:hW, *' 1 PHOTOGRAPHIE DER GESTIRNE ASTRO N O MI SCJA&0W ST IT l n VON der Johann WoKgag^^x^Onlversrtät FranöSntMain) '1800b De. J. SCH E I N ER A. 0. PROFESSOR DER ASTROPHYSIK AN DER UNIVERSITÄT BERLIN UND ASTRONOM AM KÖNIGL. ASTROPHYSIKALISCHEN OBSERVATORIUM ZU POTSDAM fies P&äMsb- Verein; Frsnkfupfr u. M. MIT 1 TAFEL IN HELIOGRAVÜRE UND 52 FIGUREN IM TEXT NEBST EINEM ATLAS VON 11 TAFELN IN HELIOGRAVÜRE MIT TEXTLICHEN ERLÄUTERUNGEN LEIPZIG VERLAG VON WILHELM ENGELMANN Alle Rechte, besonders das der Uebersetzung, Vorbehalten. VORWORT. Aehnlich wie die vor sechs Jahren in gleichem Verlage erschienene »Spectralaualyse der Gestirne« soll »Die Photographie der Gestirne« hauptsächlich als Lehrbuch für den Studirenden der Astronomie dienen. Hoff entlieh wird dasselbe auch für den ausgebildeten Astronomen als Handbuch nicht ohne Nutzen sein. Die Bearbeitung des Stoffes ist eine ähnliche wie hei dem erwähnten Brrche; jedoch habe ich mich in allen Fällen, wo dies überhaupt thunlieb war, bemüht, den historischen Entwickelungsgang zu berücksichtigen. Besonders betrifft dies den dritten Abschnitt des Buches, der als eine kurzgefasste Geschichte der Himmelsphotographie zu betrachten ist. Von zusammenfassenden Werken über die cölestische Photographie, die noch cinigermassen die neueren Ergebnisse enthalten, ist mir nur eins bekannt, die »Anleitung zur Himmelsphotographie« von N. v. Kon- koly. Wegen seiner populären Abfassung kann dieses Werk wohl nicht als Lehrbuch betrachtet werden; der Haupttheil desselben ist einer detaillirten Beschreibung einzelner Instrumente gewidmet, und wenn ich mich mit den hierbei ausgesprochenen Principien auch nicht immer einverstanden erklären kann, so habe ich doch geglaubt, im Hinblicke auf das v. Konkoly’sche Buch in dem vorliegenden Werke die Instrumentenbeschreibung auf ein Minimum beschränken zu sollen. In dem als Anhang gegebenen Verzeichnisse der Litteratur habe ich möglichst nach Vollständigkeit gestrebt; doch bin ich mir durchaus bewusst, dies bei dem grossen Umfange der photographischen Litteratur nicht annähernd erreicht zu haben. Es lag übrigens der Gedanke nahe, einen grossen Tlieil dieser Litteratur als wissenschaftlich minderwerthig oder auch ganz unbrauchbar von dem Verzeichnisse auszuschliessen; ich habe dies indessen nicht gethan, da gerade derartige Publicationeu geeignet sind, bei historischen und kritischen Studien wichtige Aufschlüsse IV Vorwort. über die Fälligkeiten der betreffenden Autoren zu geben, und für diese Zwecke wird daher ein möglichst vollständiges Verzeichniss von Nutzen sein. Der dem Buche beigefügte Atlas enthält Reproductionen in Heliogravüre aus allen Zweigen der Himmelsphotographie und gewährt so in directer Anschauung ein Bild von den jetzigen Leistungen dieser Specialwissenschaft, besonders für diejenigen Leser dieses Buches, die ausser Verbindung mit einer grösseren Sternwarte stehen, und denen Himmelsphotographien daher nicht ohne Weiteres zugänglich sind. Die Schwierigkeiten bei der Herstellung der »Photographie der Gestirne« sind wesentlich erleichtert worden durch die thatkräftige Unterstützung, welche mir in liebenswürdigster Weise von vielen Collegen und Freunden zu Theil geworden ist. Ihnen allen möchte ich an dieser Stelle meinen verbindlichsten Dank aussprechen. In nicht geringerem Masse gebührt dieser Dank auch der Verlagsbuchhandlung von Wilhelm Engelmann, die in uneigennütziger Weise für eine gediegene äussere Ausstattung des Werkes, besonders bei der Herstellung des Atlasses, Sorge getragen hat. Potsdam im October 1896. J. Scheiner. INHALTSVERZEICHNIS. Seite Einleitung . 1 I. Theil. Die Herstellung und Venverthung von llimmelsaufnalimen. 4 Capitel I. Allgemeine Vorbemerkungen . 4 Die photographische Technik in der Himmelsphotographie. 4 Die optischen Theile der photographischen Instrumente.23 Der Einfluss der Luftunruhe auf photographische Aufnahmen .... 43 Capitel II. Die Instrumente zur Aufnahme cölestischer Objecte 55 Die Heliographen und verwandten Instrumente.55 Die Spectroheliographen."S Die Coronographen. Die photographischen Refractoren und Reflectoren.93 Capitel III. Die Messungs- und Reductionsmethoden in der astronomischenPhotographie .1 13 Capitel IV. Die photographischen Registrirmetlioden .189 II. Tlieil. Die photographische Pliotometrie und die Entstehung derphotograp löschen Bilder 210 III. Tlieil. (Jeschichte der Himmelspliotographie und ihrer Ergebnisse für die Astronomie. . 257 Capitel I. Der Mond .25S Capitel II. Die Sonne . 2t, ‘ Die Venusdurchgänge.2 i9 Capitel III. DiePlaneten .293 Capitel IV. Die Cometen und Sternschnuppen .298 Capitel V. Die Fixsterne .302 Capitel VI. Die Nebelflecken . 33,1 Anhang. 33!) Litteraturverzeichniss . 339 Namen- und Sachregister . 3 " 3 Einleitung. Die Photographie hat auf die Probleme der Astronomie und Astrophysik in den letzten Deccnnien eine immer vielseitigere und fruchtbringendere Anwendung gefunden. Schon jetzt ist sie zu einem unentbehrlichen IHilfsmittel geworden, und cs scheint der Zeitpunkt nicht mehr ferne zu liegen, wo sie in vielen Zweigen der astronomischen Wissenschaft die früheren Beobachtungsmethoden in den Hintergrund gedrängt haben wird. Die Photographie lässt sich in der Astronomie auf zweifache Weise verwerthen; bisher hat jedoch nur die eine davon die eingangs geschilderte Bedeutung gewonnen, während die andere über vereinzelte, im übrigen aber geglückte Versuche noch nicht hinausgekommen ist. Der Unterschied in diesen beiden Anwendungen ist ein ganz wesentlicher. Im ersteren Falle dient die Photographie zur Erzeugung einer möglichst getreuen Darstellung der im Gesichtsfelde des Fernrohres befindlichen Objecte. Die wissenschaftliche Verwendung dieses Bildes, sei es durch blosse Betrachtung, sei es durch exacte Ausmessung, findet nachher unter geeigneter Vergrösserung — unter dem Mikroskope — statt. Hiermit ist eine völlige Umwälzung der früheren Beobachtungsmethoden gegeben. Die Fernrohre zur Aufnahme der cölestischen Objecte bedürfen im allgemeinen besonderer Einrichtungen, die sie von den zur rein optischen Verwendung bestimmten Kefractoren unterscheiden. Die Beobachtungskunst am Fernrohre sowohl, wie behufs Ausmessens am Mikroskope ist eine völlig andere, vor allem ist der Einfluss der Luftunruhe auf das Messen ein total anderer geworden. Die wesentlichste Aenderung durch die Einführung der photographischen Methoden betrifft aber die zeitliche Verwerthung des Fernrohres. Während bei der directen Beobachtungsmethode die Ausführung einer mikrometrischen Messungsreihe am Befractor z. B. die angestrengte Thätigkeit eines Beobachters für ein Jahr in Anspruch nalnn^ lässt sich ^ bei^ Zuhülfenahme der Plmlograpliie 'dieselbe 'Arbeit am f'ernroiir in vielleicht einigen Seheiner, Photographie dev Gestirne. 1 Einleitung. 2 Tagen, ja Stunden erledigen, und die eigentlicli zeitraubende, aber immerhin noch verhältnissmässig beträchtlich verkürzte Messungsarbeit wird unter dem Mikroskope ausgeführt. Damit ist die Benutzungsfähigkeit des für eine Sternwarte kostspieligsten Apparates, des Fernrohres, ganz ausserordentlich gesteigert; während früher ein Fernrohr die Thätigkeit eines oder zweier Astronomen zu absorbircn im Stande war, kann es heute mit Leichtigkeit die Arbeit von zwanzig und mein- Gchülfen in Anspruch nehmen. Die zweite Anwendung der Photographie in der Astronomie ist diejenige als registrireudes litilfsmittel bei Kreis- und Schraubenablesungen oder bei Sterndurchgängen. Sie vermag hier gewissermassen die Persönlichkeit des Beobachters und damit eine Reihe von individuellen Fehlerquellen zu eliminircn; eine wesentliche Aendcrung der Beobachtungsart, im Sinne wie bei der ersterwähnten Anwendung, ist aber hierdurch nicht gegeben; die Photographie ist hier nur ein rein technisches Hülfs- mittel. Die ausserordentlich wichtige und umfangreiche Anwendung der Photographie in der Spectralanalyse sei hier nur der Vollständigkeit halber erwähnt; sie ist mit diesem Zweige der Astrophysik so innig verbunden, dass sie nicht davon abgetrennt werden kann. Wie stets nach Einführung neuer, epochemachender Erfindungen in die naturwissenschaftlichen Probleme, so hat auch die Himmelsphotographie anfangs mit spielender Leichtigkeit wichtige Ergebnisse geliefert; selbst heute noch vermag z. B. ein einziger Blick auf eine zum ersten Male erhaltene Photographie eines Nebelfleckes ein wichtiges wissenschaftliches Resultat zu liefern, welches vielleicht früher trotz Aufwendung vieler Arbeit nicht hatte gewonnen werden können. Diese Leichtigkeit der Ausbeute hat aber noch immer zu einem gewissen Nachlassen der Exact- heit der Forschungen geführt, zur Herrschaft der Phantasie an Stelle des nüchternen Verstandes, und die ersten Anzeichen eines derartigen Verfalles sind bereits deutlich in der Geschichte der Himmelsphotographie zu erkennen. Ein weiteres Vorschreiten in dieser Richtung kann nur dadurch verhindert werden, dass die in dieser Beziehung bereits begangenen Sünden schonungslos aufgedeckt werden, und dass jedem, der sich mit der Himmelsphotographie beschäftigt, das Bewusstsein eingeprägt wird, dass nur dann ein dauernder Fortschritt der wissenschaftlichen Himmelsphotographie möglich ist, wenn jeder einzelne nach besten Kräften bestrebt ist, die Exactheit der Astronomie im Bessel’schen Sinne auch in dem neu aufblühenden Zweige derselben aufrecht zu erhalten. Vor allem muss auch jeder sich bemühen, die theilvveise geradezu beleidigende Unwissenschaftlichkeit, welche einen Einleitung. :i grossen Thcil der photographischen Fachliteratur beherrscht, und die sich z. B. in einer Menge falsch gebrauchter technischer Ausdrücke ver- rätli, von der cölestischen Fhotographie fern zu halten. Nach dem Gesagten ist als unerlässliche Bedingung festzustellen, dass nur derjenige mit dauerndem Erfolge sich der Himmelsphotographie widmen kann, der mit der Astronomie theoretisch und praktisch soweit vertraut ist, dass er die Exactheit derselben im Bessel’schen Sinne sich zu eigen gemacht hat. Es ist das lebhafte Bestreben des Verfassers gewesen, diesen Standpunkt in dem vorliegenden Buche möglichst hervorzukehren und so seinerseits nach Kräften dazu beizutragen, die Himmelsphotographie zu einer strengen und exacten Wissenschaft heran/ubilden. l* I. Theil. Die Herstellung und Verwerthung von Himmelsaufnalinien. Capitel I. Allgemeine Vorbemerkungen. Die photographische Technik in der llimmelsphotographic. Es muss vorausgesetzt werden, dass jeder, der sich mit der Ilimmels- photographie beschäftigen will, sieh vorher die nüthigeu Kenntnisse und auch die nothwendigen praktischen Erfahrungen in der Kunst oder Technik des l’hotographirens erworben hat. Hierzu gehört auch ein gewisser Einblick in die Chemie, wenigstens in die unorganische; denn nur der kann sieh seihst weiter vervollkommnen, der im Stande ist, die im allgemeinen höchst einfachen chemischen Vorgänge heim Entwickeln etc. zu verstehen, und der in jedem einzelnen Falle genau wciss, aus welchen Gründen er eine gewisse Manipulation vernimmt. Auch ist es eines Gelehrten nicht würdig, für seine Zwecke ein Verfahren zu verwenden, über welches er nicht vollständig im Klaren ist. Er stellt sich sonst auf den Standpunkt eines ineht vorgebildeten Berliners, der zwar im Stande ist, nach einem genau vorgeschriebenen Formelschema z. II. eine l’laneten- ephemeride zu rechnen, jedoch die Bedeutung der einzelnen Formeln, welche er verwendet, nicht versteht. Bei der kurzen Besprechung, welche in diesem Buche der photographischen Technik gewidmet werden möge, sollen nur diejenigen Verfahren berücksichtigt werden, die eine Anwendung auf die llimmels- pliotographie gefunden haben, und auch dies hier nur so weit, dass der Leser einen Ueberblick über die verschiedenen Methoden in Bezug auf ihre relativen Vortheile und Nachtheile erhält; im übrigen muss auf die sehr umfangreiche Fachlitteratur verwiesen werden, aus welcher als be- Die photographische Technik in der Ilimmelsphotographie. sonders praktisch mul reichhaltig; das »Handbuch der Photographie« von .1. M. Ed er empfohlen werden möge. "Nach der jetzt am meisten verbreiteten physikalischen Anschauungsweise hat man anzunehmen, dass bei den Molekülen eines jeden Körpers, dessen Temperatur oberhalb des absoluten Kulipunktes liegt, ein Schwingungszustand vorliegt. Ein Tlieil der Atome des alle Körper durchdringenden Aethers nimmt an diesen Schwingungen tlieil, zieht die benachbarten Atome in Mitleidenschaft und dient so als Erregungseentrum für 'Wellen, welche sich im Aether ohne merklichen Verlust an Energie fortpflanzen. Je höher die Temperatur des Körpers ist, um so mehr ist derselbe im allgemeinen befähigt, den Aether in sehr schnelle Schwingungen zu versetzen, d. h., da die Fortpflanzungsgeschwindigkeit der schnelleren und langsameren Schwingungen dieselbe ist, Wellen von kürzerer Länge auszusenden. Befindet sich der Körper nicht im gasförmigen Zustande, sondern im flüssigen oder festen, so ist die untere Grenze der AYellenlänge für alle Körper dieselbe und allein abhängig von der Temperatur; ob nach oben in der Wellenlänge eine Grenze besteht und wie dieselbe von der Temperatur abhängig ist, ist vorläufig nicht bekannt. Ein specifischer Unterschied in den Wellen von verschiedener Länge existirt also an und für sich nicht; wohl aber tritt derselbe sofort ein, wenn die Welle auf einen anderen Körper trifft, d. h. wenn die Energie, welche sie mit sich führt, theilweise oder ganz in eine andere Form umgesetzt wird. Nach der specifischen Wirkung der Wellen unterscheidet man die Strahlen und legt ihnen eine Bezeichnung nach derselben zu. Soweit sie im Stande sind, die Nervenenden des Sehnerven in der Netzhaut zu erregen und uns als Licht in die Erscheinung zu treten, bezeichnet man sie als Lichtstrahlen oder optische Strahlen; ihr Gebiet ist für verschiedene Augen verschieden und erstreckt sich im Mittel ungefähr von der Wellenlänge 380 Milliontel Millimeter (uu) bis 750 itu. Treffen diese Strahlen auf einen absorbirend wirkenden Körper, so wird ihre Energie in Wärme umgesetzt. Für die Strahlen der kürzeren Wellenlängen ist aber die Intensität der Strahlung (die Amplitude der Schwingungen) zu gering, als dass die resultircnde Temperaturerhöhung mit unseren 1 Hilfsmitteln noch nachgewiesen werden könnte; diese Nachweisbarkeit beginnt erst etwa in der Mitte des optischen Spectrums, erstreckt sich aber sehr weit über die rothe Grenze desselben, und das Gebiet der bei der Absorption temperaturerhöhend wirkenden Strahlen nennt man das Gebiet der Wärmestrahlen. Die obere Grenze der Wellenlängen dieses Gebietes ist nicht bekannt; wir wissen heute, dass es anschliesst oder übergeht in diejenigen Strahlen sehr grosser Wellenlängen (nach Centimctern und Metern zu rechnen , welche specifiseh elektrische Wirkungen erzeugen. 6 I. Die Herstellung und Verwerthung von Iliimnelsaufnahmen. Von besonderem Interesse für die Photographie ist mm dev Strahlen- complex, der etwa bei der AVellenlänge 490 uu im optischen Gebiet beginnend, sich weit in das Ultraviolett erstreckt, der trotz der verhältniss- mässig geringen Energie speeiell zur Einleitung chemischer Erocesse geeignet ist, und den man daher kurz als den Complex der chemischen oder photographischen, richtiger als den der chemisch oder photograpisch wirksamen Strahlen bezeichnet. Bis zu welcher unteren Grenze der Wellenlängen sich dieses Gebiet erstreckt, ist nicht angeblmr, da schliesslich alle Medien (besonders unsere atmosphärische Luft) für die Strahlen der kürzeren Wellenlängen undurchsichtig werden, jedenfalls lange bevor die Grenze der chemischen AYirksamkeit erreicht ist, Uebrigens ist die chemische AVirkung von Strahlen keineswegs auf dieses Gebiet beschränkt; es giebt eine Anzahl von Körpern, meist ziemlich complicirte chemische AArbindungen, auf welche auch die anderen, optische und sogar ultra- rothe Strahlen, eine chemische Wirkung ausUben. Die Kenntniss von der chemischen AVirkung des Lichtes ist schon eine sehr alte, besonders diejenige der bleichenden, die allerdings im allgemeinen keine reine AAärkung des Lichtes darstellt, sondern durch gewisse, in der Atmosphäre vorhandene oxydirende Stoffe unterstützt wird. Eine der bekanntesten und wichtigsten chemischen Einwirkungen des Lichtes findet bei der Bildung des Chtbrophylls in den Pflanzen statt. Dass gewisse Metallverbindungen sich besonders auffällig im Lichte verändern, ist bereits seit dem 10. Jahrhundert bekannt; eine genauere Untersuchung über das A’erhalten des Chlorsilbers ist im Jahre 1777 von Scheele veröffentlicht Morden, und von dieser Zeit an beginnen die eigentlich wissenschaftlichen Arbeiten auf dein Gebiete der Photographie, die bald zu einer Leihe von A’erfahren führten, durch welche Copien von Kupferstichen und Glasgemälden hergestellt werden konnten. Bei allen diesen A'erfäliren muss das Lieht noch die ganze Zersetzung der betreffenden A'erbinduugen besorgen, wie noch jetzt bei den meist gebräuchlichen Copirverfahren; es ist also eine sehr lange AAJrknng einer sehr intensiven Lichtquelle erforderlich. Praktische Bedeutung erlangte die Photographie erst, als man lernte, das Licht nur zur Einleitung des chemischen Proeesses zu benutzen (latente Bilder), die eigentliche Zersetzungsarbeit aber auf rein chemischem AVege zu leisten. Damit fand eine ganz enorme Abkürzung der notliwendigen Belichtungszeit statt, und nun wurde es erst möglich, die Bilder der schon lange bekannten Camera obscura festzuhalten. Auf dem Principe der Erzeugung von latenten Bildern beruhen auch heute noch alle directen photographischen A T erfähren, und die Bestrebungen sind im wesentlichen nur darauf gerichtet genesen, die zur Erzeugung des latenten Bildes nothwendige Lichtarbeit auf ein Minimum zu redueiren. Die photographische Technik in der llimmelsphotographie. Der erste, der eilt solches Verfuhren erfand (1839), ist Daguerrc, nachdem er sieh Jahre lang mit Yorversuehen, zum Theil in Gemeinschaft mit Niepee, beschäftigt hatte. Das Verfahren bei der Daguerreotypie ist das folgende. Eine Silberplatte oder meist eine stark versilberte Kupferplatte wird nach vor- hergegangener Politur und sorgfältiger Peinigung in einem geschlossenen Kasten den Dämpfen von Jod, Brom oder Chlor ausgesetzt. Zuerst verwandte D agu er re nur Jod zu diesem Zwecke, später wurde mit Vortlieil Jod und Brom gleichzeitig benutzt. Die Platte überzieht sich hierdurch mit einer dünnen Schicht von Jod- resp. Bromsilber, deren Licht- empfindliehkeit von der Dauer der Einwirkung der Dämpfe, also von der Dicke der gebildeten Schicht abhängt. An der Eärbuug der Platte Farben dünner Plättchen) erkennt man die Dicke, bei welcher erfahrungsgemäss die grösste Emptindliehkeit resultirt, und die Platte behält diese Empfindlichkeit während einiger Stunden. Nach der Exposition wird die Platte in einen zweiten Kasten gebracht, in welchem sich erwärmtes Quecksilber befindet. Die Dämpfe des Quecksilbers rufen in wenigen Minuten das latente Bild hervor, indem sie sich auf den Stellen, wo das Jodsilber der Lichteinwirkung ausgesetzt war, in Form von sehr feinen Tröpfchen niederschlagen. Durch Baden der Platte in einer Lösung von unterschwellig-saurem Natron wird das nicht zersetzte Jodsilber entfernt und das Bild hierdurch vorläufig fixirt. Das definitive Fixiren der Bilder geschieht durch Einlegen der Platte in eine Chlorgoldlösung, wodurch die Lichtstellen des Bildes, die vorher bläulich waren, rein weiss werden. Die eigentlichen chemischen Vorgänge beim Daguerreotypprocesse sind nicht bekannt. Man nahm ursprünglich an, dass das Jodsilber unter der Einwirkung des Lichtes zu metallischem Silber reducirt werde, und dass dieses metallische Silber unter Bildung eines weissen Amalgames das Quecksilber aufnähme. Später wurde der Vorgang als ein rein mechanischer betrachtet, indem man glaubte, dass durch die Lichteinwirkung der Zusammenhang der Jodsilberschicht gelockert würde, so dass nur an diesen Stellen die Quecksilberdämpfe bis zur Oberfläche der Platte Vordringen könnten. Eine gewisse Bestätigung fand diese Theorie durch die Thatsache, dass man die latenten Bilder auf kurze Zeit auch durch blosses Anhauchen liervorrufen kann, indem sich der 'Wasserdampf auf den belichteten Stellen leichter niederschlägt als auf den anderen; man wurde hierdurch an die Hauchbilder erinnert. Für einen chemischen Process spricht dagegen der Umstand, dass man Daguerreotypbilder auch in Pyrogallussäure entwickeln kann. Die geringe Empfindlichkeit der Platte und die grosse Umständlichkeit des Daguerre’schen Verfahrens bedingen seine geringe Verwerthbarkeit s I. Die Herstellung und Verwertliung von llimmelsaufualimen. tur die Zwecke der Astronomie; indessen besitzt das Verfahren einen sehr wesentlichen Vorzug vor allen anderen gerade für astronomische Aufnahmen, das ist die völlige Stabilität der Platte. Das Daguerre’sche Verfahren ist das einzige, bei dem eine feste Metallschicht als Träger des Bildes dient, während hei allen anderen eine sehr wenig feste, im Wasser aufquellende Schicht irgend einer organischen Substanz zur Aufnahme der lichtempfindlichen Materialien benutzt wird, die ihrerseits nur mehr oder weniger fest auf einer Glasplatte haftet. Das Ideal eines Verfahrens für die Ausführung feinster astronomischer Messungen würde das Daguerre’sche sein, wenn seine Empfindlichkeit den heutigen Verfahren gleichgestellt werden könnte. Das Verfahren mit nassem Collodium wurde im Jahre I830 von Le Gray vorgeschlagen, aber in einer für die Praxis nicht brauchbaren Form; eingefiihrt wurde es erst von Archer im Jahre 1831, und es verdrängte die Daguerreotypie bald gänzlich. Eine sehr sorgfältig gereinigte Glasplatte wird mit Collodium, einer Lösung von Schiessbaumwolle (Pyroxylin) in Aether und Alkohol, übergossen. Das Lösungsmittel verdunstet sehr rasch und hiuterlässt das Pyroxylin als eine sehr feine, strueturlose I laut, die als Träger des photographischen Processcs dient. Die Bereituugsweise der Schiessbaumwolle und die Zusammensetzung des Lösungsmittels ist von sehr merklichem Einflüsse auf das Aussehen des Bildes; es ist eine grosse Erfahrung erforderlich, um für die verschiedenen Zwecke der Aufnahmen die beste Bereitungsweise des Collodiums zu kennen. Das Collodium enthält eine geringe Quantität Jodkalium in Lösung; letzteres befindet sich also in sehr fein vertlieiltem Zustande in dem Pyroxylinhäutchen. Sobald das Häutchen eben angetrocknet ist, wird die Platte einige Minuten in eine Lösung von salpetersaurem Silber gelegt, wodurch sich in dem Häutchen ein äusserst feiner Niederschlag von Jodsilber bildet, der dasselbe undurchsichtig weiss erscheinen lässt. Damit das neugebildete Jodsilber sich nicht im Silberbade wieder löst — es entsteht ein Doppelsalz —, muss letzteres bereits mit Jodsilber gesättigt sein. Die aus dem Silberbade genommene Platte muss unmittelbar verwendet werden, denn sie uuetionirt nur, so lange sie noch feucht ist; auch darf sie nicht abgespült werden, da die anhaftende Lösung von salpetersaurem Silber bei der nun folgenden Entwickelung eine wichtige Bolle spielt. Zum Entwickeln hat man fast ausschliesslich Eisenvitriol angewendet, dem Eisessig oder einige Tropfen Schwefelsäure sowie Alkohol zugesetzt wird, damit die Collodiumliaut den Entwickler gut annimmt. Ist das Bild nach dem Entwickeln nicht kräftig genug, so kann man dasselbe sofort verstärken durch Uebergiessen mit einer unmittelbar vor- Die photographische Technik in der Jliinmelsphotographie. 9 her frisch hergestellten Mischung von Eisenentwickler und salpctersaurem Silber. Die Entwickelung geht dadurch vor sich, dass an den Stellen, wo das Licht gewirkt hat, das Jodsilber durch das Eisensalz zu Silber reducirt wird, welch letzteres sich in sehr fein zertheiltem Zustande in dem Collodiumhäutchen als schwarzer Niederschlag ausscheidet. Das Fixiren erfolgt durch Auflösen des nicht zersetzten Jodsilbers in unter- schwetligsaurein Natron oder in Cyankalium. Nach dem Fixiren muss die Platte sehr sorgfältig ausgewaschen werden, um die letzten Spuren der benutzten Salze zu entfernen. Auch nach dem Fixiren kann das Bild noch verstärkt werden, und zwar entweder auf genau dieselbe Weise wie vor dem Fixiren, oder nach anderen Methoden, von denen wohl die einfachste in der Umsetzung des metallischen Silbers in Quecksilheroxyd besteht. Zu dem Zwecke wird die Platte in eine Lösung von Quecksilberchlorid gelegt, wobei sich an Stelle des metallischen Silbers ein Gemenge von Chlorsilber und Queek- silbcrchlorür bildet. Durch Uebergiessen mit Ammoniak wird das ganz weisse Chlofsilber und Quecksilbcrchloriir in ein tief schwarzes Gemenge von Silber- und Quecksilheroxyd umgesetzt. Es muss noch bemerkt werden, dass man zum Collodiumprocess gewöhnlich nicht allein Jodkalium benutzt, sondern auch Jodcadmium und Jodammonium zusetzt, ausserdem auch noch Bromsalze, z. B. Bronikalium oder Bromcadmium. Die Collodiumplatten sind beträchtlich empfindlicher als die Daguerre- schen, auch ist das Verfahren selbst weit bequemer und einfacher, und so sind denn mit demselben schon sehr bemerkenswerthe Resultate in der astronomischen Photographie erzielt worden; aber in zwei Punkten liess das Verfahren noch viel zu wünschen übrig, einmal darin, dass durch die unter allen Umständen nothwendige Vermeidung des Eintrocknens die Expositionszeit eine sehr beschränkte ist — cs dürfen zwischen Herstellung der Platten und der Entwickelung höchstens 15 Minuten ver- fliessen —, und zweitens darin, dass zuweilen sehr starke Verzerrungen des äusserst feinen Collodiumhäutehens während des Processes eintreten. Auf diesen letzteren Punkt wird an einer anderen Stelle dieses Buches noch näher einzugehen sein; hier möge nur erwähnt werden, dass man es gelernt hat, die C'ollodiumschicht dadurch viel stabiler zu erhalten, dass sie nicht unmittelbar auf dem Glase hergestellt wird, sondern dass die Glasplatte zunächst mit einer dünnen Schicht von Guttapercha überzogen wird. Der erstere Punkt wurde erledigt durch die Erfindung der Collodium- Emulsionen. Den Gedanken hierzu hatte Gaudin bereits im Jahre 1853 ausgesprochen, während seiue ersten praktischen Erfolge in das Jahr 1861 fallen. Zu dieser Zeit entstanden eine ganze Reihe von 10 I. Die Herstellung und Verwertliung von Ilinmielsaufnahmen. Emulsionsverfahren, bis 1S(U von Sayce und Holton die Bromsilber- Emulsion mit Collodium als das beste derartige Verfahren eingeführt wurde. Das Wesen der verschiedenen Emulsionsmethoden besteht darin, das lichtempfindliche Silbersalz für sich darzustellen und dann in fein vertheiltem Zustande in dem dickflüssigen Collodium mechanisch zu sus- pendiren. Mit diesem Collodium, der Emulsion, werden die Platten iiher- gossen und können nach dem Trocknen mehr oder weniger lange Zeit aufbewahrt werden, ohne zu verderben. Für das Jlaltbarmachen der Platten giebt cs eine grosse Menge von Vorschriften; in sehr häutigem Gebrauch ist das Baden der Platten in Lösungen von Tannin, Gallussäure etc. Diese Stoffe wirken übrigens nicht nur auf die Haltbarkeit der Emulsionsplatten, sondern hauptsächlich auch auf ihre Empfindlichkeit, sie steigern dieselbe beträchtlich; indessen erreichen die Emulsionen nur selten die Empfindlichkeit des nassen Collodiums. Gleichzeitig mit dem Collodium-Emulsionsverfahren wurden auch Methoden gefunden, Collodiumplatten, welche wie beim nassen Collodium durch Baden in salpetersaurcm Silber hergestellt werden, nach sorgfältigem AbspUlen des Silbernitrates zu trocknen und für längere Zeit haltbar zu machen. Alle so hergestellten Platten sind aber sehr unempfindlich. Fotlier- gill fand, dass die gleichzeitige Verwendung von Collodium und Albumin zu sehr guten Besultaten führt. Die allerdings höchst unempfindlichen Fothergill-Platten zeichnen sich aber durch eine ausserordentliche Feinheit des Silberkornes aus, so dass dasselbe erst unter Anwendung sehr starker Vergrösserungen sichtbar wird; sie eignen sieh also sehr gut zur Verwendung bei Sonnenaufnahmen, wo geringe Empfindlichkeit nur günstig wirkt. Schon im Jahre 1S-17 sind von Xiepcc Versuche augestellt worden, Gelatine als Träger der empfindlichen Stoffe zu benutzen; aber erst im Jahre 1S71 erfand Maddox das Bromsilber-Emulsionsverfahren mit Gelatine, welches nach einer lieihe von weiteren Verbesserungen eine solche Bequemlichkeit und dabei so ausserordentliche Empfindlichkeit bietet, dass es alle anderen Negativverfahren fast vollständig verdrängt hat. Vor allem ist die Einführung dieses Verfahrens in die Ilinnnels- photographie von höchster Bedeutung für letztere gewesen; seit dieser Zeit beginnt überhaupt erst die Himmelsphotographie eine Bolle in der Astronomie zu spielen. Wir müssen uns daher mit diesem Verfahren etwas ausführlicher beschäftigen. Zu den Gelatine-Emulsionen wird fast ausschliesslich das Bromsilber benutzt, weil dasselbe die höchste Lichtempfindlichkeit besitzt. Die Bildung des Bromsilbers geschieht in der flüssigen Gelatine; durch längeres Erwärmen der Emulsion wird dieselbe immer empfindlicher, bis sie sehliess- Die photographische Technik in der liiimnelsphotographie. J] lieh dureli zu langes Koelien auch ohne vorhergegangene Liehtwirkung durch den Entwickler zersetzt und also zum Photographiren unbrauchbar wird. Nach dem Erstarren der Gelatine muss dieselbe einer sehr sorgfältigen Waschung zur vollständigen Entfernung des noch von der Herstellung des Bromsilbers her in der Gelatine gelösten salpetersauren Kalis unterzogen werden. Alsdann wird sie durch Erwärmen wieder gelöst und nach erfolgter Reinigung durch Filtrircn auf Glasplatten gegossen. Auf diesen ist die Emulsion nach dem Trocknen als dünne, aber sehr feste und widerstandsfähige Schicht vorhanden. In geeigneter Verpackung bleiben diese. Platten viele .Jahre lang haltbar; sie werden zunächst während einiger Monate immer empfindlicher, nehmen dann aber allmählich an Empfindlichkeit ab. Die eigentliche Wirkung des Lichtes auf das Rromsilber ist, wie auch bei den anderen photographischen Processen, nicht bekannt. Bei sehr intensiver und langer Belichtung wird das Bromsilber unmittelbar unter Ausseheidung von Silber durch das lacht zersetzt; eine sehr geringe Liehtwirkung genügt aber bereits, um das Bromsilber in einen solchen Zustand zu versetzen, dass die vollständige Ausscheidung des Silbers bei Anwesenheit reducirendcr Substanzen erfolgt. Nach dem Entwickeln wird das nicht reducirte Bromsilber durch Auflösung in unterschwefligsaurem Natron entfernt, das Bild also fixirt, und alsdann werden die noch in der Gelatine vorhandenen Salze durch längeres Waschen herausgebracht. Ein Baden der Platte in Alaunlösung macht die Gelatine härter und gleichzeitig klarer. Mit der Präparation der Bromsilber-Platten befasst sich der Astronom am besten nicht selbst. Zu deren Herstellung gehört grosse Leitung und ein grosser Aufwand an Zeit, und der einzelne, der im allgemeinen nur mit beschränkten Mitteln arbeiten kann, ist überhaupt nicht im Stande, so gute und besonders so gleichmiissig empfindliche Platten herzustellen, wie die grösseren Fabriken dies vermögen. Selbst wenn es sieh zu besonderen Zw'eckeu um die Anfertigung von Platten mit speciellen Eigenschaften handelt, empfiehlt es sich, dieselben bei einer Fabrik zu bestellen. Dagegen soll man eine genaue Prüfung der Platten vornehmen, die sich nicht bloss auf die Empfindlichkeit und auf Feinheit des Kornes bezieht, sondern sich vor allein auch auf die Reinheit der Schicht zu erstrecken hat. Für astronomische Aufnahmen ist nichts unangenehmer, als wenn die (Gelatine mit kleinen Verunreinigungen durchsetzt ist, die, da sie beim Entwickeln gewöhnlich einen stärkeren Niederschlag um sich herum erzeugen, selbst unter dein Mikroskope manchmal nicht von Sternen zu unterscheiden sind. Spätere Verunreinigungen durch Staub, der sich auf die Platten, während sie noch feucht sind, aufsetzt, sind zwar nicht so unangenehm, da sie leichter als solche zu erkennen sind; 12 I. Die Herstellung und Yerwerthung von llimmelsaufnahnien. aber immerhin verunzieren dieselben die Aufnahmen und können auch beim Messen schädlich wirken, wenn sie sich gerade auf einem Sterne oder einem zu messenden Tunkte der Platte befinden. Staub oder Niederschläge aus dem Entwickler und dem Fixirer lassen sich leicht entfernen, besonders wenn die Platten nach der Fixirung kurze Zeit in einer Alauulüsung gebadet worden sind, indem man die Gelatineschicht unter Wasser mit der Spitze der Finger leicht abreibt, wobei man natürlich grosse Vorsicht gebrauchen muss, nicht mit den Nägeln die Schicht zu berühren. Nach diesem Abreiben spült man die Platte mit einem kräftigen Wasserstrahle ab; sie ist alsdann völlig- frei von äusserlich hinzugekommenen Verunreinigungen. Viel gefährlicher ist der Staub, der sich während des Trocknens aufsetzt; derselbe kann überhaupt nicht mehr entfernt werden, selbst nicht beim nochmaligen Aufweichen der Schicht. Da das Trocknen sogar im Sommer mehrere Stunden in Anspruch nimmt und Staub selbst in wenig betretenen Räumen nicht zu vermeiden ist, so müssen die Platten in besonders dazu bestimmten Kästen getrocknet werden, ein Verfahren, welches auf dem Observatorium in Potsdam seit einiger Zeit cingeflihrt ist und sich vorzüglich bewährt hat. Dort werden die Platten sofort nach beendigtem Waschen in einen Kasten eingesetzt, dessen Scitenwändc und Deckel aus einer doppelten Lage von sehr feinem Mousselin bestehen; dieser Kasten wird in den Wind oder in den Luftzug gestellt, so dass das Trocknen nicht mehr Zeit in Anspruch nimmt, als wenn die Platten frei stehen; die Platten bleiben hierbei völlig staubfrei. Die Art der Entwickelung ist naturgemäss von Einfluss auf das resultireude Negativ, aber durchaus nicht in dem Masse, wie man leicht glauben könnte, wenn man die Anpreisungen über die in jedem Jahre neu erfundenen organischen Entwickler liest. Gerade in Bezug auf die beiden für die astronomische Photographie wichtigsten Factoren, auf die Empfindlichkeit der Platten und auf die Feinheit des Korns, ist, entgegen der Ansicht der meisten Fachphotographen, die Art der Entwickelung fast ganz ohne Einfluss, was sich sehr leicht beweisen lässt. Durch die Belichtung werden an einer bestimmten Stelle der Schicht die Bromsilbcrthcilchen so modificirt, dass sie bei der Berührung mit reducirendeu Substanzen leichter in ihre Bestaudtheile zerfallen, als die nicht belichteten Theilchen. Jede Beductionsfiüssigkeit (Entwickler) also, welche im Stande ist, bei genügend langer Einwirkung schliesslich auch die unbelichteten Theilchen zu zersetzen, hat natürlich vorher schon die am schwächsten belichteten Partikel reducirt, d. h. das Bild vollständig hervorgerufen. Diese Eigenschaft aber besitzen alle überhaupt brauchbaren Entwickler vom oxalsauren Eisen an bis zu den coinplieirteu Die photographische Technik in der Ilimmelsphotographie. 13 organischen Entwicklern, die in den letzten Jahren eingeführt worden sind. Es bestellt nur ein Unterschied in der Zeit, innerhalb welcher die vollständige Entwickelung stattgefunden hat. Diese Bemerkung bezieht sich natürlich nur auf das Hervorbringen der schwächsten, nur eben wirksam gewesenen Lichteindrücke. Handelt es sich z. B. darum, eine Sternaufnahme so zu entwickeln, dass die Anzahl der auf derselben aufgenommenen Sterne ein Maximum wird, so kann mau hierzu jeden beliebigen der gebräuchlichen Entwickler benutzen; mau entwickele nur so lange, bis die unbelichteten Stellen der Blatte beginnen, sich dunkler zu färben, also, wie der technische Ausdruck lautet, bis zur Schleierbiklung. Es ist dann das Maximum des Contrastes zwischen unbelichteten Stellen und den am schwächsten belichteten Stellen erreicht; eine weitere Entwickelung kann durch Verdunkelung des Hintergrundes diesen Contrast nur wieder vermindern. In diesem Sinne verstanden, ist also die Empfindlichkeit der Matte unabhängig von der Art des Entwicklers, sofern nur seine volle Kraft ausgenutzt wird. Die Ansicht, dass verschiedenartige Entwickler einen Unterschied in der Empfindlichkeit bedingen, hat aber doch eine gewisse Berechtigung, sobald es sich darum handelt, Negative herzustellcn, von denen Copien gemacht werden sollen. Einige Entwickler, z. B. der l’yrogallussäureentwickler, färben den Silberniederschlag braun; letzterer ist infolge dessen für blaues und violettes Licht weniger durchlässig, als die bläulichen Niederschläge, welche beim oxalsauren Eisen entstehen; beim Copiren wirken braune Negative also so, als ob sie kräftiger wären als die anderen. Das Silberkorn ist von der Entwickelung völlig unabhängig. Dasselbe ist gegeben durch die betreffende Emulsion. Das Bromsilber ist in kleinen Theilchen innerhalb der Gelatine ausgebreitet, und nach der Entwickelung befinden sich an der Stelle dieser Theilchen die entsprechenden Silberkörner. Die Zahl der Silberkörner ist also gegeben durch die Zahl der ursprünglich in der Schicht vorhandenen Bromsilberkörner, also unabhängig vom Entwickeln. Ein etwaiges Zusammenbacken der Silber- kürner während des Entwickelus und damit ein scheinbares Gröberwerden des Korns ist ausgeschlossen, da die Gelatine sehr zähe ist. Dagegen bewirkt eine nachträgliche Verstärkung der Negative durch Quecksilberchlorid und Ammoniak ein Gröberwerden des Korns, weil jedes Silber- theilchen in Quecksilberoxyd umgesetzt wird, welches einen grösseren Baum einninnnt als das Silber. Auf dieser Volumvermehrung der einzelnen Körnchen und der dadurch 'bedingten stärkeren Uebereinanderlagerung derselben beruht überhaupt die Verstärkungsmethode durch Quecksilberchlorid. 14 1. Die Herstellung und Verwertliung von llimmelsaufnnlnnen. Man kann demnach hei der Wald eines Entwicklers für llimmels- aufnalimen vom Silberkorne gänzlich absehen — dieser Gesichtspunkt muss hei der Wald der Platten erörtert werden —, dagegen richtet sich die Entwickeluugsmethode nach der Art des Objectes, welches man aufgenommen hat, und nach den besonderen Zwecken der Aufnahme, Es müssen hier folgende Richtungen unterschieden werden. 1) Man beabsichtigt, nach Möglichkeit die schwächsten Lichteindrücke hervorzurufen (Aufnahmen mit langer Expositionszeit von schwachen Sternen, schwachen Nebelflecken, Cometen u. s. w.). Man benutze einen beliebigen, möglichst kräftig angesetzten Entwickler ohne Verzögerungszusatz (Bromkalium) und entwickele, bis die ersten Spuren einer Verschleierung sichtbar zu werden beginnen. Bei der Wahl des Entwicklers berücksichtige man nur seine Eigenschaften in Bezug auf Bequemlichkeit und Sicherheit des Fuuctionirens. In ersterer Beziehung wird jeder seine besondere Ansicht haben und denjenigen Entwickler mit Recht bevorzugen, mit dem er am meisten gearbeitet hat. In letzterer Beziehung verdient der Eiseuentwickler zweifellos den Vorrang vor allen anderen, und Verfasser kann denselben nur auf das wärmste empfehlen. Die Lösung des oxalsauren Kalis hält sich unbegrenzt lange, diejenige des schwefelsaureu Eisens ebenfalls, wenn sie beständig am Lichte steht, oder wenn man von Zeit zu Zeit, sobald eine grünliche oder gar gelbliche Färbung eintritt, der Lösung einige Tropfen Schwefelsäure zusetzt, bis nach dem Schütteln wieder die schwach blaue Färbung eintritt. Es ist dies die einzige Vorsichtsmassregel, welche zu beachten ist; der Entwickler functionirt dann durchaus sicher, und es genügt eine Entwickelung von 4 bis 5 Minuten, um die schwächsten Lichteindrücke hervorzurufen. Länger fortgesetzte Entwickelung hat keinen Zweck mehr, sie wirkt nur allmählich verschleiernd. Die Temperatur des Entwicklers hat innerhalb der in einem Laboratorium in Frage kommenden Grenzen von etwa 25° Ins 10° C. keinen Einfluss, und man kann deshalb gänzlich ohne Betrachtung der Platten, auf denen ja bei der schwachen Beleuchtung ohnehin meistens gar nichts zu sehen ist, entwickeln, ganz allein nach der Zeit. Für die gleich zu besprechenden anderen Arten von Aufnahmen können andere Entwickler grösseren Vorth eil bieten; Verfasser muss aber gestehen, dass er auch hier stets wieder zu modificirten Eisenentwicklern zurückgekehrt ist, weil nach seinen Erfahrungen die anderen Entwickler keine Vorzüge zeigten, dagegen in Bezug auf Bequemlichkeit und Sicherheit hinter dem Eisenentwickler zurückstanden. Verfasser besitzt daher mit anderen Entwicklern nur geringe Erfahrungen, mit Eisenentwicklern dagegen sehr grosse und kann nur die letzteren hier Vorbringen. Die photographische Technik in der Himmelsphotographie. 15 2) Man beabsichtigt, Aufnahmen hellerer Sterne zu Messungs- zwcekeu herzustcllen, die Sterne sollen also möglichst scharf und gut begrenzt sein. Man exponire so lange, dass auf der Platte bei normaler Entwickelung mindestens eine, am besten 1 '/ 2 bis 2 Grüsscnclasscn mehr erscheinen, als zur Messung benutzt werden sollen. Man setze dem in voller Stärke an- gesetzten Eisenentwickler ziemlich viel Bromkalium zu — auf 100 ccm des Entwicklers mindestens 10 bis 15 Tropfen einer zelmprocentigen Lösung von Bromkalium — und entwickele ebenfalls 5 Minuten. Bei diesem sehr gedämpften Entwickler kann man die Platte der Lampe ohne Schaden so nähern, dass man die Sternpunkte erkennen und das Ende der Entwickelung beurtheilen kann. Bei dieser Art der Entwickelung werden die Sternscheibchen äusserst schwarz und sind, soweit dies nach dem Luftzustande möglich ist, scharf begrenzt. 3) Aufnahmen der Sonne, bei denen die Flecke möglichsten Fontrast gegen die Umgebung zeigen, nur zu Messungszwecken. Man exponire länger als für ein gutes Bild erforderlich ist, und benutze denselben Entwickler wie bei 2). Mau entwickelt, bis die Kerne der Flecken zu verschleiern beginnen. Dieselben erscheinen dann fast glashell auf dem dunklen Grunde; auch der Sonnenrand ist möglichst scharf begrenzt. 4) Aufnahmen von Sonne, Mond und helleren Nebelflecken, auf denen sieh die Einzelheiten möglichst contrastreich abheben sollen, ohne dass die schwachen Lichtcindrlicke verloren gehen. Man exponire nur wenig länger, als für ein normal entwickeltes Bild nothwendig ist, setze dem kräftigen Entwickler etwa 5 Tropfen Bromkalium nach dem unter 2) angegebenem Verhältnisse zu und entwickele sehr lange, bis zu einer halben Stunde und darüber. Der Brom- kaliumzusatz verhindert eine Verschleierung der Platte. Diese kurzen Andeutungen werden jeden in den Stand setzen, wenigstens die Bichtung, in welcher er je nach den Aufnahmen beim Entwickeln zu gehen hat, zu wissen. Erst eine längere Uebung kann die nöthige Sicherheit zur Erzielung der gewünschten Erfolge in jedem einzelnen Falle gewähren. Die theoretische Begründung der hier gegebenen Kegeln wird in dem Capitel über photographische Photometrie gegeben werden; es möge aber noch besonders darauf hingewiesen werden, bei Himmelsaufnahmen eine Dämpfung des Entwicklers niemals durch Verdünnung des Entwicklers oder durch Verminderung des Eisenzusatzes vorzunehmen, weil hierdurch in den dunklen Partien eine Verminderung der Schwärze entsteht, ein sogenanntes »Flauwerden« der Bilder, welches beim Messen JO I. Die Herstellung und Verwerthung von Ilimmelsaufnahmen. sehr schädlich ist, und welches hei Dämpfung oder Verzögerung durci Bromkalium niemals auftritt. Im allgemeinen sind die Silbersalzc nur für die blauen und violetten Strahlen empfindlich; bei den Bromsilberplatten liegt das Maximum der Empfindlichkeit ungefähr bei der Wellenlänge -130 uii . Durch den Zusatz gewisser Farbstoffe werden die Blatten aber auch für andere, weniger brechbare Strahlen empfindlich, indessen nicht in der Weise, dass sich die Empfindlichkeitsgrenzen continuirlich nach dem Both zu verschöben, sondern es bilden sich neue Empfiiidlichkeitsbezirke, die meistens durch eine grosse Lücke von dem ursprünglichen getrennt sind. Man kennt bereits eine grosse Menge derartig wirkender Farbstoffe; am meisten Verwendung finden Eosin und Erythrosin, die roth- und gelb-empfindlich machen. Die früher aufgestellte Behauptung, dass diese Farbstoffe die Blatten gerade für diejenigen Strahlen empfindlich machten, welche sie selbst absorbiren, ist nicht richtig. Man kann sich die roth- oder gelb-empfindlichen Blatten aus den gewöhnlichen Bromsilberplatten durch Baden in den betreffenden sehr verdünnten Lösungen selbst präparireu. Derartig hergestellte Blatten sind aber nur wenige Tage haltbar und müssen möglichst gleich nach dein Trocknen benutzt werden, wodurch eine gewisse Umständlichkeit für den vom Wetter abhängigen Astronomen entstellt. Es ist deshalb empfehlenswerth, auch die roth-empfindlichen, unrichtig als orthochromatische bezeichnten Blatten von Fabriken zu beziehen, die sie jetzt für mehrere Monate haltbar hersteilen können. Selbst ganz frische Blatten neigen sehr zur Sehleierbildung; man muss daher stets dem Entwickler Bromkalium zusetzen uud längere Zeit entwickeln; sonst ist die Behandlung genau wie bei den gewöhnlichen Blatten. Bei den Manipulationen, welche nach der Entwickelung mit den Blatten anzustellen sind, berücksichtige man den Umstand, dass eine llimmelsphotographie wie ein Beobachtungsbuch sehr lange Zeit hindurch aufbewahrt werden wird, dass also eine möglichste Haltbarkeit anzustreben ist. Man lasse demnach die Blatte recht lange im unterschweffig- sauren Natron liegen, damit eine völlige Lösung des nicht reducirten Bromsilbers statttindet. Alsdann lege man die Blatte einige Minuten in eine concentrirte Alaunlösung, wodurch nicht bloss die Schicht fester und reiner wird, sondern auch eine bessere Entfernung des unterschwefligsauren Natrons erzielt wird. Hiernach ist die Blatte mindestens sechs Stunden lang in fiiessendem Wasser zu waschen; wenn es angeht, nehme man hierzu aber lieber zwölf Stunden; denn die völlige Befreiung der Gelatine von den Salzen, welche in dieselbe eingedrungen sind, ist nach Die photographische Technik in der Hiimnelsphotographie. 17 der vollständigen Lösung des Bromsilbers der wichtigste Factor zur Haltbarmachung der Hatten. Ein Lackireu der Platten ist nicht anzu- ratlien, da die streitige Structur, welche der Lack gewöhnlich annimmt, beim Messen störend wirkt. Jedenfalls müsste man in der Wald der Lacksorte hierzu sehr vorsichtig sein auch aus dem Grunde, weil gewisse Sorten, besonders, wenn sie etwas stark aufgetragen sind, nach einer Leihe von Jahren springen und hierbei die Gelatine mit zerreissen. Die Platten müssen in einem gegen Staub dicht scliliessenden Schranke, der in einem durchaus trockenen, im Winter womöglich heizbaren Baume steht, anfbewahrt werden. l)a für die meisten Zweige der Himmelsphotographie eine möglichst hohe Empfindlichkeit sehr erwünscht ist, so hat es ein Interesse, die relative Empfindlichkeit, der verschiedenen Verfahren kennen zu lernen. Es ist nicht leicht, hierüber ein Urtheil zu gewinnen, da einmal die verschiedenartige Präparation innerhalb ein- und desselben Verfahrens häutig zu beträchtlichen Schwankungen in der Empfindlichkeit führt, während andererseits die relative Empfindlichkeit sich je nach der Art der Lichtquelle ändert. Letzteres kommt daher, dass der Spectralbezirk, welcher photographisch wirksam ist, je nach der Art der empfindlichen Schicht sehr verschiedene Ausdehnung besitzt. Immerhin mögen hier einige Angaben nach Eder*) Platz finden. Bezeichnet man die Empfindlichkeit des nassen Jod-Bromcollodiums mit 1, so kommt der Daguerre’schen Platte etwa die Empfindlichkeit von 1 ,5 bis */ 30 zu. Für die verschiedenen Verfahren der trockenen Collodiumplatten resultiren Zahlen von 1 / 2 bis ’/jo oder 1 / 20 - Im Gegensätze hierzu stehen die Bromsilber-Gelatineplatten mit Empfindlichkeitszahlen von etwa 3 his 30. Die in neuerer Zeit in Anwendung gekommenen Gclatineemulsionen mit ausserordentlich feinem Korn sind dagegen wieder sehr unempfindlich. Ihre Empfindlichkeitscoefficienten dürften vielleicht weit unter 00 liegen. Es möge noch bemerkt werden, dass bei farbenempfindlichen Platten die Empfindlichkeit der hinzugekommenen Spcctralbezirke diejenige im blauen und violetten Theile nicht erreicht. Zur Ausmessung können nur die Originaluegative benutzt werden, da selbst bei der sorgfältigsten Copirung zum mindesten die Verzerrungen der zweiten Schicht hinzukommen, also unter allen Umständen eine Verminderung der Genauigkeit eiutritt. Dagegen sind gute Beproductionen *' Handbuch der Photographie. II. Theil, p. 41. Sch einer, Photographie der Gestirne. IS I. Die Herstellung und Verwertliung von llimmelsaufnalimen. einzelner Aufnahmen von Wichtigkeit, sofern man die gewonnenen Resultate einem grösseren Kreise zugänglich machen will. Bei grosser Auflage der Reproduetion bleiht schliesslich nichts Anderes iihrig, als hierzu eins der photomechanischen Druckverfahren zu benutzen. Es ist nicht möglich, im allgemeinen Rathschläge über die Wahl des Verfahrens zu gehen, da dasselbe von dem zu vervielfältigenden Objecte und ganz besonders auch von der Leistungsfähigkeit der betreffenden Kunstanstalt abhängt. Während manche der bisher angewandten Druckverfahren für gewisse Zwecke, z. B. zur Reproduetion von Landschaften, Porträts, Mikrophotographien und dcrgl., sehr gut brauchbar sind, hat sich keins derselben für astronomische Aufnahmen bewährt. Die zarten Ueber- gänge, wie sie sich in den Negativen von Xebelfteekaufnahmen darstellen, werden hart und unwahr, alle feineren Objecte, wie die schwächsten Sterne, gehen verloren, kurz, völlig befriedigende Reproductionen durch ein Druckverfahren sind mir bisher noch nicht zu Gesichte gekommen. Am besten bewährt sich für astronomische Zwecke noch die Heliogravüre, vermittels welcher auch die im Atlas gegebenen Reproductionen hergestellt sind. Für wirklich getreue Darstellungen bleibt nur das directe (’opir- verfahren übrig-, und von diesem können eigentlich auch nur drei verschiedene Arten in Frage kommen: Diapositive auf Glas, Copien auf Aristopapier und auf gewöhnlichem Albuminpapier. Die Diapositive nehmen entschieden den ersten Rang ein. Man verwende zu denselben möglichst feinkörnige, unempfindliche Platten, am besten die sogenannten kornlosen Platten, die zur Erzielung einer schönen Farbe mit Gold getönt werden müssen, und die eine ausserordentliche Kraft besitzen. Das Copiren geschieht wie bei Papier im Copirraluneu, bei nicht zu unempfindlichen Platten am besten mit einer Kerze oder Petroleumflamme in einigen Meter Abstand; bei den korn- losen Platten muss man aber gedämpftes Tageslicht benutzen. Bei der Herstellung von Diapositiven empfiehlt es sich, in allen Fällen etwas stärker zu belichten, als unbedingt nothwendig ist, und mit einem durch Bromkalium gedämpften Entwickler zu entwickeln. Die hellsten Stellen müssen völlig glashell bleiben, die dunkelsten hei kornlosen Platten gegen Tageslicht undurchsichtig. Die Diapositive erscheinen am schönsten, wenn sie gegen eine fein mattgeschliffene Glasplatte angedrückt werden. Durch ein etwas umständliches und schwieriges Verfahren, welches grosse Geduld verlangt, kann man durch fortgesetztes Umcopircn auf Glas auf dem Negativ kaum sichtbare Objecte schliesslich recht kräftig erhalten. Wenn es sich z. B. darum handelt, einen ausgedehnten schwachen Nebelfleck, der auf dem Negativ als ein kaum deutlich begrenzter Schleier erscheint, nach Möglichkeit zur Sichtbarkeit zu bringen, so verfahre man Die photographische Technik in der Himmelsphotographie. 19 folgendennassen. Zunächst wird das Negativ durch Quecksilberchlorid und Ammoniak verstärkt. Dann copire man hei sehr schwachem Lichte — Expositionszeit his eine Stunde und mehr — ein schwaches Diapositiv, auf welchem die dunkelste Stelle des Nebels (im Negativ) noch glashell erscheint; der Hintergrund hat dann dieselbe Schwärzung wie diese dunkelste Stelle im Negativ. Durch Verstärkung des ersten Positivs wird die glashelle Stelle nicht afticirt, wohl aber wird der Hintergrund dunkler, der Contrast also vermehrt. Von dem ersten Positiv wird in gleicher Weise ein zweites Negativ hergestellt und verstärkt, von diesem ein zweites Positiv u. s. w. Die Schwierigkeit des Verfahrens beruht im wesentlichen auf der Einhaltung der richtigen Expositionszeit rc-sp. auf der Ausgleichung derselben durch die Entwickelung. Nur so lange, als die am wenigsten belichtete Stelle noch wirklich glashell bleibt, bei im übrigen möglichst kräftiger Belichtung (lange Expositionszeit, geringe Intensität) hat eine Fortsetzung des Verfahrens Zweck. An zweiter Stelle würde das Copirverfahren auf Aristopapier und verwandten Papiersorten zu erwähnen sein. Dieses Papier zeichnet sicli vor allen anderen Positivpapieren durch das feine Korn aus, da die empfindliche Schicht aus einem dünnen Häutchen von Collodium oder Heiatine besteht und also völlig unabhängig ist von der Structur des eigentlichen Papiers; letzteres dient nur als Stütze für das sonst zu zarte Häutchen. Man kann daher Copien auf Aristopapier mit Vortheil noch durch die Lupe betrachten. Ein weiterer Vorzug des Aristopapiers besteht darin, dass sich demselben durch Aufpressen auf eine polirte Fläche ein sehr hoher Glanz ertheilen lässt, durch welchen die dunklen Töne eine ausserordentliche Kraft erlangen. Durch langsames Copiren in schwachem Lichte lässt sich auf diesem Papier eine Contrastwirkung erzielen, die der auf Diapositiven nahe kommt, so dass die Feinheiten des Negativs nur in geringem Masse verloren gehen. Copien astronomischer Objecte auf Albuminpapier, Platinpapier und dergleichen zeigen wegen der groben Structur zwar grosse Weichheit, aber nur noch wenig Detail. Zu empfehlen sind sie aber sehr bei Vergrösse- rungen, wobei durch die gröbere Structur kein Verlust von Einzelheiten mehr eintritt und dann die Weichheit des Bildes sehr angenehm wirkt. Für viele Zwecke erscheint es wünsehenswerth, Copien nicht in derselben Grösse wie die Originalnegative herzustellen. Fast immer wird man Vergrösserungen erstreben, und bei nicht hohen Ansprüchen können solche leicht mit Hülfe einer gewöhnlichen, nur etwas weit ausziehbaren photograpbischen Camera hergestellt werden. Wirklich gute Besultate lassen sich aber bei primitiven Einrichtungen nicht erzielen, und man hat daher besondere Vergrüsserungsapparate construirt. Ein solcher, für 20 I. Die Herstellung und Vcrwertliuug von Iliminclsaufnalunen. alle Zwecke geeigneter Beproductionsapparat ist mich meinen Angaben von 0. Toepfer für das Potsdamer Observatorium gebaut worden. Derselbe erlaubt auch Verkleinerungen, während sich die Vergrösserungen bis zu etwa JOOOOfach linear treiben lassen, wie sie allerdings nur zu anderen als den hierher gehörigen Zwecken verwendet werden. Auf dem Untergestelle U (Fig. 1) ist eine Schlittenführung S eingelenkt, deren Neigung gegen den Horizont durch das gezähnte Kreisstück K und die Bremse A beliebig geändert werden kann. Dadurch ist es ermöglicht, den ganzen Apparat gegen den freien Himmel zu richten, wodurch allein .•■4P ■r Jr m‘£\ tesa s, bei grösserer abzubildender Fläche eine gleiehmässige Beleuchtung erreicht werden kann. Um diese (lleichmässigkeit zu erhöhen, kann in den Halter II eine mattgeschlitfene Glasplatte eingesetzt werden; ausserdem dient derselbe noch zur Aufnahme gefärbter Glasplatten, um besonders bei sehr hellem Himmel eine, wie vorher auseiuandergesetzt, für viele Zwecke vortheilhafte Verlängerung der Expositionszeit zu erreichen. Auf der in Millimeter eingetheilten Schlittenführung sind, ausser dem erwähnten Halter II. die drei Unterstiitzungspnnkte der Camera C, der Plattenhalter P und der Beleuehtungsapparat M verschiebbar angebracht. Die photographische Technik in der Himmelsphotographie. 21 ln die Camera können bei O die verschiedensten photographischen 01)- jective eingeschraubt werden, die in Verbindung mit den gegenseitigen Entfernungen von P bis 0 und 0 bis zur Cassette Verkleinerungen und Vergrüsserungen bis zu etwa 25fach linear gestatten. Ausserdem aber können mit Hülfe von Zwischenringen Mikroskopobjective eingesetzt werden, bei deren Benutzung der Beleuchtungsapparat 21 in Function tritt, der sonst abgenommen ist. Der Platteuhalter P ist so eingerichtet, dass jeder Funkt der Blatte in die optische Axe des Apparates gebracht werden kann, ohne dass die Senkrechtstellung der Platte zu dieser Axe merklich geändert wird. Bei der Iieproduction von Sternaufnahmen tritt eine bedeutende Schwierigkeit durch die Feinheit der schwächeren Sternscheibchen ein. Seihst hei dem besten Beproductionsverfahren gehen diese Sterne verloren, und die kleinsten Fleckchen und Unreinlichkeiten der photographischen Schichten lassen sich nicht von den schwächeren Sternen trennen. Die (’onstruction exacter Karten durch photographische Verfahren direct nach den Negativen ist daher vorläufig noch eine Unmöglichkeit, sofern man auf die Bealität der schwächeren Sterne Werth legt. Nach dem Vorschläge der Herren Henry fallen diese Uebelstände zum grössten Theile fort, wenn man zur Construction von Karten drei Aufnahmen dicht neben einander auf derselben Platte anfertigt, so dass das Bild eines schwachen Sternes als kleines Dreieck erscheint, bestehend aus drei kleinen, sich eben berührenden Scheibchen. Hierdurch sind einmal die Bilder der schwächsten Sterne so gross geworden, dass sie hei der Iieproduction im allgemeinen nicht mehr verschwinden; dann aber lassen sie sich auch leicht von zufälligen Fleckchen durch ihre ausgeprägte Form unterscheiden. Es tritt aber mit dieser Methode ein neuer Uebelstand hinzu: es ist naturgemäss notliwendig, dreimal so lange zu exponiren als sonst, und damit ist für viele Fälle dieser Methode eine Grenze gesetzt. Man wird also häutig gezwungen sein, überhaupt von directen lle- productionsverfahren hei der Herstellung von Karten nach photographischen Aufnahmen abzusehen, und sich auf indirectem Wege helfen müssen, und dies kann auf zweierlei Weise geschehen, entweder durch Ausmessung und nachheriges Zeichnen der Karte nach den gemessenen Coordinaten oder durch Benutzung eines storchsclmahelähnlichen Instrumentes. Das erstere, sehr umständliche Verfahren wird man anwenden, wenn man gleichzeitig genauere Positionen der Sterne zu halten wünscht, also bei rein kartographischen Zwecken nicht, vielmehr wird alsdann das zweite Verfahren von Vortheil sein. 22 I. Die Herstellung und Venvertliung von Hiinmelsuufnnlmien. Zn diesem Zwecke hat Roberts*) einen Apparat, Pantograph genannt, constrnirt, der nicht bloss die Sterne ihrer Position und Grösse nach auf eine Kupferplatte eingravirt. sondern dies bei ziemlicher Geschwindigkeit auch mit einer so grossen Genauigkeit ausfiihrt, dass die Messung der Positionen auf der Kupferplatte nicht wesentlich hinter derjenigen auf dem Originalnegativ zurückbleibt. Auf dem oberen zweier senkrecht zu einander beweglichen Schieber sind gleichzeitig das photographische Negativ und die Kupferplatte montirt. Die Platte, auf welcher das Negativ befestigt ist, kann um eine Axe gedreht werden und ist am Hände mit einer feinen Theilung versehen, die durch ein Mikroskop abgelesen werden kann. Den Schiebern wird durch Schrauben eine Bewegung ertheilt, die durch die getheilten miu Schraubenköpfe bis auf 0.00020 abgelesen werden kann. Ein festes Gestell trägt zunächst das unbewegliche Mikroskop, dessen Mikrometerocular mit zwei zu einander senkrecht stehenden Fädenpaaren versehen ist; die Distanz der Fäden eines jeden Paares kann durch die Mikronieterschrauben verändert werden, ohne dass der Mittelpunkt des durch die Fäden gebildeten Rechtecks verschoben wird. Durch Bewegung der Schlitten und der Mikrometerschrauben erfolgt die Einstellung auf ein Sternscheibchen vermittels Tangentialstellung der vier Fäden. Ebenfalls auf dem Gestell ist eine Vorrichtung zum Graviren befestigt, deren mit Diamantspitze versehener Stift an einem zweiten Mikrometer angebracht ist. Letzteres wird nach den Angaben des ersteren (oder nach Vielfachen oder Bruchtheilen, eingestellt, wodurch die Diamant- spitze eine excentrische Lage erhält und bei Drehung des Stiftes einen Kreis eingravirt. dessen Durchmesser von dem Durchmesser des Sternscheibchens abhängt. Nach vergleichenden Messungen auf dem Negative und einer mit dem Roberts’schen Pantographen gravirten Kupferplatte hat Pritchard die folgenden wahrscheinlichen Fehler einer Sterndistanz gefunden: auf dem Negative iE 0"12 auf der Kupferplatte ±: 0"IS. Die Messungen auf einem von der Kupferplatte gewonnenen Papierabdruck gaben in Folge der Papierverziehungen sehr grosse wahrscheinliche Fehler, die über 1" betrugen. Nach den Erfahrungen von Huberts hält es nicht schwer, in der Stunde etwa öO Sterne einzugraviren. Nach Ansicht des Verfassers würde sich leicht eine Vorrichtung an *) Hüll, du C'omite 1, 151. Die optischen Theile der photographischen Instrumente. 23 dem Pantographen anbringen lassen, dureli welelie automatiseli die Verstellung des Gravirstiftes bei Drehung der Schrauben des Mikrometers am Mikroskope erfolgt, wodurch grössere Geschwindigkeit des Gravirens und gleichzeitig grössere Fehlerfreiheit zu erzielen sein würde. Die optischen Theile der photographischen Instrumente. An die optischen Theile der zur Aufnahme von Himmelskörpern bestimmten astronomischen Instrumente müssen theilweise ganz andere Anforderungen gestellt werden, als an diejenigen der zur dirccten Beobachtung verwendeten. Die Gründe hierfür beruhen tlieils auf den speci- fischen Unterschieden zwischen den beiden Heobachtungsmethoden, tlieils auf den individuellen Unterschieden zwischen der Liehtemptindliehkeit der photographischen Platte und derjenigen der Retina unseres Auges; schliesslich bleibt nicht ohne Einfluss der Umstand, dass für die entgegenstehenden Heobachtungsmethoden Lichtstrahlen sehr verschiedener Wellenlänge in Frage treten. Es soll nun in der folgenden Betrachtung zunächst vorausgesetzt werden, dass die optischen Theile des photographischen Fernrohrs eine ideale Vollkommenheit besitzen, dass sie also frei sind von Lichtverlust durch Reflexion und Absorption, und dass sie völlig achromatisch und frei von sphärischer Aberration sind. Es wird dann unsere Hauptaufgabe sein, die Abweichungen von diesen idealen Eigenschaften einzeln als Fehlerquellen zu untersuchen. Bei dem idealen Objective — Spiegel brauchen hierbei nicht besonders unterschieden zu werden, da für sie unter bekannter Veränderung der Elemente dasselbe gilt wie für Objective — wird in einer durch den Brennpunkt gehenden Kugelfläche, deren Centrum im Hauptpunkte des Objectivs liegt, ein Bild einer begrenzten Stelle des Himmelsgewölbes erzeugt, welches dem Objecte völlig ähnlich ist; der Winkelabstand zweier Punkte des Himmels ist genau durch den Winkelabstand der Bildpunkte, gerechnet vom Hauptpunkte an, gegeben. Nimmt man nun ein Bild des Himmels auf einer ebenen photographischen Platte auf, welche die Focal- Häclie des Objectivs in der Hauptaxe tangirt, auf letzterer also senkrecht steht, so ist das Bild auf der Platte entstanden durch Central-Projcction einer Kugelftäche auf die Tangentialebene. Das Bild auf der Platte erscheint also nur dann als ein getreues und ähnliches, wenn die Betrachtung oder Messung mittels eines Winkelinstrumentes von einem Punkte aus geschieht, welcher sich in einer der Brennweite des Objectivs entsprechenden Entfernung senkrecht Uber dem Mittelpunkte der Platte befindet. Misst man dagegen Distanzen auf der Blatte, wie dies meistens 21 1. Die Herstellung und Yenvertluing von llimnielsaufnalmien. geschieht, so ist es ohne Weiteres klnr, dass die Distanzen, vom Mittelpunkte an gerechnet, proportional den Tangenten der Winkelabstiinde von der llauptaxe wachsen. T 11 der Fig. 2 bedeuten: 0 den Hauptpunkt des Objeetivs, F den Foens desselben; die Linie ABF einen Durchschnitt durch die Foealtläebe (KugelHäehe), die Hemde B’F einen Durelisclinitt durch die ebene, in F tangirende photographische Platte. Die zu messende Distanz Fli' ist die Tangente des Winkels a, welchen der Bildpunkt B mit der llauptaxe bildet. Eine genauere Darlegung dieser Verhältnisse muss dem Capitcl über photographische Messungen vorbehalteil bleiben. Ausser dieser regelmässigen und leicht in Beohnung zu ziehenden Distorsion kann für das ideale (Ibjectiv keine weitere ein- treten; mit ihr verbunden ist zwar eine Zunahme des Durchmessers der liildpuukte mit wachsendem Abstande von der optischen Axe, sowie eine Verzerrung der erstereil in Ellipsen, jedoch bei völliger Beibehaltung der Symmetrie, so dass eine Distorsionswirkung nicht eintritt. sofern beim Messen auf die geometrischen Mitten der Bilder eingestellt wird. Auch beim idealen Objective sind die Bilder von Funkten in der Brenntlüche nicht wirkliche Punkte, sondern sie besitzen einen merklichen Durchmesser infolge der an der Begrenzung des Objeetivs eintretenden Dilfraction. Der Durchmesser der mittleren Diifractionsscheibe, welche das eigentliche Bild eines Sternes darstellt, und der Diffractionsringc nimmt proportional mit der Oelfnung des Objeetivs ab. ln dem folgenden Täfelchen sind die Durclunesser gegeben für eine Oelfnung von 100 mm, gültig für die Wellenlänge der ///-Linie — 434 uu —, bei welcher ungefähr die Maximalemptindlichkeit der gebräuchlichen Bromsilberplatten liegt. Fig. 2. Durchmesser j Intensität Mittelbilü n 2.2 l.OOUO 1. Ring 2.9 0.0175 2. » 4.8 0.0042 3. » 6.6 0.0017 4. > 8.5 0.0008 5. » 10.3 j 0.0004 6. » 12.2 1 0.0003 Die optischen Tlieile der photographischen Instrumente. 2 .') Für Objective von Öl cm Octfnung, wie sie zur Herstellung - der photographischen Himmelskarte benutzt werden, würde also der Durchmesser des Mittelbildchens, und damit der möglichst kleinsten Abbildung, <>'.'64 betragen oder etwas weniger, da dieser Werth dem absoluten Minimum entspricht und schon kurz verlier eine merkliche Lichtwirkuug aufhören wird. Die Intensitäten der Hinge nehmen sehr schnell ab, und sie stören deshalb bei optischen lieobachtungen nur sein - wenig, treten aber bei photographischen Aufnahmen noch ganz entschieden in Wirksamkeit. Es möge nun, um das ideale Objectiv zu verlassen, zu einer kurzen Darlegung derjenigen Forderungen Ubergegangen werden, welche nach der Gauss’schen Theorie an ein zweilinsiges, sogenanntes achromatisches Objectiv gestellt werden müssen, um dasselbe für photographische Aufnahmen möglichst einem idealen Objective zu nähern*). \ erstellt man unter wahrer Brennweite den Abstand des zweiten Brennpunktes vom zweiten Hauptpunkte, so sind folgende Bedingungen zu erfüllen: 1) Zwei Strahlen verschiedener Brechbarkeit — für photographische Objective z. B. /. Bl 1111 und 7. 400 «« — werden in einem Punkte, dem wahren Brennpunkte, vereinigt. — Hebung des Farbenfehlers. 2) Ein Strahl mittlerer Brechbarkeit, der nahe am Bande des Objectivs einfällt, schneidet die Axe ebenfalls in der wahren Brennweite. — Hebung des Kugelgestaltfehlers. '.]} Für die zwei angegebenen Wellenlängen müssen auch die Hauptpunkte zusammenfallen. — Die zwei verschiedenfarbigen Bilder werden also gleich gross. 4) Mitte und Hand des Objectivs müssen bei Strahlen mittlerer Brechbarkeit gleiche wahre Brennweite haben. Die vierte Bedingung deckt sich mit der sogenannten Sinusbedingung; sie ist erfüllt, wenn die Anfangspunkte sämmtlicher vom Objective kommender Strahlen auf einpr Kugelfläche liegen, die mit der wahren Brennweite als Badius vom Brennpunkte aus beschrieben ist. Ihre Erfüllung ist gerade für photographische Objective von grösster Wichtigkeit, da nur dann die Handstrahlen symmetrisch um die I lauptstralilcn gelagert sind und die Bilder seitlich der Ilauptaxe keinen Anlass zu Distorsionen geben. Um zu zeigen, welchen Einfluss die Nichterfüllung der letzten Bc- *) A. Steinheil. Ueber den Einfