir u. Stund/ un ren übernachtet zu Senepgond ein ander g Den ꝛr. kamen wir nicht weiter ale d Ae cat, ſo fur vier Meil von Senepgond u, von dieſen 4. Meilen ritten wir mehr als 9* 0 eil in dem Mer/ da das Waſſer oft un ar Pferden bis an den Sattel reichte es i dreh 60 ein anderer Weg/ aber zwey 1 den re“ Meilen langer. Pelicat eine Veſtu 95 ole, 0 a 10 aku al0 de, Holländern/ welche nach langs er Conomandel wohnen/ zuſtandig/ daſelbſten a und Ob. e. 9 5 15 e e ihr Contor haben/ und reſidiert der Obrie aler der jenigen jhrer Nation/ die im Land es Konigs von Golconda ſich befinden. Es end aldort gemeinlich 200. Soldaten in Beſatzung/ auſſert vielen Kaufleuten/ die um Jher Handlung willen/ ſich da aufhalten/ und anderen/ welche nachdem ſelbige der Compadme die verſprochene Zeit gedient/ ſich dahin gebetet haben. Es waren auch daſelbſten viel Landleut/ die nach und nach des Orts gewohet/ alſo daß Palicat heut zu Tag einer kleinen Stadt gleich. Zwiſchen der Stadt und Veung iſt ein groſſer Platz gelaſſen/ damit diefile von der Stadt nicht belaͤſtiget werden onne. Die Bollwerck ſeynd mit guten Studen beser, und ſtoſſet das Meer hinan; aber cot kein Hafen/ ſondern nur ein Strand daa filbſten. Wir blieben in der Stadt den folgenden Tag bis an den Abend/ und wolte der Abernator nicht geſtatten/ daß wir anderswo als an ſeiner Tafel ſpeiſeten. Damalen wakes Her? Pite von Bremen/ von welchem wwir alle Hoffſchkeit genoſſen/ und lieſſe uns 5 drittenmal auf den Mauren der Veſtung/ ud Manier/ wann die Inwohner von Palicat da 0 Inwohner von balicat das e Waffer ſo ſie trincken/ ſchopffen/ it merekwurdun g: Wann das Meer abgeloffen/ gehen ſie uf den Sand dem Meer nahend/ ſo viel muglch./ machen daſelbſten Locher/ und finden ſſeg Waſſer/ ſo vortreflich gut zu trincken. 58 Den 12. mit der Sonnen Aufgang/ reiſe1 de wi von Palicat ab/ und kamen den folgenun Tag um 10, Uhr Vormittag zu Madre daran, ſonſten die Veſtung St. Georg gedent, welche den Engellandern zuſtandig/ und on ich anderswo Meldung gethan/ an/ und en en ein/ in dem Capuciner⸗Kloſter/ alda bauen der Pater Ephraim von Nevers, und böhe Tenon von 7 von denen auch in ö ich ergehenden Capiteln Meldung beſchehen/ befunden. 5 Fpadenr 4. beſuchten wir in der Veſtung den N Weolſczen prudenren und ſpeiſeten mit jhr fatdin n f. Morgens/ begabe ſich Her? du robe heben mir/ nach St. Thome: ſo wir Man angedeut/ nur eine gute halbe Meil von g en gedatan. Wir beſuchten gleich anfangs fei ubernatorn/ der uns mit aller HoͤflichDeu cpfienge/ und bey der Mahlzeit behielte. Augu zaehmittag wurde in Beſchauung der . er e und Jeſuuter Kirchen zugebracht/ halte 1 ſten iſt ein Speer/ ſo für den jenigen geworden ird damit St. Thomas gemartert f e ir besuchten auch erlche Porkugeum Abelche uns ſehr freundlich aufnahmen. nge bend dach Madre in der Kühle/ kehrten wir wiedrum ſpatan. N wir bear g, Thom und die Portugeſen/ die Fance H wiel Verehrungen; als Wü Fit chſen⸗Zungen/ geräucherte „Erstes Buch. ſehr breit ſeynd/ herum ſpatzieren. Die tor 0 8 ter iberſchickten uns der GubernaWaſſer⸗Melonen/ und andelüchte des e Deren/ ſo dieſe Preſen brachten/ waren 9 oder 10. an der Zahl/ und weilen wir bey den Capucinern eingekehrt/ haben ſte veſt geglaubt/ Herꝛ du Jardin ware re Früchte des Lands. ein Biſchoff/ der ſich nicht zu erkennen geben wolte/ alſo verkleidet das Land zu beſehen/ reiſete. Und was ſie in ſolcher Meinung ſtaͤrckte/ war/ daß jhnen bewuſt/ daß der Gubernator von Palicat, uns groſſe Ehre erwieſen/ und der Gubernator von Madreſpatan nicht wen ger thate. Mehr als 6. Monat nach unſerem Abſchied/ konte man auch jhnen dieſe Meinung nicht benehmen/ alſo tieff war ſolche bey jhnen 2 eingewurtzelt. Den 17. und 18. waren wir abermalen beo dem Engliſchen Preſidenten zu Mittag/ und brachten die Zeit zu mit allen nur erdencklichen Ergetzlichkeiten/ um den Leib und das Gemüt/ nachdeme wir von einer ſehr muͤheſamen Reiſe ermudet und abgemattet/ zu erquicken. Den 9. beſüchten wir etliche Chriſten des Landes/ welche zu Madreſpatan ſich geſetzet/ und zimlich wol befinden. Dieſelben empfiengen uns ſehr freundlich/ und vernahmen wir/ daß ſie gegen den P. Capucinern ſehr freygebig VVßH'V 2 Den 26. Überſchickten ſie uns auch Verehrungen von den Früchten des Lands. Den ar. nahmen wir von dem Engliſchen Preſidenten/ und den vornehmſten der Nation/ die uns ſo herꝛlich begabet/ abſchied. Den 22. Morgens/ reiſeten wir ab von Madreſpatan; und nach E. meiliger Reiſe kamen wir in ein groß Dorff Serravaro genennt. Den 23. nach Oudecot, ſo 7. Meil/ den gantzen Tag reiſet man in ebenem Land ein wenig ſandig. Zu beyden Seiten ſeynd nur Geholtz/ von ſo genanntem Bambouc, welches Holtz in Form hoher Meer⸗Rohren/ theils in der Hohe unſrer hoͤchſten Baumen in Walden. Es ſeynd dieſer Walden theils alſo dick von dieſen Bambou in einandern/ daß unmuglich hinein zukommen/ und werden eine groſſe Anzahl Affen daſelbſten geſehen. Die welche einer ſeits ſich aufhalten/ haben wider die andern gegen über ein ſolche aue daß keiner von einer Seit zu der andern/ ohne Gefahr auf der Statte erwürgt zu werden/ ſich wagen darff. Als wir zu Palicat waren/ ſagte uns der Gubernator/ daß wann wir durch dieſe Hoͤltzer reiſen wurden/ den Luſt/ wit er gehabt/ haben ſolten/ zu ſehen wie dieſe Affen mit einandern ſich ſchlagen/ und das wird folgen7 4 bf 2 a. geneinanderder maſſen angeſtellet. In ſelbigem ganzen Land ſeynd die Sraſſen nach jeder Meil wegs/ mit Thüren und Schrancken/ da gute Wachten gehalten/ und die Durchreiſenden/ woher ſie kommen/ und wohin zu reiſen willens/ genau befragt werden beſchloſſen/ alſo daß ein Reiſender ohne Gefahr und in Sicherheit Gelt auf den Handen tragen kan. 6 dieſen Orten finder man Reiß zu verkaufen alſo die jenigen/ welche den Luſt der Schlacht iwiſchen den Affen zi ſehen begehren/ laſſen p. oder 6. Körblein mit Reiß/ ohngefahr 40. in 70. Schrit weit von einandern/ in den Weg 55 „An allen und wie ſelbige an einander zu heBell. Courva Pagode lich beruͤhmt. 72 zen/ und bey josdem g. oder 6. Stecken zween Schuh lang/ und eines Daumens dick/ legen. Wann nu die Körbe alſo geſtellt/ und entdeckt/ gehet man abſeits/ und ſo bald kommen die Affen von den Bambouc herunder/ auf dieſe Korblein zugehend. Bey einer halben Stund ſtehen ſie gegen ein ander die Zahn zu blecken/ ehe ſie ſich vollig den Koͤrblein nahen/ Jetzt gehen ſie fort/ bald wiedrum zuruck/ ein jeder vor dem Angriff ſich foͤrchtend. Die Weiblein endlichen frecher als die Maͤnnlein/ inſonderheit die/ welche Junge/ ſo ſie in den Armen/ wie die Weiber jhre Kinder tragen/ naͤhern ſich der Korblein/ um darauß von dem Reiß zu eſſen/ die Mannlein von der anderen Seiten ſolches ſehend/ lauffen herbey/ uim jene zu hindern/ und zu beiſſen. Alsdann nahern ſich die von der Widerpart auch/ und gerahten alſo beyde Theil im Grimm aneinander/ ergreiffen die Stecken/ welche bey die Koͤrblein gelegt/ und entſtehet demnach ein ſcharffer Kampf. Der ſchwaͤchfte Theil gezwungen/ dem ſtarcken zu weichen/ begibt ſich wiedrum in das Holtz die einen mit zerſpaltenen Koͤpfen/ andere lahm an etlichen Gliedern/ da underdeſſen die/ welche das Feld erhalten/ von vem Reiß ſich ſatt eſſen/ zwar nicht ohn iſt/ wann ſie beginnen geſattiget zu ſeyn/ laſſen ſie wol zu/ daßetliche Weiblein von ihrer Gegenpart/ neben jhnen eſſen. Den 24. nachdeme wir neun Meilwegs wie des vorhergehenden Tags gemacht/ kamen wir nach Naraveron.. Den 25. nach 8. Stunden Wegs/ kamen wir durch ein Land/ beſchaffen wie vor gemeldt/ da allemal nach zwo Meilen Wegs Thuͤren/ und dabey eine Wacht/ auf den Abend zu Gazel an. 5 5 Den 26. reiſeten wir 9. Meilen bis nach Courva in das Nachtlager/ alda weder fuͤr Menſchen noch Viehe nichts gefunden wird/ derowegen unſere Thier ſich mit ein wenig Gras/ ſo wir abſchneiden laſſen/ begnügen mueine ſten. Oourva iſt ein Pagode oder Tempel iim zimlich berühmt/ bey unſerer Ankunfft/ ſahen wir etliche Compagnien Kriegs⸗Volcker/ die einen mit halben Piquen/ andere mit FeurRohren/ und wiederum andere mit Stocken/ vorüber ziehen/ die zu einem der obriſten Haubtleuten des Mirgimola Heer/ der auf einer Hoͤ⸗ he dieſelben annoch etliche Ketten und he bey Courva,(daer ſeine Zelte gufſchlagen laſſen /) hielte/ ſtoſſen ſolten. Der Ort iſt ſehr angenehm/ und wegen vieler da herum 8 Baumen/ und Waſſer⸗Quellen/ ühl. So bald wir erfahren/ daß dieſer Feldobriſte ſo nahe war/ begaben wir uns auf den Weg denſelben zu begruͤſſen/ und funden ihne neben vielen der vornehmſten Herren des Landes/ alleſamt Abgoͤtterer/ in ſeiner Zelte. Wie wir 1 Gruß abgelegt/ und denfelben mit einem Paar Piſtolet/ mit Silber außgearbeitet/ und zwo Elen feurfarbem Hollandiſchem Tuch beſchencket/ befragte er uns/ warum wir in dieſes Land kommen o darauf unſere Antwort/ daß wir willens waren/ zu Mirgimola, obriſten Heldherzn des Koͤnigs von Golconda Reisbeſchreibung in Indien (wegen einige mit deniſelben habender Ge ſchaͤfften) zu reiſen. Auf dieſe Antwort ſtellete er ſich ſehr freundlich/ und wie wir velmerckten/ daß er uns fur Hollander angeſthen/ ſagten wir demſelben/ daß wir nicht auß ſelbigem Land/ ſondern ſee ue wären. Weil nun dieſer Feld⸗Obriſte von unſerer Nalion nichts wuſte/ war ſolches eine Urſach daß er uns eine zimlich lange Zeit aufhielte/ die Manier unſers Regiments/ und Hoheit unſers Königs zu erkundigen. Wie er in dieſem Geſprach uns underhielte/ wurde der Sofra dargelegt/ da dann alle abgoͤttiſchen Hel ren davon giengen; weilen dieſelben nichts 0 von den Mahomelanern zugericht/ oſten. Al er vernommen/ daß wir hierin kein Bedenckens hatten/ ladete er uns zum Nachteſſen/ aber wik danckten jhme/ mit Entſchuldigung/ daß es nunmehr ſpath ware/ und wir gern wieder zun den Unſrigen kehreten. Aber wir waren ſo bald nicht in unſeren Zelten/ daß drey Mann daher kamen, ein jeder ein groſſe Schuſſel mie Pilau, ſo der Feld⸗Oberſte uns überſchickte auß dem Kopf tragend. Che wir ihne verlieſſen bate er uns inſtandig den folgenden Tag do? ten zu verharren/ um dem Luſt der Elephanten⸗ Jagt zu zusehen; weilen wir aber keine Zet verlieren wolten/ thaten wir unſere Entſchndigung/ mit vermelden/ daß unſere.. ſchäffte epflferttg/ und wir alſo die Neiſe ohnverzogenlich fortſetzen müſten. 0 der ſieben Tage zuvor/ hatten ſie gen/ darvon drey entrunnen/ und dieſe wa rens/ ſo ſie verfolgten/ welche in der Jagd zee hen oder zwoͤlff Bauren umgebracht. 1 erkundigten uns/ der Manier dieſer Jagd, 15% und beſchicht ſolches auf folgende Weiſe: 5 1 10 den Hölzern werden gewiſſe Graben gemacht dag mit Hurden und ein wenig Erde bedeckt di h Jager alsdann durch ein ſtarckes Geſchren ga Trommelſchlag und Feur⸗Spieſen/ treit, die Elephanten auf dieſe Graben/ da dan 1 Hurden ein⸗ und hiemit zugleich der Clepha, i fallen thut/ und nicht wider ſich herguß ſchte genkan. Alsdann wird er mit Stricken ug Ketten um den Leib/ und hiemit der Rif 9 und die Fuſſe gefeſſelt/ und alſo durch 9 Inſtrument herauß gezogen. Nichts denen weniger ſeynd von denen fuͤnff/ die ſie gefann hatten/ wie droben gemeldt/ drey⸗ Eu um den Leib und Fuſſe hatten/ wied en runnen. Dieſe Leute ſagten uns eine x wenig verwunderliche Sach wann„aan, Nia glaubt werden kan. Nermlich die Eled 11 5 0 77 ten/ welche einmal erwiſcht/ und hernae mals derum loß werden/ wann dieſelben nach ung/ in das Holtz gerieben werden/ ſehr mie von reiſſen mit hrem Rüſſel ein groſſen 2 Ort einem Baurn/ und verſuchen damit alle feiehe ſte den Fuß ſetzen/ um zu erfahren ewwebne Grube in dem Weg/ um nicht zuende en ten mal gefangen zu werden.“ Dere che die Jager welche uns dieſe Geſchicht bie Ee. ſehr zweiffelten dieſe drey entrunern ſpik phanten wiedrum zu erwiſchen. lee nicht i E 19 0 geweſen waren/ daß dieſer verwunfo 4 5 Vorfichtigkeit der Elephanten/ Zeug N hatten wir/ wie eilig auch unde Geſchaffte ſeyn mogen/ gern ween oder eh Dag gewartet. Der Haubtmann/ welSr 95 ſo wol aufgenommen/ betrate die be elle eines Heerführers/ und commandier1 oder vier tauſend Mann/ welche eine albe Meile weit herum lagerten. Wi den 27. nachdeme wir zwo Stund „Wegs gereiſet/ und in ein groß Dorff kaſahen wir die zwey Elephanten/ die gele gan worden. Jeder derſelben wilden wae zwiſchen zween gezahmete/ und um die wolden waren ſechs Mann mit Feur⸗Spie115 welche gegen dieſen Thieren redeten/ den0 en Eſſen darbietend/ und in ihrer Sprach ebend Nimm diß und iſſe. Das wau kleine Büͤſchelein Heu/ Stüͤcklein ſchwaren Zucker/ und Reiß/ mit Waſſer und viel deff Kornlein geſotten. Wann der wilf Clephant nieht gehorſamen wolte/ befahwet U die Manner den gezähmten Elephanten/ en Wilden zu ſchlagen/ welches dann alſof 1 beſchahe/ der eine auf ſeiner Seiten mit 9585 Ruͤſſel auf die Stirne und Kopf/ und dann er ſich zur Gegenwehr ſtellete/ kame er auf der andern Seiten auch mit ſeinen Streichen; dergeſtalten wuſte der wilde Elephant nicht mehr wo hinauß/ ſo jhn lernete ſich zu undergeben.*VVVV Dierveilen ich ohngefähr in die Geſchicht er Elephanten gerahten/ wil ich alhier noch 8 andere Stucke/ die ich von der Natur dieſer . hieren beobachtet/ hinzuſetzen. Obwolen e Ne. Wee, eh J lephant nachdem derſelbe gefangen das 75 eiblein nicht mehr berühret/ nichts deſtonelgergerahtet er bisweilen in Brut. Ci5 Tags/ als der Cha- gehan quf ſeinem Ele15 0 neben ſeinem Sohn/ der jhme Lufft Cen ſolte/ in der Jagd ware/ geriehte ber enge u in eine ſolche Brunſt/ daß der mes welcher denſelben regierte/ deſſen nicht agg mächtig ſeyn konnend/ dem König ander se daß das Wuten des Elephanten konte wichen den Daumen zerschmettern dien zu ſtillen(nohtwendig einer von den be ch uündermwerffen mite/ under don gar den Namen ſein Leben für den Konig und Maj intzen aufzuopfern/ bereit ware Ihre dich det allein bittend/ ſeiner hinderlaſſenden dieſe Lindern Rechnung zu tragen. Als er te s geſagt/ warff er ſich von dem ElephanNu erunder/ welcher jhne alſobald mit dem 0 Fuse nahme/ und wie er ihne under ſeinen ſeß unzertretten warder wiederum fill un baden wie zuvor/ umgehen; nach dieſer umen ichen Erlöſung/ gabe der Konig den befürd n den hundert kauſend Roupies und d 8 55 bey Hofe die Sohne des jenigen der aas Leben für ſennen Für lligaufgeh 55 für ſeinen Fürſten alſo gutwillig auf2. obwol habe auch das in acht genommen/ daß 909/ſhrſ Clephanten Haut/ wann er leben11. Obel wird jedoch dieſelbe/ ſo bald Erſtes Buch. h/ ſo auf dem Elephanten ſitzten/ demſel73 das Thier todt iſt/ dem Vogel Leim gleich anzugreiffen.„„ Der Elephanten kommen auß vielen OrDie Eleten Aſien; auß der Inſul Ceylan, welches die ppacten did kleineſten/ aber ſtreitbarſten under allen; auß 80 Ader Inſul Sumatra, den Königreichen Cochin, Siam, und von den Grentzen des Koͤnigreichs Boutam bey Groß Tartarey. Deren kommen auch von der Küſten Melinde im Anfang Atrica, alda eine groſſe Anzahl ſeyn muß/ wie ein Portugeſiſcher Haubtmann zu Goa, welcher dort her kommen/ dem Koniglichen Statt⸗Verweſer/ wider den Gubernatorn von Mozambique einige Klag anzubringen/ mir erzehlete. Er ſagte mir/ daß nach langs dieſer Kuſte viel Thier⸗Garten/ welche allein unt Elephanten⸗Zahnen beſchloſſen/ und daß erliche mehr als eine Meil im UnmDie Schwaꝛ: z des Lands kreiß haben. Er ſagt ferner daß die Sehwarten des Lands auf die Jagd wider die Elephangehenwider ten gehen/ und das Fleiſch eſſen/ aber von jedem/ die Klephanſo ſie todeien/ jhrem Oberherꝛn einen Zahn zu geben/ verhunden. Droben iſt vermeldet/ wie die Elephanten in dem Land des Konigs von Golconda gefangen werden/ nun folgt Bericht der Manier/ deren man in der Jagd dieſer Thier in der Inſul Ceylan ſich bedient. Man macht einen langen Gang beyder ſeits verſchloſſen/ alſo daß/ wann der Elephant darein gangen; er weder zur rechten noch zur lincken außweichen koͤnne. Dieſer Gang iſt im Anfang breit/ aber nach und nach enger/ bis zum End/ alda faſt allein ſo viel Platz/ daß die Elephantin ſo in der Brunſt ſich legen konne. Obwolen dieſelbe gezahmet/ ſo iſt ſie jedoch mit Ketten und guten Stricken gebunden/ und durch jhr Geſchrey ruffet ſie dem Elephanten/ welcher durch den Gang zu ihr konnt. An dem Ort/ da ſolcher anfangt eng zu ſeyn/ ſo bald das Thier vorüber; wird der Gang von darzu beſtelten und im verborgen gehaltenen Mannern wol verſperret/ und wann das Thier noch etliche Schritt fuͤrder gangen/ und nicht mehr fern von der Elephantin/ beſchicht daſelbſten dergleichen/ alsdann wird mit Anwerffung der Ketten und Stricken dem Thier/ der Müſſel und die Beine verwickelt/ und hiemit ſolches in dem Strick/ ohne daß es entrinnen koͤnne/ gefangen. In den Königreichen Siam und Pegu verfahret man faſt in eben dieſer Manier/ der Underſcheid iſt allein in dem/ daß die Bauren ſich auf die Elephantin ſetzen und den Elephanten damit in dem Holtz ſuchen. So bald ſie ſolchen entdeckt/ binden ſie die Elephantin an einen bequemen Ort an/ alsdann legen ſie dem Elephanten die Strick/ weld cher allgemgch dem Geſchrey der Elephantin/ die in Brunſt iſt/ ſich nahet/ und hiemit gefangen wird. f Diß iſt vornemlich von der Elephantin merckwurdig/ daß wann dieſelbe in die Brunſt trittet/ allerley Laubwerck und Kreuter ſamlet/ und damit ein ordentliches Beth/ die ein Form eines Haubtkuſſens/ vier oder fuͤnff Schuh hoch von der Erden/ zurichtet; darauf ſie wider die Natur all anderer Thiere f G auf ten auf die Jagd/ und eſſen ihr FleiſchWie die Elephanten in der Juſul Ceylan gefangen werden. Underſchiedliche Elephanten Jagd. 74 auf den Rucken ſich legen/ und alſo des Elephanten durch jhr Geſchrey beruffen/ erwarn thut; Noch iſt abſonderlich von den Elephanten der Inſul Ceylan zu mercken; daß allein der erſte Elephant von der Elephantin kommend/ Zahne hat/ man hat auch das in acht genommen/ daß das auß den Inſuln Ceylan und Achen kommende Helfenbein/ wann ſolches verarheitet iſt/ nicht gelb wird/ wie das jenige ſo auß dem veſten Land und den Occidental⸗Indien kommet/ deßwegen ſolches auch theurer und hoͤher geachtet wird. Kurtzweil mit den jungenElephanten. f Wann die Kaufleute die Elephanten an einen Ort zu verkaufen führen/ iſt ein Luſt ſolche füruͤber gehen zu ſehen. Dann wie jederzeit Alte und Junge/ wann jene vorbey/ lauffen die Kinder den Jungen/ ſo folgen/ nach/ treiben mit denſelben Kurtzweil/ und bieten jhnen etwan Eſſen dar; indeme nun dieſe junge Elephanten die noch nar riſch/ ſich aufhalten/ zu nehmen was ihnen dargebokten wird/ ſpringen die Kinder auf dieſelben/ und alsdann iſt der Luſt zu ſehen. Dann wann die jungen Elephanten/ welche um zu eſſen/ was ihnen angebotten worden/ ſich verweilet/ und ſehen/ daß jhre Mutter die beſtaͤndig fortgangen/ bereits um etwas weit vor/ wollen ſie forteilen/ und indeme ſie Reis beſchreibung in Indien/ 5 ä ſolle von dem Eltern Printzen des Kotigs underhalten werden/ zu dem Ende ſeynd beydes zu deſſen Erhaltung und anderen Nohtpies, ſo ſieben hundert und fünffzig Francken ſich ertragen/ verordnet. Fur etliche allein 50. 40.0. auch nur zwanzig; aber die jenigen/ denen monatlichen 100. 200. 300, oder 400. Roupies beſtimmet/ haben Ritter under ſich zu erhalten/ welches auch auß dieſer Bezahlung beſchicht/ ingleichem von 2. 3. bis in 6. junge Elephanten/ die in groſſer Tages⸗ Hitz zum lüfften gebraucht werden. Alle dieſe Cle; phanten bleiben nicht in der Stadt/ ſondern der groͤſte Theil gehet Morgens ins Feld hinauß/ und wird in die Buſche gefuhrt/ alba ſie Aeſte von den Baͤumen/ Zucker/ und HirsRohr abatzen/ darvon die Bauren groſſen Schaden empfinden. Das iſt denen Nutz die ſelbe regieren; dann je mehr die Thiere auf dem Held eſſen/ je weniger in der Stadt jhrer Nahrung aufgehet/ welches dieſen Leuten zu gutem 1 Dien bemeldten 27. Augſt/ reiſeten wit noch ſechs Meil Wegs/ und kamen in ein groſſen Flecken Ragrapeta genannt/ zu übernachten. 5 8 1 Wegs zugebracht/ nach Ondecour. wendigkeiten monatlich fünff hundert ou Den 28. darauf/ nachdeme wir 8. Meil 6 Den 29. nach neunſtundiger Reiſe/ kamen 1 wir zu Ouremeda an/ alda eine der groͤſten ber gun mit jhrem Rüſſel ſpielen/ werffen ſte dieſe Kinder herunder/ jedoch ohne einigen Schaden; welches aber dieſes kleine Geſindlein nicht abhaltet/ die den Elephanten noch eine zeitlang folgen/ und denſelben wie zuvor Eſſen darbieten. 8 8 i 8 In derm ubrigen/ habe ich nach ffeiſſiger Nachforſchung/ doch niemalen eigentlich erDer Elephanten Alker. wird wie lange dieſe Leut gelebt/ befindet fahren konnen/ auf wie viel Jahr der Elephant ſein alter bringe. Die jenigen/ welche dieſe Thiere regieren/ wiſſen keinen anderen Bericht zu geben/ als daß dieſer oder jener Elephant under den Handen jhres Vatters/ Groß⸗Vgtters/ und Groß⸗Vatters Vatter geweſen/ und die Rechnung gemacht ſich die Zeit elan auf 120. oder 30. Jahr kommend. Ich habe vernomen/ daß der mehrere Theil der jenigen welche einige Beſchreibung von Indien an Tag gegeben/ ſich erkühnet haben/ zu melden/ daß der Groſſe Mogol drey oder bier tauſend Elephanten underhalte. Wie ich zu Gehan- abad, da der König ſeine Regantz von groſſen Quaderſteinen gufgebauel/ und mit Thurnen da viel ungeſtalte erhobene Bilder geſehen werden. Diſer Tempel iſt mit vielen kleinen Kammern für die Wohnung der Prieſtern umgeben/ und 500. Schrilt weit dar von ein groſſer Weyer/ an dem Ufer deſſelben viel kleine Pagodes gcht oder zehen Schuh in die Vierung/ und in jedem deren ein Bild/ in Geſtalt jhrer Geiſter geſehen werden/ dabey ein Bramers die Wacht halt/ da mit kein Fremder der nicht jhres Glaubens/ in 1 Weyer ſich waſche/ oder Waſſer dar? auß ſchoͤpffe. Wann etwan ein Fremde Waſſer begehrt/ bringen ſie deſſen in eine irdenen Krug/ welchen/ wann ungefahr ſo cher des Fremdlings Geſchirꝛ berührte/ ſie auf der Stette zerbrechen. . Sie ſagten mir auch/ wie ich anderswo g angedeutet/ daß wann jemand/ der nicht ihres Glaubens/ in dieſem Weyer ſich waschen wurde/ ſie alles Waſſer auch bis auf eilt gode oder Tempeln in ganz Indien. Iſt ae, ſidentz hat/ ware/ habe ich mich vielmal von dem jenigen/ deme die Regierung der Elephanten anvertraut/ und welcher fur die Francs viel Freundſchafft bezeuget/ erkundiget/ auf wie viel die Anzahl der Elephanten/ die er zu Dienſt des Konigs underhalte/ ſich erſtrecken khäle/ der mich hann ver ſichert/ daß Zahl der Ele, er allein fünff hundert habe/ ſo des Hauſes dem eh Elephanten genennet/ weilen dieſelben nur Vogel u, die Welder“ Selten/ und ubrigen Bagage Krieg allein achtzig oder aufs hochſte neunßig. Der vortrefſichſte dieſer lerſtgemeldten/ Tropfen/ außlauffen machen müͤſten. 10 0% Allmoſen ſeynd ſie ſchr frengebig/ dann u mand ſo in Noͤhten/ und etwas begehrt/ Auf fc geeſſen und ungetruncken gelaſſen wird. de de ſeynd hin 100 lid viel Wan ber/ deren die einen beſtaͤndig Feur halten., den Durchreiſenden den Taback anzubüde 1 und denen die keinen Taback haben/ ein i 1 voll zu geben; andere kochen den Neiß 115 f uicherl/ welches Koͤrnlein unſerem Ha 0Saamen gleich; andere wiedrum kochen 110 nen; dann das Waſſer darinn ſolche Hesl, werden/ das Seitenſtechen/ ſo die fel Erſtes Buch. 1 welche zuviel erhitzet ſeynd/ bekommen koͤnnen verhindert. Dieſer Weiber befinden ſich welche ein Gelübd thun/ dieſe Freygebigkeit ſieben oder acht Jahr lang/ den Durchreiſenen zu erweiſen/ andere mehr oder weniger Zeit/ Nach jhrem Vermoͤgen/ ſie geben von dem Waſſer darinn die Bonen und Reiß geſotten/ du trinken/ und einer jeden Perſon zwo oder wache de den re Weiber werden auf den Landſtraſſen und Merun Wiſen den Pferden/ Ochſen und Kühen mne gachgehend/ geſehen/ welche ein Geluͤdd gechan/ allein von dem jenigen/ ſo ſie in deren Sohk unverdauet finden/ ſich zu ernehren. Weil in demſelben Land weder Gerſten noch Habern/ gibt man dem Vieh eine gewiſſe Gatkung groſſe eckete Erbſen/ die zuvor under ztwey kleinen Muͤhlſteinen zerrieben/ und herhach eine halbe Stund Zeit in Waſſer geweichet werden/ dann ſelbe ſehr hart und ihwehr zu verdauen ſeynd. Dieſer Erbſen gibt man den Pferden alle Abend/ und Morgen ohngefähr zwey Pfund groben ſchwartzen zucker/ nahe dem Wachs gleich/ mit ſo viel ſchwehr Mal/ und ein Pfund Butter geknetken/ darauß die Stallknecht kleine Ballen er Kugeln machen/ und den Pferden in den g Rachen ſtoſſen/ dann ſonſten wurden ſie ſolche nicht eſſen. Hernach waſchen ſie ihnen das Maul/ welches/ und ſonderlich die Zaͤhne/ gantz von Teig behengt/ welches denſelben Daum einen Widerwillen dieſer Nahrung verurſachen thut. Den Tag uber gibt man den Pferden einige Kräuter/ ſo auf den Feldern wir der Wurtzel außgeriſſen/ und damit kein Erde daran klebend bleibe/ fleiſſig gewaſchen werden. f N Den zo. reiſeten wir 8. Meilen bis in das Leachtlager Goulupalé. 1550 5 gage, Den zr. nachdeme wir neun Stundenlang grxeiſer/ blieben wir zu Gogeron. 9 8 5. September nach 6. Meilen Wegs Es en wir zu übernachten nach Gandicot. Ni waren erſt acht Tage verfloſſen/ daß der dige nach drey monatlicher Belagerung/ 10 kadt erobert/ und hatte er/ ohne etlimene zantzoſen/ welche wegen uͤblen Ttraetaiche von den Holländern gußgetretten/ vi 5 nicht bekommen. Derſelbe hatte auch Italſ ugliſche und Holländiſche/ neben drey denmiſchen Buchſenmeiſtern ſo zu Sred, ware dieſes Orts/ jhme nicht geringe Hulff eg 1 5 Hhigdicor iſt eine der veſteſten Städten das bite eines hohen Bergs erbauet und Weg zu kommen iſt nur eln verdrießlicher an the vont oder fünff und zwantzig/ auch g der Nabab. 77 55 15 len zu abab gber lieſſe ſolchen eben damadaſmdchrmachen. Zur Rechten des Wegs grund Berg gegraben/ il ein abſcheulicher en und darunden ein groſſer Fluß. 1 Virreeſaldem Berge iſt eine kleine Ebene eine Meile lan ele breit/ und ohngefaͤhr eine halbe II Thel chan mit Reiß und Hirs dey Hand voll gekochten Reiß zu eſſen. AnInigreichs Carnatica. Selbige iſt auf g breit, Orten allein ſieben oder acht Schuh angeſaet/ und wird pon vielen kleinen Quellen begoſſen. Zu oberſt dieſer Ebene/ ſo in dem Milkag ligt/ und alda die Stadt auf einer Spitze gebauet/ ſeynd rings herum im Abgrund/ und brunden zween Flüſſe/ welche dieſe Spitze formieren; alſo daß in die Stadt zu kommen nur eine Pforte gegen der Ebene/ und auf derſelben Seiten iſt ſie mit drey guten Mauren von Quaderſteinen aufgebauen/ mit Graben oben breiter als unden/ von gleichen Steinen aufgeführt/ beveſtiget/ hatten demnach die Belagerten allein einen Raum von vier oder fuͤnff hundert Schritten zu verwahren. Sie hatten nur zwey eiſerne Stuck/ das eine zwolff/ das andere ſieben in acht Pfund ſchwehr ſchieſſend; das eine ſtuhnde auf der Pforre/ und das andere auf der Spitze eines Bollwercks. Der Nabab verluhre durch die Außfalle/ ſo die Belagerten oft thaten/ viel Volck/ bis daß er Mittel erfunden das Geſchütz auf die Hohe zu bringen. Der Raja ſo in der Stadt/ war für einen der beſten und tapfferſten Soldaten under den Abgoͤttern gehalten/ und als der Nabab wol geſehen/ daß ohne Geſchutz nichts außzurichten ware/ beruffte er alle fremde Buͤchſenmeiſter die in des Konigs Dienſt waren/ und verſprache einem jeden vier Monat Sold uͤber das Ordinari/ wann ſie erfinden koͤnten/ das Geſchutz auf die Hohe zu bringen/ welches jhnen dann gluͤcklich gelungen; Inmaſſen ſie vier Stuck hinauf gebracht/ und damit die Stadt beſchoſſen/ waren auch ſo glücklich/ daß ſie in das auf der Pforten geſtandene Stuck/ einzutreffen/ und hiemit ſolches undienlich zu machen. Wie ſie den halben Theil der Pforten nidergeworffen/ begehrten die Belagerten zu capitulieren/ und zugen auf einen annehmlichen Vertrag/ auß. Den Tag da wir ankamen/ ware die gantze Armee unden an dem Berg in einer Ebene bey einem ſchoͤnen Fluß gelagert/ und der Nabab eben am Ende ſeiner Reuterey/ welche treflich aufgebutzt/ zu muſtern. Wie ein Engliſcher neben einem Italiaͤniſchen Buͤchſenmeiſter/ deſſen Geſell Monſieur du Jardin und mich geſehen/ erachteten ſie wol daß wir Fremde waren/ und weil es zimlich ſpath/ kamen ſie uns freundlich anzureden/ und bewegten uns die Nacht bey jhnen zuzubringen. Von denſelben nun vernahmen wir/ daß in der Stadt ein Frantzoͤſiſcher Buͤchſenmeiſter/ Namens Claude Mailſe von Bourges, ſich befunde/ und daß derſelbe in Arbeit waͤre etliche Stuck/ ſo der Nabab in dem Platz laſſen wolte/ zu 5 0 Den folgenden zweyten des Monats giengen wir hinauf in die Stadt/ und hielten bey dem Loſaͤment des bemeldten Maille, der mir u Battavia da er damalen dem Hollandiſchen Generalen für einen Gartner dienete/ bekant ware. Derſelbe empfienge uns mit groſſen Freuden/ und als er dem Nahab unſere Ankunfft wiſſen lieſſe/ wurden ums alſobald/ beydes für unſere Perſonen/ und unſere Pferde und Ochſen/ für die Zeit über/ die wir uns daſelbſten aufhalten wolten/ LoG 2 ſament/ ſatment/ und nohtwendige Lebens⸗Mittel verordnet. 1 Käeisbeſchreibung in Indien/ fang wie derſelbe der Eroberung dieſes Konig„Den z. beſuchten wir den Nabab, der ſeine Selten auf der Hohe des Berges/ an dem Ort/ da der in den Felſen gehauene Weg/ anſtoſſet/ aufſchlagen laſſen. Er empfienge uns ſehr wol/ und fragte ob wir wol logiert und mit Nahrung fur unſere Perſonen und Pferde/ wie er befohlen/ verſehen worden. Darauf begehrte er die Urſach unſerer Reiſe dahin zu wiſſen/ als wir nun darüber geantwortet/ daß wir einige koͤſtliche Waaren für den Konig hatten; aber damit bey Ihrer Majeſtat/ ehe und bevor er ſolche geſthen/ weil uns genugſam bewuſt/ daß ohne ſeinen Naht und Meinung/ der Koͤnig nichts von hohem Werth kauffte/ nicht anmelden wolken/ in Betrachtung/ ohne das jhme dieſer Vorzug gebuhre; hat er bezeugt daß dieſes unſer Compliment/ jhme nicht mißfiele/ und nachdeme er uns den Berlẽ aner bieten laſſen/ nahinen wir von jhme Abſchied/ und begaben uns wiederum in die Stadt. Wir funden alle Büͤchſenmeiſter die uns warteten/ deyſamen/ und waren alleſaut in des Maille Loſament/ bey dem Nachteſſen/ dahin der Nabad uns zwo Flaſchen/ die eine mit Spaniſchen/ und die andere mit Schir zs. Wein/ welches eine ungemeine Sach in ſelbigem Land iſt/ uberſchickte. un Brantenwein iſt kein Mangel/ dann er wird von Reiß und Zucker/ in dieſen Indianiſchen Landen groſſer 10 Uberſlus iſt/ zubereitet. Den 4. beſuchten wir den Nabab zum andern mal/ und nahmen mit uns/ was wir dem Koͤnig zu veikauffen willens: Das waren etliche Perlen in Pirn⸗FJorm/ von ungewoͤhnlichem Gewicht/ Groſſe und Schoͤnheit/ deren die geringſte vier und zwantzig Carat gewogen. Nachdeme er dieſe Stucke wol beſichtiget/ und vielen Herren/ die hey jhme waren/ gewieſen/ begehrte er den Preis zu wiſſen/ und wie er ſolchen vernommen/ gabe er uns die Perlen wieder/ mit vermelden/ daß er den Sachen nachdencken wolte. Wir müſten mit jhme zu Mittag ſpeiſen/ und nach der Mahlzeit/ giengen wir wiederum in die Stadt/ da wir bis den 10. den Nabab ohngeſehen liebes Den 10. Morgens/ lieſſe derſelbe uns abholen/ und als wir in ſeiner Zelte bey jhme ſaſſen/ wurden jhme funff kleine Sack mit Diamant gebracht/ deren ein jeder ohngefahr eine Handvoll halten koͤnte. Es waren alles ſchwarte Diamant/ aber ſehr ſchwartzen Glanzes und klein/ groͤſten Theils von einem und Anderhalb Carat, aber im ubrigen ſehr ſauber. Wenig waren die zwey Carat das Stuck/ Hatten un Gewieht halten konnen. Der NaBab ius alle bieſe Steine zeigend/ fragte ob 8 Waar in unſerem Land verkauflich. Wir anfworleten/ daß ſelbige anzubringen/ wat die hell und weiß waren/ weil in Europa bie Diamant wann ſelbe nicht ſauber und weiß/ nicht geachtet werden; und alſo von all anderer Art nichts gehalten wurde. Im Anreichs im Namen des Konigs von Golconda ſich undernommen/ und jhme geſagt wurde/ daß in demſelben Bergwerck von Diamant waren/ ſchickte er zwolff tauſend Mann darnach zu arbeiten/ welche ein gantzes Jahr lang nur allein was in dieſen funff Sacklein ware/ gefunden. Als nun der Nabab ſahe/ daß allein ſehr braune/ und vielmehr auf ſchwartz/ als weiß/ ſich ziehende Steine zu bekommen/ erachtete er wol/ daß es ein vergebliche Mühe ware/ dieſe arme Leute zu dem Feldbau. Nachdeverbotte ferner zu graben/ und verſchickte allet me der Nabab dieſe Diamant wiedrum verwahren laſſen/ und wir mit demſelben zu Miltag geeſſen/ begabe er ſich zu Pferd/ um mit vielen Herren auf die Jagd zu reiten; er wolte uns auch mie fuhren/ aber wir baten um Eulſchuldigung/ und alſo ſchieden wir von jhme/ ohne daß der Perlen gedacht worden. N Den 1. waren alle fremde Büͤchſenmeiſter in des Nababs Zelte/ klagend/ daß jhnen die verſprochenen vier Monat Sold nicht begahlt worden/ und da ſolches nicht beſchehen wurde y ſie anderwerts Dienſt nehmen wolter. Daruber der Nabab ſie auf den folgenden Tag verwieſe. e e Den 12. als die Conneſtabel nicht ermangelten/ wiederum in des Nababs gelt zu erſcheinen/ lieſſe er denſelben brey Monat bezahlen/ mit verſprechen/ daß zu End des Monats/ nen der vierdte geluffert werden ſolte. Sie hatten das Gelt nicht ſo balden empfangen/ daß ſie einandern gaſtierten/ und trugen bie Gaueklerin mehr als die Helffte darvon. ware/ ſuchte er Gelegenheit in das Geleit 15 f Dien 1z. war der Nabab in der Stadt/ um das Gieſſen/ welches auf ſeinen i le undernommen/ zu beſehen. Dieſer le, wie droben gemeldt/ ware von Bourges, 21 und hatte zu Amſterdam in Indien zu gehen ale 0 16% Franc Befehl Neil. fee 5 Mail- fe 1100 5% babs 0 0 10 0 6 Dienſt genommen. Als derſelbe zu Battar en. via ankommen/ und der General daſelbſtel geſehen/ daß er geſchickt/ und viel Dinge ver ſtuhnde/ behielte er ihne zu ſeinen eigenen Dienſten etliche Wacſer Kunst und Spun Brunnen in ſeinem Garten zuzurichten. Wie aber Maille bey dieſer Stele und ſtrengn Tractament des Generalen/ nicht zu fried Herzen Chetour, der von Battavia zu bel Nabab, welcher damalen Gandicot belt gerte/ verſchicket wurde/ zu kommen. dieſer Abgeſandte mit dem Nabab ſeine 1 ſchaffte verrichtet/ und dem Maille ware/ daß derselbe den folgenden Tag g, derum verreiſen ſolte/ emwendere er bes 5 geſandten Balbierer ſeine Beſteck und D 8 ſam⸗Bliehſe/ und verſteckte ſich etliche d n ge/ bis daß der Ainbaſſador/ welchen 5 Maille, aber vergeblich ſüchen lieſſe“ 1 hiemit ſeine Nuckreis um etliche Tage verſchobe“ weg ware. So bald nun Malle vernonnnen/ hegabe er ſich für einen Dal 1 rex oder Wund⸗Artzt/ in des Nababs Dient 5 Als er aber eine eit hernach demſelben wiſſen thate/ daß er ein galer Sa 15 2 13 id Stuck ⸗Gieſſer ware/ wurde er zu dieſer Stell ernant. Nachdem nun der Nabah Gandicot erobert/ und dieſen Ort mit Geſchütz/ ſ ſonſten ſehr ſchwarlich darauf zu bringen ware/ verſehen wolte/ thate er dem Maille den Vorſchlag/ wanſig Stuck/ nemlichen zeen für acht und viertzig und zehen für vier aud zwanzig pfündige Kugeln/ zu gieſſen/ welches daaiſle zu chun underftanden. Zu dem Ende wurde von allen Orten Kupfer zugeſchaft/ und der Nabab lieſſe eine groſſe Anzahl Boten/ ſo auß den Templen/ da ſein Herꝛ de, ſorbey marſchient/ genommen worden/ zueh 0 en tragen. Zu Gandicot iſt ein Pagode odane del Tempel/ ſo vor einen der Vornemſten in deen gn. Dindien gehalten wird/ in deme viel Bilder/ renerliche von Gold/ andere Silbern/ und e. Ine under der Zal dieſer Bilder/ ſechs von Kupfer/ N drey auf den Fer ſen ſitzend/ und die an uͤken drey ohngefehr zehen Schuh hoch waze Nachdeme Malle alles zu dem ſehmeltzen/ leſer Metallen und Bildern/ ſo von vielen Orten hergenommen worden zubereitet hatte/ wurde er auch mit dem Schmeltzen fertig/ biß an die ſechs obbemelten groſſen Kupfer Bilder es berühmten Tempels zu Gandicot, welche zu ſchmeltzen ihne unmoͤglich fielen. Was glich von dem Nabab darauf gewendet/ und obſchon von jhme den Prieſtern des Pagode oder Tempels/ daß dieſelben dieſe Bilder bezaubert hatten/ gedroͤwet worden. In Summa Maille konte niemalen zum Zweck kommuen/ ein Stuck zu gieſſen/ dann einmal ware ie Arbeit geſpalten/ das andere mal nur halb und alſo quittierteer das angefangene Werck/ nd giemit auch dem Nabab ferner zu dienen. 0 Den 14. waren wir in des Nababs Zelte/ aon demſelben unſern Abſcheid zu nehmen/ und zu wiſſen was er auf die hme gewieſene Waar be f gen härte. Aber man ſagte uns/ daß er ea ot were viel Ubelthater/ die für ihne fie uhret worden/ zu exdninieren/ und auf der lte abzuſtraffen. Die Gewonheit in deimſel0 N h 0 e a ae. 0 Land ist einen Mienſchen zicht lang gefardelubalten; ſondern ſo bald der Schuldige geo wird berſelbe examimiert/ das Urtheil den lochen/ und ohn Verzug vollſtreckt Wann diger geiffene unschuldig/ wird er alſobald le0 ant/ und 10 welche Weiſe die Sache 5 affen wird feſbe ſchleunig außgemacht. gen das vernahmen wir/ daß denselben ganwel degſchwerlich zu dem Nabab zu kommen über dorſelbe ſich hinab in die Ebne begeben/ und run 5 gröſten Theil ſeines Heers Muſtefand halten ſolke. Nichts deſto weniger be10 b uns auf den Abend bey ſeiner Zelich 8 nachdem namlich Hr. du Jardin und bed. 925 Pferden abgeſtiegen/ begruſten wir ler fü fahle er uns den folgenden Tag in alIhe wiederum zu jhme zu kommen. n cem nach wir nicht ermanglet/ den 5 0 0» Morgens den Nabab zu beſuchen/ daceſſ 1 ihme angezeigt wurde/ daß wir dlddg er waren/ lieſſe er uns in ſeine gelte/ kopen ben een ſeiner Secretarien ſaſſt eil 0 e Lands/ da man . Theil. Erſtes Buch. und man/ wie in alles voll Brieff. Er und lieſſe durch ſeine rar die Antwort ſtellen/ und er ſelbſten heantwor77 s Strümpf in gehet/ weilen aller Orten/ da guf Teppiche getreten wird/ ind man/ wie in Lureley/ unſern Schneidern gleich ſitzet hatte der Nabab zwiſchen ſeinen Zehen und den Fingern ſeiner mit nackenden Fuſſen und ohne Str den Schuhen man eingehet/ zwwren Seererari darauf 5 den Zehen, bald zwiſchen den Fingern herguß kele auch etliche derſelben. Nachdem die Secretäril bie Schreiben verfertigt/ müſſen ſte ſolehe leſen alsdann nahme er die Briefe/ und truckte dau alu ſelbſten ſein Pittſchaft/ dieſelbe herngch theils Fußgängern/ theils Reitenden überliefereid. Worhey dann zu mercken/ daß in Indien alle Schreiben/ ſo von den Königen/ FeldHerren/ und Landſchafts⸗Verwaltern/ durch a lincken Hand zuge deren jetzt zwiſchen Fußgänger verſchickt werden/ viel ſchleuni⸗ 6 been 0 Fuß geh geſchwinder ger als durchreitende Botten fortkommen. Die Urſach iſt/ daß aller Orten auf den al 6 die zu Straſſen nach zwey Meil Wegs kleine Huüt⸗ Pferd. ten/ da zween oder drey Mann zulauffen beſoldet/ ſich aufhalten/ und ſo bald der BriefTrager daſelbſten ankommen/ wirft er das Schreiben den andern dar/ deren einer alſobald ſolches mimt und damit fortlauſfen thut. Sie halten für ein boßes Zeichen dem Botten/ die Schreiben in die b ſondern er muß demſelben ſolche zu Fuſſen werfen! damit dieſer die Brieffe auf hebe. Noch iſt auch z i dien der mehrere Theil der Straſſen mit Baumen/ beiderſeits einem Spatziergang gleich/ beſetzt/ und wo keine Baume noch fünfhundert Schritt kleine Hauffen Steine/ ſo die Einwohner der nachſten Doͤrffern/ von einer Zeit zur anderen weiß anzutreichen/ verbunden/ damit die Botten auch Hand zu liefern/ u mercken/ daß in gantz In⸗ In ganz In. dien ſeynd die Straſſen V meſſtenſehnd/ allemal Pau aͤumen/ einem Spaergang eich beſetzt· zi Hleich beſetzt. bey der finſteren Nacht und Regenwetters Zeit den Weg erkennen moͤgen. Alldierdeilen wir bey dem Nabab waren/ wurde jhme angezeigt/ daß vier Ubelthater/ ſo man dargeführt/ vor ſeiner Zelte waren. Er ware eine halbe Stunde/ ohne hierauf Antwort zu geben/ beſtandig ſchreibend/ und ſeine Secretarii ſchreiben laſſend; aber endlichen einsmals befahle er daß man dieſe Ubelthater für jhn bringen ſolte/ und nachdeme er dieſelben befragt/ und auß jhrem Munde das Verbrechen/ darum ſie angeklagt worden/ bekennen gemacht/ bliebe derſelbe noch bey einer Stund/ ohne einigen Beſcheid zu ertheilen/ beſtandig in Schreiben/ wie auch ſeine Secretarif fortfahrend. Underdeſſen kamen in die Zelte viel Haubtleute ſeines Heers/ jhme mit groſſer Demut /Chrerbietung zu erzeigen/ denen er allein mit Haubtneigen begegnete. Under dieſen vier Udelkhatern/ die für ihne geführet wurden/ wareeiner/ welcher in ein Hauß eingebrochen/ und eine Mutter ſarnt jhren drey Kindern umgebracht/ der ſelbe ware auf der ſtatt verurtheilet/ daß jh hauen/ und er auf ein Feld neben der Landſtraſſen/ um dafelhſten ſein Leben zu enden/ 8 gene Hand und Fuß abge 78 geworfen werden ſolte. Ein anderer hatte auf der Landſtraſſen geraubet/ deme wurde auf Befehl des Nabab den Leib aufgeſchmitken/ und hernach in eine Miſtgrube geworfen. Was der Zween andern 5 n war habe ich eigentlich nicht vernehmen koͤnnen; gber beede wurden enthaubtet. In deme dieſes Ales ſich zutruge/ ware das Mittag Eſſen dargebracht(dann gewonlich der Nabab um 10. Uhr ſpeiſeke) und alſo muſten wir der Parthey ſeyn wie der Sotra aufgehoben/ lieſſen wir den groſten Theil der Herxen/ welche auch mit dem Nabab geſpeiſet/ Abſcheid nehmen/ alſo daß nur noch ztvo oder drey Perſonen bey jhme geblieben/ und darauf durch den Dollmetſchen vondenſelben vernehmen/ ob er uns etroas zu befehlen haͤtte/ und ob er rathſarm hielt/ daß wir unſere Waar dem Konig weiſen ſolten. Seine Antwort war/ daß wir nach Golconda uns begeben/ und daſelbſten bey ſeinem Sohn/ deme er fuͤr uns zu gutem ſchreiben wolte/ und das Schreiben vor unſerer Ankunft dorten ſeyn wurde/ anmelden konten. Er befahle zugleich 16. Neutern zu unſerem Geleit/ und daß uns auf dem Wege/ was wir nohtig/ verſchg wurde/ biß an einen Fluß tz. Meil von Gandicot, da niemand ohne Pas port von dem Naten/ ůbergelaſſen wurde. Von dem Weg von Gandicot nach GolHie En 16. Morgens früh/ reiſeten wir von Gandicot ab/ von dem mehrentheil 8 der Conſtablen/ die viel Speiſe mit Des Autors ſich nahmen/ biß in das Nachtlaͤger zu Core Seien pal ſo, Meil Wegs/ begleiter. nach Gol. Den 16. nachdem wir mit den Buͤchſenconds:. tmeeiſtern/ die wieder nach Gandicot kehreten/ e ritten wir unſers Wegs/ neben den 16. Reutern von dem Nabab uns zugeben/ fort/ und kamen nach einem Strich von 6.Meilen in ein Dorff/ genennt Coteen, jenſeit des Fluſſes/ der diß malen ſehr groß ware/ zu uͤberbab, damit die Soldaten nicht durchgehen kon, nachten. So bald wir uber das Waſſer geweſen/ nahmen die 16. Reuter von uns Abſcheid/ und obſchon wir dem Fürnehmſten under denſelben/ Gelt fuͤr Taback und betle angeboten/ koͤnten wir jhne doch nicht bewegen/ etwas anzunehmen. Die Schiffe/ in denen man über dieſen Fluß fahret/ ſeynd wie groſſe Körbe von Weyden/ auſſen mit Ochſen⸗Pauten uber zogen/ auf den Boden werden etliche Buürden Holtz oder Wellen gelegt/ und auf dieſelben Teppich gebreitet/ um darauf die Bagage und Waaren/ ſolche vor Netzung zu verwahren/ zu legen. Was die Kütſchen und darren anbelangen thut/ bindet man dieſelben bey der Deichſel und den Nadern/ zwiſchen piece durchſchwinnnen/ voneinem Mann mit einer Gef von hunde ee eee in dein Schiff die Halfteren haltend. Die Ochſen/ welche nach des Lands Gewonheit/ erbrechen ware/ ier Man ene und mit Schauffeln ruderend; ſo bald eine“ oͤrben/ aber die Pferde müſſen getrieben/ und ein anderer Reisbeſchreibung in Indien/ den Bagage tragen/ ſo bald dieſelben an diz Ufer des Wafre und acheladen werden ſie hinein getrieben/ und alsdann ſchwimmen ſie ſelbſten hinber. In dem Korb oder Schi ſeynd vier Mann/ in jedem Ecke einer ſtehendderen/ dem andern zugleich zu rudern fehlet/ treibet das Schiff drey oder viermal herum und wird von dem Waſſer weit für den Ort/ da ſolches anlenden ſollen/ hinunder getriehen Den 18. kamen wir nach fünfſtündiger „ Dem i. nach 9. Weil Wegs/ zu Sante ſela zu übernachten. „Det 20, ritten wir auch 9. Heil Wegs biß nach Zoremeda in das Nachtläger. Dien af. als wir 6. Stund zugebracht blieben wir die Pacht zu Kaman, das wark vor Eroberung des Koͤnigreichs Carnatica von Mirgimola, wie in vorhergehendem Capitul gemeldet/ beſchehen/ eine Grantz⸗Stadt des Königreichs Golconda. Den 22. übernachteten wir zu Emelipatabiß dahin von obbemeldter Stadt J Meilen M ohngefehr halb Wegs/ begegneten uns mehr als oo. beides Mann und Weibsperſonen/ 5 und mehr als zwantzig Palleleis, jeder mit eis e w nem Bild/ mit güldenem Grocatel und Saum füt met/ mit Gold und ſilbernen Franzen gezieret/ theils von 4. theils von d. und andere von 12 Mann/ nachdem die Bilder groß und ſchwer getragen/ beederſeits des Palle kis, gienge ein Mann mit einem runden Weyhwadel/ ohngefehr fünf Schuh diametral/ von ſchoͤnen Strauſſen⸗ und Pfauen⸗Federn/ underſchiedlicher Farben/ gemacht. Der Stihl dieſesWeyhwadels ware oder 6. Schuh lang on Gold und Silber/ ohngefehr eines Frantoltſchen Thalers dick/ Uberzogen; ein jeder erwielk ſich geſchaftig dieſe Wephtwadel zu haben ur dem Bilde mit Weyhen zu dienen/ und zu vekhindern/ daß die Mucken ſieh nicht auf de. Angeſicht ſetzten. Ein anderer Weyhwade. 4 oder Sormenſchein/ ſo ein wenig groͤſſer ſch 15 ne/ und der kein Stihl hatte/ trugen ſie wie 1 7 nen runden Schilt: der ware mit underſchienn licher Farben Federn geziehret/ und rund hell 5 mit gold ⸗ und ſilbernen Schallen behangek Der jenige/ welcher einen dieſer Schirm! 15 ge/ gienge beſtaͤndig nahend dem Pallekis auß der Seiten dahin die Sonne kam/ um d 165 Bilde Schatten zu machen; dann die Di hang des Pallekis zuzuziehen/ ware dem zu warm geweſen/ und der Trager ſolSchilds oder Sonnenſcheines/ ſchüttelte 155 chen oft die Schallenklingend u machen, hemit hierdurch das Bild zur Frolichkeit e, wegt wurde. Alle dieſe Leute mit ihren 1 1 dernoder Göttern/ kamen von Brampouf af umligenden Orten/ und giengen ihrengree, Ram, Ram, das iſt/ ihren groſſen Got gand cher in einem Pagode oder Tempel in geſhchen des Koͤnigs von Carnatica iſt/ zu bacgeg/ f dieselben waren bereits 30 Dag auf dec kom, und hatten noch biß zu dieſem Tempel nen und ſie mit einandern nicht überein konunenn 5 dieſes 2 5 0 en bene nah n dach e en/ x4. oder iy. Tag zu reiſen. Einer meiner rechten/ der von Brampour; und auß dem tammen dieſer Voͤleker war/ bate mich/ jh0 e Urlaub zu geben/ um auch ſeine Gotter zu begleiten vorwendend/ er hatte laͤngſten ein Helübd gethan/ dieſe Wallfahrt zu verrichten. Ich wunde bewegt/ hme ſolches zuver willigen/ wol erachtend/ daß wann ich es jhme verſagt/ er ſelbſten Urlaub genommen haͤtke/ weilen viel aner Verwandten unter dieſen euten ſich 10 anden. Zween Monat ungefehr hernach/ aim derſelbe zu Surate wiedrum zu mir/ und weller uns/ nemlich Monſieur du jardin ind Ar/ getreulich gedient/ hatte ich kein Beden0 als hn wiedrum anzunehmen. Wie ich denelben wegen ſeiner Wallfahrt ein und anders alfragte/ erzehlete er mir eine Sach/ welche 0 er ſchwerlich zu glauben/ die ſich/ einer Außdect nach /alſo zugetragen: Sechs Tag nach ein er mich verlaſſen/ hatten dieſe Pilgrum jhre Mechnung gemacht/ in einem Dorff zu überna ten/ und ehe man dahin komt/ muß man über einen Fluß/ der den gantzen Sommer über wenig Waſſer hat alſo daß allenthalben durch zu watken muglich. Aber wanns in Inen regnet/ beſchicht es alſo ſtarck/ daß es ener Sundflut gleich ſcheinet/ und in weniger/ als dag oder zwo Stund Zeit wachſen die kleinen liche 2. oder 3. Schuh hoch. Als mm der Kegen dieſe Pilgrün überfallen/ und dieſer Fluß 5 angeloffen/ konten ſie denſelben Tag icht hinüber konnen. Wie in Indien unno8/ daß die Reiſenden einen Vorrath an . beiſe mitnehmen/ inſonderheit die Abgotdler/ welche von keinem Ding/ ſo das Leben 5 abt /eſſen/ weilen in dem geringsten Dorff115 Ris/ Mahl/ Butter/ Mich/ Anſen/ und mae Germuß, Zucker/ auch trucken und einge1 0 Zuckerwerck gefunden wird/ ward dieſe ge Menge Volcks/ die gar keinen Vorrath and heiſe hatten/ nicht wenig beſtürtzt/ da ſie al en Ufer dieſes Waſſers kommen/ ſolches guf hoch angeloffen zu ſehen/ und in das Dorff ken 250 andern Seiten/ allda ſie zu ubernachun Abſehen gerichtet hatten/ zu gelangen zungen lich. Sie hatten gar nichts ihre Kinder ndeſchweigen/ und horete man groß Weinen kus lagen unter dieſem Volck. In dieſer dheſten Noth ſetzte ſich der Vornehmſte jhmit z eltern in Mitten des Volcks/ lieſſe ſich uffelem Bett⸗Tuch bedecken/ und hube an zu tülfen/ daß die jenigen/ welche Speiſe begehr0 uf zme kommen ſolten. Derſelbe befragte begehrte elddas/ und für wie viel Perſo e Nis oder Mahl/ und in einer groſſen nem 0 l die er hatte/ das Bett⸗Tuch an eiehrt halt gufhebend/ gabe allen/ was ſie be„ kanakkeg. Alſo daß dieſe gantze Menge von 4. blenden geſäktigt worden. Nicht zehlt at mein Knecht mir 10 Geſchicht er0 0 5 110 da ich eh Brampour gethanen Reiſen/ allamp den Vornehlnſten der Stadt bebh befuc don vielen, die bey dieſer Wallfarth am, unden bey Schwur ihres Ram, auf feiſſeges Nachfoyſchen beſttigk 6 79 1 80 welches ich jedoch nicht glauben Den 23. nachdeme wir 8. Meil Weegs uͤber viel Bache gereiſet/ kamen wir an in Doupar. Den 24. gienge unſere Reiß nicht weiter als nach Tripanre⸗ ſo vier Meil iſt/ daſelbſten iſt ein Pagode pder Tempel auf einem Hugel/ ſo rund herumeine Stiege von Qugderſteinen aufgeführt. Der geringſte Stein dieſer Stiege hat 10. Schuh in der Lange/ und drey in der Breite/ und ſeynd in dieſem Tempel viel Bilder jhrer Geiſter; unter andern iſt eines der Venus gleich/ gaſtz gerad/ und oben über mit vielen Bildern in unzuchtigen Poſturen; dieſe Venus und Bilder der Geiſter ſeynd von einemeinigen Stuck Marmor gemacht/ aber die Arbeit ſehr grob. 12 5 2. Ubernachteren wir zu Mamli, ſo d. Den 26, zu Macheli, auch 8. Meil. Den 2. kalnen wir nicht weiter/ als dreh Neil/ weilen wir einen groſſen Fluß in Korben/ welches gemeiniglich ein halben Tag Zeit hinnimnt/ überfahren müſten. Dann wann man an den Ufer des Waſſers komt/ wird weder Korb noch anders zum Uberfahren geſehen. Es kam allein ein Mann/ mit deme wir den Beding für unſere Uberfahrt machten; und das Gelt/ ſo wir jhme gegeben/ obs gut ſehe/ zu probieren/ machte er ein groſſes Feur/ warff ſolches darein; dergleichen er gegen jederman/ den er hinuber führt/ zu thun pffegt. Wann unter dem Gelt/ ſo er empfangen/ etwan eine Roupie, dit in dem Feur ſchwartzlecht wird/ muß man ihm eine andere geben/ ſo er auch gluend macht/ nachdeme er geſehen/ daß das Gelt gut/ rufft er ſeinen Geſpanen/ den Korbe/ welcher gewohnlich an einem Ort jenſeit des Waſſers verborgen iſt/ zu zuführen. Dann dieſe Leute ſeynd liſtig/ und wann ſie von weitem ſehen/ auf welcher Seite die Reiſenden herkommen/ führen ſie den Korb hinuber auf die andere Seite/ damit ſie nicht gezwungen werden/ jemand ohnbezahlt hümiber zu führen. Wann dann das Gelt gelieffert/ und der Mann der ſolches empfangen/ ſeinen Geſellen geruffen/ ſiehet man dieselben den Korh oder das Schiff auf jhren Achſeln an den Ufer des Waſſers tragen; alsdann gehen ſie hinein/ und kommen die diſſeits War tende abzuholen. Den 28. kamen wir an zu Dabir⸗ pinta, ſo 5 Meil/ und blieben allda übernacht. Den 29. nach taſtündiger Reiß/ übernachteten wir zu Holcora. Den 30. zu Peridera, ſo 8. Meil. b Den Montag 1. October/ wie wir 10. Meilen gereiſet/ erreichten wir zu unſerem Nachtlager Atenara, ein Luſthauß/ welches die Konigin des jetzt regierenden Königs Mutter/ erbauen laſſen. Es ſeynd viel Kammern auf einem groſſen Nlatz des Hauſes/ zur Dequemlichkeit der Reiſenden. Zu wiſſet iſt/ daß in al denen Landen/ da wir durchgereiſet/ſo wol des Königreichs Carnatica, als der Königreichen Golconda und Vilapour, wenig Aerzte/ als für die Könige G 4 un 80 langen thut/ wann das Regenwetter vorüber/ und die geit die Erden⸗Gewachſe außzuziehen/ vorhanden/ werden taglich die Hauß⸗Muttere auß den Stadten und Dorffern gehend/ um die „Krauter/ die denſelben bewuſt/ wider die in jhrẽ SGeſchlechte regierenden Kranckheiten dienlich/ einzuſanlen/ geſchen. Zwar in den guten Studten 1 ſich gemeiniglich ein oder zween Mann, welche einige Erfahrung in der Artzney haben/ und taglich Morgens auf dem Platz oder an einem Ecke der Gaſſen ſitzen Mittel/ es ſeye Tranck oder Pfafter/ den jenigen/ die an ſie begehren zu geben. Sie greiffen alſobald den Leuten den Puls/ und indeme dieſelben diß Mittel/ darfür ſie alleinden Werth anzween Eiarcds nehmen/ ertheilen/ mummlen ſie etliche Wort zwiſchen ihren Zähnen. Den 2. October hatten wir allein noch 4. Meilen biß nach Golconda zu reiſen. Wir tigen ab in dent Loſatnent eines jungen Hollaänders/ des Königs Wund⸗Artzt/ Pitre de Lan genant/ welchen Here Cheteur, geweſener Aͤbgeſandter von Batavia/ zu bemeldtem Solconda gelaſſen/ weil der Konig ſolches an hne inſtändig begehrte. Dieſer Fuͤrſt ware beſtanArtzte harten ſhme gerathen/ unter der Zungen au vier Orten die Adern offnen zu laſſen/ aber niemand fande ſieh ſolches zu unterſtehen; dann was die Wundartzung⸗Kunſt aubelangen thut/ verſtehen ſolche die Leut des Lands gar nicht. Ehe dieſer de Lan indes Konigs Dienſte war/ wurd er befragt/ ob er jhme wol Aderlaſſen konte? Darauf derſelbe geantworret/ daß ſolches das leichteſte Stuck der Wundartzung⸗Kunſt ware. Der Abgeſandte von Batavia Mai ſich enn ſchleeſen jhne zu hinderlaſſen; aber er wolte den Konig nicht erzürnen; und de Lan bekame 800. Pagocles eſoldung. Etliche Tage nach des Abgeſandten Abreiſe/lieſſe der Konig den Wundgrtzt fordern/ und demſelben anzeigen/ daß er Ihme folgenden Tag/ nach der Artzten Rath/ un vier Orten unter der Zungen Blut lafſen/ aber wol in geht nehmen ſolte/ daß nicht über 8. Quce ſchwer herauß lauffe. De Lan ben folgenden Tag wieder nach Hof kommend/ wurde von zween oder drey Verſchmittenen in eine Comer geleitet/ allda vier alte Weiber jhne abholeten und in das Bad führeten; und nachdembieſelben ihn entkleidet/ und wol/ inſonderheit bit Hande gewaſchen/ ſalbten ſie jhn mit wolriechezden Materialien/ und an ſtatt ſeiner Kleidung ſo nach Europeiſcher Tracht ware/ gaben ſie demſelben einen Rock nach LandsTracht; darauf führten ſie jhn für den Konig/ da wurden 4. guldene Schüſſeln/ ſo die Artzte/ welche zugegen waren/ abwegen laſſen/ und darein das Blut gefaſſet werden ſolte/ gebracht. Er offnere mm dem Konig die Adern unter der Zunge an vier Orten/ und gelunge ihm ſo wol daß wi d d eln abgewogen worden/ ich nicht mehr als jut 8. Once ſchwer befunden. Der Konig war wie das Blut ſammt den Schuſ5 Reis beſchreibung in Indien und Furſten; was das gemeine Volck anbewol begnugt/ daß er dem de Lan drey hundert oͤnigin und des Koͤnigs Mutter ſolches vernommen/ wolten ſie/ daſer jhnen auch Blut lieſſe; aber ich glaube/ es ware mehr auß Begierde ihn zu ſchen/ als au Nothwendigkeit ſich ein Ader eroͤffnen zu laſſen; dann er ware ein ſchoͤner wolgeſtalter junPagodes, welches bey e ſen. Wie die junge K ger Mann/ und vielleicht hatten ſie niemalen einen Fremden ſo nahe beſehen; daß ſolches aber von ferne beſehehen/ mag wol ſeyn/ ſintemalen ſie von dem Ort jhrer Wohnung 10 hinauß ſehen/ jedoch micht geſehen werben koͤnnen. De Lan nun wurde abermal in eine Caulmer geführt/ alda eben die jenigen Weiber/ die 5 denſelben zuvor in das Bad vor Aderlaſſen des Konigs geleitet/ jhme die Arte entbloſſeten/ wol/ und inſonderheit die Hand waſcheten/ und hernach mit wolriechendem Balſam/ wie zuvor/ als er dem Konigelderlaſſen ſolte/ beſchehen ſalbeten. Wie ſolches vorüber/ zogen ſie einen Vorhang/ und ſtreckte die unge Konig durch ein Loch den Arm/ daran ihr der WundAut eine Ader oͤffnete; ein gleſches beſchahe auch hernach an der Königlichen Mutter. Die 0 Erſte lieſſe jhm fünfzig/ und die Andere dreyſdig mit einem Haupt⸗Weh beſchweret/ die f ig Fagodes, ſamt etlichen Stücken gulben Brocar verehren. 3 1 Zlveen Tag nach unſerer Ankunfft/ giengen wir des Nababs Sohn zu 1 aber bekamen zur Antwort/ daß denſeiben Tag nicht moglich waͤre mit jhme zu ſprechen. Den genden Tag giengen wir wiedrum hin/ und g wurde uns ein gleiches angezeigt; jemand thate uns zu wiſſen/ daß wir noch lang aufgehalten werden dorfften/ weilen dieſes ein junger Here/ der faſt beſtandig bey dem Konig/ und auß dem Pallaſt gehend/ alſobald in ſeinen Haram zi ſeinen Weibern ſich einſchlieſſen thate. Al num der. Wund Artzt De Lan wol geſehen, f daß unſere Geſchaffte in die Lange aufgezogen werden mochten erbote er ſich deß wegen mie dem Ober⸗Keib⸗Artzt des Königs/ deſſen R 755 er auch zugleich ware/ zu reden; dann wir bebſelbe dem Abgeſandten von Batavia/ at 112 lbſten dem De Lan viel Freundſchafft zeugt; vielleicht jhme lieb ſeyn wurde/ auch in zu begunftigen; und das beſchahe auch. Daun ſo bald Pe Lan demſelben von der Sach Ane deutung gethan/ lieſſe er uns fordern/ zu verneh men/ wor in er uns dienen konte. Nachdeme 15 Ihn begriiſſer erzeigte er uns ſehr groſſe renne, lichkeit/ und bittend/ daß wir uns ſetzen ſolloen lieſſe er von den Früchten des Landes being, Darauf er von dem Land/ daher wir eue und die Urſach/ warum wir zu dem Konig gehrten/ uns fragte/ und als jhme Naa ö wir etliche ſchone Perlen hatten/ Ih zu zeigen/ bate er unß/ ſolche jhme den ee den Tag zu weiſen/ welehes beſchehen. Shen ſelbe beſchen/ wurden ſie uns wiedrum in 15 Saͤcklein/ wie er ſie empfangen /geliefft chat Begehren/ daß wirs mit buſenm tg verlvahren ſolten/ weil alles/ ſo vor den 1 gufgelacht wird von dem Mischa de her Mans ver pitſchiert ſeyn mute; und wat 2 J Etſtes Bucht. 5 Kong solches beſehen/ laͤſt er ſein Inſiegel Farauf drucken/ damit kein Betrug unterlauffen konne/ alſo uͤberlieſſen wir jhme alles verditſchiert/ und er verſprache uns/ ſolches dem dolig zu weiſen/ auch uns von der Commiſnon/ die er uns zu Gefallen über ſich nahme/ gute Rechenſchafft zu geben. 3 Den folgenden Tag/ waren wir Morgens in frühesten mit De Lan auf der Jagd/ und vocduuſerer Zuruckkunfft um 8. oder 9. Uhr den Mittag/ an dem Ufer des Waſſers/ wie des Königs/ und der groſſen Herren Elephanten gewaſchen wurden/ zu ſehen. Der Elephant geher in das Waſſer biß an den Bauch/ 5 1 lich hernach auf eine Seite/ und mit dem zulſel geuſt er Waſſer auf die über ſich geeule Seite/ dieſelbe wol zu waſchen. Der Clephanten⸗Meiſter darauf/ reibet des Thiers aut mit einer Gattung Bimſtein/ und reigiget alſo ſolche von allem Unrath/ ſo daran ch gehanget haben mochte. Etliche glauben/ ſch wann dieſes Thier auf der Erden lige/ von lich ſelbſten nicht wiedrum aufftehen konne/ elches aber deme/ ſo ich geſehen/ ſchnur ſtrack zu wider; dann ſo bald der Meiſter daſſelbe auf einer Seite wol abgerieben/ befiehlt er jhme/ ſieh auf die andere Seite zu wenden/ welches alſobald beſchicht/ und wann das Thier ederſeits wol gewaſchen/ gehet ſolches auß dem Waſſer/ und ſiehet eine Meile an dem Ufer/ trocken zu werden. Alsdann komt der Meiſter mit einem Topff voll roth ober gelber arb/ und bezeichnet das Thier mit Strichen gu der Stirn/ um die Augen/ auf der Bruſt nad dem Hindern/ daſſelbe darauf mit Cocos0 die Nerffen widrum zu ſtarcken/ reibend; dc etliche hangen jhnen endlichen ein Ge0 meide von falſchem Gold oder Silber auf eme 5 n Ale Den 1. lieſſe der obriſte Königliche Leibf um zwey Uhr nach Mitkag uns abho15 99 uberliefferte uns wieder unſere Perlen/ Be ſich Königs Inſtegel/ ſo er darauf nach Er bhtigung trucken laſſen/ wol verpitſchiert. hir ehrte den Preiß eines jeden Stucks/ ſo f 0 55 vermeldeten; und wie er einen Verte: den bey ſich hatte/ der alles verzeichnefie been über die Perlen von ſo hohem Preiß 3. wunderend/ ſagte/ daß gewißlich wir lber öl⸗Leute des Königs von Golconda für nter und ohnwiſſend hielten/ w 0 Ich d ohnwiſſend hielten/ welche doch tag⸗ fe cher 5 lich 0 9. Meldung beſchehen ſchickte an mich von mam 9 150 andere koſtliche Sachen/ die dem Ko derſpredracht wurden ſehen chaten. Ich wiich wal dem Verſchmttenenkrotziglich/ daß lungen Sur diät daß er den Preiß einer ſte; unde clavin beſſer/ als eines Kleinods wuWir d deme ich dieſes ſagte/ verwahreten Abſc en unſere Perlen/ und von dem Artzt n koa humeltd/ kehreten wir nach unſelutte men, So bald wir zurrick waren/ der halten ho Kutschen zu bedingen) ein jeweexeiſegen keits ſein Hand⸗ ferd und alſo ftuh y 8 den folgenden Tag/ Morgens Lag 8 eleonda konten aber denſelben dle Porte, Weilen weit kommen, eil 8 geſen/ Engellander und Hollander/ 5 8. alleſamt des Königs Buchſenmeiſter/ uns begleiteten(und wir mir einander uns luſtig machten. Es iſt nicht noͤthig/ allhier zu wiederholen/ was im Eingang dieſes Wercks vermeldet/ und weil ich von Golconda nach Suxate,; den jenigen Weg/ welchen ich von dieſem Ort nach bemeldtem Golconda genommen/ wiedrum gereiſet/ ſintemalen kein anderer/ habe ieh nichts anders dißmalen ferner anzubringen/ als daß/ nachdeme wir(auf das dem Verſchnittenen von mir beſchehenem Widerſprechen) ohngeſaumt von SGolconda ahgeſeheiden/ der Konig/ welcher ſolches erſt zween Tag nach unſerer Abreiſe vernommen/ hat vier oder fünf Neuter nachgeſchickt/ mit Befelch/ uns wiedrum/ da wir angerroffen wurden/ nacher Hofe zu führen. Wir waren bereits funf Tage weit von Golconda, und eine Tag⸗Reiſe in dem Gebieth des groſſen Mogols, da einer dieſer Reuter zu uns in das Nacht⸗Lager kame/ deſſen Geſellen auf den Grentzen beeder Lande geblieben/ wol erachtend/ weilen wir ſchon füͤrter gereiſt/ nicht geneigt ſeyn würden wiedrum zuruck zu kehren. Dieſer Reuter eroͤffnete uns des Königs Befelch/ uns wieder mit ſich zurück zu führen/ mit Vermelden/ daß er die Perlen erkauffen wurde/ und jhme fremd vorkommen/ daß wir alſo ſtillſchweigend und eylend weggereiſet; wie wir nicht mehr guf des Koͤnigs von Solconda Grund und Boden waren/ konte er nicht wol anders als uns inſtandig birten/ wieder mit jhm umzukehren/ verſicherend/ daß uns alles Genügen wiederfahren wurde; und der Herz du Jarclig wolte bey nahe einwilligen/ aber was nich/ dem des Lands Arb beſſer als jhm bekant/ anbelangen thare/ ſagte ich dem Reuter frey herauß/ daß es nicht ſeyn konte/ und nach dem er von uns weg/ gabe ich meinem Reiß⸗Gefahrten die Urſach/ warum ich nicht wieder nach Golconda kehren wolte/ zu verſtehen. Wie 10 50 9 55 cee/ ôallda Des aa. wenig Tag hernach Herz du Jardin von ei⸗ dor An, nem Überſchuß der Gall/ wie in meiner Be⸗ kauft zu su. ſchreibung Perſien vermeldet/ geſtorben/ machte ich meine Rechnung nach Agra zu reien/ den Cha⸗gehan, damalen regierend zu beſuchen; gber der Nabab Cha- Elk Kan, des Königs Schwager und Gubernator der Landſchafft Guzerate, von welchem anderſtwo dabat, allda er ſeine Reſidentz harte/ einen ſeines Hauſes fürnehmſten Beamten/ mir anzuzeigen/ daß nachdeme er vernommen/ daß ich etliche ſchene Kleinodien zu verkauffen hatte/ jhme lieb mare/ daß ieh zu jhme kame/ mich berſßicherend/ daß er mir ſolche eben ſo wol/ als der Konig/ bezahlen wolte Dieſe ortſchafft empfienge ich in wahrender Her en du Jardins Kranckheit/ und wie er den 9. Tag December ſtarbe/ und wir ihne zu Surate die lelſte Ehre erzeigt/ reiſete ich nach a madabat, und handlete alſobald mit dem Nabab. Dann weil er auf allerley Kleinodien und Edelgeſtein ſich treftich wol verſtunde/ waren wir bald Rand un enthalt zu Arnada bat, Des Fürſten Kan Frey82 und haͤtken keinen Streit unt einander/ als wegen der Bezahlung. Er gabe mir die Wahl der Sorten/ und ſtunde in meinem Willen/ Gold⸗ oder Silberne Roupies zu begehren/ weil aber dieſer Furſt ſich vermer⸗ 4 cken laſſen/ daß jhine nicht lieb ware/ wann man ſehe eine ſo groſſe Summa Gelds guß ſeinem Hauß tragen/ und wunſchte/ daß ich eine Bezahlung in Gold⸗Roupies nehme/ welches genauer zuſammen gienge; war ich zufrieden/ ſeinem Willen ein Genugen zuthun; er zeigte mir hierauf ſehr ſchoͤne GoldStück und alte Roupies, die dem Anſehen nach/ eine lange Zeit nicht an den Tag kommen waren; aber wie der gangbare Preiß einer ulden Roupien 14. ſilberne Roupies geween/ und er mir die Seinige um 142. oder wenigſt für 144. auſetzen wolte/ war es an deme/ daß der Kauf zurück gehen ſolte/ ich gabe jhm zu erkennen/ daß auf einer ſolchen groſſen Summa. auf jeder Roupies Gold zu verlieren/ mich nicht entſchlieſſen konte. Endlichen jhme zu Gefallen muſte ichs für 143. anehren. Und dieſer Fürſt/ welcher ſonſten koͤſtlich und edelmüthig im Einkauffen ware/ wolte ſich gleich wol auch als einen guten Cem Auf, Maußhalter erzeigen. In der Zeit meines Aufenthalts zu Amadabat, ſchickte er mir taͤglich in mein Loſatnent/ ſo ich bey den Hollanndern hatte/ 4. ſilberne Schuſſeln von ſeiner Taffel/ mit pilau und guten Speiſen; und eines Tags/ da der Konig ihm 10. oder 12. Mann mit auß Perſien über Candahar empfangenen Aepffen ſandte/ verehrte er mir von denſelben zwey Becken voll/ welche/ weilen es etwas ſonderbares/ zu Amadabat wol 3. oder 4. 1 gegolten hatten. Dieſer ſeh die Hollander/ und Frauen/ und wir machten uns ſroͤlich genug die Zeit uber/ die ich an dieſem Ort geblieben. Uber das beehrte mich lichen Kleid/ vollkommen ſamt dem Degen und der Cangiare, welches zuſammen wol 10000. Roupies werth; und wie er mir noch ein Pferd verehren wolte/ fragt er mich/ welcher Art mix beliebte. Weil ich mim zu erwehlen die Freyheit hatte/ ſagte ich/ daß mir ein friſches und muthiges Pferd lieber/ als eines/ ſo bereits alt ware. Darauf lieſſe derſelbe mir eines auß ſeinem Marſtall zuführen/ welches ich alſobald beſtige/ und datnit in der Hollander Loſament ritte/ aber nicht ohne groſſe Mühe/ dann es thaͤte nichts als tantzen und ſpringen/ und war alſo toll/ daß/ als ich ſolches einem jungen Hollander/ der vermeynte beſſer als ich/ damit zurecht zu kommen/ zu reiten uͤbergabe/ derſelbe in geſchwinde auß dem Sattel gehoben ward/ und des Pferds nicht Meiſter werden konWie ich nun dem Cha- Eſt-Kan zuer1 Sie ee, kennen gate daß ein ander alteres Pferd mir dienlicher were/ befahler ſeinem Stallmeiſter/ mir eines/ welches ſeines Vattern geweſen/ doch noch wol zu gebrauchen/ und Reisbeſchreibung in Judien/ nen Frucht theilte ich mit unter Cha · Eſt· K an init dem Calaat, oder Koͤnigdie Perſiſche und Indiſche Volcker im vor dieſem mehr als drey kauſend Cronen gekoſtet hakte/ zu liefern. Als ich aber deſſen zu meinem Reiſen nieht benothigt ware/ verkaufte ich es einem Frantzoſen füt 00. Roupien, fpelchem ich daneben zugleich bey dieſem Fürſten Dienſte zu wegen brachte/ und der viel gewinnen hatte kön nen/ wann er das Gelt durch unordentliches Leben nicht verſch wender. Von Amadabat kam ich wiedrum nach Surate, und von dieſem Ort nach Golconda, von dannen reiſcte ich nach den DemanlGruben/ einen Einkauf zu thun. Bey me ner Wiederkunfft zu Surate machte ich mich fertig/ wiedrum in Perſien zu reiſen; aber mir begegnete e Verhinderung /, auf welche folgte 1 che Schiff Fahrt/ in beren ich in groſſe Noth gerathen bin/ die ic wol haͤtte vor erſehen konnen/ aber zu bermelden wenig geachtet/ weilen ich niemals/ wann Befürderung vonnathen die Gefahr ſo die Reiſenden beides zu Waſſer und zu Lan de außzuſtehen/ gefoͤrchtet R Das 8 Capitel. Von der Zuruck⸗Reiſe von Surate nach Ormus, und wie der Author in ein ehr ſthharffes und ſehr gefaͤhrliches See, Gefecht/ darvon er gluͤcklich entkomIle ich von dem Diatmant⸗Bergwerck In surare wiedrum zurück kommen/ vernahme ich/ daß der Krieg ztwiſchen del Engellaͤndern und Holländern außgekunde ware/ und daß dieſe Letſt⸗ gemeldten keine Schiffe mehr in Perſien ſchicken wurden, Deßgieichen ſagten auch die Engellander, weilen der Ihrigen 4. die ſie fal erm teten/ auf der Reiſe/ und alſo ſahe ichden Paß auf der See nach Ormus geſperret. 0 0 hatte zwar den Zhdeg zu Land uber aß der Candahar peiſen können/ zu dete/ daß di. Weg über die maſſen lang/ ware mir 1 müglich/ oder wenigſt ſehr ſehwer gefalle wegen des Kriegs von Candahar, 5 810 lagen/ durchzukommen. In der Sorge 00 ich ſtunde/ daß ich lang an einem Ort 8 1 Geſchaffte bleiben muſte“ kamen den on nuarij 5, groſſe Hollandiſche Schi er Batavia zu Surate an darüber ich 1 l, feuer ware“ zpeſlen ich mich von den d/ laͤndiſchen Befelchhaber/ der mein 10 15 verſicherer Fette(alles nach Wu h klangen. Jin Doribergeheen kan ich ke unterlaſſen anzlidenken/ daß in 0 05 den nen Reiſen weng Befehlhaber(alſo 19 sich die Vorgeſetzten der Conroren deen and befünden, welche mich nicht werth hielten aben/ benen lieb wake/ die Gelegenheit zu h Erſtes Buß). mir Dienſte zu erzeigen. Ich habe hingegen duch getrachtet/ in allen Begebenheiren denfe ben zu dienen/ jliſonderheit wann ich nach den Demant⸗Adern oder Bergwerck reiſete05 al dal ich für ſie von ihrem eigenen Gelt DeMiuber mant einkaufte/ ſo ſie nicht wolten/ daß es fc e 10 ompagnie wiſſend wurde/ ſintemalen Naeh nen der abſonderliche Gewerb verboten/ hu, dend zu dem/ verſtunden ſie ſich wenig auf den Feankaulf der Edelgeſteinen. Aber/ obſchon leſe denſelben/ auf jhr erſuchen/ erwieſene Wienſte/ ohne eimgen meinen Nutzen waren/ mochte doch ſolches nicht hinderen/ dann daß 90 auf eine Zeit/ von derſelben zu Batavia/ n Handel angerichtet worden/ auß deme zu eee ich nicht geringe Muh hatte/ wie in d. Jolge meiner Beſchreibung davon Meldung beſchehen olle. Ich ſparte auch keinen Aeiß/ an alfen denen Orten/ da die Hollander ontor haben/ und mich eine zeitlang aufgegalten/ um ſo viel mir mmer moͤglich/ jhr ich enzimmer helffen zu erluſtieren/ und wie memalen auß Perſten in Indien ohne guf 0 Wein und ſchoͤne Fruͤchten kame/ auch boi zeit ſemand bey mir hatte der die Kuchen iel beſſer/ als die Hollander in Indien/ verunde; und eine gute Suppe) auch etwas gebackenes zurichten konte/ begabte ich dieſelhen zimlich oft mit einer Collation/ da es an fungen Tauben in Pyraniden nit viel der ſo genanten Piltaches zubereitet nicht manglete. Auf beſchehene Collation folgten dann le 1 nach des Lands Gebrauch/ arvon bereits genugſam Meldung anderswo dethan/ wie dieſelben dann neben ihren Mannean/ die mitzumachen verleitet wurden/ bezeugken/ daß ſolches jhnen ſehr angenehm ware. wie eil nun der Befehlhaber von Surate, Verte emeldt/ mein ſehr guter Freund/ offetabig or emir Platz in einem diefer von Bamir danommenen fünf Schiffen/ welches fahr liebte, jedoch mit Vorhaltung der Geund 015 wegen der Engellanderen zu beſorgen/ unm 5 un Begegnung derſelben/ ich in ein ne ie enliches Gefecht gerahten wurde. Meidee eunde baten mich auch/ die groſſe Gefahr/ was nich entgegen gienge/ zu betrachten. Aber fangen u geſagt worden/ mochte nichts verFee, Daum ehe ich mehr unnutzlichen die te/ ver urate, da ich nichts zu ſchaffen hatluce liehren wolte/ faſſete ich eine veſte ReloHol wich zu Schiff zu begeben. Wie die gls gad chen Schiffe mehr Kriegs⸗Schiff haber guf⸗ Fahrer waren lieſſe der Befehl8 derſelben drey/ ſo ſchleunig moͤglich eyn konnen/ außladen/ um ſolche vorchiff⸗ mit Befehl/ die vier Engliſchen Nerf welche mit Waaren beladen/ von demng⸗ im der Zuruckfahrt ſeyn ſollen/ und chf nicht in dem Stand/ wie ungeladene Die za lich zuſchlagen/ ohngeſaunt zu ſuchen. dey Der) übrigen Schiff folgten zween oder n vonn Hernach/ und ſo viel Zeit ware jhNloviant 5 ür die ſamtlichen z. Schiffe/ Schi gde ches alles dieſe zwey 8 83 Ich begabe mich nun in eines derſelben zwey letſtabgefahrenen/ und nachdem wir den 8. Januarij abgeſeglet/ kamen wir den 12. vor Piu an und funden daſelbſten die erſten Schiffe: Alſobald wurde Rath gehalten/ um zu beſchlieſſen/ wohin die Fahrt/ und die Engliſchen/ ſo wir bereits in Perſten ankommen hiel ten/ und die zween Tag von bemeldtem Diu, vor Ankunft daſelbſten der dreyen erſten Hollandiſchen Schiffen abgeſeglet waren/ anzutreffen. Es ward beſchloſſen/ daß wir nach dem Scimdi fahren/ und nach Aufhebung der Anckern/ ein jedes Schiff der Stadt Piu ſo nahe moglich/ beyfahrend/ alles Geſchutz gegen derſelben loſen ſolte. So bald die Ein⸗ e wohner ſahen/ daß wir der Stadt uns naͤher⸗ vor der ken/ begunten ſie zu fliehen/ und hatten allein Stadt din. das Hertz/ zween Schutz auf uns zu thun. Nach Loͤſung alles Geſchutzes/ fuhren wir nach dem Scimdi, da wir den 20. deſſelben Monats ankamen/ und alſobald ſchickte man an Land; ſintemalen die Engellander und Hollander/ jedes Theil daſelbſten jhre Wohnungen. Unſerem Admiral kame Bottſchaft/ daß man taglich den Engliſchen Schiffen/ welche ohngefehr 200. Ballen Waar/ ſo an dem Geſtad ligen/ zu laden/ erwartete; guf dieſen Bericht wurde beſchloſſen/ allda biß auf den 10. Februarij under Ancker zu ligen: daß/ wann in dieſer Zeit ſie nicht erſchienen/ wir wiederum in die See gehen/ und die Engliſchen in Perſien ſuchen ſolten. Den 2. Februarij/ mit anbrechendem Tag/ waren wir etlicher Saͤglen gewar/ aber weil es allzu ferne/ konte man ſolche nicht erkennen/ weniger denſelben/ wegen widerwartigen Windes/ entgegen fahren. Etliche vermeinten Anfangs es waren Fiſcher/ aber allgemach/ und nach deme die Schiffe/ ſo den Wind hinder ihnen her hatten/ ſich naheten/ erkandten wir/ daß es die Engliſchen waren/ welche auf uns kamen zu ſtuͤrmen/ nach dem Bericht/ ſo ſie/ wie wir hernach von etlichen Fiſchern vernommen/ bekommen hatten/ daß die Hollandiſchen nur ſchlechte Jagt⸗Schiff waren/ welcher ſie leicht Meiſter werden koͤn⸗ i ten. Zwar iſt nicht ohn/ daß dergleichen Hol⸗ Der Holaͤnlandiſche Schiffe noch nicht geſehen worden/ derbaß e er: und wie dieſelben mit Fleiß in dem Krieg ge⸗ findung kleimacht worden/ hatten ſie keinen hohen Rand/ Saif. und glſo von auſſen ein ſchlechtes Anſchen/ a aber Wiederſtand zu thun hingegen ſehr dienlich. Unſer Admiral⸗Schiff hatte 48. Stuck Geſchutz/ und im Fall der Noth koͤnte ſolches biß auf 60. jnne haben/ und ware mit mehr als 120. Mann beſetzt. Um 9. Uhren kamen die Engellaͤnder mit vollen Sageln auf uns zu/ und damit wir die Ancker aufzuheben/ keine Zeit verlieren/ ſchnitten wir die Seile ab/ und ein jeder ruſtete ſich dem Feind tapfern Widerſtand zu thun. Weil aber der Wind uns ſchnurſtracks zuwider/ konten wir nicht auf ſie zu fahren. Wie nun durch den Wind der Vortheil ganzlich ihrer ſeits war/ kamen ſie in guter Ordnung/ allezeit neben einander auf uns zu/ und jhr Admiral und Aude mira Engli und Ho diſchen allgte ſes Lob laͤn84 miral/ dem Hollaͤndiſchen Admiral alſo nach/ daß der Engliſche Admiral an einem Ancker/ welcher auf der Seite unſers Admirals ware/ ſich angehaͤngt befande/ die Warheit zu bekenSee⸗ Gefecht nen und nicht zu verhalen/ hat bey dieſer BegeEuſlch 21 benheit unſer Admiral einen ſchlechten Muth ſehen laſſen/ dann an ſtatt/ daß er/ da die Gelegenheit ſo glücklich von ſieh ſelbſten ſich geſchicket/ übergehen ſolte/ befahle er das Seil abzuſchneiden/ um ſein Schiff zu entledigen. Die Schutzloͤcher waren ſamtlich alſo wol zugemacht/ daß von auſſen nicht geurtheilet werden konte/ wie viel Stucke in dem Schiff waren. Aber nachdem die Engliſchen das erſte mal loßgebrennt/ und unſer Admiral darauf dergleichen/ aber viel ſcharffer gethan/ begunten die Engliſchen/ welche die Anzahl unſerer Stucken/ und das Volck auf der Tenne geſehen/ den Muth zu verlieren/ und begaben ſich/ in deme der Wind jhnen ſehr vortheilhaft/ Glücklicher Stuck⸗ ſchub. auf die Weite. Als underdeſſen der ViceAdmiral der Engliſchen/ ſeine Stücke wiederum geladen/ kame er gerad auf das kleine Schiff zu/ da ich mich befande. Unſer Haubtmeum befahle/ mit ſchieſſen inzuhalten/ biß die Sehiffe einandern gantz nahe waren/ obſchon wir bereits 10. Mann/ die ſie erlegt/ verlohren hatten. Wie wir nur noch ein PiſtolSehuß weit von einandern waren/ gienge unſer Geſchuͤtz auf des Feindes Schiff loß/ und brache demſelben den vordeen Maſtbaum. Als die beede Schiffe an einandern kommen/ war unſer Capitain der erſte in dem Schiff/ und von den Tapferſten mit Aexten gefolget/ hieben ſie alles Strick⸗Werck entzwey. Wie nun die beede Schiffe angehangt/ ſchuſſen der under Schiffer und ich/ mit einem Stuck alſo glůcklich in des Engliſchen Capitains Kaner/ daß die Kugel etliche Ladungen Pulver/ ſo darein getragen worden/ anzundete. Dieſes unverſehene Feuer jagte dem Engliſchen eine Forcht ein/ daß das Feuer überhand nehmend/ das gantze Schiff in die Luft ſpringen mochte/ und unſer Eapitain in gleichen Sorgen ſtehend/ befahle ſeinen Leuten/ ſich in das Schiff zu begeben/ lieſſe die Engliſchen zu zehen und zehen auch uͤbergehen/ und fuhre auf die Weite. Wiedie Gemühter ſich wiederum Der Hollägdiſche SchiffCapitain ergeoſ„ erholet/ fande man Mittel das Feur in dem Engliſchen Schiff zu loſchen/ und lieſſe zehen oder zwolf unſerer Bootsknechten darein; aber unſer Capitain/ welcher bey dieſer Action groſſen Ruhm erworben/ ſturbe zween oder drey Tag hernach an ſeinen Wunen. N Underdeſſen hatte ein anders unſerer Schiffen/ ein groſſes Engliſches/ ohngefehr 30. Stuck aufhabend/ welches beſtandig auf der Weite hielte/ friſch angegriffen/ und bereits übel zugerichtet/ als das Schiff/ in welchem ich ware/ demſelben zum Entſatz komen/ deme 8 Has feindliche in den Grund ſchieſſen geholff en/ und iſt ſolches/ nachdem wir ihme eine gange Lage zugeſchickt/ vollig zum Widerſtand untuͤchtig gemacht worden.! Als der Engliſche Capitain ſich verlohren ſahe/ ließ er 2 8 Neis beſchreibung in Indien/ den weiſſen Fahnen aufſtecken/ und begehrke Quartier/ ſo jhmne auch verwilliget wurde. Die Zimmerleut thaten zwar jhr euſſerſtes/ um die Löcher/ ſo von den Canon⸗Schüſſen/ an vielen Orten ſich befunden/ zuſtopfen; weilen dieſelben aber von den Bootsknochten/ welche lieber von dem Wein von Schiras, deſſen vie! unden in dem Schiff/ ehe ſolches von den dollaͤnderen eroberet worden/ lage/ ſich vo ſoffen/ verlieſſen ſie die Arbeit/ und truncken auch mit ihnen. Nachdem min der Hollaln deren an der Zal dreyſsig oder viertzig in re Boot geſtiegen/ um das Engliſche Schi wegzunehmen/ und niemand auf der Tenne ſehend/ hinunder giengen/ und bieſe Bootsknechte an den Tod/ deme dieſelben naher waren/ als ſie vermeinten/ nicht gedenckend/ Geſundheiten herum trinckend/ funden; waren ſie nieht vorſichtiger als die anderen und weil jhnen der Zuſtand/ in deme das Schiff 90% ſo auf der Neige zu Grund zu gehen ware un gene bekandt/ geſelleten ſie ſich mit jenen zu trincken/ fc und kurtz darauf gienge das Schiff zu Grund. nis Alſo daß alle zumal/ beydes die Uberwinder und Uberwundene/ zugleich jammerlich umkamen/ ohne daß einiger außgenommen. Der Engliſche Haubtmann/ neben zween Frantz ſiſchen Capucinern/ die jhre Zeit in obacht genommen/ und alldieweilen dieſe unvernumtige Geſellen ſich vollſoffen/ in ein Boot, den Strick/ dannit ſolches an das groſſe Schi gebunden/ abſehneidend/ ſich begeben/ entrunnen; und zu dem Schiffe/ da ich ware/ kae men/ auch freundlich empfangen wurden. Unſer Schiff⸗Meiſter vertrate damalen dis Stelle des Capitains/ weil der unſere/ wie vorgemeldt/ ſehr verwundt ware/ und uͤberſchickte dieſe drey Perſonen dem Admiral/ um mit denſelben/ nach ſeinem Gutduncken zu verfahren. Den folgenden Tag lieſſe der Admiral mich bitten/ in ſein Schiff zu kommen/ allda alle Haubtleute ſich einfuden ſolten/ um Gott fuͤr den wider jhren Feind erhaltenen Sieg zu dancken. Wir ſpeiſeten darauf mit Ihme zu Mittag/ und wie ie zween Capuciner auch von der Zahl der 1 f weſenden waren/ ſagte er mir/ weilen dieſe 4 ben meine Landsleut/ ſie/ wann jhnen lie oer ware/ in das Schiff/ da ich mich hielte/ ich a begeben moͤchten/ und daß er befehlen wo. 5 daß ſie wol traetiert werden ſolten/ we an beſchahe/ und ich fuͤhrte dieſelben auf Pin Abend mit/ und verſahe ſie ſo viel iumetog⸗ s Vermogen ſtunde/ mit allem/ ſo jhnen d e 1155 6 8 f 90 Alle Schiffe/ die auß Perſten nach dien fahren/ ſeynd 1 mit Wein 10 Gelt beladen/ und das zu Grund gegen harte mehr als die anderen/ welches egit i ſach/ daß ſolches beſtaͤndig auf der 4 n hielte/ und zu keinem Treffen ſich l/ wolte. Es ware ſolches ein groſſer Ver aum welchen wan wol verhinderen können( gedie Hollander hertzhafter und vor iche, 95 weſen. Und wie der Engliſche Admue 0 Unglück einem ſeiner Schiſſe wieder ſahe/ 3 ſahe/ chluge er ſich alſobald zu einem anderen/ und flohe damit davon. Dann endlichen die Warheit zu bekennen/ ware der ſchlechte Muth des Holländischen Admirals/ und deſden Haubtleuten eine Uirſach/ daß die Fluchtihen/ die ohnfehlbar ſich ergeben hatten müſſen/ entkommen/ und ware die vollige Victori Hollandiſcher Seiten leicht/ wann ſie jhren Voril ich zu Nutz machen/ gewuſt hatten. un, Dies Gefecht beſchahe nicht ohn Gefahr eines Lebens.: Inſonderheit da eine StuckKugel 2. Hollander/ welche mir zur Seiten waren/ wegnahme/ und ein. Stuck Holt/ von einem Schiff/ einem anderen den Kopf geſpalken/ und ein Stuck von meinem Rock rieſſe/ Aſo daß ich von dieſen an meiner Seiten geMuekſchten Hollandern/ gantz mit Blut bepptengt ware. Nach deme nunmehr das Trefbuch gendigetkehreten wir wiederum nach der Reede Scimdi, weil aber ein groſſer Wind ahnten Erſtes Buch. entſtunde/ und das Meer hoch ware/ wurden wir gezwungen/ ſechs Meilen oberhalb/ gegen Aufgang/ da wir biß am zwantzigſten deſſelben Monats verhareet/ zu anckern. In wahrender dieſer Zeit wurde den Krancken abgewartet/ und ſturben allda viel Engellander an jhren empfangenen Wunden. Wie wir alice dee hede Serge ehe blieben wir daſelbſten/ ſo wol um Waſſer zu ſchopfen/ und einige Erfrischung zunehmen als die Ancker ſo wir dorten gelaſſen/ heraußzuziehen/ biß auf den acht und zwantigſten und nach einer in dem übrigen glücklichen Fahrt/ kamen wir den 7. Martij zu Gomron an Land. Meine erſte Angelegenheit/ da ich auß dad gottes dem Schiff kommen“ ware Gott fürdie Er⸗ Aragon dieſer/ und andern in meinen vo⸗ Errettung loͤſung auß die Nee 1 Reiſen außgeſtandenen Gefahren zu daneken/ wie ich guch noch taglich zu thun pflege. 2 5 5 Gude des Erſten Buchs. 4 170 —————* 8 S NN N Wi 577 * b 0 2 5 0 * 8 — 2 n N N . 9 8 D K N 2 8 N N 2 N D J. Theil. 5 7 8 9 5 145 8 e — Winne 8——— 5 2 .—— , ,, 1 74 5 e Fc Hiüſioriſche und Polt NMogos, Das J. Capitel. Beſchreibung der juͤngſten Kriegen in In. doſtan,(oder in dem gegẽ Aufgang gelef genen Indien/ darauß der jetzige Zuſtand des Reichs uñ. Hofs des Mogojs zu ſehẽ iſt. — Y Ch beſchreibe dieſe Geſchicht ohne Zu5 15 0 und 5 Weiſe/ wie die Sa( chen ſich zugetra& gen/ und ich in wahrender Zeit mich in 2 ö 8 den Landen aufgeF halten/ erfahren; dem Guͤnſtigen Leſer nach ſeinem Beliehen/ das Bedencken daruber zu machen/ überlaſſend: Genug ſeye es/ mit unverfaͤlſchter Vorſtellung des mächtigen Reichs der Ao gol, nach dem Grund⸗Niß/ den ich auf den Orkeen ſelbſten genommen und iſt meine Meinung keines wegs/ dieſes Werck mit unnützen Anbringen zu vergroͤſſeren. Dieſes groſſe und weitläufige Reich/ in deme der mehrere Theil des Indoltan oder dem gegen Aufgang gelegenen Indien beſtehet/ und welches von den Bergen diſſeits des Fluſſes Gräntze der Indus, 5 jenſeit des Gangi ſich erſtreckt/ ſtoßſet in Aufgang an die Konkgieiche Aracan, Ti. pra und Aſſen; im Niedergang an Perſien/ und die Tartarey Usbegs, an dem Mittag an die Königreiche Zolconda und Vilapour, und in Norden reichet daſſelbe biß an denCausaſium, in Nord⸗Oſten das Königreich Boutan, daher der Biſem gebracht wird/ und in Nord⸗Weſten das Land Chegathay, oder der Usbegs habend: Weilen viel von Eigenſchaft der Indien und Beſchaffenheit der Indianer geſchrieben/ will ich von anderen Dingen/ die mehrerer Betrachtung werth/ und weniger bekannt ſeynd/ und zwar zuvorderſt/ von dem Geſchlecht und Herkomen der Koͤnigen in Indien/ ſonſten Mogols, d. i. Weiſſe/ weil dieſes Land vor dieſem von weiſſen Leuten genannt/ Meldung thun/ eroberet worden/ dann die Indianer von Natur braun/ und Oliven⸗farbig. Aureng. zeb jetzt regierend/ iſt der Eile ift der beſteu von gerader Linien/ von dem Stammen des Helden ei⸗ Groſſen Temur- len 8 „ſonſten Tamerlan genennet/ welcher durch Außbreit⸗ und Erſchallung der von Ihme/ von dem Koͤnigreich China biß in Poleneroberten Landen/ und erhaltenen Victorien/ den Ruhm der groͤſten Helden/ CCC V. Flomajon, das iſt der Glückſelige/SulMe r Indien. e Das Andere Bic iich Beſchrübung von dem Reich des Groſſen vergangener geit uͤbertꝛoffen hat. Deſſengachkommene viel Koͤnige außrottend/ vollend ganz Indien/ wiſchen obigen beiden Fluſſen ſich be? e mächtige/ und Kureng-zeb hat heut zu Tag wa under ſeiner Beherꝛſchung die Königreiche der eh Guzerate, Decan, Dehly, Multan, Lahor, Ka- 1 chemire, Bengala, und viel andere Landſchaf⸗. ten. Vieler Rajas oder kleinen Königen/ die ſeine Vaſallen/ und jhme zins bar ſeynd/ zu geſchweigen/ hernach folgen die Koͤnige von Tamerlan biß auf Aureng- zeb jetzt regierend: 5 I. Temur. leng, das iſt/ der Hinckende/ weil 90% derſelbe ein Bei kürtzer/ als das andere/ hatte/ floh zu Samarcand in dem Land Chegathay, oder Aeg der Tartaren Usbegs, welches der Ort ſeiner ge Geburt/ begraben.. reube, II. Miram- Cha des Temur. leng Sohn. Ul. Sultan Mahemed desMiram- Cha Sohn IV. Sultan Abouſaid-Mitza, Mahemeds eee. V. Hameth- Schek, Sultans Abouſaid. Sohn VI. Sultan- Babur, das iſt der tapfere Fir des Hamerh-Schek Sohn/ und der erſte ber Mogols, der ſich maͤchtig in Indien gemacht/ er ſtarb Anno 1532. tan Babur Sohn/ ſtarb Anno iu pa. VIII. Abdel ers Galal-eddin Mabewec. ſonſtẽ Ake bar, d. i. der Groſſe genent/ lomajolt Sohn/ regterte 74. Jahr/ und ſtarb im Jahr Mahomeths 1014. und nach Chr. Geb. 160. IX. Sultan Selim, ſonſten Gehan-guix Par cha, das iſt/ Keiſer Eroberer der Welt/ folgte auf A kabar ſeinen Vatter/ und ſtaꝛb An. 1627. Er hatte 4 Sohn/ der erſte Sultan-Korrolder andere Sultan-Eourom, der dritte Sultan Peruia, und der vierte Cha- Daniel genennelX. Sultan Kcurom, der Zweyte dieſer Vi 5 ren/ folgte auf ſeinen Vatter Gehan-guir u wurde für das Ober⸗Haubt von den Grof 15 Heren des Koͤngreichs/ n der Veſtung Ai under dem Nahtmen Sulran Cha-Bedin Nins hemedb erkannt; aber er wolte Cha- gebar: ba f iſt/ ein Koͤnig der Welt/ genemet ſeyn. 5 XI. Aureng. zcb, das iſt/ ine Zierd des Thb. nes/ iſt der jetzt Regierende. e e, Die gegenſtehede Figur zeiget/ wie die S ron ſo die Koͤnige/ wann dieſelben auf den Thurn erhoben werden/ under das Volck auf welſen„% laſſen/ beſchaffen ſeynd. Sie halten der dio. genannten Königen Wapen oder de Das groͤſte Inſigel/ welches in mitten zn Cha. gehan ſo der Zehende Korg/ Dong ch 55 10 10 0 . f 900 a Neisbeſehreibung in Indien Ander Buch. f reng:zeb hat von dergleichen Geſchenek⸗Stuen/ wie er zu dem Thron gelangt/ keine pragen laſſen; dieſe Stück ſeynd mehrentheils von 3 ilber/ und ſehr wenig von Gold. e ti Der groſſe Mogol iſt ſicherlich der maͤchel Keich⸗ igſte und reicheſte Monarch in Aſten; ſimteMönteaech walen alle Königreiche/ die er in Beſitzung/ ein Ligenthum/ und volltomenlich Herz aller Lan700 4 auß denen er alle Einkunften beziehen hüt. In dem Staat dieſes Furſten ſeynd die groſſen Herꝛen gleichſam nur Koͤnigliche Eininer/ die von dem Einkommen den Verwalkeren der Landſchaften/ und dieſe den OberFahaemeſtern und Aufſehern der Renten/ 1 echenſchaft geben; daß alſo dieſer groſſe Koͤig der Indien/ deſſen Lande ſo reich/ fruchtbar und volckreich/ eines gleichen nicht um ſich hat. „„5GFFFFFFTT—T—T.T.. Das IL. Capitel. Von der Kranck heit und erdachten Tods des Cha-gehan Koͤnigs in Indien/ und der Aufruhr der Fuͤrſten deſſen Soͤhne. Weg, e Veränderungen/ welehe in dem 5 Reich des Groſſen Mogols, auf erdene N dachten Tod des Cha-gehan, ſich zuker getragen/ ſeynd mit ſo viel herzlichen und mercklichen zufälligen Dingen erfullet daß ſolche würdig der/ gantzen Welt bekandt zu machen. Diſer groſſe Monarch hatte uber 4. Jahr/ viel weniger wie ein Konig uͤber ſeinellnderthanen/ alsein Haußvatter über ſein Haußweſen und Nunder/ alſo wol regiert/ daß in wahrendem ſeinem Regiment die Policen in allen Stucken/ und fürnemlich für die Sicherheit der Landtraſſen dergeſtalten wolgehalten worden/ daß gan auch miemalen Urſach gehabt einigen 5 beuulſchen um Raubens willen zum Tod zu e 6 0 theilen. In ſeinem abnehmenden Alter 1 3 dame er Lust ein junges Maͤgdlein 13. in z. 5 alt/ deren ungemeine Schönheit ihne ger eitzet/ u beſchlaffen/ und wie die Kräften 90 10 zugaben/ ſeinen Begierden ein Genügen 0 r gebrauchte er ſich ſolcher hitzigen Zudarbon den die jhme eine Kranckheit(daß er 800 1 dem Grabe ſehr nahe kam) verurſachet. nat daes denſelben veranlaſſet/ 2, oder 3. Moſch eng in ſeinem klarem zu ſeinen Weibern Tawa and dieſer Zeit erſchien er e 85 fernen dahero ſein Tod vermuhtet wurde. we 0 000 die Gewonheit dieſer Koͤnige iſt ſonſten e A emtiech dreymal/ oder wenigſt allezeit über Ag ſich offentlich ſehen zu laſſen. Sohn a- gehan hatte 6. Kinder/ nemlich 4. und 2. Tochtern Der Eltere Dara-cha, f geendet Sujah, der Dritte jetzt ReBale Aureng. zeb, und der lerſte Morad. b Die Eltere der zwo Tochtern Ren gum 5 eb, und die jungſte Rauchenara- BeTeicbed der Le 0 Alle dieſe Namen bedeuten in Mannen, Tapfer„Sprach Ehren⸗Titul als Weiß/ 0 de, fat em and Volkkemmen ee. Wie in Copa poden Hleicher Gebrauch/ bey den Zunamen 11 ce 0 werdenz als der Gerechge das Geſchrey/ er waͤre geſtorben; und daß vor des Volcks Augen/ auch darzu von 87 te/ der Freche/ der Guͤtige/ jedoch mit dieſem Underſcheid/ daß diefe Zunamen denſelben nicht bey jhrer Geburt/ ſondern erſt hernach/ wann in folgender Zeit jhr Leben das gewiſſe Zeugnuß der Tugenden/ daꝛum ſie wuͤrdig den Nachkomenden die Gedachtnuß eines ſo ſchonen Namens zu hinderlaſſen/ ugeeignet werdẽ. Cha- gehan ſiebte ſeine 4 Sohne einen wie Abtpellung den anderen/ und hatte dieſelben zu Gubernato⸗ des Fos ren oder Königliche Statthaltere /g ſeiner füͤr⸗ Cha. gelang. nemſten Landſchaften/ oder ſo man will/ ſeiner 4. vornehmſten Königreichen verordnet. Daracha der Eltere/ bliebe bey dem Konig in dem Koͤnigreich Dehly and hatte die Verwaltung des Königreichs indi, allda er in ſeinem Abweſen ein Statthalter ſetzte; Sultan Suan hatte für ſeinen Theil das Koͤnigreich Bengala; Aureng-zeb ward in das Königreich Pecan, und Morat Bakche in Guzerate geſandt. Aber obſchon Cha- gehan getrachtet/ ſeine 4. Sohn ſamptlich zu begnugen/ ware doch jhr Ehrgeitz Derſelben mit dieſer Abtheilung nicht erſattiget/ ſondern Ehrgeiz ſtürtzte alle Anſchlag dieſes guten Vattern/ um den Frieden zwiſchen ſeinen Kindern zu erhalten/ underuͤberſich. Wie nun Cha-gehan kranck/ und in dem Quartier der Weibern eingeſchloſſen ware; auch in vielen Tagen nicht geſehen wurde gien4 Dara cha deſſen Tod/ um die Zeit zu haben/ ſeine Sachen zu beſtellen/ und aller Platze des Reichs ſich zu verſichern/ verhalte. Nicht ohne iſt/ als der Koͤnig des Todes und der let⸗Lznigs he ſten Stunde ſeines Lebens ſich verſahe; Er Kela letdem Para- cha befohlen/ alle Omrhas, oder ier Wil. Groſſen des Koͤnigreichs zuſamen zu beruffen/ und auf den Thron/ deme als dem Elteren ſeiner Bruder/ ſolcher billich gebůhrte/ ſich zu ſetzen. Neben Bezeugung/ daß/ wofern GOtt jhme das Leben noch etliche Tag verlaͤngerte/ er begehrte vor ſeinem Abſterben/ jhne in ruͤhigem Beſitz ſeines Staats würcklich zu ſehen; und dieſes Vorhaben/ ſo er damalen fuͤr ſeinen elteren Sohn hatte/ ware um ſo viel mehr billich und recht/ weil er eine zeithero verſpuͤret/ daß die drey andern Furſten/ für jhren Vatter viel weniger Ehrerbietung und Liebe/ als Dara. cha, hatten. Auf dieſes Geſprach des Koͤnigs mit ſeinem Sohn/ Dara· cha, der jhne über die maſſen ehrete und jnniglichen liebte/ antwortete derſelbe/ daß er fuͤr das Leben Ihrer Maj. Golt anrüffte/ und Ihro die Verlangerung wunſchte/ und alldieweil ſolches ſeye/ er ſeine Gedancken niemalen ſtellen wurde/ auf den Thron zu ſetzen/ ſondern deſſen underthaniger zu verharren/ glückſelig ſich ſchatzen thate/ und zwar dieer Fürſt verlieſſe ſeinen Vatter nicht einen Seines eite, Augenblick/ um in ſeiner Kranctheit Ihme deſto Frechen, beſſer abzuwarten/ und in allem gegenwartig keit zu ſeyn/ deßwegen er auch neben des Konigs Beth/ auf einem auf die Erden auß gebreiteten Teppich/ zu Nacht lage. Auf das falſche Geſchrey des Cha-gehan Tod/ waren underdeſſen diez. andern Sohne/ in deme jeder des Vatters Stell pretendierte/ unrühig/ Morat Bakche, der Jungſte/ und ſonf e der 88 Reit beſchreibung in Indien/ derlich der die Verwaltung der Landſchaft Ou das Volck um Gelt zu quclen beſchaͤfftigt wazeratè hatte/ ſchickte alſobald Voͤlcker/ Surare der vornehmſte und gebrauchlichſte See⸗Haen in ganz Indien/ zu belagern. Die Stadt/ die öhne Macht ware/ und nur ſchlechte/ an vielen Orten offene Mauren hatte/ thate keiBelkgerung fen Widerſtand/ aber die Veſtung/ da der Surat. Schatz geweſen/ wehrete ſich dapfer/ und dieſer junge Furſt/ der Ehrgeitzig ware/ und Gelt vonnothen hatte/ verſuchte ſein auſſerſtes/ derſelben Meiſter zu werden. Chabas-Kan einer ſeiner Verſchnittenen/ war des Heers Obriſter/ ein ſcharfffinniger und fleiſſiger Des Heers Mann/ welcher dieſe Belagerung mit aller Sale Vorſichtigkeit eines alten Soldaten regierte. Klugheit. Wie er geſehen/ daß der Ort mit Gewalt nicht weg zu nehmen/ lieſſe er durch einen Fremden/ deine es wol gelungen/ zwo Minen machen z und nachdeme die Erſte den 29. Decemb. 1659. angeſteckt wurde/ thate dieſelbe jhre Wurckung/ und ſprengte einen groſſen Theil der Mauren in den Graben darvon ſolcher gefüllet worden/ und den Belagerten einen Schrecken einjagte; aber dieſelben faſſeten bald wiedrum einen Muth/ und ob ſchon ihre Anzahl gering/ thaten ſie über 40. Tage lang DerWBeſtung tapffern Widerſtand/ in wahrender dieſer Zeit pferd dem Heer des Waorar Bache groſſer Schaderſtand. den beſchahe/ und viel Volcks erlegt wurde. Chabas-· Kan über einen ſo mannlichen Widerſtand entruͤſtet/ lieſſe um die Weiber und Kinder und auch die Verwandte und Freunde der Veſtung Buchſenmeiſter werben/ um dieſelben ſeinen Voͤlekern in der Annaherung der Veſtung vorzuſtellen/ und ſchickte an den Gubernator einen deſſen Brüdern/ um demelben zu zuſprechen/ und eine trefliche Gelegenheit/ da er jhme den Ort übergebe/ anzubieten. Aber der Gubernator/ des Königs getreuer Diener/ der wegen deſſelben Tods keine GeNeſclute. wißheit hatte/ gabe zu Antwort/ daß er kemen Guede anderm als Cha-geban für ſeinen Here erken11 der Ve nete/ welcher jhme den Platz anvertraut/ und ene derowegen er ſolchen niemand als Ihr Majeſtät/ oder dem jenigen/ ſo ſie befehlen werden/ abtretten koͤnte; daß in dem übrigen er MoratBakche, als einen Fuͤrſten und des Königs ſeines Herꝛn Sohn in hohen Ehren hielte/ aber wolte jhme nicht den Platz ohne Koͤniglichen expreſſen Befehl uͤbergeben. Als der Verſchnittene des Gubernatorn Entſchluß vernahme/ deguete er den Belagerten ſehr/ ſchwerend/ daß er alle die Ihrigen/ Weib und Kinder/ wann ſie den folgenden Tag den Ort nicht aufgeben wurden/ niedermachen laſſen wolte; aber die Betrachtung des Blutvergieſſens mochte bey den Belagerten nichts verfangen/ und ware allein die nieder gefallte Maur/ da ſie nicht mehr tiderſtehen konten/ weilen ihrer Jar ein geritege Anzahl ware/ und die Forcht der zweytzn Minen/ die den Guberngtor endlichen verürſgehten/ ſieh auf ſolche ehrliche Beding/ wie er wunſchen konte /zu übergeben/ und die auch von Punct zu Punct von ChabasKan, welcher des Schatzes ſich bemachtigt und nach Amadabat, allda Morar-Bakche re/ ſchickte/ gehalten wurden. Als dieſer Fürſt die Bottſchafft der Eroberung Surate bekommen/ lieſſe er alſobald ei5 0 2 5 5 uh nen Thron zuruͤſten/ und den jenigen Tag/ der a 10 zu dieſer Ceremoni beſtimmek wurde/ darauf aul rügen ſitzend/ nicht allein fur einen Konig von Guze. ien del 3 7 in d rate, ſondern des gantzen Cha-gehan ſeines ment Vatters Reich/ ſich erklaren; und zugleich lieſſe er Muͤntzen pragen/ und ſchickte in alle Städte neue Gubernatorn. Aber wie ſein Thron ein ſchlechtes Fundament/ wird er bald zur Erde fallen/ und dieſer Fürſt der Jungſte unter ſeine Brüdern/ weil derſelbe den Scepter/ ſo jhme nicht gebuͤhrte/ mißbrauchen wollen/ iu eine ſtrenge Gefangenſchafft verwieſen werden. Der Fuͤrſt Dara-cha hatte Surate gern entſetzt/ aber es ware demſelben unmuglich? dal zu dem/ daß er beſchaftigt/ ſeinem krancken Vatter abzuwarten/ machte jhme ſein zweyter Bruder Morat-Bakche, der mächtiger ware viel groͤſſere Mühe. Er befande ſich bereits weit in dem Königreich Labor, und hafte Bengala ſich gantzlich unterwurffig gemacht. Alles was bey dieſer Begebenheit Bara- cha thun konte/ ware in Eyl Soliman Checour ſeinen altern Sohn mit einem maͤchtigen Heer wider Sultan Sujah zu ſchicken/ der ſeinen Oheim ſchluge/ und denſelben biß in die dandſchafft Bengala triebe/ und deren Grentz⸗ Ort mit guten Beſatzungen verſehend/ wiedrum zu ſeinem Vattern Dara-cha kehrete. Morat“ Bakche unterdeſſen ward fuͤr einen Konig in dem Koͤnigreich Guze rare erkennet/ ſtellete allein ſeinen Sinn und Gedancken nach dem un Reich der Indien/ um ſeinen Bruder zu vertil e gen/ und ſeinen Thron in Agra oder Gehan: mul abat zu beveſtigen. Bey dieſen Geſchichten lieſſe kureng · zebder nicht weniger ehrgeitzig/ und liſtiger war als ſein Bruder/ dieſelben in ihrer erſten Hit verzappeln/ und verhelete den Vorſatz/ welehen er hatte/ und der in balde zu ihrem groſſen Schaden außbrechen wird. Derſelbe ſtelele ſich/ ob hatte er gantz keine Forderung an das Reich/ und der Welt abgeſagt/ und führelk ein Dervichs oder andachtiges einſames Leben. Seine Tuͤcke beſſer zu verbergen/ bezeugte l ſeinem jungſten Bruder Morat-Bakche, bell el 1 zum Regiment gar begierig ſahe/ daß er begehes ent, te in ſeinem Vorſat jhme beyzuſpringen/ unn K daß der Thron ſeiner Tapfſerkeit gebühren. denſelben mit Volck und Gelt/ den Dara 1 der jhme hinderlich ware/ zu überwinden ſpringen wolte. Dieſer junge Fürſt von gen, gem Verſtand/ und durch den Schein! ines groſſen Glücks verblendet! glaubeke dere doit rengæ eb allzu leicht/ vereinigte ſeine Mack ee des Brudern Volckern/ und unterſtunde ſamter Hand nach Agra zu gehen/ um Orks ſch zu bemächtigen, Dara che gen ihnen entgegen/ und beſchahe ſeiner Seits ſſelben pala 5 alſo unbebachtſarmes als für dee zween Bui n für- ben der gluckliches Treffen. Dieſer Hürſt den die kei. nehmſten Hauptern ſeines Heers⸗ wider ble Meynung ſeines Feld⸗Heran/ der das Helen 98 80 führte Mor mung Das Ander Buch. fahre und ſein obriſter Staats⸗Miniſter/ der hne getreu ware/ zu viel trauend/ hielte des Siegs ſich verſichert/ ſeine Bruder gleich anangs und ehe ſie Zeit hatten/ ein wenig zu runa dee, den eylend anzugreifen; der erſte Angriff ware ſcharff und blutig/ Morat-Bakche voll Hitz und Hertzhafftigkeit/ mit einem Loͤwen⸗Muth ſechtend/ betame fünf Pfeile in den Leib/ und fan Elephant/ auf dem er ſaſſe/ ward gantz mit Pfeilen bedeckt. Als der Sieg auf Para⸗cha eite ſich neigte/ gieng Aureng· zeb durch/ Aber er kehrete bald wieder um/ da er ſahe/ daß die Verrather/ die in des Dara · cha Heer walen/ und denſelben nachdem er ſeine beſten wauptleut neben dem Feld⸗Heren verlohren/ handlich verlaſſen hatten/ zum Entſatz kamen. ſohald faſſete Aureng-zeb wieder einen Muth und begabe ſich nachmalen in das Gekeht wider Dara cha, dieſer Fürſt/ der ſich verlathen ſahe/ und die Hoffnung mit ſeinem übrigen geringen Volcklein etwas außzurichten/ verlohren/ machte ſich davon/ und kehrete nach gra, da der Konig ſein Vatter/ mit deme es cſſer worden/ ich befande. Er rathete ſeinem ohn/ in die Veſtung Dehly ſich zu begeben/ nd den Schatz auß Agra dahin mitzunehmẽ/ welches ohne Verluſt einiger Zeit von ſeinen kreueſten Dienern begleitet beſchahe. Alſo war er Sieg gantz auf Seiten Aureng. zeb und dorat-Bakche, welcher vor Endung des Treffens durch Verluſt vielen Bluts geſchwaet/ in ſeine Zelten/ um die Wunden verbinen zu laſſen/ ſich begabe. Dem Aureng· zeb ware leicht dieſe Verraͤther zu gewinnen/ ſo fut wol wegen des groſſen Schatzes/ den er erworfi Vals weilen die Indianer ſehr unbeſtandig 9 15 großnnultig. Uber das ſeynd die Häun gemeinlich flüchtige Perſianer/ die von gegem erkomen/ und ein ſchlecht Heitz haben/ dem jenige der jhnen am meiſtẽ gibt/ dient. cher Cha. Fü-Kan„Aſouf- Kans Sohn/ wel5 ſeinen Bruder Cha- gehan„wie her0 bideptteldet werden ſoll/ in die Regierung Ahn Eſkne 25 Koͤnig Boulaki verrathen; 75 Nad Fürfen/ deren Mutter ſeine Schweſter war/ ten en neben den vornehmſten Hauptleu55 ara-cha und Morat. Bakkche, die jh3 verlieſſen/ auf Aureng- zeb Seite. den el Baſcche erkante damalen/ aber zu ſpath/ ue Her/ ſo er begangen/ dem Aureng- ⁊eb Sant / undueneichen. Morer-Bakcheder begun5 S argwohnen; ließ demſelben die Haͤlffte nach G ages/ welchen er weggenommen/ um reng e late ſich zu begeben/ fordern; Aume/ daß hingegen zur Antwort ver ſicherte ihhme q er noch beſtandig in dem Vorhaben/ deßtan den Thron zuverhelffen/ und daß er eden wen mundlich mit demſelben ſich unterV un ende Als Morar-Balcche uln ſeine reng. 5 um etwas gcheilet/ heſuchte er Au. nahme en Bruder/ der ihn freundlich aufund ſeinen Muth hoch erhohe/ int N. Theil. 05 „melde ich/ Oheim dieſer vier trauen/ welcher von dem Gluck ſich beget ſehend/ keine Zeit verluhr/ um ſeinen d nicht ohne Urſach/ wider ſeinen Bru⸗ fe 89 Vermelden/ daß er auch das vornchmſte Reich der gantzen Welt verdiente. Dieſer junge Fuͤrſt durch ſolche ſüſſe und glatte Wort ſich verblenden laſſend; ſein verſchnittener Thabaskan, der jhme den mehrern Theil des Koͤnigreichs Guzerate erworben/ trachtete hingegen ein Mißtrauen bey dem ſelben zu erwecken/ und die Stricke/ ſo jhme gelegt wurden/ zu erkennen zu gebẽ. Aber ob ſchon Morat Bakche willens geweſen ware/ dem Rath ſeines Verſehnittenen zu folgen/ ware es zu ſpath/ denn Aurengzeb hatte bereits ſeine Anſtellung gemacht/ jhn auß dem Weg zu raumen. Er lude MorarBakche zu einem Gaſt⸗Mahl; und je mehr dieſer ſich entſchuldigte/ je mehr jener ihn nothigte ſich einzufinden. Der junge Fuͤrſt/ um ſein Mißtrauen nicht an Tag zu geben/ konte nicht mehr zurück/ ent ſchloſſe ſich endlich/ ſeinem Brudern zu Willen zu werden/ ob ſchon er in Forchten ſtunde/ es moͤchte ſolches der letſte Tag ſeines Lebens ſeyn/ und daß jhme ein todlich Gifft bereitet ware/ jedoch jrꝛte berſelbe/ ſeinteweilen damalen Aureng· zeb wider jhn an dem Leben nichts zu thun vorharte/ und ſich begnugte/ an ſtatt zu helffen/ daß er auf den Thron gelangen moͤchte/ wie er verſprochen hatte/ ſich ſeiner Perſon zu verſichern/ wie beſchahe/ und er mit guter Macht in die Veſtung Goualeor verſchickt worden/ um jhm Zeit zu voͤlliger Heilung ſeiner Wunden zu laſſen/ und auch hingegen ſeine Zeit ſein Vorhaben ins Wreck zu ſetzen/ in Obacht zu nehmen. —— ————— Das III. Capitel. Von der Gefaͤngnus Cha- Gehan, und wie derſelbe von Aureng · zeb ſeinem dritten Sohn/ wegen des Unrechts/ ſo er dem Füͤrſten Boulaki ſeinem Enckel/ Gehanguir Groß⸗Sohn/ dem als des Eltern Sohn/ das Reich der Mogols gebuͤhrte/ bewieſen/ geſtraffet worden. bars Sohn/ und des Houmajon fe Groß ⸗Sohn/ hatte ein friedliches Regiment/ drey und zwantzig Jahr lang/ und ward beydes von ſeinen Unterthanen und Nachbaurn gleich geliebet. Aber für die Regier⸗Sucht zween ſeiner Soͤhnen/ welche bereits von Jahren/ lebte er zu lang. Der Eltere verſamlete ein machtiges Heer bey Lahor, willens ſeinen Vatter Gehan-guir zu uberfallen/ und mit Gewalt auf den Thron ſich zu etzen. Als der Konig dieſes ſeines Sohns Ungebühr ſahe/ entſchloſſe er denſelben zu züchtigen/ zoge jhme mit groſſer Macht entgegen/ ſchluge ſein Heer/ und nahme ihn ſamt vielen der vornehmſten Herren/ die jhme gefolget/ gefangen. Aber Gehan-guir, ein gütiger Fürſt/ und der ſeinen Sohn inniglich liebte/ ob ſchon er denſelben in ſeiner Gewalt hatte/ wolte jhn doch/ wie er zwar wol verdient/ nicht umbringen/ ſondern ware begnuͤgt/ jhme das Geſicht mit einem heiſſen Eiſen/ welches uͤber 91155 1 85 ſeine Augen gezogen wurde/ wie in Perſien 1 Schuss 2 anderſ . 5 Konig der Indien/ As- Geben. gults 2 Groſſe Falſchheit. — 90 anderſttwo angedeutet/ gebrauchig/ nehmen zulaſſen. Der König wolte gleichwof hernach dieſen blinden Sohn beſtaͤndig bey ſich haben/ in de Vorſatz ſeinen elteſten Sohn Sultan Boulaki, welcher Fürſt bereits viel/ aber alle noch junge Soͤhn hatte/ mit der Zeit in das Regiment zu verhelfen. Abe: SultanCourom, welcher ſeitheꝛ den Namen ha-gehan angenomen/ dafur haltend/ daß er als des Gellan⸗ guir ztweyter Sohn einern Enckel doꝛgezogen werdẽ ſolte/ entſchloſe alles zu verſuchen/ um jenem verhinderlich zu ſeyn/ und des Koͤnigs Tod unerwartend/ ſich eigenes Gewalts auf den Thron zu ſetzen. Er lieſſe gleichwol nicht mercken/ was er in ſeinem Hertzen verborgen hatte. Und erzeigte ſich anfaͤnglichen ſeines Vatkern Willen ſehr underworffen/ welcher ſeines elteren Sohns Kinder beſtandig bey ſich hatte. Und durch dieſe Demuth gelangte er um ſo viel leichter zu dem Zweck ſeines Vorſatzes; und als er/ auf dieſe Weiſe das Hertz ſeines Vatters gewonnen/ erhielte er Erlaubnuß/ den blinden Fürſten ſeinen elteren Bruder/ in ſein Verwaltung des Koͤnigreichs Decan zu fuhren. Er brachte dem Konig an/ daß rathſam ware/ er das jenige/ welches jhme nicht anderſt/ als verdrießlich ſeyn ſolte/ vor ſeinen Augen wegſchaffete/ und weil dieſer Furſt ſeines Geſichts beraubet/ derſelbe die übrige Lebenszeit/ die ihme kunftigs nur beſchwar⸗ und verdrießlich ſeyn konte/ ſanfter zubringen wurde. Der Konig des Couroms Abſehen nicht warnehmend/ willigte ohne Bedencken in ſein Begehren/ und ſo bald derſelbe dieſen elenden ürſten in ſeiner Gewalt hatte/ wuſte er jhne auf die geheimſte und erdencklich ſcheinbarſte Weiſe/ um ſeine Ubelthat vor den Augen der Menſchen zu verbergen/ auß dem Weg zu raumenz nicht gedenckend/ daß ſolches vor dem Angeſicht Gottes/ welcher aueh dieſe That/ wie heꝛnach vermeldet werden ſolle/ nicht ungeſtraft gelaſſen/ ohnverborgen ſeyn konte. Nach dem Tod dieſes blinden Fuͤrſten/ lieſſe Sultan Courom ſich Cha- gehan, das iſt/ ein Konig der Welt nennen/ und dieſes Tituls ſeiner Meinung nach würdig zu ſeyn/ verſamlele er ein ſtarekes eer/ um das jenige/ was. von ſeinem Bruder angefangen worden/ namlich ſeinen Vatter Gehan. guir von dem Thron yt ſtoſſen/ und das Reich in Beſitz zu nehmen/ ſchleunig zu vollführen. Der Koͤnig über den Tod ſeines Sohns/ und den verwegenen Anſchlag wider ſeine Perſon/ ſehr erzornet/ ſchickte eine groſſe Macht/ den Couxom; über ein ſo hochſtrafliches Vornehmen zu zůchtigen/ aber weil dieſer rebelliſche Fuͤrſt zu warten ſich zu ſchwach befunde/ verlieſſe das Konigreich De. can, und in der Irre mit etlichen Landlauffern/ die jhme bald hier/ halb dorten folgten/ gehend/ biß er nach Bebgala fame/ allda er ein KriegsDeer zuſaren brachte/ willens dem Konig eine Schlacht zu liefern. Als er über den Gangum kommen/ nahme er ſejnen March gegen dem Königreich Lahor, und der Konig in Perſon zuge jhm entgegen/ mit einem ſtarcke n und Scha- gut tmaichtigern Heer. Weil aber Gehan. guir alt/ kurbt. und wegen der jhme von beyden ſeinen Soͤhalſobald des Königs letſten Willen/ jhm dann ſolehes zuwiſſen thaten; aber es 1 35 Reisbeſchreibung in Indien/ nen widerfahrnen Verdrießlichkeit/ bekunmneret/ ſtarb er underwegs/ und lieſſe denmach Cba-Gehan in der Freyheit/ fein Vorhaben fortzuſetzen. Jedoch hatte dieſer gütige König noch vor ſeinem Hinſcheid/ ſo viel Zeit ſeinen Groß⸗Sohn Sultan Boulaki, dem Aſoufkan Ober⸗ Feldherren ſeiner Armeen/ und OberStaats⸗Miniſter/ welcher das gantze Reich regierte/ zu recommendieren. Er befahle auch allen Haubtleuten des Heers denſelben nach ſeinem Tod/ als rechtmaſsigen Erben ſeines Landes zu erkennen/ den Sultan Courom, als einen Rebellen und untüchtigen jhme in dem Regiment zu folgen/ eklarend. Ubeꝛ das nahen er von Aſouf Kan, einen abſonderlichen Ey nimmermehr zu geſtatten/ daß Boulaki, was auch ſich hernach zutragen mochte/ getoͤdet wurde/ welches bemeldter Aloal Kan ſchtwure hielte; aber nicht demſelben auf den Thron zu verhelffen/ ſondern dem Cha-gehan, welchem er ſeine elteſte Tochter die Mutter der vier Fürſten und zwo Furſtinnen/ von denen in vorhergehendem Capitul Meldung beſchehen/ zum Weibe gegeben harte. 1 Wie die Seitung des Königs Tod naher Hof kame/ ward jederman ſehr betrubt und die Groſſen des Kon geachsbearkeinten 115 tan Boulakci, der noch jung ware/ für den Konig erkennend, zu vollziehen. Dieler Fürſt hatte zween Vettern/ die mit jhme Ge, ſchwiſterte Kinder/ und mit Bewilligung 578 Koͤnigs/ Chriſten worden/ auch den Chriſtilchen Glauben offentlich bekandten: Dieſe zwe junge Furſten/ die einen guten Verſtand halken/ vermerckten daß Alouf-Kan, des Cha⸗gehan Schwieger⸗Vatter/ und Vatter des b angeſogenen Cha-Eſt-Kan, ein verkehrten. Vorſatz wider den neuen Konig hatte/ wie ft te bieſelben hr Leben/ und den Konig ſein Lal Der junge König/ welcher ſo viel Hülchch keit/ die erſt mit ben Jahren erlangt wird no nicht hatte/ hielte dem Aſouf-Kan einfallih vor/ was jhme die zween Chriſtlichen Fg ſeine Vettern in geheim geſagt/ denſelben 1. fragend/ ob deme alſo ware/ wie man ihne ve ſichern wolte daß er Vorhabens Sultan dee 2 rom ſeinem Oheim zum Koͤnigreich zu verhe 4 fen. Abouf Kan ware ſo alber nicht die T. 115 heit zu bekennen/ ſondern im Gegen eil be ſchulbigte die ſentgen welcheſheme kolched nn gebracht/ als falſche und neren eben „lll 117 mit Betheurung/ daß er die Zeit ſeinet ſeinem Konig getreu ſeyn/ und auch ſein 5 biß auf den letſten Tropfen jhne bey dene 7 za er halten/ darſetzen wolte. Sultan Pe ber verſtunde dieſe Rede ihme zum Vortheil zen Aſouf. Kan, verſprechend ſeinem dong ge zu ſeyn/ vermeinte Cha- gehan feinen To che mann/ den er auf den 8 hakte/ in Betrachtung das näher als der Rock. Als er Verbundmuß entdeckt ware/ kam er d die er zu fo rchten billich Urſach hakte und was dieſen Articul anbelangt getreulich buon zu ahh gn. 1 1 4 , 15 1 W. 5 Das ander Buch. 91 becgſobald der zepeen Christlichen Printeen ſich verſichern/ und dieſelben toͤden. Dann wie derelbe indem Heer und in dem Reich vollmächig ware/ hatte er bereits den groſſeren Theil Haubter und Hof⸗Herren auf Chagehan Seite gebracht/ und ſein Spiel beſſer zu entdecken/ und den jungen Konig/ der en Sachen wenig nachdachte einzuſchläfben/ Lieſſe er ein Geſchrey außgehen/ Chagehan wäre geſtorben/ und weil er gewünſcht/ neben ſeinem Vatter Gehan- guir begraben zu ſeyn; deſſen Leichnam nach Agra geführet Aude. Dieſer Liſt ward weißlich geleitet; uf Ran gabe ſelbſten dem König dieſes erdachten Tods Bericht; dabey vermeldend/ es geziemete ſich/ daß Ihr Maj dem Leichnam eine oder zwey Meil weit auß Agra entgegen gienge; ſintemalen dieſe Ehre einem Füͤrſten; pom Geblüt des Mogols, der ſein Oheim un geAan. guirs Sohn geweſen ware/ gebührte. ChaSchan underdeſſen gienge unbekandt/ uñ wie er 5 Armee/ welche nahend Agra ſtunde/ anſichg war/ legte er ſich in einen Sarck/ der Luft Hatte/ daß er athme konte; Als nun dieſer Sarck under eine Zelte getragen wurde/ kamen alle bornemſte Haubter/ welche knit Alouf. Kan under der Decke lagen/ als dem verſtorbnen uͤrſten die lerſte Ehre zu erweiſen/ und der junge Koͤnig ſeiner ſeits kame auch auß Agra dem Leichnam entgegen. Damalen Aſouk-Kan, der geſehen daß es Zeit/ ſein Vorhaben werckellig zu machen/ den Sarck eroͤffnen lieſſe; da dann Cha- gehan gufgeſtanden/ vor den Augen des gantzen Heers erſcheinend/ von allen Haͤubtern und andern Beamten/ die das Wort hat0 Jals ein Konig begruͤſſet wurde; und in deſem Augenblick der ain Cha- gehan zun sonig erklart/ von einem zu dem andern erſchalte/ das Freuden⸗Geſchrey war allgemein/ 1. war jhme das Reich des Mogols beſtatWott 8 0 0 Seat er inf, Ala. Suigen/ die j 8 Als der junge Konig underwegs dieſe ukſchaft vernommen/ war er in der maſſen nig cht/ daß er nunmehr; ſich faſtvon jederl sderlaſſen ſehend/ nichts anders gedachte/ liche lucht zu nehmen; und weil Cha-gehan ö 1 Nathſarn befunde jhme nachzuſetzen/ ieſ& denſelben ein lange Seit/ als einen Faquir meg dſen irrend herum ziehen; Aber endlich eiö Jah chen Lebens midd/ begabe er ſich in Perfr und wurde daſelbſten von Cha- Seßß ſehr i ich empfangen/ der jhme ein Underhalt/ un ein ſolcher hoher Füͤrſt werth ware/ verordSeagate/ und deſſen geneußt er noch anjetzo; a hatte Gelegenheit in meinen Reiſen mit beben zu ſprachen und 9 48 uc Wiemm Cha- gehan auf dieſe Weiß Unben daa guf den Thron kommen/ um deſſelwelche beſſer zu verſehen/ und alle Meuterey/ it ewegen des vechtmaſſigen Königs/ den er köntenecht ſeines Lands beraubet/ entstehen / zu dampfen/ lieſſe nach und nach die 8 Weg raus ome verdächtig waren/ auß dem N cgieranmen, alſo daß die erſten Jahr ſeiter die d ung/ durch groſſe verübte Grauſamkeit/ 0 ente deputation geſchmalert/ beruͤmt gen. Auch war das Ende ſeines Regiments für jhne unglücklich/ dann gleich wie derſelbe bas Reich dem rechtmaͤſſigen Erben/ und dem es gebührt/ mit Unrecht entzogen; alſo wurde er auch bey ſeinen Lebzeiten von ſeinem eignen Sohn Aureng⸗Zeb, der ihne in der Veſtung Agra gefangen hielte/ hinwiderum entſetzet. Und folgt hernach kurtzlich wie die Sachen ſich zu getragen. Nachdem Dara-cha die Schlacht wider f ſeine zween Bruder Aureng: zeb und MoratBakche in der Ebne Samonguir beſchehen/ verlohren; und von den vorneinſten Obriſten ſeines Heers ſchaͤndlich verlaſſen worden/ begabe er ſich mit dem jenigen/ ſo jhme bey verwirꝛten Sachen auß dem Königlichen Schatz weg zunehmen inder Eyl moͤglich ware/ in das Königreich Labor. Der Konig/ um der Ungeſtümigkeit ſeiner Victoriſierenden Sohne/ welche allein auf die Regierung/ jhne von dem Thron ſtoſſend/ und vielleicht gar denſelben um bas deben zu bringen/ jhre Sinn und Gedancken richteten/ entſchloſſe ſich/ jhnen zu entgehen/ und nicht ergriffen zu werden/ und zu ſehen wie weit ſeiner Sohne Ungebuͤhr ſich erſtrecken wurde/ in die Veſtung Agra. Als Aureng-zeb ee der Perſon des Morar-Pakche, wie zuvor ge⸗ zebs, meldt/ ſich verſichert hielte/ begabe ſich derſelbe nach Agra, und ſtellete ſich zu glauben daß Thagehan geſtorben ware/ damit er hernach auch Urſach hatte/ in die Veſtung zu gehen/ allda er ſagte/ einer von den Omrhas Widerpart habken wolte. Je mehr Auren-zeb außbreitete daß der Konig Tod; je mehr trachtete Cha gehan das Wibdrige zu erweiſen/ aber der Konig endlich ſehend/ daß er dem Aureng: ⁊eb, der den Gewalt und das Gluck auf ſeiner Seiten hatte/ nicht ferner widerſtehen konte/ und weil der Schoͤpf⸗Bruf der Veſtung Agra gußgetrucknet/ er genoͤthigt ware Waſſer auß dem Fluß durch eine kleine Pforte/ alda der Ort an dem ſchwaͤcheſten/ welches Aureng· zeb bereits in Obacht genom̃en hatte/ hinein bringen zulaſſen/ ſchickte er an denſelben Fazel- Kan des Hauſes Ober⸗Hofmarſchall/ jhne zu verſicheren/ daß er annoch in Leben ware; damit er ſich nicht der Unwiſſenheit behelffen mochte. Eazel-Kan hatte daneben Befehl dem Fürſten anzuzeigen/ daß des Königs ſeines Vatters Wille ſeye/ daß er in das Königreich loecan, als das Land ſeiner Verwaltung/ ohne jhme mehr Verdruß zu verurſachen/ ſich begeben ſolte/ und daß alſo durch dieſes Zeichen ſeines Gehorſams/ er jhme Anlaß geben wurde/ alles vorige in vergeß zu ſtellen. Aureng· zeb in ſeinem Vorſatz veſt verharrend/ gabe dem Pazel· Kan zur Antwort/ daß er geſichert ware/ daß der Konig ſein Vatter Tod/ und daß auf dieſen Grund er um den Thron/ deſſen er ſo wol als ſeine Bruder/ welche naturlich nicht muhr Recht darzu als er/ würdig/ zu ſeyn vermeinte/ daß wann der König ſein Vatter annoch im Lebzn/ er demſelben allzu viel Ehre und Gehorſam ſchuldig/ die geringſten Gedaneken zu haben etwas jhme inißfalliges vorzunehmen; aber wann er je glauben ſolte/ daß der ſelbe nicht Tod/ begehrte er ihne zu ſehen und die Fuſſe zu kuſſen; 12 1 Y 4 0 Reisbeſchreibung in Indien. ä men/ ſtreng ware/ ſo richtete er doch alle Ding/ ſeinem Volck/ welches aber ſolches in dieſer Begebenheit nicht erkennete/ zum beſten. Alſo hat dieſer fürtrefliche König in der Gefängnuß mit Traurigkeit ſeine Tage geendet/ und iſt n i der Veſtung Agra zu End des 1666. Jahrs 15 in der letſten Reiſe die ich in Indien gethan geſtorben. Wie derſelbe in wehrender ſeiner er nieht in die Veſtung gehen wolte/ wann nicht Regierung die Stadt Jelanabar auferbauen zuvor die Beſatzung/ um ſeinen Leuten Platzzu lieſſe/ aber noch nicht vollendet ware/ wiinſchmachen/ außgezogen ware. Dieſer Fuͤrſt te er vor ſeinem Tod ſolche noch einmal zuſefoͤrchtete/ und ſolches nicht ohne Urſach/ wann hen. Hierzu muſte man die Bewilligung er hinein gienge und nicht meiſter ware/ jhme Aureng: aebs ſeines Sohns/ der hne gefangen ein Duck bewieſen/ und er bey dem Kopf ge⸗ hielte haben; derſelbe war wol zu frieden/ daß nommen werden moͤchte. Als nun der König der Vatter dahin reiſete/ und auch ſo lang jhſeinen Entſchluß vernommen/ willigte er eyn/ me beliebte daſelbſten jedoch in dem Schloß/ und koͤnte mehr nicht thun/ all das jenige was wie zu Agra eingeſchloſſen/ bliebe/ dafern er zul ſein Sohn von ihme gewunſchet/ zu belieben. Waſſer hinauf fahren/ und alſo wiederum n Alſo zoge des Cha-gehan Beſatzung auß der denen kleinen ſo wol gemahlten und vergulten Veſtung und des Auxeng- zebs Volcker un⸗ Rennſchiffen/ welche auf dem Gemna nac) der Befehl Sultan Mahamoud ſeines altern langs des Pallaſts zu Jehenabar ſtuhndenSohns/ deme er befahle des Königs ſeines zu ruck konnnen wolte. Dann zu Land l Vattern Perſon ſich zu verſichern/ hergegen ſeinem Elephanten wolte Aureng· zeb jhm die Bie Kuck hinein. Underdeſſen verſchobe derſelbe von ei⸗ Reiſe nicht geſtatten/ weil er beforchte/ wan des Solus nem Tag zum andern ſeinen Varker zu beſu⸗ ſein Vatter der Konig von dem Volck geſehen wurde/ fur ihne eine Faction angeſpunnen welgeen dem chen/ eine glückliche Stund in dem End erwar⸗ 5 Vatter. fend; Als aber ſeine Sternſeher keine finden den/ und er ſich voran ſtellend/ weil dieſes Volck 92 i auf er ſich in ſeine Verwaltung begeben/ und deſſen Befehl fteiſſigſten Gehorſam leiſten wolte. Fazel-Kan aber brachte dieſe Antwort dem Konig; der bezeugte/ daß jhme lieb ware ſeinen Sohn zu ſehen/ und ſchickte wiederum Fazel-Kan, demſelben anzuzeigen/ daß er willkommen ſeyn wurde. Aber Aureng:zeb liſtiger als Cha- gehan, ver ſicherte Fazel-Kan, daß Uutreu der 19555 begabe er ſich in ein Hauß auf dem and vor Agra zwo oder drey Meilen abgelegen/ welches dem Volck/ ſo mit groſſem Verlangen die gluͤckliche Stund der Beſuchung des Vatters von dem Sohn/ welches ihrer Streitigkeiten ein Ende bringen ſolte/ ſehr mißfiele. Aber Aureng: zeb guf dieſe Beſuſuchung nicht tringend/ faßſete hingegen einen ſehr ungebührlichen Entſchluß/ nemlichen ſeines Vatters Underhalts⸗Koͤſten zu beſtimmen/ und auf die Schatze welche Dara cha in ſeiner eylfertigen Flucht nicht weg nehmen koͤnnen/ zu greifen. Er lieſſe auch ſeine Schweſter Begum-Saheb, dem Konig von welchem ſit ſehr geliebt ware/ Geſellſchaft zu leiſten/ in die Veſtung einſchlieſſen/ und thate ſein Hand uber allen Reichthum ſo dieſelbe von Freygebigkeit jhres Vatters hatte/ ſchlagen. f Cha. gehan vbn ſeinem eigenen Sohn wider jhne auf dieſe Weiſe verfahren/ war über alle maſſen er urnt/ übte Gewalt außzukommen/ und erſchiuge etliche Wachter die ſich jhme wiederſetzten welches verurſachte/ daß Aureng- cb denſelben beſſer verwahren lieſſe. Inzwiſchen ware es ein verwunderliche Sach daß kein einiger der Bedienten dieſes groſſen Konigs jhme beyzuſtehen ſich anerbotten/ daß alle ſeine inderthanen jhne verlieſſen und den Rucken kehreten; nunmehr Auxeng-eeb für den Konig erkennend; und Sba⸗-gehan der noch lebend in vergeß ſtellend/ befan den ſich ſchon eliche denen ſein Unglück zu Hertzen gienge/ ſo war doch die Forcht ein Urſach/ daß ſie ſauviegen/ und zinen Konig/ der uber ſie als ein Vatter und nüt ſolcher Sanftmnuth/ welche bey hohen Haubtern ungemein regierte/ ſchandlich verlieſſen. Dann ob derſelbe zwar den Groſſen/ wann ſie jhrer Schuldigkeit nicht nachkom0 unbeſtandig/ Mittel finden moͤchte/ wiederum aufden Thron zuſczen. Als Cha-gehandie Haͤrtigkeit ſeines Sohns/ der ihne alſo zu que len ſuchte/ geſehen; gedachte er nicht ferner an dieſe Reiſe; und der empfindliche Verdrußſo er über dieſem unbarmhertzigen Tractamemm, empfienge/ lefurderte/ ſeinen Tod/ wie bald darauferfolgt. So bald Aureng.eebſolches ven“ nomen kam er nach Agra und griffe auf alle des Koͤnigs ſeines Vattern Kleinod/ daran er zu deſſen Lebzeiten kein Hand legte/ Begumm Saheb hat auch viel Edelgeſteine ſo Aureng? ſeßt worden/ gelaſſen/ und ware damalen be zeb Ihro 10 ſie von jhme in die Veſtung g gnugt das baare Gelt deſſen ihre Kiſten vol geweſen/ weg zu nehmen. Wie nun Aurenszeb gedachte/ daß diese Edelgeſtemnefür Ia ſich auch nicht uͤbel ſchickten/ und uber diß be? Fürstin ſeine Schweſter/ als welche mit gehan 1 verbunden/ jhme verdäcchne ware; funde er Mittel die Chrlich und ohn in dem derſelbe ber Begum-Saheb ſchmeſchelk Boßheit zu ſeyn ſchienen/ ſolche zu bekomme 15 ul 91 oſſe Chr erzeigte/ und ſie nach Jehans 5 bat führte; Ich habe den Clerhanen paß auf ſie bey Ihrer Abreiſe ſamt deim wer von Agra beſchehen/ geſeſſen; eben da, von Bengala kommend/ und da hinein vet geſehen. Bald hernach/ hatte man 8, ſchaft des Todes dieſer Furſtin/ und en man ſagte/ daß solcher durch Giſt beg dert worden. Laſſet uns nun beſehen/ f 1 ſich mit Dara. cha zugetragen/ und al Krieg zwiſchen den Sohnen des unglückſeligen Cha- gehan erfolge ö f 5 1 5 Das An Das IV. Capitel. Von Dera-cha Flucht in die Königreiche Scimdi und Gouzerate, und deſſen zweya ten Treffens wider Aureng- zeb, auch 55 er gefangen und enthaubtet worg Y Achdeme Dara: cha auf den Raht des ge „ Koͤnigs ſeines Vattern/ in Eyl einen Theil des in der Veſtung Agra ſich befindenden baaren Gelts/ weggenommen/ und in das Königreich Lahor ſich begeben/ verhoffteer in kurtzem eine zweyte Armee wider ſeinen ſuch beider Aureng· zeb zu ziehen/ zuſamen zu ringen. Deſſelben getreueſte Diener und reunde/ hatten jhne in ſeinem Ungluüͤck jederlit begleitet/ und ſein alteſter Sohn Soliman ekour ware neben dem Raja Roup in ſeiner Nersſchafft Volck zu werben/ fünff Millionen 1 dupies, welches unſerer Frantzoſiſchen Wähdug ſieben Millionen und fuͤnff hundert kauend Fraucken ſeynd/ mit ſich habend/ um deo eher Soldaten zu bekommen. Aber auf eſe namhaffte Summa Gelts/ hatte alſo9155 Raja-Roup ein Aug/ und nachdeme er eſſen durch eine ſchandliche Verraͤhterey ſich emaͤchtigte/ flohe Soliman Chekour, be08 U ſbrchtend/ es mochte auch ihne ſelbſten gelten/ in Eyl in das Königreich Sireneguer, under en Schutz des Raja Nackti-Rani, welcher b nſelben durch eine noch ſchandlichere Verfte bald hernach dem Aureng · zeb liefNe Als Dara-cha vbon dieser Verzaihterey des ale bone Zeitung bekommen und ſahedaß 2 leine Freunde ihne verlieſſen/ um AurengLahe key anzunehmen, kegabe er ſich von ehe hinweg/ in das Königreich Scimcli zulleſſ. Vor ſeiner Abreiſe auß der Veſtung den er alles Gelt und Kleinodien/ die ſich in um wech befunden/ auf das Waſſer laden/ werd it gutem Geleit nach Baker geführet zu en den/ alda er der Veſtung/ welche in mit00 aum G Fluſſes Indus ligt/ ſich bemaͤchtiget/ 1 übernatorn/ und Verwahrung dieſes 5 getrel hums/ einen Verſchnitkenen der ihme ohkeweb ee neben 600. Soldaten und aller rung endigen Munition/ um eine Beläge dem gußzühatten geſetet; und darauf nach lasen„ da er viel grobes Geſchütz hinLand Fü fortgegangen. Er reiſcte in den N me tre s Raja bon Kachnagana, welcher jh70 thalſdbe Verheiſſungen/ aber vhne Werck/ Sdzerate drauf kame er in das Königreich großem Ke und wurde von dem Volck mit und C Jrolocken/ als rechtmafſiger König/ chelkeſen ebene Erbe, empfangen. Ererfender geen Defehl in allen Städten/ und inkorn 0 in Suxate, alda er einen Guberna515 ung b 1 aber der Gubernator in der che daß nich 115 geſetzt worden/ wolte ſich Dara- cha deerwerffen. Sondern proteſtierte der Buch. Raja, und von Morar-Bak93 daß er den Ort niemand/ wer der auch ware/ ohne expreſſen Befehl von Morat-Bakche, übergeben wolte/ und wie derſelbe bey dieſem Entſchluß veſte bliebe/ wurde er richtig in der Veſtung gelaſſen/ und verurſachete hinwiederum auch dem Gubernatorn der Stadt keine Unruhe. 1 55 Para- cha bekame inzwiſchen zu Amadabat Bericht/ daß Jeſſomſeing einer der maͤchtigſten Rajas in gantz Indien/ von Aurengzeb ſich getrennet/ und zu jhme zu ſchlagen begehrte. Er wurde auch von ermeldtem Raja, mit ſeinem Heer/ welches nicht ſtarck/ und wie er zu Amadabat ankame/ ohngefaͤhr in 30. tauſend Mann allein beſtunde/ fortzueilen erucht. Dara- cha der ſeinen Worten traute/ folgte dieſem Naht/ und kame nach Emir, den Ort des Sammel⸗ Platzes/ verhoffend denſelben alda anzutreffen. Aber Joſſomſeing, welcher von Raja Jeſſeing der maͤchtiger/ als er/ gaͤntzlich auf Seiten Aureng· zebs war/ befunde ſich nicht dieſen Tag ſeines Verſprechens zu Emir, und kame erſt da er mit Manier nicht laͤnger außbleiben koͤnte/ Vorhabens dieſen elenden Furſten zu verxahten. Als bee che der Bruder Heer einander gegenwartig waren/ geriehte es zu einem ernſtlichen Treffen/ welches drey Tag lang gewahret. Aber da das Gefecht in dem ſchaͤrffſten/ wendete ſich Jeſſoniſeing durch eine offentliche Treuloſigkeit/ auf Aureng· zebs Seite/ welches des Dara- cha Soldaten ſehend/ den Muht verluhren und flohen. Beederſeits ware viel Bluts vergoſſen; Chanavas-kan Aureng- zebs fSchwaher⸗Vatter/ bliebe auf dem Platz und beederſeits 8. oder 9. tauſend Mann/ der Verwundeten/ ſo in groſſer Anzahl/ zu geſchweigen. Als nun Dara- cha ſich nicht wiederum erholen konte/ und jhme das Gluck in allem ſeinem Vornehmen alſo widerwaͤrtig ware/ um der Feinden Hande zu entrinnen/ flohe er ſamt ſeinen Weibern/ etlichen ſeiner Kindern/ und geN Ales VerScharffes Treffen ziwi8800 beyden ndern. 1 Daxa-che Flucht. treueſten Dienern/ in einem erbarmlichen Auf? zug davon. Wie derſelbe Amadabat nahete/ bewieſe Herz Bernier ein Frantzöſiſcher Doctor der Artzney/ der nach Agra den Hof des Groſſen Mogols zu beſuchen/ reiſete/ und der bey der gantzen Welt/ beydes durch Wuͤrdigkeit ſeiner./ und treftiche Beſchreibungen ſeiner Reiſen/ ſich bekant gemacht/ einer deſſen Weibern/ welehe an dem Schenckel von einem Rohtlauff angegriffen ware/ nicht geringe Huͤlffe. Nachdem Dara: clia vernommen/ daß in der nahe ein geſchickter Artzt auß Europa ſich befunde/ lieſſe denſelben alſobald abholen/ und Herz Bernier kame ohne Verzug zu jhme in ſeine Zelte/ da demſelben dieſes Weib und der Schaden gezeigt winde/ deren er Mittel und geſchwinde Milterung ſchaffte. Dieſer armſelige Füͤrſt von HerꝛnBernier alſo wol bedienet und begnügt/ erſuchte denſelben inſtandig/ in ſeinen Dienſten zu verbleiben; welches Anerbieten er wol hatte annehmen koͤnnen/ wam Dara · cha nicht eben dieſelbige Nacht Byttſchafft empfangen/ daß der Gubernator/ welchen er zu Amadabat beſtellt/ ſeine Qugrtiermeiſter 94 tiermeiſter nicht einlaſſen wollen/ und ſich fur Aureng- zeb erklart. Welches Para cha verurſachte eylend auch in der finſtern Nacht aufzubrechen/ und den Weg auf Scimdli zu nehmen/ eine neue Verraͤhterey/ deren zu widerſtehen/ er in ſeinem damaligen unglücklichen Zuſtand ſich zu ſchwach befunde/ befoͤrchtend. Dara · cha kame an in Scimdi, willens nach Perſien überzugehen/ alda Cha-Abas II. feiner Cha-Abas aſſiſtiert den Dara. cha. Volck und Gelt zu helfen/ wartete. Aber dieſer Fürſt dem Meer nicht trauend/ und beforchtend es moͤchte bey deſſen Unbeſtandigkeit ein friſches Ungluck begegnen/ vermeinte der Weg zu Land ware für ſeine und ſeiner Weiber und Kinder Perſonen ſicherer. Jedoch wurde er hierinn betrogen; dann als derſelbe durch das Land der Patanon nach Candahar zu gelangen/ ſeinen Weg nahme/ ward er ferner von einem Herm des Lands Zion-Kan genant/ welcher ein Beamter des Koͤnigs ſeines Vattern geweſen/ und wegen begangenen Laſtern/ auß dem Munde des Koͤnigs/ under die Füſſe eines Elephanten geworffen zu werden/ verurtheilt/ aber auf Fürbitte bemeldten Para- cha, deme er für die Errettung ſeines Lebens zu dancken hatte/ begnadiget worden iſt/ ſchandlicher Weiſe verrahten. Zum Uberſluß der Trübſalen/ bekame Dara: cha vor Ankunfft in dem Hauſe des bemeldten Gion ⸗Kan, durch einen Lackeyen die traurige Bortſchafft des Todes der jenigen ſeiner Weiber/ welche er am liebſten hatte/ und ihne in ſeinem Ungluͤck allzeit begleitet. Er vernahme daß dieſelbe vor Hitz und Durſt/ indeme ſie auf dem Feld auch nicht einen Tropfen Waſſers um den Mund zu erkühlen/ finden koͤnnen/ geſtorben ware. Dieſer Fürſt ward uber dieſe Zeitung alſo ſchmertzMur Verraͤtherey und boſe Bottſchafft. lich betruͤbt/ daß er als tod zur Erden fiele/ und ſo bald derſelbe/ durch Hulff der Umſtehenden wiederum zu ſich ſelbſten kommen/ zerriſſe er auß Ubermaß ſeines Schmertzens/ die Kleider; welches eine uhralte Gewonheit in Orient/ und David ſelbſten zerriſſe die ſeinen/ auf die empfangene Bottſchafft des Todes Abſalons ſeines Sohns. Dieſer ungluͤckſelige Fuͤrſt hatte ſonſten gleichſam unempfindlich in allen Widerwaͤrtigkeiten ſich erzeigt; aber in dieſem hatte jhn der Schmertz uberwunden/ er wolte auch von ſeinen Freunden Manier des ſich nicht troͤſten laſſen. Er kleidete ſich ſeiLeidrragens. ner Betruͤbnuß gemaß/ und an ſtatt eines Turbans bande er um ſein Haubt ein Stuck grobes Leinwad. In ſolchem erbarmlichen Habit gienge er zum Hauſe des Verraͤhters Gionkan ein/ alba auf einem Feldbeth/ um ſich ein wenig zu erholen/ ligend/ begegneten demſelben sepper Che- bey ſeinem aufwachen friſche Hertzſtiche. Als kour Darachans zwehten Sohns chan zweyten Sohn greiffen wolte/ thate dieZerreiſſung der Kleider in Orient. 5 ſem Verrahter kapfern Widerſtand/ und ſeinen Bogen und Pfeil zur Hand nehmend/ erlegte er drey Mann auf dem Platz. Aber weil er allein ware/ konte derſelbe ſo vielen Verrahtern ferner nicht widerſtehen/ welche der Pformit einer herꝛlichen Bereit ſchafft/ um jhme mit Sion-kan guf Sepper Chekour des Daraertbafftig⸗ ſer funge Prin gleichſam noch ein Kind/ die Reisbeſchreibung in Indien/ ten des Hauſes maͤchtig/ niemand der jhne entſetzen konte/ einlieſſen. Wie nun Dara · cha von dem Getümmel dieſer grauſamen Mardern/ da ſie den Fuͤrſten griffen/ erwachte/ ſahe derſelbe ſeinen Sohn mit auf den Rucken gebundenen Handen/ vor ſeinen Augen ſtehen. Dieſer unglüͤckſelige Vatter nunmehr an der ſchaͤndlichen Verraͤhterey ſeines Wirths nicht zwei lend/ konte ſich micht enthalten/ in dem billichen Zorn da er ware/ wider den Verraͤther Gion, kan, in ſolche Wort außzubrechen: Vollende/ ſagte er/ du undanckbarer und ſchandloſer Gaſt/ vollende was du angefangen; wir ſeynd die Schlacht⸗Opfer des Unglücks und der ungerechten Begierd Aureng- zebs: aber gedencke daß ich den Tod verdienet/ nur darum/ weil ich dir das Leben errettet/ und daß niemalen einigem Furſten von Koͤniglichem Geblut die Hände auf den Rücken gebunden worden. Gion- kan von dieſen Worten etlicher maſſen bewegt/ lieſſe den jungen Füͤrſten entbinden/ und ſtellete allein eine Wacht für Dara · cha und ſeinen Sohn; ſchickte zugleich einen eigenen Botten an Raja Reſſomſeing und AbdullaKan, dieſelben zu berichten/ daß er des Daracha und der ſeinigen ſich bemaͤchtiget. Auf die; ſe Bottſchafft kamen dieſelben in El/ an dem Raub dieſes Fürſten Theil zu nehmen; aber ſo bald konten ſie nicht einlangen/ daß Gion ö kan nicht Zeit hatte das Beſte hinweg zu 17 0 men/ und tractierte auch des Dara-chans ber und Kinder ſehr unfreundlich. Als der Kaja und Abdulla- kan darkommen/ ward Para cha ſamt ſeinem Sohn auf einen Elephanten und ſeine Weiber und übrige Kinder auf einen andern geſetzt/ und alſo mit groſſemUnderſchie) jhres vorhergangenen Aufzugs zu Jehanabatalda ſie den H. Semptember ankommen/ geführet. Alles Volck lieffe herbey/ ein jeder wum ſchend den Füͤrſten den er gern zu einem Kolle hatte/ zu ſehen; Aureng· zeb befahle/ daß maß ſie durch alle Haubt-Gaſſen und Marck⸗ fc Straſſen zu Jehanabat, damit niemand all ſel⸗ g ner/ nemlich des Dara· cha Gefaͤngnuß zwei te/ führen ſolte/ gleich als wann ihine die Tiere loſigkeit wider ſeinen Bruder/ ein Ruhm gel. ſen waͤre/ demſelben verordnete er die Veſtung 1 Aſſer für Gefangenſchafft. Gleichwol wan e under allen den jenigen die zugeloffen/ dieſeh Fuͤrſten zu ſehen/ und denen nicht unwiſen daß er jhr rechtmaſſiger Koͤnig ware 1152 wüͤnſchen jhne auf dem Thron wür cklich 10 2 hen/ kein einiger welcher das Hertz halle 1% einen Dienſt zu thun. Es funden ſich Aa hie liche wackere Soldaten die dieſem Fürften n vor gedienet/ und von demſelben bielgaceſen/ pfangen/ welche ſich ſehuldig zu ſeyn ge 1 ib z bey dieſer Begebenheit einige Danckbab. se 5 bezeugen. Wie dieſelben ihren rechlmaſſone Fürſten auß den Handen der fangen 0 5 gefangen hielten/ zu befreyen achten aher aur len ſie/ mit Grimm auf Gion- kan, der Stund Hulff/ jedoch bald hernach inden 0 1 Gol. wiederum nach ſeinem Land kehrend/ 10 Wald da er durchreiſen wolte/erſchlag den/ ſeinen verdienten Lohn bekonune te 5g 2 let aaf 1 b 9a —— Aug 5 5 See. Aureng zeb, ein guter Politicus und Wed außerleſener Heuchler/ lieſſe außkünden/ daß ᷑ keines wegs befohlen/ daß Dara⸗- cha geangen genommen/ ſondern allein beredt werden ſolte/ das Koͤnigreich zu raumen/ welches er nicht thun wollen/ hatte Gionkan jhme unwiſſend und ungebuͤhrlich denſelben gegriffen; und daß an ſtatt das Koͤnigzehe Geblut zu relpectiren/ er dem jungen Urſten Sepper Che- cour„des Dara-cha Sohn die Hande auf den Rucken ſchmachlach binden ſaſſen/ daß dieſe hauptſaͤchliche at/ welche die Majeſtat beleidigte/ einer ſtrengen Straff würdig/ und daß auch ſolche burch den Tod Gion-kan und deſſen MithelfWon würcklich geſtraffet worden. Aber dieſe Aureng-zeb unter das Volck außgeſprengte Rede/ rar nur Dara. cha zu betriegen/ denn wann er das Königliche Geblut betracht/ und einige Liebe gegen ſeinem altern Bruer getragen/ hatte er micht zugleich jhme das dupt abzuſchlagen befohlen/ welches aber alſobald folgender maſſen beſchehen. Als Bara- cha mit einer Wacht von Jeha. nabat nach dem Ort ſeiner Gefaͤngnuß außgeführt wurde/ und an einem ſchonen Ort/ da er vermeynte zu ruhen/ angelangt; wurde demben ſeine Zelte/ in deren er ſeinen Kopf laſſen olte/ zugerüſt; Nachdeme er geeſſen/ kame eif⸗kan welcher zuvor in ſeinen Dienſten war/ jhme die Urtheil ſeines Tods anzukunn. Wie Dara⸗ cha ihn hinein kommen ſahe/ gte/ er ware willkomm/ und daß er ſich erHue/ einen ſeiner getreuſten Diener zu ſehen. file an antwortete/ daß ja er vor dieſem in 3 inen Dienſten geweſen/ aber dißmalen Auae, den deebs Sclave ware/ und Befehl hatte Gan danllben ſeinen Kopf zu bringen. Es muß ö zes ann geſtorben ſeyn/ ſagte Dara cha? Es iſt , ud facts Ch ichbin pier dieſelbe zu vollſkrecken. Sepper 0 die 9 kour, welcher in einem Vorgemach der N wol uhete/ über dieſen Reden erwachend/ ale nachetlichen Waffen/ die jhme genomkan erden /greiffen/ und wendete alle Kraffde we, ſenem Vettern zu helfen; aber er wurberhin en jenigen /a die Seit. kan begleiteten/ chu dert, Dara- cha wolte auch Widerſtand bege weil er aber geſehen/ daß es vergeblich/ nd Che- kour auf eine Seite genommen/ S S 1 pchad b chla velches 8 as Haupt abgeſchlagen/ w weten 5 eng überbrachte/ der verBua durch das Blut und den Tod ſeines b bers Ukige d Per ige ge Traurſpiel wurde der betrüͤbte Sepdes O4, beführt. Die Weiber und Kinder deng 2eh, cha führte man in den Haram Au0 08 f„welcher um auf den Thron des e auch ich veſt zu ſetzen/ nur allein nachſinneauß de Linen andern Bruder Sultan Suſah a eg zu raumen/ der zu Bengala/ eine Das Ander Buch. 8 der Groß⸗Staats⸗Cadi und Haupt des Ge⸗ Thron ſt der gleichen auch das Geſatz der Natur/ ihm zurtheil des Königs/ antwortete Seif. Kan, daß ſein Vatter wegen hohen Alters und 15 nicht eyferig ware/ Wein truncke/ und die Unches 1 er Zeit/ ſein Gebet zu verrichten/ welSepp e verwilliget wurde; unterdeſſen ward let. Dar indem man denſelben auffhielte/ dem ſeinen Thron zu heveſtigen. Auf dieſeine e Kour in die Veſtung Goualeor, um leſtem Oheim aorat. Bache Geſellfchafft zu Macht zu ſamlen/ und um den Konig ſeinen Vatter/ welcher in der Veſtung Agra von Aureng· zeb gefangen/ aber annoch bey Leben/ zu erloͤſen ſich befande. f 1 5 Das V. Capitetl. Wie Aureng-zeb auf den Thron ſich ge⸗ ben N ſetzet/ und ein Konig erklaͤren laſſen/ und dechtmaſſge Su ltan Sujah geflohen. f 8 i reng-zeb, nachdem derſelbe ſeinen Seine rau Vatter Cha- gehan und Bruder famkeit. 4 Morat-Bakche gefangen ſetzen/ und ſeinem altern Bruder/ deme von rechkswegen das Reich gebührte/ grauſamer Weiß enthaupten laſſen/ konte unſchwer/ inſonderheit/ weil das Glück jhme gunſtig ware/ und alle Vornehme des Reichs jhme Beyfall gaben/ auf den Thron gelangen. Wie die Gewonheit dieſer Ceremoni, auf den Thron wuͤrcklich zu ſetzen/ brauchte es wenig geit/ diß mal ſolchen aufturichten/ weil Cha⸗gehan vor ſeiner Gefaͤngnuß den jenigen/ welchen der groſſe Tamerlan angefangen/ und der Koͤſtlichſte und Prächtigſte/ ſo jemals in der Welt geſehen worden/ vollführen laſſen. Aber dieweilen auch Thamerlans ſatzes/ den neuen Koͤnig außkunden ſolle/ funde Frachtigke in diesem Stuck Aureng.-zeb anfanglichen inder Welt. Verhinderung; der Groß⸗Cadli wider etzte ſich offentlichen deſſen Vorhaben/ mit Vermelden/ daß beydes das Mahometiſche/ deßgleich verbieten thaͤten/ jhn für einen Konig bey Lebzeiten ſeines Vattern außzuruffen; indeme/ Dem au. baß um auf den Thron zu kommen/ er ſeinen al⸗ ens geb tern Bruder/ welchem das Reich nach Abſter⸗uusnegs“ ben Cha: gehan jhres Vattern gebührte/ hätte fritten. erſchlagenlaſſen. Dieſer ſtarcke Widerſtand des Cadii verurſachte Aureng- zeb nicht wenig Mühe/ und den Schein eines Ungerechten nicht zu haben/ lieſſe er die Lehrer des Geſatzes zuſammen kommen/ und denſelben vorhalten/ Schwachheit zu dem Regiment nunmehr untůchtig ware/ und was ſeinen Brudern Daracha anbelangen thue/ hatte er denſelben hinrichten laſſen/ dieweil er zu Haltung des Geſetzes glaubigen beguͤnſtigte. Dieſe Grunde mit Drauungen untermiſcht/ bewegten ſeinen Gewiſſens⸗Nath/ zu ſehlieſſen/ daß er der Regierung wuͤrdig ware/ und für einen Koͤnig gußgeruffen werden ſolte/ welchem aber der GroßCadi beſtandig ſieh widerſetzte. Es ware kein ander Mittel hierin/ als jhne von ſeinem Amt für einen Zerſtoͤrer des gemeinen Ruhſtands zu entſetzen/ und einen andern/ welcher fur die Ehre des Geſetzes und Wolfahrt des Königreichs eyferig/ zu erwehlen/ wie alſobaldbeſchahe/ der jenige/ ſo von dem Rath arkoſen/ e wurde hernach von Aureng zeb heſtatiget/ et ſchauf und zu Danckbarkeit dieſer Gutthat ruffte er den Ehren. denſelben für einen Konig offentlich auß/ den 20. Octob. 1660. Als nun dieſe Außruffung in der Aoſquẽ oder Tempel beſchehen/ ſetzle ſich Aureng 96 Aurelig-acb auf den Thron/ da er von allen Groſſen des Reichs die Huldigung empfienge/ und ware dieſen Tag groſſe Freude in Jehanabat, zugleich wurde Befehl an das gantze Koͤund ſehtl⸗ ligreich außgeſandt/ ſeine Zukunft zu dem 1 7 Thron feyrlich zu begehen/ welches viel Tag Ehren. lang um groſſer Köſtlichkeit beſchehen. Aureng- zeb hielte darfür/ ſein Thron wäre noch nicht allerdings verſicheret/ noch ſein Reich wol beſtellt/ alldieweil Sultan Suiah ſein Bruder ein maͤchtiges Heer/ willens Chaehan zu befreyen/ in Bengala verſamlete. x befande rathſam demſelben vorzukommen/ und ſchickte wider ihne eine groſſe Macht/ under Regierung Sultan Mahmoud ſeines elteEuün- Jemla ken Sohn/ deme en, für Leutenant Emir. Jemla, ein argliſi: einer der vortreflichſten Helden/ ſo jemals auß . B, Perſienin Indien kommen zugabe. Deſſiben groſſe Furfichtigkeit und Helden⸗Muth/ hatten hne bey den Nachkommenden in groſſes Anſehen gebracht/ wann er auch zugleich alſo treu an den Furſtrn/ welchen er gedienet/ geweſen ware. Aber er verriehte erſtlich den Konig von Golconda, under deme er ſeine Wolfahrt befürderet/ und hernach Chagehan, Under deſſen Schutz er ſeine Sachen alſo weit gebracht/ daß wenig Herren in gantz Indien maͤchtiger und reicher als er iſt. Uber das wird er von den Soldaten beydes gefoͤrcht und geliebt/ und iſt der Manier des Kriegs deſſelben Lands trefflich wol erfahren. Als er nun Cha: gehan verlaſſen/ begabe er ſich guf AuAureng-zebs Hagermöͤglichkeit. reng zebs Seite/ und wann Sultan Suan nicht einen ſo tapfern und erfahrnen KriegsHelden vor ſich gehabt/ haͤtte er ſonder Zweifel ſeinem Bruder mehr zu ſchaffen gegeben und vielleicht obgeſieget. Nachdeme die beySweiſelhaſ⸗ den Heer oftmalen an einandern gerahten/ waner Sieg. fe der Sieg bald auf dieſer bald quf jener Seiten/ und wie Sultan Mahmoud ſahe/ daß dieſer Krieg in die Lange ſich verzoge⸗ entſchloſſe er mit Rath ſeines Leutenant/ die Sachen auf ein andere Weiſe anzugreifen/ und um mit Sultan Suĩah eher zurecht zu kommen/ ſich neben der Macht des Liſts zu bedienen. Er sulsblsb- Vatlblete in geheim mit dem mehreren Theil 1 5 der Haubter des Heers ſeines Oheims/ thate geit. denſelben herꝛliche Verheiſſungen und erſuche ſie alſo kräftig des Aureng- zebs Parthey/ welchen er die Saule und Beſchutzer des Mahometiſchen Geſaßes nenniete/ anzunehmen/ daß er die Vornehmſten gewunne/ denen er drauf! hin/ um ſelbe jhme deſto mehr verſichert Se zu machen/ anſehenliche Verehrungen gabe. gen wache! Das ware ein tödlicher Streich fur Sultan Suiah, den er nicht abwenden koͤnte. Dann weil die jenigen/ welche jhn begleiteten/ Miedling waren/ und der Art/ die dem meiſt gebenden dienen/ ſahen/ daß bey dieſem Fuͤrſten/ deſſen Schaͤtze erſchoͤpft/ nichts mehr zu hofMau haugt fen/ und bey Aureng eb, deme das Gli dach den ul allerley Manier wolte/ der auch alle Sand Schatze in ſeiner Gewalt hatte/ ihren Nutzen beſſer ſchaffen konten. Alſo fele dem Aurengzeb unſchwaͤr/ die gantze Armee ſeines Bruders/ welcher in dem lerſtbeſchehenen Treffen Reis beſchreibung in Indien/ ik Wacht aufgefangen/ und deſem jung de . be4 5 von jederman ganzlich verlaſſen/ und amt Weib und Kindern eilends mit der Flucht zu entrinnen/ gezwungen wurde/ abwendig zu machen. Die Verraͤhter wegen jhrer ſchandloſen That beſchaͤmt/ verfolgten dieſen unglückſeligen Fuͤrſten nicht/ wie ſie wol haͤtten thun konnen/ ſondern waren als nichts werthe Leut/ alſobald geſchaͤftig/ nach beſchehener Flucht ſeine Zelten zu verderben/ und die Bagage zu plündern; welches Emir emla, um ſie für ihre geſtattete. Sultan Suiah underdeſſen begabe ſamt den Seinigen ſich inetliche Schiffe/ fuhr über den Sangum, und kame über eine Zeil hernach in das Königreich Arakan: an die Gräntze Bengala, da wir ihne ſich wiederum zu erholen/ verharren/ und Bottſchaft von Sultan Mahmoud des Aureng- zebs elteren Sohn/ und von Sultan Soliman, Che · kour: Dara- cha elteren Sohn/ welche dem Aureng. zeb annoch Geſchaͤfte machen/ vernehmen/ laſſen wollen. 5 8 Das VI. Capitel. Von der Gefaͤngnuß Sultan Mahmoud Aureng-zebs und Sultan Soliman Chekour Para- cha Eſteſten Soͤhnen. f VBwol Aureng- zeb fuͤr ein treffichen Politicum, wie er auch in de? That wa; Verrähterey zu belohnen/ jhnen 5 A. WPre/ gehalten worden/ betrug er ſich g jedoch/ ein maͤchtiges Heer ſeinem Sohn/ un us. der Regierung eines tapfern Obriſten/ welcher viel derſelben bereits/ wie vorgemel zween Koͤnige ſeiner Herren verrahten/ de Aureng: zeb ein gleiches Tractament/ billich zu befoͤrchten/ Urſach geben ſollen. Fürſt/ welcher durch viel fangen hielte/ und ſeine zween Bruͤder erk, einen er erſchlagen laſſen/ den anderen 95 Flucht zu nehmen gezwungen/ unverantwo licher Weiſe verſtoſſen/ ware ſtündlich in 19 lichen Forchten/ daß der Himmel denſelben eingeben mochte/ die Rache fuͤr ſeinen Gios Vatter an die Hand zu nehmen. Wie er 750 richtung bekame/ daß Sultan Mahmoud überauß tieffen Gedancken und melancol ware/ glaubte er veſtiglich/ daß er auf Mit 15 ſinnete ihne zu verderben/ und in dieſen 1 cken/ trachtete er von Mir⸗Jemla eine Gaceen rung zu erforſchen. Er ſchriebe demſe lean daß weil jhme Bericht zukommen/ da Sub Mahmoud einige heimliche Verſtaͤndmi Sultan Sujah ſeinem Oheim hatte“ cat 10 ware/ derſelbe bey dem Kopf zunehmen ihme zugeführt wurde. Als dieſes Seal 2 zum Unglück von des Sultan Mahmou b 97 15. ſten/ der Verſtand hatte/ uͤberliefer berhalete er die Sach dem Mir Jen, Vatfoͤrchtend/ es mochte derſelbe von ſeine wider ter/ noch anderen eigentlichern Befehl jhne empfangen haben/ entſchloſſe er l Gag viel Ubelthaten auf 5 9 Thron/ darvon er ſeinen Vatter/ den er 1 bach den 1 5 ſch kale „ „Das olnder Buch. wüͤrde. Der junge gurſt leſſeſich lacht be Seen dangan gu ſeinem Oheim Sultan Sujah, von demeer mehrer Gutes hoffete/ ſich zu begeben. In dieſem Entſchluß ſtellete derſelbe ſich/ ob ee er fiſchen gehen/ und als er in der Eyl etiche Schiffe auf dem Sango in Bereitſchafft ſtelen faſſeſr fuhr er neben dirlen ſeinen Haupteuten hinüber in Sultan-Sujan Lager/ ſo jenſeit des Fluſſes ware/ und der/ indem er feine dll oduche a dem Konig von Ara- kan zu nehdran. mel hachſthneke/ wiedrumeiig Volck zuſamwel. men gebracht hatte. Wie Sultan⸗Mahamoud feinem Oheim gegentvartig/ thate er demſelben einen Fußfall/ und bathejhn um Vergebung/ Ich er die Waffen wider ihn/ darzu ihn seil Vatter gezwungen/ ergriffen hatte/ daß ihm nicht unbewuſt/ wie mit ſo groſſem Unrecht er ich des Throns bemachtiget. Obwol min 8 tan. Sujah zu zweiffeln/ daß es recht gemeyet und zu gedenken/ daß es guf einen Liſt von Züreng⸗zeb, welcher jhn geſchickt/ um wie er ch ſtellete/ und ſeine Unvermoglichkeit qußzuiW lichen angeſthen/ gnugſam Urſach hatte; fung ichs deſtorweniger/ weil er ein gütiger und deb, Oobenmitiger Fürft/ da er ſeinen Eckel jhme . e Ju Füſſen ligend ſahe/ hube er denſelben auf/ und nt Umfangen verficherte er jhn ſeines 5 chutzes wider Aureng- zeb. Etliche Tage Wee ernach thaten dieſe zween Fuͤrſten mit einannen der einen Verſuch/ fuhren uͤber den Gangum, und ein weiten Umweg nehmend/ über fielen des Feinds Heer/ welches ſie ſich nicht ver ſahen. Sie griffen daſſelbe tapfer an/ und erlegben viel Volck/ aber wie ſie wahrgenommen daß der Feind auf dieſen Uberfall ſch erholete/ beguugten ſie ſich bey dem/ was beſchehen und fuhren wiedrum über den Gangum auß Vue ſie moͤchten von der groſſen Menge olcks umringt werden/ und nicht wieder ente, 0 80 Emir-Jemla hatte dem Aureng-zeb die 5 10 6 ſeines Sohns bereits zu wiſſen gethan/ 8 He über denn dieſer Vatter ein ſehr empfindliFan Maißfallen hatte/ daß er jedoch gegen dem hlubatz beförchtend/ er möchte ein gleiches veri wand ihne/ wie er Cha: gehan ſeinem Vat5 erden oͤnig von Golconda gethan/ auch 0 ſch u/ nicht vermercken laſſen dorffte. Er 91 a8 dempelben allein daß er ſich auf eine NA Vorſichtigkeit und Klugheit den Sultangen ancucd kwiedrunm zum Gehorſarm zu brin8 verlieſſe/ daß er noch jung/ und dieſer Zufall al 170 e gemeinlich zur Veranderung Lust haͤtben elzühre. Das Vertrauen/ welches Ku. 8 Ursa Seb dem Emir Jemla bezeugte/ war eine hd das dice Sead⸗Obrſte alcerdenele 05 uttel fuchte/ den Mahmoud dvieder au f entborebden des Sultan Sujak zu bringen. Er ſein A dieſem jungen Printzen/ daß der Konig ſederzeſerter es mit ihme ſehr gut meyne/ und f nehmer mit außgebreiteten Armen ihne aufVon 8 ürde/ dafern er mit guter Manier dure, an Sujah zu entkommen wuͤſte/ darer dem Aureng- zeb einen Mutzen ſchaf0 der jhn hierüber mehr lieben/ und ſei1 bel auch Liebe zu loben Urſach haben die Hande Aureng- zebs; welcher jhme an dieſem Ort auch mit aller ſeiner Macht nicht bey⸗ führt inden kommen konte/ zu gerathen. Über das verſicherte ihne Nacti-Rani mit einem offentliein auß einer gaͤhen Hitze ſeiner Jugend/ 97 reden/ und auf die Weiſe/ wie er in ſeines npenchen. Oheims Sultan Sujah Lager ſich begeben/ kame er wieder in Aureng⸗ zebs gager zurück/ allda der Emir Jemla mit groſſem Ruhm und Bezeugung hertzlicher Freude ihn empfienge. Er rathete demſelben/ wann er ſeinen Vatter beſuchte/ jhme zu ſagen/ daß er zu Sultan Suan ſich begeben/ nur allein deſſen Macht und Ordnung des Heers zu erkennen; und exmahnete jhn daneben/ ohnverzogenlich ſeinen Vatter zu begruſſen/ demſelben zu vermelden/ was er guts für jhn verrichtet/ um darguf die Belohnung zu emnpfahen. Es ware auch ohne das Aureng zebs Befehl/ daß ſein Sohn jhme alſobald uberſchickt wurde. ahcoud gutwillig oder gezwungen/ begab ſich auf den Meg nach Jer hanabat, alla er mit der Wacht/ die jhme der Emir Jemla zugabe/ ankonnnen. Als der Vorgeſetzte dieſer Wacht/ dem Konig die Ankunfft des Fürſten ſeines Sohns zu wiſſen gethan/ verordneten Ihr Maj. demſelben ein Loſament auſſerhelb dem Pallaſt/ und wolte nicht zugeben/ daß er kaͤme Ihro die Hand zu kuſſen/ ſondern ließ jhmie anzeigen/ daß Sie unpaßlich ware; und aldeweil dieſes Loſament jhme für Gefangenſchafft diente/ biß er in die Veſtung Goualeor verſetzt wird/ wollen wir beſehen/ was Sultan Soliman Che-kour, der alter Sohn des ungluͤckſeligen Dara- cha, den Aureng· zeb enthaupten laſſen/ verrichte. Nachdem Sultan Soliman Che- our von dem Raia Roup; wie hievor vermeldt/ verrathen worden/ in dem Land Serena guer unter dem Schutz Nacti Rani, deme ſolches zugehoͤrte/ verblieben. Ware dieſer Fuͤrſt/ der alſo tapffer als unglůͤckhafft/ gezwungen/ in den Bergen ein wildes eben zu führen/ um nicht in e Bergen ein chen Eyd/ daß er ehe ſein Koͤnigreich verlieren/ als geſtatten wolte/ daß demſelben von Aureng· zeb der geringſte Gewalt/ wider den jhm zugeſagten Schutz bewieſen wurde. Zuln Zeichen ſeines reinen Gewiſſens/ wuſche er ſich in dem Fluß/ der durch ſein Land gehet; und wie er wieder auß dem Fluß kame/ ſchwureer dem Soliman Che- kour, jhne niemalen zu verlaſſen/ nahme ſeine Goͤtter zu Zeugen ſeiner Aufrichtigkeit; verurſachte alſo hiemit dieſen jungen Fuͤrſten/ an ſeinem Verſprechen keines wegs zu zweiffeln. Auf dieſes gedachte Soli man Che- kour an nichts anders/ als mit ſeinen Leuten auf der Jagd ſich zu beluſtigen/ 6 welche zu dem Ende hinwiedrum ihn zu ergeben jhr muͤglichſtes thaten. Indeme er ſich nun dem Luſt vollig ergeben/ lieſſe Aureng. zeb viel Volck gegen den Bergen Serenaguer an marſchieren/ um den Raia Nacti. Rani zu vermögen/ den Sollman Che- kour jhme in ſeinen Gewalt zu lieffern. Aber weil der Rala mit Aureng zebs 1 2 ider Zugain⸗ vergebliche 1000. Mann wider 100. tauſend alle Zugaͤn⸗ e ge ſeiner Landen/ welche ſchmal und mühſam/ dung. beſchützen konte/ ward 5 verſuchte Gewalt Autengerer Sohn wildes chene 988 ü Aureng: zebs vergeblich/ und derſelbe ſehend/ daß ſolches nichts helfen wolte, auf einen Liſt bedacht. Er verſuchte mit dem Rais einen Vergleich/ aber umſonſt/ ſintemal dieer ſeinen Eyd nicht brechen will/ und anderſeits ihne die Prieſter verſicherten/ daß dem Aureng zeb das Reich entzogen werden/ und Soliman Che- kour in kurzem regieren wurde; welches ihne verurſachete/ dieſem jungen Fürſten alle müglichſte Freundlichkeit DFD 8 Aureng- cb Als nun Aureng· zeb ſahe/ daß ſein Heer Ah,. i des Kais Land nicht fortrucken konte/ trachtete er/ jhme einen andern Krieg zu erwecken/ um des Dara- cha Sohn auß ſeinen Händen zu bekommen. Er verbietet den Gewerb zwiſchen ſeinen und des Raia Uinterthanen/ welches dieſen/ die in einem Land von Berg und Felſen wohnend gezwungen ihre Nothdurfft quſſerhalb zu ſuchen/ ſehr ſchadlich ware. Sie begunten bald uber den Schutz/ ſo der Raia dern Soliman Che. our gegeben/ zu murmlen/ und ſchrien offentlich/ daß ſolches dem gemeinen Guten zu groſſem Naehe ware. Ihre Prieſter ſtengen auch an über die Warheit ihrer Goͤtter Antwort zu zweifen und zu glauben/ daß derſelben ein anderer Verſtand gegeben werden müſte. In Summa/ es iſt auf das Verderben dieſes elenden Fürſten angeſehen/ und was demſelben den Garauß macht/ iſt/ daß der Kala ſeſſomſeing, welcher/ wie zuvor gemeldt/ Dara-cha verrqthen/ in geheim an Raia Nacti-Rani geſchickt/ um demelben recht zu verſtehen zu geben/ daß fein und dan Heil und Wolfahrt darauf ſtungeben/ und 10 ſeinen Enckel wiedrum zu liefern. Dieſer des Jellomſeings Rath verdemſelben ſeine Gedancken nicht wenig/ denn einer Seits hat er einen hohen und würte theuren Eyd gethan/ und bey Ram Ram geſchworen/ den beſchüͤtzen; an dem andern beförchtet er den Aufftand in ſeinem Land/ und darauf hin deſe elben beraubet zu werden. In dieſem Zweifkneten fel was zu thun/ flagte er um Rath bey den 5 n 5 ge/ wann ſein Land unter den Gewalt Aureng29 9 zebe, der ein Mahometan/ geriethe/ zu beſchuaua narf tzen/ als einem Fürſten/ von dem er niemalen den Buamis einigen Nutzen zu gewarten hatte/ Glauben zu halten. Wie nun dieſe Berathſchlagungen deenm Soliman Che- kour ohntviſſend beſcheſchehen/ wurde deſſen Verderben beſchloſſen/ da er vermeynte am ſicherſten zu ſeyn. Der Autwortete Raia Nacti-Ran vermeynend ſeine Ehre und Jelſon Gewiſſen zu heſchirmen/ antwortete Jeſſom1 ſeings Abgeſandten/ daß er ſich nicht ente ſehlieſſen konte/ den Furſten zu verraͤthen/ aber daß Aurengzeb ohne Verletzung ſeiner Ehr/ bee greiffen laſſen konte; daß SoIman Che- Rour pflegte in gewiſſe Berge feines Landes uf die Jagd iu gehen/ von we* ſeinem Gott Soliman CheFour bey Verluſt ſeiner Lande und Lebens zu Bramins, die urtheilten/ 12 er mehr verbun⸗ dem Naorar-Balkche ihrem Oheim und den/ ſein Volck und Geſatz/ ſo zu Grund giennzebs Augen; und der jenige/ welcher, Neisbeſchreibung in Indien nig Volck begleitet/ und daß Jeſſomſeing leicht fiele/ eine Anzahl Soldaten zu ſchicken⸗/ um denſelben zu greiffen/ und dem Aurenß 2e So bald Jelſowſeing dieſe Antwort en pfangen/ gab er ſeinem Sohn Befehl/ die Sache/ wie beſchloſſen worden/ zu vollſtrecken; alſo daß Soliman Che-kour eines Tags al gewohnliches Ort auf die Jagd gehend/ von einer ſtarcken Parthey/ die in eim Wiuy ß derhalt ware/ angegriffen wurde. Ermer te alſobald die Verraͤtherey/ und thate mit ſeinen Leuten/ welche aͤlleſamt auf dem dc blieben/ Widerſtand; der Fürſt wehrete ia) mannlich/ und er allein erlegte neun; aber end en, lich wurde er übermannet/ gefangen und nach ge Jehanabat geführt. Wie er Aurenggegenwartig war/ fragte ihn der Konig/ wie er lebt/ darauf derſelbe antwortete/ wie eue Gefangener/ welcher von euch kein andere Tractament erwartet/ als meinem Valte. widerfahren. Der Konig antwortete/ daß er nichts zu beförchten/ ſein Meynung ware nicht Ihn tödten zu laſſen/ ſondern alem ſeiner Perſon ſich zu verſichern. Als Aurengß. zeb darauf twiſſen wolte/ was er mit dein Schag/ den er entführet/ gemacht hatte; wa, ſeine Antwort/ daß er ein Theil zu Werbumgen Volckern/ um ihn/ wann das Gluck ner Seits geweſen/ zu bekriegen/ angewendel: ein anderer Theil in Handen des Raia Rou deſſen Geitz und Treuloſigkeit genuſamm bekant/ geblieben; und der Verrather Kan Natti- Rani, da berſelbe ihn chalet a e/ dem Willen Aureng· zebs ſich zu unter⸗ Weis mider Freu Ehr und Slauben 0 nen Feinden uͤberliefferk/ ſich des Ubrien bemachtiget. Aureng eb war Uber diaß großmütige Antwort ſeines Enekels behdes 0 beſturtzt und zu Mitleiden bewegt/ aber der 0 Ehrgeitz jhme die Augen verblendend/ und dul alle Gedancken der Gerechtigkeit welche ein nagendes Gewiſſen ſhme billich„ ſachen konte befahle er/ ſeinen Thron de 1 mehr zu beveſtigen; und daß Satan Nn, moud ſeinen Sohn und Soliman Che⸗ken ſeinen Enckel in die Veſtung Goualeor andeen Fürſten/ die daſelbſten gefangen geha, ten werden/ gefuͤhret 5 1555„ 1 f ches den 30. Januarij 1 6 6 J. volſſtirck Wo het, 8 Sultan Sujah, welcher annoch lebte abet armſelig/ war der letſte Dorn in 1„, me ſolchen außzoge/ und dieſen ann ſeligen Fürſten auß dem Weg en pelte/ war der König von Ara-kKan„ von! 5 chem er endlich zu weichen geiwungen ach de. Wie derſelbe alle Hoffnung wieder zu erholen/ verlehren ſahe/ habn ecin den Sinn/ die Wallfahrt nach Por. que zu thun/ um von dar in Perſteu 1105 hen/ und Juftucht bey ſelbigem Kenn 5 ein chen. Ju dieſen Gedancken velheſſt if Das Ander Buch. Schiff von dem Konig von Arakan, oder von dem Konig von Pegu, im nach Mocca zu fahden/ zu erlangen/ aber jhme war unbekandt/ aß weder der eine noch der andere dieſer Könige/ keine andere Schiffe als halbe Gallen/ ſehr ſchon gezieret/ lang und ſchmal/ deren ſie ſich guf hren Fluſſen bedienen/ und keine Schiffe uber das hohe Meer zu fahren dienlich/ haben. Also mußte Sultan Sujah hey dem König von rakan, welcher ein Abgoͤtterer/ verbleiben/ und um deſſen Schutz deſto beſſer verſichert zu eyn/ begehrte er eine ſeiner Töchtern zur Ehe/ welche er auch erhielte/ und einen Sohn mit Ir zeugte. Aber was ein ſtarckes Band der Freundſchaft zwiſchen dem Schwacher und idm ſeyn ſolte; war bald darauf ein Urſach hrer Trennung und Haſſes/ und einige Heren des Lands, welche bereits wider Sultan SuJah eyferten/ machten denſelben bey dem Konig 1 80 on Arakan verdachtig/ ob hakte er zu Folge chef as Heuraths mit ſeiner Tochter/ und dem mit 0 o erzeugten Sohn/ das Abſehen ihne von Merten ein Thron zu entſetzen. Dieſer Hey dniſche Wat. Ronig/ in deſſen Land viel Mahometaner eingeſchlichen/ glaubte leicht was jhme geſagt worden/ und daß dieſer Mahometamſche a 0 urſt/ alle die/ welche ſich in ſeinem Land beunden/ under Vorwand eines Glaubens⸗Eifer/ aufwicklen/ eine Faction anſtellen/ und auf einen Thron/ an ſtatt des jenigen/ den ſein ungſter Sohn angenommen/ ſich erheben koͤnke. Dieſer Argwohn ware nicht ganzlich ohne und; dann Sultan Sujah, welcher noch eine gute Anzahl gulden Roupies, und viel Kleinolen hatte/ gewunne gar leicht viel der Mahometaner des Königreichs Arakan, mit welchen/ J ungefehr 200. Mann/ die von denen/ ſo ine auß Bengala, nach Zertrennung feines les Es gefolget übrig waren er ein ſehr frevetuck/ welches jedoch vielmehr ein Zeichen fe 0 de a ae mit ane Er beſtimmte einen gewiſſen Tag We n ſeiner Parthey den Pallaſt zu ſtürmen/ und in. eme das gantze Königliche Hauß/ mit i Aral chwert erſchlagen/ für einen Konig von off ſich außruffen zu laſſen. Aber als dieſe 1 Verbundnuß den Tag zuvor/ da ſolche Word eli gemacht werden ſollen/ entdeckt Banga ware für Sultan Sujah, und Sultan als eine ld 8 5 a 9 jannie geſchwinde Flucht/ trachtend/ das Koͤ1 1 Begu zu Aale Aber hohe vaſt unerger iche Berge/ und dicke Walder voll TyUne Loͤwen/ da ſie durch muͤſten! und vaſt cl gan, waren Urſach/ daß jhre Flucht verfen fer zudeme wurde jhnen nicht Zeit gelaſfiben de zu konnnen/ ſondern man war dener le uf dem Fuß. Sultan Bangue, welcher dacht ſtegeweſen/ um die jenigen /o er wol gewurde er Konig ſie zu greiffen nachſchicken 8 zeitlang aufzuhalten/ und ſeinem ſhaffn auch übrigen angehörigen Zeit zu dude die urgzukommen wetrete ſich tapfer dem 05 Falten die hne antaſteten/ aber nachJeinde be endlichen durch die Anzahl der ubermeiſtert und gefellet/ wurde er ge1 der Verzweffung, als des Muths ware/ unſein Sohn kein ander Mittel mehr/ 99. fangen/ und neben ſeinen zween kleinen Brudern ſeiner Mütter und Schweſtern zuruck gefuͤhret. Dieſe ungluͤckſelige Familien/ ward in Gefangnuß geſteckt/ und gleich anfangs ſehr ſtreng gehalten. Als aber über eine Zeit hernach der Konig gedachte Sultans Bangue eltere Schweſter zum Weib zu nehmen/ bekamen ſie ins geſaint ein wenig mehr Freyheit/ deren ſie ohne die Ungedult dieſes jungen Furſten/ welcher einen unruhigen und ehrgeizigen Geiſt hatte/ eine friſche Verbundnuß wider den Konig angeſponnen/ welche eine Urſach jhres gantzlichen Undergangs ware/ langer ge. noſſen hatten. Dann wie dieſe Verbündnuß ubereilet und ohne Wuͤrckung/ ware der Koͤnig dergeſtalten erzornet/ daß er befahle dieſe Denne, gantze Familien auf der ſtett auch die junge den Schul, Furftin/ welche er ſich zum Weib erkoſen/ ob⸗ 99 vertil wolen ſie ſchwanger/ zu vertilgen. Was den Sultan Sujah anbelangen thut/ welcher der vorderſte in der Flucht war/ hatte man von deſſen Ende alſo underſchiedlich geredt/ daß nichts darauß zu ſchlieſſen. Aber wann alle in den Umſtaͤnden veraͤnderlich/ ſo bleibt man doch ins gemein eins/ daß derſelbe nicht mehr in der Welt/ und entweder von den Soldaten/ die jhne verfolget/ erſchlagen/ oder von Tygern oder Lowen/ deren die Walde deſſelben Landes voll lauffen/ zerriſſen worden. 2 8 5 Diß iſt/ was ich für das gewiſſeſte von dieſem berühmten ſechs Jahr lang gewährten Krieg/ vernehmen koͤnnen; ung habe weder zu Surate noch zu Agra, noch zu Jehanabat, noch zu Bengala, da ich bey den jenigen/ welche den vornehmſten Begebenheiten gegenwartig/ genau nachgeforſcht/ anderſt darvon reden hoͤren/ bin auch ſelbſten zum theil/ wie in dieſer meiner Beſchreibung angedeutet/ Zeuge geweſen. Laſſet uns nun/ wie der Anfang Aureng: zebs Regiment/ und das Ende Cha-gehan ſeines Vatkern geweſen. Das VII. Capitel. Von dem Anfang der Regierung Aureng- zebs, und dem Tod Cha-gehan ſeis nes Vatters. n f ö n dem fünften Capitel iſt vermeldet/ daß Aureng- zeb auf den Thron geſtiegen/ nachdem er ſeinen Bruder Dara-cha guß dem Weg geraumt; hierbey will ich noch einige ſonderliche Begebenheiten/ welche dieſer Ceremony vorhergegangen/ und zimlich merckwuͤrdig/ andeuten. Etliche Tag zuvor ließ er ſeinem Vatter ohngeſcheuht ein Compliment/ welches er wol wuſte/ daß demſelben ſolches mißfallen wurde/ machen. Er bate jhne“ daß/ weilen er uͤber wenig re/ ſo gütig zu ſeyn ihme einen Theil ſeiner chmücken/ und vor ſeinem Volck mit gleicher 0 e KRoͤſtAureng. zebs Tage auf den Thron zu ſteigen/ willens waͤ⸗ Beo ren an ſeinen 6 Kleinodien/ um damit denſelben Tag ſich zu aten. 100 Köͤſtlichkeit/ wie die Koͤnige ſeine Vorfahren zu erſcheinen unbeſchwert zu überſchieken. Cha. gehan über dieſes des Aureng⸗ zebs unverſchamtes Begehren/ ſo er fuͤr eine Antaſtung ſeines Sohns/ in der Gefangenſchaft aufnah⸗ ſe me/ geriehte in einen ſolchen Zorn/ daß er etliche Tag gleichſam als von Sinnen ware; und wenig fehlete er gar den Geiſt aufgeben. In auſſerſtem ſeinem Schmertzen/ hegehrte er vielmalen einen Moͤrſel ſamt dem Stempfel/ meldend/ Reisbeſchreibung in Indien/ ſer Fürſt/ welcher gleich anfangs ſich ein guten Namen in gantz Aſten ſtiften wolte/ trachtete einen jeden begmigt fortzuſchieken. 46 Etliche Donat vor Abſterben Cha-gehans, Se chickte Aureng· zeb der Erſte ein Ambaſſador⸗ i ese in Perſien/ welcher herꝛlich empfangen wurde wie etwas dar von in dem erſten Theil meiner Beſchreibung vermeldt. Nachdem derſelbe ankomen/ ward ein gantzer Mongt lang nichts anders als vonGGaſtereyen und Jagen geredt/ und daß er alle ſeine Edelgeſteine/ und Perlen zer⸗ ea ſtoſſen laſſen wolte/ damit Aureng- zeb, nimmermeher darvon etwas bekame. Aber Begum er alle Nacht mit einem Feurwerck beluſtiget. Each Den Tag baer die Berehrung im Namen des waage Groſſen Mogols überliefern folte/ ſaſſe der Kos ae Saheb feine elteſte Tochter/ welche jhne niemal verlaſſen/ ſich zu deſſen Füſſen werffend/ verhinderte/ daß ſolches nicht dahin kommen/ und weil dieſelbige/ wegen der gemeinen hoch⸗ſtraflichen Verbindung/ die zwiſch en ihnen/ in deme ſie zugleich ſeine Tochter und Weib ware/ ſein Gemüth ganzlich regierte/ ſtillete ſte den Chagehan, mehr in dem Vorhaben die Edelgeſtein für ſich zu erhalten/ als jhrem Bruder/ der ſolche mit der Zeit beſitzen ſolte/ ein Gefallen zu thun/ ſintemalen ſie jhme jederzeit Todfeind geweſen. Alſo hatte Aurengzeb, da derſelbe guf den Thron ſtieg/ auf ſeiner Kappe nur ein einiges Kleinod/ und wann er mehr hatte aufbinden wollen/ manglete es Ihme/ wie anderswo angedeut/ daran keines Wegs/ dann er hatte von ſeinem Vatter die Edelgeſteine begehrt/ der Meinung/ jhme ſolche nimmer wiederzugeben. Dieſe Kappe/ wie in meiner Beſchreibusz von Perſien vermeldt/ kan nicht eine Krone/ und der wegen auch die Ceremony/ welche beſch icht/ keine Kꝛoͤnung genenet weꝛden. Von dem Augenblick an/ als Aureng· zeb den Thron eingenomen/ wolte er kein Weitzen Brot noch Speiſe/ noch iſche mehr eſſen; Er nehrte ſich allein vonerſten⸗Brot/ Kraͤutern/ und Zucker werck/ und trunck gantz kein ſtarck Getranck/ diß vor ſeine Buß/ die er ſich ſelbſten wegen ſo viel begangener Laſtern undlubelthatẽ Sein Ehr guferlegt. Aber ſein Ehrgeitzund Regierſucht wahren beſtandig/ und deme wird er allem Anſehen nach die Tag ſeines Lebens nicht abſagen. Wie Aureng-zeb auf dem Thron beſtatiget war/ und gantz Aſien/ dieſe Bottſchaft bekame/ ſahe man zu ſehanabat zu underſchiedlichen Zeiten/ viel Geſandte ankommen/ den neuen Koͤnig im Namen ihrer Principalen zu begruͤſſen Ihme Gluck zu wunſchen/ Ihre Dienfte anzubieten und ſeine Freundſehaft zu begehren. Die Tartaren EUIsdegs waren die erſten/ and hernach der Cherif von derdaecque, der Konig vom Hyeman, oder Reich Arabien/ der Fürſt von Ballara, und der König auß Etioplen/ ſchickten jhre Geſandten. Die Hollander Hr. Ar ican Befehlhaber oder Haubt des Coutors zugurare, welcher ſehr wol empfange/ uß der Europaiſchen Nation zu gefallen ſchleumg abgeſtrtigt wurde. Dann dieſe Könige der Indien haltern dafür/ es gehe jhnen an ihrs Anſchen eiwas ah/ wan die fremden lang bey Pof Aureng zeb bleiben. Alle dieſe Abgeſandte brachten dein Aue rengezeb nach Gewonheit/ von den ungemeine ſten Sachen ihres Lands/ Geſchencke/ und diewelches Aureng· zeb jhme Überſchick nig in Perſien auf ſeinem Thron ſehr praͤchtig age gekleidet/ und als er empfangen/ was der Am baſſador jhme zu liefeꝛn hatte/ theilete er ſolches gleichſam zum Spott dẽ Beamten ſeines Hauſes auß/ allein einen Diamant/ der bey 60. Carat gewogen/ für ſich behaltend. Etliche Tag hernach lieſſe er den Ambaſſadorn beruffen/ und nach einigen Geſprachen/ fragte er denſelben üoͤh er Sonnis, d. i. vonder Türcken Sect ware/ wel⸗ 910 ches anderſtwo gennigfam erklart t. Als der A Ambaſſador in ſeiner Antwort einige em find⸗ e liche Wort wider den Propheten Ali, welchen kin die Perſianer ehren/ außen laſſen/ begehrte der Konig nochmalen ſeinen Namen. Er am wortete Jhꝛ Maj. daß Cha gehan jhme den Namen Baubelk.- Kan, das iſt ſo viel geſagt/ als Her? von gufrichtigem Hertzen/ gegeben/ daß er von demſelben viel Gutthaten empfangen/ und m einein der vornemſten Aemtern ſeines Hofs gewürdigt worden. So biſt du dann/ ſagte me darauf der Konig mit eine zornigen Angeſicht einehrloſer Geſell/ daß du deinen Koͤnig/ nachdem du ſo viel guts von demſelben genoſſen/ in ſeinen Nohten verlaſſen/ und einem Tyra i nen der feinen Vatter gefangen hält, und fete. e Brüder uñ Enckel ermordt/ dieneſt. Wie dauff v. er/ fuhre der Konig fort/ den aufgeblaſenen a mẽ Alem-guir Aureng- Cha, eines Königs/ der den ganzen Erdkreis in ſeiner Gewalt/ da er doch nichts erobert/ und alles was er beſitl al, lein von Morden und Verraͤhterey herrühre erwehlen: Iſts moglich/ ſagt froner dieſer unte daß du einer der jenigen geweſen/ die jhme 9. rahten ſo viel hen Bla n vegleſen ſel ner Brüdern Scharfrichter zu ſeyn/ und feiner Vatter gefangen zu halten/ du der du bekenn, von demſelben ſo vie Ehꝛund Guts empfangen uche, zu haben? Du biſt des Barts/ den du trag 10 i ſprach endlich der Konig/ nicht werth/ u hl, der ſtett lieſſe er jhme ſolchen abſcheren wen der groͤſte Spott/ ſo einem Mann in denſelbe 5 Landen bewieſen werdẽ kan. Der Ambaſſa 1 1 weſcher nichts weniger als eines ſolch Sraee 1 ments ſich verſahe/ hekame zugleich Befehl 1 dem Konig in Perſien wiedrum zuruck zu kehe 1 der jhm in ſeinem Namen dem aureng⸗ eb 9 eine Verehrůg zu leferm gaben. ſchorm e ſamt vielen gold⸗und ſilbern Teppichen gia e VBoocgtel/ koſtlichedeib⸗hinde/ un be Pre Zeug/ welches vielmehr werth als das 2 wol ſolches für a. Million geſchetzt wurde So eig Babe gabe eee der 5 Medi dem König in Perfien beweiſen/ lieſſe die 0. Erſtes Buch. ware ankomen/ Aureng. zeb über den Spott/ ome in der Perſon feines Geſandten von ferd/ theils auf den groſſen Platz/ andere an die ecken der Gaſſen führen/ und durch die gantze Stadt außkunden daß die Secrierer des Ali dieſe pferd ſie waren dan Nagis das iſt umein/ als von einem Konig/ der nicht vom rechten wahren Geſatz/ und mit deme ſte keine Gemeinſchaft haben koͤnten/ nicht beſteigen doͤrften/ wie olches beſchehen/ befahl er/ daß die yo. Pferd nidergeſchlagen/ und alles andere des Geſchenes verbrennt werden/ wider den Konig in erſien/ von deme er ſich toͤdlich beleidigt emPfunden/ viel Laſter⸗Wort außgieſſend. Als nun Cha. gehan endlichen in der Vetung Agra zu End 1666. ſeinen Geiſt aufgeen ware das jenige/ welches Aureng.zeb verrießlich/ und jhme ſtundlich ſeine Tyranney vorruckte/ auß dem Weg geraumt/ und begundeer des Regier⸗Luſts vollkomlich zu genieſſen. Er nahme bald hernach Bagum Saheb in naen auf/ derſelben alle ihre zuvorgehabte Verwaltungen wiedrum ubergebend/ und begehrend/ daß ſie den Namen Cha- Begums d. i. eine Nonigl. Princeſsin haben ſolte. In Warheit ſie har ein über die maſſe treflichen Verſtand/ und iſt tuchtig das gantze Reich zu regieren. Wann anfangs der Vatter und die Bruder derſelben hatten folgen wollen/ ware Aureng zeb nicht Konig/ und auf eine andere Weiſe ergangen. Rauchenara Begum, die andere Schweſter/ hatte jederzeit Aureng- zebs Parey gehalten/ und ſo Wa en hat ſie jhne von Gelt/ ſo viel in jhrem Verogen ware/ überſchickt. Er hingegen verſpra5 eihr zur Danck⸗Bezeugung jhrer Dienſte/ b/ wann er Konig wurde/ er jhro den Titul m a Begum geben/ und auf einen Thron ſitzen and een wolte. Er hat jhr das Wort gehalten/ d ſie haben einandern jederzeit hoch geliebt. dl 11e deſto weniger/ hab ich das jüngſte mal/ re ich zu Jehanabat ware/ vernomen/ daß jhFreundschaft um etwas erkaltet. Die Urſach en wie mir für gewiß geſagt worden/ ware/ 8 daſals dieſe Fürſtin einen ſchonẽ jungen Men. bald deſſen bande ſben in jhr Loſament eingelaſſen/ und nach iy. tha 20. Tagen/ in welcher Zeit er ſein beſtes gem wiederum außlaſſen wollen/ konte ſolches also geheim zugehen/ daß der Koͤnig nicht wurde. Die Furor um der Schand und Vorruckung/ ſo ſie N Höte vorzukomen/ lauft im ſchrecken zudem ig/ jhme anzeigend/ daß eine Manns⸗Pergun deu kiaram, und biß für ihre Karßer komund daß ſolches eigentlich angeſehen/ ſie Koigs Perſon hierbey interessiert/ . e alle Verſchnittenen/ welche affen acht die Wacht gehalten ernſtlich ig in rale ſolten. Alsbald kame der Kögeloffen erſon mit vielen Verſchnittenen herzulende land in diefer auſſerſten Pꝛoth konte der zum Fenner Menſch nichts anders thun/ als er hinauß in den Fluß/ der unden II. Theil. 3 r bald er die Waffen ergrifvorbey lauft/ zuſpringen Ineinem augenblick kam von allen Orten viel Volck herzu/ denſel101 ben zu greiffen/ der Konig ruffte/ daß jhtn kein Leid bewieſen/ ſonder er zum Ober⸗Schultheiß geführet werden ſolte. Seit derſelben Zeit hat man nichts ferner darvon ſagen hoͤren/ und iſt unſchwar zu glauben/ daß in denen Orten/ wo dieſe Weibs⸗Perſonen eingeſchloſſen/ unerhorte Thaten ſich zutragen. Von den Zubereikungen/ weche auf das Feſt des Groſſen Mogols, wann derſelDas VIII. Capitel. be jaͤhrlich abgewogen wird/ beſchehen/ von Koͤſtlichkeit ſeiner Thronen und Herzlichkeit ſeines Hofs.. Ma ichalle meine Geſchafte mit vermeldet/ verrichtet/ und den r. Nov. dem Konig/ wie in meinem erſten Buch 1665. von Ihr Maj. Abſcheid nehmen wolte/ ließ dieſelbe mir anzeigen/ daß ich vor dem Feſt/ welches nahend ware/ un die Ceremony zu heſehen/ nicht verreiſen ſolte/ und daß nach dieſem ſen wolte/ ich nahme die Ehre von Ihr Maj. ſchuldiger maſſen mit Danck an/ und alſo ware Geſchaft ſie mir alle jhre Kleinodien weiſen laſich Zuſeher dieſes groſſen Feſts/ ſo den 4. Nov. anfangt und g. Tag wahret. Es iſt zur Zeit des Geburts⸗Tags des Königs/ da man Ihne abzuwegen pflegt/ und wann ſich zůtragt/ daß er ſchwaͤrer als vergangenes Jahr/ iſt die Freude um viel groͤſſer. Wann derſelbe abgewogen worden/ ſetzt er ſich in den prachtigſten ſeiner Thronen/ darvon bald hernach Meldung beſchehen ſolle/ alsdann kommen alle Vornemen des Reichs/ Ihme Gluck zu wuͤnſchen/ und Geſcheneke zu bringen/ die Hof⸗Damen uͤberſchicken Ihme in gleichem Verehrungen/ wie nicht weniger/ alle Gubernatoren der Lendſchaften/ und andere Herren des Lands/ ſo wol in Demanten/ Rubinen/ Schmaragden/ Perlen/ Gold und Silber/ als in koͤſtlichen Teppichen/ Gelt und ſilbernen Brocatel und anderem Zeug/ Elephanten/ Camelen und Pferden beſtehend/ der Konig bekame denſelben Geſchencke 7 00 Mogols 9 ge kracht. f Tag uͤber 20. Millionen Francken werth Verehrungen. Den 7. See der Anfang der Zurüͤſtungen auf dieſes Feſt/ und alſo 2. Monat ohngefehr vor den fünf Tagen deſſelben Wahrung gemacht/ und muß der Großguͤnſtige Leſer allhier meiner Beſchreibung des Pallaſts zu Jebanabat in dem 6. Capitel des Erſten Buchs/ ſich erinneren das erſte Werck iſt/ zween groſſe Hofe des Pallaſts/ von der Mitten eines jeden/ biß in den Saal/ der an dreyen Orten offen/ zu decken; die Teppich/ damit ſolches beſchicht/ ſeynd von rohtem Sammet mit Gold geſtickt/ und alſo ſchier/ daß die Baume/ von denen ſolche getragen werden/ den Maſtbaunmen der Schiffen gleich/ und etliche funf und dreyſsig in vierzig Schuh hoch. In dem erſten Hos ſeynd für die 5. 3 Decke 102 Deckezs. Baumoder Stangen an derdgal/ und die nahend dem Saal Mit Gold⸗ Blech einer Duxcaten dick uͤberzogen/ die andern mit ſilbernen Blechen/ in gleicher Dicke/ und die Stricke/ ſo dieſe Baume halten/ von Baumwollen gemacht/ underſchiedlieher Farb/ in der Groſſe eines guten Schiff⸗Seils. Der erſte Hof iſt/ wie anderſtwo gemeldt/ mit Schoͤpfen und dabey kleinen Kammeren/ da die Omthas, wann ſie die Wacht ihrer Wohnungen haben/ dann zu mercken/ daß alle mal den achten Tag einen Omrhas die Wacht trift/ der ordnet ſo wol in dem Hof/ als um den Pallaſt oder Zelten des Königs/ wann Ihr Maj. zu Feld ſich befinden/ uber die Reuterey/ welche ſaͤmt vielen Elephanten under deſſen Regierung ſeynd. In der Zeit dieſer 8. Tagen bekomt der Omrhas ſo die Wacht hat/ ſeine Speiſe auß des Koͤnigs Kuchen/ und ſo bald derſelbe ſolche von weitem bringen ſihet/ macht Ceremoln. er dreymal auf kinanderngReverentz namlichen mit der Hand auf die Erde/ und ſo viel mal auf das Haubt/ ſprechend/ daß Gott den Konig in Geſundheit erhalte. Ihme langes Leben und Sieg wider ſeine Feinde verleihe. Alle Omrhas, welche die groſſen Herꝛen des Koͤnigreichs/ und ſelbſten die Furſten von Koͤniglichem Gebluüt ſeynd/ halten für eine groſſe Ehre den Konig zu bewachen/ und wann dieſelben auf⸗ oder von der Wacht abziehen/ butzen ſie ſich mit jhren ſchoͤnſten Kleidungen auf/ ihre Pferd/ Elephanten und Camel ſind auch koͤſtlich bedeckt? und etliche der Camelen kragen ein kleines Stuck Geſchutz/ mit einem Mann dahinder/ um ſolches loßzubrennen. Der GeDes Groſſen kinngſte dieſer Omthas commandiert 2000. MogolsgeibWacht iſt machtig· Sehen Der groſſe Thron/ welcher in dem Saal Negele el des erſten Hofs aufgerichter wird it ungeſehr Thron, Pferd. Wann es aber ein Fuͤrſt vom Geblüt/ der die Wacht hat biß in ſechstauſend. Demnach iſt zu wiſſen/ daß der Groſſe Mogol, ſteben köſtliche Thron/ die einen gantz mit Diamant/ andere mit Rubinen/ Schmaragdt und Perlen bedeckt. in der Form und Groͤſſe eines unſerer Feldbelhen/ namlich ungefehr 6. Schuh lang und 4. breit/ guf den 4. Fuer welche ſehr groß/ und 20. in 24. Zoll hoch ſeynd die 4. Stangen/ welche den Boden des Throns halten/ geſetzt/ und auf dieſen 4. Stangen ſtehen 12. Saule/ welche den Himmel auf;. Seiten tragen/ dann vornen gegen dem Hof ſthend/ keine ſeynd/ ſondern ſtehet gantz offen. So wol die Fuß als die Stangen/ welche uͤber 18. Zoll breit/ ſeynd durchauß von Gold mit Schmeltz⸗ Arbeit niberzogen/ und mit vielen Diamanten/ Rubinen und Schmaragden gezierer. In mitten der Stange ſihet man einen groſſen bleichen Rubin zwischen. Schmaragden/ welche ein viekecket Creutz formieren/ und auf einer und der andein Seiten nach Langs der Stangen oft dergleichen Creutz auf ſolche Weiß geordnet/ daß an einem Ort der Rubin in mitten zwiſchen 4. Schmaragden/ an dem andern der Schmaragd zwiſchen 4. bleichen Rubink. Die Schmaragd ſeynd vierecket geſchnitten/ und Blumen in Schmelt Arbeit gemacht/ ſumt et, Reisbeſchreibung in Indien/ die Ort zwiſchen den Rubinen uñ Schmaragdten mit Diamanten/ deꝛen die gꝛoͤſten nicht übe: 10. in 12. Carat halten/ beſetzt; alles Stein auf den Schein und ſehr flach. Anetlichen Orten ſind auch Perlen in Gold eingefaſſet/ und auf einer Seiten in Lange des Throns ſtehen vier Staffeln hinauf zu ſteigen/ von denen 3. Kuſſen die auf dem Thron/ iſt das jenige/ welches hinder den Rucken des Koͤnigs gelegt wird/ groß und rund wie eines unſerer Haubtkuͤſſen/ und die andern zwey/ welche man zu den Seiten legt/ ſind fach. An dem Thron werden uͤber das hangend geſehen ein Sabel/ ein StreitHammer ein Schilt/ ein Bogen/ ein Kocher ſamt den Pfeilen/ und alle dieſe Stuck/ gleich wie auch die Stuffen und Kuſſen ſo wol an den andern 6. Thron/ als an dieſem/ ſeynd all mit Edelgeſteinen/ jedes nach ſeiner Manier/ und wie er ſich ſchicket/ beſetzztz e Ich habe die groſſen bleichen Rubin/ welche um den groſſen Thron geſetzt/ gezehlet/ und ungefehr 108. an der Zal/ alle ungeſchnitten/ deren der gexingſte 100. Carat wigt/ befunden; aber dem Schein nach ſind etliche die 200. und daruber wegen/ die Sehmaragd ſeynd von zimlich guter Farb/ aber ſehr viel glaßicht. Der groſte mochte ungefehr 60. uñ der geringſtezo. Carat im Gewicht halten. Ich habe biß auf 160. ge0 iſt die Zahl groͤſſer als der RuDas inwendige des Himmels iſt gantz mik Diamant und Perlen bedeckt/ ant einer F rantzen von Perlen ringsherum/ und under dem Himmel/ der gewoͤlbt/ von 4. Blatten/ ſthet man Pfauen mit aufgehobenem Schweiff von blauen Saphiren und anderer Farben Ste? nen gemacht/ der Leib von Gold mit SchmellArbeit ſamt etlichen Perlen/ und vornen an der Bruſt ein groſſer Rubin/ allda hanget eine Perlen in Piren⸗FJorm von o. Carat oder ungefehr im Gewicht/ gelblecht an der Farb/ aus beden Seite der Pfauen iſt ein groſſer Strauß in der Hohe dieſes Vogels mit vielen guldenen ſcchenedelgefteink. An der Seiten des Throne die gegen dem Hof ſihet/ iſt ein durchſichtig Kleinod/ an deme ein Diamant von do. in 9 Carat/ mit Rubinen und Schmaragden und wann der König in ſeinem Thron ſitzet/ hal 1 diß Kleinod gerad im Geſichte. Aber was meines Bedunckens das koſtlichſte an dich ſo Thron/ ſeynd die Perlen um die 12. Saule 6 den Himmel tragen/ welche rund und t und mögen von 6. biß 10. Carat das Ein wägen/ vier Schrint von dem Thron den beederſeits zween Sotmen⸗ Schirm, A Stabe ein g. Schuh lang mit Diamant eng bin und Perlen bedeckt/ die Semen Sehe 95 rohtem Nan geſtickt/ und darin en Fräntz von Perlemim̃ Und diß iſt/ was ich an diſem berümtk hee von Tamerlan angefangen/ und von. 1115 han verfertigt/ hab beobachten konnen dc,. gen/ welche über des Königs Kleinod W 8 nung tragen/ und denen bewuſt/ was bil! henliche Bead gekoſtt haben mich befſch * Das Ander Buch. daßſolches auf rin hundert und ſieben tauſend . deres de Roupies ſich belauffen/ welches 160. Allionen/ und ooo oo. Hrancken unſerer rantzoſiſchen Wahrung ſeynd. 8 N Hinder dieſem herzlichen und prächtigen Ihkon/ wird ein kleiner aufgericht in Form eines Badzubers in Eyaunder Form/ ungefähr Schuh lang und p. breit/ alles außwendige mit Diamant und Perlen beſetzt/ aber ohne Himmel. ö In dieſem erſten Hof ſthet man zur Rechken em abſonderlich bedeckten Ort/ darunder m wahrendem Komglichem Feſt/ die vornehm fen Comedianten der Stadt ſich finden muſlen zu ſingen und zu tantzen/ ſo lang der Konig deſenem Thronſtet. Jur inckeniſt ein ane erer hedeckter Ort/ alda die vornehmſten iegs⸗Oberſten/ und andere Haubtleute des onigs Leibwacht/ und Hofs ſich befinden. bt Auf bemeldrer Seite/ ſo lang der Konig in einern Thron/ ſtehen 30. gezaumte Pferde w. gulf der einen/ und ſo viel auf der anderen Seiken des Throns/ jedes von zween Mann gehalten. Die Zaume ſeynd ſehr eng/ mehrentheils mit Diamanten Rubinen/ Schmaragden und erlen geziehret/ einige allein mit etlichen Stuͤcklein Gold. Kopf zwiſchen den Ohren einen Strauß von einer Art ſchoͤner Federn/ und ein kleines Kuſſen aufdem Nucken/ der Gurt gantz mit Gold geſtickt; und under dem Hals hangt ein groſs Kleinod/ entweder von einem Diamant/ Rubin oder Schmaragd. Das geringſte dieſer Pferden koſtet von 3. bis 000. Kronen/ es ſeynd etliche im Preis von 20000. Roupies, E 0 it fett dalches 10000, Kronen. Der junge Furſt/ nemlen von. in 8. Jahr/ war auf einem kleien Pferd/ in der Groſſe eines groſſen Jagdunds/ aber ſehr wol und zierlich geſtalt. de Eine albe oder hoͤchſt eine Stunde/ nach 8 der Konig in ſeinem Thron geſeſſen/ werde 7. Elephanten der herꝛlichſten/ und die für den Krieg abgerichtet. Der eine dieſer ſieben Aufſin Sitz gantz bereit/ im fahl der Konig inf dem Kreuz des Koͤnigs Standarte an enn d Stab eines halben Spies lang weichen alk. nn ſo darauf ſitzer gerad mit der Hand onde; Man führt dieſelben einen nach dem ern/ bis auf 40. oder Fo. Schritt weit 0. dem Konig/ und wann der Elephant geM chenden dend Thron komt/ macht er Ihro 2 b 0 en Reverentz/ den Nüͤſſel bis auf die legend und hernache Kopf hebend/ gend/ und hernach auf den Kopf hebend/ as beſchicht 3. mal nacheinander. Jedes, 8 5 dale er ein groſſen Schrey/ hernach kehund 4 1 lephant dem Konig das Hindertheil/ dann hebt der Mann ſo darauf ſitzt/ die Nee auf/ damit der Konig eher der Eleer hat und wol genehret worden ſeye. Ein abgehen fidene Schnur o ihm um den dorher Al wird/ zu ſehen um wie viel er ſeith orte angenem Jahr zugenommen. Der 0 580 Aehmſte dieſer Elephanten/ der dem Konig edes Pferd hat auf dem au gen wolte. Die andern ſeynd mik geſtickund eeppichen bedeckt/ an dem Hals guldene ad lberne Ketten hangen habend/ vier tra103 lieb/ iſt ein groſſes und tolles Thier/ welches monatlich 100. Roupies für ſeine Underhaltung hat/ wird mit guter Speiſe und viel Zucker ernehrt/ und mit Brantenwein getrancket. Anderſtwo habe ich Meldung gethan/ wie viel Elephanten der Koͤnig underhalte; und alhier wil ich noch andeuten/ daß wann der Konig auf ſeinem Elephanten außreitet/ die Omrhas jhme zu Pferd folgen/ und wann der Konig zu Pferd/ ſeynd die Omrhas zu Fuß. Nachdeme der Koͤnig ſeine Elephanten beſehen/ ſtehet er auf/ und gehet ſamt drey oder vier ſeiner Verſchnittenen/ durch eine kleine Thür hinder dem guf Ey⸗FJorm gemachten Thron/ in den laram. 35 Die funff uͤbrigen Thron/ ſeynd in einem praͤchtigen Saal/ welche in einem anderen Hof auch aufgericht/ und gantz mit Diamant ohne einigen Stein von Farben/ bedeckt. Die Beſchreibung derſelben/ underlaſſe ich/ um dem großgunſtigen Leſer/ nicht verdrießlich zu ſeyn; weilen mir nicht unbewuſt/ daß auch die ſchoͤn= ſten Dinge/ wann ſelbe allzu oft vor Augen kommen/ einen Unwillen verurſaehen. Dieſe 5. Thron ſeynd auf eine ſolche Weiſe geordnet/ daß ſie die Form eines Kreutzes/ die vier eine Vierung machen/ und der fünffte iſt in der Mitten/ aber um etwas tieffer als die ſo hinder den zweyen/ welche das Volck im Geſicht hat/ ſtehend. f Wann der Konig ohngefahr eine halbe ö Stund in ſeinem Haram geblieben komt er herauß/ unn ſich in den Thron der Mikten in den vieren ſtehet/ zu ſetzen/ und ſo lang ſein Feſt dieſer fünff Tage währet/ werden ſhme Elephanten/ bald Kamele fürgefuhrt/ und alle Hoffherren bringen jhme die gewohnlichen Geſchencke. Alles diß beſchihet mit groſſer Herꝛlichkeit/ und mit einer Ruͤſtung des groſten Monarchen in Orient würdig; denn der Groſſe Mogol iſt von Macht und Reichthum in Aſien/ was der Konig in Franckreich in Europa/ jedoch demſelben was die Macht anbelangen thut/ wann er wider tapfere und erfahrene Volcker wie unſere Europeer ſeynd/ Krieg fuhren ſolte/ keines wegs zu vergleichen. Das IX. Capitel. Von eilichen anderen ſonderbaren und merckwuͤrdigen Sachen des Groſſen Mogols Hof. N a LEith deme Aureng · zeb jetzt regierend/ in den Thron der Mogols, welchen er ſeinem Vatter und Bruͤdern unrechtmaſſig⸗ und gewaltthatiger Weiſe abgetrungen/ ſich veſt geſetzet/ hat er wie zudor gemeldt/ eine ſtrenge Buß ſich ſelbſten auferlegt/ und iſſet von keinem Ding ſo das Leben gehabt. Wie derſelbe nur mit Gemuß und Zuckerwerek ſich nehret/ iſt er mager worden/ und hat an dem Leib abgenommen/ darzu das oftmalige Faſten ſo er halt/ helffen thut. So lange der Comet Anno 1664. geſehen t 104 und ſchr groß in ondien/ da ich damalen ware/ erſchienen/ truncke Aureng· zeb nur ein wenig Waſſer/ und aſſe allein ein wenig Hirs⸗Brod welches jhne in der maſſen ſchwachete/ daß wenig gefehlet er geſtorben ware; dann uber das/ lage er auf der Erden mit einer Tyger⸗Haut bedeckt/ und ſeith derſelben Zeit iſt er niemalen wiederum recht geſund geweſen. Ich erinnere mich/ daß ich den Koͤnig in ſeinem Thron ſitzend/ zu drey underſchiedlichen Man bringt jhme ſe malen trincken geſehen. auf einem guldenen mit Diamant/ Rubin und Schmaragd verſetzten Teller/ eine groſſe Chriſtalline runde und gantz glatte Schale/ deren Deckel auch von Gold mit Edelgeſteinen/ gleich wie der Teller beſetz. In dem Ubrigen ſihet niemand als die Weiber und die Verſehnittenen/ den Koͤrig eſſen/ und ſehr ſelten halt er Mahlzeit bey einem ſeiner Underthanen/ und ſolte es ſchon ein Furſt auch ſeiner nächſten Verwandten ſeyn. Als ich in meiner letſten Reiſe daſelbſten ware/ hatte Giaterkan ſein Groß⸗Vezier und Oheim von Seiten des Weibs/ ihne under dem Vorwand den neuen Paͤllaſt ſo er bauen lieſſe/ zu beſehen/ eingeladen/ welches die groͤſte Ehre/ ſo der Koͤnig Ihme erzeigen konte/ ware. Giafer- kan, und ein 900 verehrten demſelben in Kleinodien/ Elephanten/ Kamelen/ Pferden/ und anderen Sachen/ den Werth von 5. Lacres de Roupies, die machen ein Million und go tauſend Francken unſerer Wahrung. Dieſes/ des Giafer- kan Meib/ iſt die Koſtbarſte und Freygebigſte in gantz Indien/ uñ wendet allein mehr Unkoſten an/ als alle Weiber und Toͤchtern des Königs; ⸗ welches eine Urſach daß ſie jederzeit in Schulden ſteckt/ ob ſchon Giafer. kan gleichſam Meiſter im gantzen Reich. Sie hatte eine koͤſtliche Mahlzeit für den Konig zurichten laſſen; nichts eſſen wolte/ und Selbe in dem allaſt wiederum zuruck war/ hatte dieſe Furſtin Ihro Majeſtat die Gerichte ſo für Sie bereitet geweſen/ uͤberſchickt. Der Koͤnig befunde dieſe Trachten alle ſo wolgeſchmackt und angenehm/ daß er dem Verſehnittenen/ welcher dieſe Speiſen begleitete/ füͤnff hundert Roupies, und in die Küchen doppelt ſo viel verehren lieſſe. Wann der Koͤnig in ſeinem Pallekis, ſich nach der Moſquẽe begibt/ folget jhme einer ſeiner Sohn zu Pferd/ aber alle Furſten und Beamten ſeines Hofs/ ſeynd zu Fuß. Die ſo Mahometanen/ erwarten deſſelben oben auf der Stiege der Moſquse, und wann er bereit wiederum herauß zu gehen/ gehen ſie vorher bis an die Pforte des Pallaſts. Vor jhme her gehen allezeit 8. Elephanten; vier/ auf jedem deren zween Mann/ der eine den Elephanten zu leiten/ der andere ſo auf dem Rucken ſitzet/ eine Standarte an einer Stange eines halben Spieß lang tragend. Die vier andern haben jeder einen Seſſel oder Gattung eines Throus auf dem Nucken/ deren einer vierecket/ der andere rund; einer bedeckt/ und ein anderer mit Glas Neisbeſchreibung in Indien/ Weib hierauf jhre Danckbarkeit zu bezeuals aber Ihre Majeſtat daſelbſten Stell zu mancherley Art zugemacht. Wann der Konig auß dem Pallaſt gehet/ hat er gewohnlich für ſeine Leibtwacht fuͤnff oder 600. mit einer Gattung halben Piquen bewaffnete Manner bey ſich. Dieſelbigen binden an die Spitze Dae Negele 45 Feurwerck/ ſo zwo Raqueten kreutzweis übe? einander/ ein jede in Groͤſſe eines Arms/ un eines Schuh lang/ koͤnnen die Spieſe bis auf 50. Schritt weit führen. Dem Konig folgen auch 3. in 400. Muſgtietierer/ die forchtam und ungeſchickt zu ſchieſſen/ und eine Anzahl zu Pferd/ welche nicht beſſer ſeynd. Ein hundert unſerer Soldaten in Europa/ ſchlugen knit leichter Mühe tauſend dieſer Indianiſchen cb Volcker; aber hingegen muß man bekennen 10% daß ſelbige ſchwerlich zu einem ſolchen maſſigen ane geben wie jene verführen/ ſich wurden gewohnen koͤnnen. Dann bey des der Reuter und der Soldat zu Fuß/ mit einem wenig Mal mit ſchwartzem Zucker und Waſſer geknetten/ daauß ſie Kügelein machen/ ſich begnügt; und Abends wann ſie die Gelegenheit/ ruͤſten ſie Qui cheri zu/ das iſt Reiß/ den ſie mit dem Sagmen dieſes Namens/ in Waſſer und Saltz ſieden laſſen. Solches zu eſſen/ tauchen ſie zuvor mit den Fingern in zerlaſſenen Butter/ und diß i die gewohnliche Nahrung ſo wol der Soldaten/ als des armen Volcks. Über das/ ſtnoch zu bedencken/ daß die Hitze unſere Soldaten hinnehmen wurde/ denen unmuͤglich ware den gantzen Tag der Sonnen Hitze wie die India ner außzuſtehen. Ich wil auch kuͤrtzlich an deuten/ daß die Bauren fur ihre gantze Kleis dung/ nur allein ein Stücklein Leinwad/ welche denſelben/ die Scharn⸗Glieder bedecken/ anhaben/ und in groſſer Armuht ſeynd/ dann ſo bald die Gubernatoren oder Verwalter bey den Volck etwas wiſſen/ trachten ſie ſolches nit Recht oder Gewalt zu bekommen. Es werde, in Indien gantze Landſchafften/ darauß die Bauren wegen der Tyranney der Gubernatoren geflohen/ oͤd und wuſt gefunden. Unde dem Schein/ daß ſie Mahometaner/ verfolgen ſie dieſe Abgötter über die maſſen hart/ und ſo etwan einer ſich zu dem Mahometiſchen Glalben bekennet/ beſchicht ſolches um nicht mehr dd arbeiten Leben die Soldaten oder aqui; edienen/ welche letſtgemeldten 1 ben als der Welt abgeſagt/ und allein auß dene Allmoſen ſich ernehren/ aber im Fundalle, ſeynd ſie all Schalck und unnütze Geßele. Man zehlet daß dieſer Mahometaniſchen 2 quiers 800. und der Abgoͤtterer 120000 ch in Indien ſich befinden/ darvon aber herne) mit mehrerem Meldung thun wil. d Allzeit ohngefahr uber 14. Tag/ reite 197 Konig auf einem Elephanten/ darauf en ad, bis nach Vollendung verbleibt/ auf die Jen Alle Thiere ſo gefangen/ werden bis aufe 5 Mußgueten⸗Schuß weit /ihme zugeführten meinlich ſeynds Lowen/ Tyger/ Hirſchen ſo genante Gazelles; aber die Wil 0 hen. will er als ein guter Mahometan niche ie Im zuruckkehren ſetzet er ſich in ein Pe 1 9 1 und beſchicht ſolches beydesmal mit der haften Wacht/ und in gleicher Ordnung die ge rd/ . Das Ander Buch. wird/ als wann er nach der daoſque ſich e quee ſich be35 auſſer daß bey der Jagt 2. oder 300. wer in lnordnung ihm vorher reiten. 85 8 Fuͤrſtin/ ſo wol des Koͤnigs Wei985 g s Tochter und Schweſtern anbelangen edc, er ch ommen dieſelben wenig auß dem Pallaſt/ unn 0 un he dann/ daß ſie ſich auf das Land begeben/ W vum eff einiger Ergetzlichkeit theilhafft zu werden; 75 he gehen auß/ aber ſelten/ um einiger groſ7 5 Herren Frauen/ als des Giafer. kan Frau/ Abeh des Königs Muhme iſt/ zu beſüchen. 8 ſolches beſchicht auch nur auf ſonderbafand ligung des Koͤnigs. Es iſt in dieſem i nicht gebrauchlich/ wie in Perſien/ allda e Fuͤrſtinnen ihre Beſuchungen allein zu 8 verrichten/ und mit einer groſſen An. 10 Verſchnittenen(welche alle die jenigen/ ſo be 15 Gaſſen jhnen begegnen/ abweg weiſen) augleitet. Aber an dem Hof des Mogols gehen ſie gewohnlich Mor gens um 9. Uhr auß/ und aden zum Geleit allein drey oder vier Verchnittene/ neben 10. oder 12. Sclavinnen/ wele ihnen als Kammer⸗Frauen aufwarten. Die Furſtinen werden in Pallekis mit geſtickan Teppichen getragen/ und jedem Pallekis folgteine kleine Kutſche/ darinn nur für ein einige Per ſon Platz/ wird von 2. Mann gezogen/ und haben die Nader allein einen Schuh im Durchſchnitt/ die Urſach/ daß man eine Kut ſche nachführt/ it/ daß wann die Furſtin in dem Loſament/ dahin ſie begehrt dieman ſo den Ballekis tragen/ nicht weiter als biß zu der erſten Pforten/ allda die Verſchnittene ſie zufü weſſen/ gelaſſen werden; alsdann gehet ie Furſtin in die Kutſche/ und wird von ihren ammer⸗Frauen biß zu dem Frauen⸗Zimmer geführt/ denn hievor iſt gemeldt/ daß unter vortie en Herren Hauſern/ der Weiber Quarlier auf ebenem Boden/ und daß man gemeinHiween oder drey groſſe Hof/ und ein oder ken Garten/ biß zu jhrem Loſament zu komwen durchgehen muß. 8 Hof ann dieſe Fürſtinnen mit Groſſen des Nel d verheyrathet/ gebrauchen ſie ſich der ſan dera uber jhre Ehemanner/ und dahalt ieſelben nach jhrem Kopf ſich nicht veremen und was ſie begehren zu thun/ unterlaſWannen hernach dem Konig/ den ſie/ re ihnen beliebt/ beſuchen/ zu NachtheiljhHaile, fe 5 liege l. Nun, 8 wonhents entſetzet werden. Wellen die Geru heit/ daß der Erſtgebohrne in der RegieSebcſoge/ obwol derselbe voneiner Sclaein gh en/ gebrauchen die Fuͤrſtinnen des Kounter en Flaram, ſo bald ſie wiſſen daß eine kelund den ſchwanger/ alle erdenckliche Mitben. Aut um die Leibs⸗Frucht zu verdercherte als ch Anno 6. zu Pata ware verſt ˖ 5 Cha · Eſt-Kan det Bene ce, fe üld⸗Artze/ ein Portugeſiſcher Melt in 1 e Jurſtin/ des Cha · Eſt· Ran Meib aun Mona Seit 8. Weibern in hre am die Leibs⸗Frucht verderbt/ weil lie kein andere als jhre Kinder leiden wolte. ſhreg anner und bringen offt za wegen daß ie 105 ——————— Das X. Capitel. Wie der groſſe Mogol alle ſeine Kleinodien dem Author zeigen laſſen. En. Novemb. 16 6. wolte ich von dem Konig in ſeinem Pallaſt meinen Abſchied nehmen/ aber er lieſſe mir anzeigen/ daß ich ſeine Kleinodien ohn beſehen nicht verreiſen ſolte/ weilen ich die Herꝛlichkeit ſeines Feſts geſehen hatte. Den folgenden Tag Morgens in aller frühe/ kamen fünf oder 6. Beginte im Namen des Koͤnigs/ und andere im Namen Giafer- can, mir anzuſagen/ daß der König mein begehrte. So bald ich bey Hof ankommen/ begleiteten mich die zween Unterhandler des Konigs Kleinodien/ von welehen hievor Meldung gethan/ fur Ihre Maj. und nach meinem gewoͤhlichen beſchehenem Gruß/ fuhrten ſie mich in eine kleine Kammer/ welche an einem Ende des Saals/ da der Koͤnig in ſeinem Thron ſaſſe/ und von dannen er uns ſehen konte. In dieſer Kammer funde ich Akelkan, Ober⸗Beamter und Verwalter uber des Koͤnigs Kleinod/ welcher ſo bald er uns geſehen/ vier Verſchnittenen des Koͤnigs/ befahle/ die Kleinod abzuholen/ welche in zwo groſſen hoͤltzenen mit guͤldenem Laubwerck gezierten Schüſſeln/ die mit inſonderheit gemachten kleinen Teppichen/ eines von rothem/ das andere von gemeinem Sammet beide geſtickt/ bedeckt waren/ gebracht worden; nachdeme ſelbe entdeckt/ und die Stucke dreymal abgezehlet waren/ wurde von dreyen daſelbſt ſich befundenen Schreiben eine Verzeichnuß derſelben gemacht/ dann die Indianer alles mit groſſer Vorſichtigkeit und Gedult thun; und wann ſie jemand eylen oder unwillig ſehen/ ſchauen ſie denſelben ſtillſchweigend an/ und ſpotten ſein als eines Fantaſten. f Das erſte Stück/ welches Alel kan mir in die Hand liefferte/ war der groſſe Diamant/ ſo eine runde Roſe/ auf einer Seiten ſehr hoch; von unten aber hatte er ein Gran und ein wenig Glas darein/ iſt ſchon/ hell und glaͤntzend/ und halt im Gewicht 319 f. Katis, ſo 280. unſerer Carat machen/ den Kat is zu 5. Carat gerechnet. Wie Mirgimola, welcher ſeinen Herꝛn den Konig von Golconda verrathen/ dieſen Stein dem Cha gehan, zu deme er ſeine Zuflucht geſucht/ verehrt/ ware ſolcher ungepoliert/ und wug damalen 900. Ratis, welches 7875. Carat, und hatte viel Glas. Wann dieſer Stein in Europa geweſen/ man waͤre auf eine viel andere Manier damit umgangen/ hatte gute Stuck darvon genommen/ und ware nichts deſtoweniger ſchwerer im Gewicht als derſelb jetz iſt geblieben/ dahingegen ſolcher gantz abgeschliffen. Her: Hortenlio Borgis, Venetianer/ hat dieſen Stein geſchnitten/ darfür er auch ſchlecht belohnet worden; dann wie er damit fertig ware/ hat man jhm vorgeruckt/ daß er den Stein verderbt/ dann derſelbe wol ſchwerer hatte bleiben konnen/ und an ſtatt Bezah 106 Bezahlung für ſeine Arbeit/ lieſſe der Konig ihme zehen kauſend Roupies wegnehmen; wann er mehr gehabt/ ware jhme ſolches auch nicht geblieben. Wann Her: Hortenſio mit der Sach recht umzugehen gewuſt/ er hakte von dieſem groſſen Stein etliche gute Stuck abſoͤndern koͤnnen/ ohne dem Konig Unrecht zu thun/ und er waͤre der groſſen Mühe des Abſchleiffens uͤberhoben geweſen; aber es hat ſich wol erſchienen/ daß er kein geſchickter Diamantiſt geweſen. 8 Nach feiſſiger Beſichtigung dieſes groſſen Steins/ und wieder Überlieferung deſſelben in die Hand Akel⸗ kan, wieſe er mir einen andern Diamant/ in Piren und guter Form/ und ſchoͤn hell/ amt z. andern vierecketen/ zween reine/ und der dritte mit ſchwartzen Tuͤpflin. Jeder 55. in 60. und die Piren 622. Ratis wegend. Hernach zeigte er mir ein Kleinod von zwoͤlff Diamant/ jeder im Gewicht 1. in 16. Ratis haltend/ alle Roſen; in Mitten iſt eine Roſe in Hertzens⸗Form/ ſchoͤn von Farb und Glantz/ aber mit drey kleinen Glaͤſern; diee 7 5 mag im Gewicht 35. in 40. Ratis alten e Maehr ein Kleinod von 17. Diamanten/ halb vierecket/ halb Roſen/ deren der Groͤſte nicht uber 7. in 8. Ratis wegen kan/ außgenoemmen der in der Mitten/ der ungefehr 16. wiegt. Alle dieſe Steine ſeynd vollkommen/ hell und glanend/ rein und rechter Form/ und der Schoͤn121 5 finden. ö Item/ zwey groſſe Perlen in Piren⸗Form/ ungefehr 70. Ratis eine im Gewicht haltend/ auf beden Seiten um etwas flach/ ſchoͤn hell/ und wol geformt. 5 e Item/ ein Perlen⸗Knopf/ der y. in 60. Ratis wegend/ guter Form und ſchoͤnen Item/ ein runde Perlen/ vollkommen ſchoͤn/ ein wenig fach auf einer Seite/ 56. Ratis wegend. Ich habe das eigentliche Gewicht dieſer Pate erfahren/ und Cha-Abas II. Konig in Perſien/ hat ſolche dem groſſen Mogol für eine Verehrung uͤberſchickt. Item/ drey andere runde Perlen/ jede von 25. in 28. Ratis oder ungefehr wegend/ aber das Waſſer auf gelb ſich beziehend. Item/ eine vollkommene runde Perlen/ von 365, Batis, ſehr lebhafften Waſſers/ weiß und auf alle Weiß vollkommen/ und dieſes iſt das einige Kleinod/ welches Aureng- zeb jetzt regierend/ wegen der Schoͤnheit gekaufft; denn alles übrige komt her theils von Hara. cha ſeinem altern Bruder/ ſo ihm nach deſſen Enthauptung zu einem Raub geblieben/ theils von den Geſchencken/ welche jhm/ ſeit derſelbe auf den Thron geſtiegen/ beſchehen. So habe ich ſonſten in acht genommen/ daß dieſer Koͤnig keinen Luſt zu den Kleinodien/ und allein verlangt ein groſſer Eifferer fuͤr das Mahometiſche Geſatz zu ſe r. 8 Aldkeel. kan liefferte mir ferner(denn er lieſſe mich alles mit guter Weile betrachten) zwey andere Perlen/ vollkommen rund und gleich/ tre bo Reis beſchreibung in Indien jedes 25u. Ratis im Gewicht haltend; die eine iſt etwas gelb/ aber die andere ſehr hellen und lebhafften Waſſers/ und die Schoͤnſte/ ſo man ſehen kan. Wahr iſt/ wie anders wo vermeldet/ daß dieſer Arabiſche Fürſt/ welcher Maſcale von den Portugeſen erobert/ eine Perlen/ welche in Schoͤnheit alle andere/ ſo in der Welt/ uͤbertreffen thut/ denn dieſelbe iſt vollkommen rund/ ſo weiß und lebhafft/ daß ſie gleichſam durchſcheinend/ aber wiegt allein 14. Caral. Es ſind wenig Furſten in Aſien/ welche dieſen ſe Perlen jhnen zu Arabiſchen Fuͤrſten/ um die verkauffen nicht erſucht. Item/ zwo Ketten/ eine von Perlen und Ru binen/ unterſchiedlicher Formen/ und gleich den Perlen durchlochert; die andere von Perlen und Schmaragd/ rund und durchloͤchert. Alle dieſe Perlen ſeynd rund/ und von unterſchiedlichen Waſſern/ 10. in 12. Ratis das Stuck wegend. In der Mitten der Smaragd Ketten i ein Orientaliſcher Ametiſt/ langlicht/ in Gewicht von ohngefehr 40. Katis, und vollkommen ſchoͤn. l i f Item/ ein bleicher ungeſchnittener Rubin/ ſchoͤn von Farb und vein/ oben geloͤchert/ 17. Melſcals, deren 6. eine Unce machen/ wegend. Item/ ein anderer ungeſchnittener Rubin vollkommen in Farb/ aber ein wenig glaſicht/ oben geloͤchert/ a. Melſcals wegend. Item/ ein Orientaliſcher Topaſier/ ſeht hoch von Farb/ d. blattig geſchnitten/ wigt ⸗Melſcals, aber auf einer Gelten iſt eine weiſſe Wolcken darinnen. 1. Und dieſes ſeynd des groſſen Mogols Klenod/ welche er mir auß ſonderbarer Gnade zeigen laſſen/ welches niemalen keinem Fremden beſchehen; ich habe dieſelben alle in meinen Handen gehabt/ und mit allem Fleiß/ auch guter Weile betrachtet/ um den großgunſtigen Leſer zu verſichern/ daß meine Beſchreibung ſehr eigentlich und aufrichtig/ gleich wie au 45 was ich von den Thronen/ welche zu beſicht. gen/ ich auch Zeit genug hatte/ beſchrieben. Das XI. Capitel. 1 0 Inhalt des Paßports/ welchen wie Cha- Eſt-Kan dem Author äberſchilt, ſamt etlichen Briefen/ ſo er jhme 5 ſchrieben/ und die Antwort auf dies 4 ben/ auß denen die Schreibens⸗Art den ſelben Landen zu ſehen iſt. 5 Nun komm ich auf den Paß port a, Mi Nabab Cha-Eft.Kan mir geh DeJund die Briefe ſoich an denſelben a ſer die ſenier und Schreibens⸗Art der India von die Brie 0 reffend meine Geſchaͤffte/ geſchrieben/ 1 0 auß dieſen Schreiben/ als der Antlvo 15 er mir darauf gegeben/ kan der 4 1 0 hen. Ich hatte zwar einen Pabpott den dem Konig ſelbſten haben koͤnnen/ und Ihr Majeſtät hatken mir ſolchen bereits durch Siaer- kan ſeinen Oheim einhaͤndigen laſſen/ aber b jhme denſelben nach Ableſung/ wiederum mietet weilen deſſen Inhalt nicht nach mei0 im Wunſch ware. Ich begehrte ſolchen ohE Beding/ alſo weir laͤuffig und auf gleiche anier/ wie der jenige/ welchen ich von dem dig in Perſien hatte/ Krafft deſſen ich aller 0 en hin und wieder reiſend/ es ware daß ich erkguffte oder nicht/ frey; da hingegen der Paßport ſo mir in Nahmen des Groſſen MoBols angebotten worden/ mit Beding ware/ 8 im fahl verkauffens/ ſolte ich darvon den ſeclbezahlen. Obſchon Giaber. kan mich verſcherte/ daß dieſer einer von den beſten Paß porten ware/ ſo der König jemals ertheile/ und kale nach der Gewongeit nicht auderſt en konte/ jedoch wolte ich denſelben nicht annehmen/ und begnügte mich mit deren/ ſo ich ſeith eklichen Jahren von Cha- Eſt- Kan hatte/ der dur genüg/ und der eben ſo hoch oder hoͤher als des Koͤnigs ſeiner geachtet war. Ihre Maſeſtat begehrten zwar nicht daß ich den Zoll von dem jenigen ſo. Ihro verkaufft/ zahlen/ und verſtunde daß alles wolmeinend beſchehen ſolte. FFF Albſchrifft des Brieffs von dem Author an Cha-Eſt- Kan, Oheim des Groſſen Mogols den 29. Maͤy 1609. abgangen. Er geringſte under Ihro DurchLeucht Dienern/ und welcher für den Wolſtand Ihrer Hoheit Gott bitken thut/ Johann Baptiſta Tavernier, Franbos von Nation/ preſentiere meine Bittſchrifft Luer freygebigen Gutigkeit/ als Koͤniglichem walthalter“ der als Ihro Majeſtat Ver5 ſndter/ alle Königreiche die deſſen Scepter Aderworffen ſeynd/ regiert/ welcher Euerer Keine waltung die allerwichtigſten Geſchäffte gener Kron uͤbergeben/ unüberwindlicher Furſt Cha- Eſt-Kan den Gott in ſeinem die Ss ſeynd etliche Jahr verfſoſſen) daß ich G he gehabt Euer Durchl. Die damalen Hubernator des Königreichs Guzerate, in N Pelcle dar gegenwartig ware/ etliche groſſe 90 0 0 S. andere 0 Sachen/ weldaehhes Schatzes würdig n daft ich 275 Beichlung und herꝛliche Freycbigkeit empfangen/ Uberbracht. Damalen ar dero Befehl/ daß ich wiedrum in Europa 10 begeben/ andere ungemeine Sachen zuerich igen und Ihro berbringen ſolte; welches in fünff oder ſechs Jahr lang/ viel Konig8 bil dein Europa durchlauffend gethan/ und sch hon und ſonderbare Stucke/ die würdig 8520 Durchl. angeboten zu werden/ mitge15 J Und weil ieh an dein Hof des Kona Krea len mich beſendend/ daß in Indien Died ernommen ab ich durch einen wege 8. die bemeldten Stucke und ſonderba9 Mee er über Maslipatan verſaudt/ und ech in Perſon vor etlichen Tagen zu Surare el⸗ gehalten⸗ und euer befunden worden/ 107 angelangt/ Bericht empfangen/ daß alles glücklichen eingelangt. Wann Euer Durchl. obbemeldte Rariteten zu kauffen/ und daß ich ſolche in dero Gegenwart bringen ſolle/ beliebt bitte mir einen Befehl zu uͤberſenden/ damit ich als zu derſelben gehend/ underwegs nicht beunruhiget werde. Wann Euer Durchl. aber nicht angenehm ware/ daß ich zu derſelben komme/ wil ich mich entſchlieſſen/ an einen andern Ort zu gehen. Underdeſſen wil ich alhier zu Surate, derg Befehl erwarten/ Gott bittend/ 05 Selbe in allerley Wolſtand erhalten 0 22 2 2 . 1 Uberſetzung des erſten Schreibens von Cha · Eſt· Kan an den Author, zur Antwort des vorhergehenden/ abgangen. Groſſer GOtt! 5 Em vom Gluck geliebten Beſchützer der Tugend Herz Tavernier FranOtzos/ mein guter Skeund; wiſſet daß euer Schreiben mir geliefert worden/ auß welchem ich euer Wiederkunft zu Surare vernommen/ und wie jhr mitgebracht/ was ich euch anbefohlen, Ich habe alles das jenige ſo r mix geſchrieben/ deutlich betrachtet/ welches mir ein groſſes B. en dee derowegen müſt jhr nach Empfang dieſes/ euch entſchlieſſen/ nit dem jenigen ſo jhr mit euch gebracht/ in meine Gegenwart zu kommen/ und ſeyet verſichert/ daß ich euch alle mügliche Freundlichkeit und allen Vortheil ſo jhr wunſchen koͤnnet/ genieſſen laſſen werde. Uber das/ ſende ich euch den Paß port ſo hr begehrt habt/ laſſet euch angelegen ſeyn/ eylend zu kommen, und daß ich das jenige davon jhr in euerem Schreiben Meldung gethan/ ſehen moͤge. Je eher jhr kommen koͤnt/ je beſſer es ſeyn wird warum ein mehrers zu ſchreiben? Beſchehen den u. des Monats Chouval im Jahr Mahomets 1069. 1 9 5 5 Was hernach folget/ iſt mit Cha · Et. Kan Lkeigener Hand geſchrieben. Der erwehlete meiner Liebſten/ euer Bittſchrifft iſt mir uͤberlieffert worden/ Gott ſegne euch/ und es ſeye euch gut/ daß ihr euer Wort Verſppethen in das Werck geſetzt. Ihr muſſet enlend in meine Gegenwart kommen/ und ſeyd verfichert/ daß jhr alles Genügen und Nutzen mit mir haben werdet. Was folget ſtehet um ſeinen Inſigel. Der Fuͤrſt der Fuͤrſten. Des Koͤnigs Diener Überwinder aureng· zeb— 3 Uberſetzung des Paß ports/ welchen che- b i El- Ran dem Author uberſar dt. SGroſſer Gott!! 8 Alen Agenten und Verordneten an den f Hollſtädten/ alen Wachten der Straſſen groß und klein/ von dem Bander Sua rate 3 108 rate bis an den Hof Jehanabat. Demnach Herz Tavernier Frantzos/ in Würde der hochſt erhoben/ und von uns geliebt/ der ein Diener meines Hauſes/ von dem Bandler Sur rate in meine Gegenwart komt/ daß niemand was Stands er/ und under welchen Vorwand eg ſehe/ ſeinen Weg oder Durchreiſe verhindere/ jhme keine Muͤhe und Beſchwernuß verurſache/ ſondern jhn mit aller Sicherheit paſſieren llaſſe/ damit er komlich in meine Gegenwart kommen moge/ und daß ein jeder der obbemeldten denſelben in den Landen jhrer Bott maſſigkeit begleiten laſſe/ damit er ſeine Reiſe deſto leichter verrichten koͤnne. Ich befehle euch hoch dieſe Sach/ und daß niemand dem zuwider thue. Beſchehen den 1. des Monats Chouval im Jahr Mahomets 1069. Uberſetzung des zweyten Schreibens von Cha. Eſt. Kan an den Author abgangen. Groſſer Got: N em Erfahrneſtender Kunſtreichen und Kern der Verſtändigen/ Her: Tavernier Frantzos; bwiſſet daß ich euch in der Zahl meiner Liebſten/ wie ich euch hievor geſchrieben/ nach Jehanabat zu kommen/ und die Raritaten ſo jhr für mich habt mitzubringen; anjetzo aber da ich auß Gunſt und Gnaden des Koͤnigs/ ſein Koͤniglicher Statthalter fehl von Ihro Majeſtat empfangen/ habe ic mich den 25. 58 l 10 al a 0 Weg begeben; deßwegen iſt nunmehr nicht rahtſamm/ daß ihr nach Jelanabat kommet; ſondern trachtet/ daß jhr euch ehiſt muͤglich/ zu Brampour einfindet/ alda ich mit Gottes Hülf/ vor Verffieſſunng zween Monat ohngefaͤhr ankommen werde. Ich verhoffe ſhr werdet dem jenigen/ ſo ich euch ſchreibe/ nachkommen. thors Antwort auf dieſes andere Schreiben. Er/ welcher Gott fur Euer Durchl. und Zunehmung euerer Hoheit und 0 Wolſtands bitten thut/ Johann Haptiſta Tavernier Frantzos/ ꝛc. wie in dem erſten Brieff.. e 5 5 Des Au 8 be die Ehre des Befehls/ damit Euer Durchl. das Glück des geringſten jhrer Dienern vermehren wollen/ empfangen: Heyl ſeye dem Nabab Fürſten der Fuͤrſten. Ich hab mir die Ehre gegeben/ verwichener Tagen Ihro durch den Laqueyen Euer Durchl. zu ſchreiben/ daß nach der Regenwetters⸗ Zeit/ ich nicht ermangſen wurde in euer Gegenwark nach Jehanabat mich zu begeben. Anfetzo da Sie befehlet/ daß es nach Brampour ſeye/ wil ich Ihrem Befehl nachkommen/ und alle Raritaten/ ſo ich zu Dienſte E. Durchleucht beſtimmet/ mitbringen. Beſchehen den n. des Monats Hage. Keisbeſchreibung in Judienund Gubernator/ inn Königreich Decan verordnet worden/ ſo bald ich den Beouval auf den er ne.. E Uberſetzung des dritten Schreibens von a Cha- Eſt· Kan an den Author abgangen.. Er liebſte meiner Favoriten, Het 2 Tavernier Franzos; wiſſet daß ich O euch veſt in Gedaͤchtnuß halte. Den Brieff welchen ihr mir durch meinen Geſandten geſchrieben/ ſt mir geliefert worden ich ha be denſelben mit allem Fleiß von Wort iu Wort geleſen. Ihr ſchreibet mir/ daß das Regenwetter und der boſe Weg/ euch verhilt dern zu kommen/ und daß nach dem Wine ihr mich beſuchen wollet. Amfetzo da das Nee genroetter vorüber/ und ich verhoffe in 25 ober 2% Tagen zu Aureng-abat zu ſeyn/ nach Em pfang diß/ eylet alda zu mir zu kommen/ ich ven hoffe jhr werdet ſolches zu thun nicht erman len. Beſchehen den 5. des Monats seker in dem erſten Jahr der egierung Aureng-zebs Was hernach folget iſt mit Nababs (eigener Hand geſchrieben. Lieber Freund ve. ermanglet nicht in das Werck und Vollſtreckung zu richten/ was il euch geſchrieben. e horn Antwort auf dieſes 1 f dritte Schreben. 0 Er gringſtec⸗Durchl. Dienern, s, ö bann Baptiſta Tavernier Franßbs, bittet Gott für den Wolſtand Ihre Perſohn. Sie/ welche des Königs Stattha ter/ der Canal durch den ſeine Gunſten fieſſet deren Zunamen anſehnlich und aller Ehle, voll/ der des Koͤnigs naher Verwandter/ oben ſter Gubernator ſeiner Königreichen/ dame den Entſchluß aller ſeiner wichtigen Geſchalß ten uͤbergibt; Sie die der Fürſt der ahi Ich/ E. Durchl. Diener/ übergebe Ihro e, ittſchrifft. Nachdeme ich wiedern. ſe Land kommen/ dero Befehl 1 1015 aul dere Des Aut leiſten/ ich hatte mich gantzlich Gunſte verlaſſen und da ich vermeillke bin hren Gnaden auf das beſte erfüllet zu en n ich in das Metz Mitza-Areb Guber nato Surate, gefallen: dann als ich den letſſe 0 fehl von Euer Durchl. empfangen! hannen/ von demſelben meinen Abſehied gerollt eum Ihro meine ſchuldige Ehrerbietung öngeizeigen. Er hat mir geantwortet/ da 5 ib n ner Perſohn halben an den Konig geſeht bwpoft und alſo bis daß er von Ihr Majeſtar anten bekommen/ mir nicht Erlaubnuß geber ſchts Ich habe jhmme vorgebracht daß weil er indie; bey mir haͤtte/ und hey meiner Ankugo/ der ſem Hafen keine Waar wegen des Hoerwal 1 Betrachtung werth/ mitgeführt ich en Kbdert ware/ warum er meinetwegen ler mei nig geſchrieben. Aber ohngeachtet 750 b ner Gründen/ hat er ſeine Meinung ben v dern wollen/ und wil mir nicht erlaube e aendern meine D Das Ander Buch. Vurate wegzureiſen. Anjeczo ſtehet alles zu Furchl. dero daran gelegen/ daß ich ſhrem BeGehorſam leiſte/ und daß eine ſolche Per10 wie Mirza-Arab jhrem Willen mit einem lo chen ungereimten Toiderſtand/ ſich nicht widerſetzen moge. Uber das/ weilen ich meine Effecten nicht bey mir habe wie E. Durchl. geſchrieben/ verurſacht mir die Verſpatigung du Surate einen namhafften Verluſt/ welches Ihro nichts anders als Miß fallen verurſachen 0 Und was noch mehr iſt/ werden hiedurch die Kaufteute verhindert in dieſen Hafen zu oimmen/ und dieſes wird dem Königreich ein Roſſer Schade ſeyn. Was mich anbelangen ut! bin ich geſinnet meine Effecten eher in as Feur oder in das Meer werffen zu laſſen/ As zu geſtatten daß jemand anders als Cuer Urchl. ſolche beſehe. Ich verhoffe daß der hohe Gewalt Eber Durchl. mich bald auß er Noht in deren ich ſtecke erloſen/ und verſchaffen werde/ daß ich Ihro meine Ehrerbieung erweiſen koͤnne. Und habe auch Hoffng/ daß wann die Zeitung der Gnaden/ welche ich von Euer Durchl. empfange/ in Franckleich bekant worden/ ſolches vielen vornehmen daufleuten in dieſes Reich zu handlen/ Anlas geben werde/ und alsdann werden die Indien erkennen/ daß die ungemeinen Waaxen der Frantzoſen und jhre koͤſtliche Curioſtteten/ alles das jenige was bishero in dieſem Land geehen worden/ zu ſchanden machen werde. Und leſes iſt was ich nohtwendig befunden Euer Durchl. zu ſchreiben. Beſchehen zu Surate den A. des Monats Rabit und Auel. Alle dieſe Schreiben und Antworten wafenürſach daß ich hey 6. Monat zu Surate verbort endlichen kam ein expreſſer Befehl on dem Nabab an den Gubernatorn dieſer fe ladt/ mich fortzulaſſen/ im widrigen er ihn lol ze Amts entſezen wolte. Der Gubernaiin von Surare war über dieſen Spott dermaſin met, daß als ich von hme Abschied nahte, er mich mit ſeinem Ansehen nicht würdigwelches ich ſhme gern vergabe. Nabe den Bericht ſo ich bekommen/ daß der m bab von Aurengabat weg ware/ reiſet ich Cl ihme nach der Armee in Decan, alda er bol dupar eine der Städten des Raja Seyagi 85 öster. Ich verkauffte jhme was für jhne aufn und ſo lang ich mich bey demſelben zufhielte/ gabe er Befehl/ daß mir weder für mend und noch für meine Pferd/ kein anAl gelaſſen wurde. Man brachte mir taglich Taehten Speiſe/ und zwo von Früchten 1 Nemec, wich gemeinlich gantz für eine, Diener bliebe! dann man mich wenig in wüst Zelten ſpeiſen lieſſe. Der Nabab aögorte dag ich von J. oder 6. Raßas oder ſich berlthen Furſten/ welche in ſeinem Heer Iden/ auf jhre Weiſe tractiert wurde; b ande, Reiß und Krautwerck/ welches/ wie cher Maſſen verpfeffert/ verimbert und mit Specereyen verwürtzet/ daß mir unmit aud ware darvon zu eſſen/ und ich alſo ware. awo vermeldt/ alle jhre trachten waren 91 Appetit von der Mahlzeit aufſtunTheil. 5 109 de. Daimalen lieſſe der Nabab eine Mine ſyrengen/ weiches die Inwohner zu Choupa dergeſtalten erſchreckte/ daß ſie auf einen Vortrag ſich ergaben; deß wegen die Soldaten/ welche vermeinten die Stadt mit Sturm einzunehmen/ nicht zu frieden/ indem ihnen der Raub welchen ſie verhoffeten/ hiemit entzogen mich bezahlen laſſen; aber als ich jhme vorbrachte/ daß ich durch ein verdrießliches Land zu reiſen/ und die Streiffenden der beeden Beh meiner Abreiſe wolte der Nababb Kriegs⸗Heeren zu förchten/ derorvegen jhne bate/ mir mein Geit zu Dultabat hezahlen zz laſſen/ hatte er gern eingewilliget/ und auf einen Befehl den er mir zuſtellen ließ/ war ich den folgenden Tag meiner Ankunfft daſelbſten/ bezahlt. Der Schatzmeiſter der mir Indianer das Gelt gelieffert/ verſicherte mich daß er den ꝛablen gern. Bericht bereits vier Tag zuvor durch einen eigenen Botten empfangen/ und daß der Nabab jhme befohlen mir ſchleinige Bezahlung zu thun; welches den groſſen Fleiß der Indianer in Handlungs Sachen ſchleunige Bezahlung zu thun/ zu erkennen gibt. —— Das XII. Capitl. auß den Koͤnigreichen Golconda und Von den Waaren/ welche ſo wol auß dem Reich des Groſſen Mogols, als Viſapour, auch anderen benachbarten Landen zu bekommen. gen/ welche mit Beſchreibung des V Ch kan leicht erachten/ daß die jeni⸗ Segudon e FZuſtandes des Reichs des Groſſen Mogols mir vorkommen/ nicht ſo weit geſon⸗ des Croſen nen/ mir genaue Verzeichnuß aller Gattung Waaren/ welche darauß in andere Land verfuͤhrt werden/ an den Tag zu geben; welches aber von mir nach der Kundſchafft/ die ich in ſo vielen Jahren in meinen underſchiedlichen Reiſen in ſelbiges Land erworben/ beſchehen ſolle. Und wird vielleicht dem Leſer dieſe Nachforſchung/ die ich mit groſſem Fleiß gethan/ inſonderheit wann er ein Liebhaber des Gewerbs/ und was die Natur und Kunſt ſonderbares an underſchiedlichen Orten um die Gemeinſchafft zwiſchen den Menſchen zu underhalten/ herfürbringt zu wiſſen begierig/ ein angenehmer Dienſt widerfahren. Alhier iſt ſteh des jenigen/ was ich in dem genaue Beſchreibung des Reichs Mogols. Anfang meines erſten Buchs/ betreffent das Gewicht und Maaß die in Indien gebrauchlich/ vermeldet/ alda ich von der Mein und Serre Andeutung gethan/ zuerrinnern. Nun iſt noch übrig etwas von dem Cobit zu ſchreien. 5 9 5 5 8. Der Cobir iſt ein Maaß für aſſe Waaren/ die gleich wie mit der Elen gemeſſen werden ſollen/ und ſtynd deren under ſchiedlicher Gattung/ gleich wie in Europa auch underſchiedliche len Maaß haben. Er wird in 24. Taſots abgetheilt/ und wie der groͤſte 1 110 4 der Indianiſchen Waaren zu Surate verkaufft wird/ iſt hienebenſtehend das Maaß eines Viertel-Cobits der Stadt Surate, in 6. Taſots abgetheilt/ zu ſehen. 1 Ich ſolte zwar mit Verzeichnus der Waaren bey den koſtbarſten aller andern/ welches der Diamant und Stein von Farben ſeynd/ . den Anfang machen; aber dieweilen dieſe Man teri zimlich weitlaͤuffig und von den wichtigN ſten meiner Beſchreibungen/ wil ich darvon ein abſonderlichen Tractat an Tag geben/ und in dieſem Capitel allein von der Seiden/ Leinwad/ Baumwollen/ Specereyen und Ma1 terialien ſo die. Claſſen/ under welche man . aller Sorten Waar auß Indien kommend/ begreiffen kan. 1 Von der Seide. 7 Aſembazar ein Dorff des Koͤnigi i reichs Bengala, fan jährlich bis in . 4 22. fquſend Ballen Seiden/ jede Ballen 100. Pfund wiegend/ lieffern. Die 9 22000. Ballen geſtehen auf zwo Millionen und 200. tauſend Pfund zu 16. Untzen für ein Pfund gerechnet. Die Hollander verführten gewohnlich/ beydes für J apon und Holland/ N 6. in 7. tauſend Ballen/ und hatten gern ein e. mehrers weggenommen; aber die Kaufſeut auß der Tartarey und des gantzen Reichs des No0 gols wider ſetzen ſich; dann dieſe Kauffeut nicht weniger als die Hollander wegfuͤhren/ und der Reſt bleibt den Inwohnern des Lands zur Arbeit jhrer Zeugen. Sie fuͤhren alle dieſe Seidan in das Koͤnigreich Guzerate und komt die .“, groͤſte Quantitat nach Amadabat und Surate, alda ſie verarbeitet wird. 3 Erſtlich werden gemacht Teppich von Seiden und Gold/ andere von Seiden/ Gold/ und Silber/ und wiederum andere allein von Seiden/ und zu Vettapour zwoͤlff Coſtes von Agra die wollen Teppich. s 6203 ſilbern Strichen/ andere mit Strichen underſchiedlicher Farben/ anderer gantz glatt gemacht/ und von gleicher Gattung Taffet. Drittens werden gemacht Patoles, welches ſeidene Zeug gantz weich/ alle in Blumen underſchiedlicher Farben gefarbt/ und wird dieſe Arbeit zu Amadabar verfertiget. Sie ſeynd im Preis von acht bis auf viertzig kouDereHollän⸗ pies. Diß iſt eine der Holländern gute Hand5 5 lung/ welche nicht geſtatten/ daß einiger der Compagney/ damit abſonderlich Gewerb treibe/ ne verfuͤhrens in die Inſul Philippinen, Borneo, Java, Sumatra, und andere umligende Oerter. Was die rohe Seiden anbelangen thut/ „ iſt zu mercken/ daß der natürlich weiſſen allein ml in Paleſtina gefunden wird/ und daß die Kauffden fndt leute von Alepund Tripoli ſelbſtengroſſe Mumean, he haben nur eine geringe Quantitat zu bekomn lena men. Die Seiden von Nalembazar iſt wie all andere auß Perſten und Siciſien kommende rohe Seiden/ gelblicht. Aber die von bemeltem Kaſembazar, haben die Wiſſenſchafft die „Zum andern wird Artlas mit Gold und Reisbeſchreibung in Indien. ihre zu bleichen/ mit einer Lauge auß Aſchen 7 von einem Baum der Adams⸗Feigenbaum ge⸗ dae nennet wird/ gemacht/ darvon ſie alſo weiß den un außfallt als die Seiden von Paleſtiné ſeyn chen mag. Die Hollander laſſen jhre Seiden und die andern Waaren ſo ſie aut Bengala haben/ durch den Canal der von Caſembazar in den e und bey 15. Meil Lauff hat/ herab führen. Von dem Gango bis Ougely; alda ſie die Waaren in jhre Schiffe einladen/ iſt auch eben ſo weit. Von den Leinwaden/ und erſtlich den ſo genanten Chites oder gemahlten Leinwad. i I ö Je Chites oder gemahlte Leinwad 15 Calmandar; das iſt/ mit dem Pinſel ra gemacht/ werden in dem Königreich dagen Golconda, und inſonderheit um Maslipatan co zubereitet; aber ſo wenig/ daß wann man alle Arbeiter die dieſe Tuch machen konnen/ anſtellen thaͤte/ man ſchwerlich 3. Ballen zuſamen bringen wurde. Alle in dem Königreich des Groſſen Mogols gemachte Chites, ſeynd gedruckt und underſchiedlich in der Schonheit/ ſo wol den Druck als die Feine des Leinwads betreffend. Die welche zu Lahor gemacht werden/ ſeynd under allen die grobſten/ und demnach die wolfeilſten. Werden bey Corges verkaufft/ eine Corge halt 120. Stuck/ und wird von 16. b 30. Roupies bezahlt. 1 Chites zu Seronge gemacht/ die Corge von 20. bis 50. Roupies, und daruber. Alle obvermeldte Gattung Chites ſeynd gepreßt/ und werden Beth⸗ Decken Softa ober Tischtücher nach Tracht des Lands/ Kuſſn/ Ziechen /Naßtücher/ und ſonderlich Futter, hemder zu Gebrauch der Mann und Weiber/ fürnemlich in Perſien/ darauß gemacht.„ Die Chites von klarem Leinwad/ mach man zu Brampour. Und darauß Malk welche jeßo den jenigen ſo ſich des Schr, Tabacks bedienen/ ſehr gebrauchlich/ deßgle chen eine Gattung Schleyer Ormis gebn deren die Weiber in gantz Aſien/ auf das Hau und um den Hals zu legen/ ſich bedienen. er Die Baſtas oder geinwad in roht/ blau ode ſchwars geerbt werden nach Acre und ene Gebar gan weiß geführt/ wefſen diese zue Stadt nahend den Orten da der Endich deſen man ſich zur Farb bedient; ſeynd im Preis er zwey Roupies das Stuck/ bis in dreiſſig 0 ſo viertzig/ nachdem ſie fein und das Geldicgean beyden Enden und Antheilen auf ber Len ten. Die Indianer haben erfunden dieſer hen wad einige durch ein gewiſſes Waſſer fabi darauß ſie dem gewaſſerten Camelot 9 ſcheinen/ und dieſes ſeynd die theurſten. bis Die Gattung Leinwad/ welche von, in 12. Roupies das Stuck im Preis ſeyn b. See 2 1 8„At U werden auf die Kuſten Nel inde verführt 10 e 6 diß iſt des Gubernators von Pao zam dies ö N ge. groͤſter Gewerb/ welcher ſolche an die Laub, be von denen dieſe Waar in der Aby ner d 6 N U 1 7* de den er dg, de Das Ander Buch. nd in das Königreich daba geſandt wird/ weil 1 ale Volke den Gebrauch der Seiffen nieht baben waſchen ſie dieſe Leinwad mur ſchlecht un. Die ſo über 12. Roupies bis auf den hoͤchlen Preis ſeynd/ ſchickt man in die Inſul Phi. de, Borneo, Java, Sumatra, und andere. 6 te Weiber dieſer Inſtuln haben für jhre ganAeKleidung nur ein Stuck dieſer Leinwad/ davon ohngeſchnitten em Theil jhnen fur ein Rock 100 und das übrige wicklen ſie um den Leib 0 und Kopf. Weiſſe Leinwad. Je weiſſe Leinwad komt theils von Agra, und auß der Gegne Lahor, B. theils von Bengal, Und etliche von a ta ad Baroche, Renonſari unb anderen Orden. Wird roh nach Renonſari un Baroche e gebracht alda man Gelegenheit dieſelben in ſchoͤnen Auen und Weiden/ in der Nahe ſehr viel Leinwad zu bleichen; dann die Leintvad ehnd niemglen recht weiß/ wann ſie nicht durch imonen⸗Waſſer gezogen werden. Die Leinwad/ welche von Agra, Lahor, und Bengala kommen/ werden bey Corges verf kaufft/ und ſeynd im Preis von 16. Roupies bis auf drey oder vier hundert/ und daruber/ 90 der Kauffmann ſolche gemacht haen wil. 5„„ Die Leinwad ſo von Renonſari und Baro che gebracht werden/ ſeynd von 21. Cobits, wann ſie roh/ und gebleicht von 20. Cobits. Die von Erouda roh nur 20. und 195 Cobits gebleicht. Alle Leinwad oder Baftas, welche auß dieenz. Stadten/ ſeynd zweyerley Gattung/ breit und ſchmal/ und die ſahmalen/ darvon jetzt Meldung gethan verſtanden/ welche von 2. bis 6. amoudis verkaufſt werden.. 15 Die breiten Baftas ſeynd 1s Cobir breit/ . md das Stuck halt 20. Cobirs: Werden geheinlich von y. bis in 2. Mamoudis verkaufft; ber der Kauffmann/ welcher auf dem Ort/ kan ren viel breiter und feiner/ und bis oo. Madudis das Stuck/ im Preis machen laſſen. Ju meiner Zeit habe ich 2. Stuck verkauffen gehen/ für jedes deren ioo d. Mamoudis he8 che worden, Die Engellander kaufften das N hl und die Hollander das andere/ und jedes beit 28.5 Cobits. Als Mahamed Ali-Beg von 1 der Geſandſchafft nach Indien in Perſien ace ück kam/ verehrte er dem Cha- Seß II. eine Mista Cocos Nuß in der Gröſſe eines StrauſſenDs gantz mit Edelgeſteinen außgeziert: und dle che eroſſnet worden zog man darau 5 A Türckiſchen Bund welcher 60. Cobits 8 a5 und von einem ſolchen reinen Leinwwad/ . a nicht zu ſchlieſſen/ was inan in der hatte. Im zuruckkehren einer meiner de kWh bed che welcher gleichſam vor dem Geſicht ver1 Ju ſehen nicht wenig verwundert. den, verlangt ich eine Untz von dem Caden wild das Pfund 600 blemoncis kolkete“ telzübringen/ und ware die Königliche Mutiel Hoffdamen einen ſolchen reinen FaVon geſpunnener Baumwolle. e geſpunnen und ungeſpunnen Baum wollen/ komt auß den Landf ſchafften Brampour und Guzerate. Die ungeſpunnenen werden nicht in Europa geſchickt/ weilen es ane Waar die gar ungeſchmeidig und von geringem Werth/ und allein nach dem Rothen Meer/ Ormus, Balſara, und zutveilen in die Inſul der Sonde und Philüppine verſandt werden. Belangend die geſpunnene Baumwollen/ verführen deren die Engliſche und Hollaͤndiſche Compagney ſehr viel in Europa/ aber nicht von den feineſten/ der Gattung deren ſie ſich beladen/ gilt der Mein von B. bis 20. Mamoudis. Dieſes iſt der Gattung/ welche zu Liecht⸗Dacht/ Strumpf zu machen und in die Seiden Zeug zu miſchen/ dienlich. Feinerer Gattung iſt in Europa nicht gebrauchlich. 5 cEsendich komt her von underſchied⸗ eroſch kot lichen Orten des Reichs des Groſſen guuich des Mogols, und nach dieſen underſchled⸗ Groſfn dl. lichen Orten iſt auch die Eigenſchafft under⸗ g0ls. ſchiedlich/ welches den Preis vermeh ret oder vermindert. Erſtlich komt deſſelben auß dem Land Biana, Indoua uind Corſa ein oder 2. Tagreiſe weit von Agra, und iſt der beſte under allen geachtet. Deſſen wird auch 8. Tag weit von Surare, und zwo Meil von Amadabar in einem Dorff Sarqueſſe genant/ gemacht. Daher komt der fache Endich; und auch gleicher Art/ und ohngefahr in gleichem Preis auß dem Land des Koͤnigs von Golconda. Die Mein von Surate ſo 42. Serres oder unſerer Pfund 347 wird von. bis 20. Roupies verkaufft. Zu Baroche gleicher Gattung des vorgemeldten wird auch gemacht. Der um Agra wird in Stucken halben Kuglen gleich zubereitet/ und dieſer iſt/ wie vor angedeut/ vor allen andern der Indien/ begehrt. Man verkaufft ſolchen bey der Mein, welche ſelbiger Orten 60. Serres, ſo quf yz unſerer Pfund kommen. Gemeinlich bezahlt man von 36. bis 40. Roupies darvor. Es waͤchſt auch noch Endich 6. Meil von Brampour nach Surate reiſend/ bey einem groſſen Dorff Raout genant/ und bey andern da herum ligenden kleinen Dorffern; und die Leute der Orten/ verkauffen deſſen gemeinlich für mehr dann roo oO. Roupies. Endlichen komt auch Endich von Bengala, ſo die Hollandiſche Compagney nach lasli. 5 patan führen laſſet; aber bieſen/ und den von Brampour und Amadabat, hat man um 80. pro cento wolfeiler als den von Agra. Der Endich wird auß einem Kraut/ ſo von einem Saamen/ den man jahrlich nachdem die Ungawitters⸗Zeit vorüber/ ſaet/ und dazumalen wann er wachſt/ dem Hanff gart gleich iſt. Man ſchneidets jahrlich dreymal ab/ das erſte mal wann ſolches ohngefahr zwey oder drey Schuh hoch/ ein halben von der Erden; dvs erſte iſt gewiß lich beſſer/ als das ſo zum andern f 2 K 2 und 102 c Reisbeſchreibung in Indien 2 und dritten mal geſchnitten wird/ das andere Abends eroͤffnet/ wird das Inwwendige gantz 10 in 12. pro cento geringer als das erſte/ und blau ſich befinden/ alſo durchdringend iſt dieſer das dritte under 20. pro cento des andern. Endich⸗ Staub. 1 Der Underſchied wird nach der Farb in Bre⸗—Indeme man von dem Teig oder Leimen Fungeines Stucklem Taigs/ gemacht. Die mit den Fingern in Oel getaucht ie Farb des Endichs/ welche von dem erſten Koͤrblein genommen/ und darauß Stücklen Kraut gemacht wird/ iſt blaulicht/ violbraun wie vorgemeldt gemacht/ werden dieſelben an glaͤntzend/ und lebhaffter als die andern zwo die Sonne zu trocknen gelegt. Und wann dik in i dhe Gattungen; und der von dem andern lebhaff Kauffeute den Endich kauffen/ laſſen ſie allezeit 0 0 n ter als der des dritten. Aber auſſer dieſem Un⸗ etliche Stücklein verbrennen/ zu ſehen ob kei eech derſcheid welcher in dem Preis ehr namhaft Sand darin eye. Dann die Bauren welche hu. it verfälſchen die Indianer das Gewicht/ und den Teig auß den Koͤrblein nehmen ⸗Stucklein 8 die Eigenſchafft/ wie anderſtwo vermeldet wer⸗ darauß zu formieren/ nachdem 1 1 jhre e Finger in das Oel getaucht/ thun ſte ſolche in Nachdem die Indianer dieſes Kraut abge⸗ den Sand/ und alſo wird damit der Teig ver ſchnitten/ werffen ſie ſolches in Teiche/ ſo mit miſcht/ ſo den Endich beſchwert/ aber wann Kalck/ der alſo verhartet/ daß man vermeint es man ſolchen verbrennt/ wird der Endich zu ſeye von einem einigen Stuk Marmor gemacht ſche/ und der Sand bleibet gantz. Die Gul worden. Haben gemeinlich do. in 100. Schritt bernatorn thun was muglich/ um dieſen Be im Umkreiß/ und wann ſolche halb/ oder etwas trug zu verhindern/ aber es iſt allezeit jemand a mehr voll Waſſer/ werden ſie mit dem abge⸗ der ſolches uͤbet. N 5 5 ſchnittenen Kraut gefüͤllet/ welches taglich mit. 7 dem Waſſer undereinander geruhret wird/ is Von dem Salpeter. die Blatter(denn die Stengel nichts taugen 2 00K. gleichſam in einen Leimen verwandelt werden.(Er Salpeter komt in groſſer Menge Een Wann das beſchehen/ laſſet man die Materiet⸗ e von Agra und Patna, eine Stadt in zo liche Tag ohnberührt/ ſich ſetzen/ und waß man Bengala, und koſtet der gelquterte ſihet daß alles zu Boden und das Waſſer oben drey mal mehr als der ſo es nicht iſt. Die Holklar/ werden die Locher ſo um den Teich herum laͤnder haben zu Choupar, ſo 14. Meil under zugeſtopft ſeynd/ geoͤffnet/ damit das Waſſer halb Patna ein Magazin aufgerichtet/ un ablauffe. Nachdeme ſolches beſchehen/ fuͤlet wann der Salpeter gelautert/ laſſen ſie ſolchen man Korblein von dieſem Leimen; alsdaum ſi⸗ auf dem Fluß nach Ouguely führen. S het man in einem ebenen Feld ein jeden Mann hatten zwar Keſſel auß Holland kommen lalbey ſeinem Korblein von dieſem Teig oder Lei⸗ ſen/ und Laͤuterer gedingt/ um jhren Salpeter f men mit den Fingern herauß nehmen/ und felbſten zu laͤutern; aber es hat jhnen mißlunStuüͤcklein darvon in Groſſe eines Huner⸗Eys gen/ weilen die Landleut ſehend/ daß die Hollaltentzwey geſchnitten/ formieren/ nemlich breit der jhnen den Verdienſt der Lauterung entzie⸗ 100 unden und ſpizig oben. Alber der Endich von hen wollen/ denſelben Molcken zu geben/ ver⸗ e Amadlabar, Wird flach und einem Kuchen gleich ſagt/ ohne welche der Salpeter nicht weiß ge, e gemacht. Dieſes iſt ſonderlich in acht zu neh⸗ macht werden kan; dann wann ſolcher nicht fat men/ daß die Kaufeut um den Zoll nicht von ſehr weiß und durchſcheinend/ wird er nicht geeinem unnützen Ding zu bezahlen/ vor Weg achtet. Die Mein gelauterten Salpetels führung des Endichs auß Aſien in Europa/ ſich komt auf ſieben Mamoudis, 3 befleiſſen denſelben reitern zu laſſen/ damit der f 7 Staub ſo ſich daran hangt/ davon falle/ wel⸗ Von den Specereyen. chen ſie alsdann den deuten des Lands/ die deſſen„„ 2 ſich zu dem Faͤrben gebrauchen/ verkaufen Sr Cargamon, Imber Pfeffer“ pr thun. Die jenigen welche den Endich zu reitern e Muſcatnuß„Muſcaten⸗Blut 19 ſich brauchen laſſen/ ſollen ſich wol ſürſchen: O Nuacis, Nagelein/ Zimmet/ ſeynd 90 Dann wann ſie in dieſer Arbeit begriffen/ ha⸗ underſchiedliche Gattungen Specereyen 4 5 ben ſie ein Leinwad vor dem Angeſicht/ und wol uns bekant. Ich ſetze fur die zwo erſten 15 ce acht daß alle Lufftleitungen recht zugeſtopft Cargamon und Imber/ weil der Cargee n e ſeyen/ allein zwey kleine Loͤchlein in demdeinwad in dern Land Viſapour, und der Jmber inne Ne en, bey den Augen laſſend/ um auf die Arbeit zu ſe. Gebſet des Groſſen daogols wachſen thut a Nee hen. Uber das/ ſollen alle die jenigen/ ſo wol die anderen Sorten Specereyen von and des Endichs twelche den Endich reitern/ als die Schreiber wo her nach Surate, da groſſer Gewerb dan und lnderhaͤndler der Compagney/ die zuſe⸗ beſchicht/ gebracht werden. gl⸗ cnelt hen/ ale halbe Stund Milch trincken/ welches Cargamon iſt die fürtrefliche Gattung an pee eine Aeney wider die Schaͤrffe des Endich⸗ ler Spekereyen/ aber ungemein/ und weu e, Es Staubs. Aber alle dieſe Vorſicht hindert vorbemeldtem Ort nur wenig herfür 19 5 5 nicht/ daß wann man acht oder zehen Tag mit wird deſſen in Aſien allein auf groſſer He 45 dieſer Arbeit des reiterns umgangen/ eine zeit⸗ Tafel gebraucht. Die oo. Pfund 17 lang alles was man außſpeyet/ nicht blaulicht mon werden von 100. bis in 10. Realen ves“ ſeye. Ich hahe ſelbſten mehr als ein mal die kaufft.„„„ Prob gemacht daß wann man ein Ey an Der Imber komt in groſſer Quantiter ven Morgens zu dirſen Reitererleget/ und ſolcheg Amnedabar, ald deſſn nehr als an ent ern Ju e N , 15 11 6 ch 1 tele Shaegetley in fremde Land verführt wird. Aer. 0 Das Ander Buch. anderm Ort in Aſia/ waͤchſt/ und man glaubte ſchwerlich wie viel des eingemachten Imbers Des Pfeffers iſt zweherley Art. Eine von kinen die andere von groſſen Kornlein/ wird demnach geimeinlich klein und groſſer Hfeffer gellenek. Der groſſe komt mehr ntheils von er Küſten Malavar, Tuticorin und Calicut, end die Stadte da ſolcher gekaufft wird. Es oimt deſſen auch auß dem Land Viapoor, und eſchihet der Verkauff zu Kejapour, eine kleine Stadt dieſes Konigreſchs. Die Hollander welche ſolchen von den Mala varen kaufen/ gedein kein Gelt/ ſondern tauſchen gegen anderer Satkung Waar als Baumwollen/ Opium, Sober und Queck ſilber/ und diß iſt der groſe Pfeffer ſo in Europa verführt wird. Was 5 5 kleinen Pfeffer der von Bantam, Afchen, uud erlichen andern Orten gegen Orient komt/ belangt/ wird deſſen keiner auß Aſien veruhrt/ weil in dieſem Land/ inſonderheit under 05 Mahometanern ſehr viel verbraucht wird. aun in einein Pfund des kleinen Pfeffers/ ehnd doppelt ſo viel Koͤrnlein als in einem Pfund des groſſen. Und je mehr Koͤrnlein in ein ſo genanten Pilau, darein ſie gantzer Hand voll werffen/ je mehr dieſer Kornlein herfür ſcheinen; zudeme iſt groſſer Pfeffer allzu hitzig in dem Munde. ö Diieſer kleine Pfeffer zu Surate gelieffert/ iſt etliche Jahr um B. oder 14. Mamoudis die Mein verkaufft worden/ und habe ich die Ugellaͤnder/ welche ſolchen nach Ormus, allara und an das Rothe Meer verfuͤhrten/ unn dieſen Preis kauffen geſehen. Was den Moſſen Pfeffer/ welchen die Hollander auf der Mere Guten Malavar abholen/ anbelangen thut/ Ae geſtehen ſie deſſen die 700. Pfund im Tauſch Naher nicht als 33. Realen; und guf denen garen die ſie dagegen tauſchen/ gewinnen ſie Ge pro cento. Man kan ſolchen um bar. 0 alt für 28. oder 30. Realen haben; aber auf 0 Weiſe ware viel hoher als die Hollander Augekaufft. Betreffend endlich den langen feffer guß des groſſen Mogols Land nicht genigitten„findet ſich deſſen genug in dem Kö. eich Ouserate, und wird gemeinlich von Nan Hole 5. Mamoudis die Mein verkaufft. Das ee dom langen Pfeffer koſter ner vier. a en das, Die Muſcatnuß Muſcat⸗ Bluht oder Fäden erer e Nagelein und Zimmer, ſeynd die Spee ls„eben allein ſo die Hollander in ihren Han88 0 haben. Die drey erſten Gattungen kom1 mme f 10 guß den Inſuln Moluquis, und die vierdte Mae immer auß der Inſul Ceylan dle dig, dess der Muſcalnuß iſt diß merckwürwant e, 0 daß der Baum nicht gepflantzet wird/ welkarg von vielen Perſonen“ die viel Jahr 18 ſbigen Landen ſich aufgehalten/ beſtaͤwann del. Sie haben mich verſichene da ub z die Nuß zeirig/ eine gewiſſe Art Vogel Au 5 1 1 1 0 ga, den Infuln gegen Mittag kommen/ und 5 5 Naß ver ſchlucken/ und geben ſolehe unfe ut wieder von ſich/ und daß alsdann dieungeh mit einer ſchleimig und zahen Materi il 7 8 Erden fallend/ Wurtzel geTheil. 2 winnen/ und einen Baum herfurbringen/ welches nicht beſchehe/ wann man den Baum auf die Manier anderer Baume pflantzen wolte. Ich habe annoch etwas von dem ParadißVogel zu melden. Dieſer Vogel/ welcher auf Paradißdie Muſcatnuß ſehr verleckert iſt/ ermanglet Vogel ſättinit in der Zeit zu komen/ ſich damit zu ſaͤttigen/ der Mal, und kommen ſolche in Schaaren wie wir den nu. Flug unſerer Ziemer zu Zeit des Herbſts ſehen. Wann dieſe Nuß ſtarck/ macht ſie dieſen Vogel thum/ und todt auf den Platz fallen/ und alſobald kommen die Ameiſen/ deren das Land Die Ameisen voll/ lhnen die Fuſſe abzufreſſen. Daher komt/ 92 daß ian gemeſniglich ſagt/ daß niemalen ein b. Paradeiß⸗ Vogel mit Fuſſen geſehen worden/ welches aber die rechte Warheit nicht iſt. Denn ich habe deren drey oder vier mit ihren Füſſen/ die von den Ameiſen wegen Kürtze der Zeit noch nicht angriffen waren/ geſehen. Ein Frantzoſiſcher Kauffmann Nahmens Contour, hatte einen mit den Fuͤſſen von Alep, dem Konig Ludovico XIII. welcher viel davon gehalten/ weil er ſehr ſchon/ uberſchickt. 1„„ Aber was die Hollander jmmer verſuchen mogen/ kan man doch ohne durch jhre Hand zu gehen/ Nagelein von Macaflar in ber Inſul Der SpereCelebes, bekommen/ indeme die Einwohner lache 1 dieſer Inſul in geheim deren/ den Haubtleuten 5 und Soldaten der Schantzen/ ſo die Hollander an denen Orten da die Nagelein wachſen/ haben/ abkauffen/ und denſelben dagegen Reiß und andere nohtwendige Lebensmittel/ ohne welches ſie als elendiglich underhalten/ nicht beſtehen konten/ überbringen. So lange die um derſelHandlung der Engliſchen in Krafften/ wer⸗ ben den en den ſie jederzeit wie ſie bishero gethan/ trachten gellandern den Hollandern in der jhrigen zu ſchaden. 1 Nach deim dieſelben eine Quantitat Nagelein zu Macaſſar erkaufft/ ſchicken ſie ſolche in alle Ort da die Hollanber dieſer Waar zu verkauffen pflegen/ geben ſie es wolfeiler und zuweilen mit verluſt jhrer/ und verderben alſo hiemit den Hollandern den Naͤgelein Handel. Denn es iſt eine geordnete Gewonheit in Indien/ daß der erſte welcher den Preis einer Waar machen thut/ alle andere zwinget nach ſeinem Exempel/ in gleichem Preis daſſelbe Jahr über zu verkauffen. Um dieſer Urſachen willen haben die Hollander ein Contor zu Macaſfargufgerichtet/ alda ihre Beamte ſo viel muglich/ den Preis der Nagelein/ ſo bald der Konig der Inſul den Verkauff erlaubt/ ſteigern. Sie geben ſelbſten dem Konig groſſe Verehrungen/ um denſelben zu vermögen/ den Preis hoch zu halten; dawider weder die Engellander noch dies Portugeſen in dem elenden Zuſtand da jhre Sachen heutigs Tags ſeynd/ mikelen koͤnnen. 8 i So lange die von Nacaſſar Magelein ha⸗ Pigeleins hen/ bezahlen ſie damit die Waaren ſo jhnen u⸗ Merten berbracht werden; maß kan auch Schiltkrot⸗ e ten⸗ Schild/ ſo in dem gannten Land des Groſſen ren. Mogols; auch in Eopa guten Abgang hat; Ingleichem Gold ⸗ Pulver/ darauf allezeit 6. oder 2. pro cento zi ge itimen/ da hingegen auf 5 3 dem 5 Reisbeſchreibung in Indien. 9 i 1 dem Gelt dieſer Inſül obs wol von Gold/ die⸗ wahrendem ihrem Gottesdienſt an den hohen me weilen der Konig ſolches zuviel mit ringerer Feſten des Jahrs/ bedienten. So bald die Ker⸗ we den, f Materi vermiſchen laſſen/ zu verlieren/ an Be⸗ ßen angezundet/ war die gantze Kirche mit einem zahlung nehmen. Die vier Ort da die Nage⸗ Zimet⸗Geruch erfüllet. Sie haben deren viel. lein in Uberfluß wachſen/ ſeynd das Land Am malen nach Lisbone für die Königliche Capel⸗ 1 i bone, das Land Ellias, Seram und Bouro. len geſchickt. Vor dieſem haben die PortugeGroſſr u⸗ Die Inſuln Banda, ſo an der Zahl ſechs/ ſen auch Zimmet auß den Landen/ welche de3 nemlich Nero, Lontour, Pouleay, Roſeguin, nen Rajas um Cochin zuſtandig/ bekommen. in den In, Folleron und Grenapuis, bringen der Muſca⸗ Aber ſeith die Hollander dieſe Stadt eingekun bas ten groſſen Uberſuß herfür. Die Inſul Gre. nommen/ und der Küſten Ceylan da der Zinn napuis hat ungefahr 6. Meil im Umkreiß/ und met wachſt/ ſich bemaͤchtiget/ ſehend daß der endet ſich an einer Spitze/ da viel Feur auf der Zimmet von Cochin, der nicht ſo gut als der Erden komt. Die Inſul Damne da auch auß Ceylan, und derowegen wolfeil hingeben Miuſcaten in Menge und groß wachſen/ wurde wurde/ jhnen ſchadete/ haben ſie alle Ort da Anno 1647. durch Abel Taſman/ Hollandi⸗ ſolcher wachſte/ verderbt/ und alſo iſt kein andeſchen Verwalter/ entdeckt. rer Simmet als der guß Ceylan, ſo jetzo gan Hernach folgt der Preis der Paͤgelein und in ihrem Gewalt. Wie die Portugeſen dieſe Muſcatnuſſen/ wie ich ſolche an die Hollander Kuͤſten inne hatten/ kaufften die Engellander zu Surare in gewiſſen Jahren verkauffen geſehe. von ihnen den Zimmet/ und zahlten Newa, Die Nein zu Surate iſt von 40, Serres, lich für die Mein Mamoudis f 7 1 Pfund zu 16. Onces unſers G⸗ e 1 wichts ſeynd. i. 5 i 25 Die Magelei 2 je Mein Von den Materialien welche zu Surate b e 5 198 gefunden/ und auß fremden Landen dahin geDie Muſcat⸗Blut oder Macis, Mamou- bracht werden; ſamt dem Prels 1 5 d a 1 352 jeder Mein. 1 1 2 0% Die Muſtatnuß/ Mamoudis. 562 Al Armoniac foſtet die Mein nach deim au Deter Sinumet komt jetzo all auß der Inſul gemeinen Preis Mamoudis. W 5 Ceylan. Der Baum iſt unſeren Weidenbau⸗ X Borax von Amadabat, gleich wie Des Ziſſet⸗ men faſt gleich/ und hat drey Rinden. Man auch Sal Armoniac, kommend ohngelautert ö e nimt allein die erſte und andere/ und dieſe iſt viel die Mein, Mamoudis. 5 beſſer als jene. Die dritte wird nicht beruhrt; Gummi laque darvon ich drunden Me dann wann mit dem Meſſer ſolche abgeſchnit⸗ dung thun werde/ Mamoudis 7 ten wurde/ ware es um den Baum geſchehen. Gummi laque gewaſchen/ Mamoudis 10 Auch ist ſolches wie ein Handwerck ſo man von Gummi laque in Sigel⸗Wachs⸗Form Jugend auf lernen laſſet. Der Zimmet koſtet Staͤnglein/ Mamoudis e die Hollander mehr als man vermeint. Denn Deſſen findt man auch von 50. in o. Ma. weil der Konig der Inſul Ceylan, ſonſten Ko⸗ moudis die Mein, und noch mehr/ ſo man Binig von Candy, als der Nahm der Haubtſtadt ſem darein miſchen wil. 85„ genaut/ der Hollander abgeſagter Feind; ſin⸗ Saffran von Surate gllein zur Farb dien temalen ſie jhme nicht glauben/ wie ich anders⸗ lich/ Mamoudlis. e wo vermelden werde/ gehalten/ ſchickt jahrlich Weiſſer Gummi/ Mamoudis 8 Voblcker/ um zu trachten/ ſie bey Einſamuung Schwartzen Gummi/ Mamoudis des Zimmets zu überfallen. Welches jhnen Arlet klein/ Mamoudis 1055 Doe ape go bewaffnete Beanmin Weyrauch auß Arabien dazmoudis Vereitſchaſſt zu halten um eine gleiche Anzahl Myrhen/ die gute Myrhen Giler genau“ Volck/ welche den Zinmetbaum zu entrinden Mamoudis 8 i 30 arbeiten/ zu beſchützen/ und muſſen noch dieſe MuyrhenBolti auß Arabien kornend/ Mam Arbeiter die übrige Zeit des Jahrs erhalten/ die e ee 10 Koͤſten für die Beſaͤtzungen/ ſo ſie an vielen or⸗ Zucker⸗Candit/ Mamoudis 7 ten der Inſul underhalten muſſen/ zu geſchwei⸗ Alutinat, eine Art Saamen die ſehr hitig, gen. Diese groſſen Unkosten vermehren den Mamoudis e 1 des Zimmets nicht wenig/ welche Be⸗ Fenchel groß/ daamoudis chaffenheit es bey Zeiten der Portugeſen/ die Fenchel klein/ ſehr hitzig/ Mamoudis ſolcher groſſen Außgaben entubriget waren/ Oupelote- Wurtzel/ Mamoudis und alles zu Nutzen gezogen/ nicht hatte. In Cointre, Mamoudis 1 dem Zinerbaum wachſt eine gewiſſe Art Frucht Auzerout auß Perſien kommend lam i ener Oliven gleich/ und wird nicht geſſen. Sie Aloẽs ſucotrin auß Arabien komme 8 ſamleten deren eine Quantitat/ ſo ſie in einen Mamoudis 5 1 19 Keſſel mit Waſſer/ und das kleine Spitzlein an Sußholtz/ Mamoudis„Ma dem auſſerſten der Aeſten thalen/ und ſieden lie. Ves: cabouli eine Gattung Wurtzel/ 12 ſen bis das Waſſer alles verzehret war. Wann moudis f 8 5 5 Teig weiſſem Wachs gleich/ und am Boden Aloès- Holtz vom kleinen Stuck Mam, ſo ancien des Keſfels Campfer. Von dieſem Teig mach⸗ Dleſes Holhes iſt nachdeme ſolches fett/ ſo dücgu ten ſie Kertzen/ deren ſie ſich in der Kirchen in 4000. Mamoudis die Mein foſtet. Her, Das Ander Buch. N„Hernach folgen etliche ſonderbare An6 8 Ochckungen von dem gememen Laque, Zucker/ Nh n. pium, Taback und Cafe. 9 5 chm„Gummi laque komt mehrentheils auß befcb. o Fu, jedoch auch auß dem Königreich Bengala, und dieſer iſt auf dem Ort themner/ dieweilen die Einwohner des Lands ſich deſſen bedienen/ leſchone Scharlachfarb/ ſo ſie alle ihre Leinzu farben und zu mahlen brauchen/ daraß zuziehen; Nichts deſtoweniger führen die Hollander deſſen viel in Perſten/ alda eben duch dieſe Farb/ ſo die Perſianer zum farben denen darvon gemacht wird. Was nachdeim die Farb darauß gezogen/ übrig/ iſt fur aners nichts dienlich/ als die Drechsler Arbeit/ eren ſie groſſe Liebhaber ſeynd zu ziehren/ und iegelwachs zumachen; es ſeye nun für eines er anders/ ſo kan man von Farben/ welche kalle darein miſchen. Der ſo auß Pegu oimt iſt der wolfeilſte/ ob ſchon gleich fuͤr anere Land dienlich; aber die Urſach warum ſoler ringer im Preis iſt/ weilen die Ameiſſen ſolchen auf der Erden in hauffen/ ſo bistveilen in groſſe eines Faß/ machen; ſich viel Unreinigkeit darein miſchet. Da hingegen in Bengala das Land/ darauß der Gummi gebracht wird/ einer Heyde gleich/ voll kleine Baume; machen die Ameiſſen den Gummi um das Ende der aſten davon ſolcher ſchoͤn und ſauber außfelt/ uñ hiemit auch hoher im: Preiß iſt. Die Inwohner Pegu bedienen ſich deſſen nicht zu dem farben/ weilen jhnen die Leinwad gantz gefarbt von Bengala und Masliparan gebracht werden und ſte ſonſten auch alſo ungeſchliffen/ 3 0 1 15 5 einige Kunſte und Wiſſenſchaft e dete oefleiſſen. d 10 Es befinden ſich viel Weiber zu Surate, Wide ſoelche allein das Laque nachdem die ScharFarb darauß gezogen/ zu ſaͤubern/ ſich erohren/ ſie geben ſolchem eine Farb wie man ehrt/ und ein Form in Stanglein dem f dbenniſchen Siegelwachs gleich. Die Enge reibe und Hollandiſche Compagnien verfühVelber, een jährlich ungefahr 170. Kiſtlein. Die Laue in Stanglein geſtehet nicht hoher als 1o. dee s Pfund. Und gilt in Franckreich 10. ß. le ing/ ob ſchon halb mit Hartz vermiſcht. nen ugelaͤuterter Zucker/ oder Calſonade geich komt ingroſſer Partey auß dem König; 3 ch Bengala, und wird damit groſſer Gewerb uguely, Bat na, Daca und andern Orten betrieben. In meiner letſten geiſe in Indien/ ai weir hinein in Bengala und bis an die . atze der umliegenden Lande kommen/ und fe er ige on vielen alten Leuten des Lands eine Je ic dag würdige Sache vernommen. Namlich in Gi Zucker/ ſo 20. Jahr auf behalten wird 0 355 verwandlet/ und nicht wol ſchadlichers den. Js ſo geſchwind Wurckung thu/ zu fircke been K macdabar wird auch Zucker in Stoſchaft 8 daſelbſten haben ſie die Wiſſenwegen chen vollkomen wol zu lauteren/ deßwn diese Zu denſelben Königlichen Zucker nent/ atme Pfund werke ſeynd gemeinlich 8. in 10. 0 pour ſchwär. Der Opium wird von Bramein gute Handels⸗Stadt zwiſchen SuraOrmus und Balſara alda die Hollander von 3 te und Agra gebracht. Die Hollander holen ſolchen ab/ und tauſchen dargegen Pfeffer. Taback wächſt auch ſehr viel um Bram- Daſselbſten pour, und ich habe oft geſehen/ daß viel ſtehen 1 geblieben/ weilen deſſen ein groſſer Uberftuß/ back. alſo daß die helfte zu grund gangen. i Caffe wachſt weder in Perſien noch Indien; nichts deſtoweniger werden etliche Indianiſche Schiff deſſen in jhrer Zuruckkunft von der Mecque einzuladen pflegen/ will ich ſolchen alhier under unſern Materialienbegreiffen. Der vornemſte Handel damit wird zu Groſſe Han 10 1 ſſe komen del Mocca unbeladen kommend/ ſo viel ſie konnen Sade des einladen/ als eine Waar die ſie mit Nutzen verkauffen konnen. Von Ormus wird ſolcher in Perſien und bis in groß Tartarey verfuͤhrt/ und von Balſara in Chaldeg/ Arabien nach laͤngs des Euphrats/ in Meſopotanien und andere Landſchaften der Tuͤrckey; dann in Indien iſt ſolcher wenig im Gebrauch. Der Caffe ſo in Arabiſcher Sprach Wein bedeut/ iſt von einer art Bonen/ welche 8. Tag weit von Mocca gegen der Mecque wächſt/ zubereitet; und iſt der Gebrauch anfangs von einem Einſidler Se-hek. Siadeli genennt/ vor ungefahr 120. Jahren erfunden worden; dann vor jhme hat kein Author weder alt noch neu darvon geſchrieben. 3 Alle von Agra nach Surate kommende Waaren geſtehs in Unkoͤſten ſo wol fuͤr Wechſel a 5. pro cento, als Packerlohn/ Fracht und Wegzoͤll nach jhrer underſchiedlichen Gattung von 15. in 20. pro cento. Alles Gold uñ Silber in ſo wol ſtanglein als gemuntzt ſo indurate gebracht wird/ bezahlt 2. pro cento. Der Kaufmann verſucht was Ihme moͤglich um dieſes Zolls befreyet zu ſeyn jedoch wann derſelbe verkundſchaft wird/ iſt er doppelt zu bezahlen; aber mehr nicht/ quit. Die Fuͤrſten haben zwar dahin getrachtet daß die gantze Summa verfallen ſeyn ſolte/ aber die Leute vom Geſctz haben ſich widerſetzt/ behaubt/ und daß Mahomet alle Zoll und Zinß Zol⸗Vervom Gelt vollkommen verbiete. In dem an⸗ bieung. dern Capitel des erſten Buchs/ habe ich von den Zoͤllen/ gold⸗ und ſilbern Muntz⸗ Sorten/ Gewicht und Maaß in Indien/ weitlaͤuffige Meldung gethan/ dahin ich den Leſer gewieſen haben will. 5 5 a * Erfindung deſſelben. Das XIII. Capitel. Von dem Betrug ſo in den Waaren/ es ſeye durch die Boßheit allein der Arbeibeiter/ oder durch Verſtaͤndnuß der Underhaͤndlern mit den Befehlhabern/ beſchehen kan. 9 A will in dieſem Capitel eben der ö Ordnung/ welche in vorhergehendem gehalten/ folgen; um den Handelsleuten zum Nutzen/ allen Betrug ſo mit der Seiden/ Leinwad/ Baumwollen und Endich K 4 beMahomets ner haben 0 116 beſchencken kan; dann in S pecereyen vnd Matertälien nichts dergleichen vorgehet; an den Tag zu geben. i Betrug in Seiden⸗Zeug. 5 e Seidene glatte Zeug können in der reite und Lange und qualität verdes Betrugs i Seh falſchet werden. Die Lange und Breite wid bey dem aas erkennt/ und die Eygenſchaft/ wann ſie gleich geſchlagen/ geſehen; wan das Gewicht gleich/ und kein Baum wollenGarn in den Eintrag/ wie die Indianer ſolches gar oft zu thun im Gebrauch haben/ vermiſcht. Weil die Indianer die Kunſt des vergulken Silbers nicht haben; thua ſte in die geden Wien, ſtricheten Zeug puren Goldtradt; deßwegen Nenn ger iſt vomothen die Tradte zu zehlen/ zuſehen Entdeckung Die Indiaben Sülber. oh der Seulg die erforderliche Zahl habe/ und ein gleiches muß an denen mit Silber geſtrichelten Zeugen in acht genommen werden. Was die glatten Taffet anbelangen thut/ ſiehet man allein ob die Stucke in der feine nach einander folgen/ und hernach werden etliche Stucke aufgethan/ zuſehen ob nit einige Materi darinn ſtecke das Gewicht zuvermehren/ darauf wird jedes Stuck abſonderlieh gewogen/ b 7 ob ſolches das behoͤrende Gewicht alte. i i Zu Amd. ll Amadabat, wie gemeld/ werden viel ber werden der Zeugen von Gold und Seiden/ Silber und vun Geld Seiden/ und Seiden allein/ und Teppich von und Silber Gold/ Silber/ und Seiden gemacht: aber bemacht. die Farbe dieſer Teppich iſt nicht ſo beſtaͤndig als deren Teppich die in Perſien gemacht werden. Was die Arbeit anbelangen thut/ iſt ſolche eben ſo ſchön. Es ſtehet in dem Augenmaß des Under handlers/ die groͤſſe/ ſchoͤne/ und feine der Arbeit der Teppichen/ welche mit Gold und Silber gemacht ſeynd/ zu erkennen; und er ſolle urtheilen ob der Teppich fein und reich. In Sunjma es ſeye an den Teppichen oder andern mit Gold und Silber gemiſchten Zeugen/ muß man einige Faden herauß ziehen/ um die Prob zumachen/ und zu ſehen/ ob ſie in dem Halt/ wie ſie ſeyn ſollen. N Betrug in dem Leinwad underſtlich Baie(Jie deinwad ſowol feine ale grobe wel che die Hollaͤndiſche Compagnie in allen gandſchaften des Mogols Reich machen laſſen/ werden in Ballen in das Magazin von Surate gebracht/ und dem Underhaͤndler gegen den Monaten October und November geDer Betrug ſo gemeinlich damit boſchieht/ iſt an der deine/ Lange/ und Breite. Ein jede Ballen enag ungefahr 200. Stuck halten/ und welche man 5. oder 6. bis in 10. Stuck gröbere/ dünnere/ kurtzere/ und ſchmalere als das Muſter der Ballen gußwweiſet/ eimmiſchen kan/ welehes ohne Beſichrigung eines Stucks mach dem andern nicht zu erkennen. Das Urtheil ber Feine beſtehet im ſehen/ und die ange 5 glatter zumachen/ uber die maſſen beſchcc Reis beſchreibung in Indien/ und Dreite in dem aas: aber man gebraucht in Indien noch einen andern Liſt/ nemlich die Faden ſo in der Breite nach der feine des Muſters ſeyn ſollen/ abzuzehlen. Wann es an der Zahl manglet/ iſt das Tuch dunner/ ſchmaler/ oder grober. Der Underſcheid iſt bisweilen den Augen alſo unmerckſam/ daß ohne Sehlung der Faden/ der Betrug ſchwarlich zu kk kennen/ und gleichwol belauft ſich dieſer Underſchied im Preis auf einer Anzahl Stucke hoch; dann es mag leicht ſeyn/ daß ein Abzug von ein ja a. Kronen auf einem Stuck/ wann ſolche von J. in 20. Kronen das Stuck im Preiß ſeynd; begehrt wird. Die jenen welche dieſe Leinwad bleichen; etwas auf den Limonen die ſie haben muͤſſen/ zuerſparen; ſchlagen den Leinwad auf dem Stein in de maſſen hart/ daß wann ſolche fein/ dardur mercklichen verderbt werden/ welches dann den Preiß auch verringern thut. 72 Aber zu mercken iſt/ daß die Indianer/ wa ſie die eeinwad machen/ und das Stuck z. Krenen im Preiß uͤbertrift; an beyden Enden Gold und Silbertradt einmiſchen; und je feiner die Leimwvad je mehr Tradt ſie darein thun; deſſen Werth bey nahe ſo viel/ als das Tuch an ſich ſelbſten belaufen thut. Derowegen muß man den Arbeitern verbieten in alle Stücke ſo nach Franckreich geführt werden ſollen/ dieſes Golb⸗ a trads zu machen/ ſintemalz ſolches von den Il dianern zugziehrung der xeinwad un ihrer Klehdern eimmiſchen in Franckreich gantz nicht 30 brauchlich. Aber die Leinwad ſo inPohlen un Moſcau verführt werden ſollen/ muſſen die Gold und Silbertradt nach Indianiſcher Manier haben/ weilen die Pohlen und Moſcouiterdie Leinwad ſo ohne Gold⸗und Silbertrabt nicht achten/ man muß auch Sorge tragen, daß ſolche nicht anlaufſen oder ſehwartzlicht werden/ dann dieſe Voͤcker die Leinwad nich kauffen wollen/ wann das Gold und Silber 1 geloffen. Was die in Endich Vielbraune/ ode ſchwartz gefarbte Leinwad anbelangen thul muß in acht genomen werden/ daß die Athen a verhüten daß die Gold⸗ und Silbertradt/ on, den Enden ſeynd auch nicht ſchwartz werden, und die Stück nachdeme ſelbe zuſamen geleg nicht allzu viel ſchlagen/ wie vielmal um ſolch daß wann hernach die Leinwad entfaltet/ falt an allen Falten geloͤchert ſeynd. Noch iſt zu mercken/ daß an dem Anſchn der Stucken Leinwad die Indianer mit el, Formund Goldblatter eine Arabiſche Bent/ welche die gantze Breite des Stucks einen zu trucken pflegen. Dann wann dieſe 1 wab für Franckreich beſtimmet/ muß Arbeitern verbieten/ dieſe Blumen/ ſo e ben Piaſter koſtet/ und auf den Preiß erf werden kan aufzutrucken. Wann abe che für die Inſulen in Indien und in l und auch für einen Theil America gi 5 1 muß notwendig dieſe Blum an dem Anſchten, ſeyn; und getrachtet werden/ daß ſie gal Waar un be/ im Widrigen ware die kauflich. g Das Ander Buch. we, Die gemablten und getruckten dein wab 10 den rohe gemahlt und getruckt/ und muß an in obacht nehmen/ daß bie Arbeit vor Entube des Negenwetters fertig ſeye; dann ſe weite, das Taler darin ſolehe gewaschen 9 den/ je lebhafter die mit dem Pinſel darauf Eslabllen oder getruckten Farben/ bleiben. 10 leicht die eeinwad die getruckt gegen de5 die mit dem Pinſel gemahlt zu underſcheiwird und wann der Underhandler erfahren/ 15 derſelbe den Underſcheid der Schone ei0 gemahlten Tuchs gegen einem andern dag dd nen die Sauberkeit der Arbeit wol zuerken0. Einwſkn. Aber was die Feine und andere Wee eigenschaften des Leinwads anbelangen thut/ kund polche Stuck an den gemahlten oden gerückten Leim vad nicht alſo leicht/ wie an den welſen zu underſcheiden/ derowegen iſt nohtdendig vorſichtiger zu ſenn. Betrug ſo mit der Baumwolle under lauft. Aumwollen iſt die Waar/ welche jederit die erſte zugerůſtet/ und in die Ma · e. gain zu Surate geliefert/ weilen ſolche e alte in der Landſchaft Guzerate geſponnen wird. Der Betrug ſo damit vorgehen kan/ eſtehet im Gewicht/ und in der Qualitat. Auf dem Gewicht kan es in zweyerley Weg geſchehen; ber eine/ wann man die Baumwolle an ein fencht Ort legen/ und in eden Strang eine Matery/ welche das GeVicht vermehret/ miſchen thut: der andere Beg iſt/ ſo die Waar/ wann der Underhaͤndr ſoſche von dem Arbeiter oder Kauffmann/ 15 dieſelbe liefert/ empfanget/ nicht getreu geogen wird.* 1 Der Betrug in der Qualitat beſchicht ber anf eine Manier/ nemlich in ein jede Wein poder vier Strangen geringerer Qualitat/ Paten auf iſt miſchlend/ und in einer groſſen hey belauft ſich ſolches hoch/ dann es iſt N Men mwolle/ welche auf 100. Cronen die der A beſtehet. Wie dieſe beyde Vetriſg in it ſpalandiſchen Compagnie ſehr oft verübt/ z alſo darwider gemittelt worden/ nemlichen egenwart des Befehlhabers und ſeines ad beſichte meinen Strangen nach dem andern zu im cheigen um zu erkennen/ ob kein Betrug wm toicht/ und in. Qualitat der Waar/ 0 das beſchehen/ ſeynd der Under⸗Befehlgaberaand die jenigen/ welche für dieſe Beſicha fel emſelben zu geben/ verbunden/ an jede Va anzuheften/ und wann bey Eröffnung der cken 10 in Holland es an dieſen zweyen Stuworiab ct, ſeynd die jenigen/ welche das Meden Sa er Verzeichnuß aufgeheftet/ ſchuldig Schaden zu erſetzen. 55 Tug ſo mit dem Endich beſchicht. 5 8 gabe droben vermeldt/ daß man en Teig oder Leimen auß dem Körbeit) darein der Endich gethan/ mit in 90 Jade die Waar abzuwegen/ und mit Fleiß en ein Memorial des Gewichts und Jua117 Oel eingetauchten Fingern nehme/ darauß Stuͤcker mache/ und ſolche hernach an der Sonnen kroͤckne. Die Indianer/ welche die Kauſteut betriegen wollen/ laſſens auf dem Sand trocknen/ damit ſolcher ſich daran hange/ und hiemit der Endich mehr wege. Sie beſchlieſſen auch biß weilen den Teig in feuchte Ort/ darinn er ſchwarer wird. Aber wann der Gubergator des Orts hren Betrug erfahret/ mulſſen ſie die Straff theur genug bezahlen. Der Berrng kan von einem in dieſer Gattung Waar erfahrnen Underhaͤndler und Befehlhaber leicht erkandt werden/ etliche Stücklein Endich verbrennend/ da dann der Sand/ ſo uber bleibt/ geſehen wird. Es iſt uͤbrig allhier etwas merckwürdiges betreffend die Courretier oder Mackler der Indien zu melden. Dieſe Mackler ſeynd gemeinlich wie Vorgeſetzte ihrer Geſchlechten/ deren gantzes Gut/ um ſolches mit Nutzen anzuwenden/ ſie in jhren Handen haben. Hierzu werden die jenigen Perſonen/ welche die Elteſten und die groſte Erfahrung haben/ erwehlet/ damit dieſelbe den Nutzen der ganzen Verwandſchaft zuſchaffen wiſſen moͤgen; dann ſte ſeynd die jenigen/ denen das Gut hinderlegt wird/ und gleichſam Vormuͤnder daruber. Alle Abend/ wann ſie von jhren Geſchaften wieder nach Hauß kommen/ und nach Gewonheit der Indianer/ welehe nicht zu Nacht eſſen/ etwas ſüſſes genommen/ und eine Schale mit Waſſer getruncken/ verſamlen ſich die Elteſten der Derſelbe wird hochlich geſtraft. Verwandtſchaft in dem Loſament des Macklers/ der jhnen ſeiner Verrichtung deſſelben Tags Rechenſchaft gibt/ darauf berahten ſie Dae ſich mit einandern/ was er kuͤnftigs thun ſolle. ſchaſt. Inſonderheit wird derſelbe ermahnet/ auf die Geſchaͤfte gute und feiſsige Aeht zu haben/ und eher betriegen/ als daß er ſich betriegen laſſe. „q„—T—T—T—T—T—T—T—T—T—T—— Das XIV. Capitel. Von den Mittlen/ eine Handlungs⸗Gemeinſchaft in den aufzurichten. e ann jemand eine Gewerbs⸗Gemein⸗ 5 3 N haft/ oder Compagnie in den Ori⸗ e n ental⸗Indien anzuſtellen verlange/ iſt man in Hrizu allervorderſt vonnohten/ nach einem beque⸗ enral ſudien men Ort in denſelben Landen zu trachten/ die hen kan. Gelegenheit zu haben/ die Schiffe daſelbſten außbeſſeren zu laſſen/ und die Zeit uber des widertwartigen Wetters/ da die See⸗Jahrt eingeſtellt/ zu verbleiben. Auß Mangel eines bequemen Havens hat die Engliſche Tompagnie einen ſo glücklichen Fortgang/ wie wol moͤglich geweſen ware/ nicht gewonnen/ dann unmoglich iſt/ daß ein Schiff/ wamp ſolches von den Wuͤrmen beſehadigt/ zwey Jahr ohn außgebeſſert beſtehen konne. e Aͤber weil der Weg auß Europa in Orientals Indien ſehr weit/ ware zu wunſchen/ Oriental⸗Indien daß die Compagnie einen Ort in dem Vorgeburg 8 Neisbeſchreibung in Indien/ burg bona ſpej oder der guten Hofnung haben a fh konte/ um mit friſchem Waſſer und anderm Aperr N ei 60877 Ahr* ſſer. Vorrath/ es ſeye nach Indien fahrend/ oder von dar wieder kormend/ inſonberheit in der uruckfahrt/ dann weil die Schiffe geladen/ koͤnnen ſolche nicht für lange Zeit einen Vorrath von Waſſſer mit nehmen. Aber die Hollander habẽ dieſen Vortheil durch die Veſtungſo ſie indem Vorgeburg erbauen laſſen/ andern Voͤlckern benommen/ und ein gleiches iſt von den Engellaͤndern zu St. Helene beſchehen/ obſchon vermog des allgemeinen Rerßzten und Bewilligung der Volckern in Euxopg der Gebrauch dieſer zweyen Orten zur Erfriſchung/ viel aht lang aller Welt frey geweſen. Nichts deſtoweniger konte noch ein Mund eines luſſes nahend dem Vorgeburg um daſelbſtẽ ein Schantze/ welches fur die Compaguie faſt eben ſo bequem aufgeworffen werden; und dieſe Gelegenheit ware beſſer als all die jenigen/ ſo man in der Delphiniſchen Inſul/ anſtellen koͤnte; alda kein anderer Gewerb als Ochſen einzukaufen/ um die Haut zu bekommen. Aber dieſes iſt eine ſolche geringe Handlung/ daß dabey eine Fompagnie in kurtzẽ zu rund giengezund die Frantzoſen haben damit vergeblich ſich aufgehalten. Die Muthmaſſung welche mich veranlaſſet 5 dieſen Vorſchlag zu thun/ iſt darauf gegrunDes dee det/ daß als Annd 1648. zwey Portugeſiſche waffe ne. Schiff von Lißbone nach Indien fahrend das gen der Ju, Vorgebürg um Waſſer zu nehmen berühren lalbonssgei ſpolten/ der rechten Hohe in deme das Meer ſehr hoch/ verfehlend/ in einen Meerbuſen 18. oder 20. Meilen weit von dem Vorgeburg auf der Kuͤſten gegen Niedergang eingeloffen. Sie funden in dieſem Meerbuſen einen Fluß/ deſſen Waſſer ſehr gur und die Einwohner des Lands brachten jhnen Erfriſchungen von allerley Waſſer/ Voͤglen/ Fiſchen/ und Kühfleiſch. Sie blieben daſelbſten ohngefahr Ip. Tag/ und nahmen bey ihrer Abreiſe ween von den Einwohnern mit ſich/ um dieſelhen nach Goa zu führen/ ſie die Portugeſiſche Sprach zu lehren/ und von jhnen einige Kundſchaft des Gewerbs ſo man in dieſem Land anſtellen konte/ zu erforſchen. Der Hollaͤndiſche Hefehlhaber zu Surate batte 150 nach Goa mich zu begeben/ um zu erkundigen/ was die Portugeſen von dieſen zween Schwartzen erfahren haben moͤchten. Aber einer Namens St. Amand ein Frantzoſiſcher Kriegs⸗Baumeiſter/ welcher die Aufficht der Schantzen zu Goa hatte/ ſagte mir daß nit moglich geweſen/ ſie ein einig Wort zu lehren/ und man allein von denſelben durch Deutung errahten koͤñen/ daß jhnen der ambra und die Elephanten Zahn bekandt. Die Portugeſenjedoch zweifleten damalen nicht/ daß man Gold daſelbſten funde/ dafern weit in das Land zuhandlen moglich waͤre. Die Veranderungen in Portugal und ihre Krieg mit Hiſpannien/ waren eine Verhinderung daß ſiedieſe Kuſten nicht eigentlich erkennen konnen/ und ware zu wünſchen aß die Compagnie ſolche genau verkundſchaften lieſſe/ ohrie daß den Pollandern dieſes Vorhaben einen vrgwohn bringen hate. Es iſt ferner auch nöͤthig daß dieſelbe eß nen Ort nahend Suf ate habe/ vm daſelbſten die Schiffe in Verwahrung zu halten/ und zu 9 beſſern. Im Fahl ſolche wegen der Regen, wetters⸗Zeit aufgehalten wurden. 110 Urſach iſt/ daß in wehrendem boſen eller/ da faſt unmoglich auf der See zu bleiben/ der Mogol, wegen ſeiner Veſtung Surare eh 15 rend/ kein froͤmbdes Schiff auf dem Fluß leiden will; alda jedoch ſolche ohnbeladen wider! das erſchrockliche Ungewitter/ welches bey ia he fünff Monat lang wahret/ beſchirmt ſeyn koͤnten. 5. Portugeſen zuſtandig. Der Vortheil ihrer Gelegenheit iſt vieler Urſachen willen zu betrachten. ſer/ und alſo eine Volckreiche Bewohnung 5 machen/ alda die Schiffe inwahrender Ihr Aufenthalt alle Nothwenbdigkeik funden kon nen. Sieliegt auf der Küſten Guzerate, dll der Spitze des Meerbuſens Cambaya gegen Sud⸗Weſt. Ihre Form iſt fat rund un der Umkreiß mehr als die helft mit dem Mer, ungeben/ nirgend uberhohet/ und die Port geſen haben gegen dem Land etliche Schanen aufgeworffen/ welche leichtlich zur Volken menheit gebracht werden konnen. Es ſeyn darinn viel Schopf Brunnen/ deren Wa 6 ſehr gut/ und nahend der Stadt lauft ein Ba in das Meer/ deſſen Waſſer beſſer als das 1 Surate und Souali, und iſt der Ort für die Si cherheit der Schiffe ſehr bequem. Die Portugeſen haben bey jhrer Bal lung in Indien daſelbſten ein Flotte von 129 leern/ Jagd⸗ und andern leichten Schiff gehalten/ und hiemit waren ſie eine lange de meiſter über den Gewerb aller der droben meldten Orten/ alſo daß niemand dahin o Paß port von dem Guberngtorn von Du4 d ſolchen under Namen des Königlichen Se 1 3 halters zu Goa ertheilte/ handlen konte./ Schatzung ſo er von dieſer Paß port bebe ware genugſam die Flotte und Beſaenn en underhalten/ und der Gubernator/ der ar für drey Jahr lang verordnet ſchafte dak ben auch ſein Nutzen. dieAlſo daß nach der Macht die man ſem Ort beſtellen wurde; nicht ger! Genuß darvon zuhaben. Die Portug, obſchon anjetzo ſchwach/ genieſſen nichts 0 weniger noch dieſen Vortheil/ daß ſie bf von dem Gelt ſo dieſelben in die Land 155 ſchi ſen Mogols und des Koͤnigs zu an earn cken; als von den zuruck bringenden des Zolls befreyet ſeynd. a/ kan ann die Regenwetters⸗Zeit fürubes 1 man weil der Wind faſt beſtandig doeſchten in drey oder vier See⸗Fluthen/ mit aber Schiffen von Din nach Sukate gelanen lte wann die groſſe Schiff beladen, int en den Umkreiß des Sand bancks thun. MarckEin Man zu ß uß bis nach ein kleinen dar flecken die Ganges genclit gehend/ und e das 0 „de Stadt begreift in ſich bey vier hundert Hall 1 , hu 7 * „Der einige Ort der ompagnie Schiff i 17 770 Sicherheit zu führen/ iſt die Stadt Piu den Das Ander Buch das Ende des Meer buſen überfahrend/ kan von zu mn 4. oder 5. Tagen Surate erreichen/ aber wann das Wetter dieſe Uberfahrt zu thun verhinderlich/ braucht es von Diu nach Suxate ben oder 8. Tag/ weil man um den Meerbuſen fahren muß. i 9, Die Stadt hat auſſer jhrem Begriff keine Landſchaft. Aber es ware leicht mit deka a oder ern nohtwendig/ zu erlangen. Das Erdrich daherum iſt nicht Fruchtbar/ und das Volck der Nachbaurſchaft das armſte/ des gantzen Mogols Reich. Nichts deſtoweniger befindet ſich in den Heyden/ deren das und hin und her voll/ viel Vieh/ alſo daß ein Dulfel oder Kuh um 10. Piaſtres zu bekommen. de Engellaͤnder und Hollander gebrauchen dieſes Viehs ihr Volck zu underhalten/ i 5 den Vorrath jhrer Schiffe ſo lang ſie zu rate harren/ zu erſparen. 65 Zumercken iſt/ wie die Erfahrung mitgelacht daß das Fleiſch dieſer Büfflen oft die rohte Ruhr verurſachet/ darvon das Volck guf den Schiffen mercklich geſchwachet werden an; welchen Schaden hingegen das KuͤhFleisch nicht bringet. ſo viel als zu Underhaltung der EinwohDer Raja regiert in dem Land als ein Gubernator ſein gantzegebens⸗ Zeit/ und ſolches iſt laſt allen a jas des Reichs des Mogols gemein; waren Herren der Landſchaften/ aber jhre Nachkommen haben allein den Titul eines Guberngtorn oder Verwalters. Er halt die Poraugeſen ſehr freundlich/ weil die Nachbaurſchaſt für den Verkauff ſeines Korns/ Reiß/ 805 Gemuß Gelt eine eaat/ und demnach kein 8 d.welſel zutragen/ er noch freundlicher gegen n Franzosen ſich erzeigen wurde. ne ach beſtellung dieſes Orts welches das vorinte Fundament des Gewerbs der Compagde ein solle ligt derselben niehts wichtigers ob t geen Mean, welche in Klugheit/ Aufrichliddeit/ uñ Wiſſenſchaft der Handlung fürtrefsen zuerwohlen/ und zu d Ende muß die Spar, keit der Be oldũg auf die ſeite geſetzt werde. als Dieſe zween Mann ſollen dienen/ der eine 5 nen Bifehlhaber wie die Hollander ſolche nen. Puen einem Raht von einer gewiſſen Anand. ſonen ſo jhine zu gehülffen zu gegebẽ/ der e als Underhaͤndler oder Handelsmam; oel auß demdand Abgötter und nicht Ma10 etaner 1 weil alle Arbeiter mit denen er guſchahen aben ſollesubgoͤtterer ſeind. Die 1 mitten und Aufrichtigkeit ſeynd fürnemValet twendig/ um gleich anfangs bey dieſen dcper l in Credit zu kommen. 5 lichen in muß trachten daß auch die abſonderdez Oitadahandler welche under Regierung dadſe ce Handelsmanns ber Landſchaften alchestorkeſpondene Conte beſtellet ſeynd/ bean beſchaffen ſehen. a ſen z Wiſenſchaft wird nicht weniger an dieſchu 5 anmern erfordert; um die Verfalmung 3 Betrug/ ſo in Arbejt⸗ und Zubereinen da feat verübt werden kan/ zu erkenulſeltze beſchicht wie droben gemeldt/ entglei ubernator der Provintz ſich zu vergleichen/ weder durch die Boßheit der Arbeit⸗ oder Kaufleuten allein/ oder durch Verſtandnuß der abſonderlichen Underhandlern nut ihnen ins gemein. Dieſe Verfalſchung kan der Compagnie einen ſolchen Schaden bringen/ daß auch dieſe abſonderlichen Underhandler bisweilen bis 10. in 2. pro cento in jhren Beutel machen. Wan der Beſehlhaber und der Ober⸗Courretier mit einandern in ein Horn blaſen/ kan die Compagnie dieſem Betrug ſchwarlich entgehen; aber wann ſie hingegen getreu und eine Wijſenſchaft haben/ wird leicht ſeyn/ durch Veranderung der ſonderbaren Courretier dawider zu mitlen. 2 Die Untreu ſh die Beamte wider die Compagnie verüben konnen/ beſtehet darinn. Wann ein Schiffe in dem Hafen einlauft/ werden dem jenigen der für die Nation zu and 119 Befehl hat/ der Compagnie Brief und die Berzeichnuß der Ladung geliefert. Dieſer Befehlhaber beruft ſeinen Naht und den Underhandler/ und gibt demſelben die Abſchrift der Verzeichnuß über die Ladung des Schiffs. Der Underhaͤndler communiciert ſolche a zween oder dreyen der fürnemſten Kaufeuten/ welche pffegen uber haubt zukauffen. Wan dann der Befehlhaber und Underhaͤndler/ mit einandern einen Gewinn zu machen/ eines: ſagt der Underhaͤndler in geheim da doch deſſen Schuldigkeit erfordert/ den Verkauf zů beſchleunigen/ zu trachten/ daß ſie zuruck halten/ veſt bleiben/ und nur einen ſolchen Preiß anorbieten ſollen. Alsdann laſſet der Befehlhaber denlnderhandler uñ dieſe zween oder drey Handelsmaner für ſich komen/ befragt dieſelben wieviel ſie fuͤr die in deren jhnen mitgetheilten Ver eichnuß begriffener Waaren/ anerbieten. Wann die Kaufteut verharren und nicht mehr als ſo viel geben wollen; wartet der Befehlhaber annoch 1y. Tag mehr oder weniger/ je nach deme er ein; Vorwand/ daß er zuverkauffen genotigt ſeye. Er laſſet dieſe Kaufleut/ aber allein zum Schein oft beruffen/ und endlichen um das anſehen eines Liſts zu verdecken/ und zu ſeiner Verantwortung/ berahtet er ſich mit dem Raht/ welchem zu folgen er befihlet/ daß die In ein Horn Haſen. Untreu det Hollaͤndiſchẽ Beamten. Waar den Kaufſeuten in dem angebottenen Preiß geliefert werde. N Aber obſchon die Anreitzung dieſer zween Bedienten/ wegen jhres Gewalts/ der oftmaligen Gelegenheit und Entfernung ihrer Oberherren/ denen ſie leicht die Warheit verhalten koͤnnen/ groß; kan die Compagnie uber die Erwoͤhlung dieſer zwo Perſohnen ſolcher Unordnung mitlenz denſelben den Vorwand deſſen die Hollandiſchen Befehlhaber und Underhandler ſich bedienen/ nemlichen daß ſie um die Umko2 ſten der Verzögerung zu vermeiden/ dengrofßeren zuverkauffen genoͤhtigt wordk/ benehmend. Densehler welchen hieriſſ die. Holfeinder begehen/ it daß jhre Beamten von einein Jahr zu dem andern/ alle Waaren ſo ſie auß dem eich des groſſen Mogols/ nach von Patavia emfangendem Befehl/ wegführen laſſen rollen/ guf Borg machen laſſen/ welcher Vorſchuß ſie zuweilen la. auch iy. pro cento 0 bald Fehler zu erkennen gegeben. 120 bald jhre Schiffe belad n in dem Hafen da die Waar verkauft werden ſolle ankommen/ ſeynd ſie genohtigt/ fur den von den groſleren jhren Underhandlern angebottenen Preiß ſchleunig zu verkauffen/ um ein Capital zu ſamlen; das für die Wagar ſo ihre Schiffe wieder mit nehmen/ entlehnte abzuzahlen; und für das folgend Jahr Credit zu finden. Welches dann zu der Verſtanddnuß zwiſchen jhren Befehlhabern und Underhandlern mit den Kauffeuten Anleitung gibt/ als die jhnen ſolche nohtwendigkeit zu verkauffen dergeſtalten zu Nutzmachen. In deme daß dieſer eigen Nutz der Compagnie Gewinn ſchwaͤchen und guten theils deſſen in den klareſten Mitlen/ die Intereſſe des droben gemeld aufgenomnen Gelts/ zuentrichten/ verzehren thut/ denn dieſer Intereß belauft ſich von einer geit zur andern/ jetzt mehr jet weniger/ nachdem die Befelhaber und Underhaͤndler ſolchen belauffen machen. Da hingegen die Frantzoſiſchen Sehiff derGuter Vor⸗ gleichen Wagr als die Hollanbe. berfuͤhrend; ſchlan. über das auch baars Gelt den Arbeitern ſo in den Landſchaften die Waar machen/ auch einen Groſſer Nachtheil der CompagNe. Theil auf den Belauf der Wagren für das folgende Jahr vorzuſchieſſen/ mitbringen werden. Ver mitels dieſes Vorſchuſſes/ wird die Compagnie ſo groſſe Intereſſe der 2. uñ iy. pro cen to wie die Hollander zubezahlen/ uͤberhoben ſeyn/ und ſchoͤnere Waar auch in billicherm Preiß bekommen. Alle Handwercksleut werden lieber fur die Compagnie in Betrachtung des baaren Gelts/ arbeiten/ die Gegenladung der Schiffe wind bereit ſeyn/ ehe dieſelben in den Hafen eingeloffen. Und weil ſie ſehleunig wiederum geladen/ koͤnnen ſie die bequeme Zeit der Widerkehr in obacht nehmen/ und ſich deren bedienen. Die Compagnie wird nicht genötigt ſeyn/ drey oder vier groſſieren die den Gewerb in jhren Gewalt gebracht/ um ein Spott zu erauffen/ weil jhre Underhandler der frembden Kaufleuten welche die Waaren abzuholen kommen/ erwarten; oder ſolche ſelbſten an die Ort da ſie verkauflich/ werden ſchicken koͤnnen. Noch iſt zu mercken/ daß mehr Nutzen das Gold und Silber in ſtaͤnglein oder Stuͤcken a Als in gemuntztem Gelt in Indien zu bringen/ dean gelt weil das Gelt in Indien allein nach ihrem 5 Schrot uñ Korn gangbar und jederzeit wegen der Muͤntz Unkoͤſten auf dem gemuntzten Gelt Abgang iſt. 12 Wann der Underhaͤndler untreu/ kan derſelbe auch mit den Müntzmeiſtern des Mogols welche in dem Hafen beſtelt/ einen Verſtand der deen haben/ und das Gelt oder Gold und Silber in Mb. Stanglein auf einen geringern Schrodt/ als der Halt iſt/ ſetzen; dem Befehlhaber/ und deſſen Naht vorbringend/ daß in der Prob ſo in der Muüntz gemacht/ ſolches nur von ſolchem Schrodt hefumden worden. Aber dieſen Betrug zu verhindern iſt leicht/ dafern der Befehlhaber aufrichtig/ und eine Wiſſenſchaft hat zu 1 1 8 der ſelbe einen Gold und Silberlauterer des Lands/ deren unſchwar zu finden/ und welche die Prob der Metallen ſehr wol verſtehen zů ſich komen und Pro cento genieſſen; welches dann dee Reisbeſchreibung in Indien. die Prob in ſeiner Gegenwart machen laſſet, Das hat ⸗Herꝛ Wackenton, welcher Befehlhaber in dem Contor ſo die Holländiſche Compagnie zu Kaſein-batzar, von dannen ſelbe jahrlich 6. in. tauſend Ballen Seiden weg führen laſſen/ gethan. Er funde bey dieſer Prob/ daß er von ſeinẽ Underhandler mit dem Munz meiſter ſich verſtehend; um 1. oder a. pro ce to auf dem Halt des Golds und Silbers/ ſo ſhme auß Japon, es ſeye in ſtaͤnglein oder⸗ſtucken oder gemüntztem Gelt gebracht wurde; und) hiemit die Compagnie um namhafte Summa betrogen worden. 75 Derlinderhaͤndler kan jenigen/ welcher das Gold und Silber in Staltgen oder Stucken gemüntzt oder in Pulfer/ abwigt; allzuſchwaren Gewichts oder Wag die nicht juſt iſt/ ſich bedienend. Dieſen Betrug zu verhindern/ iſt auch leicht/ wann der Befehlhaber mit Beyſtand ſeines Rahts in Gegenwart mit gefochtenen Gewich und Wag dieer in ſeinem Loſament haben ſol le/ abwegen laſſet. Eines welches das allerwichtigſte ben gantzen Gewerb der Compagnie und zu rechte Ordnung ihrer Contorn in obacht zunemen dieſes/ u verhindern/ daß die Kauf⸗ und Undeikauffeut die Ober⸗undlnderſchauer/ welche 100 Befehlhabern und Underhaͤndlern undergebe oder guch dieſe zween Vorgeſetzte/ für ſich i ſonderheit keinen Gewerb treiben; dann weile dieſelben mit allen Arbeitern bekant/ und aul 5 den Correſpondentz⸗ Schreiben/ der ander Somorn den Bericht welcherley Waaren be folgende Jahr guten a gang haben werde/ ſ hen koͤnnen/ ermanglen dieſelben nicht für J) Rechnung deren einzukauffen/ und in der Co pagnie Schiffe mit adrellierung an Ihre ſpondentẽ die mit jhnen den Gewin theilen/ 11 che einzuladen/ der Befehlhaber entweder 1. le ſeines eignen Nutzens willen/ oder auß n durch die Finger fehend/ geſtattet Ihnen die 7 Vortheil zu ſuchen/ under dem Vorwand ö rer geringen Beſoldung. Der Schiff P ö hat mit ihnen ein Verſtand/ weil er hein 7 auch/ damit er die Ein⸗ und Außladung zu e be/ einen Nutzen bekomt/ und weilen die Beamte/ kein Capital/ wollen dieſelben, der Juruckfunft des Schiffes den Velauf; 7 Waaren gern wiederum haben; und zu Ende ſchreiben ſie jhren Carneſtendemen ce fert in 10. pro cento wolfeiler zu verkauffe/ drundieſelben wol thun koͤnen/ ſintemalen wie be den gemeldt werdẽ ſolle/ ſie weder zusurat⸗ len zu Gomron feine Koͤſten und Zol beich 26. und hiemit einen Vortheil von ungefah mupagnie/ und ſonderlich außlandiſchen Ne 1 ten ein mercklicher Machtheil bringen lutle/ „Wider dien Mißbrauch z wich u muß man den Fehler der Hollände m di Nutz machen/ und thun wie ſie/ nac ſelben den Schaden durch viel jahrige El 10 rung erkannt/ gethan haben. Dann, 2 5 Befehlhaber iſt nicht unbekandt/ wieviel 2 rl ferner betriegen wat da er einen Verſtand mit dem Muntzmeiſter oder geuſch dem Gale 8„ Das Ander Buch ü b fand das Hauß ſt he kpann der gußlandi0 hen Wagren in der Compagnie Schif/ es 12 nach Ormus, Ballra, Mocce ber ar ele Hit geladen werden. Was Mocca an en rohen Meer anbelangen hut/ ſehnd die 5 det A des a ahin handlende Kaziflerike/ jedes ma einer Ballen befteyet 75 beßwegen 0 hen die ben ſeberzeik inder; ihren Ballen/ ine gtoder K. mal g glöſſer A. Es trägt ſich Daf 65 Hiecdrgeht ode Schifflteines S Schis ſich g 60. Roup dies I ut/ und wie! Beſehihaber un Werbandler wit einander einen Veiſan dee ſtecken ſte zuweilen den; auch biß gef el fte in ihren Baltel Über das fähre a Schißß gb/ daß der Befehlhaber und en Frau ihren berkraütelten, Sclaven licht etwas geilen Sate einem ſechs/ dem andern acht un er einem andern zehen Vallen mehr ober 5 delle einzuladen/ und weil in fel 910 9 50 0 i e Schiff⸗Gelt nach dem 11 Ballen von hohem Werch zutveilen guf mae e ee geſtehend/ einlader/ deig eicht ſich derſelbe um das Sehiff⸗Gelt/ Nu o gut moglich und wenigſt auf die Helſte/ 10 b lit einem dieſer Bedienten oder S clave, welhem ſolches für eine Verehrung von ſeiAn Herren oder Frauen Überlaſſen wird. ie Sbheiber. Haben barbeh auch 0 Ihren ſe hell Faber die Ober 1 0 inder⸗Kaufteute enen 1 0 geringe Gewinn und fend Wa daß ſie für! lh eigene Rechnüng aden eini 70 5 e Na ann einige Ballen köſtliche Waar, als lich de ein Sg Dienern Ab bal den bezahlt wird; Wannen Kauff mae wie die 1 Ades“ ber⸗Außſeh 12 ſeyn/ auf feen gehe guf des Heringe Bearten 0 achendes Aug zu haben. In dieſer Ber wal kun 10 Wird in aufticherge 0 On ſelchen kühn und wach am ſoye/ und 50 5 n 8 kitten Sabſtitutn gol e 2 0 0 die anderen /o daß „Oder 12 Matt ſolch heinit⸗Nuhe tragen köͤn⸗ o s 8 9 zand weß de moge/ einig e 0 fe fern l 1 61 ö 1 dieſelben der Comp. Bee'habernel rolf Auch 2 bez. Pekſo f 5 fuß geladen u bl 55 as jenige/ ſo außgel 15 de 515 95 e ftienemlich Gute Auß . e ht haben. Henn Fisch 75 eindeye Ea Wer geben/ welches geme N Walt Jer 0 Orteinig eit daß die Ober lee 8 moglich 4 N U bieſe Il Si dune auß Decan, deren etliche biß guf fvier⸗ Übe dert Kronen das Stuck gelten oder Or wan Brampour, dar von droben. i oder 1 17 land. 8 Sci a nelcher die Weiber in Perßen/ C tantinopel 15 100 bon dem Fufſten des Orts/ da ſolche dußf 5 en werden ſollen⸗ groſſer Sol gebuhrke/ al 1 Waar amm Land/ macht der Seh reibund der Schiff Patron die mit dem Kauf i 10 n 101 ber ehen der Compagnie Selen u und wann die Wag/ neben der Coma Ihrige/ in dem Magazin des Orts 1 11985 daßgeladen woꝛ den/ eingebracht/ Hul be bey der Nacht in gehen in des ane Hauß getragen. 7 795 ben an kan endlichen di ſeſen Fund, gebr. güchen/ 0 in der Kauffmann den. Veſehlhaber zun ö a0 und/ 1 en ſich mit demſelben verſtehen/ a h ſtellend/ ob hatte er die Maar von dei 90 0 1 0 gene e 2. pro cento, gleichwie 1 J die zelle uff 50 von be 2 Waalen er. 8 bezahlende quitt. web Fbrguch zu verhindern hmm man i Wa dle We be, inde 3 cen Namen und Anſehen des Königs N e ber Cee, 5 Der esel en dein Gele mpag. licht deper adixen/ ſondern befth 9. I, Theil. 15 el/ und andern Orten in Aſien und, Eu50 ſich zu Schleyern bedienen einladet ches ber 11 55 en Telpondenge! dbern Contor einen Ober ⸗Ai age enten! 1 5 n findet/ hinweg wehen. 2255 Und ſelb ten befugt ba 50n lden Bee amten/ deme die Waarenze. 101 e ol ei ee abe en/ un ſeint Demſeſben i 1 1 abſonderlich verbotenen d Jandlung unnd bel habende. ſich zuerkundigen/ zu dem 5 der Schißf⸗ Patron Ahle die 55 che 75 1 1 1 Handige verenden e gliie. Bir ieffe zu er Dieſe te 40 en en, 19 0 100. 5 ſpagrie/ welche aller Hollen fie 50 erkauft, f fen Bang, ö 90 ich Gebrauch ch Vabeg 0 Nen „lil f Rechte. Handle ber 1nd 7 1 5 Natz 01 195 Perſon Te pre 12 1 7 91 5 10 a ele Nahmen in allerley K Handlen, fürfolderen und Klager ſeyn. Oefen; nun die ſe 13 8 Beginte 122 Beaute fürſiehtig und aufrichtig/ kan er der Compagnie ſehr groſſe Dienſte beweiſen. Wann die Engliſche Compagnie einen ſolchen Mann in jhren Contoꝛren geordnet/ hatte dieſelbe groͤſſeren Nutzen geſchaffetz aber dieſe Nation bildet ſich ein/ es ſeye kein oberer Gewalt/ welcher jhnen die Freyheit benehmen konne/ wann ſie einmal ihre Lehrzeit zu Londen außgeſtanden/ und das Zeugnuß von dem Herren/ ſieben Jahr gedient zu haben/ erlangt. i f Scharfes Dieſes Verbott der abſonderlichen Handabel lungen/ kan nicht ſeharff genug/ ſintemalen es chen Hand. hoch nothwendig iſt/ auferlegt werden. Von kung, den Hollandern wird ſolehes heukiges Tags alſo genau und fleiſsig in acht genommen/ daß/ wann ein Schiff von Amſterdam abzufahren in Bereit ſchaft/ in Burgermeiſter den SehifPatron und ſein gantzes Geleit offentlich beeydiget/ ſieh mit jhrer Beſoldung/ auf die jhnen zween Monat vorgeſchoſſen werden/ zu bei gnugen/ und keinen Gewerb vor jhre RechSparſam⸗ nung zu undernehmen/ aber die Sparſamſeidung ben, keit der Compagnie in den Beſoldungen, get kein zwwinget ſie jhres Eyds ohngeacht/ einandern Nuß, durch den heimlichen Gewerh zu helffen/ damit ſie auch in jhrem Dienſt beſtehen koͤnnen. 8 de Beſchuͤtzung jhres Gewiſſens haben ſie Liß der dieſen Liſt erdacht/ wann dieſelben in Indien Kal uh ankommen/ und Hofnung bekommen zi einer Bootsknech guten Stelle zu gelangen/ verheurahten ſie ſich 2 ſo bald es jhnen moglich/ und handeln in geheim under dem Namen jhrer Weiber/ welches zwar nicht erlaubt/ und hierdurch halten 5 5 jhr Gewiſſen unbeſchwert. Aber ſie werden bißweilen erwiſcht/ und deſſen will ich allhie ein artiges Exempel under vielen andern/ die ich einführen koͤnke/ anziehen. Ein reicher Schiff Capitain/ der ſich wenig bekuͤmmerte den Weibern der Vorgeſetzten von der Compagnie aufzuwarten/ hielte eindmals/ da ſie jhne antaſteten/ Stand/ und ward im Geſpraͤch von der Frau Generalin zu Batavia, in Gegenwart vieler Weibern angegriffen/ welches er empfunden/ und damalen ſtillſchweigend/ weil jhre Anſchlaͤg jhme nicht unbekañt/ bey erſter Gelegenheit ſich zu rachen gaͤntzlich entſchloſſen/ welche ſich folgender maſſen zugetragen. f 8 8 Wie dieſer Schiff⸗Patron von Palicate nach Batavia zu fahren bereit ware/ bate jhne des Gubernators Frau dieſes Orts/ welche mit der Frau Generalin eine abſonderliche Handlungs⸗Gemeinſchaft hatte/ und vermeinte er jhr Freund ware/ heimlich acht Ballen ſehr koͤſtliche Waar/ wol Sorge tragend/ daß ſolche nicht genetzet werden moͤchten/ einzuladen/ und der Frau Generalin zu Batavia zu liefern/ welches der Schiff⸗Patron zu thun verſprach/ und die 8. Ballen an einen abſonderlichen Ort liegen lie. Als derſelbe zu Bara via ankommen/ gieng er alsbald nach Gewonheit den General zu begrüſſen/ und jhme der Compagnie Schreiben zuzuſtellen. Der General Neisbeſchreibung in Indien, 5 zu ſehen/ ob ſolche von jemand gefordert welum endlich zu der hoͤchſten Stelle zu i e legt gemeirlich dieſe Schiff⸗ Patronen zur Fh MMikkags⸗oder Nachts⸗Malzeit/ nachdeme ſe ace erſchemen/ bey ſich zu behalten. Da befin ae 6 e ſederteit einige des Raths Sci den ſich alsdann jederzeit einige des 8 auß Indien/ um Zeitungen zu erfahren/ welche mit dem Generalen auch ſpeiſen. Beh Endung der Malzeit fragte der General den Capit ain/ was neues zu Palicæ e ware/ l 5 ob der Gubernator und ſein Weib jhme nicht ſie angehend/ recommendiert hatten: Ni 14 antwortet kaltſinnig der Capitain/ auſſer/ da die Frau Gubernatorin mir acht Ball Waar ſehr hoch anbefohlen/ und wo 5 acht zu nehmen/ daß ſolche/ als köstliches Gut nicht genetzet wurden/ auch nach mer ner Ankunft der Frau Generalin zu Han 1 zu liefern. Über dieſe unverſehene Antwol war der General und deſſen Rabte die mit hun ſpeiſeten ſehr beſtuͤrtzt/ und noch vielmehr rau Generalin/ der General hierauf ſich 15 ſhro wendend/ fragte zimlich rauch/ ob ſie el nigen Gewerb mit der Gubernatorin von be licate hätte/ welches vermoͤg der Compa Ordnung hoch⸗ſtraflich geweſen ware. N die Generalin ſolches ſtarck widerſprache/ betheurend daß ſie von dem jenigen/ dab der Schiff⸗Haubtmann ſagte/ 15 unn 115 ware/ ſprach der General zu dieſem da icher er ſich jrrete/ und befahle zugleich 1 Fiſealen, dieſe Ballen wegzunehmen und auf den offentlichen Platz bringen zu laſſen/ U den mochten/ nachdem dieſelben etliche Tah daſelbſten gelegen/ ohne daß jemand ſich 1 zeigt deren zu begehren/ wurdens conſiſcien 6 und glſo hat der Schiff Capitain ohne gib Geſchrey wegen des von der Frau Geterg; 1 1 widerfahrenen Schimpfes ſich gerochen. a 5 175 Alle Under⸗Beamte des Contors ſollevon einer Staffel auf die andere in jhrer dienung/ nemlich von der Stelle des 101 derſchreibers/ biß auf das Amt des Befe 1 habers befürderet werden/ damit die 0 nung dieſer Befürderung ein jeden zum 2. 10 verhalten anleiten thue/ und ſich He ale in all dem jenigen/ die Handlung in Indie, va gelan185 ſſchocheuchig heren kein iu hen der Perſon zu haben/ und daß die Gu 11 jemand der nicht durch alle Claſſen gange, einem andern vorzuziehen/ auf die Seite der ſezet werde. Dann was dem Gewerb das Holländern ſonderlich nachtheilig/ iſt/ ſeit etlichen Jahren die vornehmſten ſchlechter in Holland jhre Kinder in 4 dien ſchicken/ um nach dieſen Stellen bel bey ſie durch einen heimuchen Getwer gewinnen konnen/ zu trachten der Zuga welchen ſie bey den vornemſten De Lan und deren Weibern die in ſelbigem„iht nicht geringen Gewalt haben finden“ ale Anleitung daß dieſelben anderen/ wele 1 jeret durch ihre lange Dienſte recommabe ſehn betreffend/ verſchlagen und liſtig zu Das Ander Buch hn ſollen/ wann nur eine Stelle ledig/ vorge1 Aber nachdem ſeit etlichen Jahren der GeN 705 von Batavia und deſſen Rahte geſehen/ wie ein groſſer Nachtheil dieſer Mißbrauch/ e nee e ſte deꝛſelben Heſehrteben/ daß jhnen deute/ was Stands ſolche waren/ zwar wol/ aber nicht mehr mit der. ichen Recommendation, wie vor dieſem be5 Vochen überſchickt werden mochten/ daß in dias künftige ſolches denſelk en eher verhinderhie als befürderlich ſeyn wurde/ ſintemalen dich billich daß Gunſt vor Recht gehe/daß der 3 der ſebal und deſſen Rahre die Geſchicklichkeit denen die Ionen geſchrec wunden wol zu öde und za underſcheiden/ und nachdem ein oder der ander tüchtig/ und ſo rathſam befunen, zu gebrauchen wiſſen thaten. 1 5 nd das ſſt/ was ich/ betreffende die Orddungen in den Contoren/ und den Mitklen/ deeee ommpggnie mn ihrer Einrichtung 5 n den Oriental⸗Indien/ in obacht genomAae zur Nachrichtung vermelden 0 Aber eines daran einer Getwerbs⸗Gemeing 5 haft nicht wenig gelegen/ und welehes dieſelbe Ach ol zu betrachten/ hatte ich bey nahe vergeſe Dis anbero gebrauchen ſich die Holland 0 8 Vorſichtigkeit keinen Schiff⸗Patꝛonen und Meggel. Schiffern nach Indien zu ſchieken der nicht er dich alle Claſſen vonenem Schiff Jungen, N biß auf die oberſte Stelle gegangen/ der die Hohe der See nicht recht zunehmen verſtehe/ d baddem nicht alle See⸗Kuſten bewuſt ſeyen/ iber das find dieſe Schiff Patronen nicht feckerhaft/ ſondern begmigen ſich für ſhre Nahrung h. beten Ochſen⸗Fleiſch/ und dieſen Leuten ſol. in Warheit nachthun; mit etlichen aft eren Nationen iſt das widrige/ als welche de guf die Schiffe ſolche Capitain ſetzen/ die Gi Meer niemal geſehen/ und allein durch unit zu dieſer Stelle gelangen. In deme dae dieselben ſich zu Schiffe begeben/ muß Sal h oder Küchen Dora ie, ce J 10 er gemeine und Indianische Hüner ſo kat viel Wafser brauchen/ und durch ihren lnurch n Hroſſen Geſtanck in dem Schiffe verFi n thun vorhandenſeyn die Sparſamin iſtder Gewerbs⸗Gemeinſchaft ein nicht ge. 5 ders und dieſes ein Stuck/ welches dſelben Verwalter wol in obacht nehmen poelan. n 950 Das XV. Capitel Von den Diamanten/ Gruben und Fluß f fen ⸗ wo ſolche gefunden werden/ und 3 zwar erſtlich von der Reiſe des Autors in die Gruben zu Raolconda.„ es Diamant iſt der köſtlichſte under allen Edelgeſteinen/ und eine ſolche Dandlung/ auf die ich nnch am meiſten gelegt. Deſſen eine vollkommene Wiſſenſchaft z erlangen/ habe ich wollen in alle Diamant⸗Gruben/ und in emen der Fluſſe/ wo ſolche gefunden werden unh begeben/ und gleichwie die Forcht der Gefahrlichkeiten mich miemals von meinen Neiſen abwendig gemacht/ alſo iſt auch die ſchröckliche Abmahlung/ welche man mir von dieſen Gruben/ als von einem Gruben Diamankwilden Lande/ wo man nicht/ als durch gefahr⸗ hlt man fur liche Wege hinkommen konte/ vorgebildet/ Ab niemals tüchtig geweſen mir einigen Schracken einzujagen/ noch mich von meinem Vo haben abzuwenden. Demnach bin ich in den 4. Gruben/ von welchen ich Beſchreibung thun 3 will und ineinem der 4. Flüſſen worauß man bie Diamanten ziehet/ geweſen/ und habe weder die Schwarigkeit/ noch die genheit ſelbiges Landes übel berichtet geweſen mir wollen weiß machen. Alſo daß ich ſagen fan/ ich habe den andern die Bahne gebrochen/ und der Erſte auß Europa geweſen/ ſo den Europeern den Jeg zu dieſen Gruben entdecket/ als welche die einzigen Oerter in der Welt ſeynd/ da der Diamant gefunden C 8 Ddie erſte dieſer Gruben iſt auf dem Boden des Königs von Vilapour, in der Landschaft dehen Carnatica, und der Ort wird genemiet Kaol«conda, welcher 5. Tagreiſen von Golconda, und 8. oder 9. von Vilapour iſt. Weilen aber dieſe Koͤnige von Golconda und Viſapour, vor dieſem Underthanen des Groſſen Mogols und in ſelbigen Landern nur Statthalter geweſen/ felbige aber jhnen nochmals durch Aufruhr eigenthüͤmig gemacht/ als hat man bey funden/ welche etliche Leute/ ſo von der GeleWo dieſe Gruben ge1 N Hereſchaft underſchiedenen Volckern vorgegeben und ſa⸗ in deenzel. get auch noch der Diamant komme auß dem Land des Groſſen Mogols, Es iſt nicht mehr als 200. Jahr/ oder etwas druͤber/ daß die Grube zu Raolconda entdecket worden/ wie ich auch von den Innwohnern habe vernehef Rings um den Ort/ wo man den Diamant findet/ iſt ein ſandichtes Land/ voller Felſen und Walder/ gleichwie bey Fontainebleau, In ſelbigen Feiſen findet man underſchiedene Beſchreſonz Adern/ bald eines halben/ bald eines gantzen aue breit/ die Diamant⸗Gräber haben leine Eiſen/ welche vornen krum ſeyn/ dieſelben ſtoſſen ſie in die Adern/ um den Sand/ oder die Erden herguß zuziehen thun ſolche hernach in Gefaſe/ und under dieſer Erden findet ſich der Diamant. Weil aber dieſe Adern nicht gerade ſeynd/ und bald in die Hoͤhe/ bald underſich gehen/ werden ſie gezwungen die Felsen zu brechen/ und müſſen dennoch wol zuſehen/ daß ſie den Gangder Adern treffen. Nachdem ſie alle eröffnet/ und die Erde oder den Sand/ welcher darinnen geweſen zuſamen geſaußlet waschen ſie olchen a.oder z wal und 8 ſuchen under dieſer Erden/ was von Diamanten zu finden iſt. In dieſer Gruben iſts/ wo man die ſchoͤnſten und halleſten Steine findet/ aber diß iſt das grgſte/ 1 wann ſie den 9 mit eichted wie der Digmant geſuchet wird. Der Diamant⸗ Graͤbern Inſtrument darzu. Von Flecken und Schieferen der Diamanten/ und wo ſolche herkommen. Vortheilhaftigkeit der DiamantSchneider. Beſchreibũg derſelben und jhres Werckzeugs. Wie die Diamanten geſchliffen werden. Der Indiane: Meinung wegen der Schiefern in den Diamanten. Die Europeer können den Steinen einen iebhaftern Glallt geben als die Indianer. 124 leichter Mühe auß dem Felſen ziehen wollen/ eben ſie dem Diamant mit jhrem darzu gebrauchliehen Hebeiſen ſolche Stoſſe/ daß ſie denſelben zerſchellen und zu Schiefer machen/ welches verurſachet/ daß in dieſer Gruben eine groſſe Menge bloſſe und ſchwache Steine gefunden werden/ dann ſo bald die DiamantGraber ſehen/ daß der Stein groſſe Schiefer hat/ ſo ſchleiffen ſte jhn eel icht/ in welchem ſie viel beſſer erfahren ſeynd als wir. Dieſe ſeynd die/ ſo wir bloſſe und ſchwache Stein e nennen/ und doch groſſe und anſehenliche Stüͤcker ſind. Wann der Stein klar iſt/ thun ſie nichts/ als daß ſie jhn oben und unden mit dem Nad abſchleiffen/ und bemühen ſich nicht lange jhme eine Form zu geben/ auß Forcht/ er mochte am Gewicht zu viel verliehren. So er etliche kleine Schiefer/ Puncte oder roth oder ſchwartzen Sand hat/ ſchneiden ſie jhn gantz eckicht/ damit man die Gebrechen/ ſo ſich darinnen befinden/ ſehen moge/ ſo fern aber die Schiefer gar klein ſind/ verſtecken ſie ſelbige under die Ecke. Das iſt nachdencklich/ daß die K ufleute lieber einen ſchwartzen als weiſſen Flecken in dem Steine ſehen/ dann wann er roth iſt/ ſo kennet man den Stein/ ſo wird er ſchwartz. Dieſe Vortheilhaftigkeit war mir endlich ſo bekannt/ daß/ wann ich eine Anzahl Steine geſehen/ die auß der Gruben kamen/ und die Ecken hatten/ oder uͤbereckicht geſchnitten waren/ ſo konte ich verſichert ſeyn/ daß entweder ein kleiner Punct/ oder Schiefer darinnen verborgen. Es hat bey dieſer Gruben eine groſſe Anzahl Diamant⸗Schneider/ deren jeder nur ein Nad hat/ welches von Stahel iſt/ und vaſt in der Groͤſſe unſern Tellern zu vergleichen/ ſie legen nur einen Stein auf jedweders Nad/ und benetzen ohne Underlaß ſolches mit Waſſer/ biß ſie ſehen/ wie ſich der Stein anlaͤßt. Nach dieſem nehmen ſie Oele darzu/ und ſparen das Diamant⸗Pulver nicht/ weil es gutes Kaufs iſt/ damit der Stein deſto hurtiger lauffe; ſie beſchwaͤren ſolchen auch vielmehr als wir. Ich habe geſehen auf einen einigen Stein mehr als 15. Pfund Bley legen/ es iſt zwar ein ſehr gꝛoſſer Stein geweſen/ welcher 100. und z. Carat ſchweꝛ gebliebẽ/ nachdeme er iſt geſchnitten woꝛden. Die Muͤhle war nach unſer Art gemacht/ deren groͤſtes Rad 4. ſchwartze treiben müſten. Die Indianer ſind gleicher Meinung mit uns/ und glauben nicht daß der Laſt/ ſo den Steinen aufgelegt wird/ Schiefer mache. Wann die jhrige keine bekommen/ iſt es Urſache/ daß allezeit ein kleiner Junge mit einer kleinen holtzernen Schaufel Oele guf das Rad ſchůttet und Diamant⸗Pulyer drauf wirft, Zudem ſo gehen jhre Rader nieinals ſo geſchwinde als unſere/ weilen das hoͤltzerne Rad/ welches das ſtahler15 1 85 wenig über 3. Schuh ein Diameter reit iſt. Sie konnen auch den Steinen keinen ſo lebhaften Glantz gehen wie ſwir in Curopa/ und ich glaube daß Schuld daran ſey/ weil ihr Mad nicht ſo eben lauft als wie die unſertgen. Dann weil es von Stahl iſt/ und mit Schmergel muß getrieben werden/ welches dan alle 24. Reis beſchreibung in Indien/ Stund nothwendig geſchehen ſoll/ ſo muß man es allezeit von dem Baum nehmen/ und kan man ſolches nicht ſo wol wieder dran ma chen/ daß es ſo eben gienge wie es wol ſolte. Wan ſie aber gleichwie wir die Erfindung der eiſernen Raͤdern hatten/ zu welchem man ich nicht des Schmergels aber wol der Feilen bedienet/ ware es nicht nohtig/ ſie des Feilens lwegen abzunehmen/ aa ſie konten machen/ daß den, Steinen ein beſſerer Glantz gegeben wurde/ 1 den ſie ſonſt nicht haben. Ich habe zuvor ge⸗ dit dacht/ daß es nohtig ſey/ das Nad alle 24,, Stund mit Schmergel zu reiben oder zu feilen und es ware gut/ wann es alle 12. Stund geſchehen konte/ ſo der Meiſter nicht zu faul darzu wäre. Dann wann der Stein eine zeitlang gelauffen/ wird der Ort worauf das Rad gehet/ ſo glatt wie ein Spiegel. Und wann man dem Rad mit dem Spergel oder mit der Fei 5 nicht wieder neue Striche machet/ ſo bleibt 10 Pulver nicht darauf/ da doch im gegentheil wann es darauf bleibet/ mehr in einer Stun gearbeitet wird als ina. wann keines darauf i, Obſchon der Diamant von Natur hark ei nemlich wie die Aeſte oder Knotten ſo in dem Holtz gefunden werden/ underlaſſen doch du Indianiſche L iamant⸗Schneider nicht den zugt tein zu zertheilen/ da doch unſere Stein kia Schneider in Europa groſſe Schwaligkel Kha fürwenden/ ſolches zu thun/ und wie es oft 11 Sal geſchehen pflegt/ wollen ſie ſich deſſen gar meh underſtehen/ wiewol man den Indianern au etwas mehr fur jhre Arbeit gibet. 1 Ich komme wieder zu den Diamant⸗ Gi, l ben und derſelben Policey. Die Handloſt J wird frey und aufrichtig getrieben/ man zehled ae dem Konig von allem was gekauft wird 2. Pro hen cento, welcher auch über diß von den Kauftel, ten fur die Erlaubnuß/ daß ſie graben mögen etwas einziehet. Nachdem dieſe Kaufleute inn jhren Gräbern/ welche der Ort erkundiget/ 5 Ort wo man den Diamant findet/ geſücht 5 ben/ nehmen ſie einen Platz von ungefehr 200, Schritten/ wohin ſie 50. auch manchmal 10 15 Graber ſtellen/ nachdem die Arbeit geſchton gfortgehen ſoll. Von dem Tage an/ da ſie zu 1155 ben anfangen/ biß auf denſelben da ſie voll 2 den/ bezahlen dieſe Kaufleut dem Konig 10. lich a. Pagodes, und 4. wann deren 100. ſeh ahr 51 Dieſe arme Leute verdienen das gauze 11 0 ch 4 Diel nicht mehr als z. Pagodes, und doch au g die ſo ihr Handwerck wol verſtehen. Weil 0 jhre Beſoldung ſo gering iſt/ ſo machen ſie 105 nen kein Gewiſſen/ wann ſie/ in dem fi en Sand durchſuchen/ einen Stein zu! Vortheil verbergen koͤnnen/ und weil nackend ſeyn/ außgenommen/ daß 0 Schamm mit einem Tuch bedecket ha i bemühen ſie ſich/ ſolche geſchicklich de verſclingen. Der Fürnehinſte von Kaufſeuten/ ſo graben laſſen/ hat mi e mals einen ſolchen Graber gezeigel/ jhn ſchon etliche Jahre gearbeitet“ 15 jhm einen Stein geſtohlen/ ſo mehr nich naein Mengelin wagen konte/ welches dachte. hem auf zwey unſerer Carat kommen di Habe, 1 1 0 1 Das Ander Buch. Dieſen hatte er inſeinen Augenwinkel verborA welcher jhme herauß genomen ward/ nachain ſein Diebſtall offenbahr worden. Solche Schelmerey zu verhüten/ hat man zu 50. Gra 1100 2. biß iy. von den Kaufleuten darum be1 dende Perſonen beſtellt welche Achtung ge255 ſollen Damit ſie nichts ſtehlen. Wann ſie Wideſchr etliche Steine welche uber 7.oder 8. engelins wiegen/ gefunden/ eilen ſie ſolche N der hüt 9. t ſeesbeſone doi Her zn welcher graben laßt/ zu bringen/ Men derſelbe gibt jhnen aur Deheburken ein Sarpo, pelches ein Stuck Luch iſt eine Kappe zu mame/ b oder 3 Sols werth/ und gewonlich ei10 halbe Pagode in Gelt/ oder eine gantze/ ann ſie jhren keinen Reiß oder eine Schuͤſſel il Zucker geben. N 5 6 Die Kaufleute welche ewerbs halber in die ruben geh/ halten ſich in jhren Hauſern auf d alle Morgen zwiſchen 10. und lu. Uhr/ bringen die Graber⸗Meiſter nachdeme ſie die Malzeit eingenommen haben(dann die Banianesgehen nimehr auß jhren Hauſern/ ſie haben dan zuerst ihren Leib gewaſchen und geeſſen) jhnen die Diatmanten/ um ſolchen ſelbige zu zeigen. ann ſie gꝛoß ſind/ uũ viel deren Steine wehken/ ſo von zwey biß auf fünfzehen oder ſechszeen tauſend Thaler werth ſeyn mochten/ laſſen ſieſolche den frembden Kaufſeuten biß auf. Ne Loder mehr Tage/ ſelbige wol zu betrachten. aher. Wann man dann jhre Steine beſichtiget hat/ . Un und ſie wiedeꝛ zu den Kaufleuten kommen/ muß der jenige/ welchem ſolche gefallen/ in kurtzem den Kauf beſchlieſſen/ ſonſten nimt ſie der/ welMe chem die Steine gehoren/ wieder zuruck/ bindet geh ie nein End ſeiner Leib⸗ Binden/ ſeine Kapben/ oder des Hembds/ gehet mit hinweg/ ohne daß man jemalen mehr dieſelben Steine ſihet/ ſe ind mit den andern vermiſcht/ wann ſie wieer kommen/ einen andern Theil jhrer Wagren Nan die 1 zeigen. Wann un der Kauf geſchloſſen/ gibt 10 der Kauffer jhnen ein Zettelein der Sum̃a/ um 1 o Gelt bey dem Cheraf,(welches der jenige ulſo die Wechſelbriefe machet und empfaͤngt) merheben. Wann man mit dem Verkauffer. 1 reinkommen/ jhn innerhalb z. oder 4. Tagen u bezahlen/ und man jhn langer warten laſſet/ daß man alſobald ein und ein halben von hun50 vor einen Monat Zins bezahlen: Zum of Kalceſchicht es daß, wannſie wiſſen, daß der W. mann bar bezahlt iſt/ haben ſie lieber einen 155 echſelbrieff, auf Agra, Golconda oder Vilande, und insonderheit auf Surate damit ſie dene kürnemſten Indiamſehen Haven von dean Schiffen welche auß frembden Landen 15 entern öjhnen bequemliche Waaren einkaufen konnen. Ha iſt eine duſt/ wann man alle Morgen der büß ee dteund andere junge Kinder von 10h. aug Vale ahren/ welche ſich under einen groſſen Went ir ſe 9 1 auf dem Platz des Dorffs iſt/ niderbd mam, get. Ein jedes von ihnen hat ſein Diabd an de Gewicht/ in einem kleinen Sack/ d ihme . eig einen Seiten hanget/ und auf der andern er. an ſeinem Gurtel angebunden/ unguldrel hen es gibt Die biß auf fünf oder 600. l bagodles darinnen haben; ſie bleiben welcher mir alle Liebe erzeigte/ mich verſicherend/ daß ich willkom ware/ und weilen er nicht 125 dorten ſitzen biß jemand komt/ ſo jhnen Diamanten verkaͤuffet/ ſo wol von ſelbem Ort/ als auch anderswo her/ auß einer andern Gruben. Wann man ktwas bringt/ wird es den elteſten von dieſen Kindern/ als dem Haubt dieſer Geſellſchaft under die Hand gegeben/ er beſchauet was es iſt/ gibt es dem nachſten ſo bey jhme ſitzet/ und dieſes geht voneiner Hand in die andere/ biß es wieder zu jhme komt/ ohne daß einer von ihnen ein Wort dazu ſagen ſolte. Folgends begehret ſolcher den Preiß zu wiſſen/ um ſo es moͤglich/ den Kauf zu machen/ und wann er ungefehr ſolches zu theur kauft/ ſo gehet es auf ſei⸗H ne Rechnung. Wann der Abend herben kom⸗ Selnige hamen/ ſunſieren dieſe Kinder alles was ſie gekauft eee zuſamen/ nach dieſem beſchauen ſle jhre Steine/ ſoͤndern ſolche von einandern ab/ nach hren Waſſern/ Gewicht und Schoͤnheit/ nach dieſem zeichnen ſie den Preiß auf jede/ wie ſie es bey nahe den Frembden verkaufen koͤnnen nd bey dieſem letſten Preiß ſehen ſie um wie viel es hoͤher als jhr Kauf komme. Folgends bringen ſie ſolche jenen groſſen Kaufleuten/ welche ſtatigs viel Theile zu verſehen haben/ Und wird all der Gewinn under dieſe Kinder außgetheilet/ auß und ſeind lgenommen der Erſte von jhnen hat einen vierten tis. Theil von 100. mehr als die andern. So jung als ſie ſind/ wiſſen ſie doch den Preiß von allen Steinen ſo wol/ daß wann eines under ihnen etwas gekauft hatte/ und den halben Theil von too. verliehren wolte/ ſo gibt jhme ein anderer alſobald das Gelt. Selten wird man ſehen/ daß ſie Steine brachten/ wo nur etwan in dutzet/ daß man nicht 4. oder J. mit Schiefern/ 115 cken oder etlichen Fehlern in denẽ Ecken findetee Im ubrigen lieben dieſe Indianer die Frem⸗ Ser gdigden ſehr/ und vo allen die ſoſie kringuis nenen licher 0 bald ich in der Gruben ankommen/ gienge ich gen den en Amtmann daſelbſten zu begruſſen/ welcher Des ao auch in dem Land des Koͤnigs von Viſapour Ankunft in herꝛſchet. Es war ſolcher ein Mahometaner/ 10 1 E. 5 zweifelte/ ich haͤtte Gold mit mit gebracht/ dañ in allen Gruben von Golconda und Viſapour redet man von nichts als 9. Pagoden, welche Gold⸗Stuͤcke ſind) hatte ich ſolche nur in mein Zimmer zu legen/ wo ſolches werde ſicher ſeyn/ und wolle er mir gut ſeyn vor alles was ich hahe. Über die Diener ſo ich mitgebracht hatte gabe er mir noch 4. zu/ nut Befehl/ ſo wol Tags gls Nachts ein wachende Aug guf mein Gold zu haben/ und meinem Befehl gehoꝛſamſt nachzugeleben. Ein wenig nachdeme ich jhn verlaſſen hatte/ berufte er mich auf das neue/ und nachdeme ich wieder bey jhin ware/ ſagte er zu mir: Ich haͤbe dich holen laſſen/ um dich auf das neue zu ver ſichern/ daß du nichts zu foͤrchten habeſt/ eſſe/ trincke/ ſchlaffe und ſorge vor deine Geſundheit. Ich hatte vergeſſen dir Seloizem zu ſagen/ daß du dich wol vorſeheſt den Ko⸗ dunn nig zu betriegen/ welehem du zweyevon hun⸗ ein gute dert zu bezahlen ſchuldig biſt/ von allem was Webmin du kauffeſt. Nehme dir nicht für(ſagte er) wie etliche Mahometaner ſo in die Gruben komen ſind/ welche ſich mit den Kauſeuten und 1 Unbeir 126 Underhäͤndlern verſtehen/ und das Königliche Recht zu hindergehen/ ſagende ſie haben nicht mehr als fürroooo. Pagodes gekauft/ und hatSem Ge⸗ fen ſie mehr als für ooo Ich fienge dann werb und damalen an zu kauffen/ und ſahe/ daß ein zimGewinn. lich groſſer Gewinn dabey ware/ es ware auf allen 20. von 100. beſſern Kauffes als zu Golconda; weilen man manchmalen ohngefehr groſſe Steine findet. 5 Eines Tags gegen Abend kam ein uͤbelbedachker Baniane, swelcher nicht mehr als eine Schlinge um den Leib/ und ein ellendes Schnuptuch um den Kopf hatte/ nahete ſich hoͤftich zu mir/ und ſetzte ſich neben mich nider. In ſelbigem Land gibt man nicht ſonders Achtung auf die Kleidung/ und einer/ Dercyudia, weleher nicht mehr als ein ſchlechter Staab nern geringe Tuch um ſeine Lenden hat/ underlaſſet manchSchaͤtzlich⸗ 8 7 5 N 7 keit in Klei⸗ malen nicht eine gute Anzahl Diamanten dadung. Seynd geheime Leut. runder verborgen zu haben. Ich meines theils erzeigte jhme alle Höflichkeit/ und nachdeme er etwas Zeits bey mir geſeſſen/ befragte er mich durch meinen Dolmelſchen/ ob ich nicht etliche Rubine kauffen wolte. Mein Dolmetſch ſagte/ er muſte mir ſolche weiſen/ nach dieſem zoge er viel kleine Tůchlein auß ſeiner Leib⸗Binden hervor/ in welchen ohngefehr 20. Rubin⸗Ninge waren. Nachdem ich ſolche wol beſehen/ ließ ieh jhme ſagen/ ſie waren zu klein vor mich/ dann ich ſuche groſſe Steine. Nichts deſto weniger erinnerte ich mich/ daß mich eine Frau von Iſpahan gebatten/ ich ſolle ihr ein Rubin⸗Ring bringen ohngefehr 100. Thaler werth. Ich kaufte demnach einen von dieſen Ringen ohngefehr von 400. Francken. Ich wuſte wol daß ſolcher nicht mehr als 00. werth ware/ allein wagte ich gerne 100. Francken/ in Meinung/ er ſeye nicht kommen/ mir nur dieſe Rubinen zu zeigen/ ich ſahe jhme wol an ſeinem Geſichte an/ daß er gerne allein mit mir und meinem Dolmetſch geredt hatte/ um mir etwas beſſers zu zeigen. Als die Baͤtt⸗deit der Mahometanern herzu nahete/ giengen drey von denen Dienern/ welche mir der Amntmann gegeben hatte/ hinweg/ und als der vierte bey mir/ mich zu bedienen/ verbliben/ fande ich die Gelegenheit jhne auch zu entfernen/ indeme ich jhm befahle mir Brot zu kauffen/ weſſentwegen er lang genug auſſen bliebe. Dann weilen all dieſes Volck abgottiſch iſt/ begnüͤgen ſie ſich mit dem Reiß/ ohne Brot zu eſſen/ und wann man deſſen haben will/ muß Fragen jhre ren. Diamant verborgen in den Haaren. man es zunlich weit auß einer Veſtung des Konigs von Viſapour, wo nichts als Mahometaner ſeynd/ holen laſſen. Nachdeme ſich dann dieſer Baniane allein bey mir und meinem Dolmetſchen geſehen/ nach deme er viel weſens gemacht hatte/ zoge er ſeine Kappen ab/ drehete ſeine Haare auß/ welche nach des Landes Weiſe/ auf ſeinen Kopf gebunden waen. Damalen ſahe ich ihn auß ſeinem Haar ein kleines Tüchlein herfür ziehen/ in welchem ein Diamant/ ſo 482 von unſern Caraten woge/ eingewickelt ware/ ſchon klar/ in Form einer ſcheiblichten Hohe Knopf oder Ründe/ die drey Theile des Steines nett/ außgenomß und daß ſolches in meiner Kammer in verſt ten Saͤcken zu finden ſeye/ zu wiſſen wie alle gen/ weil er nicht glaube/ daß mein Ge Reisbeſchreibung in Judien/ men einen kleinen ehe vron, welcher auf einer Seiten ware/ und welcher ſchiene/ ein wenig weit in den Stein hinein zu gehen. Das ander Eck ware lauter Eiß/ und nicht roth. Indeme ich den Stein betrachtete, ſabe der Faniane, daß es mit groſſer Aufmerckſamkeit geſchahe/ ſprach demnach zu mir/ ich ſolte mich in deſſen Beſchauung für damalen nichr aufhalten/ ich konte es den anderen Tag an ich alleine ware/ nach Genugen thun. Wann ein viertel des Tags wird verftoſſen ſeynz Dann ſo reden ſie daſelbſten/ werdet ihr m auſſerhalb des Fleckens finden/ und wann e der Stein gefallt/ koͤnnet jhr mir das Geit mitbringen/ und er ſagte mir damalen/ was ad darvor begehrte. Dann man muß kurzlich wiſſen/ daß nach dieſem Tages viertel die Banianen, ſo wol Manns⸗ als Weibs⸗Perſonen in die Statt oder den Flecken/ wo ſie wohnen ſich begeben/ nachdeme ſie hinauß gegangen/ ſo wol deren Nothwendigkeiten der Natur genug zu thun/ und den Leib zu waſchen/ als aus wegen der Gebaͤtte/ ſo jhre Prieſter ſie verrieh ten heiſſen. Nach deme er mir dann dieſe Zeit beſtimmet/ weilen er nicht wolte/ daß wir beyſamen geſehen wurden/ fehlte ich nicht jhne zu ſuchen/ und das begehrte Gelt zu überbrilgen/ gußgenommen 200. Pagodes, welche eh abgeſöndert hatte. Aber nachdeme ich mit me wegen des Preiſes geſtritten hatte/ mufs ich jhme doch noch 100. Pagodes geben. Ja meiner Widerkunft in Surate verkaufte ich dieſen Stein einem Hollaͤndiſchen Comandoi: worauf ich einen ehrlichen Gewinn machte. Drey Tage nach deme ich dieſen Stein gekauft hatte/ kame mir ein Bott von Golconda, von einem Apothecker genannt Boete. 500 hatte ihn daſelbſten gelaſſen/ um einen Thet. meines Gelts zu empfangen und qufzubehal⸗ f ten/ und im Fall ſe der Oheraf inRoupier f eine Gattung Münze) bezahlte/ mir ſolche 15 Pagodes dor außzuwechslen. Den ande, Dag nach deme er das Gelt empfangen hal 5 ſtieſſe jhn ein ſtarcker Bauchfluß an/ daß er f wenig Tagen davon ſtarbe. Durch den Bie den er mir ſchriebe/ machte er mir ſeine Krane heit/ und daß er mein Gelt empfangen 1 daß er nicht glaube mehr 2. Tag zu leben /n antreibende/ meine Widerkunt zu alba meiner Diener Hande/ ſo ich ſhmgelaſſen ch, f ſepe. Alsbald nachdemne ich dieſen Brief ger dee pfangen hatte gienge ich von dem Befehlhe ee ee ſelbiges Orts Abſcheid zu nehmen weſſe ich da 5 gen er beſtürtzet ware/ mich befragende /o or⸗ ben all mein Gelt angewendet hatte. Ich ann der/ tetejhme/ daß ich nicht die Helfte angewe bey und daß ich noch wol 20000. Page 5 mir habe. Er ſagte mir/ daß wann! wolleer mir es anwenden/ und daß ich woll, ſichere 95 lich auf dem/ was er mich werde kauffen auch Was u deſſen. 0 chen/ nichts verliehren werde, mehr iſt/ er befragte mich/ ob ich Kauf zeigen wolte/ obwolen er N. 5„ 4„ 2 5 Wiſſenſchaft genng hatte/ dieweil die Verauffer verbunden ſeynd/ hne ſolches anzuzei115 wegen der zwey von hundert /o dem Keund den„und der Kauffer zu bezahlen 92 ig iſt. Ich wieſe hme demnach was ich auft/ und was es mich gekoſtet hatte/ welches dem Buch des Bamanen, welcher des KoFür de Za echt einziehet/ gleich karne. Zu gleicher w 92 bezahlte ich ſhme auch zwey von hundert/ 957 es Konigs Hecht/ aachdeme er es empfan5 ſagte er zu mir/ er ſehe wol/ daß die Fran. fen Sgewiſſenhafte Leute ſeyen. Er ware deſ5 beſſer verſichert/ als ich den Stein von ich, carats herfür zoge. Gznadiger Herz/ ſagte 0 diefer iſt nicht in dem Buch der Banianen, nd iſt auch niemand in dem Flecken/ der gea0 hatte/ daß ich ihn gekaufft habe/ du es deen hätteſt es nicht gewuſt/ wann ich dir nicht geſagt hatte. Ich begehre dem onig ſeine Rechte nicht ab zu betrien hier iſt/ was jhme gehort, nach am Preiß/ das mich der Stein gekoſtet hat. er Befehlhaber ſchiene gantz beſtuͤrtzt/ und Aagleich ſehr auferbauet/ wegen meines Verahrens; er lobte mich ſehr/ und ſagte/ dieſes dare ehrlich gehandelt/ und ware kein Kauf. 0 0 im and/ es ſeye gleich ein Mahometaner oder ein Abgottiſcher/ der auf gleiche Weiſe andlen wurde/ wann er glaubete/ es ware jeerman unbekant/ was er gekaufft habe. Uber leſes lieſſe er die reicheſten Kauf⸗Leute des ts kommen/ und nach deme er jhnen alles erſehlet/ befahle er/ die ſchoͤnſten Stein/ ſo ſie aten/ zu bringen/ welches drey oder vier thaken; und auf dieſe Weiſe legte ich meine zwanig tauſend Pagodes in ein oder zwey Stun5 Nach deme der Kauf gemacht/ und dea elt erleget ware, ſagerer zu diesen Kaufuten/ daß/ weilen ſie mit einem wackeren duch e zu thun gehabt hatten/ ſolten ſie mir ſie pretwas zum Angedencken geben welches aun hach n beſter Weiſe thaten/ gaben mir demit.“ 0 einen Diamant/ welcher bey nahe hun8 Thaler werth ſeyn moͤgen. Was den Hefehlhaber anbelangt/ verehrte er mir eine Appe und eine Schlinge. ub Adar, anten 00 ten, Ich gebe hier etwas ſonderbares und ſeldie g beobachten das et auf pas Wee b0 ndianer/ ſo wol die Abgoͤttiſche als Mametaner/ den Kauf von aller Gattung groben machen. Es geſchiehet alles mit deblſem Stillſchweigen/ und ohne daß jemand vor d Der Verkauffer und Kauffer/ ſiten einer na cüben andern uber/ wie zwey Schneider und den deme einer von beeden ſeine Leib⸗Binte Hand oel nümt der Verkauffer die rech5 9 des Kauffers/ und bedecket ſolche mit 0 and mit der Binden/ unter welcher in che ich art etlicher anderer Kauf Leute/ welden, manchmalen in gleichem Saglebefindeſſen Kauf beuplich/ und ohne daß jemand da Wiſſenſchafft habe/ geſchiehet. Dann aden. 8 5 Ah. 8 5 17 wedealen redet der Berkaufßer und Kauffer/ geſt anden dem Mund noch mit den Augen mit auf dee enden mu mit der Hand walches e Weiſe geſchicht. Wann der Ver127 kauffer die gantze Hand des Kauffers nimt/ heilt es ſo viel als Tauſend/ und ſo offt er jhme ſelbige druckt/ bedeutet es ſo viel tauſend Pagodes oder Koupies nach der Gattung Muntze/ des gehandelt wird. Wann er mi fünf Finger nimt/ bedeulet es funf Hundert/ und ſoes nur ein Finger ware/ iſt es Hundert allein. Nimt er dann nur den Halben/ biß auf das Zeichen der Mitten/ bedeutet es Funfzig/ und das Kleine gleich biß auf das Erſte biegen/ heiſſet es Zehen; und dieſes iſt das gantze Gehein⸗ Durch die nus/ welches die Indianer in ihren Marckten Sine u haben/ und es geſchiehet offtmalen/ daß inei⸗ der Kauf nem einigen Ort/ wo viel Leute ſind/ eben die⸗ endeckt. ſelbe Waare ſieben oder acht mal verkaufft wurde/ ohne daß die Geſellſchafft wuͤſte/ wie viel unter einmal ſie ware verkaufft worden. Was das Gewicht der Steine betrifft/ dechtmaſſkonte man nicht mit betrogen werden/ es ware ges Bewicht dann/ daß man ſte heimlich kauffte/ dann wann der Steinen man ſie offentlich kauffet/ hat es einen eigenen Mann dazu/ von dem Koͤnige beſoldet/ und welcher im geringſten keinen Genuß von dem gemeinen Mann hat/ welches Amt iſt die Diamanten zu wegen/ und wann er das Gewicht nimt/ halten ſich ſo wol der Verkauffer als Kauffer an ſein Wort/ weilen der Eigen⸗Nutz ihne niemand abſonderlich begoͤnſtigen macht. Nachdeme ich meine Geſchaffte in der Gruben vollendet hatte/ gabe mir der Befehlhaber ſechs Reuter zu/ um deſto ſicherer ſein Land durch, zu reiſen/ welches biß an einen Fluß/ ſo das Königreich von Vilapour, von dem von Gol condla abſondert/ gehet. Die Überfahrt dieſes Sonderbarz Fluſſes iſt gar ſchwer/ dieweilen er breit/ tief o und ſchnelle lauffend iſt/ und daß er weder Brucken noch Schiffe hat. Man bedienet ſich über denſelben zu kommen gleicher Weiſe wie über die andern Fluͤſſe in Indien/ wie ich deſſen dann ſchon anderwerts gedacht habe/ ſo wol vor died Nenſchen/ hr Reiß⸗Gezeug/ Gut chen/ Ochſen und Pferde/ ein rundes Schiff von zehen biß zwolf Werck⸗Schuh/ von Weyden geflochten/ wie unſere Koͤrbe/ von auſſen mit Ochſen⸗Haut überzogen/ dienet vor einen Naachen; und ich habe eben auch im ſelben Ort angezeiget/ auf was Weiſe ſich die Uberſetzende bekleiden. Man konte wol gute Kahne machen/ oder aber ein Brücken uͤber den Fluß/ aber die Koͤnige von Golconda und Vilapour wollen ſolches nicht/ weilen ſolcher die Abthei⸗ a lung jhrer Koͤnigreiche machet. Alle Abend Der Beſehldie Schiff⸗Leute/ ſo wol auf ein als anderer baberen ge Seien/ ſeynd verbunden/ zweyen kleinen Be⸗ fh fehlhabern/ welche ohngefahr eine viertel Schifbeuke Stunde jen⸗ und diſſeits deß Fluſſes wohnen/ einen genauen Bericht von allem/ was den Tag durch uͤber den Fluß geſetzet/ ſo wol von Menſchen als Thieren/ als Waaren/ zu uͤberbringen. Nachdeme ich zu Golconda ankame/ hatt te es ſchon drey Tag/ daß Boete der Apothecker eſtorben ware/ und die Kammer/ worin ich hn gelaſſen hatte/ mit zweyen Sieglen verwahret/ das eine von dem Cad, welcher als der Ober⸗Gerichts⸗Herꝛ iſt/ und das andere von 8 dem 128 dem Cha-Bander, welcher ſo viel iſt als der Prevoſt de Maechands. Ein Gerichts⸗Diener verwahrete ſamt dem meinen/ ſo ich allda bey dem Verſtorbenen gelaſſen hatte/ das Zinner Tag und Nacht/ ſo bald ich den Fuß auf das Land geſetzet/ lieſſe er den Cadiund Cha-Pandeer meiner Ankunfft berichten/ und alſobald lieſſen ſie mich zu jhnen kommen. Nachdeme ich ſie gegrüſſet hatte/ fragte mich der Cadi, ob das Gelt/ ſo in der Kammer des Verſtorbenen ſehe/ mein ware/ und wie ich es erweiſen konte. Ich antwortete jhme/ daß ich keinen beſſern Beweiß hatte/ als die Wechſel⸗ Briefe/ ſo ich dem Cheraf gebracht haͤtte/ und welcher ſinth meinem Verreiſen die Summa auf meinen Befehl dem Verſtorbenen außgezahlet hatte. Daß ich folgends hatte Befehl gegeben/ im Fall der Cherak in ſilber Stucke bezahlte/ er pbolches in pagodes Dor verwechſeln/ und mir Beſchreibung der tamautruben. es überbringen ſolte; auf dieſe Antwort/ ſo ich jhnen gab/ lieſſen ſte die zwey Cheraf, welche mir die Wechſel⸗Briefe bezahlt hatten/ zu ſich beruffen/ zu wiſſen/ ob ich die Warheit vorgegeben/ welches ſie alſobald bekenneten; und zugleich befahl der Cad ſeinem Stadthalter/ mir die Kammer zu eroͤffnen/ und zu ſehen/ ob das Pitſchafft an allen Säcken noch gantz ſeye. Er verlieſſe mich nicht/ biß ich mich erklart hatte/ daß ich meine Rechnung habe/ und mir nichts fehle. Ich gienge wieder mit jhme zurück/ dem Cad und Cha- Bander gleiche Bekantnus zu thun/ und mich vor dero Vorſorge zu bedancken/ allwo ich einen Zedel/ in Perſiſcher Sprache geſchrieben/ unterzeichnen muſte/ zu bezeugen/ daß ich zu frieden ware. Der Stadthalter ſagte mir/ daß ich den Leich⸗Koſtendes Boete/ und das was theils denen/ ſo verſlegelt/ als auch dem Gerichts⸗Diener/ ſo die Thuͤre verwachet hatte/ gehoͤrte/ bezahlen muſte. Dieſes alles kam nicht über neun Roupies, oder vier und ein halben Thaler unſerer Müntze/ und ware man um ſo guten Preiß an vielen Orten in Europa nicht davon kommen. ——.ñ———— Das XVI. Capitel. Reiſe des Authots in die andern Gruben/ und auf was Weiſe man dort die Diamanten ſuchet. eben Tag ⸗Reiſe von Golconda ge. rade dem Aufgang zu/ iſt eine andere Diamant⸗Gruben/ in der LandSprache genant Gani, und in der Perſiſchen Coulout ſie iſt nahe bey einem groſſen Flecken/ durch welchen eben derſelbe Fluß/ uber welchen ich/ als ich auß der andern Gruben kommen/ Fgeſetzet/ laufft/ und auf anderthalb Meilen von dem Flecken gibt es hohe Berge/ welche eine Monds, Runde formen. Der Raum/ ſo zwiſchen dem Flecken und den Bergen ſich befindet/ iſt eine Ebne/ wo man grabet/ und den Wo ſie gele⸗ Diamant findet. Je mehr man ſuchet/ und Nell, dem Berg zu ziehlet/ je groſſere Steine findet 0 werbte. Nachdeme dieſer Handelstmann del gu Ort von dem Bauren erfahren/ wo er den fal Reis beſchreibung in Indien/ man/ aber wann man gar zu hoch ſteiget/ fndet man gar keine mehe. f r keine n e ee de Es iſt nicht mehr als etwan hundert Jahr/ 9054 daß dieſe Gruben iſt entdecket worden/ und ſolches geſchahe durch Vermittlung eines ar? men Manns/ welcher ein Ende der Erden umgrube/ um h zu ſaͤen/ allwo er eine natürliche Stein⸗Spite fande/ welche ohngelehn fünf und zwantzig Caraten woge. Weilenn dieſe Art Steine ſhm ohnbekant ware/ undes daran einigen Glantz ſahe/ truge er ſolche gen Golconda, und zu allem Glüͤck vor jhn/ meldete er ſich bey einem an/ ſo mit Diamanten ge⸗ 115 . Diamant gefunden hatte/ ware er gantz beſtürtzet/ einen Diamant von ſolchem Gewicht zu ſehen/ angeſeheſſ/ daß vor dieſem die Groͤſten ſo man gefunden/ zum vielſten von zehen oder zwölf Caraten waren. Das Geſehrey vol dieſer neuen Entdeckung/ breitete ſich alſobalden in dem gantzen Lande auß/ und etliche guß dem Dorf/ welche gute Beutel hatten/ ſiengen an in der Erden zu ſuchen/ allwo ſie fanden/ und wo man noch ſehr groſſe Steine und an groſſerer Menge/ als in den andern Gruben findet. Es finden ſich/ ſage ich/ jezunder al bereit in dieſer viele Steine von zehen biß vier zig Cargten ſchwer/ und auch etliche malen noch gröͤſſere/ aber unter andern der grote Diarnant/ welcher neun hundert Caraten/ ehe er zertheilet worden/ gewogen/ welehen Mig mola dem Aureng- zeb, wie ich anderswo 9. ſagt/ verehret. V Ob ſchon dieſe Gruben von Coulour merck wuͤrdig iſt/ wegen der Menge der groſſtSteinen/ ſo man darinnen findet/ iſt das bel daß ſie gemeiniglich nicht ſauber ſind/ und daß jhr Waſſer von der Farb der Erden hat/ wol innen ſie gefunden werden/ wann das Erdrei W ſumpffigt und feucht iſt/ ziehet der Stein al das Schwartze/ iſt ſie rothlicht/ ziehet er T das Rothe/ und alſo von den andern Hrteſ, e bald auf das Grune/ bald auf das Gelbe 0 viel auch von dem Dorf gegen dem Berg /n es unterſchiedene Erden. Auf dem meiſteh Theil dieſer Steine/ nachdem ſie geſchnitten 0 ſiehet man allezeit als wie eine Art Feiſt auf/ welches machet/ daß man ohne unten, wischen. Tuch darüber fahrt/ ſolches abu g wiſchen. 8 a/ Wien Was die Heiterkeit der Stem abel 9% muß man mercken/ daß an ſtatt man in Sie a pa ſich deß Tags bedient die unpolierte S 0 E 1 ne zu befichtigen/ um wol von ihrer Helle hel chen Tupffen/ ſo ſich darinnen befinden/ zun in len/ bedienen ſich die Indianer der Na lat einem Tuch/ welches ſie eins Schuhs v ein viereckigt in eine Maure machen/ ſie cke he Liecht mit einem groſſenLunten darein ge des ſen Heitere ſie von der Helle un Sauber 1 fe 40% Steins/ ſo ſie zwiſchen den Fingern 11 nel, urtheilen. Die/ welche ſie Himmels⸗ 9 nen/ iſt die Ergſte von allen/ und e noc ſolche zu erkennen/ allweile der Stein ah Das Ander Buch. ohngeſchliffen iſt/ aber wann er nur ein wenig auf der Mühlen entdecket iſt/ iſt das unfehlbale Geheimmus wol von ſeiner Heiterkeit zu urheilen/ jhn unter einen dicken Baum tragendeſonter welches grünen Schatten man leichtich erkennen kan/ ob er blau iſt. Das erſte mal/ daß ich in dieſer Gruben ware/ konte man biß auf ſechzig tauſend Perſonen/ ſo wol Manner als Weiber und Kinder gehlen/ ſo dar innen arbeiten/ und welche zu unkerſchiedlicher Arbeit gebraucht werden/ die kanner thun graben/ und die Weiber und f inder die Erden weg zu tragen/ dann man cht den Stein in dieſer Gruben auf gantz anre Weiſe als zu Kaolanda. Nachdeme die Graber den Platz/ wo ſie Mon arbeiten wollen/ erkundiget haben/ ebnen ſie na05 ſeg, 95 ey dieſem einen andern Ort/ von gleicher a wüd. Welke/ auch wol noch groͤſſer/ um welchen heraan fte einen Maucr⸗umfang ohngefahr zwey Schuh hoch machen/ am Fuß bieſes Mauereins machen ſie Locher von zwey Schuß zu wey Schuh/ das Waſſer ablauffen zu laſſen/ elche ſie wieder zumachen/ biß es Zeit iſt/ daß as Waſſer ablauffe. Nachbeme dieſer Platz alſo zuger ichtet/ verſamlen ic) Manner/ Weier und Kinder/ amt jhrem Mriſter/ der ſie dufgedinget/ welcher von einem Theil seiner Jeunde und Verwandten begleitet wird. Er kinget auch ein Bildnus ſeines Gottes/ welen ſie verehrten/ von Stein/ mit ſich/ welcher achdeme ſie jhn aufrecht auf die Erden geſtelt/ wirfft ſich ein jeder dreymalen vor ihm nieer z inzwiſchen jhr Prieſter das Gebet verricha lee Nachdeme ſolchev vollendet machet er ab ach ein gewiſſes Zeichen von dein/ Saffran 69 grunem Gewachs auf die Stirne/ damit 8 ſieben oder acht Reis⸗Kornlein/ welche er a Nen ſteckt/ halten moͤge. Nachdeme ſie jhren da mit Waſſer/ welches ſie in einem Hafen 10 m gebracht/ gewaſchen haben/ ſehen ſie ſich e nach der Reihe herum/ zueſſen/ was der 2 1 deme ſie arbeiten/ in der Mahlzeit zum nen enge ihres Werks laſt aufſtelen umihum den gucen Much zu machen damit tie h. ſeg Amt deſto treulicher nachkommen. Dichem ahl beſteher in nichts anderem als daß eimin eden eine Schuſſel Reis durch den rar örtſchn betheilt wird; dieweil ein jeder Ablr cher was von der Hand einem ihrer terſſhteenkbunt, eſſen darf/ an ſtatt daß es un wollen ſo Aberglaubiſche gibt/ die nicht eſſen lieber vas ihre Weiber gekocht haben un won, abſten kochen wolen. Die Schule bon en man ihnen den Reis auffragt/ iſt BOglun⸗ Blättern zuſammen geflochten/ welche in etwas unſerm Nuß⸗Laub gleiD 1% Was noch mehr iſt/ ſo gibt man einem ine Vierglin zerſaſſenen Butter mit ZuN Sober 2588 leder 1 bald die Mahlzeit geendet/ faͤngt ein durchſtt du garbeiten/ die Männer die Erde zu che gu Ichen, und die Weiber und Kinder ſolweich eh dazu geordneten Plat zu tragen, biß auf z bn vorher geſagt habe. Sie graben f gehen zwölf und vier zehen Schuh tief/ d Raolconda beobachtet. 129 aber ſo bald ſie Maſſer finden/ haben ſie nichts mehr zu hoffen. Wann alle die Erde auf dem Platz beyſatnimen iſt/ ſo nehmen Manner/ Weiber und Kinder mit Kruͤgen das Waſſer auß den Lochern/ ſo ſie gemacht haben/ ſchutten ſolches auf die Erde/ welche ſie weg gethan haben/ um ſolche zu erweichen/ und laſſen es alſo ein oder zwey Tage/ nachdeme ſie hart iſt/ daran ſtehen/ biß ſie weich iſt wie ein Brey; uñ wann dieſes geſchehen/ eroͤffnen ſie die Locher/ welche ſie in die Mauer gemacht haben/ dem Waſſer freyen Lauf zu geben/ und ſchutten auch noch anders darüber/ damit der Koth oder Leimen alle davon komme/ und nichts als das Sand uͤbrig bleibe. Es gibt der Erden/ die 500 man drey vier mal abwaſchen muß. Nach⸗ Erden. gehends laſſen ſie alles an der Sonnen trocknen/ welches bald geſchehen wegen jhrer groſſen Hitze. Sie haben gewiſſe Korbe/ bey nahe wie eine Wannen gemacht/ in welche ſie dieſe Erden thun/ welche ſie ſchwingen gleicher Weiſe/ wie wir das Korn ſaubern. Der kleine Staub gehet weg/ und der Groſſe bleibt zuruck/ welchen ſie hernach auf dieſe Erden ſchutten. Nachdem alle dieſe Erden gewannet/ zerſpreiten ſie ſolche mit einer Gattung Rachen/ und ebenen ſie ſo viel jhnen moglich iſt/ alsdann ſtehen ſie alle auf dieſe Erden/ ein jeder mit einem holtzern Stock/ auf die Art eines groſſen Stampffels/ unten eines halben Schuhs breit in der Hand habend/ mit welchem ſie die Erden von einem Ende an das ander gehend/ allzeit zwey oder dreymal ſtoͤſſen/ oder ſchlagen; nach dieſem thun ſie ſolche abermalen in die Körbe/ und ſchwingen ſie wieder wie das erſte mal/ dann ſpreiten ſie ſolche abermal auß/ und endlich ſtechen ſie alle zuſammen an dem Rand/ dieſe Erde zu bereiten/ und den Diamant zu ſuchen/ allwo ſie auch wie die in der Gruben zu Raolconda beobachtet werden. Vor dieſem/ an ſtatt daß ſie ſich der hoͤltzernen Warum Stampffel bedienet hatten/ gebrauchten ſie Schier in ſich der Steine/ die Erde mit zu klopffen/ und geſunden dieſes war die Urſache/ daß viel Schiefer darin⸗ werden. nen gefunden worden. Was das Recht/ ſo dem Konig bezahlt Des Königs wird/ anbelanget/ das was man alle Jahr den Recht. Graͤbern vor Lohn gibt/ und das Danckbarkeit⸗Seichen/ ſo ſie bekommen/ wann ſie ein ohngewohnlich groſſen Stein gefunden/ und ſolchen jhrem Her en/ deme ſie zugehoͤren/ bringen/ wird es gleicher Weis/ wie in der Gruben zu Vor dieſei beſchwerte man ſich nicht/ die Diamanten/ welche die Rinden/ oder OberFlaͤthe grün hatten/ zu kauffen/ dieweil ſolche faachdem ſie zertheilet waren/ weiß und hell Sith dreyſſig oder vierzig Jahren hatte Neuli maneine Giyben zviſchen et und Nat 1 conda erfunden/ welche aber der Konig wieder Sinnen zunerffen laſſen wegen der Betriegere h/ o damit vorgegangen/ ſo ich in wenig Worten anzeigen will. Man fande Steine/ welehe grune Runden hatten/ ſchoͤn und durehſeheinend/ und welche ſchoͤner ſehienen als die e aber Saͤuberung den Steinen 130 aber wann man ſie egriſer, ertheilten ſich ſolche in Stucke. Nichts deſtoweniger/ wann man ſie mit einem andern Diamant/ und der eben in ſelber Gruben gefunden worden/ egriſirt konte man ſolches thun/ ohne daß er zerbrache/ aber auf dem Rad konnen ſie nicht widerſtehen/ dann ſie zerfallen alsbald Stuck weiſe. Deſſentwegen gabe man wol Achtung/ keinen zu kauffen/ ſo egrilirt ware/ auß Forcht betrogen zu werden/ und dieſes iſt/ wie ich geſagt haBetrug der, be/ wegen der Bekruge/ ſo an dieſen Skeinen kalen. gefunden tvorden/ die Urſache/ daß der Koͤnig die Gruben wieder zuwerffen laſſen. „ Wahrender Seit/ daß die Herren kremeee Ain und Frantz Bteton der Engliſchen Geſellſchafft Vorſteher waren/ ware ein Jud Edward 6 genant/ ein freyer Kaufmann/ das will ſagen/ welcher keiner Geſellſehafft unterworffen ware/ der ſich zu dieſen beyden Herten geſellete/ um einen Stein von jhnen zu kauffen/ wenig Zeit/ nach dem die Gruben entdecket worden. Dieſer Stein ware ſauber/ wol formirt/ und woge zwey und vierzig Caraten. Als Edward in Teutſchland kame/ gaben jhme die Herren Fremelin und Breton den Stein/ ſolchen ſo hoch er konte/ zu verkauffen/ und ihnen gute Rechnung zu halten; ſo bald er zu Lügorna ankommen/ wieſe er ſolchen etlichen andern Juden von ſeinen Freunden/ welche jhm biß duf funf und zwanzig tauſend Pialtres an erboten; aber weilen er dreyſſig Tauſend wolte/ und ſie nicht mit einander überein konnnen konken/ zoge er auf Venedig/ ſolchen zertheilen zu laſſen. Er wurde zwar ohne Schaden egriſirt, aber ſo bald er auf das Rad kame/ zerbrache er in neun Stucke. Ich bin ſelbſten ein mal mit einem dieſer Steine/ welcher zwey Caraten woge/ betrogen worden/ dann er zerbrach in viel kleine Stucke auf dem Rad/ nachdeme er ſchon halb fertig ware. 85 Das XVII. Capitel FZBiolge der Reiſen des Authors in die Dia8e een, Seh, C Eh emen auf dir dene Guten bung der E welche die Elteſte unter allen/ und in mate dem Kongteich Bengals iſt. Man ben. fan ihr den Namen Soumelpour; welches ein Wo ſlbige groſſer Flecken iſt/ und wo nahe dabey der Diagelegen mant gefunden wird/ geben oder eher din NaSander enddaker wird. Die Lander duch welche dieser Fluß lauffetgehoreneinem Kals en ſe, welcher von Altem her dem Gfoß⸗ age! aebort. Dinsbar ware/ welcher auß ſeinem Geherfant gelwichen ſineh den Kriegen/ weiche zwichen be selten und Gehan gut feinem Batern ace waren. So bald Cha- gehtn auf den Thron b wal der Begengen ale Gegen cgen buſerderg Aud busen nachdem ergeſchen, aß eine Eßrkunfften nicht genngſam waren/ ol Von Halabas gquf Banarous, Meilen 33. men Gouel, welches der Fluß iſt/ in deſſen Reisbeſchreibung in Indirnche zu bezahlen/ verlieſſe das Land/ und ver; ſchantzte ſich mit ſeinen Unterthanen quf den Bergen. Auf die Zeitung des Abſehlags/ o der Naiaqlſobald gethan/ wuſte Cha-gehan fichte daß er ſich alſobald wolte hinweg begeben abet wol/ daß er fich eigenſinniglich boſchutzen wur de/ fuͤhrke er ein Kriegs Heer in ſein and wo man jhn verſicherte/ daß er eine unzahlba Menge Diamanten finden würde. Aber es fande ſich das ganzliche Widerſpiel/ daun die jenige/ ſo er in die Lander des Raia ſchickte/ fun den weder Diamanten/ Volck noch Lebens Mittel wellen der Kaia alles Gerraide/ ſo fit Unterthanen nicht mitnehmen koͤnnen hatte verbrennen laſſen/ ſo wol/ daß das gau Kriegs⸗Heer des Cha- gehan glſborten Hungers ſtarde. Der Außgang dieſes Vornehmens ware/ daß der Rais in ſein Land mit dem Beding wieder kehrte daß er alle Jahr eine g: 95 Anlage dem Groß⸗Mogol bezahlen Würbet n ei HDioier iſt der Weg/ welcher muß gehalten 9 wann man von Agra in dieſe Gruben Von Agra auf klalabas, Meilen 330. 5 0 Von Banarous guf Saſeron, Meilen dem Aufgang zu/ aber von Saſeron auf die Gruben zu/ gehet es gegen Mittag/ und kommet man alſobald auf einen groſſen Flecken/ Dieſer Flecken gehort dem Raia, von wel, chem ich allererſt geredt habe/ und welchem daß Land gehört wo der Fluß durchlaufft wo man die Diamanten finder. Von dieſem Flecken kon itman duffin Be ſtung/ Kadas genant/ Meilen f Es iſt ſolche von den veſteſten Orten in Aſien gif einem Berg gelegen/ welche ſechs geb Baſteyen mit ſteben und zwantzig Stucke; amt dreyen Graben/ wopinnen man gutes auf den Berg kommen kan/ allwo eine e 10 aner halben eile groß iſt/ daman Korn od. Reis ſaet; es hat mehr als zwanzig Quel ae e 0 1 1 5 sum den Bil herum findet man nichts als Sturtz Falle meiſte hel mit Holtz bewachſen. 9 Rais, Helke ſich geiwöhnlich in dieſer eſtüng du, ſſeben biß geht hundert Mann gf/ aeg hört ſteanjetzo dem Groß⸗Yaogol/ welt 1 i che auf ſonderbare Geschicklichkeit von ben boitrefichen Hauptmann waigimoss(been ſeelchem ich ſo offt Gelegenheit gehabt hal reden/ bekommen hat. Der letzte Ka 1 drey Söhne/ welche einer den a errathen( der Elteſte ward vergiffte g Zweyte nahme ⸗Dienſte an dem Ho esch er NMogole, welcher Iön zum Beſehihaber ae vier tauſend Mann machte/ und der n hielte ſich in dem Land auf/ und bezchlte e Barter. Alle India be Steur als wie ſei 5„000 N dun . Von Agra auf Saſeron gehet man allkell ſche findet. Es iſt ein einiger Ort/ wodurch ia . len/ 5 3 hilf Pein Koͤnige/ Nachfolger des Tamerlans chene, chm diesen Platz belagert/ ohne daß Pee Das Ander Buch. nehmen konnen/ ſo gar zwey von dieſen Koͤnigen ſeynd in der Stadt daleron geſtorben. Von der Veſtung Rodas guf Somelpour, Wedel oltes, 555 30. dagger Soumelpour iſt ein groſſer Flecken/ in weln chem die Hauſer nur von Erden gemachet/ und e ſig dee Ftweigenbedecke ſind. Dieſe dreiſadac Jig Meilen ſind nichts als Walder/ und alſo dees nach fer gefährlich zu durchreiſen/ weilen die Rauduuen ber wol wiſſen/ daß die Kauf Leute niemalen ohne Gelt in dieſe Gruben gehen/ ihnen gufwarten/ und ſie erwuͤrgen. Der Rala wohnet gufeine halbe Meile von dem Flecken/ und ſeine Wohnung iſt unter aufgeſchlagenen Zelten/ auf einer ſchoͤnen Hohe. Der Gouel ſlieſſet an deſſen Fuß vorden/ und in dieſem Auß iſt es/ wo man die Diamanten findet. r komt von den hohen Bergen/ welche auf der deiten Mittags ſeynd/ und verlieret ſeinen Namen in dem Ganges- Fluß. Auf folgende Weiſe findet man den Diawer Mant in dieſem Fluß: Nachdeme die groſſen Regen vergangen/ welche gemeiniglich in dem dach heil⸗Monat ſich erheben/ wartet man noch fuer. den gantzen Jenner auf“ biß der Fluß ſich erkae heitert/ weilen in dieſer Zeit er an vielen Orten icht mehr als zwey Schuh hoch iſt/ und alſo biel Sand entdecket laſſek. Zum Ende des Jenners/ oder Anfang des Hornungs/ ſo wol von dem Flecken Soumelpour als einem anern/ welcher zwantzig Meilen hoher ligt/ an eben dem Fluß/ und etlichen kleinen Doͤrffern er Ebene/ kommen etlich malen auf die acht tauſend Perſonen/ ſo wol ein als andern Geſchlechts/ und allerhand Alters/ ſo zum Arbeientuchtig. Die/ welchen vorauß der Sand kant iſt ob etliche Diamanten dar innen ſeyn/ ann ſie dann unter dem Sand etliche kleine leine ſehen/ welche wir Donner⸗Steine nenden/ fanget man an in dem Fluß des Fleckens N 1 1 85 pour zu ſuchen/ und gehet man allzeit 0 h Berge/ von welchen ſie 5 auß kommen/ und welche von dem Flecken f fünfzig Meilen entfernet ſind. An dem 5 5 wo man meynet/ daß Diamanten ſeyen/ cen den Sand auf folgende Weiſe ite, Sean umringet dieen Ort int Pfahl, 9 g Hans⸗Körben und Erden/ gleicher Weiſe machn man das Gewolbe einer Brucken der gen will/ damit das Waſſer verlauffe/ und t trocken bleibe/ alsdann ziehet man all and herauß/ und grabet man nicht wei1 zwey Schuh tief/ alles das Sand wird an denen weiten Platz getragen welcher dahn ä 0 emufer des Fluſſes bereitet worden/ außdelceit welcher mit einer kleinen Mauer aneu lb Schuh hoch ohngefehr umgeben; die mache in deren Fuß Locher/ und wann 0 ache latz mit ſo viel Sand/ als man noͤthig dare angefüllet it ſchüttet man Waſſer eme( waſchet und rühret ihn/ und das Übrileſt oben beſchrieben. da, Juß dieſem Fluß kommen alle ſchoͤne ſpiDiamanten/ welche man naturliche Spitze * 0 ht man als wie in der Gruben/ welche ich 13¹ nennet/ aber wunder ſelten findet man groſſe Steine darinnen. Es waren viel Jahre verſtrichen/ daß man der nicht mehr in Europa ſahe/ welches viel Handels⸗Leute glauben machte/ die Grube ware verlohren/ ob ſchon dieſes nicht ware; allein iſt wahr/ daß man lang nichts wegen der Kriegen darauß gezogen. Ich habe anders wo von einer andern Diamam⸗Gruben geredet/ ſo in der Landſchafft Carnatica, welche Mirgimola, Feld⸗Herꝛ und Ober⸗Staats⸗Nath des Koͤnigs vonqJolconda zu beſchlieſſen befohlen/ nicht wollende/ daß ſolche weiter gegraben wurde/ weilen die Steihe dieſer Gruben/(oder vielmehr dieſer Sechſen/ dann es waren ſechs ziemlich nahe eine bey der andern) alle entweder ſchwartz oder gelb/ und nicht eine von heller Farb ware. e Es hat endlichen in der Inſul Borneo; die deere Groͤſte unter allen Inſuln der Welt/ einen ac in der Fluß Succadan genannt/ in deſſen Sand man Welt auch ſchoͤne Steine findet/ und welche gleiche In dem kluß Harte/ wie die von dem Fluß Gouel, ober der Suceadan andern Gruben/ von welchen ich Meldung ge⸗ Celeste than habe. Der General Vandime ſchicktemir 8 eines Tages ſechs von Batavia guf durate, von drey biß vier Caraten das Stuck/ dann er glaubte/ ſie waren nicht ſo hart/ als wie die von den andern Gruben/ in welchem er ſich doch betroge/ dieweilen diſſeits gantz kein Unterſcheid iſt/ und ware die Urſach/ die Warheit zu wiſſen/ daß er mir ſolche ſchickte. Als ich zu Batavia war/ zeigete mir einer von den Vornehmſten der Geſellſchafft einen naturlich ſpitzigen Diamant von 258. Caraten ſchwer/ ein vollkommener Stein/ ſo auß dieſem Fluß Succadan kame. Aber um den Preiß/ welchen er ſagte/ daß er jhn gekoſtet hatte/ hat er Funfzig auf Hundert mehr darum gegeben/ als ich hn nicht gekaufft haͤtte. Wahr iſts/ daß ich allzeit gehort habe/ dieſe Steine ſeyen gar theur. Die vornehmſte Urſache/ welche mich abwendig ge macht/ in den Fluß Borneo zu gehen/ iſt/ da die Königin nicht zulaͤſſet/ daß ein Fremder von dieſen Steinen weg trage/ und daß mit harter Muͤhe deren koͤnnen weg gebracht werden/ das Wenige/ ſo man heimlicher Weiſe fort bringt/ wird zu Batavia verkaufft. Man wird mich ohne Zweiffel befragen/ warum ich nur von der Königin und nicht von dem Koͤnig von Bor- 5 85 nec Meldung thue. Iſt die Urſache/ datz in ez runter dieſem Koͤnigreich die Weiber/ und nicht die und Herz Manner herꝛſchen/ dieweil das gemeine Volck ſchung. 0 eyfferſüchtig iſt/ einen rechtmaſſigen Erben es Throns zum Ober⸗Herꝛſcher zu haben/ dieweil der Mann nicht vergewiſſert/ daß die Kinder/ ſo er von jhr zu haben vermeynt/ von jhme ſeyen/ und daß zum Widerſpiel die Frau allzeit verſichert ſeye/ daß die Kinder jhr gehoren/ haben ſie alſo lieber eine Frau/ welche ih⸗ Harem ſie nen befehle/ deren ſie den Namen der Königin lieber We geben/ Ihr Mann iſt ihr unterthan/ und hat ner er anderſt keinen Gewalt/ als den ſie jhme ſchen laſſen. gerne geben will. Das 8 Nasbeſhrabug in Indien ——— Das XVIII. Capitel. Von an erſchiedlicher Art der Gewichte nur die Diamanten zu waͤgen; von der G Gold⸗ und Silber⸗Muͤntze/ — ſo daſelbſten gangbar; die Wege/ dure welche man dahin gelangen kan und die Regel/ welche man hat/ den. der Diamanten zu wiſſel. Ch konne anjet guf, etliche Ugunde/ ſo die Handlung der Digmanen a 12/ und welches zu wiſſen der Leſer Bellrebung der 5 Handlung N der, Di amg; 5 noch jemand n dieſer Materi geſchrf eben habe. Ich wil esel. ch von unter ſchrdlchen Gewichten/ deren man ſich in dieſen Gruben ſo wol, als in gantz Aſten bedienet /r eben. Inder Gruben ve en Raolconda, wget man mit Maangelin; und ein Mangel in iſt la. vom Carat, dg iſt ſo viel als ſieben Gran. N In der. bone am oder Coulour hedient mau ſſch gleiches Gewichts. 1 In der Gruben von Sonde pour in Ben. gala wieget man mit Ratis, und iſt der Ratis Gervjcht. hm , vom Carat oder 3. Gran und ein z. Man fel brauchet in dem gantzen gels kein anders s Gewicht. N In dem Königreich Golconda und Vifapour bedient man ſich der Mangelin, aber ein Reich des Größ MoMangelin iſt in ſelbigen Orten nicht mehr als ein Carat und. Die Por kügeſen brauchen glei9 Gewicht zu Goa, aber es iſt lücht mehr als 5. Grgn. Ich komme aufd die Gelt⸗S Sorten/ mit wel chen man die Diamanten in in Indien kauft. Erſtlich indem Königreich Bengala guf dem Der India ner GeltSor ben, qu dem K⸗ Hoden des Kala, von welch hem ich gerede habe/ reichen. i gleich wie ſie in die Länder des Groß⸗Mogols die 19 5 g ingeſchl oſſen nd/ als geſch cht die Bez e in Beugies in Roupies. 5 In ben wehen Gluben/ wel ſchein dem Ko tönigreich Vila pour, um Raolconda 1 um ſind/ bezahle man! in neuen Pagod es, welche der Konig unter ſeinem Namen muntzen laſt/ weilen Er ganglieh von dem Groß⸗Magel abgeſchnitten, Die neue Pagodes find nicht a zeit in gleichem Werth/ dann bald gilt ſoiche brey Noos ubb el en/ bald mehr/ bald minder/ angeſehen 1 ſteigen und fallen/ nachbeme die Wechs er ſich mit den durſten und Befehlhab ern vergleichen.. In der Gruben von Coulour oder Gant, ſo dem. von Golconda gehori ig geſchicht die Bezahlung auch in nellen Be 48 0 des, ſwelche in gleichem Werth /! wie des Noönigs von Vilapour, Aber man muß ſol Ache alen von ein biß vier von Hundert mehr kau uffen/ weſlen ſie ven keſſam Gold/ und weil Wanke ine andere in bieſer Gruben nim. Dieſe Pagodes f weldeh dich die Holl ⸗ und Engelle muntzet/ w elche dies Freyheit von dem Konig, es ſeye m it Gute oder Seiwalt- 0 ßein eder Ill den zweyẽ Gruben bes 1 Königs 3 Viſspour in Fagodes, Ju der Gruben voncon. jour auch in Pagodes, vielleicht froh ſeyn wird/ nicht glaubende/ d daß daß man manchmalen von eins N einen 5 ken Theil von Hundert. 5 in feiner Veſtung mungen dorffte/ bekemte i 950 0 haben/ u adkeſten der Hollander ihre ein oder ander 0 zweg von Hunderk mehr als der Edel ander e weilen ſie beſſern Sch lags ſind auch habenn die Graber ſolehe viel lieber. Abet weilen den meiſte Theil Kauf⸗ eute von der feen,, nung eingenommen ſind⸗ 5 die Leute in den Gruben rauhe imd faſt wilde deute ſeyen/ un daß anderwärtig die Wege von Golconda in die Gruben ſehr fahrlich ſehn ſollen/ ble ben ſie gemeiniglich zu Golconda, allwo bie ſo graben lalſen ihre Leute haben/ mit denen 5 ſie Briefe wechſeln/ und wo ſie die Diaman ben hin ſchicken zie chu in dorten die Bezahlung in alt⸗ge ſchlagenen Pagockes von Viel Jahrhunderten her/ mit unterſchiedlicher Husten Bilbnus bezeichnet/ in Indien/ ehe die Mahometaner dorter geſctet harten/ ge⸗ 5 hereſeh et haben. Die des gelle i r Boupies Anbei in hal 5 ob ſie ſchon nicht wen a ſoohne ee a ſwagen/ we lches einige Ber wu derung geben 5 mochte/ wann ich nicht die Urſach mel deDas iſt die Urſache„daß die Oheral ode e nig zu ver pf fichten daß zicht wieder ſchlagen laſſe/ geben ſie groſſe Summa/ wellen ſe davon einen graf Gewinn giehen. die K. auf⸗ Leute empfangen keine vol aar, . temen von dieſenn bsleinbey ſcch haben e ache zudurchſehe i die einte finden ſich gußgeleſchet/ die andern vonn eee lag/ andere/ ſo nicht cgewiehlig 7 ſo wol/ daß wann man ſolche ohne ſie einne) me/ man viel verlieren! vürde/ und r nah! 1 ſie ſchwerlich in vor rigen Stand een/ oh f auffüuf 30 oder ſechs vom Hundert verl⸗ mite 0 dem/ daß in an ihnen den vierten Thill 5 Hundert vor ſhre Muhe bezahlen muß. Wann man die Graber bezahlt/ wurden ſt ie dee godes quch nicht ohne die Gegentvark des Wechslers annehmen/ welcher ſie deten o gui oder bos ſind/ ver ſichert/ und nimt von Abend. Abe Zeit abzubrechen/ wann man eine an hu, 5 Bezahlung thun will/ als wie von e biß auf zwey tauſend Fasocles, nachbenme m dem Wechsler ſein d t bezahlet/ thut er chen in eit inen klei jnen Sack/ auf welchener en 0 Seichen drucker/ und wann man dem Kall die Diamanten zahlen will/ führe man 5 ſarnt dem Sack zu dem Wechsler/ we 1 nachdem er ſein Zeichen ohnver ſehr Kerken berſt chert er ſolchen/ daß er alles durchſin und daß er jhme vor alles/ ſo nicht alt 1 0 1 ſprechen wolle. 10 Wet 0 Was die Roupies anbelangt ö wit 14. 0 ohne Uinterſchei die e Muüͤntze des Gle 1 Mogols, und! die des Königs von Son e diewe ilbie⸗ 10 dieſer 1 Konig ſchlas 5 Mogols Bildnus craget/ wie ſie un l der Ubereinkommen. 5 Im ubrigen haben die Indianer! mehl 10 ſtand/ und ſe. ſeynd bey chan ker/ als 1 9 Mode N 8 8 g g 5 (b deynt“ weil die Pagodes kleine dicke Golde alen. Stucklein ſind/ und nur ſo groß als der Nagel aim kleinen Finger/ und daß auf dieſe Weiſc es ohnmoglich ist/ ſolche zu beſchreiben/ ohne daß an es in acht nehme/ haben ſie die Geſchicklichdenn 8 ungs herum kleine Löchlein zumachen/ auß gig geelcheſte voretwan zwey Bae Gold⸗Staub fee, lecuß ziehen und können ſie olche ſo geſchickleds ſch wieder zusammen klopffen/ daß es nicht beinet als oh manſolcheberuhrechabe. ae 185 mehr iſt/ ſo man etwas in einem Dorf aauffet/ oder wann man über einen Fluß ſetzet/ wann man jhnen eine Roupie gibt/ zünden ſie alſobald ein Feuer an/ werffen ſolchen darein/ wann ſie jyn weiß herauß ziehen/ ſo nehmen ſie n/ iſt er aber ſchwartz/ ſo geben ſie ihn wieE/ dann alles Gelt in Indien iſt im erſten Donne und wann wir Gelt auß Europa ahin bringen/ muß ſolches wieder indie MunKgetragen/ und anderſt geschlagen werden. Ich ſage auch/ daß dieſe fie höchlich betrogen/ die mich auch ein Kaufmann in meiner erſten Neiße überreden wollen) welche ſich eingebilt/ es ſeye genug/ wann man Specereyen/ Laback/ Spiegel und andere Lumpen⸗Sachen n die Gruben brachte/ ſolche gegen die Diaanten zu vertauſchen; aber ich habe wol das iderſpiel gefunden/ und kan alſd ver ſichern/ daß die Kauf⸗Leute in der Gruben/ ſo die Diaanten verkauffen/ von dem ſchoͤn⸗ und beſte5 en Golde wollen. 1 8 Mean Laſſet uns auch etwas von den Wegen ſaAlen, gen/ welche man um in dieſe Gruben zu komBel hehmen muß. Etliche neue fabelhaffte 9 8 schreibungen machen ſolche gefahrlich und ver/ erfüllen uns ſolche mit Tygern/ Lowen ind grauſamen Leuten/ allein habe ich ſolche antz anders/ als man ſie mir abgemahlet/ beden ohne wilde Thiere/ und das Volck 8 er Güte und Offenhertzigkeit gegen den Ireinden. Was die von Golconda hetrifft/ 1 in man ein wenig in der Land⸗Carten erfah0 n ſeyn/ um jhre Gelegenheit recht zu kennen/ 10 er von Golconda auf Raolconda, wo die „ betlhmſte Gruben iſt/ iſt der Weg minder e, zaun/ und iſt hier der Weg/ ſo ich genom0 a n del er aüffun 0 uh, en Landen durch os, und ein Oos macht Franzzoſiſche Meilen.. Von Golconda duf Canapour, Gos 1 Jon Canapour quf Parquel, Gos 24 Joncabenol auf Canol-Candanor, Gos; 6. Ben Canol-Candanor auf Setapour G08 5 1 8 Dieſer Fluß gra die Königreiche von Sodeeler Fluß graͤntzet an die Konig ö Aeonda und 8 Hon dem Fluß auf Alpour, Gos Fon Alpour auf Canc l, Gos en 8 0 und l von Golconda biß auf die Gruben 10 m 9355 Gos, welche 68. Frantzoͤſiſche Mei12 5 II. Theil. N Dun Setapoutauf den Fluß/ Gos Das Ander Buß uſehen. Die Weg⸗Meſſung geſchiehet on parquel auf Cakenol, Gos e * Jon Canol guf Raolconda, iwo die Gruf G05 f Rao 5 i V Von Solconda biß auf die Gruben von Coulour oder Gani durch eben die Gos zehlet man g. und. Gos; welche auf 55. unſerer Meilen kon men. Von Golconda guf Almaspinde, Gos Von Almaspinde auf Caper; Gos Von Caper auf Montecour, Gos Von Montecoux auf Naglepar, Gos Von Naglepar auf Fligada; Gos Von Eligada auf Sarvaron, Gs Von Sar varon guf Mellaſeron, Gos Von Mellaſeron auf Pohocour, Gos 1 Von bondcour guf Coulour oder Gani hat man nur den Fluß zu üͤberſetzen. Ich komme anjetzo auf einen wichtigen Puncten/ welcher wenig Leuten in Europa bekant iſt.. e e e a e l e e Eine gewiſſe Regel/ auf was Weiſe man den Preiß und Werth eines Diamants/ von was Gewicht er ſeye/ von drey biß auf hundert und mehr Caraten/ wiſe rede nicht von denen Diamanten/ BeſchretN 1 Fa N= i welche unter drey Caraten ſind/ weilen ua und der Preiß genugſam bekant iſt. Gewichts Erſtlich muß man wiſſen/ wie viel der Dia⸗. mant waͤget/ und dann ſehen/ ob er vollkommen iſt/ wann es ein dicker Stein iſt/ wol geviert/ und welcher alle ſeine Ecken hat/ ober hell und lebhafft/ hne Tupffen und Schiefer ſeye/ wañ es ein Stein auf kacetes Weiſe geſchtitten/ ſo man gemeiniglich eine Roſe nennet/ muß man Achtung geben/ ob die Form wol rund oder ablang iſt/ ob der Stein eine ſchoͤne Weite hat/ und ob er nicht von denen zuſammen getriebenen Steinen ſeye/ und endlich/ daß er eben die Helle habe/ und ohne Tupffen und Schiefer ſeye/ wie ich van dem dicken Stein geredt habe. Wann ein ſolcher Stein ein Carat wieget/ iſt er o. Francken oder mehr werth/ und iſt es zum Exempel eine Frage zu wiſſen/ wie viel ein ſolcher vollkommener Stein von 12. Cataten ſchwer werth ſeyẽ. Hier iſt zů ſehen/ wie ſolches zu wiſſen. JJC Multipliciere diei2. mit andern 12. es wird auf 144. kommen. Multiplicire dann noch weiters 144. durch 150. welches den Preiß eines Steins von dem Gewicht eines Caraten iſt/ er wird auf 2600. Francken kommen. Ein Exempel der obigen Regel. 12 s 12 144 150 7200 3 Summa 260. Francken. Hier iſt der Preiß eines Digmants von 12. Gatatenzu ſehen. 5 e ö Aber 05 4 Aber es iſt nicht genug/ den Preiß eines vollkommenen Diamants zu wiſſen/ man muß auch den/ von denen ſo es nicht ſind/ nicht laſſen hinſchleichen/ welches durch eben dieſe Regel geſchiehet/ und auf gleichem Fuß deß Preiſes eines Steins eines Caraten ſchwer. Pier iſt ein Exempel. 1 5 2 Wann ein Diamant von 15. Caraten, welcher nicht vollkommen ware/ ſich findete/ ſo er nicht heiter/ oder der Stein übel geformet/ oder voller Tupffen und Schiefer ware. Ein ſo geſpalteter Diamant/ der Schwere eines Cara ten, ware nicht mehr als ſechzig/ achzig/ oder hundert Francken aufs nechſte/ nachdeme er ſchoͤn iſt/ werth. Man muß dann das Gewicht des Diamants/ welches 15. Caraten ſchwer iſt/ multiplicieren, durch andere j. und dan nachgehends noch einmal die heraußgekommene Zahl/ welche 125. macht/ mulkiplicieren durch. den Werth des Steins eines Caraten ſchwer/ welcher zum Exempel von 80. Francken/ und die hergußgekommene Zahl von oo oo. Francken/ wann der Preiß des Diamants von y. Caraten. 1 N Ein Exempel vorgeſagter Regel. 17 75 15 125 80 ö — 10880 Frgncken. Cas iſt leicht hierauß der Unterſcheid eines vollkomnen und ohnvollkommenen Steins zu erſehen. Dann wann dieſer Stein von 1x. Caraten vollkommen ware/ macht ſich die zweyte Multiplication durch yo. welches der Preiß eines vollkommenen Steins eines Caraten ſchwer iſt/ und alsdann kame der Diamant nicht nur auf ooo, ſondern auf 337/00. Der GroßMogol und Hert og von Wel l i ö 25 . 5 ten der Welt/ das iſt von geſchmittenen Stei ben die zwey Francken. Das will ſagen auf 23750. Francken mehr als ein unvollkommener Diamant gleiches ech ses Auf dem Fuß dieſer Regel wird geſehen/ wie hoch der Preiß zwey der groͤſten Diamannen/ einer in Aſien/ welcher demGroß⸗Aogol, cle dia und der arder in Europa/ ſo dem Groß⸗Heranten i der Welt. tzogen von Toſcang gehoͤrig/ wie man deren Figuren hernach ſehen wird/ kaͤme. Der Diamant des Groß⸗Mogols wget 27916: Caraten, iſt vollkommen lauter/ ſchoͤn geſtaltet/ und welcher nur einen kleinen Schiefer zu End des Schnittes/ unten um den Stein herum; ohn dieſen kleinen Schiefer muſte man den erſten Garat auf 60. Pfund thun/ aber wegen dieſes thue ich jhn nur auf 150. und auf ſolchem Fuß/ und nach der vorgegangenen Regel/ komt er auf die Summa von 1723278. Francken/ vierzehen Stieber /z. Heller; das iſt auf eilf Millionen ſieben hundert/ zwanzig drey tauſend/ zwey hundert/ ſiebenzig acht tanſend Francken/ 4. Stieber/ z. Heller. Wann Reis beſchreibulg in Indien kommen. In der Zahl dieſer dieſer Diamant nur 279. Caraten wagte/ wa? re ex nicht mehr werth als 167. Francken/ und alſo kommen dieſe 26. auf 47128. Fran cken/ vierzehen Stieber/ drey Heller. Der Diamant des Groß⸗Hertzogen von Toſcana oder Florentz/ waget 395. Caraten iſt nett und von ſchoner Form/ von allen Seiten Geſichtsweiſe geſchmtten/ und wie deſſen Helle ein wenig auf die Citronen⸗Farbe ziehe ſchatze ich den erſten Carat auf nicht mehr als 35. Francken/ auf welchen Fuß der Diamant kan werth ſeyn 2608355. Das will ſagen/ zwey Millionen/ ſechs hundert/ acht tauſend/ dre hundert/ dreyſſig⸗ funf Francken. 5 Zum Beſchluß der Anmerckungen/ welche ich in dieſem Capitel gethan habe/ will ich ſagen/ daß in der Graber Sprach der Diamant Iri genant wird/ auf Türckiſch/ Perſiſch und Arabiſch/ heiſſet man ſhn Almas, und in allen Sprache in Europa heiſſet man jhn Diamant. Hier ſiehet man in wenig Worten/ alles was ich mit eigenen Augen geſehen/ in unterſchiebli e chen Reiſen/ ſo ich in die Gruben gethan/ von dieſer Materi habe entdecken koͤnnen/ und fals anderer bavon vor mir geſchrieben oder gerebt hatte/ koͤnte es nichts anders ſeyn/ als auf das/ was ich vorgebracht habe. f Das XIX. Capitel. Von den gefaͤrbten Steinen/ und von den Oertern/ wo ſie herauß gezogen werde bloc S ſind nur zwey Meilen gegen Auf 84 gang/ wo man die gefarbten Seile fa, SOherauß ziehet in dem Königreich Petzl 110% i und in der Inſul Ceylan. Dererſte Ortiſtenn ca Berg zwoͤlf Tag⸗Reiſen oder mehr von Siren; dem Nord⸗Oſt zu/ und heiſſet ſolcher Capella. Dieſes iſt die Gruben/ wo die meiſten Rubine und Eſpinelles, anders Rubin Korn genau gelbe Topaſen/ weiß und blaue Saffieren Hpateinten/ Ametiſten/ und andere unter ſchiedlich gefärdete Steine gefunden werde Unter dieſen harten Steinen/ ziehet man ache f von unterſchiedenen Farben herauß/ 29 5 derbe de ſeyn/ ſo ſie in der Land⸗ Spie, che Bacan nennen/ und welche ſie gantz lie Siren iſt der Name der Stadt/ wo der 9 nig von Pegu Hof haltet/ und Ava iſt bel. n fen ſeines Koͤnigreichs. Von Ava all dosen fähret man auf dem Fluß hinauf auf gran flachen Schiffen/ und iſt es eine Reiſe bonſcht gefehr ſechzig Tagen. Man kan zu Land dahin kommen/ weilen es nichts als gibt/ ſo voller Loͤwden/ Tyger und Eleß f ind. Es iſt eines von den armſten Lend Welt/ ſie haben darinnen nichts ander wie Rubinen/ aber nicht in ſo groſſer Menge gahman wol glauben konte/ angeſehen alle 2 8 %%„. Ti aler a 17 75 re nicht vor hundert tauſend Th Sten n det man ſchwerlich von 3. oder 4. 1 0 en ſchwer/ ſo ſchön ſeyen/ angeſehen des Kae Verbotts/ daß nur ein Theil darcut, 6 ehe ſolchen der Koͤnig beſchauet 25 daun 1 Das Ander Buch. er findet/ und dann behalt er die guten ſo aher komt/ daß ich in allen meinen Reiſen einen guten Gewinn gehabt habe/ auß Europa in Aſia Rubinen zu bringen/ und iſt mir der Bericht des Vincentz Weiſſen ſehr daduchtig welcher ſich berühmet/ daß er daſelbſten in des Königs Pallaſt Rubinen groß wie Hüner⸗Eyer geſehen habe. Hier ſihet man den Preiß etlicher RuN der e, 1 f binnen/ welche man vor ſchon halten kan/ und welche ich in meinen underſchiedlichen Reiſen etlichen Kaufeuten/ welche auß der Gruben kommen/ als ich zu Maslipatan und Holconda ware/ habe verkauffen ſehen. Alle Rubinen verkaufen ſich nach dem Gewicht genannt Ratis, welches drey Gran und ein 2 bringet/ oder S vom Carate, und bezahlet man ſolche mit alten Pagodes„ wie i 9 5 vohergehenden Capitel Meldung ge1 Ein Rubin eines Ratis ſchwer iſt verFauffet worden/ Pagodes e ee e 1 Ein Rubin von 2. Ratis und 5 Pago les 2 eee 5 Ein Rubin von z. Ratis und Bega 0 8 d 1 Ein Rubin von 5. Ratis, Pagodes fag Ein Rubin von 6. Ratis und ein Z Pagodies Ratiswaget/ und er vollkommen iſt/ verkaufi fen ſie ſolchen wie ſie wollen. e Sie heiſſen in ſelbigem Lande alle andere Steine Rubinen/ und underſcheiden ſolche 8 915 nichts anders als mit der Farb. Alſo Nieß in der Sprache von Pegu der Saphir dcn blauer Rubin/ der Ametiſt ein violfarber Aubin/ der Topas ein gelber Rubin/ und alſo 5 gala, Von den andern Steinen. ü Sie ſeynd dergeſtalten an den Eigennutzen th. erer Handlung angebunden/ daß ſie nicht men Theil jhrer Rubinen/ ſo ein wenig ſchon 0 zeigen wurden/ wann man jhnen nieht köran verſprechte/ daß im Falle man keine e man ihnen eine kleine Schenckung den wolte/ als eine Kappe oder Leib Bine een/ und wann man ſich ein wenig freygebig nlkeigt/ weiſen ſie alle hre Waaren/ und kan man einen Kauf mit ihnen treffen. den Der andere Thel des Aufgangs wo man den Rubin und andere gefarbte Steine finfa iſtein Fluß von der Inſul Ceylan. Er chen von den hohen Bergen/ welche ohngeden an der Mitten der Inſul ſeynd/ und weil gegen ſolche ſehr vergroͤſſert/ zwey oder 5 5 Monat nachdeme ſie gefallen/ und das unde klein iſt/ ſuchet das arme Volck/ phir dem Sand/ wo es die Rubinen/ SaStein d Fopaſen finden moge. Alle die a dieſes luſſes ſeynd gemeiniglich ſcho925 und ſauberer als die von Pegu. II. Theil. 0 Ein Nubin von 4. Ratis und 2 Pagonig Gelt. Bergen welche ſich von Pegu biß auf das Konigreich Camboya, erſtrecken/ man in etlichen Orten Rubinen finde/ aber mehr der bleichen Rubinen als der andern/ ſehr viel Ich vergaſſe zu bemgcken/ daß in din Epinelles, Saphir und Topaſen. Es gibt atich in dieſen Bergen Gold⸗Gruben/ und von dieſem Ork komt auch Khebarbara, welche man ſehr hoch ſchütet dieweil ſie nicht ſo balb verdirbet als die andere welche auß den andern Oertern auß Aſien komm. Es gibt auch in Europa zwey Oft auß welchen man gefarbte Steine ziehet/ namlich/ in Bohnen und Ungarn. In Bohmen iſt eine Grube wo man gewiſſe Steine underſchiedlicher Groſſe findet. Die einen wie Eyer/ die andern wie Fauſte/ und wann man ſolche zerbricht/ findet man Rubinen/ welche eben ſo hart und ſchon ſeynd/ als die von Pegu/ ich erinnere mich/ daß als ich mit dem Kohiglichen Ungariſchen Statt! Verweſer/ deme ich damalen zugehoͤrte/ zu Prag geweſen/ wie er nebenſt dem General Wallenstein, Hertzog von Friedland/ die Hande wuſche/ ſahe er an dieſes Generals Hand einen Rubin/ deſſen Schoͤnheit er lohte. Aber er bewunderte ſolchen noch mehr/ als jhme Wallenſtein geſagt/ dieſe Gruben/ wo man jhn gefunden ſehe in Boͤhmen. Und in der Taht/ zur Abreiſe des Königlichen Statt1 19 8 Verweſers/ verehrte er jhme bey nahe hunVon der Zeit daß ein Rubin uber ſechs dert dieſer Steine in einem Korbe. Als wir zurück in Ungarn kamen/ lieſſe ſie der Köͤnigliche Statt⸗Verweſer alle Zerbrechen/ und under allen dieſen Steinen/ waren nicht mehr als zwey in welchen man einer Rubinen —— funden/ einen zimlich groß/ welcher bey nahe fünf Caraten wegen kunte/ und der ander einen Caraten und etwas dazu. Was das Ungarn betrift/ gibt es eine Gruben/ wo man den Oppal findet/ und findet ſich derſelbe in keinem Ort der Welt/ als in demſelbenn. Deer Turckis findet ſich nirgend als in Perſien/ man ziehet ſolchen auß fen ge Gruben/ die eine/ welche der alte Feſſen genannt tpird drey Ta greiſe von Mechecl gegen Nord ⸗Weſt ziehende/ nahe bey einem roſſen Dorff Nichabourg genannt/ die anere ſo man die Neue nenne welche auf fünf Tagreiſen. Die in der Neuen ſeynd von ſchlechtem blau/ welches auf das Weiſſe ziehet/ und wenig geſchatzet wird/ und bekommet man 1 ſo viel man will um weAber ſeint etlichen Jahren verbiehtet der Konig in Perſten in der alten vor jemand anders als vor ihm zu graben/ dieweil er keine Gold⸗ Arbeiter im Lande hat/ als deren ſo mit Drath arbeiten/ und welche nicht auch das Gold ſchmeltzen koͤnnen/ als Leute/ welche wenig Entwurffe haben/ und nicht graben konnen. Er bedienet zum Zierrath der Sablen/ Dolahen und anderer Arbeit/ der Turckiſſen auß M 2 den Gefaͤrbte Steine findet man auch in Bbhmen und Ungarn. Der Tuͤrclis ndet man in Perſien. 0 den alten Felſen! an ſtatt des SchmeltzWiercks/ welche ſie ſchnelden/ und in das Gehauß fügen/ nach den Blumen und andern Figuren ſo ſie machen. Es gibt zimlich in das Geſicht/ und komt von einer gedultigen Arbeit/ welche aber ohne Entwurff iſt. Irethum Endlich/ was den Schmaragd betrifft/ bands, nr, iſt es ein alter Jrethum vieler Leuten/ ſo ſie glauben/ daß er ſeinen Urſprung in Orient habe/ und noch auf heutigen Tag der meiſte Theil Jubilierern und Gold⸗Arbeitern/ wann ſie einen Schmaragd von hoher Farb/ und der ſich auf das ſchwartze ziehet/ ſehen/ haben gewohnt ſolchen einen Orientaliſchen Schmaragd zu nennen/ in welchem ſie ſich betriegen. Ich bekenne/ daß ich noch nicht habe den Ort unſers Bezircks/ wo man dieſe Steine hervor diehet/ entdecken koͤnnen. Aber ich bin verſicheret/ daß der Orient niemalen ſolcher hervor gebracht/ weder in ſeinem Land noch in ſeinen Inſuln/ und nachdeme ich eine genaue Erforſchung in allen meinen Reiſen gethan habe/ hat mir doch kein Menſch einigen Ort(in gantz Aſien) nennen koͤnnen/ wo man ſolchen finde. Wahr iſt es/ daß ſeit der Entdeckung Americæ man oſtermalen durch das Sud⸗Meer etliche ungeſchliffene von Peru in die Philippiniſche Inſuln gebracht hat/ von welchen man ſie in Europa verführt/ aber dieſes iſt nicht genug/ daß man ſie Orientaliſche nennen koͤnte/ noch zu behaubten/ daß ſie urſpruͤnglich auß Orient kommen/ ſo wol/ weilen ehe dieſe Entdeckung und Überfahrt geſchehen/ man ſchon Schmaragden gehabt/ und damit in Europa gehandelt/ als auch/ weil man anjetzo dieſen Weg verlaſſen/ ſie doch alle uber das Nord⸗Meer in Hiſpanien geſchickt werden. Anno 1660. habe ich ſie in Indien zwantzig von hundert beſſeren Kaufs/ als man ſie ſehen. 1 Aber recht der Schiffarth und Handlung von America in die Philippiniſche Inſuln nicht zu vergeſſen/ iſt zu mercken/ daß die Americaner/ nachdeme ſie in 19 Inſuln ankommen/ haben die von Bengala, Aracan, Pegu, Goa, und andern Orten allerhand Tuch/ und eine Menge gearbeitete Steine/ als Diamant und Rubin/ ſamt vieler Goldund Silber⸗Arbeit/ ſeidem Zeug/ ſamt Perſiſchen Teppichten dahin gebracht. Aber man muß auch wiſſen/ daß ſie nichts gerade dieſen Americanern verkauffen konnen/ aber allein dieſen/ welche in den Manilles wohnen/ und eben dieſelbe/ verkauffen jhnen ſolche wieder wann ſie wegziehen/ und wann gleich einer Erlaubnuß bekame von Goa auf Hiſpanien durch das Sud⸗Meer wieder zu kehren/ ware er rue en ſein Gelt auf achtzig/ oder hundert ven hundert/ biß auf die Philippinen/ ohhe etwas kauffen zu konnen/ zu geben/ und eben dergleichen zu thun von den Phi1 lippinen biß an das neue Spanien. Reisbeſchreibung in Indien in Franckreich bekommen kan/ verkauffen Das XX. Capitel. Von den Perlen und den Orten wo ſie geftſchet werden. 1 2 Sfinden ſich indem Orientsliſch⸗ und guten D 0 Gccidentaliſchen Meer Perlen/ ſo wol Hab Du der Vergnugung des Leſers/ als 50 auch nichts zu dieſer Materi zu underlaſſen/ len gen und obwol ich niemalen in Amerieg geweſen. de will ich nichts deſtoweniger alle Oerter/ wo es Perlen⸗Fiſchereyen gibt/ aufmercken/ und bey der Orientaliſchen anfangen. ee Erſtlichen/ gibt es eine Perlen⸗Fiſcherey pee 90 um die Inſul Bahren herum/ in dem Perſie len, ſchen Golfo. Sie gehoren den Koͤnig von Perſien/ und es hat eine gute Veſtung/ wo er breyhundert Mann in Beſqtzung hat. Das Waſſer/ welches man in dieſer Inſul und an dem Perſiſchen Strand trincket/ i wie geſalzen und eines boſen Geſchmacks/ und iſt niemand als die im Lande/ ſo davon trincken konnen. Was die Frembden betrift/ koſtet es ſie genug gutes zu haben/ dann man muß ſolches auß dem Meer/ biß auf eine halbe Meile von der Inſul/ biß nahe auf zwey Meilen ſchoͤpfen. Es müͤſſen die jenige/ ſo ſolches holen/ es ſeyen von fünf biß ſechs in einem Renn⸗Schifflein/ von welchen eine oder zwey biß in Grund des Meers fich hinunder laſſen/ mit ein oder zwey Krügel ſo an ihren Gurtlen angebunden ſeyn/ welch ſie mit Waſſer erfüllen/ und wol verſtopfen. o Dann in dem Meer⸗Grund/ ohngefehr zieh ei oder drey Schuh/ iſt das Waſſer ſiſſe und in von dem beſten/ ſo man trincken kan. Wan, die/ſo man in den Grund des Meers human, ao der laſſſet/ dieſes Waſſer zu ſchoͤpfen“ eint 1 kleine Schnur/ ſo an einen ſo in dem 1 Schifflein verblieben/ angebundeniſt küche, 1 5 10 1 0 damit ihre Geſpahne? herauß ziehen ſollen.„ So lang als die Portugeſen Omen 5 Maſcaté, in jhrer Verwahrung gehalten, jedes Renn⸗Schiff oder Weydling/ oe fiſchen gienge/ ware verpflichtet von ihnen i, gu, nen Paß⸗Zedul/ ſo y. Abaſfis koſtete zur 1 Sal. 100 1 15 1 1 11 9 l chiedliche Spach⸗Schiffe/ um die Jen. Grund zu verſencken/ ſo keine Paß porte nehmen wollen. Aber ſeit daß die 1 Maſcatè erobert/ und daß die Pagen nicht mehr auf dem Golfo maͤchtig ſeyn dem ſeder ſo fichen gehet“ zahler ſchlecrlah dz Perſiſchen Konig fünf Abaſlis, ob seine 1 det. Die Handelsleute geben 1 11 0 115 etwas weniges/ von jedem tau uſtern. 585 4 gerad Die zweyte Perlen⸗Fiſcherey il eder ce vor Bahren Über/ an dem, Sen Statt 5 gluͤckſeligen Arabien/ nahe bey der deen, Catifa, welche einem Arabiſchen Fu Alle ſamt dem gantzen Umkreiſe zugehöret. hie „ J e 11 15 Das Ander Buch. gaben die Perlen ſo in dieqſem Ort gefiſchet werden/ dein werden die mei in Andi 17 dieidle, worden die meiſten in Indien verkaufft/ diedaß. 8 geil die Indianer nicht ſo ſchwer als wir zu bergnugen/ alles wird dorten leichtlich durchgehen/ die Eckichte ſo wol als die Runden/ und alles nach ſeinem Werth/ wird man deſſen alen abkommen. Es werden davon auch etliche auf Balſara gebracht. Die/ ſo man in Perſien und Mpoſcqu verſchickt/ werden dem Banderkane zwey Tag⸗Neiſen von Ormus verduft. In allen Orten/ ſo ich genennet habe/ und duch andern in Aſien/ lieben ſie die/ ſo eben ſo diel die ſo auf das Gelbe als Weiſſe ſich ziehen/ ſeweil ſie ſagen/ daß die Perlen/ deren Glantz an wenig verguldet iſt/ bleiben allezeit in jhrer Lebhaftigkeit/ und andern niemalen; aber wann ſie weis ſeyn/ wah ven ſie nicht dreiſſig Jahr/ daß ſie nicht hren Glantz verlieren/ und wol wegen der Hitz des Landes/ als auch dem f 1915 des Menſchen/ nehmen ſie eine wuͤſte a N len 1 Wide komt /willich langer als ich gethan habe“ von Weiner Perſiſchen Beſchreibung/ von dieſer Verwimderungs würdigen Perlen/ ſo der Arabiſche Furſt hat/ reden/ welcher den Porgeſen Maſcatéè weggenommen. Er nahme amalen den Namen Imenhect, Fürſt von aſcate, zuvor Aceph Ben- Ali, als Fürſt von Norenuaè genant. Es iſt nur eine kleine Landſchafft Faber wol die Beſte des gluͤckſeligen Arabien. Es wächſet alles darinnen/ was dem menſchlichen Leben nothwendig iſt/ aber abſonderlich ſchone Früchten/ und über alles vortlefche Trauben/ von welchen man ſehr guten Wein machen konte. Dieſes iſt der Furſt/ o die ſchonſte Perlen hat/ ſo man in der Welt funden kan/ nicht ſo viel wegen jhrer Groſſe; Daun ſie waget nicht mehr als 12. Caraten rg. lücht wegen jhrer vollkommenen Runde; aber weilen ie ſo helle und ſo durchſcheinend/ daß e dadurch die Tages⸗ Heitere ſehen kan. 1 un lde, in er Wie der Meer⸗Buſen/ gerade gegen Ormus 1 b über weing mehr als 12. Meilen von dem Aluckſeligen Arabien/ biß an den Perſiſchen P'erand hat/ und daß die Arabier mit den Perſtern im Frieden ſtunden/ kame der Fuͤrſt von Malcate, dem Kan von Ormus eine Beſuung abzuſtatten/ welcher jhn prachtigſt trai Gerte und welcher auch zu dieſer Mahlzeit die gel und Hollander und etliche andere Freyezoon welchen ich auch einer ware/ einladen N 5 e. Zu Ende der Mahlzeit/ zoge der Fuͤrſt falk pet, dieſe Perle auß einem kleinen Beutel/ wel f chen er an ſeinem Hals hangen hatte und le ſolche dem Kan und der gantzen Gehüſchafft. Der Kan wolte ſolche kauffen uud de dem Kong in Perſen zu verkehren 1d auerbote/ Ihme biß auf zwey tausend 8 aber er wolte ſolche nicht weg emen Seith her habe ich das Marr mit 50 1 Banſaniſchen. Abbelchen der Groß⸗Mogol dieſem Fürſten Meſchickt hatte und jhme vierzig tauſend ThaEhe man auß dem Ormiſchen Meer⸗Buſen cher alle fler Hund ver nemlh dae doi 137 ler für ſeine Perle anerbiethen lieſſe/ welche er doch nicht annehmen wolte. Auß dieſer Erzehlung kan man ſehen/ daß/ was die Edelgeſteine betrifft und ſo/ was ones gefunden wird/ nicht allzeit in Europa gebracht wird/ abel vielmehr von Europa in Aſia/ wie ich gethan/ die weil man daſelbſten die Edelgeſteine und Perlen hoch ſehatet/ wann ſie von uber gewohnlicher Schone ſeyn/ außgenommen in Ohina und fapon„ wo man ihrer auf keine Weiſe achtet. 90% e Der andere Orientaliſche Ork/ wo ein Perlen⸗Fiſcherey iſt/ befindet ſich in dem Meer welches an einen groſſen Flecken ſtof In ber ail ſet/ Manar genant/ in der Inſul Ceylan; Ceylan ind es ſind die Schoͤnſten/ ſo wol wegen der Jeane Helle als Runde/ von allen den andern Fiſchereyen/ aber ſelten findet man deren/ ſo über drey oder vier Caraten kommen. Es gibt endlichen an dem Japoniſchen Strand gar ſchoͤne helle und ſehr groſſe Perlen/ aber ſie ſeyn gar eckigt/ jedoch fiſchet man ſie nicht/ dieweil/ wie ich geſagt h be/ die Japoneſer die Edelgeſteine niches HObhpwolen die Perlen/ ſo jan zu Bahreft und Cativa fudet/ auf das Gelbe ziehen/ ſchaͤtzet man ſie doch ſo hoch als die von Manar; wie ich ſoͤlches gemercket habe; und in dem gantzen Orient ſagt man/ ſie ſeyen zeitig oder gekochet/ und daß ſie himmerinehr Farbe andern. Ich komme auf die Fiſchereyen von Oe cident, welche alle in dem groſſen Mexicaniſchen Meer⸗Buſen gefunden werden/ nach der Lange des neuen Spaniſchen Strandes/ und es ſeyn fuͤnf/ welche ein andern von Orient biß Occident folgen. 5 Die erſte iſt nach der Lange der Inſu. Cubagua, welche nicht mehr als drey Meilen im Umkreiſe hat/ und iſt auf funf oder mehr von dem Lande entfernet; ſie iſt au zehen und ein halben Grad/ in der mitternachtigen Weite/ und auf hundert und ſechzig Meilen von St. Dominicus, in der Inſul/ ſo die Spaniſche genant wird; es iſt ein gar ohnfruchtbare Erden/ welſer/ welches die Einwohner auf dem veſten Land zu holen gezwungen ſeyn. Dieſe Inſul iſt in gantz Occident berühmet/ weilen darinnen 5 5 17 1 12155 geſchiej es het/ ob ſchon die Groͤſten nicht uber funf Caraſolche kauffn, 1 g ten kommen. Die zroeyte Fiſcherey iſt in der Margareten⸗Inſül/ das iſt ſo viel als das PerlenEyland/ eine Meile von Oubagua, welche die andern um viel in Gzoſſe übertrifft/ ſie theilet alles mit/ was dem Leben nothwendig iſt/ außgenommen/ daß ſie eiN 8 38 Reisbeſchreibung in Indien/ 4 nen Waſſer⸗Mangel/ als wie Oubaga hat/ nen. Was die letſten betrifft/ findet man ve, und ſie verſorget ſich damit in dem Fluß deren nirgends als in America, und ieſes Auen Cumana, nahe bey Neu⸗Cadis. Dieſer komt von der Natur des Bodens/ welchen Perlen⸗Fang iſt nicht der uͤberfluͤſsigſte/ mit mehr Waſen/ als in Orient erfüͤllet iſtvon allen Funfen in America; aber er wird In einer Zuruckkunfft von Carguaiſon, ſo der Fürnehmſte geſchatzet/ dieweil die Per⸗ der verſtorbene Her: du Jardin; dieſer belen/ ſo darinnen gefunden werden/ die ande⸗ rühmte Jubilierer/ in einem der Spanmren in der Vollkommenheit übertreffen/ ſo ſchen Kriegs Schiffen gethan/ haben ſich wol wegen der Halle als Gröſſe. Eine von ſechs vollkommen runde Perlen befunden, den Groſten ſo ich in Handen gehabt/ wol aber eben ſo ſchwartz als Gagatſtein/ Un wie eine Birren fornneret und ſchoͤn klar/ deren eine in die andere zwoͤlf Caraten woIn Aſien werden die Perlen und Edellgeſtein beſſer bezahlt als in Europa. Schottlaͤn⸗ 5 diſche Peren ſeynd den Oeeidentaliſch⸗Indiſchen nicht zu vergleien. woge fünff und fünfzig Caraten/ und ich verkauffte ſiedem Cha-Elt- Kan, des GroßMogols ſeinem Oheim. 5 Es werden ſich viel verwunderen“ daß man auß Europa Perlen biß in Orient bringt/ wo doch herauß eine groſſe Menge komt; aber man muß mercken/ daß in dem Orientaliſchen Perlen⸗Fang/ ſich keine von dem ſchwaͤren Gewicht/ wie in Oceident befinden; angeſehen/ daß alle Koͤnige und groſſe Herren in Aſien/ ſolche beſſer bezahlen/ als man nicht in Europa thut/ nicht allein die Perlen/ ſondern allerhand Edellgeſteine/ wann ſie etwas ſonderlichers haben/ gußgenommen der Diamant. Die dritte Fiſcherey iſt zu Comogota, nahe bey dem veſten Lande. Die Vierte iſt nahe bey dem Fluß de 1a Hacha, nach der Länge deſſelben Strandes. 5 a Die Funffte und Letſte iſt zu St. Martha/ ſechtzig Meilen von dem Fluß de la Hacha. Alle dieſe drey Fiſchereyen bringen Perlen vongenugſamem Gewicht hervorzaber gemeiniglich feynd ſie übel formieret/ und haben eine bleyerne Farbe. a 1 Was endlich die Schottlaͤndiſchen Perlen betrifft/ und die ſo man in einem Fluß in Beyerland findet/ obwol man dar von HalsBander/ ſo biß auf tauſend Thaler und mehr kommen/ machet/ konnen ſie doch mit den Orient⸗ und Ocecidentaliſch⸗Indiſche Perlen nicht verglichen werden. N Neue Per⸗ a 5 5: iche. Hie daß ſeint etlichen Jahren man eine h EutdeAung. und man nderſcheid er Perlen. Vielleicht daß keine von denen/ ſo vor mir von Perlen geſchrieben/ nicht gemercket iſcherey entdecket/ in einem gewiſſen Ort/ an den Japoniſchen Straͤnden/ und ich habe etliche geſehen/ ſo die Hollander mitgebracht Sie ſeynd ſehr ſchoͤnes Glantzes/ findet groſſe/ aber gantz eckicht. Die Japoneſer wie ich anderswo geſagt hahaben. be/ ſchaͤtzen die Perlen gantz nichts/ und wann ſie zu 1 5 begierig waren/ koͤnte es ſeyn/ daß durch ihr Mittel/ man etliche Baͤncke entdeckte/ wo man ſchoͤnere findete. N f. Che ich dieſes Capitul ende/ werde ich eine merckwürdige Anmerckung die Perlen betreffend/ und den Underſcheid ihres Glantzes/ thun; die einen ſeynd ſehr weiß/ die anderen ziehen auf das Gelbe/ und andere auf das Schwauze/ und welche bleyern ſcheiEr gabe mir ſolche mit anderen Sage. Orient zu nehmen/ un chen/ ſte mit mir in zu ſehen/ ob man deren abkommen konte; aber ich habe ſie jhme wieder zuruck gebra dann ich fande niemand deme ſie ins Ge⸗ 1 icht gaben. Was die Perlen ſo auf das dc gelbe ziehen/ anbelangt/ kommt es/ daß die ie; ſchere die Muscheln Hauffentveiſe verkauf fen/ und die Kramer warten manchesma, von vierzehen biß fünfftehen Tag/ biß ſie ſich von ſich ſelbſten aufthun/ etliche dieſe, Muſcheln verlieren miktler Zeit ihr Waſſer verderben ſich/ und werden ſtinckend/ und wird durch dieſe Anſteckung das Perle ge. dieſes iſt ſo warhaft/ daß in allen Muſcheln/ welche das Waſſer behalten/ die Perlen a lezeit weiß ſeyn; alsdann wartet man biß ſe ſich ſelbſten oͤffnen/ dieweil/ wann ſie ma Gewalt aufgethan wurden/ als wie wir un ſere Auſter⸗Schalen aufmachen/ konte mal f der Perlen Schaden thun/ und ſolche entzweß h ſchlagen. Die Muſcheln des Sunds von Jace Manar, eröffnen ſich von Natur/ fünff oder au ſechs Tag eher/ als die von dem Perſiſchen dhl. Meer⸗Buſem/ diewweil die Hitze viel groſſen zu Manar, welches im zehenden Grad del Mitternachtigen Weite iſt/ als in dem Ey1 land Bahren, welche ohngefehr im ſiebe und zwantzigſten iſt. Und alſo under de. Perlen/ welche von Manar kommen ⸗ findet man wenig Gelbe. Erdlich alle Oriental. ſche ſeynd uns ſehr beliebig wegen jh, Weiſſe/ und habe ich allezeit aufgemetcken daß ſie die weiſſeſten Perlen.“ die wei 97 Diamanten/ das weiſſeſte Brot/ und d weiſſeſten Weiber/ zum meiſten lieben. Das XXI. Capitel. 5 Auf was Weiſe die Perlen in den 225 i ſcheln gezeuget werden/ wie und zu welcher Zeit ſie gefiſchet werden. a r Ch weiß daß auf das Geieupnufne 1 licher alten Authoren, welche ſha= pe Sachen nicht wol berichtet waren on! ben gemeinlich geglaubet/ daß die Perle aß des Himmels Tau erzeuget werden lit nicht mehr als eines in jeder Muſchel d 5 Wiwerde/ aber die Erfahrenheit hat eite be derſpiel erwieſen. Dann was das e feng 0 8 Das Ander Buch. 0 Agua auge, ſo komt die Muſchel nicht auß dem ſie Geſt/ von brey biß vier von hundert im wacker, Mkers⸗Grund/ wo der Tau nicht hinkommen Monat. Alſo/ daß zum wenigſten ein tauan/ und etlich malen muß man biß auf zwolff ſend Muſcheln vor fünff Fanos Perlen brinaffter tieff ſich hinunder laſſen/ wie wir ge/ fiſchen ſie daſſelbe Jahr nicht. Es 50 bald ſehen werden/ und was das andere be⸗ ſen die Kaufeute dieſe Muſcheln auf gerath mifft/ iſt es bekannt/ daß von ſechs biß ſie⸗ wol kauffen/ und ſich mit dem begmugen/ ben Perlen in einer einigen Muſchel gefun⸗ was ſie darinnen ſinden. Es iſt nen ein Alen 1 en werden; dann ich habe eine under Han⸗ groſſes Gluck/ wann ſe groſſe Perlen fin⸗ dem Perlen; un gehabt/ allwo biß auf zehen/ welche be⸗ den; aber es geſchicht gar ellen/ und abſon⸗ Kaufß zeit ſich zu formen/ geweſen. Es iſt wahr derlich in der Giſcherey von Manar, welche dee daß nicht alle gleicher Groͤſſe ſeynd/ dieweil keine groſſe bringt/ wie ich ſchon geſagt hat beer, lle in der Muſchel gezeuget werden/ wie die be. Es ſeynd zum meiſten Theil Kutter. Eyerein der Hennen Leibe/ gleichwie das Perlen/ und zum zerſtoſſen: Es gibt etliche gröſte Ey ſich gegen dem Außgang ziehet/ eines halben auch ganzen Grans ſchwer/ und und arm erſten herfür tringet/ ſo bleiben die iſt ein ohngefchres Gluck/ wam man von einen Eyer im Grund um jhre Formen zu zwey biß drey Cargten 1 findet. Es enden; alſo die groͤſte Perlen kotlunet am er⸗ gibt Jahre/ wo ein tauſend Muſcheln⸗ biß en hervor/ und die andern ſo kleiner ſeynd/ auf ſieben Panos werth iſt/ und daß die Fiunnd noch nicht ihre gantze Vollkommenheit ſcherey auf hundert tauſend Piaſtres, und gaben/ bleiben under der Muſchel/ im Grun auch darüber komt. In der Zeit/ daß die e der Schaalen/ biß daß ſie ihre groſſe/ ſo Portugeſen die Meiſter in Manar waren/ die alur ihnen geben kan/ bekommen ha⸗ nahmen ſie auf jedem Schiffe ein Recht/ und Fer Hon, ben. Aber das will darum nicht ſagen/ daß ſeint daß ihnen die Hollander ſolches genom⸗ der Zoll in mallen Muſcheln Perlen ſeyen/ und eroͤff⸗ men/ ziehen ſie von einem jeden Undertau⸗ Lerlenn. del man viel/ daß man gar keine darinnen cher acht und etlich malen biß auf neun Pidae g findet. e f aſtres. Dieſes iſt ihnen in dem hoͤchſten Wen. Im übrigen muß man ſich nicht einbil⸗ Jahr biß auf ſebenzehen tauſend ztwey hunIe, den/ daß es ein groſſes Einkommen vor die dert Realen kommen. Die Urſache/ waerlen⸗Fiſcher ſeye; dann wann dieſe arme rum die Portugeſen dieſe Schaͤtzung von eute/ welche ſich darauf verlegen/ etwas dieſen armen Leuten genommen/ und waanders zu verdienen hatten/ wurden ſie die⸗ rum die Hollander ſolche annoch nehmen/ iſt E Fiſcherey/ welche ſie bloß verhinderet/ daß daß ſie ſie wieder die Mala varas ihre Feinde be⸗ Fiber der le nicht Hunger ſterben/ wol underlaſſen. ſchützen/ welche mit jhren Kriegs⸗Schiffen ſchützung. Ich habe in meiner Perſiſchen Beſchreibung gewaffnet kommen/ um dieſe Fiſcher wegzubemercket/ daß von Balſara biß auf das führen/ und Leibeigene auß jhnen zu machen. alſquiſche Vorgeburge von ein und anderm So lang als die Fiſcherey wahret/ haben ort des Perſiſchen Meer⸗Muſens die Erde die Hollander allezeit zwey oder drey gemachts hervor beinget. Das Volck iſt aller waffnete Schiffe im Meer/ auf der Seiten ten ſo aum/ und lebt auf eine ſo mitlei⸗ wo die See⸗Nauber herkommen konnen, und ige Weiſe/ daß es weder Brot noch Reis auf dieſe Weiſe machen ſie/ daß ſie im Frieſiehet unnd iſſet nichts als Dattlen mit ge⸗ den arbeiten. Dieſe Fiſcher ſeynd meiſten Atzenen Ziſchen/ und muß man nahe bey theils Abgoͤltiſch und hat auch Mahomeez wanzig Meſlen in die Erden thun/ eheman taner die ihre beſondere Schiffe haben ſie mice un Krautlein findet. nmaehmen ſich einandern nichts an und die N 9 Dieſe Fiſcherey in den Orientaliſchen Holländer nehmen mehr von dieſen letztern l Moeen, geschieht zweymalim Jahr/ die erſte als von den andern; dann über das die Maan Merten und Aprillen/ die andere im hometaner ſo viel als die Abgoͤktiſche bezahJugſt⸗ und Herbſtmonat/ und geſchicht der len/ geben ſie eine gantze Tag⸗Fiſcherey noch Tankauff vom- Heumonat biß auf den Win- darzu welchen Tag die Hollander zu erwehermonat. Aber dieſe Fiſcherey geſchicht len haben e, 55 ncht alle Jahr; dann die ſo fiſchen laſſen/ 95 mehr es im Jahr regnet je mehr egen dezollen zuvor wiſſen/ ob ſie hre Rechnung der Perlen⸗Fang gut iſt. Aber es haben 15 il gut derben finden/ damit ſie ſich nicht betriegen ſich viel eugebildet“ daß je tiefer die Mu⸗ een ehe. 0 chicken ſie guf die Baͤncke/ wo man fiſcher“ ſchel gefunden werde je weiſſe een die res ä deen eben oder acht Schiffe/ deren jedes ein Perlen dieweil das Waſſer dicht ſo warm Ile 1 tauſend Muſcheln bringt/ welche man er⸗ iſt/ und daß die Sonne mehr VerhinderWale, ret/ und wann nicht in jedem tauſend Mu⸗ fuß finde in den Grand zu ſcheinen: Man wüde Kleln für fünf Fanos Perlen werchgefunden muß ſich dieſes Jiethunms entſchlagen. rden/ welche einen halben Thaler unserer Man fiſchet von bier boi wolff Klaſſter Fichte machen/ iſt es ein Zeichen/ daß die tieff( und dieſe Fiſcherey geſchicht auf, iſcherey nicht gut ſeyn wird/ und dieſe ar⸗ Bancken“ wo man manch malen biß auf i L 5 Unfftig Schiffe findet. In dem meiſten e Leute konten nich nkoſten darvon ff 5 n ſehen wechen feen 2 5 Dann Theil ist micht mehr als ein Undertau1 0 für jhre Außrüſtung/ als 5 ſich chender/ und in den groͤſten ſeynd jhrer währendem Fiſchen zu nahen/ enklehnen zwey. 117 e N Siſchen zu nahen/ entleh M I Dieſt Dieſe Schiffe gehen alle Tag vor Auffgang der Sonnen auß dem Strand/ mit einem Erdlufft/ welcher nicht fehlet/ und welcher biß auf zehen Uhr des Morgens währet. Nach dem Mittagmal kommen ſie wieder mit einem See⸗ Wind welcher dem Erd⸗Lufft nachfolget/ und welcher nicht fehlet/ ſich gegen eilff Uhren oder um Mittag zu erheben/ ſo bald der andere aufgehoret hat. Die Bancke auf welchen ſie fiſchen/ ſeynd von funf biß ſechs Meilen im Meer/ und wann ſie allda ſeyn/ nehmen 9 auf dieſe Weiſe die Muſcheln/ wie zu Man bindet ein Seil under die Arme deren/ ſo ſich under das Waſſer tauchen/ von welchem die/ ſo im Schiffe bleiben/ das Ende halten/ ſie haben an ihrem groſWWiedie Per, ſen Zehen einen Stein von achtzehen biß len Fiber zwantzig Pfund angebunden/ von welchem ins rec, die ſo im Schiſſe ſeyn/ am Ende halten. San e hat noch weiters ein Netze als wie ein a Sack gemacht/ an welchem das ſo offen iſt/ mit einem Reiff umfangen/ damit ſolches brige angebunden. Alsdann ſencket ſich der Undertauchenden in das Meer/ und ſo bald er im Grund iſt/ wo er geſchwinde durch die Sehwaͤre des Steines/ ſo jhme am groſſen Zehen angebunden iſt/ hinkomt. Er thut ſolchen. und die ſo im Schiffe ſeyn ziehen ſolchen zuruck/ ſo lang als der Undergetauchte den Athem halten kan/ thut er Muſcheln in das Netze/ und wann er ſpühret/ daß er nicht mehr recht halten kan/ ziehet er die Schnur/ ſo jhme under dem Arm angebunden/ welches das Zeichen iſt/ daß man ihn zuruck ziehen ſoll/ welehes die ſo im Schiff ſeynd/ ſo hald als moͤglich iſt/ ins Werck ſtellen. Die von Manar ſeynd geſchickter zum Perlen⸗Fang/ und bleiben laͤnger under dem Waſſer/ als die Fiſcher von Bahren und Catifa; dann ſie machen keine Zangen an die Naſen/ noch Baum wollen in die Ohren/ auß Forcht/ daß das Waſſer nicht hinein komme/ wie man in dem Perſiſchen Meer⸗Buſen thut. 5 Nachdeme ſie die Undertaucher wieder in das Schiff gezogen/ ziehen ſie das Netz/ worinnen die Muſcheln ſeynd/ und ſie verbringen ohngefehr eine halbe Viertel⸗Stund/ ſo wol die Muſcheln herguß zu nehmen/ ſchoͤpfen zu geben/ nach welchem er wieder derſchiedliche mal in zehen oder zwolff Stunden thut/ und alsdann komt er auf die Erden. Die ſo Gelts vonnoͤhten ſeynd/ verkauffen alſobald was ſie gefiſchet haben; aber die ſo Mittel haben/ halten ſolehe auf/ biß der gantze Perlen⸗Fang vollendet. Sie lafſen die Nuſcheln ohneroffnet/ und ſo hald ſelbſten. Es gibt deren Schupen/ welche offen bleibe/ und dieſes Netze iſt wie das uals auch dem Undergetauchten Zeit Luft zu in Grund gehet wie zuvor/ welches er unten befindet. ſie ſich verderben/ oͤffnen ſie ſich von ſich viermal groͤſſer ſehn/ gls die von unſernn 40 Reisbeſchreibung in Indien/ Muſcheln zu Rohan, und wie das Fleiſch der Muſcheln/ von welchen wir reden/ n geſchmackt und ohnlieblich zu eſſen iſt/ iſſet man ſolches nicht/ und wirfft es hinweg: Sur Vollziehung der Rede von den Perlen/ muß man wiſſen/ daß in gantz Europa ſolche beym Caraten⸗Gewicht verkauf werden/ welches von vier Granen iſt/ eben ſo wol als das Diamant⸗Gewicht; aber in Aſien hat man underſchiedliches Gewicht, In Perſten waget man die Perlen mit Abas und ein Abas iſt z weniger als unſer Carat. In Indien/ und uber alles in dem Lan des Groß Mogols; und der Königen von. Golconda und Viſapour; wagt man ſie mi Raris, und ein Ratis iſt auch ein Achtel minder als der Carat. 8 6 Soa ware ehmalen der Ort/ wo die gröſte Handelſchaft in Aſten war/ was die Diamanten/ Nubinen/ Saphiren/ Top ſter und andere Edelgeſteine betrafe. Alle Graber und Kauffleute fanden ſich alldorten ein/ um das jenige/ ſo ſie ſchoͤnes auß den Gruben gebracht hatten/ zu verkauffen; dieweil ſie alldorten alle Freyheit zu verkaufen hatten/ an ſtatt daß in ihrem Lande/ wann ſie dem Konig oder dem Furſten etwas aufweiſeten dell 0 Cache wicht ge 0 l abel cha 0 Go. muſten ſie ſolches um den Preiß/ ſo ſie wo? ten/ hingeben. Es ware auch zu Goa lot die groſſe Handelſchaft mit den Perlen vo gienge/ ſo wol von denen ſo auß dem Bar ſchen Eylande in den Perſiſchen Meer⸗Buſem kamen/ als von denen ſo in der Meer ſul Ceylan gefiſchet wurden/ ſo wol als von denen/ ſo auß Amerira gebracht worben. So muß man dann wiſſen/ daß zu Goa un allen anderen Orten/ wo die Portugeſen 15 Indien haben/ haben ſie ein beſonderes Gewicht zu den Perlen/ welches man in kei nem anderen Ort hat/ wo die Perlen Hall Enge von Manar, an dem Strande der Indelſchaft im Schwang iſt/ weder in Each 8 pa/ noch in Aſten/ noch in America: rede nicht von Africa/ dierweil dieſe Waaben darinnen nicht bekannt ſeynd/ und daß in diiſem Theil der Welt/ die Weiber an 1 aller Kleinodien mit etlichen Stucken E, tall zu Frieden ſeynd/ oder mit etlichen fn ſchen Corallen⸗Granen/ oder mit gelben, Agſtein/ von welchen ſie Hals⸗ und Arn Baͤnder machen/ welche ſie an Armen un Beinen tragen. 9 fe Die Portugeſen dann/ in allen Or in Indien/ wo ſie befehlen/ verkau Perlen bey einem Gewicht/ ſo ſie Cen nennen; aber ſie kauffen ſolche von den Kat ge 7 ſſen die dagen 2 ö lenken nach dem Ort ſo ſte Herkringen dae, Carats; durch Abas; oder durch Die Taffel ſo folget/ zeiget die Gleiche ſo ſich zwiſchen den Chegos, gegen den cen 4 10 Carats0 el e Pale 6 . 5 Chegos. FFC —r: 4———— 16 1——— 21 ———— 27 8 VT ——— 4 —— 69 . 12——— 100„ ä 11——— je PF Tr.... 85———. ĩͤ 9.—— 250 F TT— ö F Tf. FZS 43% 26———— 49, 2??— 5064 — 30—— 5— 627 W 132———— 7711 : 133 44lsa.— 1 VTV 363———— 900 — ĩͤ ͤ ͤ —— 1002 5——— 106 1———— 111I4 cz gz g gr r lr 2e lb ln 25 a8 8 86 Das XXII. Capitel. wal i . Nan. Anmerkungen auf die groͤſten und ſchoͤnWa u ten Diamanten und Rubinen/ ſo der wie die Figuren hier abgeriſſen ſeyn/ wie auch die von den 9 Steinen b er dem Koͤnig in der Zuruckkunfft ner lerſten Reiſe verkaufft; ſamt der der stellung eines groſſen Topatz/ und r groſten Perlen ſo in der Welt ſeyn. Ch wil der Ordnung der Figuren/ f ngeh den Zahlen mit welchen ſie geiſ ſchwerſten Diamant ſo mir bekant Dieſer Di 1 ol, wi 1 Diamant gehort dem Groß- MoVoelcher mir die Ehre that/ und mir ſoldez Wen di „ Das Ander Buch. me er zugehoͤrte/ erlaubte mir ſolchen abzureiſſen/ welchen Author in Europa und Aſia geſehen durch 1 5 ſehn/ nachfolgen/ und wil 141 chen ſamt allen ſeinen andern Edelgeſteinenweiſen lieſſe. Man ſihet deſſen Form wie er/ nachdeme er zertheilt worden/ geblieben/ und nachdeme mir erlaubt worden ſolchen zu wagen/ habe ich gefunden/ daß er 310 Ratis gewogen/ welches 27916 Unſerer Caraten ſeynd. Als er nun geſchliffen ware/ woge er wie ich anderswo geſagt habe 907 Ratis/ welches 7035 Caraten macht; dieſer Stein hat die Form als wann man ein Ey in der Mitten zerſchnei* 15 i. 1 5 Dieſes iſt die Abbildung des Diqmants Hes Grub des Groß⸗ Hertzogen von Toſcana/ welchen er Saen. n mix mehr als einmal gezeigt. Er waget 99 Carat/ und fischde daß fen Waſſer auf Citronen⸗Farb ziehet. 8 Dieſes iſt ein Stein welcher 76s Mangelin waͤget/ welches unſerer Cargten 2425 macht. Mangelin iſt das Gewicht deſſen man ſich in dem Koͤnigreich von Golconda und Viſapour bedient/ und komt ſolches auf is unſerer Caraten. Als ich umd 1642. zu Golconda ware/ zeigte man mir bieſen Stein/ welches der groſte Diamant ſo ich in Indien in der Kaufleuten Handen geſehen. Der jenige deAbriß ich zweyen meiner Freunden auf Surate ſchickte/ ſamt des Steines Schone und den Preis/ jhnen bedeutende/ welcher von 0000. Roupies ware/ welche Fyooooo. Francken unſerer Muͤntze machen. Ich hatte von jhnen Befehl empfangen/ daß ſo fern der Stein ſauber und hell ware/ jhme 40OOοο. Roupies darauf zu biethen/ aber es ware nicht moglich/ daß man unn ſolchen Preis einen Kauff ſchlieſſen konte. Nichts deſto we„ niger glaube ich/ daß wann man bis auf 470 tauſend Roupies kommen ware/ man jhn haͤtte bekommen konnen. Iſt es die Abbildung eines Diamants welchen ich zu Amadabat, für einen meiner Freunde gekaufft/ und weleher 178. Raris gewogen/ welches unſerer Caraten 17 macht. Iſt die Form des obgenanten Diamants/ nachdeme er auf zweyen Theilen geſchnitten worden. Er iſt auf 94 Caraten verblieben/ und iſt vollkommen hell. Das flache Theil wo unden zwey Schiefer hat/ ware dunn wie ein Blatt grobes Papiers. Wie ich den Stein zertheilen laſſen/ habe ich dieſe dünne Stuck amt einem Theil des obern Spitzes wegnehmen laſſen/ worinnen ein kleiner SchiefferTuffen verblieben. 5 Ne 6. Dieſes iſt ein anderer Diamant ⸗ welchen ich Anno 1653. in der Gruben von nder er n üben gekaufft hatte. Er iſt ſchon e 42 Gruben zertheilet/ in Jorm eines dicken Steins/ und waͤget 36. Mangelin/ welches unſerer Caraten Ed macht. FF Dieſe zwey Stuͤcklein kommen von einem zerſprengten Stein/ welcher als er noch gantz war 75s Mangelin woge/ welches 104. Caraten ſeynd. Obwolen er treflich hell ware/ ſcheinte ſolcher doch in der Mikten/ ſo viel Wuſts zu haben/ daß weil er groß und um hohen Preis geſchenzet winde/ ware kein Baniane der ſolchen zu kauffen wagen dorffte. Endlich war ein Hollander Bazu genant/ welcher kuhn gemig barzu ware/ und nachdeme er ſolchen zerſprengen laſſen/ fande man auf acht Caraten ſchwer Unraht als wie verdorben Gras darinnen. Das kleine Stucklein iſt ſauber verblieben/ gußgenommen etlicher kleiner Schieffern o faſt unvermercklich; aber was den anderen elangt wo die Schiefer überzwerch durchgangen/ muſte ſolcher in ſteben oder acht Stucke zertheilt werden. Der Hollander wagte viel/ indeme er dieſen Stein zerſprengen lieſſe/ und war es von ihm ein groſſes Gluck/ daß er nicht in hundert Stücken gerahten. Doch mit allem dieſem fande er feine Rechnung nicht/ welches genugſam zu erkennen gibt/ daß wo die Banianen nicht anbeiſſen wollen/ nichts vor die Zreyen zu Hoffen. 8 258 28 2 8 b Ker 25 8b 8 5 285 N r. 2 285 Vorſtellung der zwantzig Diamanten/ welche der Author dem Konig bey Ruckkunfft ſeꝛner letſten Reiſe auß Indien verkaufft. Die Figuren welche der Leſer hier ſiehet/ zeigen das Gewicht/ die Breite und Dicke jedes —ꝓ—k— 5 1 Ogtemnes. FJer ſiehet man die Figuren der ſchoͤn„ ſten Rubinen der Welt/ und von dem Topas des Groß- Mogols, nachdeme ſie hier nach jhrer Zahl eingerichtet. 0 5 N 25 Higur eines Rubins ſo dem Konig in Perien zuſtandig. Er iſt der Dicke und Form eines Ehs/ uͤberzwerch durchlochert/ ſehr hoch an der Farbe/ ſchon und ſauber/ außgenommen eines kleinen Schiefers ſo an der Seiten iſt. Man wil nicht ſagen was er gekoſtet hat/ nicht weniger als die Perle ſo eben ſelbigem Komg gehort/ und welche beſſer unden zu ſehen; und man wil auch nicht daß man wiſſe/ was das ein und andere waget. Die/ ſo das Reg ker der Konglich⸗ Ferſſſchen Edelgeſtein Daleel ſagen allein/ daß es viel Jahr habe/ daß diefer Ribin in dem Kolziglichen Schatz ſeye. Iſt die Figur eines groſſen Steins/ welchen man einen bleichen Rubin zu ſeyn glauble Und wel her fal einen ſolehen den Gialer⸗ Kan, Hein des Gioß-Mogols/ welcher jhn um 0 a a Bel ſucht ſeines Amts beraubte. Nachdeme el nes 5 glaube ich haͤtte ſolchen uin ooo. Reis heſchrelbung in Indien/ Y οο. Roupies erkauffte/ welche unſerer Müntze 1425000. Franken machen. Er velehrte ſolchen dem Groß⸗Mogol/ ſamt anderen köſtlichen Sachen/ an dem Feſt⸗Dag des Konigs/ welches der Tag iſt an dem man ihn waget/ wie ich anderswo geſagt habe. Dieſek Stein nach deme er ein wenig minder als er gekoſter hatte/ geſchatzet worden/ fande ſich damalen aldorten ein alter Indianer/ welcher vor dieſem der vornehmſte Jubiljerer des Königs geweſen ware/ und welchen man aluß Eifer Bea dieſen Stein in ſeine Hande genommen/ blhaubtete er/ daß ſolcher nicht ein bleicher Rubin/ daß Giafer- Kan ware betrogen worden/ und daß der Stein nicht mehr über 500. Ron pies werth ſeyn konte. Auf dieſes Gezaͤncke berichtete man den Konig/ welcher dieſen alten Indianer/ ſammt allen andern Jubilierern kommen lieſſe/ welche allezeit auf rer Seiten behaubten wolten/ daß der Stein ein bleicher Rubin ware/ und wie im gantzen Reich des Gro f Mogols niemand ware/ welcher ſich beſſer 0 die Edelgeſteine verſtunde als Che. gehan, wel cher durch Aureng· zeb ſeinen Sohn/ zu Aga gefangen aufgehalten wurde/ ſchickre dieſer del Stein dem Fonig ſeinem Vatter ſeine Mei nung daruber zu geben. Nachdeme er ſolchel wol betrachtet/ behaubtete er des alten Jubllierers Meinung/ und ſagte/ daß ſelbiger kel bleicher Rubin/ und daß er nicht mehr als 00. Roupies werth ſeye. Nachdeme der Stein dem Aureng· zeb wieder zuruck gebracht wolden/ verpflichtete man den Kauffmann/ welch 1 ſolchen verkaufft hatte/ jhn zuruck zu nehmen und das Gelt ſo er empfangen/ wiederzugeben. 8 Nes 3. und 4. 1 55 Iſt die Figur eines Rubins ſo dem e bac von Vilapour gehörig. Ne 4. iſt die Hohe den au Steins/ den Ring außgenomen/ und Ne, die Runde des Gehauſes. Er wagethr4. 1 gelin/ welches 17; unſerer Caraten macht en Mangelin von Vilapour iſt von 5. Gig 112 Er iſt underhalb che ve, ſauber und von del f ſten Schone. Der Konig von Wlapourkapßz. te ſolchen im Jahr 1653. um 14200. neigt. godles, die Pagode galte damalen 2 cken 7 0 pies, welches unſerer Muntze 74550. Fran 1 5 a 1185 a ad Iſt die Figur eines Rubins ſo ein Beer niſcher Kauffmann mir zu Ba narous in dg 15 Indianiſchen Reiſe gezeiget. n ger 78. Ratis, welches 504 Caraten thut em iſt von der zweyten Schoͤnheit. Seine, ein iſt wie ein Mandel in ſcheiblichter Hohe wenig chevẽ von inden a der. Hohe des. tzes durchloͤchert. Ich habe davor aach/ Roupies, welches 0000. Francken e geben wollen; aber der Kauffmann 0 55 zugehoͤrte/ begehrte zy ooo. Roupies, u koͤnhaben D dem e toß⸗ K nen. f Iſt die Figur des groſſen Topas 6 unten — . 2 8 2 O. bf. 7 . unten oben, 1. 8 60. 2 te,„en, 5 5 ö 0 1% dene 8 20 Perlen Diamanten 5 a ö alleen Legge, Ken, 5 5. Flten undd Ve ee. 2 rnit umd 5 5 IN N C bereicleet Hemon an der Harde 97% er en NRueſ Lu Aude Leclian 772 U ae. ee deni gig e ce, J 4, galt eines. Allen Roß, auler, ein 2 ö g mer e Serſelben, uncl. Je 0 J 1 ö e. 106 0 Jene nut% ai derm geen clue. 4 6 i Jauer mies der, ge i, N 2 Die eller All ed menu faul 12 44 Je let er he rnit 8 V 5 2 zn, gekenn in ole die chens. i ö 5 g ö 5 alen. 22 find role und agen —— Das Ander Buch. Groß⸗ Ho ol 1 75 g 5 s anders Ed gol gehörig/ und ich habe ihn kein amg ich machen/ Broßwelches macht. g 5 No 7 5 und ward ſolcher zu Goa für dem ogol/ um 180 OO. Roupies gekaufft/ unſerer Müntze 27000. Francken die Dieſe groſße Aſiatiſche Monarchen ſeyn nit und ngeauf der Welt o ſchoͤne Steine beſitzẽ/ habe ich keine ſo groſſe Rubinen in allen ˖. Olen des Groß⸗Mogols geſehen/ als wie 0 o man in der Figur Ne 7. S. 9. ſiehet/ wel9 uns ermGroſſen Konig gehoͤrig/ dem Machal und Prächtigſten/ in allen Weiſen/ von alen Königen der Welt. gsf ſiehet man endlichen die Flguren der 5 en Perlen von welchen wir Wiſſenſchafft en/ wie ſie auch mit ihrer Zahl geſetzt ſeyn. 8 f wen Iſt die Figur der Perlen ſo der Konig in 10 ten im Jahr 1633. von einem Arabier/ fo 0 der Fiſcherey von Carita kame/ gekauft 15 5 Sie koſtete jhn 32000. Tomans, welche i000. Franeken unſerer Muntze ſeyn/ das ſechs und viertzig Francken ſechs Heller der oman. Es iſt die groſte und vollkommenſte Perle ſo man bis anjetzo entdecket/ und wo nicht der geringſte Fehler iſt. 5 N gn 5 Ne 8 che des Iſt die Figur der groͤſten Perlen ſo ich an em Hof des Groß⸗Mogols geſehen. Sie nget an dem Hals eines Pfauen von Edeleſteinen gemacht/ und komt ihme aufden MꝛaIhen dieſer Pfau endet oben her den groſſen Ne 3. Iſt die Figur der Perle ſo ich in meiner letf 0 Reiſe dem Cha-Eſt-KRan des Groß⸗Modu Oheim/ Landpfegers von Bengal veruff habe. Sie waget 5y. Cgraten/ jhre 10 iſt um etwas dunckel/ und iſt ſolches die 0 e Perlen ſo jemalen von Europa in Aſig olmmen. f 5 10 Iſt eine groſſe vollkommene Perle/ ſo wol ae he Helle als Geſtalt/ welche iſt wie ven. 1 von Sehmaragden und Nubinen/ welche in deten ſo der Groß⸗Mogol etlichmaauf die Mitte des Magens komt. N und) eine runde Perle/ und ſehr vollkommen die Groſte deren id Wiſſenſchafft habe/ 15 welche dem Groß⸗Mogol zuständig. Man 55 eren nimmermehr eine gleiche bekommen gol en welches Urſach iſt/ daß der Groß⸗Mo8 ſich deren nicht bedient/ und ſolche under delgeſtein ſehen antragen als dieſes/ ſo i in meiner letſten Indianiſchen Reiſe/ gallen Hoff geweſen. Dieſer Topas waLors Ratis, welches unſerer Caraten 172. Sie iſt in der Mitten einer Keteinen Hals leget/ und welche jhm bis 143 andern Sdelgeſteinen welche nicht gearbeitet ſeyn/ laſſet. Dann wann er deren noch eine gleiche hatte entdecken koͤnnen/ konten ſie jhme für Ohrenbehenckk dienen/ und eine jede bieſer Perlen ware zwiſchen zweyen Rubinen oder Schmgragden/ nach der Weiſe des Landes; weilen memand/ ſo wol die Geringſten als Bornehmſten/ welche jhren Mittlen gemaß/ nicht an jedem Ohr eine Perlen zwiſchen zweyen gefaͤrbten Steinen trüge. 4 8 Das XXIII. Capitel. Von den Corallen/ gelben Agatſteinen/ und den Orten wo ſolche gefunden werden. 3 a i ö SBwdol der Corall nicht mit den Edel⸗ Beſchreigeſteinen in unſerm Europa vergli⸗ bung der CoVYJchen wird/ niches deſtoweniger in den anderen drey Theilen der Welt/ halt man jhn ſehr hoch/ und ift eine von den ſchoͤnſten Hervorbringungen der Natur/ ja ſo gar gibt es gewiſſe Voͤlcker/ welche ſolchen mehr ſchaͤtzen als die Edelgeſteine. Ich wil hier mit wenig und derſelbenFiſcherey wo ſie gele Worten/ was ich bemercket/ wo ſolcher gefiſchet wird/ und von der Weiſe wie man mit uingehet/ beſchreiben. a Ich wil dann erſtlich ſagen/ daß es brey Fiſchereyen an den Sardiniſchen Stranden gibt. Die von Arguerrel iſt die beſte und ſchoͤnſte von allen; die andere heißt Boza, und die dritte iſt nahe bey der Inſul St. Peter. Es iſt eine andere Fiſcherey an dem Strand des Corſiſchen Eylandes/ alwo der Corall klein/ aber ſchoͤn von Farbe iſt. Es gibt zwey andere an dem Geſtaad von Affrica/ eine nahe bey dem Frantzoſiſchen Bollwerck/ die andere zu Tabarco; Der Corall von dieſer iſt groß und lang genug/ aber die Farbe iſt bleich. Man findet die ſiebende F iſcherey an dem Siciliſchen Strand/ nahe bey Trapano; der Corall iſt gen. dunn/ aber ſchoͤner Farbe. Es gibt noch eine andere an dem Strand von Catalonien/ nahe bey dem Vorgebuͤrge Quiers; der Corall iſt von vortreflicher Farbe und groß/ aber die Zincken ſeyn gar kurtz. Endlich iſt noch die neunte Fiſcherey in dem Eylande Majorica, eben dergeſtaͤlt wie die von Corſica, und das ſeyn alle Mittelländiſche Ort wo die Corall⸗Fiſches reyen gefunden werden/ damm es gibt keine im 5 Oeceaniſchen Meer. Hie iſt die Weiſe wie er gefiſchet wird/ zu ſehen. 5 Wie der Corall guf hohlen Felſen wach⸗ Wie ſie gef ſet und wo das Meer tieff it/ o iſt hier die Kunſt ſchet bedden deren man ſich um ſolchen zu haben/ bedienet. Die Fiſcher binden zwey Waleken kreutzweiſe übereimander/ und thun ein groſſes Stuck Bley in die Mitten/ damit ſie in Grund gehen. Mach die ſem binden ſie dick in einander geflochtenen Hanff um die Balcken herum/ welchen ſie nachlaſſiglich/ groß wie ein Daumen/ verwicklen/ und binden dieſes Holtz an zwey Seiler/ deren eines an dem Vordertheil/ und das andere an dem Hindertheil des Schiffs 1. 8 b. Der ezndianer Ohren behenck 5 rallen. Dreyfachs Fiſcherey, 1 get. Folgends laſſen ſie dieſes Holtz in den Waſſer⸗Lauff/ der Lange des Felſens nach und dieſer Hanff windet ſich um den Corall herum/ man iſt manchmalen fuͤnff oder ſechs Schiffen noͤhtig die Baleken herauß zu ziehen/ und wann man ſo groſſen Swang anleget/ wann eines von den groſſen Schiff⸗Seilen zerbricht/ ſind alle die Ruderer in der Gefahr 15 ange verlohren zu gehen/ es iſt ein ſehr gefährliches Haubner. Handwerck. Und wann ſie mit ſolcher Gedas Meer als ſie herauß ziehen/ und weilen der Grund gemeinlich voller Sand iſt/ nagt ſich der Corall von Tag zu Tag ab/ wie unſere Früchten auf der Erden von den Wurmen zernaget werden/ ſolcher geſtalten daß je eher er auß dem Sand gezogen wird/ je weniger er verderbet iſt. ö Ich wil deſſentwegen ſagen/ daß ich zu Mar ſilien etwas verwunderungs würdiges in einem Laden wo man den Corall arbeitet/ geWürm in ſehen. Es iſt ein Stuck groß wie ein DaudencCoꝛallen. nen/ und weil es ein wenig wurmſtichig ware/ hat man es entzwey geſchnitten/ und es hat ſich darinnen ein Wurm gefunden/ den ich habe wimlen ſehen/ und welcher noch etliche Monat lang gelebt/ als man jhn wieder in ſein Neſt gethan. Dann man muß mercken/ daß zwiſchen etlichen Corall⸗Zincken/ wie ein kleiner Schwam waͤchſet/ unſeren Bienenſtocken gleich/ wo kleine Wurme gleich den Bienen niſten/ ſo viel gefallet der Natur ihre Geſchopffe rethum des zu underſcheiden. Etliche haben geglaubet oralls. daß der Corall in dem Meer weich ſeye/ obſchon er in der That hart iſt; aber es iſt wol wahr/ daß in gewiſſen Monaten irn Jahr/ man Wie derſelbe guuß dem Gipfel des Zinckens wann man ihn Milch bar. drucket/ eine Gattung Milch als wie auß der Bruſt einer Frauen/ hervorkomt; und das koͤnte wol wie Saamen ſeyn/ welcher wann er auf was es ſeye ſo in dem Meer iſt/ faͤllet/ zeuget er einen anderen Corallen⸗Zincken/ alſo daß man in der That aufeinem Toden⸗Kopf/ einer Klingen/ und auf einer Granaten/ welche in das Meer gefallen/ alwo unden geflochtene Corallen⸗Ztveige in der Hoͤhe eines halben Schuhs gefunden worden/ und ich habe dieſe Feur⸗Kugel in meinen Handen gehabt. Die Corallen⸗Jiſcherey geſchiehet von Anfang des Aprillen/ bis an das Ende des Heumonats/ und wendet man darzu gemeiniglich zweyhunder Schiffe an/ etliche Jahr mehr/ etliche minder. Man macht ſolche nach der Lange des Fluſſes Gena, und ſeynd ſolche ſehr leicht. Sie haben groſſe Segel/ um deſto geſchwinder zu fahren/ es hat keine auf dem Mittellandiſchen die ſo viel tragen/ und findet ſich keine Galeern ſo ſolche einholen mag. Es finden ſich auf jedem Schiff ſieben Mann/ ſamt einem kleinen Jungen/ ſte zu bedienen. Man thut dieſe Jiſcherey nicht weiter als fuͤnffund Wird anden zwanzig bis auf viertzig Meilen von der Erden e„ wo ſie glauben daß Felſen ſepen und rucken nicht weiter in das Meer/ auß Forcht der Corſaren/ welche ſie mit vollem Segel fiehen/ ſo ſie ſolche antreffen. 5 Zeit der Corallen Fiſcherey. walt den Corall heraußziehen/ fallet ſo viel in dern Ufer des Baltiſchen Meers/ und Reis beſchreibung in Indien och habe hier eine Bemnerckung tvegen de 8 Coralls/ etliche Orientaliſche Voͤlcker betref fent zu thun. Die Japoneſer wie ich geſagk uche, habe ſchatzen weder Perlen noch Steine/ und de g ſie ſchatzen nichts als einen ſchonen CorallenKnopf/ welcher jhnen dienet die Taſchen mit zu zunnachen; dieſe Taſchen ſeynd gemacht wit die/ ſo man vor dieſem in Franckreich getragen; es ſuchet einer den andern in der Groͤſſe des rallen⸗Knopft zu übertreffen/ und ſolchen durch eine ſeidene Schnur ſo die Taſchen beſchlieſſet zuziehen; dergeſtalten daß wer jhnen einen konte bringen in der Groͤſſe eines Eys/ ſchon ud ſauber ohne einigen Flecken darauf/ wurden ſie ſolchen ſo viel als man begehrte/ bezahlen. Ct liche Portugeſen/ welche vor dieſem eine groſſe Handelſchafft in dieſen Landern gehabt/ haben mich offtmaien verſichert/ daß man bis all 20000. Thaler dar vor bekomen konte. Ma muß ſich nicht verwundern daß ſie ſo viel Gell vor ein ſchoͤnes Corallen⸗Stuck geben/ diewen die Verachtung ſo ſie von den Edelgeſteinen thun ſie nur begierig ſeyn/ Sachen zu haben welche man ſehr wenig anderswo ſchatzen wurde. ie ſcha zen über alles eine Haut von eine gewiſſen Siſch/ welche harter iſt als der ha. grain und dieſer iſch hat wie ſechs kleine Bein lein auf dem Rucken/ auch manchmalen achte welche ſich erheben/ und mit einem andern n der Mitten eine Ronde machen/ welches einen gl Dialnant⸗Noſen gleich. Sie machen auß die ehe ſer Fiſchhaut Saͤbel⸗Scheiden/ und je beſſek 90 dieſe kleine Beine die Roſe formieren/ und ein, geordnet ſeynd/ je mehr ſie Gelt darvor geben, etlichmalen bis auf 1000. Thaler/ wie mi?/ deſſen die Hollander verſichert haben. Um wie, wa der auf den Corall zu kommen/ und die Rede zu gan enden/ muß ich hinzuthun/ daß all das gemeint, 6 Volck ſich damit zieret/ und ſolches zur Halte kae und Arm⸗Zierde in gantz Aſien brauchet/ unn ie, vornemlich gegen Aufgang auf den Landern des Groß⸗Mogols/ und oben auf den Bergen ſo ſich gegen dem Koͤnigreich Alen und Bos tan ziehel. 5 1 9 7 Der gelbe Agtſtein wird nirgend zuſanen 4 geleſen/ als in dem Hertzogthum Preuſſen a be den 10 We Meer wirfft olchen von Zeit zu Zeit/ durch ge, wiſſe Winde auf den Sand. Der Cher; Fuͤrſt von Brandenburg ſo daſelbſten 11 ſchet/ verlehnet dieſen gantzen Stran ſchachtzehen bis zwantzig tauſend Thaler Ja U lich/ und etlichmalen bis auf zwey und u dor; zig tauſend/ und die Mieth⸗Leute erhalten chten Wachter/ welche das gantze Ufer dringen ſtreichen/ weilen das Meer bald auf der e dg bald auf der anderen Seithen außwirfft( mit niemand nichts darvon entwenden ko und welcher ſich ſolches zu thun underſtil wurde am Leib geſtrafft werden. 4 We Dier Agtſtein iſt anders nichts algen ſamenbachung/ welche in dem 5 Erner Art Gummi geſchihet 5 ine; ide welches die in fahrenheit genugſam beweiſet diewa eine Menge Stucke geſehen hat“ wong Das Ander Buch. 15 Mücklein und anders Ungetefer/ Jh 6 5 welche darinnen zuſamen gebachen. duden viel ſolcher ſtncklein geſehen/ un under Ml 90 eines worinnen vier oder fünff kleine rn. der Mitte zuſatnen gebachen wadune Aalen Cc dich wieicheigeAnmnckung van den V che Japonien belangend gemacht habe/ wil ad eldere von dem Agen Ehing berkef; Chi chunt. Es iſt ein Gebrauch under den D uren daß kwaß ein groſſer Her: ein Mahl galt gehet es an ſeine Hochheit und PrachHate ende des Mahls/ drey oder viererley wens Nauchfaer bringen zulaſen und agen jedes eine groſſe menge Agſtein werffen maßen manchmalen bis auf kauſend oder den, Sheer erk h argeſehen daß e wehr er ft/ je groſſer die Stücker ſeyn/ was ein uud wagen ſolte/ ware von zwey bis drey u. Aut Thaler werth, Sie bedienen ich des Nea ae een echten brevel edge e dea een dale doentoen der deſe W 10 e iſt/ einen gewiſſen Grö ale ich giebet/ ſo den Chineſern nicht miß5 l/ wie ek eine arth Oele fuhret/ wirfft er eine dieſtrifft. Dieſe Verſchwend⸗ und Verdebug iſt Urſache das der Agſtein eine von 6 beſten Jag ren iſt ſo man in China bringen dan kann die Handlung vor die Frombden ware/ dann Hollaͤndiſehe Geſellſchafft/ e endieChmeſer bis auf Bata via ſolchen von jhWa 8 we kaffe komme e e 0 Ich wil dieſes Capitel nicht enden ehe ich eiWat ge Amegungen von dem grauen Amber geauen habe“ Man weißt nicht zun beſten wie wachſet/ oder wo er ſich formiert; aber es hat e 0. gutes Anſehen/ als ob es nirgend anders 5 n Offentaliſehen Meeren geſchehe/ obwol n eklich malen an den Engelfandiſchen/ und Adern unſern Europriſchen See⸗Kuſten ſolden gde Deſſen groͤſte Menge findet 5 ſch gendem Hreladſchen Sonde, vornemales bey dem Außlauff deren ſo Riodi Sena Mosi wird. Wann der Befehlhaber von Ache eue zu ende dreyer Jahren wieder. ber Gon konnt/ und die Zeit ſeiner Verwaltung 2 0 ſſen bringet er gemeinlich nahe bey drey erk ö rdos grauen Amber mit chen tauſend Pardos grauen Am — iſt unſerer Müntze ſiben und zwantzig 1 über es finden ſich manchmalen StückeeeiGehe Groͤſſe und Gewichts. Als oa auf Mianilles abfuhre/ nachdemne ſolches fudder enge von Malaccaubergefahren/ bewech es ſich in einem Ungewitter eingewickelt/ wanne allzeit bedecket/ und dem Steurderdeſe nmoͤglich die Hohe zugewinnen. UnMa en enge Reiß un ander debens Hritel M fehlen berge chlagcen ſie ſich/ ob ſie die bench dale ben werſewolken, un die a i unmen von ſich/ ſo die ordinari Flammen ehelich ſonderlichdieſe Handelſchafft/ weigegen den Außguſſen der Flüſſen/ und über dein Pardo/ wie ich anderswo geſagt he 1687 ein Portugeſiſches Schiff von es etlich Tag und Nacht währte; der . Mittel für die weiſſe Manner zu erhalI. Theil. 0 145 ten/ und waren ſie auf dem Munten ſolch werckſtellig zumachen/ als 55 89 die Sonne ſich wieder er zeigte und ihnen eine Inſul entdeckte/ deren ſie zimlich nahe waren/ und wo ſie doch nicht als bis auf den andern Tag Ancker werfen konten; weilen das Meer hoch und der Wind wenig vortheilhaftig ware. Es ware in den Nachen ein Frantzos Marin Renau von Orleans ſamt ſeinem Bruder/ welche nachdeme ſie auf dem Land waren/ einen Fluß fanden/ welche ſich mit zweyen Portugeſiſchen Corporalen und einem Wachtmeiſter imAußguß deſſelben badeten. Einer von den Corporalen ſahe in deme er gebadet/ ein groſſes Stuck ſo nahe bey dem Geſtaad ſchwume/ welches er ſelbſten nahenden für ein Stuck ſchwamigten Steins nahme/ und ſelbiges ohne anders Bedencken dorten lieſſe/ ſo wol als die Mer andern/ ſo ſolches auch beſchauten/ und taſteten ohne daß ſie erkandten was es ware. Als ſie wieder zuruck in das Schiff. waren/ dachte eben ſelber Corporal an das Stuck welches er nicht recht/ was es ware/ erkeñen konnen/ und nachdeme er von dem grauẽ Amber hatte horen reden/ dachte er jhm nach/ dieſes möchte auch deſſen ſeyn/ in welchem er ſich nicht hetroge. Den andern Tag/ ohne ſeinen Mitgeſellen etwas davon zu ſagen/ nahme er einen Sack/ ließ ſich auf die Erde ſetzen/ und gienge zu dem Fluß als wann er noch einmal Baden wolte/ fande das Stuck grauen Amber/ und truge ſolches heimlich in das Schiff/ wo er es in ſeine Kuͤſten legte. Er konte nicht underlaſſen denſelben Abend noch ſolches dem Marin Renau zu vertrauen/ welcher nicht alſobald glauben wolte/ daß dieſes Stuck grauen Amber ware; aber nachdeme er ſolches wol betrachtet/ glaubte er letſtlichen daß ſich der Corporal nicht bertoge. Dieſer auf gerathwol anerbotte dẽ Mar in dieſes Stuck um zwey Chineſiſche Goldbrodt/ ein Goldbrodt iſt oo. Francken unſerer Muͤntze; Aber nach denne Marin halßſtarriglich nicht mehr als eine geben wolte/ hielte der ander ſeiner ſeits quch gut/ und bee hielte das Stuck in ſeiner Kiſten/ wenig Tage hernach/ ſeye daß der Zorn/ daß Marin das Stuck grauen Amber nicht bekommen koͤnnen/ um das was er anerbottẽ/ in Reden machte/ oder daß ſolches durch andere Mittel entdecket worden/ hat ſich dieſes Geſchrey in dem Schiff außgebreitet/ daß der Corporal ein mercklich groſſes Stuck grauen Amber in ſeiner Kiſten habe/ und daß er ſolches ungefahr am Ufer dieſes Eylands gefunden/ wo die Portugeſen Ancker geworffen/ wolten die Boods⸗Knechte und Soldaten jeder auch ſein Theil haben. Marin Renau quß einer leine Rachgierigkeit/ mahnet ſie an/ und underrichtete ſie. Sie ſagte zu dem Corporal/ daß weil ſie alle ſeine Mitgesellen waren/ und in gleicher Gefahr mit einander ſchwebten/ ware es hillich/ das ſie gleichen Theil an dieſem Gut hatten/ ſo das Glück jhnen ins gemein anerbiete/ dieweil er nicht der einige ware deme es die ſes Stuck enrdecket hatte/ welches folgbar dem gantzen Schiff muſte gußgetheilet wee Corporal ware 5 te ſich ſo gut als jhme moglich/ und weil er etliche fande ſo auf ſeiner ſeiten waren/ auß Hofnung/ deſto mehr für jhren Theil an dem Stucke zu haben/ wann deren weniger begehrend waren/ dieſe Wort⸗Wechslung fienge an ſich zu erhitzen/ un gabe ſchon das Anſehen zu einem Aufftande/ welchen der Schiff⸗Haubtmann alsbald durch ſeine Klugheit zu ſtillen wuſte. Er gabe den Soldaten und Boots⸗Knechten zu verſtehen/ daß weilen dieſes groſſe Stuck grauen Amber eine ſeltzame Sache ware/ welches er in jhrer Gegenwart wagen lieſſe/ und welches drey und dreyſſig Pfund ſchwar gefunden wurde/ ware es ein ſonderbares Stuck und würdig dem Konig anerbotten zu werden/ ware alſo ſchade ſolches in ſo viel kleine Stucke zu zerſchlagen; daß ſie jhre Rechnung viel beſſer finden wurden/ wann ſie ſolches behielten bis zu ihrer Wiederkunft auf Goa, alwo wann ſie ſolches dem Königlichen Statthalter aner bieten werden/ wird es nicht fehlen/ ſie wol zu bezahlen/ und daß auf dieſe Weiſe ein jeder wol mehr bekommen werde. Dieſes Mittel ſo der Haubtmann erfunden/ wurde von jedermann gebillichet/ ſie ſetzten jhren Weg bis auf Manilles fort/ und zu ihrer Ruckkunfft auf Goa, ward das Stuck grauen Amber dem Koͤniglichen Statthalter üͤberbracht. Der 1 5 hatte hm ſchon geſagt auf was eiſe alles vorgangen/ und ſie hatten ſich mit ein ander berathſchlaget auf was Art ſie dieſer graue Amber ſonder daß er den Koͤniglichen Statthalter etwas koſten/ bekommen konten. Die jenige ſo ſolches im Namen der BootsKnechte uñ Soldaten dem Koͤniglichen Statthalter anerbotten/ wurden bedancket/ und der Koͤnigliche Statthalter ſagte/ daß er jhnen groſſen Danck vor das ſchoͤne Geſchancke wiſſe/ welches er dem Konig ſchicken wolle/ welches damalen Philipp der Vierte/ welchem das Portugal noch underworffen/ ware. Alſo alle die ſo einen Theil an dem grauen Amber haben wolten/ wurden ihrer Hofnung beraubt/ und weder von dem Koͤniglichen Statthalter/ noch von dem Konig deme das Stuck zugeſchickt wurde/ bekamen ſie nichts. Ich will noch ein Wort von einem andern Stuck grauen Amber ſagen/ welches zwey und viertzig Pfund gewogen. Anno 1646. oder 47. Ein Seelander von dem beſten Geſchlecht von Middelburg/ weleher in der Inſul Moritz/ welche zu Oſten deren von St. Lorentz iſt/ worinen er von einer Hollandiſchen Geſellſchaft gebotte/ fande dieſes Stuck an dem Ufer/ und ſandte es der Geſellſchaft. Wie aber dieſe Leute allezeit einde haben/ und man ein Zeichen an dem Stuck fande als wann man einen Theil darvon gebrochen hatte/ bezůchtigtꝰ man deſſen den Befehlhaber/ als wann er den halben Theil arvon genommen hatte/ deſſen er ſich zu Bata Va echtfertigte. Aber weilen der Verdacht in vielen Hertzen geblieben/ und der Befehlhaber geſehen daß man jhme kein anders Amt 5 1 n 0 wieder in See Land zuruck gekehret un Jahr 1649. auf eben dem Schi worauf ich mich befunden. Schiff Reisbeſchreibung in Indien/ an ſtatt des Biſams ſo ſie herauß gezogen ſ⸗ ben. Dieſe Vermiſchung keugek inder l außgeſchnitten/ und den Biſam ſo viel a herauß nehmen konnen/ ohne daß man de un ſehr viel achten moge darauß genommen(iat ſet. Aber der. Betrug iſt wol ſchwarer d Beutel gemacht werden/ welche ſie gar chen deme ſie davon nehmen was Das X XIV. Capitel. 25 0 Von dem Biſen und Bgoar/ und al, dern Artzneymaͤſſigen Steinen. N Bee , Er Biſam und Bezo at von ben geh 15„ D tenſten und koöſtlich enden 10s OD ſo uns Aſten hervor giebet/ habe ich Rathſam zu ſeyn befunden/ ein Capitel dar, von zu machen/ und dem Leſer auch etliche Anf merckungen auf dieſe zwey Articul zu ge eln. Die beſte Art und die meiſte Vielheit 15 N Biſams komt auß dem Königreich Bout von welchem man ihn auf Barna bringet/ die ſo die Haubt⸗Stadt in Bengala um mit 1 nen ſelbiges Landes Handelſchaft zu treibe 3 Aller Biſam ſo in Perſien verhandelt 19 komt von darmen/ und alle Handelsleilt 10 mit dem Biſam gewwerben) haben lieher o mand engen een and Coral alss e: und Silber bringe/ dietveil ſie dieſe zwey Euch 9 eingenommen die Haut dieſes Thiere auf fe,. e e e uu schen ee Nachdem man dieses Thier getödteb ſhnebel 8. man jhme die Blaſen auß welche auſſerthalb e Bauch /n der groſſe eines Eyes ſiehelz und wa che naher bey dẽ Geburts⸗ Theilen als bey ben Nabel iſt. Nach dieſem ziehet man den Bi 0 95 auß dieſer Blaſen/ und welcher damal 1717 g 7125 anders als gerunnen Blut auß ſiehet/ wann hi ſe Bauen ſolchen perfalſchen wolſen/ thun lt gehacket Blut uñ Leber von dem Thier zuſae Blaſen nach dem Berffuß zwey oder dreyer Jan, len gewwiſſekleine Thierlein/ welche den rechen VBiſam freſſen/ dergeſtalten daß wann lien ſolches eröffnet/ findet man viel Abgang e rinnen. Andere Bauren wann die 15 ſin an deſſen Stelle kleine ſtucklein Bley/ 0 55 es deſto ſchwarer ſeye. Die Kaufeute/ ſo 1 chen kauffen und in froͤmbde Lander führen ee Betrug mehr als den andern/ die⸗ une weil keine dieſer kleinen Thieren darinnen 11. decken/ wann von der Haur deß Thiers klein 0 ſaubes, 61 auß mit Faden von eben der Haut zuſamen na 0 und welche den warhaften Blattern gleie und ſie erfüllen dieſe Beutel mit dem ſo ſie dt den warhaften Blattern weggenommen ⸗ och dieſer betrüglichen Vermiſchung ſo ſie erde hinzuthun wollen/ welches ſehr ſchwar ve Kaufleute iſt ſolches zu erkennen. Es daß die Blater/ welche ſie weggeſch bey iſt/ ohne daß man deren Lufft dem Geruch Zeit laſſe/ etwas von ſe cke zu verliehren/ und etwas zu verr cb olſie weg thun 42775 en wurde es geſchehen/ daß wann man dieſe Blaſen einein vor died daſen hielte/ wurde jhme 8 1 Blut alſobald wegen der ſtärcke des Geuchs darauß ſchieſſen/ welcher nothwendig 10 gemaſſiget ſeyn muß/ um ohne dem Hirn ſchad80% geh du ſeyn/ doch annemlich ſeyn ſolle. Der 166“ i eruch dieſes Thiers ſo ich auf Parts gebracht habe ware ſo ſtarck/ daß es unmoglich ware ſoldes in meinen Zimmern auf zubehalten; Es 1 0 jederman im Hauſe Kopffwehe/ und 0 ahale ſolches in den Speicher hacken muſe wo endlich meine Leute jhme die Blaſen 0 ggeſchnitten/ welches doch nicht verhindert daß die Haut nicht allezeit etwas von dem Gefe gufbehalten/ man fanget niemalen an diees Thier zu finden/ als in dem 56. Grad; Aber 1 60. hat es eine groſſe Menge/ weilen das dand mik Walden angefullet. Es iſt wahr 0 in dem Hornung und Merten/ nachdeme Dieſe Thiere den Hunger in dem Land worinGin groſſer Menge bis von ehen auf zwolff 5 91 h hoch fallen/ kommen ſie von Mittag Der bis auf den 44. und 45. Grad/ um das neue gn 0 1s 1 Korn oder Reiß abzueſſen; und in dieſer Zeit Be„ Oken ihnen die Bauren auf Ihrer Reiſe mit f at ecken ſo ſie ihnen legen/ auf/ und toͤdten . 1 che mit Pfeilen oder Brügeln. Etliche 75 der jhnen haben verfichert/ daß ſie ſo mager 1 ie ab gernattet ſeyen/ wegen des Hungers ſo 1900 be auß ge ſtanden/ daß deren viel ſich im Laufe 125 f augen laſſen. Es muß eine erſchröckliche „ enge dieſer Thieren ſeyn/ ein jedes von 117 0 bann hat nicht mehr als eine Blaſen/ und die A Milde ka olte iſt nieht gröſſer als ein Huͤnner⸗Ey/ und I e ben nich mehr als eine halbe Unzen Biſam ge1 ile den M ft drey oder vier Blaſen 1 eden hahe, an muß offt drey oder vier Blaſe 1 n di A um eine Untzen Biſam darauß zu ziein Der Konig von Bouran, von welchem ich 95 dem folgenden Buch reden werde/ in der T reibung ſo ich von dieſem Königreich daun will/ beförchtende daß der Betrug ſo mit Funde iſam vorgienge/ das Gewerbe nicht verTune/ um ſo viel mehr weilen man quch . 2 85 und Cocinchine welche noch theu5 10 weil man deren nicht ein 5 groſſe Menbetet dicker Kong ſageich bechtendedaß — 0 Lerfelſchte Wacredie Handelſ haft nei ſe andern verſchreyete/ befahle daß alle dieö 5 Nlaſen nicht ſolten vernahet/ aber wol offen bdbdaefdauren ſo ſeine Waar⸗Stadt iſt gebracht 8 Erden, um aldorten erforſchet und mit ſeinem fi 10 verwahret zuwerden. Alle ſo ich gekauf9 an habe/ waren von dieſer Gattung/ aber ohn lee ſoigchen aller Vorſehung des Königs/ offnen 5 Wee en Bauren ſauberlich/ und 1 0 wie ich 6 fegen j welchen kleine Bleyſtücklein darein/ pen lep den die aufkeute ſchweigen weilen ne f Ache n Biſarn nicht verderbet/ wie ich ſelbſt in einen und nur dem Gewicht unrecht thut 767 einer Reiſen auf Para, kauffte ich ge 5 lake, welche 2557. 4. Untzen gewoDe. Untzen auſſer den Blaſen. 5 Ii. hen n gußene dandſcaft des 55 Das Ander Buch. en ſie ſind erlitten/ wegen der Schneen/ wel⸗ iſt Koͤnigreichs Golconde, gegen dem Mord⸗Oſt ul. Er findet ſich under dem Miſt/ fo in dein Der dung Bauch der Ziegen gefunden wird/ welche ein? Stauden abetzen deren Namen ich vergeſſen habe. Dieſe Pflantzen/ ſtoſeet klein Knopffe auß um welche und die ende der Zweigen ſo die Ziegen freſſen/ wird der Bezoar in dieſer Thieren Leibe gezeuget. Er nimt ſeine Form nach denen der Knopffen und dem ende der Zweigen/ und iſt dieſes diel rſach/ daß ſo viel un derſchiedliche Figuren gefunden werden. Wann die Bauren der Ziegen Bauche befühlen/ wiſſen ſie wie viel Bezoar darinnen/ und verkauffen ſolche nach der Ebenmaſe der Vielheit ſo bey jhr zu finden. Un ſolches zu wiſſen/ chun ſie beyde Hande under der Ziegen Bauch/ und ſchlagẽ den Wangſt nach der lange der beyden Seiten/ dergeſtalten daß alles in der mitte des Bauchs komt/ und ſie alſo gewiß in jhrem fuhlen zehlen koͤnnen/ wie viel Bezoar darin Die Seltenheit des Bezoars beſtehet in der Groͤſſe/ obſchon der kleine nicht weniger Tugend als der groſſe hat; aber in dieſem iſt ſe man oftermalen betrogen/ dieweil es deute giebt ſo de Bezoar mit einem gewiſſen Deig vergrofſern/ ſo mit Gummi und anderer Makeri von der Farb des Bezoars zugerichtet wird. Sie foͤen ſolche eben ſo vielumwicklung geben/ als der Natürliche Bezoar haben ſoll. Man kan dieſe Betriegerey fürnemlich durch zwey Mittel wiſſen/ bas erſte iſt/ daß man den Bezoar wagen muß/ und ſolchen in lau Waſſer ezliche Zeit einduncken. Da dann das Waſſer die Garbe nicht andert/ und wann der Bezoar nicht von ſeinem Gewicht verliehret/ iſt er nicht verfaͤlſchet., Das andere Mittel iſt/ daß man ein gluend ſpit iges Eyſen dem Bezoar nahet/ wann das Eyſen darein gehet/ und ſolchen roͤſtet/ iſt es ein zeichen/ daß er vermenget/ und daß er nicht naturlich iſt. Im ubrigen je groͤſſer der Bezar/ je theurer iſt er/ er ſteiget nach Gleichheit wie der Diamand/ dann ſo fünff oder ſechs Bezoar eine Untzen wagen/ ware die Untzen von füͤnff bis achtzehen Francken werth; aber ſo es ein Bezoar einer Untzen ſchwar iſt/ ware die Untzen hundert Francken werth. Ich habe einen von 44. Untzen bis auf zwey kauſend Fraucken verkauft. 55 Ich habe die Begierde gehabt/ von allem tbas Ain rohem We. th. von dem Bezogr zu wiſſen iſt/ mich wol underrichten zu laſſen/ und ich hatte ſchon underſchiedliche Reiſen auf Golconda gethan/ ſo der Ort iſt/ wo ſolcher am meiſten verkaufft wird/ ohne daß ich hatte vernehmen koͤnnen/ in welchem Ort in der Zigen Leibe er gefunden wird. In meiner fünfften Reiſe /etliche PartieularPerſonen ſo in den Engliſch⸗ und Holſandichen Compagnien Dienſte hatten/ und welche kein beſondere Handlung haben doͤrfften/ waré mir verpflichtet/ weil ich jhnendhngefaͤhr für ſechs ig tau end Roupies Bezoar verkauffen machte. Die Kaufleute ſo ſolchen verkaufft hatten/ wolten mix jhre Erkandtnuß erzeigen/ und mir etwas verehren/ jeh habe es gbge5„„ ſchla0 Sein Raritet heſtelet in der Groͤſ15 148 5 ſchlagen/ und ſagte jhnen daß ich niemalen von jemand/ wer es auch geweſen/ nichts genommen/ was für Dienſte ich auch geleiſtet hatte. Aber ich gabe jhnen zu erkennen/ daß ich jhnen noch dienen konte in der kunfftitigen Mongon, und daß ſie mich ihrer ſeits auch verpflichten würden/ wann ſie mir drey oder vier von denen Zigen holten/ ſo den Bezoar tragen/ jhnen verſprechende/ ſolche nach jhrem Werth zu bezahlen. Sie ſehienen gantz beſtuͤrtzt über das Begehren/ ſo ich an ſie gethan/ und antworteten mir/ daß das Verbott ſo ſtreng ware/ daß wann man einen entdecken konte/ welcher ſo kühn ware eine auß dem Lande zu laſſen/ leeſſe man ſolchen ohne Genade toͤden. Ich ſahe wol/ daß ihnen ſolches verdrießlich; dann auf einer Seiten foͤrchteten ſie die Straffe/ und auf der andern beſorgten ſte/ ich mochte jhnen verhinderlich an einem Kauf ſeyn/ welches ihnen einen groſſen Nachtheil bringen koͤnte/ weil dieſe arme Leute/ ob ſie gleich verkauffen oder micht/ verpflichtet ſeyn dem König vor die Lehnung 6000, alte Pagodes zu bezahlen; welches 45000. Francken unſerer Muntze ſeyn. Vierzehen Tag oder mehr darnach/ nachdeme ich nicht mehr an ſie gedachte/ kamen jhrer drey vor Tag/ an meiner Thur anklopfen/ ſo bald ſie in meiner Kammer waren/ wo ich noch im Bethe lage/ befragten ſie mich/ ob alle meine Diener frembd waren/ und weil ich keinen auß der Statt gehabt habe/ und ſie alle Perſianer oder von Surate waren/ ſagte ich jhnen ſie waren alle Froͤmbd/ und uber dieſes giengen ſie weg ohne mir zu antworten. Eine halbe Stund hernach kamen ſie wieder mit ſechs deren Geiſſen/ ſo ich mit weile betrachtete. Man muß bekennen/ daß es ſehoͤne Thier ſeyn/ ſehr hoch/ und welche zarts Haar wie Seiden haben/ ſo bald dieſe Geiſſen in meinem Saale waren/ der alteſte von dieſen Kaufleuken welcher mir ſolche zugeführt hatte/ fuhrte die Rede nur mir ein Wortgep ane zu machen/ und ſagte/ daß weilen ich die Verehrung ſo ſie mir thun wollen/ nicht hatte wollen annehmen/ weil ich jhnen den Kauff einer ſo groſſen Summa Bezoar hatte zu wegen gebracht/ zum weligſten ſolte ich dieſe ſechs Ziegen nicht außſchlagen/ welche ſie mir von gantzem Hertzen geben. Weilen ich ſolche nicht vor eine pure Verehrung wie ſie es wunſcheten/ habe wollen annehmen/ habe ich ſie geftagt/ was ſie werth ſeyn mochten/ und nachdeme ſie ſich lange Zeit mir ſolches zu ſagen geweigert hatten/ ware ich endlichen ſehr beſtuͤrtzet/ und glaubte ſie ſpotteten/ als ſie mir ſagten/ daß eine dieſer Ziegen welche ſie mir wieſen/ drey Roupies werth ware/ daß eine jede von den zweyen andern ſo folgten vier werth ware/ und daß eine jede von den dreyen/ ſo noch ubrig waren 42. Roupies. Auf dieſes fragte ſch ſie/ warum dieſe Ziegen eine theurer ware/ als die andere/ ſag ken ſie mir/ daß eine nur einen Bezoar im Bauch hatte; und daß die andern entweder ztvey/ 00. drey oder vier hatten/ welches ſie mir zur ehret. Reisbeſchreibung in Indien/ Stund wieſen/ in deme ſie jhnen die Bäuche klopfften/ auf die Weiſe wie ich beſſer oben geſagt habe. Dieſe ſechs Ziegen hatten 7. Beioa ren und ein halben/ wie der halbe Theil einde Haſelnuß. Daß Inwendige ware wie weichen Ziegen⸗Koht; diefer Bezoar wie ich geſaghk habe/ wachſet in dem Miſti/ ſo in dem Ziegen 100 Bauch iſt. Etliche ſagten mir/ daß dieſer Be⸗ c zoar gegen der Leber genommen wurde/ an; aan dere ſagten/ daß es gegen dem Hertzen ſepe, mg und ich habe niemalen die Warheit deſſen er⸗ s kündigen konnen. 1,„ So wol in Orient als Oceident hat es wa eine groſſe Menge Bezoar/ welcher von Kü⸗ eb hen komt/ und es findet ſich deſſen ſo bis qu 17. und 18. Untzen waͤget/ ich habe einen gehabt ſo dem Groß⸗Hertzog von Florentz vel ehret worden. Aber man ſchatzet dieſen Bezoar nicht/ ſechs Gran von dem andern machet mehr als dreyſſig von dieſem. Alen Was den Bezoar ſo von den Affen kommt vn belanget/ iſt ſo ſtarck/ daß zwey Gran ſo vie machen/ als ſechſe von den Geiſſen; aber it ſelzam/ und es finden ſich ſonderlich dieſer At Affen in dem Eylande Macafſar. DieſeArt Be, ia zoar iſt rund/ an ſtatt daß der ander under Ee ſchiedliche Figuren hat/ nachdeme er von del ge Knoſpen und Zweig⸗Gipffen/ ſo die Geiſſen gefreſſen/ geformet worden. Die dieſe Steine 177 Grbſſe ſo man glaubt/ daß ſie von den Geiſſen komen geh viel ſelzamer ſeyn/ als die andern/ ſeyn ſie auc aue um viel theurer/ und werden mehr geſucht/ und 1 wann man einen einer Nuß groß findet/ ware er mehr als hundert Thaler werth. Die Por? tugeſen uber alle andere Voͤlckerſehafftenſchazen den Betoar ſehr hoch/ dieweil ſie allezel auf einandern Achtung geben/ foͤrchtende/ da nicht ein Feind ſie vergifften wolle. ae Es iſt noch ein anderer berühmter Stein, ae welcher der Stein deß Stachelſchweins ger fen nannt wird/ welchen dieſes Thier im Kopf har/ und welcher noch köstlicher wider das Gifft iſt/ als der Bezoar. Wan man Ihn eine Viertelſtund in das Waſſer gelegt har f wird ſolches ſo bitter/ daß in der Welt nichts bitterers iſt. Dieſes Thier hat auch manch. malen einen Stein im Leib ſo gleicher alu, und ſo gur als der iſt/ ſo auß dem Kopff kot 1 aber mit dieſem Underſcheid/ daß der ert nichts von ſeinem Gericht noch Groſſe 19 liehret/ wann er in das Waſſer gelegt wi and daß bey den andern en Abgene en 5 habe in meinem Leben drey von die ich 100 Steinen gekaufft. Der eine koſtete e uh fünf hundert Thaler und ich habe Ihn ſe Ken, her Vortheilhaffcig mir dem Abgeſalbten? Dominico von Santis; von welchen! 17 1 meiner Perſiſchen Beſchreibung geredet/ wu kauffet. Ich habe vor ein andern vier 175 dert bezahlt/ welchen ich noch aufteh und der Dritte ward nur um drey hun 5 verkaufft/ welchen ich einem Freunde e, de ge N 5 ins Js hi Ich will endlichen des Schlangen, Sau 600 gedencken/ welcher bey nahe eies Hallers 5 1 Dias Ander Buch. ſt/ und etlich ziehen auf die Ablaͤnge/ welche n der Mitten dick ſeyn/ und auf den Enden dautz dunn Die Indianer ſagen/ daß ſolche auf i 91. Kopffen gewiſſer Schlangen geſormet erden; aber ich wil eher glauben/ daß es b dleelbgöticchen Prieſter ſeyn/ welche jhnen eine 5s glauben machen/ und daß dieſer Stein a ne Vermiſchung von etlichen Makerialein iſt. 10 eie ſeye wie jhme wolle/ ſo hat er ein vortrefbene Fügendalles Gift wann man von einem en 85 giffteten Thier gebiſſen/ herauß zu ziehen. 1 1 bar hergußz gehe/ und wann der Stein daruff gelegek ift falt er nicht ab/ bis alles Gift ſo h kings herum geſamlet/ herauß gezogẽ habe. f ſolche zu ſaubern muß man Frauen⸗Milch unmen/ oder bey deren Abgang Kuͤhe⸗Milch/ hachdeme man bey zehen ober zwoͤlff 8 funden darein geduncket/ dieſe Milch ſo eden Gifft herauß gezogen/ nimt eine Eiter9 e an ſich. Nachdeme ich eines Tags 1 5 dem Ettz⸗ Biſchoff von Gon geſpeiſet hat9 fuhrte er mich in ſein mit Seltzamkeiten augefüllres Geheun⸗Stublein/ worinnen er ziel auß unſern Sachen hatte. Under annein keigte er mir einen ſolchen Stein/ und 55 deme er mir deſſen Eygenſchafft angeDelltet/ ſagte er mir/ daß es nicht langer/ als Fley Tag/ daß er deſſen Erfahrung gehabt/ nach welchem er mir ſolchen verehrete. Wie einen Moraſt des Ehlands Lallete überfekte/ allwo Goa iſt/ um in eine Feldwohnung 1 niehen/ einer von denen/ ſo jhn in ſeinem Pabis kruge/ und welche faſt gantz bloß ſeyn/ 0 0 von einer Schlangen gebiſſen/ und 5 dg 0 bald durch dieſen Stein geheiler. Man 1 Melle c olblener ſich zeveyer Mtlen/ unn zu verſuchen/ Fall des zeit underlauffe. Das erſte iſt/ daß wann dae, wal den Sein in den Mund nimt/ alsdann diuaunder Stein gut ist ſpringet er auf und b e ſich an den Gaumen. Das andere iſt/ Ne. ein Glaß voll Waſſer zu legen/ und bee, Waſſer an znſteden/ eeliche kleine Blabig eigen von dem Stein ſo im Gund ligt 1 das Waſſer hinauf. Esiſt noch ein er l.. Stein/ ſpelchen man den Stein ei110 dehauhteren Schlangen nennt. Es iſt i, Art Schlangen/ welche in der That eine e hat/ ſo ihr hinder dem Kopfſ abhanm wie in der folgenden Figur vorgeſtellet 0 Fund hinder dieſer Hauben findet man eh Ehe kein der mindeſte iſt eines HunnerMage,(s groß. Es giebt in Affrica und Aſtg n e dagen tiger entſetzliehen Groſſe/ und welend lf fünf uind ztvanzig Schuh lang dar(iwie die ware deren Haut man zu Ba: fährsagafbehalket und welche ein achtzehe chin ges Magdlein verſchluckt hatte/ von wel1 10 allderswo die Beſchreibung gethan denen Dan findet keine dieſer Steine/ als bey Sun Schlangen/ welche zum minſten zwey i. lang ſind. Dieſer Stein ſo nicht it/ wann er wider einen andern Stein 0 ahn der Ort wo der. Biß geſchehen/ nicht Vl muß man darein ſchneiden/ damit das HNieſer Stein gut iſt/ und ob kein Betrug wann er nicht verfalſchet iſt/ fangt 148 gerieben wird giebt einen gewiſſen Safftwelcher mit Waſſer vermiſchet/ und 192 75 5 ner Perſon ſo Gifft im Leibe hat/ getruncken wird/ hat die Tugend ſolchen alſobald außzutreiben. Es giebt dieſer Schlangen nirgend/ als an den Melindiſchen Stranden/ und man kan dieſer Steinen durch Mirtel der BootsKnechten und Portugeſtſchen Soldaten/ welche von Mozambique wieder kommen ⸗ kriegen. l 5 Das XXV. Capitel. Von den Oertern/ worauß das Gold in Aſien und Affrica gezogen wird. in dem Chiniſchen Orient/ dem derdertern) N Aponien welches in vielencylandern/„ J, Nord zuziehende/ beſtehet/ und wo et⸗ wo das Gold liche gar glauben, daß Niphon, welches das beirn gröſte und gleichſam über das veſte Land angebunden/ die Landſchafft in Aſten ſeye/ ſo die groſte Menge Gold hergiebet/ aber man glaubet/ daß der meiſte Theil auß der Inſul Formoſa komme/ von welcher es in Japonien gebracht wird. So lang die Hollander dieſes Eyland eingehabt/ haben ſie nicht recht koͤnnen wiſſen/ welches die Handlung ware/ 12 der Seiten allwo man gloss/ baß Gold „ l Es komt auch Gold auß China/ welches die Chineſer gegen Silber/ ſo man ihnen 5000 bringt/ verrauſchen; dann Preis um Preis Chin. haben ſie das Silber lieber als das Gold/ dieweil ſie keine Silber⸗Gruben haben. Dieſes Gold iſt von dem ſchlechteſten ſo man in Aſten fe 5 Das Eylande von Celebes oder Macaſſar bringet auch Gold hervor/ welches auß den Fluſſen gezogen wird/ allwo es under dem Sand umweltzek. Inder Inſul Achen oder Sumatra nach Golde ld 7 a n 5„in der In der Regens Zeit/ und wann die Regen⸗Guͤſſe acken oder verfloſſen ſeyn/ findet man Gold⸗Adern in aware. Steinen underſchiederlicher Groſſe/ ſo die Regen von denen Bergen dem Nord⸗Oſt zu ſehend/ herab gezogen haben. Von der Seiten gegen Oſt/ in eben der Inſul/ wann die Hollander Pfeffer laden/ bringen jhnen die Bauren eine groſſe Menge Gold; aber es iſt ein ſchlechtes Gold/ und noch under dem Ehmen öff. Gegen Thiber, welche der alte Caucaſus in dem Land eittes Raja Über dem Königreich Cachemir, gieht es drey Berge nahe bey einander/ deren einer zeuget Gold/ der andere Granaten“ und der diitte den Lapis. Es komt endlich auch Gold auß dem KoTipra. 5 ſchlechtes Gold/ und bey nahe gleiches Schlags wie das Chiniſche Gold. Dieſes ſeynd alle Oerter in Aſia/ auß welchen Gold komt; und ich werde auch etwas von dem Affricaniſchen Golde ſagen/ und von der 5„ Gehigreich Tipra, welches Beſchreibung ich in Gold 5 d ſagendem Buch machen werde/ aber es Wöniereich Des Beſehlhabers von Mozambi150 Gegend wo die groͤſte Menge gefunden wird. Man muß wegen dieſer Urſach mercken/ que Getbalt: Gebieter von Sofala und Chepon-Goura under jhme hat. Das erſte von dieſen zwey kleinen Verwaltungen iſt auf dem Fluß Sena ſechzig Meilen von ſeinem Außlauff/ und das andere iſt ehen Meilen hoͤher/ von dem Außlauff dieſes Fluſſes bis an dieſe Oerter ſo wol von einer Seiten als der andern hat es eine groſſe Menge ſchwartze Einwohner/ deren jede von einem Paortugeſen befehlet wird. Dieſe Portugeſen haben ſint langer Seit ſich faſt dieſes Landes bemeiſtert/ und herꝛſchen aldorten als kleine Herren/ und fuhren um geringer urſache willen Krieg wider einander/ und es gibt deren ſo bis fünf tauſend Cattes under ſieh haben/ ſo jhre Leibeigne ſeyn. Der Befehlhaber von nozambique deime dieſe kleine Herren underworffen ſeyn/ verſtehet ſolche mit Tuch und andern notwendigen Wagren/ deren jegliche er ihnen in hrem Werth verkaufft. Wann der Befehlhaber von Moꝛembique von Goa weg reiſet um die Beſitzung ſeiner Verwaltung anzutretten/ welches die beſte iſt ſo von dem Köͤniglichen Statthalter herrühret/ bringet er eine groſſe Menge Waaren mit ſich/ und uͤber alles ſchwartz gefarbte Tücher. Seine Handels genoſſen von Goa ſchicken jhme auch alle Jahr zwey geladene Schiffe/ mit gleicher Wagre/ welche er auf Sotala und Chepon-Gouta ſchicket/ bis auf Monomotapa welches die HaubtSadt eines Königreichs gleiches Namens iſt/ onſten Voubebaran genannt/ dieſe Stadt 1 von Chepon-Goura bis guf hundert und Unfftzig oder mehr Meilen entfernet. Der jenige ſo in ſelbigem Lande regieret/ führt den Namen des Keyſers von Monomotapa, und ſein Bottmaſſigkeit erſtrecket ſich bis an die Graͤntzen des Preltre- Jan. Auß der Erden Das für, von NMonomotapa iſt es/ daß das feinſt und nemſte Gold beſteſte Gold in Affrica komt/ und man in gantz Affriba komt ziehet ſolches ohne groſſe Mühe herauß/ wann auß Mono, inan nur zwey oder drey Schuh tieff in die ö gtapa. 1 Erden grabet. In gewiſſen Orten ſelbiges Lands ſö nicht bewohnet wird/ dieweil es daſelbſten kein Waſſer giebt“ findet man auf der oberfläche der Erden ſtucklein Gold/ von allerhand Form und Gewicht/ und es giebt ſo mehr als eine Unzen wagen. Ich abe wegen deſſen Seltenheit etliche ſtuͤcklein init mir gebracht/ welche ich guten Freunden verehrt/ und es giebt deren/ ſo bis au wey Untzen kommen/ ich habe eines von einer eee halben oder mehr/ aufbehalten. Als ich mit dem Heren von Arcdliliere des Heran du jardin ſeinem Sohn/ von welchem ich in meiner Perſiſchen Beſchreibung Meldung gethan/ zu Surate ware/ kame alldorten eil Abgeſandter von dein abillner Konig an/ welchen koir begrüßten; Ich verehrte Ihme ein paar init Silber eingelegte Piſtolen/ nd nachdeme er uns mit ihn die Mahlzeit einzunemmen gebetten„bvieſe er uns die Verchrungen welche er dem Groß⸗NMogol im — 0 Neisbeſihreibung in Indien 5 daß der Befehlhaber von Mozambique die. gewiſſen Jahren gibt es Cares Namen 10 15 Königs überbrachte. Cs beſtunde ſolche in vierzehen ſchönen Pferdten cht welche jhme von dreyſſig ſo er auß ſeinenn Lande gebracht/ uͤbergeblieben waren der den andern ſo ihme in dem Schiffe zu ſchanden gerathen/ als er das Meer von Mock auf Surate übergeſetzet. Mehr in einer Menge junger Leibeigenen/ ſo wol ein als andern Geſchlechts/ und endlichen(was das vornem ſte und würdigſte bewundert zu werden) ware ein Baum von lauterm Golde/ di 10 Schuh und vier Daumen hoch/ u Meer oder fünff Daumen dick von Stammen. Er hatte zehen oder zwoͤlff Aeſté/ deren erliche bey nahe eines halben Schuhes lang waren/ Daumens dicke/ auch andere die el was kleiner waren. An etlichen Orten des groſſen Aeſten ſahe man etwas rauhes/ welches in etwas den Knoſpen gleichte. Die dun len dieſes Baums/ ſo die Natur alſo gemaach hatte/ waren klein und kurt und die langt hatte nicht mehr als vier oder fünff Dau Die Volcker dieſes Koͤnigreichs von a0 nomotapa, wiſſen die Zeit wann das Tuch und andere Waaren zu Sofala und Chepon Gouta ankommen/ und ſie kommen alſohalden dorthin/ mit dem was ſie noͤthig habe ſich zu verſehen. Es komt auch eine gro, Anzahl Cafres quß andern Köaigreichen uns Landern/ und die Befehlhaber dieſer zwehen Stadte verkaufen jhnen die Tůcher/ und andere Sachen deren ſie noͤthig haben/ ihnen um die Bezahlung vertrauende/ welche e ſich verpffehren das künftige Jahr fach a zuſtatten/ jhnen ſo viel Gold bringende/ als ſie mit einander beſchloſſen/ dann wann mal Ihnen wegen der Bezahlung nicht traute/ wulde keine Handelſchafft zwiſchen den Ui geſen und dieſen Catres vorgehen. Es ö behhahem als wie mit jenen Etiopiſ Vollckern/ welche alle Jahr Gold nachel kair bringen/ von welchem ich in der Beſchietbung des Groß⸗Turcken Pallaſt geledek a, be. Die Einwohner don Hienomoeſe n ben nicht lang wegen der boſen Wal ig en des antdes/ und in dem fünff und dra e ſten Jahr fangen ſie ſchon an Waſſerſſuchs zu werden/ alſo daß es für em Wimden 15 halten wird, wann ſie über viertzi bah kommen. Die Landſchafft wo der Fl na ſeinen Urſprung mmm ird daes ng F genennt/ und gehort einem andern hundert Meilen oder mehr uber Chepon nd, ra qnfangende. Die Einwohner dee gar ſchaſft finden eine groſſe Penge geplferhe Gold in underſchiedlichen Fltiſen/ ſo 1 741 Sena fallen/ aber dieſes Gold it ſchlechter als das andere“ und ſie Seal ſolches auf Obepon- Goule und Das Lalid iſt ſehr geſund/ und deſſen Ee wohner leben ſolang als in ech 650 weiter als auß der Laſidſchafft Waouse 0. und der Nachbar ſchafft des Vorgebunges 5 5 . „„ͤöͤ;. 050 ass spei kommen. Die Portugeſen haben 15 lich von ihnenjhres L funde 9 undigen wollen; aber nichts anders zur 1 9 5 bekommen/ als ihr Land heiſſe Sabia, and werde durch einen Konig regiert/ und daß ſie gemeinlich vier Mongt Wegs haben auf olala zu kommen. Das Gold ſo ſie bringen/ iſt vortrefſich und in Stucklein wie das ee e ſagen ſie/ ſi finden ſoloder auf hohen Bergen wann ſie nur zehen 5 ztwolff Schuh in die Erden graben. Sie Qulgen auch eine groſſe Menge Elephantenhne/ ſagende es gebe ſo viel in ihrem Lande/ aß man ſte hauffenweiſe im Felde ſehe/ und 5 aß alle Stacketen jhrer Veſtungen/ und ihre Algeſchloſſene Luſtwaldlein mit Elephantenahnen ſeyen/ welches ich auch ſchon anders1 bemercket. Ihre gemeinſte Speiſe iſt von peu Gleiche dieſes Thiers/ und vier dieſer Cares mit jhren Ageagayes, welches eine Gattung halber Piquen iſt/ fehlen nicht einen Elea hanten zu Boden zu werffen/ und ſolchen zu baden. Alle Waſſer ihres Landes ſeynd ſehr bos/ welches Urſache iſt/ daß ſie alle geſchwolene Beine haben/ und iſt es ein groſſes Wunber/ wann einer von jhnen deſſen entbroſten. Aber Sofala iſt eine Gegend alwo ein KoMae lig regiert ſo der Koͤnig von Baros genant ue de wird. In etlichen Orten ſeines Landes wache end et eine Wurtzel der Groſſe eines Daumens/ las did gelber Farbe. Sie heilet allerhand Gate kung Fieber/ weilen ſie erbrechen macht; aber weil man deren gar wenig ſindet/ verbietet der Voͤnig bey hoher Straff/ keine auß ſeinem Lande weg zutragen. Wahrender Zeit das Dom Gillppus von Maſcaregnas, Königlicher i Otatthalter zu Goa ware/ ſchickte jhme der „onnig von Baros ein Stuck von dieſer WurM ohngefahr drey Schuh lang/ an beyden Dolten mit Gold eingefaſſet/ und in der Mitzen guldene Ringe. Nachdeme ſolche der Köngliche Starthalter empfangen/ hielte er ſie S ohen Werth/ und nachdeme er dieſes den in underſchiedliche Stücklein zerſchnei gend laſſen/ verehrte er ſolche etlichen ſeiner dernden. Er ſchickte deren zwey auf durate dbu eren Eremelin Engliſchen Vorſitzern en cher mir ſolche weiſete/ und nachdenme ich 9 Stücklein von dieſer Wurzel auf die Zunb blen harte fündeich deren Geſchmark schr W ec.Was die Silber⸗ Gruben belanger(gibt as deken keine in gantz Aſien/ als in dem eitiia E Königreich Japon; l a hdeen hat 1 Belege; Sangore; Bot. gefun und Bata, ſehr keiche Zinn⸗Gruben den ade“ welches den Engellalndern Schawie gechau dieweil man deren Zinn nimmer Funden dieſem/ benohtiget iſt/ und es gibt jeFlbigen een genugſam in Aſien/ welches in 15 Landern zu nichts anderm dienet/ alsdie Topffe/ Keſſel und anderes Kupffer⸗Geſchirꝛ damit zu vVerzümen. Das Ander Buch. andes/ und des Namens und ſeith etlichen 151 Das XXVI. Capitel. Erzehlung einer mercklichen Treuloſigkeit welche dem Author wie er von Gomron auf Surate einſchiffen wolte widerfahren. 0 Niem Mongt Aprillen des 166ſten Des Au, i Jahrs/ als ich auf meiner Abreiſe von pos Erzeh O Somron begriffen ware/ und nahe treuen mich in ein Schiff ſo dem Couratier der Hol⸗ Geschicht laͤndiſchen Geſellſchafft gehörig/ und von dem N Haubtmann Hanß befehlet wurde zu ſetzen um auf Surate zu reiſen/ gabe mir der ſche Sachwalter ein Paquet Briefe/ wel in Eyle auß Engelland gekommen waren/ um dem Vorſteher von Sarate übergeben zu werden. Dieſes Paquet ware ſehr groß ˖ über die Brieffe der Geſellſchaßßt/ auch noch dieſe ſo den Privat⸗Perſonen von Surare und anderen Orten in Indien zuſtandig waren. Ich empfienge dieſes Gehunde den Abend vor meiner Abreiſe in Gegenwart des Herꝛn Caſembrot eines Hollander/ welcher zu Lande in Perſien kommen ware/ und weleher ein Verwandter des Her en Heinrich van Wück, Befehlhaber zu Gomron. Caſembrot thate dergleichen/ als ob er mich begleiten wolte ſo offt ich den S ene heimſuchte/ und Van-Wück befragte mich in allen Beſuchungen/ ſo ich jhme abſtattete/ ob der Sachverwalter mich nicht mit Brieffen guf durate beladete. Ich antwortete jhme aufrichtiglich/ daß er mir geſagt habe er wolte mir mitgeben/ ohne daß ich weder des ein noch des andern boͤſe Meinung im Verdacht hatte. Ihr Zweck wie es ſeither erſchienen/ ware ſich dieſes Paquets zu bemaͤchtigen auf das Geſchrey einer Trennung ſo zwwiſchen Engell⸗und Holland vorgehen ſolte/ und er zweiffelte ob nicht die Engellander etwas darvon vernommen hatten/ dieweilen etliche Tage zuvor ein Arabier durch die Wuͤſten ankommen ware/ ſo dem Engliſchen Sach⸗Verwalter ein Paquet gebracht/ welches dem Commandeur Van- Wück groſſe Angſt verurſachte: So bal Vals ich das Paquet von dein Sachwalter empfangen hatte/ Caſembrot welcher allezeit auffaurte/ und welcher ſahe wie er mir ſoſehes in die Hande gabe/ gienge er den Van-Wück deſſen berichten/ und ihme deſſen Form und Gröſſe beſchreiben/ und nachdem ich dem Sach⸗Verwalter ein Glas Wein/ welches er mir auf glückliche Reiſe zubrachte/ beſcheid gethan hatte gienge ich auch von VanWück Abſchied zu nehtnen/ welcher mumnermehr zugeben wolte/ daß ich vor dem Nachtmahl von jhme gienge. Er behielte mich alſo mit Gewalt/ damit er deſto mehr Zeit hatte/ ſeinen Streich zu vollbringen; und nachdeme er ſich entſchuldiget/ daß er mich nicht begleiten kunte/ wegen der Ankunfft dreyer Schiffe/ welche Ancker werffen kamen/ als wir bey Tiſch waren/ gabe er mir ſein kleines Bood „„ damit 252 Reis beſchreibung in Indien/ damit ich mit vier oder fünff der Fürnehmſten Port zu Surate den fünfften Meyen gemeldten des Loſaments/ ſo er mir zugabe(under dem Jahrs/ an. Der Hollandiſche CommanSchein mich zu begleiten) in das Schiff ge⸗ deur hatte mir die Ehre gethan einen Schiff langen konte/ und der Haubtmann des Schif; mann zwey bis drey Meilen in das Meer zi fes ſelbſten/ deme er das Wort gabe. So ficken/ ſo bald als ich auf dem Land ware/ bald wir an das Ufer kamen/ bothe mir der welches ohngefaͤhr um Mitternacht geſchahe Schiff⸗Haubtmann ſeine Kammer an/ wor⸗ wolte ich vor allen Dingen jhn zu begruͤſſen innen er mir mein Beth durch meine Diener/ gehen/ zwey Vatter Eapuciner bettende /e ſo ſchon zwey Tag vor mir im Schiffe waren/ an dem Ufer waren als wir gußſtiegen/ dieſes hatte bereiten laſſen/ und weilen ich mich be⸗ Paquet welches ich auß meinem Bouccha hoöſchwerte ſolches anzunehmen/ ſagte er mir/ daß ge/ dem Engliſchen Vorſteher zu uͤberbrin ihme der Comandeur ſolches befohlen hatte/ gen/ zu welchem ſie ſich gerne anerbotten! auf welches ich jhme geantwortet/ daß ich ſei⸗ Aber ſie ſagten mir/ daß weilen es zu ungelene Kammer nicht anderſt als mit dem Bedin⸗ gener Stund ware/ und daß der Vorſteher ſo ge annehme/ daß ich nicht mehr als den halben dem Podagra underworffen/ ſehon zu Ruh Theil beziehen werde/ und daß er ſich des an ſeyn koͤnte/ welches ſie nicht vor rahtſarm fie dern bediene. Nachdeme dieſes alſo reguliert deten/ jhne aufzuwecken/ wolken ſie bis au worden/ zoge ich das Engellandiſche Paguet den folgenden Tag mich zu der Beſuchung zu guß dem Sack meines Nocks/ und gabe es begleiten verſchieben/ alwo ich ſelbſten mein einem meiner Dienern/ ſolches in mein Boue- Paquet dem Heren Preſidenten uͤberantworcha welches ein Felleiſen ſelbiges Landes iſt/ ten konte. Aber das Zipperſein/ von welchem auftubehalten/ ich lieſſe ſolches zwiſchen das er damalen angefochten wurde/ lieſſe jhme Schiff⸗Holtz/ und das Obertheil meines nicht zu/ viel zu ſchlaffen/ alſo daß jhme das Bechs ſtoſſen. Es waren zwey kleine Vey⸗ Paquet noch dieſelbe Stunde eingehaͤndigel/ Schifflein mit uns gekommen/ worinnen mehr und der Betrug zu gleicher Zeit entdecket wu als ſechkig Sacke mit Gold waren/ etliche von de. Nach deme der Preſldent in beyſeyn der fünfzig andere von hundert Tomans/ wie Fürnehmſten des Hauſes/ ſolch es eröffnet halalle Säcke in Perſien auf dieſe Weiſe ge⸗ te/ fande man nichts als weiſſes Papier Brief macht werden. So bald als dieſe Bey⸗Schiff⸗ weiſe zuſamen geleget; nach deme mir ſolches lein am Lande waren/ fenge man an dieſe Sa⸗ zu Ohren gebracht/ erkante ich alſobald den cke einen nach dem andern in das Schiff zu zie⸗ ſchlimmen Poſſen/ ſo mir Van-Wück, und hen/ aber ſehr langſam/ des Vorhabens uns ſeine Mit⸗Helffer geſpielet hatten. Welches die gante Nacht aldorten verbleiben zu ma⸗ mir noch mehrers dieſe Treuloſigkeit beſtatigchen/ und mich zu verpflichten zu Bethe zu ge⸗ te/ ware/ daß nach deme ich mein Felleiſen durchhen. Aber wie man ſahe/ daß ich nicht wolte ſuchte/ fande ich/ daß mir ein Edelgeſtein man ſchlaffen gehen/ entſchloſſen ſich der Haubt⸗ gelte/ welches ich dem Befehlhaber von Gommann/ der Schiffer/ der Oouratier der Ge⸗ ron verkauffen wollen. Weilen ich mich aber ſellſchafft/ welchem wie ich geſagt habe/ das mit jhme des Preiſes halber nicht verſtehel Schiff zuſtandig/ ſo alle des einen waren/ einen konte/ ſtellete er mir ſolches etliche Stunden Sack von hundert Tomans in das Meer fal⸗ zuvor/ ehe ich einſchiffete/ um auf Surate zu gelen zu laſſen/ als ſie ſolchen in das Schiff zi⸗ hen/ wiederum zu/ und ich hatte es in der Eile hen wolten/ welches geſchahe/ damit ſie Zeit ge⸗ mit dem Paquet Brieffe in mein Felleiſen thun a winneten zum Ende jhres Vorhabens zu kom⸗ laſſen/ alwo als ich zu Surate ware/ ſolches men. So bald der Sack in das Meer gefal⸗ nicht mehr fande. E len ware/ ſchickte man ein Bood auf Com. lunberdeſſen der Diebſtal welchen man mi ron einen Undertaucher zu hohlen/ um den an diet Paquet Brieffe gethan/ entrüſte den 5 Sack auß dem Meer zu ziehen/ welcher in dem Preſidenten dergeſtalten wider mich/ welche, Schiff zu Anfang des Tages anlangte/ um den nicht zulaſſen wolte/ daß ich mich recht fertigte Sack zu fiſchen. Wie ich ſahe/ daß das Schiff und ich ware noch groͤſſerm Unheil underwoifnicht als den andern Tag um zwey oder drey fen wegen des Zorns vieler Engellaͤnder/ 55 Uhren des Morgens abfahren konte/ gienge ich Theil an dem Verluſt dieſer Brieffen halle, zu Bethe/ mein Helleiſen ware allezeit auf einer ſo ihnen in dem Paquet zugeeignet wan 460 Stelle/ halb under meinem Haubtkuſſen/ und Sie katnen ſo weit/ daß ſie mir underſchied 45 99 0% halb her vornen. Meine Diener waren in der che male nach dem Leben trachteten/ wie ich e ache Kammer des Buchſenmeiſters zu Ruhe gan⸗ probieren kan durch Zeugnuß und Beweiſe n bel gen/ und indeſſen daß ich in des Haubtmanns licher ehrlicher Leute/ und abſonderlich 3. ſeiner eintzig ſehlieffe/ zoge man gemachlich Hern Hartmann/ welcher damalen die ztwehmein Bouccha hervor/ auß welchem man das te Perſon der Schreibſtuben von Surare 11 Paquet Brieſſe wegnahme/ und ein anders re. Alſo um mich dieſer Fallſtricke/ ſo. ich10 e Fb tes von gleicher Form und geleget wurden/ zu befreyen/ ware ich verpff 5 Groſſe/ darvor hinein thate/ in welchem nichts let/ mich allezeit voneiner Menge Leute be uf ass weiſſes Papier ware. Nach deme der ten zu laſſen/ und ich konke auch gar nichr aß Sack welchen man mit Fleiß/ und zu dem Golconda, wo die groſſe Diamant⸗Han 1 Ende dieſen boſen Streich zu vollbringen/ in lung vorgehet/ mich begeben/ weilen ich vor das Meer fallen laſſen herausgezogen wald/ vielen meiner Freunden berichtet worden en, zogen wir den Segel auf/ und kamen in dem daß jehen oder wolff Engellander dieſer On 117 Das Ander Buch. unn mich uͤbel zu tractieren/ meiner warteten. Dieſe groſſe Verrahterey ſo mir geſchahe/ machte alle meine Anſchlage zu nichte/ und verur ſachte mir einen groſſen Verluſt/ zudeme daß ach eine gute Summa Gelts wieder muſte in derſien bringen/ weilen ich ſolche in Indien nicht anwenden konnen. 3 chen Bier iſt die Abſchrifſt des Briefs„wel198 ich wegen dieſer Urſache auf Baravia an en General der Hollandiſchen Geſellſchafft und an die Herren des Rahts abgehen lieſſe/ tiert von Surate den 16. May 166). 3 Meine Herren. e Oe Ch nehme die Künheit denelbigen dagen. 0 dieſe wenige vinien zu zuſchreiben/ um en W nen den Hißfallen des Schimpffes pick o mir der Commandeur Heinrich Van ck, zu Gomron gethan/ zu bezeugen/ welcher unangeſehen der Empfehlungs⸗Schreiden(relche ich von dem eren Abgesandten er Staaten/ ſo bey meinem Konig gegentvarg iſt/ deren eines an das Haubt der GeſellHaft zu Ulpahan, das ander an den ComMandeur von Gomron, und bas dritte an den in dieſer Stadt Surate, zugeſchrieben ſeyn/ alle rey bittende/ mir in alem was ſie thun koͤnten hülflliche Hand zu leiſten/ ohne daß die eſellſchafft mit eingeftochten würde. Aber er Herz Heinrich Van-Wück, hatte vor diess gantz kein Anſehen/ ſondern er hat mir den geoſten Schimpf ſo jemalen einem ehrlichen Mann/ als wie ich/ der ich ein Bedienter Seier Königlichen Hoheit/ meines Königs Bru1 bin/ jemalen geſchehen konnen/ welches 15 daß er mir meine Sachen oͤffnen laſſen/ cerinnen viel Kleinodien von welchen auch übas verlohren worden/ und mir ein groſſes Gun Brieffe/ ſo mir der Engliſche Herz ar dach walter von Gomron vertrauet hatte“ Seen Engliſchen Herꝛn Preſidenten in dieſer Sea Sufate, wegnehmen/ und an deſſen 0 delleein Paquet von lauter weiſſem Papier talegen laſſen. Ich laſſe ſie betrachten in dene Achtbarkeit mich nicht der Her: Preſio band alle Engellander haben werden und gen„icht Urſach habe nich deſſen zu beklaUn„und ſie um Gerechtigkeit anzuflehen. wann es jhnen geliebte/ meine Herren/ 4 Ubi Erlaubnus zu schicken/ daß ich auf Ba f 1 1 ia kommen doͤrffte/ um jhnen mundlich zu 9 eigen was vor Mißfallen ich habe/ daf . Here Van-Wäck mich zum Werckzeuge eifte solchen ſchlimmen Stucks erwehlet/ und aua der lange zu berichten/ auf was Wei leſes alles vorgegangen/ ſie wurden mich in ligſten hoͤchlich ver pfüchten/ oder zum weneh bitte ich ſte/ nur eine genugſame Erthunig von dem Urheber dleſes Diebſtals fehlen len; in mangel deſſen/ werde ich nicht wird fo bald mir GOlt die Genade thun kla 5 wieder in Franck reich zu ſeyn/ die Bethu 125 durch den Konig meinen Herren waſſen/ welcher mich init ſeiner Wolgewogenheit beehret/ und durch Seine Koͤnigli1 153 che Hoheit/ dero Herren Brudern/ an die Herren Staaden und dero Abgeſandten/ um was Preis daß es ſeye/ ſatſame Erſtattung von obgeſagtem Heren Van Wück zu bekommen/ und durch dieſes Mittel meine Ehre zu erretten. Und was mehr bey meiner DurchReiſe zu Iſpahan; wil ich nicht fehlen den König in Perſen deſſen zu berichten/ und jhme ſagen/ daß uber alle Ehre ſo Seine Majeſtet mir erwieſen/ und ohnangeſehen aller PaßBriefen ſo ich hatte/ dannoch der Herz VanWäck auf ſolche Weiſe mit mir verfahren. Ich glaube auch Seine Majeſtet werde nicht vor gut aufnehmen/ daß alle Muſter der Edelgeſteinen/ welche ich jhme kauffen und machen laſſen ſollen/ ſo wol in Indien als in Europa verloren gangen/ als das Paquet Brieffe geſtolen worden. Ich koͤnte jhne auch berichtigen der heimlichen Anſchlage und Underredungen/ ſo der Her: Van-Wück zu Gomron mit einem Furſten und Perſiſchen Feind gehalten/ welcher in das vorgeſagte Ort verkleidet gekommen. Und ſeh ließlichen weiß ich genugſame Sachen/ daß ich ihn ſo viel/ oder noch mehr als er mir gethan/ beſchimpfen koͤnte/ und indeme er ſolche empfanget/ wird die Geſellſchafft deren auch theilhafftig werden. Deßwegen/ meine Herren/ bin ieh entſchloſſen/ wann ſie mir nicht gantzliche Erſtattung davor thun laſſen/ obwolen ich ganzlich glaube dieſer Mühe entbroſten zu ſeyn/ hoffende ſie werden nicht fehlen mir das Recht zu ertheilen/ ehe ich auß dieſen Landen wegreiſe/ um in Europa wieder zu kehren/ oder eben ſo wol in allen andern Orten werde ich allezeit ſeyn Meine Herren Dero Demuͤtigſter/ e. Es geſchiehet wunderſelten daß die Verraͤhtereyen ungeſtraffet hingehen/ und die Fuͤrnehmſten ſo mit in dieſer Verbuͤndnuß geweſen/ haben ein ungluͤckſeliges Ende genommen. 3 5 In folgender Mongon die Schiffe ſo von Surate auf Gomron kamen/ breiteten dieſes groſſe Schelmenſtück ſo mir widerfahren/ in dieſer gantzen Gegend auß/ wenig Zeit hernach als der Herz Van-Wück mit einem ſtarcken Fieber angegriffen wurde/ und ihn der Ehrwüurdige Vatter Balthaſar/ Carmeliter Orß dens/ heimſuchte/ glaubende daß er verbunden/ jhme von dieſer Sach zu reden/ in welcher er zimlich nahe eingewickelt wark. Allein er verfochte dieſes ſehr ſtack/ und bediente ſich zweydeutiger Worten ſagende/ daß wann es wahr wäre/ daß er das Paquet Brieffe weggenommen/ wolte er daß er in dreyen Tagen/ und ohne Rede abſturbe. Er hafle ztögr. eigentlich den Diebſtal nicht begangen; Er hatte aber dazu angereitzet/ und alſo ſtarbe er in dreyen Tagen/ und ohne Rede. Sein Leutenant/ genant Boꝛan, einer von denen ſo er mitgeſchickt/ mich bis in das Schiff zu begleiten/ und welcher allem anſehen nach das 185 eiſen eroͤffnet/ und den Diebſtal begangen hatte/ welcher nach einer groſſen Schwelgeren/ 0 auf einen Waal der Loge um in der Kühe zu ſchlaffen/ nidergelegt/ und wie dieſe Wale keine Faſſung noch Gelander haben/ ſo dem Fallen verhinderlich ware/ indeme er ſich bewegte/ und Schlaffender ſich hin und wider weltzte/ fiele er hinunder und wurde des andern Tags ain Ufer des Meers todt gefunden. Was den Schiff Haubtmann anbetrifft/ welcher auch von der Verbundnuß ware/ vier — 2 8 7 2 — . A 2 0 W 5, 2 , , 22 2 2 , 2 — 2 N 154. Reisbeſchreibung in Indien/ 5 i Ende des Andern Buchs. 22 , 2 . oder fuͤnff Tag nach ſeiner Ankunfft zu durarowie er ſeinen Jeg fortſetzte/ kame ein Mahometaner eiferſichtig wegen ſeiner Frauen/ welche er geſchlagen hatte/ und vor Zorn gantz raſend wider ekliche Freye/ welche ſie getrennt hatten/ glaubende daß dieſer Haubtmann/ welchen er eintzig fande/ auch von denselben ware gabe er ihme fünff oder ſechs Dolchen⸗Stie). in den Leib/ von welchen er kodt zur Erden fle 1 hier iſt das unglückſelige Ende alle dieser n e eee ee Fe nne 4 Von der Glaubens befantnuß der Mahometaner/ und Ungläubigen in Indien: des Authors Reiſe zu Meer von Surate auf Batavia, und von Batavia in Holland/ und von underſchiedlichen SonderIr 2 barheiten etlicher Orientaliſcher Königreiche. Das I. apitel. Von der abſonderlichen Glaubensbekantnuß der Mahomeranern in den Orien—— kabſehen Indien Er underſcheid ſo ſich under 6 N den Mahometanern befinoder/ beſtehet nicht allein in * den underſchiedlichen Auß1 legungen ſo ſie jhrem Aleo8 e an geben; aber wol i den a,. derſchiedlichen Meinungen ſo ſie von den erWe ſten Vonder Mahomets haben. DaVeh. N da, Mahn 0 e i an, 8 ſdrige Spaltungen entſtehen; die eine ſo dunnis genant/ und von den Turcken angemen; und die andere ſo Chiais heißt/ und 5 2 Perſtanern jhre iſt. Ich wil mich nicht lan0 gendem Underſchied dieſer zweyen Trennun155 welche alle die Mahometaner theilen/ auf Palencbiewellen ich davon genugſam in meiner wi rſiſchen Beſchreibung geredet habe/ und fe nur allein den jetzigen Stand dieſes falMale lgubens ſo wol indem Reich des Großolle/ als auch in den Königreichen von „ dcondla und Vilzpour melden. n Gl In der erſten Guſchung des Turckiſchen dat. E wundenein Indien/ waren die Orientaliſche undd en chr poffartig/ und ohngogzefbrchrigHes oi, Abgökkiſchen ein verzagtes Volck we ſo dau ct groſſen Widerſtand thun konte. AlN dd es den Türcken ſehr leicht fiele/ die einen Munde andern durch die Starcke der Waffen ſem d erdrucken/ welches ſie auch mit ſo groſ1 gaccdel thaten/ daß viel Chriſten und Sad wg tie den Tuͤrckiſchen Glauben annah80 er Groß⸗Mogol ſamt ſeinem gantzen don en Colconde der Chaſchen und der pour hat in ſeinem Lande von beeden er iſt es daß zwey underſchiedliche und gantz (colget den Souniſchen Trennungen/ der Theilen vermiſchet; welches auch von dem Hof des Groß⸗Mogols kan geſagt werden/ wegen der Viele der Perſianern/ ſo jhme zu ſeinen Heer⸗Zuügen dienen. Obwolen ſie die Sounais ſohr anfeinden/ folgen ſie doch auſſerlich des Fürſten Glauben/ glaubende/ daß um jhr Glück zu befoͤrdern oder zu erhalten/ ſie jhren Glauben verbergen konnen/ und daß es genug ſeye ſolchen in dem Hertzen zu haben. Was das Koͤnigreich Golconda belanget/ KoutoubCha welcher anjetzo regieret/ handhabet mit groſſem Eifer den Chiaiſchen Glauben/ und wie die Groſſe ſeines Hofes faſt alle Perſianer ſind/ beobachten ſie den Chiaiſchen Irꝛthum mit eben der Strenge und Freyheit/ als in Ich habe anderswo bemercket/ daß under den Mahometanern/ ſo naturliche Underthanen des Groß⸗Mogols/ wenig Beamtete; welches Urſach/ daß viele Perſianer entweder durch Nohtzwang oder Ehrbegierung eines beſſern Glücks/ als deſſen ſo ſie in jhrem Lande zu gewarten haben/ ſuchen ſolches in Indien. Und wie ſie abgeführt genug ſeyn/ finden ſie genugſame Gelegenheit ſich in den Waffen zu befürdern/ daß ſo wol in dem Reich des GroßMogols/ als in den Königreichen von Golconda und Viſapour, die Perſianer in Beſitz der ſchoͤnſten Aemtern ſeynd.„ae Aureng- zeb bezeuget uͤber alles einen groſ⸗ Auteng. ꝛcbt ſen Eifer für die Sounniſche Trennung/ deren Kibri er ein ſo getreuer Beobachter/ daß er alle ſeine Trennung Vorfahren in auſſerlicher Achtung des Geſe⸗ 1 0 ßes übertrifft/ welches der Furhang mit welchem er die Anmaſſung des Koͤnigreichs bezogen. Als er den Thron beſtiegen/ gabe er zu erkennen/ daß er das Mahometaniſche Geſetze in aller ſeiner Scharffe halten wolle/ von deme man zur Zeit des Cha gehan ſeines Vatters/ und Gehan- guir ſeines Groß⸗Vatters/ abgewichen ware. Um ſich noch eifriger in deren Glauben zu erzeigen/ machte er ſich Wczer 5 5 e 156 Reis beſchreibung in Indien/ 2 oder Faquir, welches iſt zum Frehwillig⸗Ar⸗ Meiſters/ in dem Lande außzubteiten/ und die Sein ſalche ien/ und under dieſem falſchen Mantel der Genaden ſo er von Gott empfange/ welcher Jh5 5 Gottsforcht/ machte er jhme einen geſchickli⸗ me die groſſen Geheimnuſſen offenbare/ und ſhchen Wege zu dem Reich. Obwolen er/ wie me die Geſwalt gehe/ den Betruͤbten durch ſeine⸗ 99 ich ſchon geſagt habe/ viel Perſianer in ſeinem gute Nathe beyzuſpringen. Das Volel, wel⸗ de Dienſt hat/ geſtattet er nicht/ daß ſie das Feſt ches jhme leichtlich glaubt/ und welches ihn ha⸗ felben. Hogen und Heuffin der Kinder Ali begehen/ lig glaubt/ komt jhn mit groſſer Andacht zu bewelche von den Sounnis getoͤdtet worden von ſuchen/ und wann man nahe bey jhme iſt/ ziehet welchen ich in der Perſiſchen Beſchreibung man die Schuh von Fuſſen/ und fallet nder Kaen l Meldung gethan habe/ und ſie ſelbſten/ wie ich ihme die ſeinigen zu kuſſen. Damalen ſtrecket ze i ſchon geſagt habe/ um dem Konig zu gefallen/ der Faguir ſeine Arte auß um demutig zun N und jhr Glück zu befoͤrdern/ machen ihnen kein scheinen/ unnd gibt seine. Hand zu kuſſen/ nach ö Gewiſſen ſich aͤuſſerlich der Ehrerbietung und welchem er die jenigen ſo jhne ra ̃tsfragen/ bey Gebrauchen der Soun nis zu bedienen. ihme niderſitzen macht/ und verhoͤret einen ſe5. Pian ce 155 1 1 7 5 5 g rophetiſchen Geiſt zu haben/ und uber alle der zu bekommen/ zu lernen/ und ſich ben wee Von den Fakirs oder freywillig armen ſie wollen/ beliebt zu machen.. Mahometanern in den Orientaliſchen Es gibt dieſer Faqpirs ſo mehr als zweß ndien. pjbeundert Junger haben welche fie ge geinlich e d An erzehlet/ daß in den Orientali⸗ ches faſt wie eines unſerer Jager⸗Hoͤrnern it. willg A⸗ 8 ſchen Indien auf achtmal hundert Wann ſie weggehen/ haben ſie jhre Standarmeg. e tauſend Mahometaniſche/ und zwoͤlff ten/ Spare/ und andere Waffen/ welche ſie namal hundert tauſend abgottiſche Fakirs ſeyen/ he bey jhrem Meiſter in den Boden ſtecken/ welches eine entſetzliche Menge iſt. Es ſeynd wann er in einem Orte ru het. lauter Landſtreicher und Jaulentzer/ welche Die dritte Art dieſer Faguirs inden Oriendas Werck durch einen faſſchen Eifer verblen⸗ taliſchen Indien/ ſeynd die/ ſo von artnen E den/ und ſie bereden/ daß was auß jhrem Mund tern geboren/ und weil ſie begehren ee 5 4% gehe/ eine Goͤtter⸗Antwort ſezhe. wol zu wiſſen/ damit ſteNaoullas oder Schritte Es gibt underſchiedliche dieſen Mahome⸗ gelehrte abgeben konten/ begeben ſich in se tuniſchen Faquirs. Etliche gehen faſt gantz Molquces ulwo ſie von dem Alftnoſen ſo ihnen blos wie die abgottiſchen Faquirs haben keine gegeben wird/ eben. Sie wenden die Zeit an beſtandige Wohmung/ und ergeben ſich aller ⸗ den A lcoran zu leſen/ welchen ſie außtwendig le Derſelben hand Unreinigkeit/ ohne Schaam. Sie be⸗ nen/ und wann ſie noch zu dem Srndieren. 5 lußerbaftes reden die Einfaltigen/ daß ſie die Freyheit ha⸗ liche kleine Wiſſenſchafft von den naturlichm khan. ben allerhand Boſes zu thum/ ohne daß es jhnen Sachen/ amt dem Exempel eines guten Lebend Sunde ſeh e. bach ihrer Art hinzu thun koͤnnen/ koͤnnen ſie Es gibt andere Faquirs welche Rockt tra⸗ das Haubt in den Moſquces werden/ und gen von ſo viel Stuck und underſchiedlichen der Wurde der Moullas und Geſat Nichte, Farben/ daß man nicht wol ſagen kan was es gelangen. Diele Faquirs haben ihre Weiber, Andderd ſſt. Dieſe Röcke gehen jhnen bis auf die hal⸗ und etliche quß Andacht und groſſer Begier auf Kleldun. ben Beine/ und bedecken die böſen Kleider ſo ſie es dem Mahomet nachzuthun/ haben bis an, darunder haben. Dieſe Faquirs gehen gemei⸗ drey oder vier/ glaubende Gott dadurch eine. niglich in Geſellſchafft/ und haben under ihnen groſſen Dienſt zu erweiſen/ wann ſie vieler 15 ein Oberhaubt oder Vorgeſezten/ welcher der Bakker ſeyhen welche dem Geſatz ihres Pio durch Line Kleidung ſo armſeliger und von pheten nachfolgeten mehr Stücken/ als der andern Ihre/ iſt/ under!!!§ a 1 eee N e e en groſſe eiſerne Ketten/ ſo jhme an einem Bein Das III. Capitel. nlngebunden/ ſo zwey Stab lang und zimlich Das II apitel 5 Alb 7 Wie ihr O, dick. Wann er ſein Gebat verrichtet/ geſchie⸗ Von dem Glauben der Heyden oder x Hees be het es mit groſſem Getunnmel ſo er mit ſeiner goͤttiſchen in Inden. „ f b er! goͤttiſchen in Indien. ee Kerken macht/ und mit lauter Stimme/ wel ge Veen 120 5 mit einer gezwungenen Ernſthafftigkeit/ wel⸗((Je Goͤtzen⸗Diener in Indien ſeyn u en, g ches ihmne die Ehrerweiſung des Poͤbels zuve⸗ D ſo groſſer Anzahl/ daß für einen 777 50 5 gen bringt. Underdeſſen bereitet jhme und den hometaner zum wenigſten. obere N einigen/ dieſes Volck zu eſſen/ welches jhme an Heyden konnen gezehlt werden. Hier a le dem Ort wo er ſich auf haltet/ vorgeſtellet wird/ ſich zu verwundern/ daß ſo ein esch welches emeiniglich auf der Gaſſen oder of⸗ groſſe Menge Leute/ ſich durch eine ſo kle 81 fentlichen Platz geſchiehet. Er laſſet durch ſel⸗ Zahl Menſchen underdrucken laſſen un, ne Junger erliche Teppichte außſpreiten/ und leichtlich ſich under das Joch des Ma e er ſetzet ſich darauf um den jenigen/ ſo ihne niſchen Fürſten gebogen. Aber die Ver 7 7 Rahts fragen/ Gehör zu geben. Anderſeiths derung muß ich legen/ wann man betraeh Dice Junger gehen diegroſen Tubenden ihres daß dieſenlgörnſehe under ihnen gang ure eben, 10 n 1 Drittes Buch. beym und daß der Aberglauben eine ſo ſeltame Manigfaltigkeit von Meinungen und Gewonheiten eingeführet/ daß ſie mmmermehr mit einander übereinſtimmen werden. Ein Heyd würde nimmermehr in einen Hauß eines andern Zuufft als die ſeinige/ kein Brot eſſen/ noch Waſſer trincken/ es ware dann/ daß bb edler und fürnehmer ſeye/ und alſo dorffen lie alles in den Hauſern der Braminen, welen Ge derem offen ſichen eſſn und erineken. In in bey Eine Zunfft iſt bey nahe bey dieſen Heyih. Sehen den/ was vor alters ein Stamm bey den Juden geweſen; und obwolen inan germeiFenng, dich darvor haltet/ daß zwey und ſiebenam e bieſer Zunfften ſeyen/ habe ich doch von den Gelehrteſten jhrer Prieſtern vernommen/ daß man ſolche in vier Haubl⸗Zunfften verſtzen konne/ von welchen alle die anderen jhhen Urſprung bekommen. deer 1 f 2 1 e de Bac he welches die Nachfolger der alten Brachmannen oder Indianiſchen Weltweiſen/ welche ſich ſonderlich auf die Skern⸗Kunſt verten. Man findet noch von jhren alten Bucher/ in deren Leſung die Braminen gemeiniglieh beſchafftiget ſeynd/ und ſie 8 and in deren Warnemmung dergeſtalten fag aun eleſen/ daß ſie nicht um eine Minuten in Ubgecken Bemerckung der Sonnen und Monds⸗FinWie Kernſäſſen/ fehlen. Und damit dieſe WiſſenpPbhafft under ihnen erhalten werde/ haben e eine Art hoher Schuhle in der Stadt Fdsnarez genant/ wo ſie fürnemlich ſich in Stern⸗Kunſt üben/ und wo ſie auch rg t chrifftgelehrte haben/ ſo in dem Geſetze ede, duderweiſen/ welches ſie mit groſſer Schaͤrfddelachen beobachten. Dieſe Zunfft iſt die 8 elſte under allen/ dann auß den Brami5 5 iſt es/ daß man die Prieſter und Glauius Bediente nennet. Aber weilen ſie in 5 woe Anzahl/ und nicht alle auf jhrer a en Schule ſtudieren konnen/ ſeynd ſie Raabe ungelehrt und folgbar ſehr aberkei biſch/ die ſo under ihnen vor die Geiſti chſten gehalten wurden/ waren die groͤſſed 5 Hexenmeister. ode Die zwegte Zun iſt der Raſpoutes 0 erbis; 95 0 ſo viel ſagen, als eyn der, und ſtreitbare Manner. Dieſe fond die eintzigen Indianiſchen Heyden beriſeitz haben/ und ſich in den Waffen 9 ih wn machen. Alle die Rajas von denen „ 80 underſchiedliche malen geredt habe/ ſeynd 5 vil dieser Zunft. Sie ſeynd als eben ſo fee dle Könige/ deren Mißverſtaͤndnuß Aber m Groß⸗Mogol zinßbar gemachet; ſeh weil der meiſte Theil in ſeinem Dienſte net)(werden ſie über die maſſen wol belohdahlen on der kleinen Steur ſo ſie jhme bedung durch die groſſe und ehrliche BeſolJa8 5 ſie von jhme bekommen. Dieſe Raend d ihre Underthanen die Ralpoutes, ls die veſteften Stützen des Groß⸗Moies Reichs/ und es waren die Rajas I. Theil. 3 Jeſſeing und ſeſſomſeing ſo den Aurengzeb auf den Thron geſetzek. Aber es iſt zu bemercken/ daß dieſe zweyte Zunfft nicht in lauter Kriegsleuten beſtehet. Es ſeynd die Raſpoutes allein ſo zu Kriege dienen/ und alle Reuter ſeynd; aber was die Ketris aubelanget/ haben ſie auß der Art jhrer Vor⸗Eſtern geſchlagen/ und die Waffen mit der Handelſchafft vertauſchet. g Die dritte Zunfft iſt die der Banjanen, welche alle der Handelſchafft ergeben/ und deren eine Cherafs, das iſt/ Wechsler/ und die anderen Underhaͤndler/ durch deren Mittel die Kaufleute kauffen und verkaufen. Die von dieſer Zunfft ſeynd dergeſtalten ſubtil und geſchickt in der Handlung/ daß wie ich ſchon anderswo geſagt habe/ ſie dem aller ⸗abgeführteſten Juden/ nochſeehre vorſchreiben konten. Sie gewoͤhnen bey guter Seit jhre Kinder den Müſſiggang zu fliehen/ und an ſtatt ihre Kinder auf der Gaſſen umlauffende zu dulden/ und jhre Zeit mit ſpielen zu verlieren/ wie wir gemeiniglich mit Die dritte. den unſern thun. Sie underweiſen dafür Wie ſie dar, ſolche in der Rechen⸗Kunſt/ welche ſte vollkommen beſitzen/ und bedienen ſich darzu le weder der Feder noch Rechenpfenningen/ ſondern des bloſſen Gedachtnuſſes/ daß auf ſolche Weiſe ſie einem in einem Augenblick die ſchwerſte 1 ſtellen ſo ſeyn kan. Sie ſeyn allezeit bey hren Vaktern/ welche ſie in der Handlung underrichten/ und welche nichts verrichten/ ſie weiſen es jhnen dann zugleich. Hier ſeynd die Buchſtaben/ welcher ſie ſich in jhren Büchern bedienen/ ſo wol in den Landen des Groß⸗Mogols/ als innen die Rechenkunſt ren. auch in andern Orten in Indien/ obwol die Sprachen under ſchiedlich ſeynd. Wann einer den Zorn wider ſie überhand nehmen laſſet/ hoͤren ſie mit Gedult und ohne Wiederrede zu/ gehen gantz kaltſinnig weg/ und fommen nicht vor vier oder fünff Tagen wieder zu ſelbigem Menſchen/ bis ſie meynen daß jhme der Zorn vergangen. Sie eſſen Ihre Epeiß. nimmermehr nichts ſo ein einpfindliches Leben hat/ und ſie ſturben lieber/ als nur das geringſte Thierlein zu todten/ gar nicht ein Ungeziefer noch ein Wurmlein/ und ſeynd in dieſem Puncken ſehr eiferige Beobachter Send gute ihres Geſetzes. Das iſt genug/ wann man Lieder ibres ſaget/ daß ſie einander nicht ſchlagen/ und e daß ſie nimmermehr zu Kriege gehen/ ſie koͤnnen nichts in der Raſpoutes Hauſern eſſen/ dieweil ſie toͤdten und Fleiſch eſſen/ gußgenommen von den Kühen/ von welchen ſie nimmermehr genieſen.. geg. Die vierdte Zunfft heiſſet harados oder Die vierdte. der Soudras und gleich wie die Kalpoutes ſeynd ſie in den Kriegen beſchafftiget; aber mit dieſem Underſcheid/ daß die Nalpoutes zu Pferd/ und die Charados zu Fuſſe dienen. Die einen und die andern/ ſuchen den Ruhm in den Waffen zu ſterben/ und ein Soldat/ er ſeye ein Reuter oder Fußknecht/ 5 O 0 wird Reisbeſchreibung in Indien/ darnle, wird auf ewige Zeit für ehrlos geſchatzet/ berchute wann er in der Gelegenheit zu fechten füͤchLeut. tig wird. Dieſes iſt ein ewiger Flecken in ſeinem Geſchlecht/ und ich will wegen dieſer Urſache eine Geſchicht hierzu thun/ ſo mir in dem Lande erzehlet worden. Ein Solweichen dat/ welcher ſeine Frau inbrunſtig liebte/ den Solda, und von welcher er das Gegen⸗Recht emden pfienge/ flohe indem Streit/ nicht auß Forcht des Todes/ ſondern wegen der einzigen Betrachtung der Traurigkeit ſeiner Frauen/ wann ſie zur Wittwen wurde. So hald ſie die Urſache ſeiner Flucht verſtanden/ und ſolchen ſich dem Hauß naͤhern ſahe/ ver ſperte ſie jhme die Thuͤre/ und lieſſe jhme ſagen/ daß ſie keinen Mann/ welcher die Liebe eines Weibs der Ehre vorgezogen hatte/ vor den Ihrigen erkennen koͤnte/ daß ſie jhn nimmer zu ſehen verlange/ um ſeinem Geſchlecht keinen Schandflecken zu machen/ und ſeine Kinder zu lernen/ daß ſie hertzhaftiger wurden als ihr Vatter. Dieſes Weib bliebe feſt in jhrem gefaßten Schluß/ und der Mann nun jhre Huld und Liebe wieder zu gewinnen/ kehrte wieder zu dem Heere um/ allwo er ſchoͤne Thaten/ ſo jhn ſehr beliebt machten/ verGeſchicht eifliehenübte/ und nachdeme er offentlich ſeinen Fehler verbeſſert/ ward jhme die Thur ſeines Hauſes eroͤfnet/ und ſein Weib empfienge ihn mit Freuden. 5 N Das uͤbrige Voſck/ ſo nicht in einer dieBeſchrei⸗ 5 n ſer vier Zünften komt/ wird Pauzecour geVolks o nant. Es ſeynd lauter Handwercks⸗ Leute/ auſſer diefen und welche einander nicht ungleich ſeyn/ als wier Züuſten in den unterſchiedlichen Handwercken welche ſie treiben/ von dem Vatter auf den Sohn/ ſo wol ein Schneider/ ob wol er reich ware/ kan ſeine Kinder zu nichts anderm befuͤrdern/ als in ſeiner Handthierung/ noch ſolche andeyn verheurathen/ es ſeyen gleich Sohn oder Tochter/ als auch ſeines Handwercks. Eben Fund waueg auch/ wann ein Schneider ſtirbt/ alle von Leute. feiner Handthierung begleiten jhn biß an das Ort/ wo man ſeinen Leib verbrennet/ und das wird bey allen andern Handwercks⸗Leuten * beobachtet. Unter den abſonderlichen Zunften iſt eine/ ſo Alacors genant wird/ welche nichts anders thun/ als die Hauſer ſaubern/ und jedes Hauß giebet ihnen alle Monat etwas nach deſſen Groͤſſe. Wann eine Stands⸗Perſon in InWie viel dien, ſo wol ein Mahometaner/ als ein Heyd/ Diener die fünfzig Diener hatte/ ware nicht einer/ welner det, cher einen Beſem das Hauß zu kehren/ nehbeben che men wolte/ dann er hielte ſich für bemackelt/ Worten/ ſo man einem Mann in Indien an thun kan/ wann man jhn Alacor nennet. Es iſt auch gut/ daß man hier bemercke/ daß weilen ein feder von dieſen Dienern ſein beſonders Amt oder Verrichtung hat/ einer den WaſſerKrug zu tragen/ damit man unter Wegs trincken koͤnne/ der ander die Taback⸗Pfeiffe fertig zu halten/ wann ſehon der Herꝛ an dem und iſt dieſes eine von denen groͤſten Schmaͤheinen begehren wurde/ was des andern Aut 1115 iſt/ wuͤrde er ohnbedient bleiben/ und der Knecht ohnbeweglich ſeyn. Was die LeibEigene belanget/ ſeynd ſie verpfichtet/ alles zu thun/ was ihr Herz befiehlet/ und wie dieſe Zunft der Alacoren mit nichts anderm beſchaftiget/ als den Unrath auß den Hauſern zu butzen/ leben ſie auch von nichts anderem/ als was die andern uͤbrig laſſen/ ſie ſeyen von was für Sorte daß ſie wollen/ und machn ihnen kein Gewiſſen/ von allem gleichguͤligg lich zu eſſen. Es ſeynd nur die von dieſee Zunft/ 1 ſich der Eſel bedienen/ um den Unfath auß den Häufern auf das Feld zu führen/ und alle andere Indianer berühren die; ſes Thier nicht; und in Perſien iſt es das gantze Widerſpiel/ dann man bedient ſich der Eſeln/ ſo wol zum Laſt⸗Tragen/ als darauf zu reiten. Es iſt auch niemand in Indien als die Alacors, ſo die Schweine ernähren und eſſen. Das IV. Capitel. Von den Heydniſehen ſten in Aſien. 6 An muß von den Heydniſchen Ko eg 19 N nigen in Aſien/ die von Aracan, voll 1 Hegu, von Siam, von Cocinchinꝰ in Nel und den von Tunquin, in den erſten Reihen ſizen/ was aber den Konig von China bitrifft/ wiſſen wir/ daß er ein Heyde/ vor dem Einfall der Tartarn in ſeinem Lande geweſen; aber ſinth ſelbiger Zeit kan man nichts gewiſ ſes davon ſagen/ angeſehen dieſe Tartaren/. anjetzo ſelbigen Landes Meister/ weder Hh, den noch Mahometaner/ aber wol eher b 10 zuſammen ſeyn. Erſtlich in den Eylande!? iſt der Koͤnig von Japon, dann der von Ce lan, und etliche kleine Koͤnige in den Moluqu 1 ſchen Inſeln; und endlichen alle Kajas, ſo pi in dem Reich des Groß⸗Mogols, als in, Deaf der Königreichen von*„ pour und Golconda Seydniſchen Glauben g und ingeſamt das gemeine Bolck/ ſo wol 1 den Landern/ ſo dem Groß Mogol und den, Koͤnigen von Golconda und Viſapour zul 155 dig/ als auch der Inſeln Achen, Ja va ul bee caſlar, deren Könige/ wie ich ſchonggſagg ah. Mahometaner ſeyn/ alles gemeine Vo c/f 45 ich/ iſt in ſelbigem Lande Heydniſch. Ich habe geſagt/ daß der Konig von 10 lan ein Heyd ſeye/ und das iſt wanne eig e es iſt auch wahr/ daß es ungefehr fi ijſt acc Jahr iſt/ daß ein Koͤnig von Ceylan ein Chan 115 worden/ und in dem Tauf den Namen J o per u nes bekommen/ und ward ſolcher zupb den Kaͤyſer Priapender genant. So bald 5 die Chriſtlichen Glauben angenommen/ feng ern anderen Furſten und Prieſter einen Hon 0 Hunig an ſeine Stelle. Er thate fein Moglichſtes all ſein Volck dahin zu bewegen/ jhme nachzufolgen/ und zu dieſem wieber die Jeſtüten gaf zwolf der gbſten Dorfler/ ſo um Colombo herum waren/ an/ damit ſie von den Einkünfften ſelbiger Orten/ man die Lands⸗Kinder in den Collegien/ kiah ren koͤnte; und wann ſolche wol unter0 ket waren/ ſie auch andere unterrichten Kung Dann der Konig gabe diefen Vatbern zu erkennen/ daß es ohnmoglich ware/ 8 ſie die Lands⸗Sprache/ um dem Volck , fanden erlernen konten; und in der That W 1, adden sie daß die Jugend von Ceylan e e lebhafft und gutem Geiſt ware/ daß in ſechs Monat mehr Latein/ und die eisheits⸗Lehre/ ſamt andern Wiſſenſchaffden erlernten/ als die Europeer in einem ganzen Jahr; und daß dieſe Jugend ihnen ſo ſublud hohe Fragen vorlegten/ daß ſie daruber beſtürzet blieben. 5 5 5 0 Etliche Jahre nach deme der König ein N Ma worden/ wurde ein ſehr geſchickter. lee c aum von Ceylan, und ein guter natürliWed er Vernunfft⸗Lehrer/ Alegamma Notiar e Damals wann einer ſagte/ der Meiſter der nn dune ehre„nachdeme er etwas Feit i den Vattern Jeſlüten und andern Orns- Leuten/ ſo zu Colomba waren/ gerachet/ ein Chriſt zu werden innerlich angetrieben. In dieſem Vorhaben gienge er m den Vattern Jeſuitern/ und bezeugte ſhnen/ le er geſonnen/ ſich in dem Chriſtlichen Glauben unterrichten zu laſſen/ aber daß er wiſſen wunſchete/ was JEſus Chriſtus gegan und geſchrieben hinterlaſſen hatte ⸗ Er ſaſabe ſich demnach das neue Feſtament zu 9 en/ mit ſolcher Aufmerckſamkeit und Be* te: Spruch ware/ den er nicht auſſen konRlerwaum er hatte das Lateinische ehr wol delrnet. Nachdeme er wol unterrichtet wor1 1 85 Ua den begehrte er an die Vatter/ daß er begie2 1 den heiligen Tauf zu empfangen/ e wol ſehe/ daß ihr Glauben der einzider, ute und Wachaftige ware/ und eben daß den JEſus Chriſtus gelehret habe; aber G er ſich verwundere/ daß ſie nicht ſeinem Ion del nachfolgten/ dieweil er nimmermehr dem mand Gelt nahme/ wie er ſolches in dimahel auß allem Gelt zieheten und daß ſie dll nd ohne ſolches weder taufften noch be10 17 Dieſes verhinderte nichts/ daß er 0 tte. San zige Stand der Heiden in F 0 Sen zu ſehen. Ich komme anjetzo auf FJrupeddien abſonderlich/ und an je grobe uche ach welchem ich von hren GeV5 we Buß⸗Wercken jhrer Fakirs ree ö kerde daß in weniger als ſechs Monaten Evangelio geleſen/ und daß ſie im Ge⸗ ſe nicht taufen lieſſe/ und daß er nicht ſint150 n Wehn ber Heiden gearbeitet folger erkohren. Nach Das. Capie. Von dem Heidniſchen Glauben die oft oel die Indianiſche Heiden den DO ececturen/ als der Kuh/ den Affen/ di 1855 und unterſchiedlichen unvernunfti⸗ denden gen Geburten/ eben die Ehre/ ſo der war⸗ Creaturen haftigen Gottheit gebühret, beweiſen; ſo. iſt es dannoch gewiß/ daß ſie einen einigen/ unendlichen/ allmnachtigen/ allein weiſen Gott Schoͤpffer Himmels und der Eikemneneß Erden/ und der alles durch ſeine Gegen⸗ 95 unendliwart erfülle/ bekennen. Sie heiſſen ihn e Got. an etlichen Orten Permeſſer, in andern Peremałl, als wie an dem Strande der Malvares und Wiſtnou, in der Braminen Syra⸗ Deſſen Nache/ welche die Anlaͤnde von Coromandel he⸗ men. wohnen. Wie ſie vielleicht haben horen ſagen/ daß die Zirckel⸗Runde die Vollkommiſte von allen Figuren ſeye/ haben ſte geglaubet/ ſehr verſchmitzt zu ſeyn/ wann ſſe ſagten/ daß GOtt einer ablangen Figur ſeye/ und deſſentwegen iſt es/ daß ſie gemeiniglich in ihren Pagodes einen ablangen Stein halten/ re ſo ſie auß dem Ganges nehmen/ und wel? chen ſie als Gott verehren. Sie ſeynd dieſer narriſchen Einbildung ſo ergeben/ daß die Vernünftigſte unter den Braminen keine widrige Meynungen nur anhoren wollen/ und alſo muß man ſich nicht verwundern/ daß ein Volck/ ſo ſolche boͤſe Wegweiſer hat/ in eine ſolche grobe und unnatürliche Abgoͤt⸗ 1 5 1 terey falle. Es iſt eine Zunft/ welche alſo aberglaubiſch in dieſem Articul iſt/ daß die von denſelbigen an jhrem Hals ablange Steine hangen haben/ und b in währendem Gebatt wider den Magen B—üö—; 8 In dieſer groben und erbarmlichen Un⸗ Grobe der wiſſenheit machen dieſe Abgoͤttiſche/ als wie dünn die alten Heiden/ jhre Goͤtter von den Men⸗ſchen entſpringen/ und geben jhnen auch Weiber/ ſich einbildende/ daß ſie eben das/ in was die Menſchen jhre Luſt haben/ lieben. Alſo halten ſie jhren Ram für eine groſe Gottheit/ wegen der Wunderwercken/ ſo ſie glauben/ daß er in ſeinem Leben gethan habe. Hier ſeynd die Fablen/ die ſie von ihme erzehlen/ zu ſehen/ wie ich ſolehe von den Geſchickteſten von jhren Braminen erfahren.„. Ram spare der Sohn eines mächtigen Raia, ſo Deſeret genant ward/ und der Tugendhafteſte unter vielen Kindern/ ſo be er von zwey rerhtmaſſigen Weibern hatte. Er ward vornehmlich von ſeinem Vatter geliebet welcher ihne zu ſeinem Nachdeme des Ram 2 160 ſeine Mutter geſtor ben/ vermochte des Raja ſein anders Weib/ welche jhres Manns Willen gaͤntzlieh beſaſſe/ daß er Ram und ſeinen Bruder Lokeman quß ſeinem Hauß und Landen verſtoßte/ welches auch geſchahe/ und bey Außſchlieſſung dieſer beyden Brüder ward des zweyten Weibes Sohn zum Erben des Raia erklaret. Nachdeme Ram und ſein Bruder den Befehl/ ſich weg zu begeben/ bekommen/ gehorſamten ſie dem Befehl jhres Rams Weib Mein, Ram Abſchicd von einem Weibe dea zu nehmen/ welche dieſe Abgoͤttiſche vor eine Goͤttin halten/ wolte ſie ſich nimmermehr von jhme 5 ſie verſicherte jhne/ daß ſie jhme aller Orten nachfolgen wolte/ und alſo giengen ſie alle drey auß des Raia Hauſe/ umſhr Gluck zu ſuchen. Sie waren nicht alſobald glůͤckſelig; dann wie ſie durch einen Wald zogen/ und Ram auf die Vogel⸗ Jagd/ wo er ziemlich lange außbliebe/ gangen ware/ und weil Sita befoͤrchtete/ es moͤchte dem Ram ein Ungluͤck widerfahren ſeyn/ vermochte mit heftiger Bitte Lokeman dahin/ daß er jhn ſuchen gienge. Er wehrte ſich deſſen lange/ Ram hatte jhme befohlen/ die Sira nicht zu verlaſſen/ weilen er durch einen Prophetiſchen Geiſt/ was der Sita begegnen wurde/ wann ſie alleine bliebe/ vor geſehen. Nichts deſtoweniger Lokeman durch das inſtaͤndige Bitten ſeiner Schwagerin bewogen/ gienge Ram ſeinen Bruder zu ſuchen/ inzwiſchen kame Rhevan, ein anderer Heydniſcher Gott/ in Geſtalt eines Fakir, und begehrte an ſie ein Allmoſen. Ram hatte der Sita befohlen/ von dem Ort/ wo er ſie gelaſſen/ nicht weg zu gehen/ welches Rhe van wol wuſte/ und alſo das Allmoſen/ ſo jhme Sta darbothe/ nicht annehmen wolte/ wann ſie nicht Stelle anderke. Sita entweder auß Verachtung oder Vergeſſens deſſen/ ſo Ram befohlen/ gienge auſſer dem Zihl/ ſo er ihr geſteckt hatte/ und alſobald bemachtigte ſich Rkevan jhrer/ und führte ſie in die Dieke des Walds/ wo die von feiner Nachfolge jhme warteten/ mit welcher er ſich in ſein Land begabe. Nachdeme Ram von der Jagd zurück kame/ und die Sita nicht mehr fande/ fiele er vor Schmertzen ohnmachtig darnieder/ und nachdeme Lokeman ſein Bruder ihn wieder zu ſich ſelbſten gebracht/ giengen ſie mit einander/ die Sita zu ſuchen/ welche inniglich von jhrem Mann geliebt wurde. Der Raub Wann die Braminen dieſen Raub von dra oro ihrer Goͤttin Sita erzehlen/ geſchicht es mit Thränen be⸗ Thränen und Bezeugung groſſen Schmerweint. tzens/ uñ ſie thun zu dieſer Urſache noch eine unzahlbare Menge lacherliche Fabeln hinzu/ um die groſſe Hertzhafftigkeit des Rams in Verolgung des Raubes der Sita hekant zu machen; ſie wendeten alle Thiere zu dero EntdeGeſchicht von dem Nam und ſeinem Weib Hertzhaftigkeit des 8 Rams. ckung an/ unter welchen der einzige Affe/ Earman genant/ das Gluck hatte/ daß es jhm geeilesdlſens. Sprung/ und verfügte ſteh in des Rhevani kummernus antraffe/ und welche ſich ſehr verVattern/ und als ſie weg gehen wolten/ gienge Garten/ allwo er die Sita in quſſerſter Be⸗ D Reis beſchreibung in Indien/ wunderte/ einen Affen ſelbiger Orken tu fn den/ ſo von jhres Mannes wegen mit ihr redete. Sie wolte deme nicht alſobald/ was Il kin folcher Abgeſandter ſagte/ Glauben geben; aber der Affe um ſeine Auftragung zu behaubten/ gabe ihr einen Ring/ ſo hm jhr Mann gegeben hatte/ und welchen ſie unter ihrer gabelbuß, Gercſthe gelaſſen hatte. Sie hatte Mühe/ Alem alt ein ſo groſſes Wunderwerck zu glauben/ und 4 daß Ram, jhr Mann ein Thier redent gemacht haͤtte/ um ihr ſeinen Zuſtand zu berichben. Der Affe/ Flarman, thate in dier Begebnus Wunderwercke/ und als er für einen Außſpaher von des Rhevan ſeinen Kuten erkant worden/ welche jhn wolten laſen verbrennen/ bediente er ſich des Feuers ſie vor jhn bereitet hatten/ um den Pallaſt des Rhevans zu verbrennen. Er verzehre faſt alles mit den Lumpen/ welche man jhme an den Schweif und um den Leib gebunde hatte/ und welche man mit Feuer anzundete. Er warffe ſich alſobald in das Stroh und andere verbrennbare Materi/ welche elne groſſe Brunſt in dem Pallaſt verurſſach⸗ 7 ten. Der Affe ſahe wol/ daß er den Han, den des Khevans nicht entrinnen mochte wann er wieder darein geriethe/ nahme al eylends wieder ſeinen erſten Weg/ und nach deme er ſich in dem Meer gewaſchen/ über welches er in einem Sprung geſetzet/ gie ge er dem Ram ſeiner Begegnuſſen zu berich ten; er zeigte jhme die Betruͤbnus/ in wei cher er die Sita gefunden hatte/ an/ we che verzwveiffelte/ ſich von ihrem Mann entferne zu ſehen. Ram durch die Liebs⸗Neigun 40 ner Frauen bewogen/ entſchloſſe fich/ auf vas Weiſe daß es ſeyn konte/ ſie auß den Half, den des Rhe van zu erledigen/ welches er gu thate/ und eben der Affe diente jhme und etchen Bölckern o erinunterſhichenen oi ten zuſammen gerafft/ um Wegweiſer. ch i vieler Muͤhe nahete er endlichen dem paß e des Rhevans, ſpelcher noch rauchte/ ſo ges. ware die Brunſt geweſen/ und die Une thanen dieſes Fürſten befanden ſich ſo/ daß es dem Ram leicht fiele/ eine lie Sita wieder zu bekommen/ welche jhme N van Überlieſſe/ ſich auß Forcht in die Big, begebende. Ram und Sita hatten eine 11 7 15 liche Freude/ ſich wieder beyſammen zu fe de hen/ und thaten dem Affen/ Harman oſſn f Ehre an/ welcher jhnen einen ſolchen groß Dienſt geleiſtet hatte. 5 er Was den Rhevan betrifft/ brachte ir das Ubrige ſeiner Tage/ als ein armer Fe 15 zu/ ſein Land von des Rams Volckern ge 1 derderbt ſehende/ welcher ſich wegen der 101 gethanen Schmach rachen wolte; und dieſem Rhevan iſt es/ daß dieſe Unglat n che Menge Fakirs, ſo man in Indien 10 5 laufen ſtehet/ jhren Urſprung bekenne jest o ſtrenges im 5 * 2 1 g. ben/ daß jhre Buſſe biß auf den been Dieſe Fakirs führen ein ſo ten/ und ſo gewiſſe Zeichen ſeiner Liebe zu ge. len in unterſchiedlichen Orten zerſtreuet/ al e abel 9öl. gema a 5 05 15e, Buh. 1 1 0 N 5 8 Drittes Buch. emp ip habedi Begierde gehabt/ unter2 1 Faffeln 115 mir i en 515 N dem Leſer in dem folgenden Capitel helichten will. 5 i 5 1 55 e 5 Das VI. Capitel. Von den Fakirs oder Freywillig⸗Armen in Indien/ und von ſhren Buß. e Er Urſprung der pak irs komt daher/ wie ich geſagt habe/ von dem Rhe van, LͥGoelchen Ram ſeines Reichs beraubet/ und welcher davon einen ſolchen Mißfallen ſelcdopffet daß e. ſich entſchloſſen/ arm undaler Sachen entbloſfet/ auch gar nackend in der 80 t herum zu irren. Er fande alſobald viel eute/ welche jhme in dieſem Leben/ ſo jhnenalerhand Frepheiten gibt/ nachfolgten; dann weilen ſie als Heilige verehret werden/ haben 8 nale Gelegenheit n Handen/ das Boſe/ ſo ſie gur wollen/ zu begehen.. Adee Fakirs gehen gemeiniglich HauffenWeiß/ deren jedes Hauflein ſein Ober⸗Haupt und Jorſteher hat/ und weilen ſie Sommer and Winter blos gehen/ und allezeit auf harter Erden ſchlaffen/ und es jemalen kalt iſt/ gehen le junge Fakirs und andere Heyden/ welche zum andachtigſten ſeyn/ nach Mittags Kühund anderer Thiere Miſt ſuchen/ an der Sonven getrocknet/ von welchem ſie jhnen Feuer machen. Sie bedienen ſich gar ſelten des Holbes/ auß Forcht/ daß nicht darinnen ein lebendiges Thierlein gefunden werde/ welches man dtete; und das Holz, welches dienet die Todwon verbrennen lt von gewiſſem Floͤß⸗Holtz/ a die nen keine Würme wachſen. Nachdeme en ie junge Fakirs eine Menge dieſes Miſts r mit durrer Erden vermenget/ zuſammen gee haben/ machen ſie unterſchiedliche groſſe l nachdeme der Hauffen groß iſt/ und ze0 oder zwölf dieſer Fakeirs ſetzen ſich um das N* euer herum; wann ſie der Schlaf übernim/ den ſie auf die Erden/ auf welche ſie Aſchen neuen/ ſo jhnen an ſtatt Madratzen dienet/ be 0 ſie haben keine andere Decken/ als den Wan, Jonnel. Was die anbelangt B o Buſſe thun dard welchen ich bald reden werde/ wann ſie in den dacht auf gleiche Weiſe ligen/ wie man ſie anderen Tag ſichet/ zündet man auf ein und der der Seiten ein Feuer an/ ohne welche ſie marslte nicht wider ſtehen koͤnten/ welches wal en Ende dieſes Capitels in den Giguren/ ülcheich von den Buſſenden gebe /ſehen wird. 5 reichen Heyden ſchatzen ſich glückfelig/ und Wuben, ihre Hauſer ſeyen mit hirmmliſchem Fichen angefüllt/ wann ſie etliche dieser kaehre beherbergen/ welchen ſie deſtomehr verdae je mehr ſie ein ſtrenge Buß⸗Weiſe hawar und der um eines ſolchen⸗ Hauffen iſt/ wind einen bey ſich haben/ der eine merckic fog Buß cht als wie diese/ von welchen folgends reden werde. 159 1 Dieſt Trouppenbakirs ver ſamſen ſich jh⸗ ahreguſumrer etliche zuſammen/ um in die fuͤnehmſtẽ Pa- menfnnſt. godes uñ in offentliche Bader/ welche in gewiſſen Tagen des Jahrs geſchehen/ ſo wol in dem Fluß Ganges, von welchem ſie über alles ſehr viel halten/ als auch in deme/ ſo die Lander der Portugeſen von Goa von des Königs von Vi lapour ſcheidet/ wallfahrten zu gehen. Etliche von den ſtrengſten Falkirs bleiben unter ſchlimmen Hutten/ nahe bey jhren Pagodes, wo man ihnen in vier und zwanzig Stunden ein mal um Gottes Willen zu eſſen gibt. 5 Der Baum/ von welchem man die Abbildung zu Ende dieſes Capitels ſehen wird/ iſt von gleicher Art/ wie der zu Gomron, und welehen ich in der Perſiſchen Erzehlung beſchrieben habe. Die Freyen heiſſen ſolchen der Der den Banianen Baum/ dieweil an denen Orten/ nen Baum. wo ſolche Baume ſind/ ſetzen ſich die Heyden/ und kochen darunter. Sie verehren ſolche vornehmlich/ und gemeiniglieh bauen ſie jhre Pagodes darunter/ oder nahe bey einem dieſer groſſen Baͤumen. Den/ welehen der Leſer hier unten ſehen wird/ iſt zu Surate, und in dem Stammen dieſes Baums/ welcher hol iſt/ ſiehet man eine Mißgeburt vorgeſtellet/ welches wie eines ungeſtalten Weibs⸗Kopf/ welches wie ſie ſagen/ die Figur des erſten Weibs ſeye/ ſo ſie Mamaniya heiſſen. Es verſamlen ſich alle Tage eine groſſe Menge Heyden/ ſo dieſe Mißgeburt anbaͤttẽ/ bey welchem unaufhoͤrlich ein Bram in, zu deſſen Dienſt gewidmet ſich befindet/ um das Allmoſen/ ſo man dahin 5 bringet/ von Ris/ Hirs und anderm Getraide einzuſamlen. Allen denen jenigen/ ſo jhr Gebatt in der Pagode verrichtet haben/ ſo wol Mann⸗ als Weibs⸗Perſonen/ macht der Bramin von einer Gattung Zinober oder Minien ein geichen in die Putten der Stirnen ait wel. chem ſie auch jhre Goͤtzen beſchmieren; bey dieſem Zeichen befoͤrchten ſie ſich nicht/ daß der Teuffel jhnen ſchade/ dieweil/ wie ſie ſagen/ ſie unter dem Schutz jhres Gottes ſeyn. Ich will die Außlegung der Figuren/ wel 5 che unter der Banianen Baum ſind/ und mit Ne. 1. 4. 3.&c. bezeichnet/ allhier machen. Noe. f. Iſt das Ort/ wo die Braminen gemeiniglich etwelche von jhren Goͤtzen baden/ als wie Mamaniva, Sita, Madedina, und andere dergleichen/ welche in groſſer Anzahl ſeynd. Ne. 2. Iſt die Figur der Mamaniva, welche in einer Pagoden iſt. i N Noe. 3. Iſt eine andere Pagoden nahe bey der Vorhergehenden. Es iſt eine Kuh an der Pforten/ und uͤber jnnen eine Vorſtellung des No. 4. Iſt eine andere Pagoden, wo ſich etliche bůſſende Fa kirs hin begeben. 8 Ne. 5. Iſt die einte Pagoden dem Ram zugeeignet. 5 unterſchiebliche malen in dem Jahr ſich ö O 3 ein Ne. 6. 900 die Form einer Gruben/ wo 1 166 ein Fakir hin begiebet/ welcher kein andere Heiterkeit/ als durch ein kleines Lochlein hinein bekommet. Er verbleibet manches mal von 9. biß 10. Tag ohne Eſſen und Trincken darinnen/ nachdeme ſein Andacht/ eine Sache/ welche ich nicht leichtlich geglaubet/ wann ich es nicht ſelbſt geſehen hatte. Der Vorwitz hatte mich dahin bewogen/ dieſen Buͤſſenden zu ſehen/ mit dem Hollandiſchen Commandeur von Surare, welcher außſpahen lieſſe/ ob man jhme ſo Tags ſo Nachts nicht zu eſſen brachte. Man konte ſolches nicht entdecken/ daß man jhme die geringſte Nahrung zubraͤchte/ und er bliebe auf ſeinem Hindern gleich unſern Schneidern ſitzen/ ohne daß er ſo Tags ſo Nachts die Stelle anderte. Dieſer/ welchen ich geſehen/ konte nicht 8 langer als ſieben Tage von zehen/ ſo er jhme vorgenommen/ verbleiben/ dieweil die Hitze jhn faſt erſtickte wegen der Ampeln/ ſo darinnen angezundet waren. Die andere BußWieiſen/ von welchen ich reden will/ giengen noch weit uͤber allen menſchlichen Glauben/ Harte Bu, wann nicht viel tauſend Menſchen deſſen Zeuge waren. a No. 7. Iſt die Stellung eines Buſſenden/ welcher viel Jahre verbringt/ ohne ſich weder Tags noch Nachts nieder zu legen. Wann er ſchlaffen will/ lehnet er ſich an ein Seil/ ſo aufgeſpannet iſt/ und in dieſer fremden und ohngelegenen Weiſe fallen jhnen Feuchtigkeiten auf die Heine/ daß ſie davon geſchwellen. No. g. Seynd zweyer Buſſenden Stellungẽ/ welche biß auf den Tod jhre Arme außgeſtreckt halten/ der geſtalten/ daß in den Gleichen ſo ſtarcke Harkigkeiten formieret werden/ daß ſie die Arme nicht mehr unter ſich bringen koͤnnen. Ihre Haare wach ſen ihnen biß über die ürtel hinunter/ und jhre Nagel gleichen hren Fingern in der Lange. Nachts und Tags/ Hitze und dem Stechen der Fliegen unterSommer und Winter bleiben ſie gantz nackend andieſer Stellung/ dem Regen und der worffen/ ohne daß ſie ſich jhrer Hande/ ſolche zu vertreiben/ bedienen konten. Was die andere Nothwendigkeiten des Lebens betrifft/ als wie Eſſen und Trincken/ haben ſie Fairs von jhrer Weſellſchafft/ welche nahe bey jhnen ſeyn/ hnen beytuſpringen/ und ſie im Nothfall zu be dienen. e 5 Ng. Iſt die Stellung eines andern Buͤſſenden/ welcher alle Tag etliche Stunden auf einem Fuß bleibet/ in feinen Handen eine KohlPfannen voßer Feur haltende/ auf welche er Weyrauch wirfft/ ſo er ſeinem Gott aufopffert/ ſeine Augen waͤhrender Zeit auf die Sonnen kehrende. N. und 1. Seynd die Stellungen zweyer Sitzend⸗Süffenden/ und welche die Hande in die Lüfft halten. i Ne 1a, Iſt bit Stellung/ n welcher der Buſſende ſeylalſet/ ohne daß er immer mehr dir Arme hernieder laſſe/ welches ohne Zweifel eine von den guzſten Qualen iſt/ ſo der menſe liche Leiberleiden kan. b Noz. Ift die Stellung eines andern Buſſenen/ welchem die Schwach heit die Hande zuwegen jhrer Laſtern in dieſen ſchandlichen Neis beſchreibung in Indien/ rück fallen machte/ weil er die Arme nicht weißt biegen kan/ welche auß Abgang der Nahrung gantz außgetrocknet ſeyn. 4 15 Es findet ſich eine unzahlbare Mengean; derer Büſſender; die Einten/ welche in eimer gantz widerwartigen Stellung des naturlichen Stands ſich befinden/ haben die Augen allzeit gegen der Sonnen gekehret; andere/ ſo die Alk gen allezeit zur Erden nieder geſchlagen/ ohne jemalen jemanden in das Geſicht zu ſehen/ noc ein einiges Wort zu reden/ und ihr Unterſcheid iſt ſo groß/ daß man davon ein langes Geſprg⸗ 4 che halten konte. 80 e Um den Vorwitzigen mehreres Vergmgen zu geben/ und jhnen die Sachen klarlicher vor zu ſtellen/ will ich noch andere Figuren dieſer Büſſenden/ welche ich an dem Ort ganz lebhafft habe entwerffen laſſen/ vorſtellen. Die Schamhaftigkeit hat gewolt/ daß ich die Thel le/ deren ſie ſich nicht ſchamen zu zeigen/ habt verdecken laſſen; dann zu aller Zeit/ ſo wol im Feld als in der Stadt/ gehen ſie gantz blos/ wis ſie auß Mutter Leibe kommen; und obwol di Weiber auß Andacht ſich denen nahern/ um mit dem Euſſerſten des Fingers das/ ſo man ſich zu nennen ſchamet/ zu nehmen/ und demuligſt zu küſſen/ mercket man doch an ihnen kein Zeichen der Empfindlichkeit/ ſondern im Gegenſtand ohne jemand anzuschauen/ und bie Augen auf eine abſcheuliche Weise verkehrend/ und konte man ſagen/ ſie waren verzucket. Das VII. Capitel. Von dem Glauben der Heyden/ den Stand der Seelen nach dem Tod des Menſchen betreffend. 5 ü S iſt einer von den Glaubens⸗PuusOc der Heyden/ daß nachdeme die Seelen der Menſchen/ auß dem Leibe nach dem Tod geſchieden/ Gott vorgeſtellet werden/ welcher nach dem Leben/ ſo ſie gefuhre, haben/ jhnen/ was ſie für Leiber zu beſitzen habk/ verordne/ dergeſtalten/ daß ein Menſch untelſchiedliche malen wieder auf die Welt komme und um ſo viel/ daß es Menſchen eines bo Lebens/ unordentlicher Sitten/ und in allen hand daſtern ertruncken/ gibt/ ſchicke Gott ſol che Seelen/ nachdeme ſie von dem Leib abge, ſcheiden/ in etlicher wüten Thiere Leiber/ als wie der Eſeln/ Hunde/ Katzen und anderer/ faͤngnuͤſſen Buſſe zu thun. Aber ſie glauben daß die jenige Seelen/ ſo in die Kühe fahren glückſelig ſeyen/ dieweil ſie dieſe Thiere vor en Gottheit halten; wann ein Menſch miteit ae, Kuh⸗Schweif in der Hand ſterbe/ ſeye 50 nug/ wie ſie ſagen/ um ſolchen in dem and 1 f Leben gluckſelig zu machen. Meilen die Hen den die Uberfahrt der vernünftigen Seclen 85 f 0 5 AI hder Thiere Leiber glauben/ haben ſie einen 15 ſcheuen/ ein Thier/ was es auch vor eines 85 5 zu todten/ auß Gorcht/ he mochtenan dem 0 0 eines rer Verwandten oder Feunde 1 tpſor Hier 1. ſchuld n. einem dieſer Leiber Bulſe thus ſcheule 20 Henn Naehe. Wann die Menſchen in waͤhrendem jhrem a Leben tugendhafte Thaten begangen haben/ Wieſhne als Wallfahrten und Allmoſen/ halten ſie Ourvor/ daß jhre Seelen nach dem Tod in eines Machtigen Rajas, oder anderer reichen Perſonen Leibe fahre/ und daß ſie der Wolluſten des Lebens/ als eine Belohnung guter Wer1 ſo ſie in anderen Leiberen verrichtet/ geDieſes iſt die Urſache/ warum die Fakirs, von welchen ich in vorhergehendem Capitul geredt habe/ ſo abſcheuliche Buſſe wurcken/ ö und weil ſich nicht alle Menſchen/ ſo viel in dieſer Welt zu leyden/ entſchlieſſen koͤnnen/ ſuchen ſie bey, ihren Lebzeiten wit guten Wercken dieſe raue Buſen zu erſetzen/ und was noch mehr iſt/ beladen ſie jhre Erben durch Ihren letzten Willen den Braminen Allmoſen zu geben/ damit die Viele der Gebatte/ ſo ſie ihnen nachſagen laſſen/ Gott ihnen den Leib eines groſſen Herren beſtimme. In dem Jenner 1661. ſtarbe der Cheraf oder Wechsler der Hollandiſchen Geſellſchaft MondasFarek genannt/ zu Surate. Er ware ein reicher und gutthatiger Mann/ und hatte bey einem Leben ſo wol den Chriſten als Heyden/ Viel Allmoſen mitgetheilet. Die Ehrwuͤrdige Vatter Capuciner von Surare lebten einen Theil des Jahrs von dem Reis/ Butter und Mulſen⸗ Früchten/ ſo er jhnen ſchickte, Dieſer Banjane ware nicht langer als vier oder fuͤnff Tag kranck/ und ſo wol in wahrender Zeit/ als acht oder zehen Tag lang nach ſeinem Tode/ heilten ſeine Brüder bey neun oder zehen tauend Koupies quß/ und lieſſen ſeinen Leib verbrennen/ und miſchten under gemeines Holtz uch das von Sandel und Aloes, glaubende daß durch dieſes Mittel/ wann die Seele ihnes Bruders in einen andern Leib eingehe/ Er Nahe eu groſſer Herꝛ in einem andern Lande werde. 50 u Es befndẽ ſichd darriſche gemig/ ſohre SchaWee bey Lebzeiten vergraben/ wie vaſt alle Reide in dem Königreich von Aſen thun/ damit/ wann ſie nach jhrem Tod in den Leib eines arf en ellenden Bettlers eingehen/ ſie eine Zuucht zu jhrem vergrabenen Gelt haben kon1 8 um ſich auß der Noth zu reiſſen. Dieſes 8 Urſach/ warum ſo viel Gold/ Silber und geſteine in Indien vergraben ſeyn/ und es N der ewol ein elender armſeliger Heyd ſeyn/ Haren btetwas Glts in der Erden verborgen mite Ich erinnere mich daß ich eines Lags Sdoadien um ſechs hundert Koupies eine 0. Dale von Agatſtein eines halben Schuhs ech und in der groſſe eines unserer ſilbernen erkoren gekaufft habe. Der ſo mir ſolche er guffet/ verficherte inch/ daß ſie langer als 0 Jahe in der Erden gewesen/ und daß be diche aufpehalten/ und ſich deren nach ſeiihn Tod auf gllen Fall zu bedienen/ es ware dere Gleich, ob er Seit oder ſeine Schgalen kau aben hatte. Ttuf memer letſten Reise fei e lch von einem dieſer Heyden zwey und 0 40 Diamanten das Stuck ohngefehr Wiang wem ſchwar/ und als ich jhme die Berung bezeuget/ worinnen ich ware/ einen 1. Theil. 5 5 r —— 2 N 0 8 5 Drittes Buch. groſſe Schaͤtze darinnen vergraben finden Teichs/ und ſetzen jhnen die Fuſſe in das Wgſſer. Nachdeme/ daß die Natur abnimet/ helffen lich tauchen ſie ſolche biß an das Kinn under/ ſcheidet/ koͤnne eines und das andere von allen ſich in des Verſtorbenen Hauſe/ und nachdeme allwo er auf den Achslen deren/ ſo darzu be161 ſo ſchoͤnen Theil zu ſehen; ſagte er mir/ ich ſolte mich nicht verwunderen/ angeſehen es nahe bey fauſſg Jahren ware/ daß er ſolche zuſamen ſamlete/ um ſich deren nach ſeinem Tode zu bedienen; aber weil ſich ſeine Sachen veranderet/ und er Gelt vonnoͤhten habe/ hatte ihne ſolches bewogen/ deren abzukommen. Dieſe vergrabene Schaͤtze/ waren eines Tags dem Raja Seyva gi eine groſſe Hiilfe/ welcher die Waffen wider den Groß: NMogol, und den Konig von Vilapour ergriffen. Als dieſer Raja Callian-Biondi, eine kleine Stadt des Königreichs Viſapour, durch Rathgebung der Braminen, welche jhn verſicherten/ daß er. wurde/ eingenommen/ ließ Er ſolche halb zerſchleiffen/ und fande in der That groſſe Reichthummen/ mit welchen er ſein Kriegs⸗Heer/ welches mehr als in dreiſsig tauſend Mann beſtunde/ erhalten. Es iſt unmoglich dieſe arme Heyden von jhrem Irꝛthum abzubringen/ dieweil ſie keine Billichkeit anhoren/ und die jhrige gantzlich jhren alten Gewonheiten underwerffen/ under welchen die Fuͤrnehmſte iſt/ die Leiber der Abgeſtorbenen zu verbrennen. — Das VIII. Capitel. Von der Gewonheit der Heyden ber zu verbrennen.. S, e Gewonheit die Leiber zu verbren⸗ e Dr ſſt ſehr gemein bey den Heyden/ n welches ſie gemeiniglich an dem Ufer derben des Fluſſes/ wo ſie die todten Leiber waſchenlnſ/ verrichten/ um jhre Reinigung von den Sunden/ von welchen ſie ſich in dieſer Welt nicht bey jhremdeben geſaͤubert hatten/ zu vollenden. Ihr Aberglauben gehet ſo weit/ daß oftermalen/ wann die Krancken am auſſerſten ſeynd/ tragen ſie ſolche an das Ufer eines Fluſſes oder die Lei4 ſie dem Leib auch under das Waſſer/ und enddamit in dem Augenblick/ daß ſie die Seele 5 0 und ſich ſolche von dem Leibe ableinen Unreinigkeiten purgieret werden/ wann ge ſie den gantzen Leib in den Fluß duncken/ nach Purgierunz. welchem man jhne an ſelbigem Ort verbrennet/ ſo allezeit einer Pagoden nahe iſt. Es gibt alldorten Leute/ ſo Sorge haben/ das Holtz zuſamen zu ſamlen/ und man weißt was ihnen vor jhre Mühe zu bezahlen iſt. Wann ein Heyd geſtorben/ alle die von ſeiner Zunfft oder Stammen/ ſo in dem Ort ſeyn/ verſamlen er auf einen Karren/ welcher mit ſchoͤnem Lein⸗ eich ere wad bedecket iſt/ nach dem Stand und Ver⸗ mond. 2 moͤgen/ ſo er hinderlaſſen/ gelegt wooden/ begleiten ſie hn biz auf das Ort wo er ſoll verbrennt werden/ der Srag⸗Baare nachfolgend/ O 4 ſtimmet Reisbeſchreibung in Judien/ ſtimmet ſeyn/ getragen wird. Sie gehen allzeit jhrem Gott etliche Gebutte ſingend/ und vielinalen den Namen Ram: Ram, gußſprechend/ und wann der Leib alſo getragen wird/ mahnen/ fur die Todten zu batten. Wann der Leichnam an dem Ufer des Fluſſes oder Teichs angelanget/ duncket man ſelbigen in das Waſſer/ und alsdann verbrennt man jhne/ welches guf drey underſchiedliche Weiſen geſchicht/ wie ich es in folgendem Capitel melden werde. Nachdeme der Verſtorbene reich ware/ miſchet man under das gemeine Holtz/ welches man/ jhn zu verbrennen/ zuſamen ſamlet/ mehr oder minder Sandel oder anderes wolriechendes Holtz. a a Aber die Abgoͤttiſche verbrennen nicht allein die todtne Leiber/ jhr grauſamer Aberglauben gehet noch weiter/ und ſte verbrennen gar auch bie Lebendigen. Sie machen jhnen ein Gewiſſen eine Schlange/ auch gar eine Wantze zu toͤden/ und halten für eine berühmte That/ ein lebendiges Weib in dem Feuer mit dem Leib jhres todten Manns zu verbrennen. l e Das IX. Capitel. Wie ſich die Weiber in Indien mit den Leiberen jhrer todten Manner verbrennen. ö Wie die Le S iſt noch ein alter Brauch under den e Hehden in Indien/ daß/ wann der N A Mann ſtirbet ſich das Weib nimmerwäinen. mehr verhenrahten kan. Dergeſtalten/ daß/ e ſo bald der Mann tod iſt/ begibt ſich das Weib hinweg/ um jhren Mann zu beweinen/ und etliche Tage hernach ſcheret man jhro die Haar ab/ ſte zichet alle Zierrahten/ mit welchen ſie zuvor hren Leib geſchmucket ab/ ſie thut von ihren Armen und Beinen die Baͤnder hinweg/ welche jhr der Mann/ als er ſie geheurahtet/ zum Zeichen daß ſie hm underthan/ und angeſeſſelt/ hinweg/ und ſte bleibt die übrige Zeit fhrer Tage in jhrem Haufe/ ohne daß ſie etwas geachtet werde/ ja arger als eine Leibeigene/ an ſtatt daß ſte ſich zuvor Meiſterin darinnen geſehen. Dieſer armſelige Stand macht ihnen das Leben veꝛhafſet/ und ſte wollen lieber auf einen Holtz⸗Hauffen gehen/ un daſelbſten lebendig mit den Leibern ihrer Mannern verzehret zu werden/ als die übrige Zeit ihres Lebens in Schmach und Schand bey aller Welt verbleiben. Zudeme daß jhre Braminen, ihnen die Hoffnung geben/ daß wann ſte auf dieſe Weiſe mit hren Mannern ſterben/ ſte mit jhnen wieder in einein Ort der Welt mit mehreren Ruhm und Vortheil als vor dieſem leben werden. Dieſes ſeyn die zwey 95 Urſachen/ welche dieſe armſtiige Weiber daſten mit e n ver negen, ſich mit den Leiber ihrer Mannen verbren. nern zit verbrennen; Zu welchem man noch nen. hinzu thun muß/ daß ihre Prieſter jhnen noch und ſich ſe 4 — mit dieſer Hoffnung ſchmeichlen/ daß in dem Augenblick/ daß ſie in dem Feuer ſeyen/ ehe ſie den Geiſt gufgeben/ Kam jhnen vortreffliche 1 Sachen offenbahre/ und nachdeme jhre Seele hat es ein kleines Glocklein/ die Lebendige zu er⸗ durch underſchiedliche Leiber werde gegangen 5 ſeyn/ werde ſie zu det Ewigkeit in einem hohen Grad der Glory kommen. Aber es iſt zu mereken/ daß ſich keine Frau 10 mit dem Leib jhres Manns verbrennen kan/ Ca ſie habe dann deſſen zu erſt von dem Befehlha haben ber des Orts/ wo ſie wohnet/ Erlaubnuß/ und dieſe Befehlhaber/ welche Mahometaner ſeynd/ und welche ein Abſcheuen von dieſer verfluchten Gewonheit/ ſich ſelbſten abzuthun/ haben/ vergonnen jhnen ſolches nicht leichtlich. Zudeme ſeynd es nur Weiber/ ſo Wittwen ohne Kinder verbleiben/ denen man vorrupffel konte/ daß ſie jhre Manner nicht geliebet/ wan ſte nicht das Hertz haben ſich nach deren Tobe zu verbrennen/ und welchen dieſer Fehler der Hertzhaftigkeit/ das übrige hrer Tage zum Schondflecken dienet. Dann denen Wittiben ſo Kinder haben/ itt es auf keine Weiſe erlaubt ſich mit den Leibern ihrer Mannern zu verbrennen/ und weit von dem/ daß die Geſatze ſie dazu verpflichten/ iſt jhnen befohlen/ vor die Auferziehung jhrer Kinder zu wachen. Die jenige/ denen die Befehlhaber gantz und gar nicht die Erlaubnuß ſich zu verbrennen mil cheilen wollen/ verbringen das übrige rer Tage in groſſen Buß⸗Wercken und Hreyge bigkeiten gegen den Armen zu. Es gibt deren/ ſo auf die Landſtraſſen gehen/ Waſſer famt etlichen Hulſen⸗ Früchten zu ſieden/ um dem vorüber greiſenden zu tvincken zu geben/ bder allezeit Feuer in Bereitſchaft zu haben/ und 5 die Pfeifen deren ſo Taback trincken wollen; dale anzuzinden. Es gibt noch andere/ welchr ſich ee, verpflichten/ niemalen nichts anders zu eſſen als was ſich von Karnen/ ſo noch nicht vet deuet indem Ochſen⸗Küh' und Büffels⸗Mt ſich befindet/ und noch andere lacherliche Sal 1 chen verüben.. 4 75 Nachdeme der Beſehlhaber ſiehet, daß 5 le Ermahnungen/ welche er dieſen Weiber 1 thut/ welche durch jhre Freunde und durch die Braminen ſelbſten ſich zu verbrennen/ ange? trieben werden/ nichts vermoͤgen/ gegen d Verwandten Entſchluß/ ſo ſie ſo grauſamich 1 zu ſterben genommen/ und daß ander ſeits ſein Schreiber jhme ein Zeichen gibt/ daß er d 4 Hand gefullet habe/ gibt er endlichen die Er 7 laubnuß/ daß ſie thun dorffen was ſie wollen und ſagt im Zorn zu allen dieſen Heyden/, zu jhme fuhren/ daß ſie dem Teuffel zugehen ſollen. f e Wade So bald ſie diefe Erlaub m beton, 1 faͤnget alle jhre Muſic an/ ſich hören zu la. und bey dem Trommen⸗Schlag/ Flothen anderen Inſtrumenten/ von diefer Natur 17 hen ſie in das Hauß des Abgeſtorbenen⸗ 4 fie von dannen/ wie ich geſagt habe/ beglen eder den Leib biß an das Lifer eines Teichs g le Flaſſes allwo er ſolle verbrennt werde zlib Verwandte und Freundinnen der ee welche nach jhrem Mann ſterben will/ lo ihr N 2 1. UN 568 2 Drittes Buch. 5 Ihro Glück zu wunſchen/ wegen des wolergehens/ ſo ſie indem andern Leben beſitzen werde/ und von der Ehre/ ſo die gantze Zunfft wegen ihres großmachtigen Entſchluſſes genieſſe. Sie ſchmücket ſaa als wie an dem Tage ihrer ochzeit/ und man fuͤhret ſie gleichſam Triumphs⸗Weiſe zu dem Ort/ wo ſie ſoll verbrennet werden. Dieſe muſtcaliſche Inſtrumenten machen ein groſſes Gethon/ ſo wol als je Stimmen der Weiber ſo jhro nachfolgen/ und welche zu dem Ruhm dieſer Armſeligen ſo ſtirbet/ erwelche Lieder fingen. Die Braminen, ſo ſie begleiten/ ermahnen ſie beſtang und hertzhaft zu ſeyn/ und etliche unſer Auropeer glauben/ daß/ damit man ihr die ſchracken des Tods/ vor welchem der Menſch einen natürlichen Abſcheuen tragt/ benehme/ man jhro einen Trunck beybringe/ ſo die Sinhen verwirre/ und jhr alle Forcht/ ſo die Zu1 rei bereitung des Tods jhr verurſachen koͤnte/ behet nehme. Es iſt den Braminen daran gelegen/ 0 aß dieſe Weiber bey dem gefaßten Schluß/ W 1 8 ch zu verbrennen/ bleiben/ dann alle die ͤmbaͤnder/ ſo ſie an den Armen und Beinen agen/ mit ſamt jhren Ohr⸗Behaͤncken und ingen/ gehoren mit Recht den Braminen, dchdeme bie Weiber verbrennt ſeynd/ alsdann ſuchen ſie alles under der Aſchen. Nach em Stand und der Reichthum der Weiber/ dieser Armbaͤnder/ Ohr⸗Behancke und Ringe/ ſeynd bald von Gold bald von Silber/ die Alrqrmſten haben ſolche von Kupfer oder Zinn; aber was die Edelgeſteine belanget/ tragen ſie nne, wann ſie ſich verbrennen. 5. d., Ich habe drey von dieſen Weibern auf key underſchiedliche Weiſen/ nach UnderWed der Lander verbrennen ſehen. In dem Nönigreich Guaerate biß auf Agra und Dehli ae det man es alſo: An dem Ufer eines Fluſn oder Teichs/ machet man wie eine kleine Hutten ohngefehr von zwolff Schuh in die 5 5 Sie wird von Buntzen oder Rohr/ nd anderm kleinem Holtz gemacht/ mit welMan man etliche Haven mit Oehle und andern a br Aerialien vermiſehet/ damit es deſto eher deeche, Das Weib fetzet ſichhalb ligend in wer ditten dieſer Hütten/ jhren Kopff auf eiden Haltung hoͤltzigen Polſtern ruhen laſſend/ ſie eſalacken an eine Saul lehnend/ woran det Bramin um die Mitte des Leibs binemp auß Forcht/ daß/ wann ſie die Flammen pfinde/ davon lauffe. In dieſer Stellung 80 dae n; g dte are e haltet ſie den todten Leib res Manns/ auf 0 Knyen allezeit ihr Berle kauend/ und 9 jhr Betle fauend/ un 1 banden ſie bepnahe 15 halbe Stunde in 9800 ben Stand verblieben/ gehet der Bramin, 5 und ihr in der Hütten geweſen/ herauß/ 1805 dlc ruffet/ daß man das Feuer anſtecke; Freu 8 die Braminen, Verwandten und dlſobale der Frauen/ ſo da gegenwärtig ſeynd/ ven mit hun/ und ſchütten noch etliche Haö winde Oele in das Feuer/ damit das Weib So 0 de und deſto eher verzehret werde. hen 955 d die Corper zu Aſchen worden/ zieie Braminen, was ſich von zerſchmoltzeold/ Silber/ Kupffer oder Zinn/ von 1665 den Armbandern/ Ohr⸗Behaͤncken und Ringen/ ſo die Frau an jhr gehabt/ befindet/ herauß/ welches ihnen mit Recht/ wie ich ſchon geſagt habe/ zugehoret. In kich k man die Weiber auf eine andere Weiſe. Es muß in demſelbigen Land ein Y arm ſeyn/ wann ſie nicht mit dem Leib ihres dels. Manns zu dem Ufer des Sanges komt/ um jhne alldorten/ wann er geſtorben/ zu waſchen/ auch ſich ſelbſten/ ehe man ſie verbrennet. Ich habe biß auf zwantzig Meilen Wegs weik zu dem Ganges ſehen kommen/ dieſe Corper waren damalen ſchon gantz verfaulet/ und gaben einen ohnleidenlichen Geſtanck. Es ware eine ſo von den Nord⸗Gebürgen gegen den Grantzen des Koͤnigreichs Boutan herkgine/ ſamt dem Leib jhres Manns/ welchen ſie in einem Karren bringen lieſſe/ gienge allezeit zu Fuß/ und hatte in fuͤntzehen oder ſechzehen Tagen nichts genoſſen/ biß daß ſie bey dem Ganges ankommen/ und nachdeme ſie den todten Coͤrper/ welcher abſcheuhlich ſtancke/ wie auch ſich ſelbſten gewaſchen/ verbrannte ſie ſich mit ſelbigem mit einer Beſtandigkeit/ welche alle ſo ſie ſahen/ Wunder nahme. Ich ware damalen auf dem Ort. Gleichwie nach der Lange des Gayges, auch gar in gantz Bengala ſehr wenig Holtz iſt/ ſchicken die armen Weiber Allmoſen Weiſe Holtz zu heuſchen/ damit ſie ſich mit den todten Leibern jhrer Manner verbrennen koͤnnen. Man bereitet jhnen einen Holtz⸗Hauffen/ welcher wie ein Beth mit ſamt den Polſtern gemacht iſt/ von kleinem Holtz und Bintzen/ wo man auch Oel⸗Haven darunder ſtoſſet/ und andere Materi/ um den Leib geſchwinde zu verzehren. Dem Weib/ ſo ſich verbrennen will/ gehen Tꝛommen/ Pfeiffen und Schalmeyen vor/ welche mit jhren ſchoͤnſten Zierrahten außgeſchmuͤcket iſt/ ſie komt tantzend biß zu dem Holtz⸗Hauffen/ nach deme ſie darauf geſtiegen/ halt ſie ſich halb ligend halb ſitzend. Damalen leget man jhren Mann uͤberzwerch über ſie heruͤber/ und folgends alle Freunde und Verwandten bringen hr/ eine einen Brieff/ die andere ein Stuck Tuch/ dieſer Blumen/ jener Silber oder Kupffer⸗Stücklein/ jhr ſagende/ gibe das von meinet wegen meiner Mutter/ oder meinem f Bruder/ oder einem meiner Freunde und Verwandten/ nachdeme es eine Perſon/ ſo ſie bey jhrem Leben am meiſten geliebet haben. Wann das Weib ſiehet/ daß ihr nichts mehr gebracht wird/ fraget ſie die Umſtehende drey mal/ ob ſie ihr nichts mehr zu befehlen haben/ und wann man ihr nichts antwortet/ wickelt ſie alles zuſamen in einen Daffet/ welchen ſie zwiſchen jhrem Bauch und dem Rucken jhres todten Manns legel ruffende/ man ſolle den Holtz⸗Hauffen anzünden/ welches die Braminen und Verwandten zu gleicher Zeit thun. Wie ich bemercket habe/ daß es in dem Koͤnigkeich Bengala wenig Holtz gibet/ ſo bald daß dieſe armſelige Weiber tod und halber gebrahten ſeynd/ wirffet man jhre Leiber ſamt ihrer Maͤnneren jhren/ in ben g Ganges, dem Königreich Bengala verbrennet Auf eſne au 53 em KoͤWeib ſehr nigreich ben. Groſſ Beſtändigkeit eines Weibs. Gebrauch im Koͤnigreich Ben. 85 Adee N Amte. Affen befinden/ ſeynd dieſe arme Kinder der Reisbeſchreibung in Indien/ Ganges» alltvo ſie on den Crocodillen gefleſſen werden. 5 Verſuchter. Ich muß einen verfſuchten Gebrauch/ welcher bey den Heyden in dem Königreich von eine Frau geneſen/ und das Kind/ wie es dann offt geſchicht/ die Bruſt ſeiner Mutter/ um zu ſaugen/ nicht nehmen will/ lragen ſie ſolches fuͤr das Dorff hinauß/ legen es in ein Tuch/ welches ſie an den vier Orten/ an die Aeſte eines Baums anbinden/ und laſſen es vom Morgen biß Abends darinnen. Daß ſolcher geſtalten/ daß das Kind den Raben vorgelegt iſt/ welche es plagen und es ſeynd etliche gefunden worden/ denen ſie die Augen auß dem Kopf gezogen/ dieſes macht/ daß man in Bengala viel dieſer Heyden ſiehet/ ſoͤnur ein Auge haben/ und anderen/ ſo alle beyde außgeriſſen/ und auſſer dem Kopf ſeynd. Auf den Abend nehmen ſie das Reind wieder herauß/ um zu ſehen/ ob das Kind die folgende Nacht ſaugen werde/ und wann es geſchiehet/ daß es die Bruſt nochmalen außſchlaget/ tragen ſie es den folgenden Tag wiederum an das erſte Ort/ welches ſie dreymalen nach einander fthun/ nach welchem/ ſo das Kind gar nicht ſaugen wolte/ in dem Glauben/ daß es ein Teufel ſeye/ werffen ſiees inden Gangum, oder in einen andern Fluß oder Teich/ deme ſie an nachſten ſeynd. An den Orten/ wo ſich viel Raben Anfall nicht ſo underworffen/ dann ſo bald die Affen ein Raben⸗Naſt ene decken/ klettern ſie an den Baum hinauf/ werffen das Naſt auf eine/ und die Eyer auf eine andere Seiten. Anderwerts gibt es under den En88 1 Hollandern und Portugeſen armhertzige Leute/ welche von Mietleyden wegen des Unglücks dieſer armen Kindern bewogen/ nehmen ſie ſolche hinweg/ wann ſie alſo an einen Baum aufgehangt ſeynd/ und uhmen die Aufſicht ſte erztehen zu laſſen/ wie iich eines Tags ein Exempel zu Ougueli geſthen/ welches ſie an denen Orten thun/ ſo nahe bey jhren Schreibſtuben ſeyn.. Bengala ublich iſt/ nicht vergeſſen. Wann hinein. Alsdann alle Verwandte ſchütten Haven mit Oele und andere ſolche Mater! hinein/ wie ich ſehon geſagt habe/ daß es auch anderswo geſchehe/ damit der Leib deſto ehen der verzehrt werde. 1 In bem groſten Theil des Strandes von Coromandel, verbremit ſich das Weib nicht mit dem abgelebten Corper jhres Mannsz aber ſte laßt ſich lebendig mit jhme in eine Gruben einſcharren/ welche die Braminen ohngefehr einen Schuh tieffer machen/ als die Leiber des Manns oder der Frauen hoch ſeynd. Sie eie wehlen gemeimglich einen ſandichten Ort/ und wann ſie den Mann und das Weib in dieſes Loch geſtoſſen haben/ ein jeder von denen ſo ſie begleitet haltend/ einen Korb mit Sand angefullet/ welche ſie auf dieſe zwey Leiber ſchtilten/ biß das Loch voll iſt/ und noch einen halben Schuh hoͤher als der Boden/ nach welchem ſie darauf ſpringen und tantzen/ biß ſie meinen daß die Frau erſtecket ſeye. ee Wann etliche Heyden ſelbiges Landes dae von Coromandeb, in den letſten Zügen ligen A el thun ſie nicht als wie die andereren/ ſo man a. an dem ifer eines Fluſſes oder Teichs zu ſterben traget/ damit/ wann die Seelen auß den Leibe fahren/ ſie von jhren Unreinigkeiten ges waſchen werden. Sie thun nichts als ſolche zu einer Kuh von den feiſſeſten/ ſo ſie inden konnen/ zu tragen/ nach deme thun ſie den Krancken gegen dein Hindertheil der Kuh z ſie heben ihr den Schweiff auf/ und bewegen ſolche/ damit ſie das Waſſer laſſe lauffen. Wann ſie das Waſſer lauffen laſſet/ und es auf das Geſicht des Krancken komt/ haben alle Umſtehende eine groſſe Freude/ ſagende/ daß en glückſelig ſeye. Aber wann die Kuh das Waſſer nicht laſſet/ und der Krancke ſturbe/ f ohne daß er das Geſicht mit dieſem Urin ge waſchen hatte/ geſchihet die Begrabnuß mit nichts als Betrübnuß. So ein Kuh erkran? cket/ muß der jenige deme ſie gehoͤret/ Sorge haben/ daß er ſie an das Ufer eines Fluſſes b der Teichs führe; dann wann ſie in ſeinen Hauß abgienge/ wurden 5. ihne die Braminen Wie die Lalſet uns anjetzo ſehen/ was nach der„„ a der ach Lange de: Coromandeliſchen Stꝛanden geübet romance. wird/ wann die Weiber ſich mit jhrer todten chen Stran⸗ Mannern Leihern verbrennen. Man macht den eine groſſe Gruben von nem biß zehen Schuh tief/ und von 2p. biß 30. in die Geviert/ in welche man eine groſſe Menge Holtz/ ſamt andern Specereyen/ um ſie geſchwinde zu verbrennen/ wirffet. Wann dieſe Gruben wol geheitzet iſt/ leget man des Manns Leib an das Ufer und folgends komt die Frau kantzend/ und ihr Betlè kduend von allen jhren Verwandten und Freunden mit Trommen und Heerpaucken hegleitet. Das Weib thut drehmal um die Gruben herum gehen/ und bey jedem mal kulſſet ſie alle ihre Verwandten und Freunde. Wann ſie das dritte mal herum komen/ werfAbgeleibten Corper in zu einer Buſſe verdammen. Dias N. Capitel. Merck wuͤrdige Geſchichten underſchieblicher Weiber/ welche ſich nach de 15 Tod jhrer Maͤnneren verbrenes e 8 Nder etlichen Exempeln/ dieſer m e S Als grauſamen Gewonheit der 0 5 190 Deniſchen Weibern in Indien/ ſich l Aue den todten Corpern jhrer Manner zu verb. nen/ will ich drey mercktwurdige 1 von welchen zweyen ich Zeuge geweſen. n Der Raja von Velou, von welchem, 05 dem Erſten Buch dieſer Indianiſchen wal ſchreibung geredet/ nachdeme er alles Sieg, die Stadt und das Leben durch 1 7 chen fen die Braminen des Das Feuer/ und wann das Weib den kucken der Gruben zukehrer/ wird ſſe eben von dieſen Bramzinen geſtoſſen und fallet amders obſich Drittes Buch. welchen er uͤber den General des Kriegs⸗Heers des Königs von Vilapour erhalten/ verlohren ware ein groſſes Leyd an ſeinem gantzen Hoff. Eilff von ſeinen Weibern waren herzlich wegen ſeines Tods beruhret/ und entſchloſſen ſich/ daß ſie ſich alle auch verbrennen wolten/ wann man ſeinen Leib verbrenne. Nachdeme der General des Kriegs⸗Heers von Viſapour, dieſen Entſchluß vernomen/ glaubke er/ daß man dieſe verzweiffelte Weiber abwendig machen konte/ wann man ihnen ſchmeichelte/ und allerhand gute Abwart verſprache. Aber als er ſahe/ daß dieſes alles nicht fruchtete/ und daß ſie ſich gaͤntzlich mit ein Leib des Verſtorbenen verbrennen wolken/ befahle er/ daß man ſolche in einer Kammer verſchlieſſen ſolte. Dieſer/ deme der Beehl aufgetragen ward/ und ſolchen zu Werck dachten gienge; dieſe Weiber/ als wie raſend/ lagten jhme/ er hatte gut zu machen/ daß es dergeben ware/ ſie gefangen zu halten/ und wann man jhnen nicht erlaube das zu thun/ was ſie entſchloſſen ſeyen/ werde innerhalb rey Stunden keine mehr von jhnen im Leben 5 en/ man ſpottete dieſer Drauung/ und age glaubte nimmermehr/ daß es geſchehen wurGa de. Aber/ nachdem derſelbe/ ſo dieſe Weidhe ber in Verwahrung hatte/ die Thur des e. Zimmers nach Verlauff dreyer Stunden eröffnete/ fande er ſie all tod auf der Erden gußgeſtrecket liegen/ ohne daß man einiges Seichen verſpuren konte/ warum ſie ihren Tod echleuniget/ und daß man hatte mutmaſſen nnen/ ob ſie ſich mit Eiſen/ Stricken/ oder ifft um das Leben gebracht; ich halte gewiß darfür/ der böſe Geiſt werde bey dieſer Gegenheit auch mit im Spiel geweſen ſeyn. aßt uns aber auf eine andere Geſchicht komen: Ga d Zween von den Maͤchtigſten Rajas in Inihre ei kamen im Jahr 1642. nach Agra, ſich an des Cha- gehan Hoff zu begeben/ welcher eben mals regierte/ und weil ſie mit dem Großft eiſter des Königlichen Pallaſts nicht wol unden/ ſprach derſelbe einsmals zu einem leser Rajas, welche in Gegenwart des Koͤnigs 10 einer Galerie im Pallaſt beyſamen wamal daß ſie übel thaten/ weil ſie ſich mit ei57 ſo groſſen Monarchen/ wie der Konig 0%% gemein machten. Der Raja, welcher ſich il en für einen Konig und großen Furſten nelle ſintemal er nebenſt ſeinem Bruder bey deedder re. kauſend Reer mit ſich zü führen 5 Gre befande ſich hart beleidigt/ daß der 8 doß⸗Meiſter ſich underſtanden/ ihn ſo außN e 8 fufilten zo Dole zen/ zog derohalben den Dolchen auß/ . v brachte ihn auf der Stelle um/ in Ge90 Aiwart des Königs/ welcher von einem erten Ort zuſchauete; und wie ich anderswo Gicht daſelbſten zu Gerichte ſitet. Der welch, Meiſter fel zu ſeines Bruders Fuſſen/ teſie er eben bey jhm ſtunde/ derſelbe bemüheaber einen Tod zu raͤchen/ des Raja Bruder/ in die Bum zuvor/ ſtieß jhm den Dolchen tod hin duft/ daß er über den Grof⸗Meiſter N Der Konig/ welcher dieſe zwo dthaten ſahe/ förchtete ſich/ und begab ſich in ſein Haram, darauf kam alles Volck/ und die Ombras von der Galerie gelauffen/ giengen uͤber die zwey Rajas her/ und hieben ſie in Stucken. Der Konig war ubel zu Frieden/ daß eine ſolche Unthat in ſeinem Hauſe und Gegenwart veruͤbet worden/ derohalben befahl er/ man ſolte die Leiber der Rajas in den Fluß werffen. Aber/ ſo bald ihr Volck/ welche ſie fur Agra gelaſſen/ hoͤreten/ daß man dem Gedaͤchtnuß Ihrer Furſten einen ſolchen Spott anthun wolte/ bemuͤheten ſie ſich in die Stadt zu dringen/ und ſie zu plündern/ dadurch geſchahe/ daß dem Konig gerahten wurde/ jhnen die Coͤrper zu überlaßſen/ damit die Stadt von ihrer Grauſamkeit befreyet bliebe; als diß geſchahe/ gaben ſich die Raſputen qlſobald zur Ruhe. Als man ſie nun nach Gebrauch verbrennen wolte/ kamen 3. Weiber ſpringende und tantzende auß jhrem Hauſe gelauffen/ und ſtiegen auf den Holtz⸗Hauffen/ und empfiengen denſelben mit jhren Handen/ und nachdeme ſie die Flammen ergriffen/ fielen ſie alle zuſamen ins Feuer/ die Braminen wurffen einen Hauffen Holtz auf ſie/ wie auch Oele und dergleichen Materi/ die man in ſolchen Fallen zu brauchen pflegt/ damit jhre Leiber deſto eher verzehret wurden. ö i Ich erinnere mich noch einer anderen ſolchen Gelegenheit/ die ſich zu Pat na, einer Stadt in Bengala zugetragen. Ich ware mit den Hollandern bey dem Befehlhaber der Stadt/ welcher ein anſehenlicher Herꝛ war/ und vaſt das 80. Jahr erreichet hatte: Ex commandierte funff oder ſechs tauſend Reuter/ u dieſem trat/ als ich mich eben in ſelbigem Gemach befande/ ein ſehr ſchoͤnes Weib/ welche ſchwaͤrlich das 22. Jahr uͤberſchritten hatte. Dieſes Weib begehrte mit einer munteren Stimme und groſſer Hertzhafftigkeit von dem Stadt1 emeing Weiber⸗tren Eine ſeltzgmeGeſchicht von einer unglaͤubliͤchen Standhalter Erlaubnuß/ ſich mit dem Leibe ihres baftigkei eiverſtorbenen Mannes zu verbrennen. Der nes Stadthalter durch die Schoͤnheit dieſes Weibes angereitzet/ verſuchte ſie in jhrem Ent ſchluß abwendig zu machen/ als er aber ſahe/ daß alle ſeine Mühe vergebens/ und daß diß Weib halsſtarrig auf jhrer Meinung bliebe/ jhn endlich auch mit einer trotzigen und kuͤhnen Stimme fragte/ ob er meinete/ daß ſie das Feuer foͤrchtete/ fiel jhm ein/ ſie zu befragen/ ob ſie auch wußte/ was das Feuer ſey/ und was das Feuer für eine Pein mit ſich fuhrte/ oder ob ſie jhr niemalen die Hand verbrennet. Nein/ nein/ antwortete dieſes Weib mit noch mehrer Standhafftigkeit als zuvor/ ſprechende: Ich foͤrchte das Feuer auf keine Weiſe/ und damit du ſolches ſehen kanſt/ ſo befhle/ daß man ein Wachs⸗Liecht herbringe. Der Stadthalter hatte für der Rede dieſes Weibs eine Abſcheu/ und wolte ſie nicht mehr horen/ ſprach auch als er ſie abfertigte zu hr/ ſie olte zu allen Teuffeln gehen. Etliche junge Herren/ welche ſich bey jhm befanden/ baten jhn/ er mochte zulaſſen/ daß man es dieſes Weib verſuchen lieſſe/ und befehlen/ daß eine g a Fackel Weibes. Reisbeſthreibung in Indien Fackel gebracht wurde/ ſie wolten jhne uͤberreden/ das Weib hatte nicht das Hertz/ ſich zu verbrennen. Er wolte zwar nicht alſobald darein willigen/ aber ſie underlieſſen nicht hne heftiger zu bitten/ biß endlich auf ſeinen Befehl ein Wind⸗Liecht gebracht wurde. Ein ſolch Wind⸗Liecht iſt in Indien nichts anders/ als ein Stuck Tuch in Oel getaucht/ welches man in eine ſonderbahre Art von KohlPfannen thut/ und an einen Stab haͤncket/ wir nennen es in Europa eine Leuchte oder Feuer⸗Korblein/ deren man ſich in den CreutzGaſſen der Staͤdte bedienet/ ſo bald das Weib die Fackel/ welche zimlich ſtarck brannte/ erblickte/ lieff ſie ſolcher entgegen/ und ſtreckte jhre Hand uber die Flammen ohne eintzige Bewegung/ noch daß ſie durch Verſtellung des Geſichtes die Schmertzen zu erkennen 95 geben/ ſie naherte den Arm der Flammen i 6 an den Ellbogen/ daß er gantz gebraten ward/ alſo/ daß alle/ die dabey ſtunden/ ein Abſchen darfür trugen/ biß der Statthalter befahl/ daß man ſie wegſchaffen ſolte. eine wun⸗ Weil wir uns anjetzo zu Patna befinden/ derliche und will ich eine gleiche und noch wunderlichere Geehe. ſchicht erzehlen/ welche ich mit meinen Auſthichte/ von gen geſehen/ und deren Zeuge ſeyn kan. Ein au der 10. Bramin fame in die Stadt/ und ließ alle ſeiTage weder nes Ordens zuſamen kommen/ und begehrte/ genden daß ſie ihm zwey tauſend Roupies, und ſieben und zwantzig Colits Tuch/(welches/ wie ich oben gedacht/ die Elle ſelbiges Lands iſt) geben ſolten. Nachdeme ihme aber die Furnehmſten under ihnen zu verſtehen gegeben/ daß dieſes unmoglich geſehehen koͤnte/ und daß ſie darzu viel zu arm waren/ blieb er dannoch bey ſeiner halsſtarrigen Meinung/ und wolte mit Gewalt haben/ was er begehrte/ und erklaͤrte ſich/ daß er ohne Eſſen und Trincken verharren wolte/ biß ſie jhm die zwey tauſend Roupies nebenſt dem Tuch gebracht hatten. In dieſem Vorhaben ſtieg er guf einen Baum/ und ſetzte ſich auf einen geſpaltenen Aſt/ verbliebe auch in dieſer Poſtur⸗ ohne Eſſen und Trincken etliche Tage/ das Geſchrey von dieſem Fantaſt/ kame den Hollaͤndern zu Ohren/ bey welchen ich dazumalen mich auf hielte/ ſie und ich dingeten gewiſſe Leute um Gelt/ welche die gantze Nacht bey ſelbigen Baum Wacht halten muſten/ damit man ſehe ob es wahr ſey/ daß ſo lange ohne Eſſen und Trincken leben konte welches auch inder That dreyſsig Tage nach einander erfolgte auſſer denen Leuten/ die wir darzu beſtellet hatten/ waren beren noch mehr als hundert/ die ſolches bezeugen konten/ welche die von ſeinem Orden hingeſchickt hatten/ und welche weder bey Tag noch bey Nacht von den Baum weg kamen. Endlich/ als er mim biß an den ziſten Tag ſo wunderlich gefaftet/ orchteten dieſe Heyden/ der Bramin mochte dem Hunger nicht weiter wiederstehen konnen/ und weil ſie ſich ein Gewiſſen machten/ einen ihrer Prieſter ſterben zu laſſen/ warm ſie in ſein Begehren nicht willigen, ſo legten ſie etwas zuſamen/ und brachten jhme die 27. Ellen Tuch/ 5 dab diger Denh und die 2000. Roupies. So bald der Bramin das Gelt uñ Tuch ſahe/ ſtieg er vondem Baum herunder/ und nachdem er allen auß dieſen Orden/ die ſich bey dieſem Schauſpiel verſamlet hatten/ ihre ſchlechte Barmhertzigkeit gegen die Armen verwieſen hatte/ theilte er das Gelt under die Armen/ und behielte nicht mehr als. oder 6. Roupies für ſich/ das Tuch theilte el auch in underſchiedliche Stucke auß/ und be. deckte mit einem von denſelben die Mitte ſeines Leibes; als diß geſchehen/ verſchwand er im Augenblick und im Angeſicht aller Leute/ daß kein Menſch wiſſen konnen/ wo er hinkommen/ ob man ſchon 1 55 Nachſuchung gethan. Man kan hierguß nichts anders abnehmen/ als daß der Teuffel/ der groſſe Meiſter in dieſun Zufall geweſen„ Ga 5 Weilen viel Chineſer zu Batavia wohnen/ e 0 will ich noch eine andere Gewonheit/ ſo ſich bey 90 1 dieſen Heyden in acht genommen, hieher ſezen. ie Soofft es geſchiehet/ daß ein Chineſer in den nu“ letzten Zügen ligt/ und ſeine Freunde und Elk tern jhn beſuchen/ fragen ſie ihn mit ſtarcker Stinmme/ wo er dann hin wolle/ ob jhme etwas mangle/ er ſolte ſolches ſagen/ ſie wolten jhme alles/ es ſey gleich Gold/ oder Weiber/ oder Silber verſchaffen. Wann aber die Krancken geſtorben/ machen ſie viel Geprange bey Ihren Begrabnuſſen/ welches gemeiniglich in Feuer Wercken beſtehet/ darinnen die Chineler gl Volccker der Welt übertreffen/ und es muß einer ſehr arm ſeyn/ der bey ſeinem Tode nicht elwas darzu anwendet. Und was loch mehr iſt ſie thun etwas Gelt in ein fleines Ladlein/ wel ches ſie neben den Todten begraben/ und ſetzen auf das Grab ſehr viel Speiſe und Lebens; Mittel/ der ganzlichen Meinung/ er werbe kommen und davon eſſen. Man pflegt zu Bata⸗ g via alle Abend etliche Soldaten von der 71 1 0 ble ſatzung hinauß zu ſchickẽ daß ſie für der Stab 0 Runden gehen dieſen Soldaten kame einm g in Sinn/ daß ſie dieſe Graber beſuchten 11. was ſie fanden/ verzehrten/ welches ihnen ef che graͤchte nach einander angieng. Die 17 5 neſer merckten den Pofſen bald/ und vergiffteten die Speiſe/ welche ſie auf die Graber Todten ſtelleten/ dadurch ſie jhnen einen Eckel und Forcht erweckten/ daß ſie ſo bald nicht toll der katmen. Darauß aber entſtunde zu ch„„ ein groſſer armen. Die Cluneler, welche ſih 1 tieffin die Handlung eingelaſſen/ und ſcheagh⸗ 0 ſchimigzt waren/ hatten an den Burgern ſchle 1 A. te Freunde/ welche ſich auch der Soldaten e 5 hahmen/ und die Chineſer anklagten/ daß fir en liche vergifftet hatten; aber ſie verteidigten 10 0 gar wol/ und gaben für/ wann die Freſſere 5 dis Soldaten/ ſo von der Todten Speise 15 geſſen hatten das Leben gekostet/ ſo harten deſſen keines Wegs Schuld/ ſintemal 929 die Speiſen nicht für ſie zugerichtet/ ſont 0 fuͤr die Todten/ welche dahin begraben„% 15 deren ſich noch keiner daruber beſchtvarer e rauf konte man nichts weiters ſagen/ un e Soldaten muſten das Naſchen ins künftig“ underwegen laſſen. 5 Dat 15 Drittes Bucht 1691 —— ſotſten dieſer Pagode groſſe Reichthum ein⸗ groen . VI. Cane trägt(dann ſie underhalt biß auf zwanzig deichmun Das. wpitel. kauſend Kühe) iſt die groſſe Menge der AllVon den Fuͤrnehmſten bagades der Indianiſehen Heyden. 5 e“Abgoͤtterer in Indien haben in 5 dem Felde hin und wieder eine groſſe f Menge(beſihe die vorhergehende di gur) groſſer und kleiner Tempel/ die ſie PaLodles nennen/ darinnen ſie batten und jhren Göttern opffern/ viel arme Leute aber/ welche den Waldern und Bergen/ ſo von den Diorffern entfernet ſeynd/ wohnen/ nehmen einen Stein/ und machen groblich eine Naſe und Augen von gelb oder rohter Farbe/ und batten jhn hernach als einen Gott/ nebenſt allen ihren Leuten an. J erl. ellen will. N 5 „Der Urſprung des Fluſſes Ganges füͤhkete den Namen Jagrenate, und auf demſelen ſtehet dieſe groſſe Pagode, oder der groſſe . Miene dadurch die Heyden jhren Hoͤhenche de leſter verſtehen/(beſihe in der vorhergehena e Figur die inwendige Göeſtalt dieſer Pagodle,) gleiche Beſchaffenheit hat es auch mit den andern/ welche auf dieſe Weiſe in Form ines Creuges gebauet ſeynd. Das groſſe Goͤtenbild/ welches auf dem Chor⸗Altar iſthat zwey Diamanten in ſeinen Augen/ und elnen an dem Hals hangen/ ſo ihme biß auf Die Bruſt gehet/ der geringſte von dieſen 1 2 iamanten wieget ohngefehr viertzig Carat. An den Armen hat dieſer Götze auch Arm; 5 balbder, theils von Perlen/ theils von Rudulen/ und wird von ſeinen Prieſtern Keſora Unennet. Dieſer groſſe Pagocke hat ſo viel Einkommens daß alle Tage fünfzehen biß noautzig tauſend Pilgram koͤnnen geſpeiſet bas en“ wie ſich dann deren offtmals o viel falt bſt befinden/ weil dieſe Pagode iſt der bie himſte und heiligſte Ort/ bey welchem Ln dersaulen hre groste Andacht vendch„ e Es iſt auch merckwurdig/ daß die Gold0 0e ale 19 beiter/ wekche bey dieſer Pagode ſich gleich 0 an Leuten einſtellen/ nicht hinein gehen de, nen n weilen einsmals einer der ſich darin. bett den verſchlieſſen laſſen einen Diamant auß Müh, gen Auge des Gozendildes gezogen/ und ſolban stehlen wollen“ als die Pagode eröffnet zurde/ und der Dieb herauß zu gehen verö nd tod zur Erden/ durch dieſes 3 Olaſſe der Abgott dieſen Kirchen⸗Raub. baud dieſe Pagode welches ein groſſes Ge10 Jude für die Fürnehmſte und Heiligſte fie a en gehalten würd /konimeet daher weil en 115 Fluß Gangus ſtehet/ dieſe HeyFlufßtauben auch/ daß das Waſſer dieſes aſſes eine ſonderbahre Tugend habe/ daß alen gehn ſo ſich darinnen waſchen/ von f e Maͤngeln reinige. Was Aale, Die vier berühmteſten Pagodes ſeynd Wal be Jagrenate„Banarous, Matura und Tripeti, N fei welchen ich eine klare Beſchreibung fürIndianer/ die ſich daſelbſt von allen Orbeine/ fel er an der Thüre/(wie ſie vorgeWunder dieſer Ta goden, moſen/ ſo alle Tage durch die unglaubliche Menge Volcks/ ſo von allen Orten dahin kommen/ eingelegt werden. Aber dieſe Allmoſen kommen nicht ſo wol von der Freygebigkeit derer ſo ſie geben/ als weil der Hohe Prieſter/ als welcher den Pilgern ſich zu beſcheren/ in dem Gange zu waſchen/ und andere nothwendige Sachen/ jhre Gelübde zu erfüllen/ erlaubet/ einem jeglichen nachdem er zuvor von ſeinem Vermögen genauen Bekicht eingenommen/ eine gewiſſe Gelt⸗Steur aufleget; hierdurch ſamlet er unbeſchreibliche Summen/ die er doch nicht zu ſeinem Nutzen/ ſondern zu Nahrung der Armen/ und zum Underhaͤlt der Pagode anwendet. ieſer Groß-Bramin läſſet alle Tage den Pilgram jhre nothwendige Lebens⸗Mittel außtheilen/ aber den Armen/ ſo keinen Haußrach haben/ und die ihre Speiſe nicht kochen koͤnnen/ pfleget man ſelbige ſchon zubereitet zu geben. Es iſt eine wunderlich und merckwürdige Sache/ wann man ſihet wie die Speiſe der armen Leuten ſo keine Toͤpfe haben/ außgetheilet wird. Des Morgens laſſen ſie Reis in Gefaͤſſen von underſchiedlicher Groſſe kochen/ und mann die Zeit komt/ daß dieſe arme Pilger eſſen forderen/ und jhrer zum Exempel funff ſeynd/ befihlt der Groß- Bramin einem andern/ daß er einen Topff mit gekochtem Reis nehmen ſolle/ denſelben laßt er auf die Erden fallen/ und der Topff zerbricht in fuͤnff Stucke/ darvon ein jeder ſein Theil bekomt/ und alſo macht mans auch nach Proportion mehr oder weniger/ nachdem viel Leute da ſeynd/ under welche der Reis gußgetheilet werden ſoll. Sie pflegen in einem Erdenen Hafen nicht mehr als zweymngl zu kochen/ aber wol in den kuͤpfernen/ und ſie gebrauchen für die Schuſſeln nichts anders/ als gewiſſe Blatter/ welche viel groͤſſer als unſere Nuß⸗ Blatter ſeynd/ die ſie zuſamen hefften/ außgenommen ein groſſes Becken eines Werck⸗Schuhs breit/ darinnen ſie den Butter zergehen laſſen/ in welche ſie den Reis mit den Fingern tuncken/ wann ſie eſſen wollen/ und eine kleine Schuͤſſel darein ſie Butter gieſſen/ die ſie einſchlucken/ wie wir mit einem Glaß Spanniſchen Wein nach der MalIch komme anjetzo zu einer genaueren Beſehreibung dieſes Goͤtzen/ welcher auf dem Altar in der Pagode zu Jagrenate ſtehet. Er iſt bedecket von dem Halſe an biß hinunder mit einem groſſen Mantel der über das Altar haͤnget/ und dieſes iſt ein Mautel von guldnem und ſilbernem Brocart/ nachdem das Feſt groß iſt. Aunkangs hal er weder Härdenöch uſſe dre und deſſen geben ſie folgende Urſachen für. ſche Fabeln Als einstmals einer vonjhren Propheten in den wenn ne Hünmel erhoben worden/ und alle Leute daru⸗ chen dten. ber 1285 und waineten/ daß ſie jhn verlohren hatten/ ſchickte Gott einen Engel vom Himmel/ welcher jhrem Propheten gleich ſahe/ . P damit am böͤchſten 7 ſtehet nichts an ihm als die Hande und das Geſichte/ und der Kopf und Leib beſtehet auß Sandal- Holtz. In dem Umfang dieſes Hauſes/ darinnen ſich dieſer Goͤtze befindet/ welcher ſehr hoch ſtehet/ ſeynd kleine Locher gehauen/ dar innen ſo wol oben als unden andere Goͤtzen ſtehen/ die alle meiftentheils abſcheuliche Mißgeburten/ und auß underſchiedlich gefarbten Steinen gemacht ſeynd. Auf jeglicher Seiten dieſer groſſen bagode, iſt eine ſehr kleine Zelte/ darinnen die Pilgram jhre geringſte N i f Latte/ an twelcher ſechs kleine Seiler hangen/ an wis Hranckheiten oder Geſchaͤfften/ ſich einem ſol⸗ b chen Abgott verlobet haben/ bringen ein ſolHpfer thun/ und bie/ welche etwan in jhren ches Bilbuuß dahin zum Andencken der Wolthaten und Gute/ die ſie empfangen haben. Sie reiben den Goͤtzen taglich mit wolriechenden Oel/ damit ſie jhn gantz ſchwartz machen; dieſer Gotz hat auf der einen Hand ſeine Sehuveſter die ſie Sorora nennen/ welche neben ihm ſtehet/ und gloichfals bekleidet iſt/ und auf der andern ſeinen Bruder den ſie Balbader nennen. Wann man ſich von dieſem Goͤtzen ein wenig auf die lincke Hand ſchlagt/ ſiehet man auch feine Frau ſtehen/ welche von klarem Maſſif Gold gemacht iſt/ da doch die drey andern nur von Sandal⸗Holtzſeynd. Die andern zwey Bagoden ſeynd zu der Wobmung des Groß⸗Bramins oder Hohen5 Prieſters/ und anderer Braminen beſtimmet. Alle bieſe Bracmin en gehen mit bloſſem. Haubt/ und die meiſten ſeynd beſchoren/ und haben nichts anders zu jhrer Kleidung als ein Stuck Tuch/ welches die Helfte des Leibes bedecket und des andern beſtehet bloß in einer Lebbinde. Man ſtehet nahe bey der Pagoclen das Grab eines von hren Propheten Cabir genent/ welchem ze groſſe Ehre anrhun; und ſonſt iſt merekwurbig/ daß alle dieſe Goßzenbilder auf gewiſſen Alea en mit Gegiltern eingeſchloſſen/ ſtehen. Dann es darff ſie ken Meuſch auruhren/ auſſer gewiſſe Btaminen die von dem Hohen⸗Prieſter zu dieſem Amt gewidmet ſeynd. . Ich koſſe auf die Pagoden von Banarous, vice welche nach der von Jas renate die heruhmteſte nach der! 5 Jagen, zu verglechen itt weilen ſie auch aufdem Rand des Ganges gehauet iſt/ und in der Stadt von welcher ſie den Namen traͤgt. Was am hoͤchSi ae en geſchaget wird/ it/ daß von der Pagoden n sten Thin nan bis an den laß/ man durch 2 85 ge Stegen hinunder gehet/ wo von Zeit zu Zeit Altanen ud kleine finstere Kaumnerlein gefumden werden/ deren etliche den Braminen zur Wohnung/ und andere zu Kuchen/ worſn man i be ſchutzt. che hinauß um Luft zu ſchoͤpfen/ gehen. in gantz Indien iſt/ und mit welcher ſie als wie hand Thieren/ welche aber bel genug gema * Reis beſchrelbung in Indien/ damit ſie jhmne noch taglich groſſe Ehr erweiſen konten. Als mm der Engel dieſes Gotzenbild machen wolte/ wurden ſie ſo ungedullig darüber/ daß ſte jhme ſolches under den Handen wegnahmen und in diebagodle ſetzten/ ob es ſchon weder Hande noch Fuſſe hatte. Weil es aber gar iumgeſtaltet war/ machten ſie ihm Hande vonkleinen Perlen/ die wir UnzenPerlen nennen. Was aber die Fuſſe anbetrifft/ ſo kan man dieſelbigen gar nicht ſehen/ weil ſie mir dem Mantel bedecket ſeynd. Man die Lebensmittel zuberenet/ dienen. Dann nach deme die Heyden den Leib ger aſchen/ und ihre Gebate und Opfer in der Pagoclen verrichtet haben/ gehen ſie jhre Lebensmittel zu bereiten ohne daß ſolche jemand als ſie/ anrühre/ au Forcht/ daß einer deme nahern mochte/ ſo unrein ware. Aber uͤber alles/ begehren ſie hefftiglich von dem Waſſer des Ganges zu trincken/ die, weilen alsbalden daß ſie getruncken haben ene glauben ſie/ wie ich geſagt/ daß ſie von allen jhi Man ſiehet alle Tag eine groſſe Menge dieſer Braminen an das ſchoͤnſte Ort des Fluſſes gehen/ um mit dieſem Waſſer gantz runde Krüge/ deren Mund⸗ Ez loch klein iſt/ und welche ohngefahr einen Waſſerʒ⸗Eymer halten/ anzufüͤllen. Waß ſie gefüllet ſeyn/ bringen ſie ſolche fur den Groß⸗Prieſter/ welcher das Mundloch mit einer zarten Leinwad bedecken laßt/ in drey oder vier feurfarben Doubles, guf welche er ſeln Pitſchafft drucke. Die Braminen fragen dieſes Waſſer an dem del ae Ende eines breitlichten Steckens als wie eine geng Re Bra jedem deren ein Hafen gebunden iſt/ und ſie enn leichtern ſich wann ſie oft von einer Achſel zu der andern umwechſeln/ dergeſtalten daß ſie often malen drey oder vier hundert Meilen Landes/ mit diefer Laſt durchgehen. Alo ſte ſolches verkauffen) oder verſchencken/ aber nur den Reicheſten/ von welehen ſie eine gute Belohnung krwarken. Es gibt deren Heyden/ daß wañ ſir ein groß Mahl haben/ vornemlich wañ ſie ihre Kinder verheurathen/ welche dieſes Waſſers um oder zoo. Thaler trincken. Sie trinken deſſen 77 nur zu End der Mahlzeit/ als wie wir in Eurd⸗ 15 15 pa den Hipocras und Muſtateller/ en jeder ein bey 0 J Schalen oder zwey nachdeme der⸗Herꝛdes He, f, ſtes freygebig iſt. Die fürnemſte Urſach war tuin ſte dieſes Waſſer auß dem Ganges ſo hoch ſchh gen iſt/ daß es nimmermehr verdirbet/ und dase darinnen keine Maden wachſen/ aberich weiß, nicht ob man glauben ſolle/ was ſie davon ſer gen/ angeſehen der groſſen Menge Leiber/ ſo ſtündlich in den Ganges geworffen werden. Laßt uns wieder auf dieba gode von ban z tons kocßen. Der geib it als wie enn Kreuz 9% macht/ wie der in allen andern Pagocles ind bir dh vier Branches ſeynd gleich. In der Mitten e wa hebk ſich ein hohes Hauß lein wie eine Gattune N Thurns mit vielen Pans, welches oben zie 1 ſpitzt; und am Ende jedes dieſer Kreutztheilen erhebt ſichein anderer Thurn auf welchen, hinauß ſteiget. Ehe man in das Oberſte kom, ſinder manetliche Ecker und Maurlöcher d 5 2 rund herum ſeynd erhabene Figuren von 10 0 1 9 ſeynd. Under dieſem groſſen Gehauſe und in, 537 gantzen itte der Bocce 1 1 bach tar wie einen Tiſch/ ſben ooccacht Schnee. und von fünf bis ſechs breit mit zee nd gen von fornen, ſo für Fußſchetktel dienen beDeer Fach ch eminem Fetched deckt/ bald von Seiden/ und bald von zel hoch Seiden/ nachdem das Feſt ſo ſie big del feherlich iſt. Ihre Altate ſynd nut Eber Drittes Buch. Silber Brocard bedeckek/ oder mit ſchon gede dz, Waker den Altar ſamt den Gotzenbildern ſof darauf oͤchtern můͤſſen ſolche nur von auſſen begruſn/ und iſt jhnen nicht erlaubt in die Pagode zu gehen/ eben ſo wenig als eine gewiſſe Zunft/ o under ihnen iſt. Under den Gotzen/ ſo auf dem groſſen Altar ſeyn/ iſt eines ſtehener von F. biß 6. Schuh hoch/ aber man ſiehet weder Arm/ noch Beine/ noch den Leib: man ſiehet nur den Kopf und Hals/ und alLes das übrige biß auf den Altar/ iſt mit eidiam Rock bedecken welcher ſch undenerweeret. Man ſiehet manchmalen an deſſen Hals eine reiche Ketten/ von Gold/ oder Rubinen/ Perlen/ oder Schmaragden. Dieſes ogzenbild iſt zu Ehren und Gleichnuß des Bainmadou, welcher ehedeſſen bey jhnen eie Groß und Heilige Perſon geweſen/ deſſen Me 2 ahmen ſie oͤfters in dem Munde fuhren. 0 fie luf der rechten Seiten des Altars ſiehet er man noch die Abbiſdung eines Thiers/ oder es ehender einer Erdichtung/ angeſehen es eines Theils einen Elephanten/ theils ein Pferd/ und theils ein Maulthier vorſtellet. Es iſt von Massiv Gold/ und ſie heiſſen ſolches Garou, und leyden nicht/ daß ſich jhme jemand aners als die Braminen nähere. Sie ſagen/ es ſeye die Aehnlichkeit des Thiers/ ſo dieſe eilige Perſon/ als ſie in der Welt geweſen/ geritten/ und daß er darauf groſſe Tagreiſen gemacht/ in deme er zu ſehen gienge/ ob das BVoolck in jhrer Schuldigkeit ware/ und niewand unrecht thaten. Im Eingang der babHeocle zwiſchen der groſſen Thüre und dem 1 Chor- Altar/ iſt auf der lincken Seiten ein kleiber Alkar/ auf welchem man ein ſchwarz MarWe meiſteinermes Gotenbild ende und die Bei10 fa 5 ereutzweis haltend/ ohngefehr zwey Schuh 0 10 och ehe. Als ich da ware/ hatte es gu Ua ler Lincken ein kleines Büblein/ welches des n Iroß⸗Prieſters Sohn ware/ und alles Volck/ P dahin kame/ warffen jhme etliche Stücke Falſet oder geſticktes Tuch auf Schnuptile bi Weiſe zu/ mit welchen ſie dieſes Gotzendei reibten/ und dann ſolche dem Volck wietelechüſteleten. Andere warfen ihne Ketche ld bon Kornern zu wie kleine Kauenwel, J Natur einen guten Geruch haben/ Nac, kr ches ſich dieſe Heyden um den Hals zu Wie denden gebrauchen“ und jhr Gebaͤtt bey ſe00 Cor Kornlein verrichten. Andere werffen 0 en e Hen al Ketten/ und andere von gelbem Ambon andere Früchten und Blumen zu. Endlich/ non allem was des Groß⸗PrieſtersKind zugeW 0 ffen ward/ reibte er den Götzen mit/ und lieſFeoſaſcheshekuſſen un wii erſt geſagt ha8 Duende ſolches dem Volck wieder zugeſtellet. 155 56 Goßzenbild wird Naorli. Ram genannt/ l ill ſagen/ der Gott Morli; welcher deſſen/ we ge, auf dem Chor⸗Altar iſt/ Bruder ware. dau 1 der groſſen Porten der Pagode ſiehet a fi 1925 nen von den vornehmſten Braminen e 5. lbeN f bargen cher Alle dieſe r. 5 5 mahlten Tuchern. Auſſer der bagode hat man ſi if ſeyn/ in dem Geſichte; dann die Weiber und ſe ey welchem ein gꝛoſſes Becken voll gelbe? 171 arme Heyden kommen einer nach dem andern/ ich jhme vorſtellen/ und er macht ihnen von dieſer Farbe auf die Stirne/ ſo ihnen biß ztwichen beyde Augen komt und auf den NaſenSpitz daꝛnach auf den Arm und aufdie Beuſtz und durch dieſe Zeichen iſt es/ daß man die jenige kennet/ ſo ihren Leib in dem Sapges gewaſchen haben. Die jenige ſo ſich nur in jhren Haͤuſern waschen/(dann ſie ſeynd alle verbunden ſich zu waſchen/ ehe ſie eſſen doͤrffen/ auch ſo gar ehe ſie kochen) dieſe dann/ ſage ich welche ſhren Leib nur in dem Waſſer ihrer Brunnen gewaſchen habẽ/ oder das man in dem Fluß genommen hat/ ſind nicht wol gereiniget/ und konnen auf dieſe Weiſe nicht mit dieſer Farb geohlet werden. Man inuß mnercken/ daß dieſe Heh⸗ Die denden den nach ihren Zünften mit underſchiedllchen ger her d Farben geohlet ſeyndz aber in dem Reich des S ae Groß ⸗Mogols machen die/ wo mit dem gelben ae geohlet/ die groͤſte Zunfft/ und die am minſten ö verunreiniget iſt. Dann wann ſie der Nothwendigkeit der Natur genug thun wollen/ begnüͤgen ſich die anderen einen Hafen mit Waſſer zů holen/ ſich von hinden zu waſchen; aber was ſie anbelangt/ nehmen ſie allezeit eine Handvoll Sand/ mit welchem ſie ſich erſtlich von hinden abreiben/ und nachdeme/ ſo waschen ſie ſich. Auf dieſe Weiſe ſagen ſie/ daß ihre Leiber ſauber ſeyen/ daß keine Unſauberkeit daran bleibe/ und daß ſie ohne Forcht jhre Labung einnehmen koͤnnen. 8 0 Neben dieſer groſſen Pagode auf der Seiten gegen dem Sommer Nidergang/ ſihet man aden der eine Behauſung/ welche für ein Collegium die⸗ groſſeußakanet/ welches der Raja] Eſſeing der Maͤchtigſte 1 der Heydniſchen Furſten/ welcher damalen in dem Reich des Groß-Mogols ware/ hatte bauen laſſen/ zu Auferziehung der Adelſchen Jugend. Ich ſahe 2. von dieſes Fuͤrſten Kinderen/ ſo alldorten erzogen wurden/ und welche zu Kennzeichen deren/ ſo den Leib in dem Ganges gewa ſchen. F Lehrmeiſtern underſchiedliche Braminen hatten/ welche ſie leſen und ſchreiben lehrnten/ in Sprache/ welche der Goͤtzen⸗Pfaffen eigen iſt/ und ſehr von des Poͤpels ſeiner underſcheiden. Nachdeme ich in den Hof dieſes Collegiums eingegangen ware/ ſo ich zu ſehen Begieꝛde truge/ und als ich die Augen in die Hohe warffe/ entdeckete/ ich eind zweyfachen Spaziergang/ ſo ringsherum gehet/ und in dem underſten ware es/ daß dieſe beyde junge Furſten ſaſſen von vielen kleinen Herꝛlein/ und einer Menge Braminen begleitet/ welche mit Kreiden allerhand Figuren/ als wie von der Mathematic auf die Erden machten. So bald als ich hinein gegangen ware/ ſchickten dieſe Fürſten zu erforſchen gen, d wer ich ware/ und nachdezne ſie vernahtnen/ Autor er, daß ich ein Frantzos ſeye/ kieſſen ſie mich hin⸗ ee ö auf kommen/ allwo ſe mich vieker Sachen unſer Europa betreffend/ und fuͤnemlich 5 Sn. e 9 9 5 von dieen Braminen halte zwey Kugeln/ ſo jhme die Holländer gegeben halten 15 10 wieſe ihnen darauf was Franckreich ware. Nach etlichen ſolcher Reden lieſſen ſie mir Des Auers das Berlé barreichen/ und ehe ich Abſcheid geister nit von jhnen 2 befragte ich ſelbige Bra nen. Deſſelben zweyfacher Spatziergang, Sweher jungen Fuͤrſten minen: Reisbeſchreibung in Indien/ minen; um welche Stunde ich die Pagoden offen ſehen koͤnte. Nachdeme ſie mir angedeutet/ daß ich des anderen Tags/ Morgens ein wenig vor Sonnen Aufgang kommen ſolle/ fehlte ich nicht mich zu ſelbiger Zeit in eben ſelbigem Hauſe einzufinden/ allwo der Raja quf der lincken Seiten im Eingang eine Pagoden bauen laſſen. Vor der Thuͤre ſiehet man als wie einen Luſtgang mit Saulen underſtuͤtzet/ wo ſchon eine groſſe Menge Volcks ware/ ſo wol Manner/ als Weiber und Kinder/ welche warteten biß man die Thureeroffnete. Wann dieſer Spaͤtziergang/ und ein Theil des Hofes mit Leuten ar gefullet iſt/ ſehet man acht Braminen kommen/ vier von jedem Ort der Thure der Pagoden, ein jeder ein Rauchfaß in den Handen haltende/ underſchie ⸗ und es ſeynd viel andere Braminen, welche eideuliche Ve dichten nen groſſen Laͤrmen mit Trommeln und andederbraminen ren Inſtrumenten machen. Die zwey Aelteſte .d. Braminen ſingen ein Lobgeſang/ und alles 8 Volck/ nachdem ſie angeſtimet haben/ folget jhnen nach/ ſingend und auf Inſtrumenten ſpielend/ ein jeder einen Pfauen⸗Schweiff/ oder eine andere Gattung Weh⸗Waͤdel in Handen haltend/ die Fliegen zu vertreiben/ damit/ wann die Thüre der Pagoden eröffnet wird/ das Goͤtzenbild nicht verumruhiget werde. Alle dieſe Durchwehung und die Muſic wahreten wol eine groſſe halbe Stunde; nach dieſem fiengen die zwey vornehmſte Braminen an/ mit zweyen groſſen Schaͤllen/ ein Gethoͤne zu machen/ und mit einer Gattung kleiner Klopfeln ſchlagen ſie wider die Thur. Sie ward zu gleicher Zeit durch ſechs Braminen, welche in der Pagoden waren/ eroͤffnet; und inwendig ſechs oder ſieben Schritt von der Thuͤren ſihet man einen Altar/ worauf ein Beſchrei⸗ Götze/ welchen ſie Kam- kam nennen/ ſo die 12 10 0 Schweſter des Morli-Rams iſt. Sie hat Nang. kams, glif ihrer rechten Seiten ein Kind/ ſo die Zeſtalt eines Liebes ⸗Gottes hat/ ſo ſie den Gott Lakem in nennen/ und auf ihrem lincken Arm ein kleines Toͤchterlein/ die Gottin Sita genannt. So bald die Thuͤr der Pagoden eroffnet ward/ und nachdeme man einen groſſen Fuͤrhang weggezogen/ und das gegenwartige Volck das Goͤtzen bild erblicket hatten/ warffen ſie ſich alle zu Boden/ die Hande guf den Kof Deſſen An⸗ legend/ und fielen dreymal nieder; nachdeme Wktüug, ſie aufgeſtanden waren/ warffen ſie viel Strauſſe/ und ein Ketten in Form der RoſenKräntzen/ mit welchen die Braminen das Bild berührten/ und alsdann dem Volck wieder gaben. Es ware vor dem Altar ein alker Bramin, welcher eine Lampe von neun brennenden Dacht in den Handen hielte/ auf welche er etlich malen eine Gattung Weyrauch docuffe und die Lampe dem Götzen bild näherte. Alles dieſes Geprange währte ohngefehr eine Stunde/ nach welchem man das Volck zuruck wieſe/ und die Pagoden beſchloſſe. Man gabe h dem Goͤtzenbild eine groſſe Menge Reiß/ Mal/ und Speiſe. Butter/ Oel⸗und Milch⸗Spei 70 0 1 1 die Braminen nichts verlohren gehen laſſen. b Weilen dieſes Goͤtzenbild die Geſtalt eines Weibs hat/ ruffen ſolches alle Weiber an/ und halten ſie vor jhre Patronin/ welches Urſach iſt/ daß ſie gemeiniglich mit Weibern und Maädigen angefille itt Dieſer Raja um dieſes Goͤtzenbild in der Pagoden ſeines Hauſes zu haben/ und ſie auß der groſſen Pagoden herauß zu ziehen/ ſo wol gegen den Braminen als den Armen/ hat mehr als 5. Lacres von Roupies Unkosten gehabt/ welche ſieben hundert und 5ooοο Francken unſerer Muntze machen. Auf der anderen Seiten der Gaſſen/ wo dieſes Collegium gebauet iſt/ ſiehet man eine andere bagoden, Richourdas genañt/ nach dem Namen des Goͤtzen/ ſo dar innen auf dem Altar iſt/ und etwas nidriger guf einem andern kleinen Altar/ iſt der Goͤtze ſo ſie Goupaldas nel nen/ des Richourdas Bruder. Von allen dieſen Goͤtzen ſihet man nichts als das Geſicht/ welches von Stein oder ſchwartzem Holtz/ wie Gagatſtein/ außgenommen das Goͤtzenbi Morli- Ram, welches in der groſſen Pagoden g iſt/ und gantz bloß bleibek. Was das Goten⸗ A e bild Ram- kam, ſo in der Pagoden des Raja ſſt/ dene betrifft/ hat ſolches 2. Diamanten in den Au⸗ Ge gen/ welche dieſer Fuͤrſt jhme machen laſſen/ g ſamt einem groſſen Perlenen Halsband/ und uber ſeinem Kopf einen Himel mit vier ſilbernen Saulen underſtutzet. 5 Acht Tagreiſen von Banarous, gerad dem Nord zuziehende/ komt man in ein bergigtes Land/ aber welches in dem Zwiſchen⸗Raum ſchoͤne/ ebne und weite Ort gibet/ manchmal von 2. biß 3. Meilen. Sie ſeynd ſehr fruchtbar in Korn/ Reiß und Huͤlſen⸗Früchtenzaber was das Volck ſelbiger gegend beſchwart/ und in h Grund richtet/ iſt die groſſe Menge Elephal e a ten/ ſo ſich darinnen befinden/ und einen groſſen 140% Theil der Hülſen⸗Früchten und des Getraſds au keen. Wann eine Geſellſchaft reiſende ea Perſonen/ ohne einen Oervanſeras borten Seh durchreiſet/ und weilen ſie gezwungen freyen Felde zu ligen/ haben ſie genugſane Mühe ſich des Nachts der Elephanten zu ei wehren/ welche oftermalen onen die Lebens, e Mittel entführen. Um ſolche zu verbinde, page ren/ zunder man Feuer an/ ian braut fe viel Muſqueten los/ und von Zeit zu Sen machen die von der Reis⸗Geſellſchaft ein gu, 0 ſes Geſchrey und Larmen/ um dieſe Thie zu erſchröcken. In dieſem Land iſt es! aue wo man noch eine ſchon⸗ erbaute und ſehr der; Pagoden ſiehet/ ſo mit allerhand une ſchiedlichen Figuren auß⸗ und jnwendig ge er let, weſche nichts als Weiber und Magin vorſtellen, Auch ſtehet man guborten wen Maͤnner ihre Andacht zu verrichten hingehen eb und deſſentwegen wird ſie die Pagoden. er Sache Fochteren genannt. Es iſt ein Altar inne Mitten/ als wie in den anderen Pagode p auf ſoſchemein Goͤgzenbild von Maßsiv0 , eil ohngefehr vier Schuh hoch/ welcheß ein ee dee endes Migdlen le welches 0 e Ram-Marion nennen. Sie hat auf Sil ne Rechten ein ſtehendes Kind von dichten. ben er/ nahe bey 2. Schuhen hoch/ und ſie 0 0 nachdeme diſes Magdlein heiliglich gelebt Drittes Buch. sehe ihr dieſes Kind von den Braminen zugeführet worden/ um jhme jhren Glauben/ und was wol leben heiſte zu lehrnen; aber am N 15 drey oder vier Jahren/ daß das Kind ey dieſer Tochter verblieben/ ſeye es ſo gelehrt/ und geſchickt worden/ daß alle Raſas und Furſten des Lands ſolches beneideten/ biß daß Meiner Nacht einer von jhnen ſolches weggeſtohlen/ welches biß anher nicht mehr geſehen worden. Dieſes Gotzenbild hat auf ſeiner link unden am Altar ein anders Goͤtzenbild/ ſo einen alten Mann voꝛſtellet/ welcher/ wie ſie ſagen/ ein Diener der Kam-Marion und des Kinds gewe5 ſen/ und diegra minen tragen dieſemGoͤtzenbild groſſe Ehr⸗Forcht. Man komt nicht mehr als einmal des Jahrs mit Andacht dahin/ un man muß ſich alldorten aufeinen gewiſſen Tag eininden/ welches der erſte Tag des Wintermon. iſt/ obwolen ſie die Pagoden nicht eher als in dem Vollmond eroͤſſnen. In wahrenden dieſen A. Tagen muſſen die Pilgram ſo wol Manner als Weiber von Zeit zu Zeit faſten und ſie waſchen dẽ Leib alle Tag z. mal/ ohne daß ſie irgend dn Haar/ wo es auch ſeyn moͤcht/ lieſſen/ weil ſie ſolche leichtlich mit einer gewiſſen Erden/ mit welcher ſie ſich reiben koñen/ außfallen machen. Das XII. Capitel. Folge der Beſehreibung der fürnehmſten Pagoden der Indianiſchen Heyden. Hef, N Ach den Pagoden von Jagrenate und men. N enarous, ware die von Natura die Vornehnmſte/ ohngefehr 18. Feldwegs 7 bon Agra, auf dem Weg nach Dehly. Es iſt eihes von den prachtigſten Gebauen in gantz Inien/ und der Ort wo vor dieſem der groͤſte Zuauff der Pilgram ware; aber anjetzo ſthet man deren faſt keine mehr/ und die Heyden haben unempfindlicher Weiſe die Andacht/ ſo ſie zu dieſer agoden gehabt/ verlohren/ ſint der Fluß Gemena, welcher vor dieſem nahe bey dieſer Pa Soden vorbey floſſe/ ſeinen gewoͤnlichen Furth Verlaſſen/ und ſeinen Lauff eine halbe Meile von dannen genommen. Darm wann ſie ihren Leib in dieſem Fluß gewaſchen haben/ brauchen ſie Jar zu viel Zeit wieder in die Pagoden zu komalen/ und in wahrender Zeit konten ſie etwas 8 nden/ ſo ſie vezunreinigte und befleckte. Obwol Aieſe Pagoden ſo ſehr groß iſt/ in einer Tieffe li85 entdecket man doch ſolche von mehr als F. 1 rb. Kuſten/ weilen das Gebau ſehr erhohet md rache ſt. Die Steine d darzu gebraucht worden/ ſeyn rothlicht/ und man ziehet ſolche 1 einer groſſen Stein Gruben/ ſo nahe bey f Oi. iſt. Sie zerſpalten ſich als wie unſere Schiefer⸗Steine/ und man ſihet deren von w. I Schuh lang/ und von 9. biß 10. breit/ welche etlte malen nicht 6. Finger dick s will i t 6. Finger dick ſeyn/ das wi . lan daß man ſie zerſpalten kan wie man will/ nd nachdeme man deren kan nohtig haben/ man macht/ was noch mehr iſt/ gar ſchoͤne die dhlen darauß. Die gantze Veſting Agra, WManmen von jehanabac, das Königliche II. Theil. Pagoden zu/ unnd 173 Hauß/ ſamt den beyden Moſquees, und etlicher groſſen Herren Hauſer ſeyn mit dieſen Steinen erbauet. 55 Laßt uns wieder auf die Pagode kommen. Sie ſitzet auf einem groſſen achteckichten Fun⸗ S dament mit lauter Quader ⸗Stucken aufgeführet/ um welche ringsherum 2. Krantze von allerhand erhabenen Thieren/ und über alles von Affen/ deren eine nur zwey Schuh von der Oberſtache der Erden/ und die andere zwey Sehuh von der hohe des Fundaments iſt. Man gehet durg) 2. Treppe/ deren jebe von 1x. oder 16. Staff len/ welche Stafflen nicht mehr als 2. Schuh lang/ alſo daß 2. Perſonen nicht neben eigander hin aufgehen konnen. Eine von diefen Treppen gehet auf die groſſe Porten der die andere hinder dem Thor. Aber die Pagode nimt ſchwerlich mehr als den halben Theil des Fundaments ein/ der andere halbe Theil dienet für den Vorplatz. Ihr Gebau iſt wie ein Creutz/ wie das der anderen Pagoden, und in der Mitten erhebet ſich ein groß Thum/ mit zweyen andern etwas geringer begleitet/ ſo auf den Seiten ſeynd. Auſſer dem Gebau von unden biß oben ſihet man ſehr viel Thier⸗Geſtalten/ als Widder/ Affen/ und Elephanten in Steine gehauen/ und rings herum ſeyn es nichts als Mauer⸗Locher/ worinnen underſchiedliche Wunder⸗Thiere. Von dem Fuß dieſer drey Domes, biß an den Gipfel/ hat es von Raum zu Raum hohe Fenſter von F. biß o. Schuh/ und bey jedwederem eine Gattung Ercker/ worinnen ſich 4 Perſonen ſetzen konnen. Ein jeder Ercker iſt mit einem kleinen Gewoͤlb bedecket/ die einten ſeyn von 4. Saulen underſtuützet/ andere mit acht/ aber es ſeynd zwey zu zwey/ und welche ein andern berühren. Um dieſe Domes herum gibt es auch noch Mauer⸗Loͤcher voller Figuren/ ſo Teufel vorſtellen. Die einen mit vier ArDerſelben itz Zweyfache Treppen. 70 Wie das Gebau mit allerhand Thieren geziebret. 1 Vorſtellung der Teufelm. men/ andere mit vier Beinen; es gibt deren /pö ſo Menſchen⸗Köpfe auf Thierer Leiben haben/ mit nd la jhnen um die Schanckel herum kommen. Man ſiehet letſtlichen ſehr viel Affen⸗Figuren/ und es iſt eine abſcheuliche Sache/ ſo viel haßliche Vorſtellungen vor den Augen zu haben. Die Pagoden hat nur eine Thure/ ſo ſehr hoch iſt/ und von ein und anderer Seiten hat es underſchiedliche Saulen Menſchen und Wunder⸗Thierer Vorſtellungen. Das Thor iſt mit einem Schrancken von ſteinernen Saulen von Hornern und langen Schweiffen o 5 Das Thor eht allein en BramiF. biß 6. Zoll dick verſchloſſen/ und kan niemand nen offen. als die Vornehmſte Braminen hinein komen/ welche dorthin durch eine kleine heimliche Thůre eingehen/ die ich miemalen habe ſehen können. Als ich in dieſer Pagoden ware/ befragte ich etliche Braminen ſo daſelbſten waren/ ob man den Groſſen Ram: Ram, das iſt/ das groſſe Götzenbild ſehen konte. Sie antworteten mir/ daß wan man jhnen etwas gebe/ wollen ſie hingegen die Erlaubnuß von jhrem Vorgeſetzten nehmen/ welches ſie nach dene ich jhnen zwey Roupies in die Hande gelegt hatte/ alſobald thaten. Ich wartete nicht ei ne halbe Stund/ und nachdeme die Braminen ee eine 174 Reisbeſchreibung in Indien eine Thüre/ welche inwendig in mitten der zum ofterſten wie ich geſagt habe/ in die von Jagrcnate, auch in die von Banarous dieweil Schrancken iſt eroͤffnet/ dann von auſſen hat Side ſchloſſen) ich ſahe durch ohngefaͤhr von fünff ſer ſie in ſonderbahren Ehren halten. Ad biß ſechszehen Schuh von der Thüͤren/ wie eiben dere nen Altar viereckicht mit gelbem Gold und beſchrieben. Silber Brocart bedecket und darauf das ghroſſe Goͤtzenbild/ welches ſie Ram Ram nennen. Man ſihet nichts dar von/ als den Kopf/ welcher von einem gantz ſchwartzen Marmor iſt/ und in ſeinen Augen ſiehet man als zwey Rubinen. Der gantze Leib von dem Hals an biß auf die Fuſſe/ iſt mit einem Rock von rohtem Sammet/ mit etwas geſticktem bedecket/ aber man ſiehet jhme keine Arm. Es hat auf beyden Seiten zwey andere Goͤtzen von zweyen Schuhen hoch/ und guf gleiche Weiſe bekleidet/ außgenommen daß dieſe weiſſe Geſichter haben/ und man heiſſet ſolche Becchor. Ich ſahe auch in dieſer Pagode eine Ruſtung von fünff⸗ biß ſechszehen Schuh in die Viere/ ohngefehr zwolff biß 1 in die Hohe/ mit denen gemahlten Tuͤchern/ ſo allerhand Teuffeln vorſtellen/ bedecket. Dieſe Rüſtung ruhete auf vier kleinen Radern/ und ſie ſagten mir/ daß es ein kragbahrer Altar ſeye/ auf welchen ſie jhren groſſen Gott/ an den Feyertagen ſetzten/ wann ſie die andere Goͤtter beſuchen gehen/ und wann ſie ſolchen ſamt allem Volck an den Fluß in jhrem groſſen Feſt begleiten. 5 925 Beſchre⸗ Die vierte Pagode iſt die von Tripeti, dienten ee in der Provintz von Carnatica, gegen dem ode dn Strand von Coromandel und dem Vorgepen hürge Comorin. Ich gienge ſolche zu beſchauen/ als ich von Naskpatan auf Indecote 5 gieng/ um mich zu dem Nabab-Mirgimola Ife broß. zu begeben. Es iſt eine groſſe Pagoden mit . vielen kleinen und andern Wohnungen für die Braminen uingeben/ welches alles zuſamen/ eine kleine Stadt ſcheinet. Es hat um die herum viel Teiche/ und jhr Aberglauben gehet ſo weit/ daß ein Durchgehender nicht von ſelbigem Waſſer nehmen doͤrfte/ wann jhm ſolches nicht von den Braminen gegeben wird. Das XIII. Capitel. Von den Wallfahrten der Heyden in jhre Pagoden, 5 88 den under⸗ des Groß- Mogols und anderer FurW 8 ſten/ diß und jenſeits des Ganges ſeyn/ in ihre vier gehen auf das wenigſte einmal in jhrem LeLoden. hen/ in eine von dieſen vier Pagoden, welche ich genannt/ Wallfahrten/ und gemeiniglich in die von Jagrenate, als die erſte und vortref5 lichſte von allen/ jhre Andacht alldorten zu Sabre die verrichten. Die Braminen und andere keirhe antes 5 thun ſolche Wallfahrten mehr als ein nase wal: Denn es gibt deren ſo ſocche alle vier fahrt halten. Jahr verrichten/ andere alle ſechs oder acht f Jahr und laden ihre Götzen der Pagoden auf Tragbaume/ und gehen mit ihren Braminen, gls wie ein Umgang zu der Pagoden, zu welcher ſie die meiſte Andacht haben: aber 5 Nl Heyden ſo under der Beherꝛſchung „Dieſe Wallfahrten geſchehen nich wie in unſerm Europa/ einer allein oder mn zweyen ſondern ſie verſamlen eine gantze Stadt b wee es keine/ und die Schrancken ſeynd gaͤntzlich ver⸗ alle beyde auf dem Ganges ſeynd/ deſſen Wal J. f 0 0 15 oder viel Dorfer zuſamen in Geſellſchaft zu w 1 gehen. Die Arme ſo von ferne komme etliche malen von drey oder vier hundert len/ und welche mit allem/ was ſie ihr Lebtage vor dieſes erſparet haben/ die Unkosten der Rel ſe nicht außhalten konten/ wird von den Reichen hülfich beygeſprungen/ welche zu dieſei Allmoſen ſchr groſſe Summen amwenden. Ein jeder kommet dahin nach ſeinem Staud 5 und Vermoͤgen/ die einen in Pallekis oder Brancars, andere in Kutſchen und die Armen die einen zu Fuß/ die andern auf Ochſen/ die Mutter tragt das Kind/ und der Vatter das Geſchirꝛ zu kochen. Den Gott/ ſo ſie im umgang tragen/ voh dem Ort/ wo ſie weggehen/ guf die Weiſe ker. Oi 80 ihbes Nen 1 ner Beſuchung und Ehrerbietung/ ſo er den Groſſen Kam· Ram ſeiſten will/ ruhet den lan gen Weg auf einem prächtigen Pallekis nt Gold und Silber⸗Brocart mit Franſen/ be. decket die Madratzen und Polſter von gleichem Zeug/ ſo under dem Haubt/ Fuſſen und bogen ſeyn/ wie wir in den Bildnuſſen unſerer Graber ſehen. Die Braminen kheilen den Vornehmſten under dem Haufen Eyanta? len, oder Fliegen⸗Wehrer auß/ von welchen die Stihle ſieben oder acht Shuh lang/ und mit Gold⸗ oder Silber⸗Lahmen bedecket/ dern Fliegen⸗Wehrer halt an dem auſſerſten n Form emer groſſen Ofen ⸗Schieſſer/ von zwey biß drey Wercel⸗Schuhen/ und von eben dem Brocard/ wie die Pallekis. Er iſt mit Pfauen⸗Haͤdern umgeben/ um mehreren Wind zu machen/ zu welchem ſie oftermal Nollelein hl zu thun/ um eine Gattung Muſic zu machen und es ſeyn gemeiniglich funf oder ſechs dieſe Evantaile, welche dienen die Fliegen vo Angeſicht des Goͤtzen zu vertreiben/ d ie Ellen7 5 che halten/ ruhen von Zeit zu Zeit/ ſo wol ase die ſo den Pallekis tragen/ damit jhrer v 15 dieſer Ehre rheilhaftig werden können. Dieſen Gebrauch ſoll uns nicht viel fremder vorkon n men/ als der/ ſo ich in Sachſen habe üben e. hen/ auch in underſchiedlichen andern Orten i Teutſchland/ wo under wahrender geit daß of Leich⸗Predigt für einen Mann oder Fraue. che nach der Lange in einem entdeckten Sa ruhen gehalten wird ſeyn Leute die auf bene den Seiten alle Zeit den Fliegen wehren/ wann im Sommer iſt/ um ſolche von dem Geſicht dama Verſtorbenen abzutreiben/ welcher eben ſo wenig Empfindlichkeit hat als ein Anno 165. als ich auf dem Weg trafen wir nahe bey Dultabar mehr al 9 one vonda quf Surare mit dem Hr. Hon Ardille, von welchem ich anderswo geredt habe/ was ga 8 2000. zahl Cel Pa eiche geg lekis tot fe 111. het, dem Perſonen an /ſo wol Wanner! Wee u ee Kinder/ welche von Tatta her J mit ö rem gan Goͤtzen kamen/ welehen ſie auf einem Drittes Buch. Pallekis trugen/ und ſie giengen das groſſe Goͤtzen⸗Bild der Pagoden von Tripeti beſuchen/ dieſer Goͤtze lage auf einer Carmeſinroth Sammeten Madratzen/ und die Decken und olſter waren von gleichem Zeug. Der Bamboue oder die Stangen/ ſo den Palle kis zu f ragen dienet/ ware mit Gold und SilberBrocard uberzogen/ und es hatte niemand anders als die Braminen Erlaubnus/ ſolchem zu nahern/ wir ſahen dieſen langen Umgang vorhey gehen/ und geſchahe ſolches nicht ohne groſn über die Blindheit dieſes armen Hier ſeynd die Figuren ihrer beruͤhmteſten abe. welche auf dem Ort habe abreiſſen n. Das XIV. Capitel. Vaun den underſchiedlichen Gebraͤuehen Ne dek Indianiſchen Heyden. ie Ne Braminen haben ſchrviel WiſſerAnt. ſchafft von der Stern⸗Kunſt/ und konnen dem Volck die Finſternüſſen der Sonnen und des Monds vor ſagen. Den 2. Tag Heumonat 1666. um ein Uhr nach Mittag/ hatte es zu Patna, einer Stadt des Koͤnigreichs Bengala eine Sonnen⸗Finſternus. s ware eine wunderliche Sache damglen/ ſo viel Bolcks beyſammen zu ſehen/ ſo wol Manher Weiber/ als Kinder/ ſo von allen Orten orthin liefen/ un den Leib in dem Ganges zu waſchen. Aber ſie müſſen ſich zu waſchen drey ſenermvor ehe man die Finſternus ſiehet/ ani dengen inzwiſchen ſie ſich Tag und Nacht an Ra er des Fluſſes aufhalten/ um allerhand eis/ Milch⸗Speiſe und Confect zu ruſten/ un ſolches denen Fiſchen und Crocodilen/ ſo aden Fluß ſeyn/ zu zuwwerffen/ ſo bald jhnen . die Braminen ſolches befehlen/ und daß ſie ſer hen daß es zu guter Stunde iſt. Es ſeye für he, dur Jinſternus was es wolle/ der Sonnen oder aide de Nonds ſo bald ſie ſch blicken lat Haben Gi 00 Heyden im Gebrauch/ alles erdene Geſchirꝛ/ ihnen in der Haußhaltung dienet/ zu zerbrechen/ und nicht ein Stuck ganz zu laſſen wel8. wach erſchroͤckliches Gethoͤne in einer Stadt te, Einjeder Bramin ha ſin Zauber Buch 8 gie nnen viel Circkel und halbe Circkel/ Ge8 Git und Dreyangel/ und underſchiedlicher ſettung Duchſtaben end Hernach machen le auf die Erden underſchiedliche Figuren/ und — ſie ſehen/ daß die gute Stunde kommen de, die dern ſie alle an zu ſchreyen/ das Volck ſoll 85 g Lebens⸗ Mittel in den Ganges werffen. Es male Ab aledann ein erſchroͤckliches Gethoͤne von ie ſrommen/ Glocken und groſſen Plagen/ bey dee na a 5 en nahe von dem Metall wie unſere Glocken geläbkee duccht welche ſieeine wider die andere ſchlagen. ales Volck ſi inei ſi ird Volck ſieh auch hinein begeben/ ſich alleſernebendund den Leib waſchend/ biß die Fin8 vergangen iſt. Gleich wie dieſe Fin7 3 o bald das Eſſen in dem Fluß iſt/ muß ſi i 175 ſternus zu einer Zeit geſehen worden in welcher der Ganges gewohnlich ſehr klein iſt/ nach deme die Regen/ ſo von dem Heu⸗Monat biß zu Ende des Wein⸗Monats gewahrt hatten/ verlaufen waren/ mehr als drey Meilen ober und unter der Stadt/ und ſo weit ſich die Breite erſtrecken mogen/ ſahe man nichts als Koͤpffe in dem Waſſer. Was die Braminen anbe⸗ Die rom. langt/ bleiben ſolche zu Land um die Reiche⸗ ven tröcknen ſten und die/ ſo ihnen am meiſten geben/ zu em⸗ deddenghten pfangen/ ihnen die Leiber abzutrocknen/ und ab. trockenene Leinwad zu geben/ mit welcher ſie den Bauch bedecken. Folgends laſſen ſie ſolWche in einem Seſſel ſitzen an dem Ort/ wo die Reichſten von dieſen Heyden eine groſſe Menge Gekrayd/ Reis und allerhand HülſenFrüchten/ ſamt Milch/ Butter/ Zucker Mehl und Holtz haben/ hinbringen laſſen. Vor dieſem Seſſel macht der Bramin einen ſaubern Platz von fünf biß ſechs Schuh ins Gevierte; nach welchem er Küh⸗Koth in ein groſſes Becken eingeweichet/ welches auf das Gelbe ziehet/ damit man allenthalben dieſen Platz mit reiben konne/ auß Forcht/ daß nicht eine Omeiſe dahin komme/ und dort verbrant werde. Dann wann dieſes geſchehen konte/ verrichteten ſie jhre Geprange ohne Holtz zu verbrennen/ und jhre Speiſen zu kochen/ bedienen ſie ſich gemeiniglich nur des Küh⸗Koths. Waun ſie gezwungen ſeyn/ ſich des Holtzes zu bedienen/ nehmen ſie wol in acht/ ob nicht etwan Wurme oder anders Ungetiefer darinnen ware/ auß Forcht/ wie ich ſchon anderswo geſagt habe/ dann in dem Glauben/ ſo ſie haben von der Verwand⸗ Der eben lung der Seelen in unterſchiedliche Leiber/ daß Vorſorg in nicht etwan eine Seele von ihren Verwandten Beenden und Freunden moͤchte mit dieſen kleinen Thiern. lein verbrant werden. Auf dieſem Platz/ den ſie ſo wol geſaubert haben/ zeichnen ſie allerhand Figuren auß/ als Dreyangel/ halbe Dregangel/ Ablange und Halbablange/ welches ſie mit Kalch⸗Mehl machen. Auf jede Figur thun ſie ein wenig Küͤh⸗Miſt mit zwey oder dreß Holtz Zweiglein/ welche man wol abreibet/ auß Forcht/ daß nicht etwas Ungeziefer darauf bleibe/ und auf jeden dieſer Zweigen thun ſie aufeinen Korn/ auf den andern Reis/ auf die andern Hülſen⸗Früchten/ und von allerhand Speiſen/ daß ſie haben. Wann ſie dann auf jedes Häuflein viel Butter geſchüͤttet haben/ 5 und das Feuer darunter geſtecket/ nach deme ſie Ire urtheidie Flamme ſehen/ ſo davon außgehet/ urthei⸗ ele obe vollen ſie/ ob es ſelbiges Jahrs ein Uberfluß von dürre Jahre h 8 3 9 1 2 1 9 1 5 N In dem Vollmond im Mertzen halten ſie f ein Prächtiges Feſt ihrem Goten/ welcher 1 N e Form einer Schlangen iſt/ und von welchem wachtige ich in dem erſten Buch meiner Indianiſchen ken wid. Beſchreibung geredt habe. Dieſes Feſt wahret neun Tage und wann es komt/ eynd ſie die⸗ man es ſelbige gantze Zeit muͤſſig/ und ohneꝛetwas zu 5 thun/ ſo wol Menſchen als Vieh/ von welchen ie den meiſten Theil außzieren/ und jhnen mit rother Minien Ringe um die Augen machen/ mit welchem ſie auch das gantze Horn übermahlen/ und wann ſie eine abſonderliche NeiJ 4 gung feile oder Maffiakeit 5 5 i ö der Heyden. Heyden iſt/ ſich einiges ſtarcken Trancks zu 8 8 Abentheur, b bicht von 9d 6 une das Thier haben/ thun ſie noch falche Gold⸗Blartlein darzu. Alle Morgen verDeen mor ehren ſie den Götzen/ und die Maͤgdlein tanW en eine Stunde um ſolchen herum nach dem ö Pfeiffen⸗ und Trummenſchall/ nach welchem ie alle mit einander eſſen/ und erluſtigen ſich biß auf den Abend/ daß ſie wieder den Goͤtzen anbatten/ und um jhn herum tantzen. Obwolen es nicht die Gewonheit bey den bedienen/ jedoch in waͤhrendem dieſem Feſt trincken ſie Palmen⸗Wein/ und Brantervein/ welcher eben von dieſem Wein gemacht wird in denen Dorffern/ ſo von der groſſen Straſſe entfernet ſeyn/ dieweil die Türckiſche Befehlhaber nicht geſtatten/ daß man dorten mache/ noch daß man jhnen Wein/ ſo auß Perſien oder anders wo her koͤnte gebracht werden/ verkgufte. Dieſer Brantewein wird auf folgende Wieſteihre Weise gemacht: Sie nehmen ein groß erdenes Sachen wein Geſchirs/ inwendig verglaſet/ ſo ſie Martavane heiſſen/ und es gibt dere unterſchiedlicher Groͤſ1 Auf einem dieſer Geſchirren/ welches drey undert Pariſer Maß dieſes Weins halten mnoͤchte/ thaͤten ſie fünfzig oder ſechzig Pfund ſchwartzen Zucker/ der nicht gelautert iſt/ und wie gelbes Wachs ſiehet/ mit ungefahr zwanzig Pfund einer groſſen ſchwartzen Rinden von gewiſſen Doͤrnen/ bey nahe wie die/ deren ſich unſere Gerber in Europa/ das Leder zu bereiken bedienen. Dieſe inden dienet den PalmenWein zu jaſen/ welches in vier oder funf Tagen geſchiehet/ wie mit unſern neuen Weinen/ biß daß ſich dieſe Suͤſſigkeit in Saure/ wie unſere Holtz⸗Bieren verwandle. Nach dieſem diſtilieren ſie alles/ und nach dem Geſchmack/ den ſie jhme geben wollen/ thun ſie in einen Keſſel oder kleinen Sack Wurtz⸗Naͤgelein/ oder drey bber vier Hand voll Anis/ oder Muſcat⸗Nuß/ und ſie haben groſſe Kohl⸗ Pfannen/ ſo ihnen flür Brenn⸗Kolben dienen. Sie geben dieſem 8 Brantewein ſo viel Staͤrcke als ſie wollen/ und weilen ich eines Tags meine Luſt hatte/ ſelbſten zu brenen/ füllete ich zehen dieſer Engellandiſchen Flaſchen/ deren eine eines Thalers dick iſt/ deren eine ohngefahr eine Pariſer⸗Maß hielte/ und in welchen die Weine/ ſo man aufbehalten will/ verwahret werden. Aber nachi Desen Detme dieſer Brankewein die gantze Nacht in den Flaschen gepraſſelt hatte/ fande ich ſie des Morgens von der Starcke des Salts zerAls ich im Jahr 184 2. zu Agra ware/ geſchahe eine ſelzaune Sache. Ein Heyd Volqas genant/ der Hollaͤndern Unterhaͤndler ſiebenzig oder mehr Jahren alt/ vernahme/ daß der SGroß⸗Bramin oder Groß⸗Prieſter der Pago. den. von Matura geſtorben ſeye/ gienge demnach alſobald das Haupt der Hollandiſchen Hutten zu ſuchen/ jhm zu bitten/ ſeine Nechnung zu llberſehen und beſchlieſſen/ dieweilen/ ſagte er zu jbme/ ihr Groß⸗Prieſter tod ware/ wolte er auch ſterben/ um dieſen heiligen Mann in der andern Welt zu bedienen. So bald ſeine Mechnungen uͤberſohen waren/ ſtige er in ſeine Gutſchen von etlichen Verwandten/ ſo jhme ger knarken machen/ und unterſchiedliche ma⸗ 15 1125 Wann ſie verheurathet ſeynd/ verfalſchen, f% man hoͤret gantz nichts von der Sodomite Reis beſchreibung in Indien/ folgern/ begleitet/ und weilen er ſinth der Seil/ daß er dieſe Zeitung vernommen“ weder eſſen lh 1 15 5 10 805 auf F a weilen er keine Nahrung nehmen wolte. „Die Indianiſche Heyden haben dieſen mae Gebrauch/ daß wann einer gienet/ ſie ihre Sin Ba 0 len Gmarami ruffend/ das will ſo viel ſagen erinnere dich des Narami, welcher bey dieſen Heyden für einen groſſen Heiligen gehalten wird. Sie ſagen/ daß dieſes Finger⸗Knacken um nichts willen geſchehe/ als zu verhindern daß ohe Geiſt in den eib deſſen/ ſo gienet/ Als ich im Jahr 16xz. zu Surate war/ fühlte man einen von denen Soldaten⸗Raspoures genant/ für den Befehlhaber/ welcher auf fei nem Pferd zwey oder drey Stuck Tuch hatte die Schatzung zu bezahlen. Dieſer Raspoute“ mic einer beſtandigen Stimme/ fragte den Befehlhaber kühnlich/ ob ein Soldat/ ſo ſein Lebtag dem Konig gedient hatte/ die Schtzung von zwey oder drey elenden Stuͤcker Tuch/ welche nicht vier oder fünf Roupies wert cen bezahlen uniſte und ſagte hen Haß est ein Weib und Kinder zu bekleiden ware. Dei Befehlhaber von diefer Rede angeſtochen nennte jhn Berhico, das iſt/ Huren⸗Sohn hin zu ſetzend/ daß wann er ein Furſt ware/ wol, er jhne das Koͤnigliche Recht bezahlen machen Der Soldat durch dieſe Scheltwort ut Schmertzen durchſtochen/ thate dergleichen als wolte er das Gelt hervor ziehen/ daß was man an ihn begehrte/ zu bezahlen/ und indeme e. e ſich dem Befehlhaber näherte/ gabe er bn c * ö 1 ſechs oder acht Dolchen⸗Stiche in den Baue 5. 0 200 daß er davon ſtarbe der Soldat ward alsbald 805 durch die Diener in Stuͤcken zerhauen. Obwolen dieſe Heyden in der lerſten Bine, 17 beit in was die Ekkantnus des wahren ee Fe tes betrift/ verhindert es doch nicht/ daß 1 e Natur nach/ ſie in vielen Sachen ſittlich leben ae wunder ſelten jhren Weibern die Treue be, e 1% Ehebruch iſt bey jhnen eine ſeltene Sache 10 11 0 d reden. Sie verheurathen jhre Kinder von, 0 4 ben biß acht Jahren/ auß Forcht/ daß ſie 0 zu diefer Sunde begeben/ und hier ſiehet 15 in wenig Worten/ was ſie vor Geprange bey begehen. Den Abend vor der Hochtel het der Brautigam von allen ſeinen Vera ten begleitet in der Braut Hause init ene paar Armbänder zweyer Finger breit Stu; i welche innwendig hohl/ und von zweyen en, cken ſeyn/ mit einer Charniere inder Ache„ ſolche zueroffenen. Nach dem der Reich dee 705 des Praukigams nach deze ſynd auch e, Armbander/ entweder von Gold Silber ur ſing/ oder Zinn/ die Aermſten haben ſochton⸗ 1 von Bley. Nachdeme der Braurigam ees men/ legt er der Braut unn jedes Ben daß„ von dieſen Armbaͤndern/ um zu zeigen chncht ſolche hinfeiro anfeßle/ und daß ſieſ anden mehr von ihme trennen konne. Den ugams Tag wird die Mahlzeit in des Brau 9 guſe Drittes Buch. Hauſe zu bereitet/ wo alle Verwandte ein und anderer Seiten ſich einfinden/ und um drey hren nach Mittag/ fuͤhret man die Braut dahin. Es kommen auch etliche Braminen darzu/ und jhr Vorſteher laſſen des Braͤutigams Hopf/ der Braut jhrem nahern/ ſpricht erliche Wert auß/ entzwiſchen jhnen allzeit Waſſer auf den Leib und Kopf gieſſende. Nach dieſem ungt man auf Schuſſeln oder groſſen FeigenIlaͤttern/ unterſchiedliche Speiſen/ Stucker Zeug und Tuch/ der Bramin befragt den Brautigam/ daß ſo lange Gott jhme etwas gebe/ ob er es nicht mit ſeinem Weibe theilen wolle/ und ob er ſolche nicht durch ſeine Handrbeit ernähren werde? Wann er ja geſagt hat/ ſetzen ſie ſich alle die Mahlzeit einzunehmen/ allwo ein jeder beſonder iſſet. Nachdeme der Brautigam reich iſt/ und er Glauben bey den Groſten findet/ geſchehen die Hochzeiten mit Pomp und groſſem Unkoſten. Er reitet auf einem Elephanten/ die Braut aber ſitzt aufeinem Wagen/ ein jeder von denen/ ſo ſte egleiten/ hat eine Fackel in der Hand. Sie entlehnen auch noch zu dieſem Pracht/ ſo viel von dem Befehlhaber des Orks/ als von anern groſſen Herren/ ſeinen Freunden/ ſo viel Elephanten und Zier⸗Pferde als moͤglich iſt/ und ſie ſpatzieren damit einen Theil der Nacht Rerum/ allwo man durch die Gaſſen und auf den Plätzen Feuerwerck wirfft. Aber eine von den groſten Verſchwendungen geſchiehet in em Waſſer des Ganges, vor die/ ſo oftmalen von drey biß vier hundert Meilen davon enternet ſeyn; dann weilen dieſes Waſſer jhnen eheiliget iſt/ und ſie ſolches auß Andacht trincken/ muß es ihnen ſo weit her/ durch die Braminen und in erdenen innwendig verglaſten eſchirren/ ſo der Groß ⸗Bramin von Jagregute ſelbſten mit dem ſauberſten Waſſer des luſſes angefullet/ und auf welche er folgends dn Pirſchaft trucket/ zugebracht werden. dan, der n gibt von dieſem Waſſer nur am Ende T er Mahlzeit zu trincken/ wie ich ſehon gemeldet d gabe/ man ſchencket einem jeden drey oder vier Schaalen davon ein/ und je mehr der Brautigdaq davon zu trineken gibt/ je mehr wird er Wund prächtig geſchetzet. Weilen dieſes 10 aſſer ſo weit komt und der Groß⸗Bramin 05 75 einen gerviſſen Tribut davon zahlen laſ. vor jedes Geſchirꝛ/ ſo gantz rund iſt/ und N hugefehr ſo viel als einer von unſern Waſſer. Cymern haltet/ wird auf einer Hochzeit für bey oder drey tauſend Roupies verthan. U. lls ich den Sten April in Bengala, einer Ne Sadt blade genant ware zicke die Heſ10 0 bein ein groſſes Heſt/ ſo jhnen ſelbiger Orten alN an zugehöret. Sie gehen alle auß der Stadt dena und binden eyſerne Hacken an die Aeſte g 92 Saum/ allwo eine Menge dieſer armen Slkeſich aubacklen die Einten auf beyden eiten die Andern in der Mitte des Ruͤckens. b elite dort bangen/ elliche enn Seund/ und das Le dwey/ biß die Schwere des Leibs ihnen ünsechaufoſe und alsdann ſeynd ſie geugen/ ſich himveg zu begeben. Es iſt eine ſtun Nacken gehen ihnen in den Leib/ und ſie ſeynd des Groß z n/ S zahlen jhme die Schazung. 177 wunderliche Sache/ daß man nicht einen Tropffen Blut auß dieſem verwundten Leib flieſſen ſiehet/ und keines auf dem Hacken geſehen wird; dann in zweyen Tagen ſeynd ſie gaͤntzlich durch Mittel/ ſo jhnen die Braminen geben/ geheilet. Es gibt andere auf dieſem Feſt/ welche ihnen ein Bech von ſpitigen Eyſen machen/ und ſich darauf legen/ dieſe Spitzen gehen jhnen tief in das Fleiſch; und indeſſen die Einen und die Andern in dieſen Buß⸗Werclen begriffen ſeynd/ bringen jhnen alle jhre Verwandten und Freunde Geſchencke/ als Berle, Gelt und Stuͤcker Tuch. Wann die Buß verrichtet iſt/ nimt der Bulſſer alle dieſe Geſchencke/ und theilet ſie unter die Armen auß/ ohne daß ſie jhnen ſolche zu Nutzen machten. Ich fragte einen von dieſen Leuten/ warum ſie dieſes Feſt und Buſſe hielten/ und ſie antworteten mir alle/ daß es zur Gedachtnus des Gedächtnus erſten Menſchen/ welchen ſie als wie wir Adam 1 7 nennen/ geſchehe. i e Ich will hier noch ein Exempel ſehr wun⸗ ein ander derlicher Buß⸗Weiſe hinzu ſetzen/ die ich ſahe/ Crempel als ich den Ganges den zwölften Mayen 1666. But cher Derſelben ſcharffe Buß. Geſchicht zur wieder hinauf fuhre. Man hatte an dem Ufer des Fluſſes einen ſaubern Platz zu bereitet/ auf welchem ein armer Heyd verdamt ware/ ſich unter ſchiedliche mal im Tag auf die Erden zu legen/ ſich einig und allein auf beyde Fuſſe und Hande ſteurend/ und die Erde dreymal kuͤſſend/ ehe er aufſtehet/ ohne daß er ſolche mit dem 11 0 Leib berühren doͤrfte. Wann er aufe/ muſte es auf dem leichten Fuß ſeyn/ den Rechten in der Luft haltend/ und alle Morgen einen gantzen Monat lang/ ehe er eſſen und trincken dorfte/ ſich fuͤnfzig mal nach einander auf ſolche Weiſe zu gebarden/ und folgbar die Erden hundert und fuͤnfzig mal zu kuſſen. Man ſagte mir/ daß die Braminen jhme dieſe Buſſe quferlegt hatten/ weilen er eine Kuh in ſeinem Hauſe abgehen laſſen/ und daß er ſolche nicht nach der Gewonheit an das Ufer des Waſſers geführt/ damit ſie abgehends hatte mogen gee 11 7 5 5 5 i 5 lee Hier iſt noch eine andere wunderliche Genůg zu ſehen. Wann ein Heyd ein Stuck oder A Summa Golds verlieret/ es ſeye auß Nach⸗ warben in laſſigkeit/ oder daß es geſtohlen werde/ iſt er 5 ver pflichtet/ eben ſo viel als er verlohren/ dem Groß⸗Bram in zu bringen; dann wann er ſolches nicht thut/ und es zu wiſſen komt/ wird er ſpoͤttlich von ſeiner Zunft vertrieben/ auß Urſache/ ſolchen deſto ſorgfaltiger zu machen. Jenſeits des Ganges dem Nord zu gegen 705 den Bergen von Naugrocot, ſeynd zwey oder 9 0 005 drey Kajas, welche wie jhre Volcker weder an Ker GlauGott noch den Sathan glauben. Ihre Bra⸗ gucalr noch minen haben ein gewiſſes Buch/ jhren Glau⸗ Teufel. benenthaltend/ und welches mit lauter Poſſen angefüllet/ von welchen der Author ſd Bandou heiſſet.“ keine Urſachen gibt. Dieſe Fürſten eynd des Groß Mogols Lehen Leute/ und Endlich vor die lezte Ammerckung/ und die dane ſes Capitel zu enden/ wil ich ſagen/ daß alle e Malavares ins gemein ſorgfaͤltiglich die 5 755 1 * Reis beſchreibung in Jndien/ an der lincken Hand behalten/ und jhre Haare wie die Weiber wachſen laſſen. Dieſe Nagel/ welche manchmalen eines halben Fingers lang ſeynd/ dienen jhnen vor Kamme/ weilen ſie keine andere als dieſe haben; und mit dieſer lincken Hand iſt es/ daß ſie alles Unſaubere verrichten/ ſie ruͤhren jhre Geſichte/ und was ſie eſſen/ niemalen anders als mit der rechten Hand an. Ich komme anjetzo auf etliche Anmerckungen/ ſo ich in meinen Reiſen guf unterſchiedliche Koͤnigreiche/ ſo gegen dem Nord und Aufgang ſeyn/ von den Landern des Groß⸗Mogols gethan habe/ als wie die ſeynd von Boutan, Tigra, Aſen und Siam, von welchen ich nicht glaube/ daß unſere Europeer noch groſſe Wiſſenſchafft haben; Ich wolte auch von dem Konigreich Tunquin reden/ wann ich nicht vernehme/ daß zwey unterſchiedliche Authores zwey Bücher davon angefüͤllet hatten. Das XV. Capitel. Von dem Koͤnigreich Boutan, auß welchem der Biſam/ die gute Rhubarbara und etliche Futterungen kommen. Beſchretbung des Koͤnigreich Boutans. keine genaue Wiſſenſchaft haben koͤnnen. Hier iſt/ was ich in vielen Reiſen/ ſo ich in Indien gethan/ von etlichen Leuten ſelbiges Landes/ ſo Gewerbs halber dahin kommen/ habe vernehmen konnen; aber ich habe mich dieſes letſte mal beſſer unterrichten laſſen als zuvor/ weilen ich mich zu Patna, der groͤſten wegen der Der Biſum Handelſchaft berühmten Stadt in Bengala dannen kingefunden/ eben zu der Zeit/ wann die Handels Leute von Boutan, den Biſam zu kauffen/ dahin kommen. In den zweyen Mongten/ daß ich dorten verharret/ kaufte ich jhnen für ſechs und zwantzig tauſend KRoupies, die Onzen in der Blattr kame mich auf vier Francken/ vier Stüber unſerer Müutze/ und auſſer derſelben guf acht Francken; und wann nicht der Zoll ware/ den man von Indien biß in Em opa bezahlen muß/ lvare ein groſſer Gewinn auf den Biſam zu machen. Die vortreflichſte RhubarDiegebubar⸗ bara komt auch auß dem Königreich Boutan, bon gleichem es wachſt alldorten Semencine, welches das Ot. Wurmen⸗Pulver iſt/ und andere Materialien/ vertheurt den Biſam. Ach ſchöne Beltz⸗FutKer. Beltz⸗ Futter. Was aber die Rhubarbara anbelangt/ iſt es ein gewagtes Stuck/ ſolche zu verſetzen/ was vor einen Weg daß man auch nehme. Dann wann man dem Nord gegen ae Cabou] zugehet/ verderbt ſolche die FeuchtigSorge. kei/ und wann man den Weg auf dittag zu mimt/ wie dannder Weg ſehr lang iſt/ ſeynd die Regen/ ſo einfallen koͤnnen/ noch mehr zu foͤrchten/ dergeſtalten/ daß keine Wagre iſt/ die 0 7 As Koͤnigreich Boutan erſtrecket ſich ſehr weit/ aber wir haben deſſen noch man bringet auch dort her allerhand ſchoͤne gel und Hollandiſches Tuch/ welches die A dem Verderben mehr unterworfen/ und mehr Sorge als dieſe braucht. i 4 Was den Biſam anbelangt/ ſo lang die Dergiſe Hitze wahret/ indet der Kauftmann ſeine Rech fer enn nung nicht darbey/ dieweil er gar zu trocken de wird/ und von ſeinem Gewicht verlieret. Wei len dieſe Waare gemeiniglich den Zoll Jun und Zwantzig von Hundert zu Gorrochepour der letſten Stadt in den Landern des Groß⸗Mogols auf Seiten des Königreich Boutans bezahlet/ ob wol ſich ſolcher fuͤnfoder ſechs Meilen weiter erſtreckt/ wann die Indianiſchen Kauf Leute in dieſer Stadt ſeynd/ ge hen ſie alſobald zu dem Zoͤllner/ und ſagen ihme/ daß ſie in das Koͤnigreich Boutan reiſen/ der eine Biſam/ der andere Rhubarbara zu kauffen/ ein jeder die Summa/ ſo er anzuwenden willens iſt/ entdeckend/ welche der Zollner ſamt des Kaufmanns Namen auf das Regi f ſter macht. Alsdann an ſtatt Fuͤnf und Zwan⸗ 4 zig von Hundert/ ſo man zu bezahlen ſchuldig m welre/ vergleichen ſich die Kauf⸗Leute mit dem ner auß Zollner/ oder mit dem Cadi, um ſieben oder Leuch acht/ und nehmen eine Verſicherung von we jhme/ damit bey ihrer Zuruck⸗Reiſe ihnen Bin nicht mehr abgefordert werde. Wann es geſchehe/ daß ſie von dem Zollner keinen ehrlichen Vertrag erhalten konten/ nehmen ſie einen andern Weg/ welcher in der Warheit ſehr lang und ungelegen iſt/ wegen der Bergen/ ſo faſt allezeit mit Schnee bedecket ſeyn/ und daß auf ebenem Lan de man durch groſſe Wuüſten reiſen muh Sie muſſen biß auf ſechzig Staffelen in die Hohe gehen/ und wann ſie ſich gegen dem Niedergang wenden biß auf Caboul, welches im ſechzigſten Grad iſt/ und in dieſet Stadt iſt es/ daß ſich die Reiß⸗Geſellſchaft deren ein Theil auf Balch, 5 1 dee N in die groſſe Tartarey geht. Das iſt/ wo die ſo von Boutan kommen/ ihre Waaren gegen Pferde/ Maul⸗Eſel und Camel vertauſchen/ dann es hat wenig Gelt in ſelbigen Lande. Nach dieſem führen die Tarkarn dieſe Wagren in Perſien biß auf Ardeii und Tauxis, welches viel Europeer glau gl, ben macht/ daß die Rhubarbara und Ser ada mancine auß der Tartarey komme. Es if ten wol wahr/ daß man dort her auch Nhubarba⸗ ae ra bringet; aber es fehlet unn viel/ daß ſie nich ade, ſo gut iſt/ als die auß dem Koͤnigreich Boutae undſteberdirbt bielchender“ die Nhubarhar verfriſt ſich innwendig von ſich ſelbſten. De 5 Tartarn bringen auß Per ſien ſchlechten Se a denen Zeug/ ſo wenig werlh iſt/ und zu Tan. fe und Ardeüil gemacht wird/ und etliches 115 menier zu Conſtantinopel und Smyrna/ 9 e hin man ſolche auß Europa bringet/ nehmen di aug Ein Theil der Kauf⸗Leute/ ſo von Boutan un 0 0 a Caboul fommen/ gehen auf Candahar u, each von dort auf Iſpahan, und dieſe bringen, 10 0 meiniglich Corallen⸗Körner/ gelben 2% l und Laſenſtein/ Körner⸗ weis gearbeitet in! ſie deren bekommen koͤnnen. Die M Drittes Buch. 179 Kauf⸗Leute, ſo gegen Multan, Labor und die Lebens⸗Mittel/ deren er kan Meiſter werSra gehen/ bringen Tücher/ Endich/ und eine den/ weg zu nehmen/ als wie einen Sack Roſſe Menge Carniol⸗Körner und Chri⸗ voll Reis oder Mehl/ oder einen Hafen mit ſtall. Und endlich die/ ſo durch Gortoche- Butter/ von welchem jederzeit ein groſſer Pour zurück kommen/ und mit dem Zollner Vorrath iſt. Man kan von Patna biß an es einen ſeyn/ bringen von Parna und Daca den Fuß der Geburge in Indianiſchen Gutoral gelben Agſtein Arm⸗Bander von ſchen oder Pallekis fahren; aber man be⸗ die man childkrocten/ und andere von Meer⸗Mu⸗ dient ſich gemeiniglich der Oehſen/ Kame⸗ au demſele cheln/ ſamt einer Menge runder und vier⸗ len und Pferden in dem Land. Dieſe Pfer⸗ 9 eckigter Stücklein/ der Gröſte wie imſere hal⸗ de ſeynd von Natur ſo klein/ daß wann ein be Gulden/ ſo auch von Schildkrotten und Mann darauf ſitzet/ fehlet es wenig/ daß ſelbigen Meer⸗Muſcheln. Als ich zu Parna jhme die Füſſe nicht biß auf den Boden geware/ kamen vier Armenier/ welche ſchon ehe hen; aber ſonſten ſeynd ſie ſtarck/ und gehen eſſen eine Jieiſe in das Königreich Boutan fehr den Paß/ dann ſie machen in einen Gang gethan hatten von Danzig/ allo ſie ſehr zwantzig Meilen/ und freſſen und ſauffen wel Figuren von gelbem Agſtein hatten ma gar wenig. Es gibt dieſer Pferden/ ſo biß chen laſſen/ ſo allerhand Thiere und Miß⸗ auf zwey hundert Cronen koſten/ und wann geburken vorſtellten/ welche ſie dem Koͤnig man biß in die Berge komt/ kan man ſich don Boutan brachten/ welcher gleich wie deren alleinig bedienen/ und man muß ſich . feine Unterthanen fehr Heydniſch iſt/ um ſol⸗ aller anderer Mittel entſchlagen/ welche da dean che in ſeine Pagoden zu thun. Wo die Ar⸗ urmüͤtzlich waren wegen der engen Paſſe/ ſo be munter erwas zu gewinnen wiſſen/ achten man durchreiſen muß. Die Pferde ſelbſten ü, fie für nichts/ Anlaß und Mittel zu der Ab⸗ ob ſie ſchon ſtarck und klein ſeynd/ haben manLokterey zu geben/ und ſie ſagten mir/ daß chesmal Muͤhe darauß zu kommen/ und es wann ſie den Gotzen/ ſo der Konig ihnen iſt deſſentwegen/ wie ich bald ſagen wil/ daß befohlen/ hatten koͤnnen machen laſſen/ haͤt⸗ man gemeiniglich die Zuflucht zu andern Mitan ſie ſich damit bereichert. Es ware ein teln hat/ um dieſe hohe Berge zu üͤbertopf in Geſtalt einer Miß geburt machen zu ſteigen. 555 gaſſen/ welches ſechs Hörner hatte/ vier Funf oder ſechs Meilen jenſeits Gorro⸗ 5 Ohren/ vier Arme ſamt ſechs Fingern an chepour komt man in des Rajas von Nupal 0 e eder Hand/ alles von gelbem Agſtein/ aber ſeine Lander/ welche biß an die Graͤntzen des Reſdenz lie hatken keine ſo groſſe Stücke darzu finden Königreichs Boutan gehen. Dieſer Furſt iſt Stab. könen. Ich glaubte viel ehender/ daß ein Unterthan des Groß⸗Mogols und ſchiIhnen das Gelt gemangelt/ dann es ſahe ihm cket ihme alle Jahr einen Elephanten fiir Nag biche gleich/ als wann ſte ſonderg viel hät- die Schatung. Er halt feinen Hof in der e ben und anderwerts iſt es eine ſchandliche Stadt Nupal, von welcher er den Namen de andlung/ dieſem Volck den Werckzeug zur nimt/ es hat wenig Handlung und Gelt in bgöttereh darreichen. einem Lande/ welches in nichts als Holtz und an„ Laſſet uns ameto auf den Weg kommen Bergen beſtehet. 1 b ſuͤlchen man halten muß/ um von Parnaquf Nachdeme die Reis⸗Geſellſchaft an den hben das Kötgreich Bouran zu gehen/ zu wel⸗ Fuß der hohen Bergen/ ſo heutiges Tags chem die Neis⸗Geſellſchafft drey Monat an⸗ unter dem Namen von Naugrocot bekant . 8 et. Sie verreiſet gemeiniglich von Par- ſeynd/ angelanget ſind/ welche man unter aa zu Ende des Chriſt⸗Monats/ und komt den neun oder zehen Tagen nicht durchwandern N i ten Tag auf Gorrochepour. Sie iſt/ wie kan/ weilen ſie ſehr hoch und ſchmal ſeynd/ und 99 kh geg habe/ die letſte Stadt dieſer Or⸗groſſe Sturtzfalle haben/ kommen viel Leute e es Reichs des Groß⸗Mogols, und all- an unterſchiedliehen Orten herunder ſteigen e die Kguf⸗ Leute hren Vorrath vor ei⸗ und der meiſte Theil ſeynd Weiber und 8 Theil jhrer Reiſe machen. Von Jor⸗ Magdlein/ welche mit denen von der Reis9 chepour biß an den Fuß der hohen Ber⸗ Geſell ſchaft marckten/ um die Manner Waa90 hat es noch von acht biß neun Tag⸗ ren und Lebens Mittel über die Berge zu Arg. ſeſelen/ in welchen die Reiß⸗Geſellſchaft viel tragen. Und hier iſt die Wdeiſe/ wie ſie ſol055 der dieweilen das gantze Land voller Wal⸗ ches angreiffen. Dieſe Weiber haben auf bh, ker it allo eine Menge wilder EClephan⸗ ihren Achseln einen Baut“ an welchem amd en ſeynd und allwo an ſtatt daß die Kauf⸗ ein groſſes Kuffen angebunden/ ſo Ihnen aon vo a wu des Nachts ruhen ſolten/ müſſen ſie biß auf den Rücken hänger auf welchem ichen 15 wd ben indemme ſie groſſe Feuer machen/ der Mann ſitzet. Es ſeynd jhrer die Wei⸗ e 10 viel Mußquelen los brennen/ damit ber/ ſo abwvechſeln eine um die andere den mie die E en Thieren einen Schröcken einſagen. Mann zu tragen und was das Reis⸗Gezeug Mer le ie len der Elephant gar il gehet/ kan er und die Lebens⸗Mittel belanger/ ladet man aer ragen der due erhaſchen ud ede ſich bey ſolches auf Bocke) welche biß auf, hundert dee u Reis- Geſellſchaft ſeiner ver⸗ und fünzig Pfund tragen. Die jem shu eis ⸗Geſellſchaft/ ehe man ſeiner ver⸗ und fünzig Pfund kragen. Die jenige/ ſo 5 face. Es 1 12„daß er den Men. Pferde auf dieſe Berge führen wollen/ ſeynd a ſchadſich ſehe/ dann er begnuget ſich manchmalen gezwungen/ ſolche in 39 n Reisbeſchreibung in Indien/ 5 Dee Pferde engen und gefährlichen Wegen durch Seiler gearbeitet ſeynd/ der groſte einer guten Nuſſen/ ge n ee hinauf winden zu laſſen; und dieſer Beſchwair⸗ ſauber und ſchoͤner Farhe/ durch die Kaufſeute!“ binguf gezo⸗ liß wegen iſt es/ daß man ſich ſelten in ſelbi⸗ von k outam bis auf funff und dreiſſig/ und viengeil. gem Lande der Pferden bedient. Man gibt zig Roupies la Serie gekaufft; La Serre„ e ihnen nur Morgens und Abends zin eſſen. Des wol von gelbem Agrſtein/ als auch Amber/ Der Pferden Morgens nimt man ein Pfund Mal/ mit ei⸗ Viſam/ Corall/ Rhebarbara und anderen Fut. nei halben Pfund ſchwartzen Zucker/ und ſo Spetereyen iſt unſers Gewichts neun Unviel Butter/ und man knettet dieſes alles mit tzen. Der Salpeter/ Korn Reiß Zucker und Waſſer zuſamen/ um es dein Pferd zu geben. andere kleine Waaren/ werden auch in BengsDes Abends muß ſich ſolches mit eckichten la bey Serre herkaufft; aber dieſe Serre iſt von Erbſen ſo eine halbe Stunde in dem Waſſer zwey und ſiebenzig unſerer Pfunden/ das gelegen/ behelffen; und in dieſem beſtehet h⸗ Pfund von ſechzehen Untzen/ viertzig Serke re gantze Nahrung von vier und zwantzig machen eine Men, welche auf zwey tauſend 4 Stunden. Die Weiber ſo die Manner über hundert und achtzig Pfund Pariſer Gewichts die Berge tragen/ bekommen in dieſer zehen ta kommen. Als ich auß ſelbigem Land wegzeDer Weiber gigen Arbeit nicht mehr als zwey Roupies, ge/ wurde das Men Reiß vor zwey Roupies Tragerloln. und vor jeden Centner ſo die Vocke oder Geis, verkaufft. 1 f A gelbe,. ſen tragen/ uind für jedes Pferd ſo darüber ge⸗ Um wieder auf den gelben Agtſtein zu koln fen i. f führt wird/ muß man ein gleiches bezahlen. men/ hatte man vor ein Stuck einer Serre oder en. Auf der elj⸗ Nachdein man dieſe Berge überſtiegen/ neun Unzen ſchwwer/ nach ſeiner Farbe e hat man bis auf Boutan zur Führe Ochſen/ Schoͤnheit/ bis auf zweyhundert und funf Ochſen/ Ka, Karmel und Pferde/ auch ſo gar Pallekis fuͤr oßer dreyhundert Roupies, und die anden e die jenigen ſo ihrer Gelegenheit beſſer fegen Stucke werden eben auch nach Gleichheit wollen. Das Land iſt gut/ und es wachſet rer Groſſe und Schoͤnheit bezahlet. Der un, aldorten Korn/ Neiß/ Hilſen⸗Früchten/ und polierte oder zu Fornern gearbeite Coral, ein liberſtuß von Wein. Alles Bolck/ ſo wol- ſpird mit zimſichem Nutzen verkauft; aber ſe Manner als Weiber/ gehen im Sommer von haben den unpolierten lieber/ weil ſie ſolchel. grober Baumwollen oder Riſten Tuch beklei⸗ hach ſhrer Weiſe arbeiten und zurn öfteſten Ade det und im Tointer na. robem Tuch/ wel- ſeynd es die Weiber und Tochter/ ſo fich iu nee zaun ches fast wie Filz iſt. Was die von ein und dieſer Arbeit gebrauch enlaſſen. Sie arbeiten ag de anderm Geſchlecht auf dem Haubt tragen aueh von Cryſtall und Agaten⸗Körnern n b lee, itt eine Kappe bey nahem wie die Engliſchen die Männer machen Armbänder von Schi Kappen/ ſo man Bouquin-kans nennet und kroten und von Meermuſcheln/ wie atich die, ehe es hat ſolche rings herum zum Zierraht Wild⸗ ſer kleinen Stücklein von eben den Schildkl⸗ 10 ſchtweins⸗Zahne/ mit rund ⸗und viereckichten ken rund und viereckichte/ wie ich ſchon Hb Stucklein Schildkroten/ in der Groͤſſe wie davon geſagt habe/ und welche alles Volckunſere halbe Gulden/ die Reichen undermi⸗ wol Manner als Weiber/ Toͤchtern und S ſchen ſolche mit Corallen und gelben Ageſtein⸗ ne in ihre Haar/ und andie Ohren hangen. g Kornern/ von welchen jhre Weiber guch Hals⸗ Es gibt in Patna und Daca inehr als zwey kal 1b bander tragen. Die Männer und Weiber ſennd Perſonen/ welche mit dieſer Arbeit be 115 tragen Armbänder nur an dern lincken Arin/ ſchafftiget ſeynd/ und solches wird alles in H von dem Jauſt⸗Gelencke an/ bis an den Elen⸗ Konigreiche von Bouran, Aſem Siam zu 5 bogen. Der Weiber ihre ſeynd ſehr ſchmahl/ andere Lander des Nords und Aufgangs n und der Manner jhre zweyer Finger breit. Sie dem Reich des Groß⸗Mogols getragen. 7 Segel haben an jhrem Hals eine ſeydene Sehnur/ an Was die Semencine oder Wum⸗ Pu 7 e welcher ein Corall oder gelber Agtſtein hanget/ ver belanget/ kan man ſolchen nicht ainſaen 0, oder aber ein Wildſchweins⸗Jahn! ſo jhnen wie den andern Sagmen. Es iſt ſolches ein a bis auf den Magen komt; und auf ihrer lin. Kraut ſo in den Wiſen wpaechſt/ und ſo man ca cken Seiten haben ſie Gurtlen/ an welchen muß zeitigen laſſen/ und das iſt am Ahe, von eben dieſen Corallen oder Ageſtein⸗Köne daß wann solches zu ſeiner Zeitigung lem, nern/ oder Wildſchweins⸗ Zähne angebunden wirfft der Wind den meiſten Theil undes, 110 1 ond. Obtwolen ie Ert Hepdnſſch ſenndleſen. Gras alpvo ſie gantlüeh verloren gebeten ſie doch von allerhand Fleiſch/ außgenommen das itz/ o ſie theür macht. Man darf ee Nezchrendie von der Kuhe/ welche ſie als die Nehr⸗Mutter nicht mit der Hand berühren /dieweil le an J Nehr⸗ Mut aller Menſchen verehren/ und ſie lieben auch ehender verderbt würde/ auch ar/ wann fer. den Brantenwvein fehr. Sie haben guch etli⸗ einen ſolchen wißt, bringt 5 ihn un ee che von den Geprangen der Chineler; dann Schuͤſſelein; wann man das übrige/ ſo e ſol el nachdeme ſie ihre Freunde geſpeiſet/ und die Nohre verblieben/ einamlen wil geſchieher e Je Mahlzeit vollendet iſt/ verbrennen ſie auch ches auf folgende Weiſe: Sie haben 5. gelben Agtſtein/ obwolen ſie das Feur nicht Ohr⸗Korblein/ und indeme ſis auf diefen Frb⸗ f anbetten wie die Chineſer. Ich habe ſchon ſen gehen/ pflegen ſie das bine von denen K guaulerwete die irſachgeſagt warum die Chi- lein von der Rechten zur Lincken/ und 1 ſie meler zu Ende ihrer Mahlzeiten, gelben Algt, der van der Lincken zun echten“ dle ee un ſtein verbrennen/ welches dieſe Waar gukes Gras maheten/ zu wenden/ weleher aden/ auen. Abkauffs in China macht. Ju pana felbſten von oben“ bas zt vonder Achre abſchnegebnden bwerden die Stücke gelben Agtſteins ſo nicht und alſo fallet der gantze Saarmen in die 1. „ich 19 10 b dell 160 fal 0 0 f Drittes Buch. Es ſeynd allzeit fünfzig Elephanten um Der Ken, do lein. wal 05 dardſchat Kerman, ſie iſt aber nicht ſo gut als dan le bon Boutan, und gibt nur ſo viel als das dale ben Land vonnothen hat. Dieſer Saamen koird an, licht allein zu Abtreibung der Würmer in der Maunder Leibe gebrauchet/ ſondern es bedienen lch deſſen alle Nordiſche Voleker/ und ſo gar DieEngel⸗und Holländer vor Anis/ um ſolchen mit dem Zuckerwercke zu vermengen. 8 ie Rubarbarg belaugend/ weiß man/ daß es ein Wurtzel/ ſo man ſtuckweiſe ſchneidet/ man faſſet ehen oder zwolfe zuſammen/ und nachgehends laſt man ſie doͤrren. a Wann die Volcker von Boutan alſo geſchickt waren wie die Moſcowiter/ den Marker zu todten/ koͤnte man auch von jenem Lande wiel köſtliches Beltzwerck bekommen/ angedeegee, ſchen viel dergleichen Thiere alldorten zu ſmdien den. So bald das Thier den Kopf auß dem Malen Loche heraus ſtrecket/ wird ſolches von den Mauoſeowitern/ ſo darauf lauren/ gefangen/ und ſie ſchieſſen es gemeiniglich in die Naſen oder in die Augen/ denn wann ſolches in den Leib geſchoſſen würde/ were die Haut nichts nutz/ wegen des Blutes ſo auß der Wunden Ppeitzet/ und das Haar/ ſo dar von benetzet/ zu woa allen machet.„ 0 ben Der Koͤnig von Boutan wird allzeit von aht ind deute/ die mit Bogen und Pfeile bewafe er/ der mehrere Theil hat auch Beyl und i child mit einer Spitze/ auf der andern Seieen/ wie ein Fauſt⸗Hammer. Es iſt lang/ daß ſie ſich der Muſqueten und des Stuckes/ ſo ö on Eiſen/ wie auch des lang⸗gekörnten Pulen bote, welches Uberauß ſtarck bedienen. Sie Nuagze Aden mich verſichert/ daß man auf jhren Aa ff kucken Ziffern und Buchſtaben/ ſo über 8 0 auf hundert Jahr darauf geſtochen/ ſehen sen wunde. Sie keiſen nicht auß dem Reiche ohne es gaßdruckſche Bewilſ gung des Befehlhaknen nls/ und doͤrfen keine Muſqueten mit ſich nehi. en“ wann ihre naͤchſte Freunde nicht veleich ſobechen/ ſolche treulich wieder zu überliefern/ jbeone dieſe Beſchwernus hatt ich eine mitgeWahr! weilen die Zieffern/ ſo auf dem Stuck 0 15 wie mich die jenige/ ſo ſie leſen konten/ gezeugten/ daß ſolches vor hundert und achzig 6. fie dcr ken gemacht worden. Solches ware t el 1 7„ wg hund ſehr dick/ das Mund⸗Loch gleichte einer Tulie ganen/ und inwendig poliert als wie ein SpieAuf den zweyen Drittlen des Stucks hat5 zwey erhabene Faden/ und zwiſchen ſolAle dattees verguld und verſilberte Blumen. Bünder Kaufmann von Bouran ſich ſeiner teungſchaft in Wiederbringung der Muſquemm ſtatten wolte fuchte cc ihn zu berreden/ 5 ſolche zu verkaufen/ aber was ich auch thaniht o ſhme anerboke konteich ihn doch daz wem elegen er ſchluge mir gar ab/ nur ein Abes bon ſeinem Schieß⸗ Pulver zu geben. ſtoin habe zwey Stucke/ bey nahe wie dieeine Franekreich gebracht/ von welchen das Ben ander Insel Ceylan, und das andere in f gemacht worden. Es waͤchſt auch die Semencine in der leben oder acht tauſend Mann verwachet. Es Mogol zu foͤrchten. den Königlichen Pallaſt herum/ ſolchen zu verwahren/ und zwantzig oder fünf und zwanliche Pallaſt wird von Elephanten tzig Kameel/ welche uf jhren Sattlen ein klei⸗ verwahret. nes Feld⸗Stucklein haben/ ſo ungefahr eine halbe Pfund⸗Kugel führet. Es ſitzt ein Mann hinder dem Sattel des Kameels/ wie ich ſchon anderwerts geſagt habe/ und er richtet dieſes Stuck wie er wil/ hoch und nieder/ zn Rechten und zur Lincken/ welches auf einer Gabel ruhet/ ſo an dem Sattel haltet. 1 8 Es iſt in der Welt kein Konig von ſeinen Der Nönig Unterthanen mehr geehret und gefoͤrchtet/ als von zonen der Konig von Boutan, er wird faſt gar angebattet. wird von ſei8 5 1 0 nen UnterWann er Gericht halt/ oder Gehor thanen ſehr ertheilet/ haben alle die jenige/ ſo ſich vor ihn Rechter ſtellen/ die zuſammen gelegte Hande auf der Stirnen erhaben/ und indeme ſie ſich dem Throne entfernet halten/ fallen ſte auf die Erden nieder/ ohne daß ſie den Kopf empor heben doͤrfften. In dieſer demüthigen Geſtalt iſt es/ daß ſie jhre Bitte an den Konig thun/ und wann ſie weg gehen/ geſchicht es rücklings/ biß daß ſie auß ſeiner Gegenwart kommen. Die Braminen machen dieſes arme Volck glauben/ der Konig ſeye ein irdiſcher Gott/ und vornemlich die/ ſo von Aufgang kommen. Sie haben mir eine laͤcherliche Sache erzehlet/ wel. che doch wie ſſe ſagen/ warhaftig ſeyn ſolle/ daß wann der Konig den Nothwendigkeiten der Natur ein Genügen geleiſtet/ leſen ſie ſeinen Unrath ſorgfaltiglich zuſammen/ um ſolchen zu doͤrren/ und als wie den Taback zu pülffern/ welchen man durch die Naſen mimt; wann ſie ihn folgends in kleine Ladlein aufbehalten/ geben ſie an den Marckt⸗Taͤgen den fürnehmſten Kauf⸗Leuten und reichen Bauren/ von ſauter welchen ſie Verehrungen bekommen/ darvon; San und dieſe arme Leute nehmen dieſes Pulver mit ſich nach Hauſe/ als wie eine ſehr koͤftliche Sache/ und wann ſie jhre Freunde tractieren/ beſtreuen ſie die Speiſen damit. Zwey von dieſen Kauf⸗Leuten von Boutan, ſo mir den Biſam verkauft hatten/ weiſten mir ein jeglicher ſein Ladlein/ und das Pulver darinnen/ welches ſie ſehr hoch hielten. Die Volcker von Boutan ſeynd ſtarckund Saarcke und ſchoͤnes Leibs/ welche aber das Geſicht und ſchone Lent die Naſen ſehr tach haben. Sie haben mir geſagt/ daß die Weiber groͤſſer und von mehreren Kraften ſeyen als die Manner/ aber daß ſie mehr mit den Kroͤpfen geplaget ſeyen als die Manner/ von welchen wenig deren befreyet ſeynd. Sie wiſſen nicht/ was Krieg iſt/ und ſie hatten memand als den GroßAber auf dieſer Seiten/ welche gegen ihren Mittag gehet/ iſt wie ich geſagt habe/ ein Land von hohen Bergen und engen Paſſen; gegen Morgen hat es nichts als Walder/ und faſt allzeit Schnee; und es ſeye gegen Auf⸗ oder Nidergang/ hat es nichts als groſſe Einoden/ allwo man ſelten etwas anders als bittere Waſſer findet/ und was hewohnete Lander/ gehoren f 2 ſolche bon Bentan. * Silber⸗Oruben in dem Jontan. Beſchluß von dem K nigreich Boutan. verhindert oft groſſes Reisbeſchreibung in Indien/ blche etlichen Rajas zu/ ſo nicht gar machtig ſeynd. Es hat allem Anſehen nach etliche Silber u dem Gruben in dem Koͤnigreich Boutan; dann Königreich der, König laßt Stucke muntzen/ ſo den Werth einer Roupie haben. Dieſe Stucke ſeynd nicht rund/ ſondern acht eckigt/ und auf welchen Buchſtaben ſo weder Indianiſch noch Chineſiſch ſeynd. Jedoch die Kaufteute von Boutan, ſo mich zu Patna in allen dieſen Sachen underrichtet/ konten mir doch nicht ſagen/ wo dieſe Silber⸗Gruben ware; was das Gold anbelanget/ wird das wenige/ ſo ſie haben/ jhnen durch Kaufleute ſo von Seiten Aufgangs herkommen/ dahin gebracht. Das iſt alles/ was ich von dem Koͤnigreich Boutan habe vernemmen koͤnnen/ uͤber welchem die Abgeſandte ſo der Groß⸗Hertzog von Moſtau auf China, im Jahr 1659. ſchickte/ durchreiſten. Sie nahmen jhren Weg nach der groſſen Tartarey/ dem Bouraniſchen Aufgang zu/ und kamen an dem Hof des Koͤnigs von China mit koͤſtlichen Verehrungen an. Es waren drey der vornemſten Herren in Moſcau/ welche bey jhrer Ankunft ſehr wol empfangen wurden. Aber als ſie den Koͤnig begruͤſſen ſolten/ der Gebrauch Wie der Kb⸗ ware/ daß man ſich dreymal zur Erden werffen n muſte/ wolten ſie ſolches nimmermehr thun/ aalen lat. ſagende/ ſie wolten ihne auf jhre Weiſe begrüſſen/ und auf die Arth als man jhren Keyſer begruſſe/ welcher eben ſo groß und machtig/ als der von China ſeye. Weilen ſie beſtandig auf dieſer Meynung blieben/ kriegten ſte kein Verhoͤr/ und kehrten wieder mit jhren Schauckungen nach Hauß/ ohne jemalen den Konig zu ſehen. Es ware zu wuͤnſchen geweſen/ daß der Groß⸗Hertzog zu dieſer Geſandſchaft Leute von geringerem Herkommen Worbaben. als dieſe drey Herren/ erwohlt hakte/ und daß ſie ſich in dieſen Umſtaͤnden minder kutziich erzeigt hatten/ welches manchmalen Urſache iſt/ daß groſſe Vorhaben unvollzogen bleiben. Wann die Moſcouitiſche Abgeſandten ſich den Chiniſchen Gebraͤuchen hatten nachrichten wollen(welches ſie ohne die Ehre jhres Herren zu ſchwachen hatten thun konnen) hatten wir ohne Zweifel jetzunder einen gebahnten Weg zu Lande von Moſcqu in China durch den Groß⸗Tartariſchen Nord/ und des Koͤnigreich Boutans welches mit jhm benachbart iſt mehrere Wiſſenſchaft/ und noch etlicher anderer von welchen man mit Mühe den Namen weiß/ welches gantz Europa ein Vortheil geweſen ware. b Wieilen ich auf die Moſcouiter komme/ erinnere ich mich/ daß in meinen Reiſen/ und Hochmuth Ipahan, allwo man gemeiniglich Moſcouitiſche Kaufleute antrift/ haben mich underſchiedliche von jhnen verſichert/ daß im Jahr 1654. in einer Skadt in Moſcan ein Weib von zwey uñ achtzig Jahren eines Knableins niderkommen/ welches dem Groß⸗Hertzog/ der ſolches zu ſehen verlangte/ zugebracht worden/ und der es an ſeinem Hof ernaͤhren lieſſe. ö vornemlich auf dem Weg von Tauris auf metſch hatte nicht ſo bald das ———— Das XVI. Capitel. Von dem Koͤnigreich Tipra. 2 S haben viel bis anjetzo vermeynet⸗ gehn daß das Königreich Pegu an das von ange OO China grantze/ und ich ſelbſten bin in rp. dieſem Irꝛthum geweſen/ bis drey Kaufleute auß dem Königreich Lipra mich herauß gezozogen. Sie gaben ſich vor Braminen ait damit man ſie mehr Ehrfoͤrchtete; aber in Grund waren ſie nichts anders als Kaufleute welche auf Patna und Daca kamen/ allwo iel ſie Corall/ gelben Agſtein/ Arm⸗Bander von Schildkrotk und Meer⸗Muſcheln/ auch an dere Kinderpoſſen/ ſo in dieſen zweyen Stade ten/ wie ich in vorhergehendem Capitel geſagt a habe/ gemacht werden/ einkauffen geſehen. Ich ſahe nur einen davon zu Daca,; und di f andern zwey fande ich zu Patna, ſo ich mit ir 5 gl eſſen lieſſe. Es waren Leute/ ſo wenig reb⸗ eue ten/ ſeye gleich/ daß es ihre eigne Art/ oder die aud des Landes/ und einer von ihnen konte Indianiſch reden: wann ſie etwas kauften/ machten ſie jhre Rechnung mit kleinen Steinen/ o Agaten gleichten/ in der Groſſe eines Nagels auf welchen eine Gattung Zieffern ware. S hatte auch ein jeder ſein Gewicht bey nahe auf die Weiſe wie eine Schnellwaage. Die WaagStange iſt nicht von Eiſen/ ſondern von el. nem Holtz eben ſo hart als das von Bra und der ing ſo das Gewicht halt/ ſo indieſe Stangen gehet/ und die Pfund zeiget/ ien. ſtarcker ſeydener Strick. Auf dieſe Weisel es/ daß ſie von einem Quintlein an biß auf ſehen unſerer Pfund konnen wagen; wann al Leute in dem Königreich Tipra dieſen zwehen Kraſmern/ ſo ich zu Parna angetroffen/ glei?, ſeynd/ kan man ſagen/ daß dieſe Volckerſchaßf Ke den Trunk ſehr liebe, und ich hatte meite Lule ihnen bald Brantewein/ bald Spanischen und anderer Gattung Wein zu geben/ als wie Wein von Chiras, von Rheims und Mants? weilen ich in allen meinen Reiſen niemalen ges fehlet/ deren bey mir zu haben/ außgenomie in der Letſtern/ ſo ich in die Arabiſche Wil neyen gethan/ welche ich nicht eher als in 1955 und ſechzig Tagen durchreiſen konte/ wegend rache/ ſo ich ſchon auderwertig angedeutel Ich hatte viel Sachen von denen Kauf Leuten von Tipra, die Beſchaffenheit un, Weite ihres Landes betreffend/ verneh foͤnnen/ wann ſie mir deſſentwegen ſo wol e mit dem Beſcheidthun/ ſo ich jhnen 7 ſundheit von meinem guten Wein zubrad f, hatten begegnen konnen. Dann mein. Ge Work ping in meinem Namen erstattet“ Pagen der Wein ſchon gekruncken/ und ſie en alsdann einer den andern an/ ihre 155 ſaugend/ und zwey oder dreymal in Hand an die Bruſt mit eine fende. Dieſe Kauf⸗Leute ware dem Königreich Arakan gekomime gegen Mittag und Nidergang 5 chek, 0 10 d lig pla„ Drittes Buch. 183 ches gegen Mittag und Niedergang an das von Tipra ſtoſſet/ und wird von dem begu zun Theil auch gegen Undergang des Winters gegkantzetzund ſie ſagten mir daß ſie ohngefahr fünffzehen Tag hatten jhr Land zu durchgehen/ 1 orüber man nicht wol von ſeiner Weite urheilen kan/ weilen die Tagreiſen micht alle eich und daß ſie bald lang/ und bald kurz nachdem man Waſſer findet/ verrichtet wer975 Sie haben vor ihre Fuhre/ wie in Inlen Ochſen und Pferde/ und dieſe ſind von gleicher Natur der jenigen/ von welchen ich oen geredet/ klein von Leib/ aber außbundigas den Konig und die vornehmen Herren bangt fahren ſie in den Pale es herum/ und d 5 en Elephanten ſo ſie um Krieg underrichauch dem laſſen. Sſe haben ſo woleinen Kropf als . d don Boutan, und ſte ſagten mir/ daß dieſes Nals⸗Gewachs etlichen Weibern/ bis auf die 8 üſte hinab hienge. Von dreyen Männern * dass Reichs ſo ich zu Bengala geſehen/ hatte er Eine zween Kropf/ deren ein jeder ſo groß i 0 Lein Jauſt war/ und dieſes komt von dem uninen Trinckwaſſer her/ wie in vielen andern une, Orten in Aſien und Europa zu chen. f Sie haben nichts in ina ſo den Außndiſchen bedienlich ſeyn konne Es hat alldorden eitze Gold⸗ Grube von ſehr ſchlechtem old/ und Seiden ſo ſehr grob iſt/ und dieſes ſind die zwey Stücke/ in welchem des Koͤmgs Einkünften beſtehen. Er ziehet gantz keine Hilfgelter von ſeinen Underthan/ außgenomnen bon denenſo eines Stands ſo dem Abel in Euopa nicht gleich gehet/ dieſelben werden jahrNan 15 au gehalten ſechs Tage für den Konig dates b der Gold⸗Oruben und inder Seiden zu arich. Er ſchickt das Golb und die Seiden We diba ſolches daſelbſten zu verkaufen/ on dannen man jhme Silber bringt/ au elchem er Stücklein zehen Stuber werth/ . Gilden laſſer. Er laßt auch kleine dunne 95 ſtücklein mache als wie Türckiſche Alpres, nutz es giebt deren zweyerley; von den einen duß man viere haben um einen Thaler zu maen/ und der andern zwoͤlff. Das iſt alles bach von einem Land ſo uns bis ameko unwandt geweſen/ habe vernehmen konnen/ Geh 755 welchem wir ins künftig mehrers er ehaben konten/ und vielen andern Lane ſo die Beſchreibungen der Reiſenden uns e 1 kandt machen/ weilen nicht alle in einem entdecket worden. Das XVII. Capitel. „Von dem Königreich alem, 10 U 1 An hat niemahlen recht gewuſt/ was 2 das Königreich Alem ſeye/ als nachde ſt der Große Haubtmann Nirgimola, 5 welchem ich oft in der Mogoldiſchen GeN95 le Amegung gethan/ das Reich AurengGef urch den Tod ſeiner Brudern/ und der e Sohns/ verſichert hatte. * Als er geſehen/ daß nach vollendtem Krieg/ er nicht mehr zu Hofe/ wie zur Zeit/ als er noch Obriſter⸗Feldherꝛ der Kriegs⸗Zuge des Aureug· Zebs ware/ geachtet wurde/ und er allgewaltig in dem Reich/ allwo er viel Freund und Anhaͤnger hatte; Um den Befehl der Trouppen zu erhalten/ hat er die Eroberung des Königreichs Alem vorzunehmen ſich entſchloſſen/ indem er wuſte/ daß kein groſſer Widerſtand zu finden/ weilen das Land funff oder ſechs hundert Jahr ohne Kriege geweſen/ und das Volck in den Waffen ohnerfahren ware. Man haltet darvor/ daß eben dieſes Volck vor Zeiten das Pulfer und Geſchutz erfunden/ welehes von Alem auf Pegu; und von Pegu Was ſie ſür auf Cpina gekommen/ ſo die Uirſach/ daß man Hue babe ſolches gemeinlich den Chineſern zunnſſet. 5 Mirgimola hat von dieſem Kriege viel Stuck gebracht/ ſo alle von Eiſen/ und das SluckPulfer ſo aldorten gemacht wird/ iſt ſehr gut. Die Kornlein ſind micht lang wie in dem Königreich Boutan, ſondern rund und rein wie die unſere/ und dieſes Pulfer iſt ſtarcker als kein Mirgimola zoge demnach mit einem machtigen Kriegsheer von Daca hinweg/ um das Königreich Alem zuerobern. Fun Meilen von Baca iſt ein Fluß ſo von dem See von Chiamay komt/ und welcher wie die andern Flüͤſſe in Indien/ underſchiedliche Namen von den Orten/ durch welche er füeſſet nimt/ verfügt ſich in einen Arm des Ganges, und an dem Ort wo ſich dieſe zwey Fluͤſſe verſamnlen/ hat es auf jeden Seiten Wegen und ſie ſeynd alle zwey mit guten Stucken von Etz verſehen/ welche dem Waſſer gleich ſpielen. Alldorten lieſſe Mirgimola ſein Kriegsheer zu Schiffe gehen/ gegen dem Strom bis auf ß das 29. oder 30. Grad hinauf fahrend/ allwo die Grantze des Königreichs Alem iſt/ und von dannen zoge er zu Lande in einen mit allen nothwendigen Lebens⸗Mittlen verſehenen, und ſehr übel beſchützten Ort/ and dieſes um de⸗. ſto mehr/ weilen die Volcker ohnverſehens uber⸗ Selbigs fallen worden, Gleich wie bieſelben der uhgot⸗ ſpolfenk„„ terey gant zugethan/ als verſchonte des Mirgi die ee, mola Heer/ ſo alſein in Turcken beſtunde/ ÿh⸗/ ren bagodes nicht/ warffe dieſelben allerſeits nider/ alles bis gegen dem 37. Grad mit brennen und rauben verzehrende. Alsdann ver⸗ Il ine nahme Bairgicole, daß der König von Alem on a mit groͤſſerer Macht/ als er ſich eingebildet/ zu 1 Held lage/ daß er underſchiedliches Geſchütz Macht auß und viel Feurwerck bey ſich hatte/ ſo unſern wider due Granat⸗oder Sprengkuglen zu vergleichen/ wols. welche man an de e Steckens einer halben Picken lang ſtecket/ wie ich ſchon anderwerts vermeldet/ und uber funff hundert Schritt hinauß tragen. Nachdem Mirgimola zieimeiches vernommen/ hat er vor rahtſaim befun⸗ erich den/ ſch weiter hinauß zu laſſenz die vornemſte Urſach aber ſeines Widerkehrens/ ware die annahende Kalte/ und wann er dieſes Land hatte bekriegen wollen ware nöthig geweſen ſich bis an das 4. Grad zu begeben/ welches ſein gan 184 bes Heer gekoſtet hatte. Dann die Indianer ſind alſo empfindlich/ und koͤnten die Kalte ſo wenig erleiden/ daß ſie ſchwaͤrlich dẽ 30. oder auf das meiſte den 35. Grad erreichen/ es ſeye dann jhr Leben zu wagen; und von allen Dienern ſo ich auß Indien in Perſien geführt/ iſt viel geweſen/ wann ſie bis nacher Casbin gekommen/ maſſen ich keinen nacher Touris zu gehen bereden konnen/ ſo bald ſtie das Geburg der Meder mit Schnee bedecket geſehen/ hab ich ſie beurlauben zmuſſen. Als Mirgimola ſahe/ daß er nicht gegen Nord gehen konte/ entſchloſſe er ſich gegẽ SudOſt zu kehren/ wie er dann auch eine Stadt A200 belagern lieſſe/ und in kurtzer Seit eroberte/ allwo er auch groſſe Reichthum fande. Viel ſeind der Meinung/ daß er kein anders Vorhabẽ gehabt habe/ als dieſe Stadt einzunehmen/ und zu plündern/ und dann wieder umzukehren/ wie In dieser er auch thate. In dieſer Stadt Aꝛoo iſt es alSlade wo die Begralnuſſen der Königen von Alem ſen der Kö⸗ ſeynd/ end aller deren von dem Königlichen Alen, en Hauſe. Obſchon ſte Heydniſch ſind/ verbrennen ſte doch die Todten nicht/ ſondern ſie begraben ſolehe. Sie glauben/ daß ſie nach jhrem Tod/ in ein andere Welt gehen/ in welcher die jenigen ſo hier wol gelebt hatten/ keinen Mangel an etwas leiden werden/ ſondern ſie werden allerhand Ergetzlichkeiten haben; und im Gegentheil die ſo hier übel gelebet/ und ander LeuMirgimola erobert die Stadt Azoo. Der Leute von Aro. Glauben. ken das jhrige abgenomen/ ſehr viel leiben werden/ abſonderlich Hunger und Durſt/ und deſſentwegen ſeye es gut daß man etwas mit ihnen gaffen Spe begrabe, deſſen ſie ſich alsdann im fall der Noth beach bedienen konnen. Alſo fande dangimola ſehr Die Stadt ſint vielhundert Fahren her/ hatte ein jeder Koͤiſt heiſch. gig in der groſſen Pgoden als wie eine Cappellle bauen laſſen/ allwo man jhne hin begrube/ und in wehrenden ihren Lebzeiten lieſſen ſie in das Gewoͤlbe wo ſie ſolten eingeleget werden/ ſehr viel Gold/ Silber/ Tepichte und anders Gerathe einſchlieſſen. Wann der Leib des Verſtorbenen Koͤnigs in dieſes Gewolbe geie ke bracht wird/ thut man alles was jhme in der igen begra5 ben werben, Silber/ welchen er bey ſeinen Lebzeiten verehret halte/ und alles was man glaubet/ daß jhme in dem andern Leben nothwendig ſeyn mochte. Was aber das ſeltzamſte und etwas grauſames in ſich hat/ iſt/ daß ſo bald der Koͤnig tods verblichen/ ein Theil von den Weibern ſo er am meiſten geliebet/ und die fuͤrnembſten Bedienten ſeines Hauſes/ bringen ſich ſelbſten durch einen vergiften Trunck um/ damit ſie mit jhme mogen begraben werden/ und jhme in der anIbre binder dern Welt dienen koͤnnen. Uber dieſes/ begraſaſſene 11 55 ben/ ſie guch noch einen lebendigen Elephanten/ ſchſellke. wolf Kamele/ ſechs Pferdt/ und eine groſſe menge Jaghund/ glaubende/ dieſe Thiere bekomen alle ein neues Leben/ nachdeme ſie getodet wor den/ um den König zu bedienen. Das Königreich Alem iſt eines von den beDas Konig. 5. 25 ſten Landern in gantz Aſien; dann es bringet alreich alem iſt fruchtbar. te Lander deſſentwegen zu gehen. viel Reichthum in dieſer Stadt A200; dann Welt am angenemſten geweſen/ auch mit hinein/ als einen ſonderbarenGoͤtzen von Gold oder Reisbeſchreibung in Indien/ les was dem menſchlichen eben nöthig iſt hervor/ ohne daß es nothig habe in die bengchbarEs gibt Gold/ Silber/ Stahl/ Bley⸗ und Eiſen⸗Gruben/ und ſehr viel Seiden/ welche aber grob iſt. Es giebt eine Art ſo auf den Baumen wachſetund welche durch ein Thier ſo unſern Seiden wuͤrmen gleichet/. wird/ welcher abel ronder iſt/ und das gantzl Jahr durch auf dem Baum bleibt. Die Zeuge ſo von dieſer Se den gemacht werden/ ſeyn ſehr glantzend ge? macht; allein ſie zerſchneiden ſich und wahren nicht lang; und gegen Seiten Mittag iſt es/ a. wo dieſe Seiden wachſet/ und wo die Gold und Silber⸗Gruben ſeynd. Das vand bringet guc) eine groſſedhꝛenge Gum̃i⸗ ac/ und es giebt deſſen zweyerley. Das ſo auf den Baumen wachſt/ iſt wie roth an der Farbe/ und netzen dar mit jhren Leinwad und andere Tucher/ un wann ſie diese rohe Farb herauß gezogen) bediene ſie ſich des zurin⸗acs die Schreibſtub aun, lein und andere dergleichen Zimmer zu beſtrel⸗ 11 1 chẽ/ wie auch Spaniiſch Wachs darauß zuma⸗ ge chen uñ wird ein groſſe Menge nacher Thin und Japon ihre Zimmer zu zurichten/ getragen! ma dieſes iſt der beſteummi auß gantz Aſien vo aid. dergleichen Wercte. Was das Golde belanget⸗ 90% laßt man keines herauß/ und wird nichts dar⸗ 1 5 von gepraget; bleibt alles in groß⸗und kleinen dae, Klumpen liegen/ deſſen ſich das Volck in bel e Handlung bedienet/ ohn daß es anderswo hh getragen wird; was aber das Silber betziftlaßt der König Muntz in der Gröſſe und Ge lun wicht der Roupies, und mit acht eckigter Figur aa darauß ſchlagen/ und iſt erlaubt/ ſolches dal dem Reich zukragen. Obſchon dem Land uus ich geſagt/ an allerhand nothwendigen Lebenittlen nichts abgehet/ halten ſie danno“) dec 0 mehr auf dem Hundsfieiſch/ als auf allen an au dern Speiſen/ es iſt das niedlich ſte Gericht/ allen Mahlzeiten/ und wird in jederer Ska 0 des Reichs alle Monat ein Marckt gehalten allwo nichts anders als Hunde/ ſo man bon 1 00 len Orten her zu gefüͤhret/ verkauft werte 0 Es hat auch aldorten viel Weinberge und gun Trauben/ aber man machet keinen Wein mn. laſſet allein die Trauben trucken/ um Branten N wein darvon zu machen. Was endlich 5 0 2 0 Salz berührt it kein anders in dieſen 0 105 che/ als welches von Kunſt gemacht wird⸗ 0% auf zweyerley Weiſe geſchiehet. Die erſte deb daß man das grüne ſo auf den ſfildtehaden Waſſern empor ſchwimmet/ und die En und Hroſchen abfreſſen/ zu famen lieſet. 9 laßt es trucknen/ nachgehends verbrennen/ 1 e die Aſchen ſo darvon übrig/ nachdeme ſi⸗ 4 ſotten/ und guf nachfolgende Weiſe durch b het/ wird vor das Saltze gebrauchet. 5 dere Weise ſo mehrers geübet /t daß ma ſer groſſe Feigenblattern nimt/ ſo mange, Jeigeheiſſez man laßt ie geicher gelber, nen/ darnach werden ſie gebrant/ und die tha bleibende Aſchen iſt eine Gattung eines ſo 1125 pfen Saltzes/ daß ohnmoͤglich darvon zu ſchet; 5 ohn daß man es lindere/ welches alſo gesch an z auf 160 W ( Drittes Butch. Man legt dieſe Aſchen in das Waſſer ruͤhret Dieſelbe zehen oder zwolff Stund nach einanbers darnach ſeyher man dieſes Waſſer dreydeal durch ein Tuch/ und laßt es ſieden. Nachwem es ſiedet/ wird der Boden dick/ und wann ſolches verzehrt und eingeſotten/ findet man im Boden des ͤKeſſels Salt/ welches weiß . d zimlich gut ſt. 2 dan Au dieſer Aſchen der Feigenblaͤttern pfleden det mar in ſelbigem Lande eine Lauge zu maeier chen/ die Seiden darein zu ſieden/ welche weiß Mn d kvird wie der Schnes/ und wann die Volcker on Alem mehr Feigen harten/ als ſie nicht haben, würden ſte all hr Seiden weiß machen/ ellen die weiſſe Seide theurer/ als die ſchwarbeberkaufft wird; aber le haben nicht genug fer alben Theil der Seiden ſo alldorten wachkl weiß zu farben, ö. kl oo demmeroukiſtder Name der Stadt/ all 0 ie der Konig von Aſem Hof haltet/ und welMie dee auf fünff und zwantzig oder dreyſſig Taggien von deren/ ſo die erſte Königliche Wohnbt geweſen/ enfernet iſt/ und welche eben den 5 Hilſtentrüge. Der Konig nimt gantz keine 00 ſſgelter von ſeinem Volck; aber alle Grudi don Gold/ Silber Stahl und Eiſen gepduolen ſhme; auch damit er ſeine Underthanen . nicht betrange/ gebraucht er fich in den Gruben e marbeixen keiner andern als Leibeignen/ ſo er ee bol ſeinen Nachbaren erkaufft. Alſo daß ale Bauren von Alem wolvermogend ſeyn/ es debt deren wenig/ ſo nicht eigene Hauſer. han/ und in mitten jhrer Guter einen mit Bau. 1 umringten Brunnen/ auch gar der mei„Ade heil erhalten ein jeder einen Clephanten Wag, ful ihre Weiber. Dieſe Heyden zum WiderWee ſalderen in Indien/ ſo nur ein Weib haben/ che men deren bis auf viere; und wann ſie ſol1 curathen/ damit kein Zanck under ihnen Dh 0 ſagt er zu der einen: Ich nehme dich/ daß 9 in meinem Haußweſen zu dieſer Sache r ſem eſt zu der andern/ ich beſtimme dich zu diea, dem zal alſo weiß ein jedes Weib was es in Wesen tweſen zuthun hat Die manner und 0 598 ſeyn ſchoner Geſtalt/ und vortreffieh f be arbe/ aber die Volcker/ 10 die Grantzen firhterr, Seiten Mitrags bewohnen ſeyn OelNor 1 uud ſind den Kroͤpffen nicht als wie die fo ſelardiſcheunderwolffen. Sie ſeyn nicht . Wales Leibs/ und der meiſte Theil ihrer gen er haben flache Naſen. Die Volcker geale Mittag gehen ganz bloß/ ſie haben nichts ſo Falle Lein wad/ mit welchern ſie das jenige/ vie Schamhafftigkeit erheuſchet/ bedecken/ lan aur dne Art der Engliſchen Kap5 uin welche herum viel Schweins⸗Zähne anden. Sie haben die Ohren durchlochert/ die 1 00 konte wol den Daumen durchſtoſſen/ Ampenen tragen Gold/ die andern Silber dadie Achsel Manner tragen die Haar bis auf ail wage en ken und die Weiber ſo lang/ als ſie fate in dem Kannen. Es iſt eine groſſe Handlung bone Königreich Alem, ſo wol afs in dem knand dran Aemdanden ven Schldkrotwelche Neermuſchlen ſo eines Eyes lang ſeyn/ % 0 eſche man 11. L 0 n Reiffein ſaaget; aber die „en. fen/ ſo ieh au Dlich. f 185 Reichen tragen ſie von Corall und gelbem Agtſtein. Wann ein Mann ſtirbt muſſen alle ſeine Verwandten und Freunde zur Begrabnuß kommen/ und wann der Leib in die Erden gelegt wird/ ziehen ſie alle Armbander/ ſo ſie an Arm und Beinen tragen ab/ und begraben ſolche mit dem verſtorbenen.. Das XVIII. Capitel. Von dem Koͤnigreich Siam. 5 S Crmelqe heilder önggeeihesiem. iſt zwiſchen dem Meerhuſen gleiches des King Namens/ und dem vonkengala, ſtoſ⸗ reichs siam. ſend an den Mitternachtigen Pegu, und die Schier⸗Inſul NMalacca gegen Mittag. Der kürtzeſt und beſte Weg ſo die Europeer um Den adeg ſich in dieſes Königreich zu verfügen halten aub ian. koͤnnen/ iſt auf Hpahan zu gehen/ von dar auf Ormus, von Ormus gufSurate, vonsurate guf Golconda, und vonGolconda gufMaslipatan, alwo man einſchiffet/ um auf Denouſerin zugehen/ welches der Meerhafen des Königreichs von Siam iſt. Von Denouſerin in die HaubtStadt gleiches Namens mit dem Koͤnigreich/ hat es noch ungefahr fünff und dreyſſig Tagreiſen/ deſſen halben Theil man einen Fluß hinauf kommen kan/ und den andern Theil auf Wagen oder Elephanten. Der Weg iſt ſo Deſeen Ge wol zu Land als Waſſer unbequem/ dieveil zu faßruchkeit. Lande man allezeit wider die Lowen und Tygerthier zu Wehr ſtehen muß/ und zu Waſſer giebt es auf dem Fluß underſchiedliche Waſſer⸗Falle/ daß es alſo ſchwaͤr ift/ das Schiff hinauf zu bringen/ welches man doch mit gewiſſen Rüſtungen zu wegen bringt.— Dieſes iſt eben der Weg/ ſo ich in meiner erſten 5 80 gquß Indien dreyen Biſchofmeinem Weg angetroffen/ gewiſen. Der erſte ware der Her: Biſchoff von Beryte, ſo ich zu Ipahan antraffe. Der zweyte der Her? Biſchoff von Megalopolis als ich über den Euphrat ſetzte. Der dritte ware der Herz Biſchoff von Heliopolis ſo zu Alexandreta qnfame/ wie ich von dar wider in Alles Land von Siatn iſt ſehr fruchtbar an 0 l Reiß und Früchten/ von welehen die fürnemſte von sam ic genannt werdeu Mangues; Durions und ſehr ſruchtMangoustans. Die Walder ſeyn voller Hir⸗ bar. ſchen/ Elephanten/ Tygerthier/ Naß horner und Affen/ und man ſtehet aller Orthen von dieſen Bambdues, ſo groſſe Rohre/ ſind ſehr hoch/ gantz hohl und hart wie Eſſen. An dem guſſerſten dieſer Rohren findet man Naſter ſo groß als ein Mannskopff/ und es ſeyn die Omeiſen/ ſo lolche von feißter Erden machen/ welche ſie dahin tragen. Es iſt nur ein kleines Loehlein zu underſt/ durch tvelchez ſie hinein gehen/ und in dieſem Naſte hat jede eine Hmeiſſe ein beſondere Kammer/ als wie die Bien. Sie machen darum ihre Naſter auf dieſe Rohre/ dieweil wann ſie ſolche auf die Erden machten/ ſie alle in wehrendem Q 8 groſ23 Reeisbeſchreibung in Indien/ groſſen Regen ſo bis auf vier und fuͤnff Monat wahren/ zu Grund giengen/ dieweil damalen das gantze Land under Waſſer ſtehet. Man muß auch/ wann man ſich des Nachts ſchlaffen geleget/ eine Wacht haben/ Daſelbſen damit einen die Schlangen nicht beiſſen. Es Sachlage, gibt deren ſo bis auf zweh und zwanzig Schuh lang ſeyn/ und zwey Koͤpffe haben/ aber der ſo am Ende des Schweiffs iſt/ und wo die Schlange endet/ thut den Mund nicht auf/ und hat keine Bewegung. 2 Es gibt auch in Siam ein vergifftetes Auch ein 8 Lergiffteres Thier/ und ſo auf das laͤngſte eines Schuhs Schu 1100 lang iſt. Sein Schtveiff iſt geſpalten/ und macht zwey Spitze/ und iſt ſeine Form als wie man uns den Salamander abmahlett. Die Fluͤſſe dieſes Konigreichs ſeynd ſehr ſchoͤl/ und der ſo durch Siam fleſſet/ iſt faſt aller Orten gleich breit. Diß Waſſer iſt ſehr Eeynd vol⸗ geſurid/ aber im ubrigen iſt er voller Crokodillen port len einer abſcheulichen Groſſe/ und welche ofMenſchen termalen die Menſchen ſo nicht wol auf ſich verschlingen achtung geben/ verſchlingen. Dieſe Flüſſe ergieſſen ſich/ indeſſen die Sonne die Mitternachtiſchen Zeichen durchlaufft; welches ſehr viel zu der Fruchtbarkeit der Felder/ auf welche ſie ſich außſpreiten koͤnnen/ dienet/ alwo durch eine ſonderbare Vorſehung die ReißAehre nachdem das Gewaſſer ſteiget/ wachſet. Siam die Haubtſtadt des Königreichs/ Schone Fluͤſſe. SGkrbſe der e lit mit Mauren umgeben/ und begreifft in ſich mehr als drey unſerer Meilen. Sie ligt in einem Eylande/ wird allerſeits von dem Fluß uurmringet/ und man koͤnte leichtlich durch alle Gaſſen Waſſerleitungen machen/ wann der Roͤnig vor dieſes Werck einen Theil Goldes/ ſo er vor die Ampel ſeiner Goͤtzen verbrauchet/ anwenden wolte. 5 a i Die Siamonier haben drey und dreyſſig Buchſtaben in jhrem Abere⸗Buch. Sie ſchreiben wie wir andere von der lincken zur rechten Hand/ gantz anderſt als die Volcker auß Japon, China, Cochinchina und von Tun quin, welche jhre Schrifft von der rechten zur lincken Hand/ und von oben bis zu underſt des Dlattes führen. 3 5355 Die Volcker dieſes Reichs ſeynd entweder dem Koͤnig/ oder groſſen. Serꝛen/ ſamethafft underworffen. Beydes Weib und Mann ſchneiben hre Haare ah/ und jhre Kleider ſeynd nicht gar koͤſtlich. Under deren Hoͤflichkeiten ſo ſie im Brauch haben/ iſt dieſe von den vornehmfir daß ſie niemal dem jenigen ſo man ehrörchtet/ ohne zuvor begehrte Exlaubnuß/ vorehen/ welches ſie alsdann mit aufgehabenen eyden Handen thun. Die Vermoglichſten haben underſchiedliche Weiber wie in dem KoT Die Müntze des Landes iſt Silber/ und ſchier wie eine Muſqueten⸗Kugel geſormet. Du hen argen kleinen Muſcheln/ ſo man von den Wanilles herbringt. orten gibt es Herzlichkeit Der Konig von Siam iſt einer von den Kue beichſten Monarchendes Orients/ und nennet und die gewohnliche Bleibſtadt des Koͤnigs/ dreyhundert andere ündersch de 110 Himmels und der Erden/ obſchon er den Ehineſiſchen Königen zinßbar iſt. Er lat ſich ſelten von ſeinen Uinderthanen ſehen/ und horel allein die Vornehmſten ſeines Hofes an/ wellen die Fremd⸗ und Außländiſchen keinen u tritt in ſeinem Pallaſt haben. Er uberlaſſet die Regierung ſeinen Bedienten/ welche zum öfteren des Macht⸗Anſehens/ ſo ſie in Handen ſich in ſeinen Gebott⸗ und Befehlen Konig bes haben/ mißbrauchen. Er laſt ſich nur ireymal des Jahrs offentlich ſehen/ welches mit groſſer Herꝛlichkeit geſchiehet. Erſtlich wann e Herten eee ke 0 er mit Geprang unoͤ gr. a gode, ſo in der Stadt/ dero Thurn von innen und auſſen verguldet/ ugehet. Darinn ſeyn drey Goßzenbilder ron ſechs bis auf sieben Schuh hoch/ welche von dichtem Gol) u durch viel Allmoſen ſo er dendlrmen/ und dus ch Geſchencke ſo er den Prieſtern ſeiner falſchen Goͤtter/ in Meinung dieſelben ſich gunſtig 1 0 machen/ außtheilet. Alsdann gehet er uit ſeinem ganzen Hofe/ und weiſet was er ain e 5 Under andern Herdlichkelten ſihet man zweyhundert Elephanten/ und welchen ein weiſſer gefunden wird/ den der Konig ſo hoch ſchatzet/ daß er es ſich vor ein Chie halt/ Konig des weiſſen Elephanten genen zu werden. Die Elephanten leben viel Jahn hundert/ wie ich dann ſolches anderwerks bemercket hab. 1 00 Wann der Konig ſich vor das anden ſehen läſſet/ geſchiehet ſolches in ein andere fa gode zu gehen/ welche fünff oder ſechs Miloß 1 der Stadt gelegen/ ſo man den Strom hin fahrt. Aber keiner wird in dieſe Pagode le ber Konig und ſeine Prieſter gelaſſen. Daß Volck belangend, ſo bald er die Pforten erſe⸗ 1 hen kan/ muß ſich ein jeder auf das Geſichte u Boden werffen. Alsdann erſchetnet der Koe 5 nig auf dem Fluß mit zweyhundert Gallen von wunderlicher Lange/ ein jede mit vier 0 5 dert Ruderer verſehen/ und ſeynd meiſtenthell verguldet/ und auf das ſchoͤnſte gezieret. len dieſer zweyte Außgang des Koͤnigs i Fluß ſich zu verlaufen anfaͤngt/ bereden 5 Sobel horten das Bolck(das nem der Konig/ den Lauff des Waſſers aufhadekonne/ durch die Gebott und Eifer ſo er in di ſer Pagode verrichtet/ und dieſe arme. 105 bilden ſich ein/ daß der Konig das Waſſer ſeinem Sakbel zerſchneide/ um ſie zu b ben/ und ihnen zu befehlen ſich in das Mees 5 Verfiigen. e Der Konig gehet noch einmal/ che ches geſchiehet ohne Pracht neinebag eren der Inful ſe/ alwo die Hollander ihe Heinen haben. In dem Eingang ſtehet wan ue Oben ſigend/ auf die Wdeiſe wie ud Schneider/ die eine Hand aufdem Knie 65 iſt die andere 0. Seiten haltende, dun ſolcher mehr als ſechtzig Schuh hoch 10 bieſen groen Gotzen herum/ hat es ms ſo allerhand Manns⸗ und Weibs Pe enn vorſtelen. Ale diefe Goten Buber leer, eutk 9 7 beurla 1 5 Winitermonat geſchiehet/ und damalen 10 1 4 Drittes Buß. 187 verguldet/ und es hat eine unglaubliche Anfaith ahl dieſer pagoden in dem ganzen Land. Diedae ber ſes komt daher/ daß kein reicher Sĩameſer iſt/ O nicht eine zu ſeiner Gedachtnuß bauen laͤſſet. Dieſe Pagoden haben Thuͤrne und Glocken/ und die Mauren ſeynd von inwendig gemahlt/ und verguldet/ aber die Fenſter ſeyn ſo eng/ daß ſie nur wenig Heiterkeit faſſen konnen. Die Alkaren ſeynd mik koſtbaren Gotzen beladen/ under welchen gemeiniglich drey under ſchiedlicher⸗Groſſe und nahe beyſamen ſtehen. Die ey Pogodlen, wohin der Konig/ wie vermeldek/ ſich gepraͤngs⸗weiſe verfüget/ ſeynd mit berſchtedenen ſchoͤnen Flam⸗Saulen/ alle wol berguldet/ umringet/ und die/ ſo in dem Eyland alwo die Hollander jhre Hutten haben/ ſich befindet/ iſt mit einem Kloſter/ deſſen Gebau ſehr zierlich/ begleitet. Man hat in der Milrke eine gleichſam groſſe Capelle/ von innen gantz verguldet/ aufgerichtet/ alwo man eine Ampel und drey angezundete Kertzen vor dem Altar/ ſo gantz mit Götzen bedeckt iſt/ verwahlet/ deren die einen von purem Gold/ die anern aber von verguldtem Kupfer ſeynd. Die Fagodee ſo in der Mitte der Stadt/ und eine von denen zreyen wo der Kong/ wie oben geacht/ einmal des Jahrs hingehet/ begreifft bey nahem vier kauſend verguldter Goͤtzenbilder/ und ſeynd herum/ wie um die jenige ſo ſechs Meile von Siam, viel Grab⸗Spitze/ deren Schonheit die Kunſt dieſes Landes verwunC aller. Wann der König erſcheinet/ müiſſen alle 1 Thuren und Fenſter der Hauſer verſchloſſen den ſeyn/ und das Volck wirft ſich auf den Boden/ ohne daß es den Konig„ darff. Weilen niemand an einem erhabenen Ort als er König iſt/ ſeyn darff/ wann er durch die GHaſſen gehet/ itt alles Volck ſo inden Hauſern A, verbunden ſich hinunder zu verfügen. Wann er jhme die Haar abſchneiden laſſet/ 3 ld eine von ſeinen Weibern zu ſolchem Amt g es, gebrauchet/ und er gibt nicht zu/ daß ein Balul a bierer die Hand an ihn lege. Dieſer Furſt iſt i gewwiſſe Elephanten verliebet/ welche er als kein Zärklinge und Staats⸗Zierde underhaltet. Dann deren erkrancken/ haben die Vornehmſten des Hofes eine unglaubliche Sorge vor ſolche/ um dadurch jhrem Heren zu gefallen/ ud wann ſie abgehen/ wendet man für ſle eben en Pracht an/ als wie bey den Begrabnuſſen er Groſſen des Koͤnigreichs. Die Leichgeler prange der Groſſen Herren/ geſchehen auf foldan, gende Weiſe: Sie richten eine Ark eines herz; b bh chen Grabes Mauloleum genant auf/ von Viunzen/ auß und inwendig mit gefärbtem „Fapier überzogen. Weilen alle wolriechende ſehetber nach dim Gewicht verkaufft werden/ W deſſen ſo viel als der Cor per wagt in Gebern und nachdeme die Aale etliche d ſprechen vollendet/ wird alles eingeW580 audren oder filbernen Gefaſſen aber was 0 50 men jhre anbelanget/ wird ſolche in die wil beſprengt. Was dir Uibelthalter betrift Kelchehrreben diſcheinen ſchmahlichen Todt Die Reichen verwahren ſolche in geendet/ verbrent man jhre Leiber nicht/ ſondern man begraͤbt ſolche. 3 Der Konig geſtattet/ daß offentliche Dir⸗ Hentuche nen ſeyen/ allein ſie haben jhre Wohnung be⸗ 1 ſonder/ und ein Hauß ſo verhindert/ daß ihnen 5 nichts leids widerfahre. Wann eine von jhnen ſtirbt/ verbrent man ihren Leib nicht wie man mit eines ehrlichen Weibs jhrem thaͤte/ ſondern man wirfft ſolchen auf einen Platzalwo er zur Speiſe der Hunde und Raben wird. Man haltet dar vor/ daß es in dieſem Kö⸗ Groſſe Men; nigreich mehr als zwey hundert tauſend Prie⸗ l ſter gebe/ ſo Bonzes genant werden/ und welęche ſo wol zu Hofe als bey ben Volck/ it ſem Ehranſehen ſeynd. Der König ell achtet etliche hoch/ aa ſo gar/ daß er ſich in hrer Gegenwart demutiget. Dieſe ungewohnliche Ehrforcht ſo jhnen von jeder imat N wird/ macht ſie manchmalen ſo he daß man deren gefunden/ ſo hre Gedan zu denn Thron erhoben. Aber wann der Konig dergleichen was entdecket/ laſt er jhnen das Leben nemmen/ wie unlaͤngſt in einer Emporung geſchehen/ deren Urheber ein Bon ze geweſen/ und welcher der Konig das Haubt abFoo 5 Dieſe Bonzes ſeynd gelb bekleidet/ und tra⸗ Ihre Kleigen um jhre Lenden ein kleines rohtes Tuch/ in dung. Form eines Gürtels. Sie laſſen guſſerlich eine groſſe Ehr barkeit blicken/ und man fiehet niemalen an jhnen das geringſte Zeichen einiges Zorns. Sie ſtehen des Morgens um vier Uhren wann die Glocken leuten auf/ Ihr Gebat zu verrichten/ und auf den Abend thun ſie ein gleiches. Es gibt gewiſſe Tage im Jahr/ daß ſie ſich von der Gemeinſchafft der Menſchen abſondern/ um in der Einſamkeit zu leben. Etliche deren leben von dem Allmoſen/ und andere von reichen Stifftungen. So lange ſie der Bonze leider tragen/ dor ffen ſie keine Weiber haben/ und wann ſie ſich verheurahten wollen/ muſſen ſie ſolche ablegen. Der meiſte Theil von jhnen ſeynd ſehr ungelehrt/ und wißſen nicht was ſie glauben. Es muß ſeyn/ daß ſie/ gleich den Indianiſchen Heyden/ die Umwandlung der Seelen in underſchiedliche Leiber/ glauben. Es iſt jhnen verboten einigem Thiere das Leben zu nehmen/ jedoch machen ſie ſich kein Gewiſſen von denen/ ſo andere als ſie getoͤdtet/ zu eſſen/ oder ſo von jhnen ſelbſten abgangen ſind. V Der Gott/ von welchem ſie reden/ iſt ein beagle A. Geſpenſt von welchem ſie als wie die Blinden der Heben, reden/ und ſie ſeynd ſo eigenſinnig/ jhren groben Irethum zu behaubten/ daß es ſehr ſchwaͤhr fallt/ ſie davon abzubringen. Sie ſagen/ daß der Chriſten Gott und der jhrige Gebrüͤdere ſeyen/ und daß der jhrige der eltere ſehe. Wann man ſie befraget/ wo zr Gott ſeye/ antworten ſie/ er ſeye ver ſchrwunden/ und daß ſie nicht wißſen wo er hinkommen,. Was die lebendige Macht des Reichs be⸗ Ihre Macht kanget/ beſtehet ſelbige faſt alle in den Fuß⸗ nch Volckern ſo zimlich gut ſeynd. Die Soldaten ſeynd der Arbeit ergeben/ jhr Kleid it allein von einem Stuck Tuch gemacht/ um zu bedecken/ 2 4 was Reis beſchreibung in Indien/ was man zu weiſen ſich ſchamet. Der uͤbrige Theil des Leibs/ als der Magen/ Rucken/ die Aerm und Schenckel verbleiben entbloſſet/ das Fleiſch ſo gantz zerſchnitten/ gleich wie man Schrepff⸗Kopfe aufſetzet/ ſtellet allerhand Blumen und Thiere vor. Nachdeme ſie das Fleiſch zerſchnitten/ und das Blut außgerunlien/ reiben ſie dieſe Blumen und Thiere mit was vor Farben ſie wollen/ und wann man ſte von weitem ſiehet/ koͤnte man ſagen/ daß ſie mit geblumt⸗ſeidenem Zeug/ oder gemahltem Tuch bekleidet waren/ dann die Farben ſo ſie ſolchen geben/ gehen nimtnermehr auß. Sie haben vor jhre Waffen Bogen und Pfeile /Muſqueten und Piquen/ und eine Aagaye, welches ein fünff oder ſechs Schuh langer Stab iſt/ von fornen beſchlagen/ den ſie mit Geſchicklichkeit wider den Feind werffen. Im Jahr 1665. ware in der Stadt Siam ein Neapolitaniſcher Jeſuiter/ pater Thomas genank. Er lieſſe die Stadt und den Koniglichen Pallaſt/ ſo an dem Rand des Fluſſes war/ beveſtigen/ und er hatte ſchon auf ein und anderer Seiten gute Bollwerck verfertigen laſſen. Deſſentwegen erlaubte der Konig jhme in der Stadt zu verbleiben/ alwo er eine kleine Kirchen ſamt einem Hauſe hat/ alwo Herꝛ Lambert Biſchoff von Beryte, als er zu Siam ankame/ ſeinen Einkehr genommen. Aber ſie waren nicht lange wol mit einander zu frieden/ und der Her: Biſchoff fande vor gut/ ſeine beſondere Capelle zu haben. Deer Hafen in welchem die Schiffe ſo von Sochin China und andern Orten herkommen/ anlangen/ iſt nur eine halbe Meile von der Stadt/ und weilen allezeit etliche Schiffleute ſo Chtiſten ſeynd/ dabey gefunden werBeſchreiden/ hat der Her? Biſchoff ein kleines Hauß ſamt einer Capellen/ die Meſſe dar innen zu leſen/ erbauen laſſen. ——— Das XIX. Capitel. Von dem Koͤnigreich Nacalat, und der Hollaͤndiſchen Geſandſchafft in Chins As Koͤnigreich Macaſſar, anderſt die JInſul Celebes genant/ nimt ſeinen Anfang bey dem fünfften Grad der Mitkägigen Breite. Die Hitze iſt aldorten den Tag uber ſehr groß/ die Nachte aber ſind genugſain gemaſſiget/ das Erdreich oder die Beſchaffenheit deſſen/ inn ſchon und ſehr fruchthar/ aber die Volcker dieſer Inſul haben die Wiſſenſchafft nicht/ wol zu bauen. Die HaubtStadt heißt wie das Königreich/ und iſt auf bung der enſel Maeaſſar.der See. Der Hafen iſt aldorten frey/ und die Schiffe ſo von den angrantzenden Inſuln viel Waaxendahin bringen/ bezahlen nichts. Dieſe Einwohner haben im Brauch jhre Waffen zu vergiſſten, und das gefahrlichſte Gift beſſen ſie ſich bedienen/ iſt das Safft von gewiſſen Bauen des Eylandes Borneo, welchen ſie bereiten nach der langſatnen oder schnellen Würckung ſo ſie tvollen/ daß das Giſſt haben ſolle. Man haltet darvor/ der Koͤnig allein wiſſe ſolchem die Krafft zu benehmen/ und er berühmt ſich ein ſo ſchnelles Gifft zu haben/ daß kein Mittel inder Welt ſeye/ deſſen Wirekung zu verhindern. Einer von meinen Brudern g ein 540 ſo ich mit in Indien geführt/ und welcher darin⸗ kimen aß nen geſtorben/ ſahe eines Tags eine merckwur⸗ ſu dige Probe/ in welcher dieſes Gifft ſeine Staͤrcke bewieſen. Ein Cugellander hakte in der erſten Zorns⸗Hitze/ einen von den Underthanen des Koͤnigs von Macaſſar getoͤdtet/ welchem der Konig Genade widerfahren lieſſe/ alle Freye/ ſo wol Engellander/ Hollander und Portugeſen/ die damalen zu Macaſlar waren/ befoͤrchtende/ daß wann dieſer Mord ungeſtrafft verbliebe/ ſich dieſe Einwohner nicht etwan an einem von jhnen raͤchen moͤchten/ bathen ſie den Konig/ daß er den Engellaͤnder zum Tod verurtheilte/ und bathen ihn ſo heftig/ daß er endlich darein willigte. Mein Bruder ware ſehr von dem Konig geliebet/ welcher wolte/ daß er von allen ſeinen Ergetzlichkeiten Theil hatte/ und abſonderlich wann es um das Trincken zu thun ware. So bald der Tod des Engellanders beſchloſſen ware/ ſagte der Konig zu meinem Bruder/ daß er ſolchen nicht lang wolte leiden laſſen/ und jhme zu gleicher Zeit die ungewohnliche Staͤrcke ſeines Giffts zu weiſen/ wolte er ſelbſten mit einem ſeiner Pfeilen nach dem Ubelthater ſchieſſen. Es ſeynd kleine vergifftete Pfeile/ ſo man durch ein Nagel⸗Rohr ſchieſſet/ und der Konig um zu gleicher Zeit ſeine Geſchicklichkeit ſehen zu laſſen/ befragte meinen Bruder/ in weichen Theil des Leibs er wolte/ daß er den Verurtheilten ſchieſſen ſolte. Mein Bruder/ welcher ſehr froh ware zu ſehen ob das/ was ihme der Konig von ber Geſchwindigkeit ſeines Giffts geſagt hatte/ wahr ware, bache ihtie ſolchen in den groſſen Zehen des rechten Fuſſes zu ſchieſſen/ welehes der Konig ſehr wol und mit einer verrwunderungs⸗ würdigen Geſchicklichkeit thate. Zwey Wundarzt einer von den Engellaͤndern/ und der anders von den Holländern/ hatten ſich dorten ferig gehalten/ jhme den Zehen hoch uber der Wü; den weg zu hauen/ aber ſie konten ſolches nich . ſo geſchicklich thun/ daß das Gifft/ welches geſchtwinder als ſie ware/ nicht ſchon das Heiß gewonnen hatte/ und der Engellander zu Rei cher Zeit ſtarbe. Alle Koͤnige und Fürsten von Orient/ ſuchen eben ſo wol mit grole Sorge ie ftarckſten Gißtt; und der König ven Achen verehrte eines Tags fünffzehen 9275 zwantzig dieſer vergifften Pfeile dem Her 1 Croker des Generals von Batavia, Line Abgeſandten/ und welcher ſeither das Hall 5 der Rechenſtube von Surate worden. 1 5 re ſchon etliche Jahre/ daß er dieſe Pfeile haf ohne daß er darauf gedacht halte/ te zu probieren/ und als ich eines Tags bey hie war ſchoſſen wir viel Eichhorn/ welche alfobal niderfiehlen/ nachdeme ſie gerroffen word h Der Konig von Macaſſar iſt ein Ma 4% Or 2 5 G 8 6 5 00 Die Jeſuiten hatten in dem Jahr 7000 1125 dtodt 0 91 ö iht ni N., Mac ſie metaner/ und er gibt nicht zu/ daß ſeine nu. 15 thanen den Chriſtlichen Glauben annehn 1 be 1 . Mittel erfunden/ zu Macaſſar eine zimlich ſchone Kirchen zu erbauen; aber das folgende Jahr lieſſe ſolche der Konig wieder einreiſſen/ auch der Dominicanern jhre ſo den Portugeſen/ welche in dieſes Land handelten/ dienten. Die Pfarz⸗Kirche ſo under dem Gewalt etlicher weltlicher Prieſtern iſt/ bliebe ſtehen/ bis die Hollander Macaſſar mit einem mächtigen Schiffs⸗Heer angriffen/ und welche durch Starcke der Waffen/ den Konig verpfichteten Ale Portugeſen auß ſeinem Land zu verjagen. Das uͤble Verhalten dieſes Fuͤrſten/ ware eines theils Urſache an dieſem Kriege/ zu welchem auch die Hollander durch die Empfindlichkeit ſo ſie hatten/ daß die Portugeſiſche Jeſuiten jhre Geſandſehafft in China sungeſturtzt atten/ angetrieben worden. Dann einer ſeiths thate man zu Macaſſar den Hollanderngroſſen Schimpf an/ bis gar einem hrer Abgeſandten/ welcher dahin kommen ware/ einige Buͤndnuß uit dem Honig aufzurichten/ den Hut auf den Boden zu werffen. Alſo daß die Hollander/ welche diefen Schimpf nicht verſchmertzen kondußgerichtet; u Ende des 1658. Jahrs/ haben der VorFeſetzte/ ant ſeinem Naht zu Batavia, einen von gen vornehmſten der Hollandiſchen Geſellhaft zu dem Konig in China geſandt. Nachde ken/ ſich entſchloſſen/ jhre Macht mit der Bouquiſes ihrer/ welche ſich wider jhren Fürſten emporet hatten/ zu vereinigen/ und ſich/ es koſte was es wolle/ eines ſo empfindlichen Schimpfes zu rachen. Anderſeits/ wie ich ſchon geagt habe/ waren ſie aueh durch die Portugeſiſche Jeſuiten ſehr bel gehalten worden/ welche durch ſhre Verſtandnuß verhindert/ daß die Abgeordnete/ ſo ſie dem Konig in China gechiet hatten/ nicht was ſie wol gewunſchet/ und ſolches geſchahe auf folgenme er zu Hofe mit ſchoͤnen Geſchencken angeHaunget/ hat er getrachtet ſich bey den Mandai nern/ welches die groſſen Herren des KönigVeh ge 0 t b h Vb ſeynd/ einzubringen/ um durch jhres 10 iel⸗Vermoͤgen die Erlaubnuß zu erlangen/ der China zu gewerben. Aber die Jeſtüter der Sprache kundig/ und den vornehmſten ofherren durch die lange Zeit/ ſo ſie in dem zugebracht/ bekant waren/ um zu verlindern, daß die Hollandiſche Geſellſchafft zu ache der Portugeſtſchen Volckerſchafft/ dez oiken nicht Fuß fetzke/ brachten viel Sachen an Königlichen Raht/ den Hollandern zum Schaden vor. Sie ſagten/ daß die Hollander zu Ceylan nicht gehalten/ was ſie dem Koönig der Inſal verſprochen/ namlich die Platze ſalzuradmen/ ſo ſie mit einander den Portuge„ be abgenommen hatten/ daß es treuloſe deute naten und daß ſie ein gleiches gegen dem Kovon achem nach Eroberung Malaca, und 0 vielen andern Fürſten der Moluquiſchen ö 8h gethan/ baß nachdeme ſie ſich des dn perſenen durch Verglichebemachtiget und Sie ſie den Tag jhres Lebens nach Netande hir zu erhalken/ haben ſie nichts Vlweniger diefelben michts mehr geachtet/ ſo Ihrer etlichen auß jhnen/ und ſo gar jhDrittes Buch. bald ſie jhrer Meiſter worden/ und daß ſie ſolche als Leibeigene/ in die Juul Maurica, Ebenholtz zu hauen/ verſchicket hatten. Nachdeme nun dieſe/ und viel andere dergleichen Sachen/ dem Königlichen Naht zu Ohren kommen/ iſt der Hollandiſche Bottſchaffter alſobald emlaſſen/ von China ohnverrichter Dingen abgereiſet. Als er durch einen Brieff/ ſo ein Außſpaher ihme ſeich ſeiner Abreis zugeſchrieben/ des ſchlimmen Poſſens/ den die Portugeſiſchen Jeſuiter jhme geſpielet/ berichtet worden/ hat er bey ſeiner Rückkunfft zu Batavia, den Vorgeſetzten und ſeinen Naht deſſen verſtändiget/ Die Holla welches ſie hafftig verdroſſen/ und zu offentli⸗ 10 11 20 cher Rache bewogen. Nach der Rechnung/ chen. ſo der Abgeordnete einlegte/ beliefen ſich die Reis⸗Koſten auf fünfftzig tauſend Thaler/ und ſie waren auf Mittel bedacht/ wie ſie ſolches wiederum zweyfacht durch die Portugeſen einbringen koͤnten. Sie wuſten/ daß die Jeſuiten alle Jahr in die Inſul Macao, und in das Königreich Macaſſar handelten/ und daß ſie auf jhre Rechnung bis auf ſechs oder ſieben beladene Schiffe/ mit allerhand Waaren/ ſo wol auß Indien als auß China, ſchickten. Nahmen alſo jhre 75 als die Schiffe zu Macaflar ankommen ſolten/ und den ſiebenden Brachmonat 1660. ſahe man zwey Schiffe von der Geſellſchafft in Hafen einlauffen/ und welche ſich genaheret um den Abzug der Hollander ſo zu Lande waren/ zu begunſtigen. Das SchiffsHeer beſtuhnde in mehr als dreyſſig Seglen/ und hatten in dem Eylande von Tanake ke, ſieben Meilen von Butagna Ancker geworffen. Der Konig ſahe ſich demnach verpflichtet/ ſich wider einde/ deren Macht er befoͤrchtete/ zu ber e 5 75 Darauß ein wehren/ und mit den Schiffen von Macao ſo in der Rhede waren/ verſuchte er auf etwas Zeit deme ber Streit ſich auf ein und anderer Seiten erhitzet/ zertheilten die Hollander jhr Schiffs⸗Heer/ und inzwiſchen daß dreyzehen Schiffe ſich an die Portugeſen machten/ beſchieſſen die andern die Veſtung unaufhoͤrlich/ welche ohne groſſen Widerſtand übergienge. Man haltet dar vor/ daß die Hollander ſelbiges Tags mehr als ſieben tauſend Stuck loßbrenten/ und daß ſich der Koͤnig ſo ſehr gefoͤrchtet/ daß er den Portugeſen befahle/ nimmer zu den Anfall der Holländern außzuſtehen. Nachſchieſſen/ damit der Feind nicht mehr ergrimmet wurde. Der Fuͤrſt Patinſaloa kame in dieſer Begebenheit um/ welches ein groſſer Verluſt vor den Koͤnig von Macaſſar ware/ welcher ſich bey ſeinen Nachbaren durch Anfüͤhrung dieſes Staats⸗Bedienten/ auf welch er ſich gantzlich verlieſſe/ zu foͤrchten gemacht hatte. Weilen ſich die Schiffe von Macao uͤber fallen/ und ohne Widerſtand befunden/ fehle es der Hol laͤndiſchen Flott nicht ſchwer die Portugefen zu zernichten; Sie verbranten ihnen drey Schiffe/ ſenekten zwey in Grund/ und nahmen eines mit ſehr reichen Jgaaxen beladen/ hinweg; und auf dieſe Weiſe iſt es/ daß die Hollaͤnder die Unkosten jhres Abgeordneten in China, mit groſſem Vortheil wieder einbeDen Der Koͤnig von Maceſlar wird genöhtiget Friede zu begehren Reisbeſchreibung in Indien/ Den breyzehenden Heumonat/ lieſſe der Koͤnig von Macaſſar Sumbaco genant/ au Forcht daß er ſich in der letſten Noht befinden mochte/ einen weiſſen Fahnen auf der Hohe einer andern Veſtung aufftecken/ alwo er von ſeinen Weibern umringet, dem Streit zuſahe. In waͤhrendem Stillſtand/ ſo jhme vergunſtiget worden/ ſchickte er einen von den Groſten ſeines Hofes/ zu dem General des Hollandiſchen Schiff⸗Heers/ um den Frieden an ihne zu begehren/ welches jhme nicht anders/ als mit dem Bedinge zugeſagt worden/ daß er einen Abgeſandten auf Batavia ſchickte/ daß er alle Portugeſen auß dem Eylande verjagen wolle/ und daß ſeine Underthanen nicht mehr mit ihnen handlen ſolten. i Weilen dann die Vergleichungs⸗Puncten zu Batavia durch das Oberhaubt und feinen Raht bekraͤfftiger werden ſolten/hatte der Koͤnig von Macaflar Galleern außruſten laſſen/ undd ſchickte dahin eilff ſeiner vornehmſten HofHerren/ mit ſſebenhundert Mann begleitet/ Und der Oberſte dieſer Geſandtſchafft/ ware des verſtorbenen Fürſten Parinſaloa Bruder. Sie ſolten dem General oder Vorgeſetzten zu Batavia; zweyhundert Gold⸗Brot/ die Königliche Veſtung wieder an ſich zu kauffen/ anbieten/ und waren beordert ſich allen Bedingnuſſen ſo die Hollander vorſchreiben wurden/ zu underwerffen/ wann ſie nur das Mahometiſche Geſetz nicht berührten. Nachdem der General bieſe Geſandtſchafft/ ſo jhme zu ſondern Ehren gereichte⸗ empfangen/ und ſich der Gelegenheit und des Gluckes feiner Waffen bediene/ hatte er ſelbſten die Vertrags⸗Articul aufgerichtet/ welche durch die Abgeſandten von Macaflar und erzeichnet/ und genau beobachtet worden. Dann alſobald Verlieſſen die Portugeſer das Land/ die einen in die Königreich Siam und Camboya, die andern aber nacher Macao und aa ſich hegebende. Macao ſo vor etlichen Jahren el von den beruhmſt⸗ und reicht Aufganges gehalten ward/ il na geweſen/ unnd gleich wie dieſes ber bete Ort/ ſo die Portugeſer damals ſelhiger Enden innhatten/ ware/ alſo gienge der Anschlag der Hollaͤndern dahin/ folchen allerdings zu verderben. 5 ö 5 tugeſiſchen Kaufleute nicht allein zu Macalla ſondern auch nahe bey Goa getroffen. Dann als der Obergufſichthaber der Hollandiſchen Rechenſtuube zu Mingrela z ſo nur acht Meile von dieſer Stadt gelegen den schlechten Erfolg der Hollaͤndern in China wrnommen/ iſt el ſeiner Seins guf die Mittel ſich zu rechen/ bedacht geweſen. Er wuſte wol daß die Jeſuſter von Goa, und andern 19 8 en Orken/ viel mit rohen Diamanlen/ ſo ſie in Europa ſchickren/ oder nit ſich nahlnen wann ſie nacher Portugal kehrten/ handelten. Dieſen Gewerb zu verderben/ ſandlen ſie einen oder zween under ihnen/ wie einen Faquier oder Indianiſchen Pilgram beine nigs von Vilapour/ und der Portugeſel. Es hat das Unglück die Jeſuiter und Porkleidet/ dahin/ welches ſie leicht thun konten 5 weiter ſie etliche Patres auß ihnen haben/ ſo in dem Lande geboren/ und in der Indianiſchen dune Sprache treſiich erfahren. Dieſes leide gen aquit der Faquirs beſtehet in einer Tygerhaut/ ſo ſie pere auf dem Rücken tragen/ und in einer Geiß Haut ſo jhnen einen Theil des Magens decket/ Und bis auf die Knie nunder hanget. Was die Mütze belanget/ haben ſie eine von Git oder Bockshaut/ deren vier Fuſſe auf die Sti ne/ Hals und Ohren/ ſo durchgeſtochen/ u durch welche ſie groſſe Cryſtalline Ringe zie hen/ herunder hangen. Ihre Beine ſeyub nackend/ haben groſſe hoͤltzerne Schuhe an den Huſſen/ und tragen einen groſſen Strauß von Pfauen⸗ Federn/ Ihnen hierdurch Luft zn machen/ und die Mucken zu vertreiben. f ich einsmals mit den Auguſtinern/ ſo an des Königs Hofe von Golconda ſich aufhalten in Geſellſchafft der Herren Leſcor und Rainn ſpeiſete/ trate einer von dieſen Jeſuitern/ ſo von Goa kame/ auf die Weiſe/ wie ich gemeldet angethan/ in die Kammer hinein/ er ſagte uns daß ſeine Reiſe auf St. Thomé, wegen bes Komglichen Statthalters zu Goa Geſchal ten/ hingienge; woruberich jhme verſetzte/ daß unnohtig ware ſich zu verkleiden ⸗ um durch gantz Indien zu reiſen/ und daß all ieee Geiſtliche/ was Ordens ſte auch ſehn mochten ſich bergeſtalt nicht verſtelllen. 5 Der Oberſt⸗Auffiehthaber der Rechen ſtube zu Mingrela, nahtme derowegen sei Seit ſich an den Jeſuitern zu rächen/ und als er verſtanden/ daß ihrer zwey waren/ ſo in 1 Gruben giengen/ um vor vier hundert tauſen Bardos Diainanten zu kauffen/ hat er zwenen Mannern/ ſo vor jhne dergleichen erhandelten befohlen/ daß ſo bald die Patres jhren Einkauf gethan/ ſie den Zollmneiſter von Bicho li, deſſen wat berichten ſollen. Bicholi iſt ein groſſer He e cken auf den Grantzen/ ſo die Lander des Noe a ſcheidet/ und iſt kein anderer Weg/ als don hin zu nehmen/ wellen man ncht anders ee den Fluß ſo das Eyland Sallete, alwo die Stadt Goa gehauet/ wachet/ durchſeken o, Als die barzes Jeſülter ſich eingebildet dal o, Zollner duchts von ihrem gethanen Kauffteer eg ſte/ haben ſie ſich zu Schiffe begeben/ un n den Fluß zu fahren/ und ſo bald ſie dach f weſen/ hat man ſie durchſuchet/ geſtaltalle Diamanten/ ſo bey jhme gefunden 1 Ich komme wirder zu dem Konig de, vage Macallar,, welchen die Ehrwürdigen te ga Jeſuiker zu bekehren/ underſtanden an ß Dielleicht geſchehen/ wann ſir das Bedingn 1 zu welchem er ſie verpflichtet/ zu erfüllen 15 ie auſſer Acht gelaſſen hatten. Dann ſol al 0 i ech bemüheren/ ihne zu dem Eheiſtenehun Flocken/ ſo bald kehrten die Mahon 10 ufa Seen gleiche Kräften ien de veumsgen ihr Geh ame(and dich wol wiſſend/ welehen Theil er rwe) 1 1 ö ſagte den Mahometanern/ daß ſieſhme z öder 15 l Drittes Buch. oder drey von ihren gelehrteſten Moullas auß der Mecqua kommen laſſen/ und den Jeſuitern/ daß ſie jhme gleichfals eben ſo viel von ihren uchtigſten Leuten ſchicken ſolten/ um dieſelbe Inzuhoͤren/ und ſich in beyden Glaubensbeantnuſſen zu underweiſen/ welches die einen und andern zu thun verſprochen. Aber die Mahometaner haben mehrern Fleiß/ als die Chriſten angewendet/ und acht Monat darNager z, Aach zween geſchickte oullas auß der Wlec. Na der qua mitgebracht/ als der Konig geſehen/ daß ball niemand von den Jeſuitern erſcheinte/ hat er ur bis ſich zu der Mahometaniſchen Lehre bekennet. Es iſt wahr/ daß drey Jahr hernach/ zween Jeſuiter auß Portugal nacher Macaſſar angelanget/ aber es ware zu ſpaͤht/ und der Konig nicht mehr in dem Stand einen Chriſten un de abzugeben. g da,„ Nachdem der König von Macaſſar ein lu Türck worden/ hat es den Füͤrſten ſeinen Bruer alſo verdroſſen/ daß er ſich nicht enthalten onen/ ſolches durch eine That/ ſo er begangen/ und jhme den Stoß gegeben/ zu erzeigen. Weil ſhme bekant/ daß die Mahometaner ſich vor em Schweine/ welches eine von den gewoͤhnlichen Speiſen der Abgoͤttiſchen zu Macaſſar it/ grauen laſſen/ ſo bald er geſehen/ daß die N von dem Koͤnig erbaute Moſquse zu Ende geacht/ iſt er zu einer Nacht hineingegangen/ und nachdem er zehen oder zwoͤlff Schweine gegenwartig abſtechen laſſen/ hat er nachgehends alle Winckel mit dem Blut beſprengen laſſen/ alſo daß die Mauren/ und der Ort/ wohin der Moulla ſich begiebet/ das Gebat zu berichten/ verwuſtet worden. Dieſem nach hat ſich der Koͤnig durch die Geſetze des laubens/ ſo er angenommen/ pflichtig befunö 0 die Moſquèe niderreiſſen/ und ein neue Vergegen aufrichten zu laſſen/ worüber der ürſt ſein Bruder/ ich mit etlichen anderen oigelc chen Herren hinweg gemacht/ und iſt on ſelbiger Zeit nicht mehr bey Hofe geſehen worden. N f 805 Dieſes iſt/ was ich ſonderlich von allen 8 onigreichen des Aufgangs/ ſo zwiſchen den rendern des Groß⸗Mogols/ und dem Koͤnigde China, von welchem ich zimlich gute Gelen ezedel hab/ igen vernehmen können; weidach aber we/ daß jhrer viel weitlluftig ü denvon geſchrieben/ halte ich dar vor/ es werde 1 em Leſer beliebiger ſeyn/ wann ich in ErzehO meiner Reiſen fortſetzen/ und ihn von . heuben o ich mit meinen eigenen Augen geen/ berichten werde. c Das XV. Capitel. Der Author ſetzet ſeine Reiſe in Orient fort/ und begibt ſich zu NMingrela zu Schiffe nacher Batavia; die Gefahr bo er auf der See außgeſtanden/ und i Un Ankunfft in das Eyland Ceylan. Ch verreiſte von Mingrela einem groſſen Flecken/ des Koͤnigreichs von Vilapour, gcht Meilen von Goa, den geflochten/ zu ſehen waren. 191 vierzehenden Aprill⸗Monats 1648. und begabe mich auf ein e Schiff/ ſo mit Seiden auß Perſien beladen/ nacher Batavia ſegelte. Es ware beordert in ſeiner Durchfahrt Ancker zu Ba kanor zu werffen/ um Reiß zu laden/ und wir kamen den 18. gemeldten Monats aldorten an. Ich ware mit dem Haubt⸗ Koffet zun mann zu Lande geſtijegen/ welcher den Konig dae von beſuchte/ um die Bewilligung zu erhalten Reiß 5 mit zu nehmen/ welches er jhme gern geſtattere. Wir haben bey drey Meilen den Strohm wieder hinauf fahren muſſen/ und fanden dieſen Koͤnig langs dem Waſſer nach/ alwo nur zehen oder zwoͤlff Hütten von Palm⸗Aeſten Er lage in ſeiner Kammer auf einem Perſiſchen Teppich/ und wir ſahen bey jhme fünff oder ſechs Weiber/ deren die einen jhne mit Wadeln von PfauenFedern gemacht/ anweheten/ die andern ſtellten ihme die Berle dar/ und fuͤllten die Taback⸗Pfeiffen an. Die Vornehmſten des Landes waren in den anderen Hutten/ und wir zehleten nahe bey zweyhundert Mann/ deren der meiſte Theil mit Bogen und Pfeilen verſehen waren. Sie hatten auch zween Elephanten bey ſich. Es ſcheinet/ daß ſie anderswo eine Wohnung gehabt/ und daß ſie nur dahin kommen waren/ die Kühle ſo die Baume und etliche Bächlein mittheilen/ zu genieſſen. Nachdem wir den Koͤnig verlaſſen/ und uns wieder in unſere Schaluppe begeben/ hat er uns zwoͤlff Huner und 12 8 ſechs Maaß Palmen⸗Wein verehren laſſen. Wir kamen noch ſelbigen Abend noch eine Meile Wegs in ein Doͤrflein/ alwo nur drey oder vier Hauſer waren/ und hatten mit uns einen guten Vorraht von unſerm Schiffe genommen. Nachdeme wir aldorten die Nacht uͤber außgeraſtet/ und zur Abreiſe fertig waren/ ſahen wir am Morgen auf dem Waſſer einen von unſeren Schiffern mit drey oder vier jungen Leuten/ ſo uns entgegen kamen/ und was zum Frühſtücke mitbrachten. Als ſie zu Land außgeſtiegen/ und wir zu fruͤhſtücken begunten/ begehrten ſie Tari oder Palmen⸗Wein/ und der Huͤttenmeiſter alwo wir uͤbernachtet/ bote ſich an vom beſten zu bringen/ uns aber darbey warnende/ daß er ſtarck ware/ und vielleicht das Hirn mit dampfen anfullen mochte. Wor⸗ Der palmauf unſere Bootsknechte ſeiner lachten/ weil ſie 5 5 oft dar von trancken/ und daß deren etliche ohne tranck. Ungelegenheit viel darvon ſchluckten. Weil aber der ſelbe/ ſe bald er auß dem Baume ge. preſſet/ getruncken wird/ und man jhne nicht ſieden laßt/ wann man zu viel dar von trincket/ fühlet man jhne in dem Kopf. Als nun dieſer Baursmann eine Maaß von ſeinenn PalmWein gebracht/ nahme ein jeder ſo viel er wolte/ ju ſich/ der eine drey Glaſer/ der ander vier oder fünff/ und ich vernügte mich mit einem allein/ ſo bey einem Schoppen halten konte. Aber wir bekamen alle/ die Warheit zu bekennen/ ein ſo groſſes Kopfwehe/ daß wir zween Tag darmit behafftet geweſen. Wir fragten die Landsleute/ warum dieſer Wein uns alſo wehe gethan/ und ſie ſagten/ daß dieſes diele wei 1092 weilen ſte den Pfeffer um die Palmenbaurne herum pflantzten/ und dieſes ware es/ ſo dieſen Wein alſo verſtarckte. Wir waren noch ein wenig darvon betaͤubet/ als wir dem Geſtade wieder zugiengen/ alwo ein Landpfleger alſobald zu uns kame/ den Preis des Reiſes zu machen/ und zu wiſſen/ wie viel man haben wolte. Sie muſten den Reiß ein wenig weit herbringen/ welches uns ſehr verdroſſe/ weilen die Winde ſich zu endern begunten/ und der Haubtmann nicht verreiſen wolte/ er hatte dann zuvor den nohtwendigen Vorraht geDen 28. bis auf den 29. des Nachts/ fienge der Wind an ſich zu endern/ und die Schiffleute ſagten dem Haubtmann/ ſie haͤtten die Indianiſchen Kuͤſten noch nicht erfahren/ man muͤſte die Ancker richten und die Segel aufſpannen/ obſchon wir unſeren Carguaiſon oder Vorraht/ noch nicht vollkommen hatten; aber der Haubtmann wolte niemals einwilligen/ ſagend/ das Waſſer gienge uns ab. Nachdem der Wind die gantze Nacht hindurch ſtarck gewaͤhet/ hat er ſich des andern Tags ein wenig gelegt/ alſo daß man nicht underlaſſen Reiß zu laden. Den Tag hernach haben wir den Haubtmann ſehr zur Abfahrt genohtiget/ und als er geſehen/ daß jederman murrete/ hat er die zwo Schaluppen geſchickt Waſſer zu faſſen. Aber ſie ſind nicht ſo bald an den Mund des Fluſſes gelanget/ da hat der Wind alſo grauſam anfangen zu blaſen/ daß die Bootsknechte ſich in aller Eyl ohne Waſeer/ zuruck begeben/ welches ſie mit groſſer Mühe/ und in Gefahr verlohren zu gehen/ verrichtet. Als ſie angelaͤndet/ hat man die zwey Beyſchifflein oder Schaluppen/ der Gewonheit nach/ hinden an das Schiff gebunden/ und das Groſſe mit vierzehen Mann beſetzt/ um ſolches zuruck zu halten/ und zu verhindern/ daß es nicht von den Waſſerwogen geſchlagen/ an dem Schiffe zerſcheiterte. Wir begunten alsdann den Ancker aufzuheben/ aber indem der Wind je langer je mehr zunahme/ und ſich widrig erzeigte/ ſeynd von in Sturm dreyſſig oder. viertzig Mannen/ ſo um die br Windmühlen herum waren/ mehr als zwoͤlff Schuffleute. von den Stangen beſchaͤdiget worden/ weillen der Seegewalt ſie zuruck getrieben hatte. Als nun auch der Haubtmann hand anlegen wolte/ um etwas an dem Schiff⸗Seile zu verbeſſern/ iſt ſeine Hand gantz zerknirſchet worden. Enblichen iſt das Meer alſo wütend worden/ daß an ſtatt die Ancker aufzuheben/ man gezwungen wurde andere außzuwerffen/ weilen der Wind uns dem Land zuſtoſſete. Damalen ftenge ein jeder ernſtlich auf ſein Gewiſſen zu gedencken/ und man hielte innerhalb zweyen Stunden dreymal das Geha. Um Mitternacht hatten wir alle unſere Ancker bis auf ſieben verlohren/ dergeſtalmehr hatten/ und nichts anSie wolten wieder abfahren. len/ daß wir keine zufangen wuſten. Unſere Ruderer ſehrien uns zu/ daß ein ſeder ſich zu erretten bedacht ſeyn ſolte/ ſo bald das Schiff die Erden beruhzen wurde/ und ſie legten ſich auß SchwachReisbeſchreibung in Indien heit auf ihre Bethe. Es ware ſchon lange ere daß der Haubtmann auf dem ſeinigen lage/ ſohwegen des groſſen Schmiertzens den jhme ſeine Hand verurſachte/ welche ſich in einem erbaͤrmlichen Stand befande. Was mich betrifft/ weilen der Mond ſchiene/ ſteurte! mich mit dem Elebogen auf den Rand des Schiffes/ den Wellen/ welche ſolches dem Ufer zutrieben/ zuſchauende. Als ich in die. ſer Stellung ware/ ſtieſſe das Schiff auß Land/ und damalen glaubte ein jeder/ daß es ſich eröffnet hatte. In ſelbigem Augenblick kamen mir zwey Ruderknechte ſagen/ daß ic) mich nichts befoͤrchten ſolte/ und daß ſie ſich/ uns zu erretten/ beffeiſſen wolten; alleine/ wann uns Gott die Gnade thate/ daß wir zu Lande kommen/ muſte ich gegen jhrer Muhe mich e erkantlich beweiſen. Ich ermahnte ſie/ jh 10 moglichſtes zu unſerer Errektung anzuwen⸗ ae 7 den/ jhnen ſagende/ daß fünffhundert Thaler wa ſo bald wir zu Lande waren/ hre Belohnung 6 ſeyn ſolten. Es waren ſolche zwey Hambulger/ welche mich vor dieſem im Bender Abas lis und zu Surate geſehen hatten; ſie wuſten auch wol/ daß jch alle meine Waaren bey mir truge/ und daß ich weder Kameele noch Mauleſel ſolche zu tragen noͤhtig hatte. G bald ich jhnen dieſe Summa verheiſſen hatte f bemeiſterken ſie ſich eines Stuck Holtzes 10 groß als ein Schenckel/ und zehen oder zwo Schuh lang/ an welches ſie an fünff oder ſechs Orten groſſe Seiler anbunden/ welche ſſe nicht mehr als drey oder vier Schuh lang lie ſen. Als ſie daran arbeiteten/ hatte ich die Augen allzeit gegen Land gekehret/ und wurd? jnnen/ daß das Schiff nicht mehr gerad wie zuvor/ gienge. Ich befürchtete auch/ daß dieſe nur die Finſtere ware/ ſo mir ſolches einbildeteweilen der Mond anfienge under zu gehen. Je gienge zugleich die Bouffole oder Compaß zu beſchen/ um ſolches zu erfahren/ und befande twürcklich/ daß der Wind ſich gantz genden und von dem Land kame. Alsbald ſchrheich 5 den Bootsleuten zu/ daß der Wind gut/ 1 1 auf der Bootsmann(welcher der/ ſo das 90 5 E Schiff regieret) mit groſſem Geſchrey a„ Bootsgeſellen ruffte. Er ruffte auch dene Tännern, welche man in die groſſe Scha, pen oder Beyſchifflein gerhan hatte/ ven d nend/ daß ſie noch darinn waren; aber niet antwortete; und ſahen wir hey anbrechen Tag/ daß das Schiff⸗Seil zerbrochen wee und konte man niemals nicht erfahren/ wos ſe Leute hinkommen ſeynd. Den Capitale kreffent konte er nicht aufſtehen wegen een groſſen Fiebers/ welches jhme der Schme⸗ ier ſo er an ſeiner Hand hatte/ verurſachet. 510 auf nahme ein jeder Muht/ obwolen mie in Sorgen ſtühnde/ wie man das Schi en gieren wolte weilen das Schiff Jude ue oben zerbrochen ware. Um aber dieſem e, zu helffen/ lieſſe der Schiffer einen Heiter e 1 gel aufſpannen/ welchen mau bald zul 10 el bald zur andern Seiten zoge/ nachdem das ches befahle/ und bande man ein Sa 15 Schiff⸗Nuder/ um ſelbiges zu leiten; Drittes Buch. 1 es war oben gebrochen. Endlich hat ſich der 5 dunckel wegen des Mondes ſo untergegangen logge enzehr pflegte der Wind ſich zuerkühlen/ und jederman danckte deßwegen Gott. Wir waren dannoch nicht aller Entſetzung befreyet/ welen vir vor dreyen groſſen Felſen vori 1 mußten/ welche ſehr hoch auff dem Meer 95 ſebd Heinen ſo wir aber wegen dunckle 0 Na ht wicht ſehen konten. Wann man 8 inden Hafen kordrant/ allwo wir den Reiß gedimmen/ iſt man nich gewohnt vor dieſen ellen durchzufahren/ Une Hauptman ae nachdem er geſehen daß er weine Zeit übrig hatte zuladen/ hat er ſein Schiff/ ſo vin moͤg100 geweſen dem Mund deß Fluſſes naheren lalſen/ um denen ſo den Reiß dahin trugen/ und hiedurch ein mehreres verꝛichten konten/ einee Koſcſichkeit zu verschaffen. Endlich hat We ans Gott die Gnade gethan/ daß wir bey guoſſendem Tage uns drey oder vier Meile von den Lande befanden. Alsdann iſt man zu Aaht gegangen umb zu wiſſen wohin man ſich enden ſolt/ weilen wir keine Ancker mehr haren. Die einen waren der Meynung/ daß man ider naher Goa umb zu überwintern kehren/ e andere aber/ daß wir naher Ponte de Gal. esſpelches die erſte Statt/ ſo die Hollander en Portugeſern in der Inſul Ceylan abgenommen/ uns begeben ſolten; dann der Weg gare allerſeits gleich/ und der Wind uns ſo ahl zu einem als dem andern Ort günſtig. Meine Meynung war/ daß man nicht auff doe wohl aber auff Ponté de Galle zuſchifü 1 ſolte/ weil zu beſorgen daß die Bootsknecht/ ſeadein trincken unkerworſſen nicht etwas Aten oder thaäten das der inguilirion oder 5 gchforſchung anhaͤngig were/ zu dem daß 15 fte Saat viel Gelegenheiten zur Uppigbes, obhanden/ und wann man ſich zur See i Ger mußte/ villeicht kein einiger ſich in dem Vochiff befuden wurde. So man aber auff ca de Galle zureiſete/ wäre man auß der Hbſahr; und eben ſo viel als wan man naher Nh ern e gienge/ weilen man die Reiſe fort zuin 0 n Schiff endern konte/ welches auch ge1 ſöhen, Unterdeſſen waren wir allzeit in der dige daß nicht ein Ungewitter darauff erwir k. und uns an das Land wurffe/ weilen teh. en Ancker hatten das Schiff anzuhalb funde den Bootsknechten ſo wir hatten/ beil e ſich zu allem Glück einer/ welcher ſeit det Jahren her auff dem Schiff gedient/ 88 1 ſagte daß gewißlich in dem underſten 0 deß Schiffes ein ſehr ſchwerer Ancker aua e aber nur einen Arm hatte/ man verbf ſwwar ſelben zu haben/ aber man ſahe/ bee daher nicht zubekommen ware twegen der icht 0 Waaren ſo in dem Schiffe lagena kugſſtowentger war man bedacht alle hera 81 Amer und vier oder fünf ſehr erfahrne Nr!. Heſelſehafft gearbeſtek und wider nabie Aaken kehrten/ ſagken/ daß wann man e 9 kiehen konte/ ſe dieſela Theile N N s at en in Nordoſt verwandlet/ und jemehr die Nacht zeifter ſo an der Hütten zu Gimron be eben ſo wohl als wann ſie zrween Aerm haͤtte/ zuruͤſten wolten/ welches ſie gethan und in zweyen Tagen waren die Ancker und das Steür⸗ruder in dem Stand ſich deren zubedienen. Er hat drey oder vier Kuſten Sciratiſchen Weins gekoſtet/ ſo man allen denjenigen/ welche die Wagren zu bewegen/ und die Ancker außzuziehen Hand angelegt hatten/ außgetheilet/ damit ſie Muth faßten wohl zu arbeiten. 1 Acht Tag darnach erkanten wir/ daß wir vor Ponte de Galle waren/ und wir lieſſen einen unſerer Seglen nder/ um den Hafen einen von den gefaͤhrlichſten ſo in gantz Indien iſt/ wegen den Felſen/ ſo an vielen Orteßdem Waſſer gleich ſich befinden/ u erꝛeichen. Welches Urſach iſt/ daß ſo bald man ein Schiff in dem Meer erdlicket/ der Befehlhaber alſo bald zwey Ruderknechte ſolches zu leiten und an das Port zu fuhren/ außſchicket.Aber weilen uns das Wetter und Meer vortheilig genug waren/ beobachteten weder der Schiffhauptman/ noch die Schiffleuthe ſo niemal an diſem Ort geweſen waren/ daß wir die Steinklippen ſo ſie dem Lande naher zu ſeyn vermeinten ſchon vorbey gefahren hatten/ und weilen wir keine Bootsleuthe/ um unſer Schiff an das Uiſer zu fuͤhren kommen ſahen/ kehrten wir wider in das Meer um/ welches den Befehlhaber und die Schiffleuthe ſehr wunder nahme/ wel⸗ Werben kz che weil ſie ſahen daß wir der Gefahr entrun⸗ hen nen uns nicht entgegen gekommen waren. Der Wind fienge damahlen an ſich zu veraͤnderen/ und triebe uns neun oder zehen Meilen zuruck in das Meer/ und alſo kwaren wir genoͤtiget/ zwey oder drey Tage anzulaͤnden/ ohne das wir in dem Hafen anlangen konten. Wann der Wind uns ein wenig weiter in das Meer getrieben hatte/ waren wir gezwungen geweſen zu Maſſipatan in den Bengaliſchen Meerbuſen außzuwinteren. Nach deme die Schiffleuthe von Ponte de Galle uns abgeholet hatten/ lieffen wir in dem Hafen eyn/ und ſtiegen den 12. Mayen an das Land guß. Ich gienge alſobalden den Befehlhaber Macdſuere; welcher anjetzo General zu Batavia iſt/ zu beſuchen/ und er thate mir die Ehre/ ſo lange ich daſelbſten ware/ daß ich alle Tage bey ihme ſpeiſen mußte.. Ich befande nichts merekwuͤrdiges in dieſer Bratt, und es iſt faſt nichts als die eingefallene Mauren/ ſo die Untergrabungen und Stuck Kuglen verurſachet haben/ als die Hollaͤnder ſolche belagert/ und die Portugeſen darauß verjagt. Die Geſellſchafft gabe denen ſo dorten wohnen wolten/ Feld und Platze darauf zu bauen/ und hatten ſchon zwey gute Paſteyen darauß man den Hafen beſchieſſen kon te/ machen laſſen. Wann ſie den Anschlag ſto ſie vorhatten vollendet haben/ wird dieſe Statt ein guter Ort worden ſenn Che die Hollander alle Platz ſo die Portugeſen in der Inſul Ceylan hatten/ auß kwelchen ſie ſolche gänglich vertrieben/ wegnahmen, beredken ſte ſich daß die Handelſchaft dieſes Eylandes ihnen unerſchazliche Sum. 9 men Kolmitten aber endlich in den HaRe N 95 mit dei 0 Reißbeſchreibung in Indien/ 5 men eintragen wurde/ wañ ſie deſſen einig Herren waren; welches villeicht geſchehen were/ wañ ſie den Verglich/ ſo ſie mit dem König von Candy, deme ſelbiges Land gehoͤrig/ gemacht hatten/ als ſie anfiengen wider die Portugeſen Krieg zu führen/ gehalten hatten. Aber ſie hielten jhme jhr Wort nicht/ und ſolches brachte ſte in allen Orten in ein boͤſes Geſchrey. Die Bundnuß mit dem Konig von CanHolländern dy, beſtunde in folgendem Inhalt/ daß die 10 Can ſer Konig allezeit mit achtzehn oder zwantzig tauſend Mann an den Paäſſen ſich auff halten ſolle/ umb die Huͤlffs⸗Volcker ſo von Colom bo, Negambe, Manar und andern Orten/ ſo die Portugeſen nach der Lange deß Strands haben herkommen koͤnten/ auffzuhalten und zuverhindern. Daß die Hollander auff ſhren groſſen Schiffen ſo viel Volcks dahin fahren ſolten biß ſie genug hatten/ Ponte de Galle ſo wohl zu Land als Waſſer zu belagern. Sie kamen auch mit bein Köllig von achert Uberein/ daß er den Strand mit einer genugſamen Anzahl kleiner bewaffneten Jagſchiffen bewahren ſolte/ wie er dann auch delen eine gute Anzahl erhaltet. Nach dem die Hollander die Statt eingenommen/ haben ſie ange fangen etliche niedergeſtoſſene Mauren zu verbeſſeren⸗ welches als der König von Candy geſehen hat er zu wiſſen begehrt/ wann er in die Statt kommen koͤnte um ſie in beſttzung zu nehmen. Dann der Vertrag beſtunde in dieſem/ daß im fall die Hollander die Statt einnehmen/ ſie ſolche Konig zuſtellen/ welcher ihnen zur vergelalle Jahr eine gewiſſe menge Zitnet geben / und im fall der Noth ihnen mit dem was e moglich were/ beyſpringen. Die ⸗Holantworteten deme/ ſo der Koͤnig ihnen bickt/ daß ſie jhme die Statt zuzuſtellen zu frieden weren/ ſo fern er Ihnen die KriegsKoͤſten/ welche ſie auff viel Million rechneten/ bezahlen wolte; allein wann er drey Konigreiche/ wie das ſeinige iſt/ hatte/ koͤnte er doch nicht den halben Theil dieſer Summa bezahlen. Das Gelt iſt in der Tit ſehr ſeltzam im ſelbigen Lande/ und ich glaube nicht/ daß der Koͤnig jemahlen funfftzigtauſent Thaler beyſammen geſehen habe. Alle ſeine Handelſchafft beſtehet in nichts alß Zimmer und Elefanten Aber ſeit die Hollander i Indien geweſen ſindhar er gau keinen Gewinn gehabt. Was bie Elefanten betrifft/ bringt ſolches wenig/ dann man rimmt wenig mehr im Jahr als fünf oder ſechs; allein werden ſolche auch mehr als alle Elefanten anderer Landern geſchaßzet/ weil ſie in dem Krieg hertzhafftiger ſind; auch gibt es wenig Kong in Indien die ſich nicht bemühen ſolcher zu haben. Es iſt hier eine Scgche zumercken/ welche man villeicht ſchtwerlch glauben wird/ welche aber dannoch ſehr wahrhafftig iſt/ das iſt/ wann ettvaun ein König öder Herz einen von dieſen Elefanten von Ceylan hat/ und daß inan einen anderen von den Orten wo die Kauffleuthe ſte holen/ herführet/ als wie von Achen, Siam, Arakam, Pegu, auß den Königreichen Bouran und Alem; auß dem Lande Coch im und dem Stande von Baelinde, ſo bald dieſe Elefanten einen von Ceylan erblicken/ machen ſie jhme auß natürlichem Antrib eine Reverentz n deme ſie den Ruſſel gegen dem Boden ne, gen und wieder erheben. Es iſt wahr daß die Elephanten ſo die groſſen Herꝛen unterhalten wan manſolche zubeſchauen ob ſie fett ſeyn ge ſte führet/ machen dreymahl mit ihrer Kl, ſel eine Gattung Reverentz/ ſo 10h fer malen geſehen; allein ſeyn ſolche Zu zen getwehnt an ſhre Meiſter lehren solches bey guter ee Der Konig von chen welchem die Hollander das Wort guch nicht hielten/ hatte mehr Gelegenheit ſich zu rächen als der Konig oo Candy, weilen die Hollander des Pfeffers, ſo in feinem Lande waͤchßt nicht encbehren konnen/ hat er Ihnen lange zeit keinen folgen da 1 ſen/ ſondern ſo gar den Krieg angekündet/ and 0 g ohne dieſen Pfeffer gehet ihre: Handlung nicht gcgen wohl von ſtatten. Dieſes iſt der Pfeffer fo den, wir klein heiſſen/ und welchen alle Morgen gen laͤndiſche Volcker haben wollen/ maſſen ſie denſelben weder ſtoſſen noch brechen/ ſondenn gantz auff hre platten voll Jeiß/ wie ich anden werts geſagt/ legen. Sie ſind aber endlich genoͤhtiget worden ſich mit dem Koyig von Achen zu vergleichen/ und haben deßwegen Geſandte von ein und andrer Seiten geſchieckkder/ ſo von dem Konig von Batavia geſalbn iſt mit groſſer Herelichkeit empfangen worden. Als er verꝛeiſen wollen/ hat ihne der Senenzu Batavia ſemnnt dem Naht ſtattlich geſſen ſet/ unnd das Frauenzimmer hatte ſich auch du Tiſche geſehhet/ ab welchem ſich dieſer M at de metariſche Bottſchaffter/ ſo nicht gewobene ware die Weſber mit den emen krincken agg 15 ü men f 0 a 0 1 H 0 0 . n Abga und eſſen zu ſehen/ ſehr verwunderte; was ih 50 aber noch mehr beſturtzt/ war/ daß zu Ende de Mahlzeit/ nachdem man viel Geſundheiten N fu, truncken hatte/ man auch der Königin von i chen, ſo den Stat/ zeit wahrender minderſchligkeit des Königs ihres Sohns regierte ah truncken/ und daß Hr. General gewoll 55 die Generalin ſein grau/ jhur deſto mehr zi 175 ehren/ den Abgeſandten küſſen ſolte. 885 5 ben der Konig und die Königin von„zn; den Abgeſandten/ ſo jhnen von Bata ve 115 geſchickt worden/ nicht weniger emp ah Es war der Her? Croc, welcher ſeit fun Ja ren mit einer außzehrenden Krankheit bee tet/ und man verlneynte/ daß ihne mit ke langſamen Cifft ware vergeben worden der dritten Verhör ſo er von dem Ko habt/ welcher wußte/ daß er ſeit! ſein Leben in Schwermuhtigkeit und bor ö zubrachte/ fragt ihn der Konig ob er ſüce ane 900% diſem eine Dirne des Landes erhalten u u 100 er ſolche verlaſſen/ ob er ſie frey willig ode daß dan Gewalt verſchicket. Er bekandte dargen be 0 er dieſelbe/ Um fich in ihrem Lande zu ee rahten von ſich gelaſſen; und daß v Stunde an er allezeit kranck und, erkenn N gl e 1 3 728 2 2 7. 1 geweſen. Auff dieſes hat der Konig di egen, 1 ſeinen Artzneh⸗perſtandigen o um 0 gesagt/ daß weilen ſie die fach der K , 10 15 g 0 0 0 Drittes Buch. des Abgeſundten verſtanden/ er jhnen fünfzehen Tag gebe ſolchen zuheilen/ und wann ſie nerhalb dieſer Zeit ſolches nicht then/ wolte er ſie ale hinrichten laſſen. Als die Aertzte den Konig verſichert/ daß ſie vor des Abgeanden geneſen gut ſpraͤchen/ wann er die Mitbel ſo ſie hme geben wurden/ nehmen wolte/ gadlich der Her ꝛ roc dahin entſchloſſen. Sie bende dne am Morgen ein Getraͤnck und Agen ſt ine Pululen/ und innerhalb neun Taga 5 ſte jhne ein groſſes Speien an/ man übte daß er wegen deß groſſencewalts ſteren wurde/ endlichen aber hat er Haar einer gelten Nuß groß geſpeyen/ worauff er alſod geneſen. Dieſern nach hal ihne der Konig auff die ſagt des Naßhorns geführt/ und beehrt daß er dem Thier den Todesfang geben ſoͤlke. Nachdem ſolches erlegen/ hat man jhme das Horn abgeſchnitten/ weiches der Koni auch dem Abgeſandten verehret/ und nach vollendeter Jagt iſt eine groſſe Gaſterey gehalten worden/ zu Ende derſelben hat der onig die Geſundheit des Oeneralen und ſeier Frauen von Batavia getruncken/ und eine don ſeinen Weibern kommen laſſen/ welche er Abgeſandte zugleich hat müſſen küſſen. Vor ſeiner Abreiſe hat er jhme einen Kiſelſtein o groß als ein Ganſ⸗Ey geſchencket/ alwo man groſſe Gold⸗Adern/ wie man die Span⸗Adern auff den Händen des Menſchen ſthet/ geſehen/ Wa, und alſo folget/ das Gold im ſelbigen Lande Wehen wachſe. Nachdeme Her: Croc OberaufNi, ſcchthaber der Rechenſtube zu Surate geweſeniel dat er den Stein durch die Mitte zerbrechen laſſen/ und den halben Theil Herꝛen Conſtant gegeben/ welcher alldorten nach jhme die Oerſtelle hatte/ und welchem ich dar vor bey ener Ruckkunft in Holland hundert und fünf10 Duplonen bezahlen wollen/ umd solehen ihr Fürſtl. Durchl. Herzogen zu Orleans zu kerchuen/ aber er wolte denſelben nichk verDas XXI. Capitel. breiſe des Authors von der Inſul . und ſeine Ankunfft zu Bataia. En aß. Heumonat ſind wir von Pon e de Calle auff einem anderen Schiff/ als auff weichem wir gekomeg beg, men waren verzeiſer/ wellen nach dem d beſichtiget/ befunden worden/ daß man ſich ſte en ohne Gefahr nicht bedienen konte gelen alle Waaren abgeladen und in das jeni8 gaworauff wir uns naher Bata via hegeben/ dagen Hllegt worden. i„„ eee din den 2. Brachmonat haben wir über die t 1 5 geſetzt/ und den 6. ſind wir der Inſel F. arasos genant/ auſichtig worden. Den 18 haben wir die Küſte von Sumatra, den fe Por nul Ingagna, und den 19. die In970 950 entdecket. Den 20. haben wir fade kleine Inſuln/ und den Strand a geſehen/ und unter dieſen Inſuln ſind drey ſo man die Eyländer des Fürſtens nennet. Den 21. iſt uns Bantam zu Geſichte kommen und den 22. haben wir die Ancker an die Reede zu Batavia geworffen. Des andern tages bin ich ab/ und an das Lande geſtigen/ und hab den Gruß bey Herꝛen Geneſichthaber/ der andern Perſon des Rahtes ab⸗ Seine Ac; gelegt. f 5 e Den 25. zween Tag nach meiner Ankunft hak mich der General durch einen von ſeiner Leibwacht zu der Mittags ⸗mahlzeit eimladen laſſen/ alwo ſich Her: Caren zween andere Nahtsherꝛenund des Oberkeitlichen Schatzes Vorſprech der Major und ihre Weiber befunden. So lang wir zu Tiſche geſeſſen, hat man allein von Außlaͤndiſchen Zeitungen/ und abſonderlich von des Koͤnigs in Perſien g Hoffhaltung geredet/ nach dem Eſſen aber hat man ſich auff dem Brett⸗ Spiel biß gegen der Kühle erluſtigetz nachgehends iſt man vor die Statte hinauß dem Fluſſe nach/ alwo es ſchoͤne Oerter zu Baden abgibt/ ſpatzieren gangen. Was den Herzen Seneralen betrifft/ hat er ſich in fein Geheim Stuͤblein begeben und mich gebetten jhme nachzufolgen. Nachdeme wir eine zeitlang von gleichgültigen Dingen/ geſprache gehalten/ hat er mich gefragt warum ich naher Batavia gekommen ſeye. Darauff gab ich jhme zur Anlwort/ daß ich inſonderheit mich dahin begeben/ um eine ſo beruͤhmte Statt zu ſehen und in dem ich die Gelegenheit gefunden der Geſellſchafft/ auff die bitte/ ſo der Oberauffſicht⸗ 5 haber der Rechen⸗ftuben zu Aingrela, an mich gethan/ bedient zu ſeyn/ ware ich veranlaſſen worden die Reiſe vorzunehmen/ wie er dann Ererdener ſolches auß dem Brieffe ſo an jhne geſchrieben ich jhme/ weil mich der Befehlhaber zu Min. Sachen, grela darum gebetten/ was eine Portugeſiſche Geſellſchafft oder Reißfahrt/ ſo das Ungewitter in einen kleinen Meerbuſen/ dreiſſig Meile von dem Borgebirge Boner ſpei, ober guter hoffnung geworffen(wie ich dieſe Geſchichte der länge nach in der Beſchreibung der Statt Goa gemeldet) geſehen und entdeckt habe. Der Befehlhaber glaubte/ daß der General dieſer Enden ein kleines Schifflein hin ſchicken konte; und ich/ in deme ſch jhme dieſe Zeitung brächte/ auch der Geſellſchafft einen Dienſt leiſtete; und es ware auch auf dieſes abgeſehen/ daß er mir eine Fahrt in einem Schiffe ſo in der Mingreliſchen Reede war/ anerbiete. Nach deme ich dem General von dieſen Haͤndlen bericht ertheilet/ bedanckte er ſich gegen mich gantz kallſinnig/ alß einer ſache von ſchlechter Wichtigkeit/ obwohl ich ſeitherd erfahren/ daß er dieſen kleinen Meerbuſen zu ſuchen außgeſchickt hatte/ aber man konte ſolchen nicht finden. Mach aner halbſtündigen uuderzedung verlieſſe ich ihne in ſeinem Geheitn⸗ſtüblein/ alwo zu gleicher zeit drey Rahtsherꝛen eingiengen/ und wie ich herauß gienge/ ruffte er mir nach/ daß wann ich ein wenig gebult haben wolte/ wolfen wir mit * 2 i einandemGenergl f 725 25 f e dafelbſt erltworden/ abfaſſen koͤßen. Dieſem nach erzeylte cheNutzlſche nerals Praͤchtiger Aufßzug des Hollaͤndiſchen Generals zu Bababig. 196 einanderen ein wenig auſſer die Statt Luſt wandlen. Ich verfuͤgte mich entzwiſchen zu der Frau Generalin, und anderen Frauen ſo jhro Geſellſchafft hielten/ und nach verflieſſung einer Stund/ fiengen zwey Trompeter an zu blaſen. Der Herz General und ſeine Gemaßlin ſamt 4. Rahtsherꝛen⸗Weibern ſtiegen in eine Gutſchen mit 6. Pferden/ und die Rahtsherꝛen begaben ſich zu Pferd. Mann fuhrte mir auch eines herzu auff die Perſiſche art geſattelt und gezaͤumt/ und deſſen gantze Außruͤſtung ware ſehr anmutig. Es ſeind allezeit viertzig oder fuͤnfftzig Reithpferde in des GeMarſtall; dann es iſt nicht ein Schiff/ daß deren nicht etliche mitbringe/ entweders auß Ayabien/ Perſten/ oder anderen Orthen. Vor der Gutſchen des Generals, zoge eine Compagnie Reuter her/ ein jeder Reuter hat einen Ladernen Goller/ und rothe Scharlachene Hoſen mit filbernen Galaunen beſetzet/ den Hut mit Federein/ bie groͤſte Leibbinden mit einer Silber⸗Spitzen/ dus Degengefaͤſſe und die Sporen von dichtem Sülber/ und alle jhre Pferde hatten einen treflichen ſchoͤnen Zeug. Neben jedem Schlag der Gutſchen/ giengen drey von der Leibquardi mit jhren Halleparten/ und ſehr wol bedecket. Ein jeder von jhnen hatte ein gelb Attlas Wambes an/ und die Hoſen von rohtem Scharlach/ mit ſilbernen Galaunen bedecket/ ſamt gelb Seidenen Struͤmpffen/ und ſehr ſchoͤnen Leinwad. Hinter der Gutſchen gienge eine Compagnie Fußgaͤnger/ und eine andere/ ſo ein oder zwey ſtund vor an gehet/ um außzuſpaͤhen. Was die Rahtsherꝛen belanget/ wann ſie auß gehen/ ſo wohl alß auch in jhren Haͤuſern/ hat ein jeder zwey Mußquetierer zu ſeiner Guardi/ und wann ſie Pferde noͤhtig haben/ muß deß Generals StallMeiſter/ ihnen die jenige ſo ſie begehren/ zufuͤhren. Sie haben auch jhre kleine Schifflein um auf dem Meer oder dem Fluß aldar ſpatzteren zufahren/ und auff jhren Canalen/ alwo ein jeder ſeinen Garten hat. Unſere Spatzierenfahrt ware nicht lang/ und die Urſache deſſen ware/ das alß wir auß der Feſtung zogen/ entdeckte man zwey Schiffe auff dem Meer her kommen/ ohne das man recht wiſſen konte/ was es vor Schiffe weren. Und weilen der General und die Rahtsherꝛen ſehr verlangten etliche Zeitungen zu vernehmen/ haben ſie ſich widerum in die Schantze/ ehen der als ſie nicht gethan hatten/ begeben/ und ſo bald wir hineingekommen/ habe ich vom Herzen Generalen, denen Rahtsherꝛen/ und Koſtbahre Hoflichkeit die der Her? Tabernier ſeinen freunden erwiſen. den Frauen urlaub genommen/ und mich in mein Hauſe verfuͤget.: Unterdeſſen bin ich innerhalb drey oder vier tagen von vielen beſucht worden/ welches mir nicht wenig Koͤſten verurſachet/ weilen die Gewonheit erforderet⸗daß wann einer zu einem komt⸗ man ihme Wein anbieten muß. Hundert Kronen fuugen in kurzem aus dem Beu tel; dann eine halbemaß Wein haltend beynahem ſo viel als die zu Paris/ beſtehet nur in vier glaſern. Der Spanniſche Wein tavia haben koͤnnen/ iſt/ wann die maß Wein oder Bier zubringen. Reißbeſchreibung in Indien/ wann er wollfeyl iſt/ giltet eine Kronen za Batavia/ die Rhein⸗ und Frantzoͤſiſche Wein werden umb zwo Kronen verkaufft/ und man muß viertzig Stuͤber umb ein Halbma Engliſch und Broncevimontiſch Bier beDie groͤſte Freud ſo die Voͤlcker von Bavon Holland ankommen: dann sie bg von allem dieſem Getraͤncke her/ ſe die 7 the von der Geſellſchafft erkaufen maſſen 111 ſonſt einem andern dar von zu kauffen erlau 5 iſt. Ader es ſeße daß ſie mehr leckerhalfli keiten in den Schencken als in ihren Hauer. finden /oder daß ſolches ihnen bene ſeye/ wann ſie ich mit einander erfrolichen wollen/ pflegen ſie gemeiniglich alle ihre 1 götzlichkeiten in dergleichen Orthen zu neh men. So is co dann ihr groß Feſt/ wann dieſe ned⸗ Wein ankommen und man finde ouf ben gaſſen Weiber und Maͤgdlein/ welche früh einem Mommenſpiel vor ein 1 1110 daß man gewinne oder verſpiele/ ehren halben geſtattet man ſelten/ daß die Weiber bezahlen/ und es kommen zugleich andere deren Geſundheiten/ man auß Anſtaͤndigkeit trincken muß/ welches offt junger Leuten Secke außzulaͤren pfleget. f Das XXII. Capitel. Von einer Sache/ ſo man wider den Author zu Bata via ungereimter weiſe vorgenommen. 13 5 S hatzwey Rahts⸗Staͤnde zu Bat via'der Feſtungs⸗Raht/ deſſen Ober haupt der General iſt/ und wo die Geſchäffte der Geſellſchafft verhandelt werden und der Naht ſo auff dem Statthauß geha, ten wird/ welcher guff die Police und klein Streithaͤndel/ ſo zwiſchen den Burgeren eb? ſtehen koͤnnen/ angeſehen iſt. Der Herz Faul 5 einer von den Rahts⸗Gliederen des Stat 45 Rahts/ ware von der Zahl deren ſo mich. meiner Ankunfft beſuchen kamen/ und in ent oder zehen tagen zeit/ ware er vier mahl ku einem ſeiner Freunden bey mir. Der ein un andere redte mir allezeit von dem Herꝛen 4 5 ſtant/ welcher zu Gomron Befehlhaber dee weſen ware/ und ſeyt vielen Jahren her zweyte Perſohn der Rechenſtuden von 70 5 te, alwo er einen Reichthum geſamlet base Er hat mir offtermahlen einen Theil de vertrauet/ und wir waren allezeit ſehr Lon Freunde geweſen. Eines Tags als ich den Surate, um mich in die Diemant⸗Gruben 0 begeben/ außreiſete/ bate er mich/ daß ich. ſeine Rechnung um ſechßzehen tauſend bies vor ihne kauffen wolte/ und gabe n l. nen Wechſelbrieff um die Summ di aht conda zu erheben/ alwo ſie mir auch bez eh ward/ und ich wendete ſolche nach fee Wunſch an. Ich glaubte ſolchen nach 5 zuck ah, zuruck Neiſe zu Surate zu finden; allein er hat⸗ und daß ich wohl ſahe/ daß ſie zu wiſſen behene r. ke in wahrender meiner Reiſe einen Befehl von gehrten/ ob mir nicht Herꝛ Conſtant/ als ich tavia bekommen/ ſich alſobalden dahin zu das letſte mahl in der Diamant⸗gruben gedülluchen Lata Wen verfügen/ und ſo bald er daſelbſten ware/ verpeurahtete er ſich mit deß General Vandime interlaſſenen Wittib/ mit welcher er in Holand verzeißte. Ich verwunderte mich ſehr/ als ich wieder naher Surate kommen/ zuſehen wh er verꝛeißt ware/ ſonder jemanden ſeiner veunden/ weder Hollaͤndern noch Engellaͤnren zu befehlen/ der 5 mir hatte/ zuruck nehmen ſolte/ um ſelbe urch die Schiffe ſo naher Engelland fahren/ du überſenden. Nachdem ich ungefehr zwey Monat zu Surate verblieben/ und von dannen abreiſen wolte/ um das jenige nicht in Gefahr u ſetzen/ was mir Her? Conſtant vertraut tte/ hab ich alles Herzen Frantz Breton 2 ſo le andere Perſon der Schreibſtuben der Englichen Geſellſchafft u Surare iſt/ zugeſtellet/ welcher nachgehends hme ſolches auf ſein befehl hin naher Holland uͤbermachet. Ich hatte zuvor den Hollandiſchen Befehlhader/ nabiens Amebar gebeten/ ſich des Orts hal95 als Herꝛen Conſtants guter Freund/ zu eladen; Eraber entſchuldigte ſich gantzich/ mir zuverſtehen gebend/ daß wann der Gederal, oder der Naht zu Batavia innen wur/ daß er ein ſothane Sache in handen hat16(wurde er als ein Verhaler der folches nicht angezeigt/ gehalten/ daß er dadurch ſeines Aupts entſetzet/ und aller ſeiner Gütern verluſtig gemacht wurde. Eines Tages nun/ als ich zu Batavia gewesen it. Per; Faure von welchem ich bereits neldung gethan/ mit dreyen anderen zu mir amen und hatte eine groſſe Flaſche Nheigen e Weins/ und eine von Bier mitbrin0 i ſaſſen. Ich habe meiner ſeits jhnen auch m Abendeſſen anerbotten/ und als wir begun9 zu krincken/ fragten ſie mich/ ob ich keine 10 tungen hatte/ ſo von Herꝛen Conſtant, ſo Lad ich zu Surate mich auffgehalten/ über 1 ankommen waren; Worauff ich ihnen e Ant work gabe daß ich nichts/ weder zu 5 bel/ noch zu Land/ ſeit er von dannen verſeft vernommen hatte. Auff dieſes ſtelleten dag h um ettwas beſtürtzt/ uud ſagten zu mir/ wir de ſich ſehr verwunderten/ daß nachdeme ſo gute Freunde geweſen/ und eine ſo groſber andlung ſo noch währte/ mit einanderen aun de füͤhret/ er mir keine Zeitungen uberſchrieſſe Halte. Ich erkente von ſelbigem an/ daß bd warmer anderen Urſache halber gekommen 8 ken on als zu erfahren/ ob ich die Dieman1 5 och in der Gruben für Herzen Conb gekaufft/ bey mir hatte/ oder ob ich dieale wicht einem Hollander/ ſolche jhme zuzudu fee Aberlaſſen. Ich glaubte nothwendig ohne J lhnen dieſen Wahn zu benehmen/ und baben 55 harten ſie nicht den Wein o ſie l len laſſen/ mit luſt getruncken. Daich 580 e nicht langer aufhielte/ ſag9. 8 ee mir ni daß ich mich verwunderete/ daß det ag ſern Alſobald von dieſer Sache gereie mich mit ihrer Beſuchung beehret/ ſeine Sachen ſo ich hinweſen/ befohlen darvon zu kaufen. Daß es deßwegen unnothig geweſen ware/ Wein bringen zu laſſen/ mich truncken zu machen weilen ich gantz anderſt/ als viel Leute beſchaffen/ welche viel ſchrwatzen/ und ſagen mehr/ als ſie wiſſen/ wann ſie getruncken haben/ und daß ich alßdann zum wenigſten rede. Nichts deſtoweniger wolte ich ſie wohl vernügen/ damit ſie nicht jhren guten Wein beklagten/ und daß ich ihnen frey und ohne ſcheu die Warheit anzeigen wolke. Es iſt wahr/ ſagte ich jhnen dan/ daß Her? Conſtant mir nicht allein auffgerragen ihme etliche Digtnanten zu kauffen/ ſondern daß er mir auch Gelt gegeben/ ſelbige zu bezahlen/ und daß ich jhme vor ſechszehen tauſend roupies eingekaufft hab. Ich hatte nicht ſo bald auffgehoͤret zu reden/ da ſich Hr⸗Faure zu denen drey anderen kehrend; jhr Herzen/ ſagt er/ werdet mir zeuge ſeyn/ wie das Herꝛ Tavernier vor ſechszehen 1 roupies Diamanten/ dem Herꝛen Conſtant gehörig/ in handen/ ſo er mir überlaſſen zu ruck zu nehmen/ als er naher Holland verꝛeiſet. Ich antwortete jhme/ ſonder mich zu bewegen/ das wann er ſolche haben wolte/ mußte er denſelbigen nachlauffen/ allein daß ich nicht glaubte daß er ſolche erhaſchen werde/ daß es langer als b. Monat were/ daß ich ſolche zu Land fort geſchickt/ und daß ich mich ſehr verwunund auf was weiſe Herꝛ Conſtant und er hat Und enkie e mit ihnen wegen ein kauffung e licher Higmanten. dere/ wie er dieſe Aufftragung angenommen/ ten wiſſen konnen/ daß ich auff Batavia fonmmen ſolte. Ich ſahe daß es jhn verdroſſe/ daß er das jenige/ was er ſich eingebildet/ nicht haben konte/ und ohne daß ſie mehr krincken wolten/ begaben ſie ſich alle vier hinweg. Des anderen tages in aller frühe brachte mir ein Gerichts⸗Diener der Geſellſchafft eine Ladung/ deren Inhalt ware/ daß ich um eilf uhren vor dem Statt⸗Naht erſcheinen ſolte alwo ſich der Oberkeitliche Schatz⸗Vorſprech einfande/ um den Handel vor die Geſellſchafft zu ver fechten. Ich unterlieſſe nicht mich auff die beſtimte ſtunde auff dem Rahthauſt einzufinden/ alwo dieſe Herꝛen mich alſobalden fürkomtmen lieſſen/ mich mit groſſen workgepraͤngen befragend/ ob es wahr were/ daß Here Conſtant durch mich vor ſechstehen tauſent roupies Diamanten hatte einkauffen laſſen/ und wo ſolche waren. Ich antwortete ihnen/ das was den Kauff delange/ ſeye ſolches geſchehen/ allein wußte ich nicht wo ſie waͤren/ dieweil es langer als ſechs Monat ware/ daß ich ſhme ſolche von Surate über Land zugeſchickt härte. Uber diſes gaben die Gerichts⸗Herzen dieſen Schluß/ in welchem erkant bare! daß es nicht an dem Herzen Faure ſich hierein einzumiſchen/ aberawohl an dem Oberkeitlehen Schatzes⸗Vorſprechen diſen Rechts handel fortzuſtzen dietpeil ſelbiger zeit der Here Conſtank in der Geſellſchafft Dienſten geweſen ware/ und daß er ohne ſolche zu betriegen/ von ſeiner Beſoldung kein ſo R 3 Moſſe El Gericht ge wird fur fordert. Reis beſchreibung in Indien/ und über et⸗groſſe Summa zusammen ſamlen können. Auff be den die Reden von dem Betriegen mochte ich mich deß Lachens nicht enthalten/ uͤber welches ſie ſich verwunderten/ und der RahtsPyeſident befragte mich warum ich lachte. Ich antwortet jhme/ daß ich darum lache/ weil ich ſehe daß er ſich verwundere/ daß der Herꝛ Conſtant die Geſellſchafft um ſechszehen tauſend roupies betrogen/ und wann er nichts als diſes mit ſich hinweg getragen haͤtte/ ware es wol eine kleine Sache; hinzuſetzend/ das wenig Diener von der Geſellſchafft weren/ welche durch die Aempter gegangen/ durch welche Herꝛ Conſtant gegangen/ und welcher die Gelegenheit zu handlen gehabt hatte/ alß wie er ſolche gehabt/ ohne den Herꝛen Fiſcal zu foͤrchten/ welcher nicht zum wenigſten hundert tauſend thaler weg gekragen. Es waren damahlen zwey oder drey in dem Raht/ welche nicht gar froh waren/ mich alſo reden zu hoͤren/ und welche dieſe reden abſonderlich betraffen. Dann/ die Sachen wie ſie an ſich ſelbſten ſind zu ſagen/ die Befehlhabere und die ſo jhnen in der Rechenſtuben an Macht/ Anſehen nachgehen/ wiſſen wie ſie groſſe Summen zu ihrem Nutzen und groſſem Nachtheil der Geſellſchafft auff die ſeiten legen konnen/ und weilen ſie ſolches nicht ohne verſtaͤndniß/ ſo ſie mit dem Unterhaͤndler haben müſſen/ thun konnen/ o machet dieſer ſeiner ſeits eben ſo viel/ und die ſo under jhme ſind/ nehmen gauch ſo viel ſie koͤnnen. Ich habe eines mahl alles das Gelt/ um welches man die Geſellſchafft betriegen kan/ auff jeder Rechenſtuben Handelſchafft zuſammen gerechnet/ und habe gefunden/ das wann man jhnen alle Jahr in allen Rechenſtuben/ zuſammen nur um eine vier oder fuͤnff Jahr auff die Galeen ſo Alſo gibt es deren Befehlhabenn anthut/ berichtet/ ſolches einem Generalen lagt/ iſt er ſicher niemahls zu einiger Rechenſtube zu gelangen/ und man findet über kurtz oder lang einen Vorwand ihne des Ammts ſo er haben kan/ zu berauben/ und vor einen Soldaten in eine Inſel zuverſchicken/ um aldorten ſein Leben elendiglich zu beſchlieſſen. Den Getverb belangend ſo die Gebietiger abſonderlich treiben/ it niemand dem ſolches beſſer als den armen Bootsknechten bekant/ wel che bißweilen von denen Befehlhabern ſelbſten/ oder den Schiff⸗Bedienten ſehr übel gehalten/ wann ſie zu Lande kommeh/ gehen ſie die Vornehmſte der Schreibſtube zuwarnen/ daß ein ſolcher ſo viel Ballen von Waaren vor ſicſelbſten in dem Schiffe habe. Der Oberaufſichthaber der Stuben/ ſo ſein Handwerck verſtehet/ pfleget zum oͤfftern dem jenigen /welchem die Waaren zuſtandig/ ſagen zu laſſen daß er ſolche veraͤndere/ und verſchaffe daß ſelbe nachts zu Lande gebracht werden/ um jhme die Zeit/ daß er alles abladen koͤnne zu geben/ macht man den jenigen ſo den Bericht ertheilet/ ſo viel trincken/ daß er ein oder zweß Tag lang truncken iſt/ und wann man alsdann weißt/ daß alles abgeladen iſt/ gehet der Befehlhaber in das Schiff umb ſolches zu durchſuchen/ wohl verſichert daß er nichts finden werde. Alsdann wird der arme Schiff knecht oder Soldat umb die Lügen ſo man jhme zulegt daß er ſolle geſagt haben/ eruſt⸗ 0 lich geſtraffet/ ſein ſold wird jhme weggenommen/ und offtermahlen ſchencket man ſolehe Stein einladen. ä ſo die Geſellſchafft betrogen/ und mit eine, groſſen Beuthe in Holland umbgekehrt ſind/ ollaͤndichen Compagnie von ihren Bedenten zugefüͤget wird. Million fünf oder ſechßtauſend Francken unkecht thut/ hat ſolche ſich zu troͤſten urſachen. Von Perſien allein zureden/ hab ich Befehlhaber gekennt/ welche beydes guß dem verkauffen des Gewuͤrtzes/ und dem Einkauffen der Seiden/ haben vor ſich eines Jahrs uber die hundert tauſend piastres beyſeits gelegt. Sie haben deßwegen wunderliche Griffe ſo die Geſellſchafft ſchwerlich/ beſonderlich die Oberſte Auffſeher und Mitgenoſſen der Geſellſchafft/ ſo in Holland ſind/ entdecken vor vier oder fünfftauſent Francken Diamauten/ Perlen/ grauen Amber/ und andere Waaren/ ſo wenig Platz einnehmen/ ſich habend. Dann wann dieſes a, nicht wohl verborgen iſt/ und die Geſe 0 ſchafft ſolches entdecken kan/ gehet es vor 3 verlohren/ und ihre Beſoldung wird ihm, faͤllig gemachet. Alleine ſie haben eine wan, 19 7% berbahne Geſchicklchkett dieſem zu entgehen hee wann es gleich auch groſe Wagren war eee als Tücher und andere Sachen/ ſo einen e ul. konnen. Was mm dieſe Commandeurs oder Gebietiger in Indien belanget/ muß die That klar und offenbar ſeyn/ wann der General und ſein Raht Gerechtigkeit leiſten/ und man verſtopfſet zum offtern/ dem Obrigkeitlichen Schatz⸗Vorſpreche das Maul welchen man alſo beſchencket/ daß die Verehrung wohl denſdrittentheil werth iſt/ was ihme von allem dem/ ſo faͤllig gemacht wird/ gebuhret/ ein ander, drittel gehoͤrt der Geſellſchafft/ und der ander dem Spital/ alſo wind alles ſtillſchweigend verhandelt/ dann es iſt keiner von dieſen Befehlhabern/ der nicht ſeinen Patron zu Batavia habe/ welchen er alle Jahr reichlich beſchencket/ zu dee ſind wenig von denen Nahtsherꝛen die nicht ein gleiches gethan. Anderwerts wann jemand des Unrechtens halben/ ſo ein Befehlhaber der Geſellſchafft fen konte/ und anderſeits haben ſie mehr lurſt als Gewinn/ an ſtatt daß an den g entdeckt zu werden zu ziehen/ gehen f f ien ko ken/ ſchickt man denen ſo auß Inde. 4 ſen Plaz einnehmen dann ſie gehen mera le an die Oerter alwo man Diamalſten Verwehen Waaren es allezeit viel zugewinnen 0 5 Weilen der Hauptman und andere Sch Bediente ſich befleiſſigen eine beſondere u hadelſchafft ſo wohl als die Veſchlhaben dealen ben/ wohl wiſſend daß es ihnen ſchwee ohne wurde/ jhre Waaren auſſer dem Seil anchbmahlen an dem Nordwegiſchen Stra 5 0 laden die Leute beredende das Uingewirn die be ſie dahin verworffen/ anderwerts l 19 fühHollander mit den Engellaͤndern i 10 ek men Kriegs⸗Schiffe entgegen wrde ſchaft Schiffe iſt es das die jenigen lo die Gall Drittes Buch. zu betriegen begehren/ jhre Waaren Packe einaden ehe ſie in Holland ankommen. Sie haben auch noch ihre Zuflucht zu den HaringsFichern wan ſieſſolche antreffen/ und iſt endlichen kein Liſt⸗ranck deſſen ſie ſich nicht bedienen. Allein wann die Geſellſchafft einen Argwohn hat/ ls hatte einer über die Schnur gehauen/ laßt ſie manchmahlen die Befehlhaber abkleiden und ihnen andere Kleider zuſtelan/ auch hat man mehr als einmahl in denen ſo ſe abgelegt haben/ Diamanten gefunden. Im übrigen hat man wahrgenomen/ daß der meiſte Theil deren ſo die Geſellſchafft betrogen/ und mit groſſem Gut in Holland eingeſehrt find/ ihre Erben michts deſto reicher hinterlaſſen haben/ weilen dieſe Guter in wenig Johren gleichſam verſchwunden/ welches zu erkennen gibt/ daß übel gewonnenes Gut licht gedeyet. q Laßt uns wider auff den Handel welcher ir ungereimter Weiſe zu Batavia auffgeſtoſſen/ kommen. Auff den Spruch'ſo die erꝛen gegeben hatten/ daß der oberkeitliche 80 chatzes Vorſprech die Sache im Namen N er Geſellſchafft handhaben ſolte. Nach Ver, ſllſung dreyer Tagen ſchickte er mir unterFan chledliche Pögen Papier Articul weiſe überſchrieben/ zu/ damit ich auff einen jedwedern antwortete. Der erſte war/ daß ich entdecken ale/ in wie vielem die Handlung ſo der Herz onſtant und ich mit einander gehabt hatten eſtunde/ ſo lange wir einander kennten. Die wern waren nichts als Narꝛen⸗Poſſen/ und under andern auch dieſer/ mir zu befehlen/ daß ich darauf antworten ſolte/ ich/ welcher kein Fkerthan der Geſellſchafft/ und der ich umb nen zu dienen auff Bar ava kommen ware/ a0 0 10 fer; 5 welcher folgbahr dem Befehl des oberkeituche chatzes Vorſprechen wenig nachzufragen hatte. 0 Es ware ein abſonderlicher ArtiInhalts/ daß der Herz General 0 aut am Bander-Abaſſi gethan/ alwo 5 den/ daß jhme nicht unwiſſend ſeye/ 5 00 wir uns Tag und Nacht beyſammen gefunfu und daß ich alſo ſeiner Sachen wohl uw, allein g ſeyn müſſte. Es ware nicht ohne/ Aa bon Nfande ich mich nicht verpflichtet jhme darwach bu 1 Rechnung zu geben/ dieſes wahrte wohl mich oder fänff Wochen/ unter welcher Zeit 6 0 ein Statt⸗Diener unterſchiedliche mahabholte/ umb auff das Rahthauſe/ jhnen hen vort zu geben /zu kommen. Die ſo ich jhbon Habe ware allzeit gleich/ daß ich nichts wi be Herzen Conſtants ſeinen Haͤndlen er nate und daß/ wann er etwas gethan hatte/ 8 0 nicht ihme zu rahten beruffen. Als 5 18 daß ſie mit Gute nichts auß mir bringende dien fiengen ſie mir an zu drawen/ ſaautwo aß ſie mich werden anhalten laſſen. Ich r. 11 555 ihnen kühnlich/ daß ich ſie nicht akte che und daß wann ſie mich anhielten/ ſo cher d 55 die Ehre einem Furſten zu ſeyn/ weliſt/ ſo nne verſtorbene: Hertzog von Orleans mich wohl auß jhren Handen ziehen Vote Naht wiſſen wolte/ was der Herꝛ 10 er als ein Oberbefehlhaber hingeſchickt 199 werde/ und welcher den Schimff ſo ſie mir anthäten wohl empfinden doͤrffte. Und zu gleicher Zeit gienge ich auß dem Zunmer ohne etwas anders zu ſagen/ auch ſie ſelbſten ſagten mir nichts. Es verliefen vierzehen Tage ohne daß mir etwas mehr davon geſagt wurde/ und in waͤhrender Zeit gienge ich ſpatzieren und gar mit etlichen von dieſen Herꝛen ſpeiſen. Als mich eines Tags der Oberkeitliche Schatzes Vorſprech/ welcher ein gelehrter Mann/ und welcher einen groſſen Luſt hatte von frembden Landern reden zu hoͤren/ zum Nachtmahle gebeten hatte/ nahm er mich nach der Mahlzeit beyſeits/ ſagende daß er mich deß andern Tags vorberuffen lieſſe/ weilen er von dem General dieſen Befehl bekommen/ welcher gaͤntzlich wiſſen wolte was ich den Herꝛen Conſtant zu Gomron hätte thun ſehen; wann ich ſagen ſolle was ich geſehen habe/ antwortete ich jhme/ wil ich ſolches gerne thun/ allein es ſoll in Gegenwart der Gerichts⸗Herꝛcn geſchehen. So bald der Morgen kommen/ fehlte der Stakt Diener nicht mich abzuhohlen/ ich folgte jhme alſobald nach/ und ſo bald ich in das Zimmer eingienge/ befragte e. mich der Preſident alſobald/. jetzo etwas von deme was ich von dem Herꝛen Conſtant geſehen hatte/ entdecken wolte Ich antwortete ihme/ daß ich ſie vergnuͤgen wolte/ und daß ich jhnen gerne ſolches nach der Lange erzehlen wolte/ deſſen der reſident und Raht ſehr froh waren; Als ſie ſich mieh anzuhören geſtillet/ und ich ſahe/ daß ſie fuͤr mit Ungedult erwarteten/ was ich jhnen ſagen wurde/ redete ich ſie folgender Geſtalt an. Als Herꝛ Conſtant zu Gomron außgeſtigen/ hat jhme ſelbiges tags der Kan/ oder Statt⸗ und Landpfſeger groſſe a Se erwieſen/ und zu nachts mit allen denen zeit ware prächtig und die Speiſen zärtlicher als ſonſten zubereitet/ ich habe mich in vielerley Gaſtereyen des Kans oder Landpflegers in Perſien befunden/ allwo man nicht wuſte/ was Leckerbißlein waren/ und wie ein Huünlein wohl gebratet werden ſolte; Aber wird aob ich jhnen an⸗ hermalem Gericht gefordert. ine auſſao ge daſelbſt. Ihne begleitet hatten/ geſpeiſet. Die Mahl. in ſelbigemGaſtmahl war alles wohl zugerichtet/ und es ſcheint/ es habe ſich deſſen ein Frantzöͤſiſcher Koch angenommen,. Alle Däntzerinnen von Gomron haben nicht unterlaſſen ſich aldorten einzufinden/ umb auff ihre weiſe dem Gebrauch nach zu dantzen/ und man hat die Mahlzeit mit groſſer Froͤlichkeit zugebracht. Den andern Tag aſſen viel freye mit Herzen Conſtant zu gaſte/ und zu ende der Gaſtung ſchickte der Kan einen von ſeinen Bedienten Herꝛn d zu bewillkommen/ und jhme zu ſagen/ daß er das Nachteſſen bey jhme nehmen werde/ welches er ſehr wah guffgenommen/ bezeugend die Ehre darbey den Erkantnuß⸗dancke vor ſo der Kan jhme anthun wolte/ nach vollentem Wort⸗g pränge nahme der Beſehlhaber erz ein groſſes Glaß trancke auff die Geſundl des Kans/ und alle Befehlhaber Conſtant ehlung s deſſen Geſundheit was mit dem rꝛen Conſo zu kiſche ſaſſen thaten fte ch ein gleiches. So bald 90 deſſen Bedien⸗ iugetragen. 4 ken 200 Reis beſchreibung in Indien/ ten hinweg waren/ befragte der Befehlhaber etliche von denen ſo mit jhme geſpeiſet hatten/ auff was Weiſe man einen Gubernatoren wann er einem Befehlhaber die Ehre thaͤte/ jhne zu beſuchen/ empfangen mußte/ und es war einer ſo jhme ſagte/ daß die Fuͤrnehmſte ſorge ſo man haben mußte/ were/ daß ſo bald die Nacht angebrochen man ſo wohl auſſer als in dem Hauſe eine groſſe Anzahl Lampen/ welche in denſelbigen Landen kleine Gefaͤſſe voller Oel/ an die Mauren des hauſes angebunden/ imer eine einen Schuh weit von der andern. Allein der Befehlhaber wolte dem Kan und der Geſellſchafft noch mehr Ehre anthun/ dann an ſtatt dieſer Ampelen lieſſe er aller Orten weiſſe Wachs⸗kertzen auffſtecken/ und auſſer und in dem Hauſe ware es nichts als heiterkeit. Der Kan bezeugte das er ſehr vergnügt ware einen ſo ſchonen Unkoſten jhme zu Ehren geſchehen zu ſehen/ und alle Kauffleuthe ſo wohl Chriſten als Mahometaner waren auch darüber beſtuͤrtzt. Es iſt wahr/ ſagte ich zu den Rahts⸗herꝛen/ das ihnen nicht unbekant/ daß dieſes Wachs die Geſellſchafft nicht ſo viel koſtet als den gemeinen Mann/ weilen alle Hollandiſche Schiffe ſo vor Mocca kommen/ ſehr viel Wachs mit bringen/ weilen es in billichem Preiſe. 5 Die Dantzerinnen befanden ſich in groſſer Anzahl bey dieſem Gaſtmahl/ um die Geſellſchafft durch hre Daͤntze und angenehme Stellungen zu beluſtigen; dann es ware vor ſie Gelt zugewinnen/ wohl wiſſend daß die Befehlhaber ſie paar außbezahlen/ und daß es nicht/ als wie bey dem Kan zugehet/ wel, cher offtermahlen glaubet er habe ſie ſehr wohl belohnet/ wann er jhnen ein Nachtmahl gibet. Deß andern tags kamen die jenigen ſo diſer dan loader, Dantzerifen Hofmeiſterin ſeyn(dann ein jeglich ſeiner licher Hauffen hat eine alte zur Aufſſeherin den aden, und fuͤhrerin/ welche dieſe Daͤntzerifſen hre cet. Mutter nennen) den Herꝛn Conſtant zu begruſſen/ welcher ſich gegen ſie ſo freygebig erzeigte/ daß nicht eine ware ſo an jemanden etwas forderte/ welches ſehr wider ihren Gebrauch iſt. Etliche von denen ſo allda uͤbernachtet/ und die Nacht in nichts anders als dieſe Meiber dantzen zu ſehen zugebracht hatten/ waren ſehr verwundert als ſie deß Morgens ohne ſolche zu bezahlen weggehen konten/ und hatten urſache ſich der Edelmuͤhtigkeit deß Befehlhabers zu beruͤhmen/ welcher fuͤr alle ſo freygebig geweſen were. Man ſpielte die gantze Nacht Feurwerck/ ſo auff dem Wall vor dem Hauſe waren/ und zu allen Geſundbeiten breñte man ein Dotzent loß um die Schiffe anzumahnen ein gleiches zu thun. Um zwey Uhren nach Mitternacht erhebte ſich der Kan von dem Ort wo er ſich bey ſeiner dahinkunfft geſetzt hatte/ ware allo man geeſſen und getruncken hatte/ und als ſeine Bediente ſahen/ daß der Wein ihne zu erhitzen begunte/ fuhrten ſie ihn hinweg. So bald er hinweg war/ begab ſich ein theil der Geſellſchafft wider zum Eſſen und Trincken/ die andern den Dantzerifſen zu zuſchauen/ und währte das geſäuffe biß um zehen Uhren deß Morgens. Im weggehen ſagte einer zu dem andern; Man muß bekennen daß dieſer neue Befehlhaber ehrerbietig iſt/ und alles auff ein annehmliche Weiſe verꝛichtet. Als der Her: Conſtant/ ſagte ich zu denen Raths⸗herꝛen/ zu Gomron angelangt ware und er in deß Kans Behauſung gehen mußte/ fuhrte man ihme die ſchoͤnſten Pferde ſo in der Geſellſchafft Marſtalle waren/ du. Das jenige ſo vor den Befehlhaber ware/ hatte einen ſehr reichen Pferd⸗zeug/ alles ge⸗ ge 100 ſticket/ weilen aber. der Zugel nur von Sil⸗ n dn ber ware/ ſchiene er daruͤber beſtürtzt/ fragen; n de warum man ſeinem Pferde nicht einen guldenen Zuͤgel angelegt hatte/ weil er glaube er ſeye nicht minder als die andern Befehl haber/ ſo vor jome zu Gomron geweſen. Man ſagte daß auß Befehl der Geſellſchafft der Befehlhaber Vanderlin die zwey guldene Zugel ſo zu Gomron geweſen/ auff Batavia geſchickt hatte/ deren einer ſechs hunderk Ducaten ſchwer/ und der andere vierhundert und fünfzig Ducaten in Gold hatte und daß es verbotten were/ daß ins kuͤnſttig kein Befehlhaber ſich eines guldenen Zügels gebrauchen doͤrffte/ ſondern ſich mit eil, nem Silbernen benügen ſolt. Als ich ſahe“ daß ſolches den Herꝛen Conſtant verdroſſen, ſagte ich jhme in geheim/ daß es ihme nicht ſchwer fallen wurde einen guldenen Pferdzaum zubekommen/ ohne daß die Geſele ſchafft jhme ſolches ver weiſen koͤnte. Daß er 5 nur dem Kan das Geſchencke /ſo er jhme im Namen der Geſellſchafft ſchicken müßte/ elwas anſehenlicher machen ſolte/ als fei, Vorfahren gethan/ ſo werde er ſehen/ da er 5. bald einen guldenen Zuͤgel bekommen werde. Her? Conſtant ſtelte mir glauben zu/ un ſchickte dem Kan eine ſehr ſtatliche Vereh rung. Diſe Geſchencke beſtehen gemeinigli 1 in allerhand Specereyen/ Porcelanen Japoneſiſchen ſchreibtiſchen/ Holländig tüchern und andern ſolchen Sachen. d 555 das beſte von dem Geſchencke war ein dig mant/ ring/ vor welchen er mir fünfzehen hu dert Kronen und tausend Ducgten in Gon ah bezahlt hatte auß welchem der Kan 1 aan guldenen Zaum machen laſſen/ welchen Jen dem Befehlhaber verehret/ ſo nur dreß dert drey und vierzig Ducaten in wogen/ das übrige iſt in dem B. Kams verblieben. Die Gewohnheit in iſt/ daß/ wann ein außlandiſcher den groge Herzen etwas verehret/ ſie hingegen 1 mt mit etwas anders beſchencken; man desen aber beyweitem nicht den werth von ache 55 0 man 9 7 es ſeye dann das Geſt e dem Konig geſchehen.„ Es ware 913 Nan ab ſo thaner bereber Verehrung ſehr beſtürtzet/ und ob die ſeine dem Gebrauch nach/ den darauff hatte schicken ſollen/ welches 5 Drittes Buch. üglich ein ſchoͤnes Pferdt/ oder bißweilen zwey ſind/ hat er deßwegen fünff oder ſechs Tag gewartet/ weilen er ſo viel zeit vonnoͤten en Zaum machen zu laſſen/ ſo bald derſelbe gemacht/ hat der Kan dem Befehlhaber zwey one Pferde geſchickt/ das eine mit dieſem Nuldenen Zaum/ und das ander mit einem weiſernen, die Sattel waren auff Turckiſche 0 eiſe nut Sold und Silber geſticket. Es muße der Befehſhreer/ als er zu Pferde ſteigen Wollen/ anſtändigker halber den Guldenen aum anlegen laſſen/ und alſo konte die Geſellchafft nichts darwider reden. „Dieſes iſt die erzehlung geweſen/ wo ich in dem Raht zu Batavia gethan/ von dem was ich zu Gomron, den Herzen Conſtant betreffend/ geſehen hatte/ und es iſt zu mercken/ che man weiters ſchreite/ daß die Geſchencke/ o die Könige und Groſſe Herzen den Befehl bern/ und anderen vornehmen Bedienten er Geſellſchafft thun muſſen/ wann ſie naher atavia gehen/ dem Generalen und Naht/ als Sachen/ ſo der Geſellſchafft zuſtandig Uberliefert werden; zu zeiten aber pflegt man jhhen auch ſolche zu laſſen. 9. lß ich mit den Rahtsherꝛen zu Batavia gegaht dedt/ und ihnen geſagt/ was He. Conſtant bey be feiner Ankunfft zu Gomroi gethan/ ſie noch 0 bene egehrt zu wiſſen/ was ſeither ſich zugetragen aher hat/ und ſagten zu mir/ ſie waren ſchon ge0 0 nugſam deſſen/ ſo ihnen erzehlt/ berichtet worun u den jetzund aber verlangten ſie zu vernehmen/ ae was Hr. Conſtant vor ein Gewerb verführet hätte. Alsdann ſienge ich an anderſt mit jhnen reden/ und ſagte daß ich nicht von ihnen als ein Verpflichteter herꝛuͤhrte/ und daß ich uicht ihr Außſpaher kwaäͤre/ weilen ſie ſo viel zu iſſen verlangten/ haͤtten ſie ſich/ als er noch 10 atavia ware/ bereits erholen ſollen/ oder ſie ünlen Ihm in Holland ſchreiben/ und durch di15 Mittel en genug thun laſſen. Nachde10 der Prelident geſehen/ daß ich ihrer ſpotwi iſt er von ſeinem Ort auffgeſtanden um ib etlichen Rahtsherꝛen zu reden/ und ſagte nab chend zu mix/ daß ich 4. Tag hatte mich eoddencken, wie ich in dem Rahte/ beydes u50 die Handlung/ ſo ich mit Herꝛen Conſtant derfͤbrt/ als über die jenige ſo ich wußte/ daß 9 andern Privat⸗perſonen gehabt hatte/ Geworten werde. Dieſem nach bin ich ohne 10 genantwort hinauß gegangen/ und hab bey vonn von den Rahtsherꝛen ſonder ferners a 9 dieſer Sach zu reden geſpeiſet. 5 16 Tach verftoſſenen vier Tagen wartete ich lian mich wurde holen laſſen/ aber man aß ech S andere Tag verſtreichenz nach demeld bn temen mir einen Bedienten mit verNen, Uhren, daß der Her Preſident meiner um 11. We ft. 0 en in dem Raht wartete. Als ich in die Water lchen der hinein getretten/ hat der Oberkeit f 1 in ahts⸗Redner ein lange Rede gethan/ aten ldehei ſich in dem jenigen auffgechr Ah ich über die Frag⸗Puncten/ ſo mir kworten ah eingehändigef worden“ nicht antte daß wolte und daß er feier Seits begehrman mich in Gellelin/ das iſt in Ar201 reſt( verbott außzuweichen) legen ſolte/ bis daß ich Antwort gegeben hatte. Ich verſetzte darauff/ daß was er ſagte/ mich wenig beſturtzte/ und daß ich glaubte/ die Rahtsherꝛen wurden die Sache mehr als einmahl uͤberlegen/ ehe daß ſie zu Vollziehung deſſen ſchreiten werden/ wann er aber wolte/ daß ich auff ſeine Frage antworten ſolte/ müßte man mir dieſelbe nicht in Hollandiſcher/ ſonder in einer mir bekanten Sprach zuſtellen laſſen. Worüber er geſagt/ er habe mich offtmahls Hollaͤndiſch reden gehoͤrt; darauff ich geantwortet/ dieſe Sprache ſeye zwar mir umb etwas bekant/ aber nicht genugſam zu leſen/ und die Rechts⸗Griffe zu verſtehen. Als ich geſehen/ daß er ſich ab dem Wort Rechts⸗Griffe be; leidiget befande/ ſagte ich noch einmahl/ die ſtimme mehr als zuvor erhebend/ daß ich nicht von der Geſellſchafft beſolder/ und beſtellet ware Herꝛn Conſtants thun und laſſen in obacht zu nehmen. Endlich wird vom Naht erkant/ daß der Oberkeitliche Vorſprech mir ſeine Frag⸗Stuͤcke guff Franzoͤſiſch einhaͤndigen ſolte/ welches er gethan/ und acht Tag ziel zu antworten gegeben worden. Ich lachete ab allen dieſen Fragen/ wohl wiſſend/ daß ich dieſen Streit⸗ handel nach belieben außmachen koͤnte/ ch ſchobe es noch acht Tag auf/ uber die acht ſo man mir gegeben hatte/ zu 5 antworten/ aber ſo bald ich geſehen/ daß die Rahtsherꝛen begunten verdrüſſig zu werden? vermeynte ich Zeit zu ſeyn der Sache abzuhelffen. ö i 7 Nachdeme gemelter Vorſprech mir ſeine Frag⸗ſtücke in Franzoͤſiſch überreicht/ hab ich ſelbe Herꝛen Potre dem tüͤchtigſten Sachwalter zu Batavia gewiſen/ welcher mir geſagt/ daß weilen ich nicht von der Geſellſchafft beſoldet wurde/ ich nicht ſchuldig ſeye über einigen dieſer Articuln zu antworten. Nichts deſto weniger dieſem Geſchaͤft ein Ende zu machen/ hab ich mich in des Preſidenten Hauß ein wenig nach Sonnen Auffgang begeben/ welcher mich in dem Nacht⸗Rock empfangen/ ſagend er wolle mich lieber in dieſem Stand beſuchen/ er beſucht als biß daß er angekleidet ware/ warten laſſen. Die Antwort ſo ich uber ſein Wort⸗geprang gethan/ ward daß/ weilen er gaͤntzlich verlangte alles zu vernehmen/ was mir von Her? Conſtant bewuſt/ ich ihme das jenige ſo mir deßwegen bekant/ ſagen und nichts verſchweigen wolte/ oh ſchon ein ſolches dem Generalen und vielen Rahtsher en/ und euch ſelbſten/ ſagte ich/ der jhr mich zu reden noͤthiget/ nachtheilig waͤre. Nach dem er ſeine Leibwache abgeſchaffet/ und er und ich allein verblieben/ ſagte ich nun zu jhme/ daß als ich von Surate veroeiſet/ um zu der Diamant⸗Gruben zu gehen hat mir Her: Conſtant vier und vierug Tauſend ronbies hinterlaſſen/ mit bitte ſoſche Sum vor Diamanken anzuwenden, und ſonderlich vor groſſe Steine/ daß mein Vorraht ſehr wohl werde bezahlt werden/ und weilen dieſes Gelt Herzen Oeneralen zugehörig/ es jhne ſehr freute die Gelegenheit zu haben jhne zu verpfichten. Weiters habe Here 11 8 nere preſidenten. e ihme die gantze Sache fuͤr Augen. 202 neral von Herꝛen Conſtant/ als er naher Batavia gekommen/ alles das jenige gekaufft/ ſo ich jhme/ als er der ander in dem macht⸗anſehen die Rechenſtube zu Surate belangend ware/ verkaufft hatte. Es waren alles Steine/ ſo ich hatte ſchneiden laſſen/ denen Preiß ſich uber die vierzig tauſend kronen erſtreckt. Was die Perlen betrifft/ ſo gedachter Herꝛ Conſtant vor Herꝛn Generalen zur Zeit als er zu Ormus ware/ gekaufft hatte/ wußte ich nicht wohl die Summ/ das aber ware mir bekant/ daß zwey Perlen wie Biren geformieret hundert und ſibentzig to mans gekoſtet hatten/ daß ich annoch groſſe Summen/ vor die Herꝛen Carl Renel, Cam, und andere anzuwenden gehabt hatte; und er ſelbſten ſolte nicht vergeſſen haben/ daß/ nach deme Herꝛ Conſtant von Batavia verꝛeiſet/ umb die Stelle eines Befehlhabers in Perſien zu vertretten/ er jhme ſechs und dreiſſig tauſend roupies hinterlegt/ mit Bitte die Sume einem feiner Freunden zu geben umb darfuͤr Diamanten zu kauffen; daß Herꝛ Conſtant vermeint haͤtte mich zu Surate anzutreffen umb ſolche Summe mir zu einhaͤndigen; nachdem er aber etliche Tage zuvor naher Ormus auff einem Engliſchen Schiffe ſich begeben/ habe er gedacht mich aldorten anzutreffen/ allwo er mir die Summe uͤberliefern koͤnte/ als ich zu eben diefer Zeit in Indien und zu der DiamantGruben kehren wurde. Und euch zu weiſen/ ſag. teich noch weiters zum Preſidenten, wie daß Her? Conſtant euern Nutzen betrachtet/ kauft er auß dem meiſten Theil euerer Summ/ waaren von Seronge und Brampour, und ſo bald er zu Gomron angelanget/ hat man jhme dreiſſig von hundert Gewinn anerbotten. Wahr iſt es/ fuhre ich fort/ daß wann man die Rechnung nach dem jenigen/ ſo andere Kauffleute bezahlen/ ſetzen wolte/ ſolches allein fuͤnf von hundert eintragen wurde/ aber er ſchriebe alles der Geſellſchafft zu/ welche weder Fahrgelt noch die Schatzung von Gomron bezahlet: dieſe zwey Stuck pflegen den Kauffleuten fuͤnf und zwantzig von hundert einzutragen; weilen nun das Schiff/ worauff er geweſen/ wieder naher Batavia ſegelte/ obgleich die Waaren nicht verkaufft waren/ hat er dennoch nicht unterlaſſen/ euch zuzuſchreiben/ daß er dreiſſig von. hundert gewinn außgeſchlagen habe/ in Hofnung ein mehreres darvon zubekommen. Inzwiſchen ſind drey Schiff mit eben dieſen Waaren beladen zu Gomron angelanget/ geſtalten man ſchwerlich dasjenige was ſie in Indien gekoſtet hatten darauß loͤſen koͤnte; welches die Urſache geweſen/ daß er die jenige ſo er vor euch gekaufft hatte/ umb den lauffenden Preiß hingegeben. Nichtsdeſtoweniger iſt Herꝛ Conſtant ſo Edelmutig geweſen/ daß er euch deſſen niemahlen berichtet/ ſondern mir abſonderlich bekennt hafte/ daß er daran mehr als fünfzehen von hundert verlohren. Nachdem ich dem Preſidenten dieſes alles Stuckweiſe erzehler/ ſchiene er darab ſehr beſtürtzt zuſehn/ und bate mich kein Geſchrey dahand/ wie daß Ihr nichts ſo dem Herzen Perſon/ und hatte den Nuhm Reisbeſchreibung in Indien/ rauß zu machen/ in welchem er weislich gehandelt; dañ ich hatte wohlandere benamſen koßten weilen mir die beſchaffenheit der vornehmſten von der Geſellſchafft bekant/ und der meiſte theil der groſſen Summen/ ſo ſie an die Diamanten gewendet/ mir durch die Hande gegangen waren. Als ich nun geſehen/ daß ber Preſident nicht mehrers zu wiſſen beg hre nahm ich urlaub von jhme/ und ve algte nie 5 1 5 Sachverwalter 1 u fan en ich alles verloffen hat. Wellen ſein es 00 5 bey deß Beeten ware/ hab ich diſen g. 15 geſehen in di⸗Heſtung/ und allem anſehen na Ola zu dem Seneralen gehen; zwwiſchen eilff Uh⸗ eben ren aud Mittag hab ich auff das Rahthauß mich begeben wollen/ um zu ſehen was mi des Oberkeitlichen Schatzes Vorſprech ſagen wurde/ maſſen ich wußte/ daß der Preſidenk guß der Beſtung dahin gegangen/ und ſie mikeinanderen geredt hatten. Aber ich traffe ihne 10 Hieb 0 unterwegs an/ der mit lachendem Geſicht aal mich anredend fragte/ wo ich hin wolte. Darauff ich jhme antwortend ſagte/ daß ich mich. auff das Nahthauß verfügte/ auff etliche ſei ner Fragen Antwort zu geben. Ich bitte el (verſetzte er geſchwinde) laſſet diſe Sachen an ſeinem Ort/ und laßt uns mit einander Mittag ſpeiſen. Man hat mir geſtern zwe Sa mit Wein verehret/ deren eine m rantzoͤſiſchem/ die andere mit Rheiner; Wein angefüllet iſt/ wir wollen ſehen welches der beſte ſeyn wird. Alles was ich an euch 1 1 gehre/ iſt ein paar Buchſtaben von 9 155 1 che ſtant zuſtandig/ in eueren Handen babek gage ches ich jhme ſehr gern bewiligte/ und ward 5 dieſe weiſe der gantze Rechtshandel geendiger Das XXIII. Cap. Der Author beſiehet das Koͤnigrei 1 Bantam, und erzehlet wegen deſſe ſehr viel Begebnuſſen. 1 5 Ah ich mich nun einer Sache/ ſo. 1 65 ungereimter weiſe widerfahren/ 0 N Wdiget hatte entſchloſſe ich mich alſebech den Koͤnig von Bantam zu ſehen/ weilen g oftermaben gehorct daß er unſeren gaches leuten in Gnaden zugethan ware wel emauch leicht auß deren Gutthaten/ ſo ich die pfangen/ iſt zu erſehen geweſen. Seit rn bah, Lander/ ſo dem Groß Mogol ure durch gereiſet/ iſt die Sprache/ 0 b genant wird/ ben den Orientaliſchen 2 ckeren/ was die Lateiniſche in Europa 5 geder Reiſe ſo ich im Jahr 1638. in Ind% than/ fuhrte ich einen meiner Brüdeic derder jungſte ware/ und welcher eine able alen liche Gabe die Frembden Sprachen 100 nen hatte/ mit mir. Er hatte nicht men . oder 6. Monat zeit noͤthig eine zue vol. e und er redete deren acht vollkommen ſch von 60 Sonſten ware er auch ſehr 1 0 5 wache, zu ſeyn/ wie ex dann deſſen umkerſch f Drittes Buch. proben gegeben. Alß er ſich eines Tages zu atavia im Zwey⸗Kampffe wider einen Hauptman zu Fuß geſchlagen hatte/ über welchen er einen ſonderbahren Vortheil davon getragen/ verſchaffte der General Vandime, 0 die hertzhafften Leuthe liebte/ und die fürVemſten des Rahts/ ſo jhne ſehr hoch ſchatzk daß dieſe Sache ſtillſchweigend vorbey Reuge/ und zum zeichen der Wohlgewogenheir/ nir deren ſie ihne zugethan twaren/ ereee ür Alibten ſie hes ein Schiff vor ihne alleine le beliebte/ zu handlen /e Die erſte ware in Siam, all wo er einen andem Konig/ welcher begehrte daß er mit jhn ſetuinit fünffen der vornehmſten Herzen fei genommen mit 1 mein Bruder ſchütze/ uit wel9 5 u ſolte/ funf oder ſechs tauſent Thaler vorlohr en hatte/ welcher groſſe Luſthatte einen Europeer zuſehen/ der die Malayiſche „Sprache ſo kwohl redte. Man darff nicht heizen/ daß die Gewinn in ſelbigen Hande ſchafften nicht ſolten groß ſeyn/ dieweil dieſeige/ ſo den Handels Leuten Gelt vorſtrecken/ undert vor hundert bekommen. Allein iſt es guch wahr/ daß ſie viel wagen/ dann wann daß Schiff verlohren gehet/ ſo iſt das Gelt Auch vor ſie verlohren/ und wird ſolches die groſſe Begebenheit genennet. Er khate auch liche Reiſen zu dem Konig von Macaſſar; gber man gewinnt aldorten nicht ſo viel als gegen den Königreichen Siam und Tunquin und gegen der Cochinchine. dach deme ich dann den Schluß nah Antam zu gehen gefaſſet/ der Malayiſcher prache aber unkundig ware/ führte ich meien Bruder/ welcher damahlen zu Batavia re, mit mir. Ich mußte deß wegen nach e Gewohnheit von dem General erlaubnuß aben/ welche er mir abſchluge/ weilen er nicht ahl mit dem Konig von Bantam ſtuhnde. ber zwey Sunden hernach/ lieſſe mir der Her: Carꝛon/ welcher damahlen Zeneral Didagen fz ware/ ſagen/ daß ich/ wann ich wolte/ debe te U emramin aller Sicherheit verreisen konder Alſo ſetzte ich mich amt meinem Bruuch uff ein kleines Schifflein/ welches wir 10 8 umb damit guff Bantam über zufahbet g wir/ als wir angelanget/ unſere erſte ſeluchung bey dem Engliſchen Preſidenten abAken/ welcher uns ſehr wohl empfienge/ und Nu zugeben wolte/ daß wir eine andere BeHanle als die ſeinige beziehen ſolten. Er ſc e noch ungefehr fünfzig Maaß MantiEen Weins mür welchem er uns zu beſchenniche ſich belieben lieſſe; dieſer Wein wird ger uglaſernen Flaschen/ alwo er derdirbet/ Allez den ſondern in erdenen Hafen/ darin er ede gut bleibet. 5 5 anderen Iggs frühe begabe ſich mein bender in den Königlichen Pallaſt/ allwo ant und Willkomm war/ umb zuveren wann wir ihne beſehen koͤnten. So * * dußzuruſten/ and mu welchen Wahren es jh203 bald aber der Konig verſtanden/ daß er dort er wird neware/ hat er jhme nicht geſtatten wollen mich denſt 915 den Koͤnig laſſen/ und daß man mir anzeigen ſolte/ daß/ gefordert. — 0 4. Bruder abzuholen/ ſondern befohlen mich kommen zu 50 wann ich etwas beſonders und koͤſtliches von Edelgeſteinen hatte/ ich ihme ein gefallen thun wurde/ ſo ich es mitbrachte. 5 Als nun Leuthe kommen mich auß Befehle des Koͤnigs mit in den Pallaſt zuführen/ und ich meinen Beuder nicht mit ihnen geſehen/ hatte es wenig gefehlet/ daß ich mich nicht geweigert ſolchen nachzufolgen/ und ich ſtelte mir vor die Augen die wweiſe/ wie namlich der König von Achen den Herzen Renaud, ſo mit ſeinem Bruder von Nantes auff bem Schiff welches Her? von Mondemorency in Indien abſchickte/ verzeiſet ware/ gehalten hatte. Ich will die G f n mit wenigem beſchreiben/ und diſer tritt wird villeicht dem Leſer lich ſeyn. Es 5 N ſe und ein kleines/ mit acht ſtucken abfahren Was fie * 55 5 laſſen/ auff welche ſich unter andern die zween mit Hr. ReBruder Renaud, ſo vor die Geſellſchafft naud und ſeinem Brie Dienſt genommen/ begeben. Ihre Schiffart der zugetraiſt die kurtzet und glůckuichſte/ davon jernals den. gehoͤrt worden/ geweſen/ und ſie ſind vor Bantam innerhalb vier monaten angela get/ der Konig hat ſie mit groſſer Freud empfangen/ und in geht oder zehen tagen ihnen ſo viel Pfeffer als ſie begehrt/ folgen laſſen/ und das in billichem Preiß/ maſſen ſie denſelben umb länder bekoſnen. In dem aber unſere Franzoſen nicht allein wege s dahin gereiſet/ ſondern weile ch wolten/ was die Handlun gelin/ Muſcatnuß und der 6 Bluſt ware/ haben ſie ihr kleines Schiff ein mit dem beſten theil jhres geltes naher Macaſlar geſchickt/ alwo gemeiniglich die Proviant⸗haͤuſer/ deß Koͤnigs wie ich anderwertig gedacht/ darmit verſehen/ weilen die Hollander mit aller jhrer Geſchicklichkeit nicht verhindern konnen/ daß die Einwohner dieſes Eylandes nicht in andern Inſeln/ wo das Gewurtz wachſet/ handlen/ welches ihnen ſehr verdrießlich/ maſſen ſie alle andere Voͤlckerſchaften durch jhre haͤnde zugehen/ zwingen und noͤhtigen wolknn 5 Nach deme unſere Frantzoſen in ſo wenig Zeit jhren Vorzath in Pfeffer zu Bantam gemacht hatten ſie die Geduft nimmer/ auff das kleine Söchiffein ſo ſie naher Macaſſar geſchickt hatten/ zu warten/ und um ſich den Un⸗ Sie deiſeg dich B lust zu vertreiben/ fiele ihnen eyn ſie wollen val auff Batavia ſpatzieren. Weilen dieſe Statt nicht mehr als vierzehen Meilen von Bantam enter net iſt/ kan man wann der Wind gut und vorteilhafftig it it einein Wund dahin gelangen/ und ſie befanden ſich deß morgens um acht Uhren in der Reede. So bald man Anker geworfen hatte/ ſchickte der General 8 a N berg * 204 8 neral von Batavia zu begruͤſſen/ welcher nicht underlieſſe auff dieſe Hoͤflichkeit zu anttvorten/ den General verpfuchtend quff das Land zu ſteigen um jhme eine Ehre zu erweisen. Et ſchickte zu eben diſer Zeit denen ſo in den ſchiffen gebliben waren/ viel erqaickende Sachen/ und abſonderlich Spaniſch und Rheiniſchen Wein/ und befahl den überbringern, jenen alſo mit dem Trunck zuzuſprechen/ daß ſie voll wurden. f 8 Dieſer Befehl ward alſo vollzogen/ daß jhnen nachgehends leicht geweſen/ die Schiffe mit Feuer/ nach dem ſie beordert worden/ anzuſtecken; und gleich wie man von dem Eßſaal der Feſtung/ alwo der General zu Bakavia die Außländer ſpeiſet/ die gantze Meerrede entdecket; Alſo hat ein Rahtsher⸗ auß Indien/ ſo zu Tiſche ſaſſe die Zlammen ſehend laut geſchryen und geſagt/ er glaubte die Fran tzoſiſchen Schiff waren im Brand. Woruͤber der General zu Batavia ſich ſehr beſt uͤrtzt zu ſeyn anſtellete/ und der Frantzoͤſiſche General, der wohlermeſſen konte woher ſolches kom men mochte/ ſaze die Geſellſchafft ohnberwegt an/ daß diſes/ ſagte er/ uns nicht verhindere in dem Trunck fortzuſetzen/ die ſo das Feur einlegen laſſen/ werden ſolches bezahlen. Aber er bildete ſich damahls nicht ein/ daß die verlängerung des Geltes Werth ſeyn wurde und man hat nicht den vierten Theil deß ſchadens erſetzet. So ſind dann die Frantzbſiſchen Schiff eingeaͤſchert worden/ und alle ſo darinnen waren guff Rennſchiffen/ ſo man jhnen eilends zugeſchickt/ davon kommen. Der General zu Batavia hat ihnen deßwegen viel anerbotten/ welches ſie außgeſchlagen und ſind naher Bantam gekehret/ um aldorten auff ihr kleines Schiff zu warten. e Als ſolches angelanget/ fanden ſie kein „ l L beſſer Mittel zu ſeyn/ als ſhre Wahren und das Schiffe ſelbſt den Engellaͤndern zu verkauffen/ und daß Gelt iſt unter jhnen nach eines jeden Stand und Beſchaffenheit vertheilt worden. Die Engelländer haben hnen den Durchzug in Europa anerbotten; Aber es waren nur der General und etliche der vornehmſten Officireren die ſolchen genommen. ſertter damit Der meiſte Theil der Frantzoſen iſt in Indien ergangen. geblieben/ und den Portugeſeren zugezogen/ hey welchen damahls etwas zugewinnen geweſen⸗. 5 f N Es haben die Holländer nicht allein den Frantzoſen dieſen ſchlimmen Poſſen gethan/ ſonder den Engellandern ein noch ſchlimmers Stücklein bewieſen. Es ſind dieſe die Erſten geweſen/ ſo erkennt/ daß die Reiſe alzugefahrlich ware/ ſich von Suxate oder don Malipatan oder von andern Orten zu begeben um auff einmahl in Japonſen zu ſchiffen/ ohne daß man an einem Ort ſtill ligen konte wann die Winde ſich widrig erzeigen. Sie hatten Und wie es krathſam befunden eine Feſtung auff der In8 fil Formola zu bauen/ welches der Verluͤrſt bieler Schiffe gewendet/ zu dem daß dieſes ihnen einen groſſen Nutzen verſchaffte. Die Hollander ſo eyferſichtig/ daß die Engellan5 ter ſehr übel weren zugerichtet en ware zum mi dahin zubringen/ lie fen holen/ und die beſchrribung in Indien/ der/ ſich eines ſolchem guten Orts als dieſe war bemaͤchtiget/ weilen es der einige Ort auf der gantzen Inſel i/ wo die Schiffe in Sicherheit ſeyn konten/ und ſehende/ daß ſie ſol⸗ 5 ches mit Gewalt nicht einnehmen konten e le jhnen dieſe Verꝛaͤtherey bey/ zu dem Ende ihres Anſchlags zu kommen. Sie ſchſcken zwey jhrer Schiffen dahin /auff welche ſte ge re beſte Soldaten verſetzek hatten/ welcedes gleichenthaten cls ob te von bem een e ordel 10 Schiff nogtloß und an unten 77 e ſehen/ und alle 17 Soldaten ſtelten ſich kranck/ die Engellander game durch diß Elend/ welches doch nur erdichtet ttleiden bewogen/ baten deren Vorgeſetzte auff das Land/ ſich zu erholen/ außzuſteigen/ welches ſie alſobald annah, men/ und lieſſen ſo viel von ihren Leuten als jhnen moͤglich war auff daß Land ſteigen/ ne ten dem Vorwand daß ſie kranck weren und. daß man ihnen beſſer zu Land als in den Schif⸗ 1 fen zu Hilff kommen konte. Ingleichem 5 2 die Fürnemſten mit dem Engellandiſchen. berhaupt zu Tiſche ſaſſen/ welcher ſie ſehr ho lich zum Mittags⸗ mahl eingeladen hatte/ m, wo ſie/ umb ihren Zweck beſſer zu erꝛeichen mehr Leute hinbrachten/ als ſonſt in derglee chen fallen anſtandig iſt; und umb noch ner ö ſſen ſie von Zeit zu Zeit un terſchtedliche gattungen Wein auß den Sch. ſolche brachten/ hatten dae Wort alldorten zu verbleiben/ auff welches die Engellaͤnder/ die kein mißtrauen hatten/ nich Achtung gaben. Nach deme die Hollandek geſehen/ daß jene wol kruncken/ und es Zeit wa, re/ jhr Vorhaben in das Werck zu uicht ſtengen ſie ſich an mit dem Engelländiſchen Oe berhaupt zu zancken/ und die 0 deßwegen jhre ſchiedlichen Or Waaffen/ che ſte verborgen hatten/ herklirziů ziehen üer fielen die Engelländiſche Beſatzung/ we e ſte ohne groſſen Widerſtand nidermach e Auff ſolche Weiſe find ſie der Heſtung meiſte worden/ welehe ſie im Beſitz gehabt ⸗ biß von den Chineſern darauß ſind verſaget wo den. Ich konte noch viel andere Boßheitk Hollaͤndern erzehlen; allein es iſt Zeit ich wider auff diebrunſt der Franz en S fen in der Reede zu Batavia fomme- 0 1 Die zwey Gebrüder Renaud, von kweſche ich vorgehends geredet habe/ nach dene he Bantam etwas wenigs Gelt in der Ache lung/ ſo von dem verkaufften kleinen S 19195 und Waaren/ ſo ſie von Maccaſlat min, bracht/ hergefloſſen/ empfangen hatten ußden ein Mittel auff oa zu gehen/ Un hn ten der Portugeſen Wohlgewogen i, geſtalten zu gewinnen/ daß ſie ihnen ve zu ken in allen Orten ihrer Bottmaſſigert en handlen. In fünf oder ſechs Jahren Heagehn jeder zehentauſent Thaler werks gd. Der Elteſte handlete mit Leinwan e mit derer grober Waare/ und der Jungen inn Edelgeſteinen. Die Portugeſen Ha auff Brauch/ alle Jahr drey oder 4. Schi un Achen zu ſehieken/ lh . D. ſieſſen. ge Drittes Buch. Gold zubekommen/ und ſie brachten im GeReutheil allerhand weiſe und gefarbte Tücher/ Ibſonderlich blaue und ſchwartze dahin. Sie chickten dem Konig auch Edelgeſteine/ weil er ſolche liebte und ſehr hoch hielte/ die bende enaud gebrüder nahmen jhnen auch vor/ da, ſi in wegen jhrer Handelſchafft zu reiſen/ der Elte e brachte Tücher und der Juͤngere Eelgeſteine/ unter welchen vier Ringe ungefehr tzehen tauſend Thaler werth. Als ſie zu chen angelan get waren/ befanden ſie ſich k anderen Portugeſern an dem Hof des foͤnigs/ welcher zwey Meilen von dem Meer gt/ und ein jeder wieſe dem Konig und den erzen/ die bey jhme waren/ auf/ was er mit gebracht hat. Was die Edelgeſteine belanar bald der Konig das Geſicht auff die ler Ringe geworffen/ wolte er ſolche haben/ aber er wolte nicht mehr als fuͤnffzehen tauund Thaler geben/ und der junge Renaud wol& achtzehen tauſend haben. Weilen ſie ſich uicht vergleichen konten/ nahme er ſolche wier mit ſich/ welches dem Koͤnig ſehr mißfieder jhn des anderen Tags wider zu ſich beſufte. Renaud, welcher ſchon zuruck in den 9 ff ware/ ſtuhnde ſehr lang im Zweifel ob 1 wider zu dem Konig umbkehren ſolte oder nacht; weilen aber alle Schiff⸗Beammtete ih3 darzu riehten/ entſchloſſe er ſich endlichen darzu/ und der Konig nahme die vier Ringe ub die gchtzehen tauſend Thaler/ welche er l zur Stund bezahlen lieſſe. Aber ſeit daß bon dem Koͤnige weg gegangen/ hat man utermehr wiſſen könen/ was auß jhme wore und allem Anſehen nach hat man jhne im laſt heimlich ermorden laſſen. Pa e dard Begebenheit kame mir auch zu GeMinn 8 cken/ als ich ſahe/ daß mich der Konig von t dnantam abholen lieſſe/ und daß mein Bruder dat bey denen ware/ ſo mich abforderten. Je5 entſchloſſe ichmich hin zu gehen/ und nahfür wolf oder dreyzehen tauſend roupies Fade mit mir/ den Meiſtentheil Rini on dad von Diamanten auff Roſen⸗ weiſe gemacht/ beinen von ſiben/ die anderen von neun und 0 de von elff Steinen/ ſammt etlichen kleirmbaͤndern von Diamanten und Rubin. Ich traffe den Koͤnig ſammt dreyen ſeiner Heu ſammt meinem Bruder auff ken g genländiſche JBeiſe ſizend/ an/ die har6 fünf Schüſſeln Reiß unterſchiedlicher Far8 vor ihnen zu jhrem tranck hatten ſie panischen Wein und Brantentvein, ſarnt . deterſchiedlichen Gattungen Sorber. Nach Ji ich den Konig begrüſſet und ihmerinen dann von Diamanten/ und einen andern von band un Saphir/ ſammt einem kleinen Armdon Diamanten/ Rubinen und blauen dn, verehret/ hieß er mich nider ſitzen/ zugezfable mir eine Schale Brantenwein Ken, ed umb mir den Luſt zum eſſen zuerwef baß die Schale konte eine halbe Pariſer kh, der halten und ich versagte dem BedienWorube lie ſie überoeichte ſolche abzunehmen/ Bruder ſich der König verwunderke. Mein 8 11 hel. be das Wort/ und Theil. 205 bate jhn mich vor entſchuldigt zu halten/ ſagend daß ich niemahlen Brantenwein getruncken haͤtte/ allein was den Spanniſchen Mein belange/ konte ich deſſen ein wenig krincken/ 17 welches er befahle/ daß man mir geben olte Es ſeye nun daß die Mahlzeit ſchon lang gewaͤhret hatte/ oder daß der Konig begierig geweſen/ zu ſehen was ich brachte/ iſt er bald gufgeſtanden/ und hat ſich in einen Seſſel geſetzet deſſen Holtz verguͤldt war mit gemahlenem oder Streu ⸗ gold/ wie die Ramen an unſern Tafeln. Seine Fuß und Schenckel woren bloß/ und darunter ein kleiner Perſiſcher Teppich von Gold und Silber. Sein Kleid ware ein Stück von Tuch /darvon der eine Theil jhme den Leib von dem Guͤrtel bis auff die Knie bedeckte/ das übrige ware auf ſeinem Rücken und umb den Hals wie eine Binde; er hatte umb ſeinen Kopff herumb eine Gattung wie ein Schnuptuch von dreyen Spitzen wie ein Stirnband/ und ſeine Haare welche ſehr lang/ waren in einander geflochten und auff dem Haupt zuſammen gebunden. An ſtatt der Schuhen hatte er hoͤltzerne neben ſeinem Seſſel ſtehen/ und die Riemen die über die Fuͤſſe/ gleich wie die jenigen ſo um die Ferſen gehen/ waren mit Gold und kleinen Perlen geſtickt. Zween von ſeinen Bedienten waren hinter jhme mit groſſen Mehewablen/ deren Stecken waren von funff biß guff ſechs Schuhe lang/ dieſe hatten zu Ende Pfauenfedern/ welche in der Runde dem Boden eines von unſern Faſſern gleich ware/ auf ſeiner rechten Seiten ware ein altes ſchwartzes Weib/ ſo einen kleinen Morſel ſammt einem guldenen Stoͤſſel in jhren Handen hatte/ darin ſtoſſte ſie Blatter von Betle/ unter welche ſie Nuß von Araque mit Perlen ⸗ſaamen/ ſo man hatte zergehen laſſen/miſchete. Wann ſie 1155 daß alles wohl zerſtoſſen ware/ ſchlagte ſie mit der Hand den Konig auff den Ruͤcken/ welcher alſobald das Maul aufſperꝛte/ und ſie ſtriche ihm deſſen mit dem Finger hinein gleich den Weibern, welche den Kinderen den Brey geben/ weilen der Konig keine Zaͤhne hatte auch urſache daß er ſo viel von denen Betle Blättern gekduet/ und Tabac getruncken hatte/ daß jhme die Zaͤhne davon auß gefallen waren. Der Pallaſt des Königs von Bantam iſt keines ſehr vernuinftigen Baumeiſters noͤhtig geweſen. Es iſt ein viereckichter Platz mit vielen kleinen gefarbten Saulen unterſchiedlicher Farbe ohngefehr zwey Schuh hoch umbgeben/ wider welche man ſich anlehnet/ waß man ſſtzet. In den vier Ecken hat es vier groſſe Saule in die Erden geſtecket/ eine vlertzig Schuh von der andern entfernt/ der Boden iſt mit einer Decken von der Rinden eines gewiſſen Baums zuſammen gefüget/ überzogen als wann es ein Stück Tuch ware/ und kommien weder Floh noch Wantzen darein. Das Tach iſt von Coco Zweigen. Gantz nahe unter einem anderen Tach auch von vier groſſen Saulen unterſtützet/ waren ſechzehen der 805 lichſten Elephanten ſo der 9( 5 Er kauſſe! 3206 er hat noch wohl eine groͤſſere Anzahl) ſo zu dem Kriege verordnet/ und welche das Feurwerck nicht foͤrchten. Zu ſeiner Wache konte er damahlen zwey tauſend Mann haben/ welche unter dem ſchatten etlicher Bäumen hauffen weiß beyſammen ſaſſen. Sie ſind ſehr gute Soldaten ſo wohl zu Meer als zu Lande/ eiferige Mahometaner/ und welche den Tod nicht foͤrchten/ ſein Haram oder das Wohnhauß ſeiner Weibern ſoll eine ſchlechte Sache Pn dann wie er das jenige/ ſo ich jhme geracht hatte/ beſchaute/ lieſſe er zwey von dieſen alten ſchwartzen kommen/ welchen er etliche von diefen Edelgeſteinen gabe/ hnen ſolche zu weiſen. Dieſe zwey Alte giengen durch eine ſchlechte Thure ein/ und es hatte vor allen umfang nichts als eine art Pfale/ und die Erde ſo darzwiſchen mit Kuͤhmiſt vermenget. Ich bemerckte/ daß man nichts von deme/ was er ſeinen Weibern ſchickte/ wider zu růcke braͤchetliche Edel; te/ welches mich glauben machte/ daß man von geſtein dem Preiß nicht abweichen mußte. Alſo daß was ich jhme verkauffte ſehr vortheilhafftig abgienge/ und ward zugleich im ſelbigen Augenblick bezahlet. Nach deme ich eine Schale mit Sorbet getruncken hatte(dann was meinen Bruder belanget/ truncken ſie Brantenwein mit dem Konig) nahmen wir von jhme Abſchied/ und wir mußten jhme verſprechen/ daß wir deß anderen Tags gegen Abend wider zu jhme kommen wolten/ weilen er uns einen Dolchen/ den er auf die Turckiſche Weiſe machen lieſſe/ zeigen wolte. Allein hatte er nicht genug Diamanten das gefaſſe damit zu bedecken/ und er begehrte/ daß ich 8 um ſolchen vollenden zu koͤnen/ ſuchte. Wir kehrten demnach mit unſerem Geld in der Engellaͤnderen Behauſungen/ welche ſehr beſtuͤrtzt waren/ daß der Konig zwantzig tauſend roupies gußgezehlet hatte/ und ſagten uns daß ſie glauben ſolches ſeye der beſte Theil ſeines Schatzes. Deß andern tags gienge mein Bruder und ich zu dem Koͤnig um die Stunde/ wie er uns ſolches befohlen hatte/ wir fanden ihn an eben dem Platze ſitzen/ wo er des vorderigen Tages geſeſſen were. Es laſe ein Moulla bey jhme/ und verdollmetſchte jhme etwas auß dem Alcoran welcher Arabiſch ware. Nachdem er außgeleſen/ ſtuynde der Koͤnig und der Moulla auf/ jhr Gebatte zu verꝛichten/ und nach deme ſches verzichtet/ leſſe der Koͤnig den Dolchen/ eſſen Gefaͤſſe und Scheiden von Golde waren/ erbringen. Das oberſte an dem Gefaſſe ware ſchon mit Diamanten uͤberzogen/ und in dem Blatt ſo darůber ware ein groſſer face te weiſe geſehnitten/ welcher ſo viel als ich habe wiſſen koͤnnen zum wenigſten fuͤnfzehen oder ſechszehen tauſend Thaler werth geweſen. Der Koͤnig ſagte zu mir/ daß ſolcher hme von der Koſtbahrer Königin auß Borne ware verehrt worden/ und Degen des Königs von Achen, er ſelben naher Goa ſchneiden zulaſſen geſchickt/ aber er ſchatzet jhne mehrers als ich vermeinte daß er werth ſeyn mochte. Das gantze Hefte und ſo gar die Scheide waren von Gold/ ſo darauff ohne Ordnung gelegt ware/ bedecket/ welches mir zu verſtehen gegeben/ daß nommen hatten/ giengen wir auch mein Reis beſchreibung in Indien/ ſie nicht wiſſen/ was ein Entwurff iſt. D Koͤnig hatte noch keine Stein weder Diamam ten noch Rubinen/ noch andere um in die Einfaſſungen zu thun/ und wolte mich verpfichten deren zu finden ſo ſich wohl darein ſchickten. Ich gabe jhm zu erkennen/ daß dieſe gleichſann unmoglich ware/ und daß man ie nicht an ſolche Einfaſſungen binden ſolte. Want er die Menge der Steinen/ ſo vonnoͤhten den Dolchen zu bedecken/ zur Hande gebrach wurde man als dann andere den Steinen ahnliche Einfaſſungen machen/ und in unſerm Europa, wann man eine gleiche Arbeit unte fangt/ pfleget man alle ſteine guff wachs der Ordnung nach zuſtellen/ welches ich jhmeglſo⸗ ö bald geriſſen/ dieſes aber ware uber ſeinen Velſtand/ und er ſagte zu mir/ daß er nicht geſinnet ſeine Arbeit ſo er ſelbſten eingerichtet/ a und für ſeinen gebrauch machen laſſen/ zün verderben. Ob ſchon ich mich aller Urſachel bedienet/ dieſer Aufftragung zu entſchüͤttel ſo ich nicht wohl vollbringen mochte/ ſo wo te der Konig gantzlich/ daß ich den Dolchen mit naher Batavia nehmen ſolte. Ich ſtelte jh⸗„ me damahlen vor/ daß weilen ich ein frem were er/ ſehr viel wagte/ und daß ich mit dem Dolchen weg gehen koͤnte ohne daß ich wid kate; aber er antwortete mir lachlend/ da k ſich deſſen nicht beförchte/ und daß hne nicht unwiſſend ſeye/ daß die Frantzoſen n tüchtig einen ſolchen ſchelmiſchen Handel zu begehen. Endlich als ich mich nicht mehr e wehren konte/ belude ich mich des Dolchens 40% und nachdem wir von dem Konig abſchied 705 9% f. 75„ der und ich bey dem Englſchen Preſdennen ge 15 29025 e und jhme vor die 1 19 ichkeiten/ ſo wir von jhme empfangen ha uns zu bedancken. 05 3 Das XXIV. Cap. Der Author gehet wider auff Bara, und etlich Tage hernach kehre 0 wieder zu dem Konig von Ban um/ und wegen dieſer Urſach erscht er die gefaͤhrliche Schwermeres etlicher Facquirs oder Pilgern jhrer Zuruͤckreiſe von Mecqua. in Ach deme wir ſelbigen Abends mi Böen und ich mit dem Enge ſchen Preſidenten zu Nachts 0 1 6 7 6 00 g 175 en ei 1 0 dann on voſchet esch eren hatten/ ſetzten wir uns zwiſ Uhren und Mitternacht in ein Sa der Erden⸗Lufft ſo uns noͤhtig ware d e des Nachts/ und des 0 ags zwiſchen zehen und elf Uhren gel wir zu Batavia qn. Ich bliebe alldol tzig Tag/ allein umb den Konig von 15 zu bereden/ daß ich ihme keine 1615 vorgegeben hatte/ daß ich auch in wah w Zeit geſucht haͤtte was nicht zu fie tteweilen ich danahlen nichts zu hum hae ſang dunckten mich dieſe zwanzig Tage ſchr dann el Drittes Buch. dann zu Bataviahat es wenig andere Zeit⸗verkreibung als das Spielen/ deſſen gantzer Geton auf das trincken gehet/ welches nicht Weines thuns ware. Den Tag durch darff man wegen der groſſen Hitze nur nicht auff ſpatziezen gehen gedencken/ nur des Abends kan es hn um ſolches in der kühle zu thun/ annoch muß man es ſehr kurtz machen/ weilen ſo bald 90 Sonne untergegangen/ man die Porten beſchſſeſſet/ wann licht etwann der Herꝛ Ge. neral, Frau Generalin, oder etliche Rahtsd herzen aus Indien auſſer der Statt in ihren ie Garten ſeyn. In waͤhrenden dieſen zwantzig Wü Gagen ſtarbe der Herr Oant einer von den Indianiſchen Rahtsherꝛen/ und ward mit koſſer Ehrbezeigung zur Erden beſtattet. Es gienge ein Fahnlein Fuß volck vorher/ und man truge einen groſſen Fahnen/ worinnen des Pbgeleibten Wapen zu ſehen/ obwohler das erge wahl/ da er in Indꝛen gienge/ das geringſte 5 Amin des Schiffe verwalkel. Nach ſolchem Luuge man einen ſtab/ an welches ſpitze Spobe angebunden waren obtwohlen dle Warheit zu ſagen/ ich nicht glaube/ daß er jemahan zu pferde geweſen als auſſer die Statt zu el, keaeren. Einer von den Hauptleuten 0 ba lüge ſeinen Degen/ ein anderer ſeinen Sturmdenten getragen. Des abgeleibten Tochtermann folgte ſammt dem Herden General, ach welchen die Rahtsherꝛen/ſo wohl die der Fieſtung als der Statt/ nachfolgten/ von vieem Volck begleitet. Die vier Ecken des Tuchs dit welchem der Sarck bedecket ware/ wurDen durch vier Hauptleute getragen/ und alle die Ehren wurden ihme geleiſtet in bedenfeen der treuen Dienſten/ ſo die Geſellſchafft en ihm empfangen hatte/ wie ſolches der Here Feral ul die des Rahts außgaben; aber un Volckführte dieſem gang wiedrige neden, a 105 beklagten fich offentlich des groſſen Unks/ ſo ex den Boots/ und Kriegsknechten gethan hatte. dd Nach deme ich die zwantzig Tage zu Ba0 N His zugebracht hatte entſchloſſe ich mich dem ae olig von Bantam ſeinen Dolchen wiedeWc deb zu überbringen ohne daß ich Dia„danken oder andere Steine geſücht hatte; ann wann ich gantze Jahre alda verblieben ere hatte ich doch keine taugendlichen zu diei Einfaßfung gefunden. Mein Bruder be1 tete mich abermahlen/ und jeh nahme etche Edelgeſteine/ welche der Konig ndch nie8 ſahlen geſehen hatte/ mit mit. So bald wir Bantam angelanget/ waren tir vorhabens alebald den Engliſchen Prefidenten zu be5 uſſenzaber es kame uns ein Königlicher Befelge entgegen, welcher uns ſagte daß er beln hätte daß wir in einem Hauß ſo der KöFaun der Statt hatte/ wohnen ſolten. Dieſe auser ſind von Bamboue gemacht/ welches/ a d auderwerts geſagt habe/ hohle Rohr pegleen gd obtpohlen ſie eiſen⸗ art ſind/ zerdug dine doch als lwie unſere Wenden/ und Abeien machen die Indianer faft alle ſhre el, Es verooffe ſich ncht en halbe Stund/ urg hut/ und ſein Leib ward von acht Kriegs Bedaß wir in dieſem Hauſe waren/ ſo ſchickte und wie er. uns der Konig etliche Pateches, welches toaß⸗ e ſerichte Melonen ſind/ ehr bezuckert/ und in⸗ gen worden. wendig roth als wie ein Schürlach. Es waren auch Mangues, von welchen ich anderspo geredt habe/ und eine andere groſſe Frucht/ ſo ſie Pornpone nennen dabey/ ſo auch inwendig roht iſt/ deren Fleiſch weſch und eizem Schſwann gleichet und ſehr vortreflich iſt. Der jenige/ ſo uns dieſe Früchten brachte/ ſagte/ daß ſo hald wir die Mahlzeit eingenommen haͤtten/ ſolten wir zu dem Konig kommen/ welches wir thaten/ und fanden jhn amnoeh auf dem erſten Platz mit der alten die die blatter geſtoſſen/ und von zeit zu zeit ihne das Maul auffſperꝛen machte/ und jhme mit den Fingeren/ auff die weiſe/ wie ich geſagt habe/ einſtriche. Es ſaſſen fünff oder ſechs Hauptfeuthe in dem Saal herurm/ veſche etliche ſtuck Feuertverck/ ſo Chineſer dahin gebracht hatfen/ heſchaueten/ als Feur⸗Kugeln/ Nacketen und andere ſolche Sachen/ auff dem Waſſer zu lguffen dann die Clüneler übertreffen alle Voölcker der Welt in dieſer Materi. So hald ich den König in dem Stand mit mir zu reden ſahe/ uberdeichte ich jhine ſeinen Dolchen/ wie er mir ſolchen zugeſtellt hatte/ ſagende/ das Batavia fein Ort were/ alwo man Edelgeſteine finden konte/ und wann ich gleich etliche hatte finden konnen/ hatte man fie doppelt mehr als ſie werth waren/ bezahlen müſſen. Daß dieſe Aufftragung memanden zu verꝛichten moglicher were/ als denen/ ſo gegen Goa reiſeten/ und daß ehe deſſen ich mich dieſes wohl hatte underſtehen koͤnnen/ als ich zu Gos oder zu Golconda ware/ und noch beſſer in der Diemant⸗Gruben/ alwo man Steine von allerhand groſſe findet/ und welche man mit geringem Verlurſt um ſich in dieſe Feſtung zu ſchicken geſchnitten hatte. Uber dieſes nahme die Alte den Dolehen und truge jhn in den Haram, und der König redete ſeit her nichts mehr mit mir dar vo. Jeh weißte jhme folgends/ was ich noch Hue weiters von Edelgeſteinen mit mir gebracht aue ehen hakte/ und verkguffte jhme deren ein Theſl/ e⸗ geſteine ben ſö vortheilhafftig/ als das in der erſten Reiſe. So bald die Sonne undergangen“ welches die zeit iſt/ das die Mahoimetaner ihre Gebatte verꝛichten/ befahle er uns deß anderen Tags wieder zu kommen/ ſagende daß er uns wolte bezahlen laſſen. Als wir naher Pauſe kommen fanden wir einen von den Bedienten deß Engellandiſchen Preſidenten; welcher uns in ſeinem Namen zu dem Nachteſſen gebätten/ un neue Saffte/ ſo jhme auß Engelland/ auff die Rechnung der Geſellſchafft geſchiekt worden/ zu verſuchen. Dann innerhalb der ztwantzig kagen/ ſo roi zu Bara via getveſen“ waken ſhme zwey Schiffe mit Frantzoſiſch⸗ und Spanniſchem Wein und ſonderlich eine menge Bier antoine. Wix ſeind biß um Mitternacht bey dem Preſidenten erblieben/ welcher eine groſſe Freude uns wider zu ſehen bezeugte: 5 Des anderen Tages um zehen Uhren Mor Rasdbeſchreibung in Indien gens/ als wir uns/ mein Bruder und ich/ ſatnt einem Hollandiſchen Wund ⸗Artzt/ ſo eine von des Königs Weiberen heilen ſolte/ in das Schloß verfügen wolten/ giengen wir durch einen Weg/ alwo auf einer ſeiten der Fluß/ und auff der anderen ein groſſer Garten mit Pfählen umgeben/ und es ware zwiſchen beyden etwas raums. inder dieſen Pfählen hatte ſich ein abgeſchmutzter Schalck von Bantamz ſo guß Mecqua wider gekommen ware/ verborgen/ dieſer ſpielte auff Moqua, das iſt/ in jhrer Sprache/ wann einer von dem Mahometaͤniſchen Lumpengeſinde/ ſo auß Mecqua wider zuruck kommt/ ſich entſchließt/ ſeinen Cric in die Hand zu nehmen/ welches eine gattung von Dolchen iſt/ deſſen Klinge gemeinlich halb vergifftet/ laufft er durch die Gaſſen/ und 111 5 alle die jenige/ ſo dem Mahometaliſchen Geſetze zuwieder/ und er ergreifen kan/ um das Leben/ biß er endlich auch ſelbſten erſtochen wird. Dieſe Naſende glauben/ Gott und dem Mahomet dadurch ein gefallen zu erweiſen/ wann ſie alſo die Feinde deß Geſetzes ermorden/ und daß ſte auff ſolche eie koͤntten ſelg werden: So bald man ſie umgebracht/ pflegt das gantze auff Mecqua geſchicket/ ohne die Verehrungen/ ſo er gemeiniglich alle Jahr dahin gibet/ meldung gethan b So ware dann einer von dieſen FPacqultswelcher im Jahr 1642 von NMecqua kame, welcher/ nach deme er zu Souali den Fuß auf das Land geſetzet hatte/ alſobald zeichen einen Teufeliſchen Furie von ſich gabe. Er halle nicht ſo bald ſein Gebätte verdichtet daß er ſeinen Dolchen nahme und lauffend ſich auff da 000 etliche Hollandiſche Boofs⸗Knechte warffe a welche zu Lande waren/ um ihre Wahten gu 4, Schiffen ſo im Hafen lagen außzuladen. H ſie deſſen war genommen/ und ſich zur Gegen wehre ſtellen konten/ hatte dieſer unsinnige Facquir ſchön ſibenzehen vertdundet/ voll welchen dreyzehen ſturben. Die Canzare ſo al f hatte/ ware eine gattung Dolchen/ von we e chein das oberſte der Klingen drey Fingen 1700 10 breit ware/ und weilen es eine ſehr gefahrliche Hohe Wehre ist habe ich deren Gestalt wollen abe en bilden laſſen. Endliehen jagte ihme der Hol⸗ gal l landiſche Soldat/ ſo am eingange deßß Selk ge allwo die Befehlhabere und Kauffleuthe woa ze ren/ Wacht hielte/ eine Buchßen⸗Kucgel übel gin. zwerchs durch den Leib/ bon welchen 6 Loh 1 darnider fiel. Und alſobalden kamen die an deren Facquixs; ſo ſich an ſelbigem Orth bl en fanden/ auch gar die anderen Mahometanel nahmen den Leib und begruben ihne/ nach ver Saufen Mahommetaniſche dum pengeſindlein ſolche als ten eicher. Heilige zu vergraben/ und jederman ſteulet n ſhnen ein ſchöne Begrabnuß zu halten/ offtmahlen geſchihet es/ daß ein groſſer ſtarcker Heitler ſich in Bervich verkleidet/ und eine Hütte bey dem Grabe auffrichtet/ ſo er ſauber hält/ und mit Blumen beſtreuet. Nachdem man aldorten Almoſen gibet/ nach dem ſetzet er auch eine Zierde hinzu; geſtalten/ daß je ſchoͤner das Grab/ je mehr auch Andacht und Heiligkeit darbey gepffogen/ und deſto niehr Almoſen gegeben werden. Ich erinnere mich/ daß im Jahr 1642: zu Souali; welches der Suratiſche Hafen iſt/ ein Schiff von dem Groß Mogol angeländet/ welches von Mecqua fame/ in weſchem eins groſſe menge der Facquirs, ober Dervichs waren. Dann der Groß Mogol ſchicket alle Jahr zwey groſſe 95 für die Pilgere dahin/ deren durchgang frey iſt. Wann dieſe Schiffe zum Reiſen fertig ſind/ kommen diſer Facquirs von allen Orten Indiens daher/ um ſich darauff zu ſetzen. Dise Schiffe ſind mit guten Wahren/ ſo in Mecquia perkalifft werder/ beladen/ und aller Gewinn ſo darauff gemacht werden kan/ wird den Arien Pilgeren alß ein Alinoſen außgetheilet. Man bringt nür das furnehmſte wieder zu ruck/ ſo für das ander Jahr dienet/ und das vornehimſte beſtehet zum wenigſten nicht viel/ wann auff dieſen Wahren nut dreiſſig und viertzig auff hundert gewonnen werden; dann es iſt deren/ ſo hundert von undert bringt. Angeſehen/ daß die fuͤnehmſten auß deß Groß Mogols aram p und andere privat Perſonen/ auch ſehr anſehenliche Almoſen nach Mecqua ſchicken⸗ Ich habe zu ende meiner Beſchreibung des Türckiſchen Serrails, von deim reichen und prächtigen Geſchencke/ ſo der Groß Mogol im Jahr 1644. lauff vierzehen tagen/ ſahe man aldorten en ſchone Begrabmilß. Es wird ſolche alle Jahn dülrch die Engellandiſche un) Holländische Boots⸗Khechte/ wann die Schiffe im Ha fen ligen abgebrochen /dietpeiſ ſeeſelbiger def die ſtärckſten ſind; aber ſo hald ſie abgereiſet laſſen ſolche die Türcken wider erbauen/ une ſtecken viel Fahnen darauff. Etliche verrichten auch aldorten hr Geb ett? Laßt uns wider auff den Facguir von Geſel Bantam foimmen! Dieſer ſchlimme ware/ wie ich geſagt hatte/ hinder den cketen verborgen/ und weil mein Bru und der Hollandſche Wund⸗Artt /all, des f nebelt einander giengen/ ſtoßte er ale wir a 10 rade gegen jhtne uber waren/ eine Picken ain aan uns zü/ glaubende ſolche in den Leib eines von de uns drehen ein du ſencken. Gott wolte abe e daß er gar zu geſchwinde were/ und da 00 ſpitze allen drehen von dem Leib vorbey gie Der Holländer befande ſich auff meinen Li cken gegen dem Fluß/ und um ein wenig bene davorten inein Brüder und ich/ aſſe de, das Eiſen der Jucken feine Hoſen beruht und alſobalden faßten er und ich das ne 7 ole 55 eum in fechsmahl hundert taͤuſend kaupies. Es iſt der Facquit zoge guß allen feinen Krafte en ſeine Picken wider zu bekommen.„ der Bruder/ ſo mir zur echten/ und auff ſeiten ae Stacketen wave ſprange er als ein june und ſehr leichter hinüber/ und gab hin du Degen, ſtoͤſſe in den Leib/ von welchen en 1010 dem Plat bliebe. Aſſobalden kame ein g menge Chineler, und andere Unngaubige ſich nahe dabey befanden/ meinem Brudel 96 5 Hand zu küſſen/ und ſich gegen ihm zin 9. dancken/ daß er diſen Unſinnigen Faegu h 90 10 f e 2 I 1 l 1 ehe 0 10 h ende a 101 eue —— p 2 . Drittes Buch. 209 todet hatte. Von dar giengen wir zu dem Koͤnig/ welcher der That/ ſo mein Bruder begangen hatte/ ſchon kundig ware/ welcher jhme eßwegen ſehr gewogen ware/ und jhme eiden Gürtel schickte. Dann der Konig und die Befelchhabere/ obwohlen ſie Mahometaner ſind/ ſind ſie doch froh/ wann man dieſe Galgenvögel toͤdet/ wohl wiſſend/ das ſolches verzweiflete Leuthe/ mit denen es zeit iſt abzufahren. Der Koͤnig lieſſe mir das/ was er den tag zuvor gekaufft hatte/ bezahlen; aber er wolte nicht zugeben/ daß mein Bruder mit mir zurück kame/ wegen einer groſſen Luſtbarkeit ſo er anſtellen wolte/ und bey deren er ſich auch einfinden mußte. Es ware wegen vier groſen Schiffen/ ſo er hatte bauen laſſen/ und welche man in das Meer thun wolte. Es gate kein Konig von Bantam nimmermehr Ibclcher groſſe machen laſſen/ und vier oder fünf Tage lang ſolten es nichts als Gaſtereyen/ Hantze/ und Feuerwerck ſeyn. Alſo nahme ich ſcheid von dem Konig/ welcher mir auch einen ſchon geſtickten Guͤrtel verehrete/ und weir ſpeiſeten zu Nachts und ſchlieffen auch gar 1 Hollaͤndiſchen Wund⸗Artztes BehauDes ondren Tags gienge ich von dem Engliſchen Preſidenten Abſcheid zu nehmen/ welcher mich bey dem Mittagmahl behielte. In eme wir warteten/ biß auffgetragen ward/ wieſe er mir zwey Diemant Schnüre/ ſo jhme auß Engelland gekommen waren/ ſamt zu zweyen Tafeln genugſames Silber⸗Geſchirꝛe/ elches alles zuſammen funff⸗ und zwantzig kauſend Thaler wehrt ſein konte. Er wolte mir a ſolches Alles zuſamen verkauffen/ aber ich nahe nicht mehr als eine Diemant ſchnur um bey tauſend ſechshundert Realen; dann die 5 keine der anderen Schnur waren gar zu 0 uſt; und was das Silber⸗Geſchire betrift/ fate ich olches wohl kauffen können/ wann gan noch zu Batavia gemüntzet hatte. Man l jemahlen aldorten gemüntzet; allein ware III. 1 05 um mehr als zehen von hundert abgeuffen worden/ welches wegen der Chineſeren aſchahe/ welche das Silber mehr lieben als we Gold wie ich anders vo angedeutet habe/ 0 eilen ſie keine Silber⸗Gruben in jhrem Lanhaben/ und alſo ſo viel alß jhnen moͤglich ren/ der Silber⸗Müntze ſo zu Batavia geſchlagen worden/ in jhr Land überbrachten. Es W, bhelen, Necles“ halbe Reales und der dierte 005 f eil der Realen/ welche kein anders zeichen/ eh ale der Geſellſchafft jhres hatten/ wie man kee fuß der Figur ſo ich alhier beygeſetzet ſehen del. Auff einer ſeiten ware ein ſchiff/ und auff 1 deren ein V, O und C in einander gee aufe und bedeuteten dieſe drey Buchſtaben e D ollandiſch Vor Oſt-Indien Compagnie; e ha de ir die Of Indice Gele Dieſes 10 ahn. 5 b hatte etliche Jahr gewahret/ aber es Kalten endlichen alle Morgenländiſche Vollen/ 8 ft len/ ſo mit den Hollanderen handeleſſen mude zu werden/ inſonderheit aber die Volcker/ dero Obere keine Silber⸗Muntzen ſchlagen laſſen; dann es ſeind/ die Warheit zu bekennen/ ſehr wenig/ die deſſen Muntzen laſſen/ ſo bald man durch das Königreich des Groſſen Mogols gereiſet/ und zu dem iſt es nur Silber ſo auß Japon komt. Das Golde belangend/ ſind unterſchiedliche Konige/ ſo darvon müntzen laſſen/ als der Koͤnig von Pegu, der Konig von Achen, und der Koͤnig auß Macaſſar, und über Gold⸗Muntze haben ſie annoch von Kupffer/ und von Zinn. Die Chineſer ſo in allen Dingen verſchlagen/ pflegten in verkauffung ihrer Wahren/ jhre Rechnung auff dem Silber zu machen; dann alles das jenige/ ſo ſie in fremden Landen empfangen/ wann ſie jhres wider betretten/ thun ſie auff jhren Schlag/ und laſſens zu Klumpen ſchmeltzen. n Der vornehmſte gewinn/ ſo man von di⸗ Was von — 5 dee 2 n ſen Realen/ ſo zu Batavia geſchlagen werden/ zen in Ba zoge/ komt in den Beutel des Generalen, der kavia in obRahtsherꝛen und des Müntzmeiſters. Die adm a ebe Staaden ſo deſſen berichtet worden/ verwunderten ſich ſehr/ daß die Herꝛen der Geſellſchafft ſich unterſtanden hatten Muͤntze ohne 8 jhre erlaubnuß/ ſchlagen zu laſſen/ und haben deßhalbeh der Geſellſchafft verbotten/ ferners darinn fortzuſetzen. Sie langten ſo gar dieſelbe um eine groſſe Buß an/ und befahlen jhro zugleich/ eine genaue Nachforſchung aller dieſer Realen zu halten/ um hingegen allen den jenigen ſo viel gute wider zu geben/ ſo viel ſie von denen falſchen empfangen hatten. Zeit dieſer Reiſe/ ſo ich naher Batavia gethan/ als ich in der Inſul Ceylan ware/ verkauffte ich einer Stands⸗Frauen von Ponté de Galle, etliche Edelgeſteine ſo mich mit dieſen Realen bezahlt. Als ich auff meiner Abreiß begriffen/ kam ein Bedienter von der Geſellſchafft mich zu fragen/ ob ich keine von dieſen Realen empfangen/ und ſo ich darvon hatte/ wolte er mir ſtuck vor ſtuck geben/ damit ich nichts verlieren ſolte/ welches er alſobald gethan. Das XXV. Capitel. Von dem Kriege der Hollaͤnderen mit dem Kaͤyſer von Jaua. i He ich den Engellandiſchen Preſiden8 ten, ſo mich den tag meiner Abreiſe von Bantam geſpeiſet/ verlaſſen/ feengen wir an von dem/ was er von dem General von Batavia und ſeinen Raht vernom̃en/ wie daß ſie mir den Durchzug auff Surate, oder zu dem Bengaliſchen Strande um zu kehren verſaget/ alwo ſie doch ſehr offt Schiffe hinſchickten, zu reden. Der Preſident um iich wegen die⸗ Höllichker ſes Atſchlages zu rächen/ botte mir auff die Sade beſte weiſe den Durchzug auff Engelland an; dem Eu. dann wieder in Indien umzukehren/ ware 8 die zeit ſchon vorbey. Und weilen ich diſes An⸗ ger wird. erbietens ſehr froh ware/ nahme ich ſolches ohne groſſes Wort⸗gepraͤnge an/ und er ſeiner ſeits bezeugte ſehr froh zu ſeyn/ Geſellſchafft zu ha3 ben, 210 ben/ weilen er ſelbſten wider heim reißte/ und die Zeit ſeiner Dienſten verfloſſen ware. Allein weder Engellaͤnd⸗ noch Hollaͤndiſche Schiffe konten in mehr als 3. Monaten nicht in Kuro pa umkehren/ und ich glaubte/ daß ich diſe zeit am beſten zu Batavia vertreiben wurde/ wo ich etwas kauffen koͤnte/ un mein Gelt auff der Neiſe anzulegen. Alſo nahm ich meinen Abſcheid bey dem Herden Preſidenten, biß au die zeit/ daß die Schiffe abreiſen ſolten/ und er verehrte mir ein groſſes Faß Engliſches Bier/ um ſolches mit mir auff Batavia zunehmen/ alwo ich/ wie er ſagte/ wenig finden wurde/ weil der General ſolches verboten hatte wohl wiſſend das der Engellandiſchen Geſellſchafft deſſen ankommen were. Aber wann er uns nur diſes uͤbel bewieſe verſetzte der Engellandiſche Preſident/ wird ſich die Geſellſchafft deſſen wenig bekuͤmmeren/ und ſie wird doch nichts deſto armer ſeyn/ wañ ſchon ihr Bier ohn ververkauft bliebe. Es iſt dannoch im Grund der Sache nicht alſo/ daß wann das Verbott deß Hollandiſchen Generals und ſeines Rahts gewaͤhret harte/ ſolches den Engellanderen nicht nachtheilig geweſen ware: dann ſie machen einen namhafften Gewinn auff dem Bier/ und dieſes bringt jhnen Jahrlich eine groſſe SumIch habe ſchon vor dieſem geſagt/ daß es deß Volcks von Batavia groſſe Ergöͤtzlichkeit iſt/ die neuen Getrancke ankommen zu ſehen/ und uͤber alles das Engliſche Bier/ und das ſo Braunſchweigiſche Murnme genennt wird. Es glaubet ſolches/ daß diß Bier zu ſeiner Gefundheit diene/ und der meiſte Theil wurde ſich foͤrchten/ nicht mehr die uͤbrige zeit des Jahrs zuerleben/ wann ſie nieht von dieſen Erfriſchungen hätten. Alſo daß gantz hoch wider den General und ſeinen Naht gemurret wurde; ſo gar die Wirthe underſtunden ſich von den Engelländern Bier zu kaufſen/ der General thate die Augen zu/ und die Nahtsherꝛen Weiber waren froh/ daß ſie deſſen trincken konten. f Als ich in dem Port zu Batavia an das ard geſtigen ware/ liefe einer von der Wacht zu der Zollkammer anzuzeigen/ daß ich mit einem Faß Bier angelanget were/ welches ich unterdeſſen guß dem Schiffe nehmen lieſſe/ und gantz nahe zur Hauptwacht legen. Nach deme der Zoll⸗Kammer⸗meiſter ankommen/ ſagt er/ daß er mir die Erlaubnuß das Faß in meine Bewohnung zu verſetzen nicht geben konte/ daß ich deß Verbotts deß Rahts nicht unkundig ſeyn ſolte/ und daß es beſſer were/ ich thate ſolches wider auff das Schiff/ und ſchickte es auff Bantam zurücke. Als ich demnach ſahe/ daß keine Gunſt zu erlangen were/ und umb die Hauptwachte herum zu entſetzung deß Hafens gerichtete Stücke und eine groſſe menge Kuglen waren/ lieſſe ich eine von denen Kuglen nehmen/ und damit einen von deß Faſſes boden einſchlagen. Als dieſes geſchehen ruffte ich den Soldaten und vorbey gehenden; Kinder kommt und lahret dieſes Faß und trincket auff geſundheit des Koͤnigs ff ne Wohnung konte bringen ben ſich durch Mittel dieſer wolte gern dort feine beständige Wohne Reis beſchreibung in Indien/ in Franckrrich meines gnaͤdigſten Herꝛen/ und e auf deß Furſten von Uranien ſeing; Eu nach welchem ich auch des Herꝛen Genera be und der Herꝛen des Nahts meldung thate. 4 J Weilen num memand das krincken ſparte/ koa e re das Faß ſchon halber außgelahrt/ als e Bedienker des Herꝛen Generals ankame me zu ſagen/ daß ich mein Faß mit Bier in melaſſen. So bal ich dieſes vernommen/ lieſſe ich den Boden wil der in das Faß machen/ und ſolches wegtragen; nach welchem ich eine Flasche von ſeche Maaßen anfüllte und ſie dem Herzen Genera ſchickte/ wohl wiſſend/ daß es das erſte wall ſo er ſelbiges Jahr getruncken hatte/ und mt dem übrigen verehrke ich meine Freunde. Ich ware willens/ wie ich ſchon geſagt habe) die dreh Monat/ biß daß Schiffe in di Chriſtenheit abſegelten/ zu Bata via zu zubeibgen; allein weilen das Leben/ ſo alldorten 9 fuhrt wird/ ein muſſiges und verdrußliches Leben iſt/ und faſt keine andere Zeitvertrel din 97 dung als ſpielen und trincken/ nahme ich vor dal einen theil dieſerdrey Mongten um den Konig e von Japar, ſo ſonſten der Kayſer von Java genant wird/ zu ſehen. Er iſt es ſo vor diefen Konig über die gantze Inſul geweſen/ ehe der König von Bantam, welcher nichts als Guß bernator einer Sandſchafft ware/ ſich wider n auffgeworffen hatte/ und die Hollander ha Trennung diese zweyen Monarchen in dem Lande feſt geſezeDann ſo bald der Konig von Japar Bata belägern wolte /hat der Konig von Banter. den Holländern alſobald Hüfffe zugeſchickt; und wann ſolche von dem König von Bante angegriffen worden/ welches offtmahlen gſchehen/ iſt ſolchen der Konigvon ſapar gui, fe kommen. Ja gar wann dieſe zwey König, imiteinander Krieg fuhren/ werden die Bo“ länder dem ſchwächſten beyfſehen.. Bh Der König von Japar halt in einer Saß 1. von welcher er den Namen tragt/ ſeinen en bal und welche von Batavia auff dreiſſig Meile entfernt iſt. Man kan nicht dahin alf 15 5 dem Meer/ nach der Lange des Sanden und iſt ſolche nahe bey acht Meilen in ß Land. Voß der Satt falt ein chöne nd biß in das Meer/ allwo ein guter Haft * 7 ſchoͤnere Hauſer als in der Statt. benzaber er glaubt alldorten nicht ſicher lun Den Abend als ich mir vorgenommel ber te von dar abzureiſen/ gienge ich von einen chIndianiſchen Rahtsherzen Abſchied ich 10 nnen/ und als ich ihm geſage hatte daß 1h dem Koͤnig von ſapar wolte verwunderte 0höͤchlich darüber/ dieweil damahlen die Er yig und die Hollander tod⸗Feinde wal Wel erzehlte mir die Urſach auff folgende„de Der verſtorbene Konig/ ſagte er 1 un 0 19 1 l 5 ſen Vatter ſo albereit hereſchek“ ha b auff du 0 eit daß die Holländische Geſellſchalt gun gens 101 5 0 1 19 Batavia albchen 5 laſſen/ keinen Frieden mehr mit N geg der wollen. Obwohlen in wahrendem K Fon Drittes Buch. Konig etliche Hollander gefangen bekommen/ und die Hollander ſhrer ſeits zwantzig mahl mehr ſeiner Unterthanen gekriegt hatten/ und ich erbotten zehen der ſeinen vor einen Holländer auß zu wechſlen/ wolte er doch niemahen keien weder auff dieſen Anbott noch um Gelt folgen laſſen; und im Todbethe beſahle er ſeinem Sohn/ welcher jhme in der Cron Hachfolgte/ keinem deren nimmermehr die Freyheik zu erteilen. Dieſe Halsſtarzigkeit verdroſſe den General und die von Batavia uber die maſſen/ und waren auff Mittel bedacht ihne umb deſſen Urſache zu befragen. Es iſt der Gebrauch/ daß/ wann ein Mahometaniſcher Koͤnig geſtorben/ ſchickt der ſo jhme nachfolgt/ etliche vornehme Herꝛen mit Verehrungen auff Mecqua, ſo wohl für die Seele des verſtorbenen zu betten/ als auch für Gott und dem Mahomet zu dancken/ daß ieſer neue Konig ohne einige Verhindernuß den Throne beſtiegen/ und damit er allezeit eg wider ſeine Feind haben moͤge. Der neue Kong und ſeine Nähte berahtſchlagten ſich wegen zweyer Urſachen/ wie doch dieſe Geſandtſchafft abzuſchieken were/ erſtlich weilen der König keine andere als kleine Schifflein hatte/ und daß man viel wagke/ vann man ich unterfienge einen ſo weiten Weg auff ſo leinen Gebaͤuen vorzunehmen; angeſehen daß jhre Schiffleuthe und Bootsknechte nur tauglich ſeyn nach der Lange des Geſtgads zu ſchiffen/ und wo ſie von einem Land auff das andere ſehen konnen/ dieweilen ſie keine Hoͤhe zugewinnen wiſſen. Die andere Beſchwernuß ware/ daß dem Konig von Japar nicht unbekant ware/ daß die Hollander allezeit um en Hafen herum ſtrichen um ſeinen Unterthanen auffzuwarten/ wann ſie außgiengen. Damit dann die fenige welche der Konig auß ſchickte um die Wallfahrt zuverꝛichten/ in Sicherheit ſeyn konten/ nahme er jhme vor/ ſich mit den Engellandern zu vergleichen/ glaubendedaß die Hollander ihn nichts thun doͤrffen/ ann ſie in dem Engellandiſchen Schiffen eren. Deßwegen wurde ein Abgeordneter guff Bantam, an den Engellandiſchen Preſienten und ſeinen Naht geſchickt/ welche dem dean verſprochen ein Schiff von den beſt ver8 dem und groſſeſten ſo die Geſellſchafft in Inen ſchickte/ zugeben. Und daß zur Vergelf 51 von aller Handlung ſo die Engellander d, is künftig auff dem Land deß Konigs von fene Japar thaten/ ſie nicht mehr als den halben e a Theil von dem Zoll/ ſo ſie bißher gegeben haru.: ben/ bezahlen ſolten/ und daß dieſe Freyheit jeerzeit wahren ſolte. Nachdeme 195 Verglich gemacht worden/ ruſteten die Engellaͤnber ein ſchoͤnes Schiffe auß/ und ſetzten mehr uke und Stucke darauff als ſie ſonſt gewohnt waren; der Abgeſandte von dem Ko10 von Japar und zwey Engellandiſche Kaufale gegten ſich darauff um den Verglich von da Kong beſtal g beſtaͤtigen zu laſſen/ welcher ſolchen watkalden unterſchriebe und mit ſolchem ſehr zu frieden ware/ und weilen er ein ſo wohl ußgerüſtes und ſchones Schiff fahe/ glaubte 211 daß ſo wohl auff der Hin⸗als Herfahrt man ſich aller Sicherheit zu vertroͤſten hatte. Neun der vornehmſten ſeines Hofes/ und der mehrere Theil ſeiner Verwanten/ ſammt achtzig oder hundert Perſonen ſie zubedienen/ und andere vor ſich ſelbſten/ waren ſehr froh dieſe ſchoͤne Gelegenheit zu finden jhre Wallfahrt zu verzichten/ und ſetzten ſich mit Freuden auff dieſes groſſe Schiff. Diß alles geſchahe den Hollaͤndern nicht unwiſſend/ welche ihre Außſpaͤher ſo wohl überal hatten als die Engellaͤnder/ und weilen man nothwendig vor Bantam vorüber fahren muß/ umb auß der Meerenge heraußzukommen/ und auch kein anderer Weg als dieſer iſt/ lieſſe der General von Batavia, welcher der Zeit der abreiſe berichtet ward/ drey groſſe Kriegs⸗Schiffe in Bereitſchafft halten/ auf welche der Herꝛ Cheveres ein Indiſcher Rahtsherꝛ und der Herz Major/ darauff zu befehlen geſchickt worden. Sie traffen das Engliſche Schiffe von Bantam an/ und wie ſolches anfienge in die MeerEnge einzulauffen/ ſchickten ſie ſolchem einen Canonen ſchuß zu/ zum zeichen/ daß ſolches jhrem nähern ſolte/ welches die Engellaͤnder nicht thun wolten. Als die Holländer ſolches ſahen/ fiengen ſie an alles Geſchutze ihrer dreyen Schiffen auff ſie ſpilen zu laſſen; die Engellaͤnder welche wohl ſahen/ daß/ wañ ſolches fort währte/ ſie zu grund geſchoſſen wurden/ lieſſen ſie die Segel nider und wolten ſich ergeben: aber alle dieſe Herꝛen von Java, ſammt denen ſo ſie begleiteten/ ſchrien den Engelländeren zu/ daß ſie Verꝛaͤhter weren/ und daß der verglich/ ſo ſie mit jhnen gemacht hatken/ nichts anders als ſie zu verkauffen und in die Hand der Holländern zu liefern were. Als nun die Javonier ſahen/ daß keine Hofnung einiges Heils vor ſie zu finden waͤre/ und die Hollander jhnen zu nahern anſiengen/ nahmen ſie jhre Cries oder Dolchen ſo vergifftet waren/ und fiengen an gegen den Engellanderen engellander auff Mocca zu ſchreyen/ von welchen ſie eine dagen groſſe Anzahl toͤdeten/ ehe ſie die Zeit ſich zu umbracht. wehren gewinnen koͤnten. Es were villeicht keiner davon gekommen/ wann die Hollander nicht geſchwinde an das Geſtaad gekommen weren; es waren dieſer Javoniſchen Herꝛen ſammt zwantzig oder dreiſſig ſo wohl von jhren Dienern als ſonſt reiſenden/ ſo kein quartier wolten. Der ſtreit ware blutig/ und ſechs oder ſiben Hollander mußten darbey ihr Leben laſſen. Nachdem das Engellaͤndiſche Schiff auff Batavia gebracht worden/ thate ihnen der General groſſe Höflichkeit/ ſchickte ſie wieder mit jhrem Schiffe hinein/ und berichtete folgends den König von ſapar/ daß wann er mit den Holländern, ſo er in ſeiner Gewalt hatte/ einen tauſch treffen wolte/ wolte man ihme alle Genugthuung leiſten. Allein der Konig wolte keines wegs davon reden hoͤren/ under lieſſe hnen ſagen/ daß wann ſie ſchon ſeiner Unterthanen dreymahl ſo viel gefangen bekommen hatten/ wolte er doch die Hollander/ ſo in ſeiner Gewalt weren/ nicht loß geben. Alſo daß 1 Hollander al4 lezeit demeine Tapfferkeit f bai e den Leib/ biß an das ende wo der Hollander chblet ſei f 5 nen Schluß Sumatra, ſo gegen Nidergang ligt/ fuhre/ zu212 lezeit Leibeigene verblieben/ und die Javonier ſind vor Elend zu Batavia geſtorben/ obwohlen man auß Staats⸗grunden ſolchen etlichmahlen unter der Hand beygeſprungen/ damit wann der Koͤnig von Japar ſolches erfuhre/ weil ein jeglicher aller Orten ſeine Außſpaͤher hat/ ſolches jhn dahin bewegen moͤchte die Hollander minder übel zuhalten. Im übrigen ſind die Javonier ſehr gute Soldaten/ in waͤhrender Zeit/ daß Batavia von dem Konig von Bantam im Jahr 1659. belaͤgert wurde/ als ein Hollaͤndiſcher Soldat in einem Moraſt im hinderhalt war/ nahete ein Javonier hinzu um was der Feind thaͤte zuentdeckon/ nicht vermeinend daß er ſolchem ſo nahe ware. Der Hollander ſtoſſte jhme ſeine i vor dieſe einige Summa zwey und ſibentzig Picke in den Leib/ und als ſich der Javonier verwundet fühlte/ an ſtatt die Picken zu rück zu ziehen/ ſtieſſe er ſolche immer weiter in ſolche hielte/ damit er ſolchem naͤhern moͤchte und jhme/ wie er auch thate/ zwey dolchen⸗ſtoͤßſe in den Magen Hollaͤnder ſtarbe. Das XXVI. Capitel. Der Author leget ſeinem Bruder/ welcher zu Bata via ſtirbet/ die letſte ſchuldigkeit ab/ und hat wider neue Streithandel mit dem General und ſeinem Raht. f 5 N nun aller Hofnung beraubet wageben/ von welchen der re/ den Koͤnig von Japar zuſehen/ hatVte ich mich entſchloſſen ein kleines Schiflein/ ſo einem Burger zu Batavia zugehoͤrte/ und nach der lange des Geſtades von beſteigen. Alda iſt der Ort wo der meiſte theil der Handelſchafßft/ die man von dieſer Inſul ziehen kan/ gepfllogen wird/ welche in Gold/ ſo ſehr gering/ und in Pfeffer beſtehet. Was mich dahin zugehen verurſachet/ ware/ etliche Diamant⸗ ringe/ wie ſie in ſelbigen Lande gebrauchlich/ zu verkauffen. Dann obſchon dieſt Voͤlcker nur zwey oder drey Ehlen tuch zu einem Kleid haben/ ſo muͤſſen ſie nicht deſtoweniger etliche Diamant⸗Ringe und Ohrengehencke haben/ welche ſie wohl bezahlen. i i Als ich mich auff das Schiff zu ſetzen am Geſtade ware/ gelangte ein kleines Rennſchifflein von Bantam an/ in welchem mein Bruder ware/ ſehr kranck an dem Blutfiuß/ ſo von dem unor dentlichen Leben/ welches er dem Koͤnig von Bantam zu gefallen mit jhme geführt Seines su. hatte/ herkame. Als ick ihne in dieſem Stand e tealal⸗ ſahe/ ſtellte ich meine Reiſe ein/ um auff ſeine Geſimdheit bedacht zu ſeyn. Allein alle meine Sorg und alle Mittel/ ſo man jhme gebrauchte/ hulffen nichts/ und nach VerffieſSein Tod. 90 dreyſſig tagen nahme jhn der Hoͤchſte auß ieſer Welt/ denſelben nun zu begraben/ mußte ich zimlich ſelzamencebrauchen Wage welche die Hollander/ um des verſtorbenen Erben das Gelt auß dem Seckel ulocken/ erzwantzig Francken Frantzoͤſiſcher Gouna 75 nommen/ daß ich niemahlen nicht das ſonnen haben. Der erſte Umkoſten gehet auff die/ ſo zu der Begrabnuß bitten; 0 Begrabnuß. Wann man nur einen nimmt ſo gibt man jhme zwey Thaler; aber wann ten; dann jemeh muß man dieſer einladern beſtellt/ je ehrlicher iſt die Reißbeſchreibung in Indien/. d Bell man zwey nimmt/ muß man einem jedwedern vier Thaler geben; nimmt man dann drey/ ſo ſoll ein jeglicher ſechſe haben; und wann man deren ein dotzend gebrauchte/ ſo ſtiege auch allezeit der Lohn auff beſagte weiß hoher. Weil ich demnach wolte/ daß alles gar ehrlich hergienge/ und ich dieſes artigen Gebrauches nun berichtet ware/ beſtellte ich dieſer Keuthen ſechs/ und als es ſie zubezahlen kamehab ich mich ſehr verwundert/ daß mir ein jeglicher zwölf Thaler forderte/ und daß ich Thaler haben mußte. Die Decke/ ſo gu den Sarck gebraucht wird/ muß man in dem Spital nehmen/ und das iſt ein Recht/ o den Armen gehoͤret/ welches jhnen Nutzen bringet/ das ſchlechteſte iſt von wollenem ku und die drey andere ſind von Sammet; ein ohne Franſen/ das andere mit Franſen/ un das dritte mit Franſen und groſſen Zoͤpffen/ net/ ſteiget der Zins darauß von fünff Tha8—* ö 0 an vier ecken/ und wann man ſolches entleh⸗ me öl lern biß auff dreyſſig/ und ich bezahlte vor das, 4 ſo auff meines Bruders Sarck gedecket wol den/ zwanzig. Ein Faß voll Spanniſchen Wein/ ſo bey deſſen Begrabnuß getruncken worden/ koſtete mich zwey hundert piaſtres. Ich bezahlte ſechs und zwantzig vor 11 Schuncken und etliche Ochſen Zungen/ un zwey und zwantzig vor Paſteten⸗ Zeuge. iſt auch der Gebrauch/ daß man des anderen Tags den jenigen ſo den Leib zur Erden g.“ tragen/ etwas Geld um ſich zuerluſtigen ſchickte/ und weil deren acht waren/ lieſſe ich hlt zwantzig Thaler geben. Es mußte vor de Plat auff dem Kirchhoff/ alwo man ihn hin begraben/ ſechszehen Thaler ſeyn/ und ſie gehrten hundert/ wann ſie ihn hatten e in die Kirche legen. Alſo daß die gantze 9 graͤbnuß mich zwolff hundert und mu koſtet; und nach deine ich dieſes Gelt au uf ſeckelt/ ware es urſache/ daß ich ein wenig a 0 mich gedachte/ nur nicht in einem Land /a es ſo vicl um ich begraben zu laſſen/ koſtet/ d stehen a 5 N 55 dancke Gott/ das ungeachtet 92 7 75 ſtöſſen/ ſo ich zu Batavia gehabt/ 1 77 welchen ich nur den halben theil erzehlet, 1 5 i ſart dem unordenlichen Leben/ von we. man ſich in ſelbigen Lande ſchwerlich gang gehalten kan/ ich mich doch ſo wohl in acht e ſte Kopffweh gehabt/ auch nicht den Blk, fluß/ welches eine Kranckheit iſt/ di wegnimt. Welches nach meiner welch g meiſten zu meiner Geſundheit behüte 4 ſen/ iſt/ daß ich mir wiſſen niemahlen 112 ringſten verdruß in einer Sache ſo ie gegeſtanden/ ſie ſeye ſo boß geweſen alß wolt/ gehabt habe. Ich 5 4 Gel Leute e viel“ m 1 aAauffen dor „ Drikkes Baß 213 / Ich habe manchm alen groſſen Gewinn ge. lacht auch habe ich im gegentheil offt groß en. Vetlurſt erlitten, und in den verdrüle in Begebenheiten“ habe ich meinahten über eine halbe Stunde mich zu beſinnen/ was in dass kunfftige zu thun ware/ zugebracht/ ohne daß ich ſeiahlen mehr auff das vergangene gedacht hätte/ allezeit die Gedancken des heigen Jobs im Sinne habend/ daß Gott gebe und nehme/ wal es jhm gefalfe; und daß man une vor alles/ was rie % Als ich geſehen daß die wo Reifen/ ſo ich thun mir vorgenommen hatte die eine zuf par; und die andere an 1* baba etliche Ebelgeſteine ſo mir berge; diben züerkalcſen Unterbrochen worden bend ech thbllch klbige zu Bata, gut mir m M. Sachen deltauß ich meinen Nutzen in mltand wachen konte az atvenden. Sobald Hun trpitze Edelgeſteine verkauft waren fag n thir drey oder bier meiner Freunden/ diewal ich paares Gelt härte“ konte ich ſolches Aa beſſer adenden alß wann ich von den Bebienten der Geſellſchafft die Kecuenings kcuffte. Diſe Kequenings ſeind ihre Rechgungen„von deme was die Geſellſchafft jhen hoch ſpeiters ſchuldig verblieben; das wird . zand kommen. Walen aber deren diel find ne hach derne ſhre Zeit derfoſſent zu Bata a gerbleiben/ und dort Burger werden/ aach anderen Orten/ altnd die Geſellſchafft Plak an, an dem Strande von Coroméndel and an ankderen Orten/ hat ein jeglicher ſelne Tc eſene Rechnen was ſhine die Orell cha berblieben. Um dieses Geld K 1 g/ was ihine die Geſellſeſchuldi berbleben, kim dies Geld , n bekotnmmen/ weil ſie ſehen/ daß ſie alda end ſich gicht ſonders bemühen t10 Rechnungen denen ſo Geld haben und Noah che Hela. Die fangen podle asc rungen kauffen/ zogeſt da died Gew beet Fialtres gaben ſſe kicht mehr alh ec, bfankleden koäke und erdie Bezahlung ert gen harte. Wann diet Aemde eule h i beechnungen einem aufrichtigen Menſchei fame warees Ihnen ehr peauem allen been verkaufen e elch Winthen Feekeren von weſchen ſe gas höch d d e vierzig oder fünft vor ch ad Thaler diese Rechnungeſ Haut hatten/ legten ſie ſolche under die ſehlhah eines Schreibers/ um ſolche ben Be, affen n e in Holland umkehrten zu derra und welche gemeiniglich 8g. oder 90. . andert bezahlen/ ſich vergnügend/ daß gutes oder boſes ſie d den Strand von bringen hir möglich hirzügeben/ Und das Gelt bezahlt/ wanh ſie wieder zuruck in Hol, ware vor a bekommen. Wann ſie alſo vor zwe enge fo ſe der Geſiſchaft georg men ſo lange ſie die Oberhauptet der Seechen ſtuten gen en verdecken können. 5 „Die Seſelſchaffe ine woßſ ales Geltvon dal ſenigen do ihnen geben wollen, und ſie gibt olchen z, don gunder Gewinn; Allein die Beſehlhaber und andere Bedieſtten nehmen lich vohl ih acht daß ſee hen nicht die gan4e. Summa/ ſo ſie zuſaßen geſamlet geben; well wan ſſe befragen konte auff was weise fte oled Gelt zuſal alen gebracht härken/ und e baröber machen Rechnung zuhalten daß h. Holland biß auf vier und tcuſend Francken mit ſich gen Ich handelte denhach kit einem die Schielteren don Bas n welcher ohnidase fer elf kaufend Gulden diese Reih; dert/ und deß anderen Tags nach deme die ſnffiahl hund Qulttunget ſeder eite ferlſg waren erlegte ich 11 905 05. gehen flegt. dae Bezahlung. As diele Papier ii mein Wohnung getragen wurden/ affe ich den Obekeitlichen Sthatzes⸗Vorſplechen an, wären ſe mein Dieter trüge. ehen Rechnungen ⸗hpeche ich urn e ſolchen Preiß gekaufft hatkeden beſſeren Kaus durch feine Verfiikttün noch allezeit me fehl, Aber fitan fande man allem becher heind reiße hatte ug mehr als hündert tauſend Gulden gekauft than; und katße alles zuſainen auf mehr ale Vertahl hundert tausend Fraucken allezeit bedacht wate ile ſch daß übrige me dees Geltes anlegen könke, begegnete mir des Obekeltlichen Schatzes Vorſpech fragend öblich diel von diſen Kequenings getauft hät, be Darauf ſagke ich ihme daß ich eie kel ne eh fünde und daß ich bur die ztbeen heil hätte e el wüßte welche ſich auff die 10 auen und fünfhundert Gulden beluaffen. Wafüber er mir mit einem langen unterſchlebliche and hatten weil der Her Genera] und ſein Nahr Ihme befohlen halte ale dieſ Kequs: den hattet, da es unbillch dare Haß en at, Fe 6ðĩCQfĩ“ ſolke. Waärauff ich piderſezte daß ſch ſhme kenden. i gar gern meine erkaufſten zustellen kpolte/ ä wann er tri zugleich mein Gelt wider einhendigen daſſn rde eand daß ich ſie don Ban ani wolt koſſien kaſſen, wohin ich ſelbige inst meinen Reif, Geſelg geſchlckt, und ich nächſtel tagen mich zu begeben geſmunkt/ unn mn denn bielidenten d ſo mir die Diuchfahtf gar höͤfich anerbotten hatte/ in Engeland za reien 8 Iii a bb e daß ihm ſehr kai von gekauſſt .. 214 Um ſechs Uhren Abends kam von den Hellebardentragern des Generalen einer/ ſagend daß er mit mir reden wolte. Ich gienge eilends ſelbigen anzuhören/ der mich alſobald fragte/ warum ich dieſe Kequenings dem Obrigkeitlichen Schatzes ⸗Vorſprechen nicht uͤbergeben hatte/ alß er ſie in ſeinem und des Rahts Mamen von mir abgeforderet hatte? Ich antwortete jhme kaltſinning/ daß ich nicht zuſtellen koͤnnen/ was ich nicht bey mir hatte/ und daß ſie zu Bantam waͤren. So ſeyt ihr dann Vorhabens/ ſagte er/ in Europam zu reiſen? Ja/ gab ich zur Antwort/ und der Engellaͤndiſche Preſident thut mir die Ehr an/ den Durchzug und ſeine Tafel zu geben; hinzuſetzend/ daß es wohl wahr waͤre/ daß der groſſe Umſchwweiff/ den ich nehme auf ukate zu gehen/ und von dar in die DiemantGruden/ alwo ich meine gewohnliche Han, delſchafft hatte/ mir einen groſſen Verlurſt verurſachte/ und daß/ wann er getvolt hatte/ ich alle dieſe zeit hatte gewinnen, und die Gefahren/ ſo dieſe lange reiſen begleiten/ Lermeiden können! wann er mir erlaubt hätte/ mich auff ein Schiff zuſetzen/ wie ich dann gebätten/ auff eines auß der Flotten/ ſo auff Bengala, Surate oder Ormus abgereiſet waren. Daß dieſes der Geſellſchafft keinen Nachtheil gebracht hätte/ und daß ich glaubte/ dieſe Freundſchafft were eine Sache geweſen/ welehe der General und ſein Raht mir nicht hatte abſchlagen ſollen/ dieweil ich um nichts anders wegen als der Geſellſchafſt zu dienen/ auff Batavia kommen were. Als ich General etwas ſtille mit dem auffgehoret zu reden/ ſahen alle die Herzen des Rahts einandern an/ und nach deme der Herzen Caron geredet hatte/ ſagte er zu mir/ daß weilen ich entſchloſſen were/ meinen Weg auff dem Meer zu nehmen/ weren jhre Schiffe eben ſo gut als der Engellaͤndern/ daß ich darauff eben ſo wohl gehalten werden wurde/ und daß er mir Ser Holländer anerbieten an den Herzen Tadie Durchfahrt anerbotte. biete ſo ich nicht vermuhtet hatte/ beſturtzte mich ein wenig/ undich wußte nicht alſobald ob ich es annehmen ſolte oder nicht. Allein foͤrchtete ich/ daß wann ich ſolches abſchluge/ man mich noch ein Jahr alldorten aufhalten doͤrffte/ ohne daß ich in ein oder anderes Ort mich begeben konte/ weilen mir ein Freund in vertrauen geſagt/ daß das Vorhaben des Generals und ſeines Rahts were/ daß/ es ſehe gleich über Batavia oder Europa, ich nimmermehr in Indien zu J ruck kame/ um durch dieſes Mittel zuverhindern/ daß die Befehlhaber und die Obervorſteher der Rechenſtuben/ welche ſie ſo wohl in Indien als in Perſien haben/ ſich meiner nicht mehr bedienen koͤnten/ um das Gelt/ welches ſie der Geſellſchafft ab betriegen/ an Diamanken zu verwenden; welches Urſach ware/ daß ich die Gelegenheit abzureiſen annahme/ weſſentwegen ich mich gegen dem Herꝛen General und ſeinem Naht hoͤchlich bedanckte. Folgends ſagte mir der Her ꝛ General/ daß ich ſehen ſolte auff welchem Schiffe ich weg wolte/ uind ſo bald ich ihne deſſen berichtet hatte wolte er befehlen/ daß man eine kleine Kammes darauff zurüſtete/ damit ich darinnen allein ſeyn konte; allein wann ich jhme glauben zustellen wolte/ ſolte ich mich auff den Vice Admiral begeben wegen der guten Gefellſchafft/ ſo ich daſelbſten finden wurde und daß ich darauff alte Freunde/ ſo ich in Per: ſten und auff den Landern deß Große Mogols gekent harte/ antreffen wurde. Ich ſagte ſhme auff das neu danck vor die Gutigkeit die er vor mich hätke/ mir ſo gute Geſellſchafft zu zuweiſkzaber nach deme er mir ein ſo berpflichtendes anerbieten gethan hatte/ aagte er mir daß ich nothwendiglich alle die Kequen ing, ſo ich gekaufft haͤtte/ dem Oberkeitlichen Schabs vorſprechen einhaͤndigen mußte/ und Haß ohne dieſes nicht von Batavia abreiſen würde. Er hatte doch keine andere Antwort von mir/ als die ſo ich jhme ſchon gegeben hatte da dieſe Requenings zu Bantam weren/ und daß ich ſolche beſchicken wolte/ im Fall man mir mein Geld wieder zuſtellte; auff welches er mir ſagke/ daß für das/ o ich darfür außgelegt haͤtte/ wolteer/ wal ich verꝛeiſe/ mir eine ſchrifft von ſhme und ſeinem Naht zustellen/ daß ich ande durch die Geſellſchafft bezablek urde. ö Es vergiengenetlche Tage daß man nicht mehr mit mir darvon redte/ außgenommen daß ich ein mahl oder zwey den Oberkeitlichen Schatzes vorſprechen antraffe/ welcher tal befragte ob ich dieKequenings noch nicht von Bantam beschickt hatte. Meine letzte Ant wort ware daß ich dem Engelländiſchen Pre, ſidenten geſchrieben hatte/ welcher meine Ke, ſte in ſeinem Hauſe habe/ und daß ich ihn ge batten mir ſolche zu überſenden; alfein daß mir geantwortet/ daß ich perſoͤnlich hahm kommen mußte/ oder daß ich zum wenigſte einen eigenen Mann mit meiner Handſchriff dahin abfertigen muͤßte/ und wann dees nicht geſchehe/ wolte er die Küſten nicht zur 0 f Dieſes anerbieten ſchicken. In der Warheit were es jhmele ſchwer gefallen ſolche zu ſchicken/ dann ich 15 le alles bey mir/ und ich wolte nur ſehen 10 die Zeit geben konte daß ſie nichts mehr g mich begehrten. 85. Entzwiſchen wurden alle die jenige/ ſ de Requenings gekaufft hatten/ ſowohl Kau Schiffs Hauptleuthe und andere Perſen ſo ſelbiges Jahrs heimreiſeten/ in die Gele nuß geworffen/ man nahme ihnen auen Schiffe mit Gewalt/ beraubte ſe ſhrer de ſten/ und wurden zuruck in Holland 55 ſchlechte Soldaten geſchickt. he abVier oder fünff Tage/ ehe die Floh 1 reiſete/ kame der oberkeikliche Schatzes 22e ſprech mir zuſagen/ daß er von dem 70 im General Befehl haͤtte mich anzuhaltelf gls Fall ich jhme die Requenings nicht zu den ſtellen wurde/ welche man ſchon 1 mallmich begehrt häte. Als ich Jemen hee wortet/ daß ich jhme nichts zu zustellen ſagte ſo nehmet dann die Muße mir zuſelge m 0 er mir/ welches ich gern thate. Er fü lea in emen ſchoͤnen ort/ welches aufen 0 Drittes Buch. 215 wercke der Saphir genant iſt/ alwo ein ſchöͤnes Haußzur zeitvertreib der bedienten ſtehet/ und alwo der meiſte theil der ehrlichen Leute auß der Statt mich zu beſuchen kamen/ und „ Mr die beſten Weine verehrten. Des andern ags kamen zwey Rahtsherꝛen zu mir/ ſpreende/ daß ſie nicht wußten/ was vor einer Urach ſie die Halsſtarꝛigkeit/ ſo ich erzeigte/ nn deme ich das jenige/ was man an mich begehrte nicht hergeben wolte/ zumeſſen ſolten/ diewweil man doch auff ſo gute Weiſe mir eine Schrift anerbotten/ af welche ich durch die Herꝛen der Geſellſchafft in Holland wurde bezahlt werden. Ich antwortete/ daß es nicht auff eine allzu gute weiſe were/ und daß ſo bald ich die Schrifft ſehen werde/ wolle ich auch die squenings beſchicken. Es vergiengen noch zwey oder drey Tage/ unter welcher Zeit die ſchiffe anfiengen unterſegel zu gehen; welches derurſachte daß dieſer Herden/ ſo wohl des Inwaniſchen/ als auch des Statt⸗Rahts/ mich m der Anzahl acht oder zehen/ zu beſuchen kawen. Der Mqpor/ welcher ein gar ehrlicher am ware/ auch von ihrer Geſellſchafft/ welcher mir verſprache/ daß/ ſo bald ich die Papier beſchickt hatte/ und ich ſolche den Rahtseren wurde in die Hande geliefert haben/ um die Summen zu ſammen zuziehen/ getraule er ſich/ daß mir der Herꝛ General, um in heiner Zuruckkunfft in Holland bezahlt zu bverden/ eine Schrifft geben werde. f Als ich nun ſahe daß die Schiffe abreiſeten/ und ich ihme nicht anders thun konte/ ſagte ich/ ſie ſolten mich dann auff Bantam laſſen/ ſoelches ſie mir nicht vergonnen wolten/ weiich jemanden in meinem Namen ſolche abaholen ſchicken koͤnte. Als ich jhnen ſolches den, len ſprochen lieſſen ſie mich auf mein Wort Fa band daß ihnen das vorgegangene leid waace e Ich verſetzte/ daß es ihnen auch leid ſein wen 15 ſalke dann dieweilen ich die Ehre hatte einem fcb a voſſen Fürſten zu zugehoren/ ſo der verſtordene Herzog von Orleans ware/ welcher mir 5 Ehre mich zu lieben erwieſe/ welcher daslindet ſo ſie mir anthäten/ wohl empfnA dorffte/ und ſich deſſen gegen die Herzen 5 laden beklagen. Endlichen dann durch jhr a mie dechtes Verfolgen/ und durch die Noth g 5 der Flotten wegzureiſen gezwungen/ desel elegenheit ich nicht verabſaumen wolte/ g lte ich jhnen meine Requenings zu/ und von 9 zu tag gienge ich hin zuſehen/ ob ſie die echnungen vollendet/ und mir die Schrifft 0 le mir verſprachen/ zuſtellen wolken. Dann 155 ice Admiral, auff welches ich mich ſetz d erbllebe mehr als vierzehen Tag langer als anderen Schiffe/ dieweil ſie den Hollandet Bericht überbringen wolten/ was die Flote der General die Philippines zu berzu 15 an und den Spannieren ſolche hinweg fle Hen außgeſchickt/ verꝛichtet haben. Das etter/ ſo dieſes Schiffe im hinreiſen ware urſache/ daß deren drey oder vier n giengen/ und waren gezwungen un5 Vachen wider umzukehren. der Gebrauch/ daß wann die Schif1 4 N fe in Holland umkehren/ ſo halt der Herꝛ General ein Gaſtmahl/ bey welchem die vornehmſten Bedienten der Flotten/ ſamt dem Raht und den Mächrigſten der Statt ſich einfinden/ welcher mir die Ehre thate/ mich guch einladen zu laſſen. Die Mahlzeit nahme ihren Anfang um ztwey Uhren/ nach Mittag/ Sr. Laber. und an vier Tiſchen befanden ſic wohl ſech s⸗ 1 zig Personen/ ein und anderen Geſchlechts. onen Ich befande mich zrwiſchen dem Herꝛn Major 5570 32 5 und dem Nathſchreiber ſitzen/ es waren zwen w gate. wohl verdiente Herꝛen/ und deren Geſprache ſehr annehmlich waren. Es waren ſchon ſiben oder acht ſtunden/ daß wir zu Tiſche ſaſſen/ und man hatte den Herꝛen General ſchon befragt/ ob es jhme geliebte/ das die Comedi/ ſo die Jugend der Statt ſpielen ſolte/ angefangen wurde/ alß ich den Major erinnerte/ daß er mir verſprochen haͤtte/ daß/ ſo bald ich meine Schrifften in die Rahtshaͤnde wurde geleget haben/ man mir eine Schrift geben werde/ um zu meiner Zuruckkunft in Holland alldorten bezahlt zu werden. Ich ſagte jhme auch/ das der Schreiber/ mit welchem ich früh Morgens geredt hatte/ mir die Hoffnung gemacht habe/ daß ich ſolche vor der MittagsMahlzeit bekommen werde; Aber eben der Schreiber ſagte mir damahlen ins Ohre/ daß ich deren nicht erwarten ſolte/ und alß er aufhorte zu reden/ erhebte man ſich von dem Tiſche um an die Comedi zu gehen. Alda ware es/ daß ich unſeren Vice-Admiral, und drey oder vier Kauffherꝛen/ ſo auch in Holland umkehrten/ bate/ ſich deſſen was ich dem Herꝛen General ſagen wurde/ und was er mir antworten werde/ zu erinneren/ um mir bey den Herꝛen der Geſellſchafft/ wann wir in Holland ankommen werden/ vor Zeugen zu 5 dienen. In den Zwiſchen⸗ ſpielen der Comedi und mas fer nahme ein jeder ein Glaß/ und wurden Ge⸗ ler hey dieſundheiten getruncken/ alß der Herr General wah vage das Glaß in der Hand hielte/ kehrte er ſich zu gangen. unſerem Vice-Admiral; es ſeye auff euere und des Herꝛen Tavernier gute 8 daß Gott jhne wolle ſegnen/ und auff dieſer Meer⸗Reiſe begleiten/ gleich wie er in allen anderen/ ſo er zu Lande verꝛichtet/ gethan hat. Ich ſagte/ daß ich mich bedanckte/ und daß ich verhoffe/ Gott werde unſere Reiſe ſegnen; aber daß ich ſolche nicht ohne wider willen und empfindlichkeit wegen deſſen zuruck gezogenen wortes fort ſetzen werde/ daß weder er noch ſein Raht mir das ver ſprechen/ ſo ſie mir gethan/ mir eine Schrifft zu geben/ warm ich ihnen meine Requenings zuſtellete/ ſo ſich auff ibenzehen tauſend funff hundert zulden belieffen/ zuſtellen wolten. Daß guff diſe Stunde/ daß ſie meine Rechmmngen/ ſo ſie und wie er von mir begehrt in handen hatten/ ſpotteten 90 ſie meiner; alleine daß ich ſie verſicherte/ daß len gaga, ich ihr verfahren der gantzen Welt kund ma⸗ ben. chen werde. Der General verſetzte auff dieſes/ daß ich mich darum nicht bemühen/ ſonderen auff der Reiſe luſtig ſeyn ſolte/ daß die Schriſft ſo mir verſprochen/ eben ſo bald ais ich in Holland ſeyn werde/ und daß ich a andere Her? Tave nier ſchinach Eurova. 216 andere Urſache/ alß ſie zu ruͤhmen haben werde. Obwohlen ich mit dem General Übel zu frieden ware/ nahme ich doch von hme Abſcheid/ und wolte dem übrigen Theil der Comedie nicht auf warten/ weilen ich froh ware mich auff die Reiſe verfaſſet zu machen. Das XXVII. Capitel. Der Author begibt ſich auff ein Hollaͤndiſches Schiffe um in Europa umzukehren. r. Eß anderen Morgens in aller frühe/ a nahme ich ein kleines Chineſiſches c um biß an das Ufer zu fahren/ alwo alß ich angelangt fande ich einen von deß Herꝛen Generals Wache/ welcher mir noch einmahl ſeinet wegen eine gluͤckliche Reiſe wunſchte/ und mir zuſagen/ daß mich die Frau Generalin erſuchte ein Faß mit Reiniſchem Wein beliebig anzunehmen/ und etliche Häfen mit in Eſſig eingemachten Früchten/ welche ſie mir ſende: Es waren Cukummeren/ Mangues, Eitronen/ und Eper wird be Es iſt der Gebrauch/ daß der General einem Er ſchencket. hir dert daß ſie Saltz gewinnen ſolten. Ich hatte mich mit nichts verſehen gehabt/ diemit ſamt der Schalen welches doch nicht verweilen etliche Tage vor unſerer Abreiſe der Schiff⸗Hauptman mich zu berichten kame/ daß wann ich ſchon etwas brachte/ ſolches nicht angenommen wurde/ weilen es von dem Herzen Oeneralen were verbotten worden. jeden Schiff Hauptman zwey hundeꝛt Thaler gebe/ um ſich mit allerhand Erfriſchungen zu verſehen/ und weilen ich auff ſein einrahlen mich auff das Vice-Admiral ſetzte/ lieſſe er meinetwegen dem Schiff⸗Hauptman ſolches doppelt bezahlen/ um die Ehre zu haben/ einen Frembden frey zu halten/ welchem er den Durchzug anerbotten hatte. Die Frau Gehexalin, als ſie mir dieſe Verehrung ſchickte/ Was bey der erinnerte ſich vielleicht deren/ ſo ich etliche Tage zu vor jhrer Jungfer Tochter gegeben hatte. Als etliche gute Freunde ſahen/ daß ich einen zugang bey dem vornehmſten Frauenzimmer in Batavia hatte/ baten ſie mich/ daß ich einen jungen Menſchen von Paris gebürtig/ welcher auß Ubermüht als ein Soldat in Indien kommen ware/ und in Gefahr ſtunde/ daß man jhme ein Bein/ an welchem er ein Geſchwer hatte/ abſchneidete/ begehren ſolte. Um ſolchen zuerhalten thate ich des Herꝛen Generals Tochter abſa ct nach dieſe Verehrung damit ſie den Major undden Poder Hol Oberkeitlichen Schatzes Vorſprechen bitten ben de Hol, ſolte/ daß ſie nicht dergleichen thun ſolten/ wañ ländern ge braͤuchlich. 7 man einſchiffete/ daß ſie dieſes jungen Menen wohrgenommen hatten. Mit waren noch drey Tag in der Reede/ ehe wir unter ſegel giengen/ des erſten Tags iſt der vornehmſte Kauffman der Veſtung/ ſo aller Waaren/ die man einſchiffet/ beydes für Holland und andere Ort/ Buch halt/ der Nasbeſchrelbung in udien/ Gewohnheſt nach in das Schiffe kommen um den Gedenckzedel alles deſſen ſo eingeſchifwol von ſet worden/ leſen/ und ſelbigen ſo dem Schiffshauptman als von den Kauffleuten ſo mit jhme giengen/ bekrafftigen zu laſſen/ welchen ſie unterſchrieben. Dieſer Gedenckzedel ward in eben dieſe Küſte gelegt, alwo man alle Nechenbücher/ und was ſonſten in den Indianiſchen Schreibſtuben/ beydes die Generalſchafft/ und das Burger⸗ und Peinlich Gericht belangend/ verhandelt worden/ einſchlieſſet/ und nachgehends dale man den Deckel/ worunder alle Wahren ſi befinden. i Deß anderen Tages kamen auch dem Ge, brauch nach/ der Major mit des Oberkeitlichen Schatzes Vorſprechen/ ſamt dem vornemhſten Wund⸗Artzt/ um alle die jenige/ in dem Schiffe waren/ wider in Holland kehren/ zu beſichtigen; Der Major um zu ſehen/ ob keine Soldatet/ ſo unbeurlaubek hin. weg gezogen/ darin ſeyhen; dann ez muß ein jeder ſeinen Paß zedul mit ſich haben; Feſtung findet ſich auch aldorten/ ein umſehen zu haben/ ob alle Krancke/ ſo man zuruerſchickt/ mit einem unheilbaren ands⸗ uͤbel he, hafftet ſeyen/ maſſen etliche Soldaten mien. ten von dem Major, mittels etlicher Freun“ den/ wie dieſer ſo ich geſagt/ daß ich mitfühn, te/ beurlaubet worden ſeynz dan der WundArtzet iſt Eydes halber ſchuldig/ keinen mueſf ben zu laſſen/ er vermeine dann/ daß er ander 5 nicht/ als in Europa könne heyl werden. Major iſt verbunden ein Verzeichnuß aller,% wohl geſunden /als krancken Soldgten/ ben, 5 Oberkeitlichen Schatzes⸗Vorſprechen einzu handigen einendieſer macht einen nachdem 9 deren auf das Schiff zukomen/ und alda wee die krancke pon dem Wundartz beſichtigek a, ware vielleicht nicht unmöglich daß der kiel ſo ich mit führte/ in dein Londe ſeines U 12 geheilet wurde/ aber auß Gunſt des n calen ward er nicht mit den anderen beruffen Des dritten Tags kamen die vornehm der Statt neben unterſchiedlichem, Abzimmer von ihren reißfertigen Freunden ein ſchied zu nehmen/ und brachten mit ich 20e und Speiſen/ ſelbe darmit zubeſchencken bedeß Oberkeitüchen Schazes⸗Vorſprech/ un zu wiſſen/ ob nicht auch jemand von den Schreibern/ ſo vor auß gedienter zeit außtretten wolte ſich verborgen habe; der Oberwund⸗Arßt der Fraue, Singkunſt ward mit dem guten ge. chin e; 1 gleitet/ und iſt jederman von ſechs Uhren Abends nach Hauſe gegangen. 101 Morgens in aller Frühe ſind geſegelt/ und haben uns/ ehe wir vi N euſſer der Meerenge befunden keien„e Winde gemneinlich zu wider, und zudem den a ren wir erſt vier und zwanzig Tag nac ur anderen verꝛeiſet/ geſtalt daun die Sei iche See zubegeben/ begunte vorbey zugehen, bald wir dem Sund entrunnen/ kam nen des Furſten Eyſander zu geſichte/ von än ei ie % Orlttes Buch. hahmen wir unſeren Weg auff die Inſuln von Cocos zu/ und als wir auf der Hohe derſelben waren/ ſind wir zwey oder drey Tag auff der See gefahren/ in Hofnung ſolche zu entdecken/ wir konten es aber nicht; welches ie Urſache geweſen/ daß tir unſern Weg gee guter Hofnung zu gerade dem Vorgebirg nommen haben. 85 Den fünf und viertzigſten Tag unſerer Abkeſſe von Batavia/(Hann ich will dem Leſer tut Erzehlung unſerer taglichen Schiffahrt ib verdrießlich ſeyn) vernachlaſſigte unſer Vace- Admiral den Fanal anzunden zulaſſen/ n der Meynung ſo er hatte daß ſchon die gane Flotte in dem Vorgebirge Bone ſpei angelanget were. Es begabe ſic daß ein Schiffe voh eben dieſer Flot ke/ das NMaeſtricht genannt den Fanal ſelbige Nacht auch nicht angezündet hatte/ und weil ſie ſehr dunckel und die See ſtarck ware/ fiele ſolches auff das Neun! Unfſere/ welches allerſeits einen groſſen Schreführ in cken perurſachte. Es fienge jederman an zutte/ in Meinung daß das ein oder das anele von den Schiffen wurde verlohren ſeyn/ s unſere ſo man die Landſchafften nennte/ ard vor das groſte und beſte von den Schif195 in Ind ien fahren/ gehalten/ welches te, genugſam abzunehmen geweſen. Ein eder/ ſo die Gefahr/ worin wir uns befanden/ eſehen/ ware beſchafftiget das ander Schiff Von dem unſern loß zußkachen/ und zu allem Nlücke ſind die Segelſtangen des Maeflichts ſo mit unſern Seilern verwickelt wa1 gebrochen/ und die Sache zubefürdern/ Ane etliche mit Axten abgehauen. Alſo das Maeſtricht mt groſſer Mühe ledig geacht worden/ und in dem es langs unſerm a chiff nachſtreichte/ als ſolches am vordern dee Ihe vorbeggeſahren, hat erden ganzen voree, n Schnabel daran gebrochen. en E Deß fünf und fünftigſten Tags unſerer 9 chiffahrt haben wir das Vorgebirge Bone her oder guter Hofnung erſehen/ allo wir 1 oder ſechs Tage das Meer haltend/ vereben/ weilen daffelbe ſehr hoch/ wolten ſwir Te. Acht an der Reede die Ancker außwerffen. Es mare damahlen zwar der Wind ſehr ſtarck/ wc ber Sud herkedemeſfnoberhend daß 0 Theil des Meers dorthingeworffen kate nachdem aber dis Dee ſccherung gea, warfen wir den aucker auß emdfhe s ich an ſelbigem Ort bemercken koͤnnen. . N 10 0 un liche 10 1 allen Volckern ſo ich in meinen Reiag death hen/ hab ich keine ſo heßlich noch ſo khh/ als wie die Comoucks, deren ich in menen Erzehlungen aus Perſien ayregung 5 5 dels ſo man Cafres oder Hotentötes nenZu gefunden. Wann ſie reden/ pflegen ſie ihr 0 N 05 annoch untereinander leichtlich verſte5 ſo ſie in den Waldern toden/ gema0 weilen der Winter ſelbiger gegend dieſem harren anſtoß/ ſo es hiedurch erlit9 und wie die auß dem Vorgebirge Bo. lie in dem Maul knacken zumachen/ und ſe jhre Stimme kaum deutlich/ koͤnnen „Ihr Kleid iſt allein von wilden Thieren ſo unter dem fünf und dreiſſigſten Grad und etlichen Minuten/ kalt iſt/ kehren ſie das Futter einwerts/ und wann es warm/ pflegen ſie ſolches austwendig zutragen/ aber nur die vermoͤglichſten unter Ihnen ſind bedeckt/ die andern haben nur etliche ſchlechte ſtücke Tuch die Schaam darmit zu verbergen. Beydes Mann und Weib ſind mager und von kleiner Geſtalt/ und ſo bald ein Maͤnnlein gebohren wird/ ſchneidet die Mutter ihme den rechten Hoden ab/ und gibt jhme Meerwaſſer zutrincken/ und Tabac zueſſen. Man nimmt ihnen den rechten Hoden/ welches ſie/ der ſage nachgeſchickter zu dem Lauffen machet. Wahr iſt es daß etliche auß jhnẽ wilde Geiſſen im Lauffen fangen. Es hat mich aber wunder witz getrieben unterſchiedliche von denen Calres zu beruͤhren/ und hab allein den lincken Hoden gefunden. Sie haben keine Wiſſenſchafft noch von dem Gold/ noch von Silber/ noch von keiner anderen Muntz/ und eigentlich von der Sache zu reden/ ſind ſie ohne Glaubens⸗ bekantnuß. W außgeworffen hatten/ kamen vier Weiber Als wir dahin gelanget und d zu unſerem Geſtade mit vier kleinen Strauſen daher/ welche man für etliche krancke ſo wir hatten/ gekochet. Dieſem nach brachten ſie uns eine Menge Schiltkrotten/ StrauſſenEher groß wie Ganſen⸗Eyer; aber welche kein Dotter haben/ und ſehr gut ſind. Die Voͤgel ſo dieſe Eyer legen/ ſind von Gaͤnſenart/ und haben ſo viel feiſte/ daß gleich ſam unmoglich darvon zu eſſen/ weilen ſie mehr nach dem Fiſch als dem Fleiſch ſchmecken. Als dieſe Weiber geſehen/ daß unſer Koch die Darme von zweyen Haͤnlein und einem Ganßlein/ ſo unſer Nachteſſen ware/ in eine kleine hoͤltzerne Kuffe geworffen/ haben ſie ſelbe herauß genommen/ zu dem andern getruckt/ um den unflat außzupreſſen/ ſo nur zum theil heraußgegangen/ haben ſie alles auff ſo thane weiſe geeſſen/ und waren ſehr frohe/ daß unſer Hauptman einem jeden zweymahl Brandenwein hatte zu trincken geben laſſen. Weder Mann noch Weib ſcheuen ſich nicht ihr bloͤſſe zuweiſen/ und leben faſt wie die Thiere/ wann ſie ſehen Schiffe kommen/ führen ſie Ochſen an das Meergeſtade/ und bringen was ſie haben um gegen Tabac und Brantenwein/ wie auch gegen Chriſtal und Agſtein/ ſo zu Su rata wohlfeil zu bekommen/ und gegen etlichem kleinen eiſen Waaren außzutauſchen. Wann ſie mit dem jenigen/ ſo man jhnen geben wil/ nicht zu frieden/ auffen ſie alſobald darvon/ und in dem hinzu Pfeiffen/ folgen jhnen alle jhre Thiere nach/ ohn daß man von jhnen etwas mehr vernehmen konne. Etliche als ſie geſehen/ daß ſie darvon lauffen/ haben ellichmmahl ſchieſſen wollen um von ihren Ochſen zu toben; aber dieſe Calres haben darnach etliche Jahr kein Vieh mehr zugeführet/ und man hat viel mühe gehabt/ zumachen daß ſie wiederkommen. Es iſt den Schiffen ſo aldort anlanden/ gar kommlich/ wann ſie alda elliche 33 finden/ and bie Bölhe i* 218 der haben Urſach gehabt/ allda ein Feſtung zubauen. Es iſt jetzund aldorten ein ſchoͤnes Dorff von allerley Volckerſchafften/ ſo allda mit den Holländern leben/ bewohnet/ und alle die Samen/ ſo man beydes auß Europa und Aſien dahin tragt/ wann ſie geſaet/ wachſen viel beſſer als an dem Ort woher ſie gebracht werden. Es iſt ein ſehr gutes Land/ ſo wie ich geſagt/ allein unter dem fünf und dreysſigſten Grad und etlichen Minuten ligt/ und es iſt nicht die Lufft noch die Hitz/ ſo dieſe Catres, wie ſie ſind/ ſchwartz machet. Als ich die Urſache deſſen/ und warum ſie ſo uͤbel ſtincken/ zu wiſſen begehrt/ hab ich einem jungen Maͤgdlein/ welches ſo bald es gebohren/ von der Mutter genomen/ und in ſolches von Reisbeſchreibung in Indien/ jhre Wiſſenſchafft und Mittel erſchoͤpfft n) cel e 11 e jhne nicht klaffen gu ae 1 man jhme das Bein hätte abſtoſſen mülſen. 10 aa Als man an das Vorgebirge gelanget, Un 00 0 der Hauptmann jhne qußſteigen laſſen/ um 111 jhme etwas Erlaubnuß zugeben/ begunten die Cafres jhne anzuſchauen/ und züſagendaß/ ſo man ſie wolte machen laſſen/ ſie in kurther Zeit ihne wolten heilen. Der Hauptma übergab ihnen den Edelman und das Bein iſt innerhalb fuͤnfzehen Tagen alſo heil gema worden/ wie das ander/ an welchem niema len nichts geweſen ware. i i So bald ein Schiff an dem Vorgebirge die Ancker außgeworffen/ pflegt der jenige 0 auff demſelben gebietet/ einem Boots knee Die Urſache der Feſtung erhalten und aufferzogen worden/ zugeſtatten an das Land zugehen/ um sie? Pil ü dieſes ware ſo weiß als eines von unsern Euſchwart und ropeiſchen Weibern. Sie ſagte mir/ daß die ungeſtalt ſind. Cafres darumb ſo ſchwartz ſeyen/ weilen ſie ſich mit einer Feißte/ ſo ſie auß unterſchiedlichen Kräutern/ die ſie kennen/ machen/ reiben und ſchmieren/ und wann ſie ſich nicht offt dar mit reibten/ und ſo bald ſie geboren ſind/ wurden ſie gleich wie die andern ſchwartzen quß Atrica, und wie die Abiſſiner/ oder wie die von Saba, welche ein bein zweymal groͤſſer als das ander haben/ waſſerſüchtig werden/ maſſen alle dieſe Leuthe nicht viel über viertzig Jahr alt werden. Wahr iſt es/ daß dieſe Catres, ſo viehiſch ſie auch ſind/ nichts deſtoweniger eine ſonderbare Wiſſenſchafft der Kräutern haben/ und daß ſie ſelbe den Kranckheiten/ ſo ſie heilen koͤnnen auffzulegen wiſſen/ 5 welches die Hollander ſehr offt erfahren. Es Ihre ſchafſt von der Krafft wiſſen ſeye daß ſie von einem vergifftigen Thier gebiſſen/ oder daß ſie mit einem Geſchwar oder Krdüter. der einer anderen, Ungelegenheit behafftet ſeyen/ koͤnnen ſie mittelſt dieſer Kräutern/ deren Erkantnuß ſie haben/ in kurtzem zu der Geneſung gelangen. Von neunzehen krancken/ ſ jn unſerm Schiffen waren/ ſind fünfzehen dieſen Cafres übergeben worden/ weilen jhr Ubel von Eiter⸗beulen an Beinen oder von ſtoͤſſen/ ſo ſie in dem Kriege gelitten/ herfloſſeund innerhalb fünfzehen Tagen ſind ſie alle vollig geneſen. Ein jeder krancker hatte zween ſchwaͤr beſchaffen/ f ſelbe zwiſchen zween Cafres ſo jhne zuverbinden kamen/ und nachdem ſie ſahen/ daß die Wunden oder das Geuchten ſie Kräuter/ und Kiſelſteinen zerſtoſſen/ legten ſie auff das übel. Die vier andern ſind ihnen nicht überlaſſen worden/ weilen ſie alſo mit dieſen Vnreinigkeiten/ ſo der Franzoͤſiſchen Kranckheit gemein/ angeſtecket waren/ daß man ſie zu Batavia nicht heilen koͤnnen. Sind auch alle vier zwiſchen dem Vorgebirge und dem Im Jahr 1661. iſt ein Bretaniſcher Edelcnan auff einem Schiffe/ das weſt⸗ Friesland genant/ von Batavia zuruck komen/ welcher/ nachdem er alles ſein Geld verſchwendet/ begabe ſich in der Geſellſchafft Dienſte. Zu Batavia, geſtalt alldorten viel Schnacken/ ſo jhne an einem Beine gebiſſen hatten/ bekame er ein Geſchwaͤr/ bo alle Wundqrtzte zu Batavia kraͤnckſten geweſen/ ſteigen Eyland lanede Helengę geſtorben. l ſellſchafft ankommen/ ſo ein ein wenig zu erquicken. Die auf der Reise die die erſten ein jede, nach der Ordnung auß/ und begeben ſich in den Flecken/ da ſie um 7. oder 8. ſteiber des Tges erhalten werden/ und gut Geſchir: ma 3 Es haben die Holländer indem Gebran von zeit zu zeit Parteyen außzuſchicken/ da Land zuerkündigen/ und die ſich weiter hin außlieſſen/ die werden auch beſſer belohnen, Nachdem ein Anzahl Soldaten mit einem Wachtmeiſter/ ſo ihnen befahle /außgegangen und weit in das Lande hineingeſett 1 ben ſie hey einfallender Macht ein groſſes I s gemacht/ beydes ſich vor den Loͤwen zube 0 en/ und zu warmen/ und legten ſich zurn. um daſſelbe herum; als ſie entſchlaffen/ 1 ein Löw daher welcher einen von den Os daten bey dem Arm genommen worauf Wachmeiſter alſobald Feur gegeben/ und ba Thier tod geſchoſſen/ nachdem nun ſolche g legt/ hat man jhme den Nachen mit gen auffſperꝛen muͤſſen/ um den Arm des Sol ten herauß zuziehen/ welcher durch und din geſtochen ward. Hierauß kan man abnehme. daß es ein Irthum zu glauben/ daß 55 55 wen nicht kommen wo Feur iſt. Die Ta haben des Soldaten Arm in zwölff San geheilet. Man ſihet in der Feſtung eine 4 ge Löwen und Tiger⸗haut/ ſo die Cafres 1 gebracht. Under anderen iſt eme Roß aun, die Calres umgebracht/ ſie iſt weiß mit 10 en ſtrichen vermengt/ wie ein Leopart g ilvon fat und ohne Sweiff drey oder vier Me ten der Feſtung haben die Hollander einen. Loͤwen gefunden/ welcher vier Spitze von 1 05 6 Stachelſchwein in dem Leib hatte deren urtheil in das Fleiſch giengen. Wel 1 65 kennen gab/ daß das Stachelſchwein de mt wen getodet hatte/ ſe behalten deſſen Haut den Spitzen in der Feſtung auff choler Eine meil von der Feſtung iſt ein f mut/ Flecken/ welcher von Tag zu Tag. Gewann die Schiffe von der Gael dee oder Bootstnecht alda verbleiben wiſ iſt an 1090 de n 1 eb b viel er bauen und gelten macht een alwir ich es ſchon geſagt/ wachſen 8 0 5 lerhand Garten⸗ kräuter und Hülsen. ge and 1 0 Drittes Buch. und ſo gar trauben/ und es wird alda deiß gegeſdet. Sie jagen junge ſtrauſſen/ haben Rindſeeſch/ merfiſch und ſüſſes waſſer/ wafiſteaber die fungen Strauſſen nachbelieben haben wollen gehen ſie ſo bald ſolche ſieben oder acht Tag A zu ſhren Naſtern/ ſtecken einen Pfal in den Bode/ und binden dieſe junge Vogel durch eiden fuß an das neſt an/ damit ſie nicht entfiehe Tonnen/ laſſen ſie alſo durch die alten ernehren/ ib daß ſie groß werden/ nachgehends pfiegen le ſoſche hinweg zunehmen/ um ſelbe zuverguffen oder zu eſſen.. 9 Als die Hollander begunten das Vorgeauge Bonæ Spei zu bewahren/ haben ſie/ wie oben erwehnt/ die Tochter eines von dieſer Caies ſo bald ſie geboren/ genommen. Sie dh weiß und ſchoͤn⸗ aufgenommen daß ſie die egen ein wenig flach hat/ und ſie iſt der Holandern Dolmetſch. Es iſt ein Franzos gedesen/ der ſie geſchwangert/ aber die GeſellHaft hat nicht wollen zugeben/ daß er ſie eurahtete; im Gegenſtand ſie hat ihme geht undert Francken von ſeiner Befoldung abgebrochen und fallig gemacht/ welches ein wenig auh und empfindlich tvare.. 1 9s gibt in ſelbigem Land vieh Len und a weberthier. und es haben die Hollander erdll das erfunden ſie zufangen. Sie binden eine 1. en geſtetket an/ und thun Fleiſch vor die lchſen/ welehes an ein Seil geheftet/ ſo an dem abſpanner gebemden iſt. Wan das Thier wummt dieſes Fleiſch zunehmen/ wird das ſeil geſpannet/ und in dem die Buchen loß gelaſnn/ gehen die Kugeln jhme in den Rachen oder in den Leib. 0 i . 6 Die Cafres eſſen eine Wurtzel/ ſo unſerer 10 eee Faſeſenelein oder Zuckerwurtzel gleich iſt/ dieſelbe n galen ſie braten/ und bẽdienen ſich derer an at des Brots/ bisweilen machen ſie Mehl ge aul welches einen Keſten⸗geſchmack hat/ N waclſen das Fleiſch und die Fiſch roh; und eg, das Kuttelwerck der Thieren betrifft Jachen ſie/ wie geſagt/ ſolches zwiſchen den zungeren zutrucken/ um den Unraht herauß men und nachgehends eſſen ſie es. Der Wit Theil der Weiberm binden von diesen f emen wann ſie trocken ſind/ um ihre Beiben dumb/ inſonderheit die von wilden Thiea ba ſoihre Manner in den Waldern getodet en/ und dieſes dient ihnen für den auffe Sie eſſen auch Sehildkrotten/ nachdem ſolche ein wenig auf das Feur gelegt haben(bis daß ſie den Schild darvon auffheain können. Sie ſind ſehr geſchickt jhren fen des welches eine art Pfeilen iſt zutveren ud die/ ſo keinen haben/ nehmen einen ſtehurt ß wie der Daum eiges Holzes ſo ſehr id und lang wie ihr Pfeil. Sie pizen kt ewe fen derselben von ſehr weit n die Brei cken 805 Hand Sie gehen mit dieſen SteFisch das Ufer des Meers/ und ſo bald ein Feb ſchw weng empor auf dem Wiaſer dauit zu nme fehlen ſie nicht denſelben darWeinen e gs die Vogelbelanget wel, Voller ian, Endten gleichen deren Eher kein il haben/ gibt es deren alſo viel in dem u Hlchſe an einen ſpitzigen Stock in den BoLand daß ineinem Meerbusen welches acht„ge, zehen Mell von dem Vorgebirge/ man ſie mit dieen Oi Stecken zu tod ſchlägt. Alle die Weiber die⸗ ien ſer Calres, und abſonderlich die von dem Meſie reg onatzeit haben/ und das Waſſer laſſen/ und ein Europeer darauff trittet/ bekomt er alſobald ein Kopffwehe mit einem Fieber/ und zu zeiten pflegt ihme ſolches die Peſt ſo gar zuverurſachen. N Als Her? Vandime General ward/ nahmen die Hollander einen jungen Knaben auß dem Vorgebirge und führten ihne naher Batavia; der General kruge groſſe Sorg ſelben in den Sprachen unterweiſen zulaſſen/ geſtalt er in ſiben oder acht Jahren die Hollandiſchund Portugeſiſche meiſterlich ergriffen. Er hat endlich wieder in ſein Land kehren/ und in dem der General jhne zuverbleiben nicht anhalten wollen/ hat er ihn mit Leinwaht und Kleideren wohl außruſten laſſen/ ſich einbildend/ daß wa er in das Vorgebirg kame/ er den Holandern gleich leben/ und jhnen mit etlichen Erlabungen vor die dahin kommende Schifft beyſpringen wurde. Er iſt aber nicht o bald in dem Vorgebirge geweſen/ da hat er ſeine Kleider in das Meer geworffen/ und it mit den anderen ſchwartzen davon gelauffen/ hat auch wiederum/ wie zuvor angefangen roh Fleiſch zu eſſen/ und von dieſer Zeit an iſt er unter ihnen verblieben ohne den Hollandem einige Freundlichkeit zuerweiſen Wann die Cakres in den Waldern jagen/ gehen jhrer viel zuſammen/ ſchreyen und henen ſo abſcheulich daß die Thiere hierdurch al! lerdings erſchreekt werden/ alſo daß in dieſer uud gag Forcht es hnen leicht iſt/ viel darvon umbzu⸗ rep. bringen/ und man hat ſo gar behaubten wollen/ daß dieſes Geſchrey den Lswen einen ſchrecken einjnge. Das X XVIII Capitel. Die Hollaͤndiſche Schiffs flotte bot zu St. Helen en an/ und der Author beſchreibt dieſes Eyland. 8 Ach dem wir 32. in dem Vorgebirge Bonæ ſpei gerblieben/und geſehen daß der Wind uns ſehr gunſtig ware hat unſer Vice Admixal bie Anker aufheben laſſen/ und wir nahmen unſeren Weg auff die Insul St. Helenen zn( So bald die Segel geſpannet/ und das Gebat vollendet ward/ begunten die Bootsknechte und Soldaten zu ſagen/ daß ſie bißauff St. Helenen zu ruhen und ſchlaffen wolten. Dann es iſt allezeit ein Wind der herz ſchet und gemeinlich in 16. odere. Meil an die erde dieses Eplandes führek. eit dieſer Uberſahte hat man nichts an den Seglen gemacht„weilen man allezeit guten Wind hatte. Alle Mühe ſo unſere Bootsknechte gehabt/ ware daß ndan 14. Tag nach unſerer Abreiß von dem Vorgebirge Bone ſpel von ſiund zu fund zwey auff die Hohe daß ga baums ſchickte zu wachen um zu ſehen/ ob ſie T 2 daß el an 220 Heron Ta, das Eyland endecken wurden dann ſo bald man ſolches geſehen/ müſſen die Schiffer wohl ländeſchen achtung geben/ damit ſie den Agcker auff die he lan/ dann inan gibt alodann einein jeden aus Küſten gegen dem Nord⸗ wind werffen⸗ und . 5 Sante man muß ſich dem lande nähern um ſelben tate. gußzuwerffen. Wann man nicht wohl achtung gibt/ und die Ancker keinen Grund ſinden/ kwird dem Schiff die Reede von dem Lauff des Waſſers und dem Wind alſobald benommen/ und iſt alßdann kein Hoffnung mehr wider umbzukehren/ weilen der Wind allezeit zu wider und nimmermehr enderk. So bald zween von unſern Anckern in dein Meer gerweſen/ hat man alle Soldgten und Reisbeſchreibung in Indien/ nen/ mit diesem pflegen ſie ſich/ von dieſer Inf verꝛeiſet/ zuernehren/ und ſie nachdem ſie haben gemneinlich dreyſſig oder viertzig Tag da. ihnen nur ein wenig Oel und Reiß in Waſfer geſokken/ und hierdurch werden der Geſellſchafft viel vebens mittel erſparek. Man hat auch alle Schwein Hamel⸗ Gals lein/ Endten und Huner/ ſo in dem Schiff waren, herauß gelaſſen/ und ſo bald diese Thief re von dein Sauratnpfft/ welche ſie ſo wohl als die Menſchen reiniget/ gefreſſen hatten. ſind ſie wenig Tag hernach alſo fett geworden/ daß als wir uns Holland genähert/ es gleic) wegen der Fette davon Bootsknechte kommen/ und das Schiff ſo ſam zmmoglich ware viel möglich anbinden laſſen. Man hat auch die Bruͤcken herauß gezogen/ um das Schiffe zu ſchrappen und jhine das Unſchlitt zu ge⸗ de nach gegen St. Helenen Aneker außiberfen ben/ welthes in zwehen tagen geſchehen.Nach⸗ der beſte iſt der jenige/ wo wir uns befanden gehends hat man die jenigen/ ſo in dem Schiff weil alda ber rund zu Anckeren ſehr bequem aren„ abgetheilet“ zu welchen der Vice, und das waſſer/ ſo von oben des berges herum a dmiral auff dem Hintertheil des ſchiffes ſte⸗ ker fleußt das beſte der Inſul iſt/ auf ſelbige ſithend/ alſo ſagte- Ihr Herken/ wir werden ken des Ehlandes hat es kem Ebene/ und des hier 22. Tag verbleiben/ ſchauet welche die Berg fängt bey dem Geſtade an. Es iſt nul 5 Eerſten zu Lande gehen wollen/ ſich zu erfri⸗ ein kleiner Platz nahe bey dem Meer/ altro vol then und zu jagen/ und daß alle ſich auff zeiten eine Capelle gebauet worden/ und ivo ein 5 den kr Tag wider hier einfinden/ damit die Portugeſiſcher Moͤnch der Regel St. Fans anderen auch dahin gehen koͤnnen. Man gab eiſci zugethan/ vierzehen Jahr gelebt hat Je einem jeden/ ſo außſtiege/ ein paar Schuh/ und zund aber iſt dieſe Capell halb abgebrochen; ſie nahmen mit ſich groſſe Keſſel/ Reyß/ und ſolang dieſer Ordens⸗mann alda geweſen/ ha Schiffbrot⸗Brautentwein und Salt ſo bald er denen ankommenden Schiffen gites gethan/ ſie init Fiſchen/ ſo er fienge und krockneit fieſſe/ verſthen/ und man gab ſhine hingegen ſſe auff dem Lande waren/ giengen ſte auff den Berg/ drey oder vier aber blieben drunden/ ſleſſe/ ver um Saurampff/ ſo drey oder vier Schuß Reis/ Zbeyback/ und Spafiiſchen wein⸗Nach 1 hoch waͤchſt/ und ſehr gut iſt u ſieden. Tant deim er bie zeit/ o ich geſagt/ aldorten verbliben/ e 100 ſite deren genug hatten/ giengen ſie zu denen und ein ſehr ſtrenges Leben geführt/ iſt er on ee andern/ ſo Wilde Schwein jagten/ deren das lich erkrancket/ und iſt damahlen zu allem glück ſeEyland voll iſt. Wann ſie deren etliche ge⸗ ein Portugeſiſches Schiff ankommen. Man koder/ chen ſiedieſelben mit Reyß und Sau, har alle sglichkeit angewendet ihm zue rampff/ welches eine Art zimlich guter Suß⸗ fen aber alles umſonſt/ dann er iſt in fünf pen gibt/ und reiniget ohneimpfindlicher wbeiſe/ Tagen/ nachdem das Schiff geanckert hatte ohne daß man deſſen gewahr wird. Solang geſtorben/ und von ſeinen Landsleuten begeg, ſie dort ſeind/ thun ſie nichts als ſingen/ ben worden. Es iſt auff der anderen Rebr, trincken und Eſſen/ und ſie ſind ſchuldig alle nicht ſo gut die Anckei gußzuwerffen; walt. dle gen, Tag liche dice wilden Schrbeinen auff das man aber zu Landeiſt findet inan eine chen alta der Schiff zu ſchicken⸗Man bezahlt ihnen von je- ebene/ alwo alles/ ſo man ſaet/ nach St. Helenen Hern Kronen und ein paar Schuh weilen der herfürkonunt⸗ Die Ordnung ber H Fl. Berg hoch und gerad/ alſo derurſachet Ihnen ſchen Geſellſchafft vermag jezund dieſes/ da dieſe Jagt viel Muh und Atdeit. Ich habe wall ein Schiff aldorten Köhl Salat in, anderswo von den Perſiſchen Wind- hunden, andere Eßklauter hinweg himint/ nuß es, ſo man nacher St. Helenen kvegen dieſer wit⸗ dete dargegen pflantzen vor den Nußen en den Schtveinen⸗Jägkfuhet/gedacht/und nach Schiffen ſo nachkommen ollen. Es dem man ſich deren bedient/ wirfft man ſie alda viel Eitronen/ und etliche Pomeron e e, in das Meer ohn ſolche weiters zu fuhren/ Baule/ ſo die Portugeſen vor die elt 9 f. dieſer⸗ Urſach wegen /ſo ich ſelbigen Orts an⸗ bflantzet hatten/ dann dieſe Voͤlcker 1 405 Sedo... dieſenm zuloben/ daß/ wann ſie an ein 15 10 In deme die auff dem Lande mit dieſer hen/ ſte ſich befteiſſen demenigen/ ſo mühe Jagt beſchaͤfftiget/ begeben ſich die andern⸗ dahin kommen ſollen/ elwas gutes du hin s auff dem Schiffe ſind/ auff das Fiſchen ſaſſen. Die Holländer hergezen, vert dann es hat eine unglaubliche Menge Fiſch alles/ damit die jenigen ſo ihnen nach um dieſes Ehland herum/ und beſonders Ma⸗ inöchten⸗ tichts finden: Wahr iſt/ d a5 krelſen. Mau gibt einem jeden Bootskhecht Vorgeſetzten nicht alſo verfahren/ mo und Soldaten ein Maß Saltz mit kwel⸗ der ineiſte Theil der Boots knechten und 2 chem ſie die Fiſch/ ſo ſiſe fangen/ einſalzen/ nd baten/ welche einer zu dem andern ſagen 7 7 hernach laſſen ſie dieſelben andeme Wind trock⸗ werden nicht mehr dahin kommen/ 05 der und Riſonderheit von den Gänſen und Endke! zueſſen. Man kan an zwehen orten dem Stra w. 1 bel gun be ö 90 10 be niet be fle. A le b. 3 Drittes Buch. che der Frucht des Baumes deſto eher zugewieſſen/ ſolchen bey dem Fuß abſchneiden an ſtart dieſelbe abzubrechen. ö Es hat wenig gefehlt/ daß nicht ein groſſe erwirzung in der Schiffsflotte entſtanden. Ob ſchon unſers das letſte von Batavia verkeiſet/ weilen es aber ein gutes Segel⸗Schiff war/ iſt es das ander geweſen/ ſo zu St. elenen angelaͤndet. Eines Tages wolten er Vice Admiral, der Hauptmann und andere Officirer mit dem Nachen oder Beyſchifftein gegen dieſer Ebene ſpatzieren fahren/ um etliche Krauter und Citronen zubeſichtigen. Als wir dahin gelanget(dann ich ware von der Geſellſchafft) ſind wir ſehr beUrtzt geweſen/ als win die Baume ohne Acht geſehen/ und allein etwas von uͤbergebliebenen Kohlen und Ruben angetroffen. Vir bildten uns wohl ein/ daß die von dem chiff/ genant l. Encuſe, ſo etliche Tag vor uns ankommen/ dieſe Streiffung gethan/ and unſer Vice- Admiral enfſchloſſe ſich an das Lande zufahren/ um den Augenſchein deſen einzunehmen. Nachdem wir dahin gelanget/ haben wir viel Citronen und Krauker in den Kamern des Hauptmanns und des Schiffherꝛen geſehen/ und alle. knechre botten den unſeren Citronen/ deren ſie bwohl verſehen waren/ an. Der Schiffgauptmann wolte den Vice-Admiral damit eſchencken/ welche er nicht annehmen wollen/ ſagend/ daß dieſes die gantze Flotten betrlegen wurde/ und vonnoͤhten ware/ daß alle dieſe Erfrischungen müſſen auffbehalten und ehſeits gelegt werden/ biß daß alle Schiffe angelanget faxen/ damit ein jeder Krancke zeren genieſſen konte; die Vootsknechte ald Soldaten/ ſo jhre Kiſten damit angefler halten/ wolten gar nicht einwilligen/ der gese- Admiral ſich ſeines Macht⸗Anſehens/ gebrauchend/ ſagte; daß wann ste micht alles o ihnen von dieſen Eitronen uͤbergeblieben/ 5 erbrachten er bey Ankunfft des Admiralen 0 d der übrigen Flotten ſo in eilff Schiffen beſtunde/ jhrer viel wolte hencken laſſen. Der ſchauptman über die Bedrohung gantz erſchrocken⸗ brachte ſo viel bey ſeinen Leuten zu igen/ daß alles in die Kammer widergedacht und verſchloſſen wurde/ bis daß die Antze Flotte beyſarnmmen/ damit ein jedes chiff ſeinen Antheil von dieſer kleinen Eri fiiccung bekärne. Nachdeme die gantze Schiffdffott vor an u Reede St. Helenen Ancker geworffen/ tale nicht als Gaſtereyen und Ergoͤtzlichkeidan bald auff einem/ und bald auff dem anſhen Schiffe zuſehen/ und die Engellaͤndi15 Flotte/ ſo in neun Schiffen beſtunde/ kazweg ag bald hernach an. Es kamen noch ein er Vorkugaſſſche Schiffe mit leibeigenen bon did. andern Geschlechts beladen welche Deron u, Strand Guines in die Gruben des Holl führten/ darinn befanden ſich etliche feel da der von unſerer Flor en/ welche zu Ca. Leuten Ame verblieben/ und dieſer armen Sprache kundig waren. Sie bega21 2 ben ſich zu ihrem Geſtade/ heydes um ſie/ wie auch etliche Hollandiſche Bootsknechte/ ſo die Portugaſer bedienten zuſehen/ und die folgende Nacht warffen ſich zweyhundert und fünfzig oder mehr dieſer armen ſchwartzen in das Meer. Es iſt zu glauben/ länder ſo ihrer Sprache erfahren/ ihnen geſagt/ wie ſie erbärmlich gel wann ſie in dieſe Gruben kamen ſolches die Urſache geweſen/ ſo Verzweifflung veranlaſſet hatte. Es iſt wahr/ daß es eine harte und armſelige Dienſtbarkeit iſt/ dann zum oͤfftern/ nachdem man etliche Tage gegraben/ gibt es gewiſſe Herter/ alwo der Grund oder die Erden einer als anderer Seiten beweglicher/ und weicher iſt/ und wann dieſe Erden einmayl anfangt zuverfallen und einzureiſſen/ verſchlitegt ſie zugleich in die vier oder g So bald ſie in die Gruben verdammet und Hand anlegen muſſen/ ſihet man ihr Angeſicht/ jhre Augen und jhre Hqut allerdings Farbe enderen/ welches von den dampffen/ ſo auß dieſen Hoͤhlenen herauß kommen/ entſtehet/ ſie werden alda gleichſam nur von der viele des Brantenweins/ ſo man beydes Mañ und Weib zutrincken gibet/ erhalten. Es daß dieſe Hol⸗ lende ß dieſe Fee e keit der Sela gehalten wurden/ 55 in den und daß 7„„ e, Gold Gruſie zu dieſer ben. ö enenniſchz fünfhundert djeſer armen Leuten. gibt deren Leute die mißt mehr leibeigene ſindp und welchen Ihre Herꝛn die Freyheil gegeben haben/ welche demnach nicht unterlaſſen in dieſen Gruben zugrbeiten/ und viel darbey gewinnen/ weilen ſie aber Sambſtag abends auß diefen Gruben gehen/ um Montags fruh wider dahin zukehren/ pflegen ſle ſelbige Zeit ſo viel Brantenwpein/ der ſehr keur iſt/ zu trincken/ daß ſte alles ſo ſie die Wochen hindurch gewonnen/ verzehren/ und glſo ſind ſie allezeit arme tropffen. 5 So lang beyde Flotten an der Reede St. Helenen gelegen/ hielten die Engel und Holländer einandern Gaſt/ und alſo pfegt nan immerdar gut Geſchirꝛ zumachen. Den Tag ſo unſer Vice-Admiral und einen Theil der Engellandiſchen Flotte ſpeiſete/ geſchah es nicht in unſerm Geſtade/ dann ſo bald er mir ſein Vorhaben entdecket/ rahtete ich hme/ ſein Mahlzeit zu Lande zuhalten/ welches mit mehrer Ehre und Frey heit als die anderen nicht gethan hatten/ zugehen wurde. Ich botte zu die ſem End ihme mein Gezelt ſamimt den Teppichen und den Banckküſſen/ ſo ich annoch bey mir/ und deren ich in meinen Reiſen zu Lande mich bedient hatte/ Weins ſo mir die Fraucdenerglin verehrt/ jhme zu lieb anzuſteehen: uñ daß ieh auch ein halb detzent Flaschen Mantiſchen Weins und ſo viel von Sitiras vor die Nachtmahlzeit finden wolte. Er nahme das Anerbieten mit Freuden an und wir begaben uns glſobald auf das dande um das Giezelt auffzuſchlagen awelches nicht ohne Mühe zugienge/ weilen wir kein Ort fänden ſo eben geweſen/ und allein die Gegelts gröſſe in ſich gehabt hätte/ aber unſere Boolsknechte haben eines nahe bey dem Waßſer auffgerichtet/„ man bey 15 8 3 61 unſern Admiralen, Der Hollaͤn57 luſtiges e au mit verſprechen das Faßlein Rheiniſchen d ben an disn Orten. Was f bey dieſer goͤtzlichkei Reisbeſchreibung in Indien/ Eſſen/ und die Boͤcke und Geiſſen ein und Die zwoeen folgenden Tage ſind wir von anderer Seits ſpringen ſihet/ betrachten koͤnte. Des andern Tags zwiſchen neun und zehen Uhren Morgens ware es eine Luſt alle dieſe eingeladene jeden in jhren Schluppen/ den einen Trompeten und Trommeln/ den andern mit Geigen und andern Muſicaliſchen Inſtrumenten zuſehen/ welches nicht hatte geſchehen koͤnnen/ wann der Mee. Admiral die Mahlzeit in dem Schiffe/ wohin alle dieſe Leute nicht kommen wären/ gehalten hatte. Weilen die Gaſterey zu Lande angeſtellet worden/ hat der meiſte Theil des ſo wohl Engel⸗als Hollandiſchen Frauenzimmers/ ſo in der Flotte ware/ ſich ohn eingeladen/ auch dahin begeben/ und alſo an ſtatt einer Tafel hat man drey haben muͤſſen/ und der ſo vermeinte unter dem Gezelt und Schatten zueſſen/ iſt Anſtaͤndigkeit halben gezwungen worden/ ſein Ort dem Frauenzimmer zu überlaſſen. Unter der Mahlzeit haben ſich die Trompeten und andere Muſicaliſche Inſtrumenten/ treflich hoͤren laſſen/ und ſind zu jeder Geſundheit alle Stuck auff den Schiffen loß gebrant worden. Die erſte ſo man getruncken/ iſt des Königs in Engelland geweſen/ deren ſind der General Staden/ des Fürſten von Uranien und denen Geſellſchafften gefolget/ und folLokgangel. gends iſt man an die Geſundheiten der vornehmſten Officirern bey der Flotten und andern beſondern gerahten. Zu ende der Mahlzeit/ und als wir bereit waren wider an das Geſtade zugehen/ hat ſich ein Ungluͤck zugetragen/ welches ein wenig die Freud der gantzen Geſellſchafft unterbrochen. Des Admirals Trompeter/ nachdem er ein wenig zu viel getruncken/ begabe ſich auff eine hohe Stemfelſen um auffzublaſen/ und waltzte von Zeit zu Zeit groſſe Steine herunter. Und wie wohl man ihne darvon abzuſtehen ermahnte/ maſſen gemigſam abzunehmen ware/ daß ein Unglück darauß entſtehen mochte/ ſetzter demnach kurtzweil halben immer fort/ und endlich lieſſe er einen ſehr groſſen fallen/ welcher von Felſen zu Felſen ſpringend durch das Gezelte getrungen/ alwo er eine Maß wein gebrochen/ und ein Knäblein zu Batavia von Hollandiſchen Elteren gebohren/ getoͤdet. Man ſchickte den ſelben in Holland um die Sprache wie auch das Leſen und Schreiben wohl zuergreiffen. Dann die Kinder ob gleich ſie von Valter und Mutter/ ſo auß Holland gebuͤrtig/ erzeuget/ lernen ſie niemahlen die Sprache/ ſo lang ſie zu Batavia verbleiben/ weilen ſie unter leibeigenen Dienern und Magden/ ſo ſich eher auf die Portugaſßals Hollaͤndiſche S prache verlegen/ erzogen worden. Dieſe Kinder aͤffen jhnen auch in tauſenderley Bubenſtuͤcken nach/ und wiſſen in dem neun oder zehenden Jahr jhres Alters/ die Unzucht belangend/ mehr als Knaben von zwantzig Jahren und wie ſol· in Europa. Nachdeme man das Kind vergracheerdlic, ben laſſen /kehrete man eher dem Geſtade zu/ traurig abgelauffen. als ſonſten nicht geſchehen ware/ und verdroſſe maͤniglich/ daß ein Tag der alſo filch 5 ſen/ enen ſo kläglichen Außgang nehmen ſolte. vielen beſuchet worden/ und iſt kein Frauenzimmer geweſen/ welches unterlaſſen zu unſerm Geſtade zukommen/ und ich glaub/ es habe dieſes uns nicht ſo viel zu lieb gethan/ als um zuſehen/ ob wir annoch Rheiniſchen Wein hatten/ welchen ſie an der Gaſterey unſers Vice- Admirals außbuͤndig befunden. g Nachdem unſer Schiff zwantzig Tag an den Anckern gelegen(dann die anderen ſo ſpanen/ und einen groſſen Fahnen auff das hintertheil ſeines Schiffs ſtecken laſſen/ um hierdurch allen Hauptleuthen und Schiffern zubedeuten/ ſich zu ſeinem Geſtade zu verfugen/ alwo ſie bey jhrer Ankunfft Naht gehalten/ um zu wiſſen/ was man vor einen Weg naher Holland nebmen ſolte. Der mehrere The ware der meinung/ daß man viel eher gegen Nidergang/ als gegen Mittag ſeglen ſolte, weilen die zeit zu ſchiffen ſchon etwas vorbe und ſo man den Weg auf Weſt⸗Indien nehme/ wir gute Winde um auff Holland zu fahren/ antrefſen wurden; Aber es hat ſic das Widerſpiel ereignet. Dann ſo bald wir die Linien hinter uns gelaſſen/ fanden wir gantz andere Winde/ als unſere Schiffer ſich eingebildet hatten; welches die Urſach geweſen/ daß wir gag gehends biß auff den 64. grad in de. hoͤhe deß Eißlandes ziehen/ und alſo in Holland durch den Nordwind kehren muͤſſen. Das XXIX. Fapitel. Die Hollaͤndiſche Flotte verꝛeiſet vol der Inſul St. Helenen/ und der Auchor langet in Holland gluͤcklich all Es anderen Tags har der Meer, nach gehaltenem Nathe die dreh eas Oe. reiß⸗Schutze ergehen laſſen/ und gen jehen ihren Pachts it die gange Herd ern ö Ihſckel ter angelanget/ wenig zeit gehabt ſich zu erfti⸗ eh 1 10 ſchen) hat der Admiral drey Stuck loßbren⸗ reite Segelfertig geweſen. Die Engellander in,„ noch alldorten verblieben/ und wir kong, 1 00 Hel! 10 1 6 930 0 nicht wiſſen warum/ wann ſolches Rien 90 s⸗ ſiſch rum geſchehen/ umb einen von jhren Bee 10 8 knechten zu haben welcher nachdem er voeg nem Schiffer ubel gehalten/ und eines len/ mit jhme außgeſtiegen um Waſſer zu 5 denſelben mit zweyen ſtichen erdolchch unn nachgehends in das Gebirge geſtohen ue er alda geblieben/ wird er feine zeit Ubel e bracht haben/ maſſen keme Wohnungen r AbInful zu finden. Drey Tag nach unter gen fahrt von der Inſul begunte man Meich 1 und Abends das Gebalt zu verꝛichtens und ber nahme war/ daß man in denen zm egen zwantzig Tagen/ ſo wir an der Reede 5 berniemahls gebaͤtten/ worab ich mich aue ö wundert/ als wann man nicht ſo wo ſchubig als in der Gefahr Gott anzinuffen ware. 1 Den eilfften Dag unſerer Abreiſe bunch bel, 6 Der fene mit gutem Winde unter der Linen ahnen 5 0 0 7 Drittes Buch. fahren. Ich weiß daß viel geſchrieben haben/ ie Hitz ſeye unter der Linien unerträglich/ und daß das Waſſer ſamt einetm theil der debensmittlen ſtinckend werde. Wir aber haben deſlen keines erfahren/ ſondern auff der Reiſe groſſere Hitze gelitten dich will zwar bekennen/ daß wann uns eine Stille unter der Linien erderiffen/ an ſtat wir guten Wind gehabt/ wir 5 Hitze mehr als ſonſten waren innen worNachdem wir etliche Tag zu Schiffe geweſen/ ſind wir in dreyen einen Strand vorey gefahren/ alwo das Meer allerdings mit Gras uͤberzogen/ deſſen Laub den HelbaumsHaͤtteren gleichet. Dieſes Gras tragt eine Frucht/ wie die groſſen weiſſen Stichelbeeren; Es iſt aber nichts darinnen. Endlich nach viel anderen Schiffarts⸗Tagen entdeckten wir die Kuſten gegen Ißland/ und darnach die Inſul Feretre; Altpo die Hollandiſche Flotte ſo uns entgegen kame/ vnſer wartete/ die Stuck alldeit loos brennend/ uns dardurch zu erkennen zugeben/ an welchem ort ſie ſeyn mochte. So bald die beyde Flotten einanderen gewar worden lieſſe ein jedes Schiff ſeine Stuck loßrennen/ und kame ein jeder zu ſeinem Schiffer von dem Admiral oder Seeherꝛen/ zu dem Seeherꝛen/ von dem Vice Admiral/ zu dem Schiffe/ wie ſie deß anderen Tages davon urtheilen/ vorgeſtellet/ und dem Verbrechen nach gerichtet. zu führen; aber ſo bald ſie dahin kamen/ fanden ſich Freunde/ die ihre Gnad erlangten/ und wurden alſe ledig geſprothen. Jetzund aber ſtehet ein jeder in Sorgen/ maſſen kein vergebung mehr zu hoffen/ welches die urſache/ das die Feen und Schiffleuthe ſich nicht mehr wie vor dieſern, geluſten laſſen, einige th bermültigkeiten noch Meutereyen auff dem wege zuerwecken. Es ſind zween von unſerer Flotken gehenckt worden/ weilen ſie die Offſeirer mit Meſſern verwundet; ihrer viel ſind mit rollen und ſeileren vor dem groſſen Maſt geſchlagen/ und anderen ihre Beſoldungen genommen worden Wir ſind durch die Flotte der Haringsfaͤngeren gefahren/ und ſie haben nicht underlaſſen einem jeden Schiff gantze Tonnen daͤmit angefüller zuzubringen. Die Haubtleuthe verehrten jhnen dargegen Reiß/ Pfeffer und andere Specereyen.„VL So bald wir die Hollandiſchen Kuͤſten erſehen/ haben alle Bootsknechte unſerer Flotte/ ſo mit deren welehe die Manilles belagert Vor dieſem pflegte man ſie biß in Holland und ferner fuͤrgattgen. hatte/ geweſen/ vor Freude jhres Landes wi⸗ Freue deß ice· Admiralen/ und alſo von allen anderen. ir waren eilff Schiffe/ und kamen uns der anſtchtig zu werden/ viel groſſe umd kleine zeolae Kertzen um das vorder und hinder Theil des hung ihres auch eilff entgegen; Nachdem ein jeder das ein erkant hatte/ ſt man ernſtlich bedacht geweſen auff alle Schiffe/ ſo auß Indien kommen/ viel erfriſchungen zu ſchicken/ als namlich Bierfaſſe/ gerauchtes Fleiſch/ Butter/ Aae/ gut weiſſes Zweyback/ und vor jedes Schiſeinfaßmit Rheiniſchem/ Frantzoſiſchem und Spanniſehem Wein. So bald dieſe Leeensmittel in unſerem Schiffe geweſen/ nahmen die Soldaten und Bootsknechte drey der vier von dieſen Bierfaͤſſern/ ſtellten ſie nahe bey dem groſſen Maſtbaum auff den Boden/ ſelben mit einer Stuck⸗ kugel einſchlabend und ware an dem der am beſten Trin1 konte; ein gleiches thate man mit dem eſen; dann das Getranck und die Nahrung unden zeit wahrender Reiſe zu eines jeden lieben. Des anderen Tags hat ſich ein je. der Schiffer ſeines Ambts begeben/ und den Befehl den Schifferen/ ſo man mitgeführt ö hatte äuͤberlaſſen. Es waren deren drey vor jedes Schiffe/ und man wehlet zu dieſem ende alte Schiffer von 60. biß auff So. Jahre/ welee ene vollksmliche Wiſſenſchafft dieſer Seen/ und wie die Sand⸗baͤncke ſich eben dleſes Jahres geendert haben. He. ds folgenden Tags lieſſe der Geleitser: drey Stuck loß brennen/ und die Fahne muff das hintertheildeß Schiffes ſtecken um zu 1 arnen/ daß alle Bediente/ ſo wohl einer als 5 andere zur Flotten in den Raht gehen ſolG5 Dahin werden alle Rechts handel und ſemachtliche Sachen gebracht/ ſo wider die 8 ſo auff der Reiſe uͤbel gehandelt halere verführt worden/ und nachdem alles uehen/ werden die Straffbaren von jedem deren Namen ſo bey uns T Schiffes geſtecket wo ſolche der Wind als dae ſie angezündet waren nicht außloͤſchen koͤnnen. Man hatte deßgleichen auff füuff oder ſechs Schiffen gethan/ welches einen 0 ungewohnlichen Schein von ſich gegeben/ daß die gantze Flotte darab erſchrocken. Es waren guf unſerem Schiff allein ber die ſibenzehen⸗hundert/ dieſer ſo wohl groſſen als kleinen Kerzen. Es haften dieſe Schiffleuthe dieſelben ſeit den Manilles her/ von welchen ſie eine bose menge/ gleich wie von Ponte de Gale in der Inſul Ceylan mitgebracht/ auffbehalten. Dann als ſie zu Lande waren/ haben ſie etzliche Kloͤſter auff dem Felde geplünderet und angeſteckt; und weil in allen Indien das Wap in wohlfeilem preiß/ und lejchtlich geweiſſet wirdʒ Als hatte ein jedes Kloſter jederzeit einen groſſen Vorꝛaht an Kertzen/ geſtalt man deren an Feſt⸗tagen viel vor dem ChorAltar/ und in allen Capellen anzundet. Alſo daß der geringſte der Hollandiſchen Bootsknechten breiſſig oder viertzig dieſer Kertzen bekommen/ und es ſind deren etliche geweſen/ die eines Schenckels groß hatten. Die Anſtalt ware der gewohnheit nach/ daß unſer Schiff als Vice-Admiral in Seeland einfahren ſolte. Wir waren gantzer ſiben Tage in dem Strand ohne daß wir von Fleſſingen anlangen konten/ wegen des Sands ſo ſehr offt orte wechſelt. So bald alß wir den Ancker geworfen/ kamen mehr als, 50. kleine Nennſchifflein um das unſere herum/ alleine ſie hielten ſich R ſich ein wenig entfernet/ und ware ihnen verboten unſerem Schiffe zu naheren. Damahlen fienge ein jeder an zů ſchreyen/ und 4 Ihre Ani kunfft. waren zu erfragen/ 3 um 224. tung von ihrer Ankunfft zu bringen. Des anderen Tags als wir vor Fleſſingen Aucker geworffen/ kamen zwey Herzen von jh 1 zubeklagen. Ich antwortete daß im gegenſtand eren der Geſellſchafft zu dieſem Geſtade/ umb einen jedwedern zubewillkommen/ und jhnen anbefehlen/ jhre Küſten wohl zuverwahren und ihre Zeichen darauff zu machen. Man brachte damahlen alles zuſammen in einen Saal des Indiſchen Hauſes/ und ſetzte einen Tag/ an welchem ein jeder das ſeinige abhohlen koͤnte. Es iſt der Gebrauch/ daß ehe man die Küſten abfolgen laͤſſet/ man ſolche eröffnet/ umb ſie zu durchſuchen/ auß Forcht daß nicht etwas von verbottener Waare darinnen ſeyn moͤchte. Dieſe beyde Herzen befahlen allen den jenigen/ ſo auff dem Schiffe waren/ zwiſchen dem hintertheil und dem groſſen Maſt zuerſcheinen/ und den Hauptman vor ſich forderend/ welchen ſie vor jederman ihnen an die Seien ſtellten; jhr Herꝛen ſagten ſie zu allen Schiffsgenoſſen/ wir gebieten euch in dem Namen der Herꝛen Oberaufſichthabern uns anzuzeigen/ ob der Haubtmann euch auf dieſer Reis uͤbel gehaltẽ. Dieſe Leute/ welche allbereit gern außgeſtigen waren/ alwo der meiſte theil 5 0 tter oder Mutter/ Bruder oder Schwen/ oder Freunde/ ſo auff ſie warteten/ gen hatten/ fiengen alle an zuſchreyen/ daß der auptmann ein tapferer Mann ware/ der Nutzen der Geſellſchafft und ſeinen zuch befuͤrderen koͤnte/ und wann ſie Gott/ ſie von Batavia verꝛeiſet/ ſeiner erlediget tte/ ſie deſto frölicher auff der Reiſe geween wären. Dieſem nach ſind ſie ſonder weiters Geſpräͤch halten gleichſam in einem Augenblick alle auff die Schleppen geſprungen/ und dem Lande zugeeilet/ alwo ſie von vielen gekußt und umhalſet worden/ und iſt alſobald ein jeder dem Wirtshaus zugeloffen. Dahin pflegen ſich in ſothanem außſteigen/ die Soldaten und Bootsknechte zubegeben/ und ſie gehen gemeinlich nicht von dannen als um jhre ſachen abzuholen/ und jhre Bezahlung zuempfangen/ oder ſich wieder unterhalten zulaſſen. Man hat dieſer Soldaten und Boots; knechten/ ſo auß Indien zuruck kommen/ geſehen/ die innerhalb zweyer Monatsfriſt durch beharꝛliches Sauffen und freſſen bey tauſend Kronen verzehrt haben/ welche ſie ſchwerlich in fünfzehen oder zwantzig Jahren in Dienſten der Geſellſchafft hatten eroberen können. Ich hab einen Schiffman zu Middelbourg gekennt/ welcher auff einmahl für zweyhundert und fuͤnßzig Francken Glaͤſer/ auf die Geſundheit ſeiner Freunden trinckend/ gebrochen. Den Wirth⸗ und Weinſchencken aber nicht allein wird dieſer Leuten Geld/ ſondern auch den Herzen zu theile. e „Die beyde Herꝛen Oberaufſeher der Geſellſchafft welche an das Geſtade kommen waren/ ſo band man den Ancker außgeworffen hatte/ umb der agen daun Erlaubnuß zugeben au das Lande zugehen/ und Leute zu Verwahrung des Schiffes zubeſtellen/ thaten mir die Ehre an/ mich zubegruſſen/ und mi Verbott mit brachte. Einer auß dieſen den Herꝛen ware von Zeland, und der ander Reißbeſchreibung in Indien/ um ihren Freunden und Vertranten die Zeizugleich zoſchaſſtzuerweiſen. Sie lieſſn Abendeſſen bringen/ und in dem ſie Geſundheit trancken/ baten ſie mich jhnen zuſagen/ ob jemand der Schiffbedienten ich alle e ee jhrer zuloben/ daß ſie 10 J mich ſehr hoͤflich gehalten/ und daß ich mich ge⸗ Dach gen dem Affter⸗Meerherꝛen und Hauptmann aan af wie guch gegen allen Kauffleuten des Schif⸗ gen fes/ wegen auff der Reiſe bezeugter guter Freundſchafft bedanckte. Dann es iſt zu wiſſen daß wir neben dem Affter⸗Meerherꝛen kinen Unterhauptman bey uns hatten. Die oberauffichthaber erzeigend/ daß ſie froh warẽ/ daß ich mit deren mir angethanen wohlhaltung zufriden/ ſagten/ daß wann ich etliche Kuͤſten hatte/ ich mein Zeichen darauff trucken ſolte/ und daß ſie verſchaffen wolten/ ſelbe in das Hauß der Geſellſchafft zu Mickdelbourg tragen zulaſſen/ von dannen ich ſolche in vier Tagen wider hinweg nehmen konte. Sie muͤſſen wohl ſo viel Zeit haben/ umb einen Theil deſſen/ ſo in dem Schiffe iſt/ und mit der gantzen Laſt nicht auff Middelbourg gehenkan/ abzuladen. Ich bedanckte mich ihres guten Willens und nachdem ich mein Küſten bezeichnet/ ſtiege jch auß und bega Eee be mich zu Lande auff Middelbourg, Es u, ware im Jahr/ da man die General- Kaen da haltete/ dann ſie wird vier Jahr nach einan? der zu Amſterdam/ und zwey Jahr zu Middelbourg gehalten. Die Urſache deſſen iſtdaß Amſterdam den halben Theil in der Geſellſchafft/ Middelbourg einen vierten/ und Roterdam, Delf, Horn und Encuſe jedes el? nen ſechsten Theil hat/ die Geſellſchafft ift nicht ſchuldig die Kammer in einer dieſer vier letſten! Statten/ welche nur einen vierten theil machen/ und alle Jahr nur zu einem Schiff unter jhnen vieren recht haben/ ein Jahr zu Raterdam, ein Jahr zu Delft, und alſo von dl? nen andern/ zuverſamlen. Eben dieſer Urſachen halber hat Amſterdam acht Oberau ſichthaber/ Middelbourg vier/ und die anderen vier Statt jede den ſtinen/ welches die Zahl der ſechszehen machet/ obſchon man al lezeit von ſibenzehen Oberaufſehern redet maß ſen der breſident oder Vorſitzer zwey Stimm men hat. e„ Des vierten Tags meiner Ankunft u. Middelbourg begab ich mich in das Haus der Indien altdo ich zwern die Seren bn, aufſehern/ welche bereits beſchafftiget warte die Küſten/ denen f enen f ſoltt zulaſſen/ und ſo bald ſie mich erſehen/ sche, 5 ſie/ daß ich/ was mein ware/ erkennen welches ich alſobald gethan/ und die Schl ſel meiner Küͤſten ihnen zugeſtellt/ dann ſelbſt ſehen koͤnten/ ob ich etwas wider 7 7 7 75 0 von Horn gebürtig/ und der lerſte nahme Schluſſel umb meine fen cafe ſen. Aber der Zelaͤndiſche Oberauſſeher e b licher als der von Nordland/ das 1 7 GeN ich frey ware/ der. mend/ ſprache/ daß 0 frey falſcaft * Drittes Buch. ke keine aller dieſer Waqpen/ er hatte daun aue ſelſchafft nicht unterworffen/ und daß ſie mir die Durchfart gutwillig geſtattet hatte. Worüber mir die Schlüſſel alſobald zurück gegebẽ/ und einem auß denen zu dem Vorꝛaht⸗Hauß verordneten Zeuten befohlen worden/ Schlitlen/ deren man ſich in Holland an ſtat der Karren gebrauchek/ meine Kiſten zu laden/ komen zulaſſen. Ich wil dieſes kurtzlich und nur obenhin bermelden/ daß ich nicht allein diß Orts in vbacht genommen/ daß je mehr man dem Aufgalig ſich naheret/ je weniger Höflichkeit und Ehrbezeugung bey den Leuten gefundẽ wind/ und die Gemuther pflegen der groben und ungeſchliffenen welſe des Lands nachzuſchlagen Es haben die Herꝛen Oberaufſeher mir eben ſelbigen Abend die Ehre gethan/ und einen ſhrer Bedienten geſchickt/ mit vermelden/ daß ich des andern Tags mit jhnen zu ſpeiſen gebatten ſeyn folte. Ihrer viel auß der Geſellſchaft ſind bey der Mahlzeit geweſen/ und ich glaube/ ſie ſeyen nicht wegen des guten Geſchires ndern vielmehr mich anzuhoͤren/ aldorten erchienen/ ſich einbildend/ daß mir viel Sachen die beſondere Handlung/ ſo die Statthalter er Geſellſchafft in Indien treiben/ betrefend/ bekannt ſeyn mochten. Sie betrogen ch nicht/ und ich bekenne/ daß man nicht beſer gis ich bin/ unterꝛichtet ſeyn kan aller dezen Weiſen/ durch welche dieſe beſtellte/ ſo die Aufſicht der Schreibſtuben in Perſien und Indien haben/ ſich zu bereichern wiſſen. Dan ſie kehren nicht wieder mit leren Handen in Holland/ und wann ſie allein hundert oder hundert und fünfzig tauſend Gulden davon bungen/ ſchatzen fie ſolches nicht. Ich hab jhzer viel gekennt/ die bis in ſechs oder ſiben hungert tauſend Gulden/ als wie unter andern Hꝛ. claus Obrechit/ welcher das Oberhaupt der 1 ollandiſchen Schreibſtuben bey des zu Ila am als Ormus und andern Orten in Perlien von Annd 1635 bis auf 1640. getweſen/ zuſammen gelegt haben. Die ſeine Freund wvaren/ und mil jhmme gehandlet hatten/ bermehnten/ er hatte uber fütifzehen tauſend totrans, welche ſich bis in die ſechs hundert und geungig tauſend Francken belauffen/ davon ſobacht⸗ ohe was ihn bas Podagratm/ mit 8 hchen er behaftet ware/ und andere Kranckellen/ welche viel eher von der Gemeinſchaft den Perſtan chen Bienen herſfeſfen als von net Mühe ſo man hat/ die Seiden einpacken 108 tagen zalaſſen/ und zusehen ob ſie gleich/ und ob nicht eine falſche Strange mit der gueen vermiſchet ſeye/ gekoſtet hatten⸗ Obgeder Her? Obrechit konte viel verthun/ weizn der Getwinn groß/ aber wenig erlaubt/ und üer ehrlichen Leuten nicht zugelaſſen. Alle fell Zucker⸗und andere Waaren der Ge5 ſchafft werden in das gröſſe/ und gemeinbes duc mus oder Somron verkaufft und das Geldet, ſch aährlich auff ſechhzehein Tonnen 158 aul acdechnet/ thut unglerer Muner hundett Ton eleig tauend Francken/ und die te 99 3 Gold ein million neun hundert zwanh kauſend Francken. Her? Obrechit verkauf1 / ein jede Tone zu hundert tauſendGul⸗ ſe Jahr vor ſich achthig oder hundert kauſend Gulden/ ſo die Perſtaniſche Kauffſeute me unter der Hand durch die Mackles anbieten lieſſen/ damit er die Waaren in geringerm Preis zuverkauffen geſtattete. Aber er iſt nicht der Urheber dieſes Mittels ſich zu berkichern geweſen/ andere haben es vor jhme gethan/ und nach jhme aber andere/ wie inſonderheit die Herꝛen Conſtant und von Wüuck. Uůber das iſt noch der Gewinn/ ſo dieſe Herben auf der Seiden tachen. Wahr iſt es/ daß die Geſellſchafft ſeit etlichen Jahren die Seiden auß Per ſien/ nicht ſo viel als vor dieſem geſchehen/ ſchatzet/ weilen dieſelbe keinen ſo groſſen Vertrieb in Japonien hak/ als ſie gehabt hatle/ wann die Handlung/ wie in den Jahren 1636. und 1637. ware fortgeſetzet worden. Alle der Schreibſtuben Vorgeſetzke/ die dem Ohrechit naehgefolget/ hatten ſich/ ſo wohl als er bereichern koͤnnen; daim in dieſen obgemelten beyden Jahren iſt die Seiden in Japonien theur geweſen/ maſſen die von China und Tunquin mit den Holländern damahls in Kriege von dieſen verhindert wurden in Japonſen zuhandlen/ und die Ohineſer und Tun. quineſer konten keine Seiden als von der Hand der Holländern bekommen. Sie koſte was ſie wolle/ konnen ſie deren nicht entbehren ſiech zubekleiden/ weilen ſie ſich keines anderen zeug zu jhrer Kleidung gebrauchen. Alſo dann daß Herz Obrechit ſich in dieſen beyden Jahren 163 6. Und 163 7 bereichert. Dann an ſtatt fünf oder ſechs hundert Ballen Seiden/ welches das tneiſte/ ſo ſte von dem König in Perſien empfangen/ hatte der General von Batavia und ſein Raht jhme geſchrieben/ daß er ihnen/ es mochte gleich koſten was es wolte zwey kauſend Paͤcke davon ſchicken ſolte. Ich hab in dem erſten Buch meiner Exxhlungen von dem zwiſchen dem Konig in Perſten und Holländiſchen Geſellſchafft gemachten Verglich geredet; und hab zugleich Antegung gethan/ von ber ſchlerhten Erfolg der Handelſchafft der Abgeſanten auß Hollſtein/ deſſen der Bittſchafft⸗Sehreiber ſich ohne Zweiffel in ſeiner Erzehlung/ ſo er außgehen laſſen/ niechk gerühmet. Derdwegen und auß Beyſorgt dem Leſer nicht uͤberdruſſig zu ſeyn/ welde ich mich diß orts keiner Widerholung bedienen 3 denſelben allein erinneren/ daß die Ankunfft dieſer Geſandten/ ſo eine Forcht und Verdacht bey den Hollaͤndern erweckt/ U ſache geweſen/ daß dieſe den Preis der Seiden dermaſſen geſteigert/ daß allen andern Völckerſchafften der Luſt benommen worden/ inkhrers darauff zu bieten: 8 Nachdein nun Obrechit auß Batavia Mefehl empfangen/ wen tauſend Packt Seiden/ zwischen den ſie koſte gleich las ſie wolle/ zukauffen/ und dieſes ware die gantze Zahl/ ſo Perſien herchieſſen konte/ lvie er Geiſt hatte/ und den Gevin über alles ſiebte/ alſo wußte er ſo ſchlckHolländern und dein Khnige in Perſien wegen der Seiden Handlung lich init deten Armenieren und anderen Per⸗ Aabetraten ſiſchen Handeleleuten umzugehen/ daß er die begehrte zwey tauſend Packe Sa f en 226 den zurhand gebracht. Wahr iſt das/ daß uber die funf oder ſechs hundert Packe/ ſo die Hollander von dem Konig/ vermoͤg des zwiſchen ihro Majeſtat und der Geſellſchafft gemachten Vergleichs empfangen/ Obrecht die übrigen tehur bezahlen nuſſen, und er hatte die ſelbige von den Armenieren gekaufft/ welche jhme ſolche auf dem Fuß/ wie ſie dieſelben zu Ales oder Smyrna hingeben hatten/ uͤberlaſſen. Er hat in die en beyden Jahren auf jedem Packe Seiden vier Tomans beſt gemacht/ und er hat etliche Paͤcke gehabt/ die/ wie er ſagte/ ſechszig tomans gekoſtet hatten. Man gab jhme zwar zuverſtehen/ daß es rahtſamer ware/ nicht ein ſo groſſe Menge Seiden geſchickt/ als ſelbe ſo theur gekaufft zuhaben/ und daß die Kauffleute zu Lande beydes die Chriſten und Mahometaner ſeiner lacheten/ aber er gabe nichts anders zur Antwort/ als daß er ſchuldig geweſen/ dem Befehl der Geſellſchafft nachzukommen. Als ich mich eines Tags bey jhm allein befande/ und wir mit einandern von meibemüͤhete; daß ich beſſer thate/ wann ich der Geſellſchafft dienen wurde/ und ſo ich Toilnen Reiſen Geſpraͤch hielten/ ſagte er zu mir/ daß er ſich ſehr verwundert zuſehen/ daß ich meiſten theils der Aſtatiſchen Handlung kundig/ mich demnach in meinen Reiſen ſo viel lens/ wolte er mich vor ſeinen Theil in die Diamant: gruben ſchicken; aber ich glaub/ er hatte mich deßwegen bedancket/ ur hatte/ daß ich deß Vorhaben 0 Hern Taberniers Lob ſolches vor ſich ſelbſten gethan. Nachdem ich me bezeugel ware/ widerſetzte er/ daß ich nieht! ſchlagte/ daß ich einen groſſen 5 ſſen Nutzen darvon ziehen wurd/ und daß er in ſeiner Rechenſtuben mit einem Federzug und eine ziffer verenderend gewinne was er wolte. Ich antwortete darauf/ daß man ſchon drey oder viermahlen meine Geburt⸗ſtellung gemacht/ und daß mar allemahlen einig geworden/ daß ich lang leben Antntt die werde/ und alſo/ wann ich etwas gewißten kon er einem Hollander gegeben. von meinen Reiſen loas an uhoren. Jih wo te/ wolte ich dieſes ehrlich und mit Arbeit/ wie dann Gott mir ſolches befahle/ zuſammen leö 1 5 damit ich es mit mehrerer Sicherheit/ und zjemüths⸗ ſtille die Zeit meities Lebens beſttzen/ und meine Erben deſſen auch ruͤhiglich genieſſen konnen. Wann wir uns alſo verhielten/ fuhre er fort/ waren wir elende Leute; dann die Beſoldungen/ ſo wir von der Geſellſchafft haben/ wurden nicht klecken uns zu bekleiden. Als ich von einer meiner Reiſen zurucke gelanget/ beſuchte ieh jhn in einem dorf/ deſſen er den Namen tragte/ eine Meile von dem Hag. Je ſahe jhn aller ſochtend in ſeinem beth mit vielen üblen geplaget/ und ich glaub/ er konte ſich alsdann wohl erꝛinneren/ was ich jhme zu Apa. han geſagt hatte.„„ Ich kame bieder zu den Herꝛen Oberauffſehern/ und zu denen jhrer Geſellſchafft/ mit kwelchen ich zu Midddelbourg geſpeiſet hatte. Es hatten jh rer der meiſte Theif gern gewoſtk/ daf ich ſie von der weiſe/ wie ſich nemlich der Geſellſchafft Vorgeſetzte in Perſten und Indien verhielten/ bebichtet hatte; andere aber verlangten 2 0 9. Holland ſeyn wurde. Die Herzen ſichthaber um ſich/ mieh zube zahlen/ zuen digen/ ſagten mir daß weder der Sener 5 ſein Raht ihnen von dieſem Handel iu, ſchrieben haͤtten/ und ſo bald ſie deſſenk ö tet wurden/ wolten ſie mich alſobald bez handel mit jhnen anzufangen/ welcher K. währte ehe ich 1 Anſterdam noch 10 Haag einen Schreiber funde/ der Vorbehalten vorbrächte/ ein jeder 0 weil ſie Richter und Beklagte waren. a 910 0 renden 2. Jahren/ gienge ich unterſch g 5 Reisbeſchreibung in Indien te lieber den legtern beypfichten/ und die Handlung mit ſtillſchwueigen übergehen. Wahr it es/ daß wann ich nicht ab dem Betrug/ ſo ſie mir nachgehends erwieſen/ gezweiffelt/ ich ſhnen viel Sachen/ darauß ſie jhren Nutzen ſchoͤpffen koͤnnen/ entdeckt hatte. Dann innerhalb viertzg Jahren/ ſo ich ohn Unterlaß in Perſten und Indien zugebracht/ wenig Geſellſchafft⸗Bediente geweſen/ die mir nicht alle Liſt⸗rancke/ deren ſie ſich Gelt zu haben/ gebrauchet/ eroͤffnet hatten. Zur Vergeltung dieſer Vertreulichkeit/ als ſie in jhr Land zukehren bereit waren/ trachtete ich ſolche mit einem guten Theil Diamanten/ ſo keinen Platz einnehmen/ zu verſehen. Wann ich damahls denen Herꝛen/ was mir des Orts bekant/ er klaͤret/ hatten ſie viel in Ableſung des langen Denekzedels/ ſo ich davon gemacht/ wie nicht weniger in Offenbahrung der Schelmereyen ſhrer Bedienten gewinnen koͤnnen/ und wann ſie mir recht gehalten/ ware ihr Gewiſſen nicht beſchwaͤrt/ wie es iſt wegen bieſen yy oo: Gulden/ ſo General Vanderling und ſein Raht a mir zu Bata via wegnehmen laſſen. Was mich ammeiſten/ wie anderwartig geſagt worden beſtürtzet/ iſt/ daß/ als der General und ſein Naht mir genommen/ was von dieſen 17700—& Gulden herkame/ ſie mir hundert mahl betheunten/ daß ich wurde bezahlt werden/ ſo bal) ich Fuß in Holland werde geſetzt haben/ welches ohngeacht aller Vorſehung/ o jch deßhalben gekwummen/ dennoch nicht vollzogen wor den. Dann zu ende der Mahlzeit ſo bey Ab reiſe der Flotten zu Batavia gehalten worden/ nahtne ich bier Zeugen zu dieſer Sache/ welche waren unſer Vice Admiral und drey Kauf, leute/ zu welchen ich/ als wir von dem Genen und ſeinem Naht Abſchied genommen/ in jh rer aller Gegenwart gantz laut geſagt/ daß i meine Zeugen ſeyn ſolten/ wann uns Golt die Gentde thäte in. Holland oder Engeln anzugelangen/ und ſich zuerinneren/ daß de Hr. General und ſein Raht mir bey meiner Ab⸗ a reiſe/ das was ſie mir verſprochen/ nicht gegeben hatten/ welches eine Sehrifft were/ ele ich den Herꝛen Oberaubſichthabern der boa. Hane ee konte/ durch welche ſie ei, f en mochten/ wie daß mir 17700. Gulden uſtaͤndig weren/ welche ſle mix bey meiner 10 kunft bezahlen ſolten. Deß Herzen Sener. ſeine antwort ware daß ich ſolte ein Glas len nehtnen auff eine glückliche Reiſe zutri mich verſicherend/ daß die Schrifft vor. ncken mir ic ge Ihoch ale berich9155 5 Letſtlich wurde ich gezwungen einen Jahr 5 jhne förcht 8 5 1 75 * 900 a gel Drittes Buch. mahle in jhre Verſamlungen/ alwo ſie mir allfeikerwas Hoffnung gaben/ aber im Grunde ſpotteten ſie meiner. Ich habe mich wenig betrogen befunden/ wann ich einem Menſchen habe unter das Geſicht geſehen/ und erkante ich eh nahem/ was er in der Seelen hatte. Ich merckte an vielen diſer Herꝛen/ daß ſie das anehen hatten/ jhren eigenen Nutzen ſehr zu lieen und ſich wenig um eines anderen ſeinen beumeren/ und unter anderem befande ſich allorten ein junger Mann/ für die Herꝛen von nckhauſen/ welcher mich ſehr genau betrachtete. Nachdem er mich etwas zeits beſehen/ iuagte er mich warum ich zu Batavia geweſen/ alwo die Außländiſchen nichts zu ſchaffen haͤtten. Ich antwortete/ daß alle dieſe Herꝛen deſfen genugſam berichtet waren/ und er der einige ware deme ſolches unbewußt/ finde ich ſeinen Bart viel zu jung/ daß er mich verpflichken ſolte/ ihme deſſentwegen Rechenſchafft zu eben. Weilen mich nun dero verfahren verdroſſen /und ich mich ſo ungerecht gehalten zu ſchen erzoͤrnte/ ſetzte ich mit dieſem jungen ann redend hinzu/ daß es beſſer vor jhne ſein wurde/ wann er zu Enckhauſen ware/ ſeinen Dutter und Kaͤſe zu verkauffen/ als in der ſtelle in wo er ſeye. Der Herꝛ Preſident unterbrae meine Rede/ auff gar gelinde weiſe zu mir gend/ daß man niemand belaldigen muͤſſe; auff welches ich verſetzte/ daß ich zu viel geſeen htte/ um alſo von meinem Thun und Laſgen Rechenſchafft zu geben/ und das warum zu Goa und Batavia geweſen/ were es auff die Bitte des Oberhaupts der Rechenduben von Mingrela geſchehen/ und in dem atzigen Vorhaben der Geſellſchafft zu dienen. kach vollendeter Rede bate mich der Preſiut auff ein kleines abzutretten welches ich ale und nachdeme ich wieder hinein gekomen/ ſagte er mir/ daß er noch nichts von ſoldlaubten daß ich nicht darbey bleiben werde/ daß ich noch etliche Reiſen in Aſien thun wurlie und weilen ich die Gutthaten/ ſo ich auff en Schiffen genoſſen/ ſehr ruͤhmte/ ſo wolU ſie mir hiermit auff ein andermahl die N rchfahrt anerbotten haben/ und daß ſie 8 orſehung thun wolten/ daß ich noch beſſer 27 zuvor gehalten werden mochte; daß ſo ald ich zu Batavia wurde angelanget ſein/ werde man mich bezahlen/ und daß ſie deſſentgen einen Befelch an den General und ſeigen Raht abgeben wolten/ und daß ich mich duff das erſte Schiff ſo auff Surate oder Oraus abgehe/ ſetzen konte. Ich bedanckte mich egen diſen Her en aller jhrer ſchonen anbotte/ cem ſagendelhaßich üeber z Reſen zu Sand as nur eine auf dem Meer vornehmen wolte. em wußte/ allein daß alle dieſe Herꝛen wohl 2 Zum Beſchluß/ als funff Jahre verfoſſen/ ſchrieben die Herlen Oberauffſichthabere an meinen Bruder(daß ich ware damahlen wider in Indien zuruck geraiſet) daß/ wann er zehen tauſend Francken nehmen wolte/ konte er ſolche vor alles was man mir ſchuldig ware/ beziehen/ welches mein Bruder thate/ und ſprache er ſolche von allem was ſie mir ſchuldig waren loß. Ich laſſe den Laſer über die Billichkeit/ und das Gewiſſen dieſer Herꝛen Richter ſeyn. Dann endlichen waren ſie mir die 17500. Gulden ſchuldig oder nicht. Wañ ſie mir ſolche nicht ſchuldig waren/ warum bezahlen ſie mir dann 10000. Francken? und wann ſie mir ſolche ſchuldig/ warum befridigen ſie mich nicht gantzlich? Ich bin nicht algethan haben; Ich weiß noch viel andere und groͤſſere/ deren Erzehlung ihnen nicht vortheilhafftig ſeyn wurde. 5 Diſes ware meine Ruckreiſe auß Indien/ im Jahr 1649. und das einige mahl/ das ich lein der jenige/ deme ſie ein ſolches Unrecht anauff dem hohen Meer zu rucke kommen ware/ weilen ich/ wie geſagt/ alle meine Aſiatiſche Reiſen/ im hin und her Reiſen zu Lande verrichtet hatte/ die kurtze Schiffarth auff dem Mittellandiſchen vor nichts zehlende/ und meine erſte Reiſe geſchahe gaͤntzlich zu Lande/ von Paris an/ durch Teutſchland/ und von Ungarn biß auff Conſtantinopel/ wohin ich mich auch in dem Ruckweg meiner letſten Reiſe im Jahr 1669. begabe. Von Conſtantinopel kame ich auff Smyrna, alwo ich mich um auf Ligorno zu gehen/ auff ein Schiff ſetzte/ und von Ligorne kame ich auff Genua, von Genua auff Turin/ und von Turin auff Paris/ und damahlen brachte ich dem Koͤnig dieſe ſchoͤne Diemant ⸗ ſtucke/ von welchen ich in der Erzehlung von den Edelgeſteinen geredt habe. Seine Majeſtat Des Herzen Tavernſers gluͤckliche Ankun halte die Güͤtigkeit mich ſehr günſtig zu em, Par pfangen und ware ſolches ein Glorwurdiger Beſchluß meiner langen Reiſen/ in welchen allezeit mein erſter Zweck geweſen/ nichts zu ſpahren/ um dieſen groſſen Aſtatiſchen Fuͤrſten zu erkennen zu geben/ daß noch ein groͤſſerer/ als ſie alle in Europa ſeye/ und daß unſer Koͤnig ſie auff unendliche Weiſe in Macht und Herzlichkeit uͤbertreffn. Meine erſten Gedancken/ als ich mich zu rucke in Paris von meiner ſechßten Reiſe ſehen lieſſe/ waren Gott danck zu ſagen/ daß er mich in ſo viel Gefaͤhrlichkeiten/ die ich zu Waſſer und Lande gußgeſtanden/ und in ſe entfernten Landſchafften in waͤrenden bpiertzig Jahren/ erhalten b. EN D E. Der Hold ⸗Silber⸗ und Kupffernen Stuͤclen/ 5 Oauſchlen und Mandlen: Welche fuͤr Gelt Nantze in gantz Ala gültig. Und Erſtlichen Der Arabiſchen. J ͤ L ARIN. 3 Halbe L ARI N. 1 FJeſe Muͤntz wird Larin gedent und iſt im werth unſeren Thalern gleich/ fuͤnf ſtuck derſelben machen einen Thaler und ſo viel zohen halbe/ jedoch iſt wol 8. Sols Franzoſi3 ſcher Wehrung unterſcheid/ daß nemlich die fünf Larin nicht ſo viel als ein haler im Gewicht halten. Und dieſes iſt/ ſo le Emeris oder Füͤrſten in Arabia fur den untz⸗ſchlag und den Gewinn/ welchen ſie genieſſen/ wann die Kauffleut nach Perſien oder Indien/ durch die Wüſte reiſſen/ nehmen/ ann zu ſelbiger Zeit kommen dieſe Emeris, der Caravane ober Geſellſchafft der reiſenden auffleuten/ welche nohtwendig daſelbſten ch müßen/ zuerwarten; um ihren Zoll einAuuziehen/ und die Thaler/ Realen oder Ducann gegen dieſe Larins einzuwechſlen. Man muß gelind mit der Sach umgehen ſinteWilen mit der Scharfe nichts zugewinnen. bermnn dieſelbigen ſehen/ daß man nichts zuundvechslen begehrt/ fordern ſie 1 15 nicht/ i den unter dem Schein als ob ſie nicht und lte die Rechnung zumachen /auf die Jagt ode laſſen alſo ſtillſchweigend die Kauffleut 1. 8 de ag mit Schmertzen warten, welws ünterdeſſen ihren Vorꝛaht auffiehren/ nicht wwiſſend wo ſie anders nehmen ſollen/ und fahls die Caravane oder Geſellſchafft das Anſehn hatte/ als ob wolte dieſelbe fortreiſſen/ wurden ſie ſicher von dieſen Arabiſchen Fuͤrſten in Stücke zerhauen; oder jhnen alle 15 Camel/ oder alle jhre Sachen hinweggenommen werden/ wie dieſelbigen zuweilen gethan. In einer meiner Reiſen hatte uns einer dieſer Fürſten ein und zwantzig Tag auffgehalten; hernach waren wie noch gluͤckſelig/ nachdem wir jhme alles was er begehrt/ gegeben/ daß wir darvon kamen. Wann die 5. Larins im Gervicht einem Thaler oder Spaniſchen Realen gleich weren hatte der Kauffman ſich nicht zubeſchwaren/ aber ſo bald derſelbe jn Perſien oder in Indien/ muß er das Geld/ wie anderstwo gemeld/ in die Muntze liefern/ und gleich anfangs 8. lols auff einen Thaler/ ſo ſich 14. und ein halben pro cento belauft/ bellieren, ſonſten iſt der Lar in eine der aͤtteſten Muntze in Aſien; und ob ztwar heut zu Ta dieſelben allein in den Muablſhen bend zugalſara gangbar iſt/ nichts deſtoweniger geſchehen alle Handlungen mit den Larins von Bafdat bis in die Inſul Ceylan/ und inſonderheit nach der Lange des Perſiſchen Meerbuſens/ alda man 80. Larins für ein Toman ſo 50. Abaſſis ſeind/ nimmet. Per9 N Beſihe die ulbier» gefuͤgte Figuren, hat uns die Erlaubnuß gegeben/ dieſe Muͤnſem gleich ſind aueh e huver⸗ ungen Perſien ſind in hoͤherm Halt als die unſern von 2 Gold Sorten werden darinnen keine andere/ als Ducaten auß Europa kommend geſehen. Dann die Koͤnige in Perſien laſſen keine Gold ſtücke müntzen/ als einige um unter das Volck zu werffen/ wann ſie zur Koniglichen wuͤrde gelangen/ und dieſe Stücke ſind unter den Kauffleuten nicht gangbar/ noch von einem gewiſſen Preis/ ſondern in abaſſi ſo. ee, i ſiſcher Wehrung 18. Schilluig e, Pfenn git N. 4. iſt ein Mamondig. Schiling. lara 5 ſind bald mehr/ bald weniger werth. N. I. und num. 2. quf dieſẽ zweyen Stu⸗ 8 fJß7VVVVVVVVVT N. F. iſt ein chaez 4. Schilling 7. Pfen⸗ 1 cken ſtehen die Namen der zwolff Propheten des Mahometiſchen Geſetzes und in der mitten dieſe Wort: La illa illa allha Mahomet reſoul allah, Ali Vali Alla/ und auff der andern 8 ing were?, N. 7. iſt eine kupffere Muntz Casbesque genent/ J. Pfenning 1. maille Werth... Seiten: der Uberwinder der Welt Abas II. tze zuſchlagen in der Statt Cachan; und dieMiuͤntze in dem Land des Groſſen de des groſſen Mogols kommmet/ wird Mauff den euſſerſten Schrot gelautert/ ehe ſolches gemuntzt wird. 355 Die roupie von Gold falt im Gewicht 2. und drey viertel gros und 11. grain und gilt in dem Land 14 ſilbere roupies. Wir zehlen fuͤr eine ſilbere roupies 30. Schilling Ae und fiber welches in das dan demnach geſtehet eine 1 5 von Gold auf jenigen gleich ſo wir un za. Pfund die unze kauffen; von dieſem Gold in Stenglein oder Ducaten auß Euroße gebracht/ kan man allezeit 7. und ein halben pro cento Gewin haben; dafern man der Zoͤllen befreyet iſt. Die halbe roupie Gold geſtehet. auf 10. und ein halb/ und die viertel roupie auf f. und ein viertel Franzöſiſche Pfund. Wie oben vermeldt/ muß die roupie von ſilber für 30. ſols gezehlet werden/ und wigt nur 3. gros hingegen halten unſere Franzoͤſiſchen Stiber von 30. ſols und ein halb gros und 4. gran im Gewicht/ 2 3 ſumma wan man den Handel recht verſtehet/ und Gold oder Silber in des groſſen Mogols Land bringt/ iſt jederzeit 7. oder N. pro cento Gewin/ dafern man wie angedeutet den Zoͤllen entgehen kan/ dañ ſo man ſolche bezahlen muß/ gehen die 7. oder 8. pro cento, o Gewin weren/ drauff/ und aber geſtunde die roupie quf 30. Schilling/ die halbe auf J. der quart auf. und ein halben Schilling und der Sthel auf z. Schilling 9. Pfenning. Was die „ Hurſſere Mumzaubelangen thut; gilt diebe bald mehr bald weniger/ je nachdeme Kupffer in bie Müuntz gebracht wird; gemeinlich g. E iſt eines der groͤſten Stucken 2. Franzoſiſche in dle. Schilling/ das folgende geringere 1. Schilling/ und das dritte 6. Pfenning werth. Beaber die roupie ſind beſſeren Silbers. In die Sudcte in andern Stätten/ wo gemüntzt wird. Dieſes Stuck n. I. halt fünf Abacf einde al oder einen von unſern Thalern zu z. Chaes gerechnek/ daſſelbe gilt 4. Francken 15 ſols und 6. Pfenning Franzoͤſiſcher Wehrung. Das Stuck n. 2. von 2. und ein halb aN. 3. iſt ein abaſſi ſo nach unſerer Franzobing 1. maille werthſelben auß den Maldivenz für ein Pecha, ſo das Stuck/ welches wie oben angeregt 6 Pfenning werth/ werden 50. in 60. gezehlet. Belangend dann endlichen gantze und halbe Mamoudis und Mandlen/ all ſolches iſt allein in der Provintz Guzerate, deren die vornemſte Staͤtte Surate, Baroche, Cambas, 0 Broudra und Arnadabat ſind/ gan bar/ die . Mamoudis gelten fur einen Thaler oder Neal, für kleine Müntze wollen ſie keine von den Muſchlen annehmen, aber ſie haben fl elne Mandlen, welche von Ormus herkommen und in der Wüſten des Königreichs Lar ae ſen. Weil dieſer Mandelkern bitterer als colder dieſe kleine Muntze eſſen/ ſie haben au von den kleinen kupffern Sorten Pecha 1 5 nent/ und die 6. Pfenning werth/ geben 20. für ein Mamudi und 40. Mandlen für Pecha, biß welln auch 44 nachdem die an, f ritet gebracht wird/ dann wann die Baum jhre Frucht/ wie beſchicht/ nicht bung 11 1 5 dann ſteigt dieſe Muntze in jhrem werkh bigem Land/ und wiſſen demnach die ler jhre Rechnung wohl zumachen. von Gels N. 3. ein quart einer roupie von Gold. NN. 4. rcoupie von Silber/ n. 5. roupie v N. 1. roupie von Gold n. 2. halbe ra. N. 9. ein Pecha von kupfer. N. 10. zween Pecha von kupfer. N. I, ein Pech; baſſis oder 10, chaez widerum 46. ſols und einen liard unſers Gelts genommen. Sr treffend dann die Muſchlen/ je mehr deren 0 auß der See gefiſcht werden; je mehr für e! nen pecha gegeben wird/ dañ man bringt die loquint, iſt keine Sorg zuhaben/ daß 1 0 1 N. 7. ein quarr von Silber roupi ss. N. S. ein achttheil von Süber roup is.. 1 = 1 a 8 8 ——k 23.(3): 5 8 N. z. Mamoudi von Silber welches Su. Ich habe in acht genommen/ daß zweyerley eaatiſche Muͤntz.. roupien ein viereckete die andere rund/ die vier9 halben Mamoudi. eckeke iſt/ wie mans von alters her gemuntzt/ „J. Mandlen. aber jetzo werden ſie rund gemacht. Muͤntze eines Königs und zweyer Naias/ Alle drey dem Groſſen Mogol zinßbar. No. C. und D. iſt die Muntz des Ra js von Parta Jajoumola.. Der Raja von Parta Jajoumola iſt einer 0 8 f 2 Matou- cha iſt zwar ein Konig dem go ſſen Mogol zinsbar laßt aber 7 8 dichts deſtoweniger nuintzen. Von Agra ligt We W gerte res groͤſten Luſts/ dieſer Speis/ dieſes Koͤnigs Land gegen Norden/ und dain zukommen muß man über hohe und raue Berge. Es iſt ein gut Land/ da alles was 10 des Menſchen Leben nothwendig zufinden/ 0 genommen Reis welcher Mangel dieſen olckern verdrießlich; in deme ſie alleſammt ſe doch ſo gern eſſen/ beraubet find. Das a and gibt ſehr gut Korn/ Trauben und Obs/ der kein Wein/ ſie machen doch etwas von kwrandcenwein; Ochſen und Küh haben ſie ſt dhaſlfg⸗ jhre Pferd ſind klein/ ſchwach und 5 geſtaltet/ die gantze Handlung/ ſo dieſe erf ker mit jhren Nachbauren haben/ beſte0 10 Kupffer/ deſſen ſie zwo reiche Gruben oben/ auß denen dieſelben den g roſten theil groſſen Mogols Land verſehen/ von daher ben hingegen Salt/ deſſen ſie in jhrem Land ws“ zukommt; ſolches aber geſtehet hoch/ wien man von dem Ort es daher gebracht zal( o auff der Kulte der Indien bey Ba18 bis ins Land des bemelten Koͤnigs Ma„ha) vier Monat zubringen muß. ö 1 Salt wird auff Ochſen gebracht/ welwedeln das Kupfer übertragen; und b u dieselben zuweilen Laſurſtein und Gragen mitbringen/ iſt ſolches eine anzeigung/ 1 funde ſolche Steingruben in ſelbigem Land 85 A iſt die Silber müntz/ o nur ein Gros fe aan in gewicht/ und in dem Halt der rou. i et dee halhe Kopie gig h. Schl 5 und dieſe 16. Schilling/ welches 7. und Alb pro cento mehr: und zwar je mehr m 8 M chaſbſten gegen Norden gehet/ e hoher Nobld und Silber geachtet iſt. nahe. Dieſe Kupferſtücke ſeind in dem ines Pecha des Groſſen Mogols/ und aber ücnbs halbe ſchwerer in dem Gewicht eg s Kupfer iſt nicht ſo gut/ als das von daund japan gebracht wird. der vornehmſten Rajas jenſeit dem Gange/ und deſſen Land gerad im Norden Patna, umb das Gebiet des Groſſen Mogols/ dem er zinsbar/ und umb das Land des Koͤnigs von Boutam. Derſelbige Raja iſt verbunden jahrlich einen Ambaſſador an den Gubernator in Patna/ mit zwantzig Elephanten/ welche dieſer dem Groſſen Mogol uberſchickt/ abzuſenden. Das beſte ſeines Einkommens beſtehet in Eſephanten/ Biſem und Rhabarbara: Er nimt auch einen groſſen Zoll von dem Saltz/ o wol von dem/ welches in ſeinem Land verbraucht/ als von deme/ ſo weiters in Norden geſandt wird. Es iſt alles Meer⸗ſaltz/ welches/ wie vor gemeldt/ auß des Groſſen Mogols Land komt/ und von dem Geſtad des Meers/ davon droben andeutung gethan/ biß an den Gangem/ und jenſeit des Gangis/ in yo. und y. Grad gebracht wird. Uber oooo. Ochſen werden damit beladen/ und von jeder ladung auß der Saltzgruben gehend/ muß man eine Roupie bezahlen/ hernach iſt es durch das gantze Königreich frey. Wann der Raia von Parta in ſtillenn Land eine Saltz·gruben hatte/ ſo ware er dem Groſſen Mogol nicht zins ar. b No. E. und F. iſt die Muͤntz des Raja von Ogen. 1 8* e Der Raja von Ogen iſt dem Groſſen Mogol auch zinsbar. Deſſen Land iſt zwiſchen Brampour, Seronge und Amadabat, und eines der guten Erdreich in gantz Indien: ſeine Silber⸗muntz iſt allein in ſeinem Land gangbar/ und in dem Koͤnigreich des Groſſen Mogols nicht gultig: ein ſtucklein Silber gilt ein viertel einer roupie, ſo. Schillnige Pfennin Frantzoſiſcher Wehrung/ und das Silber i geringhaͤltig. Ein ſtuek Kupfer gilt 6. Pfenninge und iſt in des GroſſenMogols Land/ biß nach Agra/ gangbar. Die kleinſte Muntz ſeind N 1 davon droben meldung bechen. 5 Bold ſicke Pagodes genennet/ welche in den Landen der Koͤnigen von Golconda des Viſapour, und des groſſen Raja von Carnatien/ und des Raja von Velouche und bey 0 den Diamant⸗gruben gangbar. anden Figuren vor Augen geſtellet duc und l all ſelbigen Landen in gleichem d Un, aber das Gold iſt von geringem halt/ Ab Goldſtuͤcke/ welche in den nachfold dber de gilt allein 42. in 43. Francken d Frantzöſiſcher waͤhrung. Jedoch alten das Gewicht einer halben werden ſie für g. Roupien angenommen. Es iſt das beſte Gelt/ ſo man zu den Diamantgruben bringen kan. chen/ ſo guf einer ſejten geſehen wi 9 23 . No. l. iſt eines der alten Pagodes/ von der Beſhe zeit da die Kajas Meiſter des Königreichs derselben Golconda warenz ſie haben nur das kleine Zei⸗ 10. Bit rde ſeind im diebe Gewicht Gewicht den zwar nicht beſſer an ſie zuweilen um 20 8 als die neuen/ angebracht werden konnen. Die urſach deſſen iſt/ daß die Cheraf oder WechßGold/ beſchichts doch/ daß bis in 25. pro cento hoher/ ler/ welche alle Goͤtzendiener⸗ in glauben ſtecken/ ſo man dieſes Gelt verſchmel ten thaͤte/ wurde dem Lande ein groſſes Unglůck begegnen/ und ſeind mit dieſer meinung dlſo ſtarck eingenommen; daß/ auß beyſorg/ der Konig moͤchte dieſes Gelt verſſchmneltzen laſ8 geben ſie demnſelben zu gewiſſen Jahren is in 20.tauſend Pagodos. Aber zu wiſſen iſt/ daß dieſe alten Pagodlos allein in dem Koͤnigreich Golconda gangbar. Meines theils glaube ich/ daß ſolches von ſhnen vielmehr um ihres Nutzens willen/ als auß Aberglauben beſchehedann in dem gantzen Königreich Golconda hort man in der Handlung allein von den alten Pagodos meldung thunz da doch bie bezahlungen in neuen Pagodos oder in Roupien/ mit deenendie jenigen/ die ſolehe empfahen/ jederzeit 2 7 ein vi cento gewinnen konnen; für ein fundament vorgebend/ daß dieſe neuen Pagodos ſeyen von dem Konig von Vilapour/ von dem Raja von Carnatica/ von den Raja von Velouche/ oder von den Engel⸗oder Holländern kommen/ und bekommen demnach ſo viel Roupies. Dañ es beſchicht keine namhafte Zahlung/ daß nicht ein Cheraf/ das iſt/ Wechßler/ das Gelt empfange/ welches er hernach dem Verkaͤuffer/ der bißweilen ſeines Gelts erſt in ein oder zween Monat benotigt/ gut macht/ und bekomt der ſelbe alſo den Zins wann es auch nn Tage wären. Wann die Bezahlung! Pagodos. zwey oder drey hundert/ oder drey in vier tauſend ſich belauft/ nimt der Cheraf dieſelben alle/ beſihet eine nach der andern macht darauß fünf oder ſechs theil; alßdann nimt er ſie alle in die Hand/ und gibt vor/ die einen ſeyen mehr/ als die andern/ verſchliffen/ und weilen ſelbe bereits durch viel Hande gegangen/ an dem Gewicht ungefthr eins pro cento abgangauf andere/ ſagt er/ mangelt nur ein halb/ auf anderen nur ein viertel pro cento. Dieſe Pagodos ſeind bis auf das ö durchbohret worden; und dieſes bohren iſt eine verwunderlich ſach. Dann wie dieſe Paodos ſehr dick/ alſo daß man dieſelben nicht eſchneiden kan/ nehmen die jenigen/ die dieſes Handwerck treiben/ einen Bohrer und durchlöchern den Pagodos an dem Rand ⸗ bis in die mitte/ oder weiter hi zu weilen für zween o 8 3 der drey Schilling werth Gold/ dafern ſie nur nicht auf der that g 8 werden; üben ſie lieber dieſes Handwerck etwas anders/ intemahlen wenig Handwerks leuthe in Indien/ die des Tags me ſchilling gewinnen: wann ſie den Bohrer außgezogen/ ſchlagen ſie mit einem Hammerlein auf das löchlein ſolches zu bedecken/ und wiſſen damit alſo meiſterlich ehen daß man wohl geſchickt ſeyn muß/ denbetrug zuerkeſſen. Im dieſer urſachen willen beſchehen keine Be0 4, 805 neuen gleich/ und ob dieſelben f dieſem aberertel/ ein halb/ und zuweilen bis ein pro dere 2 warten das os beſchicht/ und ſolche/ zum exempel/ oder viertel hinein/ und bekommen alſo ihme bey 1 hr als drey Aahlungmn/ es ſcedann, daß dem Cheek pa. Gelt gezeigt werde, und warm derſelbe„. zwey oder drey ſtücke beſchen/ bekommt er dae N zwween liard oder ein ſols. Sie haben noch e nen andern vortheil/ und in je gröſſerm an hen der Cherafiſt/ je mehr er gewinnt; wann derselbe eine Summa zu bezahlen nachdeme dieſelbe groß/ thut er der Pago rn fünfzig oder hundert in ein Sa, Pitſchaft darauf truckend/ und aufdem eg lein iſt die anzahl der Pagodlos/ ſo 1 N ſoche befinden/ verzeichnet/ und alſo liefer 0 e 8 für bezahlung. Der jenige o es einpfangt nö, wiederum außgibt/ laſſet die Säcke ohnge, net/ und liefert es alſo deine den bezah 77 dieter beschickt den Wechfſer weicher di 0 te ſein Pitſchaft annoch gantz und unverſe dei Buͤrge/ daß das Gelt gut: and afp N koͤnnen ein gantzes Jahr Bezahlungen gere hen/ daß die Saͤcke niemahlen geöffnet Aber ſdesmahl wan die Sake er ommen/ wird nach dem 0 geſchickt/ der jederzeit ein gewiſſes pro o. für die beſichtigung bekomt. Jedoch eh gemeldt/ liefert demſelben der Kaufman 10 Gelt/ den Zinß davon zu genieſſen/ oer geln. Alſo haben die Cherafs beſtandig den mei chelldes Gets des Löntgreche iiber eg, den/ damit ſie einen groſſen Gewinn er e Die Ordyung deſſelben ands vermag/ dal fol Kriegs⸗volcker monatlich bezahlt werben, len/ aber der mehrere theil der San, erHauptleuthen/ und anderer Officicrern 1 s ende des Monats nicht/ Johnen nehmen bey den Cherafs Gelt aufz die 1 15 — U 2 —— 9 dann 18. in 20. pro cento jahrlich für den anrechnen/ und bezahlen uber das wit ee 1 dos die mangelhaft ſund. Wann ein a gl Diamant in dem Land zu terkauffen Che, chem ein ſchoner Rubin iſt ſolches egg ch rafs alſobald bekant; und ſtehet dar bekoſt lang an/ daß ie dieſelben nicht versetze feu men: Damm alle Jahr/ wann die Ka mil auß Pegufuruck kommen/ und N chu bringen/ ſeind dieſelben gemneinlich fh 0 Ta, und wie der Gebrauch und Ordnung aß den gen/ von dem an⸗ da der Kauffmann ede she Schiff getreten zu bezahlen/ versetze schi ſte ſo er hat/ um beedes die Unko endes peg fers/ desgleichen au 8 15 n auch n le aufgenommen /zu entrichten hein iges/ E er das 9 den Cheraf um za 1 ſeiner ankunft fürgeſtreckt ara, . Die jenigen welche in den the die dae /und die Kaufe ſben eine falbſten arbetten laſſen /o balddieſ gelebte ne Steine haben verkauffen lcd, 175 ſen Wechßlern/ weilen ihnen beiſe ben/ U. baar Gelt/ oder ſie verſetens den ſolche h daß Kauffer kommen/ und hen e 2 (0 8% N. z. und 4. Pagode des Koͤnigs von Viſa⸗ ſtücklein Fanos genannt; welche von unkerour. i 5 ſchiedlichem Halt; deren einige 6. andere zehen Ny. und 6. Pagode des Raja von Carna- und fünſzehen für ein Kronen/ und befinden W 5 ſich darunder die von ſehr ſchlechtem Zeug. Es a 1 N. 7. und 8. Pagode des Ræja von Ve- iſt die Muͤntz/ welche gangbar nach der lange 5 4 ouche. 5 53 der Kuͤſten Coromandel, von dem Vorgebirge 0 f 8 N. 9. 10. il. und 12. ſeind die halben Pago · Comorin/ bis nach Bengala/ und haben wenig 15 e dieſer Koͤnigen und Rajas. andere als dieſe/ neben dem Pelcha von Kupfer/ 10 0 N N. g. 14.. 16. Ind 17. ſeind kleine Gold⸗ und den Muſcheln/ die für kleine Müntz dienen. Muntze/ ſo die Engel/ und Hollander in Indien 1 praͤgen laſſen. 9 1 Nom. unde. iſt die Gold⸗muntze/ ſo die bald/ ob man Pagodes von Pelicate habe. 1158„ Engelländer in ſhrer Veſtung St. Wann deme alſo/ wird man viel eher in dem Georg/ ſonſten Madreſpatan/ auf der Handel befoͤrdert. latt h en Kut 7 uſten Coromandel prdgen laſſen; ſie wird N. e. und n iſt im Silber/ Roupien/ wie ſolö ö Dagodes, wie die Müntze der Königen und che die Holländer zu Pelicate muͤntzen laſſen/ a . Jazſas des Landts/ genant/ it von gleichem Ge⸗ und ſeind im Gewicht der Roupies des Groſ⸗ N wicht und Halt/ auch in gleichem werth. Die ſen Mogols/ oder der Königen von Golconö Fngellaͤnder hatten zuvor weder Silber⸗noch da und Vilapour. In mitte der einen ſeiten iſt b upfer⸗gelt muntzen laſſen; dann an welchem das Zeichen der Hollandiſchen Compagnie/ ö rt dieſelben in Indien/ da ſie Contor haben/ um dieſelben von andern zu underſcheiden. Mit 5 dds zu Surate, Maslipatan oder Bantam/ dieſen der Holländern ſilbernen Roupies/ und f f 1 kommen/ finden ſie mehrern nutzen/ Gold als ihren guldenen Pagodos/ hat es eine gantz wiö ilber/ dahin zu bringen/ das Gold kan beſ⸗ drige beſchaffenheit/ dann dieſe ſeind angenehN ek verborgen werden; und iſt geſchmeidiger mer in Indien/ als der Lands⸗fürſten jhre/ wie ö als Silber/ zu deme kan man mit dem Gold bereits droben angedeutet; hingegen werden N en Zollen der Königen/ ſo dieſelben von Gold die ſilbernen Roupies weniger geachtet/ und 1 und Silber einziehen/ leichter entgehen. Aber wann man mit dieſem Gelt eine groſſe Sumf 0 eit deme der jetzt regierende König in Engel⸗ ma zu zahlen hat wird halb pro cento ver5 land mit der Princeſſin auß Portugal/ wel⸗ lohren/ ob wol daſſelbe eben ſo gut/ als das anö be ſur einen theil jhrer Außſteur den beruhm⸗ dere iſt. 5 1 un Port Bombeye, allda die Engellander/ N. ö. und„iſt der Holländer kleine Kupfereinen veſten Ort zů machen/ ohnaufhoͤrlich ar⸗ muntz mit deren dieſelben gemeinlich ihre Solbeiten ſaſſen/ bekommen/ ſich vermahlet/ laſ⸗ a bezahlen: auf der einen ſeiten iſt auch der Ten ſie daſelbſten auch Silber/ Kupfer und Zin Compagnie Zeichen. Die Hollander/ welche muntzen. Dieſes Gelt aber iſt weder zu Surare, einig und allein auf jhren Nutzen bedacht ſeind/ hoch in dem gantzen Land des Groſſen Mo⸗ hatten urſach zu trachten/ nach der Freyheit AQauls/ noch anderer Koͤnigen der Indien ſon⸗ munten zu laſſen/ dann weilen dieſelben auß diern alkein under den Engellandern in jhrer Japan Gold/ Silber und Kupfer in ſtucken/ VDeſtung/ und zwo oder drey Meilen herum von Macaſſar Gold in pulfer/ und auß Ching m den Doͤrffern/ nach laͤnge der Kuſte gang⸗ Gold in ſtoͤcken oder klumpen bringen/ und dar z die Bauren/ ſo jhnen Wahren bringen/ wann ſie dieſe Metall den Wechßlern verkauft/ gend froh dieſes Gelts zu empfahen/ dann ſon⸗ haben ſie 5. oder 6. pro cento Verlurſt dabey Jen wurden dieſelben/ weil das Land arm/ und befunden/ welches dem Betrug der Cherafs. Lein andern Gewerb hat/ als mit Brandten⸗ oder Wechßlern/ und den Vorgeſetzten der 55 wein/ den ſie von Cocos⸗ wein und Reiß ma⸗ Compagnie Contorn/ die ſich mit einander. en/ deſſen gar wenig ſehen. verſtunden/ beyzumeſſen ware; durch diß mit⸗ 1 N. 9. und d. iſt die guldene Muntz/ ſo die tel aber entgehen dieſelben dieſem verlurſt/ und HDiaollaͤnder zu Pelicate, einer Veſtung auf der genieſſen den Nutzen ſelber in dem Muntzen/ Nuſten Coromandel, jhnen zuſtandig/ vragen welchen zuvor die Wechßler gehabt. Und obs laſſen: Diß Gelt wird auch Pagodes genant/ wohlen in allen Neiſen/ ſo dieſelben in Japan und iſt im Gewicht dem andern gleich/ was thun/ ſie gemeinlich durch Ungewwitter einige aber den Halt anlangt/ glaub ich/ er ſeye um Schiffe verlieren haben ſie jedoch ein und andiey pro cento beſſer/ als an dem Gelt der Ko⸗ dere Jahre fünf bis in ſechs Millionen Frannigen und Rajas des Lands und auch der En⸗ cken ber allen Unkoſten/ Schaden und Gegellander. Ich hab dieſes bey den Diamant⸗ fahr/ Gewinn befunden; aber ſeit deme ſie die Auben und an andern Handlungs⸗orten in Inſul Formoſa verlohren/ iſt derselben GeMien beobachtet. Dann die frage iſt alſo, winn nicht mehr ſo groß: 177 9 11 90 00 800 orſtellun untern Figur. Beſtehe die DieſBeſtehe die Vorſtellung dieſer Muͤnen auf vor angezeigtem 162. Blat Theils. tzen bey dem Blat in der teſer Mun⸗ 3 1 1. tzen bey dem Sumatra, der Enthalt iſt beſſer als un162. 15 ſerer Souis, dann die Untze wol fun zig Frana ein Stück 7. Francken/ 1. Wahrung werth ſeyn. Wann die Kaufleute Müͤntze des Koͤnigs czeſe Müͤntzen ſeynd von Zin/ ſo der D Koͤnig von Cheda und Pera, und 2 ſonſten keine andere ſchlagen laͤſſet/ eit etlichen Jahren hat derſelbe viel ZinGruben entdecket/ welches den Engellaͤndern nicht geringen Schaden verurſachet/ dann die Hollander und andere Kaufleute deſſen von l die dieſem Konig kauffen/ und in gantz Aſien verdieter enn ſchicken. Vor dieſem brachten die Engelländer auß ihrem Land Zin/ und verſahen damit ein Theil Aſien/ allda ſehr viel/ ſonderlich in dem Land des groſſen Mogols, und noch mehr in Perſien und Arabien/ daſelbſten alles Geſchirꝛ kupffern/ ſo man alle Monat verzint/ gebraucht wird. Im ubrigen werden alle Gold⸗ und Silber⸗Muntzen/ ſo man in das Land Cheda und Pera bringet/ von dem Koͤnig und den 25(E) S0 von Cheda und Pera. Vornehmen ſeines Lands behalten/ das gemeine Bolck ſiehet nichts anders/ als das Jin nen⸗Gelt/ und der kleinen Muſcheln/ Cori genant/ davon droben Meldung beſchehen. No. a und b. Dieſes groſſe Stuck Zin haͤlt im Gewicht anderthalbe Untz und gilt n dem Land 2. Schilling Frantzöſſcher Wah, rung/ aber nach dem Preiß des Zins in unſerem Land/ nemlich 14. Schilling das Pfund/ 1 1 jenes nur 1. Schilling/ 3. Pfenning werth. Dieſes Stuck Zin iſt allein an dem Rand etwas dick/ in Mitten aber dunn gleich dem Papier. 5 5 No. c und d. fuͤr ſo viel als 4. Pfenning. 4 No. e. und f. Seynd Muſchlen/ und gibt man deren yo. fuͤr ein klein Stuͤcklein Zin. . Muͤntze von Sold und Zinn des Koͤnigs von Achen. Samt der Gold⸗Müntze des Königs von Maccaffer, oder Celebes. und Silberen auch Kupfferen Muͤntze des Königs von Cambopya. Nes und b. iſt die Gold⸗ Müͤntze des Koͤnigs von Achen in der Inſul ern Theile cken werth. Dieſes Stuck halt wol 10. Gran im Gewicht/ und geſtunde auf 16. Schilling/ 8. Pfennig unſerer Frantzoͤſiſchen Waͤhrung. No. c. und d. iſt die kleine Muüntze dieſes Koͤnigs/ ſo von Zin/ und d. Gran im Gewicht haͤlt/ und weil das Zin deſſen gut/ ſtelle ich den Werth auf 16. Schilling das Pfund/ und wuͤrden fuͤr einen unſerer Schillingen dieſer Stüucklein 75. erfordert. i No. e und f. iſt die Gold⸗Muͤntze des Koͤnigs von Macaſſar oder Celebes, halt im Gewicht 12. Gran/ und nehmen die Hollander ſolches fuͤr einen Guͤlden ihrer Wahrung/ welches unſers Frantzoͤſiſchen Gelts 23. Schilling/ 8. Pfennig ware/ das Gold derſelben iſt ſehr ge. No. g und h. iſt die Silber⸗Muntze des Koͤnigs von Camboya, von gutem Silber 32. Gran im Gewicht haltend/ das Stuck und dieſer Kong läſſet keine von höherem 2 prägen/ ſondern verhandelt ſolches gleich/ wie auch das Silber bey dem Gewicht/ wie in China beſchicht. a e No. i und k iſt die Kupffer⸗Münhe des Koͤnigs von Camboya. Die Koͤnige von 14. 1 va, von Bantam und der Inſulen von Mo! 15 5 ques, laſſen kein andere Muntze ſchlagen al Kupfferne/ auf Weiß und Form wie delt Was die Silber ⸗Muntze anbelangel 1 laſſen ſie dieſelbe im Preiß/ wie ſolche au 9 den Landen kommen/ und nicht verſchmeltze 60 In Bantam, in gantz Java, in Battavia, in vielen Orten der Moluquen, werden 8 Spanische Realen/ Teutſche Reichs ell 1 Frantzoſiſche Thaler/ und der wehteſe de 15 der Realen in halbem Quart und Acht geſehen; Aber in Battavia hat man u 15 die kleine Muͤntze/ gleich wie in Holland e Schillings/ doppelte und einfache Schilling Müntze von Gold/ Silber und Kupffer des Koͤnigs von 8 I Umero A. und B. iſt die Gold⸗Muͤntze/ ſo der Koͤnig von diam pragen laͤſfie Ft im Gewicht 18. Hran mehr/ als 5 halbe Frantzöſiſche Dublon haltend. Das Gold iſt in gleichem Werth, und mag Schilling unſerer iam. 55 welche dorthin etwas zu handlen/ reiſen/ 1 oder Silber wiedrum bringen/ iſt die„Biwellen dieſelben keine Waar/ als Seide ſem/ Sandelholtz/ Gummi Laque, unden/ ten und andere Sachen zu kauffen/ gel 5 dann wann ſie Gold und Slülber mitbringe haben ſie nicht 2. pro cento Gewinn. Num. C geſtehet auf 4. Schilling unſerer Währung Werth muͤntzen/ derſelbe hat zwar viel Gol in ſeinem Land/ laͤſſt aber kein Gelt daraus bim 1d Dieſes Stück i gangen No. C. P. E. F. iſt nur ein Stück in Groſſe einer Hgſelnuß/ auf den vier Orten platt/ m halber Runde/ deren drey Ort gleich einem Y; oß⸗Eiſen geſpalten/ und auf zweyen Orten ſeynd etliche ihrer Buchſtaben. In gantz Orient wird keine Müntze ſo ſeltzam/ wie dieſe 1 gemacht iſt/ geſehen/ das Stück halt im Gewicht dritthalb Gros und 25. Gran/ und iſt m Halt unſerem Gelt gleich/ namlich vierkzen ſeynd in gleichem Werth mit unſe5 ren Frantzoͤſiſchen Thalern/ dieſelbe für vierthalb Francken/ die Untze nach allhieſigem Werth ſtellend. 8 1 8 N. obbemeldter Koͤnige ſilberne Muͤnagen Suben Münze/ halt im Gewicht 3. Cros, r 4. Gran/ und geſtehet auf zz. Schilling unſeae rer Frantzsſiſchen Wahrung. 8 in Fon, s ensteratzni Süber⸗Murtz/ in des Landes brach wird er Gott Ara-gan genant/ welches auf der einen Seiten der Muntze ſtehet/ und auf der andern Seite Chatermani, Konig von Tipoura. Deſſen Land fangt an zwoölff Tagreiſe von Dacæ, auf der Seite Nordeſt. Dieſe Muͤntze halt dritthalb Gros, 22. ran /und beſtehet auf 22. Schilling. No. 5. und 6. iſt des Koͤnigs von Arakan Nuntze/ haͤlt im Gewicht ein halben Gros, J. Gran/ welches 27. Schilling unſerer Franſiſchen Wahrung betragen thut; Dirſer nonig hat keine Gold⸗Muntze/ aber verhan2 7. Ses No. 1. und 2. iſt des Königs von Aſem No. 3. und 4. iſt des Koͤnigs von Tipoura halb Francken„die Untze/ geſtehet auf 32. Schilling 4. Pfenning unſerer Frantzöſiſchen No. G. und H. iſt des Königs von siam Kupffer⸗Müntz/ und gibt man 200. dieſer Stücke für ein Stück des Silbers/ ſie bedienen ſich auch in dieſem Land für kleine Muntze der jenigen Meermuſcheln/ ſo auß dem Malduies gebracht werden. 5 Gold und Subere Muͤntze/ der Koͤnigen von Alem, von Arakum und Pegu. delt daſſelbe ohngemuͤntzt/ iſt in ſehr geringem Halt/ und nicht uͤber 14 Carat. Jedoch haͤllt der Konig ſolches in ſehr hohem Preis/ damit nicht auß dem Land getragen werde. In gantz Bengala iſt dieſer König nicht anderſt als bey dem Namen des Königs von Mogue, bekant. No.. und 8. iſt des Koͤnigs von Pegu Silber⸗Müntze/ im Gewicht dritthalb Cros, 12. Gran haltend/ welches auf 20. Schilling 6. Pfenning unſerer Frantzoͤſiſchen Muntz komt.„„ 5 No. 9. und ꝛ0. ſeynd ſo genante Fanos, oder kleine Gold⸗Stüͤcklein des Königs von Pegu, welche von geringem Gold/ im Gewicht allein ein Gran haltend. Fünfzehen dieſer kleinen Stücken/ werden in dem Werth einer Realen oder unſerer Frantzoſiſchen Thalern gehalten. a 5 No. II. und 12. ſeynd die Fanos des Koͤnigs 5 von Alem, halten auch 7. Gran im Hewicht/ aber ſeynd in viel geringerem Halt/ als die von Pegus alſo daß 22. Stuck nur den Werth a8 Thalers machen. 5 Gold und Silber Klumpen/ oder Stuͤcke welche zur 5 5 S iſt zuvorderſt zu mercken/ daß in 7 0 gantz China und Tunquin weder von Gold noch von Süber einige Müntz ducht geprägt wird⸗daß die Schiedmuntz von Kupffer/ und daß man in denſelben Landen bey dem Gewerb in den Zahlungen der Golddümpen oder Stücken ſich bedient/ deren jeis wie ſelbe allhier repræſentirt, ſein Ge. icht hat.. 1 fla„ Dieſe Stücker Gold No. 1. und 2. gezeich1000 0 lie igen a g g e Form eines Schiffs haben; andere nennens a güldne Stucke/ und ſeynd deren allein dieſer ullderſchtedlichen Groͤſſe. Das Gold iſt des Halts/ daß 5 Untze ſchtwer in Franckreich ein 0 rers nicht/ als zween und vierzig Franen ſelbiger Wahrung gelten wurde. 5 Das Giſſe Stuck geſtehet auf 200. Holländiſche en den und unserer Wahrung 1350. FranGerd Das andere Stuck nur halb ſo viel im lbvicht haltend nach Proportion. und, Jon den ſilbernen Stuͤcken ſeynd von Adeiſdrdücher Groſſe und Getvjcht/ wie Mauͤntze in den Koͤnigreichen Chyna und Tunquin 19„„ s ö durch die 2. Stuͤcke vorgeſtellet iſt. No. z. haͤlt im Gewicht ſtebendhalb Gros und 23. Gran/ und iſt das Sülber bey nahe in dem Pariſer Halt/ geſtehet auf 9. Schilling /s. Pfenning ſelber Wahrung. Die andern ſo wol groß als klein gelten nach jhrem Gewicht. In ſtarcken Zahlungen bedient man ſich der Stenglin/ welche biß in ein hundert Francken gelten; ſie haben auch gar kleine Stücker Silber die nicht ein Schilling wereh ſeyndf et/ werden von den Holländern Goldſchut, wann man etwas kaufft/ und nicht Stücker das iſt Gulden Schiff genant/ weilen ſelbe die hat/ um damit die Bezahlung juſt zu machen/ Fo haben ſie allezeit ſolche Instrument in Bereiti ſchafft/ um von einem groſſen Stuck abzuſchneiden/ ſo viel zu völliger Bezahlung der Summa noch vonnoͤthen. 5 „In dem ubrigen wann die Chineſer ihre Goldſtuͤcke oder Schiffe in fremde Lande bringen/ laſſen die Kaufleute ſolche in Mitten entzwen ſchneiden/ den Chineſern, von wel. chen ſie offt und niemand mehr als die Hollander betrogen werden/ nicht trauend; ſie fuͤtern dieſe Goldſtucke alſo/ daß bißweilen in Mitten der dritte Theil von Kupffer oder Silber geR funden 0 funden kwird. In allerley Handlungen ſeynd dieſe Chineſer dergeſtalten abgerichtet daß wenig Fremde/ die von ihnen nicht erwiſcht werden/ ſonderlichen zu Batravia, die neu ankommene Hollander. Dieſe Chineſer haben beſtändig ihr Gewicht bey ſich/ einer kleinen Schnell waag gleich/ ohngefehr 8. Zoll lang/ mit deme dieselben alles einnehmende Geld . wägen. Die kleine Schiedmüntz/ ſo wol in China als in Tunquin, iſt von Kupffer. No. 4. zeigt die Form/ dieſe Stücklein faſſen ſie durch das Loͤchlein/ ſo in der Mitte iſt/ an/ und machen 12. 25. 50. und 100, zuſammen/ um der Muͤhe/ wann die Zahl 12. übertrifft/ ſolche zu zehlen ůberhoben zu ſeyn. Gold und Süber⸗ Mantz des Königreichs 4 Ales Gold/ ſo auß Japon gebracht Vorstellung wird/ iſt in gleichem Halt/ um etwas dieſer Mün⸗ hoͤher als unſere Frantzoͤſiſche Louis, 70% Bat und im Werth deſſen/ ſo man mit po. Fran, dieses ande, cken die Untze bezahlt. N 1 5 e,, e Dieſes Stuck Gold haͤlt im Gepen Sigur. wicht 1. Untze 6. Gros, biß 5 O. Francken die Untz geſtehet auf 87. und ein halben Francken. No. 2. und 3. Jedes dieſer Stücken iſt von Gold/ 1 1 7 halt im Gewicht den Drittheil des Groſſen/ ſo ein halbe Untze/ 48. Gran/ und geſtehet biß 29. Francken/ 3. Schilling/ 4. Pfenning. Beſthe die No. 4. Iſt die andere Seiten der z. Stu⸗ th cken/ wie dabey verzeichnet. a f No. g. und 6. ſeynd ſilberne Stuck von gleichem Gewicht. jedes 4. Gran weniger als unVorbildung der Silberen Staͤnglen von Iapon, a SGSiett⸗Muntze gangbar. 3 Moermeldet/ daß alles auß Japon kamWuemende Silber in dem Halt unser Frantzoſiſchen Thalern ſeye.* 8 Du habe auf vorhergehendem Blat Heſhebie. To. A. Dieſe Form Stanglin hält im digte Man, Gewicht 7. Unt biß bierthalb Pfund/ die Untz zen am geſtehet auf 24. und ein halb Pfund. 5 nitlnnen, N. B. Halt 2. Uutz vierthalb Gros, komt dern Siga. auf 8. Pfund 10. Schilling. Pfenning. No. C. Waͤgt ein Uutz/ ein halb Gros, 12. Gran/ belaufft ſich zuſammen 4. Pfund/ 1. Schilling/ J. Pfenning. a No. D. Waͤgt eine Untze/ 8. Gran/ komt auf 3. Pfund 10. Schilling/ 11. Pfenning. No. E. Waͤgt 7. Pfund/ 3. viertel Oros, und 7. Gran/ betragt ſich zuſammen 3. Pfund/ 8. Schilling /S. Pfenning. Muͤntze welche die zwoͤff himliſchen Zeichen in der zeit der: Stunden/ die Gehan· gur, König in Indien/ der Koͤnigin Nourmahal, ſeiner Gemahlin/ 5 Stell in der Negierung zuvertretten Vnd ſeine Japon. ſere Frantzöſiſche halbe Thaler /oder Stuck von 30. Schilling waͤgend; jedoch für ſo viel gangbar. Das Silber iſt in dem Halt unſers Gelts/ nichts deſtoweniger verkauffen dieſelben deſſen in dem Lande des groſſen Mogols, dahin die Hollander alle Silber⸗Muntze ud J Stängel auß Japon um muntzen zu laſſen/ bringen/ den Muntzmeiſtern der Orten/ da eß an Gelegenheit zu muͤntzen mangelt/ als zů Surate und Agra; und dieſe Muüͤntzrneiſter bezahlen ihnen jederzeit 2. biß in 3. pro cento mehr/ als ſie uns für unſere Thaler/ oder Neichsthaler/ oder Spaniſche Realen geben thaͤten. i 3 No. 7. iſt die andere Stite dieſer zwey fü bern Stuͤcken. 5 welche für No. F. Wagt anderthalb Gros, 24. Gran/ komt ein Pfund /. Schilling/ 8. Pfenning. ſich zuſammen 1. Pfund /. Pfenning No. H. Wägt vierthalb Eros, 24. Gra/ komt auf 16. Schilling /a. Pfenning. No. I. Iſt die Kupffer⸗Muntz/ welche V. 30. J0. und je mehr und mehr biß auf 4295 welche den Werth eines ſübern Telle mache. wird in Telles gezehlet/ und d machen jhre Rechnung/ daß ein 1 als vierthalb ihrer Gulden mache/ welches g 4. Pfund /. Schilling unſeier Frantzsſſchen Wahrung komt. 1 f No. K. Iſt die andere Seite des Kupff 9 8 N erlaubte/ gepraͤget worden. Olddan Selim ſonſten Gehanguir Patcha 1 Scher der IX. 15 in Indien des vor angezetg⸗ Chagehan Vatter; liebte die Weiber tem Bla, ſehr; aber Inſonderheit inniglich eine unter denjenigen/ die in ſeinem Pallaſt ſich befanden/ welche er zur Gemahlin genommen und die auch ſonderbar herzlich begabt waren, te ein trefichen Berſtand ware fe 15 wußte des Königs Gemüth alſo wo h ut obachten und denſelben dergeſtalken zur verſie nicht ſeyn konte ngen, en/ daß er ohne 1 mochte al jhr begehren von ihne * — 8 8 5 4 55————————*— 1 8 4 5 1 E 5 9 4 9 —— 1 5 0 . 8* 9 5 3 5 2 1 2 5„ ö 0 5 1 1 f 2 3. 1 * 5 0 5 1 2 .* 0 5 0 5 1 5 1 9. 80 hatte zween Namen/ der eine war Nur Gehan Begum, das ſo viel als das Liecht der Welt/ und dis iſt der Name in jhrem Petſchafft/ den wie in meinen Beſchreibungen vermelt wird nichts underſchrieben ſondern allein das Petſchafft auffgetruckt/ der andere Name/ welcher ihr bey Hof gegeben werden/ war Nour Mahal das iſt ſo viel als das Liecht des Pallaſts. Dieſelbe truge jederzeit ein groſſe eindſchafft wider die zween Königlichen Jrintzen/ und inſonderheit den zweyten damahlen Soldan Kourom genent/ welcher nachdem er hernach zur Crone gelagt ſich Chagehan nennen laſſen. Derſelbige widerſetzte ſich beſtaͤndig allem Vorhaben dieſer Princeſſin; welche hingegen des Koͤnigs Hertz alſo regiert/ daß er auff Ihr zuſprechen faſt das gantze Jahr über ſich auff dem Land aufhielte/ underdeſſen heimlich etliche Kajas auf den Grentzen zu Entpoͤrung anneitzend/ damit er voranlaſſet wurde in Krieg zugehen/ und alſo von ſeinen Soͤhnen ſich zuentfernen. Weilen dieſe Königin ſehr ehrgeitzig/ beffiſſe ſich dieſelbe dem Koͤnig in allem gefallen zuthun/ um deſto leichter den Zweck jhres Vorſatzes zuerꝛeichen/ und wie ſie ein groſſes Verlangen trunes Hofs liebte/ und das ohne dieſelbe er von Unwillen uber den hochſtrafflichen Frevel des Soldan Kousrou ſeines Sohns/ der jhne von dem Thron zuſtoſſen underſtanden/ geſtorben were. Wie die Königin den König in ſo gutem Willem für ſie geſehen/ ermanglet ſie nicht ſolcher trefflichen Gelegenheit ſich zubedienen/ und ſagte zu jhme/ Herꝛ Konig/ wann ihr Majeſtat mich alſo liebt/ wie ſie mich bereden wil/ werden ſelbe mir das jenige/ darnach ich bereits lange Zeit ein groſſe Begierde habe/ ver willigen/ das iſt/ daß ich frey und vollkommen nur 24. Stund lang regieren moge. Uber dieſes Begehren war der Konig ſehr beſtürtzt/ auch etliehe Tag lang betrübt/ er wolle der Königin nichts verſagen/ hingegen ware jhme nicht lieb auff ein ſolches Begehren ſeinen willen zugeben/ die Königin unterdeſſen/ unterlieſſe nicht nach allem Vermoͤgen jemehr und mehr den Konig zubeluſtigen und thate keines wegsdergleichen/ daß ſie deſſen Unmuht vermerckte/ wie der fuͤnffte Tag nach jhrem beſchehenen Begehren herbey kommen/ und der Koͤnig derer Anmühtigkeit und hertzlichen Begirde/ die er für ſie hatte/ nicht ferner widerſtehen konte/ ſagte derſelbe zu ihr/ daß er ge/ einen unſterblichen Namen ihr zumachen/ ſich 24. Stund langablentiren wolte/ in welhieltedieſelbe kein beſſer Mittel darzu/ als viel Geld unterſchiedlichen Schlags/ der Muntze wie die Konig in Indien hatten/ prägen ;zulaſſen/ dann es iſt zurnercken/ daß alle dieſer Koͤni ge Muntz/ auf beden Seiten allein eine Schrifft in des Lands Sprach haben/ aber dieſe Königin hat auff der jhren die zwolff chen laſſen. huiliſchen Zeichen ſtellen laſſen/ wider das Mahormetiſche Geſat/ welches allerley Vorbildung verbietet/ jedoch hatte dieſelbe ihren Zweck niemahlen erꝛeichet wann der Printz Soldan Kouram bey Hof geweſen were/ aber ſie nahme ihre Zei in acht/ da der Konig ſeinem eltern Sohn Soldan Kosrou der ſich wider den Vatter auffgelehnt/ und vermeint denſelben durch Gewalt der Waaffen von dem Thron zuſtoſſen/ die Augen außſteDann nach dieſem erhaltenen Sieg/ ſchickte er den zweyten Sohn Soldan Kourom mit einem maͤchtigen Kriegs⸗Heer in Decan wider den Konig von Vilapour der ſich regte die Königin dazumahlen ſehend/ daß diejenigen/ welche jhro in hrem Vorhaben hinderlich ſeyn koͤnten/ auß dem Weg geraumt und furnemlich Soldan Kourom der groſte jhrer Feinde/ und dafür haltend es ſeye nun die beguleme Zeit/ ihren Vorſatz' dem Konig zu offenbahren/ hub dieſelbige an Ihme mehr als zuvor gewohnlich zu ſchmeichlen/ und erdachte täglich friſche Ergetzlichkeiken/ ſeztauff die Jagt; bald in dem Haram mit kantzen und Comcedien. Eines Tags da der Konig ſich wohl ergetzt und Wein getruncken/ wird er ſehr frolich/ und als die Koͤnigin i ſeiner Gegenwart jhme zu Gefallen getankel; nahm er dieſelbe bey der Hand und lieſſe ſie neben ſich ſitzen/ bekennend daß er ſie über e maſſen mehr als alle andere Furſtin ſei cher zeit ſie den Thron beſitzen/ und mit voͤlligem Gewalt regieren konte; zugleich lieſſe er in jhrer Gegenwart alle groſſe Herꝛen die bey Hof waren für ſich kommen/ denſelben anbefehlend der Königin zugehorſamen/ und derſelben Befehl fleiſſigſt zuvollſtrecken/ gleich als wann er ſelbſten redte. Die Königin hatte bereits von guter Zeit alle jhre Vorbereitungen gemacht und heimlich groſſe Partey Gold und Silber in allen Statten da Gelt gemuntzt wurde/ geſamlet/ und daſelbſten die Müntzſchlage außtheilen laſſen. Es iſt gewißlich ein verwunderliche Sach/ das ein Weib ein ſo wichtiges Vorhaben glſo weislich geleitet/ vier und zwantzig Müͤntzſchlag graben laſſen/ und beydes Gold und Silber mehr als zwo Millionen werth in allen dieſen Statten in Bereitſchafft gehalten/ ohne daß der Konig noch die groſſen Herꝛen ſeines Hofs etwas jemahlen darvongewußt. Die Muntzmeiſter allein welche von der Königin durch groſſe Gutthaten und gemachte Hofnungen gantz eingenommen waren/ indeme ſie ſich geſichert hielte von dem Konig jhr Begehren entlich zuerlangen/ wohl ergchtend/ wann nicht alles fertig ſtuhnde/ jhr Vorſatz in 24. Stunden nicht werckſtellig gemacht werden konte; hatten von dieſer geheimen Sach Wiſſenſchafft: als nun der Tag da die Königin die Regierung angetretten her bey kommen/ ſandre dieſelbige alſobalden Eylbotten in alle Muntzſtäkte des Koͤnigreichs mit Befehl/ daß beydes Gold/ und Silber⸗roupies, biß auff vermelte Summg wert gemüntzt wurden; wie der Konig und die groſſen Herzen ſeines Hofs ſolches vernommen/ waren ſie ber alle maſſen verwundert/ und beſtürtzt ſonderlich Soldan Koutom det Koͤnigin todfeind/ welcher/ wie ich Wonen würdigen würdigen Leuten des Landes verſtanden/ daruͤber von Sinnen kommen/ und mit groſſer Muͤhe von ſolcher Beſtuͤrtzung wiederum ſich erholen koͤnnen. Die Sach ward ſo geſchwind vollſtreckt/ fürnemlich an dem ort/ da die Königin ſich befande/ daß zwo Stund/ nachdem dieſelbe auff dem Thron geſeſſen/ ſie groſſe Anzahl dieſer neu gepraͤgten Gold⸗ und Silbern Muntze preis werffen laſſen; welche Muntze in waͤhrender Regierung Gehan-guir beſtaͤndig für roupies gangbar geweſen/ aber nachdeme Soldan Kourom, der hernach den Namen Cha- gehan genommen/ nach dem tod ſeines Varters zur Kron gelangt/ hat er die ſe roupies hey Lebens Straff verboten/ und all denjenigen/ die deren ſo wohl von Gold als Silber hatten/ gebotten ſolche um geſchmeltzt zu werden/ in die Müͤntze zuluferen/ den werth hingegen darfür zuempfahen/ daher kommt daß jetzo dieſe roupies ſonderlich die von Gold ſehr rar und under anderen 2. oder 3. die man ſchwerlich findet wann auch fuͤr denen ein die Silbere 30. Schilling unſerer Frantzoſiſchen Wahrung werth. Die Koͤnigin in waͤhrender ihrer 24. ſtüundigen Regierung ehrete den Koͤnig in dem/ daß ſie auf der andern Seite dieſer Muͤntze/ da/ wie gemeldt/ auf der einen die zwoͤlff himmliſche Zeichen waren/ in Arabiſcher Schrifft den Namen Gehanguir mit dem Ihrigen ſtellen laſſen/ wie auch den Namen der Stadt/ da die Münze geprägt worden. N N 23 do) S 5 von dem Thron zu ſtoſſen/ und den Sohn an die Stelle zu erheben. Damalen war am Hof ein Verſchnittener von groſſem Verſtand/ und der in ſeinem Cabinet dem Feind groͤſſern Abbruch thate/ als eine Armee immer hatte thun koͤnnen. So bald nian die Zeitung dieſer Rebellion bekommen/ ſagte er zum Konig/ wann es Ihrer Majeſtat beliebte/ wolte er den Soldan Koſrou, und den Perſiſchen General in kurtzer Zeit ohne Treffen und Verlurſt eines einigen Manns liefren. Derſelbe hielte zum * Theil ſein Verſprechen/ und brachte ſo viel zu wegen/ daß der General dem Konig gefangen zugefuͤhrt wurde/ der denſelben aber nicht zur Stund toͤden laſſen wolte. Soldan Koſrou aber entranne dieſes mal/ und continuirte viel Jahr lang ſeinen Vatter zu bekriegen/ biß daß er endlichen in einem Treffen gefangen/ und jhme die Augen außgeſtochen wurden/ underdeſſen hielte der König den General immer gefangen/ in Vorſatz denſelben hinrichten zn leſſen/ ſein Weib und Tochter funden Mittel/ ihm das Leben zu erretten/ welches ſie folgen⸗ 1 1 7 7 1 der maſſen angegriffen. Dieſe des Perſiſchen 728 Generals einige Tochter ware nur 14. Jahr alt/ vollkommener Schoͤnheit/ dergleichen in dem gantzen Königreich nicht zu finden/ dieſelbe war wol auferzogen/ redte und ſchriebe Arabiſch/ Perſiſch und Indianiſch. Die Mutter und Tochter kamen taglich nach Hof/ um un erforſchen/ welchen Außgang es mit dem Cenerqin gewinnen moͤchte/ und nachdem ſie en lichen von den Soldaninnen vernommen/ da der Konig beſchloſſen/ entweder denſelben hin br. 1 N. el ö dle Dem gunſtigen deſer wird verhoffentlichen richten zu laſſen/ oder in das Elend zuverweidurch den Bericht der Herkunfft lichen Koͤnigin in Indien ein Gefallen beſcheen/ derwegen ich ſolches hiemit kuͤrtzlich bechreiben wil. Ihr Vatter war ein Perſianer/ von Natur ehrgeitzig/ und weilen er in ſeinem Vatterland nur allein ein gemeiner Rittmeiſter ware/ ohne Hoffnung befördert zu werden/ begabe er ſich nach Indien/ dem groſſen Mogol, ſo damalen Gehanguir geweſen/ zu dienen/ und ſein Glück in fremden Landen zu ſuchen. Gehanguir hatte dazumalen viel Feinde/ dann die Könige von Golconda und Viſapour, deren Parthey 0 Rajas genommen/ ſich wider jhn aufgelehnet; ſo bald der Konig/ als ihn derſelbe das erſte mal beſuchte/ jhn geſehen/ hatte er gleich anfangs eine gute Hoffnung zu jhme/ und vertraute demſelben alſobalden 100. Pferd zu befehlen: wie er in der Aſtrologie, welches die Kuͤnſte/ darauf derten/ daß derſelbe ſo viel die Aſiatiſchen Voͤlcker ſich meiſtens beffeiſſen/ und die Arabiſche Sprache ſehr wol verſtunde/ ward er 1 viel werther vom Konig gehalten/ der vertraute demſelben wenige Zeit 10 5 die General⸗Stelle feiner Armee; ber er vergaſſe bald ſeiner Schuldigkeit/ und der von den Konig empfangenen Gutthaten/ und nahm die Parthey des Soldan Kolrou Gehanguir dltern Sohn/ und nachdeme er einen Theil der Armee an ſich gezogen/ machten ſie mit einander einen Anſchlag/ den Konig 7 dieſer fuͤrtref⸗ ſen/ kamen ſie in den Haram, dem Konig einen 80 geiner Fußfall zu thun und Gnade zu begehren/ die eine für jhren Ehemann/ die andere fuͤr jhren Vatter ſie waren ſo glückclig/ daß nenge willfahrt wurde/ indeme der Konig durch die ungemeine Schönheit dieſer Tochter gerührt/ deren er hernach ſein gantzes Hertze gab. Der Hof verwunderte ſich ſeither/ wie der General 5 und ſeine Frau eine Tochter von ſo wunderſamer Schoͤnheit/ dem Konig unbekant haben verwahren koͤnnen. In Summa/ er liebte dieselbe ſoinniglch/ daß nachdem er nicht verſagen konte/ jhr die Regierung einen gantzen Tag zu üͤberlaſſen/ regierte dieſelbe hernach neben ihme/ und ware die jenige/ welche inn wichtigſten Staats⸗Sachen den Au 9 gabe/ und repræſentirte der Konig den gi ſen Herren ſeines Hofs/ un? nigin gabe/ daß ſie ſehr tüchtig ware/ die Gee ſchäffte zu regieren/ und er für ſein Perſon einem Alter/ welches Ruhe erfordere. No. 1. und. iſt die Vorſtellung/ wie die Muntze auf der andern Seiten der 12. himmliſchen Zeichen beſchaffen. No. I. iſt die aus dere Seiten des Widers/ und No. 2. Krebs/ berde haben einerley Bedeutung nen, lich den Namen des Königs/ der Königin un der Stadt/ da die Muntz gepragt worden/ un Gold/ dieſe zwey zu Amadabat. Je guldene Münz/ ſo die Portuge1 5 2 ſen zu oa pragen laſſen/ iſt im Halt L beſſer als unſere Franzoſiſche Louis, und wigt das Stuck ein gran mehr als unſeir halbe Duplon. Ju der zeit da ich zu Goa 5 Faun„galte das Stuck 4. roupies oder 6. rancken unſerer Wehrung. Sie halten dieſelben alſo hoch/ damit die Kauffleut welche g on allen orten auß Indien Wagren zubrindaa ihre Gold⸗Munte nicht auß dem dand Ongen/ ſie nennen dieſes Stuck St. Thome. apon, Macaffar, Sumatra, von China, old auß den Abyſſinen und von Saba brinen/ hatten/ ſahe man mit Verwunderung Argen Abele ear inde C hetenhei da Hun Wü m geprägt wird/ das Gelt in groſſer Sumdle, nia in gantz Alia, da ſolcher gangbai/ verfuͤhrt n dieſem da die Portugeſen die Handlung Hold ⸗Silber⸗ und Kupffere Muͤntz/ jo vie Por Oriental⸗ Indien praͤgen laſſen. 0 0 deren daoſambiqua, ſo ſie aioch haben/ * weſches das Ort/ dahin die ſchwartzen das erde; was aber die Moſcoviſche Müntze an5 hut/ were ein groſſer Verlurſt die⸗ konnen gehmen/ daf 0 ee alte Müntze; das Stuck halt im Gewicht 25. inzubringen/ weilen der de anderwerts Die Gold Die Gold1 mf face glad dale Silberen Sorten ſind in gutem Halt/ die Gold Muͤntze um etwas beſſer oder 1 che al der Halt unſerer Franzöſiſchen f cken die F. Schilling. Pfennung/ und ein maille ein halb pro cento Verlurſt. N. l. W. iſt ein Stuck ſilbere Munz g. ran wagend/ und die un: zu 3. und ein ha wand 0 geſtunde ſolches 1. Schilk0 9 unſerer JWehrung/ aber in dem Land be5a man nur 50. dieſer Stucken/ oder hoͤchſt ſſer zeit yz. für einen unſerer Franzoſimen Teutſchen Reichsthaler. w. N. L. und U. dieſes Goldſtuck halt im Gedecht 14. gran, und das Gold zu 48. Franunz gerechnet/ geſtunde ſolches auff dan iſcher Wehrung; weilen dieſelben awere Moſcau für 24. Schilling gangbar/ dieſes Geld heraußzubringen 19. und 2 e len und Mandlen die ich alhier allein in Truk vorgeſtellet/ wůrcklich zuſehen begehrte/ wurde lb er ſonder Zweifel von dem Herꝛen Ober⸗ Pre. ſidenten der Kunſtkammer/ welchem ich dieſelben neben etlichen Muntzen/ deren dieſes des Nahe, de anten. nſchafft habend/ viel bey · V und VI. iſt auch ein ſilber Geld/ ſo ſi⸗ taten groſſe Wi 1 die groſſe die Portugeſen prägen laſſen/ und der Goldarbeit/ ſonderlichen der durchſichtigen ſo in allen jhren Statten gemacht/ und in frembde Land/ und bis in O ccidental- Indien für nen Hiſpanien uͤber die Philippinen/ verſchickt wurden. Aber ſeit deme nur allein Moſam-bique jhnen Gold bringen thut/ halten ſie dieſe Stuck St. Thome alſo hoch im preis/ damit man ſolche nicht auß dem Land enttrage/ ſie haben auch ſilber Geld Bardos genent/ die für 27. ſols unſerer Wehrung gangbar ſind/ wie auch quantitaͤt kleine Kupffere und zinnene Muntz/ ungefehr wie die jenigen der Koͤnigen/ von denen ich Meldung gethan/ und die gleicher Geſtalt mit g. wiiſſer Zahl anfaſſen. in der Moſcau gangbar/ aber ich habe nicht audeutung gethan/ daß von al⸗ erfahren konnen/ in welcher Provins ſolches a ee et kein Wapen darauff ſihet/ und die Schrifft ſo darauff iſt/ von einigem deren die Wiſſenſchafft haben/ und denen ichs gewieſen/ nicht hat erkennet werden konnen/ daher abzunehmen/ daß es ein ſehr gran/ welche der werth von 3. Schilling 1. Ae 1. maille unſerer Franzoͤſiſchen Behrung machen. Und das iſt was ich betreffend die Orientaliſchen Muntzen/ in meinen langen Reiſen auffs gewiſſeſte hab erfahren/ und zuſammen bringen konnen/ und vermeyne nicht/ daß jemand vor mir darvon zuſchreiben ſich jemahlen unterſtanden. Wann ein oder der andere Leſer meiner Beſchreibung/ ſeine curi oſitat zubegnuͤgen/ die Geld Sorten ſowohl 5 von Gold/ Silber/ als in Kupffer/ Muſchſhen g b e e de in iind e en Leb hner e, 9 Whale S paie oder ki⸗ ſammen/ und ſich jederzeit ein Liebhaber der N Chalern/ oder Spaniſche reale ode fad erbahren Sachen bezeugt geordnet habe/ 3 tugeſen. guckt dieser Gold Münge // GSGiold und Sülbere Muͤntz von Mroſtaun. 0 IJ habe in meinen Beſthreibungen Kurtzer Begriff V nuderſchtedener und ſonderbahrer ceibungen/ n BAPTISTA TAVERNI ERS, Ritters und Rreyherꝛen von Aubonne. 28 er in der Beſchreibung ſeiner Orienta bſchen Beiſen keine meldung gethan: In fuͤnff Theil abgerheilet/ I. Erſtlich ein Bericht e von Japan/ und von der Vrſache der e Verfolgung in ſelbigen Inſeln. II. Beſchreibung deſſen/ was ſich in Indien und Perſien/ ſo wohl den Koͤnig/ als die F rantzoͤſiſche Compagnie betreffend/ wegen Auffrichtung einer Handlung zugetragen. III. Anmerckungen uͤber die Ortentaliſche Handlungen in Indien/ und was dabey fuͤr Betrug vorgehen kan. Iv. Beſchreibung des Koͤnigreichs Tuncquin, nebenſt vielen Kupffern und der Land-Tafel. 5 V. Hiſtoriſche Beſchreibung vom Verhalten der Hellandeen in Aſien. 74 Dieſemn iſt beygefügt i De Baftrabeng der inneren Beſchaffenhei des Serrails, des Gros⸗Tuͤrcken: Und Die Kroͤnung Solimanni J. Königs in Perſten/ und deſſen was ſich in den zweyen erſten Jahren zugetragen. Dritter Theil. 5 Jobann Hermann Widerbold/ Im Jahr N. DC. LXXXI. 8 Tafel 8 5 2 Der Buͤchern und Capicteln des Dritten heils/ dieſes Reiß⸗Buchs/ in welchem von unterſchiedlicher Materi gehandelt wird. 8 8 Das J. a Bericht von Japan, und von der Urſache der grauſamen Verfolgung der Chriſten in ſelbigen Inſeln. 5 8 N f ä. Das II. Buch. 3 ö Beſchreibung deſſen/ was ſich in der Verrichtung der Abgeordneten/ welche in Perſien und Indien geweſen/ ſo wol den Koͤnig als die Frantzoͤſiſche Compagnie betreffend/ wegen Auffrichtung einer Handelſchafft zugetragen. Aumerckungen/ welche ich in meinen Reiſen durch Aſten/ den Handel in den Orientaliſche Indien betreffend /auffzuzeichnen wuͤrdig befunden/ darinnen ich die Mittel/ Weiſe und Wege/ eine neue Compagnie auffzurichten/ wie auch den Betrug bpelcher im Bauen/ deßgleichen in Kauffen und Verkauffen der Wahren begangen wird/ und wie ſelbigem zu entgehen/ angezeiget. Dieſem hab ich beygefüͤgt den gemeinen Preiß aller Wahren/ nebenſt der Vergleichnuß des Indianiſchen Gelts/ mit dem Frantsoͤſiſchen/ welches in dem Handel und Wandel gangbahr iſt. 5 54. G Das IV. Buch. 25 eſchreibung des Koͤnigreichs Tunquin. 5 i. 2 Das I. Capitel. ö lgemeine Erzehlung vom Koͤnigreich Tunquin und wie ſoſches dem Verſaſſer be worden.* 7⁴³ Von der Gelegenhelr und Weise des Köntzreche Tunquin. 74. V i Das III. Capitel. en der Eigenſchafft des Koͤnigreichs Tunguin. 75 e Das IV. Copfel. 5 on dem Reichthum/ Handlung und Münzen in dem Königreich Tunquin. 58. Von Das V. Capitel.. Ven der Kriegs⸗Macht deß Königreichs Tunqain, ſo wol zu Waſſer als zu Land. 9 be Das VI. Capi on Sitten und Gewohnheiten der Voͤſckern in dem Königreich Tunquin. 80. Don de Das VII. Capitel. en der Tunquiner Heuraht/ und die ſchröcklichen Straffen wider die Ehebrecher. * g Das VIII. Capitel. en Beſuchungen und Gaſtereyen und Ergötlichkeiren der Tunguiner. 5 den Das IX. Capitel. 5 Von den Gelehrten in dem Koͤnigreich Tunquin. i 5 i 5 * 8 Das X. Capitel. en den Tunquiniſchen Aerzten und Krancheten. 75 2 rung Das XI Capitel. 5 88 en Urſprung/ Regierung und dem Wel lichen Regiment des Königreichs Tunquin. 87. Von d 0% e 5 er Hoffhaltung der Koͤnigen in Tunquin.„ 5 D. 8 Das XIII. Capitel.. en den Ceremonien, welche bey den Tunguineren, ſo offt hee Könige auff den hron a haben werden/ gebraucht dz. 91. Von der g, Das XIV. Capell, h Kotzen in Tunquin, und der Art und Weiſe hre 7Tochteren zu dligion und Aberglauben der Tunquineren. 956. Dom d Das V. Buch. 5 de erhalten der Hollaͤndern in Aſien, ſo wol gegen jßren Unterthanen/ als auch gegen n Frembden jhre Handlungen zu erhalten. 8 103. N Das 800 0 G ö a Das I. Capitel. 3 Des Authoris Vorhaben.„ 103. 8 Das II. Capitel. 5 Von der Inſel Formoſa, und wie dieſelbe durch Verzaͤhterey/ deren ſich die Hollaͤnder gebraucht/ in dem ſie ſich derſelben bemaͤchtiget/ und die Engellaͤnder vertrieben und eroberet worden. Deßgleichen wie die Chineſer ſolche den Hollaͤnderen durch verwahrloſung des Commendanten, im Jahr 1661. den. Juli wider abgenommen. 106 5 Das III. Capitel.. Wie ungewiſſenhafftig und Verwegen die Hollaͤnder in jhrer Capitulation nicht. V 108. halten. 2 . Das IV. Capitel. f Wie ſchlechten Eyfer die Hollaͤnder tragen/ das Chriſtenthum in Indien außzubreiten/ und wie ohnfleſſſtg ſte ſich in Underhaltung ihrer Krancken/ und in den Wercken der Barmherl 0 5 1 tigkeit erzeigen. 3 5 Das V. Capitel., Von der Morik-Inſul darinnen das Eben⸗Holtz gehauen wird/ zu welchem die Hollaͤnder 2 re Sclaven und Verbante zu gebrauchen pflegen. ü. a Das VI. Capitel. N Von der Nuͤſtung des Generals zu Batavia, und ſonderlich des Generals Matſuckers, und was ſich mit ſeiner Frauen und Enckelein zugetragen. 3„ a FFF II. Capitel. Vom General von der Broug/ und dei jenigen/ was unter gen/ nebenſt dem Urſprung der Statt Batavia. ſeinem Gubernament vorga, 5 Das VIII. Capitel. Vom General von Dyme, und Vander Lin/ und was ſich unter ſeinem Gubernament 95 tragen. f 1 ö Dae IX. Capitel. 5 Vom General Speck, und der unmenſchlichen Grauſamkeit des Generals Com. Andere Grauſamkeiten des Herren Can und Carons. 5 . f Das XI. Capitel. iner Vom Herzen Riaklofft von Qous? welcher die Armee vor Coecſin commandirt- ſein Grauſamkeit und eitelen Gedancken/ einen Indianiſchen Fuͤrſten im Nahmen der 0050 pagnie zu roͤnen. f 5 5. Das XII. Capitel. 8 5 1„ Vom 1 Glins, dem Oberſten im Contor zu Ormus, und ſeinen undemmüufttgz aten. 118 N 131 i Das XIII. Capitel. 1 Don dnn N den 805 1050 welcher die Hollendiſche Flotte con irt, ſeine Verrichtung am Hofe daſelbſt/ und was ſich zwi fl den Eng, ſchen Agenten zugetragen. 5 ſch f 3 e i 136 35 Das XIV. Capite ll. f Lünmal hes e dreyer Edelleuten auß Bretagne, die ſich in der Compagnie Dien be 9% 729 6. 262 153 i Irrer ILL 423 ene eee Err Irren Delincaltio Insul rum J. apontcdlliim, 171 qui dei , via lemi marique, quam cequuui Bata, cui ab vnbe U Her troit de d. 22—— Immer N. ang aN! ad vrbem edo geulem Reægium voluit flofioiret. — 1 In frouincia Iamaicot in moni bie vicinis vnbi ino Alic gunt awmyliuima augen fodini, O Aoeimoſ Cuque. Null, Tedo ei Indo 4e ien, 44 Naß 5 inan 015 es a. 0 Tatonii D 7 Micg ua. l inn e, 5 5 aun, 125 515 5 11 5 1 rc e, loc 4 Se tara. 10. 0 7 W prelt 5 1 25 8 S Ogugqama 8 . 8 Teunocl gd. aao . 8 28 . lac HtuẽZů-ꝗZs 247770 elta, 5 Deu Ho mostborit 8 n vgl. Niaeaqud G. 55 fc ce e—— e e 5 eg e en lo mal 80 Gee, Fat Halluo mus 775 1 U f ſnilib. he * 0 40 3 Bes g ble i 8 EI III 2 8 Incl Iii 4% 72 8 int anentlli na 770 725 2 . A 5 8 alu 5 aum 7 d* S ◻ 2 a 1 r nE eee N Achau IIIILILLILLILILILLILLTE III 7 * Von der Vrſache/ der J E heutigen Erd beſchreiber ( SGeographi) gründen die Beſchreibung lapansauff die Muthmaſſungen/ welche ſte aus dem 10 Bericht der 5. Kauffleute ſo in das ſelbige Land ihr gewerb getrieben/ gezogen haben; Gleich wie aber wenig Kauffeulhe die Geographi(Exdbeſchreibung) derſtehen/ und aͤuff der Reiſe an nichts anvers gedencken/ als wie ſie durch ihren gewerb einen Gewin erlangen möchten/ als ane ſind die Beſchreibungen/ die ſie uns vorlecg gen/ ſehr ungewiß. Die alten Geographi du. be. gaben hiervon keine volkommene wiſſenſchafft gehabt/ und beſtehet noch/ auff nichts als dguff Muthmaſſungen das man glaubet/ die Juſſel labadij deren Prolomeus meldung . thut/ ſey eben die jenige welche man heute e, z tage die Inſel Niphon nennet. So vil cee ab aber gewiſſes/ aus der Erzehlung vieler Dig, Perſohnen welche dieſe Reiſe gethan vernehmen koͤnnen/ ſo beſtehet anitzo das lapaniſche Reich aus vielen Inſeln/ deren etlice nicht eigentlich Inſeln ſondern nurhalb Gein fein und ſonderlich die jenigen wel, he an das Land leſſo ſtoſſen/ deſſen Inbad ner der Iapager Vaſallen/ und ihnen kriHein geben muüſſen. Nichts deſtoweniger hat eite dolandiſcher Schiffer/(welcher dieſe enkdecket umb zu ſehen ob eben daſſelII. Theil Bericht von Iapan/ 9 bangen ericht von Und 5 1 a au, i grauſunen Verfolgung wieder die Ehriſten in ſelbigen Inſen. biege Land eine Inſel/ oder mit dem groſſen Lande Corea vereiniget ſey/ welches uns bis auff den heutigen tag an denſelben Orten wo es ſich hinter China bis an das Ende der Tartarey Nilhan erſtrecket un bekand geblieben) berichtet; das ſolches durch ein enges Meer/ welches die Inwohner die Meer Enge oder das Fretum Sangaar nen⸗ 3 berämdtt nen; abgeſondert ſey. Unter allen Inſeln Inſeln JaJapans da man vor dieſem 66. Koͤnigreiche baus. gezehlet/ ſeind drey wegen ihrer groͤſſe ſon? derlich beruͤmbt; deren groͤſte Niphon, die andere Ximo und Xicock genennet wirdt. Die lapaner rechnen den weg von der Provintz Quanto bis an das Land Leſſo auff 27. tage reiſen/ und ſagen das/ gedachtes Land weit von dem meeruffer mit Bergen an die nicht zu gelangen der geſtalt erfuͤllet ſey/ das die lapaner welche ſolches zu entdecken geſucht/ zu ihrem zweck nicht kommen koͤnnen/ ſondern ſein endlich der langen und ſchweren Reiſe uberdruͤſſig worden. N Die Inſel Niphon iſt viermahl groſſer 1 a Niphon als die zwo andern/ man ſiehet darinnen einen Verg welcher gleich wie der Berg Ætna in Sicilien Flammen außwirfft/ vor dieſem hat man daſelbſt 35. Königreiche gezehlet/ heut zutage aber wird ſelbiege nur in 5. Theil abgetheilet/ deren nahmen ſeind Iamaiſoit, Ietſen, letſeſen/ Quanto und Ochio, welche in dem man von Oceident nach Orient reiſet/ nach einander liegent/ angetroffen werden. Dieſe F. theile ſeind annoch in viel Provinzen abgetheilet. Die Inſel imo oder Saycock lieget vn Niphon gegen 5 A Sudoſt 2 Bericht von Iapan und von der Vrſache Suͤdoſt/ und mag in ihrem Umbkreis 160 Meil haben. Die Inſel Nicock lieget von Niphon gegen Mittag/ und begreifft in ihrem umbfang 20 Meilen. Die daherumbliegenden Inſeln ſind von keiner ſonderbahren Denckwuͤrdigkeik und dieſes Meer iſt mit Inſeln beſetzet/ gleich wie der Archipelagus zwiſchen Morea und dem Geſtad des kleinern Aſiens. Damit aber dem Leſer durch eine weitlaufftige Beſchreibung kein Verdrus erwecket werde/ als wil ich den ſelben auff die Landtaffel ſo hie beygefuͤgt/ und welche deſto beſſer eintreffen wird/ weil ſie an dem Orthe ſelbſt gemacht worden/ gewieDie Stab le- fl haben. l e do iſt des Der Keiſer hat jetzund ſeine Recent; Keyſers Rel. in der Stadt Ledo, weil daſelbſt temperirte denta. Lufft/ und nicht ſo groſſe Hitze iſt/ aber wann er einen Sohn hat/ ſo das J. Jahr überſchritten ſchickt er den ſelben nach Sarunga alda dieſer Printz ſeine Hoffhaltung hat biß an des Vatters Tod/ umb als dann auff den Thron Zuſitzen. Nach dem Nedo N dekſel⸗ zum Keyſerlichen Sit erwehlet/ iſt ſelbige 8 der geſtalten vergroͤſſert worden/ das ſie anjetzo drey meilen lang und zwo meilen breit iſt/ die Haͤuſer ſeind dicke aneinander 8 gebaut/ und die Stadt iſt uͤberauß volckIe ſehr. reich. Wann der Keyſer durch die Stadt Lolckreich. gehet oder wan ſonſten etwas ſonderbahres zuſchen„ iſts faſt unmüglich durch die 227 e de Aan ſch eh ö 1 Seſchreibung doch niemahs die Weiber ſich ſehen laſſen. 6c Nee, Der Keyſerliche Pallaſt iſt gantz mit guldechen Palſaſts. nem Blech gedeckt die Furſtlichen Pallaͤſte gleichen dieſer Koſtbarkeit etlicher maſſen/ von fernen hat dieſe Stadt das aller Koͤſtlichſte und Praͤchtigſte anſehen/ innen aber iſt ſie nicht ſo ſchoͤn/ ſeintemahlen die Gröſſe Mer Haͤuſer gemeinlich von Holtz gebauet ſeind. 9e der Häuser. Der Oberſte Pair) hat ſeine Wohnung zu Meaco; dieſe Stadt iſt auch ſehr groß und halt mehr als ooo Hauſer in ſich/ vor dieſem war ſelbige die Haubtſtadt des Reichs damahlen als es den Dairys entzogen ward. So bald er von den/ Bonziern, welches Prieſter und Geiſtliche ſeind gekroͤnt Gewohnhelt worden muß er den Mondſchein meiden und des Keiſers. ſich mit keinem Meſſer beſcheren noch die Naͤgel mit der Scher abſchneiden laſſen. Die Einwohner des Lands geben vor/ lapan ſey vor dieſem durch einen Fuͤrſten nahmens Dairy Regieret worden/ den man ſo heilig gehalten daß ſeine Unterthanen ihn gleich als einen Gott verehret/ und damit er bey dieſen Voͤlckern noch mehr Anſehn erlangen moͤchte hat er ſeinen Bart und Haubthaar wachſen laſſen; Vorgebend es ware ein Kirchen raub von meſſern und ſcheren beruͤhrt zu werden. Die Fürſten welche auff ihn gefolget(ob ſie wohl nur noch den nahmen eines Koniges fuͤhren/ haben dieſen gebrauch behalten/ und ſagen ſie laſſen ſich den Mond Sein ge⸗ nicht e weil ſie Sohne der Sonnen brauch im ſeyen. Wann er eine mannbahre Tochter Hanathen. pat; ſo iſt der Kepſer verbunden dieNicoc Aufflaͤuf und einheimiſche Kriege entſtan und rachgierig/ alſo daß ſie auff die gen ſelbige zur Ehe zu nehmen. Dieſe alsdan hat den nahmen der Keyſerin ob ſie ſchon keine, Kinder hat welches der gewohnheit aller O⸗ Iſt och rientalichen Koͤnige entgegen iſt/ als welche wu en z den Titul einer Konigin/ nur allein der ſe⸗ ache nigen unter ihren Weibern geben/ welche we am erſten einen Sohn/ der der Cron ſuccediren kan/ zur Welt bringet. Von ſieben zu ſieben Jahren ſchicket der Keyſer durch einen der Vornehmſten Fürſten ſeines Hofs/ dem Dairy, ein Koͤrblein mit Erden gefüllet/ mit Befehl/ neben darreichung deſſen/ ihme zuvermelden/ daß alle die dande welche der Keyſer beſitze/ dem Dai“, zuſtaͤndig ſeyn/ und derne iſt auch alſo/ ſintemal das Reich durch Erbrecht Ihme zugehoret/ aber er hatt ſich nur einen Chren titul neben groſſer Einkünſſt vorbehalten; dadurch er nicht geringen Gewalt annoch in dem gemeinen Weſen hat. 4 mee Die lapaner feind Abgoͤkterer/ und beg Jebel ten/ vornemlich die Sonnen an; und ob ſie zwar ohnfehlbar viel Tempel auch unten, ſchiedliche Bilder haben/ ſo iſt doch das Volck dem Aberglauben nicht ſo gar ergeben. Der 0 Keyſer allein iſt wider andere Religionen Sieſthoe ſtrenge. Sie Reiſen niemahls auß ihrem ace galt Land/ es ſey denn in China oder in das Land zand? Veſso. Und ohnlängſt hat der Keyſer alen ſeinen Unterthanen ſehr eruſtlichen und ſtreng verbotten/ mit einigen Auſtandern außgenohmen mit den Chineſern und Hollandern gewerb zutreiben. Er hat zu unterſchiedlichen Zeiten Geſandſchafften von vielen Furſten empfangen/ jedoch memahlen an kinige geſandt/ man haͤlt gleich wol dafur da im Jahr 1585. einige Herzen dieſer Inſeln ſo zum Chriſtlichen Glauben vor kurtzer dei bekehret worden/ ihre Kinder nach Nom geſchick VPapſt Gregorium XIII. zu ſehen unn im Chriſtenthumb unterrichtet zu werden g ſelbige nachmals im Jahr 587. Zu Goa wider umb ankommen/ ſeind ſie in ihrem Lande mit groſſen Freuden empfangen worden. Die ſach daß ſie der Schiffahrt und Handlung, u ſich! e daher? weilen ie Saen einen Uberflus aller nothwendigen debens⸗ wit ga, teln haben/ und daß der Keyſer anletzo beſolg die fremdden Religionen moͤchten in feinen Seu, Lande einſchleichen. Sie ſeind newer dinge gn. groſſe Liebhaber/ deßwegen unter Ihnen 60 viel chen. den bis das Quabacondon das Reich den 161 benommen(und alle lese Prooineen wie g uren umb vereinbahrt. Sie ſeind ſehr krotzt geren U 0 15 1 Schmach ſo ihnen widerfahret/ wan ſie 0 nicht alſobalden raͤchen konnen mit ie, Cric, ihnen den Bauch auff ſchneiden unge 3 mit ſelbſten umb das Leben bringen. We den 4 mit einer Hiſtorie die mir erzehlet woldene 0e 4 U K oc fe beſtaͤtigt werden kan. Zween junge Herzen/ ſo in des f dienſte waren/ begegneten einander in dem 2 er last und ſtieſſen ſich ongefehr ſchr hart% Zanckſüchtigere diger beiden wolte ale en der grauſamen Verfolgung wieder die Chriſten/ in ſelbigen Inſulm den Degen zucken der andere ſagte Ihme der ort iſt nicht bequem/ ich will gehen/ mein ampt verrichten/ harꝛe mein/ ich will dir ein genügen thun/ dieſer wartete ſein wuͤrcklich/ aber er wur de endlich ungedultig/ und dafur haltend der andere hette ſeiner nur geſpottet/ 4 eröffnete er vor zorn raſend ſich ſelbſten mit einem Stilet den bauch; die leute lieffen zu und umb ihn her/ und begehrten die Urſach ſeines todes zuwiſſen/ aber man hat nichts anders von Ihme vernehmen konnen als daß er geſagt/ es iſt ein unbehertzter und liederlicher der mich beleidigt. Inmittels kame der andere herbey/ drang durch die leutihe und wegen dieſer that beſtüͤrtzt/ ſagte er/ du Vn. glüͤckſeliger/ du ſoſteſt an meinen worten/ keines weges gezweiflet haben/ dieſer Stilet wird dich deren Verſichern/ mit dieſen worken ſchnitte er ſich den bauch auff und fel neben den andern zur erden. i 8 fh Keine Nation wird in der Welt gefundẽ/ welzu dobt an che den Todt weniger fuͤrchtet und zur grauhe ſamkeit ſo ſehr geneigt iſt. Wann ein Furſt oder groſſer Her? ſeine Freunde gaſtiert/ laſſet er bey endung der Mahlzeit die vornemſten ſeiner bedienten beruffen/ befragt dieſelbigen ob einer unter Ihnen/ welcher aus liebe zu ihm ſich in gegenwart der geladenen Gaͤſte/ umbringen wolle/ als bald ſtreiten ſie unter einander/ welcher am erſten die Ehre haben ſoll/ und nach deme hernach dem Fürſten gefaͤllet etliche zubenahmen/ von ſtund an/ eroͤffnen ſie ſich den, bauch mit ihrem Cric welches ein art Stilet iſt deren ſpitzen vergifft ſeind/ und halten es fur eine groſſe Ehre dieſes Spectackel der Ge, ſelſchafft zugeben; gleiche gewohnheit haben ſie bey abſterben ihrer Herꝛen/ oder wann ſie einen Pallaſt bauen laſſen/ maſſen ſie aus Aberglauben dafür halten daß dieſe Opfer zu beleſtigung des Baues nohtwendig weren/ und den jenigen die das Haus bewohnen/ bonten ein mittel zur gluckſeligkeit ſeyn. k egaß Den Diebſtal ins gemein ſtraffen ſie mit Ju dem Todt/ um geld zu ſpielen halten ſie fuͤr eine ſonderbahre Ubelthat/ der Ehebruch 1 wird allein an den Weibern geſtrafft/ falſch nintzen/ mordbrand/ nohtzwang/ raub/ und lich an dem Keiſer vergreiſſen/ wird nicht allein an de verbrechern/ ſondern auch an dere nechſtẽ anperwanten geſtrafft. Die Weiber ſeind ein, gezogen und Ihren Maͤnnern ſehr getreu. Der Keyſer lieſſe auff eine zeit einen Herꝛn ſeines alen, kalſche, nigen dekehe 1 aus dh t r gat 1 trie e e i hoffs töten/ in hoffnung hernach ſeines eibes zugenieſſen; dieſelbe aus furcht ermoͤchte zu dem ende gewalt uͤben; begehrte zeit Umm ſich zuentſchlieſſen/ der Keyſer erlaubte Ihr einige tage/ nach deme ſelbe verfſoſſen waren/ hat ſie ſich ſampt ihren kindern/ in N. en gemach verſchloſſen/ durch einen ihrer leuAb the ein zedulein an den Kayſer geſchickt und Als ſolches geſchehen ihre Kammer darinen ſie ne en Ihren Kindern war/ mit Feur angeſteckt zund ſich ſampt ihnen verbrand/ dieſer zedul hielte nichts anders in ſich/ als einen verweis oiſie dem Keyſer wegen ſeiner Tyranney geeben/ und eine bezeugung der fteude ſo ſie Ul. Theil Ber icht von Iapan. geführt/ da den nicht allein ſein Eyffer und hatte/ ſich alſo zur gedaͤchtnüs ihres geweſenen Ehemans aufzuopfern; Es ſeind mir noch andere dergleichen Hiſtorien erzehlet worden/ woraus abzunehmen daß dieſe Nation auch die groͤſten thaten der Tugend zu⸗ N verrichten nicht unfaͤhig ſeye. Die Port Die Portugieſen ſeind die erſten aus Eu. gieſen ſeind ropa welche die Inſuln lapans enkdecket/ ſie die erſten in wurden anno 1642, durch eins ſtarcken ſturm 1 75. dahin getrieben/ und nach dem ſie vernommen een. daß das cold und Silber dorten im uͤberflus/ haben ſie wiederum dahin gekehrt um einen feſten fuß zuſetzen; Sie ländeten unfern Sa runga qn/ welche Stadt ungefehr 4 meilen bon dem Meer entlegen; weilen aber das Uffer voll Sandbäncke alda die Schiffe nicht in ſicherheit ſein konten/ haben ſie den Ort nicht bequem genug gefunden/ derohalben blieben ſie nicht langer als 4 oder 5. Jahr daſelbſt/ ſondern ſchiffeten endlich nach einer kleinen wilden Inſul nahmens Kilma; die ſie hernach mit volck beſetzte n/ aber ſeit der letzten verfolgung der Chriſten haben die Porkugieſen dieſe Inſul verlaſſen/ und weilen ſie kein gewerb mehr in lapan haften/ iſt ſelbe unbewohnt geblieben/ biß die Holländer ihre Handlung eingeführt/ auff die weiſe/ wie am ende dieſes Buchs ſoll meldung geſchehen., f. re Sieben Jahr nach deme die Portugie, ankunfft in ſen in lapan angelaͤudet/ iſt S. Franciſ. diefe Inſeln cus Xaverius das Evangelium zu predigen das Kyandahin kommen. In der Inſul Niphon wa, gelium zu re deſſen erſte ankunfftz darimnen hatt er zwey predigen. Jahr und etliche Monat zugebracht und viel Oerter dieſer Inſul durchzogen die wellen aber e ſein vornembſtes abſehen nach China geweſenz hatt er ſich umb dahin zu ſeglen/ zu Schiff begeben/ kaum aber ware ſolches abgefahren/ ſo wurde S. Franciſcus Xaverius gefaͤhrlich kranck: Der Haubtman und alle Offieirer/ waren der meinung ihn an Land zuſetzen/ in Hoffnung er wurde linderung erlangen/ und welches ſie um ſo viel mehr zu dieſem vorhaben veranlaſſete/ war daß ſie ſich der Inſul Sechen, andere melden Hainan welche nach China gehöͤret/ nahe befunden/ ſie wurffen den 5 Ancker aus umb daſelbſten anzulenden/ und ſetzten ihn in dieſer Inſul ans Land/ aber ſeine Kranckheit nahme zu und nicht ab/ ſo daß er wenig tage hernach ſein Ampt ſampt dem geiſt auffgab/ nach deme er den Chriſtlichen Glauben mit trefflichem fortgang ein Tobt. Ehrentuh mn ſeine Predigten ſondern auch ſein eßemplakiſches heiliges leben ſehr erbaulich geweſen. Er ſtarb im Jahr yz. und war niemahlen in Ohina kommen/ wie einige geglaubt/ wiewohl er zum ziveiten mahl bey demſelbigen angelendet hatte. Es hat nichts deſtoweniger das anſehen daß das Chriſtenthum ſo er in der Inſul Niphon eingefuͤhrt/ in die benachbarte Land ausgebreitet worden/ und durch ben ſeis dieſes Helligeng mannes der billich S. Paul und der warhaffte Apoſtel der Indianer genennet werden mag/ wercklich zugenohmen. 5 85 A ij Der Aus breitung des Chriſtlichen Gla 4 Bericht von Iapan umd von der Vrſache Der Glaube wuchſe auch ziemlich in Iapan nach deſſen abſterben und erzeigten ſich ubes dieſe Leute anfangs ſehr gelehrſam in der Unterweiſung ſo ihnen gegeben wurde; nach dem aber das verhalten der Portugielen den vornembſten Cubernatorn und den jenigen welche bey Hoffe in groſſem credit waren/ misfallen/ haben ſie de dem Keyſer einen Unwillen erweckt/ und weilen die Bonzier/ als Prieſter des landes einen ſtarcken Eyfer wieder dieſe newe Religion bekamen/ erregten ſie von zeit zu zeit Verfolgungen wider die newglaubigen lapaner unter dem Vorwand/ als wenn ſie der geheimen Anſchlaͤge der Portugitſen theilhafftig we„Der Glaube nahm richts deſtoweniger taͤglich zu/ und vielleicht hatte dieſe gantze Veſche die Nation endlich denſelben angenommen/ 3 wan der Geitz und die Boßheit der Ehriſten ern., ſelpſten/ nicht die vornembſte hindernus der Bekehrung geweſen. Die Holländer haben zwar ihr euſſerſtes gethan/ umb die ſchuld dieſes Ubels der Portugieſen Hochmuth und Ungebühr beyzumeſſen/ aber aus dem jenigen/ kan ue, man von der rechten warheit urtheilen; was wntlicgn ang ein Hollander ſelbſt nahmens Leonhard wortli S Campen, hiervon geſchrieben/ daß nemlich wann in ſelbigem Land/ die ſeiner Nation befragt worden/ welcher Religion ſie zugethan weren/ haben ſie pflegen zu antworten. Ich bin kein Chriſt/ Ich bin ein Hollander. Mein vorhaben iſt hier nicht zu ſtraffen das die gantze Nation dieſe verdambte That gut geheiſſen/ aber wohl darzuthun wie weit die Gewinſucht in der Seelen eines der von der Hollaͤndiſchen Compagnie zu dieſer neuen Beſtetigung inſonderheit angewendet worden/ ſteigen koͤnne/ umbzuzeigen wie ſchaͤdlich es ſey boͤſe Amptleute zu erwehlen/ wen man eine Handlung in entleBeſchretbung genen Landern auffrichten wil. 5 einer erſchroͤck⸗ Nach deme die Hollaͤndiſche Compagni ichen that eines Hollaͤnder Oriemaliſchen Indien ein Schiff/ nach dischen Prgli- Batavia zugehen/ ausgeruͤſtet hatte; wurſdenten in la- den nach gewohnheit 12. Juͤngling und ſo pan. Sein Batterland. viel Junge Maͤgdlein/ ſo man auß den Hoſpitaͤlen zu Amſterd am oder andern Stadten/ da die abfahrt geſchicht/ zunehmen pflegt/ Zu ſchiſſe bracht; Unter der zahl dieſer Knaben befande ſich einer welcher beſtellet war in der Kuchen zudienen/ aber das Unglück wolte von der zeit an/ daß er einsmahls ein Anſtiffter/ eines des groſten Unglücks ſo in unſerm Seculo ſich zugetragen/ ſein ſolte/ man ſagt er ſey von Bruͤſſel gebürtig geweſen/ welches ich nicht wohl Glauben kan/ ſintemal ich weiß das die Niederlaͤnder aufrichtige und gute deute ſeind. In waͤhrenSutter Vero der Reiſe beobachtete der Kauffman daß die, band. ſer Jüngling von gutem Verſtand ſo eine anzeigung daß er kuͤnſſtiger zeit der Comagnie in anderm wurde bedient ſein kon nen/ derowegen lies er denſelben im leſen und ſchreiben unterweiſen/ der Jungling profttirte hierinnen der maſſen/ daß er nach ankunfft zu Batavia, tüchtig beſunden wur“ Seme al de/ eine hohere ſtell zubedienen. Nachdem kunft 1 nun das Schiff daſelbſten angelangt; Barra wurde von dem Generalen und deſſen Nath beſchloſſen daſſelbe mit einem theil der Ladung ſo aus Europa kommen/ nach lapan zu le ſchicken. Der Kauſſman wurde neben etlichen Officierern beordret dieſe Reiſe zuthun; Das goͤttliche Verhaͤngnüß aber wolte das der Unterſchreiber ſtarb/ als ſie kaum von Battavia abgefahren waren/ und der Kauff⸗ a mann warff ſein abſehen auff bemeldten webt Jüngling ihme dieſe ſtelle zuvertrauen/ daß an Ambt er dan ſehr tüchtig war/ ſinemal der Kaußß naue mann ſonderbahren Fleis angewendet ihn in der Indianiſchen Handlung zu unterrichten/ und weil er von Natur mit einem guten Verſtand begabt/ hat er dieſe geſchickligkeit ohne muͤhe erlangen konnen. Nach Ankunfft der Schiffes zu Fierando; befande dieſer newe Unterſchreiber daß er keich lapal nen bequemern Ort erwehlen konte ſeine Wolfarth zubefoͤrdern/ als dieſen; machte demnach den anſchlag ſeinen Gutthaͤter zuverlaſſen und daſelbſt zudſeiben/ Als der Kauffman bereit ware wiederumb abzuſeglen/ nnd nach Battavia zu kehren/ verbarge ſich der 90 Unterſchreiber/ und merckte man deſſen ab. Sen uh weſenheit nicht eher als da das Schiff bereite mu weit in der See; wie er ſich nun in Sicherheit un wuſte/ kam er wiederumb in das Concos aldaer mit einem beampten Freund ſchafft gemacht/ und erlernete in kurzer zeit des Landes Sprach ſo wohl/ daß er derCompagn ſehr nuͤtzlich ſein koͤnte/ und bey den Inwohnern/ mit denen er faſt allein die gantz handlung fur die Hollander in lapan führte f hochgeachtet wurde/ wegen ſeiner Dienſte 11d zi, und Geschicklichkeit ward er endlich zu einem Ergen Præſidenten des Contors erhoben/ das al. vac, ſehen ſo er durch dieſes Ambt bekommen“ machte ihme groͤſſere Hoffnung; und wal demſelben nicht genug/ die handlung in dies ſem Koͤnigreich fur ſeine lation fort zuführen/ 5 boch ondern er nahm ſich für alle andere dapor Fee de auszuſchlieſſen. Die Portugieſen(wie hie⸗ am ace vor gemeldt) hatten am erſſen darin nach mak gehandelt/ und ihre Contor waren bereits/ gehal uber hundert Jahr daſelbſten geſtaude Die Chriſtlich- Religion wurde mit Ihle, 1 angeführt; ſintemahl dieſe Volcker d, Het, ſortpffanzung des glaubens deſto feind e. uh friger ſind/ leweniger Eyfer die Hollander de h haben: Wie der Prelident ſahe daß die rn 0 paniſche Chriſten nur allein mit den eren gieſen wolten zuthun haben /als die deer fänger bekant/ und in der Handlung getkenſe und aufrichtiger befunden wurden ihre 90 gedachte er dieselben bey Hofe durch uad Bie l. u. R eigene Religion verdaͤchtig zumachen un chlag dach, verleitete durch groſe en die Statl⸗ 1 validen halter der Provintzen und groſſe Herzen por das ſie enen vorhaben beyſtunden. Den an tugieſen hingegen manglete es au uch een guten Freunden die auff ihrer ſeite ge dem weren/ und ob ſelbige zwar nicht Stand Die d deeſen ale faſchl, u nic Der dent: 8 S dar End Il i N 2 luft d der grauſamen Verfolgung wieder die Ghriſten/ in ſelbigen Inſuln. feamac Stand waren ſo groſſe Freygebigkeit zuerzeigen/ als der Preſident gethan/ ſo beſtunden ſie doch; und machten alle ſeine anſchlaͤge zu nichte. Als es nun durch dieſes mittel ihme nicht gelingen wolte; bediente er ſich der aͤrgſten ſchmaͤhung; nemlich er erdichtete einen Brief in Portugieſiſcher Sprach geſchrieben/ des Inhalts ob hetten die Chri ſten in Japan einen aligemeinen Auff ruhr und ſonderbahre Verraͤtherey wider die Perſohn des Keyſers beſchloſſen. Dieſen Brief brachte er einem Herꝛn des Landes mit deme er ſich dertraut gemacht; Der Her?/ welcher die Portugieſche Sprach etlicher maſſen verſtunde/ erachtete ſeine Schuldigkeit zu ſein ſolches ohn verzug nacher Hoff zuberichten und inmittels dieſem anſchlag das Leben des Fuͤra0— ung ſten und die Ruhe des gemeinen weſens befreffend/ beſſer nach zu forſchen. Der reli dent erzehlete demselben wie wunderlich/ ihme dieſes ſchreiben in dle Hande gerathen/ und erdachte auff alle weiß und wege durch die Umſtaͤnde die ſich dazu ſchickten/ ſeinen Betrug glaubwuͤrdig zumachen; vorgebend die Hollander hetten den Portugieſen ein chiff von Iapan nacher Goa widerkehrend weggenommen/ in welchem der Capitain dieſen Brief unter andern ſchrifften gefunden/ ſolchen eroͤffnet/ uñ als er geſehen wie von groſſer conſequentz derſelbe ſey/ dem Prelidenten durch einẽ Expreſſen über ſandt ſich deſſen nach ſeiner Klugheit/ und der Liebe der Hollaͤndiſchẽ Compagni dem Keyſer zu dienen/ zu gebrauchen. Derohalben er dafur gehalten/ er koͤnte dieſem uͤbel vorzukommen bey niemand ſicherer als bey ihme ſolches anbringen und das ferner kein Augenblick zeit zu verliehren ſey. Uber dis daß die Spanier denen die PortuZieſen unterthan einen ſchaͤdlichen gebrauch/ hatten/ in deme ſelbige neben ihnen keine anere als ihres Glaubens Genoſſen leiden wolten; und damit ſie ihre Religion ſicher ſtellen könten/ ſpareten ſie:wederkeden noch dreyelt der Leute; ſo gar daß ſie glauben ihrem Gott ein angenehm Opfer zu thun wan lie die jenigen welche ſie nicht zubekehren ver, mogen ums Leben bringen. Das die Hollander hingegen nicht alſo beſchaffen/ ſondern ich mit allen Nationen und Religionen friedlich betrügen und nur allein ihrem gewerb nach gedachten. Dieſer Her:/ glaubte dis falſche Gedicht und andte ſo bald dem Keyſer eine abſchrifft bes Briefs, dieſes ſbbſtſtändigen Inhalts daß je Spanier der Philippinen und die Porzugieſen in Iapan mit zuthun aller Chriſten des Landes/ dem Koniglichen Stadthalter u Hoa portrugen/ daß wan derſelbige in einet 5 ümbten zeit 8. oder 10. Schiffe mit Volem und Kriegs munition, fürnemlich mit Jule Officierern umb die Auffrührer zu Comandiern/ beladen; ſchicken wolte/ ſe in weaun kagen eine ſtarcke Armee zuſammen brinſch konten/ und daß demnach ihnen un, iubenr ein wurde der gantz Inſuln lapans ich emachtigen/ daß ſie auch gleichen Bericht und für eben dieſe zeit dem Koͤniglichen Stadthalter der Philippinen gegeben/ damit die Aufruhr auff einmahl zugleich/ au sbrechen mochte. Portugal war unter der Beherſchung Spaniens/ und obwohl die Portugieſen in ihren Plaͤtzen in Indien keinen Spanier ausgenommen den Koniglichen Stadthalter leiden wolten/ ſo ſchliechen nichts deſtoweniger die Geiſtlichen durch einen wahrhafftigen Eyfer zu dem Chriltlichen Glauben in lapan einzaber wan der Eyfer ohne maß/ verurſachet er offt mehr uͤbel/ als der Geitz ſelbſten. Die Pauliſten(alſo werden die Jeſuiten in Indien wellen Ihre vornemoſte Kirche zz G0 S. Paulo gewidmet iſt/ genennet) hatten Zunehmen guten Fortgang in ihren Verrichtungen/ und 5 wurden von den Leuthen werth gehalten Len in epa ohngeacht der Verfolgungen/ die ſich wider die Chriſten von zeit zu zeit erhuben/ nach dem die Landsherzen denselben wohl oder übel geneigt waren. Die zahl vermehrete ſich von tag zu tag und die Newglaubige funden auch hieben ihren Nutzen; in deme ſie ſich vermittels des Gewerbs/ mit den Portugieſen/ bereichern konten/ als welche geſchworen/ mit den Abgoͤtterern keine Gemeinſchafft zu haben; Dieſe Abſonderung bewegte die Bonaier zum Zorn/ und die groſſe Anzahl der Chriſten wurde dem Fuͤrſten verdächtig; der gar leicht auff dieſen ertichteten Brief ent brante/ wie ſolches die folgenden Zeiten durch groſſes Blutvergieſſen gnugſam zu erkennen gegeben. Die leſuiten/ hatten einen vornehmen Herꝛn des Konigreichs/ welcher ſeine ordinari Reſidentz zu Bugen in der In⸗ Enn fat ſul Ximo, deren Herz er auch war/ und N nicht geringen gewalt in der gantzen Jaſul bekehret fich hatte/ zum Chriſtlichen Glauben bekehrt, zum ChriſtiiDerſelbe hatte vier Soͤhne zween deren wa chen. Glan ren bey ihme/ und nach ſeinem Exempel be⸗ ben. kanten ſie ſich auch zur Chriſtlichen Reli gion der Vatter empfienge in der Tauffe 0 i den Nahmen Ignatius der Aeltere dieſer zween Wie auch Soͤhne wurde Franciſcus; und der andere ſeine Sohne. Caro benahmer. Diezwern Aeueſten aber uu den waren bey Hofe/ und beide bey dem Kayſei 55 in groſſen Gnaden. Als der jangſte den Chriſtlichen Glauben angenommen, beflieſſe er ſich gäntzlich auff das Leſen der heiligen Schrifft/ und begab ſich zu den Jeſulten welche eine ſonderbahre Schul auffgerichtet halten/ umb die Jugend zu unterrichten deſſelben Exempel hat eine groſſe anzahl junger Herzen zum Chriſtenthum verleitet/ und weilen er wohl beredt in ſeiner Sprach/ war er ſehr tüchtig und geſchickt zur Predigt des Evangclis, und dieſem volck den groſſen Irthum ihrer Abgotterey zu erkennen zu geben. Die lapanet haben von Natur ein edles Ge⸗ Der lapaner mut) und groſſe Luſt zu allen Künſten und gemäte Ga: Wiſensbafſten es mangiet denſelben an, 5 ders nichts als tüchtige Leuthe ſie zu unter keheigtel weiſen. Es fehlet ihnen zwar nicht an lehtern/ ſeintemahlen des Dairy Hoffdren voll„awo auch die Cronicken Ihres Landes auffbehalten werden ſie geben fü das die A ii TruckBeweget die Unglaubigen zum zorn. Truckerey und das geſchüͤtz ſey bey ihnen im gebrauch geweſẽ/ ehe daß ſelbige in kuropa bekant worde/ von diſem Hoff kommen alle buͤcher/ und die jenigen welche dieſem Fuͤrſten di ne legẽ ſich auff nichts anders/ als auffs ſtudiren. Man ſagt ſie hetten alles dis durch die geIhr ur8 ſprung. 4 Ihre deibes geſtalt. meinſchafft ſo ſie mit den Chineſern gepflogen erlernet/ ja ſie haben gar ihren Urſprung aus China, Wie dann die groͤſte Provintz der Inſul Niphon Quanto genannt/ mit eben dem nahmen ſo dem theil des Lands China welches am Meer lieget/ alwo der groͤſte gewerb getrieben wird/ und deſſen Inwohner mehr als andere der Seefarth obgelegen genennet wird; deme ſey wie ihm wolle/ wann man den Chineſiſchen Hiſtorien ſchreibern glauben zu ſtellen will/ ſo war Lapan nichts anders als ein ſehr kleiner theil ihres groſſen und weiten Königreichs/ welches vor dieſem von Norden bis gegen Mittag uͤber den 56. grad in der breite reichte/ und alles ſo zwiſchen dem Eis Meer und der Kquinoctial linien eingeſchloſſen/ in ſich hielte/ ſo gegen Nidergang allein mit dem Caſpiſchen Meer grentzte und gegen Auffgang durch das gantze Septentrionaliſche Ameticam bis an Hilpanien ſich erſtreckte. Nichts deſtoweniger haben dieſe beide Voͤlcker/ von zeit zu zeit Krieg wieder einander geführet/ die lapaner ſind etwas wilder/ und gleichen in vielen ſachen den Tartarn/ ſeind anſehnlicher als die Chineſer und fuͤrchten den Todt viel weniger Pater Thomas Barre ein Portugies hat mir gar offt geſagt/ als ich zu Agra war/ ſo Groſſe gelehrigkeit etlicher Lapaniſcher Herren. 2 die Haubtſtadt des groſſexAogols iſt/ alda die Ieſuiter einſehr ſchoͤnes Haus haben// daß dieſer Junge Herꝛ und viel andere gleiches alters in ſechs oder ſieben Jahren ſo groſſen fleis angewendet daß ſie geſchickter als ihre Lehrer ſelbſten worden und auch mehrerneyfer gehabt die ſo von ihrer Nation zur bekeh9 5 rung zu bringen. Die leluiter hatten daIhre Schul. mahlen noch kein Haus ſo zu underweiſung der kinder und angehenden Lehr knaben verordnet geweſen were/ derowegen baten ſie dieſen Herꝛn/ ihnen eines von den ſeinigen zuleihen/ umb ſolches hierzu zu gebrauchen/ derſelbe hatte aulſerhalb der Stadt vier ſehr ſchoͤne Haͤuſer/ und dabey groß Einkommen/ er gabe ihnen das negſtgelegene ein/ wenige zeit hernach erkranckte der jüngſte ſtiner Soͤhne/ und wurde in dieſes haus getragen umb friſche luſſt zu ſchoͤpfen/ er erlangte daſelbſten/ durch dieſer leluit en Fuͤrſorg/ und fleiſſige Auffſicht auch auff jnbrunſtiges gebet der Chriſten/ welche durch ſeinen tod viel verlohren hatten/ geſtalten ſie von Ihme groſſe hülff hatten/ wiederumb ſeine geſundheit/ aber ſein Vatter genaß der Freude über ſeine wieder erlangte geneſung/ die gleichſam verwunderlich geweſen/ nicht lange/ ſondern ſtarb/ da eben ſeine kinder und die Chriſten welche er nicht weniger geſiebet/ ſeiner Hülff/ und Schutzes wohl beno, tigt waren. 85 3 g Neu Bericht von lapan und von der Vrſache Als die zween Aelteſten bey dem Keyſer ſich Gcbruul befindende das abſterben ihres Vattern Eubſchafte vernommen/ kamen ſie umb das Erbe anzu⸗ ö tretten und begehrten von den Jeſuitern das Haus welches der Vatter ihnen eingegeben hatte/ dieweilen in lapan ein Vatter ſeiner Kinder gut nicht in frembde Haͤnde geben darff/ ja wan eines der ſelben ein gewieſſes alter erreichet hat/ iſt er verbunden auff 0 ihr begehren/ ihnen die beſizung abzutretten Seel 1% ihme allein eine gleiche portion vorbehal⸗ Hofflue tend. Wie nun die Jeſuiten bey dieſer den Ji newen anſtalt ſehr ernſtlich waren/ wolten ſie umb frieden zu haben auch in meinung das, gantze geſchlecht durch dieſes mittel zur beſchuͤtzung des Chriſtenthums zubringen ſol;? ches nicht abtreten. Über dieſe verweiges rung erzurneten ſich die zwöeen Aelteſten/ und„ erhübe ſich alſo zwiſchen ihnen und den le. der alten eine ſtreitigkeit eben zu der zeit da der ben Prelident in ſeinem vorhaben überaus ey, benz e frig arbeitete. Derſelbe bekam von ihrer bringe. Zwietracht nachricht/ und weil er ſehr argliſtig/ hat er bey dieſen zween Herren nicht. allein wider die leſuiten ſondern wider die Portugieſen ins gemein einen überaus ſtarcken haß erwecket/ in dem er denſelben e eh ne Abſchrifft des von ihme ertichteten Briefs Pie l ieee j, auch Dieſe zween Herren welche des Keyſers““ Favoriten/ und bey demſelben in groſſem an? ſehen waren/ machten aus des gantzen gemeinen weſens/ und ihrer eigenen angelegenheit eine Rechts Sach/ und brachten ihre Klage uͤberaus ſcharf und beweglich bey Hoffe an/ anzeigende/ es were keine Sicherheit mehr für die gůter der Familien/ für die Ruhe des Reichs noch für das leben des Fuürſten/ zuerhalten/ wan nicht alle Portugieſen in la pan und ſelbſten die Lapaner als die mit je? ner Irꝛthum angeſteckt/ ausgerottet würden und dieſen ihren gefaſſten Haß zu rechtſertigen/ wieſen ſie dem Keyſer die Abschrift des bemelten Briefs/ darüber bey ihmewegen ſeiner Perſohn und ſeines Staats ke ſolche Unruhe entſtunde/ daß er keine vera wortung mehr anhoͤren wolte/ und obwo etliche Herzen der Portugieſen Freunde Keyſer bathen der ſachen heſſer nach zu for, ſchen/ umb den grund der warßeit zu erkun, e digen/ bevor ehe daß euſerſte wider ein gantze Nation und wider ſeine eigne Unt thanen vorgenommen wurde/ war er k 1 unerbittlich und gabe in geheim einge, Commiſsarien befehl/ ſich in alle Proving des Reichs zubegeben/ die Portugieſen 15 b 0 Chrſſten auch die Landskinder ſeibſten ane, des 15 zurotken. Wie ſie nun Goͤnner bei Hoff und anderswo die zwar unbekant 5 ren/ hatten/ wurden ſie aller orten dieſes barmherzigen Schluſſes benachnichechſ, gleichwohl hatten ſie keine treuere und epſe gere Freunde als die zween Junge Herzen vol Kimo, Franciſcum und Carolum. Chriſten kamen bey denselben zuſan umb zurathſchlagen was für ihre allge der grauſamen Verfolgung wieder die Chriſten/ in ſelbigen Inſuln. 7 Erhaltung zuthun ſein moͤchle. Und nach dem ſie umbſonſt verſucht/ wider eine ſolche boshaftige Anklage ſich zuver antworte/ entſchloſſen ſie ſich in gegen wehr zuſtellen/ umb wider die jenigen die ſie antaſten wurden/ ihren Glauben und Unſchuld zuvertaͤdigen. Die bemeldten zwey Herꝛen/ ſtelten ſich an die Spitze/ der Armee der Chriſten/ der Aeltere hatte bereits die Waffen getragen und verſtunde den Krieg da trol /der Jüngere ermahnete die andern ſich ch ein Tapfer zu wehre/ ihnẽ vorhaltend das ſie nach ib lſpran⸗dem Exempel der Maccabcer ihre Hoffnung nunmehr auff niemand anderſt alß den Herꝛen der Heeꝛſcharen und ihre eigne Tapferkeit ſtellen ſolten/ alle ermahneten ſich unter einander zu einer ſo rechtmaͤſſigen Gegenwehr/ und waren unablaͤſſig beſchafftiget/ Gewehr und Munition umb hertzhafften Wiederſtand zu thun/ zur hand zu bringen. Als die Keyſerlichen Commiſſary Ber icht bekommen daß⸗ die Chriſten in der Inſel Nimo ſich verſamleten/ thaten ſie ſolches dem Keyſer zu wiſſen/ jedoch ohne ausführliche beſchreibung derer Macht und vorhaben. Die Jeſuiter und Auguſtiner haben mir zu du Goa/ geſagt das die Chriſtliche Armee/ dadal atzahl zumahl uͤber Zooοο Mann ſtarck geweſen/ den, Kiegs ohne die welche vor und nach dem Treffen dazu geſtoſſen. 5 Der Keyſer glaubte nicht das ſie ſo ſtarck maͤren/ und ſchickte ihnen allein 25. oder 30. der d. ktauſend Mann entgegen/ unter dem Comfake er mando des Jüngſt⸗ der zwey Herꝛn von imo, dende welche ſich bey ihm befanden/ aber dieſe Voͤlien cker waren ſo bald nicht weg gezogen/ als er Wache ler. ae * eine andere Armee welche der jenige Herz Commandierte welchem der, Præſident zum erſten den erdichteten Brief gezeiget/ in bereitſchafft stellte.. 8 Nach dem die Chriſten vernommen das dieſe zwey ſtarcke Armeen wider ſie zugen/ rüſteten ſie ſich den ſelben entgegen zu gehen/ und erwehlten einen vortheilhafftigen Orth ſich zu verſchantzen/ an einem anderen Orthe dem von hinden her nicht bey zukommen/ aber der vornen bey dem Lager offen war/ liesen ſie die Alten/ nechſt ihren Weibern und Kinderen/ damit ſie keiner Schildwacht vonnothen hetten. Die erſte Armee tratt den Chriſten bald unter die Augen/ ſelbige hatten ihr Feldlaͤger alſo eingerichtet/ daß die Keyſerlichen nur einen theil deſſelben ſehen konten. Sie ſtelde.(en ſich beſtermaſſen in Schlacht⸗Ordnung/ dec baff und nach dem die Zween Generaln ſie ermahVue unb get tapferen Widerſtand zuthun/ ſagte der Ungere ſeine Meinung were; an ſeinen Bruer der die Keyſerliche Armee Commandierte zu ſchicken/ und Friede zu begehren/ darneIl ben denselben umb Fürbitt bey dem Keyset Auf kn ſuerſuchen/ mit versicherung das er bereit ſey zu ſeinen Fuͤſſen zu werffen/ und ſeine Unlien zu rechtfertigen; daß die Chriſtnich Religion den Unterthanen inſonderheit icht zu laſſe ſich wider ihren eignen Fuͤrſten . e das die Zuſammenſchwerung 0 r 5 fenen wider auffs neue zu werben anfing/ und eren ſie beſchuldiget worden/ nicht den geringſten grund habe. Mit der gleichen worten ſchreib er ſeinen Bruder/ im Naimen der gantzen Armee/ mit nochmahliger Ver. Welcher fuch ſicherung das Gewehr nieder zulegen/ dafern 1 der Kepſer ihmen die Gnade erzeigen wolte/ wird. ſie anzuhoͤren. Einer der Vornembſte un ter den Haubtleuthen/ erbott ſich dieſes Schreiben dem Generalen der Unglaudigen zu uberbringen/ derſelbige aber wolte es nicht und den uͤberannehmen/ und befahl den ſo es uͤberbracht bringer das de, 10 15 0 der Chriſten/ an das Creutz zu⸗ ben koſter, Hage 8 Das Treffen wehrte bey drey Stunden mit gleichem Gluͤcke; der general der Keyſerlichen ſuchte allenthalben ſeine Bruͤder/ dieſe hingegen flohen denſelbigen/ damit ſie nicht 8 zu einem Kampf/ gegen ein ander veran Der zwey Chet laſſet werden moͤchten. Beyde ließen ſelbi ſtlichen Haubtgen Tag eine ungemeime Tapfferkeit ſehen 1 f die Chriſten bey ſich ſelbſten wohl erwegend ke fer daß in dem Sieg ihr Heil und Wollfarth beſtuͤnde/ und keine Gnade zu hoffen/ fochten mit ſolchem Muth/ daß die Keyſerlichen zu weichen gezwungen wurden. Derſelben General bleib auff dem Platz; den Soldaten ward eine Furcht eingejagt/ und die Chriſten ſo ihre Volcker zur Rechten und zur Lincken außgetheilet/ umringten ihre Feind/ daß die gantze Armee der Abgotterer getrennet/ und biß ans Meer Vfer verfolget wurde/ allwo etliche auff Schiffen entrunnen/ Der Chriſten und die Bottſchafſt ihrer Niderlag/ der an. eg. dern Keyſerlichen Armee welche in ſtarcken Anzug begriffen war/ umb zu dieſer zu ſtoſſen/ überbrachten. 1 Durch dieſen Sieg bekehrten ſich viel Unglaubige. Die Chriſten nach deme ſie in ihrem Lager/ drey Tag mit ohn ablaͤſſigem Gehaͤtt Gott dafur gedanckt/ ruͤſteten ſich zu dem andern Treffen/ nicht Zweiflende die andere Armee/ wurde ſie angreifen/ all die weil ſie noch von der erſten Schlacht ermuͤdet und matt weren. Aber dieſer General welcher viel Kluͤger als der andere war/ vergnuͤget ſich an einen vortheilhafftigen Orth/ da die Chriſten ihme nicht beykommen konten/ zu verſchantzen/ und berichtete ausfuhrlich die Niderlag der erſten Armee nach Hoff/ den Keyſerlichen Befehl darauff erwartende Inmittels wurde der Chriſten Heer tag ⸗Der Ehriſten lich verſtärcket beydes durch die Abgoͤtterer/ Heer wird die ſich zum Glauben bekehrten/ desgleicher Täglich verauch durch dic Ehriſten deß Landes/ die von ſtäbcket. allen Orten ſich einſtelleten/ alſo daß ſie ſich in kurtzer Zeit in ooo. Mann ſtarck befanden. Der Keyſer welcher dieſen Auffſtand gleich anfangs dampfen wolte/ schickte durch ſeyn gantzes Reich Befehl/ neue Werbungen anzuſtellen/ der anhang deß Preſidenten erbitterten den Furſten taglich wider die Chriſten/ und verhinderten daß die andern Hofffeuth/ ihme die Augen wider eine ſo vnbilliche Verſolgung/ nicht eroͤffnen konten Die Niderlag ſemſer Armee macht ihn Ne an „ 1 — digſten unter 9 Bitten. s BVBaicht von lapan und von der Brſache ſie waren berit die Waffen nieder zulegen ſam raſend/ und was die zwey Feldherꝛen der Ehriſten/ durch Mittel Ihrer Freunde umb Gnad zuerlangen/ und gegen die in dem ertichtetem Schreiben enthaltene Falſche anklage ſich zuvertheydigen/ verſuchten/ war alles umſonſt/ Seintemahlen ſie kein gehoͤr funden. Der Keyſer berüffte ſeine Raͤth/ alden Keyſerl⸗ da die Verſtändigſten der Meinung waren, chen Rathen ian ſolte die Chriſten welche ſich Demüͤttig rathen den unter wurffen und erklaͤrten/ dafern man deß Cheiſten gna⸗ vergangenen nicht gedencken/ und ihnen die Die Verſtaͤnde zuerzeigen. Freye Übung ihren Religion laſſen wolte/ das Gewehr niederzulegen/ in Gnaden annehmẽ/ aber deß Preſidenten anſtifftung verurſachte daß diß alles vergeblich/ dann der Keyſer welcher durch ſeyn falſches und boßhafftiges Anbringen/ gantz eingenohmen/ gab dem aͤrgſten Then Beyfall. Endlich kam es zum Schluſſe/ daß man in aller Eyl eine groſſe Armee auffbringen ſolte/ umb zu der anderen zuſtoſſen/ und alſo mit dieſer greſſen Menge die Chriſten auff ten Der Dairy welcher auch in wichtigen Sachen zu Rathe ge, zogen wird/ erkante dieſen Schlus gut. Alle Herzen deß Landes welche verbunden dem Keyſer Volck zugeben/ brachten einer dem andern es vorzuthun/ auff den Muſterplatz der in den Quatirn der zweyen Armee beſtimmet f 1115 15 e ehh nach deme bes Heer Alles zuſammen kommen ſie ſich bey 10. kaue ſent Mann Starck befunden. Deß in dem ligen, erſten Treffen gebleibenen Feldherren Brudrr/ hatte das commando unter dem Keyſer/ 1 0 ſich allen ſeinen Voͤlckern voranſtelEhe er ſeinen Zug vornahm/ ließ er in dem Laͤger gußruffen/ daß ſeyn ernſtlicher Befehl ſey/ kein Quartier einigem Chriſten zugeben; außgenohmen den beyden Feldherꝛen/ welche er durch eine ſonderliche Marter hinrichten laſſen wolte/ und daß alle die jenigen die auß dem Treffen ſühen wurden/ ehe und bevor die Rebelle gaͤntzlich außgerottet weren /ſambt Ihren Verwanten mit dem aller ärgſten Todt der zuerſinnen geſtrafft/ und hingegen die jenigen/ welche Ihme ein oder mehr Chriſten Kopfe bringen wurden/ nach proport ion derſelben wohl belohnet werden ſolten. Die Abſchrifften dieſes ſo ſtrengen mandlats/ - wurden an viel oͤrter in der Chriſten Laͤger geworfen/ aber ſolches dienete ihnen roieder ihre * Feinde einen groͤſſern Muht zu faſſen/ wetlen Halbtterh ſie geſehen daß doch keine Hoffnung der Gnad/ wil Gabe Uli Vergebung zu gewarte ſey/ der Junſte ihrer Haͤupter erbotte ſich dem Keyſer einen duß/ fall zu thun und umb Gnade im Nahmen der gantzen Armee ſehentlich zu bitten/ mit verEs wird ihm melden daß er ſich gluͤckſelig ſchaͤtzen wuraber wider- de/ die Marter außzuſtehen/ umb ihre Vnrathen. ſchuld zu bezeigen aber maͤnniglich ruffte das ſie es mmmermehr zu geben wolle. Alles was Er Schreibt er erhalten konte/ war annoch einen Brieff an 5 5 dh den Keyſer zu ſchreiben/ dem ſelhen alle Ehrer. bitinkeit Unterthänlgkeit und Reue wege des Brief. geſchenen Treffen erzeigerd/ neben vermeldung Feinde ſobald ſie der Keyſerlichen Armee datuon getragen iſt ſie theur anton eh * wan er des vorigen vergeſſen/ und ihnen die freye Ubung ihrer Religion/ zuvergoͤnnen, verſprechen wolte/ auch bey Verluſt Ihres Lebens ſich erbiettende wieder all das ſenige 15 deſſen ſie Falſch angeklagt worden/ ſich da dae rechtfertigen.. i ö ich Dieſer Brieff wunde durch einen Unglau⸗„hene bigen/ einem Herꝛen/ der es heimlich mit den. Kyu, Christen hielte/ zugeſtelt. Der Keyſer der geleſenzens reiß ſolchen alſo bald ungeleſen/ Hochbeteub⸗ 1 rende er wolte nicht wiederumb nach ſeinem Hoff kehren/ noch alda eingehen/ es weren dann die Chriſten alleſampt außgetlgt. Als ſie eine ſolche Kelolurion von dem Keyſer ver⸗ N nommen/ waren ſie nun mehr auff nichts an? ders bedacht als ſich Tapfer zu wehren geule das Feld da ſie ſich gelagert war für ihre weit Sa fallef geringere Anzahl ſehr Vortheilhafftig) aber Nee ge der Kepſerlichen waren drey gegen einem und ts alle Abgoͤtterer deß Landes/ die den Chriſten zuvor guͤnſtig geweſen/ erklärten ſich ihle Anſichtig wurden. Dieſelbe kam endlich und Lagerte ſich in Angeſicht deß Cyrtſtlichen 1 Heers. Deß Keyſers befehl bey dieſer annahe?s rung war/ daß ſeine Voͤlcker ſich weit auß⸗ l“ breiten/ und den Chriſten eine Furcht ein⸗ Abel, 4 zajagen/ ein groſſes Geſchrey machen ſolten. Dun ö Die Zwo Armeen waren einander nicht lang nahe daß nicht Blutige Scharmützel vorgen gen/ unterdeſſen ſtelleten die Feldherꝛen der Chriſten/ ihre Armee in Schlachkordnung un e, l besetzte alle Orth die befoͤrderlich ſein konte ſie uud Henle e zu umb ringen. Nach dem das Gebeht bernch ſes a tet/ ermahneten ſie ſich untereinander zu Ta. pferem Widerſtand/ und guter Zu verſicht da G Ott ſie gleich trie das erſtemahl/ alſo auch 1 anſetzo beſchüͤtzen wurde/ oder auffs wenigſſe 1a daß ſe mit gewaffneter Hand ihren Glauben b, galt zubeſchirmen/ ſterben und hlemit die Crol Ge. der Marterer erange würden. Nach dem er den 150% 1 a. S 3 e— 5 8 ſten Scharmutzeln geriethe es zu einen gn. fir Haubt treffe da gleich die Abgstteier zu nne. 0 geſchlagen wurden. Der Ehriſten Jung. Feldhetz verfolgte ſie ſchr Mänlich erb, ſelbigen Tag wegen feiner Kleidung, aber ee 9. mehr hernach wegen ſtiner Lablelkeit ie 5 Ile za 1 Die Erde war gantz mit Todten beben bat a d die Abgoͤtterer bekamen einen Schrecken/ a. feilt. 1 10 g les erzitkerte/ alles flohe für ihm/ aber verge,* ſend das jenige welches ihm ſein Bruder ben 44„ dent Welche ha 1 ezathè hatte/ entfeꝛnete er ſich zu weit von un, Wage, helle Hauffen/ allo das er umbeinger vert hn nec page, tet/ von gloſſer Menge der Feinde die gage f le„ drungen zu Bode gefalt vnd e suse 65 ir I boa fuͤret wurde/ deſſelbe Aelterer Bruder des ga ges beſſer erfahren ermaßnete fie zur ſtandbe n de tigkeit/ er fodert die ſo ſeind Bruder gefolge 5 1 ae ruͤckund hatte die ober Hand biß in died 16 1 5 wieder die Keyſerlichẽ/ welche die ſo nie 1 r„ bun macht wurden allezeit mit friſchem Pole chenſetzten. Dieſen Tag war der Sieg auge ſie lich auff threr Seiten/ aber der Ruhen/ abel u. fn bal r. ach 9 af der grauſamen Verfolgung wieder die Ehriſten/ in ſelbigen Juſuun. weil die gegẽ wart des Keyſers/ und das geboht ſo er außgehen laſſen Urſach geweſen daß beyf derſeits keinem Menſchen Quartier gegeben ochnſte wurde/ die Metzeley war groß/ und die Chriſtihr liche Armee wurde ſehr Geſchwaͤchet; nichts äche, deſto weniger gieng die Schlacht ſo bald es Tag ward wieder an/ und machte den zweyten Tag auch Deuckwuͤrdig/ aber nach Blutiger als den erſten. Obwohl die Chriſten ſehr ermuͤdet waren/ und eine groſſe Anzahl verwundete hatten/ ſtelten ſich doch die jenigenſo noch fechten kon · b ten/ mit anbrechendẽ Tag wieder in Schlacht Aw lsher Ordnung Der Keyſer war uͤber ſolchk langen . ber oh. Widerſtand ſehr entruͤſtet/ lieſſe die Chriſten an Unterſchiedlichen Orthen mit Macht zu gleich angreiffen. Der Chriſten General gienge von Glied zu Glied die ſo wancktẽ zum ü Stand zubringen/ und mit ſeinem Exall baden enpel und Freündlichem zuſprechen den zun übe Soldaten einen Muth zumachen aber endlich nu. wurde er mit vielen Stichen verwundet/ ud von einer groſſen Anzahl der Feinde die alle ſampt auff ihn drungen umbringet; die ſeinigen verlohren Ihn auß dem Geſicht/ und weilen ſie Niemand hatten der ſie commandirte war es nunmehr kein Treffen/ ſondern ein Jaͤmmerlich Morden/ ſie lieffen/ mit groſſer Fury unter die Unglaubigen/ und lieſſen ſich alle Sampt auffopferen; Ihr Lager wurde uͤberwaltiget/ und die Alten Manner/ Weiber/ und Kinder auch die verwundeten welche die vorigen Tage hinein getragen worden/ alle mit der Schaͤrffe des Schwerds geſchlagen/ ausgenommen etliche wenige der Chriſten des Landes/ 6 die ſich in die Berg verſteckten/ und ſeither galenm ze dieſe Traurige Hiſtori/ den jenigen von dei nen ich es vernommen/ erzehlet haben. deen.. Ein ſolches erbärmliches Endenahmendie Niiagder Ohriſten/ und alſo zuſagen das Chriſtenthum den 1 in Japan; welches der Hollaͤndiſche Preſident ſand urg durch ſeine Anſchläg Betrug und Argliſt zu heweſen, kvegen brachte/ man hat in dreyen geſchehenen genauen Nachſuchungen befunden/ daß beydes in dem Treſſen und durch die Marter/ 10 waage nder bez 1 luliche U gun iu. aden mehr als 60 fauſent Chriſten umkommen, un Bülhe, Der Jungſte ihrer Feldherꝛen welcher geu demar fangen war/ erliette ſteben Tage lang eine Grauſame Marter/ und was ihm der Keyſer in Betrachtung ſeiner Bruder/ und ſeiner eigenen Tapferkeit anerbiettẽ lieſſe mochte glles nichts verfangen/ ihn von dem Chriſtdu,, lichen Glauben abwendig zumachen. Der fe deine eltere wurde unter den Todten gefunden: fal. hernachmahls ward eine Inquilition in dem ede gantzen Reich/ ſo viel Jahrlang beſtanden Wiaz der angeſtelt/ und die jenige welche in dem Glaufun dar, ben beſfandig waren/ wurden zu ſolcher Wi rn Grauſamen Marter verurtheilt daß der bericht welchen ein Hollaͤnder und in dieſer Sache Unverdächtiger Geſchichtſchreiber ammens Varen, herauß gegeben ohne Schrecken und Wehmuth/ nicht kan geleben werden. In 16, Jahren nemlich vom „ Ul. Theil Bericht von Japan, Jahr 1613. bis 1629. haben ſich die Chriſten dergeſtaltin lapan vermehret/ daß dere n mehr als 400. tauſend konten gezehlet werden/ von Anno. 1649. meldet gedach ter Hollander daß die jenigen welche auff den Schiffen der Compagni auß lapan, nach Amſterdam/ kommen verſichert haben daß das Chriſtenthum daſelbſten gaͤntzlich ausgetilget ſey. 2 5 e Mitten in ſolcher grauſamen Voerfolgung ſeind die Hollander ungehindert blieben und wann ſie deß Glaubens Formular underſchrieben muſſen/ welches Jährlich erneueret wird/ ſo unterſchreiben ſie allein daß ſie Hollaͤnder ſeyn/ ohne ſich fuͤr Chriſten zuerflaͤren/ und durch viel Verehrungen bringen ſie zuwegen daß die Inqu iſitores ein mehrers an ſie nicht begehren. a 5 Als ich zu Ogly war/ ſo nunmehr ein groſſer Flecken alda der groͤſte Arm des Fluſſes Gangis durch gehet/ traff ich einen Hollaͤndiſchen Kauffmann an der der Com. pagni ſchon lange zeit in lapau gedient hatte und dahin viel Reiſen verrichtet/ derſelbe kam an mit zwey Schiffen/ welche mit Silbern und Kupfern Stangen/ die er gegen Seiden ſo die Hollander in Bengala zukauffen pflegen eingetauſchet/ als dieſer Kauffmann erfuhre daß ich daſelbſten war/ kam er zu mir mich zubitten/ ihme einige dienſtwilligkeit/ in ſeinem Handel zuerzeigen. Ich befande ihn ohne Falſchheit/ und daß ihm die lapaniſchen Geſchichten beſonders die letzte verfolgung wider die Chriſten wohl bewuſt weren: wir machten mit einander Freundſchafft und gute Vertrauligkeit; ich bat ihn auch gar offt mit mir zu ſpeiſſen. In unſerem Geſpraͤch hat er mir viel ſonderbahre Sachen/ nemlich wie die Hollander in die ſemm Reich/ ſich feſt geſetzt und was ſie vor groſſen Gewinn von dieſem Gewerb hetten/ erzehlet/ von einer Sach auf die andere kommend/ wolte ich nach meiner gewohnheit von„demſelben erfahren wer der Vrheber eines ſolchen groſſen Blutbads geweſen/ er ſagte mir alle Vmſtaͤnde/ welche ich beſchrie ben/ und noch viel andere ſo ich entweder vergeſſen oder zubeſchriben unterlaſſen/ weilen ſie zu meinem Vorhaben nicht dienlich geweſen/ oder weil ſie ſchon von andern beſchrieben worden. Er hat alles von den Chriſten des Landes die auß dem Treffen entrunnen/ und von vielen Kauffleuͤthen der Unglaübigen/ denen es noch in friſcher Gedacht nus geweſen/ vernommen. Die Freymuͤtige weiſe mit derer er mir die Sachen erzehlet/ neben dem Bericht ſo ich von anderen Orthen bekomme/ geben nicht zu/ daß an der Wahrheit des Inhalts/ dieſer erzehlung gezweiflet werde: den er konte zuweilen des Weinens ſich nicht uͤberheben/ und muͤſte ſeinen Dis. cours mit Seufftzen unterbrechen/ wider den Preſidenten Fluchend/ mit Vermelden er wundere ſich das Gott einen ſolchen Unmenſchen auf der 9 gelitten/ und 115 Welther die Hollaͤnder weß zu entgehen wiſſen. Der Autor trifft einen Hollaͤndiſchen Kauffman an Welchen er zum Freunde erwehlet. Und von ihm unterſchiedene Sachen und ſonderlich die Wahrheit vorerzehlter Geſchicht er; forſchet. Marter der 10 die Compagnie ſich ſeiner ſo lange bedient hetke. Aber Gott behielt demſelben ſeine Straffe vor; Dieſer boͤſe Menſch/ welcher alſo zuſagen/ den nagenden Wurm ſeiner begangenen Miſſethaten nach ſich ſchlepte/ und in alle die Sachen die er vornahm den Fluch und das Vngluͤck brachte/ muſte im Angeſicht des Hafens zu lalabon ohne eindiges Ungewitter jaͤmmerlich erſauffen und Des Gottlo- umbkommen. Alle die jeinigen die ſich in ſeiſen breßident? hem Schiff befanden wurden errettet/ er Todt. kehrte zuruck umb ein Kuſtlein/ darinen ſeine Jubelen waren/ herauß zunehmem: da ſpalWelchen die kete das Schiff von einander/ und alſo konten Portugieſen die Portugieſen mitèuſt ſehen den jenigen von mit duſt und dem Meer verſchlingen/ der Schuldig daß Freuden ſehen die ihrigen in Iapan ſo jammerlich ermordet worden. So bald ſie ſeinen Schiffbruch verUnd darüber nommen/ wurden zu bezeugung der Allgemeioffentli ch ro ⸗ nen Freude uͤber ſeinen Todt/ alle Glocken locken. der Stadt gelaͤutet Auf meiner letzten Reiſe in Indien befande ich mich zu Gomeron, ſonſten Bandarabaſti genant alda die Hollaͤnder ein Contor haben. Zwey Schiffe kamen daſelbſten auß Japan an/ umb die Seiden ſo die Compagai von dem Perſianiſchen Koͤnig gekaufft/ einzuladen/ und in ſelbiges Reich zufuͤhren. Ein Haubtmann dieſer Geringe zahl Schiffe ſagte mir/ daß ſeith etlichen Reiſen der Chriſten. ſo er in Iapan gethan/ der Keyſer zweymahl wegen der Chriſten nachſuchung thun laſſen/ das man daß erſte mahl berer 274. gefunden welche mit erſchroͤcklicher Pein gemartert worden; Aber in der letzten durchſuchung hatten ſich allein 63. gefunden unker deren Zahl 17. Kinder/ nemlich 12. Magdlein und Fuͤnf Knaben/ deren der aͤlkeſte das rz. Jahr noch nicht erꝛeichet hatte/ geweſen. In allen Verfolgungs ſo die Chriſtliche Kirche erlitten/ befindet ſich keine welche dieſer an Grauſamkeit der Marter gleichen moge/ und kan mit Wahrheit geſagt werden/ das die Iapaner in der Grauſamkeit/ die Scharfſinnigſten der Welt/ vnd die Standhaffligſten in der Marter ſeyn. a Es haben ſich in der letztern Kinder von 10. 12. Jahren befunden welche 60. Tage ang außgeſtanden/ daß ihre Leiber anß Creutz gehefft/ halb verbrant/ und in Stucke zerriſſen worden/ die Scharffrichter zwungen ſie zu eſſen/ damit ſie bey Leben erhalten/ und laͤngerge quaͤlet werden mochten/ dennoch haben ſie von dem Chriſtlichẽ czlauben nimmer abgelaſſen Dieſe Barbariſche Inquiſit on kraff nicht nur allein die Chriſten ſondern auch alle ihre Verwante/ ja auch ihre nachbaren/ den roann ein Prieſter in einem Haus betreten wurde/ wurden alle deſſelbigen In12 a die 5 der Nachbarſchafft wohaß ſie es nicht offenbahret/ zur Marurg 150 cht offenbahret/ zur Ma Ich will mich allhier nicht einlaſſen/ die Unterſchiedliche Gattungen der 1 5 5 Stuͤckweiſe zubeſchreiben/ es ſind viel abſonLaſter bleiben nicht unbeſtrafft. Schroͤckliche ſelben. Und ungemeine Stkandhafftigkeit. derliche Beſchreibungen außgangen/ in welche Bericht von Iapan und von der Vrſache vielleicht die Verfaſſer/ ihrem Orden zu ehren viel ertichtete Vmbſtande eingemiſcht/ aber wann man bey dem dauon die Hollander ſelbſten geſchrieben bleiben wolte; ſo koͤnte man doch mit Wahrheit ſagẽn/ daß niemahle die Kirche in ſo kurzer Zeit eine ſo gr quſame Verfolgung außgeſtanden. pages Zu anfang eines jeden Jahrs wird dieſe ae Inquiſition wieberholet/ und muͤſſen alle g die jenigen ſo des Schreibens erfahren/ unterſchreiben/ oder die Fuͤrnemſten auß den Geſchlechtern thun ſolches fur alle Insgeſambt/ nicht allein daß ſie keine Chriſten ſein/ ſondern auch daß ihnen kein Chriſt bekand/ ja daß das Chriſtenthum ihnen ein Greul/ und daß ſie ſelbiges verwerffen als eine Religion welche dem gemeinẽ Weſen gaͤntzlich zu wieder iſt:—. Die Hollander welche ſich in ſelbigem Land nidergelaſſen/ befreyen ſich davon durch das Mittel das wir oben angezeigt/ und laſſen ihnen hoch angelegen ſeyn/ ihre Schiffleuth zu erꝛinnern daß ſie kein Geld darauff ein Creutz gepregt mit ſich bringen und ſonderlich daß ſte die verꝛichtung deß Gottesdienſts dabey man argwohnen konte daß ſie Chriſten weren nicht ſollen mercken laſſen. Die Portugieſen haben ſich zu einer ſolchen Zagheit nicht beguemen konnen wiewohlen ſie auff den Gewinn den ſie bey pen dem Handel in Iapon gefunden begierig wa⸗ Bi che ren. Seit her als die Verfolgung daſelbſten fore, umb etwas geſtillet/ haben ſie unterſchied ⸗ bn gu liche mahl verſucht wiederum hinein zukom men men/ aber der Prelident hat ſie allezeit daran verhindert/ als ein wachſamer Feind/ dern nichts geſpart umb alle Hoffnung der wie derkehr ihnen zubenehmen. Don Jean de Braganza auff den Thron erhoben worden /hatte die ſo geſchwinde verenderung/ dadurch der Koͤnig von Spanien der Cron Portugal ohne einig Blutvergieſſen/ und Auffruhr in der Stadt l.. bona in einem Tag beraubet wurde/ au gleiche wuͤrckung zu Goa. ust Alle Portugieſen in Indien erkanten 05 in einer zeit ihren Neuen Konig. Der der nigliche Stadthalter welcher ein Span, war/ wurde mit den erſten Schiffen die woder zuruck kehrten Fort geſchſckt“ und Philippus de Maſcarennas ein Portugit i Gubernator in der Inſul Ceilan kam en die Stelle des Königlichen Stadlhalters. Goa deſſen erſte gedancken in dieſem Arn waren zuverſuchen ob erkonte den Gela fuͤr die Portugieſen in lapan widerum aden ze 6% richten; ehe ſie darauß vererieben wo g Gee, konten ſie Jährlich drey Millionen Paro wn g zum Gewffm ein 3 9 Pardos iſt 0 vor 90, viel als 27. Sols unſerer Münten die i 1 g nung wiederumb einen ſolchen genug ige N kommen/ veranlaſſete ihn zu end des Ja 1642. daß er die Re ſolution faſte an 3 1 f paniſchen Keyſer eine Praͤchtige aden ſchafft mit Koͤſtlichen Preſenfen zu ſe 30 * 01 cc tions ich. dergrauſamen Verfolgung wieder die Chriſten/ in ſelbigen Inſuln. 85 zu dem Ende ſuchte er alles was ungemein 0 eine war und dieſem Fuͤrſten und den groſh laſchafft ſen Herꝛen ſeines Hofs angenehm ſeyn ban. inöchte. Das Koſtlich ſte unter dieſen N Preſenten war ein Stuck Aloes Holtz gage ge⸗ ſonſten Calambouriſch Holtz genent/ vier 0 an Schu in der Lange und zween ſchu in der di dee. Ache cke haltend/ niemahts hatte man zuvor in Inn dien ein ſolch groß Stuck geſehen/ es hat 43. tauſent Pardos gekoſtet/ darzu wurden auch viel ſehr ſchoͤner Corallen ungemeiner groſſe gethan. Dieſes iſt das angenehmſte Geſchencke fuͤr die lapaniſchen Furſten/ dieweil ſie ſelbige an die Schnur ihrer Beutel thun/ umb ſolche zuzumachen/ wann ein Stuck dieſer Corallen eines Huͤner Eys groß und ohne Lochlin(wie ſie ſelbiges gemeiniglich haben und welche die Kaufleuth mit Spanniſchem Wachs/ die Kaͤuffer zubetrieg gen/ außzufuͤllen pflegen /) zufinben/ ſo koͤnte ein ſolches einiges Stuck in lapan wohl umb 40, tauſent Pardos verkaufft werden ſie nahmen keine Diamant noch andere Edelgeſtein mit ſich/ weilen die Japaner derſelben nicht achten; aber ſie beluden die Schiffe mit keiner groſſen Menge Guldener Silberner und Seidener Teppichte/ ſo in Indien und Per en gemacht werden/ auch vielen anderen Guͤlbdenen und Silberen Stuͤcken/ 0 und hab ich offt vernommen daß dieſe Genme zu ſandſchafft mit den brelenten die Stadt Goa über 800: tauſend Pardos ſo ſich auff eine Million undachtzig tauſent Francken unſtres. Geldes belaufft/ gekoſtet habe; über daß wurden dieſe wey groſſe Schiffe eines Jo. das andere z. Stück geſchuͤtz fuͤhrend mit mancherley Wahren die in lapan koͤnne noerkaufft werden/ und uber loooooo. Ir: gekoſtet/ beladen/ die außruͤſtung war Prächtig/ daß hindertheil der Schiff verguldet/ und die Fahnen von Koͤſtlichem Zeug. buhaelten er Königliche Stathalter wolte nicht zugeler dean en daß ein einiger leſuit mitfuhre/ beſorgen fa 1 00 derſelben Eyfer möchte einem vorhaben hinaffe. ge derlich ſeyn/ weilen aber Prieſter oder Geiſtliche auf den Schiffen vormoͤthen/ verordnete er vier Angollkiner fuͤr das Admiral chiff und vier lacobiner für daß andere/ ſey dann das man von den Landleuten geleitet werbe Der Gubernator zu Nanganſaque war ſehr beſtürtzt da er verhommen daß die jenigen ſo er beſichtigen laſſen/ Portugieſen weren ſchrieb Er ſolches alſo bald dem Keyſer. Der f Hollandiſche Preßidene/ welcher beſtaͤndig 1 ein wachendes Aug auff die von der See genten aberkommenden Zeitungen hatte/ konte dieſes mahliges böſnicht glauben/ weil er aber zu Hoffe be, ſes vornehme. kandt war/ vernahme er dieſe Zeitung von ſo vielen Orthen her/ und zweiffelte an der warheit nicht mehr. Da unterließ er kein Nittel und Liſt ſo nur zu erdencken/ zuverſuchen wie er den Fortgang dieſer Geſandſchafft verhindern/ und ihre Schiſſe ſambt dem Geſandten und Geſchencken zugrund richten moͤchte. Er fande mittel den Eilbottẽ welcher nach dem Keyſer geſchicke wurde Welcher dle zubeſtech ẽ/ ſo daß an ſtatt er dieſe Reiſe in 20. em Tagen thun konnen/ brachte er mehr als ben zuverhinZween Monat darüber zu/ vnterdeſſen muſ⸗ dern ſucht. ten die Schiffe am Geſtad groſſe Vngeſtuüm auß ſtehen/ endlich kame die Ordre an den Gubernatorn/ daß er niemanden als dem Geſandten/ neben den. Zween Capitainen/ und den Zween Schiffs Patronen auß zuſteigen geſtatten/ und von ihnen Brſach ihrer Reiſe vernehmen ſolte. Als nun der Geſandte an Land kommen/ Urſach ihrer ſagte er/ er kame den Keyſer in Nahmen ſeines Ankunft Koͤnigs zubegruͤſſen/ und ihn zuverſichern/ 5 daß ſie nicht mehr unter der Beherꝛſchung/ des Koͤnigs in Spanien weren/ ſondern daß der Nakuͤrliche Erbe des Königreichs Portugal ſeit einem Jahre her auff den Thron ſeiner Voraͤltern welchen die Spanier unrechtmaſſiger weiſe an ſich gebracht/ ge ſtiegenz und das dieſer Neue Konig ſo auffrichtig vnd Großmuͤthig/ daß als ervernommen/ das einige ſeiner Vnterthanen aus lapan ſich wegbegeben und ihre Schuld nicht gezahlt/ haͤtle er ſie geſchickt umb alles richtigzumachen vornemblich aber/ der gebühr welche hohe Haubter verbindet wann ſie zur Cron kommen/ ſolches den jenigen Fuͤrſten derer Freundſchafft ſie begehren wiſſen zu machen; ein Genuͤgen zuthun. Der Gubernator berichtete diß alles den Welche det Keyſer/ und nach dem der Preſident ſolches Gub ernato f vernommen/ lieſe er durch ſeine Mithelffer an den Keyser dieſem Füͤrſten anzeigen/ daß es Rebellen berichtet weren/ welche vom Ende deß Nidergangs i kommen/ biß in lap on die Zeitung und das Exempel ihrer Aufruhr zubringen/ das dieſe Nation von Natur ſehr vnruͤhig/ und daher ein Schiff ankommet nicht zugeſtatten das die verenderungen bey Ihnen geinein/ ſie koͤn. mand einen Fuß auf das Land ſetze biß ten nicht lag i Friede bleiben noch an, Der elfe er Gubernator deß Orts ſie befehen laſſen/ dere in Rug laſſen; daß in Erinnerung deß beſchuldigung a dem Keyſer bericht gegeben/ und von ihme jenigen ſo Ihme ſelbſten begegnet/ der Key⸗ und Schelm Ja hung dernommen ob dem ſelden gefllig daß ſie fer ſich nicht genugſam für die Sicherhelt ſick weder ü ſolten angenommen werden. Die einfarth ſeiner Perſohn/ und Ruhſtand ſeines Regi⸗ dierorugiſen. 6 8 Ports da ſie gearſckert iſt kchr gefährlich/ ments vorsehen konte; in Summa das der 10 und kan man ohne gefahr auff den Helſſenzu Keyser und ſein Reich ohne Hoffnung ſich Scheitern zugehen nicht wohl amlanden es wiber zuerholen/ verlohren/ wann dieſe Leuth III. Theil Bericht von Iapan. B i jemahlen alles verſtandige und Gelehrte Leuthe. Alldieweilen ich Anno. 1648. mich zu Goa befande hielte ich geſpraͤch mit einigen dieſer Patres ſo zu dieſer Reiß erkohren waren/ wel. 90 che mir alles was bey dieſer Geſandſchafft/ Ace ſonderbahreswar/ gar genau erzehlten ſuſtendan,„Ire Farth war in der Hinreise gläcklich. „ Ss iſt in dieſen Reich gebrauchlich daf wann 8 * ä ö 12 Bericht von lapan und von der Vrſache jemahlen einen Fuß in das Land ſetzen wurden. Dieſer Vortrag des Preſidenten welchen ſeine Rathsgenoſſen wohl unterſtüͤtzet/ konte ohne Muͤhe dem gemuͤthe des Fuͤrſten/ welcher ohne dem grauſam genug/ und ein Feind der Chriſten war/ eingedruͤcket werden. duch er Er gab dem Cubernatorn befehl/ ale weiſhasen und be. ſe Leuthe aufs Land kommen zulaſſen und ſchencket wer- ſelbige 8 Tag lang ſo gut ihme muͤglich zuden. bewirthen/ am achten Tag entbote er Ihnen wiederumb in ihre Schiſſe ſich zubegeben/ und verehrete zugleich dem Abgeſandten und den Vornembſten ſeines Volckt/ die Schoͤnſten Wercke ſo in Iapan gemacht werden. Solches Geſchencke beſtunde in 6 groſſen Kaſten/ und ſoviel groſſen Truhen/ Schwartz Beſchrebung geheitzet mit erhobenen Bildern/ zwiſchen 15 geſchen Juldenen Stenglein/ von dichtem Golde : ausgeziert/ ferner E Kaſten und ſo viel Truhen/ Roth gebeitzet/ mit Silbernen Stenglein und gleichem. Zierath. f Als ich zu Goa war/ hat der Koͤnigliche Stadthalter/ De philippus de Maſcaren-nas mir zwey dieſer Kaſten/ Zwo der Truhen/ und einen Tiſch gewieſen; ich bekenne daß ich niemahls etwas von ſo Schoͤner Arbeit geſehẽ/ und verwundere mich uͤber die Geſchickligkeit der lapaniſchen Küͤnſtler/ ſagte dabey dem Stadthalter/ daß unſere Europeiſche Arbeit/ ſo wir auff Cb inesiſche art nennen nur allein grobe Muſter gegen dieſen weren. Uber die Kunſt und Zierligkeit/ dieſer Arbeit/ war auch das Geſchencke ſehr Koſtbahr/ und gab wohl zuerkennen daß es von einem groſſen Fuͤrſten herkaͤme/ aber daß darauff erfolgte verfahren/ ſo dem Abgeſandten bewieſſen wurde) ſtimmete ſchlecht mit dem gluͤcklichen Anfang uͤberein. Der Abgeſandte als ihme die Preſenten geluͤfert worden/ bekame zugleich Ordre alle Wahren ſo in den andern Schiff waren/ in das Admiral Schiff tragen zulaſſen. Er wolte ſeines theils dem Gubernatorn groſſe Verehrungen thun/ derſelbe aber weigerte ſich ſolche anzunehmen/ meldende daß er ſonderbahren Befehl bekommen/ ſolches abzuſchlagen/ und dem Geſandten klar anzuzeigen/ daß dafern er nit eylend ſich zuruͤck begebe/ er das Schiff zugrunde richten wolte; daß ſeyn Herꝛ der Keyſer aufs neue ein Verbott außgehen laſſen; daß kein Portugies nach Spanier nimmermehr in ſeinem Land anlaͤnden ſolle/ es ſey unter was für einem Vorwand es immer wolle/ ja auch nicht unter dem Schein der Geſandſchafft/ bey ernſtlicher Straff/ ſie von ſtund und ohne Anhoͤrung einiger Verantwortung/ auff dem Felde Creutzigen zulaſſen/ waß die Schulden der Portugieſen anbelangte/ hette er ſolche zube, zahlen uber ſich genomen/ und dieſes were das Freſent welches der Keyſer ſeinem König Überreichen wolte/ ihme fuͤr ſeine Geſandſchafft zu dancken; Der Abgeſandte hatte ſo, F ge, bald nicht daß andere Schiff von den WahSchiffe wird ren entladen laſſen/ daß ſolches in ſeiner Gegenwart zugrund geſchoſſen wurde. Der Und was darauff erfolget. Cubernator ware nicht begnügt/ ihmedieſe Schmach zubeweiſen“ ſondern er ließ alle un a Schwpartzen/ ſo auff dem Admiral Schiff Saal waren außſteigen/ und alſobald am Ufer deß e Meers enthaubten/ meldend ſie weren India ner/ und koͤnte demnach ihnen das ſtrenge Gebott ſo der Keyſer wider alle die Frembden welche in Japan anlaͤnden/ und Fuͤrnemli welche in der Portugiſen Hiſpan ier und aller Chriſten jns gemein/ die Hollander auß genommen/ dienſte weren/ auß kundigen laſſen/ nicht unbewuſt ſeyn. 1 Einen ſolchen ungluͤcklichen Ausgang hakte unglürkl dieſe Geſandſchafft/ das Admiral Schiff ausame welches den geſt nach Con überbracht/ ward gan viel Tag lang von dem Vngewitter alſo zer/ ſand ſchlagen/ daß ſolches tauſendmahl zu grund zugehen ſchiene; der mehrere theil der Leuthe in dem Schiff ſturben von harter Muͤhe un Arbeit/ den die Schwartzen ſo hierzu verordnet geweſen/ wurden/ wie vorgemeld ent haubtet/ und die ubrigen waren dieſer harten Arbeit ungewohnt. Die Wahren und alle Preſenten/ wurden von dem Seewaſſer verderbt/ und das Schiff zerſcheiterte endlichen/ bey Anlandung im Hafſen zu Gos. Ich hab zu Hiſpahan das Stuck Aloes Holtz/ davon ich droben meldung gethan geſehen. Pater loleph ein Auguſtiner/ wolte daſſelbige dem perſiſchen Koͤnig Cha Abaſſy/ der damahls regierte/ zeigen. Dieſer Fuͤrſt war begierig etwas ſonderbahres zusehen/ und hette ſolches gekaufft/ wann das Meerwaſſer es nicht biß aufs Marck verderbt hette/ wie dann wann man davon etwas jns Feur legte/ woh zuerkennen/ daß ſelbiges einen zimlichen Thel 4 ſeines guten Geruchs/ verloren hatte. Gioſſe l Ich habe von vielen Hollaͤndern/ welche nde ſeither dieſer Geſandſchafft in Iapan geweſen/ pied cl vernom̃en/ daß der preſident bey 400 tauſend gerwa ger gag z Cronen angewendet/ das dieſelbe nicht an alle genommen wurde/ ja das er bey dem Guber 0 natorn angehalten/ beyde Schiff zugrun zurichten/ welches weil er es nicht erlangen koͤnte/ verurſachte er baß die Schwarz, umbracht worden/ dafür haltend das! 0 mira Schiff wurde endlichen doch in mange der Bootsknechte/ in der See zugrundgehg um de, muͤſſen. In Summa er brachte die 1 05 Cogſege gieſen/ in dem ande in eine ſolche abſchen/ 15 bebe der Keyſer alle Hauſet die ſie bauen la l und- Gag. zerſchleiffen/ und die Weinſtoͤcke/ au 15 der Po andere Gewaͤchs/ ſo ſie auß Europa en weder zu Nutz Ihrer unterhaltung dan, zur Zierde Ihrer Garten/ die ſie in groſſer au zahl umb Mea co, Ieddo und Nanga 10 77 hakte/ außzureiſſen/ befahl/ damit ja nit eil 5 1 A e ef be inlaß eßhafft geweſen uͤberbleiben moͤchte. 5 Man hat beobachtet daß ſeit dieſer lee, 7 1 ren Verfolgung kein Jahr vorbey gange deubelh daß die Hollaͤndiſche Compagni ber Se cal Indien/ nicht einige Schiff in dieſer a, verlohren/ die Schiffer und Bootel nach fe. ben die Schuld dem Prellderten wehe Ababen ner Ubelthaten/ die Vorgeſetzten che en n l uche las 0 c Vu ang akg der grauſamen Verfolgung wieder die Ehriſten/ inſelbigen Inſuln. 5 ſolches nicht geachtet/ und ſagen wann alle 15 die Schiffe ſo in Iapan geſchickt wuͤrden/ mit Ihrer Ladung jedes mahl ohne einiges Unglück zu ruck kamen/ ſo wurde die Compagni gar zu reich ſeyn. Nach dem er alſo zu wegen gebracht/ daß dieſe Geſandſchafft/ mit ſolcher Barbariſchen Manier zuruck geſchickt wurde/ gabe er dem 9 General zu Battavia darvon Bericht/ inſtaͤndarecden, dig anhaltend den unter Ihnen gemachten iheneor, Anſchlag nemlich ac ao anzugreiffen/ in das eic) Werck zusetzen/ mit vermelden daß ob es kae tet ſchon das anſehen hette/ daß die Hollander Nüttn be. und Portugieſen in kurtzer Zeit/ ein Bund, nus mit einander wieder Spanien machen wurden/ ſo were es doch allezeit gut zuvor der Stadt Macao ſich zubemaͤchtigen/ gleich wie ſie mit vielen Plaͤtzen in Indien gethan/ als Portugal unter der Beherzſchung Spanien geweſen/ weil der Neue Konig ſich glücklich ſchaͤtzen wurde/ ihnen ſolche zuüberloſſen/ umb von Ihrer Republic in Europa Schutz zuhaben. Dieſer General W den Bericht des Preſidenten in obacht nehwache von mend; war bereit zu dieſem Vorhaben abkann zuſeglen(als ebenein Geſandter Ihme von büge wage dem beſchloſſenen Stillſtand zwiſchen Porird. tugal und Holland/ und daß die Staaden bereits eine Schiffs Flotte nach lilabona, den Portugiſen zu Huff geſandt/ die Bottſchafft brachte. Anfangs ſtelte er ſich als ob er es nicht glaubte/ da er doch lang zuvor deſſen benachrichtiget worden/ und ließ den Geſandten in harte Gefangenſchafft legenz nichts lſowehts deſtoweniger ſchub er die Abfarth ſeiner ache Flotte umb etliche Tag auff/ unterdeſſen be b iſt. kam er von ſeinem Oberherꝛn Befehl/ die Portugieſen als Freunde und Bundsgenoſſen zu tractiren/ darburch ward der gezwun1 gen ſeine gantze Macht wider die Moluc. qiſchen Inſeln/ welche damahls in der Spanier Herſchafft waren/ zuwenden. Der Prelſident war uͤber dieſe letztere Zeitung nicht wenig betruͤbt/ weilen er und der General/ groſſe Anſchlaͤge über Eroberung dieſes Orths gemacht/ und der Compagnie verſprochen/ daß er es durch dieſes Mittel dahin bringen wolte/ daß ſie in der Handlung 0 ſo woll in China, als im gantzen Orient eintzig 1 und allein Meiſter ſeyn koͤnten. Ich muß 11 bekennen daß Macao ſehr vortheilhafftig ligt/ g uͤber dieſes gantze Meer die Oberhandt zuerhalten/ und fuͤrnemblich auff den Kuͤſten Fockien und Quantung/ allda alle KauffSchiff dieſes Reichs anlanden/ ſie lieget im Eingang deß Meerbuſens Kanron/ der Stabt Quanchu welches die 010 1 rovintz iſt gleich gegen über/ in einer kleinen alb Jack ſo an eine groſſe ſtoͤſt; ſie iſt 1 1 5 ft deb die Schiffe weil es nicht tief gnug nicht bey ommen konnen/ außgenommen auff der u deiiten deß Hafens/ welcher durch eine danter por gute Feſtung beſchützet wird. Die Sondeſen. Pegul bekame damahls allein auß dem JahrMarck zu Quanchu/ 100. Kuͤſten allerley bebaut gleichſam auff ein Vorgebuͤrge/ da Sorten Seiden Zeug jede von 110. Stucken/ und 2500. Stenglin Gold; die rohe Seiden; das Geſponnene Gold/ und die andern Wahren ungerechnet/ daher unſchwer zuſchlieſſen/ welchen Mercklichen Gewin die Portugieſen daſelbſten erobert haben/ und wie groſſe Begierde der Prelident hatte ſie darauß zuvertreiben. Aber ſeine anſchlaͤge wurden nicht allein durch die Veranderung der ſachen in Portugal ſondern auch wegen deß Verluſts der Inſul Formola ſo die Chineſer den Hollaͤndern auff Angeben eines Franzoͤſiſchen Soldaten/ deme der Gubernator zu Tayouan, nach verfloſſener Zeit ſeiner dienſte/ vielmahlen den Abſcheid verſagt/ weg genom̃en/ gantz verwirret. Dieſen Zufahl beſſer zuverſtehen/ it zuwiſ⸗ Perluſt ber ſen das nach dem die Hollander darinnen ei. Ace. nen feſtẽ Fuß geſetzt/ und alle andere ationen außgenomen/ die Chineſer/ ausgeſchloſſen/ hat der Keyſer dieſen erlaubt widerum dahin zukommen/ ſeit dem aber der Mord durch die Iapaner in einer Chineſiſchen Stadt deren ſie ſich bemaͤchtigen wolten begangen worden/ hat er die Handlung in dieſen 2 Reichen gantz auffgehoben/ und den Obineliſchen Keyſer veranlaſſet auff alle Koͤpfe der lapaner die ihme wurden gebracht werden einen Preiß zuſetzen. Die Hollander unterlieſſen nichts zuverſuchen/ umb eine neue Trennung unter dieſen Voͤlckern anzurichten/ oder ſelbſten ſich eines bequemen Orths den Gewerb der Chine ler in lapan gänzlich Des preſiden zuverderben) zubemeiſteren; der Preſidenr ten Nichten ſchrieb der Compagęnt/ ſelbige zu dieſem und trachten Vornehm anzureitzk/ mit verſicherung eines beſteher nur Gewins Jahrlichen von Fünf Millonen; aden che. meldend daß obſchon ſie der Sadt Macao; den wöch. wegen deß geſchloſſenen Stillſtands zwiſchen Holland und Portugal/ ſich nicht bemaͤchtigen koͤnten/ ſo muͤſte man nicht deſtoweniger alles verſuchen/ umb ihnen die Handlung zu unterbrechen. Weilen ſie nun der Portugieſen verſchonen muſten durchſtrichen ſie das Meer welches die benachbarten Inſuln vmgiebt/ nahmen die Schiffe der Chineſer welche nach Macao handlen wolten mit Gewalt hinweg/ und veruͤbten vnerhoͤrte Grauſamkeit wider die Voͤlcker/ die in dieſe Inſul ſeit dem Einfahl der Tartarn in China/ geflohen 8 deß Chinchilunge Sohn/ ein Joringa be. beruͤhmbter Seeraͤuber/ welcher in dieſen derer Inſüln erhalten/ was von Zerſtoͤrung die, mon ſes Reichs uͤbrig gebleiben/ herꝛſchete dazumahl uͤber ſie/ und machte daß ihn die Tartaren ſelbſten fürchten muſten/ er belagerte Tayouan,„dahin ſieſich gemeinlich retirirten/ und durch Eroberung dieſes Orths verjagte er ſie auß der gantzen Inſul! i 5 Dieſe Inſul/ an der Spitze der Phiſip⸗ der ſelben nnd pinen ligend/ iſt ſehr groß/ Ihre Lange ge. ihre Gelegen het von Norden zu Suden; und gegen We, beit. ſten/ hat ſelbige im Geſicht die Prouintzen Fockien und Quautung; die Chineſer geben a Biij Ihr Beſchreibung 14 ihr den Nahtmen Taliukieu/ und ſcheinet die Spanter haben derſelhigen wegen ihrer Schoͤnheit und Fruchtbarkeit den Nahmen Formoſa gegeben; ſie ſind die erſten aus Euopa/ welche dieſe Inſulen endeckt und bewohnet und auff einem derer Vorgebuͤrge gegen Norden die Feſtung Kilng erbauet; die Natuͤrlichen Inwohner halten ſich mehrentheils in den Bergen und Waͤldern auff/ und ernehren ſich allein durch die Jagt der Hirſche/ und Wilden Schweine/ derer gedoͤrꝛtes Fleiſch/ Hauͤte und Holtz ſie den Sangleiernverkauffen/ welche ih nen hingegen das jenige deſſen ſie benoͤhtigt ſeind zufuͤhren. Die kleine Inſul Tayovan hat der Feſtung welche die Engellaͤnder gegen uͤber/ in der groſſen Inſul bauen laſſen/ den Nahmen gegeben; den Hollaͤndern war daran nicht wenig gelegen in deme ſie viel Vieh/ Haut/ Hirſch/ und Buͤffel Hoͤrtzer/ derer die lapaner und Chineſer ſich zu ihrer Arbeit bediend/ daraus bekamen/ ſie lieſſe damahls an einer entdeckt Gold Ader Ihre Inwohner. Die Inſul Tayovan. Eine reiche Gold Ader, arbeiten/ und hielten dieſelbe ſo Reich/ daß ihre Beambten die Compagni 1 dee ſie were genugſam damit den gantzen in Indien zuführen/ und alſo unnoͤthig Geld auß Holland zuſchicken/ aber der ſicherſte Vortheil welchen ſie von dieſer Inſul hatten beſtunde in der Niderlag ihrer Wahren von Hhatꝛravia in Iapan, als welches der gewoͤhnliche Weg ihrer Schiffe war/ im hin und widerfahren blieben ſie da ſelbſten bis daß boͤſe Wetter vorbey/ erfriſcheten ſich/ und luden in dieſelbigen/ viel Chineſiſche Wahren/ welche ihre Seeraͤuber den Chineſern abgenommen/ oder die Sangleier(welches Kauffleuth ſo auß China ſeind und ſich zwar in dẽb hilippinẽ Inſuln nidergelaſſen/ aber groſſe Handel in ſelbigem Lande treibẽ/ ohne das ſie von den Spaniern dependirten /) ihnen zugeführt Als Coxinga die Hollander auß dieſer Inſul verjaget/ wiewohl ſie ſich auff Gnad und Ungnad ergeben/ Tractirte er ſie doch nicht ſo grauſam als den Engellaͤndern/ von ihnen widerfahren/ da ſie denſelbigen durch eine merckliche Verꝛaͤtherey/ wie hernach erzehlet werden ſol/ ſolche weggenommen/ dann ſie erwuͤrgten alle Engellaͤnder keinen auß geſchloſſen. Dieſer ob er wohl ein Unglaubiger Seerauber war der auß ſeinem Lande verbannet, und von den Holländern erzuͤrnet Stoſſe bench worde, ließ er doch ſo Freundlich dem Ceneral ſeeligkeit eines in Battavia enthieten/ daß er Schiffe ſchicken Seerauberd. mochte ſeine Voͤlcker wiberumb dahin zuführen/ und ließ ſie alleſambt Frey und Ledig/ nicht geſtattend daß ihnen einig Leid gethan wurde. Er hatte ſeine Reſidenten an dem Hoffe des lapaniſchen Keyſers weil er der Tartan deren Nachbarſchafft/ den Iapanein ſcht entgegen/ abgeſagter Feind war. Dieſe geſchwinde Eroberung ſo vieler Prouintzen/ und daß er ſo viel Voͤlcker in ſieben Jahren unter das Joch gebracht/ und ſolches alſo zumelden vor den Augen ihrer Kuͤſtẽ/ hatte ſis nicht wenig erſchreckt/ und ob ſie wohl wuſtẽ daß die ſo geſteget der See un* Bericht von lapan und von der Vrſache erfahren/ und baß dieſelbigen niemablen ſia); unterſtehen wurden hinüber zu ſchiffen/ und duc ſie zubekriegẽ/ unterlieſſen ſelde dennoch wicht 10 1 den Coxinga in geheim zum Freunde zum 8 g chen. Durch ſeine Freund ließ er dem Keyſen die Feindthaͤtlich keiten ſo die Hollander wi? geh der die Chinehſchen Kauffleuth verübt zu un n le wiſſen thun/ meldend dieſelbigen hetten Stil⸗ ber hae a. ſchweigend ihren gemeine Feinden ein Bund age nus wider ſie vortragen/ und noch darzu da es Volcker aus denen Mitternaͤchtiſchen Lan den weren/ welche zu Zerſtorung anderer Lande gebohren/ und nur allein Tuͤchtig andere Reiche zu uͤberfallen/ das ſie durch Mittel der Verꝛatherey/ und vnbillichen Gewalt einen Fuß in die Orientaliſchen Inſuln geſetzt/ und ſeit etlichen Jahren nicht nach lieſſen/ die See zwiſchen China und Iapan zu burchſtreichen/ umb der Handlung voͤllig Meiſter zu werden/ alſo daß dafern er nicht ohn verzug vorſehung thete ſie ſich in kur, tzem in ſeinem Regiment unterſtehen wurden/ daß nach zuthun/ welches die Tartarn in hie na berübet. Der Preſident hatte nich tweandel nig Mühe dieſes Wetter zuſtillen/ den die wah ihme vornembſten Herzen des Hoffs/ obwohl ſelbi⸗ be ge von ihme beſtallung hattẽ und ſeinen freun Sinn e de fingen an die Auge auffzuthun/ und nah. n 11 men etlicher maſſen deß Cox inga Partey an/ 15 ſagende die Chineſer weren unglücklich gnug/ l in deme ihr Reich von den Tartarn zerſtört worden/ das nach deme ſie auß Ihrem Lan verjagt/ allein noch ihre Hütten/ neben el lichen Felſen dahin ſie geflohen/ zu ihrer Wohnung übrig hetten/ daß es eine Unmenſchligkeit were ſie auch noch in dieſer euſſerſtet Zuflucht zubetruͤben/ und ihnen die Freyheit der See und der Handlung in lapan, daher dieſe ins Elend verkriebene Völcker ihr Vornembſte Unterhaltung hetten/ zubenehmenDie Bonzier, Kauffſeuth/ und das gemeine Volck/ nahmen ſich alle der Chineler an. Der Keyſer ſandte nach dem Preſidenten uns ſagte demselben; Ich vernehme daß 7 0 i Compagni meines Schutzes mißbrauche. 1 und daß ihre Schiffe anſtatt daß ſie mit d t Handlung ſo ich ihnen vergoͤnne/ begnie, ſeyn ſolten/ ſich unterſtehen die Chineſer e 5 rauben/ und alle meinem Reich nahende S 5 unſicher zumachen/ wann ich kuͤnfftig h 10 gal einige Klage vernehmeé werde will ſch dich en, He e, ale die deiner Nation ſen Errutigen gige Zhen Ich habe nicht erfahren könne/ wie derlilig N Preſident den Zorn des Keyſers geſtillet daß When habe nur allein insgemein vernommen del Pace die Hollander geheime Buͤndnus mit e geſt Tortarn wider Coringa geſch ſoſſen. Ahn Voͤlcker der Prouintz Fockien enſuchte 0 umb Hulff/ und verſamleten ſich in zgarcken; a Mann ffarck/ er kame mut einer ſtaner, Ein Kriegs Flotten ihnen beyzüͤſtehen/ nach neiber Fi ſchiedtlichen Treffen geriethe es eandlicant ain Haubt Schlacht/ und als der ſhinderFeldherz ſeine beſte Reuterey zu einen Ul halt beſtellet/ gabe er den übrigen adde ckern befehl nach und nach zutreicher n ner der grauſamen Verfolgung wieder die Chriſten/ in ſelbigen Inſuln. 16 Chine fer in den Hinderhalt zu locken/ wie die durch in China gezogen wurde war zu der 10 ſelbigen nun mit groſſer Begierde nachſetzten/ Hollander Vornemſen ſehr dienlich der Porruwich wurden ſie an dem Bffer deß Fluſſes Cha- gieſer Handlung beſtunde annoch in der ng, von den Tartarn aller Orthen umb⸗ Provintz Quantung; weilen Macao vortheilf ringet/ und ihrer 800. nidergemacht/ hafft gelegen die Stadt Reich und weil ſie ſich 1 Coxinga kam mit ſeiner Kriegs Flotte zum vor vielen Jahre daſelbſte nider gelaſſen; aber 1 Kl Entſatz zu ſpath⸗ der Preſident nach dem er ſie auß Iapan veral In wehrentem dieſem Krieg beobachteten trieben/ machte ſich die gemeine Rechnung Der Hollaͤnſelbige auch auß China zuverjagen. a der Verꝛraͤdie Hollander ihren Vortheil/ und bemeiſterWarn ten ſich der Fiſcher Inſul zwiſchen kormola, Es waren etliche Jahr verfloſſen daß die ich dun und der Küſte kockien, Coxinga ſturbe Holländer die Feſtung Layouan in der Inſul ſchlageuſteir bald hernach/ und Sauia ſein Vetter der Formola uͤberfallen: Selbige war damah⸗ Inſel kor. len den Engeeaͤndern zuſtaͤndig/ welche die moſa und Feſt Reichſte Kauffman in China, welcher Faſt b ö Spanier auß dieſer Inſel vertrieben hatten. ung Tayovan allein von ſeinem einkommen die Koſten zu dieſem Krieg dargeſchoſſen/ war uͤberdruͤſſig ſolchen ferner zu unterhalten/ und wolte mit den Tartarn Friede machen/ als einer der Soͤhne Coxinga deſſen berichtige ward/ bemaͤchtige er ſich ſeines Vettern/ ließe denſelbẽ in eine enge Gefangenſchafft einſperꝛen/ in deren zer auß Grim ſich ſelbſten umbs Leben brachte. Die Hollander über den Tod Savia welcher ihnen jederzeit in der Pro vintz kockien den Gewerb zu treiben/ hinderlich geweſen/ hoch erfreuet/ ſchickten wieder ſeinen Enckel/ den Tartarn/ die ihn an der laͤnge des Geſtads der See bekriegten/ eine Kriegs Flotte zu huͤlffe. Es geſchahen viel Treffen zwiſchen den Huͤtten der Inwohner der Inſul/ un d den Hollaͤndiſchen Schiffen/ vor den Augen der Tartarn/ welche begnügt waren allein zuſeher zuſein/ aller Nutzen ſo die Hollaͤnder damahls/ nach dieſem wieder die Einwohner dieſer Inſul erhaltenem Vortheil/ geſchafft war/ daß ſie die Staͤdte Bemos und Qaeſmoy und alle umligende Platze/ ſo die Partey deß Coxringa zuvor beſeſſen/ wiederumb unter die gewalt der Tartarn brachten/ was ſie die Hollander anbelangen thut/ konten ſie nicht erlangen/ daß ihnen die Tartaren beyſtunden Tayouan widerumb weg zunehmen/ vergnügten ſich dero wegenin etlichen kleinen nahe an der Inſul Formola ligenden Inſeln Schantzen außzuwerffen; und ſeit meiner zuruͤckunfft auß Indien habe ich nicht erfahren koͤnnen was weiter in dieem vornehmen erfolget ſey. Die Engellaͤnder ſo in der Beſatzung lagen hielten ſchlechte Wacht/ und brachten ihre geit mehrentheils mit jagen zu/ weil die Inſel der Hirſchen/ Wilden⸗Schwein/ Faſanen und allerley Schnabelweid voll war. Der General von Batavia lieſſe die ſelben durch vertraute Indianer vielmahlen aus ſpuͤhren/ und wie er die Unordnung an dieſem Ort vernommen ruͤſtete er zwey Schiff mit allerNohtwendigkeit aus umb damit ans Land zu gehen. Dieſe Schiff erwarteten ein Ungeſtuͤm auff dem Meer/ der Inſul als dann ſich zunaͤhern/ und nach dem ſie die“ Segel zereiſſen/ die Strick abgeſchniten und alle anzeigung gegeben/ ob weren ſie durch das Ungewitter und Sturm uͤbel zugerichtet worden/ kamen ſie auff ein Stuck Schuß weit vor Tayouan, der Gubernator ſchickte etliche kleine Schiff ſie zubeſehen/ der Capitain brachte zuruck es weren Holländische Kauffleuth die durch die Ungeſtuͤm groſſe Noth erlitten hetten/ und begehrten Erlaubnus auszuſteigẽ/ ſich widerum zu orholen. Der Gubernator erlaubte ihnen in den Haffen zu fahren/ und nach ihrem gut befinden auszuladen: Speiſte auch die Vornehmſten Kauffleuth/ nebend den Schiffern zu Mittag/ die von der beſatzung bewieſen eine gleiche Hoͤfflichkeit/ den Bootoͤknechten/ welches alle gute Soldaten mit langen Dolchen unter den Roͤcken bewaffnet/ waren; die Kauffleuth ſagten ſie hetten viel guten Spaniſch Franzöſiſchen/ und RheiniſchenWein/ und daß ſie von denſelben den Guberaht, Es liegt eine Inſul welche ziemlich oͤde nator beſchencken wolten. Er Acceptirte dies . hrs und unfruchbar in dem engen Meer und durch ſes anerbitten; die ſo gemeinten Kauffteuth Welches 0 oi e. Spitze deß Landes Corce von lapan abgeſon⸗ befahlen ihrem Knechten Flaſchen auß den 1 5 gluͤcklich % dert wird; dieſer Poſten allein ware zu Ihrem Schiffen zubringen die Bootsknecht brach⸗ 1 0 wichtigen Vorhaben den gantzen gewerb Ia. ten viel einernach dem andern; Und wie die bolfib 1 pans und China in ihre Hand und Gewalt Haubtwacht auch ihren Theil davon bekam/ wid. 1 zubringen nicht genug/ weilen er vor ſich ſelb⸗ wurde alles Freundlich auff und angenomen ſehr unbequem und von Nanganſaqui zu weit abgelegen war/ die Nord und Sud 5 ind welche nach der laͤnge der gegen ein an/ der liegenden geſtaden ſehr ungeſtum ſind/ ca men diese Heer Enge der geſtaltein, das gala unmuͤglich daß Land zu reichen/ wann e auff dieſer See wehen; der Engelaͤnder/ bin allen ihren Facktorelen in Indien bin die, Bnvemöglchkel der ian in 38 ilippinen/ welche ſelbe offt zu verlaſſen 0 ben weilen ſie dafür hielten das alles old und Silber der Oceiental Indien hamen/ alſo das von Flaſchen zu Flaſchen/ von Wootsknecht zu Bootsknecht/ ſo viel getruncken wurde und die Zahl der Hollander in der Feſtung ſo ſtarck/ daß ſie nach gegebenem Zeichen/ die Engellaͤnder welche ſehr betruncken waren/ alle nidermachten/ viel Soldaten von der Beſatzung die auff das Jagen außgangen bekamen/ nach ihrer wieder kunfft ein gleiches Trinckgelt/ und dieſes ware die merckliche Verꝛaͤtherey dadurch die Hollaͤnder der Inſul kormola ſich bemaͤchtigten/ welche ſie hernachmahls mit Voͤlckern beſetzt g ö un 16 und an vielen andern Orten erbauet hatten/ Der Hollaͤnder und ihres Preſidenten neuer Anſchlag· biß Coxinga ſolche widerumb ein bekommen. Aber die Hollaͤndiſche Compagni ware wie vorgemeld nicht begnuͤgt/ daß ſelbige zu Fierando feſten Fuß geſetzt/ es gelunge dem Preſidenten ſo wohl die Portugieſen auß Iapan zuvertreiben/ daß er hoffte von dem Keyſer auch die kleine Inſul Kilma, welche ſeit deme alle Wohnungen darinnen zerſtoͤrt worden wuͤſte geblieben/ zuerlangen/ anfangs begehrte er allein die Erlaubnus eine kleine Huͤtte von Holtz/ damit ſeinekactoreyẽ unter Schirm ſeyn koͤnten/ aufrichten zulaſſen. Von dieſer Inſul nach Nangaſaqui iſt eine uberfuhr/ einen Mußquetè ihme Schus weit/ er bahte den Gubernator zugeſtatten eine Schiffbrücke zubequemerer Der Preident läſſet eine Schiff Bruͤcken ba nen. Begehret ein Magazin zu bauen. uͤberkunfft in den Hafen und in die Stadt machen zulaſſen. Der Gubernator durch groſſe Geſchencke überwunden/ gabe zu daß dieſe Schiffbrücke aufgerichtet wurde/ wie er aber hernach geſehen/ daß ſie all zu offt in die Stadt kamen/ lieſſe er am Ende der Bruͤcken/ zwo Schantzen/ die er mit Soldaten beſetzt umb die Jenigen ſo paſſirten in Obacht zunehmen/ aufrichten/ und einen Befehl aus kundigen das die Hollander welche in die Stadt kamen bey Lebens Straff jeder zeit auff den Abend wiederum nach ihren Hutten kehren ſolten. Welcher Befehl und weil ſie wenig Wohnungen daſelbſten hatten ihnen ſehr beſchwerlich war. Der pPræſident hielte auffs neue an und bekam Erlaubnus in Kiſma ein gr oſſes Contor/ und Magazin umb die Wahren zu verſchliſſen/ bauen zu laſſen. Der Subernator ſchickte den Hollaͤndern einen Mann das Feld ſo er ihnen gabe abzuzeichnen dieſer Mann wurde reichlich bezahlet daß er reichlich meſſen ſolte/ aber damit waren ſie nicht vergnuͤgt/ ſondern erweiterten des Nachts die Grentzen damit ſolchen nach ihre Loſamenter abgezeichnet wuͤrden. Der Gubernator wurde deſſen berichtet und erzuͤrnete ſich/ aber ſie funden Mittel ihn bald zuſtillen/ erſtlich durch heimliche Freygebigkeiten/ und hernach ihme vorbringend/ daß ihnen viel groſſe Magazine umb alle Da durch er ſolches erhalt. Und einde heimliche Feſtung dar⸗ ger zeitfertig. auß machet ihre Wahren zu verſchlieſſen noͤtig/ das ſie ſo viel Platz nicht beduͤrfften wann ſie in lapan gleiche Freyheit als in andern daͤndern hetten/ nemlich in ihren Schiffen zulaſſen was nicht Platz in den Magazinen/ aber in Iapan weren ſie verbunden alles auszuladen/ ehe ſie einige Handlung vornehmen doͤrfften/ und daß ſie genoͤthiget wuͤrden ihre Schiffe wiederumb zuruck zuſchicken/ ſobald ſie von dem Subernatorn Befehl bekommen. Mit dieſer Verantwortung war er zufriedẽ/ und geſtattete ihnen ihren Bau. Ob ſie wohl dazu allein Hollander gebrauchten wurde er doch in kuri Der Umfang wahre auswendig an zu ſehen wie andere gemeine Wohnungen/ aber inwendig war es eine rechte Veſtung mit ſtrichwehren wohl ver ſehen und auffgeführet alſo das wal man die Einſchlieſung nidergeworffen/ konte ihre Bruck und die „Einfahrt des Hafens zu Nanaglaquf beſchügt worden welche eine ſonderbare Gattung ſo Bericht von lapan und von der Vrſache Sie ſahen ſich wol vor, Niemand in dieſen verborgenen geheimen Ort als Hollander ein zu laſſen damit ihr Vorhaben nicht endeckt wurde. Wie das Werck fertig war/ gab der præſident dem General nach Batta via davon Bericht und entbothe demselben mit den erſte Schiffen 8. Metallene Stuͤck/ in 1 Schrauben zuſammen gefügt und hernach Zech wie andere gewohnliche Stuck gebraucht ſond 2 N erbahtes. werdẽ koͤnnen/ in Faß lein gleich andern Wab⸗ Stück 0 ren wohl eingemacht nacher Kilma zu Über ſenden/ und anſtat der Boots Knechte das Schiff/ mit den tapferſten Soldaten ſo er haͤtte mit Schiffknechte Kleidung angethan zuverſehen/ umb das Contor oder eigendg 5 licher zu ſagen die newe Veſtung zu bewach⸗ Welche 4 4 en. Aber dieſe ſeine Krieges⸗Liſt gelunge nicht 15 10 0 Keyſer einen andern Gubernatorem nach an- vat a. wie er verhoſſte/ den damahlen ſchickte der aſaqui. zührte bey dem Haffen angelanget/ wurden etlichenach dem der Befehl von Hoff komen/ daſſelbe einzulaſſen/ ſolches zubeſichtigen geſchickt/ weil aber die neue Officierer welche wachtſamer als die andern/ oder welche zubeſtechen die Hollander nach nicht Zeit hatten; die Wahren umb daß ſie koͤnten nach Gewonheit abgewogen und gezehlet werden/ ausladen lieſſen/ fanden ſie im unterſten Thei des Schiffes dieſe Faßlein oder Tonnen die ſo ſchwer waren/ das man ſie nicht bewegen konte/ ſie lieſſen ſolchen von Stund an den Boden ausſtoſſen/ und funden die Stuck Als das Schiff welches dieſe Stück l/ welche zerleget waren/ deren ſie etliche dem Gubernator Überſchickten; derſelbe gabe davon alſobald Bericht nach Leddo der Preſident aber welcher ſich eben dazum ahlen daſelbſten befande/ wurde deſſen eylend durch die jemigen welche von ihme Beſtallung hatte benachrichtigt. Dieſer Mann welcher Scharf lib 0 0 ul ſinnig war eine Luͤge zu erfinden erdachte zur weiß, Stunde eine Liſt/ er gieng zum Keyſer vor, bringend er hette von ſeinen Oberheren befe bekommen ihme einige Stücke einer newen 5 findung ihres Lands/ die alſo komlich da man die groͤſten auf die unerſteiglichſten Ort tragen konte zuverehren; und daß ſie a gehalten daß ſie ihn/ mit nichts angenehme und nutzlichers als mit dieſem Prelent/ ihn wider ſeine Feinde Siegreich zumachen/ beſchencken koͤnten.. mit wohl benugt/ und entbotte dem Eube. an nator zu Nanganſa qui ihme dieſe Der Keyſer bezeugte daß 1 Stuck du ſchicken/ und den Hollaͤndern keine Daa, ung weder in ihrem Contor noch in Ver kalhfung ihrer Wahren anzuthun; nach dem er ſich ſo glücklich auß dieſer gefährlichen Sache gewickelt/ hatte er 05 ardem nsch 1 begehrte von dem General zu Battavia w 5 cher gleichfalß ein unruhiger und verwegn Mann war daß er zwey Schi ſolte/ alle See Kuſten lapans und fürnem ich welche den Goldadern nahe gelegen zu 50 gnolciren/ umb zu ſehen ob ncht gutle 150 ffaußrüſten. bull e 00 el1„ ale 0 10 1 il, le la daga der grauſamen Verfolgung wieder die Ghriſten/ in selbigen Juſuln 1 5 ſen für die ſicherheit der Schiffe und bequeal me Orther Schantzen auffzuwerffen zufinden Abnnnd die weren/ damit man der ungewiſheit des Ja. ſlelbem paniſchen Hoffs der eben ſo unbeſtändig alß l S0 daß Meer/ nicht mehr unterworfen ſein dürfte. Der General verſahe dieſe Schiffe mit außerleſenem Volcke/ mit Tapfferen Soldaten und guten Bootsknechten/ des gleichen auch mit Proviant fur zwey Jahr/ und allerhand nothwendigen Werckzeug zum graben und zum bauen. Einer von ſeinen ſieben Raͤthen wurde zum Haubt dieſes vornehmens erwehlet; Man ſagt dieſe zwey Schiffe haben die Kuͤſten lapans von Auffgang biß in den Mittag/ und von Mittag biß gegen Mitternacht durch lauffen und einen umbkreiß umb dieſe Inſulen biß an den 47. Grad der Mitternaͤchtiſchen breite gegen dem Land Veſſo gethan/ und eine Inſel gefunden/ welcher ſie den Nahmen der Staden Inſel gegeben hernach ein ander Land angetroffen/ ſo ſie das Land der Compagnie genennet/ welches von weiſſen Volcckeren mit langen Haaren in lapaniſcher Kleidung bewohnet geweſen/ ſie befunden daß es ein anſtoß mit Nilhan und Coree war/ und daß nach deme ſie lang Zeit auff dieſem Meer in der jrꝛe herumb geſchweifft ohne anderes vorhabens als etwas neues zuentdecken ſind ſie durch die Meerenge Sangaar, welche das Land Vello und lapan ſcheidet/ gefahren/ und langs derſelben Kuͤſten nach/ widerumb nach Auffgang kommen/ umb die Meerbuſen Aizu und Xendai, alda die Gold⸗ Adern feind/ zu entdecken. In dieſer gegend ergriff ſie in Augenſchein der Berge da die Gold. Wern ſich befinden( ein uberauß ſtarcker 1 Sturm/ welcher Fuͤnf ganzer Tag gewahret/ is das zweite dieſer Schiffe ſtrandete gegen b ein Geſtad/ und kam Niemand davon; daß erſte Schiff hielt ſich langer aber wie ſie am Vfer deß Landes von dannen man die Berge N Sataque ſihet/ ſchiffeten/ begunte der Sturm dag au, dich ſo hefſtig zuerheben/ daß das Schiffe . küchen auff dem Felſen zuſcheitern gieng. Von die, Wande em zweitem Schiffbruch wurde allein der 8 dmiral und 13. Perſohnen ſo an das Land kamen theils auff Brettern theils Schwimmend erꝛettet. Die an dem Geſtad wohnen, 100 ben lapaner lieffen von allen Orthen herwenligteg zu ſie zubeſehen/ und verwunderten ſich aur, Leuth anzufchauen deren ſprach ſie nicht verfſtunden/ nichts deſtoweniger nahmen ſie dielben mit genugſamer Leuthſeligkeit auff/ und erathſchlagten wie ſie ſich mit dieſen Fremben Volkern verhalten ſolten/ weilen in dem „Jantzen Reich allgemein Verbothen war ei. nigen Frembden Menſchen es ſey auch unter 10 che was für Vorwand es wolle auff zunehmen. enn deer Verſtändigſte unter ihnen ſagte man face des mute ſie zum Keyſer führen/ dieſer Vorſchlag N 5 von den andern allen gut geheiſſen/ und Vanden demnach den folgenden Tag auffführt ſo ungefehr 100. Meilen davon geIII. Theil Bericht von Iapan, Als der Keyſer derer ankunfft vernommen/ befahl er das man ſie wohl traetirn ſolte/ und Erſchiens für ließ ihnen ſagen daß er ſie bald ſehen wolte/ dem Reyſer. nach acht Tagen lieſſe er die ſelben holen und befragen auß welchem Land ſie weren/ und mit was für Vorſatz ſie alſo in ſeinen Meer herumb ſchweifften. Der Admira! der ein 2 35 Kluger Mann tvar wie er hernach erweiſen/ Kluges vorantwortete er ſey ein Hollander/ und hette bringen des von Jugend auf die Waffen für ſein Vat⸗ nale, terland getragen/ daß er zu der Zeit da daß Ungluͤck oder vielmehr ſeine eigene Ehre/ ihn darauß vertreiben; tauſend Pferd und 2000. zu Fuß Commandieret; Ich war/ ſagte er/ einer der Vornembſten der Armee und durch meine gutte Dienſte erlangte ich groſſen Ruhm. Der Furſt welcher unſer Haubt hatte zu mir ein gutes Vertrauen/ einer ſeiner Verwanten deßwegen Eyfernd/ ware nicht begnügt bey demſelben mich zuverkleinern ſondern ſuchte alle Augenblick anlaß zu Zancken/ ich bekenne das wann ich die verwandſchafft nicht angeſehen hette/ ich ſolches ſolange nicht gelitten. Aber er mißbrauchte meiner Gedult endlich der geſtalt/ und bewieſe mir eine ſolche hochempfindliche Schmach/ das ich wieder ihn zum Degen zugreiffen gezwungen wurde/ ſein und mein Ungluͤck wolte das ich denſelben in dem erſten Streich erlegte/ meine Freunde waren mir zur Flucht behuͤlfflich und verſteckten mich etliche Tage lang/ des Fuͤrſten Zorn zu vermeiden/ der war aber ſo hefftig das ſie mir riehten ich ſolte mich auff etliche Jahr davon machen. Damit nun dis mein Elend ertraͤglicher were/ und ich meinen Vatterland nichts deſtoweniger dienen koͤnte/ baht ich meine Eltern mir zwey Schiffe/ um die SeeRäuber welche die Indiamiſche Handlung verhindern/ zu bekriegen/ fur mich außruͤſten zulaſſen. Ich habe ſie ein gantzes Jahr lang in die Flucht geſchlagen/ vor weniger zeit ergriff uns ein Sturm mit ſolchem gewalt das wir keine ſichere Fahrt haben konten und meine Schiffer welche in der Orientaliſche See wenig erfahren/ wuſten den Ort da wir waren nicht zu erkennen/ ein neues Ungewitter viel ſtaͤrcker als das Erſte/ uber fiele uns alſo das wir uns dem Wind ergeben muſten der uns endlich an die Kuſten beines Reichs getrieben/ allda wir ſchiffbruch erlitten und ſeynd von 4 Mann 14 glücklich in ſolcher widerwer tigkeit in das Land eines maͤchtigen und großmuͤtigen Fuͤrſten/ welcher verhoffentlich Erbarmung über unſer ungluͤck 1. und 8 wotebn Wie der Dolmetſch diſe erzehlung de Keyſer D. ausgelegt/ hatte er und alle Herren 1 5 0 dad Hoff mmikleyden/ und beſchauten mit vervun⸗ ſemem genen derung diſes fremden Hertzhafftigkeit und gu⸗ Hoffe mitier tes Anſehen. Der Keyſer thate ſhme und alle den träge den ſeinigen groſſe Verehrungen/ und befahl! das man ſie nach Kims auff das Holland⸗ nr chm iſche Contor ſo 25. oder 30. Tag, Reise von u. Neddo, führen; und auff der Reiſe wol TraC ctieren % Brlamrcht von lapan und von der Brache ktiern ſolte. Sie bleiben daſſelbſten 4. Monat der Schiffe welche Jahrlich von Battavia in Iapan fuhren erwartend; und alſo hatte der Admiral gutte Zeit den Preſidenten der Lander die er entdecket/ und deſſen ſo ſich in ihrem Schifforuch zugetragen/ zuberichten. Eines Tags da er die Rede welche er an den Keyſer gethan erzeblete und der Preſident ſich uber den fertigen verſtand ſo der Admiral hatte/ nemlich daß er von Stund an eine ſo glaͤublich Begebenheit erdencken Der Betrug koͤnnen erfreuete/ hoͤrte ein lapaniſcher Knecht 1 5 1 15 ſer der in des Prelidenten dienſten war/ ohne daß ane zunge derſelbige es merckte/ zu. Die Holländische enkdeckt. Kauffleuth in Iapan haben im Gebrauch bey ihrer Ankunft daſelbſten Japaniſche Knaben in dienſt zunehmen ſie die niderlandiſche ſprach zu lehren damit ſie ſelbige für Dolmetſchen in ihrer Handlung gebrauchen koͤnnen. Der Præſident und der Admiral hatten den ſelben Tag der behutſamkeit welche in fremden landen erfordert wird vergeſſen/ und redeten vor jhren Leuthen all zu frech. Etliche Monat hernach/ wurde diſer Knecht von dem Prælidenten welcher ein ſtrenger Mann war uͤbel tractiert.die Japaner/ und fürnemlich das gemeine Volck ſeind ſtoltz und rachgierig/ diſer nun das übel kractament ſo er von ſeinem Herren empfangen zuraͤchen/ gieng zum GEubernator zu Nangaſaqui, und ſagte jhme alles was er von dem Geſpraͤch gehoͤrt hatte; der Gubernator befande diſes Vorbringen wichtig genug um ſolches nach Hofe zu berichten; der Keyſer war über ſolchen Betrug dergeſtalten erzuͤrnet/ daß er alſobald dem Gubernator gebotten den Admiral und alle die ſeinigen in verhafft zunehmen/ und ſelbige unter guter Welcher uͤbel Convoy nach Leddo zuſchicken darneben veraußzuſchlage petend kein hollaͤndiſches Schiff in den Haſcheinet, fen einzulaſſen bis daß er diſer ſachen halben den rechten Bericht erfahren diſer befehl ware nicht ſo geheim daß des Preſidenten Freunde deſſen nicht weren benachrichtiget worden/ und ob dieſelbigeu zwar die eigentliche Urſach diſer veränderung nicht erfahren konten/ ſo entbot ten ſie doch jhme noch zu rechter Zeit den Admiral fortzuſchaffen/ daß derſelbe vor Ankunfft des befehls zu Nangaſaque nach Bar tavia abſeglen koͤnte⸗Acht tage hernach kamen 3 Hollaͤndiſche Schiff/ zu kilma an/ da den der Gubernator ihnen verbohte niemand aus Land zulaſſen/ der Preſident thate als ob er über diſes Verbot ſehr beſtuͤrtzt ware/ begert derohalben von dem Gubernator die Vrſach zuwiſſen der antwortete ihme/ dem Keyſer ſeind euere Schalckheiten geoffenbahret/ ihr habt von mir keine Freundlichkeit mehr zuhoffen ich habe die Ankunfft ewerer 3 Schiffe nach Hoff berichtet/ und werde den Beſehl ſo mir von dar zukommen wird vollſtreken/ der Prelident zweifelte nunmehr nicht das deß Admirals falſches vorbringen entdeckt/ aber er konte nicht argwohnen wie ſolches auskommen/ ſein Japaner machte ſich von ihm weg; da kam jhme zu Sinn daß er denſelben ubel were er keines wegs verbunden. Die tractieret/ und aus dem was darauff erfolgt konte er den Urheber des Ubels gnugſam erkennen/ auch der Befehl ſo von Hof kam gab ihme alles vollends klaͤrlich zuverſtehe. Derſelbe Befehl lautete daß der Gubernator zur ſtun⸗ nd ge de die 3. Hollaͤndiſche Schiff ohne zu geſtat⸗dem Ang ten das einige Leuthe oder Wahren ans Land enen e kamen/ zurück ſchiken und dem brelidenten an⸗ liche afl zeigen ſolte/ daß der Keyſer vernommen/ das ing ale ſein Admiral ein Betrieger und Kundſchaff⸗ Holl ter ſey; daß er demſelden ſeinen verdienten antini Lohn geben/ und dafern man ihn mit erſtem gutem Winde nicht widerum zuruck ſchicken wurde/ wolte er alle die ſeiner Nation toͤdten und ihre Wahren ins Meer werffen laſſen. Als der Admiral zu Batavia wider ankommen redete ein jeder unterſchiedlich von dem Außgang ſeiner Reiſe/ der General ware uber den Verluſt ſeiner Schiffe bekuͤmmeret/ aber noch vielmehr daß der Admiral in dem merbuſen Pandai, um die Gold⸗Adern welche groſſem Bberfluß dem Lande Japon und groſſe reichthuͤmer geben/ genauer zuentdecke/ nicht ans Land kommen koͤnnen; die verſtaͤndigſten des Rahts befürchteten des Admirals unwarhafftes vorbringen mochte offenbaren und der Keyſer uͤber diſen Betrug wider ſie dergeſtalten erzuͤrnet werden; das es ihnen endlich wie den borrugieſen gehen doͤrffte. Und zwar ihre Frucht war nicht umſonſt/ den durch die Zuruͤck⸗kunfft der vorbemelten dreh Schiffen/ vernahmen ſie die Gefahr in deren ihre gantze Nation in ſelbigem lande ſteckten dafern ſie den Admiral nicht ohne Verzug zu Der rüͤk ſchikten. gewohnlich; 0 Der Raht verſamlete ſich um ag geln n ſo wichtige 18 zu⸗ bee ampte ſich fuͤn Burger zu Batavia auf- fe nehmen laſſen/ gehen ſie nicht mehr in den Raht aber diſes mal wurde diſes geſetz überſchritten und wurden nit allein die alten Beambten ſondern auch die Vornemſten Bur ger der Stadt/ zu diſer Sach erfordert/ all waren der meinung den Admiral wider zuruͤk zuſchiken/ und ſagten das in dergleichen begebenheiten einer allein ſterben ſolte/ dank das gantze Volk erꝛettet wurde. 4„Welche Der Admiral ward diſes Schluſſes beric wider e tet/ und widerſprache offentlich dem Gee fie. und der Unbillchkeit ſo man ihme ant 1 wolte/ vorwendend er were micht ihr ſonder de. Republic von Holland((welche allein über 1255 Leben und Tod Macht haͤtten)geborne en derthan derſelben zu dienſte wolle er ſein Leben tauſend mahl dargeben aber für die welche 15 einer particulier Handlung intreſſiert, ſich 6 N ſo aufopffern und dem Lod entgegen zug h ger nahmen ſeine Partey an und machten da,(, auß einen Religions Punct/ das geweme pf ah empörte ſich wider den General und die O eee ag ruhr begunte überhand zunehmen bis die. zeſllche ficierer der See/ welche in der Reede wal nun mit ihren Soldaten ans Land kamen unden Volck zurück triben/ die ſchwuͤrigſten W tog dime mc 0d s aol 1 abel Igel 1 K. 1 f der grauſamen Verfolgung wieder die Ehriſten/ in ſelbigen Inſuln. 9 angehalten/ und wurde endlich durch vermitlung eines Predigers welcher mit ſeinem angenehmen zuſprechen den Admiral; in die Rahtserkantnüß einzuwilligen und hie durch den Tumult zuſtillen/ beredete; die Sach gutlich beygelegt. Er verſprach darauf widerum in Iapan zu kehren/ dafern man jhm zu diſer Reiſe alles ſo er nicht nur fuͤr ſeine Belohnung ſondern auch die fremde Perſohn ſo eber vorſtellen wolte zu unterhalten/ begehren du wurde/ verſchaffen wolte. Mehr peng Darauf forderte er ſo bald zwey Schiff F prächtig außgerüͤſtet/ einen cowitat von 50. außerleſenen Mannern derer ein jeder dreyerley Kleidung von dem allerköſtlichſten Zeug ſo zufinden/ 50. Tauſend Cronen fuͤr ſein Reiſe/ ein Credentz⸗Tiſch von Gold und Silber geſchirꝛ und die uͤbrige ruͤſtung nach proAmen, portion, und das alle die jenigen die jhn N Ame begleiten wurden/ denſelben als eine Perſohn aui von hohem Stand ehren ſolten. Man verde dchlag ſprach diß alles und ein jeder gab etliche Stück fbi diſem Credentz⸗ Tisch denſeldigen deſto köſt, a Adu licher zumachen. Der Admital fuhr von Battavia ab/ und kam gluͤcklichen zu Nangaſaqui an; der Guernator verwunderte ſich uͤber diſe zwey ſchoͤr ne Schiff wohlerachtende das es keine kaufflösen ſchiffe weren/ und ſchickte ſelbige hin zubeſichſalge an tige /aber noch mehr war er verwundert als ung el er vernommen das es der Admital ſeh. Er ſandte von ſtund an nach Leddo, dem Keyſer ſolches/ und das der Admiral mit groſſem Pomp und Pracht widerkommen zu wiſſen zuthun. Der Preſident ſchickte auff ſeiner ſeiien auch hin/ um eine freundliche auffnehmung zuerlangen und ſeine freunde zubitten/ dem Keyſer vorzubringen das eine Stands erſohn/ die wegen einer heroiſchen That ſich ron jhrem Vaterland entfernt/ welche ſo bald nicht; wie falſch ſelbe bey jhme angeklagt worden vernommen; das ſie widerum kommen jhre unſchuld zu rechfertigen/ der Gubernator des Befelchs von Hoff erwartende lieſe unter deſſen nach gewohnheit alle Segel 0 und ſteurzuder der Schiffe/ mit verbot das kg kein Menſch auffs land ſteigen ſolte zuruck „ag de bringen/ entlich erſchiene die ordre/ lautend klkgle Laß der Admiral und ſein comitat mit jhren kothwendigen ſachen/ in der Statt angenomwen nach Leddo, geführt und in allen orten 0 10 da ſie durch pasſieren auff das beſte traetiert werden ſolten. Der Pretdent begleitete den Admital auff diſer Reiſe/ demſelben mit ſeinem/ Raht und Gunſt ſeiner freunde deſto beſger behülflich zu ſein. Ihr Einzug war herz, ich; und die koſtlichkeit jhter Kleidung verurſachte den Zulauff diſer völcker/ welche neuer achen groſſe liebhaber ſeind/ von allen orten; as geſchrey kame biß nacher Hoff; gleichwohl wolte der Kehſer ſie auff den Tag da le begehrt nicht zur audientz laſſen. des wen Monat giengen vorteh⸗ in wehren5 zeit hielte der Admital offene Tafel und plegelte ſeinen Reichthum vor den lapanern, weil er arfßonig und alles zurrlehrnen III. Theil Bericht von Iapan. tuͤchtigwar; lieſſe er ſich in der lapaniſchen ſprach unterzichten obwohl ſolche ſehr ſchwer; Er bekommet konte er nichtdeſtoweniger bereits viel Wort Audient verſtehen/ als ihm enkbotten wurde fur den Keyſer zukommen; denſelben Tag kleidete er ſich koͤſtlicher als bey ſeinem Einzug/ und ein gleiches thaten auch ſeine Diener der Keyſer g ſchiene Anfangs ſehr erzuͤrnet/ zu jyme ſpre, und anfangs chende ich vernehme das du ein Betrüger unannemliche und Verzaͤhter/ von einem unbekandten Ge. Worte. ſchlecht bit/ und das du kommen meine Laͤnder und Regierung außzuſpehen: und als ein ſolcher ſollſt du auch nach deinem Verdienſt geſtrafft werden. 3 Als der Dolmetſch des Keyſers Rede auß, Seine Vergelegt; erſchrack darüber der Admiral gar antwortung nicht/ londern antwortete; Großmaͤchtige: R kluge Her? ein Fürſt deines gleichen/ ſoll allezeit den un gluͤckſeligen gutig ſein/ und dieſelben nicht mehr quelen/ das ungluͤck welches mich verfolgt hat nichts grauſamers als die falſche Anklagz damit man mich bey dir ſtinkend machen wolte/ wider mich erwekt; daͤſſelbe hat mich auß meinem Vatterland vertriben/ und an ein ander End der Welt auff unbekante Küuͤſten werffen aber mir niemals eingeben koͤnnẽ/ etwas meiner hohen Geburt unanſtaͤndiges vorzunehmen dis iſt dz zweyte mahl das ich in dein Reich kom̃e/ das erſte geſchach durch einen Schiffbruch das andere dir zugehorſamen/ das eine hab allein die Wind verurſacht/ das andere verthaͤbigt meine unſchuld/ wann ich der Vbelthat derer man mich falſch angeklagt ſchuldig were; wolte ich nit ſo weit he deinem Gewalt mich zu untergeben kommer ſein/ aber Großmaͤchtiger Herz/ meine Anklager haben einen Vortheil/ der mir manglet/ ſie reden deine ſprach ich bin deren unerfahin und kan dir alſo meine verantwortung nicht zuverſtehen geben/ vergoͤnne mir 8. Monat zeit um ſelbige zulehrnen/ nach verflieſſung deren wann du mir die Gnad erzeigeſt/ mich anzuhoͤren/ wird es mir unſchwar fallen diſe Verluͤmder zuſchanden zumachen und allem ein Genuͤgen zuthun. 2 Der Keyſer wurde uͤber diſer antwort/ fuͤnnemlich aber das er nur 6 Monat zeit begert Welche ihr die Iapaniſche Sprach zuerlehrnen/ beydes gegeben wird verwundert und zu mitleiden bewegt/ und ſagte ich vergoͤnne dir diſe zeit; und es iſt billich das ein Beklagter ſich ſelbſten zuverantworten wiſſe/ ich wil dir nicht allein diſen ter⸗ Der Kamil min erlauben/ ſondern auch verſchaffen daß erzernet die du wo du hin zugehen begehreſt/ auch ehrlich Sprach. gehalten werdeſt. Der Admital bediente ſich diſer Erlaubnuͤß mit groſſer FJuͤrſichtigkeit/ und machte ſich durch ſeine fuͤrtrefliche Art und nen 5 85 Herzen des Hofs beliebt/ er erlernte die Sprach unglaublich u. 1 leicht/ der Keyſer lieſſe denſelben offt fordern ſch aneh far ihn von unſerm Europa, die eigenſchafften der geſprach ſo Lande die Sitten/ die unterſchiedliche weiſe beliebt. der Regierung/ die groͤſſe der Koͤnigreiche/ den Reichthum/ Gewalt/ und fuͤrnemlich ihre Manier den Krieg zuführen/ betreffend/ zubefragen/ der Admiral gab jhme auff alles o 55 begert zeil ie Iapaniſche Sprach zu e. lehrnen. 20 guten Beſcheid; das diſer Fürſt ein ſonderſer der gefaß⸗ ahres Gefallen von ſeinem Geſpraͤch hatte/ ken Einbil. inſuma er erlangte bey dem Keyſer eine ſoldung vergiſſet che Vertrauligkeit und Gunſt das derſelbige und den An⸗ nicht allein aller boͤſen Einbildungen ſo verurlager 190 ſacht worden/ ver gaß/ ſondern auch den lapabringen läßt. ner der ihn angeklagt/ als einen falſchen Zeugen und Laͤſterer zum Tod verurtheilen lieſe. Der admiral nach dem er ſich ſo glůͤcklich auß diſemUngluͤk geſchwungen/ hielte fur weißlich zuſeyn/ ſich mit Reputation widerum fortzumachen er nahme zu dem Ende von dem Keyſer welcher ihn mit Ehrerbietung und Geſchenken uͤberſchuͤttete/ ſeinen Abſcheid; die Hoffleuth ſamtlich waren uber ſeiner Abreiſe betrübt/ er wurde bis nach Nangalaqui begleitet und herꝛlich beſchenket/ von dar ſegelte er in wenig tagen ab und kame zubattavia glücklich widerum an Das Volck lieffe in groſſer Menge in den Hafen; ihn außſteiwundert und gen zuſehen/ er erzehlete mit wenig Worten ſeine tugend den Außgang ſeiner Reiſe die einen lobten und dienſte deſſen Verſtad und Hertzhafftigkeit/ die andern ruͤhmet. preiſen ſeine der Compagui und gantzen NaN tion ſo treu geleiſte Dienſte der Raht ſelbſten empfieng ihne mit Ruhm und uͤberlieſſe dem ſelben fur eine Verehrung alles Silbergeſchir: ſo er mitgebracht. Kurtz hernach begab er ſich nach Amſterdam/ und ſo bald er in dem Haag ankom̃en/ legte er vor den Herren Staden wider die Orientaliſche Compagni ein Supplication ein/ einen Abtrag der an an ihme durch dero Beambten veruͤbten Gewalt/ ihn widrum in lapan zuſchicken zuerhalten/ die Sach wurde berathſchlaget und endlichen die Compagni zu groſſem Koſten und Schaden verurtheilt Wann die General Staden die Verwaltung dieſer Compagnie beſſer beobachteten/ und verhinderten daſſelbige nit ohnvermerkt einesouverennitaͤt von ihnen nicht dependierend anſtelleten wuͤrde groſſem Vbel geſteuret/ und die Regierung jhres freyen Stands in Europa den man fuͤr eino Muſter der Klůgſten politic vorſtellen kan/ nicht alſo wie jetzmahlen in Indien da die Beamten viel Vnordnung an trrluichten in einem ſo uͤblen Geſchrey ſein. Der Pede. Der Prelident auff ſeiner ſeiten wurde verwil nicht laͤn⸗ drüßlich alſo beſtaͤndig auff einem Contor zuger in Iapan bleiben wiewohl er ſeinen nutzen trefflich finkleben. den konte/ der Ehrgeitz verleitete denſelben anderſtwohin; und vermeinte genugſame Dienſte gethan zuhaben; zu einer hoͤhern Stell befoͤrdert zu werden; ſeine Gegenwart in Iapan tpare nun nicht mehr ſo noͤhtig/ in dem der Gewerb daſelbſten in den Stand wie er gewunſchet/ gebracht war/ und die Holländer hatten wurcklich damahlen bey nahe den gantzen Handel in Orient in haͤnden/ und hielten auff derſelben See eine unzehlbare Menge Kaufftwardey Schiffe den Auſſer dem ſo hievor gemeldet haben ſie den Engellaͤndern unrechtmaͤffiger Weis und uud durch eine gleiche verꝛaͤhterey deren ſie ſich bey Vberwaͤltigung der Inſul kormoſa Das der Key. Seine abreiſe von Leddo. Und gluͤckliche Ankunfft zu Battavia. Daruͤber ſich jederman verSeine Ankunft zu Amſterdam. Alwo er der Indianiſchen Compagnie abgeordnete verklaget. 1 Bericht von lapa n und von der Vrſache 1 bedient; die Inſul Ambione, weggenommen; e diſe Irſul brachte damahlen ſo died Mage, ace lein das ſie faſt ale Orth der Welt damit ber⸗ 5 Engel ſehen koͤnten/ und ſolche theurer in indien n wehkeund Europe zumachen/ haben ſie alle Naͤge nommen. lin Baͤume in Ternate außgeriſſen ſie beſaſſen die Inſul Banda, welche Mußcatun und Muͤßcaten⸗Bluht herfür bringt. Sie hatten die Engellaͤnder auß Pauleron, un die Spanier und Portugieſen auß den Mo⸗ Rache jucquiſchen Inſulen verjagt/ und hatten zu an gl Moilo, den von Manilhe vollend zu grund ide e zurichten widerum ſich nidergelaſſen/ und an Baton unter Vorwand dem Konig derſelben Inſul huͤlff zu thun/ mit Liſt weggenommen. Die Inſuln Celebes, Ternate un Lidor waren ihnen zins bar/ und der Konig der Inſul Madacaſcar als er mit ihnen einen Bund machte; wurde gleichſam ihr Sclav/ und verbannete die Porrugieſen auß ſeinem Koͤnigreich. Zu Timor, darauß ſie die For tugieſen verjagt hielten ſie eine Beſatzun g. Die Koͤnige von Maturan und von Bentam Gul g kündigten einander den Krieg an; und damit gang Ee ſie von den Hollaͤndern Huͤlffe hatten/ ver⸗ lä 11 ſchaffeten ſie einader zu Trutz eine 10 men doch, ge Reis nach Battavia. Durch Mittel ihrer ru auffgerichteten Kauffhäuſer in der groſſen Inſul Sumarra, hatten ſie allein die PfefſensHandlung in allen Occidentaliſchen Kuͤſten dieſer Inſul und die Unterthanen des Konigs von Aachen brachten ihnen Gold ſtüͤckek darvon die Beambten der Compagnie o icht gar gewichtig groſſen Nuungeſund daß ſelbſten nicht lang Leben konten. Sie haben auch den Portugieſen Rab Malaca, da durch ſie der halb Inſul und haßt hiemit des Gewerbs in Tenacerin, v Meiſter worden weggenommen. Die Naa berey ſo dieſelben in den Kuſten des Konig, reichs Siam dieſen Voͤlckern dem Handel in lapan und allen andern Inſulen zuverhinact e ſie dase 1 e 1 macht/ ſie wolten zu Ligor eine„ bauen laſſen die Zin⸗Adern in ihren Gewalt Geha da zubringen/ und den Engellaͤndern den Nu ihre e tzen von dem ſo ſelbiges auß ihrem Lau; gap brachten zuentziehen/ weil in Indien deſſen bes an keinem andern Orth zufinden/ aber na 15 dem der Raja ſie das erſte mahl darauß jagt/ hat er jhr zweites Vorhaben in deals das Land unter Waſſer geſetzt/ gleichfa, zu nichte gemacht nichts deſtoweniger fc 5 age 15 ſch uch ich heey! werd, 4 ſen ſie ſich widerum daſelbſt nider wie aul o et/ gezwungen/ mit i der 5 ret/ gezwungen/ mit ihnen wegen wc chen; den die Specerey ſo ſie in ihren Tuch und andern Wahren welche Tunquin, und worden die Sangley er i 45 durch die Hollaͤndiſchen Seeraͤuber bei ndlung der Philipponen Inſuln ſich zu 0 gebracht/ ver urſachte taglich das diſe Leue ihre Freundſchafft ſuchten/ 9 Küuͤſten Coromandel und in die Kon begu, und Bengale führten/ belieff ſ t 1 vu 15 C F. der grauſamen Verfolgung wieder bie Ehriſten/ in ſelbigen Inſuln. 2. lich faſt auff drey Millionen fuͤnff haubt Pla. tze ſo ſie den Portugieſen in der Juſul Ceylam weggenommen waren eine ihrer nutzlichſten Auſtellungen und obwohl der Widerſtand des Königs diſer Inſul welcher ſehr maͤchtig iſt/ weit in das Land hinein zu dringen ihnen hinderlich geweſen/ ſo haben ſie dannoch ſich aller Kuͤſten auderer Natio, nen die Handlung dahin zuverhindern bemachtiget; und ſie allein ſamlen bey nahe allen Zimmet; dieweil biſer Fuͤrſt wider den ſie lange Zeit gekriegt/ umb diſe Specerezuverwahren und einzuſamlen/ ſelbe nicht mehr angreiſſen doͤrffte. In den Kuͤſten Malabar allda das Erdreich lieblich und frucht, bar/ hatten ſie den Portugieſen die beruͤmbte Statt Cochin neben andern drey Statten ſo der Handlung zu Goa ſehr hinderlich/ weg genommen; und mit den Voͤlkern des Lands einen Vertrag gemacht/ durch welchen diſe ſich verbunden jhren Pfeffer allein der Compagnie zuverkauffen/ dann derſelben groſſes verlangen iſt/ vollend zu Grund zurichten was die Portugieſen in Orient noch uͤbrig haben; die ober Cammer in Surate und die Contor von Amadabat und Agra hatten auß Indoſtan und Guſerate einen groſſen Gewinn. Der Einkauff der Perſiſchen Seiden brachte jhnen zu Gaumeron und Hispahan, nicht ſo groſſen Nutzen/ dieweilen der Koͤnig ſie zwunge ſelbe in einen beſtimten Preis dabey ſie jhre Rechnung nicht funden anzunemmen. Sie hatten jhre Kammern in Mocha und Baſſara bey nahe eine zeitlang verlaſſen/ aber in dem Vorgeburg Boneſpei ſich wohl eingerichtet/ und obwohl dieſelbigen in verkundſchafftung des Landes nur ein duͤrzes Erdreich darauß ſie einig Gold im Sand und Vieh vermitleſt der Handlung mit den Wilden bekommen/ gefunden haben/ ſo iſt Ihnen doch daſſelbe für die Niderlag und erfriſchung ihrer Schiffen/ welches alſo nothwendig in diſer gegend iſt/ das ohne ſolches aſt unmuͤglich were einen beſtaͤndigen Handel für Europa in Indien anzuſtellen/ fehr bequem geweſen. 6 Damahlen unterhielte die Compagnie 140. außgeruſtete Schiffe/ bald zu dem Krieg/ bald zu den Wahren/ mit Geſchutz und allerley Munition wohl verſehen/ und die uͤber boo. Mann ſo wohl Soldaten als Bootsknecht fuhrten. Eine ſolche Macht/ dafür alle Volker in Orient ſich fͤrchten aufzurichten/ haben die handels conlorten in 38. Jah ren keinen Gewinn getheilt ſondern alles für as künfftige zuſamen gelegt/ bis das voͤllige undament darau ſie hernach gebauet/ gelegt worden; Batravia ware gleich ſam der Kern alles des jenigen ſo ſie von dem was von den ortugieſen übergebliben/ erobern/ es konte 5 hes ein groſſes Königreich machen wann 15 Orth nicht hin und wider zertheilt legen wide groſſen Unkoͤſten ſo zu Außrüſt. Beb ehr und Beſatzung erfordert weꝛden die Einunfften nicht mercklich verꝛingerten. Viel leicht tvird diſe Compagnie einmahl mit jhrer groſſen Heriligkeſt und alzu weiter Außbreitung der Landen deren ſie ſich bemächtigen wollen/ den Untergang finden. Einer von ihren Kluͤgſten Generalen hat mir gar oſſt geſagt/ Wir haben nur allzuviel der HolünFeſtungen/ es were nt Capo bond dichen e pagni groſte ſpæi und Battavia wohl gelegenen ſchler zulaſter Contor gute Schiffen und treuen w inden leuthen uns dienen genug. Gewis iſt das jhre Beamte ſie ungeſcheut berauben und machen jhren Gewerb und Herꝛſchafft in ludien durch den Geitz und Ungerechtigkeit ſehr verhaſt aber wofuͤr ſie ſich am meiſten fuͤrchken ſoften/ iſt die Verachtung des Chriſtlichen Glaubens und die unmenſchlichkeit ſo ſie toider die Selaven verüben/ mit denen ſie ihren Gewerb ohne einigen Unter icht im Chriſtlichen Glauben gehen als ob es unvernunfftige Thier weren/ kreiben; hierinn der Barbariſchen Meinung der Hiſpanier nachfol; gend; Das Gott mit ſeinem Blut diane a die Seelen der Indianer nicht er⸗ licke. kaufft/ und das zwiſchen denſelbigẽ und den geringſten Unvernuͤnfftigen Thieren kein Unterſcheid zumachen/ dann es iſt in Warheit ein Abſcheuliches verhalten an den Chriſten/ daß ſte burch ihre grauſamkeit das Chriſtenthum in Haß bringen/ ja ſolches vertilgen/ un deſſelben Untergang an den jenigen Orthen da es begunte herfuͤr zukommen/ mit jhrer Anſtalt ſich zu Nutz zumachen/ und oſſentlich beweiſen daß man keiner anderer Religion als dem Eygen⸗Nutz und Wucher zugethan ſey. Der Preſident von welchem ſo offt Meldung in diſer Beſchreibung geſchehen hat denckwuͤrdige Exempel gegeben/ die ſeine Compagnie mit der Zeit empfinden wird und es iſt ein wunder daß der groſſe Verluſt ſo die Ocgidentaliſche Compagni auf die ſie ein ſo groſſen Eyfer hal/ in Bralllien und andern Orthen erlitten/ jhr die Warheit nicht zuerkennen gegeben; dam es iſt gewiß daß die/ durch ihre Leuth daſelbſten veruͤbte Tyranney und Rauberey eine Urſach geweſen daß ihr Stand welcher in ſolchem Flor als diſer nunmehr war/ gantz abgenommen. Man hat mit kund gethan daß anno 1664.. die auß gaben der Hollander/ in Orient ins Beſchreibung gemein bey zehen Millionen jahrlich; die des ganzen Schiffbruch Schaden in Verlust der Schif⸗ Poland fe und abütwimung der Wahren nicht ge, Ogtindianthach/ ſieh betragen haben/ und das die ſtär, ſchen Com, keſten Ladungen für Europa und Alia ſich Paggie. nicht auff te. Millionen belauffen/ ja manches jahr ſind dieſelben wohl geringer; alſo das die Außgaben die Einnahm weit übertreffen aber ſie halt ſolches vor dem Volck und ihren eigenen Handels genoſſen mit ſonderbahrem fleis in geheim/ und offt geſchicht die Ciij Auß » Bcericht von lapan und von der Brſache/ z. Außtheilung ihres Gewins nur in Wahren/ deren ſie groſſe Magazin voll uon langer Zeit zuſamen gehauffet da dann deren Preis nach ihrem belieben alſo geſtelt wird damit der Gewin deſto groͤſſer ſcheine. Nichts deſtoweniger iſt ihre Beſtandigkeit und Großmuͤhtigkeit verwunderns wuͤrdig; dann was iſt wunderſamers e Als zuſehen das eine geringe Anzahl Kauffleuht Anfangs dem Schein nach nur um eine geringe Handlung ſich zuſamen gethan/ in folgender Zeit/ in ſo weit entlegenen andern zukriegen/ ſo viel Furſten/ und Nationen anzugreifen/ ſo viel oͤrter mit voͤlkern zubeſetzen/ ſo viel Staͤtte und Veſtungen zubelägern/ und inſumma ſtarcke Armeen mit üͤberſchwenklichen Koſten ſo auch den maͤchtigſten Haͤuptern zuſchaffen geben konten/ zuunterhalten/ unterſtehen doͤrfften. Die Hollaͤndiſche Compagnie in den Orientaliſchen Indien genoß dazumahl diſe groſſe Gluͤckſeligkeit; welche in warheit alzu groß ſchiene das ſie allein durch particular Perſohnen konte unterhalten/ und unangeſehen der Mißgunſt allezeit von dero Haͤubtern indieſem Stand geduldet werden wiewohl ſie von derſelben in des gemeinen Weſens angelegenheit groſſe Hulff haben konten; dann es iſt ein abſonderlicher und independierender Stand welcher in dem gemeinen Weſen ſelbſten ſeinen Urſprung genommen/ deme/ deſſen Macht verdaͤchtig ſein und das Exempel der Republic Genua, welche von der Compagnie S. Gcorg ruiniert worden/ zu einer Warnung dienen ſolte; gleichwohl hat diſer Staat ſolches nicht betrachtet/ in dem derſelbe nicht allein alles was die Com pagnĩe vorgenomen/ mit ſeinem Anſehen beſtaͤtiget und gelitten daß jhre eigene Underthanen ihnen ein Geſetz gaben/ und darneben ſich ruhlen ein anderer ihm vorkam; er bekuͤmmerte ein e f uc n e Hola melen ein gleiches allen Nationen in Orient Der Hel auffzulegen. In einem ſolchen Stand ware 1 5 gehe das gemeine Weſen zu der Zeit da der Preſi- gachbattadie dent welcher die eigentliche Urſache diſer Beſchreibung iſt/ auß lapan nacher Batavia uinb daſelſten die Verwaltung des Oberambts/ uber ſich zunemmen beruffen wurde/ er brachte groß Reichthum dahin und ließ viel praͤchtige Häuſer in der Stad bauen/ ſeine Authoritet war daſelbſten groß aber nach ſeiner Gewohnheit verfuhr er gar ſtrenge/ bey den ul Beambten und der Burgerſchafft war er Komm. ſehr verhaßt/ jedoch hielte er ſich der Generals Amſten e Stell wann ſelbe ledig ſein wurde/ verſichert/ Nine wbt Dient ei fomt die, un Selle 6 Oberambitaber ſeine Hoffnung war umſonſt/ ſintemahſich hierüber ſehr/ kaum widerum nach Amſterdam alda er eine zeitlang in zimlicher Ruhe zubrachte/ endlichen aber verleitete ihn ſein unruͤhig Bemuͤht und der Ehrgeitz neue Händel anzuſtellen/ und wegen des Spots ſo er ſagte der jhm wider fahren ſich zu ra hen/ oder villeicht mit Verſtand ſeiner Oberkeit/ das Vorhaben ſo ihnen Veidaͤchtig war zu hindert reiben; aber dem ſey wie im wolle/ er, au nahm Dienſt auſſerthalb ſeines Landes/ und 3e kehrte widerum in Indien/ aber ſein Vorha⸗ uud wu ben/ ware nicht glücklich für die welchen er dic⸗ endich nete/ da ſie wohl wuͤrdig geweſen weren weg das man ihnen beſſer gedienet/ er raubte vel/ E verurſachte groſſe Ungelegenheit in jhren Geſchaͤfften/ und gienge endlichen wie droben gemeld ſamt ſeinem Gelt uud Kleinodien vor Lisbone, jaͤmmerlich zu Grund/ alda alles Volck eine algemeine Freude wegen ſeines Tods bezeugte. 2— 2 5 Beſchreibung Deſſen Paß ſich in der Veruchtung der abgeordneten welche 2 in perſien und Indien geweſen: ſo wohl den Kön als die Frantzöſiſche Compagnie betreffend/ wegen auffrichtung einer Handelſchafft zugetragen. Ch habe mir . h furgeſetzt die ſahen welche ich in 0 2 Jieſer 1 bung dem Leſer Os fur Augen zu legen gedencke/ gee geſtalt wie ich ſie i elbſt geſehen fur du bringen/ ſo wird darauß erhellen/ wie/ ſo wohl die im Nahmen des Koͤnigs als auch er Franzoſiſchen Compagni zu Anſtellung einer Handlung nach Perſien und Indien ab0 Zdnete Geſandte in allem ihrem Thun und Nauf aſſen ſich zuverhalten haben. 58 Wande Den 13. Julij kamen Her: Lalin Koͤnigdcn 10 licher beſtelter Hoffſuncker/ und Boulaye ein Geer Edelmann von Angers nebenſt Herzen MariaSs und Duponc der neuen Franzöſiſchen om. eg Pagnje zu Anſtellung der Handlung in Per, en und Indien abgeſandte zu Klilſpahan an. Sie ſteigen in der Carvanſerie zu Gedde ab/ und giengen noch denſelben Tag auß ihre wohnungen bey ſonderbahrendeuthen zu Zulpha, welches eine groſſe Vorſtat zu Hilpahan iſt/ und die durch den Fluß Senderon von der Statt abgeſondert wird/ zu beſtellen/ e zween vom Adel bleiben bey Herzen LE. Hoile einem Fraytzoſiſchen Handelsmann/ und die Kauffleuht bey einemaraenier. Herz alin und Boulage überlifferten unter deſſen (ohne wiſſen der andern Geſandten)de Hern ihn dale den Brieff welchen Her: Lione an In geſchickt/ die überſchrifft war folgendes Inhalts. 95 58 50 treulich und der600 An Herin: Herꝛn L. Eſtoile des Koͤnigs in Perſien Oberkammerdienern/ oder in deſſen abweſen/ Herꝛn Lags ſeinem Eydam. 5 Die kuropeer oder Francken hatten Urſach den Königl. ſich zuverwundern das Boulaye der bereit zu⸗ chen Kammer vor in Perſten geweſen/ und deme die Beſchaf⸗ bedienten in tenheit des Lands nicht unbekant ſein ſolte/ fear n be einen Secretarium nicht beſſer zu informieren abe. 5 gewuſt/ daß er dem Herzen L Eſtoile den Titul eines Kammerdieners des Koͤnigs in Perſien gegeben/ welcher was ſeine Perſohn anbetrifft von niemand als verſchnittenen bedienet wird/ und gleichwie alle Perſtaner im Gebrauch haben nimmermehr zugeben wurde das ein Christ ſeine Kleider anrüͤhre/ weil er ſich wurde für unrein halten und alſobold andere Kleider anlegen muͤſſen. Was ſonſten die verſchinttenen an ſich ſelbſt betrifft davon ich oben in meiner Reis⸗Beſchreibung Meldung gethan/ ſo müſſen dieſelben ſchwartz und der gantzen Scham beraubt ſein. Dann die weiſſen verſchnittenen dienen dem Konig nirgends als auſſerthalb des Harams ober der WeiberBurg Die Stelle des fuͤrnemſten unter den weiſſen verſchnittenen wird fur die Anſehnlichſte des Hoffes gehalten/ dieweil derſeſbe bey b Fan 1 215 0 00 8 und dadurch nach ſeinem Gefallen welchem er will 55 gutes oder das Miderſpiel erzeigen kan. 5 15 Der Vrieff an Heren I. Eſtoile hielte nichts Herm I“ E= anders in ſich/ als daß er gebehten wurde die Kolle. Abgeſandten in dem Geſchafft umb deßwe. ä gen 21 Bericht was in Indien und Perſien: Die Handlung gen ſie von der Compagnie verſchickt wor nur von der Reiſe und dem Wege welchen den hulffreiche hand zu leiſten/ auch im Fall ſie nehmen ſolten zu verſtehen; dieſer Zwieſpalt ſie einigen unglücklichen Anſtoß oder Ver⸗ da wieder ſich alle Europeer oder Francken f iuſt auff der Reiſe erlitten/ und dadurch an wie wohl vergeblich ſetzten/ kam endlich für ird dan, etwas Mangel hatten/ ihnen waß ſie benoti, den Nazar welcher an dem Perſianiſchen Nazarfüg get ſeyn mochten/ darzuſchiſſen. Hoffe faſt eben ſo viel alß in Franckreich bracht Sie Geſand⸗ N, Von der Zeit ihrer Ankunft biß auff den der Oberhoffmeiſter iſt/ er wurde daruber 5 5 Tag da ſie bey dem Konig Audientz erlang⸗ nicht wenig beſtuͤrtzt/ und hatte eben dafuvon dem ken/ wurde denſelben von Heren! Eſto ne ſo mahl vom Koͤnige befehl/ alle Chriſten von Herm! E. wohl in Betrachtung ihrer eigenen Perſoh⸗ welcher Sect ſie weren die geiſtlichen FranZoiie wohl nen falß auch der Nation zu Ehren alle mug, cken oder Europeer außgenommen von Flibewirchet. ſichſte Guͤtte erwieſen und ihre Taffel auffs lpahan und deren Vorſtaͤbten weg zu ſchafUneinigkeit beſte verſorget. i Der Koͤnig war damahls drey Tage von iſpahan und die Abgeſandten ſchickten einen Eilboten mit zweyen Schreiben auffs Land/ umb zu wiſſen ob Ihre Maj ſtaͤt befehlen würde daß ſie zu derſelben reiſen/ oder Ihrer Wiederkunfft zu Hiſpahan erwarten ſolten/ den es war ungewiß ob der Koͤnig in wenig Tagen wider kommen oder ſich noch eine Zeit lang auff dem Lande auffhalten wurde. ö 8 g Unterdeſſen wurden die Abgeſandten unden Send einig und entz weiten ſich unter einander/ je. destheil hatte ſeinen Anſpruch welches zwiſchen ihnen der Compagni ſehr ſchaͤdliche Streitigkeiten verurſachte. Ihre Zuſammenkunfften geſchahen in des! Etoile Behauſung welcher auff alle Mittel trachtete/ dieſelbigen wieder zu vereinigen. Die Urſach ihrer Mipverſtandnuͤß war folgendes. Die drey Kauffleut Beber, Mar iage und Dupont wolten behaubten die zween vom Adel weren in dieſer Handlung nur allein gleichſam abgeſonderte Glieder/ und weilen dieſelbigen nicht befugt/ von den geſchaͤfften der Compagni einige Wiſſenſchafft zu haben/ alß ſolten ſie ſich auch deren keines wegs anmaſſen daß der Brieff an den Konig in ſich halte: daß ziween vom Adel begierig den Perſiſchen Hoff zu ſehen/ ſich unter die Geſelſchafft der Geſandten begeben/ und daß demnach ihnen nur allein zu kaͤhme mit den Beambten des Koͤnigs in Perſien zu tractieren; daß ſie alß zween vom Adel kein ander recht alß das Schreiben dem Koͤnig zu üͤberliffern/ Ulclache derſelben. und Commiſſarien zu begehren/ mit welchen die Abgeſandten tractiren koͤnten/ alß die allein und ohne die Gegenwarth der andern zu handeln geſchickt weren. Alle die Gruͤnde und Urſachen ſo Lalin und Boulaye ihne n vorbrachten/ vermochten nicht ie 3. Kauffleut von ihrer gefaſten Meinung abwendig zu machen/ den ſte erklärten ö die Worte ihrer Commiſſion zu ihrem vortheil. Es war ein Artſcul welcher exprelſe lautete: Daß die Abgeſandten verbunden ſeyn ſolten/ ſich nach dem Rath Herꝛen Lalins zuverhalten welches aber die andern außlegten ob were es fen/ und gegen Zulpha zu logiren/ welcher Ort eine Zeit her dergeſtalt vergroͤſſert worden/ daß man ſolchen heut zu Tage uuter die ö gröſten Staͤdte in Perſien rechnen kan. iu Ehn Die Abgeſandten der Frantzoͤſiſchen Com⸗ 1 ſucht 0 pagnie ſuchten taglich neue Schwerigkeiten che enn herfuͤr; Pater Kaphael von Mans welcher gan Superior unter denen nach Perſien verſchickten Capucineren war/ bemuͤhete ſich zwar/ auff alle mittel/ weiſe/ und wege die Partheyen wiederumb zu vergleichen. Er ſtellete unter ſchiedliche Brieffe die ſie an den Nazar ſolten abgehen laſſen/ und ſelbige in des Landes ſprach zu uͤberſetzen/ aber wann dieser f Brieff nach der Kauffleuke kopff eingerichtet. h. war war er denen von Adel nicht gefallig. J Dieſe wolten man foll etliche worte außlaſſen/ jene aber begehrten man ſolte noch et, was dazu ſetzen/ und alſo wolte jedestheil recht haben. Der Pater wurde endlichen überdruͤſſig ein ding ſo vielmahl zu ſchreiben/ 19 und wieder zu ſchreiben/ zu mehren/ zu min⸗ Oleg deren/ und zu corꝛigieren/ derohalben hielte er ane N. ihnen ernſtlich für/ daß ſie groſſes unrecht a. hetten in dem ſie an unnützem gezäncke ſich“ verweileten/ welches warlich ihre Princip len nicht gut heiſſen wurden/ daß die Perſiſche Schreibens art nach welcher der Brief in ſelbige ſprach überſetzt werden ſolte einfcllig und verſtäudlich ſey und keine Spitta digkeit noch Weitlaufftigkeit duldet. In Summa daß ihr gezaͤncke nichts alß ſchabe undUnehr der Compagai verurſachen wis de/ dannenhero koͤnne man abnehmen daß fi derſelben Nutzen ſchlecht beobachteten. Ene lich gerſeth dem barer Raphael der Driaf alſo daß ſie bede ein genügen dran hallen. und alß er deſſen Inhalt ihnen in gegen, Herꝛn IEſtoile Sohne welchen tie für nen Dolmetschen angenommen von woe wort erklaret wurde ſolcher nach dare ewohnheit in ein Saͤcklein von ſeidene, a 300 mit Gold und Süber durchwürckt 16 than/ und verſiegelt. Pater Raphael ce noch einen andern an den Mirza-racken ore, deß Nazars Feutenant/ welcher in ein Sei 5 lein von rothem Taffet gethan und e und ace dem andern verſiegelt wurde. Beyde he 100 Hofe ben wurden einem von deß Herzen Een leuten der wohl beritten war/ zu bene 15 1 er 15 5 ſich nicht ſondern dachte urtzer zeit bey Hoffe an. Er uͤberbr en den Brief an den zalrza-tacker am eſcher ig fh b. bel . d der Deputirten auß Franckreich betreffend vorgangen. welcher ihn auch zum Nazar fuhren ließ ſo bald derſelbe den Brieff geleſen/ that er dem Koͤnig/ der Frantzoͤſiſchen Compagni begehren und die Ankunfft ihrer Geſandten zu wiſſen. Seine Majeſtaͤt befahl alßbald man ſolt ſie berichten deß ihre Ankunfft ihme angenehm ſey/ und daß er in kurtzer Zeit nach d Hiſpahan reiſen und ihnen Audientzertheilen ſalhebe. wolle. Der Nazar verfertigte zwey Schreimiret ben eines an Heren Lalin, welches deß Kou. nig s Antwort mit Verſicherung daß ſie alles was ſie billich begehren wurden ihnen nicht ſolte verſagt ſeyn/ in ſich hielte. Daß ander an den bater Raphael in welchem der Nazar ihme befahl dem abgeſandten zu verſtehen zu geben/ daß der Konig uͤber ihrer Ankunfft erfreuet/ und daß ſie demſelben bald ſehen wurden. 0 Etliche Tage hernach kam der gantze Hoff en zu Hiſpahan wieder an/ und in deme der . Konig in einem ſeiner Hauſer nahe bey dem 0 Stadthor ſich auffhielte/ ließ der Nazar den ga de. Pater Raphael fordern/ umb von demſelf 0nd ben zu vernehmen/ waß die Frantzoͤſiſchen bin ear Abgefandten für Leut weren/ und von weme „ ſie in Perſien verſchicket worden/ deme der Pater in außführlicher Beantwortung ein genuͤgen thate. Der Nazar verwunderte ſich ſehr daß weil ſie in einer ſolchen Commiſſion und von einem ſo maͤchtigen 5 Konig(wie er vernommen) in dieſes Reich kagtegm geſandt worden daß ſie ohne wiſſen der Guuin. bernatorn in beyden Staͤdten Erivan und a de. Tauris durchgezogen. 5. Der Athemat-doulet welcher in Perſien ſo viel alß der Groß Vizir in Tuͤrckey iſt bezeugte dem Pater Raphael eine gleiche erwunderuug/ und dadurch hatten ſie rechtmaſſige Urſach zu zweiffeln ob dieſe rantzoſen ordentliche Geſandte weren/ und ob ihre Commiſſion aufrichtig ſeyn. Denn n die Wahrheit zu bekennen ſo ware entweder denſelden die Gewohnheit des Landes unekand;(welches aber nicht wohl zu glauben weil Boulaye albereit vor dieſem in Perſien geweſen) oder ſie hatten gantz unbeſonnen N gethan/ daß ſie ſich wie ſchlecht geachtete ſſheheſt; andwercks leute vewhalten/ und wie geaan za n meine Leute gereiſet. In Perſien kan man fe. aller Orthen in volliger Sicherheit reiſen/ den daſelbſt iſt die Argliſtigkeit unbekand/ und die Leuthe werden darinnen nach der kanier in deren ſie ſich ſehen laſſen und wie ſie ſich verhalten geachtet. Ich halte es r eine groſſe Thorheit wenn man ſeinen Jar Stand verhelet/ den dadurch kan man offters fäachder in den Argwohn eines böſen Fürhabens asche in fallen. Alle die jenigen welche von einem N nig oder Fuͤrſten abgeſand worden/ auch dle Reiſende/ es ſeyn gleich Kauffleut oder andere ſo uber den gemeinen Stand und den König zu ſehen begehren/ pflegen bey 8 Ankunfft zu Erivan( welches eine Grentſtadt it)) ja ſelbſten zu Tauris(ſo weiter in dem Land lieget) den GubernaAll. Theil 27 torn ſolches zu wiſſen zu thun/ welche es alßdan/ nach ihrer Schuldigkeit nach Hoffe berichten. Weil nun unſere Frantzoſen dieſen Gebrauch nicht in acht genommen/ ſondern durch dieſe beide Staͤdte ſtillſchweigend und alß ſchlechte Kramer gereiſet/ alß darff man ſich nicht wundern/ daß ihr Vorfahren dem Perſiſchen Hoffe ſehr wunderlich furkommen/ und die fuͤrnembſten Hoffleuthe zum zweiffel veranlaſſet“ daß ihre Comm ſſion und Geſanoſchafft rechtmaſſig ſey. Nach dem aber Pater Raphael ſie verſichert daß dieſe deute im Nahmen det Koͤnigs in Franckreich eine Handels⸗Compagale anzuſtellen geſand worden/ und daß er davon ſelbſten volkommenen Bericht und Verſi⸗ Der König cherung auß Europa hette/ ſprach der Nazar verſpricht den zu ihm/ die Abgeſandten ſolken ſich nur be⸗ Geſandten reit halten der Koͤnig würde ihnen in wenig Audient Tagen Audientz geben. ie Mißverſtandnuͤß continuierte unter deſſen unter unſern Frantzofen/ und Pater Raphael beſorgend es moͤchte ſolches in des Koͤnigs gegenwart einen ſchlechten Außgang gewinnnen/ und ein Streit wegen deß vorſitzens entſtehen/ gab dem Nazar zu verſtehen/ daß weil die Geſandten zweierley Des pater Standes nemlich etliche von Adel und die Raphaels ubrigen Kauffleute weren/ wuͤrde nicht Übel kluge Vorſorgethan ſeyn/ daß wenn der Konig ſie zur Au- gedientz wurde kommen laſſen den Edlen auff der einen/ und den Kauffleuten auff der andern Seite der Sitz gegeben wuͤrden/ damit alle Eifferſucht moͤge ermieden werden/ der Nazar wie auch der Koͤnig ſelbſt welchem er es noch denſelbigen Tag vorgetragen muͤſte dieſes gut heiſſen. Pater Raphael bekam den andern morgen davon nachricht/ den Geſandten aber war gaͤntzlich unbewuſt/ waß er von ſich ſelbſten ſo weißlich angeordſeinem Pallaſt Schadet-Abas genandt an e Seu den Ufſer deß Fluſſes zwiſchen der Bruck zu we Zulpha und der Bruck zu Schiras befande ließ er ein kuͤnſtliches Feurwerck zurichten/ ſo über 600 Lomans welches ſich nach Frantzoͤſiſcher Muͤntze einen Jomans zu 46 Francken und 6 Sols gerechnet auff 27750 Francken belaufft geſchaͤtzet wurde. Er entbothe in aller fruͤhe allen groſſen Herꝛen deß Hoffes daß er denſelben Tag den Frantzoſiſchen Abgeſandten Audientz ertheilen wolte. Pater Raphael bekam zugleich be ehl/ neben den Abgeſandten zu erſcheinen/ ſich bereit zu halten/ damit der Mehemender oder Ceremonien⸗Meiſter der die Abgeſandten einzufuͤhren pflegt ihrer nicht warten durſſte. Sie kamen derohalben bey Herꝛn P Efſtoile, alda die Heren Lalin und Boulaye ihre Wohnung hatten /zuſammen. Alle Frantzoſen welche ſich damahls zu kliſpahan befanden ermangletẽ nicht den Abgeſandten zu Ehren alle in foſtlicher Kleidung nach Frantzöſiſcher Mode dabey deß Gold und Silber nicht geſpart D wurde et.„ Alß der Koͤnig den 26 September ſich in Ein koſtbah 26 Bericht was in Indien und Perſien: Die Handlung g wurde er alßbald mit etlichen groſſen Schuſprächtiger len Zuckerwerck und koͤſtlichen Wein beſchenAufzug der cket/ hernach ließ er alle Frantzoſen zu Pferd Frantzöſtſchen ſitzen und ſolches muſte auch Pater Raphael Geſandten. thun ob er ſich ſchon weigern wolte. Auff diſe weiſe fuͤhrte er ſie in einen gravitaͤtiſchen und 5 gleichſam gemeſſenem Schritte/ biß an den Die Geſand⸗ Ort da der Koͤnig jhrer wartete/ und durch ee einen Weg welcher einer gut viertheil Stund führt. ge, peiter war als der gewohnliche; ſie kamen bien angehender Nacht zu Schabet-Abas an/ Dabey aber der Ceremonien Meiſter gieng allein hinein/ ein unnuͤtzes Und ließ die Frantzoſen alle für der Pforten gezaͤncke ent ſtehen. Unterdeſſen befürchtete Beber deſſen ſtehet. Raht die andern zween Kauffleuthe folgeten/ Pater Raphael moͤchte mehr auff der Edelleute alß jhrer Seiten ſein/ ſprach derhalben zu jhm ſie wolten auch jhren Kalamaſchi daß iſt den Dolmetſchen welcher des L. Eſtoile Sohn war bey ſich haben oder im gegentheil nicht hinein gehen. Pater Raphael der in diſer begebenheit allein auff Befehl des Nazars und der Frantzoͤſiſchen Nation zum beſten ſich gebrauchen ließ/ gab dem Beber zu erkennen/ daß jhme ſeines theils nichts daran gelegen er moͤge hinein gehen oder herauß bleiben/ was ſeine Perſohn anlangete were er keines wegs hier/ weder dem einen noch dem andern theil fuͤr einen Dolmetſchen zu dienen/ ſonder dem Koͤnig der jhm zuerſcheinen befohlen ein genuͤgen zu thun/ das jhm viel lieber geweſen were diſe Nacht in ſeiner Kammer alß den mehrentheil derſelben/ in ſolcher Muͤhe und gleichſam Frondienſten dabey er wenig Luſt zu genieſſen hette zu zubringen/ und daß er niemahls geſehen daß man in einer hellen und klaren Sache in deren verꝛichtung ſte einſtimmig ſein ſolten/ ſolche Unruhe und Schwierigkeiten hervorzuſuchen getrachtet/ daß diſes daß 4. mahl daß er in den Megele oder dem Koͤniglichen Audientz Saal geſeſſen/ und die Ehre gehabt vielmahls mit dem Konig zu ſprechen. In ſumma er ſolte ſich nicht einbilden/ daß alle diſe Mühe eine ergetzlichkeit ſey/ un das alles was er thue allein auß Liebe und zu Dienſte der Nation geſchehe. Unter deſſen kam der Mehemander wider/ die Abgeſandten ſambt dem Pater Raphael abzuholen/ und zur Audientz zufuͤhren. Er gieng fuͤr den Abgeſandten her/ in einem langſamen und gravitaͤtiſchen Schritte/ aber Beſchretzung als ſie dem Ort da der Konig war/ nahe komder Ceremo⸗ men/ alſo daß er ſie ſehen konte/ muſten ſie etfagne was geſchwinder gehen biß an die Treppen alda die Diener jhnen die Schu außzogen. Sie wurden neben dem bater Raphael in den Audientz Saal/ und in eben den Ort alwo die Kans oder die Landvoͤgt der Provintzen und andere groſſe Herꝛn zuſitzen pfiegen gefuͤhret. uff der einen und andern Seiten ſtunden allerhand junge Herꝛen mit Gold und Silbernen ſtucken bekleidet und mit Maͤnteln von Zobel und andern koͤſtlichen Beltzwerck gefüttert/ angethan. Des 1. Eltoiſe Sohn blieb neben andern Frantzoſen drauſſen und wartete bis die Ceremonien verꝛichtet/ der Mekemander lies die Abgeſandte wie in der gleichen hegebenheiten gebraͤuchlich/ in Gegenwart des Koͤnigs niederkmen/ und befahl ihnen das Haubt drey mahl auff die Erde zu neigen. Als ſie wider auffgeſtanden nahm er den Herzen Lalin allein/ weil demſelben das Schreiben des Koͤnigs zu uͤberliffern anvertaut war. Der Pater Raphael folgte ſamt Herzn Boulaye wie auch die übrigen Abgeſfandten/ ſie ſteigen auff daß zweyte Stockwerck alda der Athemat- doulet Und der Nazar ſaſſen. Der Koͤnig war ein Stockwerck hoͤher und wurde mit 150. Jungen Herꝛn welche alle koͤſtliche Kleider anhatten umbgeben/ als nun Her! Lalin als das Haubt der Geſandſchafft her vortrat und ſeine Rede in Frantzoͤſiſcher ſprach vorbrachte über gab er dem Koͤnig ſeinen brieff mit groſſer Ehrerbietigkeit/ derſelbig lag in ei/ E nem kleinen Kaͤſtlein darauff das Frantzöſiſche 0 und Navarꝛiſche Wappen mit erhobener Ar! Hobo beit geſticket war/ und war mit einem flachen I und herab hangenden Siegel verſiegelt⸗ Pe- get rer Raphael erklütte dem König was Heis Lalin vorgebracht/ darauff neigte ſrire Ma jeſtät das Haupt/ und gab zugleich dem Ceremonien Meiſter ein Zeichen/ die Geſanden wider an jhre ſtelle zu fuͤhren/ wie ſie mm am Ende des Saals waren/ alda die Beambten vermoͤge des Koͤniglichen Befelchs die zween vom Adel von den Kauffleuthen unterſcheiden ſolten und eben Lalin und Mariage ne“ benſt dem Pater Raphael ſich beyſamen befunden gieng ein Irꝛthum vor/ welcher nich zuendern war/ aber den Bonlaye ſehr verdroß/ in dem als er und Beber dem Dupont welcher wegen einer außgeſtandenen Kranckheit ſich etwas ſchwach befand zu Hülffe kommen wolten/ vermeinten die Königlich: Beambten Lalin und Mariage welche ſich bey dem Pater Raphael befunden weren die zween vom Adel und gaben derhalben ihnen den Sitz zur Lil cken/ welches in Perſten die Oberſtelle iſt/ aber Boulaye, Beber, und Dupont wurden zur rech? ten geführet und gegen über doch um zwe Perſohnen beſſer hienunter geſetzet. Boblayals er ſahe daß ein Irꝛtumb dabey vorgalgen/ rieff Uberlaut in Turckiſcher Sprach Menbeg. zade das iſt Ich bin ein Edeſmane Aber es war ſchon geſchehen/ und der Kors albereit zugegen/ die Hoffbedienten ſtelten als hatten ſie den Boulage nicht verſtan 175 und wolten jhm als er auffſtund neben — 2 6 0 1 Lalin zu ſitzen ſolches nicht zulaſſen. Er mu e be en, eines wegs wie den andern bleiben wo war unterdeſſen lieſſen ſich wie in dergleit begebenheiten gebräuchlich iſt die Peri, Muſicanten eine gute viertelſtunde here,. Nach dem kam der Ceremonien 75 2 und führte die zrween Abgeſanden nebſt 5e 48 terRaphaecl,( Mariage genoß dabey der ld de Stel) für den Kong Taft chan die Haß uud erklaͤrte die Urſach einer Geſardſch g mit einer ſonderbahren Geſchickligkeit“ 1, auch der Koͤnig mit Haubt neigen beten 15 der Deputirten auß Franckreich betreffend vorgangen. 27 daß er an ſeinen Worten ein groß wohlgefallen truge. Sonſten war auch Lalin die arheit zubekennen/ ein wohlgeſtalter und anſehnlicher Edel mann/ und hatte eine ſehr liebliche Stimme/ die praͤchtige Kleidung die er an hatte vergroͤſſerte noch mehr die annehmlichkeit ſeiner Perſohn/ der Koͤnig warff ſeine Augen auff den Pater Raphael, und befragte jhn wer die Frantzoſen weren/ woher ſie kaͤmen was ſie begehrten und von wem ſie geſand worden; darauff der Pater alles von Stück zu Stuͤck nach genügen beantwortete. Nach diſem befragte der Konig die Abgeſandten/ uber einige Sachen/ und als ſolches geſchehen gab er jhnen mit der Hand Urlaub/ aber in dem ſie von jhm wichen/ winckte der Koͤnig dem Pater Raphael daß er verbleiben ſolle/ die andern aber begaben ſich wider an jhre Stellen. Der Koͤnig ließ den Pater naher zu ſich kommen/ und erkundigte von demſelben genauer/ die Herꝛligkeit des Königs in Franckreich die groͤſſe und beſchaffenheit ſeiner Herꝛſchafft/ einer Kriegsleuthe und Rahte/ deme der Pater in der Beantwortung richtigen Beſcheid gab/ aber der König widerholte ſeine Rede und ſprach ich habe vom Aga Tavernier noch ein mehrers in unterſchiedlichen Geſpraͤchen die ich mit ihm gehalten vornom men. Als ſich diſer Dil cours geendiget/ ſchickte der Koͤnig den Pater Raphael wider an ſeinen Ort zu dem Lalin und Mariage⸗ 5 2 Alhier iſt zu mercken daß der jenjge welcher ulm für einen Dolmelſchen gebraucht wird/ bey der Königlichen Audientz ſich niemahls nieder zusetzen pfleget/ onder hinter der Perſohn welcher er bedient iſt ſtehen bleibet. Es geſchach aber einsmahls als Pater Raphael bey gleicher Ceremoni einen Dominicaner Moͤnch von Florens gebuͤrtig begleitete/ und ſahe as er ſich nider geſetzt an dem Ort da zu er von den Beampten angewieſen worden/ hielte er dafür ein Capuciner hette gleiches Recht und Freyheit/ und ſetzte ſich auch/ alß es er Ceremoni Meiſter ſahe und ihn deßwegen zu Rede ſtellezanzeigend daß es nicht der Gebrauch daß er ſitzen ſonder daß er ſolte ſtehen bleiben/ gab der Koͤnig der ſolches in acht genommen mit der Hand ein Zeichen/ daß er leiben ſolte/ und ließ ſolches ihme auch hernach durch einen Beambten anzeigen. Nach geendeter Audientz kam ein junger Herz des aims von Erivan Sohn und wolte dem Pater Raphael wegen der jhme ſonderbahr wider ahrnen Ehre Gluck wuͤnſchen weil man kein Exempel hat das ein Kalamaſchi oder Volmetſch ſich bey gegebener Audientz nidereſetzt. Der Pater welcher anjetzo noch im eben und deme es es an der Verantwortung licht mangelte/ prach zu diſem jungen Perlte das es auch ſeltſam und ungewoͤhnich ſey daß ein Mann in ſolcher Kleidung auff bre eunge deutendſich für einen Dolmetſch gemaachen lieſſe/ wann es aber eine Perſohn die umb die Belohnung dienete/ alß dann konte III. Theil der Perſiſch Gebrauch wo hlin obacht genommen werden. ö Bald nach diſem ſchickte der Koͤnig den Den AbgeGeſandten eine Schale und Guͤldene Fla, ſandten wird ſchen/ Lalin ſtund auff und nahm die Scha, ein trunck ge. le mit groſſer Ehrerbietigkeit und tieffer Ne, reicht. verentz/ und da er nebenſt dem Mariage und dem Pater Raphael getruncken/ gieng der Oberſte Schenck zu den andern Abgeſandten eine gleiche Ceremonie zu verzichten/ hernach wurden Fruͤchte/ Wein/ und Speiſe gebracht und die Muſicanten lieſſen ſich wie zuvor mit Stimmen und Inſtrumenten hoͤren. Alß diſes geſchehen ließ der Koͤnig Herzn Lalin, Mariage und den Pater Raphael zu ſich kommen/ hielte mit ihnen ein kurtzes Geſpraͤch und alß ſolches geendiget gab er jhnen Urlaub. Pater Raphael aber der ihnen ſolgen wolte muſte 3 bey ihm bleiben der König gab Anlaß ju Sea ac einem Religions Geſpraͤch und redete mit betete ert demſelben von der Eimgkeit der Goͤttlichen die Religion Natur und nothwendigkeit eines Propheten betreffend. und wie Mahomet das Siegel aller Propheten ſey. Er wunderte ſich ſehr daß die Frantzoſen welche fuͤr Leuthe von groſſem Verſtand und Wiſſenſchafft wolten gehalten ſein leſum Chriſtum für einen Gott erkennen konten. Pater Raphael unterließ nicht dem Koͤnig mit der Antwort auff alle diſe Artickul ein genugen zu thun/ und alß ſich diſes Geſpraͤch nach Wunſch geendiget/ bemuͤhete er ſich das die Abgeſandten welche auff der andern Seiten ſaſſen/ nicht weniger alß die ſo er begleitet moͤchten geehret werden/ derohalben nahm er die Freyheit den Konig für ſelbige anzuſprechen/ umd jhrer Majeſtaͤt unterthaͤnig anzuzeigen/ daß die andern drey Geſandten betruͤbt weren weil ſie ſolche Ehre wie den Beg Ane zades widerfahren nicht empfangen/ derowe, 3 70 wurde jhre Mayeſtaͤt jhnen eine ſonder⸗ Köpffe der ahre Gnad erzeigen/ wann ſie dieſelbigen Franzoͤſiſchen nach der Ordnung gleichfahls fuͤr ſich kom. Abgeſandten, men lieſſe. Unterdeſſen erinnerte Mariage den Lalin bey dem er ſaß/ daß er ſolte in obacht nehmen wie vertraulich der Pater Raphael mit dem Koͤnig redete/ ſo gar daß es ſchiene alß ob in der Audientz im geringſten nichts ohne ſeinen Raht vorgehẽ koͤnte darauß abzunemen wie nutzlich und noͤhtig es ſey einen Kalamachi oder Dolmetſchen der dem Koͤnig bekand Groſſe verund deß Hofes Weiſe wuͤſſe bey ſich zu ha, traulichkeit ben. Alß ſie diſes mit einandern geredet ließ daterRapha. der Konig auch die andern Abgeordneten zu els mit dem ſich kommen/ Boulaye brachte ſeine Rede vor Koͤnig. und der Pater erklärte dieſelbige dem Konig. Der Koͤnig ließ ſie wider abkretten und behielte nochmahls den Pater Raphael bey ſich redete mit ihm von unterſchiedlichen Sachen/ ihr Geſprach war fürnemlich von weſſſen und ſchwartzen Jarben/ und von der Schoͤnheit der Frantzoſiſchen Weibs- Perſohnen/ der Koͤnig muſte bekennen daß die ſchwartzbraunen ihm nicht gefielen/ aber die weiſſen wel, che die rechte Schoͤnheit vorſtellen konten weren jhm ſehr angenehm. Pater Raphael Di beant 28 beantwortete diſes gar behutſam/ daß der Koͤnig wegen der Schoͤnheit der Weibs⸗Perſohnen auff der rechten Meinung ſey/ daß die groſſen Augbraunen in Perſien fur ſchon in Frauckreich aber für ſchändlich gehalten wurden. Als ſie diſes mit einander redeten erſahe der Koͤnig das kleine Kaͤſtlein(darinnen der Brieff des Koͤnigs von Franckreich lag/ welcher nur allein mit einem ſchlechten Hacklin beſchloſſen/ und auff gering Pergament wie ein gemeiner Brieff geſchriben war/ und weil er bereits andere Schreiben von unterſchiedlichen Potentaten der Christenheit/ ja ſelbſten 2. oder 3. von dem Koͤnig in Franckreich welche die Jeſuiten jhme uͤberbracht/ und die alle anſehnlich auff groß Der König Pergament geſchriben und mit einem hohen hat an dem Siegel verſigelt geweſen/ empfangen/ bezeugte Brieff welche er hieruͤber ein groß Miß fallen/ und wolte ihn e gäntzlich verwerſfen. Der Pater bernackre bene ge- alſobald daß der König erzoͤrnet/ wie er dann ae. aud kiefer on bend agnes ich 28 nehme keine offene Brieffe ohne Siegel an/ nihm und trag diſen wider weg/ den ich glaube nit daz er von einem ſo maͤchtigen Koͤnig wie der Koͤnig in Franckreich iſt herkome: and gab ihm zugleich zu verſtehen daß er ſich zuruck machen ſolte. Dierbarer konte diß thun alß diß Schreiben annehmen und als et wider an ſeinen Ort kehrte gab er dem HerꝛnLalin und Mariage Bericht was ſich bey dem Geſpraͤch ſo er jetzt mit dem Konig gehalten zu getragen. Etliche Stunden giengiengen vorbey in diſem Saal die Täntze zu ſehen/ welches der Perſier gewohnliche Er— 2 getzung iſt; Nach dem dises geſchehen ließ der Konig den Lalin und Mariage ſamt dem pater wider fur ſich kommen/ befragte ſie unterſchiedliche Sachen/ welche ſie ſo gut müglich beantworteten/ und ließ ſie endlich wider von ſich/ bater Raphael muſte abermahl bey jhm bleiben/ da nahm der Pater die Gelegenheit in acht/ und ſprach zum Koͤnig es were der Gebrauch geweſen daß der Atemat-doulet ſein fürnemſter Hoffbedienter/ n ſeiner Gegenwart die Brieſſe welche die Furſten in Europa an ihre Majeſtaͤt geſand/ erklaͤrete/ wie dann ſolches ſeit 5). Jahren her mit unterſchiedlichen/ die vom Pabſt vom Roͤmiſchen Keyſer/ und Koͤnig in Pohlen kom men/ geſchehen ſey. Und ſetzte weiter hinzu/ der Konig moͤge zu geben daß er den Brieff des Koͤnigs von Franckreich dem atemat · doulet zuſtelle/ damit deſſen Inhalt wie jederzeit uͤblich geweſen von ihme koͤnne erkläret werden. Der Atemat-donlet ſaßf in dem Saal an der Oberſtelle unter den andern hohen Hoff⸗Beambten/ und der Koͤnig gab dem Pater ein Zeichen das Schreiven me zu uberliffern/ 1 5 beten der Vater ſehr froh war daunt er des mahl nichts anders Bericht was in Indien und Perſien: Die Handlung 5 Brieffs entlediget wurde. Ihre Majeſtät befragte ihn ſerꝛner die Sitten der Frantzolen betreffend/ meldende er haͤtte vernommen da die Warheit unter jhnen ſehr Hoch gehalten Kindſſhee würde/ nach Endigung diſer Rede erkühnte Suucteſn ſich der Pater nochmahlen dem Koͤnig vorzu⸗ Stan bringen/ daß die drey Abgeſanden welche zur rechten ſaſſen Urſach hetten betruͤbt zu ſein/ indemſelbige nur einmahl fur ihn beruffen worden: Seine Majeſtät antwortete es ſey genug daß ein Koͤnig mit den Edlen welche ein ander Koͤnig an ihn abgeſand redete/ ſeine Hofſbedienten konten ein gleiches In wg, mit den Kauffteuthen verrichten/ der Pater 8. den als er ſahe daß der König ſo vertraulich mit ig boch ihm war nahm die Freyheit auffs neue einen baten. Verſuch zu thun/ und fur die Kauffleuthe Wü bitten/ alß aber der Koͤnig ihn anſahe und ſich gantz erzuͤrnt erzeigte/ enderte derbarer ge⸗ 1. ſchwind ſeine Stimme/ und würde auch alß⸗ le ver bald weggelaſſen/ dem Herzen Lalin welcher del wen 00 allein/(weil er dem Konig gleich anfangs ge⸗ fan fallen und ſeine Perſohn wie vorgemeldet ſehr f 15 anmutig war) für ihn geruffen wurde Platz 9. zumachen. Mariage wolte auch mit Her en Lalin auffitehen/ aber die Beambten hielten jhn zu rüͤcke/ worüber er ſehr unwillig wurde und nicht andees meinte/ als were Pater Kaphael ſchuld daran/ aber der gute Pater hatte kein ander Abſehen alß das einem wie dem andern gleiche Ehre widerfahren moͤchte; der Koͤ. nig bezeugte durch alleriey anzeigungen das er viel von HerꝛnLalin hielte/ und ihn ſehr liebte. Er ließ auchde drazarfür ſich kommen/ und befahl a er ſolle den folgenden Tag den Begꝛade Lalinund bater Raphael nebenſt ſeinem Bedienten nahmens Lagis von Genff zu ihm bringen/ weil er ſich mit ihnen ergoͤtzen wolte. Hernach beurlaubte der Konig den Lalin/ den Pater aber behielte er bey ſich/ anzeigende er wolte mit ihm von der Religion Dilputirel und daß der Mirza-Taker gegenwertig ſein ſoltt. Haſtu/ prach det ro nig das Land Beherte Nirhon das iſt das Bild bes Hiſtels/ welches die Provintz Mazamdtal 750 geſehen? Ich wil daß du dieſes Jahr 40 mur dahin kommeſt. Nach under ſchiedlic e andern Gefpraͤchen/ darinnen der Konig. es demſelben in Sinn kamm von einer Ve auff die andere fiel/ beurlaubte er den und ließ den Lalin und Mariage zum fü mahl für jhn kommen/ ſie redeten mit enge der von dem ſchoͤnen Feurwerck we 105 bey jhrer Ankunfft geworffen worden(te, bey drey Stunden gewehrt/ und von den al ben taufend Lampen darmit der gauze cher, beſetzet geweſen/ und die durch in Aa 225 ſchein gleich ſam ſo viel Sternen in de ſer gezeigek. Der Konig that daran/ dem koͤſtlichen Wein zu Schiras Malduer und fragte ſie obauch in Franckreich ſo golte Wein wüchſe/ und ſprach ſermer er ef ſo bald der Frantzoͤfiſchen Compagnie sh in l 10 ef. der Deputirten guß Franckreich betreffend vorgangeu. 20 in ſeinem Lande aulommen würden/ auch einen Geſandten in Franckreich ſenden/ mit ihrem Koͤnig eine genauere Freundſchafft zu ſchlieſſen Lalin antwortete darauff daß ſeine Mayeſtaͤt in Franckreich ſolches mit groſſem verlangen wuͤnſchete; Warumb ſagte der Koͤnig begnuͤgt ihr euch den nicht meiner Freundſchafft und warumb ſucht jhr auch die Indianer zu Freunden zu machen? Bey welchen jhr warlich den Nutzen den jhr ſuchet/ nicht finden noch erland. gen werdet. Dann man muß wiſſen daß Teen die Heren Abgeſandten ihre Sachen ſo geGalnchren heim hielten/ daß ſolche niemand als jhnen Fahnen und der gantzen Welt bekant waren/ und hungen daß die Knechte ſo wohl als die Herꝛen umb alles WMiſſenſchafft hatten. Dann ſie betrachteten nicht daß die Perſier gute Politici und daß an dieſem Hoffe die Spionen nicht theur und ungemein weren. Dem Koͤnig in Perſien war gar nicht unbewuſt/ daß die Abgeſandten willens weren nach verlaſſung ſeines Hoffes in Indien zu kehren/ und Ordre haͤtten dem groſſen Mogol mit welchem er niemahls in guter Verſtaͤndnuͤs zu ſein pflegte/ ein gleiches/ wegen der Handlung vorzutragen. Darüber befand er ſich zimlich beleidiget/ wie wohl ſie jhn zu bereden trachteten/ daß die fürnembſte Handlung der Compaguie auff Perſien angeſehen ſey/ und daß ſie 0 mit den Indianern nur wegen der Leinwand wa 90 55 einem Theil der Specerey wolten zu thun ſedadtanj. Haben. 18. 8 bu en. Zu derſelbigen Zeit kam ein Indianiſcher Mien„ Ambaſſadeur zul ilpahan an, und brachte ein groſſes Geleite/ nebenſt ſehr kofibahren Ge0 her. ſchenckẽ mit ſich/ welche im wert h auff 12000 daher Tomans oder 552300. Fiancken geſchätzt tert wurden. Nichts deſtowenſger wurde er wef gen eines zwiſchen diſen beyden Nationen eingewurtzelten Haſſes von dem Koͤnig in vielen Begebenheiten ſehr ſchimpflich gehalten. Der Ambaſſador konte nicht unterlaſſen ſich zubeſchweren/ und wider die Frantzöſiſchen Geſandten zu eiffern welche ohne einigen Comitat und mit lehren Händen ankommen/ und dennoch groſſe Ehr empfangen hetten/ hergegen aber würde ſeiner ob er ſchon mit vielen Volcckern und Praͤchtigen Preſenten erſchienen gar nicht geachtet/ da doch der Perſiſche Ambaſſador von dem groſſen Mogol ſambt feinem Preſent wohl und freundlich enpfangen, und mit groſſer Ehrerbittigkeit beurlaubet worden. Alß wenig Tage nachſeiner Abzeſſe die Zeitung daß er ſo ſchandlich zu Eil Pahan tractiert worden und ſeinen Abſcheid kommen/ zu Agra angelangt/ erzuͤrnete ſich der groſſe Mogol dergeſtalt/ daß er in aller Cyl dem Perſiſchen Geſandten emen Botten nachſchiekte/ jn dahin zubringen daß er wider durück kae/ als erzuagra wider ankormen empfieng jhn der groſſe Mogol mit harten ſcheltworten und dreuungẽ/ es fehlte wenig daß die that nicht folgte und der Perſier in Stücke zerhauen wurde. So bald auch der Indianiſche ambaſſadeur zu Agra mit Geſchencken vom Koͤnig in Perſien welches Pferde/ Guldene/ Silberne/ und Seidene Kleyder waren angelangt/ ließ er die Pferd in Stucken zerhauen/ und den Zeug verbrennen/ ich war eben dadumahl zu Agta als dis a5 15 wurde. 110 1 5 aber hieran noch nicht; genug und ſein Zorn wurde durch diſe Rache nicht gänglich geſtiler ſon, n e dern gieng auch uber ſeinen Abgeſandten/ gelohnet. welcher weil er ſich ſo ſchimpflich tractieren f laſſen/ bey ſeinem Principalen in Ungnaden kam/ daß er jhm gebieten lies/ er ſolte nimmermehr für ſein Angeſicht kommen/ er befahl auch man ſolte ihm den Bart abſchneiden/ und alſo muſte er ſein uͤbriges Leben mit den Der viſeh, welches bey uns in Europa ſo viel iſt als wann man einen beſcheren laͤſt/ und ins Cloſter verſtoſt/ zu bringen. i Ich komme wider auff unſere Frantzoſiſche Abgeſandten; dieſelben verehrten dem Konig in Perſien eine ſehr ſchoͤne Flinten/ und ein Blldnuß welches jhres Koͤmigs Perſohn und geſtalt ſehr naturlich fuͤrſtellte/ es wuͤrde deſto hoͤher gehalten/ weil zu der Zeit/ unterſchiedene Kupffer ſtuͤcke welche den Koͤnig volkommen repreſentirten/ und diſem Gemaͤhlde von Oelfarben gaͤntzlich gleicheten nach EHllpahan gebracht worden/ dannenhero der Perſiſche Hoff ſicherlich urtheilen konte daß diſes daß wahre Ebenbild unſers Königs ſey; als diſe Der Frantzö2. geſchencke nach Landes Gebrauch von oben ie zweyen Dienern welche ſolche den Hoffbe, e dienten liſferten ſuͤruͤbergetragen wurden/ be, den Konig. fahl der Ceremonien Meiſter daß die Abge⸗ 8 ſandten/ nebenſt dem barer Raphael zum zeichẽ daß die Geſchencke von jhnen kamen ſolten ſtehen bleiben. Nach dem ſie vorbey wahren fiel jhrer Majeſtät ein die Abgeſandte zu befragen zu welcher Nation in Orient Franckreich die meiſte Zuneigung haͤtte/ darauff antwortete Lalin daß ſie ſicherlich den Perſiern am meiſten geneigt weren; der Konig ſprach ſie hetten recht weil die Perſier an der weiſſen Farbe mit den F eantzoſen überein kamen/ und Der Koͤnig daß es nicht wohl muͤglich ſey deß ſie zu den fragt die Ab. Indianern weil ſie ſchwartz weren einige Lic, geſandten wel be und Neigung tragen konten. Endlich ee bie damit er den Abgeſandten fuͤr dißmahl die n letzte Ehre erzeigen mochte/ gab er ihnen den. Tranck Hizard biche zu trincken/ in einer guldenen Schaſe welche faſt eine Pariſer Maß hilte(er befahl auch man ſolte ihnen von den Wein den er zu trincken pffeget geben/ welcher in einer Flaſchen welche von Venetianiſchen Criſtall die mit Diamanten Knoͤpffen verſetzet war gebracht wurde. Lalin that einen gutten Trunck/ Mariage folgte ihin auch treulich nach/ aber der Capuciner wuſte wohl daß es fuͤr ihn zu ſtarck war/ und weil er damahls alß er mich begleitete f mein 5 30 mein Dolmetſch zu ſeyn und Ihre Majeſtät mit uns von acht Uhr morgends/ biß umb zwey Uhr nach Mitternacht ſich erluſtigte/ offters ſchlucken muſte/ fande er Mittel dieſer Ungelegenheit zu entgehen/ und wuſte ſich gar artlich zu entſchuldigen. Er brachte dem Konig vor daß er der Abgeſandten Beyſtand und Geleitsman ſey/ und wann er dieſelbigen wieder die Mauren ſtoſſen ſolte(welches in Perſien eine Art zu reden iſt) wurde er ſie nicht wiederumb nach ihrem Loſament begleiten koͤnnen. Auff dieſe manier befreiete er ſich des trinckens/ und die Abgeſandten wurden wieder in ihre Stellen geſchickt/ nach Weſchrei: Mitternacht wurden die Zerbalftes oder önng des Kö⸗ güldene und ſilberne Teppichte auffgedecket/ miglichen und vielerley gebratene und wohl gewuͤrtzte Panquets. Speisen auffgetragen/ darunter waren ſonderlich geſaltzene Fiſch(welche auß dem Caſpiſchen Meer oder von Maxanderan ge bracht worden /) Paſteten/ Zucker werck/ Meertrauben/ Mandeln/ kleine Nuͤſſe/ und andere zun Truͤnck bewegende Sachen/ welche allein den Europeern oder Francken fuͤrgeſtellt worden/ den waß die Perſier anbeſanget/ ſo iſt der Gebrauch denſelben keinen Wein füͤrzuſtellen/ wenn ſie Pilau oder andere Speiſen eſſen/ und dieſe Gewonheit hat folgende Urſachen/ nemlich weil der Pilau (wie ich davon Meldung gethan alß ich die Tuͤrckiſche Kuchen beſchrieben) ſehr fett iſt/ erꝛeget er den jenigen die davon eſſen und zugleich Weintrincken ein beſchwerliches auffſtoſſen und groſſe Ungelegenheit. Aber an ſtatt des Weines haben ſie ein Getraͤncke (Beſihe deß Tuͤrckiſche Serrail.) welches von Birnen Limonien und Granatenſafft beſtehet/ ſie halten daſſelbige in groſſen Geſchirꝛen von porcellan, darvon ſie bißweilen einen Loͤffel vol den Durſt zu leſchen zu ſich nehmen. Nach geendeter Mahlzeit 5 wurden etliche Boſſen reiſſer und Schalcksund der Poſ. Narꝛen eingeführt/ welche Tuͤrckiſche Lie, ſen Spieler, der ſungen und dabey tauſenderley Affen, ſpiel und wunderliche Handel trieben/ auff der andern Seiten erſchienen außerhalb im finſteren 2 Manner welche gegen einander mit Spring ſtoͤcken ſpielten an jeglichen Ende dieſer Staͤbe waren ſtuͤcklein Leinwand welche in Naphten, waſſer daß ſtaͤrcker alß Schweffel brennet eingetaucht/ und im finſtern eine helle Mie auch et. licher andern Kunſtſachen. auch zwey groſſe Wuͤrbel winde die allezeit im der Lufft ſchwebten/ und in beſtaͤndiger Bewegung verharꝛeten. Es war umb drey Uhr nach Mitternacht da der Ceremonien Meiſter kam und die Abgeſandten auffſtehen ließ damit ſie von den Konig Abſcheid nehmen koͤnten/ er fuͤhrte dieſelbigen biß zu Ende des Saals/ alda ſie eine Tiefſe Reverentz machten/ ohne daß ſich Jemand von ſeinem Orthe bewegte/ da mit ſie alß die erſten ohne Unordnung ihre Schue nehmen koͤnten. Alß ſolches geſchehen/ beurlaubte der Koͤnig den ganzen Hoff/ da hette man ſehen ſollen/ wie ſie in dem geFlamme giebt angeheftet; dieſes war ſehr luſtig zu ſehen/ es erſchienen Bericht was in Indien und Perſien: Die Handlung dreng die Schu verwechſelten/ alſo daß einer gewinnen und der ander verliehren muͤſte. Hern Lal Alß die Abgeſandten neben Pater Rapha- ird bo elen wieder zu Pferde geſeſſen/ und in ihre arbemaWohnungen kehren wolten/ traff ſie deß gouler Atemat-doulets Oberſter Pfoͤrtener an; Gaſt gas (dieſer Pfoͤrtner hat nicht darumb dieſen den. Nahmen daß er eine Pforte auff zu ſchlieſſen hat/ ſondern weil er die jenigen welche mit ſeinem Herꝛen/ dem Oberſten Staats⸗Diener zu reden haben fuͤr ihn fuͤhret) derſelbe gab dem Pater Raphael zu verſtehen/ daß der Athemar- doulet des Frantzoſiſchen Begzade der daß ſchreiben dem Koͤnig geluͤſfert erwartete/ denſelben in ſeinem Hauſe wie er von dem Koͤnige befehl haͤtte zu tractieren. Der pater berichtete die Geſandten/ waß dieſer Hoff bediente ihme angezeigt/ und ſo bald er hinweg war ſprach Boulaye zu ihm/ daß er alß ein Edelmann auch daß recht hette mit zu gehen wo Lalin hingienge/ und ſeine Diener welche die Perſiſche Sprach verſtunden/ verſicherten/ daß der Perſier ihn eben ſo wohl alß den andern genennet hette/ der Pater gab zur Antworth/ daß er nichts anders gehort/ alß waß er ihnen fuͤr gebracht/ ſie ſolten ſich aber nur alle Fertig halten/ wann die beſtimbte Zeit kommen wurde. Unter dieſem reden langten ſie zu Zulpha an/ und ruheten) oder 6 Stunde lang/ biß es Zeit war zu Pferde zu ſitzen/ und bey dieſem Fuͤrnehmen Herꝛen ſich ein zuſtellen. 0 Zwiſchen neun und 10 uhren deß Mor⸗ ant 1 4 ends begab ſich Herꝛ Lalin wie auch Bou 95 52 1 pater Raphael zu Pferde/ un 2 5 1 ſo bald der Achemat doulet ihre ankunfft bac fe vernommen/ kam er ſie in dem Audien fare Saal alda zu gleich etliche ſchüͤſſeln mit Zu fel cker werck bereitet ſtunden zu empfahen. Der Pater ablentierte ſich eine Zeit lang/ nebſdeß Athemat doulets ſeinem Secretarios de Koͤnigs in Franckreich Brieff in Perſiſche Sprach zu üͤberſetzen/ und nach dem ſie einander groſſe Hoffligkeit erwieſen/ kehrte die Abgeſandten ſambt den Pater Raphae wieder nach Zulpha. a gen Die andern eifferten daruͤber daß 5 Zween von Adel bey dem Perſiſchen Staa 9 Diener ſolche groſſe Ehre wieder fahren/ 15 wolten mit Macht denſelben auch beſuchen„ Aber Pater Raphael gab ihnen zu verstehe, daß es der Perſiſchen Gewohnheit zu 0 ſey/ einen ſolchen Fuͤrnehmen Herren heberuffen zuüberlauffen/ und daß der. nige mar- doulet, den Begzade welcher deß K lein in Franckreich ſchreiben überlieffrt auff ein zuladen von dem Koͤnig befehl hätte 515 den Abend bekamen Lalin und Pater 915 ael auffs Neue ordre bey dem Koͤnig f eiten ſcheinen/ da den zoulaye ſtekuczum een A, e wolke. Der Konig saber ließ ich dicken g, euch 10 1 70 e müſten ſie für diß! e 155 mahl wieder zu ruͤck kehren. n lind ni, Alb nun die 3 Kauffteuthe ſohen daf de dhe Zween Abgeſandten ſo viel G 1 Pate 9e fuhre/ bildeten ſie ſich gaͤntzlich ein 2 aphael en Jan . h Alis on den 1a l. g ſch hh 0 n der Deputirten auß Frauckreich betreffend porgangen. Raphael deſſen Stiffter und Uhrheber geweſen/ ſie empfingen ihn mit groben Laͤſter worthen und worffen ihm fuͤr daß er der andern partey hielte und wieder ſie ſey/ ſie dreueten auch ſolches nach Franckreich zu berichten alſo daß es manchen den Kopff koſten dürffte/ das man deß Koͤnigs befehl uber ſchritten/ und wieder ſeinen Willen gehandelt hatte. Der barer wurde uͤber dieſe worte ziemlich zum Zorn bewegt/ und antwortete ihnen daß er jederzeit ſo viel ihm moͤglich geweſen dahin getrachtet/ daß einem wie dem andern Ehre erwieſen wurde/ dafür ſie ihme ſchlechte Danckbarkeit erzeigten. Demnach aber wolte er ſeine Sorgfalt zu Befoͤrderung ihrer Geſchaͤffte keines weges hindan ſetzen/ und zwar nicht in Anſehung ihrer ſondern in Anſehung der Compagni in derer Nahmen ſie abgeſand worden/ uud der Capuciner in Franckreich welche auff bitte der latereſirren ihnen ein Verzeichnus aller Hauſer die ſie in Orient hatten/ gegeben/ damit ſie ſich der ſel ben zu beſtellung der Brieffe bedienen koͤnten/ und im uͤbrigen fahr der Pater fort wen ihr ja wollet den Athemat· doulet gleich den andern beſuchen/ ſo wil ich mich bemuͤhen daß euch ein genuͤgen dach und ihr mit ihme zu ſprechen Gelegenheit erlanget/ bed. darauff ließ er ſie zu Pferde ſetzen: L Etoile 31 geſandten/ und ſprach dieſe weren es welche wegen der Handlung mit ihme tractiren ſolten. Der Athemat-donlet gab dem Pater zur Antwort er hette von dem Konig keinen befehl mit den Abgeſandten die er ihme zeigte zu reden/ ſondern allein den Begꝛzade ober Edelmann der des Koͤnigs ſchreiben uͤberbracht zu empfahen; wie den ſolches auch wüͤrcklich geſchehen. Darauff ſprach der pater ſo ſolte er ihm doch belieben laſſen/ bey dem Koͤnig zu erhalten daß er etliche ſeiner Bedienten benennen moͤchte/ mit denen die Abgeſandten Krafft ihrer in Handen habenden Commiſhon fractiren koͤnten/ welches der Athemat. doulet zu thun verſprach und hiemit zum Koͤnig ſich zu begeben zu Pferde ſtieg. Die Abgeſandten machten ſich auch wieder nach Luſpha; und alß auff den Abend pater Raphael nach Hiſpahan fam/ darinnen die Capuciner jhre Wohnung haben/ traff er in dem groſſen Gange gegen Lulpha einen Cavalier an/ der ihn eben geſuchet/ der gab ihm zu verſtehen daß der Koͤnig dem Nazar befohlen den folgenden Tag die Geſandten zu tractiren/ und von denſelbigen zugleich zu vernehmen was ihr Begehren ſey. Der Pater kehrte alßbald wieder umb/ deſſen Befehl den Abgeſandten fuͤr zu tragen/ damit ſie ſich in Bexreitſchafft halten moͤchten. a a Des folgenden Tages welches der letzte September war/ ſtelte ſich barer Rapliael Die Abgedes morgens bey den Geſandten ein/ dieſel, ſandten laſ1 eva und ſein Sohn kamen auch dazu und alſo 1 60 Machern ritten ſie alleſambt zum Athemat. doulet bey 0 aol welchem der Pater wohl bekand war und ſie ſen abermahl thre naͤrriſche Einbildung ben zu dem Nazar bey welchen er auch zu ge, gen ſeyn ſolte/ zu begleiten. Aber er wurde al- 10 2 Daß 90 elt Ae gar leichtlich anbringen konte. Aber der ler chemat⸗doulet war eben bey dem Konig/ . ſhſhe alſo/ daß nach dem ſie lange Zeit vergeblich gewartet muſten ſie/ alß es wieder weg zu gehen Zeit war/ wie der zuruͤck nach Lulpha kehren/ und die Sache auff den folgenden ag verſchieben. N f. Des andern Tages ſtellten ſte ſich alle mit ahmahls einander bey dieſem groſſen Staats Miniel 90 0 a 8 er 10 cb, er ein/ welcher eben alß ſie ankamen in dem Frauenzimmer war/ und ob ihm ſchon ihre nkunfft wie leicht zu erachten angezeiget worden/ muſten ſie doch mehr alß zwo ſtunen warten. Pater Raphael gab unter deſſen acht und ſpatzierte hin und wieder/ beſorgend der Arhemat-doulet mochte durch eine heimliche Pforte ſich davon machen! und als er vor genommen daß ihme ſeine Pferde aber gebracht wurden weil er zum Koͤnig kommen ſolte/ ſtellte er die Abgeſandten an einen Orth/ bey welchem er nothwendig furey gehen muſte. Sie hilten in der Hand eine Abſchrifft des Brieffes welchen 1) von der Sompagnti unterſchrieben und in Perſiſche Sprach uͤberſetzen laſſen/ alß nun der Ache mat-doulet fürbey gieng/ drang Pater Ra9 der ihme bekand war/ durch daß umb dee liebende Volck/ und uberliefferte ihme ie Abſchrifft des bemelten Schreibens/ elche ex bey ſich hatte/ zeigte ihm die 3 Abſehr beſtürtzt alß er ſahe daß ſie nicht alle mit blicken. einander dahin gehen wolten/ welche ſchaͤndliche Uneinigkeit ihn nicht wenig verwirꝛete. Er muſte derohalben ein Mittel erdencken ſie zu vergnügen/ und gieng zum Nazar redete/ und ſprach/ ſein gutduͤncken ſey daß die Abgeſandten welche wegen der Handlung abgeordnet weren am erſten zu ihme kommen ſolten/ dieweil ſie eigentlich die jenigen weren mit welchen er tractiren ſolte. Der Nazar aber antwortete/ Es ſey des Koͤnigs Wille und Meinung daß ſie alle Unſſe ſolten beyſammen ſeyn. Der Pater ſagte zum andern mahl wenn die Sache wohl ablauffen ſolte/ ſo muſte man die Meinung die er vorgeſchlagen nicht verwerfen/ der Nazar machte darüber ein ſaur geſicht/ und ſprach zum Pater, ſchaͤmen ſich denn eure Frantzoſen micht/ daß ſie ſo uneinig ſeyn/ daß auch Kuechte von ihrem Zwietracht reden muͤſten? Waruſnb haben ſie ſich nicht in ihrem Lande mit einander verglichen/ ehe ſie abgereiſt ſind/ und unter einander beſchloſſen wie alles unter ihnen ſolte gehalten werden 32 Bericht was in Indien und Perſien: Die Handlung was ſollen wir auff dieſe Weiſe von ihnen und jhrer Commisſion Vrtheilen/ befuͤrchten ſie ſich denn ſo gar wenig jhren Koͤnig zu erzuͤrnen/ oder iſt ihr Koͤnig dann viel gelinder/ alß der Koͤnig in Perſien/ welcher ſeinen Unterthanẽ der gleichen verbrechen keines wegs verzeihen wuͤrde. Und diſes war deß Narars Tapia, Antwort! Pater Raphael dörſſte dazu ferner lich ein Mis nichts ſagen/ ſondern bath nur der Narar tel ihren un» mochte zween Reuter mit ihm ſchicken die ruhigen Sin⸗Abgeſanden zu Zulpha abzuholen/ er konte nen ein genu⸗ aber ſeine Gedancken gar weißlich verberaun zuthun. gen dann er war willens die Sache alſo anzuſtellen/ damit die Kauffleuth eine Stund eher alß die vom Adel ankamen/ ſintemahl ſie nicht leiden wolten daß die andern wann ſie von der Handlung reden würden ſolten geDie Abgeſan⸗genwärtig ſein. Die Sach gerieth auch wie den kommen der bater den Anſchlag gemacht. Er ſchickte für den Nazar einen von dieſen Neutern zu denen von Adel/ und befahl ihm er ſolte mit jhnen trincken/ und ſie nicht noͤtigen ſondern langſam führen. Er aber gieng nebenſt dem andern Reuter zu den 3. Kauffleuthen/ ließ ſie geſchwinde auffſitzen und kam nebſt ihnen in kurtzer Zeit doch daß ſie nicht wuſten warumb man ſo eylete zu dem Nazar, welcher ſie dannauch mit aller Hoͤffligkeit empfieng. Unterwegens offenbahrte der Pater dem Dupont einem von den drey Abgeſandten was ſich zwiſchen jhme und dem Nazar zugetragen/ und beſchrieb jhm die Mittel die er erdacht damit beiden theilen ein genuͤgen geſchehen moͤchte. Er uͤber gab auch bey jhrer Ankunfft dem Nazar der Abgeſandten Commisſions Puncte welche in Perſiſche Sprach uͤberſetzet waren/ darauff kamen ſie miteinander zur unterꝛedung/ daruber ſie ſich faſt 3. Viertheil ſtund aufhielten. Sie geUnd beſprecht dachten in diſem Geſpraͤch ſonderlich der Zoͤlle ſich mit hm der Gattung der Wahren/ und der Frantzoſchedlüchen ſen Auffrichtigkeit in Handel und Wandel/ nd en als die anderer Kauffleuthe verbottene Wahren keines wegs unter jhrem Nahmen durch zu bringen trachteten/ und verſicherten daß die Compagni mit Reputation in Aſien andeln/ noch wie andere gethan hatten bezahlen/ ſondern daß ſie auch den Hoff alſo beſchencken wolten daß ein jeder wurde konnen zu frieden ſeyn. Sie hatten von diſen Sachen eben dazumahl ihr Geſpraͤch vollendet alß dem Nazar angezeiget wurde daß die Edelleuthe auch ankommen weren. Er ſprach derohalben zum Pater Raphael daß er ſie empfangen ſolte/ und da geſchahe die Abrede daß ſie den Kauffleuthen welche jhnen den Vorſitz an der Taffel nicht ſtreittig machen wolten/ ſolten vorgezogen werden. Alß der pater herauß kam/ nahm er den Herm Lalin bey der Hand/ und Boulaye ſolgt ihnen/ er wuſte ſich gar artig zu beklagen/ daß ſie ſo lange verzogen und daß man ihrer mit ver dem Pater Raphael im Namen der 5. langen gewartet Endlich ſprach er zu huren weil jhr nun alle bey ſamen ſeit/ ſogehet in di Gemach lpecificieret euer begehren und die Artickel eurer Commisſion. Die Kauffleut ſo ſich uber alles das jenige daran ihnen gelegen war mit dem Nazar unterꝛedet/ beſchwehrten ſich nicht mehr einer zweyten Con ferentz mit denen vom Adel beyzuwohnen/ die zwar in nichts anders als Hoͤfflichkeiten/ und gegen einander bezeugenden Treu und auffrichtig gemeinter Correſpondentz beſtunde/ welches aber wie nachgehends zu erſehen keinen Effect erꝛeicht/ hierauff begehrten ſte Dinten und Papier und verfaſten jhr begehren ſo ſie an den Koͤnig zuthun entſchloſſen/ folgendes Inhalts. 9 gebe 65. al Wir begehren von ihrer Maſe⸗ a ſtaͤtin den erſten. Jahren von dem 400 6 0 Tage der Ankunfft unſerer Schiffe paſen gezehlet/ daß wir von allen Zoͤllen ino gemein mochte befreiet/ und hernach in den folgenden Jahren in allen Freyheiten und Gnaden welche andern Nationen verwilliget oder kuͤnfftig zugeſagt wuͤrden/ gleich ebene werde. Unſere Danckbareit dagegen zuerweiſen wollen wir von ſonderbahren Sachen und Frantzoͤſiſchen Wahren ſolche geſchencke thun daß verhoffentlich der Koͤnig und deſſen Beambte damit werden vergnuͤgt ſein koͤnnen. Daß wann wir nacher Hoff oder ſonſten zu einem gemeinen Geſchaͤffte beruffen werden/ uns fuͤr allen andern Nationen der Fuͤrſitz wie wir ſolchen ohne wiederſprechen au a len Hoffen der Chriſtenheit/ Ja beh der Tuͤrckiſchen Pforten ſelbſten haben jederzeit gelaſſen werde. 5 begehren auch daß jhre Maſeſt. den jenigen der Compagnie welch, ametzo in Perſien verbleiben wer don in der Statt zu wohnenerle ge 15 ben moͤge. Dieſe Artickel wuent Gre biff, ſczet un ag ſandten ſo wohl derer von Adel auß berge ae leuth von Wort zu Wort in Perſiſche p e, bens einem von des Nazars Schreibern in die Fe, war der dictiert/ und weil der Schreiber den jſte/ ſandten Nahmen nicht zu ſchreiben Buchſchrieb ſie der pater ſelbſt mit Perſiſchen„ den ſtaben/ und diſes würde in Gegenwa d, Geſandten geleſen/ nachmahls nahm e ches Nazar und Uberꝛeichte es dem Konig/ woe 0 5 en gt der Deputirten auß Franckreich betreffend vorgangeu. 23 bereits auß der Stat war und bey der Pforten Tockai nach der Provintz Mazandaran du gehen ſich befande. Alß diſer Sache jhre Richtigkeit hatte folgte darauff die Mahlzeit welche an allerhand niedlichen Bißlein die d Perſien nur hervor zu bringen vermocht keidae„ nen Mangel hatte. Deß Koͤnigs Güldene W xa. Flaſche und Schale wurde expres den Abgetert. ſandten gröſſere Ehre zu erweiſen dahin geſchickt/ die Muſic von ſeinen und Inſtrumenten wurde auch nicht vergeſſen. Der Nazar weil er genoͤhtiget wurde dem Koͤnig zufolgen beurlaubte die Abgeſandte/ und ſprach zum Pater Raphael daß ſie ſich nur auff jhn verlaſſen ſolten/ er wolt jhre Supplication dem Koͤnig preſentiren und jhnen in kurtzer Zeit F,, eine richtige Antwort zu wegen bringen. Die 1 6 Abgeſandten welchen der Nazar ein gutes ge50 nuͤgen gethan/ uͤberꝛeichten denſelben nach 8 1 wenig Tagen jhre Geſchencke/ welche wara ge lich ſolchen Abgeſandten/ die ſich ſo biel einweder bildeten/ und auch die Compagnie in groſWachen ſem Anſehen erhalten wolten zum groſſen . Schimpff und Unehr gereichten/ da ſie doch in diſem Vorhaben die anſtellung einer Handelſchafft betreffend ihr vermoͤgen und Rieich0 thumb hetten an Tag geben ſollen. Dieſe don f Geſchencke waren nichts anders alß eine ſchaCf le von Meſſing mit geſchmeltzter Arbeit ſamt U bu acht kleinen Käſtlein oder Truhen mit pern ſpectiyen und ſpiegeln von Glaß geſchmeltzt/ gezieret/ ſo alles kaum 30. oder 40. Cronen werth war. Auff gleiche weiſe/ aber am werth noch viel geringer/ beſchenckten ſie auch den Mirzatacket des Nazars Leutenant/ welches Geſchencke in einem Dutzet verguldeter Scheren fuͤr Weibs⸗Perſohnen beſtunde. Ich muß die Sache alhier bekennen wie ſie au ſich ſelbſt geſchehen/ man ſpottete dieſer chonen prelenten und nach dem die Abgeandten ab gereiſet/ wurden ſie ſchandlich dadene, mit außgelacht. 05 0 Ich kan auch alhier nicht unterlaſſen zubeMae guen klagen das ich mich meiner eignen Narion kalte ihm Halben rechtſchaffen ſchamen müͤſte/ als wel; clenebe, ce durch dieſer ⸗Heren unhofflches verhalten u. und ſchändlichen Geitz einen ubelen Mahmen erlangte/ und bekenne ohne Ruhm zu melden/ bn, daß wann ich etwan mit dem König in Per0 baten ſien oder andern Königen und Fürſten in i chem, Aſien etwas zu thun gehabt/ keiner von denſelben geweſen den ich nicht mit Jubelen von 5 6. Biß 7000. Francken werth oder andere 100 kboſtlichen und beſondern Stücken welche offt t biß auff 12. Tauſend Francken geſtiegen be, 90 12. Tauſend Fr geſtieg 5 ſchencket/ wie ich gegen dem groſſen Mogol al in meiner letſten Reiſe in Indien gethan ha5 davon in meiner Indianiſchen Reiſe Beſchreibung außführlicher Bericht zninden. d. Die Abgeſandten nach dem ſie mit der mit em Nazar gehaltenen Abrede wohl vergnuͤgt waren/ muſten bekennen dab Parer Raphael ſich getreulich und eiferig jh rer Sachen angenomen/ und verhoffte er würde auch durch ſei111. Theil. Aber die vom Adel verehrten dem Nazar gar nichts. ſey nen Credit nicht allein verſchaffen/ daß des es Königs in Perſien Antwort an den Konig in Franck eich in hre Hande gerahte/ ſonder auch daß der beſtetheil der von dem Koͤnig agelcger aber erwartenden geſchencken in barem Gelt beſte⸗ der barer nicht hen moͤchten. In ſolcher Hoffnung brachte annehmen Mariage dem Pater einen Sack mit 400. wil. Tomans die ſich uͤber 600. Thaler belauffen/ alſo in Silbernen Gelt/ denſelben bittende das er dieſe Verehrung von jhme und ſeinen 2. Mitgeſellen geneigt annehmen moͤge/ wohl erachtende daß der Pater ſolches ohne zweiffel abſchlagen wurde/ wie er ſich den auch daruͤber otfendirt befande/ hochbethurende/ daß die Dienſte die er ſo wohl dem einen als dem andern Theil zu er zeigen getrachtet/ nicht umb Geld oder auß Eigennutz geſchehen und bath ihn derohalben er moͤchte ſein Geld wider zu ſich nehmen/ er wolte hn zwar noͤtigen/ weil die Compagnie diſe Verehrung thaͤte/ aber der bater erzuͤrnete ſich daruber und Mariage konte nicht ſo viel erhalten/ daß das Geib nur biß auff den Abend in ſeiner Kammer bleiben moͤchte/ ob er wohl daſſelbe abzuholen verſprach/ ſondern er wuͤrde gezwungen ſolches wider mit ſich zu nehmen. 2 a Nach dem 2. Tage verfloſſen that der Der Konig Nazar dem Pater Raphael zu wiſſen/ daß der williget in der Koͤnig in der Franzoſen begehren willigen Frangoſen be wolte/ und einen jeden unter den Geſandten gehren. den Koͤniglichen Rock den ſie Calaat nennen dem Herzen Lalin aber wegen des Vorzugs ein ſchoͤnes Pferd zugeben geordnet. Und daß die Antwort an den König in Franckreich nebenſt dem Kagan oder Verwilligungs Briff für die Directorn der Compagni fertig eh: In deſſen entfernke ſich der Koͤnig je lenger je weiter von Ilpahan und war berits 3. Tage Reiſe davon in ſenem Pallaſt Tajabat ankommen/ diſer Pallaſt ligt in einer angenehmenGegend mitten in einem klein? Thal welcher von den Baͤumen beſchattet wird/ und Der Koͤntg mit vielen Doͤrſſeren umbgeben iſt. läſt die GeDen 9. Octobris umb 6. Uhr zu Nacht ſandten zu ſich kam ein Eiſboth an Pater Rapliaeln mit eis holen. nem Schreiben ſo der Nazar in Nahmen deß Koͤnigs an ihn abgehen laſſen/ in welchem er demſelben befahl eilend ſamt den Abgeſandten nach Tajabat zukommen. Folgenden Tag fruͤhe Morgens befand er ſich nebſt dem Courir zu Zulpha und machte daß die von Adele und die Kauffleuth alsbald auffſaſſen wie ſie IbreAmunff dann auch thaten und in Eil was ihnen vom zu Talabat Geraͤhte am noͤtigſten/ mit ſich nahmen/ ſie waren kaum auß der Stat als der zweite Eilboth ihnen entgegen kam/ nebenſt einem ſchreiben gleiches Inhalts wie das erſte. Denz. Tag erzꝛeichten ſie Tajabat, und der Nazar gab ihnen das Hauß eines Armeniſchen Mamelucken welcher daſelbſt wohnete zu ihrem Auffenthalt ein. Der Koͤnig ſandte ihnen alsbald 8. oder 10. Flaſchen mit Wein und in 4. Groſſen verguldeten Schuͤſſeln 4 E Früchte 34 Bericht was in Indien und Perſien: Die Handlung Fruͤchte/ und Teppichte ihre Cammern zu wurde doch mit dem Beding daß er ſie bedecken. Aber diſe Geſchencke gaben neuen umb Verzeihung bitten/ und weil ſie ihm 8— Anlaß zur Uneinigkeit unter ihnen dieweil das Leben erhalten! ihnen dafür danUnd ſchänd⸗ ſie gleichſam in zwo Partheyen getheilt wa⸗ cken ſolte. Dieſer ungluͤckſelige Menſch 3 ren/ wolte ein jeder ſich ſolche allein zueig/ war hernach froh wenn er ſich ihrer Taf5 nen. Alſo daß des Koͤniges Bediente uber fel/ welche tagliche zur Stunde der MalStunden warten muſten biß ſie ich vergli⸗ zeit mit herlichen Früchten und Zuckerwerck chen damit ſie wiſſen konten ob ſie die Ge, in guldenen und ſilbernen Schuͤſſeln ver⸗ rg ſchencke entweder denen vom Adel oder den ſehen wurde nähern durfte. Die Ge. dach Gl Darüber ſich Kauffleuten luͤffern ſolten. Parer Raphael ſandten brachten in dieſer Herzligkeit ſechs z 50 1210 8 verſuchte ſein euſerſtes wiewohl vergeblich oder ſieben Tage zu/ unterdeſſen beſuchte f el ſchr erzür⸗ daß er diſe Streitigkeiten beylegen möchte/ pater Raphael den Nazar und bath ihn net und ihnen und trug einen rechtmaͤſſigen Zorn wieder daß er bey dem König auch ein Pferd für 5 trockene ſie/ und gab ihnen zu verſtehen es were nur den Boulaye zu wegen bringen mochte/ la 1 85 noch uͤbrig daß ſie/ ein jeder mit der Piſtol weil ſein Mitgeſell der Lalin eines bekom⸗ Hehe ih 3 in der Hand auff die Wieſen hinauß gien⸗ men herte“ damit zwiſchen ihnen der Eif/ bewillgegen und ihren Zwiſpaſt erörterten/ ferner zu fer und Streit moͤchte unter wegen blei, wird. ihnen ſprechende biß her hab ich gethan was ben. Er bath auch umb einen Paßport mir moglich geweſen daß ich eure Uneinig⸗ daß er ſeine Pferde auß Perſien in Inkeit bey Hoffe verbergen konnen/ dem zwar dien uͤberfuͤhren koͤnte/ welches der Koͤnig mehr als zuviel dieſelben bekand ſeyn/ wollet ohne einig Bedencken bewilligte. ihr daß ſolche noch mehr außbreche/ und daß Den 17. October kan der Oberſte Me- Fe Gel die Perſer ſo wohl euch inſonderheir alß auch hemander in der Abgeſandten Wohnung 0 wech die gantze Frantzoſiſche Nation verſpotten und brachte fuͤnff Koͤnigliche Nocke mit beſchnl und ſchimpffen ſollen? Der Armenier bey ſich deren er den ſchoͤnſten und koͤſtliſten Der Wirth welchen ſie wohneten war dazumahl nicht welcher von guͤldenen Brocatel war Herwil ſie auß gegenwertig alß ſie einzogen/ und als er zen Lalin den andern/ und etwas gerindem Hauſe des Abends nach Hauſe kam und dieſe gern Herzn Boulaye und andere drey ſo ſtoſſen. Außlaͤnder fur ſich ſahe/ machte er ein noch geringer weren den Kauffleuten zugroſſes Geſchrey und weil er einen Königli, ſtellete. Alle dieſe Roͤcke waren ohngefehr chen Schutz oder Salvequardi hatte/ wolt 600 Thaler werth/ den Knechten aber dil er den erſten den er antraff und welches eben folche gebracht verehrten unſere Frantzoſen 10 Mariage war auß dem Hauſe ſtoſſen. Die nicht mehr alß 25 odes 30 Thaler die Ve. h Nachbahren kamen dem Armenier uͤber den diente auß dem Marſtall fuͤhrten auch die Fah die Diener der Frantzoſen ſich her machten zwey Pferde für die Edelleute herbey we. gage 1 und ihn angreiffen wolten/ zu Huͤlffe; der che nur ſchlechte und gemeine Decken Hofe Pater aber kwelcher ſich wegen groſſer muͤdig⸗ hatten/ ſie verehrten ihnen& Thaler fuͤr ihre gen. keit zur Ruhe gelaſſen und von diſem Ge⸗ Muͤhe. Wenn ich an ihrer Stelle geweſen tümmel erwacht erꝛeichte bald ein Mittel di, were ſo hette ich mich geſchaͤmbt/ in elſen Streit zu ſtillen. Das Geſchreh kame ner ſolche Begebenheit mich ſo ſchimpffnach Hoffe welcher eine halbe Stunde von lich und nicht freygebiger zu erzeugen den dem Hauſe diſes Mamnelucken gelegen/ und alß ich den Calaat oder Königlichen Rob. der König als er es vernahm ward er zu groſ⸗ empfieng/ ließ ich dem jenigen der mir ſolchen ſem Zorn beweget weil diſer Armenier die uͤberbracht 200 Tahler geben/ und Pater fremdden ſo übel tractieren dorffen; ſchickte Kaphaelüberlufferte ihme ſelbſt das Geld sn derhalben alsbald den Mehemander Baſſa einem Seckel. 25 oder Obriſten Ceremonien Meiſter hin/ mit Endlich wurde auch den Abgeſandten der Eir Ka Befehl daß er jhn nach Verdienſt einem an Nagan oder Verwilligungs Brieff für 1 den f Wechem dern zum Exempel ſtraffen„und ihme den Compagnie zu geſtelt/ und hielte folgend gung aber eine har⸗ Leib auffſchneyden laſſen ſolle/ welches in welches Pater Raphael uberſetzer in ſich. 1 1 fa Perſten eine geſchwinde und gar gemeine befindet ſich alhier von Worth zu Wore mul lest Straffe iſt über die jenigen welche der Kö⸗ ohne daß die Redens⸗Art im gerinaſt 5 nig umbzubringen beſchloſſen„die Abge⸗ geendert worden/ und in Perſiſcher Seer ſandten aber verhinderten die Volſtreckung alſo lautet. Es ſcheinet zwar in ae diſes Urtheils durch jhre Fuͤrbitt/ damit man Sprach eine Lächerliche Verwirzung ii nd ihnen nicht vorwerſſen doͤrffte daß ſie an dem aber nach dem Original iſt der Verſtan? — Tode eines Menſchen ſchuldig weren/ und volkommen/ und gehet richtig un! Aber durch nach dem ſie den Koͤnig bitten laſſen daß außdruͤcklich auff einander/ der Geſand er ihme vergeben ſolte/ und ſich hiezu der und die Worth geben ten 1 vornembſten des Hoffes bedient, erhielten a die Sachen auß. an- ſie endlich wiewohl mit groſſer Muͤhe daß fuͤhrlich zu ger. dieſem Mammelucken Guade erwieſenn verſtehen. J ver yyil der Deputirten auß Franckreich betreffend vorgangen. Verwvilligungs Brieff oder Patent Dey Kœnigs in Perſien WVegen Auſtellung des Ge werb der Fran ſcſchen Compagnie Aus Perſiſcher Sprach durch Pater Raphael von Mans, der nach Perſien verſchickten Capuc inern Superiorn von Wort 2u Vort überſezt. f 5 as dlie in Aufrichigkęit nit der euſſerſten Königlichen Enad und uber alle maſſe Kæœniglic hem recht ubertreſflich, in Hoffnung und mit Genieſſung dieſer Zeit bestandig, vdele he auf anlas der Compagmi in Form der Dahrn in dem Gebiet der Cierlichen Konigreichen ¶ Perſien] haben dureh bitt Schriſfi vorgebracht; iſt den Beambten des Hoffe der Hocheit und groſſen Gluckę verordnet, æuohren kemmen; Ihr vorhaben und begehren haben einen freundlichen Anblick gefunden. das ift ſeind erhœrt und fur genehm angenohmꝭ worden, und vvir haben feſiglich befohlen, das die Aufſehen der Gerechiigbæiten, Zellen uud Schatæungen dieſelben drey Iahrlang befreyen auf allerley Manier ſo ſein(en, und von ihren Gütern und Kauffmanſchaſſt einiges begehren ſahen laſſen ſollen; und nach begehren hrer Ahgeſandten haben vuir feſtiglich beſchloſſan, das drey Iahrlang ihre Guter und Kauffinanſchaſft ſo ſie herbringen vverden, vvann ſolche eingeſchriben, umb diſer urſaohen villen man ihmen nichts anbegehre; dievveilen dis ſelbigen billich und gemæs den llen und Schaue ungen ohgemelter Güter, den olf der Anflucht der Vel: von Perſen ein Preſent bringen ſollen; vvelebes preſent angonehm und nutxlich ſeye. Nach verffoſſenen rey Iahren durch die Formul dis wuvir feſt begehlen follen ſie ſiach auf alle vueis und wveg bequemen, ganixlich geſichert in Noffnung guden ractaments ohne allen uveyſel die Fluægel uber ſich in die Hohe, und das ſie gehen und ommen vvan dureh das Zeichen und gemerch. der Edelgeſteinen des groſſen K ragam, dei inan gehorſumen ſolle, durch die Rul uud Ingel ſehr Hoch Adelich heilig undd ſehr erhoben gexiehret und erleuchtet haben vvird; das nan dem vollig Glauben æuſtellen und ſich darau werlaſſs, das Menniglich diſem befehl geor ſame und das ſein nutxen und Siand ſeye 4d bleibe jederxeit in A afften, im Monat Re4 den erſten Anno 1076. gexehlet uon dem Heſegneten Hegiro, demè ſeye Ehr Heil und eie in der Hauheſtadt Iſpahan. Den folgenden Tag welches der 18 Octob. war kam der ehemauder- Baſſa morHI. Theil ſeyn/ welches er auch willig thate. 35 gens in aller fruͤhe die Geſandten abzuholen und nach dem ſie nebſt Pater Kaphaeln zu Pferde geſeſſen erzeichken ſie in vollem Lauff den Hoff/ dieweil der König ſeine Reiſe weiter fort zusetzen willens war. Sie kamen biß zu der Thür des Garkens und warteten daſelbſt eine halbe Stunde/ hernach ward dieſelbige eroͤffnet/ ſie funden den König zu Pferd und den gantzen Hoff noch zu Fuſſe. Der Atemat- douſet hatte die Antwort an den Konig in Franckreich in der Hand/ und ſelbige war in einem Sacklein von Gold und ſilbernem Zeuge mit des Koͤnigs Inſigel in rothen Spaniſchen Wachs verſigelt. Herr Lalin und die andern Abgeſandten müſten näher zum Koͤnige kommen(der daſelbſt in ſeiner HoDie Abgeſandten wer den wider fuͤr den Koͤnig gefuͤhret. heit ſtunde und kein Wort redete) ihme die Stieffel zu kuͤſen. Der Athemat-douler uͤberꝛeichte das Schreiben ſagende alhier iſt die Antwort an den groſſen Cham oder Koͤnig aller Koͤnige in Franckreich. Darguff thaten die Geſandten den König groſſe Ehre mit tieffer Ehrerbititgkeit in deſſen begab ſich der gantze Hoff auch zu Pferbe/ und nahmen ihren Weg durch die Berge gegen Cachan. Des Königs Haram das iſt das Hauß ſeiner Weiber oder die Weiberburg folgte bald hernach/ und in einer ſtunde war diſes groſſe Feld welches einer volckreichen Stadt gleich ſchlene/ ſo od und wůſte alß der groͤſte Theil in Perſien. Alß die Deputirten das fuͤrnembſte deſſen Die 1 5 was der Koͤnig zu thun entſchloſſen ſich er ten haben klaren laſſen/ funden ſie viel zu tviederſprechen. Mariage wolte von ſtund an wider nach Hoff auffbrechen/ und begehrte daß Herr Lalin und Pater Raphael ihine Geſellſchafft leiſten ſoltẽ. Der Pater hatte groſſen Verdruß von ihrer Uneinigkeit welche noch kein Ende hatte und bemuͤhte ſich den Mariage welcher wieder nach Hoffe wolte von ſeinem vorhaben abwendig zu machen/ ſprach derohalben zu den Abgeſandten daß weil der Stylus der Perſiſchen Cantzeley ſchwer zu verſtehen ſen/ ſo ſolten ſie wider nach Hiſpahan kehren daſelbſt wolte er ihnen des Koͤnigs Declaration von Wort zu Wort auß füͤhrlich erklaͤren/ und nach dem ſie es wurden gut befinden/ ſo koͤnten ſie wider nach Hoffe ziehen. Seine etliche Serupel uͤber des Koͤnigs Declaration, Worte waren ſo kraͤfftig daß ſie nach Kliſpa⸗ Und wol han wider zu ruͤcke kehreten/ alwo ſie auch wider nach ſie biß nach Lulpha reiten und ſtieg in ſeinen Hauſe ab. Den folgenden Tag liſſen ſie ihn bitten daß er zu ihnen kommen ſolte und in der Uberſetzung der Brieffe lach ö eber und Mariage ſuchten in vielen ſachen Serupel her für in ſonderheit aber bey den Worten billich und gemäls beſchloſſen delohalben gaͤntzlich wieder nach Hoff zu gehen; begehrende daß Her? Lalin mit ihnen ziehen ſolte. Boulaye aber fiel ihnen in die Rede und ſprach ihr Herzen ihr jrret euch daß ihr in E ij bon 5 den 20 October ankamen. Der Par er ließ Hoffe. Bericht was in Indien und Perſten: Die Handlung lieber den drey andern goͤnnen/ ſie biß an den Bander zu begleiten/ welche ſich au den 16 November mit dem Ludwig! Etoile den Sachen eure Handlung betreffend einen Vertrag und endlichen Schluß machen wollet/ ihr habt deß wegen keine Commillion, Dawider und ſeid nicht anders alß Vorbotten eurer auff die Reiſe machten/ und nach Indien Boulaye und Schiffe/ und euer Endzweg iſt/ den Aſiati⸗ giengen. Dupont war ohne Widerſpre⸗ de der baer mit ſchen Volckern darzu thun daß ihr geſinnet chen der ſittſamſte und verſtandigſte unter e 1 euch als Freunde und auffrichtige Kauffleut den drey Kaufleuten/ aber wegen der un⸗ bee ptoteltirer. Und nicht alß Seerauber wie auch andere ter ihnen entſtandenen Uneinigkeit wurde er uf mit einer ſolchen Melancholie angefochten/ 0 7 auß Nationes beſchuldigen wollen/ zu verhalten. n. 5 90 daß nach dem er ſich lange Zeit zu kliſpahan Zucanchiſ Der Pater gab ihnen auff ſeiner Seiten auch zu ver ſtehen daß ehe und bevor ſie mit ihren Schiffen 2 oder Reiſen gethan/ und wohlerfahren hetten was ſie für Wahren mit nutzen in Perſien kauffen und verkauffen koͤnten/ wurde ihnen ſchwer fallen ſich auff einen gewiſſen werth für das jaͤhrliche Prelent ſo ſie dem Koͤnig und den Fuͤrnembſten ſeines Hoffes verehren ſolten/ zu entſchliſſen/ daß die Hollander ſich lange Zeit hernach alß ſte alle Gelegenheit in Perſten erkuͤndiget/ aller erſt verbunden fuͤr die Befreyung von den Zoͤllen 300 laſt Seiden den Laſt für 40 Tomaas, anzunehmen. Er rieth ihnen ſie ſolten 3 Jahr umb die Befreyungen der Zoͤlle anhalten/ und in dieſer Zeit beobachten was in der Handlung in Perſten zu thun ſey. Er ſprach ferner wenn die auß Orient umb gleicher Urſach willen in Franckreich/ gleichwie ſie ohne Verehrung und Geleit kamen und den Vorſchlag theten eine groſſe Handlung mit ihnen zu treiben/ wuͤrden die Staatsbedienten in Franckreich denſelben keine andere Antwort noch Rath geben koͤnnen/ als daß man nach ankunfft ihrer Schiffe und Wahren mit ihnen aller erſt einen Contract machen koͤnte. Sie innerlich damit geſchleppet/ nahe bey Schiras den Geiſt auffgeben muſte/ welches ihme Pater Raphael dey ſeinem Abſcheid zuvor geſaget hatte. Beber nahm alle Guͤtter deß Verſtorbenen zu ſich nebſt einem Packet Brieffe ſo fuͤr mich von Paris kommen/ und wie ich vom bater Raphael vernahm/ daß er ſolches dem Dupont zugeſtelt welcher es mir uͤberliffern ſollen/ forderte ich ſolches von gedachten Beber alß ich ihn zu Agra antraff/ er aber wegerte es unverſchaͤmbt und ſprach er hette kein einiges Packet Brieffe in des Verſtorbenen Kuſtengefunden/ wann er aber etwas für mich gehabt ſo müſte ſolches in den Säcken ſeiner Kleider geweſen ſein mit welchen er ohne daß man barauff achtung gegeben/ begraben worden. Dieſe Unwarheit war ſehr unbeſonnen ſintemahl die Carweliten welche da Dupont ſtarb zugegen waren/ und denſelben nach gebrauch in den Kirchhoff der Chriſten zu Schiras dahin ſie den deichnam trugen begraben hatten/ mich verſicherten/ daß kein Eck noch Falt in deß verſtorbenen Kleider vom Beber undurch ſucht gebliben/ und daß er darinnen etliche Ducagten und ein guͤlden Geſtoͤcke zu den beſchloſſen endlich daß Mariage alß das Mar 5 das Zahnſtoͤchern nebenſt ſeinem Pittſchafft ſo Naß Haubt der Handlung mit Herzn Lalin wie, gleichfahls von Gold war gefunden und 15 Ihr Schluß. der nach Hoffe gehen/ Boulaye gber Beber ſich genommen hette. n 9 5 und Dupont ſich nach Indien begeben ſolten. Herz L Eſtoile und die Frantzoſen ſo ſo daſelbſt wohnen ins geſambt/ hilten diſen Schluß nicht fur rathſam/ ſondern achteten fuͤr beſſer Herz Lalin ſolte eilends nach Franckreich reiſen und des Koͤnigs Schreiben uͤberliffern. Aber diſer Rath ward verworffen und die Herꝛen Geſandten ſchieden von einander/ Lalin und Mariage kehrte wider nach Hoffe/ welcher wie zu vorgemeldet worden/ in die Provinz Mazandran gereiſet war/ und die z ubrigen giengen nach Indien. Die 2 erſten balhen den Parer Raphael inſtaͤndig daß er ihnen Geſellſchafft leiſten ſolte; aber damit er ſolcher Unruhe moͤchte überhoben ſeyn/ ſtellete er ihnen nochmahlen ihre Uneinigkeit fuͤr augen/ und ob ſie ſchon verſprochen ins kuͤnfftige einig zu ſeyn/ und daß ſie ihme ferner keine Urſach geben wolten kunfftig über ihr Verhalten zu 29 5 gaagen o konten ſie ihn dennoch zu diſer war gar ſchlechter Fortgang alſo daß ſie o 55 Nele nicht bereden. I. Eſtoile wolte auch ters Sinnes twurden/ wider nach Eipata nicht den Ludwig ſeinen Sohn mitgebe beme kehren/ zu derſelben Zeit kam Herr Chara, 0 ſie jährlich 2o Toauans Beſoldung daß er und Rallin zween Frantzöſiſche Kauflleuch ug, ihnen für einen Dolmelſchen dienen ſolte/ Hoffe an, und nach dem filbige dem. zu geben berſprochen/ ſondern er wolte ihn elliche fachen verkaufft ſtreckten ſie denn 1 4 f lin l Was den Lalin und Mariae betrifft/ ſo Mate reiſten dieſelbigen den 16, Deremnber von Elif wan ſſche pahan weg/ und kamen gluͤcklich nach Hofe/ deu daſelbſten ſie ſich eine lange Zeit auffhielten He ohne daß man jhrer achtete/ ihre Uneinigkeit continuierte nichtsdeſtoweniger dadurch ſie bey den Perſiern in groſſe Verachtung kamen/ und der Compagni Geſchaffte merckli. verhinderten“der Narar ſchickte ihnen eins hen a mahls des Abends eine Blume/ und ließ dar„ſelbſto bey ſagen daß ſie wie diſe Blumen an ihren auß. ſchoͤner Farbe unverenderlich/ alſo ſolten ſie! jhren Geſchaͤfften auch unverenderlich ſei l und ſich mit einander einig und friedlich ſe tragen/ denn es gieng kein Tag fuͤrbey da nicht unterſchiedliche Sachẽ an ben Nazar ar gehrten. Ihr Kalamaſchi oder Dolmetſch 100 ein ſehr geſchickter und verſchmitzter Mende weleher feinen Nutzen mit ſynen wol zu fie wuſte/ allein in der Compagnie Geſchaff 01 0 5 2 1 a0 o der Deputirten auß Franckreſch betreffend/ vorgangen, Mariage eine Summa Gelts fuͤr/ davon er etliche Hoffbedienten beſchencken konte/ die hernacher ſeinen Vorſchlag den er in Schrifften verfaſte annahmen/ welcher folgendes in ſich hielte. e he large Jah unten ſchribenef Mariage uon der Franberauben Luſiſchen Compagni eine Handlung nach perWurf, ien anxuſtellen ahgeſandt, thue bund und xuven, das in Anſehung des Brieſfs von dem Hochgebohrnen Mac hifgilen, Durohleuchtigſten Groſimdchiigſten und Unuberuuindlichſtè Pur. ſien und Her ſoher, in Frankreich vvelehen der Eale Herr Claude Nicolaus von Lalin Ritrer und Hoſfiuncher ſeines Rünglichen Hauſes an diſen Hoff gebracht, die vordiſem ⁊uvieben diſen æuvepen Reichen gepflogene Freundſecalft æuerneuren, und nothuvendige Freybei Fur die Beſtaligung der Compagnie ⁊uerhalien; mit dem flochgebornen Groſomàchtigen Onubervvindllichſten Flirſten und Herſeher in Perſien beſehloſſen vverden, daſs oben gedachte PranT aſehe Compagnie von allen Rechts Geldern Scharung e Zbllen und Aufflagen, ſo vvohl in der Ein als Ausfuhr ihrer ODahren mit vwelehen ſie in diſem Reich handin vuurden, ſol befreit und enilediget ſein, ohne das einiger Zollveruwalter, Rhadars, oder anderer Beambter nacht habe deſbwuegen Rundſchaſſt ein ⁊unthen, uielvueniger etu vas Ju fordern befiſgt ſein folte. Ledboch hat ſeine Hohbiit ihn vorbehal. ten das Recht und die Macht die V Dahnen heſiclitigen æulaſſen, ohne deren einigen Zoll unehmen. Flir di ſe hohe Gnade aber verbinde ich mich Jürlich im N ahmen der Compægnit den Hoff mit einem ehrlichen Geſchenꝶę æuverl nigen. Geſchehen æu Ferhabat den 22 April Nach, 1666. Dnterſchriben Nicolaus Mariage. 100 ander Her? Lalin wolte den Vertrag welchen 0 bwin, Mariage in ſeinem Memorial bey Hoffe eingegeben keines wegs gut heiſſen vorgebende daß diſer contract zu der Compagni Nutzen gantz und gar nicht gereichen werde/ daß man zuvor exprelle bon dreyen Jahren geredet in welchem die Compagnie von allem ſolte befreyet ſein davon aber Mariage nichts gedacht/ das man zuvor were eins worden daß ihre Wahren nicht ſolten beſichtiget werden/ in einem Memorial aber hatte er die Beſichtigung verwilliget/ und weren demnach der Frantzöſiſchen Kauffleute Conditiones ärger als der Juden. Vber diſes verſprache er ein begnuͤgendes prælent und daß daſſelbige nach dem Kauff und Verkauff der Wahren ſolte Proportioniert ſein/ da durch aber wurde faſt der gantze gewin drauff gehen. Lalin proteſtirs ſcharff wider diſes Memorial, Mariage Aber welcher den fuͤrnembſten deß Hoffes groß, e Verehrungen gethan erhielte was er beehrte/ und die Antwort auff ſeinen Vortrag/ welche von PaterRaphaeln hach dem gedacher Matiage zu Eilpahan wider angelanget überſetzet wurde/ und folgendes Inhalts war. % Do die Kauffleuch der Königreiche Franck„ziche welche ꝛc. Wie droben in dem verwiliguns Brieffe weiter lautet/ und zu ende. 37 Im Monat Chaubom des Groſſen 10s. Ge Tech. let von der geſegneten Heg yre deren ſay Ehr und Lob in den Landen Eohrefund in dem Gebie, Tebereſton das dieselben vvider alle bo und unglübeliche æufclle he ſohirmt hen. Marlage erhielte auch zugleich Erlaubnuß daß er wie andere Narſonen der Chriſtenheit als Engellaͤnder Hollander und Portugieſen du Schiras dörffte Wein machen laſſen. Sonſten iſt gewiß das allen diſen Vöſckeren er, laubt iſt das ſie biß in 2000. Meins dorfften machen laſſen(eine Mein haltet neun Pfund und daß Pfund 16. Unten) aber die Frantzoͤſiſche Nation muͤſte weil ſie noch nicht kecht im Stande war ſich mit 12. Tauſend begnuͤgen. ö a 1 1 Mit diſen Brieſſen reiſete er widerumb nachklilpahan, er hette zwar gerve den Herzn Lalin welcher Tauris, Ardebil, und Kom dubeſehen ſich entſchloſſen Geſellſchafft geleiſtet/ aber eine Weibs Perſohn in die er verliebt war und die ihm Sinn und Gedancken beſaß noͤtigte ihn wieder nach Zulpha zu kehren. Er. hatte durch Hülff eines alten Weibes welche eines ſeiner Knechte Mutter war/ eine junge Armenerin die er bey ſich verborgen hielte/ verfuͤhret/ dieſes konte unmoglich in geheim verbleiben und wurde alsbald durch gantz Zulpha außgebreitet. Die Armenier ins gemein aͤrgerten ſich daruber gar ſehr/ und lieſſen die Kupplerin greiffen ſie nach ihrem Verbrechen und nach dem Befehl der Geſetze zu ſtraffen. So bald Marjage BeEines Frantzoͤſſchen Geſandten jebes haͤndel, richt erhilt/ beinuͤhte er ſich ſie zu retten und das Urtheil zu hinter treiben/ aber als er ſahe daß das Volck ſich hieruͤbet ſehr erzuͤrnete/ und daß bereits von allen Seiten Steine auff ihn geflogen kamen/ machte er ſich auß dem Staub/ und konte mit groſſer Muͤhe in das nechſt gelegneſte Hauß entrinnen. Es blieb auch nicht dabey ſondern die Armenier/ die ſich nicht gnugſam verwundern konten/ daß einer ſo fuͤrtrefflichen Compagni Abgeſandter/ der an den Perſiſchen Hoff kommen etwas wichtiges außzurichten/ die Frantzoſiſche Nation dergeſtalten verunehrete/ erzůrneten ſich ſehr über eine ſo ſchaͤndliche und einer Perſohn die für das gemeine Beſte ſich bemühen ſolte übel anſtandige That/ daß ſie ſich entſchloſſen ihn an allen Orten und Enden zu verfolgen Ja es war an dem da ſie einen Expreſſen nach Franck, Die im reich ſchicken wolten/ ſich wegen dieſer Un. aber übel bethat und wegen des üben Verhalten des kommen. Geſandten zu beklagen/ Endlichen lieferte Mariage das Weib und ſeit derſelben Zeit her iſt er allezeit bey den Armeniern in groſſer Verachtung geweſen. Als Lalin zu Hiſpahan auch wider ange⸗ 5 langet/ begab er ſich den 2: November 1656 Lalin reiſet auff die Reiſe nach dem Bander in willens nach Indien. von dar nach Indien zu gehen. Die Hollander boten demſelbigen zu ſeiner Reiſe ihre Schiffe an und hilten viel von ihme/ wan muß auch bekennen/ daß diſer Edelman 5 ili fur 38 fuͤrtrefflichen Qualitaͤten war/ und daß er der Nation durch ſein tugendhafftes Gemüͤhte kein geringes Lob zu we en bracht: Aber das Ungluͤcke verurſachte daß er eben den Tag als wir mit einander des Holländiſchen Commendanten Frau zu Schiffe begleiten wolten/ die nach Barav ia reiſte in eine Kranckheit fiel; daß Fieber grieff ihn umb 10 Uhr vormittag in dem Schiffe an/ und wie es mit ihme gegen Mitternacht beſſer ward kamen wir wider zu Lande. Geſihe den Zween Tage hernach beſchioß er/ er wolte ſich Grundriß nach Schiras tragen laſſen weil daſelbſt ſehr Ban. geſunde Lufft iſt/ er war aber kaum 3 Meil bam: weges kommen ſo muſte er nahe bey dem Theil. Doͤrffe Ben- da- li die Welt verlaſſen. Er wurde von allen denen ſo wohl Mahometien als Chriſten mit denen er zu thun geabt hoch betrauret und daſelbſt zur Erden beſtattet oder beſſer zu ſagen in den Sand verſcharzet(den das Erdreich weil es an dem Meer ligt beſtehet nur allein auß Sand) und ihme ein ſchoͤnes Grabmahl aufgerichtet a Mariage rei- Den 30 November deſſelbigen Jahres ſel gieichfals 8 Tage nach dem Lalin von Hiſpahan auffnach Judten. gebrochen/ begab ſich Mariage auch auff die Reiſe nach Bander nebſt dem Pater Mercier, einem Jeſuiten den er zu ſeinem BeichtVatter erwehlet und dem Ludwig L. Eſtoile der ihme als ſein Kalamaſchi oder Dolmetſch dienete. Sie konten mit Luſt das Geſtade des gluͤckſeligen Arabiens/ welches daſelbſt ſehr hoch zu ſeyn ſcheinet betrachten/ den die Meer Enge daſelbſten iſt nicht mehr als 1 oder 12 Meilen breit. Sie warteten 3 oder 4 Monat auff Schiffe als ſie aber ſahen daß keine erſchienen/ und die HiVerbleibet tze herein zu dringen begunte/ relolvirte ſich aber zu Schi- Mariage die übrige Zeit deß Jahrs zu Schi8 ras zu zubringen/ und weiln ſie daſelbſt mit niemanden als mit den Inwohnern umbgehen konten/ begab ſich der Jeſuit nebſt des Lkſtoiſe Sohn widerumb nach liſpahan. Boulaye und Was den Boulaye und Beber anbelanBeber fom- get/ ſo erzeichten ſie den 1 April 1666 die 1 zu u- Stadt Surate und ſchriben von der Barre an. dia ſie ankerten an Pater Ambrofium, ſo den 7 dahin verſchickten Capucinern furgeſetzet war/ derſelbe kam ihnen auff ihre Bitte entgegen. Er redete aber zuvor mit dem Gubernator umb denſelben dahin zu vermoͤgen daß er ſie weil ſie von einem ſo maͤchtigen Koͤnig und einer ſo fuͤrtrefflichen Handels Compagni abgeſandt weren/ empfahen mo. ge/ er erbotte ſich auch willig dazu/ und ſchickte von Stund an ſeinen Boht nach dem bater die Geſandten einzuholen welcher ſie auch auff halben Wege in dem Fluß antraff/ und in ihr neues Hauſz fuͤhrete/ alda ſie 1 oder 20 Tage ehe ſie nach Agra verreiſten ſich auffhilten. Den weilen die Kirchen noch nicht außgebauet hatten die Capueiner eine andere Wohnung. Kurtze Zeit zuvor kam ein Kauffmann von Klepo andaß ſie dieſelbigen ſo ſie gemietet haben Bericht was in Indien und Perſien: Die Handlung deſſen Thun und Laſſen nicht am beſten ſtunde/ er bekehrte ſich von der Maronitiſchen zur Roͤmiſch Catholiſchen Religion/ in Hoffnung daſz er dadurch wieder zu rechte kommen wurde. Aber innerlich war ſeine Bekehrung nur zum Schein/ und eine pur lautere Heucheley. Die Orientaliſchen Chriſten anderen ſelten ihre Religion/ es ſey den umb des Eigen Nutzes willen und ſo bald ſie ein Stuck Geldes zuſammen gebracht/ kehren ſie wider zu ihrem Patriarchen/ und geben ihm eine Verehrung daß er ſie wider abſolviret. Auff dieſe Weiſe werden viel Europeiſche geiſtliche die aus Zuropa in Aſien kommen/ betrogen wie wohl ſie von der Bekehrung diſer Voͤlcker offt viel Geſchrey machen/ da es doch meiſtentheils eine uͤbertuͤnchte, Bekehrung und in der That eine lautere Schalckheit iſt. Unter vielen Erem⸗ Heuchele peln die ich anführen konte/ will ich nur al⸗ der Or 7 lein diſes melden daß als ein Franciſcaner a 0 nahmens Paul Stella zu Diarbequir mit Aadenun ohngefehr 400. Tahl. bekommen die er zu Religion ſeiner Unterhaltung mit ſich gebracht/ geſellte ſich zu ihm ein Maronit der von diſem Geld Wind hatte/ unter dem Vorwand er wolte die Roͤmiſch⸗Catholiſche Religion anneſhen/ und verließ ihn auch nicht/ bis daß er ihn gaͤntzlich außgeſogen und umb all ſein Gelt gebracht hatte. Und was noch mehr iſt da wann ſie wider zu ihren Patriarchen kommen/ ſo wiſſen ſie nicht wie ſie ſchimpflich genug von diſen Geiſtlichen den ſo gen andten Francken reden ſollen/ nach dem ſie ſie ſo ſchaͤndlich betrogen haben. Der obbemelte Maronitiſche Kaufman mit Nahmen Chelebi erzeigte ſich ſehr eyferig fuͤr den Capucinern und das nicht ſonder Urſach den die Capuciner von Alepo hatten ihn in ſeinen Sachen die ſehr ſchlecht ſtunden/ gute und getreue Dienſte geleiſtet/ ſie waren uber ſeine Ankunfft hoc erfreuet/ und lieſſen alsbald ein Geſchrey auß gehen als were er der jenige welcher das Gel . zu der Kirchen und ihrem Hauſe darſchieſſen wolte. Wie ich aber meine Rechnung dur ſehen/ habe ich gar wohl war genommen bas 2 der groſte Theil der Unkoſten damit den Platz und ein guter Theil des Gebaudes bezahlt worden/ auß meinem Beutel gangen Pater Ambroſius verſprach zwar mir ſol i. zuerſtatten/ ſo bald ich in Franckreich zünden kommen wurde/ aber ich habe ſeither 916 nichts vernommen/ wie wohl ich auch nich gefordert. die Capuciner vorgaben diſer leica, mann hatte die Unkoſten zu diſem 7 5 0 geſchoſſen wie wohler keinen Heller be alen ſer daf es iſt zu mercken daß keinem Europeſubt Ehriſt oder einem ſo genandt Francke el au iſt/ eigene Haͤuſer in Indien zu beſitzen/ han 5 verbeſſern dorſſen/ es ſey dann das fol 5 die vor dem Gubernator angezeigt naenander Heren der Compagnie ſo wohl Enge gls 5 5 ichen d Alhier muß man wiſſen auß was Una 12 in g. 777 ie ae dort fe die 1 N el der Depitirten auß Franckreich betreffend vorgangen. 39 als Holländer beſitzen auch Hauſer umb den Sins/ und doͤrffen kein eigenes bauen laſſen a auch ohne Erlaubnuß keinen Nagel oder Zapffen einſchlagen/ der groſſe Mogol hat ein Exempel genommen/ daß an andern Orten alda die Chriſten eigene Hauer hatten/ dieſelbigen unter dem Schein einer Verbeſſe, rung ſolche dermaſſen befeſtiget/ das wann hernach die Cubernator kttvas anſagen laſſen/ N haben ſie ſich widerſetzet/ und es ſo weit geſagan bracht daß ſie thun muſſen/ was ſie begehrt. n So bald die Geſandten zu Surate ange, fan, langt/ lieſſen ſie ein Geſchrey außgehen daß in ee, kurtzer Zeit 7 oder S Schiffe der Frantzoſiſchen Tm ompagnie ankommen würden. Der Kauffgalant man von Aleppo war über diſer Zeitung hoch Mebof, erfreüet und verhoffte durch Gunſt der Aachen. Capuciner und den Vortheil denn er hatte weil er vieler Aſatiſchen Sprachen kundig war/ zuerhalten daß der groͤſte Theil der ahren durch ſeine Hande gehen moͤgeIn Hoffnung deſſen ſuchte er den Abgeſandtz auff allen ſeiten zu ſchmeicheln/ und beſchenckde ſie mit etlichen prelenten, hielte ihnen freye und offentliche Taſel/ ſo lang ſie ſich zu Surate befunden und ſpeiſete auch ihre bediente auff Feine Unkoſten. Er erkandte keichtlich daß die HGeſaindten ſehr karg weren/ erhoffte aber das gute Tractament und die verehrungen die ſie von ihme genoſſen/ wurden ſie entlich zu be, zeugung einer Danckbarkeit bewegen/ aber er fand ſich ſehr betrogen. Es belieff ſich biß auff oO. Roupies, theils was er an dieſelbigen zu Surate angewendet/ theils was ſein Vetter ihnen zu Agra fuͤrgeſchoſſen. N Zween oder 3. Tag nach Ankunfft der Abgeſandten zu Surata, ließ ſie der Engliſche Preſident durch ſeinen Raht beſuchen/ weil er lolches auß Unpaͤßlichkeit ſintemahl er an dem Vodagra kranck lag nicht Perſöhnlich verricki konte/ der Hollaͤndiſche Commendant nebſt einem Naht kam auch zu ihnen/ und erzeig te ihnen alle Hoͤffligkeit. Ich weis zwar nicht ob unter dieſer Freundligkeit nicht ein Politicher Griff verborgen geſtecket/ allein es blib haben/ und wenig Tage hernach wurden die Abgeſandten von den Hollaͤndern zu Gaſt gebehten. Als man zur Taffel geſeſſen fiengen ſie an des Königs von Franckreich Geſundheit f zutrincken/ unterdeſſen wurde auß vielen klei0 nen Stücken und Feurmoͤrſeln Feur gegetagen. ben ſolche Stüͤcklein pflegen die Holländer den des in ihren Wohnungen zu haben und laſſen ſich wenn ſie Furnehmer Herꝛn Geſundheit trincken oder wann ſie eine Vietori erhalten/ taper damit hoͤren/ man unterließ auch nicht/ auff gute prolperität und auff das wohler, ö geen der Frantzöſiſchen Compagnie zu trineh. Herz Boulaye meinte ein gleiches auff ſaſündheit der Holändichen Compagoie wwahun und hielte ſolches der Hoffigkeit ge, bes zu lein/ wie er daun auch thate. Als ſeh ol die Reye auch an den Beber kam/ wider 155 er ſich und bildete ſich ein er ſey viel klüe als Boulaye, und was ſo wol er/ als andere Leute ihme vorbrachten/ und zuredeten ſo konte man doch nicht von ihme erhalten/ daß er die erwieſene Ehre und Hofffligkeit er, ſetzet hatte/ ja was noch aͤrger war/ als man ihme zuzureden fort fuhr lies er das Glaß einſchencken und warff es trotziglich zu ſeinen Füſſen. Er ſtund auch alsbald von der Tafel auff/ und gieng mit ſchlechter Ehr ohne einigen Bedienten zu Fuſſe in ſeine Wohnung. Die Holländer erkkuge diſen Schimpff auß Hoͤffligkeit und ſagten nichts dazu/ und bliben nebenſt dem Boulaye in Froͤligkeit an der Taffel biß umb Mitternacht ſitzen. Dennoch konten iſſe nicht unterlaſſen bey etlichen ihrer Freunde daruber zu klagen und verwunderten ſich ſehr das unangeſthen ſo viel Ehrliche und Verſtaͤndige Leuthe in Franckreich weren/ man dennoch einen Thoren zu Vernichtung eines ſo wichtigen Handels erwehlet/ und ſahen wohl daß er ihnen in de! Handlung wenig Nutzen ſchaffen wurde. Die Zeit Über als ſich die Geſandten zu Surate auffhilten/ bewiß der Gubernatot des Orts durch vermittelung Pater Ambroii, ihnen alle Freund ſchafft/ ſo frembden jemahls erzeiget werden konte. Einsmahls da ſie mit einander ſich unterꝛedeten ſprach er zu ihnen daß wenn ſie ſeinem Rathe folgen wolten/ ſolten ſie vor Ankunfft ihrer Schiffe nicht nach Hoffe gehen/ 15 der Guberna- N alle tor ſahe wohl daß ihr Vorhaben ſeinem uhm zu er. Rath zu wider und entgigen war/ und daß zeigen geben. ſie ihnen feſtiglich fuͤrgeſetzt den Konig zu ckel trotziglich ehen/ derohalben offerikte er ihnen Schiffe verwirſſt Geld und Soldaten ſie zu begleiten/ wolte ihnen auch Recommendation-Brieffe an etliche fürnehme Hoffbedienten mit geben. Der Chabander der den Kauffleuthen fuͤrgeſetzet und der naͤchſte nach dem Eubernator iſt/ er bote ſich denſelben in gleichen Sachen behulfflich zu ſeyn/ aber ſie ſchlugen es trotziglich ab/ ſonderlich Beber der ſich gantz uͤnbeſonnen ein bildete er habe mehr Klugheit als Boulaye gefreſſen. Gleiche Hoͤffligkeit erwiſen ſie als ſie von dem Gubernator und Chabander beſchencket wurden/ denn als man ihnen die Geſchencke in ihre Wohnung brachte/ gaben ſie denen ſo ſolche brachten auch nicht einen Pfenning fuͤr ihre Bemuͤhung/ welches hie zu Lande ſehr ſchimpfflich gehalten wird. Den es iſt gebrauchlich daß fürnehmer Herꝛen Bͤͤdiente wenig andere Belohnung haben als das Geſchencke die ſie bon einem und andern die ihr Herꝛ beſchencket erhalten/ und je mehr es ihnen eintraͤgt je gröſſere Ehre hat der jenige davon/ der ſolche ſhnen verehrt oder der von deme die Geſchencke kommen. 5 Als nun die Abgeſandten ſich reſolviret halten nach Agra zu reſſen/ dungen ſie eine Kutſche mit Ochſen beſpannet/ nebſt andern Ochſen ihre Bagage zu führen und 25 Soldaten zu ihrer Leibwacht. Sie machten ein groſſes Geſchrey wegen der Ehre die ſie hal, ten von einem ſo maͤchtigen Koͤnige und einer f anſehn i* Neuer Gezaͤncke und Streit der Abgeſandten. Ankuufft der Geſandten an dem Indiantſchen Hoffe, Und ihre Vernichtung. anſehnlichen Handels Compagnie abgeſandt zu ſeyn/ und in Anſehung deſſen Nahmen ſie fuͤnff oder 6 Kutſchen auffs wenigſte ein jeder ein Palanquin, ein Handpferd 2 Standarten darinnen ihre Wappen und Nahmen ſtunden mit ſich. Es iſt zwar der Gebrauch daß alle hohe Stands Perſohnen in Indien auff diſe Weiſe zu reiſen pflegen wie ich den auch ſelbſt alſo gereiſt bin/ aber ſie nah men nur 2 Soldaten mit ſich da ſie auffs wenigſte 100 oder 150 hetten haben ſollen. Drey Tagreiſe von Surate entſtand zwiſchen ihnen abermal ein Gezaͤncke ſintemal Beber dem Boulaye porwarff daß er ſo viel Diener hette/ daß ſolches durch nichts anders als durch Anſtifftung Paters Ambroſii und deß Alepiſchen Kauffmanns geſchehen ſey; und ſprach/ was ihn anbelange ſo wolle er nicht mehr als fur 4 Soldaten bezahlen/ wolte Boulaye damit nicht zu friden ſeyn/ ſo ſolte das übrige auff ſeine eigene Koſten gehen; Sie wurden endlich eins auffs wenigſte die o Reuter die ihnen dergubernator ſie zu begleiten mit gegeben zuruck zu ſchicken/ ſolches geſchahe auch aber ſie gaben ihnen nicht ſo viel/ daß einer Pfeiſſen Taback werth geweſen were. 8 Als ſie nun zu Agra ankommmen/ kam des Alepiſchen Kauffmanns Vetter alsbald zu ihnen empfing ſie gar hoͤfflich und bothe ihnen ſeine Dienſte an. An dem Hoffe des groſſen Mogols befand ſich ein Frantzoͤſiſcher Wundartz von Paliſſe nahmens St. Jacob derſelbe hatte ſich mit einer Portugeſiſchen Jungfrauen verheurathet und redete gut Indianiſch. Der Nabab oder der groß Vizir wie auch des Koͤnigs Vetter oder Oheim war dieſem Wundartz gar ſehr geneigt/ vnd dadurch verſchaffte er das die Abgeſandten bey dem Giafer-Kan welcher des Nababs Nahme iſt Audientz erhilten. Sie bathen ihn daß er ihnen die Gunſt erzeigen wolte und das Schreiben von ſeiner Majeſtaͤt in Franckreich dem groſſen Mogo! einhaͤndigen/ den ſie wolten der Handlung wegen mit ihme tractiren welche die Frannoͤſiſche Compagnie alhier anzuſtellen willens ſey. Der Nabab gab ihnen zur Antwort/ daß er ſolches dem groſſen Mogol vortragen/ und trachten wolle daß er ihnen in kurtzem zu diſem Vorhaben koͤnne behuͤlfflich ſeyhn. Er 10 auch alß bald man moͤchte ſie in die Wohnung die füͤr ſie zubereitet war/ fuͤhren/ darinnen man ſie mit allen noͤtigen Lebensmitteln verſorgte/ außgenommen daß ihre Dieuer ſolche zu ruͤſten muſten/ und ſelbſten an ſtadt der Koͤche dienen dann es iſt in Indien nicht wie in Perſien gebraͤuchlich/ daß die Speiſen welche man frembden Geſandten ſchicket in der Koͤniglichen Kuͤche bereitet werden) Als aber der Nabab hoͤrete daß ſie keine Geſchencke weder für ihn noch für andere Hoffbedienten auch nicht fur den groſſen Mogol ſelbſten mit ſich gebracht/ gahmen er ſich ihrer Sachen nicht mehr an Bericht was in Indien und Perſien: Die Handlung und bemuͤhte ſich nicht gar ſehr ihnen 1 dem groſſen Mogol zur Audientz zu verhelffen. Den allhier muß man wercken wie ich albereit in meinen Reißbeſchreibungen Meldung gethan/ daß in gantz Aſien die Staats bedienten im Gebrauch haben daß wenn ein Geſandter oder anderer Frembder mit dem e zu thun hat/ und den ſie bey dem Koͤnige antragen ſollen/ ſo ſehen ſie für allen Dingen auff die Geſchencke/ und na dem ſelbige beſchaffen ſeyn/ nach dem wird auch der Frembde geehret und hochgehalten. Auff dieſe Weiſe ging mehr als ein Monath Weg daß ſie den Nabab nicht konten zu ſehen bekommen/ ob wohl St. Jacob und andere Francken oder Europeer ihr beſts darbey thaten; Sie wurden endlich dieſes auffzihens uberdruͤſſig/ und lieſſen ſich Ankunfft der Frantzoͤſiſchen Schiffe ſeyn muͤſten. Auff dieſes er lichtete Gele rey ließ der Nabab ſie ending abhoien/ u forberle von ihnen das Schreiben von dem Koͤnig ſhrem Herzen in willens ſolches dem groſſen Mogol einzuhaͤndigen. Sie wuften nicht was ſie dazu ſagen ſolten/ ſintemahl ihnen unbekandt war wie der Koͤnig die Brieffe den frembden Abgeſandten zu empfangen pflegt/ den er pfleget keine auß der Abgeſaudten haͤnden anzunehmen ohne die von dem Turckiſchel Keyſer kommen. Alle andere Briſſe müſſen nach der Hochheit derſelbige oun welchem ſie kommen/ den Furnemoſten Hoffbedienten gelifferet werden/ welche ſolche nachmahls dem Koͤnig einhaͤndigen/ und je herlicher un ge vernehmen ſie wolten nicht langen zu Age fee bleiben/ weilen ſie nothwendig zu Surate bey niges 6 maͤchtiger der jenige iſt ſo bir Bruſſe geſandt ö je eher kombt er den groſſen ogoſ in die Haͤnde. Dem Indianiſchen Hoffe iſt der Zuſtand in Europa und Alia gar nicht un kandt/ ſintemahl ſie von den hohen Häubl ren was hre Macht und Hesſchaßft betrifft einen guten unterſcheid zumachen wiſſen und ich kan mit wahiheit ſagen das ſo wohl der Hei groſſe Mogol als der Nabab ein Better 1 mig einem vortrefflichen Gemuthe begabet und das ſie von allen jenigen was in den 5 alten theilen der Welt jemahls denck wurde ges vorgangen gute Wiſſenſchafft haben offt auch ein Außlaͤnder oder frembder in 75 Land komet wird ſolches von demCuberneg. an der Grentze dem Nadab twiſſend gema, 0 und ſo man wercket das les eine Perſohn 15 Verſtand/ wird er nach Hoffe beruffen/ 15 man jhme umh alles gute erzeiget/ damit. von jhme eine Nachricht von dendanden herkomt erfahren koͤnne., HbbgeVier Monath ohngeſahr ehe die loch ſandten ankamen zu Gehanabad, da heft, mich der Nabab ob war ſey das die Fc 1 ſen geſonnen weren nach Indien zu har, 0 die Engellander und Hollander hatten 1a, ein Geſchrey auggehen laſſen das die x 15 ſen im Werck begriffen waren/ eine Hale, Compagnie anzuſtellen. Ich gab ihime auff 0 der Deputirten auß Franckreich betreffend/ vorgangen. auff zur Antwort das man bey meiner Abreiß auß Par is welches unſers Koͤnigs Hoff und Reſidents iſt von diſer Compagnie geredet hette/ und ich hielt gar ungezweiffelt da r das es geſchehen wuͤrde/ aber ich zweiffelte ehr das die Frantzoſen/ ſo viel bekriegereyen er Gubernator und Rajas unterwegs wenn man durch jhr Land reiſen werde/ wurden ertragen koͤnnen. Darauff replicirte der Naab er hette dem Mogol albereit davon geſagt der ihme auch angezeigt daß ſie ſicherich kommen ſolten/ eslſolte jhnen alle gůte erzeiget werden/ und daß er ſchon hin und wier Anordnung gethan/ das jhnẽ kein Leid wierfahren mochte. Nach diſem befragte er mich uͤber unterſchiebliche Sachen/ und anangs wolte er wiſſen wie viel Volck der Konig ſo wohl zu Waſſer als zu Land auff bringen koͤnne/ wie viel Sold einem Soldaten zu Pferd und einem zu Fuſſe gegeben wurde/ und wo das Geld welches in ſeine Schatz⸗Cammer geleget wuͤrde/ herkomme. Nachmahls fragte er auch wie weit ſich Franckreich auß, reite/ und weil ich auff meinen reiſen allezeit ſo wohl Vaiverlal als Special Landkarten mit mir zufuͤhren pflegte/ zeigte ich ihm die groͤſſe Franckreichs/ und wie weit ſich ſolches or di nach dem Grad der Lange und Breite erſtrecke/ ingleichem daß in deſſen Inbegriff einige Provintzen kalter/ einige waͤrmer waͤren/ welche alle nothwendige Lebensmittel in groſſem Vberfluß hervorbraͤchten/ mit welchem wir auch den Frembden beyſtehen konten/ dadurch geſchehe daß des Königs Schatz Kaſten gefuͤllet and mit Gelde welches auß allen Enden komt verſorgt wer, de/ und endlich daß Franckreich daß fruchtahrſte Land unter der Sonnen und zu der Handlung ſehr wohl gelegen ſey/ und haͤtte nicht allein fuͤr ſich ſelbſten genug ſondern ondte auch andern Landern mittheilen und ſie verſorgen. Als ich diſes geredet fragte mich der Nabab woher es den komme daß weil Franckreich ein ſo reiches/ herliches/ und ſchones Land ſey wie ich ihme ſolches geruͤhmet/ eſſen Inwohner dennoch geneigt weren in oentferntẽ Landern ihren Handel und Wanel zuſuchen. Ich gab ihm darauff zur antwort daß die Franzoſen etwas zur Hoffart ind Begierigkeit alle Sachen zu wißen gemeigt weren/ und daß ſte glaubten/ außlaͤniſche Sachen die auß frembden Landen kamen konten der Herziigkeit die ſie auff allen Seiten ſuchen auch einen viel groſſeren Slant geben/ und in diſer Einbildung übertreffen ſie ale Voͤlcker in Europa. 5 a Des Morgens trug der Nabab dem groſogol alles das jenige vorl was ich ihme angezeigt/ und alsbald ſendete ſeine Majeſtaͤt dach mir/ mit Ordre alles das jenige ſo ich it mir in Indien gebracht ſehen zu laſſen/ em zu folge lis ich alles was ich ſonderahres hatte in 3. Palanquins thun und bebab mich damit in den Pallaſt/ in dem erſten Doffe traff ich eben den Nabab an/ er emIII. Theil. a 4 pfieng mich gar hoͤfflich und ſagte daß er mich zum Könige fuͤhren wolte welcher meiner wartete. Es war mir nicht unbewuſt daß man hier zu Lande keinen groſſen Herꝛen ohne Beſchenckungen beſuchet/ und das ſolche Herzen in Gegentheil die Leuthe gern auff zu ziehen pflegen/ und jhrer gar wenig achten/ derohalben bemuͤhete ich mich nicht mit lehren Haͤnden bey dem Nabab zuerſcheinen. Ich verehrte jhm eine Taffel die man zu Florentz zu machen pfleget/ und außzuſammen geſetzten Steinen beſtehet/ weiche allerhand Bilder und Blumwerck fuͤrſtellen/ nebenſt zwantig anderen Stuͤcken von gleicher Arbeit/ ein igliches einen Schu groß/ eine Bethdecke von Spanniſcher Arbeit mit Gold und Silber geſticket/ deßgleichen auch eine ſolche LeibBinde/ und zwo Uhren in Gulbenen Wehaͤuſe welches alles mich biß in 1200. Thaler gekoſtet. Eben denſelben Abend ſandte er mir in geheim 4. Flaſchen mit Mein deren zwey mit Schiraſiſchem und 2. mit Spanniſchem angefuͤllet waren. Auß forcht man moͤchte vermercken daß es Wem ſey ließ er diſe Flaſchen unter 12. andere vermiſchen da rinnen theils Roſenwaſſer theils Archard eſchreibüng des Getraͤnwar. Diſer Archard iſt ein gewiſſes Getraͤn⸗ ckes Archard. cke welches von allerley Perſianiſchen Fruͤchten gemachet wird/ diſe Fruͤchte werden in Flaſchen gethan ehe ſie einmahl reiff ſind und werden mit Saltz und Eſſig wie unſere Gurcken eingemacht. Deß andern Tags bedanckte ich mich dafuͤr und als er fragte was ich von dem uͤberſandten Wein hielte/ gab ich hm zur Antwort daß ich jhn vortrefflich gut befunden/ wann es ihm aber beliebte ſo wolte ich ihme noch beſſeren und ſtarckeren fuͤrſetzen. Ich hatte quch wüͤrcklich fünfferley Wein bey mir/ nemlich Wein der von Sobiras und Hiſpahan gebracht wird und weiß außſihet/ wie auch Spanniſchen und Frantzoſiſchen/ den ich theils durch Erkauffung theils durch gute Freunde bey 40. Maſſen/ und zwar lauter Mantiſchen an mich bracht. Diſer Wein iſt ſehr gut/ vnd kan in keinen andern Gefaͤſſen als in Irdenen geſchiren die man zu Cologne machet auffbehalten werden/ den ſonſten wurde ohue allen Zweiſfel derſelbe verderben/ uber diß hatte ich auch Rheims Wein bey mir der ſich ſehr lange halt. Aber es trug ſich zu daß etliche Meilen von der Stat die Radars von dem Koͤnige Befehl hatten keinen Wein durch zulaſſen/ er hette den zuvor davon Nachricht/ dannenhero ward mir der meinige verarꝛeſtiert· Der Nabab ſo bald er es erfuhr gab Befehl das man ihn ſolte abfolgen und mir in mein Hauß tragen laſſen/ dieſelbigen ſo mir ihn brachten wolte ich zwar beſchencken/ allein wie unauffhoͤrlich ich auch bath ſo wolten ſie doch nichts annehmen/ darüber ich mich hoͤchlich verwunderte. Sie bathen nichts meyr von mir als daß ich jhnen eine Flaſche mit Schiras Wein verkauffen und anderer moͤchte/ nur umb des Ch banders ihres Weine. Hern wegen, welcher(wie ſie vorgaben) F groſſes 42 groſſes Magen weh hatte welches auch wahr war Ich gab ihnen 2. mit Schiras Wein und eine vol Spanniſchem/ dafuͤr ſich der Chabander gar demittig bedanckte und mir zur Vergeltung ein ſchoͤn Stucke Arlas überꝛeichen ließ. Des Abends ließ mich der Nabab ſuchen und befragen/ ob mit von meinem Wein nichts entzogen worde/ ich gab ihm zur Antwort/ und verſicherte jhn daß ich alles getreulich empfangen und daß ich ihme deßwegen hoch verbunden ſey/ er ſprach daß er groſſe Luſt und Begierde hatte den Franhoſiſchen Wein zu koſten/ und daß er vor diſem andern getruncken den ihm die Hollander und Engellaͤnder Jaͤrlich mitgebracht. Ich ſchickte jhme derhalben weder Schiras noch Perſiſchen noch Spanniſchen Wein ſonder den Wein von Mante und Rheims, den er dermaſſen gut befand/ daß er ihn auffs Groſſe Un hoͤffligkeit und Unvernunfft der Geſandten. wenigſte in 3. Wochen gaͤntzlich bey mir außſchoͤpffte. Was ſonſten das geſchencke anbelanget/ daß ich dem groſſen Mogol verehrt ſo hat mich daſſelbige faſt ooo. Francken oder 3000. Thaler gekoſtet/ davon ich allbereit in meiner Reiſe Beſchreibung meldung gethan. 185 Damit wir aber wider zu unſern Geſandten kommen/ ſo muß man wiſſen daß ſie ſich gäntzlich widerten dem Nabab deß Koͤnigs Brieff einzuhaͤndigen/ welchen er dem groſſendogol überꝛeichen ſolte/ der Nabab hatte daruͤber ein groß Mißfallen/ und beſorgte ſehr es moͤchte bey Ankunfft der Frantzöſiſchen Schiffe groſſe Unruhe darauß entſtehen/ und zu beſchlieſſung der Handels Tractaten ſehr hinderlich ſein. Er befuͤrchtete es moͤchten ihnen jhre Schiffe wann ſie nach Mecca reiſeten weggenommen werden/ wie Und ſonderlich des Be. 8e Lambert Hugo ein Hollaͤndiſcher Seerauber gethan hatte/ welcher die Bagage der Koͤnigin von Viſapour alß ſie nach Mecha und Medina gereißt weggenommen. Ich hatte groſſe Muͤhe dem Nabab dieſe Meinung weil er ſich feſtiglich einbildete es ſey von deu Frantzoſen geſchehen) auß dem Sinn zureden/ den Beber hatte ſehr unbeſonnen bey etlichen Leuten die ſolches villeicht den Nabab zu Ohren gebracht ſich verlauten laſſen/ daß man in Franckreich thoͤrichte Ge. dancken gehabt/ in dem man der Hand, lung halber eine Schiffarth in Indien vornehmen wollen/ da man doch ſolches mit Raubſchiffen und Rauberey viel beſſer verrichten koͤnte/ und darauß hatte der Nabab den Schluß gemacht/ es koͤnte Niemand anders als die Frantzoſen dieſe Schiffe weg genommen haben. Als er aber der Sache beſſer nachgeſonnen/ brachte er es bey dem Könige ſo weit/ daß Ihre Maſeſtat wieder allen Gebrauch und Gewohnheit verwilligten/ daß die Geſandten in ſeiner Gegenwart dem Oberſten Staatsbedienten den Brieff lißßern konten/ von welchen er ihn alsbald annehmen wolte. Es war wie ich allererſt gedacht niemahls gebraucheier vebſt zo Soldalen zu ihnen mit! e Derichtwasin Indien und Puten: Die Handlung lich geweſen/ daß die Brieffe welche andere Potentaten geſand dein groſſen Mogol in gegenwart der Geſandten überliefert worden. Ob nun wohl der Nabab den Frantzoſen hierinnen eine ſonderbahre Gnade und Gunſt erzeigen wolte/ ſo ward doch diſer Vorſchlag 115 E00 von den Geſandten gaͤntzlich verworffen in gange dem ſie vorgaben ſie wolten eher mit den og. Brieffen wider zu rüͤcke kehren als zugeben daß ſie ſolche ſeiner Majeſtaͤtt nicht in eigene Hande luffern durften. Dieſe ihre greuliche Eigenſinnigkeit/ der Gewohnheit des Landes alſo zu widerſtreben und der Trotz ihr begehren mit Gewalt zu erlangen/ wurde von ſederman geſcholten/ und man wunderte ſich uber nichts mehr als daß der Nabab ſo groſſe Gedult hatte/ der ihnen auch entlich zu verſtehen gab/ ſie moͤchten thun und vornehmen waß ſie wolten weil ſie die Ehr mit welcher man ſie fur allen andern weder vor ihnen noch nach ihnen zu begaben getrachtet/ gleichſam mit den Fuͤſſen zu verſtoſſen ſich nicht geſcheuet hetten! die Abgeſandten blieben noch 1 oder 16 Tage in der Stadt und glaubten feſtiglich die Sache wurde endlich ſich nach ihren Wunſche und Begehren bequemen muͤſten. Aber fehl ſie betrogen ſich ſehr/ den der Nabab den e J, diſes ſehr verdroß/ verurſachte daß kein ba en Menſch mehr weder Kauffleute noch andere anche mit ihnen Gemeinſchafft machten/ dannen of. hero entſchloſſen ſie ſich nach Suratre zu ge/ hen/ in der feſten Einbildung ihre Schiſſe wuͤrden ankommen ſeyn. Als ſie auß agta 1 verzeiſt lagerten ſie ſich 2 Meilen für der c Stadt nahe bey einem Dorffe und liſſen 2„. 00 geringe Gezelte auffrichten/ ob ſie wohl in aul der Car vaulerie oder Herberg viel bequem war fag licher und beſſer hetten koͤnnen uͤbernachten/ bey zus und in viel groͤſſerer Sicherheit als unter gen ihren Zelten ſeyn. So wohl in Indſen als in dem Koͤnigreich Golconda und. apour iſt jederzeit gebrauchlich/ daß ein 5. der Fuͤrſt oder Herꝛ des Ortes bey Nach wochentlich wachen laͤſſet dazu den auch ie der 6000 Reuter beſtimet ſeyn/ welche 5 Straſſen umb deß Fürſten Reſidentz bew 5 chen und in Sicherheit halten müſſen/ als ſich nun zukrug daß etliche von diſen Renten, bey der Geſandten Gezelte fůͤrbey filken fag ten ſie weme diſe Gezelte zugehoͤrten/ einer? ſie der Geſandten Dienern gab zur Antwee weren der Franbſiſchen Geſandten wel die nachmahls dieſe Reuter ihrem Hern 0 Wacht hakte zn wiſſen thaten. Dieſer öſte war der Ober Coureval oder fürger cke Schultheiß im Reiche/ und ſeine Site l und Tapferkeit hatte ihn einzig und alleir 155 dieſem hohen Ambte erhoben/ denn er 15 ch Abyſſiner von Geburth ſonſten hatte Die; gute Leibes und Gemüͤths gaben an 1 ſer Herꝛ als er hoͤrte daß die Franzoft il Geſandten ſich unter diſen Gezelten au 115 ten ſchickte er einen ſeiner vornembſten Bite ä der Deputirten auß Franckreich betreffend/ borgangen. 43 ſie mochten zugeben daß man ſie bewache den fallen muſte. Boulaye der von dem Geſchrey ſie ſonſten nicht allerdings ſicher ſeyn wuͤr, der Reuter erwachet/ ſahe auß dem Gezelteden/ und wenn ihnen etwas widriges wider und war ſehr beſtuͤrtzt da er ſehen muſte daß fahren ſolte würde ihr Her: ſolches ſchwer zu ſo viel Soldaten den Beber verfolgeten. Und 0 verantworten haben. Aber ſie nahmen diſe weil er fuͤrchtete es moͤge ihm eben ſo gehen/ c 8 Hoffligkeit ſehr übel auff und gaben trotzig berathſchlagte er ſich in eil mit einem jungen n lich zur Antwort/ ſie weren ſtarck genug ſich Kerlen den er bey ſich hatte und der ſich für f . 1 ſelbſt zu beſchützen und der erſte der ſich ihren einen Wundartz außgab/(wiewohl er dazu 0 goſſe Zelten nähern wurde ſolte erfahren was die ſehr ungeſchickt war/ und das wenige ſo er Rache und Frantzoſen fuͤ Muth und Waffen hetten/ wuſte den Capucinern von Bagdar zu danant der Und ſetzten noch dazu wenn ſich ihr Her: et⸗ cken hatte bey denen er ſich etliche Monath bogen. wan fürchtete ſo wolten ſie ſelbſt komen und auffgehalten/ wenn ich nicht irre ſo hieß ern ihn bewachen/ man kan nicht gedencke wie die Hugue Chapelas und war auß den Delphi mech end Officirer uber ſolchen Trotz und unertraͤgli/ nat 10. Meilen von Lion und 6. von Wien aaf chen Hochmut verbittert uñ beſtuͤrtzet wordẽ. von dem Schloß Montgoutier gebürtig) mit 95 22 Den folgenden Tag lieſſen ſie ihre Gezelte diſem reſolvirte er ſich die Flucht zu nehmen/ eine viertel Meile von den Dorffe auffſchla⸗ er eröͤffenete derohalben geſchwind ſeine Trugen/ weil ſie noch ein und anders waß ihnen chen und nahm einen Beutel darinnen wie zu ihrer Reiſe vonnoͤthen war von Agra er ich hernach vernommen eine ziemliche Anzahl warten muſten. Der Couteual oder Reichs, Ducaten geweſen herauſſer und als ſie mit Schultheiß ver wunderte ſich nicht wenig einander durch den Bach kommen/ beſorgÜber ihre kurtze Tagreiſen und daß ſie noch ten ſie/ ſie moͤchten bey dem Dervviſch nicht an einem viel gefarlichern Orte als der erſte ſicher ſeyn/ derohalben bleiben ſie unter eiwar ihr Lager auffgerichtet diſes gab ihm nem groſſen Baum/ eine halde Meile von Anlaß daß er die vorgemeldeten Reuter wi⸗ dem Hauſe diſes Dervviſch, welches einer der zu ihnen ſchickte/ und ſie bitten ließ ſie Einſidler Clauſe nicht unehnlich ſahe. Aber mochten geſtatten daß man ſie bewache/ oder Boulaye verſpuͤrte bald daß es nicht auff ihn oder in die Car vanſerie einkehren/ darinnen angeſehen ſey und daß diſe Soldaten auch wuͤrden ſie in Sicherheit ſeyn/ ſonſt wuͤrde nicht einmahl ſeine Gezelte angefallen hetten/ im Gegentheil ihr Obriſter darumb Red weil ſie vergnuͤget weren daß Beber gefaͤllet/ We. und Antwort geben müſſen. Boulape war und wenn ſie ihn nicht für Todt gehalten Kühnl, zwar der Meinung man ſolte diſes hoͤffliche wuͤrden ſie wie leicht zu vermutten nicht unkeeaſiig. Anerbitten nicht verwerffen/ Beber aber be, terlaſſen haben ihn vollends hinzurichten ſinWs ce gegnete ihnen mit ſchaͤnbliche Laſterworten/ kemal ihr gärtzlicher Fürſatz war in umb zu ſo gar daß er ſich nicht ſcheuete ihnen vorzu⸗ bringen und damit ſie diſe That bemaͤnteln/ werffen ihr Herꝛ wurde gewiß fürchten man und verhindern moͤchtẽ daß es nicht das Anwürde ſeine Weiber beſchlaffen/ wenn es ſehenhette/ als ſey es diſer ſtoltzen Worte wege ihme beliebig ſey ſo wolten ſie kommen und ſich zu rächen geſcheb k/ zerbrachen ſie alle ſeine bey ihnen Schildwacht halten. Er redete Kuͤſten damit man glauben moͤchte ſie weren mit ihnen halb Portugeſiſch und halb Ita von den Räubern angefallen worden/ ie funlieniſch miſchte alſo dieſe beide Sprachen un, den faſt nichts darinen/ danenhero ſie ihren ker einander/ war aber ſonſten in andern Reichthumb gar wenig 1 auſſer in ſeiner Mutterſprach wenig erfah⸗ Als aber Bebers Bedinter ſahe daß die geber wird ken/ etliche diſer Reuter verſtunden nichts Reuter ſich wider davon gemacht lieff er in hart verwun, eſto weniger dieſe Rede gar wohl/ und als die Stadt ein Palanquin zu holen damit er 1 zu ſie dieſe hochmutige Antwort ihrem Herꝛen ſeineh Hern hinein fuͤhren koͤnte/ weil ſie gefuhrt. erzehleten/ war er daruber nicht wenig erzuͤr, nicht mehr als 2. Kutſchen zu ihrer Reiſe mit het/ und entſchloß ſich alßbald diſen Trotz zu genommen. Er liß ihn in der Jeſuiter Wohraͤchen. Umb Mitternacht kamen So oder nung daſelbſt ſich Boulaye auch bald herna100 Reuter und ſchnitten an deß Bebers cher einſtellete. Er wolte bey dem Bebet verZelte die Stricke ab/ in Hoffnung ihn dar⸗ bleiben welches den Jeſuiten die gar ch, unter zu erwiſchen/ aber durch Hülffe ſeines te Einkommen hatten gar nicht lieb war/ Bedienten ergriff er ein Mittel ihnen zu ent und weil ſie auch keinen Menſchen in diſem gehen/ und vermeinte er wolle in das Hauß Lande funden der ihnen einige Legata oder kines Dervvilch welcher nicht weit davon Einkunfſten zu wegen gebracht hette. Die jenſeits eines kleinen Bachs wohnete kom- Abgeſandten muſten mit ihrem gewoͤhnlimen allein der Himmel war gar zu helle/ chen Tractament da es ſehr genau herging well das Regenwetter albereit fürbey/ und ſich begnügen laſſen/ Boulaye zwar der nicht der Monde die Nacht faſt dem Tage gleich viel beſſeres gewohnt war konte mit einer wachte/ derohalben konte er den Augen diſer ſolchen Mahlzeit gar wohl zu frieden ſeyn/ Reuter nicht entgehen/ welche mit Pfeilen den wenn er allein war ging er oſſters ſelbſt auff ihn ſchoſſen und ihn an unterſchiedlichk hin und kauffte einen Schoffskopff/ daran Oiten verletzten. Er ward in dem dicken Bei⸗ er fuͤr zwey Mahlzeiten genug hatte welches le und in beiden hinter Backen verwundet/ aber denen die herlicher zu leben gewohnet dazu er an dem Uffer des Bachs nieder · waren/ gar veraͤchtlich 2 Ae J. Theil. + 44. heit aber liß er diſe Kargheit zu Aleppo und Smyrne ſehen/ ſo gar daß wenn er nicht von den Francken oder Europeern zu Gaſt gebeten wurde/ konte er ſich mit Schaffszungen und Kaldauen behelffen/ er liß ſolche offters in ein geringes Weinhauß tragen/ die den gemeiniglich von den Grichen bewohnt werden/ nahm dazu ein wenig Wein und damit war er vergnuͤget. Er hilte auch ſonſten gar genau Hauß und hub gar fleiſſig auff was von dem Mittageſſen uͤGreuliche brig gebliben. Eines mahls nahm er wiedaſter der Ab. der ſeine Gewohnheit einen gutten Trunck geſandten. Beber wird geheilet. zu ſich/ alſo daß er ohngefehr hundert Schritte von dem Wirtshauß darinnen er geweſen niederfiel und hernach von etlichen Europeern in kieffem Schlaffe gefunden wurde. Sie trugen mitleiden mit ihm führten ihn in ſeine Wohnung/ damit; andere Nationes nicht Urſach haͤtten ſeiner zu ſpotten/ und zu verhoͤhnen/ daß ein ſolcher Menſch/ zu einer Geſandſchafft gebraucht und von einer ſo fuͤrkrefflichen Compagnie die ihre Handlung zu befeſtigen trachtete hiezu angewendet worden. Aber der Beber der gerne etwas guttes hatte wenn es nicht auß ſeinem Beutel ging ſintemal er als den ſehr geitzig und ſparſam war/ konte nicht unterlaſſen ſich uͤber daß uͤble Tractament der Jeſuſten zu beſchweren ob ſie ſchon auch uͤber ihr Vermoͤgen taͤglich trachteten daß ſie ihn wohl vergnuͤgen moͤchten. Aber ſein Diner der etwas mehr Verſtand als er ſein Her? hatte/ und der wohl ſahe daß ſie gar unfreundliche und unangenehme Gaͤſte weren/ beſchrieb den Jeſuiten wie herzlich ſein Herꝛ wenn er allein were Taffel zu halten pflegte/ und daß er ſich mit kleinen Fiſchen gar wohl abſpeiſen koͤnte/ und ſo offt es ſich zutrug daß er bey keinem Europeer(das doch gar ſelten fehlete den eine Nation der andern ſolches allezeit zuvor thun wolte) zu Gaſte geladen wurde/ konte er ſich mit einem Fiſchlein und Stuͤcklein geribenem Brodte behelfen. Ich ſelbſten ſprach der Diner ferner habe nichts deſto weniger die Zeit über ſeithero ich mich bey ihm auffgehalten 60. Thaler verthan/ die ich bey dem Heren Butgemeiſter von Smyrna deme ich lange Zeit gedinet geſam̃let hatte/ aber zu meinem groſſen Unglück bin ich beredet worden ihn zu verlaſſen/ und auß ſtinen Dinſten zu gehen/ den es war ein gutter und wackerer Herꝛ bey dem ich zu etwas kommen koͤnnen/ hingegen habe ich mein weniges bey diſem dran ſetzen müſſen.. 5 Zween Tage nach dem Beber alſo verwundet worden kam ich gleichfals zu Agra an/ und ſo bald ich ſein Ungluͤck vernomen am ich zu ihm ihn zu beſuchen und mein Mittleiden darüber zu bezeugen/ und weil ich niemals ohne etliche Hauß⸗ und Reiſe artzneyen gereiſet/ konte ich ihme allhier mit Balſam und Pflaſtern behülfflich ſeyn/ die ihme den auch ſehr dinlich waren/ den der arme Wundartzt den Bonlaye mitgebracht hatte verſicherte ihn daß ſein Herꝛ keine Bericht was in Indien und Perſien: Die Handlung. nichts in ſeiner Apotecke und war ſeht unerfahren Balſam und Artzney zu zurichten. Man konte gar leicht abnehmen daß Bouwunderung eine heimliche Freude hatte/ da mit er die Ehre allein habẽ mochte die Schrei glack. ben dem Koͤnige zu uͤberliffern/ den er bildete ſich feſtiglich ein/ er und kein anderer ſey der eigentliche und rechte Abgeſandte von dem Koͤnig in Franckreich/ und daß ihme Beber nur allein zu einem Begleiter und Mittgeſellen zu gegeben worden/ Beber hingegen wolte allezeit das widrige behaubten dannenhero vielerley Unordnung und Gezaͤncke darauß entſtunde. Boulaye hilte unterdeſſen gar ungezwveiffelt dafür es wurde alles nach ſeinem Wunſch und Willen ergehen kwie er es den auch durch Huͤlfſfe des St Jacobs von welchen der Nabab viel hilte und bey andern groſſem Hoffbedinte/ dahin brachte/ daß ihme zugelaſſen wurde den Brieff dem Nabab zu überbringen. Boulaye glaubte nicht anders er wurde den Brieff dem groſſen Mogol gleiches Weges uͤberꝛejchen/ derohalben wurde er ſehr beſtuͤrtzt als er ſahe daß der dlabab welcher den Brieff in ſeiner Gewalt hatte ſolchen dem geringſten Diner gab/ welcher hernach auch an den andern und dritten und endlich wieder an den Nabab kam/ der ihn dem Mogol uͤberzeichte doch da Boulaye ſchon nicht mehr gegenwertig war. Einen ſolchen ſchoͤnen Außgang Stoltz und die Hoffart diſer Herzen Ge, Fr Ge ſandten/ welche dem Koͤnige mit gantzen Ge; ken mac walt den Brieff in eigene Haͤnde liefern wol⸗ nen ten/ aber nachmahls erfahren muſten/ daß el verg allererſt durch ihrer 3. ging und hernach in ihrer Abweſenheit. Boulaye war in dem erſten Hoffe geblieben und muſte noch durch 2. andere gehen ehe er fuͤr den Koͤnig kommen konte. Er erhilte endlich zur Antwort daß den Mogol nach Ankunfft ihrer Schiſſe dem Koͤnige in Franckheit autworten wolte/ derohalben kehrete er mit groſſem Unwillen wi der umb und war uͤbel zu friden daß die Sache nicht nach Wunſch angangen. Der Verwundete aber als er wider ge ſund wurden noch zimlich hincken muſte/ ver langte mit dem Nabab zu ſprachen/ und begehrte man ſolte wider die jenigen welche ihn ermorden wolten und alſo verwundet hetten Gerechtigkeit brauchen. Der Nabab wiedrigte ſich auch nicht ihn zu hören/ und we vor ihn kam hatte er dreymahl mehr Muh zu gehen als den erſten Tag da er auß i Bette kommen. Seine erte Klage wal übe ſeine Wunden und derohalben begehrte er daß man ihm wegen des vergoſſenen Blulteund der entwendeten Bagage einen Abtecz thun ſolte. Der Nabab verſprach ihm 7775 9 eh en e ſole ni ſſſen thun“ u te ſolches dem Koͤnige zu wiſſer Raubere en de f. b hatte der off 0 01 1607 erb ſion * Boulaye 0 laße über des Bebers Zustand und Ver, fan abers ln olkel · e we, 5 Bi f 8 5 f ing weber wider Außländer noch wider eine wund Unterthanen würde ungeſtrafft laſſen. 25 oder J. Tage waren vergangen als der deen den Beber befragen ließ/ wie hoch er ſeinie übe“ Ahe fan 5 fh 0 2 ich übel Une 56. Verluſt ſchatzen thaͤte/ B8eber rechnete es auff 24000. Roupies oder 2000. Thaler/ und was man ihme fuͤr das vergoſſene Blut geben ſolte ſtellete er in des Mogols gefallen FVV dale an, Er batte alles in gewiſſen Artieuln entung. worfen die ohngefaͤhr in folgenden beſtunde. In den erſten gab er für es ſey ihm ein Wechſelbrieff oder Handſchrifft von 6000. Roupies die er einem Kauffman von Marſtlien gelihen nebſt ſeinen andern Schrifften geraubet worden. Der Nabab befragte ihn ob die Notarii in Franckreich das Original derer Sachen die unter ihnen vorgegangen nicht allezeit aufzuheben pflegten. Beber gab zur Antwort er wurde wen er die Verſchreibung die man ihme geraubt nicht auffweiſen koͤnte nimermehr zu der Bezahlung komen/ dieweil ſie von dem Schuldener unterſchreiben worden ohne welche man nichts von ihme begehren koͤnte. Der Nabab antwort daß diſer Gebrauch der Gewohnheit aller Voͤlcker zu wider ſey/ und ob er wohl wuſte daß diſes unmoͤglich und ohne Grund ſey/ vertroͤſtete er ihn doch daß ihme deß wegen ein genugen geſcheen ſolte. Der andere Artickel waren 500 o. Roupies die er theils in Gold/ theils in gemüntzten Geld bey ſich gehabt hette. In dem dritten gab er fuͤr es weren ihme Gold und ſilbern Spitzen und Galaunen welche zu ſeiner Kleidung dienen ſolten und die er auff 4000. guldene zoo werth/ ſeine Kleider Leinwath/ N hir; ban ihme cf ahne On ird. Roupies ſchaͤtzte entwendet worden. Das ate were ſeinem Wundartzte zuſtaͤndig geweſen nemlich 2. Diamantringe 2100. Koupies werth/ ween andere/ der eine mit einem Topaſer/ der ander mit einem andern Steine verſetet geweſen und 00 Roupien gekoſtet/ eine Und Apotecke/ ſo ſich auff 4o00. oupies belguffen. In Sum diſes alles ſchaͤtzte er auf 24000, Roupies 2 oder 3. Tage hernach/ ließ der Mogol ihme einen Befehl liffern daß er guß der Schatzkamer ſolte bezah et werben. Darüber verglich er ſich mit einem Kauffmann daß es ihme nach Surate übermacht wurde. Als er bereit war wider abzurelſen befahl der Mogol man ſolte ihme 12000. Roupies für die Schmertzen bezahlen/ die er aber nicht empfangen. Den als der Schatzmeiſter ſahe daß er groſſe luſt hatte weg zureiſen/ og er ihn ſo lange bey der Naſen herumb biß er die Gedult verlohr und ohne die 12000. Roupies davon reiſete. Hiedurch entſtand nochMahls zwiſchen ihme und dem Kauffmann der ihme das Geld uͤbermacht ein groſſer Etreit/ den Beber vertzeinte gaͤntzlich die Mood, Ronpies weren ihme ebenfals als daß andere Geld erleget worden. Man hat nicht die geringſte muthmaſſen koͤnnen worauff ies Politische Verfahren des groſſen Wo Zolsangeſehen ſey. Daß er dem hebe eben 15 Suma die ihme wie er fuͤrgegeben entnet worden bezahlen laſſen. Der Nahab kalt alles auch biß auff ein Schnoptuch Hen er den geber verlohren/ er hatte auch ſol en dem Könige beygebracht und konte hoͤder Deputirten auß Frauckreich betreffend/ vorgangen. 4 her nicht als auff 2000. Roupies geſchaͤtzet werden Die Fraucken oder Euro peer ſo balb ſie vernomen daß er fuͤr des Wundartztes Kleide 400. Roupies gefordert/ bekandten ſte einhelliglich daß es der Warheit zu wider und ein richtiger Betrug ſey. Den wenig Tage zuvor ehe Beber zu Agra ankomen/ gaben die Francken dem Wundartzt zu einer S teur daß er wider nach Surate kehren konte 200. Roupien welcher auch eben denſelbigen morgen als ſein Herꝛ das bemeldete Memorial her 2400. Roupies eingegeben in eine groſſe Kranckheit gefallen. i Befehl von den Nabab eine Wohnung eingegeben/ darüber die Jeſuiten welche dadurch zweyer unangenehmen Gaͤſte entlebiget wurden ſich nicht wenig erfrtueten. Was ſonſten mich anbelanget ſo nahm ich mein Loſament bey St. Jacoben des Koͤmges Wundartzte/ darüber die Hollander bey denen ich zwar in allen meinen Reiſen eingekehrt ſehr unwillig wurden. Weil ich den offtmahls den Beber von ihnen uͤbels reden hoͤrte wolte ich mich in diſe Dilc ourſen gar nicht miſchen. Denn ſo bald dem Beber etwas fehlſchlug gab er bald diſen bald jenem die Schuld/ bald hatten die Jeſuiten es gethan bald war die Hollaͤndiſche Compagnie deſſen Urſach/ bald wolte er die Schulden etlichen Frantzoſen geben die er wie taglich ers fürgab ehiſt verſchlingen wolte. Sonſten war diſes Jahr meiſtentheils Greuliches unbeſtandiges under ſchroͤcklichesRegenwet⸗ Regenwetter ter/ alſo daß viel auch wohl gebaute Haͤuſer zn Agra. zu Agra zu grund gehen muſten/ hievon war auch bas Hauß darinen St. Jacob wohnete nicht gaͤntzlich befrehet/ den es fiel taͤglich ein Stücke ein/ und ſonderlich auff der Seiten wo ich mich auffhilt. Es ward mir dadurch viel Ungelegenheit verurſachet/ und wie diſe Zeitung den Abgeſandten zu Ohren kam, offerirten ſie mir ein Quart ier in ihrem Hauſe darüber ich mich ſehr verwundern muſte/ diſes Haiſß war einen fürnehmen Hoff bebinten zuſtaͤndig/ und oß genug 100. Perſohnen zu beherbergen. Ich nahm ihr Erbitten mit Dauck an und zwar nicht ſo wohl umb meinetwegen als wegen der Waaren die ich bey mir hatte/ und die hey St. Jacoben nicht zum beſten verwahret waren. Boulaye hatte. in diſem groſſen Hauſe nicht mehr als z Kamern unten eingenommen/ deren groͤſter Zierath in ſeiner Bibliothee beſtunde/ mit welcher er 2. Truhen gefüllet hatte. Bober wohncte ihm erſten Stucke/ in einer ſehr ſchoͤnen Wohnung die er auff ſeine Koſten mit allerley Haußrach verſorgen laſſen. Es waren viel Kauffleute bemühet ſich bey ihme beliebt zu machen den ſie hoſſten daß bey Ankunſſt der Schiffe das gantze Weſen an ihm hangen würde/ dadurch er ihnen zu ihrem Vortheil konte behülfflich ſeyn. Ich liß meine Wohnung gleichfals zu bereiten und als ich den erſten Abend zu Nacht eſſen F 3 wolte Nach dem das Schreiben bes Koͤnigs in ene Franckreich dem groſſen Mogol fürgeleſen eine Wohwerben/ wurde den Abgeſandten auff ſeinen nung geſchaff 46 Unterſchtedli⸗ wolte/ liß mir Beber ſagen/ ich ſolte keine che Höfflegkeit eigne Taffel halten/ den die Compagnie ſey g 2755 die vermoͤglich genug und wuͤrde nicht ſo bald 8 empfinden/ daß eine Perſohn mehr oder we Taverniet Niger geſpeiſet wuͤrde derohalben bath er ich bewieſen. möchte mit ihme die Mahlzeit halten. Ich euſerte mich lange Zeit in ſein Begehren zu willigen/ weil ich in dergleichen Begeben. heiten mich niemand zu verpflichten begehre/ aber er hilte endlich ſo ſtarck bey mir an daß ich genoͤtiget wurde ſeinem Verlangen ein genůgen zu thun. Aber diſes wolte nicht laͤn. ger als zweyen Tage angehen/ ſintemal weder mein Maul mit dem ſeinigen/ noch mein Magen mit ſeiner Kuchen einẽ vergleich machen konte. Ich war nicht gewohnt mit einem Huhn daß in einem halben Eymer Butterſchwam mich zu vergnügen/ viel weniger mich mit einen Pilau welcher wegen der ſtinckenden Butter dem Munde ſehr unannemlich war/ behelffen/ zu geſchweigen andere ſchaͤndliche Kargheit die Beber auch in den geringſten Sachen verſpuͤren ließ. Ich machte mich derowegen mit manier davon/ und zeugte ihm an daß unſere Mäuler im Eſſen und Trincken gar ungleiches Sinnes weren. Was aber den Boulaye anbelangt ſo bathe Beſchrelbung derſelbe niemanden zu Gaſte den er konte ſich threr Kuchen leicht einbilden daß er ſchwerlich jemand finden wuͤrde der ſeines gleichen ſey/ ſeine Kuͤchen war noch aͤrger als des Bebers ſein gantzes Gerichte war ein Huhn/ daß man in den Topff geſtoſſen welches er nach dem es halb gekocht mit einem Maaß BrandteWein/ Reiß und etwas Gewuͤrtze uͤber ſchuͤttete/ damit begnuͤgte er ſich zwo Mahlzeiten nemlich den Reiß des Morgens und das Huhn des Abends. Sein Kuchen Bedinter war ein Sclab von 14. Jahren welchen er von einem Frantzoſen Claude Muꝛz in gekaufft der des Koͤnigs in Perſien Buͤchſenſchmid war/ aber derſelbe hatte in dieſem Kauffe unverantwortlich gethan. Denn als er von Lion reiſte empfing er von der Frauen Simonet Geld daß er einen kleinen Sclaven kauffen/ und verhuͤtten ſolle/ daß er den Mahometanern nicht in die Hande gerathe/ dieſer Sclave konte Tuͤrckiſch/ Perſiſch/ und auch ſelbſt Frantzöſiſch und hatte ſich bey diſen Claude Muzin ſchon drey Jahr auffgehalten welcher der Meinung dieſer gutthertzigen Frauen gaͤntzlich zu wider gethan/ daß er ihn an den Boulaye verkaufft/ da er ihn doch vielmehr in Franckreich haͤtte ſchicken ſollen. Damit wir aber wider auff des Boulaye Kuͤchen kommen ſo war dieſelbige dermaſſen beſchaffen wie ich oben angezeigt/ und ich habe mich offt verwundern muͤſſen/ wie er leben und beſtehen konte/ ſintemal er nichts aß und tranck als Brandtewein denn wie ich geſehen/ ſo ließ er den Reiß mit kochen/ und trang jgliche Malzeit 2. groſſe Gläſer auß/ dadurch ihme auch ziemliches Bauchwehe verurſachet wurde/ ich meinte gaͤntzlich Bericht was in Indien und Perſien: Die Handlung weñ er in der Moſcau geweſen were/ er hete das Brandtewein trincken daſelbſten gelernet. Diſes war fuͤrnemlich an ihnen beiden hoch zu tadeln daß weder der eine welcher von a anden einem mächtigen Koͤnige und der ander wel⸗ Sachen cher von einer fuͤrtrefflichen Compagnie abgeſandt war ſich weder der Saͤufften/ noch Kutſchen/ noch Palanquins noch der Pferd gebrauchten Boulaye brachte zwar 2. Pferde auß Perſien mit ſich denn das eine ihme vom Koͤnig verehret worden/ und das andere welches er gekaufft damit er etwas damit verdinen moͤchte/ aber ſo bald er zu Agra ankommen verkauffte er ſolche alsbald auß Furcht ſie moͤchten gar zuviel zu unterhalten koſten. Er bekam dafur 2800. Koupies, und man g hette ihm noch mehr gegeben wenn ſie auff 10d der Reiſe nicht ſo mager worden. Als er nun 0 Der diſer Pferde loß war/ muſte er allezeit eines entlehnen wenn er außgehen wolte/ aber die Zeit uber weil ich bey ihnen war bedinten ſie ſich entweder meines balanquios oder meiner Kutſche. Ich hatte mir zu Surate einen hangenden Wagen nach der Frantzoͤſiſchen Mode machen laſſen/ den habe ich durch gantz Indien gebraucht. Wenn ich bey nacht reiſen muſte/ ſo hatte ich ein Bret ſo lang und breit als die Carolſe, dieſes konte ich i in vier Theil uͤber einander legen/ daſſelbige Kitlen legte ich in den Wagen/ und breitete eilt in Jed che Decken oder Materatzen darauff: Ich kan mit Warheit ſagen daß ich beſſer als 0 einer Kammer ruhete/ dieweil ich im kuͤh⸗ la len war/ denn die Naͤchte ſind auch bey bel 0 10 groͤſten Hitze in Indien ſehr kuͤhl/ und wenn Mien das nicht were/ wurden die Leute ſonderlich frembde ſchwerlich leben koͤnnen. a Nach dem der groſſe Mogol des Königs VBrieff geſehen/ und der Nabab verſprochen ſolchen bey Ankunfft der Frantzoſiſchen Schiſſe zu beantworten/ ging Baulaye 8 nicht mehr auß und erwartete nichts mehl als nach Verfliſſung der Gewaͤſſer ein guttes Wetter/ in willens nach Bengale und Golconda zu reiſen/ und daſelbſten die Han lung im Nahmen des Koͤniges anzuffelle Unterdeſſen/ that Beber nichts als ab un 2 zu gehen/ und vermeinte nichts anders 6 ſcllahe den Befehl wegen Anſtellung der Hand, Jaholal lung zu erhalten. Aber der Nabab pole, te ſeiner nur/ und fragte wenig nach! und man kan mit Warheit ſagen/ daß ch dem Beber dem euſtrlichen Anſehen nan nichts anders urtheilen konte/ als das 6 nichts werther Menſch ſey/ und der ſich 1 und gar nicht zu ſchicken wuſte. Sone gehen alle Europeer die in Indien de. V Perſien wohnen jederzeit wohl. bekleide ö des Bebers aber wolte ſich niemand 1 men/ den in ſeiner Kleidung ſahe el 1 einem Knecht gleich als einem Abgeſend, ten einer ſo berümbten ompag ole, iche lich liß er ſich ein Kleid auff Franz Mode machen und zwar von ee tem Zeuge/ ſo niemahls gebrauchlich ge ſen ——— 5 1 ——— ä——— D—HH—————f—5—ñP0 0 der Deputirten auß Franckreich betreffend vorgangen. 47 Water ſen welches ihn zuſammen auff neun Rou- meine Meinung für billich und gieng nicht hell 1 f ben en 1 ere 8 88. 8 duige pies oder z und einẽ halben Francken koſtete Fur daß auß wachen und ander Zugehoͤr/ nahm er eine Quantitat alte Baͤnder von z wehen alten Kleidern/ und brachte zween Tag zu ſelbige zu ſeiffen/ und außzubigeln. So bald er nun in diſer Kleidung ſaß/ wolte er den Nabab beſuchen welcher ſich als er zu ihm kam in Geſellſchafft vieler fuͤrnehmen Hoffbedinten befande/ es ſahe einer den andern an und fragten einander ob diſer Frantzoß ſich in einen Dervviſch oder Faquien von Hoſſen Mamot die ſie gemeiniglich Lumpen Heiligen nennen verwandelt hetke. Den man muß wiſſen daß alle Deryvilch oder Faquien und andere ihre Ordensbruder/ Kleider auß alten zuſammen geleſenen Stuͤcken tragen/ und wenn ſie ohngefehr etwas guttes finden/ rollen ſie ſolche zuſammen und machen Galaunen darauß mit welchen ſie hernach ihre Roͤcke beſetzen. Sie tragen auch Springſtscke an deren Ende ſie viel alte Lumpen angehefftet/ welche Zeichen ihrer Betteley und ihre gantze Hoffart ſeind. Bebers Kleidung kam ſo wohl dem Nabab als auch allen die bey ihm waren da ſie ihn ſo abendtheurlich ſahen aufziehen/ ſehr S panniſch und ſeltſam fur. Er gieng einsmahls deß Morgens bey meinem Loſament fuͤr bey/ ich gruͤſte ihn gar fteundlich und ſprach er düncke mich gantz über ſeine Gewohnheit froͤlich zu ſeyn/ er antwortete er hette deſſen auch gutte Urſach/ ſintemahl er Brieff von Surate empfangen au, darinnen berichtet wuͤrde daß die Bauren 8 te an den Kuͤſten des vorgebuͤrgs St. Johan che. vier Schiffe in der See geſehen/ und daß ſie wohl erachteten es koͤnten weder Engliſche noch Hollaͤndiſche ſeyn/ derohalben hilte er gar gewiß dafuͤr dieſe Schiffe wurden der Frantzöſiſchen Compagnie zuſtaͤndig ſeyn/ und daß er anjetzo willens were diſe Bothſchafft dem Nabab zu überbringen. Aber ich machte ihn von diſem ſeinem Vorhaben bald abwendig/ in dem ich ihme anzeigte daß ich offt dergleichen Lumpengeſinde zu den Engellandern und Hollaͤndern kommen ſehen/ damit ſie nur von ihnen ein Stüͤck Geld erhaſchet/ ob ſie ſchon nicht das geringe in der See verſpuͤret/ und rieth ihm er ſolte einem ſo ſchlecht gegründeten Geſchrey hicht alsbald Glauben zuſtellen. Ich fragte ihn auch wenn das Schreiben ſo er empfangen datiret geweſen und als er mir antwortete es ſey 30 Tage alt/ gab ich ihm zu verſtehen/ wenn etwas dran were daß einige Schiffe geſehen worden/ haͤtte der Nabab munerhalb 14 oder iy Tagen davon Bericht haben koͤnnen ſintemahl die Schreiben für den Konig niemahls langer unterwegens bleibe/ und weñ der Nabab auch etwas davon wiſſe/ wurde er nicht unterlaſſen haben ſolches mir Auzuzeigen den ich hatte allererſt vor zweyen agen von ihme dem Nabab der mir gar gewogen war Abſcheid genommen. Er erkandte zum Nabab, aber nichts deſto weniger trug er groß Verlangẽ nacher urate, und reſolvirte ſich in wenig Tagen dahin zureiſen. Ich meines theils bilde mir nicht anders ein und villeicht auch nicht ohne Grund/ daß er dieſe geſchwinde Relolution gefaſt/ als er von mir verſtanden/ daß ich von dem Nahab abſcheid genommen hatte/ und weil er wuſte daß ich niemahls ohn z oder 6 Bedinte 30 oder 40 Soldaten mich zu begleiten und ohne meine Kutſchen Palanquin oder Sauffte reiſete/ auch wenn ich von Agra nach durate oder Golconda oder an andere Furſtliche Hoͤffe zog/ noch ein Handpferd mit mir fuͤhrete. Ich pflegte dieſes Pferd gemeiniglich bey meiner Ankunft zu verkauffen/ den in denen ſo man hinfuͤret kan man ekwas gewinnen da man hingegen in denen die man von dan⸗ Feber ref nen her bringt verlihrs muß/ eber begnügke nach Saat ſich mit einer Kutſ chen für ſich und eine für ſeine Bedinten und Bagage/ vermeinte auch an 4 Soldaten genug zu haben. E Der Wundartz beſſen wir eben gedacht Sein Bedinnahmens Hague Chapelas fiel 3 Tage nach ter ſtirbet auß dem ſein Her? daß zuvor beſchriebene deſſen Hertzeleld. waß er/ wie er fuͤrgab/ verlohren uͤberꝛeicht/ in einen ſolchen Hertzenskumer daß er davon erkranckte/ und wenig Tage hernach ſeinen Geiſt auffgab. Beber war nicht ſo barmhertzig daß er ihn beſucht hette/ oder ihn zu troͤſtẽ einen Jeſuſten zu ihm geſand. Ich aber trug ſeiner etwas befſer ſorge/ und ließ zweyen meiner Bedinten bey ihme wachen/ beſuchte ihn auch ſelbſten etliche mahl und that ihm alles gutes. Er blib verſtaͤndig und redete biß an ſein Ende/ und als er ſahe daß die Zeit zu ſterben herbey kommen/ wunſchte er hertzlich mit mir zu reden/ welches mir auch durch einen der meinigen angezeigt wurde So bald er mich erſahe huͤpfft er fuͤr Freude druckte mir die Hand ſo ich ihme darbothe/ und ſprach daß er erkenne/ daß Gott gerecht ſey/ ſintemahl nach dem er eine ſo boͤſe That begangen nemlich als ſein Herz das falſche Verzeichnuß auffgeſetzt/ hette er keiner geſunden Stunde mehr genuſſen koͤnnen. Er bath Gott umb Verzeihung wegen des Betrugs darein er verwilliget in deme er ſeinen Verluſt auff 400 Roupies geſtellet/ da er doch nicht vierhundert in ſeinem Vermögen gehabt/ deſſen die helſſte ſeine Landes Leute ihme auß Barmhertzigkeit mitgetheilet/ und der andere Theil von einen Pferde daß er perkaufft herkommen. Wie ich ſahe daß ihn diſes ſehr unruhig machte und 19 5 ſein e d troͤſtete ich ihn ſo gut mir muͤglich/ und ſprach da. ee bey/ daß weil ihm dieſes ſehr leid ſey/ eile 0 bon 9 auch nicht zweiffeln der barmhertzige Gott ravemier in wuͤrde ihm gnaͤdig ſeyn und ſolches verzeſ, ſeinen Nöhen/ ſintemal eben derſelbe diſe gutte Gedan⸗ 1 8 getröcken ihm eingegeben/ daß er ſeinen Fehler er, N kennen und daruber eine Abſcheu haben ko nen. Nach diſem kniere ich für ſeinem 5 i leder/ 48 er je laͤnger je ſchwaͤcher wurde/ ſchick* nieder/ und that das Gebett ſo er mit groſſer Andacht anhoͤrete/ wie ich vermerckte da te ich nach einem Jeſuiten welcher aber für bißmahl nicht kam/ und entſchuldigte ſich wegen der groſſen Hitze und des boſen Wegs in deme die Pfer de damahls biß an den Bauch im Kothe gehen muſten/ jedoch verſprach er auff den Abend ſich ein zuſtellen/ in Hoffnung er wuͤrde den Krancken den er troͤſten ſolte/ noch lebendig antreffen. Wie es aber das Anſehen hatte als durfte er nicht eine Stund mehr leben/ ſchickte ich dem Pater meine Palanquin oder Senffte damit er ferner keine Entſchuldigung fuͤrwenden koͤnte/ und ließ ihn bitten er moͤchte ſich nicht ſaumen ſintemahl die Sachen von groſſerer Conſequentz weren als er ſich nicht einbildete. Er erſchien endlich und hatte nur ſo viel Zeit ihme J oder 6 Worte zu ſagen die ich weil ich auß der Kammer gangen nicht gehoͤret/ und alßbald kam einer von meinen Bedienten uud zeigte mir an daß er verſchieden. Das Gluͤck wolte daß der Pater noch fuͤr ſeinem Ende ankam/ weil im Gegentheil die MeſtifsChriſten und die Schwartzen nicht wurden geſtattet haben daß maͤn ihn begraben hette/ in Meinung er were ungebeichtet geſtorben/ und ein Lutheraner geweſen/ wie ſie die Chriſten auß dem Occidentaliſchen Europa die der Roͤmiſchen Kirche nicht beyfallen zu nennen pflegen/ aber er Herꝛ Taver⸗ 0 nier reiſet nach Surate. wurde bey den Jeſuiten ehrlich begraben; die Kranckheit dieſes armen Geſellen verurſachte/ daß ich meine Reiſe 2 oder z Tage auffchieben muſte. Den folgenden Tag nach dem er begraben worden/ begab ich mich auff die Reiſe/ damit ich nur des Bebers Geſelſchafft entgehen moͤchte/ aber er folgte mir bald nach/ und als ich deß andern Tages nahe bey einem Fluſſe meine Zelten auffrichten laſſen/ und ehen die Mittags Mahlzeit einnehmen wolte/ kam er daher/ ich konte auch ſeiner biß nach Surate nicht ledig werden/ wir reiſeten mit einander/ und er trieb tauſenderley Ungebuͤhr unterwegs/ ſonderlich zu Brampour an dem fuͤrnehmſten Cherafs welches Banquirer oder Wechßler ſind/ ich kan nicht unterlaſſen dieſes mit Stillſchweigen zu uͤbergehen; weil wir an ein und auderm Orte ſehr boͤſen Weg hatten und eber nicht mehr als eine Elende Kutſche hatte/ und ſeine 4 Bauren mit ihren Ochſen ihn nicht auß dem Schlam zu zihen wuſten/ kam er gemeiniglich zwo oder 3 Stund laͤngſamer ins Nachtlaͤger als ich. Ich erbothe mich zwar ihme durch meine Fuhr weiters zu helffen/ aber es war ihm nicht gelegen/ zu deme ſo wiſſen ſich diſe Leut auch gar fein zu entſchuldigen/ wenn man ſie zu etwas anders als darumb man mit ihnen gebinget/ gebrauchen will. Ich will zwar gar en 5 Leute ihme gerne b wenn ihnen ſeine it noch wereunbekand geweſen. et ber zu Gnaden zu kommen und ſeine Gunſt Bericht was in Indien und Perſien: Die Handlung Auff das Geſchrey daß man Frantzsſiſche wer, ß Schiffe auff der See geſehen/ und weil man welchen Be, ſich gaͤntzlich einbildete Beber würde einer per 1 155 von den fürnembſten bey der Compagvie blicke ff ſeyn/ bemuͤheten ſich ihrer viel bey dem be. lub N Han dier e. Mich, zu erlangen. Als wir nun zu Brampour ankommen/ kam der Oberſte unter den Cheraffs mit etlichen ſeiner Leute unß zu bewillkom̃en. Beber gab ihnen bald ſeine Meinung zu verſtehen/ und ſprach er hette einer Saͤnffte vonnsthen daß er biß nach Surare kommen koͤnte/ der Cheraf bothe ihm auß groſſer Hoͤfflichkeit die ſeinige an und wolte ſie ihme zu Ehren zierlich ſchmuͤcken laſſen. Beber meinte diſes koͤnte in einem Tage geſchehen dadoch hiezu 3 oder 4 vonnoͤthen waren. Den folgenden Tag wurde mir die Kutſche angeſpannet und meine Saͤnffte gebracht/ Beber der nicht anders meinete/ als daß die Frantzoͤſiſchen Schiffe albereit in der Reede zu Surate Souali genant/ ein gelauffen weren/ fing an zu ſchweren und uͤber den Cheraf zu fluchen/ welcher eben dazu kam und ihn mit freundlichen und hoͤffichen Worten zu beguͤttigen trachtete. Ihme anzeigende daß er nichts verliehren wurde/ wenn er ſchon noch einen oder andern Tag wartete/ — in deſſen würden ſich die Wege beſſern und alsden wuͤrde er noch einmahl ſo ſchleunig fort kommen koͤnnen. Aber Beber der vom Zorn gaͤntzlich eingenommen/ wolte dieſe des Cherafs Entſchuldigung keines Weges gelte laſſen/ riß derohalben einem Fuhrmann der fuͤr ihm ſtund einen Pruͤgel auß den Haͤnden/ und gab auß groſſem Ubermuth dem Cheraf drey oder vier Streiche damit au den Ruͤcken. Die Kauffleut und andere die ſich in der Carvanſerie befanden/ wur/ den uͤber diſer That nicht wenig beſtuͤrtzt/ und leffen herzu der eine mit Steinen der andere mit Bruͤgeln/ ſie machten ein groſſes Geſchrey/ und ſagten daß dergleichen Ubermuth niemahls geſehen wor bel Habu 5 Gie gaben fur es ſey eine grauſame Übel Ja Geſch that/ einen Hberſten der Cherafs dazu el, ben. ne Perſohn die bereits 80 Jahr alt wan welche man viel mehr ehren ſolte/ mi Schlagen zu tractiren. Wir wollen schrien ſie diſen unglaubigen Hund herauß ha 5 und zum Konig fuhren/ damit demſelben 5 5 verdienter Lohn gegeben werde. Des 1 beſtes Glücke bey diſer verwegenen That he, daß ich zu Brampour wohl bekand war ſe, temahl ich gehen oder 12 mahl daſelbſt gere, ſen/ und in die zoo fRoupies werth 11 handelt hatte /es waren wenig Cherate uff denen ich nicht gewechſelt/ und wenig Vene leut und Mackler die mir nicht etwas hene zu gefallen gethan. Sie ſprachen/ mich me nende/ ſehet da dieſen Curopeer mean wir ſo viel zu thun gehabt! wier fes nicht über ihn klagen und haben eiche ke Wort von ihme gehoret, zu allem waren 0 ahl a 0 6. 15 waren auch der Leutenant deß Coureuals und drey Kauffleut von Surate daſelbſt/ und als wir es dahin igebracht daß Beber auß diſem Labyrinth kommen rieth ich ihm er N ſolte ſich davon machen/ und wenn er u eon der Gefahr entgehen wolte/ ſo ſolte er dan Lever. in meine Kutſchen ſteigen auff welcher ich i att ihn alß bald zur Stadt hinauß fuͤhren ließ/ a zwo Stund hernach folgte ich ihm/ und ich zweiffle nicht wenn er noch zu Brampour verharꝛet/ die Faquien oder Dervviſchs hetten ihn zu Todt geſchlagen. Den eine Stund nach dem er weg war kam eine groſſe Anzahl diſes Lumpen ⸗Geſinds in die Carvanſerie machten ein groß Geſchrey/ Herꝛn Cherafs geſchlagen herauß haben. wie ich ſahe daß die Menge der Leute zu nahm/ ſtieg ich in mein Palanquin und machte mich ſtillſchweigend davon. Als ich 3. Meil von Brampour in einem groſſen Flecken Badeſpoura genant an kam/ traff ich den Beber an welcher eben umb eine Landkutſche handelte. Denn ich war der meinigen des Nachts darinnen zu ſchlaffen hoch benotiget/ es gibt zwar an allen Orten da man uͤber nacht zu bleiben pfleget ein kleines Bett den Reiſenden darauff zu ruhen/ aber wenn das Regenwetter fuͤrbey/ werden dieſe Spanbeth dermaſſen von den Wantzen eingenommen/ daß man unmuͤglich darinnen ſchlaffen kan. Die Indianer haben ſelbige zu ertoͤdten fol gende Mittel erdacht/ in Indien iſt gantzer 4. Monath lang continuirliches Regen. Wetter/ welches groſſe Feuchtigkeit verurſachet und darauß wird diſes Ungeziefer gedene, bohren. So bald aber der Regen für bey Juen in und die Sonne wider hervor kommet/ ſo Mlaſch tragen alle Morgen die Weiber und Toͤchdagen z. ker ihre Better herauß klopffen ſie mit groſNen en Brügel an den Gurten/ dadurch fallen die Wantzen herauß kehren den Bauch uberſich und ſterben alßbald. Dieſe Bette beſtehen auß vier Füͤſſen und vier runden kangen die man nach Gefallen enger und reiter machen kan. Die Gurte ſind vier Finger breit/ und ſind viel bequemer als ie Böden an unſern Bettern. Man dar auff diſe Gurte nur eine ſchlechte Decke oder ein Leylach oder Bettuch legen ſo iſt es genug/ und kan man darauff ſanfft und bequem ſchlaffen. 3 Den vierdten Tag unſerer Reiſe von Brampour da wir bey einen groſſen Flecken Sonquelez genent ankommen/ welcher in ebe nen Lande liget/ ſahen wir von weiten das eld gantz mit Zelten bedecket. Es befand ſich ich daſelbſt einer von den Fuͤrnemſten Nans oder Herꝛn genent Ala Kan, welchen der groſſe Mogol mit 40. oder ooo. Mann wider den Rebellen Raja-Seva- gi aufgeickt hatte diſer Herꝛ als er vernommen daß ir daſelbſt waren/ schickte uns Melonen und andere Früchte/ und ließ uns daben ſagen 111. Theil. l der Deputirten auß Franckreich betreffend vorgangen. und wolten den Hund Zafer welcher den 4 daß wir in guter Sicherheit unſere Reiſe fortfuͤhren koͤnten. Ich ſuchte alle Mittel herfür den Bebe r zu bereden/ daß wir verbunden weren dieſen groſſen Herꝛn zu beſuchen/ ich konte ihn aber auf keine Wege und Weiſe dazu bringen er hüte ſich einem groſſen Herꝛn gleich und blieb in ſeiner liederlichen Kutſchen ligen/ ſagende ich mochte thun was ich wolte. Als ich ſeinen Unverſtand ſahe legte ich andere Kleider an/ und ſchickte einen von meinen Leuten ins Lager/ ſich zu erkuͤndigen ob der Kan auch Wein trincke.. Als ich verno men daß dem alſo ſey/ Der Hir nahm ich zwey Flaſchen eine mit Schiss die zeſchencket andere mit Spanniſchen Wein augefüllet einen fuͤrnehſambt einem Puffer ſehr artig mit Sil⸗ men Herm. ber eingelegt mit mir. Die Flaschen waren in einem Korb wohl eingewickelt alſo daß man nicht vermercken konte was darinnen geweſen. Als ich mit diſem kleinen Geſchencke in dem Lager ankam/ legte ich bey dem Feldherꝛn meinen Gruß ab/ und entſchuldigte zugleich den Beber als den Abgeſandten der Frantzoͤſiſchen Compagn daß er Unpäßligkeit halber nicht die Ehre haben koͤnnen ihn zu beſuchen. Ich preſentirte hernacher dieſem Fuͤrſten den Puffer den er alßbald in die Hand nahm/ und mir befahl ich ſolte ihn laden/ damit er ihn probiren koͤnne. Als er ihn loß geſchoſſen/ ſprach er/ ich muß bekennen daß die Francken guten Verſtand haben/ diſer weiß daß ich in den Krieg zihe derohalben gibt er mir etwas damit ich mein Leben beſchůtzen koͤnne. Einer von ſeinen Leuten trug den Korb darinnen die Flaſchen waren und als er ſelbigen erblicket fragte er was es were. Man gab ihm mit leiſer Stimme zu verſtehen daß es Wein ſey/ darguff ſahe er zween oder 3. Mim⸗-baſſa an/ und ſprach zu ihnen dieſer Francke oder Europeiſche Herz verehrt mir Wein wir muͤſſen nothwendig davon trincken/ den ich weiß daß ihme dadurch ein gefallen geſchehen wird. Es befanden ſich auch zween Mollan baſelbſt/ als ſie aber vom Wein hoͤreten/ giengen ſie ſchleunig davon. Als der Kan ſolches ſahe begunte er zu lachen und ſagte es weff ren Agis daß ſeind die jenigen welche die Walfahrt nach Meque gethan/ und nach ihrer Widerkunfft keinen Wein mehr trincken. Als ich von ihm Abſcheid genommen ſchickte er mir zuvor ehe ich abreiſte ein Pomere welches eine Art von Leibbinden iſt/ und zu einem Guͤrtel dienen kan. Sie war auß weiſſen Atlaß gemacht mit guͤldenen Blumen geſtuͤcket und war ohngefehr 100. Roupies werth der ſo ſie mir überbrachte ſprach ſch wurde dem Kan einen groſſen gefallen thun/ wenn ich ihme noch eine Flaſche mit Wein geben konte/ und weil ich ihrer noch 3. übrig hatte ſo ſchickte ich ihm 2. davon. Er gab uns zu unſerer Leibtwacht ö. Reuter uns 3. Tage zu begleiten biß wir über eiyen groſſen Fluß kommen/ welcher auß den G Bergen %% Becricht was in Indien und Perſien: Die Handlung Bergen gegen Mittag rinnet/ und nach dem er bey der Stadt Baroche davon er den Nahmen empfaͤngt fuͤrbey laufft ergieſſet er ſich endlich in die Meer⸗Enge Cam25a. n a Als wir in dem lekſten Nachtlager welches ein groſſer Flecken iſt und Barnoli genent wird/ von dannen noch 14. Meilen biß durate iſt/ ankommen/ ſandte Beber einen ſeiner Bauren an Pater Ambroſium und ließ ihm ſeine Ankunfft wiſſend machen. So bald er diſes vernahm gieng er gehen ſolte/ und ſo lange er ihre Geſellſchafft nicht einſtellen wuͤrde/ wurde die Frantzoſiſce Compagnie in ihrer Handlung nach Ankunſſt der Schiffe allerley Widerwertigkeit außſtehen muͤſſen/ und wenn die Hollander nicht zu Agta geweſt weren/ wuͤrde der groſſe Mogol ihme nicht abgeſchlagen haben/ hundert tauſend Roupies weſche ſie theils bey dem Könige theils bey andern fuͤrnehmen Bedinten verehret/ hetten verhindert/ aß ſie was ſie gewünſchet nicht gantzich erhalten und ſezte bey diſem Artickel noch Welcher 1 nebſt dem Chelebi dem vorgedachten AleBebet wird biſchen Kauffmann zu dem Engellaͤndiſchen Preſidenten und entlehnete eine von viel ein mehrers dazu. Man konte leicht⸗ Holle, lich urtheilen daß er die Hollander noch nicht eues geh recht kante ſintemal ſie nicht ſo freygebig a zu Surate prächtig ein ſeinen Kutſchen/ mit dieſer und noch ix. oder 16, andern darinnen unterſchiedliche fuͤrnehme Europeer ſaſſen nebſt etlichen Reutern und vielen Banjaniſchen Kauffleuten kamen ſie dem Heren Abgeſandten entgegen. Es war denſelben Tag eben der erſte November 1666. ſie brachten mit ſich unterſchiedliche gutte Gerichte und ein jeder von den Banjanen ein ſonderbahres Geſchencke. Ich begab mich ſo bald ich den Capuciner begruͤſſet in mein Loſament/ darinnen ich zwey von meinen Leuten gelaſſen/ daß ſie ein Stucke Geldes ſo ich von dem Koͤnig in Perſien empfangen verwahren ſolten/ weil ich ſelbiges nicht mit mir auff den Weg nehmen wollen. Denn ich fande an allen Enden Credit und konte ohne Geld kauffen/ es war genug wenn ich einen Schein von mir gab/ daß ich ſolches entweder zu Surate, Agra, Viſapour, Golconda oder an andern Orten da ich dem Koͤnig oder Fuͤrnehmen Herzen etwas verkaufft harte/ bezahlen wolte. Ich ließ mein Geld an ſelbigem Ort ligen damit ich keine Ungelegenheit damit hette/ den man kan bißweilen auff den Wechſeln gewinnen bißweilen muß man auch verlihren nach dem die Zeiten gehen/ aber diſes traͤget nicht gar zu viel auß und auffs hoͤchſte einen Thaler pro cento. i i Beber peruͤbte andere Thorheiten mehr und wer dieſelbe wiſſen wolte duͤrffte nur an den Capuciner bater Ambroſium ſchreiben/ deme alles auß fuͤhrlich bewuſt war/ und dafern er ſolche zu entdecken bedencken getragen/ ſo iſt dieſes als eine Anzeigung ſeiner Klugheit/ und auß Eiffer fur die Nation geſchehen. Ich glaube aber nicht daß jemand ſo behutſam verdecken koͤnne/ was er . 115 erſten Tag des 1667. gſten Jahrs veruͤbet Stoſſel Thor⸗ Als Herz Thevenot von Madraſpatan heit des Be. und Golconda wider zurück kommen/ kehrte er bey den Capucinern ein. Beher kam einsmahls zu ihm ihn zu beſuchen und gab vor die Capuciner weren der Hollander Spionen/ und baß er den Pater offters bereden wollen/ daß er von ihgen ablaſſen und nicht mehr in ihr Hauß ſeyn/ undi hette ihre Practic und Geſchencke keinen Effect auff dieſe Weise. weil der Mogel durchauß darthun wolte daß ihme allerhand Volcker in ſeiner Herꝛſchafft und inſonderheit die Kaufleute ſo wohl die jenigen welche viel als welche wenig brachten jeder Zeit angenehm weren. Herz Thevenot ſprach darauff/ er helte dergleichen auff allen ſeinem Jfeiſen noch nie verſpüret/ und wenn es wahr ſey daß ſie andern Nationen die Handlung zu ſperren gedachten/ wurden ſie ihnen mit ihren Schiffen nicht behülfflich ſeyn/ und weder Perſohnen noch Wahren in andere Lander führen/ wie ſie doch ſchon offters gethan hatten. Den es iſt bekand daß ſie bißweilen ein oder auch zwey Schiffe nach dem ſie viel Mahren haben die frembden zuſtaͤndig ſind/ bald von Malulipatan bald von Sura te oder auch von andern Orten weg ſchicken/ in welchen ſich offters nicht ein Stücke befindet daß der Compagnie zuſtändig ſie. Uber diß muß man auch betrachten daß ſte allezeſt weniger Fracht als die Engellaͤnder und andere ſo Schiſſe halten begehren und mit diſen Grund Ursachen widerlegte Herz Thevenot dem Beber ſelne übelgefaſte Meinung/ welcher mit Gewalt dom Pater Ambroſio haben wolte daß er ihrer der Holländer müͤſſig ge hen und ſie nicht mehr beſuchen ſolle. Der Pater aber wolte ihm hierinnen keines Weges gehorchen/ ſagende et hette ſeit N. Jahren der wit ihnen in guter Freun ſchafft und Verſtandnuß gelebt und i wuͤrde ihm ſchwer fallen wenn er ſie für 15 Kopffe ſtoſſen ſolte/ den ſie theilten ih f alle Lage eine gewiſſe Quanticat Spe und Brod mit/ und an den Faſt⸗ Ta., gaben ſie ihme Butter/ Eyer/ Fiſch 10 Brandtewein und etlichen Flaschen me Spanniſchen und Schiras Wein angefülletHerꝛ Thevenot konte auch nicht unterlaßſen dem Peber anzuzeigen daß er doch ee Geld ſo der Parer für die entlehnte Kutſch N die in ſeinen Dienſten zerbrochen worde. wieder erſtatten ſolle; ingleichen begehrke 1 er ſolte auch die Schiffleute zahlen/ die mar je Küͤſten umb; ob keine Franan die Küsten umz zu ſchen ob kein Fiche q bit el * 0 b 0 0 a ne 0 cke, der Deputirten auß Franckreich betreffend vorgangen. tzoͤſiſche Schiffe ankamen außgeſand hette. Aber dieſes zu hoͤren waren ſeine Ohren verſtopffet/ und er trug kein Verlangen dem Pater Raphael das qußgegebene Geld zu erſtatten⸗ Sondern wie Her: Thevenot ihn diſer ſeiner Schuldigkeit erinderte faßte er einen ſolchen Zorn wider ihn/ und fing in dem Saale welcher von der Kammer darinnen die Meß geleſen wird nur mit einer hoͤltzernen Wand unterſchieden iſt/ greulich an zu fluchen und zu ſchelken als eben ein Capuciner der den Gottesdienſt darinnen verzichten wolte und dieſe Gotteslaͤſterung nicht leiden konte; herauß kam/ und ihn ermahnte hiervon abzuſtehen. Aber ſeine Ermahnung wurde gar übel auffgenommen/ und ſein Hochmuth nahm dermaſſen uͤberhand/ daß er dem Ehrlichen Pater gutte Streiche zur Antwort gab/ und zwar in beyſeyn Herꝛn Thevenot, ohne Anſehung deſſen hette er ihn villeicht gar umbgebracht. Nach dem der Capuciner auff eine ſo ſchmaͤchliche Weiſe kractieret worden/ kam er zu mir und konte wegen der guten Streiche den Halß kaum regen. Ich nahm Cocos Oehl und rieb in ihme damit und ließ ihn wohl verbinden. Was ſonſten dieſe ſo ſchoͤne grauſame That anbelangen thut ſo entſchloſſen wir uns davon ſtille zu ſchweigen/ damit wir bey den Engellaͤndern und Holländern nicht moͤchten in Spott und Schand gerathen. Aber unſer verhoͤlen war doch vergeblich ſintemahl die ſache nicht in geheim bleiben konte/ ſondern in kurtzer zeit offenbar ward/ nach diſen ließ Beber ſich in langer zeit in der Kirchen nicht mehr ſehen und ſchaͤmbte ſich auch an andere Oerther zu kommen. Er ver uͤbte noch andere unbilligkeiten und jagte ſeinen Bedinken der ihm doch daß Leben errettet von ſich/ ohne daß er ihm ſeine verdiente Belohnung gegeben hette. Nach dieſem zog er in eine andere Wohnung bey einem Apotecker mit ahmen Mouillon welcher von Goa kommen und eine Menge Portugiſiſchen Wein mit ſich gebracht hatte/ derſelben trieb ſonen Wirtſchafſt zu Surate. Im ubrigen atte er auch Streit mit dem Kauffmann eme der Koͤnig die 24000 Roupien fuͤr ſein und ſeines Dieners prerendirten Verluſt hatte bezahlen laſſen. Den der Kauffmann wolte ihme nur 23900 Roupies bezahlen/ vorgebende er hette nichts mehr empfangen/ und daß die Reſtirenden hundert die Beambten ſo die Schatzkammer auff und zu zuſchlieſſen pflegen/ und die kein Geld in die Säcke thun ſie haben es den zuvor ins Feur geworffen und geſehen ob es gut ſey/ fur ihre Mühe und als ein Gebuͤhr zu ſich gezogen. Beber wolte überdiß noch behaublen der Kauffmann hetre die ra tauſend kouPes die ihm der Konig fur ſein Blut zu geben verordnet gleichfals empfangen/ da och der groß Schatzmeiſter ſolche niemahls 51 bezahlen wollen wie Beber ſahe daß ſein geber ber Betrug aller Welt bekand worden/ war er meint von auff Mittel bedacht wie er ſich davon ma, Surate zu chen koͤnne/ und wir konten leichte mercken entgehn, daß er ſich bemühte in aller Stille von Surate weg zu reiſen/ und daß war auch gaͤntzlich ſein Vorhaben/ wenn es ihme nur gelingen wollen aber die gemachte Ordnung daß niemand ohne des Gubernators Befehl/ nemblich daß niemand ſich ohne ſein Vorwiſſen und Erlaubnuß auß der Statt/ weder zu Land noch zu Waſſer zubegeben unterſtehen ſolte/ iſt ihme zu ſeinem Vorhaben hinderlich geweſen. Dann gleich wie die Baursleuth/ welche von jenſeits deß Fluſſes nach Surate kommen/ nicht das Schiff umb wider hinuͤber zufahren betretten doͤrffen/ ſie koͤnnen dann das Zeichen/ ſo ihnen mit Roͤhte in dem Zollhauß auff die Hand getruckt wird/ zeigen/ alſo wird auch kein Menſch/ weder zu Pferd noch auff einer Kutſchen ohne einen Zedel von dem Chabander auß der Statt gelaſſen/ ja man iſt verbunden auch uͤber diß noch einen andern den er den Radars, welche ſich bißweilen auff zwo oder drey Meilen weit vor der Stadt auffhalten/ im Nothfahl vorlegen koͤnne/ mit ſich zunemmen. Gedachter Beber aber/ unterſtunde ſich dennoch/ alles diſes ohngeachtet/ mit ſeinem Weinhaͤndler an das Waſſer zugehen und ſich auff ein Schiff zubegeben den Schiffleuten befehlende/ ſie ſolten ihn nach Reynel, welches ein befeſtigtes Staͤdtlein iſt/ und jenſeits deß Fluſſes lieget/ fuhren/ als aber der Schiffer den Zedel gleich einem andern von ihme haben wolte/ beantwortete er ihm ſein Begehren mit Schlaͤgen uud Streichen/ vorgebende daß ihme nicht zuſtunde/ von einer Perſohn wie er ſeye/ einen Zedel zufordern; die Beſtuͤrtzung und Gewalt/ die er ihnen dreuete/ verurſachete/ daß die guten Schiffleuth ihn uͤber zufuͤhren von Land ſtieſſen/ ſie waren aber kaum auff die Mitte deß Fluſſes kommen/ als eine Anzahl Soldaten die der Gubernator zu dem ende außgeſandt ihnen zuruffte/ ſie ſolten zu ruck kehren/ und diſe zwo Frembde wider an das Land bringen. Beber ſolches vernehmend/ entbloͤßte ſein Gewehr/ dreuete/ und brachte es mit Gewalt dahin/ daß die Schißfleuthe wieder ihren Willen vollend hinuͤber fuhren. De Abends aber als er wieder zuruck kam/ nahmen die von dem Gubernator außgeſandte Soldaten/ die Schiffleuth/ ſo ihn über geführet/ under ſich/ bruͤgelten ihnen in ſeiner Gegenwarth die Haut der maſſen voll/ daß ſie lahm und faſt ohnmachtig darnider fielen. Das zugelauffene Volck ſehreye und ſprach/ daß nicht dieſe arme Schiffleuthe als welche ſolches auß Noht und gezwungen thun muͤſſen( ſondern dieſe Europeer dieſer Straff wuͤrdig waren. Hierauß kan man abnemmen/ wiewol ſich dieſer Abgeſandte in Per— ſien 52 ſien und Indien verhalten/ und was er ſo wol ihm/ als der gantzen Frantzoſiſchen Nation für einen ſchoͤnen Ehren Ruhm erworben Ich unterſtehe mich/ nach deme ich/ wie ſchaͤndtlich ſie auß den Schrancken gewichen/ angezeiget/ auch ihr wuͤrdiges und wol verdientes Ende/ dem Leſer vor Augen zuſtellen. Etliche Hollander auß Agra haben mir kund gethan/ daß der von Boulaye fünff oder ſechs Tage nach meiner Abreiſe ſich auch von dannen gemacht. Ich kan nicht underlaſſen zubeklagen/ daß ich mich ihme ein Flaſchen⸗Futter mit zwoͤlff groſſen Flaſchen Wein/ fuͤr hundert acht und dreyſ. ſig Roupies; unangeſehen es mich weit ein mehres gekoſtet/ zuverkauffen bereden laſſen. Daruber gab er mir eine Handſchrifft ſo ich noch beyhanden/ und verſprache mir in derben/ daß ich zu Surate, ſo bald die/ der rantzoͤſiſchen Companie zuſtändige Schiff ſo die Beſoldung den jenigen/ welche in ihren Dinſten nach Indien gereiſet/ entrichten ſolten/ ankommen/ den Werth gedachtter Handſchrifft nemlich die Bezahlung deß Weins haben ſolte; er aber ſetzte ſich auff eine Land ⸗Kutſche und fuhre biß nach Patna, welches die Hauptſtatt deß Konig reichs Bengale iſt/ und darinnen die Hollaͤnder ein Kauffhauß haben/ unter wel, chen einer mich berichtet/ als ich noch zu Surate war/ daß er ſich an gedachtem Orth/ theils bey ihnen/ theils bey den Engellaͤndern biß an den neundteu oder zehenden Tag auffgehalten/ und nachmahls nacher Daca gereiſet; gedachtes Daca iſt der Sitz deſſen/ ſo uber diſes Land als Koͤniglicher Stathalter geſetzet iſt. Dieſer Stathalter in Bengale war ein Bruder deß Vatters deß groſſen Mogols, wie ich darvon in meiner Indianiſchen Reiß Beſchreibung Meldung gethan/ ein ſehr maͤchtiger Fuͤrſt/ der uͤber dreyſſig oder viertzig tauſend Mann herſchete. Die Satt batna iſt ſehr groß/ und an dem Fluß Gange gelegen/ Daca aber die letzſte Stadt welche an den Grentzen deß Koͤnigreichs Arakan in dem Gebiet deß groſſen Mogols liget. Der von Boulaye bildete ſich Bonloye bil nach ſeinem falſchen Wahn nichts anbers eindet ſich ein als daß er von dannen noch China kommen nach Obina föndte/ zu dem ende/ tratt er zu Patna in ein zugehen. Schiff/ das mit etlichen Perſiſchen Soldaten/ welche nach Daca hey Cha eſt- Kan Dienſt nemen wolte/ zu ſchiffen willens war: Von ſelbiger Stund an hat man nicht gewiß erfahren koͤnnen wo ſelbiger hinkommen/ aber glaubliche Muhtmaſſungen haben mich verſichert/ daß er neben ſeinem keinen Sclaven von dieſen Perſiſchen Soldaten elendigich ermordet worden/ und dieſes iſt mit Deskovlaye folgenden Umſtanden geſchehen: Nemſaaunmerüches lich es hat die Hoffnung von ihme eine guEnde. te Beute zuerhalten/ ihnen hier zu Muht ae8 gemacht/ angeſehen ſie die Zeit/ da er von Bran dtwein/ weleher ihne trüncken gemacht/ entſchlaffen/ in acht genommen/ ihn under Bericht was in Indien und Perſien: Die Handlung ſehens umbracht/ und nach dem ſie ſeine Kleider durchſucht/ ſeinen Leib uͤber Port geworffen. N b Diſem Bericht geben alle Hollaͤnder/ welche in den Kauffhaͤuſern in dem gantzen Konigreich Bengale ſich aufhalten/ Beyfallwie ſie mir dann ſolchen von denen bey wel915 ich nach zufragen gebetten/ ertheilet 0 en. 2 Uber dieſes bekraͤfftiget die Warheit ſeines Todes noch mehr was ich allhier erzehlen wil: Eine viertel Meile von der Stadt Daca iſt ein Flecken/ darinnenn etliche welche/ zwar einen Portugiſen zum Vater/ aber eine Ein gebohrne zur Mutter gehabt: deß Statthalters von Beogale bedinte/ als Conſtaͤbler und Zimmerleuthe/ wie auch etliche andere dieſer Nation und welche dem Ch. eltKan bey der Reuterey dienen/ wohnen. Selbige haben eine kleine aber wol gebauete Kirchen/ darinnen ein Auguſtiner Moͤnch den GoOttes⸗ Dienſt zuverrichten pflegt. Zu ſelbigen kommet ohngefaͤhr drey Mou at nach deſſen von Boulaye von Parna geſchehener Abreiſe ein Perſier/ der an Geberben und Kleydung einem Soldaten/ wie auch die zween ſo bey ihm waren/ gleich ſchiene. Dieſer bringet ihme zwey groſſe Bücher/ deren das eine in Folio, das andere in Quarto war. Der geiſtliche war auch von denen/ da ich oben gedacht/ welche zwar einen Por tugiſen zum Vatter aber eine Eingeborne zur Mutter gehabt/ und verſtunde nach Arth und Gewonheit ſeiner Mittgeſellen von der Lateiniſchen Sprache ſehr wenig/ wie er dann auch mehr die Ergetzlichkeit als gelehret zu ſeyn fuͤr ſein hoͤchſtes Guth hielte; Dieſer als er ſahe/ daß ſie nicht in Portugiſicher Sprache geſchrieben/ ſagte ohne weiters Bedencken zum uͤberbringer/ daß ſie gewiß au der Hollander Wohnung kamen/ und ihnen vielleicht entwendet worden; unter ſtun ſich auch ſolche zuruck zuhalten/ aber der Soldat/ deme damit nicht gedienet/ fieng daruber an grauſam zu zancken/ ſo lang bi er ihme ſolche wieder uberlaſſen. Und das iſt der Bericht/ welchen mir die Hollander volt Daca und andern Orthen geſchrieben/ von welcher Zeit an/ ich kein Wort mehr gehört/ und weil ich insonderheit bey ihm zu en zwo groſſe Kuͤſten mit Büchern/ weich alle wohl eingebunden geſehen/ ſiutemale, mir bewußt daß er viel Zeie mit leſen zig bracht hat mir ſolches hierzu Muhtmaſſung geben muͤſſen. N N Ich weiß gewiß das nichts anders als ſein Geſtz die Gelegenheit und das vorthei 1 ſeinem Tod geweſen/ dann wann er g 8 5 bah wie ich gethan/ als ich von barna gezogen i ein Schifflein genommmen/ und daß l, Volck darzu angehalten/ daß ſie ihme Ach gen geſteller/ o ware viclecht diefes dinge e, von ihme entfernet geblieben. Ich ha 11 was der gleichen fuͤrchtend/ ein eigen Wc 45 darinnen vier und zwantzig Mann/ Rach U 2 1 der Deputirten auß Franckreich betreffend vorgangen. mich die Unkoͤſten zu meiner Sicherheit anzuwenden nicht daureten) ſich befanden/ und mir ein jeder einen Burgen ſtellen müßte genommen. Dieſe Arth der Schiffe iſt den kleinen Gallioten gleich/ und ſeynd ſehr gegeſchickt einen auff beſtimbten Tag an fuͤrgeſezten Orth zubringen/ auch dafern man auff der Erden bey Nacht ſchlaffen will/ laͤſſet man ſein Zellt auffrichten/ man pfleget auch bey allen Staten und Doͤrffern umb Speiſe zu kauffen mit dem ſchiffen ein, zuhalten/ ſonſten kan ich mich mit recht ruͤhmen/ daß ich niemalen keine ſolche gluͤckliche Reiſe gehabt/ und darbey weniger Gefahr und muͤheſamer Arbeit were unterworffen 0 U 1 ſanftde en d geweſen. Dann eine gute Kammer darinnen man vor der Hitze der Sonnen bedecket/ das Fenſter dardurch kuͤhler Lufft ſtreichet/ die Bequemlichkeit der Kuͤche und anderer Gemächer/ welche mit Laub gezieret/ machen dieſe Schiffe ſehr annemlich/ und die Reiſe über die maſſen luſtig und kurtz. Ich habe mich die Zeit hero mit ſchieſſen unterſchiedenes Geflügels ſonderlich auch groſſer Kranich und Er codill beluſtiget/ daruͤber dann meine Bootsknecht frohe waren/ weil ich ſelbige ihnen allezeit uͤberlieſſe/ welche ſie hernach an die Einwohner in den Doͤrffern/ da wir vorbeyreiſeten/ verkaufften/ ſelbige pflegen/ Oehl zumachen/ welches ſo wol zum brennen als auch ihre Schiffe vor dem Einlauff deß Waſſers zuverſichern dienet. Sonſten iſt das Volck an dieſem Orth ſehr gütig und dienſtwillig/ die debens⸗Mittel verkauffen ſie faſt umb nichts/ ſo gar daß man hundert Hüner umb einen Thaler haben kan/ andere Sachen nach Proportion ſeynd geichmaͤſſig wohl feil/ alſo daß man auch einen Fiſch von einer ungeheuren Groſſe und ange umb drey oder vier Sols kauffen kan. Und dises iſt alles/ ſo ich/ die Zufaͤlle deſſen von Boulaye betreffende auß ihnen verneh. men koͤnnen/ ich fahre fort denn nicht weniger kraurigen/ und elenden Untergang deß Beberg kürzlich zubeſchreiben. So bald der Fraytzoſiſchen Geſellſchafft Man die Schiffe zu Surste aukommen/ wurde bald em Herꝛen Caron der dieſelben commandierte/ und Herꝛen Ramos, wie auch einem rmenier/ welche beyde nach jenem die meiſten Geſchaͤffte zuverꝛichten und alles zuverſorgen Ordre haften/ daß/ ſo ſich zwiſchen offt gedachtem Beber und den Capucineren zugetragen/ wiſſend gemacht/ denſelben Augenblick wurde die Neygung und der Nutzen mit dem Bericht von einapder geſondert/ Jron und Rambos nahmen deß Bebers Parthey an/ der Armenier aber ſuchte der Capueiner Vortheil/ welches dann ſo wol 0 Beber als Rambos das Unglück/ deſ05 Umbſtände ich bald erzehlen will/ auff en Halß gezogen/ es geſchahe/ als der 705 ollaͤndiſche Commendant, Herzen Caron N 5 ſeinem Schiff beſuchte/ und nach genomMenem Abſcheid Ehrenthalben nicht geſtat93 ten wolte/ daß einer auß ſeiner Kammer gien ge und ihn begleitete wehen der von 155 ae bos und der Armenier welche wie vor ge ee Arm meldet nach Herꝛen Caron die Vornembſten mier. in Handels⸗Geſchaͤfften waren/ doch ſolches nicht unterlaſſen/ der Ehrgeitz aber verurſachete/ daß der Armenier dem Rambos vorzugehen ſuchte/ ſolches auch er zwingend wurde Rambos zum Zorn und Eyfe beweget/ daß er ihme durch Verſetzung eines Backenſtreichs den Schimpff in aller Gegenwarth zuvergelten nieht underlaſſen konte: ich laſſe allhier den Leſer ſelbſten urtheilen/ was vor Unheil und boͤſe Haͤndel diſes nach ſich gezogen/ der Sachen mit wenigem De, Arme zugedencken/ weil Caron, Rambos und Be ner wd ber beyſammen hielten/ fiel dem Armenier angelagert, ſchwer/ ja unmoglich allein ihnen zu wiederſtehen/ und weil er Schatzmeiſter war/ wurde er als ein übler Haußhalter angeklaget und zum Strick verurtheilet/ ſolches Urtheil aber zuvoll ziehen/ ward gegenwartiger Orth undienlich erkandt/ und der Armenier an den Königlichen Raht in die Inſul Madagaſcar deſſen Haupt der von Mondevergue dazumal war/ das was hier ſich nicht thun laſſen/ dorten aufzuführen/ geſandt/ gedachter Mondevergue aber/ nach deme er ſeine Rechtsfertigung geſehen/ ſprach ihn nicht Wird un. allein unſchuldig/ ſondern bezeugete auch/ ſchu dig 95 daß er ein uͤber alle maſſen nutzlicher Mann/ ſprochen. und der Compagnie ſehr vortheilhafftig ſeyn koͤnne; ſendete ihn auch mit mehrerer Vollmacht ihme ein groͤſſers unter die Hande zu geben/ wieder zu ruͤck. Dieſes gab genugſam Anlaß den Beber und kambos den Muht fallen zulaſſen/ weilen ſie ſahen/ daß der jenige/ welchen ſie zuverderben gedacht/ ihrem Strick entgangen/ und empor geſtiegen ſie funden endlich Mittel zwoͤlfftauſend Roupies, welche ſie als einen Theil ihrer ruͤckſtaͤndigen Beſoldung von der Compagnie for, S tbers und derten/ an ſich zubringen. Dieſe legten ſie Rambos gebſt des Bebers vier und zwantzig tauſend/ neues Vor ſo dem Beber abſonderlich gehoͤrten/ zuſam⸗ nehmen. men und fiengen an damit zu Goa zu handlen; Nach deme aber kurtze Zeit verfloſſen/ Bebers Tod. ſtarb Beber/ Rambos aber kam durch Eil. Webers Tho, pahan wieder hierher. Ich bin gewiß/ wann die Capuciner inſonderheit aber Pater Ambroſius alles was ihnen von dem Weſen und ſchaͤndlichen verhalten dieſer beyden Abgeſandten bewußt/ in Schrifften verfaſſen und der Welt vor Augen legen wolten/ wurde hierzu ein groſſes Buch vonnothen ſeyn/ aber ihre eigene Beſcheidenheit und die Chriſtliche Liebe hat ſolches zu thun widerzahten. Ich folge billich ihrem Ex. empel/ und unterlaſſe ein mehrers hiervon zugedencken. G 3 Anmer Welche ich in meinẽ Reiſen durch Aſien den Handel in den Orientaliſchẽ Indien betreffend/ auff zuzeichnen würdig befunden/ darinnen ich die Heir waz und Wege eine neue Compagar auff zu richten wie auch den Betrug welch im bauen deßgleichen in Kauff und Verkauffen der Wahren begangen wil i und wie ſelbigen zu entgehen/ angezeiget. Dieſem habe ich bey gefügt den gemeinen Preiß aller Wahren nebſt dervergleichung deß Indianiſchen Gelbs mit dem Frantzoͤſiſchen welches in dem Handel und wandel gangbar it Vor bericht Man hat für nötig erachtet den deſer zu erinnern/ das ob ſchon diſer alhir enthaltenen Sachen an ein anderem Ort ag erwehnet worden/ dennoch alhier zu wiederholen aus keinen verſehen/ ſinkemal dieſes unſerm Weltberuͤm bten Verfaſſer ihn zu nahe geredet ſeyn wuͤrde geſchehen/ ſondern daß die Begirde der Welt zu dienen die auff allen ſeyten ſein Endzweg geweſe gen hie zu veranlaſſet/ und zwar in den er nicht gezweiffelt; das das jenige waß er alhier angezeigt/ noch aus fuͤrlicher fuͤr 10 0 dir nicht mißfallen werde/ ſondern zu mehren Nutzen und Wiſſenſchaſſt dienen koͤnne. Nihm es an mit geneigten Gem 5 beſey verſichert daß er/ ſo lange deß hoͤchſten Znad ihn noch zu keiner andern Retſe beruffet nicht unterlaßen wird/ dur 10 mühung und Fleiß dir zu Nutzen alle ſeine Kraͤffte an zu wenden; klare Beweißthumer die alberett unter unſern Haͤnden 0 ollen deſſen in kuutzer Zeit zeuge ſeyn. debe wol uud gebrauch dich deſſen zu deinem Nutzen und Ergoͤtzlichkeit.] Das dritte Buch. i Von der Handlung/ welche in den Orientalichen Indien getrieben wird. i Ann eine Europa inofft gedachtes Indien ſehr weit Nation eine ware zuwünſchen/ daß die Compagnie Handels, nen ſichern Orth in dem Vor⸗Gebirge Bone Compagni Spei haben koͤnte/ daſelbſten Erfriſchung in gedachten zu nehmen/ und beydes im hin, und zurn Indien auff reiſen/ vornemlich aber in der Wiederkehr % dux ichten ſich mit friſchen Waſſer verſorgen/ zu de 5 willens iſt/ wann die Schiffe beladen/ kan kein gen iſt vor allen ſammer Vorꝛaht von Waſſer fur eine 1 5 e Dingen no- lange Reiſe mitgenommen werden. in eee ee e hig daß ſe Strand der St. Helenen Inſul, geg, einen beſtimten Orth in demſelbigen Lan, Morgen gelegen/ allwo die Engellander ah de außerſehe/ da ſie ihre beſchadigte Schiffe ne Schanz auffgeworffen/ darvon 750 wieber verbeſſeren und zur Zeſt deß unge, gedencken kwill/ it zu der gleichen Vorha ob fammen Wetters ſich ſicher auffhalten auß der maſſen wol geſchickt. 2 050 lieh in Ermanglung deſſen/ hat die En, zwar das Waſſer umb dieſelbige Gedas 13 andiſche Compagnie keinen gar gluͤck nicht vollkommen gut/ dennoch aber iſt nb diefen Fortgang und Nutzen gehabt/ da doch flache Land und gute Erdreich alen a, dane leichtlich ware zuhelſfen geweſen/ nohtwendige Lebens, Mittel daſelbſt zupfle 51 Jab cite daß die Schiffe gan⸗ tzen tuͤchtig und dienlich. Aber gleich ge, 5 580 men unva dmaußgebeſſert und von die Hollander durch Erbauung einer, agen en Je en Ieerdeebeſ bleiben und dau- fung in dem Vor⸗Gebirg Bone ei do ren konnen. Dieweil aber der Weg auß Vortheil allen Nationen benommen haben 2 N 5 9 8 N 0 NN 79 7 8 5 Anmerckungen uͤber den Kauff und Handel/ de. 55 haben auch die Engellaͤnder in der Helenen. zuerfahren trachtete ohne den Hollaͤndern Inſul ein gleiches gethan/ ohnangeſehen/ Muhtmaſſungen zugeben/ was ſie darmit zu nach aller Volcker Recht/ und Bewilligung thun im Sinn hatken. g deß gantzen Europe/ einem jeden an bey ⸗ Ulber diß/ ſo ware auch hoch nochtwendig/ den diſen Orthen ſich zuerfriſchen und mit das die Compagnie einen Orth hatte nahe Lebens Mittlen zu verſorgen frey geſtanden bey surare/ ſich da bey vorfallendem Regen, bey vorfal. dannoch aber duncket mich nicht uͤbel zu Wetter auffzuhalten/ ihre Schiffe zu beſſe, lenden Regen ſeyn/ eine Veſtung fur die Frantzoſtſche rn und ſicher zu ſeyn; und zwar dieſes Wetter die Companie an dem Außlauff deß Fluſſes darumb/ weil zur Zeit eines Ungewitters/ Wahren verwendigkeit eines Orths wahret/ zu 8 ic n bh dad el in a Jb. zuerbauen/ welche ſo wol Waſſer zunemmen als auch mit allem dem rigen ſich zuverſorgen eben ſo bequemm/ ja viel beſſer als die jenigen/ welche man in denen DauphinsInſuln auffzurichten gedencket/ ſeyn wurde/ weil u an daſelbſt keinen andern Handel als Ochſen zukauffen und von derer Haute den Gewin zuſuchen/ treibet/ welcher aber gar gering und ſchlecht/ daß dardurch in kurtzer Zeit die gantze Compagaie in Schaden und Verderben gerahten ſolte: Umb beſſentwegen auch die Frantzoſen ſich alldort ohne einigen Nutzen anffgehalten. Die Muhtmaſſung/ welche mir zu dieſem Vorſchlag Urſach gegeben/ iſt gegruͤndet/ nemblich weil ich bekrachtet/ daß alß Anno 1640. zwey Portugeſiſche Schiffe von Lisbona nach Indien in der Fahrt begriffen/ und friſches Waſſer zunehmen/ an offtgedachtes Vor Gebirge anlenden wolten/ ſeynd ſie/ weil die See ſehr hoch/ und darauff nicht Achtung gegeben/ in einen Meerbuſem achtzehen oder zwantzig Meilen darvon entfernet auff der Seſten gegen Oſt gelegen/ eingelauffen. Sie funen allhier einen Fluß/ darin nen ſehr gut Waſſer/ die ſchwartzen Einwohner deß Landes brachten ihnen einen groſſen Von aht don allerley Waſſer⸗Voͤglen/ Fiſchen und Kuͤhefleiſch ſich zuerfriſchen/ Sie hielten ſich daſelbſt fuͤnffzehen Tage auff/ und nahmen bey ihrem Abzug zween dieſer Einwohner/ ſie in der Portugeſiſchen Sprach zu unterweiſen und einige Kundſchafft die Handlung deß Lands betreffende zuerfahren/ mit ſich Goa. Derohalben der Holländidiſche Commandant zu Surate mich gebetken/ ich moͤchte nach Goa reiſen/ und deſſen was etwan die bortugieſen von dieſen zween ſchwartzen erfahren/ erkundigen/ aber keiner Nahmens Saint Amand ſo ein Frantzoſiſcher Ingenieur, welchem die Befeftigungs Wercke zu Goa anvertrauet/ verſicherte mich/ daß man in gedachte ſchwartzen quch nicht ein einiges Wort von der Por tugeſiſchen Sprache bringen koͤndte/ und man nur allein durch deuten ihrer Geberden bgenommen/ daß ihnen der Amber und die lephanten. Zahn bekandt waren/ Die bor, fenen zweifſen dannoch nicht daß daſelben Gold zufinden/ wann man nur die Föandlung tief in das Land hinein führen fondte. Aber die groſſen Verenderungen nien ketusal und ihre Kriege wieder E pan 8 aben verhindert/ daß dieſes ferner zu ſhenſeden nachgebliben. Und ware zuwun, n/ daß die Compagnie dieſes gründlich bey welchem man ohn oͤglich auff bem Meer bleiben kan/ Der groſſe Aogol, wegen ſeiner Veſtung zu Surate eyferende kein frembdes Schiff auff dem Fluſſe leiden will; da im Gegentheil/ die Schiſſe koͤndten außgeladen werden/ und bey dieſem gantzer fünff Monat lang ſtarck anhaltenden Ungeroitter die Wahren bedeckt und ſicher ſeyn. Die Statt D iu welche den bortugiſen zuſtaͤndig/ halten. Der Skabke Diu Gelegen halte ich eintzig und allein fur den beſten und heit. bequembſten Orth/ alwo die Compagnie ſich mit ihren Schiffen auffhalten koͤndte/ Die vortheilhafftige Gelegenheit der ſelben iſt uinb vieler Urſachen willen hierzu geichickt. Die Statt begreiffet in ſi h uͤber vierhundert Hauſer/ und kan zu einer Volckreichen Statt gemacht/ allwo die Schiffenden Zeit ihres da Verbleibens mit aller Nohtdurfft und Bequemblichkeit verſorget ſein/ werden. Sie liget auff der Seiten Guzerate an der Spitze deß ſo genandten Golfo de Cambaye gegen Sud Oſt. Ihr Lager iſt faſt rund/ und mehr als der halbe theil von dem Meer umbgeben. Ste hat nichts daß ihr von der Hohe ſchaden koͤndte/ und die Portugieſen haben etliche Wercke zu ihrer GroſſedlenBefeſtigung auff der Seiten ſo gegen dem ge der BranLande gehst/ angefangen/ welche ohne groſ⸗ nen. ſe Muͤhe koͤndten zur Vollkommenheit gebracht werden. In dieſer Statt iſt eine roſſe Menge Schopff⸗Bruͤnnen/ darinnen fehr gutes Waſſer iſt; Deßgleichen auch ein Bach/ welcher nahe bey der Stadt in das Merr faͤllet/ und ein ſolches herꝛliches Waſſer in ſich hat/ daß ſelbiges zu Surate und Sovali an Güthe uͤbertrifft/ und koͤnnen daſelbſten die Schiffe bey ungeſtuͤhmen Wetter am ſicherſten ſeyn. Die Portugieſen/ als ſie zum erſten mal in Indien einen feſten fuß geſetzt unterhielten daſelbſt eine Flotte/ von Galleren/ Jagd⸗ und andern leichte Schiffen beſtehend/ durch welche Mittel ſie an denen Orthen/ darvon wir gllererſt Meldung gethan/ in der Handlung lange Zeit Meiſſer geweſen/ alſo daß niemand ohne ein PaßPort von dem Cömandanten in der Stadt/ welcher ſolches an ſtatt deß Königlichen Statthalters von Portugal der zu Goa ſeinen Sitz hakte/ verzichtete/ einigen Gewerb treiben dorffte. Der Nutzen/ welchen er durch gedachte Brieffe eingezogen/ war nicht allein genugſam die Flotte und Beſatzung zuerhalten/ ſondern es koͤndte auch der Zubernator ein zimliches zu ſeinem Eygenthum/ ob er wohl nur drey Jahrlang in diſem ambt gelaſſen wurde einſhen und i in kurtze Der Portugiſen vortheil 56 in kurzer zeit auch noch einen Reichtum er Derwegen nach deme der gewalt ſo man an diſem ort beſtelte wurde auch der genus ſein/ die Portugieſen welche anjto zwar ſchwach haben nichts deſto weniger den vortheil/ daß dieſelben weder von dem geld ſo ſie in die laͤnder des groſſen Mogols und des Konigs zu Vilapour ſchicken/ noch von den . bringenden wahren nichts bezahlen/ Wan das Regenwetter vorüber/ iſt der wind faſt beſtandig Nord od er Nord⸗Oſt/ Anmerckungen über den Kauff und Handel r. Aufrichtigkeit/ und Wiſſenſchaſſt in der Handlung erfahren Zuerwehlen und hierin muß die Beſoldung nicht geſpart werden diſe wen Manner ſollen der Compatnie dienen/ nemblich der eine in qualitet eines Befelchhabers/ neben einem Rath von einer Gewiſſen anzahl Perſohnen die ihme als gehüͤlffen zugegeben werden/ der andere als ein Underhandler oder Handels malt und diſer muß in eingebohrner und kein Chriſt noch Mahometaner ſeyn/ ſintemahlen alle Arbeiter mit benen er zuſchaffen ha⸗ Sie ben ſoll/Abgoͤtterer ſeind/ die gute Sitten und aud Aae . 2 0 c Auffrichtigkeit ſeind fuͤrnemlich notwendig aigken alſo daß man von Diu nach Surate mit leich⸗ b 1 bey diſem völckern ein gutes Vertrawen de dach ten Schiffen in z.oder 4. Meer Fluthen komUnft uchthbares Exdreich. men kan/ aber wan die groſſen ſchiffe beladen muͤſſen dieſelben einen Umkreis umb die ſand bancke machen. Ein mann der bis in einen kleinen flecken genent Gaoges zu fuß gehet/ und von dar am ende/ des meerbuſens uberfahret/ kan von Diu zu Surate in 4. oder 5. Tagen ſein Zuerlangen/ und alſo ſollen auch 0 Son, ge derbahren Underhandler welche v ober Underhandler der Provintz/ da die Hauſer welche zu der Correſpondentz beſtellet/ dependirn beſchaffen ſeyn/ die Wiſſenſchafft iſt dieſen vween Mannern nicht wen ger notig/ um die Verfaͤlſchung der Wahaber wan das wetter zur Uberfarth wider, gen die gemacht werden zuerkennen/ dieſeibe 1 wartig/ kan er die reiſe under 7. oder 8. ta geſehicht entweder auß Vosheit der Arbeſter 1 gen nicht verrichten/ weilen man den meer⸗ Und Kauffleuthe oder wenn zwiſchen ihnen Wan buſen umbſchiffen muß. e Die Stadt hat auſſert ihrem begriff kein landtſchafft/ aber man konte mit dem Raia oder Cubernatorn der Provintz leicht ſich vergleichen/ vom demſelben/ ſo viel als der Stabt Inwohner zu Ihrer Notturfft vonnothen haben zuerlangen. 5 Das Erdreich umher iſt nicht fruchbar und das volck in der nachbarſchafft das armſte des gantzen Reichs des groſſen Mogols, dennoch iſt daſſelbſten viel vieh in dem Hayden deren das Landt voll alſo daß ein Buffel oder Kuh fur 2, Piaſttes erkaufft werden kan. Die Engellaͤnder und Hollaͤn, der bedienen ſich dieſes viehs Ihre leute und den ſonderbahren Underhandlern ein heimlicher Verſtand gemacht/ diſe Verfaͤlſchung kan einen ſolchen Schaden brimgen daß die Underhandler zu wellen biß 10 und 12 pro cento bavon haben. Wan der Beſehlhaber und der Ober Underhaͤndler/ mit den ſonderbahren Un derhandlern und den Kaufflenthen in ein Horn blaſen ſo iſt nicht wohl muͤglich daß die Compagnie dieſes Betrugs uͤberhoben ſein koͤnne/ wan ſie aber getreu ſeind/ un eine Wiſſenſchafft haben wird der Compagnie leicht fallen in Abwechßlung der ſolA Underhaͤndlern darwider zumitteln. Die Untreu ſo diſe Beambte der Cor, miele pagnie zu Nachtheil verüben konnen it liche a diſe nach Ankunfft eines Schiſßs in den de Haffen werden der Compagni ſchreiben unn mme de za Verzeichnus der Ladung dem jenigen 17 der H für die Nation in dem Land Befehl 7 1 0 lung fü iſt zugeſtelt diſer Commendant verſarbie gchen zuerhalten/ damit ſie den Vorrath ihrer Schiffe die Zeit/ ber weil ſie zu Sovali bleia ben erſparen mochten. 5 d Ungeſundes Es iſt aber zuwercken und die erfahrung Büffel dleiſch hat es mitgebracht/ daß das Fleiſch diſer Büffel offt die rote Ruht veruhrſacht welche die Zahl der Leute auf den Schiffen ſehr ſchwaͤchet/ ſo aber von den Kuhfleiſch nicht zu befürchten. Der Rajas herſchet in dem Land als ein Gubernator und das iſt faſt allen Raja in dem Reich des groſſen Mogols gemein/ dieſelbiegen waren/ vor dieſem Herren der Provintzen/ da hingegen ihre nachkommen allein dem Titel der Gubernatorn haben die Portugieſen werden von ihme ſehr freundlich gehalten weil Ihre Nachbaurſchafft/ ihme für den Verkauff ſeines Korus Reis und Gemuß Gelt bringet/ und derowegen wurden die Franzoſen noch freundtlicher von ihme tracklert werden. e Nach der beſtellung diſes Orts/ welches das vornembſte Fundament zudem Getverb der Compagnie ſein ſoll/ iſt das wichtigſte zween Manner/ die an perſtant ſeinen Rath/ laͤſſet den Underhaͤndler 11 kommen und giebt demselben eine dgſchrifft der Verzeichnüs deſſen was 25 Schiff geladen hat. ches Der Underhaͤndler Communiciert ſol f zween ober dreyen der vorgembſten Kein, leute welche eine Partey Wahren mit en, ander zukauffen pflegen/ oder Groſſieren 155 nent werden koͤnnen/ wan nün der fen derhandler/ und Befehlhaber/ auff 0 er nutzen zugedencken/ ſich mit einander 1 ſtehen/ ſo gibt der Underhandler den Ka 15 leuten in geheim zuverſtehen daß ſie und etwas weniges/ auff die Wahren bite. 45 daraüff beſtändig bleiben sollen„ba Kauf ſeine Schuldigkeit erforderte das der K befoͤrdert wurd. unAls dan berufſt der Befehlhaber den 1 00 10 alle been i 5 In dem Orientaliſchen Indien. der⸗ handler ſambt zween oder drey Kauffleuten zu ſich/ und befragt ſie in Gegenwart ſeines Raths/ Wieviel ſie auff die Wahren deren/ ihnen die Verzeichnus uber geben worden bieten/ wan die Kauffleut/ oder weniger/ nach den er vorgiebt/ daß der Kauff ſehr preſſire/ auff dem erſten Geboth feſt bleiben/ und nicht mehr geben wollen ſo ſetzt der Commendant noch 5. Tag einen bis weillen mehr/ hernach leſſet er die Kauffleut aber nur zum Schein noch viel mahl für ſich kommen und berathſchlagt ſich/ endlichen damit nichts vermerckt werde/ und er ſich deſſen entlade mit dem Rath/ und als den ſpricht er daß die Waagre den Kauffleuten um daſſelbige ſo ſie darauff gebotten ſollen abgefolgt werden. Aber ob wohl dieſe zween Beambte/ wegen ihres Gewalts/ der offtmahligen Gelegenheiten und Entfernung ihrer Herꝛen Principalen denen ſie leichtlich die Warheit verdraͤhen koͤnnen/ ſolches zu practicieren/ ſo gutte Mittel und Weg haben; ſo kan doch die Compagnie durch Erwehlung dieſer zwo Perſohnen dieſer Unordnung ſteuren/ wann ſie denſelben den Vorwand welchen die Hollaͤndiſche Befehlhabere/ und Underhaͤndler haben/ das nemblich dieſelbigen zu ſchleuͤnigem Verkauff um die Koſten/ ſo in verzoͤgerung ergangen weren/ zu meiden genoͤtigt geweſen/ benehmen. Der Fehler auff der Hollander ſeyte beſtehet darin das ihre Beambten von einen Jahr ins andere die Waaren/ welche aus dem Reich des groſſen Mogols, vermoͤg der auß Battavia, habenden Ordre/ be kommen auff Borg machen laſſen. Diſer Credit koſtet ſie zuweilen 12 auch offt 15. pro cento derowegen/ ſo bald ihre Schiffe mit Waaren beladen/ in dem Hafen da ſolche verkaufft werden ſollen/ eingelauffen/ ſeind ſie genoͤtiget/ in dem Preis ſo die Groſſierer den Underhaͤndlern anbieten ſchleunig los zu trucken/ damit ſie Gelt ſamlen/ das jenige ſo ſie fuͤr die Waaren welche ihre Schiffe mitnehmen/ entlehnt/ ab zuzahlen/ und Credit fuͤr das folgende Jahr zuerhalten. N f Dies gibt anlaß zur Verſtaͤndnus zwiſchen ihren Befehlhabern/ und Underhaͤndlern mit den Kauffleuthen/ welche bey diſer Nothwendigkeit/ die Waaren zu verkaufen ihren Nutzen trefflich zu ſchaffen wiſſen/ und diſer eigen Nutz ſchwäͤchet der Compagnie, ewinn mercklich/ den es würde ein guter heil/ der beſtẽ mittel auff die Intereſſen/ das le vorgemeldt/ auff Credit genommen abzuzahlen/ angewendet; diſe Intereſſen laufen/ von einer Zeit zur andern mehr/ oder weniger nach deme die Befehlhaber/ und Auderhand ler/ bey mit einander/ habendem erſtand ſolche ſeigern. a Die Fraußzoſiſchen Schiffe hingegen 1J. Theil. a 57 welche gleiche Sachen/ als die Hollaͤnder mit ſich bringen weren uber diß nicht ohne Geldt und koͤnten den Arbeitern/ einen Theil auff die Waaren fuͤr das folgenden Jahr vorſchieſſen. 5 775 2 Die Compagnie were durch diſen Vor⸗Intereſſe ſchuß der groſſen Zinſen/ von 12. und 15. pro Gelder und cento die die Pollaͤnder für das geborgte Vorgen krazu bezahlen pfegen überhoben bekame über dane Ban; das ſchone Waar/ und in wolſeilern Preis/ wenig en und die Leut wurden auch ins gemein in Be trachtung/ des baren Gelts für ſie lieber arbeiten/ die Ladung der Schiffe ſtunde auff ſolche Weiſe ſchon in Bereitſchafft ehe dieſelben in dem Haffen anlangten/ und wenn ſie ſchleunig widerum beladen worden/ koͤnten ſie den guten Wind ihrer RuckReiſe am beſten in acht nehmen/ und ſich deſſen bedienen/ die Compagnie were nicht genötigt drey oder vier Groſſierern des Orts/ die in dem Gewerb ſich die; Meiſterſchafft zu wegen gebracht/ um ein ſpoͤttlichen Preis zuverkauffen/ ſintemahlen die Underhandler warten koͤnten/ biß die frembden Kauffleuthe ankommen/ und ihnen die Waaren abgekaufſt/ oder wenn ſie Mittel hetten/ 195 10 die 9 7 1 guter Ab⸗. e gang iſt/ ſelbſten zu verſchicken. g Es 10 noch zu mercken daß es nutzlicher en Gold un iſt Gold und Silber in Staͤnglein/ als Suber iſt gemuͤntzt Gelt in Indien zubringen/ weil beſſer als das Gelt daſelbſten allein nach dem Werth Gelt in Inder Landes Muͤntze guͤltig/ und weil allezeit dien zufͤhauff den gemuͤntzten Gelt ſorten/ wegen der Unkoſten des muntzens/ etwas zu verliehren iſt. Wonn der Underhaͤndler untreu kan derſelbe/ mit dem Muntzmeiſter des groſſen Mogols, welcher in jedem Hafen des Reichs beſtellet/ ein Verſtaͤndnus machen/ und die gemuͤntzten Sorten oder Gold und Silber in Stanglin/ auff ringern Halt als daſſelbe iſt ſchatzen/ wenn der Befehlhaber/ und deſſen Rath vorgeben/ daß ſolcher in der Prob die in der Muͤntz ge950 nur von diſem Halt befunden woren Aber es iſt leicht diſen Betrug zu verhin⸗ Betrug weldern/ dafern der Befehlhaber ein auffrich⸗ cher bey dem tiger Mann und mit Wiſſenſchafft begabt muͤntzen ſuͤriſt/ wann derſelbe einen Gold und Silber gehet. laͤuterer des Landes/ deren man gar wohl bekommen kan/ und welche die Proben der Metallen uber auß verſtehen ſuchen/ und 1 1 in ſeiner Gegenwart machen aſſet. ö Alſo hat Herꝛ Vackenton für die Hollaͤndiſche Compagni gethan/ in deren Nahmen er ein Coa tor zu Kaſambazar hielte/ die Compagnie nahm jahrlich ſechs in 7. tauſend Ballen Seiden derſelbige befand bey diſer Prob daß der Underhändler welcher mit dem Muntzmeiſter einen Verſtand hatte/ ihn umb ein und ein halben oder 5 Y 2. prO 8 Anmerckungen uͤber den Kauff und Handel 2. pro cento auff dem Halt des Golds und ſtelt einen Rentmeiſter oder königlichen VerSilbers/ ſo ihme auß Japan beides in Staͤn, walter zu verordnen welcher underdeſſen glin und gemuntztem Zeld/ zu kommen/ be⸗ Nahmen und Authoritaͤt agiere. Was ot ch krogen halte und daß demnach der mpa- Derſelbe ſolle von dem Beſehlhaber gen Nült, . namhaffte Summa entwendet wor⸗ und Underhaͤndler in Verwaltung ſei⸗ obs en 5 8 8 meiſtel a nes Ambts nicht dependien alſo daß er engl Der Underhaͤndler kan uber das auch noch/ auch auff ihr als der geringeren Beam Bc wenn er es mit dem Müngzmeiſter/ oder mit ten verhalten ein wachendes Aug haben aut. dem jenigen/ welcher das Gold und Silber moͤge. ä 5 welches in Staͤnglin geſchmeltzt/ oder in Pulver beſtehet/ abgeredt hat/ einen Betrug practicieren/ wann er eines allzu ſchweren Zu diſer Verwaltung iſt eine aufrichtige Perſohn die kuhn und wachtſam gehe Gewichts oder einer Waag die nich t juſt iſt hoch vonnoͤthen und das dieſelbe eine Anzahl Wachter nach Erforderung des Ambts Dieſem Betrug iſt gar wol muͤglich vorzu kommen/ wann der Befehlhaber neben deßgleichen auch einen Sabltituten under ihſeinem Rath ſolches/ in ſeiner Gegenwart mit probierten und richtigem Gewicht und Wage/ die er zu dem Ende bey ſich haben ſoll/ ſelbſten abwegen laſſet. 1 Was fuͤrnemlich fuͤr die gantze Handlung der Compagnie und gute Ordnung in ihren Conroren in acht zu nehmen iſt diſes. ö Daß die Kauff⸗ und Underkauffleut/ me zu agiern bey ſich habe. 85 „Über das muß derſelbige jederzeit hurtig ſeyn und von anderen königlichen Verwaltern der Abfahrt der Schiffen/ die man beladet und welche nach dem Hafen da er fich auffhaͤlt/ bereit ſind abzuſaglen/ fleiſſig berichtet werden. 7 5 1 Wann derſelbe vernommen daß ein Schiff ankommen ſoll er entweder in Perſohn/ wann es von oͤthen oder ſeinen Subſtituten/ mit einer Wacht demſelben/ ent Fate Schreiber und Underſchrelber welche in des der Bebiucen Befehlshaber und Underhaͤndlers Dienſte ſchader ben ſeind/ oder diſe zween Oberbeambte; fü ſich Prkuctpalen. eigen keinen Gewerb treiben/ den weil dieſelgegen ſchicken/ und die Ladung des Schiſſes erkundigen. 1 Iſt es ein ſicherer Ort und anderen Inſulen nahend ſolle er ſo weit muͤglich entgeben mit allen Arbeitern umbgehen/ und durch die Correſpondentzen/ mit andern Contorn den Bericht was fuͤr Waaren/ daß folgende Jahren guten Abgang haben moͤchten ſehen koͤnnen/ ermangeln ſie nicht/ daß ſie fuͤr ihr Conto dergleichen kauffen/ und in der Compagnie Schiffe laden/ davon ſie hernach ihren Correſpondenten nachricht geben/ und alsdan den Gewinn mit einandern theilen koͤnnen. Der Befehlhaber laͤſſet ſolches bißweilen zu entweder um ſeines eigenen Nutzen willen/ oder wan er durch die Finger ſihet/ und all zu gůͤtig iſt/ unter dem Vorwand ihrer geringen Beſoldung. Der Schiff⸗Capitain hat auch ſeinen Verſtand mit ihnen/ dieweil er heimlich/ ein genus darvon tragt/ und alſo gerne geſtattet/ daß ſie ein und außladen/ und weil 0 Beambte ein germges Capital/ wollen dieſelben den Beſauff fuͤr ihre Waaren/ durch die Widerkunfft des Schiffes widrum einziehen/ geben derwegen ihren Correſpondenten ordre acht in io. pro cento wolfeilern Preis zu machen als der Underhändler der Contorn der Compagnie thun kan welches derſelben ein ſolches Nachtheil bringt/ daß auch daruͤber ihr gantzer Gewerb zu grunde gehen koͤnte diſer Unordnung zu ſteuren/ muß man ſich der Holländer Unvorſichtigkeit zu Nutz machen und thun was dieſelben nach dem ſie ihren Fehler/ durch ei gene Erfahrung von vielen Jabren er erkant/ praeticiert haben. Das Mittel hierzu iſt in jedem principal Hafen alwo diſe Compagnie Contor bezu entſetzen/ wann es ein Underbeamb gen ſchicken/ zu verhüten/ daß der Schiſſ ul Capitain kein Stuck Waar außladen laſſe/ o weil idie Landleute beſtellet werden/ die ben abzuholen und dem jenigen/ deme ſol/ che addreſſiert ſeind in geheim zu über! bringen. 2 Der koͤnigliche kilcal oder Verwalter/ oder ſein Undergebener ſoll fugend Macht haben all das jenige ſo verſtohlener weis außgeladen worden wegzunehmen.. Ingleichen auch all das jenige ſo er ohne der Compagnie Zeichen in dem Schiff finde kan.. Der Fiſcal oder Verwalter ſolle auch befügt ſeyn/ den jenigen Beambten welchen die Waar zuſtändig/ von ſeiner Ste 10 ſolle er allein der Compagnie ſolches berich ten: 5 Es ſolle demſelben erlaubt ſeyn/ alle Schreiben von particular Perſohnen zue öffnen; um diser verbotenen Handlune und ihrer Correſpondentz ſich zu erkündſg ge derowegen der Schiff Haubtmann/ au Brieff dem Verwalter der jedoch der cen pagnie Brieffe zu eroͤffenen nicht befügt/ d handen ſtellen ſolle. poll Diſe Wegnehmung der Waaren der ein drittheil den Armen der Nation; dem andere der Compagnie/ und der dritte eit Fiſcal oder Verwalter heim fallen. nen Diſer Verwalter ſoll auch in Nahm des Königs in allen Rechts⸗Handlen i ſeyn Maleftz /oder Burgeiliche“ dorath dem Befehlhaber/ und Pen A 15 fun f 10 l 1 1 0 0 1 0 ohen Staffelweis hoͤher kommen/ und von dem 0 In dem Orientaliſchen Indien. kommen ein Anſehen haben die Partheyen/ für das Gericht fordern/ und ihres in Nahmen Ihr Majeſtaͤt in allerley Sachen der rechten ſich anmaſſen. Da fern der Befehlhaber und diſer Beambte gute auffſicht und auffrichtig ſeind/ ſo koͤnnen dieſelben der Compagnie ſehr nußzliche Dienſt leiſten. Wann die Engliſche Compagnie eine ſolche Anſtellung in ihren Contorn gemacht/ were dieſelbe vermoͤglicher/ als ſie nicht iſt/ aber diſe Nation iſt in ſteiffer Einbildung/ und wil behaubten/ daß kein oberer Gewalt ſey der jhnen die Freyheit fuͤr ſich ſelbſt zu handlen benehmen koͤnne/ wann ſie ihre Lehrzeit/ zu Londen außgeſtanden haben. Das Verbott des abſonderlichen Gewerbs/ kan nicht mit genugſamer Ernſthaffligkeit aufferlegt werden; und ſolches wird heutiges Tags/ under den Hollaͤndern/ alſo genau in acht genommen daß wann der Compagnie Schiff von Amſterdam abzufahren/ Segel fertig ſind/ ein Burgermeiſter von dem Schiff. Haubtman/ und allen zu dem Schiff gehörigen einen Eyd daß ſie mit ihrer Beſolbung/ auff die ihnen zween Monat vorbezahlt worden/ ſich begnuͤgen/ und für eigen nichts handlen ſollen/ aber der Compagnie Sparſamkeit/ fuͤr die Beſoldung/ zwinget ſie dennoch ihres Eyds ohn. geacht/ durch heimliche Gewerb ein in andern zu helffen/ damit ihnen auch muͤglich ſey daß bla ſie beſtehen können. Alle der Contorn nidere Beambte ſollen ddl Unterſchreiber biß auff die Befehlbaber 118 Stelle gelangen/ damit die Hoffnung diſer Fihebung dieſelben zu einem kechtſchafſenen Verhalten verleite/ und in ihnen einen Eiffer erweckte ſich zu den Aembtern die Indianiſche Handlung betreffend würdig zu Machen/ es iſt auch ein ſehr wichtiger Punct as niemand/ weder auß Gnaden noch auß Unſt in diſe Stelle/ auffgenommen werde/ er nicht zuvor durch alle Grad gangen/ den eg iſt eine Sach/ die den Hollander in dem Gewwerb/ ſehr ſchaͤdlich iſt/ daß keit etlichen ahrn, die beſten Geſchlechter in Holland/ ihre Kinder in Indien verſchicken damit ſie nach diſen Aemdtern trachten moͤchten welche hernach/ durch den heimlichen Gewerb einen mercklichen Gewinn erobern/ der Zugang ſo ſie bey den vornembſten Beambten dder deren Weiber/ welche in ſelbigem Land nicht geringen Gewalt haben/ finden/ iſt eine rſach/ daß dieſelbigen/ den jenigen die keiner andere recommandation, als ihrer lange Zeit geleſſten Dienſte/ ſich getroͤſten koͤnnen ey lediger Stelle; vorgezogen werden. d Und dises iſt was die gute Ordnung N00 le in den Comoren beobachtet werden ſollag der le/ anbetreffen kan. 0 kite ff: kürmnund z., Belangend den Betrug der in den WaaWg eden kebless ſeyſ auß Boßßheit der Arbeiter/ oder mit Verſtand der Unterhaͤndler/ mit den 90 Befehlhabern vorgehen kan/ ſeind dieſes/ die vornembſten Stck 9 8 Die Waaren welche am erſten gemacht/ und in die Magazin zu Surate geluͤfert werden iſt Baumwollen/ weilen dieſelben in der Provintz Guzerate gemeiniglich geſponnen Und ſonderwird/ der Betrug ſo damit vorgehet beſte, ach ee het in dem Gewicht und in derſelben Be. oe aum ſchaffenheit. 1 i Der Betrug am Gewicht iſt zweyerley der eine wann die Waar an ein feuchtes Ort gelegt und in die Mitte eine andere Materi ſolche ſchwerer zu machen/ eingemiſcht wird/ der andere Betrug beſtehet darin/ wann bey Lüferung die von dem Arbeiter/ oder dem Kauffmann beſchicht/ ſelbige nicht recht gewogen wird. N 5 Was den Betrug/ wegen der Beſchaffenheit anbelangt/ kan derſelben nur auff einerley Weiſe geſchehen/ nemlich wañ in jede Mein drey oder vier Strangen/ geringerer Wolle. Als ſich oben befindet eingemiſchet wird welches den auff einer groſſen Parten hoch laufft den man hat geſpoͤnnene Baum11 deren die Mein bis in 100. Cronen gilt. f i s Wie nun dieſer Betrug gar offt bey der Hollaͤndiſchen Compagnie veruͤbet worden/ 5 dieſelbe dawider folgende Vorſehung gethan. a Neetmlich daß die Waaren in Gegenwart des Befehlhabers und ſeines Raths/ umb zu erkennen ob kein Betrug im Gewicht/ oder in der qualitet ſeye abgewogen, und alle Mein ein Strange nach dem andern fleiſſig durchſucht werden muͤſſen wann ſolches geſchehen/ iſt der Underbefehlhaber und die wegen diſer Beſichtigung vorgeſetzt verbunden/ an jede Ballen ein Verzeichnus des Gewichts und der Beſchaffenheit zu heſſten und fahls bey Eroͤffnung der Ballen in Holland; es an einem diſer Dingen fehlet/ ſeind die jenigen welche die Verzeichnus angehefft/ ſchul dig den Schaden zu erſetzen. „Die Leinwath ſo wohl fein als grobe ſo Was bey die Compagnie in dem Koͤnigreich des groß der deinwath; ſen Mogols beydes in den entfernten und in obache zu; nahen Provintzen machen laſſet/ wird in nemmen, Ballen in das Magaz in zu Surate gebracht/ und von den Arbeitern ohngefehr im Monat October oder November den Underhaͤndlern geluͤfert. Der Betrug ſo damit gemeinlich vorgehet/ beſtehet in der Lange und in der Breite. Jeder Ballen mag ohngefehr 200. Stucke in ſich halten/ und konnen in einen Ballen fünff/ ſechs biß in zehen Stuck groͤbere/ duͤnhere kürzere und ſchmalere/ als das Muſter des Ballen iſt gemiſchet werden. 8 Dieſes kan nicht erkannt werden etz ſeye daß daß man ein Stuck nach dem andern beſichtige/ die Schoͤnheit wird durch den Augenſchein und die Lange/ und Breite/ durch das Maas erkandt/ aber man geD 2 braucht/ Und tuſonderheit deny deln Bleichen. 60 Anmerckungen uͤber den Kauff und Handel/ braucht/ in Indien noch eine beſſere Liſt/ in dem die Faden/ ſo nach dem Muſter/ in der Breite ſeyn ſollen/ gezehlt: werden/ wann in der Zahl der Faden/ ein Mangel iſt/ ſo folgt daß das Tuch entweder dünner oder chmaler/ oder groͤber ſeyn muß der Untercheld kan zuweilen ſchwerlich geſehen werden/ derwegen kan ohne Abzehlung/ der Fehler nicht erkant werden/ und diſer Vnderſcheid/ kan auff einer groſſen Partey/ in dem Preis ſich auff ein nahmhafftes belauffen/ den es mag leicht ſeyn man fordert ein/ la ztween Thaler nachſatz auff dem Stuck; wann eines 15. biß in zwantzig Ellen helt. Der mehrere Theil diſer Leinwath wird rohe oder ungebleicht gelufert/ und alsdann von dem Underhaͤndler/ dem Bleicher zugeſtelt/ denſelben wird fur Limonen⸗Safft/ und Bleicherlohn/ ein gewiſſes/ von der Corge, das ſeind zwantzig Stuck/ bezahlt/ diſe Bleicher/ da mit ſie etwas auff der quantitet Limonen ſo ihnen noͤtig/ erſparen ſchlagen das Tuch uͤber die maſſen auff dem Stein/ darvon ſolches wann es fein iſt/ ſehr verderbt/ und im Preis vergꝛingert wird. Es iſt auch zu beobachten/ daß die Indianer wann ſie ihre Tuͤcher machen/ und das Stück/ im werth zween Thlr. übertrifft/ an die zwey Ende Gold und silbern Faden hefften/ und je feiner die Waar/ je mehr Machen ſie diſer Faden daran das ſich deren Zahl/ bey nahe ſo viel als das Tuch/ ſelbſt belaufft derwegen muß den Arbeitern verbotten werden/ daß ſie an all die jenigen Tücher/ ſo für Franckreich dienen ſollen keine ſolche Faden anhefften/ weil diſes Gold und Silber/ welches die Arbeiter/ in Indien fuͤr ein Zier an ihre Tuͤcher und Kleidung machen/ in ſelbem Königreich gantz nicht gebraͤuchlich iſt/ aber an denen Tüchern/ ſo man in Polen und Moſcau ſchicken will/ muß diſes Indianiſche Gold und Silber/ nicht geſparet werden/ ſintemahlen die Polen und Moſcoviten/ des Tuchs/ ohne diſe Gold und Silber. Faden Wie der ſeidene Zeug verfaͤlſchek Werden kan, nicht achten/ es muß auch in acht genomen werden/ daß der Faden/ nicht Schwartz werde/ bann ſonſten wurden diſe Nationen/ das Tuch nicht kauffen/ wann das Gold oder Silber/ angeloffen oder ſchwartz worden iſt. 3 Der glatte ſeidene Zeug kan in der Breite/ k und Lange verfaͤlſcht werden/ die Breire und Lange erkennet man bey dem Maas/ und die Beſchaffenheit wird geſehen/ wann der Zeug gleich geſchlagen/ das Gewicht gleich und kein Baumwollen Garn/ wie die Indianer ſolches gar offt thun/ in den Einkrag vere Wiſſenſchaff eil die Indianer die Wiſſenſchafft/ das vergülte Silber ein zumiſchen haben/ thun ſie in die Geſtrich leten oder figurierten Zeug gezogenen/ Gold⸗Traht/ derowegen tuß man den Traht zehlen/ und darauß kennen/ ob der Zeug die erfordete Zahl habe/ und ein gleiches/ ſol bey den Zeugen mit Silber geſtrichlet in obacht genommen werWag den glatten Taffet anbelangen thu ſihet man allein/ ob die Stucke nach einandern/ in gleicher Guͤtte folgen/ hernach eroͤffnet man etliche Stuck/ um zuſehen/ o nicht einige Materi das Gewicht vollig zumachen eingeſchoben/ und als dan wird jedes Stuck abſonderlich gewogen damit man ſehe/ ob das Gewicht ſich recht befinde. In Amadabat werden ſehr viel/ diſer Zeuge von Gold und Seiden/ ſilbern und Selden/ und Seiden allein/ deßgleichen teppich te/ von Gold/ Silber und Seiden gemacht aber die Farbe diſer Teppicht iſt nicht ſo wehrhafft/ als der jenigen/ die in Perſien bereitet werden/ jedoch was die Arbeit anbetrifft/ iſt ſolche eben ſo ſchoͤn/ dem Underhandler ligt ob die Groſſe/ Schone/ und Zierligkeit/ der Arbeit/ der mit Gold und Silber/ gemachten Teppichten/ und ob bieſelbe fein und rein ſeyn/ bey dem Augenſchein zuerkennen/ in Summa es lege an den Teppichten oder andere Arbeit/ mit Gold und Silber gemiſcht muͤſſen etliche Faden/ die Prob zumachen und zuerkennen/ obs von Rü rechtmaͤſſigen Wehrt ſeyn/ außgezogen werden. Der Indich komt auß den Landſchaſſten Bianna, Indoua und Corſa, welche ein oder zween Tag von Agra ligen/ welche die Haubſtadt des Königreichs/ des groſſen Mogole iſt/ es wird deſſen auch/ in einem Dori Sarqueſſe genent/ 8. Tagereiſe von Surate und zwo Meilen von Amadabat, gelegen/ gemacht und daher komt/ der Flache Indich/ ſonſt wird Indig auch von gleicher Gattung und ungefehr gleichen Preyſes/ auß dem Gebiet des Koͤnigs von Golcon gebracht/ die Mein von Surate, ſo 42. Ser. res oder 34. und ein halben Pfund wigt wird fuͤr 25. in zo. Rupies per kgufft/ es wird gu zu Barocheg/ von eben diſer art wie vorbemelter gemacht/ der in der gegend Kere, welcher der allerbeſte in Indien wird kun einer Kugel gleich zubereſtet/ und bey Mein verkaufft o daſſelbſten 68. deres und unſerer Frantzoſiſchen Pfund von 1 Untzen 7. drithalben wiegen die Mein tor f gemeinlich von 36. biß in 40. Koupien bes aufft.(bon Es wachſt noch Indich/ 36. Meile, Brampour ſo man nach Surate bringt/ in nem groſſen Dorff Raour genent/ und 1 15 in andern benachtbarten kleinen Dorfen die Leute des Orts/ vertreiben ge e lich/ fur ein Lacre Roupies, das als 100. tauſend Roupjes. Es komt auch entlichen Judich auß 165 ale ſo die Holländische Compagnie ne Nate finn la, aber weder 12 noch der vorbemelte feind niche ſo aut(va der von agra welches auch eine Urſach! 11 man denſelben/ gemeinlich umb 20. Scken t/ Von Taff fe In dem Orientaliſchen Indien. cken wolfeiler haben kan. Der Indich waͤchßt nicht allein in Orient ſondern es komt deſſen auch groſſe Parten auß dem Occidental Indien; Aber das fürnembſte iſt/ daß man weiß wie derſelbe/ zubereitet wird/ und das will ich kurtzlich ent und melden. hubie der. Es iſt zu twiſſen daß der Indich von eiwa en nem Kraut, auß einem Saamen der jährwd, lich/ nach dem das Regenwetter voruͤber geſͤet wird herkomt/ welches Kraut/ wann ſolches auffgewachſen/ dem Hanff faſt gleich iſt/ es wird jahrlich dreymahl abgeſchnitten/ das erſte mahl wans zween oder drey Schuh hoch iſt/ biß auff einen halben Schuh vom Boden/ und diſes erſte Kraut iſt unvergleichlich beſſer/ als die zwey hernach kommende/ in deme das andere in 12. pro cento als das erſte/ und das dritte/ diſem nach 24. pro cento vergeringert wird/ der Unterſcheid/ wird bey der Farb gemacht/ in dem man ein Stuck des Teigs entzwey bricht/ die farbe deſſen was von dem erſten Kraut zubereitet worden/ iſt blaulicht Viol braun glantzender uud lebhaffter/ als die zwey folgenden/ und das andere lebhaffter/ als das dritte/ aber auſſert diſem Underſcheid/ welcher auch namhafſt was den Preiß anbelangt iſt/ verſaͤlſchen die India-ner das Gewicht/ und die Qua itaͤt/ wie hernach vermeldet werden ſoll. Nach deme die Indianer/ diſes Kraut/ abgeſchnitten/ werffen ſie daſſelbe in Teiche mit Kalck gemacht/ wel hes darin verhartet daß man vermeinte/ es were ein einiges Stuck Marmor, dieſe Teiche haben gemeinlich 50. oder 100. Schrit im Umkreis/ und wann ſelbe/ halb oder etwas mehr/ von aſſer voll/ werden ſie mit dem abgeſchnittenen Kraut gefuͤllet/ es wird taͤglich ge. kührt/ und mit dem Waſſer vermiſcht biß das Kraut/ den der Stangel taugt nichts einem Leim oder fetten Erden gleich ſihet/ wann das geſchehen/ wartet man etliche Tag/ biß das ſich die Matery/ zu Boden geſetzt und das Waſſer oben klar/ als dann werden die Locher/ ſo um den Teich herumb gemacht/ eroͤfnet damit das Waſſer ablauffe/ und hernach füllen die Leute von diſem Leim ihre Körbe/ und alsdann ſihet man/ im fachen Feld/ einen jeden bey ſeinen Korb/ von diſer Materi Stücker/ in Form und gröſſe/ eines Huͤner Eyes/ in zwey geſchmitken machen/ nemlich unden ſſach und eben madabat wird flach einem Kuchen gleich ge. macht. Diſes iſt hiebey fuͤrnemlich in acht junehtmer, daß die Kauffleut ehe ſie den Indich auß Aſien in Europa verführen/ und gerne für unnütze Wahr den Zoll/ nicht zahlen wollen/ damit der Staub der ſich lagen, hanget/ davon komme( ſteben aſſen/ welchen ſie hernach/ den Landleuten die ſich deſſen zur Farb bedienen zu verauffen geben/ die jenigen welche den Inund oben ſpitzig/ aber der Indich von A61 dich ſieben /ſollen ſi h wohl vorſehen. Dann obſchon dieſelbe/ bey diſer 3 5 ein Tuch vor dem Angeſicht haben/ und trachten daß alles wohl vermacht ſey/ in dem ſie nur allein zwey kleine Loͤchlein/ in dem Tuch bey den Augen ſaſſen/ da durch ſie auff ihre Arbeit achtung geben koͤnnen/ kan ſolches doch nicht hindern/ daß nach dem ſie 8. oder 10. Tagen mit diſem Indich ſieben umgangen ſeyn/ alles was dieſelben lange Zeit hernach außſpeyen blaulicht außſihet/ ich habe ſolches mehr als einmahl in acht genommen daß wann ein Ey/ morgens fruͤh bey einen diſer Rauterer gelegt worden/ hat man befunden daß daſſelbe/ als es Abends eröffnet worden/ inwendig gantz Blaw geweſen/ ſo gar durchdringend iſt diſer Staub/ oder Farbe/ weil man mit in Oehl getunckten finde d dn den Koͤrben/ 1 7 60 nimbt/ und darauß Stuͤcker macht/ werden ez ſolche zu trucknen an die Sonnen gelegt. e Die Indianer welche die Kauffleut betriegen bey fürgeh en wollen dorꝛen die Wahr auff dem Sand tan. damit ſolcher ſich anhaͤnge/ und der Indich hernach deſto ſchwerer ſey; Sie thun zuweilen auch den Teig in feuchte Ort/ darvon er naß wird/ und dadurch am Gewichte viel ein mehrerers auß traͤgt. Wann aber der Gubernator des Orts/ ihren Betrug entdeckt/ belegt er ſie mit harter Straff/ ein Befehlhaber/ und Under handler/ der in dem Gewerb diſer Gattung Wahren erfahren/ kan den Betrug leicht erkennen/ wenn er einige Stuͤcke Indich verbrennen läſſe/ den alsdan bleibt der Sand in der Aſchen ligen/ wenn das uͤbrige von dem Feuer verzehrt worden. Die Unkoſten/ ſo wohl fuͤr Fracht/ zu packen/ den koͤniglichen Zoll/ und andere kleine Außgaben mit 5. pro cento Wechſel gebuͤhr/ des von Agra kommenden Indiehs/ ſteigen biß nach Surate guff 19. biß in 20. pro cento. 8 ö Was die mit Indich oder Violbraun/ oder ſchwartz gefarbte Leinwath anbelaugen thut/ muß man dabey in acht nehmen/ daß die Arbeſter/ den Goldfaden/ ſo an beiden Enden der Stuücken iſt/ nicht ſchwaͤrtzen und das Tuch wans zuſammen gelegt nicht zu hart ſchlagen/ wie ſie zuweilen umbs deſto glaͤtter/ und geſchlaͤd ter zu machen/ ber die maſſen zu thun pflegen/ dergeſtalten daß wann ſelbe auffgethan werden/ bey nahe in allen falten ſich gebrochen befinden. Es iſt auch zumercken/ daß auff der Falte/ des oberſten Theils des Stucks/ Leinwath die Indianer mit einer Form/ und Goldblaͤttern eine Arabiſche Blume/ ſo durch die gantze Breite des Tuchs gehet und einen halben Maſtor koſtet trucken welches den Arbeitern auff die ſo nach Fauckreich ſollen zuthun verbotten werden muß; und kan man ſoviel auff jedem Stuck erſpahren. Wann ſie aber in Indien und Aſten oder guch in einen Theil Americæ geſchickt werH 3 den 62 Ven aber. den muß diſe Blume am Haubte des Stucks 5 ne getruckt ſeyn und ſo viel müglich ohnverſehrt guckten Lu. und ganz behalten werden/ den im widrigen chern. 3 ſie gar ſchwerlich verkaufft werden oͤnnen. Betreffend die gemahlten und getruckten Tücher ſo werden dieſelben roh gemahlt oder getruckt und muß man in acht nehmen das ſolches vor Endung des Regenwetters geſchehe; Den je trockener das Waſſer darin man ſie waſchet; je lebhaffter werden die Farben die darauff mit dem Penſel gemahlet oder getruckt ſind ſcheinen. Der Uaterſcheid zwiſchen denen die getruckt und die mit dem Penſel gemahlet iſt leicht zu erkennen/ und wann der Unter handler eine Wiſſenſchafft hat/ wird er ein gemahltes Tuch gegen einem andern wegen der Arbeit wohl zu unterſcheiden wiſſen; Aber die Schoͤnheit und Beſchaffen heit an diſen gemahlten Tuͤchern iſt nicht ſo leicht als an den Weiſſen zuerkennen und derwegen muß man hierin ſchleuniger ſich vorſehen. Auß folgenden Oertern in Indien wird eine groſſe Quantitat Tuͤcher gebraeht die hernach in unterſchiedliche Lander verfuͤhret werden/ es kommen von Agra und dort herumb dieſelben Tuͤcher; damit das 7710 in Nidergang und Norden verſehen wird. g Von Amadabat kommen alle blaue Tuͤcher die in Perſien/ Arabien/ in das Koͤnigreich der Abyſſiner an das rote Meer/ nach der Kuͤſten Melinde, Mozambique, Stsèorentz/ Sumatra, Jacca, Macaſſar und fur alle Inſulen der Moluques geſchickt werden. Amadabat iſt die Stadt in deren die groͤſſeſte Handlung in gantz Indien getriben wird. Von Surate und den umbligenden Orten kommen viel grobe Tuͤcher/ deren die Hollander den groͤſten Theil in Battavia auff kauffen damit ſie ihre Leute ſo die Specerey ſamlen bezahlen konnen ſie tragen auch geſponnen Baum wollen mit ſich weg. Von Brampour kommet die feine Leinwath zu Naßtuͤchern Weiber, ſchleyern und andern dergleichen Sachen/ ſo die Kauffleut des Landes nach Mocha und Achem bringen. Von Ouguely und Daca in dem Koͤnig reich Bengala, werden die feinen Leinwath Cala genennt/ deren vor diſem groſſe Parteyen in Italien Provence, Languedoc und in Hiſpanien verkaufft worden/ gebracht; wie ingleichem viel halb Seiden und halb baumwollene Zeuge und andere Stucke von Kraut gemacht nach der Tracht des Landes. Der Salpeter kompt in groſſer Parten peter und wo von Agra und Patna, in Bengala/ und koſtet derſelben der Wa dreymahl mehr als der ſo unVom Sal herkomme. geleutert iſt. Es were zu wünschen daß die Compagnie ein Magazin für den Salpeter an dem Ufer des Gangis oberhalb Patna, auffrichtete/ um daſſelbſten allen Salpeter ſo die benachbarAnmerckungen uͤber den Kauff und Handel/ ir. ten Voͤlcker dahin bringen ſamlen/ aauterkund den Fluß hinab biß nach Ooguen); da daß die Hollander ihnen den Verdienſt de die groſſen Schiff wegen zu und Ablauff mac ankommen koͤnnen hinſchicken 0 mochte. Die Hollander haben ein Magazin zu Chouppar 24. Meilen oberhalb Parna auff, gerichtet; wann ihr Salpeter gelaͤuter ſaſſen ſie ſolchen auff dem Fluß biß nach Ouguely führen. Sie hatten auß Hollan Keſſel verſchrieben und Laͤuterer beſtellet den Salpeter ſelbſten zulautern/ aber es iſt ihnen mißlungen/ dann als die Landleut geſehen Läuterung benel men wollen/ haben dieselben ihnen auch die Molcken/ ohne welche Salpeter nicht wohl gebleicht werden kan zugeben verſagt/ nun wird nichts von de Salpeter gehalten wann derſelbe nicht ſchon weiß und durchſcheinend iſt. 5 Die Hollander laſſen all ihre Seiden glatten und geſtricheiten Taffet auch iht feinſte Leinwath von einem Orth Kalambazar genennet/ allda dieſelden ein ſchoͤnes vor langer Zeit auffgerichtetes Contor haben herunter führen. Diſe Wagren gehe durch den Canal der von bemelten Kalar bazar in den Gangum gehet/ und hatt bey Meil ſeinen Lauff hernach reſtiern nach. Meil den Gangum hinab biß nach Ouguel) daſelbſten die Wagren in ihre Schiffe geladen werden. Es iſt uͤber das hoch nothwen, dig daß die Compagnie ein Contor an ſem Ort auffrichtez alda ſie eben das jenige 0 droben belangend daß bey der Ordnung un Beſtellung der Contoren vermeldet/ beobachten kan. Nur allein iſt noch hinzu zuſetzen; daß man dahin trachte daß die Waaren we durch den Canal zu Ende des Regenwetter abgeführt werden ſollen/ bereit ſeyn moͤgen; den der Canal zween Monat nach der le des ſchoͤnen Wetters/ außtrüͤcknet/ und a„% andere Frachten gar koſtbar ſeind.„ Gee Kalambazar kan jhrlich biß in 2s, dend geo ſent Ballen Seiden/ jede von 100. Pf en ſehtwer perſchaffen. Die Holländer nahme be gemeinſich ſo wohl für Japon als Holla 6 biß 7. kauſend Ballen/ ſie hetten daß gern mehr genommen aber die Kauffleut gen ber Tarkarey und des gantzen Indian auff, Königreichs widerſettenzſich den diſe Kganleut gewohnlich eben ſo viel als die 70 die der wegnehmen/ und der reſt bleibt ſceuge Inwohner des Lands/ daß ſie die 8 605 drauß machen. fadler uud hes, Dafern der Compagnie Underhaheſſer be, mit barem Gelt verſehen/ und demnach vor⸗ 1 e als die Hollander den arbeitern elt ie e ſchieſſen konnen; wird ihnen leicht ech mar Seiden voraus zubekommen. Es iſt 5. bey diſem Vorſchuß zu weilen eingewag rund wegen ſich begebenden fallimenten 195 luſt/ aber ſolches traͤgt ſich wenig b ie Beder Underhaͤndler getreu und ihme ſchaffen a5. g 5 ſchaffenheit deren mit denen er umb Seiden an unter. Tractiret/ genugſam bekant iſt. 0 zolcher Es ſeind zweyerley gattung Seiden welSalus ee cheble Portugiſen in Indien mit dem Wort U Cadeza und Barillo daß iſt Kopffund Bauch/ urnnderſcheiden/ die erſte iſt Fein und die andere in z0procento geringer die Arbeiter thun ihr euſerſtes umb die Groben mit der Feinen durch zubringen. Den Vnder⸗Haͤndelern und Befehlhabern ligt ob hierinnen eben die Auffſicht zu haben wie droben betreffend die geſponnene Baum- Wollen vermeldet worA deg en dee, ae Ni 5 ga neh. Die Seiden, Handlung iſt von ſolcher „Han 2 en.. Die Seide von Kaſambazar iſt Gelblech wie alle rohe Seide die auß Perſien und Sicilien kommet die ſo Natürlich Weiß iſt/ wird allein in paleſtina gefunden/ aber die Kaufffeutvon Alep und Fripoli ſelbſten haben groſſe můhe nur eine gemeine Partey zu bekommen. f Die Inwohner zu Kalambazar haben nichts deſtoweniger die geſchicklichkeit die Seiden mit einer Laugen von der Aſchen eines Baums/ Adams Feigenbaum genent zu bleichen/ der geſtalten das ſelbe alſo Weiß burchaus wird als die Paleſtiner Seiden immer ſeyn mag. Weiln aber dieſer Baume wenig in dem Land/ das man davon Aſchen brennen koͤnne/ kan man auch dieſer Seiden nicht genug nach begehren haben. Das Contor zu Kalambazar recht anzuſtellen/ were von noͤthen daß die ompagnie etliche Seiden⸗Arbeiter der geſchickſten ſo zufinden dahin ſchickte/ den dieſe Arbeiter welche beſtaͤndig mit der Seiden umgehen verſtehen ſich beſſer als andere darauf. Die, ſes haben die Holländer Praticiret und ſelbſten Seiden, Mühlen umb die Seiden zuverarbeiten und nach Batavia zu ſchicken/ doyten auffrichten laſſen. Wichtichkeit/ daß wan die Frantzöſiſchen Interhändler ſolches den Hollaͤndern/ durch die vorbemelte Mittel benehmen konten wur, de die Hollandiſche Compagni des gröſten Ihrer Handlung ſo die ſelben in Indien mit den Seiden die ſie vo Kaſambazar bekombt Und insonderheit deß Gewerbs in lapan von ar ſie Silberne und Kupfferne Stangen aubezahlung der Seiden und anderer Waar intemahlen in ſelbigen Land kein Gemuͤutzt eld iſt empfangen/ verluſtig werden/ n Il einkaufen des Borax welcher in der rdointz Curerate gemacht wird iſt allein zu beobachten/ das derſelbe ſchoͤn Weiß 10 durchſcheinend ſeye/ gleich wie der SalEke 17 * de an! Von Gummi Laque kombt die groſſe arteh aus peru und wird zu Maffalid gefunden. Es wird deſſen auch aus am König⸗Reich Bengale bon jenſeſt des Got gebracht/ aber diſer iſt der teurſte auff un Ort/ weil die Inwohner die Schoͤne charlach Farb mit welcher ſie ihre Tücher In dem Orientaliſchen Indien 63 färben und mahlen/ daraus zu machen/ ſich deſſen bedienen. 5 3 Die Holländer nehmen doch von dem ſelben und ſchicken ihn in Perſien/ alda denfelben eben auch zu gleicher Farb deren die Perſianer ſich gebrauchen anzuwenden was ſonſten nach deme die Farb heraus gezogen übrig bleibt/ iſt zu anders nichts dienlich als ihre Arbeit umher damit zu Zieren darin ſie ſehr begierig ſeyn/ und Siegel- Wachs zu machen/ es ſeye nun fuͤr ein oder anders kan 969 belieben eine Farb darin gemiſcht weren. n Der Gummi Laque ſo aus Pegu gebracht wird iſt nicht ſo theuer/ wie wohlen er für andere Lande eben ſo gut. Es iſt zwar dieſer an ſeiner Eigen ſchafft nicht geringer aber 8 man muß wiſſen das weilen die Ameiſſen ſolchen auff der Erden zu Hauffen/ die biß wälen eines Faß gros ſeinß tragen/ miſchet ſich viel Ynſauberkeit und WMuſt darin. Hingegen ist daß Land in Bengale daher der Gummi gebracht wird gleichſam eine Heyde mit vielen Baumlem beſetzt da die Ameiſen umb die Ende der Aeſſen ſich begeben darvon der Gummi Schon und ſauber und dekowegen auch theuer gehalten wird. Die Inwohner in pegu brauchen denſelben nicht zu den Farben weilen ihnen die Leinwand gefarbt aus Bengale und von Maſulipatan gebracht wird/ und uͤber das ſeyn dieſelben alſo Dum daß ſie ſich hierinen auff keine Wiſſenſchafft befleiſſen.. Es befinden ſich viel Weiber zu Surate welche allein ihr Auffent haltung von ſauberung deß Lacque wann die Scharlach Farb daraus gezogen haben: ſie konnen demſelben eine Farb wie begehrt wird geben/ und machẽ ſolchen in Stengel dem Spaniſchen⸗Wachs gleich. Die Engliſchen und Holländiſchen Compagnien ver führen deſſen jahrlich 150. Kiſtlein/ und die Frantzoſiſche konte ein gleiches thun. Der Laque in Stengel geſtehet nicht über 10. Pfund. und gilt in Franckreich eine Untze ſo viel/ wie wohlen noch halb mit Hartzt vermiſchet. Belangend den Vieſem kombt deſſen die beſte gattung und der groͤſte Theil nach Patna dahin ſolchen deß Koͤnigs von Boutam Vnderthanen bringen. Die jenigen welche nach Boutam zu Reiſen und daſelbſten etwas zu Handeln willens ſeind thun deſſen wen ſie ihnen Agſtein und Corallen weilen ſie auff dieſe Sachen ſehr viel halten/ als Geld brin5 Die beſte Rhebarbara komt auch von Bou⸗ 1 tam aber es iſt nicht muglcch deſſeſben wegen a des regen Wetters des ſich in der langen Reiſe zutragt nach Europa zubringen/ den die Feuchtigkeit iſt der Rhebarbara feind/ und der ſehr weite Weg bemumbt den Kauffleuten den Luſt ſich damit zubeladen. man kan leicht gedencken wie viel Füße von dem Königreichboultam welches ſenſeit des Gangi gegen Norden ligt bis in Franckreſch 0 6% DAnmerckungen uͤber den Kauffund Handel in ein ander Land in Europa/ zu uͤber fahren zu deme wan zum Vygluͤck/ underwegens einige Ballen durch ſchuld des Camels deme ſolche auffgeladen in das Waſſer fielen den dieſe Thier daman nicht achtung giebt/ wan ihnen Warm ſich ſambt ihrer Ladung in das Waſſer tauchen/ were ſehr viel fuͤr den Kauffmann verlohren und ob ſchon dieſer Fall ſich nicht zutruͤge/ ſo geſchicht doch daß in lange der Reiſe in mitten des Stücks eine Faulung ſich findet/ ſo alles inwendige ver zehret/ alſo das alle die Rebarbara welche wir haben koͤnnen aus groß Tartarey kombt ſo ungefehr 300. Meilen von dem Koͤnigreich Boutam entlegen/ darzu kan man dieſelbe noch mit groſſer Muͤhe erhalten. Diesemencina Wurmſamen genent komt 10 auß Tartarey/ anders wo waͤchſt deſſen einer. Von WurmSamen Der Bieſem kan auff zweyerleh art ver faͤlſcht werden in dem gewicht nemlichen und Won Verfal in der Quantität. So bald die Bauren das ſchung des Thier von deme der Bieſem herkombt geBiſems. ktobet/ ſchneiden dieſelben ihme die Blaſe welche unden am Bauch eines Eyes gros nahe bey den geburtsGGeliedern aus dem Nabel herfuͤr gehet ab/ hernach nehmen ſie aus der Blaſe ſo viel Biſem als ſie verfaͤlſchen wollen heraus. Der Bieſem iſt dazumahlen in der Blaſe gleich wie gerunnen Blut; darein thun dieſelben von deß Thieres Leber und Blut under einander gehackt/ in Platz des Biſerns den ſie heraus genommen. Dieſe Vermischung verurſacht in einer Jahrs zeit in der Blaſe eine art kleine Thiere welche den guten Biſem verzehren/ ſo das bey Exoͤffnung groſſer Abgang befunden wird. Andere Bauren nach dem dieſelben die Blaſe abgeſchnitten und ſoviel Biſem heraus nehmen als ſeyn kan/ damit es nicht vermerckt werde/ thun ſo ſchwere kleine ſtuck Bley hinein obwohlen dieſer Betrug das Gewicht des Biſem ſchwachet/ ſo bleibt doch die Qualitat ſo viel deſſen iſt/ und dis iſt den Kauffern die ſolches in fremde Land verſchicken viel lieber als jenes/ weilen darin keine der kleinen fchadlichen Thiere ſich gebaͤhren. Aber noch weniger iſt der Bekrug zu entdecken wann die Bauren von des Thiers Haut kleine Saͤcke machen und fein ſauber mit einem Faden von eben dieſer Haut zu, bereitet zuſammen nahen/ welches dan rechte Blaſen zu ſeyn ſcheinen/ dieſe Sacke werden von ihnen mit dem jenigen ſo ſie guß den rechten Blaſen genommen und denen betruͤglichen under ein ander vermiſchten Sachen gefullet/ welches die Kauffleut ſchwerlich erkennen konnen. Nicht ohn iſts zwar/ wan ſie die Blaſe ſobald dieſelbe abgeſchnitten berbunden, und keine Lufft lieſſen damit der ſarcke Geruch ſich umetwas verlihre welches aber geſchicht in dem ſie einen Theil daraus nehmen/ wurde ſolches dem jenigen weſchem man die Blafz alſo vor die Naſen hielte daß Blut hernach ziehen/ derowegen twelches in Arabiſcher Sprach nothwendig der ſtarckecheruch gemiltert werden mus/ auff daß er lieblich werde und dem Hirn nicht ſchadlich ſeyn moͤge Sal armoniae und Borax kommen ohngelautert von Amadabat und dorten herum. Ungelaͤuterter Zucker/ Caſſonades genent kombt in groſſer partey auß dem Koͤnigreich Bengale, und wird damit groſſer Gewerb zu Ouguely, Duca, Patna und in andern orten getriben. In meiner letzten Reiſe in Indien war ich weit hinen in Bengala und 15 an die Grentze der benachbarten Lande kommen/ und habe von vielen alten Leuten de Landes eine merckwürdige Sache vornommen/ nehmlich das der Zucker 30. Jahr auff behalten/ zu Gifft werde und das kein ſchadliches noch ſo geſchwind wirckendes dufinden. Zu Amadabat da man den Zucker n“ ber die maſſen wohl zu laͤutern weiß und deswegen ſolcher des Konigs Zucker genen wird/ werden gewohnlich das Stucke 8. in 10, Pfund wegend gemacht. Rhebarbara komt von Bocara der Tataren aus dem Gebiet gegen auffgang deß groſſen Mogols und auß Boutam in Norden von Bengala. Dieſes iſt die einige Waar mit deren die Kauffleut ſich zubeladen forchtfam ſeyn/ weilen die Reiſe lang und diese Waar durch einen Wurm durch das Marck ſo das beſte der Rebarbar iſt verderbet wird. Zu dem wan die Rebarbare nicht auff die weiſe din gepackt daß das Waſſer nicht durch dringen könne/ und zum Unglück naß wurde/ ſſt vergeblich dieſelbe weiter zufuͤhren und muß mans a weil es nunmehr nichts nutze wegwerffen. N Opium kombt von Brampour einer gute Handels, Stadt zwiſchen Surateund A914 die Hollander holen dieſe Waar daſelbf 1 und vertauſchen ſolchen gegen ibren Pffeffer Tuba Toback wachſt viel umd Prampour! habe eins geſehen das ſolcher nicht eingeſamlet worden/ weilen deſſen uͤberffͤſſig un alſo der halbene Theil verlohren gangen. Der genente Calle wachſt weder in Perſten noch in Indien/ damit aber wird d Oewus und B lata, alda die Holländer e lehr vond luce zurück kehren deſſen ſo bir, ſie koͤnnen ſintemahlen es eine Maar fo fie mit nutzen verkaufffn/ einladen gros Ha, lang getrieben. Von Ormus tvird berſe, be nacher Perſten und biß in die groſſe Fa tarey/ und von Ballare in Chaldea in Arabte nach langs des Euphrats, in Meld m und andere Provintzen des groß Turceverführt/ in Indien iſt ſolcher wenig im 1 brauch und wird deſſen daſelbſten nur 5 ſehen was die Indianiſche Schiffe von Kg que wiederkommend mit bringen. C Mein 10 deutet iſt von einer gewiſſen art Doßnen fe 8. Tag weit von Mocca gegen der aſtich gehend⸗ wachſen/ deſſen gebrauch iſt erſt iavon einem Einſidler nahmens Scheck⸗ 11 ö deli vor üngefehr 20, Jahren erfunden 5 beh. i 19 ah d dar In dem Orientaliſchen Indien. den; den vor ihme hatt kein Aurhor we, der alter noch neuer etwas darvon gemeldet. Auß Pegu kan man/ wie anderswo vermelt/ anders nichts bringen als Gummi Laque und Rubinen welche allein in diſem Theil der Indien gefunden werden/ der Rubinen ſeind wenig ſchoͤne/ und gehen durch fo viel Haͤnde/ daß ein Kauffman ſchwwerlich ſein Rechnung dabey finden kan. Es ſeind auch ſehr wenig Waaren fur ſelbiges Land dienlich/ den auſſer den Specereyen ſo die Hollander dahin ſchicken/ iſt nichts verkaͤuff1 lichs als geſponnene Baumwollen roth geführe, farbt/ daraus die deute des Lands, Tuch N Ju- zu ihrer Kleidung machen. Dieſes Kleid befaden fehet in einem Stücklein tuch umb den ag. Leib von dem Guͤrtel bis ans Knie/ und ein ander Stuͤcklein um das Haubt. Was Gold und Seidenzeuge ſeyn wiſſen ſie nicht/ und wurden auch den Koſten nicht anwenden/ derowegen wird ihnen deſſen keiner gebracht. Und wann der Kauſſman auff den geſponnenen Baumwollen in Pegu cento pro cento gewinnen koͤnte/ wuſte er nichts wider herauß zubringen. Weil aber das Land Kupffer reich/ wann zugelaſſen wurde/ 5 ö 0 Aub. deſſen in Staͤnglin oder auch in der kleinen Landmuͤntze geſchmeltz heraus zufuͤhren/ were o. pro cento Gewinn darauff/ aber es iſt ſolches ſehr ſchwaͤrlich und ſelten zuerlangen/ ſie geben wohl zu daß ihrer kleinen GoldMauntze Fanau genent/ die ſo dun als Papier und deren 10. nur den Werth eines Thalers machen; auß dem Land getragen werde/ aber der Kauffman/ welcher derſelben bißweilen an Bezahlung nehmen muß/ verliehrt daran 10. pro cento, Diß iſt alles was ich/ betreffend den Gewerb in pegu, all90 da ſonſten die Lebens, Mittel ſehr wolfeil/ in zan de. acht nehmen konnen. n 1 „ Der Bezoar wird in dem Koth/ der in dem „Bauch der Zigen die ein Baͤumlein deſſen Nahme ich vergeſſen abeſſen/ gefunden. Diſe Pflantze bringt Laub und Knöpfe hervor/ daran der Bezoar iu dem Bauch diſer Thie ren ſich hangt/ und ſeine Form nach den Knoͤpffen und Ende der Aeſten ſo dieſelben geſſen erlanget/ derwegen werden deren unkerſchiedlicher Arten gefunden. Die Baursleut wenn ſie die Zigen angreiffen wiſſen wieviel dieſelbe Bez oar in dem Leib habe/ und verkguffen ſolche nach proportion der Zahl die ſie befinden. Um daſſelbe zu erkennen betaſten ſie den Bauch des Thiers/ und wenn ſieden Bauch auff beiden Seiten ſchlagen/ wird ſolcher dergeſtalten bewegt daß ſie in dem Fuͤhlen die Zahl des Bezoars juſt wiſſen können. Die Koͤſtlichkeit des Bezoars beſlehet in der Groͤſſe/ obwohl der kleine gleiche Krafft und Tugend als der groſſe hat/ man kan damit betrogen werden/ weilen ſich Leute befinden die ſolchen mit einem gewiſſen eig von Gummi und einer materi in Farb III. Theil. ai gemeinlich ſie verbindlich 65 dem Bezoar gleich zugerichtet/ vergroͤſſern. Sie machen auch ſo viel Über zug als der natürliche Beoar haben ſolte/ aber diſer betrug kan durch zwo für nehmliche proben erkant werden. Mann muß den Bezoar wegen und eine zeitlang in laulichtem Waſſer liegen laſſen/ wan das Waſſer ſich faͤrbt/ und der Zezoar nicht leichter wird/ ſo iſt derſelbe nicht verfälſcht. Die andere Prob geſchicht wann man ein gluendes ſpitziges Ciſen an den Bezoar helt wann ſolches hinein gehet und roͤſtend macht iſts eine gewiſſe Anlich ite daß er vermiſcht und nicht natuͤra 1 5 zu kauffen gibts ſehr wenig Gele, Vomambra enheit. 5 Die Diamant betreffend/ iſt ſolches eine ee Waar da die Vorſicht genugſam bekant und in diſem allem ſeind die auffrichtigen Beambten die auch eine Wiſſenſchafft haben der Kern des Indianiſchen gewerbs. Aber es iſt zuwiſſen uber dieſe zweyn letſten Artickel des Ambra und der Diamanten das ſolches nicht eine Waar damit die Compagni ſich beladen ſolte/ weil der gewin der ergehenden Unkoſten nicht werth were. Den die Rechnung mus gemacht werden/ das dafern die Compagnie ſo Schiffe verſchickt/ fuͤr einem Thaler nicht drey bekombt/ die Intereſſirten in langer Zeit keinen Gewinn ſehen/ und darzu in Gefahr ſtehen das Capital zu verliehren. 1 n. 5 Es iſt auch hochwichtig ein Contor mit Von tem zwen oder brey Beambten allein zu Macal- daa lar auffzurichten/ um daſſelbſten das O- NMacafla pium und die Leinwath ſo von Surate dahin geſchickt wird zu verkauffen/ und Nägelin ſo die Einwohner mit kleinen Schiffen in den Inſulen den Hollaͤndern zuſtaͤndig abhohlen/ zu kauffen/ ſintemahlen die Compagnie nicht verwehren kan daß die Beambte welche von derſelben zu Wacehtern der Inwohner der Inſul ſo die Negelin einſamlen geſetzt ſind heimlich deren denen von daacaſſar verkauffe. Den wie koͤnte ſonſten ein Capitain mit 100. Soldaten mit einer ſo geringen Beſoldung/ deren ein Theil ihnen erſt nach ihrer Widerkunfft in Holland bezahlt wird/ beſtehen? Für alle Lebens⸗Mittel haben ſie nur ein Schlechte wenig Reis/ der offt nichts guts iſt/ und ſie Beſoldung haltens für eine föſtliche Mahlzeit wann ber Holland ſie Wochentlich ein oder zwey Fiſchlein ei, enn Ven nes Fingers lang haben koͤnnen. Dero. wegen in denen drey Jahren ſo die Com0 Mik macht aſelbſten zu bleiben/ bekommen dieſelben ein gelbes Angeſicht und gelbe Augen 1 hernach nimmermehr diſe arb. So lang der Engellaͤnder Handlung floriert haben dieſelben ihr ma 1 den Holländern zu ſchaden. Den wann ſie eine Partey Nagelin zu Macaſſar erkaufft; J ſchick 66 Anmerckungen uͤber den Kauff und Handel/ ſchickten ſie derſelben in alle Ort da die Diſe Waaren ſeyn unterſchiedlicher GatHollander pfſegten zu verkauffen gaben ſolche tung und werden in underſchiedlichen Orten 5 in ſehr wolfeillem Preis und zuweilen mit verkauſſt. 5 e unterche Verluſt/ und verderbten/ hiemit den Hol- Die jenigen welche fuͤr Europa dienlich lch u laͤndern die Negelin Handlung. Den es iſt ſeind geſponnen Baumwollen/ Baumwol⸗ mit wn eine angeordnete Gewohnheit in Indien/ len Tuch weis und gefaͤrbt/ vielerley Art a Geld der daß der erſte welcher den Preis einer Waar ſtelt/ zwinget die andern nach ſeinem Exempel in gleichem Preis das Jahr über zu verkauffen. Umb diſer Urſachen willen haben die Hollander ein Contor zu Macaſſar auff gerichtet/ alda die Beambten ſo viel ihnen muͤglich den Preis der Negelin ſteigern ſo bald der Konig der Inſul den Verkauff außkündet ja ſie thun demſelben groſſe Verehrungen/ damit er den Preis hoch halte; darwider weder die Engellaͤnder noch die Porkugeſen bey dem ſchlechten Stand in deme ihre Sachen dißmahlen in Indien ſeind keine Verhinderung thun konnen. Alldieweilen die von Macaſſar Negelin haben bezahlen dieſelben damit die Waaren ſo ihnen gebracht worden/ man kan auch an Bezahlung Schildkrotten⸗Schalen nehmen/ ſo im gantzen Reich des groſſen Mxo-gols auch in Europa guten Abgang haben/ in gleichem Gold in Pulfer/ darauf jederzeit 6 in 7. pro cento zu gewinnen; hingegen iſt auff dem Gelt diſer Inſul obs wohl Gold/ weilens der Koͤnig ſehr verꝛingern laͤſſet/ zu verliehren. 5 In ſumma mir zweifelt nicht an gutem Fortgang der Handlung für die compagni an all diſen Orten/ wann die Anſtellung einmahl recht gemacht/ und die Dinge ſo ich zur Nachrichtung vermeldet fleißig in obacht Grund und gehalten werden; das Fundament aber alZwoc aler ſes deſſen iſt das es an Gelt kein Mangel Sa chen. abe. 5 a g Zum Beſchluß iſt noch uͤbrig zu ſehen was fur Waaren auß des groſſen Mogols und der Koͤntgen von Viſapour und Golconda Lande zubekommen ſeind. Seiden⸗Zeug/ glat oder geſtrichelt von Gold oder Silber/ Wollen oder Seiden Teppich/ oder von Seiden mit Gold oder ſilberer Arbeit/ gemahlte oder getruckte Leinwath/ rohe Seide/ Indich von dreyerley Gattung/ Saſpeter/ Borax, Gummi Laque, Biſem/ Bezoar, und bißweilen ambra und DiaDie Waaren welche fuͤr den Gewerb zu Mocca auff den Kuͤſten des rothen Meers und gluͤcklichen Arabiens dienlich/ ſeind grobe Leinwath/ weis/ blau und ſchwartz. Für Ormus und Bellara in dem Perſiſchen Meerbuſem grobe und feine weiſſe einwath/ wenig blaue und ſchwartze. g Fuͤr Sumatra oder das Koͤnigreich achem blaue und ſchwartze Leinwath/ bielmehr feine als grobe.... Fur Jacca und Macaſfar gleich wie nach r Fuͤr die Philippinen allerley Leinwat) grob und fein/ weis und gefarbt/ Teppich und Seiden Zeug. 1 Und wann der Compagnie Handlung auff den Kuͤſten Malabar, eingerichtet/ auch an andern Orten da man den Pfeffer bekombt/ wird der Opium ſo auß dem Land des groſſen Mogols kombt guten Abgang haben und hingegen auß jenen Orten den Pfeffer zubekommen ſehr dienlich ſenn. Nun folgt der Preis der Wagren/ von denen in meinen Anmerckungen meldung geſchehen und ſolches nach der Indianiſchen Muntze auff Frantzoſiſche Wehrung zurechnen/ welches um das jenige ſo ich bißher( R den Gewerb der Oriental Indien betreſens vermeldet/ recht zu verſtehen nothwendig iſt gucke e dem Orientalichen Indien. 8 „ eee eee Von dem Gewicht und Preis der Waaren/ ſo diſer 05 8 klurtze Begriff in ſich hat. Von Vergleichung der Indianiſchen gegen der Frantzoͤſſchen Muͤntz und Waͤhrung. i eden.. e Sid gleich anfangs zubeobachba,(Te ten daß alle Handlung der In, 0 s. N dien dis und jenſeits des Gangi i ein vier- in Roupies beſchicht; und daß n Kobit. eine Roupie jetzo fuͤr 30. Sols a oder einen halben Thaler unſeKuhel“ ker Frantzöſiſchen Währung gerechnet werde. Aber in der Provintz Suzerate allein 8 ſeind auch die xamoudis in dem Gewerb gangbar/ und ein Mamoudi iſt ſo viel alß 12. Sols bemelter unſerer Wehrung. „Die Waaren deren Verzei Preſs hier nachfolgt beſtehen in Specerey/ Materialien/ weiß und gefaͤrbter Leinwath/ geſponnen Baum wollen und Caffet. Es iſt auch noͤtig zu wuͤſſen was Mein und Cobit ſeyn/ darvon wegen Verkauffs der Waaren Meldung ſoll gethan werden. Die Mein von Surare iſt ein Gewicht auff 34. Pfund und 5. Untz Pariſer ſchwer Gewicht geſtehend und die Mein heit 40. Serres, in etlichen Orten 41. das iſt ſo viel geſagt als 40. Pfund aber geringer als die unſere. Die Mein von Agrahelt 1. und ein alben von Suraeteee. Der Cobirc iſt ein Maas fur allerley Waaren die gemeſſen werden ſollen/ und ſeind deren unter schiedliche gleich wie auch in Europa unterſchiedliche Ellen⸗Maas haben. Der Cobit wird durch 24. Lalots getheilt/ und wie der mehrere Theil der In, dianiſchen Waaren zu Surare verkaufſt wird/ ſonſt gegenſtehend das Maas eines Lalots abgetheilk. 5 Ind Der Indich von Agra oder umligenden Dorfer kot die Mein mamoudis. 94 un ein dalben. f Judich von Amadabat koſt die Mein von 40. Sertes mamoudis. f 47 ollander ihre Leinwath färben und den alpeter 1 55 und wird daſelbſten beydes in Kauffen und Verkauffen ein groſſer Handel getrieben. N Specerey und erſilich Pfeffer. Es iſt zweyerley Gattung Pfeffer; eine von kleinem Korn; und das andere groß; ſo Quarts des Cobit der Stadt Surate in( Zu Amadabat laſſen die Engellaͤnder und gemeinlich in groß und klein Pfeffer unterſchieden wird. Der kleine wird in gantz Orient ſo wohl als der groſſe ſonderlich under den Mahometiſten die deſſen viel verbrauchen verkaußft; den in einem Pfund klein Pfeffer ſeind doppelt ſo viel Koͤrnlein als in einem Pfund des groſſen und je mehr Koͤrnlein in dem ſo genanten Pijau darein ſie Handvoll werffen; Je mehr der kleine Pfeffer ſcheinet/ zu deme wurde der groſſe Pfeffer ein zu groſſe Hitze in dem Mund verchnus und üͤrſache Ur N.. Der kleine Pfeffer kombt von Bantam, Achem, und von etlichen anderen Orten gegen Orient. a a a Des groſſen Pfeffers kombt der mehrertheil von der Kuͤſten Malabar; zu Tuticorin und Calicut wird derſelbe gekaufft. Es komt deſſen auch auß dem Lande des Königs viſapout, und beſchicht der Verkauff zu Rejapour einer klein; Stadt in diſem Koͤnigreich. Die Hollander ſo dahin reiſen ſolchen zu kauffen geben kein Gelt dafur/ ſondern underſchiedlicher Gattung Waaren/ als Baum wollen/ Opium, Zinober und Queckſilber und der iſt der groſſe Pfeffer/ deſſen in Europa verführt wird. 500. Pfund diſes groſſen Pfeffers geſtehet ſie im Tauſch nicht hoͤher als 38. Realen/ und auff den Waaren tie ſie dagegen geben gewinnen ſie 10. pro cento man kan ſolchen fuͤr baar Gelt umb 28. oder 30. Realen haben welches viel mehr were als die Hollander denſelben kauffen. Cargamon iſt die fuͤrtrefflichſte Gattung 5 aller Specereyhen/ aber ungemein/ und well e deſſen ſehr wenig in des Königs von Vila pour Landt allein waͤchſt/ wird deren nur d zu vornehmer Herzen Tafel in aſia gebraucht. Die 500. Pfund diſer Specerey . für von 100. biß 10. Realen veratt: Zimmet kombt auß der Inſel Ceylan, Vor diſem hatten die Portugieſen deſſen auß dem Land der Kon e umb Cochin herumb. Aber ſeit deme die Hollander diſer Stadt/ und der Kuſten Ceyſan da der Zimwet wächßt ſich bemächtiget/ weilen diesel bigen geſehen daß der von der Gegend Cochin, ber nicht ſo gut als der Zimmet auß 3 Ceylan, An merckungen über den Kauff und Handel Cey an, und derwegen wohlfeill hingeben wurde/ ihnen Schaden gebracht; haben ſie alle Ort da ſolcher gewachſen/ verderbt/ und iſt demnach nunmehr kein anderer als der auß Ceylan /ſo jetzo in der Hollaͤnder Haͤnde. Wie die Portugieſen diſe Küſten Ceylan inhatten kaufften die Engellaͤnder den Zimmet von denſelben und bezahlten fuͤr die Mein. 0. Mamoudis. ö Preis der Specerey wie die N Hollander ſolche zu Surare vberkauffen. N Neggeln die Mein/ vlamoudis lz und ein halben. f 1 Macis ober Muſcatbluht die Mein mamouis 137 und ein halben Muſtatnus die Mein/ mamoudis Dieſe 3. Gattungen ſeind die einigen Specerkrhen/ ſo die Hollander neben dem Zimet in ihren handen haben. Cargamon die Mein mamoudis 3 Langen Pfeffer die Mein mamoudis 5 Langes Pfeffer Holtz mamoudis 4 Der kleine Pfeffer wurde von den Engellaͤndern umb an unterſchiedliche Orten Aſien zu verſchicken gekaufft die Mein fuͤr mamoudis ö 14 Sie nahmen deſſelben in groſſer Partey von einem Indianiſchen Kauffman auff 8. Monat Zeit.. Materialien ſo in Surate gefunden und dahin auß frembden Landen gebracht werden/ ſambt dem Preis dabey verzeichnet. Dar pres Salpeter geläutert koſtet die rein/ aamouAaterſchtedltl- dis N cher Materia · gal armoniac, mamoudis 20 Len. Gummi Laque, mamoudis 7 und ein halben. 5 N Gummi Laque gewaſchen/ wamoudis 10 Gummi Laque auff Art Spanischen Wachs 5 4 J—— Es findt ſich deſſen auch umb o. und 60. die Mein und hoͤher ſo man Biſem darein miſchen will. 5 Saffran von Surate, ſo nur zur Farb dient mamoudis 4 und ein halben. Borax, mamoudis 8 Weiſſer Kummel mamondis 8 Schwartzer Kuͤmmel mamoudis 3 Arlet/ klein Mam.. eyrauch ſo von der Kuͤſte Arabiens kombt mamoudis 5 Imber mamoudis Mira, deren der gute Mira gilet genent/ maZucker Candi/ mamoudis 138 Caſſe, mamoudis i 2 Alut inat, eine Gattung Samen der ſehr hiig/ mamoudis 5 910 Fenchel/ mamoudis z und ein Kleiner Fenchel hitzig/ mamoudis 1 und ein halben.. Oupelote, eine gattung Wurtzel/ mamoudis ö 14 Cointre, mamoudis. 5 Auzerout, guß Perſien kommend/ mamoudis 120 Aloes Sucotrin auß Arabien kommen t Mam. Suͤßholtz/ mamoudis ö 4 Vez Cabouli, einegattung Wurtzeln/ mamoudis 12 Aloes Holtz vom groſſem Stuck/ mamoudis 200 8 Aloes Holtz vom kleinem Stuck/ wamoudis 335 Diſes Holtz findet ſich/ je nach dem ſolches Fett iſt deſſen die Mein koſtet mamoudis 4000. i Preis der Leinmvath beides weis und farbig Weiſſe Batffetas, oder Leinwath bie umb urate n, als zu Brouta, Baroche, Renonſari und an gan deren Orten gemacht werden/ ſeind roh von 21. Cobit und gewaſchen von 20. Cobit. Die von Brouta ſeind roh allein von 20. und gewaſchen 19 und anderthalben Cobit. Alle einer Breite nemlich 22. Taſots. Hernachel folgt der Preis der unterſchiedlichen Baffetas oder Stuck Leinwath und ſeind keine weder in hoͤherm noch geringerm Preiß. I. Stuck Leinwath koſtet mamoudis 2 1. Stuck/ dito wamoudis ö 1. Stuck/ dito mamoudis 4 und ein viertheil 1. Stuck dito wamoudis 5 1. Stuck dito mamoudis 6 1. Stuck dito mamoud s 6 und ein halben. Breite Baffetas oder Dotis 31. in 32: Taſots breit das Stuck 20. Cobits haltend hernach folgt deren Preis nach Qualite. I. Stuck koſtet mamoudis 5 175 1. Stuck dito mamoudis e i 1. Stuck dito mamoudis 7 und ein vierte 1. Stuck dito wamoudis. 12 Wann diſe Leinwath nicht breit und 1 7 genug were/ kan mans breiter und fein machen. Es werden andere 20. Cobits 18 und 22 Taſots breit gemacht/ die koſten de einen 300. andere 4 und 500, und andere bi in 1000. mamoudis. Aber die Engellaͤnder und Hollander wollen keine ſo theur/ hernach folgt die Verzeichnus der Gattung 18. Andere l deren ſie toe gführen von 12. biß rs. mamo ue 0 wal egen, m Golconda, gemacht/ welche Stücke Betillis genent werden. Folgt hernach deren Preiß. No. 1. Stuck Betille koſt mamoudis 2 und 9 ein halben. 2. Stuck Mamoudis. 5 3. Stuck mamoudis 9 und ein halben 4. Stuck mamoudis 12 5. Stuck dito mamoudis. 16 Zumercken iſt daß je mehr diſe Leinwath gewaſchen/ je ſchoͤner tichter und glatter ſie wird. Aber mit denen von Agra kommenden hat es eine gantz widrige Beſchaffenheit/ den je mehr man dieſelben waſchet je heßlicher und feſſerlichter ſolche außfallen ſeind gar nicht wehrhafft ſondern bald verſchliffen. Gefärbte geintwath. Belangend die gefaͤrbte Leinwath/ als ſchwartz/ blau/ roth/ oder andere/ werden die Baffetas wie man will genommen. Sie koſten gefarbt oder noch zu faͤrben gleich; zu faͤrben/ ſchlagen/ zuſammen legen/ das Zeichen daran zumachen und fuͤr das Papier zum Umſchlag bezahlt man rund ein halben mamoudis. Die Chites oder Stuck von Brampour koſten das Stuck mamoudis. 2 und dreyviertheil. f 5 8 Stuck Chites von Seronge 16. Cobit lang wamoudis. 5 3 Zu mercken aber iſt daß diſer Chites in allerley Preiß von 30. und 40. mamoudis das Stuck. U 5 W Von geſponner Baumwollen folgen hernach die unterſchieblickhe Preiß es wird nach der Mein das iſt Gewicht verkaufft. a Nes 1. Geſponnen Baumwollen/ die Mein mamoudis a 1 2. dito mamoudis 20 3. dito mamoudis 27 4. dito mamoudis 3 5. dito mamoudis 57 6. dito oder ſechſte Gattung 40⁰ 7. dito mamondis. O0 Zu wisſen daß vor diſem geſponnenen VBaumwollen deren 400. mamoudis ein ein gilt/ die Indianer Baffetas von 30. und 32. mamoudis und von denen im Preiß er oo. mamoudis die Mein Baffetas von 85 100, mamoudis das Stuck madüadeſte Bogen hemach die unterſchrdlichen Got; n do an. tungen und Preiß. Taſßet das Stuck 15. Cobit lang ma In dem Orientaliſchen Indien Andere Gattung Leinwath ſo umb Maſulipatan in dem Land des Koͤnigs von Cotons von Seiden das Stuck 9. Cobit haltend mamoudis 18 Cotons von Gold und Seiden Silber und Seiden koſten nemblichen ein Stuck 115 Seiden und Gold mamoudis 13 und 14. 25 8 f Ein Stuck Seiden und Silber mamoudis. 8 Atelas das Stuck von 9. Cobit mamou· 18 N 8 21 Allega Baroche, das Stuck mamoudis 18 Drey von geſponnen Kreutern fur Zierd gemachte Stuck die ſich aber leicht ſchneiden 1 die drey Stuck zuſammen/ Mamou⸗18 20 Man ſolte glauben daß diſer Taffet von Seiden gemacht aber es iſt nur eine Geſpunſt von Mucken auff den Bauͤmen; gleich wie die Wurm die Seiden ſpinnen und ſolches wird in Beugala und zu Malambique gemacht. a i Alle von Agra nach Surate kommende Waaren geſtehen in Unkosten ſo wohl für die Wechſels. gebühr ſo J. pro cento als zu pregen/ Fracht und Zoll underwegs/ nach ihrer unterſchiedlichen Qualitet auff 15. in 20. pro cento. g Alles Gold und Silber ſo wohl in Staͤnglin als gemüntzt koſt fuͤr den Eingang zu Surate 2, pro cento der Kauffmann trachtet zwar wo immer muͤglich dieſen Zoll zu entgehen/ aber wenn derſelbe ergriffen wird/ muß er doppelt jedoch auch mehr nicht bezahlen. Die Fürſten haben zwar gar die Coofiſcation haben wollen/ aber die vom Geſaͤtz waren darwider/ und ſagen das Ma9 5 alle Zoͤlle gaͤntzlich wie allen Geltzinß rbiete. Fremdechelt Nutzen ſowohlvon Gold als Sülber/ welche in Handlungen in Indien gangbar ſeind. 5 V Die Nealen ſeind unterſchiedlicher Gat, den d 5 tung/ deren Waelaeſe die anderen 77. Vals en Muͤntzen im Gewicht halten ſollen hernach folgt der Preiß wie ſolche An. 1065. verkaufft worden und ſeind faſt gemeinlich in gleichem Preiß/ hernach verzeichnete Realen ſollen 73. Vals wegen/ und wann am Gewicht mangelt muß der Erſatz beſchehen. Die alte Spanniſche Real/ die hundert Stück für Koupies. 215 und ein viertheil Die ztweite Gattung die hundert fur Koupies. i 232 und ein vierthell. Neuer Realen die hundert fuͤr 208 und ein viertheil. 15 5 Hernach folgende Reichsthaler ſollen 77. Vale im Gewicht halten/ nemlichen. Reichsthaler auß Flandern/ auß Teutſchland/ Polen/ Dennemarck/ Schweden/ Schweitzeriſche und Genffer/ was weniger muß verſetzt werden. Reichs, ken an die Aſiatiſchen Fuͤrſten. 70 Von geſchen. Reichs⸗Tahler von Flandern das hundert vier Roupies 6 1 Reichs⸗Thaler von Teutſchland/ Polen/ Schweden cx. 2 é und ein halbe die alte Realen et kennet man/ wan kein Krantz darumb die andere gattung iſt zweyerley/ nur mit einen Krantz deſſen die 4 Korner ſehr groß die andere hat * keinen Krantz aber ein Creutz in ö nebenſtehen der Form. i Die neuen Realen haben ein Krantz umb her aber mit kleinem Korn/ und alle ein Creutz in Form wie auch hier neben ſtehet. Preſßder Gold ſorten dem Teutſchen Reich/ Hungarn Polen Dennemarck Schweden auß den Niederlanden oder Venedig/ ſollen in Gewicht 9. Vals und round ein halben eins Catats halten/ im wiedrigen muß der mangel erſetzt werden. die Indianer haben ein gewicht von oo. Ducaten/ und wan dieſe anzahl nicht ſoviel wigt/ erſetzt man was fehlet. Alle dieſer Gattung Ducaten gilt das Stuck. 9. Mamodis und 3. pechas/ N Ol Ducaten bon Europa es ſey auß die Venetianiſchen galten vor dieſem 2. pechas/ mehr als andere weilen ſie beſſer an Gold gehalten werden/ aber man hat ſeid etlichen Jahren das wiedrige befunden/ und heut zu tage will man ſelbe nicht mehr im werth aͤnderrn. 3 Der neue Jacobus gilt. 22. Mamoudis. Bon art und gattung der Preſenten ſo man den Fiuͤrſten i alſien/ in dero oder Particular Kauffmann zu handen N N begehrt/ thun muß. 8 Roben habe bereits vermeldet das Vornehmſte und erſt Fune pagnie ſey das es an Gelt — nicht mangle/ und ſolches wohl „ in obacht genommen werde. Aber es iſt noch ein anders nicht weniger nothwendiges zu mercken/ das iſt ſich gleich anfangs bey den Koͤnigen und den lebend a ambten der Landen da man etwas handlen wil angenehm zu machen/ um ihre WohlAumarckungen uber den Kauff und Handel/ u, 0 dament einer Handlungs ComGuldene Louis. Spaniſche/ und ctalieniſche Doblon und anderen Gold ſorten/ gearbeſtet Gold alß guldene Ketten und bergleichen und Gold und Silber in Stanglein werden nach dem halt bezahlet. Auff dem Gold und ſilbernen Stanglein/ aber iſt mehr Nutzen/ weilen man die Muntzung darauff nicht verliehren mus.. eee Bericht vom gewohnlichen BWeechſcl in Indiens eides in dem Land deß groſſen Vogel n e und dem Land deß Königs von Gol dung 8 conda lauſſen die Wechſel gemein für 10 lich nach Surate wie hernach fol pfeg5 Von Labor nach Surate/ m. 7. und halb procento. 9 3 5. g Von lanabat und Agra von 45 m. 5. pro cento. 5 5. Von Amadabat von 1. m. und viertel proCento. Von Bengale, Patna, Caſempazar, und Ougouli welches die Ort da man die Seide/ Zucker/ Leinwand und Borax abholkvon 8. m. 9. procento. f ö Von Golconda und benachbarten Orten da man Leinwand und Diamant abholt von 5. 6. procento. nd nach Goa. 4. pte cento. N 3 5 arent Staat eine compagm N gewogenheit zuerlangen/ und alſo iſt on tig auff andere Mittel alß ſchoͤne e rungen bedacht zu ſeyn/ den auſſer dem 5 fen allgemeinen Gewohnheit und in gantz ſen zu wider vor einigen Fuͤrſten noch gie 15 Herzen mit lähren Händen zu erſchelaſht dieſelben ſehen gar gern wañ man ihnen 15 a und haltens für ein ſchmach wann ein fie der ſie begrüſt und nichts anerbeitet. iger Aber es iſt noch nicht genug mit einek Verehrung/ ſondern man mus wiſſn 100 — ihnen angenehm derowegen mus man glauben und für ein allgemeine Regel beobachten/ daß die Mahometiſten alle das jenige ſo von dem Chriſten herkombt fuͤr unrein halten und ſich niemahlen eines Dinges ſo ſie von enſelben entweder Kauffen oder ihnen verehrt wird/ ſich bedienen es ſey den zuvor zwey oder drey mahl gewaſchen/ und wen es etwas ſo unverderbt nicht gewaſchen werden kan/ werden ſie ſolches als ihnen nichts nutzend/ wie koͤſtlich es ſonſten ſeyn mag verachten/ und verwerffen, Die Engliſche Compagni es ſeye in jhrem oder deß Koͤnigs noch jung und fur daß Geſaͤtz nicht wie ge333 Nahmen/ liſſe auff eine Zeit dem Koͤnig in Perſien ein uͤber auß koͤſtliche Kutſche verehren/ nach dem nun dieſelbe vielmahlen gewaſchen und außgebutzt worden ſetzte der damahlen regirer de Koͤnig Chaſefi welcher meinlich andere Fuͤrſten in einen hohem Alter thun eyferte uͤber zwey oder drey Monat ſich entlichen darin ein einig mahl/ und leiſſe ſich alleine umb den Platz zu Hiſpahan führen hernach bliebe die Kutſſche allezeit fuͤr unnütz und ein jeder nahm ein Stuck darvon/ dem Konig miffile ſolche alſobald/ und ſagte/ wen er ſich diſem Geben ziehen lieſe/ koͤnte er zu felde in dem Krieg die jenige nicht ſehen die ihn antaſten mochten; der groß Hertzog auß Moſcau verehrte dieſem Koͤnig auch eine Kutſche/ er achtete der ſelben aber noch weniger und kam gar nicht darein. Ich habe dieſe koͤſtliche Kutſche/ welche dem groſſen Mogol von der Frantzoͤſiſchen Compagnie geſchieckt uno verehrt worden/ geſehen aber zweiffle ſehr das ſie damit wilkommen geweſen/ weniger er ſich deren jemahlen bedienen wollen/ den dieſelbe zubutzen und zu waſchen/ an dem die Mahomeliſten wie oben gemeld alles ſo von den Chriſten kombt unrein halten/ hette nicht anderſt geſchehen koͤnnen/ als ſolche gantz zu verderben/ ich bin verſichert daß ein Kleinod welches nur halb ſo viel als diſe der Compagni Kutſche/ und guldener Tragſeſſel ſo dabey war gekoſtet/ dem goßen Mogol viel angenehmer geweſen/ oder in mangel eines Kleinods/ da man keines finden konnen/ eine Schuͤſſel mit guͤldenen Roupies/ auff die Summa des Pra ſents ſo ihm verordnet worden/ ſich belauffend.. Die Engliſche Compagpi verehrte dem groſſen Mogol auff eine Zeit/ ein siwane, welch es ein groſſes Stuck ſo für einer Zelten auff geſpanet wird/ darunder die jenige welche In dem Orientaliſchen Indien 1 an der Thure vor dem Regen und Sonnen beſchirmbt ſeyn/ dieſes Stuck war ſehr koͤſtlich und uͤberaus Reich/ die weilen es aber eine arbeit von den Chriſten gemacht und deren ſich zn dienen hette gewaſchen werden muͤſſen/ da durch das Stuck⸗Werck von Gold verderbt worden were/ wurde ſolches nicht geachtet/ die Kleinod ſelbſten welche die Chriſten dem Mahometiſten verkauffen oder verehren/ werden vor dem gebrauch zwey oder drey mahl aber odn verderbt gewaſchen und umb dieſer Vrſachen willen/ iſt eine ſchoͤne Perle/ oder Kleinod von einen ſchoͤnen Stein oder etliche zuſammen/ dieſen Furſten das angenemſte Præſent/ in dem ſie daſſelbe leicht Reinigen laſſen und mit gutem Gewiſſen deſſen ſich bedienen konnen. Dieſe Verehrungen ſeynd ihnen wie gemeldet viel angenehmer ob ſie zwar aus Orient ſelbſten herkommen/ und ſcheinet das dieſe Menſchen mehr von frembden als ihrs eignen lands ſachen Liebhaber ſeyn ſolten/ aber die Perlen kommen auch Oceident/ und finden ſich daſelbſten etliche groͤſſer als in Orient. e E e ee eee n e e e eee 5 0 85 255 Ne I, ,, 8 e ö 2 92— 2 5— Anmerckungen betreffend die Underhaͤndler in Indien. Je Unterhändler in Indien ſeynd geS meinlich gleichſam des Haubt ihrer geſchlechter welche alle dero Vermoͤgen unterhaͤnden haben/ umb ſolches nützlich anzuwenden darzu werden erwehlet/ beydes alte/ des gleichen auch erfahrne Leuth damit dieſelben deſto beſſer den nutzen der gantzen Verwandſchafft faſſen koͤßen/ als deren Vormund und denen das Gutt anverkraut iſt. Alle Abend wann dieſelben von ihren Geſchaͤfften wieder kommen und nach gewohnheit der Indianer welche nicht zu nacht Eſſen/ 1 ſüſſes gekoſtet und einen Schale mit Waſſer getruncken/ verſamlen ſich die Elteſten der Verwandſchafft in des Unterhaͤndlers Loſament der ihnen über das jenige ſo er den 15 f über gehandelt Nechenſchafft giebt/ und ſie beratſchlagen ſich mit einander was er kunfftig zu thun/ fuͤrnehmlichen wird er ermahnet genaue achtung in den Verrichtungen zuhaben und eher zu betrügen als ſich betrügen zu laſſen. 8 2 3*. 0 8 5 72 9 8 I 4 5.. g 8 1 e o PVäeue und Sonder hare Btſchteibung Des Konigreichs Tunquin, N I Nebſſt vielen Kupffern und der Land⸗Taffel Das i Vierdte Buch. Daß erſte Capitel. Algemene Erzehlung vom Koͤngreich 7 unquinund wie ſolches dem Verfaſſer bekand worden. 22 3 Aß Koͤnigreich e f 70 Europeern lan ge Zeit unbekand geblieben/ und 1 1 die jenigen ſo darvon geſchrieben , habẽ daßelbe entweder nicht recht an glaubwuͤrd igen Bericht gemangelt. Ich wil zwar daruͤber kein Ureheil fallen ſondern nur anzeigen das dieſe Beſchreibung die ich alhier dem Leſer unter augen lege/ theils aus unterſchiedlichen Denckſchrifften die mein Bruder zu ſammen getragen/ welchen ich auff meiner andern Reiſe in Indien mit mir gefuͤhret und der uͤber iu. oder 11. mahl von Battavia nach Tunquin den 2 Alten unbe- 0 antam und von Achem in Tunquin gereiſet/ ſeinen urſprung genommen/ theils habe ich Wo ber Au- von den Funquinern ſelbſten erfahren/ als ich ior diſe Wiſ⸗ nich zu Batta via und Bantam auff gehalten ſenſchafft von an welchen Orten ſie groſſe Handlung zu Tuna kreiben pfſegen; die groſte wiſſenſchafft habe genommeß, ich erlangt/ von den Bonziern welche dieſe 1 erforſchet oder es Kauffleute mit ſich fuͤhren die ſie als Pri, a und Gelehrte halten/ und ihren Kindern(die ˖ ſe Volcker nehmen ihre gantze kamilien 500 ſich wan ſie uber Meer relſen /) zur unter 60 ſung in leſen und ſchreiben und als Lehr⸗ me ſter dienen müͤſſen. 1 0 DieſeBonaier ader gelehrte haben ne ſchrifftliche Nachricht guttiſich mit gethenng weil ihnen hin ge gen ſehr angenehm wal erſie von mir die Beſchaffenheil Frankreichs 1 fahrn konten/ und weil ich auff meinen 1 8 den Atlas und andere ſonderbahr Land⸗Kauta, niemals auß dem Augen gelaſſen/ als Be, ren ſie hoch erfreuet wan ſch ihnen die adte ſchaffenheit der Welt und derſelben Stabe, Lander/ und Koͤnigreich fuͤr legte. 19 bahſſec Die Fuͤrnehmſte und groͤſte Verguüch ei 10 ua die der geneigte Leſer auß dieſer Besch 0 bung ſchoͤpffen kan/ iſt die Verſicherung 5 ſolche glaubwürdig und getreulich ver ſey/ und von einen auffrichtigen deſſen vornehmen allezeit ohne Falſe Hrude weſen herkomme. Nach dem mein anſchlader ſehr hertzhafftig und von galen an eiſen gen war und gleich wie ich die Luſt 1 unmit ſich auff die Welt gebrach ter 4% 4, 0 * N 25 Lillus China ces deceſlumel uico lis caueſ e 2 CCCCöX«̃ 5 e ſauula Chanchuon, 1 5 5 18 E e e 90 5 5e Bure Hlunuinte, i Funcieciu Nauefluur obi,. Heco BνEjꝙ A Dece mbris 1g. 2 17th coꝗlllite 1 eg, Pie illio u eg un Kehle, urle l regte, ft qi te, 25. D LIN le mann, alot N N.— 3 e Aauinames Hnaulq in guia 22 44e filla nom poi. 8 8. 7775 7 775 25 175 5 N 7 8 2 4 725 7 Aiuuuums Checo, cilius 75 755. 5. aint, ae elle, e bad Sen lalacincle e netillis e lie pale auuis art arem og 8. 5 Jog hund ag ro, frei 7 6 5 e er Sulu imalrm nm ea nooo, li med. c . 5* ae uebi, El. clit. og ut ef aH fte. Corine hina, u 5 A nt. n ue oe gener, S e ebe alles ace, — e ee n ginn nauilug He r e mi 5 5 1 Cocinohuna Cetbetr n n 0 Hiocla 8 8 Im III AIR ene III III WII II. 2. 5 ,,,, , 8 is Herm Neemers 1 feder rü, el f in 8 ünquin 1 gehen. 1 Beſchreibung des Koͤnigreichs Tunquin. terſchiedliche nützliche Denckwürdigkeiten zu ſchicken wuſte/ ſprach er zum Koͤnig/ wen ihme beliebte wolle er ihme die Frantzoſiſche von dem Königreich Tuqnuin vernommen/ entſchloß er ſich eine Reiſe dahin fuͤr zunehmen/ und weil er entlich eine gute Gabe harte ſich fremder ſprachen in kurtzer Zeit zu bemächtigen/ alſo konte ihme auch die Mala yiſche nicht ſchwer fallen/ und dieſer ſprache pfeegen ſich die gelehrten in Aſten zu gebrauchen/ und gleich wie die Europeer/ der Lateiniſchen. Er hatte auch gehoͤret daß die Seide der Biſam und andere Waaren in ſelbigem Lande viel beſſers Kauſſes als an andern umbligenden Orten weren/ und daß man die Auffrichtigkeit in der Handlung niemals auß den Augen ſetze. In Genehmhabung deſſen ruſtete er ein Schiff auß/ mit welchen er ſeine Reiſen gluͤckſelig verEr trug alle Zeit eine gutte Summa Geldes mit ſich/ und verſahe ſich daneben mit vieler kleiner und ſonderbahrer Arbeit/ damit er den Koͤnig und die Fuͤrnembſten ſeines Hoffes beſchencken koͤnte/ weilen es in allen Orientaliſchen Landern gebräuchlich iſt/ daß man fuͤr Fuͤrſten und groſſen Herren niemahls mit leeren Haͤnden erſcheinen darff/ dadurch geſchahe daß er ſo bald er das erſte mahl in dieſes Land kommen gar wohl empfangen wurde/ und der Zolleinnehmer Nh wird 90 10 bach, 65 en Nö. gnebſt dem Zaum den er mit einer Uhr von doppeltem Gewicht/ einem paar Piſtolen und 2. von Oehlgemalten Bildern welche 2. Hofflinge vorſtelleten beſchencket gab dem Koͤnige von Stund an davon nachricht. Als er nun Befehl bekam nach Hoff zu kommen/ und er bey dem Ko nige ſein Compliment abgelegt war jederman verwundert/ daß ein Frembder der auß ſo fernen Landen herkommen die Nalayiſche Sprach kſo fertig reden konte. Der Koͤnig empfing ihn mit groſſer Hoͤffligkeit und nahm die Verehrung ſo er ihme thate gar geneigt an. Es war erſtlich ein ſchoͤner Degen/ deſſen Gefaͤß und Griff von Gold und mit Rubinen und Schmaragden verſehet war/ die Klingen weſche 2. Finger breit war nur auff einer Seite geſchliffen/ gleich wie dieſelben ſo in Tunquin gemacht wer, en/ darnach ein paar Piſtolen mit Silber beſchlagen/ ein Sattel auff Perſiſche manier mit Gold und Silber geſtücket/ drittens einen Bogen ſambt dem Kocher und den Pfeilen/ und endlich 6. Bilder von Oelfarben/ vie dieſelben ſo er dem Zollinnehmer verehret. Alle diſe Sachen gefieen dem Koͤnig uber die maſſen/ er zog den Degen alsbald auß der Scheide/ ſolchen deſto beſſer zu beſichtigen/ hernach nahm ihn einer von ſeinen Printzen und verſuchte ob er 1 me eben ſo bequem ſey wie die welche in ſhrem Lande gemacht werden. Er ſtelte ſich in Poſitur gleichſam als wenn er einen Freich damit thun wolle mein Bruder als 5 ſahe daß ſich diſer junge Herꝛ/ ſo artig jeoch nach ihtes Landes Gewohnheit drein 111. Then. Fechtens⸗Art zeigen/ deſſen der Koͤnig wohl zu frieden war. Dafern mir nicht verbotten iſt daſſelbe von meinem Bruder zu ruͤhmen was ſich ruhmwurdiges in der That an ihm befunden ſo muß ich bekennen/ daß er nicht allein wol geſtaltet war/ ſondern auch 7³ eine gute Leibes Geſchickligkeit hatte/ es kam kein Menſch auff den Fechtboden dem er nicht überlegen war/ und er liebte von Jugend auff die Schulen allerley Ubungen in welchen er auch ſeine Zeit nicht uͤbel angewendet. 1 1 Auff ſolche Weiſe war ſein erſter Eintritt in dieſen Hoff beſchaffen/ und weil er zu un. terſchiedlichen mahlen diſe Neiſe nach Jun. quin verzichtet/ wurde er je langer je lieber und hoͤher gehalten/ und was ihn bey dem Könige und den Fürnembſten des Hoſſes volleds angenehm machte/ war daß er offters mit ihnen auch umb groſſe Summen ſpilete/ und weil er viel zu wagen pflegte/ verlohr er einsmahls uber 20000. Thl. wiewohl der Konig der ein ſehr groß nuͤtiger Her: war ſolches nicht wohl leiden konte und ihm derohalben etliche Geſchencke die diſem Ver luſt die Wage hilten verehrete. Alſo konte meinem Bruder nicht ſchwer fallen die Zeit über weil er ſich in Lunquin auffgehalten/ durch den freyen Zutritt den er in dem Hoffe hatte/ und die Handlung die er in dem Koͤnigreich getriben/ weil er ohne dem eine groſſe Begirde hatte alles zu wiſſen/ ſich aller Sachen auffs genanſte zu erkundigen/ und auß diſem habe ich diſe meine Beſchrei„bung gezogen. Ich kan aber auch bezeugen daß ich ſelbſten einen groſſen Theil dazu geſetzt/ welches ich auß dem Geſpraͤche daß ich zu Batavia und Bantam mit vielen Tunquinern gehalten erfor ſchet habe/ die ich ſie den auch offters beſchencket umb keiner andern Urſach willen als von ihnen ihre Sitten und Gewohnheiten des Landes zu erfahren. Sie wuͤnſcheten hingegen auch von mir den Gebrauch und die Sitten unſerer Laͤnder zu vernehmen/ ich habe offt gemercket daß ſie mit Luſt gehoͤret was ich ihnen zu verſtehen gab/ nemlich daß der Adel ſo wohl in Franckreich als in ihrem Lande/ durch die Tugend und loͤbliche Thaten es ſey mit den Waffen/ oder durch Handlungen in frembden Laͤndern die man dem gemeinen Weſen zu Dinſte erwiſen/ erworben werde/ und daß man durch Mittel der Gelehrigkeit“ zu hohen Armbtern gelangen konne/ dadurch rechtſchaſſene Leute auch biß zu des Koͤniges geheimen Rath gelangen koͤnten/ ſie befanden daß diſes mit den Geſetzen und GewohnheiEr machei ſich bey Hoff ſehr belibt. ten ihres Vatterlandes ziemlich uͤberein komme/ wie ich hernach anzeigen will. Auff dieſes Fundament iſt meine Beſchreibung gegruͤndet/ ich habe ſelbige getreulich und genau verfaſſet/ und diß KöK Nig 74 nigreich von deme man bißher zimliche dunckele und ungewiſſe Wiſſenſchafft gehabt nach ſeiner eigenen Beſchaffenheit abgebildet/ und habe mich niemahls unterſtanden die Sachen anders her als ſie mir wiſend dem Leſer unter Augen zu legen. Was der Damit wir aber hierinnen gleiche OrdBerfaſſer nung halten und denſelben von einem auff vorzutragen das andere fuͤhren koͤnnen/ was zu vol; geſonnen. fommener Wiſſenſchafft dieſes Landes vonnothen iſt/ als habe ich fr nothwendig erachtet vor allen Dingen von deſſelben Gelegenheit weite und dem Climate welchem es unterworfen Meldung zu thun. Diſem ſoll folgen die Beſchaffenheit Reich thum und die Handlung als die drey Quellen auff welchen das gemeine Weſen beruhen kan. Nachmahls will ich der Sitten und Gewohnheiten diſer Voͤlcker ſo wohl was den haußlichen als buͤrgerlichen Stand als da ſind Heurathen/ Feſte und Beſuchungen betrifft gedencken. Die Gelehrten darunter ich der Aertzte nebſt der uhr der Kranckheiten ſoin diſem Lande regiren nicht vergeſſen werde ſollen diſen nach geſetzt ſeyn. Und ich will inſonderheit den Urſprung die Regirung des Königreichs die Beſchaffenheit des Hoffes wie die Könige auff den Thron geſtiegen und mit was für Pracht ſie begraben werden nicht anzufuͤhren unterlaſſen/ ihre Religion ſoll zu dem Beſchluß diſes Werckes dinen. Die Abtheilung diſes Werckleins ſoll in 1. Daubtheilen beſtehen. Deren die ſ.erſterẽ die Natur diſes Königreichs die 5. mittleren der Inwohner Sitten und die F. letzteren ihre Regiments Verfaſſung in ſich halten werden/ und dieſes iſt die Ordnung die ich in diſer Sache am dinlichſten zu ſeyn erachtet. Im übrigen wird diſel Beſchreibung denen andern welche meine Perſiſche und India, niſche Reiſen in ſich halten nicht ungleich ſeyn/ und vielen. Sachen die Handlung betreffende zu einer Erleuterung und Erklaͤrung dinen. 5 Endlich kan ich auch versprechen/ daß die Landkarte und die Figuren welche nach unſerer Meinung und an dem Orte ſelbſt gemacht worden/ dem Leſer nicht weniger Ergoͤtzligkeit als eine ſattſame Erklarung mittheilẽ werde. Das andere Capitel. Von der Gelegenheit und Weite des Koͤnigreichs Tunquin. W. darff ſich nicht wundern daß unſeMWarumb Ta uin den Alten un betaut geweſen. re Vorfahren von dieſem Königreich ſo ſchlechte Wiſſenſchafft gehabt/ weñ man betrachtet/ daß daſſelbe vor diſem ein Theil des Koͤnigreichs China geweſen/ und daß deſſen Einwohner gleich wie die Chineſer ſich jederzeit in ihren Grentzen eingeſchloſſen gehalten/ die ſich keines tweges bekůmmert init Beſchreibung des Koͤnigreichs Tunquin. andern Voͤlckern einige Gemeinſchafft oder Handlung zu fuͤhren/ als welche ſie gantzlich verachtet und fuͤr Barbaren und Leute die auß einer andern Welt kommen gehalten haben/ aber heut zu Tage da ſie ſehen daß ſie von den Außlaͤndern beſuchet werden/ fangen ſie an zu erkennen daß andere Volcker eben ſo ſittſam und Polit ſind als ſie/ die Begirde hat ſie dennoch auch dahin getrieben/ daß ſie in frembden Landern zu handeln Gelegenheit geſuchet/ wie ich den derſelben zu Bartavia und Bantam Unterſchiedliche geſehen und von ihnen nichts als Hoͤffligkeit und groſſe Sittſamkeit verſpuͤret habe. Man ſolte zwar meynen daß das Clima diſes Kohigreichs ehr hitig 2 allein ſolches wird theils dure die Fluͤſſe die es waͤſſern und taͤglich erfriſchen/ theils durch das Regenwetter zimmlich temperiret/ dieſes pfleget allen Landern welche unter der Zoua torrida ligen gemein zu ſeyn/ wie ich davon in meinen Indianiſchen Neiſen albereit Meldung gethan. Und hieraus kan man ſchlieſſen/ daß das Erdreich nicht allein gutt und fruchtbahr/ ſondern auch volckreich ſey wie ich ſolches außfuͤhrlicher in folgenden Capiteln beſchreiben werde. Dieſes Königreich graͤntzet gegen Au gang mit der Provintz Canton welche unter die beſten in China gezehlet wird/ gegen Nidergang ligt es an der Seiten des Ko nigreichs Frama und gegen Mitternacht wird es von zweyen Chineſiſchen Provintzen die Junang und Quanſi heiſſen umbgeben. S 0 aber 1 5 es an Cochinchina und den groſſe Meerbuſen/ welcher eben diſen Nahmen führet. f 0 5 „Damit wir aber wider auff daß Clin diſes Landes kommen ſo hat daſſelbe eine ſo gelinde und ſanffte Lufft/ daß es ſcheinet als ob das gantze Jahr in einem immerwehrenden Frühling beſtehe. Man hat weber, Schnee noch Eiß jemals daſelbſt geſehen, und die Baume bleiben ihrer Blatter tet unberaubt/ die Peſt/ das Podagra/ der Stein und andere in Europa gemeine Kranckheiten ſind den Tunquinern gantz unbekand. Es fir nicht mehr als. Winde welche in der Jah res Zeit eine Verenderung verurſachen un diſes ſind der Nord und Sudwind dert Iglicher 6. Monath zu wehen pffegt der erte re erfriſchet die Erde dermaſſen/ daß mar meinet es ſey zur ſelbigen Zeit keine ſſeblicher Lufft in der Welt zu finden/ der andere nimmer ſeinen anfang in dem Januario und wehe ret biß guff den Julium, und die lettzen wen Monath führen meiſtentheils Regenwelte mit ſich. Das beſchwerlichſte ſo wohl in de ſen Lande als an andern Orten in Inde iſt/ daß gemeiniglich alle ſiben Jahre 50 grausamer und ungeſtümer Wind ſich 1 ſpüren läſſet man nennet ſelbigen Orcan ob Ouragans und er iſt ſo heftig daß Hale ch Cin eint ff⸗ 90 f Ge Clima, l. 0 lle dale i br won 1 ef id che 900 15 gie 0 fa. Beſchreibung des Koͤnigreichs Tunquin, Haͤuſer und Baume niederreiſt/ und ſonſten groſſen Schaden verurſachet dieſe Winde wehren zwar nur 24. Stund/ und entſtehen allein an den Japaniſchen/ Chineſiſchen/ Cochinchineſiſchen/ Tunquiniſchen und Manillhiſchen Meer, uffern/ an anderen Orten aber werden ſie gar ſelten verſpuhb. Die Sternenkuͤndige in ſelbigen Landern halten dafur daß diſer ungeſtuͤmer und ſchtoͤcklicher Wind auß den Duͤnſten der Japaniſchen Bergwercke erzeiget werde. Und weil diſer Wind auff einmahl mit ſolcher Hefftigkeit entſtehet und ein Schiff auff der See ergreifft ſo koͤnnen die Schiffleute kein beſſer Mittel ergreiffen als daß ſie den Maſt abhauen/ damit der Wind daß Schiff deſto weniger faſſen koͤnne. Diſes ſchoͤne Land welches faſt dem Köligreich Franckreich zu vergleichen halt unterſchiedliche Provintzen in ſich/ deren Graͤntze uns noch nicht aller dinges bekand ſeyn/ ſintemahl die Tunquiner in der Geographie oder Erd⸗Beſchreibung wenig erfahren und ſchlechte Begierde gehabt ihre Jahrbücher der Nachwelt zu hinterlaſſen. ö Abrr etliche ſehr geſchickte Manner unter ihnen haben mich zu Barta via verſichert/ daß ſich in dem Koͤnigreich mehr als z 0000. ſo wohl State als Marckflecken befinden. Sie geben ſonſten fuͤr/ daß dieſe Menge noch viel groͤſſer were/ wenn ſie nicht wie ihre Nachbahren/ die Cochinchineſer dem Waſſer ſo geneigt weren/ daß ſie ſich lieber guſf den Schiffen als auff dem Lande auff halten/ und man ſihet auch wuͤrcklich daß der meiſte Theil ihrer Flüͤſſe mit Schiffen die ſie gleichſam als Häuſer gebrauchen an, gefuͤllet iſt/ und ob ſie wohl darinnen auch ihr Vieh halten/ ſo ſind ſie doch nichts deſto weniger ſehr ſauber und ordendlich. Laßt uns aber auch auff die Beſchaffenheit des Erdkeichs kommen/ und beſchauen was daſſelbige zu Unterhaltung diſer Volcker herfü ringe. Das 3. Capitel. Von der Eigenſchafft des Konig N al in uin 5 reichs Tunquin. Fſes Koͤnigreich iſt mehrentheils ein e05 debe Land und zin und wider mit etlichen luſtigen Hügeln umbgeben. Die groͤſten erge ſtehen gegen Norden. Es wird von unterſchiedlichen Flufſen durchſchnitten unter welchen etliche ſind die von den groſten 8 aleren und Barquen durchſtrichen weren/ d. durch ſie in ihrer Handlung groſſen i utzenerlangen koͤnnen. Es wachſet zwar n diſem Lande weder Korn noch Wein/ wei, 3 5 nur 2. Monath nemlich in Junjo und 15 0 reanet/ hingegen aber bringet das Land hr viel Reis hervor/ davon das Volck 75 ſeine beſte Nahrung haben kan/ nicht nur allein für dieſes Königreich ſondern auch für viel Oerter in Indien/ auß dieſem Reis wird auch ein Getrancke und ſo zu nennen ein Brandtewein gemacht; Uber diß haben ſie auch eine groſſe Menge Ob deme das unſerige wie auch ihren Baumen nicht zu vergleichen iſt/ unter den fuͤrnembſten 85 Baume iſt der Dattelbaum/ der Gogarier/ Papager und Aragner Baum/ der Dattelbaum traͤget daſelbſt groͤſſere Fruͤchte als in einigen andern Orten in Aſien/ die Nuß iſt ſo groß als ein Manns Kopff und an der Geſtalt gleichen ſie den Cocos Und was das Land fuͤn Fruͤchte herfüt bringet; Beſchreibung 5 der Dattel Nuͤſſen/ die Rinde der⸗ Fröchte und felben iſt ſehr hart/ und wenn man ſie önnct eelcher andebefindet ſich das inwendige ſo weiß als der ren. Schnee/ am Geſchmack kommen ſie mit unſern Mandeln überein/ und in iglicher Nuß werden 2. ſonderbahre groſſe Gefaͤſſe gefunden darinnen ſich ein kuͤhlender und zu trincken lieblicher Safft befindet. Der Gogarierbaum gleichet unſern Lorbeer Baͤumen. Es ſind deſſen zweyerley Arten/ deren die eine Aepffel die auſſen grun und inwendig roth ſind herfuͤr bringet/ die Aepffel von der andern Art welche man viel hoher achtet/ ſind auſſen gelblicht innnen weiß/ oben auß dem Apffel gehet ein kleiner Strauß/ und inwendig werden Kerne welche etwas kleiner als die Granaten ſind gefunden/ wenn dieſe Frucht unzeitig iſt ſo verſtopffet ſie den Leib/ wenn ſie aber reiff wird ſo würcket ſie das Widerſpiel. Vor dieſem war diſe art Früchte in Tunquin unbekand/ aber nach dem die Portugieſen ſich zu Macao nider gelaſſen/ haben ſie ſolche dahin gebracht die auch ſeither ziemlich vermehret worden. Der ſo genandte Papagerbaum tragt eine Frucht die den Melonen faſt gleich ſihet/ uud einen ſehr anmuͤthigen Geſchmack hat. Der Aragner wachſet ſehr hoch und gerade wie ein Maſtbaum er traͤget nur an dem Gipffel etliche Aene welche einer Kronen gleich ſcheinen. Die Frucht iſt der Muſcatnuß gleich aber etwas rundter. Das Volck pfleget dieſe Nuͤſſe auffzubrechen und die Stüͤcklein mit Betel Laub darunter ſie Kalck miſchen zu kauen/ hiedurch halten ſie ihre Zaͤhne rein/ den es machet rothe Lippen/ und verhindert den ſtinckenden Athem. Sonſten haben ſie zweyerley Arten von Feigen/ etliche ſehen den unſerigen gleiche die andern aber ſind eines fingers lang und kommen mit den ſo genandten Adams, Feigen uber ein. In dieſen Ländern wächſer auch ein Baum unſern Weiden gleich den ſie den Pulperbaum nennen weil die Kohlen die man davon machet unter das Büͤchſen, Pulver gemiſcht werden. Der lamboher iſt ein ſehr hoher Baum der viel Fruͤchte tragt die den kleinen Küͤrbiſſen gleiche ſind/ inwendig haben ſte Kerne wie Granaten/ und ſind ſehr kühl und lieblich zu eſſen/ das Volck gebraucht ſich K 2 derſel 76 derſelben in groſſer Hitze. Man findet auch in den Land⸗Straſſen viel Baume welche Ungemeine Geoſſe erlicher Buͤmne n Tuaquin. den Reiſenden ſehr dienlich ſind/ damit ſie darunter im Schatten ruhen koͤnnen. Unter etlichen von diſen Baͤumen koͤnnen zwey biß drey tauſend Perſohnen ſich auffhalten/ ein ſolcher wird bey Ormus oder BanderAbalſfi geſehen/ welchen ich in meiner Perſiſchen Reiſe⸗Beſchreibung beſchrieben/ und von deme viel andere Reiſende meldung gethan. Weß die Aeſte 10. oder 12. Schuh lang ſind ſo wachſen kleine daran/ die nach un nach zur Erden gehen und endlich einwurtzeln/ dieſe Aeſte dinen den groſſen Aeſten für Stützen. Es ſind etliche ſolcher Baume die Aber 00. Schritt in umfang halten/ ſolche Aeſte wachſen 12. oder 15. Schritte von einander. Die Frucht von diſen. Baumen kommet mit unſern groſſen Nuͤſſen uͤberein/ ſie haben eine rothe Haut und inwendig iſt nichts als Groſſe Fle· dermaͤuſe. ein Same dem Hierſche gleich. Die Fledermaͤuſe eſſen allein davon und machen auch ihre Neſter auff diſen Baͤumen. Ich muß allhier gedencken damit ſolches an einem andern Orte nicht vergeſſen werde/ daß diſe Fledermauſe ſo groß als junge Huͤnlein ſind/ und Fluͤgel einen und ein halben Schuhs lang haben. Sie ſitzen nicht auff den Aeſten wie andere Voͤgel/ ſondern hangen des Tages mit den Füſſen daran und kehren den Kopff gegẽ Vogelneſter ein gutes Bißlein. die Erde/ ſie haben den Fluͤgeln 7.oder 8. Hacken/ dadurch ſie nicht herab fallen/ ſondern wenn ſie ſchon geſchoſſen worden dennoch daran hencken bleiben/ von fernen ſcheinet es als ob hingen groſſe Birnen an den Baͤumẽ. Die Portugieſen halten diſe Fledermauſe für ein guttes Bißlein/ und ſie ſind ihnen ſo lieb als junge Huͤner/ das Fleiſch iſt zwar uͤberauß weiß und wenn ſie jung ſind/ werden ſie fur delicat gehalten. Ich habe zum zweiten mahl bey den Portugieſen davon geſſen/ welche mir damit eine groſſe Ehre anzuthun vermeinten/ und ich muß auch bekennen daß ich ſolche fuͤr junge Huͤner gehalten/ wenn mir ſolches nicht bewuſt geweſen were. Weil ich aber allhier von den gutten Gerichten Meldung thue/ will ich eines ſonderbahren Leckerbißleins daß auch in diſe Ordnung gehoͤret/ gedeneken/ diſes ſind die Vogelneſter/ welche in 4. Inſeln gegen der Cochinchiniſchen Koͤſten uͤber gefunden werden/ ich habe ſie in der Land Carte mit den Buchſtaben A. B. C. D. gezeichnet. Diſe Voͤgel ſind ohngefaͤhr ſo groß als die Schwalben und bereiten ihre Neſtervon einer Materi die nicht allerdings tunckel noch gaͤntzlich durchſcheinend iſt/ ſie ſind wie die Zwibeln und beſtehen auß lauter duͤnnen Schalen/ darauß wird ein Neſt dem Gummi gleich/ welches in laulichtem Maſſer zergehet/ und zur Suppe ſo wohl bey dem Fleiſch als bey den Fiſchen gebraucht wird. Die Speiſen bekominen davon einen gar lieblichen Geſchmack/ gleich als wenn Orientaliſche Muͤrtze darinnen were/ ihre Groͤſſe komet mit den SchwalBeſchreibung des Koͤnigreichs Tunguin. ben Neſtern uͤberein/ ſie werden in gantz Ine dien und auß Curioſitat in Holland/ fuͤnemlich aber in Lunquio welches wie vorgemeldet mit Cochinchins grentzet und daher diſe Leckerbißlein kommen verſendet. Ein Uberſetzer unſerer heutigen Beſchreibungen dürffte ſich villeicht nicht einbilden konnen/ daß dieſe Neſter zur Speiſe dinen koͤnten/ und duͤrſſte meinen der Antor diſer Beſchreibung welcher ein Italiaͤner geweſen/ helte wollen ſagen Nichee das iſt ein Neſt vol junger Voͤgel/ da er von dieſen Neſtern meldende Nid geſetzet. Ich habe aber nicht allein derſelben nach Franckreich gebracht ſondern es befinden ſich allhier etliche meiner Freunde die diſes werden bezeugen koͤnnen/ die diſe Neſter auß Holland gebracht/ unter deren Zahl kan ich auch den Herzen von Villermont ſetzen deſſen Nahme durch die Reiſen die er in das Oceidentaliſche Indien verzichtet beruͤmbt worden. Derſelben un alle andere die von diſen Neſtern geſſen müuͤſſen nebſt mir bekennen/ daß alle Wur tze mit welcher die Speiſen bereitet und lieblich und wohlgeſchmackt gemacht werden/ dieſen Neſtern an Suͤſſigkeit nicht zu vergleichen ſind. n Nahe bey diſen 4. Inſeln wo ſelbige ge funden werden/ ligen andere 5. die ich in der Taffel mit 1.2.3. 4. J. gezeichnet/ in denſelben iſt eine groſſe Menge Schildkrotten/ welche il San 1 ſo herzlich zu eſſen ſind daß auch die Tunquiner und Cochinchiner vermeinen man habe ſie nicht wohl tractiret/ wenn ſie keine auff dem Tiſche geſehen. Dieſe beide Volcker pflegen ihrer ſehr viel einzuſaltzen/ und verſchicken ſie hernach in andere Lander mit welchen ſie nicht geringen Gewerb treiben/ die groſte Urſach wenn diſe Volcker mit einander Krieg führen entſtehet daher/ daß die Cochinchimer welche vorgeben daß diſe Inſeln und die herumb ligende See ihnen zu; ſtaͤndig nicht geſtatten wollen/ daß die Tunquiner dieſelben hohle. Es iſt ihnen aber nicht allein umb das Fleiſch zu thun ſondern auch umb die Schale/ mit welchen ſie in Aſien groſſen Handel treiben in Suma die Schildkrotten verurſachen einen gleichen Streit zwiſchen diſen beiden Nationen als wie der Heringfang zwiſchen den Hollaͤndern und Engellaͤndern. f In Tunquin wachſen auch viel Ananas und Pomerantzen/ und zwar in zweyerley ten elliche von denſelben ſind etwas groe als die Morellen/ etliche aber ſind den Por tugeſiſchen Pomerantzen gleich/ ſo wohl die erſten als die andere ſchmecken ſehr wohl/ un werden alle 6. Monath ref. Sie haben auch zweyerley Arten von Citronen/ deren etliche gelb/ etliche grůne ſind/ aber ſie ſind alle behde ſo ſaur das man ſie ohne Verderbung des Magens nicht eſſen kan. Nichts deſto we niger aber haben ſie auch ihren Nutzen und dienen das Kupffer/ Blech/ Eiſen un andere Metallen wenn man ſie verge Pora feel 115 feel trifft/ ſo haben die Tunquiner nur eine Art will zu ſaubern/ an deren ſtabt wir allhier das Scheide Woſſer gebrauchen/ wie aueh zu dem Mahlen und inſonberheit die Seide zu farben. Über diß gebrauchen ſie ſolche auch zu der Waſche/ dadurch die Leinwath ſehr weiß wird und alle Flecken verlihref. In allen Landern welche den groſ · ſen Mogol unterworffen/ pfleget man die Baumwollenen Tücher mit ſolcher Limonien Suppe zu waſchen/ davon ſie ſo weiß werden daß ſie auch dem Geſichte gar ſchad⸗/ e Men. lich ſinb. In diſem Koͤnigreich wird viel Seide gemachet/ und die Inwoyner ſo wohl reiche als arme gehen in ſtidenen Kleidern. Die Hollander welche in alle Winckel krichen wo ſie nur einen Gewinn zu finden gedencken/ fuhren jarlich eine groſſe Menge herauß welches meiſtentheils die jenige iſt die ſie nach Japan verhandeln anſtatt daß ſie zuvor dieſelben auß Perſien/ Cnna, und Bengala geführt/ ſie verſehen ſich zwar noch auß ſelbigen Lande ſie nehmen ſolche aber mit ſich nach Holland. Von ihrer Handlung in apan und von dem Verluſt der In ſel Fotmola will ich in einem abſonderlichen Tractat darinnen ich das Verhalten der 9 5 in Aſien beſchrieben Meldung Was die wohlrichenden Blumen bedit ſie baene Blumen nennen/ ſelbige waͤchſet ſo groß als ein Strauß/ und die Aeſtlein welche auß diſem Baumlein wach1 breiten ſich ſchlangenweiſe auß. Weil ie eine groſſe Menge Zucker haben/ pflegen ſte denſeben gar haͤuffig zu eſſen ſintemahl ſie ſolchen nicht zu lautern wiſſen/ und was von ihnen nur ſchlecht gelautert wird/ machen ſie in kleine Stoͤcke/ die nicht über ein halb Pfund wigen/ ſie verbrauchen viel Zucker/ weil ſie bey allen Mahlzeiten davon eſſen und dafur halten daß er zu Verdauung der Speiſe nützlich ſey.„ In dem gantzen Königreich ſind weder Lo wen/ Eſell/ noch Schaffe zu finden/ die Walder aber ſind mit Tigern/ Hirſchen und Affen/ und die Felder mit Ochſen/ Kühen und Schweinen angefuͤllet. Hüner/ Endten/ und Turteltauben ſindet man ohne Zahl/ nnd dieſes iſt der beſte Theil ihrer Mahlzeiten. Die Pferde ſind ſehr wohl ge. ſtalt/ und der Konig pflegt derſelben biß in 4. oder 500. in ſeinem Marſtall zu unterhalten. Er hat auch eine gleiche Anzahl Clepyanken deren etliche zu Dienſte ſeines Hauſes etliche zum Kriege abgerichtet werden. Dieſe Elephanten ſind von ungewwohnlicher Groͤſſe und in gantz Aſien ſind an Groͤſſe und Geſchicktigkeit ihres gleichen nicht zu finen den ſie legen und biegen ſich ſo weit ni der daß man ohn einige Muͤhe brauff ſteigen kan. Sie haben keine Katzen aber eine getoiſſe it von Hunden die ihnen eben diſe Dienſte leiſten/ und die die gantze Nacht wachen daBeſchreibung det Königreichs Tunquin, 87 mit ſie die Ratzen und Mauſe welche ſehr beſchwerlich ind fangen mochten. In der Lufft werden wenig Vögel geſehen/ und bey der Nacht wird die Lufft mit Mücken angefuͤllet welche nicht allein in die Hauſer kommen und mit ihrem Sauſen beſchwerlich ſind/ ſondern auch zu ſtechen und den Schlaff zu verhindern pflegen/ welches im Lande groſſe Beſchwerligkeit verurſachet/ damit ſie ſich aber von diſem Ungeziefer befreyen/ ſo gebrauchen ſie die Hulſen von dem Reiß und machen einen Rauch davon welcher diſe Mücken toͤdtet/ ober durch ein Fenſter welches zu dem Ende offen gelaſſen wird hinauß jaget. Über diſes decket man auch die Bette mit einem groſſen Umbhang zu/ der biß auff die Erde reicht und wie ein Netze zuſammen geflochten iſt/ daß man auch ein wenig Lufft haben köꝛme/ aber alle diſe Vorſorge hindert doch dicht daß man von diſem Ungeziefer befreyet und ungeſtochen bleiben koͤnne. Sonſten verurſachen auch in diſen Landern die kleinen weiſſen Ameiſſen groſſe Beſchwerligkeit/ und ob ſie ſcpon ſehr klein ſind ſo haben ſie doch ſo ſcharffe und durchdringende Zaͤhne/ daß ſie auch multzerige Seulen in weniger Zeit gantz abnagen/ und Schaͤtliche wenn man an denen Orten wo Seiden bal⸗ Ameiſſen, len ligen nicht bey zeiten Vorſehung thut/ ſo werden ſie in 24. Stunden einen gantzen Ballen durchbeiſſen/ daß es ſcheinet als ob er mitten von einander geſegt were. In dem Koͤnigreich Golcondda iſt man mit dergleichẽ Almmeiſſen auch ſehr geplagt/ und well gas Land ſehr warm iſt/ ſo traͤget man nur anſtat der gantzen Kleidung ein kleines Hembd von zarter Leinwand/ es ſind mir ſolche Ameiſſen offters von oben in den hinteren Theil bes Halſes gefallen/ und wo ſie guff der Haut laufen da bekombt man groſſe Blaſen/ die aber ſo bald man ſie mit friſchen Waſſer waſchet wider vergehen. f Jch habe zuvor angezeigt daß die Tunquiner viel Huͤner und Endten haben/ nun will ich gedencken wie ſie die Eyer diſer Thiere 0 Eher verſoͤrgen/ daß ſolche 2.oder 3. Jahr gut blei⸗ 5 8 ben. Sie werden aber auff folgende manier eingeſaltzen/ ſie füllen ein Geſchir mit Waſſer und werffen viel Saltz darein/ und weñ ſie ſehen wollen ob das Saltzwaſſer tüchtig ſey/ ſo thun ſie ein gantzes Ey darein fallet daſa ſelbige zu Boden ſo iſt es noch nicht fertig/ und gehoͤret mehr Saltz hinein/ diſes treiben ſie ſo lange biß das oben bleibt und alsdan iſt es dinlich. Diſes Saltzwaſſer nun vermiſchẽ ſie mit Aſchen biß ein Teig drauß wird/ mit welchen ſie ein igliches Ey umb kleiben/ daſſelbige hernach in ein Krautblatt wickeln und 5 170 9 Sul der wohl zugedecket iſt egen/ dadurch werden die Eyer 2. oder 3. Jahr friſch behalten. 5 f 5 8 In andern Indianiſchen Landern alda man viel Oehl hat/ ſonderlich in den Gebiet des groſſen Mogols und in den Koͤnigreichen Pegu und Arachan werden die Eyer 5 3 i 78 in groſſe irdene wohl verglaſirte Geſchirꝛ gethan/ welche ſie hernach mit Oehl von einem Kleinen ſchwartzen Saamen anfüllen welcher den Ruͤbſaamen nicht ungleich ſihet. Den Oliven⸗oͤhl weilen jenſeits Alepo keine Oliven⸗Baume in gantz Aſien geſehen werden iſt in dieſem Lande nicht gemein/ auß genommen an einem einigen Orthe in Perſien nahe bey Cas bin/ alda zwiſchen den Bergen eine kleine Ebene ohngefehr eine Meile lang und eine halbe breit gantz mit OlivenBaumen beſetzet iſt/ davon man doch wenig Baumoͤhl machen und ſolches zu eſſen auffheben kan. i Damit wir aber wider auff die Eyer kommen ſo dinen dieſelben zum groͤſſen Vorrathe in den Schiffen/ wiewohl man die geſaltzene als die in Oehl getraͤnckte lieber hat/ weilen man weder dieſelben noch auch den Reis ſaltzen darff. Wenn ſie davon eſſen ſo laſſen ſie die yer hart ſiden/ und auff jeden Mundvoll Reis nehmen ſie einer Erbſen groß von dem Ey/ welches faſt eben ſo viel thut als ein gutes Koͤrnlein Saltz. Jim übrigen ſind weder Gold noch Silbergruben in Funquin zu ſinden und ſie pflegen auch keine Müͤntze zu ſchlagen/ in dem folgenden Capitel will ich anzeigen wie es mit ihrer Bezahlung in Handel und Wandel beſchaffen ſey. N Vom dem Reichthumb/ Handlung und Muͤntze in dem Koͤnigreich Tunquin. Er groͤſte Reichthum der Inwohner diſes Königreichs beſtehet in groſſer n Reich. Menge der Seiden/ ſo den Hollaͤndern und than beſiche. andern Fremblingen die ſolche wegführen verkauffet wird/ und in dem Aloes Holtze. Von der Eigenſchafft dieſes Holtzes habe ich albereit in meiner Indianiſchen Reiſe gedacht/ da ich angezeigt daß man dergleichen Holtz finde welches wann es gut und fett iſt biß in 1o00. Thl. verkaufft wird/ man findet auch geringeres davon das Pfund nur 3. Thl. gilt/ aber es hat kein Fett in ſich und dienet nur allein zu kleinen Kaͤſtlein oder zu runden Corallen an den Hals zu hencken. Alle Mahometaner fuͤrnemlich die jenigen welche ihren Bart wachſen laſſen als Tuͤrcken und Araber halten ſehr viel von diſem Holtze, und wenn ſie einander beſuchen/ ſo wird alfbald des Rauchfaß gebracht/ und etwas von dieſem Holtze drauff gelegt/ davon entſtehet ſein Rauch und ſehr lieblicher Geruch/ ſie berauchern auch damit ihre Bärte heben die Haͤnde gen Himmel und ſprechen Elbemed illahh, das iſt/ Gott ſey gedancket, wenn das Holtz fett iſt und nur einer Erbſen groß auff das Fur kommet gibt es eben ſo viel Rauch als ein Stuck einer Fauſt Beſchreibung des Koͤnigreichs Tunquin. groß darinnen wenig oder gar kein/ Fett iſt/ wenn man ein Stucke findet daß ungemein gut iſt/ kan es faſt nicht belahlk werden. Im Jahr 1642. als die Portugieſen den Dom lean de Braganza auff den Thron erhoben hatten/ reiſeten die von Goa wegen einer gewiſſen Urſach deren ich anders wo gedacht/ weil ſie mich hier/ zu weit von meinem Zweck fuhren wurde/ nach lapan, unter denen Geſchencken die ſie dem Japaniſchen Keyſer brachten/ wurde keines ſo doch gehalten als ein Stuͤck Aloes Holtz welches 6. Schuh lag und zween rund war/ dieſes Stucke hat 40. tauſend Pardos/ gekoſtet welchesſich nach unſerer Frantzoſiſchen Muͤntze auff 74. Francken belaufft · Ich habe ſolches in Perſien bey den Auguſtinern/ bie es auß Iapan gebracht geſehen/ das ſie nicht Gelegenheit gehabt ſolches dem Keyſer zu offeriren/ ſie waren willens es dem Koͤnige in Perſien zu ſchencken/ es war aber meiſtentheils durch das Meer⸗ Waſſer verderbet und gleichſam ſchon verfaulet/ ſo gar daß wenn man ein Stuͤcklein auffs Feur legte/ gab es einen ſtinckenden Rauch bon ſich. Die Portugieſen als ſie auß lapan zogen wurden von einer ſolchen Ungeſtum ergriffen/ daß alle waaren die in dem Schiff waren durch das Ungewitter zu ſchanden gingen/ alſo daß nach dem ſie zu Goazzurůck kamen alles was ſie mit gebracht ſchon halb verfaulet war. Der Superior unter den Auguſtinern liß mir ein Stuck von diſem Holtze abſaͤgen/ welches ich nach Paris gebracht und dem Herrn Bruniet weiland des Hertzogen von Orleans LeibArtzt verehret habe. Mit den Tunguinern kan man mit ut fh 0 und guten Vortheil handeln/ dieweil ſie Hude treuer und auffrichtiger ſind als die Chineſer/ diſe wenn ſie ſich vorſetzen einen zu betriegen/ kan man ihrer Liſt ſchwerlich entgehen/ welches mir auß eigener Erfahrung genugſam bekandt iſt/ wenn man ihnen etwas verkaufft und ſie ſehen daß der Kau nicht zu ihrem Vortheil iſt/ machen ſie ſi folgender maſſen darvon loß/ ſie haben gemeiniglich dreyerley Sorten Realen/ nemlich die einen von rechtem Gewichte/ andere die umb 4. andere die umb 8. pro cento iu leſcht ſind/ wenn ſie nun den Kauff nicht zu halten gedencken/ ſo erbitten ſie ſich leichte 10 int und von ihnen beſchnittene Realen zu geben be und dadurch gehet der Kauff zuruͤcke. der gantzen Welt ſind keine Kauffleute d ſen zu vergleichen/ es iſt ihnen alles gut lie kauffen alles was ihnen fur kombt/ au alten Schuͤe und da man ihnen einen kauffen anbittet/ nehmen ſie ihn an un fragen nicht warumb der andere hinterhalten werde. Hingegen ſind die Tunquiner viel redlicher/ und jederman hat mit ihnen gerne zu ſchaffen. Ich habe zwor gebach! daß in ihrem Lande weder Gold noch Si, ber gefunden und alſo auch kein Geld 3 müntzet wird. Derohalben bedinen ſie ha, der Goldſiabe die man auß China 17 55. 1 Chins d N N N I N n Y S n W J 2 N W N n n n 111 rebempel und 1 Oden der Iuncuiniſchen doeh den nabſf chen Heben 10 0. 11 91 8 ſte uc thün theils ihre aber glaübiſche Gelübte zu erfüllen theils ihre Jahrſagereyen denen fie ſchr en f and Zu verrichken i aibout 2Taiph on Tboui Dagoti. Wahrſager oder ABahrſ⸗ agermnen. 1 öbrige Ceichen Heprange bei dem Hegrahnüß des Königs von Hnquin 1 7e.— VMfiſig N nf= uus uubun] uon Su 920 bac 8 —————————T„ͤT——. Bx. ̃ K—— ———..———————— 3——— . f 5 7 2. ehe deu: gu urnbum u Sb eg Sache 5 ————— — 5 eee eee eee 80 n 4 5 n N 1 1. .. e 5 5**— 4 „ 2 5 70 55* 7 75 5 5 5 g 1 . du 0 leo 98. aht 0 Von der Kriegsmacht des KoͤBeſchreibung des Königreichs Tunquin. 79 7 wenn ße etwas bezahlen wollen/ ein tüchtig weren etwas zu Unterhaltung ihres olcher Stab gilt bißweſlen 300. bißweilen Hauß⸗Weſens zu verdienen/ ſo iſt ihnen 600. Francken/ ſie haben auch ſolche Sil, doch nicht erlaubt die Zeit dazu anzuwenberſtangen die auß Iapan gebracht werden/ den/ wenn ſie nicht die Wacht haben/ muͤſund wenn ſie etwas geringes zu bezahlen ha⸗ ſen ſie ihre Haubtleute an allen Orten beben/ ſo ſchneiden ſie ein Stücklein davon gleiten/ und in ihrer gegenwart wochentlich und wagen ſolches ab/ in dem ein jeder ſeine zweymahl mit dem Bogen ſchiſſen. Die Wage welche unſern Schnellwagen gleich Compagnien beſtehen gemeiniglich von 100. iſt iederzeit in Bereitſchafft halt/ oder man und 130. Mannern/ und dieſelbigen welche bezahlt mit frembder Muͤntze und auß⸗ von jeglicher Compagnie die beſten 2. laäͤndiſchem Gelde/ welches gemeiniglich Schuͤſſe thun/ haben zu ihrem recompens Spanniſche Regalen ſind. Das Gold und der erſte zween der andere einen MonathSilber bekommen ſie auß China und lapan Sold/ welches ihnen gemeiniglich mit Reis für welches eine groſſe Menge Seiden auß gegeben wird/ derſelbe aber welcher der unihrem Lande geführet wird/ welche nebſt geſchickſte geweſen iſt verbunden ſo bald er dem Biſem und Aloes itz ihr groͤſter Reich⸗ die Wache betritt ſelbige doppelt zu verthumb iſt. richten. Alle Haubtleute halten es fur eiD 10 b f on die Waffen ihrer Soldaten Das f. Capitel. auber ſind und wie Silber glaͤntzen/ wenn 5 Lab man was von Noſt ig fd wird ihnen daß erſte mahl 8. Tage der Sold abgezogen/ daß andere mahl aber werden ſie harte geſtrafft/ was dieſelben welche zur Waſſer als zu Land. See dienen anbelanget/ ſo werden ſie nach a N Proportion unterhalten. Die Feld Capitai5 ne laſſen ihre Soldaten zu gewiſſen Zeiten N Je jenigen die vor mir von dem Koͤ⸗ auch die Galeren beſteigen/ damit ſie rudern S higreich Lunquin geſchrieben haben lernen: Die Urſache iſt daß die Könige in 8 deſſelben Macht beydes zu Land und Tunquin und alle Fürſten jederzeit groſſe zu Waſſer hoch herauß geſtrichen/ und eine Luſt gehabt und auch annoch die See trefgroſſe Anzahl Kriegsvolck/ und Galeren di fen gerne ſehen/ damit ſie nun diſer Ergotz ſem Land zugeeignet/ etliche haben die Zahl ligkeit genuſſen koͤnnen/ ſo begibt ſich der ſo ſich gemeiniglich auff dem Muſterplatz König mit etlichen ſeiner Hoffbedinten nach befinden ſoll auff 12. tauſend zu Roß/ 300. einem ſeiner Luſthauſer welches an dem Uffer tauſend zu Fuß/ 300. Galeren/ und tau⸗ des groſten Fluſſes in dieſem Koͤnigreich ſend Elephanten die ſo wohl zum Kriege als gelegen iſt Fund es wird dem Admiral für des Koͤnigs und der Fuͤrſten Zelte zutragen/ eine groſſe Ehre gerechnet wenne ſeine Sol gebraucht werden/ gerechnet/ und geben vor daten in dieſem Spiegel fechten die Oberdaß weil das Land an Krigs⸗Munition und hand behalten. Und weil diſes bloß allein Proviant keinen Mangel/ daß ſich das Heer in ſtarckem rudern beſtehet/ ſo traͤgt ſichs zu Krigs⸗Zeiten biß auff 500. tauſend offters zu daß mancher druͤber todt bleibt. Köpffe belauffe/ aber ſie haben hierinnen Der Kong allein urtheilet uber den Streit gar ſehr geirret/ mein Bruder hat im Jahr und weil er ein ſonderbahres Wolgefallen 1643. diſes gar anders befunden zu derſel, dran hat/ pffeget er dem Haubtman welnigreichs Tunquin ſo wol zu ben zeit wolte der Koͤnig von Tunquin mit cher geſiget einen Elephanten zuſchieken und dem Könige von Cochinchfna einen Krieg läßet ihme über daß auch drey Monath i anfangen 1 eine Volcker den Tunqun⸗ Sold bezahlen. Wenn ein Soldat bey di⸗ A nern etliche Schiffe abgenommen/ diſer Krieg ſem rudern umbkombt/ ſo wird der Wittib 5 wurde hernach durch Vermittelung der Ge⸗ oder den Erben der Sold für drey Monath ſandten beygelegt/ welche dem Koͤnig von gegeben/ weil er aber ſehr gering iſt ſo iſt es . dine, un 5 un de gehen ſolte/ beſtunde dazumahl in 8. tauTunquin wegen der geraubten Schiffe ein genugen thaten. 5 Des Koͤnigs Krigsheer/ welches zu Felſend mann/ 94. tauſend zu Fuß/ 722. Elephanten deren 130. für den Krig die übrigen aber die Koͤnigliche und Furſtliche Bagage zu tragen verordnet waren, und zis. ſo wohl Galeren als langen und engen Schiffen mit Rudern und Segeln/ und iſes hat mein Bruder angezeigt. Sonſten iſt der Soldaten Dinſt in diſem Lande eine muͤhſame und beſchwerliche Sache bey welcher warlich wenig zu erholen/ dann ſie ſind ihre Lebetag gebunden/ und ob ſie ſchon unmoglich Weib und Kinder zu unterhalten/ die weil ſie aber ſehr jung in den Eheſtandütretten/ ſo lernen die Soldaten⸗ und andere Weiber von geringem Stande/ welche ohne das der Arbeit gewohnt ſind heyzeiten eine Handtierung dadurch ſie ihr Haußweſen unterhalten koͤnnen. Die Haubtleute haben auff ihrer Seite auch genugſam zu thun/ und muͤſſen die Eſephayten zum Krieg abrichten/ damit ſie das Feurwerck nicht fürchten/ und an die Uffer der Quͤſſe bauen damit die Galeren auff der Ste oder auff den Strömen bey ungeſtumen Wetter in Sicherheit ſind. Ale dieſe Haubtleute/ und Kanal ee e wie auch der fürnehmſten des Hoffes werden unter dem Titul Mandarins begriffen/ ſie haben mehr nicht als jglichen Monath 24. Tage frey die ſie zu ihren Gefallen anwenden duͤrffen/ nemlich zween im vollen/ und zwren im neuen Mond/ und dieſes iſt die Beſch reibung der natürlichen Eigenſchafft dises Landes/ laßt uns nun auch auff die Sitten und Gewohnheiten der Einwohner kommen. Von Sitten und Gewohnheiten der Boͤcker in dem Königreich Tunquin. Je Tunquiner ſind von Natur guͤttig und fridſam/ und unterwerffenſich D keibes⸗Gaa- gerne deme was recht iſt/ gaͤher zorn und Rachgier iſt ihnen ein Greuel die Arbeit auß frembden Landen halten ſie hoͤher als ihre eigene/ ob ſie ſchon wenig Begirde tragen etwas anders als ihr Vatterland zu ſehen/ und diſes thun ſie zu Ehren ihrer Voreltern/ ſie haben eine ſanffte und liebliche Stimme ein gutes Gedaͤchtnus und gebrauchen ſich in ihrer Sprache die ziemlich verbluͤmt iſt unterſchiedlicher Gleichnuͤſse/ gute Poeten und Leute die zu Erbauung der Künſte allen Fleiß anwenden ſind bey ihnen keine Wunder/ davon ich an einem andern Ort gedencken will/ und geben hierinnen den Chineſern ſchlechten Vorzug. Die Tunquiner beydes Manner und Weiber ſind meiſtentheils ſchoͤn geſtaltet/ und an der Farb gleichen ſie den Oliven/ ſie verwundern ſich ſehr über die weiſſe Haut der Chriſten und ruͤhmen ſolche ſehr/ ihre Naſen und Geſichter ſind nicht ſo flach als wie der Chineſer/ und ins gemein viel beſſer gebildet. Ihre Haar ſind ſehr ſchwartz ſie laſſen ſie ſo lang wachſen als ſie wollen/ und kammen ſie gar offt/ daß gemeine Volck flechtet Zoͤpff und bindet ſie oben auff dem Kopff zuſammen. Aber die Edelleute/ die Richter/ und gemeine Soldaten binden ſie umb den Hals/ damit ſie dem Geſichte nicht hinderlich ſeyn/ ihre zahne halten ſie nicht fuͤr ſchoͤn/ biß ſie dem ſchwartzen Agſtein gleich ſeind/ die Naͤgel an den Fingern laſſen ſie wachſen/ und die 5 werden fuͤr die ſchoͤnſten gehalten 5 ſſe tragen einen langen Nock der biß auff die Ferſen reicht/ faſt wie die Japoneſer/ und die Maͤnner und Weiber konnen an der Kleidung nicht von einander unterſchieden werden dieſer Rock wird in der 5 mit einem ſeidenen oder mit Gold und Silber durchwürckten Gürtel der auff beyden Seiten einerley arbeit hat gebunden. Der Sol. Beſchreibung der Königreichs Funai. oder drey Wochen wehret/ aber Ihre Kleidung iſt ansehnlich und erbar/ daten Roͤcke geben weiter nicht als ißt andie Knie und ihre Hoſen biß an die halben Fulſe daran ſie weder Struͤmpffe noch ſchuh kraNi Alle Einwohner ſind gleichſam Selaven und muſſen zu Hoffe gehen eine gewwiße zeit im Jahr/ außgenommen die Burger deſſelbigen Ortes wo der Koͤnig gemeiniglich zu reſidiren pflegt/ ſonſten ſind alle Hande Sie wie, wercks leute wer ſie auch ſeyn moͤgen als Fol 10 Schreiner/ Zimmerleute/ Schloſſer/ Mau⸗ ſie thun rer und andere verbunden jahrlich 3. Monath fuͤr den koͤniglichen Pallaſt und 2. für die Mandarins und groſſe Herren(die Tuͤnqumner zehlen die Monath nach dem Lauff des Mondens) zu arbeiten/ der Reſt des Jahres iſt fur ſie/ als den müſſen ſie ſich bemuͤhen umb den Lohn zu dienen und ihr Haußweſen zu unterhalten. Dieſe Dienſte nennen ſie Viecquan das iſt Selaven⸗Dienſte. Uber diß ſind ſie noch andern grolſſeren Beſchwerligkeiten unterworfen/ nemſich ſie muͤſſen die Baume beſchneiteln/ damit die Elephanten ernehret werden/ es iſt od iſes eine ſaure Arbeit dazu ſie von den Uhrahnen des jtzigen Koͤniges verurtheilet worden/ nach dem ſie die innerlichen Krige geſtillet und ihre rebelliſche Unterthanen gebandiget hatten. Und weil ſie ihme groſſe Mühe verurſachet/ daß er ſie ohne Verluſt deß halben Theils ſeines Krigsheeres nicht bezwingen koͤnnen/ waren ſeine Raͤthe der 7 1 ga gehe Meinung er ſolte ſie hinrichten/ aber er hilte beſſer zu ſeyn ihnen allen das Leben zu ſchencken/ und verdamte ſie alle zu diſer muͤhſamen Arbeit weil er wohl wuſte daß er davon nicht wenig Nutzen haben wuͤrde. Ich habe oben angezeigt/ daß die Tunquiner das Waſſer ſehr lieben/ die da zu lande von den Crocodilen und andern ſchaͤdlichen Thieren welche in dem Nil und Gaasnicht ungemein gantz befreyet ſind. Diiſt mercklich daß diſe Fluſſe jahrlich na b dem Regenwetter ſich ergiſſen/ ſo 14. Tage dergeſtalt und auff eine ſo ſerſchroͤckliche Weiſe/ da viel Staͤdte und Doͤrffer beſchaͤdiget werden zur ſelbigen zeit ſihet diſes Königreich zum Theil einem See gleich/ und kommet in diſem Stücke mt dem Niver⸗Egyplen q gl in welches ſich der Nil ergeuſt gauttzlich u“ ber ein. Das 7. Capitel der ſchroͤckchen Straffen wider die Ehebrecher. D Emwilligung nicht in den Chee tretten/ und wenn dieſelben albereit geſtoriſſen ſie i reunde und nechſten 95 muͤſſen ſie ihre F 1 Von der Tunquiner Heuraht/ und 24000 5 f 5 e n zrffel, 1 ürffen ohne der Ee n dere Je Tunquiner dürfen Sheſterd dach 1 emal 3 — 8 8 G— 2 5 5 8 5 Dug der Pönig ichen Mutter oder der Lonigin von Iunquun auß —— ——— — 2. . N * Gall, 5 Beſchreibung des Königreichs Tungun. An verwandten daruͤber zu Rathe zihen. Sie muͤſſen auch von dem Haubtman oder Richter des Orts da die Verehligung geſchicht zu erſt Erlaubnus erhalten und dabey der Geſchencke nicht vergeſſen. Weil aber dieſe Richter offters mehr begehret als arme Ehleute ihnen zu geben vermocht/ und dannenhero viel Heurahten zu groſſem Nachtheil des gemeinen Weſens fuͤrgenommen wurden/ hat der jetz regierende Koͤnig Anno 1634. welcher von diſem Mißbrauch Nachricht bekommen damit hierinnen Mas gehalten und der Richter Gewalt gehemmet werde geordnet/ und befohlen daß der jenige welcher zur Ehe ſchreiten wolte/ eine gewiſſe Summen nach proportion ſeines Vermsgens ohngefahr 2. und ein Viertheil pro cento geben ſolte/ die aber welche ncht hundert Thaler vermoͤgen ſind hievon gantz und gar befreyet. Und weil das gemeine Volck ſo wohl Manner als Weiber ſehr arbeitſam ſind/ verſparen die junge Toͤchter alles was ſie zuſammen bringen koͤnnen/ biß in ihren Eheſtand damit ſie 2. oder 3. ſchoͤne Roͤcke nebſt etlichen Schnuren/ Corallen und Agſtein die ſie an ihre Haare binden/ und ſolche biß auff den Ruͤcken herunder hengen laſſen/ ſintemahl ſie lange Haare für eine zierde halten/ erkauffen koͤnnen. Keine Verehligung wird ohne die Mahlzeit werrichtet/ und die Leute muͤſſen arm ſeyn die dazu nur drey Tage anwenden/ da es doch ſonſten biß auff den 9. Tag hinauß laufft. Den andern Tag nach der Hochzeit nennet der Bräutigam ſeine Braut ⸗Schweſter/ und ſie ihn hingegen ihren Bruder. Die Landes⸗Geſetze vergoͤnnen zwar daß ein Mann ſein Weib nach ſeinem Gefallen verſtoſſe/ weiches zuweilen umb gar geringer Urſachen willen geſchihet/ aber dem Weibe iſt dieſe Freyheit benommen/ oder wenn ſie ja eine Ehſcheidung verlanget/ ſo müſſen viel Umbſtaͤnde und Weitlaͤufftigkeit dabey gebrauckt werden. Die Tunquiner geben vor dieſes Geſetze ſey gemacht worden/ daß die Weiber in ihrer ſchuldigen Pflicht bleiben und ihre Ehmaͤnner deſtomehr in Ehren halten moͤchten. Wenn ein Mann ſich von ſeinem Weibe ſcheiden will/ ſo greifft er es folgender maſſen an. Ich habe in meinen Reiſe Beſchreibungen angezeigt daß etliche Orientaliſche Voͤlcker die Speiſe nicht mit den Fingern beruhten/ ſondern kleine verguldete Stablein/ welche ſo breit als die kleinen Finger ſind anſtatt der Gabeln die Speiſe zu aſſen gebrauchen. Wenn nun der Mann ſein Weib verſtoſſen will/ ſo nimmet er ein ſolches Staͤblein von den ſeinigen und eines von des Weibes/ und nach dem er es zerbrochen nimbt jedes die helffte laſſets in Seien nehen und behalts in Verwahrung. Als en iſt der Mann verbunden dem Weib ihr uge brachtes Gutt herauß zu geben/ und die inder die ſie mit einander gezeugt zu behalten/ aber diſe Ehſcheidungen ſind nicht mehr ſo gemein als zuvor/ wie ich oben gedacht. 5 Sonſten ſind die Geſetze wider den Eh, Ehbruch wird bruch zimlich geſchaͤrffet. Ein Weib wel, harte geftrafft, che diſes Laſters Uberzeuget/ wird einem zu diſer grabſamen Straffe abgerichteten Elephanten fürgeworffen/ welcher ſie mit dem Schnabel in die Hoͤhe hebt/ und nach dem ſie wider herunter gefallen unter die Fuſſe trit/ und gantzlich derſchmettert/ biß er kein Leben mehr in ihr ſpuͤren kan. Zu der zeit als mein Bruder ſich an dem Tunquiniſchen Hoffe befande/ Konte er deſſen zeuge ſeyn/ ſintemahl eine Fuͤrſtin welche mit einem andern Furſten in Ehebruch ergriffen worden/ eine grauſame Straffe außſtehen muſte/ und weil die Geſchicht mercktuͤrdig und traurig kan ich nicht unterlaſſen ſolche hieher zu ſetzen. Es iſt in dem gantzen Orient gebraͤuchlich daß die Weiber eines verſtorbenen Koͤniges in einen abgeſonderten Ort in dem Koͤnig lichen Pallaſt einbeſchloſſen/ und einer jeden zwo Kammer⸗Maͤgde ihnen zu dinen zugeordnet werden/ ſie eſſen alleine und ſind dergeſtalt eingeſperet/ daß ſie ihre Lebetage keinem Menſchen zu Geſichte kommen. Man hat nicht erfahren konnen durch was Mittel und Anſchlaͤge ein Fuͤrſt von koͤniglichem Gebluͤte und des verſtorbenen Koͤnigs Vetter eine ſeiner Weiber beſuchen koͤnnen/ damit er aber nach Verlangen ſolches ferner fortſetzen moͤchte/ und der Auffſicht der Wachten an der Pforten befreit ſeyn koͤnte/ erdachte er folgende Liſt die ſchtwerlich zu entdecken war. Man muß aber Ein erſchrackzuvor wiſſen/ daß ſo wohl in Tunquin als liches Eremauch in andern Aſiatiſchen Koͤnigreichen die vel davon. Küchen in groſſen Palläſten und fuͤrnehmen Haäuſern von der Wohnung abgeſondert und gemeiniglich durch die Gaͤrten unterſcheiden werden. Derohalben die Diener zur Eſſens zeit ſich gewiſſer Kuͤſten bedinen mit welchen ſie die Speiſen/ daß ſie nicht erkalten von einem Ort zum andern bringen können, die Schuſſeln werden überzwerch auff kleine Staͤbe geſetzet welche eines Daumens weit von ein ander ligen/ und unter denſelben iſt etwas von dem Boden dieſer Kuͤſte erhoͤhet eine eiſerne Platte darin gluende Kohlen gethan werben/ welche die Speiſen warm erhalten. Ich habe zu Verlaille dergleichen Kuͤſten ober vielmehr Pfannen geſehen/ welche eben hier zu dinen/ auſſer daß man kein Feur hinein zu thun pfleget. Der Fürſt ſtellete die Sache dermaſſen an daß er ſſich in die Kuͤſten welche mit der Speise in der Fürſtin Kammer getragen wurde/ verſtecken konte/ er kam zwar gluͤcklich zu Ihr konte aber wenig Tage unver, kundſchafft bleiben und wurde alsbald erwiſcht und für den Konig gefüͤhret/ derſelbe liß ihn an dem Halſe und an Handen und Füͤſſen feſſeln/ und damit ihn jederman ſehen könte/ ward er gantzer fünff Monath lang herumb gefüͤhret/ big über in 5 i enge Leutſelig leit der Tunqutner. 82 enges Gefaͤngnus eingeſperret darinnen er ganzer J. Jahr biß der Konig geſtorben ſitzen muͤſſen. Des Reichs ⸗Erbe welcher ſuccedirte gab ihm wider ſeine Freyheit doch mit dem bedinge/ daß er in den Grentzen deß Koͤnigreichs fur einen gemeinen Soldaten dinen ſolte/ was die Füͤrſtin die er gelibet anbelanget ſo wurde dieſelbe auff den Gipffel eines Turnes in ein Kaͤmmerlein geſperret/ darinnen ſie 12. Tage ungeſpeiſt und ungetraͤnckt gebliben/ die Kammer wurde auch oben abgedecket daß die Hitze der Sonnen ſie vollends außtrucken und abmatten moͤchte/ wie ſie den auch nach Verſtieſſung dreyer Tage eines elenden Todes geſtorben. Die 2. Magde die Ihr gedinet erlangten auch ſchlechte Gnade/ den ſie wurden auff dem groſſen Platze vor dem Pallaſt den Elephanten fuͤrgeworffen/ welche ſie mit dem Ruſſel in die Hoͤhe gehoben und nach dem ſie herab gefallen mit den Fuͤſſen zertretten haben. Es waren noch die 4. Trager oͤbrig welche in Stücken geriſſen wurden/ nicht zwar mit 4. Pferden wie man in Europa zu thun pflegt/ ſondern ſie wurden mit den Armen und Beinen an 4. halbe Galeren gebunden/ alſo daß nach deme das Rudern auff einmahi anging/ wurden ſie auch alſobald zerriſſen. Ich habe ein gleiches Urtheil an einem Bramexe volſtrecken ſehen/ welches zu Daca einer Stadt an dem Uffer des Fluſſes Gangis gelegen/ geſchehen iſt/ dieſer Bramere hatte den Cha- eſt-kan des groſſen Mogols, Vetter verrahten und dem Koͤnige von Arachan in die Haͤnde liffern wollen/ es war eben der jenige welcher dem Sultan Sujah des Orengzebs Bruder welcher antzo in Indoſtan regiret vielerley Schelmſtuͤcklein bewiſſen hatte. a Das 8. Capitel. Von Beſuchungen/ Gaſtereyen/ und Ergoͤtzligkeiten der Tunquiner. S Je Tunquiner ſind unter allen Orienlaliſchen Volckern die leutſeeligſten und beſuchen ein ander gerne welches gemeiniglich zu Mittage in der groͤſten Hitze geſchihet/ und ein jglicher gehet mit ſeinen Geleite nach dem es ſein Stand duldet. Die Furſten und Mandarins reiten auff ihren Elephanten/ oder laſſen ſich in ſonderbahren Saänfften darinnen ſie ſitzen und ligen koͤnnen von 6. Mannern umb Wechßlungsweiſe tragen/ ihr Geleit beſtehet gemeiniglich von Fo. oder 60. Mannern/ wie wohl ihnen auch ein mehres erlaubt iſt/ was die von Adel und die Hoffdedinten anbelangt dieſelben ſitzen gemeiniglich auff Pferden/ und duͤrffen nicht mehr als 6. Diener hinter ſich haben. Sie kauen unaufhörlich das ſo Beſchreibung der Koͤnigreichs Tunquin. che den groſſen Mogol zu verehren/ weil genante Kraut Berl/ wie ſolches gemein glich alle Aſiatiſche Voͤlcher wo ſelbiges wächſet im Gebrauch haben/ ich habe in meinen vorhergehenden Beſchreibungen von diſen Blaͤtern gnugſam meldung gethan. 1 Cs ſind derer die zugleich uͤber 100. gebrau⸗ 1 chen/ den es ſey gleich in dem Hauſe/ oder Kraul, auff der Gaſſen oder auff dem Felde ſo führen ſie daſſelbe ſtettig im Munde/ wenn ſie einen guten Freund beſuchen/ werden ſie es für einen groſſen Spott halten/ wenn ihnen die Schachtel mit den Berlé nicht angebotten wird/ daß ſie darauß nach Belieben nehemen koͤnnen. Je koſtlicher dieſe Schachtel iſt/ je groͤſſere Ehre hat der jenige davon welcher beſucht wird. Wenn ein Fürſt ſich verehliget ſchieket er gemeiniglich ſeiner Braut drey ſolcher Buͤchſen/ deren ich etliche bey etlichen Fuͤrſten an den Hoffe deß groſſen Mogols geſehen/ und die biß auff 4. oder 500. tauſend Francken geſchaͤtzet wurden/ eine war mit Perlen/ die andere mit Diamanten/ die dritte mit Rubinen und Smaragden und etlichen andern Edelgeſteinen verſetzet. Ich habe eine nach dem ich zum fünften mahl in Perſien und Indien geweſen mit mir gebracht/ die ich ſelbſten machen laſſen. Sie war zwar nicht gar koſtbaraber vortrefflich ſchoͤn ſintemahl die Zierligkeit der Schmeltzarbeit die Diamanten uud Rubinen/ wie auch die Perlen welche als Blumen anzusehen waren/ ſelbige ſehr angehm machten. Ich kan bezeugen daß ſie werth war daß man ſie hoch halten durffte. Als ich ſie machen liß war ich geſonnen ſolaber der Koͤnig in Perſien der fuͤrnembſte Monarch iſt/ welchen die Francken zubegruͤſſen pflegen/ ſintemahl ſo bald ein frembder ſeine Grantzen beſchreitet ſolches ihme durch den Gubernator angezeigt wird/ liebet die Chriſten ſehr/ und dafern ſie etwas ſonderb ahres mit ſich bracht/ laͤſſet er ſolch es nicht bald auß ſeinen Händen derohalben hilte ich gut zu ſeyn dieſem Könige ſelbige zu ſchencken/ und dadurch die Ehre ſeiues Schutzes und Wohlgewogenheit zu erwerben. 10 Die Tunquiner halten es fuͤr eine groſſe eee Unehr das Haubt zu entbloͤßen/ welches nur de 0 allein bey Malefiz Perſohnen die man ein Schu gezogen und ihnen das Haar abgeſchnikten zu geſchehen pfleg. Derowegen ein Ubelthater der auß der Verhafft zu ent flihen gedencket/ ſchwerlich entrinnen kan/ den ſo bald ö man einen Mann ohne Haar ſihet wird eren a angehalten und zum Gubernator der Pro⸗ f vintz geführet der ihn als bald an ein Kreuz binden laſſet. Sie pflegen wie alle ander 1— Asiatische Volcker zu ſizzn/ nemnlich dir Juſ⸗ ieee ſe übers Kreutz geſchlagen wie in unſern Lan⸗ ſigen pfeh dern die Schneider. Die groſſen Herm haben in den Saͤlen wo man ſie beſuchet einen erhoͤten Ort welcher ohngefehr eines Schuhs hoch iſt. Sie ſind mit hielichen! Der 5 2 ell 16 0 1 ee 4 Mroskanbler d es Rönigreichs 1 8 2 4, Man darims oder Krig5 Der Kanbler oder da⸗ Haübt aller luxisdiction im eiche“ und 7 Welehrte Mandarnis oder Michter 9 Der gfürnembſte Pforknercc d —— 0 1 Fuſpi 5 Aid.. 5 180 Je Königs plaß 2. ge 2 dere 2. N JJV feellen der Fürſten 5. der Achartplaß für dir Cömedianden allerhand fürſtellängen und Jerchh. am 8 il der ae. ſſigBeſchreibung des Koͤnigreichs Tunquin, à ſauberen Zwirne uͤberlegt/ weil es alhier nicht wie an andern Orten in Aſien gebrauchlich iſt das der Boden mit Teppichten bedecket wird. Und diſes thun ſie nicht der Unkoſten halber/ den dieſe Decken koſten vielmehr als die ſchoͤnſten Perſiſchen und Indianiſchen Teppichte/ ſondern weil ſie darauff zu ſitzen viel kühler/ und von den Wantzen gantzlich befreyet ſind. Denn in gantz Indien ſo bald das Regenwetter vor bey/ wird man von diſem Ungezieffer ſehr geplaget/ welche doch in Perſien als in einem trucknen Lande nicht geſpuͤret werden. Zu Bantam habe ich eine ſolche ecke von einem Tunquiner gekaufft/ welche in Franck reich mit Verwund erung wegen ihrer Schoͤnheit beſchauet worden/ ſie hilte 8. oder 9. Stücke ins gevierte und war ſo glat und zart als der ſchoͤnſte Sammet/ mit ſolchen Decken werden die jenigen Oer ter dahin die Furſten und Mandarins ſich ſetzen bedecket/ ihre adeliche Bedinte ſitzen auch in der Kammer herumb und ein jeder hat ein Kuſſen unter ſich und hinter dem ruͤcken. Im übrigen ſind die Tunquiner dem Wohleben nicht ergeben/ das gemeine Volck iſt mit Reis in waſſer gekocht und mit Fiſchen die in der Lufft gedorret/ oder geſaltzenen Eyern vergnuͤgt. Sie eſſen wenig Fleiſch auſſer bey Gaſtereyen/ den fuͤrnehmen Herꝛen aber wird jederzeit Fleiſch und Fiſche auffgeſetzet/ von den ſo genandten Bilques oder köſtlichen Suppen ſo von allerhand leckerhafftigen Sachen in Franckreich zugerich tet werden/ wiſſen ihre Koche gar nichts. Sie ſind ſonſten viel reinlicher in ihren Kuchen und Kammern als wir/ ob ſie groß zerſchnitten auffgetragen. Sie gebrauſchon weder der Tiſch noch Teller⸗Tuͤcher bey dem Eſſen gebrauchen/ alle S peiſen werden ihnen in kleinen hoͤltzernen Schuͤſſeln welche mit allerhand Blumen gezieret ſind auffgetragen/ ſie ſind ohngefehr den zinnernen Tellern gleich/ und kommen an Zierligkeit mit den Japaniſchen Kuͤſten uberein. Alle dieſe kleine Schuͤſſeln werden in eine Ordnung geſtellet/ und in einer groſſen Scuſſel gemeinialich 9. an der Zahl und die Speiſen alle in Stuͤcklein einer Haſellnuß chen ſich weder der Löffel noch der Meſſer und Gabeln/ ſondern kleiner Staͤblein/ davon ich im vorhergenden Capittel Meldung gethan/ ſie wiſſen damit ſo artig umbzugehen als wie wir mit unſern Gabeln/ und rühren nicht ben geringſten Biſſen mit den ae in. Dez io dada ahlzeiten, Fingern an. i 155 Wenn ihrer viel zu Tiſche ſitzen es ſey gleich bey gewohnlichen Mahlzeiten oder auch bey Gaſtereyen/ halten ſie daſelbſt das Stillſchweigen fuͤr einen ſonderbahren uhm/ und wenn ſie ſich umb etwas unterꝛeden wollen/ ſo wird dem Aelteſten allezeit die Ehre gelaſſen/ weilen ſie das Alter in hohem Reſpect halten/ und die jungſten fangen niemals das Geſpraͤche an/ ſie pflegen vor der Mahlzeit die Hande/ Mund/ und das gantze Geſichte zu waſchen/ aber nach der Mahlzeit thun ſie es nicht und wenn ſie begehren zu wiſſen ob die Mahlzeit geſchehen/ ſo fragen ſie allein ob ſie den Reis eingenommen/ daß kommet eben mit dem Gebrauch der Altvater in der heiligen Schriſſt überein/ da ſie durch daß Brodt die gantze Mahlzeit verſtanden. Sie pflegen auch nicht ein ander zu fragen wie man lebe/ ſondern nur wie viel man Reis bey der Mahlzeit geſſen/ und ob ſolches auch mit Appetit geſchehen. „Dieſe Gewohnheit iſt allein ungläubigen in Indien gemein außgenommen in dem Lande deß groſſen Mogols da man nicht al⸗ 7 lein Reis ſondern auch Brodt iſſet/ ſie fra gen einander auß Hoͤffligkeit/ wie viel man gekocht und wie viel man Brodt gebacken/ den je mehr der Menſch iſſet je geſunder hals ten ſie ihn. f 4 N Unter allen Ergoͤtzligkeiten der Tunquiner Ihre Come. ſind ihnen keine angenehmer als die Come, dien und Er. dien welche gewoͤhalich zu Lacht gehalten göbligteiten. werden/ die jenigen welche ſie den erſten Tag im Neumon den repreſentiren ſind die ſchönſten und währen von Nidergang biß wider zu Auffgang der Sonnen/ und werden mit unterſchiedlichen und ſchoͤnen Ruͤſtungen verſotget/ dadurch ſie bey den zuſchauen groſſe Froͤligkeit erwecken/ ſie wiſſen ſehr artig das Meer und die Fluſſe/ unterſchiedliche Seetreffen und Schiffe fur zuſtellen/ ob ſchon der ſpielenden ſo wohl Wei, Beſihe die ber als Manner nicht uͤber acht ſind. Die fürhergchenOerter wo ſolche Schauſpiele gehalten wer, de Sigur den/ ſind groſſe Sale deren der dritte Theil von der Schaubühne eingenommen/ das Übrige aber fur den Schauplatz mit Bancken beſetzet wird. Zu beyden Seiten werden ſonderbahre Oerter welche gar ſonderbahr gezieret vor den Konig wan ihme auch zu zuſehen belibet/ auffbehalten/ die Comedianten und Comediantinnen tragen ſehr koͤſtliche Kleider/ und die letzteren eine Kappe die ihnen/ ſehr wohl anſtehet/ hinten hencken ſie breite Baͤnder daran welche biß auff den Guͤrtel gehen und drey Finger breit ſindp/ ſo wohl der eine als der andere vertritt ſeine Stelle ſehr wohl/ und ſie tantzen nach ihrer Weiſe in zierlicher Maaß und Ordnung. In einem Winckel des Saals iſt eine andere Schaubühne auffgerichtet für die. Richter der Comedi deren der eine den Tack auff einer groſſen Heerpaucken ſchlaͤgt. Andere gemeine Ergoͤtzligkeit mit welcher ſich die Mandarins v. die von Adel zu beluſtigen pffegen beſtehet gemeiniglich in der Jagt und Ibre Jago Fiſcherey aber in der letzteren haben ſie ihren and Sichere, groſten Wohlgefallen/ weil alle Flüſſe mit den Fiſchen angefüllet ſiad. Diſe kurtzweil iſt ihnen nur an gewiſſen Tagen erlaubt und ſie halten die Zeit viel beſſer zu Rathe als wir in unſern Landen/ in dem ſie ſolche ohne einigen Verſaumnuß zu Verꝛichtung ihres Ambtes anwenden. Derowegen die 83 ſenigen 84 jenigen welche zu anfang als dieſe Voͤlcker bekand worden/ etwas von ihnen gemeldet/ und vorgegeben daß ſie von groben Sitten und Ungeſchickligkeit weren/ ſind der Sache nicht recht kuͤndig geweſen/ und weil das ſenige wovon ich gedacht, auch 5 Theil auß andern Beſchreibungen betaͤttiget werden kan/ darff man ſelbiges in keinen Zweiffel zihen/ ſondern man kan ſchlieſſen. Daß nicht alle Sittſamkeit und Hoͤffligkeit in unſerm Europa eingeſchloſſen geweſen/ ſondern daß das Koͤnigreich Tunquin ſo vor dieſem zu China gehörte die gutte Policey und Leutſeligkeit welche den Chineſern zu geſchrieben wird/ auch nicht auß den Augen geſetzet habe. Das 9. Capitel. Von den gelehrten in dem Koͤnigreich Tunqnin. 9 8 iſt gewiß daß die Tunquiner zu E den Studis und der Gelehrigkeit groſſe Neigung tragen/ ſie wenden allen ihren Fleiß dazu an und es ſchlaͤgt ihnen auch Tumquiner iar genes Mittel zu den Aembtern und Wurden in gelegt. pern Reich gelangen. Durch die Gelehrigkeit wird aber allhier nicht verſtanden/ die Sprachen unſerer gelehrten Europeer/ welche den Orſentaliſchen Voͤlckern aller dings unbekand/ und davon ſie noch weniger als von des Ariſtotelis Philoſophie Wiſſenſchafft haben/ ſondern ſie beſtehet in der Erfahrung ihrer Landes Geſetze/ die ihnen zu Beförderung an die Richterſtelle ſehr din, lich ſind/ uͤber diß lieben ſie auch bie Mathematic und inſonderheit die Sternkunſt oder Aſtrologie, wie auch alle andere Orientaliſche Voͤlcker/ ſintemal ſie genau auff die Geſtirne achtung geben/ und idarauß zuküuͤnfftige Dinge erforſchen wollen. Die Muſic und Poeſis iſt ihnen auch ſehr angenehm/ eben umb der Urſach willen weil ſie die Schauſpile gerne ſehen/ bey welchen diſe zwey Stuͤck nemlich die Poeterey und Muſic nimmermehr zu ruͤcke bleiben/ den beydes die Poeten und Comedianten in Tunquin für die beſten in dem gantzen Orient gehalten werden. Damit ſie aber den Adel durch die Studien erwerben mochten muͤſſen Junge Leute durch drey Staffeln gehen/ die ſie Sinde, Doucum und Tanſi nennen/ wenn ſie ſolche hinterſich geleget koͤnnen ſie mit guttem Rechte ſih des Adels anmaſſen. Ehe ſie auff den hoͤchſten Grad kommen/ muͤſſen ſie gantzer acht Jahr lang Fleiß anwenden daß ſie daſſelbe das zur Notariat/ Advocat und Gerichtskunſt gehoret wohl begreiffen/ onderlich aber müͤſſen ſie in der Wohlredenheit damit ſie die Sachen wohl vorbringen Erwerben den Adel durch Gelehrig leit. Beſchreibung des Koͤnigreichs Tunquin. ſelten fehl/ den ſie koͤnnen allein durch diſes nen zu gutte gehalten/ wenn ſie aber nach diſetzt/ hingegen wenn ſie wohl beſtehen beBuchſtaben beſtehet. Hingegen aber haben 50 0 koͤnnen erfahren ſeyn/ wenn die acht Jahr verfloſſen/ werden ſie was die Aembter betrifft ſcharff examiniret/ und wer auff die ihme vorgehaltene Fragen nicht zu antworten weiß/ wird zu Bedinung eines Ambtes ungeſchickt und zu den ſtudiis gantz untuchtig erkant und verworſſen. Die jenigen aber welche wohl beſtehen/ werden in ein Regiſter geſchrieben/ welches dem Koͤnige unter die Hande kombt/ der ihnen hierauff erlaubet daß ſie ſich Siadi nennen duͤrffen/ und hernach wird ihnen von den J anſis anbefohlen daß wenn ſie mit der Zeit den Nahmen eines Doucum erlangen wollen/ ſie zu Erlernung der Aſtronomle, der Muſic/ und Poeterey/ alle ihre Kraͤffte anwenden muſſen/ damit ſie ſich derſelben bey allen Begeben heiten bedienen und daruber ihr Urtheil fallen koͤnnen. Sintemahl ein Richter in den Comedien zu ſeyn(welches fuͤr eine groſſe Ehre gehalten wird) einen gutten del Muſicanten und Poeten erfordert/ den die Eomedien ſind in ſelbigen Laͤndern ſehr 1 8. gemein/ weil die Leute ſolche gerne ſehen/ und ſie fur ihre groͤſte Beluſtigung und Ergoͤtzligkeit halten. Es iſt keine Gaſterey ohne Feurwerck/ darinnen diſes Volck wie auch in den Comedien mit zu ruͤſten und oſſterer Verenderung deß Schaupla⸗ cchll hes treffliche Geſchickligkeit zu brauchen er ihre, wiſſen. Die Comedianten haben eine wun, Comedln derbahre und volckommene Gedaͤchtnus/ ten. und machen ſich niemahls auff die Seite ſich zu erhohlen oder zu reſpiriren wie in Europa zu geſchehen pflegt/ weil ſie auch nicht bey dem geringſten Worte fehlen oder anſtoſſen. Jhtez lub Die welche die Mathematic lernen/ muͤſ⸗ matici ſen alle dazu nothwendige Inſtrumente ſelbſten bereiten/ und hiezu wenden ſie fünff Jahr an/ ſie werden jahrlich examiniret/ und wenn ſie auff ein und andere Fragen nicht gebührend antworten/ wird es ihſer Zeit auff den geringſten Artickel in dem Haubt Examen welches von den Tanſis geſchihet fehlen/ werden ſie gaͤntzlich abge⸗ 8 0 kommen ſie den Nahmen und die Wurde wan der Doucum; Nach dem ſie nun 13. Jahr 8 alſo in den Studlis zugebracht/ muͤſſen ſie noch/ ehe ſie in den Stand der Tant kommen vier Jahr lang die Chineſiſche Schriſſt biß auff gewiſſe Anzahl Woͤrter leſen und ſchreiben lernen/ den das gantze menſchliche Leben würde nicht zu reichen die Chineſiſche Spraache volckommen zu begreiffen die Urſach deſſen iſt weil es in China weit eine andere Beſchaffenheit hat als bey andern Voͤlckern/ da jegliches Wort aus gewiſſen eh, fee, die Chineſer vielerley Zeichen mit welchen ſie und Se ihre Worte anzeigen und alle dieſe Figl tas al. f je man ren 1955 vermischten Zuͤge ſind w leicht 1 rel dan Aube des i dae Uquin, Beſchreibung des Koͤnigreichs Tunquln, 865 leicht urtheilen kan in einer unbegreifflichen Anzahl weil ich anjetzo hievon Meldung thue/ ſo muß ich auch anzeigen/ daß dieſe Figuren mit kleinen Pinſeln gemacht wer den/ da zu die Chineſer ſich einer gewiſſen Tinten die gantz harte iſt und einem Stücklein Holtze das dem Kuͤhnruß gleich ſihet gebrauchen/ davon ſie zuvor ſo viel als ihnen vonnoͤthen ins Waſſer weichen muͤſſen/ ſie haben auch zu gewiſſen Worten eine andere Farben und koͤnnen dazu weder unſere noch anderer Orientaliſchen Voͤlcker Federn gebrauchen/ ſondern ſie bedinen ſich anſtadt derſelben einer Gattung von rotobraunen Rohr/ davon das beſte guß moraſtichten Orten auß dem Königreich Pegu und Arachan gebracht wird/ und welches die Elephanten trefflich gerne zu eſſen egen. f 8 Damit wir aber wider auff die Gelehrigkeit der Tun quiner kommen ſo muͤſſen ſo wohl ſie als auch die Chineſer in den Geſetzen des Landes wohl erfahren ſeyn. Wenn die vier letſten Jahr verfloſſen/ wird das letztere und groͤſte Examen angeſtellt/ diſes pflegt in dem Platze des Koͤlniglichen Pallais zu geſchehen/ bey welchen ſich der Konig und alle Fuͤrſten und Herren ſeines Hoffes befinden/ die Gelehrten Mandarins unb alle Tanſi ſind allhier gegenwertig/ etliche kommen von abgelegenen Orten her. Man hat etliche Beſchreibungen von Tunquin in welchen wunderliche und laͤcherliche Sachen fuͤr gebracht werden/ ſie geben auch fuͤr daß zuweilen ſich bey dieſem Examen faſt in dreyſſig oder 40. kauſend Studenten befinden. Aber ich habe ſo wohl von meinem Bruder als auch von vielen Tunquineren mit denen ich zu Batavia und zu Bantam zu thun gehabt vernommen/ daß derſelben, Anzahl ſich niemahls uͤber drey tauſend belauffen. Es werden neun geruͤſte an dieſem Platze auffgebauet/ deren eines fur dem Koͤnig/ die ubrigen achte aber fur die Exa0 00 ihre bin, minatores und dieſelben welche examiniret werden beſtimmet ſeyn/ und damit jederman ſehen koͤnne was vorgehet/ ſo ſind dieſe Geruͤſte den Schaubüͤhnen gleich/ der Koͤnig und die Mandarins befinden ſich nur die zwey erſten Tage dabey/ ob dieſes Exa⸗men ſchon acht Tage wehret. Den letzten Tag werden alle der jenigen Nahmen welche examiniret worden/ ſo wohl dieſelbigen die ſich wohl gehalten auch die welche gefehlet den 15. Fürnembſten Mandarins fürgelegt dieſe Jandarins ſind gleichſam Nathe/ ſonſten ſtehet es bey dem Konig dednſelben welcher ſich nicht zum beſten ge. halten Gnade zu erzeigen/ die andern aber welche gar ungeſchickt befunden worden/ erden mit Schanden abgeſetzt/ und ihrer wird ganelich vergeſſen. Ale ihre Namen erden auff groſſe Taffeln geſchrieben/ und dieſe acht Tage uͤber an die Thuͤre des Koͤniglichen Pallaſt angehenckt/ da den jederman ſehen kan/ welche unter die Zahl der Erben auff genommen werden. Wenn die acht Tage verfloſſen muͤſſen ſie ſich alle wider auff diſen Geruſten einſtellen/ da werden für den Augen des gantzen Volckes die jenigen welche unglücklich geweſen gls untuͤchtig zu einigem Dinſte abgewiſen/ die andern aber werden mit einem Violbraunen Rock von Atlas denn ſie alßbald anziehen muſſen beſchencket/ und dürfen ſich auch zugleich des Nahmens Tanſis anmaſſen/ nach dieſem wird jedem ein Verzeichnuß der Flecken und Doͤrffer davon ſie ihre Eiukunfften erheben welche ihnen der Koͤnig gegeben zugeſtelt/ da den einer mehr und einer weniger bekombt nach Verdienſt und Wohlgewogenheit des Fuͤrſten. Sie berichten es alsbald an den jenigen Ort wo man ſie angewieſen und beſtimmen den Tag an welchem ſie geſonnen dahin zu kommen/ da den ihnen alle Einwohner derſelbigen Doͤrffer ſie zu Ehren mit allerley Muſicaliſchen Inſtrumenten entgegen kommen/ und eine verguͤldete Brancar oder Senffte mit ſich bringen in welche der neue Lanlis geſetzek wird/ und auff dieſe Weiſe halt er an deme ihme zu geeigneten fen e ſejnen Einzug. Es iſt ihme zugelaſſen ſich daſelbſt gantze drey Monath lang zu ergoͤtzen/ und ſich in allerley Wollüſten zu erluſtigen/ als denn kombt er wider nach Hoff ſich der Reichs. Geſchaͤffte anzunehmen/ und zu trachten daß er in Verrichtung derſelben volckommen werde/ dadurch er die Ehrenſtelle der Mandarins erlangen kan. Alle Ambaſſadorn welche in benachbarte Lander und fuͤrnehmlich in China verſchicket werden/ werden auß der Zahl der Tanſis genommen/ und jederzeit die tuͤchtigſten und nicht die reichſten dazu erwehlet/ Sintemal der Konig ihnen genug geben laͤſſet/ ſeine Ehre zu erhalten und die angewendete Koſten wider zu entrichten. Wir haben biß hieher von den jenigen welche durch ihre Geſchickligkeit und Wiſſenſchafft das gemeine Weſen in iner Macht zu erhalten/ und allen gerauten Ubel und Unglück vorzukommen wiſſen/ Meldung gethan/ nun wollen wir auch der jenigen welche zu der Cur und Heilung der Menſchen/ und derſelben Geſundheit zu verſorgen rafft ihrer Mittel und Artzney tüchtig ſind dem deſer unter Augen legen. e L2 3 Da Tunquiniſche Aertzte fuͤchen ben auß Aißier iſt zu mercken/ daß anſtatt daß wir Ihre Weiſẽe die Kranck · heit zu erbeunen. 86 Von den Tunqumiſchen Aertzten 5 und Kranckheiten. i a Je Aertzte in dem Koͤnigreich Tunquig/ ſtudieren gar wenig auß den e Büchern/ und befleiſſen ſich allein en Büchern. 9on Jugend auff die Kraff und Tugend der Krauter und Wurtzeln zu erforſchen/ und nach Beſchaffenheit der Kranckheiten dieſelbige zu gebrauchen. Sonderlich aber trachten ſie dahin daß Klopffen der Puls adern genau in acht zu nehmen/ da ſie ihnen ſonderlich einbilden/ den Urſpruͤng der Kranckheiten richtig zu erkennen/ damit man ein tüchtiges Mittel zur Heilung finden koͤnne. in Kut opa 10 den Puls berühren/ Sprechen ſie die Puls Adern/ ſintemahl ſie ſo offt ſie einen Krancken beſuchen unterſchiedlich Puls, Adern zu beruͤhren pflegen/ und nach dem Unterſcheid der Oerter/ und des Klo, pffens urtheilen ſie von der Kranckheit. Sie befühlen den Krancken an drey Orten inſonderheit/ ſonderlich aber auff der rechten und Lincken Seite. An den Puls in dem Gelencke auff der rechten Seite wiſſen ſie von der Leber zu urtheilen/ bey den Puls unter/ den Armen/ wo ſie gemeiniglich zur Ader laſſen/ erkennen ſie die Zufälle des Unterbauchs/ bey den Schlafen erfor ſchen ſie die Nieren/ durch das Gelencke derlincken Seiten/ wird ihnen die Beſchaffenheit des Hertzens/ durch den Puls des lincken Schlaffs und Armes die Leber und Nieren angezeigt. Sie geben gar genau acht wie viel Schlage der Puls in einem Athem⸗ zug thue und nach Unterſcheid der Schlage/ erfahren ſie welch Theil des Leibes fürnemlich nothleide/ ob das Hertz die Leber oder die Ihre Artzuen und Tur. Lunge angegriffen werde/ und ob die Kranckheit auſſerlich entweder von unreiner Lufft/ oder von Kalte/ oder Traurigkeit und un⸗ kaufft ordentlichen Leben herkomme/ fuͤr alle diſe Zufälle gebrauchen ſie ſich der Kräuter und Puttzeln/ welche ſie ſelbſten außleſen und ſamiſen/ ſintemahl unter dem Apotecker und Artzte in diſen Lande Kein Unkerſcheid gemachet wird/ bißweilen vermiſchen ſie die Kräuter mit ein wenig Imber/ den ſie im Waſſer kochen laſſen/ und wenn er geſtiget/ ſo wird es dem Krancken zu trincken gegeben/ und diſes geſchicht niemahls es hade den der Krancke zuvor etwas geſſen. Sonſtey haben ſie treffliche Mittel wider die fallende Sucht/ das Fleckfieber und andere Krankheiten welche in kuropa für unhellſam ge halten werden. Zu der rothen Ruhr und der Verwundung gebrauchen ſie die Chineſiſche Dinten. Wenn daß Meer abgelaufen ſo findet man kleine Krebſe/ welche in dem Sande ligen ger eben und alsbald ſterben/ dieſe Krebſe werden bon der Hitze der Sonnen gantz erhaͤrtet und den Steinen gleich von den Aertzten zu Pulver gebrandt. Diſes Pulver iſt ein bewehrtes Mittel für die Wunden/ fur die rohte Ruhr/ und das Fiber/ und wird nach der Beſchaffenheit der Kranckheit entweder in Brandtewein oder Waſſer eingenommen. Von dem Kraute welches auß Chipa und Japan gebracht wird halten ſie ſehr viel/ und diſes letſtere iſt das beſte. Es wird in zinnernen wohlvermachten Flaſchen gebracht damit ihme an der Staͤrcke nichts entgehe/ wenn es eingenommen werden ſoll ſo wird es in ſident Waſſer gekocht/ ſo viel man deſſen vonnoͤthen hat/ und wenn mans trincken will, ſo nimbt man ſo viel als man mit wen Fingern faſſen kan/ und wirfft es in ein glaß voll ſident Waſſer. Diſes trincket man ſo warm auß als zu erleiden/ und etliche nehmen einer Erbſen groß Zuckerkand dazu in den Mund. Diſes Kraut le ſol ein e Mie 0 1 treffliches/ Mittel wider das. Haubtweh ſeyn/ Te wie auch für den Griß und die Bauch, 19 ſchmertzen/ aber wider diſen letzt gemeldeten Gebrechen/ můſſen ſie wenn das Waſſer ſidet ein wenig Imber darein thun. 8 Zu Goa/ Battavia/ und in allen Indianiſchen Contoren ſind keine Europeer die nicht alle Morgen 4. oder fuͤnffmahl davon eſſen/ und von dem geſottenen des abends einen Sallat mit Baumoͤhl Eſſig und Zucker zu machen pflegen. Das Kraut welches eine gruͤne Suppe hat/ iſt das beſte/ und die gelbe gibt das Mittler/ die rothe Suppe aber das geringſte zu erkennen/ und von diſem letzteren wird gar wenig gehalten. Die Koͤnige und fuͤrnehme Herzen in Ja pan trincken nur das Waſſer von der Blu te diſes Krauts/ welches viel geſunder und lieblicher ſchmecket/ aber es Koſtet auch mehr/ den eins von ihren Trinckgeſchirren voll/ welches ohngeſehr als unſere gemeine Glaͤſer ſeind wird umb einen Thaler veraufft. e Die ſchaͤdlichſten Krankheiten quin kommen gemeiniglich von in Tup⸗ eg der unge. Lot! ſunden Lufft her/ den in einem Augenblicke que ä benimbt es ihnen den Schlaff/ und wenn keine Hulffe folget/ müſſen ſie ungezweiffelk ſterben. Wieder diſen Anſtoß iſt kein beſeſer Mittel als das Gegengifft mit wein oder in Mangel deſſelben mit Brandtewein vermiſchet zu gebrauchen/ dieſes muß der Krancke ſo heiß als es immer moglich zu si nehmen/ und ſich zugleich mit einem Tu in Brandtewein eingeweicht und mit geſtoſlſenem und gekochtem Amber beſtreut reiben, Diſes iſt ein heilſammes Mittel allerhand Schmertzen die die kalten boͤſe Lufft verurſacht haben zu lindern. Un damit ſie diſer Schmertzen deſſo eher l 5 1 inde/ un Arbe lch 56% werden moͤchten/ ſo legen ſie ſich nach beſſe d. 0 ie de ennabe 0 1 1 ß lch 15 fi ach, 0 1 Beſchreibung des Königreichs Tunquin, ſie gar eben werden auff ein Bette welches auß gewiſſen Gurten/ die Finger⸗ breit von einander ſtehen gemacht iſt/ unter diſes Bette wird eine Glut pfanne geſetzet/ und Wei, rauch darauff geſtreut/ davon der Patient gantz mit Ranch umbgeben/ und zum Schweiß beweget wird/ dadurch kan der Kraucke wider zu ſeiner Geſundheit gelan, gen/ aber diſes rauchern muß alle Abend und Morgen geſchehen. f Was das Aderlaſſen betrifft/ ſo iſt daſſelbe in dieſem Lande gantz nicht gebraͤuchlich. Sie gebrauchen das Feur dazu/ und Sonderlich zu den Fleck⸗Fibern welches in Franckreich eine ſchädliche Kranckheit iſt/ diſes zu curiren/ nehmen die Tunquiniſchen Medici das Marck von den Binzen/ tuncken ſelbiges in Oehl/ zuͤndens hernachan/ und laſſen auff ein jeden Flecken einen Tropffen fallen/ welches gleichſam kleine Racketen⸗Schlaͤge von ſich gibt/ darauß koͤnnen ſie urtheilen/ daß das Gifft auß dem Leib getriben wird. Dieſes Mittel wird allein zu Nacht gebraucht/ weil die Flecken bey Tage nicht ſo wohl zu erkennen ſeind/ der Artzt muß ſich wohl fuͤrſehen/ wenn das Gifft von dem Patienten auß gehet/ daß er davon nicht angeſtecket werde dan ſonſten würde er ſterben muͤſſen. Etliche Aertzte ſtechen mit einer Nadel in die Flecken/ damit das boͤſe Geblüte her auß gehe/ ſie brennen hernach den geſtochenen Ort und reiben ihn mit Imber/ und geben nicht zu das der Krancke/ inner halb 20. Tagen an die Luft gehe. Die Zeit über weil ſie in der Cur ſind durffen ſie weder Fleich noch Butter eſſen/ ſondern nur Zſtronen Waſſer trincken/ man gibt ihnen nichts anders als geſottenen Neiß/ und eingeſaltzene Fiſch/ den je mehr ſie ſich vom Eſſen und Trincken erhalten/ je eher kommen ſie zu der Geſundheit. Es iſt ſehr wunderlich daß dieſe Mittel eine ſolche herliche Wuͤrckung haben/ den die Kranckheiten ſind nicht ſo langwirig und wehren gantze Jahre als wie bey uns. Laſt uns aber weiter ſchreiten“ und die Politiſche Beſchreibung diſes König reichs/ dem Leſer für augen ſtellen/ Welcher die Religion die faſt aller Orten mit dem weltlichen Regiment zu Unterhaltung des gemeinen Weſens uͤbereinſtimmet/ bey gefuͤgt werden ſoll. Das u. Capitel. Vom Urſprung/ Regierung/ und dem Weltlichen Regiment des Koͤnigreichs Tunqum. 8 ſind noch nicht 6O0. Jahr verfloſſen/ das diſes Köyigreich von abſonderli2 chen Koͤnigen begerſchet worden/ dieweil es zuvor von China dependiret hat. 87 Das man vorgibet daß die Tunquiner ohne Haubter geweſen iſt eine pur lautere Fabel/ gleich wie die jenige welche von einem drey jahrigen Kinde erzehlet wird/ welches unter einer groſſen Menge Tunquiner auffgetretten/ und ſie ermahnet ſie ſolten das Joch der Chineſer von ſich werffen/ von weſchen ſie uͤbel gehalten wurden/ und daß alb bald ein wohlgeſtaltes Pferd erſchienen darauf ſich das Kind geſetzet/ und nebſt den Tunquinern und andern Volckern dem Feinde under Augen getretten/ die Chineſer angegriffen/ ſie geſchlagen und ihnen alle Mittel in Tunquin zu kommen gantzlich benommen habe. Was man gewiſſes von diſem Königreich erfahren konnen/ iſt/ daß ſolches ſeit 600. Jahren her von unterſchiedlichen Geſchlechtern regiret worden.. Der erſte welcher ſich einen König genen, der erte K. net war ein berumbter Seerauber nahmens nge. Din/ welcher ſich durch einen Hauffen zuſammen gelauffenes Geſindlein und Rebellen machtig gemacht/ und geſtaͤrcket/ daß er nach dem er viel Schlachten gewonnen/ ſich ohne groſſe Muͤhe des Thrones bemaͤchtigen koͤnnen. Aber er regirte nicht Lange in Ruhe und das Volck empoͤrete ſich bald wider ihn/ und als das erſte Treffen anging/ muſte er daruͤber das Leben laͤſſen. Dit welche auff ſeiner Seite waren/ erhilten nichts deſto weniger die Schlacht/ er hinterließ zween Soͤhne/ deren der erſte ihme in der Regierung folgete/ er regirete nicht langer als 3. Jahr/ ſondern ſtarb nebſt ſeinem Bruder/ und hinterliß keine maͤnliche Erben hinter ſich. Nach dem Tode diſer 2. Printzen wurde das Reich durch viele inheimiſche Krige verunruhiget/ der ſchwaͤchſte Theil nahm endlich die Chineſer zu huͤlffe/ und dadurch bekamen ſie bald die Oberhand. Nach diſem wurde ein Mandarin auß dem Geſchlecht Lelequel genant ein verſtaändiger und tapferer Fürſt auff den Thron erhoben/ welcher das gantze Reich alßbald zu Ruh legte. Und als er ſahe/ daß alle ſeine Unterthanen im Fride waren/ fieng er an einen Pallaſt zu bauen/ daruͤber ſich alle die jenigen welche ſolchen jemahls geſehen hoch verwunderem muͤſſen/ ſo wohl wegen ſeiner Groͤſſe als auch wegen des herlichen Gebaudes ſintemahl der ſelbe auß lauter gefaͤrbetem Marmor beſtehet. Diſer Koͤnig hatte nur eine Innerliche Tochter welche nach ſeinem Tode ſich mit Krige in Tuneinen der fuͤrnembſten Mandarins auß dem dun, Geſchlechte Fran verehligte/ damit ſie ſich des Thrones deſto mehr verſicheren mochte. Aber kurtze zeit hernach empörte ſich einer ſeiner Unterthanen wider ihn luͤfferte ihm eine Schlacht/ darinnen er gefangen und umbgebracht wurde. Der Uberwinder alß er den Zepter in Haͤnden hatte bemaͤchtigte ſich des Throns. Neun Jahr hernach wurde er von etlichen Rebellen welchen die Chineſer beyſtunden uͤberwunden 125 88 Tode geſchlagen. Die Chineſer worden Meiſter diſes Königreichs herſchten daruͤber 20. Jahr/ und ſetzten hernach Verwalter in igliche Provintzen. Aber nach dem die Mandarins diſer Regierung welche ihnen ſehr tyranniſch fürkam uͤberdruͤßig worden/ weil ſie das Volck mit ungerechten Aufflagen und Schatzungen beſchwerten/ verſamlete einer unter ihnen ein tapfferer Haubtman vom Geſchlechte Le eine groſſe Menge Volckes/ lͤfferte ihnen 3. Feldſchlachten und behilte die Oberhand über ſie/ nachmahls verjagte er ſie auß dem gantzen Königreich/ bemächtige ſich der Krone/ welche auch 8. Jahr auff diſem Geſchlechte gebliben. Eine zeitlang hernach kam ein anderer Fuͤrnehmer Herꝛ ein Mar von Geſchlechte/ welcher zuvor in einem groſſen Ehren⸗Ambte geſeſſen/ und ſich wegen deſſen vom Könige ihme widerfahrnen Schimpffes zu raͤchen gedachte/ und ſiel nebſt underſchiedlichen Rebellen/ mit welchen auch die beſten Laͤnder angefuͤllet ſind/ durch Huͤlffe der Chineſer welche allezeit fer, tig ſtunden in dieſes Königreich. Er erlante auch endlich nach einer blutigen Schlacht die Oberhand/ ohne das man erfahren konte/ wohin der Koͤnig ſein Vorfahr ſich retiriert hätte. Aber er genoß diſer Herꝛligkeit ſeines Siges nicht lange/ ſondern es wurde ihm 2. Jahr hernach von einem Mandarin auß dem Und unkuhtge Geſchlechte Trin welcher eines fuͤrnehmen N Herzen Tochter geehliget ein offentlicher Krieg angekuͤndet/ in der Meinung den gantzen Stamm des Hauſes Mar außzurotten. Aber ſein Todt riß zu allem Ungluͤck all ſein Vorhaben uber einen Hauff er hinterliß 2. Sohne welche zu ſeiner Nachfolge tuͤchtig waren. Der altere der von Natur ſehr forchtſam war/ ſcheute ſich diſen ſchaͤdlichen Krig länger zu unterhalten/ und unterwarf ſich willig dem Koͤnige/ welcher ihn zum Statthalter machte/ und mit ſeiner Schweſter Tochter verehlichte. Der jungſte aber war viel behertzter/ und hatte das gantze Krigsheer ſeines Vatters unter ſeiner Gewalt/ und ob ihm ſchon der Koͤnig ihme und den ſeinigen groſſen Vortheil anbote/ wolte er doch Kein gehor geben/ ſondern er ſetzte dem ſenigen was ſein Vatter angefangen auß Begirde zu herſchen eiffrig nach/ und erlangte auch einen gluͤcklichen Außgang. In dem andern Treffen wider den Koͤnig/ welcher ſich dazu mahl bey der Armee befande (ſintemal er in dem erſten Treffen darinnen der Mandlaꝛ in gleichfals geſiget nicht zu gegen geweſen) nahm er ihn und ſeinen BruW der gefangen/ welche er etliche Tage herdurch Auf. nach offenklich/ und in Angeſicht der Armee ruhr umbge⸗ umbbringen liß/ den erſten zwar als einen unrechtmaͤſſigen Beſitzer des koͤniglichen Throns/ den andern aber als einen Verbund ee verlaſE illen ſchlecht i 5 ame be ſchlecht in obacht ge Ob wohl der Uberwvinder ſich des Koͤni/ Beſchreibung des Koͤnigreichs Tunquin. glichen Throns bemaͤchtigen und des Nahmens eines Koͤniges ſich anmaſſen konnen/ war er doch vergnuͤgt ſich nur allein einen Haubtman zu nennen/ und damit er ſein Anſehen deſto beſſer zu Stande bringen moͤchte/ und bey dem Volcke in Guͤnſt kame/ liß er durch das gantze Reich biß in China auß kündigen/ daß dafern noch ein Füͤrſt auß dem Geſchlechte Le übrig ſey/ derſelbe ſolte ſich anmelden und auff den Thron erhoben werden. Es fand ſich endlich einer welcher von dem Geſchlechte Met der maſſen verfolget worden/ daß er an die Reichsgrentzen flihen und fuͤr einen gemeinen Soldaten zu dinen gezwungen worden. Diſer Feldherr war ſehr erfreuet daß annoch ein natuͤrlicher Erbe guß dem Hauſe Le verhanden/ der die Regierung auff ſich nehmen konte/ und ſo bald man befunden daß er auß diſem Stamme ſey/ wurde ihme alle koͤnigliche Ruͤſtung geſchicket/ und in allen Laͤndern da er durchreiſete/ anbefohlen/ ihn fuͤr einen Koͤnig zu er kennen/ das gantze Kriegsheer zog ihm entgegen/ und begleitete ihn biß nach Checo welches die Haubtſtadt des Koͤnigreichs iſt/ er wurde daſelbſt gekroͤhnet/ auff den Thron er hoben/ und mit groſſer Pracht zum Könige in Tunquin gemacht. Der Haubtman Trin aber ob er ſich ſchon nicht ſo wohl deß Koͤniglichen Titels als der Macht und Autoritaͤt angenommen/ wuſteſich der maſſen in die Sach zuſchicken/ daß er dem Le zwar das euſſerliche Anſehen eines Koͤniges ließ/ er hatte aber das Ober Com. mando uber die Königlichen Truppen/ das groͤſte Einkommen des Landes war in ſeiner Gewalt/ und er konte damit nach ſeinem Belieben ver fahren. Und alſo kan man mit Recht und Billigkeit ſagen daß dazumahl zwey Könige geweſen/ und ihrer auch zweyen noch biß auff der heutigen Tag regiren den J % fe. wut, der eine nur den bloſſen Nahmen eines Kö⸗ en Nen niges führet und Bua heiſt/ der andere aber za in wird Choüa genant/ und hatt alle Macht qu in ſeinen Handen er diſponiret alle Sachen/ und der muß in ſeinem Pallaſt als ein Sclave eingeſchloſſen bleiben/ und darff nur an gewiſſen Tagen auß gehen. Wenn diſes geſchicht wird er als ein Bild durch die Gaſſen der Stadt Checo getragen/ welches jederzeit mit groſſem Pracht zu geſchehen pflegt. Er unterhalt zu ſeiner Leibwacht 2000. Soldaten/ und hat an den Grentzen biß in 20900 Mann/ ſonderlich gegen Co chinchina in Beſatzung ligen. Nuff de i Grentzen ſind auch 0. Elephanten für den 5 ge Krieg beſtellt/ und auff allen Flüſſen in dem Königreich da der Feind anfallen und Scha, weh den thun konte befinden ſich gemeinigt hundert Galeren/ nebſt einer groſſen Mel ge kleiner Schiffe/ de en Nauderknechte und Soldaten mehr Sold als die andern haben/ damit es aber im rudern deſto ſtarcker gahe ſo wenden ſie ſich umb/ und kehren das G ſichte gegen dem forder Theil da doch n Beſchreibung des Koͤnigreichs Tunquin. 89 100 die unſerigen demſelben den Ruͤcken ehren. 15 a Der Koͤnig gibt taͤglich offentlich Au dientz/ aber kein Befehl/ Geboth oder etwas dergleichen iſt kraͤfftig/ wenn ſolches nicht der Choſia auch unterſchriben hat. Bey der Audientz erſcheinen allezeit 32. Reichsraͤthe/ ohne welche noch 100. andere welche über alle Sachen und Handlungen ihr Urtheil fallen zu gegen ſeyn muͤſſen. Die Verſchnittenen haben viel Gewalt bey Hofſe/ wie guch in andern Aſiatiſchen Reichen und der Koͤnig vertrauet ihnen auch in den wichtigſten Sachen mehr als ſeinen eigenen Kindern. Die alteſten Erben ſuccediren nicht allezeit in der Regierung/ ſondern der Choũa oder Reichs⸗Marſchalck hat nebſt allen Raͤthen welche gemeiniglich mit ihnen wohl zuſtimmen wiſſen fuͤr gut befunden/ daß der Koͤnig welcher viel Kinder hat ſelbſten einen zum Kron⸗Erben erwehlen ſolle. So bald nun ein Koͤnig erwehlet/ kommet fuͤrnembſte was ſie lernen iſt das ſie den Degen wohl fuhren koͤnnen/ ihre Klingen ſind gerad/ lang und breit wie der Schwei tzer/ und werden nur auff einer Seiten geſchliffen. Sie legen ſich auch auff das Bogen und Muſqueten ſchiſſen zu weichen ſie ſich der Lunten gebrauchen weil ihnen das Fiinten-Geſchoß noch unbekand iſt/ auff das Reiten beffeiſſen ſie ſich mehren Theils damit ſie in dem Lauff mit dem Pfeil und Wuürffſpiß gewiß ſebn mochten. Wenn ſie in dieſen Exercitiis Meiſter ſind/ ſo greiffen ſie zu den Feurwercks„Kuͤnſten/ welche ſie nicht allein zu erlernen bemuͤhet ſeyn/ ſondern ſie trachten auch etwas neues zu erfinden 12 deſſen wider der Feinde Eleyhanten zu gebrauchen dieſelbigen zu erſchrecken und in Unordnung zu bringen. Ich muß aber allhier gedencken daß etliche dieſer Elephanten wie ich vielmahls ſelbſt geſehen/ des Feurs dergeſtalt gemohnet ſind daß ſie nicht einen Tritt weichen/ und der Raqueten bie auff ſie loß gehen und ihnen unter und ober dem dcs der Choiia nebſt den fürnembſten Kriegs, ſie ate zu. Officieren Reichsräthen und Verſchnit. Leibe durchfahren keines weges achten noch daun tenen ihn zu begrſſen/ und ihme den Eid zu ſich das geringste dafür entſetzen. Doch aber wit. ſchweren daß ſie ihn nach dem Tode ſeines werden unter 200. ſolcher Thiere kaum 1. % fe. du ge U 1 ge 5 Der del Vattern auff den Thron erheben wollen was aber die anderen ſeine Bruder betrifft ſo werden dieſelben in den Pallaſt verſperzet oder gleichſam in ein Gefärgnus eingeſchloſſen/ und duͤrffen ſich in keine Reichs handel miſchen. Sie kommen nicht mehr als des Jahres viermahl auß dem Palaaſt/ und durſſen piemals als 6. Tage darauß bleiben/ die Officirer die ſie begleiten werden ihnen von den Choi zugegeben/ welcher gleichſam(wie ich oben gedacht) Commendant uber die Armeen iſt. Am erſten diſer Freyheits⸗Tage beſuchen ſie die Tempel und Priſter welche ſie mit groſſen Almoſen verſorgen/ die zwey folgenden wenden ſie auff die Jagt/ und an den drey uͤbrigen pflegen ſie auff dem Fluſſe ſpatzieren zu fahren/ welches den in praͤchtigen und herlich außgeruͤſteten Galeren geſchicht. Das Koͤnigreich Tunquin wird in acht groſſe Landſchafften abgetheilt/ und uͤber gliche iſt ein Stadthalter nebſt einer ordentlichen Obrigkeit geſetzet/ von welchen man an den Königlichen Hoff appelliren kan; Es wurde diſem Lande unrecht geſchehen/ wenn man ſich einbildete daß keine Edelen darinnen zu finden/ wie zwar in dem gröſten Theil der Aſiatiſchen Königreſche keine angetroſſen werden. Allen diſen Adel aber müſſen ſie durch ihre Dienſte erwerben, theils durch die Waſſen/ theils durch die Gelehrigkeit. Die jenigen welche durch 5 die Waffen den Adel zu erwerben trachten/ „haben gemeiniglich gutte Mittel ſich von ihren Heuſern und Einkunfften zu erhalten/ und ſie werden bey zeſten zu diſer Ubung angefuhrt auffs ſpätteſte in dem eilfften oder 12, Jahre ihres Alters das ſonderbahrſte und oder 20. gefunden die auff diſe Weiſe Stand halten. Wenn die jenigen welche das Thier regieren/ und die darauff ſitzen ſich nicht wohl in acht nehmen/ kehren ſie ſich gegen ihnen ſelbſt an ſtatt das ſie ſolten dem Feinde entgegen gehen/ und bringen dadurch das gantze Heer in euſerſte Unordnung. Ich habe deſſen ein Exempel geſehen nahe bey Daman einer Stadt 14 Meil von Surate den Portugieſen zuſtaͤndig, aureng zeb der anitzo Konig in Indien iſt und ſonſten der groſſe Mogol genennet wird/ ein Fuͤrſt in der beſten Bluͤthe ſeiner Jugend erhilte durch inſtaͤndiges bitten von ſeinem Vatter Chagehan der dazumahl regirte ein Krigsheer von Eo, tauſend Mann und 80. Elephanten beſtehend/ mit diſem Heer weil er ein abgeſagter Feind der Chriſten war griff er diſe ö Die Stabt Stadt an und belagerte ſie. Es befanden Pannen Nel ſich in derſelben 800. Edelleute/ welche theils gerk. von Goa wie auch auß andern Staͤdten welche die Portugieſen in Indien beſitzen dahin kommen Sie waren alleſambt wohl beritten ſintemal diſe Leute keine andere als Arabiſche Pferde unter denen auch das geringſte 1000. Cronen koſtet haben wollen. Als nun der Commendant darinnen ſahe daß er von diſem Indianiſchen Fuͤrſten ſehr geaͤngſtiget wurde/ entſchloß er ſich mit der gantzen Reuterey und dem Fußvolcke einen Außfall zu thun und zwar Sonnabends zu zu Nacht nach dem die Uhr zwolff geſchlagen und ein jeder die Meſſe gehoret hatte/ ein jeder nahm ſeinen Feurſpieß zu ſich in Willens ſolchen ſo bald man zu den Elephanten keiten wurde an uzunden Ihr Anchſag konte auch nicht mißlingen ſondern gerieth dermaſſen daß die Elephanten W 2 i i ſich umbkehrten und in ihr eigen Heer mit Elephauten groſſen Ungeſtuͤm drungen/ alles zu Boden wien wider kraten und was ihnen vor kam mit denen an Weite. ihren Ruſſeln angemachten Schwerdtern und Ketten umbbrachten und die Zelte zerſchlugen und zerknirſchten. Die Portugieſen ſparten auff ihrer Seit auch nicht dem Aureng · zeb und ſeinem Heere Schaden zu thun/ ſondern hieben alles in Stuͤcken/ und konten leicht Meiſter werden/ weil dieſe elende Mahometaner im tieffen Schlaff uͤberfallen wurden. Die gutten Leute konten ſich die Wahrheit zu bekennen/ nicht einbilden daß die Thriſten an einem Sontag welcher wie ſie meinten eben als wie der Juden Sabbath hoch feirlich gehalten wird/ den Feind angreiffen ſolten. Aureng · zeb der ſich jederzeit als ein geiſtlicher Mahometaner erzeigt/ und den Alcoran der meiſtentheils in dem Moſaiſchen Geſetze beſtehet vielmahls geleſen/ konte leicht ſchluͤſen und d glauben daß die Juden den Sabbath ſo eiffrig und andaͤchtig hilten/ daß ſie ſich eher umbbringen liſſen/ als ſich zur Gegenwehr zu ſetzen unterſtehen wurden. Und bildete ſich gaͤntzlich ein die Chriſten weren auch gleicher Meinung/ aber er fand ſich ſehr betrogen/ und hatte ihr Evangelium nicht wie den Alcoran geleſen/ ſondern ihme war gaͤntzlich unbewuſt/ daß der Heiland der Wett der Oberſte Geſetzlehrer der Gnaden/ als er vernommen daß die Juden ihme widerſprachen da er am Sabbath geheilet/ ſie unverſtaͤndig und unweiſe geſcholten/ und ihnen vorgehalten daß keiner unter der Zahl 5 ſey /der nicht ſeinen Ochſen oder Eſel wenn er am Sabbath in den Brunnen fiele alsbald herauß zihen wurde. Durch diſen ſo wohl bedachten und kluͤglich angeſtellten Außfahl erhilten die Portugieſen einen ſo herꝛlichen Sieg/ daß uber 20. tauſend Mann von dem Heer deß Aurengzebs im Stiche bleiben muſten/ und er ſelbſten mit groſſer Muͤhe das Leben davon bringen konte. Denn die Elephanten zerſtuͤckten in ihrem Wuütten ſei und ſeiner Weiber Zelte/ er hub auch Reichthumb von Stund an das Lager auff un d ließ herwelchen die nach ſich nimmer gelzeſten die Chriſten anPoraugicen zugreifen. Man hat dafür gehalten daß die 5 8 Portugieſen auffs wenigſte 2. Millionen erobert. werth ſo der Feind im Stich laßen muͤſſen eroberft. 255 en; Damit wir aber wider zum Koͤnigreich Tunquin kommen/ ſo muß man wiſſen da die Inwohner offters mit den Chineſern Krig gefuͤhret/ weil dieſelben den Tribut welcher nach geſchloſſenem Friden mit einen ihrer Könige auß dem Geſchlecht Le verglichen und verſprochen worden nicht bezahlen wolten. Aber im Jaun 1667. als die Chineſer ſahen daß die Tartarn ihres Landes ſich berhächtiget/ haben ſie mit dem Konig von Tunquin Friede gemacht/ und ſind eins worden/ daß wan von keiner Schatzung mehr gedeucken/ ſondern jahrlich einen Geſandten 1 5 Beſchreibung de Koͤnigreichs Tunquin, gen abſenden ſolte. Was das gemeine Weſen Recht und Ge⸗ p rechtigkeit anbetrifft ſo wird in dieſem Ko⸗ ich Tanpolicy in nigreich beydes in Staten und auff dem aun. Lande eine gar gutte Ordnung gehalten/ und ſelbige trifft mit allen andern wohl kegirten Staͤnden und Republiquen uber ein. Ich will dem Leſer mit einer weit aͤufftigen Beſchreibung nicht Verdruß erwecken/ ſondern will nur allein gedencken/ daß ſie alles das jenige was zur Bequemligkeit des gemeinen Meſens noͤtig iſt auffs fleiſſigſte in obacht nehmen/ und ſonderlich bemuͤhet ſeyn zu verſchaffen daß die Brücken und Landſtraſſen aller Orten verbeſſert/ damit von den Reiſenden alle viertel Meil Waſſer und eur/ theils ihren Durſt zu leſchen/ theils ihre Tabacks⸗Pfeiffen anzuzuͤnden/ deſſen ſie ſonderbahre liebhaber ſind/ moͤchte gefunden werIn Beſtraſſung der Mordthaten ſind ſie ſehr ſcharff/ weſſ es aber ſeyn kan daß ein ſchuldiger wegen ſeines Verbrechens umb Vergebung bittet/ wird er fur den jenigen der ihn verhoͤren ſoll geführet/ und muß als dan ei⸗ Des 2unel bee nen Buſch von Krautern in dem Munde Sue haben/ zum Zeichen daß er durch unordentliches Leben und übeles Verhalten den unvernuͤnfftigen Thieren gleich worden. Dieſe Gewohnheit kombt bey nahe mit der in Perſien uͤberein/ alda der Koͤnig und ſeine Räthe nach ihrem Belieben entweder den Ubelthater zum Tode verurtheilen oder ihme Gnade erweiſen koͤnnen/ außgenommen den jenigen welche einen Menſchen der Freunde hat/ umbbracht haben. Alsdenn beſtehet alle Gnade die der Konig erzeugen kan darinnen/ daß er den Ubelthaͤter dem nechſten Verwandten in die Hande gibt welchem hernach erlaubt iſt entweder ſich mit ihm umb eine Summa Geldes zu vergleichen/ welches aber als eine ſpottiſche und ſchaͤndliche Sache gelten geſchicht/ oder im gegentheil muß der nechſte anverwandte ſelbſten Scharffrichter ſehn/ und das U hei ſo uber den ſchuldigen ergangen volſtrecken. Das 1 Capitel. in Tunquin. a Bwohl der Koͤnig/ wie ich albereit G droben angezeiget in ſeinem Lande mne ng Gewaſt hat, Sintemal ſolce n gaͤntzlich und allein auff dem Feld Here beſtehet/ der die ganze Macht in einen Hofſh Handen führe d wid er doch nichts dee dn weniger vol ſeinen Unterthanen in geo! Ehren gehalten/ und an ſeiner Ho Mie wird nichts geſpaß et was zur n 115 Herligkeit dinen kan. Den erſten Dag Von der Hoffhaltung der Könige n 17 5 6 Fönig Hulle al 1 19 * 1 9 10 ub Tag des Monats muͤſſen die Mandarins welches die Fürnembſten im Königreich ſind/ und nach Chineſiſcher Tracht gekleidet gehen den König begrüſſen. Der Ober feld Her oder Reichs Marſchalk/ verrichtete dieſes weiland verſoͤhnlich/ aber nach und nach hat er ſich deſſen geauſert/ und ſchiket anitzo einen Fürſten in ſeinem Nahmen. Die ubrigen Mandatins Land, Vögte/ gerichts Verwalker/ und auch die Kriges Officirer pflegen järlich den Choüa zubegruͤſſen und ihme auff zuwarten/ ſonderlich aber an ſeinem Nahmens gedaͤchtnuͤß/ und G burts⸗Lage/ des gleichen auch wenn ſie wider ihre Feinde einen Sieg erhalten. Und auff diſe weiſe wird dem Reichs Marchalk mehr Ehre als dem Koͤnig ſelbſten erwieſen. Sonſten pflegen die Tunquiner/ wenn ſie eine Perſon hoͤheres Standes als ſie/ begruͤſſen wollen/ ſich 4. mahl tieff zur Erden zu beugen/ die Weiber aber thun ſolches ohne Unter ſcheid der Perſohnen und des Standes nur einmahl. Die jenigen welche in dem Pallaſt den Konig zu ſehen ſich begeben wollen/ muͤſſen einen Violbraunen Rock anzihen/ und ihre Diner gleicher weiſe kleiden laſſen/ wil jemand ſich dem Koͤnig naͤhern und eine Gnade von ihm erlangen ſo muß er der Verehrungen nicht un eingedenck ſeyn/ und wen der Koͤnig in ſeine Bitte willigen wil/ werden ſie angenommen/ im gegentheil aber wird er damit wider zurüͤcke geſchickt. Ob wohl der ReichsMarſchalk oder bois alle Ambter ſowohl zu Hoffe als auch onſten im Koͤnigreiche beſtellet/ und die ſelbigen/ deren gethane Dinſte er der Belohnung würdig ſchaͤtzet/ zu beſchencken pflegt: ſo laͤſt doch der Konig jarlich den 1. Tag des 7. Monden/ ſo wohl gegen den Hoffbedinten/ als auch gegen denen derer Eltern dem gemeinen Weſen güte Dinſte geleiſtet ſeine Freygebigkeit zur gnuͤge blicken. Und pfieget ihnen Gold ſtüͤcke/ iedab in wüngun ölen dem 9 d 1 8 0 8 i. e ſchwe. des 600. Francken nach Franzoſiſcher Muntze/ werth/ und ſilberne Staͤnglein von 46. Francken außzutheilen/ und alle ſo wohl wegen bürgerlichen als maleftz ſachen gefangene/ auſſer denen welche auff den Halß ſitzen und deren Schuld nicht uͤber den Werth 2. Staͤnglein Silber ſteiget/ werden ſelbiges Tages auff freyen Fuß geſtelt. Alle Jahr an den 3. Lekſlen Tagen des Letſten Prondens/ den ſie den Todten Monath nennen/ muͤſſen alle Herren und Hoffbedinten den 40. Mandarins oder den geheimen Staats Rathen den Eyd der Treue able, gen/ und diſes nicht allein ſie ſondern auch ſhre Weiber und dabey Verſprechen/ daß ſie/ wie biſper geſcheen alſo auch ins künfftige dem Koͤnig getreu ſein/ und dafern 1 etwaß dem Koͤnige oder ſeinem Reiche nachheiliges erfahren ſoſten/ ſolches alsbald anzeigen wollen. Alle Herzen und Edelleuthe/ wie auch die Befelchshaber in den Städten/ und die Burger und Inwohner müſſen gleichen Eyd bey den Landvoͤgten * Beſchreibung des Koͤnigreichs Tunqur. ablegen. Die jenigen welche eine Verratherey offenbahren werden niemahls ohne be lohnung kveggelaſſen. Der gantze Unter ſcheid beſtehet in dem Stand der Perſohnen nach welchem auch die Belohnung ihnen mitgetheilet wird. Den wenn ein Mandarins oder Edelmann ſolches thut/ ſo ſtehet das geſchencke in des Koͤniges beliben/ wenn es aber gemeꝛne Leute ſind ſo wohl Manner als Weiber ſo werden ſie fuͤrnemlich geadelt/ und uͤber das mit 50. Goldſtuͤckern und 700. Silber⸗Slaͤben beſchencket welches ſich wie ich oben angezeit auff 53. Tauſend Francken nach Franzoſiſcher Muͤntze belauffet/ allein der Adel wird allem diſem vorgeſetzett In dem gantzen Koͤnigreich werden zu gewiſſen zeiten alle Junge Leute gemuſtert/ und die jenigen welche nicht von Adel oder kein Handwerck gelernet/ und das 18. oder 20. Jahr uberſchritten/ werden zu des Koͤnigs⸗dinſte gewidmet/ und eingeſchrieben. So offt z. Jahr verfloſſen erwehlet er die jenigen welche ihme zu ſeiner Leibwacht dinen ſollen/ und ſendet ſie in die Veſtungen an die Grentzen des Landes. Es finden ſich etliche darunter welche durch Geld ſich von diſer Dinſtbarkeit loßkauffen/ aber wenn ſie in der That ergriffen werden/ den ſolches kan ſelten ſo geheim geſchehen das es nicht an Tag komme/ ſo wird beydes der Soldat und Officirer ohne gnade geſtrafft/ und man pfleget ihnen eine kleine Leiter an den Hals zuhen, Uberſchiken/ welcher ſie auch alsbald zum Tode verurtheilt/ un denthaubten laͤſſet. Die weil aber die Tunquiner ſehr Ungerne Menſchen blutt vergiſſen ſehen/ als wird ofſters von den Fieunden und Verwandten umb Gnade gebeten das der Verurtheilte ſtranguliret werde/ in dem ſie diſe Art des Todes als bey welcher kein blut vergoſſen wird nicht ſo ſchmahlich zu ſein ſich ein bilden/ in welcher Meinung ſie mit den Tuͤrcken uͤber ein ſtimmen. In dem folgenden Capittel ſoll ein mehrers von der Beſchaffenheit diſes Hoffes und deſſelben Herꝛligkeit angezeiget und gemeldet werden. 8 Das s. Capitel. Von den Ceremomien welche bey den Tunquinern ſo offte ihre Koͤnige auff den Thron 22 1 5 werden gebpbrauchlich ſind. chin und ber vielen Ceremonien ſo dabey vorzugehen pfegen Meldung thun/ o müͤſſen wir zu vor etwas von ſeinem AuſM 2 lug Scharſſes cken/ ein Eiſen umb die Armen zu legen und wutbel der ſie in dieſer geſtalt dem Reichs Marſchall zu Tunquznet: 92 Beſchreibung des Köͤnmgreiths Tundun. zug aus dem Pallaſt wenn erſſich erluſtigen wil anzeigen. Der ſelbe begibt ich auff ein Praͤchtig s Palanquin welches von 8. Maͤngeen getragen wird/ da er von alſen Volck kan geſehen werden. Fürnehme Herzn und Hage Hoffbedinte begleiten ihn zu Fuß dafern er Feanken.) nicht auß der Stadt gehet im gegentheil 2 aber ſetzt er ſich auff einen Elephanten und 8 ſeine Bedinte folgen ihme zu Pferde. Wenn des Koͤnigs Mutter oder deſſen Fuͤrnembſte Gemahlin ſich auß dem Pallaſt begeben will/ werden diſelben in einem Vergitkerten und auß und inwendig herzlich ⸗ gezier, ten Pallauquin getragen/ damit ſie die Leute ſehen von ihnen aber nicht koͤnnen geſehen werden, und ihre Hoff Damen folgen ihnen zu Fuſſe nach. Die Fürſten Mandarins und andere fuͤrTun⸗ 2 1 I mit groſſer Solennitaͤt mit Gaſtereyen Conitacen bey medien und Feurwercken feyerlich zu begehen ehren Ge- bey welchen ihre Freunde und Verwandten bars Tagen. zu erſcheinen nicht unterlaſſen. Im Jahr 164. ſtellete des Koͤmigs al teſter Printz welcher von ſeinem Valter zum Nachfolger des Reichs erkläret war/ allerhand nur erdenckliche Ergotzligkeiten an/ und der Koͤnig der ihn ſehr lieb hatte/ uͤberſandte ihm 1000. Stück Goldes und 7000. Stuck Silber welches ſich am Werth auff acht hundert tauſend Francken belieff/ dam it er mehr Unkoſten anzuwenden hatte/ und diſe Solennität deſto Herlicher machen konte. Zur ſelbigen Zeit theilen ſie auch groſſe Almoſen auß/ ſonderlich aber ſind ſie gegen die Wittben und Gefangenen ſehr freygebig. „Nach des Königs Abſterben/ wenn er Soͤhne hinter laͤſſet/ wird der ſelbe welchen er bey Lebzeiten zum Nachfolger erklart/ auff den Thron erhoben/ wie ich ſolches albereit zuvor angezeigt. Den dritten Tag nach dem der König geſtor ben/ gehet der ReichsMarſchalck nebſt den Krigs⸗Officirern Raths Herzen und den Landvogten in das Gemach diſes Printzen/ als den wird ihme ein Chineſiſch Kleid gegeben/ und er ſteiget auff einen Elephanten/ auff welchem er in den groſſen Hoff des Koͤniglichen Pallaſts welcher durch auß mit brocatel einem zelte gleich behencket iſt/ begleitet wird. Nachmals wird er auff einen Koͤſtlichen und Prüchtigen Thron geſetzet/ und alle Manda, Eins fallen für ſhm nieder/ und nach dem ſie das Haubt eint zeitlang zur Erden geneigt ſtehen ſie wider auff ſchlagen die Hande zuſammen/ heben die augen empor/ und ſchweren gen Himmel ſehend/ dem neuen Koͤnige bis in den Todt getreu zu verbleiben. Wenn diſe erſle Ceremonien ein End d bey Ex⸗ ene 6„* n genommen/ laͤſſet der Konig einem jeden/ wehlung ib rer Könige. feine Frey gebigkeit gleich zu anfang der ReHeco darzuthun Vier ſtuck gold und e. Stabe füberaußtheiten. Damit aber gleich wol der Reichs Marſchalf von allen den an dern unterſchieden ſey/ ſogibman ihme 20, nehme Herzen pflegen ihren Geburts⸗Tag Stuck Goldes und 40. Staͤbe Silber/ der Reichs Preſident oder Cantzler bekoömbt é. Stück vom erſten und 20. vom andern. Mach dem diſe Verehrungen überluffert pfleget man auß vielen Stücken die umb den Pallaſt ſtehen/ wie auch auß Muſqueten durch das im nechſten Platz im Ge vehr ſtehende Volck deren Zahl ſich bis auff zo. tauſend ſo wohl zu roß als zu fuß belauft Salve zu geben. Wenn diſes geſcheen wird der Koͤnig auff ein koͤſtlich pallangtun geſetzet/ für welchem der Reichs Marchalk und ber oberſte Rath auff ſchoͤnen Pferden herreiten. Sechzehn der Fuͤrnembſten Hoff bedinten tragen den Konig/ nemlich 8, Krigs Offitirer und 8. Nahts Her zen/ und auff diſe manier begeben ſie ſich nach des Verſtorbenen Königs Loſament/ von da als dan ein jeder ſich fur zwo Stund lang wegbegibt ausgenohmen die Verſchnittene/ und in diſer zeit kommen die Furſtlichen Hoff⸗Damen und andere Weibs perſohne der vorneniſten Mandarins den König zubegruͤſſen und ihme Gluͤck zuwuͤnſchen hernach gehen die Herzen widrum hienein der Maalzeit/ welche nach des Lands Weiße und Art uͤberaus költlich zubereitet wurb/ hey zu wohnen. Ihre Speisen ſeind nicht ſo lieblich und leckerhafft wie die unſeren und ſie haben auch nicht ſo vielerley Arten derſelben/ es iſt wahr daß bey ihnen die Vogel neſter/ dabon zuvor Meldung geſchehen im Gebrauch ſind und damit ſie ihre Speiſen/ denen ſolche ein trefflichen Geſchmak von allerley Specerey geben/ zubereiten pflegen. Under allen Speiſen halten ſie das junge Roſſ: und Hunds flleiſch/ ſo uns nicht ſchmaͤcken wurde/ fuͤr das beſte. Die Comoͤdien und Feurwerck folgen auff das Königliche Gaſtmahl/ und wehren die gantze Nacht durch. Den folgenden Tag ſtellen ſich die 30, tauſent Man welche den Tag zuvor auff einen feld nahe dem Pallaſt ſalde gegeben/ und alle vornembſte Kriegs Officierer 3 Obriſte Capitain/ Leutenant/ die auff den grentzen waren/ in guter Ordnung widrum ein. Der Koͤnig auff ſeinem Pallanquin von 16. der vornembſten Beamten gerkagen ſitzevt und der Reichſ⸗Marſchalk und gros Stallmeiſter zu Pferd vorher reitend/ kombt auß ſeinein Pallaſt; mit einem Gefolg von vielen Kriegs Officierern zu Fuß und guter Anzahl Gaucklerin die vor dem ballanquin tantzen/ und mit mancherley Gattung Inſtrumenten ein liebliches Gethoͤn machen. Die Trummel/ Trompeten/ Zincken/ un andere martialiſche Inſtrument die die Lufft erfüllen und weit erſch allen/ laſſen ſich au hoͤren mit einem ſolchen Gepräug win ber König in das geld getragen und das iss ſten begibt er ſich von seinem Pallauquin auff einen Kriegs Elephanten; und das! deren einer die ſich weder fuͤr den Muſgueten⸗Schüſſen noch für dem Feurwerck eu, ſetzen; were ig wann bey ſetzen: den 8 were der Koͤnig w dien Beſchreibung des Römgreſchs Tunqunt. deſſen Ankunfft in dem Feld und in der Widerkunfft auß dem ſelben/ das gantze Heer 3. mahl Salve gibt und Feurwerck auß wirfft/ in groſſercefahr ſeines Lebens. Der Konig wel. cher auff diſem zum Feur und Schieſſen abgerichten Elephanten ſitzet begibt ſich in die mitten des Voleks als den kommen alle Officierer Ihme zu huldigen; darauf leſſet er auch/ ihnen ſeine Freygebigkeiten auß theilen/ nemlich einem ſeden Obriſten zwey Stuck Gold und 4. Staͤb Silber einem Haubtman die helfft ſo viel und alſo dem Leutenant auch die Helffte ſo viel als dem Haubtman. Die Soldaten bekommen ein ieder zween Monat Sold; und die Bezahlung iſt in kurtzer zeit beſchehen/ ſintemahl ein jeder Regiment ſeine Zahl/ und Under zahl meiſter hat deren jeder ſeine Compagnie bezahlt/ nach dem alle dieſe Preſent außgetheilet/ gibt das ganze Heer drey mahl Salye/ und ein iede Compagnie begibt ſich in eine der auff dem Felde auff gerichteten Hütten daſelbſt eſſen und trincken ſie und den Tag und die ganze Nacht in Bereitſchafft. In dieſem Feld ſtehet auch ein ſchoͤner Pallaſt auff gerichtet/ zwar nur von Holtz aber ſonſten mit Gold und Gemahlden ſehr ſchoͤn außgeziehrt in demſelben bleibt der Konig die Nacht uber deren ein Theil mit wohl leben/ Como dien Jeurwercken und mit der Gaukler ſpringen und dantzen zu gebracht wird. Den folgenden Tag begibt ſich der Koͤnig widrum auff ſeinen Elephant/ ſeinen holtzenen Pallaſt verlaſſend/ welchen hernach die Soldaten mit Feur anſtecken und widrum nach dem Pallaſt in der Stadt zu gehen. Wann der ſelbe mit gleichem Geprang wie er außgezogen, daßelbſt widrum an kommen ſetzt er ſich auff den Thron und leſſet auch alsdan ſeine Freygebigkeit den Jenigen welche das Feur, werck zuber eitet/ den Comoͤdianten/ Gauklern und in ſummg allen denen die zu den Beluſtigungen Ergetzlichkeiten und Herzlichem Feyr diſes Tags gehulffen/ außteilen. Alsdan wird alles Volck ein gelaſſen/ und zween abgeſchickte nemiich einer auß dem mittel des Kauff leute und der andere von den Hand wercksleuten thun vor dem Koͤnig eine rede/ deren Inhalt iſt daß alle burger und inwohner der Stadt Checo ihn vor ihren rechtmaͤſſigen Ober Herrn erkennen und ihme bis in den todt getreu ver bleiben wollen. Nach vollendung diſer rede verehret der Koͤnig dem Stand der Kauffleuten. o. Stück Gold und, 300. Stab Sülber/ und dem Stand der Hand wereksleuten. 20. Stuck Gold und. 100. Stab Silber. Waun das Volck alles Weg alsdan ſihet man die Freuden Feste in den Quartieren der Stadt in die Wette wer es beſſer in Gaſtmahlern Comedſen und Feurwercken machen kan/ und wendet mancher mehr auff als er Verehrung Von dem Koͤnig bekommen/ den ſolche Froͤliclkeiten wahren ein gantzes viertel des Mondſcheins. Etliche Tage hernach kommen die abgeſandte der Inwohner aller orten des Koͤnigreichs/ in Nahmen ihrer Stadte oder Flecken dem König die Freude ſo alles Volez habe daß ein rechtinaſſtger Fürſt und Erbe von dem verſtorbenen König beliebt und zun Nachfolger erklart/ auff den Thron erhoben worden zubezeugen; neben Verſicherung daß ſie ihme beſtandig getreu verbleiben und zu ſeinem Dienſte ihr leben wider die Chinoſer auff ſetzen wollen. Die Chineſer werden inſonderheit von ihnen angeführt weil die Tunquiner keine groſſere Feinde haben als ſie und diſer haß iſt unter ihnen unverſühnlich. Der Könlg ſeines Volcks guten Weil, len betrachtend leſſet gegen dem ſelben auch ſeine Frey gebigkeit ſehen und ſolches folgender maſſen. Allen den jenigen Often welche vor diſem wider ihre rechtmaſſige Könige nicht rebelliſch geweſen/ und für deſſen Beſchüͤtzung tapfer die Waffen ergriffen wird eine Jahrs Schatzung und Auffage er laſſenz aber die anderen welke dem Feind es ſey worin es wolle bey g⸗ſtauden ſeind allein. Monat befreyet. Alls um Schmden willen gefangene genieſſen auch des Kor igs Gnade/ den nach dem der Ober⸗ Rath/ mit ihren Glaubigern einen Vergleich gemacht/ mehrentheils um bie helffte laͤſſet der Koͤnig den Reſt bezahlen. Jih übrigen iſt nicht zu beſchreiben wie viel Schlacht Opfer der neu regierende König in die Tenipel ſeiner falſchen Goͤtter umb den Gotzen auffgeopfert zu werden zu überſchicken pflegt. 15 Die Rechnung wird gemacht das die zahl allerley Thiere 100. kauſent über kreffe z und über daß noch der Werth Von einer Million in Gold und Süber in Brocatel und anderen ſeidenen Stuͤken zu Zierung ihrer Abgoͤtter/ in getaͤrbteim Leinwath für die Kleidung der Bonzier und anderer zum Dienſt der falſchen Goͤtter und die Pagodes/ ſo der nahm ihrer Templen ſauber zuhalten/ verordneten Leuten; auffgewendet werde. Under diſen Preſenten von dem Konig Groſe Freygebigkeit der neu erwehlten Koͤn ige iu Tunguin. Abſonderlich gedendie Soͤezen und Tempel, geſchickt iſt eine groſſe Anzahl Stufe grob Leinen blau gefarbtes Tuch um die armen Leut welche dahin wie die Armen in Europa in die Gotshauſer/ ſich begeben/ zu kleiden. Die Abgottiſchen Fuͤrſſen verwenden unglaubliche Summen diſe bagodes oder Tempel und die Bilder ihrer falſchen Götter zuziehven. Es ſeind deren von kichtem Golde drey Schuh hoch/ wie ich dergleichen in dem Kö, nigreich Carnatica/ und andere uͤber natlirlicher groſſe. von Silber geſehen. Der neu erweblte König wartet bis alle diſe Seremomen und Gepfäng volendet“ den falschen Gottern für ſeine glückliche Echebung zum Thron zu darcken/ und nimt ſeine Zeit in acht wann der Mond neu wird; ſchlieſſet 8— VV 94 er ſich das erſte Viertel uber neben den Bonziern ein/ und lebt mit ihnen in groſſer SparIn waͤhrender diſer Zeit pfegt der ſelbe die vornembſten Spittähl zubeſuchen zuſehen wie man die Armen/ und inſonderheit die alten Leute welche bey ihnen hoch geehret werden(den die Tunquiner ſind von Natur barmhertzig) gehalten werden/ und erzeigt ihnen ſeine Mildigkeit noch auff das neue. Und zum Beſchlus erwehlt er einen angenehmen Ort mit Befehl daß daſelbſten ein neuer Pagode oder Tempel/ ſo er einem ſeiner Goͤzen widmet erbauet werde; und nach deme ſeine Andacht auff den erſten Tag des andern Viertels vollendet/ begibt ſich derſelbe auff einen ſeiner Kriegs Elephanten von allen Beamten ſeines Hoffs zu Pferd und 10. in 12. tauſend Man zu fuß die von dem gantzen Heer auſerleſen ſeind/ begleitet. In wuährender diſer Zeit nemlich im anderm vier, teil/ haͤltet ſich der Hoff des Mondens in ceeiner weiten ebne auff alda 3. Häuſer auffgerichtet/ eines für den Konig/ das andere fur den Reichs Marſchalk und das dritte fuͤr den Raths Preſidenten neben vielen Hütten fur die ubrigen Hoffleut⸗ und uber s noch ſehr viel Kleine Hauslein die undeckt und nur auff einer Seiten beſchloſWind um ſen ſind welche man nach dem drehen kan/ und das ſeind die Oerter ſo fuͤr de in Tun e rern Sold als kuchen dienen/ den dieſe ganze Zeit über/ laſet der Koͤnig diſe groſſe Menge Volck taͤglich zweymal ſpeſſen. Durch diſe ebne lauffei der Flus N. N. der das ſelbſten breit/ und an deme die droben vermeldet drey Pallaͤſte gebauet ſtehen. An e ſeind auch viel Galeen praͤchtig mit Gold und Gemahl geziehret/ inſonderheit die Haubt Galte/ welche an Koͤſtlichkeit alle andere weit uͤbertrifft/ die vorder und hind ertheil des Schiffs die Maſtbaͤum/ die Ruder bis ins Waſſer gehend/ alles ſchimmert von Gold/ die Baͤncke ſeind ſauber gemahlt und die Ruderer wohl bekleidet; den dieſelben ale Soldaten und freye Leülte da hingegen in unſerer Chriſtenheit auff den Galleen man allein der claben und Ruder knecht ſich bedient. on Jugend auff lehrnen diſe Soldaten 51 leich wie man ein andie Soldaten weiche gewoͤhnlich zu Land dienen. Die Galeen ſeind nicht fo breit aber langer als die unſeren und theilen beſſer das Waſſer; zur Zeit wenn der Koͤnig ſich daſelbſten auffhelt/ hat er ſeinen Luſt die Galleen mit ein andern Streiten zuſchen/ die jenigen ſo die andern mit ſtarkem Nudern überfahren erhalten den Preis. u Abend kommen die Ruderer auß das and ſampt ihren Capitainen/ den Kong zubegruͤſſen und die welche ſich am marlichſten gehalten verden belohnet. Wann die ſieben Tag vorbey/ laͤſſet der Konig * ehrt/ und haben auch mehBeſchreibung des Koͤnigreichs Tunqquin. vor ſeiner widerkehr/ alle Soldaten den Gallen ſambt ihren Officierern fuͤr ſich kommen/ und denselben zween Monat Sold er tra geben/ gleich wie denen welche zu Land dienen widerfahren. Es iſt wunderlich/ wie ſo ſehr viel Feurwerck beides zu Land und zu Waſſer geſehen wird mein Bruder welcher bey allen diſen Herrlichkeiten zugegen geweſen/ hat mir betheuret daß in den ſieben Naͤchten dieſe Feurwerck die in dem Waſſer brennen und lauffen den ganzen Strom bedeckt und die Lufft er füllet/ alſo das alles einem Feur gleichte. Ju Bantam ſahe ich anff eine Zeit ein Feurwerk ſo etliche Tunquiner welche deſelbſten ſich befanden in gegenwart der Koͤnigs geworffen ich muſte damahlen bekennen daß ſolche unſere Feurwerck in Europa weit uͤbertreffen. Wann die ſieben Tag venfloſſen begibt ſich der König/ in gleicher Ordnung und Gepraͤng wie derſelbe ausgezogen/ widrum in die Stadt; und ſo bald er in dem Pallaſt an kommen/ gehet er in der Fuͤrſtin Quartier in Begleitung der Verſch nittenen/ er bleibt die uͤbrige Zeit des Mondens daſelbſten anderer Ergöͤtzlich zeiten zu genuͤſſen alle Tage Abends hatt er die Luſt/ friſche Feurwerck vor der —'—'ſ»—'?' ner 15 15 kaͤnſte · weiber Quartier Zu ſehen/ und die Verſchnittenen mit den Comoͤdianten und Gaucklerin zuſammen haltend trachten den Koͤnig auff das beſte zubeluſtigen. Solcher geſtalt wird die prachtige Solennitaͤt wenn der Königs auff ben Thron erhoben wird zugebracht. Den demſelben wird keine Eron wie auch andern Koͤnigen in Orient anff geſetzt/ welches eine wichtige Anmerkung hieruber in meiner Beſchreibung Perſien beſchehen/ daraus zuſehen daß auch in demſelbigen Land nichts von Krönung/ ſondern allein von Erhebung auff den Thron geredet wird. Das 15, Capitel. Von der Leichbegangnuͤa der Koͤnige in Tunqum und ire Todten zuG Ann ein Konig in Tunquin geſtorMien wird derſelbe alſobald balſamiert gauff ein Schaubet gelegt/ und allem Volck 65. Tag lang den Leichnam zube ſehen vorgeſtelt auch in werender diſe Zeit gleich als wann er noch in Leben were be fiche el dienet. Die Speiſen nach dem ſolche ein zeil, moge auff gehoben/ und die helffte den Bonztern gen die andere helffte aber den Armen gegeben. g Sobald der König den geiſt auff geben, gibt der Reichs marſchalk ben Land Wr 11 Kü 1„ in T8 uin D — ul . 01 1 . . umnbunſ uoa big sg supa m2 629 5bupauaß ni D —— N 0 N N N N e B ——— —— 5——. 2 2 5 . 8 5 5 8 D— 5 2 85 8—— D 7 75 2—— — — 0 * 0 lüng Her Wagen ür Schiffe 1 elche gleichſam als eiue Convoy das ich und die S bens Illittel 3 führen Zum rhall den Je nigen elche ſcch bey dem Leichen degangnuß des Ken von Iunquin befunden, und pon Checho hiß nach Bode go mf gezogen alwo man n de en ib in F N eint Gallert gelegt und nach dem 8 gefuhret d Morſtel — —— B————— 8 J Beſchrelbung des Koͤnigreichs Tunqunn. 9 richt/ davon mit Befehl wie lang ſie traur tragen ſollen. Alle Kriegs und Regiments Mandarius tragen die traur gewohnlich drey Jahr/ der Hoff neun/ der Adel ſechs und das gemeine Volck drey Monden, in diſen drey Jahren ſeind alle Ergotzlichkeiten abgeſchafft/ außgenommen die jenigen welche bey der Ceremoni wenn der neue Konig auff den Thron erhoben wird gebraucht werden/ alle Speiſen werden demſelben in ſchwartz gelerniſten Schuͤſſeln auffgetragen/ er laſſet ſich die Haar abſchneiden/ und bedeckt das Haubt mit einer Stroh⸗Kappe/ deßgleichen thun auch die Furſten und die viertzig Mandatius oder Staatg⸗Räthe und legen diſe Kleidung nicht ab bis des Koͤnigs Leichnam in der Galeen liget und an den Ort der Begräbnus gefuhrt werden ſoll. Drey Glocken welche oben in einem Thurn des Pallaſts/ werden von dem Augenblick da der König verſchieden biß das der Leichnam in der Galeen iſt/ unaufſhoͤrlich gelautet. Den dritten Tag gehen die andarins nach Hoff/ das Leid uber das Abſterben des Königs zu be zeugen und erſt zehen Tag hernach iſt dem Volck erlaubt zukommen den Leichnam auff dem Schaubett ligend zuſehen/ biß an den Tag da er zum Grabe geführt wird in wehrenden 55. Tagen/ an weichen der Konig oſſentlich jeden vor Augen ſtehet/ i der Reichs- Marſchalck beſchafftigt das Leich⸗Gepräng zubeſtellen/ den je herzlicher daſſelbe iſt je mehr Ehr hal er davon. Von dem Pallaſt biß an den Ort da die Gallen den Leichnam erwarten ſeind ohngefehr zween Tagreiſe/ und dieſe gantze Straß iſt mit einem Violbraunen Tuch/ ſo des Kö nigs farbe ist bedeckt. Dieweſl aber der neue Koͤnig und der gantze Hoff/ hin und wider zu Fuß gehen alß brauchen ſie wohl 16. Tag dazu/ den gantzen Weg/ wie auch in allen anderen koͤniglichen Straſſen/ ſeind nach einer viertel Meil Wegs kleine Hut, ten da Waſſer zu trincken und Feur die Tabac ⸗Pfeiffen anzuzunden gefanden wird. Bey Widerkunfft des Königs wann die Ceremoni derLeichbegangnuͤs vollendet⸗wird das obbemelte Tuch damit die Straſſe be7 Note deckt alſobald auffgedoben und den VonWi n 5 13 Die Ordnung bes Zugs diſer Leich⸗Be,(Jeſtze da gaͤngnus iſt wie beygefügte Vorbildung zu N erkennen gibt. Die zween Manner welche Kupfferden Anfang machen ſeind des Koͤnigs Kammer beambte welche des abgeleibten Nahmen außruffen ein jeder ein Streit⸗Kolbe/ deren Knoͤpſſe mit Feurwerck außgefüllet ſind/ tragend/ die zwoͤlff hernach folgende ſind von den Oberhaubtleuten der Galeen/ die das Grab daran des verſtorbenen Kos nigs Nahmen ſtehet/ zihen. Hernach komt der Ober Stallmeiſter zu Pferd/ deme zween andere folgen. Darauff 12. HandPferd zwey und zwey geführt/ deren die Zaͤum mit einem guldenen Blat überzogen und die Sattel mit Gold geſtickt/ die anderen 6. mit Zaͤumen von Gold/ und geſtickten Decken und Gold oder ſilberen Franzen darum/ ein ſedes Pferd wird von zween Mannern gefuͤhret. Nach diſen folgen 12. Elephanten; deren 4. ein jeder einen Mann mit einer Standart traget; Vier andere aber tragen Thuͤrne darin 6. Mann theils mit Muſqueten/ theils mit Feurwerck 5 verſehen/ ſſich befinden/ und die vier letzten tragen ein jeder eine Gattung Kefich deren das eine vornen und auff beyden Seiten Spiegel⸗glaſer; und das andere mit einem Gegitter/ und jedes der zwey ubrigen vier Gekroͤſe und diſes ſind die jenigen Elephanten/ welche der Koͤnig in den Krieg darauff zu ſitzen gebraucht. Nach biſem kommen 8. Pferd jedes von einem Wachtmeiſter geführt welche das Grab darin der Leichnam iſt ziehen. Der neue Koͤnig und deſſen Bruder wann er einen hat/ oder eiliche Fürſten von dem Koͤniglichen Geblut folgen dem Grab/ mit groſſen weiſſen Atlas Rocken welches die Traur, farb iſt angethan/ diſen folgen 4. Jurſtinen ſo die Speiſe und Tranck fur den Todten tragen. Endlichen kommen zween Waͤgen jeder mit 8. Pferden beſpannet/ darauf zwo Schachteln die die Goldſtucke/ ſilbern Siabe die koͤſtlichen Gold/ silber/ und ſeidene Zeug und die Kleidung ſo mit dem Konig begraben wird/ in ſich halten. Neiſe Beſchreibung des Koͤnigreichs Tunquin. ieee eee Beſchreibung Der Tunqumer Leichbegaͤngnus. 5 Ge 8 der Tunquiner gewohnliche Leichbegaͤngnus anbelanget geſchehen ſolche mit mehr oder weniger Geprang nach dem Stand der Perſohnen wann ſolche auſſer, dem gemeinen Volck ſeind. Bey ihren Leichbegaͤngnuſſen gebrauchen ſie ſich ſehr viel Feurwercks und haben ſolches beydes zu Leid und Freud in Gewonheit. Diſe Feurwerck ſeind in Thuͤrne auff kleinen Karren/ von zween Maͤnner gezogen/ eingeſchloſſen/ alles nur von unterſchiedlicher Farben gemacht. Auff das Grab des Verſtorbenen ſtellen 8 el ſie viel Speiſen und Zuckerwerck in der Einbildung das ſolches ihnen zu gut komme/ deñ ihre Prieſter zu ihrem Nutzen/ unterhalten dieſelben in diſem Irthum/ und ſtellen die Sach ſo artig an; das den folgenden Tag nichts mehr auff dem Grab Ubrig bleibt. Ein gleiches hab ich zu Battavia von den Chineſern/ welche daſelbſten ihre Todten zubegraben/ ein Platz vor der Stadt haben/ veruͤben geſehen/ und als eine merckwuͤrdige Sache nochmals hierbey zu fügen nicht unterlaſſen wollen. Es wird taͤglich die Wacht ſo wohl in de Stabt als in der Veſtung auffgefuͤhrt und zugleich werden durch iede Pforte 8. Soldaten ſambt einem Corporal die Runde um die Stadtmaur zu thun/ außgelaſſen/ welche auch biß auff ein Canon ⸗Schuß und weiter hinaus gehen; weilen ſie beſtaͤndig in forchten ſtehen von den Koͤnigen von Mataran oder outam, welche ihte abgeſagte Feinde lind uͤberfallen zu werden. Und well der Kirchhoff der Chineſer von einer HaubtWachte da diſe Soldaten ihren Sammelplatz haben; unweit abgelegen iſt ermangleten ſie nicht ſo bald dieſelben darkamen zuſehen ob jemand von den Chineſern oder Tunquinern begraben worden/ und wann ſie ttwas auff einem Grab zu eſſen und izu trincken funden unterlieſſen ſie auch nicht alles 1 25 2 04 6800 5 gut Leben achen; ie Chineſiſchen Prieſter/ ang hineſiſchen Prieſt men die Speiſen wegzunehmen/ und hiemit bas arme 5 abe hmen/ und hie ſolches für die Seelen verſpuͤrt daß man daß was auff den Graͤbern geweſen weggenommen/ und hiedurch ühnen ein Theil ihres Einkommens entzogen; bildeten ſie ſich leicht ein/ aß niemand Papier Mitternacht pflegten zu kom Volck/ zubereden daß s aß Holtz/ und die uͤbrigen Creaturen. ihrer Ver wante were/ anders als die Soldaten der Hollandiſchen Beſatzung diſes gethan/ und funden für rathſam/ damit diſer Betrug kuͤnfftig verhütet wurde ſolches dem General und deſſen Rath zu klagen/ wie auch geſchahe; alſobald befahle derſelbe den Soldaten nichts mehr von diſen Graͤbern wegzutragen/ aber diſe gute Bißlein ſchmeckten ihnen viel zu wohl und achteten des Verbots wenig/ ſondern fuhren fort die Speiſen abzuhohlen/ leugneten aber ſolches wann bey dem General neue Klag fuͤrgebracht wurde. Da die Prieſter entlich ſahen/ daß diſes nichts verfangen wolte/ befunden ſie kein ander Mittel die Soldaten kuͤnſſtigs wider zu kommen abwendig zumachen/ als die Speiſen und den Tranck ſo auff das Grab auff das neue wurden gebracht werden zuvergifften/ in Hoffnung/ wann die Soldaten zwey oder dreymahl betrogen/ wuͤrden ſie hernach davon bleiben. Die Prieſter thaten wie dieſelben beſchloſſen hatten/ und brachten viel Soldaten umb/ welches den andern mehr von diſen Speiſen zu eſſen die Luſt be nahm. Gleichwohl trauten zu meiner Zeit die Chineſer noch nicht allerdings/ und wann die Todten Mahlzeit etwan in 20. Schuͤſſeln beſtunde/ waren allezeit darunder 3. oder 4. vergifft/ den die Prieſter wußten gar wohl dieſelben zu unterſcheiden ſintemahlen ſie ſelbſten ſolche zurüͤſten und zu weyhen pfiegten/ und auff diſe Weiſe haben — ſie ſich ihr Einkommen erhalten. Duos a Kopfe Von Rellgwn und Aberglauben der Tunqumer. Ja Religions Sachen ſind die Tun quiner in dreyerley Serke zertheilet, Die erſte hat ihren Urſprung nem alten Philoſopho Confutius, genant polo 23 4 5 2 14 deſſen Gedaͤchtnus in gantz China und et 1 in 75 un chen umligenden Orten beruhmt iſt. Werd run, 0 f ſen, von 75 Confotis 10 lehrete daß fuͤnff Element weren nemblich ehre Erde/ ö das die Erde/ das Waſſer/ das 825 f g ber Menſch in ztwey Theilen; der eine subtil der andere aber grob beſtehe/ und wann der f 8 3 7 t ſelbe ſterbe/ der ſubtile Theil in die Lu fahre/ der grobe aber auff der Erde bee Dieſe Segt hat den Gebrauch der Opfſg ö 000 fe, hs in nge os Hlunde Ma Ir 0 0 e der hohen ehren. Die nahmen diſer Götter ſeind/ getragen. Er lehrete ein Theil von des m nnter Raumu, Betolo, Ramonu, und Brama, und Chacabous Lehr/ aber was denſelben fur5 fur. der Göttin Satibana, und diſe wird von den nemblich bey dem Volck beliebt gemacht; Gan Macs von einem gewiſſen einſamen Chacabouts, genennt deren der groͤſte Theil des gemeinen Volcks anhanget/ diſer hat gelehrt daß die Seelen der Menſchen nach ihrem Abſterben von einem Ort in daß andere fahren; und ſeinen Nach folgern zehen Gebott die ſie halten ſollen/ hinderlaſſen. Gate, Das erſte Gebot das ſie nicht tödten. Igebvt, Das. 2. nicht ſtelen. Das. 3. Ihren Leib nicht beflecken. 4. Nicht luͤgen. J. Niemand beleidigen oder ſchmahen. 6. Nicht zweyzuͤngig ſein. 7. Keine unordentliche Begird haben. 8. Nicht gros ſprecher ſeyn. 9. Den Zorn nicht uͤberhand nehmen laſſen. 10. Und ihre Muͤglichkeit auß der Unwiß ſenheit ſich zuziehen/ thun lollen/ welche ein andachtig Leben führen wollen muſſen den Wolluͤſten dieſer Welt 9 gutthaͤtig gegen den Armen ſeyn/ ihre Begirde meiſtern und auff tichten ſich befleiſſigen. Erlehrete auch daß nach diſem Leben zehen underſch iedliche Orter beides der Freude und Qual weren/ und daß die ienigen welche ſeine geſetz verachteten nach ihrem Verbrechen gleiche Straff; empfahen und Ihrer Pein kein Ende ſehen würden. Und die welche ge krachtet ſein Geſetz zuerfüllen/ iedoch in ein oder dem andern Stück gefehlet/ nach ihrem Abſterben in under schiedliche Leiber drey kauſent Jahrlang ehe dieſelben in den Ort. der Seligkeit kommen/ fahren. Aber die ſo daß Geſet volkommen gehalten eme ſonderbahre Belohnung; ohne wie die andern wider gebohren zu werden/ oder der Veränderung ldes Leibs underworffen zu ſeyn; empfahen folter. Das er ſelbſten zum zehenden mahl der Widergeburt under worffen geweſen ehe er der Herrlichkeit die er nun beſitze/ habe theilhafftig werden konnen dieweil er in der Elkantnus diſer hohen Gehimnus un erleuchtet geweſen. Diſer Chacabous/ ware einer der groͤſſeſten Verführer die iemahlen in Aſien ſich befunden. Den derſelbe hatt ſeine Sect in dem gantzen Koͤnigreich Siam in einem Theil der Land ſchafften lapons und von dar in Tunquin da er geſtorben/ auß gebreitet. Die dritte Sert iſt eines genant Lanthu eſſen Lügen die Japaner: und Chineſer viel glauben zuſtellen; und die Tunquiner noch mehr. Er war auß China Geburtig und einer der beruͤhmteſten Zauberer ſo iemahl u Orient geweſen/ hatte viel Schuler; welze um diſen ſchandlichen Verführer in Anopen zubringen und von dem armen Volck 1 beglaudt zumachen/ daſſelbe beredetẽ/ J. heil. Beſchreibung des Koͤnigreiths Tunquun. 99 und verehren die ſi ben Planeten/ aber in der Lanthie ſey von wunderſamer Geburt/ das ahl ihrer Götter und Bilder/ halten ſie ſeiue Muter denſelben ohne Verluſt ihrer iſonderheit. 4. Goͤtter und eine Gottin in Jungfrauſchafft. 70. Jahr lang im Leibe Weibern angebettet; aber der Konig und die ware daß er ſie zur Guthaͤtigkeit und SpitMandarins vornemlich die Gelehrten beten tahl/ in all denen Stadten da noch keine den Himmel an. Die zweite Secte kompther waren erbauen zulaſſen/ ieder zeit fleiſſig ververmahnet. Wie den viel vornehme des Königreichs/ und Bonzes/ ſich in die Spitkahl begeben die Krancken zubedienen/ zuvor verführten dieſelbe ein liederliches ellxndes Leben. Zu der Zeit da mein Bruder d ſelbigem Land war/ lieſſe der Chola od Reichs Marſchalk dieſer 1 eifſer Feind/ den mehrern theil der Bonzes und Sayes/ oder muſſiganger fur ſich kommen erwehlete auß deren Zahl die ihn die ſtärkeſten und beſt geſtalteten dunckten/ und ſchickte dieſelben für Soldaten auff die Grenze. Die Tunquitſer pflegen in ihren Hauſern drey Dinge/ anzubeten/ das erſte iſt die Feürſtätt in drey Steinen beſtehend das andere ein Bild oder Abgott von ihnen Tientu Elender Gögekent/ ſo wie Beſchuͤtzer der Küinſten gendinſt der Gold ſchmids/ Bildſchnitzer und Mahler⸗ 3 75 arbeit gehalten wird ꝛc. und wann die ſelben en Heyden ein Kind eines diſer Handwerck lehren wollen/ richten ſi zuvorderſt und ehe ſolches zur Arbeit angehalten wird/ einen Altar auff und Opferen diſem Abgott/ damit er demſelben/ zu lehrnen/ guten Verſtand geben moge. Das dritte Bild oder Abgott wird Boabin/ genent/ und von ihnen wann ſie ein Haus bauwan laſſen wollen/ angeruffen. Darzu dieſelben einen Altar aufrichten/ und von den Bonzes und Sayes beruffen/ dem Abgokt zu opfern/ ſehr viel Speiſen werden zugericht/ demſelben hernach viel vergülte Papier darauf etliche Zauberwort geſchrieben vorgezeigt/ und als dann ſolche mit dem Rauchwerck zugleich ihme vorgeſtelt verbrant; da neben bringen ſie viel Tafflen mit geopferten Speiſen; und dis alles beſchieht durch diſe Schmeicheley den Abgott zubewegen/ nicht zugeſtatlen daß dem Hauſe welches erbauet werden ſolle emahlen einig Ur gluͤck widerfahrn moͤge. Von den Tunquinern beten an; theils den Himmel; theils den Mond/ und andere die Sternen. So ſejnd noch andere welche fuͤnff Theil der Welt/ in mitten der uns und ihnen zwar auch aber verduncklet/ bekanten 4. Theilen/ ſie noch den fuͤnfften ſetzen/ an betten. Wann dieſelben ſolchen ihre Pfficht erweiſen/ tragen ſie für jeden eine ſonderbare Farb nemblich das Bild gegen Norden/ verehren ſie ſie mit ſchwartz gleich wie auch die Tafel und die Schüſſeln darin die Speis⸗opfer gebracht werden für das Dild des mittags gehen ſie Noth/ für den Aufgang grün/ und für den Nidergang weis bekleidet; und wann ſie das Mittel der Welt anbetten iſt ihre Farb gelb. Dieſelbigen Opfern/ den 1/ den 5 oo Pferden/ den Kuhen und faſt allandern Thieden/ auch den Baumen. Die jevigen welche ſich befleiſſen die Chineſiſche ſchrifft zuverſtehen pflegen in dem fuͤnfften Monden des Jahrs für die Abgeſtorbenen ſo kein begraͤbnuß haben/ zu opfern/ in der Einbildung daß hiedurch ihr Verſtand/ um alle Dinge zubegreiffen deſto eher erleuͤchtet werde. Im Anfang eines jeden Jahrs halten diſelben ein groſſes Feſt um die jenigen welche bey ihren Lebzeiten herliche Thaten gethan einen Muth gehabt und ſich tapfer er zeigt/ under deren Zahl ſie die begreifen; ſo wider ihre recht maͤſſige Fuͤrſten ſich aufflehnen doͤrffen/ mit vermelden das ſolche hertzhaffte Leuͤte geweſen/ nach ihrem tod zuverehren/ Drey Tag vor diſem groſſen Feſt ſo in einem groſſen Feld begangen wird/ werden daſelbſten viel Altaͤr/ deren der eine fuͤr die Opfer die anderen darauff den Nahmen der jenigen fuͤrtrefflichen Manner und Kriegsheldent deren ruͤhmliche Gedachtnus begangen wird zuſtellen, Den abend zuvor ziehen uͤber 40. tauſend Soldaten auff diſes Feld/ alda zu uͤbernachten/ und alle Fuͤrſten und Mandarins haben befehl/ mit groſſer Anzahl Elephanten und Hand⸗ pferd auch daſelbſten ſich einzufinden. Der Koͤnig kombt in Perſohn auch dahin. Wann alle Opfer für die Verſtorbenen vollendet und viel Weyrauch verbrent worden pflegt der Konig und alle Furſten und Mandarins 4. mahl eine tieffe Reverentz an dem Ort der Altaͤre und da die Nahmen der Kriegshelden ſeind zumachen und hernach werden von dem Koͤnig fuͤnff Schuͤſſe mit Pfeilen/ gegen denen Altaͤren da die Nahmen deren welche ſo verwegen geweſen wider ihren recht maͤſſigen Fuͤrſten ſich auff zu lehnen/ gethan/ auff diſe Ceremoni folgen viel Schuſſe auß groſſen Stucken/ und 3. Salven auß Muſqueten von den Soldaten alle diſe ſeelen in die Flucht zu jagen. i werden alle Altar/ und ſehr viel verguͤldet papier ſo zu den Opfern gedient verbrant/ und wird alles mit einem erſchroͤflichen Geheul der Soldaten geendigt. Und zum Beſ ius wud von den Bonziern/ Pfaffen und andern der gleichen Leuten allerley 71775 ſo zu den Opfern gedient verdehret. Das Geleut ihrer groſſen Glocken ſo den erſten und fünffzehenden des Mond, ſcheins beſchicht; iſt mit Verwunderung zuhoͤren/ den ſolches ſeind Feſt⸗Tage ihrer Goͤtter/ und alle Bonzier und Pfaffen verehren dieſelben viel mehr als ſonſten gewoͤhnlich/ in dem ſie ihre Gebett doplen und 6. mahl eine attung Roſenkrantz außbatten. ſelbigen Tagen laſſen viel auff die Begraͤbnus ihrer abgeſtorbenen Verwanten fuͤr derſelben Seelen /eſſen und trinken tragen/ da den die Bonzier und Priſter nicht ermanglen ſich ein zufinden/ und nach dem das Gebet beſchehen/ bon denn zum Opfer dinenden Beſchreibung des Koͤnigreichs Tunquin. Als dan In denSpeiſen was müglich zu eſſen und laſſen das übrige den Armen. Es ſeyn nun dieſe Bonzier und Sayes beſchaffen wie ſie wollen Pfaffen n erden dieſelbigen doch von dem Konig We vergehl und den Mandatins nicht hoch geachtet; ſon; dern allein von dem gemeinen Volk in ehren %%%%%ͤũ̃ P Es ſeind in dem Koͤnigreich Tunquin auſſer in den groſſen Staͤdten/ die mit vielen Pagodes oder Templen verſehen/ wenig Flecken noch Doͤrffer darin nicht ein pagode/ deren jede auffs wenigſt von zween Bonꝛes und zwen Sayes bedient wird. Aber ſonſten finden ſich der Pagodes welche beides Bonzes und Sayes bis in 40. ſo ins gemein under einem vorgeſetzten leben/ underhalten muͤſſen. Dieſelben ſeind des Chacabout Glaubens/ ein den nern Bock iſt ihr Abgott den ſie anbeten. Sie tragen alleſambt eine Gattung Roſenkrantz von 100. holtzernen und ſehr groſſen Knoͤpfen/ ſambt einem Stab oben mit ernem Vogel von geferniſtem Holtz. Sie ſamlen zu ihrer Underhaltung das Allmoſen; und ſeind nicht wie die Bonzes in anderen Königreichen welche das Allmoſen gravitatiſch begehren/ nicht wie jene demütig und beſcheidenlich niemahlen mehr als ihnen noth wendig annehmend/ und wann die ſelben nach ihrer Mahlzeit etwas uͤbrig/ geben ſolches den Armen Wittben und Waſſen die ſich nicht ernehren koͤnnen. Ihre Regel erlaubt den Heurath/ da fern ſie auß dem Kloſter gehen. Der groſſen Herren Leichbegaͤngnüs begleiten ſie gemeinlich/ beten auß ihren Roſenkraͤntzen und blaſen dabey mit ihren Hoͤrnern und Trompeten laſſen zugleich auch die groſſen Glocken ihrer Pagodes oder Templen erſchallen. In dem ubrigen halten die Tunquiner zwen Zauberer und ein Zauberin in ſonderbahren Ehren. Der erſte diſer Zauberer qpar welchen ſie Tay/ bou nennen beredet dieſelben und zung 17 prob daß er kunfftige Dinge wuſſe/ derowegen bey Vorhaben ihre Kinder zuperheurgthen/ ein Haus bauwen zulaſſen/ ein Landder ner tel. gut zu kauffen oder einen Gewerb anzufangen pflegen ſie diſen vermeinten WarſagerGeiſt umb Rath zufragen was ihnen begeg! nen moͤchte. Der Zauberer/ empfaͤngt freundlich und mit ſcheinbahrer Beſchel denheit befragt dieſelben zum exempel/ das Alter der Perſohn um welche es zuthun/ den Fortgang ihres Vorhabens zu wuͤſſen. Her, nach nimt er ein groſſes Buch drey Fingerdie in welchem allerley geſt alten von Menſchen und halben Menſchenz allerley Thier der Erden und Waſſers/ ringe/ triangel und quadraten ſtehen/ thut daſſelbe auff und zuglel in einen Becher 3. Stuͤcklin Kupfer auff welchen einer Seits etliche Buch aben Aue 5 ben ſind nach deme dieſe 3. Stuͤk Kup er wohl geruͤttelt/ wirfft er ſolche gleich 15 umb das Los auff die Erde. Wann ar, Buchſtaben ſich unden befinden; mag e nicht in ſein Buch ſe hen/ den ſolches eine 112 gel ind e beh f. ich ſi. Erden ſeye. lud 1 ſhreteuf00 berrige en jeder 3. Salven auß Muſqueten um ben Geiſt Verwaffte. Der Waſſer Gott ſey eine Urſach ſeiner Kranckheit/ und das beſchicht wann der Krancke/ ein Waſſermann/ als Bootskuecht/ Schiffer/ Fiſcher iſt un damit er geſund werden und der Gott begutiget widrum in ſein Waßer Reich Kehren moge/ befiehlet der Zauberer die Straſſe von dem Haus des Krancken bis an den negſtligenden Flus/ mit dem aller ſchoͤnſten Zeug ſo die Verwanten bekommen koͤnnen oder haben; zubedecken und nacheinander Hutten auß zurichten in ieder deren zwo Tafflen welche drey Tag lang mit allerley Speiſen bereit ſtehen ſolches alles nurallein den Gott ſich widrum wegzubegeben zuveranlaſſen/ und demſelben bis er in ſein Reich gekehret Ehre zubeweiſen. Aber um der Kranckheit Urſprung noch beſſer zu erkundigen/ beredt ſie der Thy-phou thony, daß nothwendig den Thay-Bou; welches der Obriſte Zauberer/ um Rath zu tagen; wann derſelbe zur Antwort gibt/ daß die Seelen der Abgeſtorbenen (den ſie glauben daß die Seelen von einem eib in den andern fahren) dieſe Kranckheit verurſachet wendet der Zauberer allen ſeinen Fleis eiſt und Kunſt an/ um dieſe boshafften Seelen zu ſich zubringen/ und wann er o lenige; welche des Ubels ſchuldig/ wie er lagt/ in ſein Gewalt bekommen; pfleg er die, Beſchreibung des Koͤnigreichs Tunquin. boͤſe Vorbedeutung fuͤr die Perſohn welche es angehet zu ſein pfſege. Aber wann em oder zween Buchſtaben über ſich kommen als dan ſthet er in ſein Buch/ und beredet die Perſohn zuglauben was ſie wunſchet. Wann ohne gefehr aller 3. ſtucken Schrifft uber ſich ſcheinet rufft der Zauberer mit lauter Stime daß ſolcher der glüͤkſeligſte Menſch auff Zu dem zweyten Zauberer/ Thay. phouthouy genent haben ſie Zuflucht m ihren Kranckheiten. Wann ein Krancker bey ihme ſich anmeldet/ nimbt er gleich dem erſten Zauberer auch ein Buch mit allerley figuren formiert allein in der Form der Bücher iſt ein Underſcheid/ den dieſes nur eines Daumens dick und ohngefehr vier Fin ger lang iſt ant 8. Blattern auff ſe dem deren viel ziffern dal unde stehen. Vzann der Zauberer nach viel vor ſihrung. dem Krancken geübten Narrenpoſſen um denſelben zubetriegen/ vorgibt doß er befinde das die Kranckheit von dem Geiſt her komme/ wird derſelbe von ihme dem Krancken und all den ienigen die ihne begleiten/ geehret. Diſe Ehrerbietung beſchicht mit vielen Opfern; und des Krancken Freunde pflagen dem Geiſt oder viel mehr dem Zauberer einen Tiſch mit Reis und Speiſen darzuſtellen. Ii fahl aber nach allen diſen Opfern ſhedeher. der Krancke nicht geneſen kan umbgeben deſfehl ſelben Verwante und Freunde ſambt ſo viel ble et Sol aten als ſie bey bringen Können die a! Wohnung da der Krancke iſt/ und thut ein auß dem Haus Zu jagen. Biſweilen beredet der Zauberer den Krancken und deſſen 101 ſelbe in eine flaſche voll waſſers einzuſchlieſſen bis der Krancke geneſen; als dan wird die flaſche gebrochen und hat die ſeele widrum die freyheit. Wann biſt arme leute hir Geſundheit wider erlangt/ beredet der Zauberer dieſelbigen wann diſe ſeele nicht wohl einge, ſchloſſen geweſen were; weren ſie nimermehr von der Kranckheit auff kommen ſonderr hetten ohnfehlbar ſterben muſſen. Die zauberin welche die Tunquiner auch um rath fragen wird Bacoti/ genennt und hatt groſſe verflaͤndnus mit dem Geiſt/ welchem dieſelbe wann ſie eine lochter zur welt bringt alſobald ſolche opfert/ um ſeine gunſt beſſer zuerlangen/ und mehrere Wiſſenſchafft in der zauberey zubekommen. ann eine Mutter den todt ihres Kinds beweinet und den Zuſtandiſeiner Seele in der andern Welt wiſſen will/ meldet ſie ſich bey diſer Bacoti an/ welche der begirde diſer Mutter ein genugen zuthun alsbald ihre trummel rührt/ durch diſes Gethoͤn die Seele des verſtorbenen herfur zubringen/ welche/ der zauber in vorgeben nach/ erſcheinet und ihr ob ſie wohl oder übel ſeye/ offenbahtet; aber gemeinlich bekommen diſe arme Muter den beſcheid das die ſeele an dem Ort daſſelbe ſich befinde ſeelig ſey; und der wegen getroſt ſein ſollez wann ſie nicht wolle Juerkennen geben daß ihr Leid/ das ihr Kind ſo wohl verſorgt ſeyheDie aberglaubiſchen Irthuͤmer diſer Volcker ſeind in ſo groſſer anzahl daß auch ein gantzes buch davon zuschreiben ware/ aber es ſolle genug ſein etlichen der vornembſten davon ich noch Meldung thun wil hieher zu ſetzen. Die gelehrten befleiffen ſich Etliche andeſehr in einen ſpiegel ſehend/ kunfflige Dinge re Arten aberzu verkundigen/ und ruhmen ſich daß ſie glaͤbiſcher den Jenigen welche ihrer raths pflegen ihre Perſohn und kunfftige Geſchaͤffte anbelangend waarſagen koͤnnen. a Es ſeind etliche melche den Abgeſtorbenen Brantenwein darbieten und damit ihr Aſchen beſprengen; jedoch geſchicht ſolches allein von ihren gros Eltern/ Geſundheit/ Ehr und Reichtum zu erlangen. Andere wachen den eiſten Tag ihres Jahrs auß Kalk mancherley Geſtalten rund/ viereket und in triangel auff die Tuͤrſchwelle und Tritt ihrer Pforten und ſagen das dieſe figuren den boͤſen Geiſtern eine Forcht machen und das inſonderheit der triangel dieſelben alſobald verjage. Elliche ſchlieſſen auß den Fuͤſtapffen der Huͤner/ gutes oder boͤſes. Andere die uber Feld gehen und nur ein mahl nitſen kehren widrum an den Ort/ da dieſelben des Morgens auß gangen/ in der Einbildung wann ſie Furter giengen das ihnen ohne Fehl ein Ungluͤk begegnen würde; aber wann ſie zwey mahl nieſſen/ gehen ſie froͤlich fort und beſorgen ſich ſebigen Tag nicht der geringſten Gefahr. Es befinden ſich deren etliche die ſo abergſaubig daß nana wann ſie im Ausgehen des Hauſes ein Saber Weib antreffen/ alſobald für zoo oder drey loſophie. N 2 Stund Irzthuͤmer. Etliche meinungen auß Phi 102 Stund nacher Haus umkehren; in Meinung wann ſie fuͤrter gangen/ ihnen ein Ungluͤk begegnet were. Aber eine Mannoperſohn alltreffend halten ſie für gute An, J vB Die erſte Frucht die ſie im Eingang ihres Jahrs ſamlen iſt von dem ſo genanten Arequie/ davon im 3. Capitel Meldung beſchehen/ und iſt auch die erſte ſo ſie mit groſſer Ceremoni in Zeit des erſten viertel/ des andern Mondens genieſſen. Es ſeind under ihnen einige in ſolcher maaſſen teuffeliſch Ihre naͤrri85 Einbildungen von den Finſternuͤſſen. verblendet/ daß ſie dieſe Frucht vergiften/ und hernach einem Kind zueſſen geben/ in dem ſtarken Aberglauben daß nach dem diſe Unſchuldige Creaturen des Lebens beraubet das Glück ihnen daß ganze Jahr durch gunſtig eyn ſollt. 8 Wann eine Finſternus an dem Mond ſich zutragt/ geben ſie vor es ſeye ein Drach/ der wider denſelben Streite und ihne zuverſchlingen trachte. Alsdan dem Mon zuhülff zukommen und den 0 1 e Feurs geſchos brennen alle die ienigen we haben los/ alle Glocken werden geleuͤtet/ die Trommel geruͤhret/ und mittler weil/ nimt die Finſternus ein Ende; und ſolches verurſachet daß ſie glauben daß durch ihr Vermitlung der Mond errettet werde; wie ſie den auch daruber ein Freudenfeſt halten/ gleich ob hetten ſie einen groſſen Sieg wider ihre Feind erlanget. Nicht weniger Aberglauben haben diſe biges ihme Ungluͤk bedeute. Volker auch wegen der Tag und NachtStunden/ ſie theilen den gewohnlichen Tag/ das iſt Tag und Nacht/ in zwolff Stunden/ und geben einer ieden den Nahmen eines Thiers/ als Tieger/ Loͤw/ Bar; Pferd/ Drach/ Aff ꝛc. Die Monden und Tag haben gleichen Nahmen und wann ein Kind zur Welt gebohren wird/ beſehen die eltern und Verwanten alſobald den Nahmen des Thiers der Stund in welcher das Kind geboh en und glauben gaͤntzlich daß ſel, In der Zeit da mein Bruder an dem Hoff in Tunquin ſich befunde; gabe der damahlen regirende Koͤnig in der Stund des Pferds/ weil er in derſelben auff die Welt kommen kein Gehoͤr und gienge auch nicht auß ſeinem Pallaſt beſorgend es moͤchte ihme in diſer Zeit ein Unglück begegnen. Diſer Fuͤrſt ware ſolcher maſſen aberglaubiſch daß als eines ſeiner Kinder/ in dem fünften Monden/ welcher den Nahmen des Plerds hat/ ſtarbe/ niemahlen geſtatten wolte daß ſelbiges begraben wuͤrde/ ſondern lieſſe den Leichnam verbrennen/ und hernach dle Aſchen in die Lufft werffen. Diſes iſt was ich ſonderliches and denckwuͤrdiges von dem Zuſtand des Konigreichs Tonquin ſo wohl von meinem in Indien verſtorbenen Bruders/ mir hinderlaſſenen Schrifften/ als denen mit vielen Tunquinern zu Batavia und Bantam gehaltenen Geſpraͤchen zuſammen bringen koͤn a Sſtorſch⸗ Geſcrebeng 5 „ Vom 3 5 halten ders der in Aſien So wohl gegen ihre Interthanen als aud gegen die Nrembden ihre Handlun zu erhalten. e 8 Das fue Buch Das erſte Capitel, Des Authoris Vorhaben. CH habe mir keines wegs fuͤrgeGhollaͤndern ins gemein ihr Verhalten in Aſien zu verweiſe/ in dem ich die Feder er5 griffen/ die Unruhẽ welche der etlicher Leute in Aſien zum Spote und Schande ihres Vaterlandes da dem Chriſtlichen Nahmen erzeget in Welt unter Augen zu legen. Mir iſt gar wohl bekand daß dieſe Vocker nomen den durch ihre Schiffart und Waffen keinen geringen Ruhm erworben ja das ſie Kunſte kobſpruch der und Wiſſenſchafften niemals ungelibt und e ohne Huͤlff reiche Hand gelaſſen. Dannen⸗ ation. hero ſol weit von mir entfernet ſeyn ſie zu beleibigen/ welches mir auch anjtzo da dieſelben den Friden zu dem ſich unſer Koͤnig ſo großmůtig erklaͤret gar geneigt angenommen/ und mit uns in einen ihnen nicht unnuͤtzlichen noch ſchimpflichen Bund getretten ſehn/ weniger als jemahls zu vor/ zu thun erlaubet iſt. Ich muß bekennen daß alles Thun und Laſſen diſer Republic mit einer ſolchen Klugheit vereiniget ſey/ daß ſie billich eine ungemeine Hochhaltung und der gantzen Welt Verwunderung nach ſich ziehe. Ein jeder kan urtheilen ob der Widerſtand welchen ſie dem gantzen Hauß Oeſtee weich 1 5 14 Ihre taͤgliche Sorge andere reich gethan nicht gnugſam zu verwundern ſey/ und was ſie in diſem letzteren Krige/ in dem ſie alle Europeiſche Fürſten in ihre Handel zu verleiten/ und die bequeme Zeit ſolche zu ſchlichten und ihres erlittenen Schadens ſich wider zu erholen gewuſt fuͤr Klugheit erwiſen. Nichts deſto weniger aber kan auch niemand leugnen/ daß die groſſe Begirde des Gewinns welche diſe Voͤlcker mit ſich auff die Welt bringen offters verurſachet/ daß ſie in die groͤſte Unthaten gefallen/ ja daß der Neid ſie ſo weit getrieben/ daß ſie taͤglich trachten und nichts mehr verlangen als andere Nationen von dem Handel gantz Nationen zu und gar auß zuſchluͤſſen daß ſie auch ihre eiun terdruͤcken. ſchuldigen wird/ daß ich unrechtmaͤſſigen gene Wohlfahrt und Freyheit in die Schantze zu ſchlagen kein bedencken gehabt/ da ſie doch vielmehr hetten erwegen ſollen/ daß Handel und Wandel niemanden verbotten/ ſondern allen den jenigen die dazu ihre Krafſte anwenden wollen/ frey ſtehe/ und daß kein Geſetze ſey welches zugebe daß ein ſtaͤrckerer Macht habe/ andere zuvertreiben und zu ihrem beſten hinderlich zu ſeyn. Was mich ſelbſten anbelanget ſo habe ich jederzeit dafur gehalten/ daß Gerechtigkeit und Treue eines Kauffmanns Eigenthumb und füͤrnembſte Gabe ſeyn ſolle/ kan mich auch rühmen daß ich dieſe Meinung niemals uͤbel befunden/ und weiß daß mich niemand beGewinn genommen jemanden in dem Kauff gefallen/ viel weniger durch unbilliche Mittel meinen Stand zu verbeſſern getrachtet. Ein gutter Ruhm und Nahm in dem ganzen Orient iſt dafur meine Belohnung geweſen/ den der gantze Grund/ etwas zu erwerben beſtehet darauff das man den eigen Nutz hintan ſetze/ und daß man wiſſe ſelbſten zu gelegener Zeit ſich dem Schaden und Verluſt zu unterwerffen. Ich habe jederzeit mein Vermoͤgen fur nichts geachtet wenn ich entweder zum beſten des Chriſtlichen Nahmens oder zur Ehre Franckreichs ja zu meinem eigenen Ruhm etwas anzuwenden Gelegenheit gehabt/ und mich viel mehr einen Verſchwender als Geitzigen diſes fals anklagen laſſen/ und obſchon die jenigen die mit mir intereſſiret geweſen den Nutzen meiner Freygebigkeit ebenfals genoſſen/ ſo Des Autkoris Vorhaben. habe jch doch keinem deßwegen etwas an Rechnung geſetzet. Diß iſt das Mittel ge weſen daß mir aller Fuͤrſten Hoffe offen geſtanden/ und daß ich bey allen den jenigen welche ſich in die Handlung miſchen ein guttes Vertrauen erlanget/ ob wohl dadurch meinem Vermoͤgen ein merckliches entgangen/ ſo kan ich doch bezeugen daß ich ſo wohl den Chriſten als meinen Landsleuten niemals ſchimpfflich geweſen/ ich kan dem Höchste nicht gnugſam dancken/ daß ich einen guten Nahmen erworben/ und ſchatze denselben viel hoher als alles Gold und Perlen welche Indien jemahls hervor gebracht/ dieſes aber hat der meiſte Theil der HollanHiſtori vom Verhalten der Hollander in Aſien. diſchen Kaufflzute und Officirer unterlaſſen/ und weil ich mit meinen Augen Zeuge ſeyn koͤnnen(innerhalb 40. Jahren bie ich in Alia zugebracht) was ich hiervon geſchrieben/ ſo wil ich auch nichts vorbringen als was mit der Wahrheit volckommen überein kommet/ viel weniger etwas anfuͤhren daß ich nicht entweder mit eigenen Augen geſehen oder von vertraulichen Leuten welche die Sache zu verfaͤlſchen keinen Genuß erwartet erfahren habe. Im ubrigen ſol ſich auch meine Feder an den Ständen ihres gemeinen Weſens welche ich auffs hoͤchſte ehre niemals vergreiffen/ ſondern bloß die jenigen beſtraffen/ deren unzaͤhlbare mir erwieſene Uubilligkeiten ich keines weges zu verſchonen Urſach habe. 5 Die Erzehlung aber wie die Hollander in Indien einen feſten Fuß geſetzet dienet nicht zu meinem Vorhaben/ weilen zich hierinnen allzu weitleufftig ſeyn wuͤrde/ ſondern ich will eintzig und allein vorſtellen wie ſie ſich zur Zeit meiner Reiſen verhalten haben/ und zweiffele keines weges ich werde ihrer hochberumbten Han dels, Compagnie keinen unangenehmen Dienſt thun/ ſintemal ich viel zu entdecken gedencke dadon ſie entweder gaͤntzlich nichts weiß oder welches ihr doch nicht außfuͤhrlich genug bekand iſt. Ich habe es meiſtentheils auß dem Munde der fuͤrnembſten der Contor die man ſonſt Com mendanten nennet erfahren/ deren unterſchiedliche in Perſien und Indien ſind/ bey denen ich mich offters befunden/ und dannenhero all ihr Thun und Laſſen mir leichtlich bekand machen konnen. 5 Es iſt zur gnuͤge bekand daß die Indianiſche Compagnie in Holland auß 6. Kammern beſtehe/ diſen 6. Kammern ſind 16. Rathsheren oder Oberauffſeher vorgeſetzt/ welche 17. Stimmen haben/ ſintemal der Præſident derſelben zwey hat. Amſterdam machet die helſſte der Compagnie/ Middelbourg macht ein viertheil/ Roterdam/ Delfft/ Enckuiſen und Horn das andere viertheil oder beſſer zu ſagen ein 16. Theil. Diſe Weltberuͤmte Compagnie meine ich welche den ſchroͤcklichen und unertraͤglichen Miß brauch der ihrigen zu ihrem Schimpff und groͤſten Nachtheil/ verträget oder auffs wenigſte nicht achtet/ und alle mogliche Mittel diſem Ubel zu ſteuren in den Wind ſchlaget. E darff niemand zweiffeln daß diſe Nachlaßigkeit eine Urſach und augenſcheinliche Zuͤchtigung geweſen/ der aan en 1 5 1 der Unbilligkeiten die ſie ungeſtrafft gelaſſen Geſch el00 n bel unge land Heli daß ſie der Inſel Formoſa an welcher ihnen ſchen ſehr viel gelegen verluſtig werden mu von welcher Zeitan ihre Herꝛlichkeit vergrin, gert worden. Denn nach dem die Chineſer Funquiner Cochinchiteſer und ande Voͤlcker deren Lander Seide herfür ſbring, eben ſo wohl als die Japoneſer die Auge auffgethan/ und geſehen daß die Hollander „„ ſten/ und allenthalben allein Meiſter ſeyn wo Fenſelſſen page Wag Af 5 5. diDet * ſes J die . ander I Verl, c um Walen gel Hiſtori pom Verhalten der Hollaͤnder in Alſien denſelben welche diſes nach zu thun vermeinten alßbald Krieg ankuͤndigten. Alle diſe Voͤlcker/ ſage ich/ unterſtunden ſich gleichfals der Seiden Handlung anzunehmen/ reiſeten nach Japon und gaben dieſelbe auff den hundert 22. beſſeres Preiſes als die Hollaͤnder. Uber diß zeugten ſie auch dem Japaniſchen Keiſer an/ ſie wolten ſolche noch umb 30. am hundert beſſeres Kauffs geben als ſie/ dafern Handel und Wande ihnen ſolte frey ſtehen und die Hollander ſie zu vertreiben unterlaſſen muͤſten/ ſie erbotten ſich auch ein gleiches mit andern Waaren zu thun. Denn das meiſte was die Hollander nach Japan zu fuͤhren pflegten kam auß diſen Landern/ und beſtund gemeiniglich in Seiden und Hoͤrnern/ ſonderlich an Baͤffels/ Hirſch und Ochſen⸗Hoͤrnern/ Buffel und Hirſchhorn brachte ihnen die Inſel Formoſa genug. Mit einem Wort zu ſagen. Durch den Verluſt der Inſel Formoſa hat Holland die ſchoͤnſte Blume auß ihrer Krohne ver, lohren/ und von derſelben Zeit an bekommen ſie auß Japan nicht den dritten Theil deſſen ſie zuvor genoſſen. Ich habe diſes als ich Anno 1666. zu Bengale war theils durch das Geld welches zwey Schiffe die auß Japan kamen mitbrachten/ theils durch den Bericht etlicher Leute die in der Compagnie Dienſte weren zur genuͤge verſpuͤret. Endlich hat der Japaniſche Keiſer einen Befehl außgehen laſſen/ durch welchen er ſich fürgeſetzet/ Dafern die Hollander andere beunruhigen und ihren Handel verderben wurden/ wolte er alle die jenigen die er in ſeinem Lande erhaſchen wurde creutzigen/ und nimmermehr zu geben daß ein einiger einen Fuß ans Land ſetze. Und auff diſe Weiſe iſt der groſſe Handel welchen die Hollander in Japan führeten/ in abnehmen gerathen. Ich habe oben angezeiget daß die Hollaͤn, diſche Compagnie alle Ungerechtigkeiten und Grauſamkeiten welche ich bald mit Exempel fuͤrlegen wil geſtatten und zugelaſſen/ und kan wohl ſagen daß ſie den ſchoͤnen Thaten die wir den Spanniern in America bey meſſen ziemlich gleiche kommen/ die ihnen aber beſſer zu verzeihen als den Hollaͤndern ihren Nachahmern/ weil ſie ihre Grauſamkeiten wider unglaͤubige und wilde Heyden außgelaſſen/ unter welchen ſie auch hatten koͤnnen unterdrucket werden/ die Hollander aber auch Chriſten gleichmaͤſſig anzufallen keine Scheu getragen/ deren bloſſer Nahme ihrem Wütten zu gnugſamen Widerſtand hätte dinen ſollen. Das es ihnen auch an guten WundaͤrtzAnda 2 1 goed ken gefehlet iſt der Compagni kein geringes helge Nachtheil geweſen/ weil ſie ſich mit den ſelben nicht gnugſam verſehen. Und hierinden wird ihr ſehr uͤbel gedient/ den die meiſten die ihre ſchiſſe beſteigen ſeind nichts an dertz als junge Buben welches nach dem ſie in einer Bude ihre 3. jaͤhrige Lehr Zeit auß105 geſtanden und nichts mehr als Bart butzen gelernt oder auffs hoͤchſte einen Meſſerſchnit zu verbinden wiſen/ die unter den Botsknechten gar gemein ſind/ kommen und ihre Dinſte anbieten wann eine Flotte auß gerüſtet wird. Es iſt zwar gewis das der Compagni gaͤntzliche Meinung iſt tüchtige Leute zu treffen weil ſie von einem guten Meiſter der ſtadt dem man billiche Beſoldung gegeben wohl Examinjert worden/ aber diſem Meiſter iſt es garnicht zu wider das er auff beiden ſeiten ſeinen Theil er haſchen kan/ und diſes gehet gemeiniglich auff ſolche Weiſe her/ der junge Wundartzt gehet hin und preſentiret ſich der Compagni die ihm ver ſpricht ihn an zunehmen/ wann der geſchwworne Meiſter ihn fuͤr tuͤchtig erkennen kan. Alßbald gehet diſes Kerls Vatter oder Mutter oder einer ſeiner Freunde/ beſucht den Meiſter und verehret ihm etwas/ da den dem ſelben der am meiſten gibt der Vorzug über laſſen wird. Wenn nun auff diſe Weiſe der Kauff gemacht/ gibt er ihme ſeine Lection auff geſchriben/ und ſpecificiert alles was er ihn fragen wil und was er antworten ſol/ weil das Examen in bey ſeyn andrer Wundaͤrtzt geſchehen muß/ unter dieſen findet ſich bis weilen der Her: Pate oder Gevatter/ welcher ſich etwann erinnert das man ihn zu Gaſt gebetten oder das mans vileicht thun wird/ und alſo muß alles gar erbar und richtig zu gehen. Wann nun der junge Meiſter Wundartzt auß gemacht/ ond zu Schiffe ſteiget/ und ſich mit etwas zugerichteten antimonio verſehen/ oder etwann ein Pulverlein das 15. oder 16. Stuͤle machet zu zurichten weiß/ ſo glaubet er/ er habe alles in guter Bereitſchafft. Als ich zu Battavia war/ und die Hollaͤndiſche Flotte an komen ſahe ich einen Balbiker auß dem Schiffe fuhren welcher gefeßlet war. Ich beftagte mich umb deſſen Uhrſache und bekam zur Antwort man hette ihn des wegen in die, Eiſen geſchloſſen weil er 10. Krancke auff dem Schiffe in der Cuhr gehabt und ihnen ein Reiniguns Safft gegeben darvon ſie in in wenig Stunden geſtorben. Die Wundartzte ſahen wohl das er dem Stricke nicht entgehen wuͤrde wie er dann wuͤrklich dar zu verdammet/ aber damit ſie nicht den Schimpf haben mochten das einer ihrer Bruder und Handwercks Genoſſen durch den Strick ſterben nuüſſen fanden ſie Mittel das er mit Gifff hin gerichtet wurde. Eben zur ſelbigen Zeit kam ein Frantzoͤſiſcher Goldſchmidt zu mir das ſich im Hospital ein junger Pariſer befinde der in einem elenden Zuſtand ſeh. Die Christliche Liebe noͤthigte mich das ich hinging und ihn beſuchte/ als ich ihn ſahe ſtunden 5. oder 6. junge Wundaͤrtzte umb ihn und berathſchlagten ſich ob ſie ihm nach Mittage das Schinbeyn welches ſehr verwundet war abloſen/ welches ſie auch zu thun beſchloſſen. Diſes nun zu hinter kreiben und den armen Menſch auß diſer Nd 5 g b der und unwiſſenden Buben Handen zu erloͤſen ging ich zum Major und baht mir diſen Soldaten zu geben/ denn ich in acht zu nehmen/ und zu erhalten verſprach/ icherhilte dis/ und gab ihn bald einem Teutſchen der der Sclaven Wundartzt war unter die Haͤnde/ der ihn auch in kurtzer Zeit geſundt machte. Ich that noch mehr durch gute Freunde und Geſchenke/ er hilte ſeinen Abſchid/ und fuͤhrte ihn mit mir nach Franckreich. Er hies Samuel Lorgin war eines reichen Burgers von Paris Sohn welcher auff der Seine Gaſſen wonhafftig iſt. Ich habe mir derohalben fuͤrgenommen in diſer Erzehlung alles thun und Laſſen der Hollander in Aſien ans Licht zuſtellen/ und ſonderlich das jenige was zumeiner Zeit unter jeglichem General zu Barta via und unter den Eomendanten der Contor in Indien und Perſien vorgangen iſt. Ich will nachmahls auch zu den Hollaͤnderinen komen welche oſſtmals wie die Weiber an andren Orten/ einen guten Theil der Regirung verwalten. Endlich aber wil ich dem Leſer ſeyn freyes Urtheil uͤber diſe Sachen hein ſtellen/ und laße ihn nach ſeinem Beliben/ hier uber bedenken machen. 195 Das andere Capitel. 5 Von der Inſel Formola und wie die ſelbe durch Verꝛaͤtheren deren ſich die Hollander gebraucht in dem ſie ſich der ſelben bemaͤchtiget/ und die Engelaͤnder vertriben erobert worden. Des gleichen wie die Chineſer ſolche den Hollaͤndern durch verwahrloſung des Commendanten im Jahr 166. den 5. Julũ wider abgenomen. D Je Inſel Formoſa hat etliche 80. Mei⸗ N len im Umbfang/ die Hollaͤnder ſind niemahs gantzlich daruber Meiſter geweſen. Sondern haben eintzig und allein 4. 190 52. Doͤrffer und 14. oder 15. tauſt nd Menſchen unter ihrer Gewalt gehabt. Man hat lange Zeit da fuͤr gehalten das ein Theil bes Goldes von dem man glaubet es werde auß lapan gebracht auß diſer Inſel komen/ und auff folgende weiſe iſt man hinker die Sache komen. Es befand ſich in der Feſtung ein junger Menſch welcher die Stelle eines Unter⸗Handlers bedinte/ er wurde aber weil er ein wenig liderlich war und ſein Ainbt nicht zum beſten verſahe/ abgeſetzt/ und zu einem gemeinen Soldaten gemacht/ alßer ſich nun in einein ſo kläglichen Zuſtand ſahe/ entſchloß er ſich lieber zu ſterben als in diſem Elende langer zu leben. Dero halben %s HOiſtori vom Verhalten der Hollander in Aſien. weil er ſich offters in dem Magaſin darinen aller hand kleine Wahren waren/ ſich allein befand/ ſuchte er ein und andres zu ſammen welches ihn für die Leuͤte die in dem Gebirge wohnen dienlich zu ſeyn ſchine machte ein Packet davon/ und als er da mit auß der Feſtung entgangen/ begab er ſich auff den Weg noch dem Gebirge Als er nun ohngefehr 14. Jahr unter diſen BergLeuten ſich aufgehalten/ inwelcher Zeit er ſich ihrer Handlung und Sprache gar wol bemaͤchtigen konte/ entſchloß er ſich wider zu den Hollandern zu kehren/ welche ihn auch gar freundlich empfingen/ weil ſie ſehnlich wuͤnſchten zu erfahren wie diſes Volck lebte/ und was man für Handlungen mit ihnen anſtellen koͤnte. Die Nachricht die er von ſeiner Reiſe mit bracht war folgendes. Erſtlich ſprach er was das gemeine Weſen diſer Voͤlcker anbelanget/ ſo were allezeit uͤber 6. Doͤrffer ein Ober auff ſeher geſetzet nebſt 4. Rathen welche die Gerechtigkeit verwalten und den geringſten Dibſtal mit dem Tode zu ſtraffen pfſegten. Die Leibes Straffe der Männer is Creutzigen/ die Weiber aber werden auff ein Holtz gelegt und angebunder nachmals aber mit einem Sabel in z. Theil zerhauen. Die Maͤnner welche gemordet oder geraubet werden fürnehmlich mit diſer Straffe belegt/ wie ingleichen dibiſche oder Ehbrechriſche Weiber. Daſern aber der Dibſtal ſich nicht uͤber 10. Sols belaufft/ ſo werden ihnen 200. Streiche mit einer Peitſchen gegeben/ und auff die Wangen ein Brandmahl gedruͤket/ damit mon ſie kennen kan. Die ſelbigen welche meinen das ihnen nicht genugſam recht geſcheen eutweder in Civil oder Criminal Sachen die appelliren von dem Sententz und gehen gegen Nordoſt der Inſel in eine am Meer gelegne Statt darmnnen der fürnehmſte diſer Volker ſeine Reſidentz hat. Es begeben ſich vil diſer Ein wohner zu End des Martii in diſe Statt/ und ins gemein die jenigen welche ſich in die Handlung einlaſſen/ diſe Leute bringen mit ſich alles was ſie von Hirſch Buffels und Ochſen Hoͤrnern geſamlet haben/ wie auch allerhand zu gerichtete Leder/ ſie kommen gemeiniglich zu ende des Aprils wider und bringen Japaniſche und Chineſiſche Zeuge/ allerhand Roͤcke und Tücher nach Landes Art/ und eine gewiſe Arten von Guͤldener und Silberner Muntze auß Iapan welche an Geſtalt und Werthen unterſchiden ſind mit ſich. Ich glaube ungezweiffelt/ fuhr er ferner fort/ daß in dem Gebirge diſer Jnſel welches an dem Meer gelegen Gold Adern ſind/ oder villeicht Flüͤſſe welche Goldſtaub mit ſich fuhren/ und welches die Japoneſer mit ihren Schiffen abho? len. Ich habe all mein Vermoͤgen angewendet zu ſehen wo diſes Gold herkofſie/ un wo nan da mit handlet/ aber diſe Leute haben mich wann ich etliche Tage gereiſet wider zuruck geſchickt/ den unter wegs auß 25 90 Hiſtori vom Verhalten der Hollaͤnder in Aſien. oder 4. Stunden von einandern ſtehen Wachten welche wiſſen wollen wo ein jeder hingehe/ und ſie laſſen die Eingebohrnen ſelbſt nicht durch wenn ſie nicht einen Proces führen oder Handlung treiben wollen. Dieſelben aber welche gegen Abend gehen iſt diſes underwehret/ well ſie wohl kwiſen das über den Bergen das flache Land den Hollaͤndren zuſtaͤndig iſt/ und das ſie ſich in acht nehmen werden damit ſie den Hollaͤndren nicht in die Hande fallen. Diſer junge Menſch ſetzte ferner hinzu/ er vermeinte wol durch zudringen/ und bis an den Ort wo die Japaniſche Kauffwardey Schiffe aulanden zugelangen/ wenn ſie ihm Wahren vor diſe Leute diglich als Corallen/ gelben Amber und Spigel und ſonderlich von deren Fiſchhauten welche noch harter als das Zapfen Leder ſind mitgeben wolten. Mit diſen Hauten uͤberzihet man an, diſem Lande die Sabel und Dolch Scheiden/ und ſie halten ſehr vil darguff/ man ſihet am ſtatt des Leders in einer Roſen gleichen 8. in der Runde und einer in der Mitte auff die Weiſe wie beygefuͤgte 5 ch lapan handelten allein da waren/ eſen nach lapan handelten allein da waren 15 es geſchſfam eine unglaublich Sache das man hoͤren ſolte/ wie hoch ſie ein ſolche Haut/ ſonderlich wenn die 8, Steine ein ander gleich waren in einer Hohe und Groͤſe und im Circkel in ebner Diſtantz ſtunden/ und der miſtlere etwas hoͤher und gröſſer war ſchägten. Die Portugeſen als ich zu Goa war haben mich verſichert/ daz ein ſolches Fell bis guff 10. tauſend Piaſtres und drüber geſchätzt worden. Sonſten muß auch diſes Leder ſo lang ſeyn das es eine Scheide bedecken koͤnne und nichts davon abſchneiden oder dran ſetzen dorſſe. Diſe Fiſche werden in dem Perſtiſchen Merbuſen gefangen das ich zrwar geſehen aber niemahls ver mercket das ſie volckommen geweſen wie man ſie ver langet/ den es iſt keine Wahr die in dem Preis höher ſteiget als diſe/ die gerinſten diſer Haute koſten einen Thaler wenn nur. oder 4. ſolcher Steine drauff find wenn die andren abgefallen oder ein ander nicht gleſch ſehen/ im gegen Theil aber kann es volckomen iſt wie alhier vorgebildet/ wird ſolches offt fur 10000. Thaler verkaufſt. „Der Comendant gab diſem jungen Holländer alles was er begehrte/ und lis ihn dihen/ aber als die Hollander gäntzlich durch le Chineſer von der Inſel verjaget wurden/ hat man nicht erfahren ob diſer Menſch wider kommen. Durch was Liſt und Betrug die Hollander diſer Inſel Meiſter wur den/ habe ich glbereit in dem Bericht von laban angeführet/ derohalben fuͤr unnoͤtig erachtet ſelches alhier zu twiderholen/ ſondern Ruͤken 9. Steine welche anzeiget. Vor diſem als die Poͤrtu107 wende mich auff die Geſchicht/ wie ſie ſolche wider verlaſſen muſſen. Ich glaube nicht das dieſelben welche von Eroberung diſer Inſel geſchriben die Uhrſache gewuſt umb welcher willen die Hobaͤnder ſie in ſo kurtzer Zeit uͤbergeben muſſen. Die ſchlechte Hertzhafftigkeſt hes Commandanten hat hier zu ſehr vil geholffen/ wie in gleichem das er einem Frantzoſiſchen Soldaten Nahmens Abraham Dupuis von Roan gebürtig ſein Verſprechen nicht halten wolſen. Diſer Menſch als ſeine Zeit verfloſſen welche in 5. Jahren beſtehet in dem er die zwey Jahre der hin und wider Reiſe dazurechnete/ wie die Compagni verordnet daß man nach außgeſtandner Zeſt keinen Bedinten oder Soldaten auffhalten olle be⸗ e 2 8 2 f f obegehrte er auch ſeinen Abſcheid den ihm much rung er In, ſel Formola. der Commendant verſprach aber ſein Vorhaben ihn zu behalten verborgen hilte/ und verſchob die Sache biß eiwann Schiffe ankomen mochten. Als nun Schiffe ankomen/ und wider nach Battayia kehren wolten/ vermiente der Soldat mit ihnen ab zuſeglen und ſprach zum Commendanten. Mein Herz die Schiffe ſtehen bereit wider abzu fahren/ ihr habt mit ver ſprochen mich weg zu laſſen/ mit den erſten Schiffen die ankommen wurden und diſes kan nun fuͤglich geſchehen. Der Commendant antwortete ihme wenn die Feſtung im Meer wird ſtehen und wie diſe Schiffe unter Segel gehen/ kanſtu dich zur Widerkehr ruͤſten. Kurtze Zeit hernach kamen die Chineſer und belagerten diſen Ort/ zu welcher Zeit eben die Gewaſſer ſo wohl auß dem Meer als vom Lande dermaſſen anliffen/ das die Feſtung mit lauter Waſſer umgeben wurde/ und albereit zu den Jeuſtern der nidrigen Cameren eintrang. Der Soldat als er diß ſahe ging er zum Commendanten und Sprach zu ihm Commendant ihr habt mir verſprochen das ihr mich wenn die Feſtung im Meer ſtehen würde woltet los laſſen/ nun ſehe ich das Meer an der Feſtung hoch gnug das man mit Schiffen herein fahren koͤnte/ der Commandant erinerte ſich bald was er zu diſem Soldaten geſagt/ und ſprach zu ihm gehe Und bitte Got das wir alle nach Battavia kommen konnen. Der Soldat kam halb verztweiffelt hernach in die Corps de Garde/ hatte nicht mehr als ſeine Unterhoſen an und den Degen an die Seite geguͤrtet in diſem Habit ſprang er durchs Fenſter ins Meer und begab ſich auff des Feindes Seite die andren Soldaten welche diſes ſahen gaben dem Commendanten Nachricht davon/ er kam alsbald beſtüntzt is Wachthaus und berſprach dem Soldaten der ihm nachſchwimmen und entweder lebendig oder tobt erhaſchen wuͤlde dem wolte er 200, acht Theil das ſind 200. thaler geben. Es fand ſich bald ein Sergent der ſich diſes gefallen lis und ihme nachſetzen wolte/ aber es war ihm blos zu thun das er auch auß der N O Com es Hiſtori vom Verhalten der Hollander in Aſien, Compagni Dinſte entgehen moͤchte/ weit man ihm eben ſo wie dem Fluchtigen mit geſpilt. Sie genoſſen in ihrer Flucht eine Gluͤckſeligkeit/ und kammen in der Chineſer Lager/ als man ſie ſahe wurden ſie für den Haubtmann Coxima gefüͤhret/ der Feldher welcher ein gar verſtaͤndiger Mann war that ihnen alles gutes und befragte ſich umb den zuſtand der Feſtung/ als ſie ihme nun ein und anders fuͤrbrachten ſtelte er feine Sachen nach ihren Worten an/ und ſonderlich weil ſie ihme anzeigten das er die Feſtung nicht am rechten Ort angegriffen/ ſondern an derſelben Seiten wo ſie am ſtaͤrckſten/ und baten er ſolte ihrem Worte folgen und an einem anderen Orte anfallen und wann die Hollaͤnder ſich inner halb 8s. oder 10. Tagen nicht ergeben wuͤrden/ wolten ſie ihr Leben verlohren haben. Der Feldher: hatte ſich ſchon entſchloſſen wen dieſe 2. Soldaten nicht an kommen weren die Belaͤgrung gaͤntzlich auffzuheben/ als er aber an dem Ot wozu er von den Hollam diſchen Soldaten an gewiſen worden die Feabu griff/ und 5. Tage hernach harte eſchůſſẽ lis/ und ſich zu einen Haubt⸗Sturm ruſtete/ als der Holtaͤndiſche Com̃endant der ſein Leben und die Reichthümer zu verlihren fuͤrchtete/ nebſt den meiſten ſeiner Rathen die auch gleiches Sinnes waren ſahe/ das er ſich dem Sturm abtuwehren ſolte fertig halten/ ſchickte er etliche und erboth ſich zu ergeben/ welches als es verwilliget wurde uͤbergab er die Feſtung auff dieſe zimlich billiche Bedingungen. In währender Belaͤgrung wurffen die Hollander das Los/ und meinten der Chineſer Lager zu uber fallen/ ſie wurden aber geſchlagen und ihrer 14. muſten ſich gefangen geben. Als der Chineſiſche Feldherꝛ diſe Leuͤte in ſeiner Gewalt ſahe erꝛinerte er ſich ſo wol als al auß ſeinem Volcke gar bald der Grauſamkeiten welche die Hollander an den Chineſern offters verubet/ wen ſie zur See einen Sieg er halten/ und lis diſen 14. Hollaͤndren ein Auge Naſen Ohren und eine Hand ab ſchneiden und ſchickte ſie alſo wider in die Feſtung/ mit Befehl dem Commandanten an zu zeigen/ daß ſie diſe ſchoͤne Kunſt mit ihren Feinden alſo umb zu gehen/ von ihnen den Hollaͤndren ſelbſt erlernt hetten/ und das ihm wohl bekand ſey daß einer von ihren Copitainen nach dem er ein Chineſich Schiff erobert und den einen Theil/ des volckes koͤpfen/ die andrer aber ins Meer werffen laſſen/ einem ihrer Wundaͤrtzte einen ſolchen Armen Chineſer auff ſein Begehren lebendig zu Anatomiren uͤber geben der ihn auch zu diſemEnde auff ein Bret gebunden/ die Schiffleute welche diſer Unmenſchligkeit nicht zu ſehenkoͤnten hatten ihn aber auß ſeinen Haͤnden geriſſen und ins Meer geworffen. In dem XVI. Taptitel wil ich den eſer die Geſchicht von diſen 14. Hollaͤndren etwas weit laͤuffiger vor ſtellen. Das 3 Capitel. Wie ungewiſſenhafftig und verwegen die Hollaͤnder in ihrer Capitulation nicht Wort Er vortreffliche Chineſiſche Feldherꝛ Coxima hilte den Holländern getreulich was er ihnen verſprochen/ als ſie ihme die Feſtungen die ſie in der Inſel Formoſa hatten übergeben und verſorgete ſie mit nothwendiger Nahrung die zwey Monath die ſie noch daſelbſt bliben/ und auch für ihre Reiſe. Sie aber die Hollander waren in der Inſel Zeilan nicht diſes Sinnes/ ſondern thaten nicht was ſie dem Koͤnig diſer Inſel in ſeinem Accord wenn er die Portugieſen auß ſeinem Gebiet ver jagen wurde/ verſprochen. Sie und der Koͤnig von Candi welcher uber diſe Inſel Herꝛ iſt hatten einander verſprochen/ alle Doͤrffer und Feſtungen/ welche die Hollander den Portugieſen abnehmen wurden ihme zu übergeben/ mit dem Beding/ daß er nur allein ihnen den Zimmet in einem gewiſſen Preiß darumb ſie ſich vergleichen wolten zukommen laſſe. Die erſte Stadt die ſie eroberten war Ponte de Galle, dabey die Voͤlcker des Koͤnigs von Candi uud Achem ihnen mit beſſer Macht beyſtunden/ ſie ergriffen ein Mittel daß fle die erſten in der Stadt waren/ und bemaͤchtigten ſich alsbald der Kirche die ſie in eine Corps de Garde verwandelten. Sie liſſen auch alßbald alle ihre Schiffe die in den Port ſtunden einlauffen/ und luden etliche Stucke ab/ die Bolwercke und andere Oerter da es vonnothen war damit zu beſeten. Und auff diſe Weiſe wurde die Stadt in wenig Tagen ſtarcker als ſie nie geweſen weil die Portugieſen ſolche in ihren Handen gehabt. Der Hollaͤndiſche General als er ſich wohl beſchůtzt zu ſeyn ſahe/ ſchickte zum Koͤnige von Candi und zum Feld⸗Heren des Heers des Koͤnigs von Achem, und li ihnen ſagen ſie koͤnten ihre Volcker in die Quartier ſchicken/ damit ſie ſich erquickten/ mit den ſeinigen wolle er ein gleiches thun weil ſie der Hitze des Landes nicht gewohnet und alle mit einander ſo wohl zu Waſſer als zu Lande gnugſam abgemattet weren. Ich habe kmich offters nicht wenig gewundert wie die Hollaͤndiſchen Armeen! einem Lande daß von dem jhrigen gantz unterſchieden beſtehen koͤnnen/ und wie die deute die unter dem 50. grad gebohren/ an einem Orte leben koͤnnen/ welcher nicht mehr als 6. Grad von der Kquinoctial Linie entferner iſt/ und die Sonne alle Jahr zwey lia über ihrem Zenith oder obern Punct haben. wenn ſie zu Felde ligen haben ſie 5 an 3 uin de länder Hiſtori vom Verhalten der Hollander in Aſten. anders als elende Hutten/ ſich fur der grauſamen Hitze zu beſchirmen/ und wenn der Wind gehet ſind ſie drauſſen viel beſſer als drinnen. Ich bekenne daß es eine groſſe Gnade Gottes ſey/ welche er den Europeern mitgetheilt/ daß ſie ſo grauſamer Hitze widerſtehen koͤnnen/ und unter tauſendfacher Arbeit/ und Mühe unabgemattet bleiben. Der Holländische General lis zugleich auch dem Koͤnig von Candi und dem Feldheren des Koͤnigs von Acbhem anzeigen/ daß er Volck genug hätte die Stadt zu beſetzen und ſie verſichern/ daß die Portugieſen ſie ferner nicht anfallen würden. Über diſer Hofflikeit wurden ſie bepde gar ehr beſturtet; denn Vermoͤge des geſchloſſenen Accords hätte der Koͤnig die Stadt ſollen in Beſitz nehmen/ die Hollander aber damit ſie ihrer Untreu mochten eine Farbe anſtreichen/ gaben vor/ ſie weren gar wohl du friden daß der Konig ſein Volck hinein lege allein man ſolte ihnen zuvor die Unkosten welche auff diſen Krig gegangen wider ge ben/ die ſie auff eine ſo hohe Summe außfuhrten daß des Koͤnigs Einkommen den ſie für arm erkandten/ nicht dureichen wurde in 6. oder 6. Jahren Abtrag zu thun. Auff diſe Weiſe bliben ſie Meiſter diſes Orts wie auch der ubrigen die ſie nachmahls erꝛobert als 8 e Manat alwo erlen gefiſchet werden. 5 Ich 15 zuvor gedacht daß der Konig von Candi arm ſey/ dieſes darzu thun und zu beweiſen wie wenig Geld in diſem Lande ſey/ ſo will ich alhier von einem Unterthanen diſes Koͤnigs den man gantz verzweiffelt unter einem Zimmet⸗Baum gefunden Mel dung thun. Als man ihn fragte was die Uuſach diſer Verzweiffelung ſey/ gab er zur Antwort er hatte einen Varter umbbracht damit er ſeines Beutels ſich bemaͤchtigen mochte/ was ihn aber am meiſten ſchmertzele ſey daß er ein eintzig Larin dar innen gefunden/ welches eine Muntze iſt die nach un teren Geldtern 12. Sols machet. „Vor alters hat man voy nichts anders als von der guten Auffrichtigkeit der Holländer geredet/ aber diſes müſſen nothwen, dig die jenigen ge weſen ſeyn/ welche niemals in Indien kommen/ denn in denen 40 Jahren die ich zu meinen Reiſen angewendet/ habe taglich in acht genommen/ was ſie umb des geringſten Gewinns willen, ihre Worte umb zuwenden/ zu verkehren/ und den Glauben zu brechen/ berkit und fertig geweſen. Welches ich dennoch an keinem andern Orte der Welt verſpuͤret habe ⸗ ich habe diſes guch mehr als einmal erfahren wüſſen un davon in meinem Indianiſchen ReiſeBuch meldung gethan. Der gantzen Welt iſt bekant daß ſie der grauſamen Verfolgung in Japan, durch welche 00000. Chriſten ſo wobl Portugieſen/ als eingebohrne die man erſtlich zum Chriſtlichen Glauben bekehret erbärmlicher Weiſe geſchlachtet worden. Ich d rauff hette gewinnen konnen. Sonſten waog will alhier eine gleiche That beyfügen die ſie den Portugieſen in Eroberung der Stadt Cochin erwiſen haben. Diſe Stadt ergab ich durch Accord/ mit der Bedingungen daß die Soldaten mit fligenden Fahnen und klingenden Drommeln abzihen ſolten/ und das geiſtlicheBuͤrger/ und andere von bepderley Geſchlechtemit ſich nehmen mochten was ihnen moͤglich und daß man ſie nicht im geringſten antaſten ſolle. In der Capitulation war auch enthalten daß die Hollander/ ſie nach Goa, Untren b Baclaim, Chanil, und an andere Herter da⸗ auen hin ſie begehrten führen ſolten. Auff di en gegen die Schluß zog ein jeder ſo wohl Weiber als Poreugieſen. Männer/ Kinder/ Geiſtliche/ Sclaben auß ber Stadt/ und nahmen mit was ihnen immer moglich war. Etliche Tage hernach als diſe arme Leute auff dem Meer waren liſſen die Hollander und Schiffs Officirer einen nach dem andern in die Hinterkammer kommen/ und beraubten ſie was ſie hatten/ ſie liſſen den Mannern nicht mehr als ein Hemb und die Unterhoſen/ den Weibern aber ihre Bagon welches eine Art eines Kleides iſt das ihnen biß über die Brüste gehet nebſt oder 4, Ellen Tuch daß ſie ſich vom Gürtel biß hinab bedecken konten/ und ihnen entweder zum Rock oder Kittel dinete ohne daß der Schneider die Hand anlegen durffte: Die Hollander aber liſſens dabey nicht verbleiben ſondern fuͤhren in ihrer Schaͤndligkeit und Grauſamkeit noch weiter/ und begnuͤgten Und ihre ſchaͤndliche Granſamkeſt. ſich nicht die armen Weiber faſt nackend zu ſehen/ ſondern wurden ſo weit getriben/ daß ſie die Händen an ſchoͤne Weiber legten/ und ihnen die heimlichen Oerter durchſuchten/ in Meinung etwan Edelgeſteine die ſie darinnen verborgen anzutreffen. Es wird dem Leſer vielleicht ſch wer fallen zu glauben daß Leute die ſich Ehriſten nennen ſolche ſchaͤndliche und grauſame Laſter veruͤbet: Es iſt aber mehr als zu wahr/ ſintemal ich drey Monath nach Erꝛoberung ber Stadt Cochin mit 2. Capitanen geſprochen/ die ſich deſſen noch ruͤhmen wollen. Sie waren von denſelben welche diſe arme Leute nach Goa gefuͤhret/ ſie waren zu So valialwo ich mich auch befand welches der Port zu Surate iſt/ und wolten mir J. Diamgnten fuͤr 12. kauſend roupies welches ohngefehr 6000. Thl. doch nicht haben/ und ſchaͤtzte ſie des Kau nicht wuͤrdig/ ob ich ſchon ein ehrliches g ren es. ſchoͤne Steine drey laͤnglichte und 2. breitte.. Egg iſt wie ich ſage nur alzu wahr/ daß die Hollander in Indien ſich wenig Scrupel machen den Leuten umb ihres 8 5 5 len nicht glauben zu halten Es iſt wenig Zeit verſloſſen als man noch O 2 de 1 Dem Herin ſind verkauffen. Weil ich mir aber einbil⸗ werd den konte daß ſie von den armen Portugie⸗ want wg ſiſchen Weibern kommen/ deſſen ſich diſe che auß le Eapitaͤne trefflich ruͤhmeten/ ſo wolte ich ſte bendigen Minen gezogen worden zu verkauffen angebottem, der In dianiſchen Rinder auß den Molucquiſchen Inſeln und auß der 1 Hiſtori vom Verhalten der Hollander in Aſien. die wegen Ungerechtigkeit der Oſſieirer und Haͤndels Bedinten wenn man in Holland geklaget/ Rechenſchafft gefordert. Itzo aber wenn man kombt und klaget ſo wird einer nur verſpottet/ und alle Ungerechtigkeit gutt geheiſſen/ wenn ſie nur nicht dem Nutzen der Compagnie zu wider laufft. Es iſt eine gantz vergebliche Sache ſich bey den Standen zu beklagen/ weil die Fuͤrnembſten darunter in der Handlung mit intereſſiert ſeyn/ und glauben daß je mehr Untreu/ und Rauberey die jenigen ſo ſie nach Indien ſchicken den Frembden anthun/ je mehr koͤnne ihnen daſſelbe Nutzen bringen. Auff zweyen meiner Reiſen haben ſie verurſachet daß ich auffs wenigſte 100. tauſend Francken verlohren/ wenn ich daſſelbe darumb ſie mich zu Batavia gebracht dazu rechne. Den nach dem ich deßwegen mit den Hollaͤndern einen Proces 3. Jahr lang gefuͤhret/ ſo konte ich doch nicht mehr als 10000. Francken erhalten/ da ich doch 30000. haben ſolte/ dazu ich noch ſetzen muß die Unkoſten welche ich auff den Proces und das hin und wider Reiſen angewendet. Und weil ſie zugleich Partepen und Richter ſind/ und jemanden angeführt/ ſo iſt es ihnen eine groſſe Luſt wenn ſie einen ofſt mehr als man verlanget zu Gaſte bitten/ unangeſehen des Hertzogs von Orleans Officirer und ſelbſten ſeine Koͤnigliche Hoheit ſahen/ daß mir groß Unrecht geſchahe auch wegen meiner mit dem Herꝛn Borel dem Hollaͤndiſchen Abgeſandten nach Franckreich redeten/ welcher auch an ſeine Principalen ſchrieb/ ſo verlohr ich doch die gantze N bekam gantz nichts. In der Volfuͤhrung dieſer Hiſtori will ich dem Leſer vielmehr ſolcher Unbilligkeiten vorſtellen/ und nach dem wird ein jeder glauben koͤnnen/ wie wenig Eiffer die Hollander haben daß Chriſtenthum in Heidniſchen Landen ein zuführen. Welches ich in folgenden Capittei weiter anzuzeigen nicht unterlaſſen werde. Das 4. Capitel. Wie ſchlechten Eiffer die Hollaͤnder tragen das Chriſtenthum in Indien außzubreiten/ und wie unfleiſſig ſie ſich in Unterhaltung ihrer Krancken und in den Wercken der Barmhertzigkeit erzeigen. S iſt unfehlbar und eine denckwuͤrdiVerſtand und ge Sache/ daß die Indianiſchen Kin7 der einen ſehr munteren Geiſt/ und ein ſo glücklich Gedachtnuß haben ſonderlich die Inſel Zeilan: daß ſie in einem Jahre mehr faſſen als unſere Kinder in Buropa in 82 Zur Zeit als die Portugieſen in Zeilan Meiſter waren/ hatten die P. Pauliſten die wir ſonſten Jeſulten heiſſen in ijglicher Stadt gar feine Hauſer erbauet/ und zur Unterweiſung der Eingebohrnen Kinder beſtimmet/ welche ſich uͤber die groſſe Geſchickligkeit daß ſie alles mit ſo leichter Mühe faſſen konten/ nicht wenig verwunderten Die Jeſuiten verſamleten ſie derohalben zu Cochin, und zwar in einer ſehr groſſen Anzahl/ allwo ſie beſchloſſen nicht allein die Kinder welche von Europeiſchen Elteren gebohren/ ſondern auch die andern alle in der Lateiniſchen Spraache zu unterꝛichten/ damit ſie koͤnten einsmals Meſſe leſen wen ſie vielleicht Prieſter wuͤrden/ mit diſem muſten ſie ſich auch begnuͤgen/ den ſie funden nicht für ch rathſam ihnen die Welt⸗Weißheit und andere Wiſſenſchafften vorzulegen/ weil ſie fuͤrchteten ſie moͤchten in kurtzer Zeit mehr kennen als man nicht begehre/ und ihre Lehrer an Weißheit uͤbertreſſen/ und mehr wiſſen als die welche auß Europa kommen. Ich habe etliche mahl zu Golconda und an andern Orten in Indien etliche ſolcher jungen Schuler unterhalten/ welche von Gos Cochin und Colombo geflohen/ und wolten verſuchen nach Rom und in andere Oerter in Europa zu kommen/ damit ſie ihr Studieren fortſetzen koͤnten/ wie ſie den beſchloſſen diſe Meinung nimmer zu endern. 0 Was die armen Kinder in der Inſel nuten Formolſa betriſſt/ ſo hatten dieſelben nicht Mache vonnothen ſich zu bemühen daß ſie in den t der Wiſſenſchafften biß an die Philoſophie ge⸗ ande langten/ den die Hollander hatten ſo wenig Eiffer die Ehre Gottes in diſer Inſel außzubreiten/ daß ſie ob ihnen wohl bekant war daß herliche Gedaͤchtnuß und der Verſtand diſer Kinder welche denen in den Molocquiſchen Juſeln/ und in der Inſel Zeilan wenig bevor gaben/ dennoch ſo geitzig geweſen und nicht ein Buch oder etliche Riß Papier ſie im Leſen und Schreiben zu unterꝛichten haben wollen antvenden. Die gantze Zeit uber weil ſie Herzn uber diſe Inſel geweſen hat man nicht erfahren/ daß ein einiger Men zum Chriſtlichen Glauben bekehret worden. Ich habe diſe ihre Unbarmhertzigkeit von vielen die ihnen als Lehrmeister gedinet erfahren/ und ſonderlich von einem den ich als einen rechtſchaffenen Mann befunden/ wir ve. ſeten in einem Schiffe im Jahr 164.9. la einander von Battavia nach Holland. Ee kränckte ihn nicht wenig die Nachlaſſigkeit der Bedinten die durch die Compagnie erhalten werden/ daß ſie auff keine Mittel bedacht die eingebohrnen Kinder zu unterꝛichten/ und er zog nach Holland in willen ſich bey den Standen daruber zu beklagen. Diſes ſind die Lehrmeiſter weiche Abende und Morgens das Gebett in den Schiffen verꝛichten und die Pſalmen vorſingen/ wen ſie zu Schiffe gehen gibt ihnen die Tompe! gie etliche getruckte Predigten. deren ſedeg affori vom Verhalten der Hollaͤnder in Aſien. des Sontag wen ſie auff dem Meer ſind vorleſen. Denn wenn ſie in dem Haffen ligen ſo dencket ein jeder viel mehr auff gut Leben/ als an Gott/ welches ich viilmals geſehen und inſonderheit ais wir uns in dem Vorgebirge ber gutten Hoffnung und St. Helenen aufſhilten. An diſen zweyen Orten warteten wir 42. Tage/ die Boots Knecht und Soldaten bliben meiſten theils auff dem Laude die Officirer aber gingen von einem Bord ans andre und bliben bis weilen 3. Tage an einem Orte nach dem ſie den Wein gut befanden. Bey meiner Abreiſe von Battavia verehrte mir der General ein Faß Reiniſchen Wein/ welches ich nicht an ruͤhren wolte wir weren den bey der St. Helenen Inſel an komen. Ich hatte ſolches ſobald nicht angeſtochen/ als ich mit ver wundren in 2. oder 3. Stunden alle Schaloupen von unſerer Flotte ankomen, ſahe/ wie auch der En gelaͤnder Flotte die auß 20. Schiffen beſtund welche von unterſchidlichen Orten auß Indien ankomen und nach Engeland kehren wolten. Die Engliſchen Chaloupen waren mit Officierern die Hollaͤndiſchen aber waren mit Weiber⸗gebeine angefüͤllet/ die wider in Holland reiſen wolten/ dieſe Damoiſelles ſind gantz vernarret/ wenn ſie Reiniſchen Wein ſehen/ der ihnen auch ſo angenehm war/ daß innerhalb ſechs Tagen ſo wohl waß die Unſerigen im Schiffe truncken/ theils auch was dieſes Geſinde wit ſich nahm/ mein Faß gantz auß gelehret wurde/ obwohl mehr als 600. Pariſer Maß hinein gingen. Ich habe in acht genommen/ daß man in allen 11. Hollaͤndiſchen Schiffen die daſelbſt für Ancker lagen und nach Holland reien wolten/ weder Abends noch Morgens gebettet die 22. Tage über da wir uns daſelbſt auff gehalten. Alle Officirer thaten nichts anders als von einem Schiff zum andern gehen und wo ſie guten Wein funden/ da blieben ſie eine zeitlang/ und gingen nicht eher weg ſie hatten den ihren Theil auff dieſe Weiſe ſuchte einer dem andern allezeit etwas abzugewinnen und daß Geſauffe nahm nimmer kein Ende. Etliche von diſen Offictrern wichen nicht von unſerem Bord von der Zeit an als daß Faß angeſtochen/ biß ſie es biß auff den letzten Tropffen außgelehret. Ich habe mich gewundert daß kein Ungluͤck mit unterlaufft/ oder daß ſich kein Schiff entzündet und die Chaloupen mit allen die darin umbgekehret wird. Den wenn ſie auß dem Schiffe in die Chaloupe ſteigen ſo iſt keiner unter ihnen den die Bootsknechte und Soldaten nicht mit den Füſſen und Kopffe nehmen muͤſſen. Was die Soldaten und Schiffleute betrifft/ ob man ihnen ſchon Wein und Brandtewein gibet/ ſo wird ihnen der Verſtand doch nicht verderbet/ wenn ſie es aber ihren Officirern nachthun durſſten/ ſo konte keine Chaloupe an Bor fahren/ und wurden ungezweifflet viel Leute erſauffen muͤſſen. Denn wenn ſie wider I nach ihren Schiffen ſahren/ und ihnen der Kopff voll Wein/ und die Sun erhitzet iſt/ ſo laſſen ſie den Segel hurtig ſtreichen/ ſintemahl ein jeder mit ſeinem Schiff gern der erſte ſeyn wolte. Ich habe offters diſes mit Erſtaunen und Verwunderung geſehen/ wie ſie ſich auff eine Seite gehencket/ daß man allezeit den unterſten Balcken geſehen/ ohne daß das Schiff gantz umbgeſtüͤrtzet worden daß Sprichwort daß Gott den Kindern und Tiunckenen beyſtehe iſt mir hiebey offters in Sinn kommen. Es war meine groſte Luſt wenn ich ior Gesundheit trincken ſahe. Denn wenn ſie Geſundheit trincken ſo iſt der Staaden Geſundheit die erſte/ des Printzen von Oranien/ die andere/ und der Compagnie Geſundheit iſt die dritte bey welchen ſie 10. oder 12, Stücke zu loͤſen pflegen. Diſen allen wird fuͤrgezogenund mit groſſen Ceremonien verrichtet/ wenn man auff der Compagnie Wohlergehen und Gewinn zu trincken aufaͤngt/ den alß dann werden alle Stucke die auff dem Schiffe ſind gelöͤſet diſes Schüſſen war zur Zeit als wir bey St. Helenen Inſell fur Ancker la gen ſo über maͤſſig/ daß zwey Stucke zerſprungen/ und zwey Conſtabel/ nebſt dreyen Bottsknechten das Leben daruber ein büͤſſen muͤſten. 8 f 5 Den dritten/ nach dem wir von diſer Inſell abgeriſt/ liß der General die Fahnen auffſtecken/ welches ein Zeichen war daß alle Capitaine und Fürnembſte Piloten an Bord kommen ſolten/ umb zu dne en welchen Weg die Flotte nehmen koͤnte/ man befahl zugleich den Schulmeiſtern die man ſonſt Domini heiſt/ daß ſie wider in ihr Ambt treten und das Gebete leſen ſolten/ den ich habe zuvor angezeigt daß man die Z u uber weil wir bey der St. Helenen Injeu gelegen niemahls offentlich gebettet/ weil man glaubte die meiſten thaͤten ſolches bey ſich ſelbſt. Diſe Domini oder Vlagiſtri ſind gar fein liderlich in ihren Aembtern und bemühen ſich wenig den armen Krancken für zubetten/ ob es ſchon ihr Ambt iſt. Die Compagnie iſt in einer ſo wichtigen Sache gar zu ſparſam/ und beſetzen gemeiniglich ſolche Stellen mit ſchlechten Leuten die nichts ſtudieret haben/ und offters iſt der eine ein Schneider/ ein Schuſter/ oder Weber/ wenn er nur ein weyig Stimme hat/ und kennet 2. oder 3. Noten daß er kan einen Pſalm für ſingen ſo iſt er zur genüge gelehrt. Sie haben auch fur alle ihre Beſoldung nicht mehr als 18. oder 20. Francken des 1 0 und 1 1 7 villeicht geſchickter wenn ſie ſich umb ein ſo weniges nicht lieſſer zu 1 5 19 15 Melek Ich habe ſonſten aber befunden daß diſe Beſoldung für dergleichen Leuten Wend iſt/ weil ihre gantze Gluͤckſeligkeit in Freſſen d und Sauffen beſtehet. Dafern die Compagni welche dem geringſten Kauffman den ſie in ihre Dinſte annimmet/ und 50. oder 60. O 3 Fran 12 Francken zur Beſoldung gibt und der ihr doch Foder ſechsmahl ſo viel ſtihlet nach dem es die Handlung und das Contor welches er under ſeinen Haͤnden hat leidet/ dafern ſage ich die Compagni anſtat daß ſie einem ſolchen Domino 18. oder 20. Francken gibt diſe Beſoldung umb ſo viel als der geringſte Kauffman hat/ verbeſſerte ſo wuͤrden ſie Leute finden auß guten Geſchlechtern ja ſelbſten Prediger die noch keine Stellen hetten und die ſich wuͤrden gluͤckſelig ſchaͤtzen das Bvangelinm in ſo fernen Landen zu verkuͤndigen. Aber die Compagnie gibt mehr alß gnugſam zu erkennen/ daß ſie das Zunehmen und den Nützen des Beutels hoͤher halte als die Seelen diſer armen Leute in den Himmel zu weiſeãeen. Es were zu wünſchen daß ſie nur den hunderſten Theil des Eiffers hatte/ welchen wir Ire ſchlechte als ein ſonderbahres Lob der Roͤmiſchen Vegirde zu Belehrung Kirchen zueignen muͤſſen/ ſo koͤnten die armen Kinder diſer Inſeln den Heiland der ſie erlöͤſet/ beſſer erkennen und allbereit Glieder der Chriſtlichen Kirchen ſeyn/ welches ich etlichen unter ihnen zum offtern fuͤrgeworffen. Es iſt gewiß daß der Hoͤchſte ihnen Gelegenheit gegeben ſeine Ehre außzubreiten/ aber ſie wollen( daß ich mit dem Evangelio rede) keine gute Arbeiter in ſeine Erndte ſenden. Es ſeind etliche unter ihnen ( ich muß mich ſchier ſchaͤmen es zu ſagen) welche auß der Sachen ein Gelaͤchter treiben/ und vorgeben/ daß diſe arme Heyden der Erkantnus Gottes nicht werth und als Hunde zu halten ſeind. In diſem rechtmäſſigen Widerwillen den ich wegen diſer Unbarmhertzigkeit gehabt/ gerithen endlich diſe Leute bey mir in Verachtung/ und dadurch fehlte wenig daß ich ſie ſelbſten nicht überzeuget. Ich ſtelte ihnen vor daß diſe Leute eben ſo wohl als wir zum Ebenbilde Gottes erſchaffen/ und daß Gott ihnen umb keiner andern Urſach wegen den Weg zu diſen entfernten Landern gezeiget als diſe arme Leut zur Erkantnuͤs ſeiner Warheit zu fuͤhren welches durch die Predigt des Evangelii und nicht durch den Raub ihrer Schätze geſchehen ſolte/ weil er wil daß ſein Nahm der gantzen Welt bekandt ſey und daß die ſelbigen welchen diſe Gnade widerfahren/ ſolchen auch andern Voͤlckern predigen ſolten. Ich habe etlichen unter ihnen mit ſolchen Worten oſſters das Hertze geruͤhret/ welche bekandten daß es alles wahr ſey. Es ſey aber nicht zu der Compagnie Vortheil welche eintzig und allein das Talent der Handlung und nicht das Talent des Herren anzuwenden geſonnen/ und was die jenigen die ihr dienen und ihre Beſoldung anbekrifft dieſelbigen koͤnten ihren Beruff nicht anders verwalten als man ihnen befohlen. Sonſten geben die Holländer auch gnugſam an Tag/ daß ſie nach der Religion nicht viel fragen ſintemahl ihre Soldaten Boots knechte und Sclaven bei zu meiner Zeit geſchehen als Hlſtori vom Verhalten der Hollaͤnder in Aſien. derley Geſchlechts am Sontag arbeiten muͤſſen. Wann ihre Schiffe abfahren ge und Ahe ſchicht ſolches offt am Oſtertag an welchem ſterey. weder Zimmerleute/ Schloſſer/ und andere Tagloͤhner die ſie beſolden vom Arbeiten be freyet welches ich vielmahls geſehen/ im gegentheil weiß ich auch daß die Portugieſen viel Chriſtlicher leben. Alle Son und FeſtTage ſchicken ſie ihre Sclaven in die Kirche und an den vornehmſten Orten zu Goa umb 4. Uhr nach Mittag wird von einem Jeſuiter welcher einen Frater bey ſich hat eine Rede gehalten/ bey welcher ſie gleichfals gegenwaͤrtig ſeyn muͤſſen und hierzu kommen auch viel ſolcher armen Heyden die ſich in die. Stadt begeben. Die Zeit weil ich mich zu Battavia auffgehalten/ hab ich den Hollaͤndern offters zu verſtehen geben/ daß ſie den Portugieſen diſes nachthun ſolten und ihre Sclaven mit ſich nehmen/ oder in die Kirchen ſchicken/ aber ſie gaben mir meiſtentheils zur antwort/ es belohne ſich mit diſen Hunden nicht die Muͤhe/ und wenn ſie auch von ihnen reden ſo geben ſie ihnen den beſten Titel wann ſie ſie Cachor, das iſt/ auff Portugeſiſch Hunde heiſſen/ dafern ſie ja etliche Sclaven mit ſich in die Kirche nehmen es ſeind Maͤnner oder Weiber ſo geſchicht ſolches nur umbs paraſols wegen oder daß ſie den Frauen die Betlebuͤchs geben welches daſſelbige blat iſt davon ich in der Beſchreibung Tunquin Meldung gethan/ und welches ſie allezeit im Munde halten/ ja ſelbſten in der Kirchen/ darauß man abnehmen kan // wie ſchoͤne Andachten ſie bey ihren Gebetten gebrauchen/ es iſt recht ſchaͤndlich zu ſehen wenn ſie die Freſſen vol rothen Safft haben eben als wann man ihnen die Zahn außgeſchlagen hette/ und ob ſchon der General zum offteren verbiten laſſen ſich diſes Weſens zu gebrauchen/ ſo iſt doch niemand der diſem Gebott noch zukommen gedencke. Was die Wercke der Barmhertzigkeit anbetrifft/ ſo ſind dieſelbigen bey den Hollaͤndern in Indien gar ſeltzame Voͤgel und Haube hre lug kommen mit denen in kuropa nicht überein/ keit. nichts deſto weniger ſo haben ſie zum Schein ein Hoſpital erbauet/ welches aber nur bloß den Nahmen fuͤhrt weil bie Barmhertzigk eit darinnen ſehr ungemein iſt/ diſes Hoſpital wird durch Leute verwaltet die ſich kein Gewwiſſen machen die Armen zu berauben welche ob ſie ſehon in einem reichen Hauſe ſind dennoch wenig Troſt geniſſen. Und es fehlet auch diſem Hauſe nicht an groſſen Einkommen/ denn der groͤſte Theil der contiſcirten Güͤtter und die helffte der Gelt⸗Straffen wird hineingegeben alle drey Jahr wird ein neuer Hoſpital⸗Meiſter erwehlet und gemeiniglich ein ſolcher der viel Freunde hal In diſen drey Jahren kan einer 70. oder 5 tauſend Francken in den Beutel 90 1 1 ich mi Battavia aufgehalten den als er biſes Ambt uͤberkam war er 30. tauſend Francken uldig 95 65 Hiſtori vom Verhalten der Hollaͤnder in Aſien. bie er bezahlte und annoch nach dem ſeine drey Jahr verfſoſſen ein ehrliches uͤbrig hatte. Der Fiscal Avocat iſt verbunden nebſt dreyen Richtern wochentlich nach zu ſehen wie man mit den Krancken umbgehe und von dem Hoſpital Meiſter Rechenſchafft zu fordern aber diſe gutten Herꝛen verfahren fein gelinde und begnuͤgen ſich wenn ſie durch die Galeren worin die Kran5 ſind gegangen und ſagen ferner nichts arzu. 5 Der Hoſpital Meiſter führet ſie hernach in eine Kammer darinnen die Taffel gedeckt und mit Speiſen zimlich erfuͤllet iſt unter welchen gutte Fiſche und zweyerley oder dreyerley Weine nicht vergeſſen werden/ wenn ſie nun J. oder 6. Stund bey Tiſche geſeſſen und mehr getruncken als gegeſſen ſo bringt der Her: Hoſpital⸗Meiſter ſein Regiſter die guten Herren aber wollen als den lieber ſchlaffen/ als dieſelben examiniren. Sie haben die Bucher kaum auff gemacht ſo haben ſie ſie auch ſchon durchſehẽ und begnügen ſich wenn ſie ein oder andern Arti ckel welcher von ſchlechter Wichtigkeit betrachtet/ unterſchreiben alſo alles was der Her: Hoſpital Meiſter von ihnen begehrt. Auff der andern Seiten kommet auch des Avocat Fiſcals Frau nebſt den Weibern der 3. Richter ihre Gevatterin mit ſich bringen de und beſuchen die Frau Wirtin zu ſehen ob die Krancken mit ſeiner Kleidung verſehen ſeind/ diſes iſt aber gar bald außgericht weil man ihnen nicht viel übriges gibet. Wenn einer von den elenden Leuten geſund wird ſo muß er bey der Frau Wirtin in ſonderbahren Gnaden ſeyn/ daß ſie ihm ein Hembd auff dem Leibe läßt. Sie haben gemeiniglich nichts anders auff dem Leibe als einen elenden Kittel von Tuche und gemeiniglich ohne Wambs/ weil die armen Sclaven die ihnen dinen alles was ſie haben zuſtellen pflegen. 5 Ich war einsmahls eingeladen zur Gaſterey von diſen Frauen welches ich mir auch gefallen ließ und ſehr wohl tractirt wurde/ ich verwunderte mich ſehr/ daß ich unter anderen Speiſen einen Indianiſchen Hahn ſahe ſintemal ich dergleichen in gantz Aſien nie geſehen. Als ſie mich in ſolcher Verwunderung ſahen/ ſprach eine unter ihnen es iſt kein Menſch un ter denen die der Compagnie dienen welcher ſeine Freunde beſſer tractiret als der Herr Hoſpital, Meiſter/ ihr koͤnt nicht glauben was fuͤr Unkoſten drauff gangen/ dergleichen Thiere auß Holland zu bringen/ und wie viel ihrer unterdeſſen auff dem Weg geſtorben auitzo aber haben wir eine gute Menge ſo wohl Hahne als Hennen Und zwar deren biß in fünfzig Stuͤck/ was mich anbetrifft ſo halt ich darvor der Her: Hospital, 113 Meiſter hat eine gute Erfindung getroffen diſe Herzen und ihre Weiber 0 10 tractiren. Sinmtemahl er dardurch erhalten das er in ſeinem Ambte ſechs Jaht ge bliben/ da er doch nicht langer als drey Jahr ſolches hatte beſitzen ſollen. ö Ich kome nun auch zu den armen Krancken welche von den Tage an/ da ſie ins Hoſpital kommen von der Compagnie keine fernere beſoldung haben. Sondern ſie werden Elender Zuvon dem Tage an wen ſie wieder an ihre ar⸗ tand der beit dafern ihnen Gott Geſundheit gibt be, Kranken zu ſoldet. Ihr Bette beſtehet auß 2. Stangen und dreyen Brettern/ man gibt ihnen aber weder polſter noch Decke/ noch Kuſſen/ noch einen Stroſack/ ſondern ſie müͤſſen auff dem harten Bret liegen/ wenn ſie nichts mit ſich bringen oder von keinem gutten Freunde Beyſtand haben. Der meiſte Theil diſer armen Leute ſehen nicht anders auß als ob die beine ihnen die Hautt durchbohren wolten/ und wenn ſie nun auff den Brettern da auß geſtreut ligen/ werden ſie des Tages von den Fligen und des Nachts von den Mücken weil ſie nicht ein mal ein elendes Tuch zu ihrer Decke haben koͤnnen/ gebiſſen und geplaget. Ihre gemeinſte Kranckheit iſt der Biutgang/ und ihr groͤſter Troſt iſtwenn ſie von einem ihrer Mitt geſellen Beyſtund empfinden/ der ſie von Zeit zu Zeit beſuchet ſie reiniget und die unſaubern 15 der waſchen laſt. Was ihre Nahrung und Unterhalt anbelanget ſo muſſen ſie ſich mit Reiß der in waſſer mit ſaltz gekocht/ vergnuͤgen/ und wenn ſie ſich ohngefaͤhr ein wenig beſſer befinden/ ſo gibt 1 6 5 von den geſaltzenen Speiſen die auß Holand konumkn/ welche offters langer als ein Jahr im Saltz gelegen/ oder etwan ein zu Gemuß/ welches halb verſchim melt iſt/ weil es 7. oder 8. Mouath auff dem dem Meer geweſen. Wenn ſie das gluͤcke haben einen biſſen von einem Huhn oder ſonſten eine kleine Erfriſchung zugenuſſen ſo gehet ſolches auß ihrem Beutel/ oder aber es kombt von einem ihren Cameraden oder aber auß ſonderbarer Gunſt eines Offleiers der ihnen den Sold für einen oder 2. Monath fur auß gibet. Es iſt ein ſehr Gutter Gebrauch unter den Solbaten und Boots knechten das ſie einandet bey ſtehen/ ſo gar das der jenige welcher geſund iſt dem Krancken bey zu ſtehen den Sold für etliche Monath für auß fordert/ welches die Compagnie nicht abſchlagen kan/ allein man gibt den gutten Leuten kein Geld da ſie doch viel beſſer und nützlicher damit auß kommen konten ſondern etwann ein ſtuͤck Tuch/ etliche Hembder/ ober Schue/ welches hundert pro cento Battavia. Und groſſe Unbarmhertzigkeit wider diſe arme theurer angeſchlagen wird als die ſachen Leucs. nicht werth ſind. 1 Noth dringet diſe arme Leute das ſie nehmen was man ihnen gibel/ und wenn ſie es wollen den Bürgern a oder * 10 Hitort vom Verhalten der Hollander in Aten. oder Chiheſern verkaufen ſo verlihren ſie ſie die Hälffte. Wenn ein ſolcher Soldate oder Bootsknecht ſturbet/ ſo ſetzet er ſeinen Mitgeſ den zum Erben ein/ und ſolche Erben kommen biſreilen wider in Holland und bringen eine groſſe Menge ſolcher Teſtamenter mit ſich. Den die Compagnie machet gemeiniglich die Rechnung das unter 100. die ſie nach Indien ſchieken kaum acht oder 9. wider kommen/ und alſo geſchichts das mancher Soldat eine ziemliche Summa errobern kan. Die trembden die diſes ſehen und wiſſen nicht wie es zugehet/ bilden ſich ein dieſe Leute haben in ihren ſieben iaͤhrigen Dieaſten ſo viel Geld gewonnen/ aber ſie irren gar ſehr/ den die meiſten derer welche wider kommen haben nicht viel mehr zu fordern: weil ihnen offters ihre Beſoldungen umb des geringſten Fehlers willen eingezogen werden. Was die jenigen anbelanget die ohne Teſtament ſterben/ und keinem Menſchen daß ſelbige was man ihnen fur ihre Beſoldung ſchuldig überlaſſen haben/ denſelben machet man 5 die Rechnung von dem Tage an da ſie te man Ktauck worden/ und ſendet ſelbige nach mr den güt- Holland ins Contor oder in die Stadt von tern der ver- welcher ſie abgereiſt; Nachmals wird ſie ius ſtorbenen zu Todten Buch geſchriben/ und was ihnen he4 raus bleibt wird von der Compagnie verPhet wcahret. Findet ſich nun in dieſen 3 Jahren kein Erbe der ſieh wegen der Verlaſſenſchafft angibt ſo kommet es ins Hoſpital/ und wird abermals z. Jahr auff behalten/ fals hun ſich niemand anmeldet ſo bleibts den Armen. Und diſes iſt eine ſehr rechtmaͤſſige Sache welche die Compagnie angeordnet/ weil aber die Sache von ſchlechter Wichtigkeit iſt. So ſuchen ſie allezeit Leute die ſie mit wenig Koſten al ſpeiſen koͤnnen. Menn es nun mit diſen Armen Leuten im Hoſpital ie langer ie ſchlimmer wird/ ſo gibt man ihnen des Tages 3. mahl Waſſer darinnen man 3. oder 2 mahl Reiß gekochet. Dieſes Waſſer wird durch ein ſieb gelaſſen/ und iſt einem Teig gleich/ ſonſten Halte ich dafuͤr das diſe Speiſe den Krancken die aller 8 Nahrung und Erquickung geben kan. Den diſes waſſer iſt ihnen viel geſuͤnder als die Fleiſch⸗Suppe/ weil es zugleich Nahrung und Erquickung gibt und nichtes böſes veruhrſacht. Und diſe Speiſe iſt fuͤr die arme Leute ſehr gutt/ ſonderlich weil man zu Barta via nicht ſo viel geflügel wie an andern orten in Indien findet/ alwo man offters 80 oder 100. Huͤner umd einen Thaler haben kan/ und dadurch kan f— eee befreyen/ weil ihnen diſes Reißwaſſer anſtat der Gallert dine. Bae 1 Wenn aber das Fieber vorüber und ſie auſſer gefahr ſind/ ſo gibt man ihnen waſer/ Reiß/ geſalzen Fleiſch und Zugemuͤß. So bald ſie wider geſund ſind/ ſo warten ſie nicht bis man ihnen Abſchied gibt/ fondern nehmen ſelbſten/ und weil ſie halb verhungert gehen ſie alßbald in ein Wirthshauß dergleichen die Chineſer zu Barra via zu halten pflegen/ darinnen befieſſen ſie ſich das ſſe mochten zerberſten/ und dadurch fallen ſſe wider in die vorige Kranckheit davon ſie den ſelten auffkommen. Die Chineſer geben ihne gar gerne zu eſſen und zu trincken weil ſie nichts verlihren es ſterbe einer oder nicht/ ſondern ſie vergleichen ſich mit dem Fuͤrnemſten Kauffman der Feſtung/ welcher den Soldaten und Boots knechten die Beſoldung zu geben pflegt/ daß er ihnen den Sold auff etliche Monath weil ſie deſſen benstiget ſind vorauß gibet. Als ich einsmahls ins Hoſpital kam in willens einen Frantzoſen der ein Soldat und ſehr Kranck war zu beſuchen/ wurde ich hoͤchlich beſtuͤrtz als ich ſahe wie man diſen Leuten auffwartete. ETs hat ein jeder Krancker nahe bey ſeinem Bette eine Irdene Schüſſel/ welche den hoͤltzernen Naphen gleich ſind ſtehen/ die man in Anſehung der groſſen Unſauberkeit viel mehr für ein Nachtgeſchir: halten ſolte. Denn wen nicht etwan ein Mitgeſell des Krancken auß Baumherzigkeit die Schüſſa waſchet ze ee ſo fraget kein Sclave die im Hospital dinen mt di, darnach wenn ſie mit den Keſſein kommen verſe ob ſie ſauber oder beſudelt ſey/ ſondern drein/ die dem Krancken wenn es moͤglich zur Speiſe dinen muß. Ich habe einen ſolchen armen een 191 51 Fan worden/ dannenfel ohngefähr zerbrochen n hero diſes Lumpengeſinde nicht ſo ehrlich geweſen ihme eine andere zu geben/ ſondern Sprachen zu ihm wenn er eſſen trolle ſolle er ſich eine kauffen/ gingen alſo davon und gaben ihm nichts. Ich wurde nicht weniger diſer Unmenſchlig keit beſtürtzt/ und liß ihm alsbald eine andere kauffen. Ich klagte auch ſolches dem Hospital Meiſten aber er war eben ſo ein Unmenſch, Sclaven und 11 7 gar wenig darn ſonder gab mir diſe ſchöͤne Antwort wenn * man ſich keiner andern als ſolcher bedinen ſolte ſo müſt man alle Tage neue kauffen. üürd die eddie Beimhe ge der 25 8 78 lärber n Indien(ed die Sauffcuth oeh wil ein anderes Beyſpiel ihrer Iinmenſch ligkeit vorſtellen“ wenn ich das elende e de eines reichen Kauffmans von Hambou welcher von Fattavia näch Holland telſen wollen beſchreiben werde. 5 4 8 33 e g 3 1 e ee 1 burg wenn 50 ige. Hiſtori vom Verhalten Das 5. Capitel. Von der Moritz Inſel darinnen das Ebenholz gehauen wird zu welchem die Hollaͤnder ihre Sclaven und verbante zu gebrauchen 23 97 D Je Moritz Inſel liget unter dem 84. Grad nach der Länge und unter dem 21. nach ber Breite gegen Suden/ nicht weiter als 2. Grad 30. Minuten vom Tropico Capricorn abgeſondert/ faſt der Mitte der groſſen Inſel Madagaſcar gleich uͤber/ gegen Abend/ von weicher ſie 140. Meilen ahgelegen iſt/ und ohn gefahr ſechzig in ihrem Umbkreiß begreifft. Es wächſet auff der ſelben viel Ebenholtz/ die Hollandiſche Compaguie ſchickte vor diſem die Selaven/ verdamte/ oder banniſirte an diſen Ort. Diſelben brauchte man zum Holz hauen welches eine außdermaſſen ſchwere Arbeit iſt/ das man ſich nichts argers ein bilden kan/ weil 25 Ruderbaͤncke nicht damit zu vergleichen. Diſe Inſel iſt dem Orean oder den ſchroͤcklichen Sturmwinden fehr unterworffen/ und welche daſelbſt ſehr oͤffters und viel grauſamer als an einem einigen andern Orte in Aſien geſpuͤret werden ſogar das die arme Leute keine Hütten bauen koͤnnen ſondern gezwungen werden Locher in der Erde zu ihten Wohnungen zu machen. Man gibt ihnen zu aller ihrer Nahrung nichts anders als Reis im Waſſer gekocht/ und ohngefähr des Tages für 2. Liards geſalzene Fiſche. Allein man kan leichtlich glauben das der Höchſte das Weinen und Klagen nicht un erhoͤrt gelaſſen/ in dem er verſchaffet das das Ebenhotz gar wohlfeil worden/ und eine andere viel köͤſtlichere und koſtbahrere Art von Holtze bekand gemacht/ die viel mehr eingetragen. Nach dem nun die Holländer ſahen/ das der Nutzen nicht ſo viel auſtrüge diſe elende deute zu unterhalten/ weil er gar gering war/ als wurden ſie gezwungen das Volck wider von dannen weg zu fuhren. n 1 8 Ich glaube nicht das Unſere Ebeniſten recht wiſſen wie man mit diſem Hoͤltze umbgehen müſſe damit man etwas tüͤchtiges draus machen koͤnne. Sobald der Baum dez chneiden laſſen und hernach die ſelben 8. oder ſchnseben 9. Schuch kieffin die Erde vergaben. Die luce) Erde muß ein wenig feucht ſein und die Brechen ter müſſen 2. Jaht/ oder auch wenn ſie dicker und den Balcken gleich ſind z. Faß darinnen bleiben. Hernach iſt das Holtz Sehr geſchmeidig/ und ſpaltet nicht ſo leicht/ ſplittert auch nicht/ ſondern laſſet ſich auch viel beſſer glat machen. Und hernach kan III. Theil. 1135 muß man das Holtz zu Brettern der Hollaͤnder in Aſien. 115 man leicht den Unterſcheid ſehen unter denen Kaͤſtlein und andern Sachen die/ die Holländer auß Indien bringen/ und die in Eu ropa gemacht werden. 5 Weil ich anitzo von der Moritz Inſel rede/ kan ich nicht unterlaſſen eine geſchicht die ſich mit Heren Loocker ais er auß Holland nacher Battavia im Jahr 1643. gerkiſet/ zugetragen/ hiher zu ſetzen. Chabas der II. diſes Nahmes Koͤnig in Perſien war willens reiſſen zu lernen/ und liß derohalben den Hollaͤn⸗ ge dern welche zuEliſpahaneinContor haben an⸗ 1 mik zeigen/ er moͤchte jemanden auß ihrem Land boocker jugehaben der das reiſſen wohl verſtünde/ und tragen. der auch etwas mahlen konte. Der Oberſte im Contor ſchrieb alsbald nach Holland und die Compagnie ſandle den Loocker/ welcher in ſehr geſchichter Mahler war/ und 8 dannenhero auch ſehr wohl reiſſen konte. Damit wan ihm nun deſto mehr Ehre anthun moͤchte/ uͤbergab man ihme das Ambt eines Kauffmans auff dem Schiff/ Seine Abrekwelcher dem Capltain auff der Reiſe gleich lane Bets gehet/ und das Wetter war ihnen ſehr ges neigt bis an das Vorgebrige der Gurten Hoffnung. Als es aber nachmahls noch gunſtiger worde/ nahmen die Piloten ihren Weg etwas zu weit gegen Norden an ſtat das ſie nach Oſten haͤtten fahren ſollen/ alſo das ſie/ nach dem ſie bey der Inſel Madagaſcar oder Dauphins⸗Inſell auff die hoͤhe kommen/ empfunden ſie gantz widrigen Wind. Man hat in acht genommen das alle Jahr gemeiniglich nicht mehr als ein Wind umb die Moritz Inſel geſpuͤret wird. Den man kan von diſer Inſel bis an die Dauphins Inſel innerhalb 8. oder 9. Tagen reiſen. Aber zu der Ruͤckreiſe muß man wohl 30. oder 40. an wenden: den man muß von der Weſt. Oſt Seiten bis an den 30. Grad fahren/ und ſich hernach gen Oſten wenden bis an den 14. oder 18. Grad/ und als den Kombt man an die Moritz Inſel. Es waren ohngefehr 5. Tage verfloſſen/ das ſie vom Ungewitter hin und wider getriben worden/ welches ſich endlich der maſſen vergroͤſſerte/ und das Meer ſo un geſtum und wuͤttend machte/ das die Kammer des hintertheils zerbrach/ der Schnabel verlohren ging/ und der Vordere Maſtbaum nicht mehr gebraucht werden konte. Sie wurden gantzer/ z. Tage elendiglich hin und her geworffen/ ohne das ſie jemahls die Sonne erblicket/ das ſie heiten die Hoͤhe nehmen/ und wo ſie weren erforſchen konnen. Am 14. Tage aber ward der Himmel klar und die Sonne kam her für alſo das ſie nach dem ſie auff die Höhe kommen verſpuret das ſie nicht weit von der Moritz Inſel weren/ welches ſich auch in der That alſo ver hiltez des Morgens als der Tag anbrach befunden ſie das ſie nur noch 2. Meilen von der d ee weren/ und wenn die Nacht laͤnger gewehret/ 2 Glfahtz hätten ſie unfehlbahr an diſen Orten Schiff bruch leiden muͤſſen. Sie Mean aber 175 5 ſie 46 ſie auff der Nord Seiten der Inſel weren/ der Hollander Wohnung aber lag gegen Suden/ und weil ſie ſahen das wenn der Wind ſich nicht enderte konten ſie in langer Zeit und groſſer Gefahr die Inſel nicht umbſchiffen und bey der Feſtung anlanden/ welches ſehr nothwendig war damit ſie konken Waſſer haben/ ihre Reiſe bis nach Bar ta via fort zu ſetzen/ ſie wurden derohalben Nathes und beſchloſſen das Loocker mit 10. Soldgten ſolle an Land ſteigen und verſuchen ob er koͤnne an d ie Feſtung kommen mit Beſehl dem Commendanten daſelbſtanzueigen/ das er machen ſolte das ſie bey Ankunfft des Schiſſes Waſſer und andere Erfriſchungen ihre Reiſe fort zuſetzen finden mochten. Die Moritz Inſel hat nicht allein gutt Waſſer/ ſondern auch viel Boͤcke und wilde Zigen/ des gleichen Citronen und Pomerantzen Baume nebſt andern Früchten des Landes. Wenn aber der Orcan kombt ſo bleibt nicht viel auff den Baͤumen/ und was ſich er halten kan das ſind die Ebenbaͤume/ welche ſehr ſtarck und wohl eingewurkzelt und dannenhero vom Ungewitter nicht Leicht koͤnnen außgeriſſen werden. Locker begab ſich alſo mit ſeinen 1o. Soldaten in eine Chalouppe/ und wurde mit Spanniſchem Wein/ Brantewein/ und Er eu auch anderem Vorrath auff 8. oder 6. Tage ver258 2 Juſel gelebten Was ihme ſorget/ ſie gaben ihnen 2. See Compas damit ſie den nechſten Weg den ſie koͤnten zu Lande nehmen und auff die andere Seite wo die Feſtung iſt kommen moͤchten. Diſe Inſel hat an dem Orth wo ſie abgeſtiegen hicht mehr als 8. oder 10. Meilen im Durch zug/ und diſen Weg meinten ſie in kurtzer Zeit hinter ſich zu legen wenn aber nicht ein jeder unter ihnen ſich mit einer groſſen Zimmer Axt verſorget haͤtte/ hatten ſie nimmer mehr konnen durch kommen/ weil das Holtz ſehr dicke und man alle Augenblick die Aeſte abhauen muß damit man durch kommen konne. Sie hatten anfangs viel Muhe das Land wegen des boͤſen Wetters zu erreichen/ und als ſie des Morgens umb ro. Uhr bey daſebſt begeg · der Inſel angelanget/ zogen ſie ohne Nel. Schwerigkeit bis umb Mittag ehe ſie ans Gepuͤſche kamen/ welches ſie ſo ſtarck befunden das ſie der maſſen wenig auſrichteten das ſie nicht muſten wo ſie waren/ noch wo ſie hin ziehen ſolten. Den andern folgenden Tag konten ſie nicht mehr als eine Meile hinter ſich legen/ als ſie des andern Morgens eben ſo viel verri htet/ legten ſie ſich nider und entſchliffen wege; der groſſen Arbeit die ſie bey dem un auff hoͤrlichen Durch haven hatten auß ſtehen muͤſſen. Als ſie erwachten hoͤreten ſie unterſchidliche Stimmen dadurch ſie munter worden und nicht zweiffelten es würden die Armen verbante und Sclaven ſeyn die das Ebenholtz abhauen muͤſten. Sie verlohren keine Zeit ſondern naheten ſich diſer Stimme ſo nahe ſie konten/ verwickelten ſich aber dermaſſen in dem Gepuſche das ſie Hiſtori vom Verhalten der Hollaͤnder in Aſien. nimmermehr her auß zu kommen gedachten. Je weiter ſie aber unter deſſen fortkamen e beſſer höͤreten ſie die Stimme der Leute und konten ſchon unter ſcheiden das der eine HolAaͤndiſch der andere Por tugiſiſch redete. Loocker meinte ſie wurden ihn eben ſo wohl als er ſie verſtehen/ befahl derohalben einem von ſeinen Soldaten/ welcher eine gutte grabe Stimme hatte und gutt Portugiſiſch redete/ er ſolle den Leuten zu ſchreyen gie ſolten kommen und ihnen Weg machen da mit ſie zu ihnen kommen moͤchten/ ſie liſſen aber diſes gar fein blyiben/ als ſie die Stimme horeten/ ſondern nahmen alle die Flucht nach der Feſtung/ gaben auch bey dem Comendanten mit groſſem zittern und beben vor/ es weren Teuffel im Holze die ihnen auff Portugiſiſch zu geſchrien ſie ſolten kommen/ und ihnen durch helffen. Der Obriſte im Con- Ert geh, ter als er ſahe das die Soldaten nicht weni⸗ eine el 0 wird„ ger beſturtz waren als die Selaven/ wuſte le geholen. nicht was er gedencken ſolle und meinte die gemuͤtter diſer armen Leute welche fuͤr auſgeſtandener Forcht ſchier geſtorben/ bald wider zu befridigen. Des morgens be fahl er ſie ſolten wider an ihre Arbeit gehen und nichts nach dem Teuffel fragen/ weil ſie villeicht nur auß Einbildung etwas gehoͤret/ aber ſie proteſtirten da wider und wolten nicht hin gehen/ ſondern liber ſterben als dem Teuffel der mit ihnen nicht zum beſten umbgehen wurde in die Hande laufen. Die andern die in der Wohnung gebliben/ ob ſie zwar uͤber diſer Erzehlung beſtuͤrtzt/ wolten dennoch ſolche nicht glauben/ und damit man wiſſen moͤge ob es in der That alſo ſey erbothen ſie ſich ſelbſt dahin zu gehen/ und nahmen einen mit der die Stimme gehoͤret und ihr Weg weiſer ſein konte. Es waren ihrer eine gutte Anzahl/ und als ſie in das Holtz kommen und an den Orth wo die andern den Teuffel gehoͤret/ fingen ſie an zu arbeiten/ konten aber in langer Zeit nicht das geringſte vernehmen. Die Uhrſache deſſen war daß Locker und ſeine Geſellen nach dem ſie viel gearbeitet/ in Meinung durch zu kom0 men ein geſchlaffen/ wegen der groſſen Mu⸗ und bach digkeit die ſie uber fallen/ und dannenhero das durch. h die welche diſmahl dahin kommen der andern li die ſie hingefüͤhret ſpotteten/ welche dennoch ge beſtaͤndig behaubten wolten es ſey wahr was ſie gehoͤret. Ihr Streit wurde endlich immer groͤſſer/ und durch diß geſchrey erwachten die andern/ die alles verſtunden was ſi redeten und un angeſehen ihrer Muͤdigkeil dennoch herzlich drüber lachen muſten. Locker und ſeine Soldaten fingen zugleich an eiter nach der andern zuſchreien einer auff Hollaͤndiſch der andere auff Portugiſiſch. Kommet zu uns wir ſind Hollander kommet helfft uns auß dem Holtz ſo wollen wir euch au von eurem Kummer befreyen. Aber diſes war ihnen ungelegen ſondern ſie flohen alle und kamen gantz erſch rocken und auß ſich ſelbſt nach Hauſe/ das der Obriſte des 1415 es age, l al ll, . Hiſtori vom Verhalten der Hollander in Aſten. tors lange Zeit kein Wort auß ihnen bringen konte. Als ſie endlich wider zu ſich ſelbſt kommen/ verſicherten ſie es ſey mehr als zu wahr das Teuoff k in dem Holze wohneten/ und damit ſie/ ſie deſto beſſer verführen moͤchten jo hetten ſie rnehr geredet als des Voririgen Tages/ nemlich Hollaͤndiſch und Porkuͤgiſiſch. Alle Leute in der Wohnung erſchracken ſehr hierüber/ und wuſten nicht was ſie bey diſem Abentheur gedencken ſolten/ welches/ ſie zum andern mahl gehoͤtet. Aber des Morgens ward ihnen bald auß dem Traum geholffen/ den die Wacht in der Feſtung welche an einem hohen Orth ſtehet/ erſahe diſe ver meinte Teuffel des Morgens von ferne. Dem Corporal wurde als bald durch einen Muſqueten/ Schus ein Zeichen gegeben/ jederma kam auß der Wohnung und glaubten es weren Leute auß einem Schiffe welche bey unge ſtumen Wetter an dem Uffer diſer Inſel Sg uiff bruch gelitten. Drey Tage heran kam das Schiff auch ar/ und warff den Ancker auß gleich gegen der Feſtung über/ allein in einem demlich Schlechten Zuſtande/ und muſte ba ſelbſt den Schaden den das Meer 0 5 gethan/ verbeſſern. 5 nerals zu Battavia und ſonderlich des Generals Matſuckers und was ſich mit ſeiner Frauen und 8 teerhalte. Und man ſihet würcklich in kuropa keine ſo wohl berithne und außſtaffirte Enkelm zugetragen. Je Compagnie iſt zwar zu friden ihr Anſehn und groſſen Pracht der In, dianiſchen Handlung zu erhalten/ das der General welchen ſie nach Battavia ſendet/ und der den andern Oertern in Aſien wo die Hollander Handlung treiben als ein Haubt vorgeſetzet iſt/ eine Fuͤrſtliche Ruͤſtung unReuterey als die ſeine. Die Reuter haben lauter Perſiſche und Arabiſche Pferde/ und We das Fußvolck iſt nicht weniger wohl mundiret. Die Halbartirer haben alle gelb Atlaſtene Wambſter und Hoſen auß Scharlach/ die Roͤcke aber ſind mit ſilbernen Galaunen verbrämbt und die Struͤmpffe auß Seide. Aber diſer Pracht wird eintzig und allein an die Soldaten die unter des Gene. kals Leibwacht ſind angewendet dieſelben aber welche hin und wider in die Inſeln und Feſtungen geſendet werden/ koͤnnen ohne Erbarmen/ mcht angeſchen werden/ ſintemal ſie eben ſo ubel gekleidet/ als geſpeiſet werden. Wenn die Flotte auß Holland zu Batravia angelanget/ werden die Soldaten die aukommen durch den Major auff einem gewiſſen Platze in der Feſtung in Schlacht2 Ordnung geſtellet/ welcher diſelben die am geſchickſten ſind außerwehlet/ diſe weden zu Battavia behalten/ die andern aber weden an unterſchiedliche Oerter geſand/ und in und wider vertheilet. Wenn der Her? Gi, neral oder die Frau Generalin außfahren wil/ geſchihet ſolches in einer Care tte mit 6. Pferden beſpannet/ an den Schlaͤgen gehen 6. Hallebardirer/ und ihr Geleike beſtehetk in einer Compagnie Reutern und Fußknechten. Diß iſt ihr Zug und gemeine Ruͤſtung/ dadurch ihr Anſehn ſehr vergroͤſſert wird/ die Frau Generalin iſt offters Meiſter uber ihren Mann/ und weil ſo wohl der eine als die andere gantz abſolut herſchet/ ſo muß man ſich wohl in acht nehmen daß man ihnen weder mit Worten noch Thaten zu nahe komme. Was aber die jenigen anbelanget die nicht gaͤntzlich von ihrer Macht dependiren/ und eintzig und allein ihre Aembter von der Compagnie haben/ die fragen nicht viel darnach wenn ſie ſie ſchon erzůrnen/ und ſind nicht verbunden ſich ſo gar ſehr in acht zu nehmen. Ich wil ein artiges ExemDes Generals Matſuckers Frau vexirte einsmahls einen Schiffs⸗Capitain Nahmens Lucifer/ und ſpottete ſeiner weil ſie ihm etliche Ballen mit Waaren hatte weggenommen(denn es iſt nicht erlaubet wie ich allezeit zuvor gedacht/ das ein gemeiner Menſeh weder Weib noch Mann Handlung treiben darff) uber diſen Verluſt entſchloß ſich der Capitain zu raͤchen/ und fand auch bald hernach ein guttes Mittel dazu. Er bekam Befehl nach Malulipatan in das Königreich pel hiher ſetzen daraus man die Mahrheit deſſen zur gnuͤge wird abnehmen konnen. zugetragen Golconda zu ſegeln/ an welchem Orte aller hand gemahlte und andere Tuͤcher gemacht werden/ welche wohl abgehen und gutten Nutzen eintragen. Nach dem der Capirain das Schiff beladen und die Ancker nach Battavia zu kehremauffheben wolte/ bath ihn der Ober ſte im Contor baſelbſt er moͤge 4. Ballen Waaren für die Frau Generalin die er aber heimlich lüffern moge/ mitnemen. Diſes war dem Capitain ein gefundener Handel/ ſich des Geſpoͤtts daß ſie ihm angethan zu raͤchen/ und als er nach Batravia kommen ging er den General nach Gebrauch zu gruͤſſen/ und uͤbergab ihm die Brieffe/ die man ihme zu Maſulipatan die Handlung betreffende gegeben/ wie die andern Capitane die allhier anlaͤnden zu thun pflegen. Der General last ſie gemeiniglich durch einen ſeiner Hallebarbirer entweder zum Morgen ober Abend Eſſen nach dem ſie ankommen einladen, alsdenn befragt er ſich bey ihnen was auff der Reiſe vorgangen/ ob keine verbottene Waar im Schiff ſey/ ob alles daſſelbe was man geladen der CompaZnie gehöre Der Capitain Lutifer gab bey der letſten Frage zur Antwort/ er haͤtte nichts anders hergebracht das der Compagaie nicht zuſtandig ſey/ auſſer vier Ballen B 2 dit 18 die ihm der Obriſte zu Maſulipatan gegeben und ſenderlich befohlen/ weil ſie der Frau Genſcalin zugehoͤrten. Weil er nun diſes offmtlich ſagte/ und in gegenwart aller Leutebie bey der Taffel waren/ wurde die Frau Generalin uͤber diſem unerwarteten Hieb nicht wenig beſtuͤrtzt/ der General erſchrack auch gar ſehr daruber/ und fragte ſie mit harten Worten/ was ſie ohne ſein Wiſſen zu handeln hätte. Sie fing alsbald an zu leugnen/ ſagende der Herz Capitain wuͤrde ſich villeicht irꝛen/ und ſie fur eine andere anſehen. Als ſie ſo mit einander redeten/ liß der General den Fiſcal hohlen/ und als derſelbe ankommen/ befahl er ihm er ſolte alsbald mit dem Capitain ins Schiff gehen/ und die vier Ballen Waaren herfur ſuchen/ als ſie außgeladen liß er ſie auff den Platz fuͤr dem Rahthauſe legen und einen Zedul mit groſſen Buchſtaben daran hefften/ welcher in ſich hilte/ daß der jenige deme diſe Waare zuſtaͤndig ſey ſich anmelden ſolle. Sie lagen etliche Tage dar ohne daß ſich jemand angemeldet, und wenn ſie auch ſchon nicht der Frau Generalin weren zuſtaͤndig geweſen/ ſo wurde ſich doch niemand angegeben haben/ damit er nicht in Geld Straſſe welche bey dergleichen Fallen auffgeleget iſt fallen moͤge. Es war des Capitams groͤſte Ergotzligkeit/ wenn er ſahe wie diſe Frau fuͤr Unmuth ſchier hatte zerberſten moͤgen/ und wider ihren Willen von diſen Ballen der Compa· Hiſtori vom Verhalten der Hollander in Aſien. ſchriben ſie an die Directores der Compagnie bittende man moge dieſelbe nach Pattavia ſenden. Dieſes Menſch fuhr alle Tage mit dem Schubkarꝛen in die Stadt und verkauffte Kraut und Zwibeln ihr Leben zu Schlechte, erhalten, Die Compagnie halte zwar den Standehte General nur auff 3. Jahr lang in dis Ambt Enckelin geſetzet/ und ſie wolte haben daß derſelbe nach Abtrettung ſeines Ambts daſelbſt Lebenslang verbleiben ſolte/ den ſo offt ein neuer General erwehlet wird/ ſo offt muß auch ein neuer Beutel geſpickt werden. Den wenn ſie wider in Holland kommen/ wollen ſie ſich eben wie zu Batta via halten/ und weder ſie noch ihre Weiber gedencken mehr daran was ſie zuvor geweſen. Alſo war es der Compagnie gar lieb daß ſie auß des General Makſuckers Brieffen vernahm/ daß er langer als man ſonſten pflegte ihr zu dinen geſonnen/ und liſſen diſe Enckelin ſuchen welche mit groſſer Muͤhe kaum koͤnte gefunden werden. Man kan ſich leicht einbilden daß ſie bey dem Handel den ſie trib mit der Burgermeiſter Toͤchtern und Weiber wenig Gemeinſchafft hatte/ als ſie endlich gefunden und fur die Herꝛn Dire ctores gefüͤhret wurde/ zeigten ſie ihr an das der Herz Vetter und die Frau Baſe nach ihr verlangen trugen. Man zeigte ihr ihre Briffe/ den man hatte auch abſonderlich an ſie geſchriben /) und der Cammer Preſident ſandte ſie alsbald zu ſeiner Frauen/ welche ſie kleyden ließ und auß einer Hoͤckin zu einer Damoilelle machte. Ob ſie zwar von gar Walch an geringem Stande war ſo fehlte es ihr den, nac h. goch nicht an Schoͤnheit/ und als ich ſie zu hohlen gnie, dem Avocat Fiſcal und den Armen im Hospital welchen dergleichen confiſcirte Gütter gemeiniglich zugeeignet ſind Geſchencke geben muſte. Man hat mich offtermahls verſichert daß diſe Fran nichts ver lohren/ ſondern daß die Waare theur genugſam bey einem Chineſiſchen Kauffman an. gebracht worden/ dieſelben welche das confiſtirte Geld empfangen ſolten/ ſchickten es durch eben diſen Kauffman heimlich der Frau Generalin. Sie entſetzte ſich daß ihr gleichwohl diſe Waare ſo gutten Nutzen eingetragen/ und war endlich ſo gewiſſenhafft daß ſie den Profit den Armen ins Hoſpital ſandte/ ohne daß ſie ſagen liß wo es herkomme/ und begnuͤgte ſich daß ſie das Capital behalten. Bey dergleichen Fallen ergehet die Straffe nur uber die UnterOfficirer/ Schreiber/ Soldaten und Bootsknechte/ wenn ſie daruͤber ergriffen werden/ den alsbann conſiſcirt man ihnen ihre Beſoldung wie ich zuvor angezeigt/ und werden entweder wider in Holland geſchicket oder Battavia geſehen/ war ſie mit viel Diamanten und einer Perlenen Halßſchnur gezieret alſo daß man nicht mehr erkennen konte/ was ſie zuvor geweſen. Als die Flotte fertig war abzuſegeln liß der Vlce⸗Admiralzvor diſe Jungfrau eine eigne Kammer machen/ und die Compagnie ber ehrte viel guͤldenen und ſilbernen Brocart und ſeydene Tuͤcher ſo wohl für ſie gls den General und die Generalin und gaben uhr auch allerhand Erfriſchungen auff die Reiſe. Sie recommanbirten ſie auch guffs beſte dem Capitain Roſſe welcher Vice⸗Admiral war/ daß er ſie wohl in acht nehmen ſolle. Diſer Capitain war ſchon ofſtmals in Indien geweſen/ und hatte ſich offters gegen die Porkugieſen als ſie mit einander Krieg gefüͤhret ſehr tapffer gehalten/ er war ſonſten auch reich/ und noch nicht verehliget. Als ſie auff dem Meer waren unterließ er nicht diſer Jungfrauen alle moͤglichſte Dinſte zu erweiſen/ und war allezeit umb e. Ich glaube gar wohl daß damahls fein Die ibe, Vorhaben war(wie es ſich auch nachmabls ande 1 dufſgewiſen) ihre Affection zugelvinnen unb ſec age ſie hernach zu ehligen“ meinende er würde unten en durch diſes Mittel mit dem General ii zug Verwandſchaſt kommen/ und eins mahl f r Fürnembſte zu Bata ſehr reich und der Fuͤrnembſte z werden aber auff eine Inſel Zigel zu machen/ und wie vor diſem das Ebenholtz zu hauen/ davon wien vorhergehenden Capitel gedacht/ verDer General Matſucker hatte mit ſeiner Frauen keine Kinder/ derohalben vermeinte ſo wohl eins als das andere ihr Gutt ihren Freunden zu hinterlaſſen/ und weil die Ge neralin eine Enekelin zu Amſterdam hatte/ Diſes Weib glaubte ſie ſey werden. Dieſe Jungfrau war des Meers nicht gewohnt/ und wenn der geringſte Sturm ſich regte war ſie halb todt/ zur ſelbigen Zeit kam der Capitain niemahls von ihrem Bette/ auß Furcht es moͤge ihr ekwas widerfahren. Denn wenn das Meer ungeſtum iſt und man nicht in einem ſolchen Bette liget welche wie ein Schranck befeſtiget ſind/ kan man leicht uͤber einen Hauffen fallen/ welches mir zum offterſten begegnet. Weil nun der Capitain beim Ungewitter bey diſer Jungfrau war/ ſo entfernte er ſich auch nicht weit von ihr wenn der Himmel klar war/ und anſtat daß er ſich zu ihrem Bett ſetzen ſolte/ ſo legte er ſich bißweilen gar hinein. Endlich aber/ ich weiß nicht ob es in dem Bett oder bey dem Bett geſchehen/ befand ſich diſe Damoiſelle ſchwanger/ ehe ſie noch einmahl zu Bartavia ankommen/ und diſer Libes⸗Handel war ſo artig und hoͤfflich zugangen/ daß es kein Menſch mercken konnen. Das Schiff war kam durch den Sund welcher bey Bantam iſt gefahren/ als die Frau Generalin nebſt vielen von ihren Freundinnen ihrer Enckelin auff kleinen naher. Schiffen entgegen kam/ und ſich nicht wepfan⸗ ig daß ſie eine ſo ſchoͤne und wohl bekleidete Perſohn ſehen ſolten/ verwunderken/ welche nicht den geringſten Schein mehr hatte deſſen was ſie zuvor geweſen. Eine Caroſſe mit 6. Pferden/ 6. Hallebardirer und eine i Nene und Fußvolck warteten auff die Frau Generalin am Lande/ und in biſem Pracht wurde diſe Jungfrau nach der Feſtung geführet/ und von dem General gar hoͤfflich empfangen. Wenig Tage hernach meldeten ſich unterſchiedliche an die ſie zur Ehe begehrten/ aber weder der Vetter noch die Baſe wolten einigen annehmen/ ſondern hatten ſie vor laͤngſten einem jungen Menſchen der ſehr reich war/ und ſich auff einer Reiſe befand/ zugeeignet. Der Capitain Roſſe lachte bey ſich ſelbſt Über dem was vorging/ und unterliß keines Weges mit diſer Jungfrauen umbzugehen/ welches die Generalin und der General gar gerne ſahen/ weil er ihrer unterwegs ſo wohl Sorge getragen; Als er aber ſahe das der Galanen gar zuviel wurden/ war er dennoch zu barmhertzig ſie zu betrügen/ ging derohal ben ohne fernere Ceremonien zur Generalin und begehrte diſe Jungfrau zur Ehe. eine Koͤnigin zu Batavia, und hilte ſich hoch beleydiget/ daß ein Schiffs⸗Capitain die Kühnheit hatte/ ein ſolches vorzutragen/ weil ſie ſolches vielen andern die etwas beſſer geweſen zu Bar tavia abgeſchlagen/ und ſolchen Leuten die einsmahls Indianiſche Rathe hetten ſeyn konnen. Wenig Tage hernach kam der Capitain wider damit aufgezogen/ und dadurch wurde die Frau Generalin noch zorniger/ und verboth er ſolle nicht mehr in die Jeſtung kommen. Er ging alobald ohne Hiſori bom Verhaltm der Hollander in A 5 gros erſchröcken zum General/ und als er ihme eben das vorgetragen/ bikam er eben diſe Antwort. Aber der Gapitain verſetzte ihm etwas daß er ſeiner Frauen noch nicht geſaget. Ich habe ſprach er zweymahl eure Jungfrau Enckelin zur Ehe begehret/ und komme zum dritten und begehre ſie ſo wohl von einem als von dem andern/ und ihr habet ſie mir abgeſchlagen/ und ich verſtchere euch ihr ſolt mich auch dreymahl bitten ehe ich ſie nehmen wil/ und als er diß geſaget ging er davon. Der General welchet gar ein verſtaͤndiger Mann war/ dachte diſen Reden in etwas nach ging zu ſeiner Frauen und zeigte ihr an/ was der Capitain ihme geſaget/ und das er dafuͤr hilte ſie het. ten villeicht auff der Reiſe Libes Hendel mit einander getriben/ und ſie ſolle doch ſehenob ſie bey ihrer Enckelin etwas heraus locken koͤnte/ welches ſie auch that. Diſe Tochter welche nicht viel zu verhelen gelernet/ bekante die Sache alsbald/ und alſo wurde ſie Ihre Verehzdem Capikain ohne fernere Weitlaͤufftig⸗ ligung, keit uͤberlaſſen/ daruber ſich die gantze Stadt wundern müſte. Und noch vielmehr/ als man nach Verfliſſung 6. Monath die Urſach ſahe warumb ſie der Capitain bekommen, als ſieeinen jungen Sohn zur Welt brachte. Aber es ging ihr gar ib bana dabeh/ den ſie ſtarb wenig Zeit hernac durch einen ſehr wunderlichen Zufall/ welchen ich hieher zuſetzen nicht unterlaſſen will/ darauß man abnehmen kan was die Compagaie für Wundaͤrtzte in ſelbigen Landern halte. Fuͤnff oder ſechs Tage nach dem ſie gebohren hakte/ befanden ſich die Mutter und die Amme etwas uͤbel/ und der WundArtzt in der Feſfung(den die Barbiren bedinen auch der Aertzte ſtelle) ordinirte ihnen ein wenig Cremor Tartari zu geben. Er ſandte derohalben einen jungen Wundartzt ſeinen⸗Bedinten zu einem andern WundArtzt in der Stadt/ daß er ihme 2. Pulver bringen ſolle. erſelbe war in dem Saal und machte ſich mit ſeinen Freunden beym Truncke luſtig/ und als man nach ihm fragte ſtund er nicht einmahl auff/ ſondern rufſte einen andern Balbier der allererſt auß Holland kommen/ er ſol e 2. Pulver mik Cremor Tartari fuͤr den Wundartz in der Feſtung herbringen. Dieſer Bube war eben ſo betaubt als der welchen man auß der Feſtung geſand/ und hatte villeicht niemahls Arlenicum geſehen/ nahm derohalben diſelbige Buͤchſe anſtatt das er die mit dem Cremor Tartari hatte nehmen ſollen. Und alſo gab er ihme 2. Pulver von diſem Arſenicum ohne daß er es zuvor ſeinem Her zn gezeiget/ der andere Narz überbrachte es auch alſo in die Feſtung/ und befahl ihm er ſolle es in einer ſülbernen Schale mit Waſſer zerzühren. Der junge Kerl ſahe das die Schale allezeit ſchwartz wurde/ ſprach derohalben zu ſeinem Meiſter/ er wiſſe nicht was das fuͤr Cremor Tartari ſeh/ daß man ihn P 3 hege n Hſſton vom Verhalten der Hollander in Aten hen koͤnken. Sie wurſſen detohalben ihre gegeben/ well die Schale gantz ſchwartz davon worden. Diſer Artzt der doch bey den Krancken ſas war ebenfals wie der andere zu faul auff zuſtehen/ und achtete es nicht noͤlig/ zu ſehen was es ſey/ ſondern ſprach zu ſeinem Diner du weiſt nicht was du ſagſt/ hihm zwey Glaſer und vertheile die Artzney in dieſelben/ und bringe ſie hieher. So wohl die Mutter als die Amme nahmen ein ijgliche das ihre/ und fingen bald hernach grauſam an zu ſpeien/ das es einen hatte erbarmen Ihr Ungläck⸗ igen. Die 2. Here Wundartzte erkanten ſeliger Todt. zwar ihren Fehler/ aber leider allzu ſpaͤtt/ den 1 9 doͤrffe. 1353 alle Mittel die ſie diſen 2. Weibern beybringen wolten/ waren vergebens ſondern ſie muſken als noch nicht 24. Stunden Verlauffen eines elenden Todes ſterben. Der Capitain Roſſe lebte auch nicht lange nach ſeiner Frauen /ͤich wil aber diſe Geſchicht bis in das 15. Capittel verſpaͤren/ damit ich den Dilcours welchen ich von unterſchidenen Generalen zu Battavia angefangen/ nicht unter brechen Das 7. Capitel. Vom General Van der Broug/ und dem jenigen was unter ſeinem Gubernament vorgangen nebſt dem Uhrſprunge der Stadt 8 D Er General Vander Broug war in 9 keiner andern Qualitat als eines gemeinen Soldaten in der Compagnie Dinſte getretten. Er war von Antwerpen gehürtig/ und hatte da ſelbſt in dem Oollegio bey den Jeſuitern ſtudiret/ und behilt ſeine gantze Lebenszeit eine Neigung zu den Wiſſenſchafften/ welchen er auch ſo viel als andere Geſchaffte zu liſſen ſtaͤttig obzuligen ſuchte. Die Zeit über weil er General war lis er den Alcoran des Mahomets auß der Sonder bah⸗Atabiſchen in die Hollaͤndiſche Spraach res Lob des Generals Van der Broug. Überſetzen/ und weil er ein Verſtändiger Mann war/ und wackere Leute ſehr libete/ ſuchte er den Herꝛn Van Dy me herfuͤr der jhme in der Generals, ſtelle ſuccedirte. Er war nicht weniger Hertzhafft als gelehrt/ und wagte ſich ſeine gantze Lebenszeit offters in Gefahr der Compagnie zu dinen/ deſſen ich unter vielen andern Exempeln die ich vorbringen koͤnte dennoch nur ein einiges hiher ſetzen wil. NMach dem die Hollander viel Scharmügel zu Waſſer mit den Portugieſen gehalken/ und ſahen das ſie durch ſolche Seerauberey reich wurden/ hilten ſie dafür ſie kön, ten ihre Handlung nicht recht feſte ſetzen/ wenn ſie nicht einen Ort hätten/ dahin ſie ſich retixiren/ ihre Schiffe verbeſſern und nach außgeſtandener groſſer Arbeit wider außtuAugen auff die Inſel Iava/ an den Ort alwo die Engellander eine Wohnung zu ihrem Handel erbauet hatten. An diſen Orten iſt ein Meerſtrand bey welchem die Schiffe eingantzes Jahr lang fuͤr Ancker ligen. Es ergiſſet ſich alhier auch ein Flus in weichen man ohngefehr hundert Schritte mit groſſen Cha loupen fahren kan. In diſem Fluſſe f iſt das Schoͤnſte und beſte Waſſer/ welches man in der Welt finden kan/ und hat diſe gutte Eigenſchafft das es weder auff dem Meere ſtinckend wird/ noch einiges Wurmlein in ſich heget. Man kan diſes auch einzig und allein nur von der Temps und dem Gange rühmen/ und was diſen letſteren anbelanget ſo iſt kein Heyde in dem gantzen Gebitt des groſſengMogols/ viel weniger die andern Heydniſchen Koͤnige und Fuͤrſten in den Umbligenden Orten/ welche ihnen die Seeligkeit einbilden/ wenn ſie nicht Zeit ihrer Lebens ein mahl nach dem Gange gewallfahrtet/ ihren Leib gewaſchen/ und ſich att getruncken. Und von ſolchen Aberglaubiſchen Grillen habe ich in meinem Indianiſchen Reiſe Buche albereit gnugſame Meldung gethan. Die Hollander kamen nun/ und lagerten ſich an die Spitze diſes Fluſſes/ den Engelländern welche auff der andern Seiten wohneten gleich gegen uͤber/ und hatten eine zumliche Menge ſchiffe bey ſich die ſie dazumahl in Indien unterhilten/ und mit groſſen Ballen Tuͤchern geladen waren/ welche von Surate und Bengala kommen/ und ka um von 12. Mannern koͤnnen gerollet werden. Als ſie diſelben alle zu Lande gebracht/ ſtelten ſie Stucke dazwiſchen. Den Seither ſie mit den Portugieſen allezeit Scharmuzel gehalten hat es ihnen niemals an Stucken gefehlet/ ſie die Portugiſen als ſie noch in la⸗ 1 pan handelten brachten eine groſe mengnge Kupffer von dannen/ well das ſelbe Koͤnmgreich am Kupffer das Neichſte in der Welt iſt/ und fuhrten daſſelbe nach Maeas und Goa, alwo ſie ihr Geſchuͤtz giſſen liſſen. Es ging kein Schliff weg mit welchen ſſe hicht eine ziem liche Anzahl nach Portugal ſandten/ und diſeiben dienten ihnen auch an ſtat des Schiffs ſandes. Dazu mahl erroberten die Hollander ein Schiff auff welc Hull, chem ohngefehr 100. Stuke waren. Ich kan aue nicht unterlaſſen meige Erzehlung al hier ab⸗ wolli zubrechen/ die groſſe Beſtuͤrzung zu bezeu⸗ Hande gen/ die ich gehabt als ich geſehen das Hollander den Mhonetaniſhen Königen der Ehriſten Feinden ſo viel Stücke verkauft als ſie nur begehret/ wie auch allerhand Werck zeuge diſelbe zu giſſen/ welches ich in vielen Staͤdten unter den ie der groſſen Mogols geſehen als zu Galeri N in ſonderheit aber zu Agra und Gan altvo eine gutte Quantität ſchoner Stuen ſind/ welche Kugeln von 12. bis 48. Pfunde fuhren. Zu meiner Zeit war zu eee f und Alabas er Wdft Si date A/ l, fall 1 da erſte der S a. dnpſtein ladt ein Deutſcher Wundartz welchen die Compagnie dem Koͤnige gelihen/ und eine ſeiner Weiber die von den Artzten im Lande ſchon für unheilbar er kennt worden/ curiret. Der Koͤnig gab ihm zur Vergeltung einen ehrlichen Sold/ und uͤber dis ſahe auch die Compagnie gar gerne das er ſich da auff hilte weil ſie ihn an ſtatt eines Spions gebrauchte/ ſintemal ſie daſelbſten kein Contor wie zu Agra haben. Diſer Wundartz beſuchte den Nabab gar offte/ welcher der fuͤrnembſte Staatsdiner und eben ſo viel als der gros Vizir in Turckey iſt/ welcher ihme 24. groſſe Stucke die die Hollander dem General uber Aurengzebs Armee verkaufft welcher da zu mahl wider ſeinen Bruder Sultan Saja Krieg fuhrte/ bezahlen ſolle. Sie haben auch eine ziemliche Menge den Koͤnigen von Vilapour und Golconda verkaufft/ deren Feſtungen anizo alle damit beſetzt und ihre Haſſen verſorget ſein. Iſtes aber moglich das der Geitz diſe Kauffleute zu einer ſo verdamlichen Handlung verleiten konne/ das ſie den Feinden der Chriſtenheit aller hand Waffen und Kriges Munition verkaufft deren ſie ſich zu derſelben Nachtheil gebrauchen koͤnnen? Diſes ſchreiet umb Rache zu Gott/ und der Pabſt kan mit guttem Rechte alle Jahr die Chriſten excommumciren/ die/ unter welchem Schein es immer wolle/ ein pfund Eiſen oder 7 5 den Unglaubigen verkauffen würDie Hollander hilten da für es koͤnne kein Menſch ihre kleine Feſtung die ſie auß Tuchballen gemacht bezwingen/ weil ſie noch mehr beſchützet wurde/ durch die Schiffe die ſie in der Reede hatten/ aber zulande haͤtte ihnen der König der Inſel und der von Materan oder Bantan gnug ſam zu ſch affen geben koͤnnen. In diſer Inſel waͤchſet ſehr viel Holtz und die Walder erſtrecken ſich auff diſer Seyte bis auff eine Meile von dem Meere. Von dem Orke wo ſie auff hören bis auff den Fluß iſt kein anderer Weg als ein Tam welcher den Maraſt des Fluſſes von einander theilet/ und die Holſander damit ſie deſte mel x in Sicherheit bey diſen zwey en Königen ſtyn mochten// ent ſchloſſen ſich eine Feſtung oder Thurn an diſen Tam zu bauen. Sie begnügten ſich endlich mit einem Turme/ welcher bald fertig worde eine gutte vier lel Meile von dem Strande. Den ſie konten mit ihren Schiffen Steine und Holtz zu fůh/ ren/ und Sand konten ſie gnugſam auß dem Fluſſe haben. Sie beſetzten diſen Thurn mit Feldſchlangen und Steingeſchos/ ſie verahen ſich auch mit Feur wercken und führten alle abend eine neue Wacht auff. Der oͤnig von Materan dehn man ſonſten den Keiſer der Inſel nennet/ konte ſich leicht die Rechnung machen das die Hollander es bey em nicht wur den bewenden laſſen/ und duͤrfften ihm ein mahl genug zu ſchaffen geben. Che ſie ſich nun weſter befeſtigten/ brachte er eine ſtarcke Armee zuſammen/ diſen Hon vom Vahalten der Hollander in Aen. br Thurm zu ruiniren/ ſeine Krigs Ruͤſtung deren er ſich gebrauchen wolle/ waren eiſerne ketten/ und groſſe Schiff ſeiler auß Cocos Rinden gemacht. Er bildete ſich ein er wuͤrde durch Hüͤlffe der Nacht diſen Thurm mit den Ketten und Sellern umfangen und durch ſeine Schiffe Elephanten und Leute leichtlich uͤber einem Hauffen reiſſen koͤnnenAls aber diſer Anſchlag gantz Vergebens abgelauffen/ und ſie bey anbrechendem Tage Sahen das ſie an dem Turin nichts richten koͤynen/ und ſeine Armee hingegen durch das Feurwreck und geſchos groſſen Schaden gelitten, zog er wider ab/ mit einem groſſen Verlust ſeiner Volckes. Die Holländer als Uber berwinder ſahen das ſie eher, 9 ſcch mit den Thieren als Menſchen zu ſchaffen bauung der haben würden/ und ſandten Schiffe auß, Selben zugsauß den Umlgenden Inſeln Steine zu hoh. tragen, len/ welche aber nicht von den beſten ſondern den Bimſteinen gleiche waren/ aus denſelben branten ſie Kalck/ und fingen an die Feſtung welche annoch an diſem Tage zu Batavia ſtehet/ zu bauen. Der Keiſer hörte allezeit lagen/ wen er ſie wurde ein würtzeln laſſen wurde er nimmermehr die Hollander von der Inſel treiben koͤnnen/ und diſes hat er guch nachmahls in der That erfahren. Derohalben brachte er ſo viel Volck auff als ihme moglich war/ und verſamlete daraus eine Sehr ſtarcke Armee ſo wohl zu Maſſer als zu Lande nebſt vielen kleinen Gebauden die ihme well das Land ſehr Moraſticht iſt hochnstig waren/ er lis alsbald die Feſtung türmen/ welche ſchon in dem ſtande wat das man ſich darinnen defendiren konte/ angeſehen ſie mit vieten gutten Stücken verſehen. Diſer Sturm war zimlich harte aber die Hollander hilten dennoch Hertzhafftig Stand/ und die Frinde verlohren doch nicht den Muth/ ſondern etliche Tage hernach da ſie abgeſchlagen toorden entſchloſſen ſie ſich zum andern mahl zu ſtuͤrmen. Ehe wir aber davon gebencken ſo muß ich zuvor einen Zufall erzehlen/ welcher den Hollaͤndern zu e diſes Orts ſehr dinlich geweNach dem der erſte Sturm fürüber/ wurde einer von den fürnembſtem Haubtern der feindlichen Armee angeklagt/ das er nicht auffrichtig gefochten/ und bekam Nachricht der Kaiſer wolle ſich ſeiner bemächtigen und ihn in ſtücken hauen laſſen. Ich muß alhier im für bey gehen gedencken das bey den Ja⸗ Der Jabaner banern gebrauchlich iſt/ wenn ein Weib oder Leibes StrafMaun den Todt verdinet wird der ſelbe nach ken der lange auff einen Balcken geſeget der guff 2. andern Valcken ſlehet/ die in die erde geſchlagen ſind/ wenn man ihnen nun die Armen und Schienbeine gebunden Vwelche ſie außſtrecken muſſen/ ſo kombt als den der fürneimbſte Here der ſich daſelbſt befindet/ und hauet den Verutheilten zu ſehen ob ſein Sabel gutt/ in dreyen Hüben in 4. Stucke. Der erſte hieb gehet an die Bruſt/ 15 andere/ n Oſſtori vom Verhalten der Hollander in Aten. dere/ unter halb des Magens/ und der dritte unter werths des Bauches/ nach mahls werden die Stucke verbren net den in diſem Lande/ fleget man die Menſchen nicht zu begraben. Wenn es ein boſes Weib oder Tochter iſt die den Todt verdinet/ diſelbe wird nach dem ſie in Stücken zerhauen den Hunden fürgeworffen/ die zu diſem Ende unter halten werden. Diſer Herꝛ nach dem er von etlichen ſeiner Freunde verſtanden das der Kayſer ſich ſeiner bemaͤchtigen wolle/ lieff er den Hollaͤnhern in die Haͤnde/ und ward vom General Van der Broug welcher Gutt Malagiſch redete gar hoͤfflich empfangen. Von diſer ſprache habe ich bey gegelenheit meines Bruders in der Beſchreibung des Koͤnig5 reichs Tunquin Meldung gethan. Diſer Hollaͤuder wer den von den Jabanern angegriffen, Javaniſche Her: enddeckte dem General alles/ was der Kayſer wegen erroberung diſes Platzes im Sinn hatte/ und er wuͤrde an etlichen Orten Stuͤrm Leytern an werffen/ und die Feſtung mit dem groͤſten Theil ſeiner Armee ſtürmen. Und obwohl der General/ ſein meiſtes Volck das er auff den Schiffen gehabt in die Feſtung geführet/ ſo war er doch ein wenig zu ſehr bedraͤnget/ und ſahe wohl das es Mühe koſten wurde den Sturm auß zuhalten. Als der Javaniſche Herꝛ ihn voller gedancken ſahe/ ſprach er/ Ich bin verſichert das du des Kayſers Macht furchteſt/ und es iſt nicht ohne das er des Orts ſich bemaͤchtigen kan/ wenn du meinem Rathe nicht folgen wilſt/ Dir iſt bekand das alle Javaner groſſe Eifferer des Mahometiſchen Geſetzes ſeind/ und das ſie ſo bald ſie mit etwas beſudelt werden/ und ſonderlich wenn es von der Hand eines Chriſten kombt/ und auff ihre Kleider mit welchen ſie bedecket ſind fallet/ diſelben weg. werffen und ſie nicht mehr gebrauchen duͤrffen/ ſondern koͤnnen in 3. Tagen nicht beten/ ein jeder mus ſich in diſen dreyen Tagen drey mahl waſchen/ und wenns von den Chriſten kombt muß ſolches 6. Tage nach einander geſcheen/ und duͤrffen an denſelben Tagen nicht beten/ ſondern muͤſſen ſich des Tages fünff mahl waſchen. Derohalben will ich dir zeigen wie du dem Stürmen be, gegnen kanſt. Weil der Keiſer den Sturm nicht eher als in J. Tagen füͤrnehmen kan/ weil er noch etlicher Wercker und kleiner Schiffe uͤber den Maraſt zu fahren erwarten muß/ ſo muſtu allen den Unflatt welcher von deinen Leuten ſo wohl die in der Feſtung Als die auff den Schiffen ſind/ kommet/ feiſſig zuſammen ſamlen'!/ ſolchen fliſſend machen und in gewiſſen Gefaſſen an den Ort wo der Feind anlauffen wil tragen laſſen/ wen ſie nun zu Sturme lauffen/ ſo laſſe ſie mit diſem Unflat begiſſen/ und dan wvirſtu ſehen das keiner ſein wird/ der nicht geſchwinder weglauffen als kommen wird. Uber diſes weis ich das die erſten welche an kommen werden/ vergifftete Pfeile fuhren/ wie auch vergiftete Dolchen/ und diſes Gifft iſt ſo ſtarck das alle diſelben die damit berůhret werden auff der ſiadie ſterben muſſen/ wenn ſie nicht diſes einzige Mittel dafür gebrauchen. Ein jeder mus ſeinen eigenen koth nehmen/ den ſelben droeknen/ und zu pulver zerreiben/ und hernach in kleine Gefaͤſſe mit Waſſer gefüllet fertig halten/ wenn er nun mit diſem verletzet wird ſo kan er etliche Fin?? ger vol von diſem Pulver ins Waſſer werfſen/ und ſolches als bald hin unter ſchlucken. Der General nahm alles wohl in acht was ihm diſer Javaniſche Herꝛ vorbrachte/ als nun der Feind kam und ſtuͤrmen wolte/ begoſſen ſie ſie mit lauter Unflat/ und an ſtatt das ſie haͤtten die Leutern auff ſteigen ſollen/ mach ten ſie ſie wider zuruͤcke/ als ſie aber von denen die nachkamen verhindert wurden/ ſielen ſie herunter alſo das einer gelaͤhmet und der andere garzu Tode getretten wurde. Auff diſe weiſe begab ſich die gantze Armee in elnem Augenblicke zuruͤcke/ und der Kayſer war der erſte der die Flucht nahm. Der General Van der Broug als er ſahe das der Feind in groſſer Unordnung ſich zurüͤcke machte/ und er vor ſich ſelbſt ein ſehr Tapfferer Mann war/ nahm er etliche von ſeinem Volcke zu ſich/ und uber fiel biſelben welche unterhalb des Tammes ſich retiriret hatten/ er konte ſich leicht ein bilden das er gar wohl ausfallen koͤnne weil diſe Feſtung W vor ihnen war/ auß welcher diſelben die da⸗ ner rinnen zur Beſatzung gelegen gleich fals ei⸗ zu nen Außfahl thaten/ und da durch wurden diſe Arme Javaner auff allen ſeiten umbringet/ Die meiſten hieb man in Stuͤcken und die ſich zu retten vermeinten muſten im Mo1ſt er ſticken. Der General aber welcher für gutt zu ſein hilte/ einen Theil ſeiner Soldatem die er bey ſich hatte/ nebſt denen die auß der Feſtung gefallen/ an diſem Ort zu laßſen/ umb zu verſuchen das ſte etliche von den Feinden wan ſie aus dem Maraſt kommen twürden entweder nider hauen/ oder zu Sclaven mochten machen. Als er aber mit wenig Leuten zurücke zug geda te er keines Weges an den Hinterhalt welchen man ihme legen können/ wie er ſolches hernach erfahren muſſe. Den weil die Japaner ſahen das die Hollander welche ſich unterhalb des Tammes retiriret einen Ausfall gethan/ ver ſteckten ſie ſich in den Moraſt deſſen ſie beſſerr kundig waren als die jenigen welche allererſt ins Land kommen Sie hatten ſich in unterſchiedliche Hauffen zertheilet/ und die erſteren liſſen den General mit ſeinem wenige! Volcke fuͤrbey zihen/ nach mals krochen ſie alle auff ein mahl herfuͤr/ und umbringeten die Hollander die ihnen keines wiges entgehen konten. Sie wehreten ſich zwar Tapffer und geriethen zu einer harten ſchlacht/ due Feinde fiellen auff ſie unerſchrocken/ mit ihren Erics in der hand deren Spitzen wie ich albereit gedacht eben wie ihre Pfeile vergiſſtet waren. Alle die jenigen welche damit 5 N 9 hic gehauen J un ä .— hen mochten was er ſagete. gehauen worden muͤſten ſterben/ weil ſie die Artzney davon ich zuvor gedacht nicht bey der Hand hatten. Diſes Gegengifft hatte man ihnen vor ſo weniger Zeit gewiſen/ daß die meiſten ſich noch nicht damit veyſor get/ und viel wolten auch nicht glauben daß diſe Artzney ſo heilſam ſey. Bey diſem 0 Ungluͤch Scharmützel/ wurde der General welcher 8 ohne allen Zweiffel hatte umbs Leben kom, denſelben erhalten/ ſich auch keines Wegs umb ihn bekuͤmmern/ ſondern dencken dag N er nicht mehr in der Welt ſey; ſie ſolten dis als ſie ihn angefallen vermercket daß ſie ihn ſen Unglaͤubigen Volckern zuſchreyen/ daß Des Gene. keines Weges umbzubringen Willens ge, ſie ſich davon machen moͤchten im Gegen rals Van der men koͤnnen nicht einmahl verwundet/ und er hat mir ſelbſten geſaget/ daß er ſo bald weſen/ ſondern ſie wolten ihn lebendig gefangen nehmen/ und fuͤhrten ihn auch ſo bald ſie ſich ſeiner nebſt 10. andern Hollaͤndern bemaͤchtiget zum Kepſer welchem ſolches eine groſſe Freude erweckte. Als er vor ihn kam/ redete er ihn folgender maſſen an/ General/ ſprach er zu i ſey wegen deines Lebens keines Wegs bekülmmert/ es ſoll dir nichts ubels widerfahren/ allein du muſt dei nen Leuten befehlen daß ſie mir die Feſtung und den Thurn in meine Hande luͤffern/ hernach kanſt zu Schiffe gehen und fahren wohin du wilſt. Im gegentheil aber muſtu ſo wohl als alle die bey dir ſind und deren ich mich werde bemaͤchtigen koͤnnen/ meine Sclaven ſeyn. Als der Keyſer diß geſaget verfügte er ſich nebſt dem Hollandiſchen General an die Mauren der Feſtung/ und der General ver both mit hoher Stimme es ſolle niemand ſchieſſen/ und ſprach zu ihnen ſie ſolten alle Offteirer an die Mauren fordern/ und hoͤren was er ihnen ſagẽ würde/ welchem ſie ohne Verzug nachkommen ſolten. Well ihrer viel allbereit die Malayiſche Spraache verſtunden ſo redete er in derſelben zu ihnen/ damit der Kayſer und ſeine Bedinte verſteEr legte ihnen vor/ daß ſie wohl wiſſen ſolten daß er ihr General ſey/ und daß er von der Compagnie Volmacht hette alles zu thun was ihn duncke gutt zu ſeyn/ und daß ſie ihme geſchworen ſeinem Befehle jederzeit nach zu kommen/ und weil das Kriegsgeluͤcke zugelaſſen/ daß er in des Keyſers Hande gefallen/ ſo wolle er ihnen befehlen/ ſie ſolten auß der Feſtung weſchen und diſelbe uͤbergeben/ aber zuforderſt alles was ihnen nötig ſey zu Schiffe bringen/ außgenommen 6, kleine Stucke/ 200. Kugeln zu ihrem Kaliber und Joo. Quintal Pulver. Der Keyſer und ſeine Bedinte konten ſich nicht gnugſam wun dern daß ſie den General alſo reden hoͤreten/ und diſe Javaner bildeten ſich gaͤntzlich ein ſie weren ſchon Meiſter der Feſtung und des Thurns. Aber der General weſcher bißher nichts anders als Malayiſch zu ſeinen Soldaten geredet/ wuſte gar wohl das kein Javaner Holländisch verſtünde/ ſprach derohalben zum Keyſer die meiſten der Holander verſtuͤnden nicht Malayiſch/ und wenn er wolle daß ſie ihm gehorchen ſolten/ ſo müſſe er mit ihnen in ihrer MutterſpraaHlſtori voin Verhalten der Holaͤnder in Alien 153 che reden welches der Keyſer ihne auch ge fallen ließ, Als nun der Genera Piderlandiſch mit ihnen redete/ ſagete er nen das gantze Widerſp el/ deſſen/ was er in Malayiſcher Spragche vorgebracht. Und bath ſie ſolten keines Wegs der Compagnie Verꝛather werden/ und nimmermehr den Platz uͤbergeben/ ſondern bis in den Todt theil wurde man ſie alle mit den Stücken zu 3 Tode ſchiſſen. Der Kepſer wurde nieht te, Tapfferkei. nig beſtürtzet als er diſer Voͤlcker Heitzhafftigkeit ſahe und begab ſich zuruͤcke/ und nahm den General mit ſich. Diſer welcher ein ſehr kluger Mann war/ beredete den Keyſer/ als er zu Japara ankommen/ welches dazumahl ſeine Reſidentz war/ und die er auß Furchter möchte überfallen werden von der Zeit an weil die Hollander Bar tavia erbauef in eine andere Stadt acht Meilen weiter ins Land verleget/ als ſie/ ſage ich zu Japara ankommen/ gab er vor er wolle an die Tompagnie ſchreiben/ und ihr zu wiſſen thun/ wie alles zugangen/ und verſicherte ihn/ ſie wuͤde auff Mittel bedacht ſeyn/ damit ihme dem Keyſer durch einen Vergleich ein Genügen geſchehen moͤge. Unterdeſſen wurde der General wohl verwahret./ daß es ihme gleichſam unmoͤglich war zu entflihen/ dennoch aber fand er durch wunderliche Händel ein Mittel daß er in ein kleines Schiff kam und die Feſtung erꝛeichte in welcher er auch mit unaußſprechlichen Freuden empfangen wurde. Was aber die jenigen anbelanget die mit ihme gefangen worden/ die muſten elendiglich in der Eclaverey ſterben und konten weder durch ein nuͤtzliches anerbitten noch durch einen Tauſch noch durch Geld geloͤſet werden/ viel weniger konte man den Keyſer 1 5 bringen daß er ſie ſie zuruͤcke geſandt Der Leſer kan auß diſer That abnehmen den hohen Verſtand und tapfferen Muth diſes vortrefflichen Generals/ der ſich zu Dinſte der Compagnie in ſo grauſame Gefahr geſſürtzet/ und weil ich angezeigt wie er von dem Stande eines geringen Soldaten zu diſer hohen Ehrenſtelle kommen/ ſo wird es ohne Zweiffel auch nieman den unannehmlich fallen/ wenn ich beſchreiben werde wie er ſein Leben geendiget. Ich habe alles was ich bißhero erzehlet auß ſeinem eigenen Munde gehoͤret/ und diß iſt eine Erzehlung die er 4 mir mit ſeinem eigenen Munde mit Luſt fürgebracht/ das nachfolgende was ich ferner anfuͤhren will habe ich theils ſelbſten geſehen/ weil es zu meiner Zeit als ich in Indien geweſen geſchehen iſt. Weil das Gluͤcke(wie man ins gemein zu reben pflegt) ſehr gerne mit den Menſchen ſpielet/ und ihrer viel ofſt ſelbſte ver8 Q urſachen rong ſon0 124 zehlt/ was Van der Broug reiſet wider nach Indien. urſachen daß ſolches ihnen zu wider wird/ und den Ruͤcken kehret/ ſo wil ich allhier anführen wie daſſelbe mit unſerm General geſpielet. Als er lange Zeit gedinet/ und auff einmahl groſſe Ehre und Reichthumb er. worben hatte/ bekam er eine Begirde ſein Vatterland wider zu ſehen/ ja ſelbſt der Printz von Oranien und unterſchiedliche von den Standen/ weil ſie ofſters von ſeinen vortrefflichen Dinſten die er der Compagnie gethan/ gehoͤret/ trugen Verlangen ihn zu ſehen. Als er nun in Holland angelanget/ und den Direckorn ſeine fürnembſte Verꝛichtungen fuͤrgelegt/ und ihnen erZeit ſeines Gubernaments fur, gelauffen/ und nebſt ſeiner Beſoldung auch viel Geſchencke fuͤr die Treuen Dinſte die er der Compagzie geleiſtet erhalten/ reiſte er nach dem Hag/ und verblib daſelbſt die gantze Zeit über/ weil er ſich in Holland auffgehalten. Er fing dazumahl alsbald ein herzlich leben an/ ſchaffte ſich eine ſchoͤne Haußhaltung/ und bath den Printzen von Oranien die Herzen Staaden und biß weilen auch das Frauenzimmer zu Gaſte. Einsmahls fragte ihn der Fuͤrſt was er fuͤr rari taten auß Indien gebracht/ daruͤber gab er ſeiner Hoheit zur Antwort er hätte ſich mit nichts anders beladen wollen/ als was er an einen kleinen Ort legen koͤnnen/ und wenn es demſelben belibete/ ſo wolle er etwas zeigen. Alsbald befahl er einem von des Peintzen Kammerdinern/ er ſolle 5. ſilberne Teller herbringen/ als dieſelben auff die Taffel kamen/ zog er J kleine Saͤcklein auß dem Schüͤbſack und lehrte ſie auff der Taffel auß/ alſo daß ſo wohl der Fuͤrſt als die Staaden ſich nicht wenig wunderten als ſie ſo viel Reichthumer und Diamanten ſahen. Er erzeigte ſich dermaſſen freygebig gegen den Frauen/ und ſturtzte ſich in ſolche Unkoſten/ daß er in wenig Jahren ſich gezwungen ſahe wider bey der Compagnie Dinſte zu ſuchen. Diſelbe hat im Gebrauch/ daß ein Bedinter der ihr wohl dinet/ niemahls ſeinen Abſcheid haben kan/ und wenn einer denſelben endlich erlanget/ und auſſerhalb ihren Dinſten iſt ſo kan er ſchwerlich wider hinein kommen/ und wenns ſchon geſchihet ſo kan er dennoch kein Ambt erhalten. Van der Broug fand aller ſeiner Freunde dennoch eben diſe Schwerigkeit bey ſeinem Vorhaben/ und die Compagnie war nicht willens ihn anzunehmen. Als er nun eines Tages ſahe daß alle Pirectores der Compagnie bey einander verſamlet waren/ trat er hertzhafft in die Raths⸗ Stuben/ und redete mit harter Stimme zu ihnen. Ich glaube nicht meine Herzu/ ſprach er daß ich euch ſo uͤbel gedinet daß mir der Weg wider nach Indien zu kehren deß wegen verſchloſſen ſeyn ſolle. Ich begehre keinen andern Stand als benfelbigen den ich gehabt als ich das erſte mahl von hier abgereiſet/ als ein gemeiner SolHiſtori vom Verhalten der Hollaͤnder in Aſien, unangeſehen der Gunſt dat/ allo ich euch noch gutte Dinſte zu leiſten gedencke. Er hoffte noch den Genera Van. Dime deme er zu diſer Gluͤckſeeligkeit geholffen/ anzutreffen/ und die Compagnie hatte gleiche Gedancken. Er wurde endlich in Qualitat eines Admirals uͤber zwey Schiffe nach Indien geſchicket/ und als er zu Batavia antam/ liß der General VauDime die Flotte welche nach den Coromandeliſchen Küſten nach Surate und in Perſien Wahren fuͤhret die gemeiniglich in Specerehen beſtehen abgehen. Der General und ſeine Näthe gaben dem Van der Broug das Ambt eines Admirals uͤber diſe Flotte/ als einem Manne der diſelbe zu comwandiren gnuͤgſam Verſtand hatte/ und er ging unter Segel ſeine Reiſe in das Land deſſen ich zuvor gedacht fürzunehmen. Er wuſte wohl daß die Hollander in Indien einen grauſamen Gebrauch unter ſich haben/ das diſelben welche die Fürnembſten im Contor ſind/ einem andern ihrer Nation er mag ſeyn wer er wolle/ niemahls die Ehre goͤnnen daß er an der Taffel den Fürnembſten Sitz hat. Und weil er lich diſem Affront nicht unterwerffen wolte/ ſo blieb er in allen Haͤffen und Oertern wo er fur Ancker lag/ in ſeinem Schiffe und kam niemals ans Land. So gar daß er auch nicht einmahl ins Contor zu Surate gehen wolte/ weil derſelbe der daruͤber geſetzt war/ in ſeiner Jugend in ſeinen Dinſten geweſen. Ich war eben zu Surate als er mit ſeiner Flotte ankam/ und als ich die Urſach vernahm warumb er nicht ans Land kommen wolte/ ſo beſuchte ich ihn/ und nahm auff allen Fall meine Caroſſe und palanquin mit mir an das Uffer/ dafern er zu mir kommen/ und mich in meiner Wohnung beſuchen wolte. Als ich bey ihm an Bort kam bath ich ihn hoͤfflich/ er moͤge mir die Ehre thun und mein Anerbitten annehmen/ er liß ſich ſolches gefallen/ und wir kamen mit einander nac Surate alltwo er ſich faſt drey Wochen au hilte. Diſelbige gantze Zeit wurde im ſel Mos 0 ſt Wohlleben und in allerhand Ergotzligkeiten 1 zugebracht/ die Engellaͤnder und Hollander beſuchten uns alle Tage/ und zwar die letſteren verehrten ihme groſſe Geſchencke. empfing allein vom Obriſten des Contors einen Diamant Ring den ich ihm für 00. Thaler verkauft/ und er galt ihm kürte Zeit hernach ooo. Diſe Gelegenheit kam mir eben zu rechte/ daß ich in Perſien reiſen konte welches ich bey diſem Wetter zu thun i Sin hatte denn ich hatte deß wegen le Igta 140. Ballen Indig gekaufft unter denen mich jglicher als ich nach Surate kam/ 300. Roupies koſtete/ welches ohngefahr nach unſerer Muüntze 600. Francken oder 200, Thaler find. Dem Admiral Dan de, Broug war es gar lieb als er mein Zenn ben ſahe/ und er bohte ſich gantz böſlic, ſeinen Bord zu nehmen Er ſprach fel. ſten zu mir wenn ich groſſe Wagen halt Er 0 gage 3 En dr 0 el Ceine gegen de ſo ſolle ich ſie ihm nur unter ſeine Hande ge Hiſtori vom Verhalten fiel er in eine Kranckheit und ſtarb ehe noch ben/ er wolle ſie durch bringen als wenn ſie die Stadt übergeben wurde. 1 1 r b 8 e mich keines Weges mehr/ als das Geld zu 9 8 2 8. Cay 8 Wee 0 wir nach Das 5 apitel. 7 8 Surate zu rück kommen. Ich hatte es zwar an. Nun 3 in Perſien nehmen koͤnnen aber es hatte Vom 0 Van Dyme und mich 2. pro cento gekoſtet/ weil man ſo viel Van der Lin/ und waß ſich 5 vom Gelde zu Surare Zoll geben muß. Den ihre 5 zu Surate es ſey in der Abreiſe oder in der Unter N Ankunft/ muß man nothwendig durch das ment zugetragen Zollhaus zihen/ ehe man in oder auſſer deer FC Stadt komt/ und man wird ſo wohl ſelbſten EN Er General Van Dyme wat jn ber als die Bagage und Wagen die man bey ſich fuhrt durchſuchet. Allein die Obriſten ust der Compagnie und bie Schiffs Capitaine dan rater, konnen in die Stadt kommen/ und in ihren Sacken mitnehmen alles was ſie wollen/ weil ſie nicht beſucht werden/ und weil man gemeiniglich nichts als guüldene Müntzen auß Perſien bringet/ ſo pflegen diſe Herꝛn mit denſelben ein Gelaͤch ter zu treiben welche zweh und ein halben pro cento von ihnen begehren. Was Perſien anbelauget/ ſo ſteiget es daſelbſt viel hoͤher/ und weil die Engellaͤnder und Hollander keinen Zoll bezahlen/ koͤnnen ſie einem wenn ſie ihm den Gefallen erweiſen wollen/ und ſeine Waaren annehmen und mit den ihrigen durchhelffen 18. pra cento erſparen/ nemlich 16. für den Koͤnig und z fur die Bebinte. Man muß auch noch fuͤr die Fracht der Schiffe nebſt andern kleinen Außgaben faſt ſieben vors hundert anwenden/ hierzu gehoͤret noch 2. und ein halben pro cento bey dem Eingang in Surate, alſo daß ſich die Summa auff 27. und ein halben pro cento belaufft/ und alſo zu ſagen auff ooo. Thaler/ welche n Andi lch durch des Admirals Gunſt erſparen koͤßen. Als wir nach Surate wider zuruck kommen wolte er wider ſich meiner Wohnung bebdinen/ und blib daſelbſten acht Tage/ bey ſeinem Abzuge begleitete ich ihn biß aus Schiff und in Erkaͤntnus der Gunſt die ich von ihm genoſſen/ beſchenckte ich ihn mit einem Ninge der mich 2000. Roupies oder 100. Thaler gekoſter. W e e Van der Broug war nicht ſo bald nach Vartavia ankommen/ als der General Van Dyme nebſt ſeinem Nathe ſich entſchlos ihn nach Malacca welches dazumal von den Hollaͤndern belagert wurde zu ſenden. Sie fanden daſelbſt mehr Widerſtand gls ſie nicht gehofft/ und ſie hatten durch 2. ſtarcke Außfalle die die Portugieſen gethan/ allbereit viel Volck verlohren. Derſelbe welcher bey diſer Belagerung commandirte verſtunde das Buch halten beſſer als die Lauffgraben zu durchſtechen/ und Feſtungen zu ſturmen/ im gegentheil aber war Van der Broug ein beſſerer Solbat als Kauffmann/ deſſen er ſchon gutte Kentzeichen von ſich gegeben. Als er nun nach Malaca geſandt wurde/ und daſelbſt ſtůrmen li/ wurde er ein wenig verletzet/ aber bald wider geheilet. Nachmaßls 0 Sompagnie Dinſte in keiner andern Qualitat als eines gemeinen Corpokralsgetrette. Den als er eine zeitlang in ſeiner Jugend dem Studiren obgelegen/ wolte er auch in der Kauffmanſchafft einige Wiſſenſchafft ſich zu wegen bringen/ und beſſies ſich derohalben das Buchhalten zu lernen/ wweſches ihme keines Weges ſchwer wurde/ weil er eine ſehr ſaubere Hand hatte/ und die Buchſtaben dermaſſen zierlich zuſetzen toute/ daß man dergleichen noch von keinem Holländer geſehen. Damit er nun eine Des Gene Handlung anfangen niochte/ ſo trat er mit rals Van einem andern jungen Menſchen in Compa- Dyme Auffgui, und ſie hilten ein Gewoͤlbe zuſammen erzihung. in welchem ſie den Zucker ins gantze verkaufften. Nach dener aber viel Verlust guff dem Meer gelitten/ und auch Banquerotken ertragen muſſen/ muſte er ſein Ge wolbe zumachen und auff etwas anders gedenken. Van Dyme war ein verſtändiger und hertz. haffter Mann und hatte der Cowpagule allbereſt gutt Kentzeſchen gegeben die ohn ihn/ auf den Punct nicht kommen bey welchen ſte ſt“ und der Pottugieſen Handel nim⸗ an mehr alſo geſchwachet/ in dem er ihijen ei⸗ R nen Theil ihrer fürnembſten Platze erꝛodert/ unter weſchen guch Malacea geweſen. Als er nun ſein Gewölbe beſchloſſen/ und ſich mit Schulden uͤberhaufft ſahe faßte er die Neſolution der Compagnie zu dinen/ in Meinung/ er würde einsmahls wenn ihm Gott die Gnade geben würde/ daß er etwas getvinnen moge feine Glaubiger beffidigen konnen/ welches er auch nachmahls volkommen ins Werck geſetzet. Denn gls er ein wenig beſſer zu leben hatte/ wolte er die Generals⸗Stelle zu Bartavia nicht einmal annehmen er hatte den zuvor ſeine Schulden in Holland bezahlet. Als er daſelbſt ankommen/ liß er in allen Staten offentlich anſchlagen/ wenn jemand an den Van Dome etwas zu prelendiren hatte/ der ſole nach Aliſterdam kommen/ er wolle ihn ſo wohl umb das Capital als umb die Iulereſſen befildigen. Als er nun alle die jenigen denen er ſchuldig geweſen befribiget/ bekam er das Ambt des Genergls und reifte wider naoh Battauia: daſelbſt er auch nach vielen Jah Sein Took, ren in diſer Ehren, Stelle die Welt verlas en die Compagule hal ihm niemahls ſeinen Abſcheid geben wollen Jogan wohl W 2 2 126 mit ſeinen getreuen Dinſten vergnuͤget. Er hinter liß gros gutt ſeiner Frauen/ nebſt 30000. Thalern welche in ſonderheit beſtimmet waren/ eine Kirche in der Feſtung zu bauen/ zu welchem ſie och ein mehres bey legte/ damit diſer Bau deſto fuͤrtrefflicher werden mochte/ ſie hatte keine Kinder und wolte alſo ſhr und ihrem Mann ein Gedaͤchtnuͤß ſtifften/ ohne was ſie noch den Armen auß getheilt. Nach ſeinem Tode/ fing ſie diſen Bau an als ſie aber in Holland wider zuruck kam/ bemaͤchtigten ſich der General und ſeine Raͤthe diſer 30000. Thalern und legten ſolche in die Handlung/ alſo das der Bau ligen bleib/ und der Grund mit Mühe noch bis auſſerhalb der Erden gefuͤhret wurde. Ich weiß nicht ob der Proces welchen ſie des wegen mit der Sompagni gehabt annoch geendiget iſt/ den ſie begehrte mit groſſem Rechte man ſolle entweder den a aus fuͤhren/ oder ihr das Geld wider geben. 5 0 Damit man aber ein wenig auß füͤhrlicher wiſſen moͤge/ durch was fuͤr Staffeln Van Dyme zur General Stelle gelanget/ ſo muͤſſen wir Stuck weiſe/ und vom Anfange wider anheben. Als ihme das Ungluͤck welches wie ich angezeiget zu geſtoſſen/ preſentirte er ſich der Compagni und bath das man ihn in ider Indianiſchen Handlung ebrauchen moͤge/ er konte aber dis nicht er halten. Sondern die Compagnie meinte ihme noch einen Gefallen zuthun/ wenn ſie dane dag mir ihne die Stelle eines Corporals geben wur. de die er auch annahm/ weil er ſein begehren 0 nicht erlangen konte. Die Directores der ß Holland g ſtandie zu gelegen. Menſchen anſahen meinten es ſey nicht ratyCompagnie die ihn fuͤr einen Verſtaͤndigen ſam ihme eine Commendanten Stelle zugeben/ auß Furcht er moͤchte etwas fuͤr nehmen das der Compagnie nicht zum beſten gereichen düͤrffte/ ja alle 6. Kammern auß welchen diſelbe beſtehet/ ſchriben wider ihn an den General Van der Broug/ welcher da zumahl zu Battavia Commandirte. Die Briffe lauteten/ wenn ein Corporal VanDyme genant in geſundheit anlangen wuͤrde/ ſolte man ihme keine hoͤhere Stelle vertrauen/ weil er ein gar zu Scharff ſinniger Koypff ſey/ und der wenn es ihm gelingen ſolte der Compagnie mehr ſchaden als nutzen dürffte/ und diſe Schreiben wurden durch eben das e er war uber ſand. Auff den iffen welche von Holland nach Battavia feiſen iſts gebrauchlich/ das wenn ſie an die Printzen Inſeln gelangen/ bey welchen ſie ſich zuvor zu erfriſchen plegten/ und deren ich zu Ende diſes Capittels gedencken wil/ legen ſielihre Schalouppen ins ker/ und als den nimbt der Capitain alle Briffe und geſchribene Bücher darinnen alles das jenige auff geſchriben was etwan einer auff der Reiſe fuͤr genommen mit ſich Wenn nun der General und eine Naͤthe zu gelegener Zeit daruber urtheilen/ ſo kombt Hiſori vom Verhalten der Hollander in Afien. der Avocat Viſcal da fern er befehl hat/ an die Schiffe/ und last daſelbſt das Gerichte uͤber die Schuldigen ergehen/ ehe ſie ein mahl zu Batta via an kommen. Vor diſem geſchach diſes nicht/ weil man aber ſahe das mit den Leuten wenn ſie ſchon in der Stadt waren nichts zurichten war/ ſondern das man gemeini glich durch den Gefatter oder durch ihnen Gnade erzeiget wurde. Die Schiffs Capitaine der Kauffman und andere Officirer hilten vordiſem auch gerichte im Schiffe bey gewiſſen Fallen/ und griffen auch zur Execution, aber ſeit dem die ſache mit den 3. Edelleuten aus Bretagne vorgangen/ daraus in Holland ein grosgeſchtey gemacht worden und davon ich im 14. Capittel Meldung thun wil/ hat ſolches auffgehöteke e e ee Damit wir aber wider zu dem Herꝛn Van Dyme kommen/ ſo muß man wiſſen das der General und ſeine Raͤthe nach dem ſie die Briffe geleſen/ und da runder auch ſein Recommandations Schreiben/ welches eher zu ſeinem Schaden als Nutzen hatte dinen ſollen gefunden/ bekamen ſie deſto mehr Begirde ihn zu ſehen/ ſie muſten aber 3. Tage warten/ den es iſt gebrauchlich wenn die Schiffe auß Holland kommen und inder Reede bey Batavia ligen konnen alle Soldaten und theils von den Bootsknechten auff 3. Tage ans Land kommen/ hernachmals mulſſen ſie wider in die Schiffe bis ſie der Major ausſteigen laͤſt/ und hin und wider in die oͤrter wo ſelbige noͤtig ſind verleget. Nach Venfliſſung diſer dreyen Tage/ wenn die Soldaten und Bootsoknechte wider nach dem Bord gekehret/ ſendet der die Frau Gefatterin ein Mittel fand/ da⸗ faut z tavia. . H/ ö eine 2 General den Raths Secretarium/ und laͤſ⸗ und 145 ſet nach ſehen ob etliche unter den Soldaten Ehren die eine leidlich gutte Sand ſchreiben koͤnnen/ oder das Buchhalten verſtehen. Bey diſer gelegenheit preſentirte ſich der Her: Van Dyme gleich fals nebſt 4. and ern Soldaten/ und der Secreratius führte ſie alle. fuͤr den Rath/ ſie wurden von dannen widir zum Secretario/ welcher ſehen ſolte was ein jeder ver ſtuͤnde gefuͤhret. Als der General des Van Dyme gutte Geſchickligkeit ſohe gab er ſeinem Secretatio eine andere Stelle in dem Comptor/ und behiit ihn bey ſich das er ihme in gleicher Qualität dinen ſolteWenn die Flotte wider nach Holland abzufahren fertig liget/ muß der Secretarius Tag und Nacht arbeiten/ und die Rechnungs Bücher die auß allen Contorn kommen durchſehen/ und alle Briffe Copieren laſſen. Denn man muß von allen Sachen die il Indien vorgehen/ ſo wohl Handlungs als gerichts Sachen /es ſein diſelben gleich Civil oder Criminal 3. gleich lautende Abſchrifften machen. Die eine iſt vor igliches Contor a part/ dit andere vor das groſſe Contor zu Batavia/ und die dritte für die Compaguie. Der General Van der Al wüſte Gan v fad un igheit, 6 ft 5 ken ber 15 lat 0 lch der ble en ge an 0 1 80 . berHiſtori vom Verhalten der Hollaͤnder in Aſien. wuͤſte wohl das Van Dyme nicht wuſte/ was man wider ihn geſchriben/ das man ihn nemlich zu nichts gebrauchen ſolle/ derohalben wolte er eine Ergoͤzligkeit mit ihm haben/ und ſehen was diſer Briff bey ihm fur Wuͤrckung erregen wurde/ ohne das er mercken ſolte das er von ihm kaͤme/ und was er für eine Antwort darauff machen wurde/ legte ihn derohalben nebſt andern Papieren auff die Taffel in der Schreibeſtuben/ die er noth wendig durch ſuchen muſte. Er unter ließ auch nicht den ſelben in die Hand zu nehmen/ zu leſen/ und zu beantworten/ diſelbe/ legte er auch unter andere Papier auff die Taffel in der Kammer wo der General und ſeine Naͤthe zuſammen zu kommen pflegen. Als Idiſe Herzen kamen und die Brieffe unter ſchreiben wolten// fanden ſie auch des Herm Van Dyme Antwort/ und wunderlen ſich nicht wenig das die ſelbe ſo verſtandig geſtellet war/ und ſandten ſie an die Compagnie nach Holland. Der General und ſeine Räthe ſchriben auch an diſelbe/ das ſie ſehr beſtuͤrtz weren uber den Briff den man ihnen wegen des Van Dyme geſchriben/ und ſie wuͤrde ſie hoch obligeren wenn ſie ihnen Leute ſenden wuͤrde/ die ihme zu vergleichen/ wenn es moglich einen von ſolchen Hahren zu finden/ an ſtatt der jungen Ignoranten die man ihnen offters ſenden thaͤte/ und welche man durch viele Recommandationes/ gedrungen herfuͤr ſuchen müſte/ die aber kaum ihren Nahmen ſchreiben koͤnten. Auff ſolche Welſe hatte der General Van⸗Dyme ſein Glücke nicht der Gunſt/ ſondern ſeinem Verſtande zu zuſchreiben/ allein er hatt auch eine gutte ſtunde getroffen/ das er zu Battavia Huͤlffe gefunden/ nemlich durch den General Von der Broug welcher ein Gros muͤttiger und Verſtandiger Mann war/ und der die gerechtigkeit nach Verdinſt auß zu fuͤhren wuſte. Ich habe oben verſprochen/ von den Printzen Inſeln zureden und das kan beſſer nicht geſcheen als wann ich von dem General Van der Lin zureden gelegenheit nehme/ der ſich durch eine That/ welche keinem ehrlichen Menſchen zukombt/ und die von den meiſten zu Battavia hoͤchlich verdamt worden/ einen ſchlechten Ruhm er worben. Die Feſtung zu Battavia hat 4. gutte Bolwercker welche gar wohl auffgefuͤhret ſind/ aber auff einem gar ſchlechten Grunde ruhen/ welche dem Augenſchein nach ſincken und von Zeit zu Zeit gebauet werden muſſen. Der General Van der Lin/ und ſein Rath hatten nicht Sclaven genug welche bey der Arbeit ſo wohl in der Feſtung als in der Stadt hatten beſtehen onnen/ und ſonſten hatte Herz Caron welcher dazumahl Director der Compagnie war und der nechſte nach dem General zu befehlen hatte/ der ſelben gleichfals vonnoͤen/ an einem Canal zu arbeiten/ welchen Dau einem nahe bey Batavia gelegenem Iluſſe führte/ das waſſer an einen gewiſſen Aber Gott hat nicht zu 5 das die 127 Ort zu leiten/ welcher nahe an der Feſtung iſt/ und zwar zu groſſer bequemlig keit der Schiffe das ſie waſſer haben konten/ weil ſe ſolches zuvor eine halbe meile oberhalb der Stadt auß einem Fluſſe der fürbey laufft hohlen muſten. Aber die ſache zu ſagen wie ſie an ſich ſelbſt iſt/ ſo ſahe Herꝛ Caron nicht ſo ſehr guff den gemeinen Nutzen/ als das er ſich den Eigen Nuz da zu antreiben ließ. Den als der Canal fertig trug ihm die Erde die er herauß genommen ein ziemliches ein/ den er fuͤlte damit die Moraſtichten Orter und baute Schoͤne Garte darauff/ ohne was er von der groſſen Menge der Fiſche mit welchen der Canal angefüllet war/ fur gutten Gewinn einzihen konte. Alhier war nun die Frage wo man zu ſo vieler Arbeit Sclaven nehmen ſolte/ und man hilte da fur HerCaron hatte diſen Schaͤdlichen Rath gegeben man solle die Einwohner von den z. Printzen Inſeln hiezu gebrauchen. Es mag Sein under. nun her kommen auß welches Kopffe es ges antwortlichez wolt/ ſo war er doch unverant wortlich/ und Vornehmen. gantz unbillich/ und hatte auch nicht anders als einen uͤblen außgang zum beſten. Als der General und ſeine Naͤthe diſen Vorſchlag zu thun beſchloſſen hatten/ fandten ſie des wegen 3. groſſe Schiffe auß welche da zumahl zu Batavia lagen. Ein igliches laͤnde⸗ 8 te bey einer von diſen dreyen Inſeln an/ ſich ſtellende als kämmen ſie auß Holland/ und halten Erfrischungen von noͤthen/ wie big hero alle Schiffe die auß Holland kommen zuthun pflegen. Sobald die Einwohner diſe Schiffe ſahen/ lieffen ſie wie gebrauchlich ans Uffer/ ſo wohl Manner als Weiber und Kinder/ und brachten alles was ſie guttes hatten/ als Cocos wein Nüſſe und andere früchte die in diſen Inſeln wachſen. Die meiſten unter ihnen kamen mit ihren Kaähnen an bord/ den ſie funden bey den Soldaten und Boots, knechten beſſer ihre Rechnung/ als bey denen die mit ihnen auff dem Lande handelten. Als ſie nun in die Schiffe kamen/ da gab man ihnen Brandtewein zu trinKen/ welcher ſie truncken machte/ als die Hollander diſe Arme Leute in ſolchem zu ſtand ſahen/ ſandten ſie als bald eine gutte Anzahl von ihren Leuten alle wohlgewaffnet ans Land/ welche die ſelben die ſie am uffer funden/ feſſelten/ und gefangen nahmen/ nachmals fuhrten ſie ſie zu Schiffe/ nach dem ſie die wider ſpenſtigen zum gehorſam gebracht Man kan leicht glauben/ was diſe arme Leute die man auß ihrem Lande geraubet! und mit Gewalt nach Battavia ges führet für ein erbarmliches geſchrey gehallen : 8 ollaͤnder von ihnen groſſe Dinſte uffn dor; nen/ den als ſie ſahen das man ſo un menſchlich mit ihnen um ging/ wie gemeiniglich mit ihren Selaven zu geſcheen pflegt/ beſchloſfen ſie feſtiglich(ſie wolten nichts eſſen/ ſondern eher Hunger ſterben/ als diſer ſchweren arbeit unddem caͤglichen Bruͤgeln unterQ worffen 2 3 Schlechter worfen ſeyn. Die Hollander als ſie ſahen daß ie weder durch Schlage noch auff andere Weiſe/ bey ihnen etwas außrichten konten/ und daß die meiſten/ auß Kummer und Hertzleid geſtorben/ ſchicketen ſie die ubeigen wider in ihre Inſeln. Von derſelben Zeit an haben diſe arme Leute in den Inſeln/ den Hollaͤndern niemabls getrauet/ welche auch bey ihnen keine Erfriſchungen mehr ſuchen wie ſie vor diſem gethan Wenn man alte Grauſamkeiten auſſzeichnen ſolte die ihre Sclaven außſtehen muͤſſen/ ſo wuͤrde man ein gros Buch damit anfullen/ allein ich will mich vergnůgen nur diſelben bey zu bringen welche über ihre eigne Unterthanen ohne Anfehung des Chriſtenthumbs ergangen ſeyn. 1 i N Daß 9, Kapitel. Von General Speck/ und der un menſchlichen Grauſamkeit des Generals Com. Mas ſich mit des Generals Specks Tochter zugetragen. 8 Yb der General Speck diſes Ambt erElan hatte er eine Tochter/ von einem gewiſſen Weibe die er unterhilte. Ehe ſeine Zeit auß war reiſte er wider nach Holland/ und wolte diſe Tochter nicht mit ſich nehmen/ weil ſie kein rechtmaſſiges Kind war/ er gab ſie dem Herꝛn Com unter die Haͤnde/ welcher dazumahl die GeneralsStelle verwaltete/ weil er meinte er wolle ſie zu Battavia beſſer anbringen als in Holland Donn in Indien ſucht man die Sache nicht ſo genau/ und weder Huhr noch HuhrenFind/ bricht den Kauff es ſey den das es an Wilde mangele. Wenig Zeit zuvor ehe der Vatter abreiſte/ kamen viel Buhler angeSch kmerey der Sclayen zu Battavia. 0 ſtochen/ welche diſt Jungffau begehrten/ weil geſchon und reich war/ ſie ließ ſich gegen ei nei unter ihnen herauß/ welcher der Fur nembſſe Kauffman in der Feſtung war/ das ſie ihn hoch hilte/ und das er umb ſie anhalten mochte. Sie glaubte gar gewiß der General Com deme ſie anbefohlen war würde hierein willigen/ weil ſie ſich verlauten laſſen daß ſie eine gutte Neigung zu diſem jungen Menſchen haͤtte/ weil er auß einem gar ehrlichen Geſchlechte war. Allein ſie wurde in diſer Meinung ſehr betrogen/ und der General ſchlug das Begehren ab/ unb ſprach man ſolle nur nicht einmal daran gedencken. Deſſen ungehindert unterliſſen dennoch diſe zwey junge Leute keines wegs eingnder zu lieben/ und beſuchten einander durch Hülfe ihrer Sclaven. Denn alle Sclaben zu Battan ia, von beyderley Geſchlecht deren man ſich in den Haͤuſern gebraucht laſſen ſich zu allerhand unzuͤchtigen Dinſten gebrauchen/ uber diß zeigen ſie auch den Kindern der Hollander wenn ſie kaum 3 Hiſtori vom Verhalten der Hollander in Aſien. 9. oder 10. Jahr alt worden tauſenderley Schelmſtucke. Was die Maͤgdlein die Scelaven ſind anbelanget/ mit denen ſind die Hollander gar wohl zu friden wenn ſie ſchwanger werden/ denn ſo viel Kinder ſie hervor bringen/ ſo viel bekommen ihre Heren Sclaven/ welches auch nicht ſeltzam iſt/ denn es fehlet zu Bartavia weder an Soldaten noch Bootsknechten die dergleichen kurtzweil ſuchen/ ſonſten liben auch die ſchwartzen Weiber die weiſſen Männer uͤber die maſſen/ und wiſſen ſie gar artig in geheim zu ihren Frauen zu fuhren. Diſes General Specks Tochter und ihr Liebhaber kamen endlich einander dermaſſen zu nahe/ daß ſie davon ſchwanger wurde. Sie entdeckte diſes einer von den Fuͤrnembſten Frauen in der Stadt/ damit ſie Rath erlangen moͤchte/ wie die Sache anzuſtellen/ ſolches bey dey dem General anzubringen/ und ſie meinte wenn er es erfahren wuͤrde/ wurde er ſie mit einander verehligen/ ehe ſich die Sache ſelbſten offenbahrte. Aber diſes war bey weiten gefehlet/ den als diſe Frau ſolches dem General vorbrachte/ liß er den jungen Kerl alsbald ins Gefaͤngnuß fuhren und an den Fuͤſſen feſſeln/ die Jungfrau aber verſperte er in eine Kammer. Als ſich den Tag hernach der Rath verſamlet/ brachte er diſe That vor, und ſprach ſeine Meinung ſen der junge Kerl ſolle den Kopff verlihren/ und die Jungfrau ſolte durch den Des rals billches Hencker gehauen werden. Es war kein eini⸗ theil ger in der Verſamlung der diſes Urtheil nicht gantz unbillich befande/ und ſie gaben dem General zu verſtehen er hatte keines Weges recht diſen Kerl auff ſolche Weiſe zu ſtraffen/ weil er die wenigſte Schuld haͤtte/ ſondern die Jungfrau haͤtte ihn dazu genoͤtiget das er ſie beſchlaffen/ wenn man ihre Geburth anſehen ſolte/ ſo würde er ihr auff alle Weiſe vorzuzihen ſtyn/ endlich weil ſie beyde mit einander zu Friden/ ſo koͤnte man nichts beſſers thun als ſie verehligen/ und ſie hilten nicht für rathſam daß man die Sache an⸗ 4 ders außfuͤhren ſolle. Diſes waren der Raͤthe Gegenwurßfe und Urſachen/ nach welchen aber der General nichts fragte/ und weil er ein grauſamer und unbarmhertziger Menſch war/ ſo ließ er des andern Tages ohne wiſſen eines einigen auß dem Rathe ins geheim den Hencker hohlen/ und nach dem er diſen unglückſeligen Libhaber nebſt her Jungfrau zen den Kopff abschlagen die letſtere aber würde burch den Hencker geſtaupet/ Hohl ſie ſchon ſchwanger war- Und das iſt die ſchoͤne Gerech tig keit des Generals 0 Coms. 1630 e Das und? grauſa 4 a= 5 5 4 5 ume in den Saal geführet/ ließ er dem erſte, Jof 0 00 10 11 hung Gene E . eau d e Dec 0 0 fi. auc che, e 0 lben Hiſtori vom Verhalten der Hollander in Aſien. Andere Grauſamkeiten des Hern b Can, und Carons. S Er Her: Can und Caron waren zualeiche zu ihrer Glückſeligkeit in Indien kommen. Denn als ſie zum erſten mahl der Compagnie Schiffe beſtiegen/ waren ſie nichts anders als Kuͤchen⸗Bedinte/ welches das geringſte Aembtlein in den Schiffen iſt. Nichts deſto weniger aber ſo wurden ſie durch überhaufftes Gelüͤcke von diſem geringen Stande an die Hoͤchſten Ehren⸗Stellen die man in der Compagoie Dinſte zu genüͤſſen hat befoͤrdert den Here Can war Rath in der Feſtung zu Batavia, und Admiral uͤber eine Flotte/ Her: Caron aber war daſelbſt General Director, welches wie ich im vorigen Capittel angezeigt/ die nechſte Stelle nach dem General iſt. Herꝛ Can hat vom erſten Anfange an als er zu etwas rechtes angewendet worden/ biß in ſeinen Todt/ unzehliche Betruͤgereyen begangen/ welche zwar zur Compagnie Nutzen gereicht/ ihme aber ſchlechte Ehre erworben/ den er meinte durch diſes Mittel die Generals Stelle zu erlangen allein er hat niemahls dazu komen koͤnnen. Nach dem er lange Jahre gedinet und keines Wegs zu ſeinem Vorhaben kommen konte/ reſolbirke er ſich wider in Holland zu reiſen in Meinung es wurde ihm beſſer ergehen/ als ſolches aber zu lange wehren wolte/ und ſich unter dem Climate welches dem in Indien gantz ungleich iſt und deſſen er beſſer gewohnt war/ nicht am beſten befunde/ tratteer wider in der Compagoie Dinſte und wurde als Nath der Feſtung/ und Admiral uͤber die Flotte welche dazumahl abfuhr/ nach Barta. via geſchicket. So bald er auffs Meer kam/ fing er alsbald an die kleinen Erftiſchungen die man den Soldaten und Bootsknechten zu geben pflegt ihnen zu entzihen/ weil er feine angebohrne Boßheit keines Wegs verbergen wolte/ die ihn zur Grauſamkeit und Unbarmhertzigkeit anreitzte. Diſer Diebſtal verurſachte daß die meiſten von diſen armen Leuten krauck worden, und die meiſten ſturben weil ſie nicht ein wenig Wein oder ein Stücklein weiß Bilcuir oder etwas anders von gar geringem Werthe haben konten. Alle die ſich noch gefund bey der Flotte befanden waren bey ſich untvillig es unterſtund ſich aber keiner das Maul auffzumachen. Es iſt auff den Schiffen gebrauchlich daß wenn der Wund, art etwas vor die Krancken begehret/ ſo laſſets ihm der Capitain alsbald geben/ dſeſer aber dreute dem Wundartzt er wolle ihm 100. Seiler Streiche geben laſſen/ wenn er mit dergleichen Sachen auffgezogen kam/ ſagende er begehre es für ihn/ und nicht fur 129 die Krancken/ und alſo konte er ihnen keines Weges beyſtehen/ wie er wohl gern gewolt hatte. Des Wundartzt Frau eine von den ſchönſten und Tugendſamſten Weibern die jemahls auß Holland gezogen/ konte diſe arme Leute nicht langer in ſolcher Qual ſes hen/ ſo gar das ihnen auch ein wenig Waſſer manglete/ weil die meiſten im hitzigen Fieber lagen/ und bath den Admiral man mochte ihnen doch etwas geben laſſen/ als er ihr ſolches mit harten Worten abſchlug ging es diſer gutten und liben Frauen nicht wenig zu Hertzen/ und gab ihm freymüͤtig zur Antwort/ wenn Gott die Gnade verleihen würde das ſie zu Batravia ankamen/ wolte ſie ihn bey dem General und ſeinen Raauß dem Munde/ als diſer Unmenſch befah man ſolſe ihr den Rock abzihen/ zu unterſt an den Maſtbaum binden und ihr mit einem groſſen Stricke auff die Hinterbacken oo. Streiche geben. Sie hatte gut ſchreyen daß ſie ſchwanger ſey/ den es halff ſie doch nichts/ und diſes war auch wahr/ den die Frucht wurde dadurch verderbet/ und hat von derſelben Zeit an kein Kind mehr gebehren koͤnnen. Als ſie nach Battavia kam/ wolte ſie zwar uber diſe Grauſamkeit klagen/ man wolte ſie aber nicht anhoͤren/ ſie hat mir diſes ſelbſt mit Thraͤnen erzehlet/ und daben geſagt es ſey ihr am meiſten Leid/ das ſie keine Kinder mehr gebehren koͤnne. Ich muß allhier noch ein ander Exempel der Grauſamkelt vom Heren Caron erzehlen. Es iſt zu Battavia gebrauchlich daß der General des Jahrs 2. oder dreymahl den jungen Leuten in der Feſtung die im Contor dinen Urlaub gibt/ daß ſie ſich luſtig machen moͤgen/ und gemeiniglich wenn die Flotte nach Holland abgereiſet/ den alsden ſind dle Sachen nicht ſo hochnoͤtig. Und weil ſie noch nicht in dem Standt ſind das ſie die Beutel fuͤllen konnen/ ſo laͤſt ihnen der General 00. Thaler geben/ nebſt einem Fas Spanniſchen/ und einem Faß Reiniſchen Wein/ und auch ein Faß Bier Braunſchwigiſche Mumme genant/ welches eben ſo ſtarck iſt als der Wein. Dieſe drey luſtige Tage uͤber/ werden die jungen Leute beſuchet/ ſo wohl von den Burgern/ als von der Garniſon/ und wenn dieſe Zeit verfloſſen/ müͤſſen ſie wider in der Feſtung ſchlaffen/ und an ihre Arbeit gehen. Unter dieſen jungen Puͤrſchlein war auch einer von dem ich allhier gedencke/ und derſelbe war unlaͤngſt auß Holland kommen/ und von Amſterdam auß einem gar ehrlichen Geſchlechte entſprungen. Er war einer von den beſten Schreibern die jemahls in Indien kommen/ und weil er des Sauffens gar ungewohnt war/ ſonderlich in einem ſo warmen Lande als wie umb Barta via iſt/ welches nur 6. Grad von der Mitternächtigen Breite entlegen/ ſo empfand er des vierten Tages an welchem er wider in die Feſtung wandern ſolte/ bas ih5 me Seine un ier Si orte kaum m i then verklagen. Sie hatte diſe W/ Graufamfeit, 130 me der Kopff noch ſehr ſchwer war/ alſo das er ſich unmoglich bey ſolchem zu ſtande zum Schreiben ſchicken konte. Weil er nun meinte es wurde ihm nicht ſo uͤbelgehen/ ging er wider in die Stadt/ und bath einen von ſeinen Freunden er ſolle ihm ein Bett leihen das er ſich d auff legen koͤnte/ bis die Kopff ſchmertzen vergangen. Unter deſſen kam der Oberkauffmann welcher diſe Junge Leute unter ſei, ner Gewalt hat und ihnen ihre Arbeit auß zu kheilen pflegt/ in die Schreibe ſtuber/ enen Augenblick hernach alß er herauß gangen/ er hatte diſem Jüngling das Buch die Japaniſche Handlung betreffend unter die Hande gegeben/ und diſes ſolte bald geendi get ſein/„ abfahren wolten/ alle andere als ein geme ner Junge der das und kein Handlungs Buch mit zweyerley Handen durffte geſchriben werden/ als er ihn nun an ſeinem Orthe nicht ſahe/ bek agte er ſich bey dem Herm Caron/ als bey dem Alzu groſſe General Direckor/ ſagende es ſey ihme an z. Strengigkeit Tagen nicht genug geweſen ſich luſtig zumaHansatons. chen ſondern er mute ſich den vierten auch Volſauffe. Er hatte ſich kaum auffs Bette geleget/ als man ihn ruffte mit Befehl/ er ſollt als bald in die Feſtung kommen. Unter beſſen ließ Herꝛ Caron den Scherſchanten auß der Wacht hohlen/ und befahl ihm er ſolte ſich eines/ der ſo und ſo auß ſehn wurde/ wenn er in die Feſtung kame/ bemächtigen/ und in 4. Stunden lang/ mit dem Harniſch die man den Soldaten wenn ſie etwas verſchuldet e t/ auff die wacht ſtellen. DiHanniſch iſt ſehr ſchwer/ und ſonderlich urme haube/ und uͤber diß hat ſie noch eine art von einem Feder buſch welcher oben fftet iſt diser itt eine groſſe Stuck Kualngehefftet iſt diſer iſt eine gel/ welche mit der Sturm haube gar wohl 20. pff. wiget. Der Scherſchant that wie man ihm befohlen. Es war umb u. Uhr des Morgens bey der groͤſten Hitz/ als diſer junge Kerl auff diſe weiſe für der Corps de Gacde Schildwacht halten muſte/ man kan ſich leicht einbilden was er unter diſer Laſt ausſtehen muſſen/ und wie bald er erwaͤrmet worden. Er hilte diſe Qual eine Zeit lang auß/ und ſchrie alle Augenblick; Ich werde ſterben. Endlich trug der Scherſchant mit leyden mit ihm/ und beſuchte den Director Caton/ mit Bitte er moge den Armen Menſchen von der Wacht nehmen oder er wurde ſterben. en aten Zeit kam ein anderer mit eben diſen Reden/ Caron aber gab ihnen allen beyden einem nach dem andern zur Antwort/ Gehe hin/ und laß den Hund ſterben. Ehe ſie wider zur Corps de Garde kgn/ war der ungluͤckſelige Menſch alberemt Todt nider gefallen/ ohne das ihm etwas anders geweſen were/ auſſer das Herz Caron nach dem er wider in Holland kommen/ von ten zur rede geſetzer turde/ in deſſen aber ging er in der Franzsſiſchen Compagai Din3 Hiſtori vom Verhalten der Hollander in Aſien. ſte/ und wurde her ach mit einem traurigen Ende von Gott geſtrafft/ und alßs auch der Proces in Hollaud geendiget. diſes Jungen Menſchen Verwan, Vom Here Iikloft VauGous welcher die Armee fuͤr Cochin Commandiret/ ſeiner Graueinen Indianiſchen Fuͤrſten im Nahmen der Compagnie zu kroͤErſelbe von dem ich folgende geſchicht erzehlen will/ iſt gleich fals wie faſt Schiff reinigen und andere geringe Dinſte thun ſolte/ zu welchen gemeiniglich ſolche 1 e werden/ in Indien kom⸗ Sac en. Er commandirte die Hollaͤndiſche Urſprung, en. Er c ite die Holländische duc 4— Almee welche Cochin belagerte/ alwo? ſich ein gewiſſer Fall zutrug darauß er die Begirde zur Grauſamkeit und Bludtuͤrſtigkeit gnugſam zu erkennen gaobo. Als die Stadt ſehr bedranget wurde/ und groſſen Mangel an Lebens mitteln hatte/ war eine Frau welcher Kind auß mangel einer ſamkeit/ und eitelen Gedancken Handvoll Reiß vergehen wolte; und kyeil ſie es für ihren Augen nicht konte ſterben ſehen/ legle ſie es in einen Korb/ und ließ es auff gutt Glück bey nachtzeit in den Graben. Ein Franzoſiſcher Soldat welcher nahe da bey Schlidwach ſtund hoͤrte das geraͤuſche/ als es Tag worden; wagte er ſich unerachtet der Muſqueten Schuſſe zu zu ſehen/ wo das geſchrey herkaͤme. Afs er ſahe das es ein Kin) war nahm er es auß Erbarmen welches auch den grimmigſten Thieren eingepflantet ist/ und trug es mit dem Korbe in die Corps de Garde. Als der General diks erfahrt Gel l lies ir den Soldat ſuchen/ krelcher eben dem einen barg Kinde etwas reiß gab weil es für Hunger herzigen ſchier ſterben wolte/ und ohne einiges Pro⸗ l 2710 ces machen/ ohne verſamlung des Krigs Rath ließ er diſen armen Soldaten durch den Profos ein ſeiner gegenwart und auß ſeiner Autoritat auff hencken/ umb nichts anders als weil es keinem Soldaten zu komme/ in der Feinde Graͤben nach zu forſchen/ und das er deſwegen geſtrafft ſey/ weil er das Kind ohne Erlaubnuͤß hergebracht. Nach Erroberung der Stadt Cochin 5 hat diſer General ſeine Schröckliche ungekechtigkeit nicht viel geringer herauß gelaſſen. Des Morgens als die Statt uͤbergeben wurde/ und die Tompagnien ihr Quartier angenommen/ erlaubte er der Helſfte von jglicher Compagnie ſich 2. Tage luſtig zumachen wo es einen jeden am beſten düncke und als ſie wider kamen hatten die andere N Gleiche 9 Hiſtori vom Verhalten Gleiche Freyheit Ehe ich aber in meiner Ex dſchrabung zehlung weiter gehe ſo muß ich zu vor die imnbendſchaff Natur und Eigenſchafft deſſelbigen LanCochin. des beſchreiben. Auff dem gantzen Felde * wachſen nichts anders als Cocos Baume deren Früchte wein bringen/ welcher von den Inwohnern Tary genent wird/ und davon ſie auch Brandte wein machen ſie miſchen diſen wein mit grobem Schwartzen zucker welcher noch nicht gelautert iſt/ und mit der Rinde von einem Baume welcher nichts als Dornen traͤget. Diſe Rinde hat die Krafft das das Tary mit dem Zucker in dem gefaſſe in welches man es gethan jaͤhret/ wie unſer neuer wein in den Faſſern. Wenn nun das Tary und der Zucker 7. oder 8. Tage gejohren ſo diſtilliren ſie es in einer Brenkolben/ und machen Brandte wem darauß/ den ſie Schwachen oder ſtaͤrcken koͤnnen wie ſie wollen/ wenn ſie mehr oder weniger durch die Brenkolben gehen laſſen. Sonſten iſt das Gantze Gefilde voll Kuͤhe/ weil ſo wohl die Fürſten als das gemeine Volck Heyden ſind/ und in ihren Religions Articklen die Kühe als Goͤtter halten und von ihrer Milch ſich ernehren/ weil ſie nichts eſſen was ein empfindlich Leben hat. Wenn man auß diſer Furſten Gebiet kommet die ſonſt Raias ge, nent werden/ und ſich gegen Nord ⸗Oſt wendet/ ſo gehet man in des Rais von Ve, loſche Lander/ welcher der Oberſte Beſitzer und gleichfals mit allen ſeinen Unter thanen ein Heyd iſt. In ſeinem Gebitte wohnen auch oder 10. Tauſend arme Leute die ſich S. Johans Chriſten nennen/ Beſihe hie von den erſten Theil diſes Reiſebuchs auff demgb und folgenden Blattern weil ſie eben get aufft ſind als wie der Heilige Johannes in der Wuſten getaufft. Es were zu Wunſchen das etwan ein gewiſſen hafftiger Geiſtlicher in diſes Land reiſete/ ſo koͤnte man ſie behertzter gemacht alß die andern/ unter ſtungar leicht auß ihrem Irthum zihen/ allein diſes muſte nicht geſcheen etwas von ihnen zu er langen/ ſondern ſie wurden ihnen geben muͤſſen weil ſie in einem unglaublichen Elende ſtecken. 5 Die Holländiſchen Soldaten weſche Erlaubnüß hatten weg zu gehen/ und ſich 2. Tage lang zu ergoͤtzen/ machten ſich über diſes Getrancke tari her/ welches den Europeiſchen Weinen gleich/ ſich gar Leicht in den Kopffſetzet/ trancken da bey auch Brandtewein/ ſo viel ihnen Schmecken wolte. Drey unter ihnen welche das Feld voll Kühe ſahen/ und ſich durch das viele Trincken viel den ſich an ſtat das ſie hatten in die Feſtung kehren ſollen/ eines von diſem Vihe zu ſchlachten. Sie meinten/ weil ſie Cochin ſo lange Zeit belagert/ und nichts als ein wenig ſtinckenden Reiß und Schimlicht Bilquit zu eſſen bekommen/ es ſey ihnen gar wohl er laubt eine Kuhe anzugreifen/ welches ſie auch chaten/ und als ſie eine in den nechſt gelegnen Garten geführet/ ſchlugen ſie diſelbe Tod III. Theil. der Hollaͤnder in Aſien. 121 und wolten ein Gutt Stück davon eſſen. Sie fingen eben an gutt leben zu mach en/ qs etliche Officiter und Soldaten an der zahl ij oder 20. die der General außgeſand/ kamen und ſich diſer 3. Soldaten beinaEin anberer Exempel etnes grauſamen Urtheils, tichten. Man brauchte nicht viel umbſtaͤnde/ ſondern ſie muſten loſen/ welcher unter diſen dreyen hencken ſolle/ das Unglück traff einen armen Franzoſen auß broyence gehuͤrtig/ und das Urthell wurde bald an hme auß geführt. Ich habe ihn 2. mahl geſehen/ das eine mahl zu Maſulipatan, das andere mahl zu balicate, und weil er ein wacker er Junger Kerl war/ ſo habe ich ihme allezeit 700 etwas gegeben/ das er ſich erfriſchen Den General Van Gous hatte der Stolz und die Hoffart der maſſen einge nommen/ das er alle andere Officirer ſo wohl die Krigs als Burgerliche Räthe vergchtete/ und wen er meinte es ſey einer des Todes Schuldig/ ſo ließ er ohne verſarm lung des Naths/ wie man ſonſt in allen Landern zu thun pflegt/ auß ſeiner eignen Authoritat das Urtheil ergehen. Ich weiß nicht bas man von der eitelen und hochmuͤttigen that die er nach Erroberung der Stadt Cochin vorgmommen Sagen foll. Zu Anfang der Belagerung/ waren alle Naias auß den umbligenden Orten auff der Portugieſen eite/ und wolten ſie lieber zu nach bahrn haben als die Hollander/ weil ſie vernommen das diſe letſteren/ gar Tyranniſch herſcheten wenn ſie über einen Orth die oberhand erhalten. Sie wuſten auch wie ſie in der In, ſel Ceylan verfahren/ in weſcher einer er mochte ſein wer er wolte/ nicht in ſein en eignen garten gehen durſfte/ und ein Maß kein hohlen/ ohne des Gubernators Erlaubnüß wenn er ihme zuvor ein geringes bezahle/ hingegen aber iſt unter der Herſchafft der Portugieſen ein jeder frey/ und darff um ſeinem Eige thum nichts bezahlen. Der General Van Gous und alle andere Krigs Offieirer wunderten ſich nicht wenig/ das diſe Rajas welche bey ihuen halten/ und aller hand Lebens mittel verſchaffen ſolten/ auff der Portugiſen Seite ſich geſchlagen/ und gewiß Van Gous hatte die Stadt nicht errobert/ wenn nicht einer von diſen Rajas ihme endlich Reiß geſchaffet hatte. 15 brachte es durch Geld und groſſe Verheiſſungen ſo weit/ das er ſeine Partey hilte und ihme ſo viel Proviant als moglich war zu wegen brachte. Als die Stadt uber ging/ und er diſem Naja Vergel ung leiten ſolte/ be, gehrte er er ſolle den Nahmen Raja fahren laſſen und ſich einen König nennen/ damit er die Ehre baben mochte ihme die Krone gulf Haubt zusetzen. Er hilte da für die Holldudiſche Compagnie ſeh mächtig genug/ ihme die umbligenden Länder unter würffg zu machen/ und er heſragte ſich ob unter ſeiner gantzen Armee kein Gold ſchmid ſen der eine Krohne machen koͤnne. Es befand 55 Weh 0 zum Koͤutge geltonet 132 Die Ceremo⸗ i 0 nien die dabey ſtund/ legte er die Hand einer Kuhe auff für gangen. den Kopff/ welche bey dem Throne ſtund/ daselbſt ein junger Kerl bon Rouan nahEin India. dens Page der diſes auff ſich nahm und auch ird enn hin auß fuhrte/ ſie war von dichtem Golde wird von i und wog faſt 10. Marck und ich halte da fuͤr diſer Koͤnig werde diſe Krone gar unbequem und ſchwerer auff dem Kopfe befunden haben/ als ein drey ekichtes Schnuptuch/ mit weſchen diſe Rajos das Haupt umwinden ihie Holm it al zuzeigen. Die zit über weil man an diſer Krohne arbeitete/ ſo ruͤſtete man alles das jenige was zu diſer Ceremonie vonnoͤthen war. Es geſchae in einem Garten/ nahe an der Stadt/ in welchem eine Schgubuͤhne wie einen Thurn mit gemachten Tuͤckern einem Zelte gleich auffgerichtet wurde/ oben ſtund ein Thron mit einem Himmel auß Chineſiſchem Damaſt/ und die Staff in war alle mit Perſianiſchen Teppichten bedecket. Als der Tag der Krönung kommen zogen die meiſten von der Armee ſo wohl Officirer alß Soldaten auß/ den Raja zuhohlen/ welcher eine viertheil Meile davon in ſeiner Huͤtten war/ und ſetzten ihn auff eine der Zween Elephãten die der General nebſt 4. Handpferden und 2 en balanquin ihme zugeſand hatte. Als ſie an den orth wo die Kroͤnung geſcheen ſolte kommen/ wurde er in ein Scharlach Kleid mitlangen herabhangenden Ermeln gekleidet/ und in diſer Rüſtung kam er an den Orth wo Van Gous auff dem Throne ſaß/ und den Degen und die Krohne bey ſich hatte. Als der Raja zu end der Throns kam/ nahm der Major das Schwerd auß des Generals Handen/ ihme ſolches umbzugu ten/ als er nachmahls die Stiegen des Throns erreicht fiel er meder guff die Knie und wurde vom General gekroͤnek. Als nun der neue Konig auff kniete hernach nieder/ Schlug die Hande zuſammen/ und hub ſie in die Hohe gegen dem Kopffe der Kuh/ und ſchwur der Compagnie jeder Zeit getreu zu ſein/ und ihren Nutzen zu ſuchen. Der General Verſprach ihm auch ihm Nahmen der Compabie, ihme auff allen ſeiten bey zu ſtehen wenn er deſſen wuͤrde benotigt ſein/ und alle dieſe Proteſtationes wurden ſo wohl von einer als von der andnern Seyte gar erbar verrichtet/ die gantze Armee that 3. Salven auß der Stadt geſchach mit den Stuͤcken ein gleiches/ und der neue Koͤnig wurde mit gleicher Pracht/ und Herꝛligkeit wider nach ſeiner Hutten begleitet. Der General Verehrte ihme hernach 2. Elephanten und 4. Handpferde und alſo wurde die ſe Kroͤnung mit wenig Unkoſten verrichtet/ und ſie die Pfefferkraͤmer konten ſtoltziren/ das ſie Koͤnige machen und uͤber gekroͤnte herſchen konten Unter andern Unvernuntigen Thaten des Generals Van ⸗Gous. muß auch die nicht vergeſſen werden/ die ich alhier vorbringen will. Zuvor aber muß man wiſſen/ das die Jeſuiten von Cochin die Hſſon vom Verhalten der Hollander in Aten. Schoͤnſte Bbliotheque die jemahls in Alien gefunden worden gehabt/ ſo wohl wegen jarlich auß Europa geſand/ als auch ſonderlich wegen herlicher Manuſcripta in Hebreiſcher Chaldeiſcher/ Arabiſcher/ Per iſcher/ Indianiſcher“ Cyineſiſcher und andern Orientaliſchen Sprachen geſchrieben. Wenn man wiſſen will/ woher ſie alle die Manuſcripta zuſammen geſamlet/ ſo iſt ſolches daher kommen das die Portugiſen bey Erroberung etlicher Plaͤtze allezeit geſorget/ gelehrte Leute zu ſuchen/ von welchen ſie allerhand nutzliche Bucher zu wegen bringen koͤnnen. Die wenige Zeit uber weil die Jeſuiten ſich in Kthiopia guff gehalter/ haben ſie den meiſten theil der Bucher die ihnen unter die Hande kommen abſchreiben laſſen welches ſie nicht wenig gekoſtet den die Druckerey war da zumahl an ſelbigen Orthen noch nicht ein gefuhret und ſandten alle diſe Buͤcher nach Cochin. Sie weren villeicht langer unter den Mohren gebliben/ wenn die Eifferſucht ihres Patriarchen und ihrer Biſchoffe nicht Schuld daran geweſen/ welche in ſehr groſſer anzahl/ wenn in einem Dorffe ſchon nur 2. Menſchen waren die der Kirchen zu gethan/ ſo gebrauchte ſich doch der eine des Biſchofflichen Tituls. Sie hatten bey der Tauſſe eine Gewohnheit das wenn ſie denn Heiligen Geiſt nanten beruͤhrten ſie dem Kinde den Hals mit einem gluͤenden Eiſen vorgebende das der Heilige geiſt in geſtalt feuriger zungen uber die Apoſtel ausgegoſſen worden. Diſer Patriarche und die AEthiopiſche Biſchoffe waren zornig uͤber die Jeſuiten/ weil ſie ſo wohl beydem Koͤnige als bey den fuͤrnembſten Hoffbedinten in groſſen Gnaden waren. Es waren ihrer ohn gefahr 27. und der obriſte Unter ihnen führte gleichfals den Nahmen eines Patriarchen. Diſe Prelaten wurden der maſſen grimmig das ſie daß Volck auffwigelten/ vorgebende der Kö nig wolle nebſt vielen ſeines Hoffes die Reli gion andern. Alles was der Koͤnig vor brachte und that/ das Volck von diſer Meigröſſer menge der Bucher die wan ihnen Der Mig unwi en 5 dir Jeſulle 7 Auffte 900 ff nig · nung abzuweiſen/ wolte dennoch nichts Fruchten das er dem Haß ſeiner Unterthanen entgehen koͤnnen/ ſondern ſie wurffen ihn ins gefaͤngnuͤß/ und erhoben einen Bruder an ſtatt ſeiner auff den Thron. Dieſe Unordnung welche ſie den Jeſuiten zurechneten verührſachte das ſie auß dem Reich verjaget wurden/ allem ſie hätken ſolches umb deſtwegen nicht verlaſſen/ wenn die Moren m befürchtet/ das der Gubernator von Mozambique und ins gemein alle Portug! welche an den Affricaniſchen Seyten un ſonderlich an dem Seine Fluß wohnen/ ſt an ihnen raͤchen mochten weil ſie mit 2. bo ihren Geiſtlicken gar uͤbel umbgangen. Den die Mohren kommen jaͤrlich und nehmen von den Portugieſen weiſſe und ſchwartz gemahlte Tücher die ſie von Goa bringen/ un lauter Gold bezahlen/ bringen aber acht eſen/ Hiſtori vom Verhalten der Hollaͤnder in Aſien. 133 nicht als was ſie vom Vergangnen Jahre pagnie zu keinem geringen prejuditz gereichet. ſchuldig ſind/ und bezahlen niemahls die Den wegen der groſſen Hitze trocknen die wahren die ſie kauffen baar/ ſondern allererſt Specereyen gantz auß/ und ſonderlich die bey ihrer wider kunfft/ die Portugieſen ſind Negelein/ das ſie in weniger Zeit auff 10. und niemahls von ihnen betrogen worden/ und 12 am Hundert leichter werden. Und ob ſchon ihrer viel haben mir geſagt das diſe Moren diſe Specereyen in die Magaſinen geleget ſehr auffrichtige Leute ſeind/ bey welchen ſie werden/ ſo muß man doch die Ballen von niemahls etwas im Stiche laſſen durfen. Zeit zu Zeit ans Meer tragen und 24. Stun. Mit diſen Kauff leuten kamen die Jeſuiten den netzen/ ſonſten wird man in kurtzer Zeit auß Krhiopia und zwar für ſie ziemlich nichts als Staub finden. Was den Zucker Kümmerlich/ weilen ſie ihrer Speiſen gar anbetrifft den man in groſſen Holtzernen Kuͤungewohnt waren. Den wann diſe Leute ſten bringet/ da muß man wohl zu ſehen daß nur mit Reiß und Hirſen verſehen ſein/ ſo kein Riß darin nen ſey/ durch welchen eine ſind ſie Schon zu Frieden. Den Hirſche Fuge oder ander Wurmlein krichen konne/ eſſen ſie gemeiniglich ganz rohe/ aber den ſonſten wird die Küſte in kurtzer Zeit halber Reiß laſſen ſie kochen. Wenn ſie ein Feſt auß gelehret. Der Kampffer kombt auß der halten/ ſo begehren ſie er laubnuß vom Herzen Inſul Borneo in gefaͤſſen welche halben des Lands in welchem ſie ſind/ einen Ele⸗ Tonnen gleich ſehen/ und wenn man ſich bey phanten zu ſchlachten. Sie geben ihme diſer wahre auch nicht wohl fuͤr ſihet/ und von demſelben ein gewiß Stuck. Und zu lange in der Lufft läſſet/ ſo verrücht ſie gar das andere behalten ſie nebſt dem Fleiſche bald/ das kaum die Helffte daran bleibet. für ſich/ welches ſie für eine Leckerſpeiſe hal. Her? Hollebrand vermeinte er würde allen ten. Sie handeln auch mit den Portugie⸗ diſen Unbequemligkeiten nicht beſſer helffen ſen umb Elephanten Zaͤhne die ſie an der ſel⸗ koͤnnen/ als die Wohnung welche die Com- N ben ſeiten in groſſer Menge finden/ auß wel, gzuie dazumahl zu Bandar hatte zu vergroͤſ, Abafft. chen ſie Zaune umb die Gaͤrte machen/ als ſern/ welches er auch that und zwar gar ſo das man ſagen kan das ſie mit lauter hel⸗ leicht weil er gnugſam Simmer leute und ffen bein umbringet ſeind. Die Hiſtorie die Maurer bey der hand halle. Den in dem ich von diſen Moren hieher geſetzet/ habe ich ſelben Lande werden ſo wohl Schluſſel als von dem Oberſten der Jeſuiten mit welchem Schloͤſſer und ins gemein alle Sachen woich 2. mahl geſpeiſet vernommen/ und er hat mit man beſchluͤſſen kan von Holtze gemich auch berichtet das ihrer 4. von diſen macht. Jeſuiten/ nicht ein mahl biß nach Mozambi⸗ Die zeit uͤber weil man an dieſem Bau que kommen können/ ſondern auß Mudig, arbeitete kam ein junger Menſch von Genff keit des Wegs ſterben müſſen. Ich hätte nahmens S. Amant seines Handwercks ein diſe Geſchicht nicht ſo weit hinauß geführet/ Vüchſen ſchmid/ auff einem Hollaͤndiſchen wenn ich micht den Uhrſprung diſer Schoͤ⸗ Schiffe zu Battavia an und der ſich als ein nen Bibliothecken berühren wollen/ Welche Soldat in der Compagnie Dinſte begeben. zuplünbern der General Von Gous kein be, Hollebrand als er diſes er fuhr ließ er ihn ans dencken getragen/ und weil ich offters auff Land ſteigen daß er arbeiten moge. Diſer der Hollander Schiffen gereiſet/ habe ich Kerl der Schlechte Luſt da zu hatte/ hatte viel von ſolchen Herzlichen Büchern in der gut ſagen das er als ein Soldat/ und nicht Soldaten/ und Bootsknechte Handen ge⸗ als ein Buchſen Schmid herkommen/ wenn ſehen/ aber ganz zu riſſen/ und die ſie zu man ihn aber als einen Buchſen Schmid nichts als zu den geringſten ſachen gebraucht. beſolden wolle ſo wolle er gar wohl arbeiten/ n dale e 15 5 hlen⸗Schmid ein ziemlicher Unterſcheid iſt. Das 12. Capitel, b Er bekam vom Heren Haebrd nichts an8 1 ders zur Antwort als das er der CompaVom Hollebrand⸗Glins dem e 1 daß er 0 n 0 f er ſolle und muſſe ſich morgen es ſey ihm Obersten im Lontor zu Ormus gleich lb oder ed zan Alben dc cken Was und ſeinen unvernuͤnfftigen Tha⸗ aber diſen Menſchen am meiſten ſchmertzte ten. war das er immer und ohne auffhoͤren ar8 5 1 255 175 2 e 15 e D Ollebrand⸗Glins war im Jahr 1643. alt in den Werck tagen. Es trug ſich aber zu 2 Gale im Contor zu Ormüs/ und kon⸗ das nach dem er an einem Sontage biß umb ke gleichfals in diem Ambte der Holländer 2. Uhr nach Miktag gearbeitet/ 2. en von unbernüfftige und grauſame Gemüter kel, ſeinen Cameraden von dem Schiffe welches nes Wegs verdecken. Wen der Compagnie in der Reede war an Land ſtiegen/ und ſich Schiffe zu Ormus oder viel mehr Bander zu ihm verfügten in Willens eine Flache Abaſſi welches nur 3. Kleine meilen davon mit Schiras Wein auß zulehren. Der Preauff dem Feſten Lande gelegen/ ankammen/ ſident Hollebrand den alſo nennen die Holſanſo muſte der meiſte Theil der Wahren außer, der wie ich albereit angezeigt in Per ſien die halb der wohnung bleiben/ welches der Com, Obxiſten über ihre Lang als er 55 * 25 2 134. ſehen wolle/ ob der Genfer arbeitete/ und an ſeiner Werckſtatt ſey/ hatte er das Glaß in der Hand und machte ſich mit feinen 2. Cammeraden luſtig. Er fing alsbalb an zu ſchelten und fragte ihn warumb er nicht arbeite. Der Kerl aber gab ihm gar demütStine Falſche tig zur Antwort er haͤtke biß 2. Uhr gearKlage über beitet und uber das ſey er auch heute Soneinen Buͤc- kag. Der Commandant ſagte ferner nichts fen Schmid. ſondern fing ihn an zu brüͤgeln/ der Buͤchſen Schmid welcher ein gutter Starcker Kerl war/ und die Schlaͤge nicht wohl vertragen konte/ rieß ihme den Rohr ſtab auß der Hand/ und warff denſelben zum Fenſter hinauß. Als nun der Commandant ſahe wie ſchimpfflich er umb ſeinen Rohrſtab kommen/ fig er an umb. Hulffe zu ruffen und vorzugebẽ der Buchſen⸗Schmid haͤtte ihme den Rohrſtab genommen/ und damit 4. mahl geprugelt. Diſes letztere aber war aber gantz falſch/ den 3. Junge Hollaͤnder/ und die 2. die mit ihm getruncken/ und ich der ich zugegen geweſen alß die Sache vorgangen/ konten gar das Widerſpil bezeugen. Als nun der Cemmendant ſo ſchrie kamen alle die im Hauſe waren herzugelauſſen/ und alß er ihrer eine gutte anzahl umb ſich ſahe/ liß er den Buͤchen⸗Schmid gefangen nehmen/ ihn an Haͤn, den und Füͤſſen feßeln/ und ſandte ihn auff eines von den Schiffen die in der Reede waren. Es gingen 2. Tage fuͤrüber das die Kauffleute mit dem Commendanten allezeit hier über zancketen. Den der Commendant wolte ſie ſolten alsbald an Bord gehen und diſem gutten Kerlen den Proces machen/ ſie wolten es aber nicht thun weil ſie von den 5. Hollaͤndren und mir vernommen/ das er den Commendanten nicht geſchlagen/ und ihme mehr nicht gethan als ihme das Rohr genommen/ weil er ihn ſo hart damit geprügelt. Weil der Commendant ſahe das die 2. Kauffleute ſeine Partey nicht an. nehmen wolten/ und nicht mit ihme an Bord gehen/ ſo ging er allein und nahmen junge 2. Schreiber welchen er alles vorſchwetzte/ was er nur wolte. Er gab auch den andern Schiffs Offieirern zu krincken/ damit ſie ſeinie Falſchheit die er wider diſen Armen Büchſen Schmid vorbrachte deſto eher glauben mochten/ alle diſe Leute verſtunden Sen ſchlch⸗ ben or wohl das Recht/ als der Comman68 file dant welcher nicht einmahl ſeinen Nahmen ſprung und zu Schreiben wuſte/ und thaten alles was Geſchicklig, er wolte und begehrte. Ich habe geſagt das keit. diſer Commendant nicht ein mahl ſeinen Nahmen zu ſchreiben wuſte/ und er war auch wurcklich der groͤſte lenorant; man hatte ihn auß dem Hoſpital zu Alemar genommen/ und alß einen Schiff Buben nach Indien geſandt/ wie die meiſten Commendanten die ber Compagnie dinen/ wie ich in diſer Beſchreibung angezeigt. Weil er lange gedinet/ und mit vielen Ungerechtigkeiten der Compagnie Nutzen befördert/ hatte er das Ambt des Commendanten erlanget/ und das Hſſtori vom Verhalten der Hollander in Aſien. deſto leichter weil niemand unter den Hollander in Indien war der den Bau beſſer verſtund/ Und die Arbeiter beſſer zu tribuliren wuſte. Und umb diſer Uhrſach wegen gebrauchte ihn auch der General gemeiniglich zur Arbeit/ und verſandte ihn in das Contor nach Ormus/ alwo er nothwendig die wohnung wider bauen muſte.„ Alle Schiffs Officirer die vom Wein ein/ Dir genom̃en waren/ verurtheilten diſen jungen gehenckt werden/ weil er den Commendanten 4. mahl mit dem Bruͤgel geſchlagen/ und des andern Tages ſolte die Eecution geſchehen. Diſes war nicht der erſte welchen diſe keute Trunckener weiſe zum Tode verdammet/ und ich wil hievon noch mehr Exempel an führen. Diſes ungerechte Urn ⸗ 13 theil were auff der Statt volſtrecket worden wenn ſich jemand gefunden der ihn haͤtte hencken wollen/ aber ſie muſten deßwegen zu Lande kommen/ und ſich hirzu eines Schwartzen bedinen. Als der Commendant wider in die Wohnung kam/ er zehlten die 2. Schreiber die er mit ſich geführet den Kauffleuten und 6. oder 7. Frembden die zu gegen waren/ das man diſen BüchſenSchmid zum Strick verdammet/ und das das Urtheil morgendes Tages ſolle volzogen werden. Alle die diſes hoͤrten ſahen ein ander an/ mit erſtaunen und betheurten einmüttig es ſev die groͤſte Ungerechtigkeit/ und hilten da fur alle die jenigen die diſen armen Kerl verdammet müſten truncken geweſen ſein/ weil ſie ein ſolches Uitheil geſprochen. Die Frembden die da bey ſtunden als die 2. Schreiber diſes er zehlten waren die Heim 1 PEſtoile, Malon, Girard, Salomop Des hommes und ich/ alle Franzo ſen/ nebſt Her en Peter Pentelin einein Venetiauer. Diſen Tag hatte uns LEſtoile zu Mittage traetiret/ und hatte bey mir zu Nacht geſſen/ da wir nun mit einander berathſchlaget wie wir es machen ſolten diſen armen Menſchen vom Tode zu exretten. Wir machten einen Kurtzen Schluß/ und wolten des Morgens wen der Commendant an Bord gehen würde da Urtheil auß zu führen ihme alle zuſammen zu ſprechen/ und ihme frey zu verſtehen geden er ſolle zu ſehen was er thaite/ und er ſolte umb ſeiner eignen Wohlfahrt willen diſes ungerechte Urt heil welches er über diſen Ar/ u ud bb telt wen Menschen ergehen affen zurdcke zihen Koen g Wurde er ihn umbringen ſo würde es at gewiß ſeine letſte Ungerechtigkeit ſeyn⸗ deren er ſchon alzu viel begangen/ und wo nicht am Bander von ihm Rechenschaft fordern konten ſo wurde es zu EHlilpahan ges ſchehen/ alwo er wohl wiße das ſieben oder acht ſo wohl Jrantzoſen als Genſfer weren die ihm ſchon zu Schaffen geben würden und die von niemanden dependirten ſondern des Königs Diner und nicht der Kauffleute Knechte wehren. Mit einem wort würde. diſen Genfer umds Leben bringen ſo web. re en Suan Buchſel mid uud 8 8 3 8 ſchſel wird den Araf N Fomimen' noch den Büchſenſchmid hiafühzen Üzu laſſen/ weil er nieinte wir m Hiſtorl vom Verhalten der Hollander in Aſien. er des ſeinigen wahr nehmen/ welches nach diſem Fall nicht lange in Sicherheit wurde ſeyn können. Der Commandant ward nicht wenig beſtürtzet als er hoͤrte daß wir ſo mit ihme redeten/ und verſicherte uns er ginge nicht hin ihn umbzubringen/ ſondern ihme Gnade zu erzeigen/ und wolle zu friden ſtyn/ wenn er ihn etwas gnaͤdiger geſtraffet/ damit er andern zum Beyſpiel dinen mochte. Wir glaubten was er ſagte/ und meinten es wurde etwan mit etlichen Strick hieben nach ihrem Gebrauch außgericht ſeyn. Denn wenn ein Soldat/ Bootsknecht/ oder jemand anderes etwas begangen daß des Todes nicht wehrt iſt/ ſo wird pf er an den groſſen Maſt gebunden und empfaͤngt mit einem Seil das drey oder vier n uf Schuch lang und eines Kinder arms dicke iſt etliche Streiche/ der Capitain gibt ihme den erſten/ und die andern Offleirer folgen einander nach der Reihe. Wenn die Ubelthat groß iſt ſo wird er von allen die auff dem Schiff ſind gehauen/ alſo daß einer offt 200. Hlebe davon tragen muß. Aber bey diſer Gelegenheit war der Preſident mit der Straffe nicht zu friden/ ſondern verurtheilte ihn zu einer viel ſtrengeren/ davon wenig davon kommen. Den der ſchuldige wird von der Maſiſtange dreymahl ins Meer geworffen/ und allemahl durch das Schiff gez, gen/ welches ich zweymahl geſehen wenn ich mit den Holländern auff dem Meer gereiſet/ und es iſt ein Wunder wenn uter Lo. nicht 9. ſterben/ oder auffs wenigſte gelahmet bd z, belden wie diſen arm Menſchen auch fon hen ſolderfahren/ den als er wider aas Land gea wud führet worden war die Helffte ſeines Leibes cher harte nemlich bie echte Seite gantz contract. Die Arme wurden ihme dermaſſen klein/ das er unangeſehen aller Mittel die man anwenden konte dennoch lahm blieb. Waß feinen Leib anbetrifft derſelbe wurde endlich wider cu, ret nach dem man ihn alle Tage zweymahl mit Cocos Oehl gerieben; und andern Sachen mit welchen die Weiber dazu Lande wohl umbzugehen wiſſen dle ſe ihm auff den Krancken Ott gelegt und in Bockshaute eingewickelt. As nun der Preſident mit diſem Genfſer ſo gar unbarmherzig umbgangen/ und ſich wohl ereinnerte was wir wit ihme geredet als er ſich an Bord begeben/ unterſtund er ſich nicht aue Land zu ö 5 75 nicht gar freundlich ihme begegnen. Zell ihm 2 5 die Kauffleute alle Abend Nachkicht gaben was des Tages uͤber vorgangen/ und er am 8. Tage erfahren/ dat wir uns guff den Weg nach Hupaban begeben/ durff. tn erg Penda, nichts mehr fürchten weil wir wegen des Wetters fort gemaſt. Damit wͤ aber vor der Etzehlung bes Her en Hollebrands auff etwas anders kommen weil ich Gklegenheit habe im folgenden Capittel ein mehres zu gebencken/ ſo muß man wiſſen daß 135 alle die jenigen welche zu Ormus handeln/ ihre Reiſe nicht biß in den April verſparen dürfen/ den ſonſten würden ſie ihre Langſamkeit miteinem hitzigen Fieber welches ſie manches mahl ihre gantze Lebens⸗Zeit nicht verläſt büſſen müſſen/ und wenn ſie das Geluͤcke haben daß ſie wider geſund werden/ ſo bleibt ihnen dennoch das weiſſe im Auge allezeit gelb wie Saffran. Eben dieſes Fieber bekommen auch unſere Europeer wenn ſie ſich nicht wohl in acht nehmen/ an den Port zu Alexandrerta und in den Inſeln auß welchen die Compagnie Nägelein/ Muſtatnuſſe/ und Muſcatblüͤt zu führen Ich habe allhier im fuͤrbeygang angemercket/ das daſelbſt eine ſonderbahre Art von Muſcatnüſſen gefunden wird/ welche die Hollander Mameque/ und wir das Mannlein von Muſcatnuͤſſen nennen/ welche bißweilen etwas langer/ und etwas groͤſſer als die gemeinen ſind/ und die die Holländer nicht in Europa führen/ weil ſie ſelbige in Indien und Perſien mit beſſerem Nutzen verkauffen koͤnnen. Bey diſer Muſcatnus muß man anmercken daß ſie die Kranckheit welche den Indianiſchen Weibern gemein iſt/ ſehr geſchwinde curiret/ und zwar ohne einige 5 4 weil ſie ſelbige auff den krancken Ort zu legen pſegen. Ich habe allhier nur die Indianiſchen Weiber verſtanden/ den in Anſehung der Europeiſchen weñ es bey ihnen auffhoͤrt ſo haben ſie nichts mehr zu fürchten/ und dafern es ihnen zu fehlen anfängt/ ſo mogen ſie nur auff den Todt gedencken/ welches gemeiniglich im 30. oder 40. Jahre zu geſchehen pfiegt/ deſſen ich unbehlich Exempel geſehen. 5 Weil ich von der Muſcat Anregung thue ſo wil ich noch hieher ſetzen was ich auß der Erfahrung ſintemal ich es offters vetſuchet/ gemercket/ daß die Muſcatnuͤſſe eher als der ſtaͤrckſte Wein in Kopff ſteigen/ wenn man nur ſchon eine einige iſſet/ es ſey gleich zu Anfang oder unter oder auch zu Ende der Mahlzeit. N Es iſt kein groſſeres Unglück als wenn ein armer Soldat alsbald von Battavia in dieſe Inſeln zur Beſatung geſchicket wird/ den da wird er alsbald von diſem hitzigen Fieber überfallen/ welches die elende Unterhaltung und böſe Lufft nicht ſelten perurſachen. Denn man gibt ihnen nichts als Reiß welcher ſchon halb verfaulet weil er 2. oder 3. Jahr im Gewolbe geſtanden/ und des Tages dreymahl einen Fiſch welcher ſo groß als eine Sardine iſt. Bißwweilen werden ihrer vier mit einem Stuck Nindſleiſch das bey 2. Jahren im Saltz gelegen tractiret/ welches ſcheinet als ob es 5. oder. Pfund ſchwer ſei/ aber wenn es gekochet iſt es nicht grösser als 2. Jauſte. Wenn die armen Soldaten von diſen Inſuln kommen ſo kan man ſie ohne Erbarmen nicht anſehen/ den der Leib Wema uss de Augen 558 daß geſichte ganz gelbe/ und bleiben die Zeit ihrer lebens Kraͤncklich und ungeſund. Das 13. Capitel. Von der Ankunfft des Carl Conſtants in Perſien/ welcher die Hollaͤndiſche Flotte commandiret ſeine Vernichtung am Hoffe daſelbſt/ und was ſich zwiſchen ihme tragen. C Ail Eonſtant wurde von der Compagnie nebſt 7. groſſen Schiffen die er Holländer commaydirte in Perſien geſand/ und hatte wollen dem befehl dem Perſianiſchen Koͤnige dafern er König in ſich mit den Hollaͤndern wegen der Seyden Perſten Krig. Handlung und Zoͤlle/ nicht vergleichen wurenkündigen. de/ Krig anzukundigen. Als er nach Ormus kam uͤber gab er daß commando über die Flotte dem Hollebrand Glin/ welcher dazu mahl der Obriſte im Contor war wie ich davon im vorher gehenden Capittel Meldung gethan. Es var ein gluͤck fur ihn das er wegen der Compagnie geſchaͤſſte nicht nach Hiſpahan kommen durffte/ ſonſten hatten wir wohl unſer wort ge halten/ alß wir wegen des Geuff ers mit ihm geſprochen/ und diſes hätte gar leicht und ohne groſſes Geſchrey geſcheen koͤnnen/ und auff die weiſe wie die Europeer in ſelbigen Landern leben. Den wenn die Hollander oder Engellander zu Hiſpahan ſind/ ſo vertreiben ſie die meiſte Zeit mit Luſtigkeiten und Spaziergaͤngen heit werden hitzige Koͤpffe offte entzündet/ oders entſpringen andere Uneinigkeite/ die etwan vom Geſundheit trincken oder andern ſchlechten Sachen ihren Urſprung nehmen. Es gehen ſolche Handel ſelten ſo glücklich ab das nicht Klagen entſtehen/ oder dem Balbirer und Wundartz zu Schaffen gemacht wird. Die Europeer genuͤſſen auch noch diſes gluͤcks das weder in dem Koͤnigreich Perſien/ noch in dem Gebith des Groſſen Mogols, ſich jemand weder der Koͤnig Noch die Stathalter in den Provinzen umb ihre zaͤnckhaͤndel wenn ſie ſchon einander ſchlagen und umbringen bekuͤmmert. Allein ſie haben nirgends mehr Streitigkeiten alß an dem Perſiſchen Hoffe den da findet man utten Wein/ und auch umb einen billichen Preiß alß da iſt der jenige der umb Hilpahan und Schiras waͤchſet. Man findet auch in Indien ſolchen wein zu Kauffe aber wenn das Maß nach der Pariſer Pinte gerechnet einen Thaler koſtet/ ſo iſts es noch gar wohlfeil. Dannenhero geſchichts das in Indien weniger Handel unter den Francken vorgehen als in Perſien/ weil ſie alle nicht eine Maß wein zubezahlen haben. Alſo — * 136 Hiſtori vom Verhalten der Hollaͤnder in Aſien. und dem Engliſchen Agenten zůgeaußerhalb der Stadt/ und bey ſolcher gelegen. were eß unsgarleicht geweſen wenn Hollebrand nachtliſpahan komen/ das wir mit ihme hatten konnen Handel anfangen/ denen er ſonder zweiffel nicht entgangen were/ das wir ihme ſeine ungerechtigkeit unbezahlt gelaſſen die der arme Genffer von ihme ertragen müͤſſen/ und das er uns nicht wort gehalten. Allein er war nicht dazu verſehen das er in der Welt durch Menſchen hande hatte ſollen geſtrafft wer den/ ſondern er war auß der Zahl der ſelben denen Gott die Raache noch auffgehoben hatte. N. 15 Als wir erfahren das Carl Conſtant alß Preſident ankommen und nicht weiter alß eine tagreiſe von Hilpahan ſey/ gingen wir alle zu ihm/ ſo wohl die jenigen die in des Koͤnigs Dinſten waren alß auch die für ſich ſelbſt handelten. Wir fanden ihn 3. meilen vor der Stadt/ und nach dem wir von ben den theilen einander die gebrauchliche Hoͤffligkeit erwiſen/ bathen wir ihn er moͤge ein wenig vom wege abweichen/ und mit uns in einen Garten kommen welcher nicht weiter alß einen Muſqueten Schuß davon war/ wir hatten daſelbſt ein Gaſt mahl zubereitet/ ſo auch für ein Nacht eſſen hätte mitgehen können. Wir hatten laſſen ſchoͤne Teppichte und Matratzen hinbringen/ den wir meinten nicht viel weiter zu kommen/ und ſchickten unß fein erbar und ohne empfudligkeit zum gutten Leben. Es halff auch noch dazu daß wir an dieſem Orthe uber nacht blieben/ weil etliche Engellaͤnder und Auguſtiner Muͤnche zu End der Malzeit zu uns kamen und das Proviant pferd welches fuͤrnehmen Leuten die uber land zihen die Lebens Mittel zu führet nicht vergeſſen hatten. Die Sonne wolte albereit untergehen als die Auguſtiner und Engellaͤnder an kamen/ wir urtheilten leicht das ſie Luſt hatten die Nacht da ſelbſt zu zubringen/ und wir ſchickten als bald in die Stadt Stroh und Heu für die Pferde zu bringer. Allen Franzoſen ſo viel unſer waren lag der Poſſen den uns Hollebrand angethan im Kopffe/ den wir waren halb verzweifelt das wir ihn nicht da ſelbſt funden. Wenn man aber die ſache wohl bedencken will ſo war es ſo wohl fuͤr uns al ihn/ ein geluͤcke. Den weil wir wohl gewaffnet waren ein jeder mit ſeinem Ce rab iner Piſtolen/ und Puffert/ und unſere Diener die Flinten bey ſich hatten/ ſo hatte diſem unvernunfftigen Manne leicht ein unglück zu ſtoſſen koͤnnen wenn er da geweſen. Wit waren jeder Zeit wegen zweier Sachen verſichert/ nemlich das weder dem Koͤrig noch den Fur nembſten ſeines Hoffes ein mis fallen geſcheen/ wenn wir zen Holländern weil wir Uhrſach hatten/ einen Poſſen geſpielet/ weil ſte ihnen nichttgunſtig waren/ und endlich das alle ihre Knechte die ſie harten ſo wol Perſier als Armenier ſich nie 1 hätten/ uns anzugreiffen.. 2 Die Nacht ward mit Luſt und Freuden zugebracht/ und wir hatten der Matratzen 5 Holehe. Her 90 ash viel vonnsthen. Des Morgens ſtiegen wir zu Pferde und begleiteten den Preſident Conſtant in ſeine wohnung/ alwo wir einen von des Koͤnigs Mehemandern antraffen/ welcher einer von ſeinen Hoffmeiſtern war/ und die Mittags mahl Zeit zubereitet hatte/ alſo das dieſer Tag eben fals wie der vorige in Fröligkeit zugebracht wurde. Etliche Tage hernach reiſte der Preſident wider von Elilpahan/ und wolte den Koͤnig der da zumahl zu Casbin war beſuchen/ allein er erlangte nicht die Frucht die er von ſeiner geſandſchaſſt hoffte. Er hatteſich eingebildet/ wenn der Konig von der Flotte die für Ormus lag und in 7. groſſen Schiffen beſtund hoͤren würde/ würde er alles ein willigen waß er nur begehrte/ allein erfand gaͤntzlich das wider spiel. Den der Perſianer wuſte wohl am offe. chtung ge 1 fan Con, greiſen umb den Bandar kein Brun du fihdas er niemand auſſchicken duͤrffte diſe Flotte zu ruiniren/ ſondern das es Von ſich ſelbſt geſcheen wuͤrde/ den die Europeer ind nicht Leute die im Sommer wegen der groſſen Hitze zu Ormus bleiben koͤnnen/ und keiner Erfriſchung genüſſen. Den das ärgſte iſt das man zu Ormus kein gutt Waſſer bekommen kan/ und das man auch wenig tuüchtiges an den Perſianiſchen Kuͤſten in den Eiſternen findet/ weil diſelben gemeiniglich mit kleinen Würmern angefüͤllet ſind. Nach der Lange der Seiten des glücklichen Arabiens ſind zwar Brunnen in welchen guttwaſſer iſt/ wenn aber die Araber ſehen das etliche Söhiffe drauff zu fahren/ ſo kommen ſie gewaffnet diſe Brunnen zu beſchützen/ welche an dem Perſiſchen Meerbuſen und auch auff der andern ſeiten Arabiens an dem Rothen Meere gefunden werden. Es ſind Schiffe von Mocca nach Surate und an andere oͤrter gereiſet/ welche der maſſen in Waſſers nolh gerathen/ das ſie den Ara, bern 50. oder 60. Thaler fur ein faß Voll geben muͤſſen. So offt alß ich mich zu Bander Abaſſi befunden/ hat es mich mehr gekoſtet gutes Waſſer für mich und meine Diner und Pferde zu haben/ alß ich an den Wein gewendet/ ob man ſchon ehrlich herumb getruncken/ und welcher von Leuten die mich beſuchten und denen man allezeit das Glaß fuͤrtragen muß nicht ſelten auß gelehret wurde. Es iſt nicht mehr alß ein einiger Brun viermeilen von dem Bander in welchem guttes Waſſer iſt/ al ein der weg da zu iſt dermaſſen verdruslich/ und ſo voller Fel ſen/ das nur allein Camel und Eſel dahin hen konnen/ ſonſten iſt auff 8. oder 10. TaDarumb wuſten der Konig und eine wohl das die Flotte nicht lange bleiben koͤnne/ ſondern eher zu den. Nähe gar zu Ormus geunde gehen würde/ man ließ auch den Commendanten 2. Monath warten ehe er konte zur erſten Audientz kommen/ und man wiuſte ihn ſo artig bey hoffe herumb zu führen das er ſeinen Abſchid eher nicht erlangte/ alß im November welches die Zeit iſt da alle Hiſtori vom Verhalten der Hollaͤnder in Aſien. 137 Kauffleut/ wider nach dem Bander reiſen/ und ſonderlich die jenigen die nach Indien gehen wollen/ den als den iſt das boͤſe wetter für über und man hat innerhalb 4. Monathen ferner nichts zu fuͤrchten. Die Eilfertigkeit des Herꝛn Conſtants iſt nicht wenig Uhrſache geweſen an diſer Verzoͤge ung/ den er that eine Reiſe nach Eilpahan deren er gar nicht bedurfft hatte/ und ſo haͤtte man auch ſeiner nicht geſpottel wie ich hernach gedencken will. Die lange Zeit uͤber weil die Flotte für Ormus lag ſturbb ſo will eeute das ſie auß Mangel der Bootsknechte mit groſſer Mühe kaum nach Batravia ſegeln kontk. Den von 10. Uhr des Morgens bis umb 4. Uhr nach Mittag durfte kein Menſch auff den Boden ſteigen fesche Lufft zu Schopffen der nicht bald nider fiel. Wenn der Preſident Hollebrand ein rechter Soldat geweſen weve/ hatte er der Flotte leicht waſſer Schaffen koͤnnen/ den in der Juſel Keſtme iſt ein Brunnen auß welchem ſich daß Waſſer noch wohl trincken laͤſt/ es iſt zwar eine elende Feſtung dabey allein die man ohne Schwerigkeit angreiffen kan/ und wir wuſten das niemahls über 10. Männer darinnen geweſen/ Wenn er ſich diſer Feſtung bemaͤchtiget oder diſelbe zu grunde geſchoſſen/ wie den diſes leicht hatte geſcheen koͤnnen/ ſo ware er des Brunnens maͤchtig worden/ und haͤtte mit dem Waſſer mehr als die helffte von denen die ſterben muͤſſen erretten koͤnnen. a Der Preſident Conſtant welcher bey Hoffe war/ mochte ſich immer auff verheiſſungen und wie er mit der Naſe herumb gefüͤhret worde/ verlaſſen/ und den Fuͤrnemſten bedinten briffe ſchreiben in welchen die Venetigniſchen Ducaten die er ihnen verehren wolte verzeichnet ſtunden/ ſo richtete er dennoch nicht das geringſte auß. Den man muß wiſſen das groſſe Herꝛn die geſchencke niemals gleiches weges annehmen/ auß Furcht der Koͤnig moͤge es erfahren/ man ſchickt aber dem ſelben den man beſchencken will heimlich einen Briff/ und er laͤſt es hernach abholen/ durch wenn er will. Es kam endlich dazu daß der Commendant eingehen muſte/ was der Athematdoulet wolte/ welcher eben ſo viel alß der groß Viſir oder Furnembſte Staats diner iſt/ welches war das er die Laſt ſeyden die in 2. ballen beſtand am gewichte 400, pfund/ fuͤr 44. Tomans annehmen muſte/ und die gantze Zeit über weil die Hollander in Perſien gehandelt/ hatten ſie ſie hoͤher nicht als für 40. bezahlen duͤrffen/ und ſie haben im geringſten Jahre 3. oder 400. Ladungen genommen. Alſo ſind der 4. Tomans die ſie auff igliche Ladung mehr zahlen müſſen auff 180. Francken und 2. Sols geſtiegen/ und wenn man vier hundert Ladungen die ſie zärlich nehmen rech net ſo belaufft ſich dies 73. Tauſend 640. Francken mehr als ſie zuvor nicht bezahlen durfſten. In diſem Fall war der Preſideut ſchulbig daran/ welcher der ſelben Rath die/ die gewohnheit des Schlechter zuſtand der Hollaͤndiſchen Flotten.. Ihr Ver fuſt 138 Landes beſſer verſtunden/ nicht folgen wolte/ weil er ſich ſo lange da auff gehalten. Den wenn er an Statt des Zeduls mit den ooo. Venetianiſch en Ducaten/ 10000. Tauſend dem Athematdoulet geſand/ were es bey dem erſten Kauffblieben welches 40. Tomans waren/ und were ein immerwehrender Schluß geweſen/ oder doch auffs wenigſte ſo lange der Koͤnig regiert haͤtte. Den es pflegt gemeiniglich zu geſcheen/ das wenn in Perſien ein neuer Konig zur Regirung kombt ſo gehen viel Verenderungen vor/ und wenn der Verſtorbene Koͤnig einem gem einen Mann ein Hauß oder ſtuͤck Landes gegeben/ ſo muß der neue Koͤnig im erſten Jahr ſeines Reichs Solches beſtattigen/ oder es fällt ſeiner Majeſtaͤtt zu. Es gehet eben ſo her wenn jemand ein Hauß bauet/ oder einen grund Kaufft der dem Koͤnige zugehort, Und diſes hat auch den Auguſtinern zu Schaffen gegeben/ wie auch den Carmelitten/ weil ihre Hauſer unter des Koͤnigs Herſchafft gelegen ſind/ die ihnen der groſſe Cha⸗Abas ein gegeben/ auff diſe bedingung das wenn ein neuer König auff den Thron ſteigt/ muß ſolches von ihme beſtatiget werden/ und offters muß en ſie den Athematdoullet beſchencken/ und wohl ſo viel alß das Des Herm Conſtants abſchied vom mer vom Koͤnige abſchied/ u ider 1 15 m m Koͤnige abſchied/ und kam wider Hoffe. Stück Land wehrt iſt/ den es iſt gar ſeltzam wenn ein hoter Staats diner der Chriſien Freund iſt. Aber die Jeſuiten und Capuciner welche eine Zeit her ſich daſelſt nider gelaſſen/ konnen beſſer zu rechie kommen/ den ſie haben beyde den Grund worauff ihr Hauß ſtehet durch er kauffen an ſich bracht. Nach dem nun der Preſident Conſtant ſeine geſchaͤffte bey hoffe auß gerichtet/ nahnach Hiſpahan/ allwo alle Europeer umb den Vorzug ſtritten/ welcher ihn am erſten regaliren ſolte. Bey der Gaſterey alß ich ihn Tractirte trug ſich eine lächerliche Sache zu/ deren er zehtung dem Leſer vielleicht nicht unangenehm fallen wird. Unter den Speiſen die auffgetragen wurden/ war eine Schhuſſel in welcher 2. duzend junge tauben mit einem Oepffelmuß/ zu welchen der Koch friſche Pimpernuslein gethan/ und einen Theil der Tauben damit bedecket/ alſo das es Schien/ als weren es gruͤne bohnen. Unter des Commendanten Compagnie war ein junger Kauffmann/ welcher in ſeines Vakters hauß nichts anders anders alß ein Apffel muß mit einem Vogelgeſehen: Den in Holland wird es fuͤr ein herliches Eſſen gehalten/ wenn man in eine hand einen geſalzenen hering mit einer Zwibel zugericht und in die andere ein Stuck brodt und butter und ein maß vol Bier nimmet. Als nun der junge Kauffman die Voͤgel und Pimpernüſſ ein koſtete/ und ſie ihme wohl ſchmeckten/ ſagte er dem Kauffmann ins ohr welcher bey ihm an der Taffel war/ er hatte niemahl/ ſolche gutte Bohnen geſſen/ und er wundere Hſſoti vom Vapalten der Hollander in Aſien, ſich wo Herꝛm Taverniers geute ſolche zu diſer Zeit haͤtten finden koͤnnen/ den es war zu Anfang des Decembers. Alle die ſenigen welche ſolches hoͤreten liſſen ihn bey diſer gutten meinung bleiben/ und diſes veruhr ſachte das er des andern Tages mit dem Verwalter der Wohnung einen Zauck anfing den er warff ihm vor man eſſe Schon bey gemeinen Leuten friſche Bohnen/ und der C mmendant würde ſie villeicht nicht eher auff die Taffel bekommen biß andere Leute keine mehr begehren würden. Er ſetzte noch hinzu er koͤnne ſie ja von dem Gelde das die Compagnie hergebe gar wohl tractiren/ allein er trachte auff ſolche weiſe vil mehr ſeinen Beutel zuſpicken und ſich mit ihrem elde zubereichern. Als der Verwalter oder Wirth ſich auff diſe weiſe von diſem jungen Kauffmann beleidiget ſahe/ Klagte er es dem Preſidenten der ihn auch beruffen ließ/ und ihme einen gutten Verweiß gab. Er fragte ihn warumb er den gutten Mann ſo beleidigetz haͤtte/ und wo er den zu diſer Zeit gruͤne Bohnen finden wolte, Ez iſt nicht anders Mein Herz ſprach der Junge Kauffmann alß daß er ſich zu bereichern ſucht/ und man darff nur des Hern Taverhiers Leute flagen/ wo ſie die Bohnen bekommen/ die er unß fuͤrgeſetz. Der Commendant und die Kauffleut 05 le dabey ſicher waren konten ſich nicht enthalten hertzlich ſo ft darüber zu lachen/ damit man nun den Han⸗ nem f del Stillen moͤge/ ſprachen ſie zum wirthe er Kan ſolle meine Leute fragen laſſen/ und diſes ſtel⸗ zus te er alſo an damit er des morgens eine Schuͤſſel vol davon haben moͤchte/ und liß mich und Herꝛn Eſoile zu Gaſte bitten. Der Wirth fand alß bald ſolche Bohnen/ den alle Kaufleute die davon geſſen hatten ihme geſagt das es pimpernüslein mit einem e Apffel maß und Jungen Tauben zu gerichtet geweſen. Des Morgens kamen wir/ ich und Eſtoile zum Mittag eſſen/ alwo der Wirth gleich fals ſolche Pimpernuſſein mit Tauben auff tragen ließ/ als ſie auff die Taffe kamen Sprach er zum jungen Kauffman: da ſehet Mein Herz/ damit uhr ferner keinen zanck mit mir habt/ ich wil euch zeigen/ das die Compagnie wie ihr vorgegeben die Mittel habe friſche Bohnen zu eſſen ob ſie ſchon theur ſind. Aber wenn ihr ins Kunfftige Luſt habt was neues zu eſſen/ ſo dencket erſt umb welche Zeit es ſey/ und verlanget die Sachen nicht 3. Monath eher als ſie bon der Erden hervor gebracht werden. Die loſen worte die ich von euch empfangen will ich eurer Unwiſſen heit; die ich auch in andern Sachen geſpuret zurechnen/ und ſonderlich weilihr mi 115 Ein lachen 11 U 5 rage meinet das ihr Bohnen für Pimpernüslein eſſet. Als er diſes auß geredet fing ein jeder anzulachen und den gutten Kerlen zu vexiren/ ſie enderten auch den Nahmen und nanken ihn Bohnen freſſer/ da er doch ſonſten Wilhelm heiſſen ſolte.„5 Es iſt in Perſien in Indien und an andern Orientaliſchen Orihen gebrauchlich/ das wenn einer denandern regaliret/ ſo 10 8 Hiſtort vom Verhalten men ſie in J. oder 6. Tagen nicht wider zuſammen: Und in deſſen gehen 2. oder 3.gutte Freunde mit einander auff die Jagt/ oder in einen garten ſpatzieren/ damit die Duͤnſte die durch vieles Eſſen und trincken welches offters 12. oder 17. Stunden wehret/ und an geſundheit trincken nie mahl gefeyret wird/ wieder zertheilen mogen. Der Urſprung von welchem diſe Dünſte kommen entſtehet auß dem vielerley Weine/ den bey ſolchen Gaſtereyen/ werden allezeit 3. oder virerley arten aufgetragen/ und zweierley Bier das andere getrancke ungerechnet/ unter welchen auch das Sagque iſt/ welches in Iapon mit Korn zugerichtet wird/ und das man fuͤr Spaniſchen Wein trincken koͤnte. Man hat auch durch gantz Indien den Palmen Wein/ und wenn man ihn trincket ſo bald tr vom Baume kombt/ ſo wurde man ihn für Condrier Wein halten. Es mangelt end lich in Aſien keines f men wenn man kein Geld hat. Alß ich auff meiner letſten Reiſe zu Daca der letſten Stadt in Bengale war/ und die Hollander/ etliche Engellander die alda in des Fuͤrſten dinſten ſind weil die Engliſche Compagnie daſelbſt keine Handlung treibet wie auch etliche Portugieſen die daſelbſt wohnen/ weil ſie mich auch zu Gaſte gebehten hatten traetirte/ ſo liß ich ihnen Sechſerkey Wein fürtragen/ dreyerley Frandoſiſchen/ nemlich von Mante, Bordeau, und Rheims, hernach auch Spanniſchen/ Nheiniſchen und Schiras Wein diſes habe ich nur ſagen wollen/ daß man ſich nicht wun dern darff das bey ſo oie lerley geträncke die Dunſte in den Kopff ſteigen/ und ſonderlich wenn das Sorbet und andre erffſſchende Tuncken da zu kommen. Die Moſtowiten gebrauchen bey ſolcher gelegenheit gantz widrige Mittel. Ich habe mich 4. mahl am Perſiſchen Hoffe befunden/ da ſie den unterſchiedliche mahl Gaſtereyen gehalten/ und eins mahls wurden alle Europeer dazu eingeladen/ als man von 8. Uhr deß Morgens bis umb Mitternacht an der Taÿfel geſeſſen/ ſo brachten ſie Brandtewein herfür/ welcher z. mahl gebrent worden/ und den ſie auß ihrem Lande gebracht die Compagnie weil ſie zu viel gekruncken wider zu erquicken. Sie liſſen viel Flaschen herbringen/ und fuͤlten damit groſſe Schalen voll/ deren eine ein maß und die andere eine Chopine hilte/ hernach thaten ſie einen Loͤffel vol geſtoſſenen Pfeffer hine in/ und trunckens auff einmahl auß/ ſagende es were nichts beſſers daß auff den Trunck ſo binlich ſey/ als wenn man 2, oder 3. ſolche Schluͤcke zu ſich nehme. Sie haben eine uble gewohnheit an ihnen, das ſie mit aller Macht haben wollen/ die Compagnie ſollegleich fals diſch ihnen nachthun. Ich erinnere mich das bey der leiſteren Gaſterey bey welcher ich war/ ſie die Fremb, den verbindlich machten erſtlich des Königs in Perſien/ nachmals des Koͤnigs von Engelland/ und des Groß Herzogs von Mo1 1 I. Theil. gs an getraͤncke auß genomder Hollaͤnder in Aſien. 39 ſeau/ wie auch der Staaden/ und des Prinktzen von Oranens Geſundheit zu trincken. Als dis umb 9. Uhr des abends geſchahe ſo machten ſich alle Franzoſen und Italiener davon/ und hilte niemand als die Engellander und Holländer Stand Allein ſie Kühlten ſich dermaſſen mit dem Brandtewein das g, Engellaͤnder/ und 3. Hollander wegen diſes Exceſſes/ in weniger alß 3. Tagen ſterben muſten/ und ich glaube ſie e i gangen wenn man ihnen nicht eine groſſe menge Milch zu trincken gegeben. Den man ſahe das etlichen ein Dunſt dem Feurgleich auß dem Munde ging. Laſt und aber wider zum Herzn Conſtant kommen/ welchen Her: Bartholomeus der Holländischen Compagnie Dolmelſch gleichfals nebſt den für nembſten der Wohnung hrackiren wolte/ und auch den Engliſchen Agenten nebſt den uͤbrigen die in ſeinem Hauſe wahren/ und alle Franzoſen/ wie auch die Auguſtiner Moͤnche! den die andern Geiſtlichen eſſen nicht auſſer halb: des Hauſes/ dazu gebethen hatte. Diſes Gaſtwahl ſolte 4. Tage werden/ des andern Tages aber wurde ſolches zerſtoͤret/ durch eine Zänckerey die bey dem Geſundhelit trincken/ welches gemeiniglich mit groſſen Glaͤſern geſchihet erreget wurde. Der ungeſchickte Engliſche Agent beklagte ſich wider den Zaͤnckere e Hollandiſchen Preſibenten/ daß man ihm nes H da j mi N f die zuge⸗ diſch das Glaß mit welchem er auff die zuge⸗ Engelluol. brachte Geſundheit hätte Beſcheid thun ſch ſollen nicht recht volckommen gemacht/ al⸗ denten, ſo das es von worten zu den Fauſten kam. Man brachte ſie alß bald von eie nander und die Compagnie machte ſich gleichfals davon. Der Preſident konte den Wein beſſer vertragen alß der Agent welcher gantz und gar von dem ſelben ein genomen war/ man konte alhier nichts anders thun als ihn in ſeine Woh nung führen/ und ſchlaffen legen, Der Preſident war noch bey guttem Verſtans de/ und alß er auch nach Hauſe kan ließ er ihn fordern/ das er des andern Tages auff einem gewiſſen Platze den er 25 2 ihme benachmte auß er halb der Stadt erſcheinen ſolle. Der Preſident unter ließ nicht mit 2. Piſtolen gantz allein dahin zu gehen/ er konte aber den Agenten nicht antreffen. Ich glaube nicht das dies auß Furcht esche den er war en beſſerer Soldat alß der andere/ und hatte einen Theil ſeines Lebens in dem Teutſchen Krige zugebracht war auch Capitain über ein Regiment zu Fuß und hernach auch über die Reuterey geweſen. Das er ſich aber auff dem Kampffplaz nicht eingeſtellet war die Uhrſach das man ihme den Brieft nicht gezeiget/ viel weniger ein gehändiget/ weil er ſich noch nicht ſtellen konte/ ſintemal er den Kopfſvo[ Wan hatte. Wenn man die Sache beim Lichten be ſiher/ ſo war es noch ein glücke für den Prell e dihten/ 30 Hiſtori vom Verhalten der Hollaͤnder in Aſien. denten welcher ſeine lebtage nichts anders als eine Feder im Contor zuifüͤhrẽ gelernes. Weil aber alle Europeer in diſen Handeln verwickelt waren/ und die Auguſtiner und Capueiner befürchteten es moͤge auß diſem Weſen nichts gutts entſtehen/ ſo nahm einer diſe der andere des andern Partey an/ nach dem es einem jeden belibte/ und bemuͤhten ſich Fride zumachen und ſie wider zuvereinigen. Der Preſident welcher auff der Wieſen war/ erwartete ſeines wider ſachers mit Schmertzen/ und alß er ſahe das er nicht kam ſchickte er ſeinen Knaben den er mit genommen/ und ließ mich und den Herꝛn Malot bitten/ wir moͤchten uns erkuͤndigen/ ob der Engellaͤnder wolle wort halten oder nicht/ und ihme an dem Orthe wo er ohne einige andere Geſelſchafft als ſeines Pferdes und der Piſtolen wartete nachricht geben. Als wir eben unter wegs waren zum Engellaͤnder zu gehen/ traffen wir 2. Auguſtiner und Capuciner an/ welche gleichfals gehen wolten/ und verſuchen ob es muͤglich ſey zu verhindern das der Agent in ſolchem Vorſatz nicht auß ſeinem Hauſe gehe. Drey andere Geiſtliche begaben ſich um Commendanten und wolten ihn bitten er moge wider in die Stadt kommen/ und ihme vor ſtellen das obſich der Koͤnig in der Francken Handel nicht zumiſchen pflege/ ſo konte hoch diſe Unennigkeit wenn er ſie erfahren ſolte/ eine gefarliche Veranderung veruhrſachen/ wie er bey ſich ſelbſt abnehmen koͤnne. Den man muß wiſſen das ſeither die Francken in Perſien kommen entweder der Handlung wegen/ oder auß bloſſer Begirde den Hoff zu ſehen/ hat man keinem einigen jemahls verwehret/ auß und ein zugehen/ wie diſem Commendanten 1 die Zeit uber weil er ſich zu Cas bin beim Koͤnige auffgehalten. Ich will alhier die Handel mit dem Agenten auff die Seite ſetzen/ und den Herꝛn Conſtant auff der Wiſen warten laſſen/ biß ich erzehlet was ſich ferner in ſeiner Verrichtung an dem Perſiſchen Hoffe zu gekragen. 8 Was ſich fer⸗ Als der Commendant ſahe das er wegen 55 1 des Seyden Handels nicht zu ſeinem Zweck Ham Son. gelangen konte/ und das der Athemat douflants an per- let von den 44. Tomans die er fuͤr die Lafimen Hoffe dung begehrte ſich nichts wolle abzihen laſJa betragen. ſen/ beſuchte er den Divan Beg und beklagte ſich bey ihm/ und ſtelte ihme vor/ weñandere Leute kaufften ſo würde ſie ihnen ſur 32. oder auffs hoͤchſte 33. gelaſſen/ der Divan ⸗Beg gab ihm zur Ant wort/ es můſten auch andere Leute dem Könige Zoll ald gefalle unterwegs bezahlen und der Zoll kelauſſe ſich allein auff 18. pro cento, deſſen die Holländer entübriget ſein konten/ und das kein Jahr fürbey gehe das ſie nicht für 30000. Lomans Wahren ins dand fuhrten/ wenn man dazu noch die Seiden rechnen ſolke/ welche ſie eben ſo wohl alß andere Wahren verhandelten/ ſo konte der Alhemat, doulet mit gutten Rechte ihnen die Ladung für 50. Tomans aufſſchlagen. „Der Preſident war mit diſer Antwort nicht gar wohl zu friden kam alſo nach hauſe/ und liß/ ohne das er jemanden von den Kaufleuten umb Rath zu fragen gewurdiget/ noch ſeinem Dolmet ſchen der die Hoff Practice beſſer verſtund/ ein wort davon geſaget viel weniger von den Staats bedinten Abſchied genommen/ ſeine Pagage zuſammen packen/ und reiſte nach KHilpahan/ in Meinung ſich wider nach dem Bander bey die Flotte zu begeben. Als der Athemat doulet diſe geſchwinde Abreiſe erfahren befand er ſich auch ziemlich darüber beleidiget/ und zwar deſto mehr weil er diſem Preſidenlen bey ſeiner ankunfft groſſe Hoͤffligkeit erwiſen/ alſo das er ihme auch die Kammer nach unſerer Art hatte zuruſten laſſen/ und mit Bette/ Tafel/ und Stulen verſorget/ weil er wohl wuſte daß die Francken nicht wie die Orientaliſchen Voͤlcker zu ſitzen gewohnet weren. Da er nun dem Koͤnige Nachricht davon gegeben/ ſagte er nichts anders/ alß: Hat ihme den jemand etwaß Zuwider gethan/ oder iſt er zum Narren worden/ er wird nichts mehr alß die Mühe haben/ wider zu kommen. Alle Francken zu Hliſpahan konten ſich nicht genugſam über des Commendanten Widerkunfft berwundern/ weil ſie keine Nachricht hatten/ daß er vom Koͤnige Abſchied genomßen undſie wuſten nicht waß ſie bey diſer Sache dencken ſolten. Den die Groſſe Eilfertigkeit ſeiner Reiſe veruhrſachte/ daß die meiſten und ſeine Pagage zu ruck bleiben muͤſten/ ob ſie ſchon alle Kraffte anſetzten nach zu kommen/ und nicht viel darngch fragten das ihre pferde drauff gingen/ den es koſtete ſie nichts/ den die Compagnie hat einen gutten Nuͤcken alle Unkoſten⸗ die diſe Herzn durch ihre Schwelgerey und Unvernunßft gemacht/ zu ertragen/ und zu bezahle. g Der Preſident kam von Casbin wider nach Hiſpahan innerhalb ſieben tagen/ daman ſonſten gemeiniglich 13. und 14. unterwegs zutubringen pfleget. Ben ſeiner Ankunfft ließ er eine neue Rüſtung verfertigen/ den er meinte in 7. oder g. tagen falß der Konig nicht zu rück kame/ wider abzureiſen/ diſes geſchae aber nicht auff die Weiſe wie er ſich eingebiſdet/ den ergedachte der Koͤnig wurde ihn bitten laſſen wider zukommen. Er ließ ihn zwar auch fur ſich fordern allein daß Compliment war ziemlich rauhe/ den derſelbe der ihn forderte hatte Befehl ihm anzuzeigen/ er ſolle glſo bald zum Koͤnige kommen und wenn ſolches nicht wurde in Guttem geſcheen/ ſo wuͤrde man Gewalt brauchen. Der Commandant war über dier Rede nicht wenig beſturtz/ allein ein gemüͤthe war alſo geartet 225 ſeinem Wahn folgen muſte/ es moͤge gutt oder bose ſein/ und konte nichts verbeiſſen. Als er ſich 8. Tage zu Flifpahan auff gehalten/ begab er ſich 25 nnn 8 egen gkeit 8 ſilte, Hiſtori vom Verhalten der Hollaͤnder in Aſien. der des Koͤnigs geboth und ſeiner Freunde Einrathen auff den Weg nach dem Bander. Wenn ein Franck von Kiſpahan reiſet/ ſo geſchihet ſolches gemeiniglich umb 10. uhr nach Mittage/ und alle Francken die ihn begleiten pflegen mit ihm zu Speiſen/ bis weilen in einem Koͤniglichen Garten fur der Stadt/ und den laſſen ſie die Hitze für bey gehen/ und reiſen die Nacht uber. Wir gingen umb 6. uhr des Abends auß dem Garten/ und nach dem wir von einander Abſchied genommen/ kam ein Perſianer gar wohl bekleidet und beritten zu unß/ es war ein Capitain uͤber ein Regiment von Hundert Koͤpffen/ er ruffte den Dolmetſchen zu ſich und ſprach zu ihm/ Sage deinem Preſidenten er ſoll wider in ſein Hauß kehren und Morgen vor dem Könige erſcheinen/ wie ihme ſchon vordiſem anbefohlen worden/ nachmahls lieff er Sporen Streichs davon/ und ſagte ferner kein wort. Als der Dolmetſch dem Preſidenten zu verſtehen gab und ihme der Capitain geſaget/ nahm er gantz zornig und hizig die Piſtole in die Hand/ und jagte davon ohne daß er von jemanden Abſchied genommen/ und nahm ſeinen Weg nach dem Bandar. Alle Francken die bey 141 mehr alß einen Officirer mie 12. Soldaten die uns biß in der Compagnie Wohnung begleiten muſten. Als wir daſelbſt an kommen/ und abgeſtiegen waren/ blieb der Perſiſche Officirer nichts deſto weniger auff ſeinem Pferde ſitzen/ ließ aber den Dolmetſchen zu ſich kommen/ und ſprach zu ihm/ Geh ſage deinem Preſidenten im Nahen des Koͤnigs/ bas weder er/ noch kein anderer Hollander auß ſeinem Hauſe gehe/ biß auff ferneren Befehl/ und wo ſich einer in der Stad wird finden laſſen/ den wird man lehren wie er des Koͤnigs Geboth in acht nehmen ſolle. Auff diſe Weiſe wurden die Hollander 9. Tage in ihrer Wohnung arreſtiret/ endlich wurde dem Commendanten ange ſagt das er nach Casbin kommen ſolte/ alwo ſich der Hoff dazumahl auff hilte/ daſelbſt ahe er gar wohl das alle ſeine Pralereyen vergebens und umbſonſt geweſen/ und er muſte die Seide annehemen in dem Preiß in welchen ſie ihm der Athemat doulet angeſchlagen. 5 5 i Laſt uns aber wider zu ihrer Uneinigkeit und Ausforderung kommen. Der Preſident wolte keines Wegs in die Stadt wider urück kehren/ er habe den von uns antwort .—— ä—— erhalten/ welche nichts anders war/ als das Was ſich fer. wir den Agenten in der Engellaͤnder Hauſe ner mit der noch Schlaffend gefunden/ und der nach Unetnigkeit dem er erwacht ſich nicht zu erinnern wu⸗ des Preſiden ö ſte was geſtern vorgangen weil er noch der gulchen N. 165 Ruhe mehr alg ektwas andern vonnzthen genen zuge⸗ ö ihm waren liffen ihm nach zu ſehen wo es 15 wolle/ allein viel Kauffleute von Zula und alle Perſier und Armenier bliben zurucke/ den ſie Furchten ſich fuͤr den bruͤgeln/ und zweiffelten nicht wir wuͤrden in kurtzem entweder mit guttem/ oder mit gewalt umbkehren muͤſſen Sie irreten auch nicht in ihrer Meinung/ den eine 4. Theil Meile vom Garten in welchem wir zu Mittag geſſen/ bey einem Luſthauſt eines Fuͤrnehmen Heren welches mit einer Hohen Manrem umb geben iſt das die Hitze der Sonnen eine Galerje nicht beſchweren kan/ traten 3. Capitaine welche bogen und pfeile in der Hand hatten herfuͤr/ unter welchen einer auff den Preſidenten zu kam und ſagte biſtu allein unter denen die in diſes Reich kommen ſeind/ der dem ſelben der ein Bruder der Sonnen und deme ein Theil der Welt unter worffen iſt nicht gehorchen wolle. Es kamen auch als bald 0. wohl Mundirte Reuter hinter der Mauren für/ under welchen einer der dem Anſehn nach die andern Commandirte auff den Preſidenten kam/ und ihn mit einem Puſikan ſchlagen wolte. Meſter Will wel. cher einer bon den Fuͤrnembſten in der Hollaͤnder Wohnung war/ und den CTommendanten begleitet hatte/ wolte dem Schlage auß weichen/ es kam aber ein anderer und Schlug ihn mitten auff den Ruͤcken⸗ welches ihme hernach lange Zeit beſchwerligkeit verurſachte. Es wurde endlich nichts anders drauß alß das der Preſident die Segel ſtreichen/ und wider in Seine Wohnung kehren 85 ihm Muſte/ alle ſeine Pralereyen waren vergebens/ Shinaroſſer er muſte den Sch mpfß tragen dem er doch ffwi. wohl entgehen koͤnnen/ diſe gantze Reuterey Fog mit unß biß ans Thor/ und ließ nicht hatte. Damit wir diſes nun Recht erfahken mochten/ ſo beredeten wir ihn/ die Geiſtlichen Herꝛ Matelot und ich/ er habe geſtern den Auguſtinern verſprochen mit ihnen zu Mittage zu eſſen/ nebſt dem Preſidenten Conſtant/ und wir weren alhier ihme Geſelſchafft zu leiſten/ als er von dem Preſidenten hoͤrte/ konte er ſich nicht das geringſte beſinnen/ da durch konten wir gar ſicher glauben/ das er nichts vom auß fordern gewuſt/ und das man ihme nichts davon geſaget. Den/ wie ich zuvorgedacht der Agent war viel Hertzhaffter alß der Preſident/ den ſie waren mir/ beyde ſchon vor Langer Zeit bekand geweſen. Ich habe gar wohl geſehen/ das der, Preſident nicht das Hertze gehabt einen zu fordern/ weil er aber Admiral uber die Flotte worden die zu Ormus lag/ meinte er er dürffe bey diſer AnſehnlichenEhrenſtelle einen Streich mit dem Degen oder Piſtolen Schuß mehr wagen als zuvor. Der Preſident hatte mich und den Herꝛn Matelot bitten laſſen das wir uns erkundigen mochte/ ob der Agent kommen würde oder nicht/ wir liſſen ihme auch Antwort/ ſagen/ und in waß für einem Stand wir ihn gelaſſen/ mit verſicherung/ weim er vom gusfordern etwaß wiſſe ſo ſey er ein man der ihme wohl den Kopff bitten wurde/ denn es wuſten alle Leute das er ſeine lebtage unter den Schwediſchen Volckern gedinet und ſo wohl beim Fuß volck alß auch bey den ReuS 2 kern 142 Hiſtori vom Verhalten der Hollaͤnder in Aſien. tern Capitain geweſen/ und endlich es ſey beyden ein Gelücke daß diſer vom außfordern nichts gewuſt. Der Preſident hatte ein guttes Vertrauen zu mir/ und ereinnerte ſich der gutten Dinſte ich ihm zu Surate erwiſen als er nur Unterhaͤndler geweſen. Alſo erhilten wir nemlich ich die Geiſtlichen und Herꝛ Malot daß er ſeine Meinung enderte/ wir fuͤhrten ihn von dannen zu den Auguſtinern/ da man ſchon alles abgeredet harte/ was bey des Preſidenten und Agenten zuſammenkunfft zu thun ſey. Der Agent war zum erſten kommen/ und als man den Preſidenten ſahe/ ſtelten die Auguſtiner die Sache alſo an/ das der Agent eben das Glaß in der Hand hatte/ und muſte alßbald mit ihnen auff des Commendanten Geſundheit krincken/ man gab auch zugleich dem Herꝛn Conſtant ein Glaß/ und einem jeden von der Compagnie bem Agenten den Geiſtlichen und andern Francken welche gegenwertig waren/ Beſcheid zu thun. Das Mittag und Abendeſſen/ oder beſſer zu ſagen der gantze Tag/ wurde mit Freude und Luſt/ ſo wohl auff einer als auff der andern Seyte zugebracht/ und hernacher wurde vom Außfordern kein Wort mehr gedacht. Der Preſident Conſtant blib noch 4. Tage zu Hiſpahan und ging hernach nach Ormus, wohin ich ihn begleitet/ wir reiſeten ſehr eilig und bliben 10. Tage unterwegs/ ob wir ſchon ſehr boͤſes Wetter hatten. Als wir nach Iſdecas kamen muſten wir die groſſe Landſtraſſe verlaſſen/ weil wir wegen des Schhees nicht uͤber das Gebirge kommen konten/ welches zwiſchen diſer/ und der Stadt schiras liget/ wir wurden gezwungen/ weill es zu diſer Zeit die Noth erfordert/ unſern Weg uber Lehelminar zu nehme/ davon ich in meinem Perſianiſchen Reſſebuche genugſam Meldung gethan. Diſer Abweg denn man ohne Außflucht nehmen muß/ belaufft ſich auff zwey Tagereiſen/ man findet keinen oder nur etwas wenig Schnee/ was aber am unbequemlichſten faͤllet/ iſt/ das keine Carvanſerien ſind/ in welchen man des Nachts bleiben kan/ und man hat nichts zum Dache als elende Hutten fur die Hirten und Cameeltreiber/ die ihr Vihe darinnen halten. Wenn man aber Schiras hinter ſich geleget darff man weder Schnee noch Kalte fürchten. a Des Hollan. Als wir zu Gomron ankommen/ erſchrack cr der Preſident nicht wenig da er die Flotte in einem ſo elenden Zuſtand ſahe/ die Hitze und der Mangel an Waſſer hatte faßt die helffte der Leute umds Leben gebracht. Die Hitze war dermaſſen groß geweſen daß die Schiffbretter die das Waſſer nicht beruͤhrken/ gantz durchloͤchert waren/ das man die Finger durch ſtecken konte. Her: Conſtant ſandte alsbald nach Batavia, und ſetzte dakuͤber den Herꝛn Hollebrand zum Generalen/ und dazumahl kam mir der arme Büchſenſchmid von Genff in Sinn/ mit welchem man dermaſſen grauſam umbgangen/ daß er mit einem Arme feine lebtage lahm bleiben muſte. Als ſeine Zeit verfloſſen bekam er Abſcheid/ und freute ſich daruber nicht wenig weil er hoffte/ er wurde deſto beſſere Macht haben/ ſich wegen der Grauſamkeit die Hollebrand an ihme veruͤbet zu raͤchen. Er zveiffelte nicht/ diſer Mann wurde nach 50. Jährigen Dinſten die er der Compagnie geleiſtet/ ſeine uͤbrige Lebenszeit in Holland zubringen/ und daſelbſt in beſſer Ruhe die groſſen Reichthuͤmer die er zuſammen gebracht verzehren wollen/ und well er hoffte/ Des zubol er wurde mit eben der Flotte bey welcher er gedachte ſich befand/ u ruͤcke reiſen/ beſchloß er fiſtig. Suche n lich ſo bald er würde emen Juß aufs Land ſa c z ſetzen/ es ſey gleich an deim Vorgebuͤrge der rächen. gutten Hoffnung oder in der Helenen Inſel/ wolte er ihn mit einer Piſtolen niderſchiſſen/ und hernach dafern das Ungluͤck wolte/ gleichfals ſein Leben laſſen/ nach dem er ſich an ihme gerochen. Wenn eine Flotte an einem von diſen Orthen anlaͤndet/ ſo iſt gebrauchlich daß die Helffte des Volcks/ Umbwechßlungs Weise aus Land ſteiget diſer Genffer war unter den erſteren/ welches zugleich ſein Gluͤcke und Ungluͤck war. Er begab ſich umb keiner andern Urſache aus Land als das er den Hollebrand umbbringen moͤge/ und wenn er ſein Vorhaben/ hatte auß führen koͤnnen/ ſo were er entweder/ gehenckt oder ins Meer geworffen worden. Allein Gott wolte nicht zulaſſen daß er ſeinem Vorſatz ein genuͤgen thun koͤnnen/ des die Raache gehoͤret Gott/ und nicht den Menſchen. Wenn die Schiffe bey dem Vorgebirge der gutten Hoffnung Aucker geworſſen/ ſo fuͤhren die Volker diſer Seyten die man Caffres nennet/ allerhand Vihe als Ochſen/ Kühe/ Strauſſen/ und andere Erfriſchungen herbey/ diſelben verhandlen ſie/ und der Kauff wird gemeiniglich an des Admiralsbord geſchloſſen/ und hernach wird iglichem Schiffe davon ſein Theil außgetheilt; Man belud' mit diſein Vihe auch des Admitals Chaloupe in Willens damit an ſeinen Bond zu fahren/ und unſer vorgedachter Büchſenſchmid war unter denen die ſich auff diſer Chalouppe befanden. Der Wind war ſtarck und etwas ihnen zuwider/ alſo daß ſie creutzen/ und offters die Segel wenden muſten/ dadurch geſchuhe daß die Cbaloupe ſich gaͤntzlich auff eine Seite legte. Es geſchahe aber ein Ungluͤck als man die Segel verwechſelte/ daß das Vihe ſcheu gemacht wurde daß ſie dermaſſen mit den e Füſſen zu turnieren anfingen/ weil ſie auch Kona von den Fligen ſehr gebiſſen wurden/ daß auch h ſich die Ohaloupe gantz umbkehrte- Und die umbs meiſten Leute erſauſſt worden ber gulke Sa e ging am erſten zu Grund weil er ſich nur mit einem Arm helſſen/ und 105 mit dem Schwimmen nicht erretten konte.. i Das ö 0 z ſbſ al n f 9 0 ae Hiſtori vom Verhalten der Hollander in Aſien. Trauriges Ende z. er Edelleute auß Bretagne die ſich in der Compagnie Dinſte begeben. D Iſe 3. Edelleute waren auß guttem 2 Geſchlechte/ und wie man glaubet mit denen von Melleraye verwandt. Sie reiſeten mit einander auß Bretagne in willens die Welt zu beſchen/ und kamen nach dem ſie Italien und Deutſchland durchzogen in Holland/ daſelbſt wurden ſie durch die Schoͤne Zurüſtung die vor Indien bereitet wurde/ bezaubert/ das ſie begirde bekamen diſes Land zu ſehen. Sie liſſen ſich fuͤr gemeine Soldaten unterhalten/ und gedachten ſie wuͤrden 0 malte ſich Me, den Hol. barten. om. Dinten dit man Sold ver 0 0 nichts alß Schildwacht ſtehen dürffen/ da ſie aber auffs Meer kamen/ empfunden ſie bald die harte Herſchafft der Hollander/ und das die Compagnie ihren Bedinten alzuviel See laſſe/ daß ſie eine Tyranniſche Herſchafft über die Soldaten und Schiffleute führen duͤrffen. Es iſt warlich keiner unter ihnen der feinem Officiter antworten darff wenn er ſich nicht will in gefahr ſetzen/ daß er gebruͤgelt werde/ des Wundartzts Frau mit welcher man an dem Ende des Maſtbaums ſo unbarmherzig umbgangen/ weil ſie zum Commendanten Can geſaget/ ſie wolle ihn bey dem General zu Batravia/ wegen der Grauſamkeit die er gegen die Krancken verübet verklagen kan deſſen ein gnugſomer zeuge ſein. Es trägt ſich offters zu daß ein elender Schneider oder Schuſter deme daß gluͤcke eine Corporal ſtelle gegeben/ den Standes Perſohnen die alß gememe Soldaten in der Compagnie Dinſte getretten/ Commendiren muß/ und ſonderlich wenn bie Chriſtlichen Fuͤrſten gekriget/ und Fribe gemacht haben/ und ich habe bey der gleſchen Fallen Fanriche/ Leutenant/ und auch CaLitaine geſehen welche kein ander Handwerck gehabt als den Krieg/ noch einige Mittel da don ſie ſich erhalten koͤnnen alß ihren Degen/ und haben ſich alſo in der Compagnſe Dinſte begeben. Die Ditectores bey welchen ſie ſich angeben muͤſſen/ wollen niemanden eine Scharge geben/ und ſie machen ihnen Hoffnung wo ſie ſich wohl halten wurden/ wurde ſie der General ſchon herfür zu ſuchen wiſſen/ und dises geſchihet auch unter weilen/ wenn er die geleiſteten Dinſte wohl zu unterſchieden weiß. ne Nach folgendes iſt auff den Schiſſen die nach Indien gehen nach dem ſie die Segelgeſpannet/ und uber das Beitanniſche Meer gefahren/ gebrauchlich. Der Bootksnecht bird dem Soldaten allezeit vorgezogen /alo das wenn es und einen verachtlichen Din zuthun iſt/ ſo muß der Soldat ſolchen 149 verrichten/ er geſchee gleich im gutten oder mit gewalt. Dafern er ein wenden will/ diſes ſey nicht ſeines Thuns/ ſo heiſts die Compagnie hat ihn angenommen/ das er ihr auff allerhand Weiſe dinen ſol und offters wenn einer gebruͤgelt worden/ ſo iſts darumb geſcheen daß er den Scherſchanten oder Cor por. l nicht geruffen daß er ihnen die wenige Portion von Brandtewein die ſie auff der Reiſe bekommen/ helffen auß trincken/ und alſo werden die Soldaten von den Offieirer auß geſauget/ damit ſie das ihrige erſparen Die 3. Bretagniſchen Edelleuthe erſchracken nicht wenig alß ſie die Arbeit ſahen dazu ſie gebraucht wurden/ alß alle Tage Waſſer zuihen/ das Schiff zu reinigen/ zu Pompen/ die Hüner träge zu raumen/ und deh ſauen auß zu miſten/ und ſie zu maͤſten. Ich habe zu etlichen Franzoſen hoͤren ſagen/ die mit ihnen auff eben dem Schiffe geweſen/ und auch zu andern die ſich bey der Flotte befunden/ daß diſe Edelleute ſehr elende Leben muſſen weil ſie ſich auß Mangel des Gelds mit nichts verſorgen koͤnnen/ und alſo haben die Scherganten und Corporaͤle auch nicht viel an ihnen gewonnen. Wan eſſen und trircken anbelanget/ ſo kan man endlich mit deme zu Friden ſein/ was einem die Compa· gnie gibet/ aber wenn man daß Vorgebuͤrge der gutten Hoffnung hinter ſich geleget/ ſo wird ihnen der wein und daß Bier daß man ihnen biß her gegeben abgeſchmitten/ und an ſtatt deſſen gibt man ihnen Reiß der ſchon verſchimmelt iſt/ und daß elbe waß auff den Schiffen wenn ſie zu Batta via ankommen/ übrig gebliben. Die Capitaine und die welche uͤber die Lebens Mit tel geſetzt ſind/ erſparen was ſie koͤnnen/ dem General und ſeinen Raͤthen darzuthun/ daß ſie der Compagnie getreulich dinen/ oder viel mehr daß ſie einen ſchein haben/ ſie deſto beſſer zubeAlß unſere 3. Edelleute bey dem Vorgebuͤrge der gutten Hoffnung ankommen berathſchlagten ſie ſich waß ſie für Mittel er, Ders. Brea, greiffen konten/ diſem Elende zu entgehen. de zeigt daß wenn die Schiffe bey St. Helenen oder dem Vorgebirge anlaͤnden/ und Willens ſind 20. Tage daſelbſten zu verbleiben/ ſo wird Umbwechslung Weiſe die Helffte des Voleks ſich zu erfriſchen ans Land geſchickt. Als unſere 3. Edelleute daſelbſt waren meinten ſie/ ſie koͤnten davon kommen/ weil ſie die Carte nicht am beſten verſtunden/ und bekuͤmmerten ſich nur wie ſie lebens mittel haben mochten. Sie hatten geſehen baß die Cafres oder Schwartzen deß Landes an bord kommen/ und allerhand Erfriſchungen deren ich vor gedacht mit ſich gebracht die de dem Capitain gegen aleerhand kleine Wahren und kleine Zinnern Schuſſeln und Löffel verhandelten/ ſie hatten ubet nichts aiß waß ſie am Leibe trugen/ S 1 und Ich habe im vorhergehenden Capittel ange⸗ ſag in. flihen. 144 und die Decken und Matrazen die einem iglichen damit er drauff ruhen kan in Holland von der Compagnie gegeben werden/ welche man gemeiniglich auch zu lande bringen laͤſt/ die Zeit über weil man da iſt darauff zu ruhen. Die 3. Edelleute waren unter dem letſten Hauffen/ und ſahen daß ſie von allen Sachen entbloͤſt waren/ ergriffen derohalben den Anſchlag die 10. Tage uͤber weil die andern auff dem Land waren/ alles waß ſie von Zien finden koͤnten/ weg zu ſtehlen/ und ſie verſteckten es in ihre Matratzen damit ſie es deſto beſſer fort bringen mochten. Alß ſie ans Land kamen wagten ſie ſich eines mäͤhls umb Mitternacht durch zu gehen/ allein die Eigenſchafft des Landes in welchem nichts alß Wuͤſteneyen/ war ihnen ganz unbekand. Sie meinten ſie wuͤrden gar wohl bey den Schwarzen leben koͤnnen/ wenn ſie ihnen Zinn geben und 10. oder 12. Meilen ins Land hinein kommen wurden/ biß etwan ein Engellaͤndiſches oder Portugieſiſches Schiff an dem Vorgebirge ankame/ mit welchem ſie wider in Europa kehren koͤnten. Und ob ſie ſchon eine Wohnung gefunden haͤtten darinnen zu bleiben/ ſo wuͤrde ihnen doch die Zeit bey ſolchen Wilden Menſchen wie die Caffres ſind ziemlich verdruͤslich worden ſein/ den ſie eſſen alles ungekocht es ſiey gleich Speiſe oder Fiſche wie ich in meihem Indianiſchen Reiſe Beſchreibungen/ weit laufftig angezeigt. 5 Stoey Tage gingen vor bey das man diſe Neue nicht ſahe/ endlich zeigte ſolches ein Gorporal dem Schiffs Capitain an/ welcher als bald 12. Maͤnner ſo wohl Soldaten alß Bootsknechte nebſt einet gutten anzahl der Wilden die die Beſchaffenheit des Landes muſten auß ſandte/ und verſuchen ließ ob ſie zu finden weren. Sie waren nicht gar weit gangen/ und wurden 3. oder 4. Meilen von der Reede fuͤr durſt halb todt gefunden/ den Biſquit hatten ſie noch uͤbrig. Sie wurden nach dem Schiffe gefuͤhret alwo ihnen der Capitain und die Officirer alß bald den Prokes machten/ und ſie verurtheilten daß ſie alle 3. an die Segel Stange ſolten gehenckt werden. Das Urtheil ward auch alßbald durch die Schwartzen volfuͤhret/ und wenn man ſich derſelben nicht an ſtat der Hencker gebrauchen koͤnnen/ ſo haͤtte man ſie in einen Sack gethan/ denſelben wohl verbunden/ und ſie damit ins Meer geworffen/ welches die gemeine Straffe uͤber die jenigen die unterwegs den Todt verſchuldet haben Als der Herr Van Dyme diſes erfuͤhr/ wurde er nicht wenig beſtuͤrtzt und unwillig daruber/ Alein es war alle Hülffe verlohren/ und diſe — hernach in Holland viel geſchrey —— Das, apitel n— Boe Thaten/ und abſcheuliche Hiſtori vom Verhalten der Hollaͤnder in Aen. und uner hoͤrte Grauſamkeiten/ elicher Hollander an unter ſchiedlichen Orten. 1 77 2 Ls der Capitain Roſſe/ deſſen ich zuvor im 6. Capittel gedacht/ den unglüͤckſeeligen Todt ſeiner Frauen mit Schmertzen ſehen muͤſſen/ welcher bloß auß einer Gottloſen nachlaͤſſigkeit/ 2. er Wundaͤrtzte die ihr Arſenicum vor Cremor Tartari gegeben/ veruhrſachet wurden/ muſte er noch daruͤber mit hoͤchſten wider willen vernehmen daß den 2. Wundaͤrtzen ob ſie ſchon rechtmaſſig zum Strick verdammet wurden/ durch Vorbitt zweer maͤchtigen Frauen zu Battavia Gnade erzeiget wurde/ und ihre Straffe in die Verbannung verandert wurde. Man ſandte ſie auff die Moritz Inſel/ daß ſie daſelbſten Lebens laug verbleiben/ und mit den Sclaven daß Eben holz hauen ſolten/ wie ich deſſen im 6. ten Capittel gedacht. Wal ich aber anitzo von diſer Inſel Meldung thue/ ſo kan ich nicht unangezeiget laſſen/ daß man ohn gefahr umb ſelbige Zeit ein Stuͤck grauen Amber gefunden/ der gleichen man niemals geſehen und villeicht auch niemals ſehen wird. Daß Meer hatte es ans Uffer geworfen und es wog 42. pfund daß pfund zu 16. Onzen gerechnet. Man hatte an vortreffligkeit der gleichen noch nie geſehen/ aber daß gluͤcke daß man ein ſo koͤſtliches Stuͤck gefunden/ war eine Uhrſache eines groſſen Ungluͤcks welches den der in diſer Inſer commendiret betroffen. Den als man das Stuͤcke funden/ ſchien es ziemlich groß zu ſein/ und hatte hernach daß anſehn alß ſey etwaß herunter gebrochen worden. Weil nun ein jeder unter ſeinen Feinden dem General zuſchrieb/ diſes ſtuͤcke ſey noch ein mahl ſo groß geweſen. So bald er diſen Brieff empfing liß er den Commendanten hohlen/ verſtieß ihn von ſeinemAmbitee ob er ſchon keine gnugſame beweiſthümer hatte/ ſondern es war ſchon genug das er nicht des Generals Freund war. Und weil er von gar guttem Geſchlechte auß Seeland war/ ſo wolte er nicht einmahl für dem Rathe zu Battavia er ſcheinen und alſo wurde er wider in ſein Land geſchicket. Wir reiſeten mit einander auff meiner rückreiſe von Battavia nach Holland/ und ich hatte gutte vergnuͤgung an ſeiner geſelſchafft. 7550 Damit wir aber wider zum Capitain Roſſe kommen/ ſo muß man wiſſen das det General und ſeine Räthe eine Flotte nach Surate ſenden und ihn daruber zum Admire machen wolten/ alwo er auch gar glücklich anlangte. Und weil es in gantz Indien ein ner Cab Ro 05 f 1 it be e 15 lain. Orth iſt wo am meiſten Handlung getriben ragen. wird/ und wo die Compagnie eines von den Fuͤrnembſten Contorn hat/ bey welchem offters gutte Diamanten zu Kaufe gehen/ ſo meinte der Capitain Roſſe welcher für ſich ſelbſt in die 60. tauſend Thaler bey ſich hatte/ er wüurbe am beſten thun wenn er diſes Gold ſſe zug des al Adm Wi. daf Hiſtori vom Verhalten der Hollaͤnder in Aſien Gold an die Edelgeſteine anlegte/ und diſes waren bey ſeiner Ankunfft zu durate ſeine er ſten Gedancken. Und weil es eine kuͤtzliche Sache damit iſt/ ſo unter ſtund er ſich nicht den Kaufſleutem im Lande zu trauen/ ob er wohl viel beſſer daran gethan/ alß das er ſich auff einen ſeiner Leute verlaßen/ weicher einer von den ärgſten Schelmen war/ und ſich zur ſelben Zeit zu Surare, wohin er ſich zu lande begeben auffhilte. Es war einer Nahmens Bazu welcher zu Amſterdam bankerottiret/ und hatte ſeine Lebtage mit nichts anders als Perlen/ Diamanten und Edelgeſteinen gehandelt. Derohalben verſtund er ſich gar wohl auff den Handel/ allein diſen Vortheil ſuchte er nut bey Bettüͤgereyen anzubringen/ wie er ſolches gar Kunlich auff des Admirals Roſſe/ und Herꝛn Van Gand des Gubernators zu Surate Koſten ins erk zuſetzen wuſte. Sie waren alle beyde willens ihr Geld an kleine Wahren an zulegen/ nemlich an etliche Diamanten/ die nicht viel Platz bebuͤrffen/ und auff folgende Weiſe wuſte diſer Ertzbetruger die Kunſtgriſſe ſeines Handwercks anzubringen. Es ſind zu Surate 3. oder 4. Unterhaͤndler die mit Diamanten handeln/ und mit den jenigen corre, ſpondiren die diſelben graben/ und welche ihnen von Zeit zu Zeit einen gutten Theil zuſchicken. Bazu beſuchte ſie und nach dem er ihnen an gezeigt/ das dieſe 2. Herrn eine gutte Summa Geldes anzu wenden haͤtten/ gab er ihnen zuperſtehen/ er müſſe zuvor alle Diamanten die ſie haben konten/ ſehen/ damit er ſie ſchatzen moge/ den diſe Herzn hatten ihn verſichert/ daß ſie nichts Kauffen wolten was er nicht zuvor geſehen/ und daß ſie ihme 8. pro cento von deme daß ihnen zu kauffen beliben wurde/ geben wolten. Weil er aber einen Heimlichen Verſtand 80 mit den Unterhaͤndlern hatte ſo erroberte er wre merey wohl 25. auff dem Hundert/ den diſe Herꝛn hen en. hatten auch wüͤrcklich beſchloſſen nichts zu ler, Mack. Fauffen was er nicht zu vor geſehen hatte/ und ſie verliſſen ſich darauff wie er es ihnen ſchaͤtzte/ Auff diſe Weiſe brachte er ihnen einen ſolchen gutten Kauff zu wegen/ daß nach mahls beyder Erben den ſie ſturben kurze Zeit hernach alß ſie diſelben zu Battavia wider verkauffen wolten/ den halben d Theil verluſt harten ade Abm. Bey der zurück reiſe bercglotte ſtarb der ad Voß Roſſe miral auff dem Meer/ und der Comwandant 8 zu Surate nach dem er oder 6. Monath ſich kraͤncklich befunden. Er hatte mit ſeiner Frauen keine Kinder/ ſie war des Herzn Falandrins eines Genueſers von Nation Tochter/ welcher vor diſem ein Reicher Kauffman zu Amſterdam geweſen allein er war dweil er alzu groſſe weitlaͤufſtigkeiten mit dem Könige von Engeland angefangen in Baͤntzliehen Ruin gerathen/ alß er ſich nun ohne Gutter und tit vielen Kindern begabet ſuhe keſolvirte er ſich der Tompagnie zu diden/ welche ihm auch in anſehung daß er zu 145 vor von guttem vermoͤgen geweſen/ mit einem gutten Ambte verſorgte/ und erwiſen auch ſenmem Sohne ein gleiches/ welcher gber von der Zeit an ſich ſehr übel ite, Er hatte auch 4. wohl geſtaltete Tochter/ und ſparete nichts zu ihrer auff erzihung. Es hatten diſelben nichts ſchlechtes noch verachtliches an ihnen/ wie andere Jung frauen die man auß Holland nach Barta via führet, Es fehlte quch nicht daß alß bie ſa oͤne Familie an kan eme igliche unter ihnen wohl verſorget wurde. Ihr Bruder aber wurde alß bald nach Malacca geſand/ welches der Ort an welchen der General und ſeine Nathe diſelben ſchicken/ die ſie bald hervor zuzihen gedencken. Alß nun diſer Jungling dafelbſten war und der Commanqſant eins mahls eine groſſe Gaſterey machte/ hatte er den wein über mäſſig zu ſich genommen/ und wolte ſolcher geſtalt bey abend guß der ung in bie Stadt gehen/ die Wache welche auff der zug brücken war/ ſchrie ihm zu/ und fragte ihn/ wer er ſey/ Weil er nun nicht antwortete ſo dreute ihme die Schild wach man wurde Feur auff ihn geben/ darguff ontwortete er/ und alß er bey de eben füruͤber ging ſtieß er deme der Schill wach ſtund/ den Degen durch den Leſb daß er auff der Städte ſterben muſte, Man hat bey diſer Unthat keine gerechtigkeit guß geubet/ welche doch den Mokd deſto mehr kraffbahr machte ein boßhaf weil er wider die gemeine Sicherheit gehan, tiger Mord delt/ und er hatte an keinem wohlgeordneten bleibet von Orte Gnade erlanget. Unter deſſen aber ließ den Hollän. man die Sache nat Stile ſchweigen hin, am 1 unge gehen/ Gott aber der die Boſheſt niemals ungeſtraſſt laſſet/ that daß jenige welches die Menſchen nicht thun wolten. Den wenig Tage nach diſer greulichen That wurde der Jüngling ganz unſiunig/ welches bey allen feinen Verwandten nicht wenig Kummer erregte. Sie meinten/ wenn er nur wider nach Holſand käme ſo wurde es beſſer mit ihm werden/ und er kam auch wuͤrcklich wider zu ſeinen Sinnen. Als er aber wider nach Battavia reiſte/ empfand er allemahl wenn der Monden neu wurde gleiche Unſinnigkeit/ die öffters J. oder 6. Tage wehrete. Eine von den 4. Toͤchtern des Heren Calandrins/ wurde mit dem Commendanten verehliget/ und betrübte ſich ſehr daß ſie keine Kinder haben konte/ und alß ſie ſahe daß alle Hoffnung verlohren und ihr Mann auff den Todes, Bette lag/ ſo ſtelte ſie ſich ſchwanger damit ſie nicht nur einen Theil ſondern die gantze Eſchafft ihres Mannes erlangen mochte/ und wuſte auch ihre Perſohn alß eine ſchwangere der maſſen zu ſpielen/ zwar mit Hülfe ihrer Freundinnen die ſie auff 8 5— ſſe Kranck ſey/ daß ſie ihr am im Teſtament emzig und allein zur Erben ein ſetzte. f 15 5 Alan 5 Ich komme nun auch zu etlichen erſchrocklichen und unerhörten Grauſamfeſten/ die dem Leſer zu glauben ſch wer fallen dr der unerhörte als ſie aber ſahen daß war/ ul Grauſamkeit daß diſer boßhafftige Wundartzt ſeine eines Hollaͤn Grguſamkeit ſo über 146 Der Capitain Crin auß der Stadt Horn hatte als er in der Compagnie Dinſte war/ ein Chineſiſch Schiff erꝛobert/ und ließ/ damit ſeine Herꝛn nicht wiſſen koͤnten was diſes Schiff geladen/ und daß er nur von dem was ihme belibte Rechnung geben dorffte/ einen Theil diſer armen Chineſer ins Meer werffen/ und den andern durch 2. Schwartze Sclaven die er im Schiffe hatte die Köpf, ſt abhauen. Der Wundartzt als er diſes Uurtheil volzihen ſahe/ bath den Capitain/ er moge ihm einen Chineſer lebendig geben/ damit er ihn lebendig anatomixen konne/ welches er auch zu friden war. Er nahm derohalben einen von diſen armen Chineſern ließ denſelben mit Handen und Fuͤſſen auff ein Bret binden/ in willens ihn alſo zu anatomiren. Die Soldaten und Booteknechte meinten dazumahl es ſey nur zum Schein/ es ſein Ernſt war/ und die maſſen außlaſſen wolte/ nahmen ſie den armen Menſchen mit f dem Bret auff welches er gebunden war und wurffen ihn damit ins Meer/ ſie haͤtten vllleicht dem Wundartzt gleiche Wege gewieſen/ wenn er ſich nicht davon gemacht und in des Capitains Kammer retiriret hatte. Alles was ihn auß ihren Haͤnden erloßte/ und mehr that als des Capitaius Auto ritaͤt/ war daß ſie wuſten daß viel Krancke und verletzte auff dem Schiffe waren die ſeines Beyſtandes noch vonnsthen hatten. 1 5 Leſer/ über ſolche grobe und bſcheuliche Laſter welche die Hollander weil ſie glauben es ſtehe ihnen in Indien alles frey/ verůbet/ ſelbſten das Urtheil faͤlen. Iſt es aber jemals ich wil nicht ſagen einem Im A commandirte! 5 Gogre die Holländiſche Flotte die nach MaChriſten ſondermreinem Barbaren in Sinn kommen/ einen Menſchen lebendig zu anatomiren? Was wird doch wohl die Nach, welt gedencken/ wenn ſie eine ſolche Grau. ſamkeit die die Hollander veruͤbet in den GeDias ie Capiel. g Andere Exempel und granſame 5 Thaten der Hollaͤnder in N Compagnie hat zu Jamby eine Veſtung die ihr auch ſtatt eines Con. tors zu ihrer Handlung dinet/ und galſo auch daſelbſten Soldaten und Kauffleute unterhalt/ und ztoar bey ziemlich ſtarcker Beſatzung. Es geſchahe einsmahls daß ein Schergant der Hollandiſchen Compagnie mit einem Chineſiſchen Kauffmanm in Haͤndel gerieth daß ſie mit den Fauſten an einander kamen. Alle Aſiatiſche Voͤlcker ſonderlich aber die Chineſer und Japaner tragen eine Art von Dolchen die man in ſelbigem Hiſtori vom Verhalten der Hollaͤnder in Aſien. Lande Cric nennet. Sie guͤrten ſolchetwiſchen den Gürtel und Rock umd den Leib/ und haben gemeiniglich die Klingen biß an die Helſſte vergiftet. Als diſer Chineſiſche Kauffmann ſahe daß er vom Scherganten gebruͤgelt wurde/ zuckte er ſein Cric und hieb ihn damit ein wenig auff den Arm/ daß er weder ſtarb/ und nicht einmahl recht verletzet wurde. Es wurde dem Commendanten alsbald angezeigt daß ein Chineſiſcher Kauffmann einen Scherganten verletzet haͤtte/ diſer war eben luſtig nebſt den Fuͤrnembſten in der Wohnung/ und die Dunſte des Weins wolten ihme albereit ins Gehirne ſteigen. Auff diſe einfaͤltige Nachricht und ohne daß er ſich umb die Sache befraget hatte/ noch ſich mit den anweſenden berathſchlaget/ befahl er man ſolle dem Chineſer den Kopff abhauen/ und ihn nachmahls auff eine halbe Picque ſtecken/ und bey dem Thor der Feſtung auffrichten/ welches auch geſchahe. Als er nun des Morgens ohngefaͤhr ſpatzieren ging und diſen Kopff ſahe/ fragte er allererſt wo er herkaͤme. Man gab emes Helg ihm zur Antwort diſer Kopff ſey auff ſeinen Befehl dahin geſtecket wurden/ und das er von einem Chineſiſchen Kauffmann ſey/ welcher einen Hollaͤndiſchen Scherganten verletzet hatte. Der Commendant ſprach warlich ich weiß nichts davon/ wenn aber dem alſo iſt ſo wollen wir Morgen den Krigsrath zuſammen ſberuffen laſſen/ und ihme den Proces machen/ und ſelbigen nach Battavia an den General und ſeine Rathe ſenden. Diſes iſt ein wunderbahres Verfahren wenn man einem nach ergangenem Urtheil allererſt den Proces machet. Im Jahr 1648. commandirte der Her unbeſonne nes dlſchen e mendontel nilhen geſendet wurde/ und als er daſelbſt ankommen ließ er alle Soldaten und einen Theil von den Bootsknechten ans Land ſteigen Als es nun zum marſchieren kam/ veri keiner bey Verluſt ſeines Lebens auß ſeinem Stande weichen/ es trug ſich aber zu daß ein junger Soldat mit dem Blutfſuß groſſe Beſchwerligkeit hatte/ weil er der Lufft des Landes noch ungewohnet war/ und begab ſich auff die Seite der Nothwendigkeit der Natur ein genügen zu thun. Der General als er diſes ſahe ließ er ihn greifen und binden/ nachmahls beruffte er den Krigsrath/ und wolte mit Gewalt Emander N Exempe eines gil ſamen ll. theils · haben/ man solle ihn hencken/ oder durch die Spiſſe lauffen laſſen. Es waren keiner unter ihnen der ſeine Stimme zu diſem grauſamen Urtheil geben wolte/ ſondern ſprachen alle er ſey des Todes nicht ſchuldig. Der General welcher noch 9 5 9 wurde/ daß niemand ſeiner Ungerechtigkeit bepfallen wolte/ ließ den Soldaten durch ſieben ober acht Schwartze nehmen/ und ihme einen Strick umb den Hals legen/ deſſen Ende ſie über einen Baumaſt wurffen/ und nach dem ſie ihn eines Schuhes hoch vom 1 f ali Urthe⸗ 1 Hiſtori vom Verhalten der Hollander in Alien. guſſgeho en liſen ſeihn alſo ſterben. Der che in ihren Dinſſen gelahmet worden und Her: Dirckhogel General Leutenant über nicht mehr dinen konten/ muſten ihre Zudie Flotte ſahe diſen gutten Kerl/ zerſchnitte flucht zu nichts anders als zum Almosen derohalben den Stucck und erettete ihme nehmen, Aber was wil doch einer von die alſo ſein Leben well er ihme bald Mittel ſen Herings und Kaſekramern für Belohſchaßßen ließ. Et war von Rotterdam und nung erwarten und haben diſe Leute auch durch die Directores des Waiſen⸗Hauſes eine ſitſame und edele Seele daß ſie die nach Indien geſand worden/ weil er annoch MWohlthaten zu vergelten ſuchten. Unter bey den erſten Jahren ſeinen Vatter und deſſen werden die jenigen die ſolche Hand, Mutter verlohren und in diſem Hauſe er, lung treiben für Standes Perſohnen in ih, zogen wurden. Als er im Jahr 1648. wiber rem Lande geachtet/ und man erwehlet auß nach Holland kam/ beklagte er ſich gegen ihren Staats⸗Näthe/ und Indianiſche neral und ſeinen Rathen einen ſcharſfen bald vergeſſen/ welche unter denen ſind die Brieff ſchrieben und den Gogre ſſraſſten die beſte Beutel im Lande haben/ und man daß er vier kauſend Thaler ins Waiſenhauß wird keines von ihren Kindern finden/ daß zu Rotterdam legen muſte/ und darüber dem nicht jederzeit die Mode verandert/ wenn et. armen Soldaten ale Jahr ſo lange er leben was neues und etwan ein neuer Zeug auß würde 300. Francken geben. ffrembden Landern kombt/ ſo müͤſſen diſer Der Commendant in der Inſel Laiyan Herzn Töchter oder Soͤhne ſolchen alsbald ſonſten Formola genant/ verdamte nebſt haben. Ich habe offters geſehen daß man bel N ſeinen Rathen einen andern zum Staub⸗ dergleichen Zeuge bey den Seydenhaͤndlern 40 beſen/ und noch zu einer andern Straffe kaufen wollen/ und wen dem Kauſſer ſolche 0 welche mit dem Brandmahl brennen wie es nicht gefallen ſo ſprach man er mache wohl 85 10 bey uns zu geſchehen pflegt/ uͤbereinkommet/ viel Schwerigkeiten/ hatte doch diſes oder weil er einem Chineſer ein wenig Brandte, jenes(Kratſchmers) Bierbrauers Toch wein geſtohlen. Nach deme ihme das Ur, ter davon gekaufft. Einsmahls bekam ein theil abgeleſen wurde/ hoͤrte man zu End Kamer Juncker des Printzen von Oranien edeſſelben diſe Worte/ mit Genehmhabung des ben ſolche Antwort. Diſer Juncker war Generali und ſeiner Rathe. Es gingen wohl von Roterdam und ſuchte nebſt dem Schnei6. Monath fuͤrben daß man nichts von diſer der einen praͤchtigen Zeug für ſeinen Hern/ Sache zu Battavia wiſſen konte. Und die⸗ als er nun nicht fand was ihme gefalle hatte/ ſeſben die es horten wunderten ſich nicht we⸗ ſprach der Kauffman zu ihm wenn der Fürſf nig und wuſten nicht was ſie bey ber Sache hier ware/ ſo würde er nicht ſo viel Weſens gedencken ſolten aachen wie ihr/ Ich will euch den beſten Als Coxima mit einem Theil der Ehine/ Zeug weiſen der im Lande iſt/ mit welchen ſer die Feſtung auff der Inſel kormoſa be⸗ die meiſten Kratſchmers Tochter ſich gekleilagerte/ unterſtunden ſich die Hollander ei, det haben. 5 i nen 3 1065 15 5 125 125 ö zum Beſten gereichte/ denn ohne die welche 15 5. auff dem Platze bl iben/ wurden auch ihrer Das 17. Capittel 5 16. gefangen/ und fur den General Coxima. geführet. Er ließ ihnen alsbald Naſen/ Oh, Von der Hoffart der Weiber zu 5 ren/ und die rechte Hand abſchneiden ing Wattap s 5 ſie ihnen an den Halß und ſandte 5 aſſo wi⸗ Haute von ihrem Anſehn und aamnnnzuzeigen/ daß er nichts gethan als was er Erzehlung von dem K ampff des von den Holländern gelernet/ und daß ſie Jon der e l w ae weren lbeeh Leuten die Bruders Heren Tavermers mit auff dem letzt erzoberten Schiffe geweſen zweyen Officirern. umgangen/ es waren af. oder 30. Menſchen WW darunter geweſt mit denen man viel arger C Ch muß den Hollaͤndiſchen Weibern verfahren/ den e einem die Ar,( in diſer Hiſtori gleichfals ihre Stelle men/ dem andern den Kopff abgehauen/ und geben, weil ſie in Indien wegen ihren ſie alle zuſammen ins Meer geworfen/ und eitlen Einbildungen/ Lites. Handeln/ und keinem einigen Quartier gegeben. Herſchafſt uber ihre Manner gnugſam be, Diſe Soldaten wurden alſo geſtuͤmmelt rümbt ſeon. Man führet selten andere aſs nach Batravia geſand/ und von dannen nach geringer Leute Tochter nach Batavia, den land weil ſie nicht mehr dienen konten, ſie laſſen ſich gar leicht an Mann bringen/ d. Che ſie abzihen/ pfſeget man den Soldaten und man fragt nicht viel darnach ob ſie et, denne. de Sehr zu machen/ diſen aber zog was haben/ den ein jeder beggůgt ſich mit wean. man ihre Beſoldung für 6. Monath ein/ deme was er der Compaenie abgeſtohlen. dich agen anſtat daß man ſie ihnen hatte verbeſſn Wenn man ſie nun zu Weibern gemacht dhe e ſollen: In diſem Fall war die Compagnie und ſonderlich weñ ſie einen Cammer, Rall 74.8 Perlen/ und Oyrgehencke von Diamanten (daß ihnen aber eben ſo wohl anſtehet/ als einem Narꝛen die Schellen /) und werden uber diß von vielen Sclaven beyderley Geſchlechtes bedinet/ als den glauben ſie/ ſie ſeyn 3 Fürſtinnen/ und werden ſo ſtoltz und Hofder Holland färtig daß ſie meynen/ es ſey ihnen alles erſchen Weiber laubt/ ja ſie lernen die Grauſamkeit eben ſo wohl/ und noch beſſer als die Maͤnner/ wie man in folgendem Capittel ſehen wird. Sie wiſſen die Wohlgewogenheit ihrer Ehemaͤnner dermaſſen gefangen zu halten/ daß ſie ſich ihrer uͤbermaͤſſigen Liebe E. G. miß brauchen/ und diſelben zu groſſer Ungerechtigkeit verleiten/ weil ſie offters boͤſe Sachen mit ihrem Anſehn unterſtuͤtzen/ den unſchuldigen in Gefahr zu bringen und den Schuldigen von der Straffe zu befreyen/ und mit einem Wort alles was ihnen gefallet gut oder boͤſe zu machen. i Das Anſehen ſolcher Frauen koͤnte man genugſam abnehmen bey dem Duel welchen er mit zweyen Hollaͤndiſchen Offieirern hatke/ die er entwaffnete daß ſie ihn umbs Leben bitten muſten. Ich habe in der Tunquiniſchen Landesbeſchreibung angezeigt/ daß mein Bruder ſeine Jugend auff Academien zugebracht haͤtte/ und daß er nicht allein ein tapfferer/ ſondern auch ein geſchickter Und gluͤckſeeliger Menſch war. Das Duelliren iſt zu Battavia ſcharff verbotten und die welche ſich balgen erlangen ſelten Gnade. Die zweyen Officirer deren der eine hart bleſſiret worden hatten ſich auſſerhalb Battavia guff des Koͤnigs von Mataran Gebieth gebalget/ und durfften ein gantzes Jahr nicht nach Bartavia kommen/ endlich aber wurde ihnen durch gutte Freunde wider hinein ge, holffen/ den ſie waren beyde verehliget/ und ihre Weiber funden durch andere Mittel daß Fride zwiſchen ihnen gemacht wurde. Als der General welches dazumahl Herz Van Dyme war/ ſahe/ daß mein Bruder den er gar lieb hatte nicht bey ihnen war/ war er unwillig/ einwendende die Gnade erſtrecke ſich eben ſo wohl auff ihn als auff die zwey andern. Allein mein Bruder war in dem Fall klug und wolte nicht eher nach Battavia der General hatte ihn den die Sicherheit wenig an die Widerkehr gedachte/ weil ihn der Konig von Bantam ſehr lieb hakte/ und wolte ihm eines ſeiner gröſten Schiffe gehen/ mit Pfeffer geladen daß er damit handeln moge two er wolle. Es iſt in gantz Aſien kein Konig der mehr Pfeffer ſamlen kan als diſer/ und er hat mir offters verſprochen/ wenn ich oder andere Frantzoſen mit zwey oder drey Schiffen kamen/ ſo wolte er uns ſo viel Pfeffer gebeg/ als wir begehren wurden/ und wenn wir verſichern wuͤrden/ daß wir wolten widerkommen ſolten wir denſelben alßden erſt bezahlen/ wenn wir es aber liber alßbald zahlen wolten ſo wolle er 10. auff dem 100. abrechnen laſſen. Diſer Koͤnig war Hiſtori vom Verhalten der Hollaͤnder in Aſien. meinem Bruder dermaſſen geneigt/ daß er auch an ſeinem Tod Urſach geweſen/ welchen er durch übermaſſiges Trincken wenn er ſich mit ihm luſtig gemacht und daß meiſtentheils in Brantewein beſtund verurfachetWeil ich die Ehre gehabt mit ihme gleichfals 5. oder ſechsmahl zu ſpeiſen/ ſo wolte er auch daß ich davon krincken ſolte/ allein ich habe diſes Getrancke niemals im Munde vertragen koͤnnen. Die Hollaͤndiſche Compagnie halt zu Bantam einen Wundartzt/ welcher unter dem Schein die Krancken zu curiren/ auff der Engellaͤnder Thun und Laſſen achtung geben muß/ und zuſehen was ſie fur Waaren auß Engelland bringen und wider hinein fuͤhren/ diſer Wundartzt welcher ein leibhafftiger Spion war ſchrib gleich fals an den General und ſeine Raͤthe nach Bartavia, und gab ihnen Nachricht von der Handlung die der Koͤnig mit meinem Bruder treiben wolte/ und ſetzte hinzu wo man ſich nicht wuͤrde in acht nehmen/ ſo wurde diſes der Compagnie zum hoͤchſten Prejuditz gereichen/ den er wuͤrde durch gantz Aſien den Pfeffer/ die Naͤgelein die er von Mabaſſar gebracht und dergleichen andere Waaren/ wohlfeiler als die Hollaͤnder geben koͤnnen. Der General war wie ich vorgedacht meinem Bruder ſehr geneigt/ und ſeine Hochhaltung wurde durch den Duel den er mit den zweyen Officirern gehabt noch mehr vergroͤſſert. Ja er hatte gerne geſehen daß er ſich zu Battav la verehliget/ und weil er ihn wider zu ſehen verlangte/ ſo ſchrieb er ihm er ſolle auff ſein Wort wider nach Battavia kommen/ welches er auch ins Werck ſetzte. Er wurde ſo wohl von dem General als von den Rathen ſehr freundlich empfangen/ die ihme Erlaubnuß gaben/ daß er ein Schiff halten und mit allerhand Waaren handeln ſolle/ außgenommen die Specereyen/ den gelben Amber/ und Coral daruber die Hollaͤnder allein Meiſter ſeyn wolten. Damit wir aber auch auff die bes Haͤndel der Frauen zu Bartav ia kommen/ ſo muß man wſſſen/ daß diſe Weiber wenn Schiffe auß Holland kommen/ in welchen ſich etliche wohlgeſtaltete Juͤnglinge befinden/ und oder andere Hand wercksleute deren ſie ſich zum Schein bebinen wenn ſie diſelben in ihre Wohnungen nehmen/ durch ihr Anſehen ſte gar leicht von der Muſquet zu erloͤſen/ und ihnen ein Ambt zu verſchaffen wiſſen. Und diß iſt die beſte Recommendation die ein junger Menſch auß Holland bringen kan/ . Wie ble 40% diſche e n i ihre ſonderlich die ſie zu ihren Dirſten gebrau⸗ bach, verſprochen. Hierzu kam auch noch daß er chen koͤnnen/ als Schneider und Schuſter! zu bargen anzuſte wenn er zeitlich wil hervor gezogen werden/ wenn er von Geſtalt ſchoͤn/ und eines geſchickten Leibes iſt. Und ſolche rauen muß man ohne allen Zweiffel loben/ daß ſie die Güuͤtte haben und ſolche junge Leute befoͤrdern helſſen. Es geſchibet gar ofſterg daß wenn die gutten Weiber meinen ihre Liebes haͤndel gehen gar heimlich du/ und als fun nieman Ein bel 1 Hiſtori vom Verhalten der Hollander in Aſien. 149 niemand etwas erſahren/ ſo kombt Gott und machte ſolche offenbahr/ und zwar zu ihrem hoͤchſten Spott/ und Schande. Baur Zeit alß ich zu Barta via war hatte der Hlolſpital Sectetarius ein Mann der an gutter Leibes geſtalt Kaum ſeines gleichen hatte zu Batta via eine Frau/ die man ſchoͤn nennen konte/ und auch an ſich ſelbſt nicht ungeſtalt war/ den ob ſie wohl zu Batta via gebohren/ ſo war doch ihr Vatter und Mutter auß Holland. Weil ſie nun 6. oder 7. Jahr im Eheſtande geſeſſen/ und keine Kinder hatte/ und ſolche zu bekommen zweiffelte/ entſchloß ſie ſich einen ihrer Selaven zu Hüͤlffe zu nehmen der zwar wohlgeſtaltet aber dabey ſehr Schwarz war/ und wolte liber mit ihme zuthun haben alß mit einem jungen Hollaͤnder/ deſſen ab und zugang ungleiche Gedancken veruͤhrſachen mochte. Die Frauen in ſelbigem Lande haben Selavinnen die mit ihnen gehen/ Und diſe gebrauchen ſie offters ihr Nenclezvous zi halten/ aber weil ſie biſweilen ihren Fisgen nachahmen wollen/ und die ihnen hernach gar uͤbel mit fahren/ und die Sache nicht geheim halten/ offenbahren ſie her nacher ihre Händel. Diſe Frau aber war wenig hie, rumb beſorget/ und meinte die ſache wuͤrde verborgen bleiben/ weil ſie ihren Gallan im Hauſe hatte/ und der ihr gar leicht unters Geſichte kam/ daß ſie keiner andern Hülffe vonnothen hatte. Diſe Händel wehreten aber nicht ſo lange daß ſie nicht in etwas ans Licht kamen. Den die Frau wurde Schwanger/ und der Mann welcher nichts umb die Sache wuſte/ erfreute ſich nicht wenig darüber wie quch ihre Mutter und Freunde/ den der Vatter war ſchon geſtorben. N i Aber alß ſie mder kam wurde alle diſe Freud ein Leid verkehret/ und man erſchrack nicht werig über daß Schwartze Kind welches ſie zur Weltbrachte. Es wurden der Mann ihre Mutter und alle Leute nicht wenu beſtürtz daß ſie ein ſo ſchwarzes Kind ſahen/ den wenn Vater und Mutter weiß ſind ſo werden die Kinder gemeiniglich Oliven farbig/ und man hat in acht genommen daß ſie detznoch eher dem weiſſen als dem Schwarzen gleiche kommen. f Der Mann und die Mutter diſer Frauen auß groſſer Freude die ſie hatten weil ſie Schwanger war/ wandten viel Unkoſten an zu ihrer Nider kunfft/ er wehlten auch den General zum Paten der Kindes. Der Mann der halb verztreiffelt ſahe daß diſes Kind nicht von ihme ſey/ ſuchte alle Mittel herfür ſeine Frau umbs Leben zubringen, Diſelben die umb ihn waren/ und ſein Vorhaben merckten/ nahmen ſeiner war/ und gaben ſolches dem General zuverſtehen/ der ihn in die Jeſtung kommen ließ/ alwo er ſich faſt ein Jahr auff hitte ohne daß er ſeine Frau zu ſehen bekam. Nach diser Zeit wurde durch Hüfffe ihrer Freunde wider Fride gemacht/ und der Sclave würde ſo lange er leben wurde auff die Gallere geſetzt/ welche ſteine zu zu führen pfleget. Ich halte dafür daß etwan einer unter und en denen die die Sache bey zulegen ſuchten di⸗ Denk wür, ſem Secretatio das er ſeine Frau wider neh⸗ dige Abemen moͤchte erzehlet waß ſich zu Bas haim geſchichte, zu getragen/ alwo eine Schwarze Mutter und auch ein Schwarzer Vatter ein weiſes Kind zur Welt gebracht. Dieſes Weib hatte ohne Zweiffel ihre Zeit mit einem Portugieſiſchen Soldaten vertriben/ weil gnugſam Leute zu finden in allen plaͤtzen die diſe Voͤlcker in Indien haben die der gleichen abentheurliche ſachen gar gerne ſuchen. Der Caffer oder Schwarze als er ſahe daß ſeine Frau ein weiſſes Kind gebohren wolte er über ſie her wiſchen und ſie er wuͤrgen/ er wurde aber verhindert durch etliche Weiber die ihr bey der Geburth bey geſtanden hatten unter diſen Weiber lieff eine in das Hauß/ der Jeſuiter welche von allen diſen Schwartzen Leuten gar hochgehalten wirden und bath den bater Thomas de Batre welcher lange Zeit zu Agra Rector geweſen/ er ſolle doch in des Caffres Wohnung kommen. Er begab ſich auch alß bald dahin nebſt einem Frater, ind alß er ſahe daß diſer Schwarze ganz Keine Uhrſach anhoͤren wolte fragte er ihn endlich den Grim zu ſtillen/ ob er keine Hühn hatte und ob darunter Keines gantz ſchwarz ſey/ Der Caffre gab zur Antwort er hatte Huner und auch etliche darunter die gantz Schwarz weren. Auff befehl des Paters ließ er eines her bringen/ der Pater nahm es in die Hand/ und fragte den Caffre in gegenwart der umb ſtehenden legt diſes Huhn auch Eier/ und was ſind ſie vor Farbe. Der Caffre gab zur Antwort ſie weren weiß da Sprach der Pater du hiſtärger alß diß Thier das keinen Verſtand hat/ den wenn diſes Huhn weiſe Eyer leget/ warumb wilſtu/ auch nicht leyden daß dein Weib welche Schwarz iſt ein weiſſes Kind gebaͤhre. Durch diſes Gleichnüß wurde der Caffres Zorn geſtillet er umbarmete daß kind und die Mutter und gedachte nichts mehr von der Sache. Damit wir aber auff die Holländiſchen Weibs Perſohnen kommen/ die nach Battavia geſendet werden/ ſo weiß man von den ſelben/ daß die meiſten ſo bald ſie ins Schiff tretten ke ine andere gedanken haben/ alß wie ſie mit den Schiffs Officirern in Libeshaͤndel gerathen mochten/ welchen dergleichen Kurtzweil auff der Reiſe keines Wegs zu wider iſt. Wenn es auch bisweilen zum Schluß kommet/ ſo haben ſie kaum Battavia betretten baß ſie alß bald Hoch Zeit machen/ und/ ich habe im 6. Capittel von des Generals Matſuckers Enckelin ein Exempel vorgeſtelt. Et ſind etliche unter dien zung, frauen welche glauben es werde ſie mühe ko, ſten daß ſie zu Battayia Manner krigen kon, ten/ allein ſie betrigen ſich gar ſehr. Den wenn man ihrer noch 3. mahl ſo viel brachte alß man hinein ſuͤhret/ ſo wurde doch keine übel an kommen/ es ſey den wenn ſie heslich ſind/ und gantz keine Libligkeit haben. Es iſt geä wiß wiß daß die Compagnie keine hinſendet die nicht von geſicht/ in etwas huͤbſch ſein/ 41 allein was die auff erzihung und ihren Edlen W Stand anbelanget/ da konnen ſie weil ſie meiſtens von gar ſchlechtem her rommen ſind/ wenig groſſes von ihrer geburth mit ſich bringen. Wen ſie nun an kommen ſo zihen ſie alß bald ihren Rock der auß grobem blauem oder Rothen Tuch gemacht iſt auß/ etliche die ein wenig reicher ſind/ haben diſelben mit ſchwarz ſammeten Baͤndern verbremet. Sie legen auch ihre Hals Schnuren und Armbänder von gelbem Amber oder Birnſtein ab/ ſie haben gemeiniglich Schuͤrztücher von Tuch daß im Noth fall zum Segel Flicken dinen koͤnte wenn ſie abgenutzt und durch daß unge witter zerriſſen worden. Wen ſie nun al ſo etliche Tage auß geruhet/ ſo finden ſich zu Battavia Frauen die vor diſem in gleichem aus ſehen dahin an kommen/ die ſind ſo barmherzig und laſſen ihrer 2. oder 3. Kleiden. Wann ſie nun ihre Lumpen abgeleget die allezeit nach Heringen oder nach dem Spital rüͤchen ſo werden ſie als bald den Frauen ahnlich/ und die welche ſie kleiden laſſen wiſſen wohl daß ſie nichts verlihren/ den ie eher ſie einen Schein der Schoͤnheit von ſich geben koͤnnen/ ie eher werden ſie verehliget Die welche ſie bekommen bekuͤmmern ſich keines weges/ ob ſie ein Heurath Gutt haben/ oder ob ſie ganz nackend ſind/ auß genommen wenn ihnen ein Wenig Schoͤnheit manglet. Den ſolche beſitzen wie ich zu vorangezeigt etwan ein mbt im Contor/ oder ſie haben gutte Hoffnung dazu/ und wenn ſie ſchon nicht kange in einem ſolehen Beruff ſitzen/ ſo wiſſen ſie doch wie ſie es anſtellen daß die Compagnie ihrer Weiber Heurath gutt bezahlen muß. Wenn es aber bey dem blibe ſo würde die Compagnie ihrer mit wenig koſten loß/ es ſind aber etliche Contor wie ich ſelbſten geſehen in welchen der Commendant 100. tauſend Francken jaͤrlich in ſeinen Beutel ſchiehen kan/ ohne daß es die Compagnie mercket/ weil nur der Commendant und der Unterhaͤndler umb die Sache Wiſſen⸗ Schafft haben/ die ſie aber geheim und alles unter dem Schlüſſel zu halten wiſſen. Im übrigen gehen diſe Weiber anders nicht auß alß mit dem Wedel von Pfauen Federn daß ſie Wind machen und die Fligen ver jagen konnen/ und ohne 2. Muſquetirer/ und ihre Sclaven die ihnen den Pareſol/ nach tragen muͤſſen. f Das 8. Capitel. Von der Grauſamkett etlicher Hollaͤndiſchen Weider zu Battavia. 700 An findet nicht allein Manner unter Oden Holländern die ihre Grauſam keit Hiſtor vom Verhalten der Hollander in Aſien und Unbarmherzigkeit in Indien herauß brechen laſſen/ ſondern es ſind auch Weiber die die Rache uͤben und ihnen in diſem Capittel ſo wohl von den einen alß von den andern 4. oder 5. Exempel an fuͤhren/ Rachgter. damit der Leſer Urtheilen konne/ welches u ⸗ der Weiber ter, diſen beyden Geſchlechtern am Grau⸗ Banavis ſamſten und Unmenſchlichſten ſey. Zur Zeit als ich zu Battavia mich auff hilte war ein Sclave in einem Winckel eingeſchlaffen und man hatte ihm daß Stucke Tuch geſtohlen mit welchem er bedecket war. Den man muß wiſſen daß die Compagnie einem iglichen alle 6./Monath ein Stuck Tuch gibet daß er ſich kleiden kan/ und diſes koſtet ohngefähr 20. oder 2, Sols. Derſelbe welcher uͤber die S claven geſetzet iſt/ ſahe daß diſer ſein Stuck Tuch nicht mehr hatte/ und glaubte derohalben feſtiglich er habe es verkaufft damit er ſich in Brandtwein volſauffen moͤge. Er befragte ſich ferner nicht umb die Sache/ ſondern ließ ihn dermaſſen geißlen daß er 2. Tage hernach davon ſterben muſte; Ich glaube daß keine groͤſſere Qual zu finden/ alß waß er diſe 2. Tage auß geſtanden. Etliche ehrliche Burger welche Mitleyden trugen alß ſie diſen Menſchen in einem ſo klaͤglichen Zuſtand ſahen/ beklagten ſich daruber beim General, aber die ſache blieb ſteeken und man dachte nichts mehr daDiſelben welche der Compagnie 7. Jahr gedinet/ als da ſind Soldaten und Schreiber/ die ſich auff diſe Zeit verſprochen haben/ oder die nur 5. Jahr gedienet alß da ſind die Vootsknechte/ wenn man 2. Jahr zur hin und Ruͤckreiſe da zu rechnet/ ihre beſoldung aber ihnen ſo wohl fur J. alß für die 7. Jahr angerechnet wird/ diſelben/ ſage ich koͤnnen nach dem ihre Zeit verffoſſen/ ſich entweder guffs neue verſprechen/ und hoͤhere Beſoldung erlangen oder wider in Holland Reiſen/ oder aber zu Battavia bleiben und daſelbſt Bürger werden/ den wenn einer auſſer der Compagnie Dinſten iſt ſo iſt ihme erlaubt für ſich ſelbſt zu handeln. Diſelben welche in ihrem Vatterlande keine Erbſchafft zu hoffen/ alß gemeiniglich die Soldaten und Bootsknechte die bleiben dar/ waß die Schreiber anbelanget die trachten auch nicht gar groß wider heim zu kommen/ und hoffen Oberſten im Contor zu werden/ ſie wiſſen aber ihre Beutel der maſſen zu ſpicken daß ſie nichts mehr von noͤthen haben wenn ſie wider nach Holland komWenn nun ſolche Soldaten oder Bootsknechte zu battavia Bürger worden ſo beſtehet ihr gantzer Hochmut nur darinnen daß ſie mochten einen oder 2. Sclaven haben/ und es iſt diſen gutten Leuten nicht zum beſten wenn ſie ihnen unter die Handekommen. Den ſie müßen ihnen Tag und Nacht ohne Auffhören arbeiten/ und ſo wohl ihren Herzn alß ihnen ſebſten daß edi * Hiſtori vom Verhalten der Hollaͤnder in Aſten. 61 inbeſſn machen ſich diſelden im Wirts hauf, magd abgeſchrtten eine Paßtete/ und wolte; ſe trüncken und lustig. Sie plagen diſe Ar, ſolche ihrem Manne zu eſſen geben/ aber ſie Ene Holen; me Sclaven dermaſſen/ daß die meiſten hald hatte micht daß hertze dazu/ weil die andern diſche Frau 5 verzweiffelt ſich ſelbſt umbs Leben bringen/ Sclaven dreuten ſie wolten es dem sher ia we 1175 mancher durch den ſtrick mancher durch daß bey bringen. Dies Arme Phägdlein ſtarb gutes Biß5 Eiſen die meiſten aber ſpringen ins Waſſer weng Tage hernach/ ohne daß ein enger len vor. weil ſie meinen diſe art des Todes ſey nicht Menſch ihre Frau zur Rede geſetzt hakte. ſo grauſam. Da zumahl alß ich zu Pattavia Nach meiner Zeit hat eine Porkugiſſſche war ſchmtten ihrer 2. ſich ſelbſten die Frau zu Goa eben alſo mit ihrer Seclavin „SGurgel ab/ und ein anderer erſauffte verfahren/ alß ſie es aber in eine Paſteſe geAber wenn die Manner veruhrſachen daß ſie hernachmahls zur belohmug ei diſes ihre Sclaven ſich ſelbſt umbringen/ ſo find Herzliche Gerichte mit einem Dolchen und Doch die Weiber noch viel Grauſamer wenn ztvar gar rechrmaſſig/ umbgebracht. ſiie ſie ſelbſten ermorden/ und ihre Augen Ich konte albier 100. andere Exempel von ah einem erſehröcklichen Schauspiel weiden der Hollandiſchen Weiber Grausamkeit an konnen. Zu Colombo welches die Fürnem⸗ führen/ welche Theils die Eifer ſucht oder ſte Stadt in der Inſel Ceilan iſt/ war ein die Furcht daß ihre Heimliche Libes HänHollandiſch Weib die eine von ihren. Sela⸗ del möchten an Tag kommen erregel/ aber Vinnen ertapte/ welche ſich mit einem jungen ich will mich begnuͤgen zu Endigung diſes Kerl im Hauſe lustig machte/ ſie ließ ſie alß Capittels/ eine That zu beſchreiben die zwar bald greifen und mit Gewalt in eine Mar, weniger Grauſam/ nicht aber weniger untavane ſtecken/ diſes Martavane iſt ein gros gerecht alß die Vorhergehende iſt. Eines gefäß auß geglaſter Erde/ hat einen Wei⸗ Rathsheren Frau zu Battavia, war in ten Bauch am Halſe aber iſt es Enge/ wie einen jungen wohlgeſtalten Kauffmann auß auch unten und in ſolchen gefaͤſſen kan man der Feſtung verlibet/ in diſem Lande pflegen daß Waſſer lang Zeit auff den Schiffen bey der gleichen Handeln die Weiber freyerhalten daß es nicht ſtinckicht wird/ und gebig zu ſein/ und ihre Galanen zu unter keſne Würmer gebaͤhret. Als man diſe Ar- halten. Es waren albereit etliche Jahre me Sclavim mit groſſer Muhe in diß Ge, verfioſſen daß diſe Grau ihren Lieb haber der fäße geſteckt(ließ ihre Unbarmherzige Frau maſſen verſorger/ daß ſhene memals etwas ſidend Waſſer ganb langſam auff ſie giſſen/ gefehlet/ weil er allezeit hatte davon er ſich biß daß gefaßze erfüllet ihr ganzer Leib ver⸗ prächtig halten/ und die beſten Compagnien brennet und ſie endlich erſticket wurde. Der beſucheh konte. Eins mahls als diſer NathsLeſer kan ſelber über die Grauſamkeit diſer herz auffeimer geſandſchafft war/ und lanMarter ſein Urtheil fallen. Als diſes ver, ger auß blieb als er nicht gemeinet hatte/ fluchte Weib wider nach Batt⸗ via kam/ wur, wolte es diſer Frauen an Gelde manglen/ de diſe Sache fuͤr Gerichte gebracht/ ſie kam und ihr Galan/ hatte gerne was von ihr geaber mit 200. Thalern davon/ die ſie dem habt/ derohalben gab ſie ihm eine Guͤldene Fiſcal Avocat zur Straffe bezahlen muſte. Kette/ die ohngeſehr 400. Thaler werth war/ Ich will alhier noch ein ander Exempel das er ſie heimlich verſetzen ſolte/ bis ſie ſie von der Grauſamkeit bey fügen/ welches widerum loͤſen konte. Diſer junge Kerl konnicht Weniger ſondern viel ahſcheulicher iſt te villeicht nicht ſo bald jemanden finden/ der aber von ſchlechterer wurde alß daß vorige ihme die begehrte Summe auff diſe Kette geweſen. Der Major von Battavia war lehnen wolte/ und weil er das Geld hoch noAller erſt von einer groſſen Kranckheit auff lig hatte ſo wolte er ſie ud cht dig d kommen und war willens friſche Lufft zu der ſie als bald kante„und hicht auß den ſchopffen und ſeine Freunde zu beſuchen. Händen zulassen gedachte, verkguffen. Als Als er eben auß gehen wolte ruffte er eine ſie nun unt eſnander handeſten/ ging eben von ſeinen Sclapinnen( daß ſie ihm den eine von 0e Selavinnen für des Mantel geben moge/ alß diſes Magdlein den Goldſchmids Werckſtatt vorbey/ und als ſelben ihm umblegte fing ſie unſchuldig an ſie diſen ag ae in ex Kette ſahe/ kamm zu lachen. Des Majors Frau die diſes ſahe ſie und zeigte ſolches rex Frauen an/ welche zog ihre Kluge„ Sinnen bald zu rathe/ und nicht wenig erſchrack als ſie hoͤrte das ihr machte den Schluß ihr Mann und diſe Galan die Kette verkauffte/ anſtatt das er ſie leibeigne Magd müſten miteinander zu verſetzen ſolte/ wie ſie ihm befohlen. Sie halten/ ſo bald er nun den Rücken gewen⸗ machte ihr leicht die Rechnung die Sache det ließ ſie daß gutte Maͤgdlein auff eine wurde Offenbar werden/ und wenn man Daſfel binden/ und schnitte ihr daß jenige würde erfahren das ſie diſem jungen Kerl Glied ab welches wir ehrenthalben nicht die Kette gegeben/ ſo würde man von ihr gerte nennen wollen. Es war hieran noch reden(und ſte wuſte auch gar wohl das nicht genug ſondern ſie führ in chrer Unſn, man in der Skadt bey aller hand Geſprähigkeit noch weiter/ und machte auß diſem chen von ihr redete. Alles diſes reitzte ſie an berlichen Vißfein daß ſie ihrer Leſbeignen, das ſie ihren Galan liber ins e 152 Hiſtori vom Verhalten der H. bringen als ſich ſelbſten verderben wolte/ und Uberlegte die Sache nicht weiter/ ſondern ließ alsbald bey allen Goldſchmiden anſagen es hatte ihr jemand eine guͤldene Kette geſtohlen/ und bath wenn ſie jemand zu verkauffen brächte/ ſolte man ihn anhatten/ und ihr ſolches anzeigen. Ein gleiches ließ ſie auch dem Fuͤrnembſten unter den Chineſern zuwiſſen thun/ und den Fiſcal Avocat bitten/ er moͤge die Kette ſuchen laſſen. Die Kette wurde bald gefunden und der junge Kauffman ins Gefaͤngnuͤß/ geſetzet ob er ſchon aller1915 zu ſeiner Entſchuldigung ein wenden wolte. 1 128 Er wurde als ein Dieb verdammet das er ſein Leben auff einer Galere die auß den Inſeln hier und dar ſteine zur Feſtung hohlet/ zu bringen ſolte und diſe Arbeit iſt viel ſchwerer als auff unſern Galeren/ den ſie muͤſſen zu Waſſer und zu Lande unauffhoͤhrlich arbeiten/ und haben niemals einige Ruhe. 4 Die Gantze Welt wuſte gar wohl das diſer junge Kerl die Kette nicht geſtohlen/ ſondern das man ſie ihm gegeben/ und das man ihn alß einen Dieb verdammet das ſey die groͤſte Ungerechtigkeit. Ob er ſchon von einem gar Gutten geſchlechte war und viel ehrliche Leute fuͤr ihn bitten wolten/ ſo war doch alles vergebens ſondern er muſte gantzer ſieben Jahr Lang auff der Galere bleiben. Endlich aber geſchach es das des Generals Van der Lin Frau in Kindesnsͤthen arbeitete/ und viel außſtehen muſte/ derohalben bath ſie ihren Mann und ſeine Raͤthe er moͤge den armen Menſchen loß geben/ Welches auch geſchach und alſo wurde er wider in vorige Freyheit geſetzet. Das 19. Capittel. Von der Abſcheulichen und unnatuͤrlichen Unzucht etlicher Holaͤnder. Ch komme alhier auff eine Erzehlung die ich mit Mübe auffs Papier ſetzen kan/ und der Leſer wird ſolche ohne zweiffel auch nicht ohne Entſetzen leſen koͤnnen/ und weil es Sachen die man bey der gantzen Welt unbekand zu ſein wunſchete/ und ich alhier ſolche außzubreiten gnugſame Gelegenheit hatte ſo will ich doch nur uberhin ollaͤndet un Aſten. gehen/ und die meiſten Umbſtände welche alzu klare Vorbilder diſes unnaturlichen aſters geben duͤrfften/ und das man ohne Abſchen nicht nennen kan/ bedecket halten. Es iſt ein Laſter umb welches willen viel Hollander in en worden/ und unter vielen rempeln die ich anführen koͤnte/ will ich mit . en vergnuͤget ſeyn/ deren abſcheuliche Erzehlung ich mit wenig Worten hiher ſetzen Der erſtere war General Director nahmen Chet/ und erzeigte ſich in ſeinem Ambte ſehr gen konte die auß Schwachheit ſeinen Vihiſchen Begirden zu willen waren. Damit er aber ſeine Abſcheuligkeit deſto mehr verdecken moͤchte ſo gab er denen die ihme zu willen geweſen/ liber Geld alß Aembter/ und wenn er ſich eine Zeitlang ſo teuffliſch mit ihnen ergotzet/ vertheilte er ſie in unterſchiedliche Comptor welche die Hollander in Indien Ein junger Fratoß auß Scham panien kam alß ein Corporal nach Battavia; und dem Chot bald unter daß Geſichte/ weil er von Leibe ſehr wohl geſtaltet war. Er befahl dem Sergeant Maſor/ er ſolle ihme die Stelle eines Hallebardirers beim General geben/ weil einer vor wenig Tagen geſtorben/ diſer Junge Kerl wunderte ſich nicht wenig als er diſes Mannes Gunſt ſpuͤrete/ weil er allererſt ankommen/ den eine ſolche Halbardirer Stelle tragt eben ſo viel ein als ein Lieutenant uber eine Compagnie zu genuͤſſen Damit ich den Vorhang deſto eher von einer ſolchen abſcheulichen Taffel wegzihe/ ſo will ich wenig worte gebrauchen/ diſer unmenſchliche Chot/ meinte der junge Franzoß wurde ihme zu Dinſt ſtehen/ weil er ihn ofſters herzlich beſchenckot/ und endeckte ihme ſein verfluchtes vorhaben/ welches der andere ohne Zittern nicht anhoͤren konte/ und betheurte hoͤchlich wurde er mehr mit ſolchen Sachen anffgezogen kommen ſo wolle er es dem General ſagen/ welches auch geſchae alß er das andere mahl widerkam/ und da noͤtigte er ihn ſehr daß er ihme auch eine gutte anzahl Ducaten wider ſeinen Willen in Schubſack legte. Wenn der General geſpeiſet/ ſo pfleget er gemeiniglich ſich in ſein Cabinet zu begeben/ und diſe Zeit über darff ihn niemand ſtoͤren. Als er nun hinein ging folgte ihme der Hallebardirer kuhnlich nach/ und enddeckte ihm die ganze Sache/ weil aber diſes Vorbringen nicht genugſam war/ und er gewiſſe kenzeichen haben wolte/ ohne welche diſer junge Menſch anſtatt des Angeklagten hätte konnen in Straffe fallen ſo geh ihm der Genetal nachricht wie er ſich halten ſolle/ wenn er ihn in ſeine Kammer begleiten wurde/ und etliche Tage hernach 13 K 5 ier liche Side Freygebig gegen die welchen er geneigt war/ eines und zog viel Leute hervor durch ſeine Autori⸗ nehmen tät damit er wohlgeſtalte Jünglinge betru⸗ läden. 0 euch, 0%, le fa wi Fan Aang We Hion vom Verhalnen der Hollander mn Affe; i; er diſen ungluc ſceligen Chot nebſt etli, chen Rathen zum Mittag Eſſen. Weil ſſe aſſen/ ging Herz Crog der andere Raths Herz und der Sergent Major in ſeine Behauſung/ und liſſen heimlich durch einen Schloſſer aufmachen/ und Aß ſie ſich hinter die tapezerey bey das Bette verſtecket/ liſſen ſie die Kammer wider zu ſchlüͤſſen. Nach der Mittags mahlzeit kam Chot in ſeine Kammer/ wohin 112 In, ihn auch der Hallebardirer begleitet hatundes te/ er fing abermaht an ihn wie zuvor zu 15 Wilcher da. nötigen. Der andere that ihm Widerfu wergrif⸗ ſtand/ damit ihn aber Chor uber waͤlti1 wid gen mochte/ ſo zog er etſſche Stucke Brocard auß China/ auß ſeinem kaſten und gab ſie ihm/ ſtieß ihn hernach auffs bet, ke/ und wolte ſeine Teuffliſche Luſt mit ihm huͤſſen. Alsbald ſprungen die 2. Man, ner die ia gerſtecket herfür/ der Sergent Major griff ihn an ſeine Halsbinde/ er ſagte nichts anders alß ihr Heren erbarmt euch meiner/ ich bin des Todes/ und wurde alſo ins faͤngnuß geführet. Man durſſte ihme nicht die pelnlſchen Fragen fürlegen/ ſondern er bekante bald das er 40. Jung linige die er nante/ wie auch die Contor in welche er ſie versandt hatte mißgebraucht/ daruber alle die diſes hoͤrten eine ſchröckliche Abſcheu hat, ten; Man machte ihme bald den Proces und er wurde lebendig zum Feur verurtheilt/ welches des andern Tages geſcheen were wenn es nicht Sontag geweſen Seine Verwandten und Freunde meinten ſie wuͤrden ihme indeſſen davon helfen koͤn, nen/ den er hatte einen Bruder welcher eier von den Fuͤrnembſten zu Battavia war/ und eine Schweſter die ſich mit dem Soeretario des groſſen Rathes ver, ehliget hatte/ und er war auch an ſich ſelbſten ſehr reich. Damit ſie nun deſto beſſer ihren Anſchlag auß fuͤh ren moͤchten/ ſtelte einer von des Chots Freunden der ein gar Fuͤhrnehmer Mann in der Stadt war des Sontags eine Groſſes Mahl an/ zu welchem auch der General und ſeine Raäthe nebſt ihren Weibern eingeladen worden. Und weil ſolche groſſe Gaſtereyen gemeiniglich von Mittag an bis ge. gen Abend weren/ und der General eine Compagnie zu Roß und eine zu Fuß mit ſicch zu nehmen pflegt/ auch die Meiſten Leute auß der Feſtung kommen und in der n empfangen/ erſhrack er dermaſſen über diStadt des Sontags ihre Andacht verf richten/ ſo meinten ſie ſie wuͤrden den Schuldigen ohne groſſes Getuͤmmel auß 80 dem Gefängnus practiciren koͤnnen. Sie benden. ſtelten auch die Sache mit ſolchtr Klugabecm, heit an/ das ſie ihn auß dem Gefänga. Wee nuß brachten ohne das die Wachten es wum zn erfahren konten/ ſie meiyt n ihr Vorhaben bald hinauß zu führen/ well ſie meinten ſie wurden ihn durch Huülſſe der Nacht in einen Kahn odgl Schifflein bringen konnen und dach Apara oder Bantam fortſchaffen/ alwo er diſen 2. Königen gar angenehm geweſen were weil er mit ihnen Freundſchafft gemacht. Aber der General der die Sache erfahren/ liaß langſt dem Geſtade welches gegen dern Meet zu gehef eine Schildwach ſtellen/ und bemächtigte ſich auch des Verurſheilten Bruders und ſeines Stiff Bruders/ und ſagte ihnen Kurtz und Rund/ wo er davon käme ſo ſolten ſie für ihn ſtehen/ und er wolle ſie an ſeine Stelle umbringen laſſen. Man ſuchte ihn endlich dermaſſen daß man ihn in einer groſſen Armer in ſeiner Schweſter Hauſe fand und deß andern Tages lebendig verbrante. Ifth habe offters von den Frauen zu Pattavia gehöret/ das wenn diſer Mann ſich bey Geſelſchafften befunden/ da bey auch Weiber geweſen/ has er ſolche allezeit verachtet und die Weiber haben ihn hin gegen einen Fantaſten genennet ſagende/ es wundere ſie nicht das er ſich nicht verehlige weil er ſo wenig Libe zu ihrem Geſchlechte hatte. Man ſchreb hernach in alle Orter wo die jenigen waren die er ſo abſcheulich mißgebraucht und es muſten ih ter 40, daß Leben laſſen/ aber nicht offentlich weil ſie auß gutten Geſchlechtern entſprungen/ die man nicht gern in S chimpff bringen wolte/ Man ſchickte auff ein ſg eiff/ ban ſie ohne groß Weſen in einen Sack/ und alſo wurden ſie uber Bord geworffen und ertyancket. N Einsmahls als ich zu Sur ate war/ und mit dem Commendanuten/ den ich wie es gebtauchlich iſt den gantzen Tag nicht verließ redete/ kam ein Schiff zu Abendan/ von welchem der Capitain nahmens Pierre gleichfals dem Chot in ſeine ſchändliche Lüſte gewilliget den er zur Belohnung in kurtzer Zeit gar wohl angebracht hatte. Weil aber der gleichen Erzehlun gen wie ich zuvor gedacht ſehr abſcheulich ſind/ und ich vom Chot noch gar viel zu ſagen hätte/ ſo will ich die ſache mit wenigem nur zuberuͤhren/ allein gedencken was die übrigen unglüͤckſelige nebſtandern die ſich in gleicher Abſcheuligkeit geweltzet für ein Ende genommen. Als diſer Capitain bey ſeiner Ankunfft vernommen auff waß Weiſe der ſchandliche Chot ſein Urtheill und Belohnung ſer Zeitung das er den Gewiſſens kummer dehn er daruber hatte nicht wohl verbergen konte. Ein Kauffman nahmeng Nene 4 Dies und ich merckten diſes gar leichtlich/ den er ſahe ganz tieffſinni d vertvirt auß bey der ee cher ühm der Commendant des andern Tages nach ſeiner Ankunfft nebſt uns emgeladen hatte Weil er ſich nun einbildete mg.) U 154 man wuͤrde auch nach ihm greiffen/ ſo kehrte er geſchwind wider an: Bord/ unter dem Vorwand er wolle die Waaren abladen laſſen/ und weil eben dazumahl eine Portugieſiſche Flotte auß 1. oder ſechs zehen kleinen Galiotten beſtehend zu Sovall ankam/ und ebenfals bey der Hollaͤnder Schiſſen Ancker gewopffen hatte/ weil diſe zwey Nationen dazumahl keinen Krieg mit einander fuhrten ſo bedinte ſich der Capitain Peter diſer Gelegenheit ſich davon zu machen/ und kam zum Portuͤgiſiſchen Admiral konte aber nichts anders zu deme ſagen der ihn fragte/ als erret. re mein Leben. Durch diſe Flucht wurde ſein Laſter verꝛathen und diſes waren ſchon mehr als zu wahre Anzeigungen/ der Tommendant als er es erfuhr/ ſandte er 2.Kauffleute zum Portugiſiſchen Admiral und begehrte gar hoͤfflich er ſolle den Capitain herauß geben. Er ſchlug ſolches aber ab/ ſagende er begehre eine Sache die wider aller Vollcker recht ſey/ und daß er einem Manne der ſeines Schutzes begehret/ ſolchen nicht weigern koͤnne Der Commendant/ welchem Rene de Dieu angezeigt daß der Capitain uͤber der Zeitung von Chot ziemHſſon dom Verhalten der Hullander in Ann. davon ich in meinem Indianiſchen Reife, Buche meldung gethay/ daß diſe 2. flüchtige ſich zu Goa guffhilten/ kam der Commendant dahin und wolte man ſolle ſie heraus geben/ aber weil ſie Romiſch Catoliſch worden/ ſo wolte man ſie nicht loß laſſen/ und weder der Commendant noch der Vite⸗Koͤnig noch der lnquiſitor wuſte/ daß der Bootsmann mit einem ſo greulichen Laſter ſich beſſecket hatte Wenig Zeit hernach wurde einer von diſen zwepen elenden deuten ganz unſinnig/ und ſchrie unauffhoͤrlich er wolle wider nach Mingrela zihen. Der Inquiſiſoer wandte alles an was er koͤnte ihme diſe unſinnigkeit zu benehmen/ und weil er ſein abſcheuliches Verbrechen nicht wuſte/ fuͤrchtete er nur die Hollander moͤchten nicht am beſten mit ihm umgehen/ weil er der Romiſchen Religion beygefüllen. Als er aber ſahe daß er allezeit auff dem Wahn blieb daß er nach Mingrela wolle/ ſo ließ er ihn endlich hinführen als er da ankam wartete der Commendant biß er wider zu Sinnen kommen/ nachmahls ſandte er ihn auff ein Schiff das in der Reede lag/ alwo er in einen Sack ge ſtecket und ins Meer gewurffen wurde. Der Capitain Peter war kaum zu Batſeinen Mitſchuldigen verꝛathen ſich ſelber. tavia ankommen als ihme auch der Proces gemacht wurde. Er klagte noch viel andere an die theils auff der Reiſe/ theils in den lich tieffſinnig geſchienen/ ſandte zum andern mahl zum Commendanten und liß ihm ſagen/ die That des Mannes den er begehke ſey viel zu ſchaͤndlich daß er koͤnne bey deben bleiben/ und endlich wuͤrde er ihn nicht in ihre Haͤnde luͤffern/ ſo wolle er Gewalt brauchen/ wie den auch das Schiff welches von Mocca kommen und daß eben diſer Capitain commandiret eines von den beſten war daß die Compagnie jemahls in Indien gehabt/ und fuͤhere biß in die 60. Stucke. Der Portugiſiſche Admiral wolte lieber diſen abſcheulichen Mann übergeben/ als einen neuen Krieg mit den Hollaͤndern haben/ und als er ihn ans Land fuͤhren laſſen/ wolte ihn der Commendant nicht einmahl anſehen/ ſondern befahl man ſolle ihn nach dem Schiffe fuͤhren und an Handen und Fuͤſſen feſſeln/ biß er nach Battavia käme. Der Bootsmann welches der jenige iſt welcher alle Werckzeuge und Schiſſsruͤſtung unter ſeiner Gewalt hat/ fand ſich ebenfals diſes Laſters ſchuldig/ und fuͤrchtete wenn man den Capitain examiniren wurde/ ſo würde er ihn gleichfals angeben/ endeckte de. rohalben ſeine greuliche That gleichfals durch die Flucht und fand Gelegenheit nach Goa zu entflihen/ alwo er nebſt den WundAltzte der auch mit ihm entging der Roͤmithen Religion beyfſel. Der Wundartzt gab ſich beim Vice⸗König in Dinſte/ und der iuquißtor liß deim andern alle Wochen ekwas geben davon er leben konte/ biß man ein Schiff weg nehrnen wurde Auff die Zeitung die man von Mingrela hatte alwo die Hollander ein Contor haben/ Contorn ſich qufſpilten, Unter alen denen ki ug war nicht mehr zu erbarmen als 2. junge Kinder die zum Dinſt der Schiffkammer beſtimmet waren/ unter welchen das aͤlteſte noch nicht das 15. oder 16. Jahr uͤberſchritten. Der Capitain wurde verurteilt daß er ſolle lebendig verbrandt werden/ und als er auß dem Gefaͤngnuͤß kam und nach dem Urtheils Plate welcher ztwiſchen der Stadt und Feſtung iſt geführet wurde/ muſten diſe 2. Kinder für ihm hergehen/ welche beim Außgang der Feſtung auff der letzten Zugbrücken in einen Sack geſteckt und ins Meer geworffen werden ſolten/ welches guch geſchahe. An diſem Orte ſahe man ſchon das Feur welches zur Execution beſtimmet war/ und der Capitain bezeugte diſes Feur ſey nicht ſo ſchröcklich als daß er die zwey Kinder ſehen ſolke die man itzt ertraͤncken wurde/ weil er eintzig und allein an ihrem Tode ſchuldig und Urſach ſe r. Die weſſe zu Batavia zu verbrennen iſt Wem nicht wie bey uns den 2. oder 3. Stunden zu⸗ ban vor ehe die Execurion geſchehen ſol/ wird 1 9. ein groß Feur angezündet/ und nicht u davon eine Seule auffgerichtet/ auff welcher ein Bret iſt/ daß man umb wenden kan/ an das Ende diſes Brettes ſetzek man den Schuldigen/ hernach drehet tas herumb daß das Ende recht mitten übers Feur nem Stricke gezogen/ alſo daß der berur'theilt mitten ins Feur fälle und muß alßbald darinnen erſticken/ weil er ganz umbſringet kombt und alsden wird das Bret mit ei/ ol 50 6 1 1 1 b dannenhero deſto ſchmertzlicher gemacht Hiſtori vom Verhalten der Hollander in Aſten. ringet iſt/ und ſonderlich wenn man ihme Stückpulver und andere brennende Materien umb den Hals gebunden 5 Sie raͤdern auch die verurtheilten anders als in Europa. Ich habe einsmahls einen Eingebohrnen auff diſe Weiſe richten ſehen welcher eine Holländerin geheurathet und ſelbige auß Eifferſucht mit einem Dolchen erſtochen; Er wuͤrde lebendig geraͤdert und anſtatt daß man ihnen den letzten Stoß bey uns auff die Bruſt gibt/ ſo wurde diſer auff die Suürne geſchlagen/ daß ihme das Gehirne herauß floß. Der Geiſtliche ermahnte ihn er ſolle Buſſe thun weil er anitzo zum Tode ginge/ aber er wolte keines wegs geſtehen daß er ſeine Frau unrechtmaſſiger Weiſe umbgebracht/ ſondern meinte er habe ihr gar recht gethan/ und wenn alle Manner zu Battavia die nicht treue Weiber hetten ihme nachfolgen wolten/ ſo wuͤrde man nicht mit Fingern auff ſie weiſen. Er empfing neun Schlage/ aber es kam mir ziemlich grauſam fur daß der Hencker bey jglichem Schlage ſtille hilte/ dadurch die Marter verlangert wurde. 2 90 Das 20. Capitte (hen Kauffmans von Hambourg/ der ſich in ſeinem Unglücks Stande fuͤr emen gememen Soldaten in der Compagnie Dinſte begeben. As erbärmliche Ende eines Kauffmans von Hambourg ſol diſer Hi, ſtori die ich vom Verhalten der Holländer in Indien ans Licht geſtelt zu einem Ende dinen. Es iſt eine üble Sache mit der ſie faſt alle eingenommen werden/ daß wenn ſie ſchon über das Vorgebirge der gutten Hoffnung kommen und die Aſtaktiſche Lufft ſpüren/ ſo wird die Barmhertzigkeit von ihnen ganz auff die Seite geſetzet. Ich habe diſen Artickel zu Anfange berühret und ſetze denſelben zum Ende und weiß daß der Leſer über 1 en werde ſich hicht wenig beſtuͤrtzen wd. 85 9115 10 0 Bartay ia wider nach Holland zeiſte befand ſich in dem Vice⸗Abmiral Schiffe wo ich war ein gutter ehrlicher Ma Der ſich auch als ein gemeiner Soldat zurück begeben wolte/ er war die Zeit Uber weil er ſich in der Compagnie Dinſſe außfgehalten dermaſſen unglücklich gerweſt/ daß er al, Lezeit in den Inseln auß welchen die Muſkatnuſſe und Nägelein kommen bleiben müſſen/ welcher aber den armen Soldaten wegen der boſen Lufft und üblen Nahrung wie ich anderwerts angezeigt zum Fegefeur inen. Es kommen ihrer wenig davon bie nicht das pizige Fieber haben/ welches ganGeneral hatte villeicht einen 1 ſeine beſſen empfangen und er l ihn ohne Zwei fel fuchen daß er de Zeit Aber well ſie unterwegs waren an des Capitains Taoſſel pel machte/ ſo merckte 110 er ſich keiner konte guch leicht mercken 197 tze Jahr lang wehret/ und die Armen gar tz verdoprek und gelb wie Saſſran machet. Diler Mann war ein reicher Kauffmann zu Hamburg geweſen und konte keine Glaubiger nicht befridigen weil er J. Schiffe ver, lohren/ und weil er ſahe daß er auß ber Stadt muſte/ kam er nach Amſte dam und begab ſich unbekandter Weiſe als ein gemeiner Soldate inder Compagnie Dinſte. Als ſeine Zeit verfloſſen entſchloß er ſich wider in ſein Land zu zihen/ meinende ſeine Berwandken welche füͤrnehme Leute waren/ wilden die Sache in ſeiner Abweſenheit ſchon heygelegt haben. Er war albereik ſchon 3. Tage im Schiffe geweſen/ als ich an des BickAdmirals Bord kam/ und in dem Kahn in welchen ſch nach dem groſſen Schiffe führ befand ſich ein Hallebarbirer vom General, welcher Befehl hatte ſich unter hen Eoldaten zu befragen/ ob biet ein Kauffmann von Hamburg darunter ſey/ mit Bitte er ſolle ſich zu erkennen geben/ damit man ihn ein wenig ehrlicher als einen gemeinen Sol, daten verſorgen moge. Und weil der jenige nach welchem man fragte ſeinen und ſeines Vatterlands Nahimen veren dert hatte/ ſo konte kein Menſch davon Nachricht geben/ und der Hallebardirer mute eben ſo gelehrt als er ankommen wider zuruͤcke kehren. Der ſpeiſen ſolte, Aber alle die Mühe die ſo wohl andere Oſſieirer anwandten/ ware vergebens weil er ſich nicht zu erkennen geben wolte. Die Reiſe biß wir über die Lite kommen war gar glücklich/ nachmahls aber bekam er den Blutfluß das er innerhalb 17. Tagen ſterben muſte, Ein Soldat der meine Kammer zu ſaubern und zuzurichten pfiegte machte daß ich diſen Mann kennen lernte/ ich ließ ihn in meine Kammer kommen/ und weil ich offters meine luſt hatte wenn ich mit den Piloten etliche Arltmetiſche Exemich bald an diſem Menſchen, den man noch nicht kautebaß er im rechnen und Buchhalten der geſchickſte Menſch auß Euosa ſey. Er redete und ſchrieb auch in fünfſerley Sprathen/ aber von der Zeſt an weil er kranck worden/ wolte ger als der feipigen gebtouchen. Der Pilote den ich offtets bey wir hakte, kein ungeſchickter Mann ſey/ und wir thaſo viel uns immer moglich wax. Ich konte ſ. mich aber nicht genugſam wundern über die Unfteundſſchtel und Unbarmhertigkeit des maſſen zerschlagen daß er nichts mehr eſſen konte/ und ſein gantzes Verlangen war nichts anders als daß er ein wenig friſch Waſſer ig friſch! male i haben moͤchte/ welches dennoch nicht Was ſich mit einem Kauffman von Hamburg zugetragen. nen Buiſ zu feinem der Genergl als der Schiffs Capitain und Seine Ge. ſchickligkeit. ken ibme Heſt feiner Kranckheit ales guttes 70 955 Herm Ta156 Hiſtori vom Verhalten der Hollaͤnder in Aſien. zu bekommen war/ denn es iſt auff den Schiffen gar ſeltzam und man theilt es nach dem Maß auß und gibt nicht allezeit einem jeglichen ſo viel er begehret. Damit es nun gutt bleibe ſo fut man groſſe erdene Gefaͤſſe die in und auß wendig verglaͤßt ſeyn/ und die man Martavanen nennet/ wie ich anderwerts angezeigt/ und die nirgends anders als in den Koͤnigreichen Pegu und Aracan gemacht werden/ den wenn man es hernachmals auß diſen Martavanen abgiſſet ſo verlihret es innerhalb 24. Stunden den boͤſen Ge, ruch und faulen Geſchmack. Und weil mir nicht erlaubt war auß des Capitains Kammer Waſſer zu hohlen/ ſo konte ich durch eine kleine Leiter/ welche auß meiner Kammer in die ſeinige ging hinab ſteigen/ und ich nahm die Zeit in acht wenn der Capitain die Wacht hilte/ daß gemeiniglich vier Stunden wehrte denn bey den Hollaͤndern iſt gebrauchlich daß die Capipernterss taine wie die Piloten Wacht halten muſDise fen diser uUnterſcheid aber it dabey daß der Capitain alle 24. Stunden nur einmahl die Piloten aber zweymahl wachen muſſen/ und uͤber diß kan ihme auch der Capitain die vier Stunden wenn er wachen ſol ſelbſt erwehlen/ und hiezu pflegt er gemeiniglich die Morgenſtunden zu gebrauchen/ als ich nun auß ſeiner Kammer 2. Flaſchen gehohlet/ ſo brachten wir ſie ich und der Pilote den armen Krancken/ ich habe diſen Diebſtal auß Barmhertzigkeit offters unterwegs veruͤbet/ und wenn ohngefehr einer von den Kauffleuten die in des Capitains Kammer ſchliffen mich fragte was er wolte/ ſo kam ich ſchon loß weñ ich ſagte ich wolle trincken den allen den jenigen die an des Capitains Tiſche ſind iſt zugelaſſen daß ſie trincken mogen weñ ſie wollen/ ſie duͤrffen aber nichts ohne des Capitains oder des fuͤrnemſten Kauffmans Wiſſen und Willen herauß tragen. Denſelben Tag als der Ham burger ſtarb/ welches gegen Abend geſchahe/ waren ich der Pilote und Wundartzt des morgens bey ihm/ als wir nun mit ihme gebettet/ und er merckte daß ſein Ende da ſey/ entdeckte er uns wer er ſey und warumb er in Indien kommen/ und gab dem Piloten einen verſigelten Beutel darinnen Brieffe waren/ die er nach Hamburg beſtellen ſolle. Er wolte mich und den Piloten uber das jenige was er noch von der Compagnie zu fordern hatte zum Erben einſetzen/ ich begehrte Aber nichts ſondern uͤberliß mein Theil dem Piloten welcher alles bekam. Aber alhier kan man ſehen die ſchlechte Barmhertzigkeit ich will nicht Grauſamkeit und Unbarmhertzigkeit/ des Capitains von unſerm Schiffe. Diſer arme Krancke ſahe uns gantz erbaͤrmlich an/ ſchlug die Hande zuſammen/ und ſprach ichwerde wohl begnüget ſterben/ wenn ich nur noch ein Stuͤck weiß Biſcuit und Butter haben kan. Diſes Bilcnit wird auß einem kleinen weiſſen Brodte gemacht/ und ſihet einem ſolchen gleich daß bey uns 1. Sols oder und ein Seelaͤnder war/ und bath darumb/ Stricke geben laſſen. Der Kauffman der 1. Kreutzer koſtet/ und wen es das erſte mahl gebacken worden/ ſo wird es in der mitten von einander geſchnitten und wider in den Offen geſtoſſen. Es war uns nicht wenig leid/ daß weil ein Krancker ſo eine ſchlechte Sache begehrte/ wir nicht wuſten wie wir ihme helffen ſolten. Nichts deſto weniger weil der Capitain allezeit freundlich mit mir geweſen/ ſo ging ich zu ihm und bath ihn er moͤge mir 2. oder 3. ſolche Biſcuit und ein Stucklein Butter geben laſſen. Er wolte wiſſen warumb ich ſie begehrte und ſagte mir/ habt ihr denn noch nicht zu morgen geſſen/ und warumb habt ihrs nicht von dem Kammer, Buben gefordert? Ich gab ihm zur Antwort es ſey fuͤr einen armen Deutſchen Soldaten der in den letzten Zuͤgen lage/ und der noch Verlangen truͤge ein Stuͤck weiß Biſcuit mit Butter zu eſſen. Hierauf ſagte mir der Capitain das weiſſe Biſcuit und die Butter ſey nicht fuͤr die Hunde die Soldaten/ es ſey was anders fuͤr ſie da/ und ich mochte bitten wie ich wolte/ ſo konte ich doch nichts erlangen. Als ich ſeine Unbarmhertzigkeit ſahe ging ich zum Schiffskauffman der Her: Aleman hieß welcher guch den Schiff buben alsbald ruffte/ nnd ihm befahl er ſolle mir ein Stuck weiß fle Biſcuit und Butter bringen/ aber der Bube aue 10 burfſte ſolches nicht thun/ weil ſes der Capi, och tain in der Fut ie nicht zulaſſen wolte/ und Capitandreute/ wolle ihme 100. Streiche mit dem eben ſo viel auff den Schiffe zu befehlen hatte als der Captain/ war dermaſſen unwillig darüber daß er ein groſſes Gezaͤncke mit ihm anfing/ und es fehlte wenig daß ſie nicht zu den Fauſten kommen weren/ weil ein jeder ſeinen theil hilte. Aber der Kauffman vor der ſtarckſte und auch der verſtaͤndigſte/ und man hoͤrte faſt alle Bootsknechte ſagen/ es ſey nicht ohne daß er das Biſcuir ſpare/ ſonſt wurde er die Reiſe uber nicht außkommen/ weil ſo wohl er als auch ſeine Frau alle morgen ein dutzend mit beſtem Butter nebſt S panniſchen und Brandtewein haben muſten und auch noch daruͤber was ſie nach der Mahlzeit zum Nacheſſen gebrauchten. Aber ſprachen ſie weiter ſo einen Hund wie der Capitain/ der ſich beklaget wenn er einem armen Krancken ein Biſcuit geben ſoll/ den ſoll man ins Meer werfſen und nicht leben laſſen.Als nun der Kauffman ſahe daß das meiſte Volck auf auff ſeiner Seite ſey ſo ging er hin und nahm 755 ben, ſelbſten und gab dem Krancken wwas er be, gen gehret hatte/ aber als der arme Menſch kaum„amc 4 0 92 2. Oder 3. Biſſen im Munde hatte ſo ſtarb er Ende Die Begrabnüͤſſe werden bey den Holländern wen es fuͤrnehme Leute ſind/ mit gnugſammen Unkoſten angerichtet/ und es ſind wenig Jahr verfloſſen daß man zu Amſterdam und in andern Staͤdten in ihrem Lande/ allen den jenigen die ſich dabey gefunden ſie ſind gleich geladen geweſen oder viel ſie begehren/ alſo da keiner andern Urſache willen hingingen/ als daß ſie ihnen den Wanſt füllen konten/ denn ſie konten mit. Sols oder Kreutzer loß kommen die ſie für einen langen Mantel zu lehnen/ geben muſten. Es gingen viel Mißbrauche unter dem gemeinen Volcke vor/ wenn ſie den Wein in ſich geſchuͤttet/ aber diſer Gebrauch iſt anitzo ein wenig abkommen. Die welche auff den Schiffen ſterben/ machen daß alle diſe naͤrziſche Unkoſten ertſparet werden/ denn wenn einer todt ſo iſt die Grube ſchon fertig/ man wickelt den 34 ß die meiſten umb Hiſtort vom Verhalten der Hollander in Aen. nicht einen Trunck fürgeſetzet und zwar ſo Leib in ein Tuch oder Decke/ nachmals wird er auff ein Bret gebunden und mit einem ls Sacke vol Steine oder Sand oder wenn es ein Officirer mit 2. oder 3. Stuͤckkugeln die man an die Füͤſſe bindet/ danit der Leib gleich hinunter ſincke/ auff den Bord des Schiffes geleget. Alsden fangen ſie an Dein groſſerdorn/ verkehret uns die Tage Und wenn ſie bey die letzten Worte kommen/ ſo wird das Bred mit dem Todten ins Meer geworffen. e die lezten Vers auß dem 95. Pfalm zu ſin0 0 8 N * 55 5 85 5 Neue Beſthrabung Der inneren Beſchaffenhei des Serrails In ſich begreſfend bel ſonderhare Sachen/ welche . biber noch nicht ans Liecht kommen e „„ IBT AVERNIER Vittern und Prepherzen bn 5. Aubonne. 5 Zuſchrifft An den König. S8. Allergnaͤdigſter Herr. er Haßeſtaͤt uͤberzeiche ich eine Beſchreibung bon der Ottomaniſchen Porten. Vnderſchiedene Geſchicht⸗Schꝛeiber haben auch hiezu Hand angelegc/ dennoch aber kan ich Iſagen/ daſßt noch keiner das Serrail des 5 Groß⸗Tuͤrcken außpfuͤhrlich beſchrieben hac. Srembde und inſonderheit Chriſten/ koͤnnen alle Heimlichketten daſelbſt/ nicht ohne groſſer Vnloͤſten und Gefahr erforſchen: ich bin ſo gluͤckſelig geweſen/ daßz ich alles volllommen erfahren/ wiethol ich auch nichts geſparet habe. Sintemahl den Grund der Gewißheit und die Beſchaff enheit aller denckwuͤrdigen Dinge zuerkundigen/ auff meinen Bei en mein eintzige S Sorge/ ja mein Cichten und Trachten geweſen/ wie ich mir dann feſtiglich fuͤrgeſetzt/ einsmahls Eurer Majeſtaͤt Nechnung dabon zu geben. Por diß mahl aber kan ch nichts anders/ alß die warhaſtige Abbildung des Hofes/ deſſen/ welchen die Welt fur einen der Maͤcheigſten uͤrſten haͤlt/ urer Majeſtaͤt fuͤr Augen ſtellen/ hoffe aber auch andere enckwuͤrdigkeiten/ welche ich in den Orientaliſchen Eaͤndeꝛn wahr genommen/ in folgenden Erzehlungen zu beſchreiben. o iſt gewiſß/ daz alle die Bunderwercke/ mit welchen der Türckiſche/ Perſiſche und Indianische Hof pranget/ in meinem Gemüch bergeſſen und berloſchen ſeyn/ wann ich die Herzlichkeit Euere Hofes betrachte. 8 AJch habe geſehen/ Allergnaͤdigſter Ber ſo wohl die Oajeſtaͤc/ alſz auch den Prache/ und andere Heldenmuͤtige beſchaffenheiten/ welche die koͤnige bon denen/ ſo ihnen gleich underſcheiden/ und ich weiß nicht/ was ſo groſſes und unge memes an Eurer Durchleuchten Perſon ſſt/ daß mich beduncket/ alle Koͤnige in Alia und Africa ſeyen zu nichts anders gemacht/ alſß nur einsmahls Euere Vnderchanen zu werden/ und daſß ihr erwehlet ſeyd uͤber die gantze Welt zu herꝛſchen. Ihr Beichthum/ wann ich ihn aufs hoͤchſte rechne gleichet ſich dem Eurtgen nicht das weite Eand/ darüber ß. herꝛſchen/ uͤbercrifft weder an Nruchcbarkeit/ noch Macht noch Güte eine einige Eurer Provinzen, urid die grolſe menge Volcks/ dabon ihr heriegs⸗Heer beſtehet/ iſt gegen der guten Dilciplin und Scaͤrcke des eurigen fuͤr nichts z halten. Es iſt unlaugbar/ daß der meiſte cheil deren/ ſo bon der Macht dieſer Vnglaͤubigen Printzen geſchrieben dieſelbigen entweders zu hoch erhaben/ oder zu ſehr ernidtiget. Niches deſto weniger iſt gewiß/ daß ein recheſchaffener S rantzos/ je mehr er reiſet/ je mehr wird er ſein Vattelland hoch halten/ und dafern er das Gluͤck hat/ Eure la feſtaͤc zu ſehen/ wird er ſich uͤber nichts mehr berwunderen konnen. Ich muß dieſes mehr alſß em anderer fuͤr une bar erkennen nach dem ich zu ſechs underſchiedenen maß len den beſten und groͤſten Theil Aliens, und etliche Gere in Africa, ſa uber ſechzig cauſend Heilen zu Eande durchrel ſet/ cützig und allein zu Dienſte Eurer Bafeſtäͤt. Alle dieſe Arbeit wurde ich nutzlich und Nruchebringend nennen kon ſo ſich in der Verzeichnuß/ welche ich auff dieſer langen Bei ſe zuſammen getragen/ etwas finden moͤchte/ das Eure e jeſtat zu beobachten wuͤrdig ſchaͤtzte/ ind wañ ich in der Chal bezeugen konte meinen Eyfer und cieffe Ehrerbiect gkeit/ daldurch ich bm Allergnaͤdigſter Her: 1 Eurer Majeſtaͤt 5 3 Vnderthaͤnigſter/ Gehorſamſter/ Getreuſter unt Verbundenſter Knecht und Vnderthan . TAVERNIE R W K»%—— P n Des Verfaſſe ben. y zweifle nicht/ daß underſchiedliche Beſchreibungen des Ser. r aal des Groß⸗Tuͤrcken ans Tagliecht kommen/ aber ich muß 08 N 7 bekennen/ daß die zeit mir niemahls zugelaſſen hat eine einige zleſen. Ich habe 6. Reiſen in die Morgenlaͤn der zu Land verMerrichtet/ und mich dazu innerhalb ao. Jahren underſchiedlicher Wege gebraucht; ein ſeder weißt/ daß meine Geſchaͤffte mir nieAs mahls zugelaſſen haben/ mich auff die leſung der Buͤchern zu legen. Nach dem aber meine Arbeit mir etliche freyen Stunden vergoͤnnet/ habe ich eintzig und allein dieſelbige angewendet etliche Denckwuͤrdige Sachen zuamen zu leſen/ es ſey gleich in Tuͤrckey und Perſien/ oder in Indien auſſer und inherhalb des Fluſſes Gangis, oder auch in den Diamant; Gruben/ welche under er Herꝛſchafft unterſchiedener Printzen ſind. In dem ich mich aber bemuͤhe/ das in Ordnung zu bringen/ durch welches ich die Welt zu vergnuͤgen gedencke/ abe ich dieſen Bericht von dem Tuͤrckiſchen Serrail herauß gegeben/ welchem ich underſchiedliche ſonderbahre Anmerckungen beygefuͤgt/ ſo vielleicht nicht unangenehm ſein werden. Der Ottomanniſche Hof/ von welchem man ſo viel geſchreh machet/ iſt bißanhero nicht genug bekandt geweſen/ ſo viel ich urtheilen kan/ nach dem ich ihn ſelbſt geſehen/ und ſelbiges auch von vielen Perſonen vernommen. Ich ſtelle hier vor eine auffrichtige und weitlaͤuffige Beſchreibung/ welche ich theils auß denen Anmerckungen/ die ich auff vielen Reiſen verfaſſet/ cells auß dem Bericht zweyer verſtändiger Mannern/ welche ſich lange zeit im errail auffgehalten/ gezogen habe. Der eine von jhnen war auß Sicilien und bediente daß Ampt des Ohaſnadar Baſſa, oder des Schatzmeiſters/ und hatte ber 90. Jahr im Serrail in dieſer Ehren⸗ Stelle zugebracht/ iſt aber endlich umb uines begangenen geringen Fehlers willen nach Burſia in Natolien verwieſen worden von dannen er ſich hernach in Indien begeben. Der andere war von Paritz gebuͤrtig/ und hieß de Vienne, und war des Schatzmeiſters Page geween. Derſelbe wurde/ alß man von dem Jubel⸗Jahr von Rom 1650. zurück kommen/ auff einem Rauoſchiff/ welches von Oivita Vecchia nach Marſeille gehen wollen/ durch die Corſaren von Tripoli weggenommen/ und weil der Baſſa geſehen/ daß es ein wohlgeſtalter Juͤngling ſey/ und der gute anzeigungen Lon. ſich gab/ hatte er jhn dem Groß⸗Tuͤrcken verehret. Nach dem er aber 15. Jahr in ſeinen Dienſten zugebracht/ wurde er auß dem Serrail geſtoſſen/ weil ſeine heimuc Kundſchafft/ die er mit dem Sicilianer gepflogen/ entdecket/ welcher jhn vor fieſem ſehr geliebet/ und der es auch durch ſeinen credit dahin gebracht/ daß er n die SchatzKammer war erhaben worden. Nuß dieſen zween geſchickten und verständigen Maͤnneren/ habe ich den ſulſten theil meines Berichts erforſchet. Vnd ob ſie ſchon in den Mahometichen Irꝛthummen ver wickelt waren/ ſo war doch in ſhnen noch eine gute neihang zum Chriſtenthumb üorig geblieben/ und bveil ſie keine Hoffnung mehr atten/ zu der Ehre/ welche die Beampte im Serrail zu genieſſen haben/ zu gelanden/ ſo durfften ſie auch kein bedencken tragen/ mir 99 Sachen ohne Wee 1 offenbahren. Sie haben ſelbſt eine Luſt und Wohlgefallen gehabt/ mir auch die ſonderbahrſten Dinge/ biß auff die geringſten Vmbſtaͤnde zu entdecken 1 ber ich muß auch bekennen/ daß/ weil die Erziehung unter den Tuͤrcken ſie ſeß Geld⸗ begierig gemacht/ ich da keinen Vnkoſten anſehen mußte/ ſie vor 100 Communication zu vergnuͤgen. Ich hab ſie lange zeit bey mir behalten un zwar an unterſchiedlichen Orten/ den einen zu Iſpaham, den anderen in India. wohin ſie ſich gefluͤchtet hatten/ ſo haben auch die Beſchreibungen die ſie nit mitgetheilt/ ziemlich zuſammen getroffen. 8 Ohne die Nachricht die ich von dieſen zween Maͤnneren gehabt/ und wa 6 ich ſelbſten von dem gegen waͤrtigen Zuſtand des Serralls deß Groß Türe, erforſchen koͤnnen/ habe ich noch andere nothwendige Anmerckungen/ die, ten und Gebraͤuche der Einwohner/ vieler Provintzen/ welche der Ottoman 5 ſchen Herꝛſchafft unter worffen/ betreffende/ beygefuͤgt/ das aber/ was der gan tzen Welt bekandt/ nur mit wenigem beruͤhret. 5 1% Damit aber der Leſer die Materi ſo ich tractiere, deſto leichter verſtehen il ge/ und der Diſcours durch nothwendige Erklaͤrung underſchiedlicher Nahm, der Aemptern und Wurden nicht unterbrochen werde/ alß habe ich dieſem abz bhelffen fuͤr nutzlich erachtet/ daſſelbige in einen kurtzen Inhalt zu faſſen; welchem ich angehengt/ den underſcheid der Nuͤntz⸗Sorten/ welche in dem Ottomanniſchen Reich gangbahr ſeind. 0 N 0 N.. 0* 2 s n ae 8 d 5 2 S N 8 N Neue und auß fuͤhrliche Beſchrabung Des Serrails Des Hros⸗Tuͤrcken. Von den Aemptern und Würden/ ſo wohl in dem Serrail, alß in dem gantzen Ottomaniſchen Reich. Inhalt: Der Urſprung der Groſſen bey det Pforten. Scharffe Diſciplin im Serail. Grbſſes Anſehen der J. vornehmſten Baſſen, welches dem Gros⸗Tuͤrcken gefaͤhrlich iſt/ und wie er ſolches zu vergringeren weißt. Was von jhren Fahnen denck würdiges ſeye. Von dem Federbuſch/ welchen der ultan auff ſeinem Turban traͤgt. Ehre und hinwiderum Gefaͤhrlichkeiten die dem Ampt des Groß ⸗Vivirs anhangen. Die ſonderbahre Freyheit des Caimacan Sahl der rechten Janitſcharen⸗ groſſe Freyheit ihres ga oder Krlegs⸗Oberſten. Gluͤcklicher Stand der Spähis und Taims., Ubermaͤſſige Menge der Verſchnittenen in dem gantzen Orient. Sinnteiche anmerckungen hieruͤber. Die vornemſten Aempter im Serrail. Guter Nutzen und Vortheil des Capl Aga, welcher uͤber das Frauen⸗zimmer die Auffſicht hat. Boſtangi Baſſa beſitzet eines der fuͤrnemſten Aemptern im Serrail. Groſſe hauß haltung der Zoll⸗einnehmern. Politiſcher griff den Cam der kleinen Tartarey in ſeiner pflicht zu erhalten. Die vornehmſte Wurde der Geſatz⸗ gelehrten.. Fe jenigen welche in der ben eine ſehr groffe Anzahl bahin, Weil nun LEourckey ampter beſitzen/ es der Turckiſche Kayſer unter dieſen jungen Kindſeye gleich in dem Serrail dern die beliebige Wahl hat: als werden dieober auch in dem Neich jenige/ ſo andere an Schönheit übertreffen/ und ( außgenommen die ver⸗ gute anzeigungen von ſich geben/ in unterſchied9 ſchnitkene von welehen ich liche errail vertheilt/ damit ſie alda in dem „ ana lſobald reden wil find Mahometiſchen Geſetz und allerhand exerciins gemein auß den Kindern/ ſo im Krieg ge⸗ tien unlerwieſen werden. Den Kern det jenigen/ fangen/ oder von den Ballen geſchenckt(oder ſo in den übungen ſich ſonderlch wohl anlaſzum Tribut in dem 9, oder zehenden Jahr jh⸗ ſen/ bringt man in das Serrail zu Conſtantiles Alters/ hren Muttern auß den Armen mit nopel/ wo ſelbſt ſie dann in zwo Claſſes oder gewalt genommen worden/ in allen Provintzen Ordnungen mogen abgetheiſet werden Deren welche die Otromanmiſchen 1015 Jen un, erſte und Vornehmſte beſfehet auß den Iholertwürffig gemaeht. Sie müſſen durchgehends 5 welche zu den höchſten und wichtigſten von Chriſtlichen Elteren ſeyn; und wann man lemptern um Reich erhaben werden; Die an gur die Sclaven rechnet/ welche auß den Fein⸗ deren auß den Aromoglans, deren man ſich den gefangen werden/ findet man in den Re⸗ allein in dergleichen Verrichtungen bedient/ wo Aiſteren deß einzigen Zollhauſes zu Conſtanti⸗ lichts als Starcke des Leibs erfordert wird. gopel, daß deren von bepderley Geſchlecht! Die Ichog lan ſind diejenige/ ſo über die vorlahrlich biß gegen 20000. zugeführet werden. trefflichen Leibs⸗ Vollkommenheften/ ein gut „Die kleinen Tartaren die alle Lander/ wel⸗ ingen ium von ſich zeigen/ deß wegen ſie zu gueden dem Reich in Feind ſchafft leben/ durch ter Aufferziehung tüchtig/ und wohl konnen ekiges ſtreiffen verunruhigen/ ſenden derſel⸗ angeführt werden/ mit der zeit den 1055 wuͤrdigö 2 Strenge di. würdiglich zu bedienen. Man ſpahrt in Aplm im Aufſerziehung derſelben keine Sorg noch U Serrail. Fleiß/ und gebraucht ſich darbey uͤberaus groſſer Strengigkeit gegen ſie. Sie müſſen 4. Oerter/ ſo man Oda nennt/ und gleichſam gewiſſe Clalſen ſind/ durchgehen; Daſelbſt erlernen ſie mm ordentlicher Waiſe alles was jungen deuthen wol anſtehet/ welche dermaleins ſich ſtetig in Gegenwart und Auffwartung eines groſſen Herꝛen ſollen finden laſſen/ und jhn an ſtatt der Pagen oder Hof⸗Junckern bedienen. Es wird auch das geringſte ſo ſie uberſehen/ an jhnen alles Ernſts geſtraft/ und muß ſich bey einem ſolchen zungen Menſchen ſonderliche Gedult finden/ ſol er biß in die 4. Oda kommen/ allwo ſie allgemach anfangen etwas Lufft zu ſchoͤpffen und mehrer Freyheit zu genieſſen. Weil ſie ſich aber immer mit der Hoffnung ſchmeicheln/ dermaleinſt zu den hoͤchſten Ehren⸗Stellen und anſehnlichſten Aemptern zu gelangen ſo vertragen ſie mit Gedult wie grauſam auch die Verſchluttene mit ihnen umgehen/ die man ihnen zu Lehrmeiſtern gibt/ und die Stecken und Bruͤgel bey jhnen durchauß nicht ſparen. Ich wil von der Art wie ſie erzogen werde/ an einem andern Ort erwehnung thun/ wie auch von denen 4. Claſſen, wo ſie ſich zu denen Verꝛichtungen und Aemptern qua lil. ciren/ die jhnen der Kayſer einſten zugeben gedenckt. Ob nun wohl die Reichs Ordnungen, erfordern/ daß alle dieſe jungen Leutlein Chriſten⸗Kinder/ und zwar von hohen Herkommen und außerleſener Schone ſeyn ollen; ſo geſchichts doch gleichwohl/ daß der Capi-Aga oder Oberhof⸗Meiſter im Serrail, der der Vornehmſte unter den weiſſen Verſchnittenen iſt/ und den Ichoglans als jhr Oberhaupt zubefehlen hat/ dannoch auch gebohrne Turcken injhre Zahl auffnimmt/ die jhre gute Gaben ſonderlich beliebt machen: Es geſchicht aber überaus ſelten/ und nur auff abſonderliche Vergunſtigung des Kayſers/ der mehr belieben hat/ daß alle dieſe Kinder von Chriſten herſtammen und zur Tüͤrckiſchen Religion von der Chriſtlichen abgetreten ſeyen. Solcher Geſtalt verhalt ſichs nun nit dem Urſprung und den Kinder⸗ und Jugend ⸗Jahren der groſſen am Hof; ſie ſeind alle miteinander leibeigene Sclaven und weil ſie von ihren Eltern nichts wiſſen/ wenden ſie alle jhre Neigung und Liebe gegen jhren Monarchen/ als in deſſen Dienſt und durch deſſen Gnade ſie eintzig und allein zu hohem Gluͤcksſtand erhaben worden. 18 Anſehen un Die Baſchas werde oberwehnter maſſen 0 der auß der Zahl der Ichoglans genommen und ten ach it der Mahme Balcha nur ein hren Ticil wie gefahr, den alle groſſe Herꝛen ain Türckiſchen Hof belich ſolche ſitzen/ die hernach jhrer Verwaltung und Aem1 15 gn tern nach unterschieden werden. Die 4. Vorauf was nehmſte ſind der Vieir Arem oder Groß Vieir, weiſe er ſie der Caimazan, der See Baſcha, und der Janitwiſſe zu ſcharen. Das Anſehen dieſer 4. Baſcha iſt ſo mindern. groß/ daß ſie zuweilen ihrem Herꝛn die Krone nehmen/ und ſie nach belieben aufſetzen wem ſie wollen/ wie es zu unſern Zeiten zween Kayſern noch einander/ dem Muſtapha und Oſman wieder fahren iſt/ deren der e rſte ſchandligleichen iſt auch merckwurdig/ daß 5 Beſchretbung des Serralls cher Weiſe im Gefängnuß durch des Henckers ſich in jhrem Verfahren nicht groſſer Behutſamkeit gebrauche/ ſo verliert ſie um des geringſten Uberſehens willen den Kopff/ und bemaͤchtigt ſich der Kayſer ſo dann aller jhrer Gütern nach dem Tod/ wie auch der Kindern/ die er zu ſich nach Hof nimmt. Dieſe nun koͤnnen ſo Hand umkommen iſt. Wo gber dieſe Balcka gar den Beſitz der Guter und Aemptern hrer Eltern ſich nicht anmaſſen/ und ſolte es auch ein Sohn des Groß Vicir oder einer Kayſerl. Princeſſin ſeyn/ daß ſie vielmehr hoͤher nicht ſteimanns: dann die Türckiſche Poliric erfordert eben dis/ daß kein Geſchlecht durch erbliche Folge maͤchtig werde/ und manniglich hiedurch die Gelegenheit benommen ſey/ den Stat durch einen Auffſtand zubeumuhigen. Worauß dañ gen konnen als zur Stell eines Schiffhauptjederman wohl erſthet/ daß der Gluͤckſtand der Paſcha, der auf eine geit herꝛlich und prachtig iſt/ dannoch auf ſehr wanckenden Grund noch Sohn/ wie groß auch jenes Anſehen und Vermoͤgen iſt/ im geringſten fuſſen konne. „Die Baſcha, welche den Vizirs Titul haben/ führen 3. Fahnen oder Standarten/ da an ſtehe/ und alſo auff denſelben weder Vatter 2 jed⸗ Sin 15 el wederer ein Pferd ſchweif haͤnget/ und mit einer und ihnen beliebigen Farbe außgemahlet iſt/ außge⸗ nen. nommen die grüne/ doch haben ſie Erlaubnuß/ den Stock daran die Pferds haar gebun⸗den ſind/ mit gruͤner Farbe anſtreichen zu laſſen. Dieſer Gebrauch entſtehet/ wie es die Türckiſchen Hiſtorien außweiſen/ daher: Als die Türcken einſtens den Chriſten eine Schlacht geliefert hatten/ wurde ihnen in ſelbiger ihre General/ als er gewar wurde/ daß der Verlurſt dieſer Standart ſeinen Soldaten den Muth benahm/ ſo/ daß fie vors Fechten die 155 ergriff nzhiebe er einem Pferde mit dem Sebel den Schwantz ab/ heftete ſolchen an eine halbe Pique, hub jhn empor und ruſſte ihnen zu: Hier iſt die groſſe Standart/ wer mich lieb hat der folge mir. Die Türcken faſſeten alſobald hierauff wiederum einen friſchen die einde an/ und jagten jhnen auch den Sieg ab. Es haben zwar die andern Kriegs⸗ bediente ſo um die Balcha ſind/ eben ſo wohl als jene/ groſſe Fahne abgenommen; Der Türckiſche Muth/ ſchloſſen aufs neue ihre Glieder/ griffen ſhie Fahnen aber es iſt ihnen nicht erlaubt en. nen ſolchen Schweiff daran zu hefften. f eiff daran; hn iche die nba 1 500 ſo den Titul Vier nicht führen/ mehr nichrals 2. dergleichen Schweifße anhängen durffen gleichwie im uͤbrigen h ringeres Stands und Wurde ſind als die Padie Beys, welche noch gecha, und nur die ſchlechte Provinzen zu ee gieren haben/ gar nur einen eintzigen an ren Standarten haben. Wann der Käyſer ſelolt zu Felde geht/ werden deren 7. geführt, 15 weil nach der Turcken Meinung/ auf der 11 2 7. Theile oder Climata gerechnet werden 7 ren Beherꝛſchung/ wo man die Erde der dre te nach betrachtet/ der Sultan ſich zug ben wil; Wie ſie daß deßwegen in ſhrer Spr 1 che ihm den Tirul zulegen eines Hexen üben 1 N e Könige auf Erden. Und hat diees 0 Urſprung und grund in dem/ was 1 5 Wa Tab cs g A dat. des Gros /Tuͤrcken. s vorgegeben; nehmlich es ſolke berfenige/ ſo nach ſeinem Tod das Land/ wo ſein Begräbnuß befindlich iſt/ beſitzen wurde/ den Titul führen eines Haupts und Herꝛſchers über alle Könige auf dem Erdboden. Sie fügen hierbey ferner an/ daß nur 3. rechte Reich auf der Melt ſeyen/ das Con ſtantinopolitaniſche/ Babyloniſche und Trapezuntiſche; Geſtalten dann auch der Turckiſche Kaͤyſer zu ſolchem Ende z. Federn oder ſchwartze Reiger⸗Buͤſch auf dem Turban ober Haupt Ich muß hier im fuͤruͤbergang anzeigen/ da 99902 allein die Reiger in Candia recht vollkomlich diſche Kay, ſchwartze Federn haben; daß ſie in allen andern br ouf dem Ländern anders nicht als weiß oder mit vermengUagk. ne gar groſſe Anzahl in einem Buſch gefaſſet werden koͤnnen; alſo ſind ſie auch deswegen in hohem preiß; und mag es wohl daher kommen ſeyn daß man ſich deren in unſern Europæiſchen Landern nicht bedient/ noch ſelbige zu Geſicht bekomt. Was die Aſlatiſche Füͤrſten anbelangt/ ſo iſt die Reiger· Feder bey ihnen in hohem Werth gehalten/ doch muß daran nicht der geringſte Fehler zu finden ſeyn; maſſen ſie/ ſo bald ſolche am End das geringſte zerbrochen ſind/ nichts mehr darauf halt/ und werdẽ ſelbige alſo bald gar gering geſchatzl. Bey bieſen z. Reiger⸗Federn auf dem Türckiſchen Bund kan man abnehmen und wiſſen/ daß der Groß Vieir zu Feld und bey der Armee iſt; als daun trägt der Käyſer nur zwo/ welches ſonderlich merck⸗ würdig iſt. Sintemahl/ wann es nun an dem/ daß das Volck aufbrechen und marchiren ſoll/ ſo laßt er ſelbiges/ ſo viel davon in Conſtantinopel und da herum ſtehet/ in eine Schlacht Ordnung bringen/ und ſtellt den Groß Vizir der ihm zur Seite ſteht/ demſelben als ihren General vor: Die Soldaten ſagen hierzu nicht ein Wort/ grüſſen ihn auch nicht nach ſonſt gewohnlicher Art/ biß der Kayſer einen von ſoſchen Reiger⸗Büſchen von ſeinem Turban nehmen und dem Groß Vieir aufſetzen laſſen: So bald dieſes geſchehen/ wird er von der gantzen Armee begruſt/ vor ihren General ihren Sold. f 5 Bißher von denen Balcha ins gemein. Folgt nun eine abſonderliche Beſchreibung deren die den vornehmſten Aemtern im Reich vorſtehen. Da findet ſich nun zu voͤrderſt an ſolcher Reyen der Groß Virzirf deme ſind nachzuſetzen 6. animacan, der Baſcha zur See/ und Aga der Janitſcharen/ nach dieſen kommen die Beglierbey und Sangialbey, und Boſtangibachi, der eine von den vortrefflichſten Chargen bey Hof zuverſehen hat.. 75 Vie 925 e oder Groß Vizir iſt der dp einem Oberſte Statthalter des Käyſers in dem Reich Fele vor und bey dem Kriegs⸗Volck“ das Haupt in dem Nachthn Naht/ welcher under dem Befehl des Kayſers/ . frey und vollmachtig alle Stats⸗und KriegsGeſchaͤffte angibt/ und führet/ alß der auch des Reichs Inſigel in handen hat. i Er hat 6. andere Virir zu Beyfitzern in dem groſſen Naht/ die man Vieir der Banc nennt/ und eigentlich Stats⸗Naͤhte ſind. Welche danhoch kein vorum deliberativum( Stimme/ darten Farben anzutreffen. Gleich wie nun deren eierkennt/ und empfaͤngt ſie auch zu gleich von ihm dere/ welche auch Vir ir genennt werden/ der Canach man in der Nahts⸗Erkantnus gehet) haben ſondern nur zu dem End in die Verſamlung kommen/ daß man ſich allda ihres Rahts erkundige in Sachen die das Geſaͤtz/ worinnen ſit Wiſſenſchafft haben/ betreffen; Sie doͤrfen ſich auch in die geringſte Regiments⸗oder StatsGeſchaͤffte nicht einmengen/ es ſey dann daß man ihr Gutachten daruber erfordere. Über diß ſind auch 5. Beglierbeys, welchen der Käyſer den Vizir Titul gibt; dieſe beſitzen die groͤſte und reichſte Land⸗Vogtehen it Reich/ als da ſind der Baſcha zu Babylonien der zu Caire, zu Offen in Ungarn/ zu Natolien und in Romania. Die 3. erſte/ welche die Vornehtnſte ſind haben vor dieſem vor allen andern Baſchs die Freyheit gehabt/ eben wir der Groß⸗Vieir, vor ſich her die 3. Pferd⸗ſchweiff tragen zulaſſen/ davon ich droben die Hiſtorierzehlet. Aber dieſe Freyheirkſtreckt ſich jetzund auch auf die 2. andere Baſchas in Natolien und Romanien: und ſind diß Orts alle funf gleich. e Ich komme wieder auf den Groß⸗Vizit, der hat nun eine ſehr praͤchtige Hofhaltung und die nach der Hochheit des Heron dem er dienet/ angeſtellt iſt. Es werden uber 2000. Perſonen ſtetig in ſeinem Hauß unterhalten; ob ſchon nun Er ſo wohl als die andern Baſcha ſeines Herꝛn Zorn über ſich muß gehen laſſen/ und den Koyff hergeben/ wann er ihn begehrt; ſo haltet doch der Kayſer in wichtigen und den Stat angehenden Dingen/ ſeines Groß⸗ Vieirs Vorſchlage ſehr hoch/ und was dieſer nur im Raht fuͤrbringt das 0 wird alſo geſchloſſen. Daher dann ſo eine unumſchraͤnckte und vollkommene Macht bey ihm ſtehet/ daß auch in allen Reichen und Königreichen auf Erden keiner von den hohen Miniftris zu finden/ deſſen Vermögen und Anſehen des GroßVizirs könte gleich geachtet werden. Es beſuche ihn/ wer da wolle/ ſo ſteht er nicht auff/ ihn zuempfangen oder zubegleiten/ es ſeye dann der Mufti, welcher dem Geſaͤtz als ein Haupt vorſtehet. Dieſem zu ehren ſteht der Käyſer ſelbſt auf. Abſonderlich aber iſt hiebey wohl zu beobachten/ daß/ gleichwie niemanden/ als dem Groß Viæir zuſteht/ die Sachen ſo von ſonderbahrer Wichtigkeit vorzubringen/ alſo Er ſich auch wol in acht nehmen muͤſſe/ damit Er ja nichts vorbringe was dem Kayſer etwa mißfallen moͤchte: Dann ſonſt wurde er ihn glſobald/ ohne eintzige Antwort/ erwurgen laſſen; weil bey dem Othomanniſchen Hof einmahl die feſte Regel ſtehet/ daß man den Regenten nichts vorbringen ſoll/ darüber er einen Verdruß faſſen . 5 15 5 e i Der Caimacan iſt der Regent uñ Statt Haupt⸗ Sonderbaman zu Conſtantinopel, wie auch Stathalter 8 e 5 Groß Vizirs; er nim̃t ſich aber dieſer Herꝛlichkeit des Caim. und Gewalt nicht an/ als wann der Groß Vieir abweſend iſt: Alsdann verwaltet Er alle Geſchäfte dieſes ſo wichtigen und hohen Amts; theilt frey und vollkommenen Befehl aus/ und gibt denen Geſandten Audienz. Dieſer iſt dem harten Geſatz nicht unterworffen wie die andern Baſcha, den Kopff alſobald herzugeben; Dann wo er etwas dem Kayſer mißfalliges begeht/ ſchiebt er die Schuld des Verbrechens auff den Groß Virir, der ihme ſolches angegeben und aufgetragen. 8 g V Der * ga oder Ge Nerali. Anzahl der rechten nieſcharen Goſſe Frey haben. T eiche a. über die maſſen groß/ und darf ſich ſonſt nie4 7 Beſchreibung des Serrails Der Baſcha de la Mer, zur See/ iſt Admiral und Oberſter über alle Kriegs⸗flotten. Die Beys die Landpfleger in denen an der See gelegenen Landern/ welche verbunden ſind des Kayſers Galeren im Bau zu erhalten/ ſind unter ſeiner Botmaſſigkeit/ und muſſen auf den erſten von ihm erhaltenen Befehl in die Seelauffen. u namt Vengeri Agaſi, iſt der Janitſcharen Oberſter. Dieſe iſt eine hochanſehenliche Stell; maſſen der meiſte Theil der Turckiſchen Fußvoͤlckeren heut zu tag unter die Janitſcharen gerechnet wird/ wiewohl die Anzahl der rechten Janitſcharen/ welche von Otkoman dem erſten eingefuhrt/ und von Amurat dem dritten mit ſo krefflichen Freyheiten beſchenckt worden/ heut zu Tag ſich hoͤher nicht erſtrecket als auf 275000. Mann. Sie haben ſchoͤne Ordnungen under ſich/ ſind in verſchiedene Gemacher eingetheilt/ in den groͤſten Wohnungen/ die ſie inhaben/ ſo wohl in Conſtantinopel als an andern Orten. Es wird bey ihnen alles in ſo ſchoͤner Ordnung gehalten/ und von ihnen ins geſamt ſo genau in acht genommen/ daß ihr Leben mehr einem ſtrengen Cloſter⸗Orden/ als der ſonſt gewohnlichen Soldaten Art ahnlich ſihet; und ob jhnen ſchon nicht verboten iſt ſich zuverehlichen/ ſo nehmen ſie doch gar ſelten Weiber. Die vortrefflichen Privilegien, deren ſie durchs gantze Reich genieſſen/ allwo ſie aller Orten wol angeſehen ſind/ bringen viel Leute dahin/ daß ſie/ um von Tribut und Schatzung frey/ auch anderer gemeiner Laſt und Pflichten überhaben zu ſeyn/ die Ofñcirer durch Geld gewinnen/ welche ſie 5 dann in ihren Schutz nehmen/ und vor Janitſcharen außgeben. Dieſe aber bekommen vom Kayſer keinen Sold/ und erſtreckt ſich der Vortheil den ſie von ſolchem erdichtetem Janifſcharen ſtand haben/ weiter nicht/ als auff den Genuß der andern Freyheiten/ welche gleichwol ſonderlich groß und hoch zuachten ſind. Und hierdurch geſchichts nun/ daß/ in dem die rechten Janitſcharen dergeſtalt mit denen vermeinten vermengt ſind/ deren Zahl ſich heut zu Tag auff mehr als 100000. erſtreckt. Es hat ſich auch/ bloß die rechten Janitſcharen zu rechnen, ihr Heer offt ſo ſchrocklich erzeigt/ daß ſie die Turckiſche Monarchen ſelbſt vom Thron herunter geſtoſſen/ und faſt in einem Augenblick dem gantzen Reich eine andere Geſtalt gegeben Die Macht und Anſehen ihres Aga iſt mand auff die Weiſe/ wie es ihm erlaubt/ dem Kaͤyſer 1118 Dann er kan in ſeine Gegenwart mit freyen Armen/ friſchen Gang und Zutritt kommen/ da hingegen alle groſſe Herꝛen bey Hof/ keinen eintzigen/ auch den Groß Vizir ſelbſt fen unterfangen vor ihn zutretten/ als mit übereinander gelegten Armen/ und die Hande auf der Bruſt haltend/ ihre tieffe Unterthanigkeit dadurch an Tag zugeben. Denen 4. Vornehmſten Baſcha folgen in der Würde und Herzlichkeit die Beglerbeys; dieſe ſind ſo viel als Ober Herzen und Regenten in denen vornehmsten Herꝛſchafften des Reichs/ deren Verwaltung ihnen vom Kayſer Der ſanitſchar-Aga, von den Turcken benicht außgenommen/ ſich nicht doͤn⸗(Und diß * anvertraut wird. Gleich wie ich nicht geſinnet bin von der Beherꝛſchung des Tuͤrckiſchen Reichs hier mehreren Bericht zugeben/ als etwa zu der mir inſonderheit vorgenommenen Sache erfordert wird: alſo ſcheint unnoͤthig dem Leſer von der Anzahl dieſer Beglerbeys Nachricht zu ertheilen; Genug daß ich die 5. Vornehmſte anzeige/ von denen es anderwerts wird Gelegenheit geben zu reden. Ich wil nur noch das hinzu thun/ daß dieſe groſſe Baſcha noch unter ihnen gewiſſe Sangiacsbeys haben/ welche Landpffeger ſind über Sang iacs oder gewiſſe abſonderliche Lander/ als da iſt der Sangiacbey 1 19 oder des Lands Morea und dergleichen. 2. Weil in meinem Bericht folgends auch an verſchiedenen Orten wird meldung gethan werdẽ von denen Spahis, Zaims und Chaoux, muß ich von dieſen dreyerley Leuten kurtzlich etwas anzeigen. i 5 Die Spahis, deren Zahl ohngefehr in oo. Gülle Mann beſteht/ ſind eine gewiſſe Art Reiterey/ Siu 11 5 ſich vor den Reichs⸗Adel außgeben/ und von Fan 1 ihrer Tapferkeit viel auffſchneidens machen. 5 Sie haben ihren Unterhalt aus den Einkünften der Timar/ das iſt/ der jenigen Landſchaften/ die gleichſam Lehnguter und Commtereyen ſind/ welche ihnen der Kayſer eingibt/ nach dem er ihre Dienſte wohl oder ſchlechtlich belohnen wil. Dieſe Timar und Lehnguͤter nun kan man ihnen nicht entziehen/ es ſey dann daß ſie ihre Pflicht nicht in acht nehmen/ vermoͤg deren ſie ſich bey der Armee befinden ſollen/ wann der Groß Vizir in Perſon ſelbſt mit gehet. Und ſind dieſe Spahis wohl die glckſeligſten in dem gantzẽ Turckiſchen Reich/ und wenig geringer/ als hohe Fuͤrſten/ an denen Orten wo ſie hre Gebiet und Herꝛſchafften haben. 5 Die Zaims ſin d von dieſen Spahis nicht viel unterſchieden/ maſſen ſie gleich jenen der Herꝛſchafft und Einkunfften gewiſſer Lehngutern genieſſen/ ſo der Kayſer ihnen eingibt. Es ſind ihrer durchs gantze Reich eine groſſe Anzahl/ und halten ſie ſich vor die Herꝛen oder Freyherren im Land. Auß dieſen Spahis und Zaims beſtehet die Tüͤrckiſche Reiterey/ und weiſt ein jeder/ wie viel Pferde er nach dem Einkommen ſeines Lehen⸗guts herſchaffen muß. i Der Chaoux oder Chiaoux Pachi iſt das Haupt aller Chaoux durchs ganze Reich/ dieſe haben viel Befehl von dem Kayſer in und auſſer dem Reich außzurichten/ und werden in Gea verſchickt/ wiewohl ſiein der Warheit nichts als ſchlechte Botten ſind. Man gibt ihnen gemeiniglich alle vornehme Gefangene in Verwahrung/ die ſie auch nie auß dem Geſicht laſſen. 7 ſind nun die vornehmſte Aempter und Würden des Reichs die durchgehendes 895 f lauter ſolchen Leuten beſeſſen werden/ die auß der Zahl der Iſchoglans darzu erwehlet ſind. dun wil ich guch auff die⸗Hof bediente konnen: Telche weil ſie lauter Verſchnittene ſind⸗ als denen allein der Kayſer die hoͤchſten Aempter bey Hof anbertraut/ und benebenſt auch uber die choglan gesetzt find als wilich in elcher die nung fortfahren/ und allher von ihnen dug Einige merck herb che del 10 des Groß ⸗Tuͤrcken dung thun/ ehe ich von der andern Art der Tribut⸗Kindern oder die im Krieg gefangen werden/ und Nahmen Aramoglans führen/ etwas erzehle. ö i dau, Die Verſchnittene werden auch in 2. verſchleö groſſe dene gattungen getheilet. Es gibt weiſſe/ die man 50 der bloß auff ſonſt gewöhnliche Art verſchneidt/ und legen durch ſchwartze/ denen man alles was ſie maͤnnlichs dung Ori gehabt von dem Bauch weggeſchnitten. Bey5 derley Arten ſolcher Verſchnittenen ſind Leute von einem wilden ſeltzamen und argwoͤhniſehen Gemüht/ und gehen mit allen die under ihrer Hand ſind ſehr grauſam umb. Ihre Anzahl iſt/ ſo wohl in Conſtantinopel als ſonſt im Tuͤrckiſchen Reich faſt unzehlich/ maſſen ſelbiger Landen faſt keine privat Perſon iſt/ die nicht/ wo ſie ein wenig bey Mitteln iſt/ einen oder 2. Verſchnitei tene haͤlt/ die dero Weiber in jhre Hut und Aufflocede Cu- ſehen nehmen muſſen. Daher komts daß in vielen mercangen ja den meiſten Aſiatiſchen und Africaniſchen Orlrüber en ken ſo groß Gewerb mit den Verſchnittenen getrieben wird/ daß man in dem eintzigen Koͤnigreich Colconda, allda ich mich Anno 1609. befande/ in ſelbigem Jahr auff 22000. verſchnitten hat. Ich erinnere mich daß der Abgeſandte des Groſſen Mogols, welcher in ſeinem Land dergleichen unmenſchlich Weſen nicht geſtattet/ und die Verſchnittene ſo er braucht/ von andern Orten herholen laßt/ mich einsmals auff die Seite zog/ und zu mir ſagte/ es verlange jhn nach Hauß und zu ſeinem Herꝛen zu kehren/ weil er ſich fürchtete/ es mochte diß Koͤnigreich Colconda, nach ſo ſchrecklich veruͤbter Grausamkeit/ untergehen. Die meiſte Elteren/ ſo arm ſind/ und hre Kinder nicht ſonderlich wehrt haben/ ſo bald die geringſte Theurung einfallt und ſie beſorgen müſſen/ ſie werden ihnen nicht Nahrung und Unterhalt verſchaffen konnen/ verkaufen ſelbige den Kauffleuthen/ welche ſie nachgehends ſchneiden laſſen/ ſo daß den armen Kindern nichts an dem Leib bleibt/ und alles glat weg muß in der Caſtrirung. Einige von denen/ welchen man nichts übrig gelaſſen/ ſind gezwungen/ wann ſie das Waſſer abſchlagen wollen/ ſich eines Canals zu bedienen/ und ſolchen an den Bauch zu halten. Gleich wie aber auß ſolcher ſo gefaͤhrlichen operation ſehr wenig mit dem Leben darvon kommen/ alſo gelten auch ſelbige weit mehr als die andern/ und werden in Perſien ſo wol als in der Tuͤrckey zu 600. Reichs ⸗Thalern verkaufft; da hingegen jener ordinari Preiß ſich etwa biß auff 100. oder 150. belaufft. Damit man nun an Verſchnittenen in der gantzen Turkey/ Perſien/ India und den Africaniſchen Laͤndern keinen Abgang habe/ laßt ſich leicht ermeſſen/ daß man ſie von verſchiedenen Oyten bey 1000. herbey ſchaffen muſſe. Das Königreich Colconda, in der Peninſel difſcits des Fluſſes Ganges, ſatnpt denen Leuten in Allan, Butan, Arachan, und Pegu jenſeit des Ganges, verſchaffen deren eine ſchreckliche Menge. Dieſe Verſchnittene nun ſind alleſamt entweder weiß/ oder doch nur braunlicht. Die Schwartzen aber/ welche auß Africa kommen/ und zwar in weit geUngerer Anzahl/ ſind/ wie oben gedacht worden/ umb ein gutes theurer. Die aller haßlichſten Koſten aun meiſten/ und wird jhre lingeſtalt bey jhdem Geſchlecht eben vor die groͤſte Schönheit ge* achtet. Die Kauffkute geben ſie mie theurer/ und haben nie mehr Gebvinn von ihnen als waft ſie groſſe breite Naſen haben und ſonſt im Geſicht abſcheulich außſehẽ/ wann das Maul groß/ die Lippen übergeſchlagen und ſchwartze Zähne drinnen ſind/ die weit außeinander ſtehen; Daun ſonſt ſihet man gemeiniglich/ daß die Moren ſehr weiſe und ſchoͤne Zaͤhne haben. Beyderley Arten der Verſchnittenen iſt das Serrat zu Conſtantinopel voll. Die Schwartze ſind beſtimt auffs Frauenzimmer und auff deſſen Loſamenter acht zu habẽ und werden von dem Baſelia der in Groß Caire reſidirt nach Hof geſchicket. Die Weiſſen/ welche nicht ſo gar twils ſind/ auch ſorgfaltiger erzogen werden müͤſſen/ haben bey des Käyſers 0 15 aue Berk wil 0 ie 4. vornehmſte Verſchnittene/ welche ſich Porneß den Monarchen nahern doͤrffen/ ſind Hazoda- a bachi, Chafnadarbachi, Eilarchibachi und im Serail. Sarai Agaſi, die/ uber die der Capi, Aga geſetzt iſt/ weſcher das Oberhaupt und Auffſeher iſt ber alle Kammeren der Ichoglans. Sie ſuccediren und tretten gemeiniglich einer in des andern Dienſt/ nemlich der Sarai Agaſi dem Kilargibachi, dieſer dem Chaſnadarbachi, und der letztere dem Capi Aga, als welcher allezejt unter den Weiſſen Verſchnittenen der aͤlteſte ſſt. Der Capi Aga oder Capu-Agaſi iſt gleichſam Sonder. Ober⸗Hofmeiſter im Serrail, wie er dann auch bahrer unter affen Weiſſen Verſchnittenen der Erſte iſt des ug. an Wurde und Anſehen; und komt nie von der. Perſon des Kayſers/ er befinde ſich gleich wo ern wolle. Er iſts eben/ der frembder Fotentaten Geſandten zur aucljents führt/ und weil alle wichtige Sachen ihm muſſen durch die Hand gehen/ ehe ſie an den Kayſer gelangen/ ſo macht ſeine Charge, daß niemand ſeiner entbehren kan/ und bringt jhm dabey ſehr viel und groſſe Geſchencke zu wegen. Wer den Herꝛen wil mit einem Præſent verehren/ hat ſich vorher bey dem Capi Aga anzugeben/ daß derſelbe das Geſchenek fur ihn bringe/ darauß jhm dann abermahl groſſer Vortheil zuwaͤchßt. Ohne ſeinen Geheiß und Verordnung kan memand zum Kayſer noch von dannen ſwieder herauß kommen/ ſo gar daß wañ der Groß Vieir mit dem Käyſer reden wil/ der Capi Aga denſelben empfangt und für ihn bringt. Iſt ein noͤthiges Geſchaifft obhanden/ es ſey nun bey Tage oder bey Nacht/ davon der Groß Via ir dem Käyſer ſchrifftlich Bericht ertheilet/ ſo iſt wiederumb niemand anders als dieſer Capi Aga der es annimt und die Antwort zuruck bringt. Er tragt in Serrail den Turban, und iſt auff der Gaſſe allezeit zu Pferde auß einem ſeiner Charge eigenthümlich zukommenden Privilegio. Er begleitet auch den Herꝛen biß an der Käyſerinnen Gemach/ wo ſelbſt er aber an der Thür ſtehen bleibt weil allda ſeine Botmaſſigkeit duffhort/ und er bey dem Frauenzimmer nichts zu befehlen hat. Wafer auß dem Serrail herauß kommet/ und ſein Ampt abtrittet/ welches zwar ſehr ſelten geſchicht/ ſo kan er nicht Bacha werden. Seine Taffel betreffend/ ſo wird et auff des Käpſers Koſten geſpeſſet/ und hat taglich auff 0. Sultanin zu verzehren/ welches ſich auff 30. Reichsff. belaufft. Man hat wohl Capi-Aga geſehen/ die nach jhrem Tod in die z. million Gölös hinderlaſſen haben/ welches geld b 2 dann . 0 dann alles wieder in die Kaͤyſerliche Calls fallt. Dieſem Oberhaupt nun der Weiſſen verſchnittenen folgen 4. andere/ welche nachſt der ſeinigen die vornehmſte Dienſte und Aempter am Hof verwalten. Der Hazodabachi iſt gleichſam OberſtCaͤmmerer und hat unter ſeiner Botmaͤſſigkeit die 40. Cammer⸗Pagen/ welche den Kayſer gemeiniglich zu bedienen und umb jhn zu ſeyn pflegen. Der Serai-Agaſi hat die allgemeine Oberauffſicht uͤber alle Gemaͤcher wo ſich der Kayſer pflegt auffzuhalten/ und ligt vermoͤg ſolchen Amts jhme ob/ alles net und in gehoͤrlichen Bau und Zierath zu erhalten. Abſonderlich aber muß er genaue auffſicht haben auff das Severli Odaſi, welches der Pagen jhr Gemach iſt/ die auff des Käyſers Leinen gewand beſtellt ſind/ und umb ihn ſind wann er ſich auff Reiſen befindet. Er gibt Befehl und verordnet/ wie ſie gekleidet und ſonſt mit anderer Nohtdurfft ſollen verſehen werden; und komt ſeine Charge überein mit des Schloß⸗Hauptmanns im Louvre zu fpales Dann 15 derſelbe auch insgemein auff alles acht haben muß/ was zur Zierath und ſchoͤner Ordnung dieſes groſſen Palatij vonnothen iſt. Es iſt jhm uͤber diß der Seraixet Odaſi an die Seite geſetzt/ der ebenmaͤſſig ein verſchnittener und dazu verordnet iſt/ valle 6. Monat die in den Gemaͤchern und auff den Saalen des Serrail aufgeſpannte Teppiche 1 und andere an deren Statt machen laſſe. N Der Haznadar oder Chaznadarbachi iſt Obriſt⸗Schatzmeiſter/ und ſind under ſeiner Gewalt die Pagen ſo zur Schatzkammer verordnet ſind. Hiedurch muß man aber nicht verſtehen den Schatz der zu nothdurfftigen StatsAußgaben und Unkoſten beſtimmt iſt/ davon auch die Soldaten beſoldet werden/ und der in Verwahrung des Groß Vieirs wie auch der darzu verordneten 3. Tefterdars oder General Rentmeiſteren ſtehet. Der Schatz/ von dem hier Erwehnung geſchicht/ iſt der Ort/ allvo man die Kleinodien des Kayſers ver wahret/ zuſammt all dem übrigen Reichthumb/ der nach und nach von allẽ Othomañiſchen Kayſern geſamlet worden; welches ich denn in meiner Relation genau entdecken und dem Leſer gleichſam die Thür offnen wil/ einen Blick in beyde Schatzkammern hinein zuthun. Hier iſt nicht zu 9 510 daß der Chalnadarbachi nunmehr dem bloſſen Namen nach das Haupt und Vorſteher ſolcher Schatzkammer iſt/ ja er darff auch nicht einen Tritt mehr hinein thun/ ſeit deme unter der Regierung des Sultans Amurath, ſich die zur Schatzkammer verordnete Pagen ben dem Kay15 über das uͤble verfahren deſſelben beklagt haben; da dann auf jhre Bitte beſchloſſen wurde/ daß gedachter Chaaſndarbachi nichts mehr daſelbſt zubefehlen haben ſolte/ und der Chasnaketodaſi ins künfftig ſein Ampt zuverwalten hätte; doch ſey ihm hiebey der Titul annoch unbenommen. Weil aber der Name und Titul Chaſnadarbachi bekanter iſt und nicht ſo rauh lautet/ werd ich mich deſſelben allzeit an ſtatt des andern bedienen: Daben ich dann auch unerwehnt nicht laſſen kan/ daß ſolcher groß Beſchreibung des Serrails Schatzmeiſter/ wann er auß ſeinem Ampt trit/ zum Bacha gemacht wird. Bey oberwehnter Veränderung dieſer hohen⸗Bedienten iſt auch dieſes ſonderlich zu mercken/ daß bey allen Mahometaniſchen/ Perſiſchen/ Indlianiſchen und andern Prinzen und Regenten das ſenige ſo bey eines Lebzeiten geſchloſſen und geordnet worden/ der Nachfolger in der Regierung micht wiederrufft/ ſondern ſolches alles beſtaͤndig alſo gelten läßt. Als einſtens unter eben dieſem Sultan Amurat der Capu-Agaſi eines uberſehen/ und damit den Kaͤyſer beleidiget hatte/ benahm er hiemit allen Capu-Agaſi, die künftig wuͤrden auß dem Serrail kommen/ das Privilegium und zuvorgenoſſene Freyheit/ daß ſie Baſcha werden konten. Ich wil noch ein ander Exempel hierüber anführen/ daß ieh am Perfiſchen Hof ſelbſt mit Augen geſehen. Es erhub ſich Unter der Regierung des Cha- Abas eine Conſpiration, ſo einige groſſe des Reichs wider ſeine Perſon angeſponnen hatten/ des Vorhabens hn auß dem weg zu raͤumen/ und ſeinen Sohn an 8ſeine ſtatt auff den Thron zu heben; Dieſe Zuſammen⸗Verſchworne/ ſchiekten umb 3. oder 4. Nachmittage/ da jederman in Perſien ſich nach den Haram, das iſt den Gemachern des Frauen ⸗zimmers zu begeben pflegt/ etwan 20. bewaffneter Manner nach dem Pallaſt mit Befehl/ ſie ſolten gleich alles was ſie bey dem Thor antreffen/ nidermachen/ welches gemeiniglich nur durch 2. oder 3. Perſonen/ die nichts anders als ihre Stabe bey ſich haben/ verwacht wird; und ſo dan ſich nach dem Haram ſelbſt verfugen/ und den Koͤnig mdermachen/ der niemand zur Vertheidigung mit ſich hatte als die ſchwartze und weiſſe Verſchnittene/ welche gar ſchlechte Soldaten abgeben. Dieſer Streich aber ſchlug jhnen fehl/ in dem der Groß⸗Pfortner/ der vor der tapfferſten einen zur ſelbigen Zeit geachtet wurde/ ſich eben am Thor befande ſamt zweyen ſeiner Knechten die auß Georgien gebürtig/ und gleich allen Volckern deſſelbigen Lands von ſonderlicher Tapfferkeit waren/ dieſe griffen zu jhren Sabeln/ und ſchlugen die Verꝛaͤhter dergeſtalt zurijck/ daß ſie ſich bald nach der Flucht umſehen muſten. Der Konig nach dem jhm die That zu Ohren gekommen/ ließ jhn vor ſich kommen/ und nach dem er jhn ſehr heraußgeſtrichen und gelobt/ befahl er/ daß das Ampt deß Großfortners ewig ſolte auff ſeinemGeſchlecht bleäen und vom Vatter auff den Sohn geerbt werde. Er gab auch über diß Befehl an de Konigl.Archivanum daß dieſe That denen Geſchichten einverleibt werden ſolte/ und war darbey ſein Wil le/ man ſolte ſeinen Nahmen/ ſamt allem was wehrender ſeiner Regierung geſchehen waͤre/ auf den Geſchichten herauß khun/ wo ſich einer ſeiner Nachfolgern unterfangen wurde an seinem Willen hierin das geringſte zu andern/ und dif Ampt von dem Hauß und Geſchlecht dieſes getreuen Georgiers auff andere komm en zu laſſen. Der Kilargibachi iſt der Pagen berhaupt die im Kilar ſich befinden/ an welchem Ort man den Koſtlichſten Tranck vor den Kayſer zubereitet; und gleichet der Ort faſt einer Kellerey der Kilargibachi aber dem Ober⸗Mundſchenckdieser bekommt auch den Balchas Tita we! des Gros ⸗Tuͤrcken. 7 er dieſes Ampt abtrittet. Uber das hat er auch noch die Herꝛſchafft uͤber alle Aregis, das ſind die Koͤche und Zucker⸗ becken/ maſſen niemand ohne ſeinen Befehl und Verordnung jhm iſt untergeben alles Eß⸗ und Trinck Geſchirꝛ/ deſſen ſich der Kayſer bedient. Sein Subſtitur iſt Kilarxet Odaſi. Weil oben gedacht worden daß er beym Außtritt auß ſeinem Ampt zum Bacha gemacht wird/ ſo iſt hierbey zu wiſſen/ daß diejenige ſo/ nachdem ſie von Hof kommen/ Baſchas werden koͤnnen/ zuvor allda unter den 40. Kammer⸗Pagen muͤſſen geweſen ſeyn/ und eines von denen 6. Aemptern verwaltet haben/ nehmlich des Chaſnaketodaſi und Kilarketodaſi, davon allbereit Erwehnung geſchehen/ das Dogangibaſchi, Chokadar, Seligdar, und Rikabdar, von welchen bald ein mehrers wird zu ſagen ſeyn. Die/ ſo ſolches Ampt bedient/ mogen nur Beys, Zaims, oder Spahis werden/ oder auffs hoͤchſte Capigibaſchi, wiewohl durch eine gantz abſonderliche Gnad des Käyſers. 5 So verhalt ſichs auch mit dem Gugombaſchi, welcher die andere Perſon iſt unter denen die der Schatzkammer vorſtehen/ wie auch mit dem Anaxdar Agaſi, der in der Ordnung und Wurde der dritte. Wann dieſe Leuthe eher auß dem Serrail gehen/ als ſie in die Zahl der 40. Kammer⸗ Pagen kommen/ bekommen ſie auch mehr nicht/ als eine Beſoldung/ die ſich nicht hoher belaufft als auff 200. Alpres. Nun wil ich auch auff die übrigen Bedienten komen/ von denen in meiner Relation zu reden ſeyn wird. e 15 5 Der Dogangibachi iſt groß Falconierer/ und hat wegen ſeines Ampts bey dem Kayſer eine ſchoͤne Ehren⸗ſtelle inn. 8 Der Cho Kader iſt der jenige/ ſo den Kayſerlichen Rock/ den man Ciamberluc nennet/ kragt/ welchen wir in Franckreich den Portemanteau, das iſt Manteltraͤger nennen. Der Rikabdar, iſt derjenige/ welcher dem Kayſer/ wann er zu Pferd ſteigt den Bügel alt. a 5 a Der Seligdar iſt Ober⸗Kammer⸗Page; und trägt bey offentlichen Geprang und groſſen Solennitäten des Käyſers Degen. Zu dieſem Ampt wird allzeit einer der ſchoͤnſten Pagen gewehlt. 1 Der Hammangibaſchi iſt über die Kaͤyſerl. Bader als Ober⸗Aufſeher beſtellet. Wann er auß dem Serrail kommt/ ſo iſt ſo wol ſeine als des Kamac hirbaſchi/ welcher unter den Pagen des Seferli der erſte und der vornehmſte tagliche Beſoldung 100. Aſpres, ſind ſie aber favoriten/ ſo pflegt ſie ſich auch wohl biß auff 100. zu belauffen. Wobey insgemein dieſes zu mercken/ daß/ ſo einer von denen 40. KamerPagen von Hof kommt/ man als dann ihre Stelle erſetzt/ bald mit den Pagẽ auß der Schatzkammer/ bald auß dem Eilar, bald auß dem Seferli, welches dan Wechſelsweiſe geht/ und pflegen die altſten die nachſten zu ſeyn/ da dann die ſo auff ſie folgen an ihre Stelle tretten/ von 78 755 Eapittel von der Schatzkammer ehrer und außfuhrlicher Bericht zuerwarten ſtehet. ißführlcher Bericht zu einen dieſer Dienſte antretten kan; Der Chiamacibaſchi iſt der Ober WaͤſchVerwalter/ und uͤber die geſetzet ſo des Kayſers Leingewand ſaubern und waſchen. Der Giritbey iſt das Haupt und Vorgeſetzter deren die ſich im Bogen ſchieſſen und mit Wurff⸗ Pfeilen uͤben; darinn man ſich trefflich übet alle Freytag/ auff einem im Sarrail zu ſolcher Luſt⸗ übung gewidmeten Platz. Und diß iſt alſo mit kurtzem das jenige/ ſo wegen der Namen der vornehmſtendlemptern am Türekiſchen Hof anzuführen war/ welche von denen verwaltet werden/ die in der Claſſe der Jehoglan bereits jhre Zeit zugebracht und auß getauret haben. „Die Schwartze Verſchnittene/ von denen ich/ nach dem was allbereit erwehnet worden/ nur mit wenig Worten etwas zuerinnern habe/ ſind dazu beſtellt daß ſie auff die Gemacher des Kaͤyſerl. Frauen⸗Zimmers gehthaben; Man nimmt aber hierzu die allerhaͤßlichſten und ungeſtalteſten die nur zu bekommen ſind. Sie ſind allerdings verſchnitten/ und zwar von den Zeiten Solimans des andern her/ welcher als ihm einſtens auff dem Feld ein verſchnitten Pferd oder Wallache zu Geſichte kam/ welches gleich wol eine Stute beſprang/ darauß auff die Muthmaſſung geriethe/ es koͤnten die Verſchnittene denen er ſeine Weiber zu verwahren anvertrauete/ vielleicht gleicher Weiſe auch jhre Luſt buͤſſen. Thate alſo gleich hierein Verſehung/ und lioß jhnen alles weg ſchneiden; welcher Lehr ſich auch ſeine Nachfolger gebrauchen. Sie befinden ſich in groſſer Anzahl am Hof/ und haben unter ſich jhre Kammern und gewiſſe Ordnungen ſo wohl als die Weiſſen. Ich wil von jhren unterſchiedlichen Aemptern nichts gedencken; der Leſer wird im Capittel von dem Frauen⸗Zimmer zu ſehen bekommen was hiervon zu wiſſen iſt. Der Kislar-Agaſi, oder wie ihn andere nen⸗ Groſſes Al nen Kutalir Agaſi, das iſt/ nach unſerer Sprach ſchen und zu reden/ der Jungfern Huter, iſt das Oberhaupt aller Schwartzen⸗Verſchnittenen/ und gibt ſo wohl an Macht als Anſehen dem Capieich thum des Ki slarAsaſi der uber das Aga nichts nach/ der das Haupt der Weiſſen⸗ Frauen zimVerſchnittenen iſt. Er iſt Oberauffſeher übers uit geſetzt Frauen⸗Zimmer/ hat die Schluͤſſel zu den Thuren/ und kan daher den Kayſer ſprechen ſo offt er wil. Das Ainpt ſo er beſitzt/ zieht jh allen Orten Geſchencke zu; und werden die Sul. taninen von denen Baſcha und andern die ihrer guten Worten beym Kaiſer bedürfftig ſind/ niemals beſchenckt/ daß er nicht abſonderlich ſeinen Theil darvon habe; dadurch er dann zu einem der reichſten und anſehnlichſten Bedienten am Turckiſchen Hof wird. Ich komme nun ſo fort auff die A2amoglan, die gleichſam die andere Reye machen der jungen Leuten von denen der Hof beſetzt wird/ und auß welchen man die niedrige und geringere Bedienten erwehlt/ deren Zahl und 8 ich in etwas vorſtellen wil. Die Amazoglans ſind ſo wohl als die Iehoglans, wie ſchon erwehnt/ Tribut⸗ Kinder/ welche die Chriſten lieffern muſſen/ oder welche etwan ſonſt im Krieg zu Waſſer und Land gefangen werden. Die ſchoͤnſte und ſtaͤrckſte werden vor das groſſe Serail gußgeleſen/ und haben weder Beſoldung noch ſonſt einigen Nutzen zu hoffen/ eh und bevor ſie etwan in ein 4 ö B23 emtvon Beſchreibung iſt. 8 Beſcchreibung Aenmtlein kommen ſind/ wohin ſie aber nur nach vielen Dienſt⸗Jahren gelangen koͤnnen; belauffen ſich auch ſhre Beſoldungen alsdann nicht hoͤher als auff achthalb aſpre alle Tage. Betreffend die andern und ſchlechten Ama. zoglans, die man an andern Orten erzieht/ und die nicht ins Serail zu Conſtantinopel komen/ ſo vermögen ſie jhr Glück hoͤher nicht zu treiben/ als daß ſie einmahl Janirſcharn werden. Wann dieſe junge deute nach Jonſtantinopel gebracht werdẽ/ und man allda ſie in die Serail oder Königliche Haͤuſer außtheilt; ſo laßt man auch einige in der Stadt/ damit ſie allda Handwercke lernen koͤnnen/ andere aber werden auff die See verſchickt/ allwo Botsknecht auß ihnen werden/ und ſie ſonſt auch die Schiffart verſtehen lernen/ woſelbſt ſie dann auch endlich zu chargen gelangen koͤnnen. Damit ich aber nur von denen Amazoglans etwas gedencke die im groſſen Serrail ſind/ ſo braucht man ſelbige zu unterſchiedlichen Aemptern/ und macht auß ihnen Boſtangi, Capigi Atagi, Halvagi und Baltagi deren Namen Und Aempter ich zwar nur der Bedeutung nach/ dem Leſer kurtz entdecken wil. Die Boſtangis ſind die jenige/ die man in die Garten des Serrails braucht/ und werden einige unter ihnen außgeleſen die auf denen Schiffen Der Boſtan ibaſchi he. 0 eine der eſten Char gengm Hof. des Kayſers rudern/ wann er ſich im Fiſchfang erluſtiren oder ſonſt auff den Canal ſpatzieren fahren wil. ö Die ſo auff die Schiffe kommen/ und zwar die zur rechten Hand rudern/ konnen ſich Hoffnung machen zur Charge des Boſtangi⸗ Bachi zu kommen/ welches eine der vornehmſten bey Hof iſt. Die aber zur lincken Hand/ gelangen nur zu kleinen Aemptern deren man im Käyſerlichen Garten bedarff. Geſchichts/ daß etwan einer ſo ſtarck rudert/ daß jhm in Gegenwart des Kayſers ſein Ruder bricht/ ſo bekommt er auß Befehl des Heren alſobald 50. Thaler; wie er denn auch ſo offt er auf dem Schiff fahrt etwas von Gelt ihnen laßt austheilen. Die beſte Belohnung ſo ſie/ nach deim ſie einige Jahr gedient/ bekommen/ iſt achthalb alpres des Tags/ ohne die Kleidung und Koſt damit ſie alle gleich verſehen werden. 85 Der Boſtangibaſchi iſt der Oberſte Verwalter uͤber alles Gartenwerck des Kayſers/ ſo wohl was die Garten in Conftantinopel als die nicht fern da von entlegene betriſſt/ und hat mehr als rooοο. Boſtangis under ſeiner Boltmaſſigkeit/ die man gebraucht ſelbige zu bauen und zuzurichten. Wie wohl er mim auß der undelen Ordnung/ nehmlich denen Amazoglans in ſolch Ampt genommen wird/ ſo iſt gleichwol ſeine Macht nicht gering/ und mag ſein Dienſt den er verwaltet wohl unter die ſchoͤnſten und anſehnlichſten bey Hof gerechnet werden: Dann er vermoͤg deſſelben/ ſich dem Kayſer naͤhern darff/ auch vertraulich mit ihm reden/ wann er jhn uber Meer führt/ in dem ey an dem SteuerRuder ſitz/ und das Schiff regiert darauff der Kayſer fahrt/ der ſich ſeiner auch zum offtern bedient/ wann er von einem Baſcha den Kopff fordern laßt. Es fürchten ſich alle Groſſe zu Hof vor ihm/ und bewerben ſich daher ſorgfaltig umb deſſen Gewogenheit/ maſſen er ihnen entweder gute oder üble Dienſte bey dem Käydes Serrails ſer leiſten kan/ den er auff ſeinen Lust und Spatier ⸗Wegen allein zu regieren und zu führen pflegt. Gleich wie er nun allda dem Kayser an der Seite iſt/ und das Steuer⸗Ruder fuhrt/ auch die Freyheit hat ſich in ſeiner Gegenwart nieder zu ſetzen/ damit er das Schiff deſto behat er auch allda quemer regieren moͤge: So al bequeme Gelegenheit von Stats⸗ fachen mit hm zu reden/ und von der Balcha jhrem Verhalten zuſchwatzen/ da er dann nach eigenem Belieben und Neigung jhm rund herauß ſagen kan wie die Sachen ſtehen/ oder doch ſelbige ſo verkehren und drehen/ wie ers vor gut befindet. Kurtz wann er ſich in des Herzen Gunſt wohl infinuirt hat/ ſo kan er wohl eins der groͤſten und beſten Landpflegereyen bekommen/ und Baſcha in Offen/ Babylonien, Caire, ja gar groß⸗Vizir toerden/ welches das vornehmſte die Thürhuter und die Ampt des Reichs iſt. Die Capigis ſind Wachten an den Thoren des Serrail, beym erſten und andern Hof/ dann im dritten/ durch welchen man ins innerſte des Serail kommt/ haben die Verſchnittene die Wachte. Das Haupt der Capigis iſt Capibaſchi, welcher auch noch andere Bediente under ſich hat/ ſo gleichen Nahmen fuhren/ deren ſich der Kayſer zum Verſchicken bedient/ ſeine Ordre an ein und andern Ort zu tragen. Der Capi-Aga aber hat dieſen und allen andern zu befehlen. N Die Atagis ſind die Koche des Serail, uber die/ gleichwie auch uͤber die Halvagis der Kilargibachi völlige Gewalt hat. Jede Küche hat jhren Atagibachi daß iſt jhren Vorſteher/ den wir in Franckreich Eſcuſier oder Kuͤchenmeiſter nennen. 5 3 Der Mutbax Emin iſt Obereinkaͤuffer/ und ſchafft alles in die Küchen/ was daſelbſt von nohten iſt/ er verſorgt auch der Geſandten jhre Tafeln/ nach der vom Groß⸗Vieir vorgeſchriebenen Maß und empfangerer Ordre. 8 3 Die Halvagis ſind die Sußkoche oder Zuckertheilen werde. So pflegt man auch ſonſt die Bediente zu nennen/ welche den groſſen Herꝛen bey Hof aufwarten/ welchen vergoͤnnt iſt au und ein zugehen nach eigenem belieben. Die Baltagis ſind ſtarcke Leuthe/ deren man ſich gebraucht allerhand Laſt zu tragen/ wie erwan in Franckreich die Portefaix oder Traͤger und Holßzſpalter ſind. Baltagi heiſt eigentlich einen Taglohner ode Arbeitsmann der ſein Brod mit der Axt gewinnt. N 0 Der Haſteler Agaſi iſt über die Siechenhäuſer beſtellt/ der allda alles was ein und au geht beobachtet/ abſonderlich aber Obſicht hat daß kein Wein hinein komme. 5 Ich werde auch in meiner Relation reden von dem Emirahourbachi und Ekmeggibachi ſind zween Bediente des Sultans/ welche ſich aber auſſer dem Serrail aufhalten. Der Emirahurbachi iſt Oberſtallmmeiſter und iſt allzeit der naͤchſte vor dem Kayſer her wann er offentlich außfahrt oder ſonſt bey do lennitqten ſich einfinde.— 5 Der able iſt Obriſt⸗ Becker ober der Beckern vorgeſetztes Haupt/ und hat Auffſicht auff alles Brodt ſo im Serrail 2 8 becker/ von denen ich außfuͤhrlichen Bericht er des Groß⸗Tuͤrcken. wird. Dieſe beyde Aempter bekommt keiner/ der ſtetig im Serrail zu bleiben hat/ ſondern Leute bie auſſer dem Hof wohnen/ und bey Hof auff und abzugehen allzeit freyen Paß haben. Ich werde auch endlichen Gelegenheit bekommen vom Caragibaſchi und dem Cam der kleinen Tartarey zu reden/ und hab einige ſehr merckwuͤrdige Sachen von beyden vorzubringen. Der Caragibaſchi iſt das Ober⸗Haupt deten die den Tribut einfordern; und es iſt mit ihm gleichſam wie mit dem Gemmeru baſchi oder groß Zollmeiſter/ und dem Bazarcambaſchi oder dem Haupt und Vorgeſetzten der Kaufleuten deren ſich der Kayſer bedient/ daß ſie einen Vorſchuß an Geld herſchaffen/ wenn er deſſen vonnoͤhten hat/ und in der allgemeinen Cala nichts verhanden/ maſſen er den geheimen Schatz nicht angreiffen läßt. Da muſſen ſie nun unfehlbahr Geld auff bringen; fallt ihnen auch ohnſchwer/ weil der Kayſer von allem Tribut, Zoll/ und andern aufflagen die man ihm abzutragen verpflicht iſt/ eh nichts als nach verfloſſenem Jahr überkommt/ dieſe bediente aber ſolches Geld gleich zu Anfang des Jahrs einzufordern wiſſen. Null; Nun ſind aber alle Leute verbunden/ ſie ſeyn aal. welcher Religion ſie wollen/ auß genommen die D. er Mahometaniſche/ ſolchen Tribut ohn einige Wiederred zu erlegen/ ſeit deme ſie ſich im Turckiſchen Reich niedergelaſſen/ und das 16. Jahr ihres Alters erꝛeichet haben; Dieſer belaufft ſich nur auff yo. alte Aſpre, welche weder ſteigen noch fallen/ ſondern allzeit in gleichem Werth bleiben/ nehmlich 80. auff eine piaſtre, das dann unſerer Müuntz nach auf J. Thaler und 15. gute Groſchen komt. Die andern Chriſten alle/ ſo ins Tüͤrckiſche Reich kommen/ daſelbſt entmeder zu handlen/ oder ſonſt anderer eſchafften wegen/ müſſen/ wañ ſte auch nur einen Tag da verharꝛen wollen/ den Tribut erlegen/ gleich bey der erſten Statt da ſie ankommen. Die Griechiſche Außlander/ die etwann auß Moſcovien oder andern Orten dahin kommen/ zahlen 350. Alpres. Die Armenier ſo guß Perſien; Georgien, Mingrelien und andern Landern in die Turcfep reiſen/ werden nur auff 300. geſchatzt. Die Chriſten ſo man Franguis nennt/ zahlen gar nichts; diß hat denen Europæiſchenund zumahl dem Franzoͤſiſchen Geſandten groſſe Ungelegenheit verurſacht/ weil von denen Frantzoſen mehr als von irgend einer andern Nation daſelbſt wohnhafft ſind. Gleich wie die Turcken ihr Jahr nur ſo lang rechnen/ als der Mond 12, mahl einen gewiſſen Lauff verꝛichtet hat/ da hingegen das Chriſten⸗ Jahr ſich auff ein paar Wochen weiter hinauß erſtreckt; alſo laſfen ſie ſich auch nur vor ihre 12. Mond ⸗Zeiten bezahlen: Solchen Abgang aber einzubringen/ und f nichts dabey zu verliehren/ ſo laſſen ſie ſich alle 23. Jahr den Tribut doppelt erlegen/ und wiſſen dieſe Einkunfften ihres Herꝛen treſſich genau Fate u ſamlen und zu raht zu halten. 5 15 fu, Es ſind mehr nicht als 2. Potentaten quff N ch ſie Erden/ die den Titul Cam führen/ nehmlich der dae Fapſer der groſſen Tartarey/ und der über die 0 m 5 kleine Tartarey herꝛſchende König/ welcher ein du pſiche Vaſal der Othomanniſche Beherꝛſchern iſt. Was A cee nun midi 0 ieſem letztern vor Beſchaffenheit hapavon muß ich demgeſer Nachricht ertheilen. furn. ieh 5 Wann der Cam dieſer jetzt benennken kleinen Tartarey ſein Regiment antritt/ ſo komt er zuvor und leiſtet dem Tuͤrckiſchen Kayſey den Eyd der Treue/ und wird von den Turcken nicht hoher geachtet als vor einen Landpfleger einer Provintz/ oder doch guffs hoͤchſte nur vor einen Fürſten der deß Kayſers Vaſal iſt. Aber die Inwohner der Tartarey/ wie nicht weniger auch die Molcovviten, Polen, Georgier, Mingrelier und andere benachbarte Volcker geben ihm die Ehr eines Konigs/ wann ſie ihm zuſchreiben. Der Turckiſche Kayſer aber gebraucht ſich einer ſonderlichen Politie gegen dem Cam, und geht ſehr behutſam mit ihm umb/ auß Jorcht er mochte ſich wider ihn auffwerffen/ und mit Hulff der andern benachbarten Herꝛen ihm zumachtig werden. Dann hier iſt wohl zu wiſſen/ daß das kleine Tartariłn/ deſſen Hauptſtadt Caffa iſt/ ſo nahe an der Eimmeriſchen Meer⸗Enge gelegen/ nicht durch Othomanniſche Waffen eingenommen und uͤberwaͤltigt worden; ſondern es haben ſich ſeine vorige Konige bloß allein unter den Schutz deß Tuͤrckiſchen Kayſers begeben/ welcher ſie dan mit dieſer außdrucklichen Bedingung angenommen/ daß/ wann der Vatter abſterben wurde/ deſſen Sohn oder ſonſt der nachſte Anverwandte und Nachfolger/ das Regiment eher nicht antretten koͤnte/ bis er perſoͤnlich kame und ſich bey der Pforte durch ordentliche inveſtirur oder Einſetzung beſtaͤtigen lieſſe/ auch daſelbſt den Eyd der Treu dem Tuͤrckiſchen Kayſer ablegte/ ſich dabey verpflichtend/ auf deſſen erſte Forderung vor ihm zu erſcheinen; hinwiderum hat der Turckiſche Kayſer in ſich dahin verpflichtet/ daß er niemahls einen andern ins Reentgim einſetzen wolle/ als von ihrem Stammen/ der klein Tartarien beherzſchen ſolte; und gleichtvie ſich 2. Linien finden von dieſer Familie, ſo halt er eine alldeit auff der Inſel Khodus als im Exilio, da unter deſſen die von der andern das Regiment fuͤhren. Wann er aber etwann nach Verſfſeſſung 15. oder 20. Jahren in den Argwohn geraht/ daß ſich dieſe von ſeiner Ober herꝛſchafft loß und ſelbſt vollmaͤchtig machen wollen; ſo laßt er den Fam ſamt ſeinen Kindern/ wann er hat/ zu ſich komen/ ſchickt ſie nach Rhodus, nimmt an ſeine ſtatt den zuvor Vertriebenen wieder hervor/ und laßt 7 ihn etliche Jahr regieren. Die Eydformul ſo er bey der Inveſtitur ablegt/ wird drunden im 6. Capitel meiner Relation zufinden ſeyn. Allwo ich vom Verhoͤr⸗Saal reden werde/ wie auch von der Art und Weiſe/ wie dieſer Tarie Printz allda empfangen und gehalten wird. 8 Iſt noch übrig etwas von dem Multi zuer⸗ Vornenſſe wehnen/ in gleichen von denen Cadileſqquers, Ca- Aemier und dis und andern zum Geſatz verordneten Perſo⸗ Wurde der gen) welches ich in gar wenig Worte faſſen wil dreh Ins gemein mag man allhier dieſes mercken/ daß die Türcken der Meinung ſind/ es ſeyen die Ci. vil und weltliche Geſatze auch unter die Religions⸗ Sachen zu rechnen/ und/ weil ihr Prophet Mahomek ſie ihnen vorgeſchrieben/ ſo kommen ſie von Gott/ und erforderen schlechthin einen blinden Gehorſam. Auff ſolche Weiſe werden ſie in ihrer Pflicht erhalten/ und gehorchen denen Geſatzen ſo wohl auß Hochhaltung und Betrachtung der Religion und des Gewiſſens/ 15 qu 0 10 auß Forcht der Straff. In welchem Stuck ſie dann von unſern Chriſtlichen Regeln nicht weit abweichen. Die Mufti und Cadis werden alſo ins gemein und ohne unterſcheid vor Leute die zum Geſaͤtz verordnet ſind/ oder vor Rechtsgelehrte gehalten; als wann wir Chriſten etwann auß unſern Theologis und Juriſten oder Schriftund Rechts⸗gelehrten nur einerley Leute machten; und wird der Mufti beydes in Burgerlichen und Criminal Sachen offt umb Naht gefragt. 8 155 Dieſer Mufti wird als der Haupt⸗Geſatz⸗geehrte im gantzen Turckiſchen Reich geehret/ und vor den Nuß leger des Alcorans gehalten. Ich meyne aber nur den groſſen Mufti zu Conſtantinopel, als welcher am hoͤchſten angeſehen 0 iſt/ und allen andern vorgehet: maſſen deren ſonſt in dem Reich noch verſchiedene ſind/ über welche er doch ſo wenig als uber die mans oder Prieſter gantz keine Bottmaͤſſigkeit hat; indem keiner unter ihnen jemand anders als die weltliche Obrigkeit vor ihr Oberhaupt erkennt/ und iſt ſolcher geſtalt unter ihnen gantz keine geiſtliche Herꝛſchafft. Deſſen ungeacht empfähet doch der groſſe Mufti von allen andern ſehr groſſe Ehr/ wie er dann auch ins gemein von allen Tuͤrcken hoch⸗Ehrwurdig geſchatzt wird. Es gibt der Kayſer ſolches Ampt niemahls einem Mann der nicht von ſonderlicher Tuͤchtigkeit und bewährter Froͤmmigkeit iſt; Er ziehet ihn mehrmahls in denen wichtigen Stats⸗Sachen zuraht/ richtet ſich auch allzeit nach deſſen Einrahten/ und iſt guſſer dieſem Mufti auff der Welt niemand zu finden/ vor dem er auffſtehe ihn zu empfangen. 885 f Nach dem Mufti kommen in der Ordnung die Cadileſquers, welche des Kriegs ⸗Volcks Richter ſind/ maſſen die Soldaten das Privilegium haben/ daß ihnen niemand anders darff das recht ſprechen/ daher ſie auch den Namen fuhren/ daß man ſie nennt die Armee⸗ Richter. Es ſind deren im gantzen Reich nur 2. der Ca1 Beſchreibung des Serrails dileſquer in Romania und der in Natoljen, dieſe beyde haben nach dem Mufri das groͤſte Anſehen und ſitzen auch im Divan oder groſſen Raht gleich nach dem Groß⸗Vizir. Die Mollah oder Mula Cadis ſind die Richter in groſſen Staͤdten/ welchen ihre Verꝛichtungen von denen Cadilequers gufgetragen werden/ an welche man auch in Bürgerlichen Sachen von jener geſprochenem Urtheil appelliren kan; denn was die eriminal Sachen betrifft/ ſo iſt die Sach bald richtig/ und kan auch der geringſte Richter einen zum Tod verdammen durch ein endliches Urtheil/ davon man nicht appelliren kan.. 5 Die Cadis ſind noch under den Mollahund muͤſſen der Geſatzen und Lands⸗Gebrauchen kundig ſeyn. Dieſe haben ferner under ſich die Naip, welche in Doͤrffern das Recht ſprechen/ alle dieſe Urtheil aber werden kurtz/ und ohne Zuthun einiges Fürſprechers oder oder Sachverwalters geſprochen. 5 Die Iman oder Imaum ſind der Tuͤrcken Prieſter und gleichſam verordnete Pfarzer in ihren Moſquéen oder Kirchen/ woſelbſt ſie Acht haben/ das alles ordentlich und zu beſtimmter Zeit verzichtet werde. 8 Die Hogia ſind die Doctores und Lehrer in ihren Geſätzen/ und gleichſam der Jugend Præ ceptores oder Lehrmeiſter. Die Scheik ſind ihnen an ſtatt der Predigern/ die oͤffentliche Vermahnungen thun an die Gemeinde. 5 l 6215 Die Mueꝛim ſind die ſo auff den Kirch⸗Thuͤrnen dem Volck zum Kirchen⸗Gebat ruffen/ und gebrauchen ſich die Turcken weiter keiner Glocken/ wie ingleichem auch die Chriſten in den Morgen⸗Landern nicht zu thun pfſegen. Die Dervis ſind Tuͤrckiſche Moͤnnchen die ſich armſelig behelffen/ wie dann auch das Wort Dervis arm heiſt; ſind meiſtentheils auff eine poſſierliche Manier gekleidt/ und ins gemein lauter Scheinheilige und Gleißner. * e e 8 e e Das I. Capitel. 8 0 5 120 2 ee e „%% 7 h 5 5 * Von der Groͤſſe und denen auſßwendigen . 5 Gebaͤuen des Serrail. 5 8 Inhalt. Woher das Wort Serail komme/ welches allen Koͤniglichen haͤuſern in Tüͤrckey und Perſien gemein; Chriſtliche und wunderſame Gelegenheit des grofſen Serrail in Conſtantinopel. Deſſen Weite und Groͤſſe⸗ wie auch ſeine Form/ und was auſſen daran iſt; ſchlechte Ordnung in jhrem Geſchuͤtz; deſſen unerfahrne Auffſeher; Wiewohl es annehmlich ligt/ ſo 3 macht es doch der Zwang ihrer vielen darinnen verdrießlich und unan⸗ 0 genehm. As Serrail des Tuͤrckiſchen FgFayſers/ deſſen Beſchreibung ich geſonnen dem Leſer vor Aucen zu legen iſt der Pallaft Als wo die Orhomanniſche Bee herꝛſcher gemeiniglich pflegen hre Hofſtadt zu halten. Es fuͤhren alle Königliche Häuſer beydes in 55 Tuͤrckey und Perſien zugehoͤren dieſen Nahmen/ der eigentlich von dem Wort Serrai herſtammt/ welches auff Perſiſch einen Pallaſt heißt. Es hat der Türckiſche Käyſer deren viel in unterſchiedlichen Provintzen ſeines Reichs/ unter denen die Vornehmſten ſind die zu Burſe und Adrianopel, in welchen zweyen Neſidenzen er ſich ſehr offt nach Erheiſchung der Reichs⸗Geſchäfften auffhält. Man ſieht allein in Conſtantinopel 3. Serrail, welche alle ihre beſondere Zierahten and Schoͤnheit haben. Das alte Serail iſt der Pallaſt/ darinnen ſich das Frauenzimmer aufhaltet/ welches des regierenden Monarchen Vorfahren zu dienſte geweſen; Sie kommen auß ſelbigem nicht herauß/ alß wann ſie verehlicht werden. Der Kayſer kommt gar ſelten dahin/ und geſchicht nur wañ er unluſtigs Gemuhts iſt/ daß er allda als in der Einſamkeit etliche tage zubringe. Das Serrail Hippodrome, welches Ibrahim Baſcha bauen laſſen/ der Kayſers Sol ya mans des anderen Tochtermann und Favorire (bey ihme ſonderlich in gnaden) war/ wird ſetziger Zeit vor ein Amphitearrum gebrauch fentliche Freuden und Schauſpiel⸗Wert⸗kampff und Nitter⸗ſpiel gehalten werden/ abſonderlich aber 9 75 ſolcher Ort zur Beſchneidung der Kayſerlichen Printzen gebraucht/ welches dann die allergroͤſſeſte ſolennität bey ihnen it. Das dritte iſt das groſſe derrail deſſen Beſchribung ich unter Handen habe deme auch dieſer Lamm gleichſam eigenthumlich zugelegt/ und davon verſtanden wird/ wann man weiters kein Wort hinzu thut/ es von den andern dadurch zu unterſcheiden. Ich wil mich nicht lang auff halten bey Exzehlung wie die Gebaͤude auffgeführt ſind/ an nen nichts ſonderlichs und ungemeins zu ſehen/ ſondern es vielmehr dabey bewenden laſſen/ was in einem jeglichen Zimmer dieſes gossen Pallaſts ſonderliches vorgeht und zugeſchehen pfeegt.„ Das groſſe Serrail iſt ſehr weitlaͤuffig und ſtoßt das End dieſes Baus an die Spitze des Lands/ da vor dieſem das alte Bizanz geſtanden/ ligt an dem Boſphoro Thracio(Meers⸗enge) wo ſich das Griechiſche Meer mit dem Ponto Euxino vereinbahret/ welches dann der Statt Conſtantinopel ſolche vortreffliche Gelegenheit und Uberfluß verurſachet. Es geneuſſt dieſe groſſe Stadt jederzeit friſcher Lufft von einer oder der andern Seite des Meers/ es wehe nun der Wind woher er wolle/ und zwar ſo ſpuhret das Serraib als welches gegen dem Canal zu ligt/ allwo dieſe Meer zuſammenſtoſſen/ die darauß 1 5 Bequemlichkeit am allererſten und eſten. Es iſt in eine Triangular oder dreyecktichte Form gebaut/ die eine Seite geht gegen dem feſten Land und ſtoͤßt an die Statt/ die zwey andere aber ſind von der See umbffoſſen/ wie auch von einem Fluß der ſich ſelbiger Orten 8 Wunmderſa, me Gelegenheit des Groſſen Serrail zu Conſtafiti. opel. Seine weite/ Form und auſſerliche Gebaͤude. hineinſtürtzt. Dieſe Triangular Fi gur iſt wegen ſeiner Seiten von ungleicher Erſtreckung und Lange/ und wo man den gantzen Begriff in 8. gleiche Langen abtheilt/ kommen deren drey der Land⸗Stite zu/ die übrigen 5. aber ſehen gegen den zwey Waſſeren. Es halt der Bezirck dieſes Pallaſts in die drey Italianiſche oder drey vierdem ſchoͤnen Sophien Tempel ſihet/ bif Meer/ wo man nach 85 00 55 dee ſen Thurnen werden des Nachts/ Amazoglan auffgeführt/ welche alda Wacht halten mmiſſen/ und gcht geben/ damit ſich niemand weder zu Waſſer noch zu Land dem Serrail nahere/ es koͤnnen ſelbige auch im Fall der Noth aus einigen Stücken Feuer geben/ die man allzeit geladen halt auff einem 8 Platz fünff kel gemeine Teutſche Meilen in ſich: iſt unb und of umb mit hohen und ſtarcken Mauren verwahret/ und an der See⸗Seiten mit viereckichten/ an der Statt Seite aber mit runden Thürnen verſehen/ deren jene zimlich weit voneinander/ dieſe aber erwas naher beyſammen ſtehen/ von dem groſſen Thor des Serrail, welches gegen 0 1 Beoeſcchrelbung des Serralls ger Entwerffung der bloſſen Szebclude uns auffKlaffter breit/ der die Lange des Serail beſtreiGn 55 Auff einem dieſer Thuͤrnen/ ohngefehr 100. Schritte vom groſſen Thor des Serrail, wo man abwerts dem weg nach Galata zu geht/ hat man ein artiges Gemach zugericht/ wohin der Kayſer bißweilen ſich verfügt ſeine Luſt zu pflegen/ in dem er die Leute kan ſehen vor bey gehen und fuͤhren/ ohne daß man ſein gewahr wird; etwas beſſer herunder gegen dem Geſtad/ iſt ein weiter und groſſer verdeckter Ort/ unter welchem als in einem kleinen Hafen man die Caic und Brigatin, das iſt/ ſeineduſt⸗Schiffe halt/ worauf der Herꝛ 5 110 11 die Luſt ankommt/ ſich ſpatzieren führen läßt. ö d. * Allernaͤchſt hierauff folget innerhalb der Mau⸗ f er derk Boſtangis Quartier/ welche zur Luſt⸗ſchiffart verordnet find; und etwas weiter faſt gegen der Spitze des Serrail, nach Scudaret zu/ hat Boſtangis-Bachi ſeine Wohnung/ der über das Garten⸗ Werck im Serrail geſetzt iſt/ wie auch uber alle andere Garten ſo dem Kayſer zuſtanAuff der Breite/ von der ich gedachte/ die nach 1 75 der Lange der Mauren des Serrail auffgeführt/ ſchütz und finden ſich 40. bis 50. Stuecke/ verſchiedener Groſunerfahrene ſe/ und ſind einige ſo weit daß ein Mann hinein N kommen könte. Gerad gegen über mitten au dem Cayal iſt ein Thurn auff einem Felſen auffgeführt zu ſehen/ welchen die Turcken nennen Quizerhuleſt, öder den Junfer⸗Thurn. Der wird von Boſtangis bewacht/ und ſind auch daſeſbſt Stucke die dem Maſſer ſchier gleich ſtehen/ welche die Meer⸗Enge beſſer bewahren/ als die ſo an der Spitze des Pallaſts ſtehen/ als welche ins gemein ohne Laffeten und gantz nicht brauchbar ſind. So mangelte ihnen uber diß aueh an 8 guten Conſtabeln/ dann wo alle dieſes Geſchutz wohl zugericht/ und von tüchtigen Leuten regiert und gebraucht wurde/ koͤnte man die auß dem Milttellandiſchen/ und von dem ſchwartzen Meer Ponto Euxino) dahin ſchiffende auch beſſer im Zaum halten.. Etliche Schritte von dem Ort wo jetzt gemeldete Stücke ſtehen/ ffießt ein Bruñ auß dem Serrail heraus/ der ſehr Waſſerreich iſt/ welches denen Schiffen zur Bequemlichkeit geſchicht halten/ die doch/ als oben erwehnt/ nichs ſonderlich praͤchtigs an ſich haben; was auch diejenige wiedriges anführen mogen/ welche dieſelbige offt in meiner Gegenwart wunderſchoͤn fur gemahlt/ und heraußgeſtrichen/ aber doch nur auf einen Grund der in ihrer bloſſen Einbildung beſtanden. Ich hab am Serrail alles zu Geſicht bekommen/ was einem Frembden immermehr zu ſehen erlaubt wird/ ſo hab ich auch deſſen Augenſchein zu underſchiedenen mahlen/ auff underſchiedlichen Reiſen eingenommen/ aber nach genauer Beobachtung beyder erſten Hofen/ des Divans und Saals/ wo man denen Geſandten Verhoͤr gibt/ nichts finden koͤnnen/ daß an Schoͤnheit ſo gar vortrefflich ſey. Zwar iſt nicht zu laͤugnen /es find ſich in allen Gemächern ein Uberflus an Marmer und koſtbahrem Porphyr; aber es ſind doch alle Zimmer ſehr verſetzt/ es iſt nichts nach ordentlicher Baukunſt auffgefüͤhrt/ und fallt ſehr wenig Liecht in die meiſte Gemächer/ deren beſte Zieraht in reichen und koſtbahren Teppichen beſteht/ damit der Boden belegt iſt/ und in Küſſen ſo mit Silber und Gold geſtickt/ auch einige mit Perlen erhaben und außgeziert ſind. Aber im grund der Warheit und wann wir die Sach ins gemein bedencken/ ſo geben die Mauren und Thurne/ ſo das Serrail umbſchlieſſen/ demſelbigen mehr die Geſtalt eines unfreundlichen und greulichen Gefaͤngnuſſes/ als eines Königlichen Pallaſts; und ſind die Gemacher/ darauß es beſtehet/ bey weitem nicht ſo praͤchtig und luſtig/ als unſere Pallaſt in Franckreich oder Italien; daher dann denen Augen eines Liebhabers um gemeiner Sachen nichts vorkymmet/ ſo ihn lang aufftuhalten fähig were. Was dem Serrail die groͤſte Annehmlichkeit machen koͤnte/ ſt deſſen vortreffliche Gelegenheit und kan man ſich gewißlich faſt keine ſchoͤnere einbilden/ maſſen es gegen Auffgang der Sonne liegt/ und die gantze Hohe und Niedre eines Hu gels in ſich ſchleußt/ der von der Sor hien Kirch bis an den Canal reicht. 1 Die Gebaude ſind da auffgefuhrt/ we den Hügel am erhabenſten iſt/ und gehen gegen die Garten/ welche abhangig naeh der Mauren die allda vor Ancker liegen/ und ſich deſſen be⸗ zu angelegt ſind/ wie gu uff das Maſſer bendienen mögen/ maſſen onſt umb keiner Urſache der am Eck des Serrail zuſamenſtoſſenden Meewillen jemand erlaubt iſt/ wer 0 ſey alda re: und kan alſo der Käyſer von dort auß auff ans Land zu ſteigen. Naͤchſt an ſolchem Brun⸗ einmahl die Grantzen Europk und Aſiens ins nen iſt ein groſſer zierlich gebauter Saal zu ſe⸗ Geſicht faſſen/ als in welchen benden Theilender hen/ wohin ſich der Kayſer zubegeben pflegt/ wann Welt er die Grantzen ſeiner Here chafft je langer ſeine Flotte in die See laufft/ und von dar wie⸗ je mehr erweitert. Aber doch iſt ein Gefangnuß der zurück kommt/ oder wann er ſich etwann niemahls anmuhtig noeh ſchoͤn; und werden im mit einer Spatzierfahrt und Fiſcherey ergotzen Serail wenig Kente ſeyn/ die nicht lieber unt eiwil. ner Bauer⸗Hultte zu frieden weren/ wo ſie nur Annehml Aber genug von dem ſo gußwendig am Ser- die liebe Freyheit in ihrer Geſellſeyaſſt hatten che gelegen Tail zu ſehen wir wollen uns nun hinein machen/ als daß ſie ſich in einen Pallaſt unter ſo rauer und ſtrenger dileiplin, unguffhorlich muſſen heil aberun und wieſwehr alda acht haben/ was in jedem 1 Gemach des Serrail vorgeht/ als mit weitlaufftiwegen de Zwangs 7 6 einge ſchloſſen ſehen. detrail 2 des Groß⸗Tuͤrcken. 8 FEEETETFCCCCCCCCCCCCCCCCC Das II. Capitel. 5 Vondem enſſerſten Hof des Serrail/ und abbeonderlich von dem Stech⸗ oder 8 Brancken⸗Hauß. 5 Inhalt. ö Ordnung im Siechen bauß des Serail. Wie ſchwer es ſeye Wein hinein zu brin. gen. Liſtige Anſtalt dadurch etliche darinn angenommen worden/ ob ſie ſchon nicht kranck ſind. Abſcheuliches Laſter der Unzucht ſo durch gantz Orient gemein iſt. Wie man vergebens ſich bemuͤht ſolches abzuſchaffen Verfluchte Schand⸗ that zweyer Ichoglan. Holtzkammer im Serrail. Groſſer Nutz ſo die daraus ziehen/ welche daruber geſetzt ſind. Ubung mit dem Gerit oder Wurffſpieß. Freygebigkeit des Kaͤyſers, Exdichtete Beſcheidenheit der groſſen Herzen bey Hof. Nter allen Thoren/ dadurch man ins Serrail kommen kan/ ſo wohl auff der Waſſer Seite als gegen dem Land/ iſt das “Thor ſo nach der Sophien KirDeache geht/ das Vornehmſte. Dieſes bleibt allzeit offen/ hingegen werden die andern nur geöffnet wanns dem Kayſer beliebt. An denſelben ſieht man nun nichts als ein groſſes Thür⸗geſtell/ ſo aber durehauß nichts prachtiges von ſich zeigt/ und ſind bloß etliche guldene Buch ſtaben daran zu leſen/ die auff Arabiſche Art ateinander gefügt und mit Laubwerck eingefaſſt ſind. Dieſes Thor wird von 50. Capigis verwahrt/ die mit Rohren/ brennenden Lunten/ und einem Sebhel bewehrt ſind/ und komt man durch dieſes Thor in den erſten Hof des Serrail, welcher in die 400. Schritt lang und 100. breit/ jedoch ungepflaZur rechten dieſes erſten Hofs/ ligt ein lan„ges Gebaͤude das viel Gemaͤcher hat/ und dient dem gantzen Serrail zum Krancken⸗Hauß wat und oder Lazaret. Der Eingang in daſſelbe wird ng 5 fin ge. deen werdurch einen Verſchnittenen beobacht/ der ſehr viel Leute un der ſich hat/ welche die Krancke bedienen müſſen/ denen man ihrem Stand und Condition gemaß Stuben und Gemaͤcher in ſolchem Hauß einrauumt/ wo ſie ſo dann können beſſer gewartet werden als an dem Oin den ſie ihrer Unpaßlichkeit wegen verlaſſen müſſen. Die zwey e DBoctores und Artzke die ſie Hequinzbaſchi und Geirabaſchi nennen/ beſuchen ſie taglich zu gewiſſen Stunden. Man kan ſich kaum eine ſchoͤnere Ordnung einbilden/ als die ſo an dieſem Ort beobachtet wird; Und komt der Kayſer je zuweilen in Perſon dahin/ und befragt ſich auffs genauſte wie es umb die Kraneken ſtehe; auff was Weiſe man mit ihnen umbgehe und ihnen warte/ ob ſie ſleiſſig von den Artzten beſucht werden/ und ob alſo ein jeder Bedienter beym Krancken⸗hauß ſein Ampt treulich verꝛichte. Es bleiben nicht viel Zimmer allda leer/ maſſen der eine kaum herauß iſt/ ſo komt ein an derer hinein; und wie wohl der Ort nur vor die Krancken beſtimnt iſt/ ſo laſſen ſich doch manche hinein tragen/ denen nicht das geringſte mangelt/ und ſuchen alſo unter einer erdichteten Kranck eit/ entweder faule und gute Tage zu genieſſen/ oder ſonſt ihr ünluſtig Gemüth zuerfriſchen. Sie bleiben ſo dann 10. bis 12. Tag darinnen/ und finden allda Gelegenheit wie ſie ſich ihrer Manier nach an einer elenden 1 oder vielmehr haßlichem Geplar der ſtimmen/ und Getoß der Inſtrumenten erluſtieren/ welches des Morgens anfaͤngt und biß in die Nacht hinein wahret. Die Erlaubnuß Wein zu trincken/ e ſie allda und ſouſt an keinem Ort haben/ lockt ſie vielmehr dahin als die Mui. Dieſe Erlaubnuß aber/ welche man gleichſam verbergen und heimlich halten wil/ und welche die aberglaͤubiſche Turcken nicht offentlich und allen gemein zu machen begehren/ iſt mit 1000. Beſchwverlichkeiten begleitet. Denn es iſt ſcharff verbotten in Gegenwart des Oberguffſehers/ nemlich des vorgedachten Verſchnittenen/ der bey der Thür ſtehet/ Wein hiuein zu tragen; wann auch einer darüber betretten wird/ ſo kan er die Setraff der beſtimten 0 Schlage/ und 300. Alpres vor die ſo ihn brugeln/ nicht vermeiden. Weißt er aber ſich geſchicklich mit dem Wein durch zu practiciren, daß man ihn bey der Thur micht anhalt/ ſo iſt er/ ſo bald er hinein iſt/ auſſer Gefahr/ und doͤrffte jhn auch in Gegenwart des Kayſers ungeſcheut trincken. 3 „Der wenige Wein/ ſo auf dieſe weis hinein- Jie scher kommen kan/ were vor ſo viel Leute nicht genug/ esſey Weis Wege weren da man ihn hinein zu wann nicht andere mit geringerer Muh und Beſchwernuß konte bringen. hinein bringen. Weil diß Siechen hauß auff einer Seite an den Garten ſtoöſſt/ von dem es nur durch eine ſchlechte Mauer abgeſondert iſt welche nicht ſonderlich hoch iſt; als kommen die Boftangis oder Gartner in deim ſie ſehen daß der Wein ſo theuer iſt/ die im 85 8 1105 nicht wiſſen/ wo ſie ihr Geld alles hinthun ſollen/ und loſſen des nachts gautze Schlauchen von Bocks häuten voll Wein gefüllt an Stricken über die Mauer hinüber/ da ohn gefehr 40. biß 50. Maß in eine geht/ dit werden ſo dann von beſtelten Leuten ausdem Krancken⸗hauß abgenommen und Menger 2 Soſcher 5 Beſchreibung des Serralls verwehren Solcher Geſtallt kommt ſehr viel Wein hin⸗ dieſes Kranckenhauſes kommt zwar nicht von fc del ein/ wiewohl es ohne groſſe Forcht/ vom Bo- der Thür/ und hat 5. biß 6. Verſchnittene bey gens beſtangi Baſchi auff der That ertappt zu werden/ ſich/ beſichtigt auch alles was ein und auß wil müht. nicht geſchicht/ als welcher alle Nacht ſelbiger Or⸗ auffs allergenauſte: Aber alles vergeblich/ und ten auff der Runde umher geht. koͤnte er wenn er 100. Augen haͤtte/ dennoch aleiſt berjen⸗ Es geſchicht aber auch nicht vornehmlich um le dieſe Knaben unter ſo groſſer Anzahl der Halgen die hin das Wein krinckens willen/ daß die Schein⸗ vagis nicht erkennen/ und zwar um ſo viel deein kommen Krancke eine Urſach ſuchen/ wie ſie moͤgen etliche ſtoweniger/ weil man ſie offtmahls verandert ct kant Tage im Kranckenhauß zu bleiben haben/ ſo gar ind. befihlt er doch die jenige aufs grauſamſte zu ſtraffen/ die ſich unterfangen wolten es ihme nach Exempel ſolches billichen ſolle; beſtellt auch zu verzichteten ſie ſo dann eine That/ deren man haben. In dem Kranckenhauß aber iſt es un⸗ ze moͤglich zu verhüten: und beſticht man durch Geld ringer Arbeit braucht im Serrail. Dieſes Geund ſie zu Janitſcharen macht/ oder ſonſt neue daß ſich auch deßwegen einige durch ſchlimme an der alten Statt anmmmt/ die man in andeMittel ein geringeres Fieberlein an den Hals re Aempter verſetzt. Begiebt ſichs etwa/ daß ziehen/ das bald wieder vertrieben werden kan: dieſer Oberauffſeher unter den Verſchnittenen/ Sondern es reitzt ſie hierzu ihre verfuchte Brunſt wind davon bekommt/ und die Sach auß zuan/ die wiewohl ſie der Natur zu wider iſt/ dan⸗ bringen ſucht/ ſo weißt man ihm alſobald das noch ihnen allen faſt naturlich zu ſeyn ſcheinet/ Maul zu ſtopffen mit einem ſeidenen Kleid/ ound trachten ſie darumb nach allen erſinnlichen ö Mitteln/ wie ſie ſelbiger genug thun und ihre dann ſeinen meiſten Nutzen zu ziehen pflegt. Geluͤſt buͤſſen moͤgen. Denen Lchoglan fallt der anderm angenehmen Geſchenck/ darauß er Kurtz/ es iſt dieſe unmenſchliche Luſtreitzung ſo Mn es ſehr ſchwer ſie zu vollbringen/ ſo lang ſie noch gemein bey den Turcken/ ja durchgehends in nun ahh in ihren gewohnlichen Claſſen ſind/ da ihre ſtren⸗ Orient, daß wie ſorgfaͤltig man auch iſt ſolches Weil in. ge Auffſeher Tag und Nacht ſie gar genau in zuhindertreiben/ man gleichwohl ſehr ſchwer ganzcl acht nehmen/ wird ihnen nicht das geringſte u⸗ darzu gelangen kan. Es fanden ſich zu meiner mißhand berſehen. 5 Zeit zwey Pagen, dieſe/ weil ſte ihr boͤſes VorDann obſchon der Tuͤrckiſche Kayſer an eben haben im Serrail nicht koͤnten zu Werck richten/ der ſchandlichen Brunſt kranck liegt/ deren Na⸗ machten ſich auff noch weit ſchandlichere Weimen nur zu nennen man ein Abſcheu tragt/ ſo ſe in die Kirch/ um allda ihren viehiſchen Begierden ein genugen zu leiſten. Nach verꝛichtetem Gebet/ lieſſen ſie jedermann hinauß gehen/ und nach zu thun. Gehet alſo ſolchen Ubel ſo viel entge⸗ dem ſie ſich ſo wohl verkrochen/ daß der/ weleher gen als ihm moͤglich/ nicht wollend/ daß ſein die Thur zuſchloß/ ihrer nicht gewahr wurde/ dem End die Verſchnittene/ daß ſie es verhin⸗ ohne grauſen und abſcheu nicht gedencken kan. Holl dern ſollen/ welche dann deßwegen die Augen Auff der lincken Seite dieſes erſten Hofes des Seti faſt nimmer zuthun /ſondern ſcharffe Auffſſcht gegen den Kranckenhauß über/ haben die Amazoglans ihren Auffenthalt/ welche man zu geund Gaſtereyen die daſelbſt dienende Verſchnit⸗ baue halt einen groſſen und weiten Hof in ſich/ tene/ man fuͤllt ſie mit Wein und anderm Ge⸗ allwo ſo wohl umnb und umb als in der Mitte kraͤnck voll/ und laſſt ſo dann junge Knaben aus Holtzkammern ſind/ die man jahrlich wieder ander Stadt hinein/ die ſich da in der Menge fin⸗ füllt/ und laͤſſt ſich da in die 400 oo. Karꝛen den. Damit man die Verſchnittenen deſto beſ⸗ Holtz hinein legen/ da dann in einen Karn ſo ſer hintergehe/ ſo verkleidt man dieſe Knaben als viel geht/ als 2. Ochſen ziehen mogen. Dieſes Halvagi oder Leute die mit Zuckerwerck umb⸗ D Holtz kommt theils über das ſchwartze Meer gehen/ welches dann gar leicht angeht/ weil e⸗ her/ theils auch uber das Mittelmeer; und glei ben dieſe Halvagi denen Hof bedienten auffwar⸗ wie deſſen jahrlich ein Theil uͤberbleibt/ abſonten/ und alle ihre Poſten in die Statt ab und derlich wann der Kayſer den Winter uͤber nicht zuruck tragen. in Conſtantinopel iſt/ ſo kommt dieſer Reſt den Dieſer Halvagis ſind allezeit 600. an der man nieht viel gehtet den vorgeſetzten der Ama ſet Zahl bey Hof; ſie haben bloß die Kleidung und zog lan zum beſten. Sie wiſſen ſich ſolches ehr Fug den Roſt ohne einige fernere Beſoldung/ außgenom⸗ wohl zu Nutz zu machen/ wann man daß Holt zie daran men diejenige ſo ſchon in die 13. oder 14. Jahr auß den Schiffen und aus Ufer bringt; weil ſie haben daselbſt gedient haben. Ihre Beſoldung fangt nun beyläufftig überschlagen was in den Holte het fin mit 2. alpre an/ und kommet auffs hoͤchſte mit kammern noch uͤbrig iſt/ ſo verſchicken ſie ſo viel gel der Zeit guff achthalb: allein ſie haben von an⸗ darvon in die Statt/ wo ſie ihre Kunden haben/ derm groſſen Nutzen/ und wiſſen ihren Vortheil welches ſte dann mit deſtoweniger Gefahr thun in acht zu nehmen aus denen Verꝛichtungen konnen/ weil man auff ſie keine acht hat/ und ſie die man ihnen auffträgk. Gleichwie niemand ihrem Ampt ſchon ein Genügen thun/ wann die als ihnen allein/ erlaubt iſt bey Hof ein und auß Holtzſtoͤſſe nur zu der Zeik voll ſind/ da man zugehen/ alſo ſchlagen ſie auff alles doppelt Gelt ſonſt dieſen Vorꝛaht zu machen pflegt. Fur diß was ſie 15 5 groͤßſte Gewinn aber waͤchßt Holtz min/ daß ſie ſolcher geſtalt auff die Seite ihnen zu auß ſolchem ſehandlichen. Handel/ da ſie rücken/ bekonnmen ſie ihr paar Geld/ und belauſſe ihren Herden junge Knaben zuführen/ welchen ſich ſolches auff eine Summe die gewiß lich vor ſie ihre Kleider anzulegen geben/ und alſo mei⸗ der gleichen Leute nicht gering zu ſchatzen. 19 ſterlichen in das Kranckenzauß wiſſen hineinzu Auff der Seiten des Krauckenhauſes wi une bringen. Sie tragen auff dem Haupt eine wohl ein weng beſſer unden(dann das Sers 15 Wu weiſſe Mütze/ die oben ſpitzig zugeht wie ein ligt etwas gebogen oder abhangig auffallende ſpieb15 10 uekerhut. ten/ doch daß mans faſt nicht merckt/ bis an di facher Der Haſteler Agaſi, oder Ober⸗Vorſteher Spitze wo ſichs endiget) komt man u * kit erg. 0 2 Mae oho 15 11 1 ft nennen. Von dieſem Thor/ das hinunterwarts fuhrt/ allwo man gleichſam etwas erhaben und als auff einem Huͤgel ſtehet/ geht man in einen ſehr anmutigen und ſchoͤnen Platz hinab/ welchen der Kayſer allzeit rein und ſauber halten laͤſſt/ dahin ſich auch die groſſen Herzen am Hof verfügen/ und ſich im Girit oder Wurffſpieß üben; welches dann meiſtentheils am Freytag geſchihet/ wann man auß der Kirche geht. Von obberüͤhrtem Thor biß an dieſen Platz ſind ungefehr in die 200. Schritt/ und befinden ſich dieſen Tag allzeit in die oo. Perſohnen im Vorhof/ ohne daß einern eintzigem erlaubt wird hinein zu kommen/ wann er nicht auf Befehl des Giritbey, als des Haupts⸗ und Vorſtehers dieſes exerci- ſo tii, dahin ee Die Zahl derjenigen/ welche in dieſen Rennplatz kommen/ belaufft ſich Fegg, oftmals biß auf ooo. Wann nun der Kayſer/ air des Ka der ſich allzeit in Perſon bey dieſem Spiel ein%, findet/ das oft einen gar traurigen Aufgang hat/ ſich dabey etwas ergoͤtzt hat/ zumal wann etwa einer an einem Glied eine Letze gekommen/ ſo pflegt er einem jeden mit einem Beutel zu beſchencken/ der/ als oben gedacht worden/ Joo. Thaler in ſich halt. Dieſe Geſchencke aber ſind je zuweilen von hoͤherm oder minderm Wehrt/ nach dem er alsdann froliches Gemuhts iſt/ wie er jhnen dann manchmahl beym Abſcheid bis auff zehn Beutel laſſt außtheilen. 0 Der Schaßmeiſter welcher ihm überall nach5 folgt/ und in die ry. biß 20000. Real ſo in Gold als Silber⸗Munk ſich laßt nach tragen/ iſt allzeit bereit und fertig ſeinen Befehl zu gehorſamen. (ͤͤ des Groß⸗Tuͤrcken. groſſe Garten⸗Thor das ſie Bagge Carpuſi 2 Abſonderich iſt hiebey zu mercken/ wan es nun an dem iſt daß der Kayſer ſeine Geſchenck denen wil außtheilen die ſich vor andern in dieſer Ubung kapffer gehalten, daß ſich ſo dann die groſſe Herꝛen deß Hofs/ welche gleich den an⸗Herꝛen am dern ſich daſelhſf befanden auß Hoöffchkeſt all. def gemaͤchlich auff die Seite machen/ und laſſen anderen geringeren/ die es auch mehr bedurfftig ſind/ ſolche Geſchencke zukommen. Es ſey nun daß ſie es auß Großmuhrigkeit thun/ oder auß einer falſchen Beſcheidenheit; ſo haben ſie es einmahl im brauch. Nachdem der Kayſer ſich weg begeben/ iſt denen ſo im Hof zuruck geblieben/ und die den Wurffſpies zuführen wiſſen/ erlaubt/ ſich hinein zumachen/ und den gantzen Tag in lcher Übung zuzubringen. Dieſe aber/ wie gut ſie es quch machen/ und wie gute Stoß ſie davon tragen/ doͤrffen ſich keiner Verehrung getroͤſten; da iſt kein Kayſer mehr der ihrer Taßfferkeit zuſehe/ noch ein Schaßmeiſter der ſeiner Freygebigkeit Pfänder unter ſie theile. Sondern ſie pflegen unter ſich ſelbſt Wettungen anzuſtellen/ wer den beſten Streich fuhren wird der beſte Streich oder Wurff aber geht an den Kopff. Da ſieht man dann gemeiniglich/ daß ein Aug drauffgeht/ oder ein Stuck vom Backen/ und gewinnt dieſes Feſt offt bey manchem einen ſehr kläglichen Außgang. Und diß iſts was ſonderlich merckwurdiges in dieſem erſten Hof zu ſehen und anzutreffen; nun wolſen wir in den andern kommen/ und vernehmen was in allen deſſen Wohnungen das ſonderlichſte und beſte zubemer5 i Vom andern Vorhof/ wo die lien Ställe 1 T lich geſpeißt werde im Serrail. W. Der Hof iſt N% oil Zierahten. Die Geſchi 0 5 der la IK ren/ dero ſchoͤne Ordnung 7 Wie viel ee ee ie viel der Kuchen ſeyen. Was gewohnie man den Pilau zubereit. Abſonderliche Mair im Braten ſo in den Morgenlaͤndern im Brauch. Die Tuͤrcken haſſen das Haſen Fleiſch. Die Suͤßkoche/ oder Zuckerbecker. Verſchiedene Arten wie der Sorbet der Tuͤrcken ordinari Tranck/ gemacht wird. Waſſer⸗Kaſten/ da alle Waſſer im errail außgetheilt werden. Der kleine Stall. Loſament der Verſchnittenen. * 5 Uß dem erſten Hof/ in welchen die Baſcha und vornehme am f Hof hinein reiten moͤgen/ wodſelbſt ſie aber abſteigen/ und alou Fuß weiter hineyn gehen ee müſſen/ komt man in den andern/ und diß abermahl durch * pigis bewacht wird. Dieſer andere Hof der den erſten/ von dem wir allererſt abgewichen/ an ein Thor/ welches gleich dem erſten von zo. Ca.„ 5 0 Schonheit und luſtiger 0 ungeſehr 300. Schritt weit und gerade vier⸗ 7e. eckicht/ n welchem aber nichts als die Wege gepflaſtert/ und das uͤbrige alles grun überwachſen. Er iſt mit ſchoͤnen Eypreß⸗Baumen umge24 ben/ und wird von Spring⸗Brunnen befeuchtet/ wo man dann aller Orten Schꝛancken findet/ zu verhindern daß der grune Waſen durchs Gehen e J f werde. Man liſet über dem Thor dieſes Hofs ſolgende Worte mit guldenen Buchſtaben geſchrieben 7.2 Ilahe IIa Alls, Muhammed Reſul Alla, ö 5 16 5 Beſchreibung des Serrails 2 Das iſt: 5 Es iſt auſſer Gott kein Gott/ Mahomet iſt von Gott geſandt. Relſul heiſt ein Geſandter/ welcher der ſchoͤnſte und beſte Titul iſt/ den die Türcken ihren Propheten zulegen. ö a czanitſcha⸗ Zu beyden Seiten dieſes Hofs ſind ſehr hübde geſchickte ſche offene Gaͤnge zuſehen/ die auf Marmorſteiand anne, nern Saulen ruhen/ an welchen ſich der lange 12 nach in Bataille, und als in Schlacht⸗Ordnung in ſchoͤner; die Compagnien der Janitſcharen zu ſtellen pfeOrdnung gen/ wan der Kayſer bey Ankunft eines Geſandgehalten. fen/ dem er Verhör geben will/ ihnen befihlt ſich munter/ geruͤſt und aufgebutzt vor demſelbigen ſehen zu laſſen. 3 Zur rechten Hand/ hinter dem Gang/ wo ſich die Fanitſcharen an den Gerichts⸗Tagen hin zuſtellen pflegen/ ſtehen die Küchen und Kellereyen/ die von einander unterſcheiden/ und jede mit jhren gewiſſen Vorſteheren und Bedienten verſehen ſind. Vor dieſem waren deren 9. ietzt aber hat man ſie biß auf J.eingezogen. Jede Kellerey oder Küche hat ihren Küchen ⸗oder Kellermeiſter/ und iſt 1 alle geſetzt/ den ſie Akegibachi nejien/ we ugebie Die erſte Küche/ welche die Kayſerliche TaAnzahl und fel verſiehet/ nent man Haſmutbak. Die andere/ 15 Küchen genandt Valede- Sultanum-Mutbaki, iſt vor die Baultaninen, als die Kayſerliche Mutter/ die Gemahlin/ oder beſſer zu reden die Princeſſin/ ſo er vor anderen und am meiſten liebt/ welche das Gluͤck gehabt einen Nachfolger im Reich zur Welt zu bringen/ wie ingleichenn die Schweſteren des Kayſers und deſſen Toͤchteren. Die dritte fuͤhrt den Namen Kizler-Agaſinum- Mutbaki, und iſt beſtimt vor den Oberauffſeher des ene und anderer ſchwartzen Verchnittenen/ ſo zu deren verwahrung beſtellet ſind. Die vierte gehoͤrt vor den Kapu- Agaſi, oder Groß⸗Hofmeiſter des Jerrail, welcher am ofſten und meiſten vor den Kayſer kom̃t/ deſſen Ampt ſich/ als oben erwehnt worden/ uber alles erſtreckt/ was in den Kayſerlichen Hof gehort; diſe Kuͤche verſorgt auch die Beampteten im Divan, oder groſſen Raht. Die fünffte ſpeißt den Chaznadarbachi, oder Oberſt⸗Schatzmeiſter/ und die ſo under ſeiner Bottmaſſigkeit ſind. Die ſechßte iſt des Kilargibachi, oder Oberſten Schencken und deren die ihm untergeben i Die ſiebende und letzte gehoͤrt vor dem Sarai-Agaſi, und alle Bediente die unter ſeiner Gewalt ſind. Die Boſtangis betreffend/ ſo ihre Dienſte in den Gaͤrten haben/ kochen ſich ſelbſt/ und beſtimmen einige unter ihnen/ die für alle die anderen die Küche verſorgen/ und jhnen zu eſſen verſchaffen. Und werden derer etliche auch ſonſt in den Dienſten des Käyſers anderwertig gebraucht. i i Was man Es kommt kein Rindfleiſch in die Kuͤchen des ins gemein Serrail: hingegen werden täglich ins gemein ſo n en wohl vor die Leute die innerhalb als die auſſerle, halb des Hofs ſechbefnden/ biß in die„oo, ſtück f Schaaf verbraucht/ darunter aber auch die Laͤmmer und Boͤcke mit begriffen ſind; der meiſte theil dieſer Schaafen komt von den Perſiſchen Grentzen dahin/ allwo vortrefffiche Schaafe gezogen werden. 8 5 Hierauß laßt ſich nun beylaͤuffig der proporera oo. Köchen zugebieten hat. tion nach ſchlieſſen/ wie viel groſſe und kleine Huner und Tauben verbraucht werden/ deren Anzahl nach Beſchaffenheit der Jahrs⸗ eit ſteigt und fallt; uͤber diß was vor Reiß und Butter zum Pilau erfordert werde/ welches in der Tuͤrckey und dem uͤbrigen gantzen Orient die niedlichſte Speiß iſt. Dieſe Volcker/ welche maſſig leben/ und nicht viel nach niedlichen Trachten ſtreben/ haben wenig andere auſſer dieſer. Weil nun ſolche S peiß nicht ſo gar zu verachten iſt/ werd ich vielleicht bey denen Frantzoſen und anderen Narionen keinen Haß verdienen/ ſo ich jhnen zu wiſſen mache/ wie man ſolche zubereitet. Machen alſo die Tuͤrcken und ins gemein alle 201 Morgenländer den Dilau guf folgende Art. Man richtet ſich nach dem Stand und Amahl der Leuten vor die er gehoͤrt/ und nimmet entweder bloß Schoͤpffs⸗oder Hammels⸗Fleiſch/ oder Huͤner und Tauben/ läßt ſolche in einem Topf kochen/ und zwar ſo lang biß halb und etwas mehr außgekocht iſt; nach dieſem ſchuͤttet man beydes die Bruͤh und das Fleiſch in eine Schuſſel/ waͤſcht den Topff auß und laßt etwas Butter in demſelben uͤber dem Feuer wohl heiß werden. Hernach ſchneidt man das Fleiſch/ ſo halb geſotten, in kleine/ die Huner aber in 4. und die jungen Tauben in 2. Stücke/ ſo dann thut mans in den Butter/ laͤßts darinn praͤgeln/ davon es dann die Farb bekomt wie ſonſt ander geroſtet Fleiſch. Hernach thut man Reiß/ der zuvor wol gewaſchen/ uber das Fleiſch/ ſo viel man vor gut befindet/ und ſchoͤpfft mit einem Loͤffel von der in der Schuſſel gebübenen Brüh daran/ biß ſo viel wird/ das es einen guten Finger uͤber das Fleiſch gehet. Darnach legt man einen Deckel ijber den Topff/ macht ein Feuer darunter/ und nimt immer zuweilen etliche koͤrnlein Reiß herauß/ umb zu ſehen/ ob er bald weich/ und es vonnöͤhten ſey/ daß man noch etliche Loͤffel Brühe daran thue/ damit er recht außkochen kan. Dann dieſer Reiß iſt nicht wie der unſerige/ der alſobald gufſpringt; ihr Reiß muß auch/ wann er ſchon fertig und gekocht iſt/ dannoch gantz bleiben/ wie auch ingleichem der Pfeffer/ damit ſie ihn wurtzen. So bald er nun in ſolchem Stand iſt/ bedeckt man den Topf oben mit einem f. oder 6. fachen Tuch/ und legt darnach den vorigen Deckel noch druͤber; bald drauf laßt man wider Butter vergehen/ und ſolchen wohl braun werden/ ihn in die Loͤcher zuſchutten/ die man mit dem Stiel des Kochlöffels in den Reiß macht/ deckt ſo dal den Topf geſchwind wieder zu/ damit es ſo lang fort koche biß mans anrichte. Man thut es alhdann in groſſe Schuſſeln/ und lege das Fleiſch fein ordentlich darauf/ das eine muß man in ſeiner natürlichen Farbe/ weiß laſſen/ das andere gber wird mit Saffran gelb gemacht/ und das dritte theil roht durch eine Granat⸗Apfel⸗ BrühWann nun gleich das Fleiſch an ſich ſelbſt fett iſt/ ſo fett wirs etwa eſſen i ſo ihun ſie doch/ den Pilau beſſer für ih nul zunenige, ber diß noch 3. pfund Butter an E. pfund Reiß, ſo daß er hernach ſo abſcheulich fett wird/ daß er denen/ die es nicht gewohnt ſind/ und ihren Re etwa lieber nur mit Saltz und Butter geko haben/ einen Eckel und Ungelegenheit verurſachel. Man pflegt von dem Pilau allzeit zwey oder dich Schiſſſeln voll bey den groſſen Herꝛen auff, Abſo 15 inder gen hi 1 la Abpnberl ten/ tvelche meiſtentheils offene Taffel halten/ und thut man an ſtatt des Fleiſches ſchoͤne Eyerkuchen auf den Reiß/ der auß guten Krauteren gemacht wird/ und wohl drey Finger dick iſt/ oder an ſtatt deſſen etliche eingeſchlagene Eyer/ die ſie ſchoͤn und ordentlich wiſſen zu ſegen. Der Reiß auff dieſe weiß bereitet/ ſchadet keinem nichts: gber jener der gar zu fett iſt/ taugt vor die nicht/ ſo Wein krincken/ und benimmt ihnen den Luſt dergleichen oft zu eſſen/ gar bald.. ij, Weil ich mich ſo weit in die Koͤcherey eynge5 greamer laſſen/ ſo muß ich doch die Türckiſche Küche recht moe gha entdecken( Uind auch ein paar Dort gedencken gaſandern. voll ihrer Art in Braten. Die groſſen Braten de Fut, ſieſen als Hämtnel und Lammer /brat man alſo gantz in denen Hefen/ die man zu dem end auff der Erde macht/ da hangt man ſie beym Kopf auf/ und Hifiit ſie eh nicht herauß/ biß ſie wohl gebraten ſind/ und ſo außſehen/ daß ſie einem Luſt zum Eſſen erwecken komen. Unten im Ofen ſetzt man gemeiniglich eine Schuſſel Reiß mit Waſſer/ darein das Fette tropft/ weil oft das Hinkerſtuck allein/ welches zuweilen F. biß 20, Pfund wiegt/ viel Jett von ſich giebet/ und faſt lauter Fett iſt. Der Reiß/ ſo ſolcher geſtalt wird/ mit Fette von den dammeken/ die doch ſo gar nicht fert ſind/ ſchmeckt uber die maſſen wohl/ und faſt ſo gut als der KalbsMeiß. Dieſe Lammerſtück mum/ wann ſie ſoleher geſtalt gebraten ſind/ werden anders nicht als mit dem Reiß zur Tafel gebracht/ und zwar an vornehmen Ti chen allzeit zwey in einer Schuſſel. Wird alſo vam Bratſpieß/ in der Turckiſchen Küche mihts gedacht auß genommen daf ſie ſich deſſen zu einigem Geflugel bedienen/ welches ſie ſo Ubel zurſchten/ daß es ſich nimmer ahnlich ſiht/ wann mans auf die Tafel tragt/ und man alsdann kaum Kopf und Schenckel von einander kennen kan. Hiebey laßt ſich aber mercken/ daß weder der Pilalt noch einige andere Speiſe zu anderer Zeit als des Abends um F. Uhien auffgetragen wird/ maſſen die vornemen Herzen nichts als Krätikerwerck/ Hulſenfrüchte/ Obſt/ Zuckerwerck und eingemachte ſachen/ vor Mit ag zu eſſen pflegen/ die geringen deute aber begnügen ſich des Vormittags mit Milchſpeiſen/ Melonen und Cucumern/ wanns an der zeit iſt. Von diſchen halten die Turcken nicht viel/ und eſſen deren ſelten/ ob ſchon das Meer und die Fluſſe derſelben voll ſindz e So komt auch ſehr wenig Wiltpret in jhre Kuche/ und werden weder das groſſe Wilk pret noch das Gevogel/ under die niedlichen Biſſen gezehlt; zumahl aber ſind ſis ben Haſen feind/ welches ich dann auch bey den Armeniern gewas ihnen merckt/ weil ſie dar vor halten/ es habe das Weiblein ſeine ordentliche Monathe wie die Weiber, Auß letzt erzehltem laßt ſich nun gnugſarm ſchlieſſen/ daß dle Türckiſche Tafel nicht ſonderlich deLicat und niedlich iſt/ und daß ihre tractamenten durchauß nicht vor manche unter uns waren/ die gern was guts eſſen. Im uͤbrigen aber b gehts in ihren Kuchen treffich nett her/ und wird man ſich nicht bald etwas ordentlichers oder leichrers einbilden konnen/ auch ſo wohl was das Geſchirꝛ als die Speiſen betrifft/ nicht bald et ſauberer und aufgerdumters finden/ ads bey des Gros ⸗Tuͤrcken. 17 Die Gemächer/ wo man das Confect zuberei⸗ Die Süße tet/ deren an der Zahl 6. oder 7. ſind gerad uber che und Zu. den Küchen/ darinnen wohl 400. Hal vagis ſte⸗ ckerbecker. tig zu thun haben/ welche durchsultau Soliman, der ſonderlich den Pracht liebte/ beſtellt worden/ welcher auch ſonſt alle andere Aempter/ auch von wem/ und wie ſolche ſollen bedient werden/ angeordnet hat. In dieſen„Gemäacheren wird ohn unterlaß gearbeitek/ und werden allda allerhand ſo truckene/ als naſſe Zuckerwerek verfertigt/ wie auch viel Sirup und Saffte/ und verſchiedene Arken von Furcki, welches Früchte ſind/ die ſie in Eſſig und Saltz ein nachen/ und ſtarcke Krauter dean thun/ gls Noſtarin/ Mraſoran und Salbey. 5 In eben dieſen Offieinen und kühſen Gema⸗ Je iche, cheren macht man auch den gemeinen Türcki⸗ ne Aken ſchen Tranck/ den man Sorbet neſmet/ und zwar wie dersorquf verſchiedene Manieren. Der ſo am gemein⸗ bet gemacht ſten iſt/ komt unſerer Limonade faſt gleich/ aber wird. es iſt ſehr wenig Waſſer daran/ und faſt lauter Safft von Hmonien/ Citronen mit Zucker/ Ambra und Biſem vermiſcht. Sie machen ihn auch noch auff eine andere Alt/ den ſie ſonderlich hoch halten/ nemlich auß einem gebranten Waſſer von einem Kraut/ ſo in den Teichen und flieſſenden Waſſern wachßt/ und wie ein 1 gußſiehet. Dioſe Blumen ſind gelber Farb und heiſſen Nülufer. Aber der Sorbet den ſie am höͤchſten halten/ und deſſen ſich der Kayſer ſelbſt bedient/ wie auch neben jhm alle Baſchas und gröſſe Herzen amn Hof/ wird auß Violen und Zucker gemacht/ es komt auch gar wenig Citronen Safft darein. Uber diß machen ſie noch eine gekwiſſe Gattung Trancks/ ſ ſie Magion heiſſen/ und beſteht auß pielen hitzigen Sperereyen. Vor den Kayſer wird ein abſonderlicher zubereitet/ genant Muſcavi, davon thut er einen Trunck/ wann er die Sultaninen heſüchen wil. Die vornehinſten am Hof/ laſſen ihn vom Klalvagibachi auch heimlich begehren/ der es jhnen dann nicht abſchlagt/ weil mans ihm theuer genug bezahlen muß/ und er alſo ſeinen groſſen Vortheil dabey ſchafft. Da iſt auch an Eiß und Schnee kein Mangel/ womit alle dieſes Getranck friſch gemaeht wird/ wie dann die Turcken ihre Niedlichkeit und Wolluſt mehr im Trincken als Eſſen ſuchen. Gegen diesen Okſeinen uber, iſt erg 10. be gene der 12. Schritt davon der Waſſer⸗Kaſten/ guß ner Kasten welchem alles Waſſer in das Serkail außge⸗ und Beha theilt/ und von dar an diejenigen Orte geleiket ber ſuurd wo man deſſen benöthigeiſt. Es befindet men ſich den gartzen Nag ein Baltag; allda/ der/ nach derm es him befohlen wird das Maſſer außtheilt und au gewiß Oefter fſieſſen laſt; Wann hun der Kahſer biskpeilen von einem Duartier zum andern ſpatzzert/ ſo ſpringt der Brunn ſtatig wo er vorbey geht, und kan man ſolches dem en ollemahl durch ein Zeichen zuroiſſen magen der Küchen über/ iſt Marſtall zuſehen worinnen er nur ekrwa 2. bis 30, außerleſene Pferde halt/ die vor die exerciria mit ſeinen favoriten beſtimmt ſind/ uber welchen Stall in groſſen Gemaͤchern die dazugehörige Sattel/ Decken Jaum/ Schwantzriei men/ ab ben ae nee Vorhofs gerade gee Der kleine des Kayſers kleiner Stall. 18 men/ und Steigbügel verwahrt werden/ welche wegen der koſtbarſten vielen Edelgeſteinẽ un⸗ tz ſchaͤtzbar ſind. Es finden ſich Pferdzeug drunter/ da eins auff 1ooo0. Pf. kommt. Die groſſen Ställe aber ſtehen der laͤnge nach an dem Canal der die Mauren des Serrail vorbeyfſeußt; ſie ſind beſtandig wohl verſehen und in trefflichen 5 h e 8er a bel ez Von dem S ſcharffen Gerechtigkeit laßt ber Beſchreibung des Sera . er b lg n eb e Das IV. Capitel. aal des Divans, und der 2 Stand/ und traͤgt man Sorg daß nie keine eintzige Stelle leer bleibe. Es halt der Kayſer allda ſehr viel koͤſtlichſte Pferde/ ſich deren im Krieg zubedienen/ oder ſonſt etwa bey einem prachtigen Auffzug/ wann er Frembde die Herzlichkeit und den Pracht ſeines Hofs ſehen e laſſen wii. eke welche der Kaͤyſer allda I,nhalt. 1 Der Saal des Divan iſt nicht ſonderlich praͤchtig. Tage an denen Naht gehalten wird. Schleunig Entſeheidung der Proceſſen, Warumb es ſo geſwehind in Gerichts ⸗Sachen hergehe in der Tuͤrckey. Verſchlagene Politio des Othomanniſchen Hauſes. Sorg ſo man traͤgt der Janitſcharen Auffſtand vorzukommen. Wie und auf was Weiſe der Kaͤyſer in den Raßt kommt. Verwegene That eines Iimar Spahi, der einen Groß⸗Vizir umbgebracht und doch Gnad erhalten. Kluger Kopff des dultan Amurats, und auff was Weiſe er hinter einen Diebſtal gekommen. Was die Tuͤrcken vor Roſenkraͤntze beym Gebaͤtt brauchen. Schoͤnes Exempel einer ſtrengen Gerechtigkeit. Zu welcher Zeit und auff was Weis der Kaͤyſer die laͤßt auß dem Weg raͤumen die ihm verdaͤchtig ſind. An welchem Tage die Abge5 ſandten vor den Dixan kommen. c Er Saal des Divans, ſo noch in dieſen andern Hof gehort/ folgt auff der lineken Hand des kleinen Stalls/ wann man ge— gen dem Kaͤyſerlichen Gemach vu wil. Es iſt anders nichts Der Saal des Divans 3 ſſt nicht ſon, 0 derlich 0 praͤchtig. als ein groſſer niedriger Saal/ ey gedeckt/ und inwendig an den Waͤnden mit uͤberguldetem Tafelwerck geziert iſt/ wiewohl er davon ſo ſonderliche Zierde nicht empfaͤngt. Der Boden iſt mit einem Teppich belegt/ und ſind etliche Baͤncke allda vor diejenige Beamtete/ auß welchen der Raht beſteht/ den die Turcken Divan nennen. Es ſind/ als oben gedacht/ an allen vier Ecken dieſes Hofs/ Gaͤnge/ von denen er ſchier ein Außſehen bekommt wie ein Kloſter; wann nun Divan gehalten wird/ ſo ſtehen allemahl die ſanitſcharen auff den Gang zur rechten Hand des Hofs/ ſo lang der Naht wahrt. 8 Welche Ta, Dieſer Rahts Verſamlungen ge Raht ge⸗ ich Vier/ und geſchehen an der Chriſten Sonnbatenwird. abend/ Sontag/ Montag und Dienſtag. Schleinige. Allda wiederfährt nun jedem/ ders begehrt/ Entſchey. ſein genau und ſcharffes Recht/ es ſeye in was Nane einer Sache es immer wolle/ und bedurffen A hall die ſtreitende Parteyen da weder Advocaten noch Procutatoren, von denen man in der Turckey nichts weißt/ ſondern es wird jederman ſelbſt vorgelaſſen/ und mag ſeine Sache in eigener Perſon vorbringen. Da wird keines Auffſchubs und Abweifens gedacht/ und laſſt man die Leute nicht lang warten; es wird jede Sach/ ſie ſey beſchaffen wie ſie immermehr wolle/ auff der Stelle verabſcheidet und beurtheilt. ſind wochentWiewohl nun dieſes eine ſehr lobliche Gewohnheit iſt/ ſo kan ſie doch unter den Chriſten nicht angehen/ dann die haben alle eigenthumliche Guter/ die einer auff den andern erbt und deſſen ſtreitige Parteyen ſich offt deß wegen in lange proceſs kinlaſſen. Mit den Groſſen bey der denen Baſcha und Landpflegern dahin geſandte Sclaven; drum fallen auch nach ihrem Tod alle ihre Guter dem Kayſer wieder anheim/ von dem ſie ſolche empfangen/ und iſt alſo hierin gleichſatm eine ſtetswehrende circulation und Umbwechßlung; ihre Kinder werden alsdann/ wie ich gleich zu Anfang erwehnt habe/ ins Serrail Pforte hingegen verhalt ſichs gantz anders/ dan dieſe ſind lauter im Krieg Gefangene/ oder von gefuͤhrt/ und daſelbſt erzogen/ doͤrffen ſich auch niemahls die Rechnung machen/ daß ſie ihren Eltern in dem Beſitz ihrer Gütern und Aemptern nachfolgen wollen. Das Orhomanniſche b 122 hat ſtetigs dieſe vorſchlagene Politic geabt/ groß und maͤchtig werde vom Vatter auff den daß ſie nicht zugelaſſen/ daß ein Geſchlecht we Nerſhlal g ne roi, ö bes Oi Sohn; ſo bald ſich etwa eines empor ſchwingt/ wirfft man ſelbiges wiederumb zu Boden/ und benümmt alſo ihnen bey zeiten die Mittel ſich zuſammen zu rottiren und den Stat zu beunruhigen. Daher kommts auch/ daß man auſſer dem Hauß und Geſchlächt der Orhomanniſchen Kayſern in der Tuͤrckey nicht weißt/ was Adel oder altes Herkommen iſt/ es ſucht auch hierin kein Menſch allda den geringſten Ruhm/ und bekommen nur diejenige die Aempter die deren wehrt ſind/ ohne Anſehen der Perſon und dero Herkommens. Daher es offt geſehicht/ daß die vornehmſte Reichs bediente Kuh ⸗ hirten zu 2 5 f des Groß⸗Tuͤrcken. tern gehabt haben/ wie ein ſolcher war der Groß Viair Ruſtan, der unter Kayſer Soliman in ſonderlich groſſem Anſehen war. Und ſolcher Geſtalt geſchicht daß dieſe hohe Bediente/ weil ſie ihrem Herkomen nichts zuzuschreiben haben/ gern geſtehen/ daß ſie ihrer guten Aufferziehung alles zu dancken haben. Damit ich wieder auff der Türcken Gericht und Gerechtigkeit komme; ſo iſt zu wiſſen daß die dem Geſetz Vorſtehende/ die gleichſam Mahomets Geiſtlichkeit und Clerici ſind/ auch keine proceſſe laſſen auffkomen/ ſondern da weißt ein jeder ſchon ſein Recht und die Pflicht ſo ihm Ampts wegen obligt/ und gibt unter ihnen weiter gantz keinen Streit/ maſſen all ihr Thun und Laſſen auffs beſte und vollkommenſte eingerichtet und unter ihnen ordinirt iſt. 5 5 Gleicher Geſtalt weiß auch das gemeine Volck nichts davon/ was Rechtshaͤndel ſind: Man braucht da nicht viel Notarios zur Heurahts Stifftung; die Jungfern bekommen nicht groſſe Summen Geld mit/ wann ſie heurathen/ und beſteht ihr gantz Heuraht⸗Gut in den Kleinodien und Kleidern die ſie etwa auß des Vaters Haus mit ſich zu nehmen haben. Diß iſt mit kurtzem der Verlauff wie die Tuͤrcken geſchwind mit ihren Gerichts Sachen koͤnnen zu Ende kommen/ ohne daß ſie die Zanckereyen einwurtzeln laſſen/ die unter Chriſten ſo vielen Leuten ihr Verderben und Untergang verurſachen. e Die hohe Bediente ſo in diſem Divan alß Collegen und Mitglider ſitzen/ ſind der Groß Vie ir als allgemeiner Statthalter des Reichs/ welcher daſelbſt preſidirt und des Kayſers Stelle vertritt; die ſechß übrigen Vieirs, die zween Cadileſquer von Romania und Natolia, als die hohe Richter und Intendanten der Armeen; über diß die den Lefterdar oder Seneral Rentmeiſter; der Niſſangibachi als Groß⸗Cantzler; und der Netangi welcher denen Stats Secretarien in Franckreich gleichet; nebenſt noch einigen andern Gerichtsſchreibern oder Notarien. Alle dieſe Rahts⸗Verwandte und Bediente verfugen ſich umb 4. Uhr b des Morgens in den Divan, und bleiben bis um den Mittag daſelbſt das Recht zu ſprechen. Der Chiaux· Bachi iſt mit einer troupe von ſeinen Untergebenen allzeit an der Rahts⸗Thur/ und wartet allda auff/ des Groß⸗Vizirs Befehl auß zurichtẽ/ ragt auch zum zeichen ſeiner anſehnlichen Stelle einen ſübernen Stab in der Hand. An den Rahts⸗Tagen werden die Hoheder 10 tragt Bediente zu Mittag in eben dieſem Saal oͤffentir. ſich geſpeiſet/ welches dann mit ſonderbahrer Auſſſand Mäſſigkeit und kurtem Gepraͤng 1 0 iſt in einer halben Stund mit allem fertig. Der Groß⸗Viair iſſt allein an einem Tiſch/ wo er nicht etwa einen oder ein Paar Bacha zu ſich ladet/ damit ſie ihm Geſellſchafft leiſten. Eben umb dieſe Zeit trägt man auch vor die Janirſcharen/ die ſich unter die Gange zuſammen ſtellen/ das Churba auff/ welches eine getwiſſe Neiß Suppe iſt. Wali nun zuweilen ſich begibt/ daß ſie uͤbel zu frieden ſind/ und auff einen Vieir oder wieder den Kapſer ſelbſt einen Groll oder Feindſchafft haben; ſo ruͤhrt keiner unter ihnen das Ohurba an/ ſondern werffen die Schuͤſſeln über den Hauffen/ und bezeugen da19 durch/ daß ſie auff jemand erzoͤrnt ſind. Der Kayſer bekommt alſo bald hievon Nachricht/ und ſendet den Kapu Agaſi oder Oberhofmeiſter an ſie ab/ umb zu vernehmen was ihr Mißfallen und Verlangen eigentlich betreffe. Sie ordnen hierauff einen auß ihrem Mittel ab/ der vor alle das Wort führen muß. Dieſer tritt ſo dam zum Kapu Agaſi und endeckt ihm heimlich ins Ohr was die Urſach ihres Mißvergnuͤgens ſey. Welches ſo dann der Kaͤyſer alſobald von ſolchem Verſchnittenen ins geheim zu wiſſen bekommt; und wenn ſie etwa wieder einen Vixir oder Cadileſquer/ uch ſelbſt wider ihren Aga oder Oberften etwas haben/ ſo laßt der Kayſer manchmal einen ſolchen hohen Bedienten hinrichten/ und ſchickt ihnen deſſen Kopf/ damit er nur die aufruͤhriſche Rott wieder zu frieden ſtelle. i 8 Der Sonn⸗und Dienſtag ſind die zwey vornehmſte Nahts⸗Tage⸗ als an welchen eigentlich Küper in Stats⸗Raht gehalten wird und Reichs⸗Ge⸗ in dem Diſchäffte vorkommen, Der Käyſer befindt ſich van ſehe. meiſtentheils daben/ doch laͤſſt er ſich nicht ſehenz und erweckt dieſes ſo wohl bey dem Groß⸗Vieir als denen andern hohen Rahts⸗Verwandten eine ſtetswaͤhrende Forcht. Er kan auß ſeinem Zimmer durch einen heimlichen Gang bis an ein Fenſter gehen/ das auff den Saal des Divans geht/ aber allzeit verdeckt iſt mit einem ſammeten Vorhang/ den er weg thut wanns ihm beliebt/ ſonderlich wann er ſihet daß die Gerechtigkeit nicht wie billich verwaltet wird. Ich wit ein Exempel anführen das nicht wenig berühmt iſt und ſich unter der Regierung Sultan Ach mets des Amurats Natter begeben hat/ welcher einer der gerechtſten Regenten geweſen/ die das Othomanniſche Reich jemals gehabt hat. Hier wird ſich der Leſer beliebig erinnern deſ⸗ Veregne ſen“ was ich gleich zu Anfang von Timar Thareineg Spahis angemerckt habe/ denen man ſo lang ſie Fimar. leben die Verwaltung und Einkunfften einiger ball der Flecken einrchunt, nach dem ſie es etwa mit ihren viene guten Dienſten um den Käyler verſchuldet ha⸗ gebracht halten. Wie der en. Der Spahi von dem ich erzehlen will/ hatte ſein Timar zwiſchen Alep und Damas, das ihm wohl in die yo. Thaler jahrlich eintrug. Der Groß- Viair. es ſen nun geſchehen auß einem gegen ihm tragenden Haß/ oder weil er bey ihm faͤlſchlich war angegeben worden/ und er ohne genugſames Nachfragen die Sache gar zu leicht geglaubt hatte/ nahm ihm das Timar ſo er beſaſſe/ weg/ und raumete es einem ſeiner EregDer doit ag esche daß on Der Spahi, als er ſahe daß man ihn ſo unbillicher maſſen guß ſeiner Beſizung 255 9 ſich eilends nach Conſtantinopel/ kommt in den Divan und übergibt dem Groß⸗Vieir eine ſupplication in welcher er ihm ſo wohl ſeine rühmlich geleiſtete Dienſte vorſtellt als uberdiß bezeugt daß er ſeiner Pficht und Schuldigkeit durchauß nicht zu wider gehandelt habe. Der Groß Visi nach dem er selbige überleſen/ zerreiſſt ſie in ſeiner Gegenwart in ſtücken/ welches daß Anzeigung genug war/ daß er ihn nicht ein mahl einer Antwort würdigen wolte/ und er hiemit nichts zu hofſen hakte. Dieſer der SupPlicant, geht weg und ſagt nicht ein Wort: et 20 Beſchreibung des Serrails liche Tage aber darauff macht er ſich wiederumb vor den Divan, und gibt die andere Bittſchrifft ein/ welche der Groß Vieir/ gleich wie die erſte auch zerꝛeißt und mit keinem Wort beantwortet. Auff dieſe andere Unbillichkeit ſpringt der Spahi in vollem Grimm auff den Groß⸗Vieir loß zieht ſeinen Tolchen hervor und ermordt ihn auff der Stelle. Der Kayſer ſo eben damahls am Fenſter ſtunde und dieſe That angeſehen hatte/ zieht den Vorhang weg/ und gebiet mit lauten Worten/ man ſoll dem Thaͤter nichts thun; beſihlt zugleich dem Spahi, er ſoll ihm etwas näher kommen/ und befragt ihn warumb er ſo gewalt⸗thatiger Weiſe verfahren were. Dieſer voller Beſtürtzung gab in aller Demuht/ jedoch noch mit zimlicher Gemuͤhts Beſtandigkeit zur Antwort/ er hatte ſich nicht enthalten konnen/ da er ſo eine groſſe Ungerechtigkeit geſehen/ gabe hierauff die zuſam 5 8 6 Bittſchrifft dem Käyſer in die Hand/ der ſie alſobald leſen ließ/ und mit Gedult die billich⸗maͤſſige Klagen ſo ſie in ſich faßte/ anhoͤrete. Nachdem man auch die Sach unterſucht/ lobet ſeine Majeſtaͤt den Spa. Ri, ſich des Worts Aſarim gebrauchende/ daß iſt/ es iſt wohl gethan/ welches Wort in der Tüͤrckiſchen Sprach gewohnlich gebraucht wird/ wann mann eine geſchehene Sache billich und gut heißt; ließ ihn hierauff nicht allein wieder in ſeine Timar einſetzen/ ſondern beſchenckte ihn auch noch mit einer Verehrung. Es nahme auch der Käyſer hierüber Gelegenheit/ und ſagte zu denen andern Vizirs, daß ſie ſich ſolten diß Spectakel zu einer Warnung dienen laſſen/ die Gerechtigkeit wohl zu verwalten/ und nicht zu geſtatten/ daß die Gunſt der Billichkeit vorgehe. Des Spahi ſeine That iſt zwar ohne allen Zweifel nicht zubillichen/ ob ſchon des Groß⸗Vizirs Ungerechtigkeit offenbar war und am Tage lag. Aber des Käyſers Verfahren verdient jedannoch allen Ruhm/ und iſt billich als ein ſonderbares Muſter einer vollkommenen Gerechtigkeit anzuſchen. a 1 Ich wil noch ein Exempel ſolcher ſcharffen und genauen Gerechtigkeit/ welche der Kayſer dem Volck wil erwieſen haben/ einführen/ und iſt ſelbiges von gar ſonderbaren und merckwurdigen Umſtanden. Man behalt auch zum Andencken dieſer Geſchicht annoch heutiges Tags einen groſſen ſteinernen Moͤrſel an der Thür des Divans; tweßtwegen denn ſolches/ weil viel ungemeine Umbſtande dabey ſind/ dem Leſer nicht zuverhalten. i Sultan. Es trug ſich einmahls unter Käͤyſer Amurath rnuraths zu/ daß ein getwiſſer Mann/ der weder Weib noch Kluger Kind hatte/ ſich vornahme eine Wallfahrt nach a and Meces in Arabien anzustellen. Eh er ſich guff Weise er den Weg machte vermeynte er daß er ſeine binter einen beſte und koſtbahrſte Sachen nicht beſſer wurde Diebſtal ge guffheben und in Verwahrung bringen konnen kommen. als wann er ſie einem Hoggis oder Geiſtlichen und Geſetzlehrer anvertrauete. Ubergab ihm alb ein Sacklein mit etlichen Kleinodien/ und bake er moͤchte ſolche ſich biß zu ſeiner Ruͤckkunfft ſaſſen anbefohlen ſeyn falls er aber auff der Reiſe ſterben wurde/ ſo ſolte er hiermit zum Erben derſelben eingeſetzt ſeyn. Der Pilgram kommt von ſeiner Walfaͤhrt nach Mecca glücklich wiewider zurück/ und vermeynet er wolle nun ſeine vertraute Sachen an den Hoggia wieberumb fordern. Dieſer aber gibt ihm eine kaltſinnige Antwort/ er wiſſe nicht was er wolle mit ſeinen Reden/ und laßt den andern über ſolcher unvermuhteten Antwort voller Beſturtzung ſtehen. Gleich wie nun alles war ohne Zeugen abgehandelt worden/ alſo verſtellte der Pilger unkerdeſſen ſeinen hierüber gefaſſten Unmuht/ und laßt etliche Tage ſolcher geſtalt verſtreichen drauf kommt er mit einer Suplieatvon vor den GroßVizir, und ſtellt ihm darin vor/ wie der gautze Handel ſey abgeloffen. Der Groß⸗Vieir als er ſahe/ daß die Sach etwas kutzlich und ſchwer war/ und dem Doctor unſchwer fallen wurde eine Sache die ohne Zeugen ware rrackirt worden/ zu laͤugnen/ gab dem Pilgram den Beſcheid/ er ſolte ſich etwas gedulten/ er wolte deßwegen mit dem Kayſer reden. Der Kayſer befihlt hier auff dem Groß⸗Vieir, er ſolle behutſam in der Sache verfahren/ wann er dahinter komen wolle/ ſoll den Doctor holen laſſen/ Freundſchafft mit ihme pflantzen/ und ihm Hofnung machen/ daß man in wichtigen Sachen ſich ſeiner bedienen wolle. Es verflieſſen mit hin etliche Tageda unterdeſſen der Groß Virir hierinnen/ als in einem Spiel/ ſeine Perſon artig wußte zu vertretten: dann er ließ den Doctor zu ſich kommen/ ſtriche deſſen Verſt and und Geſchicklichkeitherauß/ ſpeißte ihn mit trefflicher Hofnung verſprechend/ beym Kayſer vor ihn ſo viel auſzuwuͤrcken/ daß er ihm die Gnad thaͤte und ihn die Hande külſen lieſſe/ man thate nicht recht daß man ein ſolchen verſtaͤndigen Mann als er ſen/ noch ferner vor ihro Majeſtaͤt verberge und ihr denſelben nicht vorſtelle. Der Doctor war uber dieſem diſcurs ſehr erfreut/ und vermeynte er ſey nun ſchon auff der hoͤchſten Staffel der Ehren/ abſonderlich als er ſahe daß der GiraßViair ihn zum Hugia, als gleichſam zum GroßAlmoſen Vorſteher machte. Ja es gieng der Viir noch weiter/ und befahl denz Doctor auff des Käyſers heimlich empfangene Ordre, daß derſelbe dem Kayſer alle vorfallende criminal⸗ g, chen vortragen ſolte; welcher dann allemabl, offt ihm Hugia etwas dergleichen vorbigehervon ihm ſein gutachten erforderte/ was der ſeß uldige vor eine Straffe auff das Verbrechen verdient hatte/ deſſen er überzeugt worden/ und wurde auch das Urtheil/ ſo der Hugia geſprochen/ vollzogenzuͤber diß war er des Kayſers Leſer/ und kam alſo ſtetig vor ihn. Es ſtrichen ſolcher eſtalt wohl 5. bis 6. Monat vorbey und konte man doch nicht die geringſte Anzeigung des Diebſtals entdecken: dabey denn nicht zuvergeſſen/ daß der Pilgram dem Käyſer ein gengues Verzeiehnuß einhandigte/ worinn er alle Stucke ſo er in das Säcklein gethan/ außführlich beſchriebe. Da dann unter andern abſonderlich eines Tesbuch von ſchoͤnen Corallen gedacht worden., Ein ſolches Tesbuch iſt eine Art von Roſenkran⸗ Wide zen/ beſtehend auß 99. Corallen/ und wieder⸗ ſauch e hohlen die Türcken bey jedwederm etliche Wor⸗ wach te die auß einigen Sprüchen ſo ihm Alcoran Zur 15 ſtehen genommen ſind. Es iſt aber dieſer Ro⸗ aetbraſenkrantz in z. Theil/ alle gleich/ in 33. Knoͤpfflein gen abgetheilt an einer kleinen Schnur, welche eine ordentliche Abſonderüg macht/ am Ende hangt noch ein langes Stück Corallen herunter/ und daran ein des Grds⸗Tür cken 31 ein ander abſonderliches rundes Knoͤpflein von eben ſolcher Materi/ und einer verwunderlichen Die Türcken ſo vor andern andaͤchtig wollen ſeyn/ halten ihren Roſenkrantz in Handen ſo offt ſie andere beſuchen/ abſonderlich aber wann ſie ſich zu groſſen Herꝛen nahen wollen/ und hiedurch wurde des Hug ia Diebſtahl am erſten offenbahr. Dann als er einsmahls mit ſolchem Roſenkrantz in der Hand nach Hof kam/ erblickte es der Kayſer/ vor dem er ſich auch ſehen ließ/ und weil er muhtmaßte/ es moͤchte dieſes wohl des Pilgrims Roſenkrantz ſeyn/ zu Folge der Verzeich nuß die er jhm gegeben von den Sachen die im Sacklein weren/ redete er ihn an/ was er da vor ſchoͤnes Stuck hatte. Dieſer tritt alſobald zu dem Kayſer/ und bittet gllerunterthänügſt/ es moͤchte doch ſeine Majeſtiit ſolches belieben von ihme anzunehtnen. Der Kayſer nimts an mit Bezeugung/ daß ihm ſolch Prælent angenehm ſey: durch welche kluge Verſtellung er dann demjenigen eine Freude gemacht/ auff deſſen Straf er ſich alberkit bedachte. Aber diß eintige Kennzeichen war dem Kayſer noch nicht genug/ er wolte deren noch mehr haben; Und wie ihn auß der Verzeichnuß bewußt war/ daß unter denen Stuͤcklein im Sack auch ein Ring ſey/ von der Art wie ihn die Turcken an den Daumen tragen/ wann ſie mit den Bogen ſchieſſen/ von einem alten beruͤhmten Meiſter gemacht/ ſo wolte er auch der andern Gelegenheit erwarten/ ſolche Dieberey deſto beſſer kund zumachen/ und den Doctor gantz und gar zu überweiſen. Darzu hat der Käyſer etliche Tage hernach ſolche Anſtalt gemacht: er befahl daß man ihm einen von den Pagen kommen lieſſe/ der einen guten Bogen ſchoͤſſe/ er fügte ſich alſo nach dem Tummelplatz oder Girit, lieſſe ſich ſelbſt auch einen Bogen geben damit zuſchieſſen/ maſſen niemand im Reich zu finden war/ ders ihm an Starcke und Geſchicklichkeit gleich thate in dieſen Ubungen mit den Bogen und Wurff Spieß. Da er min den Bogen ſpannen ſolte/ beklagte er ſich/ daß ihn ſein Ring an den Daumen druckte/ maſſen er wohl erachten konte/ es wurde der Doctor welcher nicht ferne von ihm war/ und ihn bereits mit dem Roſenkrantz beſchenckt hatte/ auch mit dem Ring Anbieten nicht faul ſeyn/ den er vom Pilgram hatte. Iſts wohl moͤglich/ ſprach der Kayſer/ daß kein Meiſter mehr ſoll zu finden ſeyn/ der ſo einen guten Ring machen konne als jener/ deſſen Namen er nennete und der nun ſchon todt war. Der Doctor der ſo ſcharffe Augen nicht hatte/ daß er die ſubtile Liſt hafte erblicken mogen/ deren man ſich zu ſeinem Untergang gebrauchte/ ver meinte ſich deſto beſſer und gewiſſer in des Kayſers Gnad zu ſetzen/ und antwortete ihm/ er habe zu allem Glück einen Ning von dieſem Meiſter/ den er ſchon lange Zeit guffgehabenz dafern es ſeiner Majeſtat nicht miß55 fallen wurde ſolchen anzunehmen/ wolte er ihn liefern welches dann auch alſobald geſchahe. So bald ſich der Kayſer wiederum in ſein Gemach begeben/ befahl er dem Groß⸗Vieix zu ruffen/ ließ auch den Pilgrim vor ſich kommen/ und hiel, te den Roſenkrantz eben in der Hand als ſie hinein giengen/ ſich ſtellend als betete er daran/ damit er warnehrne ob ihn auch der Pilgram kennen wurde. Dieſer nach dem er den Roſenkrantz ſcharff und genau betrachtet/ brach endlich heratiß und ſagte: Allergnädigſter Hery/ wann Euer Majeſtät mir erlauben mag zu reden/ ſo wuß ich bekennen/ es kommt der Roſenkrantz/ welchen dieſelbe in Haͤnden haben/ dem meiſſfgen ſehr gleich der in dem Säͤcklein mit denen Kleinodien war/ und irꝛ ich vielleicht nicht wann ich ſage das es eben derſelbe iſt. Drauff befahl ihm der Kayſer ſich naher her zumachen/ und ließ ihn ſo wohl ben Roſenkrantz als den Ring in die Hand nehmen/ da dann der Pilgrim bey Verlurſt ſeines Lebens verſicherte/ daß es eben die Stucke weren/ die er neben andern dem Doctor guffzuheben gegeben. Alß dieſer des andern Tags ſeiner Gewohnheit nach kam/ und einige Eriminal⸗Sache dem Kaͤyſer fůrtruge/ bracht ihm der Here/ der einen kreffliehen Geiſt hatte/ einen Handel vor/ der faſl auff gleichen ſchlag hinauß liefſe/ als der ſo ſich mit ihm und dem Pilgrim begeben hatte/ und fragte/ was doch der wohl vor eine Straff verdiente/ der eines ſolchen Verbrechens überzeugt wurde. Dieſer armſelige Menſch/ den die ſuſſe Einbildung ſeines gutes Glucks/ in welchem er ſich ſeiner Rechnung nach gar feſt geſetzt/ verblendte/ und 95 des vergangenen nicht mehr erinnerte/ ſprach ſich ſelbſt das Urtheil und ſagte zum Kayſer/ es were ein ſolcher Menſch wehrt daß man ihn lebendig in einem Morſel zerſtoſſe. Der Kayſer laſſt ihn alſobaſd in verhafft nehmen/ Ein ſchon und nach dem er durch Baltagi, die dahin ybge⸗ Ex mpel ei ſchickt wunden/ alle ſeine Kuſten und Laden guß ner ſtrengen ſeinem Hauſe herbringen laſſen/ ziehet er den a bt Ring und Roſenkrantz/ damit er ihn beſchenckt hatte/ hervor/ zeigt ſie ihm und ſpricht/ es kamen dieſe 2. Stücklein auß einem Sack/ den ihm ehdeſſen ein Pilgrim nach Mecca reiſend/ guffzuheben gegeben. Weiſet ihm auch hierauff die Verzeichnuß all der übrigen Stücke/ und befhlt ſeine Küſten zu oͤffnen/ wo ſich dann die Kleinodien befanden/ die dieſer unglückſelige Menſch/ alſo ber wieſen/ gantz zitternd dem Kayſer einhaͤndigte. Hierauff wurde der Pilgrim geruffen/ welcher alſobald ſeinen Sack und Edelgeſteine erkeñte/ welches dañ des Doctors eigene Bekandtnuß bekräftigte/ der ſein Verbrechen und begangene Untreu geſtunde. Folgenden Tags ließ der Kayſer den Pivan verſamlen/ wolte auch daß alle vornehme Herꝛen in Gantz Conſtantinopel allda ſolken zugegen ſeyn/ damit das Gericht deſto auſehnlicher würde. Befahl über diß/ daß man dem Pilgrim all das ſeinige wiederum ſolte zuſtellen/ ſampt einer guten Verehrung; der Docor aber wurde laut ſeines geſprochenen Urtheils hingerichtet. Zu welchem Ende dann man einen groſſen Stein lieſſe außhauen wie einen Morſel/ darein er gantz nackend geworffen/ und durch die Hencker lebendig zu Tod und in Stucke geſtampfft wurdez und iſt diß eb der ſteinerne d orſel/ den ich oftmals bey der Thür des Divans hab ſtehen ſehen/ der auch zum Gedenckzeichen eines ſo wunder und ſonderbaren und offentlich vollzogenen Urtheils ſtetig allda auffbehalten wird. Und alſo endigt ſich dieſe Eliſtori bey welcher alle Umſtande nachdencklich ſind/ und iſt nicht der geringſten Anzeigungen eine/ was Amuratp vor ein kluger Kopff geweſen. Sintemahl dieſer Herꝛ/ an ſtatt daß er ſich gleich zu An5 5 22 fang ſeiner volligen Macht gebrauchen konnen/ viel lieber durch groſſe Klugheit und langſam verfahren der Gelegenheit/ ſo zu reden/ von weitem erwarten wollen/ die ihm endlich die gewiſſe Kennzeichen und Beweißthume eines verborgenen Laſters entdecken moͤchte; wie er dann des Vorhabens war/ den Doctor wo er were unſchuldig erfunden worden/ zu hohen Ehren zuerheben/ oder aber ihn ernſtlich zu ſtraffen/ wie geſchehen/ wann er wurde ſchuldig ſeyn. Ich erwehnte zu Anfang dieſes Capitels/ daß wie der von denen 4. Tagen der Woche daran man Pi5— van halt/ die ſo unſerm Sontag und Dienſtag Weg rau. gleich kommen/ die vornehmſte ſind/ als an welmen/ die chen die tvichtigſte Sachen behandelt werden. ihmperdach Dieſe zwey Tage nennen ſie Areghiunz, weil 110 nach dem der Groß⸗Viair, die 6. andere Vieir und 2. Cadilesques welche mit im Divan ſitzen/ Gericht gehalten/ ſie ſämptlich zum Kauyſer ſich verfügen und ihm die Hande küſſen. Wo nun einer von dieſen 9. Richtern ihm an dieſen Tagen etwas vorzuübringen hat/ ſo darff ers frey thun; gleich wie im gegentheil es auch an eben dieſen Tagen geſchicht/ daß der Käyſer ſich der Gelegenheit bedient/ wan er einen oder den andern wil vom en e als dann dem Boſtangibachi befihlt/ ſich mit etlich der ſeinigen fertig zu halten/ damit er ſeinen Befehl alsbald verꝛichten konne. Nachdem er ihm nun diejenige angedeut/ die er will erwuͤrgen 1 75 ſo wird ſo bald auff ergangenen BeMann und Beſchreibung des gerralls doch alles vergebens ſeyn. Ich will in dem 11. Brot thun laſſen. Maſſen er lieſſe/ allwo ſie ſich etwas wiederſetzen koͤnten. Aber im Serrail und vor denen Janitſcharen die ſich bey dem Divan fertig halten/ mag der amſelige/ dem es das Leben gilt/ nur den Kopf bücken/ und den Hals herſtrecken/ und da auff gantz keine Widerſetzung gedencken/ dann es wurde Capitel außfuͤhrlich erzehlen/ auff was Weiſe man zu ſolcher Execution ſchreitet. An dieſem Divan iſt noch ein anderer Saal An welchen wie wohl etwas erhabener/ auff die Art eines Tagen den Beldveder, dltwo die Abgeſandte ſich hin verfüi⸗ Gesa en gen/ wann ſie in den! Divan gelaſſen werden/ kommen. welches dann alle drey Monat geſchicht/ und zwar eben an den Tag da man denen Janitſcharen den Sold außzahlt. Man thut ihnen zuwiſſen/ daß ſie ſich daſelbſt ſollen einfinden/ auß einer eitlen Praleren/ und damit man ihnen zeige was vor eine Menge Gelds allda auf einmal auß dem Schatz kommt. Zwiſchen dieſen 2. Saalen iſt eine Thür/ welche zu der Baltagi quartier geht. Dieſe ſind ſehr ſtarcke und unterſetzte Leute/ und werden/ wie gedacht/ dazu gebraucht/ daß ſie im gantzen Serrall das Holtz qn Ort und Ende tragen/ wie auch ingleichem zu andern geringen und muͤhſamen Dienſten. Das Holtz ſo in des Frauenzimmers Gemachern verbrennt wird/ legen ſie bey der Thur nieder/ da es dann die verſchnittene nehmen und weiter hinein in die Badſtuben und andere Gemnacher tragen/ als wohin ihnen allein erlaubt iſt zugehen. Und diß iſts was in dem andern Hof ſonderlich fehl/ Ls ſey hun bey ſeiner Aukunfft oder beym b Abtritt ſelbiges alſobald verꝛicht. Zwar bedient merckwurdiges zu finden. Nun wollen wir uns ſich der Kayſer dieſes Wegs nur/ wann er be⸗ weiter hinein machen ins Ser: ug d förcht es mochte beym Volck eine Auſruhrent⸗ rail und zuſehen wie es Shu ſtehen/ wann er ſie in ihren Haͤuſern hinrichten daſelbſt zugeht. 3 g P Das V. Capitel. 9 5 i 2. 1 5 1 Lend Vom inwendigen Theil des Serrail ins genem da und abſonderlich von Zimmern der verſchnitte nen und der Ichoglans. 0 Inhalt. e ee Die Ichoglans werden under ſtrenger Zucht erzogen; Die groſſe Herꝛen bey Hof und im Reich werden alle auß dieſer Schul genommen. Elender Zuſtand der Kindern eines Bacha. Groſſes Anſehen des Kapi Aga, Die Claſlen 9 8 ſo alle junge Leute im Serrail muͤſſen durchgehen. Wohnungen der 4. vor ſheſes nehmſten Verſchnittenen. N i 5 1 e „As innerſte des Serrail iſt der von einer zu der gndern führen/ und ihm von ſenige Theil des Tuürckiſchen jedwederm Zimmer abſonderlichen Bericht erV Pallaſts/ welcher ſich von dem theilen. In dieſem Capitel aber wollen wir N weyten Vorhof/ den wiꝛ aller⸗ uns nur in den Gemachern der Verſchnittenen L eſſt verlaſſen/ bis an die Spi⸗ und der Ichoglans über die ſie geſetzt ſind/ aufe be erſtreckt/ wo die Garten dran halten. i ſtoſſen/ welches ins gemein da⸗ Ich gedachte gleich Anfangs deren 4. Ver⸗ Streng, 5 von zu reden des Kayſers und der Sultaninen ſchnittenel welche noch viel andere under ſich ha⸗ ufer Zümmer in ſich faſſel. Well aber jenes in vie⸗ ben; die da acht haben müſſen auff der Jugend cee,. ſen Wohnungen unterſchieden iſt/ darinnen ſich thun und laſſen/ welche ihnen anvertraut it und dude die Bediente auffhalten/ welche gemneiniglich den Käyſer zu bedienen haben/ und deren er ſtetig bedarffz als wil ich den Leſer in meiner Erzehlung die ſie unterꝛichten ſo wohl in der Turckiſchen, Fadi Religion/ als denen Leibs⸗Ubungen/ abſonberlich 74 Nan aber in denen Stuͤcken worinnen des Käaͤyſers i Auffwar chen die dte in van N. des Groß ⸗Tuͤrckeu. Auffwartung beſteht. Der verſchnittenen ſo wohl als der Ichoglan Wohnung und Zimmer ligt gantz nah an dem Saal des Divans, und gleich zu Anfang des dritten Hofs zur lincken Hand. Selbige ſind unterſchieden in viel Zimmer/ da unter andern 4. ſind ſo man Oda nennt/ das ſind Kammern oder Claſſen in welche auff 60. Ichoglans vertheiſt werden/ nach Angeben und gutbe finde des Capi aga, welcher nebenſt den andern vornehmſten Verſchnittenen von eines jeden faͤhig⸗ und Tuͤchtigkeit urtheilt. 855 Er ſetzt ſie uch auß einer Claſt in die andeke/ wie etwa wix unſere Schuler von der ſechſten FClallin die fünfte ſetzen/ und iſt es hierinnen auch wie bey uns/ daß die vierdte die geringſte iſt/ als wörinnen die Ichoglans ein ſehr hart und muͤhſames Leben haben. Wann er nun eine allgemeine Unterſuchung und Befurderung auf gedachte weiß anſtellt/ ſtoſſt er die wieder auß dem Serrail welche er vor untuchtig erkennt den Herꝛen einſtens recht zubedienen/ oder die ſonſt eines ſo harkẽ und rauen Lebens uͤberdruſſig ſind/ und groſſen Eckel davor zeigen; damit iſt dann alle Hoffnung auß/ daß ſie jemals wieder koͤnnen hinein kommen/ und ſteht ihnen kein beſſeres Gluͤck vor/ darnach ſie trachten koͤnten/ als etwan Spahi zu werden/ aber ſich mit gar geringer unterhaltung zu behelfen. Die/ ſo drinnen bleiben/ faſſen 5 Hoffnung/ dermahlen eins zu den hoͤchſten Reichs⸗Aemplern zugelangen einen Muth/ und ertragen alſo mit hoͤchſter Gedult viel Jahr lang der Verſchnittenen ſtrenges unbarmhertziges Verfahrẽ/ die es an guten Stoſſen und Schlagen bey ihnen nicht ermangeln laſſen. 05 neee Von dieſen Ichoglan nun/ die man auch Wein kon, Kaerliche Pagen nennen kan/ werden Baſchas dose Her, Beys, Capi Bachi, Haznadarbachi und anall e Hof dere groſſe Herren bey Hof und ſonſt im Reich/ ige genommen; aber allein von denen die Triburer. Kinder ſind/ ſo man den Chriſten abgenommen/ oder ſonſt im Krieg zu Waſſer und Land gefandin der gen worden. Denn was die Beiczaden oder Naben Kinder der Bacha betrifft/ die man im Serrail alchas, erzieht/ wolle man ſich deſſen/ was oben gedacht wurde/ beliebig erinnern/ daß ſie nehmlich niemals koͤnnen hoͤher kommen als zur Charge eines Bey oder Schiff Capitains. Wann von dieſen Ichoglan einer von Hof wil/ oder auch einer von den weiſſen Verſchnittenen/ ſo gibt er beym Capi Aga eine Supplication ein/ der tragt ſelbige dem Groß⸗Vizir vor/ worauff er ſeinen Abſchied e e noch der Zeit und Beſchaffenheit ſeines Dienſts. l dannen Wb l auch andere/ welche gedachter ee, Capi- Aga wider ihren Willen herauß ſchafft/ und zwar nach dem ſie die erſte Jahr/ welche die haͤrteſte ſind/ außgeſtanden haben. Und geſchicht ſolches/ wann er etwa in der Jugend mit einem ſolchen Ichoglan einen Streit gehabt hat/ da ſie noch Camaraden waren/ weil er beſorgt er mochte einſtens ihm ſehr zu wieder ſeyn/ wann er in hohe Aempter kommt/ wender alſo alle Mäacht an damit er ihn auß dem Serrail bringt/ und laßt ihm belohnen nach den Jahren die er dan gedienet hat. 8 i dagie„„ Die eſſie von dieſen vier Gemächer darinwauend im nen die Kehoglans vertheilt ſind/ ſt am voͤllſten/ 0 j 1 1 10 9 weil es nur noch Kinder und noch unter der Nuwan 0 23 ten ſind; und wird genant Cuchuk Oda, das W kleine Schul oder Gemach wie wohl ſie der Weite nach die gröͤſteiſt dennoch iſt ſie der Ordnung und Wurde nach/ die geringſte. In derſelben lernen ſie nun leſen und ſehreſben/ und die erſten Anfänge und Fundament des Mahometiſchen Geſetzes; nach dem ſie 6. Jahr dar innen geweſen/ korntnen ſie in die andere ſo man Qullat Oda nennt/ allwo man ſie/ weil ſie ſchon zimlich bey Kräften/ zu den exereitüis abrichtet/ und ſie lehrt mit den Boͤgen ſchieſſen/ der Lartze ſich gebrauchen/ und was dergleichen Dinge mehr ſind. Über diß muſſen ſie die Turckiſche Sprach vollig reden lernen/ zu dem ſie auch das Perſiſch und Arabiſch thun/ deſſen ſie in denen Regierungen/ dahin ſie dermaleneins verſendet werden konnen/ benoͤthigt ſind. Und gehen in ſolcher andern Claſſ 4. Jahr vorbey/ von deren ſie in die dritte kommen/ welche man Chaſnadar Oda nennt/ oder die Schatzkammer. Allda fangen ſie nun an den Kayſer zubedienen/ und braucht man ſie ſo wohl in der Kleider Verwahrung als beym Bad/ man unterweiſet ſie auch ſo dann im Reiten/ und macht ſie in denen anſtaͤndigen exercitiis vollkommen/ dazu ſie dann auch gemeiniglich vier Jahr gebrauchen. Jede von bieſen Clalſen hat zum Oberauffſeher einen weiſſen Verſchnittenen. Der Serrai Agaſi hat die Aufſicht in der erſten; Der Quilargibachi iſt über die andere beſtelltzund der Chalnadarbachi gibt auf die dritte Achtung. 0 Es wird von dieſen zwey letztern Claſſen mehrere Gelegenheit zu reden geben bey denen Capiteln von der Kellerey wie auch des Kayſerlichen Schatzes; hier wil ich ins gemein bloß dieſes erwehnen/ daß die Ichoglan der erſten/ andern und dritten Clafl gantz keine Gemeinſchafft haben/ mit denen in der vierten/ von welcher ich auch bald wil Meldung thun/ noch auſſerhalb mit einigen andern Perſonen: es geſchehe dann mit ſonderlicher Erlaubnuß des Capi Aga, und in Gegenwart eines Verſchnittenen der alles mit anhoͤrt: Ja ſie haben nicht einmahl Erlaubnuß unter ſich mit einander zu reden/ als nur zu gewiſſen vorgeſchriebenen Stunden/ und muß gleichwol alles alsdann mit hoͤchſter Beſcheidenheit zugehen/ gleich wie ins gemein all ihr thun und laſſen in Demuth und genauem Gehorſam geſchehen muß: Sie ſind auch alle insgeſamt nut in ſchlechtes Tuch getleidet/ auch die Beigszader oder Kinder der Verſtorbenen Groß⸗Vieir und Baſcha, da hingegen die in der J. Kannner gulden und ſilberne Zeuge tragen/ weil ſie vor den Kayſer kommen/ und ſich offt ſeiner Perſon nähern müſſen. Unden an ſeinem Ort werd ich auch erwehnen wie ſie ſchlaffen/ und was des Odabaſchi und Deflergi Aga jhr Ampt iſt/ welche under und nach dem Befehl der 4. vornehmſten Verſchnittnen jhre Verꝛichtung haben. Die vierte Elaß, welche ein Furſtliches Zimmer iſt/ führt den Nahmen az Oda; davon ich wann mich die Ordnung auff die Kellerey bringt/ wie auch wann ich auff das geheime Zimmer des Kayſers komme/ werde Bericht erſtatten. Da fangen nun die Ichog lan, welche in denen drey vorhergehenden Claflen ſo viele Jahr außgeſtanden/ einmahl an ſich zu erholen/ und mehrer ee Sie haben 1 f i* 1 24. Erlaubnus mit jederman im Serrail umbzugehen/ und/ genieſſen darbey des Glücks/ daß ſie oft vor den Kayſer komen/ dem ſie ihre qualitc⸗ten zu erkennen geben/ und immer zu einige Gnad Loſament der vier vornehmbung des VerhoͤrSaals. Brunnen ſehen laſſen/ deren Waſſer in zwey Der Thron 8 Tuͤrcki⸗ Form eines und Wolthaten von ihm empfangen. Unter dem Thor das in den dritten Hof fuhrt/ an welchem Tag und Nacht Verſchnittene die en Ber. Wache haben/ geht man zur lincken Hand in n fenen einen kleinen Gang/ von dar man gleich an das Gemach des Kapu Agaſi kommt: und wan nun das groſſe Thor offen iſt/ verſchlagt und verbirgt es dieſen Eingang/ daß man ſehr ſchwerlich hinF Ein wenig weiter davon zu rechten Hand iſt des Serrai Agaſi Mohnung/ welcher Sorge traͤgt/ daß das Serail ſauber und alles in ſchoBeſchreibung des Serrails ner Ordnung gehalten wird: etwas weiter vorn her/ bey einer kleinen Kirch/ worin die Ichoglans in den drey erſten Claſſen ihr Gebaͤkt thun/ folgt der Seferlis Quartier/ worin auf die 1y0. oder ohngefehr ſo viel lehog lan ſich befinden/ und we den dazu gebraucht/ daß ſie deß Kayſers weiß Zeug ſauber halten und waſchen. Wann er ſich zu Felde macht/ ſo laͤßt er die Aelteſten unter ihnen mit gehen; worunter dann auch die Pfeiſſer und andere Spielleuth/ die bey Hof dienen/ mit begriffen werden muſſen. Nun wollen wir in den Verhor⸗ ſaal gehen/ welches ein von den andern abgeſoͤnderter Ort iſt/ woſelbſt der Käyſer frembde Geſandſchafften vor ſich zulaſſen/ und ihnen Kudienz zuerthellen pflegt. FFC Das I. Capitel. 6 5 Dom Saal darm der Keaͤpſer denen Geſandten Audienz gibt/ und von der Art und Weiſe wie . man ſie allda empfaͤngt. Inhalt. Beſchreibung des Verhoͤr⸗Saals. Der empfangen werden. denen Geſandten der Chriſtlichen Potentaten verehren laͤßt. Thron des Kaͤyſe. Wie die Geſandten Anmerckungen uͤber die Kleider/ welche der Kaͤyſer Formul des Eyds der Treu/ welchen der Kam der kleinen Tarterey an eben dieſem DODrt ablegt. 5 5 Er dritte Hof des Serrail, worinn wir uns jetzo mit unſerer Erzehlung befinden/ iſt I ſo ordentlich nicht gebaut/ als der vorhergehende/ und geben , die daſelbſt ſtehende Gebaude „ genugſam an Tag/ daß man ſich nicht viel bemüht groſſe Ordnung dariunen zu beobachten. Warm man am Thor dieſes Hofs ſtehet/ ſo fallt einem gleich ein klein Gemach ins N —. Geſichte/ das von allen andern ahgeſondert iſt/ in weſchem ſich beym Eintritt alſobald zwey auf denen Seiten auß der Mauer hervorſpringende groſſen Schalen aufgefangen wird; und iſt an ſolchem Ort der gewohnliche Verhoͤr⸗Saal. Er iſt ein zimlich ſehoͤnes Gewolb, mit Marmor; ſteinern Pfeilern unterſtützt/ da auch noch in der mitte ein kleines Spring⸗Waſſer in ein Becken ppielt. Sonſt iſt der Saal an allen Orten offen und mit Fenſtern geziert/ an deſſen in nerſten Theil man gerad gegen der Thür den Kayſerlichen Thron ffellet. ö ſehr koſtbar/ iſt in Dieſer Thron/ welcher ſchen Kay an dieſen Ort getragen/ ſo offt der Kaͤyſer denen gers. Geſandtſchafften Audienz ertheilen wil/ oder wann ein neuer Kam der kleinen Tartarey/ den er ſelbſt zuvor ertvehlt dahin kommt/ und von ihm die inveſtitur eines Reichs abholt/ auch dabey den gewöhnlichen Eyd ablegt. Der hinter Theil des Throns/ ſtoſſt an eine Lehne⸗Mauer/ inen halben Schuh daruber geht/ welche nur einen halben Och geh und werden daran die Lehnküſſen gehalten/ ſo — cars gemacht/ und wird allemal h hinter dem Kaͤyſer ligen. In dem Kayſerlichen Schatz ligen d. ſehr koſtbare Decken/ welche gußdrucklich zu dem Ende gemacht ſind/ daß der Thron damit bekleidet werde/ auch an drey Orten auff den Boden hangen/ vornen/ ſo dann zur rechten und lincken; dann was das Hintertheil betrifft/ ſo iſt ſelbiges/ als oberwehnt/ an die Maler angelehnt. Der koſtlichſte von dieſen Teppichen iſt auß ſchwartzen Sammet mit groſſen koſtbaren Perlen beſetzt/ deren etliche lang/ andere rund ſind. Hiernachſt iſt auch eine Decke von weiſſemm Sammet beſetzt mit Rubinen und Schwaragden/ die meiſten ſind eingefaßt/ damit ſte deſto beſſer bleiben und hafften. Der dritte Teppich ſo allda zu ſehen/ iſt von viol braunem Sammet/ der einen ſehr guten Grund hat/ und mit Türckis und Perlen verſetzt iſt. Die andern drey ſind ebenermaſſen von Sarmmer/ und alle vaſchedener arben, guch mit Gold ſehr reichli geſtickt. Die beyde letztern ſind von Guldenem Stückwerck welche auch ihre abſonderliche Schönheit an ſich haben. Der Thron wu mit einem dieſer Decken außgeziert/ nach dem etwa der Türckiſche Kayer den Potentaten hochhaͤlt von dem ihm der Geſandte komt/ und richtet er ſeinen Pracht und Herelichkeit nach der Hochheit desjenigen/ den er ehren wil. Folgt nun die Manier wie man die Geſand⸗ e, a i ag Jaht empfang was anbelangt die Ordnung und Anſtalt ihres webe, ten empfaͤngt und in dieſen Saal führt. Dann Auß und Einzugs von ihrem Pera an da ſie ſich aufzuhalten pflegen/ bis an den Conſtantinopolitaniſchen Hafen/ und von dar wiederum bis ins Serraiß, zweifle ich nicht/ es werden davon Gia 0 Telatl? 4 Des Sroß⸗Tuͤrcken 1 relationes herquß ſeyn. Nachdem der Geſandte im Saal des Divans mit dem GroßVixir, der ſeiner allda erwartet/ zu Mittag geſpeißt hat/ da man unterdeſſen auch ſeinen Leuten zu eſſen gegeben/ die unter dem Gang ſtehen bleiben/ allwo man etliche Alte lederne Teppiche auff die Erde außſpreitet/ und ihnen darauf einige Gerichte vorſetzt; bekom̃t er ſo dann die Roͤcke/ mit welchen der Kayſer ihn ſo wohl vor ſeine Perſon/ als vor die ſo ben ihm ſind/ beſchenckt/ welche man dann alſobald über die andern Kleider anlegt/ wie man ſich etwamit einem Schlaffpeltz oder langen Nacht⸗Rock bekleiden moͤchte. In ſolchem Auffzug nun wird der Geſandte von dem Capi-Aga als Groß⸗Oeremonien⸗ Meiſter in den Audienz⸗Saal geführt/ dabey dann viel Verſchnittene ſich gleichfals befinden: wann er nun bey der Thur iſt/ kommen zween Vizir gegen ihn/ die nehmen und fuͤhren ihn in der Mitke biß an den Ort/ wo er ſich vor dem Kayſer bücken und ihm den Rock kuͤſſen muß. Man gehet von der Thur des Hofs/ den die Verſchnittene bewahren/ bis an des Audienz⸗Saals ſ. Thur ſtetig auff ſeidenen Teppichen/ und iſt auch der Boden dieſes Saals/ der doch von Marmor iſt/ mit einem andern aus Goldfaden gewurckten Teppich belegt/ welcher ungefehr auff die Art wie unſere aus Stroh geflochtene Decken/ gewüͤrckt iſt/ auch faſt gleicher Dicke ſeyn mag. Der Kahſer ſtellt ſich ſehr ernſthafft auff dem Thron; hinter der kleinen Mauer wieder die er 105 lehnt/ ſihet man in der Ordnung den Kis. er Agaſi welcher ein ſchwartzer Mohr und uber das Frauenzimmer beſtellt iſt; neben ihm den Seligdar Aga, welcher des Kaͤyſers Sebel trägt; ingleichem den Chokadar Aga, der den Kayſerlichen Rock tragt/ welchen man in Franckreich den Portemanteau, das iſt Manteltraͤger neniet; der Riquabdar, welcher dem Käyſer den Stegreiff halt/ warm er zu Pferd wil ſitzen/ und endlich der Hazodabachi, ſo Oberkammerer iſt/ das iſt/ Oberauffſeher uͤber die KleiderKäſten. Alle dieſe Leute ſtehen in hoͤchſter Demuht da/ mit kreutzweiß gelegten Armen auff der Bruſt. Der Capi Aga aber/ welcher Einfuͤhrer der Geſandten und auch Oberhofmeiſter iſt/ bleibt mitten im Saal ſtehen/ und zwar in eben ſolcher demühtigen Geſtalt. Zur lincken Seite des Throns ſteht ein kleiner Seſſel/ der mit rothem Sammet überzogen und mit einem güldnen Band eingefaſſt iſt; darauff ſetzen ſich die Geſandten nach dem ſie den Kayſerlichen Rock geküſſt. Da unter deſſen alle Balcha müͤſſen ſtehen bleiben in Gegenwart des Kaͤyſerskam der kleinẽ Tartarey von dieſem Geſetz nicht freyiſt/ ſondern ſtehẽ mußwañ er ſein huldigungs Eydablegt. Dieſe gantze Handlung wird in hoͤchſter Stille verzichtet/ und antwortet der Käpſer nicht ein Wort/ ſondern laßt dem Groß⸗Vie ir die Sorg uber/ den eſandtẽ mit einem paar Worten zubeurlauben/ der ſich mit einer tieffen reverenz darauff wieder zuruck begiebt/ den Hut aber nicht abnimmt/ auch ſich eh nicht umbkehrt/ bis er zur Thür hinguß iſt. 3 Die Miniſtei der Chriſtlichen Potentaten und Republiquen, welche ſtetig an der Pforten reſiclren, ſind der Frantzoſiſche und EngelLandiſche Geſandte/ wie auch der Venetianiſche Baile und Holland iſche Reſident, welche fam flich ihre Wohnung in Pera haben. Wann aber vom Kaäͤyſer/ vom Konig in Polen und dem Moſcoviter Geſandte dahin kommen/ ſo laßt man ſie in der Statt Conſtantinopel wohnen/ 00 155 ſolcher Geſtalt ihrer Perſonen beſſer verſichert ſe. Der Turckiſche Kayſer macht einen Unkerſcheid zwiſchen dieſen Potentaten und Republi. quen oder Standen/ und gibt/ wie hoch er jedwedere halte an Tag durch die Anzahl der Kleidern welche er denen Geſandten die zur audienz kommen/ geben laͤßt. Der Frantzoſiſche Geſandter bekommt deren 24. der Engliſche 16. der Venetianiſche Bayle 12. und ſo viel auch der Hollaͤndiſche Geſandte. Als Her? von Marche · ville in Geſandtſchafft war in der Turckey/ hatke ich die Ehr unter denen zu ſeyn/ die ihn ins Serrail begleiteten/ allwo man ihm/ nach dem er mit denen Viziren die Mittag⸗Mahlzeit in dem Saal des Divans hatte eingenommen/ da unterdeſſen ſeine Suire oder Geleit unter dem Gang peiſete/ der Gewonheit nach die Kleider brachte. Als er min anfieng und ſie denen/ welchen er vor andern gunſtig war/ und ſie zur Audienz Anmerckung uͤber die Kleider welche der Kaͤyſer denen Geſandten außthei len laͤſſt. mit ſich zu nehmen gedachte/ wolte auß theilen laſſen/ ward er nicht weing druͤber beſturtzt/ daß deren mi 16. waren. ö Zir alſobald ſagen/ es giengen ihm 8. Kleider ab/ und wolte er eh nicht zur Audienz gehen/ bis man ihm die Anzahl Kleider gebe/ welche man ſonſt gewoͤhnlichem Gebrauch nach/ dem Frantzoͤſiſchen Geſandten gegeben hatte. Maͤn zanckte ſich hierüber eine Stunde und verweilte ſich die Audienz aueh deßhalben ſo lang. Endlich aber weil der Her von Marcheville auff ſeinem Begehren unverꝛuckt verbliebe/ ſchickte ihm der Groß⸗Viair noch 8. andere Kleider. Es iſt in dieſen Capitel noch übrig/ das ich auch vorſtelle/ auff was Weiſe der Kam der kleinen Tartarey ſich in dieſem Audienz Saal einfinde/ und gllda ſeinen Eyd der Treu dem Turekiſchen Kayſer ablege. Der Leſer wird ſich beliebig erinneren deſſen/ ſo ich anfangs erwehnt/ von der kamilie und dem Geſchlecht dieſes Herren/ welcher der Turckiſchen Kaͤyſern Vorſaal iſt und under ihrem Joch leben muß. Es verfügt ſich der Kam, welcher ſeine/ nach Verordnung Befehl und Wolgefallen des Käyſers beſtimte Zeit uber/ regieren ſoll/ vor demſelben in den Audienz⸗ Sagal/ und nach dem er ihm den Rock geküſſt hat/ tritt er etliche Schritte zurück/ und bleibt auffrecht ſtehen. Hernach wird der Alcoran guf einem grün Sammeten Kuſſen/ welches jedoch gantz nicht geſtickt iſt/ an deſſen vier Ecken vier Quaſten von Gold und Seiden untermiſcht hangen/ herben gebracht/ und ꝗlſo zur rechten Seiten des Käyſers gelegt. Gleich wie er nun dazumal auff einem Teppich/ die Beine übereinander geſchlagen/ ſitzt; ſo muß daß Kuſſe nicht ſo hoch ligen als ſeine Knie ſind/ dann die Tüͤrcken wurden das vor eine groſſe Sunde halten weil ſie den Aleoran ſo hoch achten daß ſie ihn nicht einmahl anrühren/ ſie haben dann die Hande zuvor gewaſchen. Eh ſie ihn aufmachen/ kuſſen ſie ihn zuvor/ heben ihn ſo dann auf den Kopf und nachdem ſie etwas drauß geleſen haben/ küſſen fie die Schrifft zuvor/ und trucken ſie an die f 8 Stirn/ Ließ aber dem Groß⸗Vimul der Treu/ welchen der Tartar Kam dem Tuͤrckiſchen Kayſer lei. ſtet. Stirn/ eh ſie das Buch wieder zu machen. Der Kam welcher den Eyd ablegen ſoll/ ſteht vor ihm/ wie ich gedacht habe/ und halt die Haͤnde empor den Achſlen gleich neben einander/ damit er den Alcoran guß den Handen des KapiAga auff die ſeinigen nehmen moͤge/ welcher es von dem Kuͤſſen genommen nach dem ers zuvor gekuͤßt und an den Kopff gedrückt hat. Der Eydſchwur/ welchen der Kam gblegt/ iſt in dieſe Worte verfaßt. Bu quitab bak luchun ſeadetlu, padichaim taré fin den hernè Emir vë ferman bana keleurſe itaat Ideym. Das iſt: Ich beteure bey der Warheit diſes Buchs/ daß ich allem Befehl und Ordre nachkommen wil/ welcher mir von meinem Herꝛen kommen wird. Weil ich eben jetzo an der Materi bin von dem Eyd der Treu/ eines Vaſallen gegen ſeinen Oberherꝛen/ ſo wil ich die Formul des Eyds hierbey ſetzen/ den der Tuͤrckiſche Kayſer von allen Chriſtlichen Potentaten erfordert/ die von jhm licher Gebrau z. e Baͤder welche vor den Kaͤybediente gehoͤren/ nemen einen . groſſen Theil der Wohmmig Kein/ darinn ſich die Verſchnit5 tene aufhalten. Die Hefen ſo 3 jſelbige heitzen/ und Kulkan genefit werden/ folgen alſobald auff des Sarai Hudaſi Gemach/ und werden 5. von denen ſtaͤrckſten Iſchoglan gehalten/ daß ſie das Feuer anmachen und der Oefen warnemen/ dieſelbigen werden Kulkangi genent; über diß ſind 25. andere mit Namen Pellax die in diſen Baͤderen zum Bal5 bieren/ Abreiben und Schrapfen gebraucht werden. Der Ichoglan welcher unter denen KulKangi der aͤlteſte iſt/ und am laͤngſten gedienet hat/ ſſt den anderen vorgeſetzt/ welche er auch oft im Ringen exercirt, und mit einer Hand groſſe Stück Eiſen auff heben laßt. Es ſind drey ſolche Icchoglan ſtuck mit groſſen ſtarcken Hacken uber die Thür 5 Wanke der Bäder angemacht/ da das mittelſte drunter/ und keibs. wie ſie berichten/ hundert Oxra wiegt/ welche kräften. auff 350. Pariſer Pfund machen/ maſſen ein 8 Orka vierthalb Pfund/ oder ohngefehr ſo viel wiegt. Man erzehlt daß vor Jahren ein Ilcholan gelebt habe/ der von ſo ungemeiner Leibsarcke geweſen/ daß der Kaͤyſer ſelbſten Luſt ge26 Beſchreibung des Serralls er und deſſen vornehmſte Hofdie mitte geſpalten. i 5 efen über 122 die Rohren auß ggg jhre Lehen empfangen/ als da ſind die Furſten von Moldau und Wallachey. Der beſtehet in folgenden Worten. Hi iſa hac Iuchun ſeadetlu padichaim tarè finden her nè Emir vé ferman bana keleurſe itaat Ideym. Das iſt: durch die Warheit JEſu Chriſti(oder ſo war Jeſus Chriſtus lebt) wil ich alle Befehl die mir von dem Kaͤyſer meinem gnaͤdigſten Herꝛen kommen/ verꝛichten. 5 i Es laßt der Kaͤyſer auch alle Baſcha, die er in des Reichs Grantz⸗Staͤtte/ als nach Caire, Babylon und Offen in Ungarn/ auſſendet/ den Eyd der Treu zuvor leiſten; bey andern Statthalteren aber/ die ſolche Lander zu regieren haben/ welche nicht an den Graͤntzen frembder Landern ligen/ von denen er auch nichts zu befahren hat/ pflegt ers nicht zu thun. Nun wollen wir uns auch in der Verſchnittenen und Ichoglan Zimmer machen/ die gutentheils in Baͤdern beſtehen. JJCCͥͤͥͤĩ ⁵˙ 1 e Das VI. Capitel. Von den Baͤderen im Serrall. Von einem ſonderlichen ſtarcken Iſchoglan. Kirche ſo zu der verſchnittenen Wohf nung gehoͤrt. Was die Zwerge und Stumme zu thun haben. Der Tuͤrcken Aberglauben im Naͤgel⸗abſchneiden. Welche Farbe denen Chriſten verbotten iſt/ auff dem Kopff zu tragen. Beſchreibung der Baͤdern. Mißbrauch abgeſchafft. Warum die Morgenlaͤnder ſich auff den heimlichen Orten des Papiers nicht gebrauchen. Perſer tragen hierin noch mehr bedenckens als die Tuͤrcken. Lieben ſonderlich die Reinigkeit. Schoͤne Gemaͤcher. Scharffes Verbott des Mahomets/ ſich nicht nacket ſehen zu laſſen. Erde damit man den Bart herunter bekom̃t/ und dero gefaͤhrwonnen zu ſehen/ ob derſelbe mit einer Hand ſolches Stück Eiſen aufheben und umkehren koͤnte; welches er auch verꝛichtet mit hoͤchſter Verwunderung des Herzen/ und habe er noch eine andere Prob der Staͤrcke ſeiner Armen vor ihm gethan. Über dieſen drey Stück Eiſen hengen zween eiſerne Helm/ deren einer eines Daumens dick iſt/ der andere aber nur den achten Theil ſo dick. Den e hat gedachter Iſchoglan mit einer treitkolbe uff einen Streich durchgeſchlagen/ deßgleichen den anderen mit einem Sebel biß in Gegen diſen O welchen das Waſſer in alle Badſtuben geleitet dung de, wird. Aber alſhter itt uicht zuvdergeſſen/ daß eh Ben man an diſen Ort kom̃t/ man ein kleine Kirch ſi⸗ tenen het/ die an des Serai Ketehudaſi Zimmer ſtoßt/ allwo alle Hchoglan des Tags zweymahl ihr Gebaͤtt verꝛichten. Wann ſie ſolches unterlaſſenſo kom̃t der Odabachi, der in jedem Gemach au ihr thun und laſſen acht gibt/ hinter ſie her mit gewaltigen Stoſſen/ wie er dann ſolche/ wann ſie ſich auch in anderem leicht uber ſehen/ an jhnen gar nicht ſparet/ und bekommen ſie zuweilen eine gewiſſe Anzahl Schlag auf die Fußſolen/ daß hnen die Nagel von den Zehen herunter ſpringen. Von dieſer Moſquee oder Kirch komt 1 a N Wer kön Werglaub der cg im Des Groß⸗Tuͤrcken. auff einen Gang der an die Badſtuben geht/ und daſelbſt haben die Disli und Geuge, welches die Stumme und Zwerge ſind/ ihre Geſchaͤffte und arbeiten den gantzen Tag. Etliche lernen wie man einen Turban oder Hauptbund zuſammen legen ſoll/ wobey es mehr zuthun gibt/ als man ſich ektwa einbilden moͤchte/ abſonderlich an des Kayſers Turban, den er tragt wann er in Divan geht. Dann alsdann ſetzt er einen uͤber die maſſen groſſen auff/ welches dann auch von allen hohen Bedienten geſchicht/ wann ſie in den hohen Maht gehen: ich kan dieſe Takckiſche Bunde beſſer nicht abbilden/ als wann ich ſie mit unſern groͤſſten Kuͤrbiſſen vergleiche/ wann man ſie in der Mitte außholete/ und ein Loch drein machte/ daß der Kopff hinein konte. Andere unter ihnen lernen balbieren/ die Nagel abſchneiden/ und andere dergleichen Sachen. Sie brauchen keine ine d rcken Scheer zu den Nageln/ und zwar in gantz Aſien Fonte nichts Welles Mahomet in ſenen Gesetzen berbotten/ und wurden ſie es alſo vor eine groſſe Suͤnde halten. Sie gebrauchen ſich hiezu eines kleinen Inſtrumems auß Stahl/ welches wie Was de ein Federmeſſer gemacht/ aber die bloſſe Spitze ſchneidend iſt; womit ſie dann trefflich geſchicklich wiſſen zu verfahren. Es iſt in gantz Orient der Gebrauch/ daß der Balbierer der einem den Bart putzt/ auch den Turban/ welcher offt außeinander geht auffbindet/ wie auch die Nagel an Handen und Füͤſſen abſchneidt/ und die Ohren außputzt: Dann die Türcken ſo wohl als alle andere Aſtatiſche Volcker halten über die maſſen viel auff die Reirigkeit/ und koͤnnen weder an ſich/ noch an denen ſo umb ſie ſind/ den geringſten Unflaht leiden/ wie ich bald mit mehrerem erwehWriſen nen werde. Weil ich mehrmahls von denen Tur warden ban Meldung gethan/ wirds nicht ungereimt Wa kommen/ daß ich allhier anführe/ wie in der Tuͤrduigen. Wehre, 1 in an einen der annehmlichſten Orten in dem gande Au Ind, Haupt ckey und gantz Arabien niemand als denen Mahometanern erlaubt iſt/ die weiſſe Farbe auff dem Kopff zutragen/ hingegen mag man in Perſien und des Groß Mogols Gebiet tragen welche Farb man will. 0 Ich komme nun auff die groſſe Badſtube/ welche auff des EHlammangibalchi Gemach folgt/ der auch drüber geſetzt iſt: ſolches Bad iſt ein Theil der Zimmern darinnen die Selerli oder Waſcher des Käyſers ſich auffhalten. Der Ort wo man ſich außzieht iſt von außgehauenen Steinen/ ziemlich hoch gebaut/ und zwar tzen Serrail. Der Boden iſt von ſchoͤnen viereckichten Marmorſteinen bepflaſtert/ mit zwey groſſen Fenſtern verſehen/ die auff Art der Ercker gebaut/ und in die Garten gerichtet ſind/ auß welchen man die zwey zufammen ſtoſſende Meer und etwas Land von Aſien zu Geſicht faſſen kan. Mitten in dieſem erhoͤheten Ort/ ſteht ein Springbrunne deſſen Wafer in zwey groſſen Becken aufgefangen wird. Das Erſte/ ſo das hoͤchſte und kleineſte/ iſt aus weiſſem Mar* mor gemacht mit rohten und ſchwartzen Adern unterzogen/ und an 6. Enden durchbrochen/ damit man ſo viel Rohren von gelbem Kupffer hinein machen kan/ durch welche das Waſſer in das untere Becken fäͤlet/ welches auch aus Marmor gehauen/ aber auß unterſchiedenen Stuͤcken und mancherſey Farben zuſammen geſetzt iſt. Innerhalb des erhoͤhetẽ Orts/ ſind umb und umb viel Stangen/ und werden von eiſernen Aermen/ die auß der Mauren gehen/ gehalten/ daran trocknet man das Leinen⸗Gezeug ſo man im Bad gebraucht hat/ und finden ſich deſſen 27 allda viel und mancherley Gattungen. Vor Misbrauch dieſem gab man den Pagen in dem Bad etwas abgeſchafft. umb/ daß unter dem Guͤrtel nur zweymahl herumb hieng; als man aber wargenommen daß ſie ſich deſſen ſchaͤndlich mißbraucht/ und die junge ſchoͤne Knaben auß Muth willen einander das Vortuch weggeriſſen/ damit ſie ſich bloß ſehen moͤchten/ als bedient man ſich jetzo eines Jurtuchs daß von dem Guͤrtel an bis auf die Fuͤſſe wie ein Weiber⸗Rock zuſammen genahet iſt. Wann ſie aus dem Bad gehen/ ſo haben ſie zwey andere Arten Leinwand/ die ſo groß als Tischtücher ſind/ deren eines roht und mit einem ſeidenen Saum auff drey Finger breit geziert iſt/ mit welchen ſie ſich von dem Guͤrtel bis auff das halbe Bein bedecken/ ſo bald ſie auß dem Waſſer ſteigen; das ander Tuch aber iſt weiß/ und wird eigentlich zum abtrocknen gebraucht; beyde werden Peſchetamal genennt. f Auff einer Seiten des Brunnens/ der mitten im erhabenen Ort ſteht iſt ein Eingang da man ins Bad ſteigen kanz und darbey aller naͤchſt ein Saal/ in welchem man ſich des Winters pflegt abzukleiden. 8 Darauff kommt man auff einen kleinen Gang/ ſo zur lincken Hand folgt/ an den heimlichen Ort wo man der Natur die Schuldigkeit ablegt/ da Warumb die Morgen länder ſich dann bey jedem Sitz ein kleiner Hahne herauß zum geheigehe bidauch nn War auflaſen nns ſch nuke waſchen kan. Sie ſolten ſich einbilden/ daß ſie eine groſſe Sünde gethan hatten/ wann ſie Papier dazu brauchten/ maſſen ſie vorgeben/ es mochte ungefehr Gottes Nahme oder etwa ein Stuck auß ihrem Geſaͤtz darguff geſchrieben ſeyn/ welches dann eine Entheiligung were/ die man zuvermeyden ſuchen müßte. Uber diß ſind ſie der Meynung/ es gehe doch mit der Papier SqubePapiers gebrauchen. rung ſo gar nett nicht zu/ daß nicht imer noch etwas vom Unffaht allda uͤbrig bliebe/ weil ſie nun verbunden weren ſich vor Gott ſo wohl am Leib als an der Seele gantz reine zuſtellen/ als koͤnte ihr Gebett anders nicht erhoͤrlich geſchehen/ wañ ſie nicht durchauß geſdubert weren. i Die Perſer ſind hierin noch aberglaubiſcher als die Tuͤrcken/ dann obſchon beyde der Meynung ſind/ es werde kein Gebett erhoͤrt/ ja man koͤnne guch ohne groſſe Sunde nicht betten/ wo man nicht an Seel und Leib gantz unbefleckt ſey/ ſo behaupten doch uber diß die erſten noch/ daß auch die geringſte Unreinigkeit die etwan auß Unachtſamkeit noch übrig bleiben mochte/ es ſey nun am Kleid oder an dem Leib einer Perſon/ dero Gebekt verwerſich und fündlich mache/ woruber die Turcken/ welche in dieſem Stuck weniger abergläubiſch ſind/ mit ihnen nicht übereinſtimmen. In Perſien hält man ins gemein viel auf die Sauberkeit/ und hab ich in Hiſpaham wo die Gaſſen nicht gepflaſtert ſind/ wargenommen/ daß ſo bald etwa ein Sehnee oder R fallt/ dadurch die 1 niemand einen Tritt auß dem Haus thue/ es egen Perſer len noch genauer hieruber als die ürcken. Sie Lieben ſonderl ich die Sauberkeit. Gaſſen unſauber werden/ faſt were dann Sach/ daß ihm etwas ſonderlich wichligs zuverꝛichten 18 Wann man alsdann außge ODieczzemaͤ. nehmen wil/ wann es garſtig Wetter iſt/ und ſo 28 außgehen muß/ ſo legt man vor dem Hauß/ in das man gehen wil/ die Schuh ab/ auch den Regen⸗Mantel und das Tuch womit man den Turban bedeckt gehalten; dann wann das ge⸗ F ringſte unſauber an einem were/ wurde man vor unrein gehalten/ und were es dem ein Schimpf zu dem man gegangen iſt. Es tragt auch ein Perſianer Bedencken ob er einen in ſein Hau jemand hinein kommt/ gibt er ihm alſo bald mit der Hand zuverſtehen/ er ſolle nur weit genug von ihm bleiben wann er mit ihm reden wolle. Dann wann er ungefehr/ wie er von der Gaſſen kommt(wo es viel Koht und etwan Pferde gibt/ die davon an ihne ſpritzen mochten) den geringſten Miſt an ſich hatte/ und den/ welchen er beſucht/ anruͤhrte/ ſo ware dieſer ein Nagis, das iſt/ unrein/ und daher gehalten ſein Kleid alſobald zu endern und ein anders anzulegen/ ſo gar weit geht hierin der Perſer Aberglaube. s Am Ende des Gangs iſt eine Thur/ durch cher werden welche man in drey andere Gemaͤcher geht/ welſehe ſch außgemacht. n ches drey Badſtuben ſind zu des Kaͤyſers Loſament gehoͤrend. Auff das letztere dieſer Gemacher folgt ein groſſer viereckichter Platz mit Mar mel von unterſchiedlichen Farben gepflaſtert/ und laſſen ſich an ſolchem Ort die Ichoglan balbieren. Es iſt dieſes Gemach in der Milte etwas erhaben und gegen alle Ecken und Seiten abhangig/ damit das Waſſer/ wormit die Bal15 85 den Kopf und Bart abwaſchen/ ſich kom̃ich und bald verlauffen/ und alſo der Ort immer ſauber ſeyn moͤg e. Zu beyden Seiten der Mauer damit der Ort umbgeben iſt/ geht ein groſſer Hahne herauß mit zwey Schrauben/ und fließt da auß einem Mundloch kalt und warm Waſſer wechſelweiſe herauß/ darunter ein Marmor⸗ſteinerns weiſſes Becken iſt/ in welchem ſich vier Perſonen waſchen koͤnnen/ daß doch keiner den andern verhindere. Hierauff folgt an einem Ende dieſes Platzes ein ander klein Gemaͤchlein von weiſſem und ſchwartem Marmor/ darin die Barbierer/ welche ſonſt nichts gelernet haben/ ihren noͤhtigen Werckzeug thun/ nemblich die Scheer⸗Meſſer/ Wetzſtein/ Safe und Meſſer zum Nagel abſehneiden: Dan das weiſſe Gezeug ſchaffen ſie nicht herbey; und die ſo ſich balbieren laſſen/ kleiden ſich gantz ab obenher biß an den Guͤrtel; haben unten anders nicht umb als einen leinen Schurtz der ihnen biß an die halbe Beine geht. Es findet ſich ſelten und nur ungefehr unter dieſen Balbierern einer der Ader laſſen kan/ es ſind ihre lancetten guch ſo plumb und groß/ daß ſie denen Eiſen nicht ungleich ſind/ damit man unſern Pferden die ſchlagg ttt Gegen der Barbier⸗Stube uber ſind drey andere gewölbte Gemächer von Marmor/ das größte drunter iſt das ſchoͤnſte; das Pffaſter iſt von ſchwartzem und weiſſem Marmor/ die Mauren aber ſind von weiſſen und blauen Steinen aufgeführt/ und iſt in jedwederm eine erhabene Blume mit naturlichen Farben abgemahlt/ die man vor ein Schmeltzwerck moͤchte anſehen. Die gügungen der Steinen ſind mit kleinen guldenen Blech bedeckt/ und kan man ſich nicht bald etwas friſchers einbilden als dieſes erſte Gemach. Das Gewolb und Bogen oben her iſt mit vielen Beſchreibung des Serrails 5 runden Lochern durchbrochen/ die ungefehr einen halben Schuh dick ſind/ und kleine Fenſterlein von dem hellen Venetianiſchen Glas haben/ auff Form und Art einer Klocken/ welche deswegen alſo formirt damit nicht etwa jemand/ der ſo fuͤrwitzig were und auff das Gewolb ſtieg/ zuſehen was im Bad vorgieng/ ſich droben koͤnß te auff den Bauch niederlegen/ und alſo hinein ſehen. Der Ort hat nur durch dieſe Locher ſeine Heitere/ und zwar nur wañ man im Bad iſt: abſonderlich aber wird ſo dann die Thür zugehalten/ wann man auß dem Bad ſteigt/ damit die Warme nicht hinauß gehe und man nicht geſehen werde; welches dann geſchehen koͤnte/ wañ an ſtatt dieſer Loͤchern unten her Fenſter waren wie ſie bey uns ſind. Alle andere Bader ſind auff eben dieſe Manier gemacht und haben ihr Liecht nur von ſolchen kleinen glaͤſernen Fenſterlein. Es wird nichts alda geoͤffnet als bloß die Thür/ damit die Warme/ weil dieſelbe doch alſobald widerumb zugemacht wird/ fein beyſammen bleiben/ und man die Badende gantz nicht ſehen koͤnne. Die darauff folgende Stube iſt auch ein Bad/ aber gleichet an Schoͤnheit dem vorigen nicht: in der dritten aber findet ſich etwas ſonderbares; der Boden iſt mit kleinen Steinen eingelegt und zwar auff eine ſolche Art/ daß der Fuß wann man ihn benetzt hat indem man auß dem/ Bad ſteigt nicht außweichen kan: ſonſt iſt ſie von lauter viereckichten Steinen auffgefuͤhrt/ auß welchen Blumen der natuͤrlichen Art nach erhaben hervor gehen/ und ſind mit Gold und Himmelblauer Farb uͤberzogen. An dieſen Ort venfügt ſich der Kayſer/ wann er auß dem Bad gehet/ und zwar gantz allein/ die jenige Glieder und Theile des Leibs abzuputzen/ welche ſich Scham halben nicht nennen laſſen. 5 Mahomet kuͤndigt denen den Fluch an/ die Sa die Scham des Leibs bloß geben vor andern/ Mahome wie auch den andern die ſie ſehen. Und wer bey ſich a0 b den Turcken wil nach den Geſetzen leben/ muß b ſich allda ſelbſt die Haar abnehmen/ ſo wohl ſaſſn. Manns als Weibs Bilder/ und keine frembde Hand dazu laſſn. 5 8 Die meiſte Morgenlaͤnder/ als Araber/ Tartaren und Indianer bedienen ſich eines bequemern Mittels zum Putzen als des Scheermeſ⸗ au ſers/ ſie haben eine gewiſſe Erde die ſie mit O⸗ Eiben perment vermengen/ und ſo weich machen als Bart uh, Butter. Waun ſie im Bad ſind und nun der ander a, Schweiß hervor bricht/ ſo reiben ſie mit dieſer 14 Eden die Theil des debbs da ſie wollendaß das aasee Haar ſoll herunter fallen; man muß aber wohl fo dach 0 acht haben/ ob ſie bald herunter fallen/ wie man etwa bey einem gebruͤhten Huhn acht hat/ daß man auß dem Waſſer zieht. Dann wann man dieſe Erde gar zu lang drauf laßt/ ſo brennt ſie und macht Locher in daß Fleiſch/ deſſen Mahler hernach bleiben wie etwan die Maſen von den Blatern. Uber diß wird an denen Orten/ wo man dieſe Erde braucht/ die Haut mit der Zeit ſo hart und grob wie ein Carduan und pflegen die Türcken ſo wohl als Tartaren ſich ub ſolcher Urſachen willen dieſer Erde zu ſolch em Gebrauch zu enthalten. Die Morgenlandiſche Chriſten brauchen ſie auch nicht/ ſonſt haltens ſies zwar mit dem Baden wie die Tüͤrcken: abſonderlich aber in 15 Mile des Groß⸗Tuͤrcken. ſien iſt niemand als die gar arme/ die ſich ſolches Mittels bedienen. Das Frauenzimmer/ obwohl das ſcharffe Verbott drauff ſtehet/ laſſen dennoch ihre Leibeigene oder Selaven diß Ampt verzichten/ und zwar/ ſo nehmen ſie leine ZwickZangen wie etwa die ſeyn mogen/ deren wir uns gebrauchen die Haar auß dem Bart damit zukupffen/ und thun alſo mit etwas groͤſſerer Beſchwernuß und Muh/ doch mit geringerer Gefahr/ was dieſe Erd zwar geſchwinder/ aber auch gefährlicher außricht. Die Sultaninen hingegen ſind gar zu delicar und zaͤrtlich hierzu/ daß ſie es den Perſionerinnen nachthun ſolten; mafſen auch nicht einmahl die Mauns⸗Leut in der Turckey ſich mit Schmerzen das mogen gußrupffenwas das Scheermeſſer ohn alle 5 f und Beſchrwernus weg⸗ 8 f mimmt. 8 FFF Das VIII. Capitel. Von dem Kipfelchen Scha. Stuͤcke von Antiquiteten. Inhalt. 1 Die Tuͤrcken haſſen die Gemaͤlde welche Men29 Schone ſchen oder Thiere vorbilden. Schatzkammer und dero Reichthumb. Das Blut der Balcha iſt einer von denen Fluͤſſen ſo in das Meer dieſes Schatzes fſteſſen. Gebrauch des Holtz von Aloe in der Tuͤrckey. Waſchbecken bequemer gemacht als die unſern. Wachs⸗Liechter auß einem ſonderlich koſtbaren Wachs. Kuͤſten mit allerhand Kleinodien. Vorſichtigkeit und Gepraͤnge ſo man bey Eroͤffnung des Schatzes gebraucht Reicher Teppich/ darauff Caroli Quinti Bildnuß gewuͤrckt iſt. Merckwuͤrdige Sachen vom Leben des Rultan Baſcha. Heroiſches Judicium eines Tuͤrcken. Haupt⸗Urſprung des Reichthumbs des Tuͤrckiſchen Kaͤyſers. Einkuͤnfften aut Egypten wozu ſie angewendt werden. 5 5 Er Schatz des Serrail und Gang auff beyden Seiten müſſe offen geweſen ö des Nurckiſchen Reichs/ deſ⸗ ſeyn/ geſtalten ers auch noch auff der Seite iſt ſen ſehr groſſer Reichthumb die gegen dem Hof zu geht; in der Mitten aber und trefliche Ordnung/ nach der Mauer/ welche ihn auff der andern Seite % dwelcher alles alda regiert und ſthleußt/ iſt die Thur zu der Schatzkammer. verfaßt iſt/ ſind wohl wehrt/ Dieſer Schatz in welchem ein unglaublicher N Dchd daß ich mich ein wenig bey Reichthum verſchloſſen ligt/ kan in den offentlidieſer Materie aufhalte. Ich wil entdecken ale chen und abſonderlichen oder geheimen abgethedie Zuftziſſe/ von welchen dieſer Schatz angefüllt let werden. Ich nenne denjenigen den offentlichen/ 75* wird/ die denen Fluſſen nicht unbillich zuvergleichen/ welche in das Calpiſche Meer lauffen/ deren man aber keine wieder herauß flieſſen ſihet. Von der Stube/ worin der Kayſer ſich zu putzen und bie Haar abzunehmen pffegt/ geht man in einen Gang der 30. Schritte lang und 9, bis 10, breit iſt. Er ruhet auff 6. ſtarcken Marmor⸗Seulen/ deren eine iy. Schuh hoch iſt/ und alle unterſchiedlicher Farben ſind/ darunter auch eine ſehr ſchoͤne grüne ſich befindet/ welche von den Tuͤrcken ſehr hoch und koſtbar 8 chönen n Muileten, darauß man zu offentlichem Gepraͤng und lolenniteten den Verlag und die Koſten hermimt; auß welchem auch die Soldaten bezahlt werden/ und in Summa alles andere im Reich unddem Serrail nohtdürftige hergeholt wird. Man füllt ihn wieder an/ nach Maß der Aufgaben/ und wird immer ſo wohl Geſt hinein als herauß gethan. Was aber den abſonderlichen und geheimen Schatz betrifft/ welches ein Gewolb unter der Erden iſt/ und nur in Gegenwart des Käyſers eroͤffnet wird/ der laßt ſich am beſten mit geſchätzt wird. Der Boden des Gangs iſt mit breiten Marmorſteinern Quaterſtücken belegt/ nuff welche einige antiquitäten außgebreitet a gen die in herꝛlichen Gemalden beſtehen, guff die Moſaiſche oder Altvaͤtteriſche Art außgearbeitet/ worauff verſchiedene Perſonen ſtehen/ welche etwamogen zu Zeiten der Griechiſchen Kayö ſern bey de und Einzug groſſer Herzen f geiacht ſeyn worden. a Alder von r 1 welche weder Bildhauer noch dach Mahler unter ſich haben/ der eiten Menſchen oNdkey zen der ein Thier abmahlen konte/ weil ſie davor eiwüten nen Abſcheu haben/ haben dieſe Figuren mit harcoacht, ker Muh erduaken können; ſie haben ihnen auch die Köpffe weggekratzt/ ſo daß nur die Leiber noch ubrig und zuſt hen ſind/ welches dann hoch zu betauren iſt. Es iſt leicht zuerimeſſen/ daß dieſer dem Calpiſchen Meer vergleichen/ weil in daſſelbe auch viele Flüſſe gehen/ ohne daß jemand von deren Außgang wiſſen wi. f N Der erſte Schatz beſteht in 4. Gemachern Schatzkamwelche mit Reichthumb und Nariteten angefüllt meren und ind. Die erſte zwar halt in ſich viele Bogen/ der ae Pfeil, Armbrust, Muſqueten/ lange Rohr/ Sa⸗ Nechhum bel und andere dergleichen Waffen/ welche au. ker Meiſterſtick von koſtlicher Arbeit ſind/ die man den Turckiſchen Kayſern zu verſchiedener Zeit verehrt hat. Alle dieſe, Gewehr ſind entweder oben an die Decke angemacht/ oder hangen an der Mauer; aber in ſehr ſchlechtem Stand 10 ler Roſt und Staub/ und laſſt ſie der Kayſer gern verderben/ weil man ihm alle Tag andere wohl ausgearbeitete Gewehr zu verehren pflegt/ deren Neulichkeit macht/ daß er der e 5 7 30 5 Beſchreibung des Serrails weil auch uͤber diß die Turcken ſeltene Sachen nicht hoch halten als nur in dem Augenblick da man ſie ihnen ſchenckt. 5 Die andere Kammer iſt ein Groſſes Gewoͤlb/ eben ſo hoch und auff gleiche Art gebaut wie die Badſtube welche ich im vorhergehenden Capitel beſchrieben/ in der man ſich bey dem Bad im Sommer pflegt ab und an zukleiden: ſie ſind beyde einander durchauß gleich/ ohne daß die Schatzkammer oben nicht offen iſt. In dieſer ſtehen nun ſechs groſſe Kaͤſten/ deren jeder zwoͤlff Schuh in der Lange und ſechs Schuh in der Breite und Hoͤhe hat/ wann die Deckel ſo daruͤber ſind/ nicht zerbrochen waren/ wurden ſie kaum zwey Manner heben/ ſo gar ſchwer ſind ſie. Dieſe Kaͤſten die man Ambar nennt/ ſind voll Kleider/ welche dem Kaͤyſer gehoren/ ſo wohl aber Kleider als koſtbare Unterfutter/ praͤchtige Turban/ und mit Perlen geſtickte Roͤcke. Ohne dieſe ſechs Kaͤſten ſind deren allda noch acht zu ſehen/ ſo acht Schuh in der Lange und vier breit ſind/ worinn man die Scharlachene Sachen verwahrt/ wie auch in gleichem die feinſten Hollandiſche und Engliſche Tuͤcher/ was von Sammet/ guͤlden und ſilbernen Stücken/ geſtickte Bettdecken/ und andere dergleichen koſtbare Sachen. Die Zaum und Pferde⸗Sattel ſo mit Edelgeſteinen außgemacht ſind/ hangen an der Wand/ und wird 15 gantze Kammer ſehr wohl und Sauber gealten. i Das dritte Gemach iſt etwas raͤumlich und weit/ gleichet auch mehr einem Saal. Es zeigt ſich allda alſobald ein groſſer Kaſte/ der inwendig in drey Theile abgetheilet iſt/ und gleichſam noch drey andere Kaͤſten in ſich halt/ deren einer über dem andern ſteht/ ſie laſſen ſich vorn auffmabehalten. Ebener maſſen berfährt man auch mit dem gemüntzten Gold und Silber/ wie auch mit allen Edelgeſteinen/ ſo ſich bey denen Baſcha befunden haben. Die Sättel aber ſo ins gemein nur mit Gold Platten die ſo dick als ein Dueaten/ beſchlagen ſind/ die liefert man den Improhosbachi ein/ welcher Oberſt⸗Stallmeiſter iſt/ und nicht ins Serrail hinein kommt. In eben dieſem Gemach ſind noch viel andere Kaſten von verſchiedener Groſſe/ in welchen viel ſehr koſtbare Sachen gefunden werden; etliche ſind mit koſtbaren Degen/ die reichlich mit Edelgeſteinen beſetzt/ andere mit Saͤbeln/ welehe nicht minder damit glaͤntzen/ angefüllt. Dann die Tuüͤrcken pflegen zu Pferd beydes Sabel/ und lange Degen/ die etwas breiter ſind als die unſere zu führen; den Sabel an der Seite/ den Degen aber wie auch die Streitkolbe binden ſie der Lange nach an den Sattel/ und geht er ihnen unter dem Schenckel durch/ welches ihnen dañ nicht groſſe Ungelegenheit macht/ weil ſie mit ſehr kurtzen Steigbugeln reiten. Die Seiten und der Griff an dem Schreitkolben/ die man bey einem prachtigen Auffzug führt/ werden auch zuweilen mit Steinen beſetzt; wie dann die Türcken durchgehends in ihrer Ruͤſtung prächtig ſind und kein Gold ſparen. Wann der Kaͤyſer einem Baſcha eine Ehr anthun wil/ ſo ſchickt er ihm einen ſolchen Degen oder Sabel neben einem Kleid/ daß mit Gold geſtickt/ und ein koſtbar Unterfutter hat: aber dieſe koſtbare Stucke gehen nur hin damit ſie wieder herkommen/ maſſen/ wann der Baſcha ſtirbt/ all ſein Vermoͤgen ins Serrail muß/ und finden ſich alſo allzeit wiederum in dem. Schatz als in ihren centro und Ruhpunct ein. 5 chen und ſind alſo einander nicht hinderlich/ maf⸗ In den andern Kaͤſten iſt Ambra, köſtlicher Erbin 8 ſen man den unterſten oͤfnen kan/ ohne daß man Beeſem/ Holtz von Aloe und Sandal. Es iſt woe 1 4 den oberſten ruͤhre. 5 von ſolchem Albe⸗Holtz alda/ da das Pfund tau⸗ 25 Dir 100 lo maſſen das Fetteſte allemahl das beſte/ und ſpenIn dem unterſten Theil dieſes Kastens wer⸗ ſend Thaler koſtet nachdem es nehmlich ſett iſt/. Vage den die Throns⸗Zierahten und Decken verwahrt/ von denen ich oben bey Beſchreibung des Audienz. Saals Exwehnung gethan. Der Mittlere halt alle geſtickte Pferd⸗Decken in ſich/ deren einige mit Perlen und Edelgeſteinen beſetzt ſind und bey ſonderlichen Solenniteten gebraucht werden. In dem oberſten Theil liegen dir Zaum/ Bruſtriemen/ Hinterzeug und Stegreif/ welches alles mit Diamanden/ Rubienen/ Schmaragden/ und Perlen auffs koſtbarſte außgemacht iſt; der meiſte Theil aber iſt mit Tuͤrckiß verſetzt/ als welchen Stein ſie ſondieren die Türeken viel Geld auff das Alde Holtz. Wann maß ſie beſucht/ ſo iſt die Gewohnheit/ ſo bald man ſich geſetzt hat/ daß man dem Gaſt eine Pfeiff Tabac ſampt ſolchem Aloe⸗Holtz offerirt, und dieſes zwar auff folgende Weiſe. Man nimt deſſen nach dem es fett iſt/ und alſo viel Rauch geben kan/ etwa ſo viel als einer Erbſen oder kleinen Bohnen groß/ machts zuvor naß/ und legts ſodann auff ein wenig Kohlen in einer gewiſſen Kohl⸗Pfanne/ welches man dann allen gegenwartigen Gaͤſten præſentirt. DaDas Blut derlich wohl wiſſen anzumachen. Es iſt in War⸗ rauß ſteigt ein Rauch auff/ mit welchem jedwe11 11 heit eine hoͤchſt verwunderliche Sache/ daß man der den Bart und Kopf/ auch den Turban indenen Fill. ſo gar viel der köſtlichſten Kleinodien allda ſihet; wendig beräuchert/ und hierauff mit auffgehabeſen welche in aber es verwundern ſich auch nur diejenige am nen Händen dieſe Wort ſpricht: Elmendela, dieſes meiſten hieruͤber/ denen unbewußt iſt wie der daß iſt/ Gott gedanckt. Eh man aber das KohlOchatzmeer Kaͤyſer ſo viel unſchatzbaren Reichthumb in die⸗ Feuer darbietet/ bringt man in einem guͤldenen gehen. ſen Schatz überkommt. Gleich wie ſehr offt Ba⸗ Und ſilbernen Geſchirꝛ/ nach dem die Leute ſind/ ſcha und andere Statthalter in denen Landern ſeines Reichs mit Tod abgehen/ es ſey nun daß ſie eines naturlichen/ oder eines gewaltſamen Tods ſterben/ und als oberwehnt worden/ all ihre Verlaſſenſchafft vor den Käyſer gehoͤrt/ und ins Serrail gebracht wird; ſo finden ſich unter Lochlein darauß das Roſenwaſſer feuſſt/ mit Un ihren Sachen allemahl koltbahre Geſchirꝛ und welchem man ſich die Hand und das Geſicht 10 0 mit Kleinodien beſetzte Pferdezeuge/ dieſe wer⸗ waſcht/ und darnach uber den Rauch der uwe den ſo dann in dieſem Schatz vor den Kayſer auff Aloe haͤlt/ welcher das Waſſer wieder 1 die 5 un welche hinkommen, Roſenwaſſer. Das Geſchirz iſt ungefehr einen Schuh hoch/ der Fuß dran iſt ſo dick als eine Fauſt/ und gehet immer kleiner zuſammen ſo daß es oben mehr nicht als eines kleinen fingers dick iſt/ am End hats ein klein „ ſehr viel von Maſtix, mit welchen die Sultaninen des Groß⸗Tuͤrcken. und deſto beſſer ſo dann an denen Haaren und Bart hafftet. 8 8 Man findet in dieſen Kaſten auch viel Gewüͤrtz und koſtbare Specereyen/ den Beꝛoart und das andere Frauenzimmer im Serrail ihr ſtetige Zeit⸗Vertreib haben. Sie haben es allezeit im Mund/ wie dann der Maſtix die Tugend hat/ daß er einen guten Athem macht und die Zaͤhne ſauber halt: weswegen ſie ihn dann uber die maſſe gern haben. Eben in dieſem Gewoͤlbe/ aber in anderen Kaſten werden ſehr viel guldene und ſilberne Geſchirꝛe verwahrt/ die man aber niemahls gebraucht; maſſen der Kayſer ſchon andere in dem Kilar hat/ deren er ſich bedient/ bey der Tafel aber auß keinem andern Geſchirꝛ als Porcelan ſpeiſt. Unter andern vielen Geſchirꝛen ſind auch alda befindlich viel guldene Waſchbecken mit denen dazu gehoͤrigen in pie be. Gießkannen/ deren einige mit verſchiedenen koͤſt8 mer ge, lichen Steinen außgeziert und beſetzt ſind. Die ba lacht als die unſexe. ſateran 100 koſtba. Wacht ckiſche t Aller. d Klez Waſchbecken ſind in viel bequemerer Form gemacht als die unſern/ und iſt darauß ſonderlich der Morgenlandiſchen Volckern Reinſigkeit abzunehmen. Sie ſind gantz rund/ ungefehr einen halben Schuh tieff/ oben mit einem Deckel als mit einem Teller verſehen/ der durchloͤchert iſt/ und macht daß das Becken dem Rand gantz gleich kommt/ und zugleich den abgewaſchenen Unflaht verdeckt/ welcher durchfſieſſt und zu Boden fallt. Man ſteht in der Turckey eh nicht auf/ biß man Mund und Hand ſauber gemacht hat; und bringt man allemahl Seiffe mit warmem Waſſer; bey denen groſſen Herꝛen aber bietet man Roſen⸗ oder ſonſt etwa ein wohlriechendes Waſſer an/ womit man das Schnuptuch an einem Ende naß macht. Man verwahrt auch in einem dieſer Küſten groſſe Liechter/ welehe wohl zwey Schuh hoch ſindzund auß unterſchiedlichen ſehr theuren Sachẽ gemacht trerdẽʒ ſie ſind von graulichter Farb/ welche dem Wachs nicht ungleich kommt; werden auß Morenland gebracht/ und kommt eines auff hundert Thaler. Man bedient ſich derſelben nur alsdann/ wann der Käyſer die Sultaninen zu beſuchen geht/ und zundet zwey in ſehr groſſen guldenen Leüchtern an/ die mit Edelgeſteinen außgezjeret ſind. Wann ſie ein wenig mehr als halb verbrant ſind/ ſtecken die ſchwartze Verſchnittene welche in den Karam dienen/ andere an/ und üͤberꝛeichen auß Höflichkeit das uüberbliebene Stuck den vornehmſten/ die die Sultaninen bedienen. 155 Ferner ſind auch in dieſen Kuͤſten ſehr viel groſſe Uhren und kleine Sack⸗Uhrlein zu ſehen/ welches teutſche Arbeit iſt/ wie guch viel Meſſer und Schreibzeug auff Türckiſche Art gemacht; ſind alles lauter Meiſterſtück von guten Arbeitern/ und mit Steinen wohl beſetzt. Endlich ſind auch an der Mauer/ die mit einem ſcharlachenen H uͤberzogen/ viel Gewehr auf TurNanier gemacht/ verwunderlich und ſehr artig untermengt/ von Bogen, Pfeil Schilden und Streithammern/ alles ſehr koͤſtlich gearbeitet; und kommen alle ſolche Stuͤck meiDas koſtbarſte aber in dieſer Kammer iſt in einem ſtarcken und gantz eiſernen Kaſten/ in un 0 115 ſtentheils ſehr hoch. 31 welchem noch ein anderer ſteht/ der ungefehr anderhalb Schuh groß und viereckicht iſt/ in wel chem ſehr groſſer Reichtumb verſchloſſen Warn er geöffnet wird/ ſo ſieht man allda eine groſſe ingſchachtel wie die Goldſchmiede haben/ darin allerhand ſehr koſtbare Ring mit Demanten/ Rubinen/ Schmaragden/ und eine groſſe Anzahl ſchoͤner Topazen ſtecken/ und vier Katzenaugen/ derer Schoͤnheit nicht genug zu ſchatzen und hoch zuhalten iſt. Wann man dieſen erſten Boben wegthut/ ſo finden ſich kleine Schubladlein/ die mit verſchiedenen Kleinodien/ groſſen Roſen von Demant/ Ohrengehangen/ wiederumb anderen Roſen von Rubin/ Schmaragd/ Perlen⸗Schnuren und Armbändern angefüllt ſind. Es iſt ein abſonderlich Kaſtlein da/ darin die Sorguge, oder Kleinodien verwahrt werden/ in welche die Reiger Buſch eingefaſſt ſind/ die man dem Kayſer an den Turban macht. Sie ſind wie kleine Haͤffte oder Handhaben auff Tulipanen Art gemacht/ mit den ſchoͤnſten Steihen die im Serrail ſind/ eingefaſſt/ darein hernach der Reiger⸗Buſch geſteckt wird/ von deſſen Koſtbarkeit ich an andern Orten Meldung gethan. Dieſe Handhaben und Häͤffte ſind von unterſchiedlichem Wehrt/ und iſt immer eine koſtbarer als die andere; wie ich dann von Anfangs gedachtem Schatzmeiſter verſichert worden/ daß wann man ſo wohl groſſe als kleine rechnet/ uber 150. allda weren. Der kleinen bedient er ſich nur wann er zu Feld iſt; die groſſe aber als die Reichſte/ werden auffgeſpart wann er ſeinen Pracht und- Herzlichkeitbey Hof wil ſehen laſſen/ oder wann er ſonſt zu einer Solennitqat in die Statt fahrt. Wann den Käyſer die Luſt ankommt/ die Augen an ſeinen koſtbaren Kleinodien zu weiden/ ſo laſſt er ſich den Kaſten in ſein Gemach tragen: begehrt er aber nur ein oder ander Stuck auß dem Schatz/ ſo ſchickt er dem Chaſnadar Baſchi deßwegen Ordre zu/ daß ers ihm hole; es darff aber dieſer Oberauffſeher des Schatzes ohne groſſe Vorſichtigkeit und wunderliches Gepralig nicht hinein gehen. Es ſind allzeit 60. Pagen bisweilen mehr der auch weniger in der zum Schatz verordneten Wohnung/ wiewohl die Zahl ungewiß und micht beſtimt iſt/ undhat der Capi Aga nebſt demChalBehutſamo⸗ keit und Ge, n bpaͤng ſo beobacht wird wann man das Serrail nadarbaſchi ſo viel Gewalt daß ſie ſolche Anzahl öffnet. vergroͤſſern oder verꝛingern moge nach ihrem guten Wohlgefallen uñ eigenen Nutzen dafern ſie nichtinngunſt bey dem Kayſer gerahten/ wie es dem begegnet/ von welchem ich guten Theils dieſe meine Nachricht empfangen habe/ ſo kommen ſie nie auß dem Sertail, daß ſie nicht eine gute Verwaltung einer Land⸗ und Hereſchafft/ oder einen ehrlichen Unterhalt bekämen/ ſich außzubringen; wann ſie nur thun was ihre Pficht 1 ſich bringt ſokoͤnnen ſie ihr Lebtag gute Tag aben. a Nachdem nun der Obriſt⸗Schg meiſter vom Kayſer den Befehl bekommen 5 er 5 das bedeutete Stück bringen ſoll/ läſſt er alle Pagen in ihr Stube zuſammen kommen/ und auch den Anakdar Agaſi holen/ welcher die Schlüſſelzum Schatz in verwahrung hat. Dieſer nachdem er dreymahl mit der Hand auff einen Schranck darinnen ſie behalten werden/ geſchlagen hat/ nimmt ſie alda herauß/ folgt dem Chalnadar 32 Beſchreibung bachi nach/ und hinter ihm alle 60. Pagen/ bis ſie insgeſammt vor die Thur der Schatzkammer kommen. Alda loͤſet man nun erſtlich dasjenige auff/ womit das Schloß eingefaſſt iſt/ welches zu dem End geſchehen/ damit das Inſiegel/ welches der Obriſt⸗Schatzmeiſter auff das Schluͤſſel⸗Loch gedruckt/ deſto unverſehrter bleiben moͤge; nachdem er nun ſelbiges angeſehen/ und befunden/ daß es noch gantz ſey/ laſſt ers den Schluͤſſel⸗Verwahrer auff brechen/ und gibt ihm Befehl das Schloß zu oͤffnen. So bald man in die Kammer gekomtnen/ wohin der Chaſnadarbaſchi weißt/ daß man gehen muß/ ſetzt er ſich auff einen niedrigen Seſſel nieder/ und benennt das Stuck welches der Kaͤyſer zu haben verlangt. Hierauff wird der Kaſten geoͤffnet/ worinnen es ſeyn ſoll/ und das benennete Stuck dem Ohalnadarbaſchi dargegeben/ wann er min wil ſo mag ers auß habender Freyheit dem Kayſer alleine bringen. Dabey. hat er nun gewunſchte Gelegenheit etwas koſtbares auff die Seite zu rücken/ und kan ein Stücklein ſpielen/ ohne daß man ſolchem ſubtilen Strich wiſſe vorzukommen. Dann wann in der Schatz kammer iſt/ ſo darff er nur ſa2 es verlange der Kayſer auch biß Stuck/ 6 Races er begehrt auff die Seite zu prackiciren, maſſen er zuvor alles laͤſſt in ſeine Stube tragen/ alda er ſo dann laſſen kan was er vor ſich behalten will/ dem Herꝛen aber nur dasjenige bringen/ was er begehrt hat. Es wird zwar alles was in die Schatzkammer hinein kommt/ und herauß genommen wird/ aufs genauſte aufgezeichnet und durchgeſehen von dem HaenaAuatib oder dem Schreiber/ welcher das Regiſter halt/ und koͤnte ſolcher geſtalt der Betrug leichtlich entdeckt werden/ wann der Chalpadarbachi, eh er auß ſeinem Ampt tritt/ demjenigen der Obriſt⸗Schatzmeiſter wird/ die Rechnung ablegt. Aber es fügt ſich allzeit/ daß gie ſich wohl mit einander verſtehen/ und der Chalnadarbaſchi, entweder zu dem End ſein Ampt verandert/ daß er gar Capi Aga werden ſoll/ wann jener geſtorben oder einen hoheren Dienſt bekommenz oder aber daß er in einer Proyinz Landpfleger werden ſoll/ da recommendirt er dann dem Kayſer allzeit einen von denen Pagen/ die er am meiſten liebt/ und der von ſeinen Heimlichkeiten Nachricht hat. Dieſem legt er nin die Rechnung/ als ſein Gutthaͤter/ nach eigenem Belieben ab/ und in dem er ihm zugleich ein Verzeichnüß desjenigen giht/ was noch in dein Schatz iſt/ kommt er guch hervor mit dem was ſeinemm Vorgeben nach/ ſo lang er der Schatzkammer vorgeſtanden/ guß des Kayſers Befehl darauß genommen worden. Es konte zwar der Schreiber bey der Kammer/ ohngeacht ihrer heimlichen Verſtandnuß den Betrug entdecken: weil er aber einer der alkſten Pagen bey der Schatzkammer iſt/ ſo das ihm daß Ampt des Chaſnadarbaſchi quch einnghl kan in die Haͤnde kommen/ ſo wil er ſich ſie nicht zu Feinden machen/ ſondern thut ein Aug zu/ und laßt ſich durch die Geſchencke beſänfftigen ſo wohl desjenigen/ der ins Ampt eintritt als been der darvon kommt. Dieſer Diebſtal geſchicht aber nicht gar offt/ und wo man auch dahinter kame/ ſo wurde die Straff ſo wohl den Thaͤ. des Serralls ter als die darzu geholffen/ treffen. Zwar iſt es unmoglich von dem was in dem kleinen Kaſtlein iſt/ da die koſtbarſte Sachen ligen/ das allergeringſte zu entwenden; dann wann der Kayſer etwas dgrauß verlangt/ ſo laßt er die Küſte vor ihn bringen durch den Schatzmeiſter/ bey dem der Schluͤſſel⸗verwahrer und alle Pagen jnsgeſammt unabwendlich bleiben/ da er dann ſelbſt/ eh man das Kaͤſtlein oͤffnet/ nach dem unverletzten Siegel ſchaut. Nach dem der Kayſer darguß genommen was er begehrt/ wird es in ſeiner Gegenwart wieder geſchloſſen/ verſiegelt/ und mit dem vorigen Gepraͤng wieder in die Schatzkammer gebracht. Da bekommen dann die 60. Pagen gemeiniglich ein Andencken der Freygebigkeit vom Kayſer/ der ihnen 10. biß 12. Beutel laſſt dargeben/ welches Geld ſie hernach unter ſich theilen. N. Mir ſind noch in der dritten Kammer/ die vor einen ziemlichen groſſen Sagal paſſiren kan. Mitten in derſelben ſteht ein Geruſt/ daß in die 9. biß 10. Schuh in die vier Ecken ſich erſtreckt/ und benebens auch ſo hoch als breit und lang iſt; dieſer Tiſch oder Schau⸗Buhne iſt mit eizem guß Gold und Seiden gewurckten Teppich bedeckt und umbſchloſſen/ guff welchem das Bildnüß Kayſer Carls des ten in erhabener Arbtit ſteht/ der auff einem Thron ſitzet/ uñ in der einen Hand eine Weltkugel/ in der andern aber ein Schwerd tragt/ von denen Groſſen des Roͤmiſchen Reichs umbgeben/ die ihm die Huldigung leiſten. Unten an dem Teppich ſtehen etliche Worte in Gothiſcher Sprach. Sonſt iſt oben auf dieſemGeruſt eine feine Anzahl von allerhand Huüchern in Lateiniſcher/ Franzoͤſiſcher/ Itallaniſcher/ Teutſcher/ Engliſcher und andern Europaiſchen Sprachen/ unter denen ſieh auch Seebücher befinden/ ſampt den zwey globis dem terreſtri und cœleſti nebenſt einigen Geographiſchen Karten auff Pergament abgeriſſen; welches alles dann ohne Zweifel von einem Tuͤrckiſchen Seerauber mag ertappt und dem Kayſer zur Verehrung überſchickt worden ſeyn. Aber es hat der Staub/ den man nicht begehrt weg zu putzen/ ſo wohl den Teppich als die Bücher gantz verderbt/ und ſind dieſe Stück nur bloß allda gls eine Anzeigung eines uͤber Chriſten erhalDie vierte Kammer iſt ſehr dunckel/ und weiter kein Liecht als was guß einem kleinen diggen l Tag ⸗Fenſterlein hinein fällt dad in den Hof geht/ zin und mit dreyfachen ſtarcken eiſernen Gittern ver⸗ ſtanbalwahrt iſt. Uber der Thür befinden ſich dieſe Wort auff Turckiſch eingegraben Geld ſo durch leiß des Ruſtans erworben worden. Ich wil Furtz anführen was zu ſolchem Gedenckmahl Anlaß gegeben/ daß man einem Groß⸗Vieir zu Ehven hat dahin machen wollen/ wie ich von vielen in Conſtantinopel mündlich hab erzehlen ho · ren. Er war eines Kühhirten Sohn/ hütete auch ſelbſt des Viehs; hatte aber einen Verſtand/ der an einem von dem vorgehmſten Geſchlecht gebohrnen nicht zu gering geweſen ware/ deßwegen er auch zur Wurde und dem Ampt eines Groß⸗Vizirs kommen/ und die Ehr gehabt Käyſer Solymans Tochter⸗Mann zu werden. Er hatte aber dabey viel Wiederwartigkeit/ ward auch auff einige Zeit gantz auß des 900105 Hei men . Koſtbank Teppich Bildnahe, gewirckt lg“ hat age fu. dae b Map 0 ich, Hume Naa eiche. 775 0 Herviſ Schemes 20 hel b 1 dhe lken fen des Groß ⸗Tuͤrcken Glad verſtoſſen. Endlich aber da dem Solyman groſſe Reichs⸗Geſchäffte auff dem Hals lagen/ und er eben mit den Perſianeren Krieg führte/ und deß wegen Gelt vonnoͤhten hatte/ ruffte er Ruſtan wieder zu ſich/ und übergab ihm das Oberauffſeher Ampt Über die Schatzkammer. Maſſen er ihn vor ſo geſchickt und fahig anſahe/ daß er ſelbige bald wurde wiederumb in gutem Stand ſetzen; deſſen er ſich dann mit ſo eiferigem Fleiß und gutem Succels annahm/ daß die Kuͤſten des Solymans alſobald wieder voll wurden/ und alles in guten Stand kam. Ich wil hier etwas anfuͤhren/ deſſen ſich noch viel Tüͤrcken wohl wiſſen zu erꝛinneren/ die es von ihren Vattern gehoͤrt. Es laſſen ſich die Turcken das beſte des Reichs ſo angelegen ſeyn/ daß auch einer der groſſen Herꝛen bey Hof/ der des Ruſtans Feind war/ und ihn in andern Gelegenheiten nach Moglichkeit wurde geſucht haben ins Verderben zu bringen/ damals gegen einem ſeiner vertrauten Freunden beteuerte/ daß/ wañ N 9 hu Nude ichs. er ihm gleich damals hatte ſchaden konnen/ er es doch nicht wurde gethan haben/ weil er durch ſeinen Fleiß und Arbeit den Stat erhielte/ den er dem gaͤntzlichen Verderben entriſſen habe/ und nun damit umbgieng/ wie deſſen Einkunffte in merckliche Beſſerung kommen moͤchten. Es ſolte dieſer großmuͤhtige und Heroiſche Gedancken/ den ein Turcke geführt/ der doch Anfangs ein niedergeſchlagenes Sclaven Gemüht gehabt/ vielleicht unter Chriſten wenig ſeine gleichen finden. 0. Wir wollen nun wieder auff die vierte Schatzkammer kommen. In derſelben ſtehen Kaͤſten ſo zwey Schuh lang/ und nach pro portion guch breit und hoch ſind/ mit ſtarcken eiſernen Banden umbfaſſt/ und liegen an jedwederm zwey Mahlenſchloͤſſer. Es ſind aber nicht allzeit gleich viel allda/ weil das Geld immer ab und zu nimmt das in dieſer Kammer auffbehalten wird/ und dieſe Kaſten mitgeführt werden/ nach dem man des Gelds zur Bezahlung vor die Janitſcharen/ oder ſonſt bey der Armee bedürftig iſt. Die Sorten von Geld ſo da hineinkommen/ ſind gemeiniglich Teutſche und Hollaͤndiſche Thaler; die Tuͤrcken nennen dieſe letztere Loͤwen⸗Thaler/ wegen des Geprags. Und wird dieſes Geld von allen Kauffleuten in Orient am wehrtſten gehalten/ weil man ſehr wenig falſche findet/ und ſelbige nicht koͤnnen beſchnitten werden/ das mans nicht ſolte wahrnehmen. Der Spaniſche Real geht auch in der kleinen Tartarey wie in gleichem auch die Franzoſiſchen Thaler/ welche die Türcken Anfangs zwar nicht nehmen wolten/ weil ſie ſelbe vor ſo gut nicht hielten als die Realen. N f Reach en Das Gold und Silber ſo in die Schatkam& des mer kom̃t/ wird alles entweder von denen NeichsEinkunfften geſammlet/ oder aber auß Verkauffung der Gütern welche die Baſcha nach ihrem Tod hinterlaſſen. Die auß dem drey Reich betreffend/ welches ſich in die drey alte Theil der Weit ſo weit erſtreckt/ und ſo manch Koͤnigreich in ſich begreift; ſo kan man ſich leicht die Rechnung machen/ daß es trefich groſſe ſaungläubliche Summen eintragt; doch iſt es etwas ſchwer ſelbige gewiß zu determiniren. Die vor nehmſteEinkunfften des Reichs beſtehen in Erhebung des Tributs und Zolls: und müſſen die drey Lelterdar oder General Schaßzmeiſter dem Groß- Vieir wegen ſolchen Einkunfften guß den Provinzen Rechnung thun. Es hat der Groß⸗Viair zu ſolcher vierten Kammer des Schatzes einen Schluͤſſel! und der vornehmſte Tefterdar guch einen; Sie iſt auch uͤber diß allzeit mit des Kaͤyſers Inſtegel verwahrt. Und wird nur allzeit an denen Tagen geöffnet/ want man Divan halt/ damit man an ſolchem Tag Gelt hinein thue/ oder herauß nehme/ und die Reichs⸗Bediente beſolde. Was nun ſolcher Geſtalt eingeht beſteht meiſtentheils in Silber; das Gold aber ſo in dieſe Kammer kommt/ zieht ſich auß vier HauptQuellen her/ deren zwey gußlaͤndiſch/ die andern aber einheimiſch ſind. Der beyden erſten iſt eine/ der Handel/ den ſie mit Franzoſen/ Engellaͤndern/ Hollandern/ Italiaͤnern/ Moſtoviten und denen Polen treiben/ welche guß ſolchen Laͤndern mit Ducgten dahin handlen. Die andere Quelle iſt der jaͤhrliche Tribut/ den der Kam der kleinen Tartarey/ die Siebenbuͤrgiſche/ Moldauiſche und Wallachiſche Fuͤrſten/ die Republique Raguſa, und ein Theil Mingrelien und der Moſcau dem Käyſer in Gold muͤſſen erlegen/ welches dann auch auff ſehr hohe Summen ſich belaußt. Die eine Quelle des Gelds/ welche innerhalb des Reichs gleiehſam das Geld in dieſen Schatz floͤſſet/ entſteht auß dem ſo man denen Balcha abnimmt. Die andere entſpringt von dem was von Aegypten einkommt/ allwo jahrlich eine gewiſſe Anzahl der Sequin gemüntzt werden/ nach der Groͤſſe des Golds ſo auß Erhiopien dahin gebracht wird/ und werden ſo dann alle dieſe Sequin in den Schatz gebracht. Aegypten tragt jahrlich bey 12. millionenguß Aenhn, Franzoſiſche Livre ein; dieſe gehen nun in drey Theile. J. millionen kommen in den Kayſerlichen Schatz; Mit 4. werden die Bediente und Soldaten im Reich erhalten; die drey übrige aber ſind gewidmet zu denen koſtbaren Geſchencken/ die ſeine Majeſtat alle Jahr nach Mecca ſendet/ mit welchem Geld die Unkoſten allda gußgericht weiden/ welche beym Kirchen Dienſt auffgehen/ und die Waſſer Ciſtern in Arabien zu füllen/ dahin auff etliche Tag⸗Reiſe das Waſſer muß gebracht werden. Von denen F. Millionen die ins Serrail kommen/ beſteht der meifte Theil in Sequinen, nach dem des Golds viel oder wenig auß Abyſſina gebracht wind/ das Wozu die Einkünffte kenangewen det werden. übrige aber in Lowen Thalern/ Hollandiſcher Muntz; dieſes alles wird nun in die Geld⸗Küſten gekragen/ welche man in der vierten Kammer des Schatzes ſtehen laſſt/ allwo die Thaler verwahrt . 15 e bringt man in den geheimen Schatz welchen! auch ergate und den deer ch nunmehr auch er Erzehlung die ich von zwey Mannern uͤberkommen/ ſo ihres Ampts wegen oͤffters haben hinein gehen muſſen. Dat beſchreiben wil/ nach der N 4843405 Selen kek kk kr dk ere xrez xx k rex exe ig rr. Das IX. Capitel. Von der geheimen Schatzkammer. 8 33) Gewoͤlb unter der Erden da wenig Leute hinein kommen. Groſſe Sparſamkeit Kaͤyſer Amuraths. Ibrahim ſein Nachfolger wird eines liederlichen Regiments beſchuldigt. Wie der Kaͤyſer ſolchen Schatz ſorgfaͤltig verwahre. Von ſeiner Freygebigkeit gegen die groſſe Herꝛen bey Hof. N dem vierten Gemach der V Schatzkammer iſt eine Thür 89 8090 Ae 90 9 9 9085 mit eiſernen inei ee Plech und Stangen ver190 ke 2 20 wahrt/ und der erſte Durchgang ist/ dadurch man zum n geheimen Schatz des Kayſers kommt. Sie wird niemahls eroͤffnet/ als wann er ſelbſt wil hinein gehen/ er pflegt aber niemahls hinein zugehen/ als wann der Groß. Viꝛir jhm Nachricht gibt/ daß es nun Zeit/ und eine groſſe Summ Gelds hinein zubringen ſey. Man muß Anfangs bey Fackeln 10. oder 12. Staffeln hinunter ſteigen/ und findet man zu Ende derſelben/ wann man 7. oder d. Schritt fort gegangen/ noch eine Thuͤr/ welche eben ſo wohl als die erſte mit ſtarcken eiſernen Blech und Stangen verwahrt/ aber bey weitem nicht ſo groß iſt/ ſo Gewoͤlb unler der Erden da we. 8 daß man ſich auch bůcken muß/ wann man hinein wil. Nach dem ſie nun geoffnet worden/ und man/ als durch eine Gefangnuß⸗Thur hinein gegangen/ ſo kommt man in ein groſſes Gewoͤlb/ in welchem ſehr viel Kuͤſten ſtehen in eben ſolcher Groͤſſe als die in der vorigen Kammer waren/ davon wir naͤchſt hie vor berichtet. 5 Groſſe In dieſen Kuͤſten nun wird von langer Zeit Fel nes her alles das jenige verwahrt/ was die OthoAmmalh. manniſche Regenten erſpart haben; und komt da nichts hinein als Gold/ maſſen alle SilberMuntz in das andere Gemach getragen/ und zur ſtetigen Außgab gebraucht wird. Nach dem liche Menge an Gold fande/ ſo vermehrete er doch ter 19 dieſelbe nicht allein nichts ſonderen wurde auch dci nach etlicher Meinung/ durch den ſo uͤbel geführten Krieg in Candien gezwungen daraus zunehmen. Es iſt nicht ohne/ daß dieſer langwierige Krieg und Belagerung die Einkunften des Reichs ſehr hart angegriffen: jedennoch kan ich umb zweyer ſtarcken Urſachen willen nicht glauben/ daß es gar an den geheimen Schatz gekommen ſey. Dann es iſt gleichſam ein Fundamental Geſetz/ daß das Reich zuvor faſt gaͤntzlich ruinirt werden muß/ eh man Hand an denſelbigen legt/ und etwas davon nimmt; und über diß iſt ja eine außgemachte Sach/ daß/ ob ſchon die Tuͤrcken in Candia nicht waren meiſter worden/ jedennoch ihr Reich ſo gar nicht dadurch gefallen und zu Grund gegangen were/ daß ſolches vielmehr vor wie nach ein maͤchtiges Reich verblieben ſeyn wurde. Sonſten iſt auch zu mercken/ daß/ wenn der Tüͤrckiſche Kayſer eine Schlacht verliert/ darauß zwar ſeinem Land ein Schaden geſchicht/ weil es umb ſeine Inwohner kommt/ und ungebaut ligen muß; hingegen aber iſt es ſeinen Kůſten auch vortheilhafftig/ weil er weniger darauß nimmt. Die Urſach erweißt ſich von ſelbſt/ weill er täglich den alten Soldaten 7 oder 8. Alpre zahlen laßt/ und die neu geworbene ihn hingegen nur anderthalben oder auffs hoͤchſte zwey Koſten/ und waͤchſt ihr Sold nach dem der Dienſt und des Herꝛen Gunſt ſteiget. Hierzu kommt/ daß/ wann ein Herꝛ mit Tod abgeht/ der NachfolTod Kayſer Amurgths fande Ibrahim/ der auf ger im Reich alsdann der Jaritſcharen Sold ihne gefolget/ in dieſem Schatz vier tauſend Sacke/ die ſie Kize nennen/ da in jedem Sack 15000. Ducaten iſt/ welches dann eine ſehr groſſe Sum iſt/ und auff die 360. Millionen Frantzoͤſiche Pfund oder 180. Millionen Neiniſcher Gulden außtragt. Und iſt dieſer Amurathes/ eben der kluge und tapffere Herꝛ/ welcher ſo ein guter Hauß halter als Kriegs held war/ deſſen ich auch mehrmals gedacht habe/ welcher mit dem Kolig von Perſien Krieg führte/ Bagdet oder Babylon belagerte und den 22. Decemb. Ao 1638. einbekam. Ich erinnere mich/ daß ich dazumahl nur etwa J. Tag⸗Reis davon war/ in denen Arabiſchen Einoden/ und von Alep nach Balſarg reiſete/ auff welchem Weg ich mit meiner Caravane oder Geſellſchafft in 65. Tagen/ die wir durch die Arabiſchen Wüſten zubrachten/ einſtens 9. gantzer Tag kein Waſſer antraffe/ welches dann ſo wohl den Reiſenden als Camelen ö eine über die maſſen groſſe Quaal war. 6 Ibrahim Ob nun wohl Ibrahim als er die Regierung war ſchlech. antrat/ in dieſem geheimen Schatz ſo eine greuumb einen oder zwey Alpre vergroͤſſert. Es iſt ztwar nicht ohne/ daß in dem Krieg wider Candia eine groſſe Anzahl der Turcken geblieben; hingegen iſt aber auch diß gewiß/ daß unter denen ſo vielfaltigen Koͤnigreichen und Laͤndern/ darauß dieſes Reich beſteht/ ſich viel finden/ ſo ſehr volckreich und traͤchtig ſind/ und dahero ohnſchwer faͤllt/ groſſe Armeen auff die Bein zu bringen/ und ſelbige/ ſo ſie durch einige Niderlage oder Seuche/ welche ſich offt einſindet/ geſchwaͤcht worden/ wider zuergantzen. Um dieſer zwey Urſachen willen kan ich mir nun nicht wohl einbilden/ daß Ibrahim were gezwungen geweſen etwas von dem geheimen Schatz zunehmen. Das will ich aber wohl glauben/ daß er den Schatz nicht wird umb viel vermehrt haben/ weil er weder Amurats Klugheit noch deſſen Gluck gehabt hat/ und aber gemeiniglich auch deren eines ohne das andere wenig nutzel. Das Gold welches in dieſem Gewoͤlb verwahrt wird/ iſt alles in ledernen Saͤcken/ in ſedem ooo. Duegten/ und truckt der Kent Die der mütkerſel ö at bon schatz und Silber/ ſo in das Serrail kommt/ anfangs Scha lorgfältig wahrt. ren bedient haben/ außgenomen daß allemahl af man die Saͤcke in die Ka Name des regierenden Herꝛen dabey iſt. Au des Amurath Inſiegel waren dieſe Wort geſtochen: Nafrum min allahi Alla abdihil meGottes iſt mit ſeinem Diener/ dem Kaͤyſer Amurath. e 5 Solche Saͤcke mit Gold werden auf folgende Art in diſen Schatz gebracht. Es wird alles Gold in die Schatzkammer gebracht/ und jedes in die dazu beſtimmte Kuͤſten gelegt. Wann nun ſo viel Gold da iſt/ daß 200. Kize damit moͤgen gefüllt werden/ ſo gibt der Groß⸗ Vie ir alſobald dem Kaͤyſer hievon Nachricht/ welcher ſo dann den Tag beſtimmt/ an welchem es ſoll üͤbergebracht werden in den geheimen Schatz. Wann nun die Zeit da iſt/ geht der Kayſer/ welchen zur lincken/ als bey den Tuͤrcken der vornehmſten Seiten/ der Chaſnadarbaſchi, zur rechten aber der Seligdar-Aga unter den Armen führen/ nach der Schatzkammer/ allwo die 60. Pagen beyderſeits in der Reye ſtehen/ und die Hande kreutzweiß auff der Bruſt haltend/ ſeiner warten. Nach dem nun der Kayſer durch das Gemach gegangen/ und ſich die erſte Thur an der geheimen Schatzkammer laſſen auffmachen/ gehen viel weiſſe groſſe Wachs⸗Liechter vor ihm her/ ſo dann folgt er ſelbſt/ und hinter ihm nach die Pagen zwey und zwey bis unter das Gewollbb/ dahin man die Sacke mit Geld bringt/ die mit einem ſeidenen Strick zugebunden ſind. Hierauff thut man auff den Knoten des Stricks ein wenig weiches rohtes Wachs/ darauff der Kayſer ſelbſt das Siegel druckt/ welches ein des Groß, Türcken. mit doppelten Schloͤſſern. Eh man wieder herauß geht auß der Schaß35 mit eigener Hand das Siegel darauff/ welches guldener Ning iſt/ mit denen Worten die vordann eben dasjenige/ deſſen ſich ſeine Vorfah⸗ her angeführt/ ſamt ſeinem Namen/ hierauff legt ſten und verwahrt ſie Des Ka 9. f n 1 hil me- kammer/ macht der Groß⸗Schatzmeiſter dem fers Freygelexil Murach: welches ſo viel heiſſt: Die Hülff Kayſer allzeit folgendes Compliment: Scade- igkeit ge. tlu padichaim eumiid dur quibu bendelerignus euzre ihſan cheriifgnus iazhar ideſis: das iſt: Allergnaͤdigſter Kayſer/ wir verhoffen/ Euer Majeſtaͤt werden dero Freygebigkeit gegen ihre Sclaven ſehen laſſen. Nachdem num der gen die Groſſen bey Hof. Käayſer alsdann in Gemuühts⸗Bewegungen angetroffen wird/ ſo befiehlt er/ daß man denen die ihn begleitet haben/ 20. oder 0. Beutel außtheilen ſoll/ und iſt in jedem Beutel/ wie ich ſchon erwehnt/ 00. Thaler. Es iſt auch dem Groß⸗Viair und anderen Groſſen erlaubt/ in die Schatzkarper zugehen/ wo die koſtbare Geſchir und Kleino dien ſind/ wann ſich der Kayſer darin befindt; aber weiter und biß in die heimliche Schatzkammer doͤrffen ſie nicht. Sie warten ſeiner bey der vierten Kammer wo man auß dem geheimen Gewoͤlb herauß geht/ und laſſt er ihnen ſo dann den Kaſten mit den Edelgeſteinen ofnen/ und zeigt ihnen was er allda am ſchoͤnſten und koͤſtlichſten hat. Gleichwie ſich min allzeit favoriten dabey befinden/ oder etwa andere Perſonen die der Herꝛ ihrer meriten wegen hoch halt/ ſo ſchenckt er faſt allen etwas/ und war keine andere als die ſonderlich koſtbar ſind. Wann nun die Schatzkammer recht zugeſchlolſen iſt/ begibt ſich der Kayſer wieder in ſein Zimmer/ wohin ihn alle groſſe Herren des Hofs biß an die Thür begleiten. FTF Das X. Capitel. Von denen Mitteln die der Kaͤyſer gebraucht/ 8 ſeinen Schatz noch mehr als blos von den ordinariNMReichs⸗Einkuͤnfften zubereihern. fläbrlicher Handel der Juden. SGSroſſer thun/ wann ſie ihr Ampt antreten. GeVortrefflicher Reichtumb der Baſcha. Nutz des Ohalnadarbaſchi, und der Pagen bey der Schatzkammer. Verbot auff Intereſſe zu leyhen. Schlimme Calinſten. Was vor 5 bungen beobachtet werden. er jahrlich von den OrdinariEinkünfften erſparen kan/ auch ovoch andere zwey Mittel den Schatz in beyden Kammern zu vermehren/ nehmlich bey de— 0 Baſchas Antritt und Abtritt ihres Ampts und Reglerung/ es geſchehe nun daß ſie in Ungnade/ oder gar umbs Leben kommen/ natürlicher oder gewalthätiger Er Kayſer hat/ ohne das/ ſo N die ihm der formalitdten und Umſtaͤnde bey denen Obligationen und andern VerſchreiAlle Baſcha denen der Kayser eine Landschaft zu regieren anvertraut/ und ins gemein alle diejenige ſo deß wegen auß dem Serrail kommen daß ſie eine Charge zuverwalten überkommen ſollen müſſen ihn ehe ſie ſolche antreten eine Verehrunge. nach dem die Gnad iſtHer: erzeigt. der Baſcha von Caire 5 11 e Aegypten ernennet wird komt mit einer Million Reichs Fl. nicht davon/ die er an den Hof verſchencken muß/ ſo wohl dem Kayſer/ als denen „„ vornehm7 Verehrung die ein Ba. ſcha hem Kayſer thut wann er in ſeinlihm anbefohlene Regierung er zum Regenten in keit. 8 Gefaͤhrlicher. Handel dieſe groſſe Summe noch 8 vornehmſten Sultaninen, auch dem Mufti, dem Groß⸗ Virir, dem Caimacan und andern vornehmen Perſonen/ denen er ſeine erhaltene Charge zu dancken hat/ oder deren Hulff er ins kunfftige gebrauchen kan. Das Preſent ſo er dem Kayſer thut/ belaufft ſich auff 000. Thaler/ die andern aber auff 2. tauſend. Uber diß braucht er wohl v. Tonnen Gold ſich recht außzurüͤſten/ und muſſen alſo/ eh er einmahl in Caire kommt;. Million und E00. Frantzoſiſche Pfund auß ſeinem oder ſeiner guten Freunden Beutel gehen. Wann er von Hof wegkommt/ hat er lang nicht beyſamder Juden. men/ ſondern da muß er borgen; dafern nun ſeiner guten Freunden vermögen nicht hinlangt/ ſo ſteht ihm der Juden Beutel offen. Sie wagen ein groß Capital auff die groſſe Hoffnung Cento pro Cento zu bekommen/ welches ihnen der Baſcha verſpricht; und damit ſie ihr Geld hernach bald wieder bekommen/ weil ſie foͤrchten er mochte nicht lang regieren/ geben ſie ihm ein hauffen loſſe Stucke an die Hand/ damit er die Unterthanen bis auffs Blut auſſaugt/ abſonderlich aber die arme Chriſten. Wañ die Baſcha ihre Regierung ein Jahr oder auch nur ein halb Jahr führen koͤnnen/ ſo machen ſich die Juden wieder bezahlt/ und nehmen weg was ſie haben hergeliehen. Dabey ſtehen ſie aber auch groſſe Gefahr auß/ maſſen der Kayſer offtmahls den Kopff eines Baſcha abfordern laßt/ eh er einmahl Zeit gel abt ſich in ſeinem neuen Regiment recht umb nung ihr lebtag etwas wieder zubekommen. Au allem dieſem laͤßt ſich nun leicht ſchlieſſen/ daß der zuſehen/ und verlieren ſo dann auch diejenige/ ſo etwas vorgeſtreckt/ hr Geld mit ſammt der Hoffmeiſte Theil des Gelds im Turckiſchen Reich in den Handen des Kayſers und der Juden ſteht: ich verſtehe aber die Juden ſo ſich in Conſtantinopel auffhalten: dann was die in den ProvinSehr groſten belangt/ die ſind ſehr elende Leuth/ und noch elender als die Chriſten/ weil ſie das Land nicht bauen/ und in dem ſie ſich auff nichts als ihr Schachern verſtehen/ koͤnnen unmoglich alle zu handeln bekommen. 5 Hekomt alſo jetzt erzehlter maſſen der Kayſer ſer Reich ſehr groſſe Summen von denen Baſcha und an1 8 dern Leuthen/ die er zu Aemteren befoͤrderet/ eh ſie auch den Dienſt noch einmahl angetreten haben. Aber das iſt noch wie nichts gegen dem das er bekomt/ wann ſie wider vom Dienſt kommen/ da ſie lange zeit und weil gehabt auß des Volcks vermogen und Gütern ſieh groſſe Schatze zu ſamlen. Es haben ſich oͤffters ſo reiche Baſcha gefunden/ daß jhre Einkunften nicht geringer geweſen als mancher groſſen Potentaten. So hoch brachte es mit ſeinem Reichthum einer Namens Machmut ein Europæiſcher Beglierbey, unter der Regierung Mahomets des andern; wie in⸗ gefe gleichem auch der Eroß⸗Vieir Naſſuf unter Achmat dem Erſten: Maſſen ſich nach dem Tod die es letztern unglaublicher Reichthum fande an Silber/ Gold und Kleinodien/ welches aber alles ſamt ſeinem Kopf in das Serrail mußte. Es iſt auß der groſſen Anzahl der groſſen und kleinen Herꝛſchafften und Landvogteyen/ in welchen das Reich beſteht/ leicht zu ermeſſen/ daß oft genug/ Leute ſterben/ welche jhre Aempter und gantzes Glück eintzig und allein der Gütigkeit des Beſchreibung des Serrals Kayſers zuzuſchreiben haben/ weil nun aller deren ihre Guͤter niemand anders als ihm erworben worden/ ſo muſſen ja daher die Schatze des Serrail mercklich wachſen und ſich vermehren. Ohne die jenige aber welche der natürliche Tod wegnimt/ verfleußt auch nicht bald ein Jahr/ das nicht der gewaltſame Tod auch einige mit nehme/ und kan ein Baſcha, wann der Kayſer den geringſten Argwohn auf ihn faßt/ oder ihm ſonſt eine Mucke in Kopf komt/ eine ſcharffe Ordre bekommen/ den Halß darzu ſtrecken/ da er dann auch zur Stunde erwürgt wird. Ich wil in den; nechſt folgenden Capitel anzeigen/ auf was weiſe und mit was vor Gepraͤnge ſolches verzichtet wird/ wobey dann ein und anders ſonderbar merckwuͤrdiges wird zu vernehmen ſeyn; maſſen ich wohl verſichert bin/ daß die jenigen/ ſo zwar wohl wiſſen/ daß der Kayſer/ welche er wil/ pflegt mit dem Strang hinrichten zu laſſen/ gleichwohl aber nicht alles/ ſo in ſolcher Action merckwuͤrbiges vorgehet/ recht in Erfahrung gebracht. So bald ein Balcha oder anderer groſſer Her? das dene an dem Hof todt iſt/ es ſey nun auf was Weiſe Pacha fol, es wolle/ und man ſeine Güter in entirt hat/ deren Erbſchafft vermog eines Staats⸗Geſetzes/ ab niemand als allein dem Kayſer zufallt/ ſo lieferet kommi in man ſeine Verlaſſenſchafft nach Hof/ und tra⸗ Serail gen es die Baltagi in Küſten biß an die Thuͤren der Schatkammer. Nachdem nun der Ohalnadarbachi ſie hat in eine Kammer bringen laſſen/ gibter Befehl das Schloß auffzumachẽ/ und laßt ſte in ſeiner Gegenwart außleeren/ wobey dann ſo wohl er als die Pagen der Schatzkammer ſuß chen ihren Nutzen auß ſolcher reichen Beute zu befoͤrdern. Dann weil gemeiniglich koſtbare Kleinodien dabey ſind/ als ſolche Stucke darin der Reigerbuſch gefaſſt iſt/ ein Dolch mie koſtlichen Steinen verſetzt/ oder eine ſchoͤne PerlenSchnur/ ſo kan einer oder der ander von dieſen Pagen/ wo ſie nur geſchicklich und geſchwind ein ſtuck wiſſen zuverbergen/ ſolches behalten/ und es zu dem wenigen Capital thun das ſie ſich auffſamlen/ ſich deſſen hernach zubedienen wann ſie auß dem Serrail kommen und in eine Regierung treten/ da ſie dan/ wie ob erwehnt/ ſehr viel auszugeben haben. Der Chalnadarbaſchi, der ſeine Stucklein ar erſten ſpielt/ und es auch mit beſſerer Freyheit thun kan/ der thut bisweilen die Augen zu/ wann er ſiht das die andern dergleichen etwas practiciren, weil ihm unentfallen iſt/ daß er auch einsmahl an ihrer Statt geweſen/ und gern geſehen wann man zu ſeinen Griffen ſtillgeſchwiegen. Jedoch wann er gewahr wird/ daß etwa einer ein Stuck von groſſem Wehrt erwiſcht hat/ ſo rufft er ihme hernach in ſein Gemach/ und laßt ſichs wieder geben/ bezahlt ihm etwa die Helffte und behalts hernach ſo es ihm fallt. 8 Es hat uber diß ſo wohl der Vorgeſetzte als die Pagen von dergleichen Erbſehafften noch viel gröſſern profit. Daß nach dem der Ohalnadarbaſchidem Kayſer hinterbracht/ daß in denen Kaſten/ ſo nach dem Serrail gebracht worden/ ſich viel Sachen befinden/ die dem Kayſer nichts nutz ſind/ und man ſelbige lieber tweg geben ſolleh die Feuchtigkeit und der Staub ſie verderbtz o erlaubt dann der Kaͤyſer/ daß man ſie verkaufftund werden hierauff alle Sachen/ die man licht würdig N Des Groß Turcken„ würdig acht/ daß ſie ſollen in die Schatzkammer gethan werden/ verſilbert. Darm da ſchickt man Aſobald nach dem Bezarcan-Baſchi ober dem Vorſteher der Kauffmanſchafft/ der ſich auff dieſe Sachen am beſten verſteht/ und in Gegenwart des Schatzmeiſters und der Pagen jedweders hach ihrem belieben taxirt/ jedoch ſeßzt er gemeiniglich hoͤher nicht als die Helffte deſſen/ ſo ie wehrt ind. Alle Kleinodien die koſtbar ſind/ und alle delgeſtein kommen in den Schatz; und wird nchts verkaufft als Sachen von geringerm Wehrt/ welche aber gleichwohl viel gelten/ als Pferdzeug Dolch/ Sabel mit Gold beſchlagen/ cke/ koſtbare Unterfutter/ Guͤrtel/ Turban, und andere dergleichen Sachen. Wann nun ſedes Stück taxirt iſt/ legt der Schatzmeiſter das ſchoͤnſte und beſte auff die Seite/ und ſchickt ſetzes Verbott handlen. es nebſt Bedeutung des Taxes denen vornehmſten Herzen am Hof zu/ mit welchen er gern guke Freundſchafft unterhalt/ und behalten ſie es allezeit/ erlegen auch das Geld davor hertzlich gern/ weil ſie es ſo gar wohlfeil bekommen. Das übrige wird unter die Pagen umb den angeſetzten Preiß gußgetheilt/ welche/ wann ſie das ſo ihnen anſtandig iſt/ für ſich haben ausgeleſen/ ſchicken ſie das ſo ſie nicht mogen in die Stadt durch die Halvagi, da ſie dennoch allzeit cento Pro cento dem Tax nach bekommen/ vhne was die Halvagi noch über diß dabey erſchachern koͤnnen. Saum man etwas ſolches verkaufft/ ſo paſſen die Juden immer von fern bey der groſſen Pforte des Serrail auff; dann nahe doͤrffen ſie ſich nicht hinzu machen weil ſonſt die Kapigi mt den Stöſſen vor ſie fertig waren. Sie warten auff dieſe Halvagi mit gantzen Sacken voll Ducaten und realen, und handlen auffs beſte als ihnen moglich iſt mit denselben. Ein ſolcher Verkauff geſchicht gemeiniglich nur alle zwey Jahr/ und belaufft ſie der wenigſte allzeit auff mehr als ooo oo Thaler/ etliche wohl gar auff doo Der Kayſer bekommt alſobald gebührende Nachricht/ von dem Geld des Verkauſten/ und in dem er befihlt das Geld nach dem Schatz zubringen/ ergeht auch zugleich Befehl daß der Groß; Schatzmeiſter und die Pagen 1. oder 20. Beutel davon haben ſollen. Diß preſent ſchenckt er ihnen nur zu dem End/ daß er ſeine Hoheit und Macht wil ſehen laſſen; er weißt aber unterdeſſen gar wohl/ daß ſte bey ſolchem Handel ſich ihren Nutzen geſchafft; doch mag er dieſe Gewohnheit nicht auffheben/ ſondern läſſts hingehen wohlwiſſend/ daß ihm dannoch alle dieſer Gewinn über kurtz oder lang muß wieder in ſeinen Schatz kommen. Auß eben ſolchem Abſehen laͤſſt er auch geſchehen/ daß ſie den Juden/ das ſonſt dem Verbott des Geſetzes zuwieder laufft/ groſſe Sunmen leihen/ und davor 15. pro cento nehmen. Die Perſiqner haben ein poſſierliches remperament und Außflucht erfunden! damit ſie ſich auszureden gedencken gegen dem Vorwurff/ den man ihnen thun könte/ daß ſie wider des GeWann ſie Geld weg leihen/ ſo laſſen ſie eine obligation auff die gantze Summ machen; hernach ſehen ſie wie hoch ſichs intereſſe belaufft/ welches dann allzeit 12. pro cento iſt: Drauff nehmen ſie etwa ein Schnuptuch oder einen ſchlechten Gurtel/ geben es dem der das Geld empfangen hat/ und laſſen ihn noch einen andern Zektel machen/ auff ſo viel als ſich das intereſſe helauft/ in welchem ſteht/ das ſolehes Gelt/ ſonſtdas intereſſe iſt/ vor gekauffte und wohlempfangene Wahrẽ ſey. Und auff ſolche Weiſe meynen ſie nun ſey ihr Gewiſſen entledigt/ und geſchehe ſolchen falls durchauß nichts wieder des Mahomets Verbott/ welcher doch allerhand Wucher ohne Anſehung verbeut und verffucht. Die Obligation ſo der Schuldner von ſich gibt/ it nicht mit dem Namen unterſchrieben/ ſondern wird bloß das Pitſchafft drauff gedruckt/ weils Landsgewohnheit ſo erfordert. Doch iſts auch— hiemit nicht genug/ ſondern man muß mit der Obligation vor den Cadi oder Richter ihres Geſetzes gehen/ der druckt ſo dal das ſeünge drauff. 5 Iſt alſo in dieſem Capitel dem Leſer entdeckt Verbolk ea tereſſe weg zu leichen. Ubele Cal iſten. J ten die beß obligatianen in der Cuͤrckey in acht geno worden/ welcher Mitteln ſich der Kaͤyſer bedient men 55 ſeine Renten und Reichthum in Wachs thumb den. zu erhalten: folgen nun in dem hernachgehenden die Mittel/ ſo er gebraucht 1 Freygebigkeit zuerweiſen ohne daß es ihn etwas koſte. FFFFFFFFF 5 Das XI. Capitel. e 55 Vorcheil und liſtige Griffe des Kaͤyſers/ wie er ſeine Freygebigkett kan ſehen laſſen/ und doch nicht in ſeinen Beutel greifft. Inhalt. Gute politic der Türcken. Ceremonien ſo bey denen Geſchencken/ die der Kabſet denen ſchickt die er ehren wil/ pflegen gebraucht zu werden. Abſonderlich liſtiger Griff Mahomets des vierten/ ſieh liberal zu erweiſen ohne daß es ihn etwas koſtete. Formalitdten welche bey Hinrichtung der Baſchen, die auß des Kaͤyſers Befehl ſterben muͤſſen/ in acht genommey werden. Wann und wie man in der Tuͤrckey den Kopff abſchlaͤgt. Verbott der Mahomeriſchen Blut zu vergleſſen/ die man zum Tod verdammt. Vntreues In. ventarium dex Verlaſſenſchafft der e kommt die Tuͤrcken den d l. 92 1 Too Beschreibung Tod ſo unerſchrocken angehen. des 8 erralls Wie ſchwwer es fallt ſich auß dem Tuͤr* ckiſchen Reich fluͤchtig hinweg zubegeben. Geſchenck ſo denen Sultaminen uͤberꝛeicht werden. e Je Mittel die der Kaͤyſer gebraucht/ ſeinen Schatz zu verqgroͤſſern/ durch etwas anders und ferners als die ordinaxi Einkunfſten/ ſind faſt eben diejenige ſo eranwendet ech und practieirt/ wann er Verehrungen thun wil und doch dabey von dem ſeinigen nichts ausgeben. Er macht ſich alles zum Vortheil/ ſo wohl das Leben der Baſcha als guch ihren Tod/ und belohnt die ſo ihm einen angenehmen Dienſt geleiſtet auff beyde dieſe Wege. Wir wollen eins nach dem andern hervorneh2 men; und erſtlich zwar betrachten was er vor politic der Türcken. Griffe gebraucht bey der Baſcha Lebzeit/ von ihnen zubekommen/ daß er groſſe Geſchenck thun kan/ ohne daß er ſeine Nenten angreiffe. Unter denen Politiſchen Stats⸗Griffen der Othomaffiſchen Pforte iſt dieſe ſonderlich merckwürdig. Es woſſen die Kayſer/ daß die Baſcha wann ſie einer Provintz als Regenten vorgeſetzt ſind/ von denen Unterthanen ſelbiger Orten mit gleichmaͤsſiger Ehr ſollen angeſehen werden/ als weren ſie es ſelbſt in Perſon. Damit ſie aber ſolche Ehrerbietung ihnen deſto beſſer und feſter zu Gemuͤhte führen und eindrucken/ befinden ſie vor rahtſam denen Baſcha von Zeit zu Zeit Geſchencke zu überſenden/ welche man ihnen dan mit groſſem Gepraͤng uͤberꝛeicht. Dieſes Preſent/ welches eine Anzeigung ſeyn ſoll/ daß der Kayſer denjenigen hochhalte/ dem er es zuſendet/ beſteht gemeiniglich in einem koſtbaren Kleid/ und wañ er die Ehr recht voll und groß machen wil/ ſo thut er noch den Saͤbel und mit Steinen verſetzten DTDi.olch hinzu. In dem nun/ umb obbeſagter Urſach willen der Käyſer ſeines Orts gleichſam verbunden iſt dem Baſcha ein ſolch Preſent zuzuſchicken/ ſo iſt er hingegen auch gewiß verſichert/ baß ihm der Baſcha unfehlbar eines dagegen zuſchicken wird/ welches wohl zehmnahl ſo viel wehrt iſt; und ingleichem den Ahgeſchickten nicht ohne Geſechenck werde laſſen zurück gehen/ welches dann dieſer vor eine Belohnung ſeiner dem Kayſer geleiſteten Dienſten annehmen muß. Es hat aber der Käyſer nicht allemahl ein warhafftig Abſchen den Baſcha zu ehren und das Volckim Gehorſam zu erhalten: Er ſchickt ihm offt ein Preſent/ wann er ihn gern mit etwas fangen wil/ damit er ſo dann/ wan er nicht ein ſolches Gegen⸗Preſent von ihm bekommt wie ers verlangt/ an ſtatt der Verehrung den Kopff von ihm kan fordern laſſen. So dann ſchickt er ihm nicht etwa ein Kleid/ ſondern einen Degen oder eine Streitkolbe/ welches gar ſchlimme Anzeigungen ſind/ und dem Baſcha zuerkennen geben/ daß der Kayſer nicht viel guts im Sinn habe. Damit er nun das auffſteigende Ungewitker abwenden oͤge/ ſo ſchickt er ihme ein noch einmahl ſo reiches Preſent/ als er ihm hatte ſenden ſollen/ wann er vom Kayſer auch nur ein Kleid bekommen hatte/ welches ein Zeichen der Wohlgewogenheit iſt; Wal nun dieſer Baſcha etwa einer unter denen iſt/ die in denen groſſen Herꝛunter 200. Beutel/ das iſt unter oo doe. Thaler Rar en dasjenige was er abſonderlich dem ſchencken muß/ der von des Kayſers wegen dahin abgeſchickt iſt. a Es werden in ſolchen Commisſionen gemei⸗ Ceremog, niglich dieſenige gebraucht, welche der Kayser doeh gern beſchencken wolte. Und gehort ſolcher ge⸗ 50 ſtalt das vom Kayſer kommende Preſent nicht ſo vorgehen, faſt für den/ der es empfaht als für dẽ der es ſendet ſo und der es uͤberbringtz hier inen beſteht nun ehe der f Grif/ daß der Kayſer kan freygebig ſeyn/ und koſtet ſ ihn doch keind Heller. Folgt nun die Art und Wei⸗ wil. ſe wie das Preſent/ ſo vom Kayſer kommt/ vor den Baſcha gebracht wird. Nach dem der Uberbringer an dem Ort angekommen/ wo der Baſcha ſeine Reſidentz hat/ an den er abgeſchickt worden/ und ihne alſobald ſeiner Ankunfft berichtet/ ſo laßt dieſer die Trommel ruͤhren auch durch Trompeten und Schalmeien das Volck zuſammen ruffen/ deſſen ein Theil ihm zu ehren zu Pferd sitzt. Er ſelbſt reitet voran/ und die ubrige folgen ihin nach/ dabey ſich aueh das leicht und fertige Frauenzimmer ſelbigen Orts einfindt/ und nach dem Klang der Trommeln und andern Spielwercks tantzend/ tauſend lappiſche Poſturen und Verſtellungen macht/ nach der Daſelbſt ublichen Lands⸗Art. Der Uberbringer des Preſents erwartet ſolcher Reyterey in einem Garten ohnfern von der Stadt/ oder aber auf dem Feld unter einem Zelt/ das er aeg ſchlagen. Nach dem er vom Baſcha gegruſſt worden/ legt er ihm das Kleid über die Schultern/ guͤrtet ihm den Sabel an die Seite/ und ſteckt den Dolch in den Guͤrtel vor dem Magen/ dabey dieſe Worte ſagend: Es verehre der Kayſer ihr ſamtlicher Herꝛ ihn mit dieſem Geſchenck/ weil man ihm von ſeinem Verhalten hinterbracht habe/ daß er nicht tyranniſch regiere uber ſein Volck/ und Recht und Gerechtigkeit hand habe/ ſo das keine Klage wieder ihn ſeh. Diß Compliment ſpricht der Baſcha in gleicher Ordnung nach/ und macht ſich ſo dann unter groſſem Geſchrey und Frolocken nebſt dem Kayſerlichen Abgeſandten nach ſeinem Pallaſt/ allwo er ihn mit einer guten Mahlzeit traictert/ und zu End derſelben ein Preſent uͤberꝛeicht/ daß ſich zum wenigſten auff dodo. Thaler belaufft. Wo aber das Preſent an einen Baſcha komt/ der in Verwaltung eines groſſen Lands iſt/ als an den zu Ofen/ Caire oder Babylonien/ ſo kommen ſie mit 30. bis 40000. Thalern nicht darvon/ das jenige aber ſo ſie dem Sultan ſchicken/ muß 100000. wehrt ſeyn. Es begibt ſich auch offt/ daß der Kayſer berichten laßt/ was man ihnen geben ſoll/ abſonderlich ſo dann wann er Nute ſchickt die er lieb hat/ und gern reichlich und wohl wil beſchenckt wiſſen. 2 7 7 ſo ihm dienen wohl belohnen: doch greifft ers der e hl⸗ auch ſolcher Geſtalt an daß es ihn nichts koſtet 10 and an ſeinen feine in ſſen Hers⸗ Schatz legen laſſen darff. Wann er ſihet daß ſten ſchafften regieren/ ſo darff das Geſchenck nicht ſich keſne bequeme Gelegenheit zeigt/ den 8090 i und daß er deßwegen nicht geb 1 N 0 ickt w. e der Kal er ehren f N. gbsonbel Der anſetzo regierende Käyſer Mahormet wil che gel ſonderlich die Freygebigkeit ſehen laſſen/ und die Maho l % 6 pon 5 U. ends n/ 5 n ge bird Kaͤldes Groß⸗ Tuͤͤrcken. Land zu einein Balcha zuſchicken/ den er gern beſchencken moͤchte/ ſo verfügt er ſich auff die agt/ wie er dann ſolche über alles liebt und nicht bald mit etwas anders ſeine Zeit vertreibl/ alda laͤſſt er die Perſon hinkornmen/ die er belohnen wil/ und wann er etwa einen Hirſch oder ein ander Stück Wild gefällt hat/ befihlt er ihm es in ſeinem Namen einem der groſſen Herꝛen am Hof/ er befinde ſich mim in Conſtantinopel oder ſonſt in der Nachbarſchafft/ zuuberbringen. Diß preſent wird nun mit groſſen Freuden auffgenommen/ es ſeh nun ſolche 17 5 wahr oder erdichtet/ und muß ſich der ſo beſchenckt worden/ gefaßt machen dem Kayſer ein weit koſtbarers zu ſchicken. Gemeiniglich beſteht das Gegenſchenck in ſchoͤnen Pferden/ ſchönem guldenen Brocart, oder koͤſtlichen Unterfuttern. Dabey muß mans aber noch nicht bewenden laſſen/ ſondern ein weit mehrers thun gegẽ dem auß deſſen Handen mans empfangen hat/ und kommt er gar leichtlich und gering davon/ wann es ihn/ ohne das ſo er dem Kaͤyſer ſchickt/ mehr nicht als ioo o· Thaler koſtet. Manchmahl muß er dieſe Sum wohl doppelt erlegen/ wann er nach des Herꝛen Meynung noch nicht genug gegeben hat; maſſen der Kayſer ihm zur Stund einen Bedienten zuſchickt/ der es ihm vorꝛüͤcken muß/ daß er das prelent ſo wenig geachtet habe ſo er ihm geſchickt/ und dem ſo wehig gegeben/ der es ihm ſeinet wegen gebracht habe. Zu dieſemm Verweiß hangt er auch einen außdrücklichen Befehl an/ er ſoll ihm noch 20. oder 30. Beutel ſchicken/ welches dann augen30 gibt dem Balcha des Kryſers Brief. Welcher ihn mit tiefſter Shrerbierung annimmt/ dreymahl an die Stirn druckt/ ſo dann aufbricht/ und im Ableſen erſieht daß der Käypſer ſeinen Kopf begehrt. Auff dieſen erſehenen Befehl nun gibt er mehr nicht zur Antwort als dieſe einige Wort Es geſchehe meines Käyſers Wille; laß mich nur mein Gebett verꝛichten; Welches ihm daß auch erlaubt wird. Nach verzichteten Gebetk nehmen ihn die Capigis bey den Armen/ ihr Vorgeſetzter aber macht bloß ſeinen Gürtel loß/ und wirfft ihm denſelben umb den Hals. Dieſer Gürkel beſteht auß vielen kleinen seidenen Sticken/ mit Knoͤpffen zu beyden Seiten/ dieſen nehmen zwey unter ihnen alſobald ziehen ein jeder auff ſeiner Seite dadurch er dann in einein Augenblick der Marter loß und um bas )))) Wann ſie ihre Guͤrtel nicht darzu gebrauchen wollen/ ſo nehmen ſie ein Schnuptuch/ und ſtecken hernach die Hand an welcher ſie den Ring haben/ damit man den Bogen ſpannt/ den ſie allzeit aun Daumen der rechten Hand kragen/ unter das Tuch/ in dem man nim ſolches zuſarmmen ziehr/ drucken ſie mit dem Ring den Kahl⸗Knorbel ein. Und erwurgen auff ſolche Wetſe den Menſchen/ ohne daß er lang zappeln darff dann er noch glaubig(ihrer Meyning hach) ſterben/ und nicht vor dem Ende noch verzwweiffeln möge; es kommt auch den Turcken unſer haneken ſehr ungereimt vor/ da man die arme Sünder ſo lang am Galgen laſſt leiden. blicklich geſchicht; das Gegengeſchenck aber ſo Ob ſchoön oben mehrmahls erwehnt worden/ Wann und der Käyſer bekommen/ theilt er gemelniglich un- daß der Kayser hinſchickt und den Kopff abfor⸗ en ker diejenige aus die unnb ihn ſeyn. Dißiſt nun dern laſſt von wem es ihm beliebt/ ſo haut man iu l Tür: der groſſe Nutzen/ den der Käyſer von denen Baſcha und andern groſſen bey Hof hat/ ſo lang ſie leben: Laſſt uns nun auch ſehen wie er ſich ſhren Tod zu Nutz macht/ wann er geſchencke thun und darnoch nichts auß ſeinen Kiſten nehmen wil. Wann eines Balcha Tod nun beſchloſſen iſt/ ſo gibt der Kayſer dem die Commiſhon ſoſches vollführen zulaſſen/ dem er eine Gnad khun wil; welcher ſich dann weit glüͤckſedoch den Kopff niemals ab/ als wann er quß⸗ Ac löpff, drücklich befihit/ man ſoll ihn denselben ſehen laſſen/ und alsdaß wird er ihm auch gebracht. Wan es an einem entlegenen Ort iſt/ ſo mint man das Gehirn herauß/ und füllt Heu hinein; ich hab zween dergleichen geſehen die man meinem Sack mit geführt/ es waren die Kopffe des Balcha von Cars und Erzerom. Pierbey iſt ſonderlich wohl N ö welk gluckſes zumercken/ daß/ ſo bald der Here einem wer er liger ſchaͤtzt/ wann er jenem das Urtheil ſeines Auch ſey/ das Urtheil geſprochen hat/ die Tulrcken Todes/ als wann er ihm ein Geſchenek vom ihn alsdann gantz nichts mehr achten/ und ana Käyſer bringen ſol. ders nicht als Hund nennen wgenm ſie von ihm as or Wann die Execution in Conſtantinopel ge⸗ reden. Ein Boltaugi⸗ der Befehl hatte dirſer in ha ſchehen ſoll ſchickt der Kayſer allzeit den Boltan beyde Kopffe dem Käyſer zu liefferen als er mud dat wer, Si Bale bt, der mmer udbden Herzen. Waß imd ſchwach war in einem Dolf in Armenien, an ann es Aber in den Provinzen iſt/ ſo wird ſolches ins woſelbſt ch mich damals eben befande/ und er ban Wel Werck zu ſetzen faſt allzeit entweder einem Ka- Nachricht erhalten hatte/ daß ein Frantzos da de ach pig Bachi ober einem von den vornehmnſten Bo. were/ ließ vr ſich beh einem tneiner Leuten erkunums blen ltangi aufgetragen/ welchem der Herz eine ſon⸗ digen/ ob ich aueh Wein hatte/ und ihm davon 0 1 deri che Gnad zu thun willens iſt. Derjenige wolte zukommen laſſen/ dann er ſich etwas ern welcher die Käyſerliehe Ordre bling/ und quicken koͤnre. Ich ſchickte ihm gleich in einer Flaetwa noch J. oder C. Kapigi bey ſich hat/ nit ſche/ und als er mich bitten laſſen/ ich mochte doch ſe zutvellen der Zeit wahr daß er eben komme kommen und mit ihm trincken/ wolt ichs nicht wann der Naht beyſannnen iſt oder geht in abschlagen/ und Hienng zu ihm/ da er iich dann i Ermangelung deſſen gleich ſelbſt zum Baſcha, wider meinen Willen dieſer zwey Balcha ihre „ umd befſhlt ihn von wegen des Kayſerg/ er ell Köpfe ſehen ließ welche ich doch ſücht groß ver, 635 Alſobald den Rahr laſſen zuſammen fordern. Der langen trug zu ſchen.% do daz 0 beſtehe nun auß des Balena Stathalker den Daſern nicht außdrcklcher Befehl ergebe; lune du June, Cali, dem Oberſſen der ſanicſcharen daß man den Kopff lieferen oll ſchart man den Mahome, 5 a ſelbigen Orts und andern Rechtsgelehrten/ wel⸗ galten Leib zu Mikternacht ohn einge Ceremo- fiſten Bluk 45 khe die vornehmſte in der Provinz ſind. Wann nien ein/ und verſchwindet das Andencken des el denden nun der Rahk beyſammen/ rritt ſo dann der Ka- Baſcha, von dem man zuvor ſo viel zu ſagen hat⸗ 850 2 pig Baſchi hinein mit ſeinen Leuten und über⸗ te/ gar bald. Uber diß iſt auch merckwurdig/ daß damt ifk F 3 in der 1 Urntreues Inventarium der Verlaſſen. ſchafft der 4⁰ Beoeſchreibung des Serralls in der Türckey keinem der Kopff abgeſchlagen wird/ er ſey dann zuvor mit dem Strang hingerichtet/ und wann das Geblut ſchon gantz kalt iſt/ maſſen das Geſaͤtz nicht zulaſſt/ das auſſer Kriegslauffen eines Muſſulmanns Blut vergoſſen werde. 1 Wann nun die Execution geſchehen/ geht der welcher dem Baſcha die Ordre uͤberbracht/ und bemachtigt ſich alles deſſen was der Baſcha in Vermoͤgen gehabt/ nach dem er nun ſtem Gemüht angehen/ als waren ſie gantz unempfindlich. So entſtehet guch dieſer geſchwinde und blinde Gehorſam/ den die Türcken ihrem Kayſer leiſten/ mehr auß einer Religions ⸗als Stats⸗Regul und Ordnung/ welches man ihnen dann durch eine ſehr kluge Stats⸗Liſt alſo von Jugend auff eingebildet hat/ ſo daß ſie der feſten Meynung ſind/ wann ſie auff ihres Herren Befehl ſterben/ ſo fahren ſie gerades wegs ins Paradis. Verehn dene eulen n ges 50 Walen. fü ſich das auff die Seite gethan was in ſeinen Betreffend das Mittel/ ſich etwa auß dem Wiesn Krahm entweder von Gold oder Edelgeſteinen Staub zumachen/ wann einer von ſeinem Tod es 1700 das allertauglichſte iſt/ ſo laſſt er die vorgedach⸗ Nachricht hatte/ ſo iſt es gantz vergeblich/ nur Tdh te Leute des gantzen Rahts zuſammen kommen/ einmahl daran zugedencken. Es ſind alle die weg zuwaund das Inventarium der Verlaſſenſchafft auff⸗ Bediente und Sclaven die ein Balcha umb ſich chen. 9 3 — richten/ welche wie anderwerts Erinnerung geſchehen/ insgeſammt ins Serrail und zwar in d ie Schatzkammern gebracht wird. Ob nun ſchon diejenige/ ſo bey dieſem inventiren ſich mit befinden/ gar wohl wiſſen/ daß von dem hinterlaſſenen Gut des Verſtorbenen viel entwendet worden/ ſo bereden ſie doch ſolches nicht mit einem Wort/ ſondern bezeugen vielmehr/ daß ſich nicht mehr alda befunden habe. Dieweil ſie befoͤrchten/ es moͤchte der bediente/ den der Kaͤyſer auß dem Serrail dahin ſchickt/ und der bey ihm villeicht in Gnaden ſteht/ ihnen wo ſie andere Meiſe verfahren wurden/ hernach bey dem Kayſer uͤbele Dienſte leiſten und von ihnen etwas falſches vorbringen/ darauß ſo dann nach dem vor Augen gehabten Exempel der Verlurſt aller ihrer Haab und Guͤtern und benebens ihre Lebens erfolgen koͤnte. Thun ſie alſo zu allem was dieſer Abgeordnete beginnt und verꝛichtet/ die Augen zu/ davor haltend es werde auff andere Weiſe ſchon vor den Kayſer gebracht werWoher es kommt daß die Türcken den Tod ſo behertzt angehen. den/ als welcher gar wohl weißt/ was in dergleichen Fallen pflegt vorzugehen; vielmehr beſchencken ſie ihn vor ſeiner Abreiß noch uber das jenige ſo er ſchon entwendet hat/ von des Balcha Guͤtern/ dadurch ihn zu gewinnen/ daß er bey dem Kayſer und dem Groß⸗Virir alles guts von ihnen reden ſoll bey ſeiner Rückkehr nach Conſtantinopel. Und alsdann empfaht er noch von dem Herꝛen ſelbſt/ ohngerechnet was er hat vorauß genommen und was man auß Gewonheit uberſthet/ einige Kennzeichen ſeiner Freygebigkeit/ als welcher davon ein Vergnuͤgen ſchoͤpfft/ daß er ſeinen Befehl ſo wohl hat wiſſen außzurichten; und hat er auch noch ſeinen Part an dem was ins inventarium gebracht worden/ wann des Baſcha Sachen ins Serrail kommen. N Man ſolte billich davor halten/ es mute dieſe Ankuͤndigung des Tods/ ſo in des Kayſers Brieff enthalten iſt/ ein Entſetzen erwecken/ in deſſen Gemuht der ſie empfängt/ und wohl weißt daß ſolche/ ſo bald er ſte auß dem Brieff abgeleſen hat/ ſol vollzogen werden. Gleichwohl zeigt ſein Geſicht nicht/ daß das Gemuͤht ſehr drüber verandert ſey/ und erſchrickt er gantz nicht/ dann er ſiht wohl/ daß die wenigſten ſeines gleichen davon kommen/ und hat er ſich auff ein gleichmaſſiges gefaſſt gemacht, ſo bald er in ſein Ampt getretten iſt. Uber diß ſo glauben die Turcken feſtiglich/ daß der Schluß des Fati unveraͤnderlich/ und ſelbigen zuvermeyden unmoͤglich/ daher kommts/ daß ſie den Tod mit ſo fehat/ anderſt nichts als ſo viel Spionen und Aufſeher/ die guff all ſein Vornehmen acht haben/ und faͤllt ihm ſchlechter Dings unmoͤglich/ ſich vor ihnen zuverbergen. So were es auch hoͤchſt gefährlich/ wann ſie ihre Heimlichkeit einem unker ihnen vertrauen wolten; Dann es ſind lauter ſelaviſche Gemuͤther/ durchauß unfaͤhig zu einem wichtigen und bedaͤchtlichen Anſchlag zuhelfen oder zurahten; geſchweige daß ihne alle Paſſe und See Hafen verſchloſſen ſind. Wann man im geringſten Wind davon bekaͤme/ ſo wurden die Statthalter in denen Grantzplatzen alſobald Befehl bekommen ſich ins Feld zumachen; Sie tragen auch ohne das ſchon groſſe Sorg in ihrem Gebiet/ ſo weit es ſich erſtreckt/ alle diejenige zu wiſſen/ welche dadurch gehen. Fals auch etwa ein offen Thor were/ oder aber man nur bey der Nacht ſich fort machte und in ein benachbartes Land kommen koͤnte/ ſo iſt die Türckey faſt umb und umb nur mit ſolchen Volckern umbgraͤntzt/ die der Turckiſchen gewalt ſamen Hereſchung feind ſind/ und wurde daher ein Fluͤchtiger auß einem Schlund nur in den andern fallen/ ulld bey denen ſelben Leuten vor einen Spion und Kundſchaffter gehalten werden/ die ihm kein Quartier geben wurden. Es ſcheint als ſey es nicht ſo ſchwer zu Waſſer weg zufliehen als zu Land/ allein do findt ſich noch mehr Schwerigkeit/ und verſchlieſſt das ſtrenge Verbot/ ſo den Chriſten bey Leib und LebensStraff auferlegt wird/ nicht einen eintzigen Türcken oder Leibeigenen auff ihre Schiffe mit zunehmen(daher ſie auch genau außgeſucht werden eh ſie vom Lande fahren dorffen) denen Tuüͤrcken alle Hafen zu/ die ſich etwa Luſt haͤlten davon zumachen. Zwar es vergeht nicht bald ein Jahr daß nicht die Christliche Conſules und Kauffleute aus Mitleiden viel Sclaven ſuchen mit weg zubringen. Man hallt ſie verborgen bey denen im Lande wohnhafften Chriſten/ denen man das Maul durch viel Geld ſtopfft; ſo macht man auch die Wacht an denen Hafen durch Geld ſtumm/ oder gibt ihnen ſonſt genug zu trincken/ daß ſie ſo genau nicht drauff ſehen/ wann man Sclaven heimlich in die Schiffe bringt/ die ſchon ſind viltrirt worden/ da man dann gleich vom Lande abfahrl. Jedoch wil man ſich der Türcken wegen/ nicht 0 in Gefahr ſetzen; und iſt zubefoͤrchten ſie moͤchten ihres Orts mit heimlichem Betrug umbgehen/ und die Ehriſten nur verſuchen wollen kommt ihnen auch der Gedancken ſelten an /e mit der Flucht zu lalviren. Dann ſie 75 0 wirt 115 ddes Groß ⸗Turcken. wohl/ daß/ es ſey zu Waſſer oder zu Land/ ſie nirgend anders ſich hin lalviren koͤnten/(ich nehm allein Perſien auß/ wo ſie aber wegen unterſchledlicher let verhaßt ſind) als in die Chriſtliche Laͤnder/ wo man ſie bey ihrer Religion nicht laſſen wurde/ welche ſie gleichwohl nicht um tauſend Leben geben.. 5 f Eh ich mit der Erzehlung von der FreygebigSultan, keit der Ohomanniſchen Regenten zu Ende komjn geſche, mne/ iſt auch noch zu gedencken/ daß ſie je zu wei, len hereliche Preſente weg ſchencken/ welche ſie auß dem groſſen Schatz nehmen/ und nur in ſilber Müntz abgeſtattet werden/ wann ſie vor die vornehme Herzen bey Hof gehoͤren/ ſie ſeyen nun Nerhrung denen 41 gegenwärtig am Hof oder an anderen Orten. Sie beſtehen aber gemeiniglich in einem Beutel mit Gold/ wie ſie reden/ das iſt in 15000. Ducaten oder 30000. Reichs⸗Thalern; denen Sultaninen werden ſie nur in Gold außgezahlt. Es iſt aber nicht noͤhtig/ daß der Kayſer deßwegen den geheimen Schatz angreiffe/ es iſt in der vierten Kammer Gold genug/ als wohin alles/ was auß dem gantzen Reich einkomt anfangs gebracht wird; und komt dieſe Summ welche man an dem groſſen Hauffen nicht viel ſpuhrt/ dannoch durch mancherley Wege wiederum an eben den Ort/ darauß ſie genommen iſt. 1 8 EESCSéTEFETETCTCTCCͤ ͤ V 8 5 Pas XII. Capitel. Vom Geſch enck das der Kayſer jährlich nach Mecca ſchickt. f 8 Inhalt. Worzu das dritte Theil der Aegyptiſchen Einkunfften angewendt werde. Groſſer Reichthum des Cheg zu Mecca. Ceremonien ſo beobachtet werden beym Grab Mahomets. Caravans oder Wallfahrt von Caire dahin. Geſchenck ſo von Mecca auß/ dem Groß⸗Mogol geſendet wird. Was die Tuͤrcken Ch mache alhier bloß zu dem ey end ein beſonder Capitel vom 0 preſent, das der Kaiſer jahr. ich nacher Mecca ſchickt/ da8 0 mit man wiſſe/ wohin der dritte Theil der Aegyptiſchen Einkünfften hinkomme/ als welcher eintzig und allein dazu gewidmet iſt; zumahl da ich auch ohne das ein und andere feine Anmerckung beytragen habe.. Es werden nehmlich drey millionen Franctzoͤſiſche Pfund von zwoͤlffen die jahrlich auß Aegyyten eingehen/ guten Theils angewendt auff reiche Teppich/ und koſtbare Gezelte/ die er alle Jahr nach dem Cheg abſchickt/ das Grab des Mahomels damit außzuzieren und zu bedecken. Widerum wird ein Theil davon gebraucht zu beſoldung deren/ ſo in den Molquséen oder Kirchen dienen; als da ſind die lmans, ihre Prieſter: die Scheiks, ihre offentliche Prediger: die MueZims, welche auf den Kirch⸗Thuͤrnen das Volck zum Gebatt zuſannnen ruffen; und die Kaijms zu Mecca und Medine, welche die Kirchen verwahren und ſauber halten/ und die Lampen anzünden. Jetzt gedencke man/ was noch uber diſe drey Millionen darauff gehe/ alle die dahin twallende Pilgrom/ 17. tag lang zu unterhalten/ dazu dann der Käyſer dem Cbeg eine genugſame Summ uͤberſchickt. Dieter dlsder Obere Geſag⸗ Prediger und Hoheprieſter aller Mahomelaſten/ welches Lands oder Seet ſie ſeyen/ macht dieſe arme untwiſſende deuthe glauben/ es kolſien alle Jahr ooo. Pilgram/ Manner und Weiber nach Aecca, und wann dieſe zahl nicht vollkommen ſey/ſo komen die Engel in Menschlicher Geſtalt/ ſie zu erfüllen. 8 Dieler Cheq, gleichſam ein Fuͤrſt/ den alle wegen Mecca und Medina vor Meynuüng fuͤhren. Tuͤrcken in hoͤchſten ehren halten/ iſt ſehr Reich He und mächtig/ und kan man diß leichtlich erachten des rum auß den Geſchencken/ die er alle Jahr von dein zu Mecca, Tuͤrckiſchen Kayſer und anderen Fürſten selbiger Landen empfangt: und ihme von Jahr zu Jaͤhren eigenthumlich zu gehoren. Ebentnaſſig hat er auch ſeinen Nutzen von den Pllgeren/ und den Geldſufnen/ ſo beſagte Fuͤrſten ihme übermachen/ denſelbigen Allmoſen zu geben; damit ſchaltet und waltet er nach ſeinem belieben. Alle diſe Geſchencke ſind ihtne ein unglaublich groſſes einkommen. Dann die Mahometiſche Religion erſtreckt ſich ſehr weit in Europa; Aſia und Africa, und zwar weiter/ alß ſich der gemeine Mann einbildet: welches ich dann zu end dieſes meines Berichts/ in einem ſonderbaren hierzu beſtimnten Capitel/klärlich zeigen wil. VVV Es 1 meiſten Laͤnderen Reiß⸗Ceremogeſchellſchafften zu Mecca an; wann nun der tag dee bey font da man die Andacht anheben und ſonder⸗ Ain oreb lich ſehen laſſen ſoll/ ſo kot der Hohe⸗Prieſter vekübtwermit ſamtlichen Geſatz⸗gelehrten/ das Gebcktt und den. noͤhtige ceremonien und Gebrauche zu verꝛich. ten. Den 17. tag verſamlen ſich alle Pilger von dem Gezelt des(Peg welcher ſich bey deſſen eingang auf einem Schamel aufrecht ſtellek/ damit er von denen ſo ektpas ferne ſtehen geſehen werde/ allda das Gebaͤtt verüchtet/ und dem Volck den Segen gibt der ſich mit diſen worten k, Gott laſſs ſie im Frieden wider hingehen/ wie ſie kommen ſind Von ſtund an muß ein jeder ſeine igene Unkoͤſten anwenden/ der Cheg gibt nicht das geringſte mehr/ ſondern fangt alßdann an/ feinen groſſen Nugen und Gewinn zu machen; daun was die Pilger zu jhrer Nahrung haben muſſen/ das hat er alles zu verkaufen/ und im ubrigen verſtehet er ſich mit den Vorgesetzte der 5. ra Caravane 42 Caravanen oder Pilgergeſellſchafften/ von denen und ſonſt keinen anderen/ ſie Reit⸗Pferde kauffen doͤrffen/ und ztwar drey mahl mehr/ alß ſie wehrt ſind/ darfür bezahlen müͤlſen/ wann ihnen die/ ſo ſie auß jhrein Land mitgeführt/ unterwegs abgegangen. 5 Die Reiß ⸗Geſellſchafft von Cairo, iſt die oder Wall. Volckreicheſte und Anſehnlichſte/ unter allen/ die fahrt von Caire. Geſchenck/ ich nach Mecca begeben. Der Caravan-bachi, oder ihr Oberſter/ hat zuweilen bey ſeiner Zuruckkunfft/ auf 200000. Thaler Gewif: Nach ſolcher Stell/ welche allein von der beliebigen Verordnung des Baſcha herzuͤhret/ lauffen ihro viel/ und gemeiniglich bekomt ſie der am meiſten darauf ſpendieret. Solcher Oberſte iſt auch Waſſer⸗ Herꝛ über das/ ſo man in die Eiſternen fah tragen laßt; nach deſſen angeben es außgetheilt wird: weil nun dieſe Abtheilung gleich iſt fuͤr den Armen und Reichen/ und aber diſer letztere mehr davon haben wolte/ alß jhm beſtimt iſt/ muß er es theuer bezahlen/ und der Oberſte ſchlaͤgt ſolches an/ wie er wil/ alſo daß er mercklichen Nutzen darauß zieht. 5 Wir kommen aber wieder auf die Geſchencke ſo von Nec. des Kayſers. Das Gezelt end der Teppich/ die er a aus dem hinſchickt/ ſind von gleichlich hohem werth/ beyGroß⸗Mo gol geſendet des wegen des ſchonheit des Zeugs und anderer wird. angefügter Köͤſtlichkeiten. Der Teppich wird gebraucht das Grab des Mahomets damit zu bedecken; und das Gezelt ſo man gegen der NMoſquse aufſpañt/ iſt vor den Cheg welcher die ſiebenzehen Tag niemahlen darauß komt/ ſo lang die devotion währet. Der Oberſte Prieſter des Mahometiſchẽ Geſetzes hat dieſen Griff erdacht/ und trägt ihm dieſer Teppich ſamt dem Gezelt unbeſchreibliche Sulnen Gelds ein/ welches Mittel er dann alle Jahr von neuem hervor ſucht. Wann nun das neue Geſchenck vom Kayſer angekommen iſt/ ſo ſchickt ſolcher Oberſte Prieſterals auß ſonderlichem favor und Wohlwollen/ denen meiſten Mahometaniſchen Potentaten ein Stuck von dem Fürbang des alten Gezelts/ welche ihm hingegen auch groſſe preſent wieder zuruck ſenden. Dieſer Fürhang/ welcher auſſen um das Zellt herum hangt/ und verhinderet/ daß man die nicht ſehen kan/ die drunter ſind/ beſtehet auß vielen Stücken/ iſt ſechs Schuh hoch/ und von zimlicher Lange; es bildet aber dieſer Cheq denen Potentaten/ welchen er etwas davon zuſchickt/ ein/ daß wann ſie ein ſolches Stuck vom Fürhang an ihre Zelten machen laſſen/ wann ſie wider die von ihnen ſo genante UnThron geſtſegen war/ ſandte ihm der Cheg den ganzen Uinhang des Gizelts/ und ward bey glaͤubige in Krieg ziehen/ ſie alsdañ lauter Gluck haben/ und den Sieg gewiß davon tragen werden. Es muß gar einvornehmer Potentat ſeyn/ als etwa der Tartar Kam„oder Groß Mogol, wann er ihm den Fürhang /oder das Gezelt ſelbs/ oder den Teppich gantz ſchickt. Welche er . jenem zukommen laͤßt. Nach dem der Aurengzeb, der jetzo Koͤnig in Indien iſt/ und ſonſt der Groß⸗Mogol von uns genant wird/ auf den Beſchreibung des Serralils Hof groſſe Freude darüber geſpührt daß der Koͤnig von dem heiligen Ort/ wie ſie ſhn nennen ein ſo anſehnliches Geſchenck bekommen habe. Es empfande der Cheg bald hernach die libe. ralitdt dieſes groſſen Monarchen, welcher einer der reichſten und mächtigſten auff Erden iſtz und auf ſolche Weiſe macht dieſes Oberhaupt der Mahometiſchen Religion/ welcher gleich ſam alle derſelben Glieder beherꝛſcht/ ſich dieſelbe zu Nutz/ und bereichert ſich mit den Geſchencken und Unkoſten aller Mahometiſchen Printzen und Ich zweifſe nicht/ es werden alle diejenige/ ſo von der Turckiſchen Religion geſchrieben haben/ auch erwehnung gethan haben von der Wallahrt nach Mecca, als welches gleichſam ein weſentliches Stück derſelben iſt/ daher ich ſo wohl auß dieſer Urſach/ als weil ich mich auch allzuſehr von meinem Vorhaben entfernen wurde/ mit dieſer Materi weiter fortzufahren unnohtig ach7 5 U Was die Mahomefilten von Mecca l Medina vor eint te. Ich wil nur drey Dinge anführen die ich auß einem Original eines Türcken habe/ welcher in allen Tituln des Mahometiſchen Geſetzes ſehr viel erfahren war. Das erſte iſt/ daß die Tuürcken auß einer alten tradition davor halten/ daß Mecca der Ort ſey/ allwo Abraham von Gott Beſehl bekommen habe/ ihm ein Hauß zu bauen/ und ſo lang er ſich allda habe auffgehalten/ ſeyen allerhand Volcker ihn zubeſuchen hauffen weiß dahin gereiſt; daß auch eben diß der Ort ſey/ wo Mahomet ſein Geſetz/ den Alcoran nehmlich/ vom Himmel empfangen habe. Tuͤrcken ihr Lebtag einmal nach Mecca ſollen wallfarten/ jedoch erſtreckt ſich ſolch Gebott nicht zugleich auff die Armen/ welche durchauß nichts zu leben haben/ und die durch ihre Abwweſenheit Das andere Stück iſt der Befehl/ daß alle die ihrigen in Hunger und Kummer ſetzen wurden/ weil ſſeihnen kichts laſſen koͤnnen/ wo von ſie geben mochten 1 18 Das dritte merckwuͤrdige Stuck iſt welche Statt den Vorzug haben ſoll/ Mecca oder Medina. In jener iſt Mahomet gebohren/ daher er ſie auch berůhmt machen und in groſſe Ehr ſetzen wollen/ durch dieſe ſo beruffene Wallfahrt/ die er in ſeinem Geſetz allen anbefihlt. An dern andern Ort aber ligt er begraben/ und iſt davon des fabulirens ſehr viel. Mahormet befihlt im Alcoran nur bloß die Wallfahrt nach Nleccaalwo von dieſenm falſchem Propheten mehr nicht als einer von ſeinen Pantoffeln übrig iſt; und bleiben auch die Doctores des Mahometiſchen Geſetzes/ beſtandig auff der Meinung/ daß niemand verbunden ſey nach Medina zu gehen/ und daß dem Befehl des Mahomets ſchon ein Genugen geſchehe/ wañ man nur allein die erſte Statt beſuche. Ich will im letzten Capitel dieſer Relation gußführlich und gründlich von der Wallterſchiedlichen Wege gedencken/ welche die Europaiſche/ Aſtatiſche und Africaniſche Turcken zu nehmen pflegen von dar zum Grab ihres Propheten zu kom dann alle zehen oder zweiff Jahr bald diſem bald fahrt nach darcea reden und daſelbſt auch der un · del N e TFF 5 Das XIII. Capitel. Von der Kellerey und verſchiedenen anderen Loſamenten. Alte Gewohnhett/ wañ und wie man dem Kaͤyſer auſſer der Malzeit zu trincken gibt. Eine Manier den Durſt mit Eſſen zuloͤſchen/ wird allein bey den Morgenlaͤndern gebraucht. Wie der Theriac zubereitet wird. Praͤchtige guͤldene Geſchirꝛe. Tuͤrckiſch Bett. Der Tuͤrcken Manier ihre nohtdurft zu verrichten/ ſo gantz von der Des On dem Schatz der Turckiſchen Monarchen wird der Leſer mit ein und anderen partiohn ſeyn vergnüget worden. s ſud aber deren noch mans s che in den andern Loſamentern des Serrail anzutreffen/ von denen in folgendem. N a N Ae, Smwiſchen den Scha⸗gewoltenen und eirem oda do gewölbten Gang/ ſo zimlich dunckelund. oder bird wann 20. Schritt lang iſt/ auch zu einer eiſernen Thur Kn auſſer führt/ die nach denen Gaͤrten geht/ findet man zur Fi dem lincken Hand die Wohnung der Pagen die zur inch u Kilar oder Kellerey gehoren. An ſolchem Ort „en gi, wird der Sorbet und ander Getkanck vor den Kaßſer zubereitet/ woſelbſt auch der Wein auffbehalten wird/ wann er anderſt Wein trinckt/ wie es Sultan Amurat machte/ von welchem ich mehrmals Gelegenheit/ etwas zu gedencken/ gehabt habe. Es iſt eine alte Gewohnheit/ daß der Käyſer/ ſo er auſſer der Mahlzeit Waſſer zu trincken begehrt/ alle Truͤnck mit 10. ſequin bezah1 Solches geschieht auf folgende Weiſe. In dem Gemach/ daß man Hlazoda nennt/ worinnen bie 40. Pagen ſo alſzejt umb den Kayſer ſind/ hre Wohnung haben/ iſt ſtets einer auf Oculariteten bißhero zweifels r unſerigen unterſchieden. Urſach der greulichen Unzucht/ ſo die im derrail eingeſperte Tuͤrcken veruͤben. berſte Schenck/ der ein weiſſer Verſchnittener iſt/ bringt ſolch Getraͤnck mit groſſem Gepraͤng zum Kayſer/ und ſind allzeit 100. Pagen die ihm nachtretten auß dem Kilar, die unter ſeiner Gewalt/ deren zween ihn unter den Armen halten/ und neben ihm hergehen. Dann er muß ſolche Schale hoͤher halten als ſein Kopff iſt/ und kan nicht ſehen/ als nur vorwerts/ wo er hingeht. Wann er an die Thur der Hazoda kommt/ ſo gehen die Pagen auß dem Kilar weiter nicht nit/ die ihn biß dahin begleitet habẽ/ ſondern warten alda ſeiner/ bis er zuruck kommt/ aufgenommen die zwey/ ſo ihm die Arm halten/ und wird er folgends von den Kammer⸗Pagen biß vor den Käyſer gebracht, Wann ſie aber an die Thür des Kaͤyſerlichen Bemachs kommen/ tretten zween Kammer⸗Pagen an der andern ſtatt und führen den Kilargi- bachi vollends vor den Kayſer/ daß er ihm die Schale uberzeiche. Wann er ihm nichts vorzubringen hat/ ſo tragt er ſie wider zurück in das Kilar; wil er ſich aber der Zeit bedienen/ und mit ihm reden/ ſo übergibt er die Ober⸗ und Unter⸗Schale einem der Pagen/ die ihn haben unter den Armen geführt/ welcher ſie hernach denen Kilar⸗Pagen zuſtellt/ die des Oberſten Schencken vor der Thur erwarten. 5 An eben dieſem Ort werden aue i die der Schildwacht an dem Ort/ der gegen der Erfriſchungs⸗Getraͤnck und Wan auf Mocgel. Schencke ober Kellerey zugeht/ allwo dann glei⸗ ten/ von Pferſichen/ Kirſchen/ Himbeeken und Lander auff cher Geſtalt zween von denen dazu beſtinten Pa⸗ andern dergleichen Früchten. Die Türcken eine gantz gen immer auf der Hut ſtehen. Wann nun der pflegen über dem Eſſen nicht/ ſondern nach ein⸗ d Kayſer Durſt hat/ und Waſſer verlangt/ gibt der genommenen Speiſen zu trincken/ weil ſie aber den Hut Page in Hazoda alſobald denen beyden im Ki- auch unter dem Eſſen ein Durſt ankommen kan/ mit Eſſen lar ein Zeichen/ da dann einer von ihnen zum Ki- ſo ſtillen ſie denſelben auff folche Weiſe. Man dertreiben. lar-balchi eylt/ welcher oberſter Sehenck iſt/ ſezt ihnen ſolche Waſſer in groſſen Porcelanen und ihm zu ruͤfft Su, welches Waſſer heiſt/ da⸗ Geſchirꝛ auff/ darin ungefehr zwey Magß gedurch zuverſtehen gebend/ daß den Herꝛen dürſte; hen/ damit man aber wiſſen moͤge/ was es vor der ander Page aber laufft nach der Thur des Waſſer ſey/ pflegen ſie in jede dieſer Schalen ein Hazoda, wo der aͤlteſte unter denen 40. Pagen ihm die 10. ſequin erlegt. Dieſer Page iſt Kammer⸗Zahlmeiſter/ und erlegt die kleine Summen/ ſo der Kayſer zu zahlen befihlt; in Franckreich gebe man ihm etwa den Namen/ Zahlmeiſter des Spielgelts/ oder vor die geringe suſt. Das Waſſer wird ihm bald in einer guldenen Schale/ bald in Porcelan gebracht/ und in eine andere groſſe guldene Schale geſetzt/ die ohngefehr zwey Schu weit/ auch auß und inwendig mit ſchoͤnen Edelgeſteinen beſetzt iſt. Man halt dieſe Schale vor eines der koſtbarſten Stucken bey Hof. Der oStuck der Frucht zu legen/ darauß das d ſer gemacht iſt/ und deren ſie zu 12 G gemacht haben“ damit das Waſſer erhalten werde. Nun hat auch ein jeder über Tiſch einen hölzernen Löffel neben ſich/ darein drey oder vier mahl mehr geht als in die unſere/ deſſen Stiel auch nach proportion lang iſt:(dann ſie bedienen ſich keines guldenen ober filbernen Loffels) nit dieſen Löffeln konnen ſie nun in die Schalen langen/ zu welchem Waſſer ſie nur den groͤſten Luſt haben/ und nehmen jezuweilen einen Loͤffel voll vor den Durſt. In g wird. 44 In der Schenckewird auch der Tiriac zugericht/ Tate ge- den die Türcken nennen Tiriac Farik undzwar macht in groſſer Menge/ weil ſie ihn als eine allgemeine Artzney gebrauchen/ und guß Mitleiden auch davon allerley Leuten ſo wohl in der Statt/ als auff dem Land mittheilen/ wann ſte etwas begehren. Sie laſſen die Vipern auß Aegypten bringen/ von denen ſie auch darzu gebrauchen; auff den jenigen aber/ der in andern Landern gemacht wird/ 1 00 5. 1 doch zum wenigſten/ daß der ihrige der beſte ſer. N Vor dem Kilar iſt eine Gallerie oder Gang zu ſehen der von ſchwartz und weiſſem Marmor ſchir:. auffgeführt/ und von acht ſchoͤnen Marmorſteinern Saulen unterſtutzt iſt/ der geht bis an ein klein Fa her worin der oberſte Schencke ſein Bleibens hat/ wie auch deſſen Unterſchenck/ der Kilarquet· hudaſi, welcher zwar kein Verſchnittener/ wie der Kilargi-Bachi iſt/ welcher auch gemeiniglich wann er auß dem Serrail gantz herauß kommt/ zum Baſcha getnacht wird. Dem Eilargi-Bachi iſt alles Gold und Silber⸗Geſchirꝛ/ Handbecken/ Gießkannen/ Schalen/ Unterſchalen und die Leuchter in Verwahrung gegeben; der meiſte Theil ſolches Geſchirꝛs iſt mit Diamanten/ Rubinen/ Schmaragden/ und andern koſtbaren Steinen außgeziert. Der güldenen Schuͤſſeln und Leuchtern ohne Edelgeſteine/ gibts ſo viel und ſtarcke/ daß ſie auch ein Mann nicht tragen kan. Die Leuchter werden auff eine andere Art gemacht als bey uns/ ſind gemeiniglich zwey bis drey Schuh hoch unten her über 12. quer Daumen breit/ und iſt der oberſte Theil einer Buͤchſe nicht ungleich oder einer Art von Lampen mit einem Schnabel/ wo mehr als ein Pfund Unſchlit hinein kan/ und damit nichts auß den Teppich fallen moge/ machen ſie den Fuß des Leuchters ſo breit/ wie gedacht worden/ dann ſonſt muͤſte er mit der Hohe eine proportion haben. Der Tacht den ſie in das Unſchlit thun/ das ſie klein zerbrechen/ iſt Daumens dick/ und gibt ein überauß groſſes Liecht in einem Gemach von ſich. Was den Kilarket hudaſi bełrifft/ der iſt uber die Halvagi und Axegi geſetzt/ welches die Koche und Zuckerbecker ſind/ und kan ohne ſein Vorwiſſen und Befehl memand einen Dienſt antretten. 8 Ich hab bey Eröffnung der Schatzkammer/ deren Bedienten/ ſo daſelbſt ihre Verꝛichtung haben/ nicht gedacht/ weil ich nach der Ordmmg des Baus gehe/ und den Leſer gleichſam Schritt vor Schritt von einem Hof und Zimmer zu dem andern fuͤhre. Das Zimmer deren zum Schatz beſtimmten Pagen iſt nechſt an dem Kilar, und hebt ſich bey einer von gevierten Marmorſteinen unterſchiedlicher Farben/ erhabenen Galerie an/ welche mit acht Saulen unterſtüͤtzt iſt/ die von eben dergleichen Materi/ und unten her am Fuß mit allerhand von Gold und mit blauer Farbgearbeitetem Blumwerck beziert ſind. Dieſer Gang iſt auff einer Seite offen/ an der andern aber ſiht man in der Mitte die Thür des Zimmers jetzt gedachter Pagen, ſammt drey ſehr groſſen Fenſtern zu beyden Seyten. Und darin halten ſich Nacht und Tag die 6. altſte Pagen/ ſo zur Schatzkammer verordnet ſind auff. Von die, ſer Thür kommt man durch einen Weg mit Beſchreibung des Serrails was ihre Better an belangt/ ſo wi groſſen Steinen von weiſſem Marmor genffaſtert/ der etwa 15. Schritt lang und z. breit it zu einer andern Thur/ welche von eben ſolchem Marmor und mit 2. Saulen von ſchwartzem Marmor unterſtutzt. Uber welchem Eingang folgende/ bey denen Turcken ſehr gemeine Worte/ 9 Tur eingegraben ſtehen/ die ich auch ſchon vorhero guußgelegt habe. L.a Illahe Ila Alla, Muhamed Reſul Alla. Durch dieſe Thur geht man in einen langen Saal/ da auff beyden Seiten ein etwas erhabener Gang iſt/ ander halb Schuß hoch und 7. oder 8. Schuh in der Breite. Es hat ein Page/ es ſey bey Tag oder Nacht mehr nicht als vier Schuh breit Platz/ und nicht als eine wollene Decke vierfacht auff einander die ihnen an ſtatt der Matratzen ſeyn muß/ Tuͤrckiſch rdihnen mehr Beil untergelegt; zum Deckbett aber haben ſie meiſten theilseine geſtickte von Gold oder Silber/ oder von einem ſchoͤnen ſeidenen Zeug/ m Winter haben ſie Erlaubnuß ſich mit 3. dergleichen zubedecken.. Sie doͤrffen ſich keiner wollenen bedienen/ die daß dem Kaͤyſer ſolche vor die Augen kamen/ wann er jezuweilen des Nachts dahin kommt/ unter dem Vorwand/ zuſehen wie ſie ſich bebetragen/ aber in Warheit deswegen/ daß er ein boͤſes Vorhaben damit verdecke. Unter dieſen Decken ſchlaffen nun die Pagen in ihren Unterhoſen und Futterhemdern: Dann von den leinen Bett⸗tüchern weißt man weder da noch in gantz Morgenland etwas/ und legt man ſich ſo wohl im Sommer als Winter halb⸗bekleidet zu Bekt ohne groſſes Geprang. Uber der Pagen ihrem Lager ſteht eine Galerie/ die umb und umb geht in dem Saal/ und ruht auff hoͤltzernen Pfeilern; es iſt alles zuſammen mit einem rohten Firniß angeſtrichen/ daſelbſt haben ſie ihre Kaſten ſtehen/ worinnen ſie ihre Kleider und Geraht verwahren. Jeder hat ſeinen eigenen Kaſten/ aber von den 12. altſten Pagen hat jeder deren ztween und verwahrt allzeit einer von dieſen 2. den Schluſſel zu ſolcher Galerie. Man offnet ſelbigen nur allzeit einen Tag in der Woche/ welcher mit unſerm Mitwoch zutrifft/ und ſo dann nimmt jeder Page auß ſeiner Kuͤſten was er darauß noͤhtig hat. Wann einer etwa an einem andern Tag nohtwendiger Weiſe was allda zuſuchen hat/ ſo laſſt er. oder 6. Pagen zuGroß⸗Schat meiſter Erlaubnuf/ der befihlt als dann dem Rafgi, welcher den Schluͤſſel zum Gang in Verwahrung hat/ daß er ihnen ſoll auffſchlieſſen/ und acht haben/ daß ſie nicht an ihrer Mitgeſellen Kaͤſten die Hande legen. An dem einen End des Saals iſt eine Thür/ die fuͤhret zu denen Brunnen/ wo ſich die zur Schatzkammer beſtellte waſchen/ ehe ſie zum Gebaͤtt gehen. Es ſind allda ſieben Hahne von gelbem Kupfer/ und im ubrigen ſo wohl der Boden als die Wande ſelbigen Orts von weiſſem Marmor. 5 0 Zur rechten Hand folgen die heimliche Ge, ſich g macher und werden in vier kleine Kammern ab⸗ andert getheilt/ welche allzeit gar ſauber gehalten wer⸗ als den/ und ſo wohl als die Brunnen/ mit weiß, ) ern viel warmer weren/ weil es übel ſtehen wurde/ ſammen kommen, die gehen dan und bitten ben Die b aut ür 15 r mt ihNohl. ſem Marmor gepfſaſtert ſind. Die Turcken durtft ber ſetzen ſich zu ſolcher Arbeit nicht wie wir/ 1 richten. des Groß ⸗Türcken. dern laſſen ſich gebuckt nieder uͤber das Loch/ welches nur einen halben Schuh oder ein klein wenig höher von dem Boden iſt. Das Loch iſt mit einer eiſernen Blalte bedeckt/ welche durch einen gewiſſen Trieb auff und nieder geht/ und ſo bald ein wenig etwas ſchweres drauff fallt/ ſich umb kehrt/ hernach ſo bald der Koht herunter gefallen/ widerum liget wie zuvor. Ich hab an einen andern Ort angemerckt/ daß die Turcken/ und ins emein alle/ ſo die Mahometiſche Religion haben/ ch herzu keines Papiers gebrauchen; dan wo ſie i an dergleichẽ heimlichẽ Ort gehen/ nehmen ſie einẽ Topf voll Waſſer nit dahin zum ſaubern und abö waſchen/ davon dann auch zugleich der eiſerne Deckelſauber wird. In dem nun das Loch allzeit bedeckt und die eiſerne Blatte allzeit rein iſt/ ſo kan auch kein boͤſer Geruch herguß gehen/ und ſolches umb ſo viel weniger/ weil der darunter lichen binlguffende Canal allen Unrach mit wegn. la. abſchen be Es were aber hiebey zuwuͤnſchen/ daß ſie lieuhen Un, be b uch deren ſorgten/ und vielmehr ſo greuliche und abſcheuaugeſclaſ. liche Unflähkereyen alda nicht verübten/ von deenen of. nen ich mich gern wolte enthalten ein eintzig Lärcen. Wort vorzubringen/ wann ich nur den Verwiß nicht zubeforchten haͤtte/ ich ſey in meiner Erzehlung nicht genau und accuxrat geweſen. Es iſt droben im andern Capitel dieſer Relation ſchon etwas erwehnt worden/ wie es dann auch eine ſolo Makeri iſt/ bey der man ſich nicht lang auffhalten/ ſondern leicht drůͤber hingehen muß/ damit man nur un vollkommener Maſſen dem Leſer ſelbige vorſtele. An dieſem Ort geſchicht es nun/ daß die Pagen einander beſtellen des Nachts/ umb daſelbſt das allerſchandlichſte Laſter zu begehen; doch fallt es ihnen ſehr ſchwer/ bolches ins Werck zurichten/ weil man genau auf ſie acht gibt/ und uͤber die maſſen hart abſtrafft/ wo ſie uber der That erwiſcht werden/ ſo/ daß ſie über denen ſtarcken Streſchen bisweilen den Geiſt auffgeben muſſen/ wie anderwerts von mir Erwehnuug geſchehen. Damit man auch verr vor die Sauberkeit ſoleher Oerter weniger 45 hindere/ daß ſolch unmenſchliches Laſter nicht an dem Ort geſchehe/ wo ſie ſchlaffen/ ſo werden alle Nacht zwey Fackeln brennend gehalten/ und gehen ſtetig drey Verſchnittene herumb/ wodurch dann denen Pagen alle Gelegenheit benommen wird/ ſo nah zuſammen zu kommen/ daß ſie das Laſter begehen konten. Die Urſach darff man nicht weit her holen; maſſen nichts anders/ als das genaue Einſperꝛen und Einziehung alles Anſchauens der Weibs⸗ Bildern dieſe junge Leute zu ſolcher groſſen Ubertrettung bringt/ und ſie in einen Abgrund ſturtzt/ wohin die Tuͤrcken ihrer naturlichen verfluchten Neigung nach ohne das ſich verleiten laſſen. Die Ichoglan ſo in gar jungen Jahren nach dem Serrail kommen/ wiſſen nicht was ein Weib iſt/ als etwa auß einem natürlichen Trieb/ und finden ſich einige/ welche/ wann ſie ein Weibsbild ſehen und ihrer genieſſen konten/ es nicht gehteten/ wann ſie gleich den andern Tag darauff das Leben hergeben muͤſten. Es iſt diß gantze Volck ſo zur Unzucht geneigt/ daß es ſcheint/ es konne ſolche Begierde eh nicht ablegen als mit dem Leben; was ſie auff dieſe Art nicht thun konnen/ das thun ſie auff eine andere/ und betriegen die im Serail, ihre Auffſeher/ ſo lang und viel ſie koͤnnen. Der Leſer wird ſich erinnern der ſehaͤndlichen That/ die zwey Pagen in einer Molquce oder Kirche verrichteten; und iſt diß eintzige Exempel Beweiſes genug/ wie ſie alle erſinnliche Mittel hervor ſuchen/ damit ſie nur ihren viehiſchen Paſſtonen ein Genuͤgen leiſten. Auff diß Loſament der Pagen folgt nun des Chalnadarbaſchi und ſeines zugegebenen oder Subſtiruten; und koͤnnen ſie auß ihren Gemaͤchern in einen kleinen Blumen ⸗Garten ſehen/ der ihnen gehort. Wir wollen noch einige andere Zimmer beſehen/ ehe wir zu dem kommen/ welches ſie Hazoda nennen/ worinnen die 40. Kammer⸗Pagen wohnen/ auß welchem man ferner in des Kayſers Wohnſtube geht. FFP Von der Wohnung des Dogan i Das XIV. Capitel. 55 8 Baschi, oder Obriſt Falcogirers/ und einiger andeer Bediente. 8% Prächtige Cammern. Ordinari Einkünften des Obderſt⸗Falconirers. Pracht und Herrlichkeit der Mahometiſchen Monarchen in ihrer Jagt⸗ Ruͤſtung. Vogel ſo man an ſtatt der Hunde braucht/ einen gen. Huͤbſches Gemach des Seligdar-Aga, traͤgers. Schoͤne Ordnung/ ſo im Serrail gehalten Er Dogangi-baſchi ſumt den 4 N Pagen die unter ſeiner Gewalt ſind/ hat ſein Loſament zwiſchen denen Pagen Cammer⸗Pagen. Es iſt aber 2 ſo bey der Schatzkammer dieenen/ und den geheimen oder Haſen oder Hirſchen zujades Kaplerlichen Waffenwir 0 5 an ſolchem Ort/ der vor die zur Jagerey gehörige Pagen beſtimmt iſt/ gantz nichts beſonders zu ſehen/ und was darinnen/ iſt von weniger oder gar Henliche keiner Schoͤnheit; die zwey Gemaͤcher aber/ wel⸗ Gemaͤcher. che der Groß ⸗Faleonirer oder Jagermeiſter inne hat/ haben magniffſcenz und Anſehens genug und ſind ſo reichlich und koſtbar gußſtaffiert als . irgend 36 irgend ein ander Zimmer am Hof. Das erſte Gemach/ welches gleichſam ein Vorgemach/ iſt das kleinſte/ beyde aber ſind mit weiß und ſchwartzem Marmor auffgeführt/ und der Boden iſt mit gemahlten und verguldten Blumen gleichſam beſdet: doch iſt der in dem andern Gema noch ſchoner und reicher außgemacht/ wegen ſchoͤnen Blumen von erhabener Arbeit/ jede auf ihrem viereckigten Raum/ und alle mit Gold gantz uͤberzogen. Die Wande ſind mit ſchoͤner Schreiner⸗Arbeit und Schnitzwerck gezieret wobey dann das Gold widerum nicht geſpart worden/ und haben zu beyden Seiten groſſe Fenſter in Rahmen/ welche das Gemach ſehr helle machen und Liechts genug hinein laſſen. Das Marmorſteinerne Pflaſter ſihet man nicht/ weil es mit ſeidenen Teppichen uͤberzogen/ es ſind auf denſelben um und um in der Cammer viel Matratzen gelegt/ die zwey oder drey Schuh breit/ und vier quer Daumen dick. Deren etliche mit Sammet oder Alas von allerhand Farben/ andere aber mit gůldenen Stuͤcken uͤberzogen/ und mit einem Küͤſſen von eben ſolchem Zeug/ welches vier Schuh lang und ohngefehr zwey Schuh hoch iſt/verſehen ſind. Auf dieſe Kuͤſſen lehnen ſie den Ruͤcken/ wann ſie auf ihre Art mit creutzweiß gelegten Fuſſen ſitzen/ und gebrauchen ſie ſich dieſer Matratzen an ſtatt der Seſſeln und Faulbettern in einem Gemach. N Was des Wann der Groß⸗Falconirer auß dem SerGroß- Fal- rail kom̃t/ ſo wird er nichts geringers als einer conirers von den vornemſten Baſcha, und bekom̃t eine der einlommen Bößſten Regierungen/ entweder die zu Caires, iſt oder zu Babylonien/ ſo lang er ſich aber noch im Serrail befindet/ ſo niit er ohne ſeine freye Tafel zur jahrlichen Beſoldung/ 10. biß 12000. Thaler ein. Die Pagen in der Falknerey tragen die Voͤgel und geben ihnen zu eſſen; iſt ihnen auch . erlaubt/ ſie im Garten zu uͤben/ und gehen alle mit/ ſo der Kaͤyſer auf die Jagt zieht. Sie werden in eben dergleichen Zeug gekleidt/ wie die Schatzkammer⸗ Pagen/ doͤrffen auch Tuchene Kleider tragen/ die ſind aber auff eine ſolche Weiſe außgemacht/ daß man ſie leicht unterſcheiden kan von den Ichoglan der erſten und andern Claſſ/ welche allzeit allein in Tuch gekleidt gehen. Dann die Falconir- Pagen haben Ermel an ihren Roͤcken die von oben herunter immer enger zugehen bis auff die Hand und mit Knoͤpffen zugemacht werden; der andern ihre aber ſind oben und unten gleicher Weite/ worinnnen der Unterſcheid beſteht. Die 21. alteſten Falconir- Pagen haben eben die Beſoldung und Einkunfften/ wie die Pagen bey dem Schatz/ ſie eſſen auch mit ihnen. Die anderen aber werden auff die weiſe gehalten/ wie die Pagen des Seferli, ſo des Kayſers Leinen⸗gezeug wãſchen/ und ſpeiſen alle mit einander über einer Tafel. a Pracht ber Es hat der Groß⸗Falconirer ohne obgedachMahometake Pagen auch noch hey 800. andere Perſonen nischen Po, unter ſeiner Gewalt ſo wohl in Conſtantinopel ihrer Ju. Als in der Nachbarſchafft/ die ſtetig beſchaͤfftigt züleng. ſeyn müſſen allechand Vögel zur Jagt abzurichten/ und wird keiner ins Serrail gebracht/ der nicht ſchon abgerichtet ſey. Es iſt kein eintziger Vogel deſſen ſich der Kaͤyſer ſelbſt bedient/ der nich einen koſtbaren Stein am Hals habe/ der 5 Beſchreibung des Serrails bißweilen wohl auf 10000, Thaler wahrt iſt. alle Mahometaniſche Potentaten halten ſich prächtig in ihren Jagereyen; abſonderlich aber der König in Persien. Und kan man ſich fat nichts praͤchtigers einbilden/ als die groſſe Mench ge feiner Hoffeuten/ wann er von der Jagt zuruck komt. Sie reiten alle in ſchoͤner Ordnung mit dem Vogel auf der Hand/ und hat jedweder Vogel einen ſchoͤnen Demant/ oder anderen koſtbaren Stein am Hals/ nebenſt ſeinem Käpplein das gantz mit Perlen geſtickt; das dann anders nicht/ als uͤber die maſſen ſchoͤn außſehen muß. 0 Sie richten viel Voͤgel ab/ deren wir uns in an ſtatt der Franckreich gar nicht gebrauchen die ſtärcker und Hunden. gröſſer ſind als unſere; mit denen ſie/ an ſtatt der auff h Hunde/ Haſen und Hirſche jagen/ und gar mit 800 ien g auff die Schweinhatz damit gehen. Dieſe Jagt braucht iſt deß wegen in Perſien ſonderlich leicht und an⸗ werden/ nehmlich/ daß allda das Land offen/ und ken Wald iſt/ darinnen ſie den Vogel auß dem Geſicht verlieren koͤnten. Er entdeckt das Wild von weitem/ und ſchießt ſo dann auff daſſelbe loß/ ſo daß es ſich von ihm nicht loß machen kan/ dann es ſetzt ſich ſelbigem feſt auff den Kopf/ und hackt ihm die Augen auß/ er ſchuttelt und plagt es/ und halt es dadurch auf/ daß es ſo geſchwind nicht fort laufft/ wordurch dann die Jager zeit gewinnen dem Wild nachzukommen und es zu ſchieſſen. Sie ſchieſſen aber eh nicht als wann es dem Herzen beliebt/ oder nach dem er ſeinen Pfeil ſchon abgedruckt/ oder einen Schuß gethan hat; ſo 1055 1 1 0 die 1 ihn ſind erlaubt ihre Geſchicklichkeit ſehen zu laſſen. i Auf bas 1 der Falconir-Pagen/ folgt Sa ein langer Gang/ der nur auff einer Seiten offen es eli iſt/ und etwas in die hoͤhe geht. Er ſteht auff de⸗ dar Ae hen Marmorſteinern Pfeilern von verſchiedenen der dera Farben/ und auff gleiche Weiſe gepfſaſtert/ mit fei 15 einer Decke/ da man einige Mahlerey von 5 Blumen ſihet/ die ſo ſonderlich kuͤnſtlich nicht gemacht ſind. Am Ende des Gangs geht man auff der rechten Hand nach des Seligdar Aga ſeinem Gemach/ welcher des Kaͤyſers Daͤgen trägt. Dieſes Zimmer iſt theils mit Tapeten uberzogen/ theils aber eiwan drey Sehuh hoch von dem Bodẽ erhaben/ da man auff eben ſo viel Staffeln von weiſſem Marmor/ die vier Sehuh lang ſind/ hinauff ſteigt; das uͤbrige iſt mit einem Schrancken umſchloſſen/ welcher mit Gold und gruͤner Farb außgezieret. Dieſer erhabene Ort nun iſt mit lauter koͤſtlichen und reichen ſeidenen Teppichen belegt/ um und um aber/ ſo wol gegen der Mauer als dem Schrancken/ ligen foſtbare Kuͤſſen/ von allerhand gůldenem und ſilbernem Brocard. Die Wande diſes Zimmers ſind gantz uͤberguͤldt/ dabey ſiehet man aber jn rechter diſtanz von einander an vielen Orten Blumen⸗Kruͤge gemahlt/ deren vielfältige Farben den Augen des Anſchauenden Lieblich entgegen ſpielen. Der Ort/ wo der Seligclar Aga ſeinen Sitz hat/ iſt am Eck des erhabenen Orks; über ſeinem Haupt hangen die Dagen und Sabel/ ſo der Kayſer führt/ und er ihm/ ſo offt er f auß dem Serrail geht/ nachtrag., Hul Hin Wann ein Herr die Regierung antritt/ ſo kommt nung, 0% hernach von allem dem was er gemeiniglich see e ragt/ nichts mehr in die Schatzkammer/ als nach Halte ſeinem Tod/ und gibt der Chalnadarbachi⸗ 19 0 der 1 0 ge. cher drüber aaa de acht/ ob auch alles was laut ſeiner Verzeichnuß in währenden Lebzelten des Käyſers herauß gekommen/ wieder hinein geliefert wird. So bald auch etwas heraußgenommen bwird/ gibt der Seligclar Aga, deres gelieferet wird/ dem Groß⸗Schatzmeiſter/ deßwegen einen eigenhandigen Schein; und kan alſo ſolcher Geſtalten nichts entwendet werden/ weil in allen Dingen trefliche Ordnung gehalten wird. An andern Orten der Kammer ſieht man ar g kee kt kx ke exe z. ken ir erer dr rdf crix crix x c ck xc cer N Des Groß⸗ Tuͤrcken. * und nie fern von ihm ſeyn. Wir muͤſſen uns nun auch zu des Kaͤpſers immer begeben. Von dem Küpſerlchen Gemach und Niſter. e 5 Gemach der 40. Pagen. Schoͤnes Denck legenheit der Kirchen in der Tuͤrckey. lige Winterſtuben. Geheimnußreiches Inſigel des Mahomets. Aberglauben der Tuͤrrken. Laͤppiſche veder. 5 Kaͤyſers Gemach folgt, 0 innere Hof eigentlich nur in zwey groſſe Wohnungen abgetheilt werden mag/ nehmN lich in des Käyſers und der Se. Sultaninen Quartier/ ſo hab Aich jedoch vor gut befunden/ der Gedachtnuß des Leſers deſto beſſer zuſtatten zukommen/ demſelben alle Theil abſonderlich vor zutragen/ und zwar nach deren verſchiedenemGGebrauch; nach dem nun bißher genug erwehnt worden von den Baͤdern/ Schatkammeren/ der Kellerey und Falcknerey/ als körmm ich tum auff die des Kapſers eigenthumliche Wohnung. Die klazode fällt uns erſtmals in Geſicht; alſo wird von den Türcken bie vierte und hoͤchſte Claff der Ichoglans genennt/ und iſt anders nichts/ als das Zinner/ darinn ſich die ao. Pagen auffhalten/ die den Kayſer ſtetig bedienen. Dieſes Gemach gleicht an Groͤſſe dem/ darinn ſich die zur Schatzkammer gehoͤrige Pagen auffalen; iſt auch faſt mit gleichem Geräth e hat aber nicht ſo viel Liecht und iſt um ein guts finstere. Gleich wie der Pagen nicht ſo viel alda ſind/ alſo haben ſie auch mehr Platz zum ſitzen und ligen/ und iſt mitten in der Kammer ein vierecktichter Platz/ etwas erhabener /als der Pagen Better ſind/ von dpeſchem der Hazodabalchi ihr Oberhaupt/ all ihr Thun ſehen/ und wie ſie ſich berhalten/ warnehmen kan. Er und muß auff des Hayſers Befehl es ihm alles hin1 und folgt ſo dann auff lobliche Thaken alſobald eine Belohnung/ auff boſe aber die Straffz es ligt ihm auch ob/ alles ſo ſie bedorffen geſchwind an die Hand zuſchaffen. Uber der 7 Thür dieſes Gemachs ſind die ofſt gedachten fiel Worte: Ea Hla Fe lla Ke. gbermahl tnt Roſſen guldenen Buchſtaben geſchrieben/ an den B ſchon das Serail oder Ceremonien beym Gebaͤtt. 15 ſellen des pier Ecken aber ſtehen die Namen der vier Ge99 die Tolchen und Meſſer hangen alle ſehr koſtbat mit Edelgeſteinen außgemacht/ welche gleich dem übrigen auffs genaueſte in die Schatzbücher ein getragen werden. Auff jeder Seſten dieſes Gemachs ſind noch ztoey kleine für vier Pagen des Sefetli welche den Seligdar Aga bedienen/ 8 mahl der Tapfferkeit des Amurats. GePraͤchts. Groſſer 6 e und eigennuͤtzige Andacht. Reliquien des Omer. Lächerliche Secte. Wohnſtuben des Kaͤyſers, Amurats-BelHerelicher Wein auß der Inſul Lenedo. Geſtraffte Gluͤck einer ſchoͤnen Sicilianerin. 5 die Tuͤrcken von olfers hero die Fahne Mahomets verehren. 5 Maholmets Ebu Bexer, Omer, Ofmam und Ali, welche gleicher Geſtalt in ſchwar8 Verꝛaͤhterey. Schlaffkammer des Kaͤyſers. Wie hoch Was auf des tzen Marmor gegraben. Wann der Käser einen Baſcha pefordnet hat/ und derſelbe von ſeiner Majeſtat Abſcheid nimmt/ ſich an den Ort ſeiner anvertrauten Regierung zuverfügen/ ſo geht er zu der Thur hinguß/ wo alle dieſe Namen eingegraben ſind/ ſo bald er aber 1 iſt/ kehrt er das Geſicht unb/ und kuſſt den! Achmer Hand iſt/ der Amurats Vatter war. Zur kacken iſt ein Pantzerhembd angehefftet ritt dieſer Thür in aller Demuht. Beym Eingang dieſes Gemachs ſiht wan alf der rechten Hand viel Sprüche auß ihrem Geſetz angeſchrieben/ und in viereckicht verguldete Platze eingefaßt/ da eine unter andern Schriften von des Sultan Schoͤnes an die Mauer knit einem Heim und Schild: mierckmaht welches eines der Monumenten der Tapferkeit der Tapfer. Amuratis iſt. Dann da gedachter Kayſer vor Baglet oder Babylon jag/ und ein Perſiager ſich herauß gemacht hatte/ der gegen den Turcken braviette, wolte diefer Herz/ der kiner von den 1 0 5 und ſtärckſten zu ſeiner Zeit war/ in eigener Perſon ihn angreiffen/ und zwar ohne eltlige andere Waffen/ allein mit ſeinem Sabel in der Hand/ obſchon der Perſer von Fuß biß auff den Hopff betpehrk geweſen. Amurat dem ee do wenig an Geſchicklichkeit als an Starcke nd Tapfferkeit ermangeſte/ſieß ihm nicht Zeit ſſch tech zen iegenwehr zübſtellen ſondern gab ihm gleich Anfangs einen ſo greulichen Streich mit dem Sabel Aber die rechte Achſel/ daß er ihm den Pantzer biß guff den halben Leib entzwey hieb/ und er alſo todt zur Erden nieder .. 8 Gegen der Eazoda oder Wohtnig dieſer 40, Pagen/ iſt eine zimmliche lange und ſehensN G 3 bohhrers Amurats ie die 48 Beſchreib ung des Serrails würdige Galerie/ wegen der Manier/ wie ſie gebaut iſt. Sie iſt auff beyden Seiten offen/ von weiſſen Marmor⸗Saͤulen unterſtuͤtzt/ und geht Schlangen weiß/ ſo daß die darauff ſpatzierende einander uber 6. Schritt lang nicht ſehen. Unter dieſer Galerie ſtehen 4. groſſe Kaͤſten/ darinn das Geraͤth und Ruſtung der vier vornehmen Bedienten/ welche ſtetig umb den Kayſer ſind/ auffbehalten werden/ nehmlich des Seligdar Aga, Chokodar Aga, Kiquabdar Aga und des Hazodabachi, von denen ich bey Anfangs gethaner Erzehlung der groſſen Herzen bey Hof Anregung gethan. 8. Dieſe ſo ſeltzam auffgefuͤhrte Galerie iſt nicht Kirchen der weit von der/ die etwas in die Hohe geht/ deTürcken ge, ren quch im vorhergehenden Capitel Anregung legen und gebaukſind. Nahen Gergd gegen dieſer ber ſteht eine Ceremoni. en heym Gebeit. Moſquèe oder Kirch e Groͤſſe/ etwas langer als ſie weit iſt/ von Norden gegen Sud gelegen/ welches die Tuͤrcken bey allen ihren Kirchen beobachten/ als die alle nach Mecca zu ſtehen/ welcher Ort allen Tuͤrckiſchen Landſchafften meridional iſt. In der Mauer/ ſo gegen dem Mittag über ſteht/ iſt ein auß gehoͤlter Raum/ den ſie Mihrab heiſſen/ wohin ſich ihr Iman ſetzt/ der ihr Geiſtlicher iſt/ und alda zu gewohnlichen Stunden das Gebaͤtt verꝛichtet. Wobey ſich dann der Kayſer ſampt den 40. Pagen der Hazoda ſelbſt einfindt/ und an ein Fenſter/ ſo in einer kleinen Kammer/ gegen dem Geiſtlichen über ſtellt. Zu beyden Seiten der Prieſters⸗ſtelle ſteht eine Galerie auff fuͤnff Pfeilern/ deren etliche von grunem Marmor/ die andere von Porphyr ſind. Man geht aber in der Kirche und im Gemach/ wo ſich der Kayſer hinverfügt zu batten/ als auch auff beyden Galerien/ auff nichts als köͤſtlichen Teppichen. Von Gemalden aber ſiht man da gantz nichts und beſteht die Zierd der Wande bloß in dem ſchoͤnen weiſſen Marmor/ damit ſie guffgefuͤhrt ſind. Hingegen findet man viel Schrifften mit groſſen Arabiſchen Lettern/ die in Rahmen eingefaſſet und an verſchiedene Herter auffgehaͤngt werden/ und ſind nichts anders als Sprüche auß dem Alcoran oder dem Geſetz des Mahomets. Marmel bekleidt ſind/ ſo geht doch ein ſchoͤnes Das Fenſter/ davor ſich der Kaͤyſer ſtellt/ wann er battet/ iſt ſechs Schuh breit und drey hoch/ mit einem Gitter und Fuͤrhang verwahrt/ wie etwa unſere Chriſtliche Potentaten in ihren Schloß⸗Kirchen haben moͤgen. Gegen gedachtem Stand des Prieſters iſt auch noch ein ſolches Fenſter und eine Cammer vor die Sultaninen, wonn nun der Muezim/ der dem Iman an der Seite ſteht/ und gleichſam ſein Meßner oder Sigriſt iſt/ hort/ daß ſie die Vorhaͤnge rühren/ ſo gibt er mit einem kleinen Klocklein das Zeichen/ daß der Kayſer und die Sultaninnen ankommem ſeyn. f Alsdanm fangt der Muezim dieſe zwey Wort an zuſingen: Allahu Exber, das heiſt/ Gott iſt groß; und widerholt ſie viermahlz nach dem er nun uͤber diß etliche Wort noch heimlich darzu geredt hat/ ſingt der Iman folgende: Ethamdu lillahi Rabbil alemiin, das iſt/ Gnade komt von Gott: der Her? iſt über alles. Mit ſolchem Gebatt fahrt er nun eine weil fort/ und fallt dabey vielmahl auff die Erde/ wie dann alle die gegenwaͤrtig ſind/ es ingleichen thun. Mitten in der Kirche iſt ein groſſer eiſerner Cirkel/ an welchem rings herum ſehr viel Lampen von Venetianiſchem Criſtall hangen/ wie dan deren in den beyden Gaͤngen der Lange nach viel zu finden/ weil ihnen nicht erlaubt iſt/ in ihren Kirchen Gold oder Silber zu haben. Dieſe Lampen werden nur zum Nacht⸗gebaͤtt angezündet/ und wann alſo das Feur auff daß Cryſtall faͤllt/ ſt es dem Geſicht ſehr annehmlichDie Stube des Sarai Agaſi, der einer von den vier vornehmſten Verſchnittenen iſt/ ſtoſſt an dieſe Kirche/ und iſt ſelbige unter allen Gemächern der Bedienten im Serrail das kleinſte/ maſſen er kaum ein wenig mehr Raum darinnen hat/ als er zu ſeiner Lagerſtatt braucht; er wird von zwey Pagen der Cuchux Oda oder der kleinen Claſſe bedient. a i An die Thür der Hazoda ſtößt ein Saal von weiſſem und ſchwartzem Marmor gepflaſtert/ in der Mitte deſſelben ſteht in Becken von eben ſolcher Materi/ aber von andern vielfaltigen Farben/ darauß ein Springwaſſer vier oder fuͤnff Schuh hoch ſpringt/ dieſes Waſſer wird in einem andern Becken aufgefangen/ das in Form einer Muſchel gemacht/ von welchem es ferner in das dritte fallt/ welches etwas groͤſſer als die vorigen. Der obere Theil des Saals iſt in halber Runde gebaut/ hat auch etliche Fenſter/ dadurch das Liecht hineinfallen kan/ der gantze Saal iſt mit mehr nicht/ als einem ſchlechten Gemald/ geziert. Beym Eintritt dieſes Sgals ſiht man zwey Thuͤren/ eine zur Rechten/ und eine zur Lincken: Die zur lincken geht nach dem Blumen⸗Garten/ die andere aber fuhrt zu einer Stube darinn ſich der Kayſer des Winters zuweilen pflegt guffzuhalten. 5 Dieſes Gemach iſt eines von den ſchoͤnſten praͤchlilim Serrail. Das Gewolb oben/ ſind kleine Ge⸗ Wine; woͤlbungen/ die ſich in einander ziehen/ jegliche Stube in einen Triangel/ und ſind mit zwey guldenen Strichen/ und in der Mitten einem grünen unterſchieden. Von jedem Winckel der Triangular Gewolbungen geht eine vollkommen ſchon verguͤldte Lampen herunter. 5 Wiewol die Wande mit ſchoͤnem weiſſen kunſtliches Schnitzwerck ſo hoch/ als der Guͤrtel getragen wird/ umb und umb/ und die koſtbare Tapeten/ auff denen man gehet/ bedecken das groſſe Marmorſteinerne Pflaſter/ von verſchiedenen Farben/ damit der Boden außgeziert iſt. In gleichem ſiht man allda auch viel Küſſen an der Wand die Reye hinunter/ deren einige mit Perlen und Edelgeſteinen nur zum Schau und Pracht da ligen/ andere aber/ deren man ſich bedient/ ſind mit Gold und Silber geſtickt/ oder von andern koſtbaren Zeugen gemacht. In einem Eck des gemachs 1 Beth/ zwey Staffeln hoch von geſtickten Zeug/ ſo wohl die Decke/ als Küſſen und Malratzen; dieſes Geſtickte beſteht nun in lauter Perlen/ Rubinen und Schmaragden. Wann aber der Kayſer das Gemach beziehet/ ſo thut man die Decke ſammt den Küſſen hinweg/ maſſen ſie mehr zum Zieraht als zur Bequemlichkeit dienen/ und werden ſo dann andere von Safe oder Atlas hingelegt/ worauff der Sultan bequemer ruhen kan. Beh ht ein klein Feld0 bot Geheimes 5 b. bomete. N b er fa er aub ur. N en d a 0 a8 0 Bey dem untern Theil dieſes Beths/ iſt eine Hohle in die Wand gemacht/ allwo ein kleines Kaſtlein von Ebenholtz ſtehet/ ſo einen halben Schuh ins geviert groß iſt/ und ligt in demſelben Mahomets Inſſegel verwahrt. Es iſt diees Siegel in Eiyſtall eingefaſſt/ und mit Elffenbein umbgeben/ daß das gantze Siegel etwa vier Daumen lang und drey breit iſt. Ich habs auff einem Papier abgeriſſen geſehen; der mirs aber wieſe/ wolte mir niemals erlauben mit der Hand daran zu kommen/ weil ers vor ein gar groſſes Heiligthumb hielte. Man ſaubert dieſes Zimmer alle drey Monat einmal auß/ und wechſelk die Teppiche/ welches dann die Pagen in der Schatzkammer thun muſſen. Alsdann oͤffnet der Chaſnadarbachi nimmt mit einem geſtickten koſtbaren Tuch/ das er in der Hand hat/ das Inſſegel mit groſſer Ehrerbietung herauß/ da unterdeſſen der aͤltſte von dieſen Pagen eine guldene Schale/ ſo mit Demanten und blau Saphier verſetzt iſt/ in der Hand hat/ auff welchem eine Art von einem Rauchfaß ſteht/ auß dem ein von den beſten Specereyen zugerichteter Rauch auffſteiget/ davon das gantze Gemach wohlriechend gemacht wird. Der Page halt dieſe Schale anfangs nur auff beyden zuſammen gerhanen Handen/ hernach hebt er ſie in die hohe über den Kopffund fallen alle die dabeyſtehende zu gleich nieder/ e ihre veneration dadurch an Tag zugeben. Sobald ſie ſich wieder guffgerichtet haben/ laſſt der Page ſein Rauchfaß bis unter das Kinn hermieder/ indem nun der Groß⸗Schatzmeiſter das Inſiegel drüber halt kommen alle Anwesenden hinzu/ und kiiſſen das Eryſtall in welchem eines der vornehmſten reliquien ſteckt/ die ſie von ihrem Propheten haben. Ich hab bey meinen zwey Schaß⸗Bedienten/ die ſolch Cryſtall offt gekuſſt hatten/ wich zwar alles Fleiſſes bemüht zu erfahren/ ob ſie nicht gemerckt hatten woraus ſolch Inſtegel gemacht, und was vor Schrifft drauf ware; Sie haben mir aber eee 5 i ckt/ zurück/ ohngerechnet was ſie denen ſehencken daß der Rauch und das Eryſtall/ ſo es bede in ſo kurtzer Zeit/ ſo ſie haben ſolches in wahrendem füͤſſen anzuſehen/ nicht zugelaſſen/ daß man von der Mater i/ darauß es beſteht/ oder von 5 eingegrabenen Schrifft etwas urtheilen Den 14. Tag des Ramazan oder der TuͤrKkiſchen Faſten kommt der Kayſer ſelbſt in diee Stuben allein von 8 Aga begleitet/ hebt das Cryſtall davon und ubergiebt ihms/ daß ers auff 50. Stücklein Pe ier drucken ſolle, die nicht viel gröſſer ſind als das Siegel ſelbſt. Er gebraucht ſich hierzu einer Dinten von Gummi die man in einer Porcklanen Schalen zubereitet worein er mit dem Finger kunckt und das Inſtegel damit beſchmieret/ diede Papierlein werden hernach aufgehoben und au gebraucht/ wozu ſie von dem Kayſer beimat ſind/ wie wir hald ſehen werden. Chen in dieser Kammer/ haächſt dem Ort wo s Siegel ſtehet/ iſt noch ein andere Kuſte mitkelmalſiger Groſſe/ mit einem Teppich von grünem Sammet an welchem guͤlden und ſilber ne Franſen/ und wird in demſelben die Hirxa des Mabometsauffbehalten. Diß it en Rock mit groſſen weiten Ermeln von weiſſem Camelot auß des Groß Türken. achi das Kaſtlein/ und 1 Hiegen⸗ Haaren gemacht/ dieſen halten die Turcken ebenmaſſig vor gar ein ſonderlich Heiligthumb. Der Kayſer nimmt ihn ſelbſt auß dem Kaſten herauß/ küſſt ihn mit grofſer Ehrerbietung/ und uͤbergibt ihn dem Ca bi Aga, h elcher auff ſeinen Befehl hinein kommt nachdem er das Siegel aufgedruckt hal. Dieſer laſſt hierauf durch den Groß⸗Schatzmeiſter und die alteſten Pagen einen groſſen guldenen Kübel herbringen darein etwa ein halber Eymer oder Saum Pariſer Maß geht/ wie man mir es vorgebildet hat/ der auch außwendig an vielen Orken mit Schmaragden und Turfiſſen beſeßzt it. Den füllt man nun bis auff E. Finger breit volf 121015 an/ und nimmt der Kapi Aga hierauff des Mahotmets Rock/ tunckt ihn hinein/ ieht ihn wieder herauß/ und ringet ihn zuſammen/ damit das Waſſer alles wohl wieder herauß gehe und in den Kübel falle/ dabey er ſich dann ſehr wohl in acht nimmt/ daß ja kein Tropffen auff die Erde komme. Wann diß geſchehen/ ſo füllt er mit ſolchem Waſſer eine groſſe quantitat Flaſchen von Venetianiſchem Eryſtall an/ n die ohngefehr ein halb Srier geht/ vermacht ſie wohl/ und druckt ſo dann das Kayſerliche Siegel drauf. Man laͤſſt den Rock bis auff den 20. des Monats Ramazan trocknen/ nach ſolcher Zeit komt der Kayſer und ſchlieſſt ihn ſelbſt wiederumb Den folgenden Tag nach dieſer Ceremonie/ Lach welcher der F. Tag ihrer groſſen Faſten iſt/ e hickt ute der Kayſer denen vornehmſten Sultaninen, wie und anſehnlichſten Zalehen im Reich/ jedem einen Abtruck vom Siegel in einer kleinen Rolle die mit Seiden wohl verwahrt und verperſchirt votion. auch denen groſſen Herzen in Conſtantinopel iſt; ingleichem auch ein Flaſchlein mit Waſſer/ welches man dann vor eine ſonderlich groſſe Gunſt und Gnad halt. Aber es kommt dieſer davor die gar theur an/ die ihn empfangen: und ſchicken ſie vor ein Sucklein Papier und Flaſchlein mit Waſſer dem Kayſer treflliche Preſent muͤſſen/ die von des Kayſers wegen ſolche Verehrungen überbringen. Der Ka pi Aga hat die Macht/ ſolches Waſſers ſo viel zu machen/ als man benohtigt iſt/ und nachdem es dem Kayſer beliebt, wiel weg zuſchencken; Er thut nur inmer wiederumb in den guldenen Kübel hinein ſo viel als er herauß genommen/ ſo halten ſie es ſo gut nach wie zuvor/ wann es nur mit dem vermengt iſt/ worin des Mahomets Nock getunckt worden. Dann er von ſolchem Waſſer vielen etwas zuſchickt denen er den Abtrück vom Siegel nicht imitſchickt/ und bekommt er ſo dann ſeinen part von allem/ was den Uberbringern des Preſents gegeben worden. Doch daffer mitoiſchung des Waſſers langer nicht fort fahren/ als bis auff den 17 des Monats Ramazan; dann es wurde das Waſſer/ ſo man hernach darzu thut/ ihrer Einbildung nach die 5010 Sagt manner haben. So bald ihnen ſoſch Preſent überliefert wird/ nehmen ſie das Papier/ worauff Mahomets Siegel gedruckt iſt/ kunckens zuvor ein wenig ins Waſſer/ das im Flaſchlein iſt, trincken ſo dann gantz andächtig Papier und Waſſer mit einander hinunter. Hiebey iſt merckwurdig/ daß ſich niemand h a 0 erliche 1 das Papier auff zumachen; ſondern ſie ſchlucken cher cereme abe biegen. es unauffgewicklet hinunter/ weil ihnen nicht er⸗ Zwiſchen dem Gemach dar fen die rekiquen 5 darinnen die 40. Palaubt iſt/ den Abtruck des. ſehen; die aber/ ſo nur das Glaßlein mit Waſ⸗ g ſer bekommenlaſſen ihre Iman holen/ die gleichſam ihre Pfafſen ſind/ die muͤſſen ihnen dan folgende Worte gußfſchreiben: Ta Illahe Illa, Allahul, vahidul gebar, das iſt: Es iſt kein anderer Gott/ als der/ welcher die Laſter ſtrafft: Etliche laſſen auch dieſe Worte ſchreiben. ſahe Ila, Allahul meliquid vehhab: welches ſo viel heißt; Es iſt kein andrer Gott/ als der Ea I eintige Gott/ der ein Freygebiger Kayſer und Vergeber der B erbrechen iſt. Wann nun der Zettel geſchrieben ſo thun ſie ihn ins Waſſer/ das in dem Flaſchlein iſt/ und ſchlucken es ſo dann hinunter/ davor haltend/ daß dieſe Worte eben die Krafft haben/ als das Papier/ darau das Siegel gedruckt iſt. 5 ſehr plumper kurtzer Gemach iſt auch zu ſchen ein In eben dieſem Degen/ der an der Mauer hangt/ nicht weit von dem Ort/ wo des Propheten Siegel und Rock ſtehen. Die Scheide iſt von grunem Tuch/ und halt man davor daß es Omers Sch werd iſt/ der einer von den vier Geſellen des Mahomers gerweſen/ und nach 5 1 ihm regiert hat/ ob wohl ſte war und Mahomet ſeine Tochter habt. Ebu Bequer der ält8 ö zur Eh geDie Araber geben den Ebu Bequer vor einen Juden aus/ welcher zu ſelbiger Zeit einer der gelehrtſten geweſen ſey/ und/ nachdem er das Moſaiſche Geſetz Schulen gelehrt habe/ nach auffgegeben/ zu Mecca in der dieſem ſey er uber die Arbeit gerahten und habe den Alcoran guten Theils verfertigt. Bey dieſem Degen hängt noch ein anderer langer Degen/ den ſie auch ſonderlich verehren/ weil ſte davor halten er habe einem mit Nainen ge in Stücken zerhauen/ 2 a Gunelächerlache Secke. muß man ſich bey ihnen Ebu-Nislum, zugehoͤrt/ mit welchem er diejenimetiſche Geſetz einige Ketzereyen untergemengt. Er kam erſt 400. Jahr nach Mahomets Tod auff/ und verſtoͤrte doch die Secte gantz und gar/ die gantzer zwey hundert Jahr den rechten Mahometanern zuſchaffen gemacht/ und ihnen guch m viel und manche Schlachten abgewonnen hatte. Sie hatte ſonderlich unter Muharriguu ſich maͤchlig hervor gethan/ und hab ich noch einigen Reſt von derſelben in dem Gebirge Churdliſtan, welches das alte Chaldæa iſt/geſehen. Dieſes Volck iſt über die maſſen aberglaubiſch/ doch a wohl hüten/ daß man nicht etwa einen ſchwartzen Hund ſchlagt/ oder einen Knoblauch mit dem Meſſer zerſchneidt den ſie/ wann ſie ihn eſſen wollen zwiſchen zwey Steinen zerknirſchen. Die Urſach dieſer groſſen Undas 12. oder 6. ſienemlich Mittel und Gelegenheit bekomen konMollah zu finden/ und jhme weit ge⸗ ſi freundten die wiſſenheit iſt/ daß kein Menſch bey und um ſie hab g lehrte/ und reiſet man in ihrem Land wol fünff biß ſechs tage/ ehe man einmahl einen NMollah oder eine NMoſquse antrift. mutat keine Koͤſten/ damit es nur iſt/ welcher ſie etwas Daher kommts auch daß die meiſte unter ihnen unbeſchnitten ſind die es aber ſind/ haben biß in Jahr darauf warten müſſen/ biß nen/ einen 1 t nug nachzugehen/ und von den Elteren und Be. Beſchreibung des Serralls heiligen Siegels zu⸗ ſind/ und dem Zimmer/ geredt habe/ ſch aufhalten fallen einem drey ſehr ſchoͤne Thüren von ſich en mittelſte in das Käyſerliche Zimmer führk. Die heyde andere gehen in N kodar Aga und Riquabdar Aga und ſind dieſe Loſamenter ſehr dunckel/ maſſen ſie an einem ſolchen Ort gebaut ſind/ da man ihnen nicht wohl viel Liecht geben kan/ und in ter Muh kaum ein Fenſter nen. Stu verſehen; man geht darinn nur auff ſeidenen Teppichen/ ſo mangelts auch an geſtickten und beſetzten Küſſen nicht/ und geben die an denen von Marmor auffgeführten gleicher Entfernung gantz men⸗Kruͤge den Augen alle erſinnliche Vergnugung dar/ zumahl/ weil man an denſelben das mit Gold vermiſchte Himmelblau ſo kunſtlich angebracht ſihet. e. bey einem ziemlich groſſen Saal/ und kom̃t die inwendige Schoͤnheit des Zimmers mit der euſſerlichen e ˖ von vielfältigem den iſt bloß mit groſſen wüllenen Teppichen uberaber weit höher gehalten werden als Seiden. Umb und um in dem Saal ſihet man auff fünf ſchuh breit ſeidene Decken außgebreit an wveldie unter das Mahoiſt ihre Unwiſſenheit noch groͤſſer/ und Unkosten zu erhalten/ welche zu ſolceremoni ſie zu begleiten pfegen. en/ von welchen ich zu Anfang dieſes Capitels e ins Geſicht/ deren Porphyr die Loſamenter des Cho. jedweders mit hara hat beybringen konEn ubrigen ſind ſie mit allen zugehorigen f zen nach der daſelbſt üblichen Lands Art“ Wanden in ſchoͤner und flach gemahlte BluSo fangt ſich nun des Käyſerg Gemach an gar anmuhtig uberein. Es iſt ſolches Marmor auffgeführt; der Bofleidet/ welche auß Perſien komtnen/ bey ihnen chen der Grund weiß und darein geſtickt iſt/ uber ſolchen Decken ligen ſehr koſtbare Küſſen 4. Schuh lang/ und zwey biß drey breit. In dieſem Saal ſind zwo Thüͤren/ deren eine Faber nach dem Gemach der Pagen die anderenach de⸗ Varese nen Zimmeren der Sulraninen gehet/ und komt ee. man durch dieſe letztere in einen Blumen⸗Gar⸗ten/ in deſſen mittelſtem Theil ein Marmorſteinernes Becken iſt ſampt ſeinem Springbrunnen. Von dem einen End des Gartens kot an zum Re van · Kuſchxi, das iſt zu einer Haug Es iſt aber dieſer mer/ die auff Pfeilern ſteht. Belveder ein groſſes Cabinet, ſo des luſtigen pro ſpects wegen hieher gebaut iſt/ und zwar von Sultan Amurat, der es nach ſeiner Zurückkunft auß Perſien auffuͤhren ließ/ nachdem er zuvor dem Scha- Sephi die Statt Babylon eingeno m men/ Tauris verderbet/ und Frivan durch Verraͤhterey bezwungen hatte. Ich wil bald alich anführen/ wie der Verzaͤhter ſeinen verdienten Lohn davor bekommen/ die gautze Hiſtori aber ſolches meineidigen Verfahrens wilich hiemit bis auff die Relationes meiner Reiſen verſchoben gaben. a N 3 Dieſes Cabinet iſt an einem erhabenen Ort/ auff einem gahen Felſen gebaut/ und ſparte K. ſchoͤn genung werden mochte. 2 555 Es beſteht aber ſolches Gebau in einem ſchenen Gewolb/ die Mauren/ ſo nur ſo hoch auff, geführt ſind/ daß man ſich darauff lehnen kan/ ſind alle von weiſſem Marmor mit etlichen rabiſchen Reymen/ die mit guldenen Buchſtaben eingegraben. Es iſt aller Orten offen/ edo“ e verhien“ kam Han Wau Portreff Des Groß. Turcken. verhindern die Gitter/ ſo herumb gefüͤhret ſind/ daß man darinnen von auſſen her nicht geſehen wird/ denen die drinnen ſind bleibt hingegen das ſchoͤnſte Auſſehen von der Welt frey und ungehindert offen. Man hat alda gantz Galata und Pera im Geſicht/ wie auch das gantze annehmliche Stück Lands von Aſten umb Scudaret und Calcedonien; nicht minder kan man allda die Augen weiden an dem Hafen zu Conſtantinopel/ der der ſchoͤnſten einer in Europa/ nebenſt dem Canal des ſehwartzen Meers/ welches ſich an der Spitze des Serail mit den Waſſern des Mittel⸗Meers vereinbaret/ allwo ſich dann in der Mitte gleichſam ein weiſſer Strich zeigt/ dadurch die Natur ſcheint die Gräntzen Europa und Aſia anzuzeigen. An dieſem ſo anmühtigen Ort ſuchte Amurat mehrmahls ſeinen Zeitverer Wein edo. rey. treib nebenſt demdouverneur in Erivan, der ihn gelehrt hatte Wein trincken/ wozu er ſich dann ſo leichte gewohnt/ daß er bis weilen drey gantzer Tage im Sauffen zugebracht. 5 Er tranck keinen andern Wein als den von der Inſul Tenedo, welcher der vortrefflichſte iſt unter allen/ die auff den Inſeln des Archipelagi wachſen/ und am wenigſten Dunſte in ſich hat/ und wurde in ſolcher Kunſt gar bald ſo geſchickt als ſein Lehrmeiſter. Dieſer Perſtaniſche Stathalter war dem Sauffen ſehr ergeben; ehe er zum Verꝛähter wurde/ und dem Amurat den Ort überliefert hatte/ begab ſichs/ daß/ als ich ein mahl durch Erivan reiſete auff meiner Perſiſchen Reiſen einer/ er mich bate/ ich möchte ein Tag oder vierzehen bey ihm verbleiben; da muſte ich ihm zu Gefallen gantze Naͤchte mit ihm trinken/ den Tag uber ſah ich ihn nieht/ weil er denſelben ſonder Zweifel mit Schlaffen und Abwartung ſeiner Geſchaͤfften zubrachte. i 5 bleiben aber doch endlich boͤſe Thaten nicht ungeſtrafft; maſſen/ als Scha- Sephi Koͤnig in Perſten durchauß keinen Friedens Vertrag annehmen/ auch dem Tuͤrckiſchen Geſandten keine audienz gehen wolte/(wie er dann eben damals von Ilpaham unverꝛichteter Sachen wieder zuruck muſte/ als ich da war) wo ihm nicht Amurath vor allen Dingen den Verꝛaͤhter überſchicken wurde denſelbigen abzuſtraffen/ geſchah es/ daß/ als ſie eben in dem Belveder beym Schmauß beyſammen waren/ ihn der Käyſer ohn eintzige zur rechten in einen Gang/ der ungefehr 0. Schritt in die Lange ſich erſtreckt und 12. breit iſt/ mit ſchwartz und weiſſem Marmor gepflaſtert. Er endigt ſich endlich bey einem groſſen Gebäude/ das guß nichts ais Marmor beſteht/ und komt einem alda eine Thur zu geſicht von mittelmasſiger Groſſe/ ſo oben her etwas gewolbt iſt. Beydes Thur und Gewoͤlh ſind mit erhabenem Blumwerck geziert/ zwiſchen den Blumen findet man in Marmor allerhand eingehauene Sachen/ alles zierlich verguldt. Wañ man von dieſer Thuͤr fuͤnff oder ſechs Schritte abgeht/ kommt man auff eine andere/ die jener an Schoͤnheit nichts nachgibt/ und eben die Thur zur Schlaff kammer des Käyſers iſt. Inwendig iſt ſie gewoͤlbt auff eben die Art/ wie die Kayſerliche Winterſtuben/ die ich zu Anfang dieſes Capitels entworffen hab. Der Unkerſcheid beſteht bloß in dem/ was auß den inckeln der untereinander gehenden kleinen Gewoͤlben hervorhangt; dann an ſtatt/ daß in jenem Gemach eine Gattung verguͤldter Lampen ſich befinden/ ſind in dieſem groſſe Cryſtallene Kugeln zuſehen auff eine Art wie Felſen gemahlt/ mit einigen Kleinodien außgemacht von unterſchiedlichen Farben/ deren reiche und praͤchtige Vermiſchung ſehr ſchoͤn herauß kommt. Der Boden iſt mit Teppichen belegt/ die an Schoͤnheit aller andern Zimmern ihre uͤbertreffen; ſolche Bewandtnuß hat es auch mit denen Matratzen/ Decken und Kuͤſſen; maſſen der meiſte Theil ſolches zeugs mit Perlen geſtickt iſt/ und die gantze Kammer/ welche zimlich groß iſt/ allenthalben verſchiedene Außſtaffierung und Zieraht von ſich zeigt. Gleich wie dieſes die Sommer⸗Kammer iſt; alſo iſt ſie auff drey Seiten durchbrochen und mit Fenſtern verſehen/ welche ſie ſehr liecht und heiter machen. Die Schlaff⸗ ſtaͤtte des Kayſers betreffend/ ſo folgt er der Lands⸗gewonheit nach/ oder vielmehr derjenigen/ die durch gantz Orient im Gebrauch iſt. Man macht da keine Bettlade von Holtz/ wie bey uns/ ſondern des Abends breiten die Pagen drey Matratzen uber einander an ein Eck der Kammer/ und ſpannen ein koͤſtlich Gezelt von guldenem Stück nit erWett. Perlen⸗Arbeit reichlich beſetzt über das E 0 N 8 5 Zur rechten Hand wann man in dieſe Kam⸗ Der Tur. mer geht/ ſteht ein Schranck in der Mauer/ cken tiefe darinn der Bajarae, das iſt/ die Fahne des Ma⸗ ehrerbiehomers verwahrt ligt/ darüber folgende Worte die 3 118 zur Überſchrifft ſtehen; Naſrum min Allah, zu des Maße Teutſch/ die Hülff iſt bey Gott. Dieſe Fahne mets. wurde vor dieſem bey den Turcken ſo hoch gehalten/ daß wann ſich eine Empörung erhube entweder in Conſtantinopel oder bey der Armee im Felde, kein beſſer und fertiger Mittel ſie zu ſtillen war⸗ als daß man den Auffrühriſchen dieſe Fahn zeigte/ wodurch ſich dann die Turckiſche Kayſer offt auß groſſer Gefahr erꝛettet die durch ſolche auffrühriſche ihnen zugerichtet war. Es ordnet der Kayſer ſo dann Mollah oder Pfaffen ab/ daß ſie auff Türckiſche Sprach denen erſten Truppen zuruffen muſſen: Dieſes weitere formalitdten erwüͤrgen ließ. 80 Amurat ließ auch je zuweilen an dieſen anallen si- nehmlichen Luſt⸗Ort die vornehmſten Saltanirin. nen kommen/ als nehmlich ſeine Mutter/ Schweſtern/ und die er unter den andern am meiſten liebte. Am oͤffteſten aber kan er da mit einer Sirilianerin zuſammen/ die er ſonderlich lieb hatte/ welche auch wegen ihrer treflichen Schönheit und ſanffmühtigemn Geiſt alles von ihm erhielte/ was ſie wolte. Sie wurde auff dem Meer von den Barbariſchen Corlaren gefangen/ als ſie eben nach Spanien ſolte gebracht/ und allda einem der vornehmſten Herꝛen vermahlt werden/ wurde hernach vom Balcha zu Algeir dem Käyſer zu einem Preſent uͤberſchickt/ der ſich dann in ſie verliebte/ und ſie in ſo groſſes Glůck ſetzte/ als eine im Serrail Gefangene immermehr hoffen Seu, kan. iſt des Propheten Standart: alle die ihm treu Aaunerde Von der Thur des Saals/ durch welche und gehorſam ſind/ ſollen ſich unter dieſe Fahne pers. man in den Blumen-Garten kommt/ geht man einfinden/ wer ſich entziehen wird/ der ſoll als ein i H abtrin 5 2 abtrunniger des Tods ſeyn. Es haben aber die Turcken von etlichen Jahren her an dieſer ihrer Veneration ſeht nachgelaſſen/ maſſen ſie nicht viel mehr davon halten/ und kehrte Haſſan. Baſcha, der im Jahr 1658. dem Käyſer ſo viel zuſchaffen machte/ ſampt ſeinem Anhang/ dieſer Fahne des Mahomets den Ruͤcken/ und führte ſein Vorhaben ungeacht deſſen immer Von dem Kaͤyſerlichen Gemach kommt man auff einen groſſen Saal/ wohin ſich die Pagen/ ſo ihn bedienen/ verfügen/ ſo dann folgt ein Bad/ Was auff die Kaͤyſerlichen Gemaͤcher folgt. * 5 Von denen Beſch Das XV F Beſchreibung des Serrails welches durch drey Haͤhne voll wird/ wo ſie ſicheh ſie zum Gebaͤtt gehen/ waschen. Auß eben dieſem Saal kan man uber etliche Staffeln zu einem Cabinet komen/ welches zwar von Holtz ober ſchoͤn außgemacht undwohl verguldt iſt; dis Treppe iſt ſterig mit einem rohten Tuch belegt das Cabinet iſt allenthalben offen/ und hat ſchoͤne Fenſter/ die an ſtatt des Glaß mit dem hellen Stein Tale genennet/ außgemacht ſind. Man kan ſich guß ſolchem Ort faſt eben ſo ſchoͤn umbſehen als auß dem Belveder des Käyſers . Amurxats. a N a eee r: r z n rck I. Capitel. aͤfftigungen des Kaͤyſers. Denen abſonderlichen Zuneigungen des jetzigen Kaͤyſers Maphomets des IV. und gegenwaͤrtigem Zuſtand . des Othomanniſchen Hauſes. 18 Inhalt. 88 5 ö je Orientaliſche Potentaten insgemein pflegen Luſt zu haben. Das Leben im Serrail iſt einem eintzigen zwar vergnuͤglich/ aber vielen verdrießlich. Wozu d eyferig an ihrem Geſetz. Beſtimmte Zeit Mahometaner halten feſt und 8 zum Gebaͤtt. Unzerſtoͤrliche Andacht bey demſelben. ſeine Zeit pflegt hinzubringen. Wie er ſich Wann der Sultan verbunden ſeye/ in dem Womit der Kaͤyſer bey der Tafel rractieren laſſt. Gepraͤng nach der Moſquse oder zur Kirche zugehen. Schlimme practiquen des Mufti ſeinen Beutel u ſpicken. Gegenwaͤrtige Be erhoͤ bung des Sultan Mahomets der fetzo regiert. ckiſchen Kaͤyſern ſich ſelbſt mit ih ö ſer macht/ wann er ſich an dem Mufti raͤchen wil. SS Je Othomanniſche Monar5 5— chen/ und ins gemein alle Aſche Mo. f N* ſiatiſche Regenten/ wie tapfaan N 0 ſie auch ſonſt geweſen/ ſo laben 0 aben ſie doch eine groſſe Neigung zur Wolluſt und uͤp5 pigen Leben gehabt/ und ſich an nichts mehr vergnügen koͤnnen/ als an der Faulentzerey. Sie kommen ſo ſelten als moͤglich iſt auß ihrem Serrail, und bloß ſo dann/ wa ſie auß unumbganglicher Noth gezwungen werden/ ſich offentlich ſehen zu laſſen/ es ſey nun/ daß ſie ihre Armeen ſelbſt ins Feld fuhren/ oder ſich ſonſt bey offentlichen ſolennitaͤten zeigen/ wozu ſie vermoͤg des Geſetzes oder auß Wohlanſtandigkeit verbunden ſind. Zwar es iſt nicht ohn/ daß einer vor dem andern ſich mehr ſehen laſſt/ und haben manche die Jagt⸗luſt und das Belieben zum Krieg dem Zeit⸗ vertrieb mit dem Frauenzimmer vorgezogen; aber es finden ſich deren nicht gar viel/ und pflegen vielmehr die meiſten/ damit ſie der Nuh deſto beſſer genieſſen und ein gantz ruhig Leben fuhren mogen/ alle . Kriegs umd Regierungs⸗ſor en einem vornehmſten Miniſter guffzuladen/ ſich mit dem begnugend/ was gedachter Miniſter ihnen etwa of. ſenbaren mag. e Man kan wohl ſagen/ daß das setrail iuſchaffenheit zu rechten Unmenſchen gemacht hat. ſchafften nicht die geringſte Nachricht haben/ ſo ſchaffenheit des Othomanniſchen Hauſes. Nie rte Sueceſſion Vatters und Sohns im Groß⸗Vizir-Ampt. BeſchreiAlte Gewohnheit der Tuͤrrer Hand zu ernehren. Wie es der — 0 15 5 5 i wo e ben und abgemerckt/ ſo iſt es vor alle einſam und 15 unde abgeſoͤndert/ vor eine eintzige Perſon aber luſtig bm gleich ein amnuthiger und einſamer Ort iſt; auff die maſſe aber/ wie ich die Sache beſchriedarinnen zu wohnen. Unter allen ſo vielen tau⸗ 1 beat ö ſend Menſchen/ die da alß in einem Gefängnuß den ben ſind/ und deren immer einer uͤber den andern es dabgee herꝛſcht/ iſt allein der Kaͤyſer/ der das Frauen- hren zimmer zuſehen bekommt: denn die ſchwartze Seldruß Verſchnittene rechne ich nicht vor Menſchen/ die ihre abſcheuliche Geſtalt und Leibes BeWiewohl nun die Orbomanniſche Wionar⸗ Hie Mi chen und ins gemein alle Tuͤrcken ſehr vertiefft woe 4 ſind in die Wolluſte/ und von guten Weiſſen⸗ 1755 been . N N tren G. haben ſie doch gleichwol/ noch was loͤblichs an 15 ihnen/ daß ſie durch ſolch belieben und nachhaͤngen der Wolluſte/ dennoch ihren Kirchen⸗Dienſt nicht verabſaumen/ und ſind daher vor allen Dingen beffiſſen dasjenige abzuſtatten/ was dieſen falls das Geſatz von ihnen erfordert. Sie halten ſehr genau bey einem Punct/ wie man ſagt/ und in recht aberglaͤubiſcher ſcharffer Obſervang uber allem demjenigen/ was elwa ben ihnen vor Andacht gehalten wird und unterlaßſen nichts an ihrem Waſchen/ Batten/ Fasten Allmoſen und Wallfarten/ als in welchen 1 —ůůů*f2.3. 3—ů3ů——8.8—Ä—· iũꝗ]—J— 1 Des Groß⸗Türcken. cten der vornehmſte Theil Mahometaniſcher Religion beſteht. Es iſt faſt maͤnniglich bekant/ daß die Tuͤrcken des Tages funf mahl ihr GeWann u, bätt verzichten; welches dann zu verſtehen vom 0 fle natürlichen Dag/ der in 24. Stunden beſteht. dez Tages Sie haben ztwar keine beſtimmte Stund noch aten. Seit/ und verꝛichten ſie es nach dem die Sofie ihren horizont und Obertheil der Erden zu beleuchten anftingt. So/ daß ſolcher Geſtalt im Sommer das Gebatt ſo geſchwind nicht auff einander geſchicht als im Winter/ und gründen ſie ihre Andacht vornehmlich auf folgende Ordnung die ſie richtig in acht nehmen. Das erſte Gebatt muß bey anbrechendem Tag verꝛicht werden/ eh die Sonne noch auffgegangen; das andere zu Mittag; das dritte zwiſchen Mittag und der Soßen Untergang; daß vierte ſo bald ſie hinunter iſt; und endlich das letzte ein anderhalb ſtund in der Nacht; worin ſie dan/ es ſey dann daß es Kranckheit verwehrt/ niemahls außſetzen/ ſie bekommen auch vor Geſchaffte was ſie wollen. Es gibt ſo eiferige Batter unter ihnen/ deren Aberglauben es ſo weit kommen laſſt/ daß ſie unter dem Eifer des Gebaͤtts auch davon nicht ablieſſen/ wann ſie ſchon den Feind/ der in der Statt ware/ ſolten zuruck treiben/ oder ihr Hauß loͤſchen/ das ihnen uͤber dem Kopff brehtte. Sie wurdens auch vor eine groſſe Sunde halten/ daß ſie ihre Hand an den Leib brachten/ warenden Gebaͤtts ſich etwa zu kratzen; ſte wollen vielmehr/ es ſoll das außwendig am Menſchen dem inwendigen gleich kommen/ und ſich ſo tieff erniedrigen/ als es die Seele im Gebatt vor Gi 2 Hewoſnü. Der Käyſer wil ſo wenig von der Schuldig; de veruch, keit des Geharts frey ſeyn/ als der geringſte Un800 des kerthan/ und zeigt in dieſem Stück einen gin i 5 Ada groſſen es. Eifer/ fängt auch den Tag allzeit mit dem Gebaͤtt an. Darauß dann von felbſt folgt/ daß er bey anbrechendem Tag ſich auß dem Beth macht/ zuweilen geht er auch vorher ins Bad ſich zu waſchen/ abſonderlich/ wann er bey einer ſeiner Weibern geſchlaffen hat. Nach geſchehenem Gebaͤrt übet er ſich entweder im Bogen ſchieſſen/ oder meiſtentheils im Pferd tummeln; bisweilen ſtellt er ſich auch auff einen Gang/ wo er nicht kan geſehen werden/ und ſiht zu/ wie und worinnen ſich ſeine Pagen üben. Beſindt fie einer drunter der es ihm nach ſeinem Belieben macht/ ſo ſchickt er ihm ein Kleid oder etwas koſtbares/ ihn dadurch zu mehrerm anzureitzen/ bey ſeinen Geſellen aber eine æmulation und einen Nacheifer zuerwecken. An den Rahttagen verfügt er ſich durch einen verdeckten Gang an das Fenſter/ das auff den Sgal des Divans geht/ damit er erfahre/ was allda vorgeht/ und nach geendigtem Raht geht er wieder in ſein Loſament/ allwo man ihm zu eſſen bringt. uu Es iſt an ſeiner Tafel nichts onderlich niedben/ als die/ deren ich im Capitel von den Kuchen außfüͤhrſich gedacht. Im ubrigen/ ſo ißt er auff dem Boden mit übereinander gelegten FJuſſen/ hinter ihm ſind geſtiekte Kuſſen/ an die r ſich lehnt/ dieſe machen/ daß ihm die kalte Mauer nicht beſchwwerlich iſt/ und wird vorhin ein Karduan auff die Teppiche gebreit/ mit tvelehen der Boden bes erhabenen Orts im Gemach erfolgen. gel. pf, lichs/ und pffegt er keine andere Speiſen zu ha93 bedeckt iſt/ damit die Feite nicht etwa durchs Tiſchtuch ſchlagen und den Teppich verderben moͤge. Das Tiſch⸗oder Speißtuch/ ſo man auff den Carduan auſſgedeckt/ iſt von den ſchoͤnen gemahlten Tuͤchern/ die in Indien gemacht werden/ und iſt umb und umb geſtickt. Keine Salvete wird nicht hingelegt/ weil die Tuͤrcken ohne dem ſehr reinlich eſſen/ und ſo ſie des Abwiſchens zu weilen beduͤrfftig ſind/ ſo verꝛichten ſie es mit einem kleinen Schnuptuch. Sie eſſen nur mit der rechten Hand; und wird nach dem Eſſen in einen Becken warm Waſſer und Seiffen zum Abwaſchen gebracht/ da dann jeder ſein Schnuptuch auß dem Guntel zieht/ ſich abzutrocknen. Mon legt in der Tuͤrckey auch keine Meſſer und Gabeln auff den Tiſch/ jeder tragt ſein Meſſer in dem Gurtel/ ſich deſſen im fall zugebrauchen; man braucht es aber nicht viel/ denn weil ihr Brodt ſſach als ein Kuchen oder Scheiblein iſt/ und meiſtens friſch vom Ofen herkommt/ ſo brechen ſies mit den Fingern/ ſo wird auch daß dleiſch alles in kleine S tucklein zerſchnitten/ welches auch in Perſien der Gebrauch iſt. Über diß aber bedienen ſie ſich eines weit groͤſſern Loͤffels/ als hier zu Lande/ zur Suppe/ und anderm Brühwerck bey Tiſch. Die Pagen des EKilar oder der Kellerey tragen Brodt und die Sorbet auff/ die Kammer⸗Pagen aber nehmen das Fleiſch an des Kayſers Stuben von denen Küchen ⸗Bedienten/ die es in gedeckten Pufcelanen Schuſſeln bringen/ maſſen der Kayſer ſich keines guldenen Geſehirds bey Tiſch bedient. Nach eingenomener Mittags⸗mahlzeit verricht er ſein Mittags Gebat/ und ſo dann Sontags und Dienſtags/ welches die vornem̃ſte Rahtstag ſind/ begibt er ſich zuweilen in den audienꝛ Saal ſich mit ſeinen Stats-Miniſtern in den ReichsGeſchaͤfften zu unterꝛeden. Die übrigen Tage aber geht er in den Garten ſpatzieren/ entweder mit ſeinen Verſchnittenen/ oder nit denen Sul: taninen, oder auch wohl mit den Zwergen und Stummen/ die durch tauſenderley Affenwerck ihn zu beluſtigen ſuchen. Zuweilen geht er auch in ſolcher Zeit auff die Jagt/ oder begibt ſich nach der Fiſcherey/ wie es ihm einfallt. Gleis wohl aber vermögen ihn weder ſeine Ergoͤtzlichkeiten/ noch Geſehaffte ſemahls vorn Batten abzuhalten/ das er ſeine funfmahl alle Tage/ nach der im Alcoran heſtimmten Zeit/ ffeiſſig ablegt/ wie dan durchgehends alle Turcken in der Meynung ſtehen/ wer das Gebaͤtt nachlaſſig thue/ der ziehe ſich unfehlbar Goktes Zorn und Fluch uber den Hals/ und muſſe nohtwendig alles Ubel drauff Es iſt anderwerts von mir Erwehnung geſchehen/ daß der Freytag bey den Türcken dasjenige iſt/ was bey den Juden der Sambstag und bey den Chriſten der Sontag/ weil an dieem Tag pabomer auß Merce geſguffen ſt/ auch habe ich ſchon erinnert, daß die Türcken ihre Monat nur nach des Monds lauff und Veraͤnderung rechnen. So iſt nun der Kay ſer vermoͤg einer alten hergebrach ken Gewondeit verbunden/ alle erſte Freytag im Monat nach der neuen Molquèe oder Kirch zu gehen/ weil die SophienKirch gar zu nahe am Schloß iſt und daher nicht allein alle des Kayſers Leute nicht Raum Wann del Sultan iu Proteſſion nach der Kirche gehen muß hatten/ ſich recht gußzubreiten/ ſondern auch das 0 2 in Con 54% Beſchreibung des Serrails 8 ſer groſſe Geſetz⸗pfaffe ohne ſonderliche Bemuhin Conſtantinopel wohnende Volck dieſe Vermigung nicht haben wurde/ ihne zuſehen. Er pflegt von ſolchem Kirchgang nicht bald ſich abzuziehen; wann auch der erſte Freytag im Monat vorbey geht/ daß er ſich nicht ſehen laͤſſt/ geraͤht das Volck alſobald auff die Meynung er ſey kranck/ und die unruhige Koͤpffe fangen an auff Meuterey und Emporung ihre Gedancken zurichten. An dieſem Tag nehmen diejenige ihre Zeit in acht/ die ſich uber ein oder andere Unbillichkeit zu beklagen haben/ und warten ihm an dem Weg/ wo er vorbey muß/ mit einer Supplication in der Hand auff/ da dann der Kaͤyſer einem Verſchnittenen winckt ſie anzunehmen. Wann das erlittene Unrecht gar groß iſt/ und der Supplicant gar zu heftig untergedruckt iſt/ ſo halt er bey der Uberꝛeichung eine breñende Fackel auff dem Haupt/(welches dann bey dergleichen Begebenheit gemeiniglich geſchicht in der Tuͤrckey) dem Kaͤyſer hiedurch als ein Geheimnuß zuver ſtehen gebend/ wo er ihm nicht Recht verſchaffe/ ſo werde dermahlen eins in der anderen Welt ſeine Seele gleich dieſer Fackel bren. nen. 28 Wann der Kayſer außgeht/ ſo ſtehen die vor, nehmſten Sultaninen, als ſeine Mutter/ Gemahlin und Schweſtern/ uber der groſſen Pforte mit einem Sack vol alpre, die ſie unter das Volck werffen/ damit es batten moge/ daß das Gehst/ ſo der Kaͤyſer ietzt zuthun willens iſt/ erhoͤrt werde. Er ziehet in eben ſolcher Ordnung und mit gleichem Pracht/ wie vor dieſem die Griechiſchen Kayſer; weil ich auch nicht zweiffe/ es werden diejenige/ ſo insgemein von dem Tuͤrckiſchen Reich/ oder abſonderlich von der Stadt Conſtantinopel geſchrieben haben/ dieſes Geprang außfüuͤhrlich und nach der Lange beſchrieben haben/ als wil ich zu dieſem mahl mich der Muh üͤberheben/ bloß dieſes erwehnend/ daß es Uber die maſſen praͤchtig zugehe/ und nicht wohl ein Potentat auff der Wolt ſo viel Gold und Kleinodien auff einmahl zeigen und ſehen laſſen wird/ als ſich an Zeug/ Saͤtteln und andern Pferd⸗ruͤſtungen/ ſo wohl des Kayſers als der Baſchen, befindet. i Wann ſich der Kaͤyſer wieder auß der Kirch Schlimme begibt/ præſentirt ſich der Mufti vor ihm zu practiquen Mferd/ und hinter ihm ein groſſer Hauffe GrieFe de chiſcher Chriſten/ von dem aͤrgſten Lumpengeſind tel zu ſl.(dan von den Armeniern wenig drunter ſind) er cken. wartet ſeiner vor dem Thor des Serrail, und ſagt ihm daß dieſe Leute Unglaͤubige weren/ die nun den rechten Tüͤrckiſchen Glauben hatten angenommen/ bitte er alſo ſeine Majeſtaͤt ihnen mit Hülf bey zu ſpringen/ und Lebens⸗Mittel zuverſchaffen. Da dann auff ſolch ermahnen der Sultan 20. biß 30. Beutel/ bißweilen in die 20000. Thaler ihnen laßt reichen/ welches Geld aber dem Mufti in die Hande kommt/ daß er daſſelbige eigenem Gutbefinden nach ſolle außtheilen. Der dann allemahl den beſten Theil davon behalt! und mit vielen unter dieſen elenden Leuten in Verſtaͤndnuß ſteht/ die ſich deßwegen oͤffter als einmahl einſteilen/ da er ſich ſo dann ſtellt als hatte er ſie niemahl geſehen. Und durch ſolchen betrug/ der/ nach dem er grob genug iſt/ auch von einem rechen Meiſter/ des Ertzbetriegers Mahomet Nachfolger ver uͤbt wird; ſchiebt die* ung alle Jahr eine ſchoͤne Sum in den Beutel/ dadurch dann ſeine Einkunfften treflich ſteigen und hoch hinauß kommen. Aber er iſt ſo wenig als die Baſchen befreyt/ bißweilen den Hals herzu geben/ wie wir dann deſſen bald ein noch nicht altes Exempel vernehmen wollen. f Und diß iſt min ins gemein das Leben und Thun/ ſo die Othomanniſche Kaͤyſer/ ſo lang ſie im Serrail bleiben/ zu treiben pflegen: Bey der Armee und im Felde aber haben ſie andere Geſchaͤffte und Zeitvertreibungen/ zumahl diejenige die kriegeriſches humors ſind/ wie man deren einige gefunden/ von welchen die GeſchichtSchreiber genug Erzehlens machen. 5 Ich komm nun ſo fort auch auff gegenwaͤrGegend die abſonderliche Zuneigungen des jetzo im Regi⸗ and der ment ſtehenden Kayſers Mahomet des IV. die⸗Orkoman ſes Namens/ der ein Sohn Kaäyſer lbrahims und einer Circaſfanerin, welcher gebohren inn Jahr 1943. und nun ins 32. Jahr ſeiner Alters geht/ die Regierung aber nunmehr in das 2 ſte Jahr fuͤhrt. Er hat zwey Bruͤder/ Bajazet und Orchan, welche aber von einer andern Mutter ſind/ die noch lebt/ und vor Erhaltung derſelben eyfrigſt Sorge traͤgt. Er hat noch einen dritten Bruder Namens Soliman, der des Ibrahims anderer Sohn der Geburt nach iſt; deſſen Mutter aber nimmer im Leben/ daher auch die Solliſchen familie. 1 daten/ welche von dieſem Printzen beſſere Hoff; nung haben/ als von Bajazet und Orchan; ſeinen andern Bruͤdern/ mehr Mitleiden gegen ihm bezeugen und ihne deſto eiferiger lieben/ weil er die Stütze/ die er an ſeiner Mutter gehabt/ verlohren. Seit der Regierung Bajazets des II. welcher am erſten den grauſamen Gebrauch eingeführt/ ſeinen Thron durch das Blut ſeiner Brüdern zu befeſtigen/ ſind der ungluͤckſeligen Prinzen ſehr wenig geweſen/ die dem wuͤtendem Sebel ihres alteſten Bruders entrinnen koͤnnen; wann ja etwa ein und andere nicht ſo gar unmenſchlich gehalten worden/ ſo haben ſie doch ein hartes und verdrießliches Gefaͤngnuß nicht vermeyden koͤnnen/ wo ſie keinen Menſchen zu ſehen bekommen.% ee e, Auff ſolche Weiſe wurde Ibrahim, des Mahomets Vatter/ verwahrt da ſein Bruder Amurat noch regierte/ welcher von Achmet und Kioſem einer Frau von trefllicher Klugheit und Abiſenſchafft in den Reichsgeſchafften/ erzeugt worden. 5 So geht es auch heute zu Tag des Mahomets Bruͤdern/ und weißt die Mutter des Bajazet und Orchans dieſe in der groſſen Herꝛen bey Hof und der Janitſcharen Gunſt und Liebe durch ſonderliche Griffe zu erhalten/ denen der wunderliche und uͤber alle die Maſſen geitzige humor Mahomets nicht gefallen wil. Dieſer Herz beſtieg den Thron im Jahr 1648. nach ſeines Vatters Ibrahim Tod/ den die Janitſcharen in einer Empoͤrung erwuͤrgten. Und ſbeil er damals nur füͤuff Jahr alt war/ wurde der alten Käyſerin Kioſem der Mutter Ibrahim das Regiment uͤbergeben/ welche ihre Macht bald mißbraucht und wider den Mahomet ihr Kinds · kind eine gefaͤhrliche Empoͤrung anftiſſtete/ daruber ſie auch daß Leben verlohr. 1 tigen Zuſtand der Othomanniſchen familie/ und liger 5 erat 5 en Kaye qaͤln. 15 des Groß ⸗Tuͤrcken. Ungenei. Here/ der ſeinen Lüſten/ ſonderlich aber der Jagt klaren kreſſich nachhängt/ verläßt ſich darauf daß ein Wale Groß, Wieit Achmet die Regierung unterdeſſen Aud Sohns lich werde laſſen angelegen ſeyn/ weicher ſeinem oiede Vatter Caprogli ſuccedirt hat in diſer höͤchſten dabelan. Reichs⸗ Charge. Diß mag man bey den TuͤrAut cken wohl vor ein groſſes Wunder halten/ deßgleichen auch biß auf diſe ſtund nicht erhört wordur ber, den/ und wird auch vielleicht nicht mehr erhoͤrt bin ba, werde. Ich hab erwiesen/ wie ire Stats Re5 geln gerades Wegs dieſer Beſtellung zu wieAta der gehen/ und wann nicht das Reich mit groſſer und gantz abſonderlicher Pflicht/ dem Coßrogli verbunden geweſen waͤre/ der es auch Über diß dem Kaͤyſer mit Mannier wußte beyzubringen/ er hatte niemanden jemals ſich getraut/ die heimlichkeiten/ dazu er allein den Schluͤſſel und allen Gewalt hatte zu offenbahren als ſeinem Sohn; ſo were gewißlich Achmet; der ietzo nach dem Käyſer die vornehmſte Perſon im Türckiſchen Reich iſt/ mehr nicht als ein ſchlechter Bey oder Schiffs Capitan:: Der jetzige Kayſer Mahomet iſt zimlich fein e, von Geſtalt/ mittelmaͤſſiger Groͤſſe/ wiewohl er Sulf, nicht gar wohl bey Leib/ noch der geſündſten ei Nehme, ner iſt. Er hat ſehr groſſe Beſchwernuß von eidirk re nem Bruch/ den er auff der Jagt bekommen/ als Ahlen er vor etlichen Jahren mit ſeinela Pferd uber eierz. tien breiten Graben geſetzt; weil er aber dannoch in dieſer neigung zum Jagen/ dib ihn gantz eingenommen/ ſich nicht abdrechen kan/ ſo geſchichts/ wann er ſich in dieſer gewaltſamen Ubung nicht wohl in acht nim̃t/ daß man ihn oft in einem elenden Zuſtand vom Pferd nehmen müß/ zumal weil bie mittel ſo man vor den Schaden braucht/ keine Würckung haben konnen/ in dem er ſich ſo gar wenig ſchonet. Dem Gemüht nach iſt ei unbeſtaändiges und untuhiges Sinns/ welches dann denen groſſe Müh macht/ die ihn bedienen/ und wann man ſich auch moͤglichſt beffeißt/ eine Neigungen recht zu erlernen und ſich drein zu ſchicken/ ſo iſt doch ſehr ſchwer ihtn ein genügen zu leiſten. Er hat einen Sohn der mit groſſen Soleliteten in dem zu ſolcher handlung beſtimten Alter beſchnitten worden. Die Sultanin ſeitie Mutter/ welche eine praͤchtige Dame iſt/ ver ſchaffte/ ſolcher handlung vor den Augen der Tüͤrcken und anderer frembbden deſto mehr Anſehen zu machen/ daß der Rock den der junge Printz an ſolchem Tag trug/ gantz mit Diemanten überſetzt wurde/ zu welchem Ende dann auch viel koſtbare Stucke im Schatz von einander gethan/ aber nachgehends alle Steine wieder dahin gedacht wer,, Ich gedachte allererſt daß Sultan Mahomet ein hefftiger Aebhaber der Jagt iſt/ ſo gar/ daß er auch feiner Hunde Leben höher halt/ als der Menſthen; und daß er uber diß auch über die maſſen geitzig ſey. Beydes wil ich mit einem eingigen Exempel bekraͤfftigen/ wodurch man diefes Herzen Griffe deſto beſſer erkennen kan/ die er gebraucht/ ohne ſeine Unkoͤſten freygebig zu ſtyn. Wann er auff die Jagt wil/ ſo laßt er ſehr diel Volck von vier biß fuͤnff Meilen zuſammen beruffen in der Gegend wo er jagen wil/ die muͤſſen ſo dann einen groſfen Raum Lands umbgeden/ und es ſo wohl verwahren/ daß nichts kan herauß wiſchen. Nun kan aber ſolches Jagen andern abgehen as daf vin Feder de derbt/ und das arme Volck abgemattet werde/ welches ſeine ſonſt gewohnliche Arbeit muß ligen laſſen/ und alda eine weit beſchtwerlichere verꝛichten/ daruͤber es oft den Geiſt aufgibt.. Dieſe ſtetswehrende Unruh und groſſe Muͤhe/ verurſachen bey vielem Volck groſſes Murꝛen; es unterfieng ſich auch einsmahls ein Verſchnittener/ der ſonſt wol im Hof war/ und ſtellete dem Kayſer vor/ was vor Nachtheil ſolches Jagen ſeiren Underthanen brachte in deme ihre LandGüter dadurch zu Grunde giengen/ und mancher auch wohl gar darbey ums Leben kaͤme; allein der Käpſer ard ſehr entrüſtet drüber/ ließ in erſtlich einige Tag ins Gefangnuß ſetzen/ und jagte ihn endlich gar mit J ö und Spott vom Hof. Nach dem aber nun diß Ubel von Tag zu Tag groͤſſer worden/ weil er je langer je mehr der Jagt nachhieng/ entſchloſſen ſich endlich der Größ, Vieir und die anderen Balla; ſie wolten den Mufti bitten daß er ihm mochte vorhalten was allerhand uͤbels endlich darauß erfolgen wurde/ weil niemand mehr uͤbrig were/ als er/ der dem Kayſer etwas davon gedencken dorffte; Der Mufti wehrte ſich Anfangs/ wol ermeſſend/ daß er mit ſeinem Vortrag dein Kayſer nicht gefallen wurde. Als man ihm aber endlich hark anlag/ er mochte doch dein Gemeinen Weſen den guten Dienſt leiſten/ ſo wagte ers/ und redete ihn einsmahls zu wohl erſehener Zeit ſo geſchicklich/ als ihm moͤglich war/ an. Er befande kein bequemer und beſſer angehendes Mittel/ ihm ſolche ftarcke Zuneigung auß dem Gemüth zurncken, ine als two er ihm vorſtellete/ wie ſeine Vorfahren getwohnt geweſen/ ſich Luſts halben allerhand artige Arbeit vorzutiehtnen/ und ſelbſt etwas zu machen wann ſie vor denen Kriegs und StattsGeſchaͤfften Zeit hatten: Daß ſo dann nach ihrem Exempel auch die Unterthanen ſich auff allerhand nützliche Sachen legten/ und die Künſte durchs gantze Reich inn Flor erhalten würden zum unfehlbaren Aufnehmen des getneinen Weens? Es habe Sültan Amutat ſeines Batters Brudet Ringe von Horn gemacht die mat zum Dogenſchieſſen braucht: Ibrahim ſein Het: Vattel ſey geſchickt geweſen Zahnſtierer und audeke artige Sachen von Schlldkrotten Arbeit zu machen man müſſe ſolche lbliche Gewohnheit nicht laſſen abkommen/ welche den Underthauen ein Anlaß iſt es nach zu thun/ und den Müfſggang zu meiden. Er ſtellte dem Käyſer auch fekner für/ daß es weit beſſer und Gott viel aiehmlicher ſey/ wann tnan von ſeiner Hande Arbeit lebte/ als vom Schweiß und Blut der Underchauen, und dem keibüt oer Auflagen welches wider das Geſetze ſhe: Es hätten die Borfahren bloß durch ihre Hand Arbeit ſich für ihre Perſon die Nahrung ſelbs verſchafft: Es ſeh ia dis Arbeiten nicht fnderlich aß e ſondern ſo tooh zur Lust erdacht als damit mar dem Geſetz ein Genügen thue; ſie harten auch naß den fe elwasſelches außgemacht seinen Balle zu ſonderdahrer nad überſchickt/ welcher es mit underthänigſter Ehrerbietung und hoch ſter Freude aufgenommen: Der es uberbrachl/ habe(in dem ers ihm gegeben/ dieſe Worte geſprochen diß ſey ein Gemacht von den Handen des Kaͤyſers/ welcher es ihm deßtwegen e Y 3 ef Urckiſchen Kayſern hon eigener and Arz et zu leben 96 Beſchreibung des Serrails fen zuſchickte/ damit er ſich ernehren mochte; ſo habe ihm dann der Baſſa, oder ein anderer dem ers zugeſandt/ zu zeigen wie hoch ers hielte/ ſolches mit einer guten Anzahl Beutel bezahlt/ ohne das preſent/ ſo die Uberbringer bekommen: Diß Geld hatte man damals bloß zur Unterhaltung der Kayſerlichen Tafel angewendt/ und koͤnte man den Herꝛen ſolcher Czeſtalt nicht beſchuldigen/ daß er von der Underthanen Arbeit ſich ernehrte. Und diß war des Mufti ſeine Rede an den Kaͤyſer. Dabey ich dann/ im fuͤruͤbergang mit anfuͤhren muß/ daß die Perſiſchen Könige eben dieſes im Gebrauch haben/ oder beſſer zu reden/ auch ſo laͤppiſcher Einbildung ſind. Unter der Regierung Cha-Abas bauete man in Iſpaham Carvanſeras auf/ welches offentliche Haͤuſer ſind darinn ſich Kauffleute aufhalten/ von deren Einkunfften man vor des Koͤnigs Maul Speiſen einkaufft/ maſſen das Geld ſo von dem Zoll und anderen Auflagen erhoben/ wird in Anſehung deſſen Haram, das iſt unrecht und verbotten gehalten/ als welches zur Wolfahrt des Stgts/ und nicht zur Unterhaltung des Königs ſolte angelegt werden. N s Der Käayſer lieſſe zwar den Unmuth nicht ſpuͤhren/ den er über des Mufti Vortrag gefaßt Wie ſich Sultan 5 ö Mahomet halte/ ſondern bezeugte vielmehr/ daß er ſeine Erartig au dem Mufti zu rachen gewußt. innerung wohl aufgenommen hatte/ ſtellte ſich auch an/ als wolt er ihm in kurtzem erweiſen/ wie er ſeine Lehren ſich wiſſen zu Nutz zu machen. Erwehnte im uͤbrigen/ daß er offt an eben das jenige gedacht hätte/ was er ihm jetzo vorgetragen hätte/ er habe ſich auch ſchon auff eine Arbeit bedacht/ worinn er ver meinte gluͤcklich fortzukom men. Es giengen erliche Tag vorbey/ ohne daß der Kaͤyſer etwas vom Jagt gehen redete; endlich aber kont er ſich nicht langer enthalten/ macht ſich auß dem Serrail, und ſchießt vors erſte mahl ſein Lebtag/ gleich zu Anfang der Jagt einen Haſen mit einem Rohr. Er laßt ſolchen dem Mufti alſobald bringen/ und dabey ſagen/ er habe ſeinem Raht gefolget/ und das JaͤgerHandwerck gelernt/ werde ihm alſo auß ſeinem Befehl allhier ſein erſtes Meiſterſtuck über bracht/ welches er verkauffen wolle/ und ſich von dem was man ihm davor geben werde/ ſpeiſen laſſen: Er ſolle dem Überbringer nicht ermanglen/ 20. Beutel auß zu zahlen/ was aber ſeine eiß gene Perſon belange/ ſo werde er ſchon wiſſen/ was er ihm ſchicken ſoll. Der Mufti verbarge ſeine hierob empfundene Beſtuͤrtzung/ nimt auch den Haſen mit groſſen Freudens⸗Bezeugungen an/ wegen der Ehr/ die ihm der Käyſer hiedurch angethan/ und gab nicht allein dem Uberbringer die 20. Beutel mit Geld/ ſondern ſchickte auch noch 60. Beutel mit vor den Kaͤyſer/ und erlern · ke alſo mit ſeinem Schaden und durch den Verlurſt 40000. Thaler/ daß man ſich nicht zu viel einlaſſen ſoll groſſen Herꝛen Raht zu geben/ wann ſte keinen begehen Damit ich Kaͤyſer Mahomets Beſchreibung vollends hinauß und zu Ende bringe/ ſo iſt zu wiſſen/ daß man ihn auch beſchuldigt/ er ſey im Kopf nicht allezeit recht zu Hauß/ und verfahre gar grob und unbarmhertzig mit den Underthanen/ die auch wenig Zuneigung zu ihm tragen. Gleich wie er ſich nicht ſatt jagen kan/ und gaatze Tage den haͤrteſten Winter über drauſſen ligt; alſo geſchah es einsmahls/ als er von der Hirſch⸗Jagt nach Hauß kam/ daß ſein Groß⸗Zaͤgermeiſter das Hertz nahm/ und ihm vorſtellete/ wann er ſolcher Geſtalt ſeine Selaven wurde in den Schnee und Eyß hinauß jagen/ ſo wurden ſie alle drauff gehen/ und weren dieſelbige Nacht allein 30. davon geſtorben. Er bekam aber vom Kayſer/ der ſich darüber gantz nicht entſetzte/ die Antwort; man ſolte wanns kalt were/ die Hunde mit doppeltem Überzug verſehen/ und ſich ja wohl in acht nehmen/ daß keiner von der Kalte dahin fiel; gedachte gleichwol der Menſchen dabey mit keinem Wort/ die er ſeiner Wolluſt gleichſam auffopffert. Nachdem die rauhe Antwort iſt unter das Volck kom̃en/ hat es einen Haß gegen dem Herren gefaßt/ der ihm zweifels ohn nicht unbekandt iſt; diß iſt auch theils die Urſach/ warum er ſich oͤffters anderswo als in der Hauptſtatt ConSicherheit iſtCCC e ,, PVeon der Wohnung des Prauen⸗Aimmers. Es iſt unmoglich des Frauen⸗Zimmers Quartier im errail recht zuwiſſen. Der Jauͤdiſchen Weibern oͤſterz umgehen mit den Sultaninen. Traurige Geſchicht zweyer Ringeren. Groſſe Strengigkeit des dultan Amürats, Warhaffter Bericht von dem erdichteten abgeſoͤndert/ die Sultaninen betreffend. moͤglich das Frauen imer Zuar tier im Serrail rech zu 16 4 erkundigen. 8 5 Eh mache hier ein abſonderW lich Capitel von dem Quartier Nb 300 des Frauenzimmers/ bloß zu 0 dem End/ damit ich dem Le% ber dieunmoglichkeit vorſtelle/ l 0 ſolehes rechtſchaffen zu erkenznhen/ und daß man weder die Ant des Gebaus/ noch wie es daſelbſt zugeSeltzame Geſchicht einer alten Frauen. boly gamie iſt zum Kin derzeugen nachtheilig. Geheime Liebs⸗Sachen des Kaͤyſer s. he/ recht eigentlich erforschen moge. Es wilb in der gantzen Chriſtenheit nicht ein einig Nonnenkloſter zu finden ſenn/ wie ſcharff und ſtreng auch der Orden ſey/ deſſen Zugang denen Mais Perſonen ſo genau verſehloſſen ſey; und hat der weiſſe Verſchnittene/ der mir i übrigen das inwendige Serail ſo wohl und eben enttworffen als in welchem er in die Jo. Jahr zugebracht 5 ſtantinopel aufhalt/ alwo er nicht genugſam in Handel der 5 8 b chen telſt ſolcher Juͤdiſchen Meibern/ zuerfahren/ mit ige 80 des Groß ⸗Tuͤrcken. dannoch nichts gewiſſes von dem Frauenzimmer⸗Loſament zuberichten gewuſt. Diß einzige ſagt er mir/ es wurden die Thuren von ſchwarzen Verſchnittenen verwahrt/ und daß auſſer dem Käyſer und dem Artzt/ wiewol nur in der hoͤchſten Noht/ keine Manns⸗perſon jemals hinein gekommen/ auch keine Frauens⸗perſon/ als eintzig und allein diejenige/ welche drinnen bleiben/ welche auch niemals herauß kommen/ als wann man ſie in das alte Serail einſperꝛen wil. Doch ſind hiervon auszunehmen die Sultaninen nebenſt ihren Hof⸗Damen/ die der Kayſer nach Belieben in die Garten des Serail kommen laßt/ oder biß weilen ſpatzieren fuhrt/ ohne daß ſie von einem eintzigen Menſchen koͤnnen geſehen werden. Es kragen ſo dann vier ſchwartze Verſchnittene eine Art von einem kleinen Gezelt/ unter welchem die Sulranin und das Pferd geht/ darauff ſie reitet/ außgenommen des Pferds kopf der unter dem Gezelt hervorgeht/ deſſen beyde Vortertheil ihm umb den Hals/ und oben und unten wiederum zuſammen gehen. Den Medicum anbelangend/ ſo kommt er/ wie gedacht/ nur in der hoͤchſten Gefahr in das Frauenzimmer⸗ quartier/ wobey man doch ſo behutſam geht/ daß weder er die Krancke ſehen kan/ noch ſie ihn; er grifft ihr den Puls nur durch einen Flor/ und muſſen alle andere Weibs⸗perſonen vom Bette ſich wegmachen/ an deren ſtatt die ſchwartze Verſchnittene hinſtehen muͤſſen. Mit ſo genauer Vorſicht nun bemüht man ſich dem Frauenzimmer im Serrail alle Mittel und Geegenheir zu benehmen/ daß ſie mit keinem Manne umbgehen/ ja nicht einmahl einen zu ſehen bekommen moͤgen. Wann auch eine Juden⸗frau hinein kommt/ mit ihnen zu handeln und ihnen etwas Edelgeſteine zuverkauffen/ ſo werden ſie von den ſchwartzen Verſchnittenen guffs genauſte durchſucht/ aus Beſorg es moͤchte einmahl ein Mann unter den Weibs⸗kleidern ſtecken/ welches ihn dann auff der ſtelle wurde das Leben koſten. Wann ſich etwa Chriſten⸗Weiber haben laſſen den Fürwitz ankommen die Sulta-ninen zu ſehen/ ſo iſts ihnen gar theur ankommen; deſſen ich hier wohl koͤnte Exempel anführen. f Es ſcheint/ als gebe es Gelegenheit/ vermitSad, was vor Zierahten die Saale und Gemacher des Frauenzimmers außgeſchmückt weren/ wie auch etwa ſonſt guten Theils/ was in dieſer kleinen Republic vorgehet: aber es haben dieſe Juden⸗weiber nicht Exlaubnuß weit hinein zukommen/ ſonderen es iſt ein gewiſſes Zimmer zu ihrem Handel beſtimmt/ und ſind die ſchtwartze Verſchnittene die Unterhaͤndler. Sie bekomalles zu wiſſen/ und weil alles/ was die 11 75 ſinnen kaufſen wollen/ durch ihre Hande muß/ ſo laſſen ſie ſich alles doppelt oder dreyfgch bezahlen/ ſich ſolcher Geſtalt Reichthumb ſamlende/ da ſie doch nicht Gelegenheit haben ſich deſſen zu bedienen. 8 Aber ſoll man ſich hoch verwundern/ daß man ſo gar ſcharff und genau drüber halt/ daß nicht eine eintzige Manns⸗perſon/ auch nicht einmahl ein weiſſer Verſchnittener ſichdem Frauenzimmer fe c 5 5 lich wurde davon tragen/ gab einer von de Stumnähern darff/ nach dem was ſich zu Adrianopel Anno 1639, begeben/ welches ich mit kurtzen Worten erzehlen muß? Amurat hielte ſich/ nach ſeiner Ruckkehr von der Exoberung Bagdet einige Zeit in Adrianopel auff. Er hatke einen Pagen bey der Schatzkammer auß Locat in Natolien gebürtig/ den man auch wegen ſeiner Geburts⸗ſtatt Tocateli nennete. Er war im übrigen ein ſchoͤner/ geſchickter und ſtarcker junger Menſch/ auch vom Kayſer zum Vorſteher der Ringern gemacht worden. Es begab ſich/ daß eben damals einer der berühmtſten Ringern zu Adrianopel ankam von den Moſcowitiſchen Graͤntzen/ der in in allen Statten/ wo er durch gereißt war/ alle diejenige uüͤbermeiſtert hatte/ die wieder ihn auff den Ring⸗platz getretten waren ſo daß ſein Ruhm ſich durch daß gantze Reich außgebreitet hatte/ allwo er nirgend keinen antraff/ der es ihm im Ringen gleich thaͤte. Den Pagen verdroß es/ daß dieſer Kerl die Ehr allein haben und von jederman geruͤhmt werden ſolte/ ſchickte deß wegen einen Halvagi an ihn/ der ihn mit hoͤfichen Worten auff ein Ringen muſte herauß fordern/ daß ſie in Gegenwart des Kayſers wagen wolten. Er that ihm aber zugleich zu wiſſen/ wie es rahtſam waͤre/ daß ſie/ eh man die Sach dem Kayſer vortruge/ einer des andern Starcke kennen lernten/ und wolte er ihm/ damit miemand etwas davon zuwiſſen bekaͤme/ eines Boſtangi Kleid zuſchicken/ in das er ſich verkleiden und ſo in das Serrail kommen ſolte. Wann der Kayſer ſich auſſer dem Serrail befindt/ es ſey wo es wolle/ ſo iſt denen Boſtangi erlaubt zur Garten⸗thuͤr aus⸗ und einzugehen; und iſt ſo dann unſchwer/ weil ihrer eine groſſe Anzahl ſind/ einen frembden unter ihren Kleidern hinein zubringen. Auff ſolche Weiſe kam der Ringer den andern Tag auch ins Serrail auff Anhalten des Pagen/ der ihm zu dem End alles benoͤhtigte zuſchickte/ in dem der Kayſer eben auff der Jagt war. Sie kleideten ſich beyde ab biß auff die Unterhoſen von geſchmiertem Leder/ am ubrigen Leib aber waren ſie nackend/ und hatten ſich auch angeſchmiert. Nach dem ſie lang genug mit einander gerungen hatten/ bekam der Page endlich die Oberhand/ es ſey nun geſchehen aus Staͤrcke oder Behaͤndigkeit/ oder etwa/ weil ihm der andere auß Höflichkeit den Vorzug gegoͤnnt. a 5 Dieſes gieng nun mitten im Platz vor/ der vor dem Garten iſt/ in Gegenwart der Stummen und aller Hof Pagen; da man der Kayſer von der Jagt zurück kam/ hinterbrachte ihm der Groß⸗Schatzmeiſter/ daß ein Pehlivan Moſcovitiſcher Nat ion ankommen ſey/ ein Menſch von trefllichen Kraͤfften und guter Leibs Geſtalty welcher im Ringen ſonderlich ſtarck und erfahren ſey/ wo nun ihre Majeſtat Belieben trugen/ konten ſie die Luſt haben ihn ringen zu ſehen. Der Sultan befahl/ man ſolte ihn gleich den andern Tag kommen laſſen/ und dem Tocateli bedeuten ſich fertig zu halten. Als ſie nun beyde auff dem Platz und gantz bereit waren an einander zugehen/ kam der Kayſer auff eine Galerie ſanmt allen groſſen Herꝛen bey Hof/ bey dieſem Schauſpiel Zuſchauer abzugeben. Nach dem nun der Sieg lange Zeit zweiffelhafftig geſtanden/ und jedermann mit Ungedult erwartete/ wer ihn endmen dem andern zuverſtehen/ wie ihn Wunder 33 e behme/ 58 Beſchreibung nehme/ daß der Page/ dem doch die Gegenwart des Kaͤyſers neue Kraͤffte geben ſollen/ dem Moſcoviten ſo gar ſchwerlich uͤberkommen konte/ den er doch den vorigen Tag ſo leicht üͤbermeiſtert hatte. Es iſt aber ſolche Deutungs⸗Sprach der Stummen jedermann bey Hof ſo verſtandlich/ als wann ſie ſonſt reden koͤnten/ und der Kaͤyſer/ welcher ſie beſſer als kein anderer inne hat/ weil er deren von Jugend auff gewohnt/ und oͤffters mit ihnen Red gepflogen hat/ war daher über die Ma beſtuͤrtzt/ als er auß ſolchem Deuten vernahm/ es ſey der Moſcoviter ſchon den vorigen Tag an eben dieſem Platz geweſen. Es zeigte ſich der Zorn alſobald in ſeinem Geſicht/ befahl man des Serralls zwar beſchloſſe/ daß er nicht ſterbenſolte/ er ließ ihn aber von der Stund an vom Hof ſchaſſendahin er ſein lebtag nimer komen ſolte/ und zugleich von der Wurde eines Baſcha, die ihm ſonſt zugefallen were/ hiemit bloß auff ein kleines Einkommen von hundert aſpre des Tags/ verweiſen. f Dieſe Geſchicht hab ich vor gut befunden hieher zu ſetzen/ dadurch deſto beſſer dasſenige zubehaupten/ was ich zu Anfang dieſes Capitels angefuͤhrt habe/ daß es nemlich ſchlechter Dings unmoͤglich ſey/ daß ein Mench/ es ſey Manns oder Weibs Perſon in der Sultaninen Gemach kommen koͤnne/ weil man einen frembden mit ſo ſcharffer Straffbelegt/ der ſich nur unterfangen in emen Hof des Schloſſes einen Fuß zuſetzen. ſolte mit dem Ringen inne halten/ ließ den Page vor ſich kommen/ und wolte von ihm wiſſen/ wie er dieſen Kerl ins Serrail gebracht hätte. Der arme Tocateli konte eine Sach/ zu der ſich ſo viel Zeugen funden/ nicht laͤugnen/ und beDiß alſo und nicht mehr/ kan man gewiß er⸗ Wuchalſ fahren von dem Frauenzimmer/ deren ſich die O. von dach thomanniſche Monarchen zur Luſt bedienen und baue iſt wohl alles/ was man davon uber diß auſſagt/ da⸗ Fran kante ihm wie es abgelauffen were. Der Sul tan von ſolcher verwegenen That ergrimt ließ ihn nicht einmahl außreden/ ſondern befahl/ es ſolte ſich der Boſtangi⸗- Bachi glſobald bey ihm einfinden/ dem gab er befehl er ſolte den Ringer alſobald gefangen nehmẽ/ und ihm oo. Streich laſſen auff die ußſohlen geben/ welches dan wohl genug geweſen were/ ihm das Ringen auff eine gute Weile zuverwehren; Es bekam guch der Großſchatzmeiſter ordre, dem Tocateli eben ſo viel außzahlen zulaſſen/ welches dann alſobald vollzogen wurde/ und hatte ſich der Kayſer unterdeſſen zum Frauen⸗zitner begeben. Man hielte nun am Hof davor/ es wurden dieſe armſelige Kerl mit denen 500. Schlagen ihre Straff haben außgeſtanden: Es ſchickte aber der Kayſer/ der ſie weiters gar wolte tod haben/ und ſich ſich deßwegen zum Frauen⸗zimmer verfuͤgt hatte/ damit ihn allda niemand vor ſie koͤnte umb Gnad anflehen/ dem Boſtangi- Baſchi ꝗlſobald noch einen Befehl/ das der Page bey angehender Nacht ſolte an einen aum gehaͤnckt werden/ welcher am Eck des Platzes ſteht/ wo ſie mit einander gerungen hatten/ der Moſcoviter aber an einem andern/ der Groſſe auſſer dem Serrail ſteht. ſtrengiakeit des Sultan Amurats. Es ſchiene als wurde nun/ nach dem dieſe beyde hingericht worden/ des Kayſers Zorn geſtillt ſeyn; aber er ließ den andern Tag den Capi-Aga, der der vornehmſte unter den Verſchnittenen und Ober⸗Hofmeiſter im Serrail iſt/ und nebſt ibm auch den Hencker kommen. So bald dieſer Befehl ergangen war/ fielen alle/ die da zugegen waren/ dem Kaͤyſer zu füſſen/ und flehten ihn an/ er moͤcht doch des unſchuldigen CapiAga verſchonen/ der ſolcher verwegenen That des Pagen durchauß unwiſſend geweſen were/ und/ wo es ihme zu wiſſen were gemacht worden/ nicht wurde ermangelt haben/ alles Ernſts ihn abzuſtraffen. Der Kaiyſer aber war der maſſen erzürnt/ daß er ſich durch ihr Bitten nicht erweichen ließ/ ſondern wolte/ daß der Capi-Aga als Ober⸗Hofmeiſter im Serrail vor alle dieenige Red und Antwort geben ſolte/ die hinein kamen; da kam eben zu allen Glück vor dieſen vornehmſten Bedienten des Tuͤrckiſchen Hofs/ der Mufti mit dem Seligdar- Aga dazu/ welche endlich mit harter Muh Gnade vor ihn erhielten. Doch begnaͤdigte er ihn nicht ganzlich/ ſondern nur in etwas/ maſſen er auff ihre Bikt 75 bloß auß der Einbildung und auß Muhtmaß ten Warheit weit abweichen. Das iſt wohl gewiß/ das dieſe Wohnungen ſo gebaut ſind/ daß man zum Theil auß denſelben eben den ſchoͤnen proſpeet geneuſt/ den der Kayſer ſelbſt hat: daß ſo wohl Tags als Nachts die ſchwartze/ ungeſtalteſte und abſcheulichſte Verſchnittene/ die zu finden ſind/ die Thuͤren bewahren. Auch iſt diß gewiß/ daß des Frauenzimmers allda ſehr viel iſt/ und zwar das auſſerleſenſte und ſchonſte ſo auß vielen Landern zuſamen gebracht wird/ nach dem ſie etwa im Krieg oder auff andere Weieden Baſchen und Regenten der Landern ſind zu heil worden/ die ſie dem Kayſer als Preſente zuſchicken. Über diß kan man vor gewiß erzehlen/ daß ſich der Kaͤyſer unter ſo groſſer Zahl uber zwey oder drey nicht herauß nimmt/ die er vor allen rechtſchaffen lieb hat; ja es ſind etliche ſo eingezogen geweſen/ daß ſie gar nur an einer ſich begnügt haben/ nachdem ſie ſich mit ihr vermählen laſſen. Und wird in Conſtantinopel von Soliman dem Groſſen dis vor gewiß geſagtnachdem er der Roxelane die eheliche Pflicht zugeſagt gehabt/ wiewohl es ſonſt wider der Tuͤrcken Politic iſt/ ſeyt dem der Temur-Leng die Gemahlin Bajazets geſchandet hat. Die weiſſe Verſchnittene koͤnnen ſolcher Sach in etwas Bericht geben/ welche bey des Kayſers Schlaffkammer auffwarten/ weil das Weibs⸗ Bild/ ſo beym Sultan ſchlaffen ſoll/ in ſeine Kammer gefuhrt wird/ und wo es etwas friſches und neues iſt/ das Geſchrey alſo bald im Serrail gußkomt. So iſt auch bekant/ daß die erſte/ ſo unter ſeinen Weibern einen Sohn zur Welt bringt/ und alſo eine Mutter des zukuͤnſtigen vermeynten Reichs⸗Erben wird/ als die vornehmſte Sultanin gehalten/ und auch daher nach ihrem Stand geehret wird. Dann obſchon die andern/ ſo hernach Soͤhne und Toͤchtern bekommen/ auch Sultaninen genennt werden/ ſo gibt man ihnen doch bey weitem ſo viel Auffwarterinnen nicht zu/ als der erſten und vornehmſten. Auch weißt mäanniglich wohl/ daß dieſe junge Herzen biß zu gewiſſen Jahren bey ihren Muttern erzogen werden/ unb ſo dann/ wann ſie ſo viel Kraffte bekomen/ daß ſie einige Exercitien lernen koͤnnen/ ſo gibt man ihnen f und andere Lehr⸗ und Exercitien⸗meiſter zu einem Fee imm ſungen hergenommen/ die villeicht von der rech be pame chi e. 0 b 5 10 Ei eil 8 fa. nter rauand. Mutter/ wele ſehlbare Stücke kviſſen kan/ kan man auch davor halten/ daß freylich in jhren Zimmern nicht wemige Zierzaht und Koſtbarkeit/ als in denen Kayſerlichen/ mag zu finden ſeyn/ weil der Kay1 an ſolchem Ort vielmahls ſeine Zeit in Woluſt zubringt; alda er auch ſeine Wartung hat/ wann er übel auff iſt/ wie auch ſeine Bader/ und alle übrige Bequemlichkeit/ die nut zu wunſchen iſt⸗ So laßt ſich auch muthmaſſen/ daß in ſolchen Loſamenteren eben die Ordnung ſeyn muſſe/ wie ſie etwa in den Claſſen der Ichoglan beobachtet wird/ daß alda alte Weibs⸗Perſoknen ſich befinden/ welche die Jungen unterꝛichten /und jhr Thun Tag und Nacht mit genauer Obſicht warnehmen; daß auch ſolch ihre gewaltfame Einſperzung und Gefangenſchafft gleichen Laſteren derleikek„ als die Achoglanwann ſie dazu Gelegenheit haben. Daher iſt zweiffels ohne die Fabel gekommen/ daß/ wann ſie zu man ihnen Cucunſinern aufftragt/ man ſelbige nie gantz/ ſondern allezeit zerſchnittel vorleget weil man ſich/ welches Lachens werth/ befoͤrchten muß/ ſe mochten der gantzen mißbrauchen. Und haben die jenige/ auß deren Hirn die Fabel gekröchen/ den durch Orient gehenden Gebrauch nicht gewußt/ daß man überall dergleichen Früchte in groſſe runde Stücklein zertheilt/ wie ichs anführen will/ walm ich auffs Capitel von den Garten kommen werde. Es geht aber ſol5 955 verdamliche Laſter nicht nur allein in dem errail im Schwang/ ſondern es kvird auch in gantz Conſtantſnopel/ ja durch alle Provinzen des Reichs/ getrieben/ und bringt das Exempel der Männern, die den natürlichen Brauch des Weibs derlaſſen/ und in ſchandlicher Luſt gegen emander entbrennen/ auch die Weiber ſodann dahin/ daß ſie es ihnen nachthun. 0 Es lebte zu Zeiten Solichans eine Frau/ die Ces iin dieſer narꝛiſchen Weiſe ſo weit kam/ daß ſie ſich in Manns ⸗Kleideren verſteckte/ und gußgabe/ ſie hatte einen Chaux. Dienſt gekaufft/ damit ſie nur von einem Handwercks⸗Mann in in die ſie Conſtantinopel/ deſſen eie tige Tocht Mas anbelangt d Des Stoß Türk J Aber diß mi/ was man als getwiſſe und unſich unſinnig herliebet hatte/ bekommen mochte/ weil ſie vergeblich alle andere Mittel verſucht hatte/ ihre verdamliche Luſt zu buſſen. Der Vatter der ein aer Mann war(laßt ſich verführen/ gibt ihr die Tochter/ und wird die Hochzeit in gegenwart des Cadi geſchloſſen; Nachdem aber der Betrug noch denſelbigen Abend endeckt worden/ wurde der Fraue folgenden Tags das Urtheil geſprochen/ daß ſie ins Meer ſolte geworffen werden/ alda ihre 5 Brunſt recht zu lochen. Man redt von dieſer Geſchicht noch ſtatig in Conſtantinopel/ und hat man mir ſolche vielmahls erzehlt. Dieſes grobe Laſter der Uppigen Weiberen Die bel komt von den ſchändlichen Thaten der Mannern her und iſt bey den Türcken ſo viel mehr zu verdalnmen/ weil jhnen erlaubt iſt vieſer Weiberen ſich zi gebrauchen. Aber es mag nun auß einer Straff von Gott/ oder durch Zaubertverck geſchehen/ welches ein Weib gegen der anderen gebraucht/ jegliche des Manns zuneigung mehr zugewinnen/ ſo ſieht man doch/ daß die Turcken/ weſche viel Weiber halten, nicht ſo viel Kinder bekommen als die/ ſo keuſch leben/ und nur ein Weib halten. Es wird von denen/ die von der Türcken Religion geſchrieben haben/ ohne zweifel ſo wohl die Vielheit der Weibern/ als die 2 Art und Geronheit ſhrer Heurahten /genugſam eliihtt werden ehrt * 2. nicht erforſchen/ noch das geringste davon zu wiſſen bekommen koͤnnen/ und wann man hicht einen Koman oder erdichtete Liebs⸗ geſchicht wil machen/ läßt ſich gar ſchwar davon etwas ſagen. Das ſind Heimlichkeiten da keiner nichts zu wife ſen bekomt/ der es hernach gußbringen konte/ nd trifft vielleicht das wenigſte mit der Warheit ein/ was man dabon ſchlvatzt; ſo muß man auch über diß gegen alle Potentaten billichen leſpect und Schell tragen/ und das jenige verſchweigen/ was man von ihren verborgenen Llebs⸗Sachen etwa erfahren mochte. F Dae XVIII Capitel. Pon dem Eneg, den de Käyſerliche Praun. er man den Ehren⸗Titul a Validde gibt/ am. Julij Anno 1668. in Kon„ ſtantinopel gehalten. erbott ſie anzuſehen. 0 hielte die Sultanin, des jetzt N von Adrianopel in Conſtantiuuopel ihren Einzug/ woſelbſt Aich mich damals quch befande/ und gieng ſolches auf folgende Weiſe zu: 1 Mutter“ nach Furckkunfft Drdgung da Einzugs. Pracht eines Favoriten Kuiſchen der Sultaninen. e M Jahr 1668. den 2. Juli Es kamen Anfangs des Morgens um ſechs etliche Janitſcharen/ die ah Ordnung jhren Weg nach dem Serail zu/ bald zu zehli/ bald zu ztwantzigen/ in kleinen abſonderlichen Truppen/ welches dann einige Zeit wahrte/ darguff folgten 200. Mann zu Pferd von bes Cologlus oder Käyſerlichen Favoriten, Leuten/ mit dem Muſqueton guff den Sattel⸗Bogen U J 5 0 geſetzt/ — Was anbelangt die Manier wie der Käfer Heimliche ſich verhält in Handlen ſeiner Leibs⸗Neigungen/ 5 ſo geſtehe ich gern/ daß ich ſolches Geheinnuß Kaͤſers — 60 Beſchrelbung des Serrall geſetzt/ ſonſt aber der Kleidung nach zimlich uübel verſehen/ wie auch in gleichem ſeine KuchenBediente ſo jhnen nachfolgen/ welche ſo ſchlecht mit Kleidern als Pferden verſehen waren. Nach ihnen ſahe man in etwas beſſerer Ordnung des Caimacan Bediente/ und hatten ſo wohl ſeine Auffwarter und Kammer ⸗Bediente/ als die zum Stall gehörige ziemlich feine Pferde; und waren allegelb gekleldt. Dieſen folgten 400, Spahi ſo hach der Sultan in Leibquarti waren/ wohl berittene und wohl gekleidete deute/ maſſen jedweder Pantzerhembd /nebenſt einem roht tafetenlinterkleid an hatte/ und auff der rechten Seite mit einem roht ſammeten Köcher mit guldenen Blumen geſtickt/ an der lincken aber mit dem Bogen in einem grün ſammeken Uberzug/ auff gleiche Art geſtickt/ bewehrt waren. Sie trugen Helm auf dem Kopff/ mit weiſſem Turban umbgeben/ von dem Helm aber hiengen kleine Pantzer⸗kettlein herunter als wanns Haar weren, deren ſie ſich im Fall der Noht bedienen/ und den Hals und Geſicht damit verwahren. Uber diß fuhrte ein jeder ſeine Lantze in der Hand/ und waren ihre Pferd⸗Decken entweder gelb“ Violbfaun oder roht/ auß einem ſchonen mit Silber geſtickten Zeug. Nach ihnen likte der pabi bach mit einem groſſen Retzerbusch der drey Schuh lang war/ auff dem Kopff/ welches ihm ein Anſehen machte, und zugleich von den andern Spahi unAn der Bruſt des Pferds waren ein Doeen Binden angemacht, welche wiewohl ncht. ſo gar ordentlich herunter hiengen/ hinter ihm e ene een mit Seclavoniſchen Hauben auffgeſchunzten rohten Rocken und gelben Moſen. 5 5 7 Auff dieſe Spahis kamen viel Janitſcharen in groſſer Unordnung/ und bald darauff 200. Mann zu Pferd/ hinter denen Janitſchar⸗A. ga ritte/ der eine recht anſehnliche Perſon war. Er hatte ſechs ſchone junge Ke neben ſich herlauffen/ die ſaͤmmtlich Kocher auf den Rücken trugen/ mit kleinen Stecken angefällt welche eine Art don Pfeilen ſind/ aber am Ende kein Eiſen haben. „Hierauff U wolff Kerl die gleich als Ceremomen⸗Meiſter ſind/ in gar ſeltzamer Ruſtung. Sie führten auff der Achſel ſilberne Stabe/ die Kleider waren mit Schellen beſetzt/ und trugen auff dem Kopff eine Haube mit langen herunter hängenden Cſels⸗Ohren. Nach dieſer enten ede ritten hundert Capigis, alle mit guten Pferden verſehen/ und hielten jeder eine ante in der Hand mit Fahnen die von oben bis unten angeheft ware/ welches dann ſchoͤn zuſehen war. Denen der Capigi- bachi folgte/ welcher von den andern durch einen hochen und breiten Reigerbuſch unterſcheiden ward/ welches auch ſein ohne das treffliches anſehenumb ſo viel vermehret. 15 Auff dieſe kamen hundert Chaux alle mit guten Kleideren und Pferden verſehen/ und hatten ihre getvohnliche groſſe Mutzen auff dem Kopff/ hinter ihnen her matchirte der Caitnacan mit eben einer ſolchen Kappen/ von zwantzig artlich erleidten beglenc k 8 Kerl die Zügel fun Kerl zu Lackeyen Hierauff ſahe man fünf⸗ bis ſechshundert Roſtangi vorbey paſſiren/ mit ihren gleich den Zuckerſtoͤcken ſpitzigen Kappen/ ihre Kleider waren von rohtem Zeug/ und trugen Muſgueten auff den Achßlen. Nach ihnen ritte der Boltangibaſchi auff einem prächtigen Pferd/ wie nicht weniger in praͤchtiger Kleidung/ mit einer Chiaux Kappen guff dem Haupt/ und von ſehn vielen Leuten zu beyden Seiten begleitet. Nächſt dieſem lieſſen ſich zweyhundert Cadis in ſchͤner Ordnung ſehen/ mit gar erbarer Kleidung/ e Carduanen Stiffeln/ und einem weiſſen Turban, in der Form einer groſſen Kugel und hinter ihnen die Scherif, die bh e des Mahomets Verwante außgeben/ deren ohngefehr bey ſechzig waren. Sie kragen/ als befreundte des Propheten grüne Tur ban, und zwar ungemeiner Groͤſſe. Die zwey vornehmſten Bediente des Multi, 5 (dann Fr ſelbſt zu keinen ſolchen Wlennirdten fommt) folgten denen Scherif nach/ mit weiſſen Klei Hiernachſt zeigte ſich der Cologlu oder favorit des Käyſers auff einem ſchönen Pferd/ deſſen Pferd⸗gezeug uͤber die maß koſtbar war. Die Bügel waren bon purem Gold, die Decke von erhabener Arbeit mit Gold und Perlen geſtickt/ der Rock den er an hatte/ von rohter geſtickter Arbeit/ nebenſt einer koſtboren ChiauxMütze die er 0 hatte. Es hielten ihm zwey zu heyden Seiten/ und gieng das Pferd in lauter Courbeten, weil es gleichſam verſtunde was vor ein wackerer und feiner Reufer auff hm ſaß. Dann er war von ſchner Leibs proportion/ lieblicher Geſtalt/ und ban man ihn gleichſam anſehen/ daß er einen er wurde auch von jedermann freundlich gegrüſſet/ in dem er dem Serxail alſo zu ritte. Hinter ihm her folgte ſein gantzer Marſtallund führten fünfzig Stallknechte jeder ein HandPferd neben ſich her/ die waren nun von den feinſten/ wie auch ihre Decken und Gezeug ſehr koſtbar außgemacht. Man halt dieſen Favoriten/ der von 1 Gaben iſt/ auch vor ſehr reich/ und ſolle er/ ſo wohl an Bedienten als 10 5 mache vornehme Potentaten überNach dieſem kamen eins ſehr groſſt Anzahl der ſchwartzer Verſchnittenen/ wiewohl in groſſer un Unordnung/ vor der Kutſchen der Sulranin, als der Kayſerlichen Frau Mutter her/ die alle wol beritten und auffs prachtigſte mit vielen Jarben deen ware f. Drauff lessen ich die ſchs Capigis zu Pferd in die erſte Nuten her dhe welche un ſchs ſchönen Pferden beſpannt war. Es hatte ieder von ihnen eine Lantze in der Hand/ an dejen Spitze ein Pferd⸗Schwanß bleich roht argeſtrichen/ zu 19 7 war/ welches eine Angeigung war/ daß etliche Baſcha bald hernach folgen wie darm auch erliche bey der anderen Kutsche ſich fanden/ ſo ſelbige begleiteten/ die von ſechs weiſſen Roſſen gezogen wurde 6 5 Kleidern angethan/ ich in übrigem ſehr geiſtlich und erbar anſtellend. 5 ſanftmühtigen und verſtändigen Geiſt hatte H/ Des Groß⸗ Türken 6 ſeſſel oder Senfften/ nebenſt 4. groſſen Wagen welcher die Käyſerliche Frau Mutter/ nebenſt noch einer Sultanin ſaß. Bey jedem Schlag der Kutſchen die mit Gittern zugemacht waren, damit alſo die Princeſsinnen ſich umſehen/ und doch von niemand geſehen werden konten/ giengen zwey ſchwartze Mohren. Ungeachtet deſſen ruffte man dannoch dem Volck/ bey dem man vorbey fuhr/ zu/ es ſolte ſich umwenden und die Augen nicht zur Kutſche kehren/ worinn man dann genau gehorchen muß/ abſonderlich in Perſien/ da man bey ſolcher Begebenheit ſich weit muß auff die Seiten machen/ wil man ander nicht in Gefahr gerahten/ daß einem alſobald ein Hieb mit dem Sabel uͤber den Kopff werde. Ferner giengen zwolff andere Kutſchen vorbey/ jede mit vier Pferden beſpant/ darinnen der Sultaninen Sclaven waren/ an den Schlagen die mit Gittern vermacht/ giengen wiederum zwey Verſchnittene. Darauf folgten viel Tragmit Schnee vor die Sultaninen und ihr Gefolg. Diſer gantze Zug ſo in fünff biß ſechstauſend Mann beſtunde/ brachte über drey Stunde zu biß er vorbey kam/ und naehdem er durch die Statt Conſtantinopel durchgegangen/ endigte er ſich endlich im Serrail in der Ordnung/ und ſolchem Auffzug als ich erwehnt habe. Es haben dieſen Einzug viel wackere Frantoſen nebenſt mir mit angeſehen/ maſſen alda ſich befanden/ unter anderen die Herꝛen Ribbier von ſt Villeneuve, Parlaments⸗Naht zu Paris; Mairat, ein Herꝛ des Groſſen Rahts/ Boulin, Raht in dem Cour des aides; der Abt von Cham phuon von Soulſaye, alſe geborne Pariſer; und endlich Her? Aubert gebürtig auß neu Franckreich/ dem Herkommen nach ein Normander/ 5 ein Sohn des Gouverneur zu ö N Guadaloupe. 0 FFP Das XIX. Capitel. Von denen Gaͤrten im Serrail. 5 . e e Die Einkunfften von den Gaͤtten werden angelegt die Tafel des Kaͤyfers zu verſorgen. Cucummeren ſind vor eine ſonderliche niedliche Speiſe geacht bey den Morgenlaͤndern. Wie ſie ſelbe zu eſſen pflegen. Schone Pyramide/ ſo der Trajaniſchen Saͤule in Rom gleicht. Brunnen. Zahl der Gaͤrenern. Sd iſt bey denen Türckiſchen oder Obſt⸗Gaͤrten/ und waͤchſt alda ziemlich gu0 Kaͤyſern eine hergebrachte alte te Frucht. Es gibt da Erd⸗und Himbeeren überes Gewonheit oder viel mehr ein flüſſig genug. So ſieht man auch groſſe vierA befeſtigtes Geſatz/ daß ſie von eckichte Platze mit Melonen und Cucummern anihren Garten⸗Einkunfften ſich gefüllt/ jedoch der letztern weit mehr als der er2 ſpeiſen laſſen/ und wird alles ſten/ weil die Morgenlander es vor ein ſonder? daſſelbige Geld auf jhre Tafel und für jhr Maul lich niedlich eſſen halten. 85 N allein gewendet. Solcher Garten haben ſie nun Sie aſſen ſie offt ungeſchelt hinein und 1 viel/ nicht weit von Conſtantinopel/ ſo wohl auf krincken ſodann einen Trunck Waſſer drauf. Es genländern der Europaiſchen als Aſiatiſchen Seite an dem ißt der gemeine Mann durch gantz Aſien in etli⸗ ein niedliGeſtade des Meers hinab. Ich wil aber nicht chen Monaten faſt anders nichts/ und nahrt ſich cher Biſſen/ von allem diſem Gartenwerck/ ſondern bloß von das gantze Hauß damit; Wann ein Kind nach eee alſo die Grantzen nicht Überſchreiten/ die ich mir Anfangs geſetzt habe. 5 Es ſind inn Serrail viel Blumen⸗Gaften bey verſchiedenen Loſamentern/ abſonderlich bey des Kayſers/ gleich wie ſonder Zweiffel dergleichen auch bey der Sultaninen Wohnungen ſtehen werden. Man findet aber nichts ſonderhares in denſelben/ und habe ich daher nicht Urſach viel Worte davon zu machen. 5 gi Baſchi, gleich wie über alle andere ſo dem Käyſer zugehoͤren/ die Oberauffſicht hat/ geht faſt um das gantze Serrail herum/ und ſind in demſelben viel mit Cypreſſen⸗Baͤumen bepflantzte Gange zu finden. Man gibt nicht groß acht auff ſie/ ſondern laͤßt ſie ziemlich verwilden und mit Strauchen bewachſen. Wann man weißt daß der Kähſer einen Spatziergang vor ſich hat ſo komen eine groſſe Anzahl Boſtangis und ſaubern die Gange geſchwind auß/ wo er gemeiniglich pflegt durch zugehen. Die zwiſchen ſolchen Gaͤngen ligende Platze/ ſind lauter KrauterDer groſſe Garten/ aber welchen der Boſtandem im Setrall befindlichen anjetzo reden/ und Eſſen ſchreyt/ ſo geben ſie ihm/ an ſtatt daß wir in Teutſchland/ oder anders wo ihm Brot geben/ in Morgenland eine Cucummer /die ißt es ſo dan roh hinein wie man ſie abgeriſſen. Die Handwercksleut/ oder die ſonſt groſſe Arbeit thun/ als die auff die Camele/ Pferde und Maul ⸗Thier/ bey denen Caravanen beſtellt ſind/ machen ſich einen Salat auß ihren Cucummern/ der eben ſo herauß komt als der/ den wir den Pferden geben wurden. Wann ſie im Nachtlager ankommen/ wo die Cara vane oder gantze Reiß, Geſellſchafft bleiben ſoll/ ſo nehmen ſie eine groſſe Schuſſel füllen ſie voll Waſſer/ darein thun ſie etwas wenigs von geroñener und ſonſt verſauerter Milch/ ſchneiden alßdann die Cucummern in groſſe 10 cke/ und werffen ſie drein. Es iſt eine Luſt anzuſchen wie die deut eſſen. Ihrer zehen pder wolff die ſich um die Schuſſel herum machen/ haben mehr nicht als einen Löffel/ der geht 5 herum/ und braucht ihn ein jeder/ wann die Reue an ihn komt/ ſo lang und oſt biß die Schuſſel lar iſt. Hernach thun ſie einen Trunck Waſſer; die aber ſo es in Vermoͤgen haben 5 nehmen eine e 3 90 gen. 62 9 zu ſich/ oder ſchmauchen eine Pfeife abac. Dabey muß ich aber gleichwohl auch diß unerinnert nicht laſſen: daß die Cucummern in den Morgenlaͤndern von abſonderlicher Gute ſind/ und ob man ſie ſchon roh ißt/ dannoch dem Magen nie uͤbel bekommen. Die Hiſtori von den Cucummern/ welche ſieben Cammer⸗Pagen am Kayſerlichen Hof einen grauſamen Tod verurſachten/ iſt vielleicht noch nicht jederman bekant/ oder wiſſen zum wenigſten nicht alle die Urſach/ warum dieſe Page nimmer in den Garten doͤrffen; Drum wil ich ſie kürtzlich erzehlen. Als Sul tan Mahofmet der andere dieſes Namens einsmals in den Garten des Serrail ſpatzieren gieng/ und hinter ihm einige ſeiner Pagen die ihn bedienten/ verwunderte er ſich daß er ein Gelaͤnd im Garten mit Cucummern bewachſen antraffe/ die trefſich ſchon/ und der Zeit nach ſehr fruͤzeitig worden waren. Wie er ſie nun gern aſſe/ alſo empfahl er ſie dem Boſtangi Bachi quffs beſte/ der ſie alle Tag zehlte/ und mit groſſem Verlangen wartete biß etliche davon vollkommen zeitig wurden/ damit er ſie dem Kayſer uͤberꝛeichte. Als er aber etliche Tage darauff das Gartenbeth wider beſahe/ fand er daß etwan drey oder vier von denen die faſt reiff geweſen/ weggekommen waren/ deßwegen er ſehr genau nachforſchte/ wer ſolchen frevel moͤchte begangen haben/ und erfuhr endlich/ es ſey dieſen Tag niemand in den Garten kommen/ als etliche Cammer⸗Pagen. Diß hinterbracht er dem Kayſer/ der ſich darüber auß der maſſen entruͤſtete/ und weil es keiner von den Pagen geſtehen wolte/ ließ er auß einer unerhoͤrten Grauſarkeit ihrer ſieben die Bauche auffſchneiden/ da man dann in des ſiebenden den Diebſtal fande/ welcher ungluͤckſelige Menſch den begangenen Fehler nicht hatte geſtehen wollen/ nicht davor haltend/ daß des Herꝛen Zorn ihnen ein ſo gar erbärmlich leiden verurſachen N Beſchrelbung des Serrals wurde. Von dieſer Zeit an/ und zum Gedachtnuß emer ſo unerhoͤrten That/ iſt denen Cammer⸗ Pagen verbotten/ mehr einen Fuß in den Garten 01 ſetzen; maſſen/ wie ich an anderen Orten erwehnt/ das/ ſo ein Regent geſetzt/ von den Nachfolgern niemahls wiederꝛuffen wird/ als die ſolche Ehrerbietigkeit gegen ihrer Vorfahren Satzungen ſtetig erhalten. Mitten in dem groſſen Gang/ der vom Ser- Schone rail an das Meer⸗Thor führt/ ſo gegen Scuda- Piramide ret zu ligt/ iſt eine Pyramide zu ſehen/ die auf ei⸗ ale de f= nem viereckichten Grund und Fuß ruhet/ und Frag wurden vier Manner dieſelben kaum umfaſſen. ſchen SäͤlUm den Grund und Fuß/ darauff ſie ſteht/ hat le. man Geſtraͤuch wachſen laſſen/ ohne zweifel zu dem end/ damit man nicht zu nah koͤnne hinan kommen. Die Pyramide iſt von oben bis unden mit Bildern außgeziert/ denen man allen die Koͤpff abgebrochen/ und laͤßt ſich auß dem noch ubrigen ſchlieſſen/ daß oben her ein ſonderlich ſchoͤn Stuck müſſe geweſen ſeyn/ dadurch die gantze Pyramide gekroͤnet worden. Sie ſieht ſonſt der Saule des Trajani nicht ungleich die zu Rom ſteht/ und ſolte/ wer beyde geſehen/ wohl ſagen/ ſie weren von einem Meiſter. f Alle Brunnen in den Garten haben Mar⸗ Brunnen. morſteinerne Schalen von verſchiedenen Farben. Es iſt bey jedwederm Brunnen ein kleines Geruͤſt mit einem Schrancken umbgeben/ das wird mit koſtbahren Teppichen und geſtickten Küͤſſen belegt und außgeziert/ wañ der Sultan da vorbey ſpatziert/ und laßt man ſo dann allein die Brunnen ſpringen/ womit er den Princesſinnen offt eine Luſt macht/ die ihm im Spatziergang Geſellſchafft leiſten. Auff dieſe Garten ſind zweytauſend Boſtangi beſtellt/ die ſie müſſen bauen und zurichten/ jedennoch kommen ſie/ wie groß auch die Anzahl dieſer Leuten iſt/ die ſie bauen und warten/ den unſerigen an Schoͤnlheit N nicht gleich. FFC Das XX Von denen Potentaten die ſich zu der Mahome Capitel. 6 15 . taniſchen Reltgion in Europa/ Aſia und Africa halten. 0 Inhalt. General und allgemeine Geſetze/ welche von allen Mahometaniſchen Secten gehalten erden. Curioſe Anmerckung vom Sohn des Kaͤyſers in Java. Welche Koͤnige des Hali Lehre folgen. Koͤniglich Geſchenck deß Groß Mogols nach Mecca. Verſchiedene Wege/ ſo die Mahometaner nach ihres Propheten Grab nehmen. Beſchwerliche Wuͤſten durch die man muß/ ſo man nach dem Grab des Hali reißt. Wunderbarer Waſſer⸗Graben der achtzeAllgemeine . S iſt mir in gegenwaͤrtiger Be0 1 4. 7 ſchreibung des Serrail ſo manchſetze die von 1 floß Gelegenheit zu Handen geallerhand ſtoſſen von der Mahometaniſchẽ Mahome- Religion zu reden/ daß ich bilen lich/ ehe ich dieſe Arbeit gar zu den. richten muß; darin ich dann an0 . hen Tagreiſe waͤhret. Opferung eines Hammels. 8 zeigen will/ wie weit ſich dieſelbige in die drey alte Theil der Welt erſtrecke; maſſen/ was jenes Theil/ nehmlich die ſo genante neue Welt anbe19 8 welche erſt vor zwey hundert Jahren entdeckt worden/ ſo hat der Mahomet mit ſeiner Lehr noch keinen Fuß dahin geſetzt. Die Mahomeraniſche Lehren wil ich nicht berůhren/ von der ich verſichert worden/ Nah uz 1 le ide n der li50 des Groß ⸗ Tuͤrcken. und manche Leut geſchrieben haben/ ich offerire dem Leſer bloß ein Geographiſche Carten aller Landern in Europa/ Aſig und Africa/ ſo von den Mapometiſten bewohnt ſind. Es ſind zwar ihrer Lehrern Meynungen unterſchieden/ was die Außlegung des Geſetzes anbelangt/ und theilen ſie ſich hauptſaͤchlich in zwey Secten/ die eine hangt dem Mahomet/ von dem der Urſprung iſt/ die andere dem Hali an/ welcher einer von feinen vornehmſten Nachfolgern geweſen; doch ſind beydes dieſe General und allaemeine Secken/ als auch die andern abſonderlichen/ ſo von dieſen herſtammen/ gantz einig in den Haupt und Grund⸗Puncten/ die ein jeder Mahometaner im Gewiſſen/ wie ſie lehren/ zu üben und in acht zunehmen verbunden iſt. Ich gedachte etwas von denſelben da ich vom Gebaͤkt meldete/ ſo die Türcken gehalten ſind fünffmahl des Tags zu thun/ ſo iſt quch die Wallfahrt nacher Mecca ein Haupt⸗articul. Ingleichem errinnerte ich etwas davon im Capitel das vom Geſchenck des Turckiſchen Kapſers nach Mecca, ſo er jahrlichen dahin ſchickt/ handelte/ wil alſo in 855 Capitel ſolche Materi vollends zu Ende fuͤhren. 4 In Europa finden wir auſſer dem Turckiſchen Kayſer und dem Kam der kleinen Tartarey keine Potentaten die des Mahomets Lehre zugethan weren. In Aſien aber gibt es deren gar viel/ die ſehr maͤchtig ſind und groſſe Lander beherꝛſchen. Des Tuͤrckiſchen Kaͤyſers Gebiet erſtreckt ſich in ſolchem Theil der Welt noch über die Gegend/ die der Fluß Tygris, ſo wohl bey ſeinem Urſprung als wo er in das Perſiſche Meer ſich ergeuſſt/ abmiſſet und entſcheidet; gegen Nor den aber reichet es biß an das Land der Mingrelier. Wann man nun der Ordnung nach von Abend gegen Morgen zu zehlet/ ſo kommen hiernaͤchſt die Behereſcher in den dreyen Arabien/ nebenſt vielen andern/ von denen offt Erwehnung in zweyen meiner Neiſen geſchehen/ da ich nohtwendig durch die Arobiſche Wuſten gemuſſt. Auff dieſe folgt der Konig in Perſten/ der Groß Mogol, der Konig in Vilapur, dee von Golconda, die Koͤnige an den Malabariſchen Kuͤſten/ unter denen der in Comorin der vornehme iſt; hernach kommt der groſſe Tartar Kam, die BergKonige ſelbiges Lands die in China eingefallen. Alle dieſe Koͤnige nun halten es mit der Mahometaniſchen Religion. f von Acham oder Sumatra, der Kayſer in Java, car, und der König 15 Mascaſſer, die ingleichem alle nuple an: Mahometaner ſind. mn g 92 8 ich vom Kayſer in Java habe MelFabse dung gethan/ muß ich auch bey dieſer Gelegenbai Brin heit anführen/ daß ich auff beſagter Inſel in meiava. nem alda ſeyn vernommen/ wie des Kaͤyſers/ der Anno 1648 regierte, altſter Prinz an jeder Nange di. Hand und Fuß ſechs Finger und ſechs Zehen ea hate die alle gleicher gänge. 5 be fälgen Die Koͤnige von Perſtẽ/ Vilapur und Golconda halten es mit der Secte des Hali, die BergKönige aber in Tartarey nebenſt einigen andern/ kreñjen ſich auch in gewiſſen Puncten von der andern ihrer gehr/ und haben ihre ſonderliche Secte. Dabeh aber zu mercken/ daß auſſer dem Tuͤrcki63 ſchen Kayſer/ dem Koͤnig in Perſien/ denen Arahiſchen Beheroſchern/ und dem Kam der groſſen Tartarey/ alle andere Koͤnige/ die ich angeführt habe/ nur Unterthanen haben/ die die Goͤtzen anbatten/ und ſteckt alſo alles gemeine Bolck in dem rechten groben Heidenthum. Die vornehme Herzen aber nebenſt den Soldaten folgen des Mahomets Lehr. In Afilica iſt ein Mahometaniſcher Konig/ der herꝛſcht nach der Länge der See kuſten des Lands Abe x, ſo gegen dem gluͤckſeligen Arabien über ligt/ bis an das Vorgebirg Guardafu und hat das rohte Meer ſam mt dem Ocean unter ſeiner Botmäͤsſfigkeit.„Wie ingleichem die Beherꝛſchere/ ſo der Tuͤrckiſche Kayſer in Agypten hat und in den Inſeln des rohten Meers/ wie auch die/ ſo er an den Küſten Barbariens einſetzt/ zu Tripoli, Tunis und Algeir. Und endlich die Konige von Fer und Marocco, ſind alzumahl der Mahometaniſchen Religion zugethan. Alle dieſe Könige und Prinzen kommen vornehmlich in dieſem Punct überein/ daß ſie ſich verbunden halten jahrlich ein Preſent nach Mecca zu ſenden/ welches gemeiniglich in reichen Teppichen beſteht/ damit das Grab des Mahomets Geste überzogen und außgeziert werd. Bißwellen ſchi⸗ ache cken ſie auch auß einem abſonderliehen Gelüͤbd vom Groß Geſchencke dahin; als ich einsmahls nach Agra Rogol. reiſete/ ſchickte der Groß Mogol dem Propheten zur Danckbarkeit vor wieder erlangte Geſundheit einen Alcoran der auff 400000. Thaler geſchatzt wurde/ mitten auff dem Bund war ein Demant/ von dreyhundert Karat/ das uͤhrige aber zu beyden Seilen mit verſchiedenen Steinen beſetzt, Die Urſach ſolches Preſents kam daher/ weil ihm ein Bramers propheceyet hatte/ er wurde ſterben/ eh ein Jahr vorbey gienge/ welches dannoch nicht geſchahe. Weil aber der Köͤnig/ über ſolche tods⸗Ankundigung ſehr entruſtet ward/ hat er den Bramere trotziglich gefragt/ ob dan er auch wůſte wañ er ſterben mußte/ und von ihm zur Antwort bekommen/ daß es in drey Tagen geſchehen wurde; welches als es nun alſo erfolgte konte dem Koͤnigfreylich eine Forcht einjagen/ daß es auch mit ihm einen ſolchen Außgangnehmen doͤrffte. Wodurch er dañ dahin bewogen wurde/ ein ſo koſtbares Preſent zum Grab Mahonmets ahzuſendẽ zur Danckſagung und die Gnad ſo er ihm erwieſen/ in dem er des Bramerẽ Wahrſagung zurLugen gemacht hatte/ maſſen In den Orientaliſchen Inſuln findet ſich der Koͤnig der Maldiviſchen Eylanden/ der Koͤnig er aueh nicht einmahl kranck geweſen ſer. Ich hab/ bey vorbeſchehener Erwehnung der Wallfart nach Mecca, da ich von dem Gezelt and Fupfich redete„ ſo der Kähſer jahrlich Oedeahe dahin ſchickt/ die verſchiedene W. gezeiget/ auff welchen die Caravanen ode ege nieht metaner 9e nicht kommen Mahomnaniſche Wall artenauß alerley Orlen duch ber Welt ſch fahrlch pfegen dahinzu 5 Wege Inſuln wohnenden Königen/ wie auch deren/ die ſenſeit des Fluß Ganges ſind/ bent welche ſie an den her zu aecca mit ihren Preſent ſchickẽ/ ſo fahren dieſelbe zu Waſſer nach Mocha einer Seeſtatt/ in dem glückſeligen Arabia, von der auß aber reien ſie gar auff Camelen nach llecca. Die Perſianer ſo an dem Meer hin wohnen/ fahren entweder bey der Inſel Ormus oder zu Baudar an/ ſodann ſetzen 5 durch die Meer⸗ en3 ge 0 Was die Abgeordnete der auff vorbenennten ihres Bro pheten graß 5. Beſchwerliche wuͤſten/ durch die man muß/ wann man zum Grab will. ge die allda nur zwoͤlff bis dreyzehen Meilen weit iſt/ und durchreiſen ſo dann ferner Arabien/ zu der Statt des Propheten zukommen. Die gber in dem obern Theil des Perſiſchen Reichs gegen dem Caſpiſchen Meer wohnen/ wie auch ingleichem alle Tartaren/ die kommen nach Tauris, von Tauris nach Alep, wo die groſſe Caravanen qußreiſen/ die durch die groſſen Wuͤſten gehen/ und die Pilgrim nach Mecca bringen. Einige gehen auch nach Babylonien/ wiewohl es ſelten geſchiehet/ weil der daſelbſt herꝛſchende Baſcha Soll von ihnen fordert/ ſonderlich von Perſianeren/ die ſie vor Ketzer halten. Daher verbietet der Perſer Konig ſeinen Unterthanen auch ſolchen Weg zunehmen/ den Turcken zu Trutz. Es finden ſich aber gleichwohl einige Perſer/ die auß ſonderlicher Andacht und Eyfer zu ihrer Secte den Weg nach Babylon zu nehmen/ weil ſie ſolcher auch zu dem Grab ihres Propheten Hali führt/ welches nur acht Tag⸗Reis davon ligt/ aber an einem ſolchen Ort/ der wol der allerelendeſte auff der gantzen Erden iſt/ maſſen nur das allerſchlimmſte Waſſer in etlichen Schoͤpff⸗Brunnen alda zubefinden/ nebenſt dem ſo in einem Canal iſt/ welchen Cha- Abas Konig in Perſten auß dem Euphrat dahin leiten laſſen/ den man aber gantz und gar laſſen zu Grund gehen. Wer da einen guten Trunck Waſſer thun wil/ der muß es von fuͤnf oder ſechs Tagreiſen weit dahin bringen laſſen; ſo gar groſſe Beſchwernuß hat dieſer falſche dune ſeinen andaͤchtigen auffgelegt/ daß er ſie von ſo damit ſie allda Durſt ſterben oder doch ſo elendig bewirthet ſeyn muͤſſen. Als ich das letzte mahl durch die Wuͤſten reiſete/ ſo kam ich auch die er bey ſich hatte/ begegnete/ und uns Nachan den verfluchten Ort/ weil uns ein Poſtreuter/ der auß Babylon kam/ mit zwey Arabern richt gab/ daß die Tuͤrckiſche Armee/ ſo Babylon eingenommen hatte/ allgemach begonte abzuziehen; und zweifels ohne alle unſere Camele wurde wegnehmen/ ihre Bagage zutragen. Daher wurden wir gezwungen/ uns etwas beſſer gegen Mittag/ und in die Arabiſchen Wüſten zu wenden/ in der wir füͤnff und ſechzig Tage zubrachten/ damit wir nur den Turckiſchen Voͤlckern nicht in die Hande geriehten. Die Arabiſche Potentaten betreffend/ ſo haben ſie nicht weit zureiſen/ weil ſie die nachſte bey des Wunderſamer Ca nal der 18. Tag ⸗reiſe lang waͤhlet. Mahomets Begrabniß⸗Statt ſind. Die Mahometaner/ ſo in Europa wohnhafft ſind/ machen ſich nach Alep alda zur Caravane zu ſtoſſen/ die Africaniſche gehen durch GroßCaire, und ſtoſſen in den Arabiſchen Wuͤſten zu obgedachter Caravane von Alep, etwa achtzehen Tagreiß von Medine, woſelbſt ein Waſſer zu ntlegenen Orten laͤſſt dahin komen/ 0 5 Beſchreibung des Serrailss i finden welches in einem Canal bis zu dieſer Start gehet gantzer achtzehn Tage⸗ reiſen/ ſo lang nehmich die Reiſe waͤhret.& ie glauben auß einer rradition, daß Mahomet diß Waſſer gefunden habe/ da er einsmahls mit ſeiner Armee durch die Wüſten gieng/ welche vor Durſt ſchier verſchmachtet were/ und hab ihm als er am erſten davon trincken wollen/ eine Stimm auß dem Weaſſer zugeruffen/ und geſagt: Prophet/ es wird dir das Waſſer bitter ſeyn; Darauff habe er geantwortet: Laßt uns alle davon trineken/ dann ich bin verſichert daß es ſuſſſe iſt/ wolte Gott/ wir funden nur allzeit dergleichen: Es habe ſich aber die Stimm zum andern mahl hoͤren laſſen und geſprochen: Prophet/ befehle/ ſo wil ich dir folgen; ſo bald er nun den Mund zu reden auffgethan/ ſo habe das Waſſer unter der Erden einen Canal gemacht/ und ſey ihm bis nach Medina gefolgt. Von Damas, Jeruſalem/ und Caire, rechnet man viertzig Tagreiß biß nach Medina, ſo/ daß man am zwey⸗ und zwantzigſten Tag zu dieſem Waſſer kommt. Es reiſen ſo viel unzehliche Leute von ſo viel Orten der Welt auch guten Theils deßwegen dahin/ damit ſie dis wumderwurdige Waſſer/ daß der Prophet hat ſuͤß gemacht/ und verſchafft daß es achtzehn Tagreiß fortgelauffen/ mogen zuſehen bekommen; Summa es iſt kein Mahometaner/ wann er nur ein wenig geſund iſt und etwas Mittel hat/ der nicht ſein Lebtag zum wenigſten einmahl ſelbſt dahin gehe oder jemand anders an ſeine ſtatt/ dahin ſchicke. 5 i Nachdem die Pilgrim etliche Tag ſich in Me- Opfer dina haben aufgehalten/ begeben ſte ſich nach Ge- nig! bel-Araffa, das iſt/ an den Ort wo die Tuͤrcken we vermeynen/ daß Adam fuͤnfhundert Jahr nach ſeiner Erſchaffung die Eva gefunden habe. Es iſt eine Statt/ die in dem Gebirg zwey Tagreiſen von Medina und eine von Emena abligt/ welche letztere der halbe Weg iſt. So bald die Pilgrim alda angelangt ſind/ kauffen alle/ die es in Vermoͤgung haben einen Hammel zum Opffer/ und theilen es hernach unter die Arme auß/ weil ſie vor ſich mehr nicht als zwey Pfund behalten koͤnnen. Wann ſie diß unterlieſſen und es kame auß/ ſo koͤnten ſie hernach ſich ihr Lebtag weder Kopff abſcheren noch die Nagel abſchneiden laſſen. Von Gebel-Araffa kehren ſie wieder zuruck nach Medina, woſelbſt man die Zeit außrechnet und abzehlt/ wann die Caravane alda ankommen; diß geſchicht zu dem Ende/ weil alle Pilgrim/ die zu Land dahin reiſen/ auff ſibenzehn Tag allda verſorgt und Frey gehalten werden; die aber uͤber Meer dahin anlangen/ ſind Zehrung frey/ und wann ſie ihr Lebtag da blei. ben wurden. D E. 0 Des dritten dieſes Vahmens Kong n N erſen Oe jenigen/ was ſſcht mden erſten Jahren er. Regirung am denck⸗wuͤrdigſten zu getragen. 15 Anfangs Juanzeſſh beſchrieben amſetzo aber in de ag„Teuſſhe e he verſetzet. Genff/ 0 Johann Hermann Wdehed 16 81. /àu„pl5 Ur Majeſtaͤt hohe Guͤttigkeitund Wuͤrde/ ſo ſiiß auch uͤber dero geringſte Vnterthanen erſtrecket/ gibt mir Anlaß/ die Freyheit zu nehmen/ deroſelben eine Geſchicht⸗Beſchreibung der Koͤnige in Perſien/ welche die Kroͤnung deß engen/ der heutiges Tages den Thron beſitzet/ vnd die erſte Be„ goebenheiten ſeines Koͤmgreichs in ſich begreift/ zu uͤberꝛeichen. r Dieſelbe ninit ihren Anfang von dem Lobſpruch deß verſtorbenen ömgs Habas/ welcher Eure Koͤnigliche Perſon jederzeit in ſehr hohem Werth gehalten/ und dero ungememe Qualitaͤten/ mit denen dem Hummel/ ſie zu begaben beliebet/ mit höͤchſter verwunderung angeſehen. Die Frantzoſen/ welche die Wuͤrde gehabt/ mit dieſemgroſſen Nonarchen zu reden/ wiſſen davon zu ſagen/ mit was für fleiß und Sorgfalt ſich derſelbe/ wegen Eurer Mafeſtaͤt Heroiſchen Thaten und Handlungen ſich erkuͤndiget/ deren Erzehlung anzuhören/ er nie muͤde worden iſt/ und obwohlen der hochtragende Stoltz der Koͤnige in Perſien auch auf ihn geerbet/ daß er nach ihrem Exempel/ weder den Groß. Nogol/ noch den Groß Tuͤrcken ſolcher Ehre wuͤrdig geſchaͤtzet/ ſo hat er doch kein Bedencken zutragen/ ſich Ehrenthalben Eurer Maß. Bruder zu nennen/ und zu ſagen/ daß der Konig in San e roͤſte berden die Erkandtnis dero Koͤniglichen Tugenden gegruͤndet war. Es werden alle Völcker auf Erden/ welche eure Geſchichte leſen werden/ eben dieſer Neynung ſeyn/ wann ſie die groſſe Dinge/ die E. Maf. gllicklich zu Ende gebracht/ und welche alles/ was auch von den maͤchkigſten Komgenm Perſten lobliches undrubhmwuͤrdiges veruchtet wol den ſeyn mag/ uͤbertreffen/ vernehmen werden. Was aber meine Perſon anbelanget/ alß deren geſicht wiel zu bloͤdiſt daß es einen ſo hell leuchtenden Glantz ſolte ertragen könen/ ſo will ichs der Verwunderung uͤber Eur. Maj. Thaten einer/ welche mit der Profeſſion/ die ich anje zo treibe/ am meiſten uͤberem komt/ bewenden laſſen: ich will ſagen/ die Auffrichtung deß gewaltigen groſſen Kauf handels und Gewerbs/ ſo der Gllekſeligkeit der ron Franckreich noch zumangeln/ ſchiene/ und welcher heutiges Tages durch Eurer Maſehl/ und unter dero Schum zu ſo feſtem Stand gebracht wor bey ſtaͤt Befe den iſt. Ich verhoffe auch/ innerhalb kurtzer zeit auf meiner zweyten Neyß Ndie ſte/ den gluͤckuchen Fortgang deſſelben nut memen Augen zu ſehen/ und daſelbſt euren herꝛlichen und hochan ſehnuchen Nahmen bey vielen uns zuvorhero unbekandten Nationen in hohem Werth anzutreffen. Und werde mich jeder ſelig ſchaͤtzen/ mit eur. Maj. Befehl roſelben bezeugen moge/ daß ich nichts hoͤhers wunſche und verlangt als mein gantzes Leben/ und Thunm deß allermaͤchtigſten Kömas von der Welt Dienſt zuzubrigen/ unter deſſen Koͤmgreich ich die Ehre habt/ gebohren in Indien/ wor zu ich mich ru mn naͤdigſter Honig und Her: 37 Euer Mapſeſtaͤt. Aller unterthaͤnigſter/ gehorſam ſter/ und Unterthan und Diener. CHARDIN. zu werden/ und deme ich mich zu eigen ergeben habe ⸗ a0 gröͤſte Keyſer in Europa/ gleich wie er der maͤchtigſee Potentat in Aſia Dieſes habe ich auß ſeinem eigenen Munde gehöͤret/ ſo offt ich die Ehre gehabt/ mit ihm zu reden/ und war an ſeinem Geſieht und Gegenugſam abzunehmen/ daß Mund und Hertz mit emander uͤbe remſtim̃eten/ und daß das Lob/ welches er E. Maß gegeben/ au zeit böchſe gläcl en geehret zu werden/ danut ich d 65 5 getrewſtt 8„„ 8% 2 2 f e Neer allen groſſen und weitlaͤufftigen Orientaliſchen Koͤnigreichen/ welche die Leuthe biß dahero von den weit entlegenſten Orten zu beſuchen/ entweder auß Vorwitz/ etwas neues zu ſehen, und zuerfahren/ oder auß Begierde/ fich zu bereichern/ bewocJgen worden ſind/ i meines Bedenckens keines/ welches PerN ſien nicht weit nachzuſetzen ſen/ man betrachte gleich die gemaͤſA ſigte geſunde Lufft/ und die Art und Eygenſchaffe deß Landes/ welche beſſer alß anderswo iſt/ und mit der unſeregen mehr uͤberee komt/ weder alle vortreffliche/ und rare Sachen/ ſo daſelbſt eee nmgroſſem Überfluß anzutreffen ſehn. 5 die Maͤſſigkeit deß Lufts anbelangt/ ſo iſt dieſelbe in Perſtien ſo vortrefflich/ daß 8 Was enig Laͤnder in der Welt zu finden ſeyn werden/ da die Lufft ſo rein und geſund iſt: Dielle iſt ſchier durchgehends trocken/ welche Trockne dahero komt/ weil es in dem gantzen Nonigreich wenig Waſſer/ und nicht viel Stroͤme/ Fluͤſſe/ noch Seen gibt/ auß welchen le Sonne die Duͤnſte ziehen/ und reinigen koͤnte. Das Land Perſien iſt entweder warm/ der kalt/ nicht allein nach unterſchiedlichen Graden/ ob ſchon die Erd⸗Beſchreibung as verſchiedene Temperament der Welt⸗Theile auf dieſelbe einig und allein gruͤndet: ſondern auch nach der Beſchaffenheit deß Crunds und Bodens/ ja nach dem derſelbe nach ſeinen erhabenen Hohen/ Flachen und Ebenen/ ſich ener Ader der andern von dieſen genſchafften mehr/ oder weniger theilhafftig machet. Jedoch iſt die Lufft/ ins gemein von zu reden/ in dieſem Land kuͤhl und dieſe kuͤhle Lufft hat eine ſo wunderſame Eygenafft/ daß die Leuthe/ außgenommen an den Graͤntzen gegen Suden/ und Norden/ ius geſamt ſehr geſund/ ſchoͤner Farb/ und beyderley Geſchlechto von Leibs ſtaͤrcke gliedeg/ und wolgeſtalt ſeyn. 1 8 5 Weil ſich nun zwiſchen der Art und Beſchaffenheit der Gemutter/ und der Laͤnder/ eine geoſſe Ehnlich keit befindet/ und es mit Perſien dieſe Bewandnus hat/ ſo iſt leicht hieraus üurtheiſen/ daß die Leute daſelbſt ſinnreich/ hurtig und gelernigſeyn můſſen. Und dieſes inder ich auch in Perſten inder That alſo: Denn die Perſtaner ſind verſtaͤndig/ ſpitzdig/ ſcharfffinnig und klug/ und in kemerley weiſe ſo wild und umnenſchlich/ wie die Urcken/ noch ſo unverſtaͤndig und unwiſſend alß die Indianer/ zwiſchen welchen beyden olckern ihr Land gelegen: ſondern ſie ſeyn von Sitten freund⸗ und hoͤflich/ und koͤnnen lͤchtlich em Dmg aſſen/ und begreifen. Die Sitten der Volcker folgen gemeunglich ihrer Religion nach: dann das ienige— an der Mahometiſchen viehiſches und unmenſchliches zu finden iſt/ ſolches komt dends anders/ als von dem uͤbermaͤſſigen Haß her/ welcher widrigen Glaubenogedſen naturlich iſ/ indem ſie ihrem raſenden Wuͤth wider andere Religionen weder 8 5 E 3 Hoh was lernen/ alß lehren moͤchten/ und haben eine ſolche Begierde/ andere zu unterwel 0 und die Wiſſenſchafften zu befoͤrdern/ daß ſie auch Schüler erkauffen/ und ihnen Gl, geben/ umb ſie zu lehren. Dieſes pflegen die vornehmſten Leuthe/ inſonderheit aber die nige/ welche entweder wegen ihrer Untuͤchtigkeit/ oder auß Geringſchaͤtzung der Ae, noch Maas zu halten weiß ſondern befihlet den jenigen/ ſo ſich hier zu bekennen/ auß zurotten/ und ſpricht ihre Guter/ und Freyheit denen zu/ ſo es mit der ihrigen halten/ und geſtattet keinem/ daß man ihnen das Leben laſſe. Weil ihr nun keine/ alß die Chriſtliche Religion/ nach ihren Grund gegeln/ und Lehrſaͤtzen zuwider iſt/ und ſich der Fortpflan tzung der ihrigen mehrers wi derſetzet/ ſo muß ſie auch den Grimm der Mahometiſchen Religion am meiſten empfinden: Dann die Tuͤrcken ſeind umb keiner ander Urſach willen ſo ſehr wider uns verbittert/ als weil ſie Mahometaner ſeyn: ihr Glaub erwecket mehr alß ihre angebohrne Art/ ihren unauffhoͤruchen Haß gegen uns: und weil ſie unauffhoͤrlich mit den Chriſten Krieg fuͤhren/ ſo kan man wol von ihnen ſagen/ daß ſte int geſamt einer ſolchen unmenſchlichen und grimigen Art ſeyn/ welche ſie dieſelben allenthaben wo ſie koͤnnen/ und moͤgen/ empfinden laſſen. Die Perſianer 2 9 1 5 trachten kei 1 nes wegs/ uber die Chriſtenheit einigen Gewalt zuuͤberkommen: ſie haben auch von vielen hundert Jahren her keinen betraͤchtlichen Krieg mit den Chriſten gefuͤhret: und gibt el in vielenihren Provintzen gar keine: wo aber einige derſelbe zu finden ſeyn/ ſo werden die ſelbe nicht haͤrter/ als alle andere ihre Unterthanen gehalten: dergeſtalt/ daß ſie keinen ſo uͤbermaͤſſtgen Haß gegen uns tragen: und uͤber diß/ weil ſie zum Krieg micht ſonderlu geneigt/ noch hierzu tuͤchtig ſeyn/ ſo ſind ihre Sitten viel freundlicher und vermumfſtmaͤſſiger. Nit einem Wort/ weil die Perſianer meiſtentheils von natur zu den Künste und Wiſſenſchafften geneigt ſeyn/ ſo kan man ſich leicht einbilden/ daß ſie ſehr freundlich und leutſelig ſeyn. N. Ich glaube nicht/ daß einiges Land in unſerm Enropa zu finden ſey/ allwo die Wiſſell ſchafften hoͤher geachtet/ und mehrers geſuchet werden/ alß in Perſien geſchicht. Man ſihet in allerley Staͤnden/ daß ſich die meiſten darauf legen/ und haben viel Handwerckt leuthe/ ja ſo gar die Bauren ſelbſt/ ein groſſes Belieben/ gute Bucher zu leſen/ und ziehe lhre Kinder/ ſo viel es ihnen ihr Vermoͤgen zulaͤſet/ in den Wiſſenſchafften auf. Ju die ſem Ende ſchicken ſie dieſelbe un fuͤnfften Jahr ihres Alters in die Schulen/ und bemuͤheh ſich/ dieſelbe in die jenige offentliche Collegia zubringen/ allwo nicht allein die Lehrme ſter zu lehren/ beſoldet/ ſondern auch die Schuler/ umb zu lernen/ frey gehalten werden damit ſie auß Armuth darvon nicht abgehalten werden mochten. Die Leuthe/ ſo ſich e das ſtudieren legen/ bleiben die gantze Zeit ihres Lebens darbey/ mehr auß Luſt/ ſo ſie hi von empfinden/ alß eine Handthterung daraus zu machen. Sie laſſen ſich auch twee durch den Eheſtand/ noch einige Geſchaͤffte/ oder ihren hohen Stand/ und Ampt dard verhindern/ daß ſie ſich nicht biß an ihren Todt darauf befleiſſigen ſolten/ wie ſte ba 1. ter und Bedienungen/ zu keinen Staats⸗Sachen gebraucht werden/ oder ſo mit Ungn 5 den vom Koͤnig abgeſetzet werden/ mehr alß alle andere zu thun: Dann ſie halle 8 ihnen füͤr eine ſo groſſe Ehre/ und tragen ein ſolches Belieben/ allerhand Wiſſenſchafſe, zulehren/ daß ſie/ wann es ihnen an gnugſamen Diſeipeln gebricht/ dieſelbe durch 0 6 lohnungenund jaͤhrliche Einkunfften an ſich ziehen/ und diefe Urſach deßwegen anft 4 ren/ daß ſie ihre Güter nicht beſſer anlegen konten/ alß wann ſie guten Koͤpffen dal unter die Arme ngreiffen/ welche ſonſten ohne daſſelbe/ ob ihnen ſchon die Natur gl Gaben verliehen/ im ſtudieren nicht wurden fortkommen konnen 1 Im uͤbrigen legen ſich die Perſianer auf allerhand Wiſſenſchafften/ und haben bill 1 Chriſtliche Scribenten⸗ die bey uns in der Philoſophi/ Aſtronomi/ Medirm/ und in/ Mathematiſchen Küͤnſten/ gebraͤuchlich ſind. Über diß haben ſie auch etliche Arabi 00 und Perſiſche/ welche ſie ſür eben ſo hochgelehrt/ alß die Griechen halten. Et fan aber nicht fehlen/ daß ſie nicht auch neue gelehrte Seribenten/ ſo wol alß wir haben ſolten: inſonderheit haben ſie in der Aftronomy viel beſondere Sachen/ und weil ſie ſich vornehmlich auf die Aſtrology legen/ ſo reden ſte davon alß Leuthe/ die treffliche Meiſter darinnen ſeyn. Es iſt aber ihre Theologt allen andern vorzuziehen/ wormnuen ſie viel hohe und wunderbare Sachen haben/ die in Warheit ſwol werthſenn daß wir denenſelben nachſianen. Bon den Eygenſchafften Gottes haben ſie in ihren Schriften von der Religion ſolche Meynungen/ daß ſie mit dieſen einen Platz unter den ſchoͤn ten Stellen in den Buͤchern deß H. Auguſtini/ und s. Thomæ wurden haben konnen. So ſind auch in der Theologiapractica, dem die lu ciſprudentz/ eben wiebey dem Volck Iſrael/ ein Stuck iſt/ eine groſſe Menge ſehr ſchoͤner/ und merckwuͤrdiger Sachen anzutreffen: und ſind die Umbſtaͤnde einer jeden derſelben ſo deutlich vorgetragen/ daß ich mir ſolches von ihnen nimmermehr ein bilden noch glauben koͤnnen.. Es geben auch die Kuͤnſte/ der Politic/ das Regiment/ und der Gehraͤuche der Perſialer/ ſehr viel Sachen an die Hand/ woruͤber mau nuͤtzliche/ und annehmliehe Anmerckungen machen/ und durch Begreiffung deſſen/ was bey dieſen Voͤlckern am ſchoͤnſten und rareſten zu befinden/ viel erfahren koͤnte/ worvon den bißherige Relationen weiters . nichts melden/ alß nur etwas weniges was die ſenige/ ſo ſiegeſchrieben/ entweder geſehen/ oder von Leuthen/ welche eine gar geringe Wiſſenſchafft hier von gehabt gehoͤrt haben. Ich will aber urtheilen laſſen/ ob meine Anmerckungen beſſer/ alß dieſer Seribenten Ehre ſey. Wann ich deſſen Zeit und Weile gehabt hatte/ wolte ich dem Leſer viel Uberſetzungen auß dem Perſiſchen ins Frantzoͤſiſche: In gleichen unterſchiedliche Anmerckungen uͤber das jenige/ was ich ſelbſt geſehen/ und taͤglich auß den Geſpraͤchen vieler vornehmer und gelehrter Leuthe in Perſien vernommen: wie auch einen weitlaͤufftgen Beicht/ das Land ins gemein/ die Sitten/ Regirung/ Geſetze/ und Wiſſenſchaffken betreffend/ mitgetheilet haben. Immittelſt/ weilen ſonderbare Gaben erfordert weren/ von allen Sachen nach begirigem Genuͤgen zu handeln/ und hierzu nicht genug iſt/ daßman der Lands⸗Sprach kuͤndig ſey/ und daß man ſich ſorgfaͤltig auff ſolche Sathen ige/ ſondernein reifes Urthell/ gemeine Nachforſchung/ vollkommene Wiſſen chat und/ ſo zu reden/ ein allgemeiner Verſtand hierzu gehoͤret/ damit man alles recht erfahen/ unterſcheiden/ und wol darvon reden moͤge: ſo iſt ſehr ſchwaͤr eine ſolche Relation zu achen/ die von jedermann gelobt und angenommen werde. Es hat mich aber das Verlangen/ vorhero/ ehe ich das zweite mal in Perſien reyſte/ zu erfahren/ ob meine Schrifften mit der Zeit angenehm ſeyn werden/ und ob ich die Genehmhaltung verſtaͤndiger deuthe zu hoffen habe/ damit ich fůr andere nicht vergeblich/ nd mit meinem ſchlechten Ruhm arbeite/ vornehmlich hierzu bewogen/ dieſe Relation 38 zueinem Probſtuͤck an das Tagesliecht kommen zulaſſen/ woran ich erkennen moͤge/ was von derſelben werde gehalten werden/ danitich/ wann hiervon zu meinem Vortheil geurgeilet werden ſolte/ hierdurch angefriſchet werde/ mich noch weiters der Perſianiſchen Jachen zu erkuͤndigen/ und dieſelbe dem Leſer umbſtaͤndiger mitzutheilen. Solchem nach habeich mich hierüber lange Zeit bedacht/ was ich für eine Mater zu dieſer Relation erwaͤhlen ſolte: und zwar/ ſo war ich anfaͤnglich willens die LandbeN chreibung Perſiens/ oder Perſianiſche kphemerick s und Tagrechnungen/ der ich ins Grantzoͤſiſche uͤberſetzet/ heraus zu geben Nachgehendo war ich mehr zu der Überſetzung des Theils der Perſianer Geſetzes geneigt/ welches den Ceremomen ihrer Religion Falaas und Ordnung vorſchreibt. Bald nahmeich mir vor/ die Beſchreibung der Stadt Iſpahan/ oder deß jenigen alten Gebaͤudes/ welchet unter dem Nahme der Antiquitaͤten on Perſepolis bekandtiſt/ und ins gemein/ wiewolunrecht/ deß Darü Pallaſt genandt wird wird/ nebenſt den Figuren und Uberſchrifften trucken zu laſſen: bald gedachte ich einen Tractat von ihrer Regierung heraus zu geben. Nach dem ich aber allet hin und her erwogen/ ſo beſorgeteich/ es mochten dieſe Naterien ſederman ins gemein micht ſo annehmlich ſeyn/ als etwa einige Geſchicht/Beſchreibung ſeyn mochte/ ſo ſich für allerhand Leuthe ſchicket/ und nach ihrem Verſtand richtet. In Betrachtung deſſen/ habe ich das letzte Stůck der Perſianiſchen Geſchicht Reiß gefertiget/ welche von der verſtaͤndigſten und gelehrteſten einem dieſes Königreichs/ und der/ ehe der durch ſeiner Feinde Mißgunſt in Ungnade gerathen/ in hoͤchſtem Anſehen geweſt/ auß gearbeitet wordeniſt. Dieſer hat von ſo vielen Jahren her/ in denen er in ſeinem Pallaſt/ wie in einem Gefaͤngnus verſchloſſen geweſt/ auff Befehl des verſtorbenen Koͤnigs/ welcher alle ſeme Guter/ biß auff viertzig tauſend Pfund Renten/ die er im zu genieſſen gelaſſen/ eine Chronickſeinet Landes geſchrieben/ welche er von dem L. Koͤnig in Perſien angefangen und damit biß auff das 1038. Jahr der Hegera, nach der Maometaniſchen Auß rechnung/ welches nach der Chriſten Rechnung/ in das 1629. Jahr fle fortgefahren/ daſelbſt aber abgebrochen/ weil die meiſten/ ſo nach ſelbiger Zeit die Staats Geſchaͤfften führen helffen/ noch bey Leben ſeyn/ und in Aemptern ſitzen/ non derheit aber darumb/ weil von diſem Jahr an/ Perſien von Tag zu Tagan ſeiner groſſen Macht und Herꝛligkeit/ zu welcher es ſo hoch geſtiegen/ abgenommen. Dieſes Herm umb ſeine Kundſchafft zu bewerben/ welcheich auch ſehr vertraulich mit ihm gemacht/ und als derſelbe verſpuret/ daß ich groſſes Verlangen truge/ das jenige/ was in diſem Koͤnigreich von ſelbiger Zeit an vorgegangen/ zu wiſſen/ ſo hat er mir weitlaͤufftige Nachricht hiervon gegeben/ und mir ſelbſt auß ſeinen Schriften viel Sachen in groſſer Geheim/ und Vertrauligkeit in die Feder dictiret/ welche mir/ mehr als alle andere/ zu Vermehrung meiner Uberſetzung ſeiner Geſchicht⸗Beſchreibung aller merckwuͤrdiger Begebenheiten/ biß zu End des Monats Auguſti/ behuͤlfflich geweſen ſind. Von dem Titel diſes Buchs will ich weiters nichts melden/ weil derſelbe meinem Beduncken nach auß dem Hauptwerck des Wercks/ nemlich der Kroͤnung Solimanmi deß Dritten/ Koͤnigs in Perſien/ genugſam zu erſehen iſt. Damit man aber gleich in erſten Anblick ſehen moͤge was in dem gantzen Werck verhandelt werde/ ſo habe ich noch e gen bungſe as egg weg ſchindemerſten zwepen Jeu ſeiner Regierung am denckwuͤrdigſten zugetragen hat. Wag die Recht ſchreibung der Perſianiſchen Nahmen/ und Woͤrter bedeutet/ ſo habe ich mich/ ſo vil mir muͤglich geweſt/ befliſſen. Das diſelbe recht außgeſprochen moͤgen werden. Eb wal auch meine Meinung/ diſe Nahmen/ und Worter am Rande mit ihren natuͤrlichen Buchſtaben zu ſetzen/ wann es fuͤglich haͤtten geſchehen koͤnnen. 1 In dem Laubwerck der Zueignungs ⸗Schrifftiſt mein Abſehen geweſt/ den Sinn und Meinung eines Perſianiſchen Poeten außzudrucken/ welcher in ſeiner Gedichten einen ſagt: Die Sonneiſt ein Sinnbild groſſer Roͤnige. Soweiß auch jederman daß der gantze Leib der Sonnen das Sinnbild unſers groͤſſen Monarchen ſey; unde denen/ ſoin Perſien/ oder denen die Particularitaͤten diſes Landes bekandt ſeyn/ ni unbewuſt/ daß eine auffgehende Sonne hinter einem Loͤwen das verborgene Lehr bild del daſelbſt regirenden Fuͤrſten iſt. Und habe ich dafuͤr gehalten/ daß ſich diſes etlicher maſſen zu dem ſenigen/ was ich nur obenhm in der Zuſchrifft berͤhret/ ſchicken werde/ un hette ich zwar den Perſianiſchen Vers uͤber die Leiſte des Kupffers geſetzet/ wann nicht dafür gehalten/ daß diſe Schrifft vergeblich ſeyn/ und faſt von niemand konne verſtanden werden. 5 5 8 SOLIMAN 1 Nen Ves. ill te/ glorwurdigſter Oedachtnüß/ mit Todt abgangen/ e J luſt wol für eine e vom Himmel über 8 die mächtige Koͤnigreich/ welches er jederzeit ſo weißlich beherꝛſchet/ verhengte Züchtigung/ und groſſes Unglück vieler Milfionen Seelen/ die under Aich lea ſeinem Gebiot lebten/ gehalten werden; als von welchem die Per ſianer niemals anders/ als eiſondel fe e gart e ne PMerꝛlichkeit wieder geſetzet worden ſeyn wilde/ wann er das Lehen langes gehabt haben ſolnem proßmutigen Fürſten reden/ deſſen Tapfferkeit/ und hoher Verſtatid/ bis anhero das Weiſte gethan/ daß jhr Land wieder zu dein vo90 Wolſtand gelanget iſt/ und welches guch 1 te. Und zwar ſo hatten ſie gute Urſach/ lhnen die Hoffnung zu machen/ daß ir ſie ſo wol bey Ne dem andern beſtändig erhalten/ und ſolches das gantze Land ſamt und ſonders zu gemieſſen haben wurde; alldieweilen er durch Vitie helden malſige Tugenden/ noch vor dem e e Jahr ſeines Alters/ an den auſſerſten Grentzen dieſes Königreichs/ die Stadt Kanddar, pie alich die gantze Provintz/ eben Alſo genant/ einem ſo machtigen Feind/ als der König in Jidien l/ abgenommen/ und dieſelbe feſchers Wider alle deſſeß vereipigre Macht/ ſe wieder zu enen heſchuze hal. Eriſt auch don wegen derſelben/ von ſeinen anachtigſten Kroſmumg olim. ö Vier und Achdem Konig Nachbe Habas der ZweyA kunte deſſen Berſeſes Namens/ Dreyſſigſte König Nachbaren/ dem Groß⸗Furſten in der Moſcau/ dem Tartar⸗Cham/ dem Tuürckiſchen Kayſer/ und dem Konig in Indien ſelbſt/ welcher ihn/ nach dem oberwehnten Unfall/ nicht wieder augreiffen/ noch etwas wider ihn vornehmen dorſfen/ geförehtet und geehret worden. Auß Antrieb oberwehnter Tugenden/ hab er ſich aufs guſſerſte bemühet/ eben damals als er von dem Tod ubereilet worden/ die renhen ſeines Reichs zwiſchen Norden und Oſten mereklich zu erweitern; und gaben die groſſen Vorbereitungen/ die er hierzu gemacht/ manch Urſach zu glauben/ daß er dieſes ſein Vorhaben unfehlbar glücklich hinaußführen würde. Die Chriſten/ welche das Glück gehabt/ ſeine Underthanen zu ſeyn/ baweinen denſelben uf den heutigen Tag in geheim/ nicht allein als ihren Konig/ ſondern auch als ihren Valter weilen ſeitne Gereehtigkeſt/ und ſeine Gütigkeit niemals zugelaſſen daß man gegen ſie einigen Gewalt ver be/ noch ſie wegen jhrer Religion/ deren Ubung ihnen/ zeit ſeiner e gierung frey ind ungehifſdert zugelaſſen worben iſt/ beunruhigen doͤrffen/ weilen jederman wol gewußt/ daß dieſe zwo Tugenden in hm knnberanderlich wären: welche dann jederzeit die Unſinnigkeit der gottloſen und grauſaren Mahometaner verhiſidert/ die Ruße jhres Lebens und ſhrer Guter zu zerſtören. Ind dieſes iſt auch die Urſach/ daß die Außlander ſeinen Verkuſtſo hoch beklagen/ und die Gedacht 1115 ſeltenen und ungemeinen Juglikteneialten in demeer dieſelhe durch feine Leutſeligund Freundlichkeit an ſeinem Hofe/ und an die jhme underworffene Stadte gezogen/ 175 5 2 Solifriantn III. Koͤnigs ä ſich jhrer zu Erkauffung der koſtlichen Kauff wahren bedienet/ die ſie zum Theil von deme/ was er von ſeinen Underthanen einzunemmen f hatte/ brachten und das jenige/ was er zu haben verlangte/ ehrlich und gutwillig bezahlet hat. ueſach. Wir haben bey Endigung ſeiner Lebensdes Todes. Beſchreibung gemeldet/ daß die Urſach ſeines f Todes die jenige beſchwaͤrliche Kranckheit geweſt/ welche man Ehrbarkeit halber/ nicht wol nennen darff/ noch viel unehrbarer aber iſt dieſelbe zu haben/ und die ſich/ wie ſehr man auch dieſelbe zu verbergen trachtet/ ſo gar an den Stirnen der jenigen/ ſo daran kranck ligen zeiget/ und jhre Schande/ und unehrliche Beywohnung/ die ſie mit unzuchtigen Weibern geDer Ort/ pflogen/ offentlich an den Tag leget. Wir haben ingleichem geſagt/ daß ſich dieſer Todsfall in einem Luſthauß begeben/ welches er in der Provintz Teber · Eſtoon, zwo Meilen von Damagaan, einer alten und ſehr groſſen Stadt/ gehabt/ welche under dem vierdten HimmelsStrich(Clima) gelegen iſt/ unnd deren Lange die Perſianiſche Geographi, oder ErdBeſchreiber/ in den 78. Grad/ 15. Minuten/ die Breite aber in denz /. Grad/ zo. Minuten/ zwolff Tagreyſen von der Haubt⸗Stadt des Reichs/ und neun von dem Caſpiſchen Meer ſetzen. Nachdem nun viel Landleute um dieſes Luſthauß jhre Wohnungen herum aufgeſchlagen/ ſo iſt nach und nach ein Dorff darguß/ und daſſelbe von den Perſianern Kolroéabaad, das iſt/ die Wohnung des Colroẽs genant worden; weilen dieſer ein Fürſt/ und damals Statthalter uͤber die Provintz geweſt/ in welcher dieſes Dorff lag/ welcher Colroẽs genant wurde/ und dieſes Luſthauß zu den Zeiten Seſie des Erſten/ des jetzo regierenden Konigs Groß vgtters/ erbauet: Es hat aber Se. Maj. etliche Jahr hernach/ daſſelbe/ ſamt allen andern Gütern dieſes Statthalters/ einziehen/ und denſelben umbringen laſſen. Weilen gber/ weitlaufftig hiervon zu reden/ hieher nicht gehoͤrig iſt/ ſo wil ich weiters nichts dar von melden. N Wir haben uͤber diß die Zeit dieſes klaglichen Todes angemercket/ und geſagt/ daß ſich derſelbe am z6. Tag des Monden/ den ſie Kabeia el aker de Egerè 109. welcher der Chriund Zeit deſſelben. ſten Rechnung/ auf den 25. Septembris 1666. fallt/ des Morgens um 4. Uhr/ mit den erſten Stralen der Morgemrohte begeben; alſo daß der Tod die Augen dieſes groſſen Monarchen mit ewigen Banden der Finſternuß eben in dem Augenblick zugeſchloſſen/ als das Tagesliecht ſeiner Underthanen ihre/ zu jhrer taͤglichen Arbeit eroͤffnet. 1 1 Wir haben ferners erzehlet/ daß die vornehmſte Verſchnittene/ als ſie eine Stunde vorhero die Wahr zeichen jhres Fuͤrſten heran nahenden Todes wargenommen/ für rahtſam Derſelbe erachtet/ keine Weiber mehr zu ihm kommen Bas zu laſſen/ guß Beyſorge/ ſie mochten durch ihr nen eineteit⸗ Ubermaſſiges Klagen/ Weinen und Heulen/ bein geek einen Tod offenbaren/ welcher doch auß wichen. tigen Urſachen annoch verſchwiegen gehalten werden muſte. Dieſem nach überredeten ſie dieſen Tod kund machten. hohe ge verstorbenen dieſelbe/ daß er ſchlieff/ und ſie ſich deren vslaſſen muſten. Dieſes ware ſehr weißlich gethan geweſt/ wann dieſe ſo kluge deute ſelbſt ſo verſchwiegen hatten ſeyn konnen; ſie kunten ſich aber ncht enthalten/ daß ſie nieht/ als ſich dieſer traurige Fall begeben/ etliche Seuſtzer gelaſſen hatten/ an welchen das Königliche Frauenzimmer gemercket/ was ſich begeben haben moͤchte: dann ſo bald es jhre Klagen vernommen/ war es ſchon an deme/ daß ſie einen Lermen in dem Koͤniglichen Lager machen wollen/ wann dieſe Verſchnittene daſſelbe nicht ufs beweglichſte erſuchet/ daß es mit ſeinen Thlaͤnen noch eine zeitlang jnnen halten wolleweil des Reichs Wolfahrt hieran hafftekte worinnen jhnen dann dieſe troſtloſe Princeſſinnen gehorcheten/ ſo viel hne ein ſo empfindlicher Schmertz/ als der jhrige war/ zulieſſe. Ich kan im vorbey gehen/ allhier nicht ung laſſen/ daß bey ſolchen Begebenheis ten dieſe Weiber ſich nicht allein uber den Tod des Konigs/ hres Gemahls/ ſondern auch uber den Verluſt der wenigen/ und gleichſam eines Schattens der Freyheit/ deren ſie bey ſeinen e eine e ihn ruhen 5 Lebzeiten genoſſen/ ſo hoch bekuͤmmern; alldieweilen dieſe Princeſſinen/ ſo bald des Koͤnigs Leichnam ins Grab gelegt worden/ faſt ins geſamt an zwar luſtige Oerter/ und woſelbſt es jhnen an nichts mangelt/ eingeſperret werden: Ihtem Beduncken nach aber/ fehlet es jhnen an allem/ weilen ſie einer Sache beraubt ſind/ die ſie am aller meiſten von der Welt verlan gen/ nemlich die Gemeinſchafft/ und Beywohnung mit Manns perſonen/ die jhnen ſo ſcharff verbotten iſt/ daß ſie keinen einigen mehr zu ſes ben bekonen jn; Nachdem nun die Verſchnittene ſich under einander berahtſchlaget/ was in der Sache zu thun ſeyn möchte/ weil ſie beſorgeten/ es möchten die eyflfertigen Viſtten zu ſo ungewohnlichen Stunden/ bey einigen ſpitfindigen Kopffen/ ungleiche Gedancken erwecken/ ſo entſchloſſen ſie ſich/ ſo lang zu warten/ bis es Tag worden/ und die Sonn aufgegangen/ ehe ſie den vornehmſten ieſe waren zwar Konig/ alle Reichs⸗Geſchaͤfften/ ſchier mit gleicher Macht und Anſehen vezwaltet. Zu die- Sie 7 ſem Endeffertigten ſie zween guß ſhrer Geſell⸗ daf nen, ſchafft an ſie ab/ nemlich den dlehter deſſen Reel Ambt an dieſem Hofe/ mit der Ober⸗Kamme⸗ dechre g. rer⸗Stelle bey uns/ eine Gleichheit hat; ja es g hat dieſes Wort/ in der Arabiſchen Sprach/ noch etwas hoͤhers und groͤſſers auf ſich. Der andere abgeordnete Verſchnittene/ Namens Aga Kafour, war bereits ein betagter Mann/ ulld der Vornehmſte under denen/ welche den Schatz in veꝛwahrung hatten/ deme her Konig A Kleinodien und Ebelgeſteine anverrauet. 88 1 So bald dieſe in der oberwehnten zweyen aue 1 80 Miniſtern Behauſung kommen/ baten ſie die⸗ ben ſelbe/ daß ſie hre Weiber/ weil ſie etwas geheimes von wegen Sr Majeſtgt be 11 0 8 1 2 * r in Perſten Kroͤnung. 3 bringen hatten/ auß dem Gemach ſchaffen wolten; worauf ſie jhnen dann alle beyde/ den Tod Konigs Habas, des Zweyten/ kund thaten/ und einen gußführlichen Bericht hiervon erſtatteten: daß nemlich dieſer Monarch/ den vorigen Abend/ nachdem dieſe Miniſtri von jhm gegangen/ mit gutem Luſt von denen eingegemachten Sachen/ die jhme ſeine Weiber zubereitet/ gegeſſen/ worauf er ſich dann/ wie es geſchienen/ beſſer als ſonſten befunden/ bis zu Nacht um p. Uhr/ da er einsmals in eine Ohnmacht gefallen/ daß man jhn alſobald zu Beth bringen müſſen; er ware aber gegen eylff Uhren/ jedoch init etwas geaͤndertem Verſtand/ wieder zu jhm ſelbſt komen: nachgehends hatte der Schmertz wieder zugenommen/ und die jhme von den Medicis verordnete Artzneyen nichts helffen wollen. Zwo Stund nach Mitternacht hatte es ſich/ dem Anſehen nach/ wieder ein wenig gebeſſert/ um drey Uhr aber ware es von neuem mit jhm umgeſehlagen/ welches eine Tobſucht bey jhme verurſachet/ die eine halbe Stund lang gewaͤhret/ nach welcher er gleichfalls ein halbes Stundlein ein wenig geruhel: endlich gegen vier Uhr haͤtte er die Augen im Kopff umgedrehet/ welches dann ein Anzeigen ſeines herbey nahenden Todes geweſt; um welche Zeit er auch ſeinen Geiſt/ ohne einige andere Bewegung/ aufgegeben/ da man wol ſagen kame daß er den Tod nicht empfunden habe. Ja er hat die gantze Zeit über/ ſo lang ſeine Kranckheit gewahret/ ſich nie das geringſte mercken laſſen/ daß er ſich deſſen verſehe/ oder daran gedencke; wie er dann dieſe letſte Nacht nichts wegen ſeiner Perſon/ noch ſeines Hauſes/ noch ſeines Nachfahren halber/ verordnet/ ſondern nur in der quſſerſten TodesAngſt/ kurtz vor ſeinem Abſchied/ dieſe Worte mit einer Ungeſtumm außgeſprochen: Jeh weiß wol/ daß ihr mir vergeben habt/ jhr werdet aber einen guten Theil von dem Gifft trincken muͤſſen/ weil ich einen Sohn hinderlaſſe/ der euch allen nach meinem Tod/ das Hertz freſſen wird. Uber dieſe traurige Poſt wurden dieſe zween iniſtri nicht wenig beſturtzet/ weil ſie jhnen nicht eingebildet/ daß dieſe Kranckheit toͤdtlich ſeye/ oder zum wenigſten gedacht/ daß ſte nicht lang wahren wurde: dannenhero hatte ſo wol der eine als der andere/ befügte lrſach zu trauren; wiewol der eine viel ſichtbarere Kennzeichen der Traurigkeit von ſich ſpuhren laſſen/ weil er viel ein mehrers/ als ſein MitCollega verlohren. e Es hat der Koͤnig Habas, guß einer under den Perſianern bis dahero noch unbekanten Staats⸗Kunſt/ der groſſen Macht ſeines vornehmſten Miniſtri/ das Gegengewicht halten wollen/ in Meynung/ es würde ſeinem Reich groͤſſerer Nutzen darauß exwachſen/ wann eiher gegen dem andern in Beobachtung ſeiner Pflicht/ eyfferte. Zu dieſem Ende nun erhue er dieſen ſeinen Hof⸗Gunſtling zu ſolcher hohen Ehren⸗Staffel/ welche dem Anſehen des andern nichts bevor gab/ und vertraute Kroͤnung Solim. — ihm die aller wichtigſte Staats⸗Geſchäſſ. Es hatte das Anſehen/ als ob des Königs Habas Nachfolger im Reich ſeines Vatters Meynung nicht beypffichten/ ſondern alles wieder in den vorigen Stand gebracht werden wurde: Dieſes nun machte den zweyten Miniſter ſehr bekümmert/ weil er ſahe/ daß es an deme war/ daß er in einen viel geringern Stand geſetzet werden/ und jhme keine andere Verrich! tung/ als vielleicht die Ober⸗Aufſicht über das Koͤnigliche Hauß uͤberbleiben wurde; welches Ambt aber dem jenigen/ welches er vormals beſaß/ bey weitem nicht zu vergleichen war.. Dieſem nach kunte er anfanglich ſeine ubermaͤſſige Bekümmernuß nicht allerdings verbergen; weilen aber die Groſſen an dem Per ſianiſchen Hofe ſehr wol hinder dem Berg zu halten wiffen/ ſo anderte er bald ſein Geſicht/ dergeſtalt/ daß er eine maſſige Traurigkeit von Ihm ſpuͤhren ließ/ und gab dem Verſchnittenen welcher zu jhm kommen war/ zur Antwort/ daß man in geheim den Staats⸗Naht zuſammen beruffen/ und ſich/ was dieſes Orts und der Zeit halber zu thun ware/ berahtſchlagen muͤſte. Und eben dieſes ſagte auch der vornehmſte Miniſter zu dem Oher⸗KammererAls nun underdeſſen/ ſo bald die beſagte 2. vornehme ee hinweg gangen/ die ß beyde vornehmſte Medici, Mirza-Sahid, und Mirza-Koudchek, ſein Bruder/ welche an dem Perſianiſchen Hofe in groſſem Anſehen waren/(dann es fuhren die Medici in den Orientaliſchen Landern einen viel hoͤhern EhrenStand/ als in Europa) vor das Gemach des Koͤniglichen Frauenzimmers kommen/ um zu vernehmen/ wie es um den Konig ſtunde/ wurde jhnen die Zeitung von ſeinem Tod/ wie zugleich auch jhres Verluſts/ angedeutet; alldie⸗ Gefahr det weilen dieſes Reichs Gewonheit nach/ an des 1 Koͤnigs Leben/ auch zugleich das Leben/ oder in perſen zum wenigſten die Wolfahrt der beyden LeibAertzte/ die jhn in ſeiner Kranckheit under hrer Eur gehabt/ hanget: Dann ſie werden noch inder Wochen/ in welcher er geſtorben/ an einen beſtimten Ort verwieſen/ und wird jhnen von allem jhrem Haab und Gur/ nichts mehr/ als was ſie bloß zu jhrer Lebens ⸗AUnderhaltun vonnohten haben/ gelaſſen/ das uberige aber alles eingezogen; allermaſſen dann dieſe beyde eben dergleichen Unglůck haben erfahren muſſen/ wie an ſeinem Ort geſagt werden ſoll. Es betrubte ſie aber weder der Todesfall jhres Herꝛn/ den ſie gegenwartig vor ihren Augen ſahen/ noch der Verluſt jhrer Freyheit/ den ſie jhnen wol einbilden kunten/ ſo ſehr/ daß ſte nicht auf das jenige/ was jhnen in einem ſo widerwertigen Fall zu thun ſeyn mochte/ hatten bedacht ſeyn ſollen. Die groſſe Sorge und Bekuͤmmernuß aber machten ihnen die letſte Worte/ welche der Konig/ wie man ſie berichtet/ geſprochen/ in deme er ſich beklagt/ daß jhm mit Gifft ſeye vergeben worden. Dann ſie kunten ihnen leichtlich einbilden/ daß dieſe Worte ihnen den Hals koſten wurden/ wann der zu der Kron erhabene Printz denſelben Glauben geben ſolte, 25 l A2 Damit 84 Solimanni III. Königs Diammit ſie ſich nun dieſes Kummers befreyen mochten/ ſo entſchloſſen ſie ſich under kinander/ zu verſchaffen/ daß die Wahl auf des Konigs Habas jungſten Sohn fele/ welcher/ weil er noch in ſeiner Kindheit ware/ allem Anſehen nach/ under der Zucht ſeiner Mutter/ und Miniſtern wurde ſeyn muſſen/ von denen ſie 1 böͤſes zu befahren haben mochten. Sohne Kö daun nba pas der Ztveyte/ nach ſeinem Tod/ ſo viel ich davon ſagen horen/ nur zween Sohne hinderlaſſen habe. Ob er aber auch Tochter gehabt/ kan man für gewiß nicht wiſſen/ weil dieſes Geheimnuß was in des Königlichen Frauenzimmers Wohnung vorgehet/ auch den Groͤſten bey Hofe ſelbſten/ und den vornehmſten Staats⸗Miniſtris verborgen iſt: und wann ſie etwas hiervon erfahren/ ſo geſchicht ſolches nur auß Veranlaſſung/ nach dem die Beſchaffenheit/ und umſtande der Sachen/ die man ſhnen mitt heilen wil/ zulaſſen. Ich kan mit Grund der Warheit ſagen/ daß ich nicht das geringſte unverſucht gelaſſen/ und weder MůFewo Koſten geſparet habe/ damit ich hinder den rechten Grund kommen mochte: Nichts deſto weniger habe ich weiters nichts/ als dieſes erfahren konnen/ daß er/ wie man dafur hielte/ keine Tochter bey Leben hinderlaſſen. Man N 75 zwar alle Tag wol hundert mal vor der ohnung dieſes Frauenzimmers vorbey; gleichwol ſo wird man eher/ was mitten in der Tartarey vorgehet/ als die geringſte Nachricht von jhren Sachen erfahren konnen. Sede bir Under den zweyen Sohnen des Koͤnigs .. Habas, gienge der alteſte Namens Sene-Miri Za, in das zwanzigſte Jahr ſeines Alters/ und war im Jahr der Hegera 105. geboren; den Monat/ und den Tag aber/ kan man/ wegen Geburte, der Perſianer Aberglauben/ nicht wiſſen: dann Tüugen weil ſie ſich ſehr auf die Stern⸗Sehkunſt lerien in gen/ ſo wird die Geburts⸗Stunde jhrer 1 mird en ſehr geheim gehalten/ damit man nichts bee. von jhrem Glück/ und noch viel weniger von 7 jhrem Unglück/ vorhero ſagen koͤnne. Sein Vatter hat in dem achtzehenden Jahr ſeines Alters eine Selavin auß Circaſſten/ oder Cher kes, wie die Perſianer reden/ gehabt/ deren außbundige Schoͤnheit/ nebenſt andern hochloͤblichen Qualikaten/ dieſes Monarchen Hertz dergeſtalt gewonnen/ daß ſie die Erſte under allen Weibsbildern geweſt/ welche er zu ſeiner Gemahlin erwoͤhlet. Und um dieſer Urſach willen iſt ſie/ ſo lang er gelebt jederzeit NekaatKanum, das iſt/ die rechtmaͤſſige Hertzogin/ genant worden; obſchon noch andere waren/ welche man für des Koͤnigs rechte Gemahlinnen hielte/ und mit denen er/ vermoͤg jhres Geſetzes/ in die Ehe getretten. 8 Dieſer alteſte Print/ iſt jederzeit der Gewonheit nach/ in dem Frauenzimmer⸗Palaſt auferzogen/ und der Vorſorge etlicher Verſchnittenen under der Aufficht ſeiner Mutter/ und ſeiner Saugammen/ undergeben worden. Dieſe war eine Frau ſehr vornehmen Standes und des Mat. ue Elmemolek, das iſt/ des Aufſehers über die Koͤmgreiche/ ECheSeine Auf erniehung. ierbey muß man wiſſen/ daß Koͤnig Hagemahl. Daſelbſt min wurde er auf eine beydes ſo zaͤrtlich/ als prachtige Weiſe/ als ſeine hohe Geburt erforderte/ erzogen/ und jhm alle Frepheit/ die man Perſonen ſeines Standes geben kunte/ zugelaſſen/ welche darinnen beſtanden daß er überal in dieſem groſſen Palaſt/ nach ſeinem Belieben/ auß und eingehen dorffen; an andere Oerter aber zu gehen/ wo ſich die Manns perſonen aufhalten/ iſt ſolcken jungen Printzen noch nie erlaubt geweſen. Er gienge bereits in das ſechtzehende Jahr er ame ſeines Alters als m ein Unglück begegnet/ na welches verurſachet/ daß er enger iſt eingeſper⸗ gaben. ret worden. Es hatte jhm ein Verſchmittener etliche gůlden Stuck gebracht/ weil ſie aber dieſem Printzen/ der wie man ſagt/ einen hohen Geiſt hat/ nicht ſchoͤn genug geweſen/ ſo hat er ein wenig verachtlich hiervon geredet. Ob nun wol der Verſchnittene geſagt/ daß dieſes auß des Königs/ ſeines Vatters Befehl geſchehen/ deme dieſelbe verehret worden/ hat er ſich doch daunit nient zufriden geben wollen; und dieſes wurde dem Konig hinderbracht/ weil nun Se. Maj. hierauß abnahm/ daß die allzu groſſe Freyheit/ in welcher man dieſen jungen Printzen leben laſſen/ jhn gar zu übermilig machte/ und ſeinen angebornen Stoltz vermehrte/ ſo hat er ihn in ein von dieſem Pallaſt weit entlegenes Zimmer verwieſen.. Es waren etliche der Meynung/ daß er jhm nach der Zeit die Augen habe gußſtechen aſſen; nachdem man aber geſehen/ daß die Mauren an dem Ort/ wo er eingeſchloſſen war/ erhoͤhet worden/ ſo nahmen die mehr Verſtandigen hierauß ab/ daß der Konig mit ihme nicht ſo unbarmhertzig verfahren/ weil es keiner ſo groſſen Vorſorg bedoͤrfft/ die Flucht eines/ der ſeines Geſichts beraubet worden/ zu verhindern/ den ſein Unglück zu einem ſolchen Vorhaben untuchtig gemacht. i Als aber der Konig im Jahr 16x. unſerer Jahrs⸗ Rechnung nach/ ſch auf die Reyß nach arenderan begeben/ ſo ſtellete er ſich auf eine ſolche Weiſe an/ daß auch die Groſte und Verſtandigſte bey Hofe hierauß mutmaſſeten/ daß er ſich dieſes mal zu Vollziehung einer ſo grauſamen That entſchloſſen. Dann als er nicht weiter als acht Meilen von Hiſpahan geweſt/ kehrete er eylends in Begleitung jhrer qr wenig/ nach dieſer Stadt wieder um/ und agte keinem Menſchen von ſeinem Vorhaben: und ſo bald er da hin kommen/ that er nichts anders/ als daß er unverſehens in das Gemach ſeiner Weiber gegangen/ auß welchem er nachdem er nur zwo Stund darinnen geblieben/ voller tieffer Gedancken wieder herauß kommen. a a Alldieweilen man nun keine andere ſcheinbare Urſach deſfen wuſte/ ſo wurde ſolches von allen Hoflingen einigem Unfall/ welcher dieſem jungen Printzen von ſeinem Vatter begegnet/ beygemeſſen: Nichts deſto weniger ſo ſind ſicwie ſolches hernach die Erfahrung bewieſen/ in hrer Meynung betrogen worden/ und iſt dieſt ſeine ſchleinige Wiederkehr um einer andernlirſach willen geſchehen. W N Dann S Ar in Perſien Kroͤnung. Diann was dieſen jungen Printzen betrifft/ ſo war ſein Vatter darmit vergnügt/ daß er Ihn viel enger/ als zuvor/ in einen von dem andern weit abgeſonderten Ort dieſes Pallaſts/ ſamt feiner Mutter/ und denen Weiberen/ deren man jhr/ ſo viel als ſie begaret/ zugegeben/ verwahren laſſen. Hierauf befahle der König einem vornehmen Verſchnittenen/ Namens Aga. Nagir, das iſt/ der Sehende Herr/ auf ſein Thun ein wachſames Aug zu haben/ damit r derſelbe nichts gefahrliches wider ihn vornehAi 198 men moͤchte. 5 8 5 i W ens Dieſes Wort Nazir, bedeutet ins gemein Na orts einen Ober⸗Aufſeher oder allgemeinen Verſorger: geſtalten dann dieſe Perſon/ von welcher wir reden/ hatte nebenſt der HofmeiſterStelle uͤber den jungen Printzen/ auch die Aufſicht uber den Pallaſt des Frauenzimers/ und die Verwaltung aller Sachen/ welche das Königliche Hauß zu Hiſpahan anbetreffen/ welches Amt ihme/ beydes bey Hofe/ als in der Stadt/ groſſen Credit und Anſehen gemacht/ worbey er auch bis an ſeines Koͤnigs und Herren Tod geblieben iſt; weil er gleich als Statthalter war/ und die zweyte Stelle nach dem Groß ⸗Oberaufſeher des Königreichs/ gleichfals Nazir genant/ vertretten. Ich wil aber anjetzo von dem jungſten Sohn reden. Derſelbe befande ſich nach des Königs/ ſeines Vatters/ Tod/ ohngefahr in dem achten Jahr ſeines Alters; dann er war von einer Mutter auß Iberien, oder Gurgi, wie es die Perſianer nennen/ im Jahr der Klegira 1069. geboren. Man nennete dꝛeſe PrinNHamze 8 Musa 55 Kbnigs weyter ohn. zu Wort ſo viel geſagt iſt/ als die Hertzogin das Liecht der Weiber: er aber führt den Namen Hamzeh-Mirza. Ich kan nicht wifſen/ hab es auch von niemand erfahren koͤnnen/ was dieſes Wort Hamzeh bedeute. Es iſt zwar nicht ohne/ daß ein Apoſtrophus, wie er in unſerer Sprach genennet wird/ in der PerN ſianiſchen Sprach durch dieſes Wort Ham- r i bleib Gut in Sicherheit bringen mochten; weil ſie zeh, wol außgedruckt werde; in dieſem Verſtand aber konte es für keinen eigenen Namen gebraucht werden. Muß alſo daſfelbe in ſolchem Gebrauch/ entweder gar nichts/ oder gantz etwas anders bedeuten. i Was den Titul Mir 2a belanget/ o heiſſet N derſelbe ſo viel als ein Sohn des Fuͤrſten; wie wir anderswo/ als wir von dergleichen Namen/ und denen bey den Perſianern gebrauchlichen Titeln geredet/ nach der Lange angezeiget Aten gute Dieſer junge Print/ wie ich mir von etliweilen bey dem Koͤnig in der Provintz Mazenderan, in welcher ich mich kurtz vor Sr. Maj. a nden/ geſehen/ habe ſagen laſſen/ gabe Tod ſichoffent Jena un fee ese ß niſtri Gifft hätten beybringen laſſen/ und daß Hofnung von ſich/ daß etwas ſonderbares au jhm werden würde: dann/ jhrem Vorgeben nach/ ſo ließ ſich an ſeiner gantzen Perſon/ unverachtet ſeiner Minderjährigkeit/ ein hohes Gemüht verſpuren; und war an allem ſeinem Thun ein ſonderbares Kennzeichen einer GroßKroͤnung Solim. ceſſin Nour-niſſa-Kanum, welches von Wort chen vornehmen Verſchnittenen/ die jhn biß5 müͤtigkeit/ und hohen Herkomens zu mercken/ worauß man abnahme daß er mit der Zeit zu einem mächtigen Fürſten werden würde. Es moͤgen nun gleich ſeine ungemeine Qucalitaten verurſacht haben/ daß der Konig Habas eine groͤſſere Neigung zu ihm/ als zu ſeinem alteſten Sohn gehabt; oder aber /weil dieſer Monarch dem gewohnlichen Trieb der Natur gefolget/ daß die Vatter ihre juͤngſte Kinder am zaͤrtlichſten lieben/ ſo wolte er/ daß dieſer jungſte Sohn jhm auf ſeiner Reyß folgete. Andere waren der Meynung/ daß diehen ſey: dann weil dieſelbe ſehr 5 war/ ſo liebte ſte der Koͤnig gantz einbrunſtig dergeſtalt/ daß er ſie/ wider den Gebrauch/ ob ſie ſchon nur zwey und zwantzig Jahr alt geweſt/ in ſein Koͤnigliches Beth beruffen/ und allenthalben mit ſich umher gefuͤhret. Auf dieſer letſten Reyß/ in welcher ſie den Koͤnig vergeſellſchafftet/ genoß ſie auch dieſer Freude/ daß ſie der Gegenwart jhres lieben Sohns genoſſen/ deme Se. Majeſtat einen vornehmen Verſchnittenen/ Namens Aga Mubarik, das iſt/ der geſegnete Herꝛ/ zu einem Hüter/ und Hofmeiſter verordnet. 25 15 Solcher geſtalten nun befand ſich dieſer junge Print eben recht in dem Luſthauß/ ins kunfftig aber vielmehr das Klaghauß zu nennen/ in welchem ſein Vatter ſeinen Gieiſt aufgegeben/ um die Koͤnigliche Kron/ welche jhme die Groſſen/ vermittelſt der zwey vornehmſten Medicorum heimlichen Vorſchub/ aufzuſetzen willens waren/ anzunehmen. Es lieſſen auch dieſelbe an jhnen nichts erwinden/ und wendeten hierzu alle jhre Witz und Vernunfft an; und moͤgen ſie vielleieht noch vor des Koͤnigs Tod/ den ſie jhren KunſtEr wird vom Koͤnig mehr eliebet/ 2 ſes ſeiner Mutter zu Lieb und Gefallen geſcheUnd von den eib-Aertzten zur Kron vorgeſchlagẽ. Reglen nach/ ſchon vorher geſehen/ hierauf be⸗. dacht geweſt ſeyn; daß ſie aber zu der Zeit dieſe Berahtſchlagung vorgenommen/ geſchahe auß keiner andern Urſach/ als wie ſie in hren vorigen Wurden bleiben/ und jhr Haab und wol wuſten/ daß ſie durch die obangefüͤhrte lerſte Klag⸗Worte des Koͤnigs/ in Leibs⸗ und Lebens⸗Gefahr gerahten. Dieſem nach gaben ſie dem obgedachten Oberſten Stagts⸗Miniſter die Viſite under dem Schein/ jhme des Koͤnigs Abſterben anzukunden/ und was es mit den zweyen letſten Artzneyen/ welche ſie dem Koͤnig verordnet/ fur eine Beſchaffenheit gehabt/ Bericht zu erſtatten. Hierauf begunten ſie von anderen wichtigen Sachen/ und von wegen der Wahl zu reden/ und jhme zu Gemüt zu fuͤhren/ daß er/ und alle hohe Nähte groſſe Urſach hätten ſich wol vorzuſehen/ weil der Konig kurtz vor ſeinem Tod ſich offentlich beklagt/ daß jhm ſeine Mier einen Sohn hinderließ/ welcher ihnen das Hertz freſſen wuͤrde: welche Worte/ und Klagen dann ſeinem Nachfahren nicht würden verborgen bleiben können. Wann man nun den Elteſten/ welcher bereits ein ſolches Alter A 3 errei ——— — „— ä 6 Solimanni III. Koͤnigs erreichet/ daß er jhmn von niemanden wurde einreden laſſen wollen/ und über diß einen hochmutigen Geiſt hatte/ erwoͤhlen ſolte/ ſo wurde er nicht underlaſſen/ ſich dieſes Vorwands zu bedienen/ damit er jhm alle Groſſe bey Hofe/ und Staats⸗Bediente vom Hals fal mochte/ in Hoffnung/ durch dieſes Mittel zu einem ungebundenen Gewalt zu gelangen/ und neue Ereaturen nach ſeinem Belieben anzunehmen; in Betrachtung/ daß er noch nicht vergeſſen/ wie hart ſein Vatter gegen ihn/ ſeith zweyen Jahren/ verfahren/ welches er jederzeit dem Einrahten ſeiner Miniſters zueignen würde. Endlich beſchloſſen ſie/ daß es/ weil man wol ſehe/ daß der aͤlteſte Printz gegen die Groſſen nicht wol geſinnet ſeyn konte/ eine groſſe Unvor ſichtigkeit ſeyn wurde/ wann ſie jhn ſo hoch erheben/ und jhm den Gewalt einraumen wolten/ jhnen/ nach ſeinem Belieben/ alles Ubels alzuthun. Ware demnach/ bey ſo geſtalten Sachen/ der beſte und ſicherſte Weg/ wann ſie verſchafften/ daß die Wahl auf ſeinen jungern Bruder/ den Hamzeh- Mirza: weil dieſer junge Here viel von ſich verſpreche/ und groſſe Hoffnung mache/ daß under jhm das Perſianiſche Reich mit der Zeit ſehr groß und maͤchtig werden/ anjetzo aber maͤnniglich einer ſüſſen 5 Ruhe zu genieſſen haben wurde/ in deme er jhnen/ als zu den Reichs⸗Geſchaͤfften noch unkiüchtig/ die Verwaltung eine lange Zeit/ die ſich zum wenigſten auf wolff/ oder fuͤnfftzehen Jahr erſtreckte/ überlaſſen muſte. a Dieſe Worte/ welche durch dieſe zween Herren Medicos bey dem erſten/ und nachgehends bey dem zweyten Staats⸗Miniſter angebracht worden/ mit welchem ſie/ under dem vorigen Vorwand/ eben dergleichen Geſpraͤch gefüͤhret/ hatten eine ſo gute Wurckung/ als ſie nimmer hatten wunſchen koͤnnen. welches ch Dann es war ſo wol der eine/ als der anAarnehenten Bebe bedacht/ und ent ſchloſſen/ den jungſten unReichs Fa, der des Konigs Soͤhnen dem aͤlteſten vorzuzieken en hen Fund ihn aufden Thron zu erheben: dann ſie bildeten ſich ein/ wann der altere zur Regierung gelangen ſolte/ daß es unfehlbar um jhre Wolfahrt geſchehen ſeyn würde/ welches dann 4 on einem ſo hochmütigen Herꝛn um ſo viel mehr zu beſorgen/ wann er 110 in dem zwantzigſten 1 1 Alters/ au nen/ auf einmal zu einem vollmaͤchtigen Obergebieter gemacht ſehen würde: dann wann er gleich nicht glauben moͤchte/ daß er durch ſie ware beleidiget worden/ ſo doͤrffte er ſich doch durch die Begierde/ überal den Meiſter zu ſpielen/ zu wunderſamen Rahtſchlagen verleiten laſſen/ worunder der allergeringſte ſeyn wurde/ den jetzigen Hofſtab zu andern. Und wer weiß/ Jagten ſie under einander ſelbſt) ob er nicht etwas wider unſer eben beginnen mochte? vor allen Dingen aber/ angſtigte ſie die Beſchuldigung wegen des beygebrachten Giffts: dann ob ſie ſchon vielleicht hieran unſchuldig mogen gewweſt ſeyn ſo war doch der Verdacht ſo ſcheinbar/ daß die bloſſe Anklag/ wie falſch ſie Auch ſhres Theils mag geweſt ſeyn/ ihnen das Vorbild eines eben ſo grauſamen Todes voreinem Gefangeſtellete/ als wann ſie dieſe That begangen hat ten/ wann der Fürſt/ welcher im Reich nachfolgen wurde/ der ſelben Glauben zuſtellen ſolte: am Gegentheil/ wann man den juͤngſten ohn erwohlete/ würden ſie ſich in dem hohen Ehrenſtand/ in welchem ſie von wegen jhrer Aemter ſtünden/ ohne Mühe handhaben/ jhr Hauß und Geſchlecht hoch anbringen/ jhnen gute Freunde und Gunſtgenoſſen machen/ und under einem minder jaͤhrigen Konig eines von den maͤchtigſten Koͤnigreichen in der gantzen Welt/ faſt mit unumſchrancktem Gewalt das Regiment führen konnen. Weil ich aber ſchon etlich mal von des Königs Hinrichtung mit Gifft Meldung gethan/ und zu Anfang dieſes Wercks eine andere Urſach ſeines Todes angeführet/ 1 0 es dann das Anſehen gewinnen mochte/ als ob ich mir ſelbſt widerſprechenthate: ſo wird der güͤnſtige Leſer mir erlauben/ inen kleinen/ und/ meinem Beduncken nach/ nicht unannehmlichen Abſchritt/ uber under ſchiedliche Mutmaſ1 5 die man wegen dieſes Todes hat/ zu Es iſt demnach die Warheit/ daß die gewiſſeſte Urſach deſſelben/ die jenige/ die ich drorwärtk auen 7 5 1 eben erwehnet/ nemlich die beſagte unehrbare zan de Kranckheit geweſt/ worauf der Krebs erfolget/ welcher das Knorpelbein/ worauß die Gaͤnge des Geruchs gemacht werden/ ergriffen; und hernach weiter um ſich/ und inwendig gegen dem Gaumen/ biß an die Kahle gefyeſſen/ und die Straſſen/ wodurch man Athem holet/ verſperret. Es ſagten aber die jenigen/ ſo ſich dieſer Sache beſſer kundig erachteten/ denen Neugierigen heimlich in ein Ohr/ worunder ich daß ſelbſt einer geweſt/ denen es in groſſer geheim vertrauet worden/ daß nemlich etliche von den Vornehmſten bey Hofe welche man die von Auſſen nennet/ wie auch einige Verſchnittene darinnen/ das iſt/ in dem Gemach des Frauennigs Tod zimmers, eine Zeit hero under ſich beſchloſſen gehabt/ dieſen Konig vom Brod zu thun; zu welchem Ende ſie das Gift/ als das ſicherſte und geheimſte Mittel /erwoͤhlet. Die Urſach/ daß ſie dieſen ungebührlichen Entſchluß ergriffen/ war des Koͤnigs raſende Wuth/ deren en alle Tage neue/ und blutige Zeugmiſſen von ſich gegeben/ mit welcher es ſo weit gekommen war/ daß er einsmals/ als er ſich mit Wein angefullet/ deme er uber die maſſen ſehr ergeben war/ eine von ſeinen ſchoͤnſten rechtmaſſigen Gemahlinnen/ die er ſonſten ſehr lieb gehabt/ erwuͤrget/ welches etlichen von ſeinen Haußgenoſſen ebenmaſſig begegnet: dergeſtalt/ daß die ubrigen/ auß Forcht eines gleichmaſſigen Unfalls/ dieſen verfluchten Entſchluß ergriffen jhme einen mit Gifft vermiſchten Tranck beyzubringen/ von welchem er nach und nach außzehren/ und eines langſamen Todes ſterben ſolte/ deſſen man nicht eher gewahr werden konte/ als biß ſich 1 begeben. Andere geſtunden zwar/ daß er in ſeiner Trunckenheit ſolche Grauſamkeiten/ deren man ihn beſchuldiget/ warhafftig begangen; man hatte jhm aber deßwegen nicht mit Gifft vergeben; 9 8 75 g e 1 in Perſten Kroͤnung. habe ihm vielmehr eine innerliche Scham/ und 7 * 45. 2. Se. Maß ins gennein ihre Und obſchon ſchmertzlicher Kummer/ daß er ſich zu ſolchem Einkehr in einem Hauß niſtt/ alldieweil man unloͤblichen Beginnen verleiten laſſen/ Hertz abgenaget. Deme ſey e hinder die Warheit wol wurde kommen ſeyn. das vaſt guf allen Straſſen/ welche die Konige in mu wie ihm wolle/ Perſien zu reiſen pflegen/ von zweyen zu zweyen ſo iſt der Argwohn/ wegen des Gifts/ nur eine gemeine Sage geblieben/ und niemals deßween Nachricht eingezogen/ ſondern die Sache für ein nichtiges und ungegrundetes Geſchwaz gehalten worden; wiewol man/ wann man die Sache genau hatte underſuchen wollen Luſthauß/ Meilen kleine Luft⸗hauſer findet, welche abſonderlich für ihre Perſonen gebauer worden: ſo wird doch dißfals die Ordnung des Feldlagers im geringſten nicht geandert; und werden die übrige Königliche Zelten umb dieſes welches gleichfals under die Zelten mitgerechnet wird/ ingsherumaufgeſchlagen. d auch Nach dem nun die zween vornehmſte Ver Nee en ſchnitt ene/ wie auch die zween vor nehmſte Na Solchem nach konten ſich dieſe Königliche the/ ohne einigen Argwohn/ daſelbſt bedethan und Medici, dieſen Miniſtris von deme/ was ſich quemlich verſamlen/ und damit mans deſto bey des Konigs Tod begeben/ Nachricht ertheilet/ begaben ihnen denſelben ſie ſich zu den andern Raten anzukuͤnden/ denen ſie das noht wendige Geheimnuß/ damit weder das weniger mercken mochte/ ſo kamen ſie mit eben ihren Dienern/ und in ihren gewohnlichen Kleidern dahin/ und hatten im ubrigen ihre Geſichter ſo wol verſtellet/ daß man ihnen/ a emeine Volck/ noch die Soldaten einige unerachtet der underſchiedlichen unruhigen duthmaſſung hiervon bekommen mochten/ G emüths/regungen/ quſſerlich nicht das gevertraueten/ und ihnen zu Gemüth führeten/ ri daß/ weil dieſer Printz mit Tod abgangen/ und keinen Nachfolger/ weder mund⸗ noch ſchriftſchwarlich gſte anſehen/ und ſie ſelbſt underemnander urtheilen koͤnnen/ was ein jeder inlich benennet der Sachen Wichtigkeit für des Reichs Wolfahrt erfordere/ daß ſie zuſammen kamen/ und uͤber ein ſo hoch⸗angelegenes Geſchäft ſich berathſchlagten. Dieſe Herzen lieſſen ſich ihre Vor ſichtigkeit wol gefallen/ und verglichen ſich wegen eines Orts/ woſelbſt ſie ihre Verſamlung halten wolken/ welcher miemand/ und auch ihren heſten Bekandten ſelbſt nicht/ einige Gelegenheit geben mochte/ deßtvegen in Schrecken zu gerahken. Dieieſem nach erwehleten ſie denſelben vor der Porten des Hauſes ſelbſt/ in welchem der Konig kranck gelegen/ dahin nicht allein ſie/ ſondern auch die gantze Hoffſtatt/ des morens umb 7. uhr/ wann die Könige zu Felde 15 ſich zu begeben pflegen. Daſelbſt nun anden ſich alle Hoflinge/ wiewol ſie von dieem Zufall noch nichts wuſten/ ein. Die Herren/ welche mit am Regiment ſitzen/ und an demnſelben theil haben/ erschienen gleichfals daſelbſt/ und giengen in etliche von denen kleinen elten/ wie ſie ſonſten zu thun pflegten/ in den fle beydes zu warten/ biß der Konig herauß omt/ und bey der hand zu ſeyn/ umb ſeine Befehle zu empfangen/ als auch die Geſchaͤfte/ welche keiner Antwort von dem Konig vonnoͤhten haben/ oder die ſie bereits ſchon empfangen/ zu verhandlen. 1 Damit man aber dieſes beſſer verſtehe/ ſo iſt zu wiſſen/ gleich wie anderwerts in unſerm ractat von der Perſjaner Regiment iſt angedeutet worden/ daß man/ wann der Konig qu Feld ligt/ ſein Feldlager gleich wie eine Statt/ und an dem euſſerſten Ende einem die Koͤnigliche Zelten aufzuſchlagen pflege: nachehends werden in denſelben/ hundert und infzig Schritt davon/ des Groß⸗Hofmeiers feine/ und hinder denſelben etliche kleine/ und mit koſtlichem Haußrath verſehene Zelten für die groſſen Herꝛen aufgerichtet/ in welchen ſſe ſich niederſetzen/ und mit einander Geſpraäch halten/ und die oberwehnte Geſchafle verzichten. 5 n 5 nerlich geſi nnet war. von zweyen Worteren Nahmen alſo genandt bedeutet/ als die Dann obſchon dieſes Wort Deulet, welches ſie die Königliche N cheils/ welches dieſe Obrigkeitliche PerKrönung Solim. 85 Nachdem dieſe Herꝛen in der obgedach6 Dieſe ten Zelten einem/ welches damals ohngefehr. ſammen/ un Ordnung ih155 5 i Hofimeiſters Zelten aufgeſchlagen geweßt/ zu⸗ des Sites. in einem Garten dieſes Fleckens/ wo der Köeinen Geiſt aufgegeben/ an des Großſammen kommen/ ſetzten ſie ſich nach der Ordnung/ nach welcher ein jeder das Recht hat/ vor dem Konig zu ſitzen; nehmlich/ zur rech; ten Hand der Arhemad- deulet, oder oberſte Staats- Miniſter, welcher nach einem zuſammen geſetzten wird/ und ſo viel Zuverſicht des Reiehs: dem Buchſtaben nach/ Reichthum und Macht bedeutet/ ſo brauchen es doch die Perſianer durch gehends/ in verblumtem und entlehntem Verſtand/ für eine Herꝛſchaft ins gemein/ in beſonderem Verſtand aber für das jenige/ was wir in unſerer Sprach ein Koͤnigreich nennen wie wir anderswo erwieſen haben. Folgends ſetzte ſich der Kcelar a aſie, oder Her: uber die Sclaven/ durch welche der General über das zweyte Kriegs Corpo der Perſianer/ Sclaven nennen/ verſtanden wird. Ein wenig weiter drunden der Naa ir, oder Sehende/ welcher der Genergl⸗Ober⸗Aufſeher über alle Kammer⸗Guter it/ und den Schatz/ die Mobilien/ Gebaude/ Manufae uren /Proviant⸗hauſer/ Knechte uñ Diener/ uß mit einem Wort/ alles was zu des Königs Hof⸗haltung gehoret/ zu verwaltẽ hat. Ihme zur Seiten ſaß der Divaan Beki, welcher Nahme auß zweyen andern/ Divanum? Belle, gemacht iſt/ welche bedeuten/ ein Herꝛ des Juſtitz⸗Rahts: Dann derjenige/ der dieſen Titul führet/ der oberſte Richter über alle burgerliche 1 7 1 Sachen/ die von allen Orten des Königreichs vor ihn beſcheiden werden/ und kan niemand/ als der Konig allein/ die Vollziehung des Ur4 ſon n pxp x—v———. ß——— 8. Solimanni ſon geſprochen/ verhindern. Neben dieſem ſetzte ſich der Mir- akoer-Bachi, oder oberſter Stallmeiſter; dann dieſe Perſianiſche Nahmen bedeuten/ das Haupt der Hurſten der Marſtalle. Der Hakiem- Bachi, oder das Haupt der Aertzte/ das iſt/ der Vornehmſte Leib- Medicus, und ſein Bruder nahmen die letzten Stellen auf dieſer rechten Seiten ein. Auf der andern Seiten zur lincken Hand/ hielte der Teofenktchi- agaſie, oder Herz der jenigen/ die Muſqueten haben/(damit ich in der Außlegung dieſer Nahmen nach dem Buchſtaben fortfahre) die Oberſtelle/ und durch dieſen wird der General der dritten Ordnung ber Perſianiſchen Militz/ welche der Muſquetierer iſt/ verſtanden. Neben ihm ſaß der Vakaa- nuviez, oder Schreiber der Sachen/ ſo vorfallen/ worunder verſtanden werden muß/ in dem Koͤnigreich/ welcher der hohe/ und vornehmſte Staats Secrerarxius iſt. Nach ihme nahme ſeine Stelle der Mirrchekar- Bachi, Fuͤrſt der Jagt/ den wir in unſerer Sprach/ den oberſten Jaͤgermeiſter nennen. Die vierdte Stelle nahme der Munchiziim-Bachi, oder Haupt der Sternſeher ein/ welcher einer von denen an dem Perſtaniſchen Hof am meiſt angeſehenen Herzen/ und weit hoher iſt/ als ſich die unſerigen anfaͤnglich haben einbilden koͤnnen. Zuletzt ſtunden auf dieſer Seiten/ jedoch ein wenig weiter drunIII. Königs welcher geſtale ihr abgelehter Monarc ſeinen Geiſt aufgegeben/ und weder ſchriftnoch muͤndlich erklaͤret/ welchem er von ſeinen beyden Soͤhnen den Reichs⸗Scepter hinderlaſſen, Dieſem nach wolte ihre Schuldigkeit erfordern/ auf das foͤrderlichſte zu dieſer Wahl zu ſehreiten; beydes damit ſie den jenigen under dieſen beyden Fuͤrſten/ deme die Goͤttliche Vorſehung dieſe Eron beſtimmet/ nicht laͤnger in elnem Privat⸗Stand laſſen; als das Koͤnigreich in Sicherheit ſetzen moͤchten/ welches ſonſten/ ſo lang es keinen Herꝛen haͤtte/ in ſtaͤter Gefahr ſtehen wurde; in deme es mit den Monarchien eben dieſe Beſchaffenheit/ wie mit den beſeelten Leibern hatte: Dann gleich wie ein Leib in den Augenblick zu leben auf hoͤre/ wann er ohne Kopf ſeye; alſo gerahte ein Koͤnigreich ſtracks in Unordnung/ ſo bald es keinen Konig mehr habe: Dieſem Unheil nun vorzukommen/ muͤſte man/ ehe ſie von einander ſchieden/ auß dem geheiligten Stamm der Imami einen glorwuͤrdigen Zweig erwehlen/ der den Thron beſteige/ welchen Habas II. verlaſſen/ um ſeinen Platz in dem Himmel zu nemmen. ET den/ die droben erwehnte ztween Verſchnittene/ haͤtte aber dieſer Monarch/ triumphirenAga. Kafour, und Aga Mubarikt, als welche den Andenckens/ zween Sohne hinder5 gleich wie alle andere Verſchnittene die Frey⸗ laſſen; wie er ſich dann verſichert wuͤſte/ U ö Der Merher oder Ober⸗ Keimmerling/ Jebo redete ſolches in Zweffel ehen wuͤrfunde viel poher droben zur lihcken Hand und de! nemlieh einen sefte alirea, welcher vor ein wenig hinder dem Oberſten⸗Hoftneiſter/ ohngefehr 20. Jahren in dieſe Welt gewelchen die Perſtaner lehilk-agaſie- Bachi bohren/ und in dem Pallaſt dem Aga-Nazir nennen/ welches bedeutet/ das Haupt der under ſeiner Verwahrung uͤberlaſſen won Meiſter und Herzen des Fußtritts des den; der zweyte aber Hamech⸗Miraa, ſeiThrons; weil derſelbe über die Pförtner/ nes Alters bey ſieben Jahren/ welcher Thürhüter/ Trabanten/ Ceremonien⸗Meiſter/ und alle ſo in dem Königlichen Pallaſt aufwarten/ die Aufſicht hat. Alldieweilen er aber ſelbſt bey Tag und Nacht/ das Ampt eines Ober⸗Thuͤrhuͤters vor ſeiner Majeſtat bedienet/ ſo hat er in den gemeinen Verſamlungen keinen Sitz/ ob ſchon ihm ſein Ampt ein viel hoͤhers Anſehen/ und ihn viel vornehmer machet/ als die jenigen ſind/ die das Recht zum Im r 0 5 ſich andere Herzen/ als dieſe obbenaͤndte/ bey une dieſer Verſamlung eingefunden haben. 4 Sante, Der vornehmſte Staats⸗Miniſter nahm hierauf das erſte Wort/ und trug ihnen das jenige vor/ was ihm der Ober⸗Kammnzerling von des Koͤnigs Tod geſagt/ welches ihme gleichfals von den zweyen vornehmſten Medidis ware beſtatiget worden. Er ſagte zu ihnen/ er truͤge keinen Zweifel/ ſie wuͤrden ins geſamt eben dieſes von ihnen vernomm ubrigen habe ich nicht ſagen. ren/ daß ſich jezo am Hofe bey ihnen under der Aufſicht des Aga. Mubarikk, welcher in dieVon dieſen beyden nun/ ſolten ſie/ nac Anruffung des Nahmens des Alahech ſten/ den jenige erwehlen/ welche der wahre Konig zum Statthalter des Nachfolgers/ welcher kommen ſoll/ vorbereitet haͤtte. Durch den Nachfolger/ welcher kommen ſoll/ wollen die Perſianer den letzten von denen Imaans anzeigen/ welcher/ ihrer Meinung nach/ gleich ſam ihr Meſsias iſt/ de ſen Widerkunft ſie alle Augenblick erwarten. Es leidet aber hier der Ort nicht/ dieſes/ wie auch etliche Perſtaniſche Arten zu reden/ zu erklaren/ welche wir nach ihrem natürlichen Verſtand außgedruckt haben/ in Hofnung/ es werden die Verſtandigen ihnen ſolches nicht Ian r Nachdem er n Worte mit Bemen/ und dabenebens verſtanden haben/ zeugung groſſer Traurigkeit/ mit a * N ſer Verſcunlung zugegen waͤre/ befinde. in Perſien Kroͤnung. 9 ſchen Gebaͤrden/ wordurch er in ſeinem ſechzig jaͤhrigen Alter/ die Hertzen der Zuhoͤrer wunderbarer Weiſe an 0 ziehen könte/ geredet/ ſchwieg er ſtill/ in Erwartung/ ob jemand darauf antworten/ und ſein Gutduncken hierüber eröffnen wolle. Als er aber ſahe/ daß alle in dieſer Verſamlung ihme ſolches auftrugen/(wie ihm dann dieſe Ehre/ von wegen ſeiner Würde/ gebuhrete) und daß ſeine Rede von ihnen genehm gehalten wurde/ und ſie mit erhabenen Augen gen Himmel/ die Worte biſm allab, Es werde wahr im Nahmen Gottes/ um oftern wiederholeten; ſo fuhre er/ nachdem er alle Groſſe/ einen nach dem andern angeſehen/ in ſeiner angefangenen Rede beſcheidenlich folgender geſtalt fort: In dieſer unvermeidlichen Nothwendigkeit/ in deren ſie ſich befanden/ und ihrem gefaßten Entſchluß nach/ einen under dieſen beyden Printzen zu ihrem Konig zu erwehlen/ ſeye er der Meinung/ daß ſie einer zwar verdrießlichen/ jedoch dringenden Noth weichen muſten/ welehe ſie verpflichtete/ den Hamaeh- Mirzah, ob er ſchon noch gar jung waͤre/ ſeinem aͤlteren Bruder vorzuziehen/ und auf den Thron zu erhebeu. Die Urſach deſſen ſeye/ dieweil jedermaͤnniglich mehr als zu viel bewuſt waͤre/ in was fuͤr ſtrenger Zucht der Konig Habas ihne jederzeit gehalten/ und ſeye dannenhero zu beſorgen/ daß dieſer junge Printz zum wemigſten ſeines Geſichts beraubet worden/ wie von derſelben zeit an die gemeine Sage gegangen/ als man an des verſtorbenen Königs Angeſicht/ bey ſeiner Abreiß von Hiſpahan/ eine Beſtuͤrtzung wargenommen/ welche nichts/ als etwas klaͤgliches habe bedeuten koͤnnen. Uber diß/ ſo haͤtte man um ſo viel mehr Urſach ſolches zu glauben/ nach deme der Konig/ zu Anfang ſeiner Kranckheit/ ohne einige vorher gepflogene Berahtſchlagung mit einem von den Groſſen/ einen Verſchnittenen mit geheimer Ordre/ auf der Poſt in die W beſagte Statt abgefertiget/ welche dann nichts anders in ſich halten koͤnnen/ als daß man ſeinem Sohn den Kopf abhauen/ oder die Augen außreiſſen ſolle/ um ihne hierdurch untuͤchtig zu machen/ ihm nach ſeinem Tod/ in der Cron nachzufolgen; alldieweilen ſonſten dieſer Monarch in allen andern Dingen niemals underlaſſen/ etlichen ſeinen Raͤhten/ inſonderheit aber ihm als ſeinem vornehmſten StaatsRath/ und der/ dem gemeinen Gebrauch nach/ alle Befelch und Ordre/ under welche Se. Maßſeſtaͤt dero Siegel aufgetruckt/ zu verſiegeln pflegen/ von derſelben Nachricht gegeben. Wann nun deme alſo/ ſo koͤnten ſie denſelben/ ohne hierauß entſtehende groſſe Verwirꝛung/ nieht erwehlen/ nicht allein wann er tod/ ſondern auch/ wann er ſeines Geſichts beraubet waͤre. Dann ihr wiſſet/ ſagt er/ daß die heilige Geſaͤtze des Außerwetzlten von Gott nicht zulaſſen/ daß eine ſolehe Perſon/ deren dergleichen Ungluͤck begegnet iſt/ uͤber uns herꝛſche; dannenhero ſind wir genoͤhtiget/ unſere Zuflucht zu dem Hamzech- Mirza zu nehmen. Dann/ Lieber! mit was fuͤr Danck wurde er unſere Wahl annehmen f wird er nieht Urſach haben/ ſich uͤber die geringe Neigung/ die wir zu ihme getragen/ ſeine Underthanen zu werden/ daß wir ihn nicht eher zu unſerm Koͤnig angenommen/ als da ſein Bruder nicht darzu gelangen koͤnnen? Wird er ſich auch belieben laſſen/ eine Krone von unſern Haͤnden anzunehmen/ die wir bereits einem andern aufgetragen d Er wird ſich einbilden/ daß er unſern Wahl⸗ ſtimmen keinen Danck zu geben ſchuldig ſeye/ die ihme nicht auß vollkommener Liebs⸗Neigung gegeben worden/ ſondern welche eine unumgaͤngliche Noth uns abgedrungen habe: Und wolte Gott/ daß es nur dabey verbliebe/ und er ſich damit zu frieden geben moͤchte/ daß er uns keinen Danck wiſſe. Wer weiſt/ ob er ſich nicht an uns raͤchen werde/ und ob nicht unſere Kaltſinnigkeit/ die wir gegen ihm bezeuget/ ein Zorn feuer wider uns in ſeinem Gemuͤth anzuͤnden mochte/ welches zu unſer aller Undergang/ und Verſtorung unſers Hauſes und Geſchlechts umſich freſſen doͤrfte. Wir haben aber hierauf nicht zu ſehen: Dann wann es um die Wolfahrt des gemeinen Weſens zu thun iſt/ ſo muß alle andere derſelben weichen. Dannenhero/ ihr meine Herren/ wollet auf das jenige/ was ich zu Anfang meiner Rede erwehnet habe/ bedacht ſeyn. ir muͤſſen ein gefaͤhrliches ZwiſchenReich/ welches/ wegen des hin und her rei ſens von hier nach der Haupt ⸗Statt/ lange Zeit waͤhren wurde/ vermeyden. Die Goͤttliche Vorſehung hat uns den Hamzch· Mirzah; under unſere Haͤnde gegeben: iſt demnach weiters miehts uͤbrig/ als daß wir derſelben Befelch folgen/ und in dieſem Augenblick dieſen vom Himel darzu Verordneten auf den geweyheten Thron eines Fuͤrſten der Welt erheben. Nach dem der oberſte Stagts⸗Miniſter außgeredt/ hinderließ er denen übrigen Herzen nicht geringes Nachdencken/ woher er zu ſolchen Gedancken muſſe kommen ſeyn: nichts deſto weniger/ weil er eine ſolche Perſon war/ die jederzeit von manniglich e auff 1 10 Solimanni III. Königs aufrichtigen Manm gehalten worden iſt/ dene auch ſein nunmehr betagtes Alter/ und langwuͤrige Erfahrung in den Reichs⸗geſchaͤften/ in hohes Anſehen gebracht/ ſo wurde er von niemand im Verdacht gehalten/ daß ſein gegebener Rath parteyiſch ſeyn/ oder ſich durch linig andere/ als die Wolfahrt des Reichs betreffende Gründe/ hierzu bewegen haben laſſen ſollen; zumalen er auch nichts vorgebracht/ welches die gantze Verſamlung nicht für die hoͤchſte Warheit befunden. Solchem nach wurde ein mit ihrem Wunſch ſo wol uͤbereinſtimmender Vorſchlag von dem meiſten Theil mit Freuden r und waren die je2550 welche auf nichts anders/ als ihre eigene 6 N. olfahrt ihr Abſehen hatten/ ſehr frohe/ daß ſie mit ihrem Beyfall/ deß oberſten StaatsMiniſters Gutduncken/ für Treu⸗Geſinnete vor die gemeine Wolfahrt gehalten werden konten/ da ſie doch auf nichts anders/ als auf ſolche Weiſe noch lange Zeit in dem hohen ihre eigene Hoheit/ und Aufnehmen bedacht waren. Dann ſie hatten ihnen eben die jenige Betrachtungen/ welche dem oberſten StaatsMꝛiniſter/ und dem Ober⸗Aufſeher/ wie wir bereits er wehnet/ das Hertz geruhret/ zu Gemuch gezogen/ und hierauß geurtheilet/ daß ſie ihrer Wolfahrt und Glücks nicht verſicheret ſeyn koͤnten/ wann der Selie Mirza dermaleinſt auf den Thron erhaben werden ſolte; alldieweilen dieſer junge Printz/ damit er deſto beſſer den Meiſter ſpielen koͤnte/ nach ſeinem eigenen Kopf wurde regieren/ und die Hol⸗Bediente nach ſeinem Gutduncken und Wolgefallen verandern wollen: Zu welehem Beginnen er dann durch eine heimliche Rach⸗Begierde wider ſie/ angetrieben werden moͤchte/ weil er ihm einbilden wurde/ daß ſie mit ihrem Beyl zu ſeinem qeußgeſtandenen Unglück geholfen/ und ſich nicht allein denen Klagen/ welche der verſtoͤrbene Konig/ ſein Vatter/ bißweilen wider ihn auf die Bahn gebracht/ nicht widerſetzet/ ſondern ihme noch hierinnen recht gegeben. Uber diß/ wann das erſcholleneczerücht/ das dem Konig Habas durch heimliche Zuſammen⸗Verbindung etlicher bey Hofe mit Gift vergeben worden/ wahr geweſen/ ſo war leichtlich zu erachten/ wie denen/ ſo hieran ſchul100 muſſe zu muth geweſen ſeyn/ und wie ſehr ie ſich fur einem ſolchen Nachfolger im Reich muͤſſen gefoͤrchtet haben/ der/ weil er von Natur zur Gewaltthatigkeit geneigt war/ einen ſo cheinbaren Vorwand finden wurde/ ſeines Vatters Tod zu raͤchen. Bey Erwehlung des jüngſten Sohns aber/ war dergleichen nicht zu befoͤrchten/ weil alle Sachen ihren vorigen Gang gehen/ und ſie in ſeiner Minder jahrigkeit zeit genug haben würden/ ihre Sachen wahrzunehmen/ und ihr under handen habendes wichtiges Vorhaben außzuführen. Hierauf behielten die von dem oberſten StaatsMiniſter angeführte ſcheinbare Grunde/ wegen des Tods des alteſten Printzen/ und die Gefährlichkeiten/ in welche die Monarchen bey langer Verweilung gerahten würde/ bey ihnen die oberhand: dannenhero ſie alle einmuͤhtig die Wahl des Hamzeh- Mirza beſchloſſen. 8 Wahl keiner groͤſſeren Eyfer/ als der Genedas jenige/ weſſen ſich die andern befahreten/ von dem alteſten Printzen zu foͤrchten hatte. Uber diß/ ſo zweifelte er keines wegs/ es wurde ihm der ſelbe den Fehler/ daß er nicht alle Mobilien/ koſtliche Zeuge/ und andere Sachen/ ſo er begehret/ haben koͤnnen/ uber welche er/ wegen ſeines Ober⸗Aufſeher⸗Ampts/ vollig zu ſchalten und zu walten hatte/ zuschreiben. Hingegen hatte er der Hertzogin/ des jungſten Printzen Mutter/ deren Miniſter er auſſerhalb dem Frauen ⸗ zimmer war/ ſehr viel gute Dienſte geleiſtet; und verhofte/ vermittels der Veraufwarteten/ dieſer Princeſsin und ihres Sohns Gunſt zu gewinnen/ und ſich auf Credit/ in welchem er zu des Koͤnigs Lebzeiten geweſt/ zu erhalten. Um dieſer Urſach willen nun/ nachdem die Reiſe/ welches die dritte war/ an ihn kommen/ ſein Gutduncken zu eroͤffnen/ ſtimmete er denen vorhergehenden allerdings bey/ und beſtaͤttigte alles das/ was die Stuͤtze des Reichs/ oder der vornehmſte Staats⸗Miniſter vorgebracht/ worzu er noch dieſes ſetzte; er koͤnte zwar den Zuſtand/ in welchem ſich der Sete-Mirza damals befunden/ nicht eigentlich ſagen; jedoch muͤſſe derſelbe uͤber alle maſſen 1 und ſo erbaͤrmlich ſeyn/ daß derſelbe weder ihm/ noch andern ſeinetwegen/ zuließ/ an das Konigreich zu gedencken: dann man hatte ihn im verwichenen 1075. und 1076. Jahr/ nach dem ſein Vatter ſeine Gefaͤngnuß 1 ſen laſſen/ ſehr genau verwahret/ daß niemand mit ihm reden koͤnnen/ und waͤre kein Zweifel/ daß der König Eabas bieſem Printzen/ weil er ihn fur untüchtig zu der Regierung gehalten/ des Geſichts beraubet habe. In dieſer ſeiner Meinung wurde er hierdurch beſtättiget/ weil man ſeit der Zeit nie nichts von ihm gehoͤret/ als der verſtorbene Konig auf ſeiner letzten Reiß nach Mazenderan, da er nicht weiter als acht Meilen von der Haupt⸗Statt under wegs geweſt/ gantz allein mit wenig Trabanten wieder dahin umgekehret/ und man/ was auf dieſe Ruckreiß erfolget/ noch deren Urſach/ nicht das geringſte erfahren konnen; und ſeye demnach nicht zu zweifeln/ daß er ſich endlich in ſolchen Gedancken entſchloſſen/ ihn von der Welk zu ſchaffen. Ein unwidertreiblicher Beweiß deſſen/ ware der jenige Verſchnittene/ welcher nicht lang hernach mit geheimer Ordre abgefertiget worden; welche/ wie er wol wuſte/ dieſen Printzen betroffen: ware demnach unnohtig/ weiter zu berathſchlagen/ man wolte dann wider alle Vermumft handeln/ welchem under dieſen beyden en Kron aufzutragen/ weil der Himmel ihnen den einzigen Hlamzeh Mirza vorbehalten. 595 n Solcher geſtalt nun/ war es nunmehr allerdings an deme/ daß dieſer Königliche Prin Under allen Groſſen bezeugte bey dieſer gude ral⸗Oberft⸗Aufſeher: wie dann auch keinem ſchen hier mehr daran gelegen war/ und er allein alles bey. ſchnittenen/ die ihr in dem Frauen⸗ zimmer 1 in perſien Kroͤnung. 1 mit Außſchlieſſung ſeines aͤlteſten Bruders/ auf den Thron erhoben werden ſolte. Alle Groſſe gaben jhre Einwilligung in diſe Wahl und war nicht ein einiger under denen/ die das Recht zu reden hatten/ der jhm ſeine Stimme derwweigert hätte/ daß alſo nur noch zween Verſchnittene ubrig geweſt/ welche bis dahero ihre Meynung noch nicht geſagt. Wer hatte aber gedencken ſollen/ daß dieſe beyde/ als die allerunanſehnlichſte/ ſich underſtehen ſolten/ jhren Mund jemals aufzuthun? Dann haͤtte auch ſemand ſich einbilden konnen/ daß ſie/ weil weder der eine/ noch der andere/ weder das Recht/ noch den Titul/ noch das Anſehen/ ſolches zu thun/ gehabt/ fahig geweſt ſeyn ſolten/ ein anders/ ind dern jenigen/ deme dieſe herꝛliche Verſamlung zugethan zu ſeyn ſchiene/ gantz zuwider laufendes Urtheil zu fallen? Und geſetzt/ ſie ſeyen deſſen befügt geweſt; war es wol glauͤblich/ daß ſie ſolten das Hertz gehabt haben/ daſſelbe zu eröffnen/ und zugleich darmit wider ſo viel Stimmen durchzudringen? Nichts deſtoweniger ſo geſchahe es auf eine ſolche Weiſe/ die man beydes wegen der Umſtande/ die wir bereits angemercket/ als der jenigen/ die wir noch anzuzeigen haben/ billich wunderbar nennen/ und ſagen muß/ daß eine hoͤhere Hand ſeye/ die ſich under die menſchliche Handel vollmachtig mit undermiſche/ und die Sufall nach jhrem Willen leite/ daß die Sachen zum oͤfftern/ wider unſern Willen und Gedancken/ einen Außgang gewinnen; wie dann allhier geſchehen iſt/ da der Sele unergchtet aller heimlicher Anſchlaͤge/ welche von eigennutzigen Leuten wider ihn gemacht worden/ und ſhrer/ zu Vollführung jhres Vorhabens/ klüglich angeſtellter Vorbereitungen/ erwoͤhlet worden iſt. 5 f Dieſer Verſchittene/ der alle Anſchlage/ welche dieſe Herren genommen/ underbrochen/ war der Aga Mubarek, welcher/ wie von uns hiebevor angezeigt worden/ an dieſem Hofe in groſſem Anſehen/ und deme die Auferziehung des zweyten Komglichen Printzen anvertrauet war. Er war/ ſage ich/ des Hamzeh-Mir-za, den die Groſſen auf den Thron erheben wollen/ Hofmeiſter; und dieſem nach hatte er ihre Stimmen/ mehr als einiger under jhnen/ billichen und gutheiſſen ſollen/ weil ſein Credit und Anſehen durch die Hoheit ſeines Durchleuchtigen Pfleg⸗Sohns unſaglich mehr wurde zugenommen haben/ und jhme hierdurch ein ſo groſſes Gluck an die Hand gegeben worden ſeyn/ als jemals ein Mann ſeines Standes haͤtte hoffen konnen. rage u Deſſen unerachtet/ ſo behielte die Liebe zur de Gerechtigkeit in ſeinem Gemüht die Ober17 ce ee hand; und hoͤrte er des vornehmſten StaatsMimiſters gethanen Vortrag/ daß der juͤngſte Sohn dem alteren vorgezogen werden ſolte/ Z mit Entſetzen/ und groſſem Unwillen an/ welcher hierdurch vermehret wurde/ als er ſahe/ daß die andern in dem Raht jhme Beyfall gaben. Er faſſete hierüber einen ſolchen Ent11 55 welcher einer ſolchen alten und ſtandafften Treue/ wegen welcher die Verſchnittene jederzeit beruht gerpeſt ſind/ wol würdig war: dann er hielte dafür/ es erfordere ſeine Schuldigkeit dieſe Wahnordnung/ ſo viel in ſeinem Vermoͤgen ware/ zu verhindern; und ob er ſchon das Recht nicht hütte in dieſer Verſamlung zu reden/ ſo ware jhm doch erlaubt/ dieſes Recht/ welches nur in bloſſen Ceremonien beſtunde/ zu brechen/ damit er die jenigen wieder auf den rechten Weg bringen mochte/ welche ein Geſetz Uherſchreiten wolten/ welches doch/ dem Anſehen nach/ von der Natur ſelbſt eingeſetzet/ und von allen Volckern angenommen worden. 1 805 Nichts deſto weniger wartete er/ bis jederman außgeredt/ beydes darum/ weil er dieſe Ehrerbietung denen Herren/ die eine hoͤhere Stelle als er/ hatten; als weil er jederzeit verhoffet/ es würde einer under jhnen/ der verſtandiger/ oder beſſer geſinneter als die andern ſeyn/ und ihn der Ungelegenheit/ worein er ſich/ wegen einer ſo verdrießlichen Begebenheit ſtuͤrtzen müſte/ uberheben wurde. Als er aber geſehen! daß ſie alle einhellig die Wahl des jungern Printzen/ zu Nachtheil des alteren/ von wegen etlicher Einwendungen beſchloſſen/ wel che doch/ wie ſcheinbar ſie auch ſeyn mochten/ bey den Haaren herbey gezogen zu ſeyn ſchienẽ/ und ſich auf allzu ſchwache Muhtmaſſungen gründeten/ daß in einem ſo wichtigen Geſchafft auf dieſelbe geſehen werden ſolte/ ſo redete er ſie mit einer ſolchen Wort⸗Stimme/ die/ ohne Verlierung ſeines Reſpects/ ſtarck in hren Ohren erklunge/ in folgenden Worten an: Dieſer Vortrag/ den jhr/ hr Fuͤrſten/ eee dee und Herren der Herren/ gethan habt/ den Rache, den Seſe, Koͤnigs Habas des Zweyten al the. teſten Sohn/ von der Kron/ deme ſie von rechtswegen gebuͤhret/ außzuſehlieſſen/ und an ſeine Stelle den juͤngſten Sohn/ kamzeh Mir-za, zu verordnen/ ſtreitet ſo ſcheinbarlich wider die Gerechtigkeit/ und die Geſetze des außerwoͤhlten Geſandten/ dag man dafůr halten muß/ jhr ſeyet durch eine zu ſehr uͤbereylte Verblendung hierzu bewogen worden. Ja ich doͤrffte mich wol erkuͤhnen zu ſagen/ daß keine under denen von euch angefuͤhrten Beweg⸗Urſachen von einigem under euch erheblich genug gehalten werde. Nein: dann der Vorwand/ den ihr wegen des Hamzch Mir-Za, Erwoͤhlung vorgeſchuͤtzet/ iſt wider alle Vernunfft. Wann jhr aber wollet/ daß ich euch die warhaffte Urſach/ ſo euch hier! zu bewogen/ und die jhr/ ſo wol als ich/ wiſſet/ ſagen ſoll/ ſo iſt dieſelbe die Begierde/ die hr habt/ gantz Perſien beydes eine lange eit/ als auch nach eurem Belieben und Wolgefallen zu beherꝛſchen: Um dieſer Urſach willen/ wollet jhr ein Kind erwoͤhlen/ under deſſen Minder jaͤhrigkeit euch alles erlaubt ſeyn wird/ und werdet ihr e nen unbeſehranckten Gewalt üben koͤnN f nenz FFܳÜ;— ä——— 2 Solimanni III. Koͤnigs nen: Daum was von dem aleiſten Printen angefuͤhret wird/ daß er ſonder Zweifel des Lebens/ oder ſeines Geſichts ſeye beraubt worden/ kan fuͤr nichts anders/ als einen bloſſen falſchen Wahn gehalten werden. Wann diefem alſo waͤre/ meinet ihr wol/ daß ich nichts davon vernommen haben ſolte/ als der ich/ ſeih des Komigs Abteys von der Haubt⸗ Stadt/ jeder eit al les/ wat in dem Frauenzimmer⸗Pallaſt vorgechangen/ haarklein gewußt; der ich demſelben jederzeit nachgefolget/ und noch ber diß die Aufſicht uber den jungen Printzen habe? Wann auch der jenige Verſchnittene/ welcher erſt vor kurtzer Zeit auf der Poſt nach Hiſpahan verſchickt worden/ geheime Ordre wider den ele Mir es gehabt/ denſelben zur Nachfolge im Reich untůchtig zu machen/ ſolte ich wol ſolches nicht erfahren/ und der verſtorbene Koͤnig wegen des Standes ſeines zweyten Sohns/ den er inſolehem Fall beſtimmet/ Tage zu verſchaffen/ und die/ in Hoffnung/ daß er nach jhm den Thron beſteigen ſolle/ keine Aenderung vorgenommen haben? Wuͤrde er dann nicht ſein Fuͤrſtliches Ein kommen„ und ſeine Hoftatt vermehreund mir/ und dem Kecht der Weiber/ ich wil ſagen/ der Hertzogin/ des jungen Printzen Mutter/ kein Wort dar von geſagt haben? Wann er auch mir ſolches haͤtte verhalten wollen/ haͤtte ich dann micht/ eher als ſhr/ etwas davon innen werden koͤñen/ weil ich mich in dem inneren Pallaſt aufHalte/ und alle Geheimnuſſen/ ſo darinnen vorgehen e en ihr nimmermehr kommen dörffet/ ſondern denſelben hernach aber 50 175 rieff plotzlich auf; Hamzeh Mit-za,EHlamzen nu von auſſen anſehen koͤnnet? Mit en nem Wort/ es iſt an allem deme/ was jhr vorgebt/ und euch einbildet/ nichts; dann der Selie Mirza iſt noch bey Leben/ und hat ſein Geſicht/ Gott iſt deſſen mein Zeug; und wann deme nicht alſo iſt/ ſo wil ich euch meinen Kopf zum Pfand ſetzen. Dieſem nach koͤnnet jhr/ ohne Ungerechtigkeit/ oder vielmehr ohne ſchuͤndliche Verraͤhterey/ den aͤlteſten nicht auf eine Seiten ſetzen und denſelben beydes euren blinden Neigungen/ und dem Intereſſe ſeines juͤngſten Bruders aufopffern: da doch vielmehr dieſer ſenem/ und des Staats Intereſſe aufgeopfert werden ſolte. Sehet ſhr dann mit daf jhr in dem Königreich eine jůmmer liche Zerrůttung hiermit anrichtet/ und voller Trennungen machet? Meynet ſhr/ daß die andern Groſſen fur eute ohne Geſet werden wollen gehalten/ und euere Wahl gutheiſſen werden? Glaubet ht/ daß das Voſck ſiug eines laſters werde theilhafftig machen/ und den fuͤngern Brem der auf dem Thron leiden wollen/ den ſhk nicht auf denſelben habt erkennen koͤnnen/ daß jhr nicht zugleich die ſchuldige Pflicht/ die uns unſer heilige Glaub eingibt/ zu ſeinen Fuͤſſen geworfen? Im Gegentheil wird ſich jederman wider euch empoͤren/ und es mit des rechtmaͤſſigen Erben Partey halten; und wann gleich dieſes nicht geſchehen ſolte/ ſo werdet ſhr euch doch den Fluch uͤber euren Hals laden/ und jederzeit fuͤr Aufſtiffter eines ſo verfluchten Beginnens gehalten werden: ſhr werdet euch die geit eures Lebens ſchaͤmen muͤſſen/ und eine immer waͤhrende Reue in euerem Gemuͤht empfinden. Der Flamzeh Mirza, um deſſent willen jhr euer Gewiſſen auf eie ne Seiten geſetzet/ wird euch Fee keinen Danck deßwegen wiſſen; er wird euch fur Hunde halten/ als die jhr hm dieſe Ehre um keiner andern Urſach willen aufgetragen/ als auß Begierde/ euch gute in waͤhrender ſeiner Minder faͤhrigkeit ſich du berkichern/ Gott und das Geſez/ den Propheten/ und ſein Buch/ und deſſen Erklaͤrung/ die geſunde Vernunfft/ und die Gerechtigkeit hindan geſetzet haben. Und weiß ich gewiß/ daß er euch deß wegen ſtraf2 fen/ und die geringſte Zuͤchtigung/ die hn von jhme zu gewarten habt/ ſeyn werde/ daß er euch nackend und bloß in eine Wuſten verſchieken wird/ Gott fuͤr jhn zu bitten/ daß er euch noch das Leben gelaſſen. Hierauf hielte er ein wenig jnnen: nicht lang hernach aber fuhr er in ſeiner Rede fort/ und Mik-za; in was fuͤr einen gefaͤhrlichen Stand ſiehe ich/ daß ihr euch ſetzet! wolle jhr/ hr Herren/ daß ich jhn mit meinen eigenen. Handen er wuͤrge/ und denſelben todt für ane augen bung Jo ken diele wol thun/ dann er iſt under meiner Gewalt. Dieſes werde ich darum thun/ euch hier⸗ 5 durch das Mittel zu benehmen/ daß ihr kelne ſo unreehtmaͤſſige Wahl mehr thun koͤnnet: jhr werdet alsdann gezwungen ſeyn/ die Krone dem aͤlteſten aufzutragen und gib ich euch alsdann ſelbſt zu bedenhen wird/ daß ihr euere ſchuldige Pflicht gegen ihn nicht eher in acht genommen/ als bis hr durch einen ſo aͤuſſerſten Notfall hierzu gezwungen worden ſeyd. — Mäit dieſer Bedrohung endigte er ſeige Fe Rede/ und ließ die Herren der Verſamlung ſo er beſtürtzet/ daß ſie/ wann ein Berg 5 1155 belt 8 5 Fü sn cken mit was für einem Gemüt erdieſl be von euch annehmen werde/ wann er ſe2Neſche lung gung bel-SS in Perſien Kroͤnung. ſealeg niedergefallen waͤre/ wie man in Perſien redet/ nicht ſo ſehr drüber hatten erſchrecken konnen. Sie kunten ihnen die Urſach nicht einbilden/ welche dieſen Verſchnittenen zu einem ſo tapfer und unverzagten Entſchluß bewogen; zu welchem er weder auß Haß/ noch Jurcht/ noch Hofnung angetrieben worden. Nicht auß Haß/ weil er ſeinen lieben PflegSohn herzlich liebte; noch viel weniger aber auß Forcht; weil er von dem jenigen/ den er in ſeinen Armen erzogen/ nichts als alles liebs und gutes ſeines Theils zu erwarten gehabt: So kumte er auch nichts vortheiſhaftigers von dem alteſten Printzen gewarten/ deſſen Gemuths Neigung er noch nicht wuſte; Dann ob er ſchon einige zu ihm tragen mochte/ ſo würde ſie doch jederzeit viel geringer/ als des Jungern ſeine ſeyn/ als welcher dieſelbe mit der Muttermilch eingeſogen. Sie ſahen ins geſant/ daß er wider ſeinen eigenen Nutzen und Frommen redete/ und daß jhn nichts anders/ als die Liebe zur Gerechtigkeit/ und des Reichs beſtem; das Verlangen/ dem gemeinen Volck ein Vergnigen zu geben/ und die Treue/ ſo er ſeinem verſtorbenen Konig ſchuldig war/ hierzu bewogen. Hierdurch nun brachte er ſich bey jhnen in groſſes Anſehen/ daß ſie ſich verpfüchtet befanden/ ſich uber ein ſo vernünftiges Urtheil/ ob es ſchon jhrer Meinung zurvider war/ und ſie hierdurch/ jhres unrechtmaſsigen Beginnens halber/ angeblaſt wurden/ zu vere Es gienge eine halbe Viertelſtund vorbey/ ehe einer under ihnen ein Wort redete: und in ſolcher Verwirrung/ welche entweder der Schande/ wann ſie ihr Wort wiederruffen ſolten/ oder die Forcht der Gefahr in jhnen verürſachet/ in welche ſie gerahten mochten/ wann ſie jhren anfanglich genommenen EntDone hartnackig behaupten wolten/ ſahe einer 8 11 8 0 ſtillſchweigenes an. Endlich brach der Vorhehmſte Stagts⸗Miniſter das Stillſchweigen; entweder weil er/ wie auß ſeinem bißher geführten loblichen und untadelichem Thun und Wandel erſchienen/ der Bill ichkeit/ wolte/ nachdem er in . Des vberFe 2 als die andern geneigt geweſt; oder wei 7 be mehr als die andern geneigt geweſt; 1 00 nben geweſt er befoͤrchtet/ es mochte/ wann er ſolches nicht thate/ ein anderer vor ihm das Wort neh me welches ihm dann ſehr verweißlich wurd weſt ſeyn/ alldieweilen ihme arn erſten zu gebührte/ ihme auch in allweg ſolehes obligen ein Rath ſo hart/ und dem Setie Mirza zu groſſem Nachtheil geredet. Dieſer Staals⸗Miniſter nun /ſieng alſo zu reden an: Es haͤtte zwar die Verſamenn lung/ auf ungezweifelte Verſicherung/ Gegen⸗ an wort. a 1 die man gehabt/ daß der aͤlkiſte Sohn Koͤnig Habas des zweyten/ nicht tuͤchtig waͤre/ die Kron anzunehmen/ ohne Beſchuldigung einiger Ungerechtigkeit/ u der Wahl des zweyten Sohns ſchreiten koͤnnen: Nach dem aber anjetzo der Aga-Mubarik ſo hohe Verſitherung thaͤte/ baß der Sefie Mir· za weder das Leben/ noch Geſteht yerlohren/ ſo muͤſte derſelbe ohne fernere Krömmg solim. Berathſchlagung erwehlet werden. Solchem nach wolte er ſhme hiermit von Grund ſeines Hertzens/ ſeine Stimme und Wahl gegeben/ und bezeuget haben/ daß man jhme unverzuͤglich Seepter und Kron uͤberreichen ſolte. Auf dieſe Worte lieſſen die andern Herren den Muth ſincken/ und hatten das Hertz nicht/ das jenige/ was ſie unrechtmaſsig angefangen/ zu behaupten. Dann der Zuſtand dieſer Herren macht ſie von Natur forchtſam/ weil ſie/ ſo hohe und vornehme Fürſten ſie auch zu ſeyn ſcheinen/ in der That nichts anders als Sclaven ſeyn/ und ihr Leben/ jhr Freyheit/ hre Ehre/ und jhre Güter einig und allein an jhrem Konig hangen. Dieſem nach underſtunde ſich keiner/ auf ſeiner erſten Meinung zu beſtehen/ ſondern wolte es einer dem anderen zuvor thun/ ſein Wort zu wiederruffen/ und beſchloſſen/ mit 40 dan jhres Mißvergmigens alle einhellig; daß man/ angeſehen der auf welche alteſte Printz ſich in dem Stand befuͤnde/ da weht die Krone/ ſo hm von rechtswegen ge⸗ ln. buͤhrte/ anzunehmen/ denſelben alſobald auß dem groſſen Pallaſt nehmen/ und auf den Thron erheben ſolte. Auf ſolche Weiſe nun/ iſt der Selle Mirza zum Monarchen der Perſtaner/ wider den Willen der jenigen ſelbſt/ die jhim jhre Stimmen gegeben/ erwehletter x „Der oberſte Staats⸗Miniſter fügete noch hinzu/ daß man/ nach der glücklichen Wahl eines Königs/ auf der ſtatte zu einer anderen ſchreiten/ und jemand under den Groſſen des Königreichs benennen muſte/ welcher eilends/ und ungeſpahrten Fleiſſes nach Hiſpahan gehen/ und den Printzen auß dem Pallaſt/ in welchem er verſchloſſen/ nehmen ſolte/ im den ſelben mit gewohnlichen Ceremonien auf den Thron zu ſetzen/ und für einen Vollmachtigen Oberherꝛen über das Perſianiſche Reich außWie 1 a Ob nun woldieſe Benennung von keiner Beraihchlo groſſen Wichtigkeit/ als die Wahl des ene ale ö weft/ ſo machte doch dieſelbe dieſen dung an ihn. herzen gleichfals nicht wenig zu ſchaffen dann b meinete es einer gegen dem andern/ nach der Hof⸗leuthe Gebrauch/ nicht zum aufrichtig ſten/ und halre ein jeder ſein beſonderes Abſehen/ heydes für ſich/ als ſeinen Neben geſpanen. Underdeſſen aber/ muſte einer auß ihrer Geſellſchaft genommen werden/ alldieweilen ö damals bey Hofe keine hoͤhere Stelle war/ die jenigen aber ſo nicht ſo hoch am bret/ dieſe Ehre nicht hatten begehren koͤnnen. Weil ſie num urkheileten, daß die jenige Perſon/ deren ſie dieſen Befehl auftrügen/ allem Anſehen nach über des neuen Monarchen Gemüth groſſe Macht gewinnen/ und derſelbe ihme/ vor Nieuden wegen einer ſo angenehmen Vortſchat die er ihm brachte feine Hulde mueiſtencheils zuwenden wurde; ſo waren ſie darauf bedacht ihre Augen auf einen zu werf fen der zum wenigſten gegen ſie nicht übel geſinnet ware wann ja keiner/ der es allerdings B e aufrichtig mit ihnen meinte/ anzutreffen ſen ſolte: Dann was ſolte ſich wol ein liſtiger Fuchs/ bey ſo groſſem Vortheil nicht underwinden; und was für einen Eintruck ſolte er nicht in einem/ ſo zu reden/ noch gantz neuen/ und wegen der jungen Jahre/ in den WeltHandlen noch unerfahrnen Gemuͤth geben Dannenhero trachtete ein jeder under dieſen Herren/ abſonderlich für ſeine Perſon/ auß ihrer Geſellſchaft einen ſolchen zu benennen/ der an wenigſten boßhaftig/ und ihnen/ wo nichts gutes/ jedoch zum wenigſten nichts boſes zu thun/ geſinnet ſeyn mochte. Der oberſte was für Per: Stuats⸗Miniſter/ und der Ober⸗Auffeher/ ſonen darvon außgeſchloſen worden. welche in der Feder die jenige waren/ die man/ wegen jhrer Bedienung zu ſo hoher Abordmung hatte gebrauchen konnen/ kunten ſolches nicht begehren/ weil/ bey ſo geſtalten Sachen/ jhre Gegenwart zu Hofe allerdings nothwendig war. Des erſten zwar/ damit derſelhe/ der Gewonheit nach/ alles abfertigen/ und wegen der Skagts⸗Geſchäften Andientz eitheilen; ber diß auch durch ſeine Gegenwart/ alle Unruhe e mochte/ welche die Zeitung von des Königs Habas Tod/ wa dieſeſelbe jrgend dureh einigen Zufall vor der Zeit kuchtbar werden ſolte/ verurſachen konte: zu geſchweigen/ daß man/ wann dieſer Miniſter/ welcher niemals ohne den Konig zu reiſen pflegt/ ſich entfernen ſolte/ alſobalden urtheilen wurde/ daß der Konig nicht mehr bey Leben ſeye/ um eben dieſer Urſach willen/ war es auch dem Ober⸗Aufſeher unmoglich abzukommen: Dann weil er uͤber die Mobilien/ und Schatze des Königlichen Hauſes/ wie auch uber die Fuhren/ welche alle Tage zu des Hofes Mothwendigkeit ab⸗ und zu giengen/ die Verwaltung harte/ ſo kunte er dieſes Ampt/ ohne Emſtehung groſſer Unordnung/ nicht aufgeben. f Ingleichem verhinderte die Einbildung/ worbey man das gemeine Volck erhalten wolte/ daß der Konig kranck ware/ die Abſendung des Oberſten Hofmeiſters/ weilen ſein Amt/ ſo wol als die vorige beyde/ ihn verpflichtete/ bey Sr. Maj. zu bleiben. So war auch der Vornehmſte Stern⸗kundiger/ und der oberſte Medicus, nicht indem Stand/ noch viel weniger eben dit Verſchnittene/ daß ſie zu vleher Ehre hatten gelangen konnen. Zwar ermangelte dem oberſten Stallmeiſter/ noch dem oberſten Jagermeiſter/ in Betrachtung ihrer Würde nichts: Weil ſie aber nicht eigentlich des Königreichs/ ſondern vielmehr des Königs Officterer waren/ ſo warff man die Augen guf die Generalen der Armeen/ den General uber die Sclaven/ und den General ůber die Muſquetlerer: in ſonderbahrer Belrachtung/ daß ſie eine hohere Stelle/ als dieſe bende lerſten hatten/ und wegen ihrer Aemnrer nicht an den Hofe gebunden waren. Im übrigen waren ſie den anderen Herren dichralleu angeneheh fie nnſten aber auch dißdcs lac Bic ei guß der Nolhenße Tüdem andern/ weil er jhm in ſeinem Amt vorgieng/ vorgezogen werden ſolte: welches er guch nicht verbergen koͤnnen/ ſondern ließ an ſeinem Geſicht die deßwegen gemachte Hofmmgſpuren. Er faͤhlete aber in ſeiner Rechnung ſehr weit: Dann es war jhin in dieſer Verſamlung kein einiger gunſtig/ weil ihnen ſeine Perſon gar zu wol bekandt/ und er ein rechter Betrieger/ und unruhiger Kopf/ auch eines boͤſen Gemuths war/ und dannenhero ſich ins geſamt beſorgeten/ er mochte/ wann er mit dem neuen Koͤnig am erſten redete/ ſeiner gewoͤhnlichen boſen Prgeticken nicht vergeſſen/ und nicht underlaſſen/ jhnen die meiſten Beſchwaͤrden aul zuburden/ deren ſie ſich ſchwwaͤrlich würden entladen konnen. In Bez trachtung deſſen/ gaben ſie/ ohne fernere Be: rathſchlagung/ dem General der MuſquetieUnder dieſen beyden nun/ verneinte der urge General uͤber die Sclaven ganzlich/ daß er ven biber 4e ihm dieſel utzlich ein/ es wird um aber der General der Muſquetie: rer ins geſamt jhre Stimmen. Dieſes geſcha⸗ rer vorgeiohe nicht darum/ daß ſie ſich wegen dieſes/ nicht eben dergleichen von ihm beſorget haben ſolten/ weil er den Ruhm nicht hatte/ daß er gen/ ein allerdings aufrichtiger Mann ware: nichts deſto weniger hielten ſie jhn/ gegen dem andern zu rechnen/ noch für ertraglicher/ weil ſeine Grifflein nicht ſo grund boß waren. Uber diß wurde er für einen klugen und verſchmitzten Kopf gehalten/ welcher zu wichtigen Geſchaͤften zu gebrauchen ware/ und der benachbarten Potentaten. und Angelegenheiten wol verſtunde: geſtalten er dann/ wegen dieſer guten Qualitaten/ von dem Konig Habas vor etlichen Jahren/ als ein Abgeſandter/ an den jetzo regierenden Konig in Indien Aureng: zeib verſchickt worden/ jhme wegen der Gelangung zur Kron Gluͤck zu wunſchen. In welcher Abſendung er ſeines Königs Hoheit ſo wol in acht genommen/ daß derſelbe ein ſattſames ä bezeu get. Und in Warheit/ ſo kan man ſich über die Pravaden/ ſo er daſelbſt gemacht/ nicht genug verwunderen/ welche der Leſer kaum wird glauben koͤnnen/ wann ich den, BeGenugen hierüber bezeuricht den ich hiervon aufgezeichnet/ in den Truck a ee werde.. Nach a tigung dieſes Herren/ machte die Verſamlung eine Verordnung über etliche andere Sachen/ ſo ſeine Reiß betrafen/ wie guch/ wie man ſich underdeſſen bey Hofe/ . des neuen Königs verhalten Erſtlich wurde geſagt/ daß eilf Perſo⸗ und ile nen den Abgeordneten biß nach Hiſpahan gel begleiten ſolten/ nemlich/ die zween Stern⸗ gegebel!. kundiger/ der Munchiziim- Bachi, das iſt/ das Haupt über die jenige von dieſer Künſt. Er nennete ſich Mirza- Baker, und neben dieſem noch ein anderer Sternkundiger/ von dem Vornehmſten im Königreich/ Namens Mahamad Saleh. Dieſe ſolten ſich mit der Sternen⸗Laufs- Tafel in der Hand bey der Kroͤnung gegenwartig befinden/ um(wie man in Perſiſcher Sprach zu reden pfegt) eine gur te Stunde zu nehmen/ nud die gunſtigſte 7 0 7 1 1 1 1 Die geit ſei05 e 5 ird bent/ 5 welche eine glückliche Zuſammenfügung der Sternen dem Anfang eines ſo hochwichtigen Wercks andeuten würde/ zu beobachten. Dieſen wurden vier vornehme Bediente zu Verkwahrung des Schatzes zugeordnet ⸗ welche die Edelgeſteine/ ſo man zu dieſer Ceremonie gebrauchen wurde/ tragen ſolten. Die fünff n brigen, welche dem Abgeordneten Geſellſchafft leiſten ſolten/ wurden damals nicht henennel/ weil ein jeder von denen fünff oberſten StaatsBedienten hatte/ den ſeinigen zu benennen. 1 Dieſe Abgeſchickte/ welche jederzeit vornehme Perſonen ſeyn/ ſolten im Namen ihrer Herren/ dem neuen Konig/ ſo bald man ihn auß der heimlichen Verwahrung des Pallaſts gebracht/ einen Fußfall thun/ und bey den Kronungs⸗Ceremonien/ den jenigen von den Groſſen/ der ihn abgefertiget/ vertretten. Von dieſen fünffen/ war einer im Namen des vornehmſten Staats⸗Miniſters; der zweyte/ des Groß⸗Ober⸗Auffehers; der dritte/ des Generals uber die Sclaven; der vierdte von wegen des Oberhaubts der Juſtitz abgefertiget: der funffte aber ſolte des oberſten StaatsSecretarii Stelle vertretten. f Zweytens/ verordnete die Verſamlung der Herren/ daß der General uͤber die Janitſcharen mit dieſen eylff Perſonen/ den folgenden Dag vor Tags aufbrechen ſolte/ es ware dann Sach/ daß der Oberſte Sternſeher den Stand/ und die Aſpecten der Planeten nicht gunſtig befaͤnde; in welchem Fall ſie ſo lang/ bis eine beſſere Stunde einfallen mochte/ verziehen ſolten. Alsdann ſolte ein jeder vor ſich abreyſen/ und in dem neuen Caravan ſeray, vier Meil von Damagaan, warten/ bis die zwoͤlff Perſonen zuſammen kommen/ und ihren Weg ins geſamt fortſetzen koͤnten: und dieſes quß Beyſorge/ ſie mochten/ wann ſie zugleich mit einander auf brachen/ wegen jhrer Reys gar zu groſſes Nachdencken verurſachen. Drittens/ wurde von dieſen Herren beſchloſſen/ daß dem General uͤber die Muſquetierer ein Schreiben an Seine Majeſtät im Namen der Verſamlung mitgegeben/ daſſelbe aber vorhero jhme in jhrer aller Gegenwart abgeleſen werden ſolte/ damit nicht etwas hinein geruckt werden mochte/ welches nicht von jhnen allen gutgeheiſſen worden. 5 Vierdtens/ verglichen ſie ſich/ um des Koͤnigs Tod deſto beſſer in geheim zu halten daß ein jeder in Bedienung ſeines Amts/ wie ſie vor 5 17200 traurigen Fall gethan/ in ſeinem Quartier fortfahren/ und den gewohnlichen Fleiß um den Pallaſt her anwenden/ underdeſſen aber das Volck in der Meynung gelaſſen/ daß der Koͤnig noch kranck darnider lige/ und mit der Hoffnung einer ſchleunigen Geneſung geſpeiſet werden; die hier gegenwartige/ und andere Verſchnittene aber/ die Sache in dem Frauenzimmer⸗Pallaſt in geheim behalten/ und allen muͤglichen Fleiß anwenden ſolten/ hr Wehklagen zu mildern/ oder zu ſtillen/ und zu verhin1 5 es nicht von auſſen geho ret werden Krönung Solim, in perſien Kroͤnung. b bey ſolcher Begebenheit das Recht kundigen. 15 Fuunfftens/ wurde die Verordnung gethan/ daß dieſe Verſchnittene/ nebenſt 1 nehmſten Nedicis den Leichnam des verſtorbenen Koͤnigs balſamieren laſſen ſolten/ damit derſelbe hernach/ wie gebrauchlich/ in einen bleyernen Sarg gelegt werden mochte. Endlich beſchloſſen dieſe Herren/ daß der gantze Hof von dar an innerhalb acht Tagen/ von dem Flecken Koſros- abaad, allwo er ſich anjetzo befinde/ aufbrechen ſolte: weil es aber unmuͤglich ware/ daß man in einer ſo groſſen Verwürrung weite Zuge thun konte/ ſo ſolte ſich derſelbe mit kleinen Tagreyſen nach Kachaan begeben/ und dieſer Zug nach Gelegenheit/ und wie man denſelben am dienlichſten enachten wurde/ angeſtellet werden/ damit man den Leuten nicht Urſach geben mochte/ ſich allzu ſorgfaͤltig/ wegen des Koͤnigs Perſon zu er„Auf den Abend wurde dem General über die Muſquetierer das Schreiben/ welches er dem neuen Konig uͤbergeben ſolte/ zu Handen geſtellet. Dieſes war in einem Beutel von gulden Stuck/ welcher mit einer von Gold und Sey den gedreheten Schnur an den Knopffen zugebunden geweſt/ gelegt/ und mit weichem Wachs mit des Oberſten Staats⸗Miniſters Pittſchafft verſiegelt: worbey dann nichts an dem Zieraht/ den die Orientaliſche Volcker vergeſſen worden. 5 In dieſem Schreiben/ worvon ich eine quß dem Original gezogene Abſchrifft mit groſſer Mühe bekommen⸗ gaben dieſe Herren Seiner Königlichen Majeſtaͤt zu vernehmen: wie daß der Herzſcher/ und groſſe Fuͤrſt/ deſſen Platz in dem Paradeys iſt/ Konig Hlabas II. der glaͤntzende Stral/ den Gott vermehren wolle/ den 26. des Monden/ kabeya· eletſany genant/ zu Anfang der Widerkunfft(hierdurch muß das wiederkommende Liecht verſtanden werden) ohne Hinund jhme ein Schreiben von der Verſamlung an den neuen Koͤnig über antwortet. dem Überzug ihrer Brieffe zu geben pflegen/ nhalt de hen e — — derlaſſung eines Teſtaments/ oder Verordnung/ wegen ſeines Nachfahren/ oder Benennung einer Perſon/ das Koͤnigreich zu regieren/ Tods verfahren. So bald ſie nun von dieſem traurigen Fall Nachricht erlanget/ waͤren ſie zuſamen kommen/ dem jenigen daſſelbe aufzutragen/ den der Himmel zu einem Nachfolger des Koͤnigs außerleſen. Hierauf haͤtten ſie alle mit einmuͤtiger Stimm alſobalden ſeine Durchleuchtigſte Perſon erwoͤhlet/ und zu einem Herren uber die ſo weit und breit ſieh erſtreckende Koͤnigreiche benennet/ und daß er allein wuͤrdig waͤre/ den jmmerwaͤhrenden Thron des Fuͤrſtens der Welt zu beſitzen/ mit inbruͤnſtiger Bitte zu Gott/ daß er jhn mit Ruhm und Ehre uͤberſchůͤtten/ und jhm einer ſo hohen Macht/ worzu er beruffen wüͤrde/ wuͤrdige Siegs⸗Triumpf verleyhen wolle; wor8 B 2 mit 3 Solimanni III. Königs 5 en Nechnung nach/ gegen, Uhr des Abends/ mit ſie fich zu ſeinen Fuͤſſen/ als ſeine demuͤtigſte/ und gehorſamſte Sclaven gelegt haben wolten. und Allerdurchleuchrigſte Perſon nun auf dem Stul/ welcher mit dem himmliſchen eine Gleichnuß haͤtte/ zu beveſtigen/ ſo haͤtten ſie auß jhrem Mittel den General uͤber die Muſquetierer/ in Begleitung vieler anderer hierzu erwoͤhlter Perſonen/ abgeordnet/ welche jhme jhr allerunderthaͤnigſtes ſchlechtes Schreiben uͤberlieffern/ und mit einem demuͤhtigſten Fußfall/ im Namen der Verſamlung/ ſhre Underthaͤnigkeit/ und Dienſte anbieten/ und nachgehends jhre Stellen/ als demuͤhtigſte Sclaven des Throns/ welcher der wahre Sitz des Kalifat ſeye/ das iſt/ des Vicarlats, oder Hohenprieſterthums) bey der hohen Solennitaͤt/ ** Seine Abveys/ and Ankunft zu Iſpahan. die bey ſeiner Kroͤnung mit Aufſetzung des heiligen Imaam ſchen) das iſt/ Prophetiſchen) Bunds begangen werden ſolte/ vertretten wuͤrden. Den Leichnam ſeines Durchleuchtigſten Vatters betreffend/ deſſen Platz in dem Paradeyß iſt/ der helle Glantz/ den Gott vermehren wolle/ ſeye derſelbe in die Stadt Kachaan gefuͤhret worden; und wolten ſie/ nebenſt der uͤbrigen Hofſtatt/ die ſich erkuͤhnet/ gegenwaͤrtiges zu ſchreiben/ gewiſſer Ordre von Sr. Maſeſtat/ beydes von wegen des Orts der Begraͤbnuß/ als wegen anderer Schuldigkeiten/ worzu ſie ſich auß einer unvermeidlichen Nohtwendigkeit verpflichtet befaͤnden/ erwarten. 1 Dieſes iſt ohngefaͤhr der Inhalt dieſes Schreibens nach der Perſianiſchen Sprach/ deren Mundart wir/ ſo viel als unſere Sprach leiden wollen/ außgedruckt haben. Auf dieſes Schreiben war außwendig/ und unden auf dem Umſchlag der vornehmſten Staats⸗Miniſters Siegel/ der Gewonheit nach/ aufgeDer General uber die e und die übrigen eylff/ brachen des folgenden Tags auf/ und zogen ſo eylends fort/ als jhnen moͤglich war; jedoch nicht ſo geſchwind/ als ſie verlanget/ und die Beſchaffenheit der Sache erfordert/ weil jhrer ſo viel auf der Poſt reyſeten/ daß ſie nicht uberal mit den Pferdten abwechſeln kunten; zu geſchweigen/ daß ſie Sorge tragen muſſen/ damit nicht etwas von den Edelgeſteinen/ wormit die Officierer des Schatzes beladen geweſt/ durch allzu harte Bewegung und ſchüttern verbrochen werden mochte. Sie zogen demnach die hundert und zwoͤlff Perſianiſche Meilen/ welche hundert und vierzig Franoſiſche machen/ von Koſroë- Abaad nac Seine Großmaͤchtigſte um die Seit/ da die Kauff⸗ und Handwercksleute in den Bazars, und auf den Platzen ihre Läden zugeſchloſſen/ und ſich jederman nach Hauß begab/ angelanget. Es wur den aber etliche vornehme Perſonen dieſes Hauffens/ der auf der Poſt geritten kam/ gewahr/ und erkanten alſobalden den General der Sclaven/ welcher vornen an geritten/ und die andern Abgeordneten/ die ſie vor dieſem bey Hofe geſehen hatten. Sie hielten dafür/ daß ſie vorguß gegangen/ um in dem Königlichen Pallaſt/ auß Befehl Sr. Maf, alles anzuordnen/ deren Wiederkunfft in dieſe Stadt man ſchon eine lange Zeit mir groſſem Verlangen erwartet; weßwegen ſie dann dieſen Herꝛn/ und die andern/ ſo ſhme folgeten/ befragten; welcher jhnen zur Anttwort gab/ daß Se. Majeſt, nicht weit mehr von dannen ware/ und man dieſelbe in kurtzer Zeit in der Stadt ſehen wurde. Mit dieſer zweydeutigen Rede ſagte er jhnen die Warheit/ und eroͤffnete doch nicht das Geheimnuß/ welches verſchwiegen bleiben muſte. So bald dieſe Herren an den groſſen Koniglichen Platz/ der vor dem Pallaſt iſt/ kommen/ ſtiegen ſie vor dem Haubt⸗Thore dieſes prachtigen Gebaudes/ welches man Klaly Kapi, das iſt/ die Pforte des Haly nennet/ und die hohe Pforte außgelegt werben kan/ von jhren Pferden ab. 7 f SEie hielten daſelbſt ins geſarnt/ außge⸗ 5 nommen der General uber die Muſquetierer/ und der Abgeordnete des vornehmſten StaatsMiniſters/ ſtill: dann dieſe heede giengen/ ſo bald ſie abgeſtiegen/ nach dem zweyten Thor/ welches auf eben dieſer Seiten/ ein wenig weiter davon iſt/ wie die Figur/ welche wir in unſerer Beſchreibung der Stadt Hiſpahan geſetzet/ außweiſet. Dieſes zweyte Thor iſt das vornehmſte in dem Bau des Frauenzimmers/ und wird die heiltge Pforte genennet. Hierauf verflgren ſich dieſe beyde eren Erwelß nach dem erſten auß wendigen Ga wel⸗ 5 5 ches für die weiſſe Verſchmttene verordnet; welche zwar den Ort/ in welchem das Frauenzimmer verſchloſſen iſt/ ſehr fleiſſig verwahren/ jedoch aber gar ſelten/ und nur/ wann es ein ſehr wichtiges Geſchafft erfordert/ hinein gehen. Der General uber die Muſquetierer gab ſich dem Verſchnittenen/ welcher vor jhm erſchienen/ hn zu empfangen/ u erkennen/ und befahl ihm/ dem Aga Nazir zu ſagen/ daß er von ſtund an herauß kommen wolle/ weil die Sache/ die er mit jhm zu reden habe/ keinen Verzug leide. Wir haben droben erwehnet/ daß dieſem Aga Nair von dem verſtorbenen Kong/ als er noch gelebt/ die Verwahrung des Sele Mirza, welcher nicht lang hernach zum Konig iſt erwohlet worden/ und ins gemein die Aufficht uber den Pallaſt des Frauenzimmers anbefohlen worden; weßwegen er dann verbunden ch war/ ſich alle Abend in dieſes Gemach/ welches Iſpahan/ woſelbſt ſie am ſiebenden Tag jhrer Reys/ aneinem Saumſtag/ welches der dreyſſigſte des Monden Zumachysel-avel war/ welcher auf den ro. Octobris/ der bey uns bekanſo zu reden/ wie ein Wachtſtubeiſt/ in welchem ſich die weiſſen Verſchnittenen/ die dieſen Eingang zu verwahren haben/ aufhalten/ zu begeben. Im ubrigen hat er ſeinen ſehr prachtigen Pallaſt N r 12 5 in der Stadt. Dieſem nach befande er ſich/ vermoͤg ſeines Amts/ daſelbt. Als er nun vernommen/ daß ein ſo vornehmer Her? mit ihm zu reden begehrte/ gieng er 5 Bac um zu vernehmen/ was er für einen Befehl mitſich brachte. So bald derſelbe erſchienen/ gieng der General über die Muſquetierer allein zu jhm/ der Abgeordnete aber des Oberſten Staats⸗Miniſters/ 115 e ein wenig hinder ihm dadeder nie, Der General zog hierauf denſelben auf ei Nas ne Skite/ und redete mit jhm etliche Worte/ die man nie nicht erfahren koͤnnen/ oder doch zum wenigſten/ ſo hat mir niemand etwas getviſſes dar von zu ſagen gewuſt. Etliche geben beſtandig für/ er habe jhm des Konigs Habas Todund die Erwehlung ſeines altiſten Sohns/ deſſen Hofmeiſter dieſer Verſchnittene geweſen/ angekuͤndiget: welches dann dieſer Abgeordne⸗ fi te thun müſſen/ weil er vom Konig keine ſchriftliche Ordre gehabt/ dieſelbe auch nicht haben konnen/ weil er nicht mehr bey Leben geweſt. Nichts deſto weniger ſo wird dieſes jederzeit alſo beobachtet/ wann ein Vornehmer Herz/ ſo nach Hofe abgefertiget worden/ begehret/ daß jemand von jnnen/ der uber dieſen Ort zu befehlen hat/ herauß kommen ſolle/ jhme den Befehl/ ſo er mitgebracht/ vorzuweiſen. Andere aber wollen/ er habe ihm dieſe wichtige neue Zeitung nicht offenbahret/ weil es jhm ſeinen Kopf gekoſtet haben wurde/ wann er andern/ eher als dem Konig hiervon geſagt hatte. Deme ſey aber wie ihm wolle/ wann er jhm etwas hiervon eroffnet/ ſo iſt es nur mit wenig Worten geſchehen/ dieweil dieſe beyde Herren/ nemlich der General über die Muß quetierer/ und der ſehende Verſchnittene/ ſich hierauf unverzüglich in ein anders/ weit abgelegenes Zimmer/ und welches gerad 5 75 letſten Eingang des Pallaſts geſtoſſen/ So bald ſie an das jenige Gemach kommen/ worinnen ſich die ſchwartze Verſchnittene aufhalten/ welche in den inneren Pallaſt/ in welchem das Frauenzimmer jhre Wohnung hat/ auß und ein gehen doͤrffen/ kame einer von den Vornehmſten under ihnen/ als er gehoͤret/ daß der Aga Nazir daſelbſt ware/ von ſtund des 1. an herauß/ um zu vernehmen/ was ſein Begehren ware. Der andere bate ihn/ daß er von ſtund an zu dem Selie Mirza gehen/ und jhm nher andeuten wolle/ daß ein Abgeordneter von zul den. hoher Hand/ und auß hoͤchſter Ordre/ a iu bor der Porten ware/ welcher jhme hochwichfltge/ und ſeine Wolfahrt betreffende Sachen anzukündigen hatte: und daß er dieſem nach ſich belieben laſſen wolle/ herauß zu kommen/ und dieſelbe anzuhoͤren. Der weiſſe Verſchnittene ſagte dieſes dem ſchwartzen Verſchnittenen mit dieſen Worten/ und einem ſolchen Geſicht/ das weder traurig noch froͤlich war/ worauß man etwas gutes/ oder boſes hatte abnehmen konnen. Der ſchwartze Verſchnittene richtete hierauf die Krönung Solim. in Perſien Kroͤnung. — 17 Boktſchaft/ auf die Weiſe/ wie er ſte empfangen, bey dem jungen Prinzen/ der ſich damals bey der Princeſsin ſeiner Mutter befande/ auß. Es iſt aber beſſer/ daß ich dem Leſer zu be⸗ Beſtüreung dencken anheim ſtelle/ wie ſehr dieſe bende Ko⸗ nen nigliche Perſonen über eine ſolche plogzliche/ einer Nutund jhnen ſo verdaͤchtige neue Zeitung erſchro⸗ ier bieruͤber. cken ſeyn mufſen/ als daß ich dieſelbemit Worten außzutrueken begehe. Ich habe mir aber ſagen laſſen/ daß ſie alle beyde eine gute Weile/ gantz unbeweglich geweſt/ und kein Wort geredet/ biß endlich die Princeſsin ein groſſes Geſchrey angefangen/ und mitten in jhren Seufzern den Printzen umarmet/ und in dieſe Worte außgebrochen: Ach mein liebes Kind/ es iſt um dein Leben geſchehen! i Und zwar/ ſo konte ſie ſeinetwegen nichts anders/ als den Tod/ oder ein anders/ nicht diel geringers Unglück vor Augen ſehen: dann je kunte ihr nicht einbilden/ daß es darum zu thun ſey/ jhn auf den Thron zu erheben; weil ſeit zweyen Jahren her/ da ſte jhren Gemahl gantz friſch und geſand/ und in der beſten Bluthe ſeines Alters/ welches ſich nur biß lis ſechs und dreyſsigſte Jahr belieff/ verreiſen ſehen/ nie kein Wort davon gehoͤret/ daß er kranck ſeye/ noch viel weniger aber kunte ſi gedencken/ daß er geſtorben„„ Als ſie darmenhero vernommen/ daß ein Dieſe bilben Vornehmer Abgeordneter vön hoher Hand e nothtvendig mit dem Printzen zu reden habe; Rüben 8 127 bwgs hate ſe damals für andere Gedancken ese haben konnen/ als daß derſelbe von dem Konig Klabas II. mit dieſem Befehl abgefertiget worden/ jhren lieben Sohn entweder umzubringen/ oder jhen die Augen außzureiſſen/ und weil derſelbe ſo hart darauf dringe/ daß er herguß kominen ſolle ſo geſchehe ſolches einig und allein darum/ daß er bieſen Befehl anhoͤren/ ind ich demſelben under werffen ſolle! In dieſem jhrem betrübten Argwohn wurde ſie durch alle ſcheinbare Gründe bekrafftiget; dan es war ihr des Konigs Strengigkeit/ wie auch die Ungnade/ ſo er auf ſeinen alteſten Sohn geworffen/ deren er durch eine ſo enge Gefaͤngenſchaf offentliche Pro pas ſie aber a t in welche er jhn ſetzen laſſen/ ben gegeben/ nicht unbekandt: m allermeiſten beküͤmmerte/ und he Mißtrauen vermehrte war bie Herzogin/ 48 amaeh Nir-2a Mutter. Dieſe iſt ſonder Zweifel die Boͤßwichtin/ ſagte ſie/ welche mit ihren glatten Worten den König dahin vermoͤgen daß er meinem Sohn die Kron entziehen/ und jhrem Sohn auf das Haupt ſetzen ſolte. f b ſie jhr ſchreyen und weheklagen/ daß der ganze Frauenzimmer Pallaſt darvon erfüller worden: dannenherd lieffen alle andere Frauen auß Verwunderung von wegen der Angſt/ in deren ſich die vornehmſte under des Königs Gemahlinnen befande hinzu ſie zukroſten/ und ihre Thranen und Klagen mit den ihrigen zu vermiſchen. Sie hatten auch deſſen/ nſonderheit die jengen/ ſo es mit dem jungen Printzen gut meineken/ und um ſeine Wolfahrt hoͤchlich bekummert waren/ we in den übri1 gen .! Der Gene- Als der General über die Muſquetierer/ ſehloſſen/ in Perſon dahin zu gehen/ und ſich zu Tal 16 Solimanni III. Koͤnigs 8 5 gen aber/ wůͤrcket das Mit leiden vaſt eben der⸗ gleich ſam als ob ſie jhn vor den jenigen/ die jhn gleichen/ weil ſie nicht anderſt meinten/ als daß hing zu nehmen begehrten/ verſtecken wolman jhnen dieſen anmuhtigen Furſten in ei⸗ ten/ damit ſie ſich jhme nicht nahern koͤnten. nem noch ſo zarten Alter rauben wurde. Man Dieſes wahrete alſo langer/ als drey Vier⸗ Delches a ſagt vor gewiß/ daß ſich dieſe troftloſe Perſo⸗ telſtund; dann es haͤtlen die andern ſchwartzen ber bey in, nen ſo klaͤg⸗ und jammerlich geſtellet/ daß/ ob⸗ Detſchnittenen/ welche einer nach dem andern ſungeuwäl ſchon die ſchwartze Mohren/ ins gemein/ ein mit Eydſchwuren/ und neuen Betheurungen ö hartes und unbarmhertziges Gemüth haben/ abgeſchickt worden/ daß der Genergl keine ander jenige/ ſo ſich dabey anweſend befunden/ ſh dere/ als dein Pr intzen ſehr vortragliche Ordre nicht enthalten konnen/ etliche Jahren zu ver⸗ brachte/ weder bey der Mutter/ noch den angieſſen/ und zu andern Gedancken/ als ſein auf dern Weibern/ nicht das geringſte verfangen getragener Befehl außwieß/ zu ſchreiten. wollen; dannenhero der Aga Pee 2 Ac Hoftmeiſſer/ dieſes Geſchrey hoͤreten/ vermerck⸗ mochte. Als er aher vor der Mutter erſchienen/ ten Mutter vermehrten: dann ſie widerholete benaßbet und die Seßende Verſchnittene/ des Printzen benmhen/ ob er jhnen ihren ſrethum benehmen in benelfein ken ſte ſtracks den Irꝛthum/ in welehem des und ſchroͤckliche Fluche zu thun angefangen/ ſie Prinzen Mutter/ und die ubrigen Weiber ſta⸗ hierdurch zu bereden/ daß ſie lich nichts boſes cken fertigten derowegen den zweyten ſchwar⸗ zu befahren habe/ rief hm dieſe Princes in/ h10 Verſchnittenen ab/ die Princeſoin zu ver⸗ ren Sohn jmmerdaß veſt umaninet/ mit bieſen ſicheren/ daß der Abgeordnete/ welcher vor Worten zu: Wie/ du Hund/ wilſt du auch⸗ 5 der Pforten des Prinzen Ihres Sohns war⸗ Wwie die andern/ ein Bottſchafter des To⸗ 3 tete/ ihm gute Bottſchaft/ und ſeiner um kei⸗ des ſeyn? a. f ner anden Urach killen begeh tea hmeeim Dieſe wehemuhtige Princeſein wolte ſch eulen beſſers Glück anzukunden; welches ſie mit ei⸗ e a e e eee bt fee K N i e nde gantz und gar nicht troſten laſſen dann je mehr aft ſie, nembey ihnen ſehr hohen und theunn Eyd be- Botten man zu ihr ſchickte/ undje mehr Be⸗ en kraftigken/ welcher iſt bey dem Haupt des ho⸗ e ene eee een e eee e e den Hal een kheurungen man jhr thun ließ/ je weniger ſie folg hen Aree durch den ſie den kla verfeehen dem jenigen/ was ina ihr ſagte Glauben ge⸗ en. welcher/ wie ſie ſagen/ der rechte Nachfolger f i 1 5558 50 M die diene Gd, ben wolte. Sie hielle alles mur fur Kunſt⸗grif⸗ 8 des Wabomels iſt. Alle diefe Cydſchtwine ſe/ ſiezu hindergehen/ und zur Einwilligung zu 0 und Betheurungen aber/ dienten zu nichts anders/ als daß ſie das Mißtrauen dieſer betrüb⸗ bereden/ daß hr Sohn auß dem Pallaſt gehen ſolte/ allwo ber Tod ſeiner wartete Endlich lieſUi i. ehe An. 1 6„ Ihre Jammer⸗Klagen mehr als zuvor jemals: 0 40 0 ieh 15 A e 810 Sie schloß ihren lieben Sohn viel härter in ſb⸗ des Aga gute Morte und die ſhröckliche Fiäre Arine ein/ und in ſolcher Verzückung ihres che die er Uber feinen Koufthat daß 99 5 5 Gennths fluchte ſie bald dem verſtorbenen gan keiner Gefahr zu besorgen hatle⸗ ewegen/ e. ine anne daß ſie jhm den Printzen/ jedoch auf einige geKonig/ jhrem Gemahl/ tauſend Ungluͤck auf lethatige Jeiſe/ auß ſeiner Mutker Armen den Hals/ und nennete jhn einen barbari⸗ e 1 e N 79 me N reiſſen helffen/ welehe hierüber gantz und gar ſchen⸗ Ungerrel en Mann/ der keinen Olau⸗ verzweiflen wolte/ und als ſie ſahe/ daß ſie ſolben/ noch Religion hatte/ und die ungluͤck⸗ chem/ wiewol mit eungem eſpect gegen ſiegehafte Urſach aller Ihrer Thraͤnen waͤre; brauchten Gewalt/ zu widerſtehen zu ſchwach woran ſie daun die Warheit ſagte/ wiewol er war/ und daß jh liebſtes Pfand zhr genommen hieran gantz keine Schuld hatte. Bald wen⸗ werden ſolte/ fel ſie auf einmal uͤber jhn/ und dele ſie ſich gegen den Abgeordneten/ und nen⸗ zog den Dolchen/ den dieſer junge Printz an ſeinete jhn einen Hund/ und Botten des 1: ner Seiten trug/ auß/ hielte denſelben dem bald wider die gegenwartige Verſchnittene/ Verſchnittenen/ der aun nachſten bey jhr ſtunund ſchaͤndete/ und ſchmahete ſie/ als Ver⸗ de/ und den Printzen bey der einen Hanſd hatte/ rahter. vpvor/ und ſagte zu jh: So laſſet uns dann 125 e Printz blieb underdeſſen gantz in Gottes Nahmen gehen. Aber ſehaue zu/ unbeweglich; und ſagt man daß er kein ein: was du thuſt/ und was du verſprichſt. Dañ ges Wort geredet/ noch eimgen Zaͤhren ver⸗ a 1 e goſſen/ noch in einem Geſicht das geringste wann er ſterben muß/ ſoſolſt du wiſſen/ daß Meerckzeichen einer Traurigkeit von ſich gege⸗ du am erſten die Straffe/ welche deine Lu ben habe. Es hatte das Anſehen/ als ob ſeine gen/ und Verraͤhterey verdiene/ wurſt tra⸗ 141 7 allzu groſſe Bettuͤbnuß ihn dergeſtalt uber⸗ gen muͤſſen. Der Verſchnittene nahme dieſe hauffet habe/ daß ſie jhn gleich als unbeweglich Bedingung an/ nd war damit zu frieden/ daß gemacht; und daß die Natur/ weil ſie nicht ſo man hm den Tod anthun ſolte/ wann ihm ekkraftige Kennzeichen finden konnen/ die er⸗ was leyds geſchehen wurde. Dieſes befriedigte ſchrockliche Angſt/ die er empfande/ außzutru⸗ dieſe Dame tlrektwas/ daß ſie den Dolchen wiecken gleichſann verſtummet/ nicht wiſſend/ was der gab/ und geſchehen ließ/ daß er in des Prinfür eine Narthey ſie halten ſolle. Dieſer junge ten Scheide geſteckt wurde. Prinz vergoß keine Thraͤnen/ weil die Urſach/ Hierauf wiederholete der Aga ſeine bereits die er härte/ dieſelbe zu vergieſſen/ allzu groß gethane Eydſchwure/ und gegebene Verſichewar. Solcher geſtalt nun/ blieb er under den fungen/ daß es gantzund gar keine Gefahr haaͤcchtzen und krachtzen dieſer Weiber/ die jhn zu be/ ſondern im Gegentheil lauter gute Hoffſich zogen/ und auf allen Seiten umi ingeten/ nung ſeye. Wodurch ſich dann diſe e ö 7* 199 5 Fe e S b 1. 5 er——* in Perſien Kroͤnung. 19 Perſonen/ ſ viel ſie in einer ſo zrweifelhaften begebenheit fahig waren/ überreden zu laſſen beguntẽ/ ich/ wo man hin wolte/ führen zu laſſen. Die Mutter gab hierqufjhrem Sohn biß un den letſten Ork/ dahin jhr zu gehen erlaubt war/ und ſie von niemand geſehen werden kunte/ biß vor das Thor/ welches offen ſtunde/ das Geleit/ und kehrte hoͤchſt betrübt/ daß ſie eine auß jhren Weibern halten muͤſſen/ wieder um: der Printz aber wurde gantz zitterend/ von dem Verſchnittenen biß vor das erſte Portal hinauß/ zu dem Gemach der ſchwartzen Verſchnittenen/(ſo zu reden) getragen. So bald nun derſelbe guſſer dein Pallaſt erſchienen/ ſele der General der Muſquetierer/ nebenſt des oberſten Staats⸗Miniſters Abgeordneten/ der ſich ein wenig weiter hinder jhm hielte/ dem Printzen zu Fuß/ und nejgete ſich/ wie gebrauchlich/ ſehr tief vor jhm/ daß er mit der Stirn die Erde berührte: nachgehends ſtunde er wieder auf/ und gab jhm auß ben Knyen ligend/ und mit einem von Thranen noch naſſem Angeſicht/ welche jhm entweders des Frauenzimmers weheklagen/ oder die Erinnerung/ wegen des Abſterbens ſeines Koͤnigs/ auß den Augen getrieben/ die Urſach ſeiner Abſendung mit dieſen Worten/ die er mit lauter Stimme/ und ſehr deutlich außgeſprochen/ zu vernehmen: güde chene. Es bleibe euer GOlorwuͤrdiges Haupt jederden ungen zeit geſund. Der Koͤnig der Welt/ euer kintzen. Vatter Habas, welchem Gott der Barmhertzigkeiten/ eine neue Vermehrung der Ehren verleyhen wolle/ hat ſeinen Platz bey der Goͤttlichen Guͤte gefunden/ und iſt eure Durchleuchtigſte Perſon zu ſeinem Nachfolger erwehlet/ und zu einem Statthalter des wahren und einigen Oberherren henennet worden. Dann ſo viel bedeutet das Wort Valie- Neamet, welches allhier/ als der gewoͤhnlichſte/ wie auch der hoͤchſte Beinahme/ den die Perſianer jhren Koͤnigen zu geben pfletzen/ welchen er ſahe/ daß er des jenigen/ was er Ihm zu ſagen hatte/ kaum erwarten kunte/ nicht länger aufhalten mochte. Er brachte jhn aber hierdurch von dieſer zu einer andern/ und gantz widrigen extremirat: dann auf die Forcht/ die ihn verlaſſen/ folgete eine Beſturtzung/ Freude/ und Traurigkeit/ die jhn von neuem überfielen/ und jhn abermals unbeweglich machten. Es war jhm eben/ als wie einem/ der auß der Wie ſich de Finſternuß an das helle Tages⸗Liecht komt dan ieee es bedunckte jhn/ er ſeye verblendet/ und ſahe er deuget. ohne Sehen/ und ohne einiges Wort⸗ ſprechen/ dieſe groſſe Anzahl der Verſchnittenen/ ſo jhn umringeten/ auf der Erden auf jhren Knyen ligen/ welche jhn jhren Konig/ und Ober⸗Herꝛen hieſſen. Als dieſe erſte Blicke vorbey/ ſchiene ſein Geſicht nicht mehr ſo verwirret zu ſeyn/ und warff er ſeine Augen ſittiglich auf den Verſehnittenen/ ſeine Hofmeiſter/ welcher/ gleich wie die andern vor jhm auf den Knyen lag/ und war ihm nit anberſt/ als walf er auß einem tieffe Schlaf erwachet. Er begunte das jenige/ was vorgieng/ zu bedencken/ uñ bermerckte/ daß man ihn/ an ſtatt jhme das Leben zu nemen/ auf den Koniglichen Thron erheben wolte: nichts deſto weniger/ weil er dieſe gute neue Zeitung nicht anhoͤren konnen/ daß er nicht auch zugleich die Bottſchaft von ſeines Vatters Tod vernemen muſſen/ ſo machtẽ ihn diſe beyde ſo unverſehene Poſten/ zu beyden ſeiten ſo beſtüͤrtzt/ daß er zum dritten mal in ſolche Verwunderung gefalle/ die jhn allerdings unbeweglich gemacht. Die traurigkeit ſtritte eine zeitlang mit der Freude; endlich aber hehielte des Printzen gute Natur uͤber die leſte die oberhand; daf er hienge ſeinen traurigen Gemuͤths⸗ Regungen nach/ und gedachte nicht an das/ was er gewonnen/ ſondern was er verloren/ uñ in ſolchen traurigen Gedanckẽ zerriß er/ nach der Perſer Gebrauch/ mit hoͤchſter Betruͤbnuß ſein abaye, od Kleid/ von oben biß an dẽ Gurtelzer vergoß auch milte Zaͤhren/ welches er biß dahero noch nit gethan hatte; wiewol gen gebraucht worden iſt: dan Valie bezeichnet ſeiner Mutter ihre/ und der groſſe Schrecken in einen Gevollmaͤchtigten Statthalter das welchem er das gantze Frauenzimner geſehen/ hiſt einen abloluten Füͤrſten in ſeinen Landern/ me gnugſameurſach hierzu gegebẽ. Hierauß iſt welcher aber von einem andern/ noch hoͤhern nun/ wie gedacht/ diſes neuen Printzen gute Art darzu erhaben wordẽ iſt. Es bedeutet auch daß⸗ zu erkenen und darff man ſich nit einbilden daß ſelbe/ vaſt in eben dieſem Verſtand/ einen Miktler; weilen ein ſolcher Statthalter der Mittler zwiſchen dem jenigen Herꝛn/ von deme er ſeine Hoheit hat/ und dem Volck iſt/ welchem er die 5traffen und Belohnungen/ im Nahmen dieſes oberſtẽ Herren außtheilet. Das Wort Nea. met betreffend/ ſo hat es ſeinenrſprung von dẽ Wort Inaam, welches ſo viel bedeutet/ als ein Gnadẽ⸗Geſchenck/ welches ein Herd ſeine Selaven gegeben. Verſtehen demnach die Perſtaner durch dieſes Wort Valié-Neamet, eine Statthalter/ den der wahre und oberſte Herr/ welcher Gott iſt/ u einem vollmachtigen Ober⸗Herꝛen eingeſetzet/ dz er an ſeiner Stakt durch die 0 Welt/ die Gnaden⸗Gaben un Wolthaten außtheilt ſolle wie wir ſolches anderswo weitlauffiger/ und mit beſſerer gelegenheit erklaret habe. Der General uͤber die Muſquetierer/ gebrauchte keine längere Rede/ damit er den PrinKroͤnung Solim. diſes alles von jhme erdichter weiſe/ un nur zum ſchein geſchehen ſey; dann er war noeh viel zu jung/ daß er um dergleichen Stücklein erwas hatte wiſſen ſollen/ als der noch nichts geſehen R und ſtets under den Weibern zartlich auferzoge worden/ uñ von nichts anders/ als ſchoͤnen Kleidern/ uñ dergleichen ſchlechten ſachen zu reden/ un den Verſchnittenen zu befehlen gewuſt. Zu deme/ ſo hatte die Verwirrung/ in welcher ich ſein Geiſt/ eit einer Stund her/ befimden/ nit zugelaſſen/ daß er ſich alſo ſtellen könen/ daß mans nit hatte mercken ſollen. Ob er nun wol von ſeinem Vatter ſehr übel gehalten worden welchen ihn gefangen einſperren laſſen/ und es ſchiene/ daß ihm ſein Tod das Leben wieder 97 in deme derſelbe jhme die Freyheit/ und die Konigliche Kron zuwegen gebracht/ ſo kunte er ſich doch nicht enthalten/ denselben als ein nicht geringers Ubel/ als er jhm gutes verurſacht/ zu B 4 be 2 —— —————— —— beweinen. Es iſt aber dieſes vielmehr eine Würckung der Natur/ welche hierdurch zu erKennen geben wil/ daß ſte ſtats Meiſterin ſey/ und daß die Regungen/ die ſie eingibt/ jeder zeit die Oberhand behalten/ was auch für Hindernuſſen der Ehrgeitz/ der Eigennutz/ und das Gluck derſelben in den Weg legen mogen. eren Als nun der General der Sclaven geſeFlben über hen/ daß der Prins vor groſſer Traurigkeit dan, Tora, nichts antworten kunte/ und/( ſo zu ſagen) nur n, mit den Augen redete/ welche ohne Aufhoren eine groſſe Menge Thraͤnen vergoſſen/ ſo warete er nicht langer/ bis er jhm befahl/ aufzuſtehen/ ſondern ſtunde vor ſich ſelbſt auf/ und gieng zu Sr. Majeſtat/ deren er viel Sachen vorbrachte/ Sie zu troͤſten. Der Aufſehende Verſchnittene underließ auch an ſeinem Ort nicht/ noch mehr Troͤſtungen hinzu zu fügen/ dergeſtalt/ daß die übermaſſige Traurigkeit ſich nach und nach in jhm zu legen begunte: dann es zeigete ſich der Glantz der Koͤniglichen Kron/ mit aller ihrer Schönheit und ließ ſich derſelbe/ wie in dem Perſianiſchen Original ſtehet/ durch die Lieblichkeit der Königlichen Hoheit/ und die Herꝛlichkeit des groſſen Glücks/ ſo ſich jhm anerbotte/ verblenden. 5 und fahrer Hiernaͤchſt ſahen dieſe zween Herren einNala ander an/ gleich ale wolte einer dem andern zi bir dem jenigen/ was ſie bereits beſchloſſen/ ein Zeichen geben; und weil ſie wol ſahen/ daß der Printz noch nicht wuſte/ wie er ſich/ als einen Konig anſtellen ſolte/ ſo fragten ſie jhn/ jhme hiermit das jenige an die Hand zu geben/ was ihmzuthun gebuhre/ ob Sr. Maj. nicht belieben wolle/ jh nen zu befehlen/ jhn von ſtund an in den Koͤniglichen Palaſt zu fuhren/ und die Kron aufzuſetzen? weil der Sachen Wichtigkeit erfordere/ ſolches nicht langer aufzuſchieben. Der Prinz war deſſen zu frieden/ und befahl jhnen/ die Sachen alſo anzuordnen/ wie ſie es ann dienlichſten befnden würden. Hieruffn der General über die Muſquetierer/ in Begleitung des Aufſehenden Verſchnittenen, und einer Anzahl anderer Perſonen/ dieſen Printzen in das Gemach/ in welchem die Koͤnige jhre offentliche Raht ſitze zu halten pflegen/ den man Talaar, Tavieleh nennet/ woEi die Abgeordnete der vornehmſten Staats⸗Officierer/ der Ober⸗Sternkundiger/ und andere/ ſo von Hofe kommen/ zugelaſſen worden/ jene im Namen ihrer Herren/ dieſe aber in jhrem eigenem/ und fur ſich ſelbſt/ den gewohnlichen Fußfall zu thun. 1 verfügte ſich Se. Maj. ohne ferners Verweilen/ in ein Bad/ welches nahe an dieſem Zimmer war/ um ſich/ vermoͤg jhres Geſetzes/ zu reinigen und neue Kleider anzuziehen; mittlerweil Aber wurde alles zur Kroͤnung mit hochſtem Fleiß zugerüſtet. n i Zu eben dieſer Zeit begab ſich der Oberſte Sternkuͤndiger nebenſt dem andern/ ſo mit ihm von Hofe kommen/ an ſeinen gehörigen Ort/ um ſich aufs genaueſte zu erkundigen/ welches nach dem Stand des Geſtirns/ die glückſeligſte Stunde zu dieſer hoͤchſtwichtigen CereGold/ wie wir an ſeinem Ort angezeigt haben. III. Königs 20 Solimanni monie ſeyn mochte. Mittlerweil wurden nicht gar in anderthalb Stunden/ durch fleiſſige Bemuͤhung beydes des Generals der Muſquetierer/ als des ſehenden Verſchnittenen/ alle Sachen zugerüſtet/ welche/ ſo bald ſie in den Frauenzimmer⸗Pallaſt kommen/ und zwiſchen der Zeit/ bis der Printz auß dem Bad gangen/ die zu dieſer Solennität behoͤrige Mobilien in geheim bringen/ und die hierzu nohtwendige Perſonen mit allem Fleiß beruffen laſſen. Ehe ich aber dieſelbe beſchreibe/ beduncket mich nicht undienlich zu ſeyn/ eine Beſchreibung des Orts/ wo dieſelbe gehalten worden/ vorher gehen zu laſſen; welche ich auß meiner andern Wercken einem/ in welchem ich die Haubt⸗Stadt in Perſten/ und alles/ was in derſelben am merckwürdigſten anzutreffen/ entworffen/ nehmen wil. i 8 ren des Pallaſts/ gerad gegen der Pforten einer bin deo e uber/ duch welche man zu dem vornehmſten Oi 5 Eingang gehe/ iſt ein ſehr altes viereckichtes genen Zimmer/ deſſen jede Seiten vier und zwantzig Schuh lang/ und in dem verwichenen Jahrhundert von dem Konig Tahmas erbauet worden iſt. Von dieſem Gebau bis an das Thor gehet ein ſehr breiter mit ſehr hohen Maßholder⸗Baumen bedeckter Gang/ langs welchem von dem Eingang bis zu dieſem Zimmer/ underſchiedliche Pferd⸗Krippen/ die mit Kalck und Gips beworffen/ und ſehr hoch ſeyn/ zehen oder zwolff Schritt weit von einander/ gemacht ſind/ die Pferde ſo man auß dem Komglichen Marſtall gezogen/ daran zu binden/ deren bey hohen Geprangen/ oder wann einige Abgeſandten/ oder ſonſten vornehme Außlander/ zu der erſten Königlichen Audientz geführet werden/ gemeiniglich zwolff/ oder fünffzehen/ und bisweilen mehr 1255 Man fuͤhret dieſelbe durch dieſen Gang zwiſchen dieſen aufs prächtigſte 1 Pferden; dann jhr Zeug iſt über und uber mit Edelgeſteinen beſetzt/ und alles was darzu gehoͤret/ die Ketten/ Huffnagel/ Hammer/ Waſſereymer/ Striegel/ und mit einem Wort/ ins gemein alles/ was zu einem Marſtall gehoͤret/ iſt von klarem Zur rechten/ und zur lincken Hand des Zimmers ſind etliche viereckichte Blumen⸗Beth/ und hin und her/ ohne Ordnung/ nach der Perſſaner Weiſe N Baume/ gleich als ob ſie ohngeführ dahin waren geſetzet worden/ und die Natur allein der Gartner geweſt ware: welches aber von Blumen/ und andern Gewaͤchſen/ ſo in keinem Garten wachſen/ zu verſtehen iſt. Gegen Suden erſtrecket ſich der Garten in die Lange/ und in die Breite/ und iſt gleichſam in Gartenbethe/ und viereckichte weite Felder abgetheilet/ welche mit groſſen Baͤumen von einander geſondert/ und mit underſchiedlichen Blumen/ die man jederzeit inden ahi Jahrzeiten haben kan/ beſäet. 5 dieſes Gebau iſt meiſt von Zimmerarbeit gemacht/ und der undere Theil nicht dem Boden gleich/ ſondern in die drey Schuh hoͤher. Das Dach iſt flach/ und von hohen/ dick verN guldeten Gegen Norden nicht welt von der Mau⸗ Beſchre 0 in Perſien Kroͤnung. 8 2¹ guldeten Pfeilen/ in der Hohe von ſechs/ oder hatte man Spey⸗ Becken zu beyden Seiten/ von klarem Gold/ geſtellet. So war auch die ſleben und zwantzig Schuh hoch underſtutzet. Der Grund des Vodertheils iſt gleichfals von Holtzwerck/ woran alles von Gold/ wie an andern Orten glaͤntzet. i Im übrigen iſt dieſes Gebau von allen Seiten offen/ außgenommen wann man die Vorhaͤnge vorzeucht/ welche außwendig oben an die Saulen angemacht ſeyn: welches au allen Seiten um die Zeit geſchicht/ wann der Konig entweder des Morgens/ oder des Abends/ hinein gehen wil; ſie laſſen aber dieſelbe nicht gantz bis auf die Erden hinab hangen/ wie bey uns zu geſchehen pfegt/ ſondern ſie ziehen dikſelbe an die dabey am nachſten ſtehende groſſe Baume in dem Garten/ und binden dieſelbe an den Stamm dergeſtalt an/ daß ſie zehen Schuh hoch von der Erden gleichſam einen breiten Sonnenſchirm machen/ daß die Sonnenſtrahlen nicht in das Gemach ſcheinen/ und doch die jenige/ ſo dar innen ſitzen/ oder ſtehen/ allenthalben um ſich ſehen konnen. Die Vorhange ſind außwendig von rothem Zeug/ von innen aber mit ſchonem Indianiſchen Stickwerck von ſehr annehmlichen/ gemacht ſind/ ſind von Floreten oder grober Seyden. Das Gemach an ſich ſelbſt iſt in drey Theil abgetheilet/ welche nur durch kleine reich verguͤldete Gelander von Schreinerwerck von einander underſchieden ſeyn. Zu beyden Seiten ſind zween Sale/ jeder ſechs und dreyſſig Schritt lang/ und ſechzehen breit. Zwiſchen dieſen beyden Salen iſt ein Talaar; oder/ wie wirs nennen mochten/ weite Straß/ die vier Schuh hoͤher iſt/ als die Sale/ und mitten darinnen ein ſehr groſſes/ und tiefes Becken von weiſſem Marmelſtein/ in welches ein helles und klares Waſſer durch eine Rohren von eben dergleichen Marmel unaufhoͤrlich laufft. Dieſer gantze Ort iſt durchgehends uber guͤldet/ und zwa ſo dick/ daß/ ob es ſchon vor mehr als hundert Jahren gemacht worden/ jedoch nicht das geringſte davon verblichen/ oder abgangen iſt. 8 Es wird derſelbe/ wie wir bereits angezeigt/ Talaar Tavieleh genant/ welches gegeben werden kan/ der Saal des Marſtalls; und kwird demſelben dieſer Nahm gegeben/ weil an gewiſſen Tagen/ wie wir hernach anzeigen wollen/ die Hand⸗Pferde nicht weit dar von ſtehen; dann Talaar bedeutet eigentlich einen erhobenen Saal/ gleich wie eine Straſſen/ und Tavieleh einen Marſtall/ oder andern Ort/ wo man die Pferde an binder. 5 Auf ſolche Weiſe iſt dieſer Ort zu des Konigs Kroͤnung aufgezieret worden: dann ich bin des andern Tags hinein gangen/ und habe alles mit guter Muſſe beſchauet/ und die praächtige Mobilien/ und was ſonſten zu der Kronung gebraucht worden/ beſehen. Die zween Sale auf den Seiten waren mit ſchoͤnen ſeydenen Teppichen/ und das gantz Eſterich mit Gulden und Silberſtuck bedecket/ zwiſchen die ö 0 Straſſen/ oder Talaar in der Mitten mit reich von Gold und Silber geſtickten Teppichen/ und die Küͤſſen rings herum mit einem gewiſſen Zeug/ der in Perſien gemacht/ und Machmelizer · baf genennet wird/ beleget/ welches ein mit Gold/ und Seyden/ von Blumen⸗ und Laubf werck gewirckter Sammet iſt. Eben dergleichen Spey⸗Becken harte es guch in den andern Salen/ deren etliche mit kleinen Rubinen und Türckiſen verſetzt geweſt. An dem Ort/ welcher fur Se. Majeſtat gewiedmet war/ hatte man eine kleine Madratze von Silberſtuck/ gelegt/ welche mit ſehr zarter Lamswolle gußgefuͤllet/ und vier Finger dick/ und ungefahr drey oder vier Schuh lang war. Uber dieſe Madratzen war gleichfalls ein ſehr zarte und reine Decke/ von Indianiſcher mit Gold durchwurckter/ künſtlicher Arbeit gebreitet. Dieſe kleine Decke uͤberdeckte die gantze Madratze/ und hieng rings umher ohngefähr vier Finger um dieſelbe/ daß man ſie nicht ſahe. Unden an derſelben an den zwey5 97 5 1255 1 1 19905 8 und hohen Farben geſticket. Die Bander wie Gold mit Edeigeſteinen beſetz heben wels auch alle Seiler/ wormit diefe Vorhange an- chen zwey künſſlich gearbeike Spey⸗Becken geſetzt waren. An dem andern Ende/ ſahe man ein Küſſen/ deſſen Undertheil von einem Gulſtuck/ und darein gewirckten kleinen rohten Blumen/ und grünem Laubwerck: von was für einem Zeug aber das außwendige geweſt ſeh/ kan ich nicht wiſſen/ weil ich nicht ſo nahe über mit Perlen/ Diamanten/ Smaragden/ und andern Edelgeſteinen beſetzt geweſt/ welche einen wunderſchoͤnen Glantz von ſich gegeben/ alſo daß man/ wie nahe man auch barbey geweſt/ nicht erkennen komen/ was fur einen 8 dieſes koͤſtliche Guüldenſtuck gehabt Dieſer Ort wurde von vierzehen Lampen hinbey kommen koͤnnen/ und daſſelbe über und von klarem Gold/ welche nicht aufgehangen/ ſondern auf die Erden/ gleich wie unſere TafelLeuchter/ auf die Tiſche/ oder Leuchter⸗Geſtelle/ geſetzet waren. Dieſe gampen ſind von Ducaten⸗Gold/ und ſo dick/ daß etliche darunder ſeyn/ die ſechzig Marck/ ins gemein aber dreyſſig bis viertzig Marck wiegen. Von dieſen vierzehen waren jhrer acht mitten in dem Ta lar, und in den beyden Salen in jedem drey/ wie auch acht Hand⸗euchter mit zweyen Armen/ gleichfals von klarem Gold/ und drey/ als die Lampen. i 5 e eee der Ort der Kroͤnung anezeigter maſſen zugerichtet worden/ wurden die vier 2 wurden. ſer Ceremonie eigentlich gewidmet waren/ mit . „Das erſte war ein Scourzy, oder Sitz/ welchen man an ſtatt eines Throns gebrauchte und oder vier Schuh hoch/ aber noch viel ſchwarer Viet zur Krönung getſtucke/ welche ſo zu reden/ zu die B rig Haubtſtuͤcke. Das erſte ein Dhron der ein kleiner viereckichter Seſſel vier Geome⸗ oder Seſſel. e Seſſel/ vier Geometeiſche Schuh hoch war. Die Stollen an den Ecken ſtuhnden auf ſo viel groſſen Knopfen: und damit er veſt ſtuhnde/ ſo hatte der e unden 2 3 Solimanni III. Koͤnigs 5 8 nichts nachgaben. Under denſelben waren etliche Reyger⸗Federn/ und von einem ParadyßVogel zu ſehen. Der Dulbandt war g unden und oben Querhoͤltzer in gleicher Anzahl; und mit einem Wort/ ſo war er an Geſtalt unſern Seſſeln gantz gleich. Außwendig war der elbe gantz glatt/ und mit keinem Zeug uͤberzogen/ daß man weicher darauf hatte ſitzen konnen/ ſondern von eben der Materi als das andere/ nemlich von pur lauter dichtem Gold; die vier Stollen aber/ ſamt jhren vier Knoͤpfen/ waren uͤber dem Gold mit kleinen Rubinen/ und etlichen Schmaragden beſetzet. Dieſer Seſſel wird/ auſſer zu der Zeit/ wann man jhn zu dieſer Ceremonie gebraucht/ mit groſſer Sorgfalt/ in der Koͤniglichen Schatzkammer/ welche die inwendige Burg in der Veſtung zu Hiſpahan iſt/ verwahret. Es iſt derſelbe ſo ſchwar/ daß zween Manner/ als man jhn herauß genommen/ genug daran zu tragen gehabt haben; und 19550 das Glück gehabt/ daß ich denſelben geſehen/ und etliche Tage hernach Gelegenheit gefunden/ in dieſen Ort zu kom̃en/ als der Vazier, oder Koͤnigliche Zoll⸗ Beamter der Stadt/ dahin kom̃en/ alle Vorrahts⸗Kammern/ und Kiſten zu eroͤffnen; weil der Koͤnig des folgenden Tags ſeine Mutter/ und jhr Frauenzimmer dahin fuhren ſolte. Das zweyte Das zweyte Stuck war ein Taag, das iſt/ ge Lrone. eine Krone; zum wenigſten weiß ich nichts i anders zu finden/ womit ich dieſes Perſianiſche Wort beſſer geben koͤnte; wie dann die Perſianer ebenmaͤſſig/ wann ſie das jenige/ was wir eine Krone nennen/ in jhre Sprach uͤberſetzen wolten/ ſchwerlich ein fuͤglichers Wort/ als dieſes Taag, wurden finden koͤnnen/ welches die jenige Perſianiſche Kron/ und die beruͤhmte Muͤtze iſt/ die von etlichen Relations⸗Schmieden/ nicht weiß ich warum/ des Sophy Muͤtze genant wird: woruͤber ich anderwerts mein edencken zur Gnuͤge gegeben. Dieſe Muͤtze platt/ und bey nahe wie die Bareth der Prefdenten im Parlement: Ich 127 beynahe; weil ſie weder ſo breit/ noch ſo hoch iſt/ ſondern ein wenig nieder werts hanget/ und in der Mitten eine Spitze hat/ welche ſcheinet/ als ob ſie von innen auß der Mütze herauß kame/ da ſie doch nur veſt/ und ſehr artig daran genehet iſt. Dieſe Spitze iſt oben ein wenig mehr/ als eines Fingers lang/ und verlieret ſich gegen dem Ende/ daß ſie obenher etwas breiter wird. Der Zeug an dieſer Mutze/ die man für den neuen Koͤnig machen laſſen/ war von dichtem Guldenſtuck/ und rings herum auf die Art wie ein Dhul-bandt,(twelches unſere Scribenten/ weil ſie die Sprachen nicht verſtehen/ unrecht Turban nennen) mit dem zarteſten und leichteſten baumwollenen Zeug/ welcher in Indien 2 gemacht/ und an den Enden zweyer Finger breit mit Silber eingewircket iſt/ umwunden. Die Spitze war uͤber und uber mit Diamanten beſetzet/ welche dieſelbe gantz bedeckten/ auß welcher kleine Ketten von Edelgeſteinen hervor giengen/ welche alles das ůbrige überzogen/ und Über die Muͤtze herab hiengen/ welche gleichfals mit den koſtbarſten Kleinodien/ und Edeleſteinen einer Krone bedeckt geweſen. Rings erum ſtuhnden gleichſam Federbüͤſche von Edelgeſteinen in der Hoͤhe/ welche den andern mit Ketten/ die an dieſe Reygerbuſche angehefftet waren/ umhangen; und dieſe waren von Diamanten/ Rubine Stnaragden/ und Topaſien/ auß welchen dieſe Buͤſche/ und Ketten beſtuhnden/ und den gantzen Dulbandt von oben bis unden uͤber dem baumwollenen Tuch bedeckten/ und zuſamen hielten/ damit er ſich nit aufloſen mochte. Vornenher/ und gerad uͤber der Stirn/ war ein groſſer/ und viel koſtbarer Buſch/ als alles das uͤbrige zu ſehen/ um welchen Perlen und Diamanten herum hiengen/ und oben drey Schnüre von Edelgeſteinen herauß giengen/ under welche man kleine Reygerbuͤſche gemiſchet. f Sabel/ deſſen Gefetz und Scheide/ wie au das Beſchlaͤg an dem Guͤrtel/ uber al mit Edelgeſteinen/ nach der Vergleichung einer Kron beſetzet war. g Ale dieſe Perſianiſche Sabel ſeyn zween/ oder drey Finger breit/ und krum/ faſt wie ein halber Eirckel: dann es halten die jenige/ ſo ſich außgeben/ daß ſie am heſten mit den Waffen umzugehen wiſſen/ dafür/ daß ein krumme Klinge viel beſſer ſchneide/ und eine weit gefaͤhrlichere Wunde/ als ein Sabel mache; welches ſie auß den Regeln der Fechtkunſt erweiſen/ 10 11 aber anjetzo nicht Zeit zu underſuchen Per ſianiſcher Dolchen/ deſſen Abriß nebenſt den andern vorerwehnten Stucken/ in dieſer ſchek Figur gnugſam zu erſehen/ und nicht vonnoͤhten iſt/ denſelben hier zu beſchreiben. Man kunte nicht ſehen/ von was für Materi das Gefeß/ und die Scheide geweſt/ weil man vor der groſſen Menge der Edelgeſteine/ wormit ſie beſetzet waren/ ſolches nicht warnehmen kon nen: es iſt aber nicht zu zweiffeln/ daß ſie nicht von Gold geweſen ſeyn Me 5 5 1 Von dem Werth aber dieſer drey letſten erf. Stücke/(dann des erſten wird unſchwar zu W. zu errahten ſeyn) kan ich nicht wol etwas ſagen/ weil ich nichts gewiſſes hiervon weiß. Zwar habe ich mir von einem Herꝛn bey Hofe für gewiß ſagen laſſen/ daß beydes die Kron/ als der Sabel/ und der Dolchen/ über hundert e werth ſeyen/ welche unſers Geldes ſchier fuͤnff Millionen machen; ich wil aber niemand rahten/ daß er ſolches glaube; weil mir die Perſigner/ und inſonderheit die Leute bey Hofe dieſer Lander/ gar zu wol bekant ſeyn: dann es ſeyn kaum Leute zu finden/ die der Lügen weniger gram ſind/ oder mehr aufzuſchneiden/ oder ein Ding/ ſonderlich wann es um jhrer Koͤnige Pracht/ und die Hoheit ihrer Nation zu thun iſt/ groſſer zu machen wiſſen. Nichts deſtoweniger/ ſo iſt dieſes nicht allerdings unglaublich: dann ich habe noch einen Federbuſch Sr. Majeſtaͤt geſehen/ worvon der bloſſe Diamant/ welcher in der Mitten geſtanden/ von etlichen Europeern zu Hiſpahan um zweymal hundert tauſend/ das ubrige aber um dreyDas dritte Stuck war ein Chemchir, oder Daz ————— Das vierdte Stuck war ein Cangher oder und dal get den nur ing 1 derz ſo de nun woh er in Perſien Kroͤnung. dreymal hundert tauſend Pfund geſchaͤtzet worden iſt. Wann nun die Koͤnigliche Krone mehr als einen dergleichen Federbuſch gehabt/ und in derſelben noch darzu der jenige Rubin geſtanden iſt/ der mir/ auf außdrücklichen Befehl des verſtorbenen Koͤnigs/ der VerſchnitkeDer Pein detheintet in m Krönungs⸗ Gemach. Orduun 10 ſenigen) o der nung wohne Krögebe; ne/ welcher den Schatz zu verwahren hat zu Mazenderan gewieſen/ und/ wie mix dieſer Verſchnitte negeſagt hat/ in ſeiner Hval⸗ Figur hundert und ſechzig Carat wigt/ ſo dann auch die Kerten/ der Sabel/ und Dolch mit koͤſtlichen Edelgeſteinen beſetzt ſeyn/ ſo kan ſich der Werth dieſer drey Stücke wol auf hundert tauſend Tomans belauffen. Deme ſey aber wie ihm wolle/ wann ich ſagen ſolf/ rie mirs ums Hertz iſt/ ſo habe ich mir nie einbilden konnen/ daß ſie den vierdten Theil ſo viel werth ſeyen. Dieſe drey Stücke wurden neben den Seſſel gelegt/ und in eine koſtliche Leinwad eingewickelt. Mittlerweil kame Se. Maj. wieder auß dem Bad/ und erſchiene in jhrer gewoͤhnliehen/ jedoch viel koͤſtlichern Kleidung/ als ſie ſonſten zu tragen pfegen. Nachdem nun dieſer Printz in das Gemach kommen/ ſetzte er ſich an den für jhn zubereiteten Platz/ die jenige aber/ welche/ der Kroͤnung beyzuwohnen/ verordnet waren/ traten in den Talaar, und ſtelleten ſich in dieſe Ordnung: 3 Zur rechten Seiten Sr. Majeſtat/ und ein wenig hinder derſelben/ war der Verſchnittene Aga Nazir, welcher bey dieſer Ceremon das Aint eines Mehters, oder Ober⸗Kämmerers verſahe/ und hatte zu dieſem Ende an ſeinem Gürtel eine kleine güldene/ und von Edelgeſteinen ſchimmerende Buchſe/ worinnen etliche Schnuptucher/ und andere wolriechende Sachen verwahret lagen. 5 Noch ein wenig weiter hinder ihm/ erſchienen ſechs Georgianiſche Junglinge/ Ihres Alters von fünſzehen biß ſechszehen Jahren/ welche zu Verſchnittenen gemacht worden/ und/ wie vaſt alle Knaben auß dieſem Lande/ uber die maſſen ſchoͤn waren. Dieſe waren auf ſolche Weiſe geſtellet/ daß ſie gleichſam eine halbe Krone unn den Konig machten/ welche die Hande nicht im gringſten bewegten ſondern dieſelbe guf die Bruſt legen/ und prachtige Kleider von Silberſtuck/ mit Gold eingewuͤrcket trugen. In gleichmaͤſsiger Ordnung/ und eben ſo weit von den Junglingen/ als dieſe vom Konig waren/ ſtunde eine Anzahl alter ſchwartzer Verſchnittenen“ deren eder ein Feuer⸗ rohr/ mit einem von Gold und kleinen Vbudeheeen eingelegten Schafft/ in der Hand hiefn 8 315 lincken Hand des Koͤnigs/ welche bey den Perſtanern/ auß Urſachen die ich in einem andern Werck angeführet habe/ für die ehrlichſte gehalten wird/ ſaß zu erſt der Abgeordnete/ welcher des oberſten Staats⸗Miniſters/ Mahammed mehdi, Stelle vertrat: nach jh der zweyte Abgeordnete des Gemchid-Kaan; Generals uber einen Theil der Armee den dritten Ort nahme des Mafcſoud-Bek, Oberſten Auffchers uber das donigliche Kammer⸗Gut/ Abgeordneter ein;: den vierdten/ der Abheö 23 ordnete des Mir-24 Sedreel- din; Oberſten Meichs-Sectererih den fünften Mag hatte 1 Hemireh Hamzeh Mir-Za Daroga„oder Ober: Schultheiß zu Hiſpahan/ und deren Zugehör und der Nair za ele weleher einer von den Klugeſten under den Perſianern gehalten wird/ den ſechſten nnen. Sur reehten Hand Sr. Majeſtat ſaß an dem zweyten Plaß/(dann der erſte wurde fur den Boudaak-SultanGeneralen über die Muſquetierer/ welcher zugegen war aber zungch bey dem Printzen ſtunde/ lahr gelaſſen) der Abgeordnete des Mabammecl-Kouli-kaan, Oberſten Haupts der Juſtitz Abgeordneter. Ingleichem ließ man die dtveen nächſten Platze under ihm/ für den oberſten Stern⸗Kundiger/ und ſeinen Collegen/ ledig. Den funſten beſaß der gelehrteſte und tuchtigſte Mann in dieſem groſſen Königreich/ jedermans Urtheil nach/ des oherſten Staats⸗Miniſters Bruder/ und des neuen Konigs Großvatters Bruder von ſeiner Frauen her. Dieſer wurde Mirza-Flalyriza genennet/ und ihme der Ehren Nahme Cheik-el-Iglaam, das iſt/ der Vorſteher des Geſetzes/ gegeben: dann durch das Wort Islaam, welches eigentlich die Ehrerbieligkeit/ die wir den Goͤttlichen Gebotten erweiſen/ und denselben unſern Verſtand/ und Willen unDerwerffen/ verſtehen ſie die Religion/ welche ſie/ Vortrefuchkeit halben/ das Geſetz nennen. Heutiges Tages gehoret bey den Perſlanern/ gleichwie vorzeiten bey den Juden/ die gantze Policen zu der Religion/ und iſt dieſer der Alte des Geſetzes/ an deme alle Geſchaffte hangen/ und ohne deſſen Gutheiſſen man nichts ſchlieſſen kan. Der ſechſte Platz war fur den Mirza moumen, Vazier, Oder Oberſten Rentmeiſter Sr. Maj. zu Hiſpahan/ und denen zugehorigen Orten„ 20 Weiters hab ich nicht gehort/ daß jemand von andern Groſſen/ als dieſe/ jhren Sitz allda genommen; wiewol nicht ohne iſt/ daß in den beyden Seilen alles voller Beamten geſtanden: etliche mit jhrer Gegenwart die Krönung deſto anſehenlicher zu machen; andere aber Sr. Maj. Befehle/ die nen der General üher die Muſquetierer/ welcher dieſen Tag die Ober⸗Hofmeiſter Stelle vertretten/ in dero Nahmen andeutete zu vollziehen. Zu einem Kennzeichen deſſen/ krug er den groſſen guldenen/ und uber und uͤber mit Edelgeſteiten beſetzten Reichs Stab/ ſamt dem Apffel in der Hand/ und ſtulide Sr. Maß zur lincken Hand/ deren Ordie er empfienge/ oder vielmehr/ dieſelbe jhme ertheilte; weilen der neue Kohig/ welcher ſſie nichts dergleichen geſehen/ uchts that/ odet redete als woas dieſer jhm in den Mund gab. Nachdem der oberſte Sternkündigel) ſamt ſeinem Collegen/ die Beschaffenheit des en Himmels/ urid den Stand der Steine en be lange Zeit beobachtet/ kame er zwo Stund vor doit der Krb Undergang der Sonnen/ und berichtete/ Baß es zu der glinſtigen Zeit/ den Konig zu kroͤnen/ nicht langer/ als nur noch zwantzig Minuten habe; worauf Se. Maj. dem e gangen. emen ſezt mul ö Le dorge, foſſen hab der obekſte Skernkündiger dende 24 Solimanni fohlen/ gleichtvie jhro ſolches vor hero von jhme iſt angedeutet worden/ daß ſie es thun ſolte/ ſie alle beyde an hren Ort zu führen/ und ließ underdeſſen ein Theil dieſer Minuten vorbey gehe. Mäittler weil beſprachete ſich der Konig gantz heimlich mit dieſem General/ welcher hn underrichtete/ wie er ſich in underſchiedlichen Umſtanden diſer Ceremonie zu verhalten hatte; deme dieſer junge Printz in allem gartz genau nachkame/ dani er/ in Exmanglung der Erfahrenheit/ bey einer ſolchẽ allgemeinen/ uñ ſo wichigen Handlung keinen Fehler begehen möchte. Als num dieſe zwantzig Minuten ſchier verneral über die Muſquetierer einen Winck/ und jhme hierdurch zu verſtehen/ daß man nunmehr mit der Krönung einen Anfang machen konne; der es dann dem Konig angedeutet/ welcher hierauf/ der ſhme gegebenen Underrichtung zu Folge/ von ſeinem Ort aufgeſtanden; welches auch die andern Herren/ ſo bey ihm geſeſſen/ gethan. Worguf dann der General vor ſeiner Maj einen Fuß fall gethan/ und ſich biß auf die Erden nidergebogen/ nachgehends/ auf den Knjen ligend/ auß ſeinem Buſen/ und under ſeinern Kleid/ einen kleinen Sack/ in welchem das Schreiben ware/ welches die Verſamlung der Furſten/ obgedachter maſſen/ an Se. Maß abgehen laſſen/ her. ur gezogen/ denſelben eröffnet/ das Schreiben erauß genommen/ ſelbiges an ſeine Stirn getruckt/ und Sr. Maß uberliefert/ und hernach aufgeſtanden. Nachdein der Printz daſſelbe empfangen/ gab ers Ihm von ſtund an wieder/ mit Befehl/ ſelbiges zu erbrechen/ und zu leſen; welches er uberlaut/ langſam und deutlich gethan/ damit die jenige welche bey dieſer Ceremonie gegenwartig waren/ deſſen Inhalt verſtehen/ und darauß vernehmen koͤnten/ daß die Groſſen des Königreichs/ alle mit einmühtiger Stimm den gegenwartigen Prinzen zum Konig in Perſien erwehlet/ ihn für eihien ſolchen angenommen/ und Ihme auch da es vonnohten/ deſſen Zetignuß geben wolken. dieſer zu leſen aufgehoret befahl ihm der Konig/ daß er den Vorſteher des Geſetzes beruffen ſolle/ welches dann geſchehen: worauf dieſer alte Her? Sr, Maß zu Fuß gefallen/ und nach abgelegtem ae und von uns hiebevor beſchriebenen Gruß/ weder aufgeſtanden/ uñ das abgeleſene Schreiben von des Generals. Handen angenomen/ um 1 7 00 zu heſehen/ und zu bekraftigen/ wie auch Vas Siegel zn heglauben/ und die Warheit dieN fancnuß ſhme/ als dem Haunt des Geſetzes/ und 1 5 e bezeugen/ dieweil dieſe Ern Geiſtlichen Sachen gebührte. Nachdem er dalſelbe empfangen/ un auß Ebrgebühr an ſein 15 gehalten/ las ers/ und beſichtigte das SOiegelllegte ers knyend/ und mit dreymaliger Neigung des Hanpts/ vor dem Konig nieder/ und. gab durch dieſe demuhtige Gebärden zu pelſtehen daß er diſe Schrift guthelſſo/ und daß maſsig ſehe. In deine der geiſtliehe Richter die Erhebung des Pruzen zum Reich rechtö Herm beſchaftiget way/ fragte der General i ber die Muſauetierer Se. Maj, was derſelben für einen Nahmen anzunemen beliebte/ und ob Sie jhren alten behalten/ oder ſich under einem neuen kroͤnen laſſen wolle/ und erwartete was ſie ſich hierüber entſchlieſſen wurde Der Printz gab hierauf zur Antwort/ daß er/ wegen Veraͤnderung ſeines Stands/ ſeinenNahmen nicht zu verandern begehre/ ſondern den jenigen/ der jhme in ſeinen erſten Jahren gegeben worde/ nemlich Sefe, behalten wolle Der General berichtete dieſen des Koͤnigs Willen den Vorſteher des Geſatzes/ welcher von des Printzen Fuſſen aufgeſtanden war/ und das Schreiben daſelbſt hinderlaſſen hatte. Hierauf führten dieſe beyde Herren/ der Vorſteher des Geſaͤtzes/ ur rechten/ und der General uber die Muſquetierer zur lincken Hand Se, Maj zu dem jenigen kleinen guldenen Seſſel/ welcher/ wie wir droben erwehnet/ an ſtart eines Throns ſeyn ſolte/ nd mitten in dem Saal ſtunde/ auf welchen der Vorſteher des Geſaͤtzes/ dieſelbe zu ſtzen erſuchte: welches ſie auf die Weiſe/ wie man dieſelbe nach den Regeln jhres Glaubens angewieſen/ nemlich mit dem Geſicht nach dem Kaaba, oder Bathauß zu Mecha gekehret/ get. Hiernachſt ſatzte ſich der Vorſteher des Geſetzes guf ſeine Herſen/ welches died Rahometaner zu thun pflegen/ wann ſie hr Gebaͤtt zu Gott thun wollen/ oder ſich in Gegenwart hoher Perſonen befinden/ etliche Schritt weit von Sr. Maj nahme folgends die Krone/ den Saͤbel/ un Dolchen her vor/ und ſprach ein Gebatt zu Gott/ welches 0 er mit einer kurtzen Bekantnuß jhres Glaubens anfienge/ und einem Segen uber die Königliche/ zu den Ceremonien der Kroͤnung gehoriege Zierradten geendiget. Dieſes wah rete nicht 1 55 als eine halbe Viertelſtund/ uñ nachdem ey wieder aufgeſtanden/ nahme er den Sabel/ uñ guͤrtete denſe ben Sr. Maß an die lincke/ den Dolchen aber an die rechte Seiten, Nachgehends gaber dem oberſten Kaſnerer ein Zeichen/ daß er dem Konig das Bareth vom Haupt nemen ſole/ un ſetzke jhm dargegen indem er etliche Verſickel guß dem Alcoran/ ſo ſich hierzu ſchickten/ geſhrochen/ den Taagh, oder die Krone auf. Diſes hatte er auch vorhero/ als er dem Printzen den Sabel/ und Dolchen umgeguͤrtet/ gethan. oberwehnten voꝛnetnen und hochwiſſenden vehrer/ Mirza Reſia, welcher ſich einfande/ das Eorbe zu verrichten. Diſes Wort bedeutet urſprunglich ſo viel als haͤtten: es iſt aber hierdurch ein Gebatt in Form einer offentlichen Rede zu verſtehenzund kan vielleicht demſelben der Nahme eines Gebatts zugkeignek werden. Dieſe Arten der Gebatte müſſen von einer Abt 10 alten undencklichen Gewonheit her/ jederzeit in 99 der Ki. vier Puncten abgetheilet werden/ eine halbe nung Stunde wahren und ſtats einerley Inhalt haben/ und bleibet dem Redner anders nichts ubrig/ als die Freyheit/ die Woͤrter/ und Ned⸗art zu andern/ und ſeine Gedancken wieder von vornen anzufangen. 8 hen nichts anders vorbringet/ als eine JantFiagung/ Hiermit beſchlofſe er/ uñ überließ die Stelle de Der erſte Theil wird Flamde- oda, Lob hen Gottes genennet/ weil der Redner in demſel⸗ 155 1 ein 1 S Der wwe ein 5 0 a in Perſien Kroͤnung. ſagung/ die wir jhme fuͤr alle ſeine Wolthaken zu geben ſchuldig ſeyn/ weil kein Augenblick vor bey gehet/ daß wir micht von ſeiner Guͤtigkeit ein neue/ uñ ſonderbare empfangen: und weil ſeine Gnaden⸗Gaben gleich wie die Quellen groſſer Fluͤſſe ſeyen/ die ohn ne Aufhoͤren lauffen/ und nimmer ſtille ſtehen/ um welcher Urſach willen die Göͤttliche Wolthatẽ/ flieſſende Zutthaten genant werden/ ſo ſolle auch unſere Danckſagung im̃erwaͤhrend und unaufhoͤrlich ſeyn: daß auch alles/ was diſe hohe Goͤttl. Majeſtaͤt/ ſo wol in vorigen Zeiten/ als jetzo von neuem/ vor menſchlichen Augen ſehen laſſe/ dit Merckzeichen/ uñ das Siegel ſeiner Liebe gegen uns mit ſich fuͤhre/ und bezeuge/ daß in dem jenigen/ was er auſſer ſich ſel wircke/ ſolches alles den Menſchen zum beſten geſchehe/ und unaußſprechlich weit beſſer ſey/ als wann ſie es aufs allerbeſte zu treffen vermeynen. Dieſes ſind jhre Worte/ und in dieſem Verſtand iſt ohngefaͤhr der erſte Punet abgefaſſet/ welcher etwa eine halbe viertel Stund wahrer. Der zweyte Punct wird dead Ber pegam· berhou, ve doiaſde Imaam, oder das gebuͤhrende Lob des Imaam, und die Gedaͤchtnuß und Ehrgebuͤhr des Propheten/ und der zwoͤlff Nachfolger uñ Statthalter genant. Derſelbe haͤlt gleichfals nichts anders in ſich/ als Gluͤckwuͤnſthungen/ und Segen/ welche ſie denen Perſonen/ die ſie nach jhrem Aberglauben fuͤr heilig halten/ deren vierzehen ſeyn/ welche von Gott rein/ und ohne Nackel eingeſetzet/ und in ordentlicher Folge auf einander zu Herren uber alle Menſeben gemacht worden: es ſeye der Glaub nieht vollkommen/ wann man nicht nebenſt der Bekantnuß einer Gottheit/ zugleich bekenne/ daß die Sendung dieſer Vierzehen rechtmaͤſſig ſeye/ uͤber welche die him̃liſche Strahlen außgegoſſen worden/ daß ſie die irrige Seelen erleuchten/ und jederman den Weg der Warheit zeigen ſollen. Dahingegen ſeyen wir ſchuldig/ dieſelbe zu loben und zu preiſen/ jhr Lob herauß zu ſtreichen/ von jhnen ohne underlaß alles Gutes/ und den Frieden erbitten/ und von jhrem Geſchlecht auf Erden allerley Wolfahrt erwarten. Daß derentwegen ſhr J dahme uͤber alle erſchaffene DinDer dri. einen Laber druch der ge erhoben worden/ und der Fluch uͤber jhren Feinden bleibe/ und daß alle Menſchen in der Welt fuͤr jhnen zu Staub und Aſchen werden muͤſſen: und andere dergleichen Wunſche an ſie/ welche ich ſo viel als moglich getveſty nach dem Buchſtaben überſetzet. Der dritte Punct iſt Seltenet er Hol kom Koda, das iſt/ daß das Königreich Kroͤnung Solim. 5 von Gott herruͤhre/ oder eine Goͤttliche Einſetzung ſey; worbey ſie anzeigen/ daß/ nachdem Gott die Welt erſehaffen/ habe er jederzeit ſein Volck durch die ten/ und an ihrer Statt durch die Könige/ die er zu jhren Nachfolgern verordnet/ kegieret. Daß die Könige Zel- Alla, Goktes Schatten ſeyen; welches bey uns ſo viel geſagt iſt/ als Gottes Bild; ſie haben aber fuͤr dem Wort Bild/ als fuͤr einer Abgoͤtterey einen Abſcheu/ und underſtehen ſich nicht/ daſſelbe zu brauchen/ weil ſie glauben/ daß man/ wann dieſes geſetzet werde/ daß Gott ein Bildnuß habe/ zugleich geſtehen muͤſſe/ daß er leiblich ſee. Sie ropheſetzen noc 1 0 daß/ gleich wie wir verpflichtet ſind/ Gott zu dienen/ und jhin zu gehorchen/ nicht allein durch die Erleuchtungen/ die uns der Himmel bey unſerer Geburt gegeben; ſondern auch durch die Offenbarung ſeiner Propheten/ welche uns ſeinen Willen erklaͤret haben/ wir alſo ebenmaͤſſig/ und durch eben dergleichen Offenbarung/ ſchuldig ſeyen/ den Koͤnigen/ als Valie⸗ oder vollmaͤchtigen Statthaltern Gottes/ Gaanit-Chin, die an ſeiner Stelle auf Erden ſitzen/ zu dienen/ und uns jhren Befehlen/ ohne Nachfrag/ ob dieſelben rechtmaͤſſig ſehen/ oder nicht/ zu underwerffen; weil dieſelbe nicht mehr/ noch weniger/ als die Goͤttliche Buͤcher/ denen wir in allen/ auch ſo gar den jemigen Dingen/ die wider unſern Verſtand/ und unſere Vernunfft lauffen/ gehorchen/ und hiedurch einen blinden Gehorſam bezeugen/ den Gott von den Menſchen erfordert/ und ſie durch dergleichen Befehle/ welche unbillich zu ſeyn ſcheinen/ auf die Prob ſetzet; und dieſes darum/ damit derſelbe hierdurch angenehmer/ und hochſchaͤtzbarer gemacht werde. Der vierdte und letſte Punct iſt/ Boubaa Beray pad. chae, ein Gebeit fuͤr den Konig/ welches viel Bitten fuͤr des gegenwaͤrnigen Monarchen der Perſianer langes Leben/ fur ſeine Geſundheit/ Beſtaͤtigung ſeines And der bierdte eine Bitte fur des Königs Geſundheit, Throns/ und Vermehrung ſeiner durch die Waffen eroberten Landſchafften/ nich haͤlt: und daß/ weil dieſer herꝛliche Zweig auß dem heiligen Imaamiſthen Stamm/ Krafft des wahren Geſetzes/ des Herren uber den gantzen Erdboden Statthalter und reehtmaͤſſiger Herꝛ der Welt ſeye/ ſene Herzſchafft von einem Angelſtern bis zum andern ſich erſtrecken; Sr. Maßeſt. Ruhm jmmerdar wie die Sonne glaͤntzen; Dero Wort eine durchdringende Krafft haben; Ihre Feinde under dero Fuͤſſen zu E Stauf Gluͤckwuͤn Solimanni 26 Staub werden; alle ſhre Wuͤnſche und Merlangen ein gewuͤnſchtes End erreichen/ und alles dieſes auf eine viel herꝛlichere Weiſe/ als jemals geſchehen/ dem Konig Sele zu gute erfuͤllet werden moͤge. Dieſen Namen ſprach der Redner mit einem viel helleren Laut/ als das übrige/ auß/ damit jeder man denſelben deutlich vernehmen konte. Waorbey dieſes anzumercken iſt/ daß er denſelben gußdrüͤcklich bis zu Ende ſeiner ebe geſparet/ und daß dieſer Nam bis dahero bey dieſer ganzen Ceremonie niemals außgeſproschen worden 8 Do bald man das Wort Selie nennen hoͤchu des ren ſeß die gane Verſamlung jhre Zuruffung neuen KöArg. durch das gewohnliche Freudengeſchrey lntchalla, es werde wahr/ Gott gebe es/ in die Wette erſchallen/ welches ein jeder funf/ oder ſechs mal wiederholet. Hierauf fiele der Oheik. ellslaam, oder Vorſteher des Geſetzes/ am erſten vor dem Konig auf die Knie nieder/ und naeh der er ſich dreymal mit der Stirn bis zu Sr. Maj. Füſſen geneiget/ ſprach er mit wenig Worten den zweyten Segen/ den er mit einem Underthanen under dero Regierung blückſelig ſeben/ und Sie die Grentzen jhres Dieſe drehfache Neigung wiederholete er bey den letſten Wortern ſeiner Nede/ welche er/ ie man ſagt/ mit groſſer Beredſamnkeit gethan/ ob er ſchon keine Zeit gehabt/ ſich darauf zu hedenrken/ und er/ dieſer Cenemome beyzuwehne n/ auß ſeinemm Hauß ſchier halb ſchlaffend geholet worden iſ t. Nach jhme traten alle Groſſe dieſer VerFaunlung/ ein jeder nach ſeiner Win de/ wie auch die andern weinges vornehſſſes Aim bedienren/ hinzu dem König durch die gewohnliehe dreyfache Neigung jhre underthanigſte Ehrpflicht zuerweiſen n Nachdem dieſes geſchehen/ ſtuhnde Se. Maj. von dem guldenen Seſſel auf/ und ſetzte lich wieder an ſhren vorigen Platz welches auch alle andere gethan/ und ſich an den Ort/ wo ſie zuvor geſeſſen/ begeben; dann under wahrenden Ceremomen der Kroͤnung find ſie/ wie obgedacht/ ins geſamt geſtanden/ und iſt niemand als der Konig geſeſſen. ee Auf ſolche Weiſe nun iſt See der Zweyte Hekrönet worden deſſen Groß varter dieſen NaWeßz undder den Perſiſchen Monarchen am erſten geflihret hat. Es iſt war nicht ohne daß der Urheber dieſes Stamens/ denſelben gleich fals getragen hat/ er gehort aber nit under dieſe Sahl/ weil er memals in das Regiſter der KoͤniLe geſetzet worden iſt: damn er hat auß groſſer VBeſcheiden heit diefen Titul nicht annehmen woſſen ſondern/ wie die Geſchichrſchreiber uns berichten den Königlichen Thron jederzeit als eine bꝛachtige plage angeſehen/ under welchem/ under eytelem Schein einer Gliſckſeliakeit nichts als Sorg und Angſt verborgen ſtecke. Ledemung Dieſer Name Seße den man/ wie er auf des Worts Seni. Perſiſch geſchrieben wird/ auf ꝛangzoſeſchsalie III. Königs wie jhn dieſe Leute ſehreibe außſprechen muß/ hat underſchiedliche Vedenungen/ welche aber ſchier auf eine außkon men: daun bisweilen bedeut es einen guten Freund/ bisweilen einen Erwoͤhlten/ und in andern allen/ ſo viel als rein/ oder gereiniget: dann die Freunde ſeyn nichts anders/ als erwoͤhlte/ und auß vielen erleſene Perſonen; und ſchreitet das Wort gereiniget/ welches die gewoͤhnlichſte Medeutung iſt/ nicht weit von den andern heyden erſten Menſchen/(welches dan gar oft von ihnen geſchicht) Adam Sehs alla nennen/ ſo kan es gegeben werden/ ein Mann der ein Freund/ oder erwoͤhlet/ oder von Gott gereiniget iſt. Dieſe drey Beynamen komen ihm ſehr wol zuz dann bey Gott ſind ſeine Freunde ſeine Außerwoͤhlten; dieſelbe aher koͤnen nicht außerwoͤhlt ſeyn/ wann er ſie nicht gereiniget hat. An denen wird demſelben eine Bedeutung vor der andern gegeben: als nemlich an dieſem wann man von dem neuen Konig der Perſtanel redet/ wolte ich den ab. Als zum Exempel/ wann die Perſtaner hae Selte ſſebor geben/ der erwohlte Konig/ als e wiewol nicht ohne iſt/ daß die ſenige/ welche wollen/ daß Jalte durchgehends ſo viel als gexeinget heiſſe/ auf jhrer Seikendie Wortnennung(Erymologia)haben weil das S kam wort beſſelben dat, welches eigentlich eine Reinigkeit anzeiger/ wiewol es bisweilen in verblumtem Verſtand auch eine Wahl bedeutet/ wie ich anderswo a l. peln erwieſen habe. Aber genug von dieſen Gannsetciſ hen Sachen: aum die Sache von welcher ich handle/ läſſet mit nicht zu/ da ich mich mit dergleichen geringen Sachen/ wu auch mit der Anmerckung/ die man hier bey ma1 1 1 85 es nemlich 01 fene bene 0 ner haben. Viel dienlicher aber zu der Sache wird ſeyn/ wann teh den Irꝛthum unſerer Serihenten/ wegen dieſes Namens dene aumercke. Ich kan mich des Lachens nicht enthalten/ wan ich injhren Schrifften leſe/ der Groß Sophy der So phy der Per ſianer/ der vollmachtig gebietende Sophy; dann es werden die Könige in Perſien weder ins geim in/ noch beſonnders So. ieee be Nauen/ i f ben/ und außſprechen; aber wol den Narnen detze oder Salle geführet. Wann die Konig in Perſten die Eukbpaiſche Buchſtaben leſen konten/ und ſehen ſolten daß man jhnen nicht allein in unſern Büchern/ ſondern auch auf den Uberſchrifften der Briefe/ die man ede 6 Curopa an ſie abgehen laſſen/ dieſen Titul Soph feen ne ſte/ſonder Zweiffel/ darüber guſſpeyel und es für eine e n Ich wil gber hierunder nicht ſo ſehr die jenige/ welche von Perſten zufälliger Weise leden/ oder wann ſie Furſtliche Miniſtri ſeyn/ auf eines andern Verieht dieſen Fehler in he ren Schreiben/ die ſie an dieſen Hofe ſenden/ als die jenige Scribenten verſtanden haben/ die ſich dafür gußgeben/ daß ſie von dein jen en/ was in einem Land vorgegangen /von Wat 4 2 5 2— 2 in Perſten Kroͤnung. 5 ſie ſich ruͤhmen/ daß ſie in demſelben geweſen/ und als Zeugen/ die es mit jhren Augen geſehen/ davon reden/ einen warhafften Bericht erſtatten/ underdeſſen aber uns taufend Lügen verkgußfen/ und allzu vermeſſen des Leſers Leichtglaubigkeit mißbrauchen. Ich wolte aber wünſchen/ daß ſie es darbey bleiben lieſſen/ und uns nur darniit betrogen/ daß ſie den Sachen einen falſchen Namen geben/ die Sachen aber die ſie von Perſten erzehlen/ wahr waren. Nichts deſto weniger ſo begehen ſie hierinnen einen noch groͤbern Fehler; weßwegen ich/ damit nicht jemand gedencken mochte/ als ob ich anderer Leute Schrifften tadeln wolte/ die meinige hierdurch deſto angenehmer zu machen/ und damit mir nicht das jenige begegne/ was man im gemeinen Spriehwort ſagt: daß die/ ſo einerley Handwercks ſeyn/ gemeiniglich einander neiden; ſo wil ich zum Beweis deſſen/ was ich ſage/ ein Exempel von eben dieſer Geſehicht/ die wir under Handen haben/ anführen/ daſſelbe aber nicht auß den Rehs⸗Beſchreibungen/ die ich vor dieſes mal unberührt laſſen wil/ ſondern auß einem extraordinari Bericht nehmen wil/ in welchem unterm Dato den 9. Junii, 1667. des vorigen Konigs in Perſten Tod/ und die Kroͤnung des jetzo regierenden Printzen/ am 5az. HhBlatt folgender Geſtalt erzehlet wird: unwahrer Ehe ich ſchlieſſe/ kan ich nicht under8 N g b des bender. laſſen/ euch zuvor eine neue Zeitung mitzunien heilen/ die wir von dem Perſianiſchen. Hofe/ durch Schreiben uͤber Avorno vom y. dieſes erhalten. 3 Dieſelbe bringen mit/ daß ein Expreſſer/ welcher von Hiſpahan abgefertiget worden/ daſelbſt angelangt/ und den Engliſchen Kauffleuten in dieſer Stadt die Nachricht gebracht/ daß der Sophy nach eiMan ſetzte noch dieſes hinzu/ daß wegen ſeiner Außruͤffung/ viel Tage mit offentlichen Gaſtereyen/ und allgemeinen Freudenbezeugungen zugebracht worden/ welche um ſo viel deſto praͤchtiger geweſen/ weil dieſer Printz groſſen Luſt hierzu hat: und/ wie man ſagt/ viel geneigter/ als ſein Vatter/ iſt/ uͤbermaͤſſige Unkoſten anzuwenden. Hierauf habe er denen obgedachten Agenten Audientz gegeben/ und jhnen die Beſtaͤtigung derer von ſeinen Vorfahren jhnen ertheilter Privilegien/ und dieſelbe/ da es fur dienlich wuͤrde erachtet werden/ zu vermehren/ verſprochen. Wann der Scribent dieſe neue Zeitung mit Fleiß ver faͤlſchen wollen/ hatte ers nicht beſſer machen koͤnnen/ weil nicht ein einiges Wort hieran wahr iſt. Dann daß er erſtlich ſagt/ daß ein Expreſſer von Hiſpahan nach Livorno abgefertiget worden/ ſo iſt ſolches ein pur lauteres Gedicht; und wuͤſte ich nicht/ das die Engelander dieſe gantze Zeit über/ noch auch zu andern Zeiten/ jemand von dieſer HaubtStadt in Perſien den geraden Weg an dieſen N Widerlegung deſſelben. Italianiſchen Meerhafen abgefertiget hatten. So hat guch der verſtorbene Konig in Perſien/ den er ſo kuͤhnlich Sophy nennet/ in ſeinem Land niemals dieſen Namen/ oder einen andern/ der dieſem gleich ware/ gefuͤhret. Eben eine ſolche Beſchaffenheit hat es mit deme/ wann er ſagt/ daß er nach einem begangenen Exceß in eine Kranckheit gefallen/ und vier Tage hernach geſtorben ſey. 8 f Dann es iſt derſelbe von keinem Exceß kranck worden/ und hat auch ſeine Kranckheit nicht nur vier Tage/ ſondern vier gantzer Monat/ und noch langer gewahret. Ingleichem ſo iſt der Ort/ den dieſe Relation Khur nennet/ gantz erdichtet: dann ich habe alle meine Pernem begangenen Exceß/ als er von Casbia ſianiſche Landkarten aufgeſchlagen/ und durchwieder nach Khur kommen/ in eine Kranckheit gefallen/ an weleher er vier Tage hernach geſtorben: und daß ſo bald die Sache in der Stadt Hiſpahan ruchtbar worden/ ſein aͤlteſter Sohn/ ohngefaͤhr im zwantzigſten Jahr ſeines Alters/ durch den vornehmſten Miniſter/ und etliche hs Hofbediente/ under dem Namen ſelnes Großvatters Cha- Sophy, zum Koͤnig außgeruffen worden. Des folgenden Tags hatte er ſich/ nachdem ihn der Statthalter zu Hiſpahan/ urd die vornehmſte Herren bey Hofe/ welche des verſtorbenen Koͤnigs Leichnam dahin gebracht/ gegruͤſſet/ ſeinen Underthanen offentlich ſehen laſſen/ welche ihm groſſe Freude durch ungemeine Gluͤckswůnſchungen bezeuget. Nachgehends habe er von dem Adel/ und den Frantzoͤſiſchen/ Engliſchen/ und Hollaͤndiſchen Agenten/ die gewohnliche Preſenten angenommen. ö Krönung solim. blaͤttert/ aber darinnen keinen einigen weder groſſen noch kleinen Ort/ der alſo heiſſe/ finden koͤnnen. Eben ſo unwarhafft iſt auch das jenige/ was dieſe Relation ferner meldet/ daß dieſes auf der Wiederkehr nach Casbin geſchehen ſey: dann es war der Konig in Perſien in acht Jahren nicht zu Casbin geweſen/ und kame damals von dem Caſpiſchen Meer zurück/ welches ſehr weit davon entlegen iſt/ wie in ber Lebens Beee dieſes groſſen Monarchen berichtet worden. 35 Eben ſolcher Aufrichtigkeit als vorhero geſchehen/ gebraucht ſich auch der RelationSchreiber wann er zu der Wahl ſeines Nachfolgers ſchreitet: dann die Zeitung von des Konigs Tod/ war vor der Kroͤnung zu Hiſpahan niemand/ als nur wenigen/ und hochſten Standes⸗Perſonen bekant; und hat ſein Nachfolger nicht gewartet/ bis er von dem oberſten Staaks⸗Bedienten/ und den andern Reichs⸗Officierern/ welche uber hundert und viertzig Meilwegs weit von dieſer Stadt waren gekronet wurde. So iſt auch nicht die offentliche Außruffung in dieſen Landen/ wie bey Solimanni weniger ift er/ wie 285 i ans/ gebräuchlich: noch viel fein Großvater/ under dein Namen Cha- SopPby außgeruffen worden/ weil weder der eine/ noch der andere denſelben jemals gehabt. Was weiter hierauf erfolget/ daß er ſich/ nachdem der Statthalter zu Hiſpahan/ und die vornehmſten Herren bey Hofe/ welche des verſtorbenen Koͤnigs Leichnam begleitet/ daſelbſt angelangt/ und jhn gegruͤſſet/ ſeinen Underthanen offentlich ſehen laſſen/ welche jhre Freude durch ungemeine Gluͤckswuͤnſchungen hieruͤber bezeuget; ſo halt dieſer galttze. reüimte Sachen/ als Worte inſich: dann es rar der Stalthalter zu Hiſpahan niemals auß bieſer Stadt kommen/ dannenhero er nicht erſt des andern Tags daſelbſt hat anlangen konnen: ſo iſt auch des Verſtorbenen Leichnam niemals dahin gebracht worden/ weil man ſolches zu thun keines wegs bedacht geweſt; und iſt von denen Herren/ die um und bey jhm waren/ der erſte erſt zwantzig Tage hernach/ die andern aber/ nach dreyſſig und viertzig Tagen/ zu Hofe ankommen. Was die Freudens⸗Zuruffungen/ von denen er redet/ anbelanget/ ſo habe ich/ auſſer den jenigen/ die ich droben erzehLit/ nicht eine einige gehoret; und weil ich mich ſelbſt gegempaͤrtig dabey befunden/ ſo kan es niemand beſſer als ich bezeugen. Eben ſo wenig kan guch der Zeitung⸗Schreiber wiſſen/ was für Agenten auß Franck reich/ Engelland/ und Holland die erſte Audientz bey dem neuen Konig gehabt/ und was fur Preſenten ſie jhme gethan haben. Auß dieſem nun/ kan der Leſer anjetzo urcheilen/ was denen Relationen zu glauben ſeye/ welche dem Vorgeben nach/ auß dieſen Landern geschickt/ und nur guß dem gemeinen ungewiſſen Geſchren/ und uͤbel gegruͤndeten Brieffon der Kauffleute/ und Durchreiſenden geſchmiedet werden/ welche/ wann ſie von andern Sachen etwas zu melden haben/ bey ſolcher Gelegenheit auch etwas/ was in dem Staat vorgehet/ zugleich mit berühren. „dernenen Isch wende mich aber wieder zu meinem 5 Be⸗ Vorhaben. Nachdem der junge Konig/ und die jenige/ ſo jhm zur Seiten waren; ſich wieder an jhren Ort geſetzet/ und der General uber die Muſquetierer mit Sr. Maj. eine zeitlang heimlich in ein Ohr geredet/ befahl er/ in dero Nammen/ under vielen andern/ nicht ſo gar wichtigen Dingen/ dieſe vier Haubt⸗Puncten. Erſtlich/ daß man in den zweyen Erckern dieſen groſſen Gebaͤudes/ welches an dem einen Ende des Königlichen Platzes war/ den man Kaiſerié, oder den Reichs⸗Ort nennet/ beydes die Muſicaliſchen⸗ als Kriegs⸗Inſtrumenten erklingen laſſen ſolte. Es wurde niemand weder die Perſtaner/ noch die Indianer/ Türcken Moſcowiter/ Europeer und andere/ daron außgenomen/ und ſolches alſobald vollzogen. Und dieſes Getoß der Inſtrumenten/ welches ſich mehr mit einem Krieg/ als einer Muſic verglichen/ wahrete/ ohne einiges Aufhoren oder Underbrechung bey Nacht/ gantzer 5 Eoſtlich ſeine Krönung ofſentlich außzublaſen; zwantzig Tage: welche Zahl der zwanzig age N Wort ⸗Satz ſo viel ungeIII. Königs von wegen der zwantzig Jahr/ die dieſer neue Monarch alt war/ in acht genommen worden. 25 Zweytens/ daß man von Stund an den Zweptene Pallaſt mit der gewohnlichen Leibwwacht/ in Na acht gleicher Anzahl/ und an eben dieſen Orten/ wo verordnen. ſie zu des verſtorbenen Koͤnigs Zeiten geweſt/ f verſehen ſolte. N Drittens/ daß man unverzuglich/ undmit Dritten behoͤrigem Fleiß/ den Namen Habas auß den e Siegeln und Pittſchafften des Königreichs/ Kzmigliche welche von köſtlichen Edelgeſteinen und von agen Hofe in einem mit des Oberſten Staats⸗Miniſters Pittſchafft verſigelten Seckel gebracht worden ſind/ außloſchen/ und hingegen den Namen Sete hinein ſtechen ſolte. Wann aber in dieſer Siegel einem der Name Habas allein nicht füglich außgeloſcht werden koͤnte/ ſo ſolte man die gantze Schrifft hinweg thun/ und eine andere auf ein neues Blatt ſtechen: im Fall aber die Stuck ſo klein waren/ daß ſie den Durchſtrich nicht erleiden konten/ ſo ſolten dieſelbe zerbrochen/ und an jhre Statt andere neue gegraben werden. Vierdtens/ daß man alle Muntz⸗Stem⸗ und vierd pfel zerſchlagen/ und andere under des jetzo nem regierenden Fuͤrſten Nahmen ſiechen/ wie vfel zu ma; auch Fleiß anwenden ſolte/ daß des andern chen. Tags in die hundert und zwantzig Stuck/ zu hundert und viertzig Tomans, welche unſers Gelds ſechs/ oder ſieben tauſend Pfund machen/ gemuͤntzet werden moͤchten. i Dieſes wurde ſo ſchleunig vollzogen/ daß man dieſe Summ den andern Tag an Stucken/ ſo an der Groͤſſe den gemeinen von achtzehen Stubern gleich geweſt/ bey der Hand gehabt/ welche der Konig außgeworffen. Von dieſen Stucken kame mir dieſen Tag gleichfals eines zur Hand/ und wurde mir von dem jenigen/ von deme ich daſſelbe bekommen/ geſagk/ daß in ſolcher Groſſe quch Goldſtuck gemüntzet worden; welches ich bann gern glaube/ wiewol ich deren keine geſehen habe. Oben um den Nand/ waren auf der einen Seiten Gerd he die Namen der zwolff Nachkommen des Ma⸗ nenen homets gezeichnet/ in der Mitten aber ſtuhn den dieſe Worte/ Bende-chae- din Sefiéè eſt. Das iſt; der Statthalter des alleroberſten Koͤnigs der Welt/ nach dem wahren Geſetz/ iſt der See. 55 Wir haben bieſe Uberſchrifften anderswo etwas deutlicher/ und mehrers nach dem Buchſtaben erklaret. Auf der andern Seiten ſtunde dieſes Paar Perſianiſcher Neimzeilen: Zibad heſtiè chae Habas ſanie, Seſie zad Zikkeh, ſaheb Karanié. Das iſt: Nachdem Habas der Zweyte hat aufgehoͤrt im Flelſch zu ſeyn. Oder/ beſſer nach unſerer Mundart zu geben Nachdem Habas der Zweyte dieſen ſterblichen eib verlaſſen/ hat Sens der Hern der Welt/ eine Muͤntze ſchlagen laſſen. Welches ſo viel geſagt iſt/ als/ nach dem er zum Kom iſt erklaret worden; weil in dieſen Landen/ ſo wol als bey uns/ niemand als groſſe Herren ö 1 1 in Perſten Kroͤnung. . eine Muntze ſchlagen zu laſſen/ befügt iſt. ö 2 e Darunder ſtuhnde: Zarby ſefahaan hazar haftad ou heft, geſchlagen zu Hiſpahan im Jahr der Hegera 10% Es war nicht weit von Mitternacht/ ehe dieſe Ceremonie geendigetworden: und nachdemalles verrichtet/ ſtuhnde er in ſeinem Koniglichen Habit auf/ den er nicht eher außgezogen/ als bis er in ſein beſonderes Gemach in dem Frauenzimmer⸗Pallaſt/ kommen. Man i bernerden verſpührete an dem Geſicht diſes jungen PrinNünge un, gen/ dieſe gantze Zeit iber/ ſehr groſſe Veran0 bag derung: dann er ſchiene gleichſam verzuckt amung. und wie ein Menſch/ der nicht bey ſich ſelbſt iſt/ zu ſeyn. Man darff ſich aber hierüber nicht verwundern; dann was kunte man wol von einer Perſon/ welche die gantze Zeit ihres Lebens eingeſperret geweſt/ und nie geſehen/ was in der Welt vorgehet; über dis auch/ die auß verborgenem Haß jhres Vatters/ in einer viel härteren Gefangenſchafft/ als ſonſten gegen Königlichen Kindern gebräuchlich/ verwahret worden diger ſeyn? Solte er auch wol die geziemende Anſtandigkeit in einer ſo wichtigen Handlung/ als dieſe war/ hab in acht nehmen konnen/ der doch von etwas dergleichen/ oder auf welche Weiſe man die Koͤnige außzuruffen pflege/ nie nichts gehoͤret? Halte er auch majeſtaͤtiſche Geberden/ die alles/ ohne einige Verwirrung/ auf eine wunderbare Weiſe verrichtet/ an ſich nehmen konnen/ da er doch niemals darinnen underrichtet worden; wie viel weniger aber hat er einiges Abſehen auf ſich ſelbſt machen koͤnnen? Zu geſchweigen daß er ſich gleichſam in einem Augenblick von einem duſſerſten Ding zu dem andern gebracht geſehen: dann er horte ſich einen Herꝛn der Welt nennen/ da er ſich nicht lang vorhero in einem von den Sclaven nicht weit verſchiedenen Stand befunden. Nicht ohne iſt es zwar/ daß jhme an guter Pfleg⸗ und Wartung nichts abgegangen/ und er aller Ergetzlichkeiten/ die ſein Hertz wuͤnſchen und begaren konnen genoſſen habe; dieſe Ergetzlichkeiten aber wurden durch das bittere Andencken der Todes⸗Gefahr/ oder grauſamer Außſtechung der Augen/ deren er ſich alle Augenblick zu befahren hatte /B nn lauter Angſt und Pein verwandelt. Dieſes/ was wir jetzo erwehnet/ war mehr als genug/ jhn ſo weit zu bringen/ daß er nicht gewuſt/ was er hat thun ſollen: was meynet Ihr aber wol/ wie groß der letſte Hertzſtoß/ den er bekommen/ müſſe geweſt ſeyn/ und was für traurige Gedancken das jaͤmmerliche Geſchrey und unſinniges Wehklagen ſeiner Mutter/ und ihres Frauenziters/ und anderer Weibsperſonen/ denen er ſehr lieb geweſt/ in ſeinem Geiſt muͤſſe verurſacht haben? Sein Gemüht/ damit wir guf der Perſianer Weiſe reden/ war gleichſam wie das Meer/ welches/ wann es von hefftigem Sturmwind umgetrieben worden/ jedoch ſeine Wellen noch immer brauſſen laſſet/ und ungeſtummn iſt/ ob ſchonder Sturm aufgehoͤret/ und ſich in deſſen Statt vm guter Wind erhoben. Kroͤmmg Sohm, 8 155 berchehene der Hoem dieſer Naß⸗ Nane 5 me wird den Muttern der Perſianiſchen Prin⸗ menſel eigen von der Stund an gegeben/ wann einer er Walke. von jhren Sohnen Kong worden iſt /) befande ſich zu nicht geringeren extremirgten gebracht: dann ob ihr ſchon die erſten Morte/ welche der General/ nachdem er jhrem Sohn einen Fußfall gethan/ zu hm geſprochen/ zu Ohren kommen/ und ihr alle Augenblick das jenige/ was bey jhm vorgegangen/ geſagt worden iſt/ ſo hat doch die Forcht/ und die Traurigkeit jhre Einbildung ſo ſehr eingenommen gehabt/ daß die andern Genniſhts⸗Negungen keie nen Eingang mehr darinnen finden konnen. Sie wolte langer als eine Viertelſtund die gute neue Zeitungen/ die man ihr brachte/ gantz und gar nicht anhoͤren/ viel weniger dieſelbe auß Eygenſinnigkeit glauben; und ob ſie wol ſo groſſe Urſach ſich zu erfreuen hatte/ ſo vergoß ſie doch jmmerdar viel Thranen/ und fuhr mit jhrem Wehklagen fort/ nach Art des weiblichen Geſchlechts/ welches gern bey einer trau rigen Poſt zu bleiben pflegt/ und jhr dieſelbe nicht außreden laſſen wil. Endlich aber/ als ihr von ſo viel Verſchnittenen die gewiſſe Nachricht von des Koͤnigs/ jhres Gemahls Tod/ und jhres Sohns Erwohlung/ und bevorſtehender Kroͤnung gebracht wurde/ begunte ſie derſelben Gehor zu geben/ und jhrecdorcht allgemach fallen zu laſſen. Underdeſſen war jhr Gemuͤht zwiſchen Leid und Freude. Dann wann das gute Glück jhres Sohns/ und ſeine Erhebung zu dem Königlichen Thron/ ihr gacſſ Zufriedenheit verurſachten/ ſo trieb jhr 5 och der traurige Todesfall jhres Gemahls/ die Thranen wieder in die Augen; und weilen dieſe beyde Gemuhts⸗Regungen in jhrem Herten gleich ſtarck waren/ ſo hielten ſie daſſelbe in gleichem Gewicht/ daß es weder auf eine/ noch andere Seiten außſchlagen kunte. Endlich behielte die ewonheit/ un Wolſtandigkeit die oberhand; dergeſtalt daß ſte in kurtzer Zeit wieder in ihre vorige traurige Geberden fiele/ hre e des Verſtorbenen berieff/ und ſie fragte/ was für Urſach ſie gehabt/ auß der Welt zu gehe/ und ſie in einem ſo betrübten Zuſtand zu laſſen/ und was dergleichen Wehklagen mehr geweſen; als ſie aber vernommen/ daß der Konig/ jhr Sohn/ bald wieder zu ihr konnnen wurde/ hielte ſie damit innen; und nachdem ſie die in jhrem Geſatz gebottene gewohnliche Toden⸗Reinigung vollbracht, legte ſie/ wie auch die Princeſſin/ des neuen Printzen Gemahlin/ ſamt dem vornehmſten Frauenzimmer/ andere Kleider an/ um i den jenigen als einen Konig zu empfangen/ Dieſetbeemder bis dahero under jhnen als ein Gefangener Laut hren gelebt. So bald man ſie nun berichter dat Sehr er in jhren Pallaſt kommen/ giengen fte 10 2 alle entgegen/ und war die Groß⸗Hertogin f die erſte/ die ihn auf den Knien int depmaliger Neigung des Haubts bis auf die Erde gegrüſſet welches folgends ſeine Gemahlin und Concubinen und herngch andete Perſonen dieſes Orts/ denen jhr Amt/ und Stand dieſe Ehre zugelaſſen eben dergleichen gechan.⸗ Was C 3 2 hun 30 Solimanni nun die uͤbrige Nacht weiters darinnen vorgegangen/ habe ich nie erfahren koͤnnen: alldieweilen/ wie ich hiebevor erwehnet/ nichts ſchwarers iſt/ als zu wiſſen/ was in dergleichen von allen andern abgeſonderten Wohnungen geſchicht/ und ſonſt niemand/ als die Weiber/ zu denen man ſich auf eine Meilwegs nicht nahern darf/ oder etliche ſchwartze Mohren/ mit hen iſt etwas hier von zu ſagen weiß: ſie lieſſen ſicch aber eher das Hertz auß dem Leibe reiſſen/ man mit ihnen ſehr kluglich umgehen/ wann man ſie ſchwetzend machen wil; ſchier eben auf die Weiſe/ wie man die Indianiſche Schlangen zahmet/ bis man ſie pfeiffend/ und tantzend macht. 5 3 Underdeſſen erklang der Schall der Na kara, oder Muſicaliſchen Inſtrumenten von den N Erckern des Königlichen Platzes: weil aber i derſelbe langer/ als ſonſten wahrete/ welches ins gemein nur zwo⸗ oder drey Viertelſtund geſchicht/ ſo gab es denen/ ſo von dieſem Gethoß erwachet/ Anlaß/ ſich hierüber zu verwunderen: nichts deſto weniger/ weil es ſchon um Mitternacht/ und die ungewohnliche Zeit war/ auß dem Hauß zu gehen/ ſo bekuͤmmerten ſich Ihrer gar wenig/ ſo nahe bey dem Koͤniglichen Platz wohneten/ um das/ was vorgieng/ zu erkundigen: die ubrige Einwohner aber warteten bis auf den Morgen/ an welchem man vernommen/ daß Setie der zweyte ſich auf den Königlichen Thron geſetzet/ und ſeinem Vatter N Habas, welcher mit Tod abgangen/ in der Regierung nachgefolget. 355 Ich laß an jetzo einen jeden gedencken/ wie ſehr jederman darüber beſtürtzt geweſt ſeyn müſſe. Was uns anbelangt/ ſo war mir bey dieſem neuen Zufall nicht anders zu Muht/ als ob mir traumete/ und kunte mich nicht genug verwwundern/ wie man eines ſo maͤchtigen Königs Tod eine ſo lange Zeit verbergen koͤnnen/ daß niemand eher hier von etwas erfahren/ gls bis ſein Sohn den Koniglichen Thron beſtiegen/ dergleichen Exempel ich noch niemals geleſen habe. Dieſes war aber ein Stück der Perſtaner Klugheit/ ſo nicht genug zu loben iſt. Dann durch dieſes kluge Verfahren anderte zwar das Königreich ſeinen Herꝛn/ da doch Kluges Verahren der erſtaner eh ſolcher nichts an der Jorm des Regiments verandert roͤnung. wurde/ und erlitte eine von den gefahrlichſten Verenderungen daß es derſelben nicht gewahr worden; dergeſtalt/ daß man in der gantzen Stadt Iſpahan nicht das geringſte Zeichen einiger Forcht/ oder Schrockens verſpuhret. Sie hoͤrten in friedſamer Stille ſagen/ daß der Konig EHabas ohne Teſtament geſtorben/ und nahmen den jenigen/ der an ſeine Stelle erwoͤhlet worden/ nnt Freuden an: man ſahe daſelbſt menand weder allzu traurig/ noch allzu froͤlſch; es war niemand/ der ſich underſtanden hatte beme was vorgegangen/ zu wider ſprechen/ noch viel weniger aber/ ſich aufrühriſch zu bezeugen: es gieng alles ſeinen gewohnlichen Gang; man hatte alle Waaren/ ſo wol als den vor gen Tag feil/ und verrichteten die Kaufleute 9 denen viel weniger/ als mit Drachen umzugeehe ſie ſich hierzu vermoͤgen lieſſen; und muß, Schritt hinder und vor ihm und nur zwolff Laqueyen um ſein Pferd welches darum geſchahe/ damit jhn ſein Volck 0 2 42 III. Koͤnigs ihre Geſchaͤffte eben ſo ruhig/ und ungehindert/ als wann ſich nicht das heringſte zugetraMich bedunckte damals/ daß die Stadt Iſpahan des Platons Republick ſeye/ welche uber das Glück erhaben/ und von dem Ungemach/ welches ſonſten die Weſthandel zu beunruhigen pfeegt/ befreyet worden. die erſchollene Zeitung dieſer groſſen Veranderung/ Lermen/ und hielten die/ ſo eigene Hauſer des Tags verſchloſſen/ und under andern die ſchloſſen. Hollander/ deren ſich etliche und viertzig zuſamen geſchlagen. der Herz Hubert von Laireſſe, welcher von der Hollandiſchen Compagnie in Geſandtſchafft an den verſtorbenen Konig etlicher Geſchafften halber/ und mit Preſenten fur Se. Maß. abgefertiget worden/ und ſich bereits allerdings zu ſeiner Abreys fertig gemacht gehabt. Als er nun dieſe Enderung vernommen/ und als ein Mann/ der ſich lange Zeit in der Compagnie Geſchafften an vielen Orten in Indien aufgehalten/ erfahren/ daß daſelbſt/ nach der Konge Tod/ groſſe Emporungen/ und ſehr gefaͤhrliche . und ungeſtrafft viel Todſchlaͤge/ und Naubereyen begangen worden/ ſo beſorgete er ſich wegen dieſer verdrießlichen Erfahrung/ die er mit Augen geſehen/ be eben dergleichen Begebenheit/ eines gleichmaſſigen Außgangs: und um dieſer Urſach willen befande er für rahtſam/ jhre Behauſung/ von wegen der aufrühriſchen Leute/ welche/ auß Hoffnung einer guten Beuthe/ dieſelbe überfallen mochten/ eine Zeit lang verſchloſſen zu halten. Es hatte jhm aber der Perſtaner Klugheit/ und ihre vortrefiiche gute Anſtalt/ zumalen als der P. Guardian der Capuciner des morgens um neun Uhr berichtet/ daß in der gantzen Stadt alles ſtill und ruhig ſey/ alle Furcht benehmen/ und ſich nicht ferners mercken laſſen ſollen/ daß er der allgemeinen Sicherheit nicht traue: dannenhero er die Thuren zu oͤffnen befohlen. Dieſer Vorgeſetzte der Capuciner/ hieß mit Namen P. Kaphael du a Eben um dieſe Zeit kame der neue Moch narch auß dem innern Theil ſeines Pallaſts ee herguß iind ſatzte ſich in den Saal /nwelchem er den Abend zuvor gekronet worden war; worquf alle Groſſe/ ſo ſich damals zu Hiſpahan befunden/ und dieſer Ehre fahig waren/ zugelaſſen worden/ die Erde vor ſeinen Fuſſen zu küſſen. Dieſes wahrete bis um zehen Uhr da er gufgeſtanden/ ſich zu Pferd geſetzet/ und das erſte mal auß dem Ort/ allwo er geboren worden/ under die deute kommen. Dieſer that/ nach Gewonheit der Könige in Perſien/ einen gan langſatmen Ritt/ und in weniger Begleikung/ um ſeinen Pallaſt. Er ritte gantz allein die von ſeinem Gefolg aber/ etlich und zwanzig giengen herum; deſto beſſer ſehen/ und kennen mochte. 30 5 3 Seine Bey dieſen befande ſich auch Der liel ch 0 fc fal el. Nur allein wir auß Europa machten/ auf Sc. er halten desnegen 105 re Behauin der Stadt hatten/ dieſelbe die erſte Stunden fc 5 2 fe. f b. 1 Ib Feine Klejdung. f in Perſien Kroͤnung.— Seine Maj eſtett war dieſen Tag auf nachbeſchriebene Weiſe gekleidet: Das Cabaye, oder Georgianiſches Kleid/ war von dichtem. ſilbern Stuck/ mit darein⸗gewurckten kleinen violbraunen Blumen. Vornen auf der Bruſt waren lange Schnure von Perlen/ und DiaBeſchteibüg Un Permanten/ auf jeder Seiten ſechs angehefftet. Under dem Kleid trug er eine kleine Caſack ohne Ermel von Gulden⸗Stuck/ und mit Zobeln gefüttert. Zur rechten Seiten hatte er einen Dolchen/ deſſen Scheide/ und Gefaß mit groſſen Smaragden/ und andern Edelgeſteinen beſetzet geweſen: ſo war auch ſein Sabelaufs foſtlichſte geſchmücket. Auf ſeinem Haupt trug er eine Perſianiſche Mütze/ oder Dulband/ von ſehr reinem ſeidenen und guldenem Zeug/ an welchem vornen her ein Königlicher Reygerbuſch/ mit einer Diamantinen/ und mit Rubinen beſetzten Roſen gehefket war/ rings herum aber hoch ſchatzbare Perlen hiengen. Die Einwohner lieffen von allen Seiten hauffig hinzu/ jhren neuen Konig zu ſeen/ welcher/ weil er nicht gewohnet war/ eine ſo groſſe Menge Volcks zu ſehen/ und jederzeit von grolſem Getummel weit entfernet gelebt/ ſich/ ſo wol als bey der vorigen Eeremome/ beduncken ließ/ als ob jhm traumete/ und daß Ihm dieſer groſſe Glantz das Geſicht verblendete. Jedoch 9 5 er jederzeit die Augen empor an denen die Freundlichkeit mit einer Majeſtaͤt vermiſchet zu ſehen war/ welches/ wie guch ſeine gantze Perſon/ die ſehr ſchoͤn war/ bey denen/ ſo jhn anſahen/ zugleich eine Liebe/ und Ehr⸗Forcht erwecket. Sehet hier ſein e Er iſt von fehr n rahn/ und wolgeſtalt: ſein Geſicht iſt rund/ anmuhtig/ und ein wenig von den Kindsblattern narbicht. Er hat blaue Augen/ und gelblichte Haare/ die aber ein wenig ſchwartzlicht werden/ weil das Haar von dieſer Farb bey den Perſianern am hoch15 geachtet wird. Die jenige/ welche wiſſen/ daß alle Mahometaner die Haare abſcherenwerden wol verſtehen/ daß ich nur von ſeinem Bart rede/ welcher in dem Alter/ in welchem er ſich befande/ die erſte Wolle zeigete: Sonſten war er ſeinem Vatter gantz ahnlich/ außgenommen/ daß er keine ſo lange Naſen/ noch ſo weite Augen hatte. Seine oeiſſe Haut hatte/ weiß nicht was lieb ⸗ reitzendes an ſich. Mit einem Wort/ es war nichts an dieſem Printzen/ welches damals nicht ſehr annehmlich geweſt ware: ich ſage damals; weil er ſich Nachdem ſich nun Se. Maj. bey einer Stund lang offentlich ſehen laſſen/ begab Sie ſich wieder in den Pallaſt dero Frauenzimmers/ und kame den gantzen Tag nicht wieder herauß/ als Sie zuvor dem General der Muſquetierer/ und dem Aufſehenden Verſchnittenen/ welche beyde bey Ihro in groſten Gnaden waren/ Ordre hinderlaſſen/ oder vielſeithero viel geandert/ und ſich noch alle Tag mehr jhnen nohtige Erlaubnuß gegeben/ die nohtwendigſte Geſchafte abzufertigen. In übrigen gieng dieſen Tag weiters Kroͤnung solim. nichts vor/ und wurde wider vieler Erwarten/ kein anderer prachtiger Aufzug gehalten; weil der Konig das allgemeine Freuden⸗Feſt biß auf die Zeit/ da der ganze Hof ſich zu Hiſpahan verſarnlen wurde/ zu verſchieben gewillet war. Underdeſſen gieng in dieſer Stadt wie wir bereits angezeigt/ alles ſeinen gewohnlichen Gang; die Kram⸗Laden waren offen; die Kauffleuthe verrichteten auf den offentlichen Platzen/ und Borſen ihre Geſchaften/ und wurde Marckt biß ſchier in die Nacht gehalken: Die folgende Tage geſchahe nicht allein in dieſer Hauptſtadt/ ſondern auch durchgehends/ ſo weit ſich dieſes groſſe/ und weitlauffige Konigreich erſtreckte/ eben dergleichen/ und verurſachte dieſe groſſe Veranderung memand einige Beeintrachtigung/ weder an ſeind Haab noch Gut/ noch an ſeinem Handel und Ge⸗ f werb/ ſondern es lebte jeder man in hochſter Stille/ und Ruhe; deſſen dann zwo Urſachen angefüͤhret werden konnen: eine/ die Klugheit der Groſſen/ welche den Tod des verſtorbenen Koͤnigs ſo vernünftig zu verbergen gewuſt: die zweyte/ das hohe Anſehen der Könige in Perſten/ und die unzelliche Macht/ welche dieſer Volcker Aberglaub hnen gegeben: dann es lieffern auch die vornehmſte Herren ſelbſt/ auf ihren bloſſen Befehl/ jhnen ihren Kopf/ und underwerffen ſich dem todlichen Urtheil/ daß ſie ſich niht einnal um die Urſach deſſen zu fragen erkühnen. a 1 0 155 1 b e c 6e kraurig/ noch frolich/ und ließ ſich kein Menſch der Kinwoh14115 Mißvergnügens mercken; wiewol, hen meinem Beduncken nach/ jhrer viel/ auß Forcht/ daß ſie den neuen Konig erzoͤrnen mochten ihren Unmuth gezwungener Weise verborgen: in Betrachtung/ daß der Koͤnig Habas II. deſſen Tod ſie vernommen/ ſehr loͤblich regieret/ und ſich gegen ſeine Under thanen gnaͤdig und gelinde erwieſen; daß er auſſerhalb ſeines Königreichs von jederman eforahtet worden/ jnnerhalb aber allen Uberfuß und volligen Ruhe ⸗Stand verſchaffet: daß er Necht und Herechtigkeit geliebet/ und gemeine Aufficht gehabt/ daß ſeine Beamten. res Gewalts nicht mißbrauch/ und die Armen undergetruckt; underdeſſen aber/ daß er auß einer verborgenen Goͤttlichen Schickung in ſeinem beſten Alter/ in welchem ſein Verſtand guten Rathſchlagen nachzuſinnen/ am ſchaͤrffeſten/ und ſei h Leib/ dieſelbe zu vollziehen am vermoglichſten geweſt/ hinweggerafft worden: daß im Gegentheil dieſer junge Printz/ welcher auf den Thron geſtiegen/ noch nichts geſehen/ und in der Regier⸗Kunſt ringſten Sachen nu und daß ſie dannen jungen Alter/ und ſe ge Zeit viel würden erfahren/ und nicht allein (ſondern auch it den geein Lehr⸗Schuler ware; hero bey dieſem noch ſo ine Unfahigkeit/ eine langußſtehen müſſen/ wie in dergleichen Begebenheiten die Erfahrung bey ſeinen Vorfahren be Am aleerſchmertzlichſten aber kame dieſe betrübte Feikung von des Königs tödlichem Hs Hintritt/ den Ehriſten für; alldſeweilen dieſer In hn ed E 4 zeuget. Mer: lich Die Chriſten empfinden als deren Beſchuͤtzer er geweſt. 2 Und ſich durch die Mahometaner wider ſie nie verhetzen laſſen wollen; 32 Herꝛ ſich jederzeit ſehr gnadig gegen ſie erwieſen/ und jhnen ungemeine Freundſchaft erwieſen; hingegen aber gegen die von der Mahometiſchen Sect/ und die Außleger des Alcorans ſehr ſtreng verfahren/ wann ſie ſich underſtunden/ den jenigen/ ſo ſich zu unſerer Religion bekanten/ einiges Leid zuzufügen. Dieſes hat er zu vielen malen/ wie in ſeiner Lebens⸗Beſchreibung geſagt worden iſt/ in der That bewieſen; ſo gar/ daß die Armenier zu einander geſagt/ daß er mehr ein Chriſt/ als ein Mahometaner ſey; nicht zwar/ daß er ſeiner Religion nicht ſo ſteiff und veſt/ und vielleicht noch mehr als der eyferigſte von ſeinen Vorfahren angehangen ſeyn ſolte: ſondern weil er dafür hielte/ daß der Gewalt/ den ein Fürſt wider die Freyheit des Glaubens veruͤbe/ Gott nicht angenehm/ und der Vernunft nicht gemas/ er auch/ ob er ſchon ein Mahometaner/ dannoch ein Menſch wie ein anderer ſey/ und daß jhn die Goͤttliche Vorſehung darum auf den Königlichen Thron erhaben/ daß er als ein Konig leben/ nicht aber als ein Tyrann verfahren ſoll: daß auch nichts Tyranniſchers/ noch barbariſchers/ als dieſes Beginnen ſey/ welches nicht allein wider das Recht der Volcker/ ſondern auch der Natur ſelbſt ſtreite/ als welche beyde erfordern/ daß die Menſchen gemeinſchaftlich under ſich leben/ und nicht einander ſchaden/ ſondern einer dem andern zu Dienſten ſtehen ſoll. Endlich/ daß Gott allein ein Herz Uber die Gewiſſen/ und Koͤnig über der Menſchen Willen ſey hingegen aber jhme das Policey⸗Weſen/ und das Weltliche Regiment anbefohlen worden/ und jhm dannenhero oblige/ allen ſeinen Underthanen/ ohne Anſehen der Religion/ weil ſie ins 85 Glieder ſeines Reichs waren/ gleiches ren zu ff In dieſer Meinung blieb er die gantze Zeit echt wiederfahſeines Lebens ſo beſt/ daß die Vorſteher des Mahometiſchen Aberglaubens/ wie ſehr ſie ſich auch bemůhet/ jhn wider die Chriſten zu verhetzen/ jhn hierzu niemals haben bewegen konnen: dann er betrachtete ſie/ entweder als neidſuͤchtige/ die auß einem unbedachtſamen Eifer von der Sache nicht recht zu urtheilen wuͤſten; oder als Leuthe/ die auf jhren EigenNutzen ſehen/ und under dem ſcheinbaren Vorwand der Religion/ ſich bey dem gemeinen Mann beliebt zu machen/ und ſich vielleicht jhres erworbenen Anſehens und Credits zu bedienen trachteten/ damit ſie in dem Staat Partheyen machen/ und das Regiment zerrütten moͤchten: dannenhero war es jhm eine Luſt/ wann er ſolche Leuthe demuͤhtigen/ und ihnen N geben kunte/ daß er jhrer nichts achte. 5 „Dieſes war klaͤrlich hierauß zu ſehen/ als er die Wahl eines neus Sade verhindert/ welcher als der oberſte Prieſter des Mahometiſchen Geſaͤtzes durch das Perſiſche eich iſt/ und die HOber⸗Aufſicht uber alle Guter hat/ die zu dem Dienſt jhrer Religion gewidmet ſind/ und welche andere nachgeſetzte Geiſtliche under ſeinem Nahmen/ und Befehl zu verwalten haben. — Solimanni III. Königs Dieſer Mahme Saclre, bedeutet ſo viel/ als die Bruſt des Geſatzes. Es hat auch Elabas der Zweyte/ den Cheik cl-Islaam, oder Vorſteher des Geſuͤtzes/ welcher ein anderer kleiner Ober⸗ Here in geiſtlichen Sachen iſt/ weil er/ wie wir allbereits angemercket/ uber alle Falle/ ſo die Neligion betreffen/ zu urtheilen/ und zu ſchlieſſen hat/ hart verfolget/ und hat nicht viel gefehlet/ daß er jhn/ ſaumt ſeinem gantzen Geſchlecht/ zum Tod verurtheilet/ weil etliche von dieſen Außlegern des Alcorans heimlich undereinander ſagten/ daß man einen von den Sohnen dieſes Vorſtehers des Geſätzes/ auf den Königlichen Thron ſetzen muſte/ welcher groͤſſern Eifer gegen die Religion/ als dieſer Konig/ bezeugte: welches auch/ ſon dern Zweifel/ werckſtellig gemacht worden ware/ wann er demſelben nicht einen demuhtigen Fuß fall/ und ſeinen/ und aller ſeiner Soͤhne Köpf/ die jhn begleitet/ angebotten. Durch dieſes Spectackel hat er dem Konig das Hertz erweichet/ daß er jhn/ wegen ſolcher ſeiner Demuth/ fuͤr unſchuldig erkant. 8 ü Er hat auch ſeinen Pich- nag naz, das iſt/ Vorgeſetzten des Gebaͤtts/ welcher bey uns ſo viel als eines Fuͤrſten Capellan/ und Gewiſſens⸗Rath ſeyn wuͤrde/ um keiner anderen Urſach willen in Ungnaden abgeſchaft/ als daß er ohne Auf hoͤren wider die Chriſten geprediget. i„ Der oberſte Staats⸗Miniſter/ weleher in waͤhrender Minderjaͤhrigkeit des Koͤnigs Habas das Regiment geführet/ bezeugte nicht geringern Widerwillen gegen die Chriſten. Dieſer war ein eyferiger Mahometaner/ welcher dem Konig ſtaͤts in den Ohren lag/ und anhielte/ daß er befehlen wolte/ daß die Chriſten ſo wol als die Juden/ ein Zeichen tragen ſolten/ damit man ſie von den Mahometanern underſcheiden mochte. Der Konig aber hat nie dakein verwilligen wollen; und ſagt man/ daß der Unwill/ den er deß wegen auf dieſen Miniſter geworffen/ nicht wenig darzu geholffen/ daß er willens geweſt/ jhn gleichfalls mit Ungnaden abzuſchaffen. i Naͤchſt dieſen hohen Exempeln/ ließ dieſer Fuͤrſt/ welcher von der Zeit an/ als er die vollige Hereſchaft üͤberkommen/ nicht allein den Chriſten die freye Ubung ihrer Religion zu/ ſondern geſtattete auch dieſelbe den Juden/ ungeachtet alles heimlichen/ und offentlichen Widerſtandes/ den alle Molla, und Geiſtliche dargegen gethan. Hierab nahme er auch die Gelegenheit/ dieſe gantze heuchleriſche Rotte gering und klein zu machen: dann weil ſie ſich/ wie wir droben angezeigt/ ſo weit verleiten laſſen/ daß ſie ſich zu ſagen nicht geſcheuet/ daß man jhn/ als einen Unglaubigen/ der mit den Unheiligen gar zu groſſe Gemeinſchafft hatte/ vom Brot thun ſolte/ ſo bekame er hierdurch von der Zeit an/ wegen des heimlichen Haſſes/ den er wider ſie getragen/ einen ſcheinbaren Vorwand/ gegen ſie 15 zu verfahren/ und/ wann ich mich der Perſtaniſchen Red⸗Art gebrauchen darff/ jhnen die Zaͤhne außzubrechen/ 0 0 0 1 5 in Perſien Kroͤuung. chen/ das iſt/ ſie zu verhindern/ ferner zu beiſſen. Es pflegte auch dieſer fromme Her? als man von de Armeniern/ welche ſeine Underthanen/ und der Chriſtlichen Religion zugethan waren/ zu reden kame/ zu de Groſſen des Koͤnigreichs zu ſagen/ daß es eine unverantwortliche Ungerechtigklit ſeyn wurde/ wann die jenige/ ſo ſich durch jhre Arbeit/ und Gewerb/ dem Reich zun beſten bemuhett/ von dem Genuß des Friedens/ un Uberſtuſſes deſſen vornehmſte Verckzeuge ſie waren/ außgeſchloſſen werden ſolten. Ihre Beh: Dierauß iſt nun zu ſehen/ daß die Chriſten Nee wegen gute ir ſach hatten/ ſich wegen des Verluſts ßen dieſes frommen Königs in ſhrem Hertzen zu n betrüben: dann es ſchiene jhr Ungluck ohne Hofnung einiger Beſſerung zu ſeyn/ weil der neue Prinz/ den ſie an ſeine Stelle/ ber ſie zu regieren/ kommen ſahen/ noch ein junger Herꝛ war; und wann gleich derſelbe eben den geneigten Willen gegen ſie/ als ſein Vorfahr gethan/ tragen mochte/ ſo wuͤrde er doch ſeine gute Neigung/ in Betrachtung ſeiner noch geringen Erfahrung/ noch eine lange Zeit nicht werckſtellig machen konnen/ weil ihn ſeine Rähte zines anderen bereden/ und jhm die Außleger des Alcorans/ und die Geiftliche des Mahometiſchen Geſatzes/ veil ein anders vorſchwatzen würden. 8 Über diß/ ſo wuͤrde ein Here in ſeinem Alker nicht umgehen koͤnen/ jhme under den Groſſen eine tüchtige Perſon zu einem vertrauten Freund/ welcher am beſten mit hm umzugehen wüſte/ zu machen. Und hatte es das Anſehen/ daß dieſes Glück den General über die Muſquetierer treffen würde/ welcher ein grauſamer Feind der Chriſten war/ beydes weil ihn ſein Humor darzu antrieb/ als auch/ weil er des Oberſten Aufſehers/ welcher den Chriſten ſchon vor langer Zeeit bey 5 Hofe das Wort geredet/ abgeſagter Feind war. wüſdnderpeit Under andern Chriſten aber/ waren über Anme eu das Abſterben des letſten Königs die Francken oder Europeer am meiſten beküͤmmert. Sie hatten zwar ſamt den Chriſten im Lande (dann die Mahometaner machen zwiſchen den Secten/ die es under uns gibt/ keinen Underſcheid) einerley Urſach der Traurigkeit/ jedoch lag jhnen noch etwas wichtigers anz daß ſie nemlich frembd/ und weit von jhrem Vakterland waren/ und in dem jenigen Land/ in welchem ſie ſich jetzo auf hielten/ ohne des Korigs Erlaubnuß jhre Zuſammenkunften nicht halten durften. Was nun den verſtorbenen Konig anbelangt/ ſo hatten ſie keine groͤſſere Gnaden von jhm empfangen koͤnnen/ und hatte er ſich gegen ſie vielmehr als ein Vatter/ als ihr Goͤnner erwieſen/ daß ie wegen ſolcher Liebe/ die er offentlich gegb ſie bezeuget/ uberal in groſſen Ehren gehalten worden ſind. Da hingegen tten ſie micht Urſach/ dergleichen gunſtige Bezeugung von ſeinem Nachfolger jhnen einzubilden; dannes war jhr Zuſtand under dem verſtorbenen Konig gar zu vortheilig/ daß ſie ſich eine ofnung machen dorffen/ denſelben under dieſem ſo weit zu bringen/ und kunten ſie ſich keine andere Gedancken machẽ/ als daß bey 05 33 dieſer Veranderung des Königs/ jhr bißheriges gutes Glück ſich in boſes e Es befande ſich zur Zeit dieſes leidigen aſendung Falls zu Hiſpahan/ wie ich bereits angezeiget/ eiue Hoiein Hollandiſcher Ambaſſadein, Nameus Fu- Amt bert de Laireſſe: welcher auß Befehl/ und im deurs an den Namen der Hollandiſchen Compagnie/ von za d neu Batavien mit anſehenlichen Preſenten für den Konig/ und ſeine vornehmſte Miniſter/ dahin abgeſchickt worden/ des Vorhabens/ die Buͤndnuß wieder zu erneuern/ und von Sr. Maj. etliche Vergunſtigungen/ die Commercien in dero ganden betreffend/ zu begehren/ welche beydes der Statthalter der Provintz Fars, die eigentlich Perſien iſt/ als die Aufſeher des berühmten Havens Bender Habaſsi, das iſt/ der Haven/ oder Marckt des Habas/ weil dieſer Konig der erſte dieſes Namens geweſt/ welcher denſelben aufgerichtet/ und den Kaufhandel von dem Haven zu Ormus gn dieſen Ort/ welcher gerad gegen uber ligt/ und eine bequemere Anlendung hat/ verſetzet hatte. Die Hollander haben an dieſem Ort jhre vornehmſte Rechen⸗Kammer. Der Ambaſſadeur langte Seine Ab bey Hofe in dem Monat Julio an/ und bekame errang. ſtracks in den erſten Tagen in dem Thal Sa ver in der Provintz Mazenderaan, vier Meil von dem Caſpiſchen Meer/ und zwoͤlf von Eſterabaat, Audientz er verrichtete auch ſeine Sachen ſo wol/ daß er innerhalb ſechs Wochen abgefertiget worden/ un von Sr. Maj alles/ was er begehret/ erhalten. Im September kame er voller Freuden/ von wegen der ungemeinen Gnaden ⸗bezeugungen/ die er ſo wol in Anſehen der Compagnie/ als ſeiner eigenen Perſon empfangen/ wieder nach Hiſpahan/ und war willens zu Anfangs des Oetobers von dannen abzureiſen/ weil ſtarck in jhn gedrungen wurde/ im Haven zu Habas/ die Verwaltung des KaufHandels/ und anderer Geſchaͤſte/ welche die Compagnie in dieſem Königreich hatte anſtatt des Herren Heinrich Vyuan- vich, welcher vor drey/ oder vier Monaten mit Tod abgangen/ anzutreten. In dieſer Abreiß nun/ war alles fertig/ und der J. Oetobris hierzu beſtimet. Es wurde aber dieſelbe durch diſe groſſe/ unun⸗ 5 verſehene Veranderung, welche durch den Tod Tod Koͤnigs Habas ILuñ die Wahl Sete, dieſes a- deret. mens guch des Zwenten/ darzwiſchen kommen/ allerdings verhindert/ uñ verurſachte jhme dieſe neue Zeitung/ ſo bald er dieſelbe vernommen/ einen über die maſſen empfindlichen Unluſt: dann der hohen Achtung/ uñ Zuneigung gegen dieſem groſſen Monarchen/ von welchem er ſo hohe Gnade empfangen/ zu geſchweigen/ ſo kunte er unſchwar urtheilen/ was fur groſſen Schaden dieſer Zufall ſeinen Oberherren nach Deen a reiß wird Erſtlich ſahe er wol/ daß dieſe mühen, und weite Ambaſſade an den eſtorhene nig welche er ür höchſter Vergmigung abgeleg ruchtloß ſeyn würde/ weil die Compagnie genohtiget pre wegen dieser Veranderung/ eine andere Abſendung/ dem neuen Konig/ wegen Gelangung zur Kron Glück zu wunſchen/ zu verordnen. Ferners kunte er leichtlich erachi ten/ Sein Bez dencken hieruber. 24 ten/ daß auß dieſem allem/ was er bey Hofe mit ſo groſſer Mühe und Unloſten erhalte/ nichts werden wurde/ weilen alle von Konigklabas II. verwilligte Begnadungen/ ohne des jetzo regierenden Koͤnigs außdruckliche und glaubwurdige Bekräftigung/ zu keiner Wurcklichkeit wurden gelangen könen/ welche aber eben ſo ſchwaͤr/ als die erſte Vergunſtigung/ zu erhalten ſeyn/ dern wurde. Endlich führte er jhm die Gutwwilligkeit/ und geneigten Willen/ den der Konig Habas gegen die Compagnie/ deren er dienete/ und von welcher er zu jhm abgefertiget wordẽ/ bezeuget/ zu Gemüth/ welche er nunmehr verlohren ſahe/ und nicht wuſte/ weſſen man ſich zu ſeinem Nachfolger zu verſehen haben mochte: in deme zu beſorgen ſtunde/ er doͤrfte ſich/ wegen ſeines jungen Alters/ uñ geringer Erfahrenheit/ das wahre Intereſſe ſeines Staats zu erkenen/ von ſeinen groſſen zu boſen/ uñ widrigen Rathſchlagen verleiten/ die ihn/ weil ſie nur auf jhren eigenen Nutzen bedacht/ nach dem je einer oder der andere bey jhm im Credit Anſehen ware/ dahin bereden mochten/ gantz andere Vorſchlage zu thun/ welche dann der Compagnie den Compas alleldings verruͤcken wurden. Alle dieſe Betrachtungen machten dem Ambaſſadeur groſſe Sorge/ und Bekuümmernuß: Underdeſſen aber/ weil die Sach keinen Verzug leiden wolte/ dieſem Unheil zu begegnen/ ſo erwehlete er under denen/ ſo un den Konig wart/ ſolche Perſonen/ welche das Recht hatten/ in dem Math zu ſitzen/ und entſchloß ſich nach reiffer Uberlegung der gegenwartigen Beſchaffenheit/ dieſem neuen Kong/ ſo bald es moglich/ die Fuſſe zu kuſſen/ damiter den andern Europeern vorkommen/ und die Ehre haben mochte Sr. Maj. vor ihnen aufzuwarten/ und ſich folgends Er ſertiget zu bemühen/ wie er von deroſelben Bekraͤftigung aller/ von den vorigen Konigen der Compagnie/ und Hollandiſchen Nation ertheilter Privilegien erhalten konte. Nach dieſem des Morgens gefaßten Entdeu deins ſchluß/ ſchickte der Ambaſſadeur den Dolmetſchen zu H 1 ſpahan ani dẽ ſchen zu Hiſpahan an den General der MuſGeneral der quetierer/ welcher der einige war/ der jhm daMuſquetierer ab. mals dieſe Audienz zurvegen bringen kunte/ weil ſich der neue Konig in allem/ was er in StqatsSgchen zu ſagen/ oder zu thun hatte/ auf jhn 2 Inhalt ei, verließ. Des beſagten Dolmetſchen Inſtructiner jhm gegebenen InHtruetion. on hielte dieſes in ſich/ daß er nach abgelegtem demuhtigen Gruß an den General/ von wegen des Ambaſſadeurs/ denſelben aufs inſtandigſte erſuchen ſolte/ Sr. Maj. zu Gemüth zu fuhren/ den Glantz die Reputatſon/ und Macht der Edlen Compagnie/ dieſes ſind die Worte/ deren man ſich zu gebrauchen pflegt) und daß Se. Maj. in Betrachtung/ des groſſen Kaufhandels/ den dieſelbe in den Perſianiſchen Landen triebe/ genugſame Urſach hasbe/ deꝛoſelben zu willfahren. So dann deroſelben vor Angen zu ſtellen/ in was hohem Anſehen ſie ſeder eit bey dero Vorfahren/ Glorwuͤrdigſten Andenckens„Habas dem Groſſen/ Sehe dem Erſten/ nd Habas dem 7 Solimanni III. Königs dee Mühe/ und Koſten erforZweyten/ geweſen/ welche ihr ſonderbare groſſe Begnadungen bewilliget/ und dieſelbe ſtaͤts jhres Schutzes gewuͤrdiget: zu welchem Eude dann der Rath in neu Batavien/ um dieſe großmuͤhtige Zuneigung/ welche die Monarchen in Perſien zu allen Zeiten gegen denſelben bezeuget/ unlengſt den Herren Hubert de Laireſſe, mit anſehenlichen Preſenten zu des Koͤnigs Fuͤſſen/ der nunmehr in den Him̃el geſtiegen/ abgeordnet: welcher Ambaſſadeur auch bey dieſem groſſen Monarchen ſehr willkom̃ geweſt/ welcher jhme auch von deme/ was er begehret/ nit das geringſte verſagt. Es hatte aber er/ der Ambaſſadeur/ nach ſolcher gnaͤdigen Abfertigung/ als er eben zu Pferd geſeſſen/ und wieder hinweg reiſen wollen/ die Zeitung von des Königs ſeines Hrn. Vatters Abſterben/ und Sr. hohen Majeſtaͤt/ Erhoͤhung vernommen. Dañenheꝛo haͤtle er ſeine Abreiß ſo lang verſchoben/ biß er die Ehre haben moͤchte/ dero Fuͤſſe zu kůſſen/ und vor jhro in tiefſter ſchuldigſter Demuth zu erſcheinen/ und ob er ſchon keine wuͤrdige Proſenten deroſelben zu uͤberreichen bey der Hand haͤtte/ weil er die/ ſo er beydes den verſtorbenen Konig/ glorwuͤrdigſter Gedaͤehtnuß/ deme Se. Koͤnigl. Maj nachgefolget/ damit zu ehrẽ/ als für ſeine voꝛnem̃ſte Miniſteꝛs mitgebꝛacht/ ſchon hinweg gegebẽ/ ſo wolte er verhoffen Sie wuͤrde geruhen jhn fuͤr entſehuldiget zu halten/ uñ jhme die Begnadungen/ die er in aller Demut begehrte/ nicht zu verſagen. Endlich wolte er den General der Muſquetierer gebaͤtten haben/ daß er ſich belieben laſſen wolle/ ſeinẽ Credit dißfals anzuwenden/ damit er ſo bald als imer moͤglich/ die Erlaubnuß er halten moͤge/ vor dem neuen Konig zu erſcheinen/ und jhme die Fuͤſſe zu küͤſſen/ und daß er in Gnaden abgefertiget werden moͤchte/ weilen des Directoren/ ſeines Vorfahren Tod/ und viel andere hochwichtige Geſchaͤftẽ jhn eiſends in den Hafen von Abbas erfordertẽ. Wañ er ſich nun bemuͤhen wolte/ jhme hierinen behilflich zu ſeyn/ daß er den folgenden Tag Audientz bekommen moͤge/ wolte er jhme eine ehrliche danckbarliche Erkantnuß verſprochen/ uñ jhn dabenebenſt verſichert haben/ daß die compagnie ſolehes jederzeit eingedẽck ſeyn/ uñ jhme hoch verpflichtet verbleibẽ wuͤrde. Nachdeme nun der Dolmetſch vor den General über die Muſquer erer kommen/ edete er galt allein mit yhm/ uñtrug jhm alle dieſe Sachen/ die er im Befehl hatte/ vor; weil ers aber nur hey diefen Reden bewendẽ ließ ſo vermochlen ſie bey dieſem Kriegsmañ nicht das geringſte/ ſondern ſtellete ſich der Sache gantz 15 N en —— 3 8 in Perſien Kroͤnung. ſend/ oder aber/ weil hm in de T hat nichts hieꝛvon hewuſt geweſt/ un ſagte zu/ hm/ daß ſolches bey ihm nit ſunbe/ ſondern daß er warten muſte/ biß der Rath wieder nach Hiſpahan kame. So bald aber der Dolmetſch ſeinen Worten das verſprechen einer ehrlichen Belohnung beygefüget/ ſo würde der Verſtand dieſes Herren von ſtund an ſo ſehr erleuchtet/ daß er in der Sache kein Bedencken mehr truge/ ſondern in des Ambaſſadeurs Begehren bewilligte; und wuſte er den Handel ſo wol anzuſtellen/ daß er auf den Abend den Dolmerſeh zu ſich berufen ließ/ und jhm befahl/ einem Herꝛen im Namen Sr. Maj. anzudeuten/ baß jhm des andern Tages/ morgens um 10. Uhr/ zugelaſſen werden Er erlanget dem König ſolte dergſelben die Fufe zu küſen. Mierauf verfügte ſich dieſer Hollaͤndiſche Ambaſſadeur/ nebenſt noch zweyen andern von Aulieng der Compagnie/ nenlich dem Haupt über ihr SeinczlürsHandels⸗Gewerb zu Hiſpahan/ und dem Ser cretari der Geſandſchaft/ u denen ſich auch der Dolmekſch geſeller dieſen Tag un die heſtimte Zeit in den Pallaſt/ in ein Gemach/ welches nicht welt von dem jenigen geweſt/ in welchem def Konig gekroͤnet worden. Er hatte ſich aber kaum ein wenig nidergeſetzet/ ſo wurde ihm angedeutet/ daß er ſich nach dem Sort po Se. Maj. waͤre/ begeben ſolte, und als er mit ſeinen Gefährten dahin komen/ führte ihn der GeHeral er die Muſquetierer/ welcher dieſen „Tag das Aint des ober ten Fhürhuters bediente welcher die Abgeſandten einzuführen pfegt/ von der Thür deß Sagls bif vor Se Map vor welcher der Ambaſſadeür neben den zweyen andern ſo bey m waren/ zween Sehlik von Herſelben ihre Reverenz, nach der erflaner Gebrauch/ mit drehn ger Küiſfing ber Erden vor des Konigs Füſſen gemacht. Noch abgelegker Ihrer Begraiffeng/ und erVor and langter Erlaubnuß/ ſich zu ſeßen/ begume der denselben. e a/ durch den Mund ſeines Dol15 Des Königs zmetſchene Sr. Mraz in Namen des General. Statthalters in neu Baravien/ zu der glorwürdigen Erhebung zu Krone viel Glück zu wuͤnſchen/ welchen Wunſch der Konig mit Danck angenommen/ und endlich geſagt- Der Her: Abgeſandte ſey mir ſwillkomm/ und Wann er einige Gönade zu begehren hat ſo wolle er ſolehes nur zu pernehmen geben. Hierauf ergeiff derſelbe die Gelegenheit/ ſich herauß zi laſſei/ und gab dein Konig mit wenig Worten zu erkennen was für Bepnadungen ſeine Vorfahren der Compagnie/ von der Heir an als lie lich indem Konigreich Perſſen nidergelaſſen/ biß auf dieſen Tag jederzel erwieſcheanüt begehen daß Ihre Königl. Bech. dieselbe gleichfals aufnehmen und die hiebevor dieſer Compagnie ertheilte Privilegien/ und Contracten bekräftigen/ und deroſelben mit gleichmaſsigen Gugden ferners beygethan n Seine Maj gab ihm hieraufzur Antwort. „ Herz Ambaſſadeur/ ich halte euch füͤr metnen Gaſt/ und guten Freund/ gleich wie auch eure gantze ation/ und Will eurer 5 5 Compagnie/ die von meinen Voreltern/ triumphierender Gedaͤeltnuß/ dach bewilligte Gnaden/ und Freyheiten verdoppeln. Der Hollaͤndiſche Abgeſandte machte/ nebenſt den zweyen andern/ die ihn vergeſellſchaften/ eine tieffe Reverentz/ und antwortete gif diſes willfahriges erbieten mit folgenden Woͤrter: 5 wollen wir dann ſol⸗ Degen ches von der Gnade/ und Großmuͤnigkeit on 105 N K eines ſo hohen Potentaten gewaͤrtig ſeyu // und ſind in unſerm/ und der Compagnie Namen erbietig/ wann wir Sr. Königl. i 8 Majeſtat irgends wo dienen konnen/ und es Ihto zu befehlen geruhen wird/ demſelbg e e ſen wollen wir demütigſt gebaͤtten haben/ uns zu erlauben/ daß wir uns wieder nach dem Haven vor Habas begeben/ und unſern Geſchaͤften/ zu denen uns eine drin gende Noth beruffet/ abwarten mögenge Piͤerauf fienge der General über die Milfquekierer/ welcher im Namen des Koͤnigs das Wort führte,(dann er verrichtete bey Sr. willen/ eben dieſes Amt, welehes der Bolmetſch bey dein Ambaſſadeur gu Mothedendigkeit verſahe) an zu ſagen: Seine Maj. hegehret zu wiſſen/ warum der Herz Abgeſandte ſo ſehr mit ſeiner Abreiß eile ware derſelben lieh/ wann er hm belieben ließ/ ſo lang zu warten/ biß alle Groſſe dero Koͤnigreiehs allhier angelanget; weil Sie geſonnen iſt/ denſelben als dañ mit groͤſſerm Pracht/ und jhm ſtheinbare Kennzeichen/ im was groſſem Auſehen er bey Ihro ſeye/ ſehen zu laſſen. Die Hollander wiederholeten nit tieffeſter und demühtigſter Neigung des SHaubts und veibes/ hre vorige Bitte/ und beem danckten ſich deßwegen von ganzem Her mit gene 9. jederzeit mit ſolcher Gnade/ wie ametzo/ beygethan zu verbleiben: vor dißmal aber konten ſie keine hoͤhere von derſelhen empfangen/ als wan Sie ihnen erlauben wolte/ daß ſie ſiech wieder nach ihrer vornemſten Handels⸗. eibſtube begeben dorfte weilen ſie von wegen ſehr hochwichtiger Geſchaͤfte dahin berüffen würden. Der Honig willigte duꝛch ein gegebenes zeichen mit dem Haubt/ in jhr Begehꝛen/ und ließ jhnen ö agen: Er begehre ſie nicht laͤnger aufzuhal⸗ Wer ie ten/ ſondern mochten hres Wegs hifzſe⸗ ie Me ben und die Compagnie ſeiner Gnade ver⸗ el ſichern/ daß dieſelbe alles das ſenige/ was ſie ins künftig von hem begehren wurde ſo bald ſie ſym ſolches nur bloß wiſſen ließ/ erhalten ſolte. Mit dieſen letſten Wortengabe er ihnen Urlaub/ die ſie mit moglichſter demühtigſter Ehrbezeugung/ auf Europeiſche Weise von ihm nahmen/ und nach einer ohngefehr dreypiertelſtündiger Andientz/ ſich wieder hilnweg begaben. Um vier Uhr nachmittag ſchickten ſie ihren Dolmetſchen 15 dem 0 6% Fanee enigs General der Muſqgletierer/ umb ſichim Nahmen des Ambaſſadeurs/ wegen der genommenen Bemühung/ daß er jhnen eine ſo gnadige ſten zu bedancken/ mit Bitte in ſoleher Wolgewogenheit fortzufahren/ und zu einem Underpfand ihrer Danckbarkeit eine ſilberne Uhr/ naobenſt fünfzig Ducaten an Gold anzunemen. Der Engel Nachdem der Engelländiſche Agent in Uändiſche A Perſien /Nahmens Steffan Plour, vernomgleichfalls men/ daß die Hollander bey Sr. Maj. AudiAudienz. entz gehabt/ war er ſehr beſtürtzt daruber/ und 285 verdroß jhn nicht wenig/ daß ſie ihm vorkomAudienz/ zuwegen bringen wollen/ zum hoͤchmen waren: dannenhero benmihete er ſich Alo an ſeinem Ort/ die ſeinige zu erhalken/ und zum Fuß⸗Kuͤſſen gelaſſen zu werden/ und bediente ſich eben dieſer Mittel/ welche der Hollandiſche Ambaſſador gebraucht: wie man dann ſonſten in der That keine andere haben kunte. Es gieng ihm auch dieſes ſo wol an/ daß er/ ſamt ſeinem Zugeordneten in denen an0 befohlenen Geſchaͤften/ zween Tage hernach/ des Morgens um neun Uhr/ durch den General der Muſquetierer eingeführet worden/ dem 9 eine Reverentz zu machen; deme ſein olmetſch/ wie auch ſeine Neben-Collega hinden nachfolgeten, Nach abgelegtem gewohnlichem Gruß/ uͤberreichte er demſelben/ nach Orientaliſchem Gebrauch/ ein Preſent von zweyhundert Duraten an Gold; weil die Konige/ ſo ſich Statthalter Gottes nennen/ nicht zugeben/ daß man vor ihnen mit laͤhren e ee Nachgehends ſetzte er ich/ auf des Koͤnigs Befehl nider/ und begunte deinſelben durch ſeinen Dolmetſch/ im Nahmen der Engellaͤndiſchen Nation/ und Compagnie/ ein bluhendes/ und langwüͤhriges Königreich zu wünſchen folgends aber/ in moͤglichſter Kürtze/ die groſſe Dienſte/ welche die Engellandiſche Nation den Konigen in Perſien/ ſeinen Voreltern/ unsterblicher GeHDiachtnuß geleiſtet/ vorzuſtellen: um welcher Ulrſach willen dann/ dieſe triumphierende Monarchen die Engliſche Nation vor allen andern in Europa beguͤnſtiget/ wie Se. Maj. deſſen/ ſonder Zweifel/ wol berichtet ſeyn wurde; dannenhero wolte er verhoffen/ daß dieſelbe der Compagnie eben dergleichen Begnadigungen wiederfahren laſſen/ und alle mit den Engellandern vor dieſem gemachte Tractaten/ und jhnen ertheilte Freyheiten beſtattigen wurde. Der Konig beantwortete dieſe Rede eben 155 wende aufdie Weise/ wie er gegen dem Ambaſſadeur ne Antwort. der Hollandiſchen Compagnie gethan: Der ö Herꝛ Agent iſt mein Gaſt/ und die gantze Engellaͤndiſche Nation mir ſehr lieb und angenehm; und bekraͤfftige ich euch hiermit alles das jenige/ was meine Vorfahren/ glorwuͤrdigen Andenckens/ eurer Compagnie ver williget haben. Es ſollen auch eure Priwilegien in dem vorigen alten Stand bleiben; und wann jhr etwas von neuem zu begehren habt/ welches zu mehrerem Vortheil euerer Nation gereichen * mag/ ſo möͤget ſhr daſſelbe ohne Schen vortragen/ mit Verſicherung/ daß es euch/ wann es fuͤr billich wird befunden werben/ gewaͤhret werden ſoll. Der Engellaͤndiſche Agent/ und ſein Beyſtand/ bedanckten ſich/ beydes im Nahmen jhres Konigs/ als für ſich/ hietuber aufs demutigſte/ mit Bitte/ daß Se Maj. jhre Dienſtbezeugungen Ihro belieben laſſen wolle. Der Koͤnig bewilligte ſolches mit einem Zeichen ſeines Haupts/ und gab jhnen darmit zugleich ihre Beurlaubung/ welche ſie mit denen/ bey 0 gebraͤuchlichen Ceremonien genommen. Weil ſie nun dieſe guͤnſtige Audientz dem General der Muſquetierer zu dancken hatten/ weil der Koͤnig nichts ohne dieſes Herren Rath/ und Gutduncken thate/ ſo ſendeten ſie denſelben Abend jhren Dolmetſchen zu jhm/ und lieſſen ſich/ wegen dieſer jhnen zuwegen gebrachter Begünſtigung/ bedancken/ darbenebenſt auch zur Danckbarkeit ein Kleinod von Edelgeſteinen/ und dreyſsig Ducaten verehren.. Dieſen Tag langte der Meehmandar- ba- bfg er 5 ö 0 5 N alt nemmiſch vornehme Außlander anbefohlen wer⸗ dee den/ welcher wie ein Ceremonien⸗Meiſter iſt/ Kin bey dem Konig an/ den die Groſſen des Staats chy, oder Haupt der jenigen/ denen die Gaͤſte /d an jhn abgefertiget hatten/ um Sr. Majeſtat Nachricht zu geben/ daß ſie ſich mit kleinen Tagreiſen/ mit des verſtorbenen Koͤnigs Leichnam/ und ſeiner gantzen Hofſtatt/ die er ben ſeinen Lebzeiten gehabt/ herbey näherten. Damit aber underwegs das Volck ſich nichts boͤſes einbilden mochte/ ſo hatte man ſich befiſſen/ ſie zu bereden/ daß der Konig bey ſeinem Frauenzimmer ſey/ und derentwegen ſich nicht ſehen ließ: Nichts deſto weniger aber/ ſo beginnete ſich/ das Gerücht von ſeinem Tod ſchon auß zubreiten/ welches aber/ nach deme Se. Maj. die Regierung bereits angetretten haben würde/ nichts ſonderliches auf ſich haben konte. Im übrigen hielten ſie alles in eben dem Stand/ wie es vorher geweſt/ und erwarteten in ſchuldigſter Ehrerbietung nahere Ordre/ wie ſie ſich ins künftig zu verhalten hatten. Bey dieſem Abgeordneten befande ſich auch/ von wegen des Hamzeh Mirza, des Königs Bruder/ von welchem droben geredet worden iſt/ ein Verſchnittener/ Se. Maj. im Nahmen dieſes jungen Printzen zu gruſſen/ deroſelben Gnade zu begehren/ und un alles deſſen/ was in der Mahometiſchen Religion amm allerheiligſten ſeyn mag/ Ihme die Augen nicht außſtechen/ ſondern jhn ſo eng/ als man jmmer wolte/ einſperren zu laſſen; und mochte man jhm alles nehmen/ was man jmmer wolte/ wann er nur ſein Geſicht behalten mochte/ damit er nicht untuͤchtig zum Studieren gemacht würde/ welchem er die gantze Zeit ſeines Lebens obzuligen/ bedacht ware. Der Konig behielte den Verſchnittenen bey ſich/ und verſparte die Antwort auf des jungen Printzen Bitte/ biß er nach Hofe gebracht würde: das Juwo Schreiben aber/ welches der Ceremonien⸗ ſie. Meiſter gebracht/ ließ der Konig wieder 5 22 Abe der die Kö Ala pere in Perſien Kroͤnung. antworten und war die Antwort Befehls Weiſe aufgeſetzet/ und hielte/ under andern dieſe Articul in ſich. 1. Daß Se. Maj. alles das jenige/ was ſie ſeit dem traurigen Abſterben des Königs/ ſeines Natters/ gethan/ gut heiſſe. 5 2. Dag ſie nach jhrem guſſerſten Fleiß ſich zu jhme verfügen/ und nichts in dem StaatsWeſen verandern/ ſondern alles in dem Stand/ wie es ware/ laſſen ſolten. 3. Daß ſie jhnen angelegen ſeyn laſſen ſolten/ den Leichnam ſeines Glorwürdigen Vatters/ hoher und unſterblicher Gedachtnuß/ deſſen Stelle in dem Paradeis iſt/ nach der Stadt Kom durch den Mir-za Maaſſoum, bringen zu laſſen/ und zugleich drey andere dergleichen Sarge/ wie der jenige waꝛe/ darein man ihn gelegt/ jeden under gleicher Convoy/ einen nach Merched, ben Zweyten nach Ardeüil, und den Dritten nach Kachan, zu verſenden.. Damit man aber wiſſen moge/ was dieſer Punct zu bedeuten habe/ ſo iſt hier bey anzuen mercken/ daß die Per ſianer/ die Begrabnuß Ihnuß ihrer nige bend. treffend rer Könige betreffend/ einen wunderlichen Aberglauben haben. Dann auß Beyſorge/ es mochten ihre Leiber durch einige Magiſche Kunſt bezaubert werden/ welches ihren Kindern/ odeꝛ einem auß jhrem Geſchlecht Schaden bringen mochte/ ſo verbergen ſie/ ſo viel ſie kon nen/ den rechten Ort/ wo dieſelbe begraben ligẽ. Zu dieſem Ende ſchicken ſie an underſchiedliche Orte viel bleyerne Sarge/ und andere von Holt darüber/ die ſie auf Perſianiſch Taboat nennen/ uñ laſſen einen wie den andeꝛn mit gleiem Pracht begraben. Auf ſolche Weiſe be⸗ zn 2 die Wohnung des in dem Geſaͤtz lebendig triegen ſie den vorwitzigen gemeinen Maf/ daß er/ dem auſſerlichen Anſehen nach/ nicht eigentlich wiſſen kan/ in welchen Sarg der Leichnam gelegt worden; wiewol nicht ohne iſt/ daß man fe wol erfahren kan/ wann man einigen nkoſten daran wenden/ und ſich darum bemuhen will. Auf ſolche Weiſe iſt Habas des Groſſen Leichnam/ vie ich in ſeiner Lebens Beſchreibung gemeldet/ in zwoͤlf Sargen in die zwolf vornehmſte Moſqueen/ welche nicht wegen jhrer Zierde und Koſtbarkeit/ ſondern von wegen der Perſonen/ ſo darinnen verwahret ligen darfür gehalten werden/ getragen worden/ daß man nie recht erfahren koͤnnen/ in welcher under dieſen zwolfen der Leichnam dieſes groſſen Konigs ruheʒwiewol man ins gemein dafur gehalten/ daß er nach Ardeüil gebracht worde ſey. Jugleichem iſt in des Koͤnigs Selie I. Lebens Beſchreibung gemeldet worden/ daß man denſelben in dreyen Saͤrgen an drey underſchiedliche Orte/ gleichſam als ein dreyfacher Leib getragen habe/ und daß man nichts deſto weniger nicht anders/ als für gewiß dafur ehalten/ daß der Sarg/ in welchem dieſer Furſt 1 die Stadt kom, uñ an eben den Ort/ dahin dieſer neue Konig ſeines Vaters Leichnam zu tragen befohlen/ gebracht worden ſeve. Dieſe Stadt iſt ſehr ſchon/ und gibt/ wegen jhrer Aelte/ keiner andern etwas nach. Erliche ſind der Meinung/ daß ſie die Stadt Gu riana der Alten ſeye. Sie iſt in der Landſchaft Kroͤnung Solim. . Arak-agem, welches Parthen iſt/ an den Grantzen Medien gelegenen welcher/ under Ih ren herꝛlichſten gierden/ eine prächtige/ gantz von Marmelſtem/ und Jafpes erbauet/ und reich von Gold gezieret/ zu ehen. In dieſer Moſqueen ſeyn die Grabner dieſer beyder Monarchen und iſt der Por ehyrſtein/ uß welchem dieſelbe gehauen worden/ mit Platten von Gold beſchlagen/ und hat man dieſes köſtliche Metall nicht hieran geſparet; deren Abbildung in der Perſianiſchenand⸗Beſchreibung/ die wir mit uns gebracht/ zu ſehen iſt. Namen der Es haben aber die Perſianer Kom, Ka- 10 mo chan, Metched, und Ardeüil, vor andern e Stadten erwehlet/ hre Konige dahin zu verſe⸗ gan deten; weil ſie darfür halten/ daß dieſe Stadte // von wegen der Maͤrtyrer/ und anderer in jhrer Religion hochgehaltener Manner/ ſo daſelbſt gelebt/ und begraben worden/ vor den andern eine verborgene Heiligkeit an ſich haben. Dañ ſie geben für/ daß Koom und Kachan, auß Goͤttlicher Vorſehung zween ſichere Auffenthalt aller wahrer Glaubigen ihres Geſetzes/ welche von den Arabern zu den erſten Zeiten der Mahometiſchen Lehre unbillicher weiſe verfolget worden/ geweſen ſeyen;uñ daß die Ijmaams, durch welche ſie die rechtmaſſige Propheten/ un oberſte Prieſter verſtehẽ/ ſich dahin begeben/ ut vor den Verfolgungen verborgen haben; woſelbſt ſie auch jhre Begrabnuſſen gehabt hattẽ. Um dieſer Urſach willen/ halten ſie dieſe Stadte für heilig und gluckſelig/ und geben denſelben in allen Contracten/ und offentlichen Schriften/ einen beſonderen Zunamen; und zwar der erſten/ Dar el Mouveel- din, das iſt/ gemachten Volcksz der Zweyten aber/ Dar el Moumenin, das iſt/ die Wohnung der wahren Gläubigen. Die zwo andern Stade betreffend/ ſo wird Ardeüil Dar- el Irkaat, die Wohnung der Anführung zugenghmet/ weil ein groſſer Heiliger/ welcher/ wie ſie vorgeben/ von Gott geſandt worden/ die Menſchen auf den rechten Weg zu führen/ darinnen begraben ligt: der Stadt Merched aber/ geben ſie den Zunamen Moukeddés, das iſt/ der Ort/ wo man dem Geſaͤtz/ und Gott Zeugnuß gibt. In der erſten iſt under vielen Heiligen/ nach jhrem Geſatz/ der Cheik-Seſe, das iſt/ der Alte Reine/ begraben/ welcher der erſte des Geſchlechts der heutiges Tages in Perſien regierender Konige iſt. In der Zweyten hat der Imaam Reza ſeine Begraͤbnuß/ den die Perſianer mit hoͤchſtem Aberglauben verehren/ und ſeinen Namen ſtaͤts im Mund führenz dergeſtalt daß ſie für gewiß glauben daß der jenige/ deſſen Leib bey jhm begraben lige/ . Heils viel verſicherter ſey/ als wann er bey andern/ nicht ſo groſſen Heiligen zur Erden beſtattet worden: dann/ ihrer Lehre zu Folge/ ſo bleiben die jenige/ deren Grab bey einer hohen und heiligen Perſon gemacht worden/ under derſelben Schutz. Nachdem der Konig/ deme man unaufhoͤrlich von der eee der. N 0 Die Groſſen deß Reichs langen nach einander zu Iſpahan an/ J ulld werden vom Konig beſchencket. 38 des Königreichs Nachricht gegeben/ vernommen/ daß die ſelbe zu Kachan angelangt/ ließ er denen zweyen Medicis, Mirza Sahid, das iſt/ der gerechte Herꝛ/ und Mirza Koukoul, zum Uinderſcheid ſeines Bruders/ welcher der oberſte Medicus war/ der Kleine zugenandt/ durch einen Expreſſen andeuten/ daß ſie ſich nach Kom in den Königlichen Pallaſt/ an der Moſqueen/ wo der letſt verſtorbenen Könige Graber ſeyen/ in die jhnen angewieſenen Gemacher begeben/ und daſelhſt die übrige Zeit jhres Lebens/ Gott für die Wolthat ſeines Throns/ zur Danckbarkeit der jhnen erwieſenen Gnade bitten ſolten/ daß er ihnen nur dieſe leichte Straf aufgeleget/ da ſie doch das Leben verwurcket hatten/ weil ſie ſeines Vatters/ und jhres Koͤnigs Leben nicht beſſer zu erhalten gewuſt. Eben dieſer Abgeordnete brachte quch einen Befehl an den Mirza- Maſſoum, das iſt/ unſchuldiger Herꝛ/ oder/ ohne Mackel/ von welchem wir ſchon geredt/ welcher des Oberſten Staats⸗Miniſters Sohn/ und Montuely zu Kom iſt/ welches ſo viel bedeutet/ als ein Herr uͤber die Handwercke/ und Richter der Policey/ daß er ein Inventarium uͤber alle Guter dieſer beyden Aertzte maverpitſchieren/ und wann dieſes Inventarium verfertiget/ ſelbiges dem Konig uͤberſenden ſolte. Er hat ihnen aber etlich und zwantzig tauſend Kronen an Renten gelaſſen/ mit welchen ſiejhre übrige Tage zubringen moͤchten/ wiewol jhnen nicht erlaubt war/ auß dem Pallaſt/ in welchen man ſie verſchloſſen/ zu gehen/ ſondern von Gott jhres letſten Endes zu erwarten. 1 5 415 andern/ in groſſer Unordnung/ und war ihr ertz mit Traurigkeit erfüllet/ weil keiner von jhnen wuſte/ was für eine Perſon er an dieſem neuen Hofe vertretten wurde/ wiewol ſich ein jeder mit guter Hofnung ſpeiſete/ ſeinen Theil davon zu kragen. Je nach deme nun einer eher/ als der andere ankommen/ ſo giengen ſie auch hin dem Konig die Fuſſe zu kuſſen/ und jhme Moubarek- bached zu machen/ welches ein gewoͤhnliches Wort iſt/ und gebraucht wird warm man einem Glück wunſchen will/ und iſt ſo viel geſagt; als/ es wolle euch dieſes Ding zum Segen gedeyen. 5 Se. Ma. beſchenckte einen jeden Groſſen/ je nach dem Sie von demſelben begrüſſet worden/ mit einem Calete, oder Koͤniglichen Kleid. Dieſes Perſianiſche Wort bedeutet/ ſeinem des Kleides/ oder deſſen/ der es tragt zu erkennen zu geben: dann dieſes iſt ein unfehlbares Kennzeichen der ſonderbaren Gnade/ welche der König gegen die jenige Perſon tragt/ deren er daſſelbe zuſchickt/ und daß jhme erlaubt ſey/ getroſt vor jh zu erſcheinen. Dann wann das Solimanni III. Koͤnigs nicht vor den Konig tretten/ wann ſie ſich nicht ſe angelangt/ viel Tage nach einander /Yaegeles, das iſt/ eine Verſamlung der Herren/ in wel⸗ halten. jhme bey der zweyten Verſamlung keines/ ſo wolte/ denſelben mit verbergung ſeiner Perſon e er jhn unfehlbarlich verReich ſeinen Herzen andert/ ſo doͤrffen die Groſſe/ welche dieſes Kleid nicht bekommen, in Leibs und Lebens⸗gefahr begeben wollen. Dieſer Gewonheit zu folgen/ uͤberſchickten Se. Maj. under vielen andern dem AgaMubarl dem jenigen tapfern Verſchnittenen/ welcher allein Ihro die Krone auf das Haubt geſetzet/ ein uͤberauß koſtliches/ und fügte dem Preſent einen mit den koſtbarſten Edelgeſteinen beſetzten Dolchen bey. Damals vermeinte jederman/ er wurde zu einem hoͤhern Amt ſteigen; er weigerte ſich aber deſſen jederzeit mit groſſer Standhaftigkeit/ und wolte von allen Aemtern/ die hm von dem Konig angebotten wurden/ keine andere/ als die Ober⸗Aufſicht uber die Geſchaͤfte/ welche die Princeſsin/ ſeine Mutter betrafen/ annehmen. Endlich hielte der Koͤnig/ nachdem alle Gꝛoſ4 0 Allgemeine Reichs⸗Verſamlung gecher eben die jenige/ in denen die alte Hofſtatt beſtanden/ ſich eingefunden/ um die neue zu machen. Den erſten Tag erſchiene ein jeder in dem Konigl. Kleid/ oder Calatte, womit er von Sr. Maj. begnadiget worden iſt. Der Nazir, oder chen/ das jenige/ was er an Baarſchaft inden/ General, Ober. Aufſeher aber; befande ſich nicht darbey/ weil er mit keinem ſolchen Kleid 8 gewüͤrdiget worden: als er nun geſehen/ daß 1 die ret wenig/ als bey der erſten/ geſchickt wurde/ ſo bildete er ſich gaͤntzlich ein/ daß man ihm das Leben/ oder zum wenigſten ſein Amt nehmen wolle/ und daß man Sr. Maj offenbahret/ daß er bey dero Wahl ſich bemühet/ jhme ſeinen jungern Bruder vorzuziehen. Dieſer Aꝛg— men inneꝛhalb einer Wochen/ und dreyen Wochen nach des Koͤnigs Kroͤnung/ nach Iſpahan. Von dieſen Miniſtern erſchiene einer nach dem ahnlich/ weil dem Konig in der That etwas hiervon zu Ohren kommen war. Hierauf hielte er darfür/ erkoͤnte nicht heſſer Der Nu thun/ als wann er ihm ſelbſt ſeinen Kopf brach⸗ 10 000 te/ uñ nicht wartete/ biß man jhm denſelben abfordern moͤchte: dann wann er ſich bemuͤhen ieren; wann er aber denſelben mit einer unerſchrockenen Underwerffung dem Willen ſeines Furſten heimſtellete/ ſo mochte er ihn vielleicht erhalten. Durch dieſen tapfern Entſchluß gewaner Seſe des Zweyten Hertz/ und bewegte auch ſeine Feinde und Mißgoͤnneꝛ zudMitleiden. Dann nachdem er ſich in der allgemeinen Veiſamlung eingefundd/ ſtellete er ſich mit gebogenem Haubt/ und zur Erden nidergeſchlagenen Augen/ under der menge der andern Beamten/ gleich als ob er ſich ſchaͤmte/ ſehẽ zu laſſen. Wegen ſolcher ſeiner Demut ließ ſich die Verſan⸗ 5 Urſprung nach/ gantz vollkommen/ vollbracht/ lung zur Erbaemnuß bewege/ daß einer von den um! ch die Vortrefſichkeit b e el ches angezeigt undzuglecheine Vorbitk für ihn um Gnade eingelegt. Der Konig verwun⸗ 4 Groſſen/ ſo jhme nit ungeneigt wan/ dem Koͤnig deꝛte ſich hieꝛüber/ und ſandte eben den jenigen/ deꝛ jhmn ſolches geſagt/ zu de Geneꝛal Intendanten/ jhn zu fragẽ/ was er hier zu thun habe?; Ich bin kommen/ gab er zur Antwort/ Seen mein. Haubt/ als ein Ubelthaͤter/ zu liefern/ und mit meinem Blut mein Verbrechen/ daß ich mit dero Ungnad uͤber den Hals gezogẽ/ zu tilgen. Hierauf ließ jh der Konig befehlen/ daß er wieder nach Hauß gehen ſolle/ und wurde von ihm/ nach vier Tagen/ mit einem Königlichen Kleid/ gleich wie den andern wiederfahren/ begnadiget/ uñ zugleich in ſeinen Aemptern/ die er bediente/ beſtattiget. Ich habe mir von vornehmen Leuten ſagen laſſen daß niemals einigem Menſchen ſein Kopf ſo ſehr als jhme gewackelt/ und daß das geringſte Wort/ ſo man wider jhn haͤtte reden mogen/ jhn um ſeinen Hals hatte bringen konnen. Es hat aber ſein gutes Glück ſeinen Feinden den Mund zugeſchloſſen/ und iſt niemand gefunden worden/ der ſich underſtanden hatte/ ihn anzuklagen: So hat auch der Konig/ welcher biß dahero under dem Frauenzimmer/ und kein Blut zuſehen gewohnet war/ einen ſolchen Mann nicht toͤdten laſſen/ von denne man ihm geſagt/ daß er ein Mam von groſſen Verdienſten/ und Geſchicklichkeit ſeye. Ein anderer aber/ welcher blutdürſtiger/ und mehr erfahren geweſen/ wuͤrde nicht gewartet haben/ biß man ihn darzu angetrieben/ mit ſeinem Arm einen dergleichen Streich zu thun.. Dan gran, In der dritten Verſamlung/ welche der Fifth uc. Konig gehalten/ wurde der Her: Nicolaus üärd uc, Claucke de Lalein- deß Königs in Frauckreich denz gefl. Stallmeiſter/ und Hof⸗Junſcker/ welcher von . Sr. Maj. an die Fuͤrſten in Aſien abgeſchickt worden/ nebenſt einem von den dreyen Abgeoꝛdneten der Frantzöſiſchen Orientaliſchen Compagnie/ zur Audientz 11100 denen der Dolmetſch jhrer Nation gefolget. Die Urſach aber/ weßwegen ſie ſo langſam vom Konig Audientz begehrt/ war dieſes Abgeordneten Unpaßlichkeit: dann weil man in dieſer Audient von der Beſtaͤttigung deren die Compagnie ertheilten Privilegien zu reden hatte/ ſo kunte der Herꝛ von Lalain, ohne diſen Abgeordnelt/ nichts für 3 ſich allein handeln; ſonſten wurden ſie/ ohne 1 dieſe eingefallene Verhinderung/ von wegen deß Reſpects/ den die Perſtaner der vornehmſten Nation in der Welt geben/ vor allen andern Europeern die erſte Audientz bekommen haben. Sie verehrten Sr. Maß einen Chryſtallinen/ in Gold eingefaßren/ von hinden mit Schmeltzwerck gezierten/ vornenher aber mit Smaragden beſetzten Spiegel; ein ſehr ſchones paar Piſtol und einen kleinen guldenen/ und mit Perlen gezierten Löwen Nach al gelegter Reverenz/ namen ſie auf deß Konigs Befehl/ jhren Sitz under den Groſſen; nachgehenbs aber ließ Se. Maj. ſie vor ſich komen: worauf der daſen Bar, Her: von Lalain, welcher das Wort gefüͤhret/ . dem nenen Monarchen/ in Namen ſeines Konigs Glück gewunſchet/ und in wenig Worten angezeigt welcher geſtalt Habas II. Triumphierender Gedachtnuß deſſen Platz in dem Paradeys iſt/ der Frantzoſiſchen Compagnie/ in Betrachtung des groſſen Nutzens/ welcher ſeinen Landen hierauß erwachſen, viel Privilegien ertheiletz wolte demnach Se. Maß deKronung Sohm, * neue Begnadungen hinzu 19 welches ich dann bey der erſten mütigſt gebetten haben/ bie wolten geruhen/ gegen die Nation mit ben vorigen Begnabdungen/ welche dero Vorfahr jhro zu bezeugen angefangen/ fort zufahren/ und dieſelben/ nebenſt der Compagnie/ in dero Schutz zu nemen. Der Konig antwortete hierauf durch den Mund ſeines oberſten Staats⸗Miinifters unt dieſen Worten: Der Herꝛ Ambaſſadeur ſey mir und deß willkom̃/(es iſt aber zu wiſſen/ daß die Perſia⸗ Mönigs An: ner dieſen Titel/ Ambafladeur, allen benen ge⸗ 1 ben/ welche im Namen eines Jürſten/ oder N Stgats erſcheinen/ wobey ſie ſich des Worts Heltchi, welches bieſe Bedeutung hat/ gebrau⸗ s chen/ und keinen lnderſcheid under einem Ambaſſadeur/ Abgeordneten/ Agenten/ Reſidenten/ und andern/ gleich wie wir/ machen) der Koͤnig in Franckreich iſt mein Bruder/ und die von der Frantzoͤſiſchen Nation ſind meine Gaͤſte/ und gute Freunde. Ich befraͤftige auch nieht allein alles das ſenige/ welches der Konig/ mein Vatter/ der anſetzo in dem Him̃el ruhet/ auch bewilliget hat/ ſondern bin auch geſoñen/ denenſelben noch elegenheit/ die jhr mir an die Hand geben werdet/ thun will.„„ Auß dieſem allem nun/ was bißhero geſagt worden/ iſt zu erſehen/ daß zu Anfang bieſes neuen Koͤnigreichs/ in denen Staats Sachen nicht das geringſte verandert worden/ weil der Koͤnig nichts vor ſich ſelbſt that/ ſondern wie ein Bildwerck war/ welches ſich von ſich ſelbſt weder reget/ noch beweget. Dannenhero trachtete ein jeder/ ſo gut er kunte/ und mochte/ der nachſte bey dem Koͤnig zu ſeyn/ und ſich in ſeine Gunſt zu bringen/ die andern aber/ ſo ſich gleichfals darum bewarben/ hieran zu hinderen. Es galte aber/ und vermochte keiner mehr ehen bey ihme/ als der Boudak- Sultan, Gene⸗ nig in böchral über die Muſquetierer/ welcher noch jm⸗ ſtencdnaden. mer fortfuhr/ dem Konig anzugeben/ was er thun ſolte/ der ſich dann beduncken ließ/ es ſey nichts wol gethan/ was der General entweder nicht angeordnet/ oder zum wenigſten gut geheiſſen. Ingleichen war der Gemrchid-kaan, wie auch der Mether, oder OberKammerling/ in hoͤchſten Gnaden; des Ko nigs Mutter ametzo zu geſchweigen/ welche in dern Pallaſt jhren Sohn lencken und bieDer Bou . gen kunte/ wie ſie ſelbſt gern wolte. und wur, f f e A c n hat⸗ 915 1 7 e/ zum erſten Probſtuck der Koͤniglichen kr Gnade/ fuͤr ſich eine Comm ion 1 0 Colnmiſag würcket/ wordurch er groſſen Reichthum er⸗ lworben: dann es wurde /hin anfgetragen/ im Namen des Königs Ordre zu ertheilen/ um an alle hohe Beamten in Perſien Pateuten/ und Königliche Kleider zu ſchieken; nemlich an die Bekler-Bekirs, welche OberStatthalter ſeyn/ und mit dieſem Namen/ der auß zwehyen beſtehet/ genennet werden/ der ſo viel bedeutet/ als ein Herz der Herren. . Die Die ihm aperur ſachetUrſach des 40 Die Kaans oder Statthalter der kleinen Provintzen/ welche dieſen Titul fuhren/ der ſtarck bedeutet/ und von den Perſianern auch Omrah, bas iſt/ Fuͤrſten genandt werden; (dann dieſer Name iſt die mehrere Zahl des Arabiſchen Worts Mir, welches eben dieſes bedeutet) die Vaziers oder Pacht⸗ Leuthe der Koͤniglichen Zoͤlle und Einkunften/ die wir von deim Arabiſchen Wort/ welches ſo viel als Buͤndel⸗Traͤger bedeutet/ Vieirs nennen; endlich an alle Statthalter und Amtleute/ welche jrgend in einer Stadt/ die ſonſt keinen Herren/ als den Konig erkennen/ ein vornehmes Amt bedienen: Und dieſes nach Perſigniſchem Gebrauch/ da der neu regierende Konig einem jeden/ ſo dergleichen Amt bedienet/ ein Patent/ welches ſie Kagam, und ein Kleid/ welches ſie Kalat nennen/ zu ſendet. Dieſe zwey beſtatigen den jenigen/ der ſie empfangt/ in ſeinein Alnbtz und wann derſelbe in dieſem Kleid offentlich er ſcheinet/ ſo erkennet das Volck hieran/ daß er von ſeiner Bedienung nicht al geJJ d Dieſe Comiſton nun brachte dieſem Herren/ wie gedacht/ groſſe Reichthum zu wegen; dann es that ihm ein jeder Groſſer/ deme er dieſen Beftleh/ und Habit zugeſchickt/ dem gewohnlichen Gebrauch nach zu folgen/ ſehr anſehenliche Preſenten; welches aber/ wie wir nachgehends anzeigen wollen/ ſeines Glucks und Hauſes Fall und Undergang geweßt; alldieweil er ſich dieſer Befelche mißbraucht/ und dieſe Koͤnigliche Kleider nicht nach der Wurde/ Stand und Ambt eines jeden Herꝛn ins beſonder/ koͤſtlicher/ oder geringer/ ſondern nachdem je einer vor dem andern bey ihm in Gunſten. außgetheilet. Auf ſolche Weiſe verfuhr er gegen dem Vasier, oder Koͤniglichen Pachtmann der Provintz MaZLenderan, deme er/ weil er jhm nit gunſtig/ und ſein Feind war/ ein ſehr ſchlechtes zugeſchickt damit er ſich nicht allein durch diſe Beſchimpffing nicht allein an jhm raͤchen mochte; ſonder auch/ weil er unſchwaͤr erachten kunte/ daß dieſer Herꝛ/ auß Verdruß und Unwillen ſich zu einer Extremitaͤt verleiten laſſen/ und ſolches jhme ſein Verderben verurſachen würde/ welches er dann von Grund ſeines Hertzens verlangte. Dieſes hat ſich auch in der That alſo begeben/ und verhalt ſich dieſe Geſchicht folgender Geſtalt: g 22 Dieſer Var ier zu Mazenderan, Namens Mirza Hachem, war bey Lebzeiten Königs Habas II. bey jhm in groſſen Gnaden; es hatte aber in gantz Perſien keiner eine ſolche LaͤſterZunge/ wie er/ und redete beym König von denen Groſſen ſo ſchimpf⸗ und veraͤchtlich/ daß man ſich nicht genug darüber verwundern konnem dann er nennete den oberſten Staats⸗Miniſter einen groben Buffels⸗Kopf; den OberAuffeher/ einen Lügner; das Ober⸗Haubt der Juſtitz/ einen Ertz⸗Betrieger/ und den General der Muſquetierer/ einen verzagen Kerl/ und Straſſeurauber. Wiewol nun der ſt Konig Fabas ſeiße Reden zu einem Ohr ein/ 0 Solimanni III. Königs und zum andern wieder außgeht lieg nichts deſto weniger ſo befoͤrchteten ſich die/ ſo hierdurch getroffen worden/ ſtats/ es mochte etwas hiervon in des Koͤnigs Gemuͤth hafften bleiben und wüͤnſchten dannenhero dieſem Laſtermaul alles uͤbels guf den Hals. 3 Nachdem nun der Koͤnig/ welcher jhme einig und allein die Stange gehalten/ mit Tod gb gangen/ gedachte ſich der beſagte General über die Muſquetierer/ welcher bey dem neuen Konig in groſſem Credit und Anſehen war/ und die Commiſsion erhalten hatte/ die Koͤnigliche Kleidungen denen Amtleuten zuzuſchieken; an jhm zu raͤchen/ weil er ſich verſtcheret wuſte/ daß er den Vornehmſten bey 1 den hoͤchſten Dienſt hierdurch erweiſen Soblchem nach uͤberſchickte er jhm an ſtatt einer Calatte, oder Koͤniglichen Kleids/ einen ſchlechten Habit/ der nicht uͤher funf hundert Pfund werth war/ nicht zweifend/ er wurde etwas ungebuͤhrliches begehen/ welches jhm den Hals brechen wurde. Dieſes geſchahe alſo: dann nachdem er ſich vor die Stadt hinauß begeben/ dieſen Habit zu empfangen/ und denſelben anzuziehen/ damit das Volck hieran erkennen mochte/ daß er in ſeinem Amt beſtaͤttiget worden/ und geſehen/ daß es ſo ſchlecht/ und unanſchenlich geweſen/ warff er daſſelbe veraͤchtlich hinweg/ und kunte jhm leicht einbilden/ daß dieſes eine angelegte Sache war/ und man ſeiner nur ſpottete: er dachte aber der Sache nicht weiters nach/ und vermeinte nicht/ daß dieſes ein Fallſtrick ware/ den man jhm gde jhn in den Abgrund alles Jamers und Unglücks zu ſtuͤrtzen. Dann er wolte in dieſem Habit nicht wieber in die Stadt komen/ und weil er beſorgete/ daß er bey dem Volck/ wann es ihn ſo ſchlecht aufgezogen kommen ſehe/ in Verachtung kommen moͤchte/ und ſich gar nicht einbildete/ daß er ſeinen Credit verlohren/ ſo ließ er auß ſeinem Pallaſt einen Königlichen Habit/ von den koſtliehſten und pracy tigſten/ die jm hiebevor von Konig Habas II. verehret worden/ bringen/ welchen er angezogen/ und mit demſelben ſeinen Einnitt in die Stadt gethan/ das Volek beredend/ daß er ſelbiges von der Hand des neuen Konegs bekommen. So bald der gantze Hof folches erfahren/ machte es der General uber die Muſquetierer am erſten ruchtbar/ daß der Vazier von Mazenderan ein Hund waͤre/ welcher das Kleid/ ſo jhme von Sr. Majeſtat geſendet worden/ mit verachtlichen Worten auf die Erde geworffen/ und geſagt/ daß er des Cha · Seſie Kleider nicht vonnoͤhten habe: worauf er ein anders holen laſſen/ welehes jhm der Konig Habas gegeben. Der König/ deme die Hof⸗Stucklein 97 unbekandt waren/ nahme ſolches fur die pur lautere Warheit an/ und bildete ſich nicht ein/ daß hinder dieſem Handel einige Boßheit ſtecke: Dann er ließ auf des Oberen Staats⸗Miniſters Erinnerung einen Befehl an den Aufſeher des Vazier fabthe f 0 0 in Perſien Kroͤnun. daß er ſich nach Hofe begeben ſolle. So bald nun ver Var ier vernommen/ daß man ſeinen Intendanten abforderte/ merckte er ſtracks/ daß ſeine Sachen nicht zum beſten ſtünden/ und kunte ihm leicht einbilden/ daß dieſer Mañ alles boſes/ was er immer wuſte/ von ihm ſagen wurde/ weil ſie ſchon ein lange Zeit her einander gehaͤſſig geweſt: dann es hatte ſie Koͤnig Habas II. mit allem Fleiß an einander gehetzet/ damit ſie/ wann keiner dem andern trauete/ hre ſchuldige Pflicht deſto beſſer in acht nemen/ und es niemals/ zu Nachtheil ſeiner Einkommen/ mit einander halten mochten. Der Vaeier, um ſeinem Fall/ ſo viel moglich/ vorzukommen/ fertigte vor ſeinem Intendanten jemand von den ſeinigen mit Schreiben an ſeinen Vikib oder Agenten bey Hofe/ vorauß/ in denen er jhm Befelch ertheilte/ daß er nichts ſparen/ ſondern ſolchen uñ ſolchen Herꝛen anſehenliche Sumen Gelts anbieten ſolte: Aber huͤte dich/ ſchrieb er darunder/ daß du dieſem Schelmen/ dem oberſten Staats⸗Miniſter/ uñ diſem Hund/ f 4¹ welchem bey Lebzeiten Koͤnigsklabas deß ros ſen/ über deſſen Armeen er als Generaliſſimus commandiert/ ſo viel Wunders erzehlet worden/ Intendant geweſen/ und alle ſeine Edelgeſteine und Kleinodien in Verwahrung gehabt/ under deſſen aber niemals dem Konig Seße l. den Ort/ wo dieſer Furſt/ als man ihn hinrichten laſſen/ dieſelbe hin verborgen/ offenbaren wollen/ vorwendend/ daß jhme nichts hiervon bewußt ſeye; welches dann eine allzu greiftiche Boßheit ware/ in deme ſonſt niemand von der Welt/ als jhme/ dieſes Geheimnuß anvertrauet worden ſeyn koͤnne; wann man jhn aber hart anſtrengete/ würde er die Warheit wol beichten muſſen. Seine Majeſtat ließ ſich durch dieſe Worte dergeſtalt einnemmen/ daß ſie noch einen Currier abgefertiget/ mit Befelch/ daß man dieſen Herꝛn Barfuß/ und mit bloſſem. Haubt/ und einer eiſernen Ketten um den Hals/ zu jhm bringen/ und ihm alle Tage viertzig Streiche guf die Fuß⸗Solen geben ſolte/ ſo lang uñ viel/ biß er bekennete/ wo dieſe Edegeſteine waren. Die Currier lieſſen deß Königs Befelch Welcher an dem Varier vollziehen/ weleher die Pein/ und underwegs das Ungemach/(dann es war mitten im Win⸗ſirbt. ter/ da alles mit Schnee und Eyß bedeckt war) nicht außhalten moͤgen/ ſondern auf dem General der Muſquetierer nichts anbieteſt: und ſolcher Geſtalt machte er noch etliDeſſen che andere namhaft/ denen er kein Preſent gebẽ chreiben laſſen wolte. Es wurde aber zu ſeinem Unglück/ 5 ae dieſem Abgefertigten ſein Pferd underwegs hungen. lahm/ daß er nicht ſo geſchwind/ als es vonnohten war/ fortkomen koͤnte; dergeſtalt/ daß jhn der Intendant/ welcher nach ihm abgereißt/ in einem aravan-Seray, oder gemeinen Herberg/ noch ereylet/ und in veſtem Schlaf angetroffen; weil er nun eine ſo gunſtige Gelegenheit nicht auß handen gehen laſſen wollen/ ſo zog er jhm den Sack/ in welchem ſeine Briefe waren/ under dem Haubt hervor/ laſe dieſelben/ und brachte ſie folgends nach Hofe/ dieſelbe denen Perſont/ deren ſo ſchimpflich darinnen gedacht wurde/ voꝛzuweiſen. Dieſe wurden hieruber noch mehr als zuvor verbittert/ und fuͤhrtẽ jhn vor den Koͤnig/ welcher demſelbẽ das jenige/ was er bereits vernomen/ beſtatigte: das nemlich der Var ier zu Mazenderan den Königlichen Habit auf die Erde geworffen/ und geſagt: Ich frage nichts nach deß Cha. Selie Kleidernzuñ daß er nachgehends einen von deß Königs Klabas Habit holen laſſen/ in welchem er ſeinen Einzug gehalte. Der Konig erzoͤrnte ſich heftig darüber/ und widerholte zum oftern/ le Gidi le Segh. das iſtder Hund/ der Schelm/ und andere viel ſchandlichere Worte/ die bey jhnen ſehr gebraͤuchlich ſind/ und von den Groſſen ſtats im Munde geführet werden/ weil ſie es nicht fur unanſtandig halten/ dieſelbe bey jeder Gelegenheit/ und vor allen Leuten außzuſtoſſen. Man ließ auch alſobald den Agenten deß Vazier verarreſtieren/ uñ fertigte zugleich einen Ohapar, oder ertraordinari Currier an ſeinen Herren ab/ jhn in Verhaft zu nemmen/ und alle ſeine Guter einhalbem Weg geſtorben/ nachdem er neun gantzer Tage dieſe grauſame Marter in ſeinem hohen Alter außgeſtanden/ und nicht das geringſte/ wegen diſes Schatzes deß Imaam KouIi Kaan bekennet. Seine eingezogene Guter belieffen ſich auf funff und zwantzigtauſend Tomans, welche ohngefahr viermal hunderttauſend Kronen machen. „ Underdeſſen brach die allgemeine Freude zu augemeiHiſpahan uberall auß/ welche darm in nichts neßrerd we f anders/ als Gaſtereyen/ Freudenſpielen/ Roßlauffen/ und andern dergleichen Kurtzweilen beſtanden. So bald der Tag ſich geendiget/ wurde eine unzehliche menge diechter/ die man in dieſem Land Ohiragan nennet/ in den Gaſſen vor die Hauſer herum/ und guf den groſſen Platzen/ mit groſſem Pracht angezundet. Der junge Konig genoß aller diſer Luſtbarkeiten/ die jhme dieſe vollkommene Freyheit/ welche er noch nie verſucht/ damals an die Hand gab. Er hielte alle Tage mit ſeinem Frauenzimmer Spatzierfahrten um dieſe HaubtStadt/ und ließ in allen umliegenden Flecken und Doͤrffern Kourouk qußruffen. die über ſleben Jahr ſind/ bey Lebens⸗Stra angekündiget wird/ daß ſie ſich an denen Orten/ durch welche deß Konigs Frauenzimmer zeucht/ wann er mit demſelben irzgends wohin gehen will finden laſſen ſollen. Es wird den Dag vorhero der Weg mit eben ſolchen TuKFourouł bedeutet ſo viel als ein Verbott: Nourouk, welches allen Mannsbildern/ und Knaben/ dei zuziehen... Vn ah Der Gehſeral über die Muſquetierer war fehr derkleſ hoch nicht zufriden/ ſondern deutete dem Konig nert. deß andern Tages an/ daß dieſer Vasier deß Imaam-Koulik aan, deß jenigen berumten Füͤrſten/ deme man ſo groſſes Lob gegeben/ und von Kroͤnung Solim. chern/ worvon jhre Zelten gemacht ſeyn/ vermacht/ welche/ wann ſie auf Stabe geſpannet werden/ eine Umzaͤunung machen/ daß man das Frauenzimmer/ wann es hindurch zeucht/ weder in der nahe/ noch von weitem ſehen kan. Man warnet die Mafßsperſonen an 8 D 3 al. 42 Sog allen Orten umher/ daß ſie ſich um eine ſolche Zeit nach Hauß begeben ſollen; und ſeyen auf zwo Meilen in die Runde Wachten geſetzet/ welche verhindern/ daß ſich niemand zu dieſem alſo verſchloſſenen Weg nahere/ ſo groſſe Sorge tragen ſie/ daß jhre Weiber nicht von Nannsbildern geſehen werden. Mann zehlet jnnerhalb fünff Monaten/ welche ſeith der Kroͤnung des Königs bis in das 1078. Jahr der Hegera verfloſſen/ welches gerad in den Fruͤhling unſers 1667. Jahres fallet/ zwey und ſechtzig Kourruk, oder Spatzierfahrten/ die der Konig mit ſeinem Frauenzimmer zwo Meilen um Hiſpahan herum/ und meiſtentheils nach Gioulfa, der Armenier FleViel in Ungnad gerahtene kom̃en beym neuen Koͤuig wieder zu Gnaden. * Worunder der Mirza Rezi. cken gethan/ welcher von der Stadt nur durch einen Fluß abgeſondert iſt/ uber welche groſſe herꝛliche Brücken/ uber welche man von einem Ort zum andern gehen kan/ gebauet ſind. Hierauß iſt zu erſehen/ wie ſehr ſich dieſer junge Herꝛ von ſeinen Weibern binnehmen laſſe/ in deme ſie jhn zu ſolchen Verbotten bereden/ damit ſie ſich mit der Jagt/ und Spatzier fahrten erluſtigen/ und eines viel lieblichern/ und freyern Lufts/ als derjenige jhrer Gefangenſchafft iſt/ genieſſen mogen. N Mitlerweil nun dieſer junge Konig weder ſeinen Weibern/ noch ſeinen Sinnen etwas verſagte/ ſo verweigerte er ingleichen ſeinen Gunſtlingen/ noch den jenigen/ die etwas an jhn begaͤrten/ im wenigſten nichts/ und kamen auch bie in Ungnad gerahtene/ wieder in Gnaden; alſo daß man wol hatte ſagen koͤnnen/ daß das neue Reich dieſes Koͤnigs einem Jubel⸗Jahr gleich ſeye/ welches allen Gefangenen die Gefangnus eroͤffne: dann wie wenig Freunde einer gleich bey Hofe hatte/ ſo erhielte er doch leichtlich die Erlaubnuß/ daſelbſt zu erſcheinen/ wann anderſt von andern/ welche etwas mehr galten/ keine Hindernuß in den Weg gelegt wurde. Der Mirza Rezi Fuͤrſt/ war einer von den jetzt beſagten in Ungnad gefallenen/ und Verhaffteten. Es harte der verſtorbene Konig/ wie an ſeinem Ort erwehnet worden iſt/ jhn in ſeinen Pallaſt verſperren laſſen/ und alle ſeine Guter/ ſo ſich uber hundert und funfftzig tauſend Pfund Renten belauffen/ eingezogen/ wor von jhm nur achtzehen tauſend gelaſſen worden; und dieſes darum/ weil er ſich/ ob jhm ſchon ſein Geſicht benommen worden/ der Verwaltung eines Vermaͤchtnuß von ſechs tauſend Kronen jahrlichen Einkommens/ welche einer von ſeinen Voreltern denen Moſqueen geſtifftet/ anmaſſen wollen. Dann weil derſelbe in ſeinem Teſtament verordnet/ daß dieſes Einkommen von dem kuͤchtigſten ſeines Geſchlechts verwaltet werden ſolte/ der jenige aber/ deme dieſe Verwaltung gebuhrte/ geſtorben war/ ſo bildete ſich dieſer an ſeinem Geſicht geblendete ein/ daß keiner hierzu lüchtiger als er ſeye: und weil er ſehr machtig/ und von ſeiner Mutter her/ welche Koͤnigs Habas des Groſſen Tochter geweſt/ auß Koniglichem Geblut war/(welches auch die Urſach geweſen/ weßwegen man jhm die das iſt/ der demuͤtige III. Koͤnigs Augen außgeſtochen) ſo wolte er jhm dieſe Verwaltung gleichſam mit Gewalt zueignen/ under dem Verwand/ daß er der Welt gantz abgeſagt hatte/ und ſich um nichts anders/ als um geiſtliche Sachen/ welche die Religion/ und den Gottesdienſt betreffen/ annehme/ und derowegen mehr Verſtand/ als ſein gantzes Geſchlecht hatte. Nachdem aber ſeine Verwandten den Konig Eabas II. verſtandiget/ daß der Mirza Rezi, den der verſtorbene Konig/ ſein Vatter/ um ihn zu den Welthaͤndeln untuͤchtig zu machen/ an den Augen blenden laſſen/ ſich mit Gewalt/ und wider die Geſatze ſich dieſer Verwaltung underziehen wolle/ wurde er uber ſolche ſeine Vermeſſenheit/ ſehr uwiůllig/ und kunte ſich nicht genug verwundern/ daß die Blinden ſich einbildeten/ ſie hatten zu einer ſolchen Verwaltung Verſtands genug: dannenhero ließ er jhm alle ſeine Guter nehmen/ und demſelben anbefehlen/ daß er ſieh an einen beſondern Ort in ſeinem Pallaſt einthun ſolte. Dieſer Koͤnig Sele II. aber/ begnadigte jhn nicht lang nach ſeiner Kroͤnung/ und gab jhm ſeine vorige Freyheit/ und gab jhm alle ſeine Guter/ ohne einigen Abbruch wieder. Der anmercklichſte aber/ under allen denen/ welche bey dieſem Anfang auß der Gefaͤngnus wieder nach Hofe kommen/ war der Haly-Kouli-Kaan, welcher zu Casbin gefangen geſeſſen/ und/ nachdem er durch ein wunderbares gewagtes Stuck ſeinen Huͤtern entwiſchet/ dem Koͤnig einen Fußfall gethan. Dieſes Aber iſt alſo zugangen! Nachdem er die Zeitung von des Königs Habas Tod erlanget/ faſſete er eine gute Hoffnung/ wieder zu ſeiner Freyheit zu gelangen/ Erzehlun wie derklah Kouli- Kaan wieder zu und war bey ſich ſelbſt auf die fuͤglichſte Mittel Gnaden bedacht/ wie er entfliehen/ und nach Hiſpahan kommen mochte. Er wolte aber ſelbſt in eigener Perſon um Gnade anhalten/ weil er dafür hielte/ daß under den Groſſen bey Hofe keiner ware/ der es ſo gut mit jhm meinen/ und eine Vorbitt für jhn einlegen wurde: es hat ſich aber ein einiger gefunden/ welches der Genekommen ral uͤber die Selaven geweſt. Dieſer wagte es/ in Erinnerung der alten under ſich gepflogenen Freundſchafft/ in dem geheimen Geſprach/ welches jhm der Koͤnig bey ſeiner Perſon vergoͤnnet/ drey⸗ oder viermal/ jhme des Haly-Kouli-Kaan Ungluͤck zu 1 fuhren: als er aber ſahe/ daß der Printz nichts darauf antwortete/ ſo ließ er ein Schreiben an dieſen Herzn abgehen/ in welchem er jhn den Zuſtand der Sachen berichtete/ und jhm den Naht gab/ daß er ſich perſonlich einſtellen/ und dem Printzen einen Fußfall thun ſolte/ weil jhme/ bey der gelinden neuen Regierung keine ſonderbare Gefahr entſtehen koͤnte. Dieſes Schreiben ſtarckte den Haly. Kouli- Kaan in ſeinem bereits gefaßten Entſchluß/ Gemuͤht zu um ſo viel deſto mehr/ als er geſehen/ daß jhm in ſeiner Meynung Beyfall gegeben worden. 84 7 0 ſchrieb er wieder an den General der Sclaven/ und bedanckte ſich wegen des jhme bezeugten guten Willens/ mit Bitte/ darinnen fortzufahren/ und an gewiſſen Orten/ 10 zu eſtim — 2 in Perſien Kroͤnung⸗. beſtinter Zeit Pferde für ihn zu bestellen. Nachgehends ertheilte er etlichen von ſeinen getreueſten Haußgenoſſen Befehl/ daß ſie ſich an denen Orten/ und Tagen/ die er ihnen benennete/ in Bereitſchafft halten: und als die Seit/ in welcher er abzureyſen ſich entſehloſſen/ herbeykomen/ begaͤrte er von dem Haubtmann derer/ ſo jhn verwahreten/ Erlaubnuß/ auf die Jagt zu gehen. a* Wieilen jhm nun ſolches vorhin zum offtern verwilliget worden/ ſo gar auch/ daß er/ wann der Sachen Nohtdurfft ſich ereuget/ an andere Orte gehen doͤrffen/ ſo hat der Haubtmann ohn alles Bedericken ſolches zugelaſſen. So bald er nun dieſe Exlaubnuß bekommen/ ritte er mit vier ſeiner Vertrauteſten auß der Stadt/ welche alle treflich wol beritten/ und bewehrt waren. Er durchſtrich hierauf eine zeit0 lang das geld/ und ſtellete ſich/ als ob er jagte/ under deſſen aber ſienge ers ſo klůglich an/ daß ſeine Huter jhme ſtats gegen Hiſpahan zu folgen muͤſſen: Nachgehends als der Tag ſich zum End neigete/ und er geſehen/ daß jhre Pferde müde waren/ gab er ſamt den ſeinigen/ gleich als ob er mit jhnen einen Wettlauff thun wolte/ den Pferden die Sporen/ und begab ſich von ihnen ab. Dieſe ſetzten anfaͤnglich kein Mißtrauen in ihn/ und wurden ſeines Anſchlags nicht gewahr/ als bis er ſehr weit von jhnen geweſt/ und ſie geſehen/ daß er nicht wieder zuruck kehrte. Es war jhnen unmuglich/ jhm nach zu eylen/ viel weniger aber/ jhn einzuholen/ weil ſie jhre Pferde vier gantzer Stund/ und noch langer abgeritten. Dieſer kuͤhnechefangene unn/ eylete mit unglaublicher Geſcheoindigkeir fort/ daß auch die Pferde unhien nüdergefalſen/ und langte mit allen deren er auf jhrem Sainmelplatz ig angetroffen/ zu Hiſpahan an/ und verfügte ſich alſobald den geraden Weg nach der Koniglichen Pforten zu. 8 Als er ſich nun dem Ort/ wo Se. Majeſt. eſeſſen/ naherte/ begeguete jhin der General der Sclaven: nichts deſto weniger/ that er nicht dergleichen/ als oh er jhn kennete/ ſondern fragte jhn/ was ſein Begaren/ und zu was Ende er kommen ware? Dieſer gab jhm zur Antwort: Er ſehe erſchienen/ ſeinen Kopf dem Koi zu den Fuͤſſen zu werffen. Es wil hig ehen/ und den Konig um Erlaubnuß für euch bitten. Der Haly- KouliKaan wolte Sr. Maj. Antwort nicht erwarten/ ſondern folgete dein General der Stla bis an den Ort/ wo Dieſelbe ſaß/ nach; dergeſtalt/ daß er verſtehen konnen/ daß Sie/ als Sie ſeinen Namen nennen hoben/ und vernommen/ daß er körnimen ware/ mit lauter Stimagg: Er ſey woillk vmm/ und iſt er zu de ankommen; und befahle in ihn hineinkommen laſſen el, dieſe annehmliche ichen Geſieht/ welches te/ widerholet/ und ids bergen heiſſen. Nicht lang hernach rieff jhm der Konig/ und befahl jhm/ daß er vor jhn treten ſolte. Als er nun nahe bey jhm war/ flagte er jhn: Haly-KouliKaan, was machſt du hier/ und was iſt dein Begaͤren? Dieſer Her? gab hierauf mit einer verwunderlichen Freymutigkeit zur Antwort: Ich bin anhero kommen/ Gutthaͤter des menſchlichen Geſchlechts! eurer Majeſt aufzuwarten/ weil die Selaven/ und Hunden/ jederzeit nicht weit von jhrem Herren ſeyn ſollen. Dieſe Antwort gefiel dieſem jungen Könige ſo wol/ daß er/ nach jhme gegebener Beurlaubung/ dem Oberſten Staats⸗Miniſter anbefohlen/ jhn des folgenden Tags koͤſtlich zu gaſtieren/ einen Pallaſt fuͤr jhn zurichten zu laſſen/ und denſelben mit Silbergeſchmeid/ und andern nohtwendigen Dingen zu verſehenn e Dieſem Befelch zu folge/ wurde der groſſe Pallaſt/ den des Kureng- Zeib, Koͤnigs in Indien Abgeſandter/ im verwichenen 1664. und 1665. Jahr innen gehabt/ zugeruſtet/ welchen dieſer Herꝛ/ nachdem er denſelben einbekomen/ abbrechen/ und gantz von neuem/ viel prachtiger als er zuvor geweſt/ wieder aufbauen laſſen/ wie in unſerer Beſchreibung der Stadt Hiſpahan zu ſehen iſt.. Als er des andern Tags mit dem Oberſten Staats⸗Miniſter zu Mittag gegeſſen/ erzehlte er jhm/ wie und auf was Weiſe er auß ſeiner Gefangenſchafft entkommen/ und fügte dieſe Worte hinzu/ daß ein wüͤtiger Hund/ je haͤrter man jhn an die Ketten binde/ noch toller und raſender werde. Dieſes ſagte er darum/ weil er durch ſeine unſinnige/ und allzu tollkühne Handlungen in Ungnade gefallen/ welche jhme ſeine Gefangenſchafft endlich verrache ÿInE Nicht lang hernach hielte der Konig/ jyhme zu Ehren/ Meégelés, oder offentliche Verſamlung. Es wurden daſelbſt mit gantz Koͤniglichein Pracht/ in dem Garten/ durch welchen dieſer Herz gehen ſolte/ bis an den Saal/ in welchem die Verſamlung gehalten wurde/ ſiebenzig Stuck Zer⸗baffe gufgebreitet/ welches das jenige koͤſtliche Guldenſtuck in Perſien iſt/ und alſo genennet wird/ gleich als ob man ſagen wolte/ ein Geweb von Silber. Dann das Wort baffen, bedeutet ſo viel/ als weben/ oder ein Geweb machen. Ein jedes Stuck von dieſem Zeug belieff ſich auf achtzehen Tomans, welche acht/ bis in neun hundert Pfund machen/ und ins geſamt etlich und zwantzig tauſend Kronen machten. Diejenige/ denen der Konig ſolche Ehre anthun laſſet/ gehen barfuß Über dieſe Stucke nachgehends aber ſchicket er ſie jhnen zu einer Verehrung nach Hauß/ dergleichen auch dieſem geſchehen/ zu welchem er endlich/ nach einer koͤſtlichen Mahlßeit/ die er ihm gegeben/ dieſe Worte geſagt: Haly-Kouli- Kaan hoͤre zu/ was man dir vorleſen 1633355 i Hierauf verlas der Oberſte Staats. Secretarius einen Befehl/ in welchem der Koͤnig e ihn 44. jhn zum Statthalter zu Coraſlon benennete/ welches der alten Bactriana, und deren HaubtStadt Merched iſt. Dieſe Statthalterſchafft iſt der beſten eine in gantz Perſien: alldieweilen aber dieſer Herꝛ entweder ſelbigen Orts etwas von einigem Kriegs⸗Geſchrey gehoret/ in welchen er ſich nicht einmiſchen wollen; oder/ weil er den Hofe nicht gern verlaſſen; oder/ wie am glaublichſten iſt/ weil er nicht gern vom Pferd auf den Eſel ſitzen/ und einen geringern Dienſt/ als den jenigen/ den er vor ſeiner Gefangenſchafft gehabt/ annehmen wollen;(dann er war vor dieſem Generaliſſimus uber die Armeen geweſt) ſo bedanckte er ſich gegen den Koͤnig/ und redete jhn mit dieſen Worten an: Gutthaͤter des menſchlichen Geſchlechts/ ich bin nunmehr alt/ und baufaͤllig; wollet mir derowegen an dem Ende meines Lebens dieſe Gnade thun/ und erlauben/ daß ich taͤglich vor Eurer Maj. Porten aufwarten doͤrffmnm.. Die folgende Tage bothe er jhm die Statthalterſchafft über Armenien an/ worinnen krivan die Haubtſtadt iſt; er bedanckte ſich aber deswegen auf die vorige Weiſe/ und/ ſonder Sweiffel/ um eben dieſer Urſach willen. Endlich ließ jhm der Koͤnig Patenten/ daß er Generaliffimus ſeyn ſolte/ nebenſt der Statthalterſchafft in Medien/ deren Haubt⸗Stadt Tebris iſt/ und die wir Tauris nennen/ außferligen/ als welche Landſchafft jederzeit eine Zugehoͤr zu dieſem Amt geweſt. Er war aber noch ſo kühn/ daß er in der Stund/ als er dieſe ungemeine Gnade von Sr. Maj. empfangen/ deroſelben zu erkennen geben doͤrffen/ daß er damit noch nicht zufrieden/ ſondern noch was mehrers begare/ und geſagt: Wolthaͤter des menſchlichen Geſehlechts/ weil Euer Maj. mir die Gnade erwieſen/ mich zu einer ſo hohen Wuͤrde zu beruffen/ ſo bitte ich demuͤhtigſt/ Sie wollen gerußen/ meiner Stadthalterſchafft noch etliche Doͤrffer beyzufuͤgen/ damit ich meinen hohen Stand/ darein Euer Maj mich geſetzet/ fuͤhren/ und/ wann ich von einem Außlaͤnder beſucht werde/ demſelben eine Schuͤſſel mit Pelo,(welches Reis mit Speiſen gekocht/ und der Perſianer gewohnliche Speiſe iſt) vorſetzen koͤnne/ auf daß derſelbe/ wann er dieſe Gunſt genoſſen/ Gott nebenſt mir fuͤr Euer Ma. bitten moͤge. Der Konig ver willigte in ſein Begaͤren/ worauf er einen Fuß fall gethan/ und ſich gegen jhn bedanckt. Als guch der Konig/ im hinweg gehen/ etliche weiſſe Haar in ſeinem Knebelbart/ den er bis an den Ohren trug/ wargenommen/ ſagte er zu hm: Haly-Kouli-· Kaan, gehe hin in die Schatzkammer/ und ſage in meinem Namen/ daß man dir dreyhundert Tomans gebe/(welches ohngefaͤhr fünffzehen tauſend Pfund ſeyn) und kauffe dir Farb/ deinen Bart damit anzuſtreichen/ daß ich keine graue Haar mehr in demſelben ſehe. Er 0 Soslimanni III. Königs gieng hierauf von Stund an von jhm hinweg/ und war dieſes ein Zuſatz der Begnadigung/ welche des Koͤnigs Freygebigkeit denen andern/ jhme bereits erwieſenen beygefuͤget. Solcher geſtalt nun/ wurde er Statthalter in Medien/ Generaliſſmus uber die Armeen/ und/ mit einem Wort/ der vornehmſte/ und maͤchtigſte in gantz Perſien: woruͤber ſich alle Groſſe nicht wenig verwunderten/ und die jenige ſelbſt/ ſo jhm das Wort reden helffen/ eine nicht geringe Eyfferſucht auf jhn warffen/ indeme ſie jhnen nicht eingebildet/ daß er in ſo kurtzer Zeit ſo hoch/ wie ſie geſehen/ ſteigen wurde. Im uͤbrigen hatten ſie groſſe Urſach/ ſich vor jhm zu foͤrchten: dann ſie wuſten wol/ daß er ein ſehr boͤſer/ und ungrtiger Mann war/ und zwar einen Loͤwenmuht hatte/ welcher jhn aber deſto unfreundlicher machte/ daß er keines Menſchen achtete/ und ſich alles underwande/ wann er nur ſeine Bluſtdürſtigkeit loͤſchen/ oder ſeinen Nutzen befoͤrdern kunte. Von dieſer Zeit an/ bis an ſeinen Tod/ welcher ſich/ wie wir nachgehends ſehen werden/ nicht lang verzogen/ hat dieſer Here beym Konig jederzeit groſſen Credit gehabt/ und iſt in ſo groſſem Anſehen bey jhm geweſen/ daß er ihm ſchier nichts Pak 1 Eben um dieſe Zeit kame auch die Princeſſin/ des Koͤnigs Baſe/ Nahmens Pehri-Rokar- Begum, bas iſt/ die Princeſſin am Geſicht den Nymphen gleich/ allerdings wieder in Gnaden. Es iſt in des verſtorbenen Konigs Lebens⸗Beſchreibung geſagt worden/ daß dieſer Monarch/ deſſen Schweſter ſie geweſen/ um ſie/ weiß nicht was für eines Handels wegen/ in den ſie ſich gemiſchet/ zu ſtraffen/ dieſelbe an einen Molla, oder Lehrer des Geſatzes/ welcher damals zu Hiſpahan/ und des MoureVeli, oder Verwalter der groſſen Moſqueen zu Metched Sohn war/ verheyrahtet habe. Mit dieſem ihrem Ehemann hatte ſie/ zu des Koͤnigs Habas Lebzeiten/ zween Sohne erzeuget/ welche ihr aber der Konig zu ſaugen verbotten/ welches die Art und Weiſe iſt/ die Kinder auß Königlichem Geblut ums Leben zu bringen; wann der Konig nicht haben wil/ daß ſie guferzogen werden. So bald ſie nun die Zeitung von des Koͤnigs Tod gehoͤret/ that ſie vor dem neuen Konig einen delnühtigen Fußfall/ welcher ſie ſehr freundlich aufgenommen/ und jhr verſprochen/ daß er jhren Mann zu einem anſehenlichen Stand erhoͤhen wolle/ welches er auch zu thun nicht underlaſſen: dann er hat ihn etliche Monat hernach/ zum SedreKaaſſeh, das iſt/ abſonderlichen oberſten Prieſter/ gemacht/ welches ein Amt von groſſer Wichtigkeit iſt/ indeme der jenige/ ſo daſſelbe tragt/ die Verwaltung uͤber alle Guter hat/ welche von den Koͤnigen in Perſien den Moſqueen vermacht worden ſind/ welches jhme über zweymal hundert tauſend Pfund Renten eintragt. 3 5 Es war noch eine Schweſter des Koͤnigs Habas II. in dem Frauenzimer⸗Pallaſt/ die in waͤhrender ſeiner Abweſenheit/ gleich als OberGebieterin dieſes Orts ware; und um diefer Die Prineel ſin PehriRokſar, Begum wird gleichfals begnaͤdiget2 in Perſien Kroͤnung. 8 keiten/ geſchahen von dem jungen Monarchen/ ten dieſc Urſach willen hat man jhr einen Narnen gegeben/ welcher ſo viel bedeutet/ als das weiſſe Haubthaar des geheiligten Orts/ welches eine verblumte Redens⸗Art iſt/ durch welehe man zu erkennen geben wil/ daß dieſes eine hohe 1— ſehe/ deren eine ſonderbare Ehrforeht Dieſe Princeſſin nun/ verlangte die Suſſigkeit des Eheſtands/ ſo wol als jhre Schweſter zu verſuchen/ und ließ ſo inſtandig bey dem neu regierenden Koͤnig darum anhalten/ daß er ihr endlich des jenigen Bruder/ der ihre altere Schweſter geheyrahtet/ und gleich wie er/ ein Molla und Lehrer des Geſätzes geweſt/ zum Mann gegeben. Weßwegen Se. Maj. jhn zum Sedre-Mokoufaat, oder oberſten Prieſter der Koͤnigreiche gemacht/ welche ein dem andern nicht ungleiches Amt iſt/ und ſchier eben ſo viel Einkommens hat/ deme ebenmaſſig die Verwaltung aller Guter/ welche den Moſqueen durch Particulier⸗Perſonen vermacht worden/ anvertrauet iſt. Dieſe beyde Aemter ſind über zweyhundert Jahr beyſamen geweſt/ und hat nur ein oberſter Prieſter alle beyde Verwaltungen gehabt. Es hat ſie aber der jetzige König/ ſeinen zweyen Baſen zu Liebe/ und Beſtem vertheilet/ und mit jhren Ehemaͤnnern beſetzet/ die es aber nicht verdienen/ und gantz und gar nicht tüchtig hierzu ſeyn; alſo daß es ſcheinet es werde der Konig dieſelbe nicht lang bey dieſem hochwichtigen Amt laſſen/ ſondern ſie/ ſo bald er die Regierung antreten wird/ abſcha en. in währenden Frölichkeiten ſeiner Kroͤnung/ deren Freuden aber/ durch einen traurigen ZuKroͤnung werde durch einen trau fall/ welcher des Ober⸗Stadt⸗Schultheiſſen gn 15 Ungnad verurſachet/ verſtoret. Wir haben in der Beſchreibung der Stadt Spahen angezeigt/ daß dieſe Stadt in zwo Rottierungen vertheilet ſey/ welche einander jederzeit wegen des Vorzugs/ und der Aelte in den Hagren ligen. Wann nun offentliche Freuden⸗Feſte gehalten werden/ ſo pfleget das gemeine Volck von einem Theil ſo wol/ als von dem andern/ in dem Maydlan, welches der gemeine Platz der Stadt iſt/ hauffenweis zuſamen zu lauffen/ und daſelbſt ſcharmitzieren dieſe beyde underſchiedliche Partheyen/ worunder die eine von Suden/ die andere aber von Norden ſich verſamlet/ mit Steinen und Pruͤgeln be gegen einander. Der Ober⸗Schultheiß ſtellet ſich zwar jedes mals als ob er ſie daran verhindern wolle/ es geſchicht aber ſolches ſo kaltſinnig/ daß die Partheyen wol mercken/ daß es nur zum Schein geſchehe/ und jhm kein Ernſt ſeye; dergeſtalt/ daß ſie nichts darauf geben/ ſondern nur deſto hitziger auf einander loß gehen. Der Ober⸗Schultheiß fragt auch nicht viel darnach/ weil er gute Straff⸗Gelder darvon bekommt. Al einem ſolchen beſagten Freuden⸗Tag hun/ als Se. Maj in dem ſchoͤnen Saal war/ welcher über dem groſſen Portal des Pallaſts gebauet iſt/ von welchem tnan auf den Koͤnigltchen Platz ſehen kan/ wor von er einem RoßUnderſhied⸗ Gene Majeſtat ließ es dabey nicht bewen⸗ lauff der auf dieſem Platz gehalten wurde/ und unte wer den/ daß Sie dieſe beyde Wurden des ober⸗ den Vornehmſten an ſeinem Hofe zuſahe/ welden von Kö ſten Prieſteramts/ welche bey Lebzeiten des che mit Pfeilen nach einer guldenen Flaſchen tele verſtorbenen Königs ledig geblieben waren/ geſchoſſen/ wurde Deroſelben angezeigt/ daß in wieder beſetzet: ſondern er beſtellete auch noch dem Mayclan; oder auf dem offentlichen viel andere/ welche er under die jenige/ die bey Marckt/ über zwey tauſend dieſes Geſindleins jhm in groͤſtem Anſehen waren/ oder jhre gu⸗ auf Leib und eben ſich mit einander ſchlugen/ te Freunde/ außtheilete. Die Wurde des und verbittert aufeinander loß giengen. HierEourrchi Bachi, oder Generals der Kourt⸗ auf ließ Se. Majeſt. den Daroga, oder Oberches, welche ein Corpus der Perſianiſchen Mi⸗ Schultheiſſen zu Iſpahan beruͤffen/ und belit ſind/ und der vornehmen Aleinter des fahl ihm/ daß er dieſe unſinnige Leute von einReichs eines iſt/ wurde dem Hoſſein-Kouli- ander ſcheiden und wan ers für noͤhtig erachKaan gegeben. So ſeyn auch alle Kaanas, tete/ etlich und ſechzig Muſquetierer kunt ſich oder Skatthaltereyen in Perſien wol verdien⸗ nehmen ſolte. Dieſel Befehl war ſo ſtreng ten Perſonen verliehen worden! mit einem daß er demſelben in allem aufs genauſte nachWort/ es blieb keine einige Stelle ledig/ die geleben müſſen; er kunte aber nicht zu ſeinem nicht beſetzet worden ware. Es hatte aber der Zweck gelangen: dann als er an dieſen Ort verſtorbene König/ durch ein Stagts⸗Geheim⸗ fommen und mit mehr als zwey hundert Solnus/ welches dieſer noch nieht verſtuhnde/ die⸗ daten ſich in Ordnung geſtellet/ befahl er dieſen ſelbe unbeſtellet gelaſſen welches war/ damit er Aufrüͤhrern/ daß ſie ſich von einander ſoͤndern hre Einkommen zu ſeinem Nutzen anwenden ſolten; weil ſie aber dafür hielten/ daß es nur mochte; und ſagt man/ daß die Aernter/ die er des Schultheiſſen gewohnliche Gleißnerey waaußgetheilet/ deren Nutzen der Konig/ ſein Vat⸗ re ſo empfiengen ſie ihn mit groſſem Geſchtey/ ter/ an ſich gezogen/ jahrlich über zwoͤlff Millio⸗ und trieben hn mit Steinen zuruck. Oh er nen der Schatzkammer eingetragen. Ich wil nun wol ihnen gern zu verſtehen gegeben/ daß aber dieſes für keine gründliche Warheit auß⸗ es vor dieſes mal ſein Ernſt ſehe/ ſo hatte er doch eben/ ſondern nur wie ich mirs von Leuten/ under dieſem Getümtnel kein anders Mittel dee ſich auf dergleichen Sachen ſehr wol ver⸗ als ſich durch die Stimmen der Muſgucken zu ſtehen/ und/ wann ſie es hatten thun wollen/ ei- erklaren weßſvegen er ſeinen Soldaten befohhie genaue Rechnung hiervon geben konnen/ len/ auf dieſelbe/ jedoch ohne Kugeln/ Feuer zu habe ſagen laſſen. Sie thun aber ſolches nicht geben/ welches aber nichts gefruchtet: dann jederzeit. aals dieſes unbendige Geſind niehts als Feuer/ Feblichke⸗ Alle dieſe Begnadungen/ und Freygebig⸗ und Dampf geſehen/ wurde es deſto 25 in f ä einer 46 Solimarini einer vorigen Meinung'geſtärcket/ daß nemlich der Ober⸗Schultheiß nur zum Schein er11. Königs und höherem Anſehen vertreten ſolte. Die Ober⸗Schultheiſſen⸗ Stelle wurde ſtracks des ſchienen/ und nicht ſein rechter Ernſt ware/ daß andern Tags wieder beſetzet/ ind dieſelbe einem. man ſich zuruck ziehen ſolt t Aunberdeſſen kamen zween Königliche Reuter um zu ſehen/ ob dieſes Volcklein geſtillet ware. Weil ſich nun der Ober⸗Schultheiß geſchamet/ daß ſie ſein geringes Anſehen bey dieſem Lumpengeſind/ von welchem er mit Steinen zuruck getrieben worden/ warnehmen ſolten/ ſo befahl er/ jhme einen beſſern Gehorſam zu machen/ ein oder zwantzig von ſeinem Volck/ dem Königlichen Plat zu Iſpahan der Kopf ſcharff zu ſchieſſen/ welche dann alle ſo wol getroffen/ daß von dieſem zuſamen gelauffenen Geſind ihrer neun todt auf dem Platz geblieben/ und die übrigen gefaͤhrlich verwundet worden. Als nun die andern von dieſen Meutmacheru geſehen/ daß es kein Schertz mehr war/ ſo machten ſie ſich eilends auß dein Staub/ und lieſſen die Todten und Verwundeten auf dem Platz ligen. Der Ober Als nun dieſer Verlauff dem Konig hinStace derbrgeht worden/ befanden ſich etliche heimliSchultheiß 655 1 1 ü e mird beswe⸗ che Feinde des Ober⸗Schultheiſſen Van benen Keine re, es den Groſſen niemals ermangelt/ zu ſeinem leumdet/ Unglück/ eben hey Sr. Majeftaͤt/ welche ſieh dieſer Gelegenheit hedieneten/ und Sie alſo anredeten: Wie/ gnaͤdigſter Konig/ ſoll ſich ein Particulter⸗Perſon/ und ein Sclav/ wol underſtehen doͤrffen nut den Inwoßhnern einer Haubt⸗Stadt alſo umzugehen? Kan er ſonſt nichts/ als die getreue Underthanen ums Leben bringen? Soll ein Ober⸗ Schultheiß keine beſſere Anſtalt zu machen wiſſen? Es iſt nicht wol gethan/ ein unſchuldiges/ und unbewehrtes Volcklein alſo auf die Fleiſchbanck zu lieffern. Hierdurch wird Eurer Maß. hohes Anſehen/ das Sie uber ſhre Underthanen hat/ und der Reſpect/ weleher Ihfro in dem gantzen Reich gebuͤhret verringert/ wann man/ under dem Vorwand/ den Gehorſam zu erhalten/ zu ſo trſchrocklichen Extremiteten ſchreiten wil. aundſanes Der Keng, welcher ohnediß ſchon wegen die feet. ſes Unfalls ſehr erzoͤrnet war/ wurde dureh dieſe Rede noch mehr erhitzet: derowegen enſetzte er dieſen Heren auf der Stelle ſeines Amts und ſchiekte jhn gefangen in ein Hauß/ auß welchem er nach etlichen Tagen/ auf Vorbitt des Königs Mutter/ und etlicher anderer Perſonen/ welche ein Mitleiden mit ſeinem Unglück hatten/ wieder erledigt worden; weil er in der That ein tapferer/ und tugendhaffter Mann war/ und durch ſeine vernüunfftige Handlungen ſein Adeliches Herkommen genugſerm zu erkennen gab; dann er war von Koniglichem eblut auß:(Georgien entſproſſen/ und iſt der lerſte Konig diefes Landes ſein roßvatter geweſt. Er nennete ſich Hlemire klanrzeh Mirza, hon welchem wir drunden ein mehrers reden wollen/ nachdem das Glück Ihm wieder auf die Schaubühne berufen/ daß er daſelbſt cine Herſon von groͤſſexer Wichtigkeit/ ſehr ehrlichen Mann/ des Mir-Kalſemebele Sohn welches ſo viel geſagt iſt als ein Her: und ſtareker Fuͤrſt/ gegeben. Dieſer Mu Kallem-bek hatte eben dieſe Ober⸗Schultheiſſen Stelle/ vor dieſem lerſten/ in uUngnad gefallenen/ gleichfals verſehen/ demie zu Ko nigs Habas II. Zeiten/ dich des oberſten Staats⸗Miniſters heimliche Practicken/ auf abgeſchlagen worden. Sein Sohn Namens Kelk-Haly-bek, das iſt/ ein Herz/ des Haly Hund/ hat ſich in der kurtzen Zeit/ in welcher er dieſes Amt verwaltet/ ſich rreßich wol gehalten/ und ſeinen Vatter/ durch die Vertreibung der Beuttelſchneider/ und andern Lumpengeſinds/ wormit dieſe groſſe Stadt angeſteckt war/ ſo zu reden/ wieder auß dem Grgb guferweekt. Dieſes hat ſich in den lekſten Tagen des f 107%. Jahrs nach der Maholnetaner Nechnung/ welche in den Anfang des 1667. Jahrs fallen/ zigekragen. Dann ihr 10 8. Jahr fangt ſich un Frühling an/ wann Tag und Nacht gleich iſt/ an weſchem Tag Se. Maze; fta nach der Perftaner lichkeiten anſtellete. Gebrauch /groſſe FroEs war aber dieſes Jahr/ welehes ſich mit ſo groſſer Freude/ und ſo frolichen guten Anfalg angefangen/ in ſoinem ortgang nicht aller dings ſo gluckſelig. Dau es wunden in waßrendem ſeinengn Lauff/ die meiſte Provinzen dieſes Reichs mit Theurung/ Krieg/ und Kranckheiren angefochen/ und der Hofe nit allerzand Unordnungen beunruhiget/ daß viel Perſonen an demſelben keine gute Stunde hallen und wurffen ſich ace fen duch des Königs Unachtſalnkeik/ für ſo viel kleine Tyrannen au/ welche das arme Molck nach jhrem Wolgeſallen drückten/ und beraubten; dergeſtalt/ daß kein 4 „Schlechten Zuſtand il Pebſten. i 3 Menſch war/ ber das Elend eund Ungemach/ welches ein boͤſes Regiment verurſachen kan/ icht ehe wann der Furſt auf nichts anders bebgch chen/ und ſeinen Neigungen nachhengen moge/ und wann die Maͤchtigſte/ nach ſeinem Crempel/jhnen bie Freyheit nehmen/ alles zu thun/ acht iſt/ als wie er ſich luſtig maund keinem andern Geſaß/ als dem jenigen jhres freyen Willens folgen. en Das erſte anmerckliche Ding/ ſo ſich zu Anfang dieſes Jahrs zugetragen/ war des Mahammed- Kouli-Kaan- Divan Beki, oder oberſten Haubts der Juſtitz, Todsfall. Es blieb aber ſein Amt nicht lang unbeſetzt/ ſondern wurde dem jenigen/ welcher Mix- ab. das Cod des 05 e Haube f Juſtitz/ un Feet ſeilles Aut iſt/ Herz der Waſſer/ oder Aufſeher über die groſſe Flüſſe war/ gegeben: dann weil es in bieſeim Land nicht viel groſſe F luſſe gibt fo wird dieſe Auffieht ſehr hoch gehalten. Man hat aber nicht vermeinet/ daß dieſer dem oberſten Haubt der Juſlitz nach folgen/ ſondern daß der jenige/ welcher dieſes Amt vor dieſem Nn, en ige ein Leb 05. ulid von denn verſtorbenen Konig/ wegen ſeines übeln Verhaltens/ nach Merched verwieſen worden/ wieder in Gnaden kommen/ und ſeine vorige Stelle bekleiden würde. Dieſe Muhtmaſſung war auch nicht ohne Grund/ weil der Haly-Kouli-Kaan, gls Generaliſſimus, damals bey Hofe ſehr viel gegolten/ und jener des Ruſtan Kaan, ſeines Bruders Sohn war; nichts deſto weniger ſo hat man ſich hier innen betrogen befunden/ ſondern es hat vielmehr der General nicht haben wollen/ daß jemand deßwegen für ihn anſuchen ſolte; dann der Eyffer für ſeine Reputation/ welche hierdurch beſchmitzet werden wurde/ wann er einem ſolchen Mann der bey jederman verhaſſet waͤre/ wieder in den vorigen Stand zu ſetzen behüͤlfflich ſeyn ſolte; vor allen Dingen aber/ ein heimlicher Haß/ den er auf jhn geworffen/ behielten Über die Betrachtung der Blutfreundſchafft die Oberhand; alſo/ daß er nicht wieder zu ſeinem Amt beruffen worden iſt: weßwegen die Chriſten groſſe Urſach hatten/ Gott zu dancken weil ſie nie keinen abgeſagtern Feind ſhres Namens gehabt/ als dieſer geweßt iſt. Es war ihr Gluck/ daß zur Zeit ſeines oberſten Richter⸗Amts der Konig Habas nicht jung von Jahren geweßt/ und ſie in ſeinen Schutz genommen; dann ſonſten wurde dieſer Ungluͤcks⸗Vogel ſie alle außgerottet haben. Man erzehlet von jhm/ daß/ wann ein Chriſt von einem Mahometaner fur ſeinen Richterſtul gezogen worden/ er denſelben faſt ungehoͤrt verdammet/ und zu ſagen pflegen: Es iſt genug wann ein Armenier einen Proceß mit einem Mahometaner führet/ daß man jhm den Hals breche. Warum laͤſſet m der Hund/ der er it/ nicht lieber unrecht thun? Weiß er nicht/ daß die Chriſtliche Religion der Mahometiſchen underworffen iſt? Unpäzlich⸗ Indeſſen behielte des Königs unordentlikur g ſeine Geſundheit don Tag zu Tag vermindert Lehtünhes wurde: dann weil dieſer junge ⸗Jers mir dem lacht derur⸗ Wein und Frauenzimmer keine Mas hielte/ ſo war es unmüͤglich/ daß dieſelbe nicht verderbet worden ſeyn ſolte: dann er befande ſich dieſes gantze Jahr durch jmmerdar unpaßlich/ was für Mittel auch die Medici brauchten/ weil er ſeines Theils nicht wenig darzu halffe. Dann wann er underweilen/ nach jhrem Raht/ ſich des Weins enthielte/ ſo waͤhrete doch ſolches nicht lang/ und fieng er denſelben wieder an zu trincken/ ehe er ſich einmal an ſeinen Kraͤfften recht erholen konnen. Dannenhero kranckete er jmmerdar/ und war in ſeinem Geſicht mager und verfallen; ſo verminderte auch die Bloͤdigkeit ſeines Leibs ſeinen Verſtand/ und machte denſelben untüchtig/ daß er denen Geſchaͤfften/ worzu ihn ſein hoher Stand berieff/ nicht abwarten kunte. Jpeg i Immittels nahme die Theurung 5 a 5 Brods zu Iſpahan je langer je mehr zu/ un murmelte der gemeine Mann offentlich wider den üͤbermaſſigen Preis/ umb welchen daſſelbe verkaufft wurde. Es waren aber an dieſer in Perſien Kroͤnung. unn des Kd, ches deben inner ſeinen Gang/ wordurch dann 47 Theurung underſchiedliche Urſachen: ba erſtlich hatte die Ernde im vorigen Jahr nicht halb ſo viel außgegeben/ als man verhofft gehabt/ weil die Heuſchrecken die Feldfreiahre abgefreſſen: Ferners war die gantze groffe Hofſtatt auf einmal nach Iſpahan kommen/ ehe man ſich ſhrer verſehen/ und alſo nicht daran gedacht gehabt/ daß man vor dem Winter ruchte von andern Orten her hatte bringen laſſen. Uber diß ſo waren/ bey diſer Regierung des neuen Königs/ die meiſte Beamte des Königreichs bey Hofe erſchienen/ und kame eme groſſe Menge Particulier⸗Perſonen/ entweder auß Vorwitz/ oder jhrer Geſchafften halber/ von allen Orten und Enden herzu gelauffen/ wordurch die Anzahl der Inwohner um die. Helffte vermehret worden/ und dieſem nach auch der Preis der Waaren noch ſo hoch geſtiegen iſt. Was aber allerhand Lebensmittel noch theurer machte/ war das ſehlechte Anſehen der künfftigen Ernd/ welche/ dem Augenſchein nach/ nicht reicher/ als die im verwichenen Jahr ſeyn wurde. Dann weil die Ernde under dieſem Himmelsſtrich in den Brach⸗ und Heumonat zu fallen pflegt/ ſo kan man imo ertz und Aprill ohngefaͤhr urtheilen/ was dieſelbe außgeben moͤchte. Dannenhero weil die Kornhandler/ und Becker wol ſahen/ daß das Korn übel zu bekommen ſeye/ und viel theurer werden wurde/ ſo wolten ſie den Vorraht/ den ſie hatten/ nicht angreiffen/ ſondern hielten damit zurück/ und warteten weiter hinauß/ bis alle Sachen theurer wurden: und ſolcher geſtalt verurſachte das Anſehen einer kunfftigen Hungersnoht eine gegenwartige. Endlich ſo war die üble Regierung zum theil Urſach an dieſer Theurung; weil die Geſatze nicht in acht genommen wurden/ und die Oberkeitliche Perſonen jhrer Pflicht vergaſſen/ obne Forcht/ deßwegen geſtrafft zu werden. Und dieſes war die Urſach/ weßwegen der Mohteſeb, oder Haubt der Policey/ von denen/ welche die nohtwendige Lebensmittel vetkaufften/ Geſchencke annahme/ und/ jhnen zu Gefallen/ alle Wochen den Preis der Wagren/ wie es dieſe Lute begaͤrten/ nemlich um den dritten Theil hoͤher/ als er zu des verſtorbenen Koͤnigs Zeiten geweſt/ außruffen laſſen. Dann es iſt zu wiſſen/ daß in Perſien der Gebrauch iſt/ daß dieſes Haubt der Policey alle Sonſabend den Werth aller Sachen für die küͤnfftige Woche ſetzet/ den die Verkaͤuffer bey ſehr ſchwerer Straff/ nicht Uberſchreiten dorffen. Dieſe Boßheit des Policey⸗Richters nun/ welcher ſich vor der jetzigen Regierung nichts zu fürchten hatte/ machte daß alle Sachen zwey⸗ oder dreymal höher verkaufft wurden. N 5 „„Weil nun der gemeine Mann durch dieſe Theurung ſchier gantz und gar verdorben/ ſo Des gemeinen Manns verdoppelte derſelbe ſeine Weheklagen derge⸗ dera biernſtalt/ daß dieſelbe gar bis in den Königlichen Pallaſt kommen; wordurch dann Ses 5 zu Mitleiden bewogen worden/ und damit hierinnen ein Mittel getroffen werden mochte/ ſo übergab Sie die Sache dem Ali⸗Kouli-Kaan, oberſten Feldheren uber die Armeen. 1 er ienge . Solimanni III. Koͤnigs dabliche fienge ſeyn Aint mit einer loͤblichen/ und gerech⸗ demſelben jhnen jhr Brod abgekaufft/ oder daß That des Ali FRouli- Kaan ten That an/ wodurch er allen Kramern/ und bie in jhrem Vierthel eine Woche mehr/ als die gegen een Korn⸗Juden eine groſſe Forcht/ und Schro⸗ andere/ geholet hatten/ und daß ſolchem nach Korn Jude. cken eingejagt/ hingegẽ aber jhme des gemeinen der Vertrieb nicht allzeit gleich ſeyn konte. So Geine gute Manns Gunſt/ und Segen erworben. Daun er hatte einem von den vornehmſten Kornhandlern zu Iſpahan anbefohlen/ auf den erſten Marcktag zveyhundert Säcke Korn zu liefern/ und daſſelbe um eben den Preis/ den es im vorigen Jahr gegolten/ zu verkauffen. Weil ſich aber der Kauffmann einbildete/ daß es nur um eine Verehrung zu thun ſey/ ſo ſchickte er dem Volck eine groſſe Erleichterung/ welches ihm an ſelbigem Marcktag zweyhundert To- vorhero dieſe eylff drey Vierthel⸗ Pfund mans/ welche etliche tauſend Piſtolen machen/ in Hoffnung/ ſich hierdurch des Gehorſams/ ſolches an jhn beſchehenen Befehls zu entziehen. Der Generaliſſimus aber wurde hefftig darüber erzuͤrnet/ und ließ jhn vor ſich kommen/ und ſagte zu jm: Du Hund/ der du biſt/ meinſt du wol die Hungersnoht der Stadt mit Geld zu erkauffen? Wegen des Schimpfs/ den du mir angethan/ ſolſt du zweyhundert Streich auf die Fußſohlen bekommen. Er ließ jhm auch dieſelbe von Stund an geben/ und ſtraffte jhn noch darzu um tauſend Kronen/ welche er fuͤr ſich behalten/ die zehen tauſend Pfund aber dem Konig üͤberſendet. 1 Er ließ auch einen groſſen Ofen auf dem Koͤniglichen Platz/ und auf dem Marck einen andern machen/ und durch die Außrüffer offentlich verkündigen/ daß die jenige/ welche das Brod theurer/ als es geſetzt worden/ verkauffen/ oder das Korn hinderhalten wurden/ lebendig hinein geworffen werden ſolten. Dieſe Oefen brenneten einen gantzen Monat an einander; es wurde aber niemand hineingeworffen/ weil ſich keiner in die Gefahr begeben wolte/ eine ſo ſtrenge Straffe wegen ſeines Ungehorſams zu verſu chen. 5 Er beſichtigte auch zugleich ſelbſt in eigeviel aber den Preis anbelanget/ ſo verordnete er/ daß ins künfftig das Barman. cha Brod/ (welches ein Koͤnigliches Gewicht iſt/ und auf eylff drey Vierthel Pfund des unſerigen komt) nicht hoͤher als um einen Abaſſy, welches achtzehen Stuber ſind/ verkaufft werden ſolte. D.urch dieſe gute Ordnung verſchaffte er Brods um einen Abaſſy, und ein Vierthel/ welches zwey und zwantzig Stuͤber/ und ſechs Heller macht/ bezahlen muͤſſen: und dieſes machte/ daß man Brods genug haben kunte. Dieſem nach hoͤrte auch das klagen und ſchreyen auf; dann weil die Becker die jenige/ ſo in jhrem Vierthel wohneten/ mit Brod nach Nohtdurfft verſehen muſten/ ſo wurde niemand einiges Mangels gewahr/ außgenomen/ daß man damals das Brod um achtzehen Stuber bezahlen muſte/ was man ſonſten in guten und uͤberflůͤſſigen Jahren um einen Stuber kauffen kunte. Und damit man dieſen Verkauff ſtats handhaben koͤnte/ ſo ſchickte er an die umligende Schloͤſſer/ Flecken und Doͤrffer/ auf acht bis neun Tagreyſen Befehl auß/ daß ein jeder Ort eine gewiſſe Anzahl mit Korn/ oder Mahl beladener Wagen lieffern/ und daſelbſt um den angeſetzten Preis verkauffen ſol te. Durch dieſes Mittel kame Frucht genug in die Stadt/ dieſelbe auf ein halbes Jahr zu underhalten. Wann nun eine merckliche Anzahl ankame/ ſo wurde dieſelbe gleichſam im Triumph eingeholet/ und gieng das Volck mit muſicaliſchen Inſtrumenten vorher/ die Pferde und Kamele aber/ welche dieſen Vorraht brachten/ waren mit Decken bedeckt/ und einer groſſen Amahl Rollen und Schallen gedieret/ welche/ ſamt dem Freudengeſchrey des duell we, ner Perſon alle Speicher/ und Korn und Meel⸗ Volcks/ ein ver miſchtes/ und ſehr luſtiges Gegen des Kornkaufs. Boden/ welche er/ wie viel derſelben waren/ alle aufzeichnete/ und den Kornhandlern befahl/ alle Wochen jhme eine gewiſſe Anzahlſrüͤchte/ nach der Maas/ als jhre Kornhauſer damit einen gewiſſen Preis zu verkauffen/ auch ſolches niemand als denen/ die jhnen einen Zedel von ſeiner Hand bringen wurden/ zu lieffern. Eben dieſen Befehl ertheilte er auch wegen der Gerſten/ dergeſtalt/ daß man ſchier dieſes gantze Jahr über/ weder Korn/ noch Gerſten/ ohne einen mit ſeinem Pittſchafft verſiegelten Zedel bekommen kunte/ den ein jeder Becker alle Wochen abholen muſte: und weil dieſer Herz genau wuſte/ wie viel ein jeder verkaufte/ ſo ließ er jhnen in dem Zedel nicht mehr zu kauffen zu/ als was er von noͤhten hatte. Dannenhero ließ er auch den Beckern gebieten/ daß ſie das Brod nemand anderm/ als denen/ ſo in hrem Vierthel wohneten⸗ und nicht mehr/ als ſie zu jhrer gewohnlichen Underhaltung vonnohten hatten/ zu verkaufen/ damit die Becker keine Außrede haben moͤchten/ ls ob die Leute auſſer tos undereinander machte. widerſpenſtig erzeigten/ und ſer Flecken/ und zwo Meil von Iſpahan abgelegen iſt/ einen von ſeinen Offieierern mit des Konigs Befehl abgeſchickt/ welcher in ſich hiel⸗ i te/ daß die Inwohner zweyhundert Sack mit Mahl/ wegen gegenwartiger Noht/ in die Haubt⸗Stadt zu Kauff ſchicken ſolten. Die Burger gaben hierauf zur Antwort: es gienge ſie der Mangel an Lebensmitteln/ welcher. in der Stadt ſeyn mochte/ nichts an/ zumalen ſie jhre Gebühr/ und Anlag/ die ſie von der verſchienen Ernd ſchuldig geweſt/ abgeſtattet: zu deme/ waren ſie nicht ſchuldig/ jhr Korn/ oder Mahl/ nach Iſpahan zu Kguff zu bringen/ on dern es mochten die jenige/ ſo es kauffen wolten/ zu jhnen kommen/ und ware ihnen ſolches nirgends anders/ als in jhrem Flecken feil. Der „Offictenx Es waren etliche Dorffſchafften/ die ſich Ungeborſal, verweigerten/ ber lle Korn zu ſchicken; es jagte aber die Zuchtigung bann e verſehen waren/ zu ſchicken/ und dieſelbe um der Inwohner zu Ipahanim⸗ cha len andern 5 9 eine Forcht und Schröcken ein. Es hatte der guat oberſte Feldherꝛ an dieſen Ort/ welcher eingro er rächet in Perſien Kroͤnung. Officier führte den Vornehmſten zu Gemüͤht/ daß es der Konig alſo haben wolle/ und zeigte ihnen die Königliche Ordre/ die er in der Hand hielte vor; weil ſie jhm aber mit ſchimpfüchen Worten begegneten/ ſo griff er nach dem Degen/ in Meynung/ ſie hierdurch zur Gebühr zu bringen. Dieſe Bauren aber/ verſtunden es unrecht/ und fielen über den Officierer her/ gaben ihm dichte Stoſſe/ und zerriſſen des Königs Befehl mit Vermelden/ daß er nachgemacht/ und falſch ware. 5 5 Der Generaliſſimus wurde wegen dieſer Aufruhr ſehr entruſtet/ und brachte ſolches dem Konig vor/ welcher jhm befohlen/ ſie deß wegen zu züchtigen. Dieſer Herz ſchickte hierauf zwey hundert von ſeiner deib⸗Guardi/ welche die vornehmſte Inwohner bis auf den Tod prugelten: uber biß verurtheilte er ſie in die Straff von hundert tauſend Kronen/ die ſie aber mit groſſem bitten und flehen/ und einem Preſent von zehen tauſend Pfund für den oberſten Feldheren/ bis aufs Dritthel abgebetten/ aber alles baar bezahlen muͤſſen.„ Eben dieſer Herꝛ bekame zu der Zeit Mitch n.. 5. i en, kel/ ſich an den Armeniern/ wegen einer abliche was ſehlaͤglichen Antwort/ die ſie jhm gegeben/ zu rachen/ und nahme dieſen Befehl/ den der Konig jhm gegeben/ Iſpahan mit Korn zu verſehen/ zum Vorwand. Dieſe Armenier ſind geborne Chriſten zu Iſpahan: und nennet man ſie alſo/ weil ſie auß Armenien gebürtig ſeyn/ von dannen ſie Konig Habas der Groſſe in das Hertz des Konigreichs verſetzet; und iſt der Zeit ihre vornehmſte Pfangſtadt auſſerhalb des Umfangs dieſer Haubtſtadt/ und wie allbereits erwehnet worden/ von derſelben nur durch den Fluß abgeſondert. Die Perſianer nennen ſie gleichfals/ wie wir/ um eben dieſer Urſach willen/ Armenier/ wie auch die beyde Armenien/ eines das groſſe/ und das andere das kleine Armenien. Weil nun der Haly-Kouli-Kaan, als er anfanglich nach Hofe kommen/ Gelt vonnoͤhten hatte/ ſeine Hofhaltung anzurichten/ und ſeinen Dau außzuführen/ und nicht wuſte/ wo er ſolches aufbringen ſolte/ ſo fragte er einsmals etliche von dieſen Armeniern/ welche einiger Geſchafften halber zu jhm kommen waren/ wer die reichſten/ und vermoͤglichſten under ihnen waren? Dieſe benahmeten jhme fünff oder ſechs/ und under andern einen/ Namens Koga Zakara. Der Generaliſſimus behielte dieſen Namen/ und als zween Tage hernach/ ein anderer Armenier jhme ein Suppli. cation übergeben/ fragte er jhn/ ober den Kauffmann Takara kenne? Als nun dieſer ſolches mit ja beantwortet/ befahl er jhin/ daß er denſelben zu jhm kommen laſſen ſolte. Der Armenier gedachte nicht/ daß der Generaliſhmus dieſen reichen Takara meynte/ welchen jhme die erſten benennet/ ſondern daß er von einem andern/ eben dieſes Namens rede/ welcher/ znebenſt ſeinen zweyen Bruͤdern/ des Konigs Gelt zu verwalten/ und ſtrs merckliche Summen under Handen hatte/ um in fremden Landern koſtbare Sachen/ die Sr. Majeſtat gefallen mochten/ einzukaufen: dannenhero beKrönung solim, 49 nieff er dieſen letſtern zu hm. Der Genera? lüllmus, welcher vermeynte/ daß er mi den Kauffmann Za kara zu thun harte/ ließ jhn in die zwo Stunden lang neben ihn ſiten und gieng ſehr hofich mit hm um/ ſo 955/ daß er ihn auch beym Mirtageſſen behalten. 0 Nach kollendeter Mahlzeir/ redete jhn der Generaliſſimus folgender geſtalt an: Ko ga Zakara, Kauffmann Zacharias/ moͤchteſt du mir wol den Gefallen erweiſen/ und mir zweyhundert Tomans,(welche in die zehen tauſend Pfund machen) leihen? dann ich bin in kurtzer Zeit groſſer Sum⸗. men Geltes gewaͤrtig/ ſo wil ich dir alsdann das jenige/ was du mir vorgeſtreckt haſt/ ſamt dem Intereſſe wieder erſtatten/ und ſolſt du bey begebender Gelegenheit erfahren/ daß ich den jenigen/ ſo mir dienen/ mit Danck zu begegnen wiſſe. Der Armenier gab jhm zur Antwort: Herꝛ/ nicht nur zwey hundert/ ſondern zwey tauſend/ wann es euch beliebt. Mit dieſer Antwort war dieſer Herꝛ ſehr wol zu frieden/ und war hoͤchlich darüber erfreuet/ fragte jhn derowegen/ ob er jhm dieſes Gelt nicht noch dieſen. Tag ſchieſſen konne? Der Armenier/ welcher ein ſehr kluger Mann war/ ſagte hierauf: Es kan ſeyn/ wann es euch beliebet; ich bitle aber/ mir vorhero zu erlauben/ euch ein Wort zu ſagen. N Bruder/ und ich/ ſind Sr. Maj. Com. miſſarien/ der eine iſt in Indien/ und der andere in Europa; ich aber/ wie jhr ſehet/ wohne allhier/ und gehoͤret alles Gelt/ ſo wir zu verwalten haben/ dem Konig zu: dannenhero muß der Schein/ den jhr mir geben werdet/ mit des Koͤnigs Pittſchafft verſigelt ſeyn/ alsdann bin ich willig und i bereit/ euch die jenige Summ/ die jhr von mir begaͤren werdet/ zu lieffern. Der Generaliſſimus ſahe hierauß wol/ daß er betrogen war; dann er begarte des Koͤnigs Gelt nicht/ und ließ den Kauffmann voller Zorn und Unwillen von ſich/ weil er ſich einbildete/ daß die Armenier ihm mit Fleiß denſelben benennet! um Ihn in ſeinem Begaren abzuweiſen/ indeme ſie jhn vergeblich an des Koͤnigs Commiſſarium gewieſen/ von welchem man kein Gelt entlehnen doͤrffte. Es war aber dieſes nichts als ein Mißverſtand/ den der gleichlautende Nahme verurſachet: dann weil man dieſe Armenier bey keinen andern Namen/ als die die ſie in der Tauff empfangen haben/ zu nennen pflegt/ und ſie ſonſten keinen Zunamen haben/ ſo gibt es deren 1 viel under jhnen/ daß einer wie der andere heiſſet. Der Seneraliſſimus wolte hierauf den zweyten Verſuch thun/ und fande nach zweyen Tagen Gelegenheit/ bey dem Keloonter der Armenier/ welcher ihr Haubt und einiger Statthalter iſt/ weßwegen man hm dann dieſen Titul gibt weſcher ſo viel als der allero: berſte Meine zween 9 1 50 berſte hedeutet/ ſein Begaren zu wiederholen. Dann nachdem er dem Konig etliche Preſenren gethan/ und Se. Maj. ihm ein Koͤnigliches Kleid zugeſchickt/ ſo hat er daſſelbe angezogen/ und ſich/ in Begleitung der anſehenlichſten von ſeiner Nation/ nach Hofe begehen/ ſich gegen dem Konig zu bedancken/ und hin die Fuſſe zu kiſſen. Nachgehends verfügte er ſich/ wie gebrauchlich/ mit ſeiner gantzen Geſellſchafft/ zu den Vornehmſten bey Hie, deſele zu gruſſen/ und jhnen gleichſam danken/ daß ſie das jhrige darbey gethan/ Sein Begö⸗ daß h dieſes Kleid verehret worden iſt. Als ren an den Statthalter der Armemer. er hüt ſolches auch bey dem Generaliſimo gethan/ ließ er jyn/ ſamnt allen denen/ ſo bey jhin waren/ niderſitzen/ und nachdem ſie die erſten Complimenten abgelegt/ begehrte er an ſie/ ihme diefe Summ der zreyhundert Tomans vorzuſtrecken/ mit Verſicherung/ daß er jhnen dieſelbe/ fannt dem Intereſſe/ mit ehiſtem widergeben/ und ſie jhrer Geſchaͤfften halber/ ſo ſie bey Hofe hatten/ ſchützen wolle. Dieſe Leute/ an welche die Groſſe in Perſien zum oͤfftern dergleichen Begaren thun/ die ſie jhnen aber gemeiniglich gantz rund abſchlagen; uber diß auch den Humor der Perſon/ die ſolches Vorliehen begaͤrte/ wol kenneten/ daß es ſo viel als ein Geſchenck ſeyn wurde/ gaben jhm zur Antwort: Sie wolten ſich glückſelig ſchtzen/ wann ſie jhm dieſen Dienſt erweiſen konten/ es ware jhnen aber ſolches in dem Zuſtand/ worinnen ſich anjetzo jhre Sachen befanden/ die hoͤchſte Unminiglichkeit; indem all Ihre Baarſchafft in Indien/ und Europa/ under jhrer Vikils, oder Commiſſarien Handen ware/ vor deren Wiederkuufft ſie jhme dieſe Welcher es ihm abſchlaͤgt. Des Feldheren Befehl an ſie. Summ nicht vorſchieſſen koͤnten. Wolan dann/ ſagte hierauf der General/ ſo leyhet mir zum wenigſten die er auf das Dritthel. Es weigerten ihm aber dieſe unbedachtſame Leute/ durch einen ſtinckenden Geit/ auch dieſe geringe Summ/ ohne einiges Abſchen auf den groſſen Credit/ den dieſer Her? bey Hofe hakte/ und daß er jhnen viel verworrene Handel machen konne. Der Generaliſſimus, den dieſes ſehr verdroß/ ließ ſie von Stund an von jhi hinauß gehen/ nennete ſie Hunde/ und kehrte ihnen den Rucken/ damit er jhren Abſchieds⸗Gruß nicht annehmen doͤrffte. Drey Wochen hernach überſchickte er jhrem Oberhaubt im Namen des Konigs einen Befehl/ daß ſie viertzig tauſend Batman. cha Mahls/ welche etliche hundert Centner machen/ in die Stadt verſchaffen ſolten. Das Oberhaubt der Armenier gab hierauf zur Antwort/ daß ſie in jhrem gantzen Marckflecken nicht ſo viel aufzubringen vermochten; ſelbiges aber anderswoher bringen zu laſſen/ ware jhnen ſolches nicht zu thun/ weil ſie jedes Gewicht/ zu eylff drey Vierthel⸗Pfund/ ſamt dein Fuhrlohn/ einen tbbaſſis, und ein Vierthel koſten wurde/ da doch der Konig haben wolte/ daß man jedes Gewicht nun um einen Abbaſlis verkauffen ſolte. Dieſe Rechnung war zwar richSolimanni III. Koͤnigs elfft; von derſelben kame tig/ und wuſte der Generaliſfmus wol/ daß ſie zum wenigſten zwey tauſend Pfund/ an deme/ was er an ſie/ an Mahl zu lieffern/ begaͤrt/ verlieren wurden/ welches er dann einig und allein ſuchte/ und begaͤrte/ daß ſie an der jenigen Summ/ die er von jhnen zu entlehnen begaͤret/ ſolchen Verluſt leiden ſolten. Es war aber dieſer Herꝛ mit jhrer Entſchuldigung nicht zu frieden/ ſondern ließ jhnen ſagen/ daß ſie dieſe Anzahl Mahls/ die er ihnen auferlegt/ lieffern ſolten/ weil jhre Wohnung under Iſpahan gehoͤrte/ und ſie/ ſo wol als andere/ ſchuldig waren/ der Haubtſtadt in jhrer gegenwartigen Noht beyzuſpringen; und daß ſolches Seiner Majeſtat außdrucklicher Befehl ſeye. Die Ar⸗ rollen demſelben auch ſagen mochte/ ſolches durchaus nicht nit parieren menier aber wolten ſich/ was man jhnen verſtehen/ ſondern wendeten für/ daß ſie dieſe ſchtware Laſt zu tragen nicht verbunden/ und daß ſie/ vermoͤg eines mit dem Koͤnig gemachten Tractats/ von allen Auflagen/ und neuen Anforderungen befreyet ſeyen/ indeme ſie Sr. Majeſtat jedes Jahrs vierhundert Tomans, welche ohngefaͤhr zwantzig tauſend Pfund machten/ erlegten: und daß man/ wann auch gleich eine rechte Hungersnoht in der Stadt ware/(welches ſich doch/ GOtt Lob/ nicht befinde) von jhnen keine groͤſſere Summ abfordern koͤnt e. Sie hatten zwar dißfals gutes Recht; jhr Wider part aber groͤſſere Macht: dann er hatte jhm vorgenommen/ ſie aufs auſſerſte zu treiben/ wie nicht weniger/ die Vornehmſte under jhnen gefangen ſetzen zu laſſen. Wie een ſie nun dieſes vernommen/ ſchickten ſie alle jh⸗ den re Weiber vor die Pforte des Haran, oder besen 000 Frauenzimmer⸗Pallaſis/ um daſelbſt des Koͤ⸗ Hofe. nigs zuerwarten/ und jhn um Recht und Gerechtigkeit anzuruffen. Dieſe min warketen ſo lang/ bis der Konig herauß kommen moͤchke/ und ſtelleten ſich vor der Pforten an die Mauren. Hierbey iſt anzumercken/ daß dieſes der Ort iſt/ allwo die jenige/ welche Recht und Gerechtigkeit begaren/ oder um eine Gnade bitten wollen/ ſolches thun; und dorffen die Trabanten/ bey Leib und Lebens Straff niemand verhindern/ ſich daſelbſt einzufinden/ und mit lauter Stimme den Konig um Gerechtigkeit anzurufen. Sie machten ein ſo groſſes Getoß/ daß man ſolches bis in den Pallaſt hinein horte; und als der Konig die Urſach deſſen erfahren/ ließ er jhnen ſagen/ daß ſie ſich wieder nach Hauß verfügen ſolten/ und daß jhnen geholffen werden würde. Der Generaliſſimus aber underließ nicht/ die Armenier zu drucken/ und ihnen mit der Gefaͤngnus zu brohen/ dartwider ſie kein anders Mittel fanden/ als die folgende Tage jhre Weiber zum zweyten mal nach dem Pallaſt/ und an eben ſelbigen Ort zu ſenden. Dieſe Weiber machtenſ eben ſolches Getos/ als das vorige mal; und als jhnen geſagt worden/ daß Se. Majeſtat zu dem Thor des Pallaſts/ welches nach dem Koͤniglichen Spatziergang 5 gienge/ leU N 0 in Perſien Kroͤnung. 5¹ gienge/ hinauß geritten/ lieffen ſie hauffenweis/ und mit ſolchem Eyffer dahin/ daß eine Schaar von ihnen gar des Königs Pferd beruͤhrte. Ob nun wol die Sophis, und Lackqueyen/ welche vor/ und um jhn herum giengen/ jhnen zurieffen hyeri das iſt/ auß dem Weg ſo wolten ſie doch keinen Plaz machen: dann dieſe unſinnige Weiber begunten mit Steinen nach jhnen zu wperffen/ und war eine under nen wol ſo vermeſſen/ daß ſie des Konigs Pferd in den Zaum fallen doͤrffen. Seine Majeſtät/ welche vorhin ſchon wegen dieſes Tuns ſehr erſchrocken war/ entſetzte ſich Über dieſe That noch hefftiger: dann es wuſte der Konig wegen ſeinen Jugend/ und noch geringen Ekfahrung/ nicht/ wie er ſich verhalten ſolte: er that nichts anders/ als daß er ſagte/ man ſolle ſie verjagen/ und jhnen ſagen/ daß ſie jhres Weges gehen ſolten/ und daß er ihnen Recht widerfahren laſſen wofte. Er hakte fh chdigee deten gemig zu thun⸗ 115 er ich von dieſen beſeſſenen Weibern loß wircken 0 l 8 N 1 er eff e gehen/ bis jh nen ein mit des Koͤnigs Siegel be— kunte. 2893 „Die Armenier hatten dabenebenſt anderſeits durch einen Verſchmttenen des Königs Mukter/ als jhre Schuz verwandte/ eine dupPlication übergeben lafſen/ weil yr Flecken kiner von denen Orten war/ die ihr zum WitDae thums⸗Sitz angewieſen worden. Dieſe Peinfet frſſe t geſſin nahme dieſelbe an/ und verſprach jhnen/ bur het eine Vorbitt fuͤr ſie einzulegen. So bald Gnade ebe nun der Konig/ jhr Sohn/ zu ihr hinein korn men/ bate ſie denſelben/ daß er dieſen armen Armenianern dieſe groſſe Laſt /n Betrachtung der vor den Koͤnigen/ ſeinen Vorfahren/ ſhren ertheilten Bewilligungen/ daß ſie/ nach Erlegung der verglichenen Summ/ von allen andern Anlagen frey ſeyn ſolten/ nachlaſſen woſle. Der Konig gab der Princeſſin zur Antwort: Wolan/ deme ſeye alſo/ ich ſprich ſie 1 loß. Die Princeſſin ließ jhnen diee gute neue Zeitung durch einen Verſchnittenen von Stund an verkundigen: weil aber derſelbe/ entweder guß Nachlaſſigkeit/ oder ſonſten/ ſie ncht angetroffen/ ſo bekamen ſie dieſe von dem Konig jhnen gethane Loßſprechung b. von Stund an die Haͤlſe entzwey breche. In ſolcher Untviſſenheit num befoͤrchteten genre ſich die Vornehmſte under jhnen/ viertzig/ oder fünfftzig an der Zahl/ als moͤchte der Gene nicht zu wiſſen. raliſſimus ſie gefangen ſetzen laſſen; weßwegen ſie dann under das groſſe Portal des Koniglichen Hauſes/ Halyr Kapi, das iſt/ die hohe Pforten genannt/ gefſohen/ welches ein hefreyeter Ort/ fuͤr alle die/ ſo von dem Gericht verfolget werden/ und von dannen man niemand ohne außdruücklichen Befehl des Königs/ nehmen darff: Als min Se, Majeſtat auf den Abend wieder in den Frauenzimmer Pallaſt/ an den Ort/ wo Sie Audienz zu ertheilen pfegt/ kommen/ wurde Ihro angeſagt/ daß ſich alte Armenier under der hohen Pforten mit groſſem Tumult/ und ſich wider den oberſten Feldherꝛn beklagten/ daß er ſie gefangen nehmen wolle: Der Konig gab auf ſolchen empfangenen Bericht zur Antwort: Krönung So lim. Was machen dieſe Armenier daſelbſt? Sie mogen ſieh wieder nach Hauß begeben/ und ſhres Weges gehen dann ich hab jhnen verziehen/ und die jemge Auflag des Maͤhls/ welehe der Fal KouliKaan jhnen auf meinen Befehl auferlegt/ nachgelaſſen. Dieſer Here war dabey ſelbſt zugegen/ unnd ſagte nicht das geringſte Wort dartwider/ wiewol er in ſeinem Hertzen toll und raſend daruber harte werden moͤgen/ daß ihm ſein Anſchlag nicht angegangen, Hingegen lieſſen viel an weſende Offieierer hin/ dieſe neue 5 Zeitung den Armeniern zu bringen; gu ſtatt Derer ſie ar aber/ daß ſie ſich wieder nach Haus begeben en won ſollen/ ſo bildeten ſte ſich zu ihrem Unglück ein/ daß dieſes ein Fallſtrick ſeye/ den ihr Widerpart ihnen gelegt/ welcher gern ſehe/ daß ſie ſich von dieſem freyen Ort hinweg begeben mochten/ dann er ſie hernach in Arreſt nehmen konte: dergeſtalt/ daß ſie zur Antwort gegeben/ ſie wolten nicht eher von dannen hinweg kräfftigter Befehl/ in welchem er jhnen folches anbefehle/ vorgezeigt wurde 5 Dieſe Hfficierer hinderbrachten dem Koͤnig ſolchen Siiſchluß worauf der Generalisſimus zi feden anſteng/ und den Konig alſo anredete; Gnͤdigſter Herꝛ/ hab ich nicht Weßwegen genugſamne Urſach, Euer Maj. vor Augen den bein d zu ſtellen„daß die Armemer rebellische zm hal Hunde/ und Dero nur mit Unwillen un et/ derworffen ſeyen? Sjehet ſie nieht augenſcheinlich/ daß ſie dero Königliches Wort verachten/ und demſelben nicht trauen/ noch dero Befelch gehorſamen/ ſondern dieſelbe zwingen wollen/ ſhnen das ſenige/ was dero heiliger Mund außgeſprochen/ ſchrifftlich zu geben? Hat man wol jemals von dergleichen Ubermuht ſagen hoͤren; Der Konig fiel jhm in die Rede/ und ſagte: Du haſt recht/ ſie verdenen meine Ungnade/ und daß ſie geſtrafft werden; daß man dieſen Hunden Die Ofßiiejerer machten ſich hierguf fertig/ dieſen Befehl des Konigs zu vollziehen; der Generalilſimus gher gab ihnen ein Zeichen/ daß ie noch ein wenig darnnt innen halten ſolten/ ufd that zugleich dem Konig einen Fußfall/ für ſie um Einade zu bitten. Dann nachſt de* ine/ daß er Ihnen niht nach jhrem Leben/ ſondein nach jhrem Beutel trachtete; ſo hielte er dar für/ daß 1 ſo grauſame Vollziehung und der Verhuit dicher deute welche feiſſſge und uwerdroſfene Kauffleute ſeyn/ dem Reich ſehr nachtheilig ſeyn würde: dannenhero fuhr er in ſeiner Rede fort/ und ſagte: Gnaͤdig⸗ und ſſe in ſter Korg/ ſie find weht wuͤrdig/ daß ſieh baalg uf Euer Maß. nber ſie erzoͤrne; hitte dem nach/ ſie wolle ſynen Gnade erweiſen/ und werden ſie genug geſtrafft ſeyn/ wann man jhnen auferlegen wird/ daß ſie eine groſſe 5 E 2 Suma N 323 Solimanni 111. Koͤnigs Summa Gelts erlegen muͤſſen. Wolan/ ſagte der Konig/ ſie ſollen zur Straff noch viermal ſo viel an Gelt/ als jhnen an Maͤhl zu lieffern auferlegt worden/ bezahlen. Dieſes belieff ſich auf vier tauſend Tomans, oder zweymal hundert tauſend Pfund. Dieſem nach wurden dieſe Armenier gewaltkthaͤtiger Weiſe/ dergleichen Exempel man in Perſien noch nie geſehen/ von jhrem freyen Ort/ welcher bis auf dieſe Stunde für heilig und unverbruͤchlich iſt geſchatet worden/ hinweg geriſſen/ und jhrem Feind in die Hande gelieffert/ welcher ſie in einem ſchoͤnen Pallaſt/ der vol dieſem dem Mir-aab, oder Fürſten der Waſſer zugehoͤret hat/ gefaͤnglich verwahren laſſen/ mit Befehl/ ſo lang daͤſelbſt zu verbleiben/ bis ſie die vollige Summa/ in welche ſie verurtheilet worden/ bezahlet. g Dieſe Gefangenſchafft machte jhnen groſſe Sorge/ dannenher lieſſen ſie den General noch dieſen Tag bittlich erſuchen/ daß er ſie auf freyen Fuß ſtellen wolle/ und daß ſie jhm zur Danckbarkeit die weyhundert Tomans, die er anfaͤnglich von jhnen begaret/ geben/ was aber jhre Stadt belanget/ den gantzen Flecken Julfa verſamlen wolten/ daß man jhnen zu der auferlegten Summ einen Beytrag thun mochte/ weil ſie von ſich allein ſo viel Geltes nicht haͤtten. Wie/ ſagte dieſer Herꝛ hierauf/ meynen dieſe Hunde/ daß dieſe auferlegte Sum durch jemand anders/ als ſie/ bezahlt werden ſolle? Dorfen ſie jhnen wol einbilden/ daß ſie/ als reiche Leute/ von dieſer Laſt frey außgehen/ und die Armen damit beladen werden? Sie ſagen/ ſie wollen jhnen den gantzen Flecken hierzu ſteuren helffen laſſen: es iſt aber Sr. Majeſt. Will und Meynung/ daß nur die Reichen hieran zahlen/ die Armen aber/ als Handwercksleute/ und die keine Handlung treiben/ davon befreyet ſeyn ſollen. Die Kauffleute moͤgen dieſe zweymal hundert tauſend Pfund aufbringen/ und weiters kein Wort dar wider ſagen/ noch ſich entſchuldigen, wann ſie nicht wollen/ daß ihnen dieſe Summ doppelt erhoͤhet werde. Nichts deſto weniger blieben die Armenier beſtandig darauf/ daß ſie kein Gelt haͤtten/ und daß jhnen die hoͤchſte Unmuglichkeit ſey/ eine ſo groſſe Summ aufzubringen. Endlich fanden ſich zween Indianer/ welche/ entweder auß eigener Bewegung/ oder/ weil die Armenier ſie darum erſuchen laſſen/ vor dem General erſchienen/ und ſich erbotten/ dieſe Summ der h zweymal hundert tauſend Pfund her zu ſchieſſen/ wann ſie verſprechen wolten/ jhnen dieſelbe/ ſamt dem Intereſſe wieder zu bezahlen; welche dann darein bewilliget/ und wurde der Handel jnner halb vier Tagen richtig gemacht/ daß ſie der Gefangenſchafft befreyet worden. Ihr Haubt/ oder Statthalter aber/ muſte noch etliche Wochen daſelbſt verbleiben/ bis die gantze Summa/ nemlich vier tauſend Towans flir den König/ und fünff hundert für den General der Armee/ welche ſich auf zweymal hundert/ und fünff und zwantzig tauſend Pfund belauffen/ vollig erlegt worden iſt. So — theur iſt es nun dieſen gar zu eigennutzigen Leuten ankommen/ daß ſie dieſem alten/ und verſchlagenen Fuchs die tauſend Kronen/ die er an ſie begart/ abgeſchlagen haben. Es iſt aber dieſe ſo hohe Geltſtraff nicht Zueyeler von den Armeniern ins geſamt/ ſondern nur Auiwolng von denen/ die man Gioulfali nennet/ bezahlet worden. Dieſes nun deſto beſſer zu verſtehen/ ſo iſt zu wiſſen/ daß der Flecken C ioulfa, welcher einer von den Vorſtadten zu Iſpahan iſt/ in lauter Chriſten/ die auß Armemen/ jedoch nicht alle von einem Ort kommen ſind/ beſtehe; dannenhero ſie in zweyerley Colonien/ oder Volckerſchafften abgetheilet worden. Die vornehmſte iſt der Gioulfali, weil dieſelbe zu Gioulfa einer kleinen Stadt in Armenien an dem Fluß Ara xes, gewohnet/ und dieſen Flecken/ nachdem ſie nach Iſpahan verſetzt worden/ erbauet/ und demſelben ſeithero/ und in dieſen letſten Zeiten den Nahmen jhrer erſten Wohnung gegeben haben. Die andern Armenier aber/ nachdem ſie gezwungen worden/ jhre Stadt/ welche ſie vorhero bew§ohnet/ zu verlaſſen/ haben ihre Wohnung an der guſſerſten Ende einem dieſes Fleckens aufgeſchlagen/ und daſelbſt neue Hauſer/ welche vier Ecke machen/ gebauet/ worunder das eine der Hitvanli, das andere Nakchivan li genant wird/ weil ſie urſprüngliche Voͤlcker der beyden Staͤdte in Armenien/ Hirvan und Nakchvan ſeyn. Die andern zwey Ecke werden der hams abadi, und der Cheik-Sabani zugenahmet/ weil die jenige/ ſo ſie bewohnen/ vorhero in den zweyen Vorſtadten zu Iſpahan/ hams · Abad, die Wohnung der Sonnen/ und Cheik. Sabana, die Wohnung des alten Maurers/ genant/ ihren Sitz gehabt haben. Dieſe Geltſtraff nun iſt nur den erſten abgenommen worden; die andern aber/ auf welche der General keinen ſo groſſen Unwillen geworffen/ haben das Mahl/ ſo jhnen zu verſchaffen auferlegt worden/ ins geſamt mit einander nur um fünffzehen tauſend Pfund abgekauft. Die Guebres welches die alten Perſer/ oder Anbatter des Feurs/ und die an dem auſſerſten Ende dieſes Fleckens wohnen/ wurden/ nachdem ſie ihr Unvermoͤgen zu erkennen gegeben/ allerdings frey geſprochen/ weil man wol wuſte/ daß ſie ein armſeliges Volck waren/ welches in augenſcheinliche Armuht gerathen. ernach/ daß Sr. Maj. eine andere Geldſtraff fr von viermal hundert tauſend Pfund/ und zwar Multany bezahlt werden muſſen. Dieſe ſind Indianiſche Banlaner, und werden von der tadt Multan alſo genennet/ welche eine von den vornehmſten in Indien/ und von der Seiten Kand-Dar die erſte Grantzſtadt an Perſien iſt/ weil die erſten/ ſo ſich im Koͤmngreich 29 7 55 haͤußlich nidergelaſſen/ auß dieſer Stadt kommen ſeyn. Sween von dieſen Indianern nun/ hielten bereits von vielen Jahren her einen heimlichen Verſtand mit des Königs in Indien Miniſtern/ und lieſſen ſich zu d Der General der Armee machte nicht lang gest lee mit beſſerm Fug/ und Billichkeit/ durch die gen a al Gioulfa, 1 0 dent SS T..—˙—·—1¼i——rrrrrrrreeeeeee. ee— —ů— 8————— ————— ——ñ— in Perſien Kroͤnung. han für Spionen gebrauchen/ welche alles/ was bey Hofe/ und in dem gantzen Königreich vorgienge/ bey allen Gelegenheiten ſchrifftlich berichteten/ und damals die jenige bey der Ca ravane, welche im Fruͤhling in Indien zu gehen plegt/ in acht nahmen. Mil dieſer Cara: vane nun ſchickten ſie jhre Schreiben fort/ welddr heimli che under andern dieſes in ſich hielten: Es ſol2 Diele e bend General der Armee/ und ſagte/ daß er jhm etch ſeyn des Selaven ab/ und fragte ihn/ ob er die. ber te der Aureng-Zeb,(alſo wird dieser Furſt genennet) ſich nicht langer ſaumen/ Perſien feindlich anzugreifen/ indem er durch eine ſo gute Gelegenheit/ als er jemals winſchen können/ hierzu eingeladen wurde/ und jhn nichts verhindern konte/ mit ſiegreichen Waffen zu Iſpahan einzuziehen/ weilen anjetzo nur ein junger/ unerfahrner/ und zaghaffter Menſch/ der im Wein/ und Weiber⸗Liebe gantz erſoffen ware/ den Thron beſitze: und daß der jenige/ welcher alles under jhm zu verwalten habe/ ein alter Tyrann/ und General uber die Armee/ aber wegen ſeines hohen Alters/ nicht mehr tüchtig zum Krieg ſeye: die andern Ministers aber betreffend/ ſo waren dieſelbe naͤchſt deme ſie nicht viel Verſtandes/ noch Witz hatten/ dieſer Regierung uüberdruͤſſig. Uber diß/ ſo ſeye in dem Land/ inſonderheit aber in der Haubtſtadt/ ein uͤberauß groſſer Mangel an allen nohtwendigen Lebensmitteln/ und würde durchgehends uͤber die Unordnung/ und boſe Regierung geklagt. So gienge auch das Geſchrey/ daß Perſien an vielen Orten angegriffen ſeye; daß alſo die Indianer nie keine beſſere Gelegenheit haben koͤnten/ viel Platze in dieſem Königreich zu erobern/ und Kand. Par wieder zu gewinnen. In dieſem Schreiben waren des Konigs/ und des vornehmſten StaatsMiniſters/ und Officierer Conterfait eingeſchloſſen/ welche dieſe Indianer mit groſſem Gelt von einem Mahler bekommen um dieſelbe an den Indianiſchen Hofe zu ſchicken/ und den Koͤnig dieſer Landen kandtlich zu machen. Dieſer heimliche Anſchlag wurde durch einen kleinen Selaven/ den der Mahler gehabt/ entdeckt. Dann als jhn ſein Herz/ ſechs Wochen nach der Caravane Abrehs/ gar zu Ulermaſſig geprügelt/ nahme er jhm vor/ ſich auf eine Weiſe an jhm zu rachen/ die ſein Alter/ und ſeinen Stand ubertraff. Dann er fohe zu dem was heimliches zu ſagen hatte. Anfangli wolte man jhn nicht vor jhn komen laſſen/ noch dieſen. Heren/ welcher ſtats von einer unglaublichen Menge Volcks uͤberlauffen wurde/ und mit vielen Geſchaͤfften uberhauffet war/ wegen einer dem Anſehen nach/ ſo nichtswerthen Sache/ beunruhigen. Weil er aber ſtats anhielte/ daß man jhn mit jhm reden laſſen ſolte/ und daß er jhm ein groſſes Geheimnuß/ welches er keinem andern ſagen konte/ zu offenbaren hatte/ ſo ſagten die Trabanten dem General hiervon/ welcher jhn vor ſich kommen laſſen⸗ und jhn gefragt/ was ſein Begaren ſey? Der Sclav gab hierauf mit groſſer Standhafftigkeit zur Antwort/ daß dieſes keine Sach ware/ die man vor ſo vielen Leuten ſagen koͤnne/ und begaͤrtedaß er die Umſtehende hintweg schaffen/ oder mit Kroͤnung Solim. ihm an einen heimlichen Ort gehen wolle/ allo er allein mit jhm reden koͤnte. Der Generalisſimus aber achtete ſolches damals wenig; und ſagt man/ daß es drey Tage angeſtanden/ ehe er ihn weiters deßwegen befragt habe. Weil aber der Sclas ſtaͤts darauf beharrete/ daß er ſein Geheimnus niemand/ als jhin allein offenbaren wolle/ ſo ließ jhn endlich der General der Armee/ durch ſein ſtandveſtes Gemuͤht bewogen/ zu ſich in ein kleines Geheim⸗Zimmer kommen/ woſelbſt er jhm zu vernehmen gab/ daß ſein Here des Konigs/ und aller Groſſen bey Hofe/ Conterfait gemacht/ und dieſelbe in geheim den Indianern verkaufft/ dieſelbe in Indien zu ſchicken: daß drey Dervichs(alſo nennet man die Leute/ welche um jhres ſtrengen Ordens willen/ ein armſeliges Leben fuhren) ſo nebenſt den Indianern zu ſeinem Herꝛn kommen/ dieſe Conter fait bey ſich fuhrten/ und dieſelbe under alten Lumpen/ worein ſie ſelbige gewickelt/ verborgen. Ingleichem hatte er einen Brief verpitſchieren ſehen/ er wüſte aber nicht/ was derſelbe inſich hielte/ ſondern nur ſo viel zu ſagen/ daß dieſe Leute mit der Caravane von Kand-Dar abgereyſt. 5 3 Der General ſtunde an/ ob er dieſes Selaven Auſſag Glauben geben ſolte/ und ver ſuchte es bald mit Drohworten/ bald mit Verheiſſungen/ um zu ſehen/ ob er nicht wanckelmuͤtig werden/ oder auf einer Rede bleiben wurde; weil er jhm einbildete/ es moͤchte nur ein betruͤglicher Fund dieſes Selaven ſeyn: wie er jhn aber ſtandhafft ſahe/ und daß er immer einerley wie* Des Generals kluges Verfahren hierin. derholete/ ſolches auch durch Eydſchwuͤre/ die bey jhnen fuͤr die erſchroͤcklichſte gehalten werden/ beſtaͤttigte/ und ſeinen Kopff zum Pfand ſetzte/ wann ſich dieſes/ was er jhm angezeigt/ nicht alſo befinden wurde; ſo entſchloß ſich der General/ ſich der Warheit zu erkundigen. Schickte derowegen der Cara vane zween Reuter mit Koͤniglichem Befehl nach/ dieſe BriefTrager/ ſamt den Conterfaiten/ beym Kopf zu nehmen. 5 0. Oaravane- und führten die Dervichs, welche ſie an den Wahrzeichen/ die jhnen der Selav gegeben/ erkant/ mit ſich gefaͤnglich nach Iſpahan. Nachdem dieſelbe vor den General der Armeen geführet worden/ hoͤrte er ſie in beyſe arme Leute kenne/ und ob ſie das Schreiben/ und die Conterfait mitgenommen? Er bejahete ſolches/ daß es eben dieſe waren/ und ſetzte ſo hart in ſie/ daß ſie in jhrer Antwort zu wancken begunten. Hierauf ließ dieſer Here jhre Kleider durchſuchen/ und alle jhre Lumpen auftrennen/ in denen man/ wie der Sclav angezeigt/ die Conterfaite und Schreiben/ an underſchiedlichen Orten vernehet gefunden. Dieſes alles wurde vor den Konig gebracht/ und als Se. Maſeſt. den obgedachten Inhalt des Schreibens geleſen/ wurde Sie ſo hefftig daruber ergrimmet/ daß Sie auß Rachen e einen Theil der Indianiſchen Multani umbringen laſſen/ und den andern/ ob jhrer ſchon mehr als zwantzig tauſend geweſt/ auß ſeinem KonigE 3 reich Dieſe zween Reuter erreichten die 84. Solimanni III. Koͤnigs reich verjagen wollen. Der Generaliſſimus, und oberſte Staats⸗Miniſter aber/ bemuͤheten ſich den Konig zu beſanfftigen/ und fuͤhrten jhm zu Genniht/ daß man niemand als die rechtſchuldige ſtraffen mußte: underdeſſen aber kunte man niemand erfahren/ und wolten die Dervichs, was fur groſſe Marter jhnen gleich angethan/ und wie hart ſie an die Folter geſpannet wurden/ nichts bekennen; ſondern blieben beſtandig darauf/ daß ſie dieſelbe nicht keñeten/ noch jhre Namen wuͤſten. Zwar ware ihnen das jenige/ was man in jhrem Geraͤht gefunden/ bey dem Mahler gegeben worden/ es hatten aber die Indianer/ welche ſolches gebracht/ jhnen weder hren Namen/ noch ihre Wohnungen geſagt. 1 Weil ſie ſich nun in dem Schreiben eben fung. ſo wenig genennet/ und dieſer Her nicht wuſte/ wie er hinder die Sachen komen koͤnte/ ſo hatte er die vornehmſten/ an der Zahl über zweyhundert/ in Arreſt nehmen laſſen/ welche aber nach fünffzehen Tagen alle wieder loß gelaſſen worden/ außgenommen jhrer drey/ welche für die Thater gehalten wurden: zum wenigſten/ wan ſie unſchuldig waren/(dann es kunte nichts gründliches auf ſie erwieſen werden/ und hatte man gar ſchwache Anzeigungen) ſo wolte man ſich/ wegen ſolcher Ungewißheit/ mit der Einziehung Theils jhrer Guter/ ſo viel man deren erfahren konte/ vergnügen/ die ſich auf ſehr ho⸗ Gaſt he Sudmqen belieffen/ von denen man doch/ auß Mitleiden/ nur acht tauſend Tomans, welche viermal hundert tauſend Pfund machen/ genommen; das uͤbrige aber iſt jhnen/ auf beſchehene Anzeigung/ daß das jenige/ was man bey jhnen gefunden/ nicht ihnen/ ſonbern den Indianiſchen Kaufleuten zugehoͤre/ gelaſſen worden. Die drey Brief⸗und Conterfaits⸗Trager/ wie auch den Mahler betreffend/ ſo wurden dieſelbe jaͤmmerlich gepruͤgelt/ und nicht eher loßgelaſſen/ bis jhnen die Füſſe von den Streichen/ ſo dick wie ihr Kopff geſchwollen. Begäten des In dieſe Zeit ſandte der ha-navaz, Kaan, ngen Fir Fürſt und Statthalter in Georgien/ ſeinen ten in Geor 8 1 5 5 5 185— Sohn an den Perſtamſchen Hofe/ den Konig um das Daroga, oder Ober⸗SchultheiſſenAmt zu Iſpahan/ welches jhm/ vermoͤg derer zwiſchen den Konigen in Perſten/ und den Georgianiſchen Fuͤrſten aufgerichteter Vertrage von Rechts wegen zugehoͤrte/ zu bitten. Seine Maj. kame zwar ſehr ungern daran/ in ſein Begaren zu willigen/ weil dieſe Stell ſchon beſetzt war; nichts beſto weniger weil die Miniſtri ſahen/ daß ſein Begaͤren rechtmaſſig war/ ſo redeten ſie mit dem Konig dergeſtalt/ daß er jhn endlich eingeſetzet/ und dem Kell. Haly- Bek befohlen/ jhme dieſes Amt abzutretten/ welches man aber mit einem andern/ eben ſo anſehenlichen wieder erſetzet. Dieſes nun zu verſtehen/ ſo iſt zu wiſſen/ daß nachdem Konig Habas der Groſſe ſich der Landſchafft Georgien bemachtiget/(welches ſo wol mit Liſt/ als Gewalt geſchehen) derſelbe durch die Verſprechungen/ mit denen er den guten Temuraz-Kaan, welcher der letſte Konig geweſt/ überliſtet/ hm groſſen Vortheil verprochen/ wann er ſich ſeinem Reich underwerffen/ und jhn für einen Herꝛn erkennen wurde: und under andern/ daß das Ober⸗Schultheiſſen⸗Amt zu Iſpahan ins kuͤnfftig den Kindern des Fürſten in Georgien verbleiben/ und dieſes Recht auf ſeine Nachkommen auf ewig fortgeplantzet werden ſolte: Dieſes Verſprechen iſt jhme auch bis auf gegenwartige Stund gehalten worden/ und verwaltet des Fuͤrſten auß Georgien Sohn noch ſtaͤts dieſes Amt. Es wurde auch die dritte Stelle/ nemlich das Statthalter⸗Amt zu Chamaky beſetzet/ welches einen Theil des Südlichen Medien/ und noch einen andern des Hyrcanien in ſich begreifft. Dieſes wurde dem Seker-KouliKaan, das iſt/ dem Printzen uͤber die Selaven der Armeen gegeben. Dieſe Stelle war durch den Tod des Negef-Kouli-Kaan, eines von den wackerſten Herren in gantz Perſien/ und tapffern und ſtreitbaren Manns/ ledig worden/ welcher durch ſeinen unerſchrockenen Muht und Hertzhafftigkeit zu ſo hohem Stand geſtiegen. Es haben auch die Europaͤiſchen 8 1 Beſetzullg des Statthalter⸗Amnt zuchamake) Jubilierer ſeine milde Freygebigkeit zum offtern in der That erfahren: dann er ließ es nicht dabey/ daß er jhnen jhre Edelgeſteine/ die er jhnen abgekaufſt/ wol bezahlet/ ſondern er beſchenckte ſie noch darzu mit Kleidern/ und andern Preſenten/ und behielte ſie bey ſich zu Mittlerweil nun dieſe Sachen alſo in der Haubtſtadt in Perſten vorgiengen/ ſtuhnde man an den Grentzen in groſſen Forchten wegen eines Kriegs/ welcher von allen Seiten angedrohet wurde/ und ſahe man zu Iſpahan nichts als Curriere/ welche Theils auß Bactriana, Theils quß Hyrcanien/ und Medien kamen/ und von underſchiedlichen Anſchlaͤgen der Coſacken/ der Kalmak Vs: bels, und anderer Tartarn Nachricht brachten. Ingleichen lieffen auch viel auß Türckey/ und Indien ein/ welche nicht viel beſſere Zeitungen mitbrachten. Man beſorgte ſich aber von dieen beyden Orten/ inſonderheit aber von dem lerſten/ keines Kriegs/ weil man wol wuſte/ daß die Türcken in Candien jhre Hande voll zu thun hatten. Was den Konig in Indien anbelangt/ ſo vom in Indien. war gllem Anſehen nach zu vermuthen/ daß er Perſien bekriegen würde; dann zu geſchweigen/ daß er an und vor ſich ſelbſt ſehr hochmuhlig/ und ehrgeitzig/ und innerhalb ſeines Reichs alles ſtill und ruhig war/ von auſſen her aber ſich nichts zu befoͤrchten hatte/ ſo ſchiene es/ Kriege Ge, fahr in Pe ſien/ 5 Ku daß er guten Luſt hierzu hatte/ um ſich wegen der Beſchimpfungen/ die ſeinem Abgeſandten/ dem Terviet-Kaan, in Perſien begegnet/ zu erholen. Wir haben in der Lebensbeſchreibung Königs Habas, des Zwweyten/ nach der Lange von dieſem Abgeſandten geredt/ welcher Anno 1664. nach unſerer Jahr⸗Rechnung/ mit einem Gefolg von acht tauſend Mann nach Hiſpahan kommen; worbey dann von den überauß koͤſtlichen Preſenten/ beydes in Anſehen derer/ die der Konig angenommen/ als die er außgeſchlagen/ Meldung gethan 755 g en: 0 ts 7 0 er 0 1. das chdeſſlin Perſien Kroͤnung. 55 den: Ingleichen iſt auch von der Urſach ſeiner Geſandſchaft; ſeinem Aufenthalt an dem Perſiqniſchen Hofe/ und von den offentlichen Verſchimpfungen/ welche jhm der Konig kla. bas vorſetzlich anthun laſſen/ um durch ſeine Perſon ſeinen Heren/ den Aureng- zeb, zu beſchimpfen/ und ſih an jhme wegen deſſen/ daß er jhm ſeinen Geſandten ſo lang nicht wieder zuruck geſchickt/ zu rächen. Endlich/ haben wir die Preſenten beſchrieben/ welche der Konig in Perſien dem Geſandten mitgegeben/ dieſelbe ſeinem Konig zu bringen. ü Der Konig FHlabas der Zweyle ſtarb fünfzehen Tage vorher/ ehe dieſer Geſandte bey ſeinem Konig ankommen/ welcher/ weil er von ſeinem Tod noch nichts gewuſt/ und von jhm ſelbſt vernommen/ wie ſchimpflich man mit ſhme an dem Perſianiſchen Hofe umgegangen/ heftig darüber ergrimmet wurde/ und ſchaffte den Terviet-kaan, von Stund an in Ungnaden ab/ und ſchalt jhn/ als einen nichtswerthen verzagten Tropfen/ weil er ehe tauſendmal hatte ſterben/ als dergleichen Verſchimpfungen leiden ſollen. Er ließ auch alle koſtbare Pferde/ welche jhm der Konig in Perſien/ an der Zahl ſechs und zwantzig geſchiekt/ auf den groſſen Platz ſeiner Reſidentz⸗Stadt Dehly bringen/ und jhnen die Schenckel abhauen. Folgends ließ er die koͤſtliche gůldene und ſeidene Zeuge/ die Türckis/ und was ihm ſonſt von ſelbigem Konig zugeſchickt worden/ aſentlich verbrennen/ und weil er jhm vorgenommen/ demſelben den Krieg anzukunden/ ſo verbot er ſeinen Underthanen/ mit den Perſtamſchen weder zu Land/ noch zu Waſſer etwas zu handeln/ und ſchickte in alle Indianiſche Haven/ außdruͤcklichen Befehl/ daß keine Jndianiſche Schiffe in dieſes Königreich fahren ſolten. Nachdem nun dieſe Zeitung nach Iſpahan gebracht worden ſo hielte der meiſte Theil den Krieg für gewiß/ und ruſtete ſich ein jeder hierzu: die Verſtandigeren aber/ wolten ſolches noch nicht für ſo gar gewiß glauben/ und war der Gemchidkaan Roular Agacie General der Selaven/ der jenige/ welcher am meiſten auf dieſe Zeitung hielte/ und machte/ daß man derſelben bey Hoſe Glauben zugeſtellt. Dieſer Here/ nachſt deme daß er auch General uber die Armee war/ halte ſich beym Koͤnig in groſſe Gnaden gebracht/ und/ weil er ſeine vorige Tücke nicht laſſen koͤnnen/ hat er die erſten neun Monat dieſes neuen Reichs ſo gefaͤhrliche Praeticken/ beydes wider die Groſſen als Geringern am Hofe angeſtellet/ daß er ſich/ nachdem etliche derſelben entdeckt worden/ unertraͤglich gemacht/ und jedermans Haß auf ſich geladen/ dergeſtalt/ daß er ſich nicht unbillich beſorgete/ er würde ſo vielen Feinden nicht gewachſen ſeyn. Nicht ohne iſt es ztvar/ daß er beym Konig in groſſen Gnaden/ und General der Armeen geweſt; er kunte ſich aber nicht darauf verlaſſen/ weil er nicht verſicheret war/ daß er ſich dabey in die lange wurde erhalten konnen: dannenhero war er der Meinung/ daß er/ bey ſo geſtalten widerſinnigen Sachen/ nicht beſſer würde thun koͤnnen/ als ſich/ ſo weit er immer konte/ under einem ſcheinbaren/ und rühmlichen Vorwand/ zu entfernen. Weilen nun das ubernament zu Kanddat, ihne eine ſo gunſtige Gelegenheit an die en e ſo 15 2 vor/ ſich dahin zu bemühen/ daß jhm daſſelbige gege werden moͤchte. 1 3 Um ſolcher Urſach willen nun/ underhielte er das falſche Gerücht/ wegen des von dem Konig in Indien vorhabenden Kriegs/ nach auſſerſtem Vermoͤgen/ und brachte Sr. Maj. Zeitung zu Ohren/ die er für gantz gewiß außgab/ daß der Indianer mit einer mächtigen Der General der Selaven machet dieſes Geruͤcht grbſſer. 9 Armee irn Anzug begriffen/ Kand-daar zu belagern; und damit er zu ſeinem Vorhaben deſto beſſer gelangen/ und die Luz; be kes; auf ſeine Seiten bringen mochte/ ſo hatte er jhnen fünfzig lacres mit Roupies zugeſchickt/ die ſich auf ſieben Millionen Pfund belauffen/ mit dem Beding/ daß ſie ſich wider Perſten erklaren ſolten; und daß der Aureng. zeb ſelbſt in Perſon bereits zu Feld gezogen ware. Mit einem Wort/ er wuͤſte ſo ſcheinbare Lugen zu erdencken/ und einen ſo glaublichen Schroͤcken zu machen/ daß man auf nichts anders bedacht war/ als wie man einem ſo nahe inſtehenden/ und gefährlichen Unheil begegnen mochte. Hier nachſt gab er ſich fur einen getreuen/ und fur ſein Batterland eiferenden Underthanen an/ und erbotte ſich/ das Korban; wie ſie es nennen/ oder das Schlacht⸗Opfer für des Volcks Wolfahrt zu ſeyn/ mit Erbiethen/ daß er zu Kand. daar ſtine Merſon in Gefahr ſetzen/ und den erſten Angriff des Feindes außſtehen wolle. Er nahme auch zu ſolchem ſeinem Anſchlag den General uber die Armeen zum Gehülffen/ welcher frohe war/ daß er gleiches mit gleichem vergelten/ und deme jhme erwieſenen Gefallen/ worvon wir anderwerts Erwehnung gethan/ erwiedernkunte. Der Konig ließ ſich durch dieſe zween Herꝛen/ als ſeine vertrauteſte Rahte/ deren der eine General uber ſeine Armeen/ der andere aber General uber die Selaven war/ hierzu bereden/ und verwilligte in dieſes letſten ſo eiferig geſuchte Begehren/ mit Befehl/ Volck zu werben/ nebenſt der Hofnung jhme das Gudernament zu Kand.-daar zu übergeben. Diſer Partiten macher wqꝛ nit wenig hieꝛüber erfreuet/ weil er ſich hieꝛduꝛch/ wegẽ der hoͤſen. Sandel/ die ſein unrůhiger Kopf angeſtiſtet/ verſichert zu ſeyn hielte. Wir haben anderswo geſagt/ daß dieſer Her: ſederzeit flir einen groſſen Betrieger ſeye gehalten/ und daß er under dem Konig la. bas II. bey welchem er ſehr viel gegolten/ und dem Hofe viel/ und underſchiedüche Boſſen geriſſen: daß er zur ſelbigen Zeit von federman/ der jhm Gelt angeboten/ ſolches angenommen/ und ihnen verſprochen/ jhnen zu denen Aemteren/ und Bedienungen/ die ſie begehrten/ behülflich zu ſeyn; wann er aber daſſelbe empfangen/ ſeines Verſprechens ſich hernach nicht mehr erinnert habe. Ingleichen/ daß es ſeine Luſt geweſen/ Zwytracht und UnBeſchre ſeiner P ſon. einigkeit anzurichten und gefahrliche Verleumdungen wider ſeine Mit⸗erber erdichte/ welche er hernach mit unverſchamter Stirn E 4 fur ibũg er 56 für eine gewiſſe Warheit dem Konig vorgegeſtalte ſchoͤne Perſon/ von groſſer Tapferkeit/ und Verſtand/ in den Waffen wol abgerichtet/ und uͤber die maſſen freygebig; dergeſtalt/ daß er/ ohne dieſe ſchaͤndliche Boßheit/ mit welcher er ſein gantzes Thun beſchmitzet/ fur der treflichſten Manner einen von der Welt gehalten werden koͤnnen. Mit einem Wort zu ſagen/ ſo hat man niemals bey keinem Menſchen ſo gute/ und boͤſe Qualitaͤten vermiſchet geſehen.. Eine von ſeinen guten Eigenſchafften b war/ daß er ſeinem Herren und Koͤnig das Hertz hat abgewinnen konnen; wie hingegen dieſes eine von ſeinen boͤſen geweſt/ daß er ſich bey ſeines gleichen Feindſeelig/ und entſetzlich gemacht: und weil er ſich in deß jungen Koͤnigs Gunſt/ wie er vorhero bey ſeinem Vatter gethan/ eingeſchlichen/ ſo fuhr er/ under dieſem neuen Koͤnigreich mit ſeinen vorher geſnielten Practicken noch immer fort. ir un, Nicht der geringſten Schelmenſtuͤck ei1 8 war/ welches er dem Mirza-Ibrahim, dem nirza oder Abraham Vazier, oder Koͤniglichen Abranim. Pachtmann zu Arour-beyan, welches in Medien/ und eines von den wichtigſten iſt/ bewieſen. Er nahme von demſelben fuͤnfftzigeinen Handel erwirbet/ wordurch er den gro ſten Theil ſeines groſſen Guts verlohren/ und ihn dergeſtalt in Ungnad gebracht/ daß er ſich biß auf dieſe Stunde noch nicht daraus loß wuͤrcken/ und dem Anſehen nach ſich nimmermehr wird wieder erholen koͤnnen. Dieſes iſt auf folgende Weiſe zu gegangen: Es hatte ſich der General der Sclaven/ in dem Borſatz/ dieſe Summ von fuͤnfftzig tauſend Pfund zu fiſchen/ an dieſes reichen Pachtm anne, wel cher ſich zu Tauris guffhielte/ und ſein Amt verſahe/ Bruders Sohn gemacht. Dieſer war noch ein junger Mann/ und des MirzaSadek, oder gerechten Herꝛn/ Sohn/ welcher/ gleich wie ſein Bruder/ in der Provintz/ 0 Fars, welches Perſide iſt/ geweſt/ und dem an„ g dern an Reichthum nichts nachgegeben. Die* ſer junge Her? verwaltete bey Hofe das Amt N a Erbaẽb· Tahuil; das iſt/ oberſten Verwalters uͤber alle Koͤnigliche Gebaͤude/ und Luſthaͤuſer zu Iſpahan. Einsmahls nun zog jhn der General der Sclaven auf eine Seiten/ und redete jhn/ alſo an: Was macht jetzo dein Vetter Mirza. Ibrahim zu Tauris? Warumb komt er nicht nach Hofe? Iſt auch wol einer tuͤchtiger/ als er/ das Amt des obriſten Staats⸗Miniſters zu verſehen? Der Mahammed- Mehdy, welcher daſſelbe unwuͤrdig zu verwalten hat/ itt ein grober unverſtaͤndiger Mann/ und nicht tuͤchtig hohe Staats ⸗Sachen zu fuͤhren. Ich weiß auch von guter Hand/ daß der Koͤnig willens iſt/ dieſes Amt einem andern zu geben; und wuͤſte ieh keine tuͤchtigere Perſon/ einen ſo wichtigen Dienſt zu verbracht. Im ubrigen war dieſer Herꝛ eine woltauſend Pfund auf/ mit welchem Gelt er jhm Solimanni III. Koͤnigs ſehen/ als den Mirea· brahimʒ dergeſtalt/ daß ich mir getraute vermittels einiger/ und nicht gar zu uͤbermaͤſſig hoch ſtehender Preſente/ hme ohne ſonderbare Muͤhe hierzu zu verhelffen. Wann du mir tauſend Tomans geben wilſt/(welche fuͤnfftzig tauſend Pfund machen) ſo weiß ich gewiß/ daß ich jhn/ an ſtatt eines Vaeier uͤber eine Provintz/ zum Groß Viseir, das iſt/ obriſten Staats⸗Miniſter/ werde machen koͤnnen. Dieſer junge Herꝛ gab jhm zur Antwort/ daß er hierauf bedacht ſeyn wolle/ und fertigte von Stund an/ ſo bald er von jhm gangen/ einen Currier an ſeinen Vettern ab/ welcher jhm den Vortrag deß Generals der Sclaven brachte. Dieſer ſandte durch dieſen Currier ſeinem Vetter wieder Ordre zuruck/ dem General die begehrte Summ zu lieffern; welches er dann alſobald gethan. Hierauf langte noch ein anderer Currier in Nahmen des Mirza Ibrahim zu Iſpahan an: dann dieſer Mann bildete jhm gaͤntzlich/ daß es mit ſeiner Erhoͤhung zum oberſten Stagts⸗Miniſter ſchon allerdings richtig ſey/ und zwar um ſo vielmehr/ weil er dieſer Stelle in der That würdig war. Damit er jhm nun den Eintritt deſto leichter machen moͤchte/ ſo begehrte er von Seiner Majeſtaͤt Erlaubnuß deroſelben die Fuſſe zu küſſen: in ſeiner Abweſenheit koͤnte ſein Sohn ſeinen Dienſt verſehen/ daß an demſelben nichts verſaͤumet wuͤrde. Die Miniſtri; welche um dieſen Handel nichts wußten/ gedachten nicht/ daß dieſe Verwilligung dem Koͤnig die Fůſſe zu kuͤſſen/ hnen groſſen Abbruch wurde thun konnen/ oder daß ſie zu einem wichtigen Zweck den Grund legen ſolte. Solchem nach wurde jhm ſein Begehren ohne einiges Bedencken eingewilliget/ und jhme ein Befehl zu geſchickt/ daß er nach Hof kommen/ und ſeinen Sohn an ſeiner Stell hinderlaſſen ſolte. i Mitlerweil nun dieſe Currierer ab und zu giengen/ kame des Mirza Ibrahim Vetter ein fliegendes Geſchrey zu Ohren/ daß der General der Selaven Semchid. Kaan, nach Kand daar reißfertig ſtuͤnde. Dannenhero wolte er ſich der Sachen genauer erkundigen; und als er erfahren/ daß es nur mehr als zu wahr ware/ war er wegen der tauſend Tomans, die er dieſem General im Namen ſeines Vettern gelieffert/ ſorgfaltig/ welche verlohren gehen moͤchten/ wann er ſolches verſchlaffen ſolte. Dieſem nach beſuchte er den General der Selaven/ und erinnerte jhn mit hoͤfflichen Worten ſeines gethanen Verſprechens/ daß er ſeinem Vettern bey Sr. Maj. ein gutes Wort verleihen/ und ihm zu dem Amt des oberſten Staats⸗Miniſters befüͤrderlich ſeyn wolte; wie ingleichem der Summa Gelds/ die er jhme in Betrachtung dieſes/ geliefert. Weil er nun vernommen/ daß der General der Sclaven/ den Hof verlaſſen wolle/ und ſolchem nach auf die Sache keine Hofnung mehr zu machen ware/ oder doch zum wenigſten/ wann ſieeinen Fortgang gewinnen ſolte/ ſolches in Perſien ches nicht durch ſeine Vermittelung geſchehen wuͤrdez als wolte er jhn gebatten haben/ jhme die funzig tauſend Pfund/ die ex von hm emngen/ jhme wieder zugeben. Der Selaven eneral ließ ſich im geringſten nichts mercken daß ihn dieſes Begehren verdrieſſe/ ſondern gab ihm zur Antwort; es ſeye nicht mehr als dillich/ und daß er jhm jnnerhalb einer gewiſſen Zeit dieſe Summa wieder erſtatten wolle. Als nun dieſelbe erſchienen/ ſo verſchob er ſolches zum oͤftern von einem Tag zum andern. Des Mir-Za Ibrahim neve aber mahnete ihn ſtats/ und ließ keine Gelegenheit vorbey gehen jedoch redete er in aller Stille mit Ihm/ auß Beyſorge/ es moͤchte ein Geheimnuß außbrechen/ welches/ wann es offenbahr werden ſolte/ beydes ſeines Vettern/ und ſein eigenes Hauß würde über einen Hauffen 19 koͤnnen. Endlich wurde der General der Sclaven dieſes ſo oftermaligen Mahnens müde; und als er ſahe/ daß es mit ſeiner Liſt auß war/ und nicht wuſte/ was für kine Außrede er mehr finden ſolte/ ſo entſchloß er ſich/ von dieſem ungeſtümen Anforderer fich loß zu machen/ und ohne ferners Kaufſchlagen mit jhm anzubinden. Danm als er einsmals an einem Abend/ da er ſein Gebatt verrichten/ und ſich nachgehends nach Hofe begeben wolte/(dann die Mahometaner pflegen ihr Gebatt offentlich zu thun) wahrgenommen/ daß dieſer junge Her? zu jhm gehen/ und ihn anreden wolte/ bediente er ſich dieſer Gelegenheit/ wo ſelbſt viel Leute/ und dabenebenſt hohe Stands. Per ſonen 1 die es hoͤren kunten/ was er ſagte/ und fu Seufzer/ un N. aufgehabenen Augen/ und Armen/ mit dieſen Worten herauß Mein Gott! was ſoll ich mit dieſem Mann anfangen? er gehet mir allenthalben/ wie einem Ubelthaͤter auf dem Fuß lach/ und laͤſſet mir nicht ſoͤ viel Zeit/ mein Naamaz, odet Gebaͤlt zu thun/ habe auch/ keine Ruhe vor ihm/ daß ich mich in meinem Haram zu meinen Weibern begeben koͤntedaß ich jhn nicht ſtaͤts zur Seiten haͤtte. Nachgehends wendete er ſich gegen hm und ſagte zu ihm: Guter Freund/ was ſoll ich thun/ daß ich dir ein Genuͤgen geben koͤnne? Bin ich dann Konig in Perſien daß ich deinen Vettern zum Weiden Staats⸗Miniſtet machen kan? Di magſt zu Sr. Maj. hingehen/ dann mein Vermoͤgen iſt dißfals viel zu gering. Ich will allhier einen jeden gedencken laſſen/ was für ein Donnerſtreich dieſe Worte dieſem jungen Herren muſſe geweſen ſeyn/ dann er hatte wol zehenmal ſo viel darum gegeben/ daß dieſer Boßwicht das Maul gehalten hatte/ und war jhm von Hertzen leid/ daß er ſoſtarck auf ihn gedrungen: es twar aber allzu ſpat/ dann des Mirza-Ibrahim heimlicher Anſchlag wurde hierdurch offenbahr/ und kunte der 2 Hof/ der ſolches erfahren unſchwar urtheilen/ daß dieſer unglückhafte Ehr0 ſ⸗ als ſich die Hoff hr mit einem tieffen Seufzer/ und geitzige denſelben t ſen/ wie dann in de e heur kvürde bezahlen muſf hat geſchehen. Es hatte der General der Sclaven/ durdh eben dergleichen geſchwinden Liſt/ ſchon vorhero dem Nazir, oden General Ober⸗Aufſeher/ 100. Tomans, welche oo. Duplonen machen/ abgeſchwetzt; welches ſich zu der Zeit/ tt wieder nach Iſpahan begeben/ zugetragen. Dieſer ſubtile Betrieger lieff in voller Hitze zu jhm hin/ und redete Ihn abſeits folgender geſtalt an: Herꝛ/ ich bin kommen/ euch zu warnen/ daß euer Kopf durch eurer Feinde Practicken in Gefahr ſtehe. Dann der Koͤnig hat ſich durch ihre Verleumdungen ſo ſehr einnehmen laſſen/ daß er ſich entſchloſſen/ wann ich mich nicht dar wider gelegt haͤtte/ euch kein Kleid/ koch Koͤnigliehes Patent zu ſchicken. Der General über die Muſquerierer war der jenige/ der euch am meiſten geſchadet/ mit welchem ich deßwegen in einen Streit gerahten bin; dannenhero verſihe ich mich zu euch/ daß jhr dieſen guten Dienſt/ den ich euch geleiſtet/ niht unvergolten laſſen werdet. i Sein Ber krug gegen b em Nazit; Eben dieſes prgcticierte er aich gegen dem und Fiir Mirza-Moumen, das iſt/ dein Herren ohne amen. Mackel/ welcher Nazir, oder Ober: Stallmeiſter des Koͤnigs war/ von welehem er darmit zweytauſend Piſtolen bekommen/ in deme r ihn uͤberredet/ daß er jhn wider ſeine maͤchtige Anklaͤger/ die jhn bey Sr. Maj in Ungnaden bringen wollen/ verthadiget: Jin übrigen/ wolle er jhn nieht langer bey dieſer Stell laſſen ſondern bey Sr. Maj. ſich bemühen/ daß Sie ihn an ſtatt des Ober⸗StallmeiſterAmts/ zum General⸗Ober⸗Aufſeher der Königlichen Kammer⸗Guter/ an des MakſoudBek Stelle machen wolle/ als weleher dieſes. Dienſts nicht würdig ware/ und deſſen 11 wackelte/ weil der Konig einen ſolchen Man wie er/ der ſich ſeiner Erhoͤhung auf den Thron widerſetzet/ nicht mehr vor ſeinen Augen ſehen koͤnne. Bey ſeiner Abreiß wolte dieſer General der Selaven annoch ein Merck⸗mal ſeiner Tücke/ und Boßheit hinderlaſſen/ dann er nahme ihme vor/ die zween vornehmſte Verſchnittene des Königs/ welche gleich als zween Ober⸗Gebietiger in dem Pallaſt ſeyn/ neinlich det Mehthet, oder Oberſten Kammerling/ und den Aga-Mubarik, Ober⸗Auffeher über das Hauß det Princeſsin der Königlichen Frau Mutter/ dergeſtalt an einander zu hetzen/ biß ſie beyderſeits einander aufgerieben. Er gieng hin zu dem Oberſten Katnmerlüntg/ und ſagte zu jhm/ er hatte jhm ein höchwwichtiges Geheitnnuß zu vertrauen/ welches er/ wegen der zu jhm tragenden guten Freundſchaft, licht verſchweigen konne/ daß flemlich der A 83 Mubarik bey allen Gelegenheiten ſehr übel don ihm ben dem Konig rede; es wurde aber ſeine eigene Boßheit auf ſeinen Kopf fallen/ weil er auß Sr. Maj. Munde gehoͤret/ daß ſie die Verleumdungen/ und Boßheit. wie dich gege die zween vornehmſte meerſchnitte e; 88 Solimanni nicht langer ertragen koͤnne/ ſondern entſchloſſen ware/ jn umbringen zu laſſen; welches auch bereits wur de geſchehen ſeyn/ wann der Konige in Betrachtung des Dienſtes/ ſo er hm bey ſeiner Wahl geleiſtet/ nicht noch einiges Bedencken truge. Nachgehends verfuͤgte er ſich zu dem Aga Mubarek, und redete mit jhm faſt eben dieſes wider den Oberſten Kaͤmmerling/ was er vorhero zu dieſem wider den Aga Mubarek geſagt: dergeſtalt/ daß dieſe zween Rache trugen/ jedoch aber warteten/ biß der Konig die jenige vollziehen wurde/ worzu der General der Selaven einem jeden wider ſeinen Feind Hofnung gemacht hatte: weil aber ſolches lang anſtünde/ und ſie ſahen/ daß das jenige/ was jhnen verſprochen worden/ nicht zu zweifeln; dann es war jhnen die Perſon/ von welcher daſſelbe anfaͤnglich hergerühret/ wol bekandt/ und weil ſie wuſten/ daß er ein groſſer Lugenſchmied war/ ſo entſchloſſen ſie ſich/ recht hinder die Sache zn kommen. daher war der erſte/ welcher die Sache entdecket/ und kommen. die Gelegenheit genommen/ als der Aga Mumit gewohnlichen Complimenten gegruſſet. Der oberſte Kammerling gab jhm hierauf 1 ge/ die mir aͤuſſerlich gutes/ im Hertzen 4 5 aber den Tod wuͤnſchet, Hierauf zog er ihn auf eine Seiten/ und ſagte zu jm: Was u bels hab ich euch gethan/ daß ihr meinen Tod beſoͤrdern wollet/ in deme jhr mich kaͤglieh beym Konig zu verunglimpfen trachtet. Ieh troſte mich aber deſſen/ daß meint /gelingen werde. Der Aga Mubarek, als er hier durch die Thur zu der hegehrten Erlaͤuterung geoͤffnet geſehen/ verſetzte hingegen: Ihr dor fft euch uͤber mich nicht beklagen/ ſondern ich habe vielmehr Urſach ſolches zu thun. Dann ſeyt jhr nicht eben der jenige/ welcher mit dem Koͤnig von mir ſolches/ und ſolches Geſpraͤch gefuͤhret/ welches nen/ wann Se. Maß. demſelben GlauN ben gegeben haͤtte aber Gott ſey gedanckt/ daß ſolches nicht geſchehen iſt. de arge. Dieſe beyde Herren erſchracken ſehr darudummen ber/ als einer dem andern einerley Verwiß dach wider gah/ und hielten jhre Klagen gegen einander/ i durch deren Underſuchung endlich außfundig gemacht wurde/ daß dieſes ein pur lauteres Gedicht/ aber ein ſehadlicher Anſchlag geweſt/ den der General der Sclaven gemacht/ ſie beyde gegen emander zu verbittern/ und ſich jhre Miß verſtandnus zu Nutzen zu machen. Weil nun dieſer unverantwortliche Geiſt nicht allerdings ſeinen Fortgang erreichet/ und ihnen nicht ſonders geſchadet/ ſo lieſſen ſie ſich daVerſchnittene gegen einander eine verborgene vollzogen wurde/ begunte ein jeder an der Warheit dieſes jhnen beſchehenen Anbringens ten. Alser nun vier tauſend/ lauter wackere Der Mether, oder oberſte Kammerling f barek ihm ohngefahr aufgeſtoſſen/ und jhn mals nichts deßwegen mercken/ und beklagten ſich nichts darwider/ ſondern nahmen ihnen für/ einer andern n a jhrer Rache zu erwarten/ der gewiſſen Zuverſicht/ daß 0 dieſelbe/ wann ſich eine eraugen ſolte/ nicht entgehen würde. Gleich wie num ſolche Verſchnittene in dergleichen heimlichen Practicken ſehr geüͤbet ſind/ und durch verborgene Wege eine Rache beſſer als jemand zu ſehmieden/ und unverſehens außbrechend zu machen wiſſen: Alſo haben ſie auch nicht underlaſſen/ eine gleichmaſsige gegen dieſen Boßwicht zu veruben/ wie an ſeinem Ort gemeldet werden ſoll: dann dieſe ſinds/ welche/ wie man darfür halt/ am meiſten zu ſeiner Ungnade/ und ſeinem Tod geholffen haben. 5 Nachdem der General der Selaven ſeinen Befehl/ wegen des Gubernaments zu Kanddaar, und den Krieg wider die Indianer zu führen/ erhalten/ fienge er an/ Soldaten zu werben/ welche er alle Tage mit ſo groſſem Fleiß in den Waffen underrichten ließ/ als wann ſie den Feind vor dem Thor gehabt haͤtchoͤne Mannſchaft beyſammen gehabt/ ließ er ſich vernehmen/ daß er keiner mehr begehre/ ſondern an dieſen Neu⸗ geworbenen genug habe; und wuſte/ durch Hülf des Generaliſimi, ſeine Sache ſo wol anzustellen/ daß der König/ den ſie ſtats beredeten/ daß des Mogols Armee je länger je näher komme/ kaltſinnig zur Antwort: Sehet eine Zun⸗ ihme die Serdearzober Obersten Feld Herren Stelle über Kandaar, und denen zugehorigen Orten anvertrauet/ und ihn zum Statthalter der Provintz/ und Stadt/ gleiches Nahmens gemacht/ welche die ſo berühmte Veſtung/ und der Schluͤſſel des Königreichs gegen die Indianer iſt. Sie ligt auf dreyen Hoͤhen/ deren eine die andere beſtreichen kan/ euch euer Vorhaben meßt/ wie ihr ver⸗ und wird von den Perſianern für unüberwindlich gehalten/ daß ſie im Sprichwort zu ſagen pfegen: Wer will die Wohnung der Sicherheit einnehmen? Auf das Wort 5 7 daar deutend/ welches eben dieſes beEx hielte auch vor ſeiner Abreiß von Seine w. Sr. Maj. die Bewilligung/ daß ſein Bru⸗ reiß nach der Sela ven ſo lang commandieren ſolte/ hiß der Phereidon- Bek als General⸗Leutenant mich wol um den Hals haͤtte bringen koͤn⸗ ſein Sohn/ deme der Konig die Anwartung berwilliget/ ſo alt worden/ daß er dieſe Stelle ſelbſt verſehen koͤnte. Er war aber damit noch nicht zu frieden/ ſondern er erhielte von dem Konig noch dieſe Verwilligung/ daß er/ wann es jhm beliebte/ nach Hofe kommen moͤchte/ und nicht erſt um Erlaubnuß anhalten dorfte. Nach ſolchen erhaltenen Begnadigungen reiſete der Gemchid-Kaan mit hoͤchſter Vergnugung ab und bildete ſich ein/ er ware nunmehr denen Feindſeligkeiten/ die er jhme durch ſeine boͤſe Handel erwecket/ genugſam entgangen. ee Etliche Tage nach ſeiner Abreiß/ redete man nichts mehr vom Krieg/ und vernahme man hingegen/ daß es gar zu keinem kommen wurde. Die gemeine Sage de 0 dar. . 1 2 1 1 0 1 . r e.ei in Perſien Kroͤnung. berreden/ wor an er dann/ ſonder Zweifel/ ſchr daß der Aureng-Zeb, nachdem er vernommen/ daß der Konig Habas geſtorben/ und der jenige/ der an ſeiner Stelle den Koniglichen Srepter fuͤhrte/ noch ein junger Mann ware/ ſich viel zu gut darzugehalten/ ſich mit Ihm in einen Krieg einzulaſſen. Es hat aber/ weißlich gethan; dann es war die pur lautere Warheit was ihm dieſe Prineeſsin geſagt; daß er nemlich in dieſem Feldzug nicht viel zu gewinnen hingegen aber unſagüch viel zu verlieren haben wurde. ſonder Zweifel/ der Indianer dieſe Großſpre⸗ Es war der jenige/ welcher vorhero Gze⸗ den der chery erdacht umſehn Ehre herdalch u zer. near der Stlaben gewef, amjego 5 1 wa ben Hie aber zu de Ruauen Zeiten welche General uberdie Armer gemacht orden Ferst nge die Perſtaniſche Amadis ſeyn würde ge⸗ vor einem Monat vom Hofe abgereiſt/ gls del schlechte golten haben/ da man nur um die Ehre ge⸗ der Nlirza-Ieralüm nachdein wan lang auf enen ſtritten hatte. Jetziger Zeit aber fechten hohe jhn gewartet/ zitterend und bebend daſelbſt 1 5 5 Potentaten nicht mehr Mann für Mann/ angelangt: dann er hatte ſchon zu Tauris noch in einem ſonderbahren Itvey-Kampffum vernommen/ was für einen Boſſen ihme der zu erweiſen/ welcher der ſtaͤrckeſte ſey/ ſondern ſie liefern mit gantzen Armeen einander Feldſchlachten/ und haben kein anders Abſehen/ als wie ſie Stadte/ und Lander einander abgewinnen können/ und wird al„ was man zu eroberen verEs wuſte jederman/ daß langer als drey Monat hernach/ nach dem man in Indien Habas des Zweyten Tod vernommen/ der Koͤnig dieſes Lands mit ſeinen Kriegs: Ruſtungen fortgefahren/ um Kandl? daar zu beagern; und war deſſen eine augenſcheinliche Probe/ daß dieſe gantze Zeit über aller Handel und Wandel mit Perſien/ ſo ſcharff als zuvor jemals/ verbotten worden/ welches nicht geſchehen ſeyn würde/ wann der Konig in Indien von dem vorhabenden Krieg/ auß Verachtung gegen dieſen neuen Feind abgeſtanden ware/ well er denſelben für viel zu jung gehalten/ daß er werth geweſt ſeyn ſolte/ eine Mater ſeiner Triumph zu ſeyn. erachten/ wie übel er zu General der Selaven geriſſen/ und daß er alle ſeine Heimlichkeiten offenbahret habe. Underdeſſen aber/ hatte er bereits die Erlaubnuß/ nach Hofe zu kommen/ ethalten/ deren er nothwendig nachkommen müſſen. Jozil er nun in ſolchen Nothſtand gerahten/ ſo krieb er nicht mehr ſo ſtarck auf ſeine Abreiß/ und küſtete ſich ſehr langſam darzu/ ſondern verſchobe dieſelbe/ ſo lang er kunte/ und entſchuldigte ſich/ bald wegen der unglücklichen Stunde/ und boͤſen Standes der Planeten bald mit einer jhn uberfallenen Unpaßlichkeit. Endlich aber/ muſte er ſich doch auf den Weg machen/ er that aber ſo kleine Tagreiſen/ daß er mit dieſer Reiß noch ſo viel Zeit/ als hierzu vonnohten/ zubrachte. Man kan nun leicht achten wie übel er zu Hofe/ bey ſeiner Ankunft/ muſſe bewillkonunt worden ſeyn/ dann es war kein Meuſch/ der ihn nicht mit ſchaͤlen Augen angeſehen hatte: dergeſtalt/ 0 er/ um das Hertz der Vornehmſten HofBedienten zu erweichen/ jhnen guten Theils ſeinen geſamleten Schatz oͤfnen/ und Ihnen Dem König. Die eigenkliche Ur ſach aber deſſen war/ wie weden ich mir von verſtandigen Leuten habe ſagen Perc der laſſen/ daß der Aureng Zeib von ſeinem Vorfenen dan hahen durch die Princeſsin/ ſeine Schweſter Hüdweſer abwendig gemacht worden ſeye/ welche jhme ken ab zu Getnuͤch gefuhret/ daß er ſeinen biß anhero erworbenen Ruhm nicht in eines andern Willkühr ſtellen ſolle; dann ſeithero hatte er mit groſſen Ehren und Nahmens⸗Nuhm regieret/ der jhm nicht genommen werden koͤnte/ wann er nur ſtill/ und ruhig ſitze. Es hätte zu erlauben/ jhme das jenige wieder zu nehine/ was er dem gemeinen Mann bißherb abgezwackt hatte. Damit nun die Miniſtri deſto beſſer zu jhrem vorgenommenen Zweck/ koſtliche Preſenten von dieſem Herren zu bekommen/ gelangen mochten/ ſo hieſten ſie den jenigen/ die ihn bey Hofe verklagt die Stangen. Es iſt aber hierbey zu ſpiſſen/ daß in Perſten ein jeder gemeiner Mann/ was geringen Standes er auch ſeyn mag/ angenommen ſich zwar das Glück bißhero ſehr gunſtig gegen ihm er wieſen/ daſſelbe aber koͤnne jhm bald den Rucken wenden. So ſeye auch die Eroberung Kand. daar feine ſo leichte Sache/ in wird ſeine Klagen wider die Statthalter, die Königliche Pacht⸗Leute/ und andere dergleichen Perſonen/ die Über ſie zu gedeme ſein Vatter ſich derſelben zum zweyten biethen haben/ anzubringen. Wann nun mal mit einer machtigen Armee nicht bemachtigen koͤnnen. Über diß/ ſo wurde jhme der meiſte Theil an ſeinem Hofe/ welcher nur auß Perſianern beſtunde/ mit Unwillen dienen/ und jhm ſchlechten Beyſtand thun. Mit einem Wort/ wann er auß dieſem Krieg nicht wieder mit Ehren zuruck kame/ ſo würde er jhm einen Schandflecken anhengen/ den er nimmermehr würde gußloſchen konnen. Es hatte ja ſeine hohe Reputation/ in welcher er biß dahero gelebt/ dieſer Eroberung nicht vonnoͤhten/ dieſelbe hierdurch groͤſſer zu machen/ weilen ſie an und für ſich ſelbſt groß genug ware. Hierdurch ließ ſieh der König udie Miitiſtri eipigem Groöſſen in denen Pro⸗ am eren niſche Hoſez vintzen übel wollen/ und jhn zu Fall zu bringen begehren/ ſo gebrauchen ſie gemeiniglich die ſen Fund/ daß ſie die bedrangte Perſonen in ihren Klagen ſteiffen; und damit ſie denen. ſelhen ein deſto groſſeres Gewieht geben/ ſo befkiſen ſie ſich“ hre Anzahl zu vertnehren/ und machen daß ſie in groſſer Menge in den Pallaſtkͤmmen und vom Konig ehr und Gerechtigkeit begehren. Und eben alſo erNinngees auch ſchier dieſem Herren weil aber die Vornehinſte bey Hofe denſelben nicht gantz und gar zu verderben bedacht waren/ in deme ſein Verderben nur alledem Konig nen abgenommen/ wieder gegeben. Des Genera. liſsimi Haß gegen jhn/ Und deſſen Urſach. eine groſſe Summa außtraͤgt. geworffen/ und denſelben wider dieſen Varier, der ihm dieſen Schimpf bewieſen/ am erſten ſehen laſſen. Dann nachdem er wieder zu Gnaden kommen/ und geſehen/ daß er ſich alles ungeſtraft underſtehen doͤrfte/ hat er denſelben auß ſeinem auß holen/ jedoch aber/ als er erſchienen/ nicht vor ſein Geſicht kommen/ ſoni dern in ſeinen Marſtall fuhren laſſen/ woſelbſt 5 er jhn auf eine in diſem Lande hoͤchſt⸗ſchandbar gehaltene Weiſe/ die man in unſerer Sprach mit Chren nicht nennen darff/ dem viehiſchen Wiäillen ſechs ſtaꝛcker Stall⸗knechte übergeben. Der Weitz. Der Nirza-Iborahim wuſte dieſes alles rer, wol und kunte jhm leichtlich einbilden/ wie weit in beet ſich dieczvauſanlkeit diefes hochmutigenKopfs gen. erſtreekẽ konte. Ubey diß/ ahe er jhn in ſeine vorige Wurde wider eingeſethel/ dergeſtalt/ daß er die dritte Shren⸗ tell des Reichs beſas/ und daß er/ welches am meiſten zu bedencken war/ beym Kemg am meiſten galte/ und derſelbe jhm/ wie ſeinen Hofmeiſter gehorchte:dannenhero kunte er unſcyn ar ermeſſen/ daß under denen/ die ſich zu ſeinenilindergang wurden gebrauchs laſſen/ dieſer bie gröͤſte Begierde/ und das meiſte Bermogen hierzu hatte. Um dieſer Urſach willen 60 Solimanmi III. Koͤnigs zu Nutze komen waͤreſondern me nur zu weien/ daß ſie ſolches thun konten/ und jhn hierdurch zu bewegen/ daß er jhnen deſto groſſere Verehrungen geben mochte/ ſo lieſſi n ſte mit zu/ daß ſeine Anklager jhn gar um Hab und Gut brachten: dergeſtalt/ daß er jhnen meiſtentheils das Maul geſtopfet/ und den gefahrlichſten under ihnen einen Theil von deme/ was er jhSein maͤchtigſter Widerpart/ und argſter Feind bey Hofe/ war dieſer unbarmhertzige Alte/ der Generaliſimus, Hali-Kouli-Kaan, der Ihn biß auf den Tod/ und ſo offenbarlich haſſeke/ daß er weder ſeinje Viſite/ noch ſein Preſent annehmen wollen. Die Urſach dieſes Widerwiſſens war/ daß/ nachdem dieſer General über diedlrmee bey Lebzeiten blabas des Zweyten/ als er in ſeinem Gubernament zu Tauris geweſt/ um anderwerts angezeigter Urſach willen/ zum zweyten mal in des Königs Ungnad gefallen/ zugleich auch alle ſeine Guter eingezogen worden. Zu dieſer eingezogenen Guter Verkauffuͤng nun/ wurde der Mirza- Sadek, des Mirza Ibrahim Bruder/ welcher damals in dieſer Stadt und in der gantzen Provinz/ eben die jenige Stelle/ die ſein Bruder heutiges Tages verfihet/ als Königlicher Pachtmañ vertreten/ von Sr. Maj. verordnet wordenz wor mit er dann ſo ſtreng verfahren/ daß er ſo gar die Lombans, oder Under⸗Rocke ſeiner Weiber genommen/ und guf offentlichem Marckt verkauffen laſſen. Dann weil dieſer Herꝛ viel Weiber gehabt/ dieſe Per ſianiſche Frauen aber/ ſich in jhren Kleidungen gar praͤchtig halten/ ſo haben ſielinder⸗Rocke/ welche dreissig biß vierzig Kronen Stück vor Stück gegolten/ alſo daß die Menge derſelben Durch dieſe Verſchimpfung wurde der Generaliſſimus biß aufs Leben getroffen/ daß er einen unverſoͤhnlichen Haß auf dieſes Hauß nahme er ihm vor/ jn auf ſeine Seiten zu hein gen/ mochte auch koſten/ was es wolle; und im fall er jhn je nicht dahin vermoͤgen konte/ nie ein gutes Wort zu verleihen/ jedoch denſelhen zu ver pflichten/ daß er hierzu ſtill ſchwiege/ und die Sachen/ ohne ſich dar wider zu ſetzen/ hren Gang gehen lieſſe: er gab jhm derowegen die Viſite/ und begehrte vor jhm zu erſcheinen/ und he aufzuwarten. Der General/ ſtellete ſich/ ſo bald er zu ihm hinein komen/ als ob er den Na zier nicht geſehen/ und ihm der Kopf wehe thate/ und legte ſich auf ſein Faulbeth/ woſelbſt er eine groſſe menge Volcks/ die ſeiner warteten/ hinderlaſſen/ alſo daß der Mirza-Ibrahim, ſo wol als die andern/ unverrichter Sachen ſich hinweg begeben muſſen. Der Mirza-Ibrahim ließ ſich dieſes nicht verdrieſſen/ ſondern kame deß andern Tags wider: Der General aber that nicht dergleichen/ daß ers in acht genommen/ daß ihn jemand zu gruͤſſen/ oder in ſeinen Audientz Saal gelaſſen zu werden begaͤrte/ und gab keine Antwort von ſich dergeſtalt/ daß er dieſen Hern drey Stund under den Officierern/ und andern gemeinen Leuten ſtehn laſſen; nachgehends gieng er auß ſeinem Gemach/ und ſonder jhn anzuſchen/ vor jhm vorbey/ und ſetzte ſich zu Pferdt. Der Mirza-Ibrahim folgetejhm guf dem uß/ und aller nachſt zur Seiten nach/ und ſagte mit lauter Stimme/ damit ers hoͤren ſolte immer dar: Her?/ Fried ſey uͤber euch. Der General der Armee anwortete eine Zeit lang nichts: weil aber der andere mit ſeinem Gruß ſtaͤts anhielte/ wurde dieſer ſolcher ungeſtümmen Hoͤfflichkeit můde/ wendete ſich demnach um/ und fuhr ihn mit dieſen Schmahworten an: Gidi-Segh. Verfluchter Hund/ was hab ich mit dir/ oder du mit mir zu ſchaffen/ gehe hin zum Teufel/ und komm mir nimmer mehr vor meine Augen. Hierauf befahl er ſeinen Leuten/ daß man jhn hinweg ſchaffen ſolle. N Als der armeMirza-Ibrabim geſehen/ dag 5 In man ihn ſo hart angefahren/ nahme er ſeine Zu⸗ bann flucht zu den Geſchencken/ welche das groſſe ſedreſentel Treibwerck ſind/ wodurch der Nerſtaniſche Hof ſeine Bewegung hat. Dieſem nach überſchickte er dem General deß andern Tages zwey tauſend Tomans, er wolte, dieſelbe aber nicht annemmen. Jener ver meinte/ er müſte 5 die Summ ſteigern/ und uberſandte hm zwey⸗ 75 tauſend funffhundert; welche aber gleichfals außgeſchlagen wurden; er vermehrte das Geſchanck biß auf drey tauſendʒer richtete aber damit eben ſo wenig/ als mit den vorigen auß. So ließ ſich auch ſein hochmuͤhtiger Sinn nicht durch vier tauſend Tomans heugen. Endlich kame es biß auf fünfftauſend Tomans; welche ſich guf zweymal hundert und funfftzig tauſend Pfund belauffen; worauf er hach zweyen Tagen den Mirza. Ibrahim quf ſein Mege les, ober allgemeines Gaſtmahl eingeladen/ an welehem er nichts deſto weniger ſich im geringſten nicht freundlich gegen jhm geſtellet/ nuch einiges Wort mit jhm geredt/ außgenommen daß er/ hm/ im auß⸗ und emgehen/ die gewohnliche Höflichkeit erwieſen/ welche darin Hen nen beſtehet/ daß man zu den eingeladenen Gaͤſten ſagt/ Kochs · Geldy, das iſt/ Seydt mir willkomm. Als ich das erſte mal von dieſem Preſent/ der zweyhundert und fünfftigtauſend Pfund/ reden hoͤren/ zweiflete ich ſehr hieran/ und kunte mir ſchwarlich einbilden/ daß jemand eines einigen Manns gute Gunſt ſo theur wurde erkauffen wollen; nachdem ich mich aber der Sache recht erkundiget/ habe ich befunden/ daß es die gründliche Warheit geweſen. Ich habe dieſes den Leſer hierbey außdruͤcklich erinnern wollen/ damit er an der Auffrichtigkeit meiner Erzehlung keinen Zweifel tragen/ und ſich nicht einbilden moͤge/ daß ichs nur vom hoͤren ſagen rede/ ſondern ſich verſichere/ daß ich ſolches nach einer genauen Erforſchung aller Sachen gethan. pech, VUammb dieſe Zeit nahme des Königs Unpaßige, lichkeit ſo ſehr zu daß er nicht mehr zu Pferd fi benband. zen konnen/ und kame anderſt nicht auß ſeinem Pallaſt mit ſeinem Frauenzimmer/ als nur in Kagia veh, wie die kleinen hoͤltzernenͥKaͤmmerlein/ die ein groſſes Kamel tragt/ genennet werden/ in welche ſich die Weiber gemeiniglich ſetzen/ wann ſie außſpatzieren wollen. In ſolchem Stand verblieb er ohngefahr einen Monat/ wiewol er ſeine gewohnliche Zeit⸗vertreib mit ſeinen Weibern nicht underlaſſen: dann es waͤhreten die Kourrouks, oder Verbott noch immer/ wie zuvor um Iſpahan herum/ woſelbſt dieſer junge Printz alle ſchoͤne Jungfrauen hinweg nemmen/ und in ſeinen Haram, wie jhn die Perſianer nennen/ oder Frauenzimmer bringen ließ. Einsmals kame ſeine Mutter einen Luſt an/ die Veſtung der Stadt zu ſehen/ in welcher alle Qurioſitqten/ welche den Koͤnigen ſeinen Vorfahren/ entweder verehret/ oder von denſelben gekaufft/ oder ihren uͤberwundenen Feinden abgenommen/ oder auf einige andere Weiſe jhnen zu Theil worden ſind/ verwahret ligen. Dieſem nach uͤberredete ſie jhren Sohn/ daß er ſie dahin gefuͤhret/ derentwegen muͤſte in einem Theil der Stadt Kourouk, oder das Verbott gemacht werden welches ſonſt niemals/ oder zum wenigſten bey Menſchen gedencken nicht geſcheht. nugläckd Bey dergleichen Luſtwandlungen einer/ ch beſeiner welche der König mit ſeinem Frauenzimmer hiela Kater art te/ trug ſich ein Unfall zu/ welcher dieſelbe den hetrahen. Iinderthanen noch unerträglicher machte. Se. Maj, hielte ſich um der Zeit der Ernde/ da die Garben in dem Felde zu Hauffen beyſammen ligen/ vor der Stadt Iſpahan under den Zelten auf/ und wolte ſich auf einen Abend/ mit einem Feurwerck/ wie er zum oͤfftern zu thun pflege/ beluſtigen. Weil man jhm nun fliegende Nackete von ungemeinem Gewicht/ dann es war ein jedes vierzig Pfund ſchwar/ gebracht/ ſo begehrte er/ daß man darmit eine Probe thun ſolte; es kunten aber dieſelbe/ wegen jhrer Schware/ nicht gerad/ noch gar zu hoch ſteigen/ ſondern machten von weitem einen halben Bogen/ und fielen endlich in das Feld mider/ allwo die Garben zu hauffen geſchlagen waren/ wovon dieſelbe/ ſaimt etli8 chen nachſtgelegenen Hauſern angeſteckt worin Perſien Kroͤnung. 61 den. Dieſer Schade wurde über zwweyhun dert tauſend Pfund geſchatzet/ und die Noht hierdurch vermehret/ weil zu der Zeit ohne das ein groſſer Mangel an Korn war. Ich kan hierbey eines kleinen Umſtands nicht vergeſſen/ welcher mit dem jenigen/ Uber ein komt/ was ich bereits von dieſem mit groſſen Baͤulnen beſetzten/ und mit bedeckten Gangen verſehenen Platz/ durch welche alle dieſe Luſtwandlungen geſchehen/ geſagt: Der Konig hatte mit ſeiner Geſellſchafft/ durch den jenigen Gang den man den Koͤniglichen nennet/ ſtaͤts ſeinen Auß⸗ und Eingang/ damit er nicht durch die Stadt gehen doͤrfte. Se. Maj. haben die groſſe Gange in Gartenbethe abtheilen/ und dieſelbe an etlichen Orten mit Baumen/ an etlichen aber mit wolriechenden Kraͤutern beſamẽ laſſen/ welche dann/ nebenſt den Waſſerwercken/ und in der Reihe ſtehenden Baumen/ ein uber alle maſſen luſtiges Außſehen machen. Underdeſſen lieffen verſicherte Zeitungen Eiufell der ein/ daß die Vus-belks in die Provintz Cora- rusbeks in ſon, welches Bactriana iſt/ einen Einfall ge⸗ Contes. than. Der General der Provintz ſchickte einen Currier uͤber den andern/ den Konig ſolches zu berichten/ und deſſen Ordre zu begehrẽ/ weil der Feind bereits weit ins Land hinein getrungen/ und alles mit Feur und Schwerdt erfüllet; und daß die gantze Provintz/ wann man demſelben nicht eylends den Kopf bieten wurde/ verlohren gehen wurde. 6 „Dieſe us bels ſind die jenige Volcker/ Janes welche Nordwerts gegen Perſien wohnen/ Voͤcker ſeye. und das Land zwiſchen dem Caſpiſchen Meer/ und Indien innen haben/ und von vielen kleinen Sultanen, oder allein herꝛſchenden Fuͤrſten regiert werden. Man nennet ſie Vus-beks, wann anderſt die Wort⸗Deutung/ welche die Perſianer hiervon geben/ wahr iſt/ von wegen dieſes Underſchieds der vollmachtigen Fuͤrſten/ durch welche dieſe Tartarn beherꝛſchet werden. Dann Vus bedeutet in der Tarkariſchen/ wie auch in der Türckiſchen Sprach/ welche einerley iſt/ ſo viel als hundert/ ele aber/ ſo viel als Herꝛ/ und ſolcher geſtalt nennet man ſie hundert Herren/ ihr groſſe Anzahl hierdurch außzutrucken. Es verwerffen aber dieſe Volcker dieſe Wort⸗deutung gantz und gar/ und ſagen/ daß ſie der Warheit nicht gemäß/ und hnen an jhren Ehren nachtheilig/ die wahre Deutung Vuſi aber ſeye/ welches in einer Sprach ſo wol/ als in der andern/ ſoviel als Er/ und in Ermanglung deß letſten Vocalis von jhnen Vuz gußgeſprochen wird/ Bek aber ſo viel als Here bedeutet/ und ſo vil geſagt iſt/ ls Er der. Herꝛ/ oder Er iſt Herꝛ/ weil ſonſten kein Volck auf Erden als dieſes zu finden/ welches mit Warheit alſo genennet werden koͤnnne. Hierauß num iſt dieſer Nation Hoffart/ und Hochmußt/ den ſie wegen ihrer Vortrefflichkeit im Hertzen heget/ zu erſehen. Einer von den vornemſten am Perſianiſchen Hofe/ als er nun dieſes/ was ich jetz angeführet/ geſagt/ erzehlte mir von ei, in den Molickiſchen Inn ſeln 62 ſeln zur Zeit Koͤnigs Habas deß Groſſen regieret/ welcher ſich eben ſo wol eingebildet/ und ſich einig und allein für einen rechtmaſſigen Herren des Orients gehalten/ und einen Monarchen genennet. Er hatte auch geſagt/ er koͤnte nicht wiſſen/ ob einige andere dergleichen in Oecident waren; diefes aber wußte er wol/ daß in dieſem Theil der Welt/ welches er bewohnete/ ſouſt niemand anders/ als er Herꝛ ſeye. Um dieſer Urſach willen/ hat er ſeine Lander Moulouk, das iſt Königreiche in der That/ nennen laſſen: und ob wir wol dieſelbe auf unſere Weiſe Moluques außſprechen/ ſo wird doch dieſes Wort in gantz Aſten Moulouk geſchrieben und gußgeſprochen. Uuuder allen dieſen kleinen Fürſten/ welche/ die kleine Tartarey beherꝛſchen/ zehlet man drey vornehme; nemlich/ den zu Bokora; den zu Balke, und den zu Karechme, oder Orquenge, Under welche die andern etlicher maſſen gehören. Zu den Zeiten Sele deß zweyten/ den die Perſtaner/ um Underſchieds willen/ Mazi, das iſt/ den Vergangenen nennen/ und welcher des jetzo regierenden Koͤnigs Groß vatter iſt/ haben dieſe Vus. Bekks, als ſie die Landſchaft Corraſſon/ welches Bactriana uind Margiana iſt/ durchſtreiffet/ die Perſianer nachgeſetzet/ welehe under ihnen ein blutiges Metzeln angeſtellet/ und über ſie/ wie an ſeinem Ort geſagt worden iſt/ einen mercklichen Sieg erhalten/ daß ſie von achtzehen tauſend/ die ſie ſtarck geweſt/ zwolff tauſend mdergemacht/ die uͤbriNideklag derſelbeu. mens Abouel- Raæ is dds iſt/ der Vatter der Schiedsmann/ weleher einer auß den Hauptern dieſer Tartarn/ und auß Koͤniglichem Geblut ent ſproſſen geweſt. Dieſer Gefangene/ als man erfahren/ wer er ware/ wurde nebenſt andern nach Iſpahan gebracht/ aber auf eine viel andere Weiſe gehalten. Dann der Konig Selie der erſte betrachtete ihn nicht als eiVom Kb hen Rauber/ ſonder als einen Furſten/ und nig aber ſehr Kriegs⸗Gefangenen/ und ließ jhm alle Ehred wol gehalle. uff Au LRoͤniglichem Geſchlecht gebuͤhret/ erweiſen. Einer von ihren Füͤrſtẽ wird gefaugen. mans Einkommens zu/ welche füͤnff und ſiebenzig tauſend Pfund machen. Er ließ jhm auch einen mit koͤſtlichem Haußraht verſehenen Pallaſt einraumen/ und gab jhm eine Anzahl Officierer/ jhme aufzuwarten/ und ein ſeinem Stand gemaſſes Geſind. Ingleichen befahl halters zu Iſpahan ein ſoͤnderbares Aug auf ſeine Perſon haben/ und das Amt eines Mehman. Daar, wie es in dieſem Land genennet/ welches ſo viel geſagt iſt/ als ein Mann/ der ſorge fuͤr die Gaͤſte traͤgt/ oder ein Meiſter der Tractamenten/ verſehen ſolte. Dieſer leiſtete hin auß Befehl Sr. Majeſtat innerhalb zehen Jahren alle Dienſte/ ſo viel man immer wegen des Rechts der aller mildteſten Gaſtfreygebigkeit hatte begehren konnen. Hingegen ſo wußte auch dieſer Printz ſeines Theils Solimanni III. Koͤnigs gen aber gefangen bekonnnen/ under dieſen Gefangenen befande ſich ein funger Füͤrſt Naffrwartung/ wie einem groſſen Herꝛn quß Er act em au üſſzehen under kes defelbeſandkenachſechs Mongrenwſder bol er/ daß der Vaa ier, oder Intendant des Statvon ſeiner angebohrnen wilden Art/ und Tal tariſchen Unmenſchlichkeit ſo wol ab zulaſſen/ daß man jhn für einen gebohrnen Perſtanen hatte halten mogen/ ſo freund⸗ und hoͤfflich wußte er ſich in allen Sachen zu ſtellen. Wegen ſolcher ſeiner an hm verſpüͤhrten guten Qualitaten/ gewann jhn Se. Maj ſo lieb/ daß Sie jhm einẽ Platz in denen Megeles, oder Koniglichen Verſarmtungen eingeraumet/ in denen er einen Sitz/ wie die Groſſen des Koͤnigreichs eingenommen/ und verſchaffte jhm auch zu ſeinemlinderhalt/ nicht geringe Zinſe und Renten. Er hatte die gantze geit uber/ ſo lang er ſich zu Iſpahan aufgehalten/ die Freyheit in Begleitung ſeines Hauß⸗Hofmeiſters/ und der jhme verordneten Leihwacht/ nach ſeinem Belieben/ wo er hin wolte/ zu gehen/ daß man wol hat ſagen konnen/ daß dieſelbe/ mehr ſeine Perſon zu ehren/ als dieſelben zu verwahren/ hme zu gegeben worden ſey/ weil man kein Mißtrauen mehr in ihn geſetzet. Nichts deſtoweniger kunte er in ſeinem Hertzen ſeines Vatterlandes/ ſeiner Blutsfreunde/ und der Aron/ die er zu gewarten hatte/ nit vergeſſen/ und kunte ſhm weder der Pracht/ noch die Annehmlichkeit/ Schönheit/ und Luſtbarkeit des Perſter⸗Landes/ die gewaltſame Liebe/ die er zu denen Orten/ in welchen er gebohren worden/ triege/ nicht benehmen: dann obwol nicht ohne iſt/ daß dieſes 15 Land/ nach welchem er ein ſo ſehnliches Verlan⸗ 5 Serbe gen trug/ gantz unfruchtbar/ wild und rauhe lich aud de war/ ſo kunte man hingegẽ nicht in Abrede ſeyn/ ſien zu ſueßdaß er in demſelben das Tages⸗Liecht geſehen/ und daß es auch das jenige war/ in welchem er ſeinen Sclaven⸗Stand/ in welchem er damals war/ in den Koͤniglichen Verwandeln ſolte. Auß ſolchem inbrünſtigen Verlangen nun/ ſchrieb er in geheim an den Konig zu rquenge, ſeinen Vatter/ und batte ihn/ daß er auf ſeine Freyheit bebacht ſeyn wolle. Dieſer/ nachdem ver der Sache reifflich nachgeſonnen/ nahme die Gelegenheit/ einen Abgeſandten in Perſien zu ſchicken/ welcher dieſem jungen Printzen eine Antwort von dem Konig/ einem Vatter brachte. Folgends beriehten ſich der Printz/ und der Abgeſandte mit einander/ auf was Weiſe er füglich daran kommen moͤchte/ und verreiſete Hofe: Der Pring aber/ als er vermeinte/ daß derſelbe auß dem Perſigniſchen Gebiet komen ſeyn wurde/ und die Zeit vorhanden ware/ auf ſeine Flucht bedacht zu ſeyn/ ſtellete er dieſelbe folgender Geſtalt an. 32 für/ daß er ſich ſehr 1 5 1 Er wendete einstmals e ubel auf befinde und ließ ſeite Uinpaßlcheir d galee dem Konig zu wiſſen thun/ und darbey anzeigẽ/ ſelbe Werc daß keine rgzney bey ſhin anschlagen wolte uñ mag daß er dieſelbe alle umſonſt und vergeblich ges braucht/ alſo daß er/ nach der Aertzte Meinung/ darfür hielte/ er wurde zu ſeiner Geſundheit anderſt nicht/ als durch das warme Bad/ welches drey Tagreiſen von Iſpahan ware/ gelangen konnen. Er erhielte die Erlaubnuß; ſich dahin zu verfügen/ ohne ſonderbare Mühe; und gab ihm deß Stathalters zu Iſpahan Intendant, deme ſein Amt nit z ließ/ auß der Stadt 0 zief 5 N50 N 2 in Perſien Kroͤnung.„ Perſianiſche Führer gar bald auß dem Geſicht hen/ zur Geſellſchaftt einen von den vornemſten Haußgenoſſen ſeines Heron/ amt einem Geleit von flinſfzehen/ oder ſechszehen Perſonen zu. Um die beſtimte zeit nun fanden ſich under dẽ Baͤumen vor dem Dorf/ uñ nicht weit von dem Bad/ in welchem der Prinz ſeine Gefundheil zu ſuchẽ verordnete/ etlich uñ zwantzig Vus⸗ belks, lauter außerleſene wackere/ treflich wol berittene/ und bewehrte Leute/ nebenſt etlichen Hand Pferdten ein. Der Prinz erkandte ſie von Stund an/ ſetzte ſich demnach/ mit hinderlaſung der kleine Anzahl Perſianer/ ſo ſich damals bey jhm befanden/ zu Pferd/ und rannte Sporenſtreichs gerad dieſem Hauffen zu; deme memand anders/ als ſein Perſianiſcher Gleitsman nachgefolget/ welcher an nichts weniger als dieſes/ was er ſich zu tragen ſahe/ gedachte/ und nicht wuſte/ was er von dieſer Abentheuer halten ſolte? dann er hatte nicht Leute genug bey ſich/ noch ſo viel Zeit/ derſelben mehr zu ſamen zu bringen. Underdeſſen aber ſahe er/ daß ihm dieſes/ hene anvertraute Pfand auß den Haͤnden entgieng/ und kunte er bey dieſer unverhoften Begebenheit anders nichts thun/ als daß er ihm ſtars nachfolgete/ und ſich bemuhete/ ihn durch ſein bitten und ſtehen zu erweichen/ den er alſo anredete: Ach gnaͤdiger Printz/ meines groſſen Ungluͤcks was habe ich euch zu leyd gethan/ und was fuͤr eine Miſſethat hab ieh wider euch begangen/ daß jhr meint Kopf alſo in Gefahr ſetzen wollet/ wann ich ohne euch wieder nach Iſpahan konte? was kan mir fuͤr eine geringere Straf wiederfahrẽ als daß ich denſelben verliehre? Der Konig aber wird ſich hieran micht vergnuͤgẽ laſſe ſondern auß uͤbermaͤſſigẽ Zorn/ mir ſonder zweifel das. Hertz auß dem Leib reiſſen laſſe. Dieſer Her antwortete mit folgenden Worten Ich befinde mich dem Konig in Perſien hoch verpflichtet; jedoch aber bin ich meinem Vaterland/ und Blutsfreunden/ die mich zuruck beruffen/ noch ein mehrers ſchuldig; Dann mein Vatter hat mir dieſe Leute die du ſieheſt/ zu geſchickt/ um mich in das Land/ in welchem jeh gebohren worde und in den Beſitz der Kron/ die mir nach einem Tod gebuͤhret/ zu ſetzen. Wann du nun mit mir komen wilſt/ ſo will ich dir die mir in Perſien geleiſtete gute Dienſte/ mit allerhand Freundſchaffts⸗Bezeugungen wieder vergelten/ und dich zu einem roſſen Herin in meinem Land machen. 250 dir aber ſolches nicht gefaͤllet/ ſo kehre nur beyzeiten wieder um und ſage deinem Koͤnig/ dz ich mich fuͤr alleſeine Wolthaten bedancke/ und daß ich jederzeit ſein d oulomoder Selav ſeye/ und mich die gantze Zeit meines Lebens füͤr ſeind verpflicheten Diener halten werde/ welches Verſprechen er mit der Zeit wahr befinden ſolle. Als er dieſe Worte geredt/ gab er ſeinem Pferdt die Spoven/ und rirte ſo ſchnel darvon/ daß ihn der Kroͤnung Solim. 5 verlohrenz dard es haben dieſe Vus· be ks ſo leichte/ und zum lauffen abgericheetepferdte als irgend eine Nation in der Welt ſeyn kan. Nachdem man dieſes zu Jſpahan erfahren/ Lachdem man dieſes zu Iſpahan erfahren/ wurden jhme etliche Reuter in aller Eyle nachgeſchickt/ es war aber umſonſt und vergebens; dann er hatte einen gar zu groſſen Vorſprung vor ihnen/ daß ſie jhn nicht mehr ereylen kunten. Der gantze Hofe/ nſonderheit aber der Koͤnig/ war zum hoͤchſtẽ darüber verwundert/ als welcher nimmermehr geglaubt hatte/ daß der Abou-eLKazi(diſes war deß Prinzen Name) noch an Tartarien gedenelẽ ſolte/ wiewol er ſich eingebildet/ er wurde in denen zehen Jahren/ in welchen er ſichſan ſeinem Hofe aufgehalten/ das Andencken deſſelben allerdings verlohren habk. Gleich wie aber dieſer Tartariſche Furſt ſeines Landes nicht vergeſſen; alſo iſt er auch ſeiner Seine Verpfichtung gegen Perſten/ und deſſen Ko⸗ Degen nig/ nicht uneingedenck geweſt; dann er hat ſich dem König. die gantze geit ſeines Lebens/ abſonderlich als er ſeinem Vatter in der Kron nachgefolget/ jederzeit gegen dieſes Koͤnigreich gunſtig bezeuget/ und ſo lang er regieret/ nicht allein ſich befliſſen/ mit dem Königssee dem erſten/ und klabas dem zweyten/ in guter Verſtandnuß zu leben; ſondern auch den Subhaan-Kouli-Kaan, Koͤnig zu Balke, welcher Name einen Fuͤrſten/ und Knecht deß Lobwuͤrdigen/ wordurch ſie Gott verſtehen/ bedeutel aind den Koͤnig von Bo kora, Namens Abdulhaz ize. Kaan, Fuͤrſt und Diener der Majeſtaͤt/ verſtehe der Goͤlttlichen/ welche beyde allein die Graͤntzen dieſes Koͤnigreichs bißweilen überfielen/ dergeſtalt in der Waagſchale gehalten/ daß ſie ſich wider daſſelbe nichts underfangen dorffen. Dann wann einer/ oder der andere Perſien mit Raub und Brand belaͤſtigẽ wolte/ ſo fiel er jhnẽ ins Land/ und zwang ſie durch dieſes Mittel/ daß ſie eilends wider umkehren muſten; und ſolcher Geſtalt lebten die angrantzende Landſchaften/ als Bactriana, Margiana, Drangiana, und die Küſten deß Caſpiſchen Meers in gutem Frieden ut Ruhe. Durch dieſe beſtaͤndige Freundschaft wurde der Konig Habas bewogen/ daß er die Danckbarkeit dieſes Furſten mit gleichmaſſigeꝛ Gegen⸗Bezeugung erkant/ und jhme/ zu Bezeugung/ wie hoch er ihn hielte/ das Jahrliche groſſe Einkommen/ das er in Perſien gehabt/ ſtats abfolgen laſſen. f Nachdem aber der Abouel- Kasi durch ſei⸗ Sein Ern nen Todt ſeinem Sohn Enouch- Kaan, das iſt/ de 1 9 5 dem gewiñſůchtigen Herꝛn/ die Kron uͤberlaſſen/ hielte Konig Flabas der zweyte/ bey delchem er nicht in ſolchem Anſehen/ wie ſein Vatter geweſt/ dafür/ daß er nicht ſthuldig ware/ mit Bezahlung dieſer Renten/ welehe er jenem nur auß gutem Willen/ und Freunbſchaft gereicht ferner fort zu fahren. Als aber diſer zunge Printz Enouch-Raan, welcher dieſe Zinſen für einen Tribut hielte/ den der Konig in Perſien dem Konig zu Karechme oder Wenge reichte/ damit er jhme ſeine Lander micht beraubte/ geſehen/ daß er ins kuͤnfftig derſellñen entbehren muſte/ ſo hielte er/ zu wieder⸗Erhal5 Tung derſelben. Und thut eiuen Einfall in Perſten. 64 Solimanti III. Koͤnigs rung/ oder zum wenigſten zu Erſetzung die ſes verlruſts/ für das beſte Mittel/ den Krieg in diſes Reich zu verſetzen/ und deſſen Pro vintzen zu verheren. In diſem Vorſaß machte er wider Perſien/ mit den Zweyen andern aans eine Bundnuß/ und/ um dieſelbe veſter zu machen/ ſo heurah tete er des Fürſten zu Balk Schweſter/ und gab die einige de Fürſten zu Bokora zum Weibe; dergeſtalt/ daß dieſe drey Schwager ſich eutſchloſſen/ insgeſamt Perſien zu bekriegen. Nur noch ein einiger Zweifel lag dem FurIten zu kal E und dem zu zo kora im Sinn/ nemlich dieſer/ daß der verſtorbene Konig zu OrNaben des jetzo regierenden Vatter/ ein Chia Mahometaner/ nach der Perſigner Weiſe/ und kein Sunni Mahomeraner geweſt/ welcher Religion die Tartaren ſo viel/ als die Tuꝛcken zugethan find. Jedoch that er offentliche Bekanthuß/ daß er ſeines Vatters Glauben abgeſagt/ und de jenigen/ der in ſeinem Land üblich/ angenommen habe: es wolten jhm aber dieſe zween 1 Furſten nit trauen/ un beſorgeten/ er mochte jh⸗ dieſem Unheil zu begegnen nen einen ſchlimmen Boſſen reiſſen. Damit ſie ſo ſch che ſie jhnen zu nuz zu machen nicht underlieſſen. Dann der Fuͤrſt von Orquenge fiel im Jahr 1667. wie ein junger Low in Merve Sava, und das ulnligende Land ein/ woſelbſt er/ weil er keinen Widerſtand gefunden/ alles jaͤmmerlich verheeret/ und reiche Beuten dar von gebracht/ ohne daß einiger Statthalter in Perſien das Hertz gehabt/ jhme den Kopf zu bieten. Dieſe Statthalter kuntens jhm auch nicht wehren/ weil dieſe Tartaren ſo geſchwind wie die Raubvogel ſind/ und ſich von einem Ort/ welches ſie geplundert/ ſo eilends dar von mache/ ehe mans gewahr wird/ daß ſie daſelbſt geweſt ſind. Zu deme ſo waꝛen ſie nicht mit ſo vielem Volck verſehen/ ſich einer ſolchen unſinnigen groſſen menge zu widerſetzen/ welche die Rache/ daß man jhrer nichts geachtet/ nebenſt der Hofnung des Raubs/ antrieb/ ſich alles zu underwinden/ und under jhre Fuͤſſe zu tretten. i Der Hof wurde zwar dieſes verwirꝛten Zu⸗ Salifferinſtands verſtandiget/ und der Schluß gemacht/ zes gienge aber damit nun der Sache gewiſſer feyn mochte/ daß diefer merckten/ daß nichts darauß werden wurde/ Printz ein guter Sunnir ware/ daß ers aufrich⸗ wie dann hernach geſchehen iſt. tig meinte/ und daß er ſich von ganzem Hertzen/ Der Perſtaniſche Rath erwehlte under des als ein deind er ſtens erklaren wolle/ ſo begehe⸗ Königs Namen zween Herren/ welche für die ten ſie an ihn/ daß er allein den erſten Anfang zu Erfahrenſte im gantzen Koͤnigreich gehalten dieſem Krieg machen uñ mit ſeinen Volckern in wurden; einer Namens Clichs- Kaan, und der dieſes Kongreich einbrechen 15 und vergli⸗ andere OCheiik- Hali- Kaan, und waren alle chen ſich under einander/ da Auſtalt des, Perſianiſchk Hofes darlafferig zu/ daß die verſtandigſte wol gegen. ſie un folgenden beyde mit den zweyen groſten Gubernamenten Jahr denſelben alle drey zugleich führen/ un jh⸗ dieſes Reichs verſehen. Und zwar der erſte mik re Eroberungen weiter fobtſetzen wolten.Diſem der Provinz Kirmaan, welches Caramanien gefaſten Entſehluß zu folge/ chat der Fürſt von iſtz der andere aber mit der Landſchaft KirmoOrquenge in Perſien eint Einfall /befande aber on. cha, welches Chaldea iſt. Von dieſen ihren darinnen tapfern Widerſtand: dann nachdem Gubernamenten nun wurden ſie abgefordert/ der Konig in Perſien difen jhren heimlichen An⸗ uf das erſte dem Bruder/ das andere aber dem ſchlag erfahren/ hat er ihnen den Tod geſchtwo⸗ Sohn dieſer Herren gegeben/ und als Generals ren un begarte nit allein ihre Einſalle zuruck zu uber die Armeen wider die Vais-eks geſchickt. treiben/ ſonder war auch bedacht ſeine ſigreiche Dieſe nahmen 4000. Maß von Iſpahan mit Waffen in ſhre Lander zu verſetzen/ jhnen zu⸗ ſich/ mit welchen ſie zu der Armee; ſo ſich bereits gleich den Scepter/ und das Leben zu nehmen/ i u der Provinz Coraffon hefande/ toſſen wolte und die Landſchaft Balke ſeiner Kron einzuver⸗ wund weilen es init deim Geſchꝛey/ wegen des Inleibẽ. lim dieſerllrſach willen nahme er im Jahr dianiſchen Kriegs/ wieder ſtill worden/ ſo hatte 1665. nach unſerer Rechnung/ eine Reiß nach der Statthalter zu Kand-daar Ordre/ einen Nlasenderan vor/ unb zog wider ſie. Als nun Succurs aufzubrings/ o ſtarck als dieſe Genedie Lusbe kes geſehen/ daß der Konig in Perſten ralen denſelben notig befinden würden. Sechs Ihnen über den Hals kame/ und ſich für ſeiner Wochen nach dieſer Herren/ und jhres kleinen Macht foͤrchteten ſo lieſſen ſie den anfanglich Hauffens der 4000. Man/ Abzug/ wurden„ bezeigten groſſen Muth ſincken/ und befanden nen anſehenliche Gelt⸗ſumen nach Coraſſon, zu für das rathſamſte/ dem Staͤrckeren nachzuge⸗ Bezahlung aller ſelbiger Orten/ und gegen Jnben/ dergeſtalt/ daß ſie im folgenden 1666, Jahr dien ſtehenden Armeen zugeſchickt. Dieſes Zelt insgeſaint/ und ein jeder für ſich/ ſeine Abge⸗ wurde nur von 200. Mann begleitet/ weil man fanden an ihn abgefertiget/ und Frieden von ſich auf dem Weg/ den ſie nahmen/ gantz keiner Ihle begehret. Durch dieſes Mittel ſtilleten ſie Gefahr beſorgete; nichts deſtoweniger kan relicher maſſen dieſes machtigen Koͤnigs Zorn/ man nicht wiſſen/ wie die Vusbe ks Kundſchaft und hielten auf eine zeitlang ſeinen wider ſie ge⸗ h faſten Entſchluß auf/ welchen der Tod/ der jhn n nichten gemacht. ü ier von bekomen. Dieſe ſchickten etliche von jhen auß/ um den Weg den dieſes Gelt gefuͤhret rine zeitlang hernach uͤberfallen/ allerdings zu werden wurde/ außzuſpehen/ und nahmen ihre AZetit ſo wol in acht/ daß 3000. von ihnen dieſe Dubach dieſen traurigen Tods fall bekamen Beute davon gebracht/ uñ ſie/ wie ſehr man jhdieſe Tartaren wieder ein Hertz: dann es war jh⸗ nen auch nachgeſetzet/ nit ereilet werden köfſen. f In warenden allen ſolehenuunruhẽ gieng der dod de n nen die blode Regierung eines ſo jungen Printen/ den ſein Alter/ uñ wenige Erfahrenheit un⸗Oencraliſſimus Ali-Kouli-Kaan, von welch fahig machlen/ ſich ſhrem Vorhaben zu wider⸗ wir ſehon vielmals geredt/ mit Tod ab; er war ſetzen/ jynen eine eowunſchte Gelegenheit/ wel⸗ nicht langer gls pier Tage kranck/ und ſtarb an einem Noli Kade 2 Se Angehen/ 8 in den erſten heilen dieſe: Geſchieht.Beſchreibung/ welche ich mit der Zeit in den Truck kommen zu laſſen verhofſe/ von ſeiner Geburt/ ſeinem Gluck/ und ſeinen underſchiedlichen Unglücks⸗fallen/ Erwehnung gethan: dann es war ein Wunderding/ daß Habas II. was für einen Fehler er auch begangen/ deren dan ſehr viel geweſt/ jhm jederzeit verzieht weil er ihn/ von wegen der gutẽ neuen zeitung/ die er jhin gebracht/ nit gantz und gar in das auſſerſte Elend/ noch viel weniger aber ums Leben bringen laſſen wollen: dann dieſer war der jenige Herꝛ/ welchen Sehie der Erſte/ des Habas Vatter/ als er ſich todlich kranck befunden/ zu jhm geſandt/ Ihn auß dem Frauen⸗ zimmer Pallaſt abzubolen/ und zu ſeiner Perſon zu führen/ des Vorhabens/ denſelben dem Reich vorzuſtellen/ un zu ſeinem Nachfolger zu erklaren. Es hat ſchwarlich jemand/ nneꝛhalb fünſ ig Jahꝛen des. Hoflebens/ uñ fibenzig ſeines alters ſo underſchiedliche zufalle gehabt/ dann er beides Gluck und Unglück auf eine ſehr ſelzame Weiſe verſucht. Als der Tod ihn uͤber fallen/ hatte jhn das Gluck auf dẽ hoͤchſten Gipfel/ als jemals zuvor geſchehen/ erhoben Er war bey ſeine Konig und Hern in hochſten Gnaden/ welcher hm nichts verſagte; Se. Maj. wurde nit mude/ deꝛo Freygebigkeitẽ uber hn gußzuſchůtten/ un beſchenkfe jhn ſechs Wochen voꝛ ſeinem Tod/ mit einem Sabel Dolchen/ uñ drehen Reigerbuſchc/welches alles auf fünfzig tauſend Kronen geſchatzet in bohes wurde. Dieſe auſſerliche Warzeichen aber/ waren gegen der Macht/ die er uber des Königs hertz und gemůt hatte/ für nichts zu ſchatz/ welcher ſchier nichts wichtiges vorname/ dz er ihn nicht zuvor um Nath gefraget; dergeſtalt/ daß man wol hatte ſagen könen/ daß dieſer General der rechte Monarch in Peꝛſien ware/ n dem der jenige/ der den Namen deſſelben fuhrte/ nur ein bloſſer ſchattẽ war. Solchem nach lebte ev auch Koͤniglich/ un war nichts um und an jhm zu ſe— hen/ das mit einem Privat⸗ſtand zu vergleichen geweſt ware. Er hielte oo. Mann in ſeineim Dienſt/ hm aufzuwarten/ ohne die Officierer/ Gd gases Uf, Verſchnitten e die ſich auf 300. beliefen: Er ee. pgtte von ſeinemGubernament zu Tauris, und von den Beſtallungẽ/ die jhm wegen ſeines Generalats gebuhrten/ 0000. TomansEinkommen/ welche fünſzehen hundert tauſend Pfund machen/ die er zu ſeinem Privat ⸗nutzen anwenen bürftezohne die andere unſagliche Sumen/ wache 0 indehaleng der Miligz/ und andern zu dieſer Wurde behoͤrigen Außgaben/ gewidmet wark. Von dieſen 100000. Pfunden verordnete er die Helft für die obgedachte 00. Mann/ welche jederzeit wol ſtaffiert und außgeruͤſtet ſeyn mniſten; die andere Helft aber wendete er zu Underhaltung ſeines Hauſes an. Er hatte in ſeinem Pallaſt ein Kaar-Kaane, das ist ein Werck⸗Hauß für allerhand Manu; facturen zu ſeinem Gebrauch angerichtet/ und daſelbſt vielerley Handwercks⸗Leute/ als Zoldſchmied/ Schneider/ Waffen⸗ſchmiede/ Sattler Degen ſchmiebe/ und dergleſchen, über diß FHronung do lun. n in Perſien Krönung. 3. einem Stick uß/ der jhm aufdie Breuß gefalle daß jhm nit geholfen weꝛden koͤnen. Wir habẽ ü 8 auch Roß⸗Bereuter/ und Fecht⸗ meiſter verſamlet. Mit einem Wort/ ſo war ſein Pallaſt gantz Königlich anzusehen/ und hielte ſich ſo prächtig/ daß er/ uner achtet ſeines groſſen Einkomens/ ſtaͤts arm/ und voller Schulden war: dann zu geſchweigen/ daß er von Natur zur Veꝛſchwendung geneigt war/ und weder Weiber noch Kinder hatte/ denen er etwas ſparen doͤrfte/ ſo ließ er keine Gelegenheit/ welche groſſen Unkoſte nerforderte/ wordurch er ſich ſehen laſſen kunte/ vorbey gehen. Es iſt aber ſeine hohe Wurde die er getragen/ wie auch die ſeltaune 5 Abwechslung beides ſeines Glucks/ als Lebenswandels/ der Mühe wol werth/ daß man/ dem Leſer zu Gefallen/ ſeine Perſon allhier abmahle/ und beſchreibe. 1 0 Er war von mittelmäfsiger Gröſſe von Beſhreüng Geſicht erſchröeklich/ und grauſam anzuſehen/ feiner pern bey ſolcher Grauſamkeit aber/ nicht heßlich/ noch ungeſtalt/ und trug einen dicken und langen Knebel⸗hart/ drey viertel Schuh lang. In dem 70. Jahr ſeines Alters hatte ex noch keinen Augen⸗glaſer gebraucht; ſo hatte er an der Kraft der andern Sinne/ zum wenigſten dem duſſerlichen Anſehen nach/ nichts verlohren: dann er kunte noch alle Exercitien/ gleich wie junge Leute treiben/ und gab niemand/ was Alters er auch ſeyn mochte/ mit dem Bogenſchieſſen/ fechten/ uñ andeꝛmGewehꝛ/ etwas nach. Er iſt auch jederzeit fuͤr einen tapfern Soldaten gehalten wordenß verſtandigedeute aber hielten ihn fur 1 guten Kriegs⸗Oberſten/ und nit ſo tüchtig/ enen guten Rath zu geben/ als denſelben zu vollziehen. Er hatte ſolche Eigenſchaften an ihm/ die ſich ſonſt ſelten beyſamen befinden: dann eines theils war er ſtoltz/ und zornmüutigzandern theils aber verſchinitzt/ uñ gleißneriſch. Ex wuſte der rechten Zeit zu erwarten/ biß er mit ſeiner Rach außgebrochen/ und ſeine Sachen zum Fall ſeiner Mit⸗werber kluͤglich anzuſtellen. Er kunte nicht leiden/ daß man ihm widerpart hielte/ und war dieſes ſeiner Haußgeren groſtes Ungluck und Beſchwerd: dañ wann er etwas begehrte/ ſo duꝛfte man nicht ſagen/ daß es nicht zu bekomen/ ſonder man muſte ſtillſchweigen/ und die geit/ uñ das Gluck zwingen/ hin ſeinen Willen zu erfüllen/ wann man anderſt nicht biß auf dẽ Tod gepruͤgelt werden wolte. Auſſer dieſem erzeigte er ſich/ nſonderheit gegen die Außlander/ ſehr leutſelig/ die er gern vor ſich komen ließ/ und in jhr Begehren leichtlich verwilligke. Er kunte keine andere/ als ſeine Mutter⸗ſprach/ nemlich die Georgianiſche/ weder leſen noch ſchreiben, dann er kbar ein Georgigniſcher Sclav/ und hatte gelehrte Leute auß ſelbigem gand bey ſich/ mit denen er ſich ſtaͤts im Leſen und Schreiben in ſelbiger Sprach übte. Er liebte die Wiſſenſchaften/ ſie jhm ſchon unbekant waren/ und war 5 Vorſagungen/ und denen Künſten/ welche ſich der Wiſſenſchaft zukünftiger Dinge rühmen/ ſehr ergebenzer hielte auch durch den en Umverſtand/ mehr auf eine ungewiſſe Weiſſagung als auf eine vernünftige Schlußrede. Er wurde noch an ſelbigem Tag/ an welchem er geſtorben/ 5 nachſte Molquee, 3 bey ſe na ehen. 3 Veraͤndeunh Veranderung/ und war derſelbe niemand/ als ie 8 Persien den niger maſſen betrübet/ folgte eine Zeitung/ welPerſen den Higer maſſen betrübel eee Klieg an. che jhin nicht geringere Traurigkeit verurſa7 . 66 0 5 Solimanni III. Koͤnigs beygeſetzt/ von dannen man jhn/ etliche Tage hernach nach Metched gebracht/ um jhn daſelbſt under dem Schutz des groſſen Mahomietiſchen Heiligen/ welcher vorzeiten an dieſem Ort ſeine Wohnung gehabt/ und allda ſeine Begrabnuß erwehlet/ zur Erden zu beſtatten, Dieſes mochte einem wunderlich vorkommen wann mans nur allein hier erfuhre/ und ſich dergleichen ploͤtliche Veranderungen nicht auch ſo wol bey uns/ als under jhnen zutrügen. So bald der todteeichnam auß ſeinem Pallaſt getragen worden/ und kaum vor ſechs Stunden ſeinen Geiſt aufgeben/ ſo war dieſes Hauß welches den Tag vorhero die groſſe Menge Volcks kaum faſſen kunte/ gantz wůſt/ und ode/ vñ harte man in dieſer traurigen Einfameſt nicht einen einigen Menschen/ von dieſem hauffigen Haußgeſind/ welches bey ſeinen Lebzeiten um jhn geweſen/ angetroffen/ welcher ſagen konnen/ was ihrem Herren begegnet. Dieſer Tod verurſachte bey Hofe groſſe dem Konig leid/ welcher groſſe Neigung zu Ihin getragen. Hingegen waren deren ſehr viel/ die ſich hochlich darüber erfteuten /nſonderheit gber die jenigen/ welche bereits etlicher maſſen beym Konig in Gnaden waren/ und woran ſie dieſer zuruck gehalten/ weil ſie ſich einbildeten/ daß er jhnen ein Platz hinderlaſſen/ den ſie mit deſto groͤſſerem Vortheil annehmen koͤnten. Die Grolſen bey Hofe begunten zu andern Gedancken zu ſchreiten/ und machte ihm ein jeder/ in de betrieglichen Wahn/ wormit die Ehrgeitzigen jhnen zu liebkoſen yffegẽ/ die beſte Hof mung. Auf dieſen Todsfall/ welcher den Konig eichet; daß nemlich die Kalmak, welches wilde und unbendige Voͤlcker ſeyn/ Perſien den Krieg angekuündiget: weßwegen die Statthalter der Landſchaft Eſter-abaat, welche das Orientaliſche Hircanien iſt/ Se. Maj erſucht/ ſhnen eilends nothwendigen Entſatz zuzuſenden. Es erfordert aber die Ordnung der Geſchicht/ daß wir anzeigen/ was dieſes für Volcker ſeyen/ ind was die Urſach dieſes Kriegs geweſen. Wuadiefes Die Kalmak haben jhren Namen von kal del. er make, der Haubiſtadt des Landes/ welches ſie an den Grautzen der groſſen Tartarey bewohnen/ bekommen/ und werden/ in Anſehen Perſien an der Nord. Oſt Seiten/ bißweilen Vusbek-Kalmakys ins gemein aber nur ſchlecht Kalmak genandt. Es hat ſich vor einiger Zeit begeben/ daß ſich an den Graͤntzen zur Seiten Perſien/ wiſchen Orquenge und Eſter abaat eine groſſe Menge der Turkmanns nidergelaſſen/ welche Viehehirten ſeyn/ die mitten in den Feldern under Zelten wohnen/ und gleich wie die Schwalben jhre Wohmumgen nach Veranderung der Jahrs⸗zeiten andern. Unſere heutige Seribenten nennen ſie Turcomannen, welches eigentlich die Türcken ſeyn: dann es ſeyn heydes dieſe Hirten/ als die jenige/ welche jetzo das Conſtantinopolitaniſche Reich beſi1 auß Furg-eſtaan, nemlich den jenigen Provinzen der Tartarey entſproſſen/ welche geben worden ſi noch auf den heutigen Tag ſehr groß und weitlauftig ſeyn/ ob wir ſchon gar geringe Wiſſenſchaft hier von habẽ. Dieſes iſt das jenige Land/ welches eigentlich Türckey genennet werden muß/ nicht aber die Provinzen in Aſia und Europa/ welche von den Ottomannen eingenomen woꝛden ſind:dann die Orientaliſche Volckeꝛ geben den Volckern dieſer Landſchaften/ wie nit weniger dem Groß⸗Turcken/ hrem Monarchẽ/ der über ſie zu gebieten hat/ niemals dieſen Namen/ und iſt dieſes ein gemeiner Irꝛthum bey uns Europeern weil die Volcker/ von denen wir reden/ dieſen Namen nicht erkennen/ und denſelben für barbariſch halten wurden/ in deme bey ihnen Tuͤrck einen Hirten bedeutet/ der auß dieſen hohen Landſchaften der Tartarey kommen iſt/ in welchem Land er auch ſonſt gewohnet haben mag. Die Perſianer/ damit ſie dieſe Turcomanniſche Hirten deutlich erklaren mochten/ haben dieſelbe in jhrer Sprach Saranetcliin genennet. Sara bedeutet ein Feld/ und netchin, die jenige/ welche daſſelbe bewohnen/ welches von dem Zeit⸗wort netchinen, herkomt/ das iſt/ ſich niderſetzen/ ſich niderlaſſen. Bedeutet alſo Sara-netchin von Wort zu Wort/ die ſenige/ welche ſieh im Feld geſetzet. Unſere alte Geſchichtſchreiber/ und neue Relations: ſehmiede/ denen die Orientaliſche Sprachen nicht bekandt ſeyn/ oder zum wenigſten nur eine mittelmaſsige Wiſſenſchaft darinnen haben/ nennen ſie ins gemein Sarrazins, ober Saracenen/ welches barbariſche Wort/ ſonder Stbeifel/ von einem andern/ als einem Franzoſen auf uns kommen iſt/ angeſehen/ uns nicht ſo ſehwar fallt/ den Buchſtaben chin der Aſiatiſchen Volcker außzuſprechen/ als wie etlichen unſern Benachbarten Volckern/ und under anderm/ den Engellandern/ welche durchgehends ein Zin darguß machen/ welches einer under ihnen in einer Perſiamiſchen Gram̃atick/ bier emachr beuklich zuerkeften gegeben hatz in deme er dilputirt, auf kvelche Jeiſe der Name einer berühmten Stadt in Perſien gußge1 werden muſſe⸗ Die czngebohrne ſchreien und ſprechen denſelben Chiras mit einem Chin, die Engellander aber Siras, mit einem Sadd auß. Worauf er beſchleuſt/ daß ſeine Nation/ in Ermanglung dieſer Außſprechung in ihrer Mutterſprach/ dieſelbe auch in der Perſtaniſchen nicht auß drucken konnen/ und daß die Frantzoſen hierinnen glückſeliger ſeyen/ weil ſie in jhrer Sprach das Chi, ſo wol als das Si außſprechen/ und ihnen eines ſo viel/ als das andere gilt.„ 8 Wann man eine richtige Beſchreibung eines Landes thun will/ ſo muſſen die jenige/ ſo ſich deſſen underſtehen/ der Sprach kundig ſeyn/ ſonſten werden ſie tauſenderley Fehler/ welche verſtaͤndige Leute nicht wol ertragen koͤnnen/ begehen; und bedarff man deſſen kein anderes Zeugnuß/ als die Neiß⸗Beſchreibungen/ welche in dieſem Jahrhundert herauß geind. Ich rede nur allein von denen/ welche von Perſten handeln; worunder ich aber des de la Vallé, und des i 15 N Illearii, in Perſien Olearii nicht verſtehe/ als welche die beſten ſeyn; weil dieſe Seribenten die Perſianiſche Sprache gelernet haben. Und bin ich der galtzlichen Meynung/ daß der jenige/ welcher ſeine Reyſen/ und was er in einem Land geſehen/ und angemercket/ deſſen Sprach er nicht verſtehet/ in den Druck kommen laßt/ nimmermehr etwas rechtſchaffenes und vollkommenes an das Liecht bringen koͤnne.. 5 Ich bin der Hoffnung/ es werde dieſer kleigehen dec ne lilſchweiff denen Wiſſens⸗begierigen nicht uuder der zuwider ſeyn. Aber wieder zu unſerm VorPaten un haben zu ſchreiten/ ſo war dieſes Volck der ug. Turkmannen, zuvor denen Kalmak zinßbar; es ſind aber dieſelbe vor ohngefaͤhr dreyſſig Jahren in Perſien ffchtig worden/ und haben ſich under den Schutz ſelbiger Koͤnige be1 0 /beydes damit ſie denen Drangſalen/ welche jhnen die Kalmak angethan/ entgehen/ als ein fruchtbarers/ und zur Nahrung jhrer Heerden bequemeres Land finden mochten. Zwiſchen 2 50 Zeit haben die Kalmak gantz ſtill hierzu geſchwiegen. In dieſem 1667. Jahr aber/ weil ſie dafür hielten/ daß Perſien under einem ſo jungen Koͤnig/ in hoͤchſter Unvermoglichkeit ſeyn würde/ begarten ſie/ damit ſie eine Urſach/ jhnen den Krieg anzukundigen hatten die Wiedererſtattung des Tributs/ den der Konig in Perſien ſeith dreyſſig Jahren von den Turkmannen, jhren Underthanen/ empfangen. Nachdem ihre Abgeordnete zu Elter abaat, welches die erſte anſehnliche Stadt in Perſien auf ſelbiger Seiten iſt/ angelangt/ hat der Statthalter dieſelbe aufgehalten/ und zu nen geſagt/ daß er jemand/ wegen ihres Begarens/ an den Perſianiſchen Hofe abfertigen/ und ſie die darauf erfolgte Antwort wiſſen la ſen wolte. Der Königliche Raht war gleich im Anfang/ ohne ferners Berahtſchlagen/ der Meynung/ daß man ein der Hoheit des Reichs ſo nachtheiliges und ſchimpfiches Begaren rund abſchlagen ſolle. Dieſer Entſchluß war zwar gut/ und wol gemeynt/ jedoch aber nicht gar weißlich: dann nachdem die Kalmak denſelben erfahren wurden ſie hierüber unwillig und kamen zu End des Herbſts an die Granten/ welche beyde Lander voneinander ſcheiden/ woſelbſt ſie offentlich einen Pfeil in der Perſianer Land geſchoſſen/ welches das Kennzeichen iſt/ wormit ſie den Krieg ankündigen; worvon wir weiter Die Turk drunden ſehen werden/ was der Himmel deßwegen verordnet habe: Alle dieſe Kriege nun/ welche Perſien ineinem ſo krancklichen/ und unvermoͤglichen Zuſtand/ in welchem es ſich befande/ angedrohet wurden/ verurſachten/ daß man bey Hofe den Vorſchlaͤgen des Pacha von Bas. ra, welches ins gemein Balaura, jedoch unrecht/ genennet wird/ und eine Stadt an dem Perſianiſchen Golfo iſt/ kein Gehoͤr gegeben. Dieſer Pa cha hatte ſich ſchon viel Jahr lang in dieſer Stadt als ein freyer allein herꝛſchender Stand/ der keinen Herren uber ſich erkant/gehandhabt/ und wuſte ſeine Sache zwiſchen dieſen beyden mächtigen Potentaten/ dem Türken/ und Perſianer/ von denen er eingethan lieber ſahe/ daß es dieſem Furſten in Handen mächtigen: dann der Sultan Mourad, den wir er/ nachdem er zur Kron gelanget/ Babylon Der lein ee„Calſo hieß diefer leiPerſien/ und ließ die jenige Erbietungen/ die er derholen. Die Abgeſandten aber fanden keifolget/ war vielmehr zu kurtzweiltgen Sachen Aliniltri aber welche die Unvermoglichkeit des agg ding/ daß er ins kunfftig dem Groß⸗Türcken Kroͤnung. 85 war/ ſo wol anzuſtellen/ daß die Begierde/ die ſie alle beyde hatten /n ine Berderben zu bringen/ zu ſeiner Erhaltung geholfen: Dann wann der Turck ien Überfällen wolte/ ſo erborhe er ſich gegen dem Perſianer/ jhn für 55 nen Heren zuerkennen; der Turck aber/ welcher nicht wolte/ daß ſein Feind/ der Perſianer/ Her? Über dieſes Land werden ſolte/ ſondern bliebe/ ließ ihn mit Frieden; und wann der Perſianer hn ſeines gethanen Verſprechens erinnerte/ ſo drohete er geſchwind/ daß er ſich an den Turcken ergeben wolle. Weil nun der Perſigner heſorgte/ es moͤchte der Turck/ welcher ohne diß ſchon allzu machtig ware/ ſein Reich mit dieſem neuen Land erweitern/ ſo triebe er die Sache nicht auf das quſſerſte hinauß. Und dieſes Funds bediente ſich dieſer Pacha, 10 Lebzeiten Königs Habas des Zweyten/ ſehr Nach ſeinem Tod wolte der Turck diese Gelegenheit des neuen Reichs Selle des Zweyten nicht auß Handen laſſen/ ſich der Stadt Basra, gleich wie vor dreyſſig Jahren/ zu be* „Der GroßTuͤrck trachtet Basra zu erobern. Murat nennen/ wolte ſich dieſer Gelegenheit bedienen/ gleich wie Sele der Erſte gethan/ als belagert; dergeſtalt/ daß er/ ob er ſchon mit dem Krieg in Candia beſchaͤfftiget geweſen/ die Eroberung dieſer Stadt vorgenommen/ und denen Pachas zu Diarbe re, Mouſſol, Aleppo, Merdin, und andern Statthaltern ſelbiger Orten/ anbefohlen/ daß ein jeder mit einer beſondern Armee/ woruber der zu Bagdad, oder 1 General geweſt/ vor Basra ziehen Bi 5 — Hoſſein-Pacha ſuchet Huͤlffe beh Perſien/ ne Selbſt⸗Herꝛ zu Bas: ra) ſandte hierauf in ſo offt gegen Habas dem Zweyten gethan/ wienen ſolchen mehr; dann dieſer/ ſo jhm nachgegeneigt/ und hatte keinen Luſt zum Krieg. Die welche ihm Reichs nicht gern entdecken wolten/ gaben die⸗ wird; ſem Abgeſandten zur Antwort/ daß man jetzto. jhrem Vortrag kein Gehoͤr gebe/ nachdeme der Pacha, ihr Herz/ Perſien ſo oft/ und freventlich hindergangen; dannenhero er ihm ſelbſt dieſes Unglück über den Hals gezogen/ und geſchehe ihm jetzo eben recht. Der Pacha ließ jedoch Dannenhero derentwegen/ weil jhme die Hulff von dieſer verträgt er Seiten abgeschlagen worden den Mußt nicht Len en ſincken/ ſondern gebrauchte einen andern Liſt/ und weil er durch den Kauff handel einen groß ſen Schatz geſamlet/ ſo bediente er ſich deſſel ben/ den Pacha zu Bag dad, Generaln über die Turckiſche Armee/ und die andern zu beſtechen. Dieſem nach handelte er mit jhnen/ mit BeJingbar ſeyn“ ihme japrlich hundert kauſend Kronen Tribut geben/ und e hundert tauſend baar erlegen wolle. Es wurden noch einige andere Bedingungen hinzu geF 4 fuͤget/ 68 fuͤget/ ſo aber von feiner Wichtigkeit ſeyn. Solchem nach wurde die Belagerung aufgehoben/ und ſchickte der Packa ſeinen Eidam nach Conſtantinopel/ dieſen Tractat rar ilcieren zu laſſen. Dieſes alles hat ſich in dieſem Krieg Aud 1667. zugettagen. Zu Außgang dieſes Jahrs lieffen zu Iſpahan von dene an dem Caſpiſchen Meer ligenden 8 Landſchafften traurige Zeitungen ein/ nemlich/ daß zu Chirxvon, einer vornehmen Stadt ber Provintz gleiches Namens/ welche einen Theil 5 des groſſeren Armenien macht/ bey Lettlis, der 8 Haubtſtadt in Georgia, ein Erdbidem den a groͤſten Theil ſelbiger Stadt erſchuttert/ und vier herum ligende Doͤrffer uͤbern Hauffen geworffen/ in deren Steinhauffen uͤber dreyſſig tauſend Menſchen unkommen: ingleichen daß in einer andern Stadt/ Namens Chamaky, in der Provintz eben dieſes Nahmens/ welche i das Suͤdliche Medien iſt/ ein anders gleichfals erſchröͤckliches Erdbeben den Verluſt zwantzig tauſend Menſchen verurſacht/ und den dritten Theil verſencket habe/ durch welches erbaͤrmliche Unglück dieſe zwo Provintzen in die auſſerſte Verwuſtung gerahten. Errdbidem zu efflis. Der Mirzadunklere der ſich über dieſe betrübte Zeitung hatte erurch ein we⸗ freuen ſollen/ auſſer der Mirza- Ibrahim; von uig Luft. deme droben geredet worden/ ober ſchon/ als Koͤniglicher Pachtmann dieſer letſten Provintz/ wegen ſeines Verluſts von Rechtswegen/ daruber bekuͤmmert harte ſeyn ſollen; Freuden an/ weil derſelbe eine Gelegenheit war/ die jhme das Gluck zuſchickte/ ſich von denen Drangſalen/ die er an dem Perſtaniſchen auß der Stadt Iſpahan zu kommen/ welche er als ſeine Gefaͤngnus/ oder vielmehr als ſeine Holle anſahe. Dieſe Gelegenheit ließ er nicht auß der acht/ ſondern übergab dem Koͤnig/ und denen Miniſtris eine Supplication, worinnen er zu erkennen gab/ daß Chamaky under ſeine Verwaltung gehoͤre/ mit Bitte/ daß Seine Majeſtat geruhen wolle/ jhme zu erlauben/ daß er ſich dahin begeben/ und dieſe Stadt auß den Steinhauffen wieder aufrichten möge. . Er fuͤgete dieſer Bitt ſchrifft ſehr ſtattliche Preſenten/ welche er den vornehimſten Miniſtris gethan/ hinbey/ alſo daß jhm alles das jenige/ was er begarst/ bewilliget worden. Auf ſolche Weiſe nun hat dieſer ungluͤckſelige Here die boͤſe Wirckung ſeines unbeſonnenen Ehrgeitzes auf eine zeitlang verſchoben. Gewiß iſt es/ daß in denen ſechs Monaten/ in denen er ſich zu Mofe aufgehalten/ der Koͤnig/ und ſeine Vediente/ mehr als ſechzig kauſend Tomans, dieſes alles unangeſehen/ ſo wurde er noch darzu für einen Betrieger/ und nichts werthen zy m alienthalben auf dem Fuß nach/ und hat7 N ten beydes hohe als nidrige Stands⸗Perſonen ſhren Luſt und Freude/ hn zu ſchanden und zu ſchmahen/ und als einen Hippenbuben außzuSohmanni III. Königs Es war wie mich bedunckt/ kein Menſch/ nichts deſto weniger ſahe er dieſen Zufall mit Hofe erdulten muſte/ zu befreyen/ und wieder mangel/ auf dieſe welches brey Millionen ſind/ bekommen/ und N e rung hielte noch jmmer an/ und ob man zwar ulm gehalten. Das boſe Gerücht folgete machen. Dann weil er ſehr hart eingeſperret war/ und jhn über diß ſein Unglück ſehr foͤrchtſam gemacht hatte/ fo fanden die jenigen/ ſo etwas an jhn zu fordern hatten/ und denen man eine Anweiſung auf ſeinen Beſtand gegeben/ kein beſſers Mittel/ jhn zum Bahren zu treiben/ und das Gelt von ihm zu bringen/ als wann ſie uͤbel mit jhm umgiengen. Ich habe mir von Leuten/ die gar wol darum gewuſt/ ſagen laſſen/ daß gar kurtz vor ſeiner Abreys/ als man zu Hofe von den Mittein/ wie man Gelt aufbringen mochte/ geredt/ der Divan-Beki, oder oberſte Haubt der Juſtitz in einemMemorial/ ſo er dem Koͤnig uͤberreicht/ ſich erbotten/ daß er/ wann Se. Maj. jhme den Mirza Ibrahim, und den Mirza-Sadek Übergeben wurden/ Ihrb bey Verluſt ſeines Kopfs ſechs hundert tauſend Tomans, welche ſich auf etlich und dreyſſig Millionen belauffen/ lieffern wolte. Es begab ſich eben zum Unglück/ daß dieſer Herz/ als dieſes Memorial dem Konig übergeben worden/ ſich damals in dem Saal/ wo Se. Majeſt. geweſen/ und Ihro 1 15 gantz laut vorleſen laſſen/ befunden; dahero man leicht erachten kan/ in was Aengſten er muͤſſe geſtanden ſeyn. Er kunte kein Wort hierauf antworten/ und muſte alſo die Straff gen Verſtandes tragen. Mit einem Wort/ es ware um jhn geſchehen geweſt/ und hatte ſein Unglück je langer/ je mehr zugenommen/ wann das obgedachte Erdbeben jhm nicht Anſeines unbedachtſamen Ehrgeitzes/ und gerinlaß gegeben hatte/ um ſeinen Abſchied anzuhalten/ und ſich auß dem Staub zu machen; dergeſtalt/ daß ein Zufall/ welcher jhm zu allen andern Zeiten ſehr ſchadlich wurde geweſt ſeyn/ diß mals etlicher maſſen ſein Gluck geweſt. Es hielten aber/ wie gedacht/ kluge Leute dafür daß er ſein Unglück nur auf eine zeitlang verſchoben; daß ſein Fall ungußbleiblich ſeyn/ und man bey dem ger ingſten ſich eraugenden Oelthe fallen wuͤrde. Das 1668. Jahr/ nach unſerer/ das 1079. aber/ nach der Mahometaner Rechnung/ wurde mit groſſen Ergetzlichkeiten angefangen/ weil ſich der Konig einbildete/ es wurden die folgenden Tage/ gleich wie die erſten/ voller Freude ſeyn. Es geſchahe aber nicht/ wie er gedachte; dann ob ſchon die Groſſen des Staats/ wie auch mittelmaſſige Perſonen/ ſo mur ein wenig Verſtand hatten/ dem guſſerlichen Anſehen nach/ mit einem froͤlichen Geſicht den Freudenfeſten beywohneten/ ſo gieng es jhnen doch nicht von Hertzen/ weil ſie ſahen/ daß es im Ju Perl 99 5 von Tag zu Tag arger wurde. Viel Probintzen hatten den Feind in jhrem Buſen/ und hatten ſich jhrer viel deſſen zu beſorgen/ andere aber waren durch die Erdbiden verwuͤſtet; wird es länger je ſchlecbt, es war wenig Gelt im Koͤnigreich; die Theuan nichts Mangel hatte/ ſo wurden doch alle nohtwendige Lebensmittel um einen gar zu hohen Preis verkaufft. Uber diß/ ſo waren die Schatzleͤſten erſchoͤpffet/ und hatte der neue Koͤnig iſerhalb 18. Monats alle Schatze dieſes groſſen Reichs durchgebracht. Dieſes geſchgz he eines Theils durch ſeine Verſchwendungen/ entſwtzere Des Koͤnigs derulter unsrztehet ſich gleich der Necierung rin ſeye/ rede in Perſien Kroͤnung. entweder mit überſchwaͤnglichen Unkoſten/ die er zu machen kein Bedencken trug/ oder aber mit gar zu ubermaſſigen Preſenten/ mit denen er ſeine Hoff Gunſtlinge gar zu offt/ und ohne Noht uͤberſchuttete; andern Thals aber durch die wenige Sorg/ ſeine Einkommen wol zu Raht zu halten; dann er hatte nicht den dritten Theil von deme/ was ſein Vatter hat einzunemmen pflegen/ bekommen/ und gedachte nicht/ wo es endlich einmal hinauß wurde. Zu deme hat er auch alle ledige Aemter/ beydes in denen Provintzen/ als bey Hofe/ wieder beſetzet; da hingegen ſein Vatter niemals/ oder gar ſelten/ wann jhn die Noht hierzu gezwungen/ beſtellet/ damit er under 5 das Gelt/ welches ihnen verordnet war/ zu ſeinem Nutzen gebrauchen koͤnte. Es hatte ſich der junge/ und in Regierungs⸗Sachen noch unerfahrene Konig eingebildet/ es würden ſeine Schatzkaͤſten/ die er voll gefunden/ mmer in ſolchem Stand bleiben/ und hat niemand das Hertz gehabt/ der ihn geſagt hatte/ daß es viel leichter ſey/ dieſelbe zu laͤren/ als wieder anzufullen. End lich aber/ als er ſich verwunderte/ daß jhm das A Gelt nicht ſo haufig/ als zuvor/ in die Hande kame/ wurde man gezwungen/ jhme die eigentliche Beſchaffenheit anzuzeigen. Die Hertzogin/ ſeine Mutter/ welche er in ſehr hohen Ehren hielte/ und von weleher man ſagen kunte/ daß ſie mehr als ſeine Hofmeiſteit jhm freyer/ als ſonſt ſemand/ und ſtelle te es alſo an/ daß er für gut befande/ daß ſie ſich zugleich des Regiments mit annehmen ſolte. Dieſem nach underwande ſie ſich der Sache/ und brachte/ zu jhrem erſten Meiſterſtuck/ den Konig jhren Sohn/ von einer nem zu der andern; dergeſtalt/ daß da er anfaͤnglich gar zu freygebig geweſen/ und jederzeit/ und bey allen Gelegenheiten/ und ſo überftůſſig gegeben/ daß jhm nichts mehr zu geben uͤbergeblieben/ ſo iſt er hernach bis auf den erſten Grad geitzig worden/ und war ſo fern/ daß er einige Freygebigkeit mehr harte erweiſen ſollen/ er im gegentheil kaum/ und ſehr kaͤrglich die jenige/ ſo jhm einigen Dienſt gethan/ belohnet: Und kunte man von ihmie/ wie von den gahe anlauffenden Bächen ſagen/ welche heute die Felder mit Waſſer uͤberſchwemmen/ morgen aber dieſelbe wieder trocken kaſſen. Alle dieſe Wahnordnungen verurſachten die Perſiauer/ daß ſie hre Augen zurück au das vergangene wendeten/ und ſich nach dem 5 verſtorbenen Konig fehneten. Sie lieſſen jhnen die Antwort/ welche einige Zeit vorhero der General der Armee/ als er noch bey Leben/ und in hohen Guaden geweſen/ dem Konig gegeben/ ſehr wol gefallen. Dann als der König in einem vertraulichen Geſprach/ ſo er mit hm gehalten/ einsmals zu jhm geſagt: Hali-KouI Kaan; weiſtu nicht/ war die jenige ſeyen/ die ſich uͤber meines Vatters Tod gefreuet? Wann ich dieſe Hunde wuͤſte/ wolte ich ihnen das Hertz ſpalten laſſen. Dieſer Her? antwortete hierauf mit ſeiner gewohnlichen Kunheit/ ohne Scheu: Gnaͤdiger Koͤnig/ es mag Euer Maj. wol zuſehen/ daß man nieht an Ihro/ und an mir/ den Anfang machen muͤſte: dann ich wuſte niemand/ als uns beyde/ denen dieſer Tod groͤſſere Freude haͤtte bringen koͤnnen; indeme wir auß Gefangenen/ die wir damals geweſen ſind/ zu Koͤnigen in Perſien gemacht worden. Es ſtuhnde in dieſem Jahr um des Koe Des Könnge nigs Geſundheit nicht beſſer/ gls in dem vori⸗ 94100 gen: dann er wurde noch ſtats mit ſeiner Zug Kranckheit/ wiewol mit ungleichen/ und theils leichtern/ theils aber haͤrtern Anſtoſſen/ uberfallen; bisweilen blieb er gange Wochen krancklich in ſeinem Haram, oder Frauenzimer⸗Pallaſt/ auß welchen er nicht zu gewiſſen Zeiten/ als nur ein wenig auf den Abend/ um ſich ſehen zu laſſen/ kame; bisweilen ſchoͤpffete er friſchen Lufft/ und ſetzte ſich mit einem drey⸗ oder viermal um den Hals gebundenen Halstuch zu Pferd/ welches in Perſien das Merckzeichen einer krancken Perſon iſt. Dieſes aber ungeachtet/ wolte er von ſeinem unordentlichen Leben nichts nachlaſſen/ ſondern fuͤhrte ſtaͤts ſeine Weiber mit ſich/ und waren ſeine gewoͤhnlichſte Luſtwandlungen nach Gioulfa der Armenier Flecken/ auß welchem er alle ſchoͤne Jungfrauen nahme/ ſeinen Pallaſt darmit zu beſetzen. Man ſagt/ daß er das erſte mal/ als er junge Magdlein under zwolff/ und uͤber zehen Jahr außſuchen laſſen/ von jhrer zwantzig/ ſo in den Pallaſt geführet worden/ nur eine eintzige/ welche ſchoͤn von Angeſicht geweſen/ behalten habe/ die andern aber/ welehe geweinet/ entweder weil man ſie für gar zu einfaͤltig/ oder zu argliſtig gehalten/ jhren Eltern wieder geben laſſen. Er verordnete dem Vatter dieſer ſchoͤnen/ die er behalten/ aht Tomans, welches vierhundert Pfund ſind: dann es iſt an dieſem Hofe der Gebrauch/ daß/ wann der Konig eine Tochter auß einem Hauß nimt/ das nicht gar vermoͤglich iſt/ er jhrem Vatter eine Penſion/ von ſolchem/ oder mit dieſem uͤbereinkommenden Werth/ ſo lang er lebt/ verordnet. Ich ſage/ wann ein Hauß nicht gar reich iſt: dann was vornehme Leute anbetrifft/ ſo wird es für das groͤſte Gluck gehalten/ wann man eine Tochter/ oder Baſe bey dem Konig hat/ da dieſelbe zu Befoͤrderung jhrer Geſchaffte dief nen/ und jhnen tauſenderley gute Dienſte bey Sr. Maj. leiſten kan. nachdem er/ weil er deſſen zu viel getruncken/ e die Braune davon bekommen; woran a ſein Vatter/ um eben dieſer Urſach willen Bank gelegen. Um dieſer Urſach willen hat er das Koutouk, oder Verbott des Weins/ von Zeit zu Zeit erneuert/ damit keiner mehr zu bekommen ware: dann alſo pflegen es alle groſſe Herren in Aſien zu machen/ daß ſie/ wann ſie ſich des Weins entſchlagen wollen/ denſelben außlauffen laſſen/ und die Faſſer/ in denen er ligt/ zerſchlagen; damit ſie/ wann ſie der Luſt denſelben zu trincken ankommen mochte/ denſelben i nicht Dieſer junge Her? hat ſich gleichwol ſeith und ob 8 des verwichenen Jahrs/ des Weins enthalten/ ſchon 2 15 1 5 ſtand; nicht buſſen konten/ weil ſie jhre Begierden nicht zwingen koͤnnen. 8 850 . b. wil doch; Aller dieſer Enthaltung aber des jungen helden cht Königs unerachtet/ ſo wolte doch ſeine Unpaßen lichkeit nicht nachlaſſen/ und war an ſeiner bleichen Farb/ und dem Eckel vor allen Speiſen leicht abzunehmen/ daß es mit ſeiner gantzen Leibs⸗Beſchaffenheit nicht richtig ſeyn muſſe. Weßwegen Dannenhero wuſte ſein vornehmſter Leibe 1. Medicus nicht mehr/ wo er war/ weil er alle 85 111 Geheimnuſſen ſeiner Kunſt verſuchet/ woruͤberache iſt been wie wir anderswo geſagt/ an des Königs ſeinem hienge; oder/ wann ihm einige Gnade widerfuͤhre/ ſo wuſte er gewiß/ daß er zum wemigſten um ſein Haab und Gut/ und ſeine Freyheit kommen würde/ wie denen zweyen vornehimſten Medicis Habas des Zweyten begegnet/ und allen denen/ ſo dieſer Kunſt ſeyn widerfaͤhret/ welche die Aſſatiſche Furſten under jhrer Cur haben/ wann ſte under ihren Handen Die Sternkuͤndiger begunten indeſſen einer dem andern/ und jhren vertrauten Freunden/ als ein groſſes Geheimnus ins Ohr zuſagen/ daß er nimmermehr zu volligen Geſundheit gelangen wurde; und daß ſte in ſeiner Geburts⸗Stunde nicht mehr als ſechs Jahr gefunden/ die er nach ſeiner Kroͤnung leben wuͤrde/ wor von bereits ein Dritthel verfloſſen; und daß er die ubrigen zwey in ſ. zubringen wuͤ rde. jhres Sohns/ ſondern an ſeinen Artzt/ und fragte jhn/ warum dieſer Printz kranck ſey? Sie beſchuldigte jhn der Verraͤhterey/ und Unwiſſinheit und begarte an ihn/ weil er ſein Artzt ware/ daß er jhn wieder geſund 1 muͤſte. * Dieſes brachte den guten daedicum gantz in „Verzweifflung/ und weil jhm alle andere Recepten entgangen/ ſo fiele jhm ein gantz beſonderes ein/ deſſen wenig Medici in unſerm Europa ſich bedienen wurden/ weil es weder in dem Seine liſige Hy pocrati, noch Galeno zu finden. Er erAußrede/ dachte einen wunderbaren Fund/ und begunte alle Schuld auf das Geſtirn/ und die Munehizüms, oder Sternſeher des Konigs zu werffen/ und ſagte/ daß ſie einig und allein hieran ſchuldig waͤren; dann daß Se. Maj. unpaßlich ſeye/ und nicht zur volligen Geſundheit gelangen koͤnne/ ſolches komme nirgends her/ als daß ſie die rechte Stund/ nemlich den Aſpect einer glückſeligen Zuſammenfügung der Sternen zur Zeit ſeiner Kroͤnung nicht in acht genommen. Dieſer erdichtete Vorwand wurde von allen guten Freunden/ ſo dieſer oberſte Leib⸗Medicus bey Hofe gehabt/ und uͤber diß auch von des Koͤnigs Sternſehern einem Namens Mirza Mougiim, ſelbſt underſtüͤtzet. Dieſer hatte/ entweder auß Neid/ oder um anderer Urſach willen/ einen heimlichen Haß auf den Oberſten der Sternkundiger/ deme anbefohlen worden eite gute Stunde zu des jungen Prinzen Krönung in acht u nehmen/ genicht gut geweſt ſey; nachgehends hewahrte er er ſich denn hefftig bekummert/ weilen ſein Lekater Unpaßliehkeit Die Hertzogin ſeine Mutter/ welche auß natürlicher Liebe/ und groſſem Eyffer gantz blind war/ hielte ſich nicht an die Kranckheit 0 Solimanni III. Koͤnigs wörffen; weil er nun eine ſo gute Gelegenheit geſehen/ dieſen Oberſten der Skernkundiger in Miß⸗Credit zu bringen/ und ſeine eigene Reputation zu vermehren/ ſo ließ er dieſelbe nicht auß Handen gehen. 8 e Er erwieſe/ oder vermeinte mit Aſtrologiſchen Grunden in den Verſarnlungen der vornehmſten bey Hofe zu erweiſen/ daß die Stunde/ die er zu des Konigs Kroͤnung benennet/ gar mit eben ſo ſtarcken Beweiß⸗Grunden/ als die erſten waren/ daß die baufallige eſundheit des Königs von dieſer Kroͤnung/ welche under eine boͤſen Zeichen vorgenomen worden/ herruͤhre. Die erſte/ welche dieſem abgeſchmackten deren jeder Vorgeben Glauben zugeſtellet/ waren die man beyſal Mutter/ und der Sohn; und hielte es aueh das e übrige Frauenzimmer Sr. Maj. für eine gantze Warheit/ und bildete ſich ein/ daß dieſes des Sternſehers Fehler ſey/ welcher nicht in acht genommen/ daß dieſe Zuſamenkunfft der Sternen nicht gut ware. Die Verſchniktene waren gleichfals dieſer Meynung/ und ſagten auch die Hoͤfflinge/ welche jederzeit willig ſind/ auch den aller ungereimteſten Vortragen/ wann ſie meynen/ daß dieſelbe hren Herren gefallen Bryfall zu geben/ eben dergleichen. Mit einem Wort/ der Leib⸗Medicus hat den Kopf auß der Schlingen gezogen/ und durch dieſen erdichteten Fund 75 beydes ſeine Ehre/ als ſein Leben gerettt rt. Der Sternkündiger bemuhete ſich zwar durch unwiderlegliche Grunde zu erweiſen/ daß dieſes nicht ſeyn konte/ es wolte jhm aber niemand einiges Gehoͤr geben/ dergeſtalt/ daß err: ſich/ auß Beyſorge/ er mochte jhm noch ein groſſers Ungemach auf den Hals laden/ genothiget befande/ nicht allein ſtill hierzu zu ſchweigen/ ſondern auch ſeiner eigenen Verurtheilung beyzufallen. 6 755 f a Dieſem nach bemuͤhete man ſich anjetzo/ und d, wie man bequeme Mittel/ zu Erſetzung eines 1 00 die ſolchen eingebildeten Fehlers/ erfinden mochte/ Fed und nachdem man ſich lang hin und her be⸗ wiel dacht/ bedunckte ſie injhrem Sinn nichts beſ⸗ len. ſerõ zu ſeyn/ als wann man die Ceremonien der Krönung wieder anſieng/ und den Konig von neuem/ als wann ſolches nie geſchehen/ kronete/ und wurde zugleich beſchloſſen/ daß Se. Maj. den Namen Sele, als der weiß nicht was unglüͤckſeliges bedeutete/ aufgeben/ und einen andern an ſich nehmen ſolte. Hierauf gaben ſie dieſem Printzen zu vernehmen/ daß der Anfang der Regierung des Königs/ ſeines Großvatters/ ſich eben ſo ungluckſelig/ als jetzo der ſeintge angelaſſen/ in deme damalen gleichfals groſſer Mangel an Lebensmitteln zu Iſpahan geweſen/ die Türcken jhm den Krieg angekundiget/ und er ſich niemals bey vollkommener Geſundheit befunden habe. 5 Nachdem man nun dieſe beyde Puneten/ nemlich den Konig von neuem zu kroͤnen/ und ſeinen Namen zu verandern entſchloſſen/ ſo war nichts mehr ubrig/ als einen Tag hierzu zu erwehlen. Uber dieſen Puncten wurde ebenmaſſig lange Zeit berahtſchlagt/ und hefftig deßwegen geſtrütten. Man zoge die Sternkundigern . 8 hierüber ——— S K— 8 hieruͤber zu Naht/ und wurde endlich/ nach all ſolchen Berahtſchlagungen/ und ffeiſſigſtenunderſuchungen/ einhellig beſchloſſen/ daß dieſe gute Stunde/ auf welcher ein ſo glücklicher Außgang folgen ſolte in dem Augenblick/ wañ die Sonne in das Zeichen des Widders eintritt/ welches/ nach unſerer Rechnung/ Dienſtags den 20. Mertz/ um neun Uhr vormittag Alge eee VVV Weil aber dieſe zweyte Kronung faſt einerley mit der erſten geweſen/ ſo iſt nicht nohtig dieſelbe noch einmal zu beſehreiben; wollen demnach nur das jenige anzeigen/ worinnen 8 der Underſcheid zwiſchen beyden beſtanden. uud mennis Dieſe zwepte Kronung geſchahe in dem groſſen nchen mel gal/ Tchehel. Setoon, das iſt/ die vieitzig hekzöner/ eulen/ genant/ welcher das jenige praͤchtige/ und ſchoͤnſte Zimmer des Königlichen Pallaſts iſt/ das wir in unſerer Beſchreibung der Stadt Iſpahan mit moͤglichſter Sorgfalt und Auficht vorgeſtellet hahen. Der Hof erſchiene um die von den Sternſehern beſtümte Zeit/ mit ſolchem Pracht/ als eine ſo hoch anſehnliche Ceremoni als dieſe war/ erforderte. Alle Groſſe/ und Officierer der Kron/ welche das Recht vor dem Koͤnig zu ſitzen hatten/ ſtelleten ſich auf die rechte; die zween oberſten Prieſter aber/ die vortrefſichſte Außleger des Alcorans und die gantze Schaar der Molla, oder der jenigen/ die zu den Moſqueen beſtellet ſind/ ur lincken Seiten. Nachdem ſich die gantze Hofſtatt geſetzet/ und niemand mehr gefehlet/ der dabey hatte erſcheinen ſollen/ trat der Konig/ indeme ſich jederman ſehr ſtill geſtalten/ und kein Wort geredt/ von hindenzu in den Saal/ und ſetzte ſich nider; nicht lang hernach gab man ein Zeichen/ und ſtunde jederman von ſeinem Ort auf; worauf dann die Kroͤnung eben auf die Weiſe/ wie das erſte mal/ vorgenommen wurde. Der Maa 95 ihm der hammed Baquer Coraſoni that die Rede in dan geg. dier Theilen/ und verrichtete das Kobe, oder Gebatt und naeh Vollendung deſſelben erhube er ſeine Stile/ und nennete den Printzen mit einem neuen Namen/ welcher Soliman geweſen. So bald dieſer Name gehoͤret worden/ gab ein jeder/ gleich wie bey den Ceremonien der erſten Krönung geſchehen/ ſein Intchtalla hierzu/ Gott gebe es/ oder Gott verleihe/ daß 1 g ee Herzlichkeit/ und das Glück des kluerſten getragen/ übertreſfe. Dann es iſt zu wiſſen/ daß So liman in der Perſianiſchen Sprach eben dieſes/ was Salomon in der Hebreiſchen Sprach bedeutet/ von welcher es/ ſonder Zweifel/ herkommen iſt; dannenhero man deſſen Urſprung nirgends anderswo ſuchen darff. Saleim heiſſet in dieſer Sprach ſo viel als Friede/ wor von die Araber jhr Selim her genommen/ welches leutſelig/ freundlich/ friedfertig bedeutet; und kan wol ſeyn/ daß der Namen des berühlmten Geſützgebers der Arhenienſer/ Solon geltant/ auch hier von ſeinen Urſprung gehabt: dergeſtalt/ daß Salomon hey den Juden/ Soliman bey den Perſern/ Selim hey den Türcken und Arabern/ und Solon bey den Griechen kinerley Wort iſt. in Perſien Kroͤnung. dlich/ nach al! Monarchen/ welcher dieſen Namen am —. 5— . Dieſer Lehrer brachte ſeine offentliche Rede mit auſſerſter Beredsamkeit 0 welcher ein jeder Sr. Maß. Fuſſe kuſſete/ und ſich wieder an ſeinen Ort ſatzte. Der gantze Hofe blieb daſelbſt/ und wurde eine Collation/ welche in lauter eingemachten Sachen/ und Zuckerwerck/ in uldenen Schüſſeln beſtanden/ gehalten/ von wegen des Königs lmpaßlichkeit aber/ 3 keine andere Speiſen aufgetragen. Hierauf Diese neue wurde durch den Klang der Muſicaliſehen In⸗ Kraus ſtrumenten/ auf dem Königlichen Platz/ der poder gantzen Stadt dieſe neue Kroͤnung verkündi⸗ dige/ get/ und wurde der gantze Tag mit allerhand Kurtzweil/ und offentlichen Schauſpielen zugebracht; in der Nacht aber uberal Fackeln angezundet/ mit Befelch/ die Kramladen offen zu halten/ damit die Stadt hierdurch deſto mehr erleuchtet würde/ und das Volck auf den Gaſ⸗ a ſen wie bey hellem Mittag gehen konte. Es wurden auch zugleich alle Siegel/ und Muntzſtempfel zerbrochen/ und an jhre Stell andere/ under dem Namen Soliman gemacht/ unit welchen/ innerhalb vier und zwantzig 3 Stunden/ etlich tauſend Kronen neuer Munz gepreget worden. Und damit alle Provintzen und 1 von dieſer neuen Krönung Nachricht haben hach nee mochten/ ſo wurde dem Mahammed-Salehz Probintzen des Königs Sternkundiger/ des oberſten augezeigt. Sternſehers/ und Haubts der gantzen Geſellſchafft Bruder/ Befehl ertheilet/ an alle 5 1 Beamten/ und die in dem Reich einigerley 9 Dienſt zu verſehen hatten/ die Urſach/ warum Sk. Majeſt. jhren Namen verandert/ zu ſchreiben; daß ſie ins kunfftig den Konig Soliman für den hochſten Monarchen in Perſien erkennen/ und hinfüro an Se. Maj. under keinem andern/ als dieſem Namen ſchreiben/ hingegen den Natnen Setze in ihren Provintzen/ wo derſelbe anzutreffen ſeyn würde/ als unglůckhafft/ und der dem Konig/ und Königreich nichts gutes bedeute/ außloͤſchen ſolten. Dieſer Mahammed-Saleh befande ſich bey ſolcher Commiſſion/ und Verrichtung nicht übel: dann es muſten ihm die Groſſen/ und Beamten/ und mit einem Wort/ alſe die jenige/ an welche er ſchriebe/ ein jeder nach ſeinem Stand und Amt/ ein anſehnliches Preſent/ und dieſes Reinlen Zeitung ſchicke i. Man uͤberſendete auch in den erſten Tagen den Statthaltern deutenanten/ und Intendanten der gemeinen Einnahmen/ und andern vornehmen Leuten in den Provinzen/ Kölſigliche Kleider/ nebenſt Patenten/ uñ Befehls⸗Schrei⸗ 8 ben under dieſem Namen Soliman eben als Wann es ein neuer Konig geweſt/ der auf den Thron geſtiegen/ ſo eine naͤrriſche und abergläubiſche Einbildung hatte ſich dieſer Monarch und ſeine Nähte einnehmen laſſen; zie wol es ſchiene daß es dieſe nur zum Scheingethan: dann ſie waren wie imich bedunckt /viel du klug, daß ſie ſcc einer ſo ſelgaſten und uner en auen ee kaum in einiwach haben gn. 5 e geSe, Majeſtat bildete ſich von der 810 15 5 von wegen des Mouchtelog, oder der guten erſien. 8 * Seine Bedeutung. 72 Solimanni nachdem dieſes geſchehen/ daß es ſich mit Ihro wieder gebeſſert; und mag gleich dieſe Einbildung hierzu etwas geholffen haben/ oder nit/ ſo hatten doch die Artzneyen/ welche ihm ſein Me. dicus gebraucht/ einige Wuürckung/ daß Sie ſich wieder etwas beſſer auf befundẽ/ wie wol es den Staat wenig genuͤtzet; im Gegentheil ſo vermehrte das Kriegs⸗Geſchrey/ welches von allen Orten zu Iſpahan ein lieff/ die Forcht/ welche der erſchroͤckliche Comet/ der dieſes l Jahr erſchienen/ in jhren Hertzen verurſachet. Enn Comet Dieſer groſſe und weit erſchollene Comet/ Ae in ſo ſich faſt auf dem ganzen Erdboden ſehen laſſen/ leuchtete um dieſe Zeit in Perſien. Die Sternkundiger nenneten jhn Niarouk, das iſt/ die kleine Lantze/ weil er eine ſolche Geſtalt hatte; dann die Perſianer geben den Cometen/ nicht wie wir/ dergleichen Zeichen/ in der Luft geſchehen/ einen gemeinen Namen/ ſondern nur nach der Geſtalt/ die ſie vorſtellen; wie wir an ſeinem Ort angezeigt haben. Sie ſagten/ ſie hatten nie kein ſolches Luft⸗Zeichen geſehen/ noch darvon ſagen horen; es hatte aber derſelbe ſeinen Kopf nach Weſten dergeſtalt verborgen/ daß man an dieſem Himmelskreis nichts darvon ſehen konnen. Wir haben in unſerm Tractat von der Stern⸗Kunſt der Perſianer/ einen Abriß hiervon geſetzet/ welcher nach der Haubtſtadt der Provintz Perſien den J. Mertz/ welches der zweyte Tag nach ſeiner Erſcheinung geweſen/ gemachten Anmerckung gerichtet worden; weil wir aber nirꝛgends von der Anmerckung/ die man zu Iſpahan hieruͤber gemacht/ geredt/ ſo wirdes/ meinem Beduncken nach/ nicht undienlich ſeyn/ alhier etwas hiervon zu melden. 5 Die beſagte Anmerckung nun/ welche in Aumereune dieſer Haubtſtadt deß Konmgrejchs von den bender. lunneleiime- oder S ternſehern deß Königs/ den 10. May/ um /. uhr Nachmittag/ gemacht worden/ verhalt ſich alſo. Dieſer Eomet erſchiene in dem Südlichen Theil/ und folgete der Uhr⸗Bewegung(primum mobile) nach. Er hatte in der Lange 20. Grad/ 2. Minuten/ und in der Breite faſt durchgehends 6. Grad. An der Farb war er Bleich⸗roht. Mit ſeinem hoͤchſten Theil wendete er ſich nach dem Kocher deß Jacobſtabs/ und dem Fluß Erida no. Stine Lange deß Widders war 72. Grad/ die Breite nach dem Sonnen⸗Zurckel 3. Grad; nach ſeiner undern Extremitat aber/ welche der Wallfiſch/ oder krumme deß Eridiani war/ hatte er nach der Lange/ 41. Grad/ zo. Minuten; nach der Breite aber/ 6. Grad. Es urtheileten alle Sternkundiger in Perſien/ in jhren Takuims, oder Kalendern/ welches die Tagrechnungen dieſes lauffenden Ichrs ſind/ wann ſie von dieſem Luft⸗Zeichen reden/ daß es nichts als Kriege/ Todkſchlag/ Aufmuhr/ Feursbrunſten/ gefahrliche Kranckheiten/ Umkehrung der Regimenter/ und mit einem Wort allerhand Unglück bedeute. Sie verwieſen aber alle dieſe traurige Würckungen weit von Perſien auf die Sunnis, welches die Turcken ſeyn/ und die Katers, welchen Namen ſie den Gotzen⸗Dienern geben/ under denen wir III. Königs 0 Chriſten/ jhrer Meynung nach/ die erſte Stelle haben. Es hat aber die Zeit/ welche die beſte Sternkunſtlerin iſt/ die Perſſaner/ mehr als zu viel gelehret/ daß dieſe Straff auch über ſie verhaͤnget geweſt: dann das jenige/ was ſich in eben ſelbigem Jahr in dieſem Königreich zugetragen/ hat jhnen gewieſen/ daß ſie mit dieſer Ruhten gezuchtiget werden ſolten; und daß dieſe kleine Lantze(welche zween Namen ſie derſelben gegeben) ſie eben ſo hart/ als andere/ durchſtehen/ und ein Theil dieſer boͤſen Einffuſſe auf die Lander des Perhalter zu Kand- dar, welcher vorherd General der Selaven geweſt/ war einer von den erſten/ welcher durch ſeinẽ Unfall/ und Tod/ ſo ſich um diefe Zeit/ auß Urſachen/ die wir jetzo anzeigen wollen/ zu getragen/ ſolche boſe Wuͤrckungen empfunden hat. Wir wollen demnach ſeine Geſchicht an dem Puncten/ wo wir denſelben gelaſſen/ wieder vor die Hand nemmen/ und 1 mit wenig Worten ſamt ſeinem Leben en5 Wir haben jhn mit ſeinen neu geworbenen Volckern nach Kand- dar ziehen laſſen/ bey deſſen Ankunft es nicht das geringſte Anſehen zum Krieg hatte; geſtalten er dan auch keines begehrete/ und hatte er/ wie obgedacht/ dieſes Gerücht um keiner andern Urſach willen bey Hofe außgebreitet/ als daß er dieſes Gubernament erhalten/ und durch dieſes Mittel ſich guß denen Ungelegenheiten/ die er ihm durch ſeinen unruhigen Kopf/ und boßhaftes Femuht auf den Halß geladen/ loß würcken mochte. So bald er in ſelbiger Stadt angelangt/ ſo be⸗ upeld Le“ gute er zu erweiſen/ wer er ſeye/ nemlich ein 9990 rechter Boßwicht/ und zwar nicht mehr durch Sela heimliche Practicken/ ſondern gantz unverholen/ und mit groſſem Hochmuht; in deme er ſich zueinem kleinen Selbſt⸗Herꝛn aufwarff/ und alles mit ungebundener Macht vornahme/ Jungfrauen/ ja gar Eheweiber/ die mit einiger Schönheit begabt waren/ entführte/ und ſeinen Pallaſt damir erfüllete/ weder Zihl noch Maaß hielte/ und mit denen Sulroons oder leute und andern geringern Officierern/ wie mit Knechten umgienge/ und alles/ wo nur etwas zu hemmen war/ an ſich zog. Mit einem Wort es kame mit einer Tyraßey ſo weit/ daß ſich in dieſer gantzen groſſen Provintz nicht ein ſianiſchen Reichs fallen wurde. Der Stattnachgeſetzten StathalternKoniglichen Pachteiniger Menſch befunden/ der nicht aufs auſſerſte Saghaft/ und kleinmutig geweſt ſeyn ſolte/ in deme er die Leute/ ohne einigen formli chen Proceß/ nur nach ſeinem Kopf/ und wie es jhm ſein eigen Nutz/ und ſeine Unſinnigkeit in den Sinn gab/ ums eben bringen laſſen. Es wurde deßwegen nach Hofe geſchrieben/ und gelangte endlich das Schreyen und Weheklagen dieſer f armen Leute/ die er gemacht/ biß zu deß Konigs Ohren. Seine Verwandten/ und noch übrige wenige gute Freunde/ die er ain Hofe hatte/ berichteten jhn zwar/ daß ſeine Sachen nicht zum leſten bey Sr. Maj. ſtuhnden/ und wann er ſich nicht wol vorſahe/ jhme ein groſſeslingluck angedrohet würde; er ſchlug aber dieſe Wari ö nung. —— ere Serre e ——————————U 1128 5 05 in Perſien Kroͤnung. nung in den Wind/ und verließ ſich ſo ſehr auf 125 Koͤnigs Gunſt/ daß er ſich auch vor den eftigſten Anklagungen ſicher ſchatzete/ un von ſeinem Thun nicht abließ/ ſondern im Gegenkheil noch arger und hochmutiger wurde. Es befande ſich damals der Kaan und Statthalter/ welcher/ um jenem Platz zu mapen/ abgeſetzet worden/ damals bey Hofe/ welcher nicht underließ/ durch ſeine gute Freunde/ die er in ſelbiger Provintz Herten 1 Achtung geben zu laſſen/ der auch den Klagen der Betrangten die Hand bote/ und dieſelbe vor den Konig brachte. Dieſem nach kamenalle ſeine boͤſs Stüͤcklein an den Tag/ und als der ö König/ von ſo vielen wider ihn beſchehenen 3 Beſchwerden zu Zorn gereitzet/ wegen ſeiner Ungnad noch in Zweifel ſtunde/ ſo begienge er 0 eine neue Gewaltthat/ welche die vorige Anklagen noch viel ſchwarer gemacht. Es wohnet zwiſchen dem Königreich Kachmit, und der Provintz Kand-dar ein gewiſſes i Volck/ Boulluki genandt/ welches ſich auf dieſer Seiten biß in Indien erſtreckt/ und wird dieſes gantze Land durch ſeine eigene naturliche Fuͤrſten regieret; die nachſt an 3227 ſen graͤntzende aber erkennen den Koͤnig für jhren Herren/ und ſind jhm zinsbar. Einer von dieſen Furſten hatte eine ſehr ſchoͤne Tochter/ welche der Statthalter zu Kand⸗- dar, als er davon ſagen hören/ under der Zahl ſeiner Weiber zu haben inbruͤnſtig verlangte/ und dannenhero ſie von jhrem Vatter begehrte/ dieſer Herꝛ aber jhme verweigerte. Dieſer Liebhaber ließ ſich dieſe Verweigerung nicht abwendig machen/ onder widerholete ſein Begehren z der Vatter hingeö gen blieb bey ſeiner abſchlaglichen Antwort beſtaͤndig; jener fuhre noch jmer mit ſeiner Forderung/ wiewol vergeblich/ fort weil dieſe Nation der Bolluki ſich nit leichtlich in heurahten mit andern/ als mit denen/ die in jhrem Land gebohren ſeyn/ einlaſſet. Der Statthalter veꝛbiß ſeinẽ Unwillen/ und ſtellete ſich jederzeit ſehr freundlich/ lude jhn auch einsmals auf ein herzliches Freuden⸗Feſt/ welches in der Stadt ande dar gehalten wurde. Dieſer Fuͤrſt/ ſo ſich nichts boͤſes zu jhm verſahe/ ſtellete ſich auf gut Vertrauen ein: Als aber jener jhn in ſeinen Handen hatte/ ließ er jhm den Kopf abhauen. Die Leute/ welche jhm gefolget/ als ſie ſeinen Tod vernommen/ wurden über eine ſo ſchandliche boͤſe That ſo heftig ergrimmet/ daß ſie als unſinnig des Statthalter Leute angefallen/ woruber ein blutiges Gefecht entſtanden/ n welchem 300. Perſianer/ und ſieben biß Soo. der anderen auf dem Platz geblieben ſind. 1 Wezwegen. Dieſer Handel derurſachte ein groſſes Weare Kö- ſen bey Hofe/ und ließ ſich der Konig wegen mabfer. deſſelben eines groſſen Unwillens vermercken. So leeſſen auch die Feinde dieſes Herꝛn eine ſo erwuͤnſchte Gelegenheit/ jhn um den Hals zu bringen/ nicht auß Handen/ und kunten leicht erachten/ daß Se. Maj. gern geſchehen laſſen wurde/ wann man etwas wider einen ſolchen Mann ſagte/ der jhro ſo groſſen Unluſt und Verdruß machte. Solchem nach uͤberredeten ſie den Konig mit leichter Mühe/ daß er die ErKroming Solinmm. 73 laubnuß/ die er dieſem Statthalter gegeben/ ſo oft als es jhm beliebte/ nach Hofe zu komen/ widerruffen. Der Vorwand dieſer Toiderruffung war hierauf gegrundet/ daß es eine gantz ungebrauchliche Sache ware/ worauß ſehr gefährliche Folgeren en erwachſen konten. Weil ſie nun dieſen Puncten erhalten/ ſo bildeten ſie ſich ein/ ſie hatten nicht ein geringes außgerichtet/ in deme ſie beſorgeten/ es mochte dieſer Herꝛ/ wann er nach Hofe kommen doͤrſte/ durch ſeine Gegenwart des Koͤnigs Gunſt wieder gewinnen/ welches jhme dann nicht ſchwar zu thun ſeyn wurde/ weil er ſich ſo liſtiglich fur des Königs getreueſten Diener anſtellen koͤnnen; zumalen Se. Maj. als dieſer Statthalter nach Kand· dar abreiſen wollen/ ein groſſes Leid⸗weſen/ daß Sie ſich von jhm ſondern můſte/ bezeuget/ und zu jhm geſagt: Ob du ſchon nach Kand-dar geheſt/ ſo ſolſt du doch nichts deſto weniger mein Hofguͤnſtling ſeyn/ und magſt du jedesmals nach Hofe kommen/ ſo oft du es fuͤr noͤhlig enachten wirſt: Worauf er jhm eine Vollmacht außfertigen laſſen/ daß er/ ohne Erwartung einer neuen Ordre/ hey Hofe erſcheinen doͤrfte. Dieſer Statthalter empfienge die widerxuffung ſolcher Gnade/ und zugleich ſchreiben von ſeinem Bruder/ uñ andern guten Freunden/ die jhn berichteten; daß er ſich wol vorſehen ſolte/ weil ſein Glück ſehr wancke/ und wenig fehle/ daß es nit gantz und gar uͤbern hauffen falle/ in deme ſeine Feinde jhnen die vor jhme zugefügte Schaden trefflich wol zu nutz gemacht hatten. i Auf ſolchen Bericht faſſete er einen ſolchen Er bend Entſchluß/ den er fuͤr ſich eben ſo ruͤhmlich/ ſich wider als klug und hertzhaft hielte/ welchen aber der Paget Außgang erwieſen/ daß er nicht wemger un⸗ Hofe. glücklich/ als verwegen geweſen. Er bildete ſich gantzlich ein/ er wurde/ ſo bald er nur den Koͤnig ſehe/ ſeine Sachen zurecht bringen/ und bey jhm zu vorigen Gnaden gelangen/ und den Anſchlag ſeiner Feinde zu nichts machen. Dannenhero wolte er keine neue Ordre begehren/ noch einiger Erlaubnuß erwarten/ ſondern ſetzte ſich/ wider das außtruckliche Verbott/ nit nach Hofe zu komen/ zu Pferd/ und langte ſelb ſechſt innerhalb neun Tagen zu Iſpahan an. Man redete in dieſer Stadt von dem groſſen Fleiß dieſer Reiß/ als von einer gantz ungemeinen und zuvor niemals geſchehenen Sache. Dann es muß von dieſen neun Tagreiſen/ eine abgezogen werden/ in welcher er in einem Garten yo. Meil von der Stadt geruhetz dergeſtalt/ daß er in dieſen acht Tagen einen Weg/ wormit man ſonſt/ dem gemeinen Gang nach/ von Iſpahan nach Kand- dar drey Monat zubringet/ von dreyhundert und fuͤnzig Perſianiſcher Meilen/ welche uͤber fuͤnfthalh Frantzoſiſche e 8 haue Erkame nicht in die Stadt/ ſondern blieb in einem groſſen Garten/ nichk weit von dem Lolchi, welches eines von den Stadt⸗Thoren iſt; von dannen er/ wie gebrauchlich/ den Konig wiſſen ließ/ daß der Stadthalter zu Kand: dar, ſein Sclav/ erwarte/ biß Se. Er ließ ſeine Ankunft den König wis ſen. 5 ne Ankunft ankuͤndigten/ und zu jhm 1 ah he Sie wuͤſten nicht/ wie dieſes des Sta 74 Ma. jhme die Gnade verwillige/ dero Fuͤſſe zu kuͤſſen; und vermeinte hierdurch ſeinen ſeinden obzuſtegen/ und Sr. Maß. Hertz zu gewinnen. Der Konig wax ehen damals in dem e Pallaſt/ dahin jhm die Verſchnittene dieſe Poſt bringen muſten. Der obeꝛſte Kammerling/ und der Princeſsin Intendant/ welches die jenige bende vornehme imd machtige Verſchmttene/ die er vor den Kopf geſtoſſen/ als er ſich durch ſeine Tücke/ und falſchen Bericht bemulhet/ te an einander zu ſezen/ und einer den andern aufzureiben) wollen dieſe Boltſchaft ſelbſt außrichten/ und nahmen õjhrer geit/ die ſo lang in jhrem Hertzen vorbedachte Rache an jhm außzulben/ ſo wol wahr/ daß ke dem Konig mit groſſer Beſtürtzung in Ihren Angeſichtern/ die um ſo viel groſſer ſchiene/ je mehr ſie ſich derſelben angenommen/ ſeiten: thallen geiwen ters zu Kand-dar Beginnen anderſt auß* nach ſeinem 1 zudenten ware/ als daß ſeine Ankunft/ nicht allein ohne Erlaubnuß/ ſondern auch wider das außdruͤckliche Verbot/ von feinem Gubernament biß auf neue Ordre nit zu weichen/ zu hoͤchſt⸗ſtraͤflicher Verachtung Sr. Maß. gereiche/ und eine offenbahre Rebellion ſeye/ und daß von der geit an/ da ſih das Perſtaniſcte Reich angefangen/ lein Statthalter mie ſo vermeſlen geweſt/ der ſich underſtehen doͤrffen/ eigenen Kopf/ und fantaſti8 ſcher Ernbildung ſein Gubernament zu 1 gr als len. In Summa ſie mahleten dieſe That dem wil 1 verlaſſen/ und ſich vor dem Konig zu ſtelgenommen Konig ſo ſch wart für/ daß er dem Statthalter zu Rand- dar Orbreertheilke/ ſieh dem Ogourlou Kaan, Oberſten Thürhutern in die Pande zu liefern; dieſem aber/ jhn in den Stock zu legen. Dieſes iſt ein kleines holtzernes Gemacht/ worein der Hals/ die Hande aber gerad underwerts gegen den Gurkel geſchloſſen werden/ ſo daß ber Gefangene dieſelbe nicht brauchen kan. Uñ auf ſolche weiße verſichert man ſich der jeni8 ge Groſſen/ die auf Leib un geben gefangen ligt. Dieſer wurde alſo drey Tage in dem Hauß beß Haubtmanns der Königlichen orten verwahrlich gehalten/ in welcher Zeit der arme Statthalter Himel und Erden um. Hülfe anrieff/ und Gott/ und Menſchen bate/ jhme zu erlauben/ daß er nur bloß den Konig ſehẽ mochke/ dieweil er gewiß wuſte/ daß er mit einem einigen Wort/ das Vorhaben ſeiner Feinde/ n zu ſtürtzen/ würde zu nichte machen koͤßen. Dieſe waren eben ſolcher Meynung/ und foͤrchteten 2 ſich uͤber die maſſen ſehr es mochte jhme ſolches erlaubet werden: daßenhero bemuͤheten ſie ſich nach auſſerſten Kraften ſolches zu verhindern/ und ſuchiẽ alle g hittel hervor/ wie ſie Sr. Maj. auf ihn gefaßten Zorn vermehren mochten. Gleich wie diefer Stafthalter es für ein polftiſches Stucklein hielte/ wann er ſo bel erlangen kome/ daß ihm erlaubt werden ee nig die Fuſe zu küſſen: eben alſo hielten es ſeine Solimanni III. Koͤnigs Feinde für einen Staats⸗Streich/ wa ſtr verhinderte/ daß jh me die ſe Ehre zu gelaſſen wurde. Underdeſſen ließ ſich der Oberſte Thürhuͤter durch deß Statthalters bewegliches Bitten hewegen/ daß er jhn am britten Tag ſeiner Verhaftung/ mit ſamt dẽ beſagten hoͤltzernen Stock vor das groſſe Portal deß Pallaſts auf dem Konilichen Platz geführet/ woſelbſt er jhn under feiner Leute Verwahrung gelaſſen/ und dem Konig angezeigt: Es hatte der Statthalter zu Kand. dar durch ſein unablaͤßliches Bitten ihn gleichſam gezwungen/ daß er ihn vor die Königliche Porte gebracht/ woſelbſt 5 dieſer arme Herꝛ der Gnade erwartete/ daß er Sr. Maj. die Fuͤſſe kuͤſſen doͤrfte. Hierauf begunten die Feinde dieſes Ungluckſeligen ihn hart vor dem Konig zu verklagen/ und wurden deſto kühner/ als ſie verſpühreken/ daß ers hm nicht zu wider ſeyn ließ/ hiervon zu hören. Ein jeder brachte das jenige vor/ was er am meiſten Halßbruͤchig wider ihn wuſte/ vor allen anderm aber ſein Vorfahr in dem Gubernament zu Kand: dar, welcher gemacht/ daß den vorigen/ und dieſen Tag/ dreyhundert Supplicationen von Leuthen auß der Provintz/ die Recht wider ihn begehrten/ übergeben worden. Weil nin ſeine Widerpart gar zu ſtarck war/ ſo befahl der Koͤnig nach einer halbſtundigen Berahtſchlagung dem oberſten Thürhuler daß er ihm die Brut ſpalten 97 Dieſer lieff eylends hin/ ſolches zu vollziel en/ und ruff/ als er noch von weitem das Thor erſehe/ Vour, das iſt/ ſchlag zu/ welches das Todes⸗Zeichen iſt. Worauf der naͤchſte Officier/ der ſolches gehoret/ ihm mit dem Fuß einen Stoß auf die Bruſt gegeben/ und ihn vor das Portal auf dẽ Königlichen Platz hinauß geworffen/ woſelbſt er hm mit dem Sabel zween ſtarcke Streich in den Halß gegebeu/ und weil er jhm damit den Kopf noch nicht gar abgehauen/ ſo gab jhm ein anderer mit ſeine Dolchen underhalb den Rippen /n den kleinen Wanſt einen Stich/ von welchem er alſo in ſeinem Blut geſtorben/ deſſen er/ weil er ſehr Blutreich geweſt/ eine unſaͤgliche Menge vergoſſen. 5 Es war mitten auf dem Koͤniglichen Platz/ und gerad gegen dem Koͤniglichen Portal uͤber ein groſſer und ſehr hoher Baum gepflantzet/ Der Köllg beſihlt ih töden. auf deſſenGipffel/ an dest und allgemeine Freu den lagen/ eine guldene Schale gehangen wird/ welche die Gabe deß jenigen Reuters iſt/ der ſie mitten im rennen mit einẽ Pfeil herab ſchieſſen kan. Auf den Gipfel nun dieſes hohen Baums wurde auf Befehl S. Maj. dieſes. Herꝛn Haubt geſteckt; und ſagten die Perſianer/ ſo daſelbſt füͤruber giengen/ daß dieſes darum geſchehen/ damit ſeine Laſter Zunge von ſolcher hohe/ keine Uneinigkeit/ un Zwytracht mehr anſtiften koͤne. Ein ſolches e nde hat der emchid· Kaan genommen/ der keines beſſern Todtes würdig geweſt/ uf iſt derſelbe von niemand bedauret worden/ oder/ beſſer zu ſagen/ ſo war kein Menſch/ der ihm nicht alles übels nachgeredt hatte/ ſo iſt quch deſſen Leichnam zween Tage auf offentlichem Platz liegen blieben/ ehe Se. Maj. erlaubt hat/ denſelben zu begraben. Imübrigen 15 er1 ——— ** PP — r in Perſien Kroͤnung. Königreichs verbienet/ noch zu den Pr , derſelbe von ſchoͤner Leibs Geſtalt/ ines hohen an Gee n ſchoͤner Leibs Geſtalt/ eines hohe Perbenebenſt auch eines dapfferen Muhts/ und ubermaſſiger Freygebigkeit/ welche beyde Tugenden ihn beliebt machten. Auſſer dieſen zweyen loblichenGemuͤts⸗Gaben/ war ſonſt nichts gutes an jhm/ und waren die übrigen ſo ſehr zu ſchelten/ als die zu ruͤſemen. Vier Tagenach vollzogenem Urthel/ wur8%%, de das Patent deß Gubernaments zu Kandlbeben dar dem Mahamed-Kouli-Kaan,; das ĩſt/ dem und den Herrn des Mahomets Sclayen/ zugeſchickt. Longe Dieſer Her? war von dreyzehen Jahren her begeben. gefangen/ und von Habas dem Zweyten nach f Casbin verwieſen worden/ wor von wir an ſeinem Ort geredt/ die rechte Urſach aber deſſen/ weil ſie uns damals unbewuſt geweſt/ nicht angezeigt haben. Es verhält ſich aber dani alſo. Als einsmals Konig KHabas der Zweyte mit ſeinem Frauenzimmer außgefahren/ ließ ſich dieſer Herz unvermuhtlich an dem Ort/ welcher den Mannsbildern verbotten iſt/ finden. Als ihn nun die jenige/ denen das Koufen ſie auf jhn zu/ und pruͤgelten ihn jammerlich. Etliche Tage hernach/ als er wieder auß⸗ fe gehen koͤnnen/ verfügte er ſich in den Pallaſt/ Allo der Konig in offentlicher Verſamlung geſeſſen/ welchen er auf eine Seiten gezogen/ und mit einem behertzten Geſicht zu ſhm geſagt Wañ ich nicht dieſen Reigerbuſch auf deinem Kopf ſaͤhe/ und der Ehrerbietung/ die dir von allen Groſſen gegeben wird/ betrachtete/ ſo koͤnte ich dich fuͤr nichts wenigers/ als einen Koͤnig in Perſien halten. Bey dem wahren Gott: du magſt wol mit einem. Hauffen Weiber in den Bergen um einander ziehen/ mitlerweil du die Herren deines Königreichs mit Pruͤgeln ſchlagen laͤſſeſt· Se. Maß. horte alle dieſe Worte ohne Bezeugung eines ſonderbaren Unwillens an/ ſondern befahl nur kalt ſinnig/ daß man jhm zu denen/ weßrwegen er ſich beklagte/ noch andere Prugel⸗Streiche geben ſolte. Dieſer dapffere Herz verlohr hierüber alle Gedult/ daß er ſeinen Sabel außgezogen/ und denſelben auf die Erden dem Konig vor die Fuſſe geworffen/ und jhn trotzig mit dieſen Worten angeredt: Was? ſoll man mich von neuem pruͤgeln? Sehet hier iſt mein Schwerdt/ mich zu ſtraffen/ und mag Euer Maß mit mir machen/ was Ihr beliebt/ und mich ſolchen Straffen/ als ſie es nach ihrem Gutduncken befinden wird/ belegen laſſen. Wann man aber einen Mann/ wie ich bin/ mit Průͤgeln traetieren will/ was wird Bann ein armer Kelil· Bach,(alſo werden die Perſianiſche Soldaten genennet) zu gewarken haben. Der Koͤnig ließ jhm dieſe großmutige Antwort wol gefallen/ und verurtheilte ihn weder zum Tod/ den er nach den Geſetzen deß Geiſtes/ und an ſeinem Thum und Weſen für bon. ein vortrefliche Perſon anzuſehen; von Geſicht gar qñiemlich/ und anfangs ſehr freundlich da- Uber dieſem ö welches ihm nicht allein feine Freyheit iy ſten Aemter eines dieſes Königreichs ein D—— 5 0 n Streichen/ ſondern ließ es dan bey bewet daß er ſhn nach Tasbin verwieſen. Uber dieſem ihm zu geſchicktendugtent nun gab/ ſondern jhn auch zugleich in der vornenn Gen wurde er vor Freuden beſturtzet. Im ubri weiß ich nicht/ was man von dieſer Polltick ge deneken ſoll/ daß man einen wolverdienten zit derthanen auß den Banden genommen/ un nach dreyzehen jahriger Gefangenſchaft zu einer ſo hohen Würde erhoben/ auch demſelben einen Platz/ und eine Provins/ den inan den Schluſſſel deß Königreichs auf bieſer Seiken nennen kan, anvertrauet. Es kan anderſt nicht ſeyn/ als daß dieſer Konig ein ſeſtes Verkrauen in die Treue ſeiner Underthanen ſetzet; dann es iſt kein Zweifel/ wann ein Statthalter zuk and. dar den König in Indien beruffen/ und Ihm dieſen Platz verkauffen wolte/ daß er viel Millionen dafür bekommen/ und die hochſten Aempter ſeines Reichs von jhm erhalten wurde/ wie man deſſen ein Exempel zu den Zeiten Ahe zur Sefie deß Erſten geſehen hat rouk, oder Ver bott anbefohlen iſt/ erſehen/ lieMitlerweil dieſe Veranderungen an dem Perſianiſchen Hofe vorgiengen/ langten daelbſt von wegen der Moſcowitiſchen Coſacken vier Abgeordnete an/ welche vor zweyenMongken einen grimmigen Einfall in Perſien von der Seiten Hyrcanien/ an demulfer deß Caſpiſchen Meers gethan. Che wir aber von dieſem Einbruch reden/ wollen wir vorhero von der Urſach deſſelben etwas melden. 5 Es langte im Jahr 1664. nach unſerer Rechnung eine ſtattliche Ambaſſada/ zu ſpahan an/ welche/ nebenſt den zweyen Geſandten/ in die 800. Maf ſtarck war/ die Geſchencke aber/ ſo ie für den Konig mitgebꝛacht auf ooo. Tomans, welche zoo. Pfund machen/ geſchatzt wurden. Dieſe beſtunden in zweyen Überaus koſtlichen von gulden Stuck gemachten Caroſſen/ Frieß landiſchen Pferdte/ uñ Thieren auß jhrem Land/ als weiſſen Füchßen und Baren/ und Englischen Docken; die groſte Reichthum aber beſtunde in einer unſaglichenmenge J obeln/ welche die Perſtaner Samour nennen. Dieſe Abgeſandte/ waren einig und allein/ wie man jederzeit dafur gehalten/ u dieſem Ende komen/ damit ſie handel und Wandel treiben/ und under dem Titul der Geſandſchaft/ die KaufmansGuter/ ohne Bezahlung eines Zolls ab⸗ und zu führen mochten. Mdan rechnet/ daß ſie allein an Zobeln zu Iſpahan um 24000. Tomans, welche 4. Millionen machen/ verkauft/ worauß man dann von dem ubrigen die Rechnung machenkan. Der Konig hielte fie anfänglich ſehr köſtlich/ un verordnete jhnen zur taglichendiußgab 10. Tomans, d. i. oo. Pfund/ weich dl lieber an bahrem Gelt/ als an Mund⸗koſt habs wolten Hamit ſie den meiſtẽ Theil hieran erſpaken konten. Dieſem nach lebten ſie ſehr ſpaꝛſanlich/ un hielten ſich in dem ſchoͤnen/ un mit koſtlichen Mobilien verſehenen Pallaſt/ n welchem ſie der Koͤnig loſiren laſſen/ ſo unffatig wie/ die Hunde. Um dieſer Urſach willen halten die 822„ pfßet Sie ſthicken Deputierte nach Hofe, 76 ſondern ſetzten ſich/ in und hatte eine jede Barcke zwey Stuck Gewarten noch ſich wehren wolten darinnen gefunden/ dieſelbe auß plünderten/ und ſich/ in jhre Perſßaner heutiges Tags dieſe Moſcowitiſche Nation für die verachtlichſte/ und ſchaͤndlich ſte/ als eine under den Chriſten ſeyn mag/ und nennen ſte auß Verachtung/ die Vus⸗belks inckuropqzwodurch ſie zu verſtehen gehen wollen/ daß ſie jhrer wenig achten/ weil die Vusbeks bie aller verächklichſte Volcker in gantz Orient ſind. 3 i Der Konig/ welcher wegen der Unehrbarkeit dieſer Geſandten zu Unwillen bewegt wurde/ und wol ſahe/ daß ſie von jhrem Herren zu keinem andern End abgeſchickt worden/ als den Kauf handel zu treiben/ hr Beltwerck/ und andere Wahren zu verkauffen/ und hingegen alle Zeuge/ Leder/ und andere dergleichen in Perſien befindliche Sachen/ inſonderheit aber das bahre Gelt auß deim Land zu führen/ ſo hielte er ſie endlich gar ſchlecht/ und achtete jhrer nichts mehr. Einer von dieſen ſtarb/ der andere aber kame gantz zerriſſen und zerkunbt mit ſeinen Leulen mit ſchlechten Ehren/ und ſchier ohne einige Antwort wieder zuruck. Der Groß ⸗Furſt empfande zwar dieſen Schimpf ſehr hoch/ durfte ſich aber deſſen damals nicht annehmen/ weil er ſich nicht erkühnete den Konig Habas anzugreiffen; als er aber zu Anfang des 1667. Jahrs vernommen/ daß er mit Tod abgangen/ und der Seepter des Perſiſchen Reichs einem jungen Printzen in die Hande gefallen/ ſo nahine er ihm für/ ſich zu rächen/ jedoch aber wolte er ſich in keinen offentlichen Krieg einlaſſen: dannenhero ſo wickelte er/ jhme einen heimlichen und unverſebenen Streich zu geben. die Coſacken auf welche an dem ſchwartzen Meer wohnen/ und ließ ſie langs den Meotiſchen 1927 marſchieren/ und alſo an den Hircaniſchen Kuͤſten in Perſien rucken/ jedoch mit dieſer Verwarnung/ daß ſie jhn beylejb nicht nennen/ noch geſtehen ſolten/ daß ſie einige Verſtändnuß mit ihm haͤtten/ ſondern vorgeben/ daß ſie dieſen Zug bor ſich ſelbſt vorgenommen. Dieſes wurde an dem Perſtaniſchen Hofe vorgegeben und für wahꝛ gehalten. 5 8 Die Coſacken lieſſen ſich nicht faul finden/ ert ä ſechs tauſend ſtarck/ in vierzig groſſe Barcken auf das Caſpiſche Meer/ welches lage und breite Schiffe ſeyn/ jedoch nicht über zween/ oder drey Schuh/ wegen der Felſen/ deren es in dieſem Meer ſehr viel gibt/ under dem Waſſer gehen/ ſchütz auf. Sie lendeten erſtlich zu Erech, einer kleinen Stadt an der Küſten Guilan, oder Vircanien an/ bey welcher ſie/ in vier tauſend M ſtarck ans Land ſtiegen/ und weil ſie keine Soldaten/ und Inwohner/ welche ihrer nicht ernach groſſem Blutvergieſſen beyderley Geſchlechts, eilends mit all jhrem Raub wieder Schiffe machten/ welche ſie ſo weit/ als es vonnohten/ daß man ihrer nicht gewahr werden kunte/ ins Meer zogen.. Damit ſie aber ihren Anſchlag deſto beſſer derbergen mochten/ ſo ſchiekten ſie jhrer kunten aber die 9 le andere 5 Solimanni III. Königs vier auß jhrem Mittel/ als Deputierte/ mit Credentz Schreiben/ gleich als ob es eine Geſandſchaft ware/ nach Hofe/ welehe von des Statthalters zu Chamaki Leuten nach Iſpahan begleitet wurden/ woſelbſt ſie/ nicht lang hernach/ als die Zeitung von ihrem Einbruch eingelauffen/ angelangt. Man hielte ſie ſehr wol/ und gab ihnen ein ſchoͤnes Loſament ein/ wurden auch/ wie man gegen andere Abgeſandten zu thun pflegt/ freygehalten. Sie begehrten Audientz vor dem König/ es wurde ſbnen aber dieſelbe/ weil ſie von keiner ſolchen Qualitat waren/ daß ſie dieſe Ehre hegehren kunten/ abgeſchlagen/ und nur eine bey dem Oberſten Staals⸗Miniſter vertwilliget/ welche ſie auch angenommen. In derſelben trugen ſie vor; daß ſie 5 ne im Namen der ſechs tauſend Coſacken/ ihren Spießgeſellen/ ſo ſich auf dem Caſpiſchen Meer befunden/ abgefertiget worden. Sie waͤren zwar hiebevor der Moſtowiter Underthanen geweſt; weil ſie aber gar zu uͤbel von ihnen gehalten worden/ ſo haͤtten ſie ſieh entſchloſſen/ auß ihrem Land mit jhren Weibern und Kinder/ und was ſie von jhren Haab und Guͤtern mit fort bringen konnen/ zu entfliehen. Nachdem ſie ſich aber berathſehlagt/ was ſie füt eine Wohnung erwehlen ſolten/ waͤre ſhnen Perfien eingefallen/ als welches eine Monarchey/ die der Billichkeit am meiſten geneigt waͤre/ und under welcher die Sclaven am beſten gehalten wuͤrden. Um diefer Urſach willen haͤtten 25 jhnen vorgenommen/ derſelben hre Dienſte anzutragen. In dieſem Vorſaß waren ſie/ dem Konig zu lieb nach Cha. Seven gezogen/ und wolten von der Groß muͤtigkeit dieſes Monarchen verhoffen/ daß er ſie jh rer Bitte gewaͤhren/ ihnen eine ſichere Zuflucht goͤnnen/ und einiges Land zu bewohnen einraumen wuͤrde. Hierauf überreichten ſie ihr Credentz⸗ Schreiben/ es Paar daſſelbe gar nicht leſen/ und wurden hierzu die geſchickteſte Dolmetſchen/ beydes die ihrige/ als Eue ſo ſich zu Iſpahan befanden/ hier zu 55 Der Oberſte Staats=Miuniſter nahme ſeine letſte Zuffucht zu dem P. Raphael du ans, Capuciner Ordens/ welcher ſeyt ziwantzig Jahren her von diefen Staats⸗Miniſtern federzeit gebraucht worden/ warm alnichts verſtanden haben/ die Geſandtſchafts Schreiben auß Franckreich/ Italien/ Teutſchland/ und den Nordiſchen Provintzen außzulegen; bey deme ſich ohngefahr der Here Herbert Jager befunden/ welcher im Jahr 1666. der Hollandiſchen Geſandeſchaft in Perſien Secretarius getweſt und damals das Haubt der Piderlag ſeiner Nation zu Iſpahan war.. U — in Perſien Kroͤnung. iſt ein Mann/ der an Wiſſenſchaft der Sprachen/ ſeines gleichen nicht hatz dañ nachſt deme/ daß er die jenige welche heutiges Tages in Orient am gebrauchlichſten ſind/ vollfomlich verſtehet/ ſo kan er das Griechiſche nach de Buchſtaben/ ind wie es ins gemein geredt wird/ Syriſch/ und Hebreiſch.. Solchem nach hatte man ſchwarlich zween küchtigere Maier zu Außlegung dieſes Schreibens finden konnen: nichts deſto weniger ſo kunten ſie nichts außrichten. Es waren/ wie ſie ſagten/ Griechiſche Buchſtaben/ welche mehrentheils mit andern unbekandten/ deren etliche mit den Syriſchen uberein kamen/ undermiſchet worden. Sie laſſen zwar hin und her etliche Worte/ weil dieſelbe aber nicht aneinander hiengen/ ſo durften ſie nicht für gewiß ſagen/ daß ſie dieſelbe recht geleſen hatten: und muſten alſo dem oberſten Staats⸗Miniſter dieſes Schreiben wieder zu ruck ſchicken/ deme der P. Capuciner ſagen laſſen/ daß es eine Ruſſiſch⸗Coſackiſche Schrift ſeye/ die man nicht außlegen konne.. Dannenhero war man gezwungen/ dieſen Deputierten das jenige/ was fie Mundlich ſagten/ zu glauben/ welches jederzeit mit dem jenigen/ was ſie anfanglich geſagt/ einerley geweſt iſt. Der obriſte Staats Miniſter gab jhnen hierauf zur Antwort: Wann euer VorAntwort ſo 1e, 1 ihr komt d ihnen gege he geben wahr iſt/ und daß jhr kommen ſeyd/ ae unſere Gute zu ſeyn/ und euch an Se. Maj. als Sclaven zu ergeben/ warum ſeyd jhr dann mit dem Schwerdt in Perſien gefallen? Warum habt jhr unſere Underthanen nidergehauen/ unſere Staͤdte verwuͤſtet/ und unſere Lander beraubet? Dieſe Coſacken wendeten dargegen zur Entſchuldigung ein/ ſie waren hierzu gezwungen worden: dann als ſie mit guten Worten Lebens⸗Mittel um jhr Geld begehret/ hatten die In wohner der Stadt deß Gaſtrechts/ und 77 len und flůchlige waͤren/ und keinemMenſchen weder Treu noch Glauben hielten/ weil ſie dieſelbe gegen ihrem natuͤrlichen Füͤrſten nicht in acht genommen; dannenhero haͤtte er ſeine Volcker zu ſamen gezogen/ ſie wieder zum Gehorſam zu bringen. Ob nun aber wol dieſer Fürſt die Perſianer waren ſie doch der gantzichen Meynung/ daß man ihm eben ſo wenig trauen ſolte/ weil man an dieſem Hof jederzeit dafür gehalten/ daß er mit dieſen Raubern heimlich under der Decke lige. Es war auch die Urſach/ worauf ſie jhre Meynung gründeten/ gantz ſcheinbar: dann wie ſolte es moͤglich ſeyn/ ſagten? olitiſche Leute/ daß funff oder ſechs tauſend Flüchtige/ mit viertzig Schiffen/ und vier und zwantzig Stu9 ermahnete/ dieſen Coſacken nicht zu krauen/ ſo eken Geſchutz/ und mit allerhand Kriegs und Mund⸗Proviſion verſehen/ in ein Land kommen/ und ſtracks e ſo übel darinnen hauſen ſolten wann ſie nicht von dem GroßFuürſten auß der Moſeau ſelbſt hinein geſchickt worden/ damit er ſich wegen der Verſchimpffung/ welche ſeiner Einbildung nach/ ſeinen Abgeſandten begegnet/ rächen moͤchte. Gleich wie aber deß Groß⸗FJuͤrſten auß der Moſcau Abgeſchickten an dem Perſianiſchen Hofe kein Glauben gegeben wurde alſo kunte auch deß Pacha von Bas. ra für ſeinen Heren nichts außrichten. Es iſt droben erwaͤhnet worden/ welcher geſtalt dieſer Pacha im verwichenen Jahr mit dencdeneralen der Ottomaniſchen Armee einen Vergleich getroffen/ und die Ratiſcation darüber zu erhalten geſandt. Als er nun daſelbſt angelangt/ gaben jhm die Miniſtri der Porten zur Antwort Es hatte ſich der General der Armee mit dem Pacha von Bas: ra ohne jhren Befelch in dieſen Trackat eingelaſſen/ und konten ſie ſich hierzu nicht verſtehen/ ſonder es muſte dieſer Platz ſchlechter ſeinen Tochtermann nach Conſtantinopel/ 5 Millendens/ ſo man mit den Außlandern haben Dings dem Groß⸗Turcken zu Handen gelieſoll vergeſſen/ und ſie mit Gewalt überfallen/ fert werden. Hierauf botten ſie deß Pacha und wäxen gar übel nut Ihnen umgegangen: Tochtermann an/ wann er zu Eroberung die⸗ Verährerern dannenhero wurde die Noht/ ſich zu beſchutzen/ ſes Platzes helffen wolte/ jhn zum Stathalter/ N die Coſacken entſchuldigen/ wann ſie mit den oder Pacha darüber zu machen, und wuſten termann. Waffen geſucht/ was ſie mit Bitten nicht er⸗ eum ſo gute Worte zugeben/ daß er endlich halten konnen.„ darein bewilliget/ und verſprochen/ ſie zu Herdach atlawel man mie dieſen Abgeordneten ren daruber zu machen. Dieſe Mimſtriſchick5 uſco⸗ 71„ia ktpn O0 ö„ Ji. mier ſchicr alſo handelte/ kame ein Abgeſer kigter von Or ten folgends den Türckiſchen Generalen/ welche den. 15 rous, das iſt/ dem Groß⸗Fürſten auß der im vorigen Jahr Ordre gehabt/ ins Feld zu möneten in Noſcau,(ich bin der Meynung⸗ daß die Per⸗ ziehen/ einen Befel zu/ Bas. ra zu belagern/ und Verſen. ſianer ſeinen Landern von wegen Reuſſen/ deſ⸗ gaben dem zu Vabilonien einen harten Veren Theil ſie ſind/ dieſen Namen geben) wel weis/ daß er mit dieſer Sache ſo ſchlafferig umcher von ſeinem Herren an den Konig in Per⸗ gegangenz und daß dieſer Vergleich dem Rei ſten Schreiben brachte/ dieſes Inhalts: nach⸗ zu Schimpf und Schaden gereichte: Solte deim er vernonten“ daß eine Anzahl Coſa⸗ derowegen diesen Fehler wieder erſezen„eve cken/ ſeine Underthanen/ Ihr Land verlaſ⸗ wegen man jhn von neuem zum General beſtaben deß Vorhabens“ ſich ſeines Gehor⸗ dera dieſem Veding/ die Stadt enwe8 ſich mit der Flucht der mit Gewalt einzunemmen/ oder zu machen/ i ſams zu entziehen/ und ſich mit der Flucht daß ſie ſich gutwillig er e 5 5 i ie ſic gergebe/ und wann er die1 aeg ersten zübezeugeſowolleer Se Maß, felbein ſenemeewalt hatt den Eliahis Pach, 3 gebetten haben/ dieſelbe nicht anzunem̃en/ deß jenigen/ der es res 0 155 3. 5 o jetzo ware Tochtermañ zum noch ſbrem Vorgeben einigen Glauben zu⸗ Stathalter darüber zumachen. zn ſtellen/ in Betrachtung/ daß ſie Rebel⸗ Nachdem 1 Pacha von Bas-ra dieſe N 2 Kroͤmung Solim. 1 SPioslimanni III. Koͤnigs acha Zeikung erfahren/ war er über ſeines Tochter. am hoͤchſten beſtürtzt/ Y auf Mittel und Wege/ wie er/ ſo jhm angeden mochte. Um biethet deß⸗ Manns drohet wurde/ von ſteh abwer ach willen/ als er im Frühling geſedie Türckiſche Armeen ſich ruͤſteten/ eptember/ und October zu überziehen/ (dann die. Hitze in dieſem Himmelsſet nicht zu/ eher Kri mit ſolchen Bedingu anbieten/ wann er nur auf ſeit daruber bleiben konte. N zwar genugſam/ wie viel ihnen an gelegen ware/ und ſahen allzu wol/ 5 gelegenheit Perſten hieraus erwachſen wurde/ wann derſelbe einmal in der Türcken Hande gerahten ſolte; und hingegen/ was für groſſen Vortheil ſie haben würden/ wann ſie Herren darüber blieben; und wurden ſie zu einer anderen Zeit/ und under einem andern Konig/ mit beyden Handen nach einem ſo vortheiligenErbieten gegriffen haben; ſie trugen aber Bedencken Dieſen Schröcken der ganzen Welt/ bey ſo ſchlechtem Zuſtand des Reichs/ in welchem ſich daſſelbe under einem den Wolluſten/ den beydes ſein Alter/ als Humor/ zu dergleichen wichtigen Uuderfangungen untůchtig machte/ vor den Kopf zu ſtoſſen. Dannenhero gab man dieſem Abgeordneten von ſchließliche Antwort/ ſondern verbe von einem Tage zum andern/ mit verſprechen/ daß man ſeinef eingedenk ſeyn wolte/ und dieſes alles zu Gewinnung der geit/ weil man jhin nicht ſagen wolte/ dasz nicht helffen dorfte/ oder konte. Dieſes alles trug ſi der Zeit zu/ als der Boudlaltrachtet ich Uber die Muſquetierer/ dar ö wie er ſich füglich des Hofes entſchlagen moch te. Dieſer Herꝛ halte ſich/ ſo wol als die andere/ von denen wir geredt/ damals als eri Gnaden geweſt/ ſeines Gewalts wodurch er jhm dann ſehr eg zu führen) ſo ließ er dem zum Vorauß ſeinen Platz ungen/ wie er ſelbſt wolte/ e Lebenszeit Herz Die Rahte erkanten ch in dem Nath eben zu Sultaan, General mit umgegangen/ viel Feinde gemacht/ auf n Tag zu Tag vermehret: dann man and Klagen wider ihn anzuſtelſein Anſehen nach und nach abgung des Königs gegen ch dann beſorgete/ Gemchid-Kaan, nahme/ und die Zunei ihn erkaltete; weßwege es moͤchte jhm eben wie dem Statthaltern zu Rand· daar eu hero wolte ers nicht ſo weit/ Here kommen laſſ n laſſen/ ſondern ware/ ehe die Sache noch arger werden mochte/ darauf beStille/ und ohne groſſes Wezuwegen gebracht/ u entziehen Die vornehmſte u ſeines Herꝛn gute Gu Es ligt nicht weit vo naͤchſt an derſelben G Landſchaft Loureſtoc Stuck bes alten Parthi rſach aber/ weßwegen er n Iſpahan/ und allerebieth gegen Oſten die welche man für ein en halt/ und erſtrecket en Arabien biß gegen welche dieſelbe bewohdieſelbe an der Seit Bas-ra. Die Voͤlcker /! nen bauen keine Stadte/ und haben keine bleibende Wohmumg/ ſondern halten ſich meiſtentheils under Zelten auf/ und ernehren ſich von Schaf und Rind viehe/ deſſen ſie eine groſſe Menge haben. Sie haben einen kaen zum Herren/ den der Konig in Perſien ber ſie verordnet ſo aber auß ihrem Mittel genommen wird/ und ſchier feder eit auß einerle Hauß und Geſchlecht iſt/ in deme der Sohn des Vatters Wurde erbet; dergeſtalt/ daß ſie noch einigen Schatten der Freyheit übrig haben/ wiewol ſie dem Konig den Tribut und Zehenden geben müſſen. Dieſe Provintz verſiehet Iſpahan/ und die umligende Orte mit Viehe/ weßwegen der Statthalter über dieſe Volcker in groſſem Anſehen iſt. Es hatte Solimann III. als er zur Krongelangt, dem Generalder Musquefierer 8 anbefohlen/ allen Statthaltern Königliche Kleider/ und Patenten zuzuſchicken weil er aber einigen Unwillen auf dieſen/ Namens Lour-Manoucher-Kaanz hatte/ ſo underließ er jhm dieſe Ehre zu erweiſen/ und uͤberſchickte ihm erſt nach ſechs Monaten des Königs Preſent. Dieſe Beſchimpfung empfande dieſer Herz ſehr hoch/ und weil er jhm leichtlich einbilden kunte⸗ von weme ſolches herkame/ ſo zerriß er auß Unwillen die ihm uͤberſchiekte Kleidung in Stücke/ und ſagte/ es giengen ihn weder dieſe Kleidung/ noch Patenten/ die jhme des Konigs in Perſten General über die Muſquetierer zugeſendet/ nichts an. Seine Maj. wuſte anfaͤnglich nicht das geringſte dar von/ und hatte man deroſelben/ auß Beyſorge/ daß ſie zugleich hinder die Urſach komen mochte/ mit Fleiß hinderhalten es verrichtete aber dieſer Statthalter ſolches in eigene: Peꝛſon/ dan er bare eine zeitlang heꝛnach um Erlaubnuß nach Hofe zu komen/ und dem Konig die Fuſſe zu kůſſen/ welches ihme auch verwilliget ede Er grufſete hierauf S. Maj. uͤberzeichte dexoſelben ſein reſent/ welcheg ſehr koſtbar geweſt/ und beklagte ſich folgends/ daß der General der Muſquet ierer/ welcher auf dero Ordre allen Groſſen in Perſten/ biß auf die geringſte Offfcierer, Konigliche Kleider zugeſchickt/ ſolches mit ihm ſieben oder acht Monat anſtehen laſſen/ und ihm endlich mit harter Mühe/ nur eines fur ſeiner Diener einen uͤberſendee.„ — ä—— — — 0 Der König war hierüber ſehr ungehalten, und. und ließ ſich gegen jhm vermercken/ daß jhm ſolches ſein Verfahren hoch mißfallen jedoch des Frauel wolte er ihn/ in Betrachtung/ daß er hn auf den Thron geſetzet/ nicht gantz und gar zu boden ſtürtzen/ ſondern verſchonete ſeiner/ eben wie ſeine Vorfahren jederzeit mit denen jenigen/ ſo um gleicher Urſach willen zu jhnen abgeordnet worden/ verfahren/ in deme ſie dieſelbe nicht haben umbringen laſſen/ was für einen Fehler ſte auch begangen haben mogen/ ſonder dieſelbe nur in Ungnaden abgeſchaft haben. Dieſer nun befande ſich bey Hofe ſchier in eben dieſem Stand; weil er aber beſorgte/ er würde ſich nicht lang darbey erhalten konnen/ ſo gab ihm der Todofall eines ſeiner Verwandten/ oder den er zum wenigſten a i guß * in Perſien Kroͤnung. 79 außgegeben/ eine gute Gelegenheit/ ſich deſſen mit Ehren zu entziehen. Dieſer vermeynte Verwandte nennet ſich Abdul Bek, oberſter Thürhüuter des Haram, oder FrauenzimmerPallaſts. So bald num der General deſſen Abſterben erfahren/ überreichte er dem Konig eine Supplication, worinnen er jhm zu vernehmen gab/ daß dieſer Aldul- Bek ſein naͤchſter Blutsfreund geweſt/ und daß dieſes Amt/ welches er als oberſter Thürhuter des Frauenzimmer⸗Pallaſts verſehen/ in jhrem Geſchlecht als erblich verblieben; ſo wolte er/ in Betrachtung/ daß ſein Vetter keinen Sohn hinderlaſſen/ der Sr. Maj. ſolchen beſondern und ungemeinen Dienſt leiſten konte/ ſein Amt als General uͤber die Muſquetierer/ und mit demſelben das Recht/ in den offentlichen Verſamlungen vor Sr. Maj. zu ſitzen/ gern übergeben/ und ſich für glüͤckſeliger ſchetzen/ waß er die Pforten des Frauenzimmer⸗Pallaſts verwahren konte; welcher Bitte jhn dann der Konig/ welcher um angeführter Ur ſach willen noch einige Neigung zu jhm trug/ gewahret. Und auf ſolche Weiſe iſt er/ under dem Schutz dieſer Pforten/ dem jhme angedroheten Ungewitter entgangen/ und hat ſich denen Ungelegenheiten des Hot enen Dieſer Her? war der jenige/ den Konig Klabas der Zweyte in Geſandtſchafft an den Aureng-Zeb, Konig in Indien/ geſchickt/ nachdem er ſich zum ruhigen Beſttzer dieſes Reichs gemacht. Wir haben an ſeinem Ort angezeigt/ wie und auf was Weiſe er ſich auf derſelben verhalten/ und hat der beruͤhmte Herz Bernier, welcher ſich eben damals an des Mogols Hofe befunden/ als dieſer Ambaſſadeur daſelbſt erſchienen/ in ſeinemm Werck/ welches er mit allgemeiner Zuſtimmung herauß gegeben/ 10 5 Leſers Vergnügen genug hiervon geMan berieff hierauf von Stund an den Cheik-Hali-Kaan von dem Krieg wider die Vus-Beks, dener wider dieſelbe fuhrte/ um jhme dieſes Generalat über die Muſquetierer aufzutragen/ deſſen er dann/ wie aller anderer zwar ſein Fall/ den man ſchon vor vielen Jahren her/ mit inbrunſtigen Seuſtzen/ die man gen Himmel geſendet/ gewunſchet/ man kunte aber nichts erhalten: dann ob ſchon viel Klagen uͤber ſeine Diebereyen einkamen/ und viel Supplicationen bey Hofe eingegeben wurden/ ſo machten doch ſeine Preſenten/ und freundliche Schreiben/ alle angewendete Mühe und Fleiß zu nichte: geſtalten dann der vornehmsten Urſachen eine/ der Hollandiſchen Geſandſchafft in Anno 1666. dieſe geweſen/ um ſich wegen ſeiner Zunohtigungen/ und Beeintrachtigung Ihres Kauffhandels zu beſchwaren/ und hielte jederman dafür/ es wurde jhn dieſer Streich um ſeinen Kopf bringen; er verſetzte aber denſelben durch ſeine Schweſter/ die er in dem Frauenzimmer⸗Pallaſt hatte/ ſo wol/ daß es nur bey einem ſcharffen Verweis/ den man jm durch ein Patent zugeſchickt/ und welches hm die Hollander ſelbſt gebracht/ geblieben. Endlich erhuben ſich der Klagen dieſes Jahr ſo viel wider ihn/ daß nichts mehr darfür helffen wolte/ und ſeine Mieth und Gaben alle umſonſt und vergeblich waren/ und ob er wol in die hundert tauſend Kronen verſpendieret/ ſo wurden zwar dieſelbe angenommen/ jedoch ſeiner nicht verſchonet: dann er wurde von ſeinem Amt abgeſetzet/ und alle ſeine Guter eingezogen. Man hielte dafür/ es wurden ſich dieſelbe auf viel Millionen belguffen/ man verwunderte ſich aber hoͤchlich darüber/ als man geſehen/ daß ſich das jenige/ was man bey jhm gefunden/ nicht uͤber eine Million erſtrecket; nemlich in ſeinen Kiſten/ neun tauſend funffhundert Tomans an Silber; vier hundert und fünffzig Lomans an Ducaten; acht tauſend an Geraͤhte/Mobilſen/ Pferden/ Zeugen/ Kauffwqaren allerhand Vorraht an debensmitteln/ und andern dergleichen Sachen/ die er nicht taglich gebrauchte: in den Kiſten aber ſeines Factors/ zwey tauſend Tomans an Silber/ und an Gold zweyhundert und fünfftzig Dueaten/ welches ins geſamt die obgedachte Sum gußträgt. Dieſer Here hatke ſchon vor langer Zeit Aemter/ worzu er bißhero gebraucht worden/ das jenige/ was jhm datnals begegnet/ vorher ſehr würdig ware. Dieſer iſt ein tapferer Ma/ und vortrefficher Kriegs⸗Oberſter/ und einer von denen alten Helden/ welcher das Korigreich Habas des Groſſen ſo herꝛlich und ſiegreich gemacht hat. Es wurde dabenebens ſein Gubernament uͤber Chaldea ſeinem Sohn/ Soliman-Kaan, welcher ein wolverdienker tapferer Her/ und in ſeines Vatters Foußſtapfen tritt/ uberlaſſen. Det eh, Machgehends kraff auch der Donnerſtreich Abet der Königlichen Ungnade den Mirea-Sadele, miaslüngnad, welcher Name Sadelk bey den Orientalischen Vollckern ſo viel als gerecht/ und eben dieſes/ was der Hebreer Sadoc, bedeutet. Er war des Mirza- Ibrahim, von welchem wir bereits geredt/ Bruder/ und ein argerer Schinder als er/ und Vazier, oder Königlicher Pachtmann zu kars, welches das alte Perſten iſt. Es haben jhn endlich Gott Lob die Klagen von Chiras im ſeinen Dienſt gebracht; und wurde geſehen/ dannenhero er ſeine Kleinodien/ und Ebelgeſteine/ und was er ſonſt koſtliches gehabt, wie auch ſeine meiſte Baarſchafft/ auf eine Seiten/ und in Sicherheit gebracht/ und nur allein dieſe Summ behalten/ den Leuten die Augen zu verkleiſtern/ und den Hofe zu bereden/ daß dieſes ſein gantzes Vermogen ſehe. Es wolte aber kein Menſch ſolches glauben/ weßwegen dann der König an alle Oerter ſelnes Gubernaments einen ernſtlichen Befehl geſchickt/ daß man alles/ was jhim zugehoͤren mochte/ gufſuchen/ und offentlich gußruſſen ſten/ ſolches anmelden ſolten. Eben dieſes geſchahe auch zu Iſpahan; es kamen 125 unerachtet alſes angewendeten Fleiſſes/ mehr nicht/ als ektwan ſechzig tauſend Kronen/ ohne die ll gende Güter an den Tag. Der Konig ließ Ihm alle Mobilien/ woͤrmit die Gemacher ſeines Pallaſts perſehen waren. Er berührte auch i G 4 nicht ſolte/ daß alle die e etwas hiervon wůS ⁵˙—— 8 . Solimanni nicht ſeine Kleiderkammer/ noch das jenige/ was ſeinen Weibern zugehoͤrte; ſo wurde im auch alles/ was er zu ſeinem taglichen Haußgebrauch/ and in ſeinem Marſtall vonnoͤhten hatte/ gelaſſen. Über diß ſo ver willigte jhm auch der King fünffzig tauſend Pfund Renten/ von welchen er in einem Pallaft/ auſſerhalb 8 Chiras, eingeſperet leben/ und nicht herquß kommen ſolte/ wiewol ſeine gute Freunde jhn beſüchen durfften. Es fielen auch ſeine Kinder zugleich in Ungnad/ und wurden jhrer Aemter enlſetzet. 8 a 5 Nach ſeiner Entſetzung gab der Konig ſeine Stelle niemand/ weil es der beſten/ und eintraͤglichſten eine in gantz Perſten war/ ſondern es wurde einem Perſtaniſchen Herꝛn auß einem alten Geſchlecht/ ein ſchrifftlicher Befehl/ dieſe Provintz bis auf weitere Verordnung zu verwalten zugeſchickt. 3 Hingegen Vir haben bereits erwehnet/ welcher gekalt n wie, ſtalt alle/ ſo under der Regierung Klabas des 8 n 4. 1 N der zu Eua⸗ Zweyten in Ungnad gefallen/ zu Anfang dieden. ſes neuen Koͤnigreichs auß jhrer Acht wieder zu Gnaden kommen. Under dieſer Zahl nun waͤr auch der Mirza-Hadi, einer von den gelehrteſten Mannern in gantz Perſien/ von welchem man alle Geheimnuſſen dieſes Reichs/ es ſeye gleich wegen Situation und Lagerſtelle der Derter und Platze/ oder die Geſchichtbeſchreibung/ oder das Policey⸗Weſen lernen und erfahren koͤnnen; geſtalten ich mich dann ebenmaſſig bemüͤhet/ mir ſeine Freund ⸗ und Geſellſchafſt zu Nutz zu machen. Es hatte jhm der oberſte Staars⸗Miniſter under dem Verſtorbenen ſeinen Proceß machen laſſen/ und jhn in ſeinen Pallaſt/ den er zu Iſpahan gehabt/ verwieſen/ auß welchem er bis nach dieſes Monarchen Tod nicht kommen iſt. Weil er nun ein guter Hoffmann/ und bey Hofe wol angeſehen war/ ſo wurde jhm der Zeit das Amt eines Vazierszoder Königlichen Pachtmans zu Kirmaan, welches Caramanien iſt/ gegeben. Eine duda Es befande ſich zu Iſpahan/ ſeith dreyen 0 Jahren her/ eine alte Indianiſche Furſtin/ Erlaubnuß bvelche daſelbſt gleich als gefangen aufgehalten auß Perſten wurde. Dieſe war des letſten Königs zu Dezuziehen. can Schweſter/ Namens Saheb-Koudchek, das iſt/ kleine Frau; dardurch anzudeuten/ daß ſie die zweyte Princeſſin/ und noch eine andere uber jhr war. Sie hatte jhre Wohnung zu Viüapour, und war Willens/ noch vor jhrem Ende eine Wallfahrt nach Mecha zu thun/ dahin ſie einen unſaglichen Schatz mitgenommen. Zu Vollziehung nun dieſer Wanderſchafft/ nahme ſie jhren Weg durch Perſien; es wolte ſie aber Konig Hlabas der Zweyte/ auß unbekanten Urſachen/ dahinter man nie recht kommen konnen/ als er ſie in ſeiner Gewalt hatte/ nicht weiter/ noch auß ſeinem Kömen ziehen laſſen/ ob ſie jhm gleich/ wegen haltung dieſer Gnabe/ zu underſchiedlichen malen ſchr anſehnliche Preſenten angebotten. Der neue Konig aber/ und dieſes Jahr der neue Soliman, exwiſe ſich gegen den Preſenten diefer Fürſtin nicht ſo unempfindlich als ſein Vat/ ſondern verkwilligte in jhr Begaren/ und III. Koͤnigs 5 bekame hingegen von jhr einen Schatz von Edelgeſteinen eines unſchetbaren Werths. Sie nahme Ihre Zeit in acht/ als einsmals der Konig mit ſeinem Frauenzimmer vor dem Pallaſt/ darein man ſie loſtert/ vorbey gezogen; da ſie dann mit jhren Preſenten/ und jhrer Bittſchrifft vor jhm erſchienen/ und in jhrem Hofe eine ſtattliche Collation zurichten/ auch auf der Gaſſen guͤldene Stucke aufbreiten laſſen/ worüber der Konig reiten ſolte; und in ſolchem Ritt warffen ihre Hofbediente under ſeines Pferdes Fuͤſſen eine Anzahl guͤldener und ſilberner Müntz/ in die zwey tauſend Kronen werth auß/ welches in Perſien zu geſchehen pflegt/ wann man den Konig auf eine prachtige und verbindliche Weiſe ehren wii. Zu Außgang dieſes 1668. Jahrs langte in Perſien eine neue Abfertigung Capuciner auß Italien/ welche von der Congregarion de Propaganda fide, nach Georgia geſchickt worden: Es waren jhrer ſechs/ nebens noch zweyen Leyen⸗Bruͤdern/ und hieß jhr Guardian P. Steffan auß Amerig. Sie brachten 2 5 echte! Der Pabſt ein Schreiben von dem Pabſt an den Konig in fre en 1 Perſien mit/ deſſen Original/ und Uberſetzing eren Alſo lautet: i IITUSTRIT Ac PoTENTTSS IO PERSARUM RECGTL CLEMENS PAPA IX. ITas ac potentiſſime Rex: ſalutem ac lumen divinæ gratiæ. Romani Pontificis àSummo totius humani generis conditore Deo informata Charitas nullam hominum ſocietatem à ſe curisque peramantibus ſuis alienam putat, ſed probitatem juſtitiam, aliasque præclaras virtutes ubicumque refulſerint complectitur, admirarurque. Anteceſſores igiturx noſtri, glorioſos Perſarum Reges ac ſpeciatim celſitudinem tuam amplis liarum jaudum decoribus excellentem, & orbo toto celebratam, exiſtimationis,& benevolentiæ præcipuo ſenſu proſecutiusque ſunt. Nos autem in hac parte ut nulli eorum concedimus; ita in regia voluntate tua parem animi propenſionem nobis profecto pollicemur; ideoque nunc ab ea fidenter petimus ut Presbyterum Stephanum de Ameria& ſocios Capucinos homines non ſuam; ſed unicam gloriam Dei,& animarum ſalutem in Georgiæ Provincia quæſituros, ab injuriis ſchiſmaticorum Ritus Græci in ea regione reſidentium auctoritate tua defenſos, ac tutos eſſe velis, quo ſuĩ muneris functionibus exercendis libere ac ſecure poſſint. Idem quoque ab inſigni clementia tua poſcimus& expectamus pro univetſis Catholicis qui in late patentibus regnis ac ditionibus tuis commorant, quosque regalis patrocinii præſidio quantum maximè poſſumus vehementer commendamus. Verùm nos invicem veritatis divinæ perfectam agnitionem& bonorum omnium qua ſpiritualium qua temporalium uberem & aſſi. e 4 e —— in Perſien Kroͤnung. 81 & alſiduam fauſtitatem à præpotenti dextra Domini celſitudini tuæ ex animo toto per accuratè precamur. Datum Romæ apud S. Mariam Majorem ſub annulo PiſcarorisDie 10. Marti 1668. Pontificatus noſtri an0 primo. N a Dem Durchleuchtigen und Groß mächtigen Konig in Perſien. 1 Aurchleuchtiger und Großmaͤchn nigſter 1 Wir wünſchen s euch alle Wolfahrt/ und das Liecht der Göttlichen Gnaden. Die Liebe/ welche den Roͤmiſchen Paͤbſten von Gott dem Schoͤpfer des gantzen Meuſchlichen Geſchlechts eingepflantzet worden/ erſtrecket ſich ſo ferren/ daß ſie keine Geſellſehafft der Menſchen von jhret getreuen Vorſorge außſchlieſſet/ ſondern liebet und ehret die Fromikeit/ Gerechtigkeit/ und andere vortrefliche Tugenden/ wo dieſelbe auch anzutreffen ſeyn moͤgen/ ſehr hoch. Um ſoleher Urſach willen haben unſere Vorfahren die Glorwuͤrdige Könige in Perſien/ und inſonderheit aber Euer Hoheit/ welche wegen dieſer hohen Tugenden allenthalben ſehr beruͤhmt iſt jederzeit hoch geliebet/ und ſehr werth gehalten. Gleich wie wir nun in dieſem Stuck keinem derſelben etwas nachgeben: alſo verſehen wir uns hinwiederum zu eurem Koniglichen Gemuͤht/ es werde ſieh daſſelbe nicht minder willfaͤhrig gegen uns bezeugen; in solchem zuverſichrüchen Berkrauen nun erſuchen wir Euch hiemik daß jhr den P. Stephan auß Ameria/ und Die bey ſich habende Capueiner/ ſeine Mitgeſellen/ welches Leute ſeyn/ die nicht ihre eigene/ ſondern einig und allein Gottes Ehre/ und der Menſchen Heyl und Seligkeit in der Provinz Georgien zu ſuchen trachten/ durch Euer Koͤtugliches Anſehen vor den Bedrangnuſſen der Spaltigen/ ſo dem Griechiſchen Gottes dienſt anhangen/ ſchuͤtzen und handhaben wolle/ damit ſie jhres anbefohlenen Amts frey und ungehindert abwarten mogen. Eben dieſer groſſen h nade ſind wir auch fuͤr alle Catholiſchhe Chriſten gewaͤrtig/ welche ſich in Euren ſieh welt und breit erſtreckenden Königreichen und Landſchafften aufhalten/ die wir nach unſerm aͤuſſerſten Vermoͤgen in Euren Koͤniglichen Schutz und Sehirm befehlen. Wir wuͤnſchen hingegen Eurer Hoheit von der allgewalti8 gen Hand des Hoͤrhſten/ eine vollkommene Exkantnuß der Göttlichen Warheit/ und reichen/ und mmerwaͤhrenden Segen aller geiſt⸗ und zeitlichen Guter von rund unſers Hertzens. Gegeben zu Rom zu St. Maria NMajora Under dein Fiſcher⸗Ring/ 8 den 18. Marti/ 1668. Unſers Paͤbſtlichen Stuhls im erſten Jahr. Wir haben droben erwehnet/ was die Coſacken diefes Jahr an dem Caſpiſchen Meer gethan/ and welcher geſtalt ſte auß jhrem Mittel etliche nach Hofe abgefertiget/ mit denen aber der Naht nicht allerdings zu frieden geweſt: Ingleichen haben wir auch etwas gemeldet/ was nachſinnliche Leute fur Bedenken darüber gemacht/ ob ihr Anbringen auftichtig gemeynet ſeye/ oder ob hinder dieſer Depukation einiger Berrug ſtecken mochte: iſt dannenhero vonnohten daß wir allhier ihren zwey: ten Einfall/ und was ſie weiters in dieſem 1668. Jahr in Berſſen verubet/ heyfügen. Mitlerweil man in Perſien in Zweiffel ſtunde/ ob man ſie für Freunde/ oder Feinde halten ſolte/ ſo fuhren ſie indeſſen/ nachdem jhre Geſandten wieder zuruck kommen/ in hrem Vorhaben fort/ alle Perſianiſche Seeküſten gegen Oſten zu plundern/ ob man ſchon dieſen Voͤlckern ſcheinbare gute Worte gegeben/ und wegen Eingebung einer bequemen Wohnung ſehr vortheilhafftige Versprechungen gethan hat. Ju dieſem Ende verlieſſen ſie Save, und zogen immer weiter gegen die beſſer nach Often an dem CaſpiItveyter Einfall der Coſacken in Perſten. ſchen Meer geſegene Provintzen/ in die zwey und ſechtzig Meilwegs/ daß man jhrer zu ande im geringſten nicht gewahr worden iſt/ und landeten bey Ferhabad, der Haubtſtadt der Landſchafft xMiazenderaan qn. Sie ſtiegen daſelbſt zu Land/ und gaben ſich für Kauffleute auß; giengen auf die Marckplatze/ und in die Kramläden/ als Leute/ ſo ſich nicht groß auf den Kauffhandel verſtunden/ und doch/ einige Sae andere dagegen einzijkaufen hätten; Sie gaben die Ducgten flir funff Cha yet guß welches fünff und zwanzig Stüber unſerer Munz ſeyt/ und verkguffken die quese oder Perſianiſche Elen Engliſch Tuch um vier aballis welche ſo viel Francken machen. Die Perſtaner erwieſen in denen fuͤnff Tagen/ ſo lang dieſes wahrete/ dieſen Coſacken alle Chre und Freundſchafft/ weil ſie ſhre Rechnung ſehr wol bey jhnen fanden/ und hielten ſie fur einfaltige Leute/ die das Glück 81 zen gefuhret. Am ſechſten Tage aber/ jndeſſen dieſe Schglete jhr n fort trieben/ griffen ſie um die under jhnen beſtimte Zeit/ in welcher ſich die andern in genugſamer Anzahl jedoch zu Verhütung alles Verdachts/ an underſchiedlichen Orten einſinder ſolten/ nach dem Degen/ machten all 995 0 antraffen/ nder/ plunderten alle Hauſer/ und kehrten/ nach dem ſie uber fun hunderk Perſonenungebracht, mit reichen Seuthen beladen wieder nach ihren Schiffen; mit welchen fie/ Spiel noch immer gleich wie das erſte 1 hohe Meer lieffen/ daß man ſie zu Lande nicht ſehen konnen. Der Chrfſten. Dieſelbe verſchonen der 82 Solimanni 1IIL Koͤnigs Der allermercklichſte/ und unüberwindlichfte Verluſt aber/ war die Verwuſtung eines prächtigen Gebäudes/ welches der Konigliche Pallaſt/ mitten in der Stadt gelegen/ und worinnen der Schatz von Porcellien/ und Geſchirren auß China/ Becken von Car nial/ Agaten/ Corallen/ Ambra/ Cryſtallinen Geſchirren/ und unzehlbare andere Rariteten verwahret waren/ welche dieſe barbariſche Leute entweder zu Stücken zerſchlagen/ oder hinweg geführet. Sie zerbrachen auch die Hlaoule, oder Tanquiĩ, das iſt/ ein groſſes Becken von Jaſpis/ welches gantz mit guldenem Blech Aberzogen/ und gleichfals in dieſem Gebau zu finden war. So offt ich an den groſſen Pracht/ und Herꝛlichkeit dieſes ſchoͤnen Orts gedencke/ ſo kan ich mich nicht enthalten/ daß ich denſelben nicht bejammern ſolte/ und wann der Leſer die Beſchreibung/ ſo ich hiervon gemacht/ geſehen/ ſo wird er bekennen muſſen/ daß ein ſolches Wunderding werth geweſt waͤre/ daß es ilnmer dar hatte bleiben ſollen. Es feyn zu Ferhabad, und denen umligenden Orten/ noch etliche wenig Chriſten von der groſſen Anzahl/ welche vor dieſem Konig Kadas der Groſſe dahin gebracht/ überblieben/ und haben die ſelbe ſo ſehr abgenom̃en/ daß der hunderſte Theil nicht mehr davon/ als anfaͤnglich geweſt/ vorhanden iſt/ weil die meiſten/ der Welt zu Liebe/ den Mahometiſchen Aberglauben angenommen haben. Dieſe wenig uͤberbliebene Chriſten/ weil ſie wuſten/ daß dieſe Coſacken dem Chriſtlichen Glauben gleichfals zugethan waren/ damit ſie jhrem Grimm entgehen/ und ihre Haͤuſer von der Plünderung befreyen mochten/ rieffen jhnen/ als ſie dieſelbe zu jhnen komen ſahen/ Chriſtous, Chriſtous zu; und damit ſie jhnen jhr Chriſtenthum deſto beſſer zu erkennen geben mochten/ ſo machten ſie groſſe Zeichen des Kreutzes vom Kopf bis an die Fuſſe. Als nun die Coſacken gehoͤrer/ daß ſie dieſen heiligen Namen anrieffen/ und ſich mit dem Merckmal unſers Heyls bezeichnen ſehen/ verſchoneten ſie jhrer/ und lieſſen jhre Hauſer mit frieden. Die In wohner zu Ferhabad; welche durch 5 die Flucht ihr Leben gerettet/ kehrten des andern Tags/ in Meynung/ daß dieſe Coſacken hin⸗ ſe weg waren/ wieder um/ um das uͤbergebliebene zuſammen zu leſen: wie ſie aber damit beſchaͤffget waren/ ſtegen die Coſacken zum zweyten EN mal plotzlich ans Land/ und brachten derſelben/ weil ſie nichts mehr zu beuthen hatten/ in die ſieben hundert um/ und nahmen ſo viel gefangen/ mit denen ſie ſich in aller Eyle wieder zu Schiff begeben. Es war bereits Winter/ den ſie in Per ſten hinzubringen bedacht waren/ dannenhero ſuchten ſie einen Ort auß/ woſelbſt ſie ſicher ſeyn mochten. Gerad gegen dieſer Stadt Ferhabad Über/ iſt eine halbe Inſel/ welche ſich/ wie eine Zunge/ zehen oder eylff Meylen ins Caſpiſche Meer hinein erſtrecket. Dieſelbe hat einen Überfluß an Hirſchen/ Wildſchweinen/ Gaſelles, welches eine Art von Hirſchküͤhen iſt/ und anderm Wildpret. Ingleichen gibt es auch viel Walder/ ſuſſe Waſſer/ und alles was zu Underhaͤltung des Lebens vonnoͤthen iſt/ darinnen; dergeſtalt/ daß man dieſelbe ſehr bequem bewohnen kan. Die Perſianer nennen ſie Mionnèé Kellé, das iſt/ das mittlere Horn/ wodurch ſie ein Stuck Landes anzeigen/ welches bis ins Meer hinein gehet. In dieſer Inſel nun verbaueten ſich die Coſacken/ und ſieſſen jhre Gefangene Tag und Nacht an einem tieffen Graben rings um jhr Lager arbeiten/ und inwendig groſſe Baume/ deren es daſelbſt eine groſſe Menge hat/ einen auf den andern/ und Waſen darzwiſchen legen: Sie machten auch ein Bollwerck/ auf welches ſie jhr Geſchütz zur Gegenwehr fuͤhrten. Dieſes aber ware eben das/ was die Perſianer verlangten: dann ſo bald ſie vernommen/ daß ſie ſich an dieſem Ort verſchantzet/ zo⸗ der vert gen ſie noch in dieſem Jahr/ unerachtet des ben. Winters/ darvor/ und weil ſie zu Lande viel ſtarcker/ als die Coſacken waren/ ſo ſchlugen ſie dieſelbe darauß/ bekamen ſchier alle hre Gefangene wieder/ und zwangen dieſelbe/ wieder in jhre Schiffe zu fiehen/ mit welchen ſie die gantze Halb⸗Inſel umfahren/ und endlich einen vortheilhafftigen Ort/ zu welchem man/ wegen eines Moraſts nicht ſo leichtlich kommen kunte/ angetroffen/ woſelbſt ſie ſich mit ſamnt jhrem Raub/ und kleinen Schifflein geſetzet. Ich verhoffe/ mit Gottes Hulff/ bald für das dritte mal wieder in Per ien zu ſeyn/ da ich dann vernehmen werde/ wie es jhnen mag ergangen eyn/ wor von ich/ nebenſt andern anmercklichen Sachen/ ſo ſich ſeithero in dieſem Reich zugetragen/ denen Wiſſens⸗Begierigen einen Nachricht erſtatten wil. 2 D E. ee Sr 2—————————.————— — —— 5 . 1 f