Wien ’s Wasser- Versorgung. Wiens Wasser-Versorgung. Eine Denkschrift dem Löblichen Gemeinderathe der Haupt- und Residenzstadt Wien überreicht von den Ingenieuren Aug. Folsch und Carl Hornbostel. Mit drei erläuternden Tafeln. "Wien, im .A-pril 1862. Wien. ljSr-i}*»,.rrvV.^p (.JUtfpPMHJI. '^rmwmrnftr dgapsm ssiSH *$&SM ia^gg ^4a3i.fcg' : --^-V’;*c1 sMä rSri%* Ss»3 £»S fS? ^fÜgl . «sPg Ir.fci ® p 1 »h »£=: 0 $$äM mm -Mm ‘ J 1 -*$£* Vorwort Bezüglich der zweckmässigen Versorgung der Stadt Wien mit Wasser für den häuslichen und öffentlichen Bedarf haben sich die verschiedensten Ansichten geltend gemacht. Von einer Seite empfiehlt man, die Anlagen der Kaiser Ferdinands- Leitung zu erweitern, also Donauwasser in mehr oder minder reinem Zustande der Stadt zuzuführen. Andere befürworten hingegen die ausschliess- liehe Verwendung von Quellwasser für den häuslichen Gebrauch. Die Einen wollen zunächst den Bedarf für öffentliche Zwecke durch Ableitung eines minder guten Wassers aus dem Wien-Neustädter Canale gedeckt wissen. Andere wünschen zuvor die Grundzüge für die gesammte Wasser-Versorgung der Stadt Wien wenigstens in allgemeinen Umrissen festgestellt zu sehen, damit den weiteren Entschlüssen nicht vorgegriffen werde, sondern das jetzt Auszuführende mit den voraussichtlichen Erfordernissen der nächsten Jahre ein zusammenwirkendes Ganze bilden möge. Unter diesen Umständen ist es vielleicht nicht unerwünscht, wenn in Veranlassung der öffentlichen Aufforderung des Gemeinderathes und auf Grundlage von sorgfältigen Vorarbeiten in den nachfolgenden Zeilen ein Vorschlag entwickelt wird, welcher den gestellten Anforderungen bezüglich der Quantität und Qualität des Wassers vollständig entsprechen, so wie gleichzeitig den Vorth eil der Einfachheit und Billigkeit für sich haben dürfte. VI Um diesen Vorschlag gehörig begründen und ziffermässig prüfen zu können, werden zunächst die Anforderungen an eine gute Wasser-Versorgung zusammenzufassen, sodann die bestehenden Zuleitungen und ihre etwaigen Erweiterungen zu untersuchen, endlich aber bestimmte \ orschläge zu einer möglichst vollkommenen Wasser-Versorgung der Stadt W r ien darzulegen und — so weit dies die Kürze der Zeit erlaubte — mittelst Plänen, Berechnungen und Kosten-Voranschlägen zu erläutern sein. — Die Wasser-Versorgung einer grossen Stadt berührt auf so mannigfache Weise das allgemeine Interesse sämmtlicher Bewohner, erfordert aber andererseits auch einen so bedeutenden Kostenaufwand, dass die für diesen gemeinnützigen Zweck vorgeschlagene Anlage einer allseitigen Beleuchtung unterzogen werden sollte. Indem also die Verfasser die nachfolgende Denkschrift dem Drucke übergeben und weiteren Kreisen zugänglich machen, glauben sie nur einem allgemeinen Interesse nachzukommen und dadurch auch ihr Scherflein zur rationellen Lösung der vorliegenden eben so schwierigen als kostspieligen Aufgabe beizutragen. Inhalt. I. Erfordernisse einer guten Wasser-Versorgung.1 II. Die gegenwärtige Wasser-Versorgung Wien’s.5 III. Erforschung anderweitiger Bezugsquellen.12 IV. Die Lösung der Wasserrechts-Frage.19 V. Grundzüge der künftigen Wasser-Versorgung.25 VI. Anlagekosten.36 VII. Finanzielles. 44 VIII. Die Wasser-Versorgung eine städtische Anlage oder Privat-Unternehmen . 51 IX. Schlussbemerkungen.36 I. Erfordernisse einer guten Wasser - Versorgung. D er wohlthätige Einfluss einer guten und zweckmässigen Wasser-Versorgung auf die Gesundheit und das Wohlbefinden einer städtischen Bevölkerung ist nunmehr wohl auch hier allseitig gebührend gewürdigt. Sind schon die Bewohner grosser Städte im Allgemeinen mannigfachen nachtheiligen Einwirkungen weit mehr als die Landbewohner ausgesetzt , so gilt dies für die Einwohner Wiens in um so höherem Grade, als notorisch selbst im Vergleiche zu anderen grossen Städten die Sterblichkeit hier viel grösser und der Gesundheitsstand hier ein weit ungünstigerer ist. Allerdings glaubt gewöhnlich der Einzelne, dass diese schädlichen Einflüsse ihn nicht treffen, dass die schlechte Luft und das verunreinigte Wasser seiner Gesundheit nicht schaden und seine Lebensdauer nicht abkürzen werden. Die Einwirkung derartiger localer Einflüsse auf minder kräftige Constitutionen, ja auf die Bevölkerung im Ganzen und Grossen, ist jedoch durch einstimmiges Urtheil aller Fachmänner längst anerkannt und durch statistische Nachweise ziflermässig und unwiderlegbar dargethan. Durch eine gute und reichliche Wasser-Versorgung wird diesen Uebelständen in einer Richtung hin vollständig abgeholfen, und das erste Haupt-Leben s- bedürfniss, das Wasser, für alle Kreise der Bevölkerung zweckentsprechend sichergestellt. Eine ergiebige Wasserleitung bietet aber gleichzeitig auch das Mittel dar, alle Strassen regelmässig zu besprengen und die Bildung von Staubmassen zu verhindern, die Unraths-Canäle wirksam auszuspülen und die Entwickelung schädlicher Gase zu verhüten, den Häusern reichliche Wassermengen zuzusenden und nachtheiligen Ausdünstungen in denselben vorzubeugen: mit einem Worte, auch auf die Reinhaltung der Luft, des zweiten Haupt-Lebensbedürfnisses, vortheilhaft einzuwirken. In doppelter Beziehung wird also eine zweckmässige Wasser - Versorgung der Stadt Wien den Gesundheitsstand der Bevölkerung heben und zum Wohlbefinden derselben wesentlich und segenbringend beitragen. Notliwendigkcit einer guten und reichlichen Wasser - Versorgung. W olilthätige Einwirkungen einer guten Wasser-Versorgung. 1 ‘2 Bestimmung der er- Das Quantum der für die Bevölkerung einer grossen Stadt erforderlichen forderlichen Wasser- 'Yy assermen g e schätzt man gewöhnlich auf täglich 20 Gallons oder etwa l - 6 Eimer per menge. K 0 pf. Die Einwohnerzahl Wien’s betrug bei der letzten Zählung vor etwa 5 Jahren 476.222 Seelen, mag jedoch mittlerweile auf nahezu 500.000 Seelen gestiegen sein. Rechnet man nun anstatt 1 • 6 Eimer volle 2 Eimer per Tag für jeden Kopf, so ergiebt sich das Quantum von 1,000.000 E imern, als der wirkliche tägliche Bedarf der Stadt Wien in ihrer jetzigen Ausdehnung. Durch die Annahme von vollen 2 Eimern per Kopf ist allerdings ein nicht unbedeutender Zuschlag in Rechnung genommen. Da es aber beabsichtigt wird, die Hälfte dieses ganzen Quantums ausschliesslich zur Bespulung der Strassen und für andere öffentliche Zwecke zu verwenden; da ferner die fortschreitende Zunahme der Bevölkerung, welche alle grossen Städte aufweisen, und welche in Folge der günstigen Lage Wien’s hier um so weniger aus- bleiben wird, ebenfalls nicht ganz unberücksichtigt bleiben darf; da endlich der Wasser- consurn keinesweges erschwert noch beschränkt werden soll, sondern es im Gegentheil Zweck der Anlage ist, den Verbrauch desselben in vielfacher Beziehung zu fördern und zu vermehren: so kann wohl das Quantum von 1,000.000 Eimern per Tag als dasjenige Mass gelten, welches die künftige Wasser-Versorgung jedenfalls liefern muss, um allen berechtigten Ansprüchen genügen zu können. Der somit ermittelte Bedarf von 2 Eimern oder 113 Liter täglich per Kopf stellt Wien bezüglich des Wasser-Quantums, im Vergleiche zu anderen Grosstädten, auf eine — wie es scheint durchaus richtige — Mittelstufe zwischen diejenigen Orte, welche das Mass des Wasser-Verbrauches auf ein Minimum beschränken mussten, und diejenigen, welche für aussergewöhnliche Leistungen, für eine übergrosse Anzahl von Springbrunnen, für Berieselung von Feldern und Gärten etc. ausnahmsweise grosse Quantitäten consumiren. Beschaffenheit des zu Eine nicht minder sorgfältige Berücksichtigung verdient die Beschaffenheit liefernden Wassers. d es zll liefernden Wassers, namentlich desjenigen, welches zum Trinken und für andere häusliche Zwecke bestimmt ist. Dies Wasser soll zu allen Zeiten möglichst rein, d. h. frei von irgend welchen fremdartigen Bestandtheilen, von chemischen Verunreinigungen, wie von mechanischen Beimengungen, namentlich aber von lebenden thierischen oder pflanzlichen Organismen sein, dabei von entsprechender und gleichmässiger Temperatur, kühl im Sommer und nicht zu kalt im Winter — es soll mit einem Worte die Vorzüge eines klaren, frischen Quellwassers in sich vereinen, und zu allen Zeiten ein gesundes, wohlschmeckendes Getränk bilden. Leitungen des Was- Dies Wasser soll ferner in alle Gegenden der Stadt geführt werden. Kein sers in das Innere der Bezirk, keine Strasse, kein Haus soll in dieser Beziehung zurückgesetzt und auf den Hausei. Verbrauch eines schlechten Wassers angewiesen bleiben. Bis jetzt sind bekanntlich zwei 3 grosse Stadttlieile, clie Landstrasse und die Leopoldstadt, mit zusammen etwa 115.000Einwohnern, von der Wohlthat einer Wasser-Versorgung gänzlich ausgeschlossen. Das Wasser soll endlich unter so hohem Drucke in den Böhrenleitungen bereit gehalten sein, dass es jederzeit auch in den höchstgelegenen Theilen der Stadt in das Innere der Häuser, und zwar selbst in die oberen Stockwerke derselben geleitet werden kann. Diese Art des Verbrauches ist allerdings hier noch nicht allgemein üblich. In verhältnissmässig wenigen Fällen hat man bisher die Leitungen in das Innere der Gebäude geführt, und die grosse Unannehmlichkeit des Wasserzutragens von der Strasse oder vom Hofe und über die Stiegen dürfte erst dann vollständig anerkannt werden, wenn man sich an ein dircctes Abzapfen von Wasser in allen Stockwerken der Häuser gewöhnt haben wird. Dies mühsame Zutragen von der Strasse herauf führt selbstverständlich zu einer Vermeidung- von Aus ängstlichen Beschränkung des Wasserverbrauches gerade dort, wo eher ein Uebermass der Verwendung anzurathen wäre. Der penetrante Geruch auf den Gängen so vieler Wohnungen ist schon manchem Fremden aufgefallen. Die schädlichen Folgen dieser Ausdünstungen, welche mehr oder weniger selbst bis in das Innere der bewohnten Bäume dringen, und welche unmöglich ohne nachtheiligen Einfluss auf die Gesundheit der Hausbewohner bleiben können, hat man bisher vielleicht bei Weitem nicht genug berücksichtigt. In manchen Fällen dürfte hier der Grund des so häufigen Auftretens und der schnellen Ausbreitung epidemischer Krankheiten zu suchen sein, und nur die Zuführung grösserer Wassermengen in das Innere der Gebäude vermag in dieser Beziehung durchgreifenden Wandel zu schaffen. Ist nur erst die Möglichkeit dargeboten, überall ein gutes Wasser in reichlicher Menge und um einen massigen Preis in das Innere der Wohnungen leiten zu können, so w r erden zuerst alle Neubauten sich diesen Vortheil zu Nutze machen. Nach und nach gewännt diese Einrichtung eine immer weitere Ausbreitung und wird in nicht gar langer Zeit zu einem allgemeinen Bedürfniss. So lehrt es die Erfahrung anderer Städte. Das Gleiche hat auch in Wien zu geschehen, und erst dann wird der gemeinnützige Zweck einer derartigen Anlage in vollem Umfange erreicht sein. Beichliche Wasser-Versorgung im Inneren der Häuser und geeignete Abfluss- Canäle sind die beiden Grundbedingungen, ohne welche an die Aufrechthaltung der Beinlichkeit und überhaupt an ein enges Zusammenwohnen in grossen Städten nicht mehr gedacht werden kann. Die eine dieser Anlagen unterstützt und fördert die Functionen der anderen. D as im Inneren der Pläuser verwendete Wasser wird nämlich noch einmal wieder nutzbar gemacht, indem es in die Unraths-Canäle abfliesst und denselben die Abführung von mancherlei Stoffen erleichtert, welche sich ohne eine kräftige Spülung darin ansammeln, in Fäulniss gerathen und vielerlei ernste Unzuträglichkeiten herbeiführen. Nicht allein für den häuslichen Gebrauch, sondern auch für die mannigfachen Wasserlieferuug für Bedürfnisse der Privat-Industrie soll ein gutes reines Wasser überall und in hinreichen- m dustrielle Zwecke, der Menge verfügbar sein. 1 * diinstungen im Inne ren der Häuser. Reinspüleu der Un- rahs-Caniile. 4 Versorgung vonAus- Iaufsbrunnen,Bädern, Besprengung von Strassen etc. Bisher waren gewerbliche Anlagen entweder auf Pumpbrunnen oder auf das Wasser des Donau-Canales, sowie des kleinen Wienflüsschens angewiesen, und in allen Fällen sowohl dem Quantum als der Qualität nach schlecht bedient. Die Privatindustrie wird voraussichtlich in zahlreichen Fällen zur Abnahme von gutem Wasser sich bereit finden, und hiedurch nicht nur im Allgemeinen vollkommener und billiger produciren können, und bei der Einrichtung derartiger Werke in der Wahl geeigneter Localitäten gänzlich unabhängig sein, sondern auch durch ihren Beitritt als zahlende Abnehmer einen nicht zu unterschätzenden Beitrag zu den Anlagekosten der neuen Wasserversorgungs-Anstalt liefern. Für alle öffentlichen Auslaufsbrunnen, für die Versorgung von Markthallen, Wasch- und Badehäusern etc. wird wohl ein Wasser von gleicher Güte und Reinheit, und anstatt der bisher nur spärlich zugemessenen Menge*), ein dem Bedarfe reichlich genügendes Quantum mit Recht beansprucht werden. Für die Bespülung von Strassen, für Feuerlöschungszwecke, für die Versorgung von Park-Anlagen und Springbrunnen könnten möglicherweise bezüglich der Qualität des Wassers weniger strenge Anforderungen zu stellen sein. Es muss jedoch auch für diese Zwecke ein allen Bedürfnissen jederzeit genügendes Quantum unter dem erforderlichen Drucke in allen — auch den höchst belegenen — Theilen der Stadt bereit gehalten werden. *) Es wäre eine wahre Wohlthat für die Bevölkerung Wien’s, wenn in Zukunft den öffentlichen Auslaufsbrunnen ein kräftigerer Wasserstrahl zugewiesen würde, damit das überaus lästige, so vielen Zeitverlust herbeiführende Warten an den Brunnen in Wegfall käme. Durch weite Böhrenleitungen, hinreichenden Druck und genügende Ausfluss-Oeffnung lässt es sich ermöglichen, den Wasserbedarf einer jeden Partei in weniger als einer halben Minute zu befriedigen. Das jetzt Tag für Tag sich wiederholende Warten von 10 bis 20 Personen vor den Brunnen wird damit ein- für allemal beseitigt sein. Wenn anstatt des beständig Tag und Nacht fliessenden dünnen Wasserfadens die Auslaufsbrunnen mit selbstsehliessenden Ventilen versehen werden, damit das Wasser in kräftigem Strahle, jedoch nur dann ausströmt, wann man dessen wirklich bedarf: so dürfte der gesammte Wasserverbrauch eines Auslaufsbrunnens in 24 Stunden durch die vorgeschlagene Verbesserung nicht einmal vermehrt werden. II. Die gegenwärtige Wasser-Versorgung Wien’s. Tn den vorstehenden Zeilen sind die Erfordernisse einer guten und reichlichen Gegenwärtige Wasser-Versorgung für die Stadt Wien sowohl bezüglich des Quantums als hinsichtlich Wasserversor 8' un g der Qualität im Allgemeinen festgestellt worden. Bei der Erörterung der Frage, wie diesen gerechten Anforderungen am vollständigsten zu genügen sei, lenkt sich die Aufmerksamkeit naturgemäss zunächst auf den jetzigen Sachverhalt, um zu erwägen, ob etwa die eine oder die andere der gegenwärtig bestehenden Einrichtungen einer Erweiterung und Vervollständigung fähig sei, oder ob das angestrebte Ziel auf einem ganz anderen und neuen Wege erreicht werden müsse. Ein namhafter Theil der Bevölkerung Wiens ist bezüglich des Wasser- Pumpbnmnen. bezuges noch heutigen Tages ausschliesslich auf die Benutzung von Pumpbrunnen angewiesen. Berücksichtigt man aber, dass diese Brunnen beinahe nur von demjenigen Wasser gespeiset