28 ^ jSLHM MüL MM» M»^M VriM «M-» 'M „ "ME- /' . '^'U ? ! ... ^ ^ -,i.,. »^- ^''..?^M 'r^'^t' l -z MMAMMLÄ MSK'Mv i / . /-''- k'^ —. ^ - - ^ e->. > '^'./ ^ - ' ' . - .... -^^-, '^'./ ,',- ' ' . V.. ^ '. > ':> UM Johann Andreas Nattmann's, mehrerer gelehrten Gesellschaften Mitglied?» Astnrsesehiehle , der Vogel Deutschlands^ nach eigenen Erfahrungen entworfen. - - Durchaus umgearbeitet, systematisch geordnet, sehr vermehrt, vervollständigt, und mit getreu nach der Natur eigenhändig gezeichneten und gestochenen Abbildungen aller deutschen Vogel, nebst ihren Hauptver- schiedenheiten, aufs Neue herausgegeben von dessen Sohne Johann Friedrich Na u mann, der »aturforschenden Gesellschaft zu Halle ; der Societät für Forst - und Zagdkunde zu Drcyßigacker und Meiningen; der Wetteraueschen Gesellschaft für die gesammte Naturkunde zu Hanau; der Gesellschaft für die gesammte» Naturwissenschaften zu Marburg ; der naturforscheuden Gesellschaft zu Leipzig; der allgemeinen Schweizerischen Gesellschaft für die gcsammten Naturwissenschaften, der Gesellschaft naturforschender Freunde zu Berlin, und der »aturforschenden Gesellschaft zu Görlitz wirkliches, correspondirende» und Ehrenmitglied. Achter Theil. Mit 27 colorirten Kupfern. Leipzig: Ernst Fleischer. 1 8 3 6 . > , 5 Vor w ort zum achte» Th e i l. Ä^uch der vorliegende neue Theil wird den Leser überzeugen, daß von meiner Seite bisher keine Mühe gespart wurde, um dieser deutschen Ornithologie die möglichste Vollendung zu geben und dieselbe in jeder Hinsicht, so weit es in meinen Kräften stand, aufs Beste auszustatten. Allein ohne anderweite Unterstützung würde es hin und wieder nicht möglich gewesen sein. Alles das zu leisten, was wirklich geleistet worden ist. Durch die Mitwirkung des Herrn Professors Chr. L. Nitzfch in Halle, welcher sich seit einer langen Reihe von Jahren unter Benutzung reicher Gelegenheit und der größesten anatomischen Sammlungen des Jnn- und Auslandes mit dem Studium des inneren Baues der Vögel in einem Umfange beschäftigt hat, wie Keiner vor ihm, — ist diesem Werke eine ungemeine Zierde, und von dieser Seite ein entschiedener Vorzug vor allen sonst erschienenen Ornithologicen zu Theil geworden. Denn daß die anatomischen Charaktere der deutschen Vogelgattnn- gen, welche mein hochgeschätzter Freund diesem Werke, von dessen Anfange an, einzuverleiben die besondere Güte hatte, als Resultate der umfassendsten und mühsamsten Untersuchungen und Vergleichnngen, neue Entdeckungen in großer Anzahl enthalten; daß sie ihres Gleichen nicht haben, und daß durch ihren Urheber die anatomische Charakteristik der IV Vorwort. Familien und Gattungen der Vögel erst gegründet ward; dies ist von den Kennern des Fachs bereits öffentlich anerkannt worden. Indem ich meinem Freunde für diese hochwichtigen Beiträge, welche auch die folgenden Theile zieren werden, den innigsten Dank sage, kann ich nicht unterlassen, der mir in anderer Hinsicht gewordenen Hülfe, namentlich der zuvorkommenden Gefälligkeit der Vorsteher berühmter Sammlungen, hauptsächlich der zn Berlin, mit gleicher Dankbarkeit zn gedenken. Wenn ich in diesem Werke bei Mittheilung so mancher Beobachtung in der Mehrzahl geredet habe und in Zukunft noch öfters reden werde, so ist dieses nicht bloß auf meinen seligen Vater, den ersten Gründer dieses Werks, sondern auch auf meine Müder zu beziehen, die beim Sammeln und Beobachten mir stets die thätigste Hülfe leisteten. Ganz besonders bin ich in dieser Hinsicht meinem mittlern Bruder, dem Herzoglichen Förster und Zagdbeamten Carl Andreas Naumann, in Klei nz erbst bei Cöthen, in hohem Grade verpflichtet. Jede meiner Schilderungen der Sitten und Lebensart, der Stimme und des übrigen Betragens aller im Werke vorkommenden Vögel, welche er selbst im Freien beobachtet hat, ist — um Einseitigkeiteu zu vermeiden — erst ihm vorgelegt, mit ihm durchgegangen, von ihm begutachtet worden, ehe sie der Presse übergeben ward. — Derselbe wohnt ganz in der Nähe jener oft erwähnten Brücher, diesseits und unfern des Zusammenflusses der Saale und Elbe, in einer angenehmen, an vielartigem Geflügel reichen Gegend, ist, schon vermöge seines Amtes, täglich mit der Flinte im Freien, und verlebt in der Zugzeit der Vögel so manche Stunde in jenen Sümpfen, nicht allein jagend, sondern auch beobachtend. Mit einer angeborneu Beobachtungsgabe, einer ungemeiueu, von frühester Zugend au geübten Bekanntschaft mit dem Fluge, dem Betragen, den Stimmen der Vogel, dazu mit einer Jagd- und Schieß- Borwort. v fertigkeit, die ihres Gleichen (im vollen Sinne des Ausdrucks) nicht leicht finden möchte, begabt, zu allen diesen Eigenschaften auch mit dem unermüdlichsten Zagdeifer, der regsten Forschungslust und einer unbegrenzten Liebe zur Naturkunde ausgerüstet, entging ihm nicht leicht ein seltner Vogel, welcher sich in jener Gegend niederließ, und sehr viel hat ihm meine Sammlung — jetzt im Besitz meines Durchlauchtigsten Landesherr» —, sehr viele hochschätzbare Beiträge an Beobachtungen dieses Werk zu verdanken. Mit ihm, unter Leitung unsres guten Vaters, dieses gebornen Ornithologen, anfgewau-sen, von Kindheit an dazu gewöhnt, auf alle Naturereignisse, namentlich aber auf Alles, was in das Gebiet der Ornithologie gehört, zu achten, war er in der Jugend mein steter Gefährte, im Mannesalter mein treuester Gehülfe, auf dessen Wort ich stets sicher bauen durfte. Sein täglich geübtes Falken-Auge unterscheidet schon in weiter Ferne seinen Gegenstand, der leiseste Ton einer ihm nicht bekannten Vogelstimme spannt seine Aufmerksamkeit, die geringste Abweichung in den Bewegungen eines fliegenden Vogels fesselt seine Neugierde, u. s. w. Die meisten Male daß „Wir" stehet, hat dies Bezug auf seine Mittheilungen, seine Bestätigung meiner Ansichten, und auf seine Mithülfe, für welche ich ihm hiermit ebenfalls herzlich danke. Endlich auch noch Etwas zur Erklärung des diesem achten Theile beigegebenen Titelkupfers. Es stellt eine jener anscheinlich einförmigen Gegenden Ungarns dar, deren ich im Sommer 1835 viele durchreiset bin*), die so ziemlich Einöden gleichen,' weil sie nur von einzelnen Hirten mit ihren Heerden besucht werden, welche, obgleich oft *) Eben diese schöne Reise unterbrach auf einige Monate die Bearbeitung des gegenwärtigen achten Theils; die Fortsetzung in den Folgen- ben soll dagegen um so schneller geliefert werden. VI Vorwort. aus viele» Tausende» gleichfarbiger Ochse» mid Schafe bestehend, doch auf der weiten Fläche fich verlieren, baumlose, mattgrüne Ebenen, meistens durchschnitten von aneinander hängenden tiefen Sümpfen, und diese der Aufenthalt zahlloser Sumpf- und Wasservögel. Leider war in dem Jahre auch dort große Dürre und damals sehr viele dieser Sumpfe ausgetrocknet. Auch in der abgebildeten Gegend, in Syrmieu, war dies so, doch beim Dorfe Srmresm (spr. Sznrdschin) etwas über eine Meile von Semlin, über kecsrmia (spr. Bedschania) hinaus, im Savethale, war ein schmaler, aber sehr langer Teich, — von dem wir im Bilde nur ein kleines Stückchen erblicken, — deshalb ein Sammelplatz so vieler Vogel, weil er das einzige blanke Wasser der Gegend war, und dies gerade in hinreichender Menge hatte, so daß es nicht höher über dem tiefen Schlamme stand, als eben hinreichte, fast von allen Vögeln dnrchwadet werden zu können. Er stellte eine ganz freie, sehr in die Länge gezogene, wol 3000 Schritte lange und stellenweise höchstens gegen 100 Schritte breite, Wasserfläche dar, deren flache Ufer zu beiden Seiten saust in ganz glatten Rasenboden übergingen oder zum Theil sumpfig waren, während er an den beiden entferntesten Enden in Hilfreichen Sumpf und Morast verlief. Unermeßlich war . die Anzahl des Geflügels, das dies Gewässer belebte; es erinnerte mich lebhaft an manche von mir gesehene Gegenden der Nordsee; aber das Getümmel was hier fast noch mannichfaltiger, oder doch ganz anderer Art. Myriaden kleiner Strandvögel bedeckten, des seichten Wassers wegen, die ganze Fläche (sie hatten nicht nöthig am Ufer zu bleiben, wo auch nicht alle Raum gehabt hätten), größere Arten in wenig geringerer Anzahl tummelten sich zwischen den kleinern herum; es wimmelte buchstäblich von l'otunus Hin- roola, li'iiiHN slpinn, 1r. iniontn, ^.ctitis Iivjwleuc«»«, auch Omi'iuli'lus Iiinticnin, von lotnous Hlottis, ^ , ocbr»- Vorwort. vn pll 8 , 1. kllsous lllld 1'. ek»Iiäri 8 , V0tt I^im« 8 » melrumrli, Üvp 8 ibat <;8 limiantoz,n 8 , von Ibi 3 Kckeinolln 8 in Schaaren; nnd zwischen alten diesen zahllosen dnnkeln Gestalten zerstreuet, erhoben sich als unzählige Lichtpunkte die gelben Ratte nreiher (^.räea eomata 8 . rallvin kleines Gewürme und Insekten aufzulesen, setzen sich aber auch oft auf Steine, Pfähle, niedrige Brücken, selbst auf die Aeste über das Wasser Hangender Bäume, und fangen hier nicht allein sich ansetzende Insekten, sondern schnappen selbst vorbei, fliegende hinweg. Sie machen dabei sehr oft eine starke, wie ein Wagebalken, auf und niedergehende, kippelnde Bewegung mit Yem Hinter- leibe, wobei sie auch nicht selten den großen Schwanz etwas ausbreiten, nach Art der Bachstelzen. Beide Gewohnheiten zeichnen sie vor andern Strandvögeln sehr aus. — Sie nisten in der Nähe der Ufer auf die Erde, auch unter Gesträuch, in eine kleine Vertiefung, die sie Nicht ganz nachlässig mit trocknen Pflanzentheilen auslegen und darin ihre 4 birn- oder kreiselformigen, auf lichtem Grunde dunkel gefleckten Eier ausbrüten, im klebrigen auch andern Strand- vogeln gleichen, eben so ein sehr zartes, schmackhaftes, im Herbst besonders fettes Fleisch haben. „In anatomischer Hinsicht (bemerkt Nitzsch) steht diese Gattung nach Untersuchung der gemeinen Art (^. Iivpolvunuch so zu sagen in der Mitte zwischen 'I'otnnus, Irin^n und Nnvlivtvs." „Von Ivtnnus unterscheidet sie sich 1) durch eine viel weiter nach vorn gehende Nasenfurche des Obcrschnabels; 2) durch die Vewegungsweise desselben, welche theils wie bei Hing:» in bloßer Spitzenbiegung, theils auch in einer Erhcbung und Senkung des ganzen Oberkiefers besteht; 3) durch eine längere Zunge; 4) durch einen viel großem und hohem Seitenflügel des Niech- beins; 5) durch das Brustbein, dem das sonst in der Schnepfen- samilie so sehr gewöhnliche innere Hautbuchtenpaar fehlt, so daß also hier so wie bei Unvbvtvs am Abdominalrande jederseits nur eine Wiche Bucht ist. Auch ist das Becken breiter und kürzer, und dem der Lungen ähnlicher." „ Von IrinAn wie auch von blnvbvtvs weicht diese Gattung ab, sowohl durch den Mangel des knochenzelligen Tastap- parats am Scbnabel, als durch die schmälere Kieferspitze und die 6 XII. Ordn. Gatt. Uferläufer. schon bemerkte Fähigkeit, neben der bloßen Spitzenbewegung des Oberkiefers auch den ganzen Oberkiefer zu erheben." „Von Irinxrr aber, wie von vielen andern Gattungen dieser Familie, ist sie noch ganz besonders durch die bemerkte Form des Brustbeins unterschieden." „Die Nasen drüsen sind sichelförmig, und liegen auf den Stirnbeinen und am Orbitalrande, über diesen hinaus ragend." „Der Halswirbel fand ich 12. Von den 9 Rippenpaaren haben nur 6 den Rippenknochen." „Die Blinddärme sind ziemlich lang, länger als bei lotn- nus. Die innere Darmfläche hat ganz im Anfange des vuo- «leni Zotten, dann überall Längszickzackfalten, welche sich erst im Mastdarm in Querfalten umwandeln." „Uebrigens findet man hier die unter Charadrien angegebene allgemeine Bildung der Schnepfenfamilie." s In Europa ist eine Art gemein, und zwei, aus dem nördlichen Amerika, kommen selten in Deutschland vor, also überhaupt nur drei Arten. -- ' -" -- ^ A-A^ . ^ .,.-7.-Ä .. ,. '" -«-A - k «S«^ ^MÄDM ^ ^ A' " " Vt'1'I'I'I^ >,v,,o! eiicox E^r 225. Der Fluß-Uferläufer. l Fig. 1. Männchen im Sommerkleide. Taf. 194. < Fig. 2. Weibchen im Winterkleids^ ,j s Fig. 3. Jugendkleid. M Gemeiner —, trillernder — Meer- —, Lerchen-Strandläufer, Strandläuferlein; Sandläufer, gemeiner —, grauer —,, blauer —, bunter —, mittler Sandläufer; kleiner —, trillernderMeer- Wafferläufer; Strand- —, Wasser-Schnepfe; Wasserhühnchen; Herbstschnepflein; (Bekassine, Bekassinchen, Wasserbckassine, Haarschnepfe); Sandpfeifer, Strandpfeifer, Teichstrandpfeifer; Pfeiserle, Psisterlein, Fisterlein; Knellesle; Lyßklicker; kleiner Myrstickel; — Meerlerche, Seelerche, Steinpicker, Steinbeißer. 6msl. I^iuu. «vst. I. 2. p- 678. u. 14. ------ l-iun. ksun. p, 6Z. ^ 182. —- Letr. k'aua. »ueo. p. 188. u. 137 ---- 8z«t. 1. p. 230. Illä. n. x. 734. u. 28. diilssvn, Oro. suoe II. p. 68. u. 171. ------ ea-rv/us. l-luo. Uann. suee. p. 63. u. 183. ----- Uetr. Vauu. «ueo. p. 189. 128. ---2 I'trmwrttdc, Also- 6'Orn. v«uv. n. p. 637. ----- L.a Uutk. Oi«. VN p. 340. — Lilit. ä. Xiv. 281. ----- 6 örLrä. 1 'ak. vlem. n. p. 201 . ----- L.a xeer/e Nugf. pi. 856. <7om«ro» 850 . IN 1. p. 178. o.2Z. — Uebers. v. Bechftein, V. S. 148. n. 23. ----- pevo. orvt. Lool. Uebers. Zimmcrmann, n. S. 441. ll. 303. ----- Ikevioic, brit. Lirä«. n. p. 104. ------ ^rar/o-ro?/o. 8ior. äeg. I7vv. IV. tav. 453 . ----- ^r>o-xr>a xr'ceo?o. 8üvi Or«. to- «oso». n. p. 273. —Ao-r/e Lla-uNoo^er-. 8«pp. ^eeäsrl. Vve. IN. t. p. 291. ----- Dechstein, Naturg. Deutschl. IV. S. 293. ». 6. u. S. 302. v. 7. (mit 2 ganz Mik-Iimqtlien Abbildungen). ----- Dessen Taschenbuch, II. S. 306. ».9. u. 0 . 10. ^eyer u. Wolf, Laschend. U. S. 389. - MeiSner n. Schinz, Vög. d. «chweiz. S. 221. 0. 208. ----- Meyer, Vög. Liv.- n. Esthlands. S. 204. ----- Barer. ^ ^02. v.189. --- Brehm, Beitrage, IN. S. 442. ----- ^eyen Lehrbuch, U. S. 590. Dessen Natnrg. a. v. Deutschl. S. 648 - 630. ------ raumann'^ «Zog. alt« AnSg. IN. S. 83. Taf. XX. Kig. 26. Zugendkleid. 8 XU. Ordn. l.VI. Galt. 225, Fluß-Uferläufer. Anmerk. ES ist schwer zu begreifen, wie Wechstein, dieser bewährte Vogel- kenner, den alten und den jungen Vogel dieser Art für zwei verschiedene Arten halten und auch in seinen spätern Schriften noch in diesem Irrthume beharre» konnte, obgleich sich das jugendliche vom vollkommenen Kleide nur wenig unterscheidet, und die vermeintliche Verschiedenheit der Lebensart bestimmt nur in der Einbildung liegen konnte. Kennzeichen der Art. Der weiße Unterkörper in der Mitte rein und ungefleckt; die Außenfahne der äußersten Schwanzfeder meistens rein weiß, nur zuweilen mit Spuren einiger Querflecke in der Nähe der großen weißen Spitze. Beschreibung. Von andern kleinen Strandläuserarten unterscheidet sich unser Wägelchen schon durch seine mehr verlängerte Körpergestalt, die wegen des längetn Schwanzes und der in der That etwas kürzern Flügel, im Allgemeinen, sich der einer Lerche nähert und die Namen: Ufer- oder Meerlerche einigermaßen rechtfertigt, obwvl der viel schwächere Kopf und Hals und die bei weiten höhern und schlankern Füße diesen Vergleich etwas unstatthaft machen. Wegen Färbung und' 'Zeichnung des Gefieders findet sich einige Aehnlichkeit mit dem Temmincks - Strandläufer im jugendlichen Kleide, die an den Flügeln und dem Schwänze jedoch wieder eine ganz andere ist, so wie man die sehr verschiedene Größe beider nicht unbeachtet lassen kann. Wie sehr sich in vielen wesentlichen Dingen die Arten dieser Gattung von den Tringen und Wasserläufern unterscheiden, ist schon bemerkt; dagegen muß hier auf die große Aehnlichkeit zwischen unsrer K^polvuoos und der innvulLriu. aufmerksam gemacht werden, da beide Arten fast einerlei Gestalt, Größe und Färbung haben, die sich selbst über die großen Flügel- und die Schwanzfeder'M erstreckt, und daher die gehörige Würdigung der Artkennzeichen nothwendig macht, wenn man nicht beide Arten neben einander stellen kann, wo sich dann freilich in allen Kleidern, trotz der großen Aehnlichkeit, noch manche große Abweichungen finden, die gar nicht übersehen werden können. So haben beide Arten im hochzeitlichen Kleide nur an den obern Theilen eine gleichmäßige Färbung, an den untern dagegen unser I>; polvuvos, Gurgel oder Kopfgegcnd ausgenommen, gar keinen dunkeln Fleck, nmvulriria dagegen sehr viele und so sehr ausgezeichnete, wie XU. Ordn. l-VI. Gatt. 225. Fluß-Uferläufer. 9 der Unterkörper einer Singdrossel; im Winterkleide sind sich beide Arten am ähnlichsten; im Jugendklcide, wo wie im eben genannten, bei der zweiten Art, der Unterkörper zwar viel weniger und auch kleinere Flecke hat, sich doch auch durch diese schon hinläng- kch characterisirt, aber noch besonders durch ganz eigen gestaltete dunkle Flecke an dem Oberkörper ausgezeichnet ist, wo bei unsrer lugendlichen b^poleuoos nur dunkele und helle Bogen-Linien stehen. Uebrigens ist bei dem letztem der Schnabel stets viel schwächer, namentlich gegen die auch weniger kolbige Spitze zu. Die Größe des Flußuferläufers ist die einer Feldlerche, mit stärkerer Brust, längerem Halse und etwas kürzerem Schwänze; seine Länge 71/2 Zoll, selten bis gegen 8 Zoll, die Flugbreite 14 bis Zoll; die Länge des Flügels, vom Bug zur Spitze, 4^ Zoll; die Spitzen der ruhenden Flügel reichen nur bis ^4 Zoll vor das Ende des 21/4 bis 2 ^ Zoll langen Schwanzes. Das kleine Gefieder ist sehr weich und seidenartig. Die Flügel haben keine besonders langen vordem Schwingfedcm, vbwol man ste eigentlich nicht kurz nennen kann; sie sind spitz, ihr unterer Rand so stark mondförmig ausgeschnitten, und die Hintern wieder solang, daß die längste Feder von diesen, auf dem zusammengefalteten Flü- Zel, mit ihrer Spitze beinahe bis auf die der ersten großen Schwing- feder, welches die längste von allen, reicht. Die Gestalt der Schwing- sedern ist die andrer Strand- und Wafferläufer, auch fehlt hier das kleine verkümmerte Federchen vor der ersten großen Schwinge nicht. Der Schwanz hat fast gleichbreite, am Ende sanft zugerundete Federn, von welchen die zwei mittelsten Paare ziemlich von gleicher Lange und die längsten sind, die andern stusenweis aber an Länge so abnehmen, daß die äußerste Feder 6 bis 7 Linien kürzer ist als eine der mittelsten, weshalb seine Gestalt eine sehr zugerundete, fast stumpfkeilförmige wird. Der Schnabel ist etwas schwacher als der von X. innvulnrin, besonders gegen die Spitze hin, die auch viel weniger kolbig ist; er ist dabei an der Wurzel fast eben so hoch als bei jenem, übrigens gerade, weich, mit tiefer Nasenfurche, die bis nahe an die harte spitze vor geht, wogegen die flachere des Unterschnabels etwas früher endigt. Der obere Theil der Spitze ist kaum etwas länger als und kaum merklich abwärts gebogen. Wegen seiner kann ihn der lebende Vogel an der Wurzel fest gern halten und dennoch an der Spitze, an beiden Theilen, weit n- untere, T^egsamkeit 10 XU. Ordn. L.V1. Gatt. 225. Fluß.Uferläufer. aufsperren. Er ist meistens 1 Zoll lang, seltner 1 Linie darüber, an der Wurzel 2 Linien hoch und etwas weniger breit. Seine Farbe ist bei alten an der Spitze schwarz, am Rücken schwarzgrau, sonst röthlichgrau, und an der Wurzel, besonders unterwärts, trübe fleischfarbig; bei jungen Vögeln düster bleifarbig, nach vorn schwarzgrau, an der Wurzel fleischfarben. Der innere Schnabel ist flach rinnenförmig, der Gaumen mit einem gezackten Haupt- und einem flächern, sehr fein gezackten Ne- benrande, doch verlaufen die Jäckchen derselben noch vor der Mitte der Schnabellänge. Er sieht inwendig bleigrau, gegen den Rachen hin fleischfarbig aus. Das Nasenloch, ein kleiner, kurzer Ritz, liegt in einer weichen Haut, die ein kleines Rändchen um dasselbe bildet, das sie verschließbar macht. Die Augen sind nicht groß und haben einen dunkelbraunen Stern, und weiß befiederte Augenlieder. Die Füße sind weder bedeutend hoch, noch besonders schlank, seitlich zusammengedrückt, weich, ein Theil des Schenkels über dem Fersengelenke nackt; die Zehen nicht schwach, die äußere und mittlere mit einer bis zum ersten Gelenk reichenden Spannhaut verbunden, die innere ganz frei; die Hinterzehe schwächlich, doch etwas langer und tiefer gestellt, als bei der Gattung lotnnus. Der Ueberzug derselben ist vorn herab in eine Reihe größerer Schildchen, übrigens in ganz kleine getheilt, die sehr seicht einschneiden, die Zehenrücken mit ganz schmalen Schildchen und die Sohlen feinwarzig, Alles sehr sanft anzufühlen; die Krallen klein, flach gebogen, schmal, unten etwas ausgehöhlt, mit abgerundeter, scharfrandiger Spitze. Die Füße sind über dem Fersengelenk, die Hälfte dieses (wie immer) mit gerechnet, gegen ^ Zoll nackt, die Fußwurzel I Zoll hoch; die Mittelzehe, mit der 1^ Linien langen Kralle, ebenfalls 1 Zoll laug; die Hinterzehe, mit der kleinen Kralle, 3*/z Linien lang. Die Farbe der Krallen ist braunschwarz, aber die der Füße möchte man mißfarbig (livillus) nennen, eine trübe Fleischfarbe ist nämlich, besonders an den Gelenken, mit einem graulichen Grün überlaufen, so daß beide, so zu sagen, um den Vorrang streiten. An jungen Vögeln fällt die Fleischfarbe mehr in's Gelbliche, an alten in's Grauliche, bei jenen an den Gelenken mehr in's Graue, bei diesen mehr in's Grünliche. Es kommen Individuen vor, an welchen die Füße graugrünlich aussehen und nur an den Gelenken in's Fleischfarbene spielen, an noch andern sind sie beinahe ganz grünlichgrau. Im getrockneten Zustande werden sie schwärzlich. XII. Ordn. L,VI. Gatt. 225. Fluß-Uferläufer. 1t Die erste Bekleidung, welche der junge Vogel schon größ- tentheils aus dem Eie mit bringt, die aber in ein paar Lagen völlig ausgebildet wird, ist das Dunenkleid, welches in einem weichen, dichten, nicht sehr langen, bloß am Steiße etwas verlängerten Flaum besteht. An ihm sind alle untern Theile, vom Kinn bis zum After, ungemein zart und rein weiß; alle obern Theile angenehm hell bläulichgrau, schwarz bespritzt; durch die Augen geht eine schwarze Linie, und von der Schnabelwurzel an, über die Mitte der Stirn und des Kopfs, Halses und Rückens entlang und bis auf den Steiß hinab ein kohlschwarzer Streif. Das Vögelchen hat dann einen hellblauen, an der Spitze schwärzlichen Schnabel, weißliche Füße und graubraune Augensterne. Farbe und Zeichnung dieses (anderswo noch nicht beschriebenen) Kleides sind sehr sauber und nett, ähneln aber fast mehr denen junger Regenpfeifer als anderer Strand- und Wasserläufer. In wenigen Wochen nach dem Ausschlüpfen erscheint das ordentliche Gefieder ausgebildet, und das eigentliche Jugendklei bist vollständig. In ihm hat der Vogel einen bleifarbigen, an der Spitze schwarzgrauen, an der Wurzel fleischfarbenen Schnabel, dunkelbraune Augensterne, schmutzig gelbliche oder fleischfarbige, an den Gelenken und Sohlen grüngrauliche Füße. Ein schmaler Augenkreis ist weiß; vom Schnabel zieht sich über das Auge ein etwas undeutlicher weißer Streif hin; an den Zügeln steht ein dunkler, aus schwarzgrauen Tüpfeln zusammengesetzter Streif, welcher zuweilen noch hinter dem Auge etwas fortgesetzt ist; die Wangen sind weiß, hinterwärts erdgrau gestrichelt; der Oberkopf braungrau, mit schwärzlichen und rostgelblichen Wellenstreifchen; der Hals oben und an den Seiten licht braungrau, dunkelgrau gestrichelt, dies am deutlichsten an den Seiten des Kropfs; die Kehle und Gurgel (diese in einem schmalen Streif), Brust, Bauch, Seiten und alle untern Theile bis an den Schwanz weiß, sehr rein und ohne Flecke; die Schenkel weiß, nach unten braungrau gestrichelt vder gefleckt; Oberrücken, Schultern, Unterrücken, Bürzel und Oberschwanzdeckfedern, auch die Flügeldeckfedern braungrau, mit seidenartigem, schwachen, olivengrünlichen Schein, schwarzbraunen Federschäften und mit schmalen, mondförmigen, doppelten Spitzenkäntchen, indem vor dem schmutzig rostgelben Endkäntchen an jeder Feder noch ein schwarzbrauner Bogenstrich steht, eine Doppelzeichnung, welche auf den mittlern Flügeldeckfedern gewöhnlich und auf den Oberschwanzdeck- federn öfters zwei Mal auf einer Feder vorkommt; die letztem haben 12 XU. Ordn. I^VI. Gatt. 225. Fluß-Uferläufer. auch gewöhnlich noch, wie die Federn der Hintern Flügelspitze (3te Ordnung Schwingfedern), die auch die Rückensarbe haben, an den Kanten abwechselnd braunschwarze und rostgelbliche Randfleckchen. Die Daumenfedern und die Fittichdeckfedern sind braunschwarz, mit weißen Spitzen; die Schwingfedern erster Ordnung braunschwarz, mit schwachem grünlichen Seidenglanz und feinen weißgrauen Spiz- zensaum; dazu hat die dritte von vorn auf dem Rande der Innen- fahne, etwas über der Mitte, ein weißes Fleckchen, das auf den folgenden von Feder zu Feder größer wird und sich mehr und mehr der Wurzel nähert, sich an dieser endlich auf die äußere Fahne verbreitet, an denen der zweiten Ordnung die ganze Wurzelhälfte einnimmt und an den letzten dieser nur noch ein kleines matt schwarzbraunes Fleckchen, vor der sehr großen weißen Spitze, übrig läßt, die alle Schwingfedern zweiter Ordnung, die vordersten nur schmäler, haben, wodurch denn über den ausgebreiteten Flügel ein vorn spitz endender, weißer Doppelstreif entsteht; — der Flügelrand weiß, innerhalb grau geschuppt, die Unterflügeldeckfedern weiß; die Schwingfedern unten dunkelgrau, mit der weißen Zeichnung von oben, die vordere Flügelspitze schwarzgrau. . Die. mittlern Schwanzfedern sind braungrau , mit schwarzen Schäften und Bogenfleckchen vor der rost- gelblichen Spitzenkante, und an den Seiten mit schwärzlich und rost- gelblich gezackten Kanten; das folgende Paar eben so, nur mit weißer Spitze und weißlichen Randfleckchen; das nächste fast ganz weiß mit schmalen schwarzen Querbändern; die übrigen mit eben solchen Querbändern auf rein weißem Grunde, die sich aber auf der schmalen Fahne der äußersten Feder meistens ganz verlieren, oder gegen das große weiße Ende nur in einigen dunkeln Querflecken angedeutet sind. Won unten ist der Schwanz weiß und die schwarzen Bänder sind sehr deutlich gezeichnet. Das braungraue Gefieder an den obern Theilen hat ein seidenartiges Aussehen und sanften Schiller, je nach dem wechselnden Lichte, in Grün und Purpurroth, aber nur ganz schwach und so lange es noch in seiner jugendlichen Frische da steht. Im Allgemeinen ist das Iugendkleid, außer sehr unbedeutenden Abweichungen, immer wie das beschriebene. Es giebt allerdings Stücke, an welchen die Grundfarbe Heller oder dunkler, die Zeichnungen gröber oder klarer sind, solche, wo scholl die zweite große Schwingfeder auf der Jnnenfahne einen Schein eines werdenden weißen Flecks hat, andere, deren Gesicht sehr viel Weiß, wieder andere, deren Kropfgegend feine schwärzliche Schwitze hat, aber alle XII. Ordn. ib-VI. Gatt. 225. Fluß-Userläufer. 13 diese und andere geringe Verschiedenheiten haben keinen Bezug auf Geschlechtsunterschicd, welcher sich kaum in einer etwas geringern Größe des Weibchens bemerklich macht. Wenn das Jugendkleid einige Zeit getragen ist, wird die Grundfarbe lichter und glanzloser, die rostgelblichen Endkäntchen an den Rücken-, Schulter- und Flü- gelfedcrn bleicher und wegen Abreiben schmäler; aber auch dieses ist von geringer Bedeutung. Das Winterkleid hat im Ganzen beinahe dieselben Farben, wie das Jugcndkleid, zumal wenn dieses abgetragen und jenes frisch ist. Ein Streif über und ein Fleck unter dem Auge, Kehle, Gurgel und alle untern Theile sind weiß, die Kropfgegend und Hals- seiten sehr fein schwarzgrau gestrichelt, weil hier fast nur die Schäfte diese Farbe haben; die Zügel schwärzlich; vom Mundwinkel zieht ein aus seinen Punkten zusammengesetzter dunkler Strich nach den grau gestrichelten Wangen; der Oberkopf erdgrau mit dunklem Schäften und lichten Spitzenkäntchen; der Hinterhals erdgrau; die Gegend an den Seiten des Kropfcs, wo die Oberbrust anfängt, licht braungrau, mit feinen schwarzen Schaftstrichelchen;' Rücken, Schultern und Oberflügel braungrau, sehr wenig oder ganz schwach in's Grünliche und Röthliche schimmernd, mit licht gelblichgrauen Endsäum- chen, die nur auf wenigen Federn nach innem von einen schwarzgrauen Bogenstrich begrenzt werden, aber neben den braunschwarzen Federschäften entlang meistens noch einen dunkeln Schatten haben. Die großen Flügelfedern und die Schwanzfedern wie am Jugendkleide. Der Schnabel unten von der Wurzel aus fleischfarbig, sonst schwarzgrau, an der Spitze schwarz; die Füße schmutzig fleischfarben, an den Gelenken grünlichgrau. — Dies Kleid unterscheidet sich demnach nur an den Zeichnungen der obern Theile, welchen hauptsächlich die scharfgezeichneten Doppelkäntchen des Jugendkleides fehlen, von diesem, namentlich wenn es das erste Winterkleid des Vogels ist. Viel auffallender wird dagegen der Unterschied zwischen'jenem und dem Winterkleide alter Vogel, an welchem die Federn der obern Theile nur allein dunkele Schaftstriche und ein lichtes Endsaumchen, das an den Flügeldeckfedern allein etwas auffallender wird, weil es sich schärfer von der Grundfarbe scheidet, ohne daß ein dunkler Strich beide trennt; die Federn der Hintern Flügelspitze haben starke, braunschwarze Schaftstriche und solche zackige schmale Querbänder, welche ziemlich oder theilweise bis an den Schaft reichen; die Bürzel- und Oberschwanzdeckfedern vor den licht gelbgrauen Endkäntchen einen schwärzlichen Bogenstrich. — Männchen und 14 XII- Ordn. I.VI. Gatt. 22S. Fluß-Uferläufer. Weibchen sind in diesem Kleide nicht zu unterscheiden, letztere jedoch, wie immer, etwas kleiner. Das Hochzeits- oder Sommerkleid hat ebenfalls wenig Ausgezeichnetes, mehr jedoch noch, wenn man es mit dem Winterkleids vergleicht, als mit dem Jugendkleide. Bei einem genauen Vergleich wird sich jedoch bald finden, daß es auch vom letztem hinlänglich verschieden und für den Geübten leicht zu erkennen ist. Be- sonders auffallend ist die viele und starke schwarze Zeichnung an den obern Theilen, deren Grundfarbe überhaupt schon dunkler ist. Schnabel und Füße sind wie im vorigen Kleide, auch der Kops hat eine ähnliche Zeichnung, an den Zügeln nur dunkler, und auf dem Scheitel mit stärker» Schaftstrichen; Vorderhals und Kropfgegend sind mit kleinen, aber deutlichen, länglichten schwarzgrauen Fleckchen besäet, an den Seiten röthlichgrau überflogen; Oberrücken und Schultern grünlichbraungrau, dunkler und glänzender als im Jugendkleide, mit rostgelblichen mondförmigen Spitzenkantchen und diesen nach innen begrenzenden schwarzen Halbmonden, einem schwarzen Federschaft und einer oder auch zwei solcher Zackenbinden wur» zelwärts, die oft zusammenfließen, einen großen zackigen oder rautenförmigen, oder wie ein Epheublatt gestalteten schwarzen Fleck darstellend, auch hat die schwarze Zeichnung vor dem lichten End- saum zuweilen eine pfeilförmige Gestalt, Alles viel dunkler und in bestimmtem Umrissen, zum Theil auch nach einem ganz andern Muster, als am Jugendkleide; die Flügeldeckfedern, Unterrücken, Bürzel und Oberschwanzdeckfedern wie der Oberrücken, doch meist nur mit der Doppelzeichnung an der Spitze und ohne jene großen Schaftflecke; die großen Flügelfedern und der Schwanz wie oben beschrieben; Brust, Bauch und übrige Unterkörper rein weiß, wie im Win» terkleide. — Das etwas kleinere Weibchen hat in diesem Kleide an den obern Theilen fast immer eine etwas einfachere Zeichnung, welche die größer» und etwas weniger zackichten Schaftflecke und schmälern schwarzen Halbmonde vor der lichten Spitzenkante bewir- ' ken, ist sonst abes dem Männchen in Allem gleich. Im Sommer verschießt die Grundfarbe an den obern Theilen, sie wird lichter und verliert den grünlichen Schiller fast ganz, die lichten Federkanten stoßen sich sehr ab, dadurch treten die schwarzen Zeichnungen viel mehr hervor; an den übrigen Theilen ist die Veränderung weniger auffallend. An während der Mauser erhaltenen Vögeln sieht man deutlich die Uebergänge von einem zu dem andern der niemals sehr auffallend verschiedenen Kleider. XU. Ordn. Gatt. 225. Fluß-Uferlauser. 15 Diese Art ändert auch zufällig in weiß und weißbunt aus. Mir sind zwei solche Spielarten vorgekommen, wovon die eine überall rein und blendend weiß war, mit fleischfarbenem Schnabel, solchen Füßen und hellbraunen Augensternen lA- k^poleucos oanüiäus); die andere (welche ich noch selbst besitze) hat auf sonst reinweißem Grunde die gewöhnlichen dunkeln Zeichnungen nur auf dem Scheitel, dem Mantel und dem Schwänze, in schwächerer oder gesättigter Jsabellfarbe, die nackten Theile wie bei jener, also eine blasse Spielart (^.. b^polouoos psllickus), welche der ersten an Schönheit wenig nachzieht. Die Hauptmauser bei den Alten beginnt im Juli, geht langsam von Statten und wird kaum mit Ende des August vollendet; denn oft noch im September erhält man Bögel, welche sie noch nicht überstanden haben, wie dies bei Jungen immer der Fall ist, die meist im Herbst unsere Gegenden verlassen, ohne viel mehr als einige geringe Spuren eines beginnenden Federwechsels zu zeigen. Ein Vogel im reinen Winterkleide ist daher im mittlern Deutschland nicht leicht zu erhalten, weil die alten Vogel uns schon verlassen, ehe sie die Mauser vollendet haben, und die Jungen um diese Zeit darin noch viel weiter zurück sind. Der Federwechsel wird erst auf der Wegreise und am Winteraufenthaltsorte in warmem Ländern vollendet, und ehe sie jenen verlassen, beginnt bereits der zweite oder die Frühlingsmauser, wo die Alten wieder früher damit fertig werden und bei ihrer Ankunft in unsern Gegenden im April meistens schon im vollen Frühlingskleide erscheinen, während die Lungen immer noch viel Gefieder vom vorigen Kleide mitbringen, ia dem Anschein nach manche sogar viele Federn davon gar nicht wechseln, bis die Hauptmauser im Juli erfolgt, und ihnen ihr zweites Winterkleid bringt. Aufenthalt. Dieser Uferläuser scheint viele Länder der Erde zu bewohnen, wird, nach glaubhaften Nachrichten, im ganzen nördlichen Asien i. -Kamschatka hin, und, wie man sagt, bis Java herab, im nördlichen Afrika, namentlich in Aegypten und Nubien, ferner 'm ganzen nördlichen Amerika, von Neujork bis zu den An- ' len, sogar bis Cayenne hinab (wenn er hier nicht mit seinem nahen Verwandten, dem Drosseluferläufer, verwechselt ist?) angetroffen. Europa bewohnt er vom mittlern Schweden und 16 XU. Ordn. LVk. Gatt. 225. Fluß.Uferläufer. Finnland an nach Süden zu in allen Theilen, ist in Liv- und Esthland, in Preußen und andern Ostseelandern, so wie an denen der Nordsee, in England, Frankreich, Italien und allen übrigen europäischen Ländern nach Westen, Süden und Osten hin bekannt, ja hin und wieder gemein, obwol nirgends in sehr großer Anzahl, dies etwa nur in den südlichen Theilen, wo er sich bloß zum Ueberwintern versammelt, z. B. in der Nahe der Küsten des mittelländischen Meeres, und an diesem dies- und jenseits. In Deutschland gehört er überall unter die bekannten Vogel; selbst in Gegenden, welche wenig Wasser haben, kömmt er wenigstens auf seinen Wanderungen vor, und auch in Sachsen und unserm Anhalt findet er sich an allen größern und kleinern Gewässern und ist hier einer der gemeinsten Strandvögel. Als Zugvogel wandert er jährlich zwei Mal, im Frühlinge uNd Herbste, durch unsre Gegenden, welche auch von vielen im Sommer bewohnt werden; aber im Winter bleibt keiner hier. Bei uns erscheint er gewöhnlich nicht vor der Mitte des April, auch wol erst im Anfang des Mai, je nachdem sich früher oder später warme Frühlingswitterung einstellt. Der Zug dauert gewöhnlich den ganzen Mai hindurch. Schon in der ersten Hälfte des Juli begiebt er sich wieder aus die Wegreise, ist dann aber keineswegeö eilig, sondern verweilt in Gegenden, die ihm zusagen, besonders wo er nicht in Furcht gesetzt wird, oft Wochen lang. Im August scheint es ihm aber Ernst mit dem Weiterreisen zu werden, und dann verweilt seltner noch ein solcher Vogel einige Tage an einem ihm behaglichen Orte; um die Mitte des September endlich steht man nur noch wenige, welche bis zum nächsten Monat vollends zu verschwinden pflegen, und es sind von später gesehenen, die zuweilen, von Frost und Schnee überrascht, an offenen Gewässern noch ihr Leben fristeten, bis in den December hinein, nur wenige Beispiele bekannt. Das langsamere Fortwandern im Spätsommer macht ihn überall bemerklicher, zumal weil sie dann auch gewöhnlich weniger einzeln als in kleinen Gesellschaften reisen; doch sieht man bei uns auch in der besten Zugperiode niemals große Gesellschaften; 6 bis 8 Stück beisammen kommen schon selten vor, an kleinen Gewässern wenigstens, während sich an größern wol manchmal zufällig 20 bis 30 Stück zusammenschlagen, die ihre Reise durch die Luft zusammen fortsetzen, aber wo sie Halt machen, sich oft auch wieder zerstreuen. Man sieht an diesem Betragen, daß sie nicht zu den geselligen Arten gehören, wie sich denn auch höchst selten ein solcher XI!. Ordn. Gatt. 225. Fluß-Uferläuser. 1? unter andere Arten von Strandvögeln mischt. Im Frühjahr kehrt er einzeln oder allenfalls paarweise zurück, hält sich an einem Orte nie über einen Tag lang auf, und wird daher in dieser Zeit viel weniger bemerkt, als auf dem Herbstzuge. An den Brüteplätzen erscheint er bei unS in der zweiten Hälfte des April immer gleich paarweise. Wie andere Strandvögcl, zieht auch dieser des Nachts. Gegen Abend bemerkt man, daß er unruhiger wird, zumal wenn ihrer mehrere beisammen sind; sie schwingen sich dann mehrmals in die Luft, lassen ihre fröhliche Stimme hören, stürzen sich wieder herab, und treiben dies bis zum Anbruch der Abenddämmerung, wo sie sich endlich sehr hoch in die Lust erheben und, im Herbste in westlicher Richtung, fortstreichen. Sie ziehen so die Nacht hindurch bis in die Morgendämmerung hinein, wo sie sich erst wieder an einem geeigneten Orte niederlassen, können demnach, vermöge ihres anhaltenden und schnellen Fluges, in einer Nacht einen sehr weiten Raum durchstiegen. Auf diesen nächtlichen Reisen lassen sie nicht selten ihre bekannten Töne in der Lust hören und scheinen dann sehr hoch zu - fliegen. Er ist hauptsächlich ein Bewohner der Flußufer, sowol in ebenen, wie in hügelichten, in freien, wie in waldigen Gegenden, und lebt namentlich in der Fortpflanzungszeit meistens nur an fließenden Gewässern, viel seltner an Landseen, wenn solche nicht etwa Zu- und Abfluß haben. Er liebt besonders die Flüsse mit weiten, seichten Betten, an welchen sich Wiesengründe und Auenwälder anschließen, solche reizende Ufer, wie sie unsere Elbe und Mulde in Menge haben, und er ist daselbst in dieser Zeit auch überall gemein. Dagegen scheinen ihm steinige und schroffe Felsenufer nicht zuzusagen, weshalb ihm unsere Saale in weit geringerer Anzahl und bloß an solchen Stellen einen längern Aufenthalt giebt, wo die hohen Ufer entfernter vom Wasser sind, oder wo, wenigstens einerseits, sich Wiesengründe, Weidengebüsch und Laubholzwaldungen anschließen. Kleinere Flüsse, als Saale und Mulde, bewohnt er in jener Zeit nur in sehr geringer Anzahl. Dagegen ist er außer derselben, in der Zugzeit, in jeder Art von Gegend, in Gebirgen oder Ebenen, und an allen Gewässern anzutreffen, an Seen und Teichen, Tümpeln und Lachen, an Flüssen, Bächen und stehenden Wassergräben, sogar an den unbedeutendsten, selbst an solchen, welche zum Theil unter Gebüsch versteckt sind. Kein anderer Strand- oder Wasser- läufer scheint überhaupt das Gebüsch, namentlich Weidengebüsch, so Theil. 2 18 XLI. Ordn. L.V1. Gatt. 225. Fluß-Uferläuser. zu lieben als er; denn er lauft nicht nur gern dicht an oder gar unter diesem herum, wo es sich über das Wasser hängt, sondern setzt sich, gegen die Gewohnheit fast aller übrigen Ufervögel, sogar nicht selten auf dasselbe, wie er denn überhaupt gern auch auf erhabenen Stellen - vorspringenden Usern, Steinen, Pfählen u. dergl. verweilt. In der Zugzeit sehen wir ihn daher in unserm ebenen Lande an allen Teichen und Gräben, jedoch überall seltner an ganz frei liegenden Gewässern, als in der Nähe von Gebüsch, selbst bei den Dörfern, und zwar oft nahe bei den Gehöften. Es ist uns sogar einmal vorgekommen, daß ein solcher Vogel mitten auf einem nicht gar großen Landhofe an einem Gauchtümpel herumlief, da seine Nahrung suchte und dann auf dem das Wasser umgebenden Gestänge ausruhete. Die Teiche und Gräben bei meinem Wohnorte verfehlt er nicht in der Zugzeit alljährlich zu besuchen, und ein solcher Vogel wird hier im Sommer oft auf Wochen heimisch, obgleich die vorbeiführenden sehr nahen Fußstege, ein steter Verkehr und überhaupt die unmittelbare Nähe der Gebäude ihn gar vielfältig in seinem Treiben stören. Jedoch gewöhnen sich überhaupt junge Vögel hier mehr und leichter an das Treiben der Menschen, als alte, die selbst an den einsamem Brutorten sich furchtsamer und vorsichtiger zeigen, und an zu lebhaften, wie an den hiesigen Teichen, obgleich sie solche auch besuchen, nie lange verweilen. Auch in hügelichten Gegenden ist er in der Zugzeit gemein und besucht dann auch die Gewässer gebirgichter Lagen. Die Seeküsten liebt unser Vogel am wenigsten, sie mögen ihm zu frei und zu großartig sein; er besucht sie aber auf dem Zuge. Gewöhnlich trifft man ihn dort an Orten, wo er von andern Strandvögeln nicht gestört wird und sein Wesen für sich allein treiben kann, ganz einsam oder in kleinen Gesellschaften; auf großen weiten Watten aber niemals, sondern nahe an den Deichen oder dem höheren Gestade, wo viel große Steine im Wasser liegen, und an Binnenwassern. Zu seinen Eigenheiten gehört vorzüglich die Zuneigung zu solchen Ufern, an welchen er einigermaßen versteckt leben kann, namentlich wo Gebüsch wächst und es auch hohe Userstellen giebt, aber nicht solche, wo viel hohes Rohr und Schilf den Wasserrand bedek- ken; auch dürfen dergleichen den Wasserspiegel nicht zu oft unterbrechen, überhaupt die Flache nicht zu Hilfreich sein. Er sucht an solchen Gewässern nur die freiern Stellen, mit schlüpfrigem Boden XU. Ordn. QVI. Gatt. S25. Fluß-Uferläufer. 19 ohne Rohr- und Schilsstoppeln aus, und an solchen Lieblingsplätzchen werden alle Individuen, die diese Ufer besuchen, angetroffen. Sehr wenig erhabene, und dabei weit ausgedehnte, freie Uferflachcn behagen ihm nicht. Die Ufer müssen auch schlammig sein, weshalb er an Flüssen die weiten Sandbetten vermeidet, dagegen in den Krümmungen, wo das langsamer fließende Wasser auch Schlamm absetzt, namentlich aber und vorzüglich die schlammigen Altwasser und die von einem höheren Wasserstande zurückgebliebenen Pfützen und morastigen Winkel in den Flußbetten aufsucht, dagegen aber in den eigentlichen Brüchern und Morästen nicht vorkömmt, außer an seichten Durchfahrten mit klarerem Wasser, derberem Boden und bei benachbartem Gebüsch. Zwischen Gras und Binsen verläuft er sich auch nicht, es müßte denn viel freier Boden zwischen den Pflanzen und das freie Wasser nahe dabei sein. Von allen Strandläuferarten ist keine, welche hinsichtlich des Aufenthaltes ihm nahe käme, und unter den Wasserläufern, so viel wir bekannt, nur eine einzige, der Punktirte W. (Ivtunus vvbro- xus),welcher fast überall den Aufenthalt mit ihm theilt, aber beinahe niemals an die Meeresküste kömmt. Eigenschaften. In seinem Betragen weicht er gar sehr von allen Strand- und Wasserläufern ab. Im Stehen und Gehen trägt er den Körper immer wagerecht, ja die Brust im Stillstehen oft unter diese Linie herabgesenkt, so daß der lange Hintertheil höher steht als jener. Sein Gang ist behende, trippelnd, auch wol anhaltend und schnell; er thut das letzte aber nicht oft und nur im Nothfall, wo er sich wol ein Mal auf die Blätter der Seeblumen (X^inpbaon) und anderer schwimmenden Wasserpflanzen niederläßt und leicht darüber hinläuft. Viel gewöhnlicher steht er still am Ufer oder trippelt auf einem wenige Geviertschuhe haltenden Fleckchen daselbst herum. Seine Lieblingsplätzchen sind bald ein stiller Winkel am flachen Ufer oder ein Schlammhäufchen mit offner Aussicht nach der Wasserseite, bald ein dicht am oder aus dem Wasser hervorragender großer Stein, ein uicht zu hoher Pfahl, ein Balken, Bret, Flechtwerk, ein im Wasser liegendes großes Stück Holz, eine Kahnspitze oder gar ein starker Ast eines über dem Wasser Hangenden Baumes, und er drehet 20 XU. Ordn. Q-VL. Takt. 22ä. Fluß-Uferläufer. sich nicht selten Stunden lang auf einem solchen herum, ehe er es ein Mal freiwillig mit einem andern vertauscht. Eine zweite Eigenthümlichkeit ist, außer einem häufigen und besondern Kopfnicken, durch schnelles Verlängern und Verkürzen des Halses hervorgebracht, ein Wanken oder Kippeln mit dem Leibe, auf und nieder, wie ein Wagebalken, wobei die Schenkel der Ruhepunkt sind) der Hinterleib aber jederzeit heftiger bewegt wird als die Brust, gerade wie bei der weißen Bachstelze. Dies Kippeln ist auch, gerade wie bei dieser, gleich nach dem Niedersetzen am stärksten und dann eben so mit einem Ausbreiten des Schwanzes vergesellschaftet. — So, unter stetem Wackeln mit dem Hinterkörper am Ufer her- umtrippelnd, ist er leicht mit jenen Bachstelzen zu verwechseln, zumal Weiß und Grau auch bei ihm die vorherrschenden Farben sind und er oft mit jenen zusammentrifft, obgleich sie ihm nicht hold sind, ihn im Fluge oft verfolgen, necken und herumjagen, wobei gewöhnlich eine Art die andere an gewandten Schwenkungen zu übertreffen sucht. Zwei bis drei Bachstelzen verfolgen oft einen solchen Uferläufer, wie es scheint, alles Ernstes; aber alle sind beruhigt, sobald der letztere sich wieder gesetzt hat. Diese Neckereien scheinen ihm sehr zuwider zu sein, und seinen Unwillen darüber giebt er gewöhnlich durch heftiges Schreien laut zu erkennen. Sein Flug ist leicht, schnell und gewandt, und der weiße Doppelstreif, als Einfassung des untern Flügelrandes, neben dem dunkel gefärbten Bürzel, machen ihn vor andern leicht kenntlich. Es liegt in diesem Fluge aber auch noch manches Andere, was diese Art charakterisirt. Gewöhnlich geht er in gerader Linie und so ganz niedrig und so dicht über die Wasserfläche hin, daß man befürchtet, der Vogel berühre bei jedem Schlage mit den Flügelspitzen das Wasser, was auch unfehlbar geschehen müßte, wenn er die Flügel stärker schlüge; die Schwingungen sind aber so seicht, daß man es mehr ein schnelles Hingleiten nennen könnte, wenn es nicht mit einem ganz eigenthümlichen schwachschnurrendrn Nucken in nicht langen Zwischenräumen verbunden wäre. Er hält dabei die sichelförmigen Flügel ziemlich von sich gestreckt, aber die Spitzen nach unten gebogen, dies letzte besonders auffallend, wenn er sich eben setzen will und niederschwebt. Wenn er jedoch seinen Aufenthalt an einen fernen Ort verlegen will, dann schwingt er sich hoch in die Luft und ähnelt da in seinen Bewegungen den kleinen Regenpfeiferarten sehr. Von seinem Plätzchen aufgescheucht, fliegt er, wenn er nicht weiter will, dicht über dem Wasser, gewöhnlich gerade dem entgegengesetzten XU. Ordn. QVi. Gatt. 225. Fluß-Userläuser. 21 Ufer zu; ist dies aber zu fern, so kehrt er in einem großen Bogen, immer dicht über dem Wasser entlang, zum ersten zurück und setzt stch nicht weit vom frühern Ruheplätze; oft schwärmt er auch über kleinern Teichen erst einige Mal herum, ehe er sich wieder setzt. Er kann, wenn es Noth thut, auch schwimmen und untertauchen; besonders thun dies flügellahm oder sonst angeschossene. Sie tauchen mit offenen Flügeln, rudern damit sehr schnell unter dem Wasser fort und erscheinen zuweilen erst ziemlich weit von der Stelle, wo sie untertauchten, schwimmend auf der Wasserfläche. Ihre Stell lung dabei erinnert sehr an die Wassertreter. Von Natur sehr furchtsam, sucht sich unser Flußuferläuser gern solche Plätzchen an den Ufern, wo er nicht schon von weitem gesehen werden kann und die Aufmerksamkeit anderer Geschöpfe zu früh auf sich zieht. Er treibt sein Wesen gern im Stillen und halb und halb im Verborgenen, obwol er sich eigentlich (wohl zu merken) niemals verkriecht, noch weniger im Grase u. dergl. versteckt. Selbst jene erhabene Plätzchen, wo ep so gern verweilt, sind fast immer so gelegen, daß er wenigstens vom nächsten User aus nicht schon aus der Ferne gesehen werden kann. Auf einem alten, verstümmelten, aus andern dichtbelaubten Bäumen, Gebüsch und einem Zaune hervorragenden und über das Wasser Hangenden Birnbaum, am Teiche ueben meinem Garten, war ein Stand und Sitz von Bretern für eine Person wenigstens 4 Fuß hoch über dem Wasserspiegel angebracht; dieser wurde von Allen, welche in der Zugzeit unsere Leiche besuchten, zum Ruheplätzchen benutzt, obgleich am entgegengesetzten Ufer, nicht 40 Schritte entfernt, ein sehr betretener Fußweg vorbeiging, wo sie durch Vorübergehende sehr oft verscheucht wurden, dessenungeachtet aber doch immer bald wieder zu jenem bequemen Sitze auf den Bretern zurückkehrten. Vom Garten aus, hinter dem Zaune, daher unbemerkt, beschlichen wir sie dort oft und sahen ihrem Treiben auf den Bretern lange und mit vielem Vergnügen zu. — Durch etwas erhöhetes Ufer, einen Damm, Gesträuch, Schilfbusch und dergl. gedeckt, bemerkt ein solcher Vogel den Vorüberwandelnden sehr oft nicht früher, als er seine Tritte vernehmen kann, und fliegt so überrascht dann gewöhnlich ziemlich uahe heraus, ein Vorkommen, das bei oberflächlichem Beobachten leicht den Verdacht erregen könnte, als habe sich der Vogel (nach Art der Schnepfen) gedrückt gehabt, was er aber niemals thut. — Bei einer gewissen Zutraulichkeit, die er dadurch zeigt, daß er sich, besonders in der Zugzeit, oft an Gewässern aufhält, die nahe an 22 XU. Ordn. !>V1. Gatt. 225. Fluß-Uferläufer. Dörfern und Wegen liegen, bleibt er dennoch auf seiner Hut gegen. Alles, was ihm Gefahr bringen könnte, und weiß oft sehr verschmitzt den Nachstellungen zu entgehen. Er ist klug genug, theil- nahmlos Vorüberwandelnde von den ihn scharf beobachtenden Menschen zu unterscheiden, und flieht die letzter» alle Mal früher als die erster», zumal die alten Vogel, die selbst beim Neste einen höher» Grad von Vorsicht zeigen, als hier viele andere Vogel zu thun pflegen. Auf dem Freien hält kein Alter dem Jäger schußmäßig aus, eher die Jungen, selbst noch im Spätsommer; jedoch sind auch diese meistens vorsichtig genug, und sie können durch fortgesetzte Verfolgung zuletzt sogar noch sehr scheu gemacht werden. Gegen andere Strandvögel aus der Familie der schnepfenarti- gen, überhaupt gegen alle Vögel, auch gegen seines Gleichen, ist er sehr ungesellig. Er macht sich nichts mit ihnen zu schaffen, ist am liebsten allein und scheint unter jenen gar gern, wo nicht den Misanthropen, doch den Einsamen zu spielen. Selbst auf dem Zuge sieht man mehr einzelne als Päärchen, nicht oft 3 Stück und sehr selten mehr als 2V beisammen. Nur ein sehr lockeres Band halt solche Vereine, indem sie sich sehr leicht trennen lassen, und davon versprengte Individuen sich eben so leicht ganz absondern. Sie steigen zusammen auf, aber im weitern Fortstreichen kehren einzelne, ohne gewaltsame Ursache, um, oder lassen sich wo anders nieder, unbekümmert um das Locken der andern. Bloß am Abend locken sich in der Zugzelt öfters solche wieder zusammen, um in Gesellschaft die nächtliche Reise anzutreten; aber da, wo sie des Morgens anlangen, zerstreuen sie sich auch bald wieder und gehen bis gegen Abend gewöhnlich vereinzelt ihren Geschäften nach. An großem Landseen und Flüssen kann man diese Beobachtungen oft machen. Seine Stimme ist ein äußerst Helles, zartes, weitschallendes, aber nicht schneidendes Pfeifen, in einem sehr hohen Tone, das dem des gemeinen Eisvogels sehr ähnelt, aber doch zwei Töne tiefer ist und viel reiner klingt. Diese Aehnlichkeit ist groß genug, um den weniger Geübten zu täuschen, während der praktische Kenner den Unterschied leicht findet, weil die Eisvogelstimme eine scharfschneidende, die unsers Vogels aber eine mehr flötenartigere und angenehmere ist. Sie ist sehr einfach, klingt aber äußerst lieblich, hoch und hell, wie Hididi, Hididih, und auf dies hohe I sind alle vorkommende Abwechslungen gestellt, sp daß Lockton, Warnungs- rus, der Ausdruck von Freude, von Leid u. s. w. fast gar keine Verschiedenheiten zeigen, als die im Ausdruck liegen, wie denn z. B. XII, Ordn. I.VI Gatt. 225. Fluß-Uferläufer. 23 in Noth und Angst der Ton mehr gedehnt wird, und dann einfach wie iiht klingt, bei ärgerlichen Borfällen, auch im Schreck, bloß einfach als ein kurzes J d ausgestoßen, bei recht eifrigem Locken aber das Hididi hastiger und öfter wiederholt ausgerufen wird, u. dergl. mehr, wobei es aber immer kenntlich bleibt. Der Lockten wird von beiden Geschlechtern seltner im Sitzen als fliegend vernommen, am häufigsten in der Abend- und Morgendämmerung, zumal in der Zugzcit. Auch die Zungen haben schon, noch ehe sie Federn bekommen, diesen Ton, nur viel zarter noch, und auch mehr gedehnt, wie ihdihdihd klingend. Ganz besonders ist der Paarungsruf oder Gesang des Männchens in der Begattungszeit, zwar auch jenen Tonen ähnlich oder vielmehr daraus zusammengesetzt, jedoch einer nähern Bezeichnung werth. Er klingt hoch und hell Titihidi, titi- hidi, titihidi u.s. f. Diese vier Sylben, wo auf die dritte der Ausdruck gelegt wird, die zwei vordersten und die letzte aber etwas sanfter und kürzer gehalten werden, ^ ss ) wiederholt der wunderbare Sänger, in einer Ebene, jedoch in einer Zickzacklinie, dicht über dem Wasserspiegel hinstreichend, so unendlich oft in einem Zuge, daß man 3V, 50, ja zuweilen noch viel mehr solcher Wiederholungen zahlen kann und über seine Ausdauer erstaunen muß, wie der anstrengende Flug und zugleich das schnell auf einander folgende Ausstößen jener Töne seine Kräfte nicht ganz erschöpfen. Dieser wunderliche, eintönige, lange Gesang klingt indessen genau so, wie man oft die ungeschmierte Welle eines rasch gedreheten Schleifsteins oder Schubkarrenrades pfeifen hört. Das Männchen singt nur am Wrü- teorte, obschon, sobald es sich dort mit dem Weibchen zusammengefunden hat, am meisten, wenn dieses legt und brütet, und hört nach und nach damit auf, wenn die Zungen bereits Federn bekommen. Es singt aber nie im Sitzen, sondern stets nur in jenem merkwürdigen Zickzackfluge. In der Ferne und durch die Winde mo- dulirt, klingt dieser Gesang fast trillerartig, in der Nähe aber genau wie oben bezeichnet. Unser Uferläufer ist auch ein gemüthlicher Stubenvogel, als welcher er bald zutraulicher wird und durch sein sonderbares bachftelzen- artiges Benehmen dem Besitzer viel Freude macht. Besonders spaßhaft ist es, wenn er, wie eine Katze, in sehr geduckter Stellung Megen u. dergl. zu beschleichen sucht und den eingezogenen Hals auf solche abschnellt, sobald er sich ihnen genug genähert zu haben glaubt. Er thut dies nicht nur bei seinem Freßnapfe, sondern 24 Ull. Ordn. OVl. Gatt. 22L. Fluß-Uferläufer. schleicht auch denen, die sich an Lisch- und Stuhlbeine oder unten an die Wand setzen, nach, ganz wie die Bachstelzen auch thun, und dss häufige und heftige Kippeln mit dem Hinterleibs, nach einem gemachten Fange oder auch andern Veranlassungen, hilft diese Aehn- lichkeit noch vermehren. Sonst läuft er wenig im Zimmer umher, steht und trippelt meistens beim Freßgeschirr herum, und beschmutzt daher nur einen kleinen Raum, diesen aber, da er oft auch in das hingestellte Wassergeschirr tritt, etwas stark, und taugt so nicht in reinliche Wohnzimmer. Sein Leben bringt er hier auch nicht hoch, ob er gleich ein ziemlich harter Vogel ist, indem an einer Flügelwunde, wenn sie nicht nahe am Leibe ist, keiner stirbt. In einem offnen geräumigen Behälter im Freien, wo er freilich im Winter nicht sein kann, halt er sich jedoch auch mehrere Jahre. Nahrung. Er nährt sich an . den Ufern der Gewässer nicht bloß von kleinen Insektenlarven und andern, Gewürm, sondern auch von allen dort vorkommenden kleinern vollkommenen Insekten, namentlich aus den Klassen der Netz- und Zweiflügler. Sein Magen enthält stets mehr Ueberbleibsel von vollkommenen Jnsekren als von Larven und dergl., nebenbei auch immer etwas groben Sand. So in den Nahrungsmitteln, noch mehr aber im Aufsuchen derselben, weicht unser Vogel bedeutend von allen Strand- und Wasserläufern ab, Er läuft zwar auch deshalb am Wasser- rande entlang, sucht und pickt da alle Augenblicke etwas vom Schlamme oder an den Steinen hinweg, oder wadet einem schwimmenden Nahrungsmittel bis an den Leib im Wasser entgegen; aber dies sind meistens vollkommene Insekten, entweder todte, welche angeschwommen kommen, oder lebende, die daselbst sitzen oder laufen; sogar viele der fliegenden entgehen ihm nicht. Obgleich selbst nicht fliegend, erschnappt er sie doch mit großer Gewandtheit und Sicherheit im Vorbeifliegen, wenn sie ihm nahe genug kommen, und beschleicht solche, die sich setzen, wie schon berührt, in einer gebückten Stellung, den Hals eingezogen, und wenn er sich sachte genähert hat, mit rasch vorgeschnelltem Schnabel. Er macht sich hierbei niedrig und ganz schlank, den Kopf mit dem eingezogenen Halse niedergebückt, und schreitet leise und sehr behutsam drauf los, und sein Schnabelstoß verfehlt dann selten das Ziel. Bei diesem Beschleichcn seines Raubes benimmt er sich gerade wie eine Katze, welche so XI!. Ordn. E. Gatt. 22L. Fluß-Uferläufer. 25 e wüo vor hüt; aber auch die Bachstelzen machen es oft so. Auf lele Weise erhäscht er eine Menge Flieg enarten, Mücken, chnaken, Hafte, Phryganeen, auch Wasserspinnen, viel ,e ner aber, kleine Käferchen; denn die weichen Insekten scheinen rym er weitem mehr zu behagen, als jene mit harten Decken. Er et diese Lhierchen viel gewöhnlicher an seinem Lieblingsplätzchen, ? aß er ihnen am Ufer entlang nachlauft und ganze Strecken arnach absucht. Er steht dort oder trippelt auf einem kleinen Raume herum und fängt alle Augenblicke Etwas, und wenn er es auf dem emen überdrüssig ist oder gestört wird, fliegt er aus ein anderes sol- ^ ^Eugsörtchen. Haben diese weichen Boden, wie z. B. Schlammhaufchen, so tritt er sie nach und nach ganz dicht und ^ine da in unendlicher Zahl abgedrückten Fußtapfen sind urcht mehr zu unterscheiden; er bezeichnet sie aber noch auf andere ^ise, nämlich mit seinen dünnflüssigen Exkrementen, die daselbst als zahllose weiße Klexe dicht bei einander liegen und solche Stellen ald kenntlich machen. Der Name „Lyßklicker" scheint dies bezeichnen zu sollen. Eine Hauptnahrung sind unserm Vogel die in und an den Neßenden Gewässern in so erstaunlicher Menge lebenden Hafte t'plismeru) von verschiedenen Arten, namentlich die kleinern, wie korurir» u. a> m., sowol in ihren Larven- und Halbnymphen- zuständen, als auch als vollkommene Insekten. Der stete Ueberfluß "n Nahrung überhaupt und sein guter Appetit dazu machen, daß er in jeder Jahreszeit wohlbeleibt und im Spätsommer und Herbste Meistens sehr fett ist. Daß ihm die weißen Bachstelzen so abhold sind, geschieht sehr wahrscheinlich aus Futterneid, weil er ihnen die Nahrung schmä- ert und sich meistens eben so nährt wie diese. Er unterscheidet sich ledoch «och genug von ihnen daran, daß er die Insekten nicht flie- Zend verfolgt, wenn er diesen auch gleich oft auf das Trockene nachtust, und daß er sich stets bloß am Wasser aufhält und allein da mne Nahrung sucht. Warum indessen fein Schnabel weicher und biegsamer ist, als der der Strandläufer und ähnlicher Gattungen, möchte nicht leicht zu errathen sein, da er ihn, wie man kaum vermuthen würde, sehr uwnig als Tastorgan oder zum Durchwühlen des Schlammes geraucht, und selten aus diesem kleine Würmchen und Larven hervorholt, dagegen diese wie andere Nahmngsmittel immer mehr da hinweg nimmt, wo sie seinem spähenden Auge nicht ganz verborgen 26. XU- Ordn. I^VI. Gatt. 225. Fluß-Uferläufer. waren. Er verschluckt auch kleine Regenwürmer, wenn sie sich ihm zufällig darbieten, entfernt sich aber um dieser willen nicht weit vorn Wasser. Sehr selten sieht man ihn über einen mit ganz kurzem Rasen bedeckten Platz Hinweglaufen und beiläufig ein Insekt fangen; in langes Gras begiebt er sich dagegen niemals. Man sieht ihn wol auch zuweilen ein Wasserbad nehmen, sich doch aber dabei selten sehr naß machen; wenigstens thun dies in Gefangenschaft gehaltene nicht oft. Gefangene, auch flügellahm geschossene Flußuferläufer gewöhnen sich recht bald an das vorgesetzte Stubenfutter, aus in Milch eingeweichtem Weißbrod bestehend, das man ihnen anfänglich mit zerstückelten Regenwürmern, Fliegen oder andern kleinen Insekten vermengt hatte, damit sie jenes gelegentlich mit verzehren und Geschmack daran finden lernten. Wasser müssen sie immer gleich daneben haben, weil sie, wie andere Ufervögel, immer gern den Schnabel darin abspülen, auch oft trinken und sich mit den Füßen hineinstellen, aber viel seltner baden. Die Fliegen, welche das Milchfutter an den Freßnapf lockt, fängt ein solcher Vogel alle weg, und er verfolgt auch, auf die schon beschriebene Weise, die sonst noch im Zimmer befindlichen, wenn sie nahe an den Fußboden Herabkommen und er sie erreichen kann. Die etwas höher sitzenden erhäscht er oft doch, indem er sich recht lang macht, mit einem Satze gerade aufwärts springend. Er hält sich daher in Stuben, wo es viele Fliegen giebt, wie auf dem Lande, sehr gut. Fortpflanzung. In Deutschland pflanzt sich diese Art ziemlich häufig fort; wenigstens können wir dies von seiner nördlichen Hälfte mit Gewißheit sagen. Ob er an Seen, Leichen und andern stehenden Gewässern niste, wie in frühern Schriften über diesen Gegenstand gesagt ist, bezweifeln wir, weil wir uns nicht erinnern, ihn jemals in dieser Absicht an jenen angetroffen zu haben. Dagegen beobachteten wir ihn vielfältig selbst an unsem Flüssen und fanden ihn nistend niemals anderswo. Auch die neuesten Beobachtungen Anderer stimmen damit überein. Wie schon oben berührt, bewohnt er in der Fortpflanzungszeit nur die Ufer der Flüsse, in unserer Nähe namentlich die der Mulde und Elbe, viel einzelner die der Saale. Wo jene Flüsse durch Laubholzwald strömen oder wenigstens auf der einen Seite solchen haben, wo es am Ufer recht viele Buschweiden XU. Ordn. j.VI Gatt. 225. Fluß-Ufer läufer. 27 und sogenannte Wcidenhäger von bedeutender Ausdehnung giebt, wo das Flußbette recht weit ist, aber weniger todte Sandflächen, als schlammige Rückstände voriger hohen Fluten hat, wo stillstehende, nur bei hohem Wafferstande abfließende Arme des Stromes oder sogenannte Altwasser sich anschließen, überhaupt in den stillen Winkeln, wo das Wasser ruhiger fließt, da findet sich, so weit Elbe und Mulde durch unsere nächsten Gegenden strömen, auch unser Wo- gel alljährlich zum Nisten ein, an der Saale aber viel weniger, weil dieser Fluß sehr häufig von hohen Felsenufern zu sehr eingeengt wird, was ihm gar nicht zusagt, er daher hier nur an Stellen vorkommt, wo das Bette weiter, die Gegend ebener und namentlich waldiger ist, wie z. B. nicht weit vom Ausflüsse derselben in die Elbe. Seine Nistplätze liegen oft nicht weit von bewohnten Orten, doch nie ganz nahe und viel öfterer weit von denselben. Recht oft nisten daselbst auch andere dort gemeine Ufer- und Wasservögel, als: Flußregenpfeifer, Fluß- und Zwergseeschwalben; doch mischt er sich freiwillig nie unter sie und sein Nestplatz liegt auch stets von denen jener entfernt, weil er nicht so einfältig wie diese ist, sein Nest im Flußbette selbst und an so niedrigen Stellen anzulegen, daß jede unbedeutende Anschwellung des Flusses es Hinwegschwemmen muß, wie den genannten Arten oft wiederfährt. Er erfreuet sich daher auch fast immer eines glücklichern Erfolgs bei seinen Fortpflanzungsgeschäften. Gewöhnlich in der Mitte des April erscheinen die Päärchen, meistens schon gepaart, am Nistorte, und ihre fröhliche Unruhe, besonders des Männchens, dessen Gesang bald nach seiner Ankunft daselbst beginnt, läßt bald ihre Absicht errathen. Mehrere Päärchen uisten niemals nahe beisammen; sie sind so einzeln am Flußufer vertheilt , daß man oft auf einer Strecke von einer halben Stunde kaum zwei oder wenigstens nie mehr antrifft. An dem viel breitem Elbstrome giebt es indessen Stellen, wo dem einen gegenüber, auf dem jenseitigen Ufer, noch ein zweites Paar wohnt. So bemerkt man sie denn an Elbe und Mulde zu dieser Zeit wol überall, doch nirgends in solcher Menge, wie etwa die oben genannten Gefährten. Sie nisten, da sie überhaupt früher ankommen, auch um einige Wochen früher als jene, und bald nach ihrer Ankunft ist auch die Wahl des Plätzchens getroffen und das Nest angelegt. Im Jahre 1822 fand ich schon am 3vsten April ein Nest mit der vollen Zahl der Eier. Das heimliche, verschmitzte Wesen, was dem Vogel im Uebri- 28 XU- Ordn. l^VI. Gatt. 225. Fluß.Uferläufer. gen anhängt, zeigt sich auch hier, beim Neste. Es ist dieses, wie gesagt, nie in den niedrigen und öftern Überschwemmungen ausgesetzten Flußbetten, sondern an Stellen angebracht, welche nicht leicht von einer Sommerflut erreicht werden, oft 6 bis 10 Fuß über dem derzeitigen Wasserstande, am wahren Ufer oder auf etwas niedrigern Vorsprängen desselben, daher vom Wasser bald nur wenige, bald auch gegen 160 Schritte entfernt, dies letzte nämlich, wenn einerseits das flache Bette des Stromes bis zum rechten Ufer diese Breite hat. Schon dieser Umstand erschwert das Aufsuchen desselben gar sehr; man sieht die Vogel in derselben Gegend am Wasser täglich, ihre ängstlichen Gebehrden verrathen die Nähe des Nestes; allein man weiß, wenn man ihre Gewohnheiten nicht genau kennt, doch nicht, wo man nach dem Neste eigentlich suchen soll, wenn der Zufall und vielleicht das Herausfliegen des beim Legen oder Brüten überraschten Weibchens nicht dabei behülflich sind. Kommt man diesem nicht zu plötzlich über den Hals, so läuft es erst ein Stück vom Neste fort, ehe es auffliegt und sich zeigt. Zudem ist auch das Nest so versteckt, wie ich es noch bei keinem andern Strandvogel gefunden habe. Man kann nahe dabei stehen, und sieht es nicht, weil es der Vogel oft so anlegt, daß man nicht hineinsehen kann, oder dies doch nur von einer Seite her möglich wird. Alle Nester, welche ich gefunden, und dies sind nicht wenige, waren so angelegt; allein im Grase oder gar im Schilfe, wie man in frühern Werken angegeben findet, oder, wie Bechstein sagt, im Sande oder Kiese, oder gar in einem Userloche, sahe ich niemals eins. Von den von mir gesehenen waren die meisten unter Weidengebüsch versteckt, meistens nicht ganz nahe am Rande, sondern einige Schritte von diesem in den Weidenhägern, von jungem oder auch schon zu 6 bis 8 Fuß hoch aufgeschossenem Gesträuch. Das niedlichste, was ich je sah, war an der Seite eines Weidenstrauches, gerade unter einem, in einem Winkel von 45 Grad vorstehenden, mehr als daumenstar- ken Weidenzweiges, über dessen Stammende sich von beiden Seiten junges Gras bog, so daß unter dem Zweige, auf der Erde, eine Art kleiner Halle entstand, worin das Nest stand, das also nur von vorn zugänglich war. Damals noch Knabe, fand ich die Gelegenheit sehr einladend, an den Weidenstock Schlingen zu befestigen, und der arme Vogel war am folgenden Tage in meinen Händen. — Ein anderes dieser Nester war auf einem abgetriebenen (abgehauenen) Weidenhäger, zwischen den Weidenstorzeln, in einem beim Eisgänge angeschwemmten Streifen alten Wustes, von dürren Blattern, X!1. Ordn. I^I. Gatt. 225. Fluß-Uferläufer. 29 zerstückelten Reisern, Schilfstoppeln und dergl. angebracht, daß man die Eier auch nur von einer Seite liegen sah, auf der andern aber der alte Wust eine Art niedrigen Schirm bildete. Noch andere sah ich, die, zwar nicht dicht am Neste, doch einerseits so eine Art von Schutz dadurch erhielten, daß sich in geringer Entfernung der Boden so erhob, daß sie von dieser Seite doch auch nicht leicht zu finden waren. Bei allen ist die Ausgangsseite immer dem Wasser zugekehrt. Einst fand ich ein solches Nest auf einem im vorigen Jahre neu angelegten, aber schlecht gediehenen Weidenhäger, welcher etwas hoch lag, sehr dürre war, und wo der Boden zwischen den dürftigen Weiden- Pflanzen wenig magere Kräuter hervorbrachte, in einer Vertiefung oder Furche. Aus diesem waren die Zungen bereits ausgelaufen; ich war jedoch so glücklich, diese nach langem Suchen endlich doch noch auf jenem Platze, aber weit vom Neste, aufzufinden. Die Nester sind jederzeit viel besser gebauet, als man von einem Strandvogel erwarten möchte; der tiefe Napf ist recht nett mit Grashalmen und Grasblättern ausgelegt und gut gerundet, der Materialien zwar weniger und die Wände viel dünn-r als bei einem Lcrchenneste, das Ganze jedoch nicht viel unansehnlicher, als ein solches. hej andern schnepfenartigen Vögeln, ist auch hier die Zahl der Eier in einem Neste nicht mehr als 4. Diese Eier sind ver- hältnißmaßig sehr groß, und kein ähnlicher bekannter Vogel von dieser Größe legt so große Eier. Sie sind fast kleinen Haustaubeneiern hierin ähnlich, aber freilich von einer ganz andern Gestalt, viel dicker, sehr bauchicht, das eine Ende stark ab-, das andere zugeredet, und dieses bedeutend spitzer als jenes, obwol im Ganzen nicht so stark birn- oder kreiselsörmig, wie die ihnen in der Farbe ähnlichen Eier der kleinen Halsbandregenpfeiserarten, welche die unsers Vogels meistens alle an Größe weit übertreffen. Sie variiren darin erstaunlich, so daß ein Nest oft um vieles größere als ein anderes enthält, namentlich nach ihrer Stärke in der Breite, haben eine glatte, etwas glänzende Oberfläche und eine truberostgelbliche, bald mehr, bald weniger inS Weißliche übergehende Grundfarbe, die frisch sehr wenig oder kaum schwach ins Grünliche schimmert, wovon sich in Sammlungen bald alle Spur verliert. Auf diesem rost- gelblichen Grunde haben sie in der Schale viele violett- und aschgraue Fleckchen und Punkte, aber auf derselben noch viel mehr Fleckchen, Tüpfel und Pünktchen von einem dunkeln Rothbraun, die theils über die ganze Schale zerstreuet, theils am stumpfen Ende dichter als am entgegengesetzten stehen, bald weniger häufig sind und 30 ,XI!. Ordn. OV?. Gatt. 225. Fluß-Uferläufer. die Grundfarbe gar nicht entstellen, bald so zahlreich sind, daß sie den Grund merklich verdunkeln. Diese rothbraune Zeichnung cha- rakterisirt sie vorzüglich, so daß sie in allen Variationen und trotz aller Ähnlichkeit mit den Eiern des Okurullrius Kiaticul» (die sie in Größe auch noch hinter sich lassen), OK. ountikmim, OK. rumor, der 8lerrm kirimüo und 8t. mirrutrr (die ihnen alle mehr oder weniger ähneln) nicht leicht verwechselt werden können. Mit den Eiern der Wasserläuferarten (lotrmus) haben sie in der Farbe gar keine Ähnlichkeit, und stets eine viel feinere Zeichnung. Das Weibchen brütet sehr anhaltend und eifrig, so daß man sich demselben behutsam bis auf wenige Schritte nähern kann, ehe es herausfliegt. Nach etwas über zwei Wochen langer Bebrütung schlüpfen die Jungen aus den verhältnißmäßig sehr großen Eiern, werden nun noch eine kurze Zeit von der Mutter erwärmt, und verlassen das Nest, nachdem sie abgetrocknet sind, bald. Sie suchen sich nun in den Weidenhägern oder an andern Orten der Ufer zwischen Kräutern und niederm jungen Holze zu verstecken. Es hält sehr schwer, sie ohne Hühnerhund dort aufzufinden, wenn auch die Alten den Suchenden unter jämmerlichem Sckweien in ziemlicher Nähe umflattern und dadurch den Aufenthalt jener verrathen, sie aber auch damit zugleich warnen, durch unzeitiges Hervorgehen aus ihrem Versteck sich dem Feinde nicht bloßzustellen. Das ängstliche gedehnte Jiht der Alten, namentlich der Mutter, wird in solchen Fällen so oft wiederholt, daß es dem Suchenden lange nachher noch vorschwebt, zumal wenn er ein solches Junges ergriffen hat, und dieses sein ungemein hohes, zartes Jhdihdihd ausruft, wo dann die Alten fast von Sinnen kommen, sich jedoch dabei lange nicht so nahe an den Feind heranwagen, als manche andere Vögel in solchen Fällen thun. Die einige Lage alten Jungen wären sehr niedliche Geschöpfe, wenn sie nicht die etwas unförmlichen dicken Fersengelenke an ihren Stakelbeinen etwas entstellten; denn die Farbe und Zeichnung ihres Dunenkleides ist, wie oben beschrieben, sehr nett. Solche laufen nicht nur schon sehr behend, sondern schaukeln auch schon mit dem etwas verlängerten Hinterleibs, wie die Alten. Dieser hat darum eine etwas verlängerte Gestalt, weil der Flaum am Steiße viel länger, als der übrige ist. Nach 8 Lagen keimen schon die Stoppeln der Flügel- und Schwanzfedern hervor, und nach nicht vollen vier Wochen sind sie flugbar und der Pflege der Alten gänzlich entbunden, ja sie können diese ohne Nachtheil wol schon eine Woche srü- XU. Ordn. I^VI. Gatt. 225. Fluß-Uferläufer. 31 her entbehren. Wenn die Jungen so weit erwachsen sind, daß sie die Fürsorge der Aeltern entbehren können, entfernen sich die letztem schon von den Brütevrten und treiben sich einzeln nun an andern Gewässern umher, und jene thun bald auch dasselbe. Im Juli sehen wir dann schon an der Mulde oder Elbe ausgebrütete junge Flußuferläufer an unsern kleinen Teichen und Wassergräben, die sich dann nicht schwer zum Schuß ankommen lassen, wogegen aber das Betragen der sehr scheuen Alten sehr absticht, die auch deshalb an kleinern Gewässern nicht lange verweilen. Obgleich sie bei glücklichem Ausgang ihre Fortpflanzungsgeschäfte bald beseitigen können, weil sie früh damit beginnen, so machen sie doch nur Ein Gehecke in einem Jahr. Ich habe immer schon die Jungen gefunden, wenn die in ihrer Nähe wohnenden Flußregenpser kaum ansingen Eier zu legen, und wenn die Jungen dieser dort herumliefen, waren Junge und Alte der ersten Art schon längst von jenen Plätzen abgezogen. Es ist wol zu vermuthen, daß sie, wenn sie noch zeitig genug um das erste Gelege der Eier kommen, ein zweites machen; dieser Fall mag jedoch, weil sie das Nest gut zu verbergen wissen, nicht oft eintreten, sonst würde auch ich solches haben bemerken können, weil ich Jahre nach einander ihre Brüteplätze besucht habe, dessenungeachtet aber diese Erfahrung nicht habe machen können. Feinde. Nicht oft werden diese vorsichtigen Böge! einem Raubvogel zu Theil, und sie wohnen wol meistens aus Furcht vor diesen so gern in der Nähe der Waldungen und Gebüsche, um sich sogleich in selige flüchten und verstecken zu können, sobald sie von einen solchen Räuber angefallen werden. Ueberrascht er sie nicht zu plötzlich und unversehens, so flüchten sie sich bei seinem Erblicken jedes Mal sogleich ins Gebüsch und sind gesichert. So stören Habicht, Sperber und die kleinern Edelfalken am Nistorte wol oft ihren Frieden, aber ohne ihnen, wegen ihrer Wachsamkeit, sonst Schaden zufügen zu können. Ein von einem Sperber (balco Xisus) verfolgter schrie jämmerlich, rettete sich aber durch seinen schnellen Flug noch glücklich in das nächste dichte Weidengebüsch, wo ich ihn nachher aus dem langen Grase unter demselben hervortrieb. Auf der Reise werden sie an freien Orten doch auch zuweilen jenen Räubern M Beute. 32 XII. Ordn. l^VI Galt. 225. Fluß-Uferläuser. Daß Raben, Krähen und Elstern ihrer Brüt oft Schaden zufügen sollten, ist auch nicht wahrscheinlich, weil die Alten das Nest gut zu verbergen und die Jungen sich gut zu drücken verstehen; allein daß beides Füchsen, Katzen, Iltissen und Wieseln öfter zu Theil wird, ist wol nicht festen, da mir selbst vorgekommen ist, daß das alte Brutwcibchen neben dem Neste, und natürlich auch der Inhalt dieses mit aufgezehrt war. In seinem Eingeweiden wohnt der veränderliche Bandwurm, Isenis vuriabiUs. Jagd. Da unser Vogel unter die scheuen gehört und allen ihm verdächtig scheinenden Personen von weiten ausweicht, so ist nur unersahr- nen jungen leichter, den verschmitzten alten Vögeln aber sehr schwer schußmäßig anzukommen. Ist er an einem weiten Ufer in der Nähe anderer Strandvögel, so reizt er auch diese durch seine frühzeitige Flucht, bei Annäherung des Schützen, ebenfalls zum Fliehen. Ein Alter hält auf dem Freien niemals zum Schuß aus; dies thun nur die noch nicht über ein Vierteljahr alten Jungen, wenn sie noch nicht zu viel böse Erfahrungen gemacht haben. Weil jedoch alle gern an solchen Orten leben, wo ihnen die Ufer oder sonstigen höhern Gegenstände von einer Seite Schutz gewahren, so ist gerade dies oft ihr Unglück, weil der Schütze, welcher sie früher schon bemerkt hatte, darin Gelegenheit findet, sich ungesehen an sie schleichen zu können, und sie dann entweder im Sitzen oder Herausfliegen zu schießen. Weil er so mit leichter Mühe zu erlegen ist, so heißt es von ihm oft, er sei leicht zu schießen; wer jedoch versucht hat, an weiten flachen Ufern größerer Gewässer, wo es an Gelegenheit zum Ankriechen fehlt, seiner habhaft zu werden, wird wol der Meinung bei- treten müssen, daß er unter die mißtrauischsten und vorsichtigsten Vögel gehört, zumal wenn ihrer mehrere beisammen sind. - In den bekannten Lausschlingen, auf seine Lieblingsplatzchen aufgestellt, wird er leicht gefangen; auch kömmt er auf den Was- serschnepfenheerd, wohin man ihn mit einem wohlgestimmten, aus einem Gänseflügelknochen verfertigten Pfeifchen anlockt, doch gewöhnlich nur einzeln. Nutzen. Das Fleisch dieses Vogels ist ungemein wohlschmeckend, im Herbste außerordentlich fett und das der jungen Vögel dann über XII. Ordn. QVI. Gatt. 225. Fluß-Userläufer. 33 alle Maaßen zart. Das Fett ist beinahe weiß und sehr leicht flüs- stg, so daß es nicht selten, Wenn man den geschossenen Vogel in die Schießtasche steckte, wo er lange warm blieb, auch wol etwas gedrückt ward, zum Theil geschmolzen das Gefieder durchdn'ngt. Ob er sonst denMenschen noch Vortheil stifte, ist nicht bekannt. Schaden. So wenig wie ein anderer Strand- oder Wasserläufer, wird auch dieser uns jemals nachtheilig. Anmerkung. Unter allen Schriftstellern hielt allein Sechsteln die alten nnd °>« »ingen Vögel für zwei gänzlich verschieden« Arten, und glaubte in den erster» Linner '»riuM viuciu», in den letztem dessen IHux» umpolen««» gefunden zu haben. Der «rosse Praktiker ist dabei aber in einen Irrthum verfallen, war nicht geschehen sein wür- °e, wenn es ihm nicht an Gelegenheit gefehlt hätte, diese Vogel fleissiger beobachten S» könne», welche ihm die heimathlichen Gegenden freilich nicht biete» konnten. Seine Memung fa„d indessen auch hei keinem gründlichen Kenner unter seinen Nachfolgern Ein- galtst, zumal er bi» zur Evidenz erwiesen ist, dar Linnö unter k>ll-iu« nicht die» Un, sondern den Alpen-Etrandläufer im Winterkleid« und init Triox» Uv- k»I°uvo« nur allein unsern Vogel bezeichnet hat. Bechstein't Angabe der Verschieden» «men, welche in, Betragen und in der Lebenrarr beider vermeintlichen Arten liegen sol- ,», ^"den sich ü> der Natur gar nicht, und verdienen daher auch »eine weitere Erörte- "a - '— und dass die jungen Vögel etwa» ander» al» die alte» aussehen, und deshalb .*v^"dcne Arten sein müssten, ist ein ganz unrichtiger Schluß, wenn wir aus die Ge- ' verschiedenen Strandläuferarte» zurückblicken. Dass ferner, nach B., diese Vogel sich in Binsen verbergen sollten, ist eben so , als dass sie hier nur durch gute Hühnerhunde aufgefunden würden, aller Er« layrung aber entgegen die wunderlich« Behauptung, dass sie daselbst im Herausfliegen, zwar sogar — bei Mondschein — herabgeschossen werden könnten; denn Erstere» ist durchaus ganz gegen die Natur dieser Vögel, und die Gage kann nur durch ein« Verwechslung mit Sumpfsninepfen (Bekassinen) entstanden sein. Letztere» aber ist unmöglich-, auch für dcn geübtesten Flugschützen würd« der Erfolg sehr zweifelhaft bleiben, luuial wenn (wie B. ausdrücklich sagt) sie niedrig fliegen. Man schießt wol die kleinste» 7"gel im Fluge herab, aber mit sicherm Erfolg nur bei Tage, wäbrend «» schon viel sagen will, bei recht Hellem Mondschein einen Vogel von Entengröße herabzuschießen. ">«lch«t nur möglich wird, wenn er hoch von, Boden fliegt und nah« genug ist. Theil. 3 226 . Der D r o e l - U f e r l ä u f e r. Kolitis l Fig. 1. Männchen im Frühlingskleide. Taf. 195. / Fig. 2. Herbstkleid. s Flg. 3. Jugendkleid. Gefleckter Strandläufer, gefleckter Uferläufer, gefleckter Wasser- läufer, gefleckter Kiebitz, gefleckter Strandvogcl, gefleckte Wasseram- amsel; Wafserdrofsel. , 7>r-r^a «ractt/ak'r». 6mel. I^iuu. «)«t. I 2. p. 672. u. 7. ----- L.stk. In6. H. p. 734 u. 29. ----- Lr!«8. Oru. V, x. 233. o. 20. ------ TVrtanus Vreru?/?e/,rer. lemwlvok Uaa. ä'Oru. uouv. i>ü!t. II. p. 656. ---- /.a firr'rve «leare. Lukk. Ols. VHI, x. 140. —- Läit äs veuxp. XV. x>. 174. ----- 7>r'-r^a. Illean». p, 139. t. 277. k. 2. ------ III. 1. x. 179. r>. 24. — Uebcrs. v. Bechftein. V. S. 130. o. 24. ---- k»euu. arvt. 2ool. Uebers. v. Zimmermann. II. S. 440. v. 302. ------- kevriok bitt. üiräs II. p. 111. (VeuiÄl.) ----- Dechstein, Naturg. Deutscht. IIII. S. 342. u. 16. ----- Dessen Laschend. II. S. 301. v. 3. ----- Meyer und Wo.lf, Laschend. II. S. 385. ----- Brehm, Bcitr. III. S. 458. ----- Dessen Lehrbuch, U. S. 393. Dessen Naturg. a. V. Deutsch^ S. 646. ----- Seligurann'S Vög. VIIl/Taf, 67. ------ Nauma nid's Vög. alte ÄuSg. Nachtr. S. 274. Taf. XXXVIU Fig. 76. Männchen im Sommerkleids. Kennzeichen der Art. Der weiße Unterkörper ist mehr oder weniger mit eirunden schwarzbraunen Flecken bezeichnet; die äußerste Schwanzfedern auf der äußern Fahne weiß, mit vier schwärzlichen Querbinden. Beschreibung. Dieser kleine Uferläufer- hat in Größe, Gestalt und Farbe eine gleich große Aehnlichkeit mit dem Fluß-Uferlä-ufer b^poleu- UM-L« ZML LZ-SM. ^7'»^ ///^///>^// V( 'I'I'! I X nnx'i > !:>> u> MMM WWW MW MM M '«M XU. Ordn. I-V1. Gatt. 226. Drossel-Uferläufer. 35 LU 8 ), und würde sehr leicht mit ihm zu verwechseln fein, wenn man die Artkennzeichen, die der junge Vogel übrigens nur schwach trägt, nicht genau beachten wollte. Die drofselartigen Flecke sind nämlich nur am Frühlingsgewande und beim männlichen Geschlechte so sehr auffallend, daß sie dem Vogel zu., dem Namen Wasserdrossel verhvlsen haben, in den übrigen Kleidern, namentlich dem jugendlichen, aber viel kleiner und nur sparsam vertheilt, obgleich immer noch auszeichnend genug; aber doch leichter, wenigstens in der Ferne, zu übersehen. Die Farbe und Zeichnung der Schwanz, federn ist zwar der jenes Vogels auch ähnlich, doch aber die Bänder auf der Außenfahne der äußersten stets breiter und dunkler. Selbst die weiße Binde, durch welche der ausgebreitete Flügesssich bei jenem auszeichnet, ist bei unserm Vogel eben so vorhanden, ja fast ganz genau so gezeichnet. Unser Wägelchen hat ohngefähr die Größe einer Feldlerche"). Es ist 6^2 bis 7^4 Zoll lang; allein diese große Verschiedenheit der Maße ist wol dem unrichtigen Ausstopfen zuzuschreiben, weil ich sie nur von ausgestopften Stücken nehmen konnte, worunter sogar eins nur zu 5^4 Zoll eingeschrumpft, und ein anderes dagegen zu fast 7^4 Zoll ausgedehnt war, während die Maße anderer Theile, die diesen Zufällen nicht ausgesetzt sind, bei allen vollkommen übereinstimmten. Die Breite ist ohngefähr 13 bis 14 Zoll, wovon 4^ Zoll auf die Länge des Flügels (vom Bug bis zur Spitze gemessen) kommen; die Länge des Schwanzes 2'/« Zoll, dieser nach außen stark abgestuft, so daß die äußerste Feder ^ Zoll kürzer als eine der mittelsten ist; die ruhenden Flügel lassen von ihm fast gegen 1 Zoll unbedeckt. Die Flügelfedern gleichen in der Gestalt denen der zunächst verwandten, oben erwähnten Art, ja selbst in Farbe und Zeichnung; die Hintere Flügelspitze (dritte Ordnung der Schwingfedern) ist so lang, daß sie auf zusammengelegtem Flügel beinahe bis an die Spitze der ersten großen Schwinge reicht; auch ist der Schwanz fast noch länger oder doch keilförmiger als bei jenem, von seinen weichen Federn die mittelsten breit, gegen das Ende lanzettförmig, die andern zugerundet; das allererste kleine verkümmerte Schwingfederchen sehr °) Dieser Vergleich ist wol der richtigere, dagegen der mit der Singdrossel, welcher so oft nachgeschrieben wurde, viel zu sehr übertrieben, indem. er eine ganz falsche Vorstellung von der Grüße dieses Nferläüfers giebt. 3 36 XU. Ordn. LVI. Gatt. 226. Drossel-Uferläufrr. schmal und spitz; das übrige Gefieder, besonders an den obern Thei. len, seidenartig weich, folglich Alles wie beim Fluß userläufer. Der Schnabel ist dem dieses letztem ebenfalls ähnlich, jedoch bedeutend stärker, ganz gerade, an der Wurzel stark, nach vorn allmälich schwächer, die Spitze kaum etwas kolbig, und die obere nur um ein Geringes über die untere abwärts gebogen, hinten weich, an der Spitze aber ganz hornartig, die abgerundeten Mund- kanten bilden bis über die Mitte einen unbedeutenden wulstigen Rand, und die weiche Bedeckung der Nasenhöhle geht vorn in eine tiefe, bis in die Nähe der Schnabelspitze reichende Rinne"). Er ist 11 bis 12'/, Linien lang, an der Wurzel etwas über 2 Linien hoch, und eben so breit, von Farbe hinten und unten fleischfarbig, am obern Rücken grau und braun, an der Spitze Hornschwarz. Das Nasen- och ist mit einem wenig erhöheten häutigen Rande umgeben, läng- ich, aber sehr schmal. Die Iris tief braun. Die Füße sind niedrig und gleichen ebenfalls denen der verwandten Art, scheinen aber ein wenig stärker zu sein; die Läufe vorn und hinten durch schwache Einschnitte groß geschildert, die Zehenrücken ebenfalls, aber kleiner und schmäler geschildert; die Außen- und Mittelzeh durch eine bis fast zum ersten Gelenke reichende Spannhaut verbunden, die andern Zehen frei, die Afterzehe ebenfalls ziemlich nahe über der Einlenkung der Zehen, also nicht sehr hoch stehend und etwas lang; die kleinen Krallen sanft gebogen, schmal, dünnspitz, unten zweischneidig. Die Farbe des nackten Theils der Füße ist eine schmutzige, in den Gelenken grünlich überlaufene Fleischfarbe; die der Krallen schwarz. Vom Fersengelenk hinauf mißt der kahle Theil des Schienbeins 4 bis 5 Linien, der Lauf 1 Zoll, die mit- telste Zehe mit der 2 Linien langen Kralle 1 Zoll, die dünne Hinterzehe, mit der 1 Linie langen Kralle, etwas über 3 Linien. Das Seidenartige des Gefieders, namentlich der dunkel gefärbten Theile, wird außer seiner zarten und weichen Beschaffenheit noch dadurch vermehrt, daß es, besonders im frischen Zustande, einen schwachen und sanften grünlichen Glanz hat. Das Frühlingskleid des alten Männchens hat auf dem Kopfe, dem Hinterhalse, den Seiten des Kropfes, dem Rücken, den °) 2» der Hauptsache Ist er also nicht mir dem des Klußuferläufers, sondern auch dem dcS langgeschwän,t«n Uferläufers ähnlich, und all« drei Arten bilden demnach eine sehr natürliche Kamili« in dieser Gruppe der schuepfenartigm Vogel. XU. Ordn. OVl.. Gatt. rrs. Drossel.Uferläufer. 37 Schulter« und Flügeldeckfedern, wie den Hintern Schwingfedern und den mittlern Schwanzfedern mit ihren Oberdeckfedern, eine oliven« braungraue Farbe, die auf dem Mantel emen grünlichen Seiden- glänz hat, auf dem Bürzel und Nacken aber etwas lichter als an den übrigen Theilen ist. hier fein braun gestrichelt, auf dem Scheitel aber mit schwarzbraunen Schaftstrichen und Fleckchen, auf dem Mantel mit schwarzbraunen schmalen Quer-, Pfeil- und Zickzack- fleckchen , die sich meist an die schwarzbraunen Federschäfte lehnen, ziemlich unordentlich und nicht sehr dicht bezeichnet, die Dberschwanz- decken an den Seiten mit schwarzen Querflecken und weißlichen Spitzen. Die Zügel sind braunschwarz gefleckt; die Wangen braun gestrichelt; ein Strich über dem Auge und das Kinn weiß, ohne alle Flecke; alle übrigen untern Theile auch weiß, allein neben und unter der Kehle mit kleinen ovalen, am Vorderhalse mit etwas grö- flern, in Längenreihen sich ordnenden, braunschwarzen Fleckchen, die am Kröpfe und weiter hinab immer größer werden und in einer ureist rundlichen Gestalt (von der Größe eines Hanskorns) den ganzen Unterkörper so buntgefleckt machen, wie bei der Singdrossel, an den Unterschwanzdecken aber wieder kleiner und schmäler, bei einigen Exemplaren auch zu schmalen Querfleckchen werden. Der Flügelrand ist schmal weiß, braunschwarz geschuppt; die Fittichdeck« federn ticfschwarz, mit weißen Endkanten; die großen Schwingfedern schwarzbraun oder braunschwarz, mit sanftem grünlichem Seiden- glänze und lichtem Säumen, weißen Endsäumchen, und folgender Zeichnung auf der innern breiten Fahne, nämlich: die zweite hat in der Mitte am Rande derselben ein weißliches, braun bespritztes Fleckchen, die dritte ebendaselbst schon einen hellweißen, ^4 Zoll langen Fleck, welcher an der vierten und den nun folgenden stuftnweis immer größer wird und sich höher nach der Wurzel hinauf zieht, so daß er an den letztem zweiter Ordnung mehr als die ganze Wurzelhälfte einnimmt und einen großen weißen Streif durch den Flügel bildet, welcher mit den weißen Endsäumen der letztem Schwingen erster Ordnung, die hinterwärts immer größer werden, und an den letzten zweiter Ordnung zu großen weißen Enden anwachsen, einen hinten breiten und vorn spitz auslaufenden weißen Doppelstreif im ausgebreiteten Flügel darstellen; die dritte Ordnung wie die Schulterfedern. Die mittlern Schwanzfedern sind wie der Rücken, haben einen schwarzbraunen Schaft und Endfleck mit brälmlichweißem Spiz- Msaum; die folgenden olivengrau, mit breiten dunkelbraunen, aber uur vor der großen weißen Spitze deutlich gezeichneten Querbinden; 38 X!!. Ordn. I-VI. Gatt. 226 . Drossel-Uferläufer. die nach außen mit immer mehr Weiß, die äußerste endlich fast ganz weiß, nur am Schafte auf der Jnnenfahne mit olivengrauem Anstrich und mit vier bis fünf breiten schwarzen Querban- dern"). Auf der untern Seite ist der Flügel vorn weiß, nach dem Rande schwarz geschuppt; die vordem Deckfedern schwarzgefleckt, die Ha ootn AloekrinNÜ schneeweiß, die Schwingen schwarzgrau mit der weißen Zeichnung von oben; der Schwanz unten weiß, mit sehr deutlich gezeichneten grauschwarzen Bändern, die sich an den Federn gegen die Mitte hin aber in schwaches Oliven- grau verlieren. Der weiße Unterschenkel geht am kahlen Theile in Braungrau über. Die Grundfarbe dieses Kleides ist bald dunkler, fast olivenbraun, bald Heller und, wie oben beschrieben, mehr oder weniger gefleckt, auch die Flecke der Unterseite mehr oder weniger häufig; doch sind diese Unterschiede nicht sehr auffallend. In diesem Kleide ist der Vogel sehr leicht von der mehr erwähnten Art zu unterscheiden, weil bei diesem der Oberkörper nie so dunkel, der Unterkörper aber noch weniger jemals mit den so sehr auffallenden drosselartigen Flecken vorkommt. Männchen und Weibchen sind sich ziemlich gleich gezeichnet; doch hat das letztere oft viel weniger Drosselflecke auf dem weißen Unterkörper, und oben mehr pfeilartige Schaftflecke, als Querstreife. Gewöhnlich ist es auch etwas kleiner. Ich habe eins vor mir, das unten nur wenige, aber sehr große, breite und meist nierenförmige Flecke hat Das Winterkleid ist ziemlich verschieden und sieht auf den obern Theilen dem des Flußuferläufers sehr ähnlich. Es ist im Ganzen viel mehr grau als braun, und hat der charakteristischen braunschwarzen Flecke auf dem weißen Unterkörper nur wenige und viel kleinere. Hier die nähere Beschreibung: Die Zügel sind fast braungrau, die Augenlider und ein Streif über dem Auge, nebst der Kehle weiß; die Wangen braungrau gestrichelt; der Scheitel dunkel braungrau, der Hinterhals etwas lichter; Oberrücken, Schul- °) Line so außerordentlich« Aehnlichkcii in der Zeichnung -er Schwanzfedern, wie zwiichen denen der -l.. m-walLr!» und der r. li^poleuoo«, die aber an den großen Flügel- federn noch größer, ja fast genau dieselbe ist, möchte wol in Lei Vogelwelt nur selten vorkommen. Es ist in der That zu verwundern, wie man sie bisher übersehen konnte und Liese in Allem so sehr nahe verwandte Arten, in der systematischen Reisefolge, nicht längst richt neben einander gestellt hat. In der Abbildung bei Mnlct bemerkt mau am Unterkörper gar keine Fleck«. XU. Ordn. I^VI. Gatt. 226. DroffeU-Uferläufer. 39 lern und Hintere Schwingfedern röthlich braungrau, mit feinen dunkelbraunen Schaftstrichen und dergleichen kleinen zerstreueten Fleckchen, Punkten oder abgebrochenen Querstrichen, aber nur sehr verloren bezeichnet; die Flügeldeckfedern (noch vom Iugendkleide) eben so, röthlich braungrau, mit dunkelbraunen abgebrochenen Querfleckchen und Schäften, und an den Enden der Federn mit einem etwas deutlichem, fast nierenförmigen dunkeln Fleck, welcher nicht allein einen rostgelblichen (hier sehr abgeriebenen) Endsaum, sondern auch nach oben eine ähnliche Einfassung hat; das Uebrige des Flügels und der Schwanz, wie schon oben beschrieben; Bürzel und Oberschwanzdeckfedern eben so, nur lichter und graüer. Der Vorderhals ist weiß, mit einigen sehr feinen, kurzen, schwärzlichen Strichelchen, die am Kröpfe, welcher an den Seiten röthlichgrau ist, etwas größer, aber nicht häufiger werden; der ganze übrige Unterkörper rein weiß, mit wenigen zerstreueten, länglichrunden schwarzbraunen Fleckchen, die nicht als vom vorigen Kleide zurückgeblieben betrachtet werden dürfen, weil sie anders geformt, nämlich mehr länglich und viel kleiner sind; sie sind nur in geringer Anzahl vorhanden, und die Befiederung der Unterschenkel geht in Braungrau über. Alles Andere ist wie oben beschrieben. — Das viel lichtere Grau dieses Kleides fällt mehr ins Röthliche, beim Frühlingskleide ins dunkle Olivenbraun; doch ist es dort wie hier nicht ganz ohne einen seidenartigen grünlichen Glanz. Das Iugendklei d ist zwar ebenfalls dem des Fluß Uferläufers ähnlich, durch Einzelnheiten aber auch wieder recht gut unterschieden; namentlich sind an ihm die dunkeln Flecke der obern Theile ganz anders gestaltet und so eigenthümlich gezeichnet, daß dies sogleich auffällt, und auch der weiße Unterkörper ist nicht ganz ohne dunkle Fleckchen. — Die Zügel und der Scheitel sind tief braungrau; ein Strich über dem Auge weißlich; die Wangen braun- grau, so auch der Hinterhals und die Kropfseiten; Kehle, Gurgel, die Mitte des Kropfes der Länge nach, Brust, Weichen und alles Uebrige bis an den Schwanz rein weiß, nur die Schenkel unterhalb braungrau, und an der Brust und dem Bauche zeigen sich einzelne, länglichrunde, schwärzliche Fleckchen. Oberrücken, Schultern und die Hintern langen Schwingfedern sind, wie auch die Flügeldecksedern, olivenbraungrau mit schwärzlichen Schäften; am erstem mit feinen rostgelblichen Endsäumchen und dahinter stehenden dunkelbraunen Querstreifchen, alle großem Schulter- und Flügelfedem aber mit 40, X4l. Ordn. OVI. Gatt. 226. Drossel-Uferläufer. einer sehr auffallenden spiegelartigen Zeichnung an ihren Enden, nämlich mit einem mond« oder nierenförmigen, tief grünlichbraunen Fleck an der abgerundeten Spitze, welcher nicht nur ein röthlichrost- gelbeS Endkantchen, sondern auch ringsum, namentlich nach oben, eine solche Einfassung hat. — Eine ähnliche Zeichnung haben zwar die mittlern Flügeldeckfedern auch; weil die Spiegel aber hier fast von derselben Größe wie an den großen Federn sind, jedoch, der geringern Größe wegen, weniger von ihrer Grundfarbe gesehen wird, so erscheint dieser Theil fast nur tiefbraun und rostgelölich gewellt oder geschuppt. Die kleinen Flügeldeckfedern und alles Uebrige des Flügels, auch die Schwanzfedern sind wie oben beschrieben; doch zieht sich die dunkle Zeichnung an einigen der letzteren in einen Längestrich neben dem weißlichen Rande herab; die Mittelfedern und langen Oberdeckfedern desselben wie der Rücken, mit einem dunkelbraunen Endfleck und röthlichrostgelben Spitzensaum, welche an den letztem auch zwiefach über einander vorkommen. — DaS Gefieder ist sehr zart nnd weich wie Seide, daher dem Abreiben an den Kanten sehr ausgesetzt, wodurch die Spiegelzrichnung an den Federenden besonders viel verliert; aber im frischen Zustande ist der seidenartige sanfte Glanz am Grauen besonders angenehm, und schillert in verschiedenem Lichte bald grünlichaschgrau, bald olivengrau, bald röthlich braungrau. Die Füße sind stark mit Grün überlaufen, besonders an den Gelenken. Auch diese seltne Art, in allen beschriebenen Alters- und Geschlechtsverschiedenheiten, verdanke ich der großmüthigen Unterstützung deS Herrn Geheimenraths Lichtenstein, als Director des zoologischen Museums in Berlin, welches diese Stücke besitzt, die theils aus dem südlichen, theils aus dem nördlichen Amerika in dasselbe kamen. Außer diesen vier Exemplaren hatte ich früher nur zwei Alte im Frühlingskleide in den Händen gehabt, von welchen eins angeblich in Deutschland geschossen war, das in allen wesentlichen Stücken vollkommen mit jenen übereinstimmte. Dorkhausen (s. Bechstein Naturg. HI. S. 344.) bemerkt noch, daß es Exemplare gäbe, welche auf dem Oberkörper (im Frühlingskleide) schwarze querlaufende Wellenlinien, andere bloß zackichte und zugespitzte Flecke hätten, und daß er zwei Stücke gesehen, bei welchen mehrere schwarze Flecke auf der Brust weiße Pupillen gehabt und so Augen ähnlich gesehen hätten. XU. Ordn. OV1. Gatt. 226. Drossel-Uferläufer. 41 Aufenthalt. Diese der vorbeschriebenen so ähnliche Art bewohnt Nordamerika so häufig, wie jene unsern Erdtheil. Sie ist vom obem Canada an durch alle Theile bis an den Mexikanischen Meerbusen herab, auf den Westindischen Inseln, und selbst in Südamerika angetroffen worden. Sie ist aus Brasilien, aus Mexico und aus den vereinigten Staaten von Nordamerika zu uns gekommen, bewohnt aber die nördlichen Länder, wie z. B. die an der Hudsorfsbai, auch Neuyork und andere bloß im Sommer, pflanzt sich dort fort und zieht im Herbst nach den genannten südlichen Ländern, um da zu überwintern. In Europa ist er bis jetzt nur in den nördlichen Theilen, als eine große Seltenheit, am öftersten noch in England, vorgekommen , dieses immer alte Vögel, weil man vermuthlich die Jungen, wegen großer Aehnlichkeit mit dem Flußuferläufer, übersehen hat. In Deutschland gehört er ebenfalls unter die seltensten Erscheinungen und ist als solche nur wenige Male am Rhein oder Main erlegt, aber auch als an der Ostsee vorkommend genannt worden. Uns selbst wurde das Glück, einen solchen Verirrten, denn das sind solche bis zu uns gelangende nur, in unsern Gegenden anzutreffen, noch nicht zu Theil. Sein Aufenthalt sind die Ufer der süßen Gewässer, namentlich vorzüglich die Flußufer, besonders in waldigen Gegenden, ganz dieselben, ?>ie sie unsere einheimische Art auch am liebsten hat, und kommt, .oie diese, auch nur selten an die offene See. Eigenschaften. Auch diese stimmen, so weit, die noch höchst unvollständigen Nachrichten darüber reichen, fast genau mit denen unsers Fluß- uferläufers überein; er steht gern auf Steinen und andern erhabenen Orten und läuft wie dieser, kippelt eben so mit dem Hin« terleibe, ist wenig gesellig, und hat eine pfeifende Stimme. Nahrung. Man weiß bloß, daß er sich am Wasser, wie andere Strandläufer, von Insekten und deren Larven nährt, und von feiner 42 XU.. Ordn. LV1. Gatt. 226. Drossel-Uferläufer. Fortpflanzung, wie von den Feinden, der Jagd, Nutzen und Schaden ist dermalen noch gar nichts bekannt. Anmerkung. ES scheint nicht, daß diese Art im Innern der mittlern Staaten des vereinigten Nordamerikas oft vorkommen möge, weil ein Freund von mir, welcher schon 7 Jahre in jenen Gegenden recht fleißig gesammelt hat und später Vesonders aufmerksam auf diese Bögel gemacht wurde, dennoch keinen hierher gesandt hat, obglcich alljähriich nicht ganz unbedeutende Sendungen Amerikanischer Vogelbälge von ihm hier angelangt sind. ////"//>"/- l>>, > E v< 'I'I'I'I!^ 15!»>'N nI!n .1iu;'0uUKI '^MW 227. Der Bartrams-Uferläufer. l Fig. 1. Alter Woge! im Frühlingskleide. Taf. 196. < Fig. 2. Erstes Herbstkleid. E Fig. 3. Jugendkleid. Langschwänziger Uferläufer, langschwänziger Strandläufer, langschwänziger Wasserläufer. Bechstcin, als Zusatz in der Übersetzung von I-»tI>. lug. oru. S. 453. u. 46 Taf. 42. (eine leidliche Abbildg.) ----- LartraM,.r. VVit. soll -Xiut-Ili'. Oruit. VII, z>. 63. t. 39. k. 2. (gute Figur.) ----- Tdtaures liartra»»'«. (st /o»A-»e yrrouo.f 'l'i-uuii,-'. klau. g'Ora. llouv, vgit. ll. p. 650. ------ Meyer, Taschenv. III. S. 154. ----- Brehm, Beitr. III. S. 456. — Dessen Lehrreich II. S. 592. ----- Dessen Naturg. V. Deuschl. S. 645. ----- Nauwann'S Vög. alte AuSg. Nachtr. S. 271. Taf. XXXVIII. Fig. 75. (junges) Männchen. Anmerkung. Es ist nicht wol einzusehen, warum man den Namen verwarf, welchen Bechstein dem Vogel beilegte, weil er als der Erste, welchem wir eine Abbildung und Beschreibung desselben verdanken, dazu berechtigt war, ein Name, welcher doch auch den Vogel gut bezeichnet. Viel später nannte ih» WUnon IV. »»rtramia, ein Verstoß gegen den Sprachgebrauch, den Dommluk und A. nachschrieben, weshalb ich mich bewogen gefunden, ihn mit Lichtenstein in das richtigere Lartrami abzuändern.- Kennzeichen der Art. Der sehr große, keilförmig zugerundete Schwanz ist über I Zoll länger als die Spitzen der ruhenden Flügel; auf der Mitte des Scheitels ein lichter Längestreif; Unterrücken und Bürzel einfarbig schwarz oder dunkelbraun; die erste der braunschwarzen großen Schwingen mit weißem Schaft und nebst den übrigen mit weißen Querbinden auf der Jnnenfahne. 44 XII. Ordn. I-VI. Gatt, 227, Bartrams-Uferläufer. Beschreibung. Dieser zierlich gebildete Vogel hat in seiner Gestalt so viel Eigenes, daß es nur eines flüchtigen Blicks bedarf, um ihn von allen Gattungsverwandten sogleich zu unterscheiden. Einen schöner gestreckten, schlankern Körper, und einen so langen und so sehr abgestuften, daher fast keilförmigen Sckwanz hat keine Art, weder in der Gattung der Wafserläuser, noch in der der Strandläuser, auszuweisen, als dieser, bald den erstem, bald den letztem zugezählte Vogel. Auch die Farbe und Zeichnung seines Gefieders haben so viel Eigenthümliches, das man es, so weit die neuesten Entdeckungen reichen, bei keinem schnepsenartigen Vogel so wieder findet. Von einer Verwechslung mit einer andern Art kann demnach wol nie die Rede sein, da sie selbst dem Ungeübten nicht begegnen dürfte. Er hat vollkommen die Größe der Wacholderdrossel (H- ckus pilnris), mißt in der Länge 11 bis 12 Zoll, und in der Breite 20 bis 21 Zoll. Die Länge des Flügels vom Bug bis zur Spitze ist 7 Zoll; die des Schwanzes gegen 3'/? Zoll, dessen Federn aber an den Seiten stufenweis so an Länge abnehmen, daß die äußerste 1 bis lf /4 Zoll kürzer als eine der beiden Mittelfedem ist. Die breiten Schwanzfedern sind am Ende etwas schmäler und dann zuge- rundet, die mittelsten spitzer zugerundet. Die Hintere Flügelspitze ist fast so lang als die großen Schwingfedern, wenn der Flügel zusammengefaltet ist. Die ruhenden Flügel lassen 1 bis 1^ Zoll von der Länge des Schwanzes unbedeckt. Die kleine verkümmerte Vorderschwinge ist sehr kurz und schmal. Der Schnabel ist im Verhältniß zur Körpergröße und im Vergleich mit andern Gattungen auffallend kurz, nur 1 Zoll 2 bis 3 Linien lang, an der Wurzel stark, fast 3 Linien hoch und 21/2 Linien breit, in der Mitte bedeutend schwächer, sich nach der Spitze zu allmählich verjüngend, an dieser aber wieder merklich höher, jedoch viel schmäler als in der Mitte, die Spitze des Oberkiefers etwas länger und sanft abwärts gebogen. Sonst ist er gerade, und nur bei manchen alten Individuen scheint er eine sanfte Biegung nach unten zuhaben, die aber kaum bemerkbar ist. Am jungen Vogel ist der Hintere, weichere Theil, besonders über den Nasenlöchern und am Gaumen etwas aufgetrieben; die kolbige Spitze aber immer hornartig hart. Das länglichte, schmale Nasenloch ist hinterwärts etwas erweitert, sein Rand wenig erhöhet und, wie die ganze Nasenhöhle, wrichhäutig. Diese verläuft in eine tiefe Rinne, die Xll. Ordn. Gatt. 227. Bartrams-Uferläufer. 45 erst nahe bei der Schnabelspitze endet. Die Mundkanten haben an dem Hintern weichern Theile beider Hälften ein wulstiges Rändchen, vorn an dem hornartigen aber glatte, etwas eingezogene Schneiden. Der Rachen ist, weil er etwas tief gespalten und der Schnabel hier breit ist, ziemlich weit. Von Farbe ist der Schnabel auf dem flachen Oberrücken schwarzbraun, an der Spitze glänzend schwarz, hinten, am meisten die Unterkinnlade, gelblich fleischfarben, so auch der innere Schnabel und Rachen, bei den Alten mehr gelblich als bei den Jungen. Die Iris ist tief braun. Die Füße sind ziemlich stark, aber nicht sehr hoch, und ähneln den Fußender Kiebitze, auch hinsichtlich der Zehen; vorzüglich auffallend wird daran aber die große Länge der Afterzeh und die tiefe Einlenkung derselben über der Zehenwurzel. Eine große Spannhaut verbindet die äußere und mittlere Zehe bis zum ersten Gelenke; zwischen dieser und der innern zeigt sich aber keine Spur von einer solchen. Der Uiberzng an den Läufen ist hinten und vorn in große Schilder zertheilt, die Zehenrücken haben eben so, doch viel kleinere Schilder, und die weichen Zehensohlen sehr seine Wärzchen. Die Krallen sind nicht groß, flach gebogen, oben rund, unten zweischneidig, besonders die innere Schneide an der Mittelzehe ziemlich vorstehend. Der kahle Theil der Schiene (mit der Hälfte des Fersengelenks, wie hier immer, gemessen) mißt 9 bis 11 Linien; die Fußwurzel 1^/« bis 2^ Zoll; die Mittelzeh, mit der 2 bis 3 Linien langen Kralle, 1 Zoll 3 bis 4 Linien; die Asterzek, mit der fast 2 Linien langen Kralle, 6 Linien lang. — Die Farbe der Füße ist eine Art Fleischfarbe, bei einigen (den Alten) in sämmtlichen Gelenken mehr oder weniger schmutzig grün überlaufen; die der Krallen braunschwarz. Die Farben des Gefieders, nebst ihren Zeichnungen und der Art, wie sie vertheilt sind, sind bei dieser Art weder nachdem Geschlecht, noch dem Alter, noch nack den Jahreszeiten so sehr verschieden, wie bei andern, namentlich aus der folgenden Gattung, sondern einander sehr ähnlich, so daß ihre Verschiedenheit nur wenig in die Augen fällt, etwa nicht viel mehr als bei den Sumpsschnepfen. Frühlingskleid. Die Stirn, Zügel und ein schmaler Streif über dem Auge sind weißlich rostgelb, letzterer hinter den Schläfen in gesättigterm Rostgelb, aber braun gestrichelt, fortgesetzt, die erster» mit kleinen tiefbraunen Tüpfeln bestreuet; die Ohrgegend lichter und mit blassem Braun gestrichelt; Kinn und Kehle rein weiß; die Scheitelfedern braunschwarz, mit lichtem Seitenkanten, die auf der Mitte desselben einen dunkelrostgelben Streif bilden, welcher aber bei etwas 46 XU. Ordn. I-VIt Gatt. 227. Bartrams-Uferläufer. verschobenem Gefieder sogleich seinen Zusammenhang verliert; der ganze Hals, besonders an der Gurgel, schön rostgelb, im Grunde der Federn in angenehmes Jsabell übergehend, mit braunschwarzen länglichten Schaftfleckchen, die am Vvrderhalse am dichtesten stehen, am Kröpfe aber in fein gespitzte Pfeilflecke übergehen, die einzelner stehen, weil sie die Ränder der Federn bis fast an die Spitzen decken; sie gehen an den rostgelblich weißen Seiten des Unterkörpers in pfeil- spitzige Querflecke über; Brust und Bauch «»gefleckt weiß, mit rost- gelbem Anfinge; die unterste Bekleidung des Schienbeins, Aftergegend und die langen Unterschwanzdeckfedern sanft röthlichrostgelb, die letztem mit einer schwarzen Querbinde unfern der Wurzel, so daß diese eigene Zeichnung bei ganz geordnetem Gefieder nicht bemerkt wird. Die Halswurzel ist rostgelb, braun gestrichelt; der Oberrük- ken tiesbraun, in der Mitte der Federn braunschwarz, an den Rändern aus lichtbraun in weißliches Rostgelb, als schmale Säume, übergehend; die Schulterfedern diesen ähnlich, zum Theil aber mit lebhaften, breitem isabellfarbigen Rändern, und die größer» am schwarzen Schafte nahe der Spitze mit einem schwarzen Pfeilfleck, und dergleichen bänderartigen Querflecken hinter dem Randsaume; Unterrücken, Bürzel und die mittlern langen Oberschwanzdeckfedern einfarbig braunschwarz, die an den Seiten der letztem aus Gelbweiß in schönes Jsabell übergehend, mit schwarzen Pfeilflecken zunächst der Spitze. Die kleinen Flügeldeckfedern zunächst dem hellweißen Flügelkäntchen braunschwarz, etwas lichter gesäumt; die mittlern schön isabllfarbig, in der Mitte graubraun schattirt, mit schwarzen Pfeil- und Querflecken, und solchen Schaftstreichen; die großen eben so, aber mit noch breitem isabellfarbigen Rändern und mehreren braunschwarzen Luerflecken; die Fittichdeckfedern braunschwarz; die großen Schwingen ebenso, doch etwas matter, die erste mit weißem Schaft und auf der Jnnenfahne mit am Rande breitem weißen Querstreifen, die aber noch von der Spitze 1 Zoll lang entfernt bleiben; die folgenden mit schwarzbraunen Schäften und weniger Weiß auf der Jnnenfahne, das immer mehr abnimmt, je kurzer die Federn werden, die dann weiße Endkanten bekommen, welche die der zweiten Ordnung durchgehends zieren, die einen mattter dunkelbraunen Grund, und auf diesem am Außenrande isabellfarbige, am Jnnenrande weiße und größere Zackenflecke haben; die Hintern langen Schwingen (die sogenannte dritte Ordnung) sind in der Mitte schwarzbraun, dies geht nach den Rändern in dunkelbraun und aus diesem sanft in den rostgelblichweißen Saum über, dazu find sie an der XU. Ordn. L.V7. Gatt. 227. Barrrams-Uferläufer. 47 Spitze mit einem Pfeilfleck und übrigens mit bindenartigen Querflek- ken, die am schwarzen Schafte in einem spitzigen Winkel zusammenlaufen, aber nicht dicht stehen, von einem tiefen Braunschwarz, bezeichnet. Die Schwanzfedern sind sehr schön gezeichnet: die beiden Mittelfedern graulichbraun mit verwaschenem gelblichweißen Saum, schwarzem Schaft, einem rautenförmigen Fleck zunächst der weißlichen Spitze und zehn schmalen, geschwungenen, am Schafte spitzwink- licht sich vereinigenden Querstreifen von sammetschwarzer Farbe (diese, vorn Herbstkleide zurück geblieben, haben jedoch schon, durch das längere Tragen, viel von ihrer Schönheit verloren); die beiden folgenden eben so, doch schon stark ins Gelbliche ziehend, und manche Paare der Querstreifen nicht bis zum Schaft reichend oder nur ovale Fleckchen; die nächsten zwei Paar schön Jsabell, mit großer gelbwei- ßer Spitze, einem großen rhomboidischen schwarzen Fleck zunächst dieser, aber von den schwarzen Querbinden viele und meist eine um die andere nur als ein solcher Tüpfel am Rande gezeichnet; das nächste Paar fast eben so, die weiße Spitze aber größer, der weiße Saum breiter und der schwarzen Flecke weniger; das äußerste Paar endlich mit noch größerer weißer Spitze, ganz weißer Außenfahne, und mit vier bis fünf, zum Theil abgesetzten, starken, schwarzen Querbinden. — Auf der untern Seite des Schwanzes sieht man die ganze Zeichnung der obern, nur in mattrcr Anlage, die großen weißen Enden, die matten schwarzen Binden auf einem fast fleischfarbenen Grunde nehmen sich auch hier vortrefflich aus. Auch die untere Seite des Flügels ist schön gezeichnet, die iwtu Uök- ringH sehr nett weiß und schwarz schmal gebändert, die andern Unterflügeldeckfedern ebenfalls weiß und schwarz, zum Theil wellenartig gefleckt; die untere Seite der Schwingen tief grau mit den durchscheinenden weißen Bändern der Oberseite, hier aber die Schäfte fast aller weiß; die Hintern Schwingen ebenfalls grau mit durchschimmernder Zeichnung der obern Seite. — Die erste kleine verkümmerte Schwingfeder ist schwarz, mit weißem Außensaum und solcher Spitze. Dies schöne Exemplar im Frühlingskleide ist in der Provinz veluvAr« in Nord-Amerika erlegt und Eigenthum des Berliner Museums. Es ist im reinsten, vollkommensten Gefieder, allein ohne Angabe des Geschlechts. Ein anderes, dem Anschein nach in seinem ersten Herbstkleide, unterscheidet sich von jenem im Allgemeinen durch mattere Farben und eine feinere (klarere) Zeichnung, im Gefieder. Dies letzte ist 48 XU. Ordn. I-VI. Gatt. 227. Bartrams-Uferläufer. besonders an den braunschwarzen und schwarzen Flecken und Binden auf den Flügeln und besonders dem Schwänze sehr auffallend, und die Zeichnung des letztem fast schöner oder gefälliger und noch geregelter zu nennen. Von dem unten zu beschreibenden Jugend- kleide unterscheidet es sich fast wieder im umgekehrten Verhältniß; es ist nämlich auf dem Mantel viel dunkler als dieses. Die Zügel und ein Strich über dem Auge sind rostgelblichweiß und ohne alle Flecken; die gelbliche Stirn schwarzbraun getüpfelt, der Scheitel schwarzbraun, nur wenig lichter gestreift, aber der rostgelbe Längestreif auf der Mitte desselben deutlich gezeichnet; die Wangen und Schläfe rostgelb, braun gestrichelt, auf der Gurgel der Grund lichter; die kleinen Längefleckchen aber dunkler und mit bestimmtem Umrissen, am Kröpfe in kleine Pfeilspitzen, und in den Weichen in wirkliche Querflecke übergehend; die übrigen Untertheile bis an den Schwanz weiß, an den Schienen und den Unterschwanzdecken rvst- gelb angeflogen. — Da dieses Stück erst die Mauser begonnen zu haben scheint und noch sehr viele Federn des Jugendkleides dastehen, deren Kanten nicht allein sehr verbleicht, sondern auch durch das Tragen großentheils sich abgerieben haben, so erscheinen die obern Theile sehr dunkel, würden es aber noch mehr sein, wenn nicht auch das Braunschwarze sehr verbleicht wäre. — Der Oberrücken und die Schultern haben dunkelbraune, in der Mitte schwarzbraune, an den Seiten dunkelrostgelb gekantete Federn, an den großem zeigen sich aber auch noch am Rande entlang kurze schwarzbraune Querflecke. Der Flügel ist wie im Jugendkleide, und unterscheidet sich von dem des Frühlingskleides besonders dadurch, daß die weniger dunkeln Flecke auf den Deckfedern eine mehr mondförmige Gestalt haben, . die über denselben stehenden Querflecke sichtbarer sind, und daß die Federn mittler Größe außerdem noch eine mondförmige weißliche End- kante haben; an der Hintern Flügelspitze stehen auch die viel undeutlichem bindenartigen Querflecke zwar dichter als beim alten Vogel, sie haben aber weniger bestimmte Umrisse, und die Federn breitere rostgelbe und isabellfarbig schattirte Kanten. Der Unterrücken und Bürzel sind einfarbig schwarzbraun, die mittlern Oberschwanzdeckfedern eben so, nur die an beiden Seiten haben oberwärts eine weiße Außensahne und Spitze, unterwärts isabellfarbige Zackenflecke am Außenrande. Der Schwanz hat insbesondere eine feinere und regelmäßigere, daher noch mehr in die Augen fallende Zeichnung, als der viel gröber und weniger dicht, obwol dunkler gefleckte des alten Vogels. Das mittelste Paar Federn ist nämlich aschgraubraun, am XII. Ordn. I^VI. Gatt. 227. Bartrams-Uferläufer. 49 Rande in ein weißgelbliches Säumchen übergehend, mit zwölf bis dreizehn schmalen braunschwarzen Querstreifen, welche am schwarzen Schafte ziemlich spitzwinklicht zusammenlaufen; das zweite Paar ihm ähnlich, der Grund jedoch mehr rostgrau, und von den schwarzen Querstreifen eine um die andere abgebrochen, bloß ein länglichrunder schiefer Fleck am rostgelben Saume; das dritte Paar isabellfarben, wurzelwärts grau überlaufen, mit rostgelblichweißem Saum, weißer Spitze, daran einen schwarzen Pfeilfleck, die übrigen Binden und Flecke wie am vorigen, jedoch kleiner; das vierte Paar rein und schön isabell, mit großer weißer Spitze, großem schwarzen Pfeilfleck vor dieser, Binden und Flecke wie am vorigen, aber noch kleiner; das fünfte dem vorigen ganz ähnlich, die weiße Spitze und der schwarze Fleck vor ihr aber noch größer, die übrigen aber viel kleiner; das sechste oder äußerste Federpaar endlich weiß, nur auf der Jnnenfahne wurzelwärts etwas isabell mit schwarzem Pfeilfleck unfern dem weißen Ende und sechs stark gezeichneten schwarzen Quer« binden auf der Außenfahne, auf der innern aber mit schmälern und blassem Querstreifen in doppelter Anzahl. Alles Uebrige ist wie beim Alten, die Zeichnungen aber überall, selbst unter den Flügeln, klarer. — Die Füße sind schmutziggrün angegeben; doch sieht man an den getrockneten, daß Fleischfarbe auch hier vorherrschend gewesen sein mag. Dies Exemplar ist ebenfalls ein Besitzthum des Berliner Museums, aus welchem es mir durch Herrn Gehcimerath Lichteustein'S Güte, nebst dem vorigen, zur Ansicht mitgetheilt wurde, wofür, diesem eifrigen Beförderer meiner Unternehmungen gewiß auch jeder meiner Leser ihm mit mir aufrichtigst danken wird. Es ist gegen Ende September bei Oaxaco in Neuspanien erlegt worden. Beide Exemplare stimmen übrigens in allen wesentlichen Dingen vollkommen mit dem überein, das schon in den Nachträgen zur ersten Ausgabe dieses Werkes beschrieben und abgebildet ist, dessen Beschreibung auch hier als junger Vogel folgt, und wovon das Original vor vielen Jahren in Hessen an der Werra geschossen worden ist. Das Winterkleid alter Vogel mag übrigens noch in mehreren Stücken von der eben gegebenen Beschreibung desselben am jüngern Vogel abweichen, wie einige von diesem noch zurückgebliebene Federn an dem zuerst beschriebenen alten Frühlingsvogel bezeugen. Seine Verwandtschaft mit andern Wasserläufern nicht ganz verläugnend, scheint auch an ihm eine Veränderung in Grau an den obern Theilen bemerklich zu werden, wodurch einigermaßen das 8. Theil. ^ 50 XU Ordn. UVS. Gatt. 227. Bartrams-Userläufer. dunkle Braun gelichtet wird, vorzüglich gegen die isabellfarbigen Säume der Federn zu, und in jenem zeigen sich dann die braunschwarzen Schastflecke und abgebrochenen Randbinden oder Quer- siecke viel deutlicher, als an den viel dunklem Federn des Frühlings- kieideS. Es ist jedoch diese Beimischung von Grau bei weitem weniger auffallend, als bei vielen andern bekannten Arten dieser Gattung, daher das Winterkleid so schwer von den übrigen zu unterscheiden, wie etwa beim lot. ovbrogns. Im Jugendkleide sind die Zügel, ein Strich über dem Auge und die Wangen rostgelblichweiß, ungefleckt, nur letztere mit einigen dunkeln Fleckchen; die Kehle rein weiß; die Stirn gelblich, dunkelbraun gefleckt; der Scheitel dunkelbraun, mit einigen sehr schmalen rostgclben Federkäntchen und einem rostgelblichweißen Längestreif über der Mitte des Kopses; der Hinterhals rostgelb, verwaschen braun gefleckt; .Oberrücken- und Schulterfedern dunkelbraun, mit hellrost- gelblichweißen schmalen Kanten, und die größesten mit einigen verloschenen rostgclben Flecken. Der Vorderhals ist rostgelblichweiß, mit länglichrunden braunen Flecken, die hin und wieder abgebrochene Längereihen bilden und am Kröpfe eine fast pfeilförmige Gestalt annehmen; die Brust weiß; die Seiten rostgelblichweiß, mit dunkelbraunen Querflecken; Schenkel, Bauch und langen Unterschwanz- decksedern schwach rostgelb und ungefleckt. Die Flügeldecksedern sind rostgelb, in der Mitte dunkelbraun, mit einem solchen Fleck nahe am Ende, und dies zieht sich an den gelblichweißen Kanten in verwaschenen Flecken bis gegen die Wurzel hinauf; die dritte Ordnung Schwingfedern dunkelbraun, an den Kanten hellrostgelb, mit verwaschenen dunkelbraunen Querflecken; die der zweiten Ordnung dunkelbraun, auf der Lußenfahne mit hellrostgelben, auf der Jnnen- sahne mit weißen Querflecken und weißen Endkanten; die der ersten Ordnung schwarzbraun, lichter gesäumt, niit weißen Endkäntchen und die vordersten mit weißem Schaft, alle aber auf der innern Fahne nach der Wurzel zu mit weißen schieflaufenden Querstreifen, welche an den vordersten am weitesten gegen die Spitze herab reichen; die Fittigdecksedern und die Daumenfedern schwarzoraun, mit weißlichen Endkäntchen; der Flügelrand und die untern Flügcldeckfedern weiß, mit dunkelbraunen Querflecken. Unterrücken, Bürzel und die mittlern der langen Oberschwanzdeckfedern sind einfarbig dunkelbraun, mit kaum etwas lichtem Spitzen; die an den Seiten der Oberschwanzdecke rostgelb, die mittelsten am Schafte entlang braungrau überlaufen, alle aber nahe an der weißen Spitze mit einem pfeil- XU. Ordn. QVI Gatt. 227, Bartrams-Uferläufer. 51 fvrmigen schwarzbraunen Fleck und vielen schiefen, zum Theil abgebrochenen Querstreifen, oder auch schmalen, länglichten Querflecken von dieser Farbe, welche auf der Außenfahne der äußersten, die weiß ist, am grvßesten sind. Schnabel und Füße sind mehr fleischfarbig als bei den Alten, und die Spitze des ersteren weniger schwarz. In diesem Jugendkleide ist die ganze Färbung lichter, mehr ins Ochergelbe gehalten, als an den nachherigen Kleidern, die im Ganzen etwas düsterer aussehen, sonst sich aber gar nicht auffallend unterscheiden. Der in der alten Ausgabe dieses Werks, Nachträge, S. 271 u. f. beschriebene und Taf. XXXVIII. Fig. 75. abgebildete ist ein solcher Vogel in seinem Jugendkleide. Das Exemplar, wonach sie entworfen würden, war ein auf deutschem Boden erlegtes. Vor einem Jahre sandte ein Freund von mir 3 Stück aus dem innern Nordamerika hierher, die ich mit den oben beschriebenen vergleichen konnte; im Ganzen aber (es waren Frühlingskleider) waren sie weder von jenem, noch unter sich verschieden, oder dies doch nicht so sehr, daß es eine Erwähnung verdiente, nur das eine, als ein Männchen bezeichnet, war etwas kleiner, auch etwas dunkler von Farbe, und ein zweites hatte einen drei Linien kürzern Schnabel, als die andern; dies siel allerdings sehr auf, obgleich in allem Uebrigen sich nichts Abweichendes fand. Aufenthalt. Das Vaterland dieses interessanten Vogels ist das ganze n örd- , liche Amerika, wo er in allen Theilen bis an die Meerenge von Panama vorkommt; wie hoch er aber im Sommer nach Norden hinauf geht, wissen wir nicht. Vorerwähnte 3 Individuen waren nebst mehrern andern im Frühjahr 1833 im Gebiete Michigan erlegt, wahrscheinlich geht er aber noch höher hinauf. Nach Europa verirrt er sich sehr selten und noch seltner nach Deutschland, wo bis jetzt nur das erwähnte eine Exemplar an der Werra in Hessen vorgekommen zu sein scheint. Er lebt in Amerika an den Ufern der Gewässer, vorzüglich der fließenden im Innern des Landes, und kommt selten an die Küsten der offenen See, weil er ebenfalls solche Ufer liebt, die Wald und Gebüsche haben. 4 52 X!!. Ordn. t-VZ. Gatt. 227. Bartram^.Uferläufer. Eigenschaften. Hiervon ist nur wenig bekannt. Er soll sich auch gern auf erhöhete Platze, Steine und auf die über das Wasser Hangenden Aeste der Bäume setzen, beständig mit dem Hinterleibs kippeln und den großen Schwanz oft fächerartig dazu ausbreiten. Ueber seine Nahrung unk» Fortpflanzung sind uns gar keine Mittheilungen gemacht, so wenig wie zu den übrigen Rubriken; wir müssen uns daher bis auf künftige Zeiten gedulden, die vielleicht bald kommen, indem einer meiner in Amerika sammelnden Freunde vielleicht noch in diesem Fahre ins geliebte Vaterland zurückkehren wird. An merk. So wenig die. in neuen, Zeiten oft zur Ungebühr gcmißbrauchten, HnldigungSnamen ansprechen mögen, so blieb mir. ohne einen neuen Trivialnamcn zu wählen, wogegen ebenfalls sehr viel einzuwenden ist, nicht» übrig, als den obigen beizubehalten, da der frühere (von Bechstein), r. luuzic-nuia, mir nicht bezeichnend genug schien, worauf mich besonders folgender Umstand brachte: Ein mechanisch »geschickter, aber in der Ornithologie wahrscheinlich ganz unrrfahmer, Ansstopfer glaubte, der schöne, schlanke Balg eines BertramufcrläufcrS sei wol nur beim Abbälgen z» sehr in die Länge gedehnt und aus der Form gczerrt worden, weshalb er diesen vermeintliche» Fehler zu verbessern Habe, ihn daher beim Ausstopfen so zusammenschob, daß der fertige Vogel nachher eine ganz andere, gewöhnliche Strandläufergestalt erhielt, an welcher die Länge des Schwanzes kaum so oder eben nicht mehr auffiel, als es mit der bei L. >,^>vl-uou« der Fall ist. Diese Bemerkung mag eine Warnung cnthaltm, sich im Allgemeinen vor ungeschickten Ausstopfern zu hüten, wo aber keine Wahl bleibt, den Aufträgen, Bälge auszustopfen, jedes Mal Beschreibung oder Zeichnung der Gestalt des Gegenstandes beizufügen. Sieben und fünfzigste Gattung. Wasserläufer. IvLuerus. Schnabel: Lang, oder doch länger als der Kopf, schwach, all- mälig verdünnt, an der nicht kolbigen Spitze am schwächsten, diese etwas abwärts gekrümmt, wenigstens am Oberschnabel; Firste und Kiel abgerundet, die Seiten etwas zusammengedrückt, die Schneiden an der vordern Schnabelhälfte eingezogen; die Längefurchen beider Theile nicht über die Mitte der Schnabellänge darreichend, die des Oberkiefers breit und tief; er ist nur an der Wurzelhälfte weich, übrigens hart; ganz gerade, oder von der Mitte an etwas aufwärts gebogen. Der Oberkiefer kann nur an der Wurzel, wie bei andern Vögeln, etwas aufwärts gebogen werden. Nasenlöcher: Seitlich, unfern der Stirn, ein kurzer, schmaler, durchsichtiger Ritz, mit kaum bemerkbar erhöhetem Rändchen und verschließbar. Sie liegen in einer weichen Hant, die gegen die Schnabelmitte spitz endigt, und unter welcher Nerven liegen. Füße: Sehr lang, schwach und schlank, hoch über die Fersen hinauf nackt, weich, der Ueberzug auf der Schiene» dem Spann und den Zehenrücken seicht in größere Schilder getheilt, übrigens feiner geschildert; die drei Vorderzehen mittelmäßig lang, dünn, die äußere und mittlere an der Basis mit einer kürzen Spannhaut, wovon zwischen der innern und mittlern selten eine schwache Spur vorkommt; die schwächliche Hinterzeh nur kurz, etwas über dem Zehenballen eingelenkt, so daß sie stehenden Fußes mit der Spitze ihres Nagels kaum den Boden berührt; die Krallen schwächlich, schmal, wenig 54 X«. Ordn. l^VII. Gatt. Wasserläufer. gebogen, spitz. In früher Jugend ist das Fersengelenk mit dem Anfange des Laufes sehr dick, und letzterer hat vorn herab eine Längefurche. Flügel: Mittellang, schmal, ihr Hinterland mondförmig stark ausgeschnitten, daher die Schwingfedern dritter Ordnung eine lange zweite oder Hintere Flügelspitze bilden. Die vorderste große Schwing- seder ist bis längste; auch fehlt das kleine verkümmerte Federchen vor ihr nicht; alle erster Ordnung haben starke gerade Schäfte, die viel kürzern der zweiten viel schwächere, säbelartig nach hinten gekrümmte, Schwanz: Kurz, am Ende wenig abgerundet, aus 12 Federn zusammengesetzt. Das kleine Gefieder liegt knapp an und ist bei verschiedenen Arten an den untern Theilen des Rumpfes viel dichter und pelzartig; es trägt keine Prachtfarben, wol aber viel Weiß, welches bei allen auf dem Unterrücken und Bürzel herrschend und am Schwänze mit dunkeln Querbändern durchzogen ist, und die Vogel dieser Gattung schon von weitem kenntlich macht. Das Dunkelge- särbte hat oft weiße oder doch licht gefärbte, eckige Randflecke, und die wunderbare Eigenschaft, daß sich diese im Gebrauch leichter abstoßen als die dunkelgefärbten Theile, wodurch die Federränder zuletzt oft sägezackicht werden. Sie mausern ohne Ausnahme jährlich zwei Mal, haben ein mehr oder weniger verschieden gefärbtes Sommer-, Winter- und Jugendkleid, und das Winterkleid ähnelt nur jenem grauen der Strandläufer, bei einigen den ächten Lringen am nächsten stehenden Arten. Männchen und Weibchen sind gleich gefärbt. Die hierher gehörenden Vogel erreichen eine mittlere Größe nicht. Sie schließen sich, durch Vermittelung der Gattungen Avtltis und Nsvllstss, genau an die Strand läufer (IHn- K») an, sind aber schlanker, hochbeiniger, langhälsiger und lang- schnäbliger als diese, überhaupt sehr zierliche Gestalten, die sie in Verbindung mit ihren Sitten und der Lebensart zu sehr angenehmen Vögeln machen. Der kleine Kopf hat eine niedrige, abschüssige Stirn, etwas kleine Augen, und steht auf einem schlanken Halse, welcher selten ganz eingezogen wird; der Körper ist ge« XU. Ordn. Gatt. Wasserläufer. 5 » streckt, die Brust gerundet, und die hohen, schwachen Beine treten nicht mit den gemeinschaftlichen Zehenballen auf, indem sie nur auf dem mittlern und vordern Theil der Vorderzehen sich, wie auf Schnellfedern, fortbewegen; dies giebt ihren Bewegungen eine Leichtigkeit, die ihnen sehr zur Zierde gereicht. Die Wafferläufer sind, wie die Tringen, auch mehr über die kalte als über die warme Zone verbreitet und wandern, wie jene, um den Winter unter mildern Klimaten hinzubringen und im Sommer die Fortpflanzungsgeschäfte in hohem Breiten zu vollbringen, zwei Mal im Jahre. Sie leben an den Ufern der fließenden und stehenden Gewässer oder in morastigen Gegenden, weniger an den Seeküsten, die sogar von einigen Arten gar nicht besucht werden, sind zwar nicht ungesellig und gern unter andern Standvogeln vertheilt, doch für sich nie in so großen Schaarcn beisammen, wie die meisten Strandläuferarten dies thun. Sie haben einen zierlichen, sehr behenden Gang, trippeln nicht sowie die Strandläufer, sondern schreiten in großem Schritten einher, können auch schnell laufen, und gehen sehr häufig bis an den Bauch ins Wasser, schwimmen auch, wo dieses zu tief ist, ungezwungen und Nahrung suchend, oft ziemliche Strecken aus demselben hin, tauchen dabei mit dem Kopfe und Halse unter dasselbe, um Nahrung aus der Liefe herauszuholen, aber nie und nur im höchsten Nothfalle mit dem ganzen Leibe unter. Sie lieben die flachen Ufer und seichten Gewässer, stellen sich seltner auf Steine, noch seltner und nur in einzelnen Fällen manche Arten aufdie Spitze eines Pfahles oder wol gar eines Baumes, wenn an den Orten, woselbst sie sich fortpflanzen, es dergleichen giebt, was aber gerade diesen aus dem Zuge nie vorkommt, — Sie haben einen ungemein leichten und schnellen Flug, in welchem sie die Beine weit und gerade hin ausstrecken, dies weniger mit dem Halse thun, auf weitem Strecken sehr hoch fliegen, und ihren Aufenthalt, am Tage, oft von einem Gewässer zu einem andern, weit entfernten, verlegen, eben so oft von da wiederkehren, dann aber keine weite Reise unternehmen, sondern dies allein nur des Nachts, vom Beginn der Abend- bis zu Ende der Morgendämmerung thun, dabei ungemein hoch durch die Luft streichen und an dem Orte, wo sie sich niederlassen wollen, mit sausendem Getöse, unter kurzem Hin- und Herschwenken, fast senkrecht herabstürzen und so am Ufer niedersetzen. — Alle Arten gehören unter die scheuen Vögel; sie fliehen die Annäherung des Menschen schon von Weitem und drücken sich vor ihren Feinden nie auf die Erde nieder, sondern fliegen, so- 56 XU. Ordn. QVII. Gatt- Wasserläufer. bald sich ihnen etwas Verdächtiges zeigt, sogleich und mit Geschrei weg und gewöhnlich weit fort. — Zm ganzen Benehmen dieser schlanken Gestalten liegt sehr viel Anmuth, wozu die lieblichen Töne in ihrer Stimme, die dem Ohre wohlthut, weil sie aus hohen flötenden Tönen besteht uud weit vernehmbar, ist, nicht wenig beiträgt. — Sie ähneln sich hierin alle, und die eine Art folgt nicht ungern den wohllautenden Locktönen der andern. Für den Naturfreund haben diese Töne einen ganz eigenen Reiz. — Sie nähren sich meistens von Wasserinsekten und deren Larven, von weichen Würmern, zum Theil auch von ganz kleinen Schalthieren, kleinen Amphibien und Fischchen, sind mit Aufsuchen derselben besonders Abends und Morgens beschäftigt, ruhen und schlafen in den Mittagsstunden oder inmitten stockfinsterer Nächte. — Sie pflanzen sich an wasserreichen Orten, in großen Sümpfen, meistens an süßen Gewässern, einige jedoch auch an den Seeküsten fort, fertigen sich an einer trockenen Stelle selbst eine kleine Vertiefung, die sie nachlässig mit einigen wenigen trocknen Pflanzentheilen auslegen, woraus ihr ganzer Nestbau besteht. In diese legen sie niemals mehr als 4, nur in besondern Fällen bloß 3 Eier, welche im Verhältniß zur Größe des Vogels groß sind, eine bim- oderkreiselförmigeGestalt und eine olivengrün- liche Grundfarbe mit grauen, braunen und schwarzen Flecken haben, und welche das Weibchen allein ausbrütet, während das Männchen ängstlicher um sie besorgt ist, als selbst jenes, dem wieder die Sorge für die Zungen allein obliegt*). Diese laufen den Alten bald nach und wissen sich, so lange sie noch nicht fliegen können, vor ihren Feinden meisterlich zu verstecken. — Ihr scheues Wesen erschwert die Jagd nach ihnen sehr, weil sie aus einem Hinterhalt erlauert und ungesehen beschlichen werden müssen; in Laufschlingen und auf dem Wasserschnepfenheerde werden sie jedoch leichter gefangen. Das Fleisch ist meistens sehr schmackhaft, doch nicht immer und nicht bei allen. Alle Wasserläufer spreizen sehr regelmäßig im Gehen oder Stehen ihre Zehen so aus, daß sie genau auf drei Theilungslinien eines in 6 gleiche Abschnitte getheilten Zirkels passen, wie bei Nuvlietvs, IrinKS, u. a. „Auch in den Wasserläusern (bemerkt Nitzsch) wiederholt sich die, bei der anatomischen Schilderung der Gattung Vburrtckrins ») ES gelingt daher den Schützen viel leichter, heim Reste das Männchen als das Wctt>el>cn ru erlege», während er nachher bei den ausgelaufenen Junge» es stets umgekehrt finden wird. XII. Ordn. I^VII. Gatt. Wasserläufer. 57 beschriebene allgemeine Bildung der Schnepfenfamilie, auf welche Schilderung daher hier abermals verwiesen wird. „Diese Böget stehen den Gattungen Kolitis und llzrpsllmtvs am nächsten." „Sie entbehren, wie diese, des knochenzelligen Tastappa- rates an den Kiefersp'tzen, indem die Fäden des fünften Nervenpaares, welche zur Schnabelbedeckung gehen, weniger frequent sind und durch einfache Löcher des Jntermaxillarknochens und Unterkiefers hervortreten." „Die Nasendrüsen liegen auf den Stirnbeinen, aber nicht in abgeschlossenen Gruben, sondern sie überragen wie bei IrinZu, Nnvlistes,.^«titis u. a. den Orbitalrand. Bei lot-mus tmliäris sind sie nierenförmig, sehr groß und breit, so daß sie mit dem ganzen innern Rande zusammenstoßen; bei den übrigen sind sie weit weniger entwickelt, ihre Figur ist hier sichelförmig, indem sie nach der Biegung des Orbitalrandes gekrümmt sind, und oben von einander entfernt bleiben." „Der Biegungspunkt des Oberkiefers befindet sich an der Wurzel desselben, so daß, wie bei fast allen Vögeln außer der Schnepfenfamilie, beim Oeffnen des Schnabels immer der ganze Oberkiefer bewegt wird, und eine bloße Erhebung der Spitze des Oberkiefers nicht möglich ist. Die Nasengrube geht bei weitem nicht so weit nach vorn als bei den vorhergehenden Gattungen, und erstreckt sich nicht oder wenig über die Mitte seiner Länge." „Die spitze schmale Zunge ist immer weit kürzer als der Schnabel, und reicht nur etwa so weit, als die Nasenfurche." „Das große Hinterhauptsloch hat dieselbe fast dreieckige Figur wie bei IrinZ» und Kolitis." „Der Hintere Fortsatz des Unterkiefers ist hoch, kurz, stark nach unten gezogen, hinten abgeschnitten, oben wenig ausgeschweift; im Ganzen wie bei IHoxu." „Der Halswirbel sind 12, der Rippenpaare 9, wovon 7 den Rippenknochen haben." „Das Brustbein verhält sich wie das der Strandläufer (IrinAkt); aber das innere Paar der Hintern Hautbuchten ist viel kleiner als dort." „Das Becken ist länger und schmaler als bei IrinZ» und „Der untere Kehlkopf hat das in dieser Familie gewöhnliche einfache Muskelpaar." 58 XU. Ordn. r-VII. Gatt. Wasserläufer. „Der Magen ist sehr schwach muskulös." „Die Milz sehr klein und von rundlicher Gestalt." „Die Blinddärme sind kurz oder nur von geringer Länge, bei Hinaus OInreoln so winzig und. kurz wie bei den Lagraub- vögeln; bei l'. Olottis sind sie etwas, aber nur wenig länger, bei 1 . kusous und 1 '. ovbropus merklich länger, aber doch immer kürzer, als bei Kolitis, Irin^n, Hz'psibntLs und den meisten übrigen Schnepfenvögeln. Dagegen ist das, ungefähr in der Mitte der Darmlänge befindliche, Darm-Divertikel gleichsam zum Ersatz für die Kürze der Blinddärme länger als gewöhnlich." Die Wasserläufer lassen sich in 2 Familien theilen, deren Kennzeichen in der verschiedenen Gestalt des Schnabels liegen, aber sonst von keiner großen Bedeutung sind. Erste Familie. Wasserläufer mit geradem Schnabel. Außer einer in Nordamerika einheimischen Art, welche auch einige Mal im nördlichen Europa, aber noch nicht in Deutschland vorgekommen ist, besitzen wir hier MM-' UM, lO I VXl !^ Ok ln'l^n^ ^.kttMIIIO'KI L vv, >1 tl-i'Icluvl!i> t^l!<1 -> > »»- 228, Der Punkt Lrte Waffe rläuf er. 10 tUN I!8 F'SMM. t Fig. 1. Sommerkleid. Taf. 197. / Fig. 2. Winterkleid. ! Fig. 3. Jugendkleid. Getüpfelter Wafferläufer; punktirter Strandlauser, wci'ßpunk- tirter —, schwarzer —, grüner —, kastanienbrauner —, gelbsüßi- ger —, grünsüßiger —, größter Strandläufer; größter —, großer, schwarzer Sandlaufer; Schwalbenschnepfe; Wasserbekassine, große Bekassine; braunes Wasserhuhn mit schwarzem Schnabel und grünen Füßen; buntes — geschecktes Motthühnlein; buntes Wasser- hühnlein; Grünbeinlein, Grünfüßel; Weißsteiß, Weißarsch; Matt- knillis, Steingällel, Dluit. Data»«« Dommlnck IN»», nvuv, ösit. II. I>. 651.----- dUls««», Um. Sllvo. II. p. 64. u. 169. ----- oe5ra/iu». 6mel. I.luu. I. 2. x. 676- n. 13. ---- I-stl,. Iu>. 729. n. 12 ----- bris«. Um. V. p. 177. I. 16. k. 1. ----- Kltoi-ea, voriet»», Liuou. Lok. x. 53. o. 178. ----- /.e ÄeeaLLSttk- on <7«K1a«e. kulk. OIs. VII. y. 534. — I'-lif go Ileuxp. XIV. I>. 274. ----- IS. IU. eol. 843. ----- vörora lob. ölöiu. II. 199, ----- 5a»e1- xizie,-. I'olln. oiot. 2«o>. II. 389. — Uebers. v. Zimmcrmann. II. S. 442. 0. 306. ----- I-otd. 8V°. V. 179. n. 12. — Uebers. v. Bechsteitt. III. 1. S. 141. n. 12. — Lervlole, brle. Llrä« II. p. 169. ----- Dusörneeen. Ktvr. üvg. Uvv. V. u-v. 457. ----- 5ra»oo, 8»rl, Oku. "rose. II. p. 273. -----» Sechsteln, 2?a- tnrg. Deutscht. IV. S. 283. ----- Dessen Laschend. II. S. 362. ----- Wolf und Meyer, Laschend. II. S. 386. ----- Meyer, Bog. Liv.. u. Esthlands, S. 202.---- Meisner u. Schinz, Bog. d. Schweiz. S. 222. ». 269. — Koch, Baier. Zool. I. S. 299. n. 187. ----- Dreh'», Beitr. III. S. 459. ----- Dessen Lehrbuch, U- S. 594. ----- Dessen Naturg. a. v. Dcutschl. S. 641. ----- Glog er, Echtes. Sann. S. 46. ». 19». ------ Frisch, Bog. U. Taf. 239. (Jugendkleid). — Nau- mann's Bog. alte A»Sg. III. S. 76. Las. XIX. Fig. 24. , Jugendkleid). 60, XU. Ordn. l-VH. Gatt. 228. Punktirt. Wasserläufer. An merk. Nicht (wie in Lemminck'r ll'Uro, a. a. S. steht) dos Jugcndkleid dieser Art — sondern da» vollständige Sommerkleid der folgenden ist auf Krisch'» 237. Tafel, und zwar sehr kenntlich dargestellt; dagegen zeigt die Taf. 23S. ganz deutlich unsre 1°. ttcdroxii» im Iugendkleidc. Kennzeichen der Art. Der Schwanz ist an der Wurzelhälfte rein weiß, übrigens an den mittlern Federn sehr breit schwarz und schmal weiß gebändert; der-Unterflügel fast ganz schwarz, an den Deckfedern, besonders den langen unter der Achsel, mit am Schafte spitzwinkelig zusammentretenden schmalen, weißen, geraden Querstrichen, die Schwingfeder- schäfte alle dunkelbraun. Beschreibung. Man hat diesen Vogel häufig mit der folgenden Art (1. xln- rvola) verwechselt, was aber nur ganz oberflächlichen Beobachtern begegnen kann, da außer den sehr in die Augen fallenden Artkennzei- chen, die sich sogar am fliegenden Vogel, wenn man ihm unter die Flügel schauen kann, schon ganz deutlich zeigen, noch ein so großer Größenunterschied zwischen beiden Statt findet, daß man eine Verwechslung kaum bei unerfahrnen Zagdliebhabern für mögliich halten möchte; denn unser punktirter Wasserläufer ist im Vergleich zu jenem gerade, was die Singdrossel hinsichtlich der Größe zur Haubenlerche ist. Zudem findet sich bei l'. K-Isrsolu ein ganz feiner weißer Saum an den Enden der mittlern Schwingfedern, daher ein weißer, ziemlich bemerklicher Querstreif am Flügel, während bei 1. ooiirozms sich nicht die mindeste Spur eines solchen zeigt, weil jene Federn ganz einfarbig braunschwarz aussehen. Ferner ist letzterer an den obern Theilen in allen Kleidern mit einer wenig hellen Farbe nur fein getüpfelt oder punktirt, und da diese Farbe sehr trübe ist, viel einfarbiger und dunkler; dagegen 1. gluroalu von oben mit viel lebhafterer, hellerer Farbe grob gefleckt, daß diese Theile, zumal im Frühlingskleide, fast gescheckt genannt werden können. Endlich hat 1. ovilrvzms einen bedeutend langem Schnabel und viel kürzere Füße und Zehen als glaroolu. Der punktirte oder getüpfelte Wafferläufcr hat ohngefähr die Gräße einer Singdrossel (Hckus inusious); doch ist seine Brust stärker, der Hals länger und dünner, und seine Beine sind viel höher. Sein Gewicht übersteigt das des folgenden Wasserlau- X!k. Ordn. LVkI. Gatt. 228. Punktirt. Wasserläufer, gi fers stets um 2 Loth, was bei einem Vogel, dessen Schwere höchstens nur 8 Loth beträgt, schon viel ist. Er mißt in der Länge, von der Stirn bis an die Schwanzspitze, nicht unter 9 Zoll, eher noch r /4 Zoll darüber, in der Breite, von einer Flügelspitze bis zur andern, 18^ bis 19 Zoll; die Länge des Flügels, vom Handgelenke (Bug) bis zur Spitze, ist 6 Zoll; die Lange des Schwanzes 2ssz Zoll, und die in Ruhe liegenden Flügel reichen mit ihren Spiz- zen bis an oder ein wenig über das Ende des Schwanzes. Dem Flügel fehlt das kleine, verkümmerte, starre, schmale und spitzige Federchcn vor der ersten großen Schwingfeder nicht; die letztem sind stark, mit straffen, geraden Schäften, am Ende verschmä- lert und zuletzt zugerundet; sie machen einen spitzigen Vorderflügel, nehmen bald sehr an Länge ab, bis zu den kurzen der zweiten Ordnung, die säbelförmig nach hinten gebogene, schwächere Schäfte und ein schief nach hinten abgestumpftes Ende haben, weil das der Jnnenfahne länger ist als das der äußern; endlich nehmen die der dritten Ordnung, welche eine mehr lanzettförmige, stumpfgespitzte Gestalt und schwache gerade Schäfte haben, wieder an Länge zu, bis zur dritten vom Ende, welches die längste von diesen ist und die Hintere Flügelspitze bildet, die beim zusammengelegten Flügel bis auf oder noch über die Spitze der fünften großen Schwingfeder reicht; der Hintere Flügelrand ist also bei ausgebreitetem Flügel stark mondfürmig ausgeschnitten, eine Flügelbildung, welche der ganzen Gattung l'otnnns eigen ist, und daher bei den übrigen Arten keiner Wiederholung bedarf. — Der Schwanz besteht aus 12 fast gleichbreiten, außer den äußersten und mittelsten wirklich breiten, am Ende kurz abgerundeten Federn, die in der Länge fast nicht verschieden sind und ein beinahe gerades Schwanzende bilden. Der Schnabel ist 1 Zoll 5 Linien lang, auch wol eine Linie darüber oder darunter, an der Wurzel 2 ^ Linien hoch und 2 Linien breit, gerade, sehr schlank, nach vorn allmälig verdünnt, die Spitze beider Laden ein wenig gegen einander gebogen, die der obern aber etwas übergreifend; die Nasenfurche, nebst der in der untern Kinnlade, geht etwas über die Mitte vor, von wo an die Schneiden beider Schnabeltheile stark eingezogen sind. Uebrigens ist der Schnabel an der Spitze schwacher und schmäler als in der Mitte, an diesen Theilen ganz hart, an der Wurzel bloß bis etwas über die Nasenlöcher hinaus weich, diese, ein kaum 2 Linien langer Ritz, liegen wie bei andern in einer schmal und spitz verlaufenden, weichen Haut; die Zunge ist sehr weich, lang, schmal und sehr spitz, der 62 XII. Ordn. I.VII. Gatt. 228. Punktirt. Wasserläüfer. Rachen sehr enge. Die Farbe des Schnabels ist schwarz, an der Wurzelhälfte nur schieferschwarz, an der Wurzel des Unterkiefers ins Blaugrünliche, bei den Jungen in schmutziges Aschblau übergehend, die Zungenspitze eben so, diese im Uebrigen nebst dem Rachen blaß fleischfarbig. Das Auge ist nicht sehr klein, lebhaft, und hat eine tiefbraune Iris, eine Farbe, die bei rttanchen ins dunkle Nußbraun übergeht, und die Augenlider sind weiß befiedert. Die Füße sind nicht sehr hoch, und unser Vogel hat unter seinen Gattungsverwandten die niedrigsten. Sie sind übrigens schlank, weich, über der Ferse ziemlich hoch nackt, die Borderzehen schlank, die äußere und mittlere an der Basis mit einer bis zum ersten Gelenk reichenden Spannhaut verbunden, die aber zwischen der innern fehlt oder kaum leise angedeutet ist; die Hinterzeh etwas hoch eingelenkt, sehr dünn, kurz, doch aber lang genug, um stehenden Fußes mit der Spitze den Boden noch so eben berühren zu können. Der weiche Ueberzug der Füße ist vorn herab seicht in größere Schilder gekerbt, die auf den Zehenrücken schmaler werden, übrigens ist er sehr fein geschildert; die Krallen kurz, klein und schmal, wenig gebogen, scharfrandig und spitz. Die Füße sind über der Ferse 8 bis 9 Linien nackt; die Fußwurzel oder der Lauf 1 Zoll 3 bis 4 Linien hoch; die Mittelzeh, mit ihrer noch nicht 2 Linien langen Kralle, 1 Zoll 2 bis 3 Linien, und die Hinterzeh, mit der sehr kleinen Kralle, zwischen 4 und 5 Linien lang. Die Farbe der Füße ist eigentlich nie grün, wie sie oft angegeben wird, sondern bleifarbig oder licht blaugrau, bloß an den Gelenken grün überlaufen, und dies Letztere bei alten Vögeln etwas auffallender als bei jungen, bei welchen jene meistens nur ganz schwach damit angeflogen sind; die Krallen sind braunschwarz. Obgleich dieser Vogel, wie die andern Arten dieser Gattung, eine doppelte Mauser hat, so ist doch der Unterschied zwischen dem Sommer- und Winterkleids nicht sehr auffallend, und auch das Jugendkleid von beiden nicht sehr verschieden. Im Jugendkleide unterscheidet er sich von alten Vögeln im Sommer- oder Winterkleids vor allen durch eine viel dunklere (schwärzere) Farbe der obern Theile, die aus dem Mantel an den Federkanten mit zahllosen, aber nur kleinen, düster rostgelblichen oder lichtgelbbräunlichen (nie weißen) Punkten bestreuet, aber auf dem Scheitel ganz ohne alle Flecke und Punkte ist. — Die nähere Beschreibung dieses Kleides ist folgende. Die Zügel sind braunschwarz, XU. Ordn. Gatt. 228. Punktirt. Wasserläufer. 63 über sie hin zieht sich von der Schnabelwurzel über das Auge hinweg ein weißer Streif; Kinn und Kehle reinweiß; die Wangen vorn weiß, nach hinten schwarzgrau gestrichelt; der Oberkopf einfarbig schwarzbraun; der Hinterhals bräunlichschwarzgrau, durch die weißgrauen Seitenkanten der Federn hell gestrichelt; der Vorderhals in der Mitte herab fast ganz weiß, seitwärts und weiter herab auch vorn mit braunschwarzen Schaststrichen, die nach dem Kröpfe zu starker werden und an den Seiten desselben in dreieckige und längliche Flecke ausarten, und hier durch eine gewölkte Zeichnung mit der des Hinterhalses verschmelzen; Oberrücken, Schultern, Flügeldeckfe- dcrn und die Federn der Hintern Flügelspitze schwarzbraun, mit seidenartigem, olivengrünem Schimmer und vielen kleinen, dunkel ocher- gelben oder licht gelbbräunlichen Punkten bestreut, indem jede Feder am Rande herum deren drei, fünf bis sieben hat, die an den grö- ßesten Federn kaum zu etwas großem Tüpfeln anwachsen und da wol auf der Seite nach oben auch noch von einem schwarzen Schatten begrenzt werden"); der Unterrücken braunschwarz, die letzten Federn mit kleinen weißen Randstecken oder Tüpfeln; der Bürzel und die obern Schwanzdeckfedern schneeweiß ohne alle Flecke. Die Schwingfedern nebst ihren Schäften und ihren Deckfedern sind braunschwarz, die mittlern Schwingfedern kaum mit etwas lichtem Endsaumen, sonst ganz einfarbig, die der dritten Ordnung wie der Rücken. Von unten sieht der Flügel sehr dunkel aus; die Schwingfedern sind hier matt braunschwarz, ihre Schäfte dunkelbraun, die Deckfedern und der Möhring'sche falsche Flügel (die langen Federn unter der Achsel) tief schwarzbraun, jene mit schmalen, unterbrochenen, weißen Querstreifchen, diese mit hellweißen, geraden, am Schafte spitzwinkelig zusammentreffenden, nicht dicht stehenden Querstreifen. Der Schwanz ist von der Wurzel aus am ersten Drittheil meistens rein weiß, die übrigen beiden Theile auf weißem Grunde so breit schwarzbraun gebändert, daß dieser nur in sehr schmalen Zwischenräumen und zuletzt als schmale Endkante bleibt, jedoch ist das Weiße an den äußern Federn viel mehr verbreitet, weshalb die Federn, einzeln betrachtet, folgende Zeichnung haben: Die äußerste oder 1:1 ist ganz weiß, bloß mit einem schwarzen Fleckchen auf der Außenfahne unfern dem Ende; 2:2 hat schon an der Stelle, wo jene das Fleckchen hat, eine ziemlich über beide °) Die Punkte oder Tüpfel stehen in so regelmäßigen Abständen, daß man sie für Anfänge proiectirter Luerlinie« hallen darf. 64 XII. Ordn. L.VII. Gatt. 223. Punktirt. Wasserläufer. Fahnen reichende schwarze Querbinde, und vor dieser (der Mitte näher) auf der Außensahne ein solches Fleckchen; 3 : 3 eine breitere Binde, ein größeres und ein kleineres Fleckchen, oder auch zwei Binden und ein Fleckchen; 4:4 zwei Binden und zwei Fleckchen, oder drei Binden und ein Fleckchen; 5:5 drei breite ganze und eine halbe schmälere Binde; endlich 6:6 vier sehr breite ganze und zwei schmale halbe Binden, so daß diese braunschwarze Zeichnung an der Endhälfte nicht allein nur ganz schmale Zwischen- räume läßt, sondern auch so hoch gegen die Wurzel steigt, daß sie bis ins letzte Biertheil hinauf reicht. — Vom Kröpfe an sind alle untern Theile bis zum Schwänze rein und blendend weiß, nur die Tragefedern neben der Oberbrust haben einige schwarzbraungraue Wogenstreife und die letzten Federn außen am Unterschenkel dergleichen Längeflecke, die jedoch vielen Individuen fehlen. Männchen und Weibchen sind in diesem Kleide schwer zu unterscheiden; nur wenn man sie neben einander stellt, ist die Farbe des Mantels bei dem letztem lichter und weniger glänzend, und der Vorderhals nebst Kropfgegend stärker gefleckt. Uebrigens giebt es namentlich an diesen Theilen mehrerlei Abweichungen in der Größe und Menge der Flecke, die nicht immer Verschiedenheit des Geschlechts anzeigen; auch ist die Zeichnung der Schwanzfedern nicht immer (obwol Am häufigsten) die oben beschriebene, und es giebt Stücke, an welchen die äußerste Feder ganz weiß ist, wo dann die nächste erst die oben beschriebene Zeichnung der ersten hat. Das Winterkleid unterscheidet sich vom Iugendkleide nur wenig, im Allgemeinen bloß durch eine blässere, mehr mit Grau überlaufene oder wie damit bestäubte Grundfarbe der obern Theile, durch stärkere und weißlichere Tüpfel aus derselben und durch den gefleckten Oberkopf, weil die schwarzbraunen Federn desselben längliche weiße Flecke an den Seitenkanten haben; auch sind die Kropfseiten dichter braunschwarz gestrichelt, aber weniger gefleckt und gewölkt, sonst Alles eben so wie im Iugendkleide, weshalb eine weitere Beschreibung desselben eine unnütze Wiederholung wäre. Zudem ist dieses Kleid auch nur bei alten Bögeln rein anzutreffen, bei jungen, die es zum ersten Male tragen, aber oft noch bis in den Frühling hinein mit Federn vom Iugendkleide vermischt. Ein äußerer Unterschied zwischen beiden Geschlechtern ist nicht bemerkbar. Lust und Sonne bleichen die lichten, frisch oft rostgelblichen Tüpfel in weißliche ab, und viele, besonders wo sie als kleine Punkte XU. Ordn. I.VII. Gatt. 228. Punktirt. Wasferläufer. 65 erscheinen, reiben sich, weil sie stets nur an dem äußersten Rande der Federn sitzen, ab und fehlen dann auf dem Oberflügel ganz. Das Frühlings- oder Sommerkleid zeichnet sich vor den beiden beschriebenen besonders durch stärkere und viel weißere Tüpfel auf dem Kopfe und dem Mantel aus. Da es noch am meisten vom Jugendkleide abweicht, so verdient es wenigstens theilweise eine nähere Beschreibung. Die Zügel sind bloß schwarzbraun getüpfelt; die Wangen ebenfalls auf weißem Grunde mit vielen schwarzbraunen Fleckchen und Tüpfeln bestreuet, der ganze Vorderhals überhaupt dunkler, dichter und gröber gefleckt, die Fleckchen an den Kropfseiten aus der länglichten in eine breite zacklchte Form, aber mit Grau durchwölkt, übergehend, zwischen welcher weiße Fleckchen stehen und sich zum Theil in Reihen ordnen; der weiße Streif über den Zügeln ist nicht so klar als an jenem Kleide, und löst sich über dem Auge schon in Flecke auf; der ganze Oberkopf matt schwarzbraun, stark weiß gefleckt, diese Flecke an den Seiten der Federn meistens länglicht; die Ohrgegend lichtgrau schwarzbraun gestrichelt; der Hinterhals matt schwarzbraun, vom Genick herab weiß gestrichelt, an der Halswurzel weiß getüpfelt; Oberrücken, Schultern und die Hintere Flügelspitze dunkelbraun, in der Mitte der Federn, zunächst den schwarzen Schäften, dunkelaschgrau, an den Rändern derselben in geregelten Zwischenraumen mit meist dreieckigen trübweißen Tüpfeln oder Fleckchen besetzt, die an ihrer obern Seite von starken schwarzbraunen Schatten begrenzt werden, auf den großen Flügeldeckfedern sich nach und nach verlieren und auf den kleinen ganz fehlen. Sowol die Grundfarbe wie die Flecken, die viel größer und weißer sind, namentlich der weißgefleckte Oberkopf und der ganz anders gefleckte Hals, unterscheiden dies Kleid auf den ersten Blick sehr vom Jugendkleide, während das Uebrige des Flügels, Unterrücken, Bürzel, Schwanz und alle untern Theile des Vogels wie m diesem sind, und etwa nur an den Tragefedern die dunkle Wellenzeichnung spärlicher ausfällt wie dort. Es giebt zwar kleine Abweichungen in der Zeichnung dieses Kleides, die aber von wenigem Belang sind, so z. B. haben die Scheiteifedern bei manchen nur Seitenstriche statt der Tüpfel, die Flecke auf dem Mantel ein mehr oder weniger HellesWeiß und eine geringere oder ansehnlichere Größe u. s. w., alles individuelle Verschiedenheiten, die auf das verschiedene Geschlecht keinen Bezug haben,, so daß Männchen und Weibchen äußerlich nicht mit Bestimmtheit zu unterscheiden sind. 8. Theil. 5 66 X!l. Ordn. I>VH. Gatt. 228. Punktirt. Wasserläufer. Im Lause des Sommers bleicht die dunkelbrauneHauptfarbe mit dem aschgrauen Ausluge in der Mitte der Federn in düsteres, staubichtes Schwarzgrau ab, die Federränder leiden durch Reibungen , wodurch ein großer Theil der weißen Tüpfel ganz oder doch theilweise verloren gehen, und ein solcher ausgrbleichter und abgeschabter Vogel hat dann keineswegs ein hübsches Ansehen mehr. Die Hauptmauser geht im Juli vor sich, wo die Alten ihr Frühlingskleid mit einem neuen Winterkleide vertauschen und auch alle Flügel- und Schwanzfedern erneuert werden. Im August wird sie vollendet, und Ende dieses Monats kann man schon alte Bögel dieser Art erhalten, welche es vollständig haben. Nicht so bald geht dies mit den diesjährigen Jungen, weil sie das Jugendkleid viel später und langsamer, ja, wie schon berührt, oft nur theilweise ablegen, und wenn dies geschieht, längst unsere Gegenden mit einem mildern Klima vertauscht haben. Sie kehren auch meistens im Frühjahre noch im Winterkleide zu uns zurück, wie denn auch manche altere Vogel im Anfange des April noch Ueberbleibsel des Winterkleides zeigen, dagegen aber die ältesten schon im ersten Drittheil jenes Monats im vollständigen Frühlingskleide sind. Aufenthalt. Der punktirte Wasserläufer bewohnt Europa, Asien und Afrika in verschiedenen Theilen, doch jene nicht unter den Polarkreis hinauf. Man fand ihn in Sibirien, in der Tatarei, in Aegypten und Nubien; auch in Nordamerika soll er vorkommen. In unserm Erdtheil geht er nicht viel über das mittlere Schweden hinauf, nach den neuesten Nachrichten nicht nach Island, ist dagegen rn den gemäßigten Theilen nach Osten und Westen, bis nach Italien und Griechenland hinab, zwar nirgends in großer Anzahl, einzeln jedoch allenthalben. Nach dieser Ansicht gehört er auch in Deutschland unter die gemeinen Vogel; er ist wenigstens auf dem Zuge in jeglicher Gegend, höchstens große Wälderstrecken und kahle Hochgebirge ausgeschlossen, angetroffen und, wenn auch nur einzeln und nicht alle Jahre, bemerkt worden. Am öftersten kommt er in ebenen und tiefliegenden Ländcrstrecken vor, und ist so auch in unserm Anhalt eine der gemeinsten Arten unter den , Wasserläufern, obwol er auch hier nie in Menge beisammen gesehen wird. Er ist, wie die naheverwandten Arten, ein Zugvogel, dessen > XII. Ordn. ii-VII. Gatt. 228. Punktirt. Wasserläufcr. 67 Wanderzeit schon mit Ende des Juli beginnt, wenn eben der Hauptfederwechsel bei den Alten anfängt und die Jungen völlig erwachsen sind. Anfänglich ist nun wol eben nicht viel Eile bemerklich, denn mau trifft an geeigneten Orten, sehr gewöhnlich, die nämlichen einzelnen Individuen Tage und Wochen lang an, ehe sie andern Platz machen, und erst gegen Ende des August wird es ihnen mehr Ernst mit dem Fortziehen, das denn, von aus dem Norden und Osten kommenden, bei uns bis zu Ausgang des September dauert. Nach dieser Zeit wird selten noch ein Durchziehender bemerkt, noch weniger bleibt jemals einer im Winter hier"). Im April kehrt er zu uns zurück, und der Durchzug dauert bis Ende des Mai. Die noch im Juni herumschwärmenden Einzelnen scheinen solche zu sein, welche sich in diesem Jahre nicht fortpflanzen mögen; sie halten sich zuweilen an einerlei Orten auf, bis zur nächsten Zugzeit, ohne daß ein anderes Individuum ihnen Gesellschaft leistete, und gaben oft, ehe man dies erspähen konnte, der Vermuthung Raum, daß hier ihr Nest zu finden sein müßte. Wo dies jedoch wirklich der Fall ist, wird dem geübten Forscher nicht leicht entgehen, weil die Vögel da stets paarweise gesehen werden. — Unser Vogel macht seine Reisen übrigens meistens einzeln, seltner paarweise, und sehr selten in kleinen Vereinen von 6 bis 8 Stücken, jenes immer die alten, dieses bloß die jungen Vögel; größere Gesellschaften sehen wir hier nie. — Er zieht des Nachts und begiebt sich mit Anbruch der Abenddämmerung auf die Reise, spricht während derselben nicht selten an solchen Gewässern ein, die an seiner Straße liegen, hält sich eine kurze Zeit da auf und geht dann weiter, und dies dauert bis zu Ende der Morgendämmerung. Jetzt bleibt er an demselben Orte und wechselt ihn bei Störungen mit andern, wol eine Stunde weit entlegenen, und diese wieder mit dem ersten, je nachdem er hier oder dort öfter beunruhigt wurde, bis er mit der Abenddämmerung sich auf die Weiterreise begiebt. Jenes Wechseln der Aufenthaltsorte am Tage ist an der verschiedenen Richtung, wie diese gerade liegen, leicht vom wirklichen Zuge zu. unterscheiden, weil dieser im Herbst stets nur nach Westen und Südwesten gerichtet ist. Uebrigens schwingt er sich auf den weitern Streifereien immer auch sehr hoch durch die Luft, wie auf dem wirklichen Zuge, und hat die Gewohn- ") Daß Meyer einst einen solchen am 19. Februar am Ufer bet WastiS angetroffen, ist ,jn unerhörter Fall; er konnte wol nur ein zn früh iurüekgekehrter Vogel sein. 5 " 68 XU. Ordn. L.VU. Galt. 228. Punktirt. Wasserläufer. heil, da, wo er sich niederlassen will, dies aus jener Höhe fast senkrecht und mit großer Kraftentwickelung zu thun. Hinsichtlich seines Aufenthalts hat unser Vogel sehr viele Aehn- lichkeit mit dem Flußuferläufer (Kolitis d^polvuvos), und schließt sich deshalb jener Gattung am nächsten an. An den Seeküsten wird unser punktirter Wafferläufer fast gar nicht oder höchst selten und nur zufällig ein Mal gesehen. Auch liebt er die zu freien Ufer großer Landseen und Flüsse nicht, sondern sucht an solchen die Stellen auf, wo er sich hinter Gebüsch, hohes Rohr, Schilf oder Gras verbergen kann, ohne sich jedoch, wohl zu merken, in selbigem zu verstecken. Sein Lieblingsaufenthalt sind daher viel mehr die kleinen Gewässer, weit von allen größer» entfernt, gleichviel ob fließend oder stehend, daher nicht nur kleine, mit Bäumen und Gebüsch besetzte Flüßchen und Bäche, sondern auch alle Teiche, Pfützen, Lachen, selbst ganz unbedeutende Wassergräben, oft ganz unter Gebüsch versteckt. Am Eisleber salzigen See sahen wir ihn daher nie anderswo, als auf einzelnen morastigen Stellen dicht an oder hinter hohem Rohre; an der Elbe und Mulde in vom Weidengesträuch beschatteten stillen Winkeln an schlammigen, von früherer Flut zurückgebliebenen oder vom Regen entstandenen Pfützen; an unsern Teichen auf kleinen schlammigen Pfützen hinter Schilfbüschcn, oder doch von einem hohem, begraseten Ufer beschattet, an mit Erlen und Weiden besetzten Gräben, wo diese, wegen wenigen Wassers, unterhalb des eigentlichen Ufers flache, schlammige Stellen haben, ja oft mitten in kleinen, dichten Laubholzwäldchen, an halb ausgetrockneten düstern Gräben und Tümpeln. Hält sich ein solcher Vogel längere Zeit in einer Gegend auf, so besucht er gelegentlich oder nach und nach alle, auch die kleinsten und verstecktesten Wasserpfützen, zur Abwechslung. Der Name „Waldwasserläufer" würde daher weit besser für diese, als für die folgende Art passen. Daß bei öfter vorgekommener Verwechslung der Vogel auch dies mit dem Namen geschehen sein kann, ist daher sehr wahrscheinlich. Freiliegende Feldteiche besucht er nur des Abends und als Absteigequartier, wenn er auf der Wanderschaft ist, wie dann überhaupt auch andere freie Ufer. Furcht vor Menschen kann es nicht sein, warum er jene haßt, sonst würde er nicht an Teiche kommen und sehr gern daran verweilen, die sogar dicht bei Dörfern liegen, und an welchen oft Menschen verkehren. So ist er während der Zugzeit z. B. an den Teichen bei meinem Wohnorte, nebst dem XU. Ordn. OVLI. Gatt. L28. Punktirt. Wasserläufer. 69 Flußuferläufer, der gemeinste Strandvogel, fehlt hier in keinem Jahre, und einzelne liegen, zum Zeichen, daß es ihnen wohlgefällt, oft Wochen lang still, wahrend ein, andern Strand- und Wasserläufern sehr zusagender, einsamer Feldteich am Lage höchst selten und nur zufällig auf äußerst kurze Zeit vom punktirten Wasserläufer besucht wird. In Brüchern kommt er nur allein an von Bäumen beschatteten Gräben und an den Durchfahrten vor, wo das seichte Wasser einen ausgedehntern Rand hat und von Wasserpflanzen frei ist, niemals aber, wo bloßer Morast und sogenannte Kufen (Pulten) sind, und wo sich der Bruchwasserlaufe r am gewöhnlichsten aufhält. Dieser liebt ganz andere Gegenden, ganz andere Plätze, und trifft daher fast nie mit ihm zusammen. Obgleich er sehr oft an Bächen, Flüssen und andern Gewässern mit klarem Wasser und sandigem Boden angetroffen wird, so sieht man doch deutlich, daß sandige Ufer ihm nicht behagen, daran, daß er auch an solchen Gewässern immer die schlammigen Stellen besonders aussucht und sich, ungestört, nur auf ihnen aufhält. Selbst an den ganz schlammigen Gräben und andern stehenden Gewässern hat er noch seine besondern Lieblingsplätzchen, kleine Schlammbänke von seichtem Wasser umgeben, welche frei von Schilf und andern Pflanzen sind, aber deren in der Nähe haben, oder an ein höheres User, einen hohen Nohrbusch, ein Weidengesträuch u. dergl. sich anschließen. Wird er von einem solchen verscheucht, so begieb^ er sich auf eins von ähnlicher Beschaffenheit und hat an einem Teiche und in derselben Gegend gend immer mehrere, die er auch ungezwungen wechselt. Wird ein solcher Vogel weggeschossen, und ein anderes Individuum kommt an den nämlichen Teich, so findet auch dieses bald die Lieblingsplätzchen seines Vorgängers und wird bei längerem Verweilen nur auf diesen angetroffen. Häufig theilt er solche mit ^otitis b^poleuoos, ohne daß eine besondere Zuneigung der einen zu der andern Art bemerk- lich würde, denn selbst bei nothgedrungenem Abfliegen folgt gewöhnlich jedes einer andern Richtung. Eigenschaft eü. Ein zierlicher Vogel, dessen Hauptfarben, Schwarz und Weiß, in einfacher Vertheilung auf großen Flachen, ihn schon in weiter Ferne kenntlich machen, unverkennbar, wenn er auffliegt und mehr die obere Seite zeigt, wo das blendende Weiß des Bürzels und 70 XU. Ordn. L.VII. Gatt. 228. Punktirt. Wasferläufer, des Schwanzes von der hier völlig schwarz scheinenden Farbe des Rückens und der Flügel viel mehr absticht als dies bei jeder andern Wasserläuferart von ähnlicher Zeichnung der Fall ist, zumal gegen dunkles Gebüsch gesehen, wo das Schwarze undeutlich wird, der weiße Bürzel aber desto Heller leuchtet, ähnlich einer von starkem Winde in die Lust gejagten schneeweißen Feder, ganz sonderbar, wenn der Vogel unter düsterem Gebüsch dicht über der Oberfläche eines dunkeln Grabenö in gerader Linie dahin streicht, oder wenn ihrer zwei, in wiederholten Schwenkungen, unschlüssig, ob sie sich an einem Platze niederlassen sollen, dabei dunkles Grün im Hin» , tergrunde, diesen im pfeilschnellen Fluge lange umschwärmen. — Auch sitzend ist er von weitem au den beiden abstechenden Hauptfarben zu unterscheiden. Er steht und geht gewöhnlich mit wagerecht getragenem Körper, richtet die Brust aber etwas höher und dehnt den dünnen Hals länger, sobald er etwas Verdächtiges erblickt, nickt dann öfter mit dem Kopfe, indem er den Hals, gerade auf, schnell ausdehnt und zusammenzieht, wobei Schnabel und Kopf ihre wagerechte Stellung nicht verlieren; eine allen Wafferläufern eigene Bewegung, die manche so heftig äußern, daß sich dabei auch die Brust ein wenig hebt und senkt. — Außer dieser ist unserm Vogel noch eine andere eigen, nämlich ein Kippeln mit dem Hinterleibs, das er aber nur thut, wenn er sich eben gesetzt hat und fortschreitet, und welches man daher bei weitem seltner und aMh nicht in einer solchen Stärke von ihm sieht, als etwa vom Flußuferläufer. Sein Gang ist zierlich und behende, weniger trippelnd als bei den Strandläufern; er kann auch schnell laufen, übt dies aber selten. Wo er nichts fürchtet, geht er in gemessenen Schritten einher, und verdoppelt diese, so oft er ein Nahrungsmittel erhäschen muß, wadet dabei oft bis an den Leib ins Wasser hinein, schwimmt aber nur höchst selten eine ganz kurze Strecke, wo ihm jenes zu tief ist. Im Nothfall schwimmt er nicht nur gut, sondern taucht dann auch zuweilen völlig unter, z. B. ein von einem Hunde verfolgter Flügellahmer, doch viel seltner als der zuvor erwähnte Uferläufer. Er hat einen schönen, äußerst schnellen und sehr gewandten Flug, in welchem er die Flügel nicht weit ausstreckt, so daß der Theil vom Handgelenk bis zur Spitze mit dem Leibe und dem gerade ausgestreckten Halse und Füßen fast' eine Parallellinie bildet, schwingt'sie kräftig und hastig, schießt aber auch mit wenigen Schlägen ganze Strecken durch die Lust und schwebt kurz vor dem Nie- XU. Ordn. L.VI1. Gatt. 228. Punktirt. Wasserläufer. 71 versetzen, wobei er die Flügel gewöhnlich mehr von sich streckt. Pfeilschnell ist dieser Flug, wenn er sich aus großer Höhe an ein Wasser herabwirft, wobei er die Flügel fast ganz an den Körper legt, beinahe senkrecht herabstürzt und den Fall nur kurz vor dem Setzen durch einige schnelle Wendungen, hin und her, zu mäßigen sucht. Findet er nach einer kurzen Abwesenheit sein Lieblingsplätz- chen von andern größer» Geschöpfen, z. B. zahmen Enten, beseht, die er da nicht vermuthet hatte, dann prallt er im Niedersetzen wie- der zurück, umschwärmt die Stelle, versucht mehrmals sich niederzulassen, wagt es aber nicht, sich unter jene zu mischen, noch weniger sie zu vertreiben, sondern setzt sich endlich nach langem Zögern entweder ein Stück davon ans Ufer, oder fliegt auf einen andern seiner Lieblingsplätze zurück. Seine Schwenkungen hierbei sind meistens schön und von ganz eigener Art. Im Aufenthalte wie im Betragen findet sich zwar reckn Vieles, was ihn dem Flußuferlaufer nahe bringt, jedoch auch wieder Vieles, was ihn davon entfernt und den übrigen Wasserläufern mehr anschließt. Ganz überein stimmt er mit jenem in der Wahl der Aufenthaltsorte und Lieblingsplätze, die immer so liegen, daß man ihn selten schon von weitem sehen kann., ohne daß er sich wirklich versteckt; denn dieses ist ihm, wie allen Wasserläufern, völlig fremd. Er trifft deshalb recht oft mit jenem zusammen, hält aber dessenungeachtet keine Freundschaft mit ihm, wie er denn überhaupt ein einsamer oder ungeselliger Vogel ist, und weder mit seines Gleichen noch mit andern ähnlichen Vögeln sich zu schaffen macht, weshalb man ihn auch unter andern Strandvögeln nie antrifft, oder wenn dies ja ein Mal der Zufall wollte, man aus dein gänzlichen Mangel geselliger Theilnahme sogleich erkennt, wie sehr er wünscht, der fremden Gesellschaft enthoben zu sein. In nicht viel mehr Gesellschaft lebt er mit Individuen seiner Art, und außer der Fortpflanzungszeit trifft man selten zwei alte Vögcl beisammen, und die in der Zugzcit vorkommenden kleinen Vereine von höchstens 8 Stücken sind immer junge. Selbst diese verbreiten sich am Lage einzeln in einem weiter» Umkreise und locken sich erst am Abend, wenn sie fortreisen wollen, wieder zusammen. Er ist scheu und außerordentlich vorsichtig, bemerkt jede drohende Gefahr schon in der Ferne und entflieht ihr zur rechten Zeit. Nur dadurch, daß er sich gern an Orten aufhält, wo er nickt jedem Blicke freigestellt ist, giebt er dem Schützen oft Gelegenheit, ihn ungesehen zu beschleichen. Dies muß auch immer geschehen, weil 72 XU. Ordn, I-VH. Gatt. 228. Punktirt. Wasserläuser. er die Annäherung eines frei auf ihn zu oder an ihm vorbeigehenden Menschen auf Schußweite nie aushält, wovon höchstens die un- erfahrnen Jungen im Spätsommer, aber auch nur gegen Personen ohne Schießgewehr und ohne ersichtlich bösen Willen, dann und wann eine Ausnahme machen. So sehr er sonst stets auf seiner Hut ist, so setzt er doch seine Sicherheit dadurch öfterer aufs Spiel, daß er die unter Laubgebüsch und Bäumen versteckten Gräben und Tümpel besucht, weil er von seinen Feinden da leicht beschlichen werden kann. Wird er hier überrascht, so flieht er erschrocken, stillschweigend, nahe über der Erde und unter den Bäumen hin, eiligst fort, erhebt sich dann erst weiterhin, wenn er aufs Freie kömmt, und läßt nun erst feine Stimme hören; ay offenen Orten thut er dies aber gleich nach dem Auffliegen. Diese besteht in einem ungemein hohen, lauten Pfeifen von so ausnehmend reinem, .hellen Silberton, daß diese Stimme zu den lieblichsten in der Vogelwelt gehört. Sie besteht aus den Sylben Dlüidlüidlüi, schnell gesprochen, doch die Vokale, besonders den letzten in der ersten Sylbe etwas gedehnter als in den beiden letzten, so daß man auch Dlüihdlüidlüi schreiben könnte. Selten hört man nur ein zweifaches Dlüi, ein einfaches fast gar nicht; allein sehr hastig und viele Male nach einander wird es ausgestoßen, wenn ein solcher Vogel recht eifrig lockt, wie dies manche namentlich des Abends thun, wenn sie ihre Weiterreise antreten und mit dem freudigen Zuruf auch die übrigen in der Gegend dazu auffordern oder ermuntern wollen. Für den mit der Natur befreundeten Hörer haben diese lieblichen Töne, wenn sie an einem stillen Abende und in einer wasserreichen Gegend, wie zuweilen, aus recht vielen Kehlen ertönen und aus verschiedenen Entfernungen vernommen werden, einen wunderbaren Reiz. Am häufigsten hört man sie im- rner von fliegenden Vögeln, doch locken auch sitzende die vorüber- fliegenden damit an, und diese fügen dann zuletzt, wenn sie ihre Absicht erreicht sehen, ein kurzes hohes dick, dick an, das jene, indem sie aus der Luft herabschießen, eben so dick! dick! zärtlich beantworten. Der in große Noth und Angst gerathene punktirte Was- serläufer schreiet, z. B. wenn er von einem Raubvogel heftig verfolgt wird, in einem hohen schneidenden Tone dih! dih! Wie andere verwandte Vögel, ist auch dieser bis zu einem gewissen Grade zähmbar, d. h. er gewöhnt sich bald an die Umgebungen und an die Menschen, ohne ganz vertraulich gegen sie zu werden. Obwol seine nette Figur und seine zierlichen Bewegungen XU. Ordn. LVll. Gatt. 228. Punktirt. Wasserläufer. 73 recht angenehm sind, so können sie doch eigentlich nur für den wirklichen Forscher von einigem Interesse sein, wahrend der bei Unterhaltung eines solchen, wie bei allen Sumpfvogeln, unabwendbare Schmutz ihn nicht für Jedermann zum angenehmen Stubenvogel macht und für reinliche Zimmer nicht empfiehlt. Nahrung. Liese besteht in allerlei Insekten, mehr aber aus weichen, aus den Klassen der Netz- und Zweiflügler, als aus solchen mit harten Flügeldecken, vorzüglich aber aus Insektenlarven und kleinem Gewürm, welches alles er stets nur am Wasser, an den seichten, schlammigen Ufern der faulen Graben, Pfützen und Leiche, theils vorn Schlamme aufliest, theils von der Oberfläche oder dem Boden des Wassers wegholt, so weit ihm die Länge seiner Beine erlaubt, in dasselbe hinein zu waden. Fliegende Insekten kann er nicht fangen. Eben so wenig sucht er seine Nahrung vom Wasser entfernt, auf Wiesen, sogar sehr selten nur an solchen Stellen der Ufer, wo kurzer Nasen bis ins Wasser hinein reicht, und dann doch nur dicht an diesem auf. Wassermilben, Wafferspinnen und Mückenlarven scheint er sehr zu lieben, und der letztem wegen begiebt er sich vorzugsweise so gern an ganz von Bäumen beschattete Gräben, deren faulendes Wasser oft davon wimmelt. Diese zarten Geschöpfe werden im Magen sehr bald zu einer breiartigen Masse und unkenntlich. Wie andere verwandte Vogel verschluckt er auch kleine Regenwürmer, wenn sie sich ihm gerade darbieten, gern, doch scheint er absichtlich sie nicht aufzusuchen. Im April fanden wir mehrmals den Magen von raupen, ähnlichen röthlichen Larven, von der Dicke einer mäßigen Stricknadel, angefüllt und darunter auch viele sehr dünne, fadenähnliche, weiße Maden, wie Stückchen Zwirnfäden aussehend, mit einem grünlichen Brei vermischt, welcher ebenfalls aus animalischen Grundstoffen zusammengesetzt schien, von genossenen Vegetabilien aber niemals eine Spur. Diese Dinge muß er im Frühjahr auf ausgedehntern Flächen aufsuchen, während er die Sommernahrung auf den Lieblingsplätzen wie es scheint, in so großer Menge beisammen findet, daß er nicht weit darnach herumzulaufen braucht, wie die Zeichen an jenen, sein in vielen weißen Klexen herumliegender Ünrath, und seine auf dem 74 XU. Ordn. OVH. Gatt. 228 . Punktirt. Wasserlauser. weichen Schlamme vielmals dicht neben einander abgedrückten Fußtapfen deutlich zu erkennen geben. Ueberdem enthält sein Magen neben jenen Nahrungsmitteln stets auch viele ganz kleine Kiesel und grobe Sandkörner. Zuweilen nimmt er auch ein Wasserbad; er läßt sich jedoch selten dabei belauschen. Will man ihn in der Stube halten, so gewöhnt man ihn, wie andere Vögel aus der großen Gruppe der schnepfenartigen, an ein Stubenfutter, wozu in Milch eingeweichtes Weizenbrod das beste ist, welches man ihm mit zerstückelten Regenwürmern, Fliegen und andern Insekten so lange vermischt vorsetzt, bis er es mit den herausgesuchten Insekten und Würmern nach und nach genießen lernt. Bemerkenswerth ist noch eine diesem Vogel beiwohnende bisam- artige Ausdünstung, die zu manchen Zeiten schwächer oder stärker ist, und selbst dem ausgestopften Balge nach Jahren noch anhängt. Bei alten Vögeln, namentlich im Frühjahre, schien uns dieser Bisamgeruch immer am stärksten. Vermuthlich hat er seinen Grund iy irgend einem zu gewissen Zeiten häufiger als in andern genossenen Nahrungsmittel, welches jedoch bis jetzt nicht hat erforscht werden können. Fortpflanzung. Man sieht unsern punktirten Wasserläufer in der Fortpflanzungszeit in unsern Gegenden hin und wieder gepaart beisammen, und hat in der Nähe der Gewässer auch sein Nest gesunden, uns selbst wurde jedoch dieses Glück niemals zu Theil. Er bewohnt in dieser Zeit ganz ähnliche Orte wie der Flußuferlaufer, und wir trafen ihn auch nur an fließenden Gewässern oder in der Nähe derselben an. Ob er nun auch an Seen und Leichen und andern stehenden Wassern, fern von jenen, brüte, möchten wir bezweifeln, da er uns an solchen nistend niemals vorgekommen ist. Es wurde oben schon erwähnt, daß hier und da einzelne Vögel der Art sich nicht paaren, in der Nistezeit der andern sich einsam herumtreiben und oft an einerlei Orten sehen lassen; solche können oberflächliche Beobachter leicht täuschen und der Vermuthung Raum geben, daß sie daselbst nisten möchten. Wo dies indessen wirklich geschieht, sieht man dagegen oft beide Gatten, und dem Aufmerksamen entgehen auch andere Zeichen einer innigeren Verbindung zwischen ihnen nicht. Solche sahen wir hin und wieder an den Ufern der Mulde und XU. Ordn. OVH. Gatt. 228t Punktirt. Wasserläufer. 75 Elbe, woselbst fle jedoch bei weitem nicht so häufig als dort nistende Flußuferläufer vorkommen. Zhr Nest ist sehr schwer zu finden und steht an ganz ähnlichen Orten, wie das der eben genannten Art, nie auf ganz freien Pläz- zen, sondern immer näher oder entfernter vom Wasser, im Grase oder unter Weidengesträuch versteckt. Einst, ich war noch Knabe, wurde mir ein von einigen meiner Bekannten aufgefundenes und auch die aus demselben genommenen Eier gezeigt. Auch das Nest glich, wie ich mich deutlich erinnere, dem des Kolitis d^xolsuoos, aber die 4 Eier sahen ganz anders aus, ohne gerade größer zu sein. Die Grundfarbe ist nämlich eine ganz andere und fallt sehr ins Grünliche, und die Zeichenfarbe ist viel dunkler. Die, welche ich nachher bei Sammlern unter diesem Namen sahe, waren meistens falsch und die achten sehr selten*). Sie haben die meiste Aehnlich- keit mit denen des Bruchwasserläufers, find aber bedeutend größer, von einer ziemlich birnförmigen Gestalt, glatter, wenig glänzender Schale, deren Farbe ein sehr lichtes, weißliches Olivengrün ist, das bald mehr ins Grünliche, bald ins Gelbliche spielt und in Sammlungen stets bräunlicher wird; sie sind mit vielen Punkten und Flecken bestreuet, die am stumpfen Ende gewöhnlich viel häufiger stehen, in der Schale von bräunlichaschgrauer Farbe, die viel zahlreichern auf derselben aber von einem stellenweise sehr dunkeln Grünbraun sind. Zuweilen scheinen viele solcher dunkeln Flecken mit einander zusammengeflossen und find dann ziemlich groß, bei andern Eiern wieder kleiner und von geregelter» Umrissen, so daß dadurch mancherlei Abweichungen entstehen. Ueber das Brüten, die Erziehung der Jungen und andere hierher gehörige Dinge ist nichts bekannt, und wir-sind leider auch nicht im Stande, aus eigner Erfahrung etwas hinzufügen zu können; ein Beweis, daß nistende Wasserläufer dieser Art in Deutschland, wenigstens in der nördlichen Halste desselben, nicht so häufig vorkommen, als man dies gewöhnlich »orgiebt"). °) In Schinz's und Thicnemastn'L Verwirken find st« richtig beschrieben, die Abbildungen davon aber nicht besonder» gerathen. Auch ist dn erster» Werke die Zahl 5 ein Irrthum. °°) E» wird nicht überflüssig sei» z« bemerken, daß Bechstein'L (s. deflen Na- turg. a. x>. S. 289,) vermeintlicher junger Böget nicht hierher, sondern rnm Druchwassrrlänfer gehört, was besonder» au» der Beschreibung der Zeichnung de« Schwanzes «nd seiner Decksedern deutlich hervorgehe. 7g XU. Ordn. OVH. Gatt. 228. Punktirt. Wasserläufer. Feinde. . Unter den geflügelten Räubern mag wohl der Sperber (k'»!- oo Xisus) hier oben anzustellen sein; er «wischt auf seine bekannte Manier, gleichsam beschleichend, so manchen dieser Wasserläufer, der ihm aber im Fluge unter vielem Schreien auch manchmal entkömmt, weil er nicht nur pfeilschnell und mit vielen Schwenkungen seinen Klauen zu entrinnen, sondern vorzüglich dadurch zu entgehen sucht, daß er sich so schnell wie möglich ins dichteste Gebüsch wirft. Wird er von den kleinem Edelfalken, k'. subdutso, k'. sosnlon, auch k'. perexrinus im Fluge auf dem Freien angegriffen, dann ist er immer verloren, wenn er nicht ein Wasser erreichen, sich schnell hineinwerfen und durch Untertauchen retten kann. Erblickt er sie in der Ferne schon, dann legt er sich sogleich platt auf die Erde nieder und liegt so lange still, bis sie sich wieder entfernt haben, und wird dadurch gewöhnlich von ihnen übersehen. Seine Brüt mag öfter von kleinen Raubthieren als räuberischen Vögeln vernichtet werden, weil er sein Nest meistens gut verbirgt und die Jungen sich auch gut zu verstecken verstehen. In seinem Gefieder wohnen verschiedenartige Schmarotzerinsekten und in den Eingeweiden der veränderliche Bandwurm m» vnrinbilis). Jagd. Dieser Wafferläufer ist so scheu, daß er die Annäherung des Schützen auf Schußweite nie aushält, wenn sich dieser nicht verborgen an ihn schleichen kann, wozu indessen die User, weil er gern an solchen Stellen verweilt, wo er von einer Seite her Schutz hat, oft Gelegenheit darbieten. Hat er den Schützen aber schon von weitem gesehen, so gelingt auch das Ankriechen selten. Auf dem Anstaube, aus einem Erdloche, wird er leichter erlegt; so auch, wenn man einen solchen Vogel in einen hochufrigen Graben fallen sahe, sich schnell und mit leisen Tritten dahin begiebt, im Herausfliegen herabgeschossen. Auf den Wasserschnepfenheerd lockt man ihn leicht mit der aus einem Gänseflügelknochen gemachten Pfeife, worauf die zweitönige Lockstimme mittelst eines Fingerloches und besonderen Zungenschlages nur nach längerer Uebung gut nachgeahmt werden kann. Er fällt jedoch meistens nur einzeln auf. Nicht nur in den oft erwähnten XU. Ordn. L.VH. Gatt. 228. Punktirt. Wasserläufer. 77 Fußschlmgen fängt er sich leicht, sondern auch jn sogenannten Lauf- schlingen, die an fußlangen, dünnen Stäbchen befestigt, diese paarweise neben einander gesteckt am Ufer bis ins seichte Wasser eine Stellung bilden, die mehrere Durchgänge hat, in welchen die Schleifen aufgestellt mit ihrem untern Bogen etwa eine Querhand über den Boden hängen, und worin der Vogel, wenn er zwischen den Stäbchen durchschreitet, mit dem Halse hangen bleibt. N u tz e n. Er hat ein zartes, sehr wohlschmeckendes Fleisch, besonders die Jungen im ersten Herbste, die dann auch gewöhnlich sehr fett sind. Daß es im Frühjahr, wegen des stärker» Bisamgeruchs, weniger schmackhaft ist, wird jeder finden, am meisten solche Personen, denen jener Geruch und Geschmack überhaupt widerlich ist, obwol andere dessenungeachtet es noch immer für vortrefflich halten werden. Einen andern Nutzen, als durch den leckerhaften Braten gegebenen, kennt man nicht. Schaden. Es laßt sich nichts /auffinden, was ihn für uns nur im mindesten nachtheilig machte. 229. Der Bruch-Wasser Läufer. Uranus T'sMM. i Fig. 1. Sommerkleid. Taf. 198. / Fig. 2. Erstes Winterkleid, f Fig. 3. Zugendkleid. Wald-Wasserläufer, Wald-Strandläufer, gefleckter —, kleiner punktirter Strandläufer; gefleckter —, getüpfelter Sandläufer; kleiner Weißarsch; Waldjäger; Giff. 2V>ta««r Llkareoka ltAvvakrei- »Atvar».), Temniinolc kll»u- o»»v. löüit. II. x. 854. dlilnsoo, 6 ru. »ueo. II. x. 66 11.170. ----- 7>»«F« 6 kareoka, I.inii. xsim. SII°°. I>. 6 S. u. 184. --- kmol. Inini. 8 v»t. I. 2. l>. 677. ----- laitii. IllS. II. x. 730. n. 1 g. ----- k«tta«-ea. I-iuii. Inun. x. 66 . n. 185. ----- Km°I. I-inu. 870 t. I. 2. x. 877. st. ----- 1-stli. lu-I. II. x. 731. II. 15. - T^oock Laiuipixer, !><:»II. ^.rot. Xool. II. p. 482. O. — Uebers. von Zimmermann II- S. 448. 6 . I-ntli. 87 °. V. p. 171. »- 13. — Uebers. v. B echstein, III. 1. S. 143. °. 13 ---- 8 /iouc -Samkjisxe«-. kenn. »ret. Loal. II. x. 481. k. — Uebers. v. Zimmer IN an II, II. S. 448. x. --- I^>tli. 8711 . V- i>. 171. — Uebers. v. Bechstein, in. 1. S. 142. n. 12, Vor. -V. Loreareeero. 8 »VI, Om. rose. II. x. 277 ---- xra»cke. 8 tvr. 60 g. Hoo. V. t»v. 456. ----- Bechstein, Naturg, Deutsch!. IV. S. 291. II . S. 286. I- ---- Dessen Taschenbuch, II. S. 364. ---- Wolf u. Meyer, Laschend. U. S. 387. ---- Meyer, Vbg. Liv- u. Esthlands, S. 263. ----- MeiSner uud Echinz, Dbg. d. Schweiz, S. 221, 267. ----- Koch, Barer. Zool. I. S. 361. 11 . 188. ----- Brehm, Beiträge, III. S. 476. — Dessen Lebrb. II. S. 596. — Dessen Naturg. a. V. Deutsch!. E. 638. ----- Gloger, Faun. S. 45. u. 189. ----- Frisch, Vög. II. Taf. 237. (Sommerkleid). ----- Naumanus Vlig. alte AuSg. III. S. 79. Taf. XIX. Fig. 25. (Jugendkleid). Anmerk. Nur in wenigen der citirten Werke Ist eine Andeutung de« Sommerkleides gegeben, den meisten jener Schriftsteller das Winterkleid gar nicht bekannt, und in frühern Zeiten Ist die Art selbst oft mir der vorigen verwechselt worden. Kennzeichen der Art. Die mittlern Schwanzfedern von der Wurzel an abwechselnd schwarz und weiß gebändert; die erste Schwingfeder mit weißem BMW Msr EÄÄ WtzMtzW ^ ^Irnx-ol:>. ?L-:rr E, ' >- -'»-'« -<» H-KW XII. Ordn. QVII Gatt. L2S. Bruch-Wasscrläufer. 70 Schaft; der Untcrflügcl sehr licht, an den langen Federn unter der Achsel fast ganz weiß, alle Schwingfedcrschäfte von unten weiß. Beschreibung. Ueber das Verwechseln dieses Vogels »nit dem punktirten Wasserläufer, wie es nicht selten vorgekommen ist, wurde in vorhergehender Beschreibung schon das Nöthigste gesagt. Es wird demjenigen nicht begegnen, welcher auf das Gesagte oder wenigstens auf die gegebenen Artkennzeichen achten will, so wie derjenige, welcher beide Arten im Freien nur ein Mal beobachtet hat, nicht daran denken wird , daß sie jemals verwechselt werden könnten. Von andern Wasser- und Strandläuferarten stehen beide zuentfernh als daß jemals an so etwas zu denken wäre. Unser Bruchwasserläufer hat kaum die Größe einer Haubenlerche oristata), wenn man dieser einen dünnern, länger» Hals und viel höhere Beine gäbe. Er wiegt stets 2 Loth fauch wol noch darüber) weniger als der vorige Wasserläufer. Seine Länge (ohne Schnabel) ist 8 Zoll, selten ein Paar Linien drüber; die Flugbreite 16 bis 17 Zoll; die Länge des Flügels vom Bug bis zur Spitze 5 bis 5^ Zoll; die Länge deS Schwanzes 1^ bis 2 Zoll, und die Spitzen der zusammengelegten Flügel reichen bis an das Ende desselben. Der Flügel hat die Gestalt wie bei den übrigen Arten dieser Gattung, einen tiefen mondsörmigen Ausschnitt am Hinterrande, wodurch eine lange Hintere Spitze gebildet wird, deren längste Feder, wenn der Flügel zusammengelegt ist, mit ihrem Ende auf das der vierten großen Schwingfeder reicht. Der Schwanz hat weniger breite und mehr zugerundete Federn, die nach außen stufenweise so an Länge abnehmen, daß die äußerste 3 bis 4 Linien kürzer als eine der mittelsten ist, wodurch ein sehr zugerundetes Schwanzende gebildet wird. Der Schnabel ist nicht sehr lang, nur etwas länger als der Kopf (mit den Federn), gerade, sehr allmälich verdünnt, daher die Spitze nicht viel schwächer als die Mitte, die Spitze des Obcrtheils kaum länger und sehr wenig übergebogen, die des untern gerade, nur an der Wurzel bis gegen das zweite Drittheil weich, im? klebrigen hart, die Nasenfurche wie die des Unterschnabels bis in die Mitte reichend, und von hier an die Schneiden beider Laden stark eingezogen. Er ist 1 Zoll 2 bis 3 Linien lang, an der Wurzel 80 X». Ordn. Gatt. 22S. Bruch-Wasscrläufer. fast 2*/r Linien hoch und nur gutel*/? Linien breit, überhaupt viel höher als breit, mit abgerundetem Rücken und nicht sehr scharfer Spitze. Das sehr schmale, ritzartige, doch durchsichtige Nasenloch ist wenig über Linien lang und eben so weit von der Stirn entfernt, und liegt, wie bei den andern Arten, in einer nach vorn schmal und spitz auslaufenden weichen Haut. Die sehr schmale, na- delspitzige Zunge ist fast so lang als der Schnabel, und der Rachen sehr klein. Die Farbe des Schnabels ist schwarz, an der Wurzel der Unterkinnlade bei jungen Vögeln schmutzig fleischfarbig oderröth- lichgrau, nachher gelblichgrünlich, und bei alten schmutzig oliven- grün, und diese lichtere Färbung ist auch am Oberschnabel bis in die Gegend der Nasenlöcher oft noch bemerklich; Rachen und Zunge blaß grauröthlich, die Zungenspitze schwarzgrau. Das Auge ist nicht groß, hat eine tiefbraune, im Alter noch dunklere Iris und weißbesiederte Augenlider. Die Füße sind verhältnißmäßig viel höher und schwächer, die Zehen auffallend länger und dünner als bei 1. ovbropus. Sie sehen sehr schlank aus und fühlen sich weich an, haben hoch hinauf nackte Unterschenkel, von den sehr gestreckten, schwachen Vorderzehen die äußere nnd mittlere eine bis ans erste Gelenk reichende Spannhaut, die innere kaum ein Ansätzchen davon, eine sehr dünne, nicht ganz kurze, hochgestellte Hinterzeh, die, wenn der gemeinschaftliche Zehenballen hart aufgesetzt wird, den Boden ziemlich stark, beim Stande des lebenden Vogels aber kaum mit der Spitze berührt. Ihr Ueberzug ist vorn herab in eine Reihe großer, doch etwas schmaler, auf der Hintern Seite in einer Reihe etwas kleinerer Schilder seicht zerkerbt, in den Zwischenräumen fein gezittert, auf den Zehenrücken auch schmal geschildert; die Krallen nicht groß, schmal, wenig gebogen, scharfrandig und spitz. Der Unterschenkel ist über der Ferse ^ Zoll hinauf nackt; der Lauf 1 Zoll 5 bis 6 Linien hoch; die Mittelzeh, mit der 2 Linien langen Kralle, 1 Zoll 2 bis 3 Linien; die Hinterzeh, mit der kleinen Kralle, etwas über 4 Linien lang. Die Farbe der Füße fällt stets viel mehr ins Grüne als bei 1'. ootiropus; sie ist entweder ein schmutziges Gelbgrün oder .vielmehr (im Alter und namentlich im Frühlinge) ein grünliches Grau, das an den Gelenken und Sohlen in schmutziges Grüngelb übergeht, oder ein schmutziges Grüngelb, das in den Gelenken etwas grünlicher wird, wie es besonders bei jungen Vögeln ist, wo es überhaupt mehr ins Gelbe fällt, als bei alten. Die Krallen sind braunschwarz. XU. Ordn. r.VII. Gatt. 229. Bruch-Wasserläufer. 81 Bei diesem Wasserläufer ist das Winterkleid dem Jugend, kleide ebenfalls sehr ähnlich, allein das Frühlingskleid von beiden außerordentlich verschieden. Im Jugendk leide hat unser Vogel folgende Zeichnung. Ein schmaler Streif vom Schnabel bis aus Auge (die Zügel) ist braun- schwarz, über diesem steht ein breiter weißer, welcher über das Auge hinweg geht, das, auch noch eine schmale weiße Einfassung hat; der Oberkopf schwarzbraun, mit sehr schmalen grauweißen Seitenkantcn der Federn, daher wenig weißlich gestrichelt; der ganze Hinterhals eben so, doch mit etwas mehr Grauweißlich gestreift; die Wangen vorn weiß mit kleinen braunen Längefleckchen bestreuet, in der Ohr- gegend lichtgrau, braun gestrichelt; Kinn und Kehle rein weiß; die Gurgel weiß, mit braunen Schaftstrichelchen und Längefleckchen, die an der Kropfgegend etwas großer und deutlicher werden und an den Seiten desselben durch den bräunlichgrauen Grund weniger hervorleuchten; Oberrücken, Schultern, die Hintere Flügelspitze nebst den großen und mittlern Flügeldeckfedern dunkel- oder schwarzbraun, mit seidenartigem Aussehen und sanftem grünlichen und purpurnen Schiller, dabei aber auch mit sehr vielen, ziemlich großen, dreieckigen und länglichten, schön rostgelben, hin und wieder in Helles Weiß übergehenden Nandflecken, welche diesen Theilen ein sehr schek- kichtes Aussehen geben; auf den kleinen Flügcldeckfedern verschwinden diese hellleuchtenden Flecke, und der einfarbige Grund wird gegen den obern Flügelrand viel lichter; der vordere Flügelrand weiß gefleckt; die Fittigdeckfedern nebst den Schwingfedern der ersten und zweiten Ordnung braunschwarz, die erste große Schwinge mit weißem Schaft, die übrigen mit dunkelbraunen, alle an den Spitzen mit zarten weißlichen Säumchen, die nur an den vordersten fehlen, weiter nach hinten aber deutlicher werden und an denen zweiter Ordnung eine ganz schmale weiße Spitzencinfassung bilden, die jedoch nie sehr auffallend wird. Der Unterflügel ist viel Heller gefärbt als bei 1". ovbropus; die Deckfedern sind hier dunkelgrau, mit weißen Spitzensäumen, die langen unter der Achsel weiß, hin und wieder mit einzelnen graubraunen Quer- und Zickzackstreifen; die Schwingfedern schwarzgrau, gegen die Spitzen am dunkelsten, mit weißlichem und die vorderste mit ganz weißem Schaft. — Der Unterrücken ist braunschwarz; der Bürzel rein weiß; die Oberschwanzdeckfedern weiß, mit seinen braunschwarzen Schaftfleckchen zunächst der Spitze, die bei manchen auch eine pfeilförmige Gestalt annehmen. Von der Brust an bis zum Schwänze sind alle untern Körpertheile 8. Theil. g 82 XU. Ordn. Gatt. 229. Bruch-Wasserläufer. weiß, an den Tragefedern mit graubraunen Wellenflccken, an den letzten Unterschwanzdeckfedern mit braunschwarzen feinen Schaftstri- chen, nahe an den Spitzen; die untern Schcnkelfedern braun gefleckt. Der Schwanz ist weiß und, wenn er geschlossen, in seiner Mitte bis unter die Deckfedern hinauf dicht und breit schwarzbraun gebän- dcrt, die einzelnen Federn aber von folgender Zeichnung: Die äußersten oder 1: 1 weiß, nur auf der Außenfahne nahe am Rande mit einem dunkelbraunen Langestreif; 2:2 mit etwas starker gezeichnetem und mehr nach der Wurzel heraufreichenden, in 6 bis 7 Fleckchen zertheilten, schwarzbraunen Streif, auch einem feinen Strich längs eines Theils des Schaftes; 3:3 nahe am Ende mit einem bogigen, auch über die Jnnenfahne gehenden Bande, und mit 4 bis 5 großen äußern Randfiecken oder halben Binden, und mit einem starkem Schaststreif; 4: 4 den vorigen ähnlich, aber mit viel breiteren, braunschwarzen, ganzen und halben Binden; 5: 5 eben so mit noch mehr Braunschwarz; 6:6 endlich mit einem herzförmigem Fleck vor dem Ende und 6 bis 7 so breiten dunkelbraunen Binden durch beide Fahnen, daß sie am Schafte zusammen fließen und den weißen Grund nur an den Kanten in dreieckigen länglichen Querflecken frei lassen, die oft am Rande stark rostgelb angeflogen sind. Männchen und Weibchen tragen kein auffallendes äußeres Unterscheidungszeichen, aber die Zeichnung der Schwanzfedern variirt, ohne Bezug auf das Geschlecht, etwas, so wie die rostgelbe Farbe an den Flecken der obern Theile bald stärker, bald schwächer ist, wie diese selbst an Gestalt und Umfang variiren, und jene Farbe, besonders am länger getragenen Gefieder, nach und nach, ziemlich ab- bleicht und das Weiße vorherrschender wird. Diese kleinen Abweichungen machen jedoch die Art nicht unkenntlich. DaS Winterkleid ist vorn vorhergehenden wenig verschieden und weicht nur in Folgendem ab: Der Oberkopf hat viel deutlichere, mehr gerundete, rostgelbe Flecke; die gestreifte Zeichnung auf dem Hintern Theile und an den Seiten des Halses ist feiner gestrichelt, an den Kropfseiten mit Grau überlaufen oder gewölkt, die Trage- federn mit Braungrau, doch in Wellenstrcifchen, nur bespritzt; die Flecke auf dem Mantel sind viel größer, mehr in die Länge gezogen, oft zwei in einen zusammengeflossen, besonders an den Schulterfedern, und da sie stets nur an den Seitenkanten der Federn ihren Sitz haben, so entstehen hier und da abgebrochene oder zackichte Längestreifen; auch sind sie, besonders bei jungen Vögeln, die dies Kleid zum ersten Male tragen,, meistens sehr stark mit dunklem Rost. XII. Ordn. Gatt. 229. Bruch-Wasserläufer. 83 gelb überlaufen, das bei alten nur schwach ist, wie es denn auch bei jenen nach und nach durch Verbleichen litt und in Weiß übergeht. Flügel und Schwanz nebst den übrigen Theilen sind wie im Jugendkleide, die Füße mehr graugrün und die fleischgraue Schnabelwurzel in eine graugrünliche verwandelt. Weit auffallender und sehr verschieden von beiden beschriebenen ist das Frühlingskleid, in welchem sich die obern Theile durch sehr große weiße Randflecke an den Federn auszeichnen und dort eine weißgeschccktc Zeichnung hervorbringen, in einer Art und Weise, wie sie sonst kein inländischer Wafferlaufer hat. — An den Zügeln steht ein schwarzer Streif, über demselben ein breiter weißer, welcher sich hinter den Schläfen verliert; ein schmaler Streif um das Auge und die Kehle sind rein weiß; die Wangen weiß, mit sehr feinen schwarzbraunen Fleckchen, an der Ohrgegend auf weißgrauem Grunde schwarzbraun gestrichelt; der Oberkopf.braunschwarz, mit weißen, meist lang- lichten Flecken; der Hinterhals schwarzbraun und weißgrau gestreift; der Vorderhals auf weißem Grunde mit braunschwarzen Fleckchen besäet, die auf der Gurgel herab am feinsten sind, an den Halsseiten und besonders an denen des Kropfcs stärker werden und eine ovale oder einem Hirsekorn ähnliche Gestalt und Größe erlangen, an den Eragfedern aber in bleichere Wellenfleckchen übergehen; Oberrücken, Schultern und alle größer» Flügeldeckfcdcrn braunschwarz oder ganz schwarz, mit großen weißen Flecken, die an den Seiten- kanten der Federn (an den meisten Federn jederseits nur einer) stehen, die Spitzen der Federn frei lassen, wo sich jedoch meistens noch ein feines weißes Säumchen befindet, und die zusammen bei ganz geordnetem Gefieder, am lebenden Vogel, eine gitterartige schwarze und weiße Zeichnung bilden; die Federn der Hintern Flügelspitze ebenfalls schwarz mit weißgezackten Kanten, welche durch große, dreiek- kige, weiße Randflecke entstehen; die kleinen Flügcldcckfedern braunschwarz mit trübeweißen Randfleckchen, die sich an dem immer lichter werdenden Oberrande des Flügels ganz verlieren; der Unterrük- ken schwarz, gegen den reinweißen Bürzel weiß gefleckt; die letzten Schwanzveckfedern an den Enden, außer den dunkeln Schaftfleckchen, Uoch mit braunschwarzen Pfeilflecken, die an den untern gewöhnlich wirkliche Luerstreife sind; Brust und Bauch rein weiß, an den Schenkeln unterhalb dunkelbraun gefleckt; die großen und mittlern Schwingfedern, die Fittigdeckfedern, der ganze Unterflügel und der Schwanz wie oben beschrieben. Zwischen Männchen und Weibchen findet sich kein standhafte 84 XII. Ordn. Gatt. 229. Bruch-Wasserläufer. ter, äußerlich sichtbarer, Unterschied, aber die ältern Vogel sind immer mehr weiß gefleckt und die Grundfarbe schwärzer, wie bei den jungem; jedoch darf dies nicht verwechselt werden mit den Veränderungen, welche das Gefieder im Laufe der Frühlingsmonate nach und nach erleidet, die theils im Abbleichen der dunkeln Farben, theils im Abreiben und Verstoßen der Federränder besteht, wodurch die weißen Flecke des Mantels sehr verkleinert werden, und da auch hier, wie bei andern schnepfenartigen Vögeln, deren dunkles Gefieder ähnliche lichte Randflecke hat, das Gefieder, so weit es die helle Farbe einnimmt, von geringerer Dauer zu sein scheint, als da, wo es dunkele Farben trägt, so stößt sich das Weiße auch viel mehr ab, und die weißen Randflecke an den Federn der Hintern Flügelspitze sehen daher oft wie ausgebifsen aus, so daß der Fcderrand dadurch grob sagenartig ausgezackt wird. Auch bei unserm Vogel wird dadurch das Gefieder im Juli schon sehr entstellt gefunden. Im Juli beginnt bei den Alten die Hauptmauser, die gegen Ende des August völlig beendigt ist, wo aber die erste Hcrbstmau- ser der Jungen kaum beginnt, die ihr erstes Winterkleid erst vollständig erhalten, wenn sie bereits unser Land mit einem mildern Klima vertauscht haben, weshalb man einen solchen, rein vermausert, im mittlern Deutschland nie anders bekömmt, als auf der Rückkehr im Frühlinge, wo sich an vielen,dann oft noch keine Spur der Frühlingsmauser zeigt, während die alten Vögel dann (im April) meistens das Frühlings - oder Hochzeitsgewand schon ganz vollständig angelegt haben. Zu Ende des Mai sind alle im völligen Frühlingsornate. Aufenthalt. Dieser Wasserläufer hat eine weite Verbreitung; er kömmt in ganz Europa, nur nicht in Island und dem obern Norwegen vor, ist sonst in Asien, vorn mittlern Sibirien bis nach Bengalen hinab, in Afrika von Aegypten und Rubien bis zum Cap der guten Hoffnung, und, wenn die IrinKu solituriu des VVilson (VH. t. 58. F. 3.), welche sich von unsrer Art nur durch die einfarbigbraunen mittlern Schwanzfedern unterscheiden soll, mit ihr identisch ist, auch im nördlichen Amerika, namentlich in den vereinigten Staaten. In unserm Erdtheile lebt er vorn mittlern Schweden und Finnland, von Liv- und Esthland und andern Ostseeländern durch ganz Europa hindurch bis an die west- XU. Ordn. k^VIl. Gatt. 229. Bruch-Wasserläufer. 85 lichen und südlichsten Küstenstriche und auf die Inseln des Mittel- meeres hinab hin und wieder nicht einzeln. Er wird in Holland, vielen Gegenden Frankreichs, in England und andern Europäischen Ländern wie in Deutschland in manchen Strichen häufig angetroffen, kömmt dagegen aber auch wieder in vielen andern nicht oft vor. Jenes sind vorzüglich die Marschländer und die ausgedehnten sumpfigen Flachen des nördlichen Deutschlands, welche sich vielfältig über die Landstriche zwischen der Unterelbe und der Züidersee ausbreiten, und in den Dänischen Herzogthümern häufig vorkommen. Auch das mittlere Deutschland hat diese Bögel auf ähnlichen nassen Gefilden; eben so unser Anhalt in der großen Niederung unfern der Vereinigung der Saale mit der Elbe, wo sie sich sonst in sehr großer Anzahl auch fortpflanzten, nach dem mehr und mehr erreichtem Trockenlegen vieler Striche und einem lebhaftem Berkehr in jenen sonst viel weniger beunruhigten Gegenden sich aber sehr vermindert haben, aber doch auf dem Zuge noch häufig eintreffen, auch dann Landseen, z. B. den salzigen unweit Ei sieben, auch Feldteiche und andere Gewässer, doch nur in geringer Anzahl, besuchen. Als Zugvögel fangen die Alten schon mit Ende des Juli, wenn bei ihnen die Mauser beginnt, herum zu schwärmen an, der wirkliche Zug scheint jedoch erst im August vor sich zu gehen und höchstens bis in die zweite Hälfte des September zu dauern. Von der Mitte des erstgenannten bis zu der des letzten Monats sieht man die meisten und wahrscheinlich die im Sommer nördlicher wohnenden hier durchziehen, während uns die hiesigen schon im Anfange des August zu verlassen pflegen und jenen Platz machen, die sich an geeigneten Orten oft einige Tage aufhalten, da zuweilen durch neu hinzukommende zu großem Gesellschaften anwachsen, wie dies in Unsern Brüchern nicht selten geschieht. So vereinigen sich dann wol Manchmal Haufen von mehr als hundert Stücken, und wandern mit einander weiter; gewöhnlich sind jedoch so viele nicht beisammen, und viele reisen nur zu acht bis zehn Stücken mitsammen oder gar nur einzeln, dies namentlich die ersten und die letzten in derselben Zug- Periode. Im Frühlinge ist es eben so, und da dauert der Zug vom Anfange des April bis zu Anfang des Juni; die letzten sind jedoch meistens solche, welchen Kraft oder Wille fehlt, sich in diesem Jahr fortzupflanzen, die sich dann herumtreiben und Tage lang an Orten und in Gegenden aufhalten, die ihnen zusagen, wo sie nicht zu oft gestört werden, oder die groß genug sind, um vorkommenden Störungen leicht ausweichen zu können. 86 XU Ordn. l^Vlil. Gatt. 229. Bruch-Wasserläufer. Ihre Wanderungen machen sie in der Regel des Nachts, indem sie mit der Abenddämmerung aufbrechen, und wenn der Morgen dämmert sich da niederlassen, wo sie den Tag über verweilen wollen. Trifft dies nun kleinere Gewässer, wo sie zu bald beunruhigt werden, so machen sie auch am Lage noch einen Strich weiter, bis zu einem bessern Aufenthaltsort, und sie fliegen dann in solchen Fällen sehr hoch, so wie man das Nämliche auch des Nachts an ihrer Stimme, welche sie aus dem Zuge oft hören lassen, wahrnehmen kann. Mit vielem Unrecht hat man diesen Vogel den „Waldwasserläufer" genannt, welcher Name viel eher der vorhergehenden Art, wie in deren Beschreibung gezeigt wurde, zukommen möchte, als der gegenwärtigen, die bei uns niemals in den Wald geht, die Nähe desselben schon meidet und selbst niedrigem Gebüsche weit mehr ausweicht, als sonst eine andre Wasserläuserart. Daß er im obern Schweden auch in sumpfigen Wäldern lebe, mag wol sein, nämlich wenn sie ausgedehnte, sehr große Sumpfflächen umschließen, nur auf diesen, oder wenn waldige und sumpfige Striche mit einander abwechseln; dann darf man sich dabei aber keinen geschlossenen Hochwald, sondern allenfalls solche Erlen- und Birkengehölze denken, wie sie die gemeine Sumpfschnepfe (Becassine) auch liebt, und dann gewiß noch mit mancherlei Ausnahmen, rücksichtlich jenes Gehölzes wie der Wasserflächen. Liebte er in Schweden den wirklichen Wald, so würde er es in Deutschland ganz gewiß auch thun; da er hier aber den Wald haßt, so ist es sehr wahrscheinlich dort eben so. Seine Aufenthaltsorte sind ganz andere als die des punktir- ten Wasserläufers, niemals jene unter Bäumen versteckten Gräben und mit Gebüsch besetzten Wasserlachen, oder gar die unbedeutenden Wildsulen (Tränken) und halbvertrocknetcn Wasscrpfützen in den Wäldern, die jenen gelegentlich und oft zum längern Bleiben in einer Gegend veranlassen, an welchen man nur ihn allein unter- allen Gattungs- und Artverwandten antrifft — sondern unser Bruchwasserläufer hält sich bei uns (wie höchstwahrscheinlich überall) nur allein in ganz freien Gegenden, in der Zugperiode an flachu- frigen Feldteichen, Landseen, aber seltner an Flußufern, in der Fort- pflanzungszeit dagegen stets nur in großen Sümpfen und Brüchern auf, nur in solchen, welche wenigstens zum größten Theile keine Bäume haben, in welchen es ganz freie Wasserflächen mit seichten Schlammufern oder so morastige Strecken giebt, in welche der Mensch tief einsinkt und, ohne Gefahr stecken zu bleiben sich kaum hinwa- XU. Ordn. l^V-I Gatt. 229. Bruch - Wasserläuser. 87 gen darf. Haben die Brücher zu wenig solcher Stellen oder diese nur von geringer Ausdehnung, dagegen mehr und gleichförmiger» Graswuchs, so behagen sie ihm nur für ein kürzeres Verweilen, aber nicht als Nistorte. Dies Resultat unsrer vieljährigen Beobachtungen fand sich nicht nur in der hiesigen Gegend stets so, sondern ich sah es auch in den Marschländern des nördlichen Deutschland aufs vollkommenste bestätigt; dort wie hier waren nur ausgedehnte Sumpfstrecken, mit freien, schlammigen Wasserlachen abwechselnd, wie sie sich an vielen Orten theils zunächst den Haidestrecken, der gewöhnlichen Begrenzung des Geest- vom Marschlande, theils nahe an den Deichen finden, der Aufenthalt unsers Bruchwafferläufers, zwar oft in der Nahe der See, aber am Mceresuftr selbst oder auf den Watten nie. Sehr häufig theilt er den Aufenthalt mitKampslläufern und Gambettwasserläufern, namentlich in den Brüchern des mittlern Deutschlands, dies aber viel seltner an der Secküste; theils weil jene dort oft viel trocknere Lagen, theils unmittelbar die Küste selbst b-wohnen, zumal die letztgenannte Art, die dort wirklich zum Theil Seevogel ist. Obwol er auf seinen Wanderungen Gewässer von mancherlei Beschaffenheit besucht, so sind es doch, wo er die Wahl hat, die klaren und auf sandigem Boden stehenden am wenigsten, am allerwenigsten fließende; an Bäche kömmt er vollends gar nicht, wodurch er sich ebenfalls wieder sehr von der vorhergehenden Art unterscheidet. Auch an Teiche, welche nahe an Dörfern liegen, und welche jene so oft besucht, sieht man ihn sehr selten. Er laust auf ganz freiem Wafferrande theils an diesen herum, oder wadet ins seichte Wasser hinein, theils thut er dies an den Brüteorten auch in dem Moraste zwischen den vom Viehe kurz abgeweideten Seggengrasku- fen, so daß man, ob er gleich absichtlich sich nie versteckt, ihn hiervon weiten nicht früher gewahrt, bis er mit einem Male, gewöhn, lich außer Schußweite, herausfliegt. Der ganze andere Aufenthalt macht, daß er gerade in den Gegenden, wo der vorige Wasserläuser gewöhnlich gesehen wird, selten erscheint und, umgekehrt, da häufig ist, wo jener fast nie vorkömmt. Nimmt man nun dazu, daß jener einzeln zerstreuet, dieser in Gesellschaft, oft in recht großen Vereinen, lebt, so mochte die Anzahl der Individuen beider Arten, für das mittere Deutschland, sich wenigstens gleich, oder der Bruchwasserläufer noch zahlreicher als jener sein. 88 XII. Ordn. L.VH Gatt. 229. Bruch-Wasserläufer. Eigenschaften. Im Stehen und Gehen zeigt er ganz denselben Anstand wie die übrigen Wasserläufer und ist von ihnen bloß durch die geringe Größe unterschieden, indem er der kleinste dieser Gattung ist. Auch er zeigt im Abfliegen gewöhnlich den weißen Bürzel als sehr abstechend von der fast schwarzen Hauptfarbe, doch aber Beides nicht so grell als der vorher beschriebene, von welchem die geringe Größe ihn augenblicklich unterscheidet. .Er ist ein sehr lebhafter und flinker Vogel, nickt nach Art der klebrigen bei Ueberraschungen mit den Kopfe, Halse und Vorder- körper, hat aber die besondere Gewohnheit, bei Annäherung etwas Verdächtigem so lange ganz still zu stehen, in derselben Stellung zu beharren, bis zum Augenblicke des Abfliegens, das pfeilschnell und meistens gleich in schiefaufsteigender Linie erfolgt, und hoch durch die Lust, auch gewöhnlich weit fortgesetzt wird. Ihm ist hierbei eine außerordentliche Gewandtheit eigen, und er möchte unter den Gattungsverwandten wol der allerflüchtigste sein, wobei seine Manieren in Haltung und Bewegung der Flügel ganz dieselben sind, und nur die geringere Größe und die dabei häufig ertönende eigenthümliche Stimme ihn, auch schon in weiter Ferne, von den übrigen unterscheiden. Nur selten streicht er ein gutes Stück niedrig fort, sondern dies immer erst, wenn er sich zuvor zu einer bedeutenden Höhe aufgeschwungen hat, und auf der Wanderung, auch wenn er am Tage seinen Aufenthalt weiter verlegen will, in großer Höhe, aus welcher er sich dann, da, wo er sich niederlassen will, fast senkrecht oder in wenig schiefer Linie, mit fast angeschlossenen Flügeln und hörbarem Sausen, herabstürzt. So sehr die vorher beschriebene Art in der Lebensweise dem Flußuferläufcr (H. K)polouoos) ähnlich sein mag, so wenig ist es die gegenwärtige. Sie ähnelt darin nur allein der folgenden (1?. Oalickris), bis auf den Umstand, daß sie nicht auch Seevogel ist, ganz, und zeigt in ihrem Betragen dieselben Manieren; eine auffallende Aehnlichkeit, die auch über die Art und Weise sich zu nähren, sich fortzupflanzen, u. s. w. ausgedehnt ist. Er ist viel geselliger als der punktirte Wasserläufer, doch nur gegen seines Gleichen, macht sich daher mit andern Strandvö- geln nichts zu schaffen, und sucht, wenn ihn der Zufall unter sie führt, sich bald wieder von ihnen loszumachen. Allgemeine Noth, z. B. ein später und heftiger Nachwinter, wenn sie schon an den XII. Ordn. I.VI! Gatt. 229. Bruch-Wasserläufer. 89 Brüteorten angelangt sind, wenn es im April, welches bei uns glücklicherweise selten vorkömmt, noch Eis gefroren hat oder Schnee gefallen ist, kann freilich oft sehr verschiedene Arten an einem geeigneten Platze vereinigen, worunter dann auch unser Vogel vorkommen kann; dies gehört aber unter die Ausnahmen von der Regel. Mit der zuletzt genannten Art haben wir ihn nie in Gesellschaft gesehen, am öftersten noch mit der folgenden, dem Gambettwasserläu- fer; allein eine innige Annäherung ist dies doch nie, und beide Arten trennen sich eben so leicht wieder, als sie zufällig zusammen trafen. — Mit der eigenen Art lebt er nur in der Zugzeit gesellig, am öftersten in kleine Truppe von 8 bis 12 Stücken, jedoch auch nicht selten in Haufen bis zu 1VV und noch mehrern vereint, und diese Schaaren lagern auch an den Ufern gewöhnlich nahe beisammen, fliegen mitsammen auf und locken die, welche sich vereinzeln wollen, wieder an sich. Dies eifrige Zusammenrufen bemerkt man am meisten des Abends, wenn sie sich hoch in die Luft aufschwingen und die Fortreise beginnen wollen, und solchen schließt sich dann noch mancher Vereinzelte an, wie es deren zu jeder Zeit giebt; obgleich auch viele ganz einzeln wandern, und den Tag über einsam an ihnen behagenden Orten zubringen. Er gehört ebenfalls unter die Vögel, welche die Annäherung des Menschen schon von weitem fliehen, und ist im Allgemeinen sehr scheu, dies immer, wenn mehrere beisammen sind, die Päärchen auch mehr als die einzelnen, und diese nur ausnahmsweise so wenig, daß sie den Schützen auf Schußweite nahe kommen lassen, wenn er nicht gerade auf sie zugeht und andere bei scheuen Vögeln anzuwendenden Vortheile nicht aus' der Acht läßt. Da er immer an freien Orten sich aufhält, so bemerkt er jedes verdächtige Wesen auch um so früher und unterläßt dann nicht, der Gefahr zur rechten Zeit auszuweichen und sich flüchtig hinwegzubegeben. Ist dies an weiten Ufern und in großen Sümpfen, so fliegt er auch gewöhnlich weit weg, ehe er sich wieder niederlaßt. Seine Stimme ist ein silberreiner, hoher, pfeifender Ton, als Lockton ganz einfach wie Giff — giff giff oder jiff jiff klingend und weit hörbar. Der sitzende Vogel laßt ihn selten, der fliegende aber sowol im Aufsteigen als hoch in der Luft sehr häufig hören, und da die Sylbe Giff im eifrigen Locken,drei bis sechs Mal und noch öfterer schnell nach einander ausgestoßen wird, so entsteht daraus, zumal von vielen einer Schaar zugleich und besonders in der Ferne gehört, ein sonderbares Gickern, das, wie der Ruf überhaupt, 90 XII. Ordn. k^VU. Gatt. 22S. Bruch-Wasserläufer. keine Ähnlichkeit mit dem eines andern Wasser - oder Strandläufers hat. Bon dem Rufe des ll^polsuoos, welcher zwar auch nur ein einfacher pfeifender Ton ist, welcher auch viel länger als jenes kurze Iiff gedehnt wird, ist er ebenfalls so ganz verschieden, daß er nur bei weniger Uebung damid verwechselt werden könnte. — Außerdem hat noch das Männchen in der Begattungszeit einen eigenen, aus jenen Tönen modulirten Paarungsruf oder Gesang, den es fliegend in besondern Schwingungen und Wendungen hoch in der Luft gleichsam herleiert, welcher in demselben hohen Tone, wie Ti- tirle titirle, oder auch wie Tilidl tilidl tilidl u. s. w. klingt.") Bei schönem Wetter laßt dasselbe diesen Frühlingsgesang wol auch zuweilen an Gewässern hören, wo solche Bögel nur auf dem Zuge einsprechen und keiner brütet, doch hier nur in Bruchstücken; dagegen leiert es ihn an den wirklichen Brüreorten oft, anhaltend und in langen Weisen her, wo er sich oftmals mit den ähnlichen anderer verwandter Bögel mischt und kreuzt, und jene Gegenden auf eine eigene Art beleben hilft. Unser Wägelchen ist übrigens eben so leicht an die Gefangenschaft zu gewöhnen, als andere verwandte Arten, aber wegen unvermeidlichen Schmutzes als Stubenvogel nicht zu empfehlen. Es ist sonst von Natur ziemlich hart und es stirbt nicht leicht eines an einer nicht ganz unbedeutenden Flügelwunde. Nahrung. Sie bestehet, wie bei ähnlichen Arten, größtentheils in Insektenbrut und kleinem Wassergewürm, namentlich in Larven von Mük- ken, verschiedenen Fliegenarten, Hasten, von kleinen Libellen und andern am schlammigen Wasser lebendenden Insekten, weniger in vollkommenen Insekten, verschmähet jedoch in vorkommendem Fällen auch kleine Kaferchen nicht. Ferner sind kleine Weichthierchen, deren Gestalten im Magen sogleich unkenntlich werden, zuweilen auch kleine Regenwürmer dazu zu zählen, selbst ganz kleine Sumpfschnecken mit Gehäusen und kleine Muscheln bis zur Größe eines Hanfkorns findet man einzeln zuweilen in seinem Magen. Vielleicht werden sie KeinerwegL Anlockungvko», wie H, Brcv», meint, senden, Fnihiinov- oder Paarnngernf, analog mik Gesang, sind diese Töne, die nur in der BcgattungLzcir aucin nora Männchen gebort werde». XII. Ordn. z^II. Gatt. 229. Bruch-Wasserläufer. 91 mehr der Schalen als des Inhalts wegen, statt Sand und Kieskörner, die man stets auch. darin findet, verschluckt. Er sucht seine Nahrung kaum anderswo als auf schlammigem Boden und im Moraste, wadet deshalb auch oft bis über die Fersen in solchem Wasser herum, fischt sie in selbigem aus oder zieht sie aus dem Schlamme hervor. Klares Wasser mit sandigem Boden scheint ihm wenig zu bieten; er verläßt es daher auch bald und sucht die mit Morast bedeckten Uferstellen auf, und wenn es keine solchen da giebt, so sucht er eine andere Gegend. Nicht immer sind seine Speisetafel ganz freie Stellen, sondern oft auch solche, an welchen dünne Gräser und niedrige Binsen aufsprossen, ohne den Boden ganz zu verdecken, und die morastigen Zwischenräume neben den Seggenkufen, ehe diese Gräser noch zu hoch und dicht aufschössen, deshalb die letztem in den Frühlingsmonaten. Sind die Seggen- gräser erst über Fußhöhe emporgewachsen und das Wasser zwischen den Kufen größtenteils vertrocknet, wie dies in unsern Brüchern im Sommer gewöhnlich ist, dann trifft man ihn da nicht mehr, sondern allein an den freien Wasserlachen und wässerichten Führten durch jene Sumpfgegenden an. In Gefangenschaft wird er, wie die andern Arten, an in Milch eingeweichte Semmel gewöhnt, und hält sich bei diesem unnatürlichen Futter recht gut. Fortpflanzung. In den ausgedehnter» Sumpfstreckcn des mittlern und nördlichen Deutschlands pflanzt sich dieser Wasserläufer allenthalben fort, namentlich in solchen, die frei von Bäumen und Gebüsch sind, worin theilweise Vieh weidet, in welchen es aber nicht ganz an großem freien Wasserflächen fehlt. Nur solche Brücher, solche baumlose Sümpfe, sind auch bei uns seine Brüteyrte, und an ganz ähnlichen Orten brütet er auch in der Nähe der Nordseeküste. Ehe die Cultut noch so tief in solche nasse Gegenden eindrang, noch vor wenigen Jahrzehnden, war dies in den in der Nähe des Zusammenflusses der Saale und Elbe gelegenen Brüchern eine gewöhnliche und häufige Erscheinung; jetzt wohnen aber nur noch einzelne Päär- chen dort, und in Menge sieht man diese Vögel dort nur in den beiden Wanderungsperioden. Weil auch in jeder andern Jahreszeit Wiche wasserreiche Gegenden vorzugsweise der Aufenthalt unsres 92 XU- Ordn. I-VLI. Gatt. 229. Bruch - Wasserläuser. Vogels sind, so glaubte ich ihm keinen passendem Namen beilegen zu können als den oben gewählten. *) Im Sumpfe, in der Nähe freier Wasserflächen, an oft schwer- zugänglichen Stellen, wählen die Päärchen im Frühjahr bald nach ihrer Ankunft die Nistplätze, die man durch ihre Anwesenheit den meisten Theil des Tages hindurch bald kennen lernen kann; allein das Nest selbst ist sehr schwer zu finden, weil gewöhnlich die Umgebungen zu einförmig und beschwerlich zu durchsuchen sind. Es steht in den vom Vieh zu Kufen (ganz kleinen Znselchen) zertretenen, jetzt noch stoppelichten, spärlich begrünten Seggengesilden, oft 1VÜ Schritte vom blanken Wasser, aber doch mit seichtem Wasser oder Morast umgeben, auf einer jener gleichförmigen kleinen Erhöhungen. Es besteht in einer kleinen Vertiefung zwischen alten Stoppeln und jung aufkeimendem Grase, welche mit wenigen dürren Hälm- chen oder Grasblättern schlecht ausgelegt ist, und enthält gegen Ende des April oder auch erst im Mai 4 Eier, Es mag sein, daß diese wol auch zuweilen in einer sehr geringen Vertiefung auf einem trocknen Hügelchen liegen, doch habe ich selbst sie stets nur so gefunden, wie die Neststelle eben beschrieben wurde, aber so frei, wie viele Eier von Kibitzen und Gambettwasserlaufern nie. Eben so kann ich bei allen selbst aufgefundenen und in Sammlungen gesehenen Eiern dieser Art die große Aehnlichkeit mit denen des NvpoIouoo8 gar nicht finden; sie sind stets viel grünlicher, °) Mit dem Name»: der oder das Bruch und die Brücher belegt man hier zu Lande sumpfige und morastige Gegenden, die zum Theil nur noch dem Namen nach cri» stiren, weil die steigende Cultur sie immer mehr zu verbannen und trocken zu legen sucht. Mancher grosse Sumpf wurde so in neuer» Zeiten theils i» Ackerland, theils in guten Wiesengrund verwandelt, und die Gemeinhutunge», zu welchen sie sonst nur in trockenen Zeiten benutzt wurde», abgeschafft. Durch diese Umwandlung sind zahllosen Sumpf- und Waffervögel» die Wohnsitze und Absteigequartirc auf ihren Reisen genommen, sie daher für solche Gegenden seltner geworden, oder wo sie aufgeregt sich sonst in grossen Masten erhoben, sind sie nun ganz und für immer verschwunden, und dem sonst dort jagenden Forscher bleibt leider nichts mehr als die Erinnerung an längst genossene Freuden. — Eine ganz andere Art von Brüchern sind dagegen die, worin Erlen wachsen, auch smn- pfige, tief morastige, oft unzugängliche, im Frühjahr und Herbst ziemlich hoch mit Wasser angefüllte Fläche», aus welchen, mehr oder weniger dicht, Erlenbüsche hervorragen, zwischen welchen so gern Bekassinen und Rohrhühnerchen sich aufhalten, worin jedoch Ml- ser Brnchwasserlaufer niemals vorkömmt. Auch diese Brücher haben durch fleißiges Beflanzcn mit Erle» hier Ellcrn genannt) für den Gemeinnützen sehr gewonnen, die Wurzeln der Baume haben den Boden gleichsam gehoben, die Umgebungen find dadurch trockuer geworden und endlich, zumal wo man die Erlen zu hohem Stangenholz oder gar zu Bäumen aufwachsen liess, nur noch für Waldschnepfen ein Aufenthalt geblieben. -— Moor darf, strenge genommen, nicht gleichbedeutend mit Bruch sein, weil der eigentliche Moorboden viel Eisenocher enthält, wegen seiner geringen Fruchtbarkeit nur wenigen Vögeln zusagt, und der eigentliche Torfboden auch wieder Verschiedenheiten zeigt. — Wege» Verwechslung des Begriffes schien mir diese Anmerkung nothwendig. XII. Ordn. I^Vll. Gatt. 229. Bruch-Wasserläufer. 93 ausgetrocknet bräunlicher, und viel stärker, zumal am stumpfen Ende, und dunkler gefleckt; zudem find sie auch bedeutend kleiner. Im letzter Hinsicht unterscheiden sie sich fast allein von denen des l'. «vkropus; denn sie sind wirklich viel kleiner, sonst aber auch meistens von einer weniger bauchigen, daher schlankern Gestalt, obwol nicht minder birn- oder kreiselförmig zu nennen. Sie haben eine zarte, glatte Schale mit wenigem Glanz, zur Grundfarbe ein sehr bleiches Olivengrün, lichter als bei vielen ähnlich gefärbten Eiern andrer Schnepfenvögel, das aber in Sammlungen bräunlicher und dunkler wird und dann fast wie verbleichte Olivenfarbe aussieht. Die Zeichnung unter der Oberfläche der Schale sind einzelne Flecke und Punkte von einem röthlichen oder bräunlichen Aschgrau, auf derselben aber viele Punkte, kleine und große Flecke von einem sehr dunkeln röthlichen Olivenbraun, das zuweilen an Schwarzbraun grenzt, und die großem Flecke stehen meistens dem stumpfen Ende näher und häufen sich hier nicht selten zu einer Art von Fleckenkranz an; immer sind die Flecke an dem spitzen Ende viel sparsamer vertheilt, als am entgegengesetzten, wenn sich hier auch keine große Anhäufung derselben zeigt. Die Brütezeit dauert 14 bis 16 Lage, und die Aeltern sind um das Nest wenig besorgt oder kommen doch dem, welcher darnach sucht, nie so nahe, als manche andere ähnliche Vogel zu thun pflegen. Die Jungen haben ein oben bräunliches, schwarz geflecktes und gestreiftes, unten weißliches Dunenkleid und ihre hohen Beine sehr dicke Fersengelenke. Sie laufen, sobald sie abgetrocknet sind, aus dem Neste und wissen sich einzeln so gut zwischen den Kufen und Unebenheiten des Bodens zu verstecken und bis zum Ertreten still zu liegen, daß sie nur durch begünstigenden Zufall oder mittelst eines guten Hundes aufgefunden werden können, obgleich die Alten durch ängstliches Schreien und Umkreisen des Suchenden die Stelle bezeichnen, an welcher jene versteckt liegen. Im Anfange des Juni sind manche schon flugbar. Feinde. Wie die vorige Art, so hat auch diese die kleinen Edelsalken und Habichte zu Verfolgern, die hin und wieder einen solchen Vogel erwischen; der Geängstigte entkömmt ihnen jedoch nicht selten durch seinen pfeilschnellen gewandten Flug oder durch Untertauchen, wenn er ein Wasser erlangen kann. Eier und Jungen wer- 94 XII. Ordn. l.VN. Gatt. 229. Bruch-Wasserläufer. den zuweilen den Raben und Krähen zu Theil, wie nicht minder den Nachtschleichern Fuchs, Iltis und Wieseln. Zm Gefieder wohnen verschiedenartige Schmarotzerinsektcn, in den Eingeweiden aber der vielenSchnepfenvögeln eigene veränderliche Bandwurm, lueniu vsrinbilis. Jagd. Da er gleich den übrigen Wafferläufern unter die scheuen Vogel gehört, so kann er meistens nur ungesehen hinterschlichen und so mit der Flinte erlegt werden. In großen Brüchern hält indessen dies Anschleichen schwer, weil es da an erhöhten Gegenständen zum Verbergen fehlt. Zuweilen hält er hier jedoch auch schußmäßig, d. h. bis auf 60 — 70 Schritte aus, wenn man nicht stracks auf ihn zugeht und unverwandt ihn ansieht, was bekanntlich selbst viel weniger scheue Vogel zeitig fortscheucht. Einzelne, zumal Junge im Herbst, halten an kleinen Teichen, wenn man jene Regel befolgt, thut, als wollte man in Schußweite bei ihnen vorüber gehen und sähe man sie gar nicht, zuweilen recht gut aus. So halten auch einzelne manchmal, im Moraste zwischen den Seggenkufen stehend, die Annäherung des Schützen nahe genug aus, um noch zur Noth im Fluge herabgeschossen werden zu können. Gefangen wird er häufig auf dem Wasserschncpfenheerde, wo er der, aus einem starken Gänseflügelknochen verfertigten, Lockpseife leicht folgt. Eben so leicht fängt man ihn in Fußschlingen und in solchen Lausschlingen, wie bei der vorigen Art beschrieben wurden. Nutzen. Sein Wildpret ist von so vortrefflichem Geschmacke, daß eS unbedingt unter die delicatesten Schnepfengerichte zu zählen ist; besonders zart sind die jungen Herbstvögel, deren Körper noch überdem meistens mit Art dick bedeckt ist. Die Eier sind ebenfalls sehr schmackhaft. In wiefern er sonst noch nütze, ist nicht bekannt. Schaden. Er schadet so wenig wie ein andrer kleiner schnepfenartiger Vogel. 8 -- ^ WL x/ »'>>:'X^ X ' ' X X' Ä! WHM/X ,' -ÄX ^ - ^ X-X7 5,<'X-X ^^X'-XL ^W^ ^ 'XX."" X.-^->^^XÄErWDHr ^ ^ x ' - _ > - ^ «KMMS: '' ^ ^ - ^ Xvs >'^ ^ ^ X"7 - ^:' .-L 5 ^L-^^'"-'"' -.' - i x -.- .-. ' ^ -7 ' - FD >4 l.'OI'/V^IIK c'nlick'18 ,.8«»iivm.<-i-k1. L.V!l>.1t»l'IcI. <'/.^u)f«-lvUL. 230. Der Gambett-Wasserläufer. 1o1»nu8 i Fig. 1. Sommerkleid. Taf. 199. < Fig. 2. Erstes Winterkleid. ^ Fig- 3. Jugendkleid. Meer-Wasserläufer, rothfüßiger — rothbeiniger —, rothschenke- licher Wasserläufer, rothfüßige Schnepfe, rothbeinige Strandschnepfe, Rothfuß, Rothbein, Rothbeinlein, rother Reuter; graues Wasserhuhn mit schwarzem Schnabel und gelben Füßen. Gambette; Gambett- Strandläufer, Dütschnepfe oder Lütschnepfe (Dütchen, kleiner Brachvogel), Kopricgerlein; Züger; bei den hiesigen Jägern: Kleiner Rothschenkel. T'o/a««» <7«7r°!rr«. Bechstein, Orn. Taschenbuch. II S. 284. ----- Dessen Na- stirg. Deutscht, rv. S. 216. -- diNssov, Orn. «ueo. II. y. 62. u. 168. ---- <7a- 6 mel. I.ilin. 8 ^« 1 . 1 . 2. V. 664 n. 11. ----- I-Stti. Inck. II. p. 722. n. 25. Uetr.rnun. nnee. x. 177. n. 144. ---- 7>!UL» 6 a«rSatt«. 6 wcl. I-illii. «x»t. I. 2 . v. 671. u. 3. — I.-UI,. Inck. II. x. 728. II. s. — Bechstein, Orn. Taschmb. II. 286. ----- Dessen Naturg. Deutscht. IV. S. 279. — »ti-ia/a. ktwel. I.inn. I 2. j>. 672. II. 5. ---- I.Inck. II. I>. 733. I>. 24. ---- Lot,»!», ,trrü«ur. viik. 8 . Orn. V. I>. 196. II. 5. t. 18. t. 1. — Vo/«»!!» maeur'«r. Ibick. x. 20V. n. 6 - t. 18. t. 2 . ----- ls^evalecr e-or/H-c on 7a 6ram5ctte. Ontk. Oi«. VII. x. 513. t, 28. — itdit. ,Ii! veuxx. XIV. p. 249. t. 5. k. 2. ----- Ick. ÜNniieti. «nl. 845. ------- 6 /-Ick. p. 516. -— Lckit. ck. Oouxp. p. 253. ----- Ick. I'I. s»I. 827 . e7-r'l'rr/tr'r Onrnrä. lab. nlnw. II. p. 205. eia/rei' 6 -amöveea, 't'-'in.n!i>>t. dtnii. uonv. I-ckil. II. 643. ---- /trv? - 8 ^„. v. x. 150. 11 . 20. — Uebers. v. Bechstein. III. 1 . S. 121. n. 20, ------ Lrct. Loal. Uebers. v. Iimmermann. II. S. 4Z6. 11 , 294, Oorvioli, drit, ^rcks. II. 81. — t-amLet I-Itb. 5 VN. V. I>. 167. n. 9, — Uebers. v» B e ch st ein, m. 1 , G, izß. g. Le»aev<7 Vrrnc/, 1 -»tli. I. v. x>. 176. — Uebers. v. Bechstein, III. 1. G. 147. n. 21. — i'nnn. nrcl. riool. Ueber,, von Zimmcrmann II. S. 439. i>- 300 (?). ----- 1 >ettvH-o 7 a. skamliokt»). I»r. ckrx. Her. V- tnv. 463 nt 464. ----- -?etteH-o7a. 8 »vi, Orn. 'I'o---'. II. I>. 271. De Visier. 8 -xx, Hecknrt. Vog. III. t. x. 269. — Wolf und Meyer, Laschend. - S. 363. ---- MeiSner und Schinz, Bog. der Schweiz. S. 218 ». 205. ------- 96 XII. Ordn. I.VH. Gatt. 230. Gambett-Wasserläufer, Koch, Baier Zool. I. S. 296. ->. 18L. — Brchm, Beiträge, IN. S. 492. — Dessen Lehrb. H. S- 661. — Dessen N-itnrg. a. V. Deutscht. S. 636. --- Glo- ger. Echtes. Faun. E. 43. 186. — Frisch, Vög. II. Taf. 249. (Winterkleid). — Naumann'S Bog. alte AuSg. III. S. 43. Taf. IX. Fig. 9. (Uebcrgang von, Winter- zum Sommerkleide). Anmerk. Obgleich alle diese Allegata unsern Vogel unverkennbar bezeichnen, so sind sie doch hinsichtlich der drei verschiedenen Kleider nicht z» sondern, weil die Beschreibungen so durch einander laufen, daß man in den allermeisten nur UebergangSvöget erkennt; sie sind dazu aber auch äußerst dürftig und unbestimmt, und nur Temminik, Breh», und Savj machten davon zuerst eine rühmliche Ausnahme. Kennz eA'ch en der Art. Die Wurzelhäute des Schnabels roth; die Füße brennend gelbroth, an jungen Bügeln rothgelb; die mittlern Schwingfedern mit sehr vielem Weiß; der Unterflügel fast ganz weiß. Beschreibung. Dieser Wasserläufer, in Deutschland einer der bekanntesten, ist leicht von allen übrigen zu unterscheiden, wenn man genau auf die Artkennzeichen achtet. Zwar hat der folgende (1. tusvus) auch rothe Füße und auch Roth an der Schnabelwurzel, dies an dieser jedoch stets nur an der Untcrkinnlade, an jenen in der Jugend von einer viel bleichern, nur im Winter von einer sehr ähnlichen, im Frühjahr aber von einer ganz andern dunkeln Farbe; dabei sind jedoch Schnabel und Füße viel länger, ersterer auch an der Spitze von ganz anderer Gestalt, und dann die Körpergröße um vieles ansehnlicher, indem er zu den größten, der Gambettwasserläufer aber nur zu den mittelgroßen Arten dieser schönen Gattung gehört. Wegen der großen Verschiedenheit in den Kleidern nach Alter und Jahreszeit müssen wir auf die hier folgenden ausführlichen Beschreibungen verweisen, welche im frühern Schriften, die drei (in obiger Anmerkung) zuletzt genannten ausgenommen, so höchst unvollkommen sind, daß kaum der Geübteste im Stande ist, sich hin und wieder darin zurecht zu finden. Die meiste Verwirrung unter den Wasserläufern überhaupt stiftete eigentlich Bechstein (natürlich ganz gegen seinen Willen) weil er beim Sammeln aller verhandenen altern, meistens sehr unvollkommenen Beschreibungen der einzeln Arten in einer Zeit schrieb, wo man eine Doppelmauser noch nicht ahndete, er daher auf jede kleine, oft unbedeutende Abweichung, welche namentlich die zahllosen Uebergänge der drei verschiedenen Kleider beständig darstellen, oft ein zu großes Gewicht legte, solche zu XII. Ordn. l-VII Gatt. 230. Gambett-Wasserläuser. 97 besondern Arten stempelte oder zweifelnd aufführte, alles dieses, weil ihm alle Bekanntschaft mit der Lebensweise dieser Bögel abging, indem er stets in Gegenden lebte, die ihm zum Studium der Naturgeschichte der Sumpf- und Wasservögel, im Freien, keine Gelegenheit gaben. — Da wir hierin viel glücklicher waren, auch uns vergönnt wurde, durch eine lange Reihe von Jahren fortwährend Beobachtungen im Freien anzustellen und dadurch viele Erfahrungen zu sammeln, so darf ich hoffen, auch in dieser Abtheilung der Bögei zur Entfernung aller Irrthümer, nach Möglichkeit, beigetragen zu haben. Der Gambettwasserläufer ist um ein Bedeutendes größer als der punktirte und kleiner als der dunkelfarbige Wasserläufcr. In der Körpergröße mag er mit der Schwarzdrossel Älerulrr) zu vergleichen sein, aber die größer» und längern Flügel, der lange Hals und die hohen Beine geben ihn ein viel größeres Aussehen.") Seine Länge ist 9^ bis 10^ Zoll, die Flugbreite 20 bis 21 Zoll; die Länge des Flügels vom Bug bis zur Spitze 6'/b Zoll; die Länge des Schwanzes bis 2^ Zoll, und die Spitzen der ruhenden Flügel reichen meistens etwas, zuweilen gegen ^Zoll über sein Ende hinaus. Die Flügel haben die Gestalt wie bei den übrigen Arten, die durch den stark mondförmigen Ausschnitt ihres Hinterlands gebildete Hintere Flügelspitze reicht mit dem Ende beinahe bis auf das der vierten Schwingfeder der ersten Ordnung. Der Schwanz besteht aus 12 nicht sehr breiten, stumpf zugerundeten Federn, von welchen die mittelsten etwas länger als die äußersten sind, weshalb er ein zugerundetes Ende bekömmt, das bei jungen Vögeln aber fast ein"n doppelten Ausschnitt erhält, weil hier seine Mittelfedern etwas über die nächsten vorstehen, diese nämlich auch etwas kürzer als die folgenden sind; dies ist jedoch nicht auffallend, und die ein- fach zugerundete Gestalt, wird dadurch nur wenig unterbrochen. Der Schnabel ähnelt dem des punktirten Wasserläufers fehr; er ist gerade, bloß die Spitze des Oberschnabels ganz unbedeutend über die des untern herabgebogen, bloß so viel, daß dadurch, weil auch die untere sich der obern ein wenig entgegen neigt, die Schnabelspitze etwas kolbig oder wenigstens abgestumpft wird. , 2w»al in der Ferne gesehen. All« Lies« hochbeinige», langliälüge» Sch»epse»vö- S lchemen in der Entfernung viel größer zu sein, he er- wirklich sind. 8. Theil. 7 98 HI- Ordn. Gatt. 230. Gambett-Wasserläufer. Er ist hart, nur an der Wurzel weich; die Nasenfurchen, und auch die längs der Mundkante der Unterkinnlade, gehen bis in die Mitte des Schnabels, dessen Schneiden stumpf, nach vorn ziemlich eingezogen sind. Er ist 1 Zoll 8 bis 10 Linien lang, an der Wurzel 3Vr Linien hoch und 2^ Linien breit. Won Farbe ist er an der Wurzel bei alten Vögeln brennend hochroth, bald mennig-, bald zinnoberrot!), und diese schöne Farbe reicht bis gegen die Schnabelmitte vor, wo sie allmählich in Schwarz übergeht, das an der Spitze sehr tief und glänzend wird; bei den Zungen an der Wurzel schön orangengelb, doch am Oberkiefer nur wenig, an dem untern aber bis zur Mitte, dann in Schwarz übergehend, das nie so dunkel ist als bei jenen und es erst später wird, wenn sich die gelbe Farbe nach und nach in Roth verwandelt. Die Farbe des innern Schnabels entspricht der des äußern, doch ist sie viel bleicher, so auch das Ende der langen, schmalen, sehr spitzen Zunge ist roth oder gelb, während diese an der Wurzel, wie der Hintere Rachen, in Fleischfarbe übergeht. Das Nasenloch ist, wie bei andern, ein kurzer, durchsichtiger Ritz, fast 2 Linien lang und 1'/? Linie von der Stirn entfernt. Das etwas große, lebhafte Auge hat einen tiefbraunen Stern und hellweiß befiederte Augenlider. Die hohen, schlanken Füße sind weit über die Ferse hinauf nackt, Schiene und Lauf etwas zusammengedrückt, ebenso die schlanken, dünnen Vorderzehen, deren Sohlen etwas breit gedrückt sind, so daß ihre ganz stumpf gezähnelten Ränder etwas vorstehen; zudem ist noch zwischen der mittlern und äußern eine große, an der letztem bis ans zweite Gelenk reichende Spannhaut, aber zwischen der innern nur eine kleine, nicht halb so weit vorreichende. Die Hin- terzeh ist klein, schwach, etwas über dem Ballen eingelenkt und nur so lang, daß sie, wenn dieser hart aufgesetzt wird, den Boden immer, wenn er aber, wie im Leben gewöhnlich, etwas von der Erde entfernt bleibt, noch so eben mit der Spitze berührt. Der weiche Ueberzug der Füße ist vorn und hinten in eine Reihe großer Schilder, aber ganz seicht, zerkerbt, und dergleichen schmälere bedecken die Zehenrücken. Die Krallen sind klein, schmal, wenig gekrümmt, spitzig, die der Mittelzeh mit vorstehender Schneide auf der innern Seite. Der nackte Theil über der Ferse mißt 1 Zoll; der Lauf 2 Zoll, auch wol 1 bis 2 Linien darüber, selten eine Linie darunter; die Mittelzeh, mit der 2^ Linien langen Kralle, I Zoll 4 Linien; die Hinterzeh nebst der kleinen Kralle über 4 Linien. Die XU. Ordn. IH.VH Gatt. 230. Gambett - Wasserläufer. M Farbe der Füße ist bei alten Vögeln ein ungemein prächtiges Roth, das ein wenig ins Gelbliche zieht, gerade wie frisch mit Del abgeriebene Mennige aussieht, unvergleichlich schön am lebenden Vogel, im Tode etwas dunkler, mehr roth als gelb, die der Krallen glänzend schwarz; jene bei jungen Vögeln bis zur Herbstmauscr lebhaft orangengelb, weniger glänzend als jenes hohe Noth, und die Krallen braunschwarz. Das Roth der Hintern Schnabelhälfte bleibt auch im getrockne ten Zustande kenntlich, weniger das der Füße, welches gewöhnlich in ein trübes Rothgelb umgewandelt wird, doch dem natürlichen viel ähnlicher bleibt, wenn der Balg nicht auf dem Ofen getrocknet wurde; errathen laßt sich die wahre Farbe jedoch auch noch an in diesem Zustande alt gewordenen Exemplaren. Die erste Bekleidung des jungen Vogels, wenn er dem Eie entschlüpft, sind dichte weiche Dunen, welche aus dem Scheitel und an der Stelle des Schwanzes etwas länger sind als an den übrigen Theilen. Der Schnabel ist dann schmutzigbraun, an der Wurzel gelblich, am Unterschnabel hier bräunlichgelb, der Augenstern braungrau; die weichen Füße sind am Fersengclcnk und gleich unter demselben auffallend dick und haben lange Zehen, im Ganzen überhaupt eine übermäßige Größe, anfänglich eine bräunlichgelbe Farbe, die an den Sohlen sehr licht ist, und sich von Tage zu Tage mehr gelb färbt. Der Lberkopf ist röthlichbraungrau, mit einem breiten tiefbraunen Mittelstreif der Länge nach; das Auge hat eine gelbbräunlichweiße Umgebung, durch welche vom Schnabel bis an und hinter das Auge ein schmaler schwarzbrauner Streif geht, und über demselben steht ein solcher breiterer, wie Augenbraunen; die kürzern Dunen am Halse sind sehr licht gelblichgrau, vom Genick läuft auf demselben ein schwarzbrauner breiter Streif nach dem röthlichbraungrauen oder rostgrauen Rücken hinab und auf der Mitte dieses bis zum Ende desselben fort, dem mehrere abgebrochene Streife und Fleckchen zur Seite stehen, auch die kleinen Flügel sind rostgrau, schwarz und braun gescheckt; Kehle und Vorderhals trübe gelbweiß, am Kröpfe grau, Brust und Bauch weiß; die Weichen gelblichgrau, schwärzlich gefleckt. — Nach wenigen Tagen keimen schon ordentliche Federn hervor, zuerst an den Flügeln und Schultern, dann an den Oberrücken, nachher an Brust und Bauche, dem Schwänze, dem Oberkopfe, und zu allerletzt erst an der Kehle und dem Hinterhalse, eine Reihefolge, welche bei allen schnepfenartigen und vielen andern Vögeln eben so Statt hat. 7 100 XU. Ordn. Gatt. 230. Gambett-Wasserläufer. Das nun fertige erste Feder- oder Jugendkleid, welches diese Vogel bis zur ersten Herbstmauser behalten, es hierin aber bis auf die großen Flügel- und Schwanzfedern (welche sie ein volles Jahr tragen) ablegen, unterscheidet sich von den nachherigen Kleidern sehr auffallend. Solche Bögel haben dann eine schön rothgelbe Schnabelwurzel und lebhaft orangegelbe Füße, einen dunkelbraunen Augenstern und weißbesiederte Augenlider. Ein Streif vom Schnabel über das Auge hinweg, Kinn, Kehle und ein Theil der Gurgel sind weiß; die Zügel braunschwarz getüpfelt oder in einem Striche ganz von dieser Farbe; der Oberkopf matt schwarzbraun, mit langlichten gelbbraunlichwcißen Fleckchen, welche an den Seiten der Federn stehen; die Wangen weiß, nach dem Ohre hin dunkelbraun gestrichelt und nach dem Schnabel zu mehr oder weniger braun getüpfelt und punktirt; der Hinterhals lichtgraü, mit graubraunen Längefleckchen gestreift, Oberrücken und Schultern dunkelbraun, gelb- braunlichweiß gefleckt, es hat nämlich jede Feder am Rande eine gelbbräunlichweiße (am frischen Gefieder rostgeloe) Kante, welche mehrmals und fast immer an der Spitze unterbrochen und so in zwei bis vier Flecke zertheilt ist; eine gleiche Zeichnung und Farbe haben die Flügeldeckfedern, welche jedoch in der Mitte des Flügels etwas lichter ausfallen; Unterrücken und Bürzel sind rein und blendend weiß, von hier an bis zum Schwatze üuf weißem Grunde mit anfänglich ganz kleinen, zuletzt aber größern braunschwarzen Quer- fleckchen wellenartig bezeichnet; die ganze untere Seite des Vogels weiß, an den Halsseiten und der Gurgel schwarzbraun gestrichelt, diese Zeichnung am Kröpfe in kleine länglichrunde Fleckchen übergehend. Die Brustseiten auf rostgelbem Aufluge mit einzelnen braunen Länge-, Pfeil- und Querflcckchen, die untern Schwanzdeckfedern mit einzelnen feinen braunen Schaftstrichen an den Spitzen, auch die Unterschenkel oft braungefleckt, alles Uebrige aber reinweiß. — Der Flügel hat folgende Zeichnung: Das vor der ersten großen Schwingfe- der stehende, einer verkümmerten Schwingfeder ähnliche, kleine, steife, lanzettförmige, spitzige Federchen ist am Schafte und an der Kante weiß, übrigens dunkelbraun, welches sich wurzelwärts in Fleckchen verliert; die Fittigdeckfedern und die großen Schwingen braunschwarz mit schwachem, grünlichem Seidenglanze, die vorderste Schwingfeder mit weißem Schaft, die andern mit braunem, alle auf der Jn- nenfahne an der, fast immer verdeckten. Kante weiß, braun bespritzt, und das Weiße nimmt zu, je mehr die Federn an Länge abnehmen, an der fünften oder auch erst der sechsten zeigt sich eine weiße End- XU. Ordn. I^vn. Gatt. 23V. Gambett-Wasserläufer. 101 kante, die an den folgenden immer breiter wird, bald mit dem Weiß der Jnnenfahne, das sich nun auch über die äußere verbreitet, vereint, so das an den letzten dieser Ordnung die Federn fast zur Hälfte herauf weiß werden, aber noch, mehr oder weniger, die Spitze ausgenommen, schwarzbraun bespritzt sind; an den Enden der Federn zweiter Ordnung wächst dieses Weiß immer fort und wird an der Endhälste ganz rein, auch die Schäfte, während es nach der Wurzel zu abgebrochene, schmale, schwarzbraune Querstreifchen durchziehen, die sich an den letzten Federn dieser Ordnung fast gänzlich verlieren, wodurch denn durch den Flügel ein breites weißes Band gebildet wird, das auch auf den zusammengelegten Flügeln auffallend bleibt und kein europäischer Wasserläufer von dieser Breite auszuweisen hat; die letzte Feder zweiter Ordnung hat auf der Jnnenfahne schmale braune Zackenstreife; die Schwingfedern dritter Ordnung (der Hintern Flügelspitze) sind dunkelbraun, an den Kanten mit lichtrost- gelbcn oder bräunlichweißen, Sagezähnen ähnlichen, Flecken, welche gleichförmige, schwärzliche Zwischenräume haben, die sich oft als Querstreise gegen den braunschwarzen Schaft hinziehen. Won unten ist der ganze Flügel weiß, an den großen Schwingen silberweiß, nach der Spitze hin braungrau bespritzt und diese allein ganz braungrau. — Der Schwanz ist weiß, mit vielen, meist 1V, braunschwarzen schmalen Bändern quer durchzogen, die an den Mittelfedern so breit wie die weißen Zwischenräume sind, an den äußern Federn aber nach und nach sehr an Breite abnehmen, manche Binden sich auch nur aus kleinen Spritzsleckchen bilden, so daß an den äußersten die dunkele Zeichnung am schwächsten wird. Die Binden sind übrigens bald gerade, bald gegen den Schaft spitzwinkelicht, bald gezackt, und so bei verschiedenen Individuen öfters ziemlich verschieden. Männchen und Weibchen sind äußerlich gar nicht verschieden, das letztere gewöhnlich aber etwas kleiner, doch unbedeutend. Die Abweichungen in der Gestalt und Farbe der Rücken- und Schulterflecke haben keinen Bezug auf Geschlechtsverschiedenheit, ob sie auch sonst zuweilen nicht ganz unbedeutend sind, da sie, so lange das Gefieder noch frisch ist, ein sattes Ochergelb oder Rostgelb haben, das aber nach und nach bleicher und nach ein paar Monaten ganz weißlich wird, so wie dann auch die Grundfarbe matter geworden ist. Dann haben solche junge Vögel schon eine gelbrothe Schnabelwurzel und dergleichen Füße. Sie verlassen unsere Gegenden im Herbst schon mit merklich verschossenem Gefieder und mausern sich fern von uns in wärmer» Ländern erst in den Wintermonaten. Junge Wö- 102 Xit. Ordn. Isi.VH. Galt. 23V. Gambett-Wasserläufer. gel im ersten Winterkleide würden daher nur von dort her zu erhalten sein, wenn nicht eine große Anzahl derselben in diesem Kleide meist noch ohne alle Spur einer neuen Mauser zu uns im Frühjahr zurück kehrte, während dies mit den Alten viel seltner der Fall ist. Dies erste Winterkleid ist sehr vom Jugendkleid verschieden und an demselben von oben her ein ziemlich wenig geflecktes Grau vorherrschend. Ein kleiner Augenkreis, ein Streif von der Schnabelwurzel bis über das Auge, Kinn, Kehle, Obergurgel, die ganze Unterbrust und der Bauch, der Unterrücken bis auf die Mitte deS Bürzels sind rcinweiß und fleckenlos; die Zügel schwärzlich getüpfelt; die Wangen weißgrau, hinterwärts dunkelbraungrau gestrichelt und nach vorne zu getüpfelt; der Oberkopf olivenbraungrau, mit schwarzen Schaftfleckchen; der Hinterhals grau und weißlich gestreift; die Hals-, Kröpf- und Oberbrustseiten auf graulichem Grunde mit schwarzen Schaftstrichen, die auf der weißen Untergurgel und Oberbrust sehr fein sind; auch die Weichen, die Unterschwanzdeckfedern und die Außenseite der Unterschenkel haben solche, die erstem etwas stärkere, Schaftstriche; Oberrücken, Schultern, Flügeldecksedern und die Hintere Flügelspitze sind hell braungrau, seidenartig ins Olivenfarbige spielend, mit sehr feinen schwarzen Federschäften, zerstreueten Punkten und kleinen abgebrochenen Zackenstrichen, die an den großen Flügeldeckfedern und den Schwingen dritter Ordnung zu schmalen braunschwarzen Querbändern werden, wobei noch alle größeren Federn weißliche oder rostgclbliche Säumchen haben; das Ucbrige des Flügels und der Schwanz mit seinen obern Deckfedern wie im Jugend, kleide, doch die beiden Mittelfedern des Schwanzes oft mit röthlich- grauem Ueberflug. Die Wurzelhälfte des Schnabels ist hochroth, vie Füße mennigroth. Auch in diesem Kleide sind beide Geschlechter mit Sicherheit nicht zu unterscheiden. Wenn sie bei uns an ihren Brüteorten angelangt sind, findet man fast alle jungen Vogel vom vorigen Jahre so gezeichnet, nur bei wenigen macht die geringere Anzahl und die winzige Größe der Punkte und Streischen an den Mantelfedcrn einen Unterschied, welcher jedoch nie sehr auffallend wird.- Erst wenn sie mehrere Wochen hier sind, kommen einzelne Federn des Frühlingskleides hervor, die sie zuweilen recht bunt machen, aber die Mauser geht so langsam, daß die allermeisten nicht damit fertig werden, so daß, wenn schon eine neue Herbstmauser eintritt, immer auch noch viele Federn vom ersten -Winterkleide vorhanden sind. Am Kopfe, Halse und der Brust sind dann solche oft sehr stark gefleckt, XII. Ordn. LVIl. Gatt. 230. Gambett-Wasserläufer. 103 weil an diesen Theilen noch die meisten Federn vom Frühlingskleidc zur Vollkommenheit kommen, während am Mantel immer noch das graue Gefieder vorherrscht. Solche Vogel, bei welchen man in der That in Zweifel ist, welches Kleid sie eigentlich tragen, oder, mit andern Worten, welche zwei Kleider zugleich tragen, jedes etwa 'nur halb, werden an den Brüteorten am häufigsten erlegt, ein Mal, weil solche überhaupt am häufigsten vorkommen, und zum andern, weil sie leichter zu berücken sind als die schlauern alten Vogel. Da die zweite Herbstmauser um einige Monate früher eintritt als die erste, so sehen wir auf dem Wegzuge manche schon theilweise im Winterkleide. Dieses zweite Winterkleid ist bedeutend vom ersten verschieden, namentlich viel einförmiger und grauer; auf dem Scheitel sind die Federn tief grau, mit kleinen schwärzlichen Schaftstrichen; der ganze Mantel braungrau, dunkler als im ersten, mit seidenartigem grünlichen Schein, feinen schwarzen Federschäften, und fast ohne alle Punkte und Fleckchen; nur die Federn der Hintern Flügelspitze haben an den weißlichen Rändern schwarzbraune Tüpfel in gemessenen Abständen, wie Anfänge von Querstreifchen; der Hals ist noch feiner gestrichelt, Schnabel und Beine prächtiger roth, sonst Alles wie im ersten Winterkleide. Die im Frühjahr zuerst bei uns ankommenden alten Vogel ha- den zuweilen dieses Kleid noch ganz vollständig, die meisten jedoch schon mit Federn des Frühlingskleides vermischt. Erst bei uns macht das alte Winterkleid dem neuen Frühlingsgewande nach und nach Platz, wozu auch wieder mehrere Wochen gehören; ja es giebt selbst alte Vögel, die es bis zur nächsten Mauser nicht ganz vollständig erhalten. Sonderbar ist es, daß, wie vieljährige Beobachtungen zeigen, unter den im mittlern Deutschland nistenden Gambettwaffer- läusern, selbst den ältesten Vögeln, ein solcher, welcher das Frühlingskleid rein trägt, eine Seltenheit ist, daß dagegen an der Nordsee und noch weiter nach Norden zu dies etwas ganz Gewöhnliches ist.") So wie über den Wintervogel ein eigenthümliches Grau aus- °) ES überraschte mich nicht wenig als ich diese Erfahrung an der Nordsee machte, indem ich bis zu meiner Reise dahin einen rein vermauserten Frühlingsvogel noch nicht gesehen hatte. Obgleich wir (mein Vater, mein« Bruder und ich) an hiesigen Gewässern gar viele in dieser Jahreszeit erlegt mio i» vielen Jahren »ach einander beobachtet hatten, so war uns aber doch bis dahin hier nicht ein einziger so rein ausgefärbter Frühlir.gSvo- gel vorgekommen, als die von der Nordsee mitgebrachten waren. Freilich sind dies auch dort mir die ältesten Vogel, die sich dann schon in der Feme an der dunkler» Färbung kenntlich machten und von den andern auswählen ließen. 104 X!I. Ordn. L.Vtl. Gatt. 23V. Gambett-Wasserläufer. gegossen zu.sein scheint, so ist beim Sommervogel ein tiefes Braun die herrschende Farbe. Das demnach ganz anders und viel dunkler gefärbte Frühlings, oder Sommerkleid, auch Hochzeitskleid genannt, hat bei rein vermauserten Vögeln folgende Zeichnungen: Die weiße'Umgebung des Auges ist durch bräunliche Mischung getrübt, so wie auch der vom Schnabel gus über das Auge wegge-» hende weiße Streif, welcher zugleich auch nur ganz schmal und des, halb wenig bemerkbar ist; der Oberkopf schwarz, mit lichtbräunli- chen in roströthlichweiß übergehenden Längestreifen, die durch die lichten Seitenkanten der Federn gebildet werden; die Zügel sehr dicht und breit schwarzbraun getüpfelt, und von ihnen gehen Reihen solcher Tüpfel über die Wangen und in der Ohrengegend in Striche über, Alles sehr stark gezeichnet; der Hinterhals schwarzbraun und röthlichbraungrau in die Länge gestreift; der Borderhals weiß, mit eirunden schwarzbraunen Flecken, an den Halsseiten dichter, auf der Gurgel sparsamer bezeichnet; am Kröpfe, namentlich an den Seiten desselben und an denen der Oberbrust werden diese Flecke noch größer und runder (wie Drosselflecke), weiter hinab aber mit Zickzacks, schmalen Querfleckchen und Tüpfeln vermengt, in den Weichen und an den Unterschwanzdeckfedern gehen sie fast alle in Pseilflecke und Qnerstreifchen über, und an den Unterschenkeln sind es meistens Lanzettflecke, alle auf weißem Grunde, welchen sie sehr buntscheckig machen; nur die Mitte der Unterbrust und die innere Seite der Schenkel ist ungefleckt und reinweiß. — Der Mantel hat eine licht, braune, nur an den Federkanten in trübes röthliches Weiß übergehende Grundfarbe, mit vielgestaltigen, zahlreichen und großen Flecken von einem sehr dunkeln Braun oder Schwarzbraun übersäet, die, vom schwarzen Schafte oder der Mitte jeder Feder ausgehend, am Anfange des Oberrückens meistens eine unregelmäßige ovale, weiter hinab eine rautenförmige, an den Schultern und auf der Mitte des Flügels eine gezackte Gestalt bekommen, an den längsten Schulter- und Flügeldeckfedern aus dem Schaftflecke als schmale Querbinden an den Federkanten auslaufen, an den Federn der Hintern Flügelspitze aber fast die ganze Fläche bedecken, so daß von der weißbräun« lichen Farbe nichts übrig bleibt, als eine säzezackenartige Fleckenreihe längs den Kanten; alles dieses giebt eine sehr dunkele und zugleich sehr buntscheckige Zeichnung. — Sind alle Flügcldeckfedcrn erneuert, so verlieren sich die schwarzbraunen Flecke auf den mittlern nach und nach, und die kleinen sind ungefleckt, alle diese aber, besonders am Schafte, viel dunkler, als die am Winterkieide waren, XII. Ordn. L> VII. Gatt. 230. Gambett-Wasserläuser. 105 von welchen auch jüngere Individuen an diesen Theilen immer noch welche bis in den Sommer hinein beibehalten. — Unterrücken und Anfang der Bürzelgegend sind reinweiß, dann folget aber in wachsender Größe bis zum Schwänze eine größere Anzahl braunschwarzer schmaler Querflecke als sie das Winterkleid hat, auch sind die mittlern Schwanzfedern stets bräunlichgrau überlaufen, und zwischen den stärker gezeichneten braunschwarzen Bändern zeigen sich oft noch Schatten von andern, ganz blaß gefärbten. Der Schnabel ist an der Wurzelhälfte prächtig hochroth, an der Spitze glänzend schwarz, die Farbe der Beine hochgelbroth, von einem Glänze und Feuer, wie sie die Kunst nur in mit Del oder Lackfirniß frisch abgeriebener Mennige wiederfindet. In solcher Schönheit und so vollkommen, d. h. so stark braun gefärbt und so grob und dicht gefleckt, findet sich das Hochzeitskleid nur an ganz alten, namentlich männlichen Vogeln, während die Weibchen den jüngern Frühlingsvögeln ähneln, nämlich matter braun und klarer gefleckt sind, ein im Allgemeinen zwar nicht großer Unterschied, doch auffallend genug, um beim Neste, in nicht zu großer Entfernung, schon daran beide Gatten erkennen zulassen^ — An jüngern Vögeln ist der weiße Augenstreif gewöhnlich etwas deutlicher, das Gesicht überhaupt weniger dicht gefleckt, die Flecke am Halse herab viel schmäler, nur die an der Oberbrust eiförmig, doch auch kleiner und auch die Flecke auf dem Oberkörper weniger stark gezeichnet. Diejenigen, welche das Hochzeitskleid zum ersten Male tragen, würden fast eben so gefärbt sein, wenn sie rein aus- mauserten und nicht noch viele Federn des Winterkleides immer bis zur nächsten Hauptmauser beibehielten, und daher bis in den Sommer hinein ein aus den grauen Federn des letztem und den braunen des erstem gemischtes Gewand trügen, wobei jedoch Kopf, Hals und die untern Körpcrtheile eine Ausnahme machen, welche die Sommerzeichnung gewöhnlich ganz haben, wogegen solche Individuen aber wieder d'e längsten Schulterfedern und die der Hintern Flügelspitze käst nie mit neuen vertauschen. Uebrigens sind Sommer- und Winterkleid, selbst bei jungen Vögeln, trotz des vielen Gemisches, in welchen es vorkömmt, verschieden genug, um sie deutlich zu erkennen, und wenn sich das eine auch erst in wenigen Federn zwischen dem andern zeigte, weshalb auch derjenige, welcher jene drei Hauptkleider kennen lernte, sich leicht unter den vorkommenden zahl. losen Uebergangsvögeln, im Uebertritt von einem Kleide zum andern, »urecht finden wird. 106 XU. Ordn. I.VII. Gatt.230. .Gambett-Wasserläufer. Es sollen zuweilen Spielarten vorkommen, als: Weißge- fleckte, auch ganz weiße; sie mögen aber außerordentlich selten sein, da eine solche nirgends deutlich beschrieben und von keinem wis. senschastlichen Beobachter bemerkt worden ist. Die Hauptmauser der alten Vogel beginnt Ende des Juli und endigt im September, bei manchen noch später, so daß rein ver- mauserte im vollständigen Winterkleids bei uns durchziehend selten vorkommen, und die hier brütenden in voller Mauser begriffen uns schon verlassen. Die Frühlingsmauser, welche sehr unregelmäßig und langsam vor sich geht, hat bei den allermeisten alten Vögeln schon begonnen ehe sie wieder in unsern Gegenden erscheinen und nur hin und wieder kömmt im Anfange des April ein solcher vor, welcher das Winterkleid noch ziemlich vollständig trägt. In diesem Monate geht bei den mehresten die Verwandlung vor sich, aber vorjährige Junge haben oft erst im Mai diese Mauser begonnen, die auch bei diesen, wie schon erwähnt, bis zum Juli währet und nicht vollständig wird. Ganz alte Vögel sind Anfangs Juni im schönsten reinsten Frühlingsschmucke, und da dies Kleid von der Mehrzahl eigentlich nur ein paar Monate getragen wird, so leidet es auch bis zur neuen Mauser nur wenig durch Verbleichen der Farben und Abstoßen der Federränder. Aufenthalt. Der Gambettwasserläufer ist über viele Theile der Erde verbreitet, in Europa überall bis zu der hohen Breite von 70 Grad und bis zu den Küsten von Afrika und Asien. In dem letztem soll er es von Sibrien bis Persien und China fast eben so sein und auch in Nordamerika häufig vorkommen. Er ist auf Island und in Norwegen gemein, eben so in ganz Britannien, in Schweden, Dänemark, auf allen Inseln und in allen Küstenländern der Ost- und Nordsee, außerordentlich häufig in Holland, wie auch schon in den der Nordküste von Deutschland sich nähernden Landen, nicht selten an geeigneten Orten im mittlern und südlichen Deutschland, zu manchen Zeiten auch sehr häufig in Ungarn, Italien u. s. w. bis über die südlichen Grenzen unsers Erdtheils hinüber. Strichweise gehört er in Deutschland zu den gemeinsten Arten dieser Gattung, und auch unser Anhalt gewährt ihn in vielen Gegenden einen kürzern oder längern Aufenthalt. Er gehört, wie die andern Wafferlaufcr, unter die Zugvögel, XU. Ordn. I^vn. Gatt. 230. Gambett-Wasserläufer. 107 kömmt deshalb im Frühjahr, um sich in unsern Gegenden wie in andern weiter nach Norden liegenden Ländern fortzupflanzen, und zieht nachher im Herbste wieder nach südlichern Erdgegenden, um daselbst zu überwintern. In Italien, Griechenland, dem südlichen Frankreich und Spanien bringen große Schaaren den Winter zu, auch gehen deshalb'manche bis an die jenseitigen Küsten des mittelländischen Meeres. Bei uns, wie in Deutschland überhaupt, bleibt im Winter keiner; merkwürdigerweise sollen dies aber viele auf Island thun. Die, welche bei uns nisten, verlassen oft schon in der zweiten Hälfte des Juni, sobald die Jungen erwachsen und flugbar sind, oder spätestens im Juli die Brüteorte und schwärmen weiter umher, ja mit dem August beginnt auch schon der Wegzug. Zu Ende dieses Monats und in der ersten Hälfte des September ist der Durchzug aus dem Norden kommender am stärksten, im October hört er aber nach und nach auf, und noch später wird selten noch ein einzelner Vogel dieser Art gesehen. Im Frühjahr kehrt er bald nach den gemeinen Kibitzen oder zum Theil noch mit diesen zurück und wird in einem zeitig warmen Frühlinge zuweilen schon um die Mitte des März oder noch früher bemerkt; in den mehresten Jahren dauert jedoch der Durchzug bis tief in den April, ja bis in dessen letzte Hälfte hinein. Die spät durchziehenden sind wahrscheinlich alle solche Vögel, welche ihre Sommerwohnsitze weiter nach Norden aufschlagen wollen; denn die, welche in unsern Gegenden zuerst ankommen, sind immer solche, welche hier oder ganz in der Nähe nisten. Seine Reisen macht er des Nachts, oder doch in der Abend - und Morgendämmerung, am Tage fast nie. Die jungen Vögel wandern gewöhnlich familienweise oder in kleinen Gesellschaften, die alten dies weniger und oft einzeln; dies ist jedoch anderwärts, z. B. an den Küsten der Nordsee, anders, wo Junge- und Alte, aber meistens getrennt, in ziemlichen, ja nicht selten sehr großen Heerden wandern und dabei auch dem Laufe der Küsten folgen, weüN dies auch gleich zuweilen nicht in der rechten Richtung geschehen könnte, die hier im Lande fast immer eine südwestliche ist- Es ist nicht unwahrscheinlich, daß alle vom Norden herabkommenden an der deutschen Küste entlang und so weiter ziehen, und auch im Frühjahr denselben Rückweg nehmen; denn die Menge, welche alle Jahre dort, und die, welche hier im Lande gesehen wird, steht in keinem Verhältniß zu einander, so daß man vermuthen möchte, alle bef uns hier durchziehende seien bloß solche, welche im Sommer auf dem Festland« Nord- 108 XU. Ordn. L.VII. Gatt. 23S. Gambett-Wasserläufer, deutschlands gewohnt hatten. Unser Vogel ist übrigens i:n Frühjahr, auf der Rückreise, bei uns viel seltner als auf dem Herbstzuge; er kömmt dann, wo er nicht nistet, noch viel sparsamer vor und vermeidet besonders sich an zu kleinen Gewässern niederzulassen. An den Brüteorten erscheinen sie meistens schon gepaart. Der Gambettwasserläufer sucht.auf dem Zuge den Gebirgsgegenden auszuweichen oder sie zu überfliegen, er wird daher in solchen selten und nur an den Gewässern tiefer, weiter Thäler zuweilen bemerkt; dagegen sind flache Lagen mit weiten Sümpfen und Morästen, nasse Wiesengründe und Viehweiden mit Sumpf abwechselnd, die Ufer großer Landseen, da wo sie recht flache, quellenreiche, sumpfige Ufer mir anstoßenden fruchtbaren Wiesen haben, auch große Teiche mit freien Ufern, die Orte, wo er auch mitten in Deutschland keineswegs selten vorkömmt. Waldungen und dem Gebüsche weicht er überall aus. An Flüsse und kleinere Teiche kömmt er nur auf dem Zuge, wagt sich auch Jaum jemals an solche in der Nähe menschlicher Wohnungen, weshalb sich an den Teichen bei meinem Wohnorte nur höchst selten einer niederläßt und dann auch nur äußerst kurze Zeit hier verweilt. Alle großem Brücher in unsrer Nähe, namentlich die, welche sich über jene weitläufige Niederung ausdehnen, diesseits des Saal- und Elbusers, unfern der Vereinigung beider Flüsse gelegen, sowie einige minder große, und hin und wieder See- und Teichufer von obiger Beschaffenheit, gewähren sehr vielen dieser Vogel einen Sommeraufenthalt; aber noch weit zahlreicher bewohnt er die sumpfigen Niederungen im Brandenburgischen, Hannöverschen u. s. w. Hier und überall bis zur Seekante hin theilt er den Aufenthalt sehr gewöhnlich mit dem Bruchwasserläufer, dem Kampfläufer und den gemeinen Kibitzen. Merkwürdigerweise ist er aber auch zugleich Seevogel, der Name: Meerwasserläufer daher nicht unpassend, aber doch auch nur in so fern ein gutbezeichneter, als unser Vogel der einzige dieser Gattung ist, welcher sehr häufig den Strand bewohnt; denn man findet ihn von der deutschen Nordküste an bis hoch in den Polarkreis hinauf äußerst häufig, beinahe ausschließlich am Meere oder ganz in der Nähe desselben, und seine Brüteplätze zuweilen sehr nahe am Strande. Daß er jedoch nicht ausschließend Meerstrandsbewohner ist, beweisen die mitten in Deutschland sich in Menge fortpflanzenden derselben Art. Die Neigung zu den Süßwassersümpfen verrathen auch die in der Nähe des Meeres wohnenden deutlich genug, XII. Ordn. I^VÜ. Gatt. 230. Gambett-Wasserläufer. 109 indem sie solche dem wirklichen Strande immer vorziehen, und diesen daher nur mit vielen Unterbrechungen besuchen; denn bei der Ebbe sind sie auf den Watten, in der übrigen Zeit aber auf den feuchten Viehweiden und an sumpfigen Stellen, oft weit von der See entfernt. Mir sind auf meinen Reisen nur wenige kleine grüne Inseln vorgekommen, wo einzelne dort wohnende Päärchen sich ganz ohne Sumpf befanden, und lediglich auf den Strand und auf die grünen Weideplätze solcher, bei hohen Springfluthen zum größten Theil überströmten, Eilande beschränkt waren. Sie theilten auf solchen den Aufenthalt zuweilen mit vielen wirklichen Seevögeln und nisteten zwischen ihnen; auf den meisten thun sie dies jedoch von jenen und dem.Strande entfernt in Gesellschaft von Kampfläufern oder auch Alpenstrandlaufern, höher im Norden häufig bei Goldregenpfeifern, doch nicht auf trocknen Haiden, wie diese, sondern immer an Moorstellen auf solchen, wo Gras und Binsen wachsen, und wo es nicht ganz an Wasser fehlt. Keine von mir gesehene Gegend ist so überaus reich an diesen Wasserläusern, als das sogenannte Eiderstadt, eine große Niederung zwischen der Eidermündung und der Bucht von Husum, an der Westküste Schleswigs, fast ganz aus feuchten Viehweiden und Wiesen bestehend, eine Gegend, welche von gemeinen Kibiz- zen, Kampfläufern und Gambettwasserläufern buchstäblich wimmelt, wo die ersten zwar die Mehrzahl bilden, die letztem aber auch zu Lausenden wohnen, dort aber auch beweisen, daß ihnen eine solche Lage viel lieber ist, als der eigentliche Seestrand, indem sie an ihm dort nur abwechselnd und sehr einzeln gesehen werden. Er liebt schlammigen Boden und ist nur da, wo es der gleichen Stellen giebt, gern und längere Zeit, auf kahlen Sandufern, wie z. B. an den Flüssen, daher nur zufällig und vorrübergehend. Er läßt sich auch am Meere selten auf sandigen Watten sehen, welches eben so mit felsigen Gestaden der Fall ist, wenn sie schroff sind und große Steinblvcke umherliegen. Er läßt sich zwar notgedrungen dort nieder, auf Steine und große Vorspränge, sogar, ganz gegen die Gewohnheit ähnlicher Vogel, zuweilen auf Gebüsche, doch weilt er nur kurze Zeit daselbst, und sucht bald wieder siachufrige Stellen. In unsern Brüchern hält er sich an solchen Stellen auf, wo sich das meiste Wasser befindet, theils zwischen den Kufen, theils an freien Wasserflächen, an den morastigen Ufern derselben, oder auf aus denselben hervorragenden grünen Jnselchen oder Schlammbänken; auf nassen Wiesen nur, wenn sich wirklicher 110 XII. Ordn. L.VII. Gatt. 230. Gambett-Wasserläufer. Sumpf ihnen anschließt, immer nicht weit vom Wasser. Wiesen können immer nur mit vieler Beschränkung zu seinem Aufenthalte gezählt werden, denn man wird ihn auf guten Heu- und Grummtwiesen, auf fruchtbaren Auenwicsen, und eben so auf zu trocknen Wiesen stets vergeblich suchen. Jene, welche ihm zum Aufenthalte dienen, sind feuchte Wie- senflächen, welche bis in den Mai und noch länger vom Vieh abgeweidet, und dann erst davon verschont werden, um das nachwachsende Gras späterhin zu Heu machen zu können, so lange auf solchen der Graswuchs noch ganz niedrig ist, etwa bis Anfangs Juli, und im Herbst, wenn das Heu wieder weggebracht ist. Eben so ist es mit den Kufen in den Brüchern; denn wenn die Seggengräser, Binsen und andere Sumpfpflanzen erst so hoch aufgeschossen sind, daß er neben und zwischen den Kufen im Moraste stehend durch jene an einer freien Umsicht verhindert wird, dann treibt er sich allenfalls nur des Nachts zwischen ihnen herum, hält sich aber am Lage auf freiern Plätzen und an kahlen Ufern auf. Nur in sehr finstern Nächten schläft er ein paar Stunden, dicht neben dem Wasser auf die Brust niedergelegt oder auch auf einem Beine stehend und den Schnabel unter die Schulterfedern gesteckt, sonst nur am Tage und zwar nur in den warmen Mittagsstunden, meistens in stehender Stellung und stets an freien Orten, wo er bei vorkommenden Störungen sich nach allen Seiten umsehen kann. Er hat aber, wie alle ähnliche Nachtschwärmer, einen leisen Schlaf und ist Morgens und Abends am muntersten. Eigenschaften. Sowol von Gestalt und Aussehen, wie in seinen Betragen, ist der Gambettwasterläufer ein gar herrlicher Vogel, welcher sich vor allen andern Arten dieser Gattung schon in weiter Ferne durch das viele Weiß, namentlich im Flügel auszeichnet, weil keiner von jenen einen so breiten weißen Flügelstreis hat, zumal fliegend, wo auch einem guten Gesichte die hochrothe Farbe der nach hinten lang ausgestreckten Beine nicht entgehet. Er bewegt seinen schlanken Körper mit einer gewissen Anmuth, steht ruhig mit wagerecht getragenem Leibe, den Hals ziemlich eingezogenen, aufgeregt mit etwas mehr erhobener Brust und den langen dünnen Hals gedehnter, nickt beim Erblicken etwas Verdächtigen mit dem Vorderkörper, indem dieser schnell aufgehoben und niedergelassen (nicht umgekehrt), der Hals zu gleicher Zeit aufgereckt und zusammengezogen wird, ein XU. Ordn. 1.VII. Gatt. 230. Gambett-Wasserläufer. 111 allen Wasserläufern eigenthümliches Nicken. Eben so geht er, wie diese, so auf den Zehen, daß deren gemeinschaftlicher Ballen den Boden, wo dieser hart ist, nicht berührt, wie auf Schnellfedern, daher sehr leicht und zierlich einher, kann auch schnell laufen, macht aber meistens nur in Angst und Noth Gebrauch von dieser Fertigkeit. Er wadet oft bis an den Bauch im Wasser und Moraste herum, taucht, während er mit dem Schnabel auf den Grund reicht, mit dem Kopfe unter, mit dem ganzen Körper aber nur in höchster Noth und Gefahr, z. B. wenn er flügellahm geschossen oder von einem Raubvogel heftig verfolgt wird, schwimmt dann wie eine Ente und thut dies Letzte auch ungezwungen nicht selten. Im Fluge hat er nichts Besonderes, was ihn vor anderen Arten kenntlich machte, wenn man ihn nämlich in einer Entfernung sieht, in welcher Farbe und Größe sich nicht genau erkennen lassen. Er schwingt die Flügel rasch, ohne sie weit vom Körper zu strecken, fliegt sehr leicht und schnell, schießt auch öfters ganze Strecken unter wenigen Flügelschlägen vorwärts, wirft zuweilen den Körper bald auf diese, bald auf jene Seite und kann auch ganze Strecken ohne Flügelbewegung schwebend durch die Luft gleiten. Dies thut er besonders in der Begattungszeit, bei schönem heitern Wetter. — Herrlich nimmt es sich aus, wenn er kurz vordem Niedersetzen eine Strecke lang die Flügel still hält und' dann beim Setzen selbst, ehe er sie zusammenfaltet, sie noch einige Secunden lang behaglich ausgestreckt, fast lothrecht in die Höhe hält, und so auf Augenblicke die fast ganz weiße untere Seite derselben zeigt. — An den Sommerwohnorten streicht er, wenn er sich sicher weiß, nicht selten niedrig über den Boden oder das Wasser fort, aufgescheucht aber immer gleich hoch auf und weit weg. Ueber Land, von einem Gewässer zu einem andern entfernteren fliegt er immer bedeutend hoch, noch höher auf dem Wanderzuge. Er ist stets scheu und vorsichtig, selbst beim Neste, versteckt sich vor den Menschen zwar nie im Grase oder Schilfe, scheint aber doch zu merken, daß er auf oder neben sogenannten Kufen stehend, wenn er sich still verhält und sich nicht rührt, wegen der vielgestaltigen Umgebungen, leichter unbemerkt bleibt, als auf ganz freien Ufern, wo er den frei, wenn auch mit Vorsicht, sich nähernden Menschen nie auf Schußweite heranläßt, in den Kufenstrichen dagegen manchmal wie verblüfft stehen bleibt und nicht eher wegfliegt, bis ihn der sich zufällig Nähernde so nahe hat, daß er ihn mit einem 112 XII. Ordn. LV1I. Gatt, 230. Gambett-Wasserläufer. Schuß erlegen könnte. Läßt man es ihm aber merken, daß es aus ihn abgesehen ist, so hält er auch hier nicht aus. Die in unsern Brüchern und andern Gegenden nistenden machen zwar vielen Lärm, wenn man sich ihrem Neste nähert, bleiben dabei jedoch stets außer Schußweite, wissen aber auch sehr wol Kinder und Hirten vom Jäger zu unterscheiden. An der Seeküste, besonders in Gegenden, wo selten geschossen wird, sind sie dagegen beim Neste viel dreister; beide Gatten umfliegen da den Schützen mit ängstlichem Schreien in solcher Nähe, daß sie ohne viele Mühe erlegt werden können, doch weniger im Sitzen als im Fluge; wo sie aber nicht nisten und auf dem Zuge, sind sie dort eben so scheu wie im mittlern Deutschlands Wie wenig gesellig er ist, wurde schon oben berührt. Wir sahen hier in der Zugzeit selten Truppe von 20 bis 30 Stück, und dies waren dann größtenteils junge Vogel, die alten aber stets entweder einzeln oder höchstens zu 2 bis 5 Stücken beisammen. An den Secküsten zieht er aber in größcrn Schaaren vereint, doch auch lange nicht in so großen, wie viele andere Strandvögel. Selten fliegt ein solcher Vogel mit andern Wasserläufern, am ersten noch mit dem hellfarbigen ssl'. Glottis), dessen Lockton dem seini'gcn am meisten ähnelt; eben so selten sieht mnn ihn im Gefolge von einigen Bruchwasserläufern, dies meistens nur am Brüteorte, wo beide Arten oft nahe beisammen wohnen und da bloß an den Futterplätzen zusammentreffen. Einzelne Junge auf dem Herbstzuge machen nicht selten die Anführer kleinerer Strandläuferarten, wobei diese sich Wohlbefinden, weil sie von den scheuen Gambettwasserläu- fcrn auf jede Gefahr schon von weitem aufmerksam gemacht und, wenn diese zur rechten Zeit die Flucht nehmen, dadurch auch zum Entfliehen gereizt werden. Seine gewöhnliche Stimme, womit einer dem andern zuruft, und die sonst noch mancherlei Bedeutung hat, ist ein hoher, flötender, äußerst wohlklingender Doppelton, welcher nicht anders als durch die Sylbe Dj a oder auch Dj ü (denn der richtige Laut liegt eigentlich zwischen a und u in der Mitte), versinnlicht werden kann, in welcher der Ausdruck auf den letzten Buchstaben gelegt wird, so daß sie sogar oft wie Djaa oder Djüü klingt, besonders wenn sie, wie nicht selten, einzeln ausgerufen wird; denn gewöhnlich ruft er (schnell nach einander) Dja dja dja, oder auch nur Dja da da, indem er in den letzten Sylben das j ganz verschluckt, oder Dja djaa. Noch öfter wiederholt er die Sylbe Dja nur in starker Aufregung, wenn er z. B. aufgescheucht wird, im schnellen Fort- Xik. Ordn. L>VlI. Gatt. 236. Gambett-Wasserläufer. 113 fliegen, oder wenn nach ihm fehlgeschossen wurde, oder wenn einer den andern recht eifrig lockt. Dieser weittönende, erfreuende Laut hat eine große Aehnlichkeit mit dem des hellfarbigen Wasser-, lä ufcrs ssl'. Glottis), ist aber für das geübte Ohr des Kenners sehr leicht an folgenden Abweichungen zu unterscheiden: 1) steht dieser Ruf bei unserm Gambcttwasserläuser in der Stimmung um wenigstens einen ganzen Ton tiefer; 2) wird bei ihm das eigentlich zweitönige (also zweisylbige) Dja so ausgerufen, daß das i zwar etwas hörbar bleibt, doch aber mehr wie ein j klingt; 3) wird der Ton des Ganzen, vorzüglich am Schlüsse, stets mehr gedehnt, oft nicht allein wie Djaa, sondern wie Dja Djaaa, und kömmt so bei jenem nie vor. .— Sehr lang gezogen wird es als Warnungslaut, wenn einer den andern auf eine nahende Gefahr aufmerksam macht, oder in traurigen Angelegenheiten, z. B. beim Neste, wo beide Gatten, sobald ein Feind sich demselben nähert, außerordentlich viel schreien. Ueberhaupt sind die Gambettwasserläufer fast zu allen Zeiten sehr laute Bügel, die bei jeder Aufregung sich hören lassen, so- wol sitzend als fliegend. Sitzend ist ein einzelnes Djaa gewöhnlich das Zeichen eines eben beabsichtigenden Ausbruchs, fröhlicher und mehrmals nacheinander, Dja dja dja, der Ruf, andre ihres Gleichen anzulocken, die es dann fliegend noch häufiger beantworten und im Herabsenken auS der Luft ein zärtliches, allen großem Wasser- läufern eignes, LüS, tück u. s. w. ausstoßen. Raubthiere, auch die kleinen Arten, werden, wenn sie sich an den Brüteorten zeigen, durch sehr hastig und häufig wiederholtes Dja angezeigt, worauf alle Nachbarn der Art herbei eilen, in das Geschrei des ersten einstimmen und den Friedenstörer ängstlich umflattern, bei dergleichen Lärm dann auch die immer regsamen gemeinen Kibitze, wenn solche in der Nähe wohnen, gewiß nicht fehlen. In Schreck und in äußerster Bedrängnis; auSgesioßen, wird jener Ton, wie bei andern großen Arten dieser Gattung, zuweilen ein häßliches Kreischen, in welchem die Stimme gleichsam überschlägt, aber in dieser Entstellung gewöhnlich nicht wiederholt wird. Noch hört man in der Begattungszeit, wo diese muntern Vogel überhaupt viel lauter sind als sonst, eine dem Rufe des dunkelfarbigen Wasserlaufers (1. ttisvus) höchst ähnliche Stimme, welche wie Doit (einsylbig und schnell gesprochen) klingt und leicht zu Täuschungen verleiten kann. -- Von allen vorher beschriebenen Stimmen sehr verschieden, aber denen andrer Wasserläufer ähnlich, ist der Paarungsruf oder Gesang des Männchens, welcher etwa wie Dälidl dlidl dlidl dlidl dlidl 8. Theil. H 114 XU. Ordn. uvu. Gatt. 23V. Gambett-Wasserläufer. u. s. w. klingt und wie ein schwerfälliger Triller (mit einem Uroppo in jeder Sylbe) lange und auch oft hergeleiert wird. Es läßt ihn, wie andere Arten, nur im Fluge hören, wobei es diesen mit vieler Anmuth wechselt und während des Singens meistens ohne Flügelschlag sanft durch die Luft gleitet, dabei wol einen großen Halbkreis beschreibt und immer in einer mittlern Höhe bleibt. Nie zu einer andern Zeit als im Frühjahr, auf dem Zuge sehr selten, auf den Nistplätzen aber sehr häufig und so lange bis die Jungen dem Neste entschlüpft sind, aber nie im Herbste, läßt es diese lauten Töne hören, die nebst den gewöhnlichen Locktönen jene, für so manchen Menschen abschreckende, Gegenden auf eine höchst erfreuende Weise beleben. *) Er ist so wenig wie andere Schnepfenvügel von weichlicher Natur, stirbt deshalb an einer leichten Schußwunde nicht, und gewöhnt sich auch bald an die Gefangenschaft, wo er aber zum Stubenvogel nicht empfohlen werden kann, weil ein Vogel solcher Größe schon viel Schmutz macht. In einem besondern Behälter, worin er Luft und Sonne frei genießen und im Winter vor Kälte geschützt werden kann, hält er längere Zeit aus, wird da aber natürlich nicht so leicht zahm, als wo er sich immer mehr um Menschen befindet. In kleinen gut umschlossenen Gärten, wo keine Katzen hinkommen, hält er sich gut und vertilgt da vieles Gewürm. Nahrung. Diese besteht in Wasserinsekten, besonders in solchen Insektenlarven, welche im Wasser oder im Moraste leben, in kleinen Wasser- schneckchen, Regenwürmern, auch kleinen Käfern und Heuschrecken, an der See auch in kleinen Weichthieren. Pflanzentheilchen, namentlich zarte Spitzen von Conferven und Wassermoosen, welche °)Wiewenig bisher die Sumpfvogel im Lehen beobachtet warm, beweist alleinschon der Umstand, daß kein Schriftsteller noch des so auffallende» als wichtigen Paarung S- rufc» in der Art was er vorstellen soll, als Stellvertreter des Gesangs) erwähnt, welchen doch alle schnepfenartige Vogel ohne Ausnahme besitzen, und welcher in den Gattungen: Potoouü, ^eritis, 1'ringa, r.lmosa, al>or»6r!us, NoeoiLto§ 08 u. a. m. so sehr auffallend ist, das ihn selbst viele Zager als den Ruf kennen, welchen diese Bügel nur allein >n der Begattungszeit hören lassen. Sogar den sehr wolligen des gemeinen Ki- bitzes, von welchem wol zu vermuthen stände, daß er am meisten gekannt sein müsse, hak Niemand beobachtet, obgleich mein Vater lange schon (in der ersten Ausgabe dieses Werks) darauf aufmerksam gemacht hatte. Ich habe daher keine Mühe gescheuet, diese wichtige Thatsache genau zu erforschen, um hier mittheilen zu können, was bisher zum Theil völlig unbekannt geblieben war. X XU. Ordn. Ib-VII. Gatr. 23V. Gambctt-Wasserläufer. 1L5 man unter jenen zuweilen in seinem Magen findet, scheinen blaß zufällig mit verschluckt; aber kleine Kiesel und Sandkörner, "die nie darin fehlen, verschluckt er absichtlich, weil sie vermuthlich die Reibung im Magen befördern sollen. Diese verschiedenen Nahrungsmittel sucht er theils und meistens an den Rändern der Gewässer, im seichten Wasser und Moraste herumwadend, wo er zuweilen so tief hineingeht als es die Länge der Beine erlaubt und auch kurze Strecken schwimmt, wenn sie nicht mehr auf den Grund reichen wollen, wobei er nicht allein alles oben schwimmende Genießbare auffischt, andern auch gar häufig den Kopf tief ins Wasser taucht', um mit dem Schnabel den Grund durchsuchen zu können; theils sucht er sie weit vom Wasser auf kurzabge- weidcten Wiesen und Aengern, selbst auf an diese stoßenden feuchten Acckern. In der Nähe seines Svmmerwohnsitzes besucht er gelegentlich alle kleinen Mvorplätzchen und Wasserpsützen, dies besonders, wo es am Tage zu viel menschlichen Verkehr giebt, des Nachts, welches, wenn man ihn auch nicht da sahe und horte, deutlich genug seine auf dem weichen Boden vielfach abgedruckten Fußtapfen bezeugen, die man des Morgens daselbst findet. Auf Graseängern sucht er besonders die Abends und Morgens hervorkommenden Re- genwürmcr und die im verstreueten Miste des Weideviehes sich aufhaltenden Larven der Mist- und Dungkäfer auf. Im Aufsuchen seiner Nahrungsmittel und zum Theil auch in der Wahl derselben scheint er daher etwas von den andern größern Wasserläufern abzuweichen; doch kennen wir dieser Betragen an den Nistorten zu wenig, um dies mit Sicherheit aussprechen zu können. Denn wenn sich der Gambettwasserläufer in Deutschland hierin den Kibitzen und Kampfläufern anschließt, wie wir an allen Nistplätzen beobachten können, so weicht er auf dem Zuge und da, wo er im Norden hart an der See wohnt, auch wieder bedeutend von diesen, oder doch den erstem ab. Auf trocknen Feldern laßt er sich niemals nieder, es müßte denn zufällig an daselbst vorhandenen Wasser' Pfützen geschehen, dann nur an diesen; denn er ist gewohnt, nur auf feuchtem oder ganz nassem Boden einher zu gehen. Aus der Wanderung nährt er sich einzig nur dicht am Wasser. In der Gefangenschaft.wird er, wie andere verwandte Vögel, an das oft erwähnte Semmel- und Mlchfuttcr gewöhnt und hält sich dabei recht gut. Das Wasser muß ihm, wie jenen, in einem flachen Gefäß vorgesetzt werden, weil er sich gern hinein stellt, um die Füße feucht zu erhalten. 8 " 116 XU. Ord». Gatt. 230. Gambett-Wasserläuser. Fortpflanzung. Was schon im Obigen beim Aufenthalt von seinen Sommer- wohnsitzen und Brüteorten vorläufig gesagt ist, bedarf keiner Wiederholung. In frühern Zeiten, ehe die Cultur noch so tief in die Sümpfe eingedrungen war, nisteten sehr viele Gambettwasscrläufer in unsern Brüchern, wo eS jetzt eine teilweise Austrocknung durch Kunst, und von der Natur begünstigt, nur einer viel geringern Anzahl noch gestattet, doch gehört es keineswegs unter die Seltenheiten, und noch ertönt dort ihr fröhlicher Ruf und Gesang an schönen Frühlingstagen aus vielen Kehlen und mischt sich unter die Stimmen anderer Sumpfbewohner. Nahe an den süßen und salzigen Seen ohnweit Eisleben giebt es auch, noch Stellen, welche ihm Gelegenheit zum Nisten geben, so wie auch noch an einigen andern Orten in unsrer Nachbarschaft. Außer diesen von uns vielfältig beobachteten °) habe ich selbst auch die in der Nahe der Nordsee und an dieser liegenden Brüteorte aufgesucht und die frühern Beobachtungen bestätigt gefunden, daß nämlich diese Bögel am liebsten in der Nähe von Sümpfen, vorzugsweise Süßwassersümpfen, nisten, auch die von Salzwasser nicht ganz verschmähen, aber von allem Sumpf entfernt nur selten nistend vorkommen. Auf Süderoog, einem kleinen grünen Eilande,-ohnfern der Westküste Schleswigs, wohnten z. B. nur wenige Paärchen'"') zwischen den dort in überaus großer Anzahl brütenden Meven und andern Seevögeln, zwischen deren Nestern auch die ihrigen sich befanden, wo weder Kibitze noch Kampfläufer brüteten, die doch sonst am öftersten ihre Nachbarn sind, woselbst es keinen Sumpf gab, auf einem mehrere Hundert Schritte vom Meere entfernten, großen grünen, durch kleine begrasete Hügelchen unebenen Platze, deren jedes fast ein Nest und zwar von den verschiedenartigsten Bögeln trug, so daß Nest an Nest sich reihete und viele mit einem Blicke zu übersehen waren. — Auf Amrom wohnten wenige neben ebenfalls da nistenden Alpenftrand- läufern auf einer längs dem Meere sich ausdehnenden grünen Ebene, welcher nach dem Innern der Insel zu sich Moor und Sumpf anschloß, dicht bei diesen Stellen, auch weit genug vom Meere. Aus Sylt nistete eine Menge dieser Vogel mit sehr vielen Kampfläufern Von uns will heißen, wie überall i» diesein Werk: von meinem Baker, meinen Brudern und mir. o") Vielleicht waren diese wenigen nur aui der übergroßen Menge, welche das nahe Eiderstedt bewohnte, auf diese gegenüberliegende Insel verdrängt. XII. Ordn. I^VÜ. Gatt. 236. Gambett-W asserläufer. 117 zusammen, im flache» Theile der Insel auf den großen Salzwiesen und noch weiter vvm Meere entfernt als dort. Die Halbinsel Deichsand bietet ihnen ähnliche Brüteplätze dar, aber alle, welche ich außer diesen sahe, waren noch viel weiter vom Seestrandc enfl fernt. Aus diesem allen wird ersichtlich, daß dieser Wasserläufer die See sehr wohl entbehren kann. Sobald er im März oder Anfangs 'April an den zu seinen Fortpflanzungsgeschäften sich eignenden Orten angelangt' ist, welches in der Regel paarweise geschiehet, vernimmt man auch bei heiterem Wetter schon den erfreulichen Paarungsrus des Männchens, und bald wird das Plätzchen für das Nest gewählt, wenn nicht erwa zu vieles Wasser, vom Aufgehen des Eises und Schnees her, ihm gebieten, damit noch zu warten; man findet indessen in den meisten Jahren in der Mitte des April schon Eier, die ihm mit den Kibitzeiern und ander» oft von Menschen genommen werden, weshalb das Weibchen mehrere Gelege machen muß, von denen man wol noch im Anfange des Juni welche findet. Das Nest, in einer kleinen Vertiefung, mit wenigen dürren Hälmchen und Grasblättern ausgelegt, bestehend, ist meistens nicht fern vom Wasser zu suchen, und steht entweder auf einer mit Morast umgebenen Binsen- oder Seggenkufe, oder auf Wiesenboden am Rande der Sümpfe, auch wol auf trockenen Wiesen und Acngern, aber doch nie weit vvm Wasser. Dies ist nicht allein bei denen, welche im mittlern Deutschland brüten, sondern auch bei denen in der Nahe der Nordseeküsten Regel, und Abweichungen davon, wie die erwähnte auf Süderoog, sind sehr selten. Es ist so schwer nicht zu finden, wenn man vorher die Vogel aus der Ferne beobachten kann, die dann aber auch den sich nähernden Sucher mit vielem Geschrei umschwärmen, sich auch von Zeit zu Zeit niedersetzen und schreiend herumlaufen, bald wieder auffliegen und jenen, wenn er sich entfernt, noch eine Strecke weiter verfolgen, wenn gleich nicht geläugnet werden kann, daß es stets so angelegt ist, daß man es weit schwerer entdeckt als alle Nester des gemeinen Kibitzes. Am ängstlichsten gcbehrdct sich beim Neste mit den Eiern das Männchen, nachher bei den ausgelaufenen Jungen das Weibchen. Die Eier, stets nie mehr als 4 an der Zahl, sind den Kibrtz- ciern ähnlich, aber etwas kleiner und schlanker, auch von einer mehr gelblichem Grundfarbe, auch die Fleckenfarbe anders, mehr ins Rothbraune übergehend. Hat man sie neben einander, so sind sie leicht von jenen, so auch von den Kampfläufereicrn, gegen welche 118 XII. Ordn. I-VII Gatt. 23V. Gambett-Wasserläuser. die Farbe auch mehr ins Rothgelbliche fällt, zu unterscheiden, obwol ein grünlicher Schein, wie bei allen diesen ähnlichen Eiern der Sumpfvogel, auch denen unsers Wafserläusers nicht ganz fehlt, aber getrocknet oder in Sammlungen sehr bald gänzlich verschwindet. — Sie sind von einer stark kirn- oder kreiselföcmigen Gestalt, das eine Ende sehr spitz zugerundet, das andere sehr stumpf abgerundet, und der stärkste Umfang des Bauches dem letztem am nächsten, doch giebt es darunter auch schlankere, weniger dick und birnförmig aussehende Formen. Ihre Schale ist glatt, von feinem Korn, ohne Glanz; sie hat eine Grundfarbe, welche, an verschiedenen Stücken, aus einem sehr bleichen, bräunlichen Gelb bis zu einem trüben, röthlichen Ochergelb variirt, so daß sie bei manchen fast schmutzig- getblichweiß, bei andern fast röthlich rostgelb ist, wobei diese Eier aber in allen Abstufungen, frisch, nicht ohne einen olivengrünlichen Schein sind, welcher sich im getrockneten Zustande rein verliert. Auf diesem Grunde bemerkt man nun unter der Oberstäche der Schale wenige Flecke, aber viele Punkte von rölhlichem Grau, die wie die dunkelrothbraunen oder röthlichschwarzbraumn Punkte, Klere, Tüpfel und Flecke der Außenfläche die Grundfarbe etwas verdüstern; denn diese Zeichnungen sind bald seiner, bald gröber, bald dichter, bald sparsamer meist über das ganze Ei verstreuet, bei vielen aber am stumpfen Ende größer als am entgegengesetzten, oder hier auch in einen, oft sehr stark gezeichneten, Fleckenkranz zusammengeflossen. Sie weichen demnach in der Zeichnung noch mehr als in der Grundfarbe ab, sind aber nicht leicht mit andern zu verwechseln. Da diese Eier an zugänglichen Orten häufig mit andern Sumpf- vögeleiern zum Verspeisen eingesammelt werden, so ist das Weibchen gar oft gezwungen, mehrere Gelege zu machen, ehe es zum Brüten kommen kann, wo man dann zuletzt zuweilen nur 3 Eier in einem Neste findet. Es brütet ziemlich anhaltend, besonders in der letzten Zeit, und nach 14 bis 16 Tagen entschlüpfen die Jungen schon den Eiern. Wenn Alles glücklich geht, giebt es zu Anfang des Mai schon ausgelaufene Junge, durch Unglück veranlaßt aber auch im Juni noch ganz kleine. Sie laufen, sobald sie trocken geworden, unter Leitung der zärtlich für sie besorgten Mutter, sogleich aus dem Neste, um nie wieder in dasselbe zurückzukehren, lernen von ihr die Nahrung sich selbst suchen, indem sie ihnen jedes aufgefundene Würmchen anfänglich vorlegt, und wissen sich in Gefahren so geschickt zu verbergen und so fest zu liegen, daß sie sich «her er- XH.Ordn. Gatt. 23V. Gambett-Wasserläufer. 119 treten lassen als fortlaufen und von Menschen nur selten aufgefunden werden können, obgleich die Mutter durch ihr ununterbrochenes Schreien und ihre höchst ängstlichen Gebchrden dem Suchenden deutlich genug die Stelle anzeigt, wo sich ihre Kleinen verborgen halten, wobei jene, ihrer sonstigen Vorsichtigkeit ganz entgegen, den Feind oft ganz nahe umflattert und in der Verzweiflung ihre eigene Sicherheit aufs Spiel setzt. Der Vater nimmt hier zwar auch Theil an der Noth, worin sich die Familie befindet, und äußert dies laut genug, doch ist er bei weitem mehr auf seiner Hut und lange nicht so dreist und so besorgt als jene, und als er es merkwürdiger Weise bei den Eiern war, wo wie bei andern ähnlichen Vögeln ein umgekehrtes Verhältniß Statt findet. Die Jungen werden gewöhnlich an solche Ort» geführt, wo sich Verstecke genug finden, wo sie vor plötzlichen Ueberfällen der Feinde einigermaßen geschützt sind, aber auch zugleich Futter in Menge haben können. Sie sind daher den Tag über gewöhnlich zwischen den Kufen und wo der Morast lauter kleine Hügelchen und Vertiefungen bildet, um sich in Gefahren sogleich zwischen solche niederdrücken zu können, aber in hohes dichtes Gras gehen sie nicht. Ost stecken sie tief in diesen Sumpfgesilden zwischen schon ziemlich begrünten Kufen und an Plätzen, wo das Wasser viel zu tief ist, als daß sie durchwaden könnten, wo sie daher oft durchschwimmen müssen. Gegen Abend lassen sie sich gewöhnlich aus etwas freieren Plätzen sehen, aber an die ganz freien Ufer kommen sie erst, wenn sie völlig flugbar sind. Dies dauert übrigens nicht lange; denn kaum einige Tage alt keimen schon die großen Flügeldeckfedern hervor, denen die der Schultern, des Rückens und der Brust, des Schwanzes, Kopfes und zuletzt des Halses folgen; nun erst nennt man sie flugbar, worüber etwa vom Auskriechen aus dem Neste an 3 , selten bis 4 Wochen vergehen. Sobald sie flüchtig genug sind, legen sie die Gewohnheit, sich vor ihren Feinden zu drücken, gänzlich ab; sie fliehen sie nun schon von ferne, wie die Alten, doch er- fahrungsarmer, sind sie noch nicht so scheu wie diese. Sie vereinigen sich nun bald in kleinere und größere Gesellschaften und verlassen die Geburtsorte, von welchen sich früher schon ihre Aeltern ebenfalls wegbegeben hatten, und man sieht solche Vogel nun zwar immer noch an den Gewässern in solchen Brütegegenden, aber an freieren Ufern und über einen größeren Umfang zerstreuet, bis sie sich im August völlig wegbegeben. 120 XU- Ordn. Gatt. 230. Garn bet t-Wasser laufer. Feinde. Ost muß auch dieser muntere und flüchtige Vogel den ediern Falkenarten zur Beute dienen; wir sahen dies namentlich vom Taubenfalken ^vrv^riuus) und fanden mehrmals die Ueberbleibsel von Raubvogeln aufgefressener Gambcttwasserlauser, Unter vielem Schreien strengt ein so hart Verfolgter alle Kräfte an, um im schnellsten und gewandtesten Fluge den Stößen des pfeilschnellen Edelfalken auszuweichen, ermüdet aber gewöhnlich und ist verloren, wenn er nicht ein Wasser erreichen, sich in dasselbe hineinstürzen und durch Untertauchen retten kann, welches er auch möglichst schnell auszuführen sucht. Seine Brüt hat an den oft in seiner Nahe wohnenden Weihen sehr gefährliche Feinde, sowol rukus als kfl und vüiornoeus rauben ihm die Eier und Jungen, die sich auf ein gegebenes Zeichen der Alten gewöhnlich still niederdrücken, ihr einziges Rettungsmittel, da sie dann oft von jenen übersehen werden. — Die Natur sorgt überall sehr weise für die Erhaltung ihrer Wesen. Darum gab sie auch allen jungen Wasserläufern ein, von oben gesehen, düster gefärbtes und geflecktes Dunenkleid, welches aussieht wie die Umgebungen, zwischen welchen sie sich aufzuhalten pflegen, sie daher schwer entdecken läßt, sobald sie sich, wie sie beim Erblicken eines Feindes instinctmäßig thun, regungslos niederdrücken. Es durste dieses Dunenkleid am Unter- rücken und Bürzel nicht weiß sein, wie es das nachherige Federkleid ist und alle folgenden sind, weil dies helle Weiß sie sogleich ihren Feinden verrathen würde; erst dann werden diese Theile weiß, wenn ihre Schulter- und Flügelftdern groß genug sind, um in solchen Fallen jenes damit ganz verdecken zu können. Dies thun denn auch die Erwachsenen gewöhnlich, wenn sie ein Raubvogel überrascht, und liegen so still, bis die Gefahr vorüber ist, der einzige Fall, wo sie sich vor ihrem Feinde niederdrücken. Die Eier und zarten Jungen werden ihnen gar oft von Raben und Krähen, in den Scegegenden von großen Meven und Meerschwalben wcggekapert, und doch nisten sie dort oft ganz in der Nähe der letztem. In unsern Brüchern erschleichen Fuchs, Iltis und Wiesel hin und wieder einen Alten, noch öfter vernichten sie aber Eier oder Junge. Lassen sich diese Nachtschleicher ein Mal am Tage in solchen Gegenden blicken, so werden sie mit jämmerlichem Schreien verfolgt, wobei sich besonders auch die nahewoh- nenden Kiebitze einsinden, oder- gewöhnlicher noch, den Lärm begin- XII. Ordn. l^VII Gatt. 230. Gam bett - Wasserläufer. 121 nen. Daß ihnen die Eier häufig von Menschen absichtlich geraubt werden, ist oben schon erwähnt worden. In ihrem Gefieder wohnen verschiedenartige, auch auf andern Vögeln aus der großen Schnepfenfamilie vorkommende Schma- rotzerinsekten, so wie in den Eingeweiden der veränderliche Bandwurm, Irrenia vuriaiülis. Zag d. Auf dem Freien hält ein solcher Vogel nie zum Schuß aus, nur in wenigen Fällen dann, wenn er zwischen oder auf den Kufen steht und der Schütze ihn nicht anstarrt, im Gegentheil den Schein annimmt, als sähe er ihn gar nicht, und ginge er andern Geschäften nach, wobei er sich dann vorübergehend zu nähern suchen muß. Vor den herannahenden Menschen versucht er weder sich zu verstek- ken, noch sich niederdrücken, sondern steht bloß stockstill, bis er glaubt, daß es Zeit zum Abfliegen sei, welches fast immer mit Geschrei und in einer Entfernung geschieht, wo ihn der Schuß auch des besten Gewehres nicht mehr erreichen kann. Steht er an ganz freien Ufern, so kann er nur ungesehen beschlichen und, wo es der Boden gestattet, aus dem Bauche rutschend angekrochen werden. Am leichtesten ist er Abends auf dem Anstande aus einem Erdloche, oder auch beim Neste und bei den Jungen zu erlegen, dies Letztere jedoch auch nicht allenthalben; denn wo sie besonders oft beunruhigt werden, wie in den Brüchern Mitteldeutschlands, halten sie sich auch hier meistens außer Schußweite; dagegen kommen aber solche, welche selten den Knall eines Gewehres an ihren Sommerwohnsitzen hörten, wie die in der Nähe der See meistens, bei Eiern oder Zungen dem Schützen so nahe, daß sie dieser beim Umschwärmen wenigstens im Fluge mit leichter Mühe herabschießen kann. Bei meinen Kreuz- und Leerzügen an der Nordsee hatte ich gar oft das Vergnügen, diese sonst so scheuen Vogel bei ihren Nestern so nahe zu haben, daß bei den an mir vorüberfliegenden die feinsten Zeichnungen des Gefieders zu erkennen waren, deshalb ich nur solche für den Schuß auswählen konnte, deren Aussehen mich besonders interessirte; sitzenden war indessen auch dort viel schwerer beizukommen. In den oft erwähnten Laufschlingen sind sie leicht zu fangen, °den so auf dem Wasserschnepfenheerde, wo sie der Lockpfeife gern folgen. Diese wird am besten von Messing oder Kupfer verfertigt, oder aus Knochen gedrechselt; sie hat ein Fingerloch, vermittelst dessen der l22 XII. Ordn. illVII. Gatt. 230. Gambett-Wasserläufer. Doppelton hervorgehracht mied, aus welchem ihr Lockruf besteht; wer indessen rein und laut genug mit dem Munde pfeifen kann, kömmt viel besser weg, weil sich das Djaa viel leichter auf diese Art als mit der Pfeife hervorbringen läßt und von der genauesten Nachahmung das Gelingen des Fanges abhängt. Nutzen. Auch dieser Vogel gehört, seines wohlschmeckenden Fleisches wegen, unter diejenigen, welchen man deshalb sehr nachstellt; es ist besonders von jungen Vögeln im August und September außerordentlich zart, meistens sehr sett und viel schmackhafter als das der Alten, zumal in der Brütezcit. Der Braten, welchen ein fetter junger Herbstvogel giebt, ist kaum mit dem von einem magern Früh- lingsvogcl zu vergleichen, und steht tief unter jenem. Die Eier sind sehr zart und wohlschmeckend, darin den Kibitz- eiern ähnlich, weshalb sie von Kindern und armen Leuten häufig aufgesucht, und mit jenen und unter demselben Namen zum Verkauf auf die Märkte gebracht und von Leckermäulern theuer bezahlt werden. In Gegenden an der Nordsee, wo sie nicht häufig sind, hält man das Einsammeln derselben nicht der Mühe werth, wol aber, wo sie in bedeutenderer Menge vorkommen, wie z. B. im Eiderstedt. Durch sein munteres Wesen und seine flötende Stimme belebt er die sumpfigen und zum Theil recht häßlichen Gegenden auf eine sehr angenehme Weise. Schaden. Er schadet so wenig wie irgend eine andere Wasserläuferart. /E/V, 7. ^'lt iii,n«'i'ic1. 2. > .7. 5- 7-»„ MM I » ^WMchK MK ÄMK ZWW ASM", 231 Der dunkelfarbige Wasserläufer. i Fig. 1. Sommerkleid. Taf. 800. / Fig. 2. Erstes Winterkleid. E Fig. 3. Jugendkleid. Dunkelbrauner —, gefleckter —, schwimmender Wafferläufer; dunkelbraune —, gewölkte —, graue —, gefleckte —, große roth- füßige Schnepfe; Curländische Schnepfe; Strandschnepse, gefleckte Strandschnepfe; braune —, graue —, bunte Uferschnepfe; schwimmende Uferschnepfe; Schwimmschnepfe; gefleckte —bunte—, roth- beinige Pfuhlschnepfe; langfüßiger Strandläufer; Rothbein, Roth- schenkel; Meerhuhn, Meerhähnel; Viertelsgrüel; Zipter; bei ^den Wägern hier im Lande: Großer Rothschenkel. /«rc«». Leisler Nachträge zu Dechll. Naturg. Heft II. S. 45. ----- vru. II. p. 5S- ll. 167. (ohne Erwähnung de» wahren Winterkleider, wofür dar Jugendklcid geonmmen ist.) — Drü-Fa T'ota-i»». Meyer, Dög. Liv- und Esthland». S. 260. — )--?». MeiLner und Schin» Vög. der Schweiz. S- 216. n. 264. ---- Wolf ». Meyer, Bog. Deutschl. Heft 16. (2 Abbstd. nämlich vom Sommer- u. vom Jugendkleide). ----- Deren Taschenb. k>S. 366. (Alle 3 Kleider beschrieben, aber da» Jugendkl. als 2iLhriger, da» Dinterkl. alt junger Vogel, da» Sommerkl. allein richtig). — ar- -remillin-Ic Man. „o„r. Lllit. II. I>. 639. ----- cAro-tNro. 8-vi, «roll. 1'»- ii. p. ztzg. (vollständig u. gut beschr.). — Koch, aier. Zool. I. S. 298. «- 186. (bloß da» Jugendkleid deutlich beschr.). ----- Brehm, Beitr. III. S.48«. ^ Dessen Lehrb. II- S. 597. ---- Dessen Naturg. a. V. D. S. 63s. ----- Glogcr, Echlesten» Fauna, S- 45. ----- Naumann'» Bog. alte Au»g. III. S. 36. S. 69. n. Nachtr. S. 59. (ohne Kenntniß des Winterkleid«»). Sommerkleid. Tat««»» Bechstein, ornith. Taschenb. II. S. 286. n. 3. ---. Dellen -aturg. Deutschl. IV. S. 212. ----- Lcoko^eex /«»ca. Kmel. 1-iun. »r«t. I. 2. x. 657. 124 XII. Ordn. QVH. Gatt. 23!. Dunkelfarb. Wassert. u. 5. ----- Netr. ^aun. suee. p. 173. v. 138. ----- I^uu. !. o. p 673. v. 26. ----- Inä. II. p. 724. u. 35. et 738. u. 43. ----- 1.« K^r^-re. LllE Ois. VII. p. 508. — Rält. 6. üeuxp. XIV. p. 24l. !a. plQrivti «vl. 875. ----- -8?rr^ie. 8zu. V. p. 155. u. 30. — Uebcrs. v. Dech stelN, III. 1. S. 126. N. 30. ----- Hi!>. «)». 8«p;>!. II p. 313. — uebers. v. Bechstein, III. 1. S. 165- n. 43. ----- 8exp, ZVeäerk. VoK. !ll. t. p. 257. — Frisch, Vög. Taf. 236. ----- Naii riitNiir'v Vög. alte Auäg. Nachtr. Taf. XXXVII. Fig. 74. W i n t e r k l e.i ü. VotüttttL -ra/a-rs. Bechstein, Ovnitl). Taschenb. II. S. 286. (die beigefügte schlechte Abbild, zeigt den Vogel im Uebergangökleive). ---- Dessen Naturg. Deutschl. IV. S. 227. ----- Hco/o/rrr.v -/«/«»>?. Otto Uebers. v. Buff. Vög. XXVI. S. 234. ----- ca/rtaör'rFrensrs. Omk-I. 1-iuu. 8zst. I. 2. p. 668. u. 45. ----- -8c«/o/,ttx eur'oAroa. 6kwe1. 1>iun. I. «. p. 669. u. 46. ----- 8<»«- uiu! oouv. Läit. üv Lukkou 0!r». XXII. p. 102. (Nach Besecke in den Schriften der Berliner naturf. Gesellsch. VII. S. 462. u. dessen Vög. Curlands, S. 62. n. 2.) ------ La arrx xreei» , ott^e>5. Ovrard. I'üli. öleru. II. p. 236. ----- L-rr^e. l^atk s^o. Kupp. II. p. 310. — Uebers. v. Bechstein, III. 1. S. 130. n. 37. ------ ^r'tte ä'/T'a-rc^/so^ie^. 8epp. Xeäorl. Vox. II. k. p. 267. Z u g e n d k l c i d. «rserr////«§. Bechstein, Orn. Taschenb. II. S. 284. ». 1. ----- Dessen Naturg. Deutschl. IV. S. 203. ----- 7o/Mrn§. 6me1. L-inu. Kxst. I. 2. x. 665. o. 12. ----- 1-stt«. luä. II. j>. 721. u. 24. ----- L/rs//^ l?euu. urot. Lool. n. p. 467. ll. 374. — Uebers. v. Zimmermann, II. S. 434. n. 291. ------ L.stk. sz'u. V. S- 149. n. 19. — Uebers. v. Bechstein, III. 1. S. 126. n. 19. Hrotteck /reäsLtt-rL. SEelc, lrrit. Lirü«. II. x. 88. ----- Naumaiin'ö Vög. alte AuSg. HI. Taf. ^III. Fig. 8. Kennzeichen der Art. Die Wurzel des Schnabels nur unten roth; die Füße in der Jugend hell gelbroth, im Winter gelbroth, im Sommer rothbraun; die mittlern Schwungfedern bloß mit weißen Randflecken. Beschreibung. Dieser Wasserläufer gehört unter die Arten, über welche bei frühern Schriftstellern große Verwirrung herrschte, weil sie die Doppelmauser nicht ahndeten und die Veränderungen in der Färbung nach Alter und Jahreszeit nicht zu unterscheiden wußten, deshalb für mehrere Arten hielten, was nur zu einer gehört, bis spätere Entdek- kungen (namentlich die eines Leisler) zu einer bessern und richtigen Ansicht führten. Er ähnelt der vorigen Art besonders in Hinsicht der Fußfarbe, die auch roth (obwol von einem ganz andern Farbeton) ist, weshalb er auch Rothschenkel heißt, doch mit dem Zusätze „der große", denn er ist bedeutend größer als voriger X!I. Ordn. I.VH Gatt. 231. Dunkelfarb. Wassert. 125 (kleiner Nothschenkel genannt) und darin dem folgenden (1- Glottis) ähnlich, zudem auch hochbeiniger als 1. «alickris, der Schnabel viel länger, an der Spitze anders gestaltet, diese kurz, aber merklich herabgcbogen, und dann der Mittelflügel ohne jenes viele, leuchtende Weiß an den Federenden. Wer daher beide Arten nur einmal in der Natur gesehen hat, möchte sie rool schwerlich mit einander verwechseln können; Größe und Flügelfärbung unterscheiden beide sogar schon in der Ferne. Mit andern Arten, namentlich mit 1. Klottis, ist er gar nicht zu verwechseln, allein schon wegen der ganz andern Fußfarbe, die auch im getrockneten Zustande bei beiden höchst verschieden bleibt. Unser Wasserlaufer hat ohngefähr die Größe einer Misteldrossel oder höchstens einer Turteltaube, freilich aber eine durchaus andere Gestalt, wenn man die hohen Beine, den dünnen Hals, den langen Schnabel und den (mit jenen Vögeln verglichen) nur kurzen Schwanz betrachtet. Seine Länge betragt 11 bis 11?/» Zoll; die Flugbreite 22 bis 23^ Zoll; die Länge des Flügels vom Handgelenk bis zur Spitze 7 Zoll; die Schwanzlänge 3 bis 3^ Zoll, und die ruhenden Flügel reichen mit ihren Spitzen bis an sein Ende oder noch ein wenig über dasselbe hinaus. Die ziemlich langen, sehr spitzen Flügel haben eben so gestaltete Federn wie die anderer ächter Wafferläufer, ihr Hinterrand ist tief mondförmig ausgeschnitten und die Hintere Flügelspitze so lang, daß sie, bei zusammengelegtem Flügel, bis auf die Spitze der vierten großen Schwingfeder erster Ordnung reicht, von welchen die erste aller am längsten ist, wenn man jenes rudimentartige kleine Schwing- federchen vor ihr, das keinem schnepfenartigen Vogel fehlt, nämlich, wie gewöhnlich, nicht mitzählt. Der Schwanz ist kurz, am Ende abgerundet, die Mittelfedern fast einen Viertelzoll länger als die 4äußersten, welchem der Länge weniger verschieden sind als die andern; seine Federn etwas breit mit üugerundetem Ende. Das übrige Gefieder, an Brust und Bauch ausgenommen, ist wie an den andern Arten dieser Gattung, geschlossen und seidenartig weich, an jenen Theilen aber ganz anders, viel dichter und pelzartig, wie bei meven- oder seeschwalbenartr- 3en Vogeln. Der Schnabel ist sehr gestreckt, lang, dünn, gerade, an der spitze zu beiden Theilen etwas abwärts gekrümmt, doch die des ^berschnabels ein wenig über die des untern hinweggreifenv, die Spitze aber überhaupt sehr schmal und gar nicht aufgetrieben, die 126 XII. Ordn. I^VII. Gatt. M1. Dunkelfarb. Wassert. Schneidendes Schnabels eingezogen, daher beide Theile gerundet, besonders an den letzten beiden Drittheilen; die Nasenfurche schmal, nicht bis zur Mitte des Schnabels vorreichend, die an den Seiten der Unterkinnlade noch kürzer. Die Schnabellänge ist verschieden, in der Regel bei jungen Vögeln am kürzesten, von 2 Zoll 2 Linien bis zu 2 Zoll 9 Linien; an der Wurzel ist er fast 3^ Linien hoch und nur 2 1/2 Linien breit. Von Farbe, ist er glänzend schwarz, an der Wurzel der Unterkinnlade hochrvth, welches sich gegen die Mitte hin völlig verliert, und wovon am Oberschnabel sich keine Spur findet. Bei jüngern Vogeln unter ein Vierteljahr alt fällt dies Roth etwas ins Gelbrothe und die weiche Haut um die Nasenlöcher ins Schwarzgrünlicke. Der innere Schnabel ist schwarz, Rachen und Zunge blaß gelbroth. Die Nasenlöcher sind B /2 Linien lange Nitzchen, in einer weichen, hinten ein wenig aufgetriebenen Haut liegend, und gegen 2 Linien'von der Stirn entfernt. Das lebhafte, aber nicht große, Auge hat eine sehr dunkle Iris vom tiefsten Braun; die Augenli- derränvchen sind von außen weiß befiedert. Die Füße sind hoch und schlank, weit über die Ferse hinauf nackt, die Zehen mittellang und dünn, die äußere und mittlere mit einer großen, die mittlere und innere mit einer kleinen Spannhaut an der Wurzel; die Hinterzeh kurz, schwächlich, nicht sehr hoch am Laufe eingelenkt, doch stehenden Fußes kaum den Boden berührend. Der Ueberzug ist an den Schienbeinen und Läufen vorn herab in eine Reihe größerer, auf der Hinterseite in eine Reihe kleinerer Schilder seicht gekerbt, die Zehenrücken geschildert, Alles weich anzufühlen. Die Krallen sind klein, schmal, sehr wenig gebogen, unten etwas ausgehöhlt und die innere Schneide der an der Mittelzeh etwas vorstehend. Der nackte Theil der Schiene mißt 1^4 bis fast . 1^/2 Zoll; der Lauf von 2 bis etwas über 2^/2 Zoll; die Mittelzeh, nebst der 3 Linien langen Kralle, 1 Zoll 7 bis 8 Linien; die Hinterzeh, nebst der 1 Linie langen Kralle, 4 Linien in die Länge. Die Länge der Füße wie des Schnabels variirt bei verschiedenen Individuen oft sehr bedeutend. Die Farbe der Füße ist nach Alter und Jahreszeit sehr verschieden, in früher Jugend blaß rothgelb, etwas röther oder matt orangeroth bis zum Ablegen des Jugendkleides, im Winter mennig- roth, doch auch hier von einer viel blassem Farbe als bei l'. «»' lickris; im Frühjahr zeigen sich braune Flecke in der gelbrothen Farbe, welche sich nach und nach verbreiten und endlich die letztere ganz XU. Ordn. L.VII. Gatt. 231. Dunkelfarb. Wassert. 127 verdrängen, bis endlich ein dunkles Nothbraün oder röthliches Dunkelbraun an die Stelle der ersten Farbe tritt, der Vogel im vollen Hochzeitsgewande also mit so dunkel gefärbten Füßen erscheint, daß man jene Verwandlung kaum für wahrscheinlich halten möchte. Man könnte diese dunkle Farbenmischung auch Schwarzbraun mit durchscheinendem Roth nennen. Zu Ende des Juli fangen sie an sich wieder zu entfärben, sie werden nach und nach lichter, gelbröthlicher und im August und September wieder völlig so licht gelbroth, wie sie im ersten Winter waren. Im getrockneten Zustande werden sie am Herbst- und Wintervogel röthlich Horngelb, am Frühlingsvogel braunschwarz. Die Krallen sind stets schwarz, am dunkelsten bei alten Vögeln. Das Jugendkleid ist dasjenige, in welchem diese Vogel am öftersten im mittlern Deutschland vorkommen, daher das bekannteste. In ihm zieht sich vom Schnabel an über das Auge hinweg ein weißer Streif, auch eine schmale Umgebung des Auges und das Kinn sind rein weiß; dieZügel braunschwarz; der Oberkopf schwarzbraun, meist ungefleckt, zuweilen auch mit einzelnen weißlichen Seitenkänt- chen; die Wangen matt dunkelbraun und weiß durch einander gestreift und gefleckt; der ganze Hinterhals bräunlich schwarzgrau, bräunlichweiß gestreift und gefleckt; der Vorderhals eben so, aber viel bleicher und das Weiße vorherrschender, am meisten an der Obergurgel und Kehle, in der Kropfgegend aber in eine allgemein alle untern Theile bis an den After einnehmende Zeichnung übergehend, die auf einem schmutzig weißen Grunde in zahllosen Fleckchen, Wellenlinien und Zickzacks besteht, die bald einzelner, bald dichter stehen, am stärksten aber an den Tragefedern vorkommen, während die Mitte der Unterbrust und die Unterschenkel am bleichsten, feinsten und sparsamsten bezeichnet sind.") Oberrücken, Schultern und die Federn der Hintern Flügelspitze sind tief schwarzbraun, am dunkelsten an den Federkanten, mit einem schwachen grünlichen und purpur- röthlichen Seidenglanze und vielen, meist dreieckigen bräunlichweißen Randflecken, die an den größesten Federn wie Sägezacken aussehen, weil sie in abgemessene Abstände geregelt sind; die Flügeldeckfedern eben so, nur etwas lichter und auch stärker und dichter gefleckt; die Fittichdeckfedern braunschwarz, mit weißen Spitzenkanten; von den ") Da keine ander« inländische Wasscrlänferact eine ähnliche gescheckte oder marmo- *"'te (jarpirtc) Zeichnung an diesen Theile» bat und bei alle» andern die Witte der Brust ,„,d der Bauch rein weiß sind, so macht sie unsern jungen Vogel sehr kenntlich. 128 XU- Ordn. L>VL!. Gatt. 231. Dunkelfarb. Wassert. braunschwarzen großen Schwungfedern hat die erste einen weißen Schaft, die andern dunkelbraune, die ersten fünf am Rande der Innenfahne wurzelwärts eine, an der zweiten, dritten und so fort sich vergrößernde, weißgraue, schwarzbraun bespritzte Stelle, aus welcher sich nach und nach weiße Zackenflecke bilden, die an den Schwingsedern zweiter Ordnung nicht allein die ganze Länge der Innenfahne, sondern auch die Kante der Außenfahne bezeichnen und an den Enden der Federn bänderartig durch diese laufen, und der Rand des Mittelflügels erhalt dadurch eine sehr gescheckte Zeichnung, ohne daß das Weiße große Flächen bedeckt. Auf der Unterseite hat der Flügel folgende Zeichnung: Die Schwingsedern weißgrau, mit dunkelgrauen Binden durchzogen und die großen mit solchen Enden; alle kleinen Flügeldeckfedern schwarzgrau, weiß gekantet, wie geschuppt, alle großen und die langen unter der Achsel rein weiß. Der Unterrücken ist rein weiß und ungefleckt; auf dem Bürzel zeigen sich im Weißen braunschwarze Querflecke, die sich bald bänderartig gestalten, immer breiter werden und an den Oberschwanzdcckfedern die Oberhand gewinnen, so daß diese braunschwarz, mit weißen Bändern durchzogen, erscheinen; auch die Unterschwanzdeckfedern sind ähnlich gebändert, aber mit bleicherem Schwarzbraun und mehr vorherrschendem Weiß als Grundfarbe. Die mittlern Schwanzfedern sind braunschwarz, neben dem schwarzen Schafte am lichtesten, am Rande aber mit sagezackigen, dreieckigen, weißen Flecken, die an den nächstfolgenden Federn schon ansangen bänderartig zu werden und an den äußersten nach und nach in, eine weißgebänderte Zeichnung übergehen. Die Füße sind bleich orangeroth. Beide Geschlechter sind ganz gleich gefärbt; allein man findet unter diesen jungen Vögeln mancherlei Abweichungen, die sich besonders an den untern Körpertheilen zeigen und vom Kinn bis an den Schwanz erstrecken, hauptsäcklich aber in einem mehr oder weniger Geflecktsein dieser Theile bestehen, indem bei manchen Individuen die Flecke sehr dicht, bei andern sehr einzeln stehen, mehr oder weniger wellenförmig oder verworrener aussehen, bei einigen eine ziemlich dunkle, bei andern eine sehr bleiche Farbe u. s. w., auch manche an der Brust und dem Bauche noch einen gclbbräun- lichen Ueberflug haben. Später verbleichen auch die Farben, was selbst an den obern Theilen sehr bemerklich wird. Aus diesem dunkeln Iugendkleide gehen nun diese Vögel durch ihre erste Herbstmauser in ein ganz anders gefärbtes, viel lichteres Gewand über, das sie aber so spät im Jahre und erst dann erhal- XU. Ordn. LVI1. Gatt. 231. Dunkelfarb. Wasserl. 129 ten, wenn sie unter einem südlichern Himmel leben, so daß wir es in Deutschland fast nie, wenigstens nie rein vermausert bekommen. Dieses erste Winterkleids das hellfarbigste von allen, hak folgende Farben L Ein Streif vom Schnabel über das Auge bis an die Schläfe, ein kleiner Augenkreis, Kinn, Kehle und Mitte der Gurgel sind rein weiß; die Zügel stark dunkel aschgrau gefleckt; die Stirn lichtgrau, in einem schmalen Streife dunkler gefleckt; der Scheitel dunkel aschgrau; Wangen und Halsseiten auf weißem Grunde licht aschgrau, in einer ineinanderfließenden Zeichnung, dicht gestreift Und gefleckt; die Kropfgegend nur schwach grau gewölkt und vorn, wie Brust, Bauch und Schenkel, schneeweiß; die obern Trag- sedern schwach grau gewölkt, weiter hinab, wie die untern Schwanz- deckftvern, aN dett Seiten entlang Mit einzelnen schwachen lichtgrauen Wellenflecken; Halswurzel, Oberrücken und Schultern schön und rein hell aschfarbig, mit sehr feinen weißen Federsäumchen und wenig bemerkbaren, haarähnlich feinen, schwärzlichen Schäften; Untertücken, Bürzel, Schwanz und Flügel wie im Zugendkleide, zwischen den sehr verbleichten Flügeldeckfedern Nur wenige aschgraue, mit einem schwärzlichen Zeichen vor dem weißen Endsaume versehene neue Federn, so daß selbst noch in das nächste (dfls erste) Frühlingskleid die Meisten Flügelveckfedern vom Zugendkleide mit hinüber genommen werden, und bis zur nächsten Hauptmauser, also, wie Schwing- und Schwanzfedern, ein volles Jahr aushalten müssen. Die Füße find schön örangeroth. Der Vogel in diesem Gewände ist sehr schön und dieses so abweichend von den, andern, daß, wenn nicht die Uebergangskleider (die bei UNs säst öfter vorkommen als rein ausgeMauserte) das Gegentheil bezeugten, es wol zu entschuldigen war, wenn der keine Wintervogel von Unkundigen für eine besondere Art gehalten wurde. Nöch schöner ist dieser Wasserläufer in seinem zweiten Winterkleidc und w allen folgenden. Zn diesen ist das Aschgrau der obern theile noch weit schöner UNd stark ins Bläuliche gehalten, gerade wie aM Mantel Mancher Meven, z. B. bei I^nruZ trläuotzssus § ein reines Aschblau, also dunkler als am erstbeschnebenett; aber keineswegs ist diese schöne Aschfarbe, weder des jungen noch des alten Vogels, ^iefgrau zu nenNen, eine Benennung, welche nur einen falschen Begriff von einer Farbe giebt, die kein anderer Strand- Und Was serlaufer so schön auszuweisen hat, als der gegenwärtige. Außerdem finden sich am alten Bögel in diesem Kleide auch noch in der Kropf- öegend sehr kleine schwarze Schastfleckchett, auf dem Weißen UNd 13Y XII. Ordn. L.VII. Gatt. 231. Dunkelsarb. Wasser!. blaßgrau gewalkten Grunde, und die Flügeldeckfedern sind bei ihm ebenfalls bläulich aschgrau, aber etwas lichter als der Rücken, mit schwarzen Schäften und einem gebogenen schwärzlichen Querstrich vor der weißen Kante. Ein äußerlicher Unterschied zwischen Männchen und Weibchen ist hier so wenig aufzufinden als im Jugendkleide. Das Frühlings- oder Hochzeitskleid ist das dunkelste von allen. Die Art kömmt darin im mittlern Deutschland darum kaum weniger selten vor, als in dem hellfarbigen Winterkleide, weil diese Vogel im Frühjahr nur sehr einzeln durch unsere Gegenden nach dem Norden zurückkehren. Hier die Beschreibung desselben: Das untere Augenlid ist weiß, sonst der ganze Kopf, Hals, Brust, Tragfedern, Schenkel und Bauch schkeferfarbig oder tief dunkelaschgrau, Brust - und Bauchsedern mit sehr feinen grauweißen Endsäumchen, welche aber nur in der Nähe bemerkbar sind; die untern Deckfedem des Schwanzes schieferfarbig, bald nur mit einzelnen weißen Tüpfeln, bald mit mehreren solchen, welche fast Wellenstreife bilden, jenes bei sehr alten, dieses bei jüngern Individuen; Oberrücken, Schultern, Hintern langen Schwingfedern und fast alle größern Flügel- ! deckfedem dunkel braunschwarz, mit schwachem grünlichen Seiden- t glänze, jede Feder mit einigen oder mehreren Tüpfeln und dreieckigen Flecken am Rande und schmalen Säumchen an der Spitze, welche weiß sind; der Unterrücken rein weiß; Bürzel und obere Schwanzdecke weiß, bräunlichschwarzgrau gebändert; die Schwanzfedern in der Mitte dunkelgrau, an den Rändern mit braunschwarzen und dreieckigen weißen Flecken abwechselnd besetzt; das Uebrige wie am Jugendkleide; die Füße schwarzbraun mit durchscheinendem Roth. Das erste Frühlingskleid ist an den bunten Oberflügeln, die stets noch viele Federn vom Jugendkleide haben, und woselbst auch vom Winterkleide welche zurückblieben, indem nicht einmal alle größern Deckfedem neue sind, leicht von dem zweiten und allen älterer Bögel zu unterscheiden; denn bei diesen hatauch der Mittelflügel fast lauter neue, an den Rändern weißgetüpfelte Federn, und wo noch alte vorhanden sind, so sind dies graue (zwar in Braungrau abgeschossene) vom letzten Winterkleide her. An solchen alten Vögeln ist dann auch die Schieferfarbe des Kopfes, Halses und Unterkörpers noch viel dunkler, als bei jüngern Vögeln, fast schieferschwarz. XII. Ordn. l.VII. Gatt. 231. Lunkelfarb. Wassert. 131 Wie bei andern ähnlichen Vögeln, leidet auch bei diesem das Gefieder im Laufe der Zeit durch Reibungen und den Einfluß der Witterung, wodurch eine Verschlechterung des Aussehens bewirkt wird, die sich theils am Umfange des Gefieders, theils an dessen Farben zeigt, indem alle dunkeln lichter werden und den Glanz verlieren, durch das Abstoßen der Federränder andere, sonst verdeckte, zum Vorschein kommen, durch ein höchst merkwürdiges stärkeres Abstoßen der weißen Flecke an den Federrändern diese wie ausgebissen aussehen und eine völlig sägezackenartige Umfangslmie erhalten- wobei denn jene dreieckigen Tüpfel bis auf ein weißes Säumchen verschwinden. Ein sehr alter Vogel, aus Montpellier erhalten, wo er im Juli erlegt ist, verdient in dieser Hinsicht eine nähere Beschreibung: Ihm fehlen nicht allein die weißen Säumchen an den Brustfedern, die überhaupt bei allen nur von kurzer Dauer sind, sondern die schieferfarbenen Federn sind noch besonders so stark und so weit abgerieben, daß viele weiße Flecke an jenen Theilen vorschimmern, die an den Schäften, den Federwurzeln nahe, ihren Sitz haben; an den obern Theilen, die ganz schwarz (nicht braunschwarz) aussehen, haben sich nicht allein die weißen Endsäumchen, sondern auch sehr viele der weißen Nandtüpfel gänzlich abgerieben, eben so auf den übrigens sehr fahl gewordenen Flügeln; an den Schwanzfedern sind eben so alle weißen Randflecke abgerieben und wie ausgenagt, die Kanten daher wie eine Säge gezackt, und die Federn erscheinen nur schwärzlich, mit lichten grauen Binden durchzogen. Dies Stück ist besonders wegen seiner dunkeln Grundfarben und der wenigen, nur rudimentarisch noch vorhandenen, weißen Tüpfeln von einem ganz besonderen Aussehen und scheint ein sehr alter Vogel zu sein. Auch in Sammlungen, dem Tageslichte zu sehr ausgesetzt, leiden die Farben, namentlich verliert sich das Bläuliche der Schieferfarbe, und diese wird oft ganz rauchfahl, so daß sie den Beinamen „kusvus," den Anno diesem Vogel beilegte, rechtfertiget, welcher sich sonst nicht wohl deuten läßt, weil Aschgraubraun (wie matt kusvus zu übersetzen pflegt) am frischen Vogel nie vorkommt. — Sie ist daher in sonst guten Abbildungen, die nach ausgestopften Stücken gemacht waren, meistens verfehlt worden. — Auch dieasch- blaue Farbe des Winterkleides kann durch ähnliche Ursachen sehr entstellt werden, da sie so zart wie bei Meven ist und gleich nach dem Ableben des Vogels schon viel von ihrer Schönheit verliert. Bei vorsichtiger Aufbewahrung kann sie sich jedoch lange als reines 9° 132 XII. Ordn. Gatt. 231. Dunkelfarb. Wassert. Aschgrau erhalten, dem Lichte und Bestauben zu sehr ausgesetzt, aber auch in düsteres bräunliches Grau umwandeln. Als ein sicheres äußeres Zeichen der Verschiedenheit des Geschlechts ist auch bei Frühlingsvögeln nichts aufzufinden; zwar sind die Weibchen immer weniger schön gefärbt als die Männchen, aber darin ähneln wieder die alten Weibchen den jungen Männchen, und es bleibt eben so schwankend wie der Unterschied, welcher sich in der Größe zwischen beiden Geschlechtern finden soll. Die Mauser der jungen Vogel, ihre erste, in welcher sie ihr erstes Winterkleid anlegen, beginnt bei den meisten, wenn sie bereits durch unsere Gegenden passirt sind, und mag erst in den Wintermonaten, an den Orten ihres Aufenthalts in dieser Jahreszeit, vollendet werden. Auch im Frühlinge, bei ihrer Rückkunft, scheinen es die meisten großentheils schon wieder abgelegt zu haben, denn im April und Mai sind alle schon wieder im vollen Frühlingskleide, obgleich sich auf den Flügeln vieler noch Spuren nicht ganz vollendeter Mauser zeigen. Die Hauptmauser der alten Vogel beginnt mit Ende des Juli und endet mit dem August. Recht genaue Beobachtungen über die Zeit der Mauser fehlen uns indessen zur Zeit noch. Aufenthalt. Der dunkelfarbige Wafferläufer scheint keine so allgemeine Verbreitung zu haben, wie manche andere Arten dieser Gattung, auch fehlt es uns über sein Vorkommen in manchen Ländern noch an zuverlässigen Nachrichten. Daß er im Sommer den hohen Norden beider Welten bewohnt, ist sicher, und er ist besonders im obern Nordamerika gemein; dies scheint er aber in keinem Theile des nördlichen Europa zu sein, nur in gewissen Strichen vorzukommen, und dasselbe mag auch im nördlichen Asien der Fall sein. Auf Island und den Färöern, wie im größten Theile von Norwegen, ist er nicht, soll aber in Lappland, Finnland, den obern Provinzen Rußlands und Sibiriens, auch in Grönland vorkommen. In den Berichten über sein Vorkommen auf der Wanderung durch die mittlern Länder nach südlichern, finden wir ebenfalls nur gewisse Striche bezeichnet. In Liv- und Esthland soll er vorkommen, aber eben nicht sehr bekannt sein, an den deutschen Ostseeküsten fast gar nicht vorkommen, in England selten sein, dagegen die Inseln und Küsten der dänischen Westsee wie die der XII. Ordn. I^VII. Gatt. 231. Dunkelfarb. Wasser!. 133 deutschen Nordsee zwar alle Jahre, doch nirgends in sehr großer Anzahl besuchen, so auch Holland. Auf der andern Seite scheint er seinen Winteraufenthalt nicht über die jenseitigen Küsten des mittelländischen Meeres hinaus zu legen, da man ihn noch nicht aus Afrika erhalten hat, ihn aber in den Wintermonaten in Italien, Südfrankreich und Spanien antrifft, wo er hin und wieder häufig vorkommt, jedoch auch für manche Striche seltner bleibt, wenigstens nicht in so großer Anzahl gesehen wird, wie viele andere verwandte und dort überwinternde Arten, — In Asien geht er im Winter bis Bengalen hinab. Von Deutschla nd aus betrachtet, dürfen wir ihn nicht für einen nördlichen, sondern für einen nordöstlichen Vogel halten, welcher zwar im Sommer den Polarkreis bewohnen mag, aber von uns aus nur in einer viel mehr östlichen als nördlichen Richtung, deshalb er in den Zugperioden Rußland, Polen, Deutschland, die Schweiz, Frankreich, oder auf der andern Seite Ungarn u. s. w. durchwandert, wie auch von ihm bekannt ist, und so die Küsten der Ost- und Nordsee nur zufällig berührt. In dieser Zeit, namentlich im Spätsommer, sehen ihn die meisten Gegenden Deutschlands zwar nicht als Seltenheit, doch aber auch nicht als einen sehr gemeinen Vogel. Sachsen, Brandenburg, Anhalt gehören zn denen, welche er alle Jahre besucht, in manchen sogar ziemlich häufig, in andern auch nur einzeln; im Frühjahr gehört aber sein Erscheinen hier, wie auch am Main und Rhein, stets unter die Seltenheiten, selbst an dem ofterwähnten, für den Zug der Strandvögel so vor- theilhaft gelegenen, salzigen See im Mannsfeldischen. Vergleicht man sein Vorkommen in allen europäischen Ländern mit dem anderer Wafferläuser, so ergiebt sich, daß die Art wenig zahlreicher an Individuen ist, als etwa die des hellfarbigen Wasserläufers, aber mit der großen und so allgemein verbreiteten Menge des Gambettwasserläufers gar keinen Vergleich gestattet. Zwar sehen wir ihn in manchen Jahren, im Anfange des Herbstes, auch wol heerdenweis, zu 2V, 30 und mehreren Strikten beisammen unsere Gegenden durchwandern, und viele solcher Flüge, in andern dagegen auch wieder nur einzelne oder ganz kleine Gesellschaften, während die erstgenannte Art nie in solchen Heerden wandert, dagegen einzeln, paarweise und in ganz kleinen Vereinen aber viel öfterer und längere Zeit hindurch gesehen wird. Schon aus dem vorher Gesagten wird ersichtlich, daß er als Zugvogel weder in Deutschland brütet, noch hier überwintert, also 134 XU. Ordn. ib.VU. Gatt. 231. Dunkelfarb. Wassert. bloß durchwandert. Warum ek aber im Frühjahr hier so sehr selten erscheint, da er doch, wie gesagt, im Herbste manchmal häufig genug ist, möchte kaum anders zu erklären sein, als daß sich mit Wahrscheinlichkeit vermuthen laßt, sein Rückweg nach der eigentli, chen Heimath müsse ein anderer sein und wenigstens die große Mehrzahl gerade in östlicher Richtung ihren Flug dorthin und durch Lander nehmen, wo bis jetzt für die Ornithologie fast weniger als nichts gethan ist, durch die Europäische Türkei u. s. w.; denn daß sie im Frühjahr nur einzeln, höchstens paarweise ziehen, dann auch, wie alle ähnliche Bögel, mehr Eile haben, als im Herbst, und allein deshalb selten bemerkt würden, ist keine genügende Erklärung, Seine Zugzeit im Spätsommer fängt nicht vor Mitte des August an, also etwas später als bei ähnlichen Arten, und dauert auch länger; denn der Zug ist im September am stärksten und endet erst mit Ausgang des Oetober. Im Frühjahr kehrt er im April und Mai, durch unser Land wandernd, nach seinen Sommersitzen zurück, welches bei uns mehrentheils nur einzeln, seltner zu Paaren geschieht und selten beobachtet wird. Auf dem Herbstzuge sehen wir einzelne alle Jahre, theils einsam, theils mit andern Arten, namentlich hellfarbigen Wasserläufern, vereint, auf dem Durchzuge begriffen, und sie eilen dann nicht sehr, so daß manche an einem ihnen zusagenden Orte oft mehrere Tage verweilen und unstat sich herumtreiben. Besonders thun dies oft die Einzelnen; dagegen sieht man es von den kleinen und großem Vereinen, in welchen die meisten und fast alle jungen Bögel ziehen, seltner; diese setzen sogar ihre Reise am Tage fort, wenn sie von dem Orte, wo sie sich gegen Morgen niedergelassen hatten, zufällig aufgescheucht wurden, obgleich sie sonst die Reise nur erst nach Sonnenuntergang antreten, die Nacht hindurch mit wenigen Unterbrechungen und bis zu Ende der Morgendämmerung fortsetzen. Sind die Nächte sehr finster, so lassen sie sich an irgend einem Wasser nieder, und verweilen ganz still, wahrscheinlich schlafend, einige Stunden daselbst, oft bis es anfängt zu tagen, oder bleiben auch, wenn das Wasser nicht zu klein und die Gegend zu unruhig ist, den ganzen folgenden Tag dort. Begeben sie sich auf den Zug, so geschieht es im Herbste bei uns fast immer in westlicher Richtung, und wir sehen sehr oft Gesellschaften von 5 bis 10, seltner von 30 bis 50 Stücken beisammen, welche sich gedrängt zusammenhalten, sowol laufend als fliegend. Unter die Seevögel darf man den dunkelfarbigen Wasserläufer nicht zahlen; er berührt die Seeküste nur aus dem Zuge und einzeln. XU. Ordn. 1.V1I. G»tt. 231. Dunkelfarb. Wasser!. 135 Bei meiner Anwesenheit an den Küsten der dänischen Westsee im Jahre 1819 habe ich nur einen einzigen Vogel dieser Art bemerkt, welcher sich auch dort nicht heimisch zu fühlen schien. Kömmt er ja einmal daselbst vor, so sind es nur schlammige Watten, aufweichen er kurze Zeit verweilt. Dagegen sind alle Binnenwasser, namentlich süße, die Flüsse, Landseen, großen und kleinen Teiche und sumpfige, mit vielen freien Wasserlachen versehene Gegenden sein wahrer Aufenthalt, wo man ihn bei uns in der Zugzeit nur zu suchen hat. Er spricht selbst an allen kleinen Feldteichen ein, die an seiner Straße liegen, verweilt, wenn keine Störungen vorfallen, den Tag über an solchen, und verschmähet sogar die nicht, welche nahe bei Dörfern und Gehöften liegen. So vergeht z. B. selten ein Jahr, wo nicht wenigstens hin und wieder einzelne, auch zuweilen sogar kleine Heerden, die Teiche dicht bei meinem Wohnorte besuchten, wo sie jedoch als scheue Vögel nie lange Ruhe haben; oagegen an einem einsamen, ^ Stunden von hier entlegenen Feld- teiche, wo in jedem Herbste sehr viele einsprechen, oft deN ganzen Tag verweilen, oder aufgescheucht nach kurzem Außenbleiben wieder erscheinen. Die User, an welche er sich niederläßt, sind stets ganz freie, an welchen weder Baume, noch Gebüsch, noch Rohr, Schilf und andere hohe Wasserpflanzen den Wasserrand bekleiden, welche seicht in das Wasser verlaufen und schlammigen Boden haben. Er vermeidet alle versteckten Gewässer und hält sich von Bäumen und Gebüschen, wenn solche zu nahe am Wasser stehen, stets möglichst entfernt, und wo zu viel Gras ist, sucht er die davon freien Stellen und besonders gern die kleinen Schlamminseln und morastigen Erdzungen. Auf sandigem und kiesigem Boden verweilt er nie lange, daher auch nicht auf solchen Uferstellen an rauschenden Flüssen, er sucht dagegen aber gern die stillen schlammigen Winkel, wo von früherer Flut Wasserlachen zurückgeblieben sind, oder auch solche Krümmungen auf, wo das langsamer fließende Wasser Schlamm abgesetzt hat. An stehenden Gewässern bemerkt man diese Abneigung gegen sandigen Boden ebenfalls deutlich; dagegen verachtet er selbst die kleinsten Pfützen nicht, wenn sie nur Schlammboden haben. Mehr als einmal traf ich ihn in trocknen Sommern sogar an den hiesigen Teichen, wenn diese bis auf wenige kleine Wasserpfützen ausgetrocknet waren, an diesen herumlaufend, und erlegte hier ein Mal von einer Gesellschaft, aus 6 Stücken bestehend, 3, ein anderes Mal aus 9 Stücken 5 mit einem Schusse. Dasselbe geschah 136 XU. Ordn. isi.VII.Gatt. S31. Dunkelfarb. Wasferl. noch öfterer an jenem kleinen Feldteiche, wenn auch dieser bis zu einer einzigen unbedeutenden, kaum noch 30 Schritt im Umfange haltenden Pfütze eingetrocknet war. Zn Yen Brüchern ist er nur an ganz freien Wasserlachen anzu-- treffen, aber nie zwischen den Kufen und in grasreichem Moraste. Bestehen sie einzig aus nassen Wiesen und sumpfigen Viehweiden, bloß mit Wassergräben durchschnitten, und fehlen ihnen größere freie Wasserstellen, so sucht man ihn vergeblich dort. Da aber solche Gegenden gewöhnlich auch Veiche in der Nähe haben, so besucht er dann hloß diese. Seine Schlafstellen sind auf dem Freien und immer dicht am Wasser, aber, wie gesagt, nur in ganz finstern Nächten pflegt er einige Stunden zu schlafen, sonst stets am Lage, in den Mittagsstunden, wobei er entweder auf einem Beine steht, das andere unser die Brust- und Bauchfedern in die Höhe gezogen, oder sich auf die Brust niederlegt, und dazu gewöhnlich den Schnabel und Vor- herkops hinter die Schulterfedern versteckt. Sein Schlaf ist indessen, pse bei andern ähnlichen Vögeln, sehr leise und oft unterbrochen, Eigenschaften. Auch dieser Wasserläufer ist von einem stattlichen, schlanken und gefälligen Aussehen, und in mancher Hinsicht ein hübscher Vogel zu nennen. Er trägt, wie die andern, seinen Körper stehend und gehend meist wagerecht, den Hals etwas eingezogen und 8sörmig gebogen, reckt ihn aber, länger gedehnt, nebst der Vorderbrust, mehr in die Höhe, wenn er eine Gefahr herannahen sieht. Sein Gang ist sehr leicht und zierlich, in behenden Schritten, wird aber nicht oft in schnelles Laufen verwandelt, was er jedoch auch fehr wohl kann, weil er, wenn er rascher fort will, die Schritte mehr verlängert, oder weiter ausschreitet, als sie verdoppelt. Nach Nah, rung suchend schreitet er gewöhnlich mit niedergebücktem Kopfe und gegen die Erde gerichtetem Schnabel einher, und schnellt den langen dünnen Hals nur vor, wenn er eben Etwas erhäscht. Sein Gefieder hält er stets sehr reinlich und glattanliegend, Unter allen Wafferläufern schwimmt er, wie auch schon der dichte Federpelz an seinem Unterkörper errathen läßt, am liebsten und besten. Sehr gewöhnlich wadet er so tief ins Wasser, als es die Lange seiner Beine erlaubt, und wo diese nicht mehr auf den Grund langen, schwimmt er unbesorgt und sehr kech, mit einem XU. Ordn. I, VII. Gatt. 231. Dunkelsarb. Wassert. 137 gefälligen Kopfnicken bei jedem Ruderschlage der Füße, über die tiefern Stellen hinweg. In einem Erdloche verborgen, sahen wir oft und mit Vergnügen ganze Gesellschaften, wie kleine Entchen, gegen 100 Schritte breite Teiche, ganz freiwillig, von einem Ufer zum andern durchschwimmen; ja es ist vorgekommen, daß ein Einzelner sich aus der Lust gerade auf das Wasser stürzte, wo er sogleich schwimmen mußte, um so ans Ufer zu gelangen, Sie schwimmen sehr behende, machen sich dabei sehr schlank, besonders den emporgestreck- ten Hals, mit welchem sie während dem oft auch unter der Wasserfläche angeln, Sie sinken beim Schwimmen nur wenig mit dem Leibe in das Wasser ein. In Noth, z. B- vyn einem Raubvogel verfolgt oder flügellahm geschossen, können sie aber auch vortrefflich tauchen, eine Strecke tief unter der Oberfläche des Wassers hinweg rudern, um an einer ganz andern Stelle erst wieder zum Vorschein zu kommen. Sie sind im Stande, dies mehrmals nach einander zu wiederholen. — Eine Art Nicken oder schnelles Auf- und Niederducken des ganzen Vorderkörpers, schon bei andern Arten beschrieben, zeigt er beim Erblicken verdächtiger und sich nahender Geschöpfe, eben so wie jene, Im Fluge ähnelt er ganz den andern großen Arten dieser Gattung, und kann in einer Entfernung, in welcher man keine Farbe mehr unterscheiden kann, und wenn er seine Stimme nicht hören läßt, nur von einem sehr geübten Kenner an der etwas schlankeren Gestalt vom hellfarbigen Wasserläufer unterschieden werden, eine Sache, die sich nicht deutlich beschreiben läßt. Vom Gambett- wasserläuser unterscheidet ihn die ansehnlichere Größe und, wenn er nahe genug ist, z. B, für ein gutes Auge aus 150 Schritte, das wenige Weiß am Hinterflügel, im Jugend- und Hochzeitklejde aber die dunkele Körperfarbe, Er fliegt eben so schön, schnell und hoch, wenn er weit will, mit eben solcher Haltung des Körpers und Schwingung der Flügel wie diese, und kann sich eben so mit Gewandtheit und Anmuth, bei nahe an den Körper gehaltenen Flügeln, aus der Höhe in wenig schiefer Richtung zur Erde herabstürzen und dabei schöne Wendungen machen. Er gehört zwar unter die furchtsamen und scheuen Wöge! und hält die Annäherung eines frei auf ihn zugehenden Menschen, wenn es auch mit Sachkenntnis! geschahe, nicht auf Schußnähe aus, ist dabei jedoch jederzeit etwas weniger vorsichtig als die folgende Art, und auch dann noch auf dem Bauche hinrutschend oder in sehr gebücktem Gange hinter kleinen Erhöhungen zu erschleichen, wenn er 138 XII. Ordn. L.VII. Gatt. 231. Dunkelfarb. Wassert. den Herannahenden bereits vorher gesehen hatte. Zuweilen hält er sogar die Annäherung Vorüberwandelnder, namentlich wenn sie ihn gar nicht zu beachten scheinen, bis auf weniger denn 60 Schritte aus. Sich vor seinen Feinden zu verstecken oder zu verkriechen fällt ihm so wenig ein als einer andern Art dieser Gattung; nur von einem Raubvogel überrascht, legt er sich platt nieder, wo er sich gerade befindet, auf die Erde oder gar aufs Wasser, was sonderbar genug aussieht. Auf der Herbstwanderung ist er geselliger als andere große Wasserläufer, und es ist schon oben erwähnt, daß man ihn öfterer in kleinern oder großem Vereinen sieht, und diese halten sehr innig zusammen, laufen und fliegen gedrängt, und wenn sich welche davon vereinzeln, so werden sie von den übrigen ängstlich wieder herbei gerufen. Dies geschieht aber selten, wenn ein Schuß sie aus einander sprengte, wo auch die Übriggebliebenen sich um die Gefallenen nicht weiter bekümmern, welches aber mehr dem Schreck und einer angcbornen Furchtsamkeit, als dem Mangel an Anhänglichkeit zugeschrieben werden kann. Auch sind die Vereinzelten stets furchtsamer als die Gesellschaften. Zu andern Arten gesellt er sich selten, einzeln am öftersten noch zum hellfarbigen Wasserläufer, und es ist nichts Seltenes, 3 bis 4 solcher Vogel mit einem dunkelfarbigen Wasserläufer einen freundschaftlichen Verein bilden zu sehen. Unter kleinere Ufervögel führt den Einzelnen wol auch ein Mal der Zufall, doch sucht er sich einem solchen Gefolge bald wieder zu entziehen. Seine Stimme ist sehr kenntlich, und er läßt sie auch oft ge- nug, sitzend und fliegend, hören. Es ist ein Heller, weit hörbarer, hoher, pfeifender Ton, welcher leicht durch Pfeifen mit dem Munde nachgeahmt und eben so leicht durch Buchstaben versinnlicht werden kann, wo ihn die Sylbe Ljoit oder Tjuit (einsylbig und etwas schnell gesprochen) deutlich darstellt. Dieses Tjuit wird stets nur ein Mal ausgerufen, und wenn auch eifrig gelockt wird, so wiederholt es der Vogel doch nur in zwei bis drei Mal so langen Intervallen; nur in dem einzigen Falle, wenn er zuweilen sehr erschreckt auffliegt, folgt es zwei Mal schnell nach einander. Am öftersten rufen es von ihrer Gesellschaft abgekommene, einzeln herumschwär- mende Individuen, doch auch nie schnell nach einander, aus, zumal wenn sie die Ihrigen nicht sogleich wiederfinden können. Es ist Lockten, Warnungsstimme, auch Angstrus, wo es im Schreck zuweilen ein Kreischen wird. Außerdem hört man von Lockenden noch XII. Ordn. I^vn. Gatt. 23L, Dunkelfarb. Wassert, 139 einen sanftem, einladenden Kon, welcher wie tick, tick und tack klingt, welchen auch der Ankommende im Herabstürzen aus der Höhe genau eben so beantwortet. Sonst ist uns weiter keine Stimme von diesem Vogel bekannt, am wenigsten eine (wie Brehm sagt) aus mehreren schwer zu beschreibenden Tönen bestehende, die uns gewiß nicht unbekannt geblieben sein würde, weil es, eine sehr lange Reihe von Jahren nach einander, uns nicht an Gelegenheit fehlte, fast in einem jeden viele dieser Bögel zu beobachten, zu erlegen und sogar mehr als einen längere Zeit lebend zu unterhalten. Auch kann damit sein Paarungsrus oder Gesang schwerlich gemeint sein, obwol ihm ein solcher gewiß so wenig als einem andern Wasserläufer fehlen mag, m Deutschland aber niemals gehört werden möchte, weil der Bogel hier im Frühjahr überhaupt viel zu selten vorkömmt und muthmaßlich auch noch zu weit von seinen Brüteplätzen entfernt ist, um jenen hier auf der Durchreife schon anzustimmen. Gefangene oder flügellahm geschossene dunkelfarbige Wasserläufer gewöhnen sich eben nicht schwer an die Gefangenschaft und können sogar gegen ihren Wärter so zutraulich werden, daß sie ihm das vorgehaltene Futter aus der Hand nehmen. Ihr graziöser Gang, ihr sanftes Betragen, ihre schlanke Gestalt gewähren manche Unterhaltung, doch machen sie den Fußboden des Zimmers schmutzig, zumal sie sich mit ihrem Eß- und Krinkapparat nicht in eine finstere Ecke verweisen lassen, sondern immer den heften und freiesten Platz einnehmen wollen; es stört sie hier zu vieles Auf- und Abgehen u. s. w., so daß sie eigentlich nur in solche Stuben taugen, welche von einzelnen Menschen oder gar nicht bewohnt werden, in unbewohnten werden sie aber wieder nicht so zahm, Dies Alles haben sie auch mit allen andern schnepfenartigen Vögeln gemein, so daß diese allesammt nicht zu eigentlichen Stubenvögeln taugen, und im gezähmten Zustande nur dem einzelnen Forscher und Naturfreunde Vergnügen gewähren können. Zudem halten sie auch die Stuben- lust nie viel länger als ein Jahr aus, Nahrung, Diese ist sehr verschieden, wie sie ihm der Aufenthalt gerade darbietet, und keineswegs sind, wie Leister (s. dessen Nachträge zu Bechstein's Naturg. S. 50.) wähnt und Andere ihm nachschrieben, Conchylien die Hauptnahrung des dunkelfarbigen Wafferläufers; er kann sie vielmehr ganz entbehren, wie uns, die untersuchten Magen 140 XII. Ordn. I-VII. Gatt. 231. Dunkelsarb. Wassert. sehr vieler, in hiesigen Gegenden, an sehr verschiedenen Orten, ge- tödteter hinlänglich bewiesen haben. Ohne gerade abläugnen zu wollen, daß er die an schlammigen Stellen der Flußufer in großer Menge vorkommende kleine kvlix tontuLulat» in ziemlicher Anzahl verschlucken mag, wie Leisler von den am Main vorkommenden Vögeln dieser Art behauptet, können wir doch durchaus nicht zugeben, daß diese seine Hauptnahrung sein sollten, da wir selbst sogar niemals eine Conchylie in seinem Magen entdecken konnten. Vielfältige Erfahrungen würden uns dagegen geneigt machen zu glauben, daß ein ganz anderes Nahrungsmittel seine Hauptnahrung sei, nämlich Froschlarven, weil wir den Magen und Schlund sehr vieler einzig und allein mit diesen so angefüllt fanden, daß sie zuweilen den eben getödteten Vögeln zum Schnabel Herausquollen, wenn wir nicht eben so oft diese Thierchen darin vermißt, und dagegen Wafferinsekten aller Art, im vollkommenen wie im Larvenzustande, darin gefunden hätten. Er enthielt nicht selten eine große Menge einer Art kleiner Larve, welche sich häufig auf dem Schlamme aufhält, einen spitzigen Kopf, einen mit vielen Einschnitten versehenen Leib und eine röthlich- oder gelblichweiße Farbe hat, die mir als vollkommenes Infekt nicht bekannt ist und daher nicht namhaft gemacht werden kann, in der Speiseröhre noch vollständig, im Magen bloß noch die Bälge derselben, und zwischen diesen einzelne kleine Rückenschwimmer (Xotvmeots) und andere Wasserinsekten, selten Reste von Käfern, und dies Alles mit groben Sandkörnern und ganz kleinen Steinchen vermengt. Auch fanden wir zuweilen ein einzelnes kleines Fröschchen oder einige Regenwürmer, aber niemals vegetabilische Stoffe in seinem Magen. Dies Alles sind Thatsachen, welche beweisen, daß die Nahrung der Wögel sich sehr nach Zeit, Ort und Umständen richtet, daß die meisten sehr vielerlei und oft sehr verschiedene Nahrungsmittel zu sich nehmen, die einen in Menge verzehren, wo sie die andern nicht vorfinden, und nur da eine gewisse Auswahl treffen, wo alle Arten des Fraßes in Menge beisammen vorkommen. Wir sehen unsern Wafferläufer, Nahrung suchend, theils auf den schlammigen Ufern herumgehen, dabei jedoch nicht lange Uferstrecken durchlaufen, vielmehr sich längere Zeit an einer und derselben Stelle beschäftigen, theils auch in das Wasser hineinwaden, so weit es die Tiefe desselben zugiebt und seine Beine zureichen, hier nicht nur obenschwimmende Insekten behende auffischen, sondern auch, mit dem Kopfe und Halse unter dem Wasser, aus diesem und vom XU. Ordn. I^VII. Gatt. 2S1. Dunkelfarb. Wassert. 141 Grunde desselben die beliebigen Geschöpft Hinwegfangen und heraufholen. Auch hier durchsucht er die gewählte Stelle kreuz und quer, schreitet auch oft, den Kopf unter Wasser, immer fort, und es giebt ein ganz eigenes Schauspiel, wenn eine Gesellschaft solcher Wöget, weil sie sich stets nahe zusammenhalten, im seichten Wasser öfters bis an den Bauch wadend, in den mannichfaltigsten Richtungen und Wendungen durch einander laufen und fischen. Ist es vielleicht nur ein kleiner Tümpel, welchen sie durchsuchen, so geschieht es eben so, an zu tiefen Stellen auch schwimmend, und es sieht allerliebst aus, wenn von solchen schwimmenden Gesellschaften, beim eifrigen Suchen nach genießbaren Geschöpfen, immer einer dem andern zuvorzukommen sucht,, wie sie kreuzend immer durch einander her schwimmen, den schlanken Hals in die Höhe gereckt, aber den Schnabel gegen das Wasser gesenkt, den Blick unverwandt auf dasselbe heften, wie sie bald mit dem Schnabel allein, bald mit dem Kopfe und Halft zugleich, in das Wasser fahren, das Gefangene hervorziehen: und verschlucken, u. s. w. Auf diese Art fischen sie namentlich nach Froschlarven (Kaulbadden, Kaulquappen), und eine Gesellschaft solcher Wöget ist im Stande, in Kurzem eine kleine Pfütze von solchen zu entleeren; sie mögen also wol zu ihren Lieblingsgenüffen gehören, hauptsächlich die kleinen Arten, von kaun vsvulvnta, sr- dorou, u. a. Zuweilen gehen diese Wöget auch auf den Rasen, wenn er ganz kurz ist und inS Wasser verläuft, entfernen sich aber dabei nie weit vom Ufer. Sie thun dies auch nur, wenn jener vom Thau oder Regen feucht ist, der hervorgekommenen Regenwürmer wegen, welche sie, wie man wenigstens an Gefangenen sieht, gern verschlucken, aber nicht oft aufsuchen. Man sieht aus dem Allen, daß unser dunkelfarbiger Wasser- läufer in der Art und Weift sich zu nähren recht viel Eigenthümliches hat, und darin von den übrigen Arten dieser Gattung, besonders aber vom Gambettwasserläufer, mehrfach abweicht. Er badet sich gern im Wasser und thut dies gewöhnlich gegen Abend und nach einem heißen Lage, manchmal ganze Truppe zu gleicher Zeit und nahe beisammen. Gefangene füttert man anfänglich mit Regenwürmern, welche die meisten willig annehmen, thut diese nachher zerstückelt unter das oft beschriebene Semmelfutter, bis sie dieses nach und nach ohne die Würmer verzehren lernen. Neben diesem Futter muß man ihnen fleißig frisches Wasser in einem flachen Gefäße hinstellen, damit sie hin. 142 XU. Ordn. I^VU. Gatt. 231. Dunkelfarb. Wasser!. eintreten, auch den Schmutz vom Schnabel oft abwaschen können, weil sie sich sonst das Gefieder damit verkleistern, was besonders geschieht, wenn man ihnen die Gelegenheit ein Bad zu nehmen versagt. Das Semmelfutter für sich bekömmt ihnen wohl und sie mästen sich damit; allein der Mangel an freier Luft und viele andere Entbehrungen wirken doch zu nachtheilig auf diese und alle ähnliche Vögel, als daß es möglich wäre, sie Jahre lang beim Leben zu erhalten. Fortpflanzung. Bis jetzt weiß Niemand, wo dieser Vogel sich fortpflanzt; noch kein Ornitholog sahe seine Brüteplätze, die wahrscheinlich in der Nähe des Polarkreises und selbst in diesem liegen mögen, und zwar von uns aus in einer östlichen Richtung. Feinde. Auf seinen Wanderungen verfolgen ihn die ediern Falkenarten, H'nloo pereKrimis, k. subbuteo und-k'. ^esalon- und die Habichte, k'. pallimbarius und kV Xisus, und erwischen nicht selten einen solchen Vogel, wenn sie ihn auf dem Freien fliegend antreffen, wo er trotz seines pfeilschnellen gewandten Fluges doch endlich ermüdet und unterliegt, sich aber, wenn er ein Wasser erlangen kann, in dasselbe stürzt und dann durch Untertauchen rettet. Am Wasser sitzend überrumpelt ihn nicht leicht ein solcher Räuber, weil er immer auf freien Stellen sich aufhält, wo er sie meistens schon nahen sieht, wenn es eben noch Zeit ist, sich platt niederzulegen, was er denn auch augenblicklich zur Stelle thut, selbst wenn er eben im Wasser stände, und liegt so auf diesem oder auf der Erde hingestreckt so lange still, bis der Raubvogel, welcher ihn dann gewöhnlich übersieht, wieder vorüber ist. In seinem Geflügel wohnen Schmarotzerinsekten, denen verwandter Vögel ähnlich, in den Eingeweiden der veränderliche Bandwurm, Invllis vsriadilis. Z a g d. Aus dem, was oben von seinem Betragen gesagt wurde, ist ersichtlich, daß dieser Vogel nur ungesehen erlauert oder hinterschli- chen und so geschossen werden kann, aber auf dem Freien den XU. Ordn. I.VH Gatt. 231. Dunkelfarb. Wassert. 143 Schützen nicht schußrecht an sich kommen läßt. Er gehört nicht so- wol unter die sehr vorsichtigen, als vielmehr unter die furchtsamen Bögel, läßt es daher geschehen, wenn der in einer Entfernung von 100 Schritten von ihm gesehene Schütze sich jetzt erst durch Nieder, bücken und Ankriechen seinen Augen entzieht, während dem sich aber nähert und so zum Zweck gelangt, wo er den in Schußnähe vorragenden Kopf desselben nicht fürchtet. Einst kehrte ich nebst einem andern Schützen von der Hühnerjagd zurück; im Gespräch begriffen, hatten wir nicht bemerkt, daß wir, etwa 60 Schritte von uns entfernt, vor 6 dunkelfarbigen Wasserläusern vorübergegangen waren, welche sich mit dem Ausfischen einer Pfütze im Bette des ausgetrockneten Teiches so emsig beschäftigten, daß sie uns gar nicht zu bemerken schienen; mein Begleiter ging seines Wegs, ich aber wandte mich sogleich gebückt und kriechend zu den Bögeln, bis ich den Schuß nahe genug und so glücklich anbringen konnte, daß nur einer von den 6 Bögeln unverwundet entkam, 3 Stück aber gleich todt auf dem Platze blieben. Bei einiger Ruhe und Ablauern des günstigen Zeitpunkts kann man bei diesen Bögeln, wenn man sich ungesehen genähert hat, überhaupt leicht viele auf einen Schuß erlegen, weil sie sich immer nahe zusammenhalten. Am leichtesten bekömmt man sie Abends oder Morgens auf dem Anstaube, in einem Erdloche verborgen. Ein Schuß erschreckt sie sehr, sie stieben auf, hoch in die Lust, um nicht wiederzukehren, so besonders an kleinern Gewässern, und an größern fliegen sie auch oft sehr weit und an die entgegengesetzten User, ehe sie sich wieder niederlassen. In Fußschlingen kann man ihn eben so leicht wie andere Strand- vögel fangen, am einträglichsten ist jedoch der Fang dieser Bögel auf dem Wasserschnepsenheerde, wohin sie zum Theil die Lock der folgenden Art, theils die besondere Lockpfeife einladet. Wer recht gut mit dem Munde pfeifen kann, wird auch diese Lockstimme gut nachahmen können, doch ist es mit der einmal abgestimmten Pfeife, aus Kupfer oder Messing, sicherer. Sie braucht nur zwei Töne zu haben, genau wie die Locktöne des 1. gstottis, daher beide Arten mit derselben Pfeife gelockt werden, nur mit dem Unterschiede, daß in dem Tjuit des dunkelfarbigen Wasserläufers der tiefe Ton vor dem hohen, im Tjia des hellfarbigen aber umgekehrt der hohe vor dem tiefen liegt. Die Töne sind ohngefähr vis und es. Auf den Heerd fallen diese Wasserläufer eben so gedrängt ein, wie es sonst ihre Gewohnheit ist, weshalb denn auch öfters viele auf ein Mal mit den Netzen bedeckt werden können und als große Böget die 144 XII. Ordn. L.VII. Gatt. 231 . Dunkelfarb. Wassert. Mühe sehr lohnen. Am mehrerwähnten salzigen See wurden sonst von den Salzsiedern (Halloren) aus Halle jeden Herbst welche, in manchem sehr viele, auch im Frühjahr einzelne gefangen. ' Nutzen. Sein Fleisch ist im Herbst gewöhnlich sehr fett uud wohlschmek- kend, ob es gleich darin dem des hellfarbigen Wasserlaufers nicht gleich kömmt. Es schmeckt indessen keineswegs thranig, was allein schon beweist, daß der Vogel nicht vorzugsweise von Conchy- lien lebt, da das Fleisch aller Conchyliensresser nie ohne jenen häßlichen Beigeschmack ist. Schaden. Er wird dem Menschen so wenig nachteilig als irgend ein anderer Wasserläufer. S » s Zweite Familie. Wafserlättfer mit etwas aufwärts gekrümmtem Schnabel. Wir haben in Deutschland nicht mehr als Zwei Arten. MM //,/ 20/ l^Ktz WWM^ X- - X' X I'C'I VXI ^ oI„tt,8 ^rKkLL< !?87W -KSÄ WSiZL SWW W4 232 . Der hellfarbige W äffer lauf er. lotanus t Fig. 1. Sommerkleid. Kaf. 2Üi. / Fig. 2. Winterkleid des sehr alten, s Fig. 3. Jugendkleid. Grünfüßiger Wasserläufer; bunter —, pfeifender Wasserläufer, Strand«Wasserläufer; Strandschnepfe; Uferschnepfe, bunte—, weiß- steißige Uferschnepfe; Pfuhlschnepfe; eigentliche—, große—, graue—, große graue Pfuhlschnepfe; N'egenschnepfe; Pfeifschnepfe; Meerhuhn; Grünschenkel, Grünbein; großer —, graufüßiger Züger; bei uns gewöhnlich: Pfuhlschnepfe, bei den Vogelfängern um Halle: Henm'ck. Iota,-»» Dech'st. orn. Ta-'chenb. II. S. 287. II. 6. ----- Dessin Naturg. Deutscht. IV. S. 249. (Jugendkl.) ---- 5. Ebend. S. 24l. — T'. Ebend. S. 231. (Winter- oder UebergangSkl.il ----- Leister, Rachtr. z. d. W. II. S. 183. L'eolo^eeae F/oiers. tlmel. viim. .«v«t. I. 2. g. 664. u. 19. ----- 1-iiiii. Nniiii. Silo«. II. 61. II. 17t. — «otr. Nanu. 8111111. II. 177. II. 143. ----- I.Ltii. I111I. II. p. 729. II. 21. ----- lotaui» Meyer, Bog Liv- u. Esthlands S. 199. Meyer u. Wolf, Laschend. II. S. 371. — lsfo/tr« r/i/ora/iiei. Xü««»!- 9ru. II. II. 57. II. 166. ----- 6ilo/e» »tat«,». Koch, Baier. Zool. I. S 395. II. 199. — 1.« (L-'m-»« «ri««. V. II. 267. t. 23. r. 1. ----- La La^e r,ar,Ä. V 11 L 9ls. VII. x. 593. — Lilit. a. Neiixg. XIV. x. 234.1 ----- L.a /e. 11 ^- 1 ' a5at/ot„o. IN. y. 595. — lklk. il. ilei, X^I. p. 232. ----- 1.« eröo- Uo»«e. KSrnril. lull. lyiiiii. II. p. 234. ----- tAcvafr'er ain,/i?»r. Deinminclt , II IIII. IWIIV, ViNt. II. p. 659. ----- 6?ee» ioKAoek Sor«e,«a». Xib. Liess«. II. t. 69. ----- 6»ee,r- I-eou. «ritt. 2oo>. y. 121. t. 6. 1. — «rot. Tiool. übers. 00N Zimmer- »1 an», 11. S. 4Z6. ». 296. — I-atli. »vn. V. i>- 147. — Uebels, von B echstein, III. 1 - S. 118. ll. 18 . .---- 6re-r,i»/ian1. lliixrir.k, lirit. viril«. II. p. 86. ----- /!««- ei«»» 0 8tor. Sex. voo. V. t. 461. — 8»v!, Oroit. Lo-io. II. j>. 267- ----- «9'a,rck S»e», 6roe» xoot. 8ex>>. Xockerl. Vox. IV. t. p. 319. ----- MeiSller » 1 . Schilt,. Mg. d. Schweiz. S. 212. II. 292. ----- Dreht», Deitr. III. S. 597, I», 517. ----- Dessen Lehrb. II. S- 693. ----- Dessen Naturg. a. Arg. Deutsch!. S. 62g— 8. Theil. 10 14t> Xi». Ordn. l.VI1. Gatt. 232. Hellfarb. Wassert. 631. — Glogcr, Wirbeltbierfauna S. 4L. ----- Naumann'S Aög. alte Au»g, III S. 33. Taf. VII. Ug. 7. (Jngendkleid). Anmerk. ES herrscht in den citirtc» Beschreibungen der allegirtc» Werke großen- theil» so viel Unbestimmtheit, Laß c» sich, zumal bei den frühern Schriftstellern, häufig nicht errathen läßt, welche» Kleid ihnen dabei zum Vorbilde gedient habe, obgleich i», Allgemeinen au» jenen Beschreibungen die Art sich meisten» nicht schwer erkennen läßt; bei den spätern, welchen die Doppclmauser nicht mehr unbekannt war, kommt dagegen hin und wieder eine Verwechslung, bald de» Jugend- niit dem Winterkleid-, bald diese» mit dem Sommerkleidc, vor, und sind solche sogar einem Temminck und Brehm begegnet, E» konnte» daher die Shnonmiien, wegen gar z» vieler Verwirrung, nicht nach den verschiedenen Kleider« geordnet werden, wie die» bei viele» andern verwandten Vogels geschehe» ist. Kennzeichen der Art. Die Lange des Vogels (den Schnabel dazu gerechnet) 13 bis 14^, Zoll; das Nackte des Fußes bis zur Spitze der Mittelzeh gemessen 5 bis äss, Zoll; der Schnabel nicht, schwach, hinten viel höher als breit. Der Mittelflügel hat gar kein reines Weiß. Beschreibung. Der hellfarbige Wasserläufer ist von den beiden vorhergehenden sehr leicht an dem ganz anders gestalteten Schnabel und an der ganz andern Farbe seiner Füße zu unterscheiden, während er dem folgenden, dem Teichwa sserläu fer, in Allem außerordentlich ähnlich ist, sich aber hauptsächlich durch die viel ansehnlichere Größe, durch eine kurzbeinigere und weniger schlanke Gestalt unterscheidet, nämlich mit jenem verglichen; denn allein gesehen, bleibt er immer noch ein -schön gestalteter, schlanker und hochbeiniger Vogel. In der Größe gleicht er vollkommen dem dunkelfarbigen Wasser läuser, sieht aber nicht ganz so schlank aus. Nach dem Volumen seines Körpers möchte man ihn wol mit einer Misteldrossel oder einer etwas schwachen Turteltaube vergleichen, wenn der Vergleich sonst, wegen ganz anderer Verhältnisse der Extremitäten, nicht etwas unpassend schiene. Seine Länge ist 11 bis 12^/4 Zoll; seine Flügelbreite 2 j bis 24 Zoll; die Länge des Flügels vom Bug bis zur Spitze 7^ bis 8 Zoll; die Länge des Schwanzes 3 bis 3^4 Zoll, und die ruhenden Flügel reichen mit ihren Spitzen bis an oder etwas über sein Ende hinaus. Das Gefieder ist dicht, glatt anliegend, aber nicht pelzartig, auch an der Brust und dem Bauche nicht. Die Flügel haben die Gestalt wie bei andern Arten, einen stark mondförmig ausge- XII. Ordn. I.VII Gatt. 232. Hellfarb. Wassert. L47 schnittenen Hinterrand und eine Hintere Flügelspitze, die auf zusammengelegtem Flügel bis über die Spitze der fünften großen Schwing- feder reicht, diese letztem sehr starke, ziemlich gerade, die der zweiten Ordnung schwache, sabelartig gebogene, die der dritten wieder gerade, aber schwache Schäfte. Der Schwang ist kurz, ziemlich breit und hat, weil seine Federn nach außen wenig an Lange abnehmen, nur ein etwas abgerundetes Ende; seine Federn sind breit, mit schmal zugerundeter Spitze, die mittelsten Paare fast zugespitzt und mit geraden, die äußern mit etwas einwärts gebogenen Schäften. Der Schnabel ist in dieser Gattung der stärkste; ziemlich lang, bis zur Mitte gerade, dann an beiden Theilen ein wenig, doch stets merklich genug, aufwärts gebogen, bedeutend höher als breit, zumal an der Wurzel; die Mundkanten als ein kleiner Wulst, aber von der Schnabelmitte an, wo dieser sich verliert, sehr eingezogen und glatt, die Spitze schwach auskaufend und die des Oberschnabels ein wenig gegen die gerade untere geneigt, die etwas plattrund; die Nasenfurche und die an den Seiten des Unterschnabels nickt ganz bis in die Mitte des Schnabels reichend; dieser übrigens fast durchaus hart, nur an der Wurzel und der Nasenhöhle weich. Seine Länge ist verschieden von 2 Zoll L Linie bis zu 2 Zoll 4 Linien, an der Wurzel 4 Linien hoch und nur 2^/r Linien breit; seine Farbe in der Jugend von der Wurzel bis zur Mitte bleifarbig oder aschblau, von da an in Schwarz übergehend und an dem letzten Drittheil tiefschwarz; nach und nach wird des Bleifarbigen weniger, und das Schwarze gewinnt bei alten Vogeln so die Oberhand, daß nur noch an der Wurzel der Unterkinnlade eine lichte grünlichbleifarbige Stelle bleibt. Das Nasenloch liegt in einer kleinen weichen Umgebung, ist verschließbar, geöffnet aber durchsichtig, klein, kurz, kaum etwas mehr. als ritzartig. Das eben nicht große Auge hat einen sehr dunkeln tiefbraunen Stern und wcißbesiederte Augenlider. Die hohen Füße sind zwar schlank genug, doch beinahe stark zu nennen, hoch über die Ferse hinauf nackt, die Zehen schlank, ziemlich dünn, die äußere und mittelst« an der Wurzel mit einer großen, bis über das erste Gelenk reichenden Spannhaut, die innere nur mit einem Ansätzchen von einer solchen, das sich bald mehr, bald weniger bemerkbar macht, die Hinterzeh klein, kurz und so hoch eingelenkt, daß sie bei hart aufgesetztem Zehenballen kaum mit der Spitze der Kralle den Boden berührt. Ihr weicher Ueberzug ist auf der ganzen Vorderseite herab in eine Reihe großer, auf der Hintern LV« 148 XU. Ordn. I^VII. Gatt. 232. Hellfarb. Wassert. in eine Reihe kleinerer Schilder zerkerbt, auf dem Rücken der Zehen mit schmalen Schildchen belegt, die Sohlen derselben fein warzig und ihre Seitenrandcr kaum etwas vorstehend. Die ganze Höhe der Füße ist oft (wie ^i andern langbeinigen Vögeln) um einige oder mehrere Linien verschieden, und so mißt der nackte Theil über der Ferse (diese, wie immer, halb, d. h. in die Beugung, mit gemessen), von 1 Zoll 1 Linie bis 1 Zoll 6 Linien; die Fußwurzel oder Tarse von 2^/z bis fast 3 Zoll; die Mittslzeh, mit der 2ss> Linien langen Kralle, 1 Zoll 6 bis 7 Linien; die Hinterzeh, mit ihrer kleinen Kralle, 4 Linien, bald kaum, bald etwas darüber. Nicht immer, jedoch in den meisten Fällen, gehören die kleinsten Fußmaaße den jüngern Vögeln an, und es bleiben manche Individuen für ihr ganzes Leben kurzbeiniger als anoere.") Die Farbe der Füße ist stets grünlich, aus bleifarbigem Grunde, das erstere mehrentheils bloß in den Gelenken, hier zuweilen fast grüngelblich, besonders bei jungen Vögeln; eine bleiche Färbung, welche im Tode etwas dunkler und grünlicher wird, im getrockneten Zustande aber in schmutziges Olivengrün, ja fast in Grünschwarz übergeht. In diesem Zustande verliert sich am Schnabel auch die bläuliche Bleifarbe an der Wurzelhälfte und zunächst dem Kinne, und verwandelt sich in ein dunkles Braun, so daß die richtigen Farben dieser Theile und der Füße, welche sie am lebenden Vogel haben, sich fast nicht mehr ahnen lassen. Dieser Umstand ist darum sehr wichtig, weil er vie meisten Schriftsteller verleitete, falsche Beschreibungen davon zu geben. Das Gefieder dieses Vogels hat ungemein vieles und reines Weiß, welches im Fluge besonders sichtbar wird. Das Jugendkleid, dasjenige, in welchem wir im mittlern Deutschland unsern Vogel am öftersten sehen, daher das bekannteste, hat folgende Zeichnungen: Die Zügel sind in einem Streife bis an das Auge schwarzbraun oder dicht schwarzbraun getüpfelt; der Ansang der Stirn und von hier ein Streif über das Auge hinziehend, nebst einem kleinen Augenkreise, rein weiß; der Oberkopf schwarz- *) Hierauf indessen eine langbeinige und eine kurzbeinige Art annehmen zu wollen, wie eS H. Brehm (s. Beitr. III. S. 517 u. f.) gethan, kann daher nicht Statt finden. Ich habe gerade einen Vogel vor mir, welcher das Gegentheil beweist, mitten im Uebcrgange von, Jugend- zu», Winterkleid« steht, und genau so aussieht, wie er sE. 523.) seine» rot. beschreibt, aber so kurze Beine hak, als sie selten bei unsrer Art, vorkommen, da das Nackte über der Ferse kaum etwas über 1 Zoll, und die Lusswnrzel eben so nur 2'si Zoll mißt. XU. Ordn. uvu. Gatt. 232. Hellfarb. Wassert. 149 braun, weiß gestreift, weil die Federn sehr breite weiße Seitenkanteu haben; Wangen und Hinterhals grauweiß, mit dunkelbraunen Län- geflcckchen mehr oder weniger dicht gestreift, an der Halswurzel, dem Rücken näher, stärker schwarzbraun gefleckt; Kinn, Kehle und Obergurgel, so wie von derObcrbrust an alle untern Theile bis an den Schwanz blendend weiß; nur der Vorderhals seitwärts und die Kropfgegend haben auf weißem Grunde schwarzbraune, länglichte, länglichrunde oder fast dreieckige, kleine Fleckchen, welche an den Seiten der Obcrbrust etwas breiter, aber auch viel bleicher werden, an den Enden der Federn stehen und hier allmälig verschwinden; die Zeichnung dieser letzten Theile, in Form und Zahl, auch Farbe der Flecke, ist bei verschiedenen Individuen ziemlich verschieden. — Die Federn auf dem Oberrücken und an den Schultern sind schwarzbraun, mehr oder minder dunkel, mit tief schwarzen Schäften und gelbbräunlichweißen oder schmutziggelbweißen, scharfgczeichneten Kanten, die an den Spitzen aber nur ganz schmal sind, an den größesten Schulterfedern nach innen eine wogenformige Begrenzung haben, die dunkler, fast schwarz schattirt ist; an den Hinteren Schwingfe- dern und den großen Flügeldeckfedern, welche dieselbe Farbe und Zeichnung haben, ist diese dunklere Schattirung längs der Innenseiten der schmutzig gelbweißen Kanten noch deutlicher dargestellt, und an den größesten Federn geht sie hin und wieder in eine säge- zackenartig gefleckte über; die übrigen Flügeldeckfedern schwarzbraun, schmutzig gclbweiß gekantet, die kleinsten aber nur licht gesäumt oder fast einfarbig schwarzbraun. Die Fittigdeckfedern sind braunschwarz, einige mit weißen Endkäntchen; das kleine, sehr schmale, spitzige Pseudo-Schwingfederchen an der ganzen Außenfahne, dem Schafte und der Spitze weiß, auf der Innenfahne schwarzgrau; die Schwing- federn erster Ordnung braunschwarz, die vorderste allein mit weißem Schafte, die übrigen mit braunen Schäften, die hintersten mit weißen Spitzenkäntchen, alle auf der Innenfahne nach der Wurzel zu rauchfahl, welches an denen zweiter Ordnung, die überhaupt sehr matt schwarzbraun aussehen und trübe weiße Seiten- und Endkäntchen haben, in grauliches Weiß übergeht, was noch braun bespritzt ist; der Mittelflügel hat also von oben äußerst wenig oder gar kein reines Weiß. Aus der untern Seite sind die Schäfte aller Schwing- fcdern weiß, diese selbst silbergrau, auf der innern Fahne wurzel- wärts weiß, grau gesprenkelt, die Fittigdeckfedern silbergrau, weiß gekantet; die übrigen Decksedern weiß, mit braungrauen wellenartigen Flecken nicht dicht bezeichnet, die langen unter der Achsel fast j5l) XU. Ordn. I^VU. Gatt. 232. Hellsarb. Wassert. rein weiß, der Flügelrand weiß und graubraun geschuppt. Der ganze Unterrücken und der Bürzel sind schneeweiß, nur die Oderschwanzdeckfedern haben einzelne graubraune, abgebrochene Wellen- fleckchen; der Schwanz weiß, mit vielen (10 bis 11) schmalen, schwarzbraunen Querbändern durchzogen, doch so, daß diese an den beiden Mittelfedern, welche auch noch rüthlichgrau überlaufen und zum Theil braun bespritzt sind, fast nur allein alle durchlaufen, an den folgenden Federn dies nur noch an der Endhälste thun, an der Wurzelhälfte aber bloß als Omerfleckchen auf der Außenfahne stehen nnd den Schaft nicht erreichen, an den Federn weiter nach außen aber der innern Fahne ganz fehlen und nur auf dem Rande der äußern stehen, an dem alleräußersten Paare aber fast ganz verschwinden (welches also beinahe ganz weiß ist), oder als kleine Spritzfleck- chen sogar in zarte Längestreifchcn zusammenfließen; von der untern Seite sieht daher der Schwanz fast ganz rein weiß aus. Wie schon erwähnt, zeigen sich an den Flecken des Vorderhal- ses bei diesen jungen Vögeln mancherlei Verschiedenheiten, die theils jn einer mehr oder weniger häufigen Anwesenheit, theils in der Größe derselben bestehen, und diesen Theil bald stärker, bald schwächer gefleckt erscheinen lassen; bei manchen geben sie fast den dunklem und rundlichem des Frühlingskleides wenig nach, kommen aber doch nie ganz so groß vor. Sehr oft ist der Hals der Weibchen klarer und nicht so dicht gefleckt als bei den Männchen; doch giebt dies kein standhaftes Unterscheidungszeichen ab. Ferner zeigt der Mantel ebenfalls mehrmals einige Abweichungen, theils in der mehr oder weniger dunkeln Grundfarbe, theils und hauptsächlich aber an den Kanten des Gefieders dieser Theile, die bald schmäler, bald breiter sind, entweder in einer Parallellime mit dem Rande sich scharf von der Grundfarbe trennen, wobei sie aber an den Seiten der Federn stets breiter als an den Spitzen sind, oder aber an der Grundfarbe entlang eine Wellenlinie bilden, deren Buchten dunkler ausschattirt sind, in welchem Falle diese hellen Federkanten viel breiter sind als im ersten, eine Verschiedenheit, welche sehr in die Augen fällt, zumal wenn man die Extreme zusammen vergleichen kann.— Auch die Farbe der hellen Federeinfaffungen des Mantels ist bedeutend verschieden, dies aber doch mehr als eine Folge des lungern Gebrauchs; denn am frischen Gefieder, in den ersten Monaten ihres Daseins, sind sie rostgelb, nach und nach werden sie, durch Abblei- chen, gelbbräunlich weiß; dies Letzte gewöhnlich kurz vor der ersten Herbstmauser, wo sie durch Verstoßen der Federränder etwas an XII. Ordn. I^VII. Gatt. 23S. Hellfarb. Wassert. 151 Breite verloren haben, wo dann aber auch immer die schwarzbraune Grundfarbe des Gefieders sehr abgeschossen und fahl geworden, und das Aussehen des Ganzen sehr verschlechtert ist. Die jungen Vogel erkennt man übrigens auch noch an den dicken Fersengelenken, die sich erst nach und nach verlieren, aber doch bis zur Herbstmauser bemerklich bleiben. Das Winterkleid hat noch mehr Weiß als das jugendliche Gewand, und die obern Theile sehr lichte Farben. Bei jungen Vögeln von demselben Jahre findet man es bei denen, welche sich in unsern Gegenden verspätigt, im October und November schon ziemlich vollständig, früher aber noch sehr mit Federn des Jugendkleides vermischt, welche es deutlich zeigen, wie der Vogel aus diesem in jenes übergeht. — Die Zügel und Mitte der Stirn haben auf weißem Grunde schwärzlich branngraue Tüpfel oder Punkte, bald mehrere, bald nur wenige, die Wangen dergleichen Strichelchen, der Scheitel stark ausgedrückte Längeflecke, die oben auf dem Hin- terhalse matter und unordentlicher ausfallen und an den Halsseiten, besonders an denen des Kropfes, in feine Strichelchen übergehen; letztere sind auch noch braungrau bespritzt. Der Oberrücken hat im Grunde lichtgraue, nach dem weißen Rändchen zu braungrau vertuschte, mit braunschwarzen, bald mehr bald weniger auffallenden Schaftstrichen versehene Federn; die Schultern, die Hintere lange Flügelspitze nebst den großen und mittlern Fkügeldeckfedern sind lichtgrau, nach den mit schwarzbraunen Zackenfleckchen besetztem Rande, braungrau schattirt, mit weißen Säumchen und mehr oder weniger stark gezeichneten braunschwarzen Schäften; das klebrige des Flügels wie in den andern Kleidern, die kleinen Deckfedern nämlich matt schwarzbraun, weißgrau gesäumt; die großen Schwingen braunschwarz, die erste mit weißem Schaft; die zweite Ordnung grau, mit braunem Rande und schmaler weißer Kante, besonders am Ende. Auf der Unterseite sind alle Schäfte der Schwingfedern weiß, die Fahnen selbst glänzend grau, in Braungrau übergehend an der schmalen Fahne und Spitze, an der breiten aber wurzelwärts braungrau und weißlich bespritzt und punktirt; die untern Flügeldeckfedcrn weiß, mit dunkelgraubraunen Pfeil- und Wellenflecken. Der weiße Schwanz hat viele abgebrochene, schmale, graubraune Zickzacks- oder Wellenbinden, besonders an den Außcnfahnen, wo sie einzeln, aber selten, in abgebrochene Längsstreifchen ausarten, und die beiden Mittelfedern sind hell aschgrau überflogen, bei manchen Individuen auch so stark röthlichaschgrau überstrichen, daß kaum etwas von der dunkeln 152 XII. Ordn. I.VII. Gatt. 232. Hellsarb. Wassert. Zeichnung hindurch leuchtet; die obern Schwanzdeckfedern mit einzelnen, grau- oder schwarzbraunen Pfeilfleckchen bestreuet, der Schwanz aber von unten, weil die dunklen Fleckchen oder Streifchen meistens nur auf den Außenfahnen stehen, fast ganz weiß. Alles klebrige der untern Seite des Vogels von dem Augenstreif, dem Kinne und der Gurgel bis an das Schwanzende, und oben vom Mittelrücken bis auf den Schwanz blendend weiß. Viel Verschiedenheit von diesem zeigt der alte Vogel in dem nämlichen Kleide, das dieser aber bei seinem Hiersein nie vollständig erhalt, und es erst im südlichen Europa und in Afrika vielleicht mitten im Winker bekömmt. Eine bedeutende Anzahl von Exemplaren in diesem Kleide schickten die Herren Hemprich und Ehrende rg aus Nubien u. s. w., welche mir aus dem Berliner Museum gütigst zur Ansicht u. dergl. mitgetheilt wurden. Der hell buntscheckige Oberrücken unterscheidet sie am meisten von denen im ersten Winterkleids, das Grau am Mantel ist viel reiner, und die schwarzbraunen Randfleckchen sind weit deutlicher gezeichnet. An sehr alten Vögeln im vollständigen Winterkleide ist das Weiß noch verbreiteter und blendender, auch an den andern gefleckten Theilen vorherrschender, als bei den jüngern; die matt braunschwarze Farbe zeigt sich an den Zügeln in wenigen kleinen Tüpfeln, auf dem Scheitel in kleinen, bestimmtem Längeflecken, am Hinter- halse in schmalen, abgesetzten Längestreifchen, an den Wangen, den Hals- und Kropfseiten in äußerst feinen Strichelchen, aber aus dem sehr scheckichten Oberrücken, dessen hellgraue Federn weiße Kanten haben, in dicken kurzen Schaftstrichen und etwas verwischten Randfleckchen. Die Grundfarbe an den Schultern, der Hintern großen Flügelspitze, nebst den großen und mittlern Flügeldeckfedern, ist ein sehr lichtes, ziemlich reines, röthliches Aschgrau, mit weißen Fe- derkäntchen und hinter diesen entlang mit schwarzgraubraunen, schmalen Zickzacklinien oder zackichten Fleckchen, und mit feinen schwarzen Schaftstrichen, eine schöne und viel geregeltere Zeichnung als bei jüngeren Individuen. Die schwarzgraubraunen Striche und zackichten Äuerlinien auf den Schwanzfedern sind viel feiner als an den jüngern Vögeln, und die mittlern Federn haben nur einen sehr schwachen grauen Ueberflug nach der Spitze zu, die längsten Oberdeckfedern auch nur wenige und sehr feine abgebrochene Zickzacks. — In einiger Entfernung scheint der Mantel nur weißgrau, andere Theile noch Heller, und an den meisten ist das Weiße die herrschende Farbe, welches Alles zusammen, in der Ferne gesehen, ein ganz XII. Ordn. I^VII. Gatt. 232. Hellsarb. Wassert. 153 weißschimmelichtes Aussehen giebt, wie es kein anderer Schnepfen- vogel hat. Das Frühlingskleid hat nicht so viel Weiß, wenigstens darauf viel zahlreichere und größere dunkle Flecke und einen dunkler gefärbten Mantel. Wir sehen es bei uns fast nie rein, weil der Vogel auf dem Heimzuge im Frühjahr unsern Länderstrich nur selten trifft und auch darin fast niemals rein vermausert erscheint. Durch Herrn Geheimerath Lichtenstei n's Güte habe ich es in verschiedenen Exemplaren in den Händen gehabt, die das Berliner Museum theils aus Afrika, theils aus Asien, eins auch aus den Gegenden am Ural erhalten hatte, allein auch unter diesen habe ich keins gefunden, das nicht wenigstens noch einzelne Federn des Winterkleides zwischen den neuen des Sommerkleides, namentlich zwischen den Oberrücken - und Schulterfedern, getragen hätte. Nur bei wenigen und ganz alten Vögeln wird es im Sommer und kurz vor einer neuen Herbstmauser ganz vollständig angetroffen. -Der ganze Kopf, Hals und die Oberbrust sind weiß, jedoch bloß das Kinn ungefleckt; die übrigen Theile braunschwarz gefleckt, nämlich: an den Zügeln in dichtstehenden Tüpfeln, auf dem Scheitel in starken Längeflecken, an der Kehle und den Kopfseiten in länglichten, auf der Gurgel in ovalen, am Kröpfe und den Seiten der Oberbrust größer werdenden, Flecken, an den Wangen, dem Seiten- und Hinterhalse in abgebrochenen Längestreifchen, und an der Halswurzel in unordentlichen dichtstehenden Flecken, wovon die auf dem Hinterhalse am schwächsten gezeichnet sind; in den Weichen stehen auch einige Zickzacks. Alle übrigen untern Theile bis an den Schwanz, auch dessen untere Deckfedern, der Bürzel und Unterrük- ken rein weiß; chie Oberschwanzdeckfedern weiß, mit braunen Zickzacks; die mittelsten Schwanzfedern röthlich aschgrau überlaufen, braun bespritzt und mit braunen Schäften, die übrigen weiß, alle mit schmalen, zackichten, braunen Querstrichen, die an den äußern Federn immer undeutlicher werden und auf der äußersten kaum noch Pünktchen sind; die innern Fahnen der drei äußersten sind fast ganz ohne alle Zeichnung. Der Oberrücken ist tief schwarz, mit grauweißen Federkanten,, die an den Seiten der Federn am breitesten sind und so die Grundfarbe meist zu dreieckigen Flecken bilden; die Schul- tersedern und die der Hintern langen Flügelspitze schwarz, mit röth- lich grauweißen Sägezacken am Rande, jedoch viele Federn mit einem stärker» oder schwächern aschgrauen Anstriche hinter den Säge-, zacken, so daß an manchen nur die Zwischenräume der hellen Zacken- 154 HI. Ordn. l^VII. Gatt. 232. Hellfarb. Wassert. flecke und die Mitte der Feder in einem lanzett- oder beinahe tropfenförmigen Fleck rein schwarz bleiben; die Flügeldeckfedern wie am Winterkleide, nur mit einzelnen neuen, dunkel aschgrauen, in ihrer Mitte und hinter dem weißlichen Zackenrande schwarzen Federn, welche sehr gegen die alten abgebleichten abstechen; alles Uebrige des Flügels wie schon beschrieben. — Wie sich vergleichsweise an trockenen Bälgen errathen läßt, scheint bei allen Vogeln der schwarze Schnabel an der Wurzel der Unterkinnlade röthlich, und die Füße blaugrün, dunkler als an den jungen Vögeln gewesen zu sein. Da ich seit vielen Jahren eine sehr große Anzahl dieser Vögel in allen Kleidern und den Uebergängen von einem in das andere, sowol im frischen Zustande als ausgestopft, gesehen und untersucht, eine Menge derselben selbst geschossen und sie im Leben in verschiedenen Gegenden beobachtet habe, mir aber niemals in ihrem Betragen, der Stimme, Nahrung u. s. w. etwas aufgefallen ist, das noch eine zweite oder gar auch noch eine dritte Art unter denselben vermuthen ließe, wie erst neulich H. Brehm (s. dessen Handbuch rc. mit den 900 einheimischen Vögelgattungcn, S. 630—632) behauptet hat, mir selbst auch an den todten Bälgen aus fernen Gegenden nur so kleinliche Verschiedenheiten vorgekommen sind, wie man sie bei jeder andern Vogelart findet, so sind solche Aufstellungen, die auf keinem hinreichenden Grunde beruhen, durchaus für unstatthaft zu erklären. Ich hoffe durch obige richtige und genaue Beschreibungen und die beigefügten naturgetreuen Abbildungen den zwiefachen jährlichen Federwechsel der alten und der jungen Vögel so dargestellt zu haben, daß man sich endlich in den vorkommenden verschiedenen Kleidern zurecht finden wird. Die Verwirrung bei dieser Art war bisher in der That groß. Selbst Leisler (a. a. O.) hatte sich sehr geirrt, indem er das Winterkleid zum Hochzeitskleide machte, dieses gar nicht kannte, und bei dieser Art gar nur eine einfache Mauser annahm.— Brehm beschrieb (s. dessen Beitr. III. S. 513—527., dessen Lehrbuch II. S. 604.) das Herbstkleid falsch, und nahm den Vogel im eigentlichen Herbstkleide gar für eine besondere Art. Auch Lemminck (Mm- II. p. 659. 660.) beschreibt das Winterkleid falsch; er hatte, wie nach ihm Brehm, das Jugendkleid dafür genommen. Keinem von Beiden siel es ein, Leis- ler's Irrthum zu bemerken, obgleich seine kurze Beschreibung ganz deutlich namentlich das Winterkleid unter der Überschrift „hochzeitliches Kleid" darstellt. Ein sicherer Unterschied zwischen beiden Geschlechtern, so- XU. Ordn. Gatt. 232. Hellfarb. Wassert. 155 wol in Winter- wie in Sommertracht, läßt sich am Aeußern derselben nicht auffinden; denn daß fast immer die Weibch en ein weniger schön ausgefärbtes Gewand haben als die Männchen, findet sich auch bei jüngern Vögeln im männlichen Geschlechte, wenn man sie mit ältern vergleicht. Die Mauserzeit der jungen Vögel ist der September und zwar gewöhnlich erst die letzte Hälfte desselben, und sie dauert durch den October. Ob sie bei den Alten früher oder später beginnt, läßt sich nicht gut ermitteln, weil solche in unsern Gegenden ungleich seltener erlegt werden, jedoch wäre wol das Erstere zu vermuthen. Alte, rein ausgemauserte Wintervögel erhalten wir nur aus südlichern Ländern, in welchen sie überwintern, junge bei uns auch nur selten, weil uns ebenfalls die meisten schon verlassen, ehe sie noch das vollständige graue Winterkleid angelegt haben; denn verspätete, im November einzeln auch hier erlegte, haben es sehr selten schon vollständig. Die Zeit der Frühlingsmauser ist ebenfalls schwer anzugeben, weil der Vogel in dieser Zeit im mittlern Deutschland zu den Seltenheiten gehört, und an seinen Sommerwohnorten, wo er sich fortpflanzt und in dieser Zeit sein Hochzeitskleid erst vollständig erhält, keine Beobachtungen darüber gemacht sind. Die meisten von den zu dieser Zeit in Deutschland erlegten waren noch im Winterkleids, und nur alte Vögel, im Juli erhalten, bei uns ein höchst seltenes Vorkommen, tragen das Hochzeitskleid ganz vollständig. Aufenthalt. Der hellfarbige Wasserläufer gehört unter die weitverbreiteten Arten, denn er kommt außer Europa auch in Asien, Afrika und Amerika vor; in Nordamerika wir in Südamerika lebt jedoch auch noch bestimmter eine andere ihm sehr ähnliche, aber hochbeinigere Art, ^otunus mvlimolvuvos (des Berliner Verzeichnisses). Asien scheint er nicht nur in den nördlichen Theilen zu bewohnen, da man ihn vom Ural an aus mehrern Gegenden Sibiriens erhalten hat, sondern in diesem Erdtheile auch tief nach Süden her- abzugehen, wie aus Bengalen erhaltene Stücke bewiesen haben. Im nördlichen Afrika, namentlich in Aegypten und Nubien, kömmt er häufig vor. In unserm Erdtheile haben ihn, mit wenigen Ausnahmen, fast alle Länderstriche, vom Polarkreise an bis über die südlichsten Grenzen hinab. Auf den Shetlandsinseln, den Färbern und Island hat man ihn nicht bemerkt, einzeln aber 156 XII. Ordn. Gatt. 232. Hellsarb. Wassert. in Norwegen noch bis gegen den Polarkreis hin, doch im mittlern erst häufiger; dasselbe mag auch von Schweden, Finnland, Rußland u. s. w. gelten. Deswegen darf er für uns nicht ein nördlicher, sondern ein nordöstlicher Vogel heißen, weil er in dett von uns nach Osten zu gelegenen Ländern immer häufiger wird. Seine Sommerwohnorte liegen allenthalben in der Nähe der kalten Zone, und das übrige Europa sieht ihn nur in den beiden Wanderungsperioden, vorzüglich in der herbstlichen, und die südlichsten Theile sind sein Winteraufenthalt. In jener Zeit wird er in keinem Theile des europäischen Festlandes, weder im Innern noch an den Küsten, vermißt, obwol er manche Striche häufiger besucht als andere, und man findet sein Vorkommen von Rußland, Preußen, Polen, Ungarn, ganz Deutschland, Holland, der Schweiz, Frankreich bis zur pyrenäischen Halbinsel angezeigt, begreift auch England darunter, und traf ihn in Menge überwinternd an den Küsten des südlichen Frankreichs, Italiens, Griechenlands und den jenseitigen von Afrika bis nach Nubien hinab. In Deutschland haben ihn im Spätsommer alle geeigneten Gegenden alle Jahre, wenigstens einzeln, in manchen auch ziemlich häufig, und er darf wenigstens nirgends unter die seltenen Vögel gezählt werden, so auch in unserm Anhalt; allein im Frühjahr gehört er in allen deutschen Ländern durchaus unter die Seltenheiten, obwol er dies doch noch etwas weniger ist als die vorherige Art. Als Zugvögel zeigen sich die ersten zuweilen schon in der letzten Hälfte des Juli bei uns, und man hat aus diesem frühen Erscheinen folgern wollen, daß ihre Brüteorte gar nicht so fern von uns liegen möchten, welches jedoch der Fall nicht zu sein scheint. Im August und der ersten Hälfte des September sehen wir die meh- resten hier durchwandern; doch ist ihre Anzahl, mit der anderer Strandvögel verglichen, keine sehr große, und möchte er darin die vorige Art kaum übertreffen, der des Gambettwasserläufers aber gewiß nicht beikommen. Dies auch nach allen Anzeigen aus andern Ländern. Im October bemerkt man nur noch hin und wieder einen einzelnen Vogel der Art, was wol Anfangs November noch vorkommen kann, wenn der dermalige Herbst spät hinaus noch gute warme Witterung enthielt. Sobald sich Fröste einstellen, verschwinden alle. Die Orte ihres Winteraufenthaltes sind oben schon genannt, aber wir wissen nicht, wie es zugeht, daß im Frühjahre so wenige dieser Vögel durch unser Land nach ihren nordischen Sommerwohnsitzen zurückkehren; denn sie gehören in der Frühlingszug- Xll. Ordn. I^VH. Gatt. 232. Hellfarb. Wassert. 157 zeit im April und Mai, wie schon erwähnt, unter die Seltenheiten, zumal an kleinen Gewässern. Wollte man glauben, daß sie dann nur an größer» Gewässern sich niederließen, wie für unsere Gegend z. B. der salzige und süße See im Mannsfeldisehen ist, wo man sie dann freilich noch am öftersten, einzeln oder paarweise sieht, so streitet dagegen, daß dasselbe im Herbste auch der Fall ist, wo sie dort auch in viel größerer Anzahl vorkommen als an unsern kleinern. Teichen. Es ist viel wahrscheinlicher, daß sie auf dem Heimwege nach dem wahren Vaterlands sich östlicher halten und die Mehrzahl unsere Gegenden nicht trifft, eben so wie die vorbeschriebene Art, die aber zum Theil noch östlicher zu wohnen scheint. Wie andere Wasserläufer, ist auch dieser ein halber Nachtvogel, weshalb er auch seine Reisen des Nachts, oder wenn diese zu dunkel sind, in d"r Morgen- und Abenddämmerung macht, aber sehr selten am Tage fortzieht, gewöhnlich dann an demselben Gewässer verweilt, oder, wenn es klein ist und Störungen vorfallen, an eins der nächsten seinen Aufenthalt verlegt und damit gelegentlich wechselt, ohne einer bestimmten Richtung zu folgen, die sonst auf dem wirklichen Zuge eine westliche ist. Auf diesen Reisen schwingt er sich in großer Höhe durch die Lüfte, fliegt auch sonst über Land fast immer sehr hoch, und nur niedrig, wenn er bloß eine kurze Strecke zu durchstiegen hat, von einem nahen Ufer zum' andern. Viele wandern einzeln, manche auch paarweise und zu 3 bis 5 Stücken mitsammen, seltner in Flügen von 10 bis 20 Stücken oder in noch zahlreichern Vereinen. Manche einzelne machen am Tage auch nicht selten die Anführer ganzer Heerden von Strandläufern, aber nicht auf der wirklichen Wanderung, wo ihnen diese auf die Länge doch nicht würden folgen können. Obgleich sein Aufenthalt oft gewisse Küstenstriche sind, so ist er doch eigentlich nicht Seevogel, und er scheint das Seewasser nicht besonders zu lieben. Am ersten sieht man ihn noch in den stillen Buchten und auf schlammigen Watten, wenn aber süße Wasser in der Nähe sind, immer mehr an diesen. Während einer mehrwöchent- lichen Anwesenheit an der Nordsee, zu einer Zeit, wo der Frühlings- zug noch nicht beendigt war, habe ich dort nur einen einzigen gesehen. Aber an Landseen und andern stehenden Gewässern, an den freien Wasserflächen in den großen Brüchern, an allerlei Leichen und Wasserlachen, an breiten Gräben und Wasserfuhrten in tiefliegenden, ruhigen Gegenden, endlich an den Ufern der Flüsse, wird unser Vogel auf seinem Durchzuge im Spätsommer in unsern Ge- 158 XU- Ordn. Gatt. 232. Hellfarb. Wassert. genden gar nicht selten und in manchen Jahren sogar ziemlich häufig gesehen. Von Wald und Gebüsch halt er sich stets möglichst entfernt, und die Gewässer, an welchen solche gar nicht vorkommen, wo überhaupt die ganze Umgegend frei davon ist, sind ihm die liebsten, und er verschmähet die kleinsten Feldteiche nicht, wenn sie ganz freie Umgebungen und seichte Ufer haben; doch scheuet er eine Reihe Kopfweiden an solchen auch nicht. Für die hiesige Gegend giebt es kein mehr oder weniger bedeutendes Wasser, woran man nicht irgend ein Mal in der Zugzeit unsern Wasserläuser angetroffen hatte, selbst die in der Nähe der Dörfer und Gehöfte nicht ausgenommen, an welchen er dann freilich, als furchtsamer und vorsichtiger Vogel, selten lange Ruhe hat. So findet er sich auch alle Jahre mehr oder weniger oft, meist einzeln, doch aber auch zuweilen in mäßigen Flügen, auf den Teichen bei meinem Wohnorte ein, wo ich Gelegenheit finde, ihn oft zu erlegen, aber sobald ich seine Lockstimme vernommen, nach dem Gewehr greifen und die Jagd beginnen muß, weil sonst, des vielen Verkehrs wegen, er sich selten längere Zeit hier aufhalten kann und immer bald verscheucht wird. Ein so aufgescheuchter Vogel setzt sich nicht oft zum zweiten Male an denselben Teich, wenn er nicht sehr groß ist, dann gewöhnlich an das entgegengesetzte Ufer; sieht er sich vollends verfolgt, so steigt er gleich in die Luft und begiebt sich so weit weg, daß er bald den Augen entschwindet. Im Anfange der Zugzeit halten einzelne Vogel sich zuweilen mehrere Tage an solchen Orten auf, wo es ihnen behagt, haben aber gewöhnlich mehrere Leiche und Gewässer, welche sie abwechselnd besuchen, wenn sie an dem einen aufgescheucht werden, an den andern fliegen und nachher wieder kommen, selbst wenn der Zwischenraum eine halbe Stunde Weges und noch mehr beträgt. In der Wahl seiner Aufenthaltsorte ähnelt er dem dunkelfarbigen Wasserläufer fast ganz, zum Theil auch dem punktir- ten; an unter Gebüsch versteckten kleinen Gräben und kleinen Wassertümpeln im Walde oder dicht hinter den Häusern, welche der letzte alle so gern aussucht, läßt er sich jedoch nicht nieder; aber an den Flüssen ist er an ganz ähnlichen Orten, nämlich in den stillen Winkeln, wo die Ufer seicht und etwas schlammig sind. Er verweilt dagegen in ganz sandigen und steinigen Flußbetten, und wo das Wasser schnell vorüberrauscht, nie lange. Selbst an größer» Teichen und an den Landseen sucht er die schlammigen Stellen auf XSI. Ordn. i.vu. Gatt. 232. Hellfarb. Wassert. 159 und vermeidet die sandigen und steinigen.") Seine besondern Lieblingsplätze sind lange, schmale, weit ins Wasser hinausreichende Landzungen mit schlammigem Boden. Wo es solche giebt,, sieht man in der Zugzeit alle an dem Teiche sich niederlassende Bögel dieser Art bestimmt fast nur auf diesen. Am mehrerwähnten Salzsee im Mannsfeldischen giebt es eine 4 bis 5VY Schritte lange schmale Erdzunge, an einer der ruhigsten und ungestörtesten Stellen des Seeufers, doch weilt nie ein hellfarbiger Wafferläufer auf ihr, weil sie durchaus aus Sand besteht; dagegen hat, fast eine halbe Stunde davon, ein großer Teich ebenfalls eine lange, schmale, doch viel kleinere Erdzunge, welche sich aus einem Rasenplatze in die Wasserfläche hinein streckt, aber aus fettem Schlamme besteht, und auf dieser wird es in der Zugzeit nie leer von diesen Vögeln, welche von hier, aufgescheucht, ihren Weg gerade zum See nehmen, hier aber nicht am See, sondern an einem andern großen Leiche, dicht daneben, wieder ihre Lieblingsplätze haben, wo sie sich niederlassen, und bei Störungen auf diesen sie abermals mit jenen wechseln. So kann man die meisten an einem Tage mehrmals hin und her treiben. An dem letzten Teiche giebt es nun zwar keine Landzunge, sondern bloß von der Landseite, die hier ziemlich lebhaft ist, durch hohes Rohr und Schilf gedeckte und nur von der Wasserseite ganz freie schmale, schlammige Erdbänke, die sich nur wenig über den Wasserspiegel erheben. Solche Plätzchen hat der See selbst nur wenige, daher kommen die allermehresten hellfarbigen Wasserläufer weniger an ihm als an seinen Nebenteichen vor. Auch an andern Gewässern sind seine Lieblingsplätzchen oft solche vom Ufer aus durch hohe Wasserpflanzen, seltner Weidengesträuch, öfter aber durch ein höheres Ufer selbst geschützte flache Schlammstellen, so daß er zuweilen vor zufällig dahinkvmmenden Menschen, die er nicht nahen sah, erst erschreckt herausfliegt, wenn er ihre Fußtritte hört. Er verkriecht oder versteckt sich jedoch niemals zwischen den Wasserpflanzen oder in andere Schlupfwinkel, und legt sich nur vor Raubvögeln platt aufs Freie nieder; alle andern Gefahren erwartet er frei dastehend, bis zu dem Zeitpunkte, wo er glaubt abfliegen zu müssen. So steht er zwar auch zuweilen an Stellen, wo Binsen °) Die» widerspricht freilich LeiLIer's Angabe, welcher diese Vogel am Mainufer, auch an Teichen, nur an von der Sonne beschienenen, flachen und steinigen Stelle» an- serroffen haben will. Wir bleiben indessen der Wahrheit getreu und theilen hier mit, was u„» langjährige Beobachtungen lehrten, ohne uns durch einseitige Erfahrungen Anderer irre machen zu lassen. 160 XU. Ordn. L.VH. Gatt. 232. Hcllfarb. Wassert. und höhere Gräser aufschössen, doch nie, wo diese sehr dicht stehen, und auch immer nur an solchen Stellen, wo ihm von mehrern Seiten die freie Aussicht, wenigstens nach der Wasserfläche zu, offen bleibt. An kleinen Leichen bleibt er indessen nicht lange an einer Stelle, sondern folgt dem Wasserrande, nach allen Seiten und Wendungen herumgehend. Will er sich an einem Ufer niederlassen, wo er sich nicht ganz sicher glaubt, oder schon böse Erfahrungen gemacht hatte, so umkreist er im niedrigen Fluge und in verschiedenen Wendungen erst einige Mal einen solchen verdächtigen Ort, setzt sich dann zwar, steht aber noch eine Weile in ziemlich aufrechter Stellung, mit ausgedehntem Halse, ehe er es wagt, weiter zu schreiten und nach Nahrung zu suchen. Seine Schlafstellen sind, eben wie bei andern Arten dieser Gattung, dicht am Wasser; er steht da gewöhnlich auf einem Beine, Kopf und Schnabel unter die Rückenfedern versteckt, schlaft meistens in der wärmsten Lageszeit, seltner einige Stunden in der Nacht, und dies nur in ganz finstern Nächten, und hat einen sehr leisen Schlaf. Am muntersten ist er, wie alle ähnliche Bögel, in der Abend- und Morgendämmerung, in welcher er sich mit großer Unruhe an den Ufern ohne besondere Auswahl herumtreibt, alle Arten derselben auf kurze Zeit besucht, und auch dreister als am Tage ist. > Eigenschaften. Ein stattlicher, angenehm gebildeter Vogel, von keinem andern Wasserläufer an Munterkeit, Gewandtheit und einem gewissen Anstaube in seiner Haltung und in seinen Bewegungen übertreffen, ist unser Vogel wegen seiner Größe einer der ansehnlichsten, und durch sein hellfarbiges, mit sehr vielem Weiß abwechselndes Gewand schon in der Ferne leicht vom dunkelfarbigen, wie an dem Mangel des Weißen im Mittelflügel von dem, an sich auch kleinern, Gam- bettwasserläufer zu unterscheiden. Das Letztere wird besonders an den fliegenden Vögeln sehr sichtbar, wo ohnedies eine große Ähnlichkeit in den Stimmen leicht zu einer Verwechslung mit der zuletzt genannten Art Veranlassung geben kann, und auch oft genug gegeben Haben mag. Er steht sehr oft, besonders wenn etwas schon von der Ferne her seine Aufmerksamkeit erregt, mit aufgerichteter Vorderbrust und ausgedehntem, erhabenem Halse, hoch auf den Beinen, die, wie bei andern ähnlichen Vögeln', in der Ferse fast gar keine Beugung Xll. Ordn. Gatt. 23S. Hell färb. Wasserl. L6L zeigen, und so auf den Zehen, daß der gemeinschaftliche Ballen derselben auf festem Boden diesen nicht berührt. Schreitet er in solcher Stellung weiter, so ist es ein Zeichen, daß er so eben wegfliegen wird; denn im ruhigen Gehen trägt er den Körper fast wagerecht, und nach Nahrung suchend den vordem Theil noch tiefer gesenkt als den Hintern. Sein Gang ist leicht und behend, aber nur in besondern Fällen schnell laufend, da er gewöhnlich nur, um schneller vorwärts zu kommen, seine Schritte weniger verdoppelt, als sie vielmehr vergrößert oder verlängert. Er wadet dabei oft bis an den Bauch ins Wasser, schwimmt zwar seltner als die vorige Art, scheuet sich jedoch nicht über tiefere Stellen, wenn er sie gerade nicht gut vermeiden kann, auch dies zu thun. In LcbensgcfD: schwimmt er nicht allein gut, sondern taucht auch vortrefflich, wobei er unter dem Wasser mit den Flügeln fortrudert. Jenes eigenthümliche Nicken, den Hals schnell gedehnt und nebst der Brust in die Höhe gezogen, und eben so schnell wieder gesenkt, hat er mit den andern Arten dieser Gattung gemein, und übt es, wie sie, wenn er Gefahr ahnet und diese sich nähert, oder wo er sich unsicher glaubt, daher kurz vor dem Abfliegen oder gleich nach. dem Niedersetzen an einen verdächtigen Ort. Es geschieht nur einzeln und in langen Zwischenräumen, aber nie weder schnell noch vielmals nach einander. Sein Flug ähnelt ebenfalls dem anderer Wasscrläufer sehr, ist schnell und gewandt, meistens in raschen und kräftigen Schwingungen der nicht sehr vom Körper hinweg gestreckten Flügel, so das; die Kante des Vorderflügcls, vom Handgelenk bis zur Spitze, häufig eine Parallellinie mit dem Körper, dem lang ausgestreckten Halse und den hinten gerade'hinaus gestreckten Beinen bildet, zumal wenn der Vogel mit seltnem Flügclschlägen in schiefer Richtung aus der Höhe herabkömmt, um sich bald niederzulassen, wo er dann unglaublich schnell durch die Luft fährt, oder wenn er sich gar beinahe senkrecht und mit hörbarem Sausen der Schwingen herabwirst, um den Sturz zu mäßigen, den Körper in allerlei Wendungen hin und her werfen muß. Im Wanderfluge, welcher ungemein fördert, bildet die Linie des Vorderflügcls mit der, von der Schnabelspitzs bis zu den Spitzen der Mittelzehen, etwa nur einen Winkel von 45", und die Flügel werden dabei regelmäßig und ziemlich schnell geschlagen, einen rechten Winkel nur, wenn der Vogel, wie bei schönem Wetter, in der Begaltungszeit und seinen Gesang übend, ohneFlru gelschlag sanft durch die Lust gleitet und im Schweben zuweilen 8. Theil. 102 X!l. Ordn. I^VII. Gatt. L32. Hellfarb. Wassert. noch allerlei Wendungen macht. Den Schnabel trägt er im Fluge, wie viele andere langschnäbelige Schnepfenvögel, so, daß die Spitze etwas unter die Horizontallinie herabsinkl, aber dies nicht so stark als die eigentlichen Schnepfen, und nur dann etwas auffallender, wenn er von oben herab, im Ueberwegfliegen, an der Erde oder auf dem Wasser, Etwas genauer ins Ange fassen will. Er ist der scheueste unter allen seinen Gattungsverwandten, furchtsam und vorsichtig in hohem Grade, bei schönem Wetter am lebhaftesten und unruhigsten, bei stürmischer und naßkalter Witterung niedergeschlagen, stiller und weniger scheu, weicht aber jederzeit den Menschen schon weit außer Schußweite aus, fliegt mit Geschrei und gewöhnlich» weit weg, an ein entgegengesetztes Ufer oder an ein anderes Gewässer, und kehrt nur, wenn er auch dort verscheucht wurde und der Berdacht sich von der ersten Stelle entfernt hatte, zu dieser zurück. Weit über 100 Schritte hinaus steht er schon stockstill da, nur den Borüberwandelnden im Auge, und erst wenn er sieht, daß dieser sich allmälig wieder entfernt, fängt er wieder an sich zu regen und fortzubewegen; kömmt er aber näher, so ergreift er ohne Verzug die Flucht. Alles Ungewöhnliche setzt ihn in Furcht, je einsamer daher die Gegend, desto scheuer der Böget, während er,, wo betretene Wege am Ufer entlang gehen, sich eher an den Anblick der Menschen gewöhnt und nicht so bald entflieht, doch aber auch hier nie schußmaßig aushält, wenn der Schütze nicht aus bedeutender Entfernung schon sich ungesehen nähern kann. Er fürchtet deshalb Wagen und Pferde, wo er solche nämlich nicht sehr oft sieht, eben so sehr, und fast noch mehr einen heranrudernden Kahn. Wenn daher von letzterem LeiSler (a. a. O.) das Gegentheil behauptete, so müssen wir, unsern Erfahrungen zu Folge, dies der Localität und einer Gewöhnung der Bögel an den Anblick daselbst oft vorübergehender Fahrzeuge zuschreiben, weil uns die Art, sich diesen und andern scheuen Bögeln aus unsern Flüssen in einem, Kahne zu nähern, niemals hat glücken wollen. Man kann diesem Wasserläufcr einen Hang zum Geselligleben in einem gewissen Grade nicht absprechen, obgleich wir ihn nie in großen Schaaren beisammen sahen. Die kleinern Vereine von ihm halten treu zusammen und locken die zufällig versprengten bald wieder an sich, und die einzelnen Bögel haben oft anderartige Strand- vogel im Gefolge, die sich in ihrer Gesellschaft glücklich zu fühlen scheinen. Es kann daher dem forschenden Beobachter nicht entgehen, daß eine Anhänglichkeit aller nahe verwandten Vogel aus den Gat- XU. Ordn. 16 VII. Gatt. 232. Hellfarb. Wassert. 163 tungen: l'rinAA, lotaous. I^imosu u. a. m. hier Statt findet, welche derjenigen völlig gleich ist, welche wir Gelegenheit hatten z. B. in den Finken - und Drosselgattungen zu bemerken, wo in der ersten krinK'illa ooolebs, in der andern Inrllim juluris die Hauptarten sind, zu deren Gesellschaft sich die übrigen Arten so gern halten, daß sie ihren Locktvnen fast eben so willig folgen, wie denen der eigenen Art, weshalb sie dem Vogelsteller als Lockvogel auch die unentbehrlichsten sind. Genau dieselbe Stelle nimmt auch der hellfarbige Wasserläufer am Wasscrschnepfenheerde ein, seinen Locktönen folgen alle da vorkommende Arten aus den verwandten Gattungen gern, und des noch ungeübten Vogelfängers erste Sorge muß sein, sich zuvörderst im-Nachahmen dieser Locktöne zu üben, und auch von dieser Art lebende oder ausgestopfte Exemplare anzuschaffen, um sie auf den Heerd stellen zu können, wo sie als Lockvogel für alle übrige Strandvögcl gelten, bis er auch andere Arten daneben stellen kann und für vorkommende Falle auch andrer Locktöne hat nachahmen lernen. Seine Stimme ist ein hohes, Helles, weitschallendes, angenehm tönendes Pfeifen, das sich durch die Sylbe Tjia oder Tjiü recht gut vcrsi'nnlichen läßt, höchst ähnlich den Tönen des Garn bett- wasserläufers, aber für ein geübtes Ohr dennoch leicht zu unterscheiden, an folgenden Abweichungcu: L) die ganze Stimmung ist um einen vollen Ton höher als bei jenem; 2) in der Sylbe tjia oder tjiü (cinsylbig) ist stets das i hörbar, obwol nur kurz, das a oder ü aber lang, jedoch nie so lang als bei jenem, in dessen Stimme auch das mittlere i gar nicht gehört wird. Beides ist auch, bei weniger Uebung, leicht zu merken. Der Ton unsres Vogels ist auch schneidender, der der genannten Art weicher oder runder. Von der Lockstimme des dunkelfarbigen Wasserläufers, welcher zwar dieselbe Stimmung hat, aber den hohen Vocal (i) nach dem tiefen (a oder o) folgen läßt, ist er gänzlich verschieden. — Seltner flötet der hellfarbige Wasserläufer sein angenehmes Tjia tjia im Sitzen, viel häufiger im Fluge, und es schallt aus der Höhe desto weiter in die Lüste. Er stößt es selten nur ein Mal, gewöhnlich aber zwei Mal schnell nach einander aus, sso daß man es tjiatjia schreiben könnte; weniger oft wird es drei Mal wiederholt oder in Tlithatja umgewandelt, und noch seltner sehr oft nach einander und sehr heftig ausgestoßen, wo es dann entweder recht eifriges Locken oder auch Angstruf bedeutet, das letzte besonders, wenn ihn ein Raubvogel heftig verfolgt. Es klingt sehr schön, wenn mehrere solcher Böge!/ an einem größer» Gewässer LL' 164 XU. Ordn. I^VH. Gatt. 232. Hellfarb. Wassert. zerstreuet, sich Abends zusammen rufen, jeder diese Töne möglichst vft wiederholt, einer dem andern die Einladung beantwortet, bis sie sich vereint haben und immer noch unter fröhlichem Rufen die Weiterreise antreten. Außer dieser helltönenden Lockstimme haben sie noch eine andere, viel sanftere, die sowol der Anlockende wie der Angelockte hören läßt, wenn dieser sich zu jenem auf die Erde herabläßt, und welche wie dick, dick, dick klingt. Ihr gewöhnliches Tjia wird im Schreck und in großer Angst zuweilen in ein kreischendes Krüh krüh gleichsam überschrieen, aber gleich daraus wieder ordentlich ausgerufen, woran man deutlich vernimmt, daß es nur die stärkste Aufregung so entstellen konnte. Alle diese Töne lassen sie zu jeder Jahreszeit, die der Fortpflanzung nicht ausgenommen, von sich hören, in der letzten kommt aber noch eine eigene Modulation derselben dazu, die den Paarungsruf oder Gesang des Männchens vorstellt, welche, wenn man will, auch ganz eigene Tone genannt werden können, sehr sanft und flötenartig wie Dahüdl dahüdl, dahüdl u. s. f. klingen und von. einzelnen Männchen an schönen Frühlingstagen schon bei uns, ehe sie noch zum Brüte- orte gelangt sind, in langen Weisen hergeleiert werden und dies in einem schwebenden Fluge, große Halbkreise beschreibend, nie im Sitzen. An den Nistorten sollen die Männchen noch lauter und anhaltender diesen Ruf hören lassen. Er hat Aehnlichkeit mit dem des Gambettwasserläufers, unterscheidet sich aber doch im Tone wie in den Wendungen bedeutend genug, um dem Kennerohr sich sogleich als sehr verschieden darzustellen. Auch dieser Wasserläufer ist zähmbar und nicht schwer an die Gefangenschaft zu gewöhnen, hat aber als Stubenvogel keine empfehlenden Eigenschaften. Er ist ein harter Vogel, verträgt einen guten Schuß und stirbt nicht sobald an einer Flügelwunde. Nahrung. Der hellfarbige Wasserläufer nährt sich von sehr verschiedenen Dingen, doch nur von animalischen, aber niemals von vegetabili- lischen Stoffen, und die Wahl der Nahrungsmittel richtet sich bei ihm sehr nach Zeit und örtlichen Verhältnissen. Es ist schwer zu behaupten, welches seine Lieblingsnahrung sei, so sehr hängt sie von dem häufigern Vorkommen der einen oder der andern an dem Orte ab, welchen der Vogel gerade zum Aufenthalte gewählt hat. Leister machte ihn unbedingt zum Fischfresser, wir können dagegen XU. Ordn. Gatt. 232. Hellfarb. Wassert. 165 versichern, daß wir bei in hiesigen Gegenden erlegten in den Mägen der allermeisten nicht eine Spur davon auffinden konnten, und nur bei einigen wenigen unbedeutende Ueberbleibsel derselben zwischen ganz andern Nahrungsmitteln fanden. Er fängt allerdings kleine Fischchen, und stellt sich deshalb an sonnigen Stellen ins seichte Wasser still hin, um ihnen aufzulauern, wie ein Reiher, und wir haben dies ebenfalls oft genug gesehen, haben aber noch öfterer beobachtet, wie er sich bloß mit dem Fange der Wasserinsekten auf eine ganz andere Weise beschäftigte, wie er selbst Landinsekten auf dem Trockenen verfolgte und hinterherlaufend solche sogar im Fluge- noch zu erschnappen verstand. Mehr als ein Mal sahen wir ihn so sich mehrere Schritte vom Wasserrande auf Graseängern, wo Vieh geweidet hatte, mit dem Fange der kleinen Dungkäferchen, namentlich ^plwilius iiiguinntus, -4. oonspiirontus, oousputus, u. a. beschäftigen, die er oft, wenn sie fortflogen, noch aus der Lust wegsing. Wasserinsekten, sowol im vollkommenen wie im Larvenzustande scheinen (bei uns) eins seiner gewöhnlichsten Nahrungsmittel zu sein. Er sucht die Larven aus dem Schlamme hervor, verfolgt die schnellern Käfer, z. B. aus der Gattung !lr»rpnliis, laufend am Ufer, fängt die kleinern Arten der Gattung O^ctisous, nebst Notonecten u. a. im seichten Wasser, und fischt, wie es scheint, mit großem Behagen die glänzenden Drehkäferchen (l^rinus) von der Oberfläche hinweg, wobei er sehr emsig ist, indem eine im lustigen Drehen auf dem Wasserspiegel begriffene Gesellschaft solcher Käser, wenn etwas Fremdartiges zwischen sie geräth und ihr Spiel stört, schnell aus einander stiebt, die einzelnen dann ängstlich und unentschlossen hin und her gleiten, um sich möglichst schnell wieder auf einer Stelle zu versammeln. Wir sahen zuweilen 6 bis 8 Stück dieser Wasser- läufer zugleich mit dem Fange jener Drehkäferchen beschäftigt, wo die einzelnen Vögel gerade so, in solchen verschiedenen, bei schnellen Wendungen oft ganz entgegengesetzten, sich durchkreuzenden Richtungen durch einander her liefen, ohne daß einer den andern behindert hätte, wie es im Kleinen gerade jene Käfer auch thun, wobei jene, Hals und Vorderkörper niedergebeugt, den Schnabel aufgesperrt, so auf die Wasserfläche zu legen schienen, daß ihnen die Käferchen gleichsam in das Maul schwimmen mußten. Sie lausen ihnen bis an den Bauch ins Wasser nach, verfolgen sie aber seltner schwim. mend. Bon solchen Gyrincnsängern wurden einst während dieser M6 X?!. Ordn. I^V!I. Gatt. 832. Hellsarb. Wasserl. Beschäftigung 4 Stück auf einen Schuß von unS erlegt, derenMä- gen nur jene Käfer enthielten. Wir trafen diese Vogel öfters auch beim Fange der Froschlarven, hier Kaulbadden genannt, an und fanden an geöffneten, daß sie nicht allein viele von diesen, sondern auch hin und wieder ein ganz kleines vollkommenes Fröschchen iMrur» psvulenta) im Magen hatten. Eden so fischen sie auch Frosch- und Fischlaich aus, um ihn zu verzehren, doch weniger oft, wie sie denn auch nur ganz selten sehr kleine Muscheln und Wasserschneckchen, aber immer sehr viele Sand- und Kieskörner verschlucken. Sie fressen auch Regenwürmer. Daß er öfters ganz junge Fischchen und zwar in Menge verzehrt, haben außer Leister auch noch Andere nach ihm beobachtet und bestätigt, aber nicht, daß er, wie dieser in seinen Nachträgen S. 185 sagt, auch beinahe fingerdicke fange und, um sie hinunter- würgen zu können, sie zuvor mit dem Schnabel zerstückele. Dies scheint zwar, da der Schnabel dazu stark, hart und spitzig genug sein möchte, nicht unmöglich, uns aber die Größe der Fische ein wenig übertrieben, da wir, in den selten uns vorgekommenen Fällen, nur die Neste sehr kleiner Fischchen, und andere Beobachter auch nur solche von 1 bis höchstens 2 Zoll Länge in den Mägen dieser Vogel gefunden haben. Es läßt sich nicht behaupten, daß die Gestalt und übrige Beschaffenheit des Schnabels, in sofern sie von denen anderer Wasserläufer etwas abweicht, auf den Fischfang allein hindeute, da dieser Schnabel eben so gut zum Fange größerer oder härterer Wasserinsekten gerade so eingerichtet sein kann, weil er hierbei seinen Zweck als Zange auch vollkommen erfüllt. Die Biegung, welche er von der Mitte sn aufwärts hat, muß das Aufnehmen der Nahrungsmittel von jeder niedrigen horizoi»talen Fläche erleichtern, weil deshalb der Kopf nicht so tief niedergedrückt zu werden braucht, als wenn der Schnabel gerade wäre. Den Vogel aber wegen dieser kleinen Abweichungen im Schnabelbau und in einigen Nahrungsmitteln von den andern Wasserläufern trennen und eine eigene Gattung für ihn bilden zu wollen, ist ganz unstatthaft, da er ihnen in allem klebrigen, selbst in der Stimme (welche bei Aufstellen eines natürlichen Systems, als gar nicht unwichtig, durchaus berücksichtigt werden sollte) so ähnlich ist, daß, wie schon oben gesagt worden, alle Arten seinem eigenthümlichen Lockrufe folgen und dadurch eine besondere Zuneigung und Anhänglichkeit verrathen. Zn der Gefangenschaft füttert man ihn mit dem oft beschriebe- XU. Ordn. Gatt. 23S. Hellfarb. Wassert. 167 neu Stubensutter, woran er sich mit untermengten zerstückelten Regenwürmern bald gewöhnen läßt und sich lange Zeit gut hält. Fortpflanzung. Leider ist hierüber nichts weiter bekannt, als daß er im hohen Norden in der Nähe des arktischen Kreises sich fortpflanzt. F. Boie fand ihn im mittlern Norwegen überall in der Nähe des Meeres, wo er seine Brüteplätze an kleinern Gewässern hatte, beschreibt diese aber nicht näher und scheint auch Nest und Eier selbst nicht aufgefunden zu haben. Daß seine nächsten Brüteorte zum Theil nicht gar zu weit von uns liegen mögen, beweisen einzelne, spät in der Fortpflanzungszeit oder schon sehr früh auf dem Rückzüge, z. B. Mitte Juli, hier an unsern Gewässern gesehene Vogel. Einen Einzelnen sahe ich 1819 im Anfange des Juni auf einer der Inseln in der dänischen Westsee; er gehört aber nicht als Brutvogel dahin, sondern befand sich, mit Tausenden anderer Strandvögel, dort noch auf dem Zuge und war auch des nächsten Tags verschwunden. Feinde. Auch ihn verfolgen namentlich die Edelfalken, mitunter auch wol die Habichte, auf seinen Wanderungen und fangen nicht selten einen. Sieht er einen solchen herannahen, so legt er sich sogleich platt nieder und verhält sich stockstill, bis jener vorüber ist, wodurch er meistens übersehen wird. Ueberraschen sie ihn aber im Fluge von einem Wasser zum andern, so entwickelt er seine ganze Kraft und Geschicklichkeit, ihren Stößen zu entfliehen oder auszuweichen, rettet sich damit nicht selten, immer aber, wenn er ein Wasser erlangen kann, in welches er sich sogleich stürzt und untertaucht, und dies wiederholt, wenn er schwimmend wieder auf der Oberfläche erscheint und der Falke, wie nicht selten, seine Stöße verdoppeln sollte. Welche Feinde ihn und seine Brüt an den Nistorten verfolgen, ist nicht bekannt. In seinem Gefieder wohnen einige Arten auch auf andern Schne- Pfenvögeln vorkommender Schmarotzerinsekten und in den Eingeweiden neben der SimplioissiMu auch die laevi» vsriubHjs. Jagd. Daß er furchtsamer, vorsichtiger und scheuer als alle übrigen Wasserläufer ist, wurde schon oben gesagt. Er hält deshalb die ^88 XU. Ordn. 1-VH. Gatt. 232. Hellfarb. Wassert Annäherung des Schützen auf dem Freien und auf Schußweite nicht >auZ, wird schon aufmerksam, wenn dieser sich noch ein paar Hundert Schritte von ihm befindet und ergreift auf der Hälfte dieser Entfernung immer die Flucht. Dazu fliegt er aufgescheucht auch fast immer weit weg, ehe er sich wieder setzt, oder verläßt, wenn das Wasser feine große Ausdehnung hat, dieses und die Gegend ganz. Er muß demnach ungesehen hinterschlichen werden, und wenn dieses in zu ebenen Lagen aus dem Bauche rutschend geschehen müßte. Wo mehrere beisammen sind, suchen sie ihre Nahrung gewöhnlich nicht sehr entfernt von einander an derselben Stelle, so daß es dem unbemerkt und schußrecht sich nähernden Schützen nicht selten gelingt, mehrere aus den Strich zu bekommen und so mit einem Schusse zu erlegen. Der vorbeifliegende Vogel ist nicht leicht zu schießen, weil er immer hoch fliegt und auch hier den Schützen ausweicht, läßt sich aber, sonderbar genug, wenn dieser seinen Locktyn gut nachzuahmen versteht, dadurch näher heranlocken, selbst öfters, wenn jener ganz frei dasteht, und kann so zuweilen noch herabgeschossen werden, Hat sich der Schütze in einem Erdloche verborgen, so geht dies Herbeilocken durch richtige Nachahmung des Locktons sehr leicht und mit gutem Erfolg, da sich der Vogel gewöhnlich nicht weit von ihm niedersetzt; daß dies jedoch nie anderswo als an einem Wasser sein darf, versteht sich wol von selbst, An kleinen Feldteichen, wo dergleichen Vögel auf dem Zuge einzusprechen pflegen, ist er des Abends oder am dämmernden Morgen auf dem Anstande, wenn man sich in einem zu diesem Behufe eingerichteten Erdloche versteckt hält, leicht zu schießen, behält jedoch den frischen Aufwurf eines solchen Hinterhalts lange im Auge und nähert sich, ängstliche Vorsicht verrathend,, ihm erst nach einiger Zeit allmälig und behutsam. Eine Hütte von Schilf und Rohr scheuet er sehr, weshalb der Vogelsteller solche am Wasserheerde, wo sie unentbehrlich ist, so klein und niedrig als möglich zu machen hat. Für den Wasserschnepfenheerd ist er ein Hauptvogel, weil, wie schon berührt, auch andere schnepfmartige' Strandvögel an seinen Locktönen und seinem Umgänge Vergnügen oder Gefallen finden. Auch hier zeigt er sich, obwol die vom Vogelsteller gut nachgeahmten Locktöne schon aus der Ferne beantwortend und ihnen willig folgend, äußerst vorsichtig; ängstlich nach der verrätherischen Hütte blickend und die übrigen Anstalten betrachtend, steht er, in hoher, schlanker Stellung, lange unbeweglich da, ehe er weiter schreitet und den verhängmßvollen Platz betritt; denn sehr gewöhnlich läßt er G XU. Ordn. G'att. 23S. Hellfarb. Wassert. 169 sich aus der Luft nicht sogleich zwischen den Netzen, dem eigentlichen Heerdplatz, nieder, sondern kömmt aus einer geringen Entfernung davon zu Fuß auf demselben an. Das Lochen muß sogleich unterbleiben, wenn der Vogel eingefallen ist, d. h. sich gesetzt hat, weil es seinen Verdacht nur vergrößern würde, so wie das geringste ungewöhnliche Geräusch in der Hütte ihn für immer wegscheucht, wie denn auch ein fehlgerückter oder welcher die Netze zuschlagen sah, niemals wiederkehrt. Sind mehrere beisammen, so darf der Vogelfänger nicht zu sehr geizen, sondern, mit den meisten zufrieden, die Netze zurücken, weil sehr selten alle zugleich den Heerdplatz betreten und immer einige entkommen, die nachher freilich nicht wieder dahin zurückkehren. Einen solchen Vogel zu überlisten, macht mehr Freude, als viele einfältige Strandlaufer auf ein Mal zu fangen, und es gab ehedem unter den Salzsiedern in Halle Leute, welche das Vogelstellen verstanden, aber auch so liebten, daß sie, um solche Vogel zu sangen, mit den Netzen und Fangapparaten belastet, den Weg zum salzigen See, 3 Stunden weit, mit Vergnügen machten, sich aber nicht für belohnt hielten, wenn sich unter den gefangenen Vögeln kein Hennick (so nannten sie unsern Wasserlauser) befand; des Mangels an einem solchen wurde daher, beim Nachfragen, auch bei einem sonst sehr reichlichen Fange, stets mit Mißmuth und Unzufriedenheit gedacht. Jene Vogelfänger waren alle sehr geübt rm richtigen Nachahmen der Lockstimmen und ihrer Modulationen der zu fangenden Böget, und verrichteten dies meistens bloß mit dem Munde, nur bei den zu feinstimmigen mit knöchernen Pfeifchen. Wer jedoch nicht laut und sicher genug mit dem Munde pfeifen kann, muß sich auch zu den größer» Arten richtig gestimmter Pfeifen, am besten von Messing oder Kupfer, bedienen, wo die, welche den Ruf des dunkelfarbigen Wa'sserläusers giebt, auch für unsern Vogel ganz dieselbe sein kann; sie ist mit einem Fingerloche versehen, wo durch Ocffncn und Schließen desselben und eine Art Zungenschlag der Doppelton Tjia, wie dort das Tjoir, bei weniger Uebung leicht hervorzubringen ist. Die Töne sind ohngefähr vis und es, oder ä und « in der obersten Octave aus der Octavslöte, oder aus dem Klavier in der dreigestrichenen Octave; ganz genau läßt es sich jedoch nicht angeben, da ein Instrument (wenn auch nach Kammerton) nicht genau dieselbe Stimmung hat, als das andere. Außer dem Heerde wird er auch leicht in den oft erwähnten Fußschlingen gefangen. 170 XII. Ordn. L.VH. Gatt. 232. Hellfarh. Wassert. Nutz e n. Einen Beweis, daß unser Wasserläufer nicht ausschließend von Fischen lebt, giebt der Geschmack seines Fleisches, welcher vortrefflich und dem der bestschmeckenden Schnepfenvögel an die Seite zu stellen ist; es ist dabei oft sehr fett und dann »»gemein zart, auch schmackhafter als das der vorherbeschriebenen Art. Ob er noch einen andern Nutzen gewährt, ist nicht bekannt. Schaden. Wenn man ihm die kleinen Fi'schchen und den Fischlaich, welche er manchmal verzehrt, wie billig, nicht mißgönnen will, so bringt er uns eben so wenig Nachtheil als ein anderer Wasserläufer. 'V >,<« S.^L-^>- ' 2 02 , SNl E?Ä BWM ro'r^xl. 7 -» .<>l >l->-^ n liu« -UM / 233 . Der Teich - Wasserläüfer. lotil 11118 l Fig. 1. Sommerkleid. Taf. 202. / Fig. 2. Winterkleid. ^ Fig. 3. Jugendkleid. Kleine Pfuhlschnepfe, Sandschnepfe; kleines Grünbein, kleiner Züger; bei den Vogelfängern um Halle: kleiner Hennick. 2 „ gendkleid. 27iIa-r«L UeoliLt. oru. lasolievl,. I>. 8. 292. ------ Dellen Naturg. Deutschl. IV. S, 261. — Wolf u. Meyer, Laschend.II.S.376. ----- Koch, Baier. Zoo,. I. S. 306. u. 191. Sommerkleid. TV-kanr/F. I.>-UI. --V- 1 . mit. V-Iit. XII. I. 243. II. 12. ------- Leister, d-achtröge zu Bcchii. Naturg. Deutsch!. Heft II. S. 187. ------ Lo xet-e tAovoli'c,- prrc/L vei-e», Luv. 8,-g. LIÜM. I. >>. 493. — Ncbers. von Schi»;, I. S- 788. ' ^ ktnli. I'!. 6»I. 876.1 ----- ^Kue/i'i'/Io vvtti-i-i'/it,, » i/i „lae-v. 8tor. . "so. V. tiiv. 458. ed 459. ------ Nauuiunu's Ai'g. alte Ausg. chll.S.72. Taf.XVIII. 8>g- 3* Erstes Sommerkleid. Vollständig. II. p. 647. ----- A-ar»öo - luir^e. 8»vi, Oiii'it. Vonesus. II. g 278. Breym, Lehrb. II. S. 599. ------ Dessen Vogel Deutsch!. S. 644. — Gloger, Schlesiens Wirbelthicr-Fauna, S. 45. Kennzeichen der Art. Die Länge des Vogels, den Schnabel dazu gerechnet, 9 bis 10 Zoll; das Kahle des Fußes, bis zur Spitze der Mittelzeh gemessen, halb so lang. Schnabel sehr schwach. 172 XII- Ordn. I^VII. Gatt. 233. Leich-Wasserläufer. Beschreibung. Ein ungemein hübscher Vogel und unter den Gattungsverwandten wol einer der nettesten und zierlichsten. Er ist schlanker gehaltet als alle übrigen und steht bedeutend höher auf den Füßen als selbst der dunkelfarbige Wasserläufer t'u8vus), ähnelt aber in vielen Stücken, besonders den Farben, dem hellfarbigen Wasserläufer (1, Zottig), dem er auch hinsichtlich seines Betragens am nächsten verwandt ist. Zu verwechseln mit einer andern - Art ist er kaum, da er um Vieles kleiner, dünnschnäbliger und hochbeiniger als verletzte ist und noch nicht die Größe des punktirten Wasserläufers ( 1 . ovlwopu«) erreicht, ja noch viel schlanker gebaut ist und deshalb kleiner und schmächtiger aussieht, ob er gleich viel höher auf den Füßen steht als dieser. Am ähnlichsten, aber doch als Art verschieden, ist er dem in Amerika einheimischen l'otanus kluvipes, Lcholltenst., abgebildet in ^Vilsvn, umvr. Oro. I'ub. 58. L?. 4. Die Körpergröße, mit der eines bekannten Vogels verglichen, wäre etwa der einer Rothdrossel (l'urckus iliueus) ähnlich, wenn nicht ein ganz anderer weit schlankerer und doch kurzgcschwänzterer Bau den Vergleich zwischen so verschiedenen Gattungen unstatthaft machte. Ich habe Individuen verschiedener Größe vor mir, so daß ich die Länge, von der Stirn bis zur Schwanzspitze gemessen, von 7^2 bis zu 8^/2 Zoll gesunden, bei einer Breite von 16^ bis 18 Zoll, einer Flügellänge von 5^ bis 6 Zoll und einer Schwanzlänge von 2V« bis 2^/t, Zoll. Die kleinern waren immer jüngere Vögel. Das Gefieder ist seidenartig weich, am Unterkörper nicht so pelz- artig, wie bei manchen dieser Gattung; die langgestreckten Flügel reichen mit ihren Enden, wenn sie in Ruhe liegen, meistens etwas über das Schwanzende hinaus. Gestalt und Verhältnisse der Schwing- federn sind wie bei andern nahverwandten Vögeln, nur die eigentliche erste Schwingseder, wie bei den Schnepfen, verkümmert und nur 7 bis 8 Linien lang, während die nächste (immer die erste genannt) 4 Zoll mißt. Der Schwanz hat etwas Eigenthümliches; seine Mittelfedern sind nämlich etwas breit, aber gegen das Ende hin spitz zugerundet, und dabei r/„ Zoll länger als dir andern, welche fast einerlei Länge haben, so daß das Ende des etwas ausgebreiteten Schwanzes ziemlich gerade erscheinen würde, wenn seine länger» Mittelfedern nicht eine stumpfe Spitze in der Mitte bildeten; XII. Ordn. Gatt. 233. Teich-Wasserläufer. 173 schmal zusammengelegt erscheint er dann im Ganzen freilich als zu« gerundet, zumal die Schäfte der äußersten Federn sich ein wenig nach innen biegen. Der lange Schnabel ist ungeincin dünn, verhaltnißmäßig viel schwächer als bei lot. Glottis, bis etwas über die Mitte gerade, dann nach der Spitze zu ein wenig, oft fast unmerklich aufsteigend, an dieser sehr dünn, und die des Oberschnabels wieder sanft nach unten gebogen, ähnlich wie die Schnabelspitze bei der erwähnten Art oder bei 1'ot. ouliiliis; eine der schlankestcn und schwächsten Schna- belsormen in dieser Gattung. An der ^Wurzel ist er weich, ein erhöhtes Randchen geht auf beiden Schneiden von dem Mundwinkel bis in die Mitte; das längliche Nasenloch liegt in einer weichen Vertiefung, die noch vor der Schnabclmitte endet, und sein Hinterer Rand ist etwas ausgetrieben; die Schnabelsirstc ist ziemlich platt, und beide Theile der harten vordem Schnabelhälfte plattrund und glatt. Seine Länge variirt von 1 Zoll 8 Linien bis zu 1 Zoll 0^ Linien, die Höbe an der Wurzel ist fast 2'/,> Linien und hier- seine Breite noch nicht 2 Linien. °) Won Farbe ist er schwarz, an seinem harten Theile hornartig glänzend, an der Wurzel, besonders des Unterschnabels, viel lichter, bläulich, grünlich oder röthlich. Das Auge ist wie bei andern verwandten Arten, nicht groß, aber lebhaft, und hat eine tiefbraune Iris. Die ungemcin schlanken, dünnen und hohen Füße haben eine ähnliche Bekleidung, wie die andrer Arten dieser Gattung, nämlich ihre weiche Haut ist vorn und hinten mir einer Reihe sehr dünner Schildtafeln belegt, an den Gelenken und sonst schwach chagrinartig; die schlanken Zehen an den Sohlen und den Spannhäuten, welche die äußere und mirtelste Zehe bis fast zum ersten Gelenke verbinden, auch der kaum merkliche Ansatz einer zweiten der Mittel- und In- nenzeh, sind eben so, nur die Zehenrückcn geschildert; die Krallen klein, dünn, fast gerade und ziemlich spitz. Das Schienbein ist 13 bis 16 Linien über die Ferse hinauf kahl; der Laus 2 Zoll 1 bis 3',r Linien hoch; die Mittelzeh mit der 2 Linien langen Kralle 15 bis 16 Linien, und die ziemlich hoch stehende dünne Hinterzeh, mit der 1 Linie langen Kralle, 4 Linien lang. Die kleinern Maaße gehören jungem Vögeln, deren Füße auch viel lichtere Farben haben, nämlich ein grünliches Blaugrau, an den Fersen, Zehenwurzeln und ') Also, gegen LeiSler'S Angabe, durchaus höher als breit. Auch habe ich diesen «chnabcl „jemals gg„r gerade gefunden. Wie bei andern ähnlichen Bögen» haben auch, Mr die junge» türicre Schnabel als die alten. 174 XU- Ordn. l.V»I. Gatt. 233. Leich-Wasserläufer. Sohlen ins Gelbliche ziehend; die Zehengelenke dunkler; dagegen ist die Hauptfarbe an den Füßen der alten ein dunkleres bläulichtes Grün, diese Theile überhaupt wie bei 1. gstottis gefärbt. Die Krallen braunschwarz. An jungen Vögeln sind die Fersengelenke dicker und unterhalb derselben der Knochen wie angeschwollen, mit einer Vertiefung der Länge nach, wie man es bei andern Zungen in dieser Ordnung auch findet. In der Färbung des Gefieders dieses Wasserläufers ist die weiße Farbe sehr vorherrschend, mehr noch als bei 1. K-Iottm, und sie erscheint als besonders rein «n allen untern Theilen, so wie am Unterrücken und dem Bürzel. Der alte Vogel im reinen Sommerkleider Ein Streif vom Schnabel über das Auge hinweg ist rein weiß; Stirn und Zügel sind auf ebenfalls weißem Grunde wenig und schwach schwarzgrau getüpfelt; von der Kehle bis an den Schwanz alle untern Theile blendend weiß, die Untergurgel und angrenzenden Halsseircn mit kleinen ovalen schwarzgrauen Fleckchen bestreuet, die Tragefedern einzeln mit schwärzlichen feinen Schäften und abgebrochenen Zickzacks, die Unterschenkel, zunächst dem nackten Beine, auch etwas braunschwärzlich gesprenkelt, und einige der Unterschwanzdeckscdern mit haarähnlichen schwärzlichen Schasistrichen. Der Oberropf ist hell- röthlichaschgrau, weißlich gemischt, mit braunschwarzen ovalen Merken auf der Mitte jeder Feder; die Ohrgegcnd weiß uns braungrau gestrichelt; der Hinterhals licht röthlichgrau, schwarzgrau gestrichelt und tiefer hinab gefleckt; Obcrrücken und Schultern hell bräunlichaschgrau, ins Röthliche spielend, wozu der schwache Seidenglanz beiträgt, mit starken tiefbraunschwarzen Schaststrichen und großen Pfeilflecken am Ende der Federn, und dergleichen, aber meistens . versteckten, Querflecken am Rande und wurzelwärts der Federn, so daß meistens nur die ersteren zu sehen sind und das Grau die Oberhand hat; von den längsten Schulterfedern sind einige, wie die langen schmalen Schwingfedern der dritten Ordnung alle, außerdem noch mit vielen schiefgestelltcn, am schwarzen Schafte abgewechselten, eigengestalteten, fast sammtschwarzen Querbinden bezeichnet, und der Grund zwischen denselben zierlich mit Grau oder Braun schattirt; alle Rücken- und Flügelfedern mit sehr seinen weißlichen Endsäum- chen, die nur an den großen Flügeldeckfedern, welche ebenfalls wie die Schulterfedern gezeichnet sind, in etwas breitere Seitenrändcr, als Einfassung schwarzer Streife und Zickzacks längs dem Außen- rande, übergehen; die mittlern Flügeldeckfedern haben dagegen mehr Xll. Ordn. QVH. Gatt. 233. Teich-W asserläufer. 175 Braun, und dies geht nach und nach an den kleinen in einförmiges Schwarzbraun über; der Flügelrand, wie die Daumen- und Fittich- decksedern, braunschwarz, ersterer aber weiß geschuppt; die verkümmerte kleine Schwingfeder (welche die erste heißen sollte) dunkelbraun mit weißem Schafte und dergleichen Kante ringsum; alle erster Ordnung braunschwarz , nach hinten zu immer lichter werdend, die vorderste mit weißen, die übrigen mit braunen Schäften, die innern breiten Fahnen derselben zur Hälfte, der Länge nach und in der Breite, weiß, braun punktirt; die Schwingen zweiter Ordnung graubraun, die letzte zunächst denen der dritten Ordnung in Braun- grau übergehend, alle, besonders an den stumpf abgerundeten Enden, mit weißen Säumchen. Unterrücken und Bürzel sind rein weiß, nur einige der ebenfalls weißen Oberschwanzdeckfedern mit feinen schwarzgrauen Schäften und sehr einzelnen dergleichen Quer- oder Pfeilfleckchen; alle Schwanzfedern weiß, mit folgender Zeichnung: Die beiden mittelsten, außer der Kante und Spitze, schwach röthlichgrau überlaufen, mit einem schwarzbraunen Pfeilfleck und sechs dergleichen schiefgestellten Querstreifen; die nächsten mit wenigem röthlichgraucn Anflug, größerer weißer Spitze und ungeregeltem Querstrcifen; die folgenden dies immer mehr, bis endlich auf der äußersten die Anfänge der Luerstrcifchen, die schon bei der vorhergehenden als Flecke abgesetzt waren, dicht am weißen Nändchen in einen feinen braunen Längestrich verfließen; alle Luerstreife befinden sich auch auf den innern Fahnen, auf der der äußersten Feder aber nur einige braune Pünktchen. Bon unten ist der Schwanz, wenn nicht die dunkle Zeichnung von oben deutlich durchschimmerte, ganz weiß; die Schwingen unten glänzend dunkelgrau, und silberweiß nach der Wurzel zu, in welchem blaßbraune Pünktchen durchschimmern, die Schäfte weiß; die kleinen untern Flügeldeckfedern, außer den schwärzlichgeschuppten am Flügelrande, weiß, die nächsten an den großen Schwingen an der Wurzelhälfte grau. Unter den verschiedenen Stücken in diesem Kleide, welche ich vergleichen konnte, zeigte sich unter alten Vögeln eben kein erheblicher Unterschied. Der Grund auf dem Mantel war bei einigen mehr braun-, bei andern mehr röthlichgrau, dunkler oder Heller, die sammetartigen schwarzen Flecken daselbst bald größer, bald kleiner, minder häufig oder sehr zahlreich, so die ovalen Fleckchen am Halse und auf dem Kopfe. Mehr unterscheiden sich die jungen Bögel, welche dies Kleid zum ersten Male tragen, von den ältern an der mehr ins Lichtbräunliche gehaltenen Hautfarbe des Mantels und 176 XU. Ordn. I.VN. Gatt. 233. Teich-Wasserläufer. den häufigern, zum Theil großem und mehr schwarzbraunen Flecken auf demselben, wodurch sie, bei flüchtigem Ueberblick, denen im Ju- gendkleide entfernt ähneln, und nach bloßen Beschreibungen leicht dafür gehalten werden können. Männchen undWeibchen unter- terscheiden sich äußerlich in diesem Kleide eben so wenig oder so unbedeutend, wie in einem der andern. Daß letzteres etwas kleiner und schlechter gefärbt sei, als ersteres, ist kaum bemerkbar. Der alte Vogel im Winterkleider Die Stirn, ein Strich über dem Auge, die Zügel, Kinn, Kehle, Gurgel und alle übrigen Theile des Unterkörpers bis an den Schwanz sind rein und blendend weiß, so auch der Untecrücken und Bürzel, und die weißen Obcrschwanzdeckfedern haben nur wenig feine dunkelbraune Schmitz- chcn oder Pseilflecken. Der ganze Oberkopf ist bräunlich hellgrau, dunkelbraun gefleckt, die Ohrgegend und der Hinterhals grauweiß, braungrau gestrichelt; die weißen Halsseiten haben abwärts sehr feine dunkelbraune Längefleckchen; Oberrücken, Schultern, Hintere Schwingen, die großen und mittlern Flügeldeckfedern lichtgrau, vom weißen Saume abwärts braungrau schatcirt, so daß dies an den größer» Federn einen deutlichen dunkeln Rand hinter dem weißen Käntcken bildet, dazu stehen in diesen Schattenstreifen noch hin und wieder dunklere Querflcckchen, wie Andeutungen von Zickzacks, ferner schwarzbraune feine Schaftstriche und endlich an der Halswurzel dergleichen Tüpfel; die kleinern Flügcldecksedern und alles klebrige dcS Flügels wie an dem schon beschriebenen Sommcrkleide. Die Schwanzfedern haben ebenfalls dieselbe Zeichnung, nur stärkeren grauen und röthlichen Anflug auf den Mittelfedern, auch sind bei dem Individuum, was ich gerade vor mir habe, die schwarzbraunen Zickzacks und Querstreifen etwas gröber gezeichnet und längs dem weißen Säumchen der drei äußern Federn mehr in einem zusammenhängenden Längestreif zusammengeflossen. — Es ähnelt dieses Kleid dem Winterkleide von 1. glottis nicht wenig. Das Zugendkleid ist sehr von dem vorher beschriebenen verschieden und ähnelt dem Jugendkleide des 1'vt. glotlis mehr als allen andern. Die Stirn, ein Augenstreif, Zügel, Kehle, Vordertheil der Wangen, Gurgel und alle untern Theile bis an den Schwanz hinab rein weiß, eben so der Unterrücken und der Bürzel, nur die Tragfedern etwas braun, aber sehr fein, bespritzt und die obern Schwanzdeckfedern mit einigen wenigen feinen braungraucn Schaftstrichen und Pfeilfleckchen. Die Federn auf dem Oberkopse sind dunkelbraun, an den Seiten bräunlichwciß gekantet, daher X!!.Ordn. LM'Ü. Gatt. L33. Teich-Wasserläufer. 177 dieser Theil ftreifenartig gefleckt; die Ohrgegcnd braun gestricheltder Hinterhals weißgrau, dunkelbraun stark gestreift; Oberrücken, Schul, tern und mittlere Flügeldcckfedern dunkel-, säst schwarzbraun, mit bräunlichwcißen und rostgelbcn, an den kleinen Federn einfachen, an den größer» gezackten Seitenbauten; die dritte -Ordnung Schwingfe- dern, einige der grüßten Schulterfedern und die meisten der großen Flügeldeckfedern braungrau, an der Spitze, am Schafte und in einer Art Zickzackzeichnung, dem Stande (welcher weißlich rostgelb) parallel laufend, schwarzbraun; die übrigen Flügeldeckfedern schwarzbraun, die mittlern mit rostgelbcn Seitenkantchen, die kleinen einfarbig ; das Uebrige des Flügels wie schon beschrieben. Alle Schwanzfedern sind weiß, auch die mittlern ohne grauen Anflug, diese mit einer doppelten Zickzackbindc, nämlich eine am Rande herum und die zweite mit dieser parallel laufend; die nächsten Federn mit einer einfachen, nicht gezackten Binde, die dem weißen Rande entlang und fast rings herum geht, die folgenden eben so, die Binde aber schwächer und auf der Innenfahne wenig fortgesetzt, und dies nimmt nach und nach so ab, daß die beiden äußern Federn nur noch einen schmalen Längcstreif am weißen Ständchen der Außenfahne entlang haben, auf den Jnnenfahnen aber ganz weiß und ungefleckt bleiben; diele, also in der Mitte des Schwanzes gezackten, nach außen glatten, Längestreifcn sind dunkel graubraun. Der junge Vogel hat demnach, gegen den alten gehalten, mehr Längcsireise, dieser mehr Querstreife oder Zickzacks als Zeichnung in dem Schwänze. Von unten sieht, der wenig durchscheinenden Zeichnung wegen, der Schwanz fast ganz weiß aus. Ein standhafter äußerer Geschlcchtsunterschied findet sich auch in diesem Kleide oder Alter nicht. Das ganz weiße Gesicht würde bei dieser Art ein gutes Kennzeichen abgeben, wenn nicht der Vogel im Sommerkleids allein graupunktirte Zügel und eine solche Stirn hätte. Ueber die Zeit der Mauser läßt sich wenig sagen, da sie von Beobachtern nicht angegeben ist und der Vogel in Deutschland zu selten vorkommt. Die wenigen, welche hier im April und Mai erlegt wurden, scheinen alle bereits im Frühlingskleide gewesen zu sein, so wie es ein alter Vogel, eben auch im Mai am Neusiedler See Ui Ungarn erlegt (in meinem Besitze), nicht weniger als ganz voll- ständig ist. Im Spätsommer kommen sie in Deutschland noch viel seltner vor, denn junge Bögel oder das Jugendkleid; das Winter« kleid erhalten wir aber nur aus südlichern Ländern. 2- Theil. 12 178 XII- Ordn. I-.VH. Gatt. 233. Teich-Wasserläufer. Aufenthalt. Der Teichwasserläufer scheint Nordamerika häufiger zu bewohnen alsEuropa, kommt aber auch in Asien und Afrika vor, denn man hat ihn aus der Tatarei, Syrien und aus Aegypten erhalten. Als europäischer Vogel weicht er darin von den übrigen einheimischen Arten ab, daß er ini Norden unsres Erdtheils nirgends angetroffen wird, daher im Sommer wol am östlichsten von allen wohnen mag, wie er denn auch nur bis zum mittlern Europa, vom Süden her, verbreitet zu sein scheint. Bis jetzt ist überhaupt kein Land in unserm Erdtheile entdeckt, welches diese Art häufig hätte, oder wo sie nur einigermaßen gemein sei, denn in Italien kömmt sie auch nur einzeln und in Ungarn ebenfalls nicht oft vor, obgleich das letztere Land noch zu denjenigen gehört, wo sie in kleiner Anzahl alle Jahre gesehen wird. In Deutschland, wo er als Verirrter zu betrachten ist, gehört er unter die sehr seltnen Vögel; bloß die südlichsten Theile haben ihn öfter, die mittlern äußerst selten, und bis zu den Küsten der Nord- und Ostsee scheint er sich noch nie verflogen zu haben. So ist er in Oesterreich mehrmals, in Oberschlesien, im Würtembergschen, am Main und in Thüringen einzeln erlegt, und wir können dasselbe auch von dem, für den Vogelzug so wichtigen, salzigen See im Mannsfeldischen sagen, haben ihn aber auch an hiesigen Gewässern beobachtet, müssen dies aber für Anhalt nur als ein höchst seltenes Vorkommen betrachten, indem unter dem fleißigsten Beobachten viele Jahre vergingen, ehe nur Ein solcher Vogel sich uns hier zeigte und wir nur ein einziges Mal, vor wenigen Jahren, das Glück hatten, ein gepaartes Päärchen in einem unserer Brücher anzutreffen. Als Zugvogel kömmt er bei uns auf dem Wegzuge im August und als junger Vogel viel weniger noch als im Frühjahre im April und Mai vor. Die Ursachen, welche dies umgekehrte Verhältniß, wenn man es mit dem Vorkommen der nächstverwandten Arten vergleicht, herbeiführen, lassen sich nicht wol auffinden. Mit vieler Wahrscheinlichkeit läßt sich annehmen, daß seine Sommerwohnsitze nicht so hoch nach dem Norden hinauf liegen, als man wol früher geglaubt hat, und da sie von uns östlich und vermuthlich zum großen Theil außerhalb Europa gelegen sind, so können diese Vögel, wenn sie auf ihren periodischen Wanderungen einer südwestlichen Richtung folgen, nur das südlichste Europa treffen,, welches auch das öftere Vorkommen derselben in Ungarn beweist, wo sogar manche XII. Ordn. I^VII. Gatt. 233. Teich-Wasserläufer. 179 brüten sollen. Noch weiter südlich gelegene Lander unsres Erdtheils haben sie vielleicht noch häufiger; aber diese sind für die Ornithologie bis jetzt noch eine wahre torru iuooKiüln. Da er in Hinsicht seines Aufenthalts, seines Betragens, seiner Stimme u. s. w. eine sehr große Aehnlichkeit mit dem ^olrmus Glottis hat, so darf man wol glauben, daß er, wie dieser, auch ein Nachtzugvogel sei und in Allem, was hierher gehört, überhaupt den übrigen Arten dieser Gattung ähnele. Er kömmt hin und wieder auch an Flüssen vor, doch haben wir ihn immer nur an stehenden Gewässern angetroffen, welches auch in den Nachrichten, welche Andere davon geben, bestätigt wird. Also vorzüglich die flachen Ufer der Landseen und größern Teiche sind die Orte, wo man ihn auf seinem Durchzuge zuweilen antrifft. Ein alter Vogelfänger vom mehrerwähnten salzigen See kannte ihn, ob- wol als einen sehr seltenen Vogel, recht gut, hatte ihn mehrmals gefangen, beschrieb ihn meinem Vater kenntlich genug, und sandte auch den ersten Vogel der Art, welchen er seit langen Zeiten wieder ein Mal gefangen, an uns ein. Später ist er an jenem See auch wieder, aber in Zwischenräumen von vielen Jahren, ein oder ein Paar Mal vorgekommen; an kleinern Feldteichen, wovon z. B. einer in hiesiger Gegend in der Nähe meines Wohnortes uns sonst sehr viele seltne Arten geliefert hat, haben wir ihn jedoch niemals angetroffen. Dagegen scheint er die großen Brücher, welche viele freie Wasserflächen und kahle Moraststellen haben, zu lieben. Mein zweiter Bruder traf im vorigen Jahre in einem solchen, in der Mitte des Mai, ein Päärchen dieser seltnen Vögel an. Ganz unerwartet Und unvorbereitet von seiner Seite flog es so dicht an ihm vorüber, daß er die Art nicht nur augenblicklich erkannte, sondern selbst die sanfte Biegung der Schnabel nach oben deutlich erkennen konnte, aber auch so schnell, daß die Vögel schon außer Schußweite waren, ehe er schußsertig werden konnte; eine Sache, die, bei seiner übergroßen Fertigkeit, sonst nur einiger Augenblicke bedarf. Leider schoß rr endlich in zu großer Entfernung auf das eine, etwas kleinere, Individuum, welches er für das Weibchen hielt, verwundete es schwer und sahe es bald nachher in den Sumpf herabstürzen, ohne Es jedoch auffinden zu können. Das übriggebliebene gesunde Individuum ließ sich nicht schußrecht ankommen, ob es gleich je- Nes Bruch nicht verließ; doch war es am folgenden Tage verschwunden. 12 ' 180 m. Ordn. Gatt. L33. Leich-Wassrrläuser. Eigenschaften. Ein ächter lotunus und in Allem fast vollkommen der Abdruck deS hellfarbigen Wasserläufers ("1°. Glottis) im verkleinerten Maaßstabe, darf unser Leichwasserläufer durchaus an keiner andern Stelle des Systems stehen, als gerade hier, da er sich an keine Art so nahe anschließt, als an die genannte. Er ist ihr höchst ähnlich, nur um ein Drittheil kleiner, noch viel schlanker gebauet, viel hochbeiniger, dünnschnäbeliger, sein Colorit zwar ähnlich, aber mit noch viel mehr Weiß im Grunde, und so finden sich, trotz aller Ähnlichkeit, doch noch viele so auffallende Unterschiede, daß er, fliegend oder sitzend, ^sich schon in weiter Ferne von 1'. Glottis leicht unterscheiden läßt, obgleich sein Betragen und seine Lebensart fast dieselben sind. Der zarteste, schlankcste und hochbeinigste von allen bekannten Wasserläufern, ist er zugleich auch der zierlichste und niedlichste. Der wunderliebliche Vogel bewegt seinen zarten, schlanken Körper, mit dem langen, sehr dünnen Halse und dem kleinen Köpfchen äußerst zierlich und leicht und schreitet auf seinen hohen, schwachen Stelzen mit einer Anmuth einher, welche besonders dadurch noch erhöhet wird, daß er, wie die andern Arten, im Stehen und Gehen den gemeinschaftlichen Zehenballcn nie hart aufsetzt, sondern sich nur auf den beiden letzten Drittheilen der Zchenlänge, wie auf Schnellfedern, fortbewegt. Zm ruhigen Zustande trägt er dabei den Numpf wa- gerecht, den Hals eingezogen oder vielmehr wie ein 8 zusammengedrückt, in Aufregung aber lang und senkrecht ausgedehnt, die Brust erhoben, die Schenkel aus den Federn des Unterkörpers mehr hervorgezogen, das sämmtliche Gefieder glatt und knapp anliegend, und erhält dadurch nicht nur ein äußerst schlankes Aussehen, sondern gewinnt auch eine besondere Ähnlichkeit in den Umrissen mit den Vögeln der Gattung Ll^psibntvs, namentlich mit H. Ilimnu- topns. Diese Ähnlichkeit wird auch im Schnabelbau bemerklich, welcher das Mittel hält zwischen der genannten Art und des l'. Glottis, und die Stellung des Vogels zwischen diesen beiden, welche ich ihm hier gegeben habe, rechtfertigen wird. Alle seine Bewegungen sind zierlich und behende, daher schön zu nennen, sein Lauf wie sein Flug gewandt und schnell, letzterer fast schwalbcnartig. Seine Bewegungen in der Luft ähneln denen anderer Wasserläufer, und er streckt die Flügel auch, wie sie, nur dann etwas weiter vorn Körper abwärts, wenn er ein Stück schwe- XII. Ordn. L>VkI. Gatt. 233. Teich-Wasserläufer. 181 bend, ohne Flügelschlag, durch die Lust horizontal hin gleitet, wie er z. B. thut, wenn er seinen Paarungsruf hören läßt, ganz verschieden von dem Herabschießen in fast senkrechter oder wenig schräger Richtung, wobei er die Flügel auch nicht schwingt, aber noch weit mehr an den Körper zieht, als im gewöhnlichen Fluge, in welchem er jene in ziemlichen Schwingungen oft und hastig schlägt. In einer recht gemüthlichen Stimmung, in der Begattungszeit, halt er im sanften Niederschweben, schon stehend, die Flügel lang ausgestreckt noch einige Sekunden senkrecht in die Höhe, ihre untere blendend weiße Fläche zeigend, ehe er sie zusammenfaltet, wieder an den Leib schmiegt und unter die Lragfedern bringt. — Wenn auch alle verschiedenen Bewegungen des Vogels in der Lust denen anderer fliegender Wasserläufer ähneln, so macht ihn doch seine ungewöhnlich schlanke Gestalt auch hier in großer Entfernung schon kenntlich. Er sieht hier einer großen, langgeschwänzten Schwalbe (wegen der hinten hinausgestreckten langen Beine) nicht unähnlich, und sein Flug ist zugleich der leichteste und schnellste unter allen Gattungsyerwand- ten. Wenn er sich in einer Gegend niedergelassen hat und sein erstes Ruheplätzchen mit einem andern wechseln will, fliegt er gewöhnlich nicht hoch, auf weiten Strecken dies aber immer, und er steigt gleich beim Auffliegen in schiefer Linie zu einer bedeutenden Höhe auf. Er ist sehr scheu und vorsichtig, und wird in dieser Hinsicht von keiner andern Art übertreffen. Nur selten kömmt er vorüber- fliegend dem Menschen so nahe, daß er mit einem Schusse zu erreichen wäre, und hält sitzend dem sich ihm frei Nähernden nie auf Schußweite aus, muß daher ungesehen hinterschlichen werden, und auch dies muß, wenn es gelingen soll, mit aller Vorsicht und aus der Ferne schon geschehen. So wie er im Betragen dem hellfarbigen Wasserläufer ganz ungemein ähnelt, so auch in der Stimme, und da die Stimmen der Vogel für die Systematik von größerer Wichtigkeit sind, als man sie bisher gehalten hat, so muß sie hier ebenfalls beachtet werden, und der Vogel kann der genannten Art in der Reihesolge nur ganz nahe gestellt werden. Dasselbe Tjia tjia, wie bei 1'. Glottis, aber in einem andern, schwer zu beschreibenden, zwischen diesem und 1'. vuliüris liegenden, und dabei verhältnißmäßig schwächern Tone, ist seine Lockstimme, die er mit den nämlichen Modulationen, wie jener, hören läßt, auch der Paarungsruf des Männchens ganz derselbe, wie bei jenem, nur in einem andern und verhältnißmäßig schwächern oder sanstern Tone. Es laßt ihn ebenfalls zuweilen bei schönem Früh- 182 XII- Ordn. I^VII. Gatt. 233. Teich-Wasserläufer. lingswetter an den Gewässern, wo diese Bögel nicht brüten, aber freilich nur in Bruchstücken hören. Nahrung. Wir wissen bloß, daß Wasserinsekten und im Wasser lebende Insektenlarven im Allgemeinen seine Hauptnahrung ausmachen, daß er auch zuweilen ganz kleine Wasserschneckchen und selbst kleine Kä- ferchen verschluckt, welche er am Wasserrande antrifft; ob er aber auch kleine Fischbrut sänge, ist nicht bekannt, aber eben nicht unwahrscheinlich, da man ihn oft an einer Uferstclle in seichtem Wasser lange stille stehen sieht, als wenn er auf solche Geschöpfchen lauere. Man sieht ihn an ganz abgeflachten freien Ufern, wo er aber ausnahmsweise seine besondern Lieblingsstellen hat, am Rande des Wassers und in dieses bis an den Bauch hinein waden und sich mit dem Fange jener Geschöpfe beschäftigen, aber selten über zu tiefe Stellen, wenn diese auch nur schmal wären, hinweg schwimmen. Schlammige silier scheinen ihm mehr zu bieten als sandige, weshalb seine Lieblingsorte meistens nur Stellen von solcher Beschaffenheit sind. Fortpflanzung. Es ist schon berührt worden, daß man glaubt, daß diese Art hin und wieder in Ungarn brüte, es wird sogar vermuthet, daß dies schon am Neusiedler-See geschehe; allein es fehlen bestimmte Nachrichten darüber, wie denn überhaupt jenes für die vaterländische Ornithologie so wichtige Land in dieser Hinsicht wissenschaftlich noch wenig untersucht, ja kaum in einzelnen Theilen von gewöhnlichen Sammlern bereiset ist. So sagt man auch, daß dies in Oberschlesien der Fall gewesen sein soll, doch ohne Authenticität. Mit mehr Gewißheit können wir behaupten, daß sie sich in hiesigen Gegenden, im Mittel von Deutschland, zuweilen fortpflanze. Wir trafen, wie oben erwähnt, in einem hiesigen Bruche, ein Halbstünd- chen von der Elbe entfernt, ein Mal ein Päärchen an, was sich schon gepaart zu haben schien, mit allen Zeichen, welche auf ein beabsichtigtes Ausüben der Fortpflanzungsgeschäfte an diesem Orte schließen ließen. Schon war Obiges in Handschrift der Druckerei übergeben, als sich unsere Vermuthung, daß sich dieser seltne Wasserläufer zuweilen XII. Ordn. I-VII. Gatt. 233. Teich.Wasserläufer. 183 in unsern Gegenden fortpflanze, auf ein Mal bestätigte. Am LOsten Juni dieses Jahres (1835) traf mein zweiter Bruder, in den oft erwähnten Brüchern, auf dem zu den Dörfern Wulfen und Micheln gehörigen Antheile, zwischen zwei großen Führten, der einzigen Stelle der durch die Dürre in den letztverflofscnen Monaten übrigens ganz ausgetrockneten Sumpfgegend, wo sich allein noch Wasser befand, zwei junge Teichwasserläufer an. Erhalte sie, obgleich an einem freien Plätzchen, nicht gesehen, bis sie einige Schritte vor seinen Füßen unvermuthet herausflogen. Sie hatten sich also, wie andere junge Wasserläufer, ehe sie erwachsen, auch thun, still niedergedrückt gehabt. Sie flogen, obgleich noch auffallend klein, schon ziemlich leicht, setzten sich aber bald wieder, wo einer erlegt wurde, der andere aber (vielleicht von einem zweiten Schusse verwundet) entkam. Ungeachtet ihrer noch geringen Größe erkannte sie mein Bruder doch beim Herausfliegen an der schlanken Gestalt und an den langen Beinen für das, was sie waren; doch wurde er wieder irre an ihnen, weil sich keiner der Alten ihrer Art zeigte, dagegen aber ein Rothschenkelpaar (1. enlielrm) die Rolle sorgsamer und bekümmerter Aeltern dabei so täuschend spielte, daß mein Bruder ein über das andere Mal zweifelhaft wurde, ob er nicht junge Nothschenkel vor sich habe, zumal sogar der übriggebliebene einzelne junge Vogel, nach dem Schusse, von einem der sich kläglich gebehr- dcnden und heftig schreienden alten Nothschenkel weithin begleitet wurde, wo beide sich nahe bei einander an einer Stelle niederließen"). Als diese jungen Vögel am Wasserrande standen, mit tief unter die Horizontallinie herabgesenkter Brust, sahen sie hochbeiniger aus, als alle bekannten jungen Vögel dieser Gattung, wippten aber eben so, wie die Alten, mit dem Halse und Vorderkörper, ließen aber keinen Laut hören, weder fliegend noch sitzend. Der erhaltene, junge Vogel war bei weitem noch nicht erwachsen und hatte kaum erst fliegen gelernt; noch waren die Schwingfe- dern lange nicht ausgewachsen, der Schnabel nur erst 1 Zoll 2 Linien lang und noch sehr weich, die Füße (über der Ferse 10 bis 11 Linien nackt, der Lauf fast 2 Zoll, die Mittelzeh 1 Zoll 2^, Linien lang) an der Ferse unförmlich dick, dies aber noch mehr der Lauf gleich unter ihr, und vorn herab mit einer tiefen Längefurche. Von Farbe war der Schnabel mattschwarz, unten an der Wurzel °) Wie dai Rothschcnkelpaar zu diese» fremde» Pflegekindern gekommen sein woge,, ist in der That höchst sonderbar und geeignet, allerlei wunderliche Vermuthungen rege '» machen. 184X11. Ordn. I.VII. Gatt. 233. Leich-Wasserlaufer. röthlichgrau, der Augenstern graubraun, die Beine schmutzig grün, in den Gelenken gelblich. Am Kopfe und Halse ist bei diesem Individuum das Dunen- kleid noch nicht ganz verdrängt, und seine Farben sind noch zu erkennen; letzterer zeigt nämlich auf grauweißem Grunde grauschwarze Fleckchen, hinter dem Ohr steht ein schwarzer Fleck, und aus dem weißgrauen Scheitel, wie es scheint, zwei schwarze Langestreife; das Gesicht ist schneeweiß, am Zügel ein schwarzer Strich, welcher nicht bis aus Auge reicht, vor dem Auge aber noch ein Paar kleine schwarze Fleckchen, und an der Stirn vom Schnabel an ein ganz kurzer schwarzer Längestrich. — Das junge wirkliche Gefieder an den untern Theilen ist blendend weiß; an der Gurgel und zum Theil an den Tragefedern zeigen sich zwar an den Federrändern äußerst zarte schwarzgraue Säumchen, doch so fein, daß sie nur von ganz kurzer Dauer sein mögen, Die Federkanten am Mantel sind breiter als oben beschrieben und von einer frischern, sehr hell röthlich- gelbbraunen Farbe; die größten Schulterfedern und die großen der Hintern Flügelspitze haben diese Ränder von noch größerer Breite, und auf der Innenseite mit einer braunschwarzen Begrenzung, die zum Theil zackicht und an den Fcderenden pfeilförmiz ist, während diese Federn in der Mitte dunkelaschgrau sind und schwarze Schäfte haben; Untcrrücken, Bürzel und Schwanz wie oben beschrieben, letzterer aber an der Spitze und die Mittejfedern zugleich an den Kanten dunkel röthlichrostgelo angeflogen. Das Weiß ist an diesem Wägelchen ungemein zart und rein. Zwölf Tage spater, den Uten Juli d. I., traf mein Bruder in derselben Gegend noch zwei junge Bögel an, ohne daß sich ein Alter gezeigt hätte. Zuverlässig waren es die Restgeschwister des am 26sten Juni erlegten, aber nun völlig und vollständig ausgefe« dert, wie ein von den beiden jetzt eben erlegtes Individuum bewies, an welchem nun auch Schnabel und Füße fast genau dieselbe Lange erlangt hatten, wie sie oben angegeben und bei jungen Vögeln aus Aegypten angetroffen wurde. Schon waren die subtilen schwarzen Federsäumchen an der Gurgel, dem Kröpfe u. s. w. verschwunden, Stirn, Gesicht und alle Hintern Theile, nebst Untcrrücken und Bürzel, rein und bleibend weiß, alles Uebrige wie am beschriebenen Jugendklcide. Jetzt, als völlig erwachsen zu betrachten, ließen diese jungen Vogel auch ihre Stimme hören, welche der der Alten vollkommen glich. — Wenn nicht etwa die ungewöhnlich heißen Sommer der beiden letzten Jahre diese Vögel bewogen haben, hier zu X». Ordn. Gatt. 233. Teich-Wasserläufer. 185 brüten, so hoffen wir sie im künftigen wieder zu sehen und durch eifriges Bemühen vielleicht auch Nest und Eier kennen zu lernen. Es scheint uns nicht unwahrscheinlich, daß dies alte Päärchen schon seit mehreren Jahren dort gebrütet haben kann, zumal sich ihre Stimme dort unter den vielen andern, namentlich der von 1. on- lillris, welcher sie so sehr ähnelt, leicht verliert, und wir überhaupt im Juni und Juli selten in jener Gegend jagten. Feinde. Wahrscheinlich sind die Verfolger der nächstverwandten Arten auch die seinigen; Beobachtungen sind darüber weiter nicht gemacht. Nach dem Wiener Verzeichniß lebt auch in seinen Eingeweiden der veränderliche Bandwurm, Isenin varindilis. Jagd. Wegen Scheu im hohen Grade ist er schwer zu schießen und kann nur hinterschlichen werden, wo der Schütze aus bedeutender Ferne ungesehen sich ihm nähern kann. Zwar hört er auch auf den mit dem Munde genau nachgeahmten Lockruf und beantwortet ihn, nähert sich aber dem freistehenden Schützen selten auf eine Entfernung, aus welcher jener mit Sicherheit im Fluge herabgeschossen werden könnte. Versteht der Schütze gut mit dem Munde zu pfeifen und auf diese Art diese und andere Lockstimmen ähnlicher Vögel täuschend genug nachzuahmen, und kann er sogleich ein Versteck, z. B. ein Erdloch, erlangen, während ein anderer Mensch die Vögel behutsam anftreibt, so läßt sich diese Art, wie andere der Gattung, herbeilocken und ein Schuß mit Erfolg anbringen. Eben so und noch leichter folgt er der nachgeahmten Locke auf den Wasserschnepfenhecrd, und wird da ohne besondere Schwierigkeit gefangen, wie am mehrerwähnten Salzsee von den Halloren öfter geschehen ist. In Laufschlingen kann man ihn ebenfalls fangen. Nutzen. Sein wohlschmeckendes, zartes Weisch giebt ein vortreffliches Gericht. Einen andern Nutzen kennt man nicht. Schaden. Auch dieser Wafferiaufer möchte dem Menschen schwerlich auf irgend eine Weise nachtheilig werden. Acht und fünfzigste Gattung. Stelzenlaufer. Schnabel: Lang, viel länger als derKnpf, sehr gestreckt und schwach, nach der Spitze zu ziemlich verdünnt, an der Wurzel etwas starker; ganz gerade, selten (nur im getrockneten Zustande) ein wenig aufwärts gebogen, rundlich; die Schneiden an der Wurzel- hälfte in ein unbedeutendes Rändchen aufgetrieben, an der Spitzen- hälfte glatt und eingezogen; die Schnabelsirste abgerundet; die Nasen- furche auf der Schnabellänge verlaufend. Er ist nur an der Wurzel weich und der Oberkiefer hier etwas biegsam, übrigens durchaus hart; seine Spitze neigt sich zuweilen, ganz kurz, kaum merklich, nach unten. Ein Wasserläuferschnabel. Nasenlöcher: Nicht weit von der Stirn in einer weichen Haut liegend, die ein kleines Rändchen um sie bildet, kurz, schmal, ritzförmig und verschließbar, geöffnet aber durchsichtig wie bei lotunus. Füße: Außerordentlich lang, schlank, schwach, im frischen Zustande weich und biegsam, das eigentliche Schienbein weit über die Ferse hinauf (an und über zwei Drittheile der ganzen Fußlänge) nackt. Die 3 Borderzehen nicht lang, ziemlich schwach, die äußere und mittelste an der Wurzel mit einer bis zum ersten Gelenk reichenden Spannhaut, wovon sich zwischen der mittelsten und innern nur eine schwache Spur befindet. Die Hinterzeh fehlt. Der weiche Ueberzug der Beine ist an der Schiene und dem Laufe vorn und hinten in eine^Reihe großer Schilder durch seichte Einschnitte zer- XII. Ordn. I.VIII. Gatt. Stelzenläufer. 187 kerbt, auf den Zehenrücken schmal geschildert. Die Krallen sind klein, schmal, spitz, wenig gekrümmt, unten etwas ausgehöhlt. In der Jugend sind die Beine am Ferscngelenk und Anfange des Laufes auffallend dick. Sie sind, bis auf die fehlende Hinterzehe, ächte' Wasserläuferbeine. Flügel: Lang, schmal, mit sehr verlängerter Spitze und mond- förmig ausgeschnittenem Hinterrande, wodurch von den verlängerten Schwingfedern dritter Ordnung eine Hintere Flügelspitze gebildet wird, welche aber im Verhältniß zu der sehr langen, schmalen vordem oder eigentlichen Flügelspitze, nur kurz zu nennen ist. Die vorderste große Schwingseder ist die längste, viel länger als die zweite u. s. f., alle erster Ordnung haben harte, steife, fast gerade Schäfte, die der zweiten schwächere, etwas säbelförmig zurückgebogene, diese schief abgerundete, jene spitz zugerundete Enden. Dem Flügel fehlt indessen das kleine, schmale, spitzige, verkümmerte Schwingfederchen, das Zeichen aller andern schnepfenartigen Wadvvgel, vor der ersten großen Schwingseder nicht. Schwanz: Kurz, so daß er von den Spitzen der ruhenden Flügel sehr weit überragt wird, seine 12 Federn von ungleicher Länge, die mittelsten und äußersten die längsten, wodurch er ein doppelt ausgeschnittenes Ende bekömmt. Das kleine Gefieder liegt knapp an, ist ziemlich dicht, an den untern Theilen fast pelzartig. Die Bekleidung trägt sehr einfache Farben , Weiß und Schwarz in sehr großen Abtheilungen, erstere gewöhnlich als herrschend, letztere am Mantel und an den Flügeln. Sie mausern jährlich zweimal, allein die Doppelmauser bewirkt wenige Verschiedenheiten, die an der einheimischen Art nur am Kopfe U"d Halse bemerklich werden. Männchen und Weibchen sind gleich gefärbt, letzteres aber stets kleiner als ersteres, und hat auch kürzere Füße, deren Länge überhaupt, ohne Bezug auf das Geschlecht, sehr wechselt und überhaupt zwischen alten und jungen Vögeln sehr abweicht, indem die letzten die kürzesten und dazu sehr dicke Fersenge- lenke haben, sich auch durch trübere Färbung des Gefieders unter- 188 XU- Ordn. L.VIII. Gatt. Stelzenläufer. scheiden, das an den obern Theilen, statt schwarz, nur braun und weißlich gerändelt ist. Die Bögel dieser Gattung sind von einer mittlern Größe und dabei die hochbeinigsten unter allen Schnepfenvögeln und in dieser Hinsicht nur den Flamin gs an die Seite zu stellen. Der kleine Kopf mit der sanft aufsteigenden, aber nicht sehr hohen Stirn, der lange, dünne Hals, der schlanke, von den Seiten etwas zusammengedrückte Rumpf, mit dem kurzen Schwänze und den langen spitzigen Flügeln, auf den übermäßig hohen, dünnen, stelzenähnlichen Beinen ruhend, bilden zusammen eine höchst sonderbare Gestalt, auffallend genug, aber in allen Theilt» zu schlank, zu gestreckt, um schön genannt werden zu können. Die zierliche Schlankheit der Wasserläuferarten ist in unserer Gattung gleichsam übertrieben dargestellt, und alle Uebertreibungen gefallen nicht auf die Länge. Sie sind Bewohner der gemäßigten und zum Theil der heißen Zone; in dieser bringen sie den Winter zu, in jener pflanzen sie sich fort und gehören deshalb zu den Zugvögeln. Ihr Aufenthalt sind die Ufer der Landseen (vorzüglich sollen sie die salzigen lieben), der großen Leiche und freien Moräste, weniger der Flüsse und des Meeres. Ihr Gang ist schrittweise, leicht, aber gewöhnlich nicht schnell; ein rascheres Fortbewegen wird mehr durch Vergrößerung der Schritte als durch schnelle Wiederholung derselben erlangt, obwol sie auch, wenn sie Noth dazu zwingt, schnell laufen können. Sie fliegen schön und schnell, und strecken im Fluge die langen Beine gerade hinten hinaus, sind scheue Vögel und fliehen den Menschen, ohne sich vor ihm zu drücken oder zu verstecken. In ihrem Betragen, wie in der Lebensart, den Wasserläufern fast ganz ähnlich, leben sie, wie diese, meistens von Wasserinsekten und Insektenlarven, die sie dicht am Wasser oder an seichten Stellen in diesem aufsuchen, nach ihnen bis an den Leib in's Wasser Waden, auch wol, doch viel seltener, darnach schwimmen, mit dem Kopfe und Halse, aber nie mit dem ganzen Körper darnach eintauchen, sondern dies nur allein in Lebensgefahr versuchen. Sie sind eben so lebhafte Vögel, Tag und Nacht munter und mit Aussuchen der Nahrung beschäftigt, und schlafen nur kurze Zeit am Tage oder in sehr finstern Nächten einige Stunden. Sie pflanzen sich in einsamen Gegenden an den Gewässern und Sümpfen fort, machen ein ganz kunstloses, nur aus einer kleinen, mit einigen trocknen Pflanzentheilen ausgelegten Vertiefung bestehendes, Nest und legen 4 ziemlich birnförmige, graugrünliche, braun punktirte oder gefleckte Eier. Ihre Fort- XII. Ordn. 1.VIH. Gatt. Stelzenläufer. 189 Pflanzungsgeschichte ist übrigens noch ziemlich unbekannt. Sie sind als vorsichtige Vogel schwer zu schießen, werden aber auf Wasser- schnepfenheerden und in Lausschlingen leicht gefangen. Ihre Fährte (Fußtapfen) ist der einer unserer größeren Wasserläuferarten völlig gleich, und die Zehen passen genau auf die Abtheilungen eines in 6 gleiche Theile abgetheilten Zirkels. Linnck hatte diese Vögel, wol bloß ihrer dreizehigen Füße wegen, unter die Regenpfeifer, Lüurnlli-iug, gestellt, von welchen sie aber sonst gar keine Aehnlichkeit haben, wie, auch ohne Berücksichtigung einer statthabenden enormen Verschiedenheit im Aufenthalt, Sitten und Lebensart, schon ein einziger Blick auf den ganz anders gestalteten Schnabel und die gänzlich verschiedene Körperförm sogleich klar vor Augen legt. Später bildete man eine eigene Gattung für sie, welcher man jedoch ebenfalls wieder eine ganz falsche Stelle im System gab und sie bald hier-, bald dorthin schob. Sie darf aber nirgends anderswo als der Gattung l'otiinus so nahe wie möglich stehen, indem sie sich von diesen äußerlich nicht mehr unterscheidet, als etwa Dalickris von So wie Lnluiris nichts weiter als eine dreizehige "I'rin^n ist, so könnte auch H^i»sibrtt«8, einige geringe Abweichungen im innern Baue abgerechnet, seinem Leußern nach nur für einen dreizehigen T'otninm gelten; sowol die ganze Gestalt in allen Theilen, wie die vollkommen damit übereinstimmende Lebensweise, Betragen, Stimme u. s. f. fordern lebhaft dazu auf. Die Gattung der Stelzenläufer (bemerkt Nitzsch), für welche ich den Namen i1zi»8i'brltv8 vor längerer Zeit vorgeschlagen habe"), da schon längst eine Jnfusoriengattung Himuutop >8 genannt worden ist, hat die allgemeine, bei 6llilriulriu8 angegebene, Schnepfen- bildung und schließt sich, wie in der Bildung der Kiefer, so auch in manchen andern Beziehungen näher an die Wasserläufer (1o- 1rwu8) an. Aber die beiden schmalen bogenförmigen Nasendrü- sen liegen, oben auf den Stirnbeinen in völlig abgeschlossenen Gruben und verhalten sich vollkommen so wie bei öhr»rnckriu8. Es scheinen nur 9 Rippenpaare in der Regel vorhanden zu sein und nur 6 Paare den fortsetzenden Rippenknochen zu haben. Indessen fand ich bei einem Individuum noch einen siebenten Rippenknochen ») S. den Artikel «-»»«Irin- in der allgemeinen Encyclopädie von Lrsch und ^»ber, 16. Theil. 1827. S. 15V. und meine Schritt: >t» »rt-rt» «rvüg, Seite 18. 190 XU. Ordn. I^VIU. Gatt. Stelzenläufer. ohne Rippe. Die enorme Länge der Unterschenkel und Läufe und die Kürze der Oberschenkel zeichnet diese Gattung vor allen übrigen Schnepfenvögeln aus. „Das einfache Muskelpaar am untern Kehlkopfe ist unge- mein schwach und kaum wahrzunehmen." „Die Blinddärme sind ziemlich lang, wie bei den meisten übrigen, jedoch nicht allen Oiiniooiis, N., da sie bei l'otuuus und I^iinosu kürzer oder gar sehr kurz sind." „Die innere Darm fläche zeigt das bei lotauns gewöhnliche Verhältniß, nämlich zickzacksörmige Längesaltcn, die durch Querwände meist zu Zellen verbunden sind; im Mastdarm bloß Querlatten und in den Blinddärmen erst Zickzackfaltcn, dann höher hinauf unregelmäßige und unterbrochene parallele Längcfalten." „Die Nieren haben eine, bei Schnepfenvögeln ungewöhnliche, fast raubvogelartige Form, indem die Hintern Lappen ganz rundlich, viel kleiner als die vordern und zugleich, wie es scheint, von den mittlern gänzlich getrennt sind." „Die angeschwollenen Hoden verhielten sich wie bei ^otanus, der rechte war fast ganz rund, der linke größer und länglich." O G Diese Gattung umfaßt nur wenige Arten, von welchen eine oder die andere auch nur als klimatische Abänderung zu betrachten sein möchte. Aus dem südlichen Europa verfliegt sich nach Deutschland nur Eine Art. 4 ?. ^'«^r^^inr»! Icl ^r ^V^iii U^i. !. 690. u. 11 ----- t>mcl, I. 152. t. 32. — I.-u!-. I»a. II. p. 741. o. 3. — Bcchstci», Ornith. Taschenbuch. II S. 32ä.-to/,»» me/ixe». Bech. stein, Naturg. Dcutschl. IV. S. 446. ---- atvoxtere». Wolf und Meyer, Laschend. II. S. 313. ----- L-ma»to/>»» Meyer, Annalen der Wettcrauisch. Gesellsch. III. 1. S. 177, u. Laschend. III. S. 138. ----- 7. 144. r. 3. 1. 1. ---- I-I. 01. «m. 878. — keiurll. 3'--d. SIS,». II. z>. 178. — lo-iH'- IvLFell 1-»t!i. V. >>. 193. — Ucders. von Bechstein, III. 1. S. 170. o. 3. p-»o. or«. 7.n„l. n. 487. u. 405. — Uebers. von Zimmermann, II. S.453. ».322. e»v. 470. -- /-er ar/nlia. 8uvi, Orn. I'o-o. II. 1 ». 233. -- Borkhausen U- a. teutsche Ornith. Heft 4. (jung. Bog.) Heft 13. fält. Bog.) — Wolf und Meyer, Bog. Deutsch!. II. Heft 21. (altes Männchen und jung. Bog.) — Meißner u. Schinz, Aiig. der Schweiz. S. 172. -. 171. --- Brehm, Lehrb. II. S. 504 208. ^ Dessen Naturg. aller Vög. Deutsch!. E.681—683. ----- Lust, Beobachtun- gen über die am Eisleber Salzsee vorkommenden Böge! S. 8. ----- Gloger, Wirbel- ttlier-Kauna Schles. S. 45. ----- Naumanu'S Aög. alt« AuSg. III. S. 52. Taf-XII. s>g. 12. altes Männchen. 192 XU. Ordn. l^VIU. Gatt. 234.Grauschwänz. Stelzen!. Kennzeichen der Art. Der Schwanz grau mit weißen Federsäumen, Untcrrücken und Bürzel weiß; der Mantel einfarbig grünschwarz, oder braun mit weißlichen Federkanten. Beschreibung. Zu verwechseln möchte diese Art mit keinem inländischen Vogel sein; die enorme Länge ihrer drcizehigen Beine unterscheidet sie allein schon von allen andern Schnepftnvögeln, selbst im jugendlichen Alter, wo diese, obgleich noch nicht ausgewachsen, doch die junger Vogel ähnlicher und verwandter Arten von gleichem Alter noch bei weitem an Länge übertreffen. Unser Stelzenläufer hat ungefähr die Größe einer etwas kleinen Hohltaube (Oolumka Oevus), doch kaum, dabei auch einen schlankern Leib, und ist hierin dem schlankesten Wasserläufer ähnlich, wie denn alle Körpertheile diese Aehnlichkeit zeigen, aber in einer sehr verlängerten Gestalt. Alle Extremitäten haben eine ungewöhnliche Länge, nur der Schwanz nicht, welcher bedeutend kurz ist. Der Kopf, nebst dem Schnabel, hat eine auffallende Aehnlichkeit mit dem des Htnnus kusvus. Er ist klein, die Stirn aber etwas lang und sanft aufsteigend; der Hals sehr lang und sehr dünn; die Flügel groß, lang und sehr spitz; der Schwanz ziemlich kurz; die Beine sehr schwach und von einer übermäßigen Länge. Die Maaße verschiedener Individuen zeigen mancherlei Abweichungen, und kommen so verschieden vor, daß man unter ihnen mehr als eine Art hat ahnden wollen, welches jedoch unsere Meinung nicht ist, weil auch andere Vogel mit sehr gestreckten Gliedmaaßen, namentlich in der Länge des Schnabels und der Füße, oft sehr bedeutend variiren, ohne daß man sie für specifisch verschieden halten darf, wie bei den Wasserläufern u. a. m. zum öftern bemerkt worden ist und in Zukunft weiter unten bei andern langbeinigen und langschnäbligen Gattungen ebenfalls noch vorkommen wird. Zudem kommen sowol die größesten wie die kleinsten Individuen, die mit länger» wie mit kürzern Beinen beisammen vor, und nicht selten hat von einem gepaarten Päärchen das eine weit höhere Stelzen als das andere, und dies oft in sehr auffallendem Verhältniß, so auch hinsichtlich der Schnabellänge, selbst der Körpergröße. Am größesten und langbeinigsten sind in der Regel, doch nicht ohne Ausnah- XII. Ordn. l^vm. Gatt. 234. Graüschwänz. Stelzenl. 19Z men, die ältesten Böge!, am kleinsten und kurzbeinigsten, gegen jene gehalten, gewaltig ausfallend, die erwachsenen (nicht ausgewachsenen) Zungen, wie sie im vollständig ausgebildeten Jugendkleide, dem ersten ordentlichen Federkleide, etwa gegen 3 Monate alt, vorkommen. Die Lange der alten Vogel (ohne Schnabel gemessen) wechselt meistens zwischen 13 bis 14^ Zoll, wovon nur 3 bis 3^, Zoll auf den Schwanz abgehen; die Flügelbreite zwischen 29 bis 31^ Zoll; die Flügettänge, vom Handgelenk bis zur Spitze, bis zu tO Zoll, auch wol noch etwas darüber. Die Spitzen der ruhenden Flügel überragen das Ende des Schwanzes bis auf 2 ^ und 2 ^ Zoll. Die Weibchen sind gewöhnlich auffallend kleiner als die Männchen. Erwachsene junge Vogel haben. gewöhnlich folgende Maaße: Länge 12 bis 13 Zoll; Flügelbreite 25 bis 27 Zoll; Flügellänge 9^4 Zoll; Schwanzlänge gegen 3 Zoll, und die Flügelspitzen ragen über dessen Ende I 2/4 bis Iff? Zoll hinaus. Nimmt man dazu den noch bedeutend kürzern Schnabel und die viel kürzern Beine, so erscheint das Volumen ihres Körpers mit allen Theilen wenigstens um ein Fünftheil geringer als das der alten Vogel. Das Gefieder ist nicht besonders groß, bildet aber eine dichte, knapp anliegende Bedeckung, die am Unterkörper sogar etwas pelz- artig ist; die ziemlich großen Flügel haben vorn eine etwas lange Spitze, durch die sehr gestreckten, ftarkschäftigen, spitz zugerundeten Schwungfedern erster Ordnung gebildet, von welchen die erste die längste ist, vor ihr aber, wie bei andern Schnepfenvögeln, steht eine sehr kleine, steife Feder, wie eine verkümmerte Schwingfeder, welche schmal und fast gleich breit, am Ende spitz zugerundet und von der Farbe der übrigen ist. Die vordersten großen Schwungfedern nehmen schnell an Länge ab, so daß die zweite schon um bis ^4 Zoll kürzer als die erste, die dritte eben so viel kürzer als die zweite ist, worauf dies Verhältniß erst nach und nach abnimmt. Die der zweiten Ordnung sind ziemlich kurz, von gleicher Länge, gleichbreit, an den Enden schief abgerundet, ihre schwächern Schafte säbelförmig nach hinten gebogen; die der dritten Ordnung länger, breit, gegen das Ende allmä- lig spitz zugerundet, ihre Schäfte gerade; sie bilden eine Hintere Flügelspitze, die aber nicht sehr lang ist und am ruhenden Flügel nur auf das Ende der fünften oder gar nur sechsten großen Schwingfeder reicht. Der zwölffederige kurze Schwanz hat ziemlich gleichbreite, am Ende abgerundete Federn von ungleicher Länge, indem sie vom Ton,. L3 194 Xll Ordn. I^VHI. Gatt. 234. Grauschwänz. Stelzenl. äußersten Paare stufenweis an Länge abnehmen, das mittelst« Paar aber wieder die des äußersten hat, weshalb das Ende des Schwanzes schwach doppelt ausgeschnitten erscheint. Der Schnabel ähnelt dem des dunkelfarbigen Wasserlau- fers gar sehr. Er ist Mal so lang als der Kopf, sehr ge- streckt, dünn, von der Wurzel an allmälig an Stärke abnehmend und an der Spitze sehr schwach, diese ein klein wenig abwärts gebogen, bei vielen Individuen kaum, bei manchen gar nicht bemerkbar, übrigens ganz gerade, nur im getrockneten Zustande zuweilen etwas auswärts gebogen, etwa wie bei l'vtnnus stnKiiatüis, dem er auch im Ganzen sehr ähnlich ist. Er ist durchaus hart, nur an der Wurzel etwas weich; die weiche Haut, welche die Nasenhöhle bedeckt, verläuft als Furche, wie die schwache des Unterschnabels, Mit dessen weicher Mundkante parallel gehend, auf der Mitte der Schnabellänge; die Schnabelsirst» ist plattrund, der Schnabel nach vorn sehr schmal und die Spitze des Oberkiefers sehr wenig länger als die des untern. Ein wahrer lotninis-Schnabel. Seine Länge ist bei alten Vögeln 2',4 Zoll, zuweilen 1 Linie darüber oder darunter, seine Höhe an der Basis 3 Linien, seine Breite hier eben so viel. Bei jungen Vögeln ist er um ^ Zoll kürzer. Von Farbe ist der Schnabel stets durchaus schwarz, bei jungen bloß an der Wurzel des Unterschnabels etwas bleicher. Das Nasenloch ist ein kurzer Ritz und liegt in der Nähe der Stirn in einer weichen Haut, die ein sehr kleines erhabenes Ränd- chen um dasselbe bildet. Das Auge ist ziemlich groß und sehr lebhaft. Es hat weißbe- siederte Augenlider und in früher Jugend einen braungelblichen Stern, welcher bald in schönes reines Gelb, und noch im ersten Herbste in hohes Orangegelb und aus diesem endlich in feuriges Karminroth übergeht, das bei alten Vogeln wirklich prachtvoll zu nennen ist. Die außerordentlich langen, schlanken und dünnen Beine sind im Leben sehr weich und biegsam, am Unterschenkel (Wadenbein) so hoch hinauf ohne Federn, wie bei keinem andern Sumpfvogel, die Flamm! ngs etwa ausgenommen. Auch die Läufe haben eine enorme Länge und sind, wie die Wadenbeine, von den Seiten etwas zusammengedrückt, übrigens auch sehr schwach; die drei Vorder- zehen schlank, aber eben nicht lang, oder, mit den übrigen Theilen verglichen, fast kurz zu nennen, die äußerste und mittelste mit einer kurzen Spannhaut an der Wurzel, und zwischen der letzten und innern mit einem Rudiment einer solchen. Die weiche Haut, womit XII. Ordn. OVÜt. Gatt. 334 . Grauschwänz. Stelzenl .195 die nackten Theile der Füße bekleidet sind, ist auf der vordem Seite der Laufe und Unterschenkel seicht in eine Reihe großer Schilder zer- kerbt, in eine ähnliche kleinere ihre Hinterseite, die Zwischenräume in kleinere Schildchen, deren die Zehenrücken eine Reihe ganz schmaler haben, während die Sohlen fein chagrinirt sind. Eine Hinterzeh ist nicht vorhanden. Die Krallen sind klein, wenig gebogen, spitz, unten etwas ausgehöhlt, die der Mittelzeh mit einer Schneide nach innen. Die Länge der Füße ist nicht allein nach dem Alter, sondern auch aus andern unbekannten Ursachen bedeutend verschieden, beim Weibchen auch immer geringer als beim Männchen, und die Länge des Nackten, von der Spitze der Mittelzeh bis an den obern befiederten Theil des Unterschenkels (welcher Theil nur 2 Zoll mißt), ist bei manchen Exemplaren wenig über 8^/4, bei andern bis zu 10 '^ Zoll, die Extreme liegen demnach 2^ Zoll aus einander, und die Zwischenmaaße kommen am öftersten vor. Der nackte Theil des Unterschenkels mißt von 2^ Zoll bis zu 3^/4 Zoll; der Lauf von 4 ^'« bis zu 55 /g Zoll; die Mittelzeh, nebst der fast 3 Linien langen Kralle, 1 ^/g bis Zoll. Die kleinsten Maaße gehören am gewöhnlichsten jungen Vögeln an, selten kommen sie bei mehrere Jahre alten Weibchen so vor. Die Farbe der nackten Fußtheile ist oft unrichtig bezeichnet worden; sie ist bei den Alten allerdings roth, aber weder blut- noch mennigroth, sondern ein recht gesättigtes Rosenroth, wie es in vielen weder zu hellen noch zu dunkeln Rosen vorkommt; eine sehr schöne Farbe. Bei jungen Vögeln sind die Füße lebhaft rothgelb, eine Farbe, wie sie viele Kampfläufer haben, die jedoch im Winter in ein mattes Ziegelroth übergeht und im nächsten Sommer Rosa, wie bei den Alten wird. Die Krallen sind stets schwarz oder braunschwarz. — Bald nach dem Absterben wird die Fußfarbe viel dunkler und könnte im halbtrocknen Zustande wohl für Blutroth gelten; endlich wird sie nach dem völligen Austrocknen, an ausgestopften Stücken, schmutzig gelbroth; zuletzt bleibt wol gar nur noch Dun- , kelochergelb übrig, das an denen junger Bögel ins, Weißgelbliche übergeht. Die Füße der jungen Vogel zeichnen sich bis den Herbst hinein durch ihre dickangeschwollenen Fersengelenke und daranstoßenden Theil des Laufes aus, welcher letztere auch noch vorn herab eine rinnen- artige Vertiefung hat. 13 198 XÜ.Ordn. I^VIU. Gatt. 234. Grauschwänz. Stelzen!. Das jugendliche Gewand oder erste Federkleid hat folgende einfache Zeichnung: Stirn, Vorderscheitel, Gesicht, Kehle, Gurgel und Halsseiten, und alle untern Theile bis an den Schwanz, desgleichen der Unterrücken, Bürzel und die Oberschwanzdeckfedern sind weiß; die Ohrgegend etwas graulich gestrichelt; der Hinterschei- tel und das Genick bräunlichgrau, dunkler gefleckt, eben so, aber viel lichter, der ganze Hinterhals, in einem schmalen Streife bis zum Rücken hinab; der Oberrücken, die Schultern und Hintern Schwing- federn matt schwarzbraun, mit lichtbräunlichen oder schmutzig bräunlichweißen Federkanten, welche nicht scharf von der Grundfarbe getrennt sind; die Flügel schwarz, die größern Deckfedern mit weißen Endsäumen, die an den Schwingfedcrn zweiter Ordnung breiter sind und einen bemerklichen weißen Querstrich durch den Flügel bilden, die großen Schwingen mit bräunlichweißen Endkäntchen; der Schwanz lichtgrau mit'einiger undeutlicher dunkler Zeichnung und weißen Fe- derkanten, die an den äußersten Federn am breitesten sind. Die Augensterne sind hochorangengelb, die Füße lebhaft röthlichgelb. Etwas anders und schöner ist das Kleid in einem noch frischen Zustande, wenn die Vogel so eben flugbar geworden sind; dann ist die Mantelfarbe ein ziemlich frisches Schwarzbraun, unb die bräun- lichweißen Federränder stechen sehr von demselben ab, zumal sie dann auch breiter sind und sich noch nicht abgerieben haben, welches nach und nach geschiehet und ihnen dann erst das beschriebene und auf unserer Kupferplatte dargestellte Aussehen giebt, welches diese Vogel etwa Anfangs August haben. Der Unterschied in der Große zwischen beiden Geschlechtern zeigt sich schon in diesem Alter, und man kann die Weibchen an ihrer geringern Größe leicht von den Männchen unterscheiden, obgleich Farbe und Zeichnungen dieselben sind. Das erste Winterkleid, welches sie in der ersten Herbstmau- , ser anlegen, ist schon bedeutend vom Jugendkleide verschieden und ähnelt sehr dem im nächsten Frühjahr folgenden Hochzeitskleide. Stirn, Wangen, Kinn, Kehle, Gurgel und alle untern Körpertheile nebst Unterrücken und Bürzel sind rein weiß; Scheitel und Genick dunkelgrau, die Schläfe fast schwarz; der Hinterhals bis an den Rücken hinab hellgrau; der Obcrrückcn, die Schultern, Hintern Schwingsedern und ein großer Theil der Flüge.ldeckfedcrn tiefschwarz mit grünem, bläulichem und violettem Stahlglanze; das Uebrigedes Flügels wie im Jugendkleide, doch ohne jene weißen Endsäume an den größern Federn, welche sich fast gänzlich abgerieben haben, wie Xll. Ordn. Gatt. 2Z4. Grauschwänz. Stelzenl. 197 denn auch das Schwarz dieser Federn fahler geworden ist; der Schwanz hellaschgrau, mit weißen Einfassungen, die an den äußersten Federn sehr breit werden. Die Augensterne sind hochroth, die Füße matt ziegelroth. Es scheint nicht, daß diese Vogel, wie man bisher wähnte, im Winter einen ganz weißen Kopf und Hals bekamen, sondern daß vielmehr das reine Weiß an diesen Theilen den ältesten Vögeln im Sommerkleids angehöre. Ich habe zwei Vogel (aus Ungarn) vor mir, welche in der Mauser stehen, an welchen zwischen dem Weiß des Hinterkopfes und Genicks schon so viele graue (neue) Federn hervorgekommen sind, daß diese Theile dunkelgrau gesprenkelt aussehen, während das grünglänzende Schwarz des Mantels nicht nur allen Glanz verloren, sondern in häßliches Dunkelbraun abgeschossen und das einfache Schwarz der großen Schwingsedern ganz rauchfahl geworden ist. Diese Individuen sind im Anfang des Herbstes erlegt und zeigen nur am Kopfe und Halse erst neuhervorkeimende Federn, und durch die gewaltige Veränderung an dem Gefieder des Mantels, daß dieses vielleicht gar noch dasselbe vom vorigen Winterkleids, also ein volles Jahr alt ist. Es ginge demnach daraus hervor, daß die Frühlingsmauser sich nur über wenige Theile, namentlich bloß über Kopf und Hals erstrecke. Im Frühlings- oder Sommerkleide, wenn es noch im frischen Zustande ist, zeigt sich unser Vogel in seiner einfachen Farbenpracht, rein und blendend weiß am Vorderkopfe, dem ganzen Halse bis an den Rücken, dem Kröpfe, der Brust und allen untern Theilen, nicht minder am Unterrücken und Bürzel, und dies zarte Weiß ist dazu an der Brust und dem Bauche mit einer lieblichen Rosenfarbe sanft überhaucht, die sich nach der verschiedenen Richtung der einfallenden Lichtstrahlen mehr oder weniger zeigt, aber leider auch sehr vergänglich ist und am Ausgestopften bald verloren geht, weil sie nur eine flüchtige Tinte im Fette des Vogels ist und mit dem Vertrocknen dieses auch verschwindet, deshalb auch sogar bei magern Individuen im Leben nicht vorkömmt.") Der Hinterkopf bis an die Schläfe, das Genick bis auf den Hinterhals hinab sind tiefschwarz ohne Glanz; der Oberrücken (im scharfen Abschnitte vom weißen Anfange desselben), die Schultern, Flügeldeckfedern und Hintern Schwingsedern tiefschwarz, mit grünem, auch blauem und vio- *) Acrukog mit der ähnlichen Farbe im Gefieder des !>»rm» «bunreu«, der Aurora- farbe beim U. a. M. 198 XU. Ordn. l^VII!. Gatt. 234. Grauschwänz. Stelzenl. lettem Stahlglanze; eben so die übrigen Schwingsedern, doch mit schwächerem Glänze; der Schwanz licht aschgrau mit weißen Federrändern, wie im Winterkleide; der Augenstern brennend karminroth; die Beine herrlich dunkel rosenfarben. Außer daß das Weibchen etwas kleiner ist und nicht so hoch auf den Füßen steht, hat es auch stets ein weniger lebhaft gefärbtes Gefieder, das Weiß ist weniger blendend, selten und nur außer der Blütezeit mit jenem sanften rosenfarbigen Anfinge, welcher auch schwächer ist, der schwarze Mantel hat weniger Glanz, meistens nur grünen, auf dem Oberflügel blauen Schiller; besonders aber ist das Schwarz am Hinterkopfe und Hinterhalse stets ausgebreiteter, selbst bis auf die Ohrgegend, dabei aber etwas matter als am Männchen. Mit steigendem Alter vermindert sich das Schwarze auf den Hintern Theilen des Kopfes und Halses bei beiden Geschlechtern, am ausfallendsten jedoch am Männchen. Es ist bei diesen im Mittel- alter nur noch in kleinen Fleckchen, meistens bloß im Genick, vorhanden, und verschwindet mit den Jahren ganz, so daß sehr alte Männchen mit ganz weißem Kopfe und Halse vorkommen. Diese Alten sind, wie auch bei andern Vogelarten, stets die größesten und zugleich die hochbeinigsten, weshalb man denn eine besondere Art hat aus ihnen bilden wollen. Indessen kommen lang- und kurzbeinige, größere und kleinere beisammen nicht nur zuweilen in Deutschland vor, sondern leben auch in Ungarn an denBrüte- plätzen so vereint, daß es dort noch keinem Jäger eingefallen ist, sie für zwei verschiedene Arten halten zu wollen, obgleich dort der Vogel unter dem Namen „Storchschnepfe" sehr bekannt ist. Daß das Winterkleid ziemlich alter Vogel im Genick auch noch etwas grau sei, scheinen solche im Frühjahr in Deutschland erlegte zu beweisen, an welchen das Genick auf graulichem Grunde schwarz gefleckt war. Es ist schon oben berührt worden, daß es wahrscheinlich sei, daß sich die Doppelmauser bei diesen Vögeln nur über einzelne Körpertheile, namentlich über Kopf und Hals erstrecke, eine Meinung, die bis jetzt freilich nur durch wenige Beispiele unterstützt werden konnte, weil die Art in Deutschland zu selten vorkömmt und Niemand sie noch an ihren wahren Wohnorten beobachtete. Man müßte an im Frühjahr bei uns erlegten Individuen, welche deutliche Spuren einer Frühlingsmauser am Kopfe und Halse trugen, auch solche am Mantel bemerkt haben; dessen Befiederung wurde aber durchaus nicht mehr als ganz neu befunden und von ganz fri- XH.Ordn. t^VM.Gatt. 2S4. Grauschwänz. Stelzenl. 199 schen Federn sahe man Nichts darunter; dann fand man bei in den Sommermonaten erlegten den Mantel so abgeschabt und so ver- bleicht, das Schwarz in rußiges Braun, ohne allen Glanz, mit be« nagten Federrändern, verwandelt, wie es schwerlich hatte werden können wenn dies Gefieder erst durch die Frühlingsmauser entstanden wäre. Ein anderes Stück, im August erlegt, hatte dagegen die Hauptmauser begonnen, welche sich nicht allein am Kopfe und Halse, sondern auch auf dem Mantel zeigte, wo schon hin und wieder steue schwarze, herrlich stahlgrün glänzende Federn zwischen den ungemein davon abstehenden, alten, abgenutzten hervorkamen.*) Die untere Seite des Flügels, bei Jungen und Alten, ist schwarz, ohne Schiller, nur die langen Federn des sogenannten falschen Flügels unter der Achsel sind weiß. Bon der Zeit der Mauser wissen wir nur so viel, daß bei alten Vögeln die Hauptmauser im August vor sich geht, bei jungen die erste Herbstmauser, worin sie Flügel und Schwanzfedern großen- theils behalten, aber viel später eintritt. Aufenthalt. Unser Stelzenläufer lebt in der gemäßigten, zum Theil in der heißen Zone, und hält sich von der kalten entfernt. So wird er in Europa, wie in Asien und Afrika, auch in Amerika angetroffen; im letztem Theile wohnt indessen noch eine wirklich verschiedene Art, mit welcher er oft verwechselt sein kann. Zuverlässig erhielt man ihn aus Aegypten, Nubien und Senegambien, so aus der Tatarei; er soll aber auch in Indien und China vorkommen. In Europa bewohnt er von Spanien an alle südlichen Theile bis ins südliche Rußland, ist in den mehresten zwischen diesem liegenden Ländern nicht selten, in manchen, wie z. B. in U n- garn, ziemlich gemein oder doch in nicht unbedeutender Anzahl zu finden und pflanzt sich dort auch alljährlich fort. Er ist an allen Küsten des mittelländischen Meeres, oder vielmehr in der Nähe derselben, angetroffen worden, und verbreitet sich von da nach dem mittlern Europa bis zu den südlichen und südöstlichen Grenzen Deutschlands, von wo an er aber glicht mehr regelmäßig vor- °) Hoffentlich und wahrscheinlich werde ich recht bald Gelegenheit finden, über diesen Gegenstand sowol, wie über viele» Andere, »och nicht Gekannte au» der Naturgeschichte dieser und anderer merkwürdiger Bögel, niich an ihren wahre» Aufenthalttorten belehre» und dann genauere Autkunft davon geben zu können. ZOO X!!. Ordn. ih.vn? Galt. 234. Grauschwänz. Stelzenl. kömmt, sich jedoch auch, sogar nicht einzeln, bis nach England verflogen hat, an der deutschen Ost- und Nordsee aber, als große Seltenheit, in neuern Zeiten erst einige Male vorgekommen ist. In Deutschland hat man ihn nur als einen Verirrten anzusehen und sein Vorkommen als große Seltenheit zu betrachten, obwol schon Fälle da waren, wo mehr als einer und ein Paar sich gezeigt haben, namentlich in der südlichen Hälfte unsres Vaterlandes. Man hat ihn in der Schweiz, in Schwaben und am Rhein, in Schlesien, Sachsen und andern Landestheilen angetroffen, auch in Anhalt und dessen Nachbarschaft. So ist er mehrmals im Manns- seldischen am salzigen See gefangen und geschossen, ja selbst zu vier Stücken beisammen dort angetroffen worden, unfern der Elbe, dies- und jenseits, in Anhalt, einzeln, auch ein Mal ein Päär- chen, und 3 Lage spater an demselben Orte ein Junger, erlegt worden, die wahrscheinlich alle drei zu einer Familie gehörten und vielleicht gar nicht weit von uns gebrütet haben mochten. Weil er Zugvogel ist, erscheint er auch nur in gewissen Zeiträumen und scheint sich außer diesen Wanderungsperioden nicht zu uns zu verfliegen. Im Frühlinge ist dies der Mai, vom Anfange bis fast zu Ende, auf dem Rückzüge der Augustmonat. Außer diesen beiden Monaten ist bei uns kein solcher Vogel vorgekommen. Sie ziehen des Nachts, verlegen aber ihren einstweiligen Aufenthalt, bei Störungen, am Lage oft weit weg, kehren jedoch, wenn sie dort wiederum Störungen erfuhren, auch wieder an die erste Stelle zurück, und halten sich so, besonders im Sommer, zuweilen einige Lage in derselben Gegend auf. Ohne nähere Bestimmung hat man ihn für einen Bewohner der Meeresküsten ausgegeben, was er aber nur unter Bedingungen sein mag, nämlich in sofern er die Gewässer in der Nähe des Meeres, aber nicht dieses selbst, zum Aufenthalte wählt. Er ist kein eigentlicher Scevogel, wohnt vielmehr die meisten Theile des Jahres ganz und sehr weit von der See entfernt, und berührt ihren Strand nur zuweilen in der Zugzeit. Landseen, große Teiche und ausge- dehnte Sümpfe mit vielen freien Wasserflächen sind dagegen vorzugsweise die Aufenthaltsorte, wo er gern und länger verweilt, und welche er auch durch die Fortpflanzungszeit bewohnt. An Flußufern ist er ebenfalls nur vorübergehend anzutreffen. In Ungarn bewohnt er die großen Sümpfe und die freieren Stellen an den großen Rohrseen, z. B. den Kondorsee in Klein- XU. Ordn. laVIH Gatt 234. Grauschwänz.Stelzenl. 201 Kumanien, in nicht geringer Anzahl und brütet dort, so wie er auch oft am Neusiedlersee vorkömmt. Er soll besonders die Salzseen und Salzsümpfe lieben, und an denen in der Nähe des Kaspischen und Aralsees, so wie in Aegyp- ten, gemein sein. Doch scheint auch hier eine nähere Bezeichnung zu fehlen, weil wir an den am salzigen See im Mannsfeldischen zuweilen vorgekommenen Vögeln dieser Art eine besondere Zuneigung zum Salzwasser nicht bemerken konnten, sie vielmehr niemals am Rande des eigentlichen Sees, sondern an Süßwasserteichen in der Nähe desselben antrafen. Bor langen Jahren wurde Hort §in Päärchen auf dem Wafferschnepfenheerde an einem, eine gute Viertelstunde vom See entfernten, großen (jetzt trocken gelegten) Süß- wasserteiche gefangen. Zm Mai des Jahres 1822 zeigten sich mehrere am See, alle an derselben Stelle an einem ebenfalls süßes Wasser haltenden Teiche dicht neben dem See. Es war dem einen ein Bein oben am Leibe zerschossen, und wir trafen diesen Unglücklichen, 7 Lage nachher, nicht am See, sondern eine kleine Viertelstunde davon an einem Süßwasserteiche an; er wurde daselbst auch einige Lage später erlegt. Genau auf demselben Plätzchen, einer schlammigen, mit niedern Binsen und wenig andern Gräsern nur dünn bewachsenen Stelle am Leiche dicht neben dem See, wo dieser am 4tett Mai angeschossen wurde, stand den Lösten Mai desselben Jahres wieder ein solcher Vogel und wurde erlegt. Sehr nahe bei dieser Stelle, neben dem Leiche und dem See, in einem vom Regenwasser gebildeten kleinen Sumpfe, wurden am OtenMai 1825 4 Stück zugleich bemerkt und eins davon erlegt. Alles Beweise, daß ihnen das salzige Wasser des Sees weniger zusagte, als das süße der Teiche. Vor mehr als 30 Jahren, im Mai, wurde ein solcher Vogel in der großen Niederung diesseits der Elbe, nicht im Sumpfe, sondern an dem freien Ufer eines, von einem Anger umgebenen, Teiches angetroffen und erlegt. In dem schon erwähnten Jahre 1825 traf man im August jenseits und eine gute Viertelstunde von der Elbe, an dem großen Teiche bei Badetz im Zerbst'schen, ein altes Päärchen und 3 Tage nachher auch einen völlig erwachsenen schönen jungen Vogel an derselben Stelle an, und alle drei, wahrscheinlich zu einer Familie gehörend, wurden erlegt.") Jener wie diese gaben *) Diese schönen Exemplar« gaben beiläufig manche Aufschlüsse über Karvelwerä'nde- rung s. w. 202 XU. Ordn. OVHI. Gatt. 234. Grauschwänz. Stelzenl. dadurch, daß sie die nahe Elbe verschmähten, zu erkennen, daß ihnen stehendes Wasser und Sumpf lieber als fließendes, und ein schlammiges oder morastiges Ufer lieber als ein sandiges ist. An einzelnen kleinen Leichen hat man aber nie einen solchen Vogel bei uns angetroffen. Eigenschaften. Von allen schnepfenartigen Standvogeln ist unser Stelzer schon von weitem kenntlich an seiner sonderbaren, überaus hohen und schlanken Gestalt, an dem abstechenden und einfach vertheilten Schwarz und Weiß seines Gefieders und an den unmäßig langen rothen Beinen, deren Lange im auffallendsten Mißverhältniß zum Körper zu stehen scheint. Einem Nichtkenner, welcher gewöhnlich die Sache so genau nicht nimmt, mag der Vogel, nach Gestalt und Farbe, wol wie ein Storch im verjüngten Maaßstabe vorkommen (welches beim Beschauen ausgestopfter Exemplare oft genug geäußert worden ist), und demnach die Benennung; „Storchschnepfe" zu rechtfertigen sein, die wenigstens ächt jägermäßig klingt. Seine Stellung, stehend und gehend, ist ganz die eines lots- nus, wie er denn in seinem ganzen Wesen, wenigstens, so weit es an Durchreisenden hat beobachtet werden können, dem ^vtunus kusvus außerordentlich ähnlich ist. Wie dieser, trägt er den Rumpf meist wagerecht, den Hals zuweilen sehr eingezogen oder vielmehr wie ein 8 zusammen gebogen, wenn er aber aufmerksam und unruhig wird, die Brust erhabener und den dünnen Hals lang ausgestreckt, schreitet eben so, leicht und zierlich (nicht wackelnd), aber in noch größern, ;edoch nicht schnellen Schritten, nicht ohne einigen Anstand, einher, und wenn er rasch vorwärts will, macht er sehr weite Schritte, ohne deshalb sie sehr rasch auf einander folgen zu lassen. Wenn er schläft, welches auch meistens am Tage geschieht, steht er, ohne die Füße zu beugen, ganz gerade auf beiden Beinen, oder auch nur aus einem, und biegt dabei entweder den Hals bis auf den Rücken nieder, so daß der Schnabel horizontal auf der Gurgel liegt, oder er drehet diesen nach hinten und steckt ihn unter die Schultcrfedern. Im Fluge zeigt er viele Eigenthümlichkeiten und ist daher fliegend nicht zu verkennen, zumal seine hinten gerade hinausgestreckten Beine auffallend länger als bei allen andern Schnepfenvögeln sind, und aussehen, als habe er einen langen rothen Schwanz, und auch XU. Ordn. Gatt. 234. Grauschwänz. Stelzenl. 203 seine schwarzen Flügel zu dem leuchtenden Weiß fast aller übrigen Theile sehr grell in die Augen fallen. Sein Flug ist leicht und schön, aber von dem der Wafserläufer sehr verschieden, lange nicht so schnell, doch immer noch gewandt genug. Seinen langen Hals streckt er fliegend nicht ganz aus, und hält-dazu den Schnabel vorn etwas unter die Horizontallinie herabgesenkt, beides wie es sich im Fluge des Avosettsäblers zeigt, dem auch die Haltung der übrigen Theile ähnlich ist. Die Flügel, welche er gewöhnlich langsamer als jeder andere Schnepfenvogel schwingt, hält er dabei ganz anders als die Wafserläufer, und biegt sie an den Spitzen sehr nach unten, so daß sie eine ganz andere Gestalt erhalten als bei diesen, und nebst den Flügelschlägen ganz denen von Oväivuemus «ropituns gleichen. — Auf der Flucht oder auf der Wanderung schwingt er die Flügel etwas schneller und steigt dabei oft sehr hoch in die Luft; er kann aber auch ohne Flügelschlag eine Strecke schweben, und thut dies gewöhnlich vor dem Niedersetzen. Wer gewohnt ist, auf die feinen Verschiedenheiten im Fluge der Vögel Acht zu geben, wird demnach bei unserm Vogel sehr viele finden, die ihn fliegend gar sehr von allen Wasserläufern unterscheiden, sich aber durch Beschreibung kaum deutlich machen lassen. * Er ist weit weniger scheu als einer der größer» Wafserläufer, fürchtet einen in Schußnähe vorüberpassirenden Wagen oder Reiter nicht, und scheint kaum darauf zu achten, wenn Menschen gegen 100 Schritte weit und auch noch näher an ihm vorüberwandeln. Den Menschen, welcher böse Absichten auf ihn verräth, flieht er indessen auf dem Freien n'mmer bald genug, um nicht mit einem Flintenschuß erreicht werden zu können, er muß ihn daher ungesehen zu hinterschleichen suchen, was so schwer eben nicht ist, da ihn der Vogel vorher schon von weitem gesehen haben kann und sich dann doch noch beschleichen läßt, daß man von ihm sagen kann, er sei zwar vorsichtig, jedoch dabei nicht klug oder listig. Er flieht vor den Menschen von offener Stelle hinweg, ohne sich zu drücken oder zwischen Gräsern und Sumpfpflanzen zu verstecken. Ob er das Letztere vor Raubvögeln thue, sahen wir nicht, vermuthen es aber. Wie man von den Sommeraufenthaltsorten berichtet, so leben diese Vögel meist paar- oder familienweise, in der Zugzeit auch in etwas größern Gesellschaften beisammen, und diesen Hang zum geselligen Leben verrathen auch die, welche sich in unsere Gegenden verfliegen, wo oft Päärchen und zuweilen auch Vereine von mehreren Stücken vorkamen. Selbst gegen die Gesellschaft von andern schne- 204 XII. Ordn. OVHI. Gatt. 234. Grauschwänz. Stelzenl. pfenartigen Ufervögeln scheinen sie nicht abgeneigt, da man sie auf dem Wasserschnepsenheerde gefangen, wo sich nur Lockvogel von ihnen nicht zugehörigen Arten befanden und der Vogelfänger allein ihren eigenen Lockton nachahmte. Es scheint jedoch, als läge ihnen an anderer Gesellschaft nicht viel, wenigstens waren die einzeln zu uns verirrten Stelzenläufer immer ohne solche und ganz einsam. Seine Lockstimme hat, so wie der Vogel überhaupt in sehr vielen Stücken, große Aehnlichkeit mit der des dunkelfarbigen Wasser lau fers, von welcher sie nur ein geübter Kenner der Vo- gelstimmen leicht unterscheiden kann, an dem ganz andern Ton und dergl. Sie ist eben so ein hohes, kurzes, flötendes, weitschallcndes Pfeifen, das ebenfalls durch Tjoit versinnlicht werden kann, und nicht oft wiederholt wird, wie denn überhaupt der Vogel sich nicht oft hören läßt, als etwa nur ein oder ein paar Mal im Auffliegen, oder wenn einer aus einer kleinen Gesellschaft erlegt ist und die übriggebliebenen hoch in der Luft die Stelle einige Mal umkreisen, wobei man denn diese lockenden Töne noch am öftersten von ihnen vernimmt. Außerdem hört man auch noch ein eigenthümliches heiseres Gacksen, was meistens bloß Angst- oder Schreckensruf ist. Er nährt sich, wie die Wasserläufer, von allerlei kleinen Was- serinsekten und im Wasser lebenden Insektenlarven, und sein Magen enthält oft bloß unkenntliche Neste von weichen Arten, worunter auch Flügel und Beine von kleinen Käfern häufig, so wie auck Froschlarven oder Kaulquappen nicht selten vorkommen. Vielleicht frißt er auch Fisch- und Froschlaich, und weil er dem dunkelfarbigen Wasserlaufer auch hierin sehr ähnlich ist, auch ganz kleine Con- chylien; doch fanden wir diese nicht in dem geöffneten Magen, wozu uns freilich bis jetzt zu wenige Vögel zu Diensten standen. Bei einem solchen Vogel fanden sich fast keine andern Geschöpfe als kleine Froschlarven, und zwar in ziemlicher Anzahl, mit grobem Kies und kleinen - Steinchen vermengt. -Wie die Vögel der vorigen Gattung, sucht er seine Nahrung stets am Wasser, wo das User sehr flach in dasselbe verläuft und fast immer bloß auf schlammigem Boden oder in schlammigem Sumpfe, wo dieser nicht von Pflanzen zu sehr verdeckt ist. Er geht da theils auf dem Moraste, theils im seichten Wasser, nach jenen emsig suchend und fischend, herum, wadet nicht selten bis an den Leib ins Xll.Ordn. Gatt 234. Grauschwänz. Stelzenl. 205 Wasser, schwimmt aber, wo dieses zu tief wird, in dieser Absicht selten eine kurze Strecke. Ost angelt er, Kopf und Hals ganz eingetaucht, die Geschöpfe aus dem Wasser und vom Grunde herauf und schreitet dabei immer vorwärts. Seine Manieren dabei sind ganz die eines Wasserläufers. Wir sahen ihn auch viel Genießbares vom weichen Schlamme aufnehmen und fanden nachher an der Stelle eine große Anzahl kleiner Löcherchen, die er mit dem Schnabel hineingestochen und wahrscheinlich sehr kleine Würmchen daraus hervorgezogen hatte. Ein Beinbruch mag wol für jeden Vogel, namentlich aber für solche, welche angewiesen sind, ihre Nahrung gehend aufzusuchen, ein grenzenlos elender Zustand sein. Wir sahen einen Stelzenläufer, dem das eine Bein ganz oben durch einen Schuß zerschmettert war, nach mehrern Tagen, zwar anscheinend nicht an Nahrung leidend, aber mit Mitleid erregender Anstrengung auf dem einen gesunden Beine bloß ein paar Sprünge thun, dann aber mühsam, auf den Fersen gehend, sich fortbewegen und so auf dem nassen Schlamme am Wasserrande entlang seine Nahrung suchen, wo sich die auf diese Weise im weichen Boden abgedrückten Fährten ganz sonderbar aus- nahmen. Er schien sich jedoch je länger desto besser in sein trauriges Geschick zu finden, lernte täglich leichter auf den Fersen fortrutschen, obgleich die eine, über dem Gelenk zerbrochen, einen zweiten gewiß sehr schmerzhaften Biegungspunkt darbietend, bedeutend kürzer als die gesunde war, und befand sich, als er länger als eine Woche ein solcher Krüppel gewesen und endlich erlegt war, doch noch in einem ziemlich wohlbeleibten Zustande. Fortpflanzung. Da oft gepaarte Vogel dieser Art in verschiedenen Gegenden Deutschlands bis zur Küste der Ostsee hinauf in ziemlich weit vorgerückter Jahreszeit (Ende des Mai) beobachtet sind, und da selbst Eiersammlern unter gewöhnlichen Sumpfvögeleiern solche vorgekommen sind, die den ächten, aus Ungarn erhaltenen, Eiern unsres Stelzenläufers vollkommen ähneln, so ist sehr wahrscheinlich, daß einzelne Paärchen, wiewohl sehr selten, sich auch in Deutschland fortpflanzen, zumal oft junge Vögel hier erlegt sind, die zu einer sehr weiten Reise noch nicht fähig waren. Vielleicht hat er seine Brüteplätze an wenig zugänglichen Orten in der Mitte großer Sümpfe, wo wahrhafte Vogelkenner selten hinkommen. In den uns zu- 206 XII. Ordn. I^VIII Gatt. 234. Grauschwänz. Stelzenl. nächst gelegenen Brüchern mag er indessen wol nicht nistend vorgekommen sein; doch halten wir nicht sür unmöglich, daß in seltner von uns besuchten Nachbarrevieren ein Mal ein unwirthliches Plätzchen solche Bögel gehegt haben könnte, obwol jene ausgedehnten Niederungen von uns seit langen Jahren in allen Jahreszeiten und in jeder Richtung durchwadet und die Böge! darin beobachtet wurden, und auch so auffallende Böge! den Blicken des naturforschenden Jägers schwerlich lange verborgen bleiben könnten. Das oben angeführte Beispiel von lotunus staAnstilis läßt jedoch auch an so Etwas glauben. In Ungarn nistet er in den großen Sümpfen hin und wieder in nicht unbedeutender Anzahl. Es ist indessen bis jetzt weiter nichts bekannt, als daß das Nest auf einem Hügelchen oder einer sonst trocknen kleinen Erhöhung, von Morast umgeben, wie ein Wasserläufernest aussieht, so die kleine Vertiefung, mit wenigen trocknen Pflanzentheilen ausgelegt, 4 schön eiförmige, wenig birnförmige, in der Gestalt denen von der Avosette ähnliche, in der Größe aber denen des gemeinen Kibitzes noch nicht bekommende Eier enthält, welche blaß graulichgrün aussehen und mit vielen aschgrauen Punkten und Schalenfleckchen, auf der Außenfläche aber mit noch mehrern röthlichbraunen Punkten und kleinen, oft rundlichen, Flecken bestreuet, die aber doch in keiner so großen Anzahl vorhanden sind, daß dadurch der Grund merklich verdunkelt würde. Sie sind für den Geübten leicht von andern Sumpfvögeleiern zu unterscheiden. Feinde. Wahrscheinlich hat er die nämlichen offenen Feinde, wie andere Wasserläufer. Näheres ist uns nicht bekannt. In seinen Eingeweiden wohnen verschiedene annoch unbestimmte Würmerarten und die 1's.enis. üimaotoxocki, unter der Bauchhaut auch eine ^ousri». Jagd. Es ist schon oben gesagt, daß dieser Vogel weniger scheu, als die Wafferläufer, daher auch leichter zu schießen sei; dabei ist jedoch nicht außer Acht zu lassen, daß die Annäherung mit aller Behutsamkeit und wo möglich ungesehen geschehen müsse. Eine Angabe, X». Ordn. QVIU.Gatt. 234. Grauschwänz. Stelzenl. 207 nach welcher er, in Binsen versteckt, kurz vor dem Schützen herausfliegen und so im Fluge herab geschossen werden könne, beruht entweder auf elnam groben Irrthume, oder kann nur von ganz jungen, kaum flugbaren Vögeln gemeint sein. Der erfahrne Vogelsteller lockt ihn ohne Schwierigkeit auf den Wasserschnepfenheerd, und fängt ihn eben so leicht an den bemerkten Lieblingsplatzen in Lausschlingen. Seine im weichen Boden abgedruckten Fußtapfen (Fährten) sind, obwol denen der größer» Wasser- und Kampfläufer durchaus ähnlich, leicht an den weitern Schritten zu erkennen, die er vermöge seiner längern Beine thut, wo sie sich aber dicht neben einander auf einer Stelle befinden, nicht von jenen zu unterscheiden, weil die Zehen eben so 3 Theilungslinien eines in 6 gleiche Abschnitte getheilten Zirkels bedecken und der Mangel der Hinterzeh nicht bemerklich wird, da sich diese bei jenen auch selten deutlich abdruckt. Nutzen. Sein Fleisch ist sehr schmackhaft, freilich von alten Vögeln, namentlich im Frühlinge, etwas trocken und zähe, desto zarter aber und meistens auch fett von jungen Vögeln im Spätsommer. Deshalb sieht man sie auch, vorzüglich die letztem, häufig auf dem Markte in Wien, wo sie viel Abgang finden und aus Ungarn dahin gebracht werden. Auch die Eier hält man für sehr wohlschmeckend. Schaden. So wenig wie bei einem andern schnepfenartigen Vogel, läßt sich etwas auffinden, was unsern Stelzenläufer von einer dem Menschen ttachtheiligen Seite zeigte. Neun und fünfzigste Gattung. Säbler. Aeeuvirostra. Schnabel: Lang, schwach, schmal, aber durchaus abgeplattet oder von oben und unten sehr brcitgedrückt, daher von der Seite gesehen sehr niedrig, an der Spitze außerordentlich verdünnt und deshalb hier oft etwas klaffend; vom Grunde aus gerade, an der vordem Hälfte aber wie ein Säbel aufwärts gebogen, sehr hart und glatt; die Seitenlängefurchen nicht bis zur Mitte der Schnabellänge vorgehend; die Mundkanten spitzewärts schneidend scharf. Im Innern ist er äußerst flach, und in jedem Theil befinden sich seiner ganzen Länge nach zwei erhabene parallele Leistchen, die rieben einander, die untern in die obern passen, und zwischen welchen die kurze, lanzettsörmigspitze, hinten gezähnelte Zunge liegt, welche nur den vierten Theil der Schnabellänge hat. Nasenlöcher: Iederseits ein länglichter, durchsichtiger Ritz, nahe an der Stirn, uizd mehr oben als an den Seiten des abgeplatteten Schnabels, in einer weichen Haut liegend, die in eine bald H^digende schwache Furche ausläuft. Füße: Sehr lang, schwach, hoch über die Ferse hinauf nackt, mit einem weichhäutigen Ueberzuge, welcher vorn herab sehr seicht in große Schilder zerkerbt ist, und mit vier Zehen, von welchen die Hintere sehr hochgestellt und ungewöhnlich klein, fast nur rudimentär ist- die drei vordem mittellang, schwach und durch Schwimmhäute verbunden sind, die seitlich bis an die Zehenspitzen verlaufen, in der Mitte aber stark mondsörmig ausgeschnitten sind. Die Krallen sind kurz, fast gerade, nicht spitz, aber scharf. XI!. Ordn. !^>!X. Gatt. Säbler. 209 Flügel: Mittelgroß, lang, spitz, am Hinterrande stark ausgeschnitten, wodurch auch eine ziemlich lange Hintere Flügelspitze entsteht. Die erste große Schwingseder ist die längste, oft aber kaum länger als die zweite; vor jener liegt noch, wie bei andern schne- pfenartigen Bögeln, eine kleine verkümmerte Schwingseder, die sehr schmal, spitz und hart ist. Schwanz: Kurz, zugerundet, zwölffederig. Das kleine Gefieder ist an den obern Theilen gut geschlossen, doch nicht viel dichter als bei andern Schnepfenvögeln, an den untern, besonders der Brust und dem Bauche, aber ziemlich pelzar- tig und dem der Sceschwalben ähnlich. Es liegt immer glatt an und hat auf dem Grunde ziemlich viel kurze, lockere Dunen. Die Bögel dieser Gattung sind von mittler Größe und hochbeinige, langschnäblige Schnepfengestalten, mit kleinem Kopfe, langem, dünnen Halse, gerundeter Brust und wenig eingedrückten Seiten des Unterkörpers. Ihr Gefieder trägt sehr einfache Farben in großen Abtheilungen, Weiß ist darunter die vorherrschendste oder über die größten Räume verbreitetste, und tiefes Schwarz in wenigen, aber großen Massen, steht in grellem Abstiche mit jenem. Sehr wahrscheinlich findet alljährlich eine Doppelmauser Statt, doch ist man damit noch nicht recht im Klaren, weil Sommer- und Winterkleid ganz gleich gefärbt zu sein scheinen, im Frühlinge sich aber viele neue Federn zwischen den alten zeigen, die wenigstens theil- weise eine Frühlingsmauser vermuthen lassen. Das Jug endkleid hat dieselben Farben in der n ämlichen Vertheilung, nur schmutziger, und statt Schwarz nur Schwarzbraun mit helleren Federkanten. Wie andere junge Schnepfenvögel sind auch diese vorzüglich an dem unförmlich dick angeschwollenen, mit einer tiefen Längerinne versehenen Theile des Laufes unter dem ebenfalls dicken Fersengelenk sehr leicht von den Alten zu unterscheiden. Männchen und Weibchen haben gleiche Zeichnung und Farbe, die letztem diese nur wenig matter und eine etwas geringere Größe. Das Dunenkleid ist dem der Wasserläufer ähnlich und hat ebenfalls viel Weiß. Wie die vorige ist auch diese Gattung im System hin und her geschoben worden, weil man um die richtige Stelle für sie verlegen *vs>r, wozu meistens wol nur die etwas zweideutige Gestalt der Füße, mit der damit übereinstimmenden Bekleidung der untern Körpertheile, 8. Theil. 210 X??. Ordn. ! IX. Gatt. Säbler. Veranlassung geben konnte. Beides findet sich aber, obgleich nicht so stark ausgeprägt, bei einigen Wasserläufern, denn l'otnnus kusous hat beinahe einen eben so dichten Federpelz an der Brust und dem Bauche, und bei lotnnus «omipnlmntus (einer Nordamerikanischen, auch in Nordeuropa einzeln vorkommenden Art) sind auch schon Schwimmhäute vorhanden, die aber die Raume zwischen den Zehen kaum zur Hälfte ausfüllen; endlich ist die säbelförmige Biegung des Schnabels bei lotuvus Glottis (auch bei LZmasn ruk» u. a. dieser Gattung) schon ziemlich stark angedeutet, im klebrigen der Schnabel freilich sehr abweichend gebildet, doch wieder, wenigstens der abgeplatteten Form wegen, sich den Schnäbeln der hier zunächst folgenden Gattungen, wenn auch nur entfernt ähnlich, anschließend. Diese Schnabelform bekundet allerdings eine Abweichung in der Lebensart, die aber im klebrigen, wie die Gestalt des Vogels, ganz die eines lot-mus ist.*) Daß pie Gattung kvvurrirostrn durchaus nicht unter den Schwimmvogeln stehen darf, beweisen alle in ihr vorkommenden anatomischen Verhältnisse, eben so, daß sie den reiherartigen Sumpfvogeln nicht angehört, sondern ein ächter Schnepsenvogel ist und in der Gattung lotunus ihre nächsten Verwandten findet. Die wenigen Arten dieser Gattung sind über viele Länder der Erde verbreitet, vorzüglich die in Europa vorkommende. Sie sind Meerstrandsbewohner, namentlich die letzte, deren Aufenthalt wenigstens immer in der Nähe des Meeres ist, mit Ausnahme einiger sehr großen Landseen, welche sie wenigstens in der Zugzeit besucht. Große feuchte Wiescnflächen und nasse Viehweiden, in der unmittelbaren Nähe des Seestrandcs, sind an den Küsten Norddeutschlands ihre Sommerwohnsitze, die sie im Herbste verläßt, als Zugvogel südlich wandert und unter einem wärmern Himmelsstriche überwintert, worin ihr die übrigen Arten, wie im Folgenden, durchaus gleichen sollen. Ihre Reisen machen sie gesellschaftlich, und dieser Trieb zum geselligen Leben verläßt sie auch am Nistorte nicht, wo oft viele Märchen beisammen wohnen. Sie schreiten leicht, behende und, weil sie den gemeinschaftlichen Zehenballen nicht hart aufsetzen, zierlich einher, schwimmen sehr oft und mit vieler Anmuth, tauchen aber selten und nur in Noth unter, und haben einen leichten und ziem- *) Man könnte auch sagen, einer Dort laßt sich aber diese Gattung nicht einschieben, weil sie die ganz naturgemäß richtige Rcihesolge, nämlich nach I.im«»», dla- meiii«» und Il>:-, und vor ihr Leolopax, unterbrechen würde. XII. Ordn. 1IX. Gatt. Säbler. 21t lich schnellen Flug. Ihre Stimme ist angenehm flötend, ihr Paarungsruf wenig von der Lockstimme verschieden. Ihre Nahrung, die in außerordentlich kleinen Würmchen und Insekten besteht, suchen sie am Wasser auf eine ganz eigenthümliche Weise, indem sie mit dem aufgekrümmten Schnabel durch den dünnen und weichen Schlamm oder durch das seichte morastige Wasser wagcrecht hinüber- und her- übersäbeln und so im Durchführen jene kleinen Geschöpfe erschnappen, können aber, auf gewöhnliche Weise, mit der zu schwachen Spitze etwas größere Gegenstände nicht aufheben. Ihre Nistplätze sind mit kurzen Kräutern oder Rasen bedeckte und ähnliche grüne Flächen nahe am Meere, und selten sind solche von einzelnen Paaren bewohnt, auch mischen sie sich dort gern unter andere Strand- vögel. Das Nest ist eine kunstlos mit einigen Hälmchen belegte Vertiefung, worein sie ihre 3 Eier legen, welche wenig birnförmig, graugelb, mit schwarzbraunen Flecken und Punkten bestreuet sind. Beide Geschlechter haben einen Brutfleck an jeder Seite des Unterleibes, auf dessen Mitte sich beide vereinen, brüten abwechselnd und lieben ihre Brüt außerordentlich. Ihre Jungen sind in dichte Dunen gekleidet, verlassen das Nest sogleich und wissen sich vor ihren Feinden sehr wohl zu verstecken. Das Fleisch ist wohlschmeckend, aber die Alten sind wegen ihrer großen Vorsicht schwer zu schießen. „In dieser Gattung (bemerkt Nitzsch nach Untersuchung der Hvvurvirostrn Tlvovvtta) bestätigt sich abermals die allgemeine, unter Elmrarlriiis von mir angegebene Schnepfenbildung. Eigenthümliche oder weniger allgemeine anatomische. Verhältnisse derselben sind folgende: „Der schon durch seine bogenförmige, aufwärts gehende Krümmung sehr ausgezeichnete Schnabel ist es noch durch die Abplattung beider Kiefer; durch die Richtung des Seitenrandes nach außen; durch den gänzlichen Mangel des knochenzelligen Tastapparats und die sehr schwachen, sparsamen und vereinzelten Nervenfäden, welche zur Kieserbedeckung gehen. „Die Nasen furche erreicht noch nicht die Mitte der Länge des Oberkiefers. „Der Biegungspunkt des Oberkiesers liegt gleich vor den Nasenlöchern. „Die Nasendrüsen sind groß, nierenförmig; sie bedecken und verbreitern die Stirn, indem sie mit dem innern Rande in gerader Linie dicht zusammenstoßen, und mit dem äußeren den Orbitalrand überragen. 14 ' 212 XII. Ordn. H Gatt. Gabler. „Die Hirnschale ist klein. Das große Hinterhauptsloch rundlich, fast breiter als hoch und ohne den obern unpaaren 8Ivu8, welchen z. B. IriiiAu, l'otanus und Kolitis haben. „Der Halswirbel sind 14, die größeste Zahl, die bei Schne- pfenvögeln außer Ibis vorkommen mag; sie sind zugleich von bedeutender Stärke, und der 4te und 5re haben einen Henkel jederseits. „Der Rippen sind, wie fastimmer in dieser Familie, 9 Paare, wovon 7 Paare den Rippenknochen haben. „Das Brustbein hat, wie bei fast allen Schnepsenvögeln, hinten äußere und innere Buchten, aber die innern sind ganz ungewöhnlicher Weise die größesten. „Das Becken zeigt zwischen den Querfortsätzen der Kreuzwirbel nur eine einfache Löcherreihe jederseits. Der zwischen Schaam- und Sitzbein bleibende obturirte Raum ist sehr groß. „Die Zunge ist sehr kurz und vorn stumpf; sie reicht nur so weit als die Nasensurche. „Der untere Kehlkopf hat das einfache Muskelpaar sehr wenig entwickelt. „Der Magen ist sehr wenig muskulös. „Die Blinddärme sind lang; das Divertikel klein. Die innere Darmfläche zeigt in der ersten Strecke Zickzackfalten, die durch Ouerriegel zu Zellen verbunden sind, hierauf aber die gewöhnlichen unverbundenen longitudinalen Zickzackfalten, im Mastdarm bloß Querfalten." » Diese Gattung enthält, so viel wir wissen, nur 4 Arten; davon hat Europa, so wie Deutschland, nur Eine Art. Il. N. l. cin7ltl-i-l. 366. ------ De 22/rert 8vpp. ^eüerl. Vox. I. t. p. 67. ----- Dechsteitt, Natmg. Deutscht. IV. S. 456. ^-Dessen Taschenb. H. S. 329- ----- Borkhausen u. a. teutsche Ornith. Heft 5. iZnng. Münnch. od. Weivch.) ----- Wolf und Meyer, Taschenb. II. S. 41^. ------ Meißner u. Schinz, VLg. der Schweiz. S. 241. o. 223. ------ Ko^, Barer. Äool. I. S. 325. 201. ----- Brehm, Lehrb. II. S. 656. Dessen Naturq. aller Vög. Deutscht. S.685—687. ----- Gloger, Wirbctthicr-Fauna Gchlss. S. 56. XU. Ordn. i^IX. Gatt. 235. Avosett-Säbler. 2!4 Kennzeichen der Art. Hauptfarbe weiß; Oberkops und Genick bis aus den Hinter- hals hinab schwarz oder (bei den Jungen) schwarzbraun. Beschreibung. Unmöglich kann dieser herrliche Vogel mit irgend einem andern einheimischen verwechselt werden, da er, sowvl seiner besondern Gestalt wie der Färbung seines Gefieders wegen, sich von allen andern Schnepfenvögeln höchst auffallend unterscheidet. Auch von den zu seiner Gattung gehörenden, ihm an Größe und Gestalt ähnelnden, ausländischen Arten unterscheidet ihn die besondere Vertheilung des Schwarzen auf seinem meist schneeweißen Gefieder; denn keourvi- rostrrr orientalis hat bloß schwarze Flügel und Schultern und ist sonst ganz weiß; ii. Ämvriormn einen blaßgelblich rostfarbenen oder isabellgelben Kopf, Hals, Oberrücken und Brust; li. rukirieollis ein kastanienbraunes Gesicht, Oberkops und Oberhüls. Die Größe der europäischen Avosette ist vollkommen die einer Feldtaube, der Hals aber viel länger und der Schwanz kürzer, auch die Flügel größer als bei dieser, weshalb sie auch, zumal sie sehr hoch auf den Beinen steht, um Vieles größer aussieht. Die Länge wechselt bei verschiedenen Individuen, wovon den Weibchen die geringeren Maaße zukommen, zwischen 14^ bis zu 15^ Zoll, nämlich ohne den Schnabel gemessen; die Breite zwischen 30 bis 32 Zoll; die Länge des Flügels vom Handgelenke bis zur Spitze 9^2 Zoll; die Länge des Schwanzes 3^/, bis 3^ Zoll, und die Spitzen der ruhenden Flügel reichen meistens um ^ Zoll über sein Ende hinaus. Die Flügel haben ganz die Gestalt wie bei einem Wasserläufer, nur ist die erste große Schwingfeder sehr wenig länger als die zweite, daher die vordere Flügelspitze etwas stumpfer, und die kleine verkümmerte Schwingfeder vor ihr ist etwas größer, als bei jenen gewöhnlich, aber eben so ganz schmal, spitz und straff. Die der ersten Ordnung sind etwas breit, nehmen aber spitzewärts nach und nach an Breite ab und endigen spitz zugerundet; sie haben gerade und starke Schäfte, die der zweiten schwächere, etwas hinterwärts gebogene, und die der dritten wieder gerade. Der Hinterränd des Flügels ist ebenfalls mondförmig ausgeschnitten und die Hintere Flügel- spitze so lang, daß sie auf zusammengelegtem Flügel auf die vierte Schwingfeder erster Ordnung reicht. Die letzten Federn der Hintern x«t Ordn. OIX. Gatt. 235. Avosett-Sab ler. 215 Flügelspitze sind fast immer zerschlissen oder ihre Gärte ohne Zusammenhang, was sie von ihrem Entstehen an nicht gewesen zu sein scheinen; man kennt jedoch die Ursache dieser Zerstörung nicht. — Der Schwanz hat 12 ziemlich breite, spitz zugerundete Federn, welche von der Mitte an so an Lange abnehmen, daß dadurch ein zuge- rundeteS Schwanzende gebildet wird, das auch nicht selten, hauptsächlich an den Mittelfedern, etwas verstoßen ist. Das kleine Gefieder ist an allen obern Theilen zwar gut geschlossen, aber nicht größer und nicht dichter als bei einem uns, dies aber am Vorderhalse, der Brust und dem Bauche, wo es ziemlich pelzartig und dem der mevenartigen Vögel ähnlich wird. Der höchst auffallend gestaltete Schnabel ist bedeutend lang, sehr schwach, besonders sehr niedrig, zumal von der Seite gesehen, weil er von oben und unten so platt gedrückt ist, daß er durchaus breiter als hoch erscheint, spitzewärts sich allmälig verdünnt und endlich in eine so seine Spitze ausläust, wie sie an keinem Vogelschnabel weiter vorkömmt. Sowol Firste als Kiel sind ganz glatt, plattrund abgeflacht, beide Theile vor der Spitze so ungemein dünn, daß sie selten recht genau schließen, viel öfterer klaffen und wegen ihrer großen Biegsamkeit gar nicht zum Festhalten gewisser Dinge taugen, noch viel weniger ein Tastorgan mit Nerven im Innern sein können, da er durchaus aus einer harten, hornartigen Substanz besteht, die sich wie Schnellfedcrn biegen laßt und zurückschnellt, auch wegen seiner tiefen Schwärze und der glänzenden Außenfläche vollkommen aussieht, als sei der Schnabel aus Fischbein gemacht. Er ist von der Wurzel an ziemlich gerade, steigt aber von der Mitte an gegen die Spitze zu nach und nach in einem Bogen so aufwärts, daß die Sehne desselben, bei einer Schnabellänge von 3^ bis 3^ Zoll, in der Mitte 4 bis 5 Linien mißt. An der Wurzel ist er 4 Linien breit und nur 3 Linien hoch, die Höhe nimmt aber gegen die Mitte, wo sie nur 2 Linien beträgt, verhältnißmäßig mehr ab als diese, und wenn die Höhe kurz vor der Spitze kaum noch eine halbe Linie beträgt, so ist die Breite daselbst fast eine volle Linie. Die wie eine Nadel oder ein Haar auslaufende Spitze ist an manchen Individuen zuweilen zu beiden Theilen, die beiläufig eine Länge haben, so her- abgekrümmt, daß sie ein feines, mit unbewaffnetem Auge kaum sichtbares Häkchen bildet, so wie zuweilen ein anderes Mal ein ganz kleiner Theil der Spitze fehlt und abgebrochen zu sein scheint, beides wahrscheinlich unnatürliche, durch Gewalt herbeigeführte Zustände. Die dünne Spitze ist sehr zerbrechlich, daher bei ausgestopft 216 X??. Ordn. LiX. Gatt. 235. Avosett-Säbler. ten oft beschädigt, wogegen das Uebrige des Schnabels seine Schnell- sedern ähnliche Biegsamkeit behält und die Masse erst nach Jahren merklich spröder wird. Die Nasenlöcher liegen mehr oben als an der Seite des Schnabels, unfern der Stirne, in einer weichen Haut, die in eine Furche verläuft, welche jedoch noch nicht bis in die Mitte des Schnabels reicht, und sind nur kurze durchsichtige Ritze. Die seitliche kleine Rinne des Untcrschnabcls geht auch nicht bis in die Mitte vor. Das Innere des Schnabels ist eben so merkwürdig, fast gerade, sehr flach oder wenig ausgehöhlt, an beiden Theilen mit zwei sehr seinen, erhabenen, scharfkantigen, der Längs nach parallel durch die Schnabelfläche laufenden Leistchen, die bei geschlossenem Schnabel dicht neben einander, die untern in die obern, passen. Zwischen ihnen füllt vom Grunde aus die flache, schmal zugespitzte, ziemlich kurze Zunge den, so weit sie reicht, etwas mehr vertieften Raum aus. Das Innere des Schnabels ist wie das Aeußere ganz schwarz, nur die Zungenwurzel und der Rachen in bläuliche Fleischfarbe übergehend. Das Auge ist nicht groß und hat einen sehr dunkelbraunen, fast röthlich schwarzbraunen, Stern, welcher nur bei jüngern Vögeln etwas matter braun ist, und bei ganz jungen ins Grauliche fällt. Die Augenlider sind befiedert, nur nach innen ein Nändchen, derselben kahl und schwarz. Die Füße sind sehr lang, schlank, seitlich zusammengedrückt, ungemein weich und sanft anzufühlen, hoch über die Ferse hinauf nackt; die Vorderzehen mittellang, schwach, mit Schwimmhäuten verbunden, welche bis an die Zehenspitze vorgehen oder nur wenig von ihr entfernt bleiben, dabei aber in der Mitte so stark halbmondförmig ausgeschnitten sind, daß sie den dreieckigen, Raum zwischen je zwei Zehen, genau genommen, nur zu zwei Drittheilen ausfüllen; die Hinterzehe sehr kurz, klein und schwächlich, fast nur eine bewegliche Warze mit sehr kleinem Nagel, sehr hoch über den Zehenballen eingelenkt. Die weiche Haut, welche die Beine, so weit sie nackt sind, bedeckt, hat ungemein seichte Einschnitte, welche vorn herab eine Reihe großer Schilder bilden, die ar6 den Zehenrücken schmäler, aber deutlicher sind, während im klebrigen die Unterschenkel und Laufe netzförmige Eindrücke haben, die an den Schwimmhäuten noch schwächer ausfallen. Die Krallen sind klein, sehr wenig gebogen, kurz zugespitzt, aber scharfrandig, die der Mittelzeh mit einer vorstehenden Schneide an der Innenseite. Der Unterschenkel ist bei Xtt. Ordn. n Gatt. 235. Avosett- Säbler. 217 manchen Individuen 1 Zoll 8 Linien, bei andern 2 Zoll (auch wol etwas darüber) nackt; der Lauf 3 bis 3^ Zoll lang; die Mittelzeh, mit der fast 3 Linien langen Kralle, 1 Zoll 9 bis 11 Linien, und die rudimentäre Hinterzeh, sammt der winzigen Kralle, nur etwa 2 1/2 Linien lang. Die Länge der Füße wechselt sehr und ist, wie bei andern schne- pstnartigen Vögeln, in der Jugend stets viel geringer, und im Alter unterscheiden sich auch die Weibchen durch ihre kürzern Füße noch sehr bestimmt von den gleichalten Männchen. Mit dem Schnabel hat es zwischen Alten und Jungen dieselbe Bewandtniß, und er bleibt auch beim alten Weibchen etwas kürzer, doch aber mehr im Verhältniß zu dessen auch kleinerm und schmächtigem Körper, daher weniger auffallend. Die Farbe der Füße ist im Leben ein recht angenehmes Hellblau, das ein wenig in lichtes Aschblau spielt, im Tode bald dunkler und ganz ausgetrocknet fast schwarz wird, die der Krallen schwarz. An jungen Vögeln ist jene Farbe mehr grau als blau, an ganz jungen weißgrau. Sie sind bei diesen, wie bei andern jungen Schne- pfenvögeln, an den Läufen zunächst dem Fersengelenke, wie diese, sehr dick und unförmlich, vorn herab mit einer Längerinne versehen. Ueberblickt man diesen einfach gezeichneten Vogel im Ganzen, so hat er nur zwei Farben, weiß und schwarz, welche so vertheilt sind: Hauptfarbe rein weiß, Oberkopf und Nacken tief schwarz, Schulter und Flügel wechseln mit fünf großen, schrägen, streifartigen Feldern, deren oberstes (neben dem Rücken entlang), mittelstes und unterstes (von den großen Schwingen gebildet) schwarz, die zwei dazwischen liegenden aber weiß sind. Genauer genommen hat das Gefieder der alten Vögel folgende. Zeichnung. Der Anfang der Stirn ist grau oder weißlich; das Uebrige der Stirn, der ganze Oberkops bis an die Zügel und Schläfe, das Genick, der daran stoßende Obertheil des Hinterhalses, bis auf die Mitte der Halslänge hinab und hier scharf abgesetzt, sind tief schwarz; Wangen, Halsseiten und Halswurzel, so wie der ganze Rücken bis an den Schwanz, dieser nicht ausgeschlossen, Kinn, Kehle, Gurgel und alle übrigen untern Körpertheile bis zur Schwanzspitze rein und blendend weiß; die obere Hälfte der Schultern, oben breit und neben dem Rücken entlang etwas schmäler, tief schwarz; die untere, über dem Flügel, in einem großen länglichten, an beiden Enden zugespitzten (schwarz umgebenen) Felde, rein weiß; die kleinen Flügeldeckfedern tief schwarz; die großen, nebst den Schwingst- 218 XII. Ordn. I^IX. Gatt. 2Z5. Avosett-Säbler. dem zweiter und dritter Ordnung weiß, einige der letztem mit bräunlichem Anstrich an der Wurzel und die allerletzten braunschwarz; die Schwingfedern erster Ordnung ganz, ihre Deckfcdem nur an den Enden, schwarz oder braunschwarz; die Daumenfedem, der vordere und obere Flügelrand und alle untern Flügeldecksedcrn rein weiß, nur die Flügelspitze unten schwarz. Zwischen beiden Geschlechtern findet folgender äußerlich bemerkbarer Unterschied statt. Das Weibchen ist stets etwas kleiner und schmächtiger, sein Schnabel, aber mehr noch seine Beine, etwas kürzer, am Gefieder das Weiße weniger blendend und im Frühjahr an den untern Theilen etwas gelblich beschmutzt, das Schwarze matter und die letzten Schwingfedern dritter Ordnung mehr braun gefärbt, die Schwanzspitze grau angelaufen, und die Stirn ein gut Stück herauf graubraun. Die jüngern Männchen ähneln hierin freilich den ältern Weibchen sehr, doch ist unter gleichalten beiderlei Geschlechts immer ein ähnliches Verhältniß bemerkbar. Zwischen dem hochzeitlichen und herbstlichen Kleide läßt sich kein Unterschied auffinden. Man bält dafür, daß sich diese Vogel nur ein Mal im Jahre mausern, obwol nicht zu läugnen ist, daß, da bei allen zeitig im Frühjahr erlegten Vögeln sich eine bedeutende Menge neuer Federn zwischen den alten finden, wenigstens eine theilweise zweite Mauser vermuthet werden kann. Im Sommer, gegen die neue Hauptmauser hin, bemerkt man einige Veränderung an dem Gefieder, welche aber nicht auffallend ist, bloß darin besteht, daß das Weiße, besonders an den untern Theilen, sehr viel an seiner Reinheit verloren hat und ins Gelbliche spielt, und daß das Schwarze matter geworden ist und vorzüglich an den Schwing- federn sehr in düsteres Braun übergeht; dies Abnutzen, Abbleichen und Beschmutzen ist jedoch bei vielen andern Vögeln weit auffallender, als bei den reinlichen Avosetten. Das Jugendkleid ist etwas verschieden, an ihm sind jedoch die nämlichen Theile, wie bei den Alten, weiß, aber trüber oder gelblicher; vor und hinter dem Auge steht ein schwarzes Fleckchen, Über demselben ein bräunlichweißer Streif, und auch die Ohrgegend ist bräunlich überlaufen, die Stirne bräunlichwciß, der Scheitel und Hinterkopf bis tief Wer das Genick hinab matt dunkelbraun, der übrige Hinterhals bloß beaungrau überlaufen; die Schulter - und Flügeltheile, welche bei den Alten schwarz sind, braunschwarz mit lichtbraunen Federkanten, die an den Federspitzen zum Theil in weißliche Säumchen übergehen; die großen Schwingen mit ihren Deck- Xli. Ord. I^IX Gatt. 235. Avosett - Säbler. 219 federn schwarz, an den Spitzen mit weißlichen Käntchen; Schnabel, Augenstern und Füße, wie schon oben beschrieben, letztere unter den dicken Fersengelenken mit unförmlich angeschwollenen, vorn herab mit einer Rinne versehenen Läufen. — Auch in diesem Alter kann man ziemlich deutlich schon Männchen und Weibchen an der verschiedenen Größe unterscheiden. Das Dune »kleid ist sehr zart, schneeweiß, nur der Ober- und Hinterkopf, wie der Rücken nebst der Flügelgegend gelbbräunlich und dunkelbraun gefleckt, im Ganzen ein so lichtes Gewand, wie es nur junge Seeschwalben oder Meven haben. Der graue Schnabel ist zwar noch sehr klein, aber schon bedeutend aufwärts gebogen, aber ganz weich, wie die an den Fersen unförmlich dicken, aber noch ziemlich kurzen Füße, welche frisch eine bläulichweiße Farbe haben. Die Augensterne blaugrau. Die Alten fangen schon Ende des Juli an sich zu mausern und beendigen den Federwechsel meistens im August, bei den Jungen tritt aber die Mauser einen Monat später ein. Aufenthalt. Unser Avosettsäbler hat eine ziemlich weite Verbreitung und kommt in drei Theilen der alten Welt, in Europa, Asien und Afrika vor. Im letztem scheint er von einem Ende bis zum andern zu wohnen, da man ihn aus der Berberei und Aegypten wie vom Vorgebirge der guten Hoffnung erhalten hat. In Asien sind es verschiedene Striche, im südlichen Sibirien und der Ta- tarei, welche er häufig bewohnt, so das südliche Rußland, die Länder am schwarzen Meer, auch die großen Landseen in Ungarn, zum Theil auch Italien und andere südeuropäische Küstenländer bis nach Spanien hin. Aber nicht allein an den südlichen Küsten des europäischen Festlandes ist er häufig, sondern auch an vielen nördlichen, wie nicht allein in Frankreich, wo er in manchen Strichen in außerordentlich großer Anzahl an letzterer vorkömmt, sondern auch an den Küsten der Nord- und Ostsee, wo er Nordholland in großer Menge, hin und wieder auch Deutschland in den nördlichsten Küstenstrichen, namentlich Holstein und Schleswig, und mehrere dänische Gestade, endlich die Küste von Pommern, in manchen Lagen noch äußerst häufig bewohnt, doch, wie es scheint, jenseits der Ostsee, an der schwedischen Küste, nur selten vorkömmt. So bewohnt er auch England in manchen Gegenden in großer Anzahl. Im Innern des europäischen Festlandes ist er dagegen, die 220 Xll. Ordn. H Gatt. 235. Avosett-Säbler. großen Seen und einige andere Gewässer Ungarns etwa ausgenommen, überall eine Seltenheit, und kommt bloß durchwandernd und einzeln vor. So auch im Innern Deutschlands, wo er außer wenigen an der Oder, der Donau, dem Bodensee, dem Rhein und dem salzigen See bei Eisleben, so viel uns bekannt, sonst nirgends erlegt ist, wie denn auch keine Nachricht vorhanden ist, daß dies jemals in Anhalt geschehen sei. Ich traf ihn an der Küste von Holstein hin und wieder an, namentlich auf der Halbinsel Deichsand, wo es Stellen gab, die von einer solchen Menge dieser schönen Vogel belebt wurden, daß man ihre Anzahl mit der der gemeinen Kibitze in vielen Brüchern Mitteldeutschlands vergleichen konnte. An der Küste des Ei- derstedt und aus den JnselnNordstrand, Pelworm, Süderoog, waren sie ebenfalls gemein; auf andern nahen Inseln kamen sie dagegen selten, aus manchen gar nicht vor. Er ist Zugvogel, kommt in diesen Gegenden meist mit den gemeinen Kibitzen, oder gleich nach ihnen, im April an, wohnt den Sommer über dort, und verläßt sie im September und Oktober wieder. Auch in Ungarn sieht man ihn in der Mitte des August nicht mehr an den Nistplätzen, und er verläßt dies Land ebenfalls im September gänzlich. Sonderbar genug soll er schaarenweise schon im südlichen England überwintern. Man berichtet jedoch auch, daß sie in großer Anzahl an verschiedenen Küsten des mittelländischen Meeres und viele in Afrika überwintern. Auf dem Zuge begriffen, welcher wie bei den verwandten Gattungen auch des Nachts unternommen wird, fliegen sie sehr hoch, und von denjenigen, welche sich ins mittlere Deutschland verflogen, sah man auch am Lage dasselbe. Sie mögen auf ihren Reisen immer den Meeresküsten folgen und lieber ungeheuere Umwege machen, als weite Länderstrecken überfliegen; wäre dies nicht, so müßten wir sie auf den Wanderungen von Süden nach Norden und zurück bei uns öfterer zu sehen bekommen. Der Zug von Seevögeln längs den Küsten ist mehrfach beobachtet, obgleich nicht gerade von dieser Art; sie macht aber davon gewiß keine Ausnahme. Unsere Avosette wohnt nur an salzigen Gewässern, daher meistens nur in der Nähe des Meeres und an dessen Strande. An süße Gewässer kömmt sie höchst selten und verweilt nie lange an solchen. Allein auch in jenen macht sie eine strenge Auswahl und hält sich weder an felsigem Gestade, noch an ganz sandigen Küstenstrichen, sondern nur da auf, wo der Boden schlammig ist, und wo XII. Ordn. I-IX. Gatt. 235. Avosett-Säbler. 221 zur Ebbezeit weite schlammige Flächen, Watten genannt, vom Wasser befreit werden. Die von mir bereiseten, zum Theil oben schon genannten Inseln an der WestküsteJütlands haben sehr verschiede- denen Boden; wo dieser fett ist, und wo die dort Stunden weit sich ausdehnenden Watten mit vielem Schlick (tintenschwarzen Schlamm) bedeckt sind, da sind auch diese Vogel gemein; wo aber bloß und allein Sand ist, wo diese auf den Watten nach zurückgetretenem Wasser eine ganz geebnete und glatte Flache bildet, und so dicht liegt, daß menschliche Fußtritte keine Spur zurück lassen, und worauf eS sich beiläufig sehr angenehm wandelt, da kömmt nie eine Avosctte hin. So kennt auf manchen Inseln jedermann den Schustervogel (so heißt sie dort ihres pfriemenähnlichen Schnabels wegen), während er auf andern, wenige Meilen davon, gänzlich unbekannt ist. Noch viel lieber scheinen ihm die Watten und der Strand, wenn viele Salzwiesen und Salzsümpfe in der Nähe sind. Dies sind nämlich die tiefern Stellen auf den grünen Vorlanden, welche nur bei außerordentlich hohen Fluten von der See überströmt werden, und' wo dann an den erstem immer etwas Wasser zurück bleibt, das oft noch nicht ganz ausgetrocknet ist, wenn bereits wieder eine neue hohe Flut den Abgang ersetzt, und wo viele Salzbinsen (IriKloolüiium) Salzwegerich (i^IuntuKo mni-ilima) und andere Salzpflanzen, aber wenig wirkliche Gräser wachsen. Sie sind namentlich zur Zeit der Flut fein Aufenthalt, und wo sie fehlen, sind dies die meist grüne Flächen durchschneidenden, tiefen Wasserrinnen, welche sich die Flut selbst im Ankommen und Abgehen gebildet hat, oder auch innerhalb der eingedeichten Ländereien die salzigen Teiche und durch die Schleusen eiugedrungene Wasser, endlich hier auch die sumpfigen Stellen auf wirklichen Graswiesen. Diese verschiedenen Aufenthaltsorte wechselt er mit der Ebbe und Flut. So wie die erstere eintritt, werden alle Strandvögel unruhig, sie fangen an hin und her zu stiegen, und unsere Avosette fehlt darunter gewiß auch nicht. Bei völliger Ebbe sieht man sie dann nicht selten eine halbe Meile weit vom Lande auf den Watten in den kleinen zurückgebliebenen Pfützchen fischen und sich so zuweilen Stunden weit von ihren Nistplätzen entfernen. Manche Individuen sind dann um die nämliche Tageszeit immer wieder an denselben Orten anzutreffen, eben so bei der Flut, wo sie die von der See entfernten Teiche und Sümpfe besuchen, an diesen. Auf den grünen Vorlanden und Viehweiden sieht man diese schö- 222 XII. Ordn. I.IX. Gatt. 235. Avosett-Säbler. nen Vogel oft, wie Kibitze, zwischen dem Viehe herumlaufen, wenn dies nicht weit von ihren Nistplätzen weidet, aber immer nur in der Nähe der See, und sobald diese zurücktritt, gehen sie wieder auf die Watten und der Ebbe nach. So weit ich bisher diese Art beobachtet habe, ist sie bloß Seevogel, und diese Beobachtung ist gewiß auch über alle an den Küsten der Nordsee und des atlantischen Meeres auszudehnen. In Ungarn wohnt dagegen die Avosette, so viel ich mit Sicherheit erfahren konnte, hauptsächlich nur am Neusiedler- und Platten-See, welche beide sehr viele Salzquellen haben, und wo sich in der Nähe derselben, zum Theil ganz dicht an ihren Ufern, jene Salzlachen bilden, die sich schon in weiter Ferne durch die weiße Farbe des Bodens, welcher zum Theil mit einer Kruste von Erdsalzen bedeckt ist, kenntlich machen.") Wahrscheinlich kommt sie indessen an ähnlichen salzigen Gewässern im Lande links von der Donau, z.B. beilievskemet, am weißen Sumpfe im Banat und anderwärts auch, aber an nicht salzigen Gewässern, dort ebenfalls nie vor. Wie andere Strandvögel sind auch diese die Nächte hindurch in Thätigkeit, und nur in sehr finstern mögen sie nur kurze Zeit der Ruhe pflegen. Dagegen sieht man sie am Tage, um die Mittagszeit, öfters ihr Schläfchen machen, wobei sie gewöhnlich auf einem Beine stehen, während dem aber das andere unter die Bauchfedern und den Schnabel zwischen den Schulterfedern verbergen, oder auch nur den Hals so zurückbiegen, daß der Kopf auf dem Oberrückcn, oder doch der Halswurzel, der Schnabel aber, vorwärts gerichtet, auf der Gurgel ruhet. Eigenschaften. Ein gar herrlicher Vogel und eine wahre Zierde des Strandes, mit seinem blendenden Weiß und dem grell davon abstechenden Schwarz weit in die Ferne leuchtend und vor allen andern sogleich zu erkennen, sonst aber in seinen Manieren, stehend und gehend, ein wahrer l'otnuus. So tragt dieser Vogel seinen Körper meist wage- recht, zumal wenn er sich sicher glaubt, und im ruhigen Gange. Nur aufgeregt hebt unser Säbelschnäbler die Brust höher und dehnt den langen Hals aus, welcher sonst in Ruhe oft 8sörmig niedergedrückt wird und wie eingezogen aussteht. Ganz in Ruhe zieht er ") Man sammelt in Ungarn dieses Salz in Menge und verwendet «S mit großem Vortheil beim Kochen der Seife. XII. Ordn. L.IX. Gatt. 235. Avosett-Säbler, 223» wol auch, wie oft im Schlafe, den Hals so ein, daß der Kopf auf den Schultern oder dem Oberrücken zu ruhen scheint. Sonderbar, daß dieser schlanke oder sehr dünne Hals ein so wenig dehnbares Fell hat, daß es sich deim Abbälgen nicht ein Mal so viel in die Quere erweitert, um über den keineswegs starken Kopf gestreift werden zu können, gerade wie bei Enten und im Gegensatze von allen andern Schnepfenvögeln. — Er. geht in leichten Schritten und nicht ohne Anstand einher, ist sehr behend, durchläuft aber selten lange Strecken, kann jedoch auch schnell laufen, wie er z. B. zeigt, wenn er des Flugsvermögens durch einen Schuß beraubt ist. Wo er sich bemerkt sieht, läuft er oft, den Hals wenig ausgereckt, dicht am Wasserrande entlang, behend und dem Verfolger den Rücken zugekehrt, in nicht langen Absätzen, in welchen er in halber Wendung, den Vorderkörper stets nach dem Wasser zu, sich jenem wieder im Profil zeigt, einen Augenblick anhält und eine nickende Bewegung macht, bei welcher er Hals und Vorderkörper schnell in die Höhe zieht und eben so schnell wieder sinken läßt, gerade wie ein Ivtavus. Dieses Nicken ist indessen auch meistens das Zeichen, daß er so eben abfliegen wird; zuweilen durchläuft er jedoch auch einige solcher Absätze, ehe er sich aufschwingt. So läuft die Avosette am Wasserrande hin, so wadet sie im Sumpfe und seichtem Wasser oft bis an den Bauch herum, und schwimmt auch über die zu tiefen Stellen ohne Widerwillen hinweg, ohne solche gerade zu suchen. Auf diese Weise sahe ich oft mehrere zugleich, am Rande einer breiten und sehr tiefen Wasserrinne, das eine Ufer mit dem andern vertauschen und über Flächen von 2V bis 30 Fuß weit hinweg schwimmen, ja zuweilen über noch weit größere Leiche nach dem jenseitigen Ufer hin rudern. Sie schwimmen leicht und schön, sehr flach, d. h. sie tauchen schwimmend den Körper nicht tief ins Wasser, machen den Hals schlank, meistens wie ein 8 gebogen, und nicken mit ihm und dem Kopfe bei jedem Ruderschlage. Ihre Bewegungen gewähren hier, wie überall, einen lieblichen Anblick, und der Beobachter, welcher solche Bögel im Freien zum ersten Male sahe, wird sich gewiß lange an dem Treiben derselben ergötzen und sich nicht satt sehen können. Sonderbar ist der Flug der Avosette; kein Wasserläuferflug, wie man wol vermuthet haben möchte, aber in Etwas dem des grauschwänzi- gen Stelzenläufers ähnlich, jedoch auch sonst noch eigenthümlich genug. Er streckt darin die an der Spitze etwas abgestumpften Flügel c >224 X». Ordn. I.IX. Gatt. 235. Avosett - Gabler. gewöhnlich weiter vom Körper hinweg, als die Wafferläuferartne, doch nicht ganz aus, ausgenommen wenn er, was jedoch selten kömmt, schwebt. Sie sind gewöhnlich hohl herabgebogen, d. h. die Wurzel und Spitze anscheinend tiefer als der Mittelflügel, und werden bald in stark ausholenden Schlägen hastig, bald in wenig gehobenen langsamer bewegt, je nachdem der Vogel gerade Eile hat, oder Gemächlichkeit zeigt. So fliegt er an den Nistorten meist niedrig, auf dem Zuge sehr hoch, hier schnell, dort langsamer. Zuweilen fliegen mehrere sehr rasch ganz dicht über dem Wasserspiegel hin, und so weit weg, wo dann der Flug wieder an den mancher Wasserläufer erinnert. Langsam und in mäßiger Höhe fliegend, wie z. B. in der Nähe der Brüteorte und an diesen selbst, sieht der Vogel, sonderbar genug, einem fliegenden Wasserhuhn nicht unähnlich, namentlich in bedeutender Entfernung, sowol nach den Umrissen wie der Flügelbewegung, nur daß die lang ausgestreckten Beine noch weiter hinten hinausragen und der dünne Schnabel gar nicht mit dem jener Vögel verglichen werden kann, wol aber der Hals so stark eingezogen und so dick gemacht wird, daß er dem jener sehr gleicht; dabei ist der Kopf ein wenig niederwärts gebogen und dadurch der Schnabel nicht ganz gerade vorgestreckt. So wird eine ganz eigene Figur gebildet, die in einer Ferne, wo die Farben noch zu unterscheiden sind, gar nicht zu verkennen ist. Sogar , mit einem fliegenden Lappen tauch er hat die fliegende Avosette in der Ferne eine entfernte Aehnlichkcit. Behaglich streckt sie oft nach dem Niedersetzen die Flügel noch einige Secunden senkrecht in die Höhe, ehe sie dieselben zusammenfaltet und an den Leib schmiegt, und soll jenes auch zuweilen im Schwimmen thun. Die Avosette (wie dieser Säbler gewöhnlich heißt) ist ein sehr scheuer, vorsichtiger Vogel. Sie flicht den Menschen stets, biegt ihm laufend schon in weiter Ferne aus, oder fliegt gleich auf und mei- , stens weit weg, ehe er sich es noch vermuthete; doch läßt sie sich aus einer Weite von ein paar hundert Schritten bis in Schußnähe noch hinterschleichen, wenn dies ungesehen geschehen kann, wenn sie auch vorher den Schützen schon bemerkt hätte. Dies namentlich in der Nähe des Brüteortes, und vollends beim Neste, wo sie ihn im Fluge nahe genug umkreist, aber ihn auch sehr gut von unbethciligten Leuten, Fischern, Hirten oder Knaben zu unterscheiden weiß. Wo öfter geschossen wurde, sind sie auch beim Neste sehr vorsichtig. Vor einem vorbeifahrenden Wagen haben sie weniger Furcht und lassen ihn ziemlich nahe heran. Ich sahe sie von einem solchen auf 79 bis XII. Ordn. n Gatt. L35. Avosett-Säbler. 225 80 Schritt weit noch ganz gemüthlich und ohne Furcht ihr Wesen treiben, und erst bei etwas mehrerem Annähern suchten sie gehend oder schwimmend auszuweichen. Dagegen zeigen sich diese Vögel auf dem Zuge und an fremden Orten ganz außerordentlich scheu. Sie sind gesellig, wandern theils in kleinern Gesellschaften, theils in großen Flügen, und auch an den Nisteorten zeigen sie diesen Hang. Gewöhnlich haben dort mehrere Päärchen einen gewissen Platz inne, auf welchem sie zwar nicht enge beisammen wohnen, doch aber oft einander Gesellschaft leisten können, und man sieht sie da in der Begattungszeit oft zu 10 und noch mehr Stücken, obgleich alle schon gepaart sind, beisammen und mitsammen nach Nahrung suchen. Solche sind wohl zu unterscheiden von den nicht gepaarten, die stets gesellig, aber meist in abgeschlossenen Flügen leben, ohne sich zur Zeit unter jene zu mischen. So sahe ich auf Deichsand, einer Halbinsel zwischen der Elbe- und Eidermündung, am Listen Juni (1819) noch Vereine, manche von beinahe 100 Stücken, die enge zusammen hielten, sich aber weder gepaart zu haben, noch andere Anstalt zum Nisten machen zu wollen schienen, während alle dort wirklich wohnenden längst schon Eier hatten und mit jenen keine Gemeinschaft hielten. Obwol schon so spät im Jahre, schienen sie doch noch auf der Wanderung begriffen, aber gar keine Eile zu haben, so daß man vermuthen möchte, daß solche, aus unerklärlichen Ursachen, beabsichtigten, in diesem Jahre gar keine Brüt zu machen, sondern sich in Masse herumzutreiben, wo es ihnen am besten gefiele. Ganz dasselbe sahe ich von Austernfischern, Alpenstrandläu- fern, Meven u. a. m. — Ueberdem zeigt sich unsere Avosette zwar gegen andere Vögel nicht ungesellig, sie macht ihre Brüt sogar oft mitten im dicksten Hausen nistender sehr verschiedenartiger Strand- vogel, ja vielmehr fast nie allein, oder immer nur da, wo mehrere andere Arten ihre Nester haben; allein außerdem findet eine besondere Zuneigung gegen solche nicht Statt, und die einzelne Avosette hält sich immer einsam, man sieht sie fast nie im Gefolge von mehreren kleinern Strandvögeln, wie das einzelne Wasserläufer, Limosen und andere größere Arten so oft thun, und wenn sie zufällig unter einen Schwärm anderer Vögel geräth, so zeigt sie keine Anhänglichkeit, verläßt ihn eben so theilnahmslos wieder, und keiner der andern folgt ihr. Der Grund hiervon ist weit weniger im mangelnden Geselligkeitstriebe, denn dieser fehlt durchaus nicht, als in einer verschiedenen Nahrungsweise zu suchen. Auf den Futterplätzen und auf dem Zuge ist sie daher allein oder nur in Gesellschaft von 8. Theil. 15 226 TU- Ordn. H Gatt. 235. Avosett-Säbler. ihres Gleichen; auf den Nistplatzen, wo es sich um ganz etwas Anderes handelt, lebt sie dagegen mit vielerlei andern Vögeln in vertraulicher Nähe beisammen. Auch dieser Vogel hat eine pfeifende oder vielmehr flötende, der mancher Wafserläufer nicht unähnliche, angenehme Stimme, die zu- ! gleich etwas Schwermüthiges hat. Der Lockton klingt lautpfeisend und flötenartig Qui, und beim Niederlassen aus der Lust etwas > sanfter oder gedämpfter Pütt, pütt. Beide laßt er jedoch auf dem Zuge nur selten und einzeln hören, desto öfter aber beim Neste. Hier ist das gedämpfte Pütt oder Quitt das häufigste und das viel stärker tönende Qui — wird nur einzeln eingemischt.*) Außer diesen hört man auch beim Neste noch einklagendes, traurigflöreudes Tliuh, welches der eigentliche Frühlingsruf ist, und vom Männchen im Anfange der Begattungszeit, über der Niststelle schwebend, sehr oft und schnell nach einander wiederholt (eine Art Jodeln), den Paarungsruf oder Gesang desselben vorstellt. Nahrung. Man findet im Magen geöffneter Vögel dieser Art sehr gewöhnlich nichts weiter als einen mit Kieskörnern vermengten, schmuz- ziggrünlichen, körnigen Brei, dessen Bestandtheile meistens schwer zu errathen, noch seltner zu erkennen sind. Bald scheinen es Ueberbleibsel kleiner nackter Weichthierchen, mit Fischrogen vermischt, bald die Reste ganz junger Krabbenbrut zu sein, und die grünliche Farbe von, wahrscheinlich zufällig verschluckten, zarten Theilen von Con- ferven und andern winzigen, weichen Wasserpflänzchen herzurühren, ss Es hält sehr schwer, hinter solche Geheimnisse zu kommen, ein Mal, weil diese und alle am Strande sich nährende Vögel sehr schnell , verdauen ; zum Andern, weil sie die Gewohnheit haben, nach dem » Schusse, wenn er sie nicht zur Stelle, augenblicklich, tödtet, das eben Genossene wegzuspeien, so daß man den Magen solcher in der Regel ganz leer findet. Es thut mir leid, sagen zu müssen, daß auch meine Bemühungen, hierüber sichern Aufschluß zu erhalten, bis jetzt ohne den gewünschten Erfolg geblieben sind, ob ich gleich, bei ') Man könnt« diesen Ton such Kwui schreiben, weil darin da« U stet« etwa« gthört wird, der Ton aber eigentlich auf dem I liegt. I» Holland heißt der BogelÄlait, welche» Wort diesen Ruf bezeichnen soll, ihn aber doch nicht gut verfinnlicht. Er ähnelt entfernt dem der Iota»»» ku«o>,», steht aber um Vieles tiefer im Ton. XII. Ordn. n Gatt. 235. Avosett-Säbler. 227 meinen Ercursionen an die Nordsee, viele solcher Bögel untersucht habe, die ich großentheils selbst erlegt hatte, wobei es mir aber nie gelungen ist, einen während des Fressens auf der Stelle zu todten. Ich sahe sie ungemein oft auf ihre eigenthümliche Weise fressen und sehr eifrig kleine Pfützen auf den schlammigen Watten durchfischen, die ich nachher, weil der scheue Vogel die Annäherung auf Schußweite nicht aushielt, genau untersuchte und gewöhnlich von ganz junger Brüt der (in jenen Gegenden sogenannten und unsäglich häufigen) Krabben, Ornu^on vulzrsro, wimmelnd fand. Mit höchster Wahrscheinlichkeit sind diese kleinen zarten Geschöpfe ein Hauptnahrungsmittel dieser Böget, da sie an der Dänischen Westküste nur da sehr häufig vorkommen, wo es jene im größten Uebermaaße sind, dagegen bei den sandigen Inseln, wo es fast gar keine Krabben giebt, die Avosettsäbler sich fast niemals sehen lassen. Indessen ist jene Krabbenbrut gewiß nicht ausschließlich die alleinige Nahrung derAvosette, sondern nur eine ihrer Lieblingsspeisen; denn sie mag auch aus dem Schlamme kleine, weiche Insektenlarven, und sonst aus dem Wasser noch kleine, zarte Insekten, Wassermilben, Mückenlarven und dergl. auffischen und häufig auch Fischlaich verschlucken, Alles so zarte Dinge, daß sie im Magen bald unkenntlich werden. Dagegen findet man in demselben wol niemals Flügel, Beine und andere Theile härterer Insekten, oder Köpfe und Bälge größerer Larven, oder Theile größerer Würmer, oder gar Schalen kleiner Muscheln, wie man sich eingebildet hat; ich darf wenigstens behaupten, nach vielfältiger Untersuchung dieser Mägen nie eine Spur von dergleichen vorgefunden zu haben. Daß die Avosette von der Natur auf ganz eigene Nahrungsmittel angewiesen sein mußte, ließ schon ihr sonderbar gebildetes Freßwerkzeug ahnden. Dieser Schnabelbau ist auch gewiß höchst zweckmäßig, obgleich es uns auf den ersten Anblick nicht so scheinen möchte, welches wir aber erst ganz begreifen werden, wenn wir ihre Nahrungsmittel genau und ganz bestimmt haben kennen lernen, und wenn wir gesehen haben, wie sie solche zu sich nimmt. Die Krümmung des Schnabels nach oben kann am wenigsten befremden, da sie bei Wasserläufern, Limosen u. a., auch bei denJabiru's, vorkommt, und diesen hochbeinigen Thieren das Aufnehmen der Nahrungsmittel vom Boden offenbar erleichtern muß; allein seine Schwäche überhaupt, und die haardünn auslaufenden Spitzen seiner beiden Theile, und ihre große Biegsamkeit bei einer fischbeinartigen Härte, nebst der übrigens sehr niedergedrückten, fast platten Gestalte ° 228 XU. Ordn. L.1X Gatt. 2S5. Avosett-Säbler. tung; dann die Abflachung des innern Schnabels, mit den beiden kantigen, bis zur Spitze vorlaufenden Längeleistchen; alles dieses ist einzig in seiner Art. Ein solcher Schnabel kann, wegen Schwäche und allzugroßer Biegsamkeit an der Spitze, weder eine Zange, noch, wegen seiner Härte und dichten Consistenz, jemals ein Tastwerkzeug heißen. Um diesen Gedanken sogleich aufzugeben, und um einen ganz andern Begriff von der Art, wie er als Fangwerkzeug dient, zu erhalten, darf man den Vogel nur ein Mal fressen gesehen haben. Er gebraucht ihn dabei niemals wie andere Schnepfenvögel, weder zum Stechen oder Wühlen im Schlamme, noch zum einzelnen Auflesen der Nahrung vom Boden; dazu ist seine Spitze offenbar viel zu dünn; sie würde entweder an härtern Gegenständen bald abbrechen, oder zum Festhalten lebender Geschöpfe, wegen Schwäche, nicht genug kneipen, da sie sogar öfters nicht ganz genau schließt. Eine Waffe kann dieser Schnabel vollends nie sein. Die Avosette gebraucht ihren sonderbaren Schnabel meistens nur seitlich und, so weit ich sie beobachtet habe, fast nie anders als säbelnd, d. h. sie fährt mit dem ein wenig geöffneten Schnabel, ziemlich rasch und oft wiederholt, seitwärts, rechts und links, hinüber und herüber; die so quer durch den Schnabel fahrenden Ge- schöpfchen stoßen an die über die innere Schnabelfläche erhabenen Leistchen, werden da aufgehalten und schnell verschluckt. Sie durchsäbelt auf diese Weise, langsam fortschreitend, die kleinen Pfützen, welche sich während der Ebbe auf den schlammigen Watten in Menge erhalten und meistens von kleinen lebenden Wesen buchstäblich wimmeln, und wenn sie mit dem Ausfischen einer solchen fertig ist, geht sie an eine andere, beschäftigt sich aber auch oft an einer einzigen eine Stunde lang und darüber. Gewöhnlich steckt sie, wenn sie wo anfängt, den Schnabel erst geradezu ins Wasser oder in den dünnflüssigen Schlamm, und schnattert damit einige Augenblicke wie eine Ente, säbelt aber hierauf gleich los. Einige wenige sahe ich auch im Sumpfe so über die kurzen, nassen Gräser säbelnd hinfahren; dies erinnerte unwillkürlich an das Handhaben des Schöpfers, eines Fanginstruments der Jnsektensammler. Ich sahe unsere angenehmen Vögel ferner auf dem Tiefen wie Enten schwimmen, den Schnabel alle Augenblicke eintauchen und auch wol auf diese einfache Weise im Wasser schwimmende Geschöpfe fangen, doch abwechselnd immer wieder mit dem Schnabel seitwärts hin und her fahren, aber bei diesem Fischen bloß mit diesen, nie mit dem Kopfe und Halse eintauchen; dies würde auch die säbelnden Bewegungen sehr beschränken. XII. Drd. I^IX Gatt. 235. Avvsett - Gabler. 220 Dies eigenthümliche, höchstsonderbare, in der Vogelwelt vielleicht einzige Vorkommen, den Schnabel als Fangwerkzeug auf eine so ungewöhnliche Weise zu bewegen, ist bei der Avosette, nach meiner Ueberzeugung, die gebräuchlichste; ob sie außer den beschriebenen noch andere Kunstgriffe habe, bezweifle ich, obgleich nicht recht wahrscheinlich ist, daß auch ganz junge Avosetten schon aus diese Weise sich nähren sollten. UebrigenS zeigt auch schon eine auffallende Derbheit der Muskulatur des übrigens dünnen Halses und die wenige Dehnbarkeit des Felles an diesem Theile, mit andern Schne- psenvögeln verglichen, auf etwas Außergewöhnliches in den Bewegungen hin. So weit meine Beobachtungen reichen, kann die Avosette auf hartem Boden, dichtem Sande oder zwischen Steinen und Muscheln nichts schaffen; sie würde da die zarte, zerbrechliche Spitze des Schnabels unfehlbar verletzen, und jenen seitlichen Bewegungen ein nur etwas fester Boden schon sehr hinderlich sein; sie muß vielmehr stets weichen, von Steinen und Muscheln reinen, Schlamm oder bloß Wasser haben, um sich Nahrungsmittel sangen zu können; daher die sorgliche Auswahl gewisser Striche, welche ihr dies gewähren, und ihre häufige Anwesenheit daselbst, während andere nahegelegene, von anderer oder entgegengesetzter Beschaffenheit, ihr niemals einen länger» Aufenthalt gewähren. Daß sie auch im weichen Sande säbeln sollte, so daß die Spuren davon nachher wie kleine Halbzirkel aussähen, wie man angegeben findet, scheint übertrieben, oder die Avosette hat an solchen Orten, wo sie Sandkörner ausgenommen, einige ähnliche Zeichen hinterlassen. Fortvflanzung. Diesen Theil der Naturgeschichte unseres interessanten Vogels betreffend, kann ich nur mittheilen, was ich an denen an der Nordsee wohnenden beobachtete. Sie kommen dort im April in kleinen oder größern Flügen an, paaren sich bald nachher und vertheilen sich so an den Nistorten. Im Mai sind diese besetzt, allein sie legen erst gegen Ende dieses Monats. Auf der Halbinsel Deich fand waren sie im Jahre 1819 außerordentlich häufig, und neben den vielen dort nistenden Päärchen trieben sich dorr auch gegen Ende des Juni noch große Heerden ungepaarter herum. Nicht minder häufig lebten sie in einigen Theilen des Eiderstedt nahe an der Küste, bei Husum u. f. w., wo es Stellen gab, an welchen diese 230 XiL. Ordn. Gatt. 235. Avosett - Säbler. angenehmen zweifarbigen Vögel in solcher Anzahl herumgingen, wie in manchen Brüchern des mittlern Deutschlands die gemeinen Kibitze. Auf der Insel Nordstrand schienen keine zu brüten, kamen aber als Streifer von der nahen Küste dort vor; auf Sü- deroog wohnten aber viele, nicht viel wenigere auch auf Pel worin. Aus andern Inseln dieser Gruppe waren sie sehr einzeln, wahrscheinlich ohne da zu nisten, und auf der ganzen Insel Sylt, die obgleich in einem Theile ausgedehnte Salzwiesen, aber ringsum nur rein sandige Watten hat, wohnt keine einzige, und man kennt den Vogel dort kaum als Fremdling. Sie nisten in jenen Gegenden nie einsam, sondern immer mehrere Paare nahe neben einander, an solchen Stellen, wo gewöhnlich auch andere Strand- und Seevögel in bunten Vereinen beisammen brüten. Das bunteste Gewimmel stellte auf diese Weise eine Gegend aus der kleinen flachen Insel Süderoog dar, eine mit ganz kurzem Rasen dicht bedeckte Fläche, voll kleiner grüner Hügelchen (wie alte Maulwurfs- oder Ameisenhaufen), deren fast jedes zu einem Neste diente, und zwar nicht allein Avosetten, Gambettwas- serlaufern, Alpenstrandläufern, Austernfischern u. a. m., sondern auch arktischen Meerschwalben und Silbermeven, und dieser Platz dehnte sich vom Strande bis einige Hundert Schritte in die Insel hinein aus, Auf Pelworm war ihr Hauptnistplatz jener große Hallig, Puphever genannt, ein außerhalb der Deiche liegendes, sehr ausgedehntes, mit tiefen Wasser-rinnen durchschnittenes, sogenanntes Vorland, theils mit kurzem Rasen, auf dem stets Vieh weidete, theils mit Hähern Seestrandspflanzen bedeckt, denen das Vieh weniger nachging; wo von hohen Fluten, auch wol Regengüssen, Pfützen zurückblicken, an denen 8»Iivornva llvrliavv» wucherte, wo überall?iant»^o maritim», IHgloolim maritimum, ^rwvri» maritim» (Stative ^rmeria var.?), -^triplex pväunoulat», lavimat» u. a., Otieaopockium maritimum, Olaux maritim» und endlich vor allen als vorherrschend lämonium vulgäre (Stative lämouium) wuchern. Es waren hier die etwas freiern Plätzchen zwischen den mit hohem Pflanzen dichter besetzten Flächen. Auf Deichs« nd nisteten diese Vögel auf den weniger begrünten Plätzen in den Salzwiesen, ja merkwürdigerweise auch zwischen dem jungen Sommergetraide, ^wo z. B. der Hafer stellenweis, wegen Dürre, nicht aufgegangen oder nur in einzelnen Pflanzen vorhanden war, wie im neuen Kooge, einer kürzlich gemachten Urbarlegung auf dieser Halbinsel. Wahrscheinlich war dieser Ort, vor der Umwandlung XII. Ordn. I^IX. Gatt. 235. Avosett-Säbler. 23t in Ackerland, ihr jährlicher Brüteplatz, und sie konnten sich, trotz dieser großen Veränderung, noch nicht entschließen ihn aufzugeben; denn auch vielen andern Vögeln ging es wie ihnen, und man sah daselbst eben so die Eier von Austcrnfischern, Gambettwas- serläufern, arktischen Seeschwalben, Seeregenpfeifern u. a. zwischen dem Hafer und bei den Nestern der Avosetten. Eine besondere Auszeichnung hat indessen das Nestplätzchen nicht; auch ist die Entfernung vom Wasser sehr verschieden, so die Eier bald nur 5V Schritte vom Rande der See, ein andres Mal wieder vier- bis fünfhundert Schritte davon zu suchen. An dem letzterwähnten Orte waren die Nester noch weiter vom Strande entfernt und noch dazu innerhalb der hohen Deiche, welche das neuangebaute Land umgaben, mitten auf den großen Ackerflächen; die Vogel mußten also von der See aus weit darnach fliegen. Das Nest selbst ist eine durchaus nicht versteckte, unbedeutende, selbst gekratzte Vertiefung, in welcher meistens einzelne Stückchen trockner Hälmchen oder Würzelchcn liegen, aber so wenige, daß sie als Unterlage keine Erwähnung verdienen, zumal sie auch oft gänzlich fehlen. Die gewöhnliche Zahl der Eier in einem Neste ist 3; man spricht zwar auch von 4, welche ich jedoch nie selbst gefunden habe, dagegen liegen aber oft nur 2 Eier darin, die wahrscheinlich von solchen Vögeln sind, welchen die ersten Gelege genommen worden waren. Diese Eier sind stets etwas größer als die des gemeinen Kibitzes, dies zuweilen recht auffallend, auch ihre Gestalt niemals so stark birn- oder kreiselförmig, und ihre Grundfarbe ebenfalls sehr verschieden, obgleich in Sammlungen jene viel von dein Grünlichen verlieren und ihnen dadurch ähnlicher werden. Obgleich sie diesen nun im Ganzen recht ähnlich sind, so sind sie doch nicht mit ihnen zu verwechseln, wie sie denn in Größe, Gestalt und Färbung so viel Eigenthümliches haben, daß sie der Geübte augenblicklich unter allen andern ähnlichen Vogeleiern herausfinden wird. Mit manchen des Austernfischers haben sie oft an Gestalt und Farbe ebenfalls keine geringe Ähnlichkeit, doch sind diese stets um Vieles größer- Jhre Gestalt ist meistens eine durch verstärkten Umfang des stumpfen und ziemlich zugespitzten des entgegengesetzten Endes veränderte Eiform, doch nur entfernt der Kreiselform sich nähernd, manche bauchichter, andere schlanker, auch in der Größe oft sehr verschieden, im Durchmesser von 24 bis 26 Linien Länge, zu 16 bis 18 Linien Breite an der stärksten Stelle, die über der Mitte, dem stumpfen Ende ein wenig näher, liegt. Zhre Schale ist von zartem Aeußern 232 X!!. Ordn. O!X. Gatt. 235. Av osett-Sabler. ohne Glanz, von einer lichten rostgelblichen ins Olivengebliche spielenden Färbung, so daß bald die letztere, bald die erstere die Oberhand behauptet, in jedem Falle aber eine trübe Farbe bleibt. Die Zeichnungen auf diesem Grunde sind nun bald mehr, bald minder zahlreiche Punkte und gerundete Flecke, die nach dem stumpfen Ende zu häufiger stehen oder größer sind, als an der Spitze des Eies, überhaupt auch bei den meisten Stücken nicht in so großer Anzahl vorhanden sind, als bei vielen ähnlich gezeichneten Eiern; nur wenige machen eine Ausnahme hiervon, an welchen denn wol manche Flecke zusammen laufen oder auch eine zackichte Gestalt annehmen und den Grund etwas mehr verdunkeln. Die Farbe dieser Flecke und Punkte ist ein tiefes Schwarzbraun, die der unter der Oberfläche der Schaale sitzenden, welche aber nicht zahlreich sind, ein tiefes Biolettgrau. So giebt es denn lichter oder trüber gefärbte, bald ins Röthlichgelbe, bald ins Grünlichgelbe spielende, klarer oder gröber gefleckte, und andere kleine Abweichungen unter diesen Eiern, die jedoch nie so verschieden ausfallen, daß diese Eier nicht leicht zu erkennen wären. Sie werden von Männchen und Weibchen abwechselnd bebrütet, worauf schon der doppelte Brütefleck beider hinweist, nämlich am Unterkörper, zunächst dem wirklichen Bauche ist zur Brütezeit jederseits eine Stelle von Federn entblößt, die sich bei manchen über dem Bauche auch wol in eine vereinigen. Sie sollen 17 bis 18 Tage brüten. Beide Gatten sind ungemein um ihre Brüt besorgt und fliegen mit kläglichem Schreien dem um den Kopf herum, welcher sich dieser nähert, wobei besonders das Männchen sich ängstlicher gebehrdet, als das Weibchen, was aber bei den Jungen, wenn diese aus dem Neste sind, umgekehrt ist. Diese entfernen sich aus demselben, sobald sie völlig abgetrocknet sind, und verbergen sich jetzt bei Störungen sehr geschickt zwischen den Kräutern und in den Unebenheiten des Bodens, wo sie sich still niederdrücken und schwer aufzufinden sind. Womit sie anfänglich genährt werden, ist unbekannt; später führen sie die Alten an große Pfützen und in die stillen Winkel, aber an die offene See nicht eher, als bis sie schon etwas fliegen können, was indessen in der dritten Woche nach dem Ausschlüpfen schon recht leidlich geht. Wenn sie völlig flugbar geworden, verlassen sie die Alten, und diese begehen sich an entlegene Orte, fangen an zu mausern und verschwinden bald ganz aus den Brütegegenden. Ende August oder Anfang September treten auch XII. Ordn. QIX .Gatt. 235. Avoseti-Säbler. 233 die Jungen, in kleinere oder größere Flüge vereint, ihren Wegzug in südlichere Gegenden an. Feinde. Den erwachsenen Vögeln stellen die größer» Edelfalken nach, denen sie nur, wenn sie das Wasser erreichen können, durch Untertauchen entgehen. Die Eier und zarten Jungen werden von Raben und Elstern zuweilen weggestohlen. Uebrigens zertritt das Vieh hin und «bieder die Eier, und viele werden ihnen von Menschen geraubt. Von Schmarotzerinsekten beherbergt die Avosette kkitoxierus «ivoijiivus und kickt. pivvus, Xitssok., in ziemlicher Anzahl. Jagd. Als scheue und stets auf dem Freien sich aufhaltende Vögel hält es schwer, sich ihnen schußrecht zu nähern, und es glückt dies nie anders als auf dem Bauche hinrutschend und durch kleine Erhöhungen gedeckt. Wo es letztere nicht giebt, ist es nicht möglich, ihnen anzukommen- außer mittelst eines Schießpferdes oder auf einem Leiterwagen verborgen. Sie wissen den Schützen sehr wohl vom Hirten und andern unbetheiligten Leuten zu unterscheiden, und wenn sie beim Neste oder den Jungen dem suchenden Knaben fast an den Kopf fliegen, so kommen sie dem Jäger hier nur so eben schußrecht, und hat er vollends einige Mal in der Nähe oder gar nach ihnen fehlgeschossen, so muß er den Zeitpunkt wohl in Acht nehmen, wenn er zum Ziele gelangen will. Zu fangen sind sie wie andere Wasserschnepfen, doch kommen sie auf den für die schnepfenartigen Vögel gestellten Heerd nur selten und meistens bloß zufällig. Nutzen.«» Ihr Fleisch wird gegessen und schmackhaft gefunden; das junger Vögel soll besonders gut sein. Selbst versucht habe ich nur das der Alten im Frühjahr, welches etwas trocken und zähe ist, sonst aber einen nicht unangenehmen Geschmack hat. Die Eier sind sehr wohlschmeckend und werden an der Nordsee häufig mit andern Vögeleiern aufgesammelt und verspeist. Schaden. Es ist nicht wahrscheinlich, auch nichts bekannt, daß sie irgend durch Etwas dem Menschen Nachtheil brächten. Sechzigste Gattung. Wassertreter, kkalaropu«. Schnabel: Gerade, mittellang, sehr schwach, an der Wurzel wenig niedergedrückt, die Spitze des Oberkiefers etwas abwärts gebogen; zu beiden Seiten mit Längefurchen, welche bis nahe an die Spitze vorgehen; seiner ganzen Länge nach plattgedrückt, bei andern auch nicht breiter als hoch; von der Seite gesehen, dem eines Strand- oder Wasserläufers ähnlich, aber dünner; hinten weich, gegen die Mitte und bis zur Spitze hart. Nasenlöcher: Länglich, vorn schmal, kurz oder fast eirund, in einer weichen Haut liegend, die ein etwas erhabenes Rändchen um dieselben bildet, und nach vorn in einer tiefen Furche bis gegen die Schnabelspitze vor läuft. Füße: Nicht sehr hoch, schwach, über der Ferse weit hinauf nackt; die Läufe von den Seiten stark zusammengedrückt; die Zehen sehr dünn, die drei vorder» mit einer halben Schwimmhaut, die zwischen der äußvrn und mittelsten bis zum zweiten Gelenke der ersten, zwischen der mittelsten und innersten bis zum ersten Gelenke dieser Zehe reicht; der übrige Theil der Zehen hat zu beiden Seiten an den Gelenken ausgeschnittene, am bogigen Rande herum sehr fein gezähnelte Hautlappen. Nur einer Art fehlen diese Einschnitte. Die Krallen sind klein, sehr dünn und spitzig. Flügel: Ziemlich lang, sehr spitz, ihr Hinterrand mondförmig ausgeschnitten, so daß die 3te Ordnung der Schwingfedern eine zweite Flügelspitze bildet. Bon den großen Schwingen ist die erste die längste, oft auch die zweite noch beinahe von derselben Länge, XII. Ordn. n Gatt. Wassertreter. 235 die folgenden nehmen aber schnell darin ab. Vor der vordersten großen Schwingfeder steht noch ein kleines, sehr schmales, spitziges Fedcrchen, wie eine verkümmerte Schwingfeder. Flügelgestalt wie bei Strand- und Wasserläufern. Schwanz: Nicht lang, zugerundet oder fast keilförmig, aus t2 Federn bestehend, mit sehr langen Deckfedern, so daß die untern gewöhnlich bis an dessen Spitze reichen. Das kleine Gefieder ist weich, gut geschloffen, und liegt daher meistens glatt an, von oben aber wenig dichter als bei Strandläufern, dagegen am Unterkörper etwas pelzartig,dem der Schwimm- vögel ähnlich; auch sind die Dunen etwas häufiger als an jenen. In der Gestalt gleichen diese Vögel mehr noch den Uferläufern (^otitis, n.) als den eigentlichen Tringen. Sie haben einen zarten Gliederbau, schlanken Körper, dünnen Hals, kleinen Kopf mit sehr schräg aufsteigender Stirn, schwache Füße und einen noch schwächer» Schnabel, und sind überhaupt sehr niedliche, angenehm gestaltete Geschöpfe. Die Wassertreter sind alle kleine Vögel, höchstens von Drosselgröße, deren Gefieder zwar nicht mit prächtigen, jedoch auch mit nicht unansehnlichen Farben geziert ist, worunter sich ein sehr sanftes Aschgrau und eine lebhafte Rostfarbe, bis ins Kastanienbraune hinüber, vorzüglich auszeichnen. Sie sind alljährlich einer zwiefachen Mauser unterworfen, die bei alten Vögeln, am kleinen Gefieder, jedes Mal ziemlich vollständig, bei jüngern aber dies seltner ist. Das Winterkleid zeichnet sich durch vorherrschendes Helles Aschgrau, das Sommerkleid durch Schwarz und Rostfarbe aus, und das Jugendkleid trägt ebenfalls wieder ganz andere Farben. Die Mannichfaltigkeit in Färbung und Zeichnung der drei verschiedenen Kleider wird, außer den zahllos vorkommenden Uebergängen von dem einen zum andern, noch dadurch vermehrt, daß diese Vögel erst nach einigen Jahren als vollkommen ausgefärbt erscheinen, und zwei- bis dreijährige Vögel nicht allein weit schöner aussehen, sondern auch an ihrer Zeichnung noch Veränderungen erleiden, die sie von den jüngern sehr unterscheiden. So kann es denn geschehen, daß dreijährige Weibchen weit schöner gefärbt sind, als einjährige Männchen, obgleich beide Geschlechter von gleichem Alter hinsichtlich ihrer Färbung nur wenig verschieden sind, daher die früher aufgestellte Meinung, als seien die Weibchen stets schöner als die Männchen, 236 XII. Ordn. H Gatt. Wassertreter. sich nicht zu bestätigen scheint, wol aber, daß die letztem stets etwas kleiner als die erstem sind. So wenig lotsuus kusous, wegen seines dichten Federpelzes und seiner Neigung zum Schwimmen, lotsnus semipslinstus (eine Nordamerikanische Art), wegen seiner auffallend großen Spann- häute, und kvourvirostrs oder l^böirioopterus, wegen ihrer vollen Schwimmhäute, zu den Schwimmvogeln gezählt werden können, so wenig darf dies mit den Wassertretern geschehen, ob sie gleich oft, lange, sogar fast lieber schwimmen, als laufen; denn sie sind ihrer ganzen Gestalt und ihrer Lebensweise nach wahre lotsn!, nur daß sie noch lieber schwimmen als diese, und zur Erleichterung dieses be- lappte Zehen und ein noch dichteres Federkleid besitzen. Schon I^inuee's Kennerblicke entging solcheAehnlichkeit nicht, und erstellte sie deswegen ohne Weiteres unter seine Strandläufer (lrinSs), mit denen sie in der That auch viel näher verwandt sind, als, wie neuere Ornithologen ganz irrig gemeint haben, mit Wasserhühnern, Lappentauchern und andern Schwimmvogeln. Sie können daher im System unbezwcifelt keine andere Stellung einnehmen als unter den schnepfenartigen Vögeln. Die Wassertreter leben nur in der kalten Zone und kommen sehr selten bis in die gemäßigte herab. Eine bloß in Nordamerika wohnende Art scheint jedoch im Winter etwas weiter nach Süden hinabzugehen. Die beiden europäischen Arten bewohnen auch Nordasien und Nordamerika bis in die kalten Regionen hinauf. Sie scheinen mehr Strich- als Zugvögel zu sein und keine sehr weite Reisen zu machen, wol aber ihren Aufenthalt nach den verschiedenen Jahreszeiten in andere, nicht sehr weit entfernte Gegenden zu verlegen und hier- oder dorthin zu streichen, wo sie hinlängliche Nahrung zu finden glauben. Bis nach Deutschland kommen sie selten und noch seltener tief ins Land hinein, denn es sind Seevögel oder Seestrandsbewohner, und gehen nur um zu brüten, in nicht gar großer Entfernung vom Meere, an süße Gewässer oder dann, wenn sie sich ein Mal ins Innere der Länder verirren. Sie können viel Kälte vertragen, und man sieht sie nicht selten zwischen Eisschollen schwimmen oder auf solchen herumlaufen. Beides verrichten sie mit großer Behendigkeit, auch ihr Flug ist leicht, schnell und schön, und sie gleichen, laufend und fliegend, ganz den Strandläufern. Sie sind gesellig, und Vereinzelte schließen sich oft den Flügen dieser an; dabei sind sie wenig scheu, und lassen oft ihre pfeifende Stimme hören, welche ebenfalls denen jener nicht unähnlich ist. Ihrer Nah- XII. Ordn. n Gatt. Wassertreter. 237 rung, welche theils in ganz kleinem weichen Gewürm, theils in Insekten und deren Brüt besteht (also auch hierin den schnepfenartigen Vögeln ähnlich) gehen sie entweder an den Ufern hinlaufend oder nicht fern von diesen schwimmend nach, sie scheuen sich jedoch auch nicht, zuweilen Meilen weit von der Küste das Letztere zu thun. Sie schwimmen meistens mit Kopfnicken bei jedem Ruderschlage und sehr oberflächlich, d. h. den Rumpf nicht tief eingesenkt. Lauchen können sie nicht; auch beim Aufsuchen der Nahrungsmittel tauchen sie bloß den Schnabel, oder höchstens einen Theil des Kopfes ein. Ihre Brüt machen sie, nach Art und Weise der mehresten Strandläufer, auf grünen Platzen in der Nähe stehender Gewässer und Quellen mit süßem Wasser, wo sie ihre unkünstliche Nester zwischen niedrige Gräser stellen und wie jene stets nicht mehr als 4 Eier legen, welche ebenso eine sehr birnförmige Gestalt, eine bleicholiven- grünliche oder olivengelbliche Farbe haben und mit vielen schwarzbraunen Flecken und Punkten bezeichnet sind. Männchen und Weibchen brüten abwechselnd, und das erstere soll allein jederseits am Bauche einen Blutfleck, d. i. eine von Federn entblößte Stelle, haben. Sie erziehen ihre Jungen, die sich gut zu verstecken wissen, an den Nistorten, und erst wenn diese völlig erwachsen sind, gehen sie mit ihnen an die Seeküste. Da sie eben nicht scheu sind, können sie leicht erlegt werden, und ihr Fleisch schmeckt, wie das anderer Schnepfenvögel, vortrefflich. „Anatomie Nachuntersuchung des pllalaroxus b^perliorvus, plut^rd^nvtms und Lmbrintus von Nitzsch: Die Phalaropen wiederholen die bei den Schnepfenvögeln herrschenden innern Bildungsverhältnisse, und kommen insbesondere mit den Strandläufern bis auf geringe Abweichungen sehr übcrein. Sie stehen daher in der entschiedensten und komplettesten Verwandtschaft mit jener Familie, und ihre von Latham, Jlliger und Andern versuchte Vereinigung mit kuiivn, kolliosxs und koäon zu der sogenannten Gruppe der „pmnntipeäes" oder „!-,odipetles" war völlig verkehrt und unnatürlich. „Der Biegungspunkt des Oberkiefers scheint vor den Nasenlöchern zu sein, aber der knochenzellige Tastapparat zu fehlen. „Die Nasendrüse fand ich weit weniger entwickelt als ich nach der Lebensart dieser Vögel vermuthet hätte. Sie ist schmal, bogenförmig oder sichelförmig, indem sie den Orbitalrand gleichsam säumt, ohne auf den da sehr schmalen Stirnbeinen merklich aufzuliegen. 238 XII. Ordn. L«X. Gatt. Wassertreter. „Das große Hinterhauptsloch bildet nach oben einen eben so tiefen Winkel wie bei IriuKa, aber die ikUsmii,» obturstu über demselben sind sehr klein oder fehlen^ namentlich bei klmiaro- pus Lmdrikttus, völlig. „Der Hintere Fortsatz der Unterkieferäste ist hakig aufwärts gebogen. „Die Verbindungsbeine machen die in dieser Familie so gewöhnliche dritte Gelenkung. „Die Scheidewand der Augenhöhlen ist bis auf einen knöchernen Längsriegel, wie gewöhnlich, meist häutig. „Der Halswirbel sind 13, der Rippenpaare 9 oder 10; die beiden vordem sind kurze, falsche. „Der Gabelknochen ist sehr von vorn nach hinten gekrümmt und unten mit einem kleinen unpaaren Griff versehen. „Das Brustbein hat die in dieser Familie gewöhnlichen 4 Hautbuchten; 2 äußere größere und 2 innere kleinere. „Das Becken ist kurz, hinten breit, und durch die, zwischen den Querfortsätzen der Beckenwirbel bleibenden Lücken, gezittert; überhaupt ganz so geformt wie bei Iriuz;»- „Der Schwanz Wirbel sind 9; der letzte bildet eine ansehnliche hohe Platte. „Die Muskulatur ist ganz die eines Schnepfenvogels, z. B. des Kibitzes. „Die spitze schmale Zunge ist etwa um den dritten oder vierten Theil kürzer als der Schnabel. „Der Magen länglich, schwach muskulös. „Die Blinddärme dünn, 8 bis 9 Linien (Pariser Maaß) lang. Die zwischen ihnen befindliche Strecke des Dünndarms macht, wie bei vielen verwandten Gattungen, eine constante Biegung. „Die Leberlappen sind höchst ungleich; der linke etwa nur den dritten Theil so lang als der rechte.") „Die Nieren ganz von der in der Schnepfenfamilie herrschenden Form, mit langen Mittellappen und durch Vene und Harnleiter gleichsam getheilten breiten Hinterlappen. -) Dies« Ungleichheit ist bei den Schnepfenvögeln zwar nicht immer so groß, aber bei den mehresten doch auffallend genug, wie schon in der, unter eli-iackrli,-! gegebene», allgemeinen Schilderung bemerkt wurde. Dort ist aber statt rechter Leberlappen linker, und statt linker rechter zu lesen. Nibsch. xn. Ordn. n Gatt. Wassertreter. 239 „Die Bürzeldrüse groß mit konischem Zipfel und dieser mit dem gewöhnlichen Kranz von Oelsedern an der Spitze." Die Wassertreter, wie sie hier vereint sind, bilden eine sehr natürliche Gattung. Ihr ganzer Habitus, ihre Lebensart und ihre Sitten sprechen laut dafür, daß hier eine generische Trennung ganz unstatthaft ist. Die Arten unterscheiden sich zwar gewissermaßen in der Schnabelbildung, aber fast allein auch nur in dieser, und lange nicht so sehr, wie manche andere, z. B. die Arten der Gattung Vellllrovslsptos, wo fast bei jeder Art eine äußerst verschiedene Schnabelform vorkömmt. — Von klislaroxus sind bis jetzt, mit Sicherheit, 3 Arten bekannt, genauer beschauet, jede mit einem verschieden gebildeten Schnabel, kk. plut^rk^nolius mit ganz plattem, gleichbreiten, ?d. Lmdriatus mit einem durchaus, aber bloß an der Firste, abgeplatteten, kk. sußustirostris endlich mit sehr schwachem und runden, doch auch an der Wurzel ein wenig niedergedrückten Schnabel. Das Niedergedrücktsein des Schnabels ist demnach eigentlich durch die ganze Gattung vorherrschend, nur bei der letzten Art sehr wenig und kaum bemerkbar. Europa besitzt von dieser Gattung bloß Zwei Arten. 236 . Der schmalfchnäblige Wassertreter. / Fig. 1. Sehr altes Weibchen im Sommerkleide. ^ ) Fig. 2. Männchen im Sommerkleide. ^ f Fig. ^ Männchen im Winterkleids. E 8>g- ^ Männchen im Jugendkleide. Gemeiner—, kleiner—, spktzschnäbliger—, (grauer—, rother—,) rothhälsiger Wassertreter; grauer Lappenfuß; Wasserhuhnähnlicher—, schwimmender Strandläufer, Strandläufer mit belappten Zehen; nordischer Strandläufer; Schwimmschnepfe; Eiskibitz; Wasserdrossel, rothe Wasserdroffel; Wastardwasserhuhn; braunes Wasser- oder Rohrhuhn. kok-, I'»u». «»ee. p. 183. v. 152. (Mit vermengten Alle- gaten) — Bechstein, Naturg. Deutscht. IV. S. 372.----, FMer-iore. Dow«. dl»a, ä'Orn. II. ;>. 709. ----- cruee'eu». Wolf und Meyer, Laschend. II. S. 417. ----- Deren Wg. Deutscht. Heft 15. Fig. 1. alter und 2, 3. junge Vogel. --- Mio»»», Oru. -,u°o. II. >>. 120. ». I9Z. ---- r^erioe'eo. 8»vi, üru, to,,>o°>,„-.) ----- Faber, Pro- dkom. d. isländischen Lrnith. S. 37. — (I-obixe» liz-xvrbvr-»». vuv.) Dr «hm, Lehrb. II. S. 665. ---- Dessen Naturg. a. VLg. Deutscht. S. 676. ---- Gloger, Schlcf. Faun. S. 22. ----- Landbelk, V. WürtembergS. S. 65. o. 233. Sommerkleid. 1ÄaIa?oi>res er-ree'eus. Rrlss. Orn. VI. p. 15. ». 2. — FA^ee-AonereB« I. Ltli. lock. II. p. 72A. 1. TÄa/aropue 8 »vrortl>, IrLunsot. ok tlio I-ioa. 8 ov. VIII. p. 264. ---- 7>r»^a Lmol. I.lini. 870 t. I. 2. p. 675. II. 9. — /«L>a»a. peno. »rot. L«o>. Uebers. von Zimmermann, II. S. 466. n. 330. ----- ou 3e Lrö-ü-re. Null. Oi«. VIII. g. 224. — S. vouxg. XV. x. 280. ---- lä. I'I. eol. 766. ----- ksocit eoot-/ooteek Lckve. 6I»o. t. 143. ----- Tieck Masa^o^>e, I-otli, »x». V. x. 270. a. 1. — Ucbcrsctzt von Sechsteln, III. 2. S. 239. °. 1. W6KW > L I lI/-^II 6mv>. I.imi. 8x,t. I. 2. p. 675. u. 33. ----- 1>r'»L-a loh»/«, lirüuii. vrn. VI. I>. 18. — I-iuu. v-uu. 8»eo. >>. 64. n. 179. ----- lsonk/ookcil Lü,r. Kinn. I. 46. — L'mv» 1,-tIi. 8vii. V . x. 274. ii. 4. — Ilcbttj. v. Bechstrin. III. 2. S. 242. ». 4. ----- I-eim. »r. r. Xo»I. Lbers. v. Ziuimer- »ignn, II. S. 460. ii. 331. — Bechstein, ornith. Tuscheiib. II. S. 317. n. I. ----- Naumann'» Vög. alte AuSg. Nachtr. S. 80. Taf. XI. Kig. 24. junges Männchen. e- ii merk. Dar Winterkleid scheint nirgend» beschrieben, wenn nicht etwa da» V»N Gineli» (a. a. O ) unter 'r,!iixi> kusv» beinerkte „»Iipr» «X kiiscosoeiito einer,., darauf hindeutet, wo demnach ein junger Vogel ii» uebergange zum Wintcr- kleide gemeint sein könnte. Die Verwechslung der beiden europäischen Wassertreter in den früheren ornithologi- schcn Schriften ist übrigen» so allgemein, daß man sich schwerlich an» den Synonymen heran» findet und manche Allegate deshalb ganz weggelassen werden mußten. Da nun die meisten Beinamen die eine wie die andere Art bezeichnet haben und auch bezeichne» können, so hielt ich für nothwendig der gegenwärtigen einen neue» zu geben, welcher von der Schnabelform genommen ist, und im Gegensatze mit pl-rerliz-nol,»» steht, hoffentlich sogleich unterscheiden wird, obgleich eine dritte, in Nordamerika lebende Art, auch eine» ziemlich schmale», dabei jedoch ane» zugleich etwa» abgeplatteten Schnabel hat und bereit» den unantastbaren Namen: ?>i. ambn-tim trägt, welcher von den sehr schmalen, an den Gelenken nicht eingeschnittene» Hautlappen der Zehe» hergenommen ist. Kennzeichen der Art. Der Schnabel ist seiner ganzen Länge nach rundlich, an der Hintern Hälfte höher als breit, spitzewärts sehr dünn. Beschreibung. Der schmalschnäbliche Wassertreter ist ein sehr niedlicher Vogel, von einer angenehmen Gestalt, schlankem Leibe, dünnem etwas langen Halse, kleinem Köpfchen, von zartem Aussehen am Schnabel und an den Füßen, und er übertrifft darin noch die folgende Art, obwol er ihr in der Größe stets etwas nachsteht, und außerdem auch sehr leicht durch den ganz andern, viel dünnern, und nie plattgedrückten Schnabel unterscheidet. Er hat ohngcfähr die Größe einer Haubenlerche (Mauiln vi-istat») oder auch nur einer Feldlerche (-4. urvens^), ist 7 bis Zoll lang; 131/2 bis 14 Zoll breit; der Flügel vom Bug bis zur Spitze 4^ Zoll, und der Schwanz 2 Zoll lang. Der Flügel ist ganz so gebildet wie bei den Strandläufern, seine Schwingfedern erster Ordnung, mit fast geraden starken Schäften, sind allmählig und endlich spitz zugerundet, die erste die längste, vor ihr steht aber noch ein kleines, höchst schmales und sehr spitziges, verkümmertes Schwingfederchen; die der zweiten Ordnung kurz, 8. Thkil. 16 242 XU. Ordn. QIX. Gatt. 236. Schmalschn. Wassertreter. breit, mit etwas nach hinten gebogenen, schwächer» Schäften und schief abgestumpften Enden; die der dritten Ordnung wieder lang, lanzetförmig ihrem Umfange nach, mit geraden Schäften, und eine Hintere Flügelspitze bildend, die beim ruhenden Flügel aus die Spitze der vierten großen Schwingfeder reicht; der Hinterrand deS Flügels ist demnach stark mondsörmig ausgeschnitten. Der Schwanz ist nicht lang, sein Ende zugerundet, weil seine äußern Federn um ^4 Zoll kürzer als die mittelsten sind. Er besteht aus 12 Federn, und die Spitzen der an den Leib geschmiegten Flügel reichen bis an sein Ende, auch wol ein wenig über dasselbe hinaus. Das kleine Gefieder ist ziemlich dicht, weich, an den untern -Theilen etwas pelzartig, doch weniger dick als bei der breitschnäbli- gen Art, das ganze Gefieder in dieser Hinsicht überhaupt wie bei Ivtsuus ku 8 «us. Die untern Schwanzdeckfedern reichen bis an das Ende des Schwanzes. Der ungemein schwächliche, nicht lange Schnabel ist durchaus rundlich, nach vorn sich verjüngend, sehr dünn und sehr schmal, psriemenförmig spitz, doch die Spitze des Oberschnabels ein wenig länger und sanft abwärts gebogen, die des Unterschnabels ungemein dünn, gerade und fast nadelspitz. Bloß vor der Stirn ist seine Firste ein wenig und sehr unbedeutend niedergedrückt. Seine Länge ist verschieden, selten unter 10 Linien, zuweilen auch bis 11 Linien. Dabei ist er an der Wurzel fast 2 Linien hoch, aber nur Issr Linien breit. Die länglichen, hinten etwas erweiterten Nasenlöcher haben ein etwas aufgeworfenes Nändchen, und liegen nahe an der Schnabelwurzel, jederseits in einer weichen Haut, die in einer tiefen Furche bis gegen die Schnabelspitze vorgeht; ein paar andere Längenfurchen werden über den etwas aufgetriebenen Mundkanten beider Schnabeltheile gebildet, gehen aber nicht so weit vor als die Nasenfurchen. Die Farbe des Schnabels ist in jedem Alter schwarz, am dunkelsten bei den Alten in der Begattungszeit. Das Auge ist klein, steht etwas weit vom Schnabel ab, hat einen tiefbraunen Stern und weißbesiederte Lider. Die Füße sind nicht hoch, schwächlich, ihre Läufe wenig zusammengedrückt, ohne die Zehenlappen wahre Strandläuferfüße. Ihr zarter Ueberzug ist vornherab, am kahlen Th.il der Schiene wie längs dem Laufe, in eine Reihe größerer Schilder, auf der Hinter- seite in kleinere Schildchen zerkerbt, übrigens fein gezittert, am feinsten die Zehensohlen und Unterseiten der Lappen, deren Oberseite schräg in schmale Schildchen, und noch in eine abgesonderte Ein- XII.Ordn. L.IX. Gatt. 236.Schmalschn. Wassertreter. 243 fassungsreihe kleinerer getheilt ist, wie denn auch die Zehenrücken mit dergleichen belegt sind, alles ungemein zart und weich. Zwischen den Borderzehen sind große Spannhäute vorhanden, welche in die Zehenlappen verlaufen, und diese letztem haben an den Zehengelenken, das erste an der Außenzehe ausgenommen, tiefe Einschnitte, so daß ihr Rand so viele Bogen bildet, als Zehengelenke vorhanden find. Die Hinterzehe ist sehr klein, unbelappt, stehr etwas hoch und nach innen gerichtet, so daß sie stehenden Fußes auf hartem Boden diesen nicht berührt. Der Unterschenkel ist über der Ferse 4 Linien nackt; der Lauf 9 bis lO'/r Linien hoch; die Mittelzeh mit der kleinen Kralle 9 bis 10 Linien und die Hinter- zeh mit ihrer winzigen Kralle 2 bis 2^ Linien lang. Die Krallen sind sehr klein, dünn, wenig gebogen und sehr spitz, stets schwarz; die Farbe der Füße aber verschieden, an jungen Vögeln fleischfarbig, mit bläulichen Gelenken und Lappenrändern, an den Alten schmutzig hellblau, die Gelenke schwärzlich, die innere Seite der Läuse und die innern Spannhäute etwas fleischfarbig, die Zehen- und Lappensohlen schwarz, in der Begattungszeit das Fleischfarbige in schmutziges Gelb, das Blaue ins Grünliche verwandelt. Im Jugendkleide sind die Stirn, diese sehr hoch hinauf, ein Streif über dem Auge und bis durch die Schläfe, der vordere Theil der Wangen, Kinn, Kehle, Gurgel und von hier an alle untern Theile, nebst den Unterschwanzdeckfedern rein wein weiß; die Zügel schwach grau; vor dem Auge ein Fleckchen, das sich dicht unter diesem hinzieht und auf dem Hintern Theil der Wangen mond- förmig ausbreitet, braunschwarz; eine ebenfalls braunschwarze Kappe bedeckt den obern Scheitel und zieht sich im Genick etwas blasser auf den Hinterhals hinab, welcher lichtgrau, nach dem Rücken hinab schwarz gefleckt ist, so wie die Halsseiten ebenfalls lichtgrau angeflogen oder verloschen gefleckt sind, was an den Seiten des Kropses bald mehr bald weniger sichtbar wird, und ein Theil der Tragfedern an der Seite der Unterbrust haben feine graue Schaftstrichelchen. Am Oberrücken, den Schultern und der Hintern Flügelspitze sind die Federn braunschwarz, sehr dunkel, mit rostgelben, an den Spitzen sehr feinen, an den Seiten viel breitem, an dem erster» oft fleckenartigen Kanten; eben so sind die obern Deckfedern und die Mittelfedern des Schwanzes, Unterrücken und Bürzel aber etwas bleicher gefärbt, mit wenigem rostgelben Säumen; die äußern Schwanzfedern braungrau mit weißen Säumchen. Die großen Schwingfedern nebst ihren Decksedern sind schwarz, erstere mit fei- 16° 244 XI!. Ordn. I^IX. Gatt. 236. Schmalschn. Wassertreter. nen schmutzigweißen Endsäumchen und alle diese, auch die kleine verkümmerte, mit weißen Schäften; die zweite Ordnung mattschwarz, mit breiter weißer Endkante, die an jeder Feder auch noch als Sei- tensäumchen herauf laust, das weniger bemerkbar ist, wogegen jene einen stets bemerkbaren weißen Querstreifen durch den Flügel bilden; alle übrigen Flügcldeckfedern matt braunschwarz, die mittlern mit weißen Saumchen, die an den Enden der größten Reihe viel breiter sind, und nebst den Enden der mittlern Schwingfedern öfter einen doppelten weißen Querstreis durch den zusammengelegten Flügel darstellen; der Flügelrand ist weiß; auch der Unterflügel ist weiß, an der Spitze silbergrau, an der vordem Kante schwarzgrau geschuppt. Die Füße haben etwas dickere Fersengelenke als bei den Alten. Wenn dies Jugendkleid eine Zeit lang getragen ist, wird das Schwarze und Braunschwarze etwas fahler, die rostgelben Kanten an den obern Theilen bleicher, weißlicher, und durch Abstoßen an den Federenden schmäler, oder sie verschwinden an den Spitzen ganz. Es giebt unter diesen jungen Vögeln überhaupt wenig Abweichungen, die etwa nur, bei verschiedenen Individuen, in einer vom dunkeln Rostgelb, in Ockergelb, bis zum Weißlichen abwechselnden Farbe der Federkanten des Mantels, in einem großem oder kleinern, dunklem oder blaßern Wangen- oder vielmehr Ohrenflcck, und in mehr oder weniger Grau an den Hals- und Kropfseiten bestehen. Das Winterkleid, welches sie nach dem Jugendkleide anlegen, erscheint sehr selten rein, und solche junge Vögcl stehen stets noch in der Mauser, wenn bereits wieder eine neue, die Frühlingsmauser, bei ihnen eintritt. Auch ist es bei Alten selten rein zu finden, weil die Herbstmauser nur langsam vor sich geht. Die einzeln neuen Federn, die sich indessen oft an denen im Spätherbst erlegten zeigen, scheinen übersehen worden zu sein, da man nirgends noch eine Beschreibung davon findet, obgleich sie ganz anders aussehen als die des Jugend- und auch des Sommerkleides Ich besitze ein Exemplar, an dem sich beinahe das ganze Gefieder erneuert, und das mirhin sein Winterkleid fast ganz vollständig angelegt hat. Es ist sehr auffallend von den übrigen Kleidern verschieden. Die Stirne bis an den Scheitel hinauf, ein Streif über dem Auge bis durch die Schläfe, Zügel, Kinn, Kehle, die Wangen großentheils, Vorderhals, Brust und Bauch bis an den Schwanz rein weiß; der Oberscheitel grau, blänlichweiß geschuppt, mit schwarzen Schaftstrichen; ein Fleckchen vor dem Auge schwarz, ein Streif unter dem Auge, über die Ohrgegend etwas ausgebreiteter, schwärzlich und XII.Ordn. I^,IX. Gatt. 236. Schmalschn. Wassertreter. 245 weißgrau gemischt; der Hinterhals licht bläulichgrau, etwas dunkler, aber wenig, gefleckt; die Kropfseiten schwachgrau gewalkt, mit einem gelbbräunlichen Ueberfluge; Oberrücken, Schultern und die Hintern Flügelfedern grau, gegen die Federwurzeln am dunkelsten, sich dem Schwarzbraunen nähernd, mit schwarzen Federschäften und breiten bläulichweißen Kanten, wodurch das Ganze ein tftfgrau und grauweiß geschupptes Aussehen erhält. Auch die mittelsten Schwanzfedern haben trübeweiße Kanten und sind übrigens, wie ihre obern Deckfedern, der Bürzel oder Unterrücken schwärzlich braungrau, diese letztem aber nur mit wenig lichten Federkanten. Alles Uibrige ist wie im Jugendkleide, nur auf den Flügeldeckfedern etwas lichter, hier auch bei alten Bügeln Federn untermischt, welche die Farbe der Schulkerfedern haben. Bekannter als das cbenbeschriebene ist das Sommerkleid, das aber bei jüngern Bügeln anders aussieht als bei ganz alten, welches wohl zu beachten ist. Es hat bei der Mehrzahl, d. h. einund zweijährigen Bügeln, folgende Farben. Der Anfang der Stirn ist gelblichweiß, grau gefleckt; der ganze Scheitel bis aufs Genick hinab matt braunschwarz, welches sich auf dem Hinterhalte in einen schmalen Streif verliert; Kinn und Kehle sind weiß; die Zügel braunschwarz, von welchen unter dem Auge ein Streif sich nach der Ohrgegend hinzieht und hier viel breiter wird, von einem mattern Braunschwarz, vorwärts mit lichterm Braun gemischt. Vom Schnabel an läuft über dem Zügel und dem Auge nach den Schläfen hin ein rein weißer Streif, welcher hinter dem Ohre in Rostfarbe übergeht, die sich an den Halsseiten ausbreitet und ein breites rostfarbenes Halsband bildet, das gewöhnlich vorn geschlossen, hinten aber durch einen braunen Längestrich getrennt ist. Unter dem Bande vorn auf d§r Gurgel ist der Kröpf weiß, an den Seiten gelbgrau, braungrau gcwölkt, und diese Zeichnung wird an den Seiten der Oberbrust und den Lragefcdern deutlicher, indem auf braungclblichem Grunde braungraue Schaftflecke entstehen, die zum Theil auch noch braunschwarze Schaftstriche haben und sich an den Seiten der Unterbrust und gegen den Bauch hin, immer kleiner werdend, verlieren; die Mitte der Brust, Bauch, Schenkel und Untcr- schwanzdecksedern sind weiß. Die Halswurzel zunächst dem Rücken ist braungrau, mit schwarzen streifenartigen Flecken; der Oberrücken, die Schultern, die Hintere Flügelspitze, die mittlern Schwanzfedern und deren obere Deckfedern braunschwarz, mit röthlichrostgelben oder beinahe gelblichrostfarbenen Kanten, die an den Enden der 246 Xi!. Ordn- I^tX. Gatt. 236. Schmatschn. Wassertreter. Federn trüber oder schmäler sind als an den Seiten; alles Uibrige wie im Jugendkleide, nur die großen Schwingfedern ohne weiße Endsäumchen. Man hält diese so gezeichneten Frühlingsvögel gewöhnlich für die Männchen, die nachher zu beschreibenden für die Weibchen, was sich freilich nur an frischen Exemplaren allein bestätigen ließ. Mir war dieses nicht vergönnt, und die Angabe des Geschlechts bei von andern erhaltenen Bälgen ist auch nicht immer zuverlässig. Daß diese aber jüngere Vögel sind, sieht man sogleich, wenn man viele Vögel dieser Art in ihren verschiedenen Kleidern vor sich hat, weil dieses Kleid, außer dem rostfarbigen Halsbande, noch die meiste Aehnlichkeit mit dem Jugendkleide hat. Dies wird recht anschaulich auf unsrer Kupfertafel sein, wenn man die Figuren 2. und 4. mit einander vergleichen will. Sehr abweichend von dem eben beschriebenen ist das Sommeroder Hochzeitskleid sehr alter Vögel. An ihm ist Kinn, Kehle und der Anfang des Halses nach vorn, so wie ein schmales Ränd- chcn ums Auge schneeweiß; die Zügel in einem schmalen Streif grauschwarz; von diesen an unter dem Auge weg über die ganzen Wangen, über Stirn, Scheitel und Genick, also auch über.den ganzen Oberkopf, verbreitet sich ein tiefes Schiesergrau, das in einem schmalen Streif« chen auf dem Hinterhalse hinabläuft, sich an der Halswurzel aber von beiden Seiten wieder gewaltig ausdehnt, die untern Halsseiten und die ganze Kropfgegend einnimmt, an den Brustseiten oder den Tragfe- dern sich hinabzieht, hier aber weißliche Federränder zwischen sich hat, auf den diesen am nächsten stehenden Brustsedern nur in eirunden Schaftflecken, mit dunklem Schäften vorkömmt und sich endlich in immer kleinern Flecken an den Bauchseiten verliert; das Uibrige der Brust, des Bauches und die Unterschwanzdeckfedern sind rein weiß. Den Hals umgiebt ein an den Seiten sehr breites, vorn schmales und geschlossenes, hinten offenes, hochrostsarbiges oder lebhaft rostrothes Halsband. Oberrücken, Schultern uud die Hintere Flügelspitze sind schwarz, mit lebhaft röthlichrostgelben Federkanten, die an den Spitzen matter und ganz schmal, an den Seiten aber breit sind, und an denen der erstem große Seitenflecke bilden, eine eigenthümliche ungewöhnliche Zeichnung. Der nicht so dunkelschwarze Unterrücken und Bürzel haben weniger rostgelbe Seitenflecke, aber die beiden schwarzen Mittelfedern des Schwanzes röthlichrostgelbe XII. Ordn. 4,IX. Gatt. 236. Schmalschn. Wassertreter. 247 Kanten; im Utbrigen ist alles Andere wie im Jugend- oder Winterkleid!. Zu Ende des Juni, wo dieses Kleid ganz vollständig und in seiner jugendlichen Frische dasteht, so weit es nämlich neue Federn hat, da bekanntlich die Schwingfedcrn, die meisten Flügeldeckfedern und die äußern im Schwänze in der Frühlingsmauser nicht erneuert werden, ist es das prächtigste, was man an diesen Vögeln sieht. Bald wird jedoch die schöne dunkle Schieferfarbe am Kopfe, Unterhalse u. s. w. lichter und im August in düsteres Aschgrau verwandelt, das rostfarbige Halsband verliert ebenfalls sein Feuer, und die rostgelben Randflecke des Mantels sind bleicher oder unscheinli- cher geworden, die schmalen Säume an den Federenden haben sich abgerieben, und ein graubräunlicher Rand ist an ihre Stelle getreten, endlich ist auch das Schwarze der obern Theile merklich fahler geworden, was man noch mehr von den Flügeln sagen kann, deren Federn sich nur ein Mal im Jahr, in der Herbstmauser erneuern. Es sieht demnach im Sommer viel lichter und weniger schön aus als im Frühlinge. Daß die Vögel welche dieses Kleid tragen, alter sind, als die im vorherbeschriebenen, zeigt nicht allein ihre ansehnlichere Größe, sondern auch die Steigerung der Farben ihres Gefieders, der weit schroffere Unterschied vom Jugendkleide, und ihr weniger häufiges Vorkommen. Ob es aber alle bloß Weibchen sind, welche es tragen, welche stets etwas größer als die Männchen sein sollen, möchte ich nicht behaupten, zumal mir von solcher Färbung größere und kleinere Individuen vorgekommen sind, so daß dann die kleinern die Männchen gewesen sein könnten. Die Beispiele, daß das Weibchen einer Art ein viel prächtigeres Gewand als sein Männchen trüge, möchten in der Vögelwelt kaum. noch irgendwo vorkommen, die Gattung kksluropus (denn bei der folgenden Art soll es auch so sein) stände demnach in dieser Hinsicht einzig da, woran man schwerlich glauben kann. Nur gründlichen Forschern wird es vorbehalten bleiben, späterhin an Ort und Stelle, wo jene Vögel häufig wohnen und sich fortpflanzen, diese Zweifel zu lösen. Eine genauere Angabe der Zeit ihrer Mauser ist bis jetzt nicht bekannt. Aufenthalt. Der schmalfchnäblige Wassertreter gehört unter die hochnordischen oder borealen Vögel, und ist ein Bewohner der Inseln und Küsten 248 Xll. Ordn. OlX. Gatt. 23k. Schmalschn. Wassertreter. der kalten Zone von Europa, Asien und Amerika, aus welcher er auch den angrenzenden Theil der gemäßigten besucht, aber.Ich nur selten und sehr einzeln tiefer in diese herab verirrt. Das obere Schottland mit seinen Inseln und Buchten, die Orkaden und Hebriden sind einige seiner südlichsten Wohnsitze, wo er auch brütet. Nachstdem ist er auf Island häufig, so in Grönland, im obern Läpp land, in den Buchten des Eismeeres und den größern Landseen im obern Rußland, so durch ganz Sibirien und dem obern Nordamerika angetroffen worden, überall aber innerhalb oder in der Nähe des arktischen Kreises, südlicher nur ausnahmsweise. So sieht man ihn an den Küsten und andern Gewässern Englands, Schwedens und Dänemarks nur selten, noch seltner an denen von Frankreich, Holland und Deutschland. Von ihnen aus verirrt er sich noch viel seltner ins Innere dieser Länder, bis zu uns und noch südlicher oder bis zum Genfersee binab. Wir waren nur einmal so glücklich einen solchen Vogel in der Mitte des September 1801. am salzigen See im Mannsfeldischen zu erlegen, seitdem keinen wieder. H. Just") erlegte daselbst ebenfalls gegen Ende des September, 29 Jahre später, einen solchen und hatte sichere Kunde, daß in diesem Jahre einige dort bemerkt worden waren. In seinem rechten Vaterlande, dem hohen Norden, scheint er mehr Strichvogel zu sein, doch auch oft so weit wegzustreichen, daß die geregelte Ankunft und Abreise in und aus etwas südlicher liegenden Ländern, wenigstens einer großen Anzahl dieser Vögel, ein Ziehen genannt werden kann. Der obenerwähnte, welchen wir erlegten, schien mit einer Schaar Alpenstrandlaufer, zwischen welchen er sich aufhielt und neben ihnen am Ufer seiner Nahrung nachging, die Wanderung zu uns gemacht zu haben; die von Just beobachteten waren dagegen einsam, obgleich damals auch viel von jenen, nebst Sanderlingen, als Durchziehende, dort angetroffen wurden. Nach Faber erscheint er bei Island erst gegen Ende des Mai und verläßt diese Gegenden zu Ende des Augusts gänzlich; doch ist er noch viel höher hinauf auch im Winter auf dem Meere zwischen Eisbergen und Eistrümmern bemerkt worden, und zwar nicht einzeln. Wo er regelmäßig wegzieht und wiederkömmt, geschieht dies meistens gesellschaftlich, in kleinen Flügen vereint; ob ") S. dessen Beobachtungen über die am Siileber Salz. See vorkommenden Lögel. Leipzig, bei Kollman», 1823. H. «3. XU. Ordn. H Gatt. 236 . Schmalschn. Wassertreter, 24» auch in großen Schaaren, wissen mir nicht. Es scheint vielmehr, daß diese Art, wenigstens in unserm Erdtheile, lange nicht in so großen Massen vorkomme, als viele Strandläuferarten. Er ist mehr See- als Sumpfvogel, lebt in,der Zeit, worin er seinen Fortpfianzungsgeschästen nicht obliegt, stets an und auf der See, wenn er nicht, auf der Wanderung begriffen, manchmal auch tiefer ins Land hinein verschlagen wird, wo er dann freie Gewässer, namentlich Landseen besucht, aber weder an Flüssen, noch in Sümpfen jemals angetroffen worden ist. So wie er am Meere bald am Strande, bald Meilen weit von diesem auf offner See angetroffen wird, eben so zeigen sich bis hierher Verirrte an Landseen , bald am Ufer hinlaufend oder von hier aus ein Stück in die Fläche hinaus schwimmend, als auch mitten auf dem Wasserspiegel sich niederlassend und da wie ein andrer Schwimmvogel herumru- dernd. Bei Island und andern Nordländern verläßt er Ende des Mai das Meer und sucht im Lande Stellen, wo er sich fortpflanzen kann, an den süßen Wassern, Seen, Teichen und Quellen, auf jener Insel selbst an den warmen Quellen, bis tief ins Land hinein und hoch auf die Berge hinauf, wo er dann wert vom Meere lebt und in dieser Zeit es nie besucht, bis er dirs mit seiner Familie kann, die Zungen nämlich erwachsen, fiug- und schwimm- fertig sind, welches ungefähr mit Anfang des August geschiehet. Eigenschaften. Dies zarte Wägelchen benimmt sich stehend und gehend ganz wie ein Strandläufer. In zierlichen und behenden Schritten läuft es an den Ufern entlang oder wadet im seichten Wasser, ist so fast immer in großer Regsamkeit, und verweilt nur, wenn es sich recht gesättigt hat, auch zuweilen längere Zeit an einem, meist etwas erhabenen Plätzchen, einem kleinen Vorsprunge des Wasserrandes oder einem niedrigen Steine, stillstehend, den Hals eingezogen und den Rumpf wagerecht tragend. Betrachtet man den zarten Gliederbau dieses, vorzüglich in seiner schönen Sommertracht ausnehmend lieblichen Wägelchens, so dächte man es kaum für einen so kühnen Schwimmer halten, als es in der That heißen kann. Ungezwungen läßt es sich aus dem Fluge mitten auf die großen Wasserflächen und mehrere Meilen weit vom Lande auf das bewegte Meer nieder, schwimmt keck und ungemein zierlich auf der großen Fläche dahin, ohne die mindeste 25V XII. Ordn. L.IX. Gatt. 236. Schmalschn. Wassertreter. Verlegenheit zu verrathen, wenn es auch tüchtig von den Wellen geschaukelt wird. Nur bei Sturme und starkem Wellengänge meidet es die hohe See, und sucht die stillem Buchten oder die Ufer derselben. Mit wenig eingesenktem Körper, den dünnen Hals ziemlich erhaben, und mit zierlichem Kopsnicken bei jedem Ruderschlage gleitet es behende auf der Wasserfläche hin, und es soll eine liebliche Unterhaltung gewähren, dem geschäftigen Treiben einer Gesellschaft dieser kleinen fertigen Schwimmer fern vom Lande, auf dem Wasserspiegel hin und her rudernd, zuzusehen. Auf dem salzigen See im Mannsfeldischen sahe man einen Einzelnen fast auf der Mitte des Wasserspiegels schwimmen und Nahrung suchen, ohne sich von einem nahe vorbeifahrenden Kahne stören zu lassen. Auch auf dem Meere fürchten sie nahe vorübersegelnde Schiffe und Boote nicht, und wenn sie auch aufgescheucht werden, so lassen sie sich doch in geringer Entfernung sogleich wieder nieder, welches unter einigem Flattern und sanfter als bei wirklichen Schwimmvögeln geschieht. Der Flug ist schön, schnell und gewandt, ganz dem eines Strandläufers, namentlich des Alpenstrandläufers, ähnlich, so daß es schwer fallen würde, etwas Eigenthümliches darin auffinden zu wollen. Die schlankere Gestalt unterscheidet nnsern Wassertreter allein von dem mit ihm fliegenden Alpenstrandläufer, und der geübte Kenner findet dies auch, wenn er ihn allein und nicht in andrer Gesellschaft fliegen sieht. Born Wasserspiegel erhebt er sich so leicht wie vom festen Boden, und zuweilen, wenn er weit weg will, weiß er sich auch sehr hoch durch die Lüfte fortzuschwingen. Er verträgt, obgleich immer an und auf dem nassen Elemente, oft sogar zwischen Eismassen sich bewegend und trotz seines zärtlichen Aussehens, sehr strenge Kälte ohne sichtbare Beschwerde, ist, wie die meisten borealen Vögel, gar nicht furchtsam, und scheuet die Annäherung eines Menschen so wenig, daß man dem Treiben Einzelner auf wenige Schritte Entfernung zusehen kann, ohne daß sie früher fortflögen, als bis man sie mit einem Stocke erreichen könnte. So ist es auch an den Brüteorten. Zu andern Zeiten, wenn mehrere beisammen sind, sind solche wol etwas vorsichtiger, doch niemals scheu zu nennen. Die Vereine halten treulich zusammen, und Versprengte suchen ängstlich die erstem wieder auf. Sie leben im guten Vernehmen mit einander, nur in der Begattungszeit sahe man zuweilen zwei sich necken und jagen oder gar im wirbelnden Fluge an einander gerathen. XU. Ordn. I.IX.Gatt. 236. Schmalschn. Wassertreter. 251 Ihr Lockruf ist ein hoher, Heller, feinschwirrender Ton, tirrrr, lang, oder auch, zumal in Schreck oder Angst, kurz und in Absätzen, tirr, tirr u. s. w. Er ähnelt sehr dem der'I'rinxL lem- millvkii, und möchte schwer von diesem zu unterscheiden sein. Den Ton, welchen sie beim Neste oder den Jungen hören lassen, schreibt Faber: prip, prip (kurz gesprochen); es ist wahrscheinlich dasselbe Tirr,-wie oben, nur etwas anders modulirt oder anders aufgenommen. Nahrung. Sie besteht in sehr kleinen weichen Würmern, von welchen das Seewasser bekanntlich an manchen Orten wimmelt, die denn auch an schwimmendem Tang und Seegrase sitzen, in Insektenbrut und in Insekten. Eine bestimmtere Angabe der Arten fehlt noch. Bei uns hat man Mücken und Mückenlarven und dem Aehnliches in seinem Magen gefunden. Der schmalschnabliche Wassertreter sucht diese Dinge entweder am Strande, besonders an schlammigen Stellen, sehr emsig auf, wadet ihnen im Wasser nach, oder sucht sie schwimmend ipegzufan- gen. Auf großen Flachen herumrudernd nimmt er nicht nur jedes anschwimmende kleine Geschöpf aus jenen Klaffen von der Oberfläche weg, sondern holt die flacher schwimmenden auch unter dieser herauf, so weit der eingetauchte Schnabel und Kopf langen will, denn tiefer taucht er nie ein. Man sahe ihn sogar auf großen Wasserflächen hin und wieder nach ihn umsummenden fliegenden Insekten schnappen, so weit es seine Stellung auf dem Wasser nur erlauben wollte. Faber fand ihn selbst auf den Wassern der heißen Duellen schwimmen, und auch Nahrung da auffinden, obgleich, wie er sagt, das Wasser eine so hohe Temperatur hatte, daß man kaum bie Hand darin leiden mochte. ^ Fortpflanzung. Auf Island zeigen sich Ausgangs Mai die Päärchen an den ^Worten, oft weit entfernt vom Meere, im Lande, an Seen, Teilen, Quellen und andern Gewässern, selbst die warmen Quellwas- fer und die hoch zwischen den Bergen liegenden nicht ausgenommen. Man sieht dann diese Vögel an kleinen und größer» süßen Gewässern der Insel und zwar überall ziemlich häufig, wo es der- 252 XU. Ordn. L-IX.Gatt. 2L6. Schmalschn. Wassertreter. gleichen giebt. Die Gatten zeigen die zärtlichste Zuneigung gegen einander, sitzen und schwimmen immer in vertraulicher Nähe, und jedes Päärchen hat feinen Standort, weswegen es oft zum Streit zwischen den Männchen der benachbarten kömmt, sich aber nur über ihres Gleichen und nicht über anderartige Vogel ausdehnt, wobei sie aber selbst schwimmend mit aufgeblähtem Gefieder oft heftig gegen einander fahren und sich auch fliegend und zuweilen recht anhaltend noch herumjagen. Hier an den Nistplätzen gleichen sie sonst ganz den Strandläufern; denn auch sie haben an ähnlichen Orten ihre Nester, nämlich in der Nähe des Wassers, aus kurzem Rasen oder zwischen niedrigen Pflanzen, wo sie auf einer trocknen Stelle, ! meistens kleinen Hügelchen, zwischen kleinen Grasbüscheln, sich eine unbedeutende Vertiefung bereiten, die sie nur mit wenigen trocknen Hälmchen höchst nachlässig auslegen. Auf dieser kunstlosen und geringen Unterlage liegen in jedem Neste nie mehr, auch sehr selten weniger als 4 Eier. Man will beobachtet haben, daß sie sich bloß auf dem Wasser begatteten. Man sahe das Weibchen schwimmen, das Männchen sich aufschwingen, unter zwitschernden Tönen auf das erstere herablassen und so die Begattung vollziehen. Dies wäre Etwas, wodurch sie sich von allen Schnepfenvögeln unterschieden. Die Eier sind^ehr niedlich, viel kleiner als die von uipins,, an Farbe und Gestalt diesen aber ähnlich, jedoch meistens noch mehr birn- oder kreiselförmig. Sie sind die kleinsten unter allen mir bekannten Sumpfvögeleiern, und eben durch diese geringe Größe, im Vergleich mit der des Körpers, weichen sie eben so von den in der Klasse der schnepfenartigen Vogel gewöhnlichen Verhältnissen ab, wie die der Waldschnepfe, die als Schnepfenvogel auch sehr kleine Eier legt. — Die Eier unsers Wassertreters sind, im Durchschnitt gemessen, nur 14 bis 15 Linien lang, und an der stärksten Stelle, die vom stumpfen Ende nur gegen 5 Linien entfernt liegt, 9^, bis 10^ Linien breit. Sie sind an dem einen Ende schnell abgerundet, am entgegengesetzten lang zugerundet mit dünner, abgerundeter Spitze. Sie haben eine zarte, außen glatte, aber nicht glänzende Schale, welche matt gelblicholivengrün aussieht und mit vielen röthlichschwarzbraunen Zeichnungen, Punkten, Klexen und Flecken mehr oder weniger dicht bezeichnet ist, worunter sich auch braungraue Schalenpunkte, aber nur sparsam, zeigen. Sie variiren sowol in der Grundfarbe wie in den Zeichnungen bedeutend; denn es giebt welche, deren Grund sehr licht, nur ein weiß- XII. Ordn. I^IX. Gatt. 236. Schmalschn. Wassertreter. liches, ins Grünliche spielendes Olivengelb, andere, wo sie ein wirkliches, jedoch mattes Olivengrün, und noch andere, wo dies sehr dunkel ist und mehr ins Bräunliche spielt; dazu sind die Flecke an manchen klein, zerrissen, sparsam, an andern gerundet und am stumpfen Ende mehr gehäuft, an noch andern überall häufiger, endlich noch bald stärker bald schwächer aufgetragen. Dessenungeachtet möchten sie nicht leicht mit andern Eiern, am leichtesten allenfalls mit denen von IHnZu miiiutu oder 1r. lirmntmvlrü zu verwechseln sein. Es wird vermuthet, daß das Männchen dem Weibchen abwechselnd brüten helfe, weil es einen Brutfleck an jeder Seite des Bauches habe, welcher dem Weibchen fehlen soll. Wenn hier kein Irrthum obwaltet, so wäre dieses ein sonderbarer Umstand; man würde es eher umgekehrt vermuthen. Beide sind jedoch für ihre Brüt gleich und sehr besorgt, sie lassen sich dabei fast Mit den Händen fangen, besonders wenn sie schon Junge haben, umflattern ängstlich schreiend den Suchenden, fliegen dicht über die Gräser hin- zwischen welchen sich jene versteckt halten, welche dieses meisterlich verstehen. Daraus, daß man um die Mitte des Juni die volle Eierzahl in den Nestern und Anfangs Juli die Jungen schon ausserhalb denselben im Grase versteckt findet, läßt sich ohngefahr annehmen, daß die Zeit des Brütens 15 bis 17 Tage sein möge. Sobald die Jungen ihr volles Gefieder erhalten haben und flugbar sind, führen sie die Alten an das Wasser und auf dasselbe; dann versuchen sie das Schwimmen, Alte und Junge verlassen die ^rüteplätze und begeben sich zusammen wieder auf das Meer, wo sich dann häufig mehrerere Familien zusammen schlagen und kleine Flüge bilden. Gewöhnlich geschieht dies Anfangs August, und von letzt sind sie wieder Seevögel bis zur künftigen Begattungszeit. -l Feinde. Wahrscheinlich haben sie die nämlichen, wie andere kleine Strand- ^ägel. Etwas Genaueres ist darüber nicht bekannt. Jagd. Ihr furchtloses Wesen bringt sie leicht in die Gewalt des schützen, welcher Einzelne oft nicht eher gewahr wird, bis er ih- schon zu nahe gekommen, so daß der Schuß sie zerschmettern wurde, er sich daher genöthigt sieht, sich zuvor wieder auf angr- 254 XII.Ordn. UX. Gatt. 236. Schmalschn. Wassertreter. messene Schußweite zurückzuziehen. Dies mag wol nicht mit allen der Fall sein; aber selbst wenn mehrere beisammen find, halten sie eine schußrechte Annäherung, wenn auch ganz auf dem Freien, fast immer ohne Umstände aus. Nutzen. Ihr Fleisch ist so zart und wohlschmeckend, wie das anderer kleiner Strandvögel, und auch dadurch beurkunden sie ihre nahe Verwandtschaft mit denselben. Schaden. Sie schaden dem Menschen so wenig wie irgend einer der kleinen verwandten Bögel. Anmerkung. Zch habe dies« Art nur ein einzige» Mal und auf sehr kurz« Zeit lebend beobachten können, mußte daher, um etwa» mehr über ihre Lebensweise zu geben, mich, obgleich wider Willen, entschließen, da« Fehlende au» andern glaubhaften lveschreibungen zu entlehnen, so weit die» mir nämlich völlig sicher« und naturgetreue Nachricht« zu sein schienen. --s W'M: ^ tzK>-L'"W«Z' M M-z,' M«Wx L,?s : Z«t se z« »aste« kkreue d-E rr-ÄL^ ^WWs^r-Ä'-' WSS^»S ->Äd /?// 20 6 ' i-ii iro i'i' ^ i ^ i v> >>> n e>>>>» >/> / - k^I .7 ^ irrt«'i k^I.. ,sii'.»'«'ri 237. Der plattschnäblige Wassertreter. / Fig. 1. Sehr altes Weibch. im Sommerkleide. 2 - k ink ) Ng- 2. Männchen im Sommerkleide. ' > Fig. 3. Weibchen im Winterklekde. f Fig. 4. Männchen im Zugendkleide. Großer —, breitschnäbliger —, rother —, rothbäuchiger Wassertreter; aschgrauer Strandläufer mit belappten Zehen; Wasserdrossel, rothe Wasserdrossel; rothes Bastardwasserhuhn. IHa/aropit, />/atur^r/»c5ir» (MaÄrrope x?ae>/r5i,»^ue). Vemwilleb Ml«. a' 9ru. »ouv. Mit. II. I>. 712- ^a/aroxo ro„o. 8uvi, 9r«. t»»«. III. >». 13. ------ Kader, Prodrom. d. isländischen Srn. S. 38. — Brepin, Lehrb. II- S. 663. — Dessen ^aturg. a. Vög. Deutsch«. S. 678 «. 67S. ----- Gloger, Fauna Schl. S. 52. --- Landbeck, Vög. Würtemberg». S. 65. », 234. Sommerkleid. IHa/aro/»«» ru/n,. Dtchstein, Naturg. Deutscht. IV. S. 381. ----- Wolf «. Ketzer, Laschend. II. S. 419. — kiil»»««, Or«. »«,«. II. x. 118. ». 182. ----- /elrearra. I-i«u. ,78t. «ölt. 12. I- p. 249. o. 19 . ------ kriiou. Ora. bor. p. ^1- u. 172- ----- TVrnA'a Ki/xeriore«. Kmel. I-iuu. »vil. I. 2. x. 875. ». 9. vor. b. (luiivorio). /Hs/aro^re ron,,«tre. Lriss. Oru. VI. p, 20. u. 4. ----- I.e 1-Faka- «-o»^e. kolk. «i->. VIII. p 225. — Mit. ck- veuix. XV. p. 282, — vuvier, «Sxo. SLim. I. p. 492. Heck coo< -/ooteck 2>r«H-a. Mv. Kim,. t. 142. /keck ^tb. « 7 ». V. x. 271. — uibers. v. Bechstein, III. r. S. 249. ». 1. - (Als Weibchen von Vb, »ogoetiroetri» beschrieben), Winterkleid. 5>5a/a. 6mol. !. 674. u. 8. — /Äakaro^ee« lots- I.orb. lus. ii. p. 778 . «. 2. ----- /-Kakarox- ck /ertön, ckenteke,. SuL 9i». VIII. v- 226, — Mir. So veurp. XV. x. 283. --- 85a/aroj>e Avne. Luv. Heg», »«im. I. 256 XU- Ordn. H Gatt. 237. Plattschn. Wassertreter. l>. 492 — eoot -/aale-i LSvo. VI»II. t. 308. —- >>r,k. I!ir>^. II. p. 149. >--- Ki-oA I-ta?a»-ope. !.»»>. ÜVII. übers. v. Bechsttin, III. 2. S. 241. ». 2. — ?--»>. »rot. Hoal. übers. v. Zimmer mann, II. S. 459. u. 329. Bei beiden letztem Schriftstellern «in Exemplar in, Uibergang« au« dem Jugendkleide ins erste Winterkleid beschrieben und vom letztem in der »ritt. 2o»I. 126. Taf. L. I. k. 3. gut abgebildet. Z u g « n d k l e i d. laiato. I-opooliiii, kkav. vviiiiii. I-otrnp. XIV. p. 591. t. 13, k. 3. -- 6wsl. I,iun. K^st. I. 2. p 674. ii, 8. Vor. b. Vrr»^« Llaciole». liiuel. I.iiiii. !iv»t. I. 2. p. 675. n. 32. »--- ipL«7aroj>»» ^7„- erak». I.-uI>. I'ni. II. p. 776. ii. 3. - 1V«r» I,»t>>. »vii. V. p. 273. n. 3. — ltibers. v, Dech stein, III. 2. S. 242. ». Z. »ou». »rot. 2ooI. übers. v. Zimmermann, II. E. 461. u. 332. scheinen offenbar nicht hierher, sondern »i in geboren, watz auch Gmelini Worte: „mombriinii aixikiü Innert» zuverläßig sagen wollen. Jene Autoren beschreiben a. a. O. jedoch nur ein Uibergangskleid dieser Art. Kennzeichen der Art. Der Schnabel ist seiner ganzen Länge nach platt, nach vorn viel breiter als hoch. Beschreibung. Der plattschnäblige Wassertreter ist an allen Theilen etwas stärker gebauet und ziemlich auffallend größer als der schmal- schnäblige, von Gestalt daher weniger zart, doch immer noch ein sehr angenehm gebaueter Vogel, dazu mit noch schöneren Farben geschmückt als der Vorige, von dem er sich außer diesem allen vorzüglich durch den durchaus von oben und unten zusammengedrückten oder platten Schnabel, auch bei einem sonst oberflächlichen Vergleich unterscheidet. Mit einem nahen Verwandten, dem t^linlai-opiui timdriatus aus Nordamerika, in seinem Hochzeitskleide ein gar herrliches Geschöpf, hat er ebenfalls viele Aehnlichkeit; dieser ist aber größer oder hat wenigstens höhere Beine und scheinbar einen länger» Hals, einen Schnabel, dessen Firste allein platt gedrückt, welcher aber in der Mitte kaum so breit als hoch ist, und dessen höhere Füße Zehen haben, deren Hautlappen nur ganz schmal, aber, ohne Ausschnitte in den Gelenken, in gleicher Breite au den Seiten der Zehen hinlaufen. Seine Größe ist ohngefähr die eines gemeinen Staars ( 8 tur- mis vul^aris), abgesehen davon, daß die Körper- und Gliedergestalt eine ganz andere ist. MitlHnxa msritimn verglichen, scheint er kaum etwas größer als diese. Er ist 7^ bis 8^4 Zoll lang; X!I. Ordn. H Gatt. 237. Plattschn.Wassertreter. Z57 15^2 bis 16 Zoll breit; die Länge des Flügels vom Handgelenk bis zur Spitze 5^« bis 6 Zoll; die Länge des Schwanzes 2^ bis 2^ Zoll, und die Spitzen der ruhenden Flügel reichen bis an oder gar noch über das Ende desselben. Der Flügel ist gestaltet wie bei einer IHnAL, mit starkschaf- tigen, wenig gebogenen, allmählig und spitz zugerundeten Schwing- fcdern erster Ordnung, von welchen die erste die längste, doch kaum etwas länger als die zweite ist, vor sich aber noch ein sehr kleines, äußerst schmales, spitziges Federchen hat, das schwarz aussieht, einen steifen weißen Schaft hat und einer verkümmerten Schwingfcdec gleicht. Der Hintere Flügelrand erscheint mondförmig ausgeschnitten, weil die großen Schwingen stusenweiS schnell an Länge abnehmen, die der zweiten Ordnung sehr viel kürzer, von fast gleicher Länge, breiter und am Ende schief abgestumpft sind, die der dritten Ordnung aber allmählig wieder länger werden, einer mehr lanzettförmigen Gestalt sich nähern und eine Hintere, sehr lange Flügelspitze bilden, die bei zusammengefaltetem Flügel bis auf das Ende der vierten oder dritten der großen Schwingen reicht. Der Schwanz ist keilförmig zugerundet, von seinen 12 Federn die äußern ^ Zoll kürzer als die mittelsten, kurz abgerundet, die übrigen zugerundet und die beiden Mittelscdern mit etwas verlängerter Spitze. Die untern Schwanzdeckfedern sind eben so lang als der Schwanz, die obern bedecken dagegen nur seine Wurzelhälfte. Das übrige kleine Gefieder der obern Theile ist sehr gut geschloffen, noch besser und dichter das am Halse, am dichtesten jedoch das an der Brust und dem Bauche, obgleich es auch hier das Pelzartige eines Schwimmvogels kaum erreicht. Der gerade, schwache, durchaus platte, nicht lang aussehende Schnabel ist 10 bis 11 Linien lang, an seiner Wurzel nur so breit als hoch, nämlich 2 Linien, nach vorn aber bedeutend breiter und weniger hoch, spitzewärts sogar viel breiter als hoch, weil er hier an Höhe ab-, an Breite zunimmt, nun aber schnell in die Spitze ausläuft, die sich ein wenig über die des Unterschnabels hinweg krümmt"). Die kleinen ovalen Nasenlöcher liegen unfern der Stirne in einer weichen, etwas aufgetriebenen Haut, die jederseits in einer ") Sieht man den Schnabel von oben, so hak er die Gestalt des Schnabels vont Pelikan, versteht sich in einem sehr verkleinerten Maasistabe. .Diese Aehnlichkcit ist sonderbar, aber wirklich auffallend, 8. Theil. 17 258 XU. Ordn. H Gatt. 237. Plattschn. Wassertreter. tiefen Furche, mit der abgeplatteten Schnabelsirste parallel, bis in die Nähe der Schnabelspitze vorläuft; dazu kommen noch zwei Längefurchen, welche die etwas aufgetriebenen Mundkanten bilden, welche auch der Unterschnabel hat, die aber weniger tief und lang, als die Nasenfurchen sind. Die Farbe des Schnabels ist bei jungen Vögeln ein schmutziges Braun, das auf dem Rücken und an der Spitze dunkler oder schwarbraun wird; bei alten Vögeln ist er hier ebenfalls dunkler, übrigens grünlichbraun, im Frühjahr olivengelb mit schwarzer Spitze, und hat dann an der Wurzel der Unterkinn» lade auch wol etwas Röthliches. Das Auge ist klein, hat einen tief röthlichbrüunen Stern und weißbcsiederte Lider. Die Füße sehen etwas niedrig oder stämmig aus; ihre Laufe sind ziemlich breit gedrückt, vorn herab, wie auch der nackte Theil der Unterschenkel und die Zehcnrücken auf der vordern oder obern Seite, geschildert, übrigens meistens sein gezittert, die Schwimmlappen von oben in von den Zehen schräg auslaufende schmale Schilder, dann in eine Reihe kleinerer Nandschilder zerkerbt und endlich mit einem sehr fein gezähnelten Nändchen eingefaßt, auf der untern Seite, wie an den Sohlen überhaupt, äußerst fein gezittert. Die Zehen sind nicht lang, ihre Scitenlappen breit, bei den Gelenken mit tiefen Einschnitten, so daß ihr äußerer Rand eben so viele flache Bogen bildet; doch hat der innere Lappen der Außenzehe nur einen, dagegen der äußere deren drei. Die Hinterzeh ist sehr kurz, schwächlich, nur etwas höher als der BaÜen und ein wenig nach innen gestellt, mit einem Hautlappen an der Sohle entlang. Die Krallen sind sehr klein, schwach, flach gebogen, und nadelspitz, die mittlere und innere auf der Innenseite mit einer vorstehenden Randschneide. Der Unterschenkel ist 4 bis 5 Linien über der Ferse nackt; der Lauf 1V bis 11 Linien hoch; die Mittelzeh, mit der nicht über 1 Linie langen Kralle, 10 bis 11 Linien, die Außenzeh 9 und die Jnnen- zeh etwas über 8 Linien, und die Hinterzeh etwas über 2 Linien lang, alle drei mit den unbedeutenden Krallen gemessen. Die Farbe der nackten Fußthcile ist bei alten Vögeln auf der innern Seite der Läufe und Schenkel und an den Zehenlappen weißlich olivengelb; an der Außenseite, so wie die ganze äußere und mittlere Zeh, von der innern aber nur die Gelenkgegendcn, dunkel oliven- grün, im Winter mehr grünbläulich; diesi Färbung macht die Füße sehr bunt. In getrocknetem Zustande wird das Olivengrün zu Grünschwarz, die helle Farbe aber noch lichter, fast schmutzig gelb- Xll.Ordn. H Gatt. 237. Plattschn. Wassertreter. 259 weiß. An den Füßen junger Vogel ist eine gelbliche Fleischfarbe vorherrschend, und das, was an denen alter Vogel jene dunkele Farbe hat, ist hier nur bleifarbig. Die Krallen sind stets schwarz. Im Jugendkleide sind die Zügel, ein Streif durch das Auge und über die Schläfe hin, Stirn und Vordcrscheitel weiß; über dem Auge steht ein braunschwarzer Streif, welcher mit einem großen, fast dreieckigen Fleck im Genick, von eben der Farbe, zusammenhängt , welche sich in einem Streife auf dem Nacken hinab auflöset; der übrige Hinterhals und der Hintertheil der Wangen oder die Ohrgegend matt erdbraun, welches sich an den Seiten des Kropfes und auch auf die meisten Tragefedern hinabzieht; alle übrigen untern Theile, vom Kinn bis auf die langen Unterfchwanz- deckfedern, weiß, am Bauche etwas gelblich angeflogen. Rücken und Schultern sind dunkelbraun mit weißlichrostgelben Federkanten, die an den Federenden am schmalsten sind; der Flügelrand und die kleinen Flügeldeckfedern grauschwarz; die mittlern etwas lichter oder dunkel schieferfarbig, mit schneeweißen Endkantchen; die großen Deckfedern eben so, aber mit sehr großen weißen Enden, wodurch ein sehr breiter weißer Querstreif durch den Flügel gebildet wird; die Hintere Flügelspitze hat, wie die Schultern, dunkelbraune, weiß- lichrostgelb gekantete Federn; von den mittlern Schwingfedern (der zweiten Ordnung) ist die letzte ganz weiß, die vorletzte weiß, mit schieserfarbigem Schastfleck, die dieser vorhergehende schieferschwarz, mit weißer Kante, die nur auf der Jnnenfahne noch etwas breit ist, an den übrigen Federn je weiter vor, desto schmäler wird und eben so wie die weißen Endsäumchen nach und nach verschwindet; die großen Schwingfedern schwarz, auf der innern Fahne weißlich, alle mit weißen Schäften und mit einem Verlornen weißen Strich auf der Außenkante ohufern der Wurzel, die kürzern auch mit einem trübeweißen Spitzensaum; die Fittichdeckfedern und die Daumenfedern schwarz; die Schwanzfedern braunschwarz, die äußern m dunkles Grau übergehend, diese mit weißlichen Säumen, die mittlern mit rostgelben Kanten. Von der untern Seite ist der Schwanz hellgrau, die Flügel auf der nämlichen Seite weiß, am Rande aschgrau geschuppt, die Schwingfedern silbergrau, an der Jnnen- sahne wurzelwärts weiß. Die Geschlechter sind in der Färbung nicht verschieden, sollen es aber in der Größe etwas, nämlich die Männchen kleiner als die Weibchen sein. Das Winterkleid ist von den übrigen sehr verschieden; es 17» 260 XU. Ordn. H Gatt. 237. Plattschn. Wassertreter. trägt sehr einfache Farben in einer besondern Reinheit, Weiß, lich- tes Aschblau (fast Mohnblau, wie bei manchen Meven der Mantel), und Schwarz. Der Vogel ist in diesem Gewände ganz besonders schön, und jene Farben sind folgendermaßen vertheilt: Worderkopf, ein breiter Augenstreif über die Schläfe fortgesetzt, Kinn, Kehle, Hals und alle untern Theile bis zum Schwänze, auch ein großer Streif quer über dem Flügel, sind rein weiß; ein kleines Fleckchen vor und unter dem Auge, ein großer Fleck im Genick, welcher sich oben im Weißen des Scheitels in kleine Fleckchen zertheilt, hinten aber zugespitzt fast bis an den Nacken hinabreicht, sind mattschwarz; die untere Halswurzel (wo meistens auch einige schwarze Fleckchen vorkommen), Oberrücken und Schultern sanft hellaschblau (gerade wie am Mantel von Ikarus riüibuullus), mit zarten, an den Federenden etwas breiter», weißen Säumchen; Unterrücken und Bürzel aschgrau, an den Federschäften dunkler schat- tirt; die Flügeldeckfedern dunkelaschgrau, mit scharf gezeichneten weißen Käulchen, die großen mit solchen Enden, welche einen weißen Querstrich über den Flügel bilden; Schwing- und Schwanzfedern wie schon beschrieben, die schwarzgrauen Mittelfedern des Schwanzes und die der Hintern Flügelspitze mit weißen Kanten. Manche Individuen haben an den Tragefedern oder an den Brustseiten noch schmale graue Schaftstriche, manche auch an den Halsseiten einen rostgelben Anflug, und es kommen sogar Exemplare vor, wo dieser gelbe Anflug eine Art von Halsband bildet.— Der Fleck unter dem Auge ist bei einigen bis zum Ohre hin verlängert, am größesten bei jüngern Individuen. Weil dies Kleid durchaus ganz andere Farben und Zeichnungen hat, als die andern, so erscheinen solche Vogel, welche im Ueber- gange von einem zum andern, d. h. in der Mauser, begriffen sind, oft sehr bunt gekleidet, zumal wenn es alte Bögel sind und gerade in der Mitte des Federwechsels stehen. An diesen ist dann auch leicht zu erkennen, ob sie in der Herbst- oder in der Frühlingsmauser stehen, weil bei erstem die abgebleichten und abgetragenen Federn des Sommerkleides ganz anders, als sie im Frühlinge waren, aussehen, die schwarzen Schulter- und Rückenfedern nämlich statt der dunkel- und röthlichrostgelben oder fast gelblichrostsarbencn, jetzt in blasses Ochergelb oder ganz in gelbliches Weiß abgebleichte Kanten haben, welche sich dann zwischen den neuen mcvenblauen Federn sonderbar genug ausnehmen, so wie denn auch das Rostroth der noch zwischen den weißen vorhandenen Federn an den untern Theilen XU. Ordn. l^x. Gatt. 2Z7. Plattschn. Wassertreter. 261 sehr verschossen ist. Ist dagegen ein solcher alter Vogel im Uiber- gange vom Winter- zum Sommerkleide begriffen, so ist es damit fast umgekehrt, die neuen Federn des letztem prächtig gefärbt, .ihre Ränder noch ganz vollständig und unversehrt, die aschblauen vom erstem aber an ihrem matten Aussehen und den etwas abgeriebenen Rändern leicht für die ältern zu erkennen. Da nun solche Uiber- gangskleider oft vorkommen, ja öfter als das reine Winterkleid, weil man diese Vogel in der strengen Jahreszeit seltner erlegt, so wird es nicht überflüßig sein, ein so gemischtes zu beschreiben. — Ein solcher alter Vogel im Frühlingsfederwechsel begriffen, hat dann oft folgende Färbung"): Stirn, Scheitel und Genick sind schwarz- grau, erstere beide mit vielen weißen, letzteres mit schwarzen Federn untermischt; eine Stelle vor, hinter und unter dem Auge bis in die Schläfegegend weiß; Kinn und Kehle dunkelgrau mit weißen Federn untermengt; ein schmaler Streif längs dem Hinterhalse, Rücken und Schultern schön hellaschblau, letztere beide mit einer Menge neuer, schön gezeichneter, in der Mitte tief schwarzer, an den sehr breiten Rändern (scharf vom Schwarzen getrennt) lebhaft röthlichrostgelber Federn untermischt; Flügel und Schwanz wie im Winterkleide, letzterer bloß mit neuen, dunklem, rostgelb gekanteten Mittelfedern; die Halsseiten und Gurgel fast rein rostroth; die übrigen untern Körpertheile bis an den Schwanz schön rostroth, aber vorn am Kröpfe, an der Brust und dem Bauche noch mit vielen weißen, an den Seiten des Kropfes und der Oberbrust sehr licht aschblauen Federn untermischt; diese Theile haben daher eine gewölkte Zeichnung. — Die jungen Vögel, welche in der Mauser zum ersten Winterkleide stehen, sind weniger bunt, weil die abgebleichten fahlbraunen, schmutzig rostgelb gekanteten Mantelfedern weniger von den neuen aschblauen abstechen, und weil bei ihnen die Stirne, der Vorderkopf, und alle untern Theile vom Kinn bis zum Schwänze ebenfalls weiß sind, die neuen also mit den alten Federn hier gleiche Farbe haben. Am Frühlings- oder Sommerkleide finden sick zwischen jünger» und ältern Vögeln große Verschiedenheiten, besonders sind Färbung und Zeichnung des Kopfes bei beiden sehr verschieden. Dem Winterkleide sieht es, außer an den großen Flügel- und Schwanzfedern, durchaus ganz unahnlick. "1 Je nachdem er weniger oder tiefer in der Mauser steckt, freilich auch sehr o-r. schieden; da« in dieser Beschreibung zum Vorbilde genommen« stand obngefahr i» der Mitte derselben. 262 XII. Ordn. L.X. Gatt. 237. Plattschn. Wassertreter. Bei ein- oder zweijährigen Vögeln hat das Sommerkleid folgende Färbung: Um die Schnabelwurzel herum ist das Gefieder dunkelbraun, welches bis auf die Kehle hinabgeht, oben aber bald in die Farbe des Scheitels übertritt, welcher nebst dem Genick und einem schmalen Längestreif des Hinterhalses braunschwarz und dunkelrostgelb gestreift ist, weil die schwarzen Federn rostgelbe Seitenkanten haben; über das Auge und die Schläfe läuft ein bräun- iichweißer Streif, ein ähnlich gefärbter Fleck steht unter dem Auge, hinter diesem und auf dem Ohre ein dunkelbrauner; die Wangen sind bräunlich; die Halsseiten, Gurgel, Kröpf und alle untern Theile bis an die Schwanzspitze mattrostroth oder kupferfarbig; die Drlswurzel zunächst dem Rücken, dieser nebst den Schultern, und die Hintere Flügelspitze braunschwarz oder ganz schwarz, mit an den Seiten der Federn sehr breiten, lebhaft röthlichrostgelben Federkanten, die scharf von der Grundfarbe so getrennt sind, daß diese sich auf jeder Feder wie.ein schwarzer Lanzettfleck auf rostgelbem Grunde ausnimmt; der Untcrrücken dem ähnlich, aber mit unbestimmtem Federkanten; die Bürzelfedern etwas stärker rostfarbig gekantet; die Flügel wie im Winterkleids, aber düsterer und fahler, die mittlern Schwanzfedern braunschwarz, mit dunkelrostgelben Kanten. Man findet unter so gefärbten Vögeln sowol Männchen als Weibchen, und diese unterscheiden sich von jenen bloß an der etwas ansehnlichern Größe, sind aber nicht so schön, geschweige denn schöner gefärbt, als die erstem. Daß sie jüngere Vögel sind, kann man ihnen sogleich ansehen, und ich erwähne es nur, weil man alle so gefärbte hat für Männchen halten wollen und geglaubt hat, alle Männchen hätten allein bis in ihr spätestes Alter ein so gezeichnetes Sommerkleid. Dem ist aber gewiß nicht also; denn: Das Sommerkleid der ältern Vögel ist noch weit prachtvoller als das beschriebene, Der Kops hat eine ganz andere, nunmehr völlig ausgebildete Zeichnung, so der Mantel, und die Rostfarbe ein ganz eigenes Feuer. Doch, wir wollen einen solchen recht alten Vogel in seinem herrlichen Hochzeitsgewande näher beschreiben. Der ganze Vordertheil des Gesichts, von der Schna- helwurzel bis ans Auge, Kinn und Kehle, der ganze Oberkopf und das Genick, in einem schmalen Streife auf dem Hinterhalse bis zur meist schwarzen Halswurzel hinablaufend, ist sammetartig braunschwarz, der Mittelscheitel am dunkelsten; das Auge steht (ober- wärts) in einem rein weißen Felde, das sich über die Schläfe und einen großen Theil der Wangen verbreitet und hinterwärts schmal XII.Ordn. l-,X, Gatt. 237. Plattschn. Wassertreter. neben dem dunkeln Nackenstreif hinabsieht; die Halswurzel, der Oberrücken und die Schultern braunschwarz oder auch tiesschwarz, mit breiten weißgelben und hellocherfarbigen, roströthlich gemischten Federkanten, die an den Seiten der Federn am breitesten sind und am Ende spitz auskaufen, weshalb diese Theile im Ganzen schwarz und ochergelb in die Lange gestreift erscheinen; der Unterrücken schwarzgrau, an den Federcnden am dunkelsten; der Bürzel schön rostfarbig, in der Mitte dunkelrostgelb mit lanzettförmigen oder ganz schmalen schwarzen Schaftflecken; die Oberschwanzdeckfedern schwarz, theils rostgelb, theils rostfarbig gekantet. An der Gurgel und den Halsseiten, dem Kröpfe, der Brust nebst den Tragefedern, dem Bauche, den Schenkeln und den langen Unterschwanzdeckfedern herrscht fast gleichmäßig, nur an den letzten Theilen etwas schwächer, bloß Eine Farbe, eine herrliche lebhafte Nostsarbe, fast Nostroth, von einem besondern Feuer, ein wenig in Kupferrot!) spielend. Der Flügelrand und ein Theil der kleinen Flügeldeckfedern sind schwarzgrau, die übrigen schieferfarbig mit schneeweißen Endsäumen, die größte Reihe mit sehr großen weißen Enden; die Schwingfedem dritter Ordnung matt braunschwarz mit weißen Käntchen; das Uibrige der Flügel, nebst dem Schwanz, wie schon beschrieben. Offenbar sind die plattschnäbligen Wassertreter von der cben- beschriebenen herrlichen Färbung die ältesten ihrer Art, was schon aus ihrem ungleich seltnem Vorkommen hervorgeht, und nicht allein Weibchen, sondern auch Männchen bekommen sie nach einigen' Jahren, und die Geschlechter unterscheiden sich bloß in der Größe ein Wenig, ebenso wie in den vorher beschriebenen Farbenkleidern. Da man früher alle diese Veränderungen nicht kannte und eine Doppelmauser nicht ahndete, so konnten die Beschreibungen dieser Vögel in früheren Werken auch nicht anders als sehr mangelhaft und zugleich außerordentlich verschieden sein. Aufenthalt. Auch dieser Wassertreter ist ein Bewohner des hohen Nordens und scheint sogar noch höher nach dem Nordpol hinaufzugehen als die vorher beschriebene Art. Er kömmt in Europa, Asien und Amerika vor, im erstem jedoch am wenigsten zahlreich, auf Island nur in einzelnen Paaren oder allenfalls und in wenigen Gegenden in kleinen Flügen, und viel seltner als der schmalschnäblige Wassertreter, nur erst in Grönland häufiger. Das obere Canada 264 Xlk.Ordn. L-X Gatt. 237. Plattschn. Wassertreter. mit seinen tiefen Seebuchten, namentlich die Inseln und Halbinseln des Eismeeres zwischen Amerika und Asien, dann das ganze obere Sibirien sind sein wahres Vaterland, wo er strichweise gemein ist, im Winter sich südlicher herab begiebt und dann an den großem Gewässern des Landes, z. B. am Caspischen-, dem Aral- und Baikal-See, in der neuen Welt am Obern- und dem Huronen-See häufig vorkommt und einzeln noch tiefer herab- geht, z. B. auf den Erie-See und an die Gewässer Persiens. In unserm Erdtheile kömmt er nur einzeln bis ins obere Schott- land, viel seltner noch tiefer herab» ist daher an den Küsten des Festlandes vom mittlern Europa schon eine sehr seltene Erscheinung, noch mehr an denen Norddeutschlands. Es geschieht jedoch, daß Einzelne sich selbst bis an die Landseen der Schweiz und nach Italien verirren, und sogar in Griechenland will man ihn schon angetroffen haben. Mir ist kein Beispiel bekannt, daß er in der Mitte von Deutschland erlegt worden wäre. Er scheint Zugvogel zu sein und im Winter die hochnordischen Gegenden mit mildern zu vertauschen, obwol er einen tiefen Grad von Kälte ertragen kann und von Seefahrern, sogar in Flügen, zwischen Eisbergen und Treibeise auf dem Meere angetroffen worden ist. Er hält sich den größten Theil des Jahres an oder auf dem Meere auf, darf daher ein Seevogel heißen, obwol er in der Fortpflanzungszeit sich an die nicht salzigen Gewässer begiebt, und so lange diese dauert, nicht an die See kömmt, doch aber meistens nur solche dazu wählt, welche vom Seestrande nicht gar zu entfernt sind, und sobald jene vorüber ist, sich wieder aufs Meer begiebt. Da er sich. noch viel seltner nach Deutschland verirrt als die vorherige Art, so gehört er hier unter die allergrößten Seltenheiten. Eigenschaften. Ein gar lieblicher Vogel, jedoch weniger schlank und zart ge- bauet, als der schmalschnäblige Wassertreter, dafür aber auch mit schönern Farben geschmückt, gleicht er in seinen Stellungen und Bewegungen am Ufer ganz einem Strandläufer. Oft steht er mit ganz eingezogenem Halse und etwas aufgeblähetem Gefieder, die Brust noch etwas unter die Horizontallinie gesenkt, lange an einer Stelle und sieht dann besonders groß aus. Geht er, so geschieht es in zierlichen Schritten und behende, nicht selten auch XII. Ordn. n Gatt. 237. Plattschi,. Wassertreter. 265 schnell laufend. Er schwimmt aber noch lieber als der Vorhergehende, und viel mehr als er läuft. Dieses Schwimmen geschieht eben wie bei jenem mit Leichtigkeit und Keckheit, unter beständigem Kopfnicken und den Körper nur wenig unter die Wasserfläche eingetaucht. Zwischen jene schwimmend unterscheidet er sich schon von Weitem an der etwas großem und dickern Gestalt. Im Fluge ähnelt er ebenfalls den Strandläufern, doch soll dieser weniger schnell von Statten gehen als bei dem schmalschnäb- ligen Wassertreter. Da er ebenfalls gar nicht scheu ist, so sind Fahrzeuge auf dem Meere oft kleinen herumrudernden Flügen ganz nahe gekommen, und wenn man sie aufscheuchte, flogen sie nicht weit oder kehrten gar an die erste Stelle zurück. So sollen sie zuweilen, ohne Störung, plötzlich auffliegen, einen Kreis beschreiben und an den erstem Platz sich wieder aufs Wasser niederlassen, welches unter einigem Flattern und leiser geschiehet, als bei wirklichen Schwimmvögeln. Ost sind sie viele Meilen vom Lande entfernt auf dem wogenden Meere, ohne Wind unV Wetter zu scheuen, kühn über die bewegten Wellen dahinrudernd. Sie scheinen noch geselliger zu sein, als die erste Art, da man sie in größcrn Flügen beisammen antrifft, mischen sich auch, zumal einzelne oder auch Päärchen, gern unter Flüge von jener und halten sich zu diesen, selbst nicht selten zu Strandläufervereinen, bis sie Gelegenheit finden, sich wieder zu ihres Gleichen zu schlagen. Ganz einsam findet man daher selten einen. Ihre Stimme, die sie besonders im Fluge hören lassen, bezeichnet Faber mit der Sylbe ihm — ihm, etwas lang gezogen und zärtlich klingend; auch sollen sie, wenn sie erschreckt werden, im Ausstiegen ein schnelles Vik-a Vik-a ausstoßen. Beide sollen so sehr von der der kleinern Art abweichen, daß sie augenblicklich daran zu unterscheiden wären, wenn man die Vögel auch nicht so genau erkennen könnte oder sie vielleicht bloß hörte. Nahrung. Weil sich dieser Vogel noch mehr auf dem Meere aufhält, überhaupt auch häufiger schwimmt, als der Vorhergehende, so ist es wahrscheinlich, daß er mehr von kleinem Seegewürm als von Insekten und deren Brüt lebt, obgleich er dergleichen auch oft am Scestrande und am Rande süßer Gewässer aufsucht. Er wagt sich oft mehrere Meilen vom Lande auf das offene Meer, namentlich 266 XU. Ordn. H Gatt. 237. Plattschn. Wassertreter. auf solche Stellen, wo Seegräser oben schwimmen, von welchen er die daransitzcnden kleinen Geschöpfe emsig abliest oder auch sonst, was ihm auf der Wasserfläche zuschwimmt, wegfängt. An den Leichen, Landseen oder Müßen nährt er sich häufig von Mückenlarven und Mücken, Hasten, Schnaken uud ähnlichen kleinen weichen Insekten. An den Ufern läuft er suchend, wie ein Strandläufer, immer dem Wasserrande folgend, nimmt alle Augenblicke Etwas vom nassen Boden auf und fängt auch solche Insekten, welche dort an Steinen oder niedrigen Pflanzen sitzen. Er badet nicht selten hinter solche her, welche sich aufs Wasser flüchten, oder verfolgt sie schwimmend auf dem Tiefen. Hier taucht er aber darnach nie mit dem Leibe unter, sondern begnügt sich mit solchen, welche sein Schnabel mit dem halb eingetauchten Kopfe erlangen kann, wenn sie nicht ganz oben schwimmen. Fortpflanzung. Auf Island, wo er nur an der südwestlichen Seite auf einer kleinen Strecke brütet, erscheint er im Juni, und sucht seine Brü- teplätze nicht sehr weit vom Meere entfernt an süßen Teichen oder andern Gewässern, wie die kleinere Art, aber immer näher an der See. Sonderbarerweise traf 8»dine, bei seiner Fahrt im Eismeere, noch am lOten Juni einen Flug dieser Wassertreter auf offener See zwischen Eisbergen 4 Meilen vom nächsten Lande entfernt an, welche sich noch nicht gepaart zu haben schienen. Ihre Brüteplätze mochten noch nicht so nahe liegen, ob es gleich unter dem 68ten Grade n. Breite war. Die Päärchen halten sehr treu an einander und betragen sich am Nistorte überhaupt ganz wie die schmalschnäbli- gen Wassertreter. Sie sind dort ungemein zahm, verfertigen ihr Nest auf gleiche Weise und an ähnliche Orte, und legen auch ebenso gestaltete und gefärbte Eier, welche aber um ein Bedeutendes größer und dicker sind, fast so groß wie die von Irinx» alpin». Sie legen ebenfalls nur 4 Eier in ein Nest, lieben, erziehen und beschützen die Jungen, welche bald gut laufen und im Grase sich verstecken lernen, auf ähnliche Weise, und begeben sich mit ihnen ebenfalls nicht früher auf das Meer, bis jene völlig erwachsen und flugbar geworden sind. Faber fand die aus dem Neste entlaufenen zarten Jungen am 9ten Juli. Xll.Ordn. H Gatt. 237. Plattschn. Wassertreter. 267 Feinde. Vermuthlich haben sie dieselben Widersacher mit andern kleinen Strandvögeln gemein. Man hat keine Nachrichten darüber. Jagd. Sie sind mit Schießgewehr leicht zu erlegen, weil sie, zutraulich und gar nicht furchtsam, die Annäherung des Schützen gar nicht beachten. Haben sie sich gepaart, so sind beide Gatten, die sich immer nahe beisammen halten, leicht mit einem Schuße niederzustrecken. Auch in größer» Vereinen sind sie wenig vorsichtiger. Nutzen. Ihr Fleisch wird als zart und wohlschmeckend gerühmt. Schaden. Dem Menschen werden sie auf keine Weise nachtheilig. Anmerkung. Ueber die Lebensweise dieser Akt hab« ich im Vorliegenden, aus Mangel ebener Beobachtungen, bloß soviel mittheilen können, alt ich von dem Vorgefundene» anderer Beobachter für gut hielt. Obgleich ich in vielen Sammlungen eine Menge dieser Vogel zu untersuche» Gelegenheit hatte, und daher den außerordentliche» Farbenwechsel durchaus nach eigener Ansicht aufzeichnen und ,u den Darstellungen die nöthigen Abbildungen entwerfen konnt«, wozu mir da» Berliner Museum, Dank sei es ihm, abermals sehr behülflich war; so hat es mir doch nie gelingen wollen, auf meinen Reisen irgendwo «inen Vogel diese« Art lebend zu sehen oder im freien Zustande beobachten zu können. Ein und sechzigste Gattung. Sumpfläufer. Schnabel: Länger als der Kopf, bis zur Spitze weich und biegsam, vom Grunde aus gerade, dann etwas aufgeschwungen und gegen die Spitze wieder sanft abwärts gebogen, an der Wurzel hoch, viel höher als breit, übrigens bis zur glatten Spitze von oben und unten plattgedrückt und breiter als hoch; die Mundkanten aufge- trieben, wodurch jederseits am Ober- und Unterschnabel eine tiefe Seitenfurche entsteht, die bis in die Spitze vorgeht. Eine dreieckige nackte Haut füllt den Raum zwischen den Gabeln an der Wurzel der Unterkinnlade aus. Nasenlöcher: Klein, eirund, nahe am Schnabelgrunde, seitlich, in einer weichen Haut, die sich um dieselben als ein kleines Rändchen erhebt, vorn aber, dicht über der Mundkantensurche und parallel mit ihr, als eine sehr feine Rinne der Länge nach bis nahe an die Schnabelspitze vorgeht. Füße: Nicht hoch, etwas stämmig, weich, über der Ferse ein gutes Theil nackt; die drei Vorderzehen ohne Spannhaut, oder zwischen der äußern und mittlern ein sehr schwaches Ansätzchen von einer solchen, das kaum zu bemerken ist, alle aber mit so plattgedrückten Sohlen, daß ihre Ränder merklich vorstehen; die Hinter- zeh klein, sehr schwach, etwas hoch über den Zehenballen eingelenkt und nicht länger, als daß sie nur eben mit der Spitze ihrer Kralle den Boden berührt; die Krallen wenig krumm, dünn und sehr spitz. Flügel: Mittellang, ziemlich spitz, ihr Hinterrand mondför- mig ausgeschnitten, die Hintere Flügelspitze aber nicht lang; die erste XII. Ordn. L.XI. Gatt. Sumpfläufer. 289 und zweite der großen Schwingfedern fast von gleicher Länge und die längsten von allen; vor ihnen steht noch ein kleines, äußerst schmales, spitzes und starres Federchen, wie eine verkümmerte Schwingseder. Schwanz: Kurz, zwölffederig, die Mittelfedern etwas länger als die übrigen, welche ziemlich von einerlei Länge sind; das gerade Schwanzende bekömmt dadurch in der Mitte eine etwas vorstehende Spitze. Das kleine Gefieder ist weich, gut geschlossen, an den untern Theilen etwas lang, wie bei Strandläufern. Die Sumpfläufer sind kleine Vogel und bilden eine Mittelgattung zwischen IrinK» und 8volvj>»x, weil sie mit der einen so nahe wie mit der andern verwandt und beiden an Gestalt und Lebensweise gleich ähnlich sind, weshalb man sie früher bald zu zu dieser, bald zu jener, sogar zur Gattung Brachvogel (Numv- uius) zahlte, mit welcher sie gar nichts als die Krümmung des Schnabels gemein haben. Sie schließen sich vorzüglich den Sumpfschnepfen (Unterabtheilung in der Gattung: Schnepfe) an. Äußer der einheimischen Art, könnte man vielleicht noch 8volvpux vurvi- rostrn, des Berliner Museums, aus Alontvviäoa, zu dieser Gattung zählen, deren Schnabel, obgleich seine Krümmung der Spitze noch näher liegt, sonst dem unsrerer Art ganz ähnlich ist. In Färbung und Zeichnung des Gefieders stehen sie den Sumpfschnepfen sehr nahe, und das Winterkleid ist vom Sommerklcide, so wie das Jugendkleid von beiden fast gar nicht verschieden, es ist sogar noch nicht erwiesen, oö bei ihnen eine vollständige Doppelmauser Statt findet. Auch ist zwischen Männchen und Weibchen kaum ein äußerer Unterschied bemerkbar. Sie bewohnen im Sommer nur nördliche Gegenden, wandern aber im Winter von da tief nach Süden hinab, sind wahre Sumpfvogel und lieben freie Ufer nicht, weshalb sie an Flüssen selten und an der See noch seltner vorkommen, hauptsächlich aber stehende Gewässer mit schlammigem Boden aufsuchen. Sie wandern einsam oder paarweise, seltner in Familien, aber nie in Schaaren. In ihren Sitten ähneln sie theils den Strandlä ufern, theils den ^ Schnepfen, suchen ihren Feinden bald lausend auszuweichen, eben so oft aber auch sich vor ihnen still niederzudrücken; sind zwar halbe Nachtvögel, suchen jedoch auch ihre Nahrung, die aus Insekten, 270 XU. Ordn. L.XI. Gatt. Sumpfläufer. deren Larven und kleinem Gewürm besteht, auch am Lage auf und gebrauchen dabei ihren bis an die Spitze weichen und mit Nerven versehenen Schnabel als Tastwerkzeug, um damit jene im weichen Schlamme aufzufinden. — Won ihrer Fortpflanzung ist nichts bekannt. — Sie sind leicht zu schießen und haben ein meist fettes, sehr zartes, wohlschmeckendes Fleisch. „Die Gattung IHoola, wenn man die in mehreren Individuen von mir untersuchte l'rmgL lemin. mir Koch zu solcher erheben will, unterscheidet sich durch die äußerlich bemerkbaren Verhältnisse des flachgedrückten Schnabels, durch den plötzlich sehr verschmälerten Kinnwinkel, die breitere Zunge, den geraden, langen absteigenden Hintern Fortsatz der Unterkieferäste, und durch die bedeutende Stärke der Muskeln des untern Kehlkofs, sonst aber, wie es scheint, anatomisch weiter nicht von den Strandläufern. (Nitsch.)" » In Deutschland haben wir aus dieser Gattung nur Eine Art. . ^ __„ ^ '^S M. -- / »7// /?////< !> I .» I ( 0 1.^ >>)'>,;-> ri'.r n,Ur> / vVjl7.^1-1. .*>«»t,i rri t!,'^1 MWj M« ! MlM- 238 . Der kleine Snmpfläufer. -V - t Fig. 1. Altes Männchen im Sommenkleide. 2^ 207- j Fig. 2 . Jugendkleid. » Schncpftnstrandläufer; Bekassinensandläufer; Bastardbekassine; Lerchenschncpfe; Zwergschnepse; Zwergbrachvogel; kleinster Brachvogel. T-rmico/a pi/^mao«. Koch, Baier. Zool. I E. 316. u. 197. ----- TVrug'a s glst, rl-iugue) 2-owmiuoIc, m»ll. »vuv. i'ilir. II. p. 616. ----- Vrth m, Beiträge. III. S. 224. ----- Dessen Lehrb. II. S. 565. ---- Dessen Naturg. »- B. Drukschl. S. 659. Glvger, schles. Fauna. S. 46. u. 194. --- Land deck, Aög. WürtembergS. S. 64. 226. — Just, Beobachtungen. S. 25. ---- (6»inl»r«u:I>ln-truII'itto). 8avl, Oru. tosoaiia. II. p. 291. ----- IVurtteurur I,sti,. Ing. ,,. 71 Z. II. 11. Bcchstein, orn. Taschenb. II. S. 277. obwol »ue die beigefügte Abbildung. ----- Wolf und Meyer, Taschenb. S. 359. ----- Meii- "cr „nd Schinz, Nög.d. Schweiz. S. 264. u. 195. ----- Le ckc 6o«r7». 8ou- "iui eüit. cko «ullaa Dir. XXII. x. 245. — <7«^c«-. 1-akb. V. x. 1^7. — Uibers. v. Wechsle in. III. 1 . S. 191- «- 19. ---- Äs,Utc Ruig. Nachträge. S. 73. Taf. X. Fig, 22. Anmerk. Unter den Synonymen führt man auch 8m«I. >.>«». 8x«t. I. 2. >>. 655. u. 26. an, doch zeigt dar ,»vr»pxgiuu> »ikum« in der kur- Beschreibung wol zur Genüge, daß unsere Art dort nicht gemeint sei. Kennzeichen der Art. Der Oberschnabel ist sehr plattgedrückt, der Unterschnabel sehr stach gewölbt, inwendig ziemlich weit und hohl; die mittlern Schwanzfedern etwas länger als die übrigen gleichlangen. 272 XII. Ordn. I^XI. Gatt. 238. Kleiner Sumpfläufer. Beschreibung. Unser kleine Sumpfläufer ist häufig verkannt worden, was indessen nur dem ungeübten flüchtigen Beschauer begegnen kann. Trotz einer oberflächlichen Aehnlichkeit mit den kleinen krumm- schnäbligen Strandläusern, namentlich mit IHu^n sukar- yuatrr, ulffmu und H 8«lüuLii, in ihren Jugendkleidern, unterscheidet er sich doch leicht an dem äußerst weichen, stets sehr plattgedrückten und ganz anders gestalteten Schnabel, an den viel niedrigern Füßen, und an dem stets viel dunklern Oberkopf, dessen Färbung, nebst der des Mantels, ihn eine nicht geringe Aehnlichkeit mit 8volopax Sullillulu verschafft, welcher er aber wieder in der Größe bedeutend nachsteht. Genauer betrachtet finden sich überhaupt der Abweichungen von den eben genannten (als den ähnlichsten) Arten so viele an ihm, daß er nicht mehr verkannt oder verwechselt werden kann, welches zumal dem nicht begegnen kann, der ihn im frischen Zustande, nicht ausgestopft (wo natürlich durch das Austrocknen manche nicht unwichtige Veränderungen vorgehen), wenn auch nur ein Mal, genauer beschauet hat. Die Körpergröße steht ohngefähr 'zwischen der einer Haide- und einer Feldlerche (^laullu »rkorou und »rvcnsis), doch ist die Brust etwas stärker; die doppelte Länge des Schnabels und der Füße, so wie die doppelte Kürze des Schwanzes bedingen dagegen eine ganz andere Gestalt, die wieder zwischen der eines Strandläufers und der einer Schnepfe in der Mitte liegt. Seine Länge ist 6 bis höchstens 6^ Zoll; seine Breite 13^, selten bis gegen 14 Zoll; die Länge des Flügels vom Handgelenke bis zur Spitze Zoll; zuweilen wol noch ein wenig darüber, oder auch darunter; die Länge des Schwanzes 1^ bis 1^ Zoll, und die ruhenden Flügel reichen mit den Spitzen etwas über sein Ende hinaus. Die Beschaffenheit des Gefieders ist wie bei den Strandläufern, ebenso die Gestalt des Flügels, dessen Schwingfedcrn erster Ordnung von der Mitte an nach und nach schmäler werden und in ein spitz zugerundrtes Ende auskaufen, während sich dies an den Hintern schräg macht; die der zweiten Ordnung aber viel kürzer als jene, fast gleichbreit, mit schrägen, aber nach hinten verlängerten, etwas ausgeschweiften Enden, und schwächer», etwas hinterwärts gebogenen Schäften; die der dritten Ordnung, lanzettförmig mit stumpfzugespitztem Ende, und so verlängert, daß sie eine Hintere XII. Ordn. I^XI. Gatt. 238. Kleiner Sumpfläufer. 273 Flügelspitze bilden, deren längste Feder am ruhenden Flügel bis an das Ende der 4ten oder 5ten Feder reicht; der Hinterland des ausgebreiteten Flügels erscheint daher stark mondförmig ausgeschnitten, die dadurch entstehende Hintere Flügelspitze aber nicht so lang, als bei den meisten Strandläufern. Vor der ersten großen Schwing- feder, der längsten von allen, aber kaum langer als die zweite oder gar nur von gleicher Länge mit ihr, steht noch ein kleines, straffes, sehr schmales und äußerst spitziges Federchen, einer verkümmerten Schwingfeder ähnlich. Von den 12 ziemlich breiten Federn des Schwanzes sind die beiden mittelsten etwas länger als die übrigen und zugespitzt, zuweilen auch das nächste Paar noch so; die übrigen fast von gleicher Länge, die nach außen jedoch meistens um ein Geringes langer, so daß das Schwanzende, die vorstehende Spitze in der Mitte unbeachtet, doch keine ganz gerade, sondern eine schwach ausgeschweifte Linie bildet, die aber so wenig von jener abweicht, daß man die zu beiden Seiten der Mttelspitze liegenden flachen Ausschnitte leicht übersehen kann. Der Schnabel ist im frischen Zustande ungemein weich, nur die äußerste Spitze hornartig hart, und die weiche Haut zeigt an der Wurzel einige Luerrunzeln. Er hat dabei eine sehr merkwürdige Gestalt, die sich fast nur am frischen oder lebenden Vogel ganz richtig erkennen läßt. Er ist länger als der Kopf, nicht sehr schwach, aber schlank, von der Seite gesehen an der Wurzel etwas dick oder hoch, die Firste sich jedoch bald senkend, dann gerade fortlaufend, vor der Spitze kaum merklich aufschwingend und gegen sie endlich sanft herabsenkend, wodurch kurz vor der Spitze, die am obern Schnabel eine Linie länger als am untern ist, nur eine schwache Biegung nach unten gebildet wird, der Kiel dagegen fast ganz gerade, nur vor der Spitze, mit der obern Krümmung parallel, sanft herabgebogen. Von oben gesehen ist er von der Wurzel bis über die Mitte gleichbreit, wird dann allmählig schmaler und endigt nun ziemlich schnell in die wenig scharfe Spitze. Seine Firste ist sehr niedergedrückt oder abgeplattet, behält jedoch eine schwache Rundung, der Unterschnabel sieht dagegen noch breiter aus, ist ganz flach gerundet, und die Hintere Gabelspalte geht als eine tiefe Linie auf dem Kiel bis in die Schnabelmitte vor. Die Mundkanten sind an beiden Schnabclhälften, zumal hinterwärts, stark aufgetriebcn, durch r>ne Langefurche deutlicher gezeichnet, welche bis zur Mitte der Schnabellänge parallel mit der Kante läuft, dann sich ihr nach und 8. Theil. 18 274 XII.Ordn. QXI. Galt. 238. Kleiner Sumpfläufer. nach nähert und nahe an der Spitze erst gänzlich aufhört, am Um tcrschnabel aber weniger deutlich ist. Eine andere Längefurche kömmt aus der mit weicher Haut bedeckten Nasenhöhle und geht ebenfalls bis dicht an die Spitze vor, wo sie in die erste Furche verläuft, an manchen Individuen dies auch früher schon thut. Diese zweite Furche macht, daß die abgeplattete Firste wie ein abgesonderter Theil aussieht. Inwendig ist der Oberschnabel wenig ausgehöhlt, nur die Mitte entlang vertieft, am Gaumen mit zwei Reihen kurzer Jäckchen besetzt; der Unterschnabel bildet dagegen eine einzige, ununterbrochene weite Höhlung, in welcher die lange, ziemlich breite, zugespitzte und etwas hohle Zunge liegt. Der ganze Schnabel ist, sir Linie auf oder ab, 1?/, Zoll lang, an der Wurzel über 3 Linien, in der Mitte aber kaum Ich/?, Linien hoch; dort 2 Linien, von der Mitte an, fast gleichförmig bis nahe der Spitze, nur 1^/2 Linien breit. Das langeiförmige Nasenloch öffnet sich in seiner weichen Hautumgebung nahe am Schnabelgrunde, und hat ein etwas aufgetriebenes Rändchen. Der Theil dör Haut, welcher zwischen den beiden Gabeltheilen der Unterkinnlade ausgespannt ist und meistens „Kinn" heißt, ist nackt, grauröthlich gefärbt, wie der ihr nächste Theil des Schnabels selbst, dieser am Uibrigen in ein dunkleres Röthlichgrau und spitzewärts, nach und nach dunkler werdend, in Schwarz übergehend. Im trocknen Zustande wird der ganze Schnabel schwarz, an der Wurzel unten und an der Kinnhaut röthlichbraun durchscheinend. Das Auge ist nicht groß, hat einen tiefbraunen Stern und weißbesiederte Augenlider. Es steht vom Schnabel etwas entfernt, auch etwas höher als bei St randlä ufern, weil auch die Stirn sich etwas steiler erhebt, doch lange nicht so hoch als bei Schnepfen. So wie die Gestalt der Stirne und die Stellung des Auges zwischen denen der obengenannten Gattungen das Mittel halten, so auch die Füße ihrer Höhe und sonstigen Gestaltung nach. Sie sind sehr weich, wenig hoch, etwas stämmig, haben ziemlich starke Gelenke und mittellange Zehen, denen die Spannhäute fehlen, von welche? sich im frischen Zustande keine Spuren entdecken lassen, aber getrocknet schwache Ansätzchen zeigen, die mehr wie eine fortlaufende Verbindung der etwas vorstehenden Ränder der plattgedrückten Zehensohlen aussehen, während auch diese frisch weniger bemerklich werden. Die nicht ganz kurze, schwächliche und sehr dünne Hinter- zeh sitzt etwas nach innen und so hoch über dem gemeinschaftlichen Ballen der Vorderzehen, daß sie stehenden Fußes nur mit der Spitzt XII.Ordn. L.XI. Gatt- 238. Kleiner Sumpfläufer. 275 den Boden berührt. Der weiche Uiberzug der nackten Fußtheile hat sehr seichte Einschnitte oder Eindrücke, die auf dem Rücken des Lau» fes und der Zehen etwas größere, sonst nur kleinere Schilderreihen bilden, übrigens gezittert und dies äußerst fein an dsn Zehensohlen sind. Die Krallen sind klein und schwächlich, schmal, flach gebogen, sehr spitz, unten zweischneidig, die der Mittelzeh auf der Innenseite mit starker vorstehender Schneide. Der Unterschenkel ist 6 Linien über der Ferse hinauf nackt; der Lauf mißt 1 Zoll bis 1 Zoll 1 Linie; die Mittelzeh, mit der 1^ Linien langen Kralle, 10 Linien; die Hinterzeh, nebst der nicht über 1 Linie langen Kralle, 3 Linien. Die Farbe der Füße ist ein dunkles Graugrün oder bei. nahe Grünlichschwarz, bei jungen Vögeln stets lichter als bei alten, die der Krallen schwarz. An ausgestopften werden die ganzen Beine matt schwarz. Farbe und Zeichnung des Gefieders hat auf den ersten Blick viele Ähnlichkeit mit denen der kleinen Sumpfschnepfe, 8oo- lopux OnIIilluls, 1^. Am alten Vogel in seinem Frühlingsschmucke ist der Zügel stark gezeichnet, braun, schwarz getüpfelt; ein Streif über demselben, von der Stirn bis über das Auge und in die Schläfegegend trübe weiß, mehr oder weniger braunröthlich überlaufen, auch wol in der Nähe der Schnabelwurzel schwarzbraun bespritzt; die Mitte der Stirn braunschwarz, mit feinen weißbräunlichen Federnsäumen; der ganze Oberkopf mit dem Genick tief braunschwarz, jederseits mit einem rostgelblich- oder rost- röthlichweißen Längestreif, nahe über dem Augenstreif und mit ihm Parallel, bis auf das Genick hingehend, die zwischen den beiden hellen Kopfstreifen hier befindlichen Federn mit einigen blaßrostfarbigen Seitenkanten; der Hinterhals und ein Theil der Halsseiten roströthlichweiß, mit schwarzbraunen Schaftflecken, und die zerschlissenen Federkanten geben scheinbar diesen Theilen eine weißgraue Beimischung; die Kehle ist schmutzigweiß, an den beiden Seiten braun bespritzt; die Wangen vorn roströthlichweiß, dunkelbraun getüpfelt, hinterwärts lichtbraun und an den Ohren dunkelbraun gesteckt und rostfarbig gemischt; Gurgel und Kropfgegend weiß, mit rostfarbiger Mischung und dunkel- oder schwarzbraun gefleckt; genauer besehen ist aber jede Feder an der Endhälfte rostfarbig mit an der Gurgel rundlichem, am Kröpfe in die Breite gezogenem schwarzbraunen Schaftfleck und breiter weißer Endkante, wodurch die Flecke ziemlich verdeckt werden und nur bei verschobenem Gefieder ihre wahre Gestalt zeigen. Die weißen Federn an den Seiten 18' 276 X!l- Ordn. L.XI. Gatt. 238. Kleiner Sumpfläufer. der Brust haben vor der breiten Endkante einen schwarzbraunen Mondfleck, dem sich hie und da nach oben auch etwas Rostfarbe anschließt; die Mitte der Brust und des Bauches, so wie der untern Schwanzdecke rein weiß, die Seiten der beiden letzten mit einzeln matt braunschwarzen Pfeilflecken; die weißen Schenkel nach unten oft braun gefleckt. Die Oberrücken- und Schulterfedern sind schwarz, mit rostgelben, rostfarbigen und, bald an den Seiten, bald an den Enden der Federn, graulichweißen, ziemlich breiten, vom Grunde scharf getrennten, häufig zerschlissenen Kanten, welche am lebenden Vogel, und wenn sie ganz in ihrer Ordnung liegen, zwischen Rücken und Schultern einen schmalen gelbweißen Längestreif, auch am Rande der letztem über den Flügel entlang einen, jedoch weniger deutlich gezeichneten, weißen Streif bilden, die im Tode oder schlecht ausgestopft sich leicht verschieben und unkenntlich werden. Der Unterrücken ist braunschwarz, mit rostfarbigen Kanten; die Federn der Mitte des Bürzels und der Oberschwanzdecke schwarz, schmal rostfarbig gekantet, die zu beiden Seiten lichter, mit etwas breiten weißen Kanten, oder weiß mit herzförmigen, schwarzen Schaftflecken; die beiden Mittelfedern des Schwanzes schwarz, mit rostfarbigen Kanten; die übrigen Schwanzfedern dunkelaschgrau, etwas ins Bräunliche ziehend, mit weißen Säumen. Die kleinen Flügeldeckfedern sind dunkelbraungrau, etwas lichter gesäumt, die übrigen braungrau, in der Mitte längs dem schwarzen Schafte am dunkelsten, alle schmutzig oder gelblichweiß gekantet, die größten am Ende am weißesten; die langen Hintern Schwingfedern braunschwarz, dun- kelrostgelb oder rostfarbig gekantet; die der zweiten Ordnung matt schwarzbraun, auf den innern Fahnen wurzelwärts aus Grau in Weiß übergehend mit weißen Schäften und schmalen weißen Endkantchen; die der ersten Ordnung, von welchen die kürzern nach hinten seine weiße Endsäume, alle aber weiße Schäfte haben, sind braunschwarz, doch etwas fahl; die kleine verkümmerte Schwingfeder schwarz, mit hellweißem Außenrande und Spitze; die Fittigdeckfedern wie die Daumenfedern schwarz, mit einer großen hellwcißen Spitze in Spatelgestalt, nur die längern von jenen bloß mit weißen Endsaumchen. Auf der untern Seite des Flügels sind die Deckfedern weiß, am Flügelrande grau gefleckt, die Schwingfedern unten glänzend grau, mit weißen Schäften, und die nach hinten zu mit silberweißem Scitensaum; der Schwanz von unten hellgrau, die weißen Schäfte und Säumchen sehr bemerklich. Dies ist die Färbung aller Frühlingsvögel dieser Art mit sehr XU. Ordn. l-XI. Gatt. 238. Kleiner Sumpfläufer. 277 geringer, völlig bedeutungsloser Abweichung, wenn man Männchen vor sich hat, wo sich bei den ältesten nur zuweilen zwischen den obenbeschriebenen Deckfedern hin und wieder eine neue, schwarze, schön rostfarbig gesäumte vorfindet, die auf eine Frühlingsmauscr hindeutet, wie denn auch die Frische des übrigen kleinen Gefieders so etwas mit großer Wahrscheinlichkeit vermuthen laßt. Beide Geschlechter unterscheiden sich äußerlich so wenig, daß man das Weibchen von dem gleich großen Männchen ohne anatomische Hülfe nicht mit Sicherheit unterscheiden kann, obwol es meistens etwas weniger reine Rostfarbe,, als vielmehr Rostgelb an den Federkanten hat. Im Sommer ist das Aussehen nicht mehr so schön, die Schwingfedern sind fahler geworden, die Ränder des kleinen Gefieders sind sehr abgescheuert und ihre Farbe bleicher geworden, die Flecke am Nord er halse und dem Kröpft deutlicher hervorgetreten, weil die sonst meist deckenden weißen Ränder sich abgerieben haben. Dies Alles wird an solchen Individuen, welche in wärmeren Klimate» lebten, noch viel auffallender, wie ein Paar solcher Som- mervögel, in Bengalen erlegt und im Besitze des Berliner Museums, sehr deutlich zeigen, daß solche auf diese Weise wol genugsam von den bei uns im Sommer erlegten abweichen, aber in den Grundtypen keineswegs von den unsrigen verschieden sind, wie es denn von andern Vögeln längst bekannt ist, daß zwischen Individuen, welche den Sommer unter einem nördlichen, und andern., welche ihn unter einem sehr südlichen Himmelsstriche zubrachten, obgleich zu einer und derselben Art gehörig, eine große Verschiedenheit im Aeußern entstehen kann, weil eine erhöhete Temperatur und Sonnenwärme nicht allein die Farben in kürzerer Zeit abbleicht, sondern auch das Gefieder mehr austrocknet, so daß es spröder wird und sich leichter oder starker verstößt und abnutzt. Das Winterkleid scheint eben so gefärbt und gezeichnet zu sein, wie das Sommerkleid. Vielleicht ist es eben deshalb bisher übersehen worden; denn man findet es nirgends beschrieben, wenigstens möchte das von Brehm sa. a. O.) beschriebene schwerlich das wahrhafte sein. Zudem muß die Herbstmauser bei diesen Vögeln sehr spät beginnen, weil man bei allen im August auf dem Durchzuge geschossenen, von welchen ich mehrere untersuchte, noch nicht die mindeste Spur eines Federwechsels entdecken konnte. Wenn es, wie bei Strandläusern, an den obern Theilen grau wäre, so würden einzelne neue Federn um so leichter in die Augen fallen; 278 XII. Ordn. l^XI. Gatt. 238 Kleine Sumpfläufer. auch im Frühjahr müßten nicht selten Individuen vorkommen, wo sich noch Federn vom Winterkleide zwischen denen des neuen Frühlingskleides befänden, und sie würden, wären sie grau, zwischen den letztem einen zu grellen Abstich machen, als daß man sie bis auf unsere Zeit sollte übersehen haben. Ich selbst habe viele Früh- lingsvögel von dieser Art in den Händen gehabt, mehr als Som- mervögel und Zunge, aber keinen einzigen in der Mauser, oder solche, an welchen noch Spuren derselben vorhanden gewesen wären. Das Jugendkleid, welches sie bis zur ersten Mauser tragen, ist im Ganzen dem oben beschriebenen so ähnlich, daß es keiner speciellen Beschreibung bedarf, und wir nur die geringen Unterschiede, wodurch es sich besonders von dem Frühlingskleide der Alten auszeichnet, hier anzugeben brauchen. Zuvörderst unterscheiden sich die jungen Bögel von den Alten an den viel dickern Fersenge- lenken und dem vornherab mit einer Langefurche versehenen obern Theil des Laufes. Der Scheitel hat eine weniger tiefe Grundfarbe, und die Federn haben sehr seine, weißliche, meistens zerschlissene, Endsäumchen; die beiden gelblichweißen Längestreisen auf dem Mittelscheitel sind schwächer, kürzer und undeutlicher; der Ober- und Seitenhals ist mehr lichtgrau,- die Flecke undeutlicher und mehr streifenartig, auch die Kropfgegend klarer gefleckt und die Flecke länglichter; die Kanten an den schwarzen Rücken- und Schulterfedern sind mehr rostgelb, als rostfarbig, das ganze Gefieder an diesen Theilen lockerer und weniger geschlossen; die Flügeldeckfedern viel dunkler; die Hintern Schwungfedern dunkelrostgelb, nicht rostfarbig, gekantet, und die Seiten des rein weißen Unterkörpers fast ohne alle dunkele Flecke; die Farbe der Füße lichter und grünlicher, auch der Schnabel an der Wurzel röthlicher. — Beide Geschlechter sind in diesem Kleide äußerlich nicht zu unterscheiden. Aufenthalt. Der kleine Sumpflaufer bewohnt den Norden von Europa, Asien und Amerika, ist aber in unserm Erdtheile am wenigsten häufig und mehr östlich als nördlich zu suchen, daher in Skandinavien, Island, Großbritannien und weiter herab in Holland und Frankreich nicht bemerkt worden. Daß er in Asien bis Bengalen hinab geht, ist oben schon bemerkt, in Nordamerika fand man ihn ebenfalls bis in den südlichsten Theilen desselben. Wie weit er indessen in den Norden hinauf steige, ist XU. Ordn. QXI. Gatt. 238. Kleiner Sumpfläufer. 279 nicht bekannt; man darf aber mit vieler Wahrscheinlichkeit vermuthen, daß es damit gar so arg nicht sei, weil er viel tiefer nach Süden hinabgeht als nöthig zu sein scheint, und weil Wahrscheinlichkeit vorhanden ist, daß er gar nicht weit von uns, vielleicht wol gar in Deutschland niste. Wir kennen kein Land, in welchem er häufig sei; in den europäischen Ländern wird er wenigstens allenthalben, wo er vorkam, das indessen nur wenige Strecken sind, ein seltner Vogel genannt, so in der Schweiz und in Italien. In Ungarn ist er vermuthlich auch, doch wissen wir es nicht gewiß; dagegen fand man ihn durchwandernd in mehreren Gegenden Deutschlands, unter andern in Holstein in der Nähe der Nordsee an gewissen Orten mehrmals, obwol nicht alle Jahre, so in hiesiger Gegend, wo wir ihn an einem Feldteiche, in einem Bruche und an dem salzigen See im Mannsfeldischen mehrmals erlegten. Er bleibt jedoch auch für Anhalt eine seltene Erscheinung. Als Zugvogel zeigt er sich bei uns noch öfterer im Frühjahr, auf der Rückreise, in der letzten Hälfte des April und den Mai hindurch, als auf der Wegreise im August und September. Die meisten dieser Vögel, welche wir sahen und zum Theil selbst erlegten, waren daher Frühlingsvögel. Sie ziehen, wie andere Sumpfvogel, des Nachts, aber gewöhnlich einzeln, oder höchstens paarweise, sehr selten zu 3 bis 4 Stücken beisammen. In hiesigen Gegenden trafen wir sie nie anders als einzeln und bei weitem nicht alle Jahre auf dem Durchzuge an. Daß sie zuweilen in Gesellschaft der Alpenstrandläufer ihre Reise machen sollen, ist uns nicht wahrscheinlich, weil sie sich am Tage wol oft an gleichen Orten zeigen, aber sich nicht zu ihnen halten, und wenn sie zufällig unter sie gerathen, bald wieder loszumachen suchen. Secvogel ist er nicht; selbst an schlammigen Küsten, die von Strandläufern und andern Ufervögeln stets sehr häufig besucht sind, hat man ihn niemals angetroffen, wol aber, zuweilen ganz in der Nähe solcher, an schlammigen Süßwasserteichen, Pfützen und Morästen. Eben so ist uns kein Beispiel bekannt, daß er an einem Flußufer vorgekommen wäre. Den ersten Vogel dieser Art erlegte mein verstorbener Vater, vor vielen Jahren, an einem flachufrigen, freien Feldteiche, unsern von unserm Wohnorte, wo später noch einer vorkam; am Eisleber-See wurden von uns und Andern, obwol in einem langen Zeitraume, mehrere, so wie später auch einige in den Brüchern, in der Nähe des Ausflusses der Saale in die Elbe, geschossen. 280 XII. Ordn. I^XI. Gatt. 238. Kleiner Sumpfläufer. Er ist stets nur an schlammigen, seichten Stellen der Ufer anzutreffen, mögen sie auch nicht ganz frei von allen Gräsern sein, wenn diese den Boden nur nicht zu dicht bedecken; er geht deshalb nicht so tief in die grünen Sümpfe hinein, um sich darin zu verstecken, wie etwa die Sumpfschnepfen, sondern hält sich auch dort nur an solchen Stellen auf, wo man ihn schon von weitem bemerken kann- Solche Orte, wohin Vieh zur Tränke gekommen und zahllose Fußtapfen im weichen Schlamme zurückgelassen, gehören zu seinen Lieblingsplätzen. Sehr oft ist er auch an ganz freien Wasserrändern, wie sie die Strandläuser lieben, aber niemals haben wir ihn auf sandigem Boden und an ganz klaren Wassern angetroffen. Er hat hier und dort gewisse Lieblingsstellen, an die er aufgescheucht gewöhnlich immer wieder zurückkehrt. Eigenschaften. So wie schon am todten Vogel, in der Gestalt wie in der Färbung des Gefieders, ein Gemisch von Schnepfe und Strandläufer sich darstellt, so finden wir es auch in seinem Betragen wieder. Er ist ein stiller, harmloser Vogel, den man eher trage, gls lebhaft nennen möchte, steht oft mit eingezogenem Halse, das Gefieder locker haltend, mit wagerechtem Leibe, lange an einer Stelle, geht aber auch behende und Nahrung suchend am Ufer auf Und ab, wobei er sich nie weit vom ersten Orte entfernt und daselbst einsam immer zu beschäftigen weiß. So durchrennt er keine langen Uferstrecken, obwol er auch im Nothfall schnell genug lausen kann, sondern trippelt in kleinen Schrittchen mit vielen Unterbrechungen weiter. Im Fluge ähnelt er noch mehr einem Strandläufer, als in seinem übrigen Thun und Treiben. Er ist flüchtig und gewandt und streckt in jenem die Flügel nie weit vom Leibe, schlägt sie aber schnell und schießt so meistens dicht über dem Wasser fort, um einen Halbkreis zu beschreiben und sich wieder am Ufer, nicht weit von der ersten Stelle, niederzulassen, das auf eine kurze Strecke mit ziemlich angezogenen Flügeln ohne Bewegung derselben und zuletzt unter einigem Flattern geschieht. Es liegt jedoch in diesem Fluge Etwas, das ihn bei aller Aehnlichkejt mit einem gleichgroßen Strandläufer, z. B. IrinKir Hobiurni, bemerklich genug unterscheidet, das aber den Ungeübten durch Worte kaum deutlich gemacht werden kann, und einen praktischen Blick erfordert. XII. Ordn. 1^X1. G att. 238. Kleiner Sumpfläufer. 281 Daß er ungesellig ist, wenigstens gegen andere Strandvögel, wurde schon oben berührt. Sein langsameres oder gemächlicheres Wesen mag ihn vielleicht davon abhalten, gesellig mit ihnen herum zu lausen, nicht mit ihnen zu fliegen; denn hierin würde er keinem Strandläufer nachstehen. Sehr gemüthlich sieht man dies einfältige Vögelchen meistens einsam am Wasserrande oder an den kleinen Pfützen, die sich in den Fußtapfen des Viehes bildeten, oder sonst auf dem weichen Schlamme sich beschäftigen und weder um andere nahen Vogel noch um Annäherung größerer Geschöpfe sich kümmern. Höchst zutraulich läßt es den Menschen ganz nahe kommen, ohne eher wegzufliegen, als bis jenes auf wenige Schritte geschehen ist. Dies, wenn es ihn von weitem schon kommen sahe; wurde es aber von seinem Anblicke überrascht oder erschreckt, so drückt es sich sogleich platt nieder, und da dies meistens in einer kleinen Vertiefung des Bodens oder hinter niedern Pflanzen geschieht, so wird es ihm nicht eher wieder sichtbar, bis er auf die Stelle hingeht, wo der Vogel dann plötzlich dicht vor seinen Füßen herausfliegt, sich aber gewöhnlich nicht weit davon wieder niederläßt. So theilt er nach Umständen bald die Sitten der Strandläufer, bald die der Sumpfschnepfen oder Bekassinen. Zwar thut der Alpenstrandläufer zuweilen dasselbe, jedoch ungleich seltner als unser Vogel, welcher sich vor seinen Feinden bei weitem öfterer niederdrückt und sich so ihren Augen zu entziehen sucht, als ihnen laufend ausweicht. Sein Hang zur Einsamkeit, sein ruhiges Wesen, mit diesem Niederdrücken bei Gefahren vergesellschaftet, sind auch gar häufig Ursachen, daß das Vögelchen von einem weniger aufmerksamen Jäger oft nicht bemerkt wird oder unbeachtet bleibt. Sein wenig lebhaftes Temperament macht, daß er unaufgeregt nie auffliegt, dies nur thut, wenn es ein individueller Zweck erheischt, und nur dann zuweilen, auch nicht immer, seine Stimme hören läßt, welche trillernd wie Tirrrr klingt und der des kleinen Strandläufers ziemlich ähnlich ist, aber einen andern Ton hält. Auch in Gefangenschaft findet er sich bald in sein Schicksal, ist gleich vom Anfange an ruhiger als irgend einer der verwandten Bögel und läßt sich leicht an das gewöhnliche, oft erwähnte Stu- benfutter derselben gewöhnen. Wir besaßen einen solchen, aber nur kurze Zeit. 282 XU. Ordn. I^XI. Gatt. 238. Kleiner Sumpfläuser. Nahrung. Sie besteht in kleinen Insekten und deren Brüt und in kleinem Gewürm, dergleichen in schlammigem Wasser in Menge vorkommen. Welchen Arten er aber davon den Vorzug gebe, ist nicht bekannt, soviel aber bemerkbar, daß er allerdings Lieblingsspeisen haben möge, die sich nur auf besondern Stellen vorfinden, weshalb er daselbst so lange verweilt und demnach immer mit dem Fange seines Fraßes beschäftigt ist, auch wenn er sich genöthigt sahe, den Platz zu verlassen, dennoch bald wieder auf denselben zurückkehrt. So trippelt er immer aus dem nassen Boden hin und her, wadet auch wol durch ganz seichte Pfützchen und sticht mit dem Schnabel in den weichen Schlamm, um die Geschöpfchen, welche er nicht sieht, damit herauszufühlen, weshalb man denn an solchen Stellen lauter kleine Löcher oder Grübchen dicht bei einander bemerken kann. Kieskörner findet man zwischen den in Brei verwandelten Insekten und Würmern stets auch in seinem Magen. Seiner Nahrung geht er am Tage und in der Dämmerung nach, worin er den Strandläufern mehr ähnelt als den Schnepfen, indem die letzter» am Tage ruhen und wahre Nachtvogel sind. Fortpflanzung. Von ihr weiß man bis jetzt noch gar nichts, vermuthet aber, > doch ohne hinreichenden Grund, daß sich unser Vogel im hohen Norden fortpflanze. Wenigstens mag dies für unsern Erdtheil schwerlich angenommen werden können, da er für uns ein mehr östlicher als nördlicher Vogel ist, und von solchen Forschern, welche > den europäischen Norden bereisten, dort nicht beobachtet oder aufgefunden wurde. Es ist mir vielmehr wahrscheinlicher, daß er nicht I so hoch im Norden niste, weil er im Winter so tief nach Süden wandert und in Deutschland noch zu Ende des Mai, manchmal sogar gepaart, angetroffen worden ist. Zudem lebt das, seiner geringen Größe wegen, so unbedeutende Vögelchen zur Fortpflanzungszeit gewiß tief in den Sümpfen, wo es bisher leicht unbeachtet geblieben sein kann, zumal es nirgends in bedeutender Anzahl vorzukommen scheint. XII. Ordn. I^XI. Gatt. 238. Kleiner Sumpfläufer. 283 Feinde. Er drückt sich vor den kleinen Raubvogeln still nieder und entgeht ihnen dadurch meistens. Ob er noch andere Feinde habe, weiß man nicht. Jagd. Er ist leicht mit Schießgewehr zu erlegen und hält die Annäherung des Schützen ohne besondere Vorkehrungen aus. Beim plötzlichen Herausfliegen, wenn er sich gedrückt gehabt hatte, ist er, weiter tief fliegt und so klein ist, nicht leicht zu schießen; da er jedoch einen geraden Flug hat, und solche Winkelzüge, wie die Bekassinen zu machen pflegen, nicht kennt; so ist er doch noch leichter als diese zu schießen, zumal wenn man die Stelle bemerkt hatte, wo er sich drückte, und so nicht unvorbereitet war. Fangen könnte man ihn gewiß auch in den bekannten Fuß- schlingen, und er möchte auch auf den Wasserschnepfenheerd kommen. Nutzen. Er hat ein zartes, ganz vortrefflich schmeckendes, meistens in Fett eingehülltes Fleisch, welches dem der delikatesten kleinen Schnepfen nichts nachgiebt. Schaden. WennZdieser Vogel auch weniger selten wäre, so würde er doch so wenig wie irgend ein ähnlicher Schnepfenvogel zu den schädlichen gezählt werden können Zwei und sechzigste Gattung. Schnepfe. 8«vlvpax. Kopf: Von beiden Seiten zusammengedrückt, mit sehr hoher, langer Stirn, kleinem abgeplatteten Scheitel, und die sehr großen Augen stehen am Rande dieses, sehr weit nach oben und hinten, wodurch eine große Backenfläche entsteht. Schnabel: Lang, gerade, schwach, schmäler als hoch, nach vorn allmählich dünner; die Spitze stumpf und einfach, weil die des Unterschnabels kürzer als die des obern und in diese eingesenkt ist; seiner ganzen Länge nach weich und biegsam, kaum am äußersten Ende ein wenig hornartig; die Mundkanten aufgetrieben; mit ihnen parallel läuft am Ober- und Unterschnabel eine Längefurche bis nahe an die Spitze vor, in welche an dem obern auch die Na- senfurche verläuft, und an dem untern befindet sich noch eine solche auf dem Kiele entlang. Zunge: Sehr lang, schmal, spitz, am Hinterrande gezähnelt. Nasenlöcher: Seitlich, sehr nahe an der Schnabelwurzel, klein, schmal, kurz, nicht durchsichtig, in einer weichen Haut liegend, die ein Nändchen um die Oesfnung bildet. Füße? Nicht hoch, schwach, weich, über der Ferse wenig oder nicht nackt; mit 3 schlanken Vorderzehen, von welchen keine durch eine Spannhaut verbunden, die mittelste aber auffallend lang ist, und mit einer kurzen, schwächlichen, hochgestellten Hinterzeh. Flügel: Mittelmäßig, etwas breit, aber weniger spitz, ihr Hinterland flach mondförmig ausgeschnitten, die erste, zweite und dritte große Schwingfeder in der Länge wenig verschieden; vor der XII. Ordn. I^XII. Gatt. Schnepfe. 285 ersten ein kleines, schmales, sehr spitzes Federchen mit starrem Schafte, einer verkümmerten Schwingfeder ähnlich. Schwanz: Kurz, breit, zugespitzt oder abgerundet, aus 12, 14, 20 und noch mehr Federn zusammengesetzt. Das kleine Gefieder ist weich, mehr oder weniger dicht, liegt Meistens glatt an oder doch geschloffen, und hat eine sehr buntgefleckte Zeichnung, in Farben, welche den Umgebungen am Aufenthalte ähneln, worunter aber keine eigentliche Prachtfarben. Charakteristisch in der Gattung ist die Zeichnung des Oberkörpers, wo sich bei allen Arten einige große Längestreife, von einer abstechenden oder lichtem Farbe, mehr oder weniger deutlich darstellen. Obwol sie zwei Mal im Jahre mausern, so ändern sie doch die Farben so wenig, daß man bloß sagen kann, das Frühlingskleid sei schöner, reiner gezeichnet, und glänzender als das Herbstkleid, sonst aber kaum verschieden. Auch die Geschlechter zeigen keinen auffallenden Unterschied in der Färbung, nur sind die Weibchen gewöhnlich etwas größer als die Männchen. Die Zungen in ihrem ersten Federkleide ähneln ebenfalls den alten Herbstvögeln. Sie gehören dem Norden und der gemäßigten Zone an, wandern jedoch auch bis in die südliche. Obgleich zu den Sumpfvogeln gehörig, leben doch manche nur in den Waldungen, wo sie indessen auch gern niedrige und feuchte Plätze aufsuchen, die Mehrzahl aber in Sümpfen und Morästen, entfernt vom Walde. Sie sind halbe Nachtvögel, d. h. sie verrichten ihre meisten Geschäfte des Abends und Morgens in der Dämmerung, in hellen Nächten selbst diese hindurch, und ruhen am Lage, wo sie die Gewohnheit haben, sich den Augen ihrer Feinde durch Verstecken oder vielmehr durch Niederdrücken und Stillliegen zu entziehen, wozu ihnen die Umgebungen gemeiniglich Vorschub leisten. Ungezwungen sieht man sie dagegen am hellen Lage auf dem Freien fast niemals. Auch ihre periodischen Wanderungen, jährlich zwei Mal, machen sie des Nachts und zwar einzeln. Obgleich viele zugleich dieselbe Straße ziehen und sich an einerlei Orten niederlassen, so bilden sie doch keine eigentlichen Vereine; sowie sie einzeln ankommen, gehen sie auch einzeln und zu verschiedenen Zeiten wieder weg, ohne daß sich das Eine um das Andere bekümmert. Durch diese Ungeselligkeit unterscheiden sie sich namhaft von fast allen übrigen Schnepfenvö- gelu. Ihre Nahrung, welche in Würmern, Insektenlarven und in Insekten besteht, suchen sie nur an ganz stillen, düstern Orten 286 XII. Ordn. I^XIk. Gatt. Schnepfe. zuweilen am Tage, sonst fast nie anders als in der Dämmerung, wo sie deshalb auch aus freie Plätze, Wiesen, Triften, Aecker und an die freien Ufer der stehenden Gewässer kommen, und bis tief in die Nacht hinein munter sind. Ihr weicher, mit äußerst feinem Gefühl versehener Schnabel ist ihnen dabei ein vorzügliches Tast- wcrkzeug; sie wühlen oder stechen damit tief in den Morast und welchen Schlamm, oder auch in Thierexkremente ein, Loch bei Loch, um so die darin lebenden Larven und Würmer aufzufühlen und ! hervorziehen zu können. In der Begattungszeit haben die Männ- ^ chen eigene Töne und Manieren, auch einen sonderbaren ungewöhnlichen Flug, die an das Balzen der Waldhühner und anderer erinnern, alle aber sonst keine angenehmen Töne. Sie nisten entweder an versteckten Orten im Gebüsch, oder frei in den Sümpfen auf einer etwas trocknen Stelle, machen unkünstliche Nester und legen jederzeit nicht mehr als 4 Eier, von einer nicht gar großen, birnförmigen Gestalt, welche auf schmutzigem, gelblichen oder grünlichen Grunde braun gefleckt sind. Die Jungen, wenn sie aus den Eiern kommen, in ihrem Dunenkleide, sind untenher weiß oder rost- gelb, von oben rostgelb, rostfarbig, braun und schwarz gescheckt, Und laufen sogleich aus dem Neste. Die Schnepfen haben viele Feinde, die ihnen hauptsächlich ihres außerordentlich wohlschmeckenden Fleisches wegen nachstellen. Hierunter steht jedoch der Mensch oben an; denn er findet daran ! ein so leckeres Gericht, daß er es allem andern Geflügel vorzieht und sie sogar sammt den Eingeweiden speist, weshalb diese Vögel denn auch in allen kultivirten Ländern ein Gegenstand der Jagd sind. Sie sprechen beim Auftreten ihre Vorderzehe so weit aus ein- j ander, daß sie, wie bei Strand- und Wasserläusern, stets ! auf die Halbschied von 3 Durchschnittslinien eines sechstheiligen Zir- > kels paffen; die im weichen Boden abgedruckte Fährte ist aber von I denen jener leicht an der ungewöhnlich verlängerten Mittelzeh zu I unterscheiden. ' „Die eigentliche Schnepfe ngattung (bemerkt Nitzsch nach Untersuchung der 8volop»x rustionln, major, gnllinngo und 6»lliuul», wie auch der Schädel und Häute von 8vol. ininor, stvuoptvrn und gi-ison) kömmt zwar in den allgemeinen charakteristischen, inneren Bildungsverhältnissen mit den übrigen Gliedern der Schnepfenfamilie überein, ist aber die ausgezeichnetste unter allen und zeigt namentlich eine höchst eigenthümliche Kopfbil- XU. Ordn. I.XH. Gatt. Schnepfe. 287 düng, wie sie in der ganzen Klasse der Vogel wol nicht werter gefunden wird. „Die Hirnschalenkapsel ist nämlich hier mit dem Gehirn so nach unten und von da theils wieder nach vorn gezogen, daß die Schlafecke das freilich sehr große Thränendem berührt, der Orbitalrand völlig geschlossen wird und alle sonst untern und theils Hintern Theile des Kopfs seltsam zusammengeschoben und gewissermaßen verrückt werden. Das große Hinterhauptloch kommt demnach ganz nach unten, weit nach vorn und unter die Augen zu liegen. Die obere Fläche des großen Gehirns wird nach hinten und unten umgestülpt, und seine Basis richtet sich nach oben. Die Ohrösf- nung, die bei allen andern Vögeln hinter den Augen steht, ist hier unter das Auge gestellt und dem vordem Augenwinkel genähert. Der Paukenknochen ist in den vordem Augenwinkel gerückt, so daß er vom Thränendem von außen verdeckt wird; und so kommen denn auch die übrigen, zur Oberkicsermaschine gehörenden und sonst unter den Augen liegenden Knochen, namentlich die Verbln- dungsbeine, Gaumenbeine und Iochbögen vor den Augen und dem Thränenbein zu liegen." „Der Zweck dieser seltsamen Anordnung, auf welche ich schon vor langer Zeit aufmerksam gemacht habe,") und in welcher alle von mir untersuchten oben genannten Schn'epfenarten übereinstimmen, ist unstreitig in der Stellung der Augen zu suchen, in sofern die Augen dadurch sehr nach oben und hinten gedrängt werden und diejenige Richtung bekommen, durch welche diese Vögel am Besten in Stand gesetzt werden, während sie mit dem Schnabel ämsig nach Futter tasten und in Moos oder Schlamm einstechen, zugleich über sich zu sehen und eine über ihrem Haupte schwebende Gefahr wahrzunehmen. Denn sie suchen und finden ihre Nahrung hauptsächlich durch Tasten mit der Schnabelspitze, und haben eben darum den knochenzelligen Tastapparat an beiden Kieferspitzen ganz vorzüglich ausgebildet. Die meist ziemlich sechseckigen, in die Länge gezogenen Knochenzellen, welche die Enden der zur Schnabelhaut gehenden Nervenfäden vom fünften Paare umgeben, sind bei den Schnepfen deutlicher, größer und viel zahlreicher, als bei den wenigen, außerdem mit dem Lastapparate versehenen Gattungen. Die Ränder dieser Zellen sind es, welche nach dem Tode, wenn der weiche Schnabelüberzug eintrocknet und in die Vertiefungen der *) S. 0»lei>TrLp1>i,vk«; Vv!tr. r. -Saturs. ä. VLxe!. S. 63. tal,. I. Ltz. L. 288 X». Ordn. QXII. Gatt. Schnepfe. Zellen sich einsenkt, der Oberfläche der Schnabelspitzen, zumal bei 8vol. 6sUillÄKo und Major, das auffallend netzförmige Ansehen geben." „Gleich mehrern andern Gattungen dieser Familie haben auch die Schnepfen den Biegungspunkt des Oberkiefers vor den Nasenlöchern, so daß bloß der vordere Theil des an der Wurzel ganz starren Oberkiefers erhoben und gesenkt werden kann; es ist aber diese Spitzenbewegung des Oberkiefers hier ganz besonders stark und augenfällig." „Die Zahl der übrigen anatomischen Merkmale dieser Gattung wird sehr beschränkt durch die hier vorkommenden theils erheblichen ! specifischen Verschiedenheiten, welche nicht immer mit der Verschie- j denheit der Unterabtheilungen oder Untergattungen, die man hier l annehmen kann, zusammenfallen." ! „Wenn die komplette Scheidewand der Nasenlöcher eine ^ merkwürdige Eigenheit der Schnepfen ausmacht, so fehlt selbiges Verhältniß doch bei 8co!op. Arisva, die, wie die meisten Wasser- ^ vögel, llnrvs pcrvine hat." „Die Nasendrüse ist bei allen klein und schwach, aber bei der Waldschnepfe nimmt sie eine sehr ungewöhnliche Stelle hinter dem dünnen absteigenden Theil der Nasenbeine ein, während sie bei den übrigen einheimischen Arten oben am Orbitalrande befindlich ist." „Das Brustbein hat bei 80. ^nllinuln zwei Paar Hautbuchten, wie bei den mehresten Schnepfenvögeln, und überhaupt fast die Form wie bei lUnK». Bei den übrigen Arten aber ist dasselbe nach hinten sehr elliptisch verlängert und jederseits nur mit einer exvisurn obturata versehen, durch welche nur ein sehr kurzer seitlicher Knochenfortsatz abgetheilt wird." „Von den 10 Rippenpaaren sind die 2 oder 3 ersten falsche." „Das Becken ist auch im Hintern Theil schmäler als bei den mehresten übrigen xeneribus der Schnepfenfamilie, jedoch in weit minderem Grade bei 8c. rusticuln und AaUinuIn hxj UNd AnIIillNAO." „Die Zahl der Schwanzwirbel differirt von 8 bis 10 . Der letzte Wirbel ist verhältnismäßig sehr klein." „Die Oberarmknochen übertreffen an Länge wenig oder nicht die spitzen, bis zum Becken reichenden Schulterblätter und bleiben von dem Hüftgelenk weit entfernt. (Bei Immosa, Xumc- nius und Ibis erreichen oder überragen sie dasselbe.)" XII. Ordn. I^XIk.. Gatt. Schnepfe. 289 „Ein ausgebildetes knöchernes kpieurpium fand ich vorn an der Handwurzel der Wald- und Mittelschnepfe, den übrigen scheint es zu fehlen." „Die sehr schmale und spitze Zunge ist lang genug, jedoch kürzer als der Schnabel. Der Zungen kern wie bei den meisten Schnepfenvögeln nur hinten verknöchert. Der Zungenbeinstiel bei 8o. Aallinuln beweglich; bei den übrigen deutschen Arten aber fest mit dem Zungenbeinkörper verwachsen." „800I. major und gallmula haben eine kleine LpiZlottis, die den übrigen Arten, wie es scheint, fehlt." „Der untere Kehlkopf zeigt bei 8vol. major und Auili- naxo eine constante Ungleichheit der rechten und linken Seite; dagegen ist derselbe völlig symmetrisch gebildet bei rusti- «ula und Kallinula, übrigens aber bei diesen beiden Arten in Form, Weite und Zusammensetzung sehr verschieden." „Die gewöhnliche Stufe oder Querleiste auf der Gaumenfläche fehlt merkwürdiger Weise allen Arten; indessen hat 80. Zal- linula ein Paar Hornzähne als schwache Andeutung derselben an ihrer Stelle." „Der Vormagen ist lang und sehr drüsenreich." „Der'Magen erscheint, wenn er entleert ist, ungemein schmal und in die Länge gezogen. Seine innere Haut hat in der Nähe des Vormagens gezähnte Falten oder viele kleine spitze Tuberkel." „Die Leberlappen sind bei der Waldschnepfe wenig — bei den übrigen Arten aber gar sehr an Länge verschieden." „8v. rustien!» und mestor haben ganz kurze Blinddärme, während selbige bei K»IIm»Ko und KnIIimil» lang sind." „Die innere Darmfläche ist bei der Waldschnepfe durchgängig zottig, dagegen bei den übrigen mit Regelmäßigen Zickzack- längsfalten besetzt, welche sich im Mastdarm in niedrige, ziemlich gerade Querfalten verwandeln." « 0 Die Arten dieser Gattung stellen sich in verschiedene Gruppen auf, sind aber dabei einander so nahe verwandt, daß es unrecht wäre, sie in eben so viele Gattungen zerspalten zu wollen. Wir theilen deshalb die in Deutschland vorkommenden Arten in zwei verschiedene Familien. 8. Theil. 19 Erste Familie. Sumpfschnepfen oder Bekassinen. Mit schwacher»!, viel gestreckteren, vor der Spitze etwas plattgedrückten Schnabel, welcher getrocknet an dieser Stelle hökerig wird, wie eine Feile; weniger großen und weniger hochstehenden Augen; schlankern und über der Ferse noch ein kleines Stück nackten Füßen, deren schwächliche, kurze Hinterzeh eine Kralle hat, welche in der Gestalt denen an den übrigen Zehen gleicht, nur viel kleiner ist, die auch etwas über das Ende der Zehe vorsteht. Die Flügel sind weniger gewölbt und spitziger. Das etwas knappere Gefieder hat an den obern Theilen auf schwarzem Grunde viele rostfarbige und lichtbraune Zeichnungen, von welchen sich meistens vier große rostgelbe Längestreifen absondern. Diese Färbung, obgleich eine ganz andere, schützt sie vor dem Entdecken zwischen den gleichfarbigen Umgebungen in den Morästen, eben so, wie die Waldschnepfen die ihrige zwischen dem alten Laube im waldigen Gestrüpp. Sie halten sich in offenen, baumleeren Sümpfen auf, wo sie zwischen niedern Sumpfpflanzen und Gräsern sich verbergen, kommen zwar auch zwischen niederm Gesträuch in den Brüchern und an morastigen Waldrändern, aber niemals im Walde selbst vor, wenn er nicht bedeutende Sumpfstrecken einschließt, und dann auch nur an diesen, nie im dichten, trocknen Walde. Sie pflanzen sich auch nur in freien Morästen und auf sumpfigen Wiesen fort. Von dieser Abtheilung haben wir in Deutschland Drei Arten. ELS?-E^ ÄA L:- -"^K2 E« MMN ALZL -Ä> «K ZÄÄ ^(OIOI' VX. inoUn I!,,I,!,l>cI WWMi 239. Die große Sumpfschnepfe. 8v«Iop»x LrE. Laf 208 ) ^ Männchen im Frühling. ' s Fig. 2. Weibchen im Herbst. Mittelschnepfe; große Schnepfe; Doppelschnepfe; Doublette, große (langbeinige) Schnepfe; große Moor-—, Sumpf-—, Ried-—, Wasser-—, Moos-Schnepfe; größere Bruchschnepse; große sibirische Schnepfe; Pfuhlschnepfe; große Pfuhlschnepfe; großer Gräser; Stik- kup; bei unsern Jägern gemeiniglich: Puhlschnepfe oder große Bekassine. -§oofiyiai'c 6msl. I.Iiiii. 8x«t. I. 2. y. 661« v. 36. ------ I-atli. In6. n. p. 714. 2-4. Om. 8llev. II, p. 162 n 184,----- -Seo/ojiMc Meckia. Frisch, Vög. Taf, 228.--- Lc-o?k^ia-, /rafttcfoL«. Üetr. V-iuu. suoe. p. 173. o. 140. ------ ou öle 1'sium. Kinn. uouv. Läit. II. p. 675. ----- t-i'li"I Kirrte. I-atti. 8vli. V I>. 133. ii. 4.Uibe>s.v. Bechftein, III. 1. S-107. ».4----Se<7cacrno »raAA-oro. 8tor. Döo. IV. 2?. 446. —- 8avi, Ora. 108 V. II. p. 369. l'oelx-re^i. 8-i>i>. iv°s°rl. Vn«. III. t. i>. 247.---- Bechstrin, Naturgesch. Drutschl. 2. Anst. IV. S. 186. --- Dessen Taschmb. U. S. 286. ». 2. ----- Wolf u. Meyer, Taschenb. II- S. 362.------ Meyer, Mg. Liv- u. EsthlandL. S. 193.--- Meisner u. Schinz, Dög- d. Schweiz. S. 266. ». 197.---- Koch, Bair. Zool. I. S. 313. °. 194. --- ^rchni, Lehrb. II. S. 61S. — Dessen Naturg. a. B. DeutschkS. S. 615. — Glaser, Schles. Faun. S. 48. o. 263. --- Naumann'S Vög. alte Auig. III. S. 11. Taf. ii. Fig. 2. Männchen im Frühlingskleide. Kennzeichen derart. Die meisten Flügeldeckfedern haben sehr leuchtende, große, mond. förmige, hellrveiße Spitzen; die 2 äußersten Paare der 16 Schwanz, federn sind an der Endhälfte rein weiß. 19 292 Xlr. Ordn. I,XII. Gatt. 23S. Große Sumpfschnepfe. Beschreibung. Sehr häufig ist diese Schnepfe verkannt und mit der gemeinen Sumpfschnepfe verwechselt worden, was dem Kenner kaum möglich scheint, da sie, außer den hier gegebenen Artkennzeichen, sich auch im Uibrigen gar sehr unterscheidet, bei aller Aehnlichkeit im Habitu, wie in der Art und Weise der Zeichnungen und der Farben, um ein Drittheil größer ist und einen, im Verhältniß, viel kürzern Schnabel hat, als die genannte Art. Eine ihr nahe verwandte Art lebt in Nordamerika, §eo/o/,«b I^ntli. lall. II. p. 714. ». 3. (nicht Kets.) --- Lull. 19. vnl. 895. Die Savannenschnepfe, welche aber noch um ein Bedeutendes größer ist und eine andere Zeichnung hat. Noch mehr ist dies mit des Berliner Museums, aus Noiitcvilloo und , der Fall, welche unsrer 8v. mujor nur in der Gestalt und in der Anlage der Zeichnungen ähnelt, aber mehr als noch ein Mal so groß und bedeutend größer als unsere Waldschnepfe ist, und einen weit längern und stärker» Schnabel als alle andern Arten hat; ein gar herrlicher Vogel. Sie hat ohngefähr die Größe der Turteltaube (6o1nmdr» l'urtur.), aber eine fast noch stärkere und rundere Brust, dagegen aber einen bei weitem kürzern Schwanz, kürzere Flügel, viel höhere Beine u. s. w. Sie ist (ohne Schnabel) 9H bis 9D oder fast 10 Zoll lang; L0 bis 21 Zoll breit; der Flügel vom Bug bis zur Spitze 6-L bis 6^ Zoll und der Schwanz 2H Zoll lang. Die ruhenden Flügel reichen mit den Spitzen auf die Schwanzmitte. Es giebt auch Individuen von kaum 9 Zoll Länge und 19 Zoll Breite; gewöhnlich junge Vögel im ersten Lebensjahre. Das Gefieder ist etwas dicht, an den obern Theilen ziemlich groß; die schwachgewölbten Flügel nicht besonders lang, aber breit, ihr Hinterrand sehr stark mondförmig ausgeschnitten, so daß eine vordere und Hintere Flügelspitze entsteht, von welchen die letztere so lang ist, daß sie am ruhenden Flügel bis auf das Ende der dritten oder vierten großen Schwingfeder reicht; beide bilden jedoch eine abgerundete Spitze, weil die erste der großen Schwingen etwas kürzer als die zweite und »diese erst die längste von allen ist; sie haben etwas säbelförmig nach innen gebogene starke Schäfte, ein schief zu- gerundetes Ende, und vor ihnen steht jene kleine^ steife Schnepfenfe- der, welche an der Wurzel etwas breit, bald aber sehr schmal wird und sehr spitz endet. Die der zweiten Ordnung sind ziemlich gleich- -XII.Ordn. ih/XlI. Gatt. 239. Große Sumpfschnepfe. 293 breit, haben etwas schwächere, wenig nach hinten gebogene Schäfte, und schief (nach hinten länger) kurz abgerundete Enden; die weichn der Hintern Flügelspitze gerade, schwache Schäfte und ein schmal zu- gcrundetes Ende. Der Schwanz hat 16 Federn und ein abgerundetes, in der Mitte etwas verlängertes Ende; seine langen Ober- und Unterdeckfedern lassen kaum ein Drittheil desselben unbedeckt. In» Verhältniß zu denen anderer Schnepfen und in Betracht der Größe des Vogels ist der Schnabel schwächer und nicht so lang, als bei vielen andern. Er hat eine Länge von 2Z bis höchstens ge gen 2S Zoll, sogar zuweilen nur von 2 Zoll 4 Linien, und ist an der Wurzel 4^ Linien hoch und 3 Linien breit, also hier bedeutend höher als breit. Dies verliert sich aber spitzewärts nach und nach und wird kurz vor dem stumpfspitzen Ende säst gleich. Er ist ganz gerade, der Unterschnabel 2 Linien kürzer als der obere, in diesen eingreifend, wodurch die eigentliche Schnabelspitze einfach wird. Seine Firste ist rund, kaum vorn ein wenig plattgedrückt, der Kiel durch eine vertiefte Mittellinie scheinbar bis zur Spitze gespalten, seine Mundkanten durch zwei parallel bis nahe an die Spitze fortlaufende Längefurchen (in jedem Schnabeltheil eine) wulstig. Die weite Nasenhöhle ist mit einer sehr weichen Haut überspannt, die vorn gleich in die nächste Seitenfurche des Oberschnabcls verlauft, und die Nasenlöcher öffnen sich nahe an der Schnabelwurzel und dem Wulst der Mundkante, kurz und schmal, doch durchsichtig, und Mit dem oben etwas aufgetriebenen Rändchcn scheinen sie verschließbar. Der ganze Schnabel ist im Leben weich und sehr biegsam, nur die äußerste Spitze hornartig; im Tode trocknet er daher sehr zusanunen, und vor der Spitze entstehen dann kleine Grübchen, die ihn hier rauh, wie eine Feile machen, aber lange nicht so stark ausgedrückt sind, als bei den beiden folgenden Arten. Frisch ist die Farbe des Schnabels von der Wurzel an eine schmutziggelbliche Fleischfarbe, die von der Mitte an immer düsterer wird, gegen die Spitze in Braungrau und zuletzt in Schwarz übergeht. Im Frühjahre ist die Fleischfarbe stärker mit Gelb tingirt, bei recht alten Vögeln am meisten und darum fast ein trübes röthliches Gelb zu nennen. Das Auge ist ziemlich groß, weit vvm Schnabel entfernt und hoch oben am Scheitel, höher gestellt, als bei den beiden Familien- verwandten, aber nicht so hoch und auch verhaltnißmäßig von geringerm Umfange, als bei der Waldschnepfe. Es hat einen tief- 294 XU. Ordn. Gatt. 239. Große Sumpfschnepfe. braunen Stern, nach innen kahle, schwärzliche, nach außen gelblich oder weiß befiederte Ader. Die Füße sind nicht hoch, ziemlich stämmicht, mit starken Gelenken, ziemlich langen Zehen, und ohne Spannhäute. Wer der Ferse ist nur der Anfang des Unterschenkels nackt, der weiche Uiber- zug der Füße vorn und aus den Zehenrücken getäfelt, übrigens schwach geschildert, die Zehensohlen feinwarzig. Die Mittelzeh ist etwas länger, als sie sonst bei andern Vögeln vorkömmt; die Hin- terzeh etwas hoch gestellt und nach innen gerichtet, schwächlich, aber nicht kurz, so daß sie stehenden Fußes mit dem Krallenballen recht gut den Boden erreicht. Die Krallen sind weder groß noch stark, schmal, wenig gebogen, spitz, unten etwas ausgehöhlt. Das ganze Bein vom (wirklichen) Kniegelenk bis zur Spitze der Kralle der mit- telsten Zeh mißt 5^ Zoll; der kahle Theil des Unterschenkels über der Ferse fast 4 Zoll; der Lauf 14 Zoll; die Mittelzeh, nebst der fast 3 Linien langen Kralle, 1 Zoll 2 Linien; die Hinterzeh, mit der 14 Linien langen Kralle, 4 Zoll. Die Farbe der nackten Fußtheile ist im Frühjahr eine schmutzige gelbliche Fleischfarbe, mit grünlich überlaufenen Gelenken; im Herbst oft mehr oder weniger mit Bleifarbe überlaufen, so daß man sie „livid" nennen kann; die der Krallen stets braunschwarz. Bald nach dem Tode, in welkem Zustande, wird die Fußfarbe noch mehr bleifarbig, getrocknet endlich zu einem unscheinlichen, zum Theil gelblichen, Hornbraun. Das Gefieder hat im Frühjahr folgende Färbung. Bon der Schnabelwurzel läuft mitten über den Oberkopf, von der Stirn bis zum Genick, der Länge nach, ein weißlichrostgelber Streif, neben ihm auf beiden Seiten ein vorn schmaler, hinten sehr breiter, schwarzer, blaßrostfarbig gefleckter; von der Nasengegend bis über das Auge zieht ein breiter lichtrostgelber, fein schwarz bespritzter Streif, welcher über die Schläfe fortgesetzt, hier aber unterhalb mehr rostfarbig gemischt, dabei braunschwarz gefleckt ist und in die gleiche Zeichnung des Nackens übergeht; der Zügel ist braunschwarz; alle untern Theile des Gesichts weißlich rostgelb, mit kleinen dunkelbraunen Flecken, die vom Mundwinkel unter den Wangen hindurch einen Fleckenstreif bilden, wie denn auch unter dem Auge ein solcher, doch kürzer oder weniger deutlich sich findet; die Kehle ist gelblich weiß und am wenigsten gefleckt; die obere Halswurzel dunkelrostgelb, stark braunschwarz gefleckt; die Oberrücken- und Schulterfedern schwarz, mit schmalen Querfleckchen und unterbrochenen, zackigen, bogigcn oder mit dem Rande fast parallel laufenden, schmalen Binden von einem XII. Ordn. I^XII. Gatt. 239. Große Sumpfschnepse. 295 lichten Rostbraun und mit einem breiten, schön rostgelben, außen weißlich gesäumten Streif am Außenrande der meisten dieser Federn, wodurch bei völlig geordnetem Gefieder vier breite schön rost- gelbe Längestreifen gebildet werden, von welchen, auf jeder Seite des Mantels, eine die Außenseite der Schulterpartie, die andere die des Oberrückens begrenzen, die letztem aber stets am deutlichsten dargestellt sind. — Der Unterrücken und Bürzel sind braunschwarz, mit dunkelrostgelben Federkanten und abgebrochenen Querstreifen; die obern und untern Schwanzdeckfedern röthlichrostgelb, mit braunschwarzen Schäften und Querbändern; die Schwanzfedern sind an der Endhälste schön rostfarbig, fast rostroth, mit einigen eckigen schwarzen Luerstreifen und weißen Spitzen, welche nach außen zu immer größer werden; die zwei äußersten Paare endlich ganz weiß, an der Wurzel mit breiten, vorwärts schmäler werdenden, an der äußersten kaum über die Mitte der Schwanzlänge vorgehenden, schwarzen Querstreifen. Die Hintere Flügelspitze hat hellrostbraune, schwarzge- bänderte, fein weißlich gesäumte Federn, die zweite Ordnung Schwing- federn rauchschwarz, auf der Innenfahne gegen den Rand in Grau übergehend, welches fahlschwarz marmorirt ist, und mit weißem End- saum; die Schwingen erster Ordnung fahl braunschwarz, die kürzern mit weißlichem Endsaume, alle mit braunen Schäften, nur die vorderste mit schmutzigweißem Schaft und weißlicher Außenkante; die kleine verkümmerte Schwingseder braunschwarz, an den Kanten und an der Spitze weiß; die Daumenfedern, die Fittichdeckfedern, die großen und mittlern Deckfedern vorn und auf der Mitte des Flügels rauchschwarz, dunkler als die Schwingen, mit sehr großen, weißen, mond- oder muschelförmigen Endflecken; die Hintern großen und mittlern Flügeldeckfedern hellrostbraun, mir schwarzen Zickzackbinden und ebenfalls mit großen weißen Spitzen; die kleinen Dcckfedern schwarzbraun, die zunächst den mittlern noch mit weißen, am Schwarzen aber schon gelbbräunlich vertuschten, die nächsten mit gelbbraunlichweißen Muschelflecken an den Enden, die kleinsten neben dem weißgefleckten Flügelrande einfarbig fchwarzbraun. Auf der untern Seite sind die vordem und mittlern Schwingfedern glänzend dunkelbraungrau, an den innern Fahnenkanten weißlich, dunkelgrau bespritzt und fein marmorirt; die Hintern Schwingen blaß rostbraun, mit mattschwarzbraunen Zackenbinden; die untern Flügeldeckfedern matt weiß, mit dunkelbraungrauen Querbinden, die besonders an den langen Achselfedern »oln UösirmZi) am regelmäßigsten und mit den weißen von gleicher Breite sind. — Die Gurgel ist trübe 296 XII. Ordn. L.XII. Gatt. 239. Große Sumpfschnepfe. rostgelb, schwarzbraun gefleckt, die Kropfgegend ebenso, doch etwas dunkler oder mit Rostfarbe untermischt, die sich auch über die Brustseiten und Lragefedern, aber wieder etwas blasser, verbreitet, und mit mehrern verschieden gestalteten, dunkel- und schwarzbraunen Flek- ken, welche abwärts breiter werden und an den Seiten des ganzen Unterkörpers eine gebänderte Zeichnung darstellen, indem die größten (die Tragefedern) ziemlich regelmäßige, gleichbreite, schwarzbraune und weiße Querbänder, mit dunkelrostgelbem Anfinge, haben; die Mitte der Brust und des Bauches ist gelblich- oder fast reinweiß, mit überall als Querflecke durchschimmernden dunkelbraunen. Binden, die größtentheils von den großen weißen Enden der Federn verdeckt werden, wenn diese sich abgerieben haben, oder auch bei verschobenem Gefieder, aber mehr sichtbar werden; die Unterschenkel braungelblich, dunkelbraun gefleckt. Zwischen beiden Geschlechtern ist äußerlich kein standhafter Unterschied zu finden, gewöhnlich ist jedoch das Weibchen etwas größer. als das Männchen. Das Kennzeichen jüngerer Vögel ist nicht immer ein kürzerer Schnabel; denn es wird dies nicht selten auch umgekehrt gefunden, soweit man nämlich die Jugend an den Knochen zu erkennen im Stande ist. Bei den anscheinlich ältern Wögeln sind die dunkeln Querbänder auf der Mitte des Unterkörpers meistens deutlicher ausgeprägt, bei jünger» diese Theile reiner, fast ungefleckt. Letzteres ist auch im Herbstkleide bei Allen der Fall, im Ganzen dieses aber ebenso gezeichnet, wie das oben beschriebene Frühlingskleid, nur dunkler und weniger schön gefärbt, namentlich sind alle größern Flügelfedern weit dunkler, schwarz statt braunschwarz, die weißen Muscheln auf dem Mittelflügel deswegen desto blendender, weil hier auch diese Federn, nämlich in der Herbstmauser, frisch hervor gewachsene sind, dort aber, in der Frühlingsmauser, nicht mit neuen verwechselt, sondern abgebleicht und abgenutzt erscheinen. Junge Vögel, unter denen man oft recht kleine Exemplare findet, in ihrem vollständigen ersten Federkleide sind kaum von den alten Herbstvögeln zu unterscheiden, wenn man es nicht an dem außerordentlich weichen Schnabel und Füßen und deren blasser Färbung, besonders an den dicken Fersengelenken, könnte; auch haben sie auf der Unterbrust etwas mehr Weiß, als die Alten, und die weißen Muscheln auf dem Mittelflügel sind kleiner, oberwärts auch gelblich überlaufen, daher nicht so leuchtend als dort. Die Mauser der Alten beginnt schon gegen Ende des Juli und XII. Ordn. I^XII. Gatt. 239. Große Sumpfschnepfe. 297 wird ohngefähr in einem Monate beendigt. Sie fliegen dann ungern und schlecht. Die Jungen mausern später und mehrentheils erst, wenn sie unser Land verlassen haben. Die Frühlingsmauser mag im März, in südlichen Ländern, vor sich gehen, und nur die jungen Bögel kommen im Frühjahr noch mit Spuren derselben zurück, während die alten dann schon im vollständigen Frühlingskleide sind. Man bemerkt an ihm, noch im Juli, kurz vor der neuen Mauser, wenig Veränderung, als daß die Farben bleicher, besonders die Flügelfedcrn fahler geworden sind, und daß die dunkeln Bänder auf der Mitte jdes Unterkörpers, weil sich die weißen Federspitzen mehr abgerieben haben, sichtbarer hervortreten.' Aufenthalt. Die große Sumpfschnepfe scheint entweder nicht so hoch nach Norden hinauf zu gehen als die gemeine oder die kleine, obgleich sie sonst fast in den nämlichen Ländern angezeigt wird, oder überhaupt mehr ein östlicher Vogel zu sein. Sie wird im mittlern Schweden nur ganz einzeln gesehen, häufiger in Finnland, noch häufiger in Livland und Preußen, weniger häufig in Dänemark mit Holstein, in Holland auch nur einzeln, in England vielleicht in noch geringerer Anzahl, noch seltener in Frankreich angetroffen. Zahlreicher scheint sie im nördlichen Asien zu sein, von woher sie im Winter nach den mittlern und südlichen Ländern dieses Erdtheils wandert, wie dies auch von Amerika gesagt werden kann, wo sie nicht allein in Mitten dessen nördlicher Hälfte häufig, sondern auch sogar in Brasilien angetroffen worden ist. Außer den genannten Theilen von Europa kömmt sie zwar noch in allen übrigen vor, doch ungleich seltner in Westen als in Osten. Im südlichen Rußland und in Polen soll sie fast gemein sein, wie in Ungarn, wo ich sie im Anfange des September 1835, namentlich in Syrmien und im Banat, selbst mehrmals zufällig, ohne darnach gesucht zu haben, angetroffen und erlegt habe, wo sie daher gewiß, wie ich auch von Andern erfuhr, sehr oft vorkommen mag. In Italien und Griechenland ist sie ebenfalls angezeigt, und auch aus Nubien hat man sie erhalten. Demnach kömmt sie also in vier Welttheilen vor, ist jedoch, wie es scheint, in keinem Lande der Welt in solcher Anzahl vorhanden, als die gemeine Bekassine, welche überall an Individuen ungleich Zahlreicher als eine ihrer Familienverwandten ist, was auch für 298 XU. Ordn. QXH. Gatt. 239. Große Sumpfschnepfe. Deutschland gilt, wo auf 10V Stück von der gemeinen etwa nur eins oder einige von der großen Art kommen, noch dazu nicht alle Jahr so; denn es giebt Jahre, in denen man an den Orten, wo sie sonst immer hinkamen, nicht eine antraf. Wo es weitläufige Sümpfe und na sie Wiesenstrccken in großer Ausdehnung giebt, wie z. B. im Hanöverschen, Oldenburgschen, in Ostfries- lagd, auch in andern Gegenden Deutschlands, ist sie übrigens keine Seltenheit, und auch hier in Anhalt haben wir sie an mehrern Orten fast alle Jahre einzeln erlegt. Als Zugvogel wandert sie im Frühjahr entweder, nach Nordosten zu, hier durch, oder bleibt hier, um bei uns zu brüten; und im Herbst zieht sie wieder nach Süden, um unter einem mildern Himmelsstriche zu überwintern. Sie scheint weichlicher und gegen die Kälte empfindlicher, als die andern, weil sie im Frühlinge später ankömmt, und im Herbste früher wegzieht, noch weniger jemals eine in Deutschland überwintert, was von den beiden folgenden Arten schon mehrmals vorgekommen ist. Erst in der letzten Hälfte des April, oft nicht vor Anfang des Mai oder gar erst gegen die Mitte desselben, wenn der Zug der gemeinen Bekassine fast ganz aufgehört hat und die Päärchen derselben ihre Nistplätze bereits besetzt haben, kömmt die große bei uns an, und zieht von der Mitte des August bis Mitte September, wenn der Zug jener nur eben begonnen, wieder von uns. Später wird man in Deutschland, auch in Ungarn, selten noch eine antreffen. Ihre Wanderungen macht sie des Nachts, gewöhnlich einzeln, im Frühjahr zuweilen wol auch paarweise, weil man da manchmal, wo Tags vorher keine war, am Morgen ihrer zwei, zwar nicht dicht nebeneinander, doch in keiner weiten Entfernung, antrifft. Dies sind gewöhnlich schon gepaarte Päärchen, wie beim Oeffnen der Zustand der Geschlechtstheile zeigt. Uebrigens sind sie auf dem Zuge so wenig gesellig wie andere Schnepfen, obgleich, wo viele einzufallen pflegen, Morgens nach einer glücklichen Zugnacht auch mehrere auf keiner gar großen Fläche angetroffen werden können. Ihre Aufenthaltsorte sind die baumleeren, sumpfigen Niederungen von nicht zu unbedeutender Ausdehnung, die großen Moräste und nassen, mit Sumpf wechselnden Wiesen, wo diese Teiche oder Seen umgeben, oder auch wo Flußwasser sich durch solche grüne Moräste hindurch windet; Sümpfe, worin es nur seichtes Wasser, hin und wieder aber Schlamm, und überall niedere Sumpfpflanzen in Menge giebt, so daß in einiger Entfernung kein Wasser zu sehen i XII.Ordn. I^xu. Gatt. 239. Große Sumpfschnepfe. 299 ist, Alles eine grüne Fläche bildet, die aber nicht aus hohem Schilf und Rohr bestehen darf, doch damit abwechseln kann, zumal wo sich zwischen diesen stille Plätze finden, welche bloß niedere Sumpfgräser und seichten Morast haben. Sie Liebt besonders solche Brücher, die mehr zur Viehweide als zum Heumachen dienen, wo der morastige Boden von zahllosen Fußtapfen großem Viehes stellenweis gleichsam durchknetet ist, sowol auf schlammigem als torfigem Boden. In denErlenbrüchern, worin im Frühjahr die gemeine Bekassine so gern liegt, trifft man sie seltner an. Obwol im Allgemeinen sie sich in offenen Sümpfen und Morästen aufhält, so hat sie in diesen unfreundlichen Gegenden doch ihre besondern Lieblingsplätze, und zwar strenger als eine der fol- genden Arten, wie sie denn auch selten an gleichen Stellen mit diesen vorkömmt, vielmehr sich immer abgesondert hält. In der Wahl dieser Plätze ist sie besonders im Frühjahr eigen, und wir kennen aus langjähriger Erfahrung solche, in oft besuchten Brüchern, wo wir nur diese große Art allein, und nur in dem Falle, wenn sie dort schon verstöbcrt war, dann auch anderswo antreffen. Diese Lieblingsplätze sind von geringem Umfange, meistens solche, welche einen kurz begraseten, gleichmäßig zertretenen, Boden und so wenig Wasser haben, daß dieses nur einen Theil der dichten Fußtapfen ausfüllt, oder auch solche, wo es bloß quellig ist, die sich schon von Weitem durch ein frischeres Grün vor den Umgebungen auszeichnen, und auf Wiesen, jedoch nicht zu weit vom tiefern Sumpfe entfernt liegen, Stellen, wo man fast nie eine gemeine, eher zuweilen eine kleine Bekassine antrifft. Auf der Herbstwanderung ist sie weniger wählig, doch auch dann oft an Stellen, wo der Jäger keine Bekassine suchen möchte, wo aller Sumpf vertrocknet ist, auf vom Viehe zertretenem, harten, mit wenigen Gräsern vermischten Schlammboden, oder gar, wie es mir im banatischen Militärgrenzlande in Ungarn begegnete, im wilden Gestrüpp von halbmannshohen Sumpf- euphorbien, hohen Gräsern u. dgl., auf zertretenem, aber nur vom Thaue nassen Boden, neben kleinen Rohrhühnern und Rohrbommeln, aber weit entfernt von andern Sumpfschnepfen. Sie liebt das Wasser weit weniger als die gemeine Art; sie liegt daher in manchen Gegenden im Spätsommer im kurzen Grase bloß feuchter Wiesen, worauf wenig oder gar kein Wasser vorkömmt. In unsern Brüchern trifft man sie auch niemals auf den Kufen oder Pulten zwischen tieferm Wasser, oder auf dem beweglichen, gleichsam schwimmenden Moraste, wo die andern Arten so gern lie- 300 XII.Ordn. I.XII. Gatt. 239. Große Sumpfschnepfe. gen, sondern immer nur an den Rändern der tiefern Sumpfstellei. an, wo der Boden wol mehr naß als trocken, doch nur zum Theil mit Wasser bedeckt ist. Uiberall darf es nicht an kleinen Vertiefungen im Boden, an kleinen Grasstauden u. dgl. fehlen, wo sie sieb am Tage leicht verbergen kann, was auf zu glatter Fläche nicht gelingen würde; sie läßt sich daher zu dieser Zeit auch nie an den ganz freien Ufern der Teiche, Pfützen und Lachen sehen, besucht solche aber in der Abend- und Morgendämmerung, oder auch des Nachts, wenn diese nicht zu finster ist, wo sie, wie andere nächtliche Strandvögel, sich auch ruhig und still verhält. Am Tage ver ändert sie, ungestört, das Plätzchen, worauf sie liegt, wenig oder gar nicht; sie scheint ihn zu durchschlafen und zwar sehr fest zu schlafen. Hier aufgeschreckt fliegt sie meistens niedrig und nicht weit in einer Strecke fort, und wirst sich dann wol zuweilen an Orte nieder, die ihr sonst nicht zusagen, auf trockene Wiesen und Aecker, wo sie denn auch den Tag über ruhig liegen bleibt, da aufgescheuchr aber gewöhnlich wieder zur ersten Stelle zurückkehrt. Eigenschaften. Die große Sumpfschnepfe hat, wie andere Schnepfen, ein etwas dummes Aussehen, wozu das lange Gesicht, die weite Entfernung des Auges von der Schnabelwurzel und das hohe, schmale Hinterhaupt das ihrige beitragen. Wenn sie ruhig steht, ist der Schnabel vorn stark gegen den Boden gesenkt, der Hals sehr eingezogen und dann besonders dick aussehend, der Rumpf in wagerech- ter Haltung, und die Beine zwar in der Ferse nicht gebogen, oben aber so stark an den Leib hinausgezogen, daß die ganze Figur sehr kurzbeinig und überhaupt etwas plump aussteht. Sie geht behende, läuft aber nicht besonders schnell, was man nur in der Dämmerung aus einem Versteck oder an gefangenen beobachten kann, denn ihrer Flugkraft beraubte versuchen viel eher ein Versteck zu finden und sich zu drücken, als zu entlaufen. Sie fliegt zwar ziemlich hurtig, auch schnell genug, jedoch gegen andere Schnepsenvogel immer etwas schwerfällig, dazu meistens in gerader Linie fort und nie' hoch, als nur des Nachts auf ihren Luftreifen. Sie scheint trägen Temperaments, läuft und fliegt ohne dringende Noth nicht oder doch nie weit, was aber namentlich darin liegt, daß sie am Lage ruhet, und bloß in der Dämmerung und Nachts in ungebundener Thätigkeit ist. Bei alledem ist sie jedock XU. Ordn. uxu. Gatt. 239. Große Sumpsschnepfe. 3V1 zu allen Zeiten weniger beweglich und weniger lebhaft, als die gemeine Sumpfschnepfe, und ein Hang zu gemächlicher Ruhe und Bequemlichkeit, an Trägheit grenzend, vorherrschender als bei irgend einer einheimischen Schnepfenart. Die Flügel streckt sie im Fluge nicht sehr weit vom Körper weg, wenigstens die äußerste Spitze nicht, indem das Handgelenk so eingebogen ist, daß der Außenrand des Flügels beinahe parallel mit dem Rumpfe liegt, eine Lage, wodurch der Flügel seinem Umfange nach in drei Theile zerfällt, nämlich ein Vorder-, ein Außen- und ein Hinterrand entsteht, während bei Vögeln, welche den Flügel mit der Spitze gerade vom Leibe Wegstrecken, nur ein Vorder- und ein Hinterrand gebildet wird. Alle Schnepfen fliegen auf jene Weise, wenn sie schnell fort wollen, wobei sie die Flügel rasch und kräftig schwingen; wenn sie sich aber aus der Lust herabstürzen, ohne Schwingung derselben, ziehen sie sie noch näher an den Leib; wollen sie aber gemächlicher fortrücken, so entfalten sie dieselben mehr und beim Schweben, was jedoch selten und nur auf ganz kurze Strecken vorkömmt, sperren sie die Flügel ganz auseinander und ihre Spitzen gerade vom Leibe weg. Zudem strecken alle die Beine gerade hinten hinaus, ziehen den Hals ziemlich ein, und lassen den Schnabel mit der Spitze stark gegen die Erde Herabsinken. Unsere große Sumpfschnepfe unterscheidet sich fliegend von andern dieser Familie bloß durch die größere und plumpere Gestalt, und den schwerfälligern Flug, mit welchem, wenn sie die Flügel recht schnell und kräftig schlägt, wie beim plötzlichen Aufschwingen, ein wuchteln des Getöse vergesellschaftet ist, das man aber nur in der Nähe vernimmt, jedoch die Art sehr characterisirt, so daß sie der Geübte selbst im Finstern daran von der gemeinen unterscheiden kann.—Das Niedersetzen geschieht bald sanft unter kurzem Schweben und wenigem Flattern, bald ist es auch nur ein bloßes Einstürzen/ Im Nothfall können die Sumpsschnepfen auch schwimmen; sie Machen aber nur Gebrauch von dieser Fertigkeit, wenn sie flügellahm geschossen sind, oder wenn sie auf der Flucht vor einem Raubvogel zeitig genug das Wasser erlangen können, in welches sie dann auch untertauchen, was sie sonst nie thun. Sie ist ängstlich und furchtsam, doch dabei nicht scheu, läßt sich aber am Tage nur sehen, wenn sie aufgescheucht wird. Auf der Erde angekommen drückt sie sich sogleich wieder in eine Vertiefung des Bodens oder zwischen Pflanzen, und liegt hier auf derselben Stelle still, bis sie von neuem aufgescheucht wird. Wahrscheinlich 302 XU. Ordn. I^XU. Gatt. 239. Große Sumpfschnepfe. wechselt sie freiwillig ihr Plätzchen am Lage nie; wenn sie aber, wo sie recht versteckt und dabei recht sicher ist, auch herumschleichen möchte, so könnte dieses doch nur auf einem kleinen Raume geschehen, weil man sie immer genau auf derselben Stelle wieder heraus- stöbert, wo man sie Stunden lang vorher sich niedersetzen sahe. Kein Mensch hat ein solches Herumschleichen jemals beobachten können, ja es gehört unter die seltensten Fälle, daß ein Mal ein Jäger dicht vor seinem Vorstehehunde eine Bekassine in ihrer niedergedrückten Stellung gewahr wird. Sonderbarerweise gleichen die Farben der Sumpsschnepfen denen ihrer gewöhnlichen Umgebungen so sehr, daß ein sehr geübter, äußerst scharfer und leicht unterscheidender Blick, bei einer genügenden Annäherung, dazu gehört, wenn sie das suchende Auge herausfinden soll; meistens noch unter dem Suchen stiebt sie auf, und betroffen schauet der Suchende das leere Plätzchen an, glaubend, daß er dies vorher genugsam gemustert habe, ohne sie jedoch entdeckt zu haben, und es will ihm bedünken, sie müsse aus der Erde gekommen sein. Freilich ist ein solches Anschleichen auf 4 bis 6 Schritte, in solchen Umgebungen und in dieser Absicht, immer noch eine große Entfernung. Ohne aus ihrem versteckten Lager aufzufliegen, können am Tage Menschen in geringer Entfernung von ihr verkehren und noch näher Bieh vorüberweiden; dieses und sehr oft auch den einzelnen Menschen hält sie sogar so nahe aus, daß sie dicht vor seinen Füßen und vor jenem nicht eher herausfliegt, bis sie befürchtet zertreten zu werden. Wenn sie in der Dämmerung an die Kante freier Wasser kömmt, ist sie vorsichtiger und schüchterner; hier geht sie auch frei und ziemlich hochbeinig einher, wie die folgende Art. Sie ist auch eben so ungesellig gegen ihres Gleichen, wie gegen andere Arten. Eine Stimme läßt sie äußerst selten hören, früher glaubte man daher, sie habe gar keine. Im Frühjahre haben wir'öfters, besonders wo zwei nicht weit von einander lagen, jede Einzelne im Auffliegen ein sehr gedämpftes, nicht weit tönendes Bäd, bäd, bäd, bäd, ausrufen hören, wenn sie das erste Mal aufgescheucht wurden. Beim nachhingen wiederholten Aufstöbern flogen sie aber, wie zu andern Zeiten, immer stumm auf. Eine andere Stimme- Paarungsruf und dergl. ist uns nicht bekannt geworden. Nahrung. Die Untersuchung und Bestimmung der Nahrungsmittel hält XII. Ordn. I.XII. Gatt. 23S. Große Sumpfschnepse. 303 bei den Sumpfschnepfen sehr schwer, schon darum, weil sie weichliche Geschöpfe verschlucken und schnell verdauen, als auch darum, weil man sie meistens am Tage erlegt, wo sie gewöhnlich nichts mehr im Magen haben, indem sie ihrer Nahrung mehrentheils nur in der Dämmerung nachgehen. Sie besteht in allerlei kleinem Gewürm, das sich im Schlamme aufhält, in Insektenlarven, kleinen Schnecken, allerlei Wasserinsekten, auch kleinen Käfern und in Regenwürmern. Sie sucht diese Dinge in ganz seichtem Sumpfe, an schlammigen Wasserrändern oder auch in den nassen Stellen der Wiesen auf, und zieht das kleine Gewürm unter der Oberfläche des weichen Bodens hervor, indem sie mit dem Schnabel oft über einen Zoll tief hineinsticht, und vermöge des Gefühls in demselben, die lebenden kleinen Wesen hervorzieht, ohne sie gesehen zu haben. An diesen Stellen, die sie auf diese Weise sondirte, findet man solcher Löcher viele und dicht beisammen; auch der weiche Viehdünger wird in dieser Absicht so durchstochen. Beim Aufnehmen mancher Nahrungsmittel aus lockern, mehr moorigen Stellen, mag es wol kommen, daß hin und wieder zarte Wurzeltheilchen zugleich mir gefaßt und verschluckt werden, die auf diese Art nur zufällig in den Magen kommen, zur Zeit der Roth vielleicht aber auch absichtlich, um ihn füllen zu helfen, verschlungen werden, sonst aber, nach unserm Be- dünken, wol schwerlich zu den gewöhnlichen Nahrungsmitteln zu zählen sein möchten. Mit den unverdaulichen Resten derselben, ganz kleinen zarten Fasern, ist indessen der grünliche Brei, in welchen sich die animalischen Speisen im Magen sehr bald verwandeln, immer vermischt. Sie verschlucken auch die Larven der Phryganeen sammt ihrem Köcher, wodurch denn abermals Pflanzentheile, nebst zarten Conchylienschalen und groben Sandkörnern, in ihren Magen kommen, die sie aber auch wieder durch den Schnabel in kleinen, länglichrunden Convoluten, wie die kleinen Waldvögel die unverdaulichen Flügel und Beine der Insekten, von sich geben. Dies geschieht auch mit dem Sande, welchen sie täglich und absichtlich verschlucken. Wenn auch aus dem Benehmen ganz guter Vorstehehunde zuweilen hervorgeht, daß diese Schnepfe, an stillen und recht versteckten Drten, manchmal ihre Stelle verändere und unbeobachtet eine kleine Strecke durchlaufe, so ist doch noch nicht ermittelt, ob dies aus eigenem Antriebe und um sich Nahrung zu suchen, als vielmehr aus Furcht vor dem Hunde, erst kurz vor dessen gemächlicher Annäherung, geschehen sein könne. Zudem liegt sie sehr oft an so wenig 304 XII. Ordn. I^XII. Gatt. 239. Große Sumpfschnepfe. nassen Orten, daß da ein Suchen nach Nahrungsmitteln sie schwerlich befriedigen möchte. Auch ist, wie schon berührt, solches Suchen am Tage von Niemand beobachtet, wol aber ihr lebhaftes Herum- schwärmen am Abend, an den freien Wasserrändern und andern Stellen, die sie am Tage verabscheuet, woselbst man dann den nächsten Morgen die deutlichsten Spuren ihrer nächtlichen Anwesenheit, ihre Fährten, jene mit dem Schnabel gefertigten Löcher, und ihre weißen Exkremente findet. Wo sie, bei ihrer wenigen Regsamkeit, Nahrung in Menge findet und längere Zeit verweilt, wird sie bald außerordentlich fett, wie sie denn auch zu keiner Zeit mager gefunden wird. Recht feiste sind gewöhnlich sehr träge und schwerfällig. Fortpflanzung. Nicht sowol in nördlicher, als vielmehr in nordöstlicher Richtung von uns soll diese Art sich häufig fortpflanzen; denn auf Island und-in Norwegen fand man sie gar nicht, dagegen aber in Livland und in vielen andern Theilen des russischen Reichs in Menge brütend, jedoch nicht soweit nach Norden hinauf, als die gemeine Sumpfschnepfe. Aber auch in Deutschland nistet sie gar nicht selten, namentlich in den holstein'schen, hanover'schen und oldenburg'schen Sumpfstrecken und hin und wieder auch in denen Mitteldeutschlands, wahrscheinlich unbeobachtet auch noch hin und wieder in andern Theilen unsres Vaterlandes. Vor mehreren Dezennien, als die Kultur nasser Niederungen bei uns noch wenig Fortschritte gemacht hatte, wo es in den ebenen Gegenden auch allenthalben tiefe und ausgedehnte Sümpfe gab, die jetzt durch ableitende Graben und Kanäle trocken gelegt und zum Theil in Wiesen, zum Theil in fruchtbare Aecker umgewandelt sind, in jener Zeit, wo sich auf manchen solchen Strecken damals zahllose Schwärme der verschiedenartigsten Sumpf- und Waffervögel herumtrieben und daselbst sich ungestört fortpflanzen konnten, wo in jetziger Zeit nicht mehr an solche gedacht wird, damals war auch noch in unsern Brüchern die große Sumpfschnepfe in nicht unbedeutender Anzahl nistend anzutreffen. Noch vor ohngefähr 40 Jahren nisteten alle Jahr mehrzals ein Päär- chen in den mir am nächsten gelegenen Brüchern, und vor kürzerer Zeit noch zuweilen ein einzelnes; allein in den jüngst verflossenen Jahres, wo leider unerhörte Dürre vorherrschend war, die das Wassergeflügel vollends vertrieb, sind Heckvögel dieser Art dort eine große Sel- XII. Ordn. laXII. Gatt. 239. Große Sumpfschnepfe. 305 tenheit geworden. Sie werden auch bei dem wenigen Wasser mit zu leichter Mühe durch Wegschießen vermindert, und es ist wol kaum daran zu denken, daß, beim Eintritt nasser Jahre, sich die Sache der Wöget dort wiederum anders und besser gestalten sollte, wie sie denn den frühern Stand durchaus nie wieder erreichen kann. Sie nisten in großen, von Bäumen und Gebüschen völlig freien Brüchern, Gegenden, wie sie schon oben beim Aufenthalt näher bezeichnet wurden, auch bei uns. Im Anfange des Mai sind sie an ihren Nistplätzen; Männchen und Weibchen liegen dann nicht weit von einander und sehr fest, fliegen aber, wenn man ihnen zu nahe kömmt, nur einzeln nach einander auf, fallen jedoch sehr kurz, aber auch nicht nahe neben einander, wieder ein. Sie halten in dieser Zeit bis zum Ertreten nahe auS. Nicht auf den Wiesen, sondern auf einem etwas trockenen Hügelchen im Sumpfe und von morastigem Wasser umgeben, wie es deren an manchen Orten unzählige, dicht neben einander giebt, meistens nahe am Rande der Sumpfstellen, oder doch nicht da, wo das Wasser, welches solche Jnselchen Uingiebt, zu tief ist, wie meist in der Mitte solcher Flächen"). Gewöhnlich ist das junge Seggenschilf, was meistens diese Jnselchen bekleidet, um diese Zeit erst eine Hand lang hoch. In solches Büschchen drückt das Weibchen in der Mitte die jungen Blatter nieder, wodurch eine ziemliche Vertiefung entsteht, die es etwas rundet und dann mit trocknen Hälmchen und Blättern von nachbarlichen Gräsern nicht eben, sparsam, aber kunstlos auslegt. Dieses Nest 'st wegen der gleichförmigen Umgebungen sehr schwer aufzufinden, Man müßte denn den Vogel an der Stelle schon mehrmals bemerkt und diese sich bezeichnet haben. Gewöhnlich liegt er auch, wenn er nicht auf den Eiern sitzt, in geringer Entfernung vom Neste. °) Diese grünen Jnselchen, unter mancherlei Namen: Kufen, Küpen, Kaupen, Kämpen und Pulten bekannt, hatten ihr Entstehen den im Vorsommer dort täglich leidenden Nindvichhcerden zu verdanken. Diese zertreten nämlich den weichen Boden an den "ältesten Stellen in viele abgesonderte Theile, zwischen welchen sich nun das Wasser sam- ">elt, worin das Vieh lieber wadet, weil der Schmutz ihm hier nicht so an den Beinen lebe» bleibe, dabei die entstehenden Jnselchen umgeht, auf welchen nun, weil sie nicht mehr »"treten werde», die sie bedeckenden Pflanzen besser wurzeln können, wodurch sie nach und "ch immer fester werden, so wie sich He Iwischenräum« von Jahr zu Jahr tiefer aus- kten. Diese Kufengefilde sind fast allen Sumpf- und vielen Wasservögeln ein erwüusch- " Aufenthalt, weil sie ihnen Nahrung und Schutz zngleich gewähren; steht das Wasser "r dein Hügelchen in gleicher Höhe, so sind sie von Enten und Nohrhühnern, steht - "^drig, von Schnepfenvögeln, sind die Pflanzen auf den Hügelchen hoch aufgewach- - von Rohrdommeln, Rohrsängern u. a. belebt; ist es endlich Winter geworden und Kaiser in den Zwischenräumen, so werden sie von Hasen und Rebhühnern, auch u chse» bewohnt. In der Brutzeit sind sie die Sammelplätze aller dort nistenden Vö« und der sicherste Zufluchtsort ihrer Jungen. 8- Theil. 2V 306 XU- Ordn. I-.XII. Gatt. 239. Große Sumpsschnepfe. Die Eier, nie mehr als 4 an der Zahl, findet man nicht leicht vor der Mitte des Mai, oft erst gegen Ende dieses Monats, je nachdem gute Frühlingswitterung sich früher oder später einstellte. Sie legt in der Regel um eine bis zwei Wochen später als die gemeine Bekassine, und die Eier sind denen dieser in der Gestalt, Farbe und Zeichnung zwar sehr ähnlich, aber um ein Bedeutendes größer, wodurch sie sich leicht unterscheiden lasten. Sie haben reichlich die Größe derer des Gambettwasserläufers, was gerade nicht viel sagen möchte, da die große Sumpfschnepfe ein größeres Körpervolumen hat als jener, wenn nicht bekannt wäre, daß die Schnepfen, obgleich verhältnißmäßig immer noch große Eier, doch beinahe die kleinsten von allen schnepfenartigen Vögeln legten. Ihre Gestalt ist zwar in Etwas birnförmig zu nennen, ist dies jedoch nicht so stark, weil der Bogen des Bauches sanfter verläuft, ,ob- wol das eine Ende sehr spitz, das andere Ende aber im Gegensatze nicht so schnell abgerundet ist, als z. B. bei denen der Strand- und Wasserläufer. In der Größe variiren sie bedeutend, von 21 Linien Länge und 15 Linien Breite bis zu 22^ Linien Länge und fast 16 Linien Breite. Oft ist eins im Neste besonders klein, und wenn man weiß, daß aus kleinern Eiern auch schwächlichere Junge kommen, so ist es eben kein Wunder, wenn die erwachsenen Böget sehr in der Größe variiren. Die Schale dieser Eier ist feinkörnig, glatt, aber ohne Glanz, olivengrün, stark ins Olivengelbe spielend, in matter Anlage, oft ins grüngelblichbräunliche Weiß abgebleicht; die Zeichnungen sind braungraue Punkte und Flecke innerhalb der Schale, und auf ihr Punkte und verschiedengestaltete, doch oft gerundete Flecke von einem sehr dunkeln Olivenbraun oder fast Schwarzbraun, die sich am stumpfen Ende häufen, bei einigen fast einen undeutlichen Fleckenkranz bilden, nach der Spitze des Eies zu aber stets viel kleiner und sparsamer vertheilt sind. In der Höhe und Tiefe der Grundfarbe giebt es viele Abweichungen, wie auch im Geflecktsein, wobei noch zu bemerken ist, daß sie in Sammlungen sehr am Grünlichen verlieren und auf die Länge viel brauner werden. Mit denen des Ivtuuus valiüris haben sie zwar viele Aehnlichkeit, diese spielen aber, namentlich wenn sie länger in Sammlungen waren, viel stärker ins Gelbe, vorzüglich auffallend ins Röthlich- oder Nostgelbe und die Fleckenfarbe ins Rothbraune. Das Weibchen sitzt den ganzen Lag über den Eiern und so ftst, daß es sich fast mit Händen darauf ergreifen läßt. Aufgescheucht fliegt es nicht weit und kehrt bald wieder auf das Nest XII. Ordn. lll-XII. Gatt. 239. Große Sumpfschnepfe. 307 zurück, wenn man ihm auch ein Ei geraubt oder jenes gar mit Schlingen umstellt hätte. Ob das Männchen abwechselnd brüten helfe, ist nicht beobachtet, ich zweifle aber daran. Nach 17 bis 18 Tagen schlüpfen die Jungen aus den Eiern, und während dieser Zeit ist das Seggenschilf oder Gras, welches das Nest umgiebt, gewöhnlich so hoch gewachsen, daß man den brütenden Vogel in dem Grünen kaum noch sitzen sieht; steht eine Staude von der hohen Sumpfeuphorbie daneben, so ist es dadurch noch mehr versteckt. Sobald die Jungen abgetrocknet sind, verlassen sie das Nest, und die Alten führen sie zwischen die höchsten und dichtesten Kufen, wo jene ohne Hund nicht aufzufinden sind. Im Dunenkleide ähneln die Jungen denen der gemeint» Art so sehr, daß sie nur durch die ansehnlichere Größe und an den sehr kurzen Schnäbelchen von ihnen unterschieden werden können. Sie kommen nicht zum Vorschein, bis sie endlich flugbar werden, wo sie in der ersten Zeit aber auch nur ein guter Hund auffinden und aufstöbern kann. Sind sie schon ein Mal aufgejagt, so hält es das zweite Mal noch schwerer, dies zu bewirken, und wo sie sich dann wieder versteckt haben, liegen sie so fest, daß man sie würde greifen können, wenn man sie zu sehen bekäme. Im Anfange des Juli, wo sie zu mausern anfangen, verschwinden die Alten von den Brüteplätzen. Feinde. Jedem nicht zu langsamen Raubvogel würde die große Sumpfschnepfe unfehlbar zur Beute werden, wenn er sie im Fluge überraschte. Da sie aber am Lage nie weit fliegt, so mag dies nur selten vorkommen; daß es jedoch möglich ist, bewiesen aufgefundene Neste von Raubvögeln verzehrter. Noch viel seltner wird sie ein solcher in ihrem Versteck im Sitzen erwischen. Viel öfter wird sie dem, an einsamen Orten oft auch am Lage herumschleichenden, Fuchse zur Beute. Wahrscheinlich glückt es auch Iltissen und Wieseln, zuweilen eine, besonders junge, wegzukapern. Die Eier stehlen ihnen Raben, Krähen und Elstern nicht selten; desgleichen die Menschen, welche sie mit Kibitzeiern und andern in die Küche liefern. Sonderbar, daß Hunde diese Schnepfe, wenn sie recht fett ist, ungern aportiren. Solche mögen ihnen vielleicht zu weichlich im Waule sein. 2V» 308 XII. Ordn. I XII. Gatt. 239. Große Sumpsschnepfe. Jagd. - Weil diese Schnepfe so fest liegt, daß sie meistens erst dicht vor den Füßen oder doch nie außer Schußweite vor dem Schützen herausfliegt, dann niedrig und geradeaus fortstreicht, nicht sehr rasch fliegt und im ungünstigsten Falle nicht weit vom ersten Orte wieder einfällt, so ist sie mit einer, mit ganz feinem Hagel geladenen, Flinte von jedem nicht ganz ungeübten Schützen sehr leicht zu schießen. Auch ein- und zweimaliges Vorbeischießen macht sie noch nicht scheuer. Ihre Jagd ist auch bequemer, als die der andern Bekassinen, weil sie nie an so wasserreichen und tiefmorastigen Orten liegt, und weil sie ein gut abgerichteter Hühnerhund lieber aufsucht und ihr vorsteht. Was Wunder also, wenn bei so einladenden Eigenschaften der Liebhaber diese Jagd der reizenden Be« kasstnenjagd noch vorzieht! Nur zu bedauern, daß sie in Deutschland zu einzeln vorkömmt, als daß der feurige Jäger sich genügend daran erlaben könnte, um so mehr, da sie zugleich ein höchst deli- cates Wildpret ist. Fangen kann man sie in Steckgarnen, die auf Art der Hühnersteckgarne (s. Th. VI. S. 535.) angefertigt werden, aber besser sangen, wenn das Busengarn von grüner Seide gefertigt wird, deren Wände überhaupt auch nur die Höhe und deren Maschen die Weite von Wachtelsteckgarnen (s. Th. VI. S. 606.) zu haben brauchen, so daß die für Wachteln eingerichteten auch vollkommen zum Fange der Sumpfschnepfen taugen und auf gleiche Weise an die Lieblingsörter derselben aufgestellt werden.— Eben so sangen sie sich in den Schleifennetzen (s. Th. VII. S. 636.) sehr leicht, wenn diese etwas kleiner, etwa wie' für Drosseln, angefertigt werden. Diese wie jene dürfen nur nicht zu frei stehen, am besten in etwas langem Grase oder zwischen den Kufen, und öfters abgetrocknet werden, damit sie länger dauern, weil sie sonst im Feuchten bald stockig oder mürbe werden und die Haltbarkeit verlieren. — Dann sangt man sie auch vor einem Hühnerhunde, welcher fest vorsteht, mit dem Tiraß, welcher ebenfalls ein Wachteltiraß (Lh. VI. S- 605.) sein kann. — Auch mit dem Lerchennachtgarn (s. Th. IV. S. 180.), aber am hellen Tage und gerade in den heißen Mittagsstunden, werden sie gefangen. — Noch andere Fangmethoden, die man angiebt, verdienen, als minder praktisch, keiner weitem Er» wähnung. Auf den Wasserschnepfenheerd kömmt diese, wie XII. Ordn. I^XII. Gatt. 2Z9. Große Sumpfschnepfe. 309 die andern Sumpfschnepfen, als nächtliche Vogel, spät am Abend oder sehr früh am Morgen, nur zufällig und selten. Der fleißige Jäger wird ihre Fährte leicht an ihrer Größe von der ganz ähnlichen der folgenden gemeinen Art unterscheiden. Nutzen. Ihr ungemein zartes, leckerhast weiches, fettes, oft ganz in leichtflüssiges, gelbweißes Fett eingehülltes, außerordentlich wohlschmeckendes Fleisch wird allgemein, von allen Feinschmeckern und Leckermäulern, für das allerschmackhafteste sämmtlichen Schnepfenwild- Prets, oder gar allen Geflügels, gehalten, und sammt den Eingeweiden gebraten und verzehrt. Ein gemüthlicher Jäger stellte daher einem, ihn um seine Meinung befragenden, lüsternen Schmecker einst die Schnepfen in folgende stufenweise Schüsselordnung: Zuerst die Waldschnepfe, als die schlechteste; dann die gemeine, und zuletzt die kleine Bekassine. Befremdend fragt dieser weiter, weil er glaubt, sie sei vergessen, „wo er denn nun aber die große Bekassine (Sumpf- oder Pfuhlschnepfe) hinbrächte?" und erhielt die scherzhafte Antwort: „Die behalte er, der Jäger, selbst, weil sie nur dem Schützen zukomme, und viel zu hoch über jenen dreien, stände, als daß sie jener Classisication angereihet werden könnte, weil zwischen der kleinen und großen noch viele Stufen gedacht werden möchten." — Auch ich halte die große Sumpffchnepfe, recht fett und gut gebraten, für eine ausgemachte Leckerei, und für das allerschmackhafteste Schnepfengericht, und möchte in dieser Hinsicht den Mornellregenpfeifer, unter den günstigsten Umständen, ihr kaum gleich stellen. Auf den Märkten wird sie, ihrer Größe und, wer es versteht, ihres Wohlgeschmackes wegen, viel theurer bezahlt, als andere Bekassinen, aber nie so theuer als die Waldschnepfe, welche im Küchenfache immer einen größeren Ruf hatte, und der Größe wellen bisher immer den Vorzug behalten hat. Schaden. Daß sie uns, wenn auch nur auf die entfernteste Weise, nach- heilig würde, ist nicht bekannt und auch nicht wahrscheinlich. 240, Die gemeine Sumpfschnepfe. 8«o1oxnx Lr'-e-r. l Fig. 1. Männchen im Frühling. Taf. LV9. < Frg- 2. junges Weibchen im Herbst, j Fig. 3. junger Vogel. Schnepfe; gemeine Schnepfe; Moos-—, Moor-—, Sumpf-—, Bruch-—, Ried-.—, Grasschnepfe; Gräser, Halb-Gräsrr; Heer-—, Heerd- —, Haar- —, Doppel- —, Duppel---, Herren- — oder Fürstenschnepfe; Kut- — oder Kätschnepfe; kleine Pfuhlschnepfe; Schnepfchen, Schnepflein, Schneppe; Schnibbe; Himmelsziege; Himmelsgeiß; Haberziege; Haberbock; Haberlämmchen; Haareken- blatt; Wasserhühnchen; Bekasse, gemeine oder mittlere Bekassine; Vogel Casper; Hätscher; in hiesigem Lande: Katschschnepfe, oder schlechthin: Bekassine. kmel. I-IIIN. «vst. I. 2. p. 682. II. 7. -- ' I,n6i, InS. II. p. 715. II- 6. ^--- dOIx^vn, Orn. sveo. II. ji. 104. II. 185. - II !'.!!/. I^IIÜII. 8U6V. p. 175. ----- Ta NnE. 0i8. VII. p. 483. 1.- 26 — Laie. «I. Olnixp. XIV. I>. 210. ----- 15. VI. eul. 883. ---- Oeraril. 'lull- eiiiiii. II. ^>. 223. — ileen.esüiis orcsiiinrr-i?. 2'iimiii. IN-in. iiiiiii'. Lüit. II. p. 676. --- Homnioer 0>ni/ii- (»r Viii/i-i. 1-LtI,. 8vi>. V. n. 134. «. 6. ----- Uiders. v. Bechstein, III. 1. S. 168. ». 6. ---- Ili'iviii!., 1,1-it. Iliril«. II. s> 68. - - Kecnarcirro i'k'iiin ^VirrmileUa). 8tnr. «leg. I i i'. IV. 1r»v. 445. ----- 8rivi, Oru. w-v. II. p. 312. ---- Bechstein, Naturg. Deutschl. IV. S. 185. ----- Drffm Laschend. II. S. 280. n. 3. Wolf und Meyer, Laschend. II. S- 363. ----- Meyer, Bog. Lio- und Esthlands. S. 194. ----- MeiSner und Schinr, Bog. d. Schweiz. S. 267. u. 198. ----- Koch, Baier. Zool, I. S, 314. a, 195. ---- Brehm, Lchrb. II. S. 625. — Dessen Natnrgesch. a. B. Deutschl. S. 617 — 621. ----- Gloqcr, Schl-s. Faun, S. 48. 11, 204. ----- Frisch, Bog. Taf. 229,— Iiaumann's Bog. III. S. 15. Taf. III. Fig. 3. Männchen im Herbstkleide. ^(()>.Ol'.VX -;:>>lii^u«'« 1Ii-,-t>-.cki. S.,j«»»,vV>>8'. l'i'ii1il>n»>;!m>, z» 8-vi. !„ Ziesten sei, ober eine sklbststcindicze Art bildet, kann ich tür jetzt nicht bestimme», weil sie mir noch nicht vorgekommen ist. Sollte ich später so glücklich sein. so wild bn« Notlüge nachgeliefert werden. .Beschrieben ist sie von Brehni. in dessen Lcbrb. II. S. 621., sowie in dessen -Natur.i. a. V. DcntsclN. S. 618. und von 8avi^ lZen. tacio. ll. ».. ?.l",. Sie soll der Sonl. galli-m-so gcrnz ähnlich sein, aber stets 2 Schwanzfedern mebr. nämlich deren 16 stoben. Wie wenig indessen bei diese» Vogeln (überliauxt bei allen, welche mestr als 12 baben) anf die Zostl der Stcnerleder» ankomme, bewiesen mir Stücke, von weichen eine» 18, ein anderes gar 26 battc, welche dessenungeachtet in allem uibrigen der ganz gewöhnlichen k?o. tzaMuago vollkommen älmlich waren. Kennzeichen der Art. Die mittlren Flügeldeckfedcm haben schmale, graugelbliche, i meistens in der Mitte getheilte Spitzmflecke; am gewöhnlich vier-- j zehnftderigen, abgerundeten Schwänze ist nur der Außenrand und die kurze Spitze oer äußersten Seitenfeder weiß. Besch r ei bu n g. Diese unter dem Namen „Bekassine" allen Jägern und Jagdliebhabern Deutschlands bekannte Schnepfe unterscheidet sich > von der Vorhergehenden, obgleich die Färbungen des Gefieders, wie deren Zeichnungen, bis auf die obigen Artkennzeichen, einander sehr ähnlich sind, sogleich durch ihre viel geringere Größe und den, im Verhältniß zu dieser, viel langem Schnabel. Sie ist um einDritt- thci'l kleiner und leichter als jene. Ihre Größe läßt sich der einer Drossel, etwa von ^mnlns merul», vergleichen, wenn man sich den viel länger» Schwanz dieser und andere nicht vergleichbare Verhältnisse wegdenkt. Man könnte sie eben so, ohne Gliedmaßen, bloß dem Rumpfe nach, von der Größe unsrer Wachtel finden. Ihre Länge (ohne Schnäbelt ist 8^2 bis 9>/4 Zoll; ihre Breite 18 bis 18'/2 Zoll; die Länge des Flügels 51,2 Zoll, die Schwanzlänge 2 '^ Zoll, und die Spitzen der ruhenden Flügel reichen ohngefahr auf die Mittt derselben. Das Gefieder ist wie bei der vorhergehenden 'Art, auf dem Oberrücken und den Schultern besonders groß, die Flügel aber weniger gewölbt und spitzer, weil nicht allein die erste große Schwing- ftder gewöhnlich etwas länger als die zweite und von allen die längste ist, sondern weil diese auch gegen die schief zugerundete Spitze etwas schmäler fallen, als bei jener; sie haben auch weniger einwärts gebogene Schäfte; das kleine, steife, sehr schmale und spitze Schnepfensederchen vor der ersten fehlt auch hier nicht; die der zwei- Z12 X!?. Ordn. ittXkl. Gatt. 240 Gemeine Sumpfschnepfe. teil und dritten Ordnung sind eben so gestaltet, und der Hintere Flügelrand eben so tief im Halbkreise ausgeschnitten"). Der Schwan; hat dagegen eine ganz andere Gestalt; seine Mittelfedern sind kaum etwas länger als die nächsten, fast gleich langen, und erst die äußersten Paare abgestuft viel kürzer, das alleräußerste gegen die Mit- telsedern um ^/z Zoll. Sie sind weich, nur die nach außen mit etwas steifern Schäften, nicht sehr breit, am Ende zugerundet, dies an den äußersten oft sehr schmal, diese in der Gestalt überhäupt etwas wandelbar, so wie die Zahl aller Schwanzfedern,, deren in den allermeisten Fällen allerdings nur 14 sind, die, wie wir glauben, aber nicht nur zuweilen auf 16, sondern sogar auf eine noch viel höhere Zahl steigen können. Wir werden weiter unten auf diesen merkwürdigen Umstand zurückkommen. Der Schnabel ist schwach und sehr lang, beides mehr als bei den übrigen einheimischen Arten dieser Gattung. Er mißt von der Stirn bis zur Spitze bis volle 3 Zoll; meistens ist er bei jüngeren Bögeln kürzer als bei alten, variirt jedoch auch bei diesen zuweilen bis gegen 4 Linien. An der Wurzel ist er 4^ Linien hoch, aber noch nicht 3 Linien breit, eigentlich wenig über 2 Linien breit, weil allein die Mundkante des Unterschnabels hier so vortritt, daß er dadurch um 1 Linie breiter wird; betrachtet man ihn von oben oder von unten, so geht er bis nahe an die stumpfe Spitze in einerlei Breite vor, nur daß der Oberschnabel vor der Spitze ein wenig breiter als der untere ist; sieht man ihn aber von der Seite, so fällt seine Höhe von der Stirne an allmählig und wird gegen die Spitze ziemlich geringe, weil er vor dieser sich stark abplattet. Sonst ist die Firste rund, der Kiel aber durch eine tiefe gerade Mittellinie scheinbar bis nahe an chie Spitze gespalten, diese löffelartig ausgehöhlt, zugerundet fast 1^ Linien kürzer als die des Oberschnabels und in diese eingesenkt, daher die Schnabelspitze ein, fach. Auf jeder Seite beider Schnabeltheile läuft eine Längefurche mit der gerundeten oder etwas aufgetriebenen Mundkante parallel bis in die Nähe der Spitze, und in die des Oberschnabels läuft auch die weiche Bedeckung der Nasenhöhle ein. Er ist bis an die hornartige Spitze weich und sehr biegsam, durchaus glatt, bekömmt aber im Tode vor der harten, glänzenden äußersten Spitze kleine, ") Um diese oft erwähnte, bei den Schnepfeuvögeln unter mancherlei Modifikationen vorkommende Bildung Lc» hinter» FlügelrandeL anschaulicher zu machen, stellt die 2t« Fig. auf unserer Kupfertasel d-u Vogel fliegend vor. xr?. Ordn.L-X?!. Gatt. 240. Gemeine Sumpfschnepse. Z1Z in Reihe gestellte Grübchen, wie der Hieb einer Feile, und der Oberschnabel hier auch noch auf der Mitte eine rinnenartige, doch nur seichte, Vertiefung. Das Nasenloch öffnet sich sehr nahe an der Schnabelwurzel in jener weichen Haut, sehr schmal länglichrund, kurz mit etwas erhöhetem Randchen. Die Farbe des Schnabels ist im Leben eine grauliche Fleischfarbe, die im Frühjahr lebhafter « wird und in trübes Röthlichgelb übergeht, gegen die Mitte des Schnabels aber immer düsterer wird und durch röthliches Grau in die schwarze Spitze verläuft; bei den Jungen im ersten Herbst graurvthlich, unten grünlichgrau, die Spitze schwarzgrau. Im Lobe wird die Farbe dunkler, röthlichgrau, getrocknet endlich ein schmutziges, lichtes Braun. Das Auge ist etwas groß, steht weit vom Schnabel entfernt und hoch neben dem platten Oberkopfe, hat eine dunkelbraune Iris und inwendig kahle, schwarzgraue, außen gelbweiß befiederte Lider. Die Beine sind niedrig, schwächlich, über der Ferse weiter hinauf nackt, als bei der Vorherbeschriebenen, verhältnißmäßig nicht so stark, die Zehen besonders viel schlanker und die Mittelzeh länger. Sonst sind sie eben so weich, auch der Uiberzug vorn und auf den Zehenrücken in ähnliche Schildtaseln zerkerbt, hinten kleiner geschildert und an den Zehensohlen feinwarzig. Sie sind ebenfalls ohne Spannhäute, die schwache Hinterzeh nicht ganz kurz, die Krallen nicht groß, sehr schmal, wenig gebogen, sehr spitz, unten zweischneidig. Der nackte Theil über der Ferse mißt ^ Zoll, der Lauf 1 Zoll 5 Linien; die Mittelzeh 1 Zoll 6 bis 7 Linien, wovon 2^ Linien und darüber auf die Kralle abgehen; die Hinterzeh, mit der fast 2 Linien langen Kralle, 5 Linien. Die Farbe der Füße ist eine schmutzige, an den Gelenken mehr oder weniger auffallend grünlich oder grünbläulich überlaufene Mischfarbe; die der Krallen braunschwarz. Die jungen Herbstvögel haben bleich und schmutzig graugrüne Füße. Im Tode wird die Fußfarbe bald livid und im getrockneten Zustande "endlich schmutzig Hornbraun. Vom Scknabel geht auf die Mitte der Stirne hinauf ein Anfangs schmaler, oben aber den ganzen Scheitel einnehmender und bis ins Genick hinabgehender schwarzer, mit wenigen bleichrostfarbigen Fleckchen gemischter, in der Mitte aber durch einen schmalen hellrostgelben Streif der Länge nach in zwei Hälften getheilter, breiter Streif; vom Schnabel über das Auge weg ein röthlichrostgelber, an den Schläfen braunschwarz gefleckter; ein anderer braunschwarzer Streif bildet die Zügel, und diese Farbe geht in Flecken unter dem 314 XII.Ordn. I-XII. Gatt. 24V. GemeineSumpfschnepie. Auge hinweg; die Wangen röthlichrostgslb, mit zerstreueten dunkel- braunen Flecken, welche oft vom untern Schnabslwinkel herab, unter den Wangen hindurch, einen Fleckenftreif bilden, der aber auch oft nicht bemerklich ist; der Hals ist dunkelrostgelb mit dichten braunschwarzen, langlichten Flecken, vorn bleicher als hinten; der Kröpf . und die Oberbrust dunkelrostgelb, ins Rostbräunliche ziehend, besonders an den Seiten der letztem, wo die Farbe dunkler ist als in der Mitte, diese Theile schwach graulichbraun gewölkt und dunkelbraun unordentlich gefleckt, die Flecke an den Seiten am stärksten; die größer» Tragesedern, über den Schenkeln, weiß, dunkelrostgelb angelaufen und schwarzbraun gebändert, aber weniger regelmäßig als bei der vorigen Art; die Mitte der Brust, der Bauch unir die Schenkel weiß, die letzten nach unten braun gefleckt; die Unterschwanzdeckfedcrn dunkel röthlichrostgslb oder bleich rostfarbig mit schwarzbraunen Pfeil- und Querflecken. Die etwas langen Federn des Oberrückens und der Schultern sind schwarz, mit wenigen kleinen, schmalen Querflecken und abgebrochenen Zickzacks von einer bräunlichen Rostfarbe, und mit einem großen, langen, schön rost- gelben Streif auf der Kante der Außenfahne der Federn, welcher an seinem äußersten Rande ins Weißliche übergeht; bei ganz geordnetem Gefieder, zumal am lebenden Vogel, bilden sich durch diese auf der Oberseite des Vogels 4 schön rostgelbe, lange Streife, wovon 2 die Grenze zwischen dem Rücken und den Schultern und die zwei andern die der Schulter und des Flügels der Länge nach bezeichnen, wovon jene an den Rücken-, diese an den Schulter- sedern stehen. — Der Unterrücken ist matt braunschwarz, mit weißlichen und hellrostbräunlichen kleinen zerstreuten Querflecken; Bürzel und Oberschwanzdeckfedern dunkel- oder bräunlichrostgelb, mit ungeregelten, schwarzbraunen Querflecken gebändert. Die Schwanzfedern sind an der Wurzelhälste schwarz, an der andern schön rostfarbig, an den Kanten des Schwanzes etwas lichter, die äußerste Feder weißlich, besonders an der Außenfahne und Spitze, auch die Spitzen der übrigen Federn oft weißlich, die Schäfte aller schwarz; über der Mitte, spitzewärts, läuft ein breites und nahe vor der Spitze ein schmales schwarzes Band quer durch den Schwanz. — Das kleine steife Federchcn vor der ersten Schwingfedcr ist weiß, am Schafte schwarz; die erste der großen Schwingen hat einen grauweißen Schaft und Außensaum, sonst sind sie alle rauchschwarz, mit etwas lichtem Säumen (zumal an den Enden), die an den kürzern weißlich werden; die Schwingfedern zweiter Ordnung rauch- XII. Ordn. I^XIL. Gatt. L46. Gemeine Sumpsschnepfe. 315 schwarz, auf der innern Fahne ganz fahl, an den Enden mit hellweißen Kanten; die der Hintern Flügelspitze braunschwarz, mit hellrostbraunen, an den Kanten bräunlichweißen zackigen Bändern in der Quere gestreift; eben so gezeichnet sind auch die über ihnen stehenden Deckfedern, die übrigen des Flügels matt rauchschwarz, die großen mit trübeweißer Endkante, die mittlern mit bräunlichweißen und lichtbräunlichen, unscheinlichen Endkanten, welche meistens an der Spitze der Federn unterbrochen und so in zwei Randflecke getheilt sind; die kleinen Deckfedern fast ungefleckt; die Daumenfedern und Fittichdeckfedern schwarz, an ihren Spitzen mit einem kleinen weißen Mondfleckchen. Die Deckfedern unter dem Flügel sind weiß, am Rande desselben schwarz geschuppt und gefleckt, die langen unter der Achsel weiß und braunschwarz in die Quere gestreift; dieSchwing- federn unten glänzend braungrau, auf dem Jnnenrande weißlich marmorirt, die der zweiten Ordnung mit weißen Endkanten. In der Farbe unterscheiden sich die Geschlechter fast gar nicht, aber das Weibchen ist etwas größer als das Männchen, wenn man beide neben einander haben kann; sonst ist es auch nicht merklich. Die schwarze Farbe an den Rücken- und Schulterfedern hat einen schwachen Metallschiller, welcher beim Männchen bemerklicher, am jungen Gefieder gleich nach der Mauser aber bei beiden Geschlechtern am stärksten ist. Das Frühlingskleio sieht dem Herbstkleide ganz ähnlich, ist aber doch leicht an den in dieser Mauser nicht erneuerten Flügelfedern zu erkennen, welche fahler geworden sind und durch Abnutzen viel von ihren weißen oder lichtbräunlichen Spitzenflecken verloren haben, so daß der ganze Flügel düsterer und schwächer gefleckt erscheint. Eben so hat die Schwanzspitze hier weniger Weiß als dort, weil sich die Ränder ebenfalls abgerieben haben. Die 4 großen langen Rückenstreifen haben auch eine andere, mehr ochergelbe, im Herbstkleide dagegen eine dunklere, rostgelbe Farbe; die Zeichnungen bleiben aber, mit unbedeutenden, keine merkliche Veränderung bewirkenden Abweichungen, immer dieselben. Auch das Zug end kleid hat die nämliche Farbe und Zeichnung, wie das der Alten; es ist nur weniger schön und die Jugend der Wöge! an den sehr weichen, an den Fersen und dem Theile des Laufes unter denselben dick aufgeschwollenen, und ganz graugrün gefärbten Füßen und an dem sehr weichen Schnabel zu erkennen. Beide Geschlechter sind in diesem Alter noch weniger zu unterscheiden. Z16 XII. Ordn. I-XII. Gatt. 24V. Gemeine Sumpfschnepfe. Bevor sie das erste Federkleid anlegen, sind sie mit weichen Dunen dicht bekleidet, und dies Kleid ist ebenfalls sehr buntscheckig. Die Zügel sind schwarz; ein Streif vom Schnabel über das Auge und die Schläfe hinlaufend ist dunkelrostgelb, rostfarbig gemischt; ein großer, dunkler, schwarz und rostbraun gemischter, grau und weiß gefleckter Streif geht von der Schnabelwurzel auf die Stirn und über den Oberkopf bis auf das Genick; die Wangen dunkelrostgelb, grau und weiß gemischt, über und unter der Ohröffnung mit einigen schwarzen und rostbraunen Flecken und einem schwarzen Striche von dem Mundwinkel nach dem Ohre; die Kehle dunkelrostgelb, ungeflcckt; der Hals bis an den Rücken und auf die Oberbrust hinab dunkelrostgelb, mit schwarzen, rostbraun gemischten, fleckigen Längestreifen; der ganze Rücken ist schwarz, braun und rostfarbig gefleckt, auch Weiß eingesprengt, zu beiden Seiten ist er mit einem dunkelrostgelben, rostfarbig und weiß gemischten, schwarz begrenzten Längestreif eingefaßt; die Körperseite dunkelrostgelb, streifenartig schwarz, auch rostbraun und weiß gefleckt; die Flügel rostgelb und schwarz gestreift und Weiß eingesprengt; der Unterkörper rein weiß; der Schnabel schmutzig fleischfarbig; die Iris braungrau, die Füße röthlichwciß. Außerordentlich selten kömmt unter diesen Vögeln eine weißgefleckte Spielart (8vol. xuIIiunAo vnris) vor, an welcher mehr oder weniger weiße Federn, doch im Ganzen nur eine sehr geringe Zahl, zwischen den gewöhnlich gefärbten stehen*). Viel merkwürdiger ist dagegen eine Abweichung in der Zahl der Schwanzfedern, welche eine nähere Beschreibung verdient. Ich sahe dies Exemplar im Berliner Museum, wohin es aus Ostindien kam, und habe es mit andern, in hiesigen Gegenden erlegten Vögeln unsrer Art, wovon mehrere Stücke zur Hand waren, auf das Allergenaueste verglichen, was auch schon von den verehrten Directoren jener kostbaren Sammlung und andern gründlichen Kennern zur Genüge geschehen war, habe aber außer einer sonderbaren Verbildung des Schwanzes, in ganz geregelter Anlage, durchaus Nichts finden können, das es nur im mindesten von unsrer gemeinen Bekassine unterschieden hätte. Dieses Exemplar hat nicht weniger als sechs und zwanzig Schwanzfedern, nämlich 10 nor- ») Nach meiner Ansicht gehöat hierher Frisch Taf. 230., welche eine beinahe ganz weiße 8°. gallillag», trotz der befiederten Unterschenkel, (ein Versehen des Malers) deutlich genug darstellt, welche iinmer für eine weiße Waldschnepfe, aber gewiß mit Unrecht, gehalten worden ist. XU. Ordn. LaXH. Gatt. 24V. Gemeine Sumpsschnepfe. 317 male und 16 abnorme. Die 5 mittelsten Paare sind vollkommen genau so gestaltet und gefärbt, wie an allen inländischen Individuen unsrer gemeinen Art; nun folgen aber nach außen noch 8 Paare, oder auf jeder Seite acht Stück, Schwanzfedern von einer ganz andern ungewöhnlichen Bildung und Farbe, welche viel steifere Schäfte, auch völlig geschlossene Bärte haben, wobei diese aber so kurz sind, daß die Federn außerordentlich schmal erscheinen, namentlich gleich über der Mitte, während sie an der Wurzel etwas breiter sind und auch an der Spitze sich löffelartig ausbreiten. Ihrem Umrisse nach haben sie die Gestalt eines kleinen Ohrlöffels mit an der Basis etwas breiterm Stiel; doch werden sie von Paar zu Paar, nach außen zu, immer schmäler, so daß zuletzt, am äußersten Paare, über der Mitte ihrer Länge fast gar kein Bart und nur an beiden Enden etwas davon bleibt. So ist das erste Paar von innen (zunächst dem letzten der normalen Federn) nicht weit vom hohlen Theil oder der Spule, und eben so in der Nähe der zugerundeten Spitze, als den breitesten Stellen, 2 Linien, das äußerste an diesen Puncten kaum 1 Linie breit. In der Länge sind diese Federn einander ziemlich gleich, im Ganzen aber etwas kürzer als die sonst an diesem Platze stehenden normalen Seitenfedcrn. Die Färbung dieser sonderbaren Federn ist weiß, wurzelwärts am Schafte und an der Kante, auch an der des schmälsten Theils der Federn schwärzlich. — Daß der Schwanz dieses Vogels durch die Menge überzähliger, obgleich schmaler, Federn eine enorme Breite erhalten muß, wird man leicht einsehen. Ob die beschriebene Verbildung noch höher gesteigert werden kann, ist kaum wahrscheinlich, daß sie aber in einem geringeren Grade vorkomme, gewiß. Ich sahe, außer jenem, noch ein anderes Exemplar dieser Vogelart"), welches seine volle Anzahl (14) gewöhnlich gestalteter und gezeichneter Federn, dabei aber auf jeder Seite des Schwanzes zwei solche schmale ohrlöffelsörmige Federn, genau wie die oben beschriebenen, hatte, dessen Schwanz demnach achtzehn- federig war. Es ist nicht zu verkennen, daß dieses Vorkommen dem sehr ähnlich sieht, welches man als Unterscheidungszeichen der Svolopsx 6r«Kmü von 8o. KaHioaKo angiebt, daß nämlich jene 2 Schwanz- Wo- vermag ich leider augenblicklich nicht genau anzugeben. Ich sah aus me» »rn Reisen im Sommer 1835 so viele und reiche Sammlungen, daß er. wegen der. Kürz« der Zeit. oft schwer hielt, ja nicht selten unmöglich war, Alles so genau, wie. ich er nachher gewünscht hätte, aufzeichnen zu können. Z18 XH.Ordn> I^XII. Gatt. 240. GemeineSumpfschnepfe. federn mehr als diese haben soll. Bevor nicht eine Veränderung in Lebensart, Betragen, Stimme u. s. w. entdeckt ist, wird man schwerlich auf die Anwesenheit von mehr als 14 Schwanzfedern der 8oo1. AalliliLKo so höchst ähnlichen Bögel, als Artverschiedenheit, etwas geben können. Diese Art besteht ihre Hauptmauser wie die andern im Juli; die diesjährigen Zungen mausern später. Wenn sie im März bei uns ankommen, haben bereits alle Alten eine zweite, die Frühlingsmauser, überstanden und sind im vollständigen Hochzeitskleide, die Jungen noch nicht ganz. Das neue Gefieder ist dann, obwol von denselben Farben und Zeichnungen, an seiner besondern Frische und schönerm Glänze leicht von dem alten zu unterscheiden. Aufenthalt. Diese Sumpsschnepfe verdient den Beinamen „gemein" mit vollem Rechte, da sie nicht allein fast über die ganze Erde, oder doch bestimmt über 4 Welttheile, verbreitet ist, sondern auch fast überall in unglaublicher Anzahl vorkömmt. Eine so große Verbreitung einer einzigen Art möchte in der Geschichte der Vogel kaum noch vorkommen; doch ist vielleicht zu fürchten, daß dabei auch andere Arten mit ihr verwechselt sein können. Eine specielle Aufzählung aller Lander, in welchen sie angezeigt wird, möchte daher zu einer langen Liste werden; wir begnügen uns, um diese abzukürzen, nur mit folgenden: Afrika, von Aegypten bis Senegambien und dem Cap der guten Hoffnung; Asien, von Sibirien durch alle Theile bis Bengalen, Ceylon, die ostindischen Inseln und Japan; Amerika, von Canada bis nach Surinam und Brasilien; auch auf den Falklandsinseln wird sie als zahlreich vorkommend angezeigt. In Europa ist vom arktischen Kreise (zum Theil noch über ihn hinaus) bis an die südlichsten Grenzen keinLand, wo es nicht diesen Vogel gäbe. Auf Island, den Faröern, Hebriden und Orcaden, im obern Scandi- navien, kömmt er noch unter hohen Breitegraden, gar nicht einzeln, vor, im mittlern Schweden, in Finnland, Livland, ist er unsäglich häufig und gemein, so in vielen Theilen von Polen, Preußen und so herab durch die mittleren bis in die südlichen und westlichen Länder unsers Erdtheils. Die niedrigen Länderstrecken haben ihn vorzüglich und allenthalben in unermeßlicher Menge, z. B. Holland und Norddeutschland, Holstein und XII.Ordn.I-XII. Gatt. 240. Gemeine Sumpfschnepfe. 319 Brandenburg; aber auch die weniger ausgedehnten Niederungen überall in großer Anzahl; selbst die gebirgigen Strecken haben ihn in den weitem und tiefern Thälern; kurz er ist in ganz Deutschland gemein und in jedem Ländchcn, in dem einen einzelner, in dem andern häufiger, anzutreffen. Er ist hier eben ein so gemeiner und so häufiger Vogel als der gemeine Kibitz, obgleich dieser, weil er sich mehr bemerklich macht, es mehr scheinen möchte. Auch in unserm Anhalt kömmt er bald mehr, bald weniger zahlreich in allen geeigneten Lagen vor. Wo diese Schnepfe nicht den ganzen Sommer über wohnt und sich fortpflanzt, kömmt sie wenigstens als Zugvogel zwei Mal im Jahre vor, und dies ist in den von uns südlicher gelegenen Ländern mehr der Fall, als umgekehrt in den nördlichen. Schon hier im mittlern Deutschlande nisten viele, welche im Frühjahre ankommen und im Herbste mit ihrer Nachkommenschaft wieder nach Süden zu wandern; allein Tausende und abermals Tausende wandern hier durch, nach dem Norden hinauf, um dort zu brüten, und wieder zurück. Wie weit sie nach Süden gehen und wo den Winter hinbringen, ist weniger bekannt. Nach Versicherung eines würdigen Augenzeugen überwintert schon in den pontinischen Sümpfen unweit Rom eine so unermeßliche Anzahl dieser Schnepfen, daß sie nach einem Schüsse oder sonstigen Schrecklärm oft in so gedrängten Haufen auffliegen, um, aus der Ferne gesehen, für einen aufsteigenden Rauch gehalten zu werden, daß die allergrößten Sper- lingsheerden Mitteldeutschlands, hinsichts der Anzahl, kaum ein schwaches Bild und eine viel zu geringe Vorstellung davon geben möchten. Wenn sich der Name: Heerschnepfe (so heißt diese Art bloß in naturhistorischen Werken) von dort her schriebe, so wäre er bezeichnend und möchte zu entschuldigen sein; er ist aber deutschen Ursprungs und soll einen Vogel bezeichnen, welcher in Deutschland in Heeren oder Heerden vorkomme. Dies ist aber falsch; wenig schnepfenartige Vögel sind ungeselliger als unsere Bekassine, und wenn auch auf geeigneten Plätzen solcher sich oft viele versammeln, so bilden sie doch nie einen Verein, welcher so viel Zusammenhang hätte, daß er den Begriffen von Heer oder Heerde entspräche. Sie liegen dicht neben einander, ohne daß sich ein Nachbar um den andern bekümmerte, und stieben aufgescheucht einer hier-, der andere dorthin, jever läßt sich, wann und wo es ihm beliebt, wieder nieder, ohne auf den andern zu achten; so ziehen sie einzeln fort und kommen wieder einzeln an, obgleich viele zu gleicher Zeit dieselbe 32V XII. Ordn.I^XH. Gatt. 240. GemeineSumpsschnepfe. Straße wandern, was, wenn es auch des Nachts geschiehet, in der rechten Zugzeit alle Abende, an den Lauten, die sie dabei hören lassen, beobachtet werden kann. Wenn sie in der Abenddämmerung ihren Hunger gestillt haben, erheben sich die Wandernden in die Lüfte und treten sofort, jede für sich, die Reise an, von der sie in der Nacht, wenn sie gerade nicht viel Eile haben, eben so einzeln, oft' an den Gewässern einsprechen, sich kurze Zeit aufhalten, oder auch wol bis auf Weiteres liegen bleiben; die meisten setzen jedoch die Reise bis in die Morgendämmerung fort, wo sie dann bis zu Tagesanbruch sich Nahrung suchen und nun still liegen, bis es wieder Abend geworden ist. Ost beobachteten wir ganze Nächte hindurch, an einem freien Feldteiche und in einem Anstandsloche verborgen, den Zug der Sumpf- und Waffervögel, hörten unter ihren besondern nächtlichen Lauten gar oft auch den unsrer Bekassine und das, einem herabfallenden Steine ähnliche Sausen, wenn sich eine solche aus hoher Luft an das Wasser herabstürzte, wo aber, weil der Wasserrand zu kahl war, selten eine bis zum kommenden Morgen verweilte. Ihr Strich ging im Herbst, dem Anschein nach, immer etwas mehr südlich als westlich. Im März, früher oder später, je nachdem sich bessere Frühlingswitterung einstellt, kömmt diese Schnepfe aus ihrem Winteraufenthalte in unsern Gegenden an. Gemeiniglich ist in der letzten Hälfte dieses Monats der Zug am lebhaftesten; bei schlechter Witterung dehnt er sich aber auch nicht selten bis tief in den April hinein aus. Dann sind die, welche hier nisten wollen, auch schon an den Heckplätzen und lassen dort ihre Paarungstöne hören. Sie entfernen sich im Juli schon wieder von diesen Plätzen und leben überhaupt um diese Zeit, wegen des Federwechsels, versteckter als jemals. Im Anfange des August schwärmen sie»weiter umher, und in der zweiten Hälfte dieses Monats beginnt der Zug der nördlicher wohnenden, welcher durch den September und October dauert. Die zuerst ankommenden sind, wegen noch nicht völlig beendigter Mauser, immer noch stoppelicht und mager, die letzten dagegen, vermuthlich weil sie weniger schnell und anhaltend reisen, auch an guten Futterplätzen länger verweilen, sind meistens wohlbeleibt, ja oft außerordentlich fett, und dann viel träger und schwerfälliger als sonst. Bei gutem Herbstwetter halten sich solche Nachzügler wol auch noch den ganzen November hindurch, ja in dem angenehmen Herbste 1825 gab es noch zu Ende des December einzelne in unsern offenen Brüchern. Ist der Winter gelinde, so bleiben einige, XU. Ordn. 1^X11. Gatt. 240. Gemeine Sumpfschnepfe. 321 wie z. B. im Januar 1826, sogar ganz hier, in den mit offnem Quellwaffer versehenen Erlenbrüchern, auch in bergigen Gegenden an versteckten Quellen und stillen Waldbächcn, welche über quelligen, mit Pflanzen bedeckten Boden rieseln. Nach Faber überwintern sogar auf Island, an warmen Quellen, einzelne. Alle feuchten Niederungen und nassen Wiesen, mit untermischtem Morast und schlammigem Sumpf, alle wirklichen, kaum zur Viehweide tauglichen Moräste, alle sumpfigen Umgebungen der Leiche und Landseen, in der Zugzeit selbst alles was nur einem Sumpfe ähnlich sieht, sei es auch von geringem Umfange oder mit ähnlichen nur in kleinen Theilen in Verbindung, in bergigen oder ebenen Gegenden, nasse Moore und Lorflagen, mit morastigen Gräben durchschnittene Lorfwiesen, alle diese Orte dienen unsrer gemeinen Bekassine zum Aufenthalt. Sie liebt es besonders sehr, wo Erlen als Buschholz wachsen, wo sich der Sumpf an einen Wald lehnt und auf der Grenze Buschholz, vorzüglich Erlen, stehen, zwischen dessen alten Stöcken sie besonders im Frühjahr ungemein gern liegt und zumal bei stürmischer Witterung, welche ihr sehr zuwider ist, Schutz darin sucht. Dringt Quellwasscr, wenn auch brackiges, zwischen den alten Erlenstöcken hervor, so sind ihr solche Stellen die liebsten. An ihren Aufenthaltsorten darf der Boden nicht glatt und nackt, sondern er muß mit Gräsern, kurzem Seggenschilf und andern Sumpfpflanzen so bedeckt sein, daß sie sich leicht darin verbergen kann; diese dürfen jedoch auch nicht zu dicht stehen, nicht dichter, als daß sie unter oder zwischen denselben auf dem Moraste oder im seichten Wasser gemächlich herumgehen könnte; die Gräser dürfen auch nicht zu hoch sein, damit sie nöthigenfalls leichter und ohne Behinderung herausfliegen könne. Ferner gehören zu ihren Lieb- tingsausenthaltsorten jene vom Niehe in zahllose sogenannte Kufen oder Küpen zertretene Sumpfflächen, wenn die Schilfgräser auf diesen wankenden Jnselchen noch nicht über 1 Fuß hoch sind und recht dünn stehen, und wenn das Wasser zwischen ihnen nur einige Zoll tief ist; ferner solche Sumpsstellen mit zahllosen Viehtritten, welche dünn mit Gräsern bedeckt sind, deren schöneres Grün schon von weitem ausfällt, und welche im Winter nicht fest zufrieren, also sogenannte warme Quellen; endlich noch solche Sumpfwiesen mit torsigem Boden, welcher bei vielem Wasser im Frühjahr sich hebt, gleichsam auszählt, während unter der sich bildenden, eine Querwand hohen, obern Morastdecke das Wasser noch über einen Fuß 8. Theil. 21 322 XII. Ordn. QXII. Gatt. 240. Gemeine Sumpfschnepfe. oder noch tiefer unter dieser versteckt bleibt, die Schilfgräser mit den Spitzen sich mühsam durch jene Decke bohren müssen, eine Art schwimmender Morast, worin Menschen versinken oder gar umkommen können. Alle ihre Lieblingsorte sind so beschaffen, daß sie von weitem grünenden Wiesen gleichen, auf welchen aus der Ferne kein Wasser sichtbar ist, bis man sie betritt, wo sich dann erst zeigt, daß der Boden zwischen den Gräsern mit Morast und einige Zoll tiefem Wasser bedeckt ist. Dies sind, wo sie die Wahl hat, wie in den großen sumpfigen Niederungen und Brüchern, die Orte, wo sie am liebsten liegt, wo sich dann in der Zugzeit die Mehrzahl sammelt und verweilt, und wo sie der Küchenjäger vorzüglich zu suchen hat. Solche, welche auf ihren Wanderungen so ausgesuchte Plätze nicht immer erreichen können, begnügen sich indessen, wo es auch sei, mit jeder Art von Sumpf und müssen oft mit kleinen Moraststellen auf Wiesen, Viehtriften, feuchten Haiden, zwischen Weidengesträuchen, an tiefen Buschrändern, ja oft mit begrasetcn Teich- und Grabenufern, selbst mit Kohl- und Kartoffeläckern auf tiefliegenden Feldern fürli'eb nehmen, oder sich manchmal gar zwischen hohes Rohr und Schilf werfen, wo es zwischen diesen, wenn auch kleine, freie Stellen giebt, welche seichtes Wasser und Schlamm haben, in welche sie nicht zu tief einsinken. Auf solche Plätze ziehen sie sich gern bei starkem Winde, weil sie hinter jenen hohen dichten Pflanzen Schutz vor demselben finden, indem er ihnen zu jeder Zeit sehr unangenehm ist und sie auch auf den nächtlichen Wanderungen oft verschlägt, so daß man des Morgens nach stürmischen Nächten oft einzelne Bekassinen an Orten antrifft, wo man solche sonst stets vergeblich suchen würde, z. B. auf Feldern, Wiesen oder gar im Walde. So sind schon einzelne, namentlich wenn sie sich im Spätherbst von heftiger Kälte überraschen ließen, in Gehöften gesunden worden. Auch wenn ein, Nachwinter, bereits nach ihrer Ankunft im Frühjahr, die Gewässer von Neuem mit Schnee und Eis bedeckte, fand man einzelne auf entlegenen Miststätten. Die gemeine Bekassine läßt sich in der Zugzeit am Tage freiwillig nicht sehen, hält sich immer auf nassem Boden zwischen Hü- gelchen und Pflanzen versteckt, und fliegt nicht eher auf und anderswo hin, bis sie durch Menschen oder Thiere dazu gezwungen wird. So kann eine Gegend sehr viele beherbergen, ohne daß der Unkundige eine einzige zu sehen bekömmt ; er muß Hineinwaden oder einen Hund durchsuchen lassen, wenn er dies bewirken will. Ob XII. Ordn. L.XII. Gatt. 240. Gemeine Sumpfschnepfe. 323 alle bei diesem versteckten Stillliegen den ganzen Tag durchschlafen, ist nicht ganz wahrscheinlich; es können sogar Fälle eintreten, z. B. langsames, behutsames Annähern eines Feindes, wo die Bekassine laufend ausweicht und ihr erstes Plätzchen, mit einem andern vertauscht, ohne daß man es zwischen den schützenden Umgebungen gewahr würde. Oft kömmt dies jedoch nicht vor, und die Mittagsstunden durchschläft sie gewiß; denn in diesen liegt sie am festesten, und das Plätzchen, wo sie gelegen, zeigt an dem mehrfach vorhandenen Unrath deutlich, daß sie längere Zeit hier und auf keinem andern gesessen haben mußte. In der Begattungszeit, aber höchstens nur so lange bis sie Junge bekommen, zeigen sie sich, wenigstens die Männchen, auch zuweilen am Tage, doch mehr in der Zeit, die an die Dämmerung grenzt; denn in dieser und in hellen Nächten sind sie in allen Jahreszeiten in ihrer wahren Lebensthätigkeit, und dann bemerkt man sie herumschwärmend an allen Gewässern, auch an ganz freien Teichen, auf ganz nackten Schlamme, oder an ganz kahlen Wasserrändern herumlaufend. Eigenschaften. In ruhiger Stellung sieht unsere gemeine Sumpfschnepfe sehr kurzbeinig aus; sie trägt dabei den Körper wagerecht, zieht den Hals ganz ein und läßt den Schnabel vorn ziemlich stark gegen die Erde herabstnken. In lebhafter Aufregung, in der Dämmerung und in mondhellen Nächten, sieht sie dagegen nicht nur hochbeiniger aus, sondern sie stellt auch den Körper so, daß die Brust, hochgehalten, nicht mehr gegen die Erde gekehrt ist, und daraus eine ganz andere, viel höhere Figur entsteht. Sie geht und läuft dann behende an den Ufern, doch nicht in langen Strecken einher, lange nickt so viel als ein Strand- oder Wasserläufer, aber doch mehr als ihre trägere Anverwandte, die große Sumpfschnepfe. Sie wechselt lieber fliegend ihre Plätze, als daß sie manche Strecken durchlaufen sollte. In ihrem gewandten, schnellen und oft hohen Fluge gleicht sie, bis aus die geringere Größe und größere Beweglichkeit, jener Anverwandten sehr, streckt wie sie die Flügel fast nie lang von sich, schwingt sie eben so, nur rascher, leichter und mit viel schwächer»!, oft kaum hörbarem Gesäusel. Dies letztere hört man bloß im geraden Fluge fast nur von sehr fetten, dadurch schwerfällig gewordenen, Individuen, wie denn diese überhaupt viel träger sind und 21 ' 3Z4 Xlll. Ordn. I^XU. Gatt. 240. Gemeine Sumpfschnepfe in ihren Verstecken fester liegen. Die Magern sind dagegen sehr flüchtig und machen bald nach dem Herausfliegen, ehe sie höher aufsteigen, einige zickzackförmige Wendungen von einer Seite zur andern, bevor sie den Flug weiter und gerade fortsetzen. Meistens durchstiegen sie, hoch in der Lust, weite Strecken, ehe sie sich wieder niederlassen, welches nichts weniger als sanft geschieht, sondern die meisten Male ein Herunterstürzen genannt werden kann; denn sie ziehen dabei die Flügel ganz nahe an den Körper, und stürzen sich, ohne sie zu bewegen, in schräger Richtung, mit einem vernehmbaren Sausen herab, mit desto größerer Vehemenz, je höher sie flogen. Am auffallendsten macht dies Herabschießen das Männchen über dem lockenden Weibchen, wovon weiter unten ein Mehreren Recht gemüthlich fliegen sie oft, besonders am Brutorte, eine ziemliche Strecke gerade fort, aber nicht sehr hoch, und ohne zu eilen, mit sehr schnellen, fast zitternden Flügelschlägen, sich im Fortstreichen bald auf diese, bald auf jene Seite wiegend, und haben in diesem Fluge etwas Fledermausartiges. — Aus freiem Antriebe fliegen sie am Tage nie auf, außer in der Begattungszeit, und dann zuweilen, wenn auf solcher Fläche eine lärmende Jagd abgehalten wurde uttd die Übriggebliebenen in große Angst und Schrecken versetzt sind, wo manche von diesen dann die meistens wider Willen gewählten, unbehaglichen Zufluchtsorte, auch ohne Zwang, bald wieder verlassen und hcrumschwärmend sichrer scheinende aufsuchen. Von andern Schnepfenvögeln ist unsere Bekassine*) in der Luft leicht zu unterscheiden und in der Ferne kenntlich, an der viel kürzeren Gestalt, dem eingezogenen Halse, kurzen Füßen, weniger langen, aber breitem und viel kürzer zugespitzten Flügeln, und endlich noch an gewissen Eigenthümlichkeiten in Bewegung der Flügel, die sich nicht wohl beschreiben lassen. Der Geübte findet in allem Diesen so viel Unterscheidendes, daß er sie schon in weiter Entfernung erkennt. Nur in höchster Beängstigung zeigt sie auch, daß sie schwimmen und untertauchen kann, nämlich fliegend von einem Raubvogel verfolgt, oder wenn sie flügellahm geschossen wurde, wo ihr ") 3ch gebrauche Liesen Namen, obgleich er der deutschen Sprache nicht angehört. Lärmn am liebsten, weil er in Deutschland der allerbekannteste ist, und die mehrest«» Jäger, Jagdliebhaber, Köche und viel« andere Mensche» für unsern Vogel gar keinen andern haben oder ihn unter keinem andern kennen. XU. Ordn. lUll. Gatt. 240. Gemeine Sumpfschnepfe. 325 aber das Schwimmen schlecht abgeht und sie sich beeilt aus Land zu kommen, um sich da je eher je lieber verkriechen und drücken zu können. Sie ist ein scheuer oder furchtsamer Vogel, und würde, wenn sie nicht glaubte den Augen ihrer Verfolger durch stilles Niederdrücken in einem Verstecke zu entgehen, auf dem Freien gewiß nie einen Menschen auf Schußnähe an sich kommen lassen. Auch aus ihrem Versteck entflieht die lebensfrohe, flüchtige, noch nicht von Fett belästigte Bekassine schon frühzeitig genug, blitzschnell und mit wunderlichem Hin- und Herwerfcn im raschesten Fluge, noch ehe sich ihr der Jäger genug genahet, und weit weg, zumal an stürmischen unfreundlichen Tagen, obgleich sie starken Wind haßt und, um nicht von ihm gänzlich aus ihrer Richtung geschleudert zu werden, bald im Bogen sich gegen ihn wendet und ihn so leichter bekämpft. Bei stillem, heitern Wetter ist dagegen ihr Betragen ganz verändert; sie zeigt sich weniger scheu, gemächlicher, wagt es, den Feind ziemlich nahe heranzulassen, und fliegt jetzt erst auf, auch mit weniger Ungestüm, und nicht weit weg. Ist es um die Mittagszeit, wo sie zu schlafen pflegt, so wird dies Alles noch auffallender. Noch mehr setzt sie aus Bequemlichkeit ihre Sicherheit aufs Spiel, wenn sie sehr feist geworden ist, wie dies gewöhnlich die einzelnen Nachzügler im Spätherbste sind. Diese sind gewöhnlich so wenig scheu, als die große Art. Daß sie gar nicht gesellig ist, und den Namen: Heerschnepfe, ganz mit Unrecht hat, wurde oben schon erwähnt. Wenn auch aus den Liebligsplätzen oft viele und die einzelnen nahe bei einander liegen, so thut doch jede nur, was ihr beliebt, und bleibt gleichgültig gegen das, was die nächste beginnt. Zufällig fliegen bei Störungen wol nicht selten mehrere zugleich auf, aber eben so viele thun dies erst nachher, einzeln und eine nach der andern, wahrend noch andere das Aeußerste wagen und damit bis ganz zuletzt warten. Dann zerstreuen sie sich, eine hier- die andere dorthin, und nur der bloße Zufall führt an einem andern Orte wieder einige oder mehrere zusammen. An ein Zusammenlocken und ängstliches Aufsuchen einzelner zurückgebliebener oder an entferntere Orte verschlagener Glieder solcher zufälliger Versammlungen ist hier nicht zu denken. So lose Zusammenkünfte umschlingt kein geselliges Band; sie lösen sich eben so leicht wieder auf, als sie der Zufall zusammenbrachte. Auch gegen die Gesellschaft andrcrarnger Böget sind sie zu allen Zeiten ganz gleichgültig, und es hat den Anschein, 326 Xtl. Ordn.Gatt. 240. Gemeine Sumpfschnepfe. daß ihnen solche sogar zuwider ist. Auch die Gesellschaft der nahen Familienverwandten liebt diese Art nicht oder sie meidet sie vielmehr, denn diese, zumal die großen, liegen meistens auf abgesonderten Plätzen. Daß sie verschiedene laute Töne und diese bei vielen Gelegenheiten von sich hören laßt, unterscheidet sie sehr von der vorhergehenden und der folgenden Art. Der gewöhnlichste Ruf, den man beim Herausfliegen aus ihrem Versteck, oder bei ihrem Herumschwär- men in der Dämmerung noch öfterer, von ihr hört, ist ein rauhes oder heiseres Kähtsch oder Chähtsch, weshalb sie auch Kätsch- oder Kätschnepfe heißt, ein Ton, dem ähnlich, welcher entsteht, wenn man mit der Kante des Nagels eines Fingers schnellend über ein angespanntes Stück seidenes Zeuch hinfährt oder kratzt, aber lauter als ein so hervorgebrachter; denn in der stillen Dämmerung hört man diese Stimme noch ziemlich weit. Sie wird meistens nur einzeln und in bedeutenden Intervallen ausgestoßen, halt nicht bei jedem Individuum denselben Ton, bei einigen tiefer, bei andern höher, doch nicht sehr auffallend. Am Tage scheint dieses Grähtsch, oder wie man es sonst schreiben möchte (es ist ein schnarrender Gaumenton) , Angstruf zu sein, da gerade die flüchtigsten und scheuesten am meisten schreien, nämlich indem sie aufsteigen, auch oft den Ruf im weitem Fortstreichen noch ein oder ein paar Mal wiederholen, während andere stumm auf- und davonfliegen. Am Abende scheint er Freudenruf, und manche wiederholen ihn da sehr oft, aber nie schreiet eine im Sitzen, Die Feistesten schreien selten, und meistens in einem so heiseren Tone, daß es geübten Bekassinenjagern möglich wird, schon vorher zu sagen, welche von den eben herabgeschossenen Bekassinen mager oder fett sei. — Ganz andere Töne sind die, welche man nur des Nachts auf ihrem Zuge in der Luft von ihnen hört, nämlich ein heiseres Greckgeckgäh, kaum i»r Grundtone eine Verwandtschaft mit jenem Tagesrufe verrathend, und ein hohes, heiseres Zipp, was gar nichts mit ihm gemein hat und eher dem der Zippdrossel ähnelt, aber in dem gepreßten Tone einen Unterschied zeigt, wodurch es fast den Fledermaustönen ähnlich wird. Dieses Zipp oder Sipp stossen auch solche aus, welche sich nächtlicher Weile auf den Boden niederließen, man hört sie es aber nur höchst selten ein Mal wiederholen. Noch ganz andere und von diesen durchaus verschiedene Töne sind die, welche sie bloß in der Begattungszeit am Brüteorte hören lassen, mjk denen sie auch ein ganz abweichendes Betragen XU. Ordn. L.XU. Gatt. 24V. Gemeine Sumpfschnepfe. 327 verbinden. Dort schwingt sich das Männchen von seinem Sitze aus dem grünen Sumpfe, meistens blitzschnell, erst in schiefer Richtung auf, steigt dann in einer großen Schneckenlinie himmelan, bei heiterm Wetter so hoch in die Lüfte, daß es nur ein gutes Auge noch für einen Vogel erkennt. In solcher enormen Höhe treibt es sich nun flatternd und schwankend im Kreise herum, und schießt aus diesem mit ganz ausgebreiteten, still gehaltenen Flügeln senkrecht, in Einem Bogen, herab und hinauf, und dies mit einem so besondern Kraftaufwande, daß in diesem Bogenschüsse die Spitzen der großen Schwingen in eine bebende oder schnurrende Bewegung gesetzt werden, und dadurch einen zitternden, wiehernden, summenden, knurrenden oder brummenden Ton geben, welcher dem fernen Meckern einer Ziege höchst ähnlich ist, und dem Vogel zu den Namen: Himmelsziege, Haberbock und ähnlichen verholfen hat. Durch einen so kräftigen Bogenschuß ist es nun wieder in vorige Höhe gekommen, wo es wiederum flatternd einige Male herum- kreiset, um Kräfte zu einem neuen senkrechten Bogensturze und dem mit ihm verbundenen Summen, Brummen, Meckern, oder wie man es sonst noch nennen möchte, zu sammeln, welcher sofort erfolgt, und so wird das Kreisen in einem horizontalen Striche und auf einem kleinen Raume mit den damit abwechselnden senkrechten Bogenstürzcn und Meckern oft Viertel- ja Halbestunden lang fortgesetzt, wobei noch zu bemerken ist, daß dieses Getön an und für sich wenig über 2 Secunden anhält, und anfänglich in Zwischen- räumen von 6 bis 8, später aber, wenn die Kräfte anfangen zu erlahmen, von 20 bis 25 Secunden wiederholt wird. Es klingt keineswegs, wie Bechstein sagt: Mackerä, sondern, wenn es mit Buchstaben deutlich gemacht werden sollte, so würden es die Sylben Dududududududu (so»schnell als nur möglich gesprochen) noch am besten versinnlichen. « Da das Männchen diese wunderlichen Gauckeleicn nicht allein in der Abend-und Morgendämmerung (dann freilich am häufigsten), sondern auch nicht feiten am hellen Tage und stets bei ganz heiterm Himmel uud stillem Wetter ausübt, fo hält es mit natürlichscharfem Auge (noch weniger mit bewaffnetem) durchaus nicht schwer, die wirbelnd schnurrende Bewegung der Schwingfederspitzen, bei jenem heftigen Hinab- und Herausdrängen des Vogels durch die Luft, deutlich genug wahrzunehmen, und sich zu überzeugen, daß diese Töne allein hierdurch hervorgebracht werden, und nicht aus der Kehle des Vogels kommen. — Der Ton, oder wenigstens ein ganz 328 XU.Ordn. Gatt. 240. GemeineSumpfschnepfe. ähnlicher, ist übrigens künstlich nachzuahmen oder hervorzubringen, wenn man Schwingfedern (gleichviel von welchen, jedoch nicht von zu kleinen Vögeln) an die Spitze eines langen Steckens befestiget und mit diesem, ohngefähr wie mit einem Säbel, kräftig gegen einen starken Luftzug hauet. Es beruhet daher offenbar auf einer Täuschung, wenn Bechstein (a. a. O.) behaupten konnte, er habe den Vogel auch auf der dürren Spitze einer Eiche sitzen sehen und dabei meckern hören. Das Erste kömmt allerdings vor; denn unsere Bekassine verläugnet in der Begattungszeit ihre sonstige Natur so sehr, daß sie sich nicht selten auf starke dürre Baumspitzen und oft auf die Aeste alter hoher Eichen ganz frei hinstellt, und in einem wunderlich zitterndem Fluge dahin auf und ab fliegt; allein Letzteres, die meckernde Melodie, kam bestimmt damals nicht von der auf der Eiche sitzenden, sondern von einer andern, welche zwar in der Nähe, aber hoch über jene erhaben, in obern Luftrexstonen ihr Gaukelspiel trieb, welche aber unser Altvater der deutschen Ornithologie nicht bemerkt hatte.") — Jene Töne klingen auch, selbst wenn der Vogel sich in solcher Höhe herumtummcli, daß er nur noch wie eine Fliege aussieht, doch so, als kämen sie ganz aus der Nähe und von der Erde herauf. Dadurch kann leicht Täuschung entstehen. Genauer nachforschend wird man jedoch, wenn sonst mit guter Sehkraft versehen, bald gewahr werden, daß sich der wunderliche Musiker dabei in hohen Luftregioncn herumtummelt. Oft sind mehrere Männchen zugleich in diesem Spiele begriffen, aber jedes hat dann so seinen eigenen Kreis in der Luft, wie es seinen eigenen Brütcplatz auf der Erde hat, und, wenn auch nahe beisammen, kömmt doch keins in den des andern. Für den Abcrgläubigen konnten diese, in schauerlicher Einsamkeit, bei zweideutigem Dämmerlichte ihn umschwebenden Töne, ohne zu wissen woher sie kamen, zumal wenn er dabei an dennhöllischen Ziegenbock dachte, wol etwas Unheimliches haben, wahrend sie für den unbefangenen Naturfreund, den jene Gegenden anziehen, wo die Natur dem Forscher noch Manches hinter ihrem nassen Schleier verhüllt, eine Abendmusik sind, die ihre eigenthümlichen Reize hat. Man hört sie an Echo» j„ der erst»» Ausgabe dieses Werkes III. S. 19. wurde nach meine- Vaters richtigen Beobachtungen, die sich fortwährend bestätige» werden, gesagt, das jenes Meckern oder Wiehern nicht durch die Stüumorgane, sonder» mit den Flügeln hervorgebracht würde, und der vortreffliche Veo achter Grab» (s. dessen Tageb. ei»»' Reise »ach Färö, S. 51.) war ebenfalls davon überreugt, wie es jeder wird sein müssen, welcher sich darum bemühe» und die Augen anfthim will. XII. Ordn.I^XII. Gatt. 24V. Gemeine Sumpfschnepfe. 329 stillen warmen Abenden bis tief in die Nacht hinein, auch in der Morgendämmerung und noch zuweilen, wenn es bereits Heller Tag geworden oder in den Vormittagsstunden, selbst unter Mittag, sehr selten von da bis gegen Untergang der Sonne, aber niemals bei stürmischer und nasser Witterung. So ertönt sie auch nicht durch die ganze Fortpflanzungszeit, sondern nur wenige Wochen, von da an wo sie sich paaren, bis wo die Jungen den Eiern entschlüpft sind, schon wahrend des Brütens nicht mehr so häufig und anhaltend als früher. Aeußerst selten versucht ein Mal eine Einzelne dies Spiel im Herbst bei außerordentlich milder Witterung, so wie sich dann hin und wieder ein einzelner Singvogel hören läßt; denn das ganze Spiel stellt den Gesang vor oder ist ein Analogon von dem Wuchteln der Kibitze, vom Schnurren der Spechte, vom Balzen der Waldhühner u. dergl. Noch ist die Beschreibung dieses Lustspiels nicht zu Ende; es folgt der zweite Act. Wenn nämlich das Männchen sich mit jenen, gewiß sehr anstrengenden, sonderbaren Bewegungen in der Luft lange genug abgeplagt hat, ertönt aus dichtem nassen Versteck am Boden, an weniger unsichern Orten wol auch von einem erhabenen Steine oder Hügelchen, der zärtlichverlangende Liebesruf der harrenden Auserwählten zum Geliebten hinauf, und kaum hat dieser die ersehnte Einladung vernommen, als er auch sogleich seine Gaukelbude schließt, seine Flügel ganz dicht an den Leib zieht, und wie ein fallender Stein, mit eben solchem Sausen, fast senkrecht, aus der Höhe zu seinem Weibchen herabstürzt. Den dritten und letzten Act, der nun folgt, verbergen dem Späher die dichten Umgebungen. — Jene weiblichen Locktöne der Liebe weichen von ihren übrigen Stimmen ganz und gar ab; es sind hohe, reine, pfeifende und helltönende Laute, die man ziemlich weit hört, und welche sich durch die Sylben: Tikküp, tikküp, tikküp, tikküp, gut ver- sinnlichen lassen, obgleich man manchmal anch wol Dickup oder Tikket u. s. w., oder auch Djeppe u. s. w. zu vernehmen wähnt. Höchst selten hört man dies fremdartig klingende Tikküp nur ein Mal, gewöhnlich aber drei und vier Mal, oder wol noch öfterer schnell nach einander, wobei es die letzten Male immer schwächer wird oder zuletzt sanft verhallt. Diese Locktöne des Weibchens sind ein so unzertrennlicher Theil des ganzen interessanten Lustspiels, daß ich nicht umhin kann, an der Richtigkeit der Angabe Bech- stein's zu zweifeln, welcher auch vom Weibchen sagt, daß es zuweilen, wie das Männchen, sich hoch in die Luft schwinge und Z30 XII. Ordn. I^Xll. Gatt. 240. Gemeine Sumpfschnepse. jene meckernden Töne hervorbringe; ich habe, trotz unzählicher Beobachtungen, so etwas nie bemerkt. Auch ist mir nicht glaubhaft, daß auch das Männchen zuweilen Tikküp rufe, obgleich ich dieses nicht behaupten mag, weil diese lieblichen, klaren Töne oft auch, ohne daß sich gerade ein wieherndes Männchen in der Luft herum- tummelte, anscheinlich ohne (wenigstens sichtbare) Veranlassung, aus dem grünen Sumpfgesild ertönen. In Gefangenschaft gehalten gewöhnt sich die gemeine Bekassine bald an den Menschen, wird sehr zutraulich und ist ein stiller Vogel. Sie kann wie andere Schnepfenvögel mit untermengten Insekten und Würmern bald an ein Stubcnfutter gewöhnt werden, ist aber, da sie am Tage träge und schläfrig, des Nachts dagegen sehr unruhig ist, und sonst eben keine empfehlenswerthen Eigenschaften besitzt, kein sonderlicher Stubenvogel. . Nahrung. Diese Schnepfe nährt sich vorzüglich von Insekten und Würmern, am meisten von Insektenlarven, als denen von Mücken, Haften, Phryganeen (diese mit den Gehäusen), von kleinen Schwimm- Ufer- und Mistkäfern u. a. m., nebst nackten Schnecken und ganz kleinen, jungen, noch sehr dünnschaligen Eonchylien, auch kleinen Käferchen, und verschluckt mit diesem und anderartigem, im Moraste lebenden, kleinen Gewürm auch öfters zarte Würzelchen von Gräsern oder andern Gewächsen, wie es scheint, aber diese vegetabilische Theile nur zufällig oder bei Futtermangel. Daß sie auch, wie Bechstein sagt, Heidelbeeren genieße, habe ich nicht beobachten können. Dagegen fehlen in ihrem Magen grobe Sandkörner, die absichtlich verschluckt scheinen, fast nie, und sie giebt sie, nebst andern unverdaulichen Dingen, wozu harte Stückchen von Pflanzen gehören, in kugelartige Klümpchen zusammengedrehet, durch den Mund wieder von sich. Ihre Nahrungsmittel sucht sie hauptsächlich erst in der Dämmerung, und, wenn es nicht gar zu finster, auch die Nacht hindurch auf. Erst mit Eintritt des wirklichen Zwielichts, Abends um die Zeit, wenn die Rebhühner unruhig werden, verläßt sie ihr Versteck, wo sie am Tage lag, und schwärmt an den freien Rändern der Gewässer oder an andern Orten herum, wo man sie jetzt hin und her laufen und beständig Etwas aufnehmen und genießen sieht. Sie fällt dann vorzüglich auf überschwemmt gewesene schlam- XII. Ordn. l^XII. Gatt. 24V. Gemeine Sumpfschnepfe. 331 mige und noch weiche Plätze, auf nasse Viehtriften, auf tiefe Aecker, wo kürzlich noch Wasser stand, an Leiche und Pfützen. Wo sie auf weichem Boden Nahrung aufgenommen hat, hinterläßt sie häufig die Spuren davon, eine Menge kleiner Löcher, eins neben dem andern, die sie mit dem Schnabel stach, um die im Schlamme wohnenden und ihr nicht sichtbaren Larven und Würmchen herauszufühlen. Weil er nur an der äußersten Spitze hart, übrigens durchaus weich und unter der Oberhaut mit vielen Nerven versehen ist, so wird er zum vorzüglichsten Tastwerkzeuge, und seiner Länge wegen kann sie damit ein paar Zoll tief im dünnslüßigen Moraste herumwühlen. Da das ganze Betragen dieser Vogel auf eine nächtliche Lebensweise hinzeigt, so ist es nicht wahrscheinlich, daß sie für gewöhnlich auch am Tage ihrer Nahrung nachgingen, obwol nicht zu läugnen ist, daß es an ganz einsamen Orten, z. B. auf schlammigen Stellen zwischen hohem Rohre vorkommen kann, wie wir es sogar einige Mal selbst beobachtet haben. Man wird indessen eine solche Begünstigung des Zufalls für ein seltenes Glück ansehen müssen, weil nach aller Erfahrung und in den meisten Fällen festgestellt werden darf, daß die Bekassine auf der Stelle, die sie nach abgehaltenem Morgenschmause einnimmt, den ganzen Lag über unthätig liegen bleibt, oder sie doch so wenig verändert, daß dabei an ein thätiges oder lebhaftes Herumsuchen nach Nahrungsmitteln nicht zu denken sein möchte. — Niemand kann sich rühmen, dies in dem Maaße gesehen zu haben, wie wir es von Wasserläu- sern und vielen andern Strandvögeln zu sehen gewohnt sind, was in den allermeisten Fällen freilich der Umgebungen wegen nicht möglich ist; allein da doch auch gar oft Bekassinen an Orten liegen, wo es noch kein so hohes Gras giebt und der Boden nicht so höckerig ist, daß man einen Vogel von dieser Größe nicht schon in einer Entfernung, wo diese Art noch nicht an ein Wegfliegen denkt, sollte deutlich bemerken können, wenn er sich darauf hin und her bewegtes dies aber niemals beobachtet ist, so muß man billig daran zweifeln. An den Orten, wo Bekassinen liegen, wären es auch noch so viele, wird man am Tage keine einzige sehen, wenn man sie nicht aufscheucht; vor dem ist Alles still und öde, und man kann sich dort Stunden lang auf die Lauer legen, ohne auch nur einen Laut von einer einzigen zu vernehmen, noch viel weniger eine zu sehen"). Mag auch vor dem sachte herannahenden Jäger und °) Eine Ausnahme hiervon mache» allein Sie Heckvogel. in der höchsten Aufregung 332 XU. Ordn I^XII Gatt. 240. Gemeine Sumpfschnepfe. seinem Hunde manche früher schon, ehe sie herausfliegt, ihr Platz chen laufend verlassen und sich, so weit es ihr gut dünkt, auf diess Weise zu entfernen suchen, so ist dadurch doch noch nicht erwiesen, daß sie ungestört, am Tage, auch aus freiem Antriebe herumlaufe. Wie ganz anders ist dagegen ihr Betragen am Abende! Rege Lebensthätigkcit, Frohsinn und Muth sind auf ein Mal, in grellem Abstich, an die Stelle jenes schläfrigen, furchtsamen und versteckten Wesens vom Tage getreten, die Natur des Vogels scheint eine gänzlich veränderte, und die Ursache dieser Veränderung ist leicht zu errathen. Bei vieler Nahrung werden diese Vogel sehr fett, und in diesem Zustande so bequem und schwerfällig, daß sie sogar ihre sonstige Scheue verlieren und sich dadurch leichter ihren Feinden Preis geben. Oft ist ihr ganzer Körper so dick in Fett eingehüllt, daß nirgends mehr rothes Fleisch durch die Haut schimmert, und dies sind eben die, von welchen bereits oben gesagt wurde, daß sie viel heiserer als die Magern schreien. Fortpflanzung. Unsere gemeine Sumpfschnepfe pflanzt sich in allen größer» Sumpfgegenden, besonders an solchen Stellen fort, wo sie Erlen- gebüsch oder auch nur etwas Weidengesträuch in der Nähe hat, überhaupt gern an Waldrändern, wo auch einzelne alte Eichen stehen, und an allen solchen Orten, wie sie schon oben als ihr Lieblingsaufenthalt beschrieben wurden. Die nistenden Paare sind daher gewöhnlich nicht über eine ganze große Sumpffläche verbreitet, sondern nur an einzelnen Stellen, auf ihren Lieblingsplätzen, versammelt, wo jedes einzelne nicht gar weit von dem andern sein Nest hat; dies ist jedoch nicht so strenge Regel, als daß in solchen Gegenden nicht auch an andern Stellen einzeln nistende Päärchen vorkommen sollten. In Lagen, wo jedoch ein nistendes Paar angetroffen wird, darf man in dessen Nähe fast immer auch noch eins oder mehrere erwarten, indem keins gern ganz von allen andern entfernt nistet. Zm mittlern Deutschland pflanzen sie sich schon in allen nicht ganz unbedeutenden Brüchern und großen Rieden, im nördlichen noch um Vieles häufiger fort. des Fortpflanzungstriebes. aber auf so kurze Zeit im Jahr, daß sie nicht in Dctrami komme» können. xn. Ordn. l^XII.Gatt. 240. Gemeine Sumpfschnepfe. 333 Bald nach ihrer Zurückkunft im Frühjahr findet man einzelne Päärchen schon vereint auf den Brüteplätzen, und sie unterscheiden sich hier von den Durchwandernden durch mehr Scheue und Munterkeit; denn sobald angenehme Frühlingstage kommen, die Abende still und nicht mehr zu kalt sind, wenn auch unser brauner Frosch (ttnna tompornrin) und die gemeine Kröte (8uko vul^aris) ihre Fortpflanzungsgeschäfte anfangen, dann hört man auch die Paarungslaute unserer Bekassinen schon am Brüteorte. Oft müssen sie, wenn harte Nachtfröste, oder gar Schnee und Eis noch ein Mal wiederkehren, sich gedulden, bis bessere Witterung kömmt, und sind dann in solchen Perioden einstweilen wieder auf ein ruhigeres Betragen zurückgewiesen. Sehr unangenehm mögen ihnen daher Frühjahre von öfter wiederkehrenden, Tage langen kalten Schauern mit starken Frösten sein; in solchen zieht sich ihre Wonnezeit bedeutend weiter hinaus und kann dann bis fast zu Ende des Mai dauern. Die Art und Weise ihres Betragens in dieser, nebst dem Hervorbringen jener wunderlichen Töne, sind schon beschrieben; sie sind laute Vorboten des Frühlings und deshalb für jene unfreundliche Gegenden eine angenehme Musik. Aber nur in der Nähe des Brü- teplatzes lassen sich die hören, welche beabsichtigen, da zu nisten, die andern dagegen, welche weiter ziehen wollen, unterlassen es vermuthlich so lange, bis sie an den eigenen Brüteort kommen. Man kann daher ziemlich zuverlässig wissen, wie viele Päärchen in einem kleinen Bezirk nisten, wenn man des Abends die in der Luft spielenden und meckernden Männchen beobachtet und überzählt, wenn auch die Zugzeit noch nicht vorüber ist und auch fremde in der Gegend liegen. An solchen Plätzen, wo man das Männchen sich öfters zu jenem Gaukelspiel aufschwingen sahe, und die zärtliche Lockpfeife des Weibchens vernahm, muß man auch nach dem Neste suchen. Es steht, rings von Sumpf und Morast umgeben, an Stellen, wo das meiste Wasser, dies jedoch zum Theil schon unter Gräsern versteckt ist, auf einer Schilfgraskufe, wo es deren gerade recht viele dicht neben einander giebt, aber nicht nahe am Rande solcher Plätze; oder wo der Sumpf zu tief ist, neben denselben auf den nassen Wiesen auf einem kleinen Grashügelchen; oder an moorigen Stellen auf grünen Hügelchen; oder auf freien Plätzen zwischen Erlen- oder Weidengebüschen; im Norden auch in den quelligen Mooren auf höheren Bergen, wo der Boden mit Moos und Gras meistens bedeckt ist. Es steht zwischen bereits eine Querhand hohen, jungen 334 XII. Ordn. I-XII. Gatt. 240. Gemeine Sumpsschncpfe. Schilfgräsern gerade nicht versteckt, doch so, daß es nur aus bedeutender Nähe gesehen werden kann; denn meistens hat der Vogel in der Mitte eines Seggenbüschels die jungen Spitzen und alten Storzen des Grases so eingedrückt, daß dadurch eine ziemliche Vertiefung entsteht, die er noch nett rundet und mit trocknen Gras- blättern und Hälmchen lose belegt, so daß nachher die Eier trocken auf diesen liegen und nicht in unmittelbare Berührung des Bodens unter denselben kommen, welcher gewöhnlich nicht ganz trocken ist. Es ist ein höchst einfacher, völlig kunstloser Bau, und seine Stelle schwer zu entdecken, oder ohne hinterlassene Zeichen schwer wieder aufzufinden. Wenn die Gräser höher werden, sitzt der brütende Vogel oft wie in einer lichten Halle unter denselben und ist auch von oben, für Raubvögel, verborgen, doch ist, ehe jene so hoch aufschießen, bei uns die Blütezeit gewöhnlich schon vorüber. In der Mitte des April findet man oft schon Eier, am gewöhnlichsten jedoch erst gegen Ende dieses Monats, und um die Mitte des Mai giebt es Junge. Fast immer kömmt dies Alles ein paar Wochen später, als bei den gemeinen Kibitzen, die immer auch in ihrer Nähe wohnen. Im hohen Norden, z. B. auf Island, haben sie, nach Falb er, erst mit Ansang des Juni Eier, und die Jungen sind gegen Ende des Juli erwachsen. Gewöhnlich legt das Weibchen in sein Nest 4 Eier, niemals mehr, und nur dann eins weniger, wenn es um die ersten Gelege kam, ohne brüten zu können. In diesem Falle giebt es zuweilen sehr späte Bruten. Die Eier sind, wie die anderer ächten Schnepfen, zur Größe des Vogels zwar sehr groß zu nennen, aber doch in einem schwächer» Verhältniß als bei Tringen, Charadrien und andern Schnepfenvögeln. Sie haben reichlich die -Größe von Rebhühnereiern (von perllix vinereu), denn es giebt welche darunter, die am Umfange diese wirklich noch übertreffe», aber eine weniger birnförmige Gestalt als diese, wenigstens viele derselben, und diese Kreiselform fällt nur dann etwas mehr in die Augen, wenn man sie mit den ganz gleich gefärbten Eiern mancher Seeschwalben, namentlich von 8t«ro» nrotiv», vergleicht, die bei aller Aehnlichkeit immer etwas länglicher gestaltet sind. Denen der großen Sumpfschnepfe sind sie in Farbe und Zeichnung sehr ähnlich, weichen aber durch die viel geringere Größe auffallend genug ab, um nicht mit ihnen verwechselt zu werden. Ihre feinkörnige, glatte, jedoch nicht glänzende Schale hat eine Farbe, die, von verschiedenen Vögeln gelegt, aus einem schmutzigen oder trüben, grünlichen Olivengelb, XII. Ordn I.XH. Gatt. 240. Gemeine Sumpfschnepse. 335 in bleiches Olivengrün, bis zu einem düstern, aber schwachen Graugrün übergeht, so daß die Grundfarbe dieser Eier sehr verschieden vorkömmt. Ihre Zeichnung besteht in eben nicht zahlreichen grauen Schalenflecken, auf der Oberfläche aber in vielen groben Punkten und verschicdengestalteten Flecken von einem meist grünlichen, seltner etwas röthlichen Schwarzbraun, welche am stumpfsten Ende viel häufiger sind, hier oft in große Gruppen zusammengeschoben oder in eine Art von Fleckenkranz vereinigt sind, nicht selten auch wie verwischt aussehen; gegen die Spitze, wie am stumpfen Ende, sind die Flecke meistens nur sparsam aufgetragen, und es bleibt daher viel vom Grunde davon rein. Diese Eier werden in 15 bis 17 Tagen ausgebrütet, mit großer Wahrscheinlichkeit vom Weibchen allein; wenigstens ist es, so viel ich weiß, immer nur dieses gewesen, was »»bedachtsame Schützen, am Lage vom Neste aufsteigend, erlegten, während das Männchen stets in einiger Entfernung davon lag, aber die Annäherung jenes auf Schußnähe selten aushielt. Ob sie sehr um ihre Brüt bekümmert sind, ist nicht wohl zu beobachten, weil sie sich um diese Zeit noch besser in den nun höher aufgewachsenen Gräsern verbergen können und auch noch viel seltner am Lage sehen lassen. Wenn die Jungen aus dem Neste entlaufen, was geschieht sobald sie abgetrocknet sind, haben des Vaters Gaukelspiele in der Lust ein Ende, beide Eltern führen nun die Jungen zwischen die dichtesten Kufen oder in andere Verstecke, und wenn das Wasser hier, wie in unsern Brüchern um diese Zeit sehr gewöhnlich, abnimmt und ver- dünstet, ziehen sie sich mit ihnen an die nassem Stellen und nach dem tiefern Moraste hin. Diese Jungen sind an jenen Orten ohne guten Hund nicht» aufzufinden, so gut wissen sie ein gewähltes Schlupfwinkelchen festzuhalten; sie lassen sich in einem solchen eher ertreten, als daß sie fortlaufen. Im Anfange sehen sie etwas stakel- beinig aus und haben häßlich dicke Fersengelenke, ihr buntscheckiges Dunenkleid hat indessen recht nette Farben und Zeichnungen. Nach 8 bis 10 Tagen beginnen schon die Schwing- und Schwanzfedern sich zu zeigen, das anfänglich sehr kurze und außerordentlich weiche Schnäbelchen hat bedeutend an Länge zugenommen; in ein paar Wochen sind sie schon, bis auf Kopf und Hals, mit ordentlichen Federn bekleidet und lernen flattern, wovon sie jedoch noch keinen Gebrauch machen. Jetzt führen sie die Alten des Abends schon an die offenen Wasserränder, und entlassen sie, sobald sie völlig flug- bar geworden, gänzlich ihrer Fürsorge. Im Juki, wo die Mten Z36 XII. Ordn I^XII Gatt. 240. Gemeine Sumpfschnepfe. mausern, haben sich diese für immer von ihrer Nachkommenschaft getrennt. Um diese Zeit liegen sie, sowol die Zungen als Alten, außerordentlich fest. Feinde. Von Edelsalken und Habichten hat man manche Bekassine sangen und verzehren sehen, obgleich sich dies nur durch besondere Gunst des Zufalls für jene ereignen kann, nämlich wenn am Tage aufgescheuchte und verfolgte Bekassinen sich gezwungen sehen, nach einem entferntem Orte etwas weit über Land zu fliegen, wo sie sich denn doch auch noch öfters dadurch retten, daß sie sich ins Gebüsch, Getraide u. dergl. werfen und verstecken, wie sie stets thun, wo sie Wasser erlangen und eintauchen können. Zuweilen sahen wir sie den Stößen kleiner Edelsalken sehr geschickt ausweichen, nach jedem Fehlstöße über ihn hinauf und endlich sich so hoch in die Luft aufschwingen, daß er zuletzt ermüdet »»verrichteter Sache abziehen mußte. Vielleicht häufiger noch beschleicht und erwischt die im Versteck liegende Bekassine, die sich durch ihr Stillliegen hier den Augen allerRaubvögel entzieht, der Fuchs, indem vor nahen Fuchsbauen, worin eine Füchsin ihr Wochenbett aufgeschlagen hat, unter den zahlreichen und verschiedenartigsten Uiberbleibseln ihrer Mahlzeiten, auch Bekassinenfedern zuweilen vorkommen. Am meisten sind die Jungen seinen Räubereien, auch denen der Iltisse und Wieseln ausgesetzt. Die Eier schleppen ihnen oft Raben, Krähen und Elstern weg. Sehr viele dieser Eier werden neben Kibitzeiern aufgesucht und wie diese in der Küche verbraucht; auch gehen oft alle Gelege mit einem Schlage zu Grunde bei plötzlichem Anschwellen des Wassers durch Regengüsse oder Austreten der Flüsse. In ihrem Gefieder wohnen, zuweilen recht zahlreich, Schmarotzerinsekten, Und in ihren Eingeweiden, nach dem Wiener Verzeichnisse, oft viele Würmer, nämlich: vistomum militsre, luvm» vuriudiiis und ein ^mpllistomum. Jagd. Diese und andere ächte Schnepfen sind in kultivirten Ländern Gegenstände der geordneten Jagd und werden zur Nieder- jagd gezählt. Man schießt sie, fast ohne Ausnahme, nur im XII. Ordn. IliXLI. Gatt. 240. Gemeine Sumpfschnepfe. 337 Fluge, mit der Flinte und in Begleitung eines gut dressirten Vor- stehehundes. Die Bekassinenjagd Mancher deutschen Landestheile ist berühmt und berüchtigt genug, so im Brandenburg'schen, Oldenburg- schen u. a. m., wo manche Jagdreviere nicht selten ganze Kornsäcke voll dieses Wildprets auf ein Mal zu Markte schicken. Sie taugt jedoch im Allgemeinen nicht für den handwerksmäßigen Jäger, welcher beim Schießen nur ängstlich den Gewinn berechnet, aber nichts auf das Vergnügen giebt, sondern mehr für den rüstigen Jagdliebhaber. Sie ist auch nicht für Leute, welche das anhaltende und stets sehr anstrengende Waden, unsicher» Trittes, im Moraste, aus diesem oder jenem Grunde scheuen, und gar obendrein noch schlechte Schützen sind, von welchen von Wildungen (Laschend. f. Forst- u. Jagdsr. 1803 u. 1804 . S. 60 .) sehr treffend sagt: „Wer vor Schnupfen und Rothlauf sich fürchten, wer mit Kraut und Loth (Schießbedarf) geizen muß, wer zu den Lottoschützen gehört, dem rathe ich, auf dem Trocknen zu bleiben!" Wer indessen diese Jagd aus Erfahrung genauer kennen lernte und ihr Geschmack abgewann, wird sie, mit mir und vielen Andern, trotz ihrer vielen Beschwerden, für eine der reizendsten halten müssen. Wer im vollen Genusse dieses hohen Vergnügens schwelgen will, muß zuvörderst ein gewandter Flugschütze sein, es darf ihm nicht an Muth und Kraft zu dieser beschwerlichen Jagd fehlen, auch müssen ihn weder seine Leibesconstitution noch schwächlichen Gesundheitsum- stände verhindern, sich so argen Strapatzen zu unterziehen, und endlich muß vor Allem ächtes Jagdfeuer ihm inwohnen. Dann sind ferner ein Paar, bis an den Leib heraufreichende, gute Wasserstiefeln, ein wohlabgerichteter, sanfter, behutsamer, Hühner- oder Vorstehehund, welcher ganz kurz reviert, ferm steht, nicht nachprellt, auch schnell apportirt, und endlich eine (wie sich von selbst versteht) gute Flinte, mit passender Lage, an die man sich hinlänglich gewöhnt bat, schnell und sicher zu sein, noch nothwendige Requisiten zur Bekassinenjagd. Süß und reizend ist dann der Triumph menschlicher Fertigkeit, diese gewandten, blitzschnellen, nachher so wohlschmeckenden, Langschnäbel aus der Luft herabzudonnern; einzeln, aber mehrere nach einander, und mitunter mit jedem Rohr der Doppelflinte schnell nach einander je eine, ohne eine einzige inzwischen zu fehlen, der höchste Gipfel alles Flugschießens; weshalb Schützen, welche dies mit 12 bis 20 Stücken nach einander können, ru den bewundertsten gehören, aber auch sehr selten sind, selbst in 8. Theil. 22 338 XII. Ordn. LXII. Gatt. 24V. Gemeine Sumpfschnepfe. Gegenden, wo diese Jagd häufig betrieben wird. Allerdings können bei der Ausübung Wind und Wetter oder andere Nebenum- stände öfters störend auf diese seltne Kunst einwirken und den besten Schützen irritiren, als vorübergehend aber doch der anziehenden Jagd nicht allen Reiz nehmen. Bei starkem Winde sind z. B. diese Böget so wild, daß sie schon weit über Schußweite herausfliegen, und von jenem gefaßt, meist weiter als sie mochten, fortgeschleudert werden, soweit, daß auch ein nochmaliges Aufsuchen unterbleiben muß. Man sucht dann, bei solchem Wetter, diesem Uebelstand dadurch zu entgegnen, daß man sich wendet und mit dem Winde (nicht mehr gegen ihn) sucht; sie werden dann nicht nur naher aushalten, sondern auch gezwungen werden, gleich nach dem Aufsteigen sich gegen den Wind zu wenden, sich also dem Schützen zu nähern, an welchem sie dann mit halbem Seitenwinde meistens schußmäßig und, wegen Anstrengung gegen den Wind, langsamer vorbeistreichen und gemächlicher herabgeschossen werden können; denn sie fliegen, wie viele andere Böget, sehr ungern mit dem Luststrome. Das schlechteste Wetter von allem ist hier, wie bei andern Wasserjagden, Regen; denn es mag Manchem schon unangenehm genug sein, von unten herauf sich fortwährend im Nassen zu bewegen; allein völlig unausstehlich ist es jedem, selbst dem mit solchen Widerwärtigkeiten Vertrauten, dabei auch noch von oben herab durchnäßt zu werden; zudem halten sie auch bei Regenwetter nie schußrecht aus. Dafür ist eine solche Jagdpartie aber bei heiterm, warmen und stillen Wetter auch desto angenehmer; Strich bei Strich durchwadet der tatendurstige Jäger den Morast, unbekümmert, wenn er auch mitunter bis an oder über die Kniee einsänke, obgleich langsamen Schrittes, doch mit Anwendung aller Kräfte, ohne diese ungeheure Anstrengung zu empfinden, weil er nicht Zeit hat, an solche Nebendinge zu denken, sondern mit gespannter Erwartung dem kurz vor seinen Füßen, bald gerade, bald schräg gegen den Luftzug, vorsichtig suchenden Hunde folgen und beobachten muß, um beim Anziehen und Borstehen desselben so nahe wie möglich zu fein, sich schußfertig zu halten, und die jetzt schnell, jedoch nahe genug, herausfliegende Bekassine rasch herabzuschießen. Damit dieses. Schießen mit gewünschtem Erfolge gekrönt werde, muß möglichste Gewandtheit, mit Besonnenheit verbunden, dabei vorherrschen; anschlangen, aufs Korn nehmen, losdrücken, müssen Eins sein, in einem Nu geschehen, dabei aber auch sicher gezielt und im richtigen Augenblicke losgedrückt werden, Dinge, welche nur die Uibung lehren kann. Fortwährend XII. Ordn.I^XII. Gatt. 240. Gemeine Sumpfschnepse. 339 bei kaltem Blute bleiben, nicht vorschnell, aber auch nicht gar zu bedächtig schießen, sind Haupterfordernisse zum Gelingen; wer dagegen zu bald in Hitze geräth, bei Fehlschüssen den Muth verliert, unschlüssig wird, und dann eben deshalb immer wieder nebenbei schießt, der mag lieber sogleich vom Schauplatze abtreten, sich eine Zeit lang Ruhe gönnen, bis die Aufwallung sich gelegt hat; ein Probates Mittel gegen solche nachtheilige Aufregungen, das auch auf Hühnerjagden nicht genug empfohlen werden kann, da selbst der geübteste Schütze seine bösen Tage haben kann und die Gemüthsstimmung des Menschen gar zu großen Antheil am Gelingen und Nichtgelingen seiner Werke, vorzüglich auch am Zagen, hat, deren Verzweigungen aber oft so tief versteckt im innersten Menschen liegen und schlummern, daß er sie vorher nicht ahnet, allein der leiseste Anklang von außen sie augenblicklich weckt. — Beim Suchen nach Bekassinen, zumal in einer Zeit, wo sie nicht fest liegen, muß man sich nie übereilen, sich still verhalten und zu starkes Patschen im Wasser möglichst zu vermeiden suchen; man muß eigentlich mehr schleichen, um so mehr, wenn viele nahe neben einander liegen, damit sie nicht vor der Zeit aufmerksam gemacht werden und zu früh aufsteigen, wenn dies sich aber ereignet und mehrere abfliegen, doch seinen Strich immer fortsuchen, weil sehr gewöhnlich einzelne noch liegen bleiben und näher aushalten. Man muß, wenn auch mit Doppelgewehr versehen, nach jedem Schusse so lange still stehen und den Hund anhalten, bis man auch das einzelne Rohr wieder geladen hat; dies ist besonders nicht aus der Acht zu lassen, wenn man ohne Hund sucht und sich die Geschossenen selbst holen muß, weil auf dem Gange nach der Stelle, wo eine solche herabstürzte, sehr oft noch andere aufgescheucht werden, die man dann, wenn man sich darauf gefaßt hielt, ebenfalls schießen kann. Weil die magern Bekassinen, als die scheuchen und flüchtigsten, hauptsächlich jenen Zickzackflug haben, welcher den Anfänger in der Kunst des Flugschießens so leicht irre macht und selbst dem Geübten nicht gleichgültig ist, so muß man entweder sehr schnell sein und schon vorher, gleichsam im ersten Schuße des Aufsteigens, welcher gerade ist, abdrücken, oder den verhängnißvollen Fingerdruck so lange zurückhalten, bis der Zickzack vorbei ist und ein gerader Flug beginnt, wo dann die Bekassine freilich oft schon zu weit hinaus ist, um auf sichern Erfolg eines solchen Schusses rechnen zu dürfen. Zn Zeiten, wo dies bei den meisten Statt hat, im Anfange der Herbst- Lugzeit und oft auch im Frühlinge, ist das Schießen derselben 22 « * Z40 XIÜ- Ordn. I^XLi. Gatt. 240. Gemeine Sumpfschnepfe. allerdings das non plus ullru alles Flugschießens; bei weitem weniger aber, wenn sie feister sind und fester liegen, zumal die ganz feisten, schwerfälligen, bis auf wenige Schritte aushaltenden, niedrig und gerade aus fliegenden Nachzügler im Spätherbst, welche entweder stumm oder mit sparsamem, ganz heisern Geschrei auf und auch nie weit weg fliegen, daher leicht noch ein Mal aufgesucht werden können und wol noch ein oder zwei Mal nahe genug aushalten; während jene fast immer mit vielem Schreien und lauterer Stimme hoch in die Lust steigen, sich weit entfernt erst wieder herabstürzen und dort noch weniger als das erste Mal schußrecht aushalten. Ein einzelner, ganz vorzüglich eingeübter Schütze, mit allen nöthigen Requisiten versehen, kann unter den begünstigendsten Umständen an einem Lage allenfalls 70 bis 80 Stück erlegen, schwerlich wird aber einem solchen oft gelungen sein, es auf 100 Bekassinen in dieser Zeit zu bringen. Wenn von noch mehreren erzählt wird, so gehört-solches ins Gebiet der Aufschneiderei. Manche Jäger, welche das Wasser und das anstrengende Waden fürchten, lauern ihnen Abends am Rande auf und schießen sie im Vorüberstreichen, wenn sie anfangen herumzuschwärmen, wo sie niedriger und langsamer fliegen, oder später aus einem Hinterhalte auf dem Anstande am Wasser. Das Eine wie das Andere giebt jedoch nur wenig Ausbeute.") Eine besondere Art, die Bekassinen zu beschlcichen und im Sitzen zu schießen, ist in Jester's kl. Jagd. II. S. 156. angegeben. Man verfertigt dazu einen tragbaren, leichten, aber dichten Schirm von grünen Zweigen und Schilf, so groß, daß sich der Schütze stehend und gehend dahinter verbergen kann. Diesen trägt er, wo Bekassinen liegen, sachte vor sich her, und sucht durch ein angebrachtes Loch im Schirme sie in ihrem Verstecke gewahr zu werden, um sie mit halber Ladung (denn ein voller Schuß würde sie, der Nähe wegen, zerschmettern, auch zu viel Lärm machen und die andern verscheuchen) im Sitzen todt zu schießen. — Ich kenne ") Ein Jagdlicbbaber aus Livland erzählte mir von einer besondere» Methode, die Bekassinen anzulocken nnd im Sitzen zu schieße», welche nach seiner Versicherung bei den dortigen Jägern sehr üblich wäre. Sie legten sich deshalb ins Gras »eben einem Sumpf nieder und brächten mit dem Munde eine» zischenden oder fauchenden Laut hervor, nach welchem jede vorbeifliegende Bekassine sich herabstürzte und vor dem Schütze» niedersetzte. Wie weit diese Erzählung wahr oder falsch sei, vermag ich nicht zu entscheiden. XII. Drdn.jsiiXII. Gatt. 24Y. Gemeine Sumpfschnepfe. 341 diese Methode aus Erfahrung nicht, möchte auch am guten Gelingen derselben sehr zweifeln, obgleich sich sonst gegen die gediegenen Erfahrungen eines Jester nichts einwenden läßt. Mit dem Fange ist es eben so. Man findet in Büchern eine Menge Fangmethvden angegeben, die alle von schlechten Schützen erfunden zu sein scheinen, und von denen die wenigsten etwas taugen. Hierzu gehört unter andern ein Fang mit Klebegarnen, die wie Lerchengarne (s. Thl. IV. S. 178. d. W.) angefertigt, an senkrechten Stangen aufgestellt u. s.w., oder auch einzeln fast wie ein Lerchen-Nachtgarn gehandhabt werden. Auch dieses hat man dazu empfohlen. — Wenn sie festliegen, mag es auch vor einem guten Hunde hin und wieder gelingen, eine Bekassine mit dem Wachteltiraß zu überziehen. Die beste Ausbeute geben noch zwischen die Kufen aufgestellte Laufdohnen, das Schlcifenneß oder Steckgarn, genau solche, wie zum Fange der Drosseln und Wachteln anwendbar, welche in diesem Werke an ihrem Orte bereits näher beschrieben worden sind. Natürlich dürfen solche nie zu frei stehen, aber auch nicht zwischen zu dichten Schilfgräsern und Binsen versteckt sein. Auf den Wasserschnepfenheerd kömmt in der Dämmerung nur zufällig, daher sehr selten, eine Bekassine. Die Fährte hat mit denen der Strand- und Wasserläu- fer, hinsichtlich der Entfernung der ansgespreitzten Zehen von einander, große Aehnlichkeit, indem diese auch hier auf die Hälfte der 3 Durchschnittslirn'en eines in 6 gleiche Theile getheilten Zirkels passen, jedoch unterscheidet sie sich von allen andern ähnlichen Fahrten augenblicklich als sehr auffallend an der ungewöhnlich verlängerten Mittelzeh. Sie ist Thl. ?. d. W. Einleitung S. 133. Fig. U. abgebildet. Von denen der vorigen und der folgenden Art unterscheidet sie die verschiedene Größe. Nutze ». Ihr Wildpret ist als ein ausgezeichnet schmackhaftes Gericht,^ worauf Leckermäuler einen hohen Werth legen, allgemein bekannt. Jedoch kömmt auch bei diesem Geflügel gar viel auf die Jahreszeit und die davon abhängige Leibcsbcschaffenheit an, und macht einen bedeutenden Unterschied zwischen demselben; denn je fetter die Bekassine ist, desto zarter, saftiger und wohlschmeckender ist ihr Fleisch, wogegen das der magern, in der vorgerückten Wcgattungszeit oder im Sommer erlegten, gar keinen Vergleich aushalt. Selbst dcr 342 Xtl. Ordn. Ist,X4l. Gatt. 240. Gemeine Sumpfschnepfe. Geschmack kann sehr verschieden sein und mag von der Verschiedenheit der Nahrungsmittel abhängen, je nachdem die eine oder die andere Art von Gewürm, gerade zu der Zeit, häufig oder sparsam auf ihren Futterplätzen vorkömmt. Bekanntlich sind die Nachzügler im Spätherbst am feistesten, und bei solchen ist dann am von Federn entblößten Körper oft nichts als weißgelbes, leichtflüssiges Fett durch die Haut zu sehen, welches außerdem an der Halswurzel, unter den Flügeln und neben dem Streiße dicke Wülste bildet. Damit nun ein so leckerhaster Braten möglichst zusammen bleibe und des Genießbaren nichts verloren gehe, richtet man ihn ebenfalls, wie bei andern Schnepfen, sammt den Eingeweiden zu und hält gerade diese, bei zweckmäßiger Zurichtung, für den köstlichsten Leckerbissen. Indessen tritt doch, nach dem allgemeinen Urtheil aller Feinschmecker, unsere gemeine Bekassine hinsichtlich des Wohlgeschmackes ihres Fleisches noch hinter die große, wie hinter die kleine Sumpfschnepfe oder Bekassine zurück, überragt aber unbedingt darin die Waldschnepfe. — Auch die Eier sind sehr schmackhaft. Dies Wildpret geht, wie das aller schnepfenartigen Vögel, wenn es feist ist, wegen seiner Zartheit, sehr leicht und bald in Fäulniß über. Bei nur etwas warmer Witterung wird es schon nach wenigen Stunden auf dem Bauche blau und grün, ein unnatürlicher Geruch stellt sich ein, wird bald stärker, stinkender, und in wenigen Tagen ist alles in Fäulniß aufgelöst. Deshalb ist den Bekasiinen- schützen nicht genug zu empfehlen, dem Aufbewahren dieser kostbaren Waare mehr Sorgfalt zu widmen, als bei anderm Geflügel (leider auch noch zu wenig) geschiehet. Es ist durchaus anzurathen, außen am Zagdsacke eine Reihe kleiner lederner Schlingen zu haben, an welche jede einzelne Bekassine um den Hals angeschleift wird, so daß alle außen auf der Tasche neben einander in freier Luft hängen, wodurch sich zuvörderst das Gefieder von selbst und sehr bald glätt macht, schnell abtrocknet und schon das äußere Ansehen der Vögel sehr gewinnt. Hier hängend schadet ihnen selbst die Einwirkung der Sonnenstrahlen wenig, weil der freie Luftzug sie immer wieder abkühlt und durchlüftet. — Wirft man dagegen eine nach der andern, noch warm und dabei naß und gedrückt, wie sie der Hund zubringt, in den Sack hinein, zumal, wenn dieser von Leder ist, und häuft so nach und nach Dutzende auf einander, so geräth, bei warmem Wetter,'ein solcher Klumpen, durch Feuchtigkeit, Wärme der Vögel und reibende Bewegung heim Tragen, in einen Grad fauler Gährung, noch ehe sie der Schütze nach Hause I XU. Ordn. 4eXH. Gatt. 240. Gemeine Sumpfschnepfe. 343 bringt; solche sind nicht zum weitem Verschicken, sondern vielmehr in kurzer Zeit Aas. Die werthvollsten, nämlich die feistesten, sind dem Verderben gerade am ersten ausgesetzt, weil sie am weichlichsten sind, daher vom Hunde, wenn er auch noch so leise aufzunehmen pflegt, leichter gequetscht, auch von zu nahem Schuß oft stark beschädigt werden, ja sogar beim Herabfallen aus der Luft nicht selten aufbcrsten; alles Zufälligkeiten, welche nicht zu verhindern sind, aber um so mehr das Verderben befördern. Jene sorgfältige Behandlung der erlegten Bekassinen ist vorzüglich da zu empfehlen, wo man sie als Marktwaare weit zu trans- porliren hat, wo die reinlich und glatt aussehenden und nicht stinkenden natürlich die willigsten Käufer finden. Man verkauft in Gegenden, wo sie nicht sehr häufig vorkommen, in den großem Städten das Stück zu 6 guten Groschen, wo sie häufiger sind, wol auch nur zu 4 gGr. — An vielen Orten bekömmt der Jäger pr. Stück 1 bis l'/r gute Groschen Schießgeld, eine Prämie, wobei er, wenn er nicht ein guter Schütze ist, nicht wol auskommen kann. S ch a d e n. Im Haushalte der Natur schaden sie gewiß eben so wenig, als sie dem Menschen Nachtheil bringen. Noch weniger darf sie der zu feurige Jagdliebhaber anklagen und ihnen die Schuld bei- mefsen wollen, wenn er bei der Bekassinenjagd Gesundheit und Leben aufs Spiel setzte. " ' Naturgetreue Abbildung Schwanzes und sciuer überzählige», verbildete» Feder» der vbe» bciim Spielart der gemeinen Sumpfs chnepfe. 241 , Die kleine Sumpfschnepfe, Taf, Fig. 1. Männchen im Frühling, Fig. 2. Weibchen im Herbst, Kleine oder kleinste Schnepfe, Halbschnepfe, kleine Mittelschncpfe oder Bekassine; stumme oder taube Schnepfe; kleine stumme Schnepfe; Haar-—, Moos-—, Moor- — ,Wasser- —, Gras- —, Rohr-—, Heer- schnepfe, mit dem Zusätze: die kleine; Wafferschnepflein; Wasser; Hühnchen; Maus- — oder Pudelschnepfe; Haarpudel; Haarbull; Fledermaus oder Fledermausschnepfe; Bockerle; kleiner Gräser; hier zu Lande: kleine oder stumme Bekassine, stumme Schnepfe, oder auch nur: d'' Stumme. Hcqlchia-e Kino!. 1-iuo. 8^nt. I. 2. g. 662. II. 8. ----- I,otIi. log. II y. 715. II. 8. -- Xil8.inii, Oro, 8U60. II. p. 107. II. -- 1 Nil,.. Uauu. 8ueo. x. 176. II. 142. — 0,1 1« ÜIIÜ. 0i«. VII. >>. 490. — I'iiil. g. vouxp. XIV- I». 219. ----- Ii!. >>!. enl. 684. ----- l-ii'iin!. 'Iiili. vlom. II. p. 226. ----- V. i>. 136, u. tz. — uibers, von Bechstein, III. 1. S. 110. ». 8. ----- Lcnick, lull. kirä«. II. §i. 73. ----- /.'iiimiiiim r»»io?e. 8tor. üox. I -n. IV. luv. 443. -- - III- ^ x. 237. — Bechstein, Natuvg. Deutsch!. IV. S. 196- ----- Dessen Ta- schenb. N, S. 281. 4. ----- Wolf und Meyer, Taschenst. II. S. 364. — Meyer, Log. Liv- und Esthlands. S. 194. MeiLner und Schinz, BSg. d. Schwel». S. 208. ii. 109. ---- Koch, Baier. Zool. I. S. 315. «. 196. ----- Brohm, Lehrst. II- S. 626. ----- Dessen Naturg. c,. V, Deutsch!. S. 622 — 624. -- Glo- gex, Schiel, Faun. G. 48. «. 204. ----- Frisch, Mg. Taf. 231. ----- Nnnmnnn'S Pilz. alte RnSg. IN. S, 21. Las, IV. Fig. 4, Männchen iin Frühlinge, b>(.'( X.O I'^X-suUl,u>k> ll.^I.-vt^I k'lllllltl! XII. Ordn. I^XII.Gatt. 241. Kleine Sumpfschnepfe. 345 Kennzeichen d e r A r t. Die Flügeldeckfedern haben lichtgelbgrauliche, meistens an der Spitze getheilte Kanten; der zwölffederige Schwanz ist spitz zuge- rundet, die beiden Mittelfedern länger und spitzer als die übrigen. Beschreibung. Dieser kleine Vogel, soviel jetzt bekannt die kleinste Art dieser Gattung, ist schon deshalb nicht mit der Vorhergehenden zu verwechseln, weil sie mehr als ein Drittheil kleiner ist, dazu niedriger auf den Beinen steht und einen stärkern und viel kürzern Schnabel hat, obgleich sie in ihrem Gefieder ähnliche Farben und Zeichnungen zeigt. Genau besehen unterscheidet sie sich auch hierin genug, namentlich hat der schwarze Oberkopf keine hellfarbige Mittelstreife, welche sich sowol bei der großen wie bei der gemeinen oder mittlern Sumpsschnepfe findet und diesen Theil bei beiden gleichartig auszeichnet. Beide stehen sich überhaupt näher, als die kleine zu ihnen steht; diese scheinbare Lücke zwischen 8 c. AalliuuKo und 8 o. Aullillulu füllt aber eine ausländische Art aus, krvuutu aus Südamerika, welche zwischen diesen beiden in Allem das Mittel hält. Ihre Größe ist nur die der Haubenlerche (AIuuüu vribtutu) oder des Kirschkernbcißers (kUn^iHu Loovotraustos). Sie ist (ohne Schnabel, wie immer, gemessen) 7^ bis 7^ Zoll lang; 15 bis 15^4 Zoll breit; der Flügel vom Bug bis zur Spitze 41/4 bis 4i/z Zoll und der Schwanz 1^/4 Zoll lang, wobei jener, wenn er in Ruhe liegt, diesen bis auf zwei Drittheile bedeckt. Das Gefieder ist wie bei den andern Sumpsschnepfen, aber weicher und auf den obern Theilen schmäler oder vielmehr länger, besonders die größten Oberrücken- und Schulterfedern, die Flügel weniger gewölbt und zugespitzter, ihr Hinterrand fast noch stärker im Halbkreise ausgeschnitten, die Hintere Flügelspitze auch länger, beim zusammengelegten Flügel bis auf das Ende der dritten oder vierten großen Schwingfeder reichend, von welchen die erste und zweite gleich lang und die längsten von allen sind; auch fehlt das kleine steife, sihr schmale und spitzige Federchen vor ihnen nicht. Der kSrzc Schwanz, aus 12 Federn bestehend, ist sehr zugerundet, in der Mitte verlängert und spitz, daher fast keilförmig, seine Federn sehr weich, die mittclstcn zugespitzt, die übrigen mehr zugerundet. 346 XII. Ordn. L^XH. Gatt. 241. Kleine Sumpfschnepfe. Der Schnabel ist verhältnißmäßig kürzer, höher, und vor der Spitze platter niedergedrückt, als bei den beiden vorherbeschkiebenen Arten, der großen und der gemeinen Sumpfschnepfe. Er ist 1^/4 Zoll lang, selten eine Linie drüber oder auch darunter; an der Wurzel gegen 4 Linien oder wenigstens 3^ Linien hoch, aber nur 2 Linien breit, läuft so in wenig abnehmender Breite bis zur stumpfen Spitze vor, während allein der Oberschnabel vor ihr, weil er von oben platt gedrückt ist, ein wenig breiter scheint und über den untern unmerklich vorsteht; die Firste übrigens schmal gerundet; der Kiel plattrund, mit bis zur Spitze gehender Mittelfurche. Uiber den aufgetriebenen Mundkanten läuft mit diesen parallel bis fast zur Spitze an der Seite beider Theile eine vertiefte Furche, worin hinterwärts auch die weiche Bedeckung der Nasenhöhle nach vorn verläuft, in welcher nahe an der Wurzel, seitlich, das kleine, enge, längliche Nasenloch sich öffnet, dessen weiche Ränder sich wenig erheben. Er ist sehr weich und biegsam, nur die äußerste Spitze hornartig. Am getrockneten Schnabel werden die Furchen tiefer und deutlicher, es entsteht auf dem Rücken vor der Spitze eine stäche Rinne, und er schrumpft hier, am obern und untern. Theile, so zusammen, daß lauter in Reihen geordnete kleine Grübchen entstehen, die auch fühlbar sind, wie der Hieb einer stumpfen Feile; übrigens bleibt er glatt, wie er im Leben durchaus ist. Von Farbe ist er an der Wurzel grauröthlich oder schmutzig gelblichfleischfarben, von der Mitte an immer düsterer und an der Spitze aus Grau in Schwarz übergehend. Getrocknet wird er unscheinlich braun mit schwarzer Spitze. Das Auge ist ziemlich hoch gestellt und vom Schnabel entfernt, aber nicht auffallend groß; es hat einen dunkelbraunen Stern und weißbesiederte Lider. Die Füße sind niedrig, schwächlich und sehr weich. Sie haben eine kleine nackte Stelle über der Ferse, keine Spannhäute zwischen den sehr dünnen Zehen, wovon die mittelste auffallend lang, die Hintere kurz, schwächlich und etwas hoch gestellt ist. Ihr weicher Ueberzug theilt sich vorn herab und auf den Zehenrücken in größere, hinten an den Läufen in kleinere Schilder, dazwischen ist er netzartig und an den Zehensohlen feinwarzig. Die Krallen sind schwach, schlttal, wenig gebogen, spitz, unten etwas ausgehöhlt. Der nackte Theil über der Ferse mißt 3^ bis 5 Linien; der Lauf einen Zoll; die Mittelzeh, mit der zwei Linien langen Kralle, 1^ Zoll; die Him terzeh mit der kleinen Kralle etwas über 3 Linien. Die Farbe der XU. Ordn. L-XII. Gatt. 241. Kleine Sumpfschnepfe. 347 Füße ist eine grauliche Fleischfarbe, an den Gelenken mit durchschimmerndem Grün, die der Krallen schwarz. Getrocknet werden die Beine unscheinlich braun. Das zarte Gefieder trägt ähnliche Zeichnungen und Farben wie bei den beiden vorherbeschriebenen Arten, die aber an den obern Theilen bei weitem schöner sind, wo das Schwarze einen prächtigen Metallglanz in Grün, Blau und Purpurroth hat und selbst die dunkelrostrothen Zeichnungen in demselben nicht ohne purpurfarbigen Schiller sind. Vom Schnabel an ist die Stirn in einem breiten, auf dem Scheitel immer breiter werdenden und auf dem Genick endigenden Streif schwarz, ohne gelbe Mittellinie, aber mit rostfarbigen seinen Randstrichelchen an den Seiten der Federn gemischt; ebenfalls vom Schnabel an zieht sich zu beiden Seiten jenes Dunkeln ein breiter rostgelbcr, oder weiß, rostfarbig und gelb gemischter, Streif über das Auge bis an das Genick, welcher hinterwärts schwärzlich punktirt und fein gefleckt ist, und wo sich nicht selten ein Fleckenstreif bildet, welcher den großen lichten Augenstreif in der Mitte spaltet und zu einem doppelten macht; die Zügel als ein starker Streif braunschwarz, eben so ein unordentlicher Fleckenstreif, welcher unter dem Mundwinkel anfängt, sich unter der Wange hindurch nach der gleich- gefärbten Ohrgegend zieht; diese Zeichnungen stehen auf weißem, rostgelb gemischtem Grunde; neben der weißen Kehle läuft jederseits ein Streif feiner, braunschwarzer Punkte herab; der Hinterhals ist rostfarbig und grau gemischt, mit braunschwarzen Flecken. Die Federn auf dem Oberrücken und den Schultern sind nach Verhältniß, größer als bei andern Schnepfen, nämlich viel länger, dabei aber bedeutend schmal; ihre schwarze Grundfarbe glänzt, prächtig metall- artig in Grün, Blau und Purpurfarbe, und die rostbraunen oder dunkelrostgelben, mondförmigen, schmalen Querflecken oder Zackenstriche dieser Federn in Purpurroth und Kupferfarbe, zumal in der Sonne; dabei haben diese Federn längs dem äußern Rande einen schön rostgelben, sehr breiten Streif, welcher an vielen Federn die halbe Außenfahne einnimmt, wodurch bei naturgemäß geordnetem Gefieder auf der ganzen obern Partie vier große rosigelbe Längestreife dargestellt werden, deren jederseits einer den Rand der Schulter längs dem Flügel hinab, die andern beiden den Oberrücken zu beiden Seiten begrenzen, alle aber bis auf die Hintere Flügelspitze hinab reichen. Der Unterrücken ist schwarz, in Metallfarben glänzend, mit weißen Federrändern; Bürzel- und Oberschwanzdeckfedern, 348 XU-Ordn. L^XH. Gatt. 241. Kleine Sumpfschnepse. ebenfalls schwarz mit Metallglanz, auf der Jnnenfahne mit unor- dentlichen rostfarbigen Querflecken, aus der äußern am Rande mit einem hellrostgclben Längestreif. Der Vorderhals ist auf weißem, rostfarbig gemischten Grunde braunschwarz gefleckt; die Seiten desselben und die Kropfgegend schwach grau überflogen, mit rostfarbiger Mischung und vielen braunschwarzen Flecken, welche jederzeit ihren Sitz in der Mitte der Federn haben, durch eine rostfarbige Mischung sich von dem breiten weißlichen Rande absondern, und durch die letztem beim Verschieben mehr oder weniger verdeckt werden, weshalb diese Theile bald stärker, bald schwächer gefleckt und zuweilen fleckig gestreift erscheinen. Weiter abwärts, auf der Oberbrust, wird der Grund reiner weiß, die Flecken kleiner; die vordem Tragefedern sind weiß mit rostfarbigem Anstrich und jede mit schwarzem Schaftfleck, welcher an denen weiter hinab stärker wird, an einigen der längsten sich fast über die ganze Feder verbreitet, an welchen sich dann die Rostfarbe in kleine Querstreife oder Flecke häuft; die Mitte der Brust und der Bauch weiß, meistens ohne alle Flecke; die Unterschenkel weiß, braunschwarz gestrichelt, am stärksten unterwärts; die untern Schwanzdeckfedern weiß, mit schmalen schwarzen Schaftstrichen und einzelnen Pfeilflcckchen. Die Flügeldcckfedcm sind schwarzbraun, mit lichtem Fe^erkanten, die an den mittlern breiter und immer weißlicher werden, auch meistens an der Spitze gespalten sind, an den Enden der großen in reines Weiß übergehen, von denen aber die dem Rücken näher liegende Hälfte in der Mitte völlig braunschwarz und rostfarbig gebändert ist; die Federn der Hintern Flügelspitze haben dieselben Farben, die Streifen ziehen sich aber mehr in die Länge als in die Quere; die Schwungfedern zweiter Ordnung sind an den Enden weiß gekantet, übrigens braungrau, nur auf der Außenfahne matt braunschwarz; die der ersten Ordnung braunschwarz, die kürzern mit feinen weißen Endsäumchen, die vorderste über die Hälfte ihrer Länge mit einem seinen weißen Außensaum; die kleine verkümmerte Feder vor dieser schwarz mit weißer Kante; die Fittichdeckfedern braunschwarz, Auf der untern Seite sind die Schwungfedern glänzend dunkelbraungrau, die Deck- , federn grau mit breiten weißen Kanten, die langen unter der Achsel weiß, mit einzelnen grauen Fleckchen, Die Schwanzfedern sind schwarz, alle an den Spitzen rostroth, die mittelsten bis zur Mitte herauf auch mit solchen Querfleckcn, die an den übrigen weniger bänderartig sich nur auf den Außensahnen befinden und an dem äußersten Paare in einen blaßrostfarbigen Längestreifen übergehen; Xil. Ordn. HII. Gatt. 241. Kleine Sumpfschnepfe. 349 an der Spitze aller Schwanzfedern steht bei den mehresten Individuen, wenn sie nicht schon verletzt ist, ein sehr kleines weißes Fleckchen oder Punkt. Beide Geschlechter sind im Aeußern einander so ähnlich, daß sich ein bestimmter Unterschied schwerlich auffinden läßt. Hat man mehrere beisammen, so lassen sich wol die mit der glänzendsten Färbung ziemlich sicher als Männchen ansprechen, unter den schlechter gefärbten Weibchen befinden sich aber auch einzelne Männchen, die man für junge Männchen halten muß, und sich äußerlich gar nicht von den alten Weibchen unterscheiden. Der Unterschied zwischen dem Frühlings- und dem Herbst- kleid e ist, obgleich es sich wegen der Doppelmauser vermuthen ließ, ebenfalls unerheblich; jenes ist viel schöner, der Metallglanz auf dem Mantel prachtvoller, die Flecke am Kopse und Halse schwärzer, auch starker und das Weiße des Grundes reiner; dagegen sind die Farben des Flügels an den Deckfedern, den mittlern und großen Schwungfedern, überhaupt des Fittichs, fahler, die Ränder der erstem verstoßen und daher ihre weißlichen Kanten unscheinbarer, als im Herbstkleide, weil diese Federn in der Frühlingsmauser nicht erneuert werden. Bei vielen Vögeln im Herbstkleide, vorzüglich jungen, sind die dunkeln Flecke an den Seiten des Kopfes, besonders aber an dem Kröpfe und den Brustseiten kleiner, weil die Federn breitere weiße Kanten haben, die jene mehr verdecken, auch hat der Kröpf oft einen matten Anstrich oder Uiberflug von Rostfarbe. Die Jungen im ersten Herbstkleide sind wenig schlechter gefärbt als die Alten; die Weichheit des Gefieders, namentlich aber des Schnabels und der Füße, und die noch etwas starken Fersengelenke machen sie indessen dem Geübten kenntlich. Das eigentliche Zugendkleid, so wie das Dunenkleid, ist nicht bekannt. Dies ist auch mit der wahren Zeit der Mauser der Fall, die im Frühjahr, wenn sie in unsern Gegenden erscheinen, schon ganz beendigt ist, wogegen sich aber von der Hauptmauser, bei ihrer Ankunft im Herbste, bei vielen, namentlich den zuerst ankommenden, noch manche Spuren finden. Aufenthalt. Unsere kleine Sumpfschnepfe scheint nicht so allgemein verbreitet, als die gemeine, wird aber doch auch in vielen Ländern der alten und neuen Welt angetroffen, so in Nordamerika, Nord- 350 XII. Ordn. L.XII. Gatt. 241. Kleine Sumpfschnepse. asien und Nordeuropa. Für uns scheint sie indessen mehr nordöstlich zu wohnen; denn Faber fand sie nicht auf Island, und Graba erwähnt ihrer, als auf den Faröern vorkommend, auch nicht, aber Boie traf sie auf Varoe, einer der Lofodden im obern Norwegen, einzeln an. Nach andern sichern Nachrichten ist sie in Schweden nicht gar häufig; desto mehr wird sie es aber in Finnland, Rußland und ganz Sibirien, wo sie, wie anderwärts, im Sommer hoch in den «Mischen Kreis hinauf geht, aber auch in Syrien und Persien vorkömmt. In Livland, auch in Lithauen ist sie sehr gemein, dies periodisch meistens auch in den Ländern des mittlern Europa bis nach Westen und Süden hinab, in Frankreich, Italien, Ungarn bis in die Türkei und die griechischen Inseln. Von manchen Ländern scheint sie nur gewisse Streiche und auch diese nicht alle Jahre gleich häufig zu besuchen, so auch in Deutschland, wo sie an geeigneten Orten jedoch kein Jahr gänzlich vermißt wird, so in Schlesien, Brandenburg, in Holstein und den Marschländern der Nordseeküste bis nach Ostfriesland und Holland, und in vielen andern niedern Gegenden, z. B. in der Nähe des Bodensees und anderwärts. Auch in unserm Anhalt fehlt sie kein Jahr ganz, in manchem kann sie sogar sehr häufig sein; allein hier wie anderwärts, und übergll zvo sie vorkömmt, drängt sich dem Beobachter die Bemerkung auf, daß diese Art im Allgemeinen (ein Jahr in das andere gerechnet) viel weniger zahlreich an Individuen ist, als die vorhergehende, daß sie dagegen auch überall in größerer Anzahl vorkomme als die große Sumpfschnepfe. Als. Zug vogel wandert sie von der Mitte des März bis Anfangs Mai, und in einer zweiten Periode, im August und September durch unsere Gegenden. Beide Male trifft ihre Zugzeit mit der der großen Sumpfschnepfe zusammen, d. h. im Frühjahr später, im Herbst frühzeitiger als die gemeine Bekassine, obwol sie auch mit dieser noch zieht. Manchmal werden in schon so weit vorgerückter Jahreszeit, Ende Mai, noch einzelne gesehen, daß man glauben darf, sie mögen auch in Deutschland sich hin und wieder fortpflanzen. So kommen auch auf dem Herbstzuge noch sehr spät einzelne vor, wenn diese Jahreszeit anhaltend leidliches Wetter hat, wie denn in sehr gelindem Winter manche sogar ganz da bleiben, und sich, wo offene Quellwässer fehlen, an Orten aufhalten, wo man keine suchen würde. So trafen wir in einem sehr gelinden Winker, Anfangs Januar 1828, eine in jungen Kiefern an, XII. Ordn. I^XII Gatt. 241. Kleine Sumpfschnepfe. 351 wo sie allerdings Schutz gegen Wind, Wetter und Nachstellungen hatte, aber vom Wüster an offenen Sumpfstellen und einem abfließenden Graben ziemlich weit entfernt war. Auch in Erlenbrü- chern an warmen Quellen, d. i. solchen, welche auch bei der heftigsten Kälte nie ganz zufrieren, hat man einzelne im Winter angetroffen. Ihre Reisen macht sie des Nachts, wie die andern Arten, und auch einzeln, obwol in mancher Nacht der Zug so stark ist, daß man den nächsten Morgen ihrer sehr viele auf nicht gar großem Raum antrifft, die zwar nicht weit von einander, aber auch nie so dicht beisammen liegen, daß sie für einen Verein gehalten werden könnten. Mit Anfang der Abenddämmerung fangen sie einzeln an herumzuschwärmen, sich Nahrung zu suchen, dann die Reise anzutreten und erst in der Morgendämmerung sich an den Orten niederzuwerfen, wo sie den nächsten Tag liegen bleiben wollen. Ihr Aufenthalt sind sumpfige, wasserreiche Gegenden, große Brücher von nassen Wiesen und Viehweiden, mit morastigen Stellen abwechselnd, aus schlammigem und moorigen Boden. Auch sie liebt die Nähe von Gesträuch, namentlich Erlen, aber nicht den zu tiefen Morast und das tiefere Wasser, sondern mehr die seichten Stellen und die Ränder des tiefern Sumpfes. Sie wird zwar in gleichen Gegenden angetroffen, sogar nicht selten zwischen der gemeinen Art, liegt aber noch viel lieber an weniger nassen Orten, von ihr abgesondert, und gern an solchen, welche die große liebt, mit welcher sie auch dort öfter zusammen trifft. Außerdem besucht sie auf ihren Wanderungen, wenn gleich einzelner, auch die kleinern Sümpfe, Wasserlachen, See- und Teichufer und die Ränder andrer stehenden Gewässer, wenn sie in Sumpf auskaufen, in welchen sie sich am Tage verbergen kann, selbst an vom Schnee- oder Regenwasser zurückgebliebenen Pfützen auf feuchten Wiesen und tiefliegenden Aeckern zwischen den Furchen; sie läßt sich aber weder an den Ufern des Meeres noch an denen rauschender Flüsse sehen. Sie läßt ungezwungen sich nicht am Tage sehen, liebt daher nur solche Stellen, welche ihr, sobald sie will, ein Versteck gewähren, zwischen alten Gras- und Binsenstorzen, in Viehtritten, zwischen den sogenannten Kufen und andern Orten, aber nicht solche», wo die Schilfgräser und andere Wasserpflanzen zu dicht und hoch sind. Sie liegt viel lieber auf solchen Plätzen, wo man sie, wenn sie sich gerade hinstellte, schon von weitem sehen würde; damit das aber nicht geschehe, drückt sie sich still und fortwährend auf den 352 XU- Ordn. L^XII. Gatt. 241. Kleine Sumpfschnepfe. Boden nieder. An die freien Wasserränder kömmt sie deshalb am Tage nie, lauft aber des Abends und in hellen Nachten an denselben frei hin und her, ja sie sucht dann diese freie Bewegung und verläßt jene Plätze, wo sie am Lage lag und wahrscheinlich meistens schlief. Weil sie in den Mittagsstunden am festesten liegt, so darf man, wenn man es nicht schon an dem mit ihren weißen Exkrementen beklexten Ruheplätzchen sähe, wol behaupten, daß sie, wenigstens während dieser Zeit, geschlafen haben mußte. Eigenschaften. Diese kleine niedliche Schnepfe gleicht in ihrer Stellung ganz den beiden andern Sumpsschnepfen, steht eben so geduckt, den Hals eingezogen und die Schnabelspitze etwas gesenkt, mit wagercchtem Körper, zuweilen richtet sie diesen aber auch, besonders Abends, wenn ihr etwas Verdächtiges in die Sinne fällt, sehr aufwärts. In dieser Zeit sieht man auch, daß sie behende auf den Füßen ist, während sie am Tage nur geduckt, und mit angezogenen, in den Fersen sehr gebogenen Füßen fortschleicht. Auch sie liebt das viele Herumlaufen nicht und begiebt sich lieber fliegend dahin, wo sie etwas zu suchen hat. Ihr Flug ist ganz anders, als der der großen und der gemeinen Bekassine, leiser, leichter, aber anschaulich unsichrer, nicht so kräftig, aber noch schnell genug und in Schwenkungen sehr geschickt. Die Flügel werden dabei mehr ausgespannt und flatternd bewegt, aber unregelmäßig, der Körper ebenso bald auf diese, bald auf jene Seite gewendet; zuweilen fliegt sie auch ohne dies, gerade aus und niedrig fort, nie sehr weit weg, und wo sie sich setzen will, wirft sie sich gleichsam herab. Ein sHr unstäter Flug, und dem der Fledermäuse erstaunend ähnlich. — Am Tage fliegt sie immer nur dicht über dem Sumpfe hin, bloß in stiller Nacht, auf dem Zuge allein, auch hoch durch die Lüfte. Sie ist unter allen Bekassinen am wenigsten scheu, liegt den ganzen Tag in ihrem Versteck, den Augen ihrer Feinde verborgen, und entflieht nicht eher, bis diese ihr ganz nahe gekommen, der menschliche Fuß sie beinahe berührt hat. Sie weicht dem langsam Herannahenden gewiß nicht laufend aus; denn genau auf derselben Stelle, wo man sie einfallen sahe, fliegt sie jedes Mal auch wieder heraus. Bei stürmischer Witterung sucht sie Schutz hinter den Kufen, an Grabenufern oder hinter Schilf und Gebüsche, liegt dann XII. Ordn. I^XII. Gatt. 241. Kleine Sumpfschttepfe. 353 gern zwischen den Stämmen in den Erlenbrüchern und vermeidet das Freie, weil sie, wenn sie gezwungen ist aufzufliegen, dann ein Spielball des Windes und oft ganz aus der vorgesteckten Richtung geschleudert wird. Ihr Betragen ist sehr ungesellig, sowol gegen ihres Gleichen, wie gegen andere Arten, und wenn auch mehrere, gleichviel ob von der eigenen oder einer verwandten Art, nahe bei einander liegen, so kümmert sich doch eine so wenig um die andere, daß jede nur für sich thut, was ihr beliebt, fortfliegt oder liegen bleibt, nach Gutdünken, auch das Beispiel der andern unbeachtet läßt. Ihre Einfalt und Furchtlosigkeit hat bei vielen Jagdliebhabern die Meinung erregt, sie höre nicht; deshalb nennt man sie in Frankreich die Taube sourckv). Bei den deutschen Jägern heißt sie dagegen die Stumme, weil sie ohne Geschrei auffliegt. Sie ist indessen so wenig taub als stumm; von letzterm ist jedoch so viel wahr, daß sie nur eine sehr schwache Stimme hat und diese höchst selten hören läßt, während man, dem entgegen, beim Aufsteigen der gemeinen Bekassine stets ein lautes, wiederholtes Schreien zu hören gewohnt ist. Der Ton, welchen unsere kleine Bekassine, in sehr seltnen Fällen, gewöhnlich nur gegen Abend, beim Auffliegen ausstößt, ist ein pfeifender, feiner, scharfer Laut, wie Kitz oder Kütz klingend, und dem Tone mancher Fledermäuse ähnlich. Erscheint ihr Nachtruf zu sein und ist jenem der gemeinen Bekassine ähnlich. Zuweilen schreiet sie auch im Auffliegen am Tage ganz leise und heiser ähtch, wobei der Ton am Ende sinkt, statt daß erbe! jener steigt, welche dazu auch viel lauter schreiet. Dabei schreiet die kleine auch so selten, daß Man oft 20 Stück nach einander aufstöbert, ehe nur eine ihr halblautes ähtch ein Mal ausstößt. Fast noch öfterer und zwar alle Frühjahre hört man des Abends auch eine Art von Gesang von ihr, welcher nur bei stillem Wetter und auch dann kaum auf 100 Schritte vernommen werden kann und vollkommen wje das Hämmern des Insekts, welches im gemeinen Leben Lodtenuhr genannt wird, klingt. Dieses einförmige Letter- lettettet u. s. w. dauert oft 4 bis 6 Secunden in einem Athem fort, während die eine darin einen höhern, die andere einen tiefern Ton hält und dabei wunderlich flatternd über dem Sumpfe in gc- rittger Höhe hinstreift. Dies scheint ihr Balzen zu sein. Alle diese zuverläßigen Beobachtungen beweisen, daß diese kleine Schnepfe den Beinamen „stumm" keineswegs verdient. 8. Theil. 23 354 XH.Ordn. 1,X1I.Gatt. 241. Kleine Sumpfschnepfe. Nahrung. Aus dem etwas verschiedenen Baue des Schnabels, zum Theil auch des Magens, läßt sich schließen, daß die Nahrung von denen der Familienverwandten etwas verschieden sein müsse. Worin dies bestehe, ist indessen noch nicht genau ermittelt, und nur einiges Vorgefundene hat eine leise Andeutung davon geben können, nämlich einige kleine Grassämereien, und zwar etwas mehr als einzelne Proben davon, die schwerlich alle zufällig verschluckt sein können, wie wir dies von andern im Magen vorgefundenen Pflanzenstoffen, nämlich zartem Graswürzelchen und Grasspitzchen, glauben, da sie nicht oft und immer nur sparsam darin vorkommen. Der Magen ist kaum etwas muskulöser als bei den andern Schnepfenarten. Gewöhnlich enthält er jedoch bloß einen Brei, in welchem man die härtern Theile, Kopf, Freßzangen, auch wol Häute, von kleinen Insektenlarven, Beine und Flügeldecken von kleinen Käferchen, von Haften, Mücken, und andern Insekten erkennt, auch Theile von Regenwürmern und anderem kleinen Gewürm, und grobe Sandkörner. Es ist von allen Nahrungsmitteln gewöhnlich kaum etwas mehreres zu erkennen, wenn der Vogel, dessen Magen man untersuchen will, nicht eben beim Fressen, des Abends, getödtet wurde. Alle, welche man mitten am Tage erlegt, haben immer schon mehr oder weniger verdauet, und der Magen ist bei solchen nicht selten schon ganz leer, ein Beweis, daß diese Vögel am Tage fast gar nicht nach Nahrung suchen und vielleicht nur dann etwas genießen, wenn es ihnen zufällig vor den Schnabel kömmt. Denn, wie schon oben bemerkt, liegen sie den ganzen Tag ruhig, sind dagegen des Nachts, oder vielmehr in den beiden Dämmerungen, desto munterer, fliegen dann an die Plätze, wo sie mit dem fühlenden Schnabel den weichen Schlamm durchwühlen können, wovon man am kommenden Morgen die deutlichen Spuren neben ihren im Morast abgedruckten Fußtapfen findet, nämlich, wie von andern Schnepfen, viele kleine Bohrlöcher, dicht neben einander. Sie können die klei- nen Nahrungsmittel auch nur von weichem Boden, oder vom und aus dem Wasser, aber nicht vom harten Boden aufnehmen, weil die Spitze des Oberschnabels länger als die des Unterschnabels ist, und wo der Boden nicht nachgiebt, sich gegen diesen anstemmen würde, ohne daß die untere Spitze zum Aufnehmen kleiner Gegenstände tief genug, bis auf ihn hinab reichen könnte. Die Spitze des Oberkiefers, der einzige hornartige Theil am Schnepfenschnabel, XII.Ordn. I^XII. Gatt. 241. Kleine Sumpfschnepfe^ 355 ist ein höchst zweckmäßiger Bohrer, und"zugleich Beschützer der untern, weniger hornartigen Spitze, beim Bohren selbst, weil diese, bekanntlich viel kürzer, in jene so eingeschlossen ist, daß sie bei dem Bohren mit geschlossenem Schnabel durchaus nicht leiden kann. Bei vieler Nahrung wird auch dieses Schnepfchen sehr fett und ist dann noch bequemer und träger als sonst. Fortpflanzung. Unsere kleine Bekassine verweilt, wie schon berührt, im Frühjahre oft so lange in unsern Gegenden, daß man vermuthen muß, es möchten einzelne Päärchen, wenn auch nicht bei uns, doch nicht weit entfernt und noch auf deutschem Boden nisten. Es ist jedoch noch nicht gelungen, hier ein Nest aufzufinden, auch hat man in ihrem Betragen nichts gefunden, was von dem in andern Zeiten verschieden wäre, um jenem Gedanken Raum zu geben. An Liv- land, noch mehr in Finnland, soll sie sich in Menge fortpflanzen; man weiß aber bloß dieses, ohne daß von ihrem Betragen dabei und von andern begleitenden Umständen auch nur das mindeste beobachtet und bekannt gemacht wäre. Sie soll, wie die gemeine Bekassine, ihr Nest in sumpfigen Gegenden auf eine Schilf- oder Graskufe machen und 4 Eier, denen jener in Gestalt und Farbe sehr ähnlich, aber bedeutend kleiner, legen, welche auf schwach olivengrünem Grunde aschgraue oder röthlichgraue Schalenflecke und darauf größere, deutlichere, zum Theil verwischte, gelblich- oder röthlich-schwarzbraune Flecke haben. Nach Andern sollen die Eier weißlich sein, mit rostfarbenen Flecken, nach noch Andern weißgrünlich, aschgraubraun gefleckt. Da ich sie niemals selbst aufgefunden habe, muß ich mich alles Urtheils hierüber enthalten. Die ganze Fortpflanzungsgeschichte dieser Art ist demnach noch in Dunkel gehüllt, oder so gut als Nichts davon bekannt. Feinde. Selten kommt ein solches Schnepfchen durch Verfolgung eines Raubvogels in Verlegenheit, weil sie am Tage nur dann fliegt, wenn sie aufgescheucht wurde, auch nie weit fliegt, und in ihrem Versteck am Boden stillliegend von jenen auch übersehen wird. Daß si't hier von Rohrs, Korn- und Wiesenweihen zuweilen erspä- 23" 356 X?!. Ordn. I^XH. Gatt. 24S. Kleine Sumpfschnepfe. het und im Sitzen überfallen werden, ist wenigstens nicht unwahrscheinlich. Dagegen erschleicht der Fuchs viel öfterer eins. In ihren Eingeweiden wohnt häufig der in vielen schnepfen- artigen Vögeln vorkommende veränderliche Bandwurm (H- nia vsrindilis). Jagd. Sie ist mit viel weniger Schwierigkeiten verbunden als die Jagd der gemeinen Bekassine, und ähnelt hierin mehr der der großen; denn unsere kleine Bekassine liegt nie in so tiefem Sumpfe und ist jederzeit furchtloser als jene, ja sie liegt meistens so fest, daß man sie, wie der Jäger spricht, mit dem Fuße Herausstoßen möchte, weshalb sie von Manchen den Spottnamen Filzlaus erhielt. Ist der Schütze ohne Hund auf dieser Jagd, so wird er an mancher vorbeigehen, welche gar nicht aufsteht; indessen giebt es auch Hunde, welche sie nicht beachten, und die meisten müssen erst an dies kleine Geflügel gewöhnt werden, ehe sie ordentlich vorstehen lernen. Wenn nun solch ein Schnepfchen aufgestöbert nahe vor den Füßen des Schützen heraus und in seinem wackelnden, wenig schnellen Fluge niedrig und geradehin fliegt, so ist sie für den geübten Flugschützen kaum zu fehlen, so lange er kalt bleibt und sich mit dem Losdrücken des Gewehres nicht übereilt. Schießt er dennoch fehl, so wird er zum zweiten Male, da sie nie weit wegfliegt und auch dann eben so fest oder gar noch fester liegt, bedächtiger sein, sichrer zielen und sich des Erfolgs vergewissern können. Die meisten Schützen halten sie daher für einen eben so leichten Schuß als den der Wachtel. Es können jedoch mancherlei Umstände die Sache erschweren, z. B. starker Wind, wo das leichte Vögelchen oft von diesem im Augenblicke des Abdrückens aus dem Schusse gerissen wird; ferner, daß unser Schnepfchen, zumal bei stürmischer Witterung, so tief fliegt, was nicht scharf sehende Personen sehr irritirt, wie dies auch bei trübem Wetter der Fall ist. Es giebt daher Jagdliebhaber genug, die es lieber mit der'gemeinen Bekassine, als mit dieser aufnehmen mögen. Im Spätherbst ist sie oft so feist und dabei so träge, daß man sie vor einem fest vorstehenden Hunde ergreifen kann, ohne nach ihr schießen zu dürfen. Versteht sich, daß man dabei sehr behutsam und folgendermaßen verfahren muß: Man schleicht sich dicht neben den Hund, legt, damit dieser ruhig stehen bleibe, die linke Hand sanft XU. Ordn. I^XIl. Gatt. 241. Kleine Sumpfschnepfe. 357 auf dessen Kopf, sucht in der Richtung der Nase desselben daS Schnepfchen mit den Augen auf dem Boden auszuspähen, um ihr nun das vordere Ende der in der andern Hand habenden Flinte erst langsam näher zu bringen und sie endlich rasch damit an den Boden fest zu drücken. Unter solchen Umständen haben wir auf diese Weise manche erhäscht. Wenn es übrigens bekannt ist, daß es Schützen giebt, welche ein Dutzend solcher Schnepfchen, eine nach der andern und ohne eine inzwischen zu fehlen, aus der Luft herabschießen, so ist dies doch nur am hellen Lage möglich, allein baarer Unsinn, wenn aus ältern Werken (vermuthlich aus Frisch) immer ein Schriftsteller dem andern nachschrieb oder lehren wollte, daß man diese kleinen Schnepfen Abends beim Mondschein aus dem Sumpfe aufstöbern und dann im Fluge schießen sollte. Wer einigermaßen mit Bekas- sinenschießen bekannt ist, begreift den« Zweck einer solchen Abendjagd nicht, da bekanntlich alle Schnepfen am Tage viel besser aushalten, und auch die Kunst des fertigsten, scharfsehendsten Schützen bei Mondschein zu Schanden werden müßte. — Daß man ihnen am Rande der Gewässer aus dem Abend- oder Morgenanstande auflauert, um sie dort im Sitzen zu schießen, und dabei wol auch im Dämmerlichte, dem lichten Abend- oder Morgenhimmel entgegen, eine Vor- überstreichende herabschießt, mag einem entschlossenen Schützen wol begegnen; allein der Bckaffinenanstand giebt überhaupt so geringe Ausbeute, daß er so wenig Empfehlung verdient, als das Fangen derselben. Auch diese kleine Bekassine kann man in Laufdohnen, im Stickgarn, oder im Schleifen netze, auf eben die Art wie die gemeine, fangen, wird sie aber dadurch ebenfalls nie in Menge bekommen. Bei diesen Fangarten darf man nicht außer Acht lassen, sie dahin zu stellen, wo man die Bekassinen des Abends einfallen sahe; nicht wo sie am Tage liegen, weil sie da nicht herumlaufen. Mit dem Lerchen nachtgarn läßt sie sich am Lage überziehen, wo kein Gesträuch steht, und wo knotige Rispen und Stengel, woran das Netz hangen bleiben und leicht zerrissen werden würde, es nicht verhindern. Mit dem Tiraß sie vor dem Vorste- hehunde zu überziehen, gelingt besonders bei stillem warmen Wetter gut. Alle diese Fangmethoden sind jedoch bei dieser wie bei andern Schnepfen in jetzigen Zeiten außer Gebrauch gekommen, weil es im Allgemeinen mehr Vergnügen macht sie zu schießen, und weil es jedem Jagdliebhaber, durch hohe Vervollkommnung der 358 XU. Prdn, Gatt. L41. Kleine Sumpfschnepfe. Jagdgewehre und Jagdgeräthe, um Vieles leichter gemacht ist, ein guter Schütze zu werden, deren es denn auch in unsern Tagen unbestreitbar viel mehrere giebt, als in frühern Zeiten oder noch vor einem halben Jahrhunderte. Ihre Fahrte ist der von der gemeinen Bekassine, bis auf die geringere Größe, völlig ähnlich. Die auffallend lange Mittelzeh, überhaupt das sehr schmale und daher gestrecktere Aussehen aller Zehen, ohne Spur von Spannhäuten, macht sie leicht kenntlich und pon gleich großen Strand- oder Wasserläuferfährten sehr abweichend. Nutzen, Ihr unvergleichlich zartes, überaus wohlschmeckendes Wildpret gehört, zumal wenn es recht feist ist, zu den leckcrhaftesten Gerichten. Es übertrifft an Wohlgeschmack das der gemeinen Bekas- sine noch um Vieles, und wenn man, wie in manchen Gegenden, zweie für eine zählt, so kommt der Käufer dabei bestimmt nicht zu kurz. Bei uns wird in Städten das Stück mit 3 bis 4 gute Groschen bezahlt, während der Jäger 1 bis li/? gGr. Schießgeld erhält. Was vom Aufbewahren der geschossenen Bekassinen oben S, 111. gesagt wurde, ist hei dieser noch. um so mehr an seinem Platze, weil dieses kleine und zartere Geflügel noch viel leichter verdirbt, Will man es mehrere Tage aufheben, so muß es bald in eine Eisgrube kommen und da jedes Stück einzeln so aufgehängt werden, Paß eins das andere nicht berührt, Schaden, Eben so wenig wie bei andern Schnepfen läßt sich von dieser niedlichen Art etwas sagen, was uns Nachtheil brächte, Zweite Familie. Waldschnepfen. Mit stärkeren, an der Spitze runden Schnabel; sehr großen, sehr hoch und weit vom Schnabel entfernt stehenden Augen; niedrigen, stämmichten, aber weichen, von oben herab bis aus die Ferse befiederten Füßen, deren kleine Hinterzeh einen sehr kurzen, stumpfkegelförmigen, in die Höhe gerichteten Nagel hat, welcher nicht über das Ende der Zeh vorsteht. Die Flügel sind ziemlich gewölbt, mit stumpfer Spitze, auch die Gestalt und der Uiberzug der Füße haben etwas Rebhühnerartiges. Die Färbung ihres Gefieders ist düster, naher beschauet mit vielen, zum Theil zarten, schwarzen Zeichnungen, auf schmutzigem, bräunlichen, gelblichen, rostbraunen , grau gemischten Grunde, eine Mischung, die zusammengenommen in einiger Entfernung ganz dieselbe Färbung macht, welche Klumpen abgefallenen dürren Laubes und anderer vegetabilischen Reste haben, von welchem diese Vögel dann, wenn sie durch stilles Niederdrücken, wie sie gewöhnlich zu thun pflegen, sich unbemerkbar machen wollen, schwer zu unterscheiden sind. Ihr Aussehen hat etwas Eulen- oder Tagschläferar tig es und paßt ganz für ihren Aufenthalt und ihre Sitten, zumal sie auch halbe Nachtvögel sind. Es sind im Gegensatze von jenen zierlichen, schlanken Strand- und Wafferläusern, wie den meisten andern Schnepfenvögeln, ziemlich plumpe oder schwerfällige, kurzbeinige, dickhälsige und groß- köpfige Gestalten; sie repräsentiren gleichsam die Eulen unter den jchnepfenartigen Vögeln. Sie bewohnen die Laub- und Nadelwälder, am liebsten an feuchten Stellen und Niederungen, scheuen jedoch auch bewaldete 360 X!l. Ordn. Gatt. Waldschnepfe. Berge nicht, gehen aber niemals in die eigentlichen Sümpfe oder in die von Bäumen und Gebüsch freien Moräste, pflanzen sich auch nur in Waldungen von größerer und zusammenhängender Art fort, Deutschland hat von dieser Abtheilung nur Eine Art. UM ^^01,o l' X X I^l^ix iil SZL 2W LSÄ 242. Die gemeint Waldschnepfe. 8e«IopÄX i Fig. 1. Männchen im Frühling. Taf. 211. < Fig. 2. Weibchen im Herbst, s Fig. 3. junger Vogel. - Gewöhnliche—, europäische Waldschnepfe; Busch- —, Holz-—, Berg- Ried? —, Eulenkopf- —, Groß-Schnepfe; Schnepfe, große—, größere —, gemeine Schnepfe; Schneppe; Bergschneppe; Schnepphuhn; Wasserrebhuhn; Bekasse; bei den Jägern allgemein bloß: Waldschnepfe. -8eoko/»r.v 6uiel. I->iui. sxst. I. 2. p. 660. n. 6. —- 1-utI-. luck. H. p. 713. ------ diilssou, Oru. sueo. H. y. 100. u. 183. ------ Net?. 1'uuu. suoe. y. 174. u. 139. ---- 1.a LecaM. «uff. Oiu. VII. x. 462. t. 25. — «Et. ck. veuxx. XIV. l>. 167. ---^ Ick. «I. eol. 885. ----- keruick. °I°W. II. I>. 217. — LLarre orckrttar^e. t'-inin, dlsu. inn-v. Lckit. II. p. 673. --- HHockeocl, 1-atli. 8z-u. V. p. 129. u. 1. ---- uibers. v. Bechstein, III. 1. S. 103. «. 1. --- «»vlulc, brlt. Nlrcku. II. p. 60. --—- Veecacera. 8tor. ckeg. Voo. IV. luv. 447. 448. 449. ---- Lec- aneer'a sRustioolu vulgurls). 8uvi, Oru. lose. II. p. 304. ----- Hone - 8-reji. 8eyp. kl-ckurl. Vox. III. t. I>. 287. ----- Bechstein. Naturg. Deutschl. IV. S. 158. ----- Dessen Tuschenb. II. S. 279. u. 1. ----- Wolf und Meyer. Taschenb. II. S. 361. ---- Meyer. Bog. Liv- und Esthlands. S. 192. — MeiSner und Schinz, Vag. d. Schweiz. S. 205. u- 196.^ Koch. Baier. Zaal. I. S. 311. o. 193. ----- Brehm. Lehrb. II. S. 617. ----- Dessen Naturgesch. a. V. Deutschl. S. 611 — 614. ------ Gloger. Echtes. Faun. S. 47. u. 202. ----- Frisch, Vag. Taff. 226 n. 237. — Naumann'S Vög. alte Ausg. III S. 6. Taf. 1. Fig. 1. Männchen im Frühlinge. Anmerk. Man hat in langer Zeit den Beinamen dieser Art, unsinnig genug und allen Sprachregeln zuwider, „rustieol»" geschrieben, während man bei den Alte» nur allein richtig „in-tii-.alu" findet, bis erst in neueren Zeiten Oken ls. d. Zool. III. S. ^^0.) und ganz neuerdings Glogcr (a. a. S.) dieser mit beigefügter, kurzer Erläü- »irung, „uf die Wahrheit zurückkamen. 362 XU- Ordn. LXH. Gatt. 242. Gemeine Waldschnepfe. Kennzeichen der Art. Der Oberkopf hat schwarze und rostgelbe Querbänder, der Unterkörper auf graugelblichem Grunde dunkelbraune Wellenlinien; der Schwanz eine oben graue, unten silberweiße Spitze. Beschreibung. In Europa giebt es keinen Vogel, welchen man mit der Waldschnepfe verwechseln könnte. Die ausländischen Arten sind ihr indessen sehr ähnlich, doch hinlänglich verschieden, um den etwas geübteren Kenner auf den ersten Blick über ihre Artverschiedenheit nicht im Zweifel zu lassen. Mc kleine Waldschnepfe (8oolo- pnx minor) aus Nordamerika ist nach Gestalt, Farbe und Lebensart ganz der Abdruck der unsrigen, aber fast um die Hälfte kleiner, ohne schwärzliche Wellen streifen am Unterkörper, oben mit großem Spiegelflecken, der Oberkopf ohne deutliche Querbänder, sonst aber von sehr ähnlicher Zeichnung des übrigen Gefieders. Unsere Waldschnepfe hat ziemlich die Größe des gemeinen Feldhuhns (l?«rckix vinere»), aber längere Flügel. Sie wechselt etwas in der Größe, weshalb Manche die kleinern für eine eigene, von den größern verschiedene Art halten wollen; sie find aber nichts, als auch bei andern Vögelarten vorkommende individuelle Abänderungen. Ihre Länge (ohne Schnabel) wechselt von 11^4 bis zu 12^ Zoll, während 12 Zoll das am gewöhnlichsten vorkommende Län- genmaaß ist; die Flugbreite zwischen 20 und 25^ Zoll, wo auch eine dazwischen liegende Breite am öftersten vorkömmt; die Flügellänge 71/2 bis 8ssz Zoll ; die Spitzen der in Ruhe liegenden Flügel reichen bis auf die Hälfte des 3^/4 Zoll langen Schwanzes. Vor der vordersten großen Schwingfeder liegt ein kleines, kaum 1 Zoll langes, schmales, feinzugespitztes, aber straffes Federchen, wie eine verkümmerte Schwingfeder, dem meistens ein noch kleineres, eben so gestaltetes vorhergeht. — Die großen Schwing- federn, von welchen die erste zwar die längste, jedoch die zweite und dritte nicht viel kürzer als jene sind, haben etwas nach hinten gebogene straffe Schäfte, sind nicht sehr schmal, nur gegen das zu- gerundete Ende etwas mehr, werden nach hinten auch bald breiter, weicher, die der zweiten Ordnung dies noch mehr, mit schief abgerundetem Ende und noch mehr säbelförmig nach hinten gebogenen XII.Ordn. mi. Gatt. 242. Gemeine Waldschnepfe. 363 Schäften, die an den letzten weichern, breiten und zugerundeten Federn (dritter Ordnung) wieder gerade und viel schwacher sind. Der Flügel ist ziemlich gewölbt, sein Hinterland nur flach, sichelförmig ausgeschnitten, die Hintere Flügelspitze daher nur kurz und stumpf, obgleich ihre längste Feder (beim zusammengelegten Flügel) mit der fünften großen Schwingfeder erster Ordnung gleiche Länge hat. Dies giebt einen breiten, wenig zugespitzten und wegen seiner Wölbung etwas hühnerartigen Flügel. Der Schwanz hat 12 etwas breite, zugerundete Federn, die eine abgestumpfte Spitze und nach innen gebogene Schäfte haben, wodurch er im Ganzen breit, am Ende zugerundet erscheint. Die Schwanzspitze hat straffere Bärte, als der übrige Theil der Federn, besonders glänzend, und an den beiden Mittelsedern ist das äußerste Ende etwas aufwärts gebogen. Das ganze Gefieder ist ziemlich groß, weich und locker. Der Schnabel ist gewöhnlich etwas über 3 Zoll, zuweilen 3^ Zoll, selten unter 3 Zoll lang, an der Wurzel gute 6 Linien hoch und A'/z Linien breit, wo die größte Breite dem Rande der Unterkinnlade zukömmt. Er ist daher an der Stirn bedeutend hoch und stark, verjüngt sich aber allmählig nach der Spitze zu, in welche er viel schwächer ausläuft; von allen Seiten gerade, an der Firste, etwa zwei Drittheile von der Wurzel aus, wo der Biegungspunkt liegt und im Leben der Oberkiefer nach oben, die Unterkinnlade nach unten gebogen, der Schnabel also vorn aufgesperrt werden kann, ohne daß dies an seinem Hintern Theile zu geschehen brauchte, etwas eingedrückt oder die sonst gerade Linie hier ein wenig ausgeschweift, das am lebenden Vogel jedoch fast unbemcrkbar ist. Die Firste steigt gegen die Stirn bedeutend auf, ist sonst gerundet, nur gegen die Spitze etwas abgeplattet. Die Spitze ist besonders merkwürdig, stumpfkegelförmig, unten ausgeschnitten, worin das gegen 2 Linien kürzere, etwas scharfe Ende der Unterkinnlade hineinpaßt. Uebrigens ist der ganze Schnabel so äußerst weich und biegsam, wie bei keinem andern Vogel, nur die äußerste Spitze etwas härter. Das 2^. Linien lange, länglichrunde, offene Nasenloch liegt ganz nahe an der Wurzel, sehr seitwärts, in einer weichen Haut, die als eine breite Vertiefung, furchenartig, bis nahe an die Schnabelspitze vorgeht, und hier erst spitz endet. Die Farbe des Schnabels ist im Leben eine schmutzige Fleischfarbe, die nach vorn in Grau und an der Spitze in Schwarzgrau übergeht, die des innern Schnabels, des Rachens und der Zunge rein fleischfarben. So wie sich im Tode Z84 XII.Ordn. I^XII. Gatt. 242. Gemeine Waldschnepfe. die Form des Schnabels durch das Austrocknen verändert, so wird auch die Farbe desselben röthlichgrau, an der Spitze schwarz, nur an der Wurzel des Unterschnabels bleibt sie lichter und der vorigen Fleischfarbe ähnlicher. Das sehr große, dunkelgefärbte Auge ist sehr weit (1 Zoll 2 Linien) von der Schnabelwurzel oder dem kurzen Mundwinkel entfernt, und steht sehr hoch neben der ungemein steilen und dabei langen Stirn, oder vielmehr an den Seiten des breiten, oben flachen, nach hinten schnell abfallenden Scheitels. Dies hochgestellte Glotzauge, mit seiner tiefbraunen Iris und seinen unbesiederten schwarzen Augenlidrändchen, mit den sonderbar gebildeten Kvpftheilen, giebt dem Schnepfengesicht ein ganz ungewöhnliches, eigenthümliches Aussehen. Die kurzen, stämmichten, bis an das sogenannte Knie (Ferse) befiederten Füße sähen Feldhühnerfüßen nicht unähnlich, wenn sie sich nicht durch größere Weichheit und eine viel längere Mittelzch auszeichneten. Sie haben starke Läufe und diese auch starke Gelenke, Zehen, von welchen die innere nur wenig kürzer als die äußere ist, beide aber um Vieles (ein Drittheil) kürzer als die mittlere sind, die keine Spur von Spannhaut und eine zwar kleine, doch nicht ganz kurze Hinterzeh haben, die nicht höher gestellt ist, als daß sie stehenden Fußes mit der Spitze stets die Erde berührt und (wie man an den Ballen der Spitze deutlich sieht) im Stehen und Gehen stets als Stütze dient. Das starke Fersengelenk ist fast ganz von Federn bedeckt, nur unter- und hinterwärts nackt; die Läufe vorn herab mit großen Schildtafeln, hinten mit kleinern, au den Seiten mit noch kleinern, die Zehenrücken mit großen, aber schmalen, die Seiten derselben mit etwas kleinern Schildern belegt; alle diese Schilder, mit Ausnahme der am Hinterrande des Laufes, sind ziemlich hart, die Zehensohlen und ihr gemeinschaftlicher Ballen sehr weich und äußerst fein genarbt. Die Krallen sind mittelmäßig, flach gebogen, sehr spitz, die der Mittelzeh auf der Innenseite mit etwas vorstehender Schneide, die der Hinterzeh ungemein klein und so hoch gestellt, daß zwar ihr Ballen, aber nicht sie, im Stehen die Erde berührt. — Der Lauf ist 1 Zoll 8 Linien hoch; die Mittelzeh, mit der 3 bis 4 Linien langen Kralle, Zoll lang, die äußere Zeh 6^ Linien, die innere 9 Linien kürzer; die Hinterzeh Mit ihrem unbedeutenden Nagel 5 bis fast 6 Linien lang. Die Füße sind entweder einfarbig graulichfleischfarben, oder fleischfarben und nur an den Gelenken und Zehensohlen graulich, bei jungen Xll. Ordn. k^xn. Gatt. 242. GemeineWaldschnepfe. 365 -Vögeln im Anfange des Herbstes grünlichaschgrau; die Krallen dunkelgraubraun, an den Spitzen schwarz. Die Farben des Gefieders sind ein sonderbares, außerordentlich buntes Gemisch von Rostfarbe, Rostgclb, Aschgrau, Braun und Schwarz, zusammengenommen und in einiger Entfernung gesehen, ganz dem abgefallenen dürren Laube oder einem Stück alter Baumborke ähnlich, in welchem sich aber in der 9tähe und genauer besehen so niedliche Zeichnungen zeigen, daß man das Gefieder der Waldschnepfe wol nicht unter die schönen, doch gewiß unter die hübschen Vogelgewändcr zahlen darf. Die Stirne bis auf die Mitte des Scheitels hinauf ist gelblichaschgrau, dunkler gewölkt, vom Schnabel steigt gerade in ihrer Mitte ein tiesschwarzer, an den Seiten etwas rostfarbiger, Längestreif bis gegen ^4 Zoll hoch hinauf; quer über dem Scheitel ist das Graue in gerader Linie von Rostfarbe begrenzt, der eine (gegen -'/g Zoll) breite, tiefschwarze, etwas mit Nostfarbe gefleckte Querbinde folgt; nun kömmt ein ^4 Zoll breites, dunkelrostgelbes Band, dann die zweite schwarze, aber etwas schmälere (nur ^2 Zoll breite) Binde, jetzt wieder eine, noch schmalere, dunkelrostgelbe, dann die dritte schwarze und endlich auch eine vierte rostgelbe und schwarze Binde, die aber gewöhnlich undeutlich ist und aus untermischten Flecken von den beiden Farben mit Rostfarbe vermengt besteht, so daß eigentlich nur drei breite schwarze und eben so viel schmale rostgelbe Querbinden den Oberscheitel zieren, und bis tief unter das Genick hinabreichen. Ein weißlichrostgelber Streif zieht vom Schnabel über das Auge weg und ist vor demselben mit schwarzen Haar- spitzchen untermischt; ein schwarzer, an den Seiten rostfarbig getuschter Zügel lauft vom Mundwinkel zum Auge und fetzt auch hinter demselben noch etwas fort; Kinn, Kehle und ein Fleckchen unter dem Auge sind gelbweiß, so der Vordertheil der Wangen, doch jene rein und dieser matt schwarz getüpfelt; der Hintertheil der Wangen rostgelb, schwarz getüpfelt und gestrichelt; hinterwärts Nach dem Genick zu eine Stelle schön rostfarbig und stark tiefschwarz gefleckt und geschuppt; der Hals gelbgrau, schwärzlich gewölkt, gleich unter der Kehle stärker gefleckt und rostfarbig überlaufen; der ganze Unterkörper trübe roströthlichweiß, mit braunschwarzen schmalen Wel- lenstrichen nicht sehr dicht durchzogen, diese Zeichnung nur über den Schenkeln etwas enger, am Bauche, der etwas mehr mit Rostfarbe überlaufen, ungefleckt, aber an den untern Schwanzdeckfedern mit schwärzlichen Schaftstrichen und Pfeilflecken. Auf dem gelblichasch- 366 XU. Ordn. I^XH. Gatt. 242. Gemeine Waldschnepfe. grauen Hinterhalse haben viele Federn rostfarbige Enden, einen tiefschwarzen Spitzefleck und ein solches zackiges Querbändchen; an den Kropfseiten zieht sich von oben herab ein rostfarbiger, stärker schwarz gewellter Schein; Oberrücken und Schultern rostbraun, mit großen, eckigen und rautenförmigen, sammetschwarzen Flecken und dergleichen zackigen Strichen, zwischen welchen oft graue Räume sind, und in diesem Gemisch zeigen sich noch rostgelbe Endflecke, auch rostgelblichaschgraue Flecke, die sich zum Theil in Längereihen stellen, wo die von der letztem Farbe namentlich an beiden Seiten des Oberrückens und an der Schulter gleich über dem Flügel ein unordentliches Längeband bilden, beim todten Vogel sich aber leicht verschieben und unzusammenhängender dastehen. Die kleinen Flügeldeckfedern sind schön rostbraun, mit sammetschwarzen Quer- und Pseilflecken; die mittleren und großen Flügeldeckfedern hellrostbraun, mit tiefgrauen, beiderseits mit einer schwarzen Linie eingefaßten, zackichten Querbändern und weißlichgelbgrauen Endflecken, welche Querreihen über dem Flügel bilden; die Hintern Schwingfedern lebhaft rostbraun, an den Rändern rostgelblich, mit eben solchen Bändern wie die Deckfedern, aber mit viel mehr Schwarz und mit dunkelrostgelben Endflecken; die übrigen Schwingfedern, nebst sämmtlichen Fittichdeckfedern, braunschwarz, auf den Jnnenfahnen und spitzewärts nur fahl, auf den Außenfahnen mit schmalen rostfarbenen Querbändern, die an den vordersten Schwingen in dreieckige Randflecke und diese an der ersten großen Schwinge in eine rost- gelbweiße Kante übergehen, aus den Kanten der Jnnenfahnen aber nur dreieckige und gezackte Randflecke sind, die, wie meistens die Endkanken aller dieser Federn, nur weißlichrostfarben aussehen. Auf der untern Seite ist der Flügel an den kleinen Deckfedern schmutzig rostgelbweiß, mit dunkelgrauen Wellen durchzogen sgesperbcrt), an den größer» Deckfedern glänzend dunkelgrau, mit trübe-röthlichweißen Querbändern; die Schwingfedern von unten eben wie diese, die Bänder aber nur als dreieckige und gezackte Randflecke dargestellt. Der Unterrücken, Bürzel und die langen Oberschwanzdeckfedern sind rostfarbig, an den Enden rostgelblich, überall mit schwarzen dunkelgrau gemischten Wellenlinien ziemlich dicht durchzogen; die Schwanzfedern tiefschwarz mit rostfarbigen, dreieckigen Randflecken an den Außenfahnen, mit einer Zoll langen, oben aschgrauen, auf der Unterseite glänzendweißen Spitze, die oben durch einen lichten, rost- röthlichen Saum scharf vorn Schwarzen abschneidet, das auf der Unterseite fast noch schwärzer ist, wo die Federn die Randflecke wie XU. Ordn. I^XII. Gatt. 242. Gemeine Waldschnepfe. 367 oben, aber in viel blässerer Farbe, zeigen. Die Textur der oben grauen unten blendendweißen Schwanzspitze ist merkwürdigerweise steifer als alle übrigen Theile des Gefieders, und ist am Ende auch etwas aufwärts gebogen. Diese genaue Beschreibung der Einzelheiten des Waldschnepfen- gesieders paßt in so weit auf alle vorkommende Individuen, sowol >m Herbst-, wie im Frühlingskleide, bei Männchen wie bei Weibchen, daß sie keiner ins Kleine gehenden Wiederholung bedarf, und es hinreichend sein wird, bloß die kleinen Abweichungen in den Grundfarben und die noch geringern in den Zeichnungen zu bemerken. Es möchte sehr schwer halten, ohne Section behaupten zu wollen, welches Individuum männlichen oder welches weiblichen Geschlechts sei, so wenig sind beide im Aeußern nach Farbe und Zeichnung verschieden. Manche Jäger wollen zwar versichern, daß das gelbweiße Außenkäntchen an der ersten großen Schwingfeder stets Heller weiß und viel ausgedehnter beim Weibchen als beim Männchen sei; allein ich habe auch dieses Zeichen sehr schwankend gefunden. Daß der Unterkörper bei letzterm gelblicher sei, die Wellenstrei- fen zarter, oft doppelt, d. h. die Mitte jedes Bündchens viel lichter als seine Scitenränder, und die Hauptfarbe von oben Heller, mehr rostfarbig als rostbraun sei, sind eben so unsichere Kennzeichen, weil sie in allen Uebergängen bei beiden Geschlechtern vorkommen. Während also allerlei kleine Abweichungen bei beiden nicht selten sind, so läßt sich daraus doch kein sicheres Unterscheidungszeichen herausfinden. Die verschiedene Größe allein giebt ein solches, wenigstens in den Extremen; denn stets sind die Männchen etwas kleiner als die Weibchen, bald mehr, bald minder in die Augen fallend, ja es kommen unter ersteren zuweilen sogar sehr kleine Exemplare vor, wogegen die größten sich immer als Weibchen zeigen. Eben so ist, obgleich sie zwei Mal im Jahre mausern, das Frühlingskleid kaum mit Bestimmtheit vom Herbstkleide zu unterscheiden. Gewöhnlich hat jedoch das erstere im Allgemeinen eine hellere, mehr ins Rostfarbene ziehende Hauptsache., die licht- grauen Fleckenstreifen längs dem Oberrücken und Schultern- und guer über die Flügel, fallen mehr ins Weißgelbliche, und der Unterkörper ist auch. gelblicher; wogegen das letztere eine dunklere, mehr rostbraune Hauptfarbe, jene Streife und Flecke am Mantel eine angenehme lichtaschgraue, und der Unterkörper eine mehr ins Weißliche gehende Farbe haben. 368 XII- Ordn. QXlI. Gatt. 242. Gemeine Waldschnepfe. Das Iugendkleid hat ebenfalls die nämlichen Zeichnungen und dieselben Farben, beide aber etwas düsterer, unreiner; die doppelt scheinenden Bänder auf den Flügeln u. s. w. haben längs ihrer Mitte weniger Grau, wodurch sie einfacher werden; die großen lichten Längestreifen an den Schultern und dem Oberrücken und die großen Querbinden auf dem Flügel sind undeutlicher, mehr graugelb als aschgrau, und das ganze Gefieder ist im Allgemeinen weniger oder schwächer gefleckt. Diese jungen Vogel würden also nicht leicht von den Alten zu unterscheiden sein, wenn nicht ihre Fersen- gelenke noch so bedeutend dick wären, woran sie sich sogleich kenntlich machen. Das Dunenkleid ist sehr dicht und weich; Schnabel und Beine sind dann noch sehr kurz und außerordentlich weich anzufühlen, fleischfarbig, der Augenstern braungrau. Das ganze Gewand ist sehr buntscheckig, aus Rostgelb, Rostfarbe, Kastanienbraun, Braunschwarz und Weiß, meistens in großen Partien wechselnd, wodurch es sich von den klarer und mehr streifenartig gefleckten der Sumpfschnepfen leicht unterscheiden läßt. Vom Schnabel zum Auge geht ein braunschwarzer Streif, welcher auch durch die Schläfe bis auf das Genick fortgesetzt ist; über diesem, an den Seiten des Kopfs, befindet sich jein viel größerer und breiterer, welcher rostgelb, über dem Auge stark weiß gemischt ist und hier durch einen kastanienbraunen, gewöhnlich in seiner Mitte lichtem Fleck unterbrochen wird; Stirn und Oberkopf rostfarbig und kastanienbraun, in der Mitte bis ins Schwarzbraun übergehend; unter den Augen sind die Kops, feiten weiß, abwärts in Rostgelb und Rostfarbe übergehend, mit einem kastanienbraunen Querstreif nach der Ohrgegend hin; das Kinn ist weiß; Kehle und Halsseiten sind rostgelb; mitten auf der Gurgel steht ein rostfarbiger oder matt kastanienbrauner Fleck; von hier ist der ganze Unterkörper rostgelb mit rostfarbiger Mischung, an den Schenkeln weiß und rostfarbig gefleckt; vom Nacken schmiegt sich ein gekrümmtes kastanienbraunes Band nach den Kopfseiten herab und wendet sich endlich gegen die Flügelwurzel, einen rostgel- ben, stark weiß gemischten Fleck zum Theil einschließend oder doch einer Seits begrenzend; die Flügel unten gelblichweiß, von außen rostgelb, rostfarbig und weiß gemischt mit mehrern dunkelkastanienbraunen Flecken; der ganze Rücken dunkelkastanienbraun, die Seiten mit dieser Farbe in großen Flecken und mit Rostgelb und Rost- farbe abwechselnd. Es ist unter den Dunenkleidern schnepfenartiger Vogel eins der hübschesten. XII. Ordn.Hl?. Gatt. 242. Gemeine Waldschnepfe. 369 Die Waldschnepfe zeigt sich außerdem auch, als gemeiner Vogel, in mancherlei Spielarten, obwol solche nicht häufig vorkommen. Am seltensten ist eine weiße (8oolopux rnstivul» vuntlill»), entweder überall rein weiß, oder gelblichweiß, mit durchschimmernden dunklen Zeichnungen in mattem Rostbraun- oder nur größtenteils weiß, dabei aber an einzelen Stellen noch mit gewöhnlich gefärbten Federn.") Zuweilen kömmt sie aüch ganz strohgelb (8vol. rnstio. Stramine» s. pallilla), mit kaum bemerkbaren dunkler« Zeichnungen vor. Eine andere Spielart hatte einen ganz weißen Körper, aber gewöhnlich gefärbte Flügel und einen roströthlichen Kopf (8vol. rnstio. rnsieeps.). Oefter giebt es weiß gescheckte (8vol. rustio. vnrin), mit unregelmäßigen weißen Federpärtien zwischen den gewöhnlich gefärbten, die auch bloß mit weißen Flügeln (80. rüst. lvuoopteru), oder nur mit weißem Schwänze (8«. rüst. »Ib'ivuuä») , mit weißem Kopfe und anderartig ausgezeichnet vorkommen. Merkwürdig ist noch das Vorkommen eines Exemplars, das einen rostgelben Unterkörper, ohne dunkele Bänder, einen gelben Schnabel, gelbe Füße, sonst aber die gewöhnlichen Farben hatte (8e. rustiv. ferruSmva); und endlich noch eines, das auf dem Hinterkopfe mit einem Büschel schmaler, verlängerter Federn, einem kleinen Federbusch, versehen war, welcher auf einer warzenartigen Erhöhung der Haut seinen Sitz hatte, also eine 8vv1. rustio. vristut». Die sogenannte kleine europäische Waldschnepfe (8vol. l-ustl- vul» xurv»), von den Jägern wol auch Stein- oder Dorn- schnepfe genannt, ist keine besondere Art, sondern es sind die, welche man dafür ausgiebt, und welche auch dunkler von Farbe, von stärkeren schwarzen Zeichnungen sein und graue Füße haben sollen, welche aber mehr noch durch ihre geringere Größe auffallen, gewiß nur in nach Norden zu gelegenen Gegenden ausgebrütete gemeine Waldschnepfen. Uns ist wenigstens nie eine vorgekommen, welche in Gestalt und Farbe, wie auch im Betragen Etwas gezeigt hatte, das so auffallend verschieden voll denen der gemeinen Wald- °) Man zieht hierher gewöhnlich die Abbildung Taf, 23Ü. des Frisch, wo eine fbeipe Schnepfe abgebildet ist, welche auf dem Kopfe und Genick, an der Schulter und nn Schwänze noch einzelne gewöhnlich gefärbt« Federn hat; diese sind aber so unkenntlich dargestellt , und die ganze Figur so zweideutig, besonders der befiederten Unterschenkel und des SiunpfschnepfenschnabelS wegen, daß man, zumal die Beschreibung nicht nachhilft, nicht'recht weiß, was man daraus machen soll. Nach meiner Meinung gehört sie nicht hierher, sondern zur So. gsliiasgo. 8. Theil. 24 370 X!i. Ordn. Gatt. 242. Gemeine Waldschnepfe schnepft gewesen wäre, daß man auf die Vermuthung einer Artverschiedenheit hätte kommen können. Die Hauptmauser geht im Juli und August vor sich, dauert auch bei einzelnen bis in den September; die Frühlingsmauser dagegen im Februar, so daß fast alle bei ihrer Ankunft im Frühjahr « ihr kleines Gefieder bereits wieder erneuert haben und selten noch alte Federn dazwischen vorkommen; dies letztere gewöhnlich nur bei jungen Vögeln vom vorigen Jahre. Aufenthalt. Unsere Waldschnepfe bewohnt einen großen Theil der alten Welt. Sie ist in ganz Europa, eben so fast über ganz Asien und über viele Theile von Afrika verbreitet, Man hat sie in verschiedenen Gegenden Sibiriens, in Mittelasien, ja in China und Japan gefunden, eben so in der Werd er ei, an der Goldküste, und in Guinea. In den heißen Ländern lebt sie in den Waldungen der höchsten Gebirge und kommt nur zur Winterszeit auf die Ebenen herab. Dies ist auch im südlichen Europa zum Theil schon der Fall, wahrend sie im mittlern und nördlichen im Winter nach Süden wandert, im Sommer aber auch so hoch nach Norden hinauf geht, als es dort noch Bäume und Gebüsch giebt. Auf Island und im obern Norwegen ist sie daher nicht, sonst aber in allen europäischen Ländern bis an die Küsten des Mittelmeeres und dessen Inseln hinab, überall bekannt genug, und auch in unserm Anhalt gemein. In südlichen Landern mag sie nur Strichvogel sein, in nördlichen ist sie dagegen Zugvogel. Wenn gleich in manchen Lagen, z. B. in England, schon viele überwintern, was auch von einzelnen in Deutschland geschiehet, so sucht die große Mehrzahl doch für die rauhe Jahreszeit ein milderes Klima aus und wandert regelmäßig bis nach Italien, in die Türkei und zum Theil noch über das mittelländische Meer hinüber, von woher sie dann bei Eintritt einer mildern Jahreszeit wiederkehrt und sich an ihre nördlichern Brüteorte begiebt. In Schweden und Finnland überwintert keine, in Deutschland, besonders in seiner südlichen Hälfte, schon eine ziemliche Anzahl, zumal in gelinden Wintern, eine größere Menge aber im südlichen Frankreich und die Mehrzahl endlich in den schon genannten Ländern. In Sardinien sollen so viele überwintern, daß sie dort einen Hauptgegenstand der Winter- xn. Ordn. I^XII. Gatt. 242. Gemeine Waldschnepfe. 37L jagden ansprachen. In harten Wintern bleibt keine bei uns, wenigstens nicht in den ebenen Gegenden Mitteldeutschlands; allein in gelinden Wintern ist dies, wo es sogenannte warme Quellen in den Gehölzen giebt, eben keine Seltenheit. So überwinterten in dem sehr milden Winter IZ"/^ zwei Waldschnepfen, wahrscheinlich ein Päärchen, in einem Erlenbruche, nicht weit von meinem Wohnorte. Desgleichen traf ich eine Waldschnepfe am 7. Januar 1825, bei etwas Frost mit Schnee und Regen, in meinem eigenen Wäldchen an; und so würde sich für hiesige Gegenden noch manches Beispiel der Art auffinden lassen. Noch gewöhnlicher sind Nachzügler, welche im Herbst lange über die Zugzeit hinaus dableiben, dann von frühen Winterfrösten überrascht sich aber eiligst davon machen; es giebt dergleichen fast in jedem Jahr. Dagegen lassen sich auch im Frühjahr manche durch zu frühe gute Witterung verleiten, noch vor der rechten Zugzeit zurückzukehren, denen es dann bei einem sogenannten Nachwinter, je nachdem er streng und anhaltend ist, oft schlecht gehet, so daß man sie einzeln wol an Dörfern und Städten, hinter Zäunen und Hecken besonders da findet, wo diese im Widerschein der Sonne liegen, oder an unter Gebüsch versteckten vvm Eise freien Gräben und Pfützen, oder wo es junges Nadelholz giebt, unter diesem. Obgleich bei gutem Frühlingswetter sich hin und wieder schon im Februar eine Waldschnepfe in unsern Gegenden zeigt, so scheint es doch, daß dies solche sind, welche in der Nähe überwintert haben. Der eigentliche Rückzug beginnt nicht vor Anfang des Märzes oder auch erst um die Mitte desselben und dauert ohngefähr einen Monat, so daß er meistens noch den halben April, in spät warmen Frühlingen auch wol durch diesen ganzen Monat noch anhält. Die Einzelnen, welche sich zuweilen bis in den Mai verspä- tigcn, gehören zu den Ausnahmen. Da den deutschen Jäger diese Schnepfen ungemcin interessiren, so hat er sich manche, die Ankunft derselben begleitende Erscheinung gemerkt; sobald er im ersten Frühlinge die Wachholder- und Roth drosseln in lärmenden Schaa- ren nach dem Norden zurückkehren sieht, wenn die ersten Frühlingsblümchen, Schneeglöckchen (6nluutiius uivulis), Leberblümchen s^nomonv llvpntioii), Feigwarzenkraut (kuilunoulus k'ivrrri») u. a. aus dem Boden hervorzukeimen ansangen, dann giebt es auch Waldschnepfen; dagegen wenn sich die Rauchschwalbe einzeln zeigt, wenn in Laubholzgebüschen die Knospen anschwellen, namentlich wenn das liebliche Grün des sich entwickelnden zarten 24" 372 Xll. Ordn. I-XII. Gatt. 242. Gemeine Waldschnepfe. Laubes junger Vogclbeerbäumchen (Kordns »umipai-i») sich zeigt, dann hat für dieses Mal der Schnepfenzug aufgehört. Nach dem Kalender ist der Sonntag Oculi die Zeit, wo er mit Bestimmtheit auf ihre Ankunft rechnet, er heißt daher bei ihm scherzweise „der Schnepfcnsonntag", und das auf ihn festgesetzte Evangelium (vom Austreiben der Teufel rc.) „das Schnepfenevangelium." Doch ist für eine große Zahl der Frühlinge unsers mittlern Deutschlands dieser Termin noch etwas zu früh gestellt; ein alter Jägerreim sagt daher: Oculi, da kommen sie (d. h.> man darf erwarten, daß sie da sind); — Lätare, das Wahre (der Hauptzug); — Ju- dica, sind sie auch noch da (aber der Zug nimmt schon sehr ab); — Palmarum, Trallarum (nun ist es damit aus, auf einzelne Zauderer, welche noch zurück sein könnten, darf nicht mehr gezählt werden). Es sind auch meistens nur Heckvögel, welche sich jetzt noch zeigen, oder gar solche^ welche dies Jahr sich nicht fortpflanzen mögen und sich planlos herumtreiben. Uibrigens bezeichnet jener alte Jägerspruch, ein Jahr in das andere gerechnet, die Zugzeit in der That recht gut. Ein ganz Anderes ist es mit dem Wegzuge, hauptsächlich weil das dichte Grün der Waldungen im Herbste ihn mehr deckt, und die Bögel weniger beobachtet werden können, auch der Jäger jetzt, wo er überall zu jagen findet, sich weniger emsig mit der Schnepfen- jagd befassen kann. Er geht daher für Manchen unmerklich vorüber, fängt aber in der Regel immer gegen Ende des September an und dauert durch den October, meistens bis in den November hinein. Die zuletzt aus dem Norden kommenden scheinen sehr gemächlich zu reisen, wobei sie sehr fett, aber auch oft von harten Frösten und Schnee überrascht werden. Sehr oft sind aber auch die kurz vor Ende der Zugzeit bei uns durchwandernden jene kleine, graubeinige Waldschnepfen, welche manche Jäger für eine besondere Art halten wollen. Wenn aber schon der Frühlingszug keine festen Regeln anzunehmen gestattet, um so viel weniger darf man dies beim Herbstzuge wollen, namentlich ist gewiß, daß die Waldschnepfen nicht alle Jahre dieselbe Straße wandern, daß behindernde Umstände sie leicht auf Abwege führen mögen, wodurch es denn geschieht, daß sie in einem Striche oder in einem Gehölze in dem einen Jahre sehr häufig erscheinen und im nächsten und meh- rern folgenden nur ganz einzeln gesehen werden. So erschienen sie im Herbst 1824 im hiesigen Ländchen in noch nie gesehener Menge, wovon in dem einen Forstrevier 84, in einem andern 62 und im XII. Ordn. I^LLI. Gatt. 242. Gemeine Waldschnepfe. 373 dritten einige und 50 Stück geschossen wurden, was seit einem Menschenalter und länger nicht vorgekommen war; merkwürdig genug kamen aber von jener Masse in meinem eignen Wäldchen, eine Meile von jenen Forsten, in demselben Herbste, nicht mehr denn 2 Stück, eine für dieses auch in andern Jahren viel zu geringe Zahl, vor. --- Die Ursachen solcher Abwechselungen mögen mit Wahrscheinlichkeit in den gerade um diese Zeit herrschenden Winden zu suchen sein, da bekannt ist, daß diese Schnepfe sehr ungern gerade gegen den Wind fliegt, wenn dieser nämlich etwas stark wehet, dann lieber mit halbem Seitenwinde fliegt und bei Stürmen ganz und gar still liegt. Die Zeit des Frühlingszuges mögen wieder andere Ursachen bestimmen helfen. Ist der Februar vom Anfange an sehr gelinde und dauert solche Temperatur bis zu dessen Ende fort, so sind die Schnepfen auch zu Anfang des März gewiß da; sie wagen es, sich den Übeln Folgen eines späterhin oft genug noch vorkommenden Nachwinters auszusetzen, indem sie, so wenig wie andere Wöget, eine Vorempfindung von solchen Witterungsveränderungen haben. Ist den ganzen Februar hindurch hartes Wintcrwettcr, und hält dieses wol gar noch den halben März ununterbrochen an, so kommen sie nicht vor Ende dieses Monats. Es ist also anzunehmen, daß ihre Zugzeit durch verschiedene Beschaffenheit des Wetters um einen Monat gefördert oder aufgehalten werden kann. Dauert ein solcher Nachwinter noch länger, so kann sich auch ihre Zugzeit noch länger hinausschieben, und in solchen Fällen kommen dann die Waldschnepfen mit Kibitzen, Regenpfeifern, Lerchen», Staa- ren, Tauben und vielen andern durch die Kalte aufgehaltenen Zugvogeln zugleich an; alleosind nun so eilfertig, daß viele Arten Tag und Nacht reisen und sich täglich kaum ein Mal satt fressen, um nur die Reise so schleunig als möglich fortsetzen zu können. In solchen Jahren kommen auch die Waldschnepfen fast alle so schnell nach einander, daß ihr Durchzug in wenigen Tagen vorüber ist und die Schnepfenjagd kaum zwei Wochen lang beschäftigt; dabei ereignet es sich denn auch, daß manche Gegend nicht eine einzige Schnepfe zu sehen bekömmt, während sie einen andern Strich in Menge trafen und durcheilten. Ein paar Tage Wersaunmiß in wlchcr Zeit können den Jäger um die ganze Schnepfenjagd, für dies Frühjahr, bringen. Ehen so wenig Anwartschaft zeigt sich dem Jäger nach einen, sehr gelinden Winter, weil die Schnepfen, durch die Witterung verleitet, sich 'schon frühzeitig auf die Rückreise begeben, dabei aber 374 XU. Ordn. I^XU. Gatt. 242. Gemeine Waldschnepfe. wenig Eile haben und in einem viel langem Zeitraume, sehr vereinzelt, sich nach und nach durchschleichen. Dagegen ist ein Frühling , welcher nach einem anhaltenden, harten und schneereichen Winter zur rechten Zeit, Mitte März, ernstlich mit Thauwetter beginnt und fortwährend gelinde bleibt, für dre Schnepfenjagd der beste; sie kommen dann in wenigen Unterbrechungen nach einander an, zeigen nicht so viel Eile, und ihr Durchzug dauert höchstens 3 Wochen. — So bestimmt nun auch alle diese Beobachtungen in der Natur begründet und wahr sind, so würde man sie doch als allgemeine Regel nicht aufstellen können, da selbst die Witterung oft nur strichweise geht. Deshalb würde für dieses Frühjahr (1836) sich nicht einmal eine Vermuthung für den Schncpfenzug aufstellen lassen, indem Mitteldeutschland im Ganzen einen so sehr gelinden Winter, in ebenen Lagen fast ohne allen Schnee, und nur an wenigen einzelnen Tagen, zu verschiedenen Zeiten, eine Kalte hatte, die nur ein Mal 1v° Reaum. etwas überstieg; während das südliche Deutschland, wenigstens in vielen Theilen, strenge Kälte bis zu 20 und einige Grad, und einen ungeheuer schneereichen Winter hatte, wo Thüringen und der Harz mit so großen Massen Schnee bedeckt war, wie man sich lange nicht erinnern konnte, eben so däs Erzgebirge; dagegen ein Strich zwischen beiden Gebirgszügen, von Süden nach Norden zu, in welchem auch unser Anhalt liegt, frei davon blieb, ja nicht einmal Regen hatte und fortwährend an Dürre litt.") °) Wie sehr solche unregelmäßige Abwechselungen in der Temperatur „nd der Witterung den Vogelzug stören, aufhalten oder beschleunigen, oder gar in der Richtung verändern, ist noch nicht so oft beobachtet, als es die Sache verdient. Das Frühjahr 1832 war in dieser Hinsicht ebenfalls sehr merkwürdig. Unsere hiesigen Nachtigallen, unser wohlbekannte Kuckuck u. a. m., sonst Loch um die Mitte dei April hier, ließen sich, ohnerachket die angenehmste Frühlingsluft herrschte, die Bäume sich zu belauben anfingen, die Stachelbecrbüsche längst abgeblüht, der Weißdorn vollkommene Blätter hatte, als ihnen sogar schon einzelne Schwalben vorausgeeilt waren, immer noch nicht sehen und hören; erst als wir unter Hoffen und Harren einige Tage in den Mai hinein vorgerückt warm, kamen auch sie endlich an. Bald enträthselten uns jedoch die einstimmigsten Zeitungsberichte dieses sonderbare Vorkommen. In einem weite» Striche Süd- deukschlandS war nämlich gegen die Mitte des März eine so furchtbare Masse Schnee gefallen, daß längere Zeit die Straßen durch die Gebirge unfahrbar, auch hin und wieder Menschen verunglückt waren. Ohne Zweifel lag den aus dem Süden zurückkehrenden kleinen Singvogeln dieser Landstrich, jetzt in ein so abschreckendes winterliches Gewand gehüllt, gerade guer über ihren Weg zu uns, sie zögerten, wagten nicht ihn zu überstiegen, weil sie nicht errathen konnten, wie weit diese widerwärtige Erscheinung »och nordwärts hinaufreichte, und hielten sich deshalb jenseits desselben so lange auf, bis Thauwctter kam und eine gelindere Temperatur eintrat. Viele mag ei» so gräßliches Hinderniß in große Roth und gar manchem den Tod gebracht haben; denn »nserc Waldungen waren, in Folge jener Unglücksfälle, im Jahre 1832 so sparsam mit Insekte» fressenden Singvögehi besetzt, als es uns seit vielen Lahrcn kaum jemals erinnerlich ist. XU. Ordn. jblXII. Gatt. 242. Gemeine Waldschnepfe. 375 Auch im Frühjahr ziehen die Waldschnepfen ungern gegen den Wind, zumal gegen den naßkalten Nordwind oder gegen den scharfen Ostwind; sie kommen dagegen dann meistens mit sanftem Lustzuge aus Süden oder Westen an, zumal wenn ein wenig lauer Regen gefallen ist, bei jener wohlthuenden Frühlingswitterung, welche die Pflanzenwelt aus langem Schlummer hervorzaubert, und auch in der Lhierwelt die angenehmsten Gefühle weckt und ihr neues Leben einhaucht. Bemerkt der rüstige Jäger frühmorgens, beim Gefühl einer lauwarmen Frühlingslust, daß in der entwichenen Nacht ein lauer sanfter Regen gefallen ist, so sagt er im Scherz: „Heute Nacht hat es Schnepfen geregnet," und halt sich versichert, beim Nachsuchen an geeigneten Orten seine Lieblinge anzutreffen. Ihre Reisen machen die Waldschnepfen nur des Nachts, vom Ende der Abenddämmerung bis zum Anfange der Morgendämmerung, weil sie in der ersten Hälfte jener und in der letzten dieser eigentlich nicht ziehen, sondern dann bloß nach Nahrung oder um sich zu paaren herumstreichen. Zu dichte Finsterniß oder eintretendes Unwetter unterbrechen jedoch diese nächtlichen Wanderungen zuweilen, und sie sehen sich bei plötzlichem Erscheinen solcher Hindernisse gezwungen, sich niederzuwerfen wo es auch sei, und wenn es auf freiem Felde wäre, von wo sie dann erst mit Tagesanbruch das nächste Gebüsch zu erreichen suchen, um sich darin verstecken zu können. Auch mag sich manche beim Abendschmause auf dem Freien von der Finsterniß überraschen lassen, und dann daselbst bis zur Morgendämmerung liegen bleiben; aber sehr selten wird es eine wagen, auch den kommenden Tag über solche Stelle nicht zu verlassen, wenn nicht tiefe Furchen oder andere kleine Vertiefungen, oder Erdschollen da sind, wohinter sie sich verbergen und still niederdrücken kann.") — Haben sie auf ihren Reisen Eil, wie gewöhnlich im Frühjahr, so bleibt keine länger als einen Tag an dem Orte, wo sie bei Tagesanbruch angelangt war; sie zieht am Abend °) Dies ist an sich schon ein so seltenes Vorkommen, daß folgender Zufall, welcher sich vor einigen Jahren in hiesiger Gegend zutrug, ein halbes Wunder genannt werde» kann. Nach einem nächtlichen starken Schnccfall, zu Ende des März, als aber der Schnee sich eben wieder in Wasser zn verwandeln begann und der Erdboden schon an vielen Stellen wieder sichtbar wurde, an Hellem Tage, bemerkte ein hiesiger Landwirth auf eine», Stoppelfeld«, dessen Fläche früher von Schweinen zerwühlt war, wodurch viele kleine Vertiefungen entstanden waren, als er rasch darüber hin trabt«, daß sich so eben »eben dem Fußtritte seines Pferde» Etwa» bewegte, worauf er sogleich anhielt, genauer hinsah und, man denke sich sein Erstaunen, rille Waldschnepfe auf dem Doden hin;appel„d erblickte, welche in einer jener kleiner Gruben sich niedergedrückt gehabt haben mochte, wo sie das Pferd zufällig getreten und zwar mir den einen Flügel zerbrochen hatte. > 376 XU- Ordn. lUX!i Gatt. L42. Gemeine Waldschnepfe. weiter, und der nächste Tag sieht sie schon in einer ganz entfernten Gegend. Dies ist namentlich in kleinen abgesonderten Gehölzen immer der Fall, und unbedingt, wenn sie daselbst am Tage beunruhigt wurde, wo, wenn dies geschahe, sie auch das schlechteste Wetter nicht abhält, sich in der nächsten Nacht aus- und davonzumachen; wogegen in großem Waldungen, zumal bei unangenehmer Witterung, manche wol mehrere Tage verweilen, welches jedoch im Herbste auch öfter als im. Frühlinge vorkömmt. Wenn indessen dort häufig dieselben Individuen mehrere Abende nach einander herum- schwärmend beobachtet werden, so darf man von diesen vermuthen, daß sie in der Nähe nisten wollen. Es darf jedoch nicht unbemerkt bleiben, daß im Frühjahr jede Schnepfe, bevor sie die Weiterreise antritt, die bekannten Tummelplätze besucht und, nach Jägerausdruck, streicht oder balzt, daß aber in kleinen Gehölzen niemals eine streicht, sondern im Zwielicht sich, ohne weitere Vorbereitung, von ihrem Tageslager aufschwingt, hoch in die Lust steigt und verschwindet. Das Nämliche thun auch solche in großem Waldungen, welche man am Tage viel beunruhigt und mehrmals aufgestöbert hatte; auch sie ziehen, sobald es. Abend geworden, stumm und eiligst von bannen. Eine nicht leicht zu erklärende Erscheinung beim Waldschnepfen- zuge ist auch die, daß sich diese Schnepfen im Frühjahr in größeren Waldungen viel früher zeigen, als in kleinem, namentlich in abgesonderten Feldhölzern. Gewöhnlich hat man in unsern Auenwäldern (zwar wenig über eine Meile von hier und noch dazu gegen Norden gelegen) schon längst Schnepfen gejagt, theils beim Absuchen oder Abtreiben, theils auf dem Abendanstande, ehe sich nur eine einzige in den kleinen Gehölzen um meinen Wohnort sehen läßt, und wenn wir hier erst anfangen mit Erfolg nach Schnepfen zu suchen, hat dort diese Jagd ziemlich aufgehört, Diese Thatsache läßt sich nicht anders erklären, als daß alle früher in hiesigen Gegenden ankommenden Schnepfen die ihnen jetzt noch zu lustigen und zu kalten kleinern Gehölze überfliegen, und in dieser Zeit nur die großem Waldungen zu ihrem Aufenthalte wählen, welche Schutz gegen kalte und stürmische Witterung geben, daher einen wärinem -Loden haben, dem zu Folge auch Insekten und Würmer früher hervorkommen; daß dagegen jene von den durchziehenden Waldschnepfen so lange vermieden werden, bis auch in ihnen durch das Vorrücken der Jahreszeit die Temperatur gehoben, der Boden wärmer geworden ist, u. s. w So. darf man. annehmen, daß es. nur XII. Ordn. I^XII. Gatt. 242. Gemeine Waldschnepfe. 377 Nachzügler sind, welche in kleinen Gehölzen sich zeigen. Da jedoch keine Regel ohne Ausnahme, so kann auch wol ein Mal schon früh im Jahr eine Waldschnepfe an solchen Orten vorkommen, vermuthlich weil sie die Lageshelle überraschte, ehe sie eine größere Waldung erreichen konnte, wo ihr dann weiter keine Wahl blieb, als sich ins erste beste Gehölz zu werfen; denn die Waldschnepfe scheuet am Lage das Freie so sehr, daß sie nie eine Strecke, wenn auch nur von einer Viertelstunde Weges, über Feld sich zu machen getraut. Sie ziehen meistens einzeln, nicht selten auch paarweise, im Frühjahr wie im Herbst; aber nicht in Schaaren. Denn obgleich viele in einer Nacht dieselbe Straße wandern mögen, so bilden sie doch keine wirklichen Vereine; jede einzelne macht ihren Weg, unbekümmert um die andern, für sich allein. Zur Vermuthung, daß sie heerdenweise wanderten, hat wol nur der Umstand Veranlassung gegeben, daß es hin und wieder Orte giebt, wo man nach einem starken Nachtzuge oft viele beisammen antrifft. Höchst merkwürdig sind in dieser Hinsicht die Wälder auf der Nordostküste der Insel Rügen, und manche Gegenden an der Holsteinschen Küste, wie z. B. ohnwcit der Elbemündung der Garten meines Freundes P. von Wüldicke, in welchem sich eine nicht sehr lange, einige Schritte breite Hecke befindet, aus Dornen, Haseln und andern, niedern Strauchwerk bestehend, welche in Verbindung mit einer kleinen park- ähnlichen Anpflanzung steht, und das einzige kleine, für dortige baumarme Gegend freilich nicht ganz unbedeutende, Buschwerk am rechten Ufer des Elbeausflusses ist. Auf diesem kleinen Flächenraume liegen oft nach einer warmen Hcrbstnacht 20 bis 30 Waldschnepfen, die von der Reise über das Meer herüber stets sehr angegriffen zu sein scheinen. Im Frühjahr, wo sie dagegen an der Ostküste Holsteins viel häufiger sind, finden sie sich dort nur einzeln ein, um in der nächsten Nacht die Rückreise über das Meer zu machen; denn länger als einen Tag wartet auch keine daselbst. In den Wäldern Rügens sollen sie in beiden Zugperioden in unglaublicher Menge anzutreffen sein. Wie schon aus dem Namen hervorleuchtet, ist unsere Schnepfe eine Bewohnerin der Wälder und waldigen Gegenden. Sie macht .fast keinen Unterschied in den Holzarten, ist im reinen Laubwalde, wie im gemischten, oder selbst im reinen Nadelwalde anzutreffen, verweilt jedoch im alten Hochwalde nie lange; er dient ihr nur als Nothbehelf in der Zugzeit, wie dann auch wol buschreiche Gärten, 378 XU.Ordn. QXII.Gatt. 242. Gemeine Waldschnepfe. selbst in Dörfern oder Städten, oder Dornhecken im freien Felde, oder gar bloße Feldraine ihr zuweilen eine kurze Zuflucht gönnen. Sie läßt sich am Tage so wenig auf dem Freien sehen, daß das letztere Vorkommen schon zu den größten Seltenheiten gehört; auch auf Wiesen kömmt sie so wenig vor, als in freien Sümpfen oder am Wasser. Nur ein widerwärtiger Zufall kann sie vorn Gebüsche entfernen. Sie wird auch jederzeit, wenn man sie von zu kahlen, für sie so wenig beliebten Orten aufgetricben, gewiß dahin streben, ein Gebüsch zu erreichen, selbst wenn es auch nur in einem kleinen Brombeerbusche oder sonst einem niedern Gesträuch bestände oder, wo auch dieses mangelte, eine Reihe Weiden- oder andere Bäume wäre, an dessen Stamme sie sich auf die Erde niederducken oder einigermaßen verbergen könnte. Kaum ist ein anderer Waldvogel so sehr an Wald und Bäume gebunden als sie, und doch setzt sie sich nie auf einen Baum nieder. Wenn sie die Wahl hat, wie für einen länger» Aufenthalt immer, so sind ihre liebsten Gegenden die an sich tiefliegenden, mit Erlenbrüchern und Sumpsstellen oder feuchten, buschreichen Plätzen abwechselnden Laubwälder, oder in Schwarzwaldern und gebirgigen Lagen die feuchten Thäler, mit nassen, quelligen Stellen vermischt, wo hin und wieder auch Laubbolzbaume und Gesträuch vorkommen, oder wo Haseln und Erlen wachsen, wo moorige Stellen mit Gebüsch den Zusammenhang des besser bestandenen Waldes unterbrechen, kurz, weder in zu trocknen, noch in zu einförmigen Waldungen. Dort liegt sie am Tage gern an den einsamsten und düstersten Stellen, und treibt sich nur in der Dämmerung auf freiern Plätzen, auf Waldwiesen, nahen Viehtriften und Waldwegen, oder an den feuchten Rändern des Waldes herum. Sie hat ihre besondern Lieblingsplätze, wo man alle antrifft, welche die Gegend besuchen, wenn sie nicht schon weggescheucht worden waren, nämlich, dichtes Unterholz, das nicht zu jung ist, lieber schon zu Stangenholz aufgewachsen sein kann, und recht vielen Schatten giebt, wo der Boden kein Gras mehr hervorbringt, wo wenig oder kein Moos wächst, wo aber altes, abgefallenes Laub in Menge modert. Sie liegt auch sehr gern in den hohen Dornhecken in den Wäldern,, namentlich von Schwarzdorn (i^runus spinös»), ebenfalls nur wo der Boden vom Grase frei ist; ferner in Erlenbrüchern, wo diese nackten Boden und sehr wenig Wasser haben. Denn niemals liegt sie dicht am Wasser, dagegen gern auf feuchtem, aber nie auf nassem Boden. Nur ungern und bei Verfolgungen wirft sie sich zuweilen wol XI!. Ordn. HII. Gatt. 242. Gemeine Waldschnepfe. 379 auch an solchen Stellen nieder, wo noch das alte Gras und anderes höhere abgestorbene Pflanzengestrüpp den Boden zwischen jungem Gebüsch bedecken, scheuet dies aber, so lange es noch grün ist, im Herbste, so sehr, daß wir uns nie erinnern, jemals eine Waldschnepfe aus langem Grase auffliegen gesehen zu haben. Die Liebhaberei für manche besondere Plätzchen ist nicht individuell, sondern geht auch auf andere, später diese Gegend durchwandernde, Waldschnepfen über, und wenn nicht allerlei Zufälligkeiten hier nur zu häufig ins Spiel kämen, würde man alle immer nur an den bewußten Orten finden. Recht auffallend ist dies in von Wald entblößten Gegenden, wo nicht bloß dasselbe Büsch- chen, sondern sogar öfters genau dieselbe Stelle, worauf früher eine erlegt wurde, auch in der Folge, während der Zugzeit, fast jeden Morgen von einer oder einigen besetzt gefunden wurde. Einer meiner Bekannten im Militärgrenzlande von Ungarn zeigte mir ein Plätzchen in seinem Garten, hinter einem Zaune, wo er schon mehrere Jahre nach einander eine Waldschnepfe beschlichen und im Sitzen, ein Mal sogar zwei auf einen Schuß, erlegt zu haben versicherte?) Auch diese Schnepfe sieht man einen großen Theil des Tages mit Schlafen oder wenigstens in völliger Unthatigkeit hinbringen. Wo sie an einem unruhigen Orte liegt, d. h. wo sie, der geringen Entfernung wegen, vernehmen kann, daß wiederholt Menschen oder Bieh auf und ab gehen, da bleibt sie aus Angst den ganzen Tag auf derselben Stelle; hingegen an ganz einsamen Orten wechselt sie diese auch laufend, doch auch nur in einem geringen Umfange; fliegend aber aus freiem Antriebe niemals. Hat man sie vom ersten Orte aufgescheucht, so wird sie noch ängstlicher und hält sich an dem neuen Zufluchtsorte noch ruhiger, läuft hier noch weniger herum und verlaßt ihn, freiwillig, fliegend, nur dann, wenn er ihr zu unsicher dünkt. Daß sie am Tage schläft und oft recht fest schläft, ist zuverläßig beobachtet, aber nicht um welche und wieviele Stunden. Sehr finstere Nächte bringt sie zum Theil auch schlafend zu; wir haben in solchen sogar mehr als eine unter dem Lerchen- garne gefangen, die sich in der Finsterniß aufs Feld geworfen haben und da eingeschlafen sein mochten. ») Die» erinnert a» eine Gewohnheit »»fers Lag fchlä fers, s. VI. S. 149. die- scL Wn'kcö. 380 Xli. Ordn. I^XU. Gatt. 242. Gemeine Waldschnepfe. Eigenschaften. Die Waldschnepfe ist vor unzählichcn Vogeln durch ein sehr merkwürdiges Aeußere ausgezeichnet. Der kurzgeschwänzte, dicke, fast plumpe Rumpf, von niedrigen, stämmichten Füßen getragen, der kurze dicke Hals, vor allem aber der ganz eigenthümlich geformte Kopf, mit der so außerordentlich langen und hohen Stirn, dem kleinen abgeplatteten Scheitel, neben welchem, hoch oben an seinem Rande, die großen Glotzaugen liegen, das schnell absteigende Hinterhaupt, die große, platte Wangenfläche, alles dieses giebt zusammen ein sehr sonderbares Bild. Das Gesicht der lebenden Waldschnepfe, wenn sie so dasteht, die Schnabelspihe, wie gewöhnlich, tief gegen die Erde gesenkt, und den Beschauer anglotzt, hat etwas Abentheuerliches und Barockes; ihre großen, glänzenden Augen scheinen nicht seitwärts, sondern auf dem Kopfe zu stehen, die Stirne fast zu fehlen oder in eine entsetzlich lange Nase ausgedehnt, und die ganze Fratze eine lächerliche Einfalt zu heucheln. Hält man sie in der Hand, so sperrt sie zuweilen, vor Wuth oder Angst, den Schnabel, wunderlich genug nur vorn, weit auf, indem sich sein oberer Theil von der Mitte an in einem Bogen erhebt und senkt, beide aber an der Wurzel fest geschlossen bleiben.") In ruhiger Haltung steht die Schnepfe fast wie eine Ente, zieht aber gewöhnlich den Hals stark ein, wodurch er noch dicker und der Kopf spitzer wird, und tragt dabei den Schnabel nie wagc- recht, sondern immer mehr oder weniger mit der Spitze gegen die Erde gesenkt. Ihr Gang ist niedrig, geduckt, schleichend, zuweilen trippelnd, aber wenig schnell und nicht anhaltend. Sie durchläuft keine sehr langen Strecken, sondern fliegt lieber dahin, wo sie etwas zu suchen hat; noch weniger weicht sie ihren Verfolgern laufend aus. Die flügellahm geschossene Waldschnepfe ist daher auch ohne Hund leicht zu erhäschen, und wenn man ihr Zeit gönnt, so verkriecht und duckt sie sich, ohne vorher weit weg zu laufen. Sie sieht gehend fast immer sanft, einfältig und anspruchslos aus, wovon nur allein das Männchen zuweilen in der Paarungszeit, wenn es um die Gunst der Gattin wirbt, eine Ausnahme macht. Die Waldschnepfe hat unter allen schnepfenartigen Vögeln den Dasselbe kann auch am todten Vogel noch wiederholt werden, »nenn man mit zwei Finger» die Seilen der Stirn (zwischen Schnadcl und Auge) zusammendruckt, wo sich der Schnabel eben so öffnen und schließe» laßt. XII. Ordn. IsiiXII.Gatt. 242. Gemeine Waldschnepfe. 381 langsamsten Flug, ihn dabei aber sehr in ihrer Gewalt, um nach Umständen ihn zu mäßigen oder zu beschleunigen. Sie fliegt lange nicht so schnell als ein Rebhuhn, äst aber viel geschickter in kleinen Wendungen, welche man im dichten Gehölze oft bewundern muß, so wie sie sich auch schnell um eine Ecke zu schwenken, schräg in die Höhe zu steigen oder so herabzustürzen versteht, dies alles mit einer ziemlichen Gewandtheit, zumal wenn sie die Angst dazu antreibt. Auf der Flucht fliegt sie überhaupt schneller, auch wenn sie in gerader Linie fortgeht, aber niemals hoch, selbst wenn sie bei zu heftigem Verfolgen über Gehöfte u. dergl. hinweg müßte, nicht viel über 50 Fuß, sonst immer viel niedriger, und wo sie über eine freie Fläche gejagt wird, nur einige Fuß hoch über der Erde hin. Sehr ungern entschließt sie sich, nur wenn sie mehrmals aufgestöbert und durch mehrmaliges Fehlschießen zu sehr geängstigt wurde, von einem Gehölz zum andern übers Freie einen Strich von 5 — 600 Schritten zu wagen, wo sie nicht selten, wenn es auf dem Wege dahin hin und wieder ein einzelnes Gesträuch oder eine kleine Baumgruppe giebt, sich plötzlich in diese wirst, oder, wenn sie sich bereits auf dem Freien befindet, ihr aber die Entfernung bis zum nächsten Gebüsch zu groß dünkt, wol gar auf halbem Wege um- und in einem großen Bogen an den ersten Ort zurückkehrt. Sie täuscht dadurch nicht selten den Verfolger, welcher sie zu bald aus den Augen läßt. — In so eilendem Fluge schwingt sie die Flügel viel stärker und hastiger als sonst, streckt sie aber weniger weit vorn Leibe weg, als im gemächlichern Fluge. Besonders schnell und heftig sind die Bewegungen der Fittiche, wenn sie vor Etwas erschrickt oder prallt, wobei nicht selten, wie auch beim plötzlichen Auffliegen, ein eigenes Rauschen vernehmbar wird. Dies charakteristische, bald Mehr bald weniger hörbare Geräusch klingt dumpf wubwubwub (sehr schnell ausgesprochen), und ist, namentlich beim Auffliegen im Gehölze, noch mit Tönen vermischt, welche, dem Anscheine nach, vorn Anschlagen der Schwingen an kleine Zweige und Blätter herrühren, was jedoch so arg nicht sein kann, weil man selten eine Spur von diesem Anstoßen an den Flügelsedcrn findet. Der Ausflug der Waldschnepfe im Gehölze bekömmt durch dieses Alles eine solche Eigenthümlichkeit, daß der Geübte daran.augenblicklich diesen Vogel erkennt und von allen andern unterscheidet, ohne ihn noch gesehen zu haben. Auch wenn die Schnepfe sich aus freiem Willen am Abend von ihrem Sitze, wo-sie den Tag über lag, erhebt, geht dies sehr schnell; sie steigt dann sogleich über das Gebüsch hinaus 382 XII. Ordn. I^XII. Gatt. 242. Gemeine Waldschnepfe. und verschwindet in der Luft. Ehe jedoch die Fortsetzung ihrer Reise beginnt, treibt sie sich erst noch einige Zeit auf den Futter- oder Balzplätzen herum. Einen ganz andern, dem gewöhnlichen völlig unähnlichen Flug hat unsere Waldschnepfe an den letzterwähnten Plätzen, auf dem sogenannten Striche, einer Art von Balzen, dem Meckern der Bekassinen oder dem Wuchteln der Kibitze analog. Wer nur am Lage unsere Schnepfe und ihren Flug kennen lernte, wird sie an einem stillen Frühlingsabende schwerlich wieder erkennen. Wenn das Gefieder und seine Farben, die großen Augen, der dicke Kopf und Hals schon an Tagschläfer und Eulen erinnern, um noch so viel mehr wird die streichende Waldschnepfe so vollkommen einer Eule ähnlich, daß mancher Anfänger sie aus der Luft herabschoß, in dem Wahne stehend, sein Ziel sei auf eine Nachteule gerichtet gewesen. Unter ganz eigenen Tönen, zuweilen wol auch stumm, kommt die streichende Schnepfe mit dick aufgeblähetem Gefieder (daher viel größer aussehend) äußerst langsamen Fluges heran, bewegt dabei ihre Flügel sehr träge in ganz matten kurzen Schlägen auf und ab, streicht, gewöhnlich ohne sich weiter aufzuhalten, in gerader Richtung fort, von einem Streichplatze zum andern, und macht so zwischen mehrern die Runde, bis die Dämmerung vorüber ist. In diesem sonderbaren Fluge treffen dann oft einige auf einem solchen Platze zusammen, welche einander sogleich bekämpfen, sich im Fluge herumtummeln, mit den Schnäbeln nach einander stechen, doch mit dieser zu weichen und biegsamen Waffe nicht beschädigen, als höchstens einige Federn ausreißen können. Zuweilen tummeln sich mehrere zugleich in der Luft und unter einander her, und gerathen dabei so in Hitze, daß sie sich packen und mehrere Fuß tief gegen die Erde Herabpurzeln oder gar zwischen die Zweige eines Baumes gerathen, so daß ein Mal ein entschlossener Schütze (mein Bruder) von vier solchen hitzigen Kämpfern, welche einen beweglichen Knäuel bildeten und sich in den Zweigen einer Birke verhäder- derten, 3 Stück mit einem Schusse herabdonnerte. Wenn sie recht rauflustig sind, fliegen sie nicht hoch, etwa 3V bis 40 Fuß, in weniger aufgeregter Stimmung aber wol 50 Fuß und noch höher, und dann halten sie sich auch gewöhnlich nicht lange dabei auf. Die Orte, an oder über welchen sie dies sonderbare Spiel treiben, sind kleine freie Plätze, schmale Thalwiesen, breite Wege, offene grüne Waldschluchten oder andere Oeffnungen zwischen höherm und dichtem Holze; sie suchen solche alle Jahre wieder, wenn nicht Holz- Xk! Ordn. l^X!?. Gatt. 242. GemeineWaldschnepfe. 383 abtriebe bedeutende Veränderungen in der Gegend gemacht haben. Diese Platze haben ihre Eigenthümlichkeiten, wodurch sie sich dem Kenner bemerklich machen, welche sich aber ohne große Umschweife nicht beschreiben lassen. Die Streichzeit beginnt mit der Ankunft der Waldschnepfen im Frühjahr, sobald es stille und milde Abende giebt, wenn die Schwarz- und Singdrosseln ihren Gesang anzustimmen ansangen, namentlich wenn die durchziehenden Rothund Wach holderdrosseln sich Abends in den hohen Hecken größerer Waldungen versammeln und ihre Conzerte recht emsig anstimmen. Im Zwielicht, eben wenn das Zwitschern der letzter» nach und nach verstummt, dann streicht die Schnepfe, aber ihr ganzes Spiel dauert nicht viel über eine Viertelstunde, so daß mit Ende der Dämmerung oder mit Eintritt der Nacht das Ganze vorüber ist. Eben so streichen sie in der Morgendämmerung, wo die herannahende Tageshelle, wie am Abende die Finsterniß der Nacht, dem Spiele ein Ende macht. Nur bei stiller lauer Luft, besonders bei oder nach einem sanftem Sprühregen streichen sie am meisten, aber keine einzige bei starkem Regen, Sturm oder zu kaltem Wetter. Der Strich dauert die ganze Zugzeit und wiederholt sich bei guter Witterung alle Abende und Morgen, wo sie nisten bis in den April oder auch gar bis in den Mai. Ein unerhört seltner Fall ist es, wenn sich im Herbste ein Mal eine Schnepfe auf dem Striche sehen oder hören laßt. Ob bloß die Männchen streichen, ist nicht genau ermittelt, aber sehr wahrscheinlich. Die fliegende Waldschnepfe hat noch das Besondere, daß sie den langen Schnabel nicht gerade ausstreckt, sondern seine Spitze, wie im Sitzen, gegen die Erde neigt, beim Streichen und andern Ausflügen in der Dämmerung dies so arg, daß eine Linie über den Rücken zum Halse und Kopfe und von da auf dem Schnabel herab gezogen im Genick beinahe einen rechten Winkel bilden würde. Unsere Waldschnepfe ist äußerst furchtsam, mißtrauisch und scheu; sie zeigt sich daher am Lage nie auf dem Freien sitzend oder stehend, und ist sie ja bei Verfolgungen gezwungen, außerhalb des Gebüsches sich auf die freie Erde niederzuwerfen, so drückt sie sich auch in demselben Augenblicke platt auf den Boden nieder und liegt hier still, bis die Gefahr sich entfernt hat, wo sie alsbald auffliegt und dem nächsten Gehölze zueilt, um dort sich ebenfalls sogleich hinter einen alten Stamm, zwischen Baumwurzeln, oder auch nur zwischen dem alten Laube fest niederzudrücken, ohne im eigentlichen Verstände sich zu verkriechen oder zwischen die Umgebungen zu ver- 384 XII. Ordn. I.XII. Gatt. 242. Gemeine Waldschnepfe. stecken. Dieses Niederdrücken oder Ducken ist ein Liegen auf Brust und Bauch, mit untergezogenen Füßen, eingezogenem Halse, ziemlich niedergebogenem Kopfe und gegen die Erde gestützter Schnabel- spitze. In dieser Lage, ohne sich zu regen, schaffen Farbe rmd Zeichnung des Gefieders ihr fast immer einen sichern Schutz gegen die spähenden Blicke ihrer Feinde, weil sie den gewöhnlichen Umgebungen, dürrem Laube, Holzgebröckel u. dergl. so vollkommen ähnlich sehen, daß die Umrisse des Vogels mit ihnen verschmelzen, so wie sie, an einen alten Stamm gedrückt, einem Stück abgebrochener Borke oder einer vorragenden Wurzel völlig gleich sieht. Sie trifft auch solche Stellen fast immer so gut, daß man in Versuchung kommen möchte, zu glauben, sie kenne diese Aehnlichkeiten, suche gerade ein solches Plätzchen aus, und vermeide deshalb im Gegentheil andere, namentlich Gras, grünes Moos u. dergl., weil sie da ungleich leichter zu entdecken sein würde. Es hält in der That unglaublich schwer, eine Waldschnepfe zwischen alten Storzeln und dürrem Laube sitzen oder liegen zu sehen, selbst für das schärfste Auge und für den an solche Dinge gewöhnten und geübtesten Blick. Mein Vater, welcher hierin eine mir nie wieder vorgekommene Fertigkeit sich zu eigen gemacht hatte, beim ruhigen Umherschleichen, oft sogar ganz zufällig, manche Schnepfe sitzen sahe und sie erlegte, ehe sie aufflog, versicherte immer, daß auch er nie eine entdecken würde, wenn ihm nicht ihre Glotzaugen, wie schwarze Glaskorallen, entgegen funkelten, und daß, wenn sie diese schließen wollten (wie z. B. Eulen und Lagschläser), auch er die meisten Male keine bemerken würde. Deshalb hielt er es auch für eine noch viel schwierigere Aufgabe, eine todt herabgestürzte Schnepfe zu finden, als eine lebende, die er einfallen sahe, sitzen zu sehen. Wenn sie, wie Strand- oder Wasserläufer, auf dem Freien herumlaufend sich sehen ließe, so würde sie nie schußrecht aushalten. Ihre Schüchternheit und Furchtsamkeit gebietet ihr aber sich an düstern Orten niederzuducken, so Stunden lang still zu liegen, und erst dann aufzufliegen, wenn sie die Fußtritte des Feindes ganz in der Nähe vernimmt. Hat sie noch keine Nachstellungen erfahren, so hält sie oft bis auf wenige Schritte, manchmal bis zum Ertreten > aus, und es ist sehr wahrscheinlich, daß sie solche Annäherung häufig im Schlafen überrascht. An ganz einsamen Orten und durch dichtes Gebüsch den Augen ihrer Feinde entzogen, schleicht sie jedoch auch am Tage, obwol nur auf einem kleinen Raume, herum; das geringste Geräusch schüchtert sie aber sogleich wieder ein und macht, XU. Ordn. l^XII. Gatt. 242. Gemeine Waldschnepfe. 385 daß sie sich augenblicklich duckt, und wieder so lange still liegt, bis sich aller Verdacht längst entfernt hat. Man erräth oft an dem frisch umgewendeten modernden Laube ihre Nähe; aber nur einem so ruhigen und ausdauernden Beobachter, wie meinem verstorbenen Vater, wird es glücken, sie bei ihrem gemüthlichen Treiben da belauschen zu können. Eigentlich kann auch nur ein günstiges Ohn- gefähr so etwas befördern. — So dumm die Schnepfe aussieht, ist sie nicht, und wenn sie sich manchmal unklug benimmt, so kam dies immer nur aus übergroßer Angst und Verblüffung. Scheucht man sie auf, so fliegt sie nie anders als auf der entgegengesetzten Seite des Gesträuches heraus und immer so, daß sich Bäume und Gebüsch zwischen ihr und dem Jäger befinden. Daß sie ihn zuweilen durch plötzliches Niederwerfen täuscht, ist schon erwähnt, aber nicht, daß sie dies oft nur zum Schein thut, anstatt sich niederzusetzen, ein Stück nahe über der Erde fortstreicht, dann wieder in die Höhe und weit fortzieht, ehe sie sich setzt, auch oft vor dem Niedersetzen einen sehr großen Bogen beschreibt, in ganz anderer Richtung fliegt und endlich an einem Orte niederfällt, wo man sie gar nicht suchen würde. Bei einer vielmals aufgescheuchten und mit Fehlschüssen geängstigten Schnepfe in kleinen zerstreueten Gehölzen hat man oft Gelegenheit, ihre Klugheit, sich den Augen und den Nachstellungen des Schützen zu entziehen, zu bewundern, und der einzelne richtet da sehr häufig gar nichts aus, weil er sie zu bald aus den Augen verliert. Wie ungesellig die Waldschnepfe ist, wurde schon oben gesagt. Vom Ziehen derselben in Heerden kann daher nie die Rede sein; sie macht ihre Reisen einzeln oder höchstens paarweise, und dies letztere kömmt nicht allein im Frühjahr, sondern dann und wann auch im Herbste vor. Mit andern Vögeln macht sie sich vollends gar nichts zu schaffen; sie mißtrauet auch den kleinsten und geräth vor größer» in Furcht und Schrecken, wie wenn alle Raubvogel wären, und vor diesen kennt ihre Furcht vollends keine Grenzen. Ihre Stimme hat mancherlei Abwechselungen, aus rauhen und gedämpften Tönen, wovon keiner angenehm klingt und keiner weit hörbar ist. Im Auffliegen stößt sie, jedoch nicht immer, ein sehr gedämpftes heiseres Katch oder'D'ack ein oder ein paar Mal nach einander aus. Schreck und Angst scheinen ihr dies auszupressen, so wie sie in Todesangst sehr oft ein quäkendes Schähtsch ausstößt, das auch keineswegs weit gehört werden kann. Sie hat auch eine Art Lockstimme, welche sie des Abends, wenn sie aus 386 XII. Ordn. L.XH Gatt. 242. Gemeine Waldschnepfe. freiem Antriebe aus dem Holze auffliegt und sich auf die Reise bezieht, hören läßt, indem sie hoch durch die Luft sortstreicht, dann aber auch, nur ein oder einige Mal nach einander, ein gedämpftes ähtch ausruft, welches dem der gemeinen Bekassine ähnelt, aber einen dumpfem und viel tiefern Ton halt, wobei dieser auch am Ende des ähtch herabsinkt, während er bei jener am Schlüsse immer in die Höhe steigt, wodurch sich beider Locktöne, bei aller Ähnlichkeit, auffallend unterscheiden. — Noch ganz andere Töne sind die, welche unsere Waldschnepfe in der Dämmerung auf den Balzplätzen (beim sogenannten Streichen) hören laßt. Sie lassen sich so wenig wie die andern mit Buchstaben genügend versinnlichen. Der eine ist eine Art kurz abgebrochenen Pfeifens, ein sehr hoher scharfer Ton, wie pßiep klingend, einsilbig, doch das E ein wenig hörbar; — der andere ein dumpfer Kehllaut oder, wie das Ruch- sen der Tauben, (wenn man so sagen darf) ein innerlicher, indem er tief in der Brust hervorgebracht zu werden scheint, und klingt wie jurrk oder juarrk! Die Jäger nennen ihn hier gewöhnlich, von seiner Ähnlichkeit mit denen der Tauben,") das Murren, und jenen, von der mit dem scharfen Piepen junger Haushühnchen, das Schiepen. Die streichende Waldschnepfe läßt, wenn sie im Frühjahr in dem oben beschriebenen sonderbaren Fluge auf den ebenfalls schon bezeichneten Plätzen in der Dämmerung ankömmt, bald den einen, bald den andern dieser sehr verschiedenen Laute hören, öfterer, doch nie schnell nach einander, wenn sie recht hitzig ist, einzelner, wenn ihr das Wetter nicht recht behagt oder es ihr sonst am innern Antriebe fehlt, oder sie kömmt und geht auch ganz stumm, wenn beides nicht so ist, wie es sein soll. Allem Anschein nach sind es nur die Männchen, welche murren und schiepen; denn so oft wir, wenn mehrere auf dem Platze, wo wir standen, zugleich ankamen, und eine durch beträchtlichere Grüße sich auszeichnende (vermuthlich weibliche) Schnepfe dabei war, hörten wir immer noch eine dritte Stimme, ein sanfteres, von dem Schiepen der andern sehr verschiedenes, pip pip pip, auch pipip pip fortwährend dazwischen. Sie waren uns, sobald wir sie schon von weitem vernahmen, immer das Zeichen, daß mehrere Schnepfen, sich jagend, ankamen, wovon, wenn sie, wie dabei gewöhnlich, niedrig zogen, zu hoffen stand, mehr als eine mit einem Schusse zu erlegen, weil jene Töne auch zugleich das Zeichen sind, daß sonderbarer Weise ) Noch wehr Aehnlichkrit hat er mir dem Knurren ganz junger Schwewchcn. Xllr Ordn. I^Xll. Gatt. 242 . Gemeine Waldschnepfe. 387 dann eine Schnepfe so dicht hinter der andern her fliegt, daß man glaubt, der Schnabel der zweiten müsse den Schwanz der ersten berühren, und es aussieht, als wären alle an einen Faden gereihet. Mehr als drei oder vier hinter einander haben wir jedoch nicht fliegen sehen, und diese in einer Reihe allezeit nur dann, wenn die vorderste eine größere, ein Weibchen, war. Waren es bloß Männchen, so flogen sie durch einander und stachen in den verschiedensten Schwenkungen auf einander los. wobei sie dann bloß murrten und schiepten, aber jene Töne nicht vernommen wurden. Die Waldschnepfe läßt sich leicht zähmen und wird, besonders jung aufgezogen, sehr zutraulich, lernt ihren Wärter kennen und folgt seinem Rufen. Sie macht öfters, wenn sie ein Männchen ist, demselben die sonderbaren Stellungen und Gebehrden vor, welche sonst gewöhnlich nur der Paarung vorhergehen, d. h. sie hebt den Vorderkörper sehr hoch, dehnt den Hals lang in die Höhe, läßt den Schnabel so sinken, daß er vorn am Halse herabhängt, blähet die Federn am Rumpfe, hängt die Flügel und läßt sie auf der Erde schleifen, und schlägt dazu mit dem Schwänze ein Rad. Nicht selten stößt sie dabei auch ihre Balztöne aus, wo man nach jedem ausgestoßenen Pßiep dumpf murmelnde Bauchtöne vernimmt, welche klingen, als kämen sie aus dem Hintern; sie sind aber nur in der Nähe zu unterscheiden. Sonst ist sie ein zu ftillör Vogel und zu phlegmatisch, daher kein angenehmer Stubenvogel, hält sich aber, bei sorglicher Pflege, ein paar Jahre in der Gefangenschaft. Nahrung. Sie lebt von Insekten und Würmern, am meisten von Insektenlarven, welche sich unter modernden Vegetabilien, namentlich abgefallenem Laube, oder im Miste der Thiere aufhalten. Beim Untersuchen ihres Magens wird man diese animalischen Nahrungsmittel fast immer auch mit einigen zarten Fasern, wie von feinen Wurzeln herkommend, seltner hier und da mit einem Grasspitzchen vermischt, oder gar ein Samenkörnchen dazwischen finden, welches alles aber im Verhältniß zu jenen in so unbedeutender Menge vorkömmt, daß man es nur als zufällig verschluckt ansehen darf. Man kann daher wol eigentlich nicht sagen, daß sie Kräuter und Wurzeln genieße, da nur der Zufall oder der drückendste Mangel sie dazu bewegen kann, kleine Theile vegetabilischer Natur zu verschlucken; wenn nämlich nach ihrer Ankunft im Frühjahre nock> ein harter 25 ° XI!. Ordn. !^X!I. Gatt. 242. Gemeine Waldschnepfe. Skachwintcr folgt, ficht sie sich zuweilen gezwungen, im Wiederschein der Sonne liegende, offene Wasser und Sümpfe aufzusuchen, an welchen sie dann nach lebendigen Wesen vergeblich herumtastend auch halbvcrsaulte Würzelchm und andere Pflanzentheile aus dem aufge- rhaueten Schlamme hervorzieht und verschluckt, von dieser unnatürlichen Kost jedoch in kurzer Zeit so abmagert, daß sie dem Hungertode mit schnellen Schritten entgegen geht. Obwol vielartige Larven von kleinen Laufkäfern, von Schnaken, von Mist.- und Dungkäfern ihre Hauptnahrung ausmachen, so findet man doch auch oft die Käfer dieser Arten zwischen jenen in ihrem Magen, jedoch nur von kleinen Arten; die größer» scheinen ihr zu hart. Sie frißt zwar auch kleine nackte Schnecken, scheint sie aber weniger zu lieben, als Regcnwürmer, welche sie dagegen oft in Menge verzehrt. Man muß sich wundern, wie sie die kleinsten Würmchen, sogar Jnsektcncier, mit dem Schnabel zu fassen vermag, weil sein unterer Theil kürzer als der obere ist; deshalb kann ihr dies auch nur auf feuchtem und nachgiebigen Boden gelingen, nicht aber auf hartem. Sobald die Abenddämmerung angebrochen ist, fliegt die Waldschnepfe aus ihrem Versteck auf und bcgiebt sich aus dem Dickicht aufs Freie, nämlich auf breite Waldwege, Waldwicsen, größere Rasenplätze, auf sumpfige freie Stellen in der Nähe des Waldes, selbst auf die nahen nassen Accker, vorzüglich aber auf an den Wald grenzende oder durch ihn hinziehende Viehtriften und Viehhalten. Hier läßt sie sich an feuchten Stellen, oder da wo der Unrath des Piehes, besonders vom Hornvieh, in Menge herumliegt, auf kurzen Rasen, aber nie ins lange Gras, nieder, um hier ihre Nahrung zu suchen, bis es völlig finster geworden ist, und in der Morgendämmerung bis fast gegen die Tageshelle wiederholt sie dasselbe. Nicht selten übernachtet sie auf solchen Plätzen oder in ihrer Nähe, um des Morgens gleich wieder da zu sein. Auch am Tage, vorzüglich Vormittags, schleicht sie nicht selten ihrer Nahrung nach, doch geschieht dies nur da, wo sie nicht gestört wird, und wo sie dies Geschäft unter dichtem, schattenreichen Gebüsche ungesehen betreiben kann. Ihre große Furchtsamkeit macht, daß sie dabei jedes ungewöhnliche, wenn auch noch so leise Geräusch so einschüchtert, daß sie sich sogleich still niederdrückt; weshalb äußerst selten beobachtet werden kann, wie sie bei dieser Art sich zu nähren Xtt. Ordn. I-XII. Gatt, 242. Gemeine Waldschnepfe. 389 verfährt.^) War man so glücklich, sie dabei zu belauschen, so sahe man, wie sie ihren langen Schnabel unter das abgefallene alte Laub schob und wie mit einem Hebel handgroße Klumpen desselben umwendete, um zu den darunter steckenden kleinen Käfern, Schnecken, vorzüglich aber LarveN und Würmern zu gelangen. Sehr oft ist an dem Orke, wo man eine Waldschnepfe aufstöbert, doch immer nur in einem nicht großen Umkreise, das alte Laub auf diese Weise umgewendet. Bekanntlich thun auch Drosseln in gleicher Absicht dasselbe, allein auf eine so verschiedene Manier, daß es dem Kenner, wenn er die Vogel auch nicht dabei überraschte, doch nicht entgehen kann, von welchen Gattungen solches Umstören des modernden Laubes herrühre; denn die Drosseln zupfen, hacken und werfen das Laub in kleinern Portionen um sich und lockern es mehr auf, wahrend es die Waldschnepfe stets in gröbern Klumpen bloß umwendet und diese feuchten Klumpen dann noch mit dem Schnabel durchsticht, so daß dieser oft bis an die Nasenlöcher eindringt, weil er mit so zartem Gefühl versehen ist, daß sie die Geschöpfchen, welche ihr zur Speise dienen, gar nicht zu sehen braucht, und sie gewiß die meisten Male nicht sieht, sondern bloß fühlt. , So bohrt sie auch in den feuchten, lockern Boden Loch bei Loch und durchsticht ihn sondircnd, soweit es seine Nachgiebigkeit und die Weichheit des SchncpsenschnabelS nur irgend gestatten wollen. Ganz vorzüglich gern durchtastet sie auf diese Weise den nicht ganz frischen Rindviehdünger, weil er ein Aufenthalt zahlloser Insektenlarven ist, welche ihr von allen Nahrungsmitteln die liebsten zu sein scheinen, und die Fläche älterer Kuhfladen ist von ihren Schnabelstichen oft wie ein Sieb durchlöchert. Die Eigenthümlichkeit dieser hinterlassenen Spuren verräth sehr oft den nahen Aufenthalt der Schnepfe. Sie ist so begierig nach den klemen, im Viehdung lebenden Käfern und Larven, daß sogar ein Mal einer Meiner Bekannten am hellen Tage eine Schnepfe am Rande eines Waldweges, zwar kaum ein paar Schritte vom Gebüsch, jedoch ganz auf dem Freien, ein solches Häufchen durchstechen sahe, wobei sie so emsig war, daß sie seine Annäherung kaum beachtete und schußrecht aushielt; gewiß ein unerhört seltner Fall. Dir Waldschnepfe beschäftigt sich überhaupt gewöhnlich lange an einer Stelle, läuft da wenig oder gar nicht umher, sondern fliegt, wenn es an °) Meinem Vater getane, c» einchc Mal ans seinem BraelstellerbanSche» dies, wie so manches Interessante anS den, heben der Vrget, reche n,m Miche derbachten Namen, 390 XU. Ordn. IkXtt.Gatt. 24^. Gemeine Waldschnepfe. der ersten nichts mehr giebt, an eine andere, oft ganz entfernt von jener. Dies laßt sich auf dem Anstande im Zwielicht leicht beobachten. Am Tage ist dies alles anders; sie schleicht da im Verborgenen und verläßt aus eigenem Antriebe ihr Versteck nicht, noch viel weniger fliegt sie dann nach Nahrung umher. Daß sie, wie Bech stein (a. a. O.) sagt, zuweilen auch Hai- delbeeren genieße, kann ich aus eigener Erfahrung nicht bestätigen. So einfältig und trotzig die alt eingefangene Waldschnepfe sich auch anfänglich beträgt, so läßt sie sich doch in den meisten Fällen noch ziemlich leicht an ein Stubenfutter gewöhnen, wenn man ihr zuvörderst Rcgenwürmer vorlegt, wenn sie diese angenommen, etwas von dem Futter darunter mengt, später die Würmer zerstückelt, nach und nach immer mehr von dem Futter beimischt, bis sie es endlich ohne jene hat fressen lernen. Man wählt dazu das auch andern Schnepfenvögeln am meisten zusagende Semmelfutter, aus Semmel oder Weißbrod, in Milch eingeweicht, bestehend. Zum Aufziehen noch etwas kleiner Jungen sind sogenannte Ameiseneier nöthig. Man kann an Gezähmten das Stechen und Tasten nach Insektenbrut und Würmern sehr gut beobachten, wenn man ihnen ein Stück weichen Rasen vorlegt, worüber sie sich sogleich hermachen, und ihn Strich bei Strich durchbohren. Fortpflanzung. Die Waldschnepfe pflanzt sich in allen geeigneten Waldungen des mittlern Europa und so auch bei uns fort. Noch häufiger scheint dies in von uns nördlicher und östlicher gelegenen Ländern der Fall zu sein, so weit nach Norden hinauf, als es ihr zusagende Waldungen giebt; wo aber diese lichter werden und der Holzwuchs allmählig verkümmert, wohnt keine mehr. Sie zieht bei uns die gebirgigen Waldungen den ebenen vor, auch müssen sie jedenfalls einen nicht unbedeutenden Umfang und mancherlei Abwechselungen haben, als tiefere Thäler, Waldwiesen und andere lichtere Stellen, namentlich aber viel und dichtes Unterholz; denn im reinen Hochwalde wohnt so wenig eine, als in ganz ununterbrochenen Dickungen. In hiesiger Gegend sind es besonders die anmuthigen Auenwälder an unsern Flüssen, wo einzelne Päärchen nisten; in den Waldungen des Harzes und des nahen Thüringens kömmt dies viel häufiger vor, und sie nistet dort auch tief in den Gebirgen, auf nicht gar alten Schlägen, wo viel Unterholz auch mit freien Stellen, XU. Ordn. I^xn. Gatt. 242. Gemeine Waldschnepfe. 391 schmalen grünen Thälern und versteckten Wiesen vermischt vorkömmt, in nicht zu trocknen, aber auch gerade nicht sumpfigen Lagen und stets an ganz einsamen, stillen Orten. Dort pflanzen sie sich meistens in reinem Laubholzwalde oder in mit Nadelholz untermischtem fort, wo es stellenweise Anflug von diesem zwischen Laubholz giebt, selbst noch wo das letztere von jenem ziemlich verdrängt ist; aber selten wo es ganz fehlt und am wenigsten in hohem Dickichten von Nadelbäumen. In kleinen abgesonderten Felohölzcrn nistet keine, mögen sie auch sonst auf dem Zuge gern von ihr besucht werden. Das sogenannte Streichen der Waldschnepfen, wovon oben schon die Rede war, verkündigt die Aufregung des Fortpflanzungstriebes und geht zum Theil der Paarung voran; denn es beginnt schon mit allen Anhängseln im Frühjahr, wenn sie sich noch auf dem Zuge befinden und die wenigsten sich schon gepaart haben. Die Männchen schwärmen, locken und kämpfen mit einander um die Weibchen, die sich nachher auch auf jenen Tummelplätzen ein- finden und das Spiel mitmachen, bis sie Eier gelegt haben, während von dieser Zeit an die Männchen nur allein noch streichen und dies so lange treiben, bis sie Junge haben. Wenn indessen manche dies noch bis säst zu Ende des Juni fortsetzen, so sind dies wahrscheinlich solche, deren Weibchen die Eier eingebüßt hatten, und welche in diesem Jahr ohne Nachkommenschaft blieben; denn man darf mit Wahrscheinlichkeit vermuthen, daß sie in jedem Frühjahr nur ein Gelege machen, wenn ihnen dies nicht ganz frühzeitig und vor dem Bebrüten geraubt wurde. Uibrigens führen mancherlei Ereignisse in der Natur oft eine Berspätigung ihrer Ankunft am Brü- teorte herbei, und in solchen Jahren kommen nicht selten die durchreisenden Waldschnepfen schon gepaart bei uns an; diese schreiten denn aber auch sehr bald zu ihren Fortpflanzungsgeschaften. Dem Begattungsact gehen allerlei wunderliche Gebehrden und Bewegungen voran, die man nur an Gezähmten beobachten kann, und welche oben schon beschrieben sind. Gewöhnlich im Mai, zuweilen auch früher, denn man fand in einzelnen Fällen schon Ende dieses Monats, oder gar noch viel früher, ausgelaufene Jungen,") sucht sich das Weibchen, in einer Gegend, wo selten Menschen verkehren, ein stilles Plätzchen, zwischen Moos und Gräsern, hinter einem kleinen Busche, alten Strunke, °) Breh», (s. Naturq. a. R. Deutsch!. S. 613.) fand ei» Mal am 6. Mai 4 schon h»,b befiederte Zunge». 392 XÜ.Ordn. O>X1l. Gatt. 242. Gemeine Waldschnepfe. oder auch an einer von den Umgebungen gar nicht ausgezeichneten Stelle, nicht tief unter dem Schatten des Dickichts, sondern mehr an Orten, wo Lust und Sonne nicht ganz davon abgehalten werden, obwol auch nicht auf größern Blößen, Hier benutzt es entweder eine vorgefundene kleine Vertiefung des Bodens zur Neststelle, oder es scharrt sich selbst eine solche, welche sie mit wenigem trocknen Genist, Moos oder was sonst die nächsten Umgebungen darbieten, ganz dürftig und kunstlos belegt, so daß ein solches Grübchen ohne Eier kaum für ein Nest anzusehen sein möchte, zumal wenn, wie zuweilen, diese geringe Unterlage gänzlich fehlt. Wenn die Alte nicht gerade über den Eiern sitzt und dann vor dem Suchenden auffliegt, möchte es eben so schwer zu entdecken, als nachher wieder aufzufinden sein, wenn man vergessen hätte, sich deshalb genaue Zeichen zu machen. Es wird daher meistens bloß zufällig gefunden. Das Weibchen legt nie mehr als 4 Eier, auch sehr selten nur 3; dieser Fall mag vielleicht nur dann eintreten, wenn ihm das erste Gelege genommen wurde, wodurch dann verspätete Bruten entstehen. Kömmt es um dieselben, wenn es schon einige Zeit gebrütet halte, so legt es in diesem Jahr nicht wieder. Diese Eier sind im Verhältniß zur Körpergröße des Vogels, und mit denen anderer Waldvogel verglichen, wol groß zu nennen, dies aber lange nicht in dem Maaße, als man dies von den Eiern der meisten übrigen Schnepfenvögel sagen kann; denn sie gleichen am Umfange kaum denen des gemeinen Kibitzes, sind aber viel kürzer geformt und erlangen die Größe der des Goldregenpfeifers bei weitem nicht. An Gestalt gleichen sie mehr denen vieler Hühnervögel, namentlich der Rebhühner, sind aber viel größer als die der deutschen Arten dieser Gattung. Bei einer Länge von fast 22 Linien haben die meisten am größesten Umfange, welcher wenig über der Mitte liegt und dem stumpfen Ende nur etwas genähert ist, einen Durchmesser von über 17 Linien, dabei ist zwar das eine Ende stark abgerundet, das andere aber nicht spitz zugerundet; sie können deshalb stark bauchicht, aber nicht wohl birn- oder kreiselförmig genannt werden. Ihre Schale hat eine zwar glatte, aber von den ziemlich sichtbaren Poren getrübte Oberfläche, daher fast keinen Glanz. Ihre Grundfarbe ist frisch ein bleiches Rostgelb, etwas ins Röthliche spielend, mit rothgrauen Flecken und Punkten unter der Oberfläche, auf dieser mit Flecken und Punkten von einem dunkeln röthlichen oder gelblichen Braun. Bald sind diese Zeichnungen häufiger, bald spar- XU. Ordn. l^XII. Gatt. 242. GemeineWaldschnepfe. 393 samer, auf der ganzen Fläche zerstreut, oder auch, in den meisten Fällen, am stumpfen Ende viel häufiger, als am entgegengesetzten. In Sammlungen verbleichen die Farben merklich, und die Grundfarbe wird schmutziger, so daß sie ein blasses Lehmgelb genannt werden kann. Sie variiren am meisten in der Größe, wie die Vogel selbst, und erreichen oft jene Maaße nicht, sind aber in der Form weniger veränderlich und etwas länglichtere äußerst selten. Ihre eigenthümliche Gestalt, Farbe und Zeichnung machen sie, trotz der mancherlei kleinen Abweichungen, stets sehr kenntlich. Das Weibchen brütet sehr emsig gegen 17 Tage auf denselben und fliegt ganz nahe vor den Fußtritten des Suchenden erst davon, läßt sich aber nicht auf denselben ergreifen. Es fliegt gewöhnlich nich weit weg und kehrt, sobald sich die Störung entfernt hat, wieder auf das Nest zurück, selbst wenn ihm ein Ei geraubt ist. Nur im Anfange der Blütezeit kann so etwas, ganz ungeschicktes Zertreten der Umgebungen, oder oft wiederholtes Nachsehen es dahin bringen, die Eier zu verlassen. Das Männchen scheint sich wenig um Nest und Eier zu bekümmern, und man findet es selten ganz in der Nähe desselben. Die Jungen laufen aus dem Neste, wenn sie kaum abgetrocknet sind, und nehmen nicht selten noch anklebende Stückchen Eierschalen mit fort. Jetzt ist die Mutter sehr besorgt um sie, und auch der Vater nähert sich der Familie und nimmt einigen Antheil an ihrem Geschick; denn wo beide Gatten in nicht gar großer Entfernung von einander im schwankenden, entstellten Fluge und unter ängstlichem Dack back auffliegen, einen kleinen Kreis beschreiben und in der Nähe sich wieder niederwerfen, in diesem Zwischenraume sind auch die Jungen zu finden, die sich aber so versteckt halten und still liegen, daß sie äußerst schwer zu entdecken sind, was ohne Hund sehr selten gelingt. Nach 8 Tagen sieht man schon viele Federn hervorkeimen und die Dunen verdrängen, so daß sie in der dritten Woche bis auf Kopf und Hals schon ziemlich gut befiedert sind und nun auch bald flattern lernen. Ehe sie noch fertig fliegen können, verlassen sie schon die Mutter und zerstreuen sich in der Gegend, die sie zuweilen mit einer ganz andern vertauschen. So fand ich einst eine solche am 8. September in meinem eigenen Wäldchen, wo nie eine brütet, deren Gefieder sich noch nicht völlig ausgebildet hatte; diese mußte wol von einer sehr verspäteten Brüt sein, deren es hin und wieder geben mag, ohne daß man der Vermuthung Raum zu geben braucht, als machten die Waldschnepfen zwei Bruten in einem Jahre. Wäre dieses, 394 XII. Ordn. 1^X11. Gatt. 242. Gemeine Waldschnepfe. so müßten sich an den Brüteorten im Laufe des Sommers viel mehr Jungen zeigen, als dieses jemals der Fall ist. Man erzählt, daß die Alten an Orten, wo sie sehr beunruhigt würden, die zarten Jungen eins nach dem andern forttrügen, und will gesehen haben, daß sie solche unter den Schnabel, oder vielmehr zwischen diesen und den Hals geklemmt und so im Fluge an einen weit entfernten Ort geschasst hatten. Aus Mangel eigener Erfahrung muß ich jedoch mich alles Urtheils für oder wider diese Sache enthalten. Feinde. Die oben geschilderte Furchtsamkeit dieses Geflügels hat ihren Grund hauptsächlich in den häufigen Nachstellungen. Es wird von einer Menge von Gefahren umlagert, und gar viele Feinde lauern ihm aus, welche alle nach seinem wohlschmeckenden Fleische lüstern. Die Waldschnepfe ist Habichten und Edelfalken eine gesuchte und sichere Beute, sobald sie sich am Tage, von einem Orte zum andern fliegend, sehen läßt; weshalb sie dann auch nie ungezwungen auffliegt, weil sie nicht wissen kann, ob vielleicht in den Zweigen des nächsten Baumes nicht schon ein solcher Räuber lauert, die Gelegenheit wahrnimmt und augenblicklich nutzt, wogegen sie nichts machen kann, als sich möglichst schnell ins dichteste Gestrüpp zu werfen und zu verkriechen, aber stets verloren ist, wo solches fehlt. Daher ihre ängstliche Eil, wenn sie am Tage ein Stück über das Freie muß, wozu sie auch nur die ärgsten Verfolgungen von Seiten des Jägers zwingen können. Da bekanntlich die Habichte s^aloo pslumdsrius und I?. Xisus) oft Stunden lang zwischen Baumzweigen still sitzen und auf Beute lauern, und nicht allein fliegende, sondern auch sitzende Vogel fangen, so ist sie selbst in ihrem Versteck, sobald sie sich regt, nicht sicher vor ihren Klauen. Vielleicht stehen deshalb bei ihr die Augen so sehr weit oben am Kopfe, damit ihren Blicken auch das, was von obenher kömmt, nicht entgehen möge.— Auch der Wanderfalke sk'. porv^rinns) fängt namentlich in der Nähe feines Brutortes zuweilen eine Waldschnepfe. Von andern Raubvögeln hat diese dagegen wenig oder nichts zu fürchten, da selbst die zarten Jungen sich so verborgen zu halten wissen, daß ein lauernder Bussard u. a. wol nur selten eins erwischen mag. Oester glückt dies den listigen Raben, Krähen, XII.Ordn. I^XII Gatt. L42. Gemeine Waldschnepfe. 395 Elstern und Hehern, die oft genug auch die Eier ausspähen und wegschleppen. Unter den Säugethieren ist der Fuchs ihr Hauptfeind. Ihr Fleisch scheint ihm eine wahre Leckerei zu sein, und er sucht sie daher zu beschleichen und zu erwischen, wo er weiß und kann. Beim Anschleichen, das er bekanntlich meisterlich versteht, wobei ihn seine seine Nase leitet und seine höchst empfindlichen Riechorgane das Plätzchen, wo sich sein Schlachtopfer geduckt hat, genau bezeichnen, bedient er sich nebenbei noch des Mittels, was man bei Jagdhunden „Verstehen" nennt; er will sich dabei seinen Gegenstand so vergewissern, daß er ihn mit einem raschen Sprunge erschnappen kann, und dies schlägt ihm, vermöge seiner Meisterschaft in solchen Dingen, nur selten fehl. Mein verstorbener Vater sahe einst, im eigenen Wäldchen schleichend, einen dieser verschmitzten Jagdverderber, genau in derselben so anziehenden Stellung wie einen Hühnerhund, mit einem aufgehobenen Vorderlauf, vor einem Gesträuch fest vorstehen, schoß aber, da er vermeinte, er stände vor einem im Büschchen versteckten Rebhuhn, den Wilddieb sogleich nieder, ehe er noch aus seinen Gegenstand einspringen konnte, war aber nicht wenig überrascht, als ganz dicht vor dem todt niederstürzenden Fuchse, statt eines Rebhuhns, eine Waldschnepfe herausflog; gewiß ein interessantes Vorkommen. Vor den Fuchsbauen, worin Junge liegen, findet man gar oft auch die Uiberblcibsel von Waldschnepfen; und wie manche Alte mag er auf dem Neste erwischen, wie viel junge Schnepschen weghaschen! In Waldungen, welche häufig von Füchsen bewohnt werden, kommen daher wenig Schnepfen auf. Auch Katzen, selbst zahme, beschleichen Waldschnepfen. Erst im vorigen Jahr brachte die Hauskatze eines Einwohners hiesigen Orts eine Waldschnepfe nach Hause, welche nach genauer Untersuchung vorher nicht angeschossen gewesen war. Auch Marder, Iltisse und Wieseln vernichten die Brüt derselben oft. , Da der Mensch ihr Fleisch als eine leckerhaste Speise schätzt, so trägt auch er durch seine unablässigen Nachstellungen sehr viel, wo nicht das Meiste zur Verminderung dieser Vogelart bei, was noch ärger sein würde, wenn sie nicht ein einigermaßen gesetzmäßiges Herkommen zu gewissen Zeiten, namentlich wo und wann sie brütet, in Schutz nähme und das Schießen derselben dann wenigstens für unerlaubt hielte. In ihrem Gefieder wohnen Schmarotzerinsekten, namentlich tUii- loptvrus «urattis, Xitrsosi, in den Eingeweiden aber eine Menge 396 XII. Ordn. istXII. Gatt. 242. Gemeine Waldschnepfe. von Würmern, namentlich Fadenbandwürmer, k'ilum, in großer Anzahl, auch ein -4mxkistomum, und einige andere noch nicht bestimmte Arten. Jagd. In kultivirten Bändern ist dies Geflügel ein Gegenstand der Jagd. Man zählt es zur Niederjagd und stellt ihm, weil sein vortreffliches Wildpret allenthalben in einem bedeutenden Werthe steht, mit Schießen und Fangen sehr nach. In der hiesigen Gegend wird mehr daS Erste als das Letztere betrieben, und dasSchnepfen- schießen zu den ausgezeichnetsten Vergnügungen gezählt. Zu den angenehmsten Parneen gehört unstreitig der Anstand aus streichende Waldschnepfen, zu welchem die Jahreszeit, mit dem sichtlichen und fühlbar werdenden Wiedererwachen der Natur aus ihrem Winterschlummer, allerdings viel beiträgt; ein solcher stiller, lauer Frühlingsabend, mit Drosselgesang und Schnepfenstrich, ist geeignet, den Naturfreund in die seligste Stimmung zu versetzen. Der Jäger begiebt sich in der Frühlingszugzeit der Schnepfen Abends oder auch Morgens, im Zwielicht, mit einer mit feinem Hagel geladenen Doppelflinte, an die Orte, wo er vermuthet oder aus früher gemachter Erfahrung weiß, daß Schnepfen dort streichen, horcht auf die bekannten Töne, und schießt sie gewöhnlich einzeln, wenn sie im eulenartigen Fluge über ihn hin oder an ihn vorbei streichen, aus der Lust herab, welches "der leichteste Flugschuß sein würde, wenn nicht die eben endende Dämmerung (früher oder später streicht keine) blöden Augen etwas hinderlich wäre. Es ist nicht nöthig, daß sich der Schütze dabei ängstlich versteckt hält; die streichende Schnepfe beachtet auch den frei stehenden wenig, zumal wenn sie recht hitzig balzt, und weicht ihm selten über Schußweite aus, wenn dies weniger Statt findet. Je stiller und wärmer die Lust, desto dummdreister zeigt sich die Schnepfe, und so umgekehrt. In kleinen abgesonderten Holzungen streicht keine Schnepfe, auch im großem dann nicht, wenn man dort am Tage mit Hunden abgesucht oder sie durch Treiber beunruhigt und geängstigt hatte. Uibcr die sonst noch das sogenannte Streichen begleitenden Umstände, auch daß es sich fügen kann, mehr als eine streichende Schnepfe mit einem Schlisse zu erlegen, ist das Nöthige schon oben beschrieben. Wo man weiß, daß kein Schnepfenstrich Statt findet, oder wenn dem Anschein nach dem nächsten Abend kein gutes Anstands- Xkl.Ordn. !.XS!. Gatt. 242. Gemeine Waldschnepfe. 397 weiter zu erwarten ist, überhaupt auch in allen kleinern und zerstreuten Waldtheilen, sucht man mit einem gut dressirten Vorstehe- hunde nach ihnen und schießt sie im Auffliegen aus der Luft herab. Dies hat allerdings seine vielen Schwierigkeiten, theils der Umgebungen und der behindernden Bäume und Zweige, theils der Gewohnheit wegen, daß die aufgestöberte Schnepfe diesen Schutz kennt und gewöhnlich auf der entgegengesetzten Seite oder so herausfliegt, daß Holz und Gebüsch zwischen ihr und dem Schützen steht. Daher erfordert dieses sogenannte Absuchen einen sehr entschlossenen, fertigen Flugschützen, obgleich die Schnepfe nicht zu den sehr schnell fliegenden Vögeln gehört und auf dem Freien fliegend leichter als ein Rebhuhn zu erlegen ist. Sie täuscht ihn oft nach einem Fehlschüsse durch Purzelbäume oder ungewöhnliche Schwenkungen, fliegt nach dem ersten Aufstöbern, wobei sie gewöhnlich sehr nahe aushält, selten sehr weit, wird aber nach öfterm Aufsuchen fast immer scheuer und nach mehrern Fehlschüssen oft nicht allein sehr wild, sondern auch so bestürzt, daß sie an Orten eine Zuflucht sucht, wohin sie sonst nicht kömmt. Bei dieser Art zu jagen ist auch nothwendig, daß mehr als ein Schütze den suchenden Hund begleitet, weil oft die Schnepfe herausfliegt, ohne daß auf sie geschossen werden kann, und es nun darauf ankömmt, die Stelle zu bemerken, wo sie sich wieder niederließ, um sie abermals aufsuchen zu können, jenes aber häufig nur von einer Seite und von dem gerade aus dieser gehenden Schützen gesehen werden kann; was dann der eine Schütze nicht sieht, bemerkt vielleicht der andere desto bester. Im Herbst, wenn die Bäume noch voll belaubt sind, hat diese Jagd noch bei weitem größere Schwierigkeiten, weil sie dann zu sehr behindern der Schnepfe nachzuschauen, und wenn in kleinen Gehölzen im Frühjahr dem Geübten selten eine entkömmt und über lang oder kurz von ihm erlegt wird, so geschieht dies im Herbste ungleich seltner. Dann ist das Abtreiben der Holzungen durch Menschen (mit Klappern oder auch bloß mit Stöcken zum Anschlagen versehen), das man in größer» Waldungen auch im Frühjahr thut, anwendbarer, wobei sich die Schützen auf freie Plätze, Waldwiesen- ränder, Waldwege oder sonst von Bäumen nicht zu stark besetzte Stellen vorstellen und sich die Schnepfen zutreiben lassen. Wo aber Hochwild vorhanden, sind solche Störungen freilich nicht zulässig. Mit dem Fangen der Waldschnepfen giebt man sich nur in manchen Gegenden, in vielen gar nicht ab. Man hat dazu hin und wieder eine Art großer Klebegarnc, denen der Lagenetze für 398 XII. Ordn. I^XII. Gatt. 242. Gemeine Waldschnepfe. Lerchen, s. d. W. IV. S. 178. u. f. ganz ähnlich, aber sowol die Weite der Maschen, als die ganzen Garne selbst um das Zwiefache größer, eben so das Material stärker, die Stangen, woran sie aufgebängt werden, auch stärker und um Vieles höher, so daß die horizontal angespannte Oberleine, durch welche eine solche Netzwand aufgestellt wird, wenigstens 24 Fuß'hoch von der Erde entfernt ist, von welcher dann das Garn senkrecht, aber lose, herabhängt, sein unterer Rand aber die Erde nicht erreicht, vielmehr noch bis gegen 6 Fuß von ihr entfernt bleibt. Solche Wand mag dann, bei 18 Fuß Breite (resp. Höhe), eine Länge von 60 bis 70 Fuß haben, und man hat mehr als eine, ob sie gleich nicht, wie die Lerchen- garne, hinter einander, sondern eine an die andere so gestellt werden, daß sie eine möglichst lange Fläche versperren. Sie werden an senkrecht in die Erde gestoßenen Stangen oben mittelst einer angespannten Leine an kleinen Ringen, wodurch sie beweglich oder leicht schiebbar bleiben, befestiget, und das ganze Garn steht nicht straff, sondern hängt vielmehr ganz lose und listenreich herab. Mit solcher lockern Netzwand versperrt man den Schnepfen ihren Weg, wo sie Abends herumstreichen, z. B. an Waldrändern, Bauinschluch- ten, Wegen, Triften u. dergl., wo man sie öfters hin- und Herfliegen sahe, und zwar muß eine solche quer über ihren Weg aufgestellt sein. In der Zeit, wo sie streichen (balzen), sollen sie blindlings in die Garne fliegen, zu andern Zeiten aber diesen Fallstricken oft glücklicherweise ausweichen. Zudem ist nöthig, daß an jedem Ende der Netzwand eine Person, hinter einem grünen Schirm versteckt, aufpaßt, um, wenn eine Schnepfe ins Garn geflogen und sich darin verhädert hat, die betreffenden beiden Stangen sogleich auszuheben, sie sammt dem Netze niederzulegen und sofort die Gefangenen auszulösen, die Stellung dieses Theils der Fanganstalt, durch Aufrichten der Stangen u. s. w. aber sogleich wieder herzustellen, weil vielleicht noch mehrere Schnepfen im Anzüge sein können. Selten hängt eine Gefangene so tief unten im Garne, daß sie, ohne das Netz niederlegen zu müssen, auszulösen wäre. Man hat deshalb die große Unbequemlichkeit, welche das Niederlegen u. s. w. der Fanganstalt verursacht, dadurch zu umgehen gesucht, daß man die Einrichtung anbrachte, das Garn mittelst Rollen an jeder Stange hinaufzuziehen und herabzulassen; allein die ganze Anstalt bleibt dennoch nicht nur eine sehr kostspielige, sondern auch eine mühsame und wenig einträgliche, weil selbst manche Schnepfe das Garn scheuet und abprallt, auch noch andere.Hindernisse z. B. Xil.Ordn. k^XIl. Gatt. 242. Gemeine Waldschnepfe. Z99 schlechtes Wetter u. dergl. eintreten und den Fang vereiteln können. Wenn daher die dabei nöthigen beiden Aufpasser gute Flugschützen sind, so können sie die streichenden Schnepfen aus eine weit leichtere und kürzere Weise durch den Schuß bekommen, als mit diesem umständlichen Fangapparate. Ich halte daher für unnütz, diese Fangart, welche ihre Erfindung jenen Zeiten verdankt, wo man die noch sehr mangelhaften Feuergewehre auch äußerst schlecht zu handhaben verstand, wo Schützen, welche man jetzt kaum zu den mittelmäßigen zählen würde, schon eine unerhört seltene Erscheinung waren, noch ausführlicher zu beschreiben, zumal dies bereits Bechstein und Andere, welche über Jagdsachen schrieben, gethan haben, wo es nach Gefallen nachgeschlagen werden kann. Ein anderer, viel einfacherer Fang mit Klebegarnen wird indessen, zudem mit weit sichererm Erfolg, auf kleinen vereinzelten Inseln betrieben, wodurch eine Menge der verschiedenartigsten Zugvogel, welche des Nachts über das Meer kommen und ermattet sind, in Gefangenschaft gerathen, worunter sich häufig auch Waldschnepfen befinde». Besonders berühmt durch diese Art von Vogelfang sind die Bewohner der Insel Helgoland, deren Lage dies freilich un- gemein begünstigt. Fast jeder Hausbesitzer hat dort sein Klebegarn, das er des Abends quer über die Gasse von einem Hause zum andern aufhängt, und den nächsten Morgen voller gefangener Vögel findet, nämlich so lange die Zugzeit dauert. Der Fremde mag dort Abends nicht wohl ausgehen können, weil er, wenn er nicht Bescheid weiß, aus einem Netze in das andere gerathen würde. Für den Liebhaber ist beiläufig dieser Vogelfang auf Helgoland von hohem Interesse, weil er schon viele, daselbst nicht erwartete Seltenheiten geliefert hat, und dort Arten vorkommen, die man bisher nur aus südlichen Ländern erhalten hatte, z. B. HHlvia «ovrule- v»I», Not.ieiiln inolanoovpliir!»; eine wahrscheinlich noch nirgends beschriebene Art, welche ich Wotuoillu viti-iuvNa nenne, u. a. m. Bequemer als jener Waldschnepfenfang mit Klebegarnen ist der mit Stickgarnen, weil dabei kein Aufpasser nöthig ist, und wer im Besitz von Rebhühnerstecknetzen ist, auch keine weitere Auslage hat. Es sind dies die nämlichen, wie sie Thl. VI. S. 535. u. f. beschrieben wurden. Man stellt sie unter schattigem Gebüsche, wo kein Graswuchs, kurz, an Orten, wo man weiß, daß gern Schnepfen da einfallen, zwischen Stämmen und alten Stöcken, -bald gerade, bald im Zickzack, wie es sich thun lassen will, quer durch den 400 XII- Ordn. I^XII. Gatt. 242. GemeineWaldschnepfe. Wald, und sieht täglich ein oder zwei Mal nach, um die Gefangenen auszulösen. — Aber noch viel besser als in diesen fangen sie sich in dem Schleifennetz (s. VI. S. 537 d. W.), einer Erfindung meines Vaters, deren Brauchbarkeit sich hier gerade ganz vorzüglich bewährt. — Ferner sängt man sie auch in einzelnen Laufdohnen (VI. S. 537 ebenfalls schon beschrieben), die man in die Gänge und Stiege unter dem Gebüsche aufstellt und nebenbei Reiser steckt, welche die Schnepfen verhindern neben den Dohnen durch» zulaufen. Man kann so quer durch einen Schlag eine lange Reihe solcher Dohnen stellen, ohne daß man dazu sehr vieler einzelner Stücke bedürfte, weil alle schlechtem Zwischenräume, wo Schnepfen einen unbequemen Lauf haben, wie gesagt, mit trocknen Reisern, in Gestalt eines kleinen Zaunes, versperrt werden und man nur in die besten Gänge Dohnen stellt. Schlingen, Dohnen, Stellung derselben ist alles schon a. a. O. beschrieben und bedarf keiner weitem Wiederholung. Man fängt in diesen Schnepfenstiegen nicht allein auch Rebhühner, Drosseln und andere Bögel, sondern selbst sogar Iltisse, Wieseln und andere kleine Thiere. Nutzen. Daß das Fleisch oder Wildpret der Waldschnepfe in der ganzen civilisirten Welt als hohe Delicatesse im ausgebreitetsten Rufe steht, ist allgemein bekannt. Man hält es für ein so leckerhaftes Gericht, daß bei der Zurichtung sogar die Eingeweide sammt Inhalt dabei bleiben müssen, und diese, gemeinhin Schnepfendreck genannt, sogar für die höchste Leckerei gelten. Ob nun gleich niemand läugnen wird, daß dem Fleische dieses Vogels ein ganz eigenthümlicher hoher Wohlgeschmack und daneben eine vorzügliche Zartheit beigegeben sei, die ihm vor allem andern Waldgeflügel unbedingt den Vorzug geben, so darf man doch, trotz des Alten: ckv Kustibus non est «lisjmtkrnckum, dreist behaupten, daß, wie in den Beschreibungen der andern Arten der Schncpfengattung schon gesagt wurde, es hinter denen der Bekassinen weit zurück steht, zumal hinter dem der 8oo!opnx mujor. Es ist indessen auch ein gewaltiger Unterschied zwischen feisten und magern Waldschnepfen; jene, wie sie am öftersten im Herbste vorkommen, geben häufigst einen unvergleichlich schmackhaften, zarten und saftigen Braten, welcher kaum noch etwas zu wünschen übrig läßt, während die Frühlingsschnepfen durch Nahrungsmangel in einem anhaltenden Nachwinter oder durch schnelles Reisen abgemagert, nicht selten ein, XU. Ordn. I^xn. Gatt. 242. Gemeine Waldschnepfe. 401 wo nicht zähes, doch ziemlich trockenes Fleisch haben, wo dann auch gewöhnlich das Eigenthümliche seines Geschmacks schwächer ist, als bei den wohlbeleibten. Trotz dem, daß die Waldschnepfe Hinsicht, lich des Wohlgeschmacks unbestreitbar hinter die Bekassinen zurücktritt, so sucht man sie doch mehr als diese, sei es nun weil sie größer von Körper ist, oder weil sie einmal von Alters her einen grüßen: Ruf hatte, oder überhaupt bekannter war, kurz man zahlt dem Jäger ein sehr gutes Schußgeld und dem Verkäufer hohe Preise, in Landstädten nicht unter 12 gGr. pro Stück, welcher hier selbst oft über 16 gGr., in größeren Städten aber bis auf das Doppelte und Dreifache steigen kann. Die Kochkunst bereitet dies Wildprct auf verschiedene Weise zu; entweder man bratet es, sammt allen Eingeweiden, am Spieße, und läßt das, waS dabei aus dem After herausquillt, auf in Butter geröstete Semmelscheibchen träufeln, oder man nimmt zuvor die Eingeweide heraus, entfernt bloß den Magen, macht aus den übrigen , nebst Gewürz u. dergl., ein Gehäcksel, was man gebraten auf geröstete Semmelscheibchen streicht und neben der- auf gewöhnliche Art in Butter gebratenen Schnepfe zur Tafel giebt, in beiden Fällen aber dies, ohne auf die Masse von Eingeweidewürmern, welche die Schnepfen in Unzahl beherbergen, zu achten, für die größte Leckerei hält. Uiber diesen, nach Vieler Meinung verdorbenen, oder vielmehr überspannten, oder verdreheten, Geschmack der Leckermäuler ist, doch unbeschadet der Sache, von Gelehrten und Ungelchrten schon viel gespöttelt worden, ohne einen hohen Wohlgeschmack dieser Zugabe gänzlich wegläugnen zu können. Das kleine, schmale, sehr spitzige, starre Federchen, vor der ersten großen Schwingfeder stehend, das Eigenthum aller Arten aus der großen Familie der Schnepfenvögel, bei der Waldschnepfe in ihrer sonderbaren Eigenthümlichkeit am vollkommensten, wird vom Miniatur-Maler als Pinsel benutzt, um die allerfeinsten Haarstriche hervorzubringen, was die einzelne, oder auch zwei gegen einander gebunden, aus eine Weise leistet, die mit dem zartesten Haarpinsel nicht erreicht werden kann. Im Haushalt der Natur nützt die Waldschnepfe noch durch Vertilgen einer großen Menge dem Waldbau schädlicher Insektenbrut. Schaden. Sie wird uns eben so wenig nachtheilig, als irgend ein anderer Vogel aus der Abtheilung der schnepfenartigen. 8. Theil. 26 Drei und sechzigste Gattung. Uferschnepfe. I^InrvSÄ. Schnabel: Sehr lang; bald gerade, bald sanft, aber nie sehr stark, aufwärts gebogen; an der Wurzel stark und hoch, nach vorn allmählig schwächer, in eine breitere, ohrlöffelartige Spitze auskaufend, weich und biegsam bis zu dieser, mit Seitenfurchcn und einer Nasen furche, welche bis zur allein hornartigen Spitze hinlaufen. Er ähnelt dem der Waldschnepfen, ist aber schlanker, nach vorn schwächer, die Spitze ganz anders, nicht kolbig, sondern löffelartig und der Oberkiefer kaum ein wenig länger als der untere. Nasenlöcher: Seitlich, durchsichtig, oval, aber schmal und in die Länge gezogen, in einer weichen Haut nahe an der Stirn liegend, die nach vorn in eine Furche ausläust, und mit einem etwas erhabenen Rändchen umgeben. Füße: Sehr lang, schlank, seitlich etwas zusammengedrückt, hoch über die etwas starke Ferse hinauf nackt, von den schlanken Vorderzehen die äußere und mittlere mit einer Spannhaut, welche zwischen der innern und mittlern fehlt oder nur als ein schwaches Ansätzchen vorhanden ist; die kleine, schwächliche Hintcrzeh nicht sehr hoch gestellt; die Krallen dünn, wenig gekrümmt, bei einigen die der Mittelzeh auf der Innenseite mit einem gezähnelten Rande. Die Füße überzieht eine weiche Haut, welche auf der vordern Seite in große Schildtafeln, auf der Hintern in kleine, auf den Zehenrücken in schmale Schilder zerkerbt ist. Die Zehensohlcn sind etwas platt gedrückt. Flügel: Ziemlich lang, sehr spitzig, ihr Hinterrand mondför- mig ausgeschnitten, daher eine lange Hintere Flügclspitze; die erste XU. Ordn. I^xm. Gatt. Uferschnepfe. 403 große Schwingfeder die längste, vor ihr jedoch noch ein ganz kleines, schmales, spitzes, verkümmertes Federchen. Schwanz: Etwas kurz, ab- oder zugerundet, aus 12 Federn bestehend. Das kleine Gefieder ist dicht, derb, wohl geschlossen und meistens glatt anliegend. Diese Gattung umfaßt Vögelarten, welche alle sich einer mittlern Größe nähern und in dieser Hinsicht den größcsten unter den Schnepsenvögeln anschließen. — Ihr verhältnißmäßig weder zu kleiner noch zu großer Kopf hat eine lange und dabei flache Stirn und, weil die nicht großen Augen an den Seiten desselben gerade in seiner Mitte stehen, ein langes Gesicht, ähnlich denen bei 1o- tuuus, aber ganz verschieden von denen bei 8vvlc,pux; der Hals ist lang; der schlanke Körper seitlich etwas, aber nicht stark, zusammengedrückt, und ihre ganze Figur hat etwas Storchartiges. Als sehr hochbeinige, langschnäblige, schlanke und schöngebildete Gestaltn nähern sie sich sehr den ender Gattung Wasserläufer Crotnnus), welche sie beiläufig an Größe noch übertreffen; sie ähneln anderseits aber auch der Gattung 8ooloprtx, so wie sie ebenfalls der Gattung öLumoniu-L sehr nahe stehen, das eine wie das andere bald der Gestalt, bald der Sitten und Lebensart wegen. Unsere Gattung ist nicht zahlreich an Arten, alle aber sind als Gattungsverwandte gut characterisirt. Außer denen, welche in Europa leben, besitzt, so viel jetzt bekannt, Amerika und Neuhvlland nur noch ein paar Arten. Sie sind einander sehr ähnlich, manche beinahe nur dann zu unterscheiden, wenn mehrere der ähnlichen Arten neben einander gestellt werden können, oder wenn man sie im Leben beobachten kann. Ihre Farbenveränderun- gen nach dem Alter und den Jahreszeiten, weil sie alljährlich einer zwiefachen Mauser unterworfen sind, erschweren dies um so mehr, indem sie zugleich an einer Art sehr verschieden, aber denen anderer Arten auch wieder sehr ähnlich sind. Nostfarbe, von der lebhaftesten zur mattesten, ist bei allen am Frühlings- oder Sommerkleide, ein mehr oder weniger düsteres Grau am Win- terkleide, und ein lichtes, ins Rostgelbe spielendes, dunkelgeflecktcs Braun am Jugend kleide vorherrschend. Mehrere Arten ähneln M dem letzter» den Vögeln der folgenden Gattung XumouiuL. Zwischen beiden Geschlechtern herrscht bloß der Unterschied, daß das Weibchen stets etwas größer als das Männchen ist, jenes 26 « 404 XU. Ordn. I^XM. Gatt. Uferschnepfe. bleichere oder unansehnlichere Farben trägt (die jedoch von derselben Art), auch das Sommerkleid namentlich später und nie so vollständig bekömmt, als das stets prächtiger und reiner ausgefärbte Männchen. Im Jugendkleide sind jene Unterschiede noch weniger bemerkbar. Die Uferschnepfen bewohnen im Sommer meistens nördliche Gegenden, aus welchen sie, zum Theil in großen Schaaren, im Herbst nach Süden wandern, den Winter dort zubringen und im Frühjahr wieder nach den kältern Regionen zurückkehren. Sie lieben das Seewasser, wandern deshalb gern längs den Küsten, wohnen aber im Sommer in Sümpfen fern vom Meere. Die meisten Arten sind sehr gesellig und halten nicht allein gern eigene Vereine, sondern mischen sich auch, besonders die vereinzelten, unter andere schnepfenartige Strandvögel. Oft ist eine einzelne Limvse der Anführer einer ganzen Gesellschaft solcher, namentlich kleinerer, Strandvögel, die sich unter ihrer Obhut wohl befindet, weil jene, als sehr mißtrauisch und scheu, die Kleinen auf herannahende Gefahren aufmerksam macht und sie zur baldigen Flucht ermuntert. Sie schreiten zierlich und nicht ohne Anstand einher, machen aber selten von der Fertigkeit schnell zu laufen Gebrauch, können auch fertig schwimmen und tauchen, üben dies aber nur im höchsten Nothfalle und nie freiwillig. Sie 'fliegen leicht, schnell, hoch und mit vieler Gewandtheit, auf dem Zuge nicht selten in einer schrägen Reihe hinter einander her. Sie haben eine laute Stimme, drücken, ducken oder verstecken sich nicht vor ihren Feinden, sondern erwarten dieselben frei dastehend, bis sie die Flucht ergreifen, und entfernen sich dann gewöhnlich weit weg. — Ihre Nahrung, Würmer, Insekten, auch Fisch- und Froschlaich, suchen sie stets an freien Orten am Wasserrande, auf schlammigem Sumpfe oder auf nassen Wiesen, deren Graswuchs noch ganz niedrig oder so ist, daß sie ihn stehend noch überragen und sich unbehindert nach allen Seiten umsehen können. — Sie pflanzen sich in sumpfigen Gegenden, besonders gern auf nassen Wiesen fort, wo sie gepaart leben, aber oft mehrere Päärchen nahe beisammen nisten, ein unkünstliches Nest machen, stets nur 4 olivcngrünliche, braungefleckte Eier legen und die Jungen wie Kibitze und andere Sumpfvögel erziehen. Sie haben ein sehr schmackhaftes Fleisch. „In dieser Gattung (bemerkt Nitzsch nach Untersuchung der I^imosu melauui-it und ruf») wiederholt sich durchaus die allgemeine Bildung der Schnepfenfamikie, und habe ich hier um so XII. Ordn. I^xm. Gatt. Uferschnepfe. 405 weniger erhebliche generische Eigenheiten ausmitteln können, da beide genannte Arten manche anatomische Verschiedenheit zeigen, lAmosa. invlrmura hat z. B. schmale, sichelförmige Nasendrüsen, die nur wenig auf den Stirnbeinen aufliegen, während dieselben bei !>,. ruf» groß, breit, nierenförmig sind, und den zwischen den Augen befindlichen Theil der Stirnbeine völlig bedecken. Der Magen ist bei l>. melsiwr» ein starker breiter Fleischmagen, bei ruka dagegen nur wenig muskulös und fast häutig. Die Blinddärme sind bei der ersten Art sehr dünn, bei rut'u, aber ziemlich dick. Das Darmdivertikel ist bei der ersten kurz und spitz, bei l^. i-uf» auffallend lang, eingekrümmt und am Ende stumpf; die Nieren bei melanura in dem vordem Lappen am breitesten, bei Q. rusu in dem Hintern." „Im Mangel des knochenzclligen Tastapparats des Schnabels, in der Form des Brustbeins, in der Zahl der Buchten desselben (2 äußere tiefe und L innere sehr Reine) — in der Kürze der nur 6 bis 9 Linien langen (für so große Vogel gewiß kurzen) Blinddärme, und in den Zotten auf der innern Darmfläche kommen beide Arten mit einander übereilt, ohne in diesen, so wie in vielen andern übereinstimmenden Punkten sich sehr merklich von so manchen ihrer Familienvcrwandten zu unterscheiden." „Es sind die Limosen, so zu sagen, große Lringen mit sehr langem, etwas aufsteigendem Schnabel; mit welcher Gattung sie denn auch die Stellung des Biegungspunktes des Oberkiefers, aber freilich weder den bemerkten Mangel des Tastapparats noch auch die Darmzotten gemein haben." » » Unter den Arten dieser Gattung, welche Europa besitzt, weicht eine und zwar die größeste, in einigen Stücken wesentlich von den andern ab, gleicht ihnen jedoch in den meisten wiederum so vollkommen, daß es nicht nöthig scheint, sie in eine besondere Unterabtheilung oder Familie zu stellen, zumal die ganze Gattung nicht zahlreich an Arten ist, von denen mir nur fünf bis sechs bekannt sind. In Deutschland haben wir Drei Arten. 243. Die schwarzsehwäiizige Uferschuepf e . » Taf 219 ^ ^ Männchen im Sommerkleids. i Ng. 2. Altes Weibchen im Winterkleide, J-.e 21 i Fig- 1- Erstes Winterkleid. ^ j Fig- 2 . Iugendkleid, Große Uferschnepfe, Seeschnepfe, Pfuhlschnepfe, gemeine —, größte —, rothe Pfuhlschnepfe; Geiskopfschnepfe, Eeiskopfwasser- läufer, rother —, dunkelfüßiger Wqfferläufer; schmarzschwänziger Sumpfwader; rothhalsrger Sumpftreter; schwarzschwänzigc —, große Limose; Lodjoschnepfe; große Ostvkche. /.reuoea LeiSlcr, Nachtr. z» Bechstein's Naiurg. Deutsche Heft II. S. 123. ----- Weyer, VSg. Liv- und EAHlaiidL. S. 196. — rill«.,«.», Vn>. »nc». II. P. 49. u. 163. —- 4 norve. Donuiiiiiel-, Al-tv. uonv. Lllit. II. I'. 664. ---- IVttrena 8ü>'i, i. rosu. II. p. 30t- Meisner und Schinz, VSg. d. Schweiz. S. 299. u, 269. ---- Meyer, Laschend. Is> S. 149. — Brehm, Lehrb. II. S. 699. —- Dessen Rating. a. Von. Deutscht. S. 626. ----- Ging er, Schlcs. Wirbetthier-Fauna. S. 47. n. 291.Landbeck, Bog. Würtembergs. S.6I. u. 212. — Naumann'S Bog. alte AuSg. III. S. 49. Taf. XI. Fig. 11. Zugendkl. » Stachtr. S. 266. Taf. XXXVI. Fig. 73. Männchen im Sommerkleid-, Sommer- oder Hochzeitskleid, §eo/o^a.v eee^ooo^gfa. 6mel. I-Ioi'. 8;'sr. I. 2. p. 667. u. 16. ----- l-gtli. iull. II. y. 719. u. 16. ----- Hcakozeage 6wel. I-iun. 8z'8t. I. 2. p. titi.i- n. 39. ----- I-»ti>. I»ä, II. >>. 718 . u, g. Bechftei», Natnrg. Deutsch!. IV- S. 234. (voller Unrichtigkeiten). ----- /.F^uauckc ,'-. 77-00 Lvtk. Ois. VII. l>. 592. — Ksit. <1° v«m»p. XIV. >>. 237. ----- iq. l'I. vu>. 916. ----- «erorä. lud. 2S I.»lVIO>».X ni0>. Sen. V. o. 142. -— Ulbers. von Doch- stein. III 1. S. 117. II. 14. b. ----- kowiele. Iwlt. NirSn. II. y. 80. Oi-o/Io. 8°I>I>. x-'i-i!. Vox. I. t. x. 53. und: 7>e stloi-o/. ebeud. IV. t. >>. 321. . .. Wolf und Meyer, Taschenb. II. S- 369. ----- Bechstein, orn. Taschenb. II. S. 290. o. 5. ----Koch, Daier. Zool. I. S. 308. o. 192. Winterkleid. -Vooloxan Lrmoea. I.Uul. 8vst. oüit. 12- I. 1. >>. 245. II. 13. ----- 6mol. I.iii». I. 2. p. 666. II. 13. ---- 27>In«»« /.!,«».,«. Bechstcin, Nutneg. Deulschl. IV. S. 244. (Viel Berwirruni,..) — L.«La^ii8 08tr:rl«!i>ti8 und tlluirullrius Vmnollns, welches aber in: Uibrigen ganz abweichende Arten und Gattungen sind. Auch von allen einheimischen großer» 08 Xil.Ordn. 1.X1!l. Gatt. 243. Schwarzschw. Uferschn. Arten der Gattung lotunus unterscheidet unsere große Limose diese Färbung und Zeichnung des Schwanzes. Sie hat vollkommen die Größe einer Haustaube (Oolumllu «iomvstic») von einer mittlern Spielart, sieht aber ihres langen Schnabels, sehr gestreckten Halses und ihrer hohen Beine wegen noch viel größer aus. Uibrigens variirr die Größe bei verschiedenen Individuen bedeutend, so daß nicht die jungen Vögel allein die kleinsten und die ältesten die größesten sind, sondern dieses oder jenes bei allen vorkommen kann. Dabei sind die Weibchen standhaft größer als die Männchen, und dies oft ziemlich auffallend. Die Länge des Vogels, von der Stirn bis zur Schwanzspitze, d. h. (wie immer) ohne Schnabel, gemessen, wechselt so zwischen 14ffr bis 15'/^ Zoll; die Breite von 29'/? bis zu 32 Zoll; die Länge des Flügels vom Bug bis zur Spitze 9 bis 9^ Zoll; die Länge des Schwanzes 3'/§ bis über 3ffr Zoll; die ruhenden Flügel reichen bis an das Ende desselben. Die Flügel sind groß, an ihrem Hinterrande so stark mvnd- förmig ausgeschnitten, daß auch hinten eine zweite Flügelspitze von den lanzettförmigspitzen Schwingfedern dritter Ordnung gebildet wird, die am zusammengelegten Flügel ziemlich aus das Ende der vierten Schwingseder erster Ordnung reicht; diese, von welchen die erste die längste von allen, sind stark, etwas breit, von der Mitte an nach und nach schmäler und endlich schmal zugcrundet; sie haben starke, gerade, elastische Schäfte. Sie nehmen an der Spitze an Breite zu, so wie sie an Länge abnehmen, bis zu denen der zweiten Ordnung, welche die kürzesten sind, erst an den letzten an Länge wieder etwas zunehmen, fast gleich breit sind, ein schief nach hinten abgestumpftes oder fast gerades Ende und schwache, ein wenig hinterwärts gebogene Schäfte haben. An der Wurzel der ersten großen Schwinge entspringt ein nur 1 Zoll langes, sehr schmales, in der Mitte kaum 1 Linie breites, zugespitztes Federchen, welches einen sehr starren, schwarzen Schaft hat und ganz braunschwarz aussieht. Der Schwanz ist etwas breit; seine 12 Federn sind ziemlich stark, gleichbreit, am Ende schief abgerundet, beinahe von gleicher Länge, so daß das Schwanzende gerade oder in der Mitte gar noch ein wenig ausgeschnitten erscheint; eine bei Schnepfenvögeln nicht häufige Form, und der am gemeinen Kibitze ähnlich, aber im Ganzen verhältnißmaßig kleiner. MOLS 1-1^1 o.^v N^(^U1VU1^ , l'^i'.'ilc'.'. U'i ii l «'i-Ivl x?l. Ordn. Gatt. 243. Schwarzschw. Uferschn. 409 Das kleine Gefieder ist ziemlich weich, besonders an den untern Theilen, doch auch hier nicht pelzartig. ' Der Schnabel ist sehr lang, zumal bei alten Vögeln, auch stark und hoch an der Wurzel, aber nach vorn allmählig niedriger und schmäler, und vor der Spitze ganz schwach werdend, diese wieder ein wenig breiter, kolbig, stumpf zugespitzt, inwendig an beiden Theilen ausgehöhlt, so daß sie zwei kleine Löffelchxn bildet, wie Ohrlöffel, wovon das obere ein wenig über das untere vorsteht, d. h. länger ist. Er ist bald ganz gerade, bald biegt er sich seiner ganzen Lange nach sanft aufwärts, und diese Biegung wird gewöhnlich im getrockneten Zustande auffallender als sie im Leben war. Seine Firste ist flach abgerundet, so auch sein Kiel; die Kinnspalte reicht noch nicht bis in die Mitte vor und ist ziemlich schmal. Die Mundkanten sind stumpf, aufgetrieben, durch eine parallele Längefurche, die erst nahe vor der Spitze verläuft, auf der Schnabclfläche bezeichnet. In diese Furche läuft am Obcrschnabel die Bedeckung der Nasenhöhle, in welcher das sehr schmale, 3 Linien lange, keilförniigovale, durchsichtige Nasenloch kaum 3 Linien weit von der Stirn liegr, spitz aus, dessen Rändchen, zumal oberwärts, etwas vorsteht. Inwendig hat der Oberschnabel eine tiefe Rinne, welche vom Gaumen an bis in die Löffelbasis vorläufts der Unterschnabel ist breiter ausgehöhlt. Die Zunge ist schmal und spitz, reicht bis über die Mitte des Schnabels vor und hat einen gezähnelten Hinterrand. Der ganze Schnabel ist im Leben sehr weich und biegsam, nur die löffelartige Spitze hornhart. — Seine Farbe ist bei alten Vögeln, besonders im Frühjahr, ein trübes Rothgelb, das zu andern Zeiten sich mehr einer gelblichen Fleischfarbe nähert, bei erwachsenen jungen Vögeln aber wirklich Fleischfarbe ist. Diese lichte Farbe geht an der Firste und auch von der Mitte des Schnabels in schwärzliches Braun und an der Spitze nach und nach in Braunschwarz über. Der Rachen ist bei jungen Vögeln fleischfarbig, bei alten blaß gelbroth, bei beiden spitzewärts graubräunlich. Die Maaße des Schnabels sind bei dieier Art sehr verschieden, denn während er bei recht alten Individuen über 5 Zoll lang, an der Wurzel Linien hoch und 5 Linien breit ist, kömmt er bei andern, namentlich jungen, aber völlig erwachsenen, nur von 4^ Zoll Länge, von 5'/r Linien Höhe und 4^ Linien Breite vor; die zwischen diesen Extremen liegenden Verhältnisse sind die gewöhnlichern. Das Auge ist weder groß noch klein, hat einen sehr dunkel- 410 XU. Ordn. Gatt. 243. Schwarzschw. Userschn. braun gefärbten Stern und weißlich befiederte Lider. Es ist weit vom Schnabel entfernt, und diese Stellung mit der stachen, sehr wenig aufsteigenden Stirn bildet ein sehr langes Gesicht, das diese, wie andere Arten dieser Gattung, vor den meisten übrigen Schnc- pfenvögeln sehr auszeichnet. Die Füße sind sehr lang, schlank, verhättnißmäßig jedoch starker als bei den hochfüßigcn lotrrnus-Arten, besonders stark an den Fersengelenken, hoch über diese hinaus nackt, an Unterschenkeln und Läusen von den Seiten ziemlich zusammengedrückt; die vordem Zehen schlank, mit etwas gedrückten Sohlen, deren Ränder aber wenig vortreten; die Spannhaut zwischen der äußern und mittlern Zeh ansehnlich, die zwischen dieser und der Jnnenzch aber nur ein schwaches Rudiment und kaum bemerkbar; die Hinterzeh nicht ganz kurz, aber schwach, über dem Zehenballen eingelenkt, doch nicht hoch, so daß sie stehenden Fußes stets mit dem vordem Theil (die Kralle unbeachtet) den -Boden berührt. Die Füße, deren Uiberzug vorn und hinten und auf den Zehenrücken in Schilder, übrigens netzartig zerkerbt, und an den Sohlen warzig ist, sind im Leben ziemlich weich, auch etwas biegsam. Die Krallen sind mittelmäßig, nur wenig gebogen, spitz, unten etwas ausgehöhlt, die an der Mittelzeh besonders groß, beinahe ganz gerade, an der Seite nach innen mit einem hervorstehenden, kammartig gezähnelten Rande. Sie erinnert an die Krallen der Reiher. Die Farbe der Füße ist bei alten Vögeln pechschwarz, bei erwachsenen Jungen grauschwarz, in früherer Jugend dunkelgrau; die der' Krallen stets Hornschwarz. Im getrockneten Zustande ist die Fußfarbe bei allen schwarz. Im Dunenkleide sind die Jungen am Kopfe, Halse und dem ganzen Oberkörper licht gelbbraun mit rostgelber Mischung und braunschwarzen streifenartigen Flecken, an der Brust und dem Bauche weiß. Der Schnabel ist noch sehr kurz und ganz weich, röth- lichweiß, an der Spitze grau; die Füße sehr weich, an den Gelenken, besonders der Ferse, sehr dick, wie geschwollen, hellgrau von Farbe. Es sind stackelbeinige, ziemlich häßliche Gestalten. Sobald der junge Vogel erwachsen und sein vollständiges Gefieder erhalten hat, also im ausgebildete» Jugendkleide, ist sein Schnabel schmutzig fleischfarbig, auf dem Rücken und an der Spitze grauschwarz; der Augenstern dunkelbraun; die Füße schwarzgrau oder- tief aschgrau; die Krallen schwarz. Die Zügel sind braunschwarz; ein Streif über denselben bis über das Auge weiß oder nur weißlich; Kinn und Kehle weiß; Oberkepf, Wangen, Hals und Xk!. Ordn. k^XII!. Gatt. 243. Schwarzschw. Uferschn. 411 Kropfgcgend roströthlich- oder rostgelblichgrau, an der letztem und auf der Gurgel am lichtesten, auf dem Scheitel und der untern Halswurzel öfters dunkler braungrau gefleckt; Oberrücken und Schultern erdbraun, in der Mitte ddr Federn meistens am dunkelsten, an den Seiten und Enden derselben in braungelbliche oder weißbräunliche Einfassungen und Kanten übergehend; der Unterrücken schwarz, mit bräunlichgrauen Federrändern; Bürzel und obere Schwanzdeck- sedern rein weiß, nur die längsten der letzten an den Enden schwarz. Da nun auch der Schwanz von oben gesehen schwarz ist, so steht der große weiße Bürzelfleck von unten wie von oben (am Unterrücken) zwischen Schwarz, von dem er in gerader Linie scharf begrenzt ist, und so eine eigenthümliche, rechtwinkelichtviereckige Gestalt bekömmt. — Brust, Bauch, Unterschenkel und untern Schwanzdeckfedern sind weiß, die Tragfedern rostgrau angeflogen, die Schenkel auf der Hinterseite braun überlaufen oder schwach gefleckt. Die kleinen Flügeldeckfedern sind dunkelgraubraun, fast einfarbig; die mittlern etwas lichter, mit schwarzen Schäften und bräunlichweißen Rändern; die großen eben so, aber mit sehr großen weißen Enden, wodurch ein breiter weißer Qucrstreif durch den Flügel gebildet wird; die Daumenfcdern braunschwarz, mit weißem Spitzensaum, zuweilen auch statt dessen mit weißem Endfleck; die Fittichdeckfedern ebenfalls braunschwarz, mit weißem Mondfleck an den Spitzen der kürzern, welcher au den langem in ein bloßes Spitzcnkäntchen übergeht. Die großen Schwingfcdern sind braunschwarz, mit weißen Schäften und auf der Innenfahne nach der Wurzel zu weiß, die 4 ersten auf der Außenfahne ganz einfarbig braunschwarz, die folgenden an derselben Fahne von der Wurzel herab weiß, wodurch auch auf dem zusammengelegten Flügel ein eckiges, weißes Feld sichtbar wird; je kürzer die Federn werden, desto mehr Raum nimmt ver- haltnißmäßig das Weiße ein, und an den matt braunschwarzen Schwingfedern zweiter Ordnung ist die ganze Wurzelhälfte weiß, endlich überzieht es nach und nach die ganze Innenfahne; die letzten dieser Ordnung'sind fast ganz weiß und haben nur noch auf der Außenfahne einen schwarzen Längestreif, an den folgenden bleibt aber bloß noch die Außenfahne weiß, die Innenfahne färbt sich schwarzgrau, das Weiße nimmt an den ersten der dritten Ordnung nach und nach immer mehr ab, und verschwindet auf den längern dieser Ordnung ganz, so daß die letzten, welche eigentlich die Hintere Flügelspitze bilden, bloß erdbraun, am Schafte am dunkelsten sind, und licht gelbbräunliche, ins Weißbräunliche übergehende Kan- 412 Hk- Ordn. Gatt. 243. Schwarzschw. Uferschn ten, auch wol einzelne lichtgefärbte Flecke, haben. Diese Zeichnung des Flügels ist, nur die Federn der Hintern Flügelspitze und einige der mittlern Deckfedern ausgenommen, in jedem Alter und. in jeder Jahreszeit dieselbe, nur haben die großen Schwingfedern, bei jungen Vögeln sowvl als im frischen Herbstkleide der alten, an den Enden weiße Käntchen, die sich nach und nach abreiben und daher am Frühlingskleide fehlen. Auf der untern Seite ist der Flügel größtentheils weiß, an der obern und vordem Kante schwarzgrau gescheckt, an der Spitze und dem Hinterrande in vunkelgrau sanft übergehend, mit weißen Federschäften. Die beiden Mittelfedern des Schwanzes erscheinen ganz schwarz (denn das wenige Weiß an der Wurzel wird stets ganz von den obern und untern Deckftdcrn versteckt), mit bräunlichweißen Endkäntchen; das folgende Paar ist eben so, aber schon mit mehr Weiß an der Wurzel und schmälern Endkäntchen; das nächstfolgende hat noch mehr Weiß, und dies nimmt nach außen immer mehr zu, wird am vierten Paare schon von außen sichtbar, und vergrößert sich so fort bis zum äußersten, wo es auf dessen Außenfahnen bis in die Nähe der Spitze, oft als feines Säumchen sogar bis an diese selbst, herabläuft, an diesem auch- schräg vom Schwarzen getrennt ist, was es an den übrigen säst in gerader Querlinie ist, auch beide Farben sich stets scharf scheiden. Auf der Unterseite ist der Schwanz wie von oben, aber mehr Weiß sichtbar. Außer der etwas verschiedenen Größe, wodurch sich schon in diesem Kleide beide Geschlechter ziemlich gut unterscheiden lassen, außer der individuellen Verschiedenheit in der Länge des Schnabels und der Füße, die aber stets geringer ist als bei den alten, sind diese jungen Vögel leicht an den noch angeschwollenen Fersengelen- ken zu erkennen, die sich, wenn sie ihr erstes Winterkleid anlegen, nach und nach verlieren. Uibrigens ist das Jugendkleid bald etwas lichter, gelblicher oder röthlicher, bald etwas dunkler gefärbt, die hellep Kanten und Säume der Federn des Mantels breiter oder schmäler und zwischen ihnen und dem Schafte oft noch lichtbraune Flecke gezeichnet, welche oft ziemlich häufig vorkommen, manchmal aber auch fast ganz fehlen. Durch seine mehr ins Lehmgelbliche ziehende Hauptfarbe, der anderer jungen Limosen nicht unähnlich, unterscheidet es sich von dein einfachern, staubigen Grau, welches am nachherigen Winterkleids die herrschende ist. Im Allgemeinen ist demnach auch am Winterkleidc dieser Art Grau die Hauptfarbc, dies aber von einer eigenthümlichen Xii Ordn. l^xm. Gatt. L43. Schwarzschw. userschn. 413 Mischung, nicht sehr dunkel, mit einem gelbbräunlichen Schein, also nicht Aschgrau, sondern eine Art dunkeler Staubfarbe oder Mäusegrau. — Der Schnabel ist schmutzigfleischfarbig, mehr oder weniger ins Röthlichgelbe ziehend, mit schwarzer Spitze; die Füße grauschwarz; die Zügel braunschwarz, stärker oder schwacher gezeichnet; über sie und dem Auge ein Streif, nebst Kinn und Kehle weiß; die Wangen lichtgrau, etwas dunkler gestrichelt; der Oberkopf grau, auf der Mitte der Federn, am schwarzen Schafte, schwärz« lichbraun, daher auf grauem Grunde dunkel gefleckt; der ganze Hals lichtgrau, auf dem Nacken hinab dunkler gefleckt, aber meistens nur ganz schwach und undeutlich; die Kropfgegend lichtgrau, etwas dunkler gewölkt, immer bleicher werdend an den Brustseiten oder den Tragefedern, an welchen sich aber hin und wieder auch dunkelgraubraune oder schwärzliche, abgebrochene Wellenstreife oder Mondflcckchen dazwischen zeigen; der übrige Unterkörper weiß; Oberrücken und Schultern, nebst der Hintern Flügelspitze und den Flügeldeckfedern, bräunlichgrau, an den braunschwarzen Schäften dunkler, an den größesten Federn hier fast rauchsahl oder schwärzlicherdbraun, dagegen aber alle an den Rändern lichter, hin und wieder, als unbestimmte Säumchen, ins Weißbraunliche übergehend; der Unterrücken braunschwarz, zunächst dem Bürzel am dunkelsten, oft völlig schwarz; der Bürzel nebst der Oberschwanzdecke weiß, letztere an der Spitze schwarz, und wie der Schwanz, auch der Flügel an seinen großem Theilen und auf seiner untern Seite, in Farbe und Zeichnung wie im Jugendkleide. Männchen und Weibchen sind gleichgefärbt, letzteres aber durch seine ansehnlichere Größe vom erstem unterscheidbar. So sieht in den allermeisten Fallen das reine Winterkleid bei diesen Vögeln aus, wenn die Mauser, die es brachte, vollständig gewesen war. Dabei ist jedoch zu bemerken und nicht unwichtig, daß, nach meinen Erfahrungen, nur die jungern, Vogel, in ihrem ersten und zweiten, vielleicht auch noch im dritten Winterklei de dieses ziemlich einförmige Grau tragen, und daß bei diesen rostfarbige Federn neben und zwischen den mäusegraucn nur dann vorkommen, wenn bei ihnen das Frühlingskleid entweder schon im Entstehen begriffen ist, oder wenn (im zweiten Jahr) dieses noch nicht gänzlich von dem neuen Winterkleids verdrängt ist, wogegen alte, mehrmals vermauserre Vogel in ihrem reinen Winterkleide neben dem Grau auch noch rostfarbige Zeichnungen haben, an denen sich leicht erkennen läßt, daß sie 4L4 XI!. Ordn. 4-XHI. Gatt. 243. Schwarzschw. Uferschn. weder als vom alten Sommerkleide zurückgeblieben, noch als zu einem entstehenden neuen Hochzeitskleids gehörend, betrachtet werden müssen. Das Winterkleid älterer Vogel hat demnach einige Aehn- lichkeit mit dem schon früher bekannten, weiter unten beschriebenen, Sommerkleide dieser Art; denn es zeigt am Kopfe, Halse und an der Kropfgegend ebenfalls Rostfarbe, nur. etwas blässer und schmutziger, und auf dem Oberrücken und den Schultern eben solche Flecke zwischen dem Grau. Ich gebe hier (vielleicht als etwas Neues?) die genauere Beschreibung eines solchen, deren ich mehrere in den Händen hatte, namentlich auch ein Exemplar, an welchem sich schon hin und wieder neue, viel schöner gefärbte und anders gezeichnete Federn des wirklichen Sommerkleides zeigten, wo der Unterschied dieser von jenen grell in die Augen sprang. — Stirn, Scheitel und Genick sind rostfarbig, mit braunschwarzen Schaftstrichen, das Ganze aber durch hellgraue Federspitzchen gedämpft; ein Streif über dem Auge und die Kehle weiß, roströthlich gemischt; die Zügel rostfarbig, stark dunkelbraun gefleckt; die Wangen licht rostfarbig, braun gestrichelt; der ganze Hals rostfarbig, jede Feder mit einem kleinen ovalen oder rundlichen, matt dunkelbraunen Schastfleckchen und grauweißen Endsäumchen, welche letztere die Rostfarbe etwas dämpfen, was noch mehr der Fall ist an den Zedern des Kropses und der obern Theile der Brust, deren viel breitere Endkanten noch mehr ins Graue fallen und an welchen die dunkelbraunen Flecke in schmale Querflecke übergehen, die wellenförmig, doch unterbrochen, sich an einander reihen, abwärts immer deutlicher werden, und an der weißen Unterbrust, wie in den Weichen, als viel stärker gezeichnete, dunkelbraune .Querstreifen erscheinen, von welchen die meisten einen rostfarbigen Schein über sich haben; weiter hinab nimmt das Weiße noch mehr die Uiberhand, die Nostfarbe verschwindet, und die zwar größern dunkelbraunen Querflecke stehen ganz einzeln; die längsten Untcrschwanzdeckfedern sind auch rein weiß, aber sie haben an beiden Seiten einen starken schwarzen Langestreif. Die Federn des Oberrückens und der Schultern sind braungrau, seidenartig glänzend, mit schwarzen Schäften, und sehr viele nicht allein mit tief schwarzem Schaststrich, sondern auch nach der Wurzel zu mit größerm, schwarzen oft zackichten Schaftfleck und einigen schwarzen Randflecken, zwischen welchen der Rand hellrostsarbig gefärbt ist. Diese rothe und schwarze Zeichnung wird aber, weil X!!. Ordn. Gatt. 243. Schwarzschw. Uferschn. 415 sie nur an der Wurzelhälfte der Federn ihren Sitz hat, kaum anders als bei verschobenem Gefieder sichtbar, und erinnert sehr an das Sommerkleid. Die größer» Federn unter den grauen sehen, wenn sie noch neu, in gewissem Lichte, wie mit aschgrauer Farbe bepudert aus. Die Flügeldeckfedern sind braungrau, mit weißlichen Endsäumchen und schwarzen Schäften, die großem mit bemerkli- chern weißen Endkäntchen; das Uibrige des Flügels, der Schwanz mit seinen obern Deckfedern, Bürzel und Unterrücken, wie oben beschrieben. Sehr auffallend verschieden auch von dem, obgleich mit Rostfarbe vermengten, grauen Winterkleids alter Vogel, zumal von dem einförmig grauen der jüngern Individuen, ist das hochzeitliche Gewand dieser Art, gewöhnlich Sommerkleid genannt. An ihm ist, wenn es ganz rein vermausert dasteht, eine schöne Rostfarbe, bei den ältesten fast Nostroth, die allen andern vorherrschende Farbe und bloß auf dem Oberflügcl ist das Grau nicht ganz von ihr verdrängt worden. Solche reine Zeichnung ist dann folgende: Der Zügel ist auf rostfarbigem Grunde dunkelbraun gefleckt, über ihn zieht ein breiter weißer, rostfarbig gemischter Streif bis über das Auge hin; Stirn, Vordertheil der Wangen und die Kehle haben eine ähnliche Farbe, das Kinn ist aber gewöhnlich rein weiß; der Scheitel matt rostroth, dunkelbraun gefleckt, weil die rostfarbigen Federn starke schwarzbraune Schaftflecke haben; der Hintertheil der Wangen rostfarbig, meistens braun gestrichelt; der ganze Hals schon rostfarbig oder matt rostroth, auf dem Nacken hinab, bei manchen, mit dunkelbraunen Schaftfleckchen, die gewöhnlich nur klein und bleich sind, am öftersten auch ganz fehlen; die Kropfgcgcnd nebst den Seiten der Oberbrust oder den Tragfedern ebenfalls matt rostroth, aber mit schwarzbraunen, schmalen, gebogenen Querflecken, die an dem erstem schwach anfangen, in den Weichen aber stärker und bänderartig werden; die Mitte der Brust, Bauch, Unterschenkel und die untere Schwanzdecke rein weiß, an letzterer jedoch die äußersten Federn an ihren Außenfahnen oft mit einem einzelnen, zuweilen pfeil- sörmigen, schwarzbraunen Längefleck. Oberrücken und Schultern sind auf schön rostfarbigem Grunde stark schwarz gefleckt; die Federn dieser Theile sind nämlich in ihrer Mitte braunschwarz (ganz srisch tief schwarz) und haben sehr grob gezackte, rostfarbige Kanten, oder vielmehr schön rostfarbige, große, meist dreieckige Randflecke, und so gefärbte Endkäntchen; die letzten drei bis vier Schwingfedem dritter Ordnung oder der Hintern Flügelspitze sind ebenfalls schwarz, 416 XU. Ordn. I^XUl. Gatt. 243. Schwarzschw. Uferschn. mit dreieckigen, matt rostrothen Randflecken oder wie die längsten Schulterfedern gezeichnet; die Flügeldeckfedern, alle übrigen Schwing- federn, Unterrücken, Bürzel und der Schwanz mit seinen obern Deckfedern, wie am Winterkleide und bereits oben beschrieben. Die Färbung der Beine ist dann glänzend schwarz, die des Schnabels schmutzig oder bleich orangefarbig, u. s. w. Nur bei recht alten Männchen findet man dies Kleid, und zwar immer erst in schon weit vorgerückter Jahreszeit, vollkommen und rein; früher, oder auch bei jungem bis tief in den Sommer hinein, ist es immer noch mit vielen grauen Federn des letzten Winterkleides vermischt, die es unansehnlich bunt gefleckt machen. Am meisten kömmt dies bei den Weibchen vor, und man findet mitten in der Fortpflanzungszeit von diesen noch viele, welche das Frühlingskleid erst theilweise angelegt haben, die nämlich am Halse, Kröpfe, den Tragefedern, am Oberrücken und den Schultern fast noch eben so viele alte, graue, als neue, rostfarbige Federn tragen, was sich eben nicht hübsch ausnimmt, ja es giebt Weibchen, namentlich einjährige, welche in solchem gemischten Kleide bis zur neuen Herbstmauser verbleiben. Uibrigens sind alle Weibchen, gleichviel in welchem Kleide, leicht an der beträchtlichern Größe von den gleichgefärbten Männchen zu unterscheiden, genauer verglichen erscheinen aber alle Farben beim männlichen Geschlechte stets lebhafter als beim weiblichen. Uibergänge, welche die Doppelmauser bedingt und die verschieden gefärbten Kleider sehr auffallend machen, und welche in jeder Jahreszeit vorkommen, werden nun nach den oben gegebenen Beschreibungen u. s. w. der Jugend-, Winker- und Sommerkleider, wie sie sein müssen, wenn sie rein sind und jede Spur eines oder des andern Federwechsels verschwunden ist, sich leicht deuten lassen. Die Zeit der Hauptmauser, in welcher sich bei alten Vögeln das ganze Gefieder regenerirt, ist der Juli und August; sie sind dann im September im völligen Winterkleide. Dies läßt sich indessen nicht von allen, sondern nur von der Mehrzahl sagen, da unbekannte Ursachen die Mauser bei einem oder dem andern Individuum beschleunigen oder verzögern. Im September fangen auch die jungen Vögel diesjähriger Brüt an, ihr Winterkleid anzulegen, worin sie aber Schwing- und Schwanzfedern behalten; sie bekommen es jedoch erst im Winter, in ihrer Abwesenheit, vollständig. Ende April haben die allermeisten Alten ihr Hochzeitskleid, wenigstens XII. Ordn. I^xm. Gatt 243. Schwarzschw. Uferschn. 417 zum großen Theil, erhalten, wogegen die einjährigen Vogel oft noch so weit darin zurück sind, daß man zwischen ihrem grauen'Winter- kleide nur erst wenige neue Federn bemerkt. Erst im Mai oder im Juni wird es bei alten Männchen vollständig und rein, bei vielen,, namentlich Weibchen, bleibt es, wie schon erwähnt, unvollständig bis zur nächsten Herbstmauser. Weil die Mauser bei allen sehr langsam von Statten geht, so ist sie auch unregelmäßiger als bei vielen andern ähnlichen Vögeln. Aufenthalt. Die schwarzschwänzige Uferschnepfe ist ziemlich verbreitet, wenigstens in vielen Theilen der alten Welt einheimisch, so in Europa von Island über die britannischen Inseln und das feste Land von Westeuropa bis an's Mittelländische Meer hinab, von Schweden, wo sie aber, wie auf erstgenannter Insel, nicht häufig vorkömmt, eben so in Livland und im südlichen Rußland, durch alle Theile des mittlern Europa bis nach Ungarn, Italien und die Türkei hinab, und bis auf das nördliche Afrika hinüber. Eben so bewohnt sie vom mittlern Sibirien an viele Theile von Asien. Sie ist jedoch nur in manchen Ländern häufig, in den meisten hingegen nur einzeln, in vielen gar nicht angetroffen worden, obgleich solche mit andern, die sie in Menge bewohnt, unter gleicher Breite liegen. In England ist sie nirgends selten, so in vielen Gegenden Frankreichs und Italiens, viel häufiger, als irgendwo vielleicht in Holland, nicht viel weniger jedoch auch in manchen Gegenden Ungarns. In Deutschland wird sie meistens bloß auf dem Durchzuge und zwar nur in einzelnen Strichen und höchst selten bemerkt; jedoch sind in wasserreichen Gegenden, z.B. in den norddeutschen Marschen und in einigen Theilen Schlesiens auch schon Päärchen angetroffen worden, welche ihren Sommerwohnsitz dort aufgeschlagen hatten. In hiesigen Gegenden und unserm Anhalt kömmt sie äußerst selten vor; wir haben hier in einem sehr langen Zeitraume nur wenige einzelne Individuen gesehen und selbst nur zwei, eins beim salzigen See im Mannsfeldischen, und ein anderes in den Brüchern beim Zusammenfluß der Saale mit der Elbe, erlegt. Diese Art ist an Individuen weit weniger zahlreich, als l-i Mas» ruk», und kömmt nirgends in so unermeßlichen Schaaren vor als diese. 8. Theil. 27 418 XII. Ordn. HIII. Gatt. 243. Schwarzschw. Uferschn. Sie ist, wie andere verwandte Arten, ein Zugvogel und wandert al? solcher jährlich zwei Mal, im Frühjahre nördlich, um da zu brüten, und im Herbst wieder zurück nach Süden, um daselbst zu überwintern. Diese Reisen macht sie des Nachts. Ihre Zugzeit im Frühjahr fängt sich im April an und dauert den Mai hindurch, bei einzelnen selbst bis in den Juni hinein, welches aber vielleicht nur solche sind, von welchen man behaupten darf, daß sie in demselben Jahre nicht brüten werden. Die Herbstzugzeit beginnt schon im August; mit Ende dieses haben wenigstens alle, Junge und Alte, ihre Brütegegenden bereits verlassen, um sich zwar noch einige Zeit im Lande, doch aber meistens fern von jenen, aufzuhalten, für die weitere Reise Kräfte zu sammeln, dabei sich aber allmählig gänzlich zu entfernen. Um die Mitte des September oder doch bald nach Ablauf derselben ist selbst in dem viel südlicher gelegenen Ungarn keine Lodjoschnepfe, wie sie dort heißt, mehr anzutreffen. Sie ist ein ächter Sumpfvogel, lebt nur an morastigen Gewässern, aber nicht an solchen, welche zu freie Ufer und zu klares Wasser haben, deshalb weder an Flüssen noch an den Meeresküsten. An die letztem kömmt sie daher bloß zufällig. Selbst auf Island, wo sie nicht einzeln die südlichsten Theile bewohnt, kömmt sie nicht an die Küste, eben so in der Nähe der deutschen Nordsee und in Holland, wo sie ebenfalls nicht am Meere angetroffen wird, sondern allein die User der stehenden Gewässer und Moräste bewohnt. Wenn man sicher sein dürfte, daß sie nicht mit der rostrothen Uferschnepfe verwechselt wäre, so würden die Nachrichten von England (s. a. a. O.) freilich das Gegentheil sagen, nämlich daß sie dort am offnen Wasser der Küsten überwintere. Gewiß ist aber in dem bezüglichen Werke die letztgenannte Art gemeint, womit denn auch meine Beobachtungen übereinstimmen. Unsere schwarz- schwanzige Uferschnepfe überwintert, so viel ich erfahren konnte, in den offenen Sümpfen von Unteritalien, Griechenland und zum Theil jenseits des Mittelmeeres. In Ungarn bleibt keine über Winter, selbst in Serbien noch nicht, wovon ich mich selbst überzeugt habe; denn ich sahe dort in einem weiten Umkreise, 1835 am 5. Septembex, nur noch eine einzige, einen sich verspätigten jungen Vogel; alle übrigen dort nistenden hatten bereits das Land verlassen. Ihr Lieblingsaufenthalt sind tiefe und feuchte Gegenden, mit großen, weitläufigen Sümpfen und Morästen, zwischen welchen sich nasse Wiesen befinden, Sumpfstrecken, welche im Frühjahr überall viel, aber nur seichtes Wasser haben, das im Sommer bis auf die XII. Ordn. I^XIII. Gatt. 243. Schwarzschw. Uferschn. 419 tiefern Stellen, den wirklichen Morast, oder bis auf die morastigen Kanäle, Teiche und grünen Wasserlachen austrocknet, die dann erst zugänglicher werden; auf torfartigem wie auf reinem Schlammboden. Das östliche und südliche Ungarn, das Sümpfe von dieser und jeder Beschaffenheit in Uiberfluß und in größter Ausdehnung, besitzt, gewährt auch einer großen Anzahl dieser Uferschnepfen einen gewünschten Aufenthalt, und sie werden dort in keiner geeigneten Gegend vermißt. Wir trafen sie überall nicht auf sandigem, sondern immer auf schlammigem Boden, besonders da, wo kurze Gräser und andere niedrige Wasserpflanzen nicht sehr dicht stehen, so daß der Vogel immer über sie heraus ragt, schon von Weitem sichtbar ist, und selbst jede herannahende Gefahr schon aus der Ferne beobachten kann. Auch auf ganz kurz abgeweideten Rasenflächen an kleinen Pfützen, oder auch ohne diese auf solchen grünen Flächen, sieht man sie oft herum gehen. Sie lieben besonders die nassen Wiesen, so lange das Gras auf denselben noch niedrig ist; wächst es aber erst zu einer Höhe auf, die den stehenden Vogel verbergen könnte, so suchen sie diesen Aufenthalt nicht mehr, noch weniger gehen sie jemals in zu dicht stehende Gräser unb noch höhere Pflanzen, z. B. niemals zwischen hohes Schilf und Rohr, wenn dazwischen nicht große Plätze frei davon sind. Eigenschaften. Die große Uferschnepfe ist ein stattlicher Vogel und jedenfalls einer der ansehnlichsten in der Familie der Schnepfenvögel. Ihre Gestalt hat etwas Storchartiges, zumal wenn sie, auf Etwas aufmerksam, die Brust erhaben, den Hals ausgestreckt hält, diesen sanft vorbeugt, und auf ihren hohen Stelzen ganz gerade dasteht, oder auch wenn sie, mit sanft 8förmig gebogenem Halse und mehr wagerecht getragenem Rumpfe langsam und mit Anstand einher schreitet. Ihr Gang zeigt stets Anmuth und Leichtigkeit, weil sie mit dem gemeinschaftlichen Zehenballen nie hart auftritt, geht aber gewöhnlich nicht sehr schnell vorwärts, sie kann dies aber, selbst schnell laufen, wenn es Noth thut. Sie ist nicht so munter und beweglich, wie viele Wasserläufer, doch aber keinesweges träge zu nennen. In ihrem ganzen Wesen scheint mehr ein gewisser Ernst zu liegen, und nur am Nistorte eine frohere Stimmung ihr eigen 27' 420 XU. Ordn. LXIII. Gatt. 243. Schwarzschw. Uferschn. zu sein, und ihren Bewegungen mehr Abwechselung und Lebhaftigkeit zu geben. — Ost sahen wir sie so tief, als ihre langen Beine zugaben, im Wasser und Sumpfe waden, aber niemals schwimmen oder gar untertauchen; sie kann aber beides für den Nothfall, wenn sie von einem Raubvogel verfolgt wird, oder wenn sie durch einen Schuß den Gebrauch ihrer Flügel eingebüßt hat. Ihr Flug ist schön, leicht, gewandt, kräftig und geht bald hoch durch die Lüste, bald niedrig über dem Wasser oder der Erde hin. Im eilenden Fluge werden die großen, spitzen Flügel nur wenig ausgestreckt, aber in kräftigen Schlägen hastig geschwungen, dagegen im bedächtigen, zierlichen Fortgleiten weit ausgespannt und mit ! langsamern Schwingungen, oder gar auf kurze Strecken schwebend, fortgerückt. Der herrliche große Schnepsenvogel ist fliegend kaum zu verkennen, an seiner schönen Gestalt, an dem gerade vorgestreckten Hals ! mit dem langen Schnabel, den er zwar nicht ganz wagerecht trägt, > doch auch an der Spitze nicht so tief sinken läßt als die Schnepfen, und an den langen, hinten gerade hinauSgestreckten Beinen, vorzüglich aber an dem sehr breiten, hellweißen Bande, das sich quer ! durch seine Flügel zieht, und (wie beim Ausschwingen, den Körper etwas von oben gesehen) an dem, von dem einfarbig schwarzen Schwanz und Unterrücken eingeschlossenen, Weiß, welches auf dem Bürzel ein großes viereckiges, scharf begrenztes Feld bildet. Dieses alles abgerechnet gleicht der Flug im Uibrigen dem eines großem Wasserläufers, doch sieht er schwerfälliger aus, und es liegt j auch außerdem noch ein, ohne Weitschweifigkeit nicht zu beschreibender, Unterschied in demselben, wodurch er dem Geübten auffallend genug wird. Unsere große Limose ist ein mißtrauischer, scheuer Vogel, und flieht den Menschen aus großer Entfernung. Sie drückt oder duckt sich nie vor ihrem Verfolger, sondern erwartet ihn frei dastehend, bis auf eine gewisse Weite, die stets außer dem Bereich eines Flintenschusses liegt, worauf sie sich fliegend entfernt und meistens weit wegstreicht, ehe sie sich wieder niederläßt. Nur junge.Vögel, in Gegenden wo selten geschossen wird, halten zuweilen eine freie Annäherung auf Schußweite aus, so auch am Brüteorte die Alten, in Besorgniß um ihre Brüt, wobei sie dem Ruhestörer oft ganz nahe um den Kopf fliegen. Ihre Sitten sind ganz andere als die der Schnepfen, weichen dagegen von denen der größer» Wasserläufer wenig ab, XU.Ordn. l^XUl. Gatt. 243. Schwarzschw. Uferschn. 421 und ihr Betragen ist besonders dem von lotnuus t^Iillris sehr ähnlich. Sie liebt auch ganz ähnliche Aufenthaltsorte und trifft dort oft mit dieser Art zusammen. Ein sehr starker Hang zur Geselligkeit ist ihr jedoch nicht eigen, aber eben so wenig eine Abgeschlossenheit; denn sie ist eben so oft unter andern Schnepfenvögeln, ohne sich weiter um diese zu bekümmern, als auch für sich einsam und an andern Orten. Die Gesellschaft ihres Gleichen sucht sie, außer den Brüteplätzen, nur auf dem Zuge; allein man sieht sie auch da nicht in großen Schaaren, sondern höchstens in Vereinen von 30 bis 50 Stücken beisammen. Die bis in unsere Gegenden Verirrten kamen immer nur einzeln vor. Sie hat eine reine, volle, flötende Stimme, und ist auch hierin einem l'otsuus ähnlich, namentlich 1. Glottis und ^ llaliäris; aber der Ton derselben hält eine viel tiefere Stimmung. Dieser herrliche Laut ist weit hörbar, obgleich nicht schneidend, mit den Sylben Djo und Djodjo, oder, wie man in Ungarn sehr wohl sagt: Lodjo, und den Vogel daher Lodjoschnepfe nennt, gut zu bezeichnen. Sie unterscheidet sich aber darin von den Wasser- lausern, daß sie selten laut wird und diese angenehmen Töne fast nur an den Brüteorten hören läßt, wo dann noch ein Paarungsruf oder Gesang dazu kömmt, eine Art Jodeln, jene Lockstimme als Grundton haltend, und dem der genannten Wasserläufer ebenfalls ganz ähnlich. Nur das Männchen scheint diese jodelnden Töne hervorzubringen, Es leiert sie gewöhnlich im schwebenden Fluge her, indem es mit stillgehaltenen, weit ausgestreckten Flügeln und ausgebreitetem Schwänze eine lange Strecke sortstreicht oder währenddem einen großen Bogen oder weiten Halbkreis über dem Sumpfe beschreibt, und dieses wie jenes öfter wiederholt. Es lassen auch manche auf dem Zuge begriffene Männchen dieses gemüthliche, tril- lerartige Jodeln im Frühjahr an Orten hören, wo sie nicht nisten. Wir hörten es selbst ein paar Mal in den oft erwähnten Brüchern diesseits der Saale und Elbe, nicht weit von meinem Wohnorte, von solchen Durchziehenden. — Außerdem haben wir diese Limose noch in Schreck und Angst, z. B. nach einem Fehlschüsse, einen kreischenden Ton ausstoßen hören, welcher aber nichts weniger als angenehm klingt. Nahrung. Diese besteht hauptsächlich in Insektenlarven und weichem 422 XII. Ordn. L.XIII. Gatt. 243. Schwarzschw. Uferschn. Gewürm, namentlich Regenwürmern, kleinen Schneckchen mit und ohne Gehäuse, und in Fisch- und Froschlaich, nebst kleinen Froschlarven. Anderweit verzehrt sie auch kleine Käfer, kleine Heuschrecken, Libellen, Haste und andere vollkommene Insekten, diese aber weniger gern als die Larven derselben. Die schwarzschwänzige Uferschnepfe sucht ihre Nahrung meistens im tiefem Schlamme, wo sie mit ihrem zum Tastwerkzeug ganz vorzüglich organisirten und bestimmten, langen, nur allein an der kleinen Löffelspitze harten, übrigens ganz weichen Schnabel tief in den weichen Morast einsticht, um auch die Larven und Würmer hervorzuziehen, welche sie nur fühlen, aber nicht sehen kann. Ost steht sie im Sumpfwasser bis über die Fersen eingesunken in diesen Geschäften begriffen, den Schnabel bis an die Wurzel, aber nie auch den Kopf, eintauchend, oder sie durchwühlt die in das Wasser gestürzten und aufgeweichten Rasenstücke, und nährt sich hier wie eine ächte Schnepfe (8>. V. z>, 272. t. 24: Kennzeichen der Art. Der Schwanz ist weiß, schmal schwarz gebändert. Der Schnabel hat bei alten Vögeln die doppelte Länge der Fußwurzel; bei jungen ist er ohngefähr ein und ein halb Mal so lang wie diese. Beschreibung. , Diese Uferschnepfe, welche ich mit wenigen andern Ornitholo- gen für eine eigene, von I^imosn rukn bestimmt verschiedene Art MMM I/l.VM8^ Mr-^eri VVi, > l<^'!< .>^8^ ' rr^,i 7ii-^ r^ir-r>,ux )ztz^x- . > ^ .-V'.'-Z'.L L>>? ' ,.' . <.!- .>- /-- xi'-f-r s> .«sssjiGLD ^^>sutz.'?^chk ZzA..^N«: XII. Ordn. L-XIH. Gatt. 244. Rostgelbe Uferschnepfe. 429 halte — und so lange dafür ansehen muß, als ich meine frühern Beobachtungen und Bestimmungen über dieselbe aus der Natur und zwar großentheils aus der lebendigen Natur entnommen und bis jetzt noch bestätigt gefunden habe — unterscheidet sich von der schwarzschwänzigen Uferschnepfe, unserer lümos» mvlsrwrs, sehr leicht an dem schmal gebänderten Schwänze und den übrigen Artkennzeichen. °) Ein paar nähere Verwandten hat sie an I-imos» uäs^orsa (des Berliner Museums) aus Mexiko, und an Inmos» 8»u«ri (des Wiener Naturalienkabinets) aus Neuholland, welche beide jedoch bedeutend größer oder hochbeiniger sind, beide aber ebenfalls einen schmalgebänderten Schwanz haben. Von der ihr zu allernächst stehenden dritten einheimischen Art, unserer ruf«, ist laiinos» Nv^eri im Allgemeinen, auch wenn man mancherlei wichtige Verschiedenheiten in der Färbung des Gefieders nicht in Anschlag bringen wollte, stets verschieden: 1) durch ihre beträchtlichere Größe; 2) durch den viel länger» Schnabel; 3) durch die scheinbar kürzern Füße, weil diese um Vieles stärker sind als bei ruf». — Die gestreckte Stirne, der flache Scheitel, die weit vom Schnabel abstehenden Augen und der lange, dünne Schnabel geben diesen Theilen ein sehr langgestrecktes Aussehen; wogegen die an sich zwar nicht kleinen Füße, besonders mit dem Baue dieser Theile, nebst ihren Verhältnissen zu einander, bei den andern Li- mosen verglichen, dennoch klein zu sein scheinen. An gewisse Formen und Verhältnisse bei den naheverwandten Arten unter Wasserläufern, Uferschnepfen und andern schlankern Schnepfengestalten gestalten gewöhnt, glaubt hier das Auge Mißverhältnisse zu finden, und dies ist es eben, was diesen Vogel, bei aller Aehnlichkeit mit 1a ruk», dem geübten Blicke kenntlich macht und diese Art sogleich von jener unterscheiden läßt, Beim jungen Vogel ist die gestreckte Form des Schnabels und Kopfes, mit der Größe der Beine verglichen, zwar nicht so auffallend wie am alten, doch fällt sie, sobald man den jungen Vogel der rostrothen Uferschnepfe dagegen hält, ebenfalls sehr in die Augen. Die rostgelbe Uferschnepfe hat vollkommen die Größe einer alten Feld taube; im ersten Jahre, aber völlig erwachsen, kaum die Dessenungeachtet meint ein recht sehr geübter Sammler und guter Omitholog, welchen ich jedoch nicht nennen mag, der Gelegenheit genug hatte, sich eine- Bessern zu belehren und überzeugen zu können, noch heute, daß dieweil und I.. «u-I-aora eine einzige Species sei, und daß l-lwoe» ruL vielleicht auch zu der nämlichen zu zahlen sein möchte. Ein« solche Autopsie verdient eigentlich keiner Erwähnung. 430 XII. Ordn. L.XIII. Gatt. 244. Rostgelbe Uferschnepfe. einer Turteltaube. Sie steht darin zwischen der schwarzschwän- zigen und der rostrothen Uferschnepfe recht in der Mitte, erreicht sogar oft die Größe der kleinern Exemplare der erstgenannten Art, wahrend die kleinsten nur die Größe der größesten von 1^. ruf» haben. Wie bei dieser sind auch hier die Größenunterschiede unter den verschiedenen Individuen sehr auffallend, die jüngsten aber gewöhnlich die kleinsten, die ältesten die größesten. Ihre Länge wechselt daher von 14 bis 15 Zoll, ja von nur 13^ Zoll ist uns eins vorgekommen; ihre Breite von 29 bis 32 Zoll, ja eins maaß 34 Zoll. Eben so wechselt die Länge des Flügels, von der Handwurzel zur Spitze, von 9^ bis 9^ Zoll; die Schwanzlänge von 3^ bis über 3^ Zoll. Die Spitzen der in Ruhe liegenden Flügel reichen an oder noch etwas über das wenig abgerundete, beinahe gerade Ende des etwas breiten Schwanzes. Der Hinterrand des Flügels ist mondförmig ausgeschnitten, jedoch die Hintere Alügelspitze nicht sehr lang, die längste Feder derselben, am zusammengelegten Flügel, nur bis auf das Ende der fünften großen Schwingfeder reichend; die zweite Ordnung mit etwas säbelförmig nach hinten gebogenen, schwachen Schäften und schief abgerundeten Enden; die großen Schwingen stark, mit geraden, starren Schäften, die erste die längste und ziemlich spitz, allein vor ihr liegt noch das kleine, verkümmerte, sehr schmale, spitzige, straffe, 1 Zoll lange, 1 Linie breite Federchen, das man gewöhnlich nicht für eine Schwingfeder nimmt; es ist braun, gegen die Spitze schwarz. Der Schwanz hat 12 fast gleich lange, etwas breite, endlich schnell abgerundete Federn, von welchen nicht selten die zunächst den Mittelfedern liegenden etwas kürzer als diese sind, und ein schwach zwiefach ausgeschnittenes Schwanzende bilden. Das Gefieder am Unterkörper ist schmäler und weniger pelzar- tig als bei I^iwosa ruka. Der Schnabel dieser Limose ist verhältnißmäßig länger als bei den andern Arten dieser Gattung. Bei jungen Vögeln beträgt seine Länge zuweilen nur 3^ Zoll, aber sie steigt bei recht alten Individuen bis zu 4^ Zoll; dabei ist er an der Wurzel gewöhnlich 6 Linien hoch, aber kaum 5 Linien breit. Er ist nie ganz gerade, sondern seiner ganzen Länge nach sanft aufwärts gebogen, an der Wurzel fast walzenförmig, gegen die Spitze hin aber mehr breit oder niedergedrückt, der Unterschnabel an der Spitze etwas abgekürzt, fast 2 Linien kürzer als der obere, die Ränder beider Kiefern etwas wulstig, durch eine parallele Furche begrenzt, die bis XII. Ordn. 1-XHI. Gatt. 244. Rostgelbe Uferschnepfe. 431 fast zur schmalen, stumpf zugespitzten, wenig löffelförmigen Spitze vorgeht; in die des Oberkiefers verläuft auch die weiche, dreieckigspitze Hautdecke der Nasenhöhle, in welcher sich die schmalen, länglichen, fast keilförmigen Nasenlöcher nicht weit von der Stirne öffnen. Am Kinn ist zwischen den Gabelknochen des Unterschnabels ein dreieckiges Fleckchen Haut nackt. Von Farbe ist der Schnabel bei jungen Vögeln fleischfarbig, bei alten gelbröthlich, auf dem Rücken braun und an der Spitze schwarz, der Rachen fleischfarbig. Die mittelmäßig großen Augen haben einen dunkelbraunen Stern und weißbesiederte Lider. Die Beine sind schlank, aber etwas stark, besonders an den Gelenken, weit über die Ferse hinauf nackt, bei jungen Vögeln dick und an den Gelenken wie geschwollen; die Zehen eben nicht lang, zwischen der äußern und mittelsten eine Spannhaut, welche bis an's erste Gelenk reicht und als Saum an den Seiten der Zehen erst weiter vor verläuft; auch zeigt sich zwischen der mittlern und innern ein schwacher Ansatz einer solchen Haut; die Zehensohlen etwas breit gedrückt, so daß ihre stumpf gezähnelten Ränder an den Seiten der Zehen etwas vortreten. Die schwache Hinterzeh ist nicht sehr hoch über den Zehenballen eingelenkt. Die Bekleidung der Füße, bei den Jungen weich, bei den Alten ziemlich hart, ist an den Unterschenkeln und Läufen vorn und hinten, auch auf den Zehenrücken geschildert, das Uibrige netzförmig, die Sohlen fast warzig. Die Krallen sind klein, wenig gekrümmt, spitz, die der Mittelzeh auf der inwendigen Seite mit einer großen, vorstehenden, scharfen, aber nicht gezähnelten Schneide. Der nackte Theil über der Fußbeuge mißt 9 Linien bis fast 1 Zoll; der Lauf 2 Zoll 2 Linien, bei manchen Individuen, zumal alten, auch bis zu 2 Zoll 5 Linien; die Mittelzeh, mit der 3 Linien langen Kralle, kaum 1 Zoll 5 bis 6 Linien und die Hinterzeh, mit der ^ Linien langen Kralle, etwas über 5 Linien. Die Farbe der Füße ist bei jungen Vögeln licht aschblau, bei alten grauschwarz, wird aber im getrockneten Zustande bei diesen tief und glänzend schwarz, bei jenen schwarzgrau oder mattschwarz; die Farbe der Krallen stets Hornschwarz. Das Jugendkleid, welches der junge Vogel bis zur ersten Herbstmauser trägt, ist dem der folgenden Art sehr ähnlich, von seinen nachherigen Winter- und Sommerkleidern aber sehr verschieden. Der Schnabel ist graulichfleischfarben, auf der platten Firste und nach der Spitze hin braun, an dieser schwärzlich; die Füße, 432 XII. Ordn. QXIII. Gatt. 244. Rostgelbe Uferschnepfe. welche sehr dicke Fersengelenke und unter diesen unförmlich angeschwollene, mit einer Längenrinne versehene Läufe haben, sind schmutzig lichtblau oder hell aschblau; die Augensterne dunkelbraun. Ein sehr breiter weißer Streif zieht vom Schnabel über das Auge, ist aber in dessen Nähe, desgleichen an der Schnabelwurzel meist äußerst fein schwärzlich gestrichelt; Kinn und Kehle rein weiß; die Zügel braun getüpfelt; die Wangen gelblichweiß, dunkelbraun gestrichelt oder sein gefleckt; der Oberkopf dunkelbraun, mit schmutzigweißgelben Längefleckchen; der Hinterhals graugelb, mit verwaschenen braunen Längefleckchen; das Uibrige des Halses bis auf den Kröpf herab matt graulichrostgelb, an den Seiten etwas braun gestrichelt, das in der Kropfgegend in deutliche braune Schaftstriche übergeht, doch vorn herab die sanfte Grundfarbe meistens ganz rein läßt, welche an der Oberbrust in mattes Rostgelb oder Jsabellfarbe übergeht, die auf der Unterbrust verläuft, in den Weichen aber am stärksten ist, woselbst sich auch einzelne braune Federschäfte in derselben zeigen; Schenkel, Bauch und Unterschwanzdecksedern weiß, die Seiten des Bauches mit einzelnen braunen Lanzett- oder Pseilflecken, die an denen der Unterschwanzdecke auch bisweilen Querflecke werden. Die Federn des Oberrückens und der Schultern sind dunkelbraun und haben an den Seitenkanten starke, hell röthlichgelbbraune oder braun- röthlichrostgelbe Flecke; die kleinen Flügeldeckfedern schwärzlichbraun, mit schwarzen Schäften und weißlichrostgelben breiten Kanten; an den größern Deckfedern bildet die braune Farbe einen dunkeln Spitzenfleck, verläuft aber wurzelwärts grau in die weißliche Kante, und die hintersten sind, wie die Hintere Flügelspitze (Schwingfe- dern dritter Ordnung), dunkelbraun, mit großen braunröthlichrost- gelben Zackenflecken an den Rändern; die Schwingfedern zweiter Ordnung auf der äußern Fahne schwärzlichbraun, auf der innern braungrau, mit weißer Außen- und Spitzenkante, und die hintersten mit einem weißen Streif auf dem Schafte herab, welcher sich an den vordem nach und nach verliert; die Schwingen erster Ordnung braunschwarz, auf den Jnnenfahnen fahl, an der Kante dieser wurzelwärts weiß und grau marmorirt, welches aber meist erst an der siebenten bemerklich wird, nach und nach wächst, so an der vordersten sich am stärksten zeigt, und diese nebst der zweiten haben einen weißen Schaft, die übrigen lichtbraune und die letzten dieser Ordnung auch weiße Endkäntchen; die Fittichdeckfedern braunschwarz, zuweilen mit weißen Endsäumen, oft auch ohne diese. Der Unterflügel ist mehrentheils weiß, am Rande schwarzbraun geschuppt; X!k. Ordn. il-XHI. Gatt. 244. Rostgelbe Uferschnepfe. 433 die Schwingfedern silbergrau, mit weiß marmorirten Innenkanten, braungrauen und weißen Spitzen. Unterrücken und Bürzel sind rein weiß; die Oberschwanzdeckfedern auch weiß, die längsten jedoch an den Enden rostgelb, die meisten mit einem graubraunen Schaftfleck vor der Spitze, und viele noch mit einem solchen Quer- bande über jenem; der Schwanz weiß, an den Mittelfedern spitze- wärts gewöhnlich rostgelb angeflogen, mit 7 bis 8 dunkelbraunen, durchlaufenden Luerbändern, von welchen das an der weißen Spitzen- kante das breiteste, aber meistens mehr herzförmig als bänderartig gestaltet ist. Bon unten ist der Schwanz wie von oben, die dunkeln Bänder aber bloß dunkclgrau. — In der Zeichnung und Färbung, die bald schwächer bald stärker ist, kommen wol mancherlei kleine Abweichungen vor, welche jedoch nie sehr auffallend werden, und auch auf die Verschiedenheit des Geschlechts keinen Bezug haben. Das Männchen unterscheidet sich vom Weibchen durch eine etwas geringere Größe, doch auch dieses wird nur bemerklich, wenn beide neben einander gestellt werden können. Das Winterkleid hat wenig Aehnlichkeit vom Iugendkleide. Die Kehle, ein breiter Streif über dem Auge, Brust, Bauch und Schenkel sind weiß, die Seiten der Brust mit einzelnen, schmalen, zugespitzten, graubraunen Querflecken und Schaftstrichen; Zügel und Stirn grauweiß, braungrau getüpfelt; Wangen, Scheitel und Hin- terhals weißgrau, dunkelgraubraun gestreift; der Vorderhals ebenso, aber blässer und mehr gefleckt als gestreift; die Federn an der Kropf- gegend licht braungrau, schmutzigweiß gesäumt, mit dunkelbraunen Schaftstrichen, wodurch diese Gegend grau und weiß gewölkt und braun gestrichelt erscheint. Die Oberrücken - und Schulterfedern sind in der Mitte dunkelbraun, nach den Seiten zu lichter, mit grauweißen, fleckenartigen Einfassungen, an welchen sich hin und wieder eine rostgelbliche Mischung und überall weißliche Säume zeigen; die Flügeldeckfedern eben so, nur etwas lichter, mehr grau als braun, und mit regelmäßigem schmutzigweißen Säumen. Das Uibrige des Flügels, des Schwanzes, seiner Deckfedern, des Bürzels und Unterrückens ist wie am Iugendkleide. Im Ganzen betrachtet sind also am Winterklcide eine braungraue und die weiße Farbe die vorherrschenden, und auch in diesem findet sich zwischen Männchen und Weibchen kein standhafter Unterschied, als die verschiedene Größe. Das Sommerkleid ist von beiden vorherbeschriebenen verschieden, aber weniger schön als die der beiden andern einheimischen 8. Thkil. 28 434 XU. Ordn. I.XM. Gatt. 244. Rostgelbe Uferschnepfe. Uferschnepfen. Die Hauptfarbe dcS Schnabels ist gclbröthlich, Firste und Spitze schwarz, die Füße auch schwarz. Ein Streif über dem Auge und die Kehle sind weiß, röthlichrostgelb gemischt; Stirn und Zügel roströthlichgelb, niatt schwarzbraun gefleckt; der Scheitel eben so, doch mit großem Flecken; Wangen und Hinterhals gelblichrost- farbig, weiß gemischt und dunkelbraun gestreift, wegen der braunen Farbe längs dem Schafte jeder Feder; der Vordcrhals und die Kropfgegend licht rostfarbig, stark ins Rostgelbe ziehend, mit kleinen dunkelbraunen Schastflecken; der übrige Unterkörper bis an den Bauch . einfarbig hell gelblichrostfarbig oder röthlichrostgelb, nur an den Seiten der Brust mit einzelnen dunkelbraunen Pfeilflecken. Oberrücken- und Schultcrfedern sind braunschwarz, seidenartig glänzend, mit rostgelben und gelblichrostfarbcnen Zackenflecken an den Rändern, - die größern an den Enden weißlich gesäumt; die Flügeldeckfedern graubraun, mit dunkelbraunen Schaftstrichen und weißlichen Säumen. Die Hintern langen Schwingsedern (dritter Ordnung) bleiben häufig vom Winterklei'de her, ohne durch neue ersetzt zu werden, und sind dann, wie dort, am Schafte entlang schwarzbraun, an den Seiten lichter, am Rande herum in Grauweiß übergehend und hier sehr abgescheuert; sind aber neue, zum Hochzeitskleide gehörige, darunter, so haben diese auf braunschwarzem Grunde am Rande herum röthlichrostgelbe Zackcnflecke. Das Uibrige des Flügels ist wie im Jugend- oder Winterklcide, der Schwanz, Bürzel und Unter- rücken eben so, wenn der Vogel nur erst ein Jahr zurück gelegt hat, bei alten Vögeln oder wenigstens im zweiten oder dritten Früh- lingskleide etwas anders. Der weiße Unterrücken und Bürzel haben einzelne dunkelbraune Pfeilflecke, die auf den ebenfalls weißen Ober- schwanzdeckfcdern in wahre Qucrflecke übergehen; der Schwanz ist weiß, mit 9 bis 19 unregelmäßigen dunkelbraunen Querbändern. Diese Bänder, , von welchen das an der weißem Spitze das breiteste ist, sind auf den innern Fahnen am vollständigsten, jedoch am Schafte abgesetzt; auf den äußern Fahnen fließen dagegen oft einige, besonders von den letzten, zusammen, wie dies auf den Mittclscdern häufig der Fall ist, oder sie ziehen sich in die Länge, so, daß vorzüglich die äußerste Seitenfeder, von der Mitte an nach dem Ende zu, auf der äußern Fahne mit zwei Längeftreifcn bezeichnet ist, wovon sich die eine nahe am Schafte, die andere der Kante entlang zieht. Doch nicht immer sind diese Längestreife vorhanden; sie können auch schon dehalb kein Artkennzeichen abgeben, weil sie eben so bei alten Vögeln der folgenden Art vorkommen. — Zwischen beiden XII. Ordn. I.XHI. Gatt. 244. Nostgelbe Uferschnepfe. 435 Geschlechtern scheint in der Färbung so wenig Unterschied Statt zu finden, daß es unmöglich wird, standhafte Unterscheidungsmerkmale anzugeben, denn die jüngern Männchen haben die Färbung der alten Weibchen, und nur ganz alte Männchen zeichnen sich durch eine auffallendere Steigerung derselben vor den übrigen aus. Immer ist das Weibchen bedeutend größer und stets an der blassem Färbung zu unterscheiden, wenn man Individuen von einerlei Alter mit einander vergleichen kann. Die Hauptfarbe des hochzeitlichen oder Sommerkleides ist bei dieser Art stets sehr viel Heller, als bei der rostrothen Uferschnepfe, bei jungen Vögeln, welche dies Kleid zum ersten Male tragen, und bei welchen es immer noch mit dem Winterkleide vermischt oder weniger rein vorkömmt, an der Brust und am Bauche ein gewöhnliches Rostgelb, das von dem reinen Weiß, neben und zwischen sich, wenig absticht; bei ältern ein dunkleres, schöneres Rostgelb, und nur bei ganz alten jene beschriebene Farbe, die aber selbst bei den ältesten immer noch mit mehrerm Rechte Rostgelb, als Rostfarbe, genannt werden kann. Diese dunkelrostgelbe Befiederung besteht an der Brust aus größern, längern, weniger dichtstehenden, und nicht so pelzartig anzufühlenden Federn, als am Sommerkleide der folgenden Art. Im Laufe des Sommers verbleichen die Farben des Hochzeitskleides etwas, und die Ränder der Federn werden durch Abreiben ungleicher und schlechter. Dies Abreiben derselben wird besonders an den noch vom Winterkleide verbliebenen Oberflügeldeck- sedern sehr auffallend, denn diese erhalten dadurch eine Pfeilspitze Gestalt, so daß der Schaft derselben oft wie eine dünne, borstcn- förmige Spitze nackt über sie hinaussieht. An den Schwingfedern, welche gleichfalls von der Herbsimauser her noch da sind, bemerkt man zwar etwas weniger abgeriebene Spitzenkanten, desto mehr aber, daß das Braunschwarz ganz fahl und unansehnlich geworden ist. Alle diese kleinen Veränderungen machen das auch frisch eben nicht prächtige Hochzeitskleid noch düstererer und unansehnlicher. Ihre erste Herbstmauser beginnen die jungen Vögel dieser Art nicht in Deutschland; sie mag erst in südlichern Ländern gegen Ende des Jahres Statt finden. Die Alten stehen dagegen auf dem Herbstzuge alle in der Mauser, sind aber auch schon längst fortgezogen, wenn sie ihr Ende erreicht. Vögel im reinen Winterkleide sind daher nur aus südlichen Ländern, wo sie überwintern, zu erhalten; denn wenn sie im Frühjahr wiederkehren, hat bereits die 28° 436 XU. Ordn l^XHI. Gatt. 244. Rostgelbe Uferschnepfe. Frühlingsmauser begonnen und das Winterkleid ist, wenn auch nicht völlig gewechselt, doch schon mit vielen neuen Federn des Frühlingskleides vermischt. Nur erst mit Ausgang des Mai ist bei der Mehrzahl die Frühlingsmauser beendigt, aber viele, namentlich Weibchen, bekommen es nicht rein und nehmen, außer, wie gewöhnlich, Flügel- und Schwanzfedern, auch viele alte vom kleinen Gefieder des Winterkleides mit in die nächste Herbstmauser hinüber. Aufenthalt. Die rostgelbeUferschnepfe kömmt in ganz Europa, dem größten Theil von Asien, im nördlichen Afrika, auch in Nordamerika vor, wo sie dieselben Striche zu bewohnen scheint, welche der rostrothen Uferschnepfe zum Aufenthalte angewiesen sind. Sie ist wie jene im Sommer eine Bewohnerin des hohen Nordens und wandert nur im Winter in mildere Klimate. Da sie von vielen Ornithologen mit lAuiosu ruka für eine Art gehalten wurde, so findet man ihr Vorkommen bei den mehresten nicht angezeigt. Man hat sie indessen aus England, Holland, Frankreich und Spanien erhalten, an den Küsten des Mittelländischen Meeres, so wie in andern Theilen der genannten Länder angetroffen, überall stets mehr am Gestade des Meeres als im Innern der Länder. In Dänemark und an den deutschen Küsten der Nord- und Ostsee ist sie gar nicht selten und alle Jahre zu finden; aber sehr selten verirren sich einzelne ins innere Deutschland. Sie ist bei weitem nicht so zahlreich an Individuen als die folgende Art, wovon ich mich selbst an den Küsten Holsteins und Jütlands überzeugt und im Frühjahr 1819 dort Schaaren dieser und anderer Wöget fast zwei Monate hindurch beobachtet habe. Auch Hr. Schilling, Conservator am Museum zu Greifswald, hat auf Rügen und in der Umgegend dasselbe und zwar mehrere Jahre hindurch und auch zu andern Jahreszeiten beobachtet. Unsere Art ist auch, jedoch als große Seltenheit, am salzigen See im Mannsfeldischen bemerkt, aber ob sie jemals in Anhalt geschossen ist, habe ich nicht erfahren können. Sie wandert als Zugvogel im Herbst aus dem Norden nach dem Süden und dann im August, September und Oktober an dem Strande der Ost- und Nordsee vorüber, wahrscheinlich meistens dem Küstenstriche folgend, in südwestlicher Richtung fort, und kömmt so im Frühjahr, aus ihrem Winteraufenthalt, welcher für Europa o XU. Ordn. IlliXIH. Gatt 244. Rostgelbe Uferschnepfe. 437 wol meistens die dies- und jenseitigen Küsten und Inseln des Mittelländischen Meeres sein mögen, im Mai wieder zurück, verweilt dann an den Holsteinschen und Dänischen Küsten wol bis in den Juni hinein, und sucht nun erst, diese Gegenden verlassend, ihre nördlichen oder vielmehr nordöstlichen Brütcörter, an welchen sie demnach kaum ein paar Monate verweilen kann. Ihre Wanderungen macht sie gewöhnlich in Gesellschaft der folgenden Art, jedoch in eigenen kleinen Vereinen, paarweise oder einzeln, entweder unter den Schaaren dieser oder auch für sich allein. Auch sie macht alle ihre Reisen des Nachts, schwärmt aber am Tage oft weit umher, zumal in Gegenden, wo sie mehrere Tage verweilt. So lange sie wandert, und wo man sie bisher nur beobachtet hat, ist sie Seevogel, daher in der Regel nur an den Meeresküsten anzutreffen, die sie bloß mit nahen Sümpfen und Leichen verwechselt, wenn es dort zu sehr stürmt, oder wenn die Fluchen zu hoch steigen. Sie besucht dann vorzüglich auch Wiesen, große Viehweiden, selbst Brachäcker, so lange die Muth dauert, kehrt aber zum Strande zurück, sobald es Ebbe wird, wo sie den, zurücktretenden Wasser auf den Watten nachrückt, so weit dies gehen will, und so lange es die wiederkehrende Fluch gestattet. Sie liebt daher solche Gegenden vorzüglich, wo das Meer sehr seichten Grund hat und bei der Ebbe sich so weit zurückzieht, daß meilenweite, vom Wasser frei werdende Flächen, sogenannte Watten, entstehen, wie z. B. an der Westküste der Halbinsel Jütland, der sogenannten Westsee der Dänen, und bei den dasigen Inseln, wo ich sie bei vielen derselben, namentlich aber bei Pelworm, in bedeutender Anzahl antraf. Sie liebt die See so, daß einzelne, welche tief im Lande angetroffen wurden, wol nur als Verirrte zu betrachten waren, kömmt daher an unsern Flüssen, oder an Landseen, Teichen und andern stehenden Gewässern nur selten vor. Sie zieht die schlammigen Ufer den sandigen vor, ist aber an den Küsten, welche sandige Watten haben, auch nicht selten. Am liebsten ist sie, wo die Ufer ganz flach und als ein grüner Rasenteppich sanft ins Wasser hinein verlausen, und auch an stehenden Gewässern hält sie sich am liebsten an solchen Stellen auf. Sie will vor Allem kurz abgeweideten Rasen oder abgemähete Wiesen, diese aber nicht mehr, wenn die jungen Gräser bereits wieder eine Querhand hoch aufgeschossen sind, so wie sie alle solche Stellen vermeidet, wo höhere Sumpf- und Meerstrandspflanzen aufschießen, hohes Schilf, Binsen u. dergl. 438 XU. Ordn. ^XlH. Gatt. 244. Rostgelbe Uferschnepfe. wachsen, weil sie an ihren Aufenthaltorten stets verlangt, sich allent. halben frei umschauen und auch von andern schon aus der Ferne gesehen werden zu können. Eigenschaften. In der Stellung gleicht die rostgelbe Uferschnepfe den andern. Man kann ihr eben so gut die Ähnlichkeit eines lotuuus wie die eines Xuuivuius zuschreiben, da sie wie diese mit wasserechtem Körper und meist ausgestrecktem Halse einher schreitet, ruhig stehend diesen aber auch 8förmig so eingebiegt, daß er ganz kurz zu sein und der Schnabel wagerecht auf dem Kröpfe zu ruhen scheint, wobei sie auch ganz steif auf den Füßen steht, u. s. w. Im Fortschreiten,, wie in ihrem ganzen Gange, welcher eher bedächtig als rasch genannt werden kann, ähnelt sie noch mehr einem Vogel aus der letztgenannten Gattung als aus der erstem, kann aber auch schnell laufen, wie sie aber nur im Nothfall zeigt, dann sogar schwimmen und untertauchen, wovon jedoch manche, selbst in der größten Gefahr, keinen Gebrauch machen. Ihr Flug ist schön, sehr schnell, gewandt, oft sehr hoch, mit hastigen Flügelschlägen, seltner schwebend, hat aber nichts Besonderes, wodurch er sich vor dem anderer Uferschnepfen und vieler Wasserläufer auszeichnete. Wenn mehrere von dieser und der folgenden Art beisammen sind, ist sie sogleich an der anfallend ansehnlichern Größe und im Frühjahr besonders an der von Weitem ganz weiß scheinenden Brust von der rothbrüstigen Uferschnepfe, von der schwarzschwänzigen aber an dem weißen Unterrücken, Bürzel und Schwanz zu unterscheiden und nicht zu verkennen. Hat ihr Flug Eile und liegt sein Ziel entfernter, so fliegen sie, wenn mehrere beisammen, nicht unordentlich durch einander her, sondern bilden eine schiefe Linie; aber niemals sah ich eine solche Linie sich einer andern, aus Vögeln der nächstfolgen Art zusammengesetzt, anschließen, in die geschlossenen Reihen der I^imosn rutn auch niemals sich eine einzelne Lnmosn einzwängen. Die Einzelnen dieser Art mischen sich wol zwischen die Schwärme von jenen, so lange diese ohne Ordnung durch einander fliegen; sobald sich aber jene in Reihen ordnen, sondern sich die Meyerschen Limofen ab, obgleich sie gewöhnlich dieselbe Straße wandern. Sie ist sehr mißtrauisch und außerordentlich scheu, flieht daher den Menschen schon in weiter Entfernung, hält sogar nicht einmal XU. Ordn. I^Xllk. Gatt. 244. Rostgelbe Uferschnepfe. 439 vor Pferden und Wagen schußmaßig aus, und nur von einzelnen, von der See lief ins Land verirrten, jungen Vögeln hat man Beispiele, daß sie weniger vorsichtig waren. Immer an solchen Orten sich aufhaltend, wo sie zwar schon von weitem gesehen werden kann, sie selbst aber auch durch nichts behindert wird, sich nach allen Seiten umzuschauen, trifft sie bei ihrer Wachsamkeit fast immer den richtigen Zeitpunkt zum Entfliehen. Sie fliegt nach dem Aufscheuchen gewöhnlich auch weit weg, ehe sie sich wieder niederläßt, kömmt aber spater gern wieder an die erste Stelle zurück. Sie scheint weniger gesellig als die folgende Art. Auf jenen Inseln sahe ich viele einzeln oder paarweise sich von den großen Haufen absondern, welche l-imosn rutA bildete, einsam herumgehen oder in kleinen Vereinen von 6 bis 8 Stücken zusammen und sich von jenen entfernt halten. Stiegen alle zusammen plötzlich auf, so blieben auch sie m'cht zurück und verloren sich natürlich Anfangs in dem allgemeinen Wirwar derMenge; allein man brauchte gar nicht lange zu warten, um jede Art von der andern sich trennen und für sich allein weiter fliegen zu sehen. Auch am Strande, wo sich nach einem allgemeinen Aufstande gewöhnlich alle anwesende Limosen ohne Unterschied in einem einzigen gedrängten Haufen niederließen, gingen sie bald nachher in einzelnen Gruppen ihrer Nahrung nach; doch war dies noch weit auffallender, wenn sie vom Strande weg auf weite Viehtriften und Wiesen flogen, wo sie gleich anfänglich auf eine noch viel größere Fläche sich ausbreiteten. Hier waren alle in große und kleine Gruppen vertheilt und die leicht zu erkennenden größer» rostgelben Limosen immer von den kleinern rostrothen abgesondert.") — Dies alles beobachtete ich im Frühjahr ganz kurz vor der Begattungszeit dieser Vögel. Manches mag wol auf dem Herbstzuge anders sein, namentlich sind junge Bögel dann auch gegen andere schncpfenartige Strandvögel nicht ungesellig, und ein einzelner macht oft den Anführer einer ganzen Hcerde kleiner Strandläuferarten, die ihm willig folgen, weil er sie durch früheres Entfliehen vor Gefahren warnt und durch sein Beispiel zur Flucht ermuntert, wenn es eben noch Zeit zum Entfliehen ist, weswegen sie also durch sein scheueres Betragen gewinnen. °) Ei» Verhältniß, wie -» ohngcfähr zwischen wilden Gänsen häufig Stall findet. Die Blässengans (,Vi>.ier »ldileou«) ist oft auch unter den Schaare» der Saatgänse „xew„i), hält sich jedoch dabei immer für sich abgesondert, sei es einzeln oder i» kleine» Vereinen, folgt aber de„cu»ngeachret dem großen Hansen und hält sich gewisiermaaßen z» ihn,, ohne sich jedoch mit ihm zu amalgamiren. 44V Xll. Ordn. Gatt. 244. Rostgelbe Uferschnepfe. Ihre Stimme hat allerdings Aehnlichkeit mit der rostrothen Limose, sie ist aber schöner, reiner, voller, lauter und so sehr verschieden, daß sich diese Verschiedenheiten auch dem Ungeübten sogleich aufdringen müssen. Es thut mir leid, daß ich versäumt habe, sie damals sogleich aufzuzeichnen, um sie hier deutlicher beschreiben zu können. Ich hörte sie nur ein einziges Mal ganz genau von einer einzeln fliegenden, welche mir nahe genug war, um mich in der Art nicht täuschen zu können. Außerdem habe ich sie zwar noch von mehreren und öfter gehört, aber immer nur wenn sie zwischen den rostrothen Limosen sich herumtrieben und die Stimmen der zahllosen Menge dieser mit den ihrigen so durch einander wirbelten, daß keine einzelne richtig zu vernehmen war. Später hat es mir nicht glücken wollen, wieder eine einzelne schreien zu hören, wie sie denn dies überhaupt nur nach besonderen Aufregungen thun, aber sonst selten laut werden. Zm Sitzen habe ich nie eine schreien hören, auch nicht immer, wenn sie aufgescheucht wurden, sondern gewöhnlich nur, wenn sie aus freiem Willen aufflogen und beliebig umhcrschwärmten, oder wenn sich eine von ihren Gefährten entfernt hatte und sie ängstlich suchte. Der Frühlingsruf ist auch von der gewöhnlichen Lockstimme verschieden, und sie schreien im Herbste noch viel seltner als im Frühlinge. , Nahrung. Sie lebt hauptsächlich von Würmern und Insektenlarven, frißt daneben auch vollkommene Insekten, zarte Krabben-Brut (von OrnnKon vulgäre), Fischlaich und ganz kleine Conchylien. Auf den Watten findet sie an dem Sandwurm (^rvnivol» lurubri- ooickos), und in den zahllosen kleinen Pfützchen, welche nach Abgang des Wassers zurückbleiben, an einer Menge vielartiger, kleiner, lebender Wesen, welche zum Theil so zart sind, daß sie unmittelbar nach dem Verschlucken als ein bloßer Brei im Magen angetroffen werden, eine reichliche Nahrung. Auf Rasenplätzen, Wiesen und Aeckern sucht sie kleine Käferchen und deren Larven, Abends und Morgens auf dem Thaue aber hauptsächlich Negenwürmer. Sie ist sehr gefräßig und wird bei reichlicher Nahrung außerordentlich fett. Bei dem eifrigen Durchwühlen des Schlammes mit ihrem biegsamen, weichen, mit Gefühl versehenen Schnabel, möchte sie diesen wohl nicht so leicht verletzen können; dagegen mag sie im hastigen Verfolgen schneller Käfer auf trocknem, festen Boden XU. Ordn. l.xm. Gatt. 244. Rostgelbe Uferschnepfe. 441 zuweilen das Unglück haben, auf etwas Hartes zu stoßen und ihn dadurch beschädigen. Solche Spuren kommen an den Schnäbeln dieser wie der folgenden Art eben nicht sehr selten vor, bald an einem, bald an beiden Schnabeltheilen, wo eine Stelle sich deutlich zusammengeschoben zeigt und Querrunzeln zurückblicken, oder wo bloß der Unterschnabel geknickt und an dieser Stelle ein knolliger Auswuchs entstanden war. — Ganz dünnflüssigen Schlamm und morastiges Wasser durchschnattern die Uferschnepfen wie die Enten, und es ist mir sehr wahrscheinlich, daß die Biegung des Schnabels, nach oben, eigentlich nicht angeboren ist, da man bei ganz jungen Vögeln dieser Gattung den Schnabel entweder ganz gerade oder seine spätere Krümmung, aufwärts, kaum angedeutet findet, sondern daß sie durch den häufigen Druck seines vordem Theiles gegen den Boden erst nach und nach entsteht, woher sie denn auch bei den ältesten Vögeln am stärksten ist. Fortpflanzung. Bis jetzt sind die Brüteorte dieser Art noch nicht aufgefunden worden. Man darf, für Europa, jedoch mit aller Wahrscheinlichkeit vermuthen, daß sie nicht so fern von den oben bezeichneten Küsten Dänemarks liegen, als man sonst wol anzunehmen Pflegte; denn man sieht sie in Holstein und Schleswig alljährlich noch zu Ende des Mai, ohne daß jemals ein Päärchen dort brütet, ja im Jahre 1819 sahe ich sie bei Sylt noch am 10. Juni, wo andere dort nistende Strand- und Seevögel alle fchon Eier, manche, z. B. Eiderenten, denen man die Eier nicht wegnimmt, sogar zum Theil schon Junge hatten. Dessenungeachtet erscheinen im August die erwachsenen jungen Limofen, oft nebst den Alten, schon wieder in diesen Gegenden, als auf dem Herbstzuge begriffen; woraus hervorgeht, daß sie ihre Fortpflanzungsgeschäfte in dem kurzen Zeitraum von kaum zwei Monaten beendigt haben müssen, und folglich auf die Reise nach und von den Brüteorten wenig Zeit (vielleicht nur ein paar Tage) zu verwenden hatten, diese also nur etwa im mittlern Schweden oder Finnland liegen können. Da sie meistens mit 1-imosa ruka wandert, so ist zu vermuthen, daß sie auch in denselben Gegenden nistet. Oft tragen einzelne im August an der Nordsee erlegte, junge Vogel, beider Arten, an den Kopffedern noch (Überbleibsel des Duneükleides. 442 XII. Ordn. I.XIII. Gatt. 244. Rostgelbe Uferschnepfe Feinde. Sie werden von Raubvogeln, namentlich Edelfalken und Habichten verfolgt; welche Feinde sie aber an den Nistortcn haben, ist nicht bekannt. In ihrem Gefieder wohnen Schmarotzerinsekten. Jagd. Wegen außerordentlicher Scheue vor dem Menschen sind diese Uferschnepfen nur durch behutsames, ihnen nicht sichtbares Anschleichen oder auf dem Anstande, in einem Erdloche verborgen, zu erlegen. Bloß junge Vogel, wenn sie sich vereinzelt und in ungewohnte Gegenden verflogen haben, lassen den Jäger zuweilen frei auf Schußnähe an sich kommen. Am Seestrande sind alle sehr scheu. Da sie aber ihre Lieblingsstellen dort haben und gern wieder dahin zurückkehren, auch meistens denselben Strich fliegend dahin nehmen, so sind sie am leichtesten zu erlegen, wenn sich der Schütze auf solchen zu verbergen sucht und die Geduld nicht verliert, sie so zu er- lauern. Sie kömmt auch aus den Wasserschnepfenheerd und kann ebenfalls in Laufschlingen gefangen werden. Nutzen. Ihr Fleisch ist sehr zart und außerordentlich wohlschmeckend und möchte sie darin den bestschmeckendsten Schnepfenvögeln wenig oder gar nicht nachstehen. Oft ist es ganz dick in Fett eingehüllt, und dieses weißgelb und leichtflüssig. Schaden. Es ist nicht bekannt und auch nicht wahrscheinlich, daß sie den Menschen auf irgend eine Weise schaden möchte. Beobachtung. Es ist in neuerer Zeit von sehr vielen Ornithologen bezweifelt worden, daß diese, von Leisler aufgestellte, Art von Hissn rukn wirklich specifisch verschieden sei. Man will nämlich alle größere, XII. Ordn. L-XIII. Gatt. 244. Rostgelbe Uferschnepfe. 4.43 rostgelbe Limosen, 1^. Nv^eri, für die Weibchen von den kleinern, rostrothen, unserer 1^. ruk» halten. — Die Allermeisten, welche dies behaupten wollen, haben jedoch diese Bögel nicht im Leben und im freien Naturzustände beobachtet, sondern beide Arten bloß ausgestopft oder in trockenen Balgen untersucht. Wenn sich nun an solchen die verschiedene Körpergröße, die abweichende Schnabellänge zu der der Füße, und andere durch das Abbal- gen und Trocknen weniger entstellten Verhältnisse nicht verkennen ließen, so mußten im Gegentheil auch eine Menge scheinbarer Uibergänge, von der einen zur andern Art, welche allerdings vorkommen, sehr auffallen und die Meinung, beide seien nur Eine Art, entschuldigen. Es ist jedoch zu bedenken, daß wir eine Menge anderer Vö- gelarten haben, welche sich auf gleiche Weise, ja wol noch mehr ähneln, in einander überzugehen scheinen, und doch unwiderlegbar verschiedenen Arten angehören. Man denke nur an Fliegenfänger, Laubsänger, Rohrsänger, Kreuzschnäbel u. a. zurück, wie denn im Verlaufe dieses Werkes, späterhin, Aehnliches bei Seeschwalben und vielen andern noch vorkommen wird. Mit diesem Allen bekannt genug, muß ich dennoch gestehen, daß manche vorkommende Stücke unserer IZmosr» Nez'eri und L. ruf» mir selbst nicht wenig zu schaffen gemacht haben, um, wie man zu sagen pflegt, von der Faust weg zu bestimmen, diese gehören 1^. itlLvei'i und diese I-. ruka an. Dagegen darf ich aber versichern, daß meine eigenen Beobachtungen an frischen oder lebenden Bögeln beider Arten mich in dieser Hinsicht nie in Stich ließen und mir jeden Zweifel über die Nichtigkeit meiner Meinung nahmen. — So lieb mir nun auch diese meine Beobachtungen, die ich aus der lebendigen Natur schöpfte, sein müssen, so habe ich doch sehr zu beklagen, daß sie sich nur über Vorkommen, Betragen und Lebensart durchziehender Vögel beider Arten, zum Theil zwar ganz kurz vor ihrer Begattungszeit, beschränken, ich aber leider nicht so glücklich war, sie an den Brüte orten selbst beobachten zu können. Hier würde freilich diese Sache völlig und unwiderruflich entschieden worden sein. Indessen ging doch schon aus dem, was ich von dem Wesen und Treiben dieser Vogel in der freien Natur zu beobachten im Stande war, für mich überzeugend, hervor, daß IZmos» üle^eri und I- rutu zwei wirklich verschiedene Arten sein müssen.—Alle zufällige Abweichungen jedweder der beiden Arten, wie ich selbst sie gefunden habe, Alles, was ich von ihnen mit eigenen Augen gesehen, mit eigenen Sinnen beobachtet habe, ist in 444 XII. Ordn. 4-XIII. Gatt. 244. Rostgelbe Uferschnepfe. den Beschreibungen beider Arten mitgetheilt worden; es bedarf keiner Wiederholung, und mache ich außerdem nur noch auf folgende, für meine Meinung sprechende, zwei Punkte aufmerksam. Wenn nämlich 1) lAmos» Sls^ori das Weibchen von l>>. I'likr sein sollte, so müßten auch beide in gleicher, oder doch ziemlich gleicher, Anzahl vorkommen. Das ist aber nicht der Fall. Ich beobachtete im Gegentheil zwischen beiden ein so sehr verschiedenes Verhältniß der Anzahl, daß, bei einem Aotalüberblick großer Massen, ohngefähr — denn wer vermochte die Tausende zu zählen! — auf eine einzige IZmosu Nv^eri wenigstens gegen 30 Stück 1^. ruks kamen. — Daß damals in den Gegenden an der Nordsee, als ich sie beobachtete, die größere Art, lAwosa Lieber!, in der Mehrzahl schon durchpafsirt gewesen sein sollte, ist gar nicht wahrscheinlich; ein Mal, weil die noch anwesenden derselben Art so wenig Eil verriethen, als die häufigern rostrothen Limoscn, und ebenfalls bis Anfangs Juni verweilten, und zum Andern, weil alle Schützen jener Gegenden, die beide Arten stets und sehr wohl unterscheiden, versicherten, daß jenes nicht der Fall und das Verhältniß der Anzahl beider Arten zu einander alle Jahre und in jeder Zugperiode dasselbe sei, welches ich vorfand. Diese Leute betrachten beiläufig im Frühjahr: Gelbbrüste (auch bloß Weißbrüste genannt) und Rothbrüste, im Herbst große und kleine Ostdüten, ohne Bedenken stets als verschiedene Vogelarten. Es kann 2) denn doch nicht abgeläugnct werden, daß man unter IZmvsu klo^eri auch Männchen findet und gefunden hat. — Zwar darf ich mich selbst nicht unter die Glücklichen zählen, dies mit eigenen Augen bei einer Zergliederung gesehen zu haben; doch kommen diese Angaben von Männern, gegen welche kein Zweifel erlaubt ist. Ja schon der eigene Augenschein zeigte mir solches, indem ich mehrere einzelne Päärchen von 1^. herumgehen, oder beide Gatten mitsammen fliegen, überhaupt viele sahe, die sich offenbar schon gepaart hatten, nämlich I-. SIervri mit Q. Nv^eri, und nahe genug, um Farben- und Größenverschiedenheil beider Gatten bestimmt zu erkennen, wovon mich ein Taschen-Fernglas in vielen Fällen noch mehr versichern mußte. Die Geschlechter unterschieden sich ganz nach denselben Verhältnissen, wie sie sich bei ruk» unterscheiden, unter denen es denn doch auch unläugbar Weibchen giebt, wie ich mich durch die Obduction bei einem alten und mehr als bei einem jungen ganz unumstößlich überzeugt habe. Die Weibchen sind bei dieser Art ebenfalls etwas größer und viel blasser XII.Ordn I^XIII. Gatt.244. Roftgelbe Uferschnepfe. 445 gefärbt als ihre Männchen, beides jedoch lange nicht in einem so auffallenden Grade, als es I/imoss Nv^eri und 1^ ruf» im Allgemeinen sind. — Sonderbar und etwas verdächtig möchte es erscheinen, daß wir, meine Begleiter (P. von Wöldicke und Fr. Boie) und ich, damals von 1^ ruf» 24 Stück erlegten, welches alles Männchen waren, unter welchen sich nur ein einziges Weibchen, aber wirklich doch ein Weibchen befand, wovon wir uns alle und bei allen durch die Section überzeugten, zu einer Zeit (kurz vor der Paarung), wo die Geschlechtstheile sehr vergrößert erscheinen und keine Täuschung denkbar ist. Es war auch gewiß nur Zufall, daß wir nur das eine Weibchen bekamen, und läßt sich daraus nicht folgern, daß die Weibchen in eigenen Schaaren, von den Männchen abgesondert, ziehen sollten. Es beweist aber, daß auch Andere richtig sahen, welche unter 1^. ruf» nicht allein Männchen, sondern auch Weibchen fanden. Daß übrigens I^imoss IVlevvri mit 1^ ruk» wandert und auf den Futterplätzen gar oft mit ihr zusammentrifft, kann keinen Beweis für Annahme nur einer Speckes geben; es ist eine zu gewöhnliche Erscheinung bei naheverwandten Arten; die Gattungen: 6orvus, Hclus, l'riuK», ^usor, ^u»s und viele andere gesellige Vogelarten bieten uns Belege dafür. — Die meiste Aehnlich- kcit haben diese Limosenschaaren mit denen der wilden Gänse; bei diesen sind auch häufig mehrere Arten in einem Heere vereint, obwol jede ihre eigene Unterabtheilung darin bildet, sich so zwar zusammenhält, dabei jedoch fortwährend im Zuge des Ganzen bleibt. So machen es unsere Limosen gerade auch; deshalb sind aber auch im zahlreichsten Heere die abgesondert fliegenden gelbbrüstigen leicht aus der Masse der rothbrüstigen, die stets die stärkste Zahl bilden, heraus zu kennen. 245. Die rost rothe Uferschnepfe. ^ Im 0 8 a ?' ///^e >-o«»re. NuS. Ois. VII. I>. 504. — 1dl it. . 235. ----- I>I. 900. --- Wolf und Meyer, Laschend. II. S- 374. ---- Bech- stein, 'Naturg. Deutscht. IV. S. 253. (mit 1,. mvlsooro vermengt.) — Dessen Laschend. II. S. 288.0. 7. (auch unsicher.) / 5 / 2 . 2.5 WWW V /?'^2/ >,>.»( )^V >-nl5 ^Vii,n-,jtam» L/a,t,,. Wolf und Meyer. Taschnch. II. S. 372. — Deren Vög. Deutscht- Heft 16. --- 6a»»»o» e.ottr/'st. I-»6>. ^v». V. >>. 144. u. 8»>>pt. I. p. 245. — uibers. vo» Bechstein. III. 1. S. 116. II. 14. s. ------ LoiricI., krit. Likil-i. II. x. 78. ----- Naumann'S Vög. alte A»Sg. III. S. 31. Taf. VI. Fig. 6. junges Männchen. Au merk. Wie bei voriger Art ist die Synonymik auch bei dieser so entsetzlich verwirrt. daß aus ältern Werken (ohne Abbildungen) kaum herauszufinden ist, was man sucht, weil I.IMÜ,» in-liunir» und I.im. ruk», nebst I.. dieser!, vor Leister weder unter sich. noch von andern großen Arten der Gattung rot»,«,« gehörig gesondert waren. Kennzeichen der Art. Der Schwanz ist weiß, schmal schwarz gebändert. Der Schnabel ist kaum mehr als ein und ein halb Mal so lang als die Fußwurzel, bei jünger» viel kürzer, oft wenig länger als sie. Beschreibung. Diese Art ist sehr häufig mit andern verwechselt und in orni- thologischen Werken unter vielerlei Namen aufgeführt worden. Das Erstere geschahe vorzüglich mit l'ottsniis Glottis, da sich beide in der Größe und Gestalt, namentlich in ihren Jugendkleidcrn auch in der Farbe u. s. w. allerdings nicht wenig ähneln. Hat man jedoch beide Arten neben einander, so zeigt sogleich ein Blick, wenn auch nur ein oberflächlicher, eine große Verschiedenheit, 1) in der Gestalt, die bei rntu gedrungener und weniger schlank ist; 2) in der Schnabelform, welche bei aller Aehnlichkeit sehr verschieden ist, namentlich spitzewärts; 3) an den Füßen, die viel starker und niedriger, von Farbe auch dunkler, als bei 1. Glottis, sind; 4) ist das Iugendkleid unserer rut'a mit einer eigenthümlichen Jsabellfarbe gleichsam wie übergössen, wovon sich bei lot. Glottis keine Spur findet, und ein reines Weiß meistens die Stelle jener vertritt; 5) haben zwar Unterrücken, Bürzel und Schwanz eine sehr ähnliche Farbe und Zeichnung, der überdem viel größere Schwanz unserer rothen Uferschnepfe aber viel breitere Bänder. Auch in den Winterkleidern ähneln sich beide Arten noch in einem gewissen Grade, am wenigsten von allen aber in ihren Hochzeitsgewan- dern, wo,, mit Ausnahme des Unterrückens und Bürzels, fast Alles schön rvstroth aussieht, was bei lot. Glottis reines Weiß ist. 448 X«. Ordn. I XIII. Gatt. 245. Roftrothe Uferschnepfe. Zudem sind die Schnabel der alten Vogel von 1^. ruks um Vieles länger als jemals die von 1. Glottis, und die schwarzen Beine jener stechen auffallend genug von den bleichgefärbten dieser ab. — Viel schwerer ist die rostrothe von der rostgelben Uferschnepfe zu unterscheiden, besonders im Jugend- und im Winterkleids; sie ist aber stets um ein Bedeutendes kleiner als die letztere und außerdem das Längenverhältniß vom Schnabel zu den Füßen ein sehr verschiedenes, hier das höchste Vorkommen der Schnabellänge etwa nur ein und ein halb Mal so viel, als die Länge des Laufes, bei p,. Nvzeri dagegen ist der Schnabel noch ein Mal so lang als der Lauf, und die jungen Vogel von dieser Art haben schon so lange Schnabel, wie die ältesten von 1^. ruks. — Von lll,. mvlkmuru unterscheidet sie, außer der viel geringern Größe, der gebänderte Schwanz und der Mangel der Zähne an der Kralle der Mittelzeh. Unsere rostrothe Uferschnepfe variirt übrigens, so gut wie die andern Arten dieser schönen Gattung, sowol in der Körpergröße, wie in der Lange der Füße und des Schnabels, und oft außerordentlich, wie dies übrigens auch von andern langbeinigen und langschnäbli- gen Arten aus dieser Ordnung bekannt ist. Es fehlt daher auch nicht an scheinbaren Uebergangen von p>. r,itA zur Nvz eri, und es ist oft nicht leicht sie an ihren richtigen Platz zu stellen. Sie haben auch Veranlassung gegeben, daß manche Ornithologen diese beiden Arten nur für eine haben gelten lassen wollen, wogegen wir uns aber schon in der Beschreibung der vorigen Art erklärt haben. Daß übrigens allerdings die jüngern Vögel stets kürzere Schnabel haben, als in der Regel die alten, und daß Schnabel und Füße eine Zeit lang noch fortwachsen, wenn auch der Vogel sonst scheinbar seine eigentliche Größe erhalten hat, kann Niemand läugnen; daß dies jedoch auch seine Grenzen habe, und daß die Verlängerung jener Theile nicht zeitlebens fortdauere, ist eben so gewiß, wie daß kleinere und größere Individuen, mit länger» oder kürzern Schnäbeln u. s. w., aus verschiedenen Eiern einer Vogelart hervorgehen können. Dies findet sich besonders auffallend in den Gattungen Hii08!t, 8oolopnx, Xumeuius, Pistillen, pboenieopterus, Krus u. a. m. Von unsrer p,. ruks kommen häufig so kleine Exemplare zwischen andern von gewöhnlicher Größe vor, daß man glauben möchte, solche wären durch Krankheit in ihrem Wachsthum aufgehalten worden und verkümmert, wenn nicht ihr sonstiger körperlicher Zustand vom Gegentheil zeugte. XU. Ordn. I^XIII. Gatt. 245. Nostrothe Uferschnepfe. 449 Die rostrothe Uferschnepfe hat ohngefähr die Größe einer Turteltaube, manche aber auch kaum die einer schwachen Misteldrossel. Ihre Langt wechselt bei verschiedenen Individuen von 121/. bis i4r/r Zoll; die Breite von 2- bis 29 Zoll; die Flügellänge vorn Bug bis zur Spitze von 8^4 bis 91/4 Zoll; die Länge des Schwanzes von 2^/4 bis über 3 Zoll; die Spitzen des ruhenden Flügels reichen meistens elwas über sein Ende hinaus. Das kleine Gefieder ist dicht und besonders derb, an der Brust Und dem Bauche etwas pelzartig, zumal bei alten Vögeln, die Flügel sehr spitz, ihr Hinterland mondförmig ausgeschnitten und die Hintere Flügelspitze, bei zusammengelegtem Flügel, bis fast über die Spitze der fünften großen Schwingfeder hinaus reichend. Won diesen ist die erste die längste, während das kleine steife, äußerst schmale, spitzige Federchen vor ihr nicht beachtet wird, welches 1 Zoll lang und spitzewärts kaum i/, Linie breit ist. Die großen Schwingsedem sind ziemlich schmal und spitz zugirundet, wenigstens die zwei oder drei vordersten; sie haben gerade und sehr starke Schäfte; die fost genden nehmen nun schnell an Länge ab, bis zu den gleichlangen der zweiten Ordnung, welche schwächere, nach hinten gebogene Schäfte und schief abgerundete Enden haben; die der dritten Ordnung sind sehr breit, gegen das Ende schmäler und zugerundet, mit geraden, schwachen Schäften. Der Schwanz hat 12 ziemlich breit,; Federn, die am Ende abgerundet sind, und von welchen die beidei- mittelsten ein wenig länger als die übrigen, gewöhnlich gleichlangen Federn sind, weshalb das Schwanzende auch nicht ganz gerade genannt werden kann. Die Lange des Schnabels wechselt von 2 Zoll 2 Linien bis zu 3 Zoll 4 Linien; am öftersten wird er 3 Zoll lang angetroffen. Die kurzschnäbligen Individuen sind oft junge Vögel, die lang- schnäbligen Alte, allein nicht immer; fast eben so oft kommen alte mit kürzerm und junge mit längerm Schnabel vor. Seme Höbe an der Wurzel ist bald kaum, bald etwas über 5 Linien, seine Breite daselbst 31/2 bis 4 Linien, er ist hier also ziemlich stark, doch bis über die Mitte hin viel höher als breit, spitzewärts aber nur so hoch als breit, nämlich l'/r Linien, seine Firste nach vorn ziemlich abgeplattet, die Spitze des Oberkiefers ein wenig lvffelfür- mig, stumpffpitz und über eine Linie länger als die dös untern, dessen Spitze schmäler und weniger löffelartig ist. Er biegt sich in einem fausten Bogen schwach aufwärts, doch auffallend genug; die Mundkanten sind stumpf und bilden oben und unten ein bis in die 8. Th-il. L9 45V XU. Ordn. Gatt. 245. Rostrothe Uferschnepfe. Nähe der Spitze laufendes wulstiges Leistchen, und die weiche Na- senhaut läuft als schmale Furche ebenfalls bis nahe an die Spitze, die allein hornhart ist, während er im Uibrigcn ganz weich und biegsam ist, und daS kleine ritzartige, hinten erweiterte, durchsichtige, Nasenloch liegt nahe an der Stirn in jener weichen Haut. Die Farbe des Schnabels ist an der Spitze schwarz, nach der Mitte zu und an der Firste meistens braun, übrigens bei Alten blaß gelb- röthlich, bei Jungen graulichsleischsarbig, am lichtesten an der Wurzel der Unterkinnlade. Das nicht große Auge ist weit vom Schnabel entfernt und hat einen tiefbraunen Stern und weißbesiederte Lider. Die Füße sind mittelmäßig hoch, etwas stark, besonders an der Ferse, zumal bei jungen Vögeln, wo dieser Theil nebst den daran grenzenden des Laufes unförmlich angeschwollen und der letztere mit einer tiefen Längenfurche versehen erscheint; die Zehen nicht lang, schwach,, die äußere und mittlere durch eine bis ans erste Gelenk reichende Spannhaut verbunden, wovon sich zwischen der innern und mittlern kaum ein schwaches Rudimenr zeigt; die Sohlen breit gedrückt und ihre Ränder etwas vorstehend; die Hinterzeh zwar klein, doch etwas länger als bei l'vtnuus, und nicht höher eingelenkt, als daß sie stehenden Fußes mit der Spitze den Boden immer berührt. Der Uidcrzug der ziemlich weichen Füße ist an der Vorder- und Hinterseite und auf den Zehenrücken geschildert, sonst netzartig und an den Sohlen warzig. Die Krallen sind klein, schwach wenig gebogen, spitz, die der Mittelzeh etwas nach außen gebogen und auf der Innenseite mit einer vorstehenden Schneide; sie liegen wie bei andern Arten zur Hälfte ihrer Länge auf der Zehe. Der nackte Theil über der Ferse ist 8 oder 10 Linien bis 1 Zoll lang; der Lauf', oft kaum 2 Zoll, nicht selten auch 2 Loll 1 bis 2 Linien; die Mittelzeh, mit der fast 3 Linien langen Kralle, 1 Zoll 4 Linien bis 1?/, Zoll; die Hinterzeh, mit der 1f^ Linien langen Kralle, zwischen 5 und 6 Linien lang. Die Farbe der Füße ist bei alten Bögeln schwarz, bei jungen schmutzig lichtblau, und wird an getrockneten Stücken bei diesen mattschwarz, bei jenen pechschwarz; die Krallen sind stets schwarz. DaS Jugendkleid hat einige Aehnlichkeit mit dem der Brachvogel (Xumouius), ein sehr lichtes bräunliches Rostgelb (Jsabellfarbe) zur Hauptfarbe, mit starken dunkelbraunen Flecken aus dem Mantel, wenigem und kleinern Flecken am Halse u. s. w., aber ganz wie bei jenen gezeichneten Untcrrücken, Bürzel und XU. Ordn. L-XIH. Gatt 245. Rostrothe Uferschnepfe. 451 Schwanz, selbst die Farbe der Füße ist der jener ähnlich. — Genauer genommen sieht es folgendergestalt aus: Von der Schnabelwurzel an läuft ein gelblichweißer Streif über das Auge bis hinter dasselbe, hin und wieder zeigen sich in demselben sehr subtile braune Strichelchen; die Zügel sind dunkelbraun getüpfelt; die Wangen auf rostgelblichweißem Grunde, vorn einzeln, hinten dichter, braun gestrichelt oder mit solchen kleinen Fleckchen besetzt; Stirn, Scheitel und Genick sehr dunkel braun, fast schwarzbraun, mit bräunlich- rostgelben Längefleckchen,, welche von den so gefärbten Seitenkanten der Federn entstehen; Kinn und Kehle weiß, rostgelb überlaufen; der Hals graulichisabellfarbig seine sehr sanfte Farbe), hinten dunkelbraun gestrichelt, vorn mit kleinen, mattbraunen, meist ovalen Schaftfleckchen, die an den Kropfseiten am stärksten gezeichnet sind und noch weiter hinab wie Schaftstriche aussehen; die Mitte desKropses und die Oberbrust rein isabellfarbig; die Unterbrust, der Bauch und die untere Schwanzdecke weiß, an den Federenden mehr oder weniger, am stärksten aber die der letztem, mit Jsabellfarbe angeflogen, und eben diese auch noch, namentlich chie.an den Seiten, mit dunkelbraunen Schaftstrichen oder einzelnen halben oder ganzen Pfeil- fleckchen. Oberrücken und Schultern sind aus bräunlichrostge/bem (dunkelisabellfarbigem) Grunde stark dunkelbraun gefleckt, die Federn hier aber eigentlich sehr dunkelbraun, mit schwarzen Schäften und dunkel isabellfarbigen großen Flecken auf beiden Seiten, die an den längsten Federn eine zackichte Gestalt annehmen; die Hintern Flügeldeckfedern und dritte Ordnung der Schwingfedern eben so und besonders die letztem mit vielen großen, dunkelisabellfarbigxn, zackich- ten Randflecken; die übrigen Flügeldeckfedern hell isabellfarbig, mit schwarzem Schaft und lanzetförmigem, spitzen, dunkelbraunen Schaftfleck, welcher an den größesten am breiten weißlichisabellfarbigen Seitenrande in Grau verläuft, auch haben diese auf der Jnnen- fahne noch einen weißen Spitzenfleck; die Schwingfedern zweiter Ordnung sind auf den Außenfahnen bräunlichschwarzgrau, mit breiter gelbweißer Kante und einem rein weißen Schaftstreif an der Wurzelhälfte, auf der innern zunächst dem Schafte auch so, doch matter schwarzgrau, und dieses verliert sich in dem weißen Grunde, nach der weißen Kante zu, an den Hintern Federn in eine gefleckte, an den vordem aber nach und nach in eine gesprenkelte oder mar- morirte Zeichnung; die großen Schwingen schwarzbraun, an der Flügelspitze braunschwarz, die hintersten mit breiten weißen oder auch schwach gelbröthlich angeflogenen Kanten, die nach vorn schmäler 29» 452 X!I. Ordn. QXM. Gatt. 245. Rostrothe Uferschnepfe. werden und auf der sünstey und vierten, von vorn, gänzlich verschwinden, dazu hat die erste und zweite einen weißen, die übrigen weißbräunliche Schäfte, und das mattere Dunkelbraun der Jnnen- fahne geht in eine gesprenkelte oder marmorirte Zeichnung, in das reine Weiß über, das diese Fahne von der Wurzel bis über die Mitte herab am innerir Rande hat; die Fittichdeckfedern braunschwarz, die kürzern, namentlich an den Enden, mit weißen Kanten, die Daumenfedern ähnlich, aber mit schmälern Säumen; das kleine sehr schmale, starre Federchen vor der ersten Schwingfeder braunschwarz, an der Wurzel etwas lichter. Der Unterflügel ist meistens weiß, am Rande schwarzgrau geschuppt, an den größern Deckfedern hellgrau geflammt, die großen Schwingen am innern Rande weiß, dann weiß und hellgraü marmorirt, die Spitzen tief braungrau. Unterrücken, Bürzel und die Oberschwanzdecke sind hellweiß, letztere mit einzelnen schwarzbraunen Pfeil- oder Querflecken, wovon sich auch schon am Bürzel einige, doch kleinere und mattere zeigen; der Schwanz selbst ist weiß, an den mittlern Federn bald nur dunkel- rostgelb, bald auch grau und rostgelb überlaufen, mit schwarzen Schäften uud 7 bis 8 breiten braunschwarzen oder auch nur dunkelbraunen Querbändern durchzogen, die ziemlich gleich breit, da wo sie die Deckfedern verstecken aber viel schwächer sind, gewöhnlich den Grund in derselben Breite offen lassen, in einzelnen Fällen aber auch breiter als die Zwischenräume desselben sind; die Unterseite des Schwanzes ist weiß, schwarzgrau, aber klarer als die obere, ge- bändert. Nicht nur in der Größe, wie in der Länge des Schnabels, weichen diese jungen Vögel bedeutend von einander ab, sondern auch in der Färbung finden sich mancherlei Verschiedenheiten. Die der Schwanzzeichnung ist schon erwähnt; die herrschende Zsabellfarbe ist bald dunkler, bald Heller, der Mantel bald schwächer, bald stärker gefleckt und die Fleckenfarbe lichter oder gesättigter; die Farbe am Halse mehr oder weniger in Gelbgrau gehalten, manchmal fast ungefleckt rein Isabellgrau, ein ander Mal mit vielen kleinen braunen Fleckchen oder kurzen Strichelchen bestreuet. Indessen haben alle diese kleinen Abweichungen keinen Bezug auf Geschlechtsverschiedenheit, welche sich gewöhnlich nur in der etwas abweichenden Größe bemerklich macht, die beim Männchen fast immer etwas geringer als beim Weibchen, doch nie so stark ist, daß die größten Individuen dieser Art die Größe der kleinsten von erreichten, sondern immer noch weit hinter diesen zurückstehen. XI!. Ordn. I^XHI. Gatt. 245. Rostzothe Uferschnepfe. 453 Dem Winterkleide fehlt die angenehme Jsabellfarbe ganz; an ihre Stelle ist ein lichtes Grau getreten, und auch schon bei jungen Vögeln, die es zum ersten Male tragen, ist vies so, obgleich sich hin und wieder noch etwaS Nostgelb in das Graue einmischt und dies erste Winterkleid dadurch etwas von dem nachhangen unterscheidet, doch nur dann, wenn man einen alten Vogel im winterlichen Gewände neben jenen halten und so Vergleiche zur Stelle anstellen kann. Im reinen Winterkleide hat der alte Vogel eine sehr lichte Färbung, lichter und freundlicher als andere Limosen in ihren Winterkleidern. Ein Streif von der Schnabelwurzel über das Auge. hinweg, Kinn und Kehle sind weiß; die ZÜ-. gel schwach dunkelbraun getüpfelt; die Wangen weiß, schwarzgrau gestrichelt, am meisten in der Ohrgegcnd; .Stirn und Scheitel weißgrau, schwarzbraun in die Länge gestreift; der Hals schmutzigweiß, dunkelbraungrau gestrichelt, an den Kropfseiten deutlicher gefleckt; die Gurgel weiß, schwach grau gefleckt, woraus weiter hinab undeutliche Wellenflecke entstehen; die Brust weiß, mit unregelmäßigen, weitschichtigen, bläßgrauen, oft unterbrochenen Wellen streifen, zu welchen an den Lragefedern hin und wieder noch dunkelbraune Schaftstriche oder auch einzelne Pfeilflecke kommen; Schenkel und Bauch rein weiß; die untern Schwanzdeckfcdern weiß mit einigen dunkelbraunen Schaftstrichen und halben oder ganzen Pfeilfleckchen. Die Federn am Oberrücken und an den Schultern sind .röthlichgrau, ziemlich licht, mit bis zur Spitze reichenden, sehr tief braunschwarzen Schaftstrichcn, die an den kleinern Federn scharf abgesetzt sind, an den großem aber meistens durch Dunkelbraun mit der Grundfarbe verschmelzen, die Fedcrrander aller dieser Theile trübe weiß, die meisten nach innen zu mit der Grundfarbe verwaschen; eben so sind auch die Flügeldeckfedern, die größten derselben besonders sehr hell grau und mit sehr schmalen braunschwarzen Schaftstrichcn, auch mit einem weißen Spitzenfleck auf der Jnnenfahne; das Uibrige des Flügels wie schon beschrieben; der Unterrücken, Bürzel und die -Ober- schwanzdecke wie im Jugendklcioe, der Schwanz aber etwas anders, im Grunde rein weiß mit 7 bis 9 schmalen braunschwarzen O.uer- bändern, von welchen, bei manchen Individuen, die letzten 3 bis 4 vor dem Ende, an den Mittelfedern auf beiden Fahnen, an den andern nur auf der Außenfahne, verschwinden, wo dieser Theil einfach röthlichgrau gefärbt ist und von dem Schwarzbraun nur;in wenig am schwarzen Schafte und längs dem weißen Außensaume übrig bleibt, während an der äußersten Feder an diesem Theile kein 454 XlliOrdn. I.XM. Gatt. 245. Rostrothe Uferschnepfe. Grau ist, aber die Querbänder in zwei zackichte Längenstreife, einer längs dem Schafte, der andere längs dem feinen weißen Außen- säumchen, verwandelt sind. Diese Umwandlung der Quer- in Längestreife an der letzten Hälfte der äußern Federn findet sich bei vielen alten Vögeln auch im Sommerkleide, aber der graue ungebän- derte Anstrich der letzten Schwanzhälfte (meines Wissens) nur bei alten Vögeln im Winterkleidc; denn die Schwanzfedern gehen nicht alle mit ins Sommerkleid hinüber, wenigstens wird das mittelste, auch wol noch das nächste Paar, in der Frühjahrsmauser mit neuen verwechselt. — Männchen und Weibchen haben übrigens gleiche Färbung, Das Frühlings- oder Hochzeitskleid dieser Art ist sehr schön, an ihm ein prächtiges Rostroth vorherrschend, und ein rein vermauscrter Vogel in diesem Kleide gehört zu den schönsten unter den Schnepfenvögeln. Der Schnabel ist meist braun, bloß gegen die Wurzel schwach gelbröthlich, an der Spitze schwarz, die Füße glänzend schwarz. Kinn und Kehle, nebst einem Streif vom Schnabel über das Auge hin, desgleichen die untern Theile der Schenkelbefiederung und die Seiten des Bauches haben ein etwas matteres Rostroth, als der übrige. Kops, der ganze Hals, nebst der Ober. und Unterbrust und den Brustfellen, welche Theile alle prächtig rostroth gefärbt sind; dazu hat der Scheitel bis auf das Genick hinab braunschwarze Schaftfleckchen, der Zügel ist schwarzbraun getüpfelt, die Ohrgegend, so wie der ganze Hinterhals schwarzbraun gestrichelt, die Halsseiten und ein Theil der Tragefedern mit seinen oder schmq- len schwarzen Schaftstrichelchen, Alles auf rostrothem oder hochrostfarbigem Grunde, das Uibrige einfarbig, am frischen Gefieder oft ins Kupferfarbige spielend. Am Oberrücken und an den Schultern sind die Federn glänzend braunschwarz, mit starken sägezackigen Randflecken, von einem etwas bleichern Rostroth als Hals und Brust, oder auch nur von blasser Rostfarbe; die Federn der Hintern Flü- gelspitze sind eben so, mit noch größer» dreieckigen Randflecken; die Flügeldeckfedern wie im Winterkleide, nur bei recht alten einzelne neue Federn, wie die deö Oberrückens gefärbt, zwischen den grauen; das Uihrige des Flügels wie im Winterkleid, aber fahler, und die Fcdexränder merklich abgerieben; Untcrrücken, Bürzel und Ober- fchwanzdeckfedern rein weiß, wie dort, nur erstere und letztere mit kleinen braunschwarzen Pfeil-und Querfleckchen; Obertheil der Schenkel, Bauch und Unterschwanzdeckfedern weiß, hin und wieder mit blaßrostrothen Federn untermischt, manche Federn an den Seiten XI?. Ordn. l-XII?. Gatt. 245. Rostrothe Uferschnepfe. 455 neben dem Schwänze mit braunschwarzen Schaftstrichen; der Schwanz, weiß, mit 8 bis 9 schwarzbraunen Querbändcrn, von welchen das an der weißen Spitze das breiteste ist, die der Schwanzwurzcl sich nähernden aber nach und nach schmaler und zuletzt ganz schmal werden. Diese Querbänder sind, oft ziemlich regelmäßig, jedoch auch zahllosen Abänderungen unterworfen, an manchen Exemplaren auf den Mittelfedern viel breiter als an den übrigen, sogar nicht selten so breit, daß sie hin und wieder ganz zusammenfließen, wogegen wieder die an den äußern Federn sich mehr oder weniger zu Längestrei- sen formen, die bald zackig, bald schlangelnd, bald gerade, — eine nahe am Schafte, die andere neben dem weißen Außcnrändchen, — hinab laufen, und an den äußersten Federn oft sehr fein sind. So findet man Stücke, an welchen sich an mehr als einem Paare der Schwanzfedern, von außen her, alle Spur von Querbändcrn verloren und in Längelinicn und Langestreise verwandelt hat. Außer der mannichfaltigcn Gestaltung der Schwanzbindcn, wobei zu bemerken, daß sie bei jüngern Individuen immer Qucr- bänder, bei den ältesten mehr Längestreife darstellen, variiren diese Vogel noch vielfältig fn der Höhe und Liese der rostrothen Farbe, und auch in der Gestaltung der Flecke auf dem Rücken und den Schultern, indem diese bald als dreieckige, zusammenhängende, bald als ovale, ziemlich getrennte Randflecke erscheinen. Dabei haben die stcls an der ansehnlichern Größe leicht zu erkennenden Weibchen immer eine viel blässere Färbung, die sie weniger schön macht, wozu noch der Umstand besonders beiträgt, daß ihr Frühlingskleid viel später vollständig wird, nämlich mit vielen Federn des Winterkleides, namentlich auf dem Mantel, vermischt bleibt, von denen'viele sogar noch im Sommer vorhanden sind, wenn bereits eine neue Mauser beginnt. Die etwas kleinern, viel prächtiger gefärbten, immer früher und reinerausgemausertenMännchen unterscheiden sich daher auch äußerlich leicht genug von jenen, zumal wenn man beide Geschlechter neben einander sieht. Im Laufe des Sommers verbleicht die rostrothe Farbe bedeutend, die Federn verlieren am Glänze und ihre Ränder, durch Abreiben, an Bestimmtheit des Umfanges. Auch hier stoßen sich die hrllgesärbten Randflecke am Gefieder des Oberkörpers viel stärker ab, als die dunkel gefärbte» Theile der Federn, wodurch ihre Ränder wirklich sägeartige Zacken bekommen, wie bei vielen Was- serläusern und vorzüglich auffallend bei der folgenden Gattung, den Brachvögeln, vorkömmt. Noch auffallender wird bei unsern 456 XlL. Ordn. OXlII. Gatt, 245. Rostrolhe Uferschnepfe. Limosen dies Abreiben an den vom Winterkleide verbliebenen Federn, namentlich denen der obern Flügeldecke, die keine Zacken- flecke, sondern nur einen einfachen weißlichen Rand hatten, welcher so weit verloren geht, daß die Federn, weil die Schäfte dem Abscheuern mehr Widerstand leisten, eine lanzettförmige, sehr dünn zugespitzte Gestalt erhalten, wovon diese Theile ein häßliches Aussehen bekommen. Die Hauptmauser beginnt bei den meisten alten Vögeln schon mit Ende des Juli oder doch im August, bei vielen auch erst im Anfang des September, und geht so langsam, daß zu Ende des October noch einzelne in Deutschlaud auf dem Durchzuge vorkommen, welche das neue Kleid kaum vollständig angelegt haben. Erst in den folgenden Monaten wird es bei der Mehrzahl in den Ändern ihres Winteraufcnthaltes ausgebildet, und Böget im reinen Winterkleide sind so für Sammlungen gewöhnlich nur von dort her zu beziehen, welches namentlich bei allen Jungen, welche sich zum ersten Male mausern , gar nicht anders angeht, weil diese viel später mausern und Anfangs November in Deutschland erlegte meistens noch ihr Jugendkleid ganz vollständig haben. Dieser Umstand, daß die jungen Vogel um. ein paar Monate spater mausern als die Alten, mochte, als sich die Beobachtung mausernder Individuen nur auf die einzelnen selten durch Deutschland wandernden beschränkte, der Vermuthung Raum geben, als hatten diese Jungen kein vomJungendkleide verschiedenes Winterkleid. Dem ist jedoch nicht also, und dieses unterscheidet sich von dem der Alten nur durch düstereres Grau und weniger helle Federkanten u. s. w, Die Frühlingsmauser scheint im März und April Statt zu finden; denn wenn im Mai die Schaaren aus ihren Winterquartieren zurück und an die Deutschen Küsten kommen, sind alle alten Vogel männlichen Geschlechts bereits vollständig in ihrem schönsten Schmuck, nur die Weibchen und die jüngern Vogel, namentlich einjährige, wie schon berührt, dies weniger und zum Theil noch im Federwechsel stehend. Noch einen Monat spater, im Juni, sind, bis auf wenige zufällige Ausnahmen bei einjährigen Vögeln, alle in ihrem hochzeitlichen Gewände. Aufenthalt. Man gieht außer Europa und Asien gewöhnlich auch Nordamerika, namentlich die Lander um die Hudsons bar, als Va- XIÜ. Ordn. 4.XM. Gatt. 245. Rostrothe Uferschnepfe. 457 terland dieser Art an; jedoch lassen sich gegen das Vorkommen derselben in der neuen Welt noch manche Zweifel erheben, weil von frühern Schriftstellern die verschiedenen Arten der Gattung IZinosn gar zu häufig verwechselt worden sind. Von Asien sagt man auch, daß die rostrothe Uferschnepfe bis Japan verbreitet sei oder gar auch in Australien vorkomme; allein diese Nachrichten gehören ebenfalls unter die unsicheren, und es ist noch ganz unbekannt, wie weit sie aus Sibirien, das sie allerdings, doch nur in gewissen .Theilen, bewohnt, in dem erstem Erdtheile nach Süden hinabgeht. In Europa hat sie ebenfalls nur einzelne Striche, in welchen sie häufig ist, viele giebt es aber auch, wo sie nicht vorkömmt. Obgleich sie ein nordischer Vogel heißen kann, so kömmt sie doch weder nach Island, noch ins obere Norwegen; dagegen soll sie in Lappland und dem obern Finnland sehr gemein, im mittlern Schweden dies aber schon viel weniger sein. Dasselbe wird von Rußland gesagt. In diesen hohen Regionen macht sie ihre Brüt, ist daher für uns ein nordöstlicher Vogel, welcher uns nur auf dem Zuge dorthin und zurück besucht. In denselben Epochen ist sie auch in Großbritannien, in Holland, Frankreich und Spanien häufig beobachtet, allermeistens jedoch nur an den Meeresküsten, wie denn ihr Winteraufenthalt die des mittelländischen Meeres zu sein scheinen. An den Ostseeküsten ist sie nie sehr häufig, in manchen Jahren sogar nur einzeln; dagegen werden die der Nordsee, besonders die Westküste Schleswigs oder Jütlands mit ihren Inseln und Halbinseln in beiden Zugperioden von einer unglaublichen Anzahl besucht, was eben so an der Friesischen wie an der Holländischen Küste der Fall sein soll. Im Innern des Europäischen Festlandes kömmt hingegen diese Art überall nur in sehr geringer Anzahl vor, so auch in Deutschland, wo sie in den Gegenden, welche die in die Ost- und Nordsee mündenden Flüsse durchströmen, z. B. die Oder, Elbe, Weser, der Rhein u. a. noch am öftersten erscheint, tief im Land aber immer eine Seltenheit bleibt. Sie ist am Eisleber Salzsee für hiesige Gegend noch am öftersten, zuweilen sogar in kleinen Gesellschaften, bemerkt, auch mehrmals dort und auch in Anhalt von uns gesehen und erlegt worden. Als Zugvogel berührt sie, wie schon gesagt, einzeln oder in kleinen Gesellschaften auch unsere Gegenden, besonders junge Vogel, im September oder auch noch im October, und einzelne verweilen an den deutschen Küsten selbst bis in den November, wo sie nicht 458 Xll. Ordn. I^XIII. Gatt 245. Rostrothe Uferschnepfe. selten von. Kälte und Frost überrascht werden. Noch viel seltner kommen sie.in der Mitte von Deutschland auf dem Rückzüge im Mai oder noch Anfangs Juni vor, wo sie aber an den Holstein- Schleswigschen Küsten in solcher Anzahl angetroffen werden, daß man über ihre Menge in das höchste Erstaunen gesetzt wird; Myriaden streifen dann dort in wolkenähnlichen Zügen von den Watten auf die Wiesen und Viehweiden, und auf jene zurück, wie es ihnen Ebbe und Fluth gebieten; wo sich eine solche Schaar lagert, bedeckt sie, buchstäblich, den Strand in einer langen Strecke, oder überzieht, wo sie ruhig auf den Watten ihrer Nahrung nachgeht und weniger dicht beisammen ist, eine fast nicht zu übersehende Fläche. Unglaublich ist ein solches Gewimmel und das Aufsteigen einer Schaar solcher Vogel in der Ferne oft einem aufsteigenden Rauche ähnlich. Die weiten schlammigen Watten des Eiderstedt, der Inseln Nord strand, Pelworm und anderer dieser Gruppe scheinen ihnen so zuzusagen, daß einzelne Schaaren oft mehrere Lage daselbst verweilen und gar keine Eil bezeigen, so daß man diese Vogel nicht allein den Mai hindurch, sondern manche noch im Anfange des Juni in ungeheuern Schwärmen dort antrifft, waS ich selbst 1819 am 10. Juni noch sahe. Auch auf der Ostküste Jütlands ist es der Zeit nach eben so, aber die Vogel kommen nie in so unermeßlicher Menge dort vor, als auf der Westküste. Kaum sind die Schwärme dieser Limosen aus jenen Gegenden verschwunden und, wie man beobachtet hat, nach Nordosten gezogen, als schon einzelne alte Vogel wieder zurükehren; wahrscheinlich solche, welche in den Brutgeschäften unglücklich waren und in diesem Jahr ohne Nachkommenschaft blieben. Im Juli kommen solche nicht allein dort, sondern sogar tiefer in Deutschland schon vor. Der wirkliche Zug beginnt aber erst zu Ende des August und dauert den September hindurch; dann sind sie in den bezeichneten Gegenden eben so zahlreich als im Frühjahr anzutreffen, die Jungen meistens in von den Alten abgesonderten Schwärmen. Die heißen dort dann Augustschnepfen, im Frühlinge Maivögel. Ihre kurze Abwesenheit beweist, daß ihre Brüteorte gar nicht fern von jenen Gegenden liegen mögen, indem auch Junge vorkommen, welche noch die Dunen an der Kopfbesirderung nicht gänzlich abgelegt haben. Die Zeit ihres Aufenthalts am Brüteorte mag sich daher nur auf höchstens zwei Monate beschränken. Dem Anschein nach kommen sie kaum an einem Theile des Nordseestrandes in so ungeheuerer Anzahl vor, als in jenem Winkel, Xtt. Ordn. t-XM. Gatt. 345. Rostrothe Uferschnepfe. 459 zwischen der Elbemündung und der Westküste von Jütland, welcher daher als ein allgemeiner Sammelplatz dieser Vogel zu betrachten ist, wo sie einige Zeit verweilen, um Kräfte zur weitern Reise zu sammeln. Diese folgt nach Südwest zu dem Laufe der Küsten, wahrscheinlich bis an die äußerste Spitze von Europa, und nur eine geringe Anzahl weicht von dieser allgemeinen Straße nördlicher und nordöstlicher Seevögel ab, um die Reise quer durch das FefK land zu wagen, wenn dies nicht etwa, wie wahrscheinlich, viel häufiger quer durch das südliche Frankreich geschiehet, um so früher zum Gestade des mittelländischen Meeres zu gelangen, wo diese Art, nach allen Nachrichten, in größter Menge überwintert. — Sie machen diese Reisen fast immer nur des Nachts; doch sind zuweilen auch am Tage hoch durch die Luft fortziehende Schwärme beobachtet. Uiberall, wo es ihnen behagt, machen sie, besonders auf dem Herbstzuge, einige Tage Halt, wie wir sogar an den Deutschland durchirrenden wenigen Vögeln dieser Art, namentlich am mehr- erwähnten Salzsee im Mannsfeldischen, zu beobachten Gelegenheit fanden. Daher kömmt es denn auch, daß einzelne diese Gemächlichkeit übertreiben, bis zum Spätherbst zaudern und nicht selten von Frösten überrascht werden. Sind solche gar durch einen Schuß oder sonstige Verletzung kränklich gemacht^ so warten sie oft das Aeußerste ab. So weir man sie auf dem Zuge beobachtet hat, ist diese Art streng Seevogel, denn sie verläßt in jener Zeit den Strand sehr selten. Sie liebt besonders die niedrigen, flachen Küsten, an welchen bei der Ebbe große Flächen tief ins Meer hinein und von Eiland zu Eiland frei vom Wasser werden, weite sogenannte Watten bildend, aber weniger die rein sandigen, als die etwas mit Schlick (tintenschwarzem flüssigen Schlamm) bedeckten, und wo es in deren Nähe weite Rasenflächen und Viehweiden, oder Wiesen und feuchte Brachfelder giebt. Sie treiben sich auf den Watten herum, bis sie die ansteigende Fluth nach und nach an das Land zurückdrängt, und begeben sich nun, weniger in Masse als in kleinen Abtheilungen, auch nicht alle zu gleicher Zeit, auf die letzteren, wo sie ein stilleres, weniger bewegtes Leben führen, bis zur Wiederkehr der Ebbe, die sie, ohne hinschauen zu können, auch aus der Ferne bemerken, wo , dann die einzelnen Häuflein Unruhiger werden, einige sich wol auch erheben, lärmend herum schwärmen und auf Kundschaft ausgehen, bis das Wasser mehr und mehr zurücktritt und bereits große Flachen frei davon werden, worauf sich endlich das ganze Heeer erhebt, 460 XU. Ordn. 4-XL1I. Gatt. 245. Nostrothe^.Uferschnepfe. mit entsetzlichem Lärm aufschwingt, dem Wasser zueilt und sich am Rande desselben, dicht gedrängt, niederläßt, um ihm bis zur äußersten Abgangslinie gehend zu folgen, und nachher über die großem nassen Flächen sich auszubreiten. Hier athmet Alles Lust und Freude, und man sieht deutlich, dass sie gerade hier am rechten Platze, in ihrem wahren Elemente sind. Dieses von 6 zu 6 Stunden sich wiederholende Wechseln des Nassen mit dem Trocknen einer enormen Anzahl so ansehnlich großer und schöner Vogel, einer in vielen Gegenden gar nicht gekannten Art, bietet dem Forscher die herrlichste Gelegenheit, zu den interessantesten Beobachtungen dar. Während der Fluthzeit suchen sie stets mehr wasserleere Gegenden, als andere Strandvögel, welche sich im Gegentheil dann an nahen Teichen und in Sümpfen herumzutreiben pflegen, wogegen man in dieser Periode Limosen nur selten an diesen, nicht einmal oft an feuchten, sondern viel gewöhnlicher an ganz trockenen Orten sieht, wie z. B. auf kahl abgeweideten Aengern, Viehtriften und auf Brachackern. Dies Letztere verläugnen selbst die nicht, welche sich von der See weg, weit ins Land hinein, verflogen haben; auch sie wechseln hier, wie z. B. in unsern Gegenden, das Nasse öfters mit dem Trocknen, so daß man sie oft ganz vom Wasser entfernt auf Feldern und Huthungen antrifft. Es sind auch nicht die Brücher und grünen Moräste, welche sie, auf ihren Wanderungen durch di« Mitte des Festlandes, aufsuchen, sondern die kahlen Landsee-, Teich- und Flußufer, die kleinen Wasserlachen und Pfützen in deren Nähe; überall aber sind solche Ufer ihnen die liebsten, welche mit ganz kurzem Rasen bedeckt sanft in das Wasser verlaufen, doch auch kahle schlammige, selbst sandige Wasserränder; allein niemals solche, welche höhere Wasserpflanzen umkränzen oder wo sonst hoher Graswuchs ist, so wie sie denn auch, gleich andern Arten dieser Gattung, Gebüsch und Bäumen allenthalben auszuweichen suchen und in buschreichen Morästen oder an schilfreichen Gewässern nie angetroffen werden. Uibrigens suchen sie, wenn sie sich am Tage auch vom -Wasser entfernt hielten, gegen Abend immer dasselbe, und bringen die Nacht, nebst der Morgendämmerung, immer an demselben zu. An den trocknen, vom Wasser entfernten Orten, wo sie stets ' weniger beweglich und sich nicht heimisch zu fühlen scheinen, sieht man an warmen Tagen nicht selten ganze Gesellschaften auf einem Beine stehend, den Schnabel zwischen die Schulterfedern verborgen, ihr Mittagsschläfchen halten, obgleich sie mitten in der Nacht am XII. Ordn. IHXM. Gatt. 245. Nostrothe Uferschnepfe. 461 Wasser, wo sie dann immer sind, sich meistens ruhig verhalten und wenn es recht finster vermuthlich ebenfalls schlafen. Eigenschaften. Die rostrothe Uferschnepfe ist namentlich in ihrem Hochzeits- kleide einer der schönsten unter den Europäischen Schnepfenvögeln. Die schöne schlanke, nicht übermäßig hochbeinige und nicht gar zu langschnäblige Gestalt fällt sehr angenehm ins Auge, zumal wenn sie den Hals etwas ausreckt und die Brust mehr als gewöhnlich erhebt, wie sie thut, wenn sie Etwas fürchtet und bald entfliehen will. Im ruhigen Stehen und Gehen trägt sie dagegen den Rumpf ganz wagcrecht, den Hals Ksörmig eingebogen, wodurch er sehr verkürzt werden kann, und sieht dann sowol einem Ivtuuus als einem Xumonius ähnlich. Sie schreitet behender einher als die andern Limosen, doch lange nicht so, wie die Strandläufer; ihr Gang ist gemessener, ernster, wie bei den beiden früher genannten Gattungen, aber niemals trippelnd, wie der der zuletztgenannten, obwol sie auch schnell laufen kann, wenn es die Noth erfordert, was jedoch sehr selten vorkömmt. Nicht einmal die angeschossenen oder ihrer Flugkraft beraubten suchen durch Schnelllaufen zu entkommen. Sie wadet oft bis an den Leib ins Wasser, schwimmt und taucht aber aus freiem Antriebe nie, auch nicht immer, wenn sie flügellahm geschossen wurde. Manche thun dies dagegen in der höchsten Noth wieder mit einer Fertigkeit, die man ihnen kaum zutrauen möchte. So erzählt Schilling (in Brehm's Beitr. a. a. O.), daß eine solche sich in das Meer stürzte, untertauchte und nicht wieder zum Vorschein kam; wogegen Just (s. dessen Beobachtungen, S. 52.) am Eisleber Salzsee, dicht am Wasser, eine flügellahm schoß, welche es gar nicht versuchte, sich durch Schwimmen oder Untertauchen retten zu wollen; gleichwol muffen wir beide Nachrichten für wahr halten, ob sie sich gleich widersprechen. Sie zeigen Eigenheiten einzelner Individuen, deren im Folgenden noch mehrere vorkommen werden. Ihr Flug ist leicht, schnell, gewandt, in hastigen und kräftigen Schwingungen der meistens nicht weit vom Rumpfe wegge- streckten Flügel, und geht dann gewöhnlich in gerader Linie und äußerst schnell vorwärts; etwas langsamer und zierlicher aber, wenn sie hoch fliegt, nicht sehr eilt und die Spitzen der Flügel mehr gerade vom Körper wegstreckt, wobei denn auch oft ein wirkliches 462 XII. Ordn.-I^XIII. Gatt. 244. Nostrothc Uferschnepfe. kurzes Schweben vorkömmt. Er ist in allen seinen Abwechselungen dem eines ^otnnus so ähnlich, daß es schwer halten möchte, Eigenthümlichkeiten darin aufzufinden, welche sich durch Beschreibungen genügend bezeichnen ließen, und doch wird der Geübte unsere Limose von jeder I^otanus-Art sogleich und schon in großer Entfernung sicher unterscheiden können, wenn er auf die weniger schlanke, robustere Figur des fliegenden Vogels achtet, die sich auch beim Niedersetzen zeigt, obgleich dies ganz wie bei jenen geschieht. Sie setzt sich eben so mit kurzem Schweben , und zuletzt unter Flattern nieder, hält eben so wie jene zuweilen die Flügel mit den Spitzen einige Augenblicke senkrecht in die Höhe,.ehe sie sie zusammenfaltet und in Ruhe legt, und macht diese Bewegung manchmal auch so vor dem Fortfliegen, wenn sie sich noch nicht recht hierzu entschließen kann. Sie fliegen, wenn mehrere beisammen, und von einem Lager- , orte zum, andern, immer unordentlich durch einander her und nicht sehr gedrängt, obgleich dann große Schwärme, aus der Ferne gesehen, oft Bienenschwärmen gleichen und verhältnißmäßig eben so . enge zu fliegen scheinen. Gewöhnlich wechseln die Schwärme, ihrem Umfange nach, alle Augenblicke ihre Gestalt, die sich jedoch mehrentheils ausweine in die Länge gezogene basirt, weil sie sitzend meistens eben so eine viel längere als breite Strecke einnahmen und beim Auffliegen, wenn dies nicht etwa aus Schreck und dann zugleich geschieht, die Vogel der nächsten Spitze zuerst aufsteigen, dann die der Mitte folgen und so fort, bis nach und nach die ganze Schaar sich erhoben hat und einer langgezogenen Wolke ähnlich schlängelnd durch die. Luft fortstreicht. Theilt sich eine solche, wie gewöhnlich, wenn sie bei andrängender Fluth freiwillig den Strand verlaßt, und sich auf die entferntem trocknen Weideplätze begiebt, um sich dort auszubreiten, so löst sie sich einstweilen in kleine Abtheilungen, zu 6, 10, 20 Vögeln, auf, und nur einige wenige schwärmen auch einzeln oder paarweise zwischen diesen herum, um so. zerstreuet dort: der Ruhe zu pflegen, seltner und nur beiläufig daselbst auch Nahrung zu suchen. Hier vorzüglich kann.man sehen und beobachten, wie die ebenfalls gewöhnlich in diesen Schwärmen eingeschlossenen rostgelben Limvsen (Imnosa Nv^ori) sich von den rostrothen (I-. rnkn) absondern und ihr Wesen für sich allein treiben. Auf Pelworm hatte ich dieses interessante Schauspiel im schon erwähnten Jahre vom 27. Mai bis 4. Juni täglich. Die Limosen lagerten damals gewöhnlich in einer einzigen unermeßlichen XU. Ordn. Gatt. 245. Rostrothe Uferschnepfe. 463 Schaar zuk Ebbezeit auf den Watten des Pupheber, eines sehr aus- gedehnten grünen Vorlandes im Norden der Insel, flogen bei eintretender Fluth, dicht über dem Boden, alle nach Süden, der Insel zu, schwangen sich über die hohen Eindeichungen und zerstreue- ten sich nun im Innern der Insel auf Wiesen, Viehtriften uüd Aeckern, wo sie sich sehr ruhig verhielten, bis zum abermaligen Eintritt der Ebbe, welche sie wiederum in Strömen zum Strande zog, wobei ihre Stimmen wirbelnd die Luft erfüllten. In dieser Periode herrschte eine gewisse Ausgelassenheit in der fröhlichen Schaar, im gewaltigen Widersprüche mit dem stillen, schläfrigen Betragen aus den Wiesen u. s. w. Aehnliche Schaaren sahe ich bei Nordstrand, Deichsand und anderwärts. Aus Sylt traf ich'ebenfalls einen ungeheuern Schwärm, welcher aber gerade dort, wo die Watten rein sündig waren, nicht'verweilte, sondern weiter zog. Beabsichtigen solche eine weite Reise, so ordnet sich die Masse, bald nach dem Aufsteigen, in einzelne, lange, gerade Reihen, welche in schräger Richtung mitsammen sortstreichen, oder in Doppelreihen, die sich vorn in eine Spitze vereinigen, von der Gestalt eines umgekehrten V, dessen einer Schenkel gewöhnlich kürzer als der andere ist, wie Kraniche, wilde Gänse u. a.-m. Sie streichen in solcher Ordnung gewöhnlich sehr hoch durch die Lust und durchschneiden sie rauschend und mit reißender Geschwindigkeit. Ihr Betragen dem Menschen gegenüber hat etwas Widersprechendes; denn sie ist bald gar nicht furchtsam, bald scheu, beides.in einem so hohen Grade, als wenig andere Vogel. Dies Letztere ist sie nämlich überall, wo sie in größeren Gesellschaften vereint angetroffen wird und sich an großem Gewässern befindet. Je größer solche Vereine, desto scheuer sind diese Limosen, und Schaaren, aus Tausenden bestehend und am Secstrayde, sind stets so außerordentlich scheu, daß sie den nahenden Menschen schon in der Entfernung von ein paar Hundert Schritten fliehen. Selbst dann, wenn sie, wie bei überflüssiger Nahrung immer, in einem sehr fetten.Zustande sind, in welchem andere Vogel träger werden, und eben deshalb ihre Sicherheit leichter aufs Spiel setzen, ändern diese Limosen nichts desto weniger ihr Betragen; sie bleiben eben so schüchtern und-so vorsichtig wie zuvor, und wissen ihr Mißtrauen sogar andern, weniger furchtsamen Strandvögeln mitzutheilen. ' Auch sind nicht bloß alte Vögel dieser Art so scheu, sondern auch die jungen zu manchen Zeiten. — Ganz entgegengesetzt betragen sich aber ebenfalls-manche Alten und die meisten Jungen, namentlich auf dem. Herbstzuge. 464 XN. Ordn. LXIH. Gatt. 245. Nostrothe Uferschnepfe. Einzelne sind dann zuweilen so wenig scheu, daß sie die Annäherung des Menschen bis auf eine gewisse Entfernung (für Schießgewehr oft zu nahe) gestatten, und nicht die geringste Furcht vor den Vor- überwandelnden verrathen. Sogar kleine Gesellschaften junger Vogel betrugen sich zuweilen so furchtlos, daß man ihrem Treiben lange in der Nähe zusehen konnte, ohne daß sie wegflogen, und daß einzelne ohne weitere Vorkehrungen nach Auswahl erlegt werden konnten, und die übriggebliebenen sogar, bald nachher, wieder an solchen Ort des Schreckens zurückkehrten. Dies einfältige Benehmen zeigen vorzüglich die, welche ihr Unstern durch die Mitte von Deutschland führt, doch auch nicht alle hier durchwandernden. Sogar einzelne Alte kamen hier vor, welche sich nicht klüger benahmen. Am Meeresstrande sind dagegen alle ohne Ausnahme, auch die Vereinzelten, scheuer. Sie verstecken oder drücken sich nie oder nirgends vor ihren Feinden, suchen daher auch nie solche Orte, wo dies ihnen leicht gemacht würde. Aus dem Ebengesagten ergiebt sich zur Genüge ihr Hang zur Geselligkeit, doch muß noch bemerkt werden, daß dieser sich auch über die anderer Strandvögel erstreckt. Ost ist z. B. eine einzelne Limose dieser Art (gewöhnlich junger Vogel) der Anführer einer Gesellschaft von andern kleinern Schnepfenvögeln, die ihm folgen, wohin er sie führt, und ihn ungern verlassen, weil er, scheuer und vorsichtiger als sie, sie bei Gelegenheit früher vor Gefahren warnt und zum Entfliehen mahnt, ehe diese daran denken würden. Eine solche Gesellschaft von mehrartigen kleinen Vögeln mit den einzelnen großen in ihrer Mitte sieht possierlich genug aus. Alpenstrand- läufer, bogenschnäblige, Temmink'sche, kleine Strandläufer, kleine Regenpseiferarten u. a. m., zusammen 10, 20 oder noch mehr an der Zahl, stehen so nicht selten unter dem Commando eines einzigen, so stattlichen Führers. Ja es ist nichts Seltenes, daß selbst mehrere Limosen zugleich sich solcher Strandläufervereine annehmen und sie dahin geleiten, wo alle zusammen Nahrung finden, sie anscheinlich mit aller Zuneigung behandeln, und nur dann zuweilen einen einzelnen der kleinen Untergebenen ihren Unwillen fühlen lassen, wenn er unverschämt genug war/ ihnen einen guten Bissen vor dem Schnabel wegzufischen. Die rostrothe Uferschnepfe hat eine schwächere, anders betonte und anders modulirte Stimme, als die rostgelbe. Sie ist nicht flötend, wie man die der meisten Wasserläufer wol nennen.darf, mehr ein quäkendes Pfeifen, doch auch eben nicht unangenehm, und XU. Ordn. QXIII. Gatt. 245. Rostrothe Uferschnepfe. 465 klingt bei verschiedenen Individuen verschieden, bald in der Höhe oder Tiefe des Tones, bald im Ausdrucke, weshalb es ein wunderliches Gewirr von ^Tönen giebt, wenn Lausende ihre Stimmen erheben und durch einander schreien. Bei manchen Individuen klingt sie wieKjäu, kjäu, bei andern wieKewkewkew, bei noch andern Keukeukeu, und endlich auch wie Keikeikei, in der Ferne auch wol wie Wetwetwet oder Iäckjäckjäck. Sitzende Limosen dieser Art habe ich nie schreien hören, auch selten einzelne beim Auffliegen ; dagegen schreien alle größere und kleinere Vereine beim Um- herscbwärmen ungemein viel und manche einzelne auch auf dem Zuge, wenn sie von ihren Gesellschaften abgekommen sind, oft wiederholend. Es ist ihre Lockstimme oder der Ton, womit beide Geschlechter einander zurufen, das sie aber im Herbste weniger thun als im Frühjahr, wo die Männchen dann auch noch andere nebenbei hören lassen, welche ihr Paarungsruf sind und die Stelle des Gesanges vertreten. Diese Töne klingen weit angenehmer als jene, mehr pfeifend oder fast slötenartig, wie Tabie, tabie (dreisylbig, das E vernehmlich, aber kurz gesprochen). Es erschallt dieses Tabie nur einzeln oder in langen Intervallen zwischen dem Lärmen der Menge, bald einige Mal nach einander, bald auch sehr oft und schneller wiederholt, und wird im letzten Falle dem Jodeln mancher Wafferläufer ziemlich ähnlich. Während diesem Jodeln streckt das Männchen die Flügel weit vom Leibe weg und schwebt ohne Flügelschlag sanft ein Stück fort, wobei es gewöhnlich einen Halbkreis in der Luft beschreibt und daher etwas hoch fliegt, ganz wie 1o- tunus vrrliäris oder 1'. Zlottis u. a. Wahrscheinlich mögen die Männchen an den Brüteorten sich noch weit öfterer auf diese Weise hören und sehen lassen, als sie dies auf dem Frühlingszuge thun, wo es nur bei schöner Witterung kurz vor der Fortpflanzungszeit einzeln, auf dem Herbstzuge dagegen nie vorkömmt. Nahrung. Die rostrothe Uferschnepfe ähnelt in der Wahl der Nahrungsmittel der schwarzschwänzigen viel weniger, als der rostgelben, welches übrigens aus dem verschiedenen Aufenthalt hervorgeht, und schon zu vermuthen wäre. Ihre Hauptnahrung sind im Schlamme oder Wasser lebende kleine nackte Würmchen und Insektenlarven, hauptsächlich solche, welche das Seewasser bewohnen; außerdem aber auch noch in Fluß- und Teichwasser lebende, allerlei kleine voll- 8. Theil. 30 466 XII. Ordn. I^XIII. Gatt. 245. Rostrothe Uferschnepfe. kommene Insekten und Käfer, desgleichen Negcnwürmer und allerlei Erdmaden. Daß sie so gern an der See ist, sich. vorzugsweise lange in solchen Strandgegenden aufhält, wo es schlammige Watten giebt, wie namentlich in dem oben bezeichneten Winkel der Nordsee, rein sandige aber weniger beachtet, mag andeuten, daß es hauptsächlich dort Lieblingsnahrungsmittel für sie im größten Uiberflusse geben müsse, welche andere Gegenden nicht oder doch nicht in solcher Menge haben. Wie im Vorhergehenden schon mehrmals berührt, folgen diese Uferschnepfen bei der Ebbe dem nach und nach sich zurückziehenden Wasser oder breiten sich, wenn viele beisammen sind, über die davon frei gewordenen großen, jetzt bloß noch nassen Flächen aus, wo sie theils die stehengebliebenen kleinen Psützchcn ausfischen, theils den ganz flachen, flüssigen Schlamm oder sogenannten Schlick allenthalben durchschnattern und dabei ungemein emsig sind, auch alle Augenblicke Etwas finden, daß man über die Menge des Aufgefundenen wie über ihre Freßlust erstaunen muß. Durch ein Fernrohr lassen sich zwar ihre Bewegungen dabei deutlich genug wahrnehmen, aber durchaus nicht, was sie für Geschöpfe auflesen und verschlucken; eben so wenig sind sie, wegen ihrer Wachsamkeit und großen Schüchternheit, mit Schießgewehr dabei zu erlegen, um die Magen der Getödteten sogleich untersuchen zu können, weshalb denn eigentlich noch nicht bestimmt werden konnte, was sie dort vorzugsweise genießen mögen. In eben den bezeichneten Gegenden der Nordsee sind nun zwei Nahrungsmittel, die wirklich öfters in ihren Magen gefunden wurden, in einer solchen Menge vorhanden, als sie es außerdem an wenig andern Orten sein mögen; das eine ist der Sand wurm s^rvnivoln lumbriooiüos), das andere die dort sogenannte Krabbe (OanAon vulgär«), eine kleine zarte Krebsart. Der erstere stößt, wenn das Wasser abgelaufen, sein Hügelchen auf, d. h. er öffnet seine zugeschlämmt gewesene, senkrechte Röhre wieder, und wird bei diesem Geschäft von den lauernden Vögeln beim Kopfe erwischt. Er scheint jedoch viel weniger Hauptnahrung unserer Limosen, als vielmehr die, junge Brüt der letztem, diese winzigen, ungemein zarten, grünlich durchsichtigen, höchst beweglichen Geschöpfchen, von welchen es dort auf den Watten in allen kleinen Pfützchen buchstäblich wimmelt, welche auch manche andere Schnepfenvögel sehr gern genießen, und welche sich im Magen leicht in jenen grünlichen Brei verwandeln und auflösen, den man beim Ocffnen desselben so sehr oft allein darin antrifft. — xn. Ordn. LaXIII. Gatt. 245. Nostrothe Uferschnepfe. 467 Auch ganz zarte Fischbrut kann unter die Nahrungsmittel dieser Li- mosen gezählt werden. Daß sie Keime und Fasern von Conferven verschlucken, mag zufällig geschehen, nicht so ganz kleine Conchylien, deren Schalen ihnen wie die Sandkörner, welche sie in ziemlicher Menge verschlucken, wol dienen mögen, die zur Verdauung nöthigen Reibungen des Magens zu unterstützen. Jene Krabbenbrut befindet sich besonders in unbeschreiblicher Menge da, wo der Boden der See etwas mit Schlick bedeckt ist, und die Vögel Waden gern einen bis zwei Quersinger tief in dieser dicken Brühe, aber nicht wo er tiefer liegt und zugleich steifer ist, wie z. B. an der Südseite von der Insel Nordstrand, wo dieser tintenschwarze Schlick die Watten gegen 2 Fuß hoch bedeckt, worauf sich kein Vogel wagt, weil er zu tief einsinken oder gar stecken bleiben würde. Nur wo wenig oder gar kein Schlick ist, giebt es den Sandwurm, dort in einer so enormen Anzahl, daß man mit einem einzigen Fußtritt mehr als ein Dutzend Löcher bedeckt, wo in jedem ein solcher Wurm hauset. Allein der Sandwurm bewohnt auch die rein sandigen Watten und sogar noch viel häufiger, und da solche nur selten oder gleichsam bloß im Vorbeigehen von den Limosen besucht werden, so können es schwerlich diese Würmer sein, welche ihnen jene Inseln und Küsten so lieb machen, weil sie sonst gerade an den sandigsten am häufigsten sein müßten. Mit den Krabben ist es umgekehrt, sie sind am schlammigen Gestade am häufigsten, und ihre Brüt findet sich nie auf den rein sandigen Flächen, wo der Sand gewöhnlich so eben und dicht liegt, daß menschliche Fußtritte, ja leichtes Fuhrwerk keine Eindrücke hinterlassen, aber dennoch beim Abgänge des Wassers keine Pfützen zurückbleiben, weil es theils in Masse reiner abläuft, theils in kleinern Partien sogleich vom Sande eingesogen wird; weshalb denn auch andere Schnepfen auf solchen glatten Sattdflächen nie angetroffen werden, weil daselbst von Würmern und andern Geschöpfen, welche im Wasser leben, nichts zurückbleibt als Sandwürmer, welche im Sande selbst wohnen und nur von einigen Arten, aber nicht von den Limosen eigends aufgesucht werden.") ») Ich bim dies-, Manchem vielleicht zu weitschweifig scheinende, AnSeinandersetznng für nothwendig, theil« in der Voraussetzung, daß mancher meiner Leser den Seestrand in jenen Gegenden nicht sahe oder wenigsten« seine Beschaffenheit nicht heaebtete, theilt weil schon früher andertwo die Behauptung ausgestellt ist, daß der Sandwurm e« sei, welcher diesen Limosen jene Gegenden so angenehm ma»in: Brachvogel bezeichnet, vielmehr sind, wo diese Benennung vorkomme, jene Eharadrie« damit gemeint. Manche Jäger unterscheiden auch Brachvogel und Brach- schnepsen, Mit erster» sind dann jene, mit letztem die Numeiilen bezeichnet. XU. Ordn. I XIV. Gatt. Brachvogel. 475 scheinlich beide Gatten, wegen der bei beiden gleichmäßig vorkommenden Brutflecke, abwechselnd ausbrüten. Sie lieben ihre Brüt sehr. — Als außerordentlich vorsichtige, sehr scheue Bögel sind sie schwer zu schießen, wenn dies nicht aus einem Hinterhalte geschehen kann, folgen aber leicht und gern den künstlich nachgeahmten Lock» tönen, und sind auf dem Wafserschnepfenheerde,*) ihrer Größe wegen, die Hauptvögel. Ihr Fleisch ist sehr wohlschmeckend und deshalb beliebt. Ihre Fährte drückt sich auf weichem Boden sehr regelmäßig, ein Mal wie das andere, ab, und die Vorderzehen decken 3 Lhei« lungslinien eines sechstheiligcn Zirkels wie bei vielen Schnepfenvö- geln, unterscheiden sich aber an den breiten Sohlen und doppelten Spannhäuten sehr deutlich von allen andern. Von der Hinterzeh drückt sich selten mehr als die Spitze ab. Anatomie nach Untersuchung des Xumvnius sriuut» und pliavopus, von Nitzsch: „Die Brachvogel haben die Biegungsstelle ihres langen bogenförmigen Oberkiefers wie die Strandläufer vor den Nasenlöchern, aber in unbestimmter Erstreckung; wenn der Unterkiefer abgezogen und der Oberkiefer im vorder» Theile gehoben^ wird, so schwindet die Krümmung des letztem mehr oder weniger,, indem er gerade gestreckt wird." „Die Nasenfurche reicht, wie bei Strandläufern und Limo- sen, sehr weil nach vorn zur Schnabelspitze hin." „Der knochenzellige Tastapparat fehlt." „Die Zunge ist, obgleich keine verrichtungsloseKümmerzunge, doch für die große Länge des Schnabels sehr kurz. Der Zungen- kern ist wie bei den meisten Schnepfenvögeln nur im Hintern Theile verknöchert, übrigens in den größesten Strecken knorpelig." „Die Nasendrüse zeigt hier eine ganz besonders merkwürdige Form, Sie bedeckt nämlich nicht nur als ein breites nierenförmiges Polster mit dem der andern Seite fast zusammenstoßend das Stirnbein, indem sie den Orbitalrand noch überragt, sondern sie hat außerdem noch einen langen, nach unten gehenden und unten am -) Nicht aus dem Brachvogelheerde (s. Lhl. VII. E. 186 u. s. d. W.), wie SS -chst-in ganz unrichtig verstanden, falsch abgeschrieben und dies«» Irrthum in keine» Werke» aufgenommen und dadurch verbreitet hatte; sondern auf dem Wasser- ich »er fenh «erde, wie er VII. S. Süll, u> f. genau beschrieben ist. 478 XII. Ordn. 7.X1V. Gatt. Brachvogel. Augapfel sich weit nach hinten ziehenden Ast, umfaßt daher den Augapfel ihrer Seite gleichsam wie mit zwei Armen von oben und unten; welches Verhältniß einzig zu sein scheint, wenigstens mir bis jetzt noch bei keinem Vogel außer dieser Gattung vorgekommen ist." „Die Mundwinkeldrüse ist breiter, dicker und kürzer als bei vielen andern verwandten Gattungen." „Das Hinterhauptloch kreisrund; die koramius obturst» über demselben klein." „Die Verbindungsbeine haben die dritte Gelenkung. Der Hintere Fortsatz der Unterkieferäste ist sehr hoch, kurz und hinten scharf abgeschnitten." „Der Halswirbel sind 12; der Rippenpaare, 9 von denen 2 vordere falsche. „Das Brustbein hinten elliptisch, mit 4 Hautbuchten; die äußern Abdominalfortsätze sind viel kürzer als die innern." „Das Becken ist länger und schmäler als bei allen oder den meisten Gattungen dieser Familie. Die Darmbeine belegen noch die drei letzten Rippenpaare. Die Schaambeine sind am Ende «in wenig nach innen gebogen und lassen zwischen sich und den Sitzbeinen ein ansehnliches korumsu obturstuw." „Der Schwanzwirbel sind 8 oder 9; der letzte ist nicht sehr groß." „Die Oberarmknochen zeichnen sich durch ihre Länge sehr aus, indem sie angelegt über das Hüftgelenk des Oberschenkelknochens noch etwas hinausragen, während sie bei den übrigen Schne- , pfenvögeln dieses meist bei weitem nicht, und bei einigen kaum erreichen." „Die Drüsen des Vormagens bilden zwei, wenigstens am Schlundrande gut unterscheidbare Abtheilungen oder juA». Der Magen ist rundlich und muskulös." „Das Darmdivertikel ist constant lang und hakenförmig gebogen, wie bei I^imosu ruku, welche überhaupt in mehreren Punkten sich den Brachvogeln nähert." „Die Blinddärme ziemlich lang von keulenförmiger Gestalt." XII. Ordn. QXIV. Gatt. Brachvogel. 477 „Uebrigens herrscht hier die allgemeine, unter Vlisrsänus angegebene Schnepfenbildung." O O Diese sehr gut gesonderte Gattung begreift in Allen etwa 8 bis 9 Arten, welche einander im Habitu sehr ähneln, sich aber dennoch gut unterscheiden lassen; wir haben davon in Europa Drei Arte». 246. Der große Brachvogel. Xumknius Taf. 216. j ; Mes Männchen, j Flg. 2. Junger Vogel. Brachvogel, gemeiner Brachvogel; Bracher, deutscher Bracher; Brachschnepfe, große Brachschnepfe; Korn- —, Feldschnepfe; Brachhuhn; großer Feldmäher. — Doppelschnepfe; große Wasserschnepfe; braunschnäblige —, krummschnablige Schnepfe; Himmelsgeiß; Wind- —, Wetter- —, Gewitter- —, Regenvogcl; Negen- wölp, Regenworp, Regenwulp (Regenwolf); Fastenschlier; Güt-—, Güth- —, Jüt- — Jutvogel; Geißvogel; Giloch, Grüel, Gruser, Goiser; Louis; großer Keil- oder Kielhaken; bei hiesigen Jägern: Keilhaken. IVremeurreL 1-»tl». I uü. II. z». 710. n. 1. ----- Xilssvii, Ora. »ueo. II. z». 44. a. 161. - sVeemens«^. Ori»». V. l>. 311. n. 1. -§oo/oz«r^ I-Inn. I'iiuii. »uoo. z>. 59. >>. 168. - — Iletr. I'!na>. »ueo. z». 171. u. 136. - - - Oinol. 1-ii-ii . ^v.l. I. 2. z». 655 u. 3. - /.c' Coien/r's. Nutk. Ois. VIII. 1 >. 19. — LcUt. 3o Oouxz». XV. x. 26. t. 1. k. 2. ---- Vl»a-I,. ool. 818. ----- vörsrä. 1'ali. «I°m. II. x. 238- --- 7eu>. I-stli. 8v». V. >>. 119. — Uiders. v. Bechstein, III. 1. S. 94. n. 1. ^ Von», »rot. 2»»I- II. x. 462. — uiders. v. Zimmermann, II. S. 430. X. ---- »o rviolc, drit. Nirä«. II. p 54. ---- <75r'«r/o, o ^»o^r'orre ma^ierro. 8tor. ileZIi Uoo. IV. Dar. 440. ----- 8»vi, Oru. toeo. II. I>. 320. ----- frt'aMeueo // 8oz»z». dio-Iorl. Vox. II- «. p. 109. ---- Fader, Prodrom. d. idl. Srnith. S. 24. — Bechstein, Naturg. Deutschn IV. S. 121. — Dessen Laschend. II. S. 274. ». 1. Wolf und Meyer, Laschend. II. S- 354. ---- Meyer, Vög. Liv- u. Estblande. S. 188.----- MeiSner und Schinz, Vög. d. Schweiz. S. 201. n. 192.---- Koch, Baier. Zool. I. S. 320. o. 198. --- Brehm, Beitr. III. S. 279. — Dessen Lehrbuch, II. S. 520. — Dessen Naturgesch. a. V. Deutsch«. S. 608 — 669. ----- Glogcr, Schien Faun. E- 48. n. 207. — Landbeck, Vög. Würtemberg», S. 60. ». 209. ----- SAU MH V>Ui:X'Is'^ -,,-.,u:U:> / ^l.V> MtzÄ^M-r sÄ^ZL^^.L^SL-SWL XU. Ordn. I-XIV. Gatt. 246. Großer Brachvogel. 479 Frisch. Vög. Taf. 224. ----- Naumann's Vög. alte AuSg. »l. S. 26. Taf. V. Fig. L. Männchen ini Herbst. Kennzeichen der Art. Der Scheitel rostgelbj schwarzbraun gefleckt; die Weichen weiß, mit wenigen dunkelbraunen Schaststrichen. Beschreibung. Dieser Brachvogel ist einer der größten dieser Gattung; er übertrifft darin die übrigen europäischen Arten seiner Gattung um ein Bedeutendes. Auch hat er unter diesen den längsten und stärksten Schnabel, worin er jedoch von einer amerikanischen Art noch übertreffen wird. Mit einem andern einheimischen Vogel ist er gar nicht zu verwechseln. Da er dem dunkelfarbigen Sichler in der Größe wenig nachgiebt, so ist er, nächst diesem, der größte Schnepfenvogel unter den inländischen. In der Größe gleicht er vollkommen einer Rabenkrähe st-or- vus coi-onv), hat aber eine noch stärkere, rundere Brust und länger» Rumpf, dagegen einen kürzern Schwanz, längern Hals, kleinern Kopf und viel höhere Beine, so daß er größer oder doch höher aussieht, als jene. Die Größe variirt, namentlich zwischen Alten und (erwachsenen) Jungen, so daß manche von jenen eine Länge von 20-j bis 21 Zoll oder wol noch darüber erreichen, unter den Jungen im ersten Herbst aber viele kaum 18 Zoll lang sind, versteht sich, wie in diesem Werke immer, ohne Schnabel gemessen. Die Flugbreite ist ebenfalls verschieden, von 40 bis zu 46 oder gar 47 Zoll; die Flügellänge, vom Bug bis zur Spitze, 12h bis 13 Zoll und darüber; die Schwanzlänge 4h bis 5H Zoll. Das Gefieder ist wie bei Wasserläufern und Limosen, auch die Gestalt der Flügel, welche einen mondförmig ausgeschnittenen Hinterland haben, wodurch zwei verlängerte Theile oder eine vordere und Hintere Spitze gebildet werden, wovon die letzte, am zusammengefalteten Flügel, bis auf das Ende der vierten großen Schwing- scder reicht, von welcher die erste die längste ist. Das schmale, lanzettförmigspitze, kleine, aber steife Schnepfenfederchen, vor der ersten großen Schwinge, fehlt auch hier nicht. Die Schäfte der SchwingfederN'sind an denen erster Ordnung stark, ziemlich gerade, an denen der zweiten etwas schwächer, ein wenig nach hinten gebo- 480 XII. Ordn. l^XIV. Gatt. 246. Großer Brachvogel. gen, an denen der dritten Ordnung ganz gerade und etwas schwach; dem Umfange nach die Federn der ersten bis gegen zwei Drittheile ihrer Länge gleichbreit, dann allmählig schmäler, endlich schmal zu- gerundet, die letzten an der Spitze der Jnnenfahne schief ab- und etwas ausgeschnitten; die der zweiten fast gleichbreit, mit schief ab- auf der Außenfahne ausgeschnittenem Ende; die der dritten von einer lanzettförmigen Gestalt und stumpf zugespitzt. Die 12 Schwanzfedern sind ziemlich hart, etwas breit, gegen das Ende zugerundet, dies die mittelsten am meisten, welche auch etwas länger als die andern sind, die nach den Außenseiten des Schwanzes allmählich an Lange abnehmen, so daß das äußerste Paar nur 4 bis 6 Linien kürzer als das mittelste ist, wodurch ein nur wenig abgerundetes Schwanzende entsteht. Der Schwanz ist im Ganzen nicht sehr kurz, und die Spitzen der ruhenden Flügel reichen meistens bis an sein Ende. Der Schnabel des großen Brachvogels gehört unter die längsten Vögelschnäbel, ist aber, wie bei andern langschnäbligen Arten, bei verschiedenen Individuen von verschiedener Länge, bei jüngern Vögeln immer viel kürzer als bei den alten, und bei den ältesten gewöhnlich am allerlängsten. Er mag daher, weil er bis gegen die Spitze hin weich ist, mehrere Jahre fortwachsen und an Länge zunehmen, was sonst wol geläugnet worden, aber doch augenscheinlich genug ist. Dieser Umstand findet sich übrigens bei allen weich- schnäbligen, folglich fast allen schnepfenartigen Vögeln und kann nicht bestritten werden, ist aber bei denen mit sehr langen Schnäbeln natürlich am auffallendsten, zumal wenn man sievom Entschlüpfen des Eies an beobachten kann, wo der unsres großen Brachvogels wenig über 1 Zoll lang ist, während er beim erwachsenen und die erste Wanderung antretenden jungen Vogel wenigstens schon 4^ Zoll mißt, und bei ältern und alten nun von hier an bis zu 6^ Zoll, oder gar bis gegen 7 Zoll, in allen dazwischen liegenden Längen vorkömmt. So wechselt er auch in der Stärke bei Jungen und Alten verhältnißmäßig, denn er ist bei jenen an der Wurzel manchmal nur zwischen 6 und 7 Linien hoch und gegen 6 Linien breit, während er bei Alten gegen 9 Linien hoch und fast' 7 Linien breit vorkömmt. Endlich ist er auch seiner Krümmung wegen ziemlich verschieden; er beschreibt nämlich, vom zweiten Viertheil seiner Länge an bis zur Spitze, einen sich sanft herabsenkenden flachen Bogen, dessen Sehne bei alten Vögeln um vieles länger als bei XU. Ordn. L-X1V. Gatt. 246. Großer Brachvogel. 481 jungem ist, und die bei sehr jungen Individuen so gering ist, daß der Schnabel nur wenig von der geraden Linie abweicht. ") Der Schnabel ist übrigens höher als breit, spitzewarts jedoch mehr rundlich; seine Firste etwas platt; die Spitze stumpf, am Oberschnadel etwas länger und ein wenig über die untere herabgezogen, dies jedoch fast »»merklich; die Mundkanten stumpf, wurzel- wärts etwas wulstig, jederseits mit einer parallelen Furche, die am Oberkiefer fast bis zur Spitze reicht, an der Unterkinnlade aber auf dem letzten Drittheil der Lange verläuft. Er ist bis gegen die horn- artige Spitze weich Und biegsam, an der Wurzel uttterwärts fleischfarbig, übrigens röthlichgrau, gegen die Spitze schwarzgrau Und diese endlich schwarz, inwendig, nebst Rachen und Zunge fleischfarbig. Das Nasenloch ist ein gegen 6 Linken langet offner Ritz, und liegt nahe an der Schnabelwurzel, seitlich, in einer weichen Haut, welche nicht weit vorgeht und bald in die erwähnte Furche verläuft. Das Auge ist nicht groß, hat einen tiefbraunen Stern und weißbefrederte Lider. Die Füße sind hoch und bedeutend stark, zumal an den Gelenken, ziemlich weit über die Ferse hinauf nackt; die vordern Zehen nicht lang, etwas stark, an der Wurzel durch Spannhäute verbunden, die an der äußersten bis zum ersten Gelenk reichen, bei den innern aber viel kleiner sind; die Sohlen etwas breit und ihre Ränder ein wenig vorstehend; die Hinterzeh klein, schwächlich, kurz, etwas über den Zehenballen eingelenkt und nicht länger, als daß sie stehenden Fußes mit der Spitze den Boden berührt; der weiche Uiberzug der Füße am Lauf und der Schiene nur vorn herab grob geschildert, sonst in lauter kleine achteckige Schildchen gezittert, auch die Zehenseiten, deren Rücken aber schmal geschildert, die Sohlen grobwarzig; die Krallen klein, kurz, wenig gekrümmt, unten etwas ausgehöhlt, scharsschneidig, die Schneide an der Innenseite aller -) Der Schnabel trocknet, wie andere weiche Schnöbet, nach dein Ausstopfe» MM, sich ei«, bar da aber noch die besondere Eigenheit, daß er bei unvorsichtiger Behandlung gerader wird, als er im Lebe» war; doch habe ich ihn auch a» ganz ausgetrockneten -Hauken nie ga»; gerade gesehen. Ss stark gekrümmt, als oft bei d>. kdnuut er dagegen hier auch niemals vor, »tld d.e älteste» Exemplare von dl. ^rgum» habe» einen nicht stärker gekrümmte» Schnabel, alS die iungcn von di. t-liocvpb». 8 - Theil. > AI » 482 Xil- Ordn.I^XIV. Gatt. 246. Großer Brachvogel. hervortretend, die der Mittelzeh am stärksten und, bei alten Bügeln, mit mehr oder weniger deutlichen kammartigen Einschnitten, welche allen jungem Vögeln fehlen. Der Schenkel ist bis 1'/8 Zoll nackt; der Lauf 3^ bis 3^ Zoll hoch; die Mittelzeh, mit der^Zoll langen Kralle, 2^ Zoll, die Hinterzehe, nebst der 2 Linien langen Kralle, ^4 Zoll lang. Die Farbe der Füße ist bei jungen Vögesn, die sich noch besonders durch die stärkern Fersengelenke kenntlich machen, ein sehr lichtes Graublau, bei den Alten etwas dunkler, doch immer noch eine helle Bleifarbe oder Aschblau; die der Krallen bei allen schwarz. Im Tode werden die Füße bald dunkler, aschgrau, endlich, völlig eingetrocknet, grauschwarz. ' Von ihrer ersten Bekleidung, dem Dunenkleide, hat man keine genaue Beschreibung und weiß bloß so viel, daß es an den obern Theilen lichtgraubraun, schwarz oder dunkelbraun gefleckt und an den untern Theilen weiß ist, daß die Vogel darin annoch ein sehr kurzes Schnä- belchen, aber ziemlich lange, an den Gelenken unförmlich dicke und sehr weiche Füße haben. '"Vollständig befiedert oder im Jugendkleide haben diese Vogel, wie auch in den folgenden Kleidern, weder eine schöne Färbung, noch sehr auffallende Zeichnungen. Uiberblickt man einen solchen Vogel bloß oberflächlich, so ist ein grauliches oder bräunliches Rostgelb, mit schwarzbraunen oder erdfarbigen Flecken, in der Ferne dem Lerchengefieder nicht unähnlich, an ihm vorherrschend, von welchem der weiße Bauch, llntcrrücken und Bürzel, der weiße, braun- gebänderte Schwanz, und die schwarzen Flügelspitzen eben nicht auffallend abstechen, so daß diese unansehnlichen Farben zusammengenommen und in einiger Ferne gesehen eine Mischung darstellen, die der Färbung des lehmigen Bodens oder des trocknen sandigen Erdreichs gleichen, worauf diese Vögel gern herumwandeln. Dies ist auch der Typus im Gefieder der ganzen Gattung. — Doch wir wollen vorerst das Jugend kleid im Einzelnen mustern. Der ganze Oberkopf, von der Stirn bis auf das Genick hinab, ist hell bräunlich rostgelb oder lehmgelb, an ersterer und letzterem mit klaren, auf dem Scheitel gröbern und dunklem schwarzbraunen Länge- flecken; über dem Zügel, dem Auge und den Schläfen ist diese Partie am lichtesten gefärbt; die Zügel lehmgelb, dicht schwarzbraun gefleckt und getüpfelt; über und unter dem Auge eine gelbweiße, ungefleckte Stelle; Kinn und Kehle rein weiß; die Wangen lehmgelb, erdbraun gestrichelt; der ganze Hals lehmgelb, an den Seiten etwas lebhafter, in Rostgelb übergehend, und auf dem Hinter- Xli. Ordn. I^HV. Gatt. 246. Großer Brachvogel. 48Z halse noch etwas dunkler, allenthalben mit dunkelerd.- oder schwarz- braunen Längeflecken, die .auf der Gurgel herab am schmälsten und blässesten sind; die Kropfgegcnd und Brustseiten weiß, rostgelb mehr oder weniger überlaufen, mit erdbraunen schmalen Schaftstrichen, welche an ihrem untern Ende nicht spitz auslausen, sondern in ein Büschelchen enden; diese Zeichnung setzt sich auf den Tragfedem fort, und es gesellen sich ihr noch einzelne Quer- und Pseilflecke bei; die Mitte der Unterbrust, Schenkel, Bauch und Unterschwanzdecksedern weiß, die letztern mit einzelnen seinen braunen Schaftstrichen. Die Federn des Oberrückens und der Schultern sind dunkelbraun, zunächst den Schäften fast schwarzbraun, mit dunkellehmgelben, ins röthliche Rostgelb spielenden, zackigen Kanten und die großem mit so gefärbten großen dreieckigen Randflecken, an welchen dann die Federsäume ins Weißliche übergehen; die großem Flügeldeckfedern diesen ähnlich, nur etwas lichter; die Federn der Hintern Flügelspitze lehmgelb und dunkelbraun gebändert, doch so, daß ihre dunkelbraunen Binden am Schafte in einander fließen; die übrigen Flügeldeckfedem erdbraun, mit weißlich lehmgelben Kanten, die an den kleinsten nur schlichte Einfassungen bilden, an den großem oft auch Zacken nach Innen Haben oder an den Federwurzeln in große Flecke ausarten; die Daumen- und Fittichdeckfedem schwarz, mit weißen Endkanten; die kleine verkümmerte Feder vor den großen Schwingen schwarz, mit weißem Schaft und Spitze; die Schwingfedem erster Ordnung schwarz, mit weißen Spitzenkäntchen, die vordersten mit weißen, an den folgenden immer mehr bräunlich überlaufenen Schäften, die ersten zwei oder drei nur mit weißlicher Kante der Jnnenfahne, die aber bald in große weiße Zackenflccke übergeht, welche auf der siebenten auch an der Außenfahne sichtbar werden, endlich, immer größer, die Wurzeln der Federn fast ganz einnehmen, auf die der zweiten Ordnung übergehen, sich an den letzten dieser aber nach und nach mit Lehmgelb vermischen und an denen dritter Ordnung in die schon beschriebenen Binden übergehen. Die letzten Schwingen erster Ordnung haben breitere weiße Endkanten als die vordersten, und diese setzen sich auch an den Enden derer der zweiten Ordnung fort. Aus der untern Seite ist der Flügel an der Spitze glänzend schwarzgrau, der übrige Theil der Schwingen weiß und glänzend dunkelgrau gebändert; die Deckfcvern weiß, mit schwarzgrauen Querflecken; die Achselfedem rein weiß. Der Unterrücken ist hell weiß, der Bürzel und die Oberschwanzdeckfedern ebenfalls weiß, aber mit erdbraunen Länge- und Pfeilflecken, und letztere mit rost- 31 ° 484 Xkl Ordn. I-XlV Gatt. 246. Großer Brachvogel. gelb angeflogenen Enden, welches man auch an denen der Schwanzfedern bemerkt, welche auf weißem Grunde schmale dunkelbraune Querbinden haben, deren Zahl bei verschiedenen Individuen von 9 bis zu 12 wechselt, und welche auf den Mittelfedcrn nach oben in Grau mit der weißen Grundfarbe verlausen, oder nur an der Seite der Spitze zugekehrt scharf von jenen abschneiden. Auf der Unterseite ist der Schwanz rein weiß und grauschwarz gebändert. Ohne anatomische Hülse sind Männchen und Weibchen in diesem Kleide nicht zu unterscheiden. Sie nehmen es mit in fremde Länder, indem ihre Mauser im Winter erfolgt, wo sie in unsern Gegenden nicht bleiben, und kehren dann erst im Frühlinge in dem neuen Kleide zurück, welches dem frischen Jugendkleide so ähnelt, daß es keiner weitläufigen Beschreibung bedarf. Die alten Vogel, welche dann mit jenen wiederkehren, sind an dem weniger frischen Gefieder, das sie von der Herbstmauser an, also mehrere Monate langer trugen, leicht zu erkennen, wie denn auch ihr ganzes Aussehen, namentlich ihr längerer Schnabel und ihre schlankern Füße, sie von jenen leicht unterscheiden lassen. Ihr Aussehen ist dann eigentlich noch weniger hübsch als das der jungen Vogel, weil ihre Hauptsarbe noch vielmehr ins Lehmgelbe als ins Rostgelbe fällt und die dunkelbraunen Flecke stärker gezeichnet sind, wodurch ihr Gewand viel dunkler und düsterer wird. Hauptkennzeichen, wodurch sie sich sogleich unterscheiden lassen, sind 1) die schmalen Schaftfleckc an den Seiten der Brust und an den Tragefedern, welchen nun jene Endbüschel fehlen, die dagegen eine richtige, obgleich schmale Lanzcttsorm und auch eine dunklere Farbe haben; 2) die viel rcgelmäßigcrn, weißen und dunkelbraunen, gleich- breiten und scharf von einander getrennten Schwanzbinden, die an der Zahl von 10 bis zu 12 vorkommen. Die meisten Veränderungen erleidet das Gefieder im Laufe der Zeit theils durch Abreiben und Verstoßen, besonders seiner Ränder, das bei diesen Vögeln erstaunend heftig sein muß, theils durch da§ Verbleichen der Farben vom Einfluß der Witterung, der Sonnenstrahlen u. dergl. Beides kömmt hier in einem besonders hohen Grade vor, und zeigt sich schon im April und Mai auffallend genug; noch viel mehr aber im Sommer, wenn sie einer neuen Mauser näher rücken. Dann ist nicht allein alles Lehm- oder Rostgelbc in schmutziges, bräunliches Weiß abgebleicht, das dunkle Braun zur Erdfarbe, das Schwarze rauchfahl geworden, sondern es sind auch die lichten Farben der Fedcrränder großentheils ganz verschwunden, XU. Ordn. ! xn Gatt. 246. Großer Brachvogel. 485 weil sich die Kanten mit ihnen zugleich abgestoßen haben, und, sonderbar genug, wo sie als große Sagezackenflecke vom Rande gegen die Mitte der Federn eindrangen (wie an den längsten Schulter-und Flügeldeckfedern, nebst den Federn der himern Flügelspitze), sind alle diese lichten Nandflecke wie aus den Federn herausgebissen, während die dunkelgefärbten Theile dieser Federn mehr Widerstand geleistet zu haben scheinen, stehen geblieben sind und auf diese Weise der Bart solcher Federn einen wirklich tief sägezackicht ausgeschnittenen Rand erhalten hat. Ferner, haben die Federn, welche nur einen schlichten oder hier und da etwas ausgeschweiften Rand von jener lichten Farbe hatten, ebenfalls so viel am Umfange eingebüßt, daß sie eine Lanzettform und durch das den Reibungen mehr widerstandene Ende des Schaftes eine Haarspitze erhalten haben, so daß diese Federn, auf den Schultern und Flügeln, eine ganz unnatürliche Gestalt, fast wie Hahnenfedern bekommen. Durch das Abscheuern der hellfarbigen Ränder muß natürlich das in der Mitte der Federn sitzende dunkele Braun, weil jene nicht mehr so viel davon verdecken können, nun stärker hervortreten, wodurch solche Individuen ein viel gleichfarbigeres und dunkleres Gewand bekommen, das aber weit weniger schön ist, weil auch das Braun in düsteres Erdbraun abgebleicht ist. Ferner, treten auch am Unterkörper die dunkeln Schaftstriche deutlicher aus dem Weißen hervor, weil schlauch hier die Fedcrränder stark abgerieben haben, wie denn die weißen Endkänlchen an den großen Schwingfedem auf gleiche Weise verschwanden. Und so ist denn ein alter Vogel, in seinem abgeschabten Kleide, ganz erstaunend verschieden von einem frisch vermauserten oder einem im Iungenkleide. Auch unter den Alten giebt es keine standhaften Kennzeichen, woran beide Geschlechter äußerlich zu unterscheiden wären, als etwa die verschiebend Größe und Schnabellänge, indem das Mällncken gewöhnlich etwas größer ist und einen etwas längcrn Schnabel har, als das gleichalte Weibchen. Da sich aber eben so jüngere von altern Vögeln unterscheiden, ohlle Berücksichtigung des Geschlechts, so bleibt ein solches Kennzeichen immer sehr schwankend. Es soll zuweilen eine weiße Spielart vorkommen, mit rein weißem Gefieder, grauem Schnabel und gelblichweißen Füßen. Auch erwähnt Bechstein a. a. O. einer, die auf dem Leibe rosenroth bandirte Federn hat, etwas kleiner, nur von der Größe der Waldschnepfe sein soll, welche aber wol schwerlich hierher gehören möchte. 486 XII. Ordn. OXIV. Gatt. 246. Großer Brachvogel. Wie oben erwähnt ist die Mauserzeit der Zungen nicht genau bekannt, und dasselbe möchte man auch von den Alten sagen, weil im Sommer, wenn sie durch unsere Gegenden wandern, selten ein alter Vogel dieser Art erlegt wird, an welchem sich bereits einzelne neue Federn zwischen den alten finden, welche den Anfang des beginnenden Federwechsels andeuten würden. Sie scheinen demnach ebenfalls in ihrer Abwesenheit zu mausern. Aufenthalt. Der große Brachvogel hat eine weite Verbreitung, doch wahrscheinlich keine so ausgedehnte, wie man sonst, als man andere Arton noch nicht genauer kannte, wol anzunehmen pflegte. Daß er außer Europa auch Asien in einem großen Theile bewohnt und Afrika wenigstens in seinen nördlichen Theilen auf dem Zuge berührt, ist indessen gewiß. Man hat ihn in ganz Sibirien bis Kamschatka hin, und mehreren andern Theilen Asiens, selbst bis Indien hinab, in vielen Gegenden in großer Anzahl, angetroffen. Unsern Erdthcil bewohnt er vom arctischen Kreise an, in welchen er im Sommer einzeln noch hinein rückt, z. B. im obern Norwegen, Läpp- und Finnland, bis an seine südlichsten und westlichsten Grenzen und über diese hinaus, bis in die angrenzenden Theile von Afrika und Asien hinüber, so daß es kein europäisches Land giebt, wo er nicht, als darin vorkommend, angezeigt würde, und zwar in keinem, einzelne kleine Striche etwa ausgenommen, als Seltenheit. Besonders häufig ist er längs den Seekanten, daher in den Küstenländern der Ost-und Nordsee, des atlantischen und mittelländischen Meeres ein sehr gewöhnlicher Vogel. Auf Island soll er nicht alle Jahr, auf Fäxöe öfter vorkommen und brüten, welches er übrigens schon an den Küsten und auf den Inseln Dänemarks thut, die Länder des mittlem Europa aber meistens nur auf dem Zuge durchstreift, und in ven südlichen Theilen, als an den Küsten des südlichen Frankreichs, Italiens, Griechenlands, wie auf den Inseln des Mittelmeeres und dessen jenseitigen Küstenstrichen in Schaaren überwintert. Was von den verschiedenen Ländern Europa's gesagt werden kann, nämlich daß er in dem einen mehr, in dem andern weniger oft vorkomme, aber in keinem gänzlich vermißt werde, kann man auch von den verschiedenen Theilen Deutschlands sagen, wo er nur in gebirgigen Strichen unter die seltnen Erscheinungen gehört, sonst aber allen!- XU. Ordn. 1^X1 V. Gatt. 24k. Großer Brachvogel. 487 > halben ziemlich bekannt ist, und nicht allein die nördlichen Küstenstriche, sondern auch manche ebene und tiefe Lagen in der Mitte unsres deutschen Vaterlandes alle Jahre in nicht geringer Anzahl besucht. Zu den letztem gehört auch unser Anhalt mit seinen nächsten Umgebungen; wir sehen ihn hier alle Jahr, in vielen allerdings nur einzeln, in manchem aber auch in ziemlicher Anzahl und heerdcnweis. - Daß er zu den Zngvögeln gehört, ergiebt sich zum Theil schon aus dem Ebengesagten. Er lebt nämlich zur Zeit der Fortpflanzung, im Vorsommer, in nördlichen und nordöstlichen Ländern, wandert dahin und zurück/ im Frühjahr und Herbst, durch die mittlern Länderstriche, und überwintert ig den südlichen. Letzteres sind für Europa und die meisten hier lebenden Vögel dieser Art die Küsten und Inseln des mittelländischen Meeres, und Ausnahmen hiervon sind selten. So sollen nicht wenige an der Küste Englands und einzelne auch in Deutschland überwintern; jedoch noch auffallender ist es, daß das Nämliche auch auf den Färbern, und wahrscheinlich bei allen dort wohnenden, Statt findet, wo freilich auch der gemeine Staar den Winter hindurch bleibt, während er bei uns regelmäßig wegzuziehen pflegt. Nur die offen bleibende See kann solchen Vögeln in der strengen Jahreszeit den Unterhalt sichern, wie denn auch die Seeluft das Klima jener Inseln, an sich schon, bedeutend mildert. — Sobald die Geschäfte der Fortpflanzung beseitigt sind, verläßt der große Brachvogel schon seine Brütcörter und schwärmt südlicher, in Gegenden, welche ihm die meiste Nahrung und Sicherheit gewahren, so daß selbst in Mitteldeutschland um die Mitte des Juli einzelne Alte und ein paar Wochen später völlig erwachsene Junge erscheinen, die oft bis in die Mitte des August sich in einem Umkreise von einigen Meilen herumtreiben und erst nach mehreren Wochen weiter nach Süden wan- hern. Der wirkliche Zug, wo sie selten länger als einen Lag in derselben Gegend verweilen, wird erst um die Mitte des August am stärksten, dauert durch diesen Monat, bis in den September, wo er sich allmählich verliert. Im Oktober wird bei uns selten noch ein solcher Vogel gesehen, noch spater niemals. Den Rückzug beginnen diese Vögel im April, und er dauert bis zu Anfangs Mai. Diejenigen Alten, welche man noch später, wie zuweilen gar noch im Anfange des Juni, bei uns bemerkt, mögen solche sein, welche aus irgend einem Grunde sich in diesem Jahr gar nicht fortpflanzen wollen. Alle im Frühjahr durch unsere Ge- 488 XII. Ordn. I^XIV. Gatt. 246. Großer Brachvogel. genden kommende halten sich selten länger als einen Lag an einerlei Orten auf; nur die letzterwähnten machen zuweilen hiervon eine Ausnahme. Born Frühlingszuge ist übrigens noch zu bemerken, daß diese Bögel in dieser Jahreszeit in einer weit geringern Anzahl durch unsere Gegenden wandern, als im Spätsommer, so daß sie vermuthlich entweder eine andere Straße einschlagen oder an den Winteraufenthaltsortcn sehr vermindert worden sein müssen. -- Sie wandern selten einzeln, viel öfter gesellschaftlich, meist in kleinen Vereinen von 5, auch wol 10 bis 20 und noch mehr Stücken, und in Gegenden, durch welche gewöhnlich viele wandern, wie an den Seekanten, schlagen sich oft noch mehrere zusammen, so daß man dort zuweilen Flüge von Hunderten zu sehen bekömmt. Sie stiegen dabei oft und am Tage immer sehr hoch, wenn ihrer viele beisammen sind, in einer einzigen schrägen Reihe, wenn sie aber weniger eilen, auch unordentlich durch einander. Sie wandern nicht allein am Tage, sondern auch einzeln des Nachts, wenn nämlich die Nächte nicht zu finster sind. Der große Brachvogel scheint bald See-, bald Sumpf-, bald Feldvogel, so verschieden ist sein Aufenthalt, und zwar nicht nach den Jahreszeiten, sondern in Folge eines immerwährenden Wechsels des Nassen mit dem Trocknen zu jeder Tageszeit. Zugegeben, daß ihm im Allgemeinen die Seeküsten am meisten zusagen mögen, weil auf der Wanderung wirklich die Mehrzahl ihrem Laufe zu folgen scheint und auch ihr Winteraufenthalt die Nachbarschaft des Meeres ist, so wird man ihn doch auch an andern Gewässern, gleichviel ob fließenden oder stehenden, häufig antreffen, besonders an solchen, welche ganz kahle, flache, sanft in das Wasser verlaufende Mr und beiläufig sandigen Boden haben. An die Ufer großer Gewässer, des Meeres, großer Landseen und Ströme, begiebt er sich am gewönljchsten bloß des Abends und verläßt sie, wo er es haben kann, erst mit Tagesanbruch wieder; am Tage besucht er dagegen viel lieber die kleinern, im freien Felde liegenden, flachufrigcn Teiche und Wasserlachen, selbst unbedeutende Pfützen, die weiten, flachen, sandigen Betten kleiner Flüsse und die seichten Wasserfuhrten, welche durch Sumpfgegenden führen. Er halt sich aber am Wasser nie lange Zeit nach einander, dagegen mehr als ein Mal des Tages, und jedes Mal nur Viertel- oder Halbestunden lang daran auf; denn er wechselt es beständig und wiederholt mit trocknen Plätzen, die er nicht immer nahe hat, nicht selten sogar weit nach ihnen XU. Ordn. Gatt. 246. Großer .Brachvogel. 489 stiegen muß, und so stets viel längere Zeit auf trockenem, ja ganz dürrem Boden, als auf nassem und feuchtem zubringt. Die trocknen Aufenthaltsorte des großen Brachvogels sind Brachfelder und Lehden (des geregelten Aubaues unwerthe, deswegen zur Schafweide liegen gebliebene Aecker), große, weite Huthun- gen mit kurz abgeweideten, auch theilweis verdorrten Gräsern und Haidekraut, wüste Dandflächen mit wenigen kümmerlichen Gräsern (besonders Hirrr vanoscvns), Wolfsmilch und andern erbärmlichen Gewächsen sparsam bedeckt, magere Stoppeläcker, oder Ackerstücken mit ganz junger, dürftig gewachsener Saat, endlich auch Aen- ger und feuchte Huthungen; aber niemals nasse Wiesen, niemals die eigentlichen Brücher, und nie solche Orte wo höhere, Gräser, Binsen, Schilf, Rohr und Gebüsch wachsen. Er liebt Sandboden und ist in sandigen Gegenden häufiger, als in fetten, geht daher auch gewiß auf keine schlammigen Ufer, wo er sandige in der Nahe hat. Zu seinen Lieblingsgegenden unter den trocknen, in Mitte der Festländer, gehören ganz ähnliche, welche dem Triel (Oeckiooomus orspitnns) zu Wohnorten dienen, mit Ausnahme derer im oder am Walde und in der Nähe von Bäumen, weil er von Bäumen aller Art sich stets entfernt hält. Allein das öftere Zusammentreffen an den Orten, einige Aehnlich- keit in Größe und Farbe, und beifällig auch im Geschrei, machen, daß gemeine Leute beide Arten, trotz ihrer entsetzlich verschiedenen Schnabelform, oft sogar verwechselt haben, indem bei ihnen der Name „Keilhaken" oder „großer Brachvogel" beide bezeichnet. — Er liebt ferner die Abgeschiedenheit, daher vorzüglich weite Felder, wie sie in unfruchtbaren Gegenden am öftersten vorkommen, aber, zum Unterschiede von jener Art, stets nur solche, auf welchen es nicht ganz an Wasser fehlt, oder die nicht zu entfernt von freien Gewässern liegen, weil er das Wasser gar nicht lange entbehren kann und.sehr oft dahin wechselt. Hierdurch unterscheidet er sich nicht allein von dem, auch mehr nächtlichen, Triel, als auch vom Gold- und Mornellregenpfeifer, welche alle drei, namentlich dcr erste, und die andern in der heißen Jahreszeit, nur zwei Mal des Tags, in der Morgen- und in der Abenddämmerung zum Wasser gehen, und die ganze übrige Zeit auf dem Trocknen hinbringen. Er hält sich auch in der Fortpflanzungszcit inejstcns im trocknen, sandigen, aber mit Wasser abwechselnden, moorigen, oder von Gewässern begrenzten Gegenden auf, deren Boden nur -niedere Pflanzen hervorbringt, und mit ksirzem Haidekraut (krivri.), Hatt 490 XII- Ordn. I-XIV. Gatt. 246. Großer Brachvogel. delbeeren (Vrtvoinium), Rausch (kmpotrum), und dcrgl. nur kümmerlich bedeckt ist, wie solches alles auch oft an der See zwischen den Dünenhügeln vorkömmt, und wo das Meer Sand ausspühlt. In den Brüchern und Sümpfen kömmt er allein an den freie- ften Stellen am blanken Wasser, aber nie da vor, wo das Wasser zwischen den grünen Pflanzen versteckt ist. Nie kömmt er Dörfern und menschlichen Wohnungen zu nahe; er überfliegt sie stets in bedeutender Höhe oder weicht ihnen aus, wo er nur kann. Auch Fluren und solche Gegenden, durch welche viele Wege führen und wo der Verkehr zu lebhaft ist, vermeidet er; daher kennen ihn sehr viele gar nicht, obgleich er in benachbarten sich alle Jahre sehen läßt. Auf Feldern und Viehweiden, fern von den Menschen, sieht man ihn in den heißen Mittagsstunden still und unthätig lange an derselben Stelle verweilen, weil er an solchen Orten gewöhnlich sein Mittagsschläfchen macht. Eigenschaften. Ein weniger durch seine Farben, als vielmehr durch seine schöne schlanke Gestalt und Haltung, durch seine Größe, so wie im Leben noch ganz besonders durch sein Betragen und seine flötende Stimme sehr ausgezeichneter, herrlicher Schnepfenvogel, welcher im ruhigen Stehen und Gehen seinen Leib fast wagerecht, den Hals 8förmig eingebogen, die Schnabelspitze etwas gegen die Erde gesenkt trägt, erhält, wenn er, aufgeregt, die Brust mehr erhebt, den langen Hals fast gerade ausdehnt und den Schnabel weniger senkt, ein stattliches Aussehen. Leicht und zierlich, doch in etwas weiten Schritten, pflegt er einher zu schreiten, und sein Gang ist so wenig dem rollenden Rennen eines Oturrnllrius, als dem geschäftigen Trippeln einer IrinA» zu vergleichen, vielmehr ein zwar immer noch geschmeidiges, aber doch ernsteres, anständigeres Einherschreiten, das zwischen dem eines lotnnus und dem eines Reihers das Mittel hält, jedoch mehr dem der großen Arten der ersten Gattung sich nähert. Wenn er schnell weiter will, verdoppelt er die Schritte nicht der Zahl nach, sondern in der Weite, und dies macht, daß der Lauf nicht rasch aussieht, aber doch gut fördert. Daß der große Brachvogel oft nicht allein bis an den Bauch ins Wasser wadet, sondern zuweilen ganz ungezwungen auch über das Tiefe hinwegschwimmt und das Schwimmen sehr gut versteht, wurde meinem Vater, welcher es zuerst beobachtete, von Bechstein XII. Ordn. Gatt. 246. Großer Brachvogel. 491 nachgeschrieben, später aber von Breh in (s. Beitr. IH. S. 290.) bezweifelt. Hierauf muß ich denn wiederholt versichern, daß es mit dem Schwimmen unseres^Vogels allerdings so sei, wie in der alten Ausg. d. W. III. S. 29. Z. 6 u. 7 deutlich gedruckt steht; daß wir es, mein Vater und ich, im Beisein meiner Bruder, an einem hiesigen Feldteiche, in einem Erdloche versteckt, nicht ein, sondern viele Mal beobachtet haben. Ost schwamm von einer Gesellschaft anwesender Brachvogel, welche am Rande im seichten Wasser hin und her wadeten, ganz unerwartet einer oder der andere, wie zür Belustigung, quer über den ganzen Teich, welcher doch über 100 Schritte breit war, hinweg, an das entgegengesetzte Ufer, und wenn es ihm da nicht behagte, auch wieder an das erste zurück; ein Betragen, das uns anfänglich überraschte und später oft angenehm unterhielt. Noch mehr vergnügte uns zuweilen die Keckheir dieser Vogel beim Durchschwimmen starker Strömungen zwischen den Enden zweier nahen, über dem Wasserspiegel hervorragenden Sandbänke im Bette des Elbeflusses, wo wir sie nicht selten einen Raum von 20 bis 25 Fuß durchrudern sahen, wobei sie, wie zur Lust, gegen die Strömung kämpften, aber von ihr getrieben, sich doch gezwungen sahen, am entgegengesetzten Wasserrande tiefer unten zu landen, als es wol anfänglich in ihrem Willen gelegen haben mochte, gerade so, wie einem Kahne geschiehet, welcher in gerader Linie quer durch den Strom getrieben werden soll. — Allerdings mögen ihm dabei die doppelten Spannhäute zwischen den Zehen sehr wohl zu Statten kommen. Das Schwimmen dieser Vogel, das freilich nicht oft vorkömmt, ist demnach nicht, wie H. Brehm meint, aus diesen Spannhäuten gemuthmaßt worden, sondern eine wirklich in der Natur gegründete Thatsache. An eine Verwechselung darf vollends (wie H. B. gar meint, mit koourviroswu avooetln!) nie gedacht werden, weil wir eine solche dort niemals angetroffen, die Brachvögel aber viele Jahre nach einander daselbst beobachtet haben. Was von seinem Gange gesagt wurde, paßt auch auf seinen Flug. Seine Flügelschläge sind zwar sehr geregelt, scheinen aber matt und folgen nicht sehr rasch auf einander. Will er schneller vorwärts, so schwingt er die Flügel hastiger, streckt sie aber dabei weniger von sich, und dann rückt er wirklich sehr schnell fort. Zuweilen schwebt er auch eine kurze Strecke. Wenn er aus der Höhe schnell herab will, zieht er die Flügel ganz an und schießt in wenig schiefer Richtung, wie ein fallender Stein, mit Sausen herab, wobei er nicht selten, schon dem Boden nahe, noch einige besondere 492 XU. Ordn. L.X1V. Gatt. 24H. Großer Brachvogel. Schwenkungen macht, den Körper auf diese und jene Seite wirft, im Bogen sich noch einmal erhebt, und dann erst das Niedersetzen gemächlicher vollendet, dem sonst gewöhnlich nur ein kurzes Schweben und Flattern vorangeht. Dies Manöveriren vor dem Niedersetzen nimmt sich von mehrern zugleich und durch einander her sehr gut aus. Sonst ist der Vogel im Fluge sehr kenntlich, an den großen, spitzigen Flügeln, den hinten lang und gerade hinaus gestreckten Beinen, dem lang gedehnten geraden Hals mit dem langen Bogenschnabel, in dieser Hinsicht aber auch dem dunkelfarbigen Sichler sehr ähnlich, gegen welchen er aber etwas spitzere und nach vorn schmälere Flügel hat, wie denn auch in großer Entfernung seine helle Färbung, namentlich das Weiße des Unterrückens und der untern Körpertheile sehr in die Augen leuchten. Der große Brachvogel ist ein äußerst furchtsamer, mißtrauischer und scheuer Vogel. Immer auf seiner Huth, bemerkt er schon in weiter Ferne den Feind und erwartet stehend den Augenblick, zur rechten Zeit, noch in viel größerer Entfernung, als ein Flintenschuß reicht, zu entfliehen und sich sehr weit wegzubegeben, oder die Gegend ganz zu verlassen, wie besonders wenn er sich beobachtet und verfolgt sieht. Einem Reiter oder Wagen weicht er zwar nicht sobald aus, unterscheidet aber immer die Personen, welche ihm schaden könnten, von Bauern, Hirten und Kindern, selbst wenn sie sich auf jene Art zu nähern versuchten. Mehrere beisammen sind noch scheuer als einzelne; daß sie sich aber zuweilen, wie Bech stein sagt, vor ihrem Verfolger drücken oder ducken und dann nahe aushalten sollten, streitet ganz gegen unsere Erfahrungen und ist völlig grundlos. Nur dann legen sich diese wachsamen Vögel aus den Bauch nieder, wenn sie einmal ausruhen wollen oder wirklich schlafen; doch auch dies thun nicht alle Glieder einer Gesellschaft zugleich, vielmehr bleiben aus Vorsicht immer einige auf den Füßen, oder doch auf einem Beine stehen, gewöhnlich einige Schritte von den andern entfernt, die eine Art von Wache vorstellen, wenigstens sich nicht mit solcher Sicherheit der Ruhe hingeben und beim Erscheinen etwas Ungewöhnlichen zuerst entfliehen. Wie schon beim Aufenthalt bemerkt wurde, sieht man den großen Brachvogel immer an ganz freien Orten, wo ihm nichts behinderlich wird, drohende Gefahren von allen Seiten beobachten zu können. Daß er sich im Grase oder irgendwo zu verstecken suchte, kömmt daher niemals vor; sogar angeschossene versuchen dies letzte Rettungsmittel nicht, wol Xll. Ordn. OXIV Gatt. 246. Großer Brachvogel. 493 aber schwimmen und tauchen solche, wo sie das Wasser erreichen können. Er wird vom Landmann für einen Wetterpropheten gehalten, weil er bei bevorstehender Veränderung der Witterung viel herum- schwärmt und sich häufiger hören läßt, als zu andern Zeiten. Er thut dies besonders in den Sommermonaten wenn die Luft drückend und gewitterschwül ist. Gewöhnlich lärmen jedoch die Brachvögel nur dann recht auffallend, wenn der Regen bereits so nahe ist, daß er ohnedem vorauszusehen wäre. Ob er sich vor dem Regen fürchte, oder darauf freue, läßt sich schwer errathen, doch glaube ich das Letztere, weil der Regen nackte Schnecken, Regenwürmer u. dgl. hervorlockt, die ihm zur erwünschten Nahrung dienen, und weil dann, bei heftigen Güssen, auf dem Felde Pfützen zusammen laufen, in welchen er gar gern herumwadct. Er ist auch beim Regen, wenn dieser nicht zu heftig, und bei Gewittern munter und wohlgemuth, und fürchtet das Feuer der Blitze, wie das Krachen des Donners, welches anderen scheuen Vögeln oft viele Angst macht, so wenig, daß solche, auf welche man aus einem guten Versteck schoß, vom Blitz und Knall des Gewehres bloß aufgeschreckt wurden und einige Fuß hoch aufsprangen, aber augenblicklich sich wieder neben die niedergeschmetterten Kameraden hin setzten, vielleicht in der Meinung, es sei Blitz und Donner vom Himmel gewesen. Uns ist ein so überraschendes Betragen von diesen sonst so scheuen Vögeln einige Mal vorgekommen. Der große Brachvogel ist gegen andere Vögel gar nicht, gegen seines Gleichen sehr gesellig. Der Einzelne giebt theils durch vieles Schreien, theils durch williges Folgen der Locktöne anderer seiner Art deutlich zu erkennen, daß er gern bei ihnen ist, und sich in ihrer Gesellschaft befriedigt fühlt, ein Hang, zu dem schon Furchtsamkeit, Mißtrauen und die daraus hervorgehende Vorsicht auffordern, weil, wie man im gemeinen Leben zu sagen pflegt, vier Augen mehr sehen als zwei. Dieser Trieb ist bei manchem einzelnen Vogel zuweilen so stark, daß er nur auf den nachgeahmten Lockten zu hören scheint, und den Menschen, welcher diesen hervorbringt und ihn damit täuscht, so wenig beachtet, daß er näher an ihm vorüber fliegt, als seine sonstige Klugheit zugeben sollte, so daß mancher Getäuschte aus diese Weise, selbst wenn der Jäger sich fast gar nicht verbergen konnte, ein Opfer seines blinden Geselligkeits« tricbes wurde. Selbst der in sehr großer Höhe still und stumm durch die Luft streichende, auf dem Zuge begriffene Einzelne wird 494 Xll Ordn. k xn . Gatt. 246. Großer Brachvogel. durch die von dem ihn Beobachtenden hervorgebrachten Locktöne geweckt und zum Beantworten derselben bewogen, ohne sich übrigens aufhalten zu lassen; aber sein fortgesetztes Beantworten verhallt erst in den Lüsten mit dem Entschwinden des Vogels aus dem Gesichtskreise. Er hat unter allen Sumpfvogeln die angenehmste Stimme; die großen Wasserlauser, Regenpfeifer u. a. m., selbst der Regen- brachvogel stehen ihm darin nach, weil keiner von allen einen so tiefen Ton hält, alle mehr oder weniger wohlklingend pfeifen, aber keiner so eigentlich flötet, als er. Seine abgerundeten, vollen, herrlichen Töne sind wahren Flötentönen zu vergleichen, und dabei so kräftig, daß sie bis in weite Ferne die Lust erfüllen. Sie haben für viele Menschen einen eigenthümlichen, für den jagenden Naturforscher aber einen hohen, unvergleichlichen Reiz. Von vielen Vögeln zugleich oder durch einander ausgerufen, klingen sie wie entfernte Orgeltöne, zumal sie bei verschiedenen Individuen im Tone, in der Modulation und im Ausdrucke verschiedentlich variiren und sich meistens in Halben- und Vierteltönen bewegen. Als pfeifende Wogelstimme und im Vergleich mit den unendlich hohen Tönen der kleinen Strandläuferarten, oder gar der Meisen u. a., scheinen sie allerdings eine bedeutende Liefe zu haben und gegen diese wahre Baßtöne zu sein; allein diese Täuschung schwindet, wenn man sie für sich allein mit den Tönen der bekanntesten Instrumente vergleicht, wo sie k'is und 6, oder auch kis, 6, 6is in der dreigestrichenen Octave sind, oder für die gewöhnliche Flöte so k geschrieben werden müßten. Sie mit Buchstaben zu versinnlichen, hält etwas schwerer; ich würde die erste, als gewöhnlich vorkommende, ein geschleiftes und gezogenes Laü und Taü taü nennen, die andere, das kräftigere Locken des Vogels, Tlaüid schreiben, und beim Aussprechen desselben die beiden ersten Buchstaben als einen, die drei Vokale aber jeden für sich etwas hören lassen; sehr oft schiebt aber der Vogel statt des ^ ein Schnarren ein, und zieht das Ende etwas, wo dann dieser herrliche Ruf wie Trraüith klingt. Dieses alles sind Locktöne, die letzter», wenn es mit dem °) M«i» Vater (s. d. alte AuSg. d. W. a. a. O.) schrieb: Klaüit u. Kräüit! Xlk. Ordn. I.XIV. Gatt. 246 . Großer Brachvogel. 495 Locken recht ernstlich gemeint ist, diese auch Ausdruck der Freude, wie denn überhaupt die Modulationen derselben den Kenner Man- ches errathen lassen, was der interessante Vogel damit sagen will. Größere Gesellschaften, zur Unterhaltung, fliegend oder sitzend, meistens jedoch in dem kurzen Zeitraum, wenn sie das erste mit dem letztem vertauschen wollen oder sich so eben setzen, verwandeln den erstbeschriebenen Lockten in ein etwas höheres, zärtlich und recht vertraulich klingendes Twi twi oder Twü twi; es ist der Ton, welchen der versteckte Jäger oder Vogelfänger mit Freuden vernimmt, weil die herbeigelockten Brachvogel, sobald sie ihn vernehmen lassen, nun sicher zu ihm und seinen Verderben bringenden Anstalten Herabkommen. Wer nämlich im Pfeifen mit dem Munde geübt ist, kann die anmuthigen Töne des großen Brachvogels leicht nachahmen und ihn damit an sich locken, oder wenn er das nicht kann, so bedient er sich dazu einer richtig gestimmten Pfeife. Im Sitzen schreien diese Vögel viel seltner als im Fluge, beim Wechseln der Futterplätze, am meisten aber beim Auffliegen und beim Niedersez- zen, oder die Einzelnen beim unstäten Umherschwärmen und Suchen nach Gesellschaft. In der Nacht läßt sich selten einer hören. Sonst hört man diese Vögel oft weiter als man sie sieht, besonders wenn sie nicht hoch fliegen. Außer einem kreischenden Kräh oder Krüh, das ihn. nur zuweilen Angst und Noth auspressen, welches wie die obigen Töne beiden Geschlechtern eigen ist, hat das Männchen allein auch einen besondern Paarungsruf oder Gesang, eine öftere, hastige Wiederholung der Locktöne, die auch anders modulirt sind, welches ich aber nur ein Mal gehört, damals aufzuzeichnen vergessen hatte, und es mir daher jetzt mit Buchstaben nicht richtig zu vcrsinnlichcn getraue. Es klingt dem der großem Wasserläufer und Limosen ähnlich. Der große Brachvogel, flügellahm geschossen oder sonst eingesungen, gewöhnt sich bald an die Gefangenschaft, wird jedoch selten recht zahm. Er ist dauerhaft und erträgt die Gefangenschaft einige Jahr, empfiehlt sich jedoch, seiner Größe wegen und weil er viel Schmutz macht, nicht zum eigentlichen Stubenvogel. Am besten befindet er sich in einem geräumigen Behälter im Freien, oder in einem gut umschlossenen Garten; hier kann er durch Aufsuchen von Würmern und Insekten sogar sehr nützlich werden. — Das französische !,«>>!» und l.»!, wovon der Vogel in manchen Ländern den Name» bekommen, vcrsinnlicht seine Stimme ebenfalls nicht schlecht. . 496 XII. Ordn. I^XIV. Gatt. 246. Großer Brachvogel. 91- a h r u n g. Der große Brachvogel nährt sich im Allgemeinen von'Jnsektcn und Würmern, bald mehr von diesen, bald von jenen, wie sie sich ihm gerade darbieten. Daß er auch Vegetabilien genieße und zwar nicht bloß zufällig, etwa beim Fangen und Aufnehmen animalischer Nahrungsmittel, wie z. B. mit einzelnen Grasspitzchen, Stückchen von Blättern u. dergl. wol vorkommen mag, sondern ganz absichtlich, bewiesen die genauesten Beobachtungen und das Oeffnen der Mägen vieler solcher Wöge,. Es hat sich nämlich aus solchen mehrfach ergeben, daß er Nauschbeeren sklmpetruin ni^rum) und vorzüglich Haidel- beeren (Vuvoillium klz-rtillus) genießt, im Norden, zur Zeit der Reife dieser Beeren, die Plätze besonders aufsucht, wo recht viele wachsen, und sie in solcher Menge verzehrt, daß sich sein Auswurf davon ganz blau färbt, welches man, ohne den Vogel zu öffnen, auch von außen schon an den blaugefärbten Federn, welch« den Aster umgeben, sehen kann. — Ferner, fanden wir zwischen andern Nahrungsmitteln auch ganz kleine Schwämmchen in seinem Magen, und zwar nicht ganz einzeln, ein Mal sogar recht viele solcher, von der Größe einer Erbse bis zu der einer Wolfsbohne (Impiuvs al- dus), mit und ohne Stielchen, noch sehr jung, nicht völlig entwik- kelt, noch halbkugelig, zu den Blärterschwämmen (Mariens) gehörig. Die Art selbst wächst häufig auf Feldrainen und Rasenplätzen, wo Schafe weiden und die Brachvögel sich oft aufhalten; sie schien mir zu H§;kwiolls esouIentuZ zu gehören, welche häufig ist und hier zu Lande Krösling (Kreisling) heißt. — Noch andere Pflan- zennahrung habe ich nie bei ihm gefunden. Unter den Insekten macht er fast keine Auswahl; er verzehrt sie sowohl als Larven wie im völlig entwickelten Zustande, die harten so gern als die weichen. Wir fanden den Vormagen, oft von Käfern vollgepfropft, außer Coleoptercn aber auch Insekten aller übrigen Klassen, selbst Apteren nicht ausgenommen, nur keine Lepi- dopteren. So fanden wir oft AlelolontbL solstitinlis, IH. borti- vola (?), N. sKrivoln u. a. m., 8aarut>»eu8 storoorurius, 8v. vervrUis (diese namentlich in großer Menge), mehrere Arten von ^bockius und Hsrpulus, 2abrus Kibbus und viele andere, dazwischen hin und wieder auch andere Insekten, Spinnen und namentlich viel Weberknechte (kiinIsnAium); mehrmals auch Feldheimchen (Xvkvtn vApixestris) und kleine Heuschrecken. Alle diese XII. Ordn. I-XIV. Gatt. 246. Großer Brachvogel. 497 Geschöpfe sucht er auf Brachäckern, Lebden und da, wo öfters Vieh weidet, auf trocknem Boden zusammen, wo er hin und wieder auch die Larven von dieser oder jener Art erwischt, ihnen vielleicht aber nicht so emsig nachspürt, weil man solche gar nicht so häufig bei ihm findet als Käfer. Doch mögen ihm die Jahreszeiten mancherlei Abwechslungen bringen und in der einen die, in der andern jene Nahrungsmittel, je nachdem sie häufiger oder seltner vorkommen, den Hauptunterhalt für ihn ausmachen. Am Wasser sängt er alle da vorkommenden Käfer und andere Insekten, nebst den Larven derselben, Wasserkäfer von den kleinsten, bis zu den mittlern Dzckisvus-Arten, und den Notonecten und Gyrinen wadet er oft bis an den Bauch im Wasser nach, und verfolgt solche, wie wir mehrmals sahen, zuweilen sogar schwimmend. — Es scheint aber, daß er, besonders im Sommer, die Wassernahrung weniger achtet, als die, welche er auf freiem Felde findet, und geht wol eigentlich nicht deshalb, sondern des Trinkens und Badens wegen, so oft zum Wasser; er hält sich daher auch nie lange daselbst auf. Rcgenwürmer und nackte Schnecken, welche er sehr gern mag, werden von ihm auf Rasenplätzen, niedern Viehweiden und auf feuchten Aeckern, besonders spät am Abend und in der Morgendämmerung, wo sie aus ihren Schlupfwinkeln hervorkommen, aufgesucht, und mögen zu manchen Zeiten und an gelegenen Orten zuweilen eine Hauptnahrung für ihn ausmachen; denn er geht ihnen bei Negenwctter auch an trockneren Orten nach. Von starken Regengüssen im freien Felde entstandene Wafferpfützen scheinen ihm doppelt angenehm zu sein, weil er in denselben nicht nur das unentbehrliche Wasser nun in der Nähe seiner Weideplätze findet, sondern zugleich auch wegen einer Menge in denselben verunglückter Käfer und anderer Insekten, die er bei Gelegenheit des Trinkens emsig heraus fischt. Wir sahen ihn oft an solchen Pfützen und fanden noch öfter seine Fährten an-denselben. Zum Befördern der Reibungen im Magen verschluckt er viele kleine Steinchen und Kieskörner. Wol möglich, daß ihm auch die Schalen der ganz kleinen Conchylien, die er aber mit den Thieren verschluckt, zu gleichem Zwecke dienen. Er trinkt oft und viel, und kann eben deshalb das Wasser gar nicht lange entbehren, so daß er täglich wol drei bis vier Mal, wo es nahe ist wol noch öfter, vom Felde zum Wasser kömmt, da seinen Durst stillt und sich abkühlt. Das letzte scheint ebenfalls ein S. Theil. 32 498 XU. Ordn. I.X1V. Gatt. 246. Großer Brachvogel. großes Bedürfniß für ihn, weshalb er oft ein Bad nimmt und dabei sich so durchnäßt, daß er nur so eben noch fliegen kann, dann gewöhnlich vom Wasser zu Fuß weggeht und auf den flachen, in dasselbe verlaufenden Sand- oder Rasenflächen sich abschüttelt und das Gefieder wieder trocknet, bald daraus aber wieder nach entfernteren trocknen Gegenden hinfliegt, und so lange wegbleibt, bis ihn dasselbe Bedürfniß abermals zum Wasser lockt. Wir haben ihn fast zu jeder Tageszeit, bei heißer Witterung und Dürre sogar mehr als ein Mal an einem Tage baden sehen. Wenn eine badelustige Gesellschaft zum Wasser kömmt, nehmen niemals alle Glieder derselben zu gleicher Zeit ihr Bad, sondern nur ein Theil derselben, und die übrigen folgen einzeln erst nach und nach, wodurch eine solche oft länger daselbst ausgehalten wird, als sonst gewöhnlich ist. Daß nicht alle zugleich baden, scheint eine Vorsichtsmaßregel zu sein. Zuweilen baden auch bloß einzelne, andere nicht. In der Gefangenschaft läßt sich der große Brachvogel mit untermengten Insekten und Würmern leicht an das bekannte Stuben- futter der Schnepsenvögel gewöhnen. Er verlangt auch hier viel Wasser zum Trinken und Baden. Fortpflanzung. Ob der große Brachvogel sich auch, wie behauptet worden ist, in der Mitte von Deutschland oder gar in BaLern fortpflanze oder fortgepflanzt habe, scheint nicht recht wahrscheinlich. So viel wir mit Gewißheit wissen, kömmt er in der Fortpflanzungszeit nur in der Nähe der Nordseeküsten auf deutschem Boden, ebenso in Holland und an den Küsten Jütlands, aber nicht an der deutschen Ostseeküste nistend vor. Nach viel häufiger wird er in den vielen Buchten an der Küste Norwegens, bis in die Nähe des arctischen Kreises, wie auch im innern Schweden und in Finnland. Seine Brüteorte sind sehr häufig unfern dem Meere, doch nicht immer; denn auch die großen Landseeen, Flüße und offenen Sumpfgegenden im Innern jener Lander sind gar vielen Päärchen zu Nistorten angewiesen. Gewöhnlich sind es nicht sowol Sümpfe, als vielmehr dürre und ziemlich unfruchtbare, bloß hin und wieder mit Morast versehene Gegenden, in welchen er nistet, und diejenigen der zwischen den Dünen liegenden, kleinen Thäler, welche nur kümmerliche Pflanzen hervorbringen, die jenen elenden Sandboden jedoch ziemlich bedecken und nicht so leicht mehr vom Flugsande ver- XII. Ordn. I^XIV. Gatt. 246. Großer Brachvogel. 499 schüttet werden, wo nicht bloß Sandhafer und Sandgras (Oarox srvnsrikt und LI^mus srvnarius) aufsprossen, sondern sich auch schon kleine grüne Flächen von Haidekraut, Rausch und andern mehr holzigen, aber immer ganz niedrig bleibenden Pflanzen bilden, zumal wo die Dünenhügel eine etwas breite Flache einnehmen und in Haidegegenden verlaufen. Die Dünenreihe der sehr lang ausgedehnten Westküste der Insel Sylt hat viele solcher, zugleich einsamer Stellen, an welchen ich mehrfach unsern Vogel bemerkte. Dort sind auch der Wasserrand, so wie die Watten rein sandig, was er ebenfalls verlangt, da er selbst auf den Wanderungen schlammige Ufer zu vermeiden sucht. Anfangs Mai, in manchem Jahre auch wol etwas früher, sieht man diese Wöget an den Brüteorten fast immer schon gepaart. Das Männchen läßt dann dort im schwebenden und ziemlich hohen Fluge seinen Paarungsruf fleißig erschallen. Die Gatten halten sehr treu an einander, und wenn das Weibchen auf dem Neste sitzt, ist auch das Männchen in der Nähe anzutreffen, es fliegt dem Ruhestörer mit vielem Schreien entgegen, umkreist und geleitet ihn auch noch ein Stück, wenn er sich entfernt, und an solchen Orten ist dann das Nest auch nicht schwer zu finden, weil, wenn auch das Weibchen aufgeflogen ist, die großen Eier schon in einiger Entfernung in die Augen fallen, obgleich ihre Farbe denen der Umgebungen ähnelt. Das Nest, gewöhnlich eine selbstgekratzte, kleine Vertiefung, mit wenigen trocknen Pflanzentheilen belegt, ist nämlich sehr oft entweder zwischen auf dem Boden kriechendem oder hin und wieder sich nur fingerlang erhebenden Haidekraut u. dergl., oder auf fast ganz kahlem Sande, seltner zwischen einzelnen halbverdorrten Büscheln jener Dünengräscr angebracht. Der Eier in einem Neste sind stets nie mehr als 4, welche zusammen im Neste liegend ein niedliches Kreuz darstellen, weil sie jederzeit mit den stumpfen Enden nach außen gekehrt sind und mit den Spitzen sich im Mittelpunkte des Nestes begegnen, wie dies auch bei andern Schnepfenvögeln vorkömmt, das hier aber, obgleich fast alle an Zahl und Gestalt sich gleichende Eier legen, schon der Größe wegen, recht auffallend ist. Sie sind im Verhältniß zur Größe des Vogels ansehnlich groß, fast wie die des schwarzen Storchs, also größer als die zahmer Enten, aber von einer ganz andern Gestalt, nämlich so birn- oder kreiselförmig, wie die Eier der Strand- und Wasserläufer, weshalb sie kurz und dick aussehen, an einem Ende aber sehr spitz, an dem andern schnell abge- 32 ^ 500 Xil. Ordn. Gatt. 246» Großer Brachvogel. rundet sind, während die höchste Bauchwölbung dem letztem viel näher als der Mitte liegt. Ihre Länge (im Durchschnitt) ist gegen 2 Zoll 6 bis 7 Linien, die Breite 1 Zoll 9 bis 10 Linien; es kommen auch merklich kleinere, aber schwerlich größere vor. Ihre Schale ist stark, wegen der sichtbaren Poren nicht sehr glatt, mit wenigem Glanz, auf schmutzig olivengrünlichem, blassen, bald mehr ins Oli- vengelbliche, bald ins Olivenbräunliche übergehenden Grunde, mit dunkelgrauen Flecken und Punkten, und über diesen, auf der Oberfläche, mit zahlreichern grünlichschwarzbraunen Flecken und Punkten, mitunter auch kurzen Strichen und Schnörkeln, ziemlich dicht bezeichnet, besonders am stumpfen Ende, wo sich die dunkeln Zeichnungen jedoch selten kranzartig, häufen, überhaupt auf der ganzen Fläche nirgends so angehäuft sind, daß nicht allenthalben der Grund sehr sichtbar bliebe. Die größere oder geringere Anzahl der Flecke und die verschiedenartigen Abweichungen des olivenfarbigen Grundes machen, daß mancherlei Varietäten vorkommen. Alle sehen gewissen Eiern der Silbermeve (Ikarus »rKentatys) sehr ähnlich, sind aber sowol an der kreiselförmigen Gestalt, wie noch mehr an dem viel feineren Korn der Schale leicht zu unterscheiden. Aus der Anwesenheit zweier Brutflecke an den Seiten des Unterkörpers bei beiden Geschlechtern hat man gemuthmaßt, daß beide Gatten abwechselnd brüten; sonst ist davon weiter nichts bekannt. Die Jungen laufen, sobald sie trocken sind, aus dem Neste, und die Alten sind »»gemein ängstlich um sie besorgt», und umschwärmen den Feind, welcher sich ihnen nahet, mit kläglichem Schreien, wogegen jene sich zu verstecken und festzuliegen verstehen, und sich eher ertreten lassen, als daß sie fortlaufen. Um ihnen das Verstecken zu erleichtern, führen sie die Alten gewöhnlich an Orte mit unebenem Boden und höherem Pflanzenwuchs, in der Nähe des Brüteplatzes, wo sie ohneHuno fast nie aufzufinden sind, später noch weiter hinweg, an einsame Gegenden, wo sie dann bald vollends flugbar und von den Alten verlassen werden. Feinde. Der Wanderfalke (bnico pereßrimis), und im Norden auch noch andere große Edelfalken, sind ihre ärgsten Verfolger, weniger der Hühnerhabicht (k'aloo pslumbarius), welcher jedoch auch hin und wieder einen solchen Vogel zur Beute wählt. Von einem dieser Räuber verfolgt sucht der Geängstete sein Heil in der XII. Ordn. I«XIV. Gatt. 246. Großer Brachvogel. 501 Flucht und schreiet aus vollem Halse dazu, wird aber gewöhnlich so lange gehetzt, bis seine Kräfte nachlassen und er sich ergeben muß, wenn er nicht ein Wasser erlangen, sich in dasselbe stürzen und durch Untertauchen retten kann, wodurch er allein sein Leben zu retten vermag. Zwar macht er den Falken in der Lust auch viel zu schaffen, und es nimmt sich herrlich aus, zwei so kräftige als gewandte Flieger hoch in der Lust sich herumtummeln zu sehen; allein es glückt dem Brachvogel nur selten, Muth und Kraft zu behalten, den auf ihn gerichteten, immer wiederholten Stößen des Falken stets zur rechten Zeit ausweichen zu können und ihn dadurch zu ermüden. Die Feinde, welcher seiner Brüt nachstellen, sollen Raben, Krähen, Elstern und große Meven, mitunter auch wol der Fuchs, also die nämlichen sein, welche dies auch andern schnepfen- artigen Bügeln sind; genauere Beobachtungen darüber fehlen. In seinem Gefieder Hausen Schmarotzerinsekten« in den Eingeweiden die lavlliu vuriukilis. Jagd. Als scheuer Vogel hält er auf dem Freien dem frei sich nähernden Schützen niemals auf Schußweite aus, sondern entflieht in der Entfernung von mehr als 10V Schritten, setzt sich auch sobald nicht wieder und kehrt auch spät erst wieder an den ersten Ort zurück. Da er den Menschen schon von weitem ins Auge faßt, so gelingt auch nicht, ihn auf dem Bauche rutschend anzukriechen, selbst wenn Unebenheiten des Bodens solches begünstigten. Zuweilen, aber nicht immer, läßt sich ein einzelner vorübcrfliegender durch gutes Nachahmen der Lockstimme täuschen und allenfalls schußmäßig an den frei dastehenden Schützen heranlocken, wo er dann manchmal im Vorbeifliegen mit einem weiten Schusse erreicht werden kann; die meisten Male vergißt er sich jedoch nicht so weit. Kann der Schütze aber, sobald er ihn in der Ferne sieht oder nur hört, sich sogleich in einen Hinterhalt, einen Graben, eine Erdgrube, hinter einen einzelnen Wcidenbaum, oder in ein Gesträuch werfen, und sich ihm unsichtbar machen, so kann er ihn mit leichter Mühe durch Nachahmen der Stimme zum Schusse heranlocken und im Fluge schießen; denn zum Niedersetzen läßt er sich nur an den geeignetsten Orten, namentlich am Wasser, sonst niemals bewegen. — Die sicherste Art seiner habhaft zu werden ist der Anstand, wobei nöthig ist, daß 502 XII. Ordn. l,XIV. Gatt. 246. Großer Brachvogel. man den Ort genau kennt, wo die Brachvogel täglich und öfter, besonders des Abends, zum Wasser kommen; hier gräbt man ein Loch in die Erde, worin man gehörig geduckt und ohne sich zu rühren ihre Ankunft, die sie gewöhnlich schon von weitem her durch ihren herrlichen Ruf ankündigen, geduldig abwartet. Auf diese Weise sammelten wir an einem hiesigen Feldteiche, wo alljährlich Brachvögel vorkommen, die interessantesten Beobachtungen, unter andern auch die, daß, wo sie keine Ahndung von der nahen Anwesenheit eines Menschen haben, man einen Schuß unter einen Trupp thun kann, welcher sie zwar erschreckt, aber nicht fortscheucht, so daß ein zweiter Schuß im Sitzen auf sie abgefeuert werden kann. Dies ist uns einige Male vorgekommen, und schien uns, als ob sie den Knall des Gewehres für einen Donnerschlag gehalten hätten. Es ist hierbei überhaupt nicht außer Acht zu lassen, nach dem Schusse noch so lange im Verstecke zu verweilen, bis die gesund davongekommenen weit weggeflogen sind, weil sie oft wieder umkehren und sich noch ein Mal neben den todten und verwundeten Kameraden niederlassen, oder weil sie im entgegengesetzten Falle dem Loche sobald nicht wieder trauen; wie man denn überhaupt wohl thut, nach solcher Lection, ihnen einige Ruhe zu gönnen, weil sonst zu befürchten steht, daß sie nicht allein die Nähe des Verhängnis vollen Platzes, sondern sogar die Gegend gänzlich meiden; dies namentlich in der Zugzeit im Sommer, wo manche zuweilen Wochen lang in einer ihnen behaglichen Gegend verweilen. — Bei aller Schüchternheit dieser Vögel haben wir doch zuweilen ein damit ganz in Widerspruch stehendes Betragen derselben bewundern müssen; wird z. B. ein solcher Vogel aus der Heerde flügellahm herabgeschossen, wo er sich dann unter gräßlichem Schreien vergeblich bestrebt, den übrigen zu folgen und sich auf der Erde herumpurzelt, so kehren die andern sogleich zurück, umschwärmen ihn schreiend, lassen sich sogar zuweilen neben ihm nieder und gebehrden sich, als wollten sie ihn mit sich fortnehmen, wobei sie, von Mitleid, Schmerz oder Zuneigung betäubt, sich so vergessen, daß sie den frei dastehenden Schützen unbeachtet lassen und ihm einen zweiten Schuß gestatten, bei welchem man gewöhnlich noch glücklicher als beim en sten schießt. Dies ist uns oft so vorgekommen, weshalb ich Jagd- lustige darauf aufmerksam mache. — Nur beim Neste oder bei den schon ausgelaufenen Jungen sind sie, wie andere scheue Vögel, leicht zu schießen, werden jedoch nach gethanen Fehlschüssen auch hier pst wieder vorsichtiger, XII. Ordn. l^XIV. Gatt. 246. Großer Brachvogel. 503 Zu fangen sind diese Böget leicht in den mehrerwähnten und Thl. VII. S. 209. genauer beschriebenen Fußschlingen, welche da an das Ufer aufgestellt werden, wo man sie öfters herumwan- deln sahe; zu den Schlingen müssen hier aber 3 bis 4 Pferdehaare (doppelt) genommen werden. Für den Wasserschnepfenheerd hält der eifrige Vogelsteller den großen Brachvogel für das, was der Hirsch- oder Auerhahn dem rüstigen Jäger ist, für den höchsten seiner Wünsche. Dieser Heerd ist ebenfalls schon Theil VII. S. 550 beschrieben. Nur allein am Wasser fängt man diese ansehnlichen Vogel, und lockt sie entweder mit dem Munde, oder durch eine wohlgcstimmte Lockpfeife auf den Heerdplatz und zwischen die Netze, die man, ihnen zu Gefallen, auf solchen Plätzen aufschlägt, wo sie am öftersten einzufallen Pflegen, auf mehr sandigen als schlammigen Stellen. Ihre bekannte, außerordentliche Vorsicht und Klugheit muß alle Aufmerksamkeit des Vogelstellers in Beschlag nehmen, er darf sich in seinem Hüttchen nicht rühren, sein Locken genau verstehen, es nicht zur Unzeit thun oder fortsetzen, u. s. w. Wenn die ankommende Ge- sellschaft, wie oft, nicht gleich zwischen die Garne, sondern neben dieselben einfällt, ist ein sehr übler Umstand; dann muß seine Geduld eine harte Probe bestehen und er so lange warten, bis die Vogel zu Fuß ankommen, was höchst selten ein befriedigendes Resultat giebt, und da sie je länger desto mehr Verdacht schöpfen, so entfernen sie sich dann oft, statt sich zu nähern. Sind einige auf dem Heerde, so darf er nicht geizen und alle haben wollen, sondern er muß mit einer mäßigen Zahl zufrieden sein, da nicht immer die Mehrzahl von solcher Truppe gefangen werden kann, ja, wenn sie groß, nicht einmal Raum auf dem Heerde haben möchte. Aber es ist auch keine kleine Freude, 5, 6, oder noch mehr solcher köstlichen Vogel auf einem Zug unter dem Garne zappeln zu sehen! Besser läßt sich indessen der Einzelne berücken, weil er sich aus der Luft meistens sogleich mitten zwischen die auf dem Heerde aufgestellten Bälge von andern Schnepfenvögeln, auch wol vyn seines Gleichen, niederläßt. Dieses erste Niederlassen, auf welches hier alles ankömmt, ist es eben, warum unser großer Brachvogel, nebst seinen Gattungsverwandten, nur an ihren beschränktem Lieblingsplätzen am Wasser gefangen werden können, welches aber auf dem sogenannten Brachvogelheerde meines Vaters (beschrieben Thl VII. S. 186. d. W.), worauf nur allein Regenpfeifer zu fangen sind, niemals gelingt, weil Xumanius nrcjuut» und X. pluioopus 504 XII. Ordn. L.XIV. Gatt. 246. Großer Brachvogel. auf dem Felde nirgends solche Lieblingsstellen, von so beschränktem Umfange, haben, vielmehr bald da, bald dort einfallen und sich nicht einmal nahe bei solchem Heerde, geschweige auf ihn, niederlassen würden. Es ist demnach zu Folge unsrer eigenen langjährigen Erfahrung und der aller Vogelfänger, welche am Eisleber Salzsee oder vielmehr an Teichen in dessen Nähe, sonst Brachvogel (iVmuenius) in Menge singen, erwiesen, daß Bechstein einen groben Irrthum beging, als er (Naturg. Deutsch!. IV. S. 128.) für ^uuieiiius srguntn und pbaeopus den Heerd empfahl, welchen mein Vater in der alten Ausgabe d. W. II. S. 90. u. f. für den Fang von Oiiarsckrlus nurnius und OK. inorinvllus, auf weiten Brachfeldern, angelegt wissen wollte. — Nicht bloß eine Namensverwechslung, denn mein Vater nannte, wie alle Jäger hiesiger Gegend, auch jene Charadrien „Brachvogel," — sondern auch unverkennbare Unbekanntschaft mit der Lebensweise der fraglichen Gattungen und Arten liegen bei diesen Angaben Bechstein's klar am Tage. Die Lockpfeife, welcher sich derjenige bedienen muß, welchem das Pfeifen mit dem Munde schlecht abgeht, kann entweder aus Kupfer- oder Messingblech gelöthet oder aus Knochen gedrehet werden, etwa 31/2 Zoll lang und 8 Linien (im Durchmesser) weit; vorn ist der 8 Linien lange Kern, gleich hinter ihm das Schallloch; das Ende verschließt ein ^ Zoll langer Pfropfen, vor > welchem, etwa 2/4 Zoll vom Ende, sich ein kleines Fingerloch befindet, das wenn es der Finger geschloffen, den tiefen, wenn es offen gelassen wird, den hohen Ton giebt, ein ganz einfaches Instrument, das genau die Töne i^is und 6, in der obersten Octave der gewöhnlichen Flöte, halten muß. Einige Uibung wird es bald handhaben lehren. Nutzen. Sein Fleisch ist von vortrefflichem Geschmack, zumal von jungen Vögeln im Spätsommer; von diesen auch zart, von den Alten, im Frühjahr besonders, etwas zähe. Recht fett, wie bei vielen andern Schnepfenvögeln, kömmt es selten vor. Wir haben es von . sehr verschiedenem Geschmacke gefunden, bald ganz vorzüglich, ein anderes Mal nicht besonders wohlschmeckend. Es wird indessen von vielen für ein leckeres Gericht gehalten und deshalb in großen Städten ein solcher Vogel mit 1 Thaler und mehr bezahlt. Wenn XII. Ordn. L-XIV Gatt. 246. Großer Brachvogel. 505 sie lange an der See leben, soll es, vermuthlich vom Genusse vieler Conchylien und Seewürmer, einen ranzigen oder thranigen Geschmack bekommen, worüber ich jedoch selbst keine Erfahrung gemacht habe. Schaden. Sie thun dem Menschen so wenig Schaden als andere Schne- pfenvögel. 247. Der Regen-Brachvogel. Ruineniu« L«//s. T°f. -ir. ! §>>- ; »'s Mi»nch°n. f Flg. 2. Junger Vogel. Mittler —, kleiner Brachvogel; mittler —, kleiner Bracher; Regenbrachschnepfe; Regenvogel; Regenworp, Regenwulp (Regenwolf); Saat- —, Wind- —, Wettervogel; kleiner Gewittervogel; Güs- —, Güth- —, Jütvogel; Blaufuß, Blaubein- —, Blau- beerschnepfe; (Moor- —, Moosschnepfe), Kücker, Gäcker (mit unterwärts gekrümmtem Schnabel); Wimprell, Wirhelen; Halbgrüel, Halblouis; bei uns: Kleiner Keilhacken. IVame-rr'as P/eaeo/ueL. I,stl>. !uö. II. p. 711. n. 6. ----- X>I. 880 U, Oru. 8US6. II. I>. 46. u. 162. 1V»Me»rar «tt'-lor. Lri88. V. x. 317. t. 27. s. 1. ----- -Scolo^iav x^aeoj»». Kmel. I.iuii. 8M, I. 2. z>. 657. u. 4. ----- I.iiiil. V»uu. euer. >>. 60. u. 169. -- Uetr. VsllN. 8ueo. x. 172. ll. 137. ---- <7or1rea o« ^etrte tsowrlü. Suff. 0i8. VIII. p, 27. — Lüik. s- licuxp. XV. I>. 35. VI. «ol. 842. --- cm-lse«. 3'emiviuvlc, dlsv, llouv. Lölt. II. y. 604. ---- I.LtI>. 8)-n. V. p. 123. — uiders. v. Bechstein, III. 1. S. 98. li. 6.---- Veuu. »rot. 2ool- II. x. 462. Ik. --- Uiders. v. Zimmermann, II. S. 430. 8. — S-rri-Ic, drit. Liräs. II. I>. 57. ----- I»'eeo1o. 8uvi, Oru. t 08 v. II. x. 322. ----- He ller-re Tke^enuu,/^. 8oyy. Xs- üeil. Vog. IV. t. x. 305. -- v»ber, I'-o-troin. S. 24. Bechstein, Naturg. Deutsch,. IV. S. 129. ----- Dessen er». Laschend. II. S. 275. u. 2. - Wolf und Meyer, Laschend. II. S- 355. -- Meyer, Vög. Liv- u. Esthlands. S. 189. ----- MeiSner und Schinz, Vög. d. Schweiz. S. 202. ». 193.---- Koch, Baicr. Zoo,. I. S. 321. ». 199. Brehm, Beitr. III. S. 292. — Dessen Lehrbuch, II. S. 322. — Dessen Naturgesch. a. V. Deutsch,. S. 610 — 611. ---- Gloger. Echles. ' Faun. S- 48. u. 206. ---- Landb eck, Vög. Würtemberg», S. 60. n. 210. ----- Frisch, Vög. Taf. 225. ----- Naumann'L Vög. alte AuSg. II>- S. 46. Taf. X. Fig. 10. Männchen im Frühlinge. 5'eo/o/iax Kouea/rs. 6n,e>. I. 2. p. 654. o. 17. ----- IVauie-rras -r,e?- rourcmr. I-otU. ImI. II. y. 712. ll. 17. ----- 1^-emieu Lourlr» >1 !> ' /v/x >/ , V/^// / XlVIIXXIIX !. .1 >>»/->/ V»»' / X >1 » <-ElÄ Xll. Ordn. I-XIV. Gatt. 247. Regen-Brachvogel. 507 8«nu!ui) ä« LuK. 0!s. XXII. p. 276. ---- peuu. srvt. Lv«I. Gliders, v. Zimmermann. H. x. 429. scheinen nicht hierher zu gehören. Kennzeichen der Art. Der Scheitel schwarzbraun, in der Mitte durch eine gerade, weißgelbliche Längestreife in zwei Hälften getheilt; die Weichen weiß, mit schwarzbraunen Pfeilflecken und Querstreifen. Beschreibung. Der Regenbrachvogel ist vom vorhergehenden (X. urgurltu) auffallend genug verschieden, um nicht mit ihm verwechselt werden zu können, am auffallendsten in der Größe, die wenigstens um ein Fünftheil, in vielen Fällen sogar um ein Viertheil (aber nicht die Hälfte, wie manche Schriftsteller übertrieben haben) geringer ist. Dabei ist sein Schnabel immer stärker gebogen, die Hauptfarben am Gefieder von obenher stets dunkler, überhaupt das ganze Kolorit düsterer als am großen Brachvogel. Vom dünnschnäb- ligen B-, den er an Größe wenig übertrifft, unterscheidet ihn sein robusterer Bau, welcher nicht allein am Schnabel, sondern auch an den Füßen, überhaupt an allen Körpertheilen, bemerklich wird, dann auch die düstrere Färbung des Gefieders, nebst den gegebenen Artkennzeichen. — Daß er von unachtsamen Jägern und Vogelfängern gelegentlich mit den jungen Vögeln der rostgelben und rostro- then Limose, trotz der ganz anderen Schnabelbildung, verwechselt worden ist, möchte kaum glaublich scheinen, wenn man nicht wüßte, wie fahrläßig jene oft bei solchen Gelegenheiten zu Werke gingen. Er hat die Größe einer starken Haustaube oder fast einer Ringelt« übe (Oolumda pulumbus), erscheint nach dem verschiedenen Alter eben so veränderlich in den Größenmaaßen als verhältnißmäßig der große Brachvogel, so daß auf dem Wegzuge begriffene, also völlig erwachsene Junge vorkommen, deren Körperlänge nur IM 4 Zoll, ihre Flugbreite 29 Zoll, die Länge des Flügels Zoll, die Schwanzlänge 3^ Zoll beträgt, während ganz alte Individuen (ohne Schnabel) 16^ Zoll lang, 32 Zoll breit sind, deren Flügel vom Bug bis zur Spitze 11 Zoll und deren Schwanz 4 Zoll 4 bis 6 Linien in die Länge messen. Dies die Extreme, zwischen welchen nun die Maaße liegen, wie sie am öftersten vorzukommen pflegen.*) *) Brehm, in seinen Beiträgen a. a. O. rügt, daß alle Schriftsteller vor ihn, die Größe dieses Vogels zu gering angegeben hatten, und nennt darunter auch mei- 508 XII. Ordn. laXIV. Gatt. 247. Regen-Brachvogel. Die Beschaffenheit des Gefieders ist wie beim großen Brachvogel, die Gestalt des Flügels eben so, auch der Schwanz, doch dieser verhältnißmäßig etwas länger. Er hat ein abgerundetes Ende, weil seine Mittelfedern fast ^ Zoll länger sind, als die stufenweis an Länge abnehmenden äußern. Die ruhenden Flügel reichen mit den Spitzen gewöhnlich auch bis an sein Ende, bei jungen Vögeln jedoch nicht, so daß solche, obgleich völlig erwachsen, vorkommen, wo das Schwanzende fast 1 Zoll weit über die Flügelspitzen hinausragt. Der Schnabel ist bei jungen und alten Vögeln ganz erstaunend verschieden, sowol an Länge, als an Stärke, und an der größer» oder geringern Biegung. Seine Länge ist bei völlig erwachsenen, schon auf dem Wegzuge begriffenen, und hier im mittlern Deutschland erlegten Jungen oft nur 2^ Zoll oder noch etwas weniger, seine Höhe an der Wurzel ^ Zoll und die Breite hier fast eben so; bei recht alten Vögeln mißt er dagegen bis 3^ oder fast 4 Zoll in der Länge, über ^ Zoll in der Höhe und in der Breite noch etwas mehr; die am öftersten vorkommenden Maaße sind daher die zwischen diesen Extremen liegenden, weil sie gewöhnlich Vögeln von einem mittlern Alter angehören. Er ist verhältniß- mäßig nicht schwächer als der der großen Art, aber stärker gebogen, so daß die Krümmung desselben beim erwachsenen jungen Vogel schon so stark als die beim alten Vogel der vorigen Art ist, und diese beim alten Regenbrachvogel, besonders spitzewarts, noch um Vieles stärker vorkömmt, so daß oft die Sehne des Bogens ^ der ganzen Schnabellänge oder noch über 6 Linien mißt. Uiber den terwärts etwas wulstigen Mundkanten läuft an jedem Schnabeltheile, mit jenen parallel, eine Furche am Oberschnabel bis in die Nähe der Spitze, am untern bis auf sein letztes Drittheil vor. Er ist weniger hoch und breiter als der der großen Art, seine Firste plattrund, die Spitze des obern ein wenig über die des Unterschnabels hinausragend und etwas herabgebogen, stumpf zugerundet und die untere kaum merklich in sie eingreifend. Er ist weich und bieg- nen Vater, in Bezug auf die erste Ausgabe dieses Werks, hat jedoch nicht bedacht, daß dort, wie auch in gegenwärtiger Anigabe, das Längenmaaß aller beschriebenen Vogel von der Stirn an bis zur Schwanzspitze, nicht mit Inbegriff des Schnabel», genommen ist; hätte er demnach zu der von meinem Vater angegebenen Körperlängc von 15^ (nicht wie er schreibt nur 1ä) Zoll die Schuabeüäugc 3^ Zoll addiren wollen, so würde er in 19 Zoll Länge, nach seiner Art gemessen, ei» Maaß gefunden haben, das bei unserm Vogel wenigsten» eine mittlere Größe heißen darf. XU. Ordn. Gatt. 247. Regen-Brachvogel. 509 sam, wird nur gegen die harte Spitze hin hornartig, ist an dieser schwarz, übrigens röthlichschwarzgrau, an der Wurzel, besonders des Unterschnabels, in Fleischfarbe übergehend, bei den Alten fast weinröthlich, so auch der Rachen und zum Theil der innere Schnabel. Das Nasenloch, in einer weichen Haut, seitwärts und 4 Linien von der Stirn liegend, ist ein 5 Linien langer offner Ritz, welcher erweitert und verengert werden kann; seine weiche Umgebung verläuft bald in die obere Schnabelfurche. Das Auge ist nicht groß; es hat weißbesiederte Lider und einen tiefbraunen Stern. An den Füßen bemerkt man die nämlichen Verhältnisse, wie an denen der vorigen Art; sie sind verhältnißmäßig ein wenig höher, aber eben so stark, auch Zehen, Spannhäute, Uiberzug und Krallen von gleicher Beschaffenheit. Frisch sind sie weich, besonders bei jüngern Vögeln, die leicht an den unförmlich dicken Fer- scngelenken zu erkennen sind, bei diesen gewöhnlich noch nach allen Theilen etwas kleiner und auch lichter gefärbt, nämlich blaß hell- aschblau, bei den Alten graublau oder bleifarbig, die Krallen bei allen schwarz. Die Kralle der Mittelzeh hat zwar auf der innern Seite einen vorstehenden, schneidenden Rand, dieser aber auch bei alten Vögeln keine kammartigen Einschnitte. Der Lauf ist 2 Zoll 5 bis 7 Linien hoch; der Unterschenkel 9 bis 11 Linien nackt; die Mittelzeh, mit der ^ Zoll langen Kralle, 1^ bis 1-/« Zoll lang;, die kleine, kurze, den Boden kaum mit der Spitze berührende Hin- terzeh, mit ihrer 1^ Linien langen Kralle, 7^ bis 8 Linien lang; die größer» Maaße für die ältern Vogel. Im Tode wird die Farbe der Füße dunkler, getrocknet bei Jungen schwarzgrau, bei Alten schwarz. Die Färbung des Gefieders ist der des großen Brachvogels im Allgemeinen sehr ähnlich, jedoch dunkler, düsterer, weniger ins Gelbe als ins Braune gehalten; in einiger Entfernung weniger die Farbe eines ausgedörrten Lehmbodens, als vielmehr die einer staubigen Erde. Seine Färbung ähnelt im Ganzen der der Lerchen und der Weibchen der nichttauchenden Enten. Auch bei dieser Art hat das Jugendkleid eine angenehmere, mehr ins Gelbe gehaltene Färbung und ein frischeres Aussehen, als das alter Bögel, zumal wenn dies bereits etwas abgetragen ist. Unter die hübschgefärbtcn Vogelgewänder kann weder das eine noch das andere gezählt werden. 510 XU. Ordn. I-XIV. Gatt. 247. Regen-Brachvogel. Der Vogel im Zugendkleide hat meistens noch einen viel kürzern und weniger gekrümmten Schnabel und angeschwollene Fer- sengelenke. Den ganzen Oberkopf deckt ein einförmiges Schwarz- braun, in Gestalt einer Platte (i*ileus), die eine sehr deutlich gezeichnete, gelbweiße Mittellinie der Länge nach in zwei Hälften theilt; ein lehmgelblicher, erdbraun klar gefleckter Streif über den Zügeln und an den Schläfen bis aus den Nacken dient jener als lichtere Einfassung, in welcher sich über und unter dem Auge eine weiße, ungefleckte Stelle auszeichnet; auch Kinn und Kehle sind rein weiß; die Zügel auf lehmgelbem Grunde stark schwarzbraun gefleckt; die Wangen lehmgelb, erdbraun gestrichelt; auch der ganze Hals ist lehmgelb, mit schwarzbraunen Längefleckchen, auf der Gurgel und am Kröpfe am lichtesten und am klarsten gefleckt; die Oberbrust an den Seiten, nebst den Tragefedern weiß, mit mehr ober- minder starkem lehmgelben Anfluge, und schmalen schwarzbraunen Schaftstrichen, welche an den Enden der Federn eine pinsel- oder büschelförmige Spitze haben, an den größer» Tragefedern und in den Weichen in Pfeilflecke und in abgebrochene Wellenstreife sich umwandeln; die Mitte der Unterbrust, Schenkel, Bauch und Unterschwanzdeckfedern rein weiß, nur die letztem mit einzelnen feinen schwarzbraunen Schäften und Pfeilfleckchen. Der Oberrücken und die Schultern sind schwarzbraun oder auch nur dunkelbraun, mit dunkellehmgelben Kanten, die bei manchen Stücken aus lauter ovalen, schiefgestellten und dicht aneinander gereiheten, bei andern aus dreieckigen und mehr gezackten Randflecken bestehen; die kleinen Flügeldeckfedern erdbraun, an den Rändern blaß lehmgelb; die mittlern dunkelbraun, mit helllehmgelben, tief gezackten Kanten; die großen Flügeldeckfedern und die Federn der Hintern Flügelspitze erdbraun, mit dunklern Querbändern und Schäften, und bleichlehmgelben ovalen oder dreieckigen Randflecken, die immer zwischen den Enden der dunklern Qmrbänder eingeschoben sind; der Flügelrand braun und weiß gefleckt; die Fittichdeckfedern, wie die Schwingen, braunschwarz mit weißlichen Endkäntchen; die kleine Schnepfcnfeder schwarz mit weißem Schaft und Spitze; die vordersten der großen Schwingfedern mit bräunlichweißen Schäften, an der Wurzelhälfte der Znnenfahne mit großen dreieckigen oder sägezackichten Randflecken, die von der sechsten an sich auch auf der Außenfahne zeigen, bei geschlossenem Flügel nicht sichtbar sind, an den bleichem Schwingfedern der zweiten Ordnung, die auch weiße Endkanten haben, nach und nach in Querbänder von einer lehmgelblichen Färbung und in die XII. Ordn. 1-XIV. Gatt. 247. Regen-Brachvogel. 511 Zeichnung der Schwingen dritter Ordnung übergehen. Auf der untern Seite hat der Flügel eine schwarzgraue Spitze und die Schwing- federn übrigens dunkelgraue und weiße Bandstreifen; die Deckfedern sind auf weißem Grunde erdbraun gebändert, die kleinern bloß gefleckt und gegen den Rand hin fast ganz weiß. Unterrücken und Bürzel sind weiß, mit feinen schwärzlichen Schaftstrichen, die an den ebenfalls weißen Oberschwanzdcckfedern in pfeil- und bänderartige Fleckchen übergehen; der Schwanz sehr licht bräunlichgrau, am Ende rostgelblichweiß, an den äußersten Federn weißlich, mit 7 bis 8 dunkelerdbraunen Querbändern durchzogen, welche an ihren Rändern mit der Grundfarbe verschmelzen; die untere Seite des Schwanzes weiß und braun gebändert. So sieht das Gefieder Anfangs August aus, wenn es noch ganz neu und kaum fähig ist, den Vogel in entferntere Gegenden zn tragen. Ein paar Wochen später hat es sich schon merklich verändert, das Lehmgelbe") ist zum Theil verbleicht und in eine lichte Staubfarbe umgewandelt, die nach und nach noch weißlicher und dadurch das Aussehen dem der alten Vogel ähnlicher wird. Wir erhalten daher im mittlern Deutschland das Jugendkleid meistens in einem schon etwas abgebleichten Zustande, deshalb die Verschiedenheit in den Beschreibungen desselben. Der junge Vogel nimmt sein erstes Gewand mit in fremde Länder und legt es dort vermuthlich erst in den Wintermonaten ab, erscheint dann auf der Rückkehr im Frühjahr in dem neuen Kleide, das dem der ältern Vogel gleicht und sich von dem dieser nur durch größere Frische der Farbe und durch die wenig oder noch gar nicht abgeriebenen Federränder unterscheidet. Dann ist auch sein Schnabel viel länger geworden und die unförmliche Dicke der Fersenge- lenke ist verschwunden. Betrachtet man den alten Vogel, wenn er im Frühjahr auf dem Rückzüge bei uns vorkömmt, genauer, so findet man sein Gefieder schon sehr abgerieben; ein Beweis, daß er es schon mehrere Monate trug und sich vielleicht früh im Herbst schon gemausert haben muß. Es ist im Ganzen dem Jugendkleide sehr ähnlich, hat aber, statt jener lehmgelben, eine bleichere, weißbräunliche, staubähn- liche, Grundfarbe, und sonst noch manche kleine Abweichungen, welche verdienen näher beleuchtet zu werden. Die dunkelerdbraunen °) Eine schmutzig-, bleiche, braimgelbliche Farbe, düsterer a>S Rostgelb »der irgend eine gelbe Ocherfarbe, der der trocknen, nicht ins Röthliche fallenden, Lehmerde gleich. 512 XII. Ordn. I^XIV. Gatt. 247. Regen-Brachvogel. Federn der Kopfplatte haben zum Theil bräunlichweiße Seitenkan- ten, welche sich erst nach und nach abreiben, aber, so lange sie vorhanden, die bräunlichweiße Mittelstreife weniger hervortreten lassen;^ der Hals hat auf weißbräunlichem, etwas grau gemischten, Grunde viel kürzere und daher breiter scheinende, fast länglichovale dunkelbraune Fleckchen, die gegen die Brust hinab wol etwas länglicher werden, aber an ihren Enden jene Büschelchen, welche nur den jungen Vogel charakterisiern, nicht haben, dagegen hier in eine pfeilförmige Gestalt und weiter hinab, an den Brustfellen und den Tragefedern, in pfeilförmige Querflecke und in abgebrochene Querbänder übergehen, die besonders in den Weichen die herrschende Zeichnung machen. Der Rücken und die Schultern sind dunkler als im Zugendkleide, weil die hellen Federkanten schmäler, einfacher, weniger geschweift und nicht gezackt sind, so daß, wenn sie abgerieben werden und größtentheils verloren gehen, wie im Laufe der Zeit immer geschiehet, kaum mehr als ein lichtes Saumchen an den tieferdbraunen, am Schafte dunklern Federn übrig bleibt. Alle großem Flügeldeckfedern, nebst den Federn der Hintern Flügelspitze, haben zwar die Zeichnung wie am jungen Vogel, die Ränder und Randflecke aber ebenfalls eine andere, bleichere Farbe, und die Theile, welche diese einnimmt, sind von weit schlechterer Dauer als die dunkelgefärbten, weshalb sie sich bald abstoßen, zwischen den dunkeln wie herausgebissen aussehen und den Federrändern eine wellenförmige, in der Folge sogar sägezackichte, Gestaltung geben. Auch die Schwingfedern haben schmälere Endsäume, die bald verschwinden. Die Schwanzfedern weichen am meisten ab; sie sind zwar auch sehr licht bräunlichgrau, die äußerste an der Außenfahne grauweiß, und hie Kante aller Znnenfahnen rein weiß, auch sind sie mit 7 bis 9 dunkelbraunen Binden gleichmäßig quer durchzogen, diese aber schmäler, zwei Mal schmäler als der zwischen ihnen stehende Grund, aber nicht scharf von diesem getrennt, die Schwanzspitze rostbräun- lichweiß. So kommen die Alten im Frühlinge vor. Aber bei weitem unansehnlicher, ja häßlicher noch, wird dasselbe Kleid im Sommer, wo die Farben noch viel mehr abgc- ») Diese, unter rie Artkcnnzeichen aufgenommene, lichte Mittellinie ist am frische,, oder lebenden Vogel sehr rein und scharf gezeichnet, viel bester »och als die der Seoloxax x-IIiaLg»; da sie aber sehr schmal ist, so verschiebt sie sich im Tode sehr leicht, und wenn der AuSstopfer nicht alle Aufmerksamkeit auf sie verwendet, so würd sie an ausgestopften Regenbmchvögeln, durch das Verschieben der Federn, ganz undeutlich, „nd erscheint wie einzelne Fleckchen, zerristen und ohne Zusammenhang. XU. Ordn. QXIV. Gatt. 247. Negenbrachvogel. 513 schoflen und die Federn so abgescheuert find, daß sie am Umfange gewaltig verlieren, ihre Ränder theils zackicht oder ausgebiffen, theils nach den Spitzen der Federn so abgenagt erscheinen, daß sie dadurch, weil die Schaftspitze mehr Widerstand leistete, aber fast ganz entblößt dasteht, ein lanzettförmiges, in eine Haarspitze auskaufendes Ende erhalten, besonders die Rücken-, Schulter- und Flügeldeckfedern. Den äußerlichen Unterschied zwischen beiden Geschlechtern anlangend, ist zu bemerken, daß er sich allein in der Größe des Körpers und des Schnabels findet, sowol bei jungen als alten Vögeln; das Männchen ist nämlich, mit dem Weibchen verglichen, stets > merklich größer, auch sein Schnabel länger und stärker, aber sonst am Gefieder kein Unterschied zu finden. Aufenthalt. Der Regenbrachvogel scheint noch viel weiter verbreitet als der große, wenn nämlich alle, welche man dafür gehalten, auch zuver- läßig zu dieser Art gehörten; denn in der Gattung: Xumvmus sind die Arten an Gestalt und Farbe einander so sehr ähnlich, wie in wenig andern, und grelle Unterschiede kommen fast nicht vor, so daß sie leicht zu verwechseln sind; weshalb die Angaben mancher Reisenden sich nicht für so unbedingt wahr annehmen lassen, als es mitunter wol geschehen ist, nämlich in so weit sie Bezug auf das Vorkommen gerade dieser Art haben. -— Zuverlässig gehört der Negenbrachvogel in Europa mehr dem Norden als dem Süden an. Er lebt auf den Faröern und auf Island, ferner in Norwegen bis unter den arktischen Kreis hinauf, in Schweden, Lapp- land, Finnland und dem obern Rußland am häufigsten, und kömmt von da, auf den Wanderungen nach Süden, in die Küstenländer der Ost- und Nordsee, doch hin und wieder schon nicht so häufig, am öftersten vielleicht noch nach Friesland und Holland, ist auch zahlreich in England, aber viel seltner in Frankreich. In der Mitte des Festlandes von Europa ist er nur einzeln, kommt aber wieder häufiger am Gestade des mittelländischen Meeres und auf dessen Inseln bis zur jenseitigen Küste vor. Daß er auch im obern Nordamerika lebt, ist erwiesen, so gut, als man nicht Ursache hat zu zweifeln, daß man ihn auch in Bengalen angetrof- . fen habe, da man gewiß weiß, daß er in Sibirien und im mittlern Asien überhaupt lebt, und dies der weiten Verbreitung man- s. Theil. 33 514 m. Ordn. L.XIV. Gatt. 247. Regenbrachvogel. cher anderer Sumpfvögelarten, z. B. lHoola 8oolo- psx K»IlillSAo, u. a. völlig analog ist. Indessen wird auch N eritz ollan d unter den Landern seines Aufenthalts genannt. — In Deutschland, mit Ausnahme weniger Theile, gehört er zu den Seltenheiten, nur an einigen Küstenstrichen der Ostsee und auf oder neben Rügen, hier namentlich auf der Insel Hiddensee, dann an den Küsten Holsteins und Schleswigs, und längs der ganzen Nordseeküste, so wie auf nahen Inseln, an derselben bis Holland hin, erscheint er regelmäßig alle Jahre, und in manchen sehr häufig; allein im Innern Deutschlands, so wie in der Schweiz, ist er überall und unbedingt ein seltner Vogel. So wurden am salzigen See im Mannsfeldischen in einem Zeitraum von vielen Jahren nur wenige gefangen oder geschossen, bei uns, in Anhalt, noch weniger gesehen und erlegt. Bechstein befand sich daher in grobem Irrthum, wenn er (Naturg. Deutsch!. IV. S. 133.) sagen konnte, daß diese Vögel „bis im December, wenn es nicht stark schneiet oder friert, schaarenweise" — durch Thüringen zögen, wie denn überhaupt fast Alles, was vom Betragen, Lebensweise, Jagd, Fang u. s. w. dort gesagt ist, ganz andern Vögelarten zukömmt. Wie andere in nördlichen Ländern brütende Zugvogel wohnt er dort die kürzeste Zeit im Jahr; denn wir sehen ihn im Frühjahr erst im Mai aus dem Zuge dahin zum Theil durch Deutschland wandern, und alte Vögel schon Ende Juli, junge bis Mitte August, selten noch einzelne bis spätestens September, auf der Rückreise nach ihren südlichen Winterausenthaltsorten durchziehen. Diese mögen für. alle in Nordeuropa brütenden die Küsten und Inseln des atlantischen und mittelländischen Meeres sein. Daß sie dahin zum Theil auf Umwegen gelangen, ist sehr wahrscheinlich, weil die meisten auf ihren Reisen dem Laufe der Küsten folgen und nur eine geringe Zahl quer durch das Festland zieht. An dem norddeutschen Strande sieht man einzelne auch schon Ende April zurückkehren und, im Gegensatz, im Herbste manche bis Anfangs Oktober verweilen. Es scheint sogar, daß an den englischen Küsten einzelne überwintern. Sie machen ihre Reisen am Tage und fliegen dabei sehr hoch durch die Lüste, auch des Nachts, meistens in kleinern oder größer» Gesellschaften, in den Küstengegenden nicht selten in großen Schaaren, wobei sie, wenn sie recht eilen, in einer gewissen Ordnung und meistens in einer geraden Linie, jedoch in schräger Richtung fliegen, oder gar, wie die wilden Gänse, zwei solche, XU. Ordn. I^XIV. Gatt. 247. Regenbrachvogel. 515 vorn in einen spitzen Winkel vereinte, hinten weit geöffnetes einem verkehrten V ähnliche, Linien bilden. In der Mitte von Deutschland sehen wir sie freilich niemals so, sondern fast immer nur einzeln, und als eine außerordentliche Seltenheit auch wol ein Mal eine kleine Gesellschaft von 6 bis 8 Stücken auf dem DUrchzuge. Er liebt, wie der große Brachvogel, die Nähe des Meeres, hält sich gern an solchen Küsten auf, welche sich sehr seicht und weit ins Meer erstrecken, daher zur Zeit der Ebbe weit hinein vom Wasser frei werden und große, ebene, feuchte Flächen oder sogenannte Watten bilden, vorzugsweise Noch solche, wo das Wasser große Buchten und tiefere Einschnitte ins Land hinein Macht, und zwischen Inselgruppen. Der Boden muß dabei sandig sein; auch liebt er solchen Strand vor allen, wo sich weite Rasenflächen den sandigen Watten anschließen. Auf dem Züge verläßt er den Strand nicht gern auf längere Zeit, als zum stündlichen Wechsel mit dem Trocknen erforderlich ist, worin er der großen Art völlig gleicht; aber in der Fortpflanzungszeit entfernt er sich weiter vom Meere als jene. Er sucht dann nicht allein die Gegenden landeinwärts tiefer Buchten, sondern vorzüglich die noch entfernteren Landseen, flachen und weiten Flußbetten und andern freien Gewässer tief im Lande auf, und verbreitet sich vott ihnen aus oft sehr weit auch über ganz trockne Strecken, und brütet namentlich an solchen Orten, so daß er dann den Aufenthalt dort oft hüt Vlrarackrius su- ratus (dem Goldregenpfeifer) theilt. Dicht am Wasser hält er sich Nie lange nach einander auf; er vertauscht es vielmehr täglich sehr oft mit ganz trocknen Orten, und fliegt deshalb weit weg auf abgeweidete, trockne Wiesen, große Rasenflächen, mit kurzem Haidekraut dürftiss bedeckte Viehweiden und Tristen, auch auf dürre Lehden Und Brachäcker, sogar auf die magern Stoppelfelder. Er hält sich hier zwar nur abwechselnd, im Ganzen aber viel längere Zeit als am Wasser auf, wo er gewöhnlich die Dämmerungen und Nächte hindurch zubringt, am Tage daselbst aber Meistens nur so lange verweilt, als zum Trinken, Baden und Abkühlen nöthig scheint. Er liebt sonach das Trockne mehr als das Nasse, kann jedoch das Wasser auch nicht lange missen. , Im mittlern Deutschlamd erscheint er an Landseen, großen Flüssen und Teichen, seltner in den Brüchern, und hier nur, wo freies Wasser ist, an mit Wasser angefüllten Tristen und Durchfahrten, eben. so oft aber auch auf trocknen Feldern. Wir erhielten 33 « 516 XII. Ordn. I^XIV. Gatt. 247. Regenbrachvogel. ein Mal ein Exemplar aus der Nachbarschaft, welches in der Mitte des August auf einer sehr großen Stoppelfläche, worauf jedoch die Haferschwaden noch lagen und eben aufgeräumt werden sollten, bei welcher Gelegenheit der Vogel bemerkt und mit einer bald herbeigeholten Flinte erlegt wurde. Es war ein junger, kaum so weit erwachsener Vogel, daß man ihm eine weite Reise, von jenseits der Ostsee her, zugetrauet haben möchte. Später erfuhr man, daß er schon seit ein paar Tagen auf jenem Felde bemerkt war, wo er, wie sein außerordentlich gemästeter Körper bewies, ein sehr gemüthliches Leben geführt haben mochte. Er ist ein Feind von Bäumen und Gebüsch, weicht diesen daher, .besonders auf seinen Wanderungen, überall aus und kömmt deshalb in waldigen Gegenden nicht vor. Einzelne oder zerstreut umherstehende Weidenbäume scheuet er weniger. An seinen Brüte- orten soll er sich sogar oft zwischen niederm Gesträuch herumtreiben, in dessen Nähe nisten, ja, wunderbarerweisc, sogar sich manchmal auf den Stummel eines zwergartigen oder verkrüppelten Baumes niederlassen. Eigenschaften. So wie der Regenbrachvogel nach Gestalt und Farbe nur ein verkleinerter Abdruck des großen Brachvogels zu sein scheint, eben so ähnlich ist er ihm in seinem Betragen, seiner Stimme und ganzem übrigen Wesen. Seine viel geringere Große und den kürzern Schnabel abgerechnet, finden sich indessen doch, für den Kenner auch schon in großer Ferne bemerkbar, im Aussehen mancherlei Unterschiede, namentlich fällt der viel dunkler und einfacher gefärbte Mantel sehr unterscheidend in die Augen. Stellung, Gang und Lauf sind übrigens eben so, wie bei der großen Art, mithin bedarf es keiner Wiederholung dessen, was darüber schon in voriger Beschreibung gesagt ist. Er schwimmt, auch ohne Noth, eben so gern wie jener, zeigt dabei gleiche Kühnheit, taucht auch eben so hurtig, wenn er dadurch sein Leben zu retten gedenkt. Im Fluge, welcher dem der großen Art ebenfalls ähnelt, ist er an der geringern Größe und der etwas schlankern Figur, auch in der Ferne schon, zu unterscheiden, von den großen Limosenarten aber andern auffallend krummen Schnabel, und an den langsamern Schlägen der mehr von sich gestreckten ' Flügel. Dabei fördert jedoch sein Flug sehr, und er zeigt sich auch beim Herabstürzen aus der Luft und dem oft damit vergesellschaft Xll. Ordn. l^XIV. Gatt. 247. Negcnbrachvogel. 517 teten Hin- und Herwerfen des Körpers auf diese und jene Seite, wie bei einzelnen Schwenkungen, daß er auch gewandt heißen kann. Am gemächlichsten fliegt er auch, und dann nicht hoch, wenn er vom Nassen nach dem Trocknen, hin und zurück streicht, am schnellsten und außerordentlich hoch, aber, wenn er auf der Wanderung begriffen ist. Daß Viele beisammen in einer gewissen Ordnung fliegen, ist schon erwähnt. Zuweilen fliegt er auch ziemliche Strecken schwebend, ohne Flügelschläge. Durch die Aehnlich- keit der Bewegungen beim Fliegen nähern sich die Brachvogel mehr den Sichlern (Ibis) als andern Schnepfenvögeln. Was vom Betragen des großen Brachvogels bei bevorstehender Veränderung deS Wetters und bei Regen gesagt wurde, gilt auch von ihm. Daß er bei Gewitterschwüle und kurz vor dem Reaen unrubiaer ist und mehr schreiet als sonst, hat ihm zu seinem Namen verholfen. Er ist aber während es regnet, sogar schon bei duftigem, nebeligen Wetter niedergeschlagen und achtet dann weniger auf Gefahren, desto regsamer und fröhlicher aber nach eben überstandenem Regen. Er ist kaum weniger vorsichtig und scheu als die große Art, dies ganz gewiß nie am S-estrande und sobald ihrer mehrere beisammen sind, am wenigstens allenfalls noch die Einzelnen, welche man bei uns sieht, namentlich einzelne junge Vogel. Gewöhnlich sind auch jene Unvorsichtigen, welche an dem freistehenden Menschen, welcher ihren Lockton gut nachzuahmen versteht, auf Schußnähe vorbei fliegen, bloß junge Vögel. Die Alten weichen allenthalben der Annäherung des Menschen von weitem her schon aus, m es hat ganz den Anschein, daß größere Fluge wo „e si4 ausruhen wollen oder auf einem Weideplätze ausgebreitet haben, Wachen ausstellen; denn man sieht dabei immer welche 70 und mehr Schritte von dm Haupttruppe entfernt, einzeln auf klemm Erhöhungen sieben auf den anrückenden Feind genauer, als die Uibngen, Acht babm, und bei größerer Annäherung jenes ihren Warnungsruf erheben, um mit allen zugleich sofort die Flucht zu ergreifen. Weil er dabei zugleich einen Unterschied zu machen weiß zwischen verschiedenen Personen, und so den Schützen weit mehr scheuet, als Hirten Frauenzimmer oder Kinder, so gehört er nicht allein unter die scheuen, sondern auch unter die klugen Vögel. Auch bei seinem Neste soll er die letztem weniger fürchten als Erwachsene, dort aber überhaupt alle sonst ihm eigene Vorsicht bei Seite und seine Sicherheit so aufs Spiel setzen, daß er da mit leichter Mühe erlegt werden könnte. 518 XU. Ordn. L-XIV. Gatt. 247. Regenbrachvogel. Daß er gesellschaftlich ist, kann man schon aus dem Vorhergegangenen ersehen; aber er ist es säst nur für seines Gleichen, und es ist schon ein seltner Fall, daß einer oder einige sich einem Fluge des großen Brachvogels anschließen, an andere von verwandten Gattungen gewiß nie, und wenn der Einzelne auch oft genug zwischen andern Strandvögeln am Wasser hinlaufend gesehen wird, so hat ein solches zufälliges Zusammentreffen doch durchaus nichts, was eine Anhänglichkeit an diese durchblicken ließe; aus dem Trocknen sind diese Vereinzelten vollends wahre Einsiedler. Zn den Locktöncn offenbart sich ebenfalls wieder eine große Aehnlichkeit zwischen dieser und der vorherbeschriebenen Art. Sie würden ganz dieselben genannt werden können, wenn sie nicht, ganz i'.n Einklänge mit der geringeren Körpergröße, bei X. klineopus eine merklich (um 1 bis l^r Ton) höhere Stimmung hielten, als die des X. srguatn, so daß es auf der gewöhnlichen Flöte ohnge- fahr und -r, oder n und d, in der dreigestrichenen Octave, sein möchte, wonach die Stimmung einer Lockpseife für unsern Vogel anzufertigen wäre. Sie sind, bis auf diesen Umstand, denen der großen Art in ihren Modulationen so ähnlich, daß ein Ungeübter sie leicht für dieselben halten kann, während die Höhe des Tons allein schon unterscheidend genug an das, geübte Ohr schlägt, dieses aber auch nych andere kleine Abweichungen bemerkt. Es sind reine, runde, wohl-, voll- und weittönende Flötentöne, welche sich mit den Sylben; Töü töü am besten versinnlichen lassen, im kräftigern Locken auch wol wie Tötn oder tlöüi klingen, nicht oft quch in ein etwas schnarrendes Tröüi verwandelt werden, dies besonders, wenn das. Locken recht gesteigert wird. Das gewöhnliche Töü wird nicht oft einzeln, fast immer zwei Mas, selten drei Mal nach einander ausgerufen, wo dann im letzten Falle das erste Töü viel länger gezogen wird, als die beiden andern, gerade wie bei der großen Art. Erschreckend, oder beim plötzlichen Erblicken etwas, Gefahr Drohenden, guch hei den Jungen, stoßen beide Geschlechter eigene Töne aus, welche wie Guck gück gück (hastig zu sprechen) klingen. Nach Graba (f. dessen Reife nach Farö S. 146.) ist das Angstgeschrei hes Weibchens beim Neste oder den Jungen ein Helles Krürsirükrürürükrü (im Gedanken prestissimo gesprochen), womit es den Nahenden oder Suchenden umschwärmt, während das Mänychen hoch in der Luft zuweilen klagend ü — tüö dazwischen ruft. — Außerdem hat letzteres auch noch einen schwer zu beschreibenden Paarungsruf oder Gesang, eine Art Jodeln^ in XU. Ordn. l^XIV. Gatt. 247. Negenbrachvogel. 519 dem es sein Tlöü recht oft noch einander wiederholt und die Sylben in einander verschlingt u. s. w., wobei es gewöhnlich etwas hoch und schwebend (ohne Flügelfchläge) eine Strecke durch die Lust gerade hingleitet, oder auch einen horizontalen Halbkreis beschreibt. Noch ehe sie an die Brüteorte gelangen, hört man hin und wieder ein einzelnes Männchen diesen Gesang anstimmen, wenn nämlich der Frühling schon weit vorgerückt ist; im Herbste aber niemals. Sonderbar genug ist eine Beobachtung, welche H. Just (s. dessen Vög. vom Eisleber Salzsee, S. 14.) über das Betragen eines solchen Vogels machte. Er sahe ihn den 30, August 1830 am See mit einem — Mäusebussard s^uloo bulvo) — hoch in der Lust, herumfliegen und mit ihm scherzen, wobei der Negenbrachvogel unaufhörlich seine Stimme hören ließ. Zufällig auf einem Kahne dicht am Rohre hinfahrend, ahmte H. I, sofort den Lockton des Vogels nach, was beiläufig für den, welcher gut mit dem Munde pfeifen kann, ein Leichtes ist, und jener verließ sogleich den Mäusebussard, kam äußerst schnell und in gerader Richtung so auf H. I. zugeflogen, daß der Vogel bcim plötzlichen Gewahrwerden seines Feindes und der bittern Täuschung jene ängstlichen Schreck? töne ausstieß und sogleich umkehrte, aber von H. Justs Schusse noch erreicht wurde. Er war ein junger Vogel von demselben Jahr, Nahrung. Sie hat ebenfalls vieleAehnlichkeit mit der des großen Brachvogels, mag jedoch auch manches Eigenthümliche haben, weil der Vogel nicht immer in den nämlichen Gegenden angetroffen wird, welche jenen Unterhalt gewähren. Allerdings sind es auch Insekten und Würmer, aber wahrscheinlich von andern Arten, und ebenfalls zu Zeiten auch Haidelbeeren, welche ihn nähren. Auf sandigen Watten stellt er besonders dem Uferwurm (kro, nivaln lumbriooiüvs) sehr nach, sucht ganz kleine ein- und zweimalige Conchylien und anderes Seegewürm, auch Brüt von Krabben (vrai.Kon vulKnris) und Flohkrebse (Vkmeer lovustr». Illon.?); dem Trocknen allerlei Käfer, auch die großen Arten der Mist- und Laufkäfer, Grytten und Feldheimchen lAviwtu vnmpvstris); Morgens und Abends auf dem Thau, sonst auch nach Regenwetter, den gewöhnlichen Regenwurm (^umllrivns terrvslris) in Menge und nackte Schnecken (lAmux n^rvstris); auf großen dürren Halden endlich, ganz erwiesen, auch Rauschbeeren (lümpotrum 520 XII. Ordn. I-XIV. Gatt. 247. Regenbrachvogel. mZrum) und Haidelbeeren (Vucommin wMillns). Die letztem soll er sogar zuweilen in solcher Menge genießen, daß sich sein Unrath davon ganz blau färbt. Der Namer Blaubeerschnepfe gründet sich hierauf; denn Blaubeeren heißen die Haidelbeeren in vielen Gegenden Deutschlands und weiter nordwärts. Er besucht daher die freien Gegenden, wo sie wachsen, häufigst. Ob er sonst noch etwas aus dem Pflanzenreiche genieße, wissen wir nicht. Er wechselt, der Nahrung wegen, eben so oft wie der große Brachvogel, seinen Aufenthalt vom Nassen auf trockne Gefilde und umgekehrt, mehrmals an einem Tage, und entfernt sich oft sehr weit vom Wasser. Wir haben ihn in der Mitte großer Felder angetroffen, wo er auf Stoppeläckern und Brachfeldern Käfer und andere Insekten fing, und sich einige Tage dort herumtrieb, eine Gegend, wo in der Nähe gar kein Wasser, wie er es verlangt, zu finden und solches nur in der Entfernung von einer Halbenstunde bloß noch in einer einzigen fast ausgetrockneten Pfütze, als Uiber- bleibsel eines Feldteiches, anzutreffen war. Da er aber ungemein viel trinkt und das Bedürfniß des Badens auch sehr oft haben mag, so kann er das Wasser nicht lange entbehren, verweilt aber, die Nachtzeit ausgenommen, wenigstens an Flüssen und Feldteichen nur so lange, bis eines von jenen Bedürfnissen oder beide zugleich befriedigt sind, ohne daselbst anhaltend nach Nahrung zu suchen, obgleich er beiläufig auch allerlei Wasserkäfer, Wasscrspinnen und im Wasser lebende Insektenlarven auffischt und sie theils am Was- ferrande, theils ihnen bis an den Bauch nachwadend, sogar manchmal schwimmend verfolgt. An den Seeküsten sieht man ihn jedoch viel mehr auf dem Strande als anderwärts, also viel öfter und länger am Wasser verweilen, Fortpflanzung. Der Regenbrachvogel pflanzt sich in der Nähe und innerhalb des arktischen Kreises, z. B. auf Färö, Island, im obern Skandinavien, Finnland, u. s, w. in Menge, auf deutschem Boden aber niemals fort. Bei ihrer Ankunft im Frühjahr sind diese Bögel noch eine kurze Zeit am Strande beisammen, bald aber ziehen sie sich ins Innere der Länder zurück, woselbst sie sich dann paarweise vertheilen und ausbreiten. Auf den Faröern sind es jene hoch über dem Meere erhabenen grünen Bergebenen und Moore, auf Island die Bergwiesen und hochgelegenen Halben, und hier XI!. Ordn. I^XIV, Gatt. 247. Negenbrachvogel. 521 wie überall ganz ähnliche oder dieselben Gegenden, welche der Gold- regenpfeifer zur Brutzeit ebenfalls bewohnt, und welche oft sehr weit vom Meere entfernt liegen; dort erschallt in der Mitte des Mai der trillernde oder jodelnde Paarungsruf der Männchen, und bald findet man auch an geeigneten Stellen die Nester dieser Vogel dort. Auf den zuerstgenannten Inseln scheinen sie die Fortpflanzung etwas früher zu beginnen als auf der letztem, wo man kaum vor der Mitte Juni, dort dagegen schon im Mai Eier in ihren Nestern findet. Sie leben in dieser Zeit gepaart, in Einweibigkeit, und die Gatten halten treu an einander. — Ganz ähnliche Gegenden beziehen sie, um zu brüten, auch im obern Norwegen u. s.w., wo sie besonders gern in der Nahe der innern Fiorde (tief in das Land einschneidende Meeresbuchten), in andern Landern aber oft in sehr großer Entfernung vom Meere nisten; selbst Quellen und kleine Moorwasser sind an ihren Brüteplätzen öfters nur sparsam zu finden, oder wenigstens Wasser und Sumpf von einigem Belang nickt in der Nähe anzutreffen. Nicht selten sind es dürre Haidegegenden, auf welchen hin und wieder verkrüppeltes, niederes Gebüsch wachst, von Zwergbirken, Zwergweiden und dergl., welche sie in dieser Zeit, wie anderwärts, in einzelnen Paaren vertheilt, aber nie haufenweise beisammen, bewohnen und mit andern Vögeln, namentlich (wie schon erwähnt) mit dem Goldregenpfeifer theilen. In dieser Zeit haben sie ihr Betragen sehr geändert, ihr scheues Wesen ist ganz verschwunden, an dessen Stelle zwar ein sehr regsames, aber furchtloses Benehmen getreten; sie sind zutraulicher gegen den Menschen, welcher sie freilich dort selten stört, und bei Vertheidigung der Brüt sogar kühn und dummdreist geworden, so daß sie mit Krähen und andern schwachen Räubern anbinden und sie zu verjagen suchen. Das Nest ist eine vorgefundene, zum Theil auch selbst bereitete, kleine Vertiefung, gewöhnlich auf einem kleinen Hügelchen, bald ganz auf dem Freien, bald hinter einer kleinen Grasstaude, einer verkrüppelten Zwergweide u. dgl. angebracht, welche mit wenigen dürren Hälmchen oder andern Pflanzentheilen ganz sparsam und kunstlos belegt ist, die oft auch gänzlich fehlen. Es ist nicht schwer zu finden, weil die Vögel durch ihr ängstliches Umschwärmen und Schreien das Plätzchen verrathen und die großen Eier ganz frei daliegen, so daß sie, trotz ihrer schmutzigen, den Umgebungen ähnlichen Färbung, schon in die Augen fallen, wenn sich der Suchende noch mehrere Schritte weit davon befindet. Jedes Nest enthält nie 522 XU. Ordn. L.XIV. Gatt. 247. Regenbrachvogel. mehr als 4 Eier, sehr selten nur 3, und ihre regelmäßige Lage im Neste, mit den Spitzen nach innen, erleichtert das Auffinden derselben ebenfalls. Diese Eier sind, im Verhältniß zur Körpergröße, sehr groß. Nur die Strandläufer legen verhältnißmäßig eben so große Eier, alle andere Schnepfenvögel, einige Charadrien etwas ausgenommen, haben sie, mit der Größe ihres Körpers verglichen, kleiner. Denen des großen Brachvogels stehen sie hinsichtlich ihrer Größe aber noch weit nach, sind ihnen aber sonst in Form und Färbung ziemlich ähnlich. Sie sind im Durchmesser ohngefähr 2^ Zoll lang, 1^/4 Zoll oder auch nur 1 Zoll 7 bis 8 Linien breit, und die größte Breite liegt bedeutend über der Mitte, dem stumpfen Ende mehr genähert, welches sehr abgerundet, das entgegengesetzte sehr schmal zugerundet ist; sie haben demnach eine stark kreisel- oder birnförmige Gestalt, die Schale ein ziemlich grobes Korn und wenig Glanz. Ihre Grundfarbe ist ein schmutziges Olivengrün, bald mehr, bald -weniger bleich, bei frischen Eiern mit einigem Glanz, der bei dem Bebrüten vergeht. Auf diesem Grunde zeigen sich nun viele Flecke und Punkte, die unter der Oberfläche röthlichaschgrau, auf ihr sehr dunkel olivenbraun sind. Von den erstem haben viele dieser Eier nur wenige, und solche, an welchen sie häufig und in großen zusammengeflossenen Flecken vorkommen, die auch stets mehr in der Nähe des stumpfen Endes stehen, sind selten; die meisten werden gewöhnlich von den äußern dunkelbraunen Flecken verdeckt, welche ebenfalls nahe am stumpfen Ende am häufigsten stehen, auch am größesten sind und nicht selten einen Fleckenkranz bilden, während sie auf der übrigen Fläche und gegen das spitze Ende ziemlich einzeln stehen. Sie variiren bedeutend, theils in der bleichem oder frischem Grundfarbe, theils in dem mehr oder weniger Geflecktsein, theils in der Hellern oder dunklem Farbe der Flecke, sind aber doch im Ganzen nicht leicht zu verkennen. Mit den Eiern der schwarz- schwänzigen Uferschnepfe haben sie in Gestalt, Farbe und Zeichnung viele Aehnlichkeit, sind aber sehr bedeutend größer, und ihre Flecke auch deutlicher dargestellt. Auch mit denen einiger Raub- meven (k> 6 stris) haben sie viel Aehnlichkeit, diese aber eine bau- chichtere Gestalt; dazu sind die der Ik,. xnrasitiv» viel kleiner, und die der 1^ pvinirrivu bedeutend größer, als die gegen die Spitze zu viel schlankem Eier unsers Regenbrachvogels; die der letztem Art sind auch grobkörniger und dabei stets dunkler gefleckt. Wahrscheinlich brüten beide Gatten abwechselnd, weil beide X!l. Ordn. l^XIV. Gatt. 2-7. Regenbrachvogel. 52Z Brutflecke haben, auf jeder Seite des Unterleibes einen. Sie lieben die Eier sehr und gebehrden sich ungemein ängstlich gegen den Suchenden, noch weit mehr, wenn die Zungen ausgeschlüpft sind, die das Nest verlassen, sobald sie abgetrocknet sind, und sich bald gut drücken und verstecken lernen. Dann umschwärmen die Alten sehr nahe und mit jenem gückernden Geschrei den Menschen, welcher auf eine solche Stelle kömmt, wo die Jungen in ihrem Versteck liegen und sich einzeln an den Boden bis zum Getreten fest niedergedrückt haben, wo sie äußerst schwer zu entdecken sind. Gewöhnlich sind in der zweiten Hälfte des Juni Junge da, die bald heranwachsen und im Juli von den Alten verlassen werden, welche sich nun an andern Orten, am Strande, nach und nach sammeln und Ende dieses Monats schon auf die Wanderung begeben, dabei aber an Orten, wo es ihnen behagt, oft längere Zeit derweilen. Die Jungen thun etwas später ein Gleiches, verlassen im August die Brutgegenden, schlagen sich in Heerden zusammen und beginnen die Wegreisen meistens für sich allein, weil die Alten schon früher weggezogen waren. Selten trifft man daher einen einzelnen Alten unter den Flügen junger Vogel. Feinde. Er wird eben so von den größer» Edelfalken und Habichten verfolgt, wie ähnliche Schnepfenvögel, und weiß sich, wie sie, kaum anders oor ihren Klauen zu retten, als daß er wo möglich ein Wasser zu erreichen sucht, sich in dasselbe stürzt und untertaucht. Ihre Brüt hat viele Feinde an Raben, Krähen, Elstern, aroße'n Me^en und Raubmeven, welche alle sich bestreben, ihnen die Eier oder Jungen wegzustehlen, was ebenfalls der nordische Fuchs (Onum I-E) häufig thun M. Jagd. De-r Negenbrachvogel ist, seiner großen Wachsamkeit und Vorsicht we.,en, schwer zu schießen; denn er flicht den Menschen schon in weiter- Ferne, aber noch mehr den Schützen, den er klugerweise wohl vor n Hirten und Landmann, so wie Erwachsene von Kindern und Frau ensleuten zu unterscheiden weiß. Wo das Terrain zu eben ist, um i hn ungesehen auf dem Bauche hinrutschend erschleichen zu sönnen, n rird man sehr fetten einen solchen Vogel zum Schuß be- 524 XII. Ordn. I-XIV. Gatt. 247. Regen-Brachvogel. kommen; Ausnahmen hiervon machen nur ganz junge Wöget zuweilen, wie es sich vor einigen Jahren in meiner Nachbarschaft zutrug, wo ein solcher zwischen den Haferschwaden herumwandelte und die Annäherung des Schützen ohne Weiteres aushielt. Dieser war aber noch sehr jung, der Schnabel noch sehr kurz und wenig gekrümmt, sogar der Fittich noch nicht völlig ausgewachsen, so daß das Schwanzende über die Spitzen der in Ruhe liegenden Flügel sehr weit hinausragte. — Beim Anlocken, dem er eben so leicht folgt als die große Art, sind die nämlichen, bei dieser auseinandergesetzten Vortheile anzuwenden, wenn es gelingen soll, doch fliegen manche, aber nur junge Vögel, auch am freistehenden Schützen zuweilen schußrecht vorbei. Da indessen mit Sicherheit hierauf nicht zu rechnen ist, weil man vorher nicht wissen kann, ob man es mit einem jungen oder alten Vogel zu thun habe, so ist doch anzura- then, sich, wo es an Gelegenheit zum Verstecken fehlt, wenigstens niederzukauern oder auf den Rücken auf die platte Erde niederzuwerfen und so bis zum günstigen Augenblicke still zu liegen. Das Zuverläßigste von allem bleibt der Anstand, in einem Erdloche verborgen, an ihren Lieblingsplätzen am Wasser, wo man sie am sichersten kurz vor Anbruch der Abenddämmerung erwarten darf. Die Brachvögel kommen nämlich früher dahin als andere Strandvö- gel, ja sie sind die frühesten; erst wenn es bereits zu dämmern anfängt, stellen sich die Strandläufer, bald nachher die Wasserläufer ein, noch später folgen die Bekassinen und Kibitze, und endlich machen, wenn die Dämmerung so eben zu Ende geht (zum Erkennen des Schießzieletz auf 30 bis 40 Schritte schon zu dunkel) die größern Regenpfeiferarten den Beschluß. Diese Folge ist an einem einsamen Feldteiche in der Zugzeit leicht zu beobachten, immer dieselbe, und für den jagenden Ornithologen zu wissen nöthig. Fangen kann man diese Vögel sehr leicht auf ihren Lieblingsplätzen am Wasserrande, in den schon oft erwähnten Lauf- oder Frischlingen. Aus Rügen soll dieser Fang auch bekannt sein und alle Jahre betrieben werden. Auf dem Wasserschnepfenheerde werden sie ebenfalls leicht berückt, weil sie der Locke fast noch williger folgen als die große Act. Man kann die Locktöne durch Pfeifen mit denn Munde tauschend nachahmen; wem dies jedoch nicht gut abgeht, muß sich dazu einer Pfeife bedienen, die eben so angefertigt wird, wie bei der vorigen Art angegeben ist, sie muß, aber zum Anlocken des XU. Ordn. UXIV. Gatt. 247. Regen-Brachvogel. 525 Regenbrachvogels eine wenigstens um l'/r Ton höhere Stimmung Auch zum Fange dieses Vogels, oder vielmehr hauptsächlich dieses, empfahl Wechsle in den von meinem Vater erfundenen, sogenannten Brachvogelhcerd, welcher allein — wie mein Vater auch ausdrücklich nur wollte, — bloß aufObaruchrius nurgtus und 6b. Normellus, nebst Ovlliouvinus, bei unsern Zagern auch „Brachvogel" genannt, anwendbar ist, und aus welchem eben so wenig ein Xumeuius als ein Gimpel zu fangen sein möchte. Bechsteins Unkunde von diesen Heerden, wie von der Lebensweise dieser so verschiedenen Vögelgattungen geht aus solcher unachtsamen Verwechslung deutlich hervor. Die Werke dieses sonst so verdienten Schriftstellers sind in so Vieler Händen, daß doch wol Mancher durch diese falschen Angaben irre geleitet werden könnte, weshalb ich mich bewogen finde, nochmals zu wiederholen, daß alle Nu meinen nur anf dem Wasserschnepfenheerde, dicht am blanken Wasser, zu fangen sind, wo außer diesen alle Limosen, Wasserläufer, Ufer- und Sumpflauser, Strand- und Kampfläufer, Stelzenlaufer, Säbler, Sonderlinge, Steinwälzer, auch H-is»-»d>.g-nxf-is-k »"» ten sind und gefangen werden; daß aber auf solchen selten Krb.tze und die größer» Charadrien noch viel seltner, bloß zufällig, bei einbrechender Nacht ein Mal, vorkommen können, worauf aber nie bestimmt zu rechnen ist; daß deshalb (wenn auch mit denselben Garnen und übrigen Vorrichtungen) auf trocknen Brachfeldern, weit von allem Wasser, ausgestellt werden müsse, wenn man 6i>-^- rallrius UMM1U8 und 6b. UorinvIIus sicher und IN Menge fangen will wobei auch Oolliouemus vorkommen kann; daß endlich aber Kibitze (6bnr. Vanollus) weder auf dem Brachheerde, noch auf dem Wasserheerde in belohnender Anzahl zu fangen sind, sondern ein Heerd für sie allein (übrigens mit denselben Netzen und Vorrichtungen) zwischen Feld,und Wasser, auf feuchten Triften und nassem Rasenbodcn angelegt werden muß. — Wenn also bei diesen drei Heerden Netze und sonstiges Zubehör ganz dieselben sein können, so macht doch der Ort, wo sie aufgeschlagen werden, einen sehr großen Unterschied, und daß darauf bei Anlegung eines Vogelheerdes Alles ankomme, lehrt, wie jeder Vogelsteller weiß, die Erfahrung; er muß, wenn er seine Mühe belohnt sehen will, die Natur derjenigen Vögelarten, die er zu fangen gedenkt, in der Natur ganz genau ftudirt haben, bevor er zeitraubende 526 XII. Ordn. I^XIV. Gatt. 247. Regen.Brachvogel. und.kostspielige Anstalten zum Fangen derselben trifft, die er aus Un- künde vielleicht an ganz falschen Orten anbrachte, und nachher in der Verzweiflung über das Mißlingen ungerechterweise diejenigen ausschalt, welche ihm dazu Anleitung gaben; denn zum Vogelfängen reicht Theorie allein nicht aus, ja es muß, wo es nur leidlich gehen soll, schon recht viel Praxis dabei sein. Nutzen. Das Fleisch des Regenbrachvogels ist dem der großen Art wenigstens gleich, oft auch viel besser, und zu manchen Zeiten sogar von einem so hohen Wohlgeschmack, so zart und saftig, daß es nichts zu wünschen übrig läßt, zumal von jungen Vögeln, die zuweilen auch recht fett sind. Dagegen ist das der Alten, besonders -wenn solche längere Zeit an der See lebten, weit schlechter, ja oft hat §s dann einen thranichten oder ranzigen Beigeschmack, und hält mit jenem keinen Vergleich aus. In großem Städten wird das Stück öfters mit 16 gGr. bezahlt, weshalb sie in Seestädten oft auf den Markt kommen oder noch weiter versandt werden. Schaden. Ob diese Vogel Schaden thun möchten, ist nicht bekannt und auch gar nicht wahrscheinlich. MMNZ 1 . ^ . '- /-1^8-4ii! -L>?^ > -Ä «MMM ^ l>^>> -x> / / VI, 248 . Der du mischn adlige Brachvogel. I^nm6niu8 Taf. 218. Altes Männchen. Kleiner Brachvogel mit dünnem Schnabel- ,v,V!-!". --- ^-°«e 8t°r. Sex. u°°. t.v. 44l. --- 8»'i Or». w»e. i>. 3^4. Kennzeichender Art. Der Scheitel rostgelblich, schwarzbraun gefleckt;'die Weichen weiß und ungefleckt. Beschreibung. Dieser Brachvogel ist der vorigen Art (N. klmvvj,»«) schx ähnlich und vielleicht oft mit ihr verwechselt worden. Er hat fast dieselbe Größe, ja unter den jungen Herbstvögeln jener findet man manche, welche viel kleiner aussehen, als die alten Vogel der dünn- schnäbligen Art. Daß der Schnabel viel dünner ist, besonders gegen die Spitze hin, ist allerdings sehr auffallend, für den Ungeübten dies aber auch gewiß nur dann, wenn er beide gegen einander halten kann. Die lichtere Färbung des ganzen Gefieders, zumal auf dem Rücken, den Schultern und dem Lberflügel, die schärfer 528 XII. Ordn. I.XIV. Gatt. 248. Dünnschnäbl. Brachv. gebänderte Zeichnung der Schwanzfedern auf ganz weißem Grunde, die ovalen und rhomboidischen, scharf gezeichneten und schwärzern Flecken an den Brustseiten und Tragefedern, wo niemals Wellen - oder Querstreife vorkommen, geben, nebst den angeführten Artkennzeichen, für unsern dünnschnäbligen Brachvogel Kennzeichen genug an die Hand, um ihn leicht vom Regenbrachvogel unterscheiden zu können, was freilich Manchem auf den ersten Blick nicht so scheinen möchte. Am Körper hat er ohngefähr den Umfang einer Feldtaube, aber der viel längere Hals, die längern Flügel und seine hohen Beine, die schlankere, gestrecktere Gestalt überhaupt, geben ihm ein viel größeres Aussehen. Seine Länge beträgt gegen 16 Zoll; die Flugbreite 35 Zoll; die Länge des Flügels 11^ Zoll; die des Schwanzes 4 Zoll, und die Spitzen der ruhenden Flügel reichen ziemlich bis an dessen Ende. Das Gefieder ist, wie an den übrigen Arten, auf dem Rücken und den Flügeln im Sommer sehr abgescheuert, weshalb alle kleinen Federn eine schmale, schwache Spitze bekommen und ihre Ränder zunächst dieser wie benagt aussehen. Die großen Schwingfedern, von welchen die erste die längste ist, haben fast gerade, starke Schäfte, eine schlanke, allmählich schmäler werdende und endlich rundlich zugespitzte Gestalt, die der zweiten Ordnung sind dagegen schief abgerundet, ihre Schäfte bedeutend nach hinten gebogen; die der dritten Ordnung gerade, die Federn aber lanzettförmig gegen die Spitze hin und wieder um vieles länger als die vorigen, so daß die Mitte des untern Flügelsaumes einen sehr tiefen Ausschnitt erhält; die Hintere Flügelspitze reicht jedoch nur auf das Ende der vierten Schwingfeder erster Ordnung. Der Scbwanz hat 12 etwas lange, starke, gleich breite, am Ende abgerundete Federn, die, weil die mittelsten kaum etwas länger und am Ende schmäler als die äußern sind, ein fast gerades Schwanzende bilden. Der Schnabel ist schwach, lang, nach der Spitze zu besonders dünn, anfänglich gerade, über dem zweiten Drittheil hinaus sanft herab gebogen, so daß die Sehne des Bogens nur etwa 3 Linien von der stärksten Krümme abweicht. Er endigt vorn in eine stumpfe Spitze, die 1^ Linien lang voll ist, weil der Unterschnabel, so viel kürzer als der obere, in diesen eingreift, ähnlich wie bei der Waldschnepfe. Sein oberer Rücken ist von der Stirn aus etwas flach, Xll. Ordn. IlliUV. Gatt. 248. Dünnschnäbl. Brachv. 529 nachher mehr abgerundet; die Mundkanten treten von der Wurzel aus stark vor, bis über die Mitte, wo sie sich, wie die dadurch auf jeder Seite des Oberschnabels gebildete Langefurche, saust verlieren, die letzte Spur dieser aber auf dem letzten Werthe,'! vollends gänzlich verschwindet. Der Unterschnabel ist spitzewärts schwacher als der obere, wurzelwärts tritt aber auch die Mundkante (leistcnähnlich) etwas vor. Die Länge des Schnabels über den Bogen beträgt 3^ Zoll; feine Höhe an der Wurzel 4^ Linien; die Breite daselbst etwas mehr, doch kaum 5 Linien voll. Bon Farbe ist er braunschwarz, an der Wurzel der Unterkinnlade in röthliches Grau oder schmutziges Flcischgrau übergehend. Die schmalen, ritzartigen, 8 Linien langen Nasenlöcher liegen seitlich nur 2 Linien von der Stirn entfernt, in einer weichen Haut,'die dann nach der Spitze zu eben jene Längenfurche bildet. Das Auge ist nicht groß, hat eine tief braune Iris und weiß befiederte Augenlider. §>ie Füße sind ziemlich hoch Und dabei stark, das Fersengelcnk alten Vöaeln) bedeutend dick; die Zehen kurz» etwas schwach, di äußere und mittlere mit einer bis zum ersten Gelenk reichenden Svannbaut die mittlere und innere mit einer bedeutend kleinern» alle mit etwas breiten Sohlen, die sich» besonders wurzelwärts» an den Seiten der Zehen als etwas vortretende Ränder zeigen. Die kleine . schwach- st-»- d-- S-m-msch-Mch-» Soble der Vorderzehcn, berührt aber stehenden Fußes noch nut ihrer Svitze den Boden. Die Nacktheit des Unterschenkels ist ansehn- lick die Laut hier größtentheils in kleine Sechsecke getheilt, wie dies auch am größten Theile des Laufes der Fall ist, indem dieser nur vorn herab (auf dem Spanne) eine Reihe großer Schilder hat; ähnlich- -d-- schmil--- di- , w°h,-nd °i° Sch,»- s,„n -wdw-nlg -rsch-i»-»- »»d ", Sch-»l-hl-n fthi f-mwa-j-g, wie chaqrinirt, sindi Die Krallen sind nicht groß, flach gebogen, unten etwas ausgehöhlt» daher der Rand und die abgerundete Spitz- schneidend, der Rand auf der Innenseite der mittlern stark und der der innern Zeh auch noch merklich vorstehend. Die Farbe der Füße ist ein düsteres Blaugrau» das am getrockneten Balge in mattes Schwarz übergehet, die der Krallen braunschwarz. Der Unterschenkel ist über dem Fersengelenk hinauf Zoll hoch nackt, der Lauf mißt 2-/4 Zoll; die Mittelzeh, mit der 3^ Linien langen Kralle, 8. Theil. ' ^ 530 Xll. Ordn. l^XIV. Gatt. 248. Dünnschnäbl. Brach». 1 Zoll 7 Linien; die Hinterzeh, mit der 2 Linien langen Kralle, gute 4 Linien. Der Anfang der Stirn und die Zügel sind auf bräunlichweißem Grunde dunkelbraun getüpfelt; vom Schnabel zieht ein deutlicher weißer Streif über das Auge hin; der Scheitel hat schwärzlichbraune Federn, welche nur an den Seiten breite röthlich- oder bräunlich- rostgelbe Kanten haben, wodurch dieser Theil ein auf lichtem Grunde mit dunkeln Längeflecken besetztes Aussehen erhalt, ohne daß sich darunter ein besonders ausgezeichneter lichter Längestreif bemcrklicher machte, welcher allein der vorherbeschriebenen Art eigen ist. — Die Wangen sind weiß, vorn herab mit braunen Tüpfeln, an der Ohrgegend braun gestrichelt; das Kinn rein weiß; die Kehle weiß, mit feinen schwarzen Punkten, die auf eben solchem Grunde auf der Obergurgel länglichter und größer werden; der übrige Vorderhals und die Kropfgegend weiß, hier und da schwach roströthlich angeflogen, und dicht mit länglichrunden, braunschwarzen Fleckchen, von scharfen Umrissen besäet; die Brust weiß, jede Feder dicht vor der Spitze (wo auch der Schaft ein Stückchen schwarz ist) mit einem scharf begrenzten braunschwarzen Flecks so, daß die Flecke an den Seiten der Brust die größesten sind und theils eine herzförmige, theils eine rhomboidische Gestalt, die weniger großen an der Oberbrust die eines etwas breiten Lanzeneiscns, und die ziemlich kleinen an der Unterbrust die eines Hirfekorns haben, und sich hier allmählich ganz verlieren. Bauch und Schenkel sind rein weiß, die untern Schwanzdeckfedern eben so, nur die längsten dieser mit einem feinen, schwarzen Schmitz auf dem Schafte dicht vor dem Ende. Der ganze Hinterhals ist auf weißem Grunde braun in die Länge gestreift, eine Zeichnung, welche an der untern Halswurzel stärker und dunkler gefleckt wird, wo auch der Grund mit schwacher Nostfarbe überlaufen ist; der Oberrücken dunkelbraun, an den schwarzen Schäften der Federn am dunkelsten, an ihren Rändern lichtbraun und in bräunlichweiße Säumchen übergehend; Unterrücken und Bürzel rein weiß; die Oberschwanzdeckfedern auch weiß, nur einige mit einem feinen schwarzen Schmitz oder ein solches kleines Lanzettfleckchcn nahe an der Spitze. Die obern Schulterfedern sind wie der Ober- rücken, die längern und die der Hintern Flügelspitze matt braun, am schwarzen Schafte mit dunkelbraunem Schatten, von welchem aus etwas undeutliche dunkele QuIbänder zum gelbbräunlichweißen Rande laufen; die kleinen Flügeldeckfedern braun, mit schwarzen Schaftstrichen und weißlichen Kanten; die mittlern eben so, aber XU. Ordn. I^XIV. Gatt. 248 . Dünnschnabl. Brachv. 531 hin und wieder schon mit dunkeln Querflccken, die an den großen Deckfedern völlig bänderartig werden, wozu dann noch diese Federn breite gezackte, weiße Außenkanten und Spitzen haben. Von den großen Schwingfedern hat die erste einen ganz weißen, die zweite einen bräunlichweißen, die übrigen schwarzbraune Schafte; die beiden ersten sind braunschwarz, auf der Jnnenfahne bloß lichter, sonst mit hellbräunlichen Säumchen; die dritte und vierte sind eben so, es zeigt sich jedoch an diesen auf der Jnnenfahne eine grauweiße gesprenkelte Zeichnung, die an der fünften, die auch einen Anfang einer bogigen gelblichen Außenkante zeigt, in große weiße Zacken- flecke am Innenrandc ausartet, welche an den folgenden immer größer werden, so daß die schwarzbraune Grundfarbe nur am Schaft entlang und übrigens in Qucrbinden bleibt, die nach und nach immer schmäler werden, während eben so auf der braunschwarzen Au- ßenfahne ein grobzackichter weißer Rand immer breiter und rein weißer wird; an den Schwingfedern der zweiten Ordnung hat nun das Weiße so weit überhand genommen, daß es zur Grundfarbe wird da diese Federn das schwärzliche Braun nur noch in einem schmalen Streif längs dem Schafte und in weitläufigen Querbän- dern haben die an den letzten immer bleicher und schmäler werden, und sich so denen der dritten Ordnung anschließen, welche oben schon beschrieben sind. Die Fittichdeckfedern sind braunschwarz, mit bräunlichweißen Spitzchm; die Daumenfedern ohne diese, sonst eben so- der vordere Flügelrand weiß und schwarz gescheckt; die unteren Flüaeldeckfedern überall rein weiß, nur manche Federn am Rande berum mit einem unbedeutenden sehr feinen schwarzen Schaftstri- chelcken- die Hintern und mittlern Schwingfedern von unten weiß, die von oben durchscheinenden dunkeln Zeichnungen bloß grau; die aroßen Schwingfedern von unten silbergrau, an den Spitzen braun- arau an den Schäften weißlich, die vordern auf der innern Fahne Kante wurzelwarts röthlichweiß bespritzt und marmonrt, weiter hinter diesen in die zackigen, weißen Randflecke und endlich wie an denen der zweiten Ordnung in die weißen Querbinden übergehend, welche die obere Seite, aber statt in Grau m schwärzliches Braun zeigt Die Schwanzfedern sind alle schön weiß, ihre Schäfte nahe auf dem letzten Drittheil mit feinem schwarzen Strich, und alle mit 6 braunschwarzen, schmalen Querbändern durchzogen, die ganz weitläufig stehen, am Schafte »Mens nicht zusammmreichen, und von welchen das vor der breiten Spitze das breiteste ist. Männchen und Weibchen haben gleiche Farbe und Zeich- 532 XU. Ordn. L.XIV. Gatt. 248. Dünnschnäbl. Bracht,. nung, letzteres ist nur etwas kleiner und sein Schnabel auch meistens etwas kürzer. Oben beschriebenes Individuum ist bei Pisa in Italien erlegt, und zwar mitten im Sommer, wo das Gefieder schon sehr abgebleicht und abgerieben erscheint. Die Mauser hat indessen bei ihm bereits begonnen, nnd viele neue Federn sind schon ganz vollständig da. Sie haben lange nicht die spitze Form der alten, weil ihre Ränder noch unversehrt sind, und ihre Farben fallen viel angenehmer ins Auge. Die auf dem Oberrücken sind braunschwarz mit schwach roströthlichgraugelben Kanten, die an den Seiten der Federn am breitesten sind; die großen Schulterfedern und Hintern Schwingfedern in der Mitte längs dem schwarzen Schafte und in mehrern schiefen Querbändern schwarzbraun, zwischen den Bändern röthlichdunkelgrau und am Rande (auch nur zwischen den dunkeln Binden, die bis an den Rand reichen) trübe roströthlichgelb; die Flecke auf den neuen Federn an dem Kröpfe und den untern Theilen sind völlig schwarz, das Weiße am ersten angenehm schwach roströthlich angeflogen. Man kann sich nach diesen wenigen Zeichen das Herbstkleid dieses Vogels in Gedanken ziemlich ausmalen, und es würde demnach sich vom beschriebenen Sommerkleids eben nicht auffallender unterscheiden als dies bei den andern beiden einheimischen Arten dieser Gattung der Fall ist. Aufenthalt. Dieser Brachvogel ist nur erst seit wenigen Jahren als eigene selbstständige Art von der vorhergehenden getrennt und unterschieden worden. Er ist, wie es scheint, ein südlicher Vogel, und bis jetzt in Italien, Südfrankreich und Aegypten vorgekommen. Im mittlern Italien, namentlich an der Tiber, soll er häufig, anderwärts, wie in Toskana, Aiemont und bei Venedig aber viel seltner sein. Auch in Dalmatien ist er vorgekommen, und im österreichischen Littorale; er ist hier vielleicht weniger selten, als man bisher geglaubt hat. Vor vielen Jahren wurde auch in hiesiger Gegend ein Vogel erlegt, welchen man damals für einen Regenbrachvogel hielt, welcher aber, so viel ich mich dessen noch ganz dunkel erinnern kann, dieser dünnschnäbligen Art angehörte. Auch in Italien ist er Zugvogel und erscheint dort vorzüglich im Frühjahr, namentlich im Mai. Es scheint, daß er sich XII. Ordn.mv. Gatt. 248. Dünnschnäbl. Brach». 533 mehr an den Ufern der Flüsse und der stehenden Gewässer, als am Meere aufhalte, von da auf niedrige Wiesen und auf die Felder wechsele, in dieser Hinsicht überhaupt ganz den andern beiden europäischen Arten gleiche. Eigenschaften. Diese Art ist noch zu wenig beobachtet, als daß sich viel darüber sagen ließe. Man sagt, daß er in seinem Betragen dem nahverwandten Regenbrachvogel gleiche, ebenfalls sehr scheu sei und eine flötende Stimme habe. Bestimmtere Angaben sind mir nicht zugekommen. Nahrung. Eben so unbestimmt wird hierüber berichtet. Man sagt bloß, daß er darin den andern Brachvögeln völlig gleiche. Fortpflanzung. Noch weniger weiß man hiervon. Es ist wol zu vermuthen, daß er in Italien oder in andern südeuropäischen Landern sich fortpflanze, allein es schweigen bis jetzt darüber alle Nachrichten. Daß er als südlicher Vogel weiter nach Norden gehen sollte, um hier zu brüten, ist wenigstens sehr unwahrscheinlich. * Feinde und Jagd. Sie sind im Allgemeinen dieselben, wie bei den beiden vorher- beschriebenen einheimischen Arten. Nutzen und Schaden. Etwas Specielles kann hierüber so wenig gesagt werden, als über Manches der vorigen Rubriken. Es bleibt daher spätern Forschungen vorbehalten, die Naturgeschichte dieser interessanten Art genauer kennen zu lernen. Fünf und sechzigste Gattung. Sichler. Ibis. Gesicht und Kinn (oft auch der Kopf und ein Theil des Halses): Nackt. Schnabel: Schlank, nicht sehr stark, gestreckt oder auch lang; sichelförmig abwärts gekrümmt; an der Wurzel stark, nach der Spitze zu allmählich schwächer und fast walzenförmig rund; an beiden Seiten des Oberschnabels eine bis zur äußersten Spitze gehende Längefurche; der Unterschnabel fast so lang als der obere, von gleicher Gestalt, die Seitenfurchen aber schon auf der Mitte seiner Länge verlaufend; die Mundkanten stumpf, aber nicht wulstig. Er ist weich, bloß gegen die ganz abgerundete Spitze hin hart. , Nasenlöcher: Nitzartig schmal und kurz, nahe an der Stirn, seitlich, aber sehr hoch oben neben der Firste, mehr nach oben geöffnet, in einer kleinen, schmalen, weichen Haut liegend, die bald in die obere Schnabelfurche verläuft. Füße: Neiherartig, hoch, schlank, weit über die Ferse hinauf nackt; Schiene und Lauf sehr zusammengedrückt; Zehen gestreckt, schlank, die drei vorder» an der Basis mit einer Spannhaut, die jedoch zwischen der mittlern und innern sehr viel kleiner ist als zwischen der äußern; die Hinterzeh mittellang, schwächlich, nur etwas über dem Zehenballcn eingelenkt, aber so wenig, daß sie stets von der Spitze bis zur Mitte auf dem Boden hart aufliegt; der Uiber- zug der Beine nur vorn herab'und auf den Zehenrücken getäfelt; die Krallen gestreckt, schmal, sehr flach gebogen, an der Spitze scharf, unten ausgehöhlt, die innere Schneide an der der Mittelzeh, welche XII. Ordn. ib-XV. Gatt. Sichler. 535 die größeste von allen, sehr vorstehend und kammartig gezähnelt, bei den Alten viel stärker als bei den Jungen. Flügel: Groß, breit, an der Spitze etwas zugerundet, der Hinterrand nur flach ausgeschnitten, die Hintere Flügelspitze abgestumpft; von den großen Schwingen sind entweder die drei vordersten von gleicher Länge, oder die zweite ragt am Ende nur ein wenig über die erste und dritte vor Die kleine Schnepfenfeder, vor der ersten Schwingfeder, ist wenig ausgezeichnet und kaum herauszufinden. Schwanz: Mittelmäßig oder etwas kurz, breit, mit geradem oder etwas ausgeschnittenem Ende, aus 12 Federn bestehend. Flügel und Schwanz nähern sich mehr denen der Reiher, als denen der Schnepfen. Das kleine Gefieder an den obern Theilen ist dem der erstem, an den untern, dem der letztem ähnlich, ziemlich derb und gut schließend. Die Sichler sind ziemlich große Bögel; denn die kleinsten Arten dieser Gattung haben eine mittlere Größe. - Es sind hochbeinig langschnäblige, langhalsige, übrigens angenehme Gestalten, in diesem allen den Brachvogeln ähnlich, an welche sie sich in mancher Hinsicht anschließen, so wie in andern Dingen eben so sehr den Reihern ähneln,'und so recht eigentlich auf der Grenze zwischen den Gattungen Xumonius und Xräs» stehen, oder vielmehr zwischen den beiden großen Familien der schnepsenartigen und der rei derartigen Sumpfvogel den Uibergang bilden, wodurch die Gattung im natürlichen System an gleichem Orte eingereihet werden muß welcher z. B. auch den Gattungen Traums, Svopus, und Lurv,')ssu gebührt; alles Vogel, deren ganzes Wesen aus zweierlei Grundstoffen, dem schnepsen- und reiherartigen, zusammengesetzt scheint. Auch ihrer Lebensart wegen behaupten sie diese Stellung. . Die Bögel dieser Gattung zahlte I^mnov zu seiner Gattung Htulus von welcher sie sich jedoch sehr unterscheiden, indem diese den Störchen ähneln und gar nichts Schnepfenartiges an sich h^*Die Färbung des Gefieders der Sichler hat etwas Eigenthümliches, — gar nichts Schnepfenartiges, — weder das Gescheckte des Mantels, noch eine gebänderte Zeichnung des Schwan- 536 XII. Ordn. L.XV. Gatt. Sichler. zes, das Weiße des Unterleibes und oft des Bürzels und andere der Schnepfenfamilie eigenthümliche Zeichnungen kommen in dieser Gattung vor; eher nähert sie sich der der Reiher, doch auch nur sehr entfernt. Sie weicht von der Mehrzahl der Schnepfenvögel noch weit mehr ab, als bei Iluvmatopus, IZzpsihutLs, Rvourvi- rostrq und 6l>. VunvIIus. Ein dunkles, in alle Metallfarben schillerndes Grün kömmt oft und in großen Massen vor. — Sie weichen darin von den reiherartigen Bügeln ab, daß sie, wie Schnepfen, zwei Mal im Jahr mausern; dies. ist wenigstens von der europäischen Art gewiß.") — Das Sommerkleid ist viel schöner und zum Theil anders gefärbt, qls das Winterkleid, dieses dem Jugendkleide ähnlich. — Beide Geschlechter unterscheiden sich nicht sehr auffallend, die Männchen sind bloß größer, dies aber oft bedeutend, und ihr Gefieder trägt eine schönere und stärker glänzende Färbung oder reinere Zeichnung, als bei den kleineren Weibchen. Die Sichler gehören der warmen Zone an und streifen zugleich in die gemäßigte; aber nur eine Art verirrt sich zuweilen bis in die kalte. Sie bewohnen Asien, Afrika und Amerika in verschiedenen Theilen, in Europa kömmt aber, so viel bis jetzt bekannt, nur eine Art vor, und zwar meistens nur in seinen südlichen und südöstlichen Theilen. Sie machen alljährlich zu bestimmten Zeiten weite Wanderungen, fliegen dann nicht selten in großen Schaaren, und zeigen überhaupt viel Geselligkeitstrieb, so daß sie selbst an den Brüteorten oft in Menge beisammen leben. Dem zu Folge mag es denn auch kommen, daß wenige Individuen beisammen, oder ganz vereinzelte, sich ungemein weit verfliegen und in Länder gerathen, denen sie gar nicht angehören, wie bei der europäischen Art mehrfach vorgekommen ist. — Ihr Aufenthalt sind die Ufer der Flüsse, Landseen und die Sümpfe, wo sie meistens am Wasser leben, jedoch auch, wie die Brachvögel, trockne Gegenden abwechselnd besuchen. Mit ihren langen Beinen waden sie bis an den Leib in dem Moraste und im Wasser, schwimmen aber nur im äußersten Nothfalle. Sie gehen leicht, doch mit einigem Anstaube einher, und gleichen in ihren Bewegungen den Brach vögeln sehr, so auch im Fluge, welcher aber langsamer von Statten °) Zch entdeckte die Z) oppelm a user desselben 183L theils schon an Uibergangs- vögcln im K. K. Naturalienkabinctte in Wien, theils in Slavonien, in der lebendigen Natur selbst, an mehreren erlegten Stücken, welche eben im Feberwechsel standen. XII. Ordn. XXV. Gatt. Sichler. 537 geht, worin sie ebenfalls den Hals lang und gerade vorstrecken, wie jene, oder wie Störche, denen sie ähneln, wenn sie, wie oft geschieht, schweben und Kreise beschreiben. Ihr Flug hat indessen noch Eigenthümlichkeiten, wodurch er sich vor dem verwandter Gattungen auszeichnet. Sie haben eine dumpfe, rauhe Stimme, aus wenigen Tönen bestehend. Ihre Nahrung besteht in Insekten und deren Larven, in Würmern, kleinen Schalthieren, kleinen Fröschen Fischchen, Fisch- und Froschlaich, wobei sie bloß zufällig auch zarte Theile von Begetabilien verschlucken. In der Fortpflanzungszeit leben sie gepaart, doch nisten manche in großem Gesellschaften neben einander, in den Sümpfen und Morasten, auf trocknen Wägelchen oder niedergetretenen alten Wasserpflanzen. Einige Arten sollen auch auf Bäumen nisten. Ihre Nester sind kunstlos, aber besser als Schnepfennester angelegt, und sie sollen meistens 3, und auch mehr, ungefleckte Eier legen. Die Jungen werden von den Alten einige Zeit im Neste gefüttert, bei einigen Arten soll dies sogar bis zum Flugbarwerden geschehen. Die meisten Arten sind scheu und daher schwer zu schießen. Ihr Fleisch ist nicht unschmackhaft, und wird von den kleinern Arten gern gegessen. „Die Jbisgattung kommt in anatomischer Hinsicht den Brachvogeln sehr nahe; sie unterscheidet sich aber von denselben hauptsächlich in folgenden Punkten :" „Das Kopfgerüst ist fast in allen Theilen'massiver, die Stirn höher und breiter, die Augenscheidewand vollständig verknöchert." „Die Nasendrüse sitzt bloß am obern Orbitalrande, welchen sie abstumpft, ohne auf der Fläche der Stirnbeine irgend einen Eindruck zu bilden." „Der Hals ist viel länger, und der Halswirbel sind 15 oder 16, also 2 oder 3 mehr als bei den Numenicn." „Der Rippen paare sind in der Regel nur 8; ein neuntes ist, wenn vorhanden, nur unvollkommen und überzählig." „Das Brustbein ist minder schmächtig; die beiden innern Hautbuchtcn desselben sind fast völlig so groß als die äußeren und der mittlere unpaare Hintere Fortsatz endet mit einer Knorpelp/atte." „Das Becken ist weniger lang, und es bedeckt das Darmbein nur die zwei letzten Rippen seiner Seite." „Der Schwanzwirbel sind, wie es scheint, stets nur 7." „Die Knicleisten der libin fand ich weniger ausgebildet als bei Xumvoius; die Zehen aber, besonders die Hinterzeh, 538 XU. Ordn. L.XV. Gatt. Sichler. sind merklich langer, und die letztere wurzelt weit tiefer, indem der ^ppeuäix mvtatursi pro dullio« weiter nach unten reicht." „Mehrere Theile des Skeletts sind marklos und pneumatisch, die es weder bei Numenien noch bei andern Schnepfen- vögeln sind, namentlich die Oberarmknochen, die Schulterknochen, das Brustbein, auch wohl das Becken und die mei. sten Wirbel." „Die Zunge ist eine kleine dreieckige Kümmcrzunge, viel kleiner als bei den Brachvogeln, da sie kaum den achten Theil der Schnabellänge mißt." „Der obere Kehl köpf hat bei übrigens gleicher Form und ähnlicher Hinterer winkeliger Zahnleiste, im vordem Winkel der Stimmritze ein Rudiment von Stimmdeckel (epitzlottis), dergleichen ich bei Xumeuius nicht wahrnahm." „Die Blinddärme sind äußerst kurz und das Darmdiver- tikel scheint gänzlich zu fehlen." „Die Leberlappen sind noch minder ungleich als bei Xu- mouius, und der linke ist wenig kürzer als der rechte, beide aber haben eine sehr deutliche Aushöhlung zur Aufnahme des Herzens." „Das Pankreas, ob es gleich wie bei den Brachvogeln die ganze Länge der Darmschlinge, in der es liegt, einnimmt, ist nur einfach, und entbehrt des driften Ausführungsganges." „So nach Untersuchung der Skelette von Ibis k'-rloinLlIus, rubrn, srrvr» und HuFvelasob und der Eingeweide von Ibis k'ol- viuvllus. Die Gelegenheit, letztere zu untersuchen, verdanke ich der besonderen Gefälligkeit meines hochgeschätzten Freundes, des Herrn Professors Rudolph Wagner in Erlangen, welchem ausgezeichneten Gelehrten ich auch wegen anderweiter Förderung meiner ornithotomischen Untersuchungen sehr verpflichtet bin." „Nitzsch." In Deutschland, wie in Europa überhaupt, haben wir aus dieser Gattung nur Eine Art. /' ^ IIV^ Alldill-tMurr ^Vii» le.'-kl , 3. .s,,«-«"' tlk!. 249, Der dunkelfarbige Sichler. Idis l Fig. 1. Männchen im Sommerkleids. Taf. 219. / Fig- 2. Männchen im ersten Winterkleids.' i Fig. 3. Männchen im Iugendkleide. Brauner Sichler; sichelschnäbliger —, brauner Ibis; Sichelschnabel, Sichelschnäbler; Sichelreiher; Nimmersatt, sichelschnäbliger Nimmersatt, gemeiner —, brauner Nimmersatt; grüner—, braungrüner —, dunkelbrauner —, braunrother —, kastanienbrauner—, schwarzer Brachvogel; grüner —, schwarzer —, braunrother Bracher; welscher Vogel; türkischer Schnepf; türkischer Goisar; türkischer' —, schwarzer Keilhaken; schwarzer Louis; Sägyser; in Ungarn: Schwarzschnepfe. 7K» t-'tt/c-'-ie/?-» /aki'rieKc). I'r-Mmluuk, »lull. ü'9ru. uuuv. Lilit II p. 598. - — Vs-i/n/i^e 6rue1. I-iuu. 8vst. I. 2. z>. 648. u 2 _ i. öäit. XII. I. I>. 241. ». 2. ----- I-Utli. lull. II. x. 707. n. 14. ---i- ii«r -u-u. i>. 171. ii. 135. ----- Xilmnii, Or». -uiuu. II. ». 42. ». 16t>. _ i ^ Nils«. Orn. V. i>, 326. ii. 4. er im,>. z^9 „ e wil ou 1uu,7» -//,IIÜI-. »uff. »i«. VIII. 29. — LSit. veuxn ' xv ---- ia. VI. °n>. 819. — 7.'7b» -IM,-. 8uvtxuv Nist. um. er luvllu,,. Lu I'II>!° I>I. 4. — 7.U 8ouu. e,il!. üo I!uff. Ois. XXII. » 24» — /S». I.ml>. 8>u. V. i>. 113. ». 12. — Uibers. v. Wechsle in zj, , H" „ --- »--«?«. 8ro..»°xII. I/°°. IV. r. 43S. ----- 8uu-. 9r° t«"° II 327. -- B-chst-in, Naturg. Deutsch,. IV. S. fi7. ^ DMn um ^.sch-nb' II. S. 272. -- W°lf und Meyer. Taschenb. II. S. 352. - 2 - Weigner .md Schi«». W's. d. Schweiz. S. 200. ... 191. ---Koch, Buier -!oo, I S 32, ? 29». -- Brehm. Lehrb. II. S. 529. -- Dessen Natu^esch' i B -LA'S 696. ----- Gloger. Schief. Faun. S. 48. «. 298. ---- Landbeck. M.i W§- tembevgL, S. 60. u. 268. ----- Nanmann'ö Vvg. alte AuSg. Nüchtr. S* 2i2 Taf. XXVIII. F,g. 57. Attes Männchen im HochzeitLkleide. ^ ^ 540 XU. Ordn. I^XV. Gatt. 249. Dunkelfarb. Sichler. Winter- und Jugendkleid. Memsm'us 8. o 6u»elin, Reisen, I. S. 166. — rH--ieuL. 6n,«I. Li»». -xst. I. 2. i>, 649- n- 9. ---- l.atl>. I»ü. II. z>. 708. ». 16. - - li». i.sti,. »)°. V- ,>. 11ü ». 14. — Uibers. v. Bcchstcin, III. 1. S. 88 u. 14. ----- IVr-me-rrn» r-kT-rki». 8. 6. 6w«Iia, Reisen, I. S. 167. ----- vrHIrL. kmel. I-iuu. 8M. I. 2. I>. 648. n. 8. — I.»tb. Illil. II. p. 707. ll. 15. ------ 6 >--?-?» 7Sr». I,»t>.- 8)-„. V. x. 114. 13.— uibers. ». -Sechsteln, III. 1. S. 86. II. 13. Molltsx", 1r»lls»ct. of, t>>« I.Inii. 8oo. IX, I>. 198. ----- 1,e Ooni'klr vci-ek. Ilriss. Or». V- x. 326. u. 4. t. 27- k. 2. Kennzeichen der Art. Flügel, Schwanz, Schultern und Rücken dunkelgrün, mit metallischem Glänze. Bloß die Zügel nackt. Beschreibung. Der europäische Sichler hat in seiner Gestalt und Größe so viel Aehnlichkeit mit dem großen Brachvogel, daß deutsche Jäger und Vogelfänger beide für Arten einer Gattung halten, und nur nach der Farbe unterscheiden, welches auch die meisten seiner deutschen Namen andeuten. Er hat indessen einen viel nähern Verwandten, aus der zugehörigen Gattung, an dem Ibi8 ollnlooptorus, einer fast eben so gefärbten, aber viel großem Art, mit welcher er bei einem bloß flüchtigen Anblick leicht zu verwechseln sein möchte. Unter den inländischen Vögeln haben wir dagegen keinen, der ihm so ähnlich wäre, daß dies zu erwarten stände. In der Größe des Leibes, ohne Gliedmaaßen, übertrifft er die stärkste Haustaube sLolumbn üom. xutturosa, selbst wenn sie sich aufgeblasen hat) um Vieles, und möchte noch passender mit einer nicht ganz kleinen Entenart (z. B. slrvpvru) verglichen werden können, wobei ihm aber sein sehr langer Hals und Schnabel, seine bedeutend hohen Beine, und seine sehr großen Flügel ein noch weit größeres Aussehen geben. Den großen Brachvogel übertrifft er darin immer um ein Bedeutendes. Indessen findet sich unter diesen Vögeln oft ein sehr auffallender Größenun- terschied, zumal zwischen jungen und alten; auch selbst unter den letztem kommen recht auffallend kleine Exemplare vor,, welche gewöhnlich weiblichen Geschlechts sind. Die Ausmessungen geben daher sehr verschiedene Resultate. Bei Ausmessung vieler verglichener und größtenteils frisch untersuchter Exemplare fanden sich folgende Extreme: XII. Ordn. LiXV. Gatt. 24S. Dunkelfarb. Sichler. 541 Lite Vogel. Lange (ohne Schnabel): Flügelbreite: Flügellänge vonr Bug bis zur Spitze: Schwanzlänger Schnabellänge: „ „ breite: „ höhe: Unterschenkel nackt: Lauf: Mittelzeh ohne Kralle: deren Kralle: Hinterzeh ohne Kralle: deren Kralle: Soll. 22 Lin. bis Zoll. 24 Lin» 40 6 — 42 9 13 13 4 4 « — 4 11 5 10 — 0 — — 7 — — 8 — 8 — 2 6 ----- 2 9 4 3 — 4 6 2 7 — 2 9 — 8 — — 8^2 1 — — 1 1 — 6 — — 6'/- Junge rm ersten Jahr. Lange (ohne Schnabel); Flügelbreite: Flügelläufe rc.r Schwanzlange: Schnabellänge: „ „ breite: „ „ höhe: Unterschenkel nackt: Lauf: Mittelzeh ohne Kralle: deren Kralle: Hinterzeh ohne Kralle: deren Kralle: Zoll. 19 Lin. bis Zoll. 20 Lin. 9 38 — — 39 — 11 — 11 6 4 — 4 3 4 3 — 4 6 — 6 — — 6ssr — 6^2 — — 7 2 3 — 2 4 3 3 — 3 6 2 7 — 2 8 — 6 — — 6V2 — 11 — 1 — — 5 — — 5Vr Das Gefieder am Rumpfe ist dicht, derb, an den Enden zu-> gerundet, mit bestimmten Umrissen, am Halse und Kopfe klein, schmal, an den Rändern zerschlissen, bei alten Vögeln am Kopfe besonders sehr zugespitzt, am Hinterscheitel und Genick etwas verlängert, so daß es buschicht in die Höhe gerichtet werden kann und, besonders im hochzeitlichen Kleide, eine Art von Holle bildet, die vorzüglich bei lebenden Vögeln und bei alten Männchen recht auffallend wird, im Tode aber, und wenn man die Federn niederstreicht, verschwindet, weshalb ihrer in frühern Beschreib 542 XII. Ordn. l^XV. Gatt. 249. Dunkelfarb. Sichler. düngen auch nicht gedacht ist. — Die Flügel sind reiherartig, groß und breit, eben so die Federn derselben; die großen Schwingfedern, von welchen am gewöhnlichsten die drei ersten einerlei Länge haben, nicht selten auch die zweite ein wenig länger als die erste und dritte ist, haben dieselbe Structur wie bei den kleinen Nciherarten, sie sind nämlich von der Wurzel an bis zwei Drittheil ihrer Länge sehr breit, fallen dann, ziemlich schnell, viel schmäler und endigen schmal zugerundet; sie haben etwas schwache, sehr biegsame, nach den Enden zu etwas nach innen gebogene Schäfte. Die der zweiten Ordnung sind nicht sehr kurz, noch weicher, breit, mit zugerundetem Ende; die der dritten Ordnung noch viel breiter, mit schmal zugerundetem Ende und so verlängert, daß der hintere Theil des Flügels eine sehr zugerundete Spitze bildet, die auf dem zusammengefalteten Flügel reichlich bis auf das Ende der vierten großen Schwing- seder reicht. Der Flügel wird durch die längern Armknochen ganz besonders vergrößert, und sein Hinterrand ist nur flach bogenförmig ausgeschnitten, welches fast ganz verschwindet, wenn er völlig ausgestreckt wird. Am Körper angeschmiegt erscheint er, der vielen und breiten Federn wegen, etwas gewölbt. — Der Schwanz ist mittelgroß, aus l2 gleich breiten Federn zusammengesetzt, deren Enden abgerundet sind und gewöhnlich einerlei Länge hahen, wobei jedoch auch vorkömmt, daß entweder die äußersten, oder gar die mittlern etwas länger sind, wodurch das Schwanzende bald ganz gerade, bald ein wenig abgerundet, bald und zwar recht oft ein wenig ausgeschnitten erscheint; der seichte Ausschnitt verschwindet jedoch, sobald der Schwanz mehr ausgebreitet wird. — Die ruhenden Flügel reichen mit den Spitzen etwas, bei den Alten mehr als bei den Jungen, über das Schwanzende hinaus. Schwanz und Flügel, so wie die Textur des ganzen Gefieders, sind denen der Reiher bei weitem ähnlicher als denen der Schnepfen, und das kleine, so eigen gebildete schmale, spitze, starre Fe- derchen der Schnepfenfamilie, vor der ersten großen Schwing- seder, ist hier kaum aufzufinden, weil es sich weder durch Form noch Konsistenz besonders auffallend auszeichnet. Dies Alles findet sich auch bei andern Ibis-Arten so. Der Schnabel ist schnepfenartig, nur an der Spitze hart, übrigens sehr biegsam, mit einer weichen Haut überzogen, die sich bis an das Auge erstreckt, und einen sehr breiten nackten Zügel bildet; . auch die Augenlider und die Haut am Kinne sind nackt. Der Schnabel hat, bis auf die Nacktheit der Zügel, des Kinnes u. s. w., XII. Ordn. nv. Gatt. 249. Dunkelfarb. Sichler. 54'-; einige Aehnlichkeit mit denen der Brachvogel, genauer besehen aber auch viel Abweichendes. Er ist sehr lang, von der Wurzel an in einem flachen Böge» sanft abwärts gekrümmt, so daß, wenn man von der Schnabelspitze bis an die Wurzel der Unterkinnlade eine gerade Linie zieht, die Sehne des Bogens der Firste (gerade in der Mitte der Schnabellänge) 11 Linien mißt. Er ist stärker als beim großen Brachvogel, aber immer noch schlank; rundlich doch aber viel schmäler als hoch. Seine Firste ist abgerundet, zunächst der Spitze platter und breiter; von der Nasenhöhle läuft'eine tiefe Längcnfurche, der Firste näher als der Mundkante, parallel bis in die äußerste Spitze aus, welche zugerundet und eine Linie länger als die des Unterschnabels ist; eine andere Seitenfurche ist nicht vorhanden, die Mundkanten bloß einfach zugerundet und stumpf bloß an der Wurzelhälfte der Unterkinnlade ist ein kleiner Randwulst schwach angedeutet; der Kiel ist, durch eine Längesurche, bis in die äußerste Spitze gespalten; die nackte Kehlhaut läuft bis in die Mitte der Schnabellänge vor und kann sackartig ausgedehnt werden. Der innere Schnabel ist an der vorder» Hälfte nur wenig am Oberschnabel etwas breiter, am untern aber ganz schmal ausgehöhlt; der Rachen ziemlich weit, doch nicht tief gespalten- die Zunge sehr klein, dünn, dreieckig, eine wahre Kümmerzunge. 'Z)ie Farbe des Schnabels ist durchaus, von außen und innen, ein dunkeles Grüngrau, an der Wurzel am dunkelsten, an der Spitze sehr licht, bisweilen bei alten Vögeln hier in lichtes Hornbraun übergehend, meistens jedoch nur an der äußersten Spitze so; die nackte Haut des Kinnes, der Zügel und Augenlider bei Zungen von der Farbe des Schnabels, bei Alten etwas dunkler, schwärzlichgrün, die Zügel ringsum, auch über die Stirne hinweg, längs der Grenze der befiederten Theile des Kopfes, im Frühjahr mit einer perlblauen oder bläulichweißen Linie eingefaßt, bei recht alten Vögeln auch die Augenlider mit solcher Einfassung. Das Auge ist der Schnabelwurzel genähert, klein, und hat einen tief dunkelbraunen, bei Jungen einen etwas lichter gefärbten Stern und stets kahle Lider. Die Füße sind bedeutend hoch und stark, die hoch hinauf nackte Schiene und der Lauf seitlich ziemlich zusammengedrückt; die Zehen lang. schwach und schmal, die mittlere Vorderzeh die längste und stärkste, alle an der Basis durch Spannhäute verbunden, die zwischen der äußern und mittlern viel größer als zwischen dieser und der innern sind; die Hintcrzeh schwächlicher, doch immer noch von 544 XII. Ordn. I.XV. Gatt. 249. Dunkelsarb. Sichler. mittler Länge und Stärke, etwas Weniges über dem gemeinschaftlichen Zchenballen eingelenkt, so daß sie stehenden Fußes, auf harter Ebene, mit der vordern Hälfte auf dieser ruht und bloß an der Basis etwas hohl- liegt. Der weiche Uiberzug der Füße ist an der Schiene und am Lauf vorn herab in große Schildtafeln, hinten in kleine Schilder, und zwischen beiden in noch kleinere Schildchen zertheilt, die am Fersengelenk sehr klein und an den Spannhäuten am allerkleinsten sind; die Zehenrücken schmal geschildert; die Zehensohlen schwach warzig. Die Krallen sind mittelmäßig groß, schmal, schlank, aber nur wenig gekrümmt, spitz, unten etwas ausgehöhlt, daher schwach zweischneidig, die innere Schneide an der der Mittelzeh sehr hervortretend mit kammartig fein gezäh- neltem Rande, welches bei jungen Individuen weniger in die Augen fällt als bei alten. Aus dem Allen ist ersichtlich, daß die Füße denen der Reiher völlig gleichen würden, wenn die Hinter- zeh nicht schwächer und anders gestellt wäre. Die Farbe der nackten Fußtheile ist ein dunkles Grüngrau, bei den Jungen lichter, bei den Alten am dunkelsten, und bei diesen im Frühjahr zuweilen am Fersengelenk mit einem durchschimmernden röthlichen Braun. Die Krallen sind Hornschwarz. — An getrockneten Bälgen wird die Farbe der Füße in Schwarz, die des Schnabels und anderer nackten Kopftheile in Schwarzgrau verwandelt. Das ganze Gefieder dieses Vogels trägt so dunkele Farben, daß er in einiger Entfernung, fliegend oder auch sitzend, völlig schwarz auszusehen scheint; weshalb der Beiname „schwarz" als: in Schwarzschnepse, schwarzer Brachvogel, schwarzer Louis u. a. m. Im Jugendk leide hat der dunkelfarbige Sichler einen einfarbig graugrünen Schnabel, Zügel, Kinnhaut und Füße, und die Augensterne sehen graulichdunkelbraun aus. Kopf und Hals sind schwarzbraun, aber ganz matt, eigentlich bloß rauchfahl, weiß sein gestrichelt, am meisten der Kopf; die länglichen und schmalen Federn dieser Theile sind nämlich rauchfahl und haben bloß an ihren Seiten sehr feine weiße Säumchen, aber nicht an den Spitzen. Der Hinterhals ist oft dunkler rauchfahl, fast wirklich schwarzbraun und nicht gestrichelt; so der Anfang des Oberrückens und der Schultern immer, weiter hinab diese beiden aber schwarzbraun, mit stahl- grünem Schiller; vom Kröpfe an der ganze Unterkörper rauchfahl, an den Schenkeln am lichtesten; Unterrücken, Bürzel und Oberschwanzdeckfedern schwarzbraun, mit stahlgrünem und etwas kupferfarbigem Schiller; Schwanz- und Schwingfedern schmutzig dunkel- XII. Ordn. L-XV. Gatt. 249. Dunkelfarb. Sichler. 545 grün, mit etwas Metallschimmer, die der zweiten Ordnung am meisten und etwas in Purpurfarbe schillernd; alle übrigen Flügelfedern dunkelbraungrün, mit grünem, violetten und stahlblauen Glänze, so daß die Federn nach dem verschiedenen Lichte bald mehr in diese, bald mehr in jene Farbe schillern, der grüne Schiller aber der häufigste ist. Dieser Farbenglanz ist jedoch nur in der Nähe bedeutend, in einiger Entfernung fließt Alles in ein grünliches Dunkelbraun zusammen. Der ganze Unterflügel ist dunkel rauchfahl, hm und wieder besonders an den großem Federn, mit schwachem grünen Glänze; die Unterseite der Schwanzfedern ebenso, nur wenig dunkler und etwas stärker glänzend. ^ L ^ ^ ^ - Zwischen diesen jungen Vogeln finden sich bedeutende Abweichungen in der Körpergröße und in der Schnabellänge, auch in der Höhe der Füße, weniger in der Farbe; obgleich auch die Höhe und Tiefe der allgemeinen Farbe, der stärkere und schwächere Metallglanz, die grobem oder klarern weißen Strichelchen am Kopfe und Halse, und deren beschranktere oder ausgedehntere Verbreitung, indem diese bei manchen bis auf den Kröpf Herabgehen und den ganzen Hals bedecken bei andern auf dem Hinterhalse gänzlich fehlen, u. s. w., einige ziemlich auffallende Verschiedenheiten bewirken, die nicht inu mer ein verschiedenes Geschlecht bezeichnen; gewöhnlich sind ,edoch die kleinsten und unansehnlichsten die Weibchen, die großem und alämendern die Männchen, und ist demnach mit einiger Sicherheit, auch ohne Ze gliederung, das Geschlecht zu erkennen. Das Winterkleid sieht im Ganzen dem Iugendkleide sehr äbnlick entsteht aber auf gleiche Weise wie bei den Schnepfen, d. h. das kleine Gefieder, und ihre Schwanz- und Flugelfedern beha ten sie bis ins nächste Jahr zur zweiten Herbstmauser; dann mausern sie aber das ganze Gefieder, nebst Flügel und Schwanz; jede Früh- ttnasmaus r 7rst eckt sich dagegen bloß über das kleine Gefieder. Das erste Herbst- oder Winterkleid sieht stets etwas dunkler aus als das Jugendkleid, und die weißen Striche am Kopfe und Halse sind deutlicher, größer, und fallen daher schon von weitem m die Augen, besonders auf dem Scheitel, wo es be» vielen recht starke Flecke sind die sogar manchmal in große Felder zusammenfließen; der Unterkörver ist dunkler rauchfahl, am dunkelsten die Unterschwanzdeckfedern und diese mit starkem Metallglanze, besonders ins Violette schillernd- eben wie diese, aber noch stärker violett glänzend, ist der ganze Rücken, nebst den Schultern. Dieser stärkere, mehr blaue 8. Theil. ^ 546 XII. Ordn. L.XV. Gatt. 249. Dunkelfarb. Sichler. und violette Schiller auf bedeutend dunklerem Grunde, nebst den großem weißen Flecken am Kopfe, sind die stärksten Abweichungen vom Jugendkleide. Ich habe im Anfange des September 1835 mehrere solche junge, im Federwechsel stehende Vogel in Syrmien und im Militärgrenzlande vom Banal erlegt, an welchen die Mauser aber noch nicht sehr weit vorgerückt war, doch weit genug, um das Winterkleid ganz ausmalen zu können, und habe mehrere solche und noch weiter in der Mauser vorgerückte im K. K. Natu- ralienkabinet zu Wien untersucht, welche die Doppelmauser un- widerleglich zeigten. Endlich habe ich alte, in der Mauser stehende gesehen und ein darin ziemlich weit vorgerücktes Individuum in Syrmien geschossen, dessen Beschreibung ich hier geben will, weil es sich gerade im Uibergange aus dem Sommer- oder Hochzeitskleids in das Winterkleid befindet. Scheitel, Wangen und Kehle haben fast lauter neue Federn, welche schwarzbraun sind und an den Seiten weiße Säumchen haben; am Genick stehen noch, zwischen wenigem eben so gefärbten neuen Federn, sehr viele alte, welche viel länger und sehr zugespitzt sind, und schön kastanienbraun aussehen; der ganze Hals ist mit alten schmälern, spitzem, abgeriebenen, kastanienbraunen und mit neuen schwarzbraunen, sehr fein weiß gestrichelten Federn, in fast gleicher Anzahl, besetzt; die Kropfgegend, die ganze Brust, die Schenkel und der Bauch haben fast noch lauter alte Federn, von einem etwas Hellern Kastanienbraun, zwischen welchen sich jedoch schon viele neue zeigen, welche rauchfahl aussehen und zunächst den Seiten der Brust stark ins Violette glänzen; die obere Halswurzel, die nächste Hälfte des Rückens und der Schultern haben alte und neue Federn fast in gleicher Anzahl, erstere sehen kastanienbraun aus, letztere sind schwarzbraun mit starkem violetten Glänze; zwischen den alten kastanienbraunen kleinen Flügeldeckfedern zeigen,sich neue schmutziggrüne, metallisch schillernde; der Hintere Theil der Schultern und des Oberrückens hat fast lauter neue schwarzbraune, dunkelviolett, aber fast gar nicht grün, glänzende Federn, die daher von den alten sehr abstechen; der Flügel hat seine alten Federn beinahe noch alle, die aber sehr düster geworden sind, sehr an Glanz verloren haben, und von welchen die der Hintern Flügelspitze so zer- scheuert, zerschlissen und abgerieben sind, daß viele ungemein am Umfange verloren haben und so schmal und spitzig geworden sind, daß an den Enden nur noch der bloße Schaft übrig ist; — nur wenige zwischen den Deckfedern sind neu, viel Heller und prächtiger X!I. Ordn. l-XV. Gatt. 249. Dunkelfarb. Sichler. 547 glänzend als die alten; die Spitzen der großen Schwingen, zwischen welchen nur in jedem Flügel erst eine neue hervorkeimt, so wie die der Schwanzfedern, haben durch Abreiben fast gar nichts gelitten, nur ihre Farbe ist schmutziger und glanzloser geworden; auf dem Unterrücken und Bürzel befinden sich nur einzelne neue, dunklere und mehr glänzende zwischen den alten Federn, so auch. zwischen den fast bloß violett und wenig dunkelgrün schillernden Unterschwanzdeckfedern. Es war ein sehr großes Exemplar, vermuthlich ziemlich alt, und männlichen Geschlechts. Das Winterkleid alter Vogel ähnelt demnach zwar dem derer, welche es zum ersten Male tragen, aber es ist deutlicher ausgeprägt, durchgehends viel dunkler, und die Mantelfarbe schillert viel mehr in ein sehr dunkles Blau und Violett, als in Grün. Das Hochzeits- oder Sommerkleid ist viel prächtiger als alle vorherbeschriebenen und von ihnen sehr verschieden. Ich habe dazu ein sehr altes Männchen vor mir, das 1824 nebst einigen andern an der Nordsee erlegt ist; ein Prachtexemplar, im frischen Gefieder. Kopf und Hals haben in diesem Kleide sehr schmale, fein zugespitzte Federn, die auf dem Hinterkopfe und bis über das Genick hinab so verlängert sind, daß bei alten Vögeln die längsten über 1 Zoll messen und aufgesträubt eine Art von Holle bilden, die wie ein Kamm oder eine Mähne sich empor richten läßt. Kopf, Hals, die erste Hälfte des Oberrückens und der Schulterpartie, die kleinen Flügeldeckfedern in einem schmalen, mit dem Unterarmknochen prarallel laufenden, aber nicht an den Obcrrand des Flügels reichenden Streif, ferner der Kröpf, die ganze Brust, die Schenkel und der Bauch sind hoch kastanienbraun oder, richtiger, dunkelrost- roth, an allen obern Theilen in dunkles Kupferroth übergehend, an den untern lichter, an den Schenkeln am lichtesten, aber von der perlblauen Grenzlinie der nackten Schnabeltheile an, am Anfange der Stirn mit einem grüngoldigen Glanz übergössen, welcher auf dem Vorderschritel in einen nicht minder prächtigen Kupferglanz übergeht und sich auf der Mitte des Scheitels verliert. Von der Sonne beschienen glänzt dieser Theil des Gefieders besonders prachtvoll. Der untere Theil des Dberrückens, die zweite Hälfte der Schulterpartie und alle Flügeldeckfedern, mit Ausnahme der oben schon erwähnten, haben eine sehr Dunkele schmutziggrüne Grundfarbe, welche aber kaum zu erkennen ist, vor dem vielfarbigen, mit jedem Lichte wechselnden, prächtigen Metallschiller, in Blaugrün, Goldgrün, Violett und Purpurroth, welcher in den Sonnenstrahlen ein 35» 548 XU. Ordn. l^XV. Gatt. 24S. Dunkelfarb. Sichler. unvergleichliches Farbenspiel giebt; die großen und mittlern Schwing- federn schmutzig dunkelgrün, erstere prächtig grasgrün, die folgenden goldgrün und purpurroth schillernd; die Hintere Flügelspitze wie die Deckfedern; die Fittichdeckfedern wie die großen Schwingen; Unterrücken, Bürzel und Schwanz schwärzlichgrün, mit blaugrünem, an den Enden der Federn meist violetten, auch in Purpurfarbe übergehenden Metallschiller; die untern Schwanzdeckfedern grünschwärz- lich, mit sehr starkem dunkelvioletten Glanz. Auch die untere Seite der Flügel und des Schwanzes sind bei solchen alten Vögeln viel schöner gefärbt und mit weit stärkerem metallischen Glanz versehen, dunkelbraungrün, mit grünem und goldgrünen, an den Jnnensah- nen der Schwingfedern zweiter und dritter Ordnung, wie an denen der Schwanzfedern, sehr lebhaft in Purpurfarbe spiegelnd. Jüngere Männchen in diesem Kleide unterscheiden sich von den alten hauptsächlich durch eine lichtere Färbung und schwächer» Metallglanz, die Weibchen durch düsterere und weniger prächtige Farben, wobei jedoch die zwei Hauptfarben, sowol bei diesen wie bei jenen, eben so vertheilt bleiben. Kopf, Hals, Brust, Bauch, Schenkel, der obere Theil des Rückens und der Schultern, auch der Streif auf dem Oberflügel sind bei den Weibchen allerdings auch roth, doch minder schön, auch dunkler, ein ächtes Kastanienbraun,*) bloß an den Schenkeln und dem Bauche etwas lichter, dabei überall ohne kupferrrothen Schein; an den grünen Federpar- tieen und dem metallischem Schiller ist weniger Unterschied bemerkbar, und so haben auch die Kopf- und Halsfedern jene verlängerte, schmal zugespitzte Gestalt, die auf dem Hinterkopfe und Anfange des Halses aber nicht die Länge, wie beim gleich alten Männchen. In gleichen Verhältnissen unterscheiden sich auch die jungen Weibchen von den gleich alten Männchen; bei ihnen kann das Kastanienbraun noch nicht schön heißen, und der Metallglanz des übrigen Gefieders ist ebenfalls matter; ihre geringere Größe kann ebenfalls ein Hülfsmittel zum Erkennen des Geschlechts abgeben, was indessen ohne anatomische Hülfe in den meisten Fällen ziemlich schwer bleibt. Es giebt auch weißgefleckte Spielarten unter diesen Vögeln. Ich habe namentlich unter jungen Vögeln im ersten Winterkleide solche gesehen, tße für nichts Anderes zu halten °) Die schön« Farbe der noch unberührt«» Schale reifer, ant ihrer grünen äußern Hüll« Ach eben frei machender Roßkastanien. XII. Ordn. L-XV. Gatt. 249. Dunkelfarb. Sichler. 549 waren. Wie schon erwähnt, sind die weißen Randflecke an den Seiten der Scheitelfedern an solchen Vögeln öfters sehr groß; bei manchen sind aber nicht bloß diese Federn, sondern auch die an der Kehle und dem Vorderhalse so, sogar von den kleinen Flügeldeckfedern haben manche solche weiße Randflecke. — Im Wiener Na- turalienkabinette sieht sogar ein Exemplar, an welchem der Oberscheitel in Form einer Platte (kileus), ein großes Feld an der Kehle und Gurgel, und ein solches auf den kleinen Flügeldeckfedern, nicht bloß weiß gefleckt, sondern wirklich durchaus rein weiß sind; — das übrige Gefieder gehört dem Winterkleide an. Ein weißgeflecktes Sommerkleid erinnere ich mich nicht gesehen zu haben. Ob nun jene Weißgefleckten bloß in die Kategorie der Spielarten gehören, oder ob vielleicht hier noch ein ganz anderer wichtiger Umstand obwaltet, wage ich nicht auszu- ^^Nach meinen Beobachtungen beginnt die Herbstmauser im August und ist im September im vollen Gange; wenn sie endet und wann die Frühlingsmauser Statt hat, ist mir nicht bekannt. Im Juni und Juli erlegte Alte waren in ihrem prächtigen Hochzeits- kleide und am Gefieder noch keine Abnahme des Glanzes, auch an den Federrändern säst keine Spur des Ahreibens annoch zu bemerken. Aufenthalt. Der dunkelfarbige Sichler bewohnt Asien, Afrika und Europa; ersteres wenigstens in einem großen Theile von Sibirien, in den Ländern um das Caspische und schwarze Meer, Na- tolien, Persien, Syrien und Arabien; dann Aegypten und Abessinien, in unserm Erdtheile endlich regelmäßig die südlichen und südöstlichen Länder, als Bessarabien« die Moldau, das südliche Polen, Ungarn (vorzüglich Slavonien und Dalma- tien), die Türkei, Griechenland, Unteritalien, Sicflien u. s. w-, weniger schon das mittlere Ungarn, Mittelitalien und Südfrankreich. Er scheint besonders von den Flußmündungen herauf tiefer in die Länder einzudringen, z. B. von denen des Prut und namentlich der Donau, und streift an der letztem sogar nicht selten bis nach Oesterreich, einzeln sogar bis zur Oder und dem Rhein. In Mittel- und Norddeutschland gehört er unter die sehr seltnen Vogel, nicht minder in Holland, England 550 XU. Ordn. I.XV. Gatt. 249. Dunkelfarb. Sichler. und Dänemark, in den südlichsten Theilen Schwedens zu den einzelnen außerordentlichsten Erscheinungen; aber sogar bis auf die Färber und in den südlichen Theil von Island haben sich schon manche dieser Vogel verflogen. Unter den norddeutschen Ländern scheint er in Schlesien, dessen östlicher Lage wegen, noch am öftersten vorzukommen; in andern Gegenden ist er viel seltner, obschon in vielen ganz einzeln bemerkt worden. In frühern Zeiten wurde er am salzigen See im Mannsfeldischen mehrmals, sogar ein Mal, an einem an Wassergeflügel besonders reichen Jahre, in kleinen Gesellschaften gesehen, in spätern Jahren gar nicht; eine Bemerkung, die auch von Schlesien gemacht ist. — Außerdem sind mehrere einzelne Beispiele von seinem Vorkommen in der nördlichen Hälfte Deutschlands bekannt; so wurde im Sommer 1824 ein solcher Sichler in der Gegend von Braunschweig geschossen, in demselben Sommer mehrere zugleich, lauter Alte, im Holsteinischen am Ausfluß der Elbe gesehen und erlegt, am 3ten Juni 1825 ein Exemplar im Oderbruche geschossen, und endlich wurde auch unser Anhalt vom Zufall begünstigt und ein junger Vogel im Juli 1815 bei Dorn bürg in der Nähe der Elbe geschossen. Für uns ist er ein mehr östlicher als südlicher Vogel, woher er sich wol meistens von der Donau herauf bis zu uns verirrt, welcher Strom in Hinsicht südlicher und östlicher Wasservögel uns eben das sein mag, was uns die Elbe für die nördlichen ist. Alle bei uns vorgekommene Sichler sind als Verirrte, von ihrer Straße abgekommene Herumstreifer, zu betrachten. Bei einem so großen Flugvermögen und gewohnt alljährlich weite Luftreifen zu machen, kann es nicht fehlen, daß, auf der Wanderung begriffen, ihnen zuweilen störende Hindernisse in den Weg treten, die Gesellschaften zerstreuen und so Einzelne in ihnen ganz fremde Gegenden verschlagen werden. Bei uns geschahe solches mehrentheils im Juli und August, seltner im Juni. Er ist, wo er regelmäßig alle Jahre angetroffen wird, ein Zugvogel, welcher in europäischen Ländern im Frühjahr, meistens im April und Mai, ankömmt, und sie im August und September wieder verläßt. Im Winter läßt sich dort keiner sehen; so ist mir wenigstens von Ungarn als gewiß versichert worden. — Er zieht am Tage, und weil er in der Dämmerung weit und munter umher- schwärmt, vielleicht auch des Nachts; ersteres habe ich selbst oft gesehen, das letzte aber nicht, weil dies bei Vögeln, welche sich auf XII. Ordn. QXV. Gatt. 249. Dunkelfarb. Sichler. 551 der Wanderung nicht laut hören lassen, schwer zu beobachten ist. Einzeln ziehen nur wenige; diese schlagen sich vielmehr aus dem Zuge in Gesellschaften zusammen, die oft zu großen Schaaren an. wachsen, so groß, daß eine einzige oft viele Hunderte, ja Lausende von Individuen in sich aufnimmt, indem sie im Fortstreichen durch anschließende kleinere Flüge immer noch Zuwachs erhält. Ich sahe Anfangs September 1835 in Syrmien und dem banatischen Militärgrenzlande eine so enorme Masse dieser Vogel aus dem Zuge, daß mich das Anschauen einer so ungeheuern Anzahl ins höchste Erstaunen versetzte, um so mehr da sie dabei eine ganz sonderbare, ungewöhnliche Ordnung beobachten. Im Wanderfluge ordnet sich nämlich eine solche Schaar, sei sie auch noch so groß, sehr bald nach dem Aufschwingen und einigen Herumkreisen, wobei sie eine größere Höhe zu gewinnen sucht, in eine einzige Linie, wie an eine Schnur gereihet, worin, wohl zu merken, nicht ein Vogel »m,„ d-m -°d-m h-r, ,°»d-m -m-r »-b-n d-m -md-m Mgl. so dicht daß sich die Flügelspitzen der Nachbarn fast berühren, und so eine 'solche Linie quer durch die Luft, wenn es nicht viel Vögel, fast ganz gerade, wenn es aber sehr viele, in den anmuthigsten schlängelnden Bewegungen fortrückt. Nicht L» Zahlen sind dann oft die Vögel, welche ein solche Linie bilden, theils eben wegen den b ständigen wogenden Windungen dieser, theis auch darum, weil, w nn sich der Beobachter gerade vor dem einen Ende der Linie befindet und die vordersten Vögel ziemlich nahe hat, die Linie sich doch so weit hinaus ausdehnt, daß das entgegengesetzte Ende derselben am ftmen Horizonte verschwindet, zumal wenn sie nicht außerordentlich hoch fliegen, was sie indessen im eiligen Fortzuge i.n- -^m südlichen Ungarn in den Gegenden der untern Donau und an der Save ist dieser Vogel außerordentlich häufig, auch in denen längs der Drau und an der Scheiß noch sehr gemein, aber eigentlich nicht unmittelbar an den Flüssen selbst sondern nur in dessen Nähe in den großen Sumpfen, an Landseen und Leichen. Er scheint das Flußwasser so wenig zu lieben als das Seewasser^ weshalb er sich wo möglich auch nicht am Gestade des Meeres au- bält aber die Sümpfe in dessen Nahe, selbst salzige, gern aussucht, wie'er denn auch in Ungarn die Salzsümpfe nicht verschmähet, doch aber eigentlich auch nicht aufsucht . — r ^ Sein gewöhnlicher Aufenthalt sind schlammige Sumpfe und tiefer Morast, wo er die freiern bellen auswählt, selbst solche, 552 XU. Ordn. I^XV. Gatt. 249. Dunkelfarb. Sichler. welche von vielem Schilf und Rohr umgeben sind, dicht neben diesen, Schutz suchend gegen Sturm und andere Störungen, ohne aber sich jemals in solche zu verstecken. In den unermeßlichen, im Sommer 1835 zum Theil ausgetrockneten Sümpfen im Banat und dem Militärgrenzlande an der untern Donau und Save, bei Belgrad, am Flüßchen kvrvs» (spr. Portscha) ü. s. w., selbst auf der großen Kriegsinsel, wo Rohr, Schilf, große Sumps- euphorbien und andere Sumpfpflanzen zu riesenartiger Höhe aufgeschossen waren und ein buchstäblich undurchdringliches Gestrüpp bildeten, das in manchen Gegenden Stunden weit den fetten, kaum noch feuchten Boden dicht bedeckte, gab es, mitten in diesen schauerlichen Wildnissen, hin und wieder auch noch größere oder kleinere Flächen blankes Wasser oder doch von hohen Pflanzen freien Morast, und diese Plätze schienen den Schwarzschnepfen, wie man diese Bögel dort nennt, ganz vorzüglich zuzusagen. Am fließenden Wasser sahe ich keine, wol aber sehr viele in Slavonien auch an ganz freien, flachen, schlammigen Teichen, deren seichte Ufer mit kurzabgeweideten Rasen bedeckt waren, und in weniger wilden Gegenden, z. B. in denen am Fluße IsM und der obern Theiß, hier jedoch nur einzeln, ebenfalls an Sümpfen und Teichen. Sie wechseln ihren Aufenthalt oft und schwärmen von einer Sumpfgegend zur andern, besonders in der Abenddämmerung, suchen auch am Tage auf großen Viehweiden nicht allein die einzeln kleinen Teiche, Tümpel und morastigen Stellen auf, die es auf solchen giebt, sondern lassen sich auch auf trocknem Boden und auf kurzberaseten grünen Flächen, zuweilen weit vom Wasser nieder und verweilen, Nahrung suchend, lange daselbst. Man sagt auch, daß sie zuweilen auch auf Brachfeldern sich niederließen, worin sie dann den Brachvögeln ähnlich würden. Dies mag jedoch nicht oft geschehen, weil es mir in jenem Lande selbst nicht vorgekommen ist. Indessen hielt der erwähnte Vogel dieser Art, welcher auf Anhal- tischem Boden erlegt wurde, sich einige Zeit auf einer sehr ausgedehnten magern Viehhuthung auf, wo er theils auf dem Trocknen herumgieng, theils sich an, von kurz vorher gefallenem Regen entstandenen, Tümpeln und Pfützen herumtrieb, bis er hei einer solchen erlegt werden konnte. Eigenschaften. Ein schöy gestalteter, und der alte in vollständigem Hochzekts- XII. Ordn. Gatt. 24S. Dunkelfarb. Sichler. 55Z kleide ein wirklich prächtiger Vogel. — In seiner Gestalt gleicht er in der Ferne einem Brachvogel (Xuwvmus), aber sein Betragen ist ein Gemisch von dem dieser und der Reiher oder Störche. Seinen langen, schlanken Hals trägt er meistens in einer sanften «förmigen Biegung, aber eben so selten gerade in die Höhe gestreckt, als er ihn einziehen und seine Windungen unter dem Gefieder verbergen kann; denn dieses ist zu klein und dazu zu knapp, so daß, wenn er ihn kurz macht, er ihn, stets sichtbar, in 8 Form zusammendrückt. Seinen Körper trägt er weder so wagerecht als die Schnepfen, noch die Brust so erhaben, wie die Reiher; sehr aufgerichtet, auch den wenig gebogenen Hals, steht er allenfalls dann, wenn er ängstlich wird und fortfliegen will, dies ist aber noch lange keine Reiherstellung, eher ein Gemisch von Schnepfe und Storch. Den langen Schnabel neigt er vorn stets stark gegen die Erde, die Füße sind im Fersengelenk nicht gebogen, und der Schwanz hängt jederzeit etwas unter die Spitzen der großen Flügel herab, doch nur wenig. Im ruhigen Fortschreiten trägt er den Körper mehr wagerecht, und geht in leichten großen Schritten einher, kann diese zwar ziemlich beschleunigen, ist jedoch vom Schnelllaufen kein Freund, und hält dies selbst im Nothfalle nicht lange aus. Sein Stand und Gang sind nicht ohne einige stolze Haltung und Würde. Er wadet oft und gern im Wasser und Schlamme, so tief als seine Füße zugeben, macht aber nur im schlimmsten Falle von der Fertigkeit zu schwimmen Gebrauch, übt es aus freiem Willen nur wenige Fuß weit, und wenn er muß, z. B. über dem Wasser flügellahm geschossen, so sucht er sich, außer dem Rudern mit den Beinen noch mit den Flügeln fortzuhelfen, uno benimmt sich IN solchen Fällen ziemlich ungeschickt. Ob er auch untertauchen kann, möchte ich bezweifeln. Im Fluge ähnelt er dem großen Brachvogel sehr, unterscheidet sich jedoch sogleich durch sein ganz einfarbiges, sehr dunkles Gefieder welches schon in geringer Entfernung durchaus völlig schwarz'zu sein scheint und die Namen: Schwarzschnepfe, schwarzer Keilhaken, schwarzer Louis u. s. w. vollkommen rechtfertigt Gegen andere Schnepfen und Reiher scheint er in der That aus der Ferne rabenschwarz auszusehen. Dazu unterscheiden ihn noch von dem genannten Vogel, der längere Hals und Fuß, und hauptsächlich die größern, breitem und etwas stumpferen Flügel in großer Entfernung, und dann endlich auch noch sein lang- 554 XU- Ordn. I^XV. Gatt. 249. Dunkelfarb. Sichler. samerer Flug. Er streckt darin Hals und Füße gerade aus und die Flügelspitzen weit von sich, schlägt die Flügel weder sehr hastig, noch sehr langsam, doch immer noch ziemlich schnell und leicht, in nicht weit ausholenden Schwingungen; doch hastiger folgen diese im beschleunigten Wanderfluge, wo die Bewegungen viel lebhafter sind. Er kann übrigens schöne und schnelle Wendungen machen, lange Strecken mit stillgehaltenen Flügeln schweben, entweder gerade fort, oder auch in Halbkreisen und kurzen Schneckenlinien, sich aber auch mit etwas angezogenen Flügeln in wenig schräger Richtung äußerst schnell aus der Höhe herabstürzen und dabei hin und her werfen. Er fliegt gewöhnlich hoch, oft sehr hoch, selten niedrig, und das Niedersetzen geschieht unter einigem Flattern. Des eigenthümlichen, sehr auffallenden Wanderfluges ist oben schon gedacht. Es gewährt in der That einen herrlichen Anblick, eine lange Schnur solcher Böget, auf oben beschriebene Weise, en krönt (nämlich in Linie) die Lust durchschneiden zu sehen; wie ein Faden fliegenden Sommers, den ein leiser Lufthauch quer forttreibt, scheint sie dahin zu schweben; nicht strenge in gerader Linie, sondern in den anmuthigsten, mannichfaltigsten, sanft auf- und absteigenden, und alle Augenblicke veränderten Bogen, schlängelt sie sich durch die Luft fort, indem sich bald die Mitte, bald das eine, bald das andere Ende, oder die Räume zwischen diesen senken oder erheben, etwas voreilen oder zurückbleiben, daß so die Linie wellen- oder wogenförmig fortwährend die Gestalt wechselt, dabei jedoch stets geschlossen und jeder einzelne Vogel mit den neben ihm fliegenden in derselben Richtung bleibt. Wenn ein solcher Zug sich niederlassen und Halt machen will, dann erst zerreißt der lange Faden in Stücke, diese lösen sich auch auf, die einzelnen Vögel fliegen durch einander, fangen an zu schweben, sich in Kreisen zu drehen oder einzeln Schneckenlinien zu. beschreiben, und stürzen sich nun mit sausendem Hin- und Herschwenken einzeln, oder doch nicht alle in demselben Augenblick, aber rasch einander folgend und jeder auf seine eigene Weise, an das Wasser nieder. — Eben so interessant ist es, dem Bilden einer solchen Linie zuzuschauen; die Vögel steigen aus, erheben sich in Kreisen immer höher und höher, fangen nun an fortzurücken, und ehe man es sich versieht, wird aus dem unordentlichen Haufen der Anfang einer Querlinie, der sich zu beiden Seiten, nach und nach, aber sehr schnell, die übrigen Vögel anschließen, und so wie der Zug. fortrückt, sieht man immer noch, bald an diesem bald an jenem Ende, andere Wanderungslustige sich anschließen und so die Schnur XI?. Ordn. lll-XV. Gatt. 249. Duukelfarb. Sichler. 555 an beiden Enden verlängern, endlich aber hoch durch die Lüfte fort- gleiten. In seinem Wesen scheint keine ausgezeichnete Neigung vorherrschend, weder die Trägheit und abgemessene schlaue Bedächtigkeit der Reiher, noch die große Beweglichkeit und fröhliche Entschlossenheit vieler Schnepfen; aber ein gewisser Ernst tritt darin hervor, ihm ist jedoch auch ein guter Theil Gemüthlichkeit bcigegeben. Dabei ist er sehr vorsichtig, mißtrauisch und scheu. Bon Ferne schon und stets außer Schußweite flieht er den Menschen, gegen welchen er Verdacht hat; denn er ist klug genug, den Schützen von andern unbetheiligten Leuten zu unterscheiden, und weicht jenem auch fliegend weit genug aus, wenn er sich nicht gleich verbergen oder wenigstens niederwerfen kann. Die jungen Vogel, noch arm an Erfahrung, und auch einzelne Verirrte, sind es zwar weniger, zumal in ihnen unbekannten Gegenden, doch immer noch argwöhnisch genug und auf ihre Sicherheit stets sehr bedacht. Von seinem Hange zum geselligen Beisammensein ist schon mehrfach die Rede gewesen; er ist so stark, daß er ihn sogar an den Brüteorten nicht ganz ablegt und einsam nistende Päärchen nicht oft vorkommen. Sein Geselligkeitstrieb erstreckt sich jedoch nur über seines Gleichen; mit andern Vögeln hält er keine Gemeinschaft, selbst zu den ihm dem äußern Ansehen nach so ähnlichen Brachvogeln zeigt er nicht die geringste Zuneigung. Ich sahe ihn oft auf Plätzen, wo es von schrieben- und reiherartigen Vögeln wimmelte, aber stets ganz unabhän- aig von ihnen, sich nur zu Vögeln seiner Art halten, mit ihnen fliegen, ankommen und abgehen, und sich um dre andern gar nicht kümmörn, so wenig, wie diese um ihn. Dabei zeigte er sich, mitten unter solchem vielartigen Gewimmel, zugleich als einer der scheuchen; denn unsere Sichler waren an solchen Orten, nächst den gemeinen Reihern und großen Silberreihern, stets die ersten, welche die Flucht ergriffen. Man sollte meinen, einem so geselligen Vogel sei eine starke Stimme, zum Zusammenlocken der Kameraden beim Zusammenrotten, auf der Wanderung in Massen, u. s. w. nothwendig. Wir finden hier jedoch das Gegentheil; Alles geht still und stumm vor sich; nur erschreckt oder überrascht, bei ängstlichem Entfliehen, stößt er einen dumpfen, schnarchenden Ton, ein kurzes, heiseres Rrha oder Rraa aus, das ganz reiherartig klingt und nur in einiger Nähe vernehmbar ist. — Ganz ähnlich soll er auch beim Neste 556 XU. Ordn. L.XV. Gatt. 249. Dunkelfarb. Sichler. schreien, wo ich selbst ihn aber nicht gehört habe und auch nicht weiß, ob er da noch eine andere Stimme hören lasse. Nahrung. Sie besteht in verschiedenartigen, doch lauter animalischen Dingen. Der graugrüne Brei, welchen auch ich fast immer in seinem Magen vorgefunden habe, scheint nicht vegetabilischer Natur, sondern, zumal er oft körnig vorkömmt, vielleicht der Laich verschiedener im Wasser lebender Geschöpfe zu sein. Hin und wieder habe ich zwar auch ein grünes Blattstückchen, namentlich von 8»Ivmm oa- lAns, ein in jenen südlichen Ländern und an seinen Lieblingsorten sehr häufig ganze Sumpfstrecken bedeckendes Pflänzchen, gefunden; es ist jedoch durch die Seltenheit des Vorkommens, mitten unter einer Menge solcher Pflanzen, wo es gerade etwas ganz Gewöhnliches sein müßte, augenscheinlich, daß solche Fragmente nur zufällig und nicht absichtlich verschluckt wurden. Die Hauptnahrung unsers dunkelfarbigen Sichlers sind allerlei im Wasser lebende Insektenlarven und Würmchen, auch vollkommene Insekten, Wasser- und Landkäfer, Libellen, Phryganeen u. dgl., allerlei kleine Gehäusschnecken und zarte Muscheln, nackte Schnecken und Regenwürmer, kleine Frösche, Froschlarven, kleine Fischchen, Fisch- und Froschlaich. Von allen diesen findet man die Reste in seinem Magen. Ein Mal fand ich darin sehr viele Phryganeen- larven sammt ihren Gehäusen, einen kleinen Wasserkäfer (H^) auf ihnen zu finden ist. Sie unterscheiden sich daher gar sehr von den im Norde» Europa'« sogenannten Haiden, die eben dabon ihren Namen haben weil gerade die Li!°»-Artm auf solchen die prädominirenden Pflanzen sind und theilwei« allandern verdrängen. 558 XII. Ordn. l-XV Gatt. 24S. Dunkelfarb. Sichler. sich jedoch ganz sicher in mehrem südlichen und östlichen Ländern unsers Erdtheiles, namentlich aber, und wie ich nun ganz gewiß weiß, in Ungarn in großer Menge fort, besonders in dessen südlichsten Theilen, in den Ländern längs der türkischen Grenze hin. Mir wurden in Syrmien und im banater Militargrenz- lande Gegenden gezeigt, wo er, nach Aussage aller Einwohner, in erstaunlicher Anzahl nistet, und zwar in vielen Paärchen beisammen, so daß ganze große Sumpfstrecken entlang oft Vogel bei Vogel und ein Nest neben dem andern stände. Es schmerzt mich zu sagen, daß ich dies leider nicht selbst gesehen habe, weil ich in der Fortpflanzungszeit nicht dort war; ich erfuhr es jedoch von mehrern Zagdfreunden in Semlin, von welchen jeder Einzelne es mir mit den übrigen gleichlautend erzählte, und kann im Allgemeinen an der Wahrheit derselben um so weniger zweifeln, als diese Vogel dort ^edem Kinde bekannt sind, und ich selbst im August und September sie daselbst noch zu vielen Tausenden antraf. Namentlich versicherte mir ein gewisser Herr Zos. Hahn aus Semlin, ein sehr eifriger und geübter Jäger, Folgendes: „Die Schwarzschnepfen (unser dunkelfarbiger Sichler heißt nämlich dort allgemein so), nisteten in jenen ausgedehnten Sümpfen vorzüglich an solchen Orten in Menge beisammen, wo im Frühjahr das Wasser noch frei von Schilf und Rohr sei, wo das vorjährige entweder im Winter weggeholt worden oder wo es großentheils von Vieh umgebrochen und niedergedrückt und der tiefe Morast mit wenigem Wasser bedeckt sei, wohin aber, des tiefen zähen Schlammes wegen, nur mit Wasserstiefeln und größter Anstrengung zu gelangen sei. Hier ständen die Nester in geringer Entfernung von einander auf den niedergedrückten und niedergetretenen alten Wasserpflanzen und kleinen Schlammhügelchen, von alten Rohr- und Schilfblättern unkünstlich, doch gut genug gebauet, um den Eiern und dem brütenden Vogel ein trocknes Lager zu gewähren. Von diesen Nestern, deren er sehr viele gesehen hätte, könnte er sich keines erinnern, das mehr als 3 Eier enthalten hätte. Diese Eier sähen grünlich oder ganz blaßgrün aus, und gefleckte habe er darunter nie bemerkt. Ferner, hätte er zuweilen wol auch Junge in den Nestern gefunden, welche durchaus mit dunkelbraunen Dunen bekleidet gewesen wären, es wäre ihm aber nicht erinnerlich, auch schon mit wirklichen Federn bekleidete Jungen noch darin sitzend gesunden zu haben. Die große Anzahl so vieler schwarzer Schnepfen- gestalten an recht frequenten Brüteplätzen gäbe einen sehr imposanten Xll. Ordn. ! XV. Gatt. 2M. Dunkelfarb. Sichler. 559 Anblick, weil, während der eine Gatte auf dem Neste läge, der andere neben ihm oder doch nicht weit davon stände, wie wenn er jenen zu bewachen hätte, und alle in dieser Zeit gar nicht scheu wären." ^ , So einfach diese Nachrichten nun auch klingen, so wemg hat. man Ursache, ihre Wahrheit nur im Mindesten in Zweifel zu ziehen, rumal sie Nichts enthalten, was der Natur unsers Vogels im Geringsten entgegen wäre. Es lag auch gar nicht im Interesse jenes Mannes mich zu belügen, wie er denn auch in einem neuntägigen Umaanae und bei meinen meisten Iagdexcursionen, als Führer in jenen wilden Gegenden, mir niemals Gelegenheit gegeben hat, nur einer seiner übriaen Aussagen zu mißtrauen; auch bestätigten andere I.gdll-bh-b-, >mm-, d-ss-lb.. - In -nd°-n Skg-"d-n Mg-nS. die an der Theiß etwa ausgenommen, scheinen diese Vogel nistend viel einzelner vorzukommen. Feinde. Von welchen Raubvogeln oder Raubthieren dieser Vogel und seine Brüt Verfolgungen auszustehen habe, ist mir nicht bekannt geworden. Wahrscheinlich gehören beiläufig die .n den Sümpfen Ungarns so unsäglich häufigen Rohr- und Wi-senwelhen (k'-Uoo rufug und k. zu denen, welche ihm seine ^Zm Gefieder' beherbergt er Schmarotzerinsekten und in seinem Innern Würmer, nach dem Wiener Verze.chniß in der Bauchhaut eine Vounrin, in den Eingeweiden «n viswmum und?ne ^i-r, alle aber noch nicht speciell angegeben. Jagd. Dieser argwöhnische und vorsichtige Vogel hält den frei ankommenden Schützen nicht auf Schußweite aus; nur einzelne, weit verflogene Junge machen zuweilen eine Ausnahme hiervon, doch darf man dies auch nicht bei jedem von ihnen erwarten. Man muß sie daher wo es das Terrain erlaubt, aus der Ferne und ungesehen zu beschleichen oder anzukriechen suchen, oder, wenn sie in einem Umkreise aufgeregt sind und umherschwärmen, sich sogleich ein Versteck suchen und nach ihnen anstellen. Bei solchem Umherschwärmen trägt es sich auch zu, daß sie manchmal schußrecht an dem schlecht versteckten Schützen vorbeifliegen und da aus der Luft herabgeschossen werden können, doch geht dieser allezeit sicherer, wenn er welche 560 XN. Ordn. L.XV. Gatt. 249. Dunkelfarb. Sichler. auf sich zukommen sieht und ein anderes kleines Versteck nicht gleich nahe ist, sich auf der Stelle schnell auf die Erde niederzuwerfen und die Vogel dann auf dem Rücken liegend zu erwarten. Bekanntlich haben alle scheue Vogel vor dem platt auf der Erde liegenden oder auch nur sich niederkauernden Menschen weit weniger Furcht, als vor dem aufrecht und frei dastehenden, zumal wenn dieser sie immer mit den Lugen begleitet und verfolgt, was selbst ganz zahme Vogel nicht leiden mögen. Zu fangen würde er an geeigneten Plätzen vielleicht mit Fuß- fchlingen sein; allein auf den Wasserschnepfenheerd kömmt er nicht, weil er sich zu keiner Schnepfenart hält. Dies erfuhren einstmals, zu ihrem großen Leidwesen, auch die Vogelsteller am salzigen See, ohnweit Eisleben, wo vor langer Zeit, in einem unsrer frühern Sammlungsjahre, im Spätsommer, sich nicht wenige am See zeigten und mehrere Tage sich dort herumtrieben. Ungeachtet der Geschicklichkeit dieser Leute (Salzsieder aus Halle) im Fangen der Schnepfenvögel, wollte es ihnen doch durchaus nicht gelingen, einen Sichler auf ihre Heerde zu locken. Seine Fährte ist leicht zu erkennen, — eine Brachvogelfährte mit langer Hinterzeh; — denn die drei Vorderzehen sind eben so gestellt, daß sie, wie bei jenen, auf 3 Abtheilungen eines sechs- theiligen Zirkels passen, also etwas weiter ausgespreitzt sind, als bei Reihern, von denen dieser sie sich aber noch besonders durch die schwächlichere und kürzere Hinterzeh unterscheidet, so wie im Gegentheil diese gegen die der Brachvogel schon bedeutend groß und lang ist. Nutzen. Sein Fleisch wird nicht allein allgemein für eßbar gehalten, sondern ist sogar wohlschmeckend und wird in Umgarn sehr gern gegessem Ich habe es indessen derber und lange nicht so gut gefunden, als das der Brachvogel. Schaden. Es ist mir Nichts bekannt geworden, was in diese Rubrik gehören möchte. Ende des achten Theils. V>--' > ' KV zMM. .-SMK-' Z?W - ? -^e. ,<^?' 5 M< MLW MSM LMS «M« «LL SVM7 RM MMKx.L