werden, welches durch die vielfach verunreinigte Oberfläche der Stadt in den Boden einsickert; dass ferner die Unraths-Canäle häufig in unmittelbarer Nähe der Pumpbrunnen sich befinden: dass überdies das Wasser durch ein längeres Stehen in den Brunnen mehr oder minder in Fäulniss gerätli, und Verunreinigungen durch den im Tegel enthaltenen Schwefelkies ebenfalls nicht zu den Seltenheiten gehören; dass endlich aussergewöhnliche Anschwellungen der Donau eine namhafte Anzahl von Brunnen zeitweilig ganz und gar unbrauchbar machen : so bedarf es wohl kaum des Hinweises auf die in den Jahren 1859—60 vorgenommenen commissionellcn Erhebungen, um das den Pumpbrunnen innerhalb der Stadt entnommene Wasser als vollständig ungeeignet für häusliche Zwecke zu erkennen. Aber auch zum Besprengen der Strassen und selbst zur Feuerlöschung sind diese Pumpbrunnen wegen der schwierigen und kostspieligen Gewinnung eines grösseren Wasser-Quantums entweder gar nicht oder nur in einzelnen Ausnahmsfällen verwendbar. Quellwasserleitungen. Die Kaiser Ferdinands-Wasserleitung, Gesammtleistung der gegenwärtigen Wasser-Versorgung Bei der künftigen Wasser-Versorgung Wien’s müssen die Pumpbrunnen deshalb gänzlich ausser Rechnung bleiben. Es bestehen ferner gegenwärtig nicht weniger als 16 verschiedene Quell- Wasserleitungen, von denen einige der ergiebigsten städtisches Eigenthum sind. Diese Anlagen fangen Quellwasser aus der Umgebung mittelst sogenannter Saug-Canäle und Brunnstuben auf und führen dasselbe der Stadt zu, eine jede durch eine getrennte Leitung. Das auf solche Weise im Ganzen gelieferte Quantum beträgt etwa 25—30.000 Eimer pr. Tag, deckt also nur etwa den vierzigsten Theil des vorstehend ermittelten Gesammt-Bedarfes. Eine nachhaltige Vermehrung dieser verhältnissmässig geringen Wassermenge steht auf dem gleichen Wege um so weniger zu erwarten, als das Wiener Becken schon durch die gegenwärtigen Anlagen nahezu erschöpft ist. Schon jetzt musste eine solche Leitung, deren Zuflüsse versiegten, gänzlich aufgelassen, und eine zweite deshalb aufgegeben werden, weil deren Sanmiel-Canäle unter der Erweiterung des Matzleinsdorfer Friedhofes lagen. Die Leistungsfähigkeit einzelner anderer Quelleitungen scheint ebenfalls nach und nach abzunehmen. Jedenfalls dürfte bei dem fortschreitenden Anbau das auf diese Weise bezogene Wasser-Quantum sich immer mehr verringern; und weit entfernt, hier neue Iliilfsmittel für eine vollständigere Versorgung der Stadt Wien zu finden, wird im Gegentheil künftighin auf anderweitigen Ersatz des bis jetzt von den Quellleitungen gelieferten Wassers vor gedacht werden müssen. Die Stadt Wien empfängt ferner durch die Kaiser Ferdinands - Wasserleitung ein Quantum von etwa 125.000 Eimern per Tag. Dies Wasser wird bekanntlich mittelst Saug - Canälen dem Donau - Canale entnommen, durch Dampfmaschinen gehoben und in Röhrenleitungen unter entsprechendem Drucke in das Innere der Stadt geführt. Die gesammte gegenwärtige Wasser-Versorgung Wien’s*) beträgt demnach in runder Zahl: Von Quelleitungen täglich. 25.000 Eimer Von der Kaiser Ferdinands-Leitung täglich. 125.000 „ zusammen etwa... 150.000 Eimer. Es fehlen also nicht weniger als täglich. 850.000 „ um den vorstehend ermittelten Minimalbedarf' der Stadt von täglich 1,000.000 Eimern zu decken. *) Wien stellt bezüglich der Wasser - Versorgung g-egemvärtig- auf jener Stufe, welche Paris vor 60 bis 70 Jahren einnahm. Damals hatte Paris 550.000 Einwohner, eine Wasserzuleitung von 141.000 Eimern täglich, 85 Auslaufsbrunnen und 455 erkaufte Wasserbezugs-Reclite: alles Zahlen, welche den jetzigen Verhältnissen Wien’s so nahe als möglich entsprechen. Jene Zustände wurden schon damals als geradezu unerträglich erachtet, und zur Abliiilfe derselben wenige Jahre später mehr als 20 Millionen Francs aufgewendet. 7 Als erster Schritt zur Deckung dieses Ausfalles ist es beantragt, durch Ver- Eventuelle Ausdeh- längerunsr der Saug-Canäle, Aufstellung neuer Dampfmaschinen und Erweiterung des uu ”?' <1ci - f ’ eullnaut * s " öö ° ’ _ ° . 1 . , ® Wasserleitung. Röhrennetzes das von der Ferdinands-Wasserleitung gelieferte Quantum zunächst um 75.000 Eimer, also bis auf eine tägliche Leistung von 200.000 Eimern, zu steigern. Der Gedanke, dem gesummten Wasserbedarfe der Stadt durch noch weitergehende Ausdehnung der genannten Anlagen zu genügen, liegt so nahe, dass ein näheres Eingehen in die Leistlings - Verhältnisse dieses Werkes nicht überflüssig erscheint. In quantitativer Beziehung steht einer Vergrösserung der Röhrenleitungen so Vermehrung des Was- wie einer Vermehrung der Maschinenkraft, weit über die jetzigen Grenzen hinaus, ser< l nantmus der ler- i-iici r~\ -i 1 -. ,■ • i • • oi- dinands-Leitung. durchaus nichts entgegen. Nur bezüglich der baug-Canale durften sich einige Schwierigkeiten ergeben. Diese Saug - Canäle, deren Construction in der Denkschrift des Stadt - Bau- Amtes vom Juli 1861 ausführlich beschrieben ist, liegen parallel mit dem Donau- Canale und tiefer als die Sohle desselben. Das Wasser hat durch den Schottergrund des Canalbettes in die Saug-Canäle durchzusickern und fliesst alsdann von dort zu den Pumpen der Dampfmaschinen ab. Ungeachtet der wiederholt vorgenommenen Verlängerungen der Saug-Canäle Leistungsfähigkeit sind dieselben jedoch gegenwärtig nicht im Stande, unter allen Verhältnissen das dei ® an s Canale. Quantum von 125.000 Eimern täglich liefern zu können. Zur Zeit des niedrigen Donaustandes, wenn die Einsickerungsfläche des Canales am kleinsten und der Wasserdruck am geringsten ist, verringert sich nämlich die Ergiebigkeit der Saug- Canäle so stark, dass zur Fortsetzung des ungestörten Betriebes das Wasser aus dem Donau-Canalc durch besondere Leitungen direct in die Filtrations - Canäle eingelassen werden muss. Ob durch sehr beträchtliche Ausdehnungen der Saug-Canäle dem Bedarfe einer stark bevölkerten Stadt auf die Dauer genügt werden könne, mag vorläufig dahingestellt bleiben; es hat wenigstens anderwärts bezüglich derartiger Anlagen die Erfahrung*) gelehrt, dass durch die fortdauernde Filtration die im Wasser enthaltenen festen Bestandteile nach und nach die Zwischenräume des Schotters ausfüllen, also eine Abnahme der Durchlassfähigkeit desselben herbeiführen. Je nach der Beschaffenheit des Schotterbettes und nach der Menge und Gattung der festen Sinkstofle, welche in dem filtrirenden Schotter Zurückbleiben, geht die Verringerung der durchsickernden Wassermenge mehr oder minder rasch vor sich. *) Ein Beispiel hiefür gibt die frühere Wasser-Versorgung von Glasgow, deren am Clyde- flusse gelegenen Filter-Canäle sich nach und nach verstopften und immer wieder aufs Neue verlängert werden mussten. Dies war einer der Hauptgründe, wesshalb man in den letzten Jahren die ganze Anlage am Flusse aufgab, und eine vollständig neue Versorgung der Stadt durch Zuleitung von Wasser aus einigen hochgelegenen Seen auf 9'/, Meilen Entfernung einrichtete. 8 Beschaffenheit des AA'assers der Ferdinands-Leitung. Temperatur des AA'assers. Zeitweilige Trübung des Wassers. AA r eitere Beschaffenheit des AA'assers. Verunreinigung des Donau-Canales durch unreine Zuflüsse. Es müssen also, um das gleiche Quantum Wasser zu erhalten, nach Verlauf einer gewissen Anzahl von Jahren immer wieder neue und sehr kostspielige Verlängerungen der Saug-Canäle vorgenommen werden. Weit ernstlichere Bedenken liegen jedoch bezüglich der Beschaffenheit des von der Ferdinands-Leitung gelieferten Wassers vor. In dieser Beziehung sind so verschiedene Urtheile ausgesprochen und so entgegengesetzte Meinungen laut geworden, dass es wohl am richtigsten sein wird, von den vorliegenden nicht übereinstimmenden Urtheilen gänzlich abzusehen und sich einzig und allein auf die Darstellung der massgebenden Verhältnisse zu beschränken. Das Thermometer giebt allerdings das sicherste Mittel an die Hand, um zu prüfen, ob das dem Donau-Canale zeitweilig mit einer Wärme von 16 bis 17 Grad entnommene Wasser auf seinem Wege durch den filtrirenden Schotter so viel Wärme abzugeben vermag, um bei den Consumenten in einer zum Trinken angenehmen Temperatur anzulangen. Aber die Frische des Quellwassers kann das warm gewesene und wieder abgekühlte Wasser jedenfalls nicht wieder erlangt haben. Die sich zeitweilig einstellende Trübung des von der Kaiser Ferdinands-Leitung gelieferten Wassers ist einem jeden Einwohner Wien’s zur Genüge bekannt. Alle angewendeten Mittel, diesem von Zeit zu Zeit aus einer oder der anderen Ursache eintretendem Uebelstande vorzubeugen, sind bisher ohne Erfolg geblieben. Die sonstige, dem Auge nicht wahrnehmbare Beschaffenheit des AVassers hängt wesentlich von zweien Factoren ab:, einmal von der Qualität des Wassers im Donau - Canale, und sodann von dem Effect der Filtration durch den Schotter, welchen dasselbe auf dem Wege in die Saug-Canäle zu durchdringen hat. Das Wasser im Donau - Canale ist — ganz abgesehen von der später ,.zu erörternden Frage, ob überhaupt die Versorgung einer städtischen Bevölkerung aus grossen Flüssen unter allen Umständen rathsam sei — leider durchaus nicht frei von mehrfachen und sehr bedenklichen Verunreinigungen und sogar nicht frei von Producten der Fiiulniss. Bei näherer Durchforschung der Localität findet sich nämlich etwa 500 Klafter oberhalb der Saug-Canäle der Ferdinands-Wasserleitung die Einmündung des sogenannten Arbes-Baches, welcher von Sievering und Unter-Döbling viele Schmutztlieile mit sich führt, und aus den Seitengräben der theilweise bebauten Nussdorfer Chaussee noch andere unreine Abflüsse aufnimmt. Das weiter oberhalb gelegene Nussdorf, welches allerdings zum Theil an die grosse Donau gränzt, jedoch von derselben durch einen hohen Schutzdamm abgeschieden ist, sendet ebenfalls durch ein gemauertes Brückl unter dem Treppelwege und durch den unterhalb ausmündenden Haupt-Unrathscanal seine gesammten Schmutzabflüsse in den Donau-Canal. 9 Bei niederem Wasserstande sind diese durch die Entwässerung der angrenzenden Ortschaften vermehrten unreinen Abflüsse noch eine ziemliche Strecke abwärts deutlich zu erkennen. Es hat mit einem Worte der Donau-Canal an jener Stelle, wo derselbe gegenwärtig das Wasser zur Versorgung der Stadt abgiebt, bereits die gesammten Schmutz-Abflüsse der Gegend vom Maschinenhause aufwärts bis einschliesslich Nussdorf in sich aufgenommen. Allerdings werden diese Schmutz - Abflüsse durch das Wasser des Donau- Canales bedeutend verdünnt. Aber gerade im hohen Sommer, also zu der Zeit, wann bezüglich der Qualität des gelieferten Trinkwassers die strengsten Anforderungen gestellt werden müssen, ist diese Verdünnung in Folge des niedrigen Donaustandes eine so geringe, dass das Wasser nimmermehr als zum Genüsse tauglich angesehen werden kann. Diesem Uebelstande vermag die Filtrirung durch den Schotter auf dem Wege zu den Sauge-Canälen nicht abzuhelfen. Es ist eine durch vielfältige Erfahrungen erwiesene Thatsache, dass im Wasser aufgelöste Substanzen sich mittelst Filtrirung durch ein künstliches oder natürliches Schotterbett von so geringer Ausdehnung nicht ausscheiden lassen. Im vorliegenden Fall aber kann dies um so weniger gelingen, als eben bei niedrigen Donauständen, also bei der verhältnissmässig stärksten Verunreinigung, auch die Filtration am unvollkommensten ist, da alsdann nicht nur die filtrirende Fläche sich verkleinert, sondern durch das nothgedrungen directe Einlassen des Wassers auch der durch den Schotter zurückzulegende Weg bis auf ein Minimum abgekürzt wird. Sollte also die Kaiser Ferdinands-Wasserleitung in ihrer jetzigen, sehr un- vortheilhaft gewählten Lage noch längere Zeit zur Lieferung von Trinkwasser dienen müssen, oder sollte man sogar eine Erweiterung dieser Werke für erspriesslich erachten, so wäre es vor Allem unumgänglich nothwendig, in der ganzen Länge der Strasse bis nach Nussdorf einen gernauerten Unraths-Canal anzulegen, welcher alle unreinen Abflüsse jener Gegend aufzufangen und selbige vorläufig unterhalb des Maschinenhauses in den Donau - Canal zu ergiessen hätte, bis zu der Zeit, wann die gesanunte städtische Entwässerung vereint und unterhalb der Stadt abgeführt sein wird. Der Donau-Canal erleidet überdies durch die auf demselben betriebene Schifffahrt, durch die dabei beschäftigten Personen , durch das Flössen, Lagern und Aufschleppen von Holz, und durch das Hineinwerfen der verschiedenartigsten Stoffe eine weitere nicht unbeträchtliche Verunreinigung. Es führt endlich sogar der Wind, wie überall in unmittelbarer Nähe der grossen Städte, eine Menge organischer Bestandtheile und jene Gährungskeime, welche die Fäulniss und die Verwesung so sehr befördern, mit in das Wasser hinein. Alle diese Untauglichkeit des Wassers zum Trinken. Einwirkung der Fil- trirung' auf dasWasser dos Donau - Canales. Nothwendigkeit eines Unraths-Canales nach Nussdorf. Weitere Verunreinigungen des Donau- Canales. 10 Uebelstände werden um so mehr zunelimen, als der Anbau auf beiden Seiten des Canales von Jahr zu Jahr fortschreitet, und bald die Anlagen der Ferdinands-‘Wasserleitung- vollständig umzingelt haben wird. Folgerungen. Diese mannigfachen Verunreinigungen des Wassers im Donau-Canale vermag, wie bereits erwähnt, die Filtrirung durch das Schotterbett nicht wirksam zu beseitigen. Wenn gleich die Chemie mit ihren jetzigen Hülfsmitteln, und wenn auch eine mikroskopische Untersuchung das Ergebniss dieser Verunreinigungen nicht jedesmal quantitativ festzustellen weiss, so ist damit die Unschädlichkeit derselben für den weit empfänglicheren menschlichen Körper noch keineswegs nachgewiesen. Den gerechten Anforderungen an ein gesundes und zum Genüsse einladendes Trinkwasser vermag die Ferdinands-Wasserleitung also, in Folge ihrer sehr ungünstig gewählten Lage, nicht im Entferntesten zu genügen, und von einer weiteren Ausdehnung dieser Werke ist deshalb auf das Entschiedenste abzurathen. ■Widerlegung eines Es möchte Manchem in finanzieller Beziehung bedauerlich erscheinen, wenn etwaigen finanziellen ( ]j e Erweiterung der Kaiser Ferdinands-Wasserleitung nicht zu Stande käme, da bekanntet m was. lieh durch die Vergrösserung jener Anlagen um 75.000 Eimer pr. Tag mittelst einerweiteren Verausgabung von 540.000 fl. die gesammte Capitalaufwendung für jeden täglich gelieferten Eimer sich auf durchschnittlich 12 fl. 25 kr. herabmindern würde, während sie bisher 15 fl. pr. Eimer betrug. In Wirklichkeit liegt jedoch kein Grund zu einem solchen Bedauern vor, denn dieser Gewinn ist nur ein scheinbarer. Die Ferdinands-Wasserleitung besteht nämlich aus zweien gesonderten Anlagen, und zwar: 1. aus den Sauge-Canälen und Filtrir-Apparaten, den Dampfmaschinen nebst Gebäuden u. dgl., welche Werke sämmtlich zur Gewinnung und Hebung des 'Wassers dienen, und ferner 2. aus den Köhrenleitungen nebst öffentlichen Auslaufsbrunnen, Bassins, Reservoirs etc., welche den Zweck haben, das Wasser in die Stadt zu führen und dort überall zu vertheilen. Diese letzteren Anlagen haben ihren bleibenden Werth für eine jede Wasser- Versorgung, einerlei ob dieselbe von dem Maschinenhause vor der Nussdorfer Linie oder von einer anderen Seite gespeiset wird. Die erstgenannten Werke hingegen, die Saug-Canäle, Filtrir-Apparate und Dampfmaschinen sind, da die alten, unvortheilhaft arbeitenden Maschinen sich nur finden Eeservedienst eignen, schon durch die jetzige Lieferung mit ihrer vollen Leistungsfähigkeit in Anspruch genommen. Sie vermögen nicht mehr zu liefern, als eben jetzt geschieht, und mit einer Vergrösserung derselben wachsen auch die Anlagekosten in nahezu den gleichen Proportionen. Es kann also eine Erweiterung dieser Werke nur durch eine in gleichem Verhältniss an wachsende Capital-Aufwendung erkauft werden. 11 Will man aber ein Urtheil darüber sich verschallen, ob die Erweiterung der Kostspieliger Betrieb Ferdinands-Wasserleitung wirklich in finanzieller Beziehung vortheilhaft sei, so cla r f c ^ ei Feitliiiands-’Wa.s- o ' sGrleituiig 1 ein sehr wesentlicher Factor — der Jahr für Jahr fortlaufende Betrieb und die Kosten desselben — nicht ausser Rechnung gelassen werden. Diese Betriebskosten belaufen sich gegenwärtig schon auf jährlich etwa 50.000 fl., was den Zinsen eines Capitales von ungefähr einer Million Gulden gleichkommt. Eine Erweiterung der Anlagen würde die Betriebskosten ebenfalls steigern, und zwar in gleichem Verhältnisse mit cler Zunahme der Leistungsfähigkeit. Auf den täglich gelieferten Eimer vertheilt, betragen die Betriebskosten jährlich 40 kr. oder capitalisirt nicht weniger als 8 fl. österr. Währ. Das Wasser der Ferdinands-Leitung kostet also in Wirklichkeit an Baukosten jetzt 15 fl. und nach eventueller Erweiterung 12 fl. 23 kr., mehr 8 fl. für capitali- sirte Betriebskosten, zusammen also für jeden täglich gelieferten Eimer im Ganzen 23 fl. resp. 20 fl. 25 kr. Dieser Betrag ist ein so bedeutender, dass es wohl eine ernstliche Erwägung Nothwendigkoit der verdient, ob die Erweiterung der betreffenden Anlagen wirklich rathsam sei, oder ob Erforschung eines ° . , . . billigeren und bes- es sich ermöglichen Hesse, cler Stadt von anderer Seite ein gutes AV asser mit geringeren geren ^y asserg ^ Kosten zuzuführen, um so mehr, als ohnehin das bisher gelieferte AV asser für den häuslichen Gebrauch nicht geeignet ist, und in dieser Beziehung jedenfalls anderweitig vorgesorgt werden muss. O ö Erforschung anderweitiger Bezugsquellen. Erforschung' ander weitigei- Bezugsquellen. Bezug von Wasser der grossen Donau. r Nachtheile einer Wasser-Versorgung aus der Donau. IN achdem sich herausgestellt, dass keine der jetzt bestehenden Anlagen einer solchen Erweiterung fähig ist, um den gerechten Anforderungen bezüglich des Quantums wie der Qualität auch nur annähernd genügen zu können, so werden jedenfalls andere und neue Bezugsquellen für die künftige Wasser-Versorgung der Stadt Wien aufzusuchen sein. Es kommt dabei zunächst der Bezug von Wasser aus der grossen Donau in Betracht. Die Haupt-Uebelstände der Kaiser Ferdinands-Wasserleitung bestellen, wie bereits erwähnt, vorzugsweise darin, dass der Donau-Canal durch Schmutzzuflüsse, durch den auf demselben betriebenen Verkehr und durch anderweitig lierangeführte Bestandteile verunreinigt wird, und dass diese Verunreinigungen namentlich zur Zeit des kleinsten Donaustandes die Reinheit des Wassers in sehr bedenklichem Grade beeinträchtigen. Würde jedoch eine neue Anlage an der grossen Donau in angemessener Entfernung von der Stadt, also ausser dem Bereiche der nachgewiesenen Verunreinigungen errichtet, so entfallen wenigstens diese Bedenken, und es könnte durch ein derartiges neues Werk entweder der ganze Bedarf von 1,000.000 Eimern pr. Tag gedeckt oder wenigstens das für den häuslichen Bedarf bestimmte Wasser geliefert werden. Aber abgesehen von den mannigfachen Hindernissen, welche die wechselnden Wasserstände der Donau darbieten und welche keine noch so kostspielige Anlage vollständig zu überwinden vermag — abgesehen von der oben erwähnten Schwierigkeit bezüglich der stetig abnehmenden Leistungsfähigkeit derartiger Saug- Canäle, welche immer wieder auf’s Neue verlängert werden müssten, und nach und nach ganz enorme Summen verschlingen würden — abgesehen von den änsserst beträchtlichen Kosten eines solchen im Ueberschwemmungsgebiete der Donau zu errichtenden Werkes und den bedeutenden für die künstliche Hebung des Wassers erforder- 13 liehen Betriebs-Ausgaben, welche Jahr für Jahr fortlaufen und die Zinsen eines nicht minder grossen Capitales aufzehren: würde damit derVor beding ung zur Heranschaffung eines wirklich guten Trinkwassers noch immer nicht genügt sein. Das durch die Sonne erwärmt gewesene und wieder abgekühlte Flusswasser Mangelhafte Beschaf- bleibt jedenfalls fade und schal, kann also niemals die angenehme Frische des Quell- fenlleit des Donau ~ . , . . wassers. wassers erreichen; eine zeitweilige Trübung wird auch bei einer neuen Anlage unter Umständen kaum vermieden werden können, und wenngleich den oberhalb der Stadt in die Donau einmündenden Schmutzabflüssen von Klosterneuburg etc. kein besonderer Einfluss beigelegt werden soll, so bleibt doch im Allgemeinen das Wasser eines grossen Flusses niemals frei von den verschiedenartigsten Verunreinigungen und liefert niemals ein zu allen Zeiten gesundes, noch weniger aber ein wohlschmeckendes Getränk. Ueber die grossen Vorzüge des Quellwassers, im Vergleiche zum Flusswasser, Vorzüge des Quell- zur Verwendung für den häuslichen Gebrauch einer städtischen Bevölkerung hat sich wassen,. bereits unter den ausgezeichnetsten Fachmännern ein übereinstimmendes Urtheil*) herausgebildet, und mit Recht stellte die hiesige Gemeinde-Verwaltung in ihrem Programme die Lieferung von Quellwasser in den Vordergrund. Allerdings werden einige im Flachlande gelegenen Städte, als Berlin, Ham- Bezugnahme auf die bürg und zum Theil auch London, aus der Spree, der Elbe und der Themse ver- Versorgung anderer . .. iii» Tiii • i » t rT t Grosstädte. sorgt, jedoch einzig und. allein deshalb, weil in deren Umgebung kein besseres Wasser in genügender Menge und Druckhöhe herbeizu- schaffen war. Ueberall jedoch, wo es die Localität nur irgendwie erlaubte, hat man Quellwasser mit natürlichem Gefälle zur Versorgung der Städte herangeleitet, und hiedurch nicht allein die laufenden Betriebskosten gänzlich erspart, sondern auch den Bezug eines wirklich guten und gesunden Trinkwassers sich gesichert. Rom, Dijon, Ronen, Edinburg, Montpellier, Genua, Glasgow, Grenoble, sowie eine sehr namhafte Anzahl anderer Städte sind ausschliesslich durch Quell-Leitungen versorgt. Auch Paris wird sich binnen Kurzem derselben Versorgungsart an- schliessen und der gleichen Vortheile theilhaftig werden. Bei Erörterung der Frage, welche Gattung von Trin k wass er Prüfung anderweiti- der Bevölkerung einer grossen Stadt dargeboten werden soll, können ger Bezugsorte, die Anforderungen an die Beschaffenheit desselben nicht hoch genug gestellt werden. Es dürfte deshalb bezüglich der Versorgung Wiens nur in dem einen Falle auf das Donauwasser zurückzukommen sein, wenn andere bessere Bezugsorte entweder *) Bezüglich weiterer Details verweisen wir auf das gediegene Werk von Alph. Dupasquier: „Des eaux de source, des eaux de rivi'ere, comparies sous le rcipport hygieniqae et sous le point de vue in- dustriel. Paris 1840. Die Gewässer jenseits der Donau. Die in die Donau oberhalb Wien ein- mündendenGewässer Das Thal des Wien- fliisschens. u nicht vorhanden wären, oder wenn deren Benützung sich als ganz und gar unausführbar heraussteilen sollte. Bei Durchforschung der ganzen Umgebung WieiVs auf eine Entfernung von O o o o o sechs bis acht Meilen im Umkreise lassen sich die sämmtliehen Gewässer jenseits der Donau ohne Weiteres schon deshalb ausscheiden, weil nicht nur die Durchkreuzung des unregulirten mächtigen Stromes in Ermanglung einer festen Brücke sehr ernste Schwierigkeiten darbietet, sondern weil auch die unzureichende Höhenlage dem beabsichtigten Zwecke störend entgegensteht. Von den am diesseitigen Ufer oberhalb der Stadt in die Donau einmündenden Gewässern würde möglicherweise nur der Traisen fl uss das benöthigte Quantum abgeben können. Aber dies Wasser ist auf seinem langen Laufe bis in die Gegend von St. Pölten bereits durch den Betrieb zahlreicher Werke verunreinigt, überdies zur Zeit der Anschwellungen sehr stark getrübt, also der Qualität nach nicht empfehlenswerth. Ausserdem stellten sich die Kosten einer solchen Zuleitung in dem coupirten Terrain schon bei vorläufiger Veranschlagung als so überaus beträchtlich heraus, dass dies Project gänzlich aufgegeben werden musste. Ein speciellcr Nachweis der entgegenstehenden Bedenken kann hier wohl füglich übergangen werden. Es bleibt somit nur das Thal des Wienflüsschens und die Wien-Neustädter Ebene. Das Thal des Wienflüsseitens oberhalb Hütteldorf wird nebst den dazu gehörigen Seitenthälern allerdings im Stande sein, mittelst Quell-Leitungen — ähnlich den schon bestehenden von Hernals, im Halterthale und bei Dornbach — ein gewisses Quantum Wasser für die Versorgung der Stadt zu liefern. Da aber nach den im September des verflossenen Jahres vorgenommenen Messungen das Wienflüsschen, welches die gesammte Entwässerung dieser Thalgruppe zusammenfässt, zeitweilig kaum 60.000 Eimer in 24 Stunden abführt, so steht ein nennens werth es Quantum von dieser Seite keinenfalls zu erwarten. Ueberdies würde — darüber möge man sich nicht täuschen — die ganze durch Quell-Leitungen aufgefangene Wassennengo dem W i e n f 1 ii s s eh e n entzogen. Dieses letztere ist jedoch ohnehin zur Sommerszeit ausser Stande, den ihm zugemutheten Zweck zu erfüllen. Eine weitere Verringerung des Zuflusses würde bei dem jetzigen Sachverhalt für die städtische Bevölkerung anderweitige und geradezu unerträgliche Uebelstände hervorrufen, und zu ernsten Beschwerden und Reclamationen seitens der Anrainer von Sechshaus, Gumpendorf etc. Veranlassung geben. Unter diesen Umständen erscheint es dringend rathsam, dem Wienflüsschen seine spärlichen Zuflüsse unverkümmert zu belassen, und auf die Anlage von neuen Quell-Leitungen in jener Gegend um so eher zu verzichten, als diese jedenfalls nur ein 15 verhältnissmässig änsserst geringes Quantum für die Wasser-Versorgung der Stadt zu liefern vermögten. Diie Wien-Neu Städter Hochebene, welche schliesslich in Betracht kommt, Die Wien-Xeustädtcr ist in der That von einer Anzahl ergiebiger Wasserläufe durchzogen. Lbene. Diese auch in der bezüglichen Denkschrift des Stadtbau-Amtes geschilderten Wasserzüge lassen sich mit wenigen Worten wie folgt charakterisiren: Die Neustndter Fischa. Die NeuStädter Fischa ist sowohl wegen des zeitweilig ungenügenden Wasser-Quantums als auch hinsichtlich der Temperatur und sonstigen Beschaffenheit desselben zur Versorgung der Stadt nicht geeignet, überdies durch die bestehenden Werke vollständig in Anspruch genommen. Der Kalte Gang oder Piesting-Bach führt weder constantes noch reines Der Kalte Gang oder Wasser, sondern hat beinahe den Charakter eines Wildbaches, ist auch nicht mehr ‘ ° verfügbar. Die Triesting und Schwechat, Wildbäche von unregelmässigem Zufluss, Die Tnestmg und ° Pcivmecliat. zu Zeiten der Dürre nahezu trocken, bei Kegen-Perioden hingegen stark getrübt, vermögen ebenfalls schon wegen der zahlreichen an denselben gelegenen Werke ohne änsserst kostspielige Expropriationen kein Wasser abzugeben. Die Mödling und Liesing sind Wildbäche ohne constantes und geeignetes Verschiedene andere W asser, überdies, ihrer niedrigen Lage wegen, verwendbar. zur Versorgung der Stadt nicht Wildbäehe. Die Fisclia-Dagnitz, in einer Au bei Haschendorf entspringend, führt Die Visclm-Dagnitz. schon nahe an der Quelle pr. Secunde 30 Cubikfuss, also pr. Tag 1,500.000 Eimer des reinsteu und klarsten Wassers von 7 bis 9 Grad. Es würde höchst lohnend sein, diese Quelle zur Versorgung von Wien zu benützen. Leider liegen an dem von derselben gespeisten Bache nicht weniger als 35 bedeutende Werke, denen das Wasser keinenfalls entzogen werden darf. Eine Expropriation dieser Werke würde nicht nur den Wohlstand der ganzen Gegend untergraben und selbst auf die Approvisionirung Wiens einen nachtheiligen Einfluss ausüben, sondern auch einen ganz enormen Geldaufwand erfordern, und für nur einen Th eil des Quellwassers zur Deckung des halben Bedarfes der Stadt zum mindesten vier Millionen Gulden kosten. Der Wien-Neustadt er Canal hat in seinem jetzigen Zustande bei trockner Der Wien-Neustädter Jahreszeit selbst nur wenigWasser, und sein träger Lauf ruft in demselben massenhafte Sduffahrts - Canal. Versandungen und einen bedeutenden Pflanzenwuchs hervor. Der Pithen-Fluss, im Wechselgebirge entspringend, hat einen reichlichen, Der Pitlien-Fluss. regelmässigen Zufluss und betreibt zahlreiche Werke. 16 Einleitung des Pi- then-Flusses in den Wien -Neustädter Canal. Yortlieile dieses Pro- jectes. Mängel und Nach- theile dieses Pro- jectes. Es können demselben unterhalb der Erlacher Spinnfabrik vor seiner Einmündung in die Leitha, unbedenklich mindestens 50 Cubikfuss per Secunde, oder 2,500.000 Eimer täglich, entnommen werden. Leider ist eine Ableitung des Pithen-Flusses, wegen der zahlreichen oberhalb gelegenen Werke und Fabriken, zur Versorgung der Stadt mit Trinkwasser nicht geeignet. Aus dem vorstehend skizzirten Sachverhalt ist bereits vor Jahren das Project entstanden, das verfügbare Wasser des Pithen - Flusses dem Wien-Neu- städter Canale zuzuführen, hiedurch die an demselben gelegenen Werke reichlicher zu speisen und die Schiffahrts-Verhältnisse möglichst zu verbessern, endlich aber dem Canale am unteren Ende bei Simmering ein Quantum von 500.000 Eimern pr. Tag zu entnehmen, dies Wasser durch ein gesondertes Köhrennetz in die Stadt zu leiten und zur Besprengung der Strassen etc. zu benutzen. Für häusliche Zwecke und zum Trinken ist dies Wasser schon wegen der bedeutenden Verunreinigung, welche es im Laufe durch den Wien-Neustädter Canal erleidet, ganz entschieden nicht verwendbar. Dieser Vorschlag hat — es lässt sich nicht läugnen — manches Empfeh- lenswerthe für sich. Der Gedanke, den bereits bestehenden Scbiffahrts-Canal als Leitung des Wassers bis nach Wien zu verwenden, ist ein glücklicher. An dem projectirten Pithen - Canale lassen sich einige neue Werke errichten; die Werke am Wien-Neustädter Canal gewinnen bedeutend durch reichliche Vermehrung des Betriebswassers; die Canal - Schiffahrt hofft von Versandungen und Pflanzenwuchs weniger belästigt zu werden, und endlich erhält die Stadt Wien von dem herangeführten Wasser ein Quantum von 500.000 Eimern für die Strassenbespülung mit dem verhältnissmässig nicht bedeutenden Aufwande von 1,700.000 fl. Wenn dies Project gleich nach verschiedenen Seiten hin Vortheile darzubieten scheint, so ist doch dabei, näher betrachtet, der Gewinn der Stadt Wien ein keineswegs überwiegender. Die geringe Druckhöhe des Wassers, 65 bis 70 Fuss über Null, reicht nämlich nicht einmal bis an das Pflaster des Burgthores, noch viel weniger über den ganzen Kayon der Stadt. In Folge dessen bleiben die mittleren und höheren Districte, zwei Fünftheile der ganzen Oberfläche umfassend, mit den Bezirken Josefstadt, Neubau und dem grösseren Theile von Mariahilf, Gumpendorf, Wieden, Alsergrund etc. von den gehofften Vortheilen für die Besprengung der Strassen, die Feuerlöschung, Reinspülung der Canäle, u. dgl. ganz und gar ausgeschlossen. Die projectirte Anlage ist also wieder eine halbe Massregel; sie beschränkt sich von vorne herein auf nur einen Theil der Stadt. Bezüglich des übrigen Theiles, für welchen die nämlichen Bedürfnisse vorliegen, muss O D 0 7 nach wie vor anderweitig vorgesorgt werden. n Es erhält ferner die Stadt Wien, welche doch die Kosten dieser Anlagen zu bestreiten hätte, von den 2,500.000 Eimern, die dem Pithen-Fluss entnommen werden sollen, nur etwa den fünften Theil, und zwar ein verunreinigtes Wasser, das für häusliche Zwecke oder gar zum Trinken vollständig untauglich ist. Dasjenige aber, was der Stadt bis jetzt ganz fehlt und dessen die zahlreiche Bevölkerung am dringendsten bedarf, ein reines, gesundes Trinkwasser: das erhält sie durch dies Project nicht. W asser zum Trinken und für sonstige häusliche oder gewerbliche Zwecke muss also Nachtheüe einer dop- jedcnfalls von anderer Seite her beigeschafft werden, und da dasselbe mit dem Canalwasser P elt ® n . VeiS01 S nu o nicht gemischt werden darf, so müssten bei Ausführung dieses Projectes die Canalwasser. Strassen mit zwei gesonderten Köhrenleitungen, die eine für reines Trinkwasser, die andere für unreines Canalwasser, durchzogen werden. Solch vollkommene Theilung einer grosstädtischen Versorgung in eine Kein- wasscr-Leitung und ein anderes, getrenntes Köhrennetz für minder reines Wasser, oder gar eine doppelte Zuleitung in die Häuser für zwei Gattungen von Wasser, existirt bis jetzt nirgends, und wenn man neuerdings etwas Aehnliches für Paris in Vorschlag brachte, so geschah dies einzig nncl allein deshalb, weil die Zuleitung des schlechten, ungeniessbaren Wassers bereits existirt, und weil überdies die vereinigte Leistung von drei grossartigen, theils zur Ausführung genehmigten, tlieils projectirten Aquäclucten mit einem Gesammtkosten-Aufwande von 62 Millionen Francs nicht einmal ausreichen wird, dieser riesigen Stadt eine für alle Zwecke ausreichende Wassermenge zuzuführen. Ein zweifaches Röhrennetz vermehrt nicht nur die Anlage- sowie die Vertheuernng der Betrieb s-Kosten um ein Bedeutendes, sondern es würde namentlich für Wien, Anla g e ' mll ^ Betlie,:,s 7 kosten, bei den engen Strassen und der schon vorhandenen Anzahl verschiedener Leitungsröhren *) manche andere Unannehmlichkeiten zur Folge haben. Der Vortheil der Stadt Wien bei dem Projecte, dem Wien-Neustädte)'-Canal am oberen Ende mehr Wasser zuzuführen und einen Theil dieses Wassers am unteren Ende in ein besonderes Röhrennetz zu leiten, ist also durchaus kein überwiegender. Jedenfalls kommt man auf diesem Wege der Lösung der Cardinalfrage — der Versorgung der Stadt mitreinem, gutem Wasser für häusliche und gewerbliche Zwecke — um keinen Schritt näher, sondern bleibt nach wie vor auf andere Bezugsq uellen angewiesen. Ein Ausweg, welcher vielleicht einigen Erfolg versprechen könnte, wäre der Auffangung von Versuch, dem S cho t ter boden der W ien-N eus t ädt er-FI o cliebe n e mittelst Grundwasser aus der , o i o ii , , , Wien-Neustädter sogenannter Saug-Ganale oder benkhrunnen das Grundwasser zu ent- „ , , n ° Hochebene. ziehen, dasselbe aufzufängen und gesammelt zur Stadt zu leiten. *) Es liegen schon jetzt in manchen Strassen, z. 13. in der Hernalser Hauptstrasse, bei dem Kärnthnerthore etc., vier ßöhrenstränge, alle von verschiedenen Wasserleitungen. Grund genug, die neuen Anlagen nach Möglichkeit zu vereinfachen, nicht aber noch mehr zu compliciren. 3 18 Gefahren eines solchen Experimentes. Möglichkeit eines anderen Ausweges. Diese Saug- oder Fang-Caniile müssten jedoch, um wirklich ein namhaftes Wasserquantum zu erzielen , in sehr grosser Ausdehnung tief in dem mit Wasser gesättigten Schotter- und Sandgrunde angelegt werden. Dennoch bliebe man der Gefahr ausgesetzt, dass die überall und auch bei der Ferdinandsleitung gemachten Erfahrungen*) sich wiederholten, dass nämlich die mit sehr bedeutenden Kosten angelegten Saug- Canäle ausser Stand wären, eine grössere Menge Wasser continuirlich abzugeben, und dass nach einmaliger Entwässerung des Schottergrundes der Zufluss zu versiegen begänne. Kein Techniker wird im Stande sein, im Voraus zu berechnen, welche Wassermengen solche selbst mit sehr bedeutenden Kosten angelegten Saug-Canäle fortdauernd zu liefern vermögten. Ein derartiges Werk wäre also ein Experiment, das möglicherweise gelingen, das aber auch gänzlich fehl schlagen und ein vollständiges Scheitern der darauf basirten Anlagen zur Folge haben kann. Gelänge es aber wirklich , ein nennenswerthes Quantum auf solchem Wege zu erzielen, so könnte dies — da die atmosphärischen Niederschläge hiezu bei weitem nicht ausreichen — nur durch Entziehung von Wasser von der Triesting, dem kalten Gang, der Fischa-Dagnitz etc. geschehen. Ernstliche Iveclamationen und selbst Schaden-Ansprüche seitens der Werkbesitzer würden, wie bereits in einem commissionellen Berichte **) hervorgehoben, die unausbleibliche Folge sein. Im Falle des Gelingens dieses Versuches würden also eben diejenigen Schwierigkeiten sicli erheben, welche man zu umgehen beabsichtigt, während bei einem ungünstigen Ergebniss die sehr bedeutenden Anlagekosten ganz und gar verloren sein würden. Auf so unsicherer Basis wird die Wasser-Versorgung der Stadt Wien nicht gegründet werden können. D o Glücklicherweise liegt keine Veranlassung vor, zu solchen verzweifelten Experimenten schreiten zu müssen. Es bietet sich nämlich ein anderer Ausweg dar, die der Verwendung der Fischa-Dagnitz-Quelle entgegenstehenden Hindernisse zu beseitigen und es zu ermöglichen, dass dies ausgezeichnete Quellwasser dennoch zur Versorgung der städtischen Bevölkerung nutzbar gemacht werde. *) Siehe die Denkschrift des Stadt-Bauamtes Seite (i. **) Das Wasser in und um Wien riieksiclitlich seiner Eignung zum Trinken etc. Nach dem Berichte der von dem h. Ministerium des Innern zum Belnife dieser Untersuchung eingesetzten Commission. — Wien 1860. Die Lösung der Wasserreclits - Frage. w ie bereits erwähnt, führt die Fischa - Dagnitz - Quelle ein vortreffliches, zur VortrefflicheBesehaf- Versorgung der Stadt vorzüglich geeignetes Wasser, welches an Reinheit und Güte ^ cn ^ eit ^scha- die sämmtlichen übrigen Gewässer in der Umgegend Wiens weit iibertriff't. Die von dem hiesigen Stadtbau-Amte verfasste Denkschrift erklärt in dieser Beziehung Seite 19: „Die Fischa-Dagnitz entspringt in einer Au bei Ilascheudorf unterhalb Ebenfurth und führt schon nahe der Quelle pr. Secunde an 30 Cubikfuss, somit per Tag 1 ’/, Millionen Eimer vom reinsten, k 1 a r s t e n W a s s e r von 7 bis 9 Grad R.” „Dieses Wasser zur Wasserversorgung für Wien zu benützen, wäre höchst lohnen d.” Aber fast unüberwindliche Schwierigkeiten stehen bis jetzt der Benutzung des- Unüberwindliche selben entgegen. Schwierigkeiten be- Nicllt weniger als 35 industrielle Werke werden durch die Fischa-Dagnitz auf zu ®jj lcl1 _^ enntznn & ö ° dieses Wassers. ihrem Laufe von Haschendorf bis Fischainent betrieben. Diesen Werken darf man das Wasser nicht ohne eine angemessene Entschädigung entziehen. Eine Verkümmerung des dortigen industriellen Betriebes würde überdies zur Entvölkerung und Verarmung der ganzen Gegend führen, und sogar die Approvisionirung Wiens beeinträchtigen. Endlich aber erfordert nach vorläufiger Berechnung die Expropriation des bestehenden Wasserrechtes eine ganz enorme Summe, welche — wenn auch nicht durchaus unerschwinglich — dennoch die Benutzung der Fischa-Dagnitz-Quelle weit kostspieliger als anderweitige Versorgungen erscheinen lässt. — Dass bestehende Rechte in keiner Weise ohne vollgültige Entschädigung ver- Erörterung der Ent- letzt werden dürfen, und dass die übrigen vorgenannten Umstände gleichfalls eine sorg- schadignngsfrage. faltige Berücksichtigung verdienen, versteht sich von selbst. 20 Beiläufiger Expro- priationsiverth dieses AVasserrechtes. Lösung der AVasser- rechts-Frage. Yerwerthmig des verwendbaren Pithen- Wassers. Erfüllung der Grundbedingungen für die Lösung der AVasser- rechtsfrage. Es wird jedocli zweckdienlich sein, die Schwierigkeiten, welche bisher eine Nutzbarmachung dieses Wassers für die Versorgung der Stadt geradezu unmöglich machten, etwas näher in's Auge zu fassen und zu prüfen, ob sich nicht trotzdem ein Mittel finden lasse, den betreffenden Werkbesitzern eine zufriedenstellende Entschädigung für das von ihnen abzutretende Quellwasser darzubieten. Der Geldeswerth dieses Wasserrechtes ist von sachkundiger Seite für einen Tlieil des Quellwassers, welcher etwa dem häuslichen Bedarfe der Stadt entspricht, also für 500.000 Eimer pr. Tag, auf beiläufig vier Millionen Gulden geschätzt. Selbst nach Zahlung dieses enormen Betrages bleiben die übrigen in volkswirtschaftlicher Beziehung erhobenen Bedenken noch ganz und gar unbeseitigt. An diesem Sachverhalt scheiterten bisher alle Bestrebungen, und in der That kann nur ein einziger Ausweg zum Ziele führen, nämlich der Versuch, den berechtigten Werkbesitzern für das abzutretende Quellwasser ein anderes annehmbares Aequivalent von gleichem Werthe darzubieten. Wenn es sich z. B. ermöglichen liesse. das zur Stadt zu leitende Quellwasser durch ein anderes Wasser in reichlicher Menge zu ersetzen, so würde der Betrieb aller jener Werke in keiner Weise beeinträchtigt. Die Entschädigungsfrage wäre in der einfachsten Weise zur allseitigen Befriedigung gelöst, und selbst die Erwerbs- und Produetions - Verhältnisse der Umgegend würden gänzlich unberührt bleiben. Forscht man nun Aveiter, ob irgend welche verfügbare Wassermenge in jenem Gebiete und zwar in nicht zu grosser Entfernung zu finden sei, so ergiebt sich aus den vorstehend dargelegten Verhältnissen, dass in der That der Pithen-Fluss unterhalb der Erlach er Spinnfabrik, also kurz vor seiner Einmündung in die Leitha, anstandslos ein bisher unbenützt gebliebenes Quantum von 2 1 / 2 Mill. Eimer Wasser täglich abzugeben im Staude ist. Man führe also dies Pitlien-Wasser in das Fischa - Dagnitz-Thal, und liefere damit den dortigen Werken weit mehr Wasser, alssiebisher von der Quelle bezogen: so ist eine B ena chthei 1 igung der Werkbesitzer vollständig vermieden. Das vortreffliche Wasser der Fischa - Dagnitz wird hiedurch frei verfügbar, und kann anstandslos zur Versorgung der Stadt ver- werthet werden. Bei näherer Erörterung dieses Vorschlages, welcher von der Grundbedingung ausgeht, dass die zahlreichen Werke an der Fischa - Dagnitz in ihrem Betriebe nicht gestört werden dürfen, erheben sich zunächst die Fragen: ob die Zuleitung des Pitlien-Flusses in das obere Ende des Fischa -Dagnitz- Thales überhaupt möglich und mit massigen Kosten ausführbar sei; 21 ob feiner diese Zuleitung auch einen genügenden Ersatz für das anderweitig zu verwendende Quellwasser darzubieten vermöge; und endlich ob damit eine vollgültige Lösung der Wasserrechts-Frage wirklich erreicht sei. Die Möglichkeit, das Wasser des Pithen-Flusses in das obere Ende des Fischa- Gefalle vom Pithen- O j Dagnitz-Thales zu leiten, lässt sich, selbst ohne Bezugnahme auf das zu diesem Zwecke Flusse _ zur Fischa- neuerdings ausgearbeitete Längen-Profil, durch officielle Daten leicht nachweisen. Dagmtz Quelle. Nach dem vom k. k. Wien-Neustädter Bezirks-Bauamte angefertigten Projecte liegt nämlich der Pithen-Fluss unterhalb der Erlaclier Spinnfabrik um mindestens 50 Fuss höher als das obere Ende des Neustädter Schiffahrts - Canals. Die Quelle der Fischa- Dagnitz hingegen entspringt, dem Nivellement des hiesigen Stadtbau - Amtes zufolge, etwa 100 Fuss unter jenem Niveau des Neustädter Canales. Es besteht also von dem Pithen-Flusse unterhalb der Erlacher Spinnfabrik bis zu dem Ursprünge der Fischa-Dagnitz auf etwa 11.000 Klftr. Länge ein Gefälle von mindestens 150 Fuss, was nicht nur die Zuleitung des Pithen-Wassers leicht ermöglicht, sondern überdies noch die Errichtung von 8 bis 10 neuen Werken gestattet , deren Ueberlassung an die Privat-Industrie einen nicht unbeträchtlichen Erlös in Aussicht stellt. Technische Schwierigkeiten stehen der Zuführung des Pithen- Flusses in das Fischa-Dagnitz-Thal ebenfalls nicht entgegen. Auch in dieser Beziehung liegen, ausser dem Special - Längenprofil auf der Richtung, welche der Uebersichtsplan Anlage Nr. II in blauer Linie andeutet, anderweitige allbekannte Belege zur Genüge vor. Das bereits in Detail ausgearbeitete Project zur Leitung des Pithen-Flusses bis an den Wien-Neustädter Canal liefert für die ersten 7000 Klft. — ferner die bestehende Ausführung eben dieses Canales, welcher sich nicht weit von der Fischa-Dagnitz vorüberzieht, für die letzten 4000 Klft. den vollständigen Beweis, dass die Zuführung des verfügbaren Wassers vom Pithen-Flusse in das obere Ende des Fischa-Dagnitz- Thales nicht nur ausführbar sei, sondern dass auch bei derselben keine nennenswerthen Terrainschwierigkeiten zu überwinden kommen. Ausführbarkeit der Pitlien-Zuleitung. Die Kosten dieser Zuleitung berechnen sich demgemäss wie folgt: Kosten der Pithen- Für den ersten Theil der Zuleitung auf 7000 Klft. Länge, incl. Grundeinlösung etc., nach dem detaillirten Voranschläge des k. k. Neustädter Bezirks-Bauamtes höchstens auf. Für die übrige .kürzere Strecke von etwa 4000 Klft., welche jedoch eine Kreuzung des Wien-Neustädter Canales und des Leitha-Flusses enthält, zur reichlichen Deckung aller Eventualitäten auf. Die Totalkosten der Zuleitung belaufen sich also auf höchstens 430.000 fl. Dies der Gesammtbetrag der Kosten, mittelst welcher die Stadt das Wass errecht der ganzen Fischa-D agnitz-Quell e vollständig abzu- Zuleitung. 120.000 fl. 310.000 „ Wegfall der Unterhaltungskosten. Nachweis bezüglich des genügenden Wasserquantums. Verfügbare Wasser- menge des Pithen- Flusses. Wassermenge der Fischa-Dagnitz- Quelle. Reichlicher Ersatz für das Quellwasser. 22 lösen im Stande sein wild, während bisher die Expropriation eines Dri tt- theiles jenes Wassers auf mindestens vier Millionen Gulden, also auf das Zehnfache der obgenannten Summe berechnet worden ist. Fortdauernde Unterhaltungskosten wird dieser Zuleitungs-Canal nicht erfordern. O O Die künftigen Besitzer der neuanzulegenden Werke haben die Instandhaltung desselben zu übernehmen, und die pünktliche Ausführung dieser Verpflichtung trifft ohnedies mit ihrem eigenen Interesse zusammen. Es kommt ferner die Frage zu erörtern, ob das zugeführte Pitben-Wasser auch wirklich den Werkbesitzern an der Fischa - Dagnitz einen genügenden Ersatz für das anderweitig zu verwendende Quellwasser darzubieten vermöge. Dabei muss zur Vermeidung von Missverständnissen vor Allem hervorgehoben werden, dass lediglich dasjenige Wasser, welches die Fischa-Dagnitz in der Nähe ihres Ursprunges führt, zur Versorgung der Stadt nutzbar gemacht werden soll. Die bei Weitem grösseren Zuflüsse, welche die Fischa-Dagnitz in ihrem weiteren Laufe aus zahlreichen kleinen Quellen aufnimmt, werden ihr jedoch nach wie vor ungestört verbleiben. Nach den Erhebungen des k. k. Wien-Neustädter Bezirks-Bauamtes*) führt der Pitlien-Fluss unterhalb der Erlacher Spinnfabrik schon bei gewöhnlichem Stande eine Wassermenge von 81 Cubikfuss pr. Secunde ab. Hiervon gebührt jedoch, den bestehenden liechten zufolge, zeitweilig ein Theil- betrag von 28 Cubikfuss pr. Secunde den Gemeinden von Katzelsdorf etc. zur Wiesenbewässerung, und auch das Project für diese Theilung liegt bereits bei dem vorgenannten k. lc. Bezirks - Bauamte vollständig ausgearbeitet vor. Es bleibt also in Uebereinstimmung mit officiellen Daten ein Quantum von 53 Cubikfuss pr. Secunde, über welches frei verfügt werden kann. Um keinenfalls fehl zu gehen, soll jedoch nur auf 40 bis 50 Cubikfuss pr. Secunde gerechnet werden, was einer Wassermenge von 2 bis 2’/ 2 Mill. Eimern täglich entspricht. Die Fischa-Dagnitz führt aber, der Denkschrift des Stadtbau-Amtes zufolge, in der Nähe der Quelle nur 30 Cubikfuss pr. Secunde oder 1 '/ 2 Millionen Eimer per Tag. Durch die Zuleitung des Pitlien-Flusses wird demnach den Werken an der Fischa-Dagnitz täglich ein Quantum von 2 bis 2 ‘/ 2 Millionen Eimer neu zugeführt werden, zum Ersätze für die anderweitig zu verwendenden 1’/ 2 Millionen Eimer Quell - wasser. Die Werke erlangen den wesentlichen Vortheil, dass sie künftighin beträchtlich mehr Wasser empfangen sollen, als ihnen bisher von der Quelle zu geführt worden ist. *) Alle diese Daten sind der Denkschrift des Stadt-Bauamtes, Seite 22, entnommen. 23 Dieser durch officielle Daten erwiesene Thatbestand giebt den nöthigcn Anhalt zur Beantwortung des dritten Punktes: ob nämlich durch Zuführung des Pithen-Flusses eine vollgültige Lösung der Wasserrechts-Frage erreicht werde, und ob die Stadt auf diese einfache Weise eine freie Verfügung über die vortreffliche Fischa-Dagnitz-Quelle sich erwerben könne. Da den Werken kein Wasser entzogen, sondern im Gegentheil das ihnen zugewiesene Quantum künftighin noch vermehrt werden soll, so entfällt im Vorhinein eine jede Benachtlieiligung oder Verkürzung, und damit ein jeder Grund zu Einwendungen und Entschädigungs-Ansprüchen. Ein grosser Theil der Werkbesitzer wird unzweifelhaft den ihnen durch Vermehrung des Betriebswassers gebotenen Vortbeil nur zu gut zu würdigen verstehen und ohne Weiteres mit den vorgeschlagenen Anlagen sich einverstanden erklären. Die Erfahrung lehrt jedoch, dass in allen denjenigen Fällen, woselbst mit vielen einzelnen Privaten zu verhandeln ist, eine Uebereinstimmung nicht leicht zu erzielen steht, und dass namentlich eine Aenderung von bestehenden Wasserrechts-Verhältnissen, selbst wenn es sich um offenkundige Verbesserungen handelt, nur mit grosser Schwierigkeit durchgeführt werden kann. Auch in dem vorliegenden Falle dürften desshalb einzelne Bedenken nicht ausbleiben. Um auch für diese Eventualität allen Parteien gerecht zu werden und um den wichtigen Zweck ohne vielen Zeitverlust zu erreichen, dürfte es am zweckmässigsten sein, die Anwendung des Expropriations-Gesetzes für die Wasserversorgungs-Anlagen zu erwirken, in gleicher Weise, wie dies bei Eisenbahnen und anderen öffentlichen Bauten üblich ist. Hält sich alsdann eine Partei, trotz der zugeführten reichlichen Wassennengen, durch die proponirte Einrichtung dennoch aus irgend welchem speciellen Grunde in ihrem Beeilte für verkürzt oder benachtheiligt, so wird der wirkliche Thatbestand in der gesetzlich vorgeschriebenen Weise erhoben, gewissenhaft geprüft und eine unparteiische Schätzung eingeleitet. Um grosse Beträge kann es sich dabei keinenfälls handeln, da der Hauptgrund einer etwaigen Beschwerde — die Verringerung des Betriebswassers — im Vorhinein vollständig beseitigt ist. > Der Ertragswerth der an der neuen Pithen - Zuleitung anzulegenden Werke wird vermuthlich zur Deckung der etwa auf diese Weise ermittelten Entschädigungen reichlich genügen, und in den weiter unten folgenden Kostenberechnungen ist überdies für diverse und unvorhergesehene Ausgaben vorsichtshalber ein für alle Fälle ausreichender Betrag ausgeworfen worden. — Auf diesem Wege kann die Wasserrechts-Frage, welche bisher der Nutzbarmachung der Fischa-Dagnitz-Quelle für städtische Zwecke hindernd entgegenstand, i n einfacher, keinerlei Interessen verletzender "NV eise und mit einem Vollgültige Lösung der Wasserrechts- Frage. Behebung etwaiger Anstände. Billigkeit einer unpartlieiis dien Schätzung. Vortheile der Stadt Wien durch die ermöglichte Erwerbung der Eischa - Dagnitz- Quelle. 24 nur geringen Kostenaufwande allseitig zufriedenstellend gelöset w erde n. Der Stadt Wien eröffnet sich hiedurch die Möglichkeit, mit dem zehnten Theil der bisher berechneten Kosten in den vollständigen Besitz des Fischa-Dagnitz-Wassers zu gelangen, und damit der städtischen Bevölkerung alle Wohlthaten einer reichlichen und wohlfeilen Versorgung mit dem besten Quellwasser sichern zu können —■ ein Vortheil, welchen andere, von der Natur weniger begünstigte Städte mit den grössten Opfern nicht zu erkaufen im Stande sind. V. Grandzüge der künftigen Wasser-Versorgung. Bevor zur Entwickelung der Grundzüge für die künftige Wasser-Versorgung Bezugnahme auf die geschritten wird, dürfte es zweckdienlich sein zu prüfen, in wie fern die nunmehr ver- fruher gestellten Yd-- ° . . . .. . becluigimgen. fiigbar gemachte Fischa-Dagnitz-Quelle im Stande sein wird, den sammtlichen m der I. Abtheilung gestellten Vorbedingungen zu genügen. Der Wasserbedarf Wien’s für häusliche und industrielle Zwecke, für die Be- Vergleich der verfug- spülung von Strassen und Canälen, für die Versorgung von Bädern, Markthallen, öffentlichen Anlagen, Springbrunnen etc., berechnet sich, wie bereits oben erwähnt, in Stadt. Uebereinstinimung mit anderweitigen Erfahrungen, auf täglich 1 Million Eimer. Die Fisclia-Dagnitz liefert aber, nach den vorstehend angezogenen officiellen Daten, schon in der Nähe der Quelle ein Quantum von I '/ 2 Million Eimer per Tag. Wenn vorsichtshalber auch nur auf eine nutzbare Leistung von täglich 1 '/r Million Eimer gerechnet wird, so ist damit allen Erfordernissen reichlich Genüge geleistet. Es kann die ganze Versorgung der Stadt von diesem einen Punkte aus vollständig gedeckt, es kann sogar noch dem Gesuche einiger Ortschaften ausserhalb der Linien entsprochen, und ein gutes Wasser nach Bedarf unter angemessenen Bedingungen abgegeben werden. Die vortrefflichen Eigenschaften der Fischa-Dagnitz-Quelle, die Unabhängig- Beschaffenheit des keit derselben von den äusseren Witterungs-Einflüssen, der zu allen Zeiten gleichmässige ^ ei ß US ° fuluten Zufluss, die Frische und Reinheit des Wassers, sowie die angenehme, stets gleiche Temperatur, sind bereits an anderer Stelle gebührend anerkannt. Zur Bekräftigung dessen wird an alle Jene, welche sich für die Wasser-Versorgung Wien’s interessiren — und deren giebt es wohl recht viele — das Ersuchen 4 26 Hölienverliältniss behufs der Zuleitung zur Stadt. Verlust durch die Reibung in langen Rohren lcitungen. Möglichkeit einer weiteren Hebung dos Quollwassers. Anlage eines ge- mauertenAquäductes. Längen- und Gefälls- Verhiiltnisse einiger Aiiuäducte. gestellt, diese prachtvolle Quelle selbst anzusehen, das Wasser zu kosten, und so durch eigene Anschauung von den entschiedenen Vorzügen desselben vor den sännntliohen übrigen Gewässern sich zu überzeugen. Bei Ermittelung der zweckmässigsten Einrichtungen zur Leitung dieses Wasserschatzes bis in das Innere der Stadt kommt zunächst das Hölienverliältniss der zu versorgenden Distrikte im Vergleich zu demjenigen der Quelle in Betracht. Die Quelle liegt etwa 5 Meilen von den Linien der Stadt entfernt, und hat, den vorgenommenen Nivellements zufolge, noch in der Nähe ihres Ursprunges eine Höhe von etwa 232 Fuss über dem Nullpunkt am Pegel der Ferdinandsbrücke. Wollte man in dieser grossen Entfernung einige Köhrenstränge von üblicher Weite legen, so würde dies nicht nur sehr beträchtliche Kosten erfordern, sondern noch einen anderen, viel bedenklicheren Uebelstand herbeiführen. In Folge der starken Keibung des Wassers an den inneren Wänden der Röhren würde nämlich ein Gefälle von 32 Fuss zur Erzielung der erforderlichen Geschwindigkeit nicht ausreichend sein. Das Wasser würde nicht in der vorgeschriebenen Höhe von 200 Fuss über Null Lei der Stadt anlangen, also nicht den nöthigen Druck besitzen, um auch in den höchstgelegenen Bezirken die oberen Stockwerke entsprechend versorgen zu können. Im äussersten Falle wäre es allerdings möglich, das Wasser an der Quelle noch um mehrere Fuss zu helfen, und zu diesem Zwecke vielleicht die verfügbar werdende Kraft einiger an der Pithen-Zuleitung neu anzulegender Werke nutzbar zu machen. Anstatt dieser complicirten und kostspieligen Einrichtung empfiehlt sich jedoch ein anderes, viel einfacheres Mittel zur Ersparung von Gefälle, nämlich die Zuleitung des Wassers durch einen gemauerten , nur zumTheil angefüllten Canal oder mit anderen Worten: die Herstellung eines Aquäductes. Dies ist in der That diejenige Construction , welche überall zu frühester wie in neuester Zeit, zum Zwecke der Zuführung bedeutender Wassermengen aus ähnlichen Entfernungen mit dem besten Erfolge angewendet worden ist, und mittelst welcher eine viel grössere nutzbare Druckhöhe auch für die Versorgung der Stadt Wien erzielt werden kann. Die nachstehende kleine Tabelle zeigt die Längen- und Gefälls - Verhältnisse, sowie die Erbauungszeit einiger derartiger Werke: 27 Erbauet iin Jahre Zur Versorgung von Länge in Meilen Normal-Gefälle pr. Meile circa Neigungs- Verhältniss circa 1694 Rom 6'/ 2 48 Fuss 1 : 500 1624 Paris 1% 10 „ 1 : 2400 1753 Montpellier 2 6.9 „ 1 : 3460 1755 Caserta 5'/ 2 5 1 : 4800 1808 Paris 7 S horizontal horizontal 18^ Marseille f /J /•* /,• 3333 1845 New-York 87» 5.0 Fuss 1 : 4762 1855 Bordeaux 17, 1.5 „ 1 : 16670 1859 Glasgow 97* 4.5 „ 1 : 5280 so eben genehmigt Paris 18 2.4 „ 1 : 10000 Name des Aquäducts Aqua Paola (restanrirt) .. Aqueduc (VArcueil . Aqueduc St. Clement . Aqua Taburna . Aqueduc de Ceinture . *) cL& £<& tiaii-ces Cronton-Aq ueduct . Aqueduc du Taillan . Aqueduct Loch Cateran. . . Aqueduc de /’Hais . Der Fischa-Dagnitz-Aquäduct wird belmt's zweckmässiger Anschmiegung an Längen und Gefälle die bestehenden Terrain-Verhältnisse eine Gesannnthinge von 22.531 Klaftern oder des Fischa-Dagmtz- . , r -i Aqnäductes. 5 5 /g Meilen erhalten, und ein Normal-Gefälle von 1 : 4800 oder o Jbuss pr. Meile. Keservirt man überdies einige Fuss Gefälle in der Nähe der Quelle und einen kleinen Gefälls-Verlust bei der Kreuzung einzelner Wasserläufe, so ergiebt sich, dass das Wasser bei dem Reservoir vor der Stadt in einer nutzbaren Höhe von 200 Fuss über dem Nullpunkt des Pegels an der Ferdinandsbrücke anlangen wird, also in Ge- mässheit der vorliegenden Daten und der Denkschrift des Stadt-Bauamtes hoch genug, um alleTheile der Stadt vollständig durch den natü rlichen Dru ck und ohne Anwendung von künstlichen Hebewerken versorgen zu können. Die Zuleitung mittelst eines Aquäducts erspart nicht nur eine beträchtliche Vorzüge einer Druckhöhe, sondern gewährt überdies den wesentlichen Vortheil, dass dem Wasser Aquadnct-Leitung-. seine natürliche Frische viel vollständiger erhalten bleibt, während Wasser, das in geschlossenen Röhren aus weiter Entfernung zugeführt wird, auf dem Wege immer einen Theil seines Gehaltes an Kohlensäure verliert, daher am Orte der Bestimmung fade und weniger angenehm schmeckt und ein minder gutes Getränk abgiebt. Eine ausführliche Beschreibung des Aqnäductes, welcher in Zukunft das Wasser Kurze Beschreibung der Fiseha-Dagnitz zur Stadt führen soll, würde den Zweck dieser Zeilen überschreiten. ttes h ischa - Dagnitz- Aqnäductes. Die Dimensionen desselben sind auf eine Leistungsfähigkeit von 1,500.000 Eimern pr. Tag, also für das ganze Wasserquantum in der Näheider Quelle berechnet. Die vollständigen Details dieser Rechnung finden sich in der Anlage Nr. I. beigefügt. Es wird jedoch — um auch in dieser Beziehung dem bisher befolgten Principe getreu zu bleiben, und eher zu wenig als zu viel zu versprechen — das von Quelle *) Es ist leider nicht gelungen, innerhalb der kurzen vorgeschriebenen Frist alle Daten über den Aquäduct von Marseille vollständig heranzuschaffen. 28 und Aquäduct unter allen Umständen wirklich gelieferte Wasserquantum von jetzt an vorsichtshalber nur täglich 1 % Millionen Eimer genannt werden. Der Aquäduct, dessen Dichtung die rothe Linie auf dem Uebersichtsplane Anlage Nr. II ersichtlich macht, und dessen Construction die in Anlage Nr. III dargestellten Normal-Profile erläutern, wird im Allgemeinen aus einem gemauerten Canale bestehen, im Inneren 6 Fuss 3 Zoll hoch und 5 Fuss 3 Zoll weit, mit einem benetzten Querschnitt von 20 Quadratfuss. Derselbe wird, wo er nicht im Terrain versenkt ist, mit Erde bedeckt sein, um den Zutritt des Lichtes sowohl als den nachtheiligen Einfluss des Temperaturwechsels abzuhalten, und um dem Wasser seine kostbarsten Eigenschaften — die Frische und Reinheit — unverkürzt zu bewahren. Dass die Länge dieses Aquäductes durchaus keine ausserordentliche sei, sondern dass andere Städte aus viel weiterer Entfernung ihre Wasser-Versorgung zuführen, geht aus einem Blick auf die vorstehende kleine Tabelle zur Genüge hervor. Vergleich der erfor- Ein anderer Vortheil des vorgeschlagenen Aquäductes, im Vergleiche zu ähn- dcrlichcn liauwerke 1 ichen im Auslände erbauten Werken ist der, dass in der ganzen Länge desselben kein mit anderen ähnlichen . . ,. , , , ... r > , , . , , _ . .. einziges so grossartiges uncl kostspieliges Bauwerk Vorkommen wird, wie inan solche Constructionen. e> » o i o ’ bei den zur Römerzeit angelegten Aquäducten findet, und wie sie — trotz der so hoch gesteigerten Leistung der Dampfmaschinen — noch heutigen Tages anderorts mit grossen Kosten errichtet werden, mn nur den Bevölkerungen grosser Städte die Wohlthat einer reichlichen Zuleitung von gutem Wasser zuwenden zu können. Orossartige im Aus- Zahlreiche zur Zeit der Römerberrschaft ausgeführte Aquäducte bei Rom, Metz, l.uide eib.uiete Aqua- jon , Nimes, Lissabon, Constantinopel etc. *) erregen noch heutigen Tages gerechte Bewunderung, und die in den letzten 25 Jahren zur Versorgung von Marseille, New- York und Glasgow vollendeten grossartigen Aquäduct-Bauten stellen sich jenen Werken würdig zur Seite. m ir/P Der im Jahre 183'. vollendete Aquäduct von Marseille ist mittelst v Tunnels auf eine Gesannntlänge von SßU Klftrn. durch hartes Gestein getrieben, und an andern Punkten auf hohen Bogenstellungen über Thal-Einsattelungen geführt. Die Uebersetzung des Arc-Thales bei Roquefavour in einer Höhe von 256 Fuss kostete allein nicht weniger als 2,800.000 Gulden. Wenn wir nicht sein- irren, war auch Vindobona — das alte Wien — zu jener Zeit durch einen Aquäduct mit Wasser versorgt. Spuren desselben linden sich noch heutigen Tages in der Umgegend von Liesing, Atzgersdorf, Mauer etc. Dieser Aquäduct war etwa 10 Zoll im Innern weit, 28 Zoll hoch, und enthielt, den Inkrustationen an den Seitenwänden zufolge, eine Wasserhöhe von mindestens 7 Zoll. Die Sohle des Aquäductes liegt gegen Atzgersdorf zu, 2-11 Fuss über dem Nullpunkt- des Pegels an der Ferdinandsbrüeke. Das Gefälle beträgt nahezu 7 Fuss auf eine Länge von etwa 240 Klafter. Interessant ist die Thatsaclie, dass die alten Kölner, welche selbst in ihren Colonien der Gesundheitspflege eine ganz besondere Sorgfalt zuwendeten, schon damals das Wasser der Donau als nicht tauglich tiir den häuslichen Gebrauch anerkannten, und aus grosser Entfernung gutes Quellwasser heranleitoton. * 29 > r I)er Aqnäduct von New-York, ebenfalls vor etwa 20 Jahren vollendet, führt durch 15 Tunnels von zusammen 1088 Klft. Länge, und über Tliäler bis 114 Fuss Tiefe. Die Ueberschreitung eines einzigen dieser Tliäler (tlarlem river bridge) erforderte einen Kostenaufwand von 1,750.000 Gulden. Der für die Versorgung von Wien zu erbauende Fischa-Dagnitz-Aqnäduct schien anfangs ohne derartige kostspielige Bauwerke ebenfalls ganz unausführbar zu sein. Ein sorgfältiges und mühsames Studium des Terrains und die genaue Durchforschung verschiedener Richtungen hat jedoch herausgestellt, dass bei angemessener Benutzung der gegebenen Verhältnisse die zweckmässige Erbauung des Fischa-Dagnitz- Aquäductes in seiner ganzen Länge ohne aussergewöhnlich schwierige Arbeiten sich ermöglichen lässt, und dass auf der schliesslich gewählten und in Detail bearbeiteten Trace keine besonders kostspieligen und grossartigen Constructionen erforderlich sind. Wenn in Folge dessen dem Werke freilich der äussere Anschein eines impo- nirenden Baues abgeht, so wird es sich hingegen durch Solidität sowie durch vollständige Erfüllung des angestrebten Zweckes auszeichnen, und mit einem nur massigen Kosten-Aufwande auszuführen sein. Die Kosten eines solchen Aquäductes hängen wesentlich von dem Querschnitte desselben, also von der Menge des zuzuleitenden Wassers, und ferner von den auf der Trace zu überwindenden Terrainschwierigkeiten ab. Es wird vielleicht nicht ohne Interesse sein, auch in dieser Beziehung von den in neuerer Zeit anderwärts gemachten Erfahrungen Kenntniss zn nehmen. Es kostete nämlich: Wassermenge Kosten in Gesannnt- Der Aqnäduct zur Versorgung von in Eimern Gulden Ü. tV. kosten in täglich pr. Meile Gulden Ö. W. New-York. 2,569.000 2,214.000 19,000.000 Rom. 3,187.000 Unbekannt *) Unbekannt Marseille. &,[ o? Versorgung. den industriellen Gewerben jede beliebige Quantitäten zu Gebote gestellt, die Strassen häufig besprengt, die Unraths-Canäle wirksam reingespült, die Auslaufsbrunnen, Wechsel, Bäder, Markthallen und Park-Anlagen ununterbrochen unter entsprechendem Drucke gespeiset werden können, durch welche endlich die Gelegenheit sich darbietet, eine Anzahl monumentaler Springbrunnen mit kräftigen Wasserstrahlen auszustatten, und damit, ohne Vermehrung der fortlaufenden Betriebskosten, der Residenz eine Zierde zu gewähren, deren sie bisher gänzlich entbehren musste. *) In Bezug auf systematische Anlage und erfolgreich durchgefiihrte Reinspiilung verdienen namentlich die seit dem Jahre 1843 in Hamburg erbaueten Unraths-Canäle — dort Siele genannt — als Muster ganz besonders hervorgehobeu zu werden. VI. Anlagekosten der vorgeschlagenen Wasser-Versorgung. Anlagekosten der Aber wird man nicht diese Yortheile mit allzu grossen Opfern erkaufen müssen? vorgesehlagenen ^j rd man n i c ht, um der Aufwendung von vielleicht unerschwinglichen Summen zu Wasser-Versorgung. . . . . . . . entgehen, dennoch gezwungen sein, sich künftighin nothgedrungen mit weniger reichen O? 007 Ö OÖ O Mengen und mit einem minder guten Wasser zu begnügen ? Vergleichung der Damit auch in dieser Beziehung der vorstehend entwickelte Vorschlag einer Kosten der ver- gründlichen Prüfung unterzogen werden könne, dürfte es am zweckmässigsten sein, schiedenen "Wasser- ö o o ? o ? versorgungs-Projecte. für die verschiedenen bisher bekannt gewordenen und ernsthaft in Betracht kommenden Projecte zur Versorgung der Stadt die gesammten Anlagskosten, so wie die Betriebs- Ausgaben möglichst genau zu ermitteln, und die Resultate dieser Ermittlungen mit einander zu vergleichen. Grundsätze für diese Diese vergleichenden Berechnungen sollen sämmtlich nach den folgenden Grund- Vergleichung. gätzen durchgefahrt werden: 1. Da es sich darum handelt zu erforschen, was bei dem jetzigen Sachverhalt bezüglich der Wasser-Versorgung Wien’s in pekuniärer Beziehung am vortheilhaftesten sei, so bleiben die bereits gemachten Capital - Aufwendungen für die Kaiser Ferdinands-Wasserleitung, für Röhren u. dgh, als bereits geschehen, vollständig ausser Rechnung. Die gegenwärtigen Anlagen werden als bestehend und eventuell benutzbar angenommen. 2. Bei denjenigen Anlagen, welche dauernde Maschinenkraft zur Hebung des Wassers erfordern, die also bedeutende fortlaufende Ausgaben herbeiführen, sind die Betriebskosten capitalisirt zu dem Anlage-Capital zuzuschlagen. Nur hiedurch wird ein auf richtiger Basis beruhender Vergleich ermöglicht. 3. Die gewöhnlichen laufenden Unterhaltungskosten, als Instandhaltung der Röhrenleitungen, Regie, Erneuerungsfond für Dampfmaschinen und Pumpwerke etc., werden dagegen, als sich ungefähr compensirend, allseitig ausser Rechnung gelassen. 37 4. Als Leistungsfähigkeit eines jeden Werkes gilt grundsätzlich der festgestellte Minimal-Bedarf von 1,000.000 Eimer per Tag. Der Vorzug des Fischa-Dagnitz-Aquäductes, 1 '/ 4 Million Eimer — also ein Plus von 250.000 Eimer täglich — zu liefern, wird zur Erlangung einer gleichmässigen Basis vorläufig ausser Acht gelassen, und der ganze Kostenbetrag diese r Anlage auf das Normal-Quantum von 1,000.000 Eimer per Tag vertheilt. 5. Ist von Fall zu Fall nachzuweisen, woher der gesammte Bedarf der Stadt gedeckt wird, welche Anlage- und Betriebskosten zu bestreiten kommen, wie hoch der Preis*) per Eimer sich herausstellt, und welche Qualität von Wasser dafür geliefert wird. Bezüglich der meisten Projecte sind die Voranschläge der erforderlichen Bau- Nachweis für die und Betriebs-Ausgaben theils durch die Denkschrift des Stadtbau-Amtes, theils durch fol 8' cn ‘ lorl Zalllen " andere vertrauenswürdige Quellen bekannt geworden. Für die Anlagen zur Versorgung durch den Fischa-Dagnitz-Aquäduct liegen spezielle Kostenberechnungen vor, welche auf Grundlage von umfassenden und detail- lirten Vorarbeiten angefertigt sind. Zur Erleichterung der Controlle findet sich für jede Zahlen-Angabe, so weit erforderlich, der Beleg in einer besonderen Anmerkung nachgewiesen. Die bisher ernsthaft in Anregung gebrachten Projecte sind dem entsprechend Anwendung- dersel- nachstehend berechnet. Sollte man in der Folge noch andere Projecte mit dem oben ben Grundsätze auf andere J. rojecte. entwickelten Vorschläge vergleichen wollen, so wird es zur Erzielung einer gleichmässigen Basis unbedingt erforderlich sein, ebenfalls von denselben Grundbedingungen auszugehen, nämlich: Leistungsfähigkeit von mindestens 1,000.000 Eimer per Tag, Berechnung der Kosten für die gesammte Anlage, einschliesslich der Expropriationen, Entschädigungen, Reservoirs, hinreichend weiter Röhrenleitungen durch alle Strassen der Stadt etc., Capitalisirung der jährlichen Betriebs-Ausgaben, und endlich Vergleichung der Qualität des zu liefernden Wassers. *) Unter der Bezeichnung Preis des Wassers pr. Eimer wird hier wie in den nachfolgenden Zeilen immer diejenige Summe verstanden, welche an Capitals-Auslage und capitalisirtcn Betriebskosten einmal aufgewendet werden muss, um täglich einen Eimer Wasser dauernd zu -beziehen. Dieser Preis, welcher einmal aufgewendet werden muss, um sich den dauernden Bezug eines Eimers Wasser für jeden Tag zu sichern, ist wohl zu unterscheiden von den Kosten des einzelnen Eimers Wasser. Um letzteren zu ermitteln, hat man von dem einmal aufzuwendenden Preise den 365ten Theil der Zinsen zu berechnen. Der Preis des von der Kaiser Ferdinands-Wasserleitung gelieferten Wassers beträgt z. B. gegenwärtig 23 fl. für jeden täglich gelieferten Eimer. 23 fl. Der einzelne Eimer Wasser kostet davon —— ‘ = 0.315 kr. 3oo X -O B8 Beibehaltung der jetzigen Anlagen und Errichtung eines neuen Schöpfwerkes an der Donau. Post-Nummer Leistung per Tag in Eimern Bezugs-Orte der Wasser-Versorgung Aufzuwendende Kosten fl. Ö. W. i. 25.000 liefern die jetzigen Quellwasser-Leitungen. Bereits bestehend 2. 125.000 liefert die Kaiser Ferdinands-Wasserleitung durch die gegenwärtigen Anlagen. Bereits bestehend 3. • Die Betriebskosten derselben, bisher jährlich 50 kr. ö. W. per Eimer betragend , ermässigen sich durch die ökonomisch arbeitende neue Maschine auf 40 kr. jährlich oder capitalisirt auf 8 fl. ö. W.*) für jeden täglich gelieferten Eimer, also für die jetzige Leistung. 1,000.000 4. 75.000 Beantragte Vergrösserung der Ferdinands-Leitung bis zu der Leistungsfälligkeit von 200.000 Eimer erfordert ein Anlage-Capital**) von. 540.000 5. — Vermehrung der Betriebskosten für diesen Zuwachs der Lieferung capitalisirt mit 8 fl. pr. Eimer. 600.000 6. 775.000 Die weiter erforderliche Wassermenge, aus einer neuen Anlage durch Saug-Canäle der grossen Donau entnommen, mittelst Maschinenkraft gehoben und durch ein vervollständigtes Köhrennetz in der Stadt vertheilt erfordert ein Anlage - Capital von 9 bis 10 Millionen Gulden ***), also. 9,500.000 7. — Der Betrieb dieses neuen Werkes, 40 kr ö. W. pr. Eimer jährlich, capitalisirt mit 8 fl. per Eimer.fl. 6,200.000 Total 1,000.000 Eimer per Tag erfordern eine Aufwendung von. 17 , 840.000 also : Wirkliche Kosten für jeden täglich gelieferten Eimer II. 17 . 84 . Qualität: Donau- Wasser, zeitweilig trübe, theil weise stark verunreinigt, zum Trinken nicht geeignet. *) Vortrag des Stadtbauamts-Ingenieurs Herrn C. Gabriel am 28. December ISO]. **) Denkschrift des Stadtbau-Amtes vom Juli 1861, Seite 13. ***) Vortrag des Stadtbauamts-Ingenieurs Herrn C. Gabriel am 28. December 1861. Beibehaltung der jetzigen Anlagen, Leitung vom Wien-Neustädter Canale und Errichtung eines neuen Schöpfwerkes an der Donau. U <£> g Leistung Aufzuwendende s CO O Ph per Tag in Bezugs-Orte der Wasser-Versorgung Kosten Eimern fl. Ö. AV. i. 25.000 aus den jetzigen Quellwasser-Leitungen. Bereits bestellend 2. 125.000 aus den gegenwärtigen Werken der Kaiser Ferdinands- Wasserleitung. Bereits bestellend 3. — Laufende Betriebskosten derselben capitalisirt mit 8 fl. w'ie ad I.. 1,000 000 4. 75.000 Beantragte Vergrösserung der Ferdinands - Wasserleitung wüe ad I, Anlage-Capital. 540 000 5. — Laufende Betriebskosten dieser Erweiterung, capitalisirt wie ad I. 600 000 6. Zuführung des Pithenflusses in den Wien-Neustädter Canal, Ableitung von 500.000 Eimern ans dem Canale bei Simmering, und Herstellung eines gesonderten Böhrennetzes für das Canalw'asser durch die Stadt, laut Special-Anschlag"). 1,728.000 7. 275.000 Anlage eines neuen Werkes an der grossen Donau mit Saug-Canälen, Dampfmaschinen zur Hebung desWassers, nebst Vervollständigung des zweiten Köhrennetzes durch die ganze Stadt für die Donauwasser-Leitung, Anlagekosten *) **). 3,600 000 8. — Laufender Betrieb dieses Werkes, capitalisirt mit 8 fl. für jeden täglich gelieferten Eimer***).fl. 2,200.000 Total 1,000.000 Eimer per Tag erfordern eine Aufwendung von. 9 , 1568.000 also: Wirkliche Kosten für jeden täglich gelieferten Eimer fl.9.67. Qualität: Don au-Wasser, zeit av eilig trübe, t heil weise stark verunreinigt, zum Trinken nicht geeignet. *) Denkschrift des Stadtbau-Amtes, Juli 1861, Seite 61. **) Vortrag des Stadtbauamts-Ingenieurs Herrn C. Gabriel am 28. December 1861. ***) Vortrag des Stadtbauamts-Ingenieurs Herrn C. Gabriel am 28. December 1861. 40 III. Beibehaltung der jetzigen Anlagen, Leitung von dem Wien-Neustädter Canale und tlieilweiser Wasserbezug von der Fisclia-Dagnitz. E s s -+-s tc O p* Leistung per Tag in Eimern Bezugs-Orte der Wasser-Versorgung Aufzuwendende Kosten fl. Ö. W. 1. 25.000 aus den jetzigen Quell-Leitungen. Bereits bestehend 2. 125.000 aus den gegenwärtigen Werken der Kaiser Ferdinands- Leitung. Bereits bestehend 3. — Laufende Betriebskosten derselben, wie ad I und II capi- talisirt . 1,000.000 4. 75.000 Beantragte Vergrösserung der Ferdinands-Leitung bis auf 200.000 Eimer per Tag erfordert wie ad I und II ein Anlage-Capital von... 540.000 5. — Vermehrung der Betriebskosten für dieselbe capitalisirt, gleich ad I und II... 600.000 6. Zuführung des Pithen-Flusses in den Wien-Neustädter- Canal, Ableitung von 500 000 Eimer Wasser aus dem Canal bei Simmering nebst einer gesonderten Röhrenleitung für das Canalwasser, kostet gleich ad II. 1,728.000 7. 275.000 Eimer täglich der Fischa-Dagnitz entnommen, zur Stadt geführt und durch ein separates Reinwasser-Köhrennetz vertheilt, kostet zum allermindesten*). 3,600.000 8. — Entschädigungsbetrag an 35 Werke, denen ein Theil ihres Betriebswassers entzogen wird, nach einem sehr mässigen Voranschläge**).fl. 2,200.000 Total 1,000.000 Eimer per Tag erfordern eine Aufwendung von. Ö,ß68.000 also: Wirkliche Kosten für jeden täglich gelieferten Eimer 11 . 9 . 67 . Qualität: Für die Hälfte der Stadt herrliches Trinkwasser, für die andere Hälfte der Stadt ein zu Zeiten trübes, stark verunreinigtes Donaucanal-Wasser, zum Trinken nicht geeignet. *) Vortrag des Stadtbauamts-Ingenieurs Herrn C. Gabriel am 28. Decembcr 1861. Vortrag des Stadtbauamts-Ingenieurs Herrn C. Gabriel am 28. December 1861. 41 IV. Vollständige Versorgung der ganzen Stadt durch den Fischa-Dagnitz- Aquäduct und Zuleitung des Pithen-Flusses in das Fisclia - Dagnitz - Thal. s g izi Ifl o Ch Leistung per Tag in Eimern Bezugs-Orte der Wasser-Versorgung Aufzuwendende Kosten fl. Ö. W. 1. _ Lösung derWasserrechts-Frage durch Zuleitung desPithen- Flusses in das Fischa-Dagnitz-Thal auf eine Länge von etwa 11.000 Klaftern, kostet laut Seite 21. 430.000 2. 1,250.000 Erbauung eines Aquäductes von der Fisclia-Dagnitz-Quelle bis in die Nähe der Stadt, circa 5 5 / 8 Meilen lang, auf eine Leistungsfähigkeit von 1,500.000 Eimern berechnet, aus einem gemauerten überwölbten und mit Erde be- deckten Canale bestehend, wird laut Seite 30 kosten... 4,435.000 3. — Grundeinlösung und Entschädigungen für den Aquäduct, laut Seite 30. 337.000 4. — Erbauung des Vertheilungs-Keservoirs, 100.000E. fassend, einschliesslich des Abzugs-Canales zur Wien, jedoch aus- schliesslich der Eisenbestandtheile. 320.000 5. — Herstellung eines einzigen vollständigen Röhrennetzes für die Versorgung der ganzen Stadt, mit Benutzung der vorhandenen Leitungen. 2,250.000 6. — für ein kleines Sammel-Keservoir nebst Grundeinlösung bei ! der Quelle, für unvorhergesehene Ausgaben, vorsichts- halber. 500.000 Total 1,250.000 j Eimer per Tag erfordern eine Aufwendung von.fl. 8 , 272.500 Damit jedoch allen vergleichenden Berechnungen die nämliche Basis zu Grunde gelegt sei, so werden diese gesammten Anlagekosten auf die norrnalmässigen 1,000.000 Eimer vertheilt. Es ergiebt sich sodann als: Wirkliche Kosten für jeden täglich gelieferten Eimer fl. 8.27. Die Mehrleistung des Aquäductes von 250.000 Eimern per Tag bleibt überdies ganz kostenfrei zu anderweitiger Verwerthung verfügbar. Qualität: Durch die ganze Stadt das vortrefflichste und reinste Q u e 11 w a s s e r. 6 42 Ergebnisse dieser Vergleicliungen. Vergleich der Kosten, Garantie gegen Ueberschreitung der Voranschläge. Es ergiebt sich aus diesen Vergleichungen das nachstehende Resultat: a) Bezüglich der Kosten. Das I. Project, die Beibehaltung und Erweiterung der Ferdinands-Wasserleitung, ferner die Errichtung eines neuen Schöpfwerkes an der grossen Donau, erfordert für jeden täglich gelieferten Eimer eine Total-Aufwendung von . . . . fl. 17.84 Bei Ausführung des II. Projectes, Beibehaltung und Erweiterung der jetzigen Anlagen, Zuleitung von Wasser aus dem Wien-Neustädter Canale und Errichtung eines 0 7 0 O Schöpfwerkes an der Donau wird jeder täglich gelieferte Eimer durchschnittlich . fl. 0.67 kosten. Nach dem III. Projecte, Beibehaltung und Ausdehnung der jetzigen Werke, Zuleitung von Wasser aus dem Wien-Neustädter Canale und theilweise Zuführung der Fischa-Dagnitz nebst partieller Expropriation der dortigen Werke, belaufen sich die Kosten des Wassers für jeden täglich gelieferten Eimer durchschnittlich auf . . fl. 0.67 Nach dem IV., und zwar dem hier vorgeschlagenen Projecte, Auflassung der bestehenden Schöpfwerke, ausschliessliche Versorgung der Stadt durch den Fischa- Dagnitz-Aquäduct und Lösung der Wasserrechtsfrage mittelst Zuleitung des Pithen- flusses, betragen die gesammten Kosten per Eimer nur.fl. 8.27 Der Fischa-Dagnitz-Aquäduct weiset also im Vergleiche zu den übrigen Projecten eine Ersparung von 54 resp. 15 per Cent, oder etwa fl. 1.40 per Eimer nach. Durch Ausführung desselben werden bei der künftigen Wasserversorgung Wien’s etwa 1 \ 2 Millionen Gulden erspart, trotz des gänzlichen Verzichtes auf die Benutzung der bereits bestehenden Schöpfwerke. b) Bezüglich der Garantie gegen Ueberschreitung der Kostenanschläge. Für die ersteren Projecte sind die Kostenberechnungen keineswegs vollständig zusammengefasst. Es ist z. B. die Bausumme für die successive Verlängerung der Sauge - Canäle, so wie für den Unraths - Canal bis nach Nussdorf, welcher aus Sanitäts-Rücksichten jedenfalls hergestellt werden müsste, wenn die Versorgung durch die bestehenden Anlagen vor der Nussdorfer Linie beibehalten bliebe — ferner die Zufuhr des zu öffentlichen Zwecken zu verwendenden Wassers in die mittleren und hohen Districte, ganz ausser Acht gelassen. Ueberdies fehlt jede Gewähr gegen eine Ueberschreitung der Voranschläge, und selbst für die jedenfalls eintretenden unvorhergesehenen Ausgaben findet sich nichts ausgesetzt. Bei der künftigen Versorgung durch den Fischa-Dagnitz-Aquäduet treibt der natürliche Druck das Wasser gleiclimässig über alle Theile der Stadt; die Zufuhr des Nutzw r assers für ganze Stadttheile wird also erspart. Der Voranschlag umfasst die sämmtlichen erforderlichen Anlagen, und enthält überdies einen reichlichen Posten für ausserordentliche Ausgaben. Die so häufig vorkonimende Irreleitung durch unrichtige Kostenanschläge, welche sich hinterdrein bei Ausführung des Baues als unzureichend heraussteilen, ist strenge und mit der grössten Sorgfalt vermieden. Es wird endlich eine specielle Garantie gegen etwaige Ueberschreitung der Kostenberechnungen offerirt. 43 c) Bezüglich der Qualität des für häusliche Zwecke bestimmten Wassers Vergleich bezüglich liefert: der Q ualität - Das I. Project Donau-Wasser, zeitweilig trübe, theilweise stark verunreinigt, als Trinkwasser nicht tauglich. Das II. Project dasselbe zeitweilig trübe, theilweise stark verunreinigte Donau- Wasser. Das III. Project herrliches Quellwasser, aber nur für einen Theil der Stadt, clie übrige Hälfte empfängt ein zeitweilig trübes und stark verunreinigtes Wasser aus dem Donau-Canale. Das IV. Project, der Fischa-Dagnitz-Aquäduct, liefert für die ganze Stadt ausschliesslich das vortrefflichste, reinste Quellwasser. d) Bezüglich der Quantität wurden alle vier Projecte auf die Leistungs- Vergleich in quanti- Ergie- fähigkeit von 1,000.000 Eimern per Tag berechnet. Die Projecte I, II und III sind aber einer Verminderung ihrer bigkeit ausgesetzt, indem die Quell-Leitungen durch den zunehmenden Anbau nach und nach versiegen, und die Sange-Canäle in Folge der Verstopfung des filtrirenden Schotters Jahr für Jahr eine geringere Wassermenge liefern werden. Die Leistungsfähigkeit des Fischa-D agnitz-Aquäductes ist keiner solchen Verminderung unterworfen. Derselbe liefert im Gegentheil einen kostenfreien Ueberschuss von täglich 250.000 Eimern, durch deren Ueberlassung an die vor den Linien gelegenen Ortschaften ein nennenswerther Beitrag zu den Baukosten zu erwarten steht. Selbst die bestehenden Quell-Leitungen sind nicht in Rechnung genommen, und bilden eine weitere Mehrleistung, welche bei Vergleichung mit anderen Projecten ebenfalls zu berücksichtigen wäre. — Der Vorschlag zur Versorgung der Stadt Wien mittelst des Fischa-Dagnitz- Aquäductes nebst Lösung der Wasserrechtsfrage durch Zuleitung das Pithenflusses bietet also nicht allein bezüglich der Qualität und der Reinheit des zu liefernden Wassers das vollkommenste, und überragt nicht allein hinsichtlich der Ergiebigkeit für jetzt so wie für die fernste Zukunft alle übrigen Projecte, sondern derselbe erfordert auch trotz der Auflassung der bestehenden Werke einen um etwa 1 % Millionen Gulden geringeren Kostenaufwand, als jede andere Wa s s e r - V e r s o r g u n g. Im Allgemeinen erachtet man es schon für einen sehr vortheilhaften Umstand, wenn das anerkannt Beste nicht weit grössere Summen kostet, als andere, den Zweck nur unvollkommen erreichende Anlagen. Die Stadt Wien ist in der glücklichen Lage, dass der Bezug des vorzüglichsten Wassers in reichlicher Menge ihr weit weniger kosten wird, als diejenigen Summen, welche zur Heranschaffung eines minder reinen Wassers aufgewendet werden müssten. tativer Beziehung. Zusammenfassung der vorstehenden Erörterungen. VII. Rückblicke auf die vorhergehenden Abschnitte. Nothwendigkeit einer Beschlussfassung über die gesammte Wasser - Versorgung. Finanzielles. Mit den vorstehenden Erörterungen und Berechnungen dürfte der nächstlie- gende Zweck dieser Zeilen — die Begründung des Vorschlages zur Versorgung der Stadt durch den Fischa-Dagnitz-Aquäduct, der Hinweis auf die vortreffliche Beschaffenheit und reiche Menge des zu liefernden Wassers, auf die Einfachheit der erforderlichen Anlagen und auf den verhältnissmässig geringen Kosten-Aufwand eines solchen Werkes — wohl im Allgemeinen erreicht sein. Die vorgeschlagene Anlage hat jedoch, im Vergleich zu anderen Projecten, eine Eigentümlichkeit, welche möglicherweise bei Einzelnen ein, wenn gleich ganz unbegründetes Bedenken hervorrufen könnte. Andere Projecte können nämlich stückweise, während einer langen Reihe von Jahren, zur Ausführung gelangen. Die Versorgung durch den Fischa-Dagnitz-Aquäduct bildet hingegen ein einziges compactes Werk, dessen Ausführung im Ganzen beschlossen und, der Hauptsache nach, innerhalb wenigen Jahren vollendet sein muss. Andere Projecte würden wahrscheinlich dazu führen, in diesem Jahre die Ferdinands-Wasserleitung zu erweitern, in den darauf folgenden den Wien-Neustädter Canal in die Stadt zu leiten , späterhin neue Werke und Maschinen an der grossen Donau zu errichten, und dergestalt nach und nach in kleinen Beträgen an Bau- und Betriebskosten ein Capital von 9 bis 10 Millionen Gulden für ganz unzureichende Anlagen zu verausgaben. Die Versorgung durch den Fischa-Dagnitz-Aquäduct gestattet keine solche durch schreiende Uebelstände gewissermassen schrittweise abgezwungenen Massregeln. Dies Werk wird künftigbin den allseitig anerkannten Bedarf der Stadt in der vollkommensten und wohlfeilsten Weise sicherstellen. Aber es erfordert eine einmalige Genehmigung des ganzen Bau-Capitales von etwa 5'/ 2 Millionen Gulden — abgesehen von dem Röhrennetze, welches wie überall nach Bedarf zur Ausführung kommt — und eine Verausgabung des grösseren Theiles dieser Summe binnen eines Zeitraumes von zwei bis drei Jahren. 45 Nun lehrt die Erfahrung bei Privaten sowohl als bei ganzen Corporationen, Schwierigkeit einer dass mittelst successiver kleiner Beträge die Verausgabung einer grossen Summe selbst te eI 'o lei fenden Be- für untergeordnete Zwecke weit leichter von statten geht, als der Entschluss zur Aufwendung eines einzigen selbst minder grossen Betrages, durch welchen ein durchgreifender Vortheil erzielt werden könnte. Vor solchen Irrthümern sollte ein jeder Privatmann sich bewahren, vielmehr aber noch die Vertretung einer grossen Gemeinde, welche nicht allein momentane Interessen, sondern vorzugsweise auch den bleibenden Vortheil der Stadt in’s Auge zu fassen und zu wahren hat. Das schrittweise Vorgehen hat dahin geführt, dass gegenwärtig von der Kaiser Folgen eines schritt- Ferdinands-Leitung ein Wasser geliefert wird, welches an Frische und Reinheit ausser- weisen Vorgehens, ordentlich viel zu wünschen übrig lässt, dass aber trotzdem für jeden täglich gelieferten Eimer an Capitals - Auslagen. 15 fl. an capitalisirten Betriebskosten. 8 „ zusammen also nicht weniger als 23 fl. kostet, während laut vorstehendem Nachweis das herrlichste Wasser des Fischa-Dagnitz- Aquäductes für etwa ein Drittheil jenes Betrages in alle Districte der Stadt geführt und dort vertheilt werden kann. Ein durchgreifender Beschluss bezüglich der künftigen Wasser- Versorgung Erwägung der finan- Wien’s steht um desto eher zu erwarten, je mehr man von der gänzlichen Unzuläng- ziellen Seite eines lichkeit der gegenwärtigen Einrichtungen sich überzeugt, und je vollständiger man die (lerartl S en Unter überwiegenden Vorzüge des proponirten Fischa-Dagnitz - Aquäductes nach allen Richtungen hin anerkannt und gewürdigt haben wird. Es dürfte desshalb nicht überflüssig sein, diesen Vorschlag anch in anderer Beziehung zu prüfen, und die finanzielle Seite eines derartigen Unternehmens ebenfalls in nähere Erwägung zu ziehen. Die für die Versorgung einer grossen Stadt gelieferten Wassermengen lassen sich, je nach dem Zwecke ihrer Verwendung, in zwei Theile abtrennen. Der erste Theil — etwa die Hälfte des ganzen zugeführten Quantums — soll zur Bespiilung der Strassen, zur Feuerlöschung, für die Bewässerung von Park-Anlagen u. dergl., mit einem Worte für öffentliche Zwecke dienen. Der zweite Theil, die letztere Hälfte, ist für häusliche und gewerbliche Zwecke bestimmt, wird also an Private zu überlassen sein. Leistungen einer städtischen Wasserversorgung« Die erste Hälfte — das zu öffentlichen Zwecken verwendete Wasser — liefert Leistung für öffent- keine directen Einnahmen, sondern die städtische Casse muss dasselbe unter liehe Zwecke, allen Umständen aus Eigenem zahlen, sei es in Form einer einmaligen Capitals- Anlage oder von laufenden Betriebskosten , sei es als Subvention oder Zinsergänzung einer Privat-Unternehmung. 46 Das Aequivalent für diese Aufwendungen bildet die Hebung des Gesundheitsstandes und der Arbeitsfähigkeit der städtischen Bevölkerung,« eine wirksame Feuerlöschung, die Besprengung der Strassen, Reinspülung der Unraths-Canäle etc.: alles Vortheile, welche sich freilich nicht direct nach Geldeswerth abschätzen lassen, die jedoch nichtsdestoweniger der Gemeinde im Ganzen und Grossen wesentlich zu Nutze kommen. Versorgung von Die zweite Hälfte des Wassers — für häusliche und gewerbliche Zwecke be- Pnvaten. stimmt — wird nach der bisherigen Praxis durch eine Anzahl öffentlicher Auslaufsbrunnen an gewissen Punkten der Stadt unentgeltlich den Privaten zur Verfügung gestellt. Wer aber der Unannehmlichkeit, dem Zeitverluste und den verhältnissmässig bedeutenden Kosten des Zutragens von Wasser über die Strasse und die Stiegen hinauf entgehen und die Leitungen direct in das Innere seines Hauses führen will, hat einen nach Massgabe der bezogenen Wassermenge berechneten Beitrag zu den Anlage- und Betriebskosten des Wasserwerkes zu leisten. Die städtische Gemeinde-Casse erhält also keinerlei Zahlung für das zu häuslichen Zwecken bezogene Wasser, so lange es von den Auslaufsbrunnen geholt wird, sondern ein entsprechender Beitrag erfolgt erst dann, sobald eine directe Zuleitung in das Innere der Häuser stattfindet. Beitrag von wasser- Daraus ergiebt sich, dass es für die Gemeinde von äusserster Wichtigkeit sei, beziehenden Parteien. ^ Einrichtung von Wasserleitungen im Inneren der Gebäude thunlichst zu befördern, denn abgesehen von der hiedurch ermöglichten vollkommeneren Einwirkung auf die Reinlichkeit und Gesundheit der Bevölkerung im Allgemeinen, treten erst dann die Abnehmer des bisher unentgeltlich bezogenen Wassers in die Reihen der Beitragzahlenden, und erst dann eröffnet sich der Stadt eine Einnahmsquelle aus den Wasserversorgungs-Anlagen. Bisherige Bedingungen für den Wasserbezug. Sehen wir nun, was bisher für die Beförderung des Wasserbezuges geschehen ist. Das von der Kaiser Ferdinands - Leitung gelieferte Wasser wird bekanntlich den Partheien gegen folgende Zahlung überlassen : Einmaliges Ablösungs-Capital für jeden täglich gelieferten Eimer . fl. 15.— Jährlicher Ersatz der laufenden Betriebskosten, die bisher 50 kr. ö. W. per Jahr betrugen, oder capitalisirt.. 10.— Es haben also die Privaten nicht weniger als.fl. 25.— für einen jeden täglich von ihnen bezogenen Eimer Wasser zu entrichten. Dies sind die wirklichen Gestehungskosten*). Die Stadt konnte bisher, wenn *) Erst in letzterer Zeit ist durch Aufstellung einer ökonomisch arbeitenden Dampfmaschine eine Ermiissigung der Betriebskosten auf 40 kr. O. AV., also auf 8 fl. Capital ermöglicht, was nach Hinzurechnung des Ablösungsbetrages mit 15 fl. den Preis des AA'assers auf zusammen fl. 23 für jeden täglich gelieferten Eimer ermässigt. 47 nicht factiscli noch darauf gezahlt werden sollte, den Partheien das Wasser um keinen billigeren Preis abgeben. Wird dagegen der Fischa - Dagnitz - Aquäduct in der vorgeschlagenen Weise Möglichkeit einer beausgeführt, so kostet das von demselben gelieferte vortreffliche Quellwasser künftighin deutenden Herab- der Stadt nach den vorstehenden Berechnungen für jeden Eimer täglich nur fl. 8.27. Setzung der Preise. Man kann also den jetzt 25 fl. betragenden Preis für das Bezugs- Allseitige Vortheile recht des Wassers in Zukunft bis auf 12 fl. per Eimer herabsetzen, und emer sol< ' ,ien Preisermöglicht hiedurch nach allen Richtungeu die überraschendsten Vortheile: lm.issigung. 1. Wird die Stadt von jedem Eimer des für häusliche und industrielle Zwecke Vortheile der Stadt, bezogenen Wassers ausser dem Gestehungspreise und ausser den Regie- und Unterhaltungskosten , die etwa 2 '/ 2 kr. jährlich, oder capitalisirt 50 kr. ö. W. per Eimer betragen dürften, noch einen Ueherschuss von etwa fl. 3.23 für städtische Wasser-Versorgungszwecke erhalten, während jetzt nur ein Ersatz der wirklich verausgabten Kosten stattfindet. 2. Wird den Partheien der Wasserbezug für häusliche und gewerbliche Zwecke Vortheile d.Partheien. um weniger als die Plälfte des jetzigen Preises dargeboten werden. 3. Wird eben in Folge dieser sehr beträchtlichen Preis - Ermässigung der Zunahme desWasser- Beztig von Wasser ausserordentlich zunehmen; es wird eine namhafte An- bezug es. zahl der jetzt nicht zahlenden Abnehmer in die Reihen der zahlenden ein treten, und zwar um so mehr, als für den ungemein niedrigen Tarifsatz künftighin ein Wasser von vorzüglicher Frische und Reinheit zur Vertheilung gelangt. 4. Wird die Güte und Wohlfeilheit des Wassers auch viele Besitzer von gevverb- Vermehrung a. Was- lichen Anlagen veranlassen, die Leitungen bis in das Innere ihrer Geschäftslocale zu serbezuges für indn- führen, also ebenfalls den Zuwachs von Beitragzahlenden zu vermehren, während die- stnelle Zwecke, selben durch eine theure und dabei mittelmässige Versorgung nach wie vor gezwungen blieben, mit dem Wasser aus Pumpbrunnen, aus dem Wien-Flüsschen etc. sich zu behelfen. Also auch in finanzieller Beziehung bietet die Versorgung mittelst des Fischa- UeberwiegendeVor- Dagnitz-Aquäductes einen ganz ausserordentlichen Vortheil dar. tlieile des Fisclia- Es wird nicht nur den Partheien der Wasserpreis um mehr als die Hälfte D,lg ™ t7 '" Aqimdnctes . in finanzieller lie- herabgesetzt, und dabei immer noch ein Zuschuss zu den öffentlichen Versorgungs- zielmno-. zwecken erzielt werden, sondern es steht durch das Anbot eines sehr billigen und sehr guten Wassers eine beträchtliche Steigerung der Privat-Ab- nehmer und damit ein namhafter Zuwachs der Beitragzahlenden zu erwarten. Allerdings lässt sich diese voraussichtliche Steigerung nicht mit Sicherheit im Bezugnahme auf die vorhinein ziflermässig nachweisen , und eben so schwierig bleibt es, die diesfallsigen finanziellen Resultate anderorts gemachten Erfahrungen ohne Weiteres auf Wien anzuwenden, da locale Ver- versorguiwen 48 Finanz. Ergebnisse der Hamburger Wasserkunst, hältnisse cler mannigfachsten Art und selbst die Sitten und Gebräuche der Bevölkerung einen sehr beträchtlichen Einfluss auf den Wasserbezug ausüben. Aus diesem Grunde wird man wohl einen Vergleich mit den in englischen und französischen Städten erzielten, theils günstigen , theils ungünstigen Resultaten nicht ohne Weiteres für zutreffend erklären können. Von den Ergebnissen der Wasserleitungen in grossen deutschen Städten liegt bisher wenig vor. Nur Hamburg bildet in dieser Beziehung eine Ausnahme. Es bietet das beste Beispiel einer wohlgeordneten Wasser-Versorgung dar; auch kann es, da die Industrie in jener Stadt keine überwiegende ist, bezüglich der Wasser - Verwendung zu gewerblichen Zwecken eine für Wien einigermasscn zutreffende Vergleichsbasis abgeben. Die Anlage der grossen städtischen Wasserkunst in Hamburg ward im Jahre 1844 beschlossen. Vier Jahre später fand die Eröffnung derselben statt. Mit Einrechnung des Ertrages zweier kleinerer Privat-Wasserleitungen, welche ebenfalls in städtischen Besitz übergingen und mit den Haupt-Anlagen vereinigt wurden, ergaben die jährlichen*) Brutto-Einnahmen dieses eine Bevölkerung von 150.000 Seelen versorsrenden Werkes an Beiträgen von Hausbesitzern und Gewerbtreibenclen das nachstehende Resultat: Im Jahre 1850 63.146 Mark oder 37888 fl. Brutto-Einnahme n » 1851 82.260 49.356 55 55 » » » 1852 104.750 » r> 62.850 » » • » 1853 132.874 55 » 79.724 » 55 „ » 55 1854 194.087 „ n 116.452 55 » » „ » 1855 201.608 w 120.964 » » 35 » « 1856 217.480 „ „ 130.488 » n 55 » n 1857 230.817 „ » 138.490 n « „ n n 1858 251,526 » » 150.916 » » n » 1859 311.499 n 55 186.900 55 » » 95 1860 321.559 n » 192.936 » » 33 » 55 1861 340.000 204.000 55 )> 55 *) In Hamburg wird für den dauernden Wasserbezug kein Einkaufsgeld, sondern nur ein jährlicher Abonnementspreis gezahlt. Näheres findet sich in dem kleinen Werkchen: „Die Stadt-Wasserkunst in Hamburg von Aug. Fölsch, Hamburg 1851. Auch in Wien würde die gänzliche Abschaffung der Capitals-Ablösung und die Festsetzung eines massigen, jährlich zu entrichtenden Abonnementspreises den Beitritt der Privaten wesentlich erleichtern, ohne der städtischen Casse irgend welches Opfer aufzubiirden. — Der Vortheil würde im Gegentlieil ein beiderseitiger sein. In Paris hat die städtische Behörde neuerdings alle bisher erworbenen dauernden Bezugsberechtigungen zurückgekauft, und dies nur zu dem Zwecke, damit die Versorgung ausschliesslich auf Grund eines jährlichen Abonnements stattfinden könn e. 49 Im Jahre 1860 zählte man in der Stadt und in den Vorstädten: Versorgte Häuser. 10.037 Unversorgte Häuser... 1.725 Gesammtzahl der Häuser 11.762 Von den sämmtlichen Häusern der Stadt und der Vorstädte waren also nicht weniger als 85 */ 2 Perc. der Wasser-Versorgung beigetreten. Einzelne Industrielle zahlen jährlich einen Beitrag von mehr als 400 fl., nur um ihrem Betriebe den Vortheil eines guten und jederzeit im Inneren des Geschäftslocales verfügbaren Wassers zu wenden zu können. Zahl der versorgten Häuser. Einen so überraschend günstigen Erfolg vermögen allerdings nur sehr wenige Wasser - Leitungen aufzuweisen. In Paris giebt es gegenwärtig von 56.481 Häusern nur 20.948 oder circa 37 Pct., welche sich das Hecht des Wasserbezuges erkauft haben, was — beiläufig bemerkt — zum Tlieil der mangelhaften Beschaffenheit und den früher übertrieben hohen Preisen des Wassers zuzuschreiben ist. In Bordeaux reichen bei der vor 8 Jahren angelegten Versorgung bis jetzt die Einnahmen nicht einmal aus, um die zur Hebung des Wassers mittelst Dampf kraft erforderlichen laufenden Betriebskosten zu decken. Die Berliner Wasserwerke, erst vor Kurzem errichtet, haben noch nicht hinreichende Zeit gehabt, ihre Wirksamkeit in vollem Masse zu entwickeln. Aber auch dort bleibt das Ersrebniss weit hinter den in Hamburg schon während der ersten Jahre erzielten Erfolgen zürück. Finanz. Ergebnisse d.Wasser Versorgung anderer Städte. Es würde desshalb ein Irrthum sein zu erwarten, dass in Wien binnen 10 oder Vergleich dieser Er- 12 Jahren schon drei Viertheile der Häuser den directeu Bezug des Wassers gegen S® b “ is se mit den Vereinen entsprechenden Betrag erkauft haben, und dass nach Verlauf jener Zeit die jährlichen Einnahmen eines zweckentsprechenden Wasserwerkes durchschnittlich einen vollen Gulden auf jeden Kopf der ganzen Bevölkerung — wie in Hamburg — betragen werden. Ein Irrthum deshalb , weil in Hamburg die unentgeltliche Austheilung von Wasser mittelst öffentlicher Auslaufsbrunnen nur auf einigen wenigen Punkten stattfindet, und überdies locale Verhältnisse, namentlich der Bestand von durchgehende kleineren Häusern, den Anschluss an die Wasserleitungen wesentlich erleichtert haben. In Wien aber, woselbst eine grosse Anzahl von öffentlichen Auslaufsbrunnen besteht, deren ohnehin nur karg zugemessene Wassermenge man gewiss nicht noch mehr wird schmälern wollen, um die Partheien zum Beitritt als zahlende Abnehmer zu zwingen — in Wien, woselbst der Anschluss eines grossen Hauses jedesmal eine nicht unbeträchtliche Capital-Aufwendung erfordert: in Wien wird man ein so günstiges Resultat binnen eines verhültnissmässig nur geringen Zeitraumes keinenfalls erzielen. Im Uebrigen beträgt die ganze bis jetzt hieselbst an Private abgegebene Wasser- Gegenwärtiger Was- menge kaum 45.000 Eimer pr. Tag, und von den 9450 Häusern haben bish er serbezu £ T - Privaten, nur circaSOO, also kaum 5 V 2 Per c., das Wa sserbezugs-Recht erworben. 7 50 Vorzüge des Fischa- Dagnitz - Aquäductes in finanz. Beziehung. Erlös durch Ueber- lassung von Wasser an die Gemeinden ausserhalb derLinien. Es steht also in dieser Beziehung noch ein sehr weites Feld offen, und wenn auch die andererorts in einzelnen Fällen erzielten glänzenden Besultate hier nicht in gleichem Masse erreicht werden, so lässt sich doch mit Sicherheit nach und nach eine sehr beträchtliche Einnahme aus der Versorgung der Privaten erwarten, und zwar eine um desto grössere Einnahme, je besseres und billigeres Wasser man den Abnehmern darzubieten vermag. Die Versorgung der Ifesidenz mittelst des Fischa - D agnitz - Aquäductes wird jedenfalls die meisten Abnehmer heranziehen , also die grössten Einnahmen liefern, und zwar desshalb, weil mittelst desselben das vortrefflichste Wasser in ergiebiger Menge, und zwar um den billigsten Preis, den Privaten zur Verfügung gestellt wird. Im Vergleiche zu anderen Projecten bietet diese Versorgung ausserdem noch eine Mehrleistung von 250.000 Eimern dar, auf welche die Gesammt-Anlagekosten nicht repartirt sind. Die Ueberlassung eines Theiles dieses gewissermassen kostenfreien Ueber- schusses an die Gemeinden vor den Linien der Stadt oder an dortige Private wird, wie bereits erwähnt, eine weitere nicht zu unterschätzende Einnalnnsquelle eröffnen. VIII. Die Wasser-Versorgung eine städtische Anlage oder Privatunternehmern An diese Erörterung schliesst sich naturgemiiss die naheliegende Frage, ob es Die Wasser-Versor- nicht vortheilhaft sein dürfte, die gesaxnmte Wasser-Versorgung Wien’s an gang’em Pnvat- ° ° Unternehmen, eine Privat-Gesellschaft zu übertragen. Wenn es sich um Ausbeutung eines mehr oder weniger einträglichen Geschäftes handelte. so müsste diese Frage ohne Weiteres bejahet werden. Ein solches würde entschieden weit besser von einem Privatmanne oder selbst von einer Privat-Gesellschaft als von der Gemeinde-Verwaltung zu betreiben sein. Anders verhält es sich jedoch mit einem solchen Unternehmen, von welchem im Voraus die Gewissheit vorliegt, dass es in finanzieller Beziehung auf eigenen Füssen nicht werde stehen können. Die städtischen Zwecke der künftigen Wasserleitung, als Bespülung der Notliwemligkcit einer Strassen, Feuerlöschung, Versorgung von Markthallen, Park-Anlagen, Springbrunnen etc., Subvention, erfordern nicht nur ein bedeutendes Anlage-Capital, sondern nehmen im Vorhinein die Hälfte des ganzen Wasser-Quantums in Anspruch. Aus diesem Grunde wird von derGemeinde jedenfalls eine sehr bedeutende Subvention verlangt werden. Es liegt ferner die Gewissheit vor, dass die Einnahme, auf welche die zu bil- Wahrscheinliche dende Privat-Gesellschaft zu speculiren hätte, erst nach einer langen Reihe von Jahren Bca ^P ru ^ Ilun £ emcr , . -iT . r Zms-Uarantie. flüssig werden wird. Selbst in dem günstigen Falle, wenn das Geschäft mit der Zeit ein lohnendes, ja ein recht rentables würde, so steht für viele Jahre dennoch nicht einmal eine wenn auch nur kleine Verzinsung des anzulegenden Capitals in Aussicht. Ueberdies lauten die andererorts gemachten Erfahrungen bezüglich der zur Einbürgerung des Wasserbezuges erforderlichen Zeit, so wie der zu erwartenden Ein- 7 * 52 nahmen so ausserordentlich verschieden, dass für eine auf vertrauenswürdiger Basis beruhende Wahrscheinlichkeits-Rechnung auch nicht der geringste Anhaltspunkt vorliegt. Unsichere Gmudlage Capitalisten sind im Allgemeinen kaum sonderlich geneigt, auf so unsicherer für eme Pnvat- Grundlage hin ihre Gelder zu engagiren. Im vorliegenden Falle steht eine solche Ge- Unternehmung. . , . . ° ... neigtheit um so weniger zu erwarten, als nur das Fme gewiss ist, dass nämlich trotz der namhaften Subvention eine Verzinsung des Anlage-Capitals vor Ablauf vieler Jahre jedenfalls nicht erzielt wird. Ohne eine von der Stadt gewährte Zinsgarantie kann also wahrscheinlich das ganze Geschäft gar nicht in’s Leben treten , und die städtische Gasse wird in Folge dessen ausser dem beträchtlichen Capitals-Zuschusse noch während ei ne r Reihe von Jahren einenmehr oder minder grossen Zin s en- Ausfall zu decken haben. Der Gemeinde wird demnach durch ein solches Privat-IIntemelimen eine Last nicht abgenommen, sondern in Wirklichkeit bleiben die schlechten Chancen des Geschäftes nach wie vor ihr aufgebürdet. Naelitheile einer Aber noch andere und viel schlimmere Uebelstände sind voraussichtlich zu durch üms - Garantie ei . warten . ] lat nam ]i c h die Erfahrung im Auslande gelehrt — und gleiche Ursachen geschützten Privat- _ t ... Unternehmung. werden wohl überall gleiche Wirkungen hervorbringen — dass bei einem I rivat-Unternehmen, welchem ein fester Zins-Ertrag gesichert ist, und welches voraussichtlich diese Garantie während längerer Zeit in Anspruch nehmen muss, gar zu leicht auf diese Garantie hin gesündigt wird. Denn ob eine solche Privat-Unternehmung gut oder schlecht wirthschaftet, ist für ihr Interesse ganz gleichgültig. Geht sie sparsam zu Werke, so kommen diese Ersparnisse nicht ihr zu Gute, sondern der garantirenden Gasse, die einen um so geringeren Ausfall zu decken hat. Verausgabt sie mehr als erforderlich, so ist wieder nicht sie der verlierende Theil , sondern es muss die garantirende Gasse einen um so grösseren Zuschuss beisteuern. Mit einem Worte, dem Privat-Unternelmien, welchem ein fester Zins-Ertrag garantirt, und das voraussichtlich auf diese Garantie längere Zeit angewiesen ist, fehlt alles Interesse an dem Erfolge ihres geschäftlichen Betriebes, es fehlt ihr der Sporn zu einer eigenen selbstständigen Thätigkeit, also gerade dasjenige, was das Privatgeschäft vor einer städtischen Verwaltung auszeiclmen soll. Es können deshalb, im Principe betrachtet, solche Zins-Garantien wohl nur in Ausnahmsfällen gerechtfertigt erscheinen, weil sie die Grundbedingung der Privatthätigkeit verläugnen, un d anstatt einer gesunden lebensfähigen Privat-Industrie nur Treibhauspflanzen zu Tage fördern können. 53 Eine nicht minder eigenthihnliche und unnatürliche Stellung nimmt die garan- Controlle einer ga- tirende Gasse ein, welche je nach dem schlechten oder guten Betriebe des Privat-Un- r ‘" lt “' tei ^ Pnvat- ternehmens mehr oder minder grosse jährliche Zuschüsse leisten soll, ohne selbst in die Leitung des Geschäftes eingreifen zu dürfen. Allerdings würde die Stadt bei Gewährung der Zins-Garantie an eine Privat- Unternelnnung sich das Recht der Controlle sowohl über die technische Bauführung als über das finanzielle Gebahren Vorbehalten. Allein durch andere im Auslande gemachte Erfahrungen ist es nur zu gut bekannt, dass trotz der bündigsten Vertrags-Clausein diese Controlle sich durcligehends auf eine Formalität beschränkt, welche im günstigsten Falle das Unheil erst dann zu entdecken vermag, wenn es zur Verhütung desselben zu spät ist. Die Wasser-Versorgung der Stadt an eine Privat-Gesellschaft unter Zins- Garantie zu übertragen, hiesse also — und es ist rathsam, in dieser Beziehung sich keinen Illusionen hinzugeben — nichts Anderes, als dieser Privat-Unternelimung für eine Reihe von Jahren die Disposition über einen gewissen Th eil des städtischen Vermögens anzuvertrauen, wogegen der Stadt nur eine erfahrungsmässig formelle Controlle Vorbehalten bliebe. Wollte man aber, um diesem unnatürlichen Verhältnisse zu entgehen, abseiten Unmöglichkeit einer der Stadtgemeinde eine wirksame und ernsthafte Controlle über das Gebahren der " ;i ‘ ksam enun : } .< < tt " " " V /•• • v*'', “ ••.••••‘.T* ‘ v ; "?. r ■ '■; ' .'Vvyv'-’'^ *• < ; v ‘-’i •' - %\ • *.£.-' ;‘y ^Srjj f? •■%*?** - , 1 * ’, :o .•-' vV* *S •• ; ■» .-V« '•:? v *TC ■ ;■; ;.-, i-,- ■ • v. ‘ ’-c kHf SvSPi Anlage XSIT. ^J 7 TTW SITUATION lies Fis cha D agnitz AQUÄDUCTES. Baloiliof WIEN B aluih o ihuhoJ h.K Th i erwarten Inzers'Mori“ '! Mii upr At z.serscjo^rt /°E IPSIllS vwi/iy .p ' rrTTT^jrk O/Percli toldsrtort Durrr “ mim Mö illini/ A rof/t urclu Badet? Vöslau Leobers Knfzeruf==^jj^ tmimuuri ■Sh'ü crsdorl SolenaWu / rspnuti/Jfa Httsr/tr/fdor} Uiu/ir/jhiic j! Fixe/ta Ihifpiflt BEXFiRTH □ Aeuftdd Nioresieurt mlort/-' o Markt in «ftlorf W v\ u\e Lirlileiiwei Neustadt dort 1 katzelsdorr o rohsdorl «hur. Matt ersdorf °Pitten. Li t Ti. Aji • NORMAL-PROFILE des Fischa-Dagnitz Aquäductes. Bei t> Fass Tiefe unter «lein Terrain, mit Bruchstein ilauerwerk. w//m WmrnB- .hu Niveau mit dem Terrain mit Ziegel ^lauerwerk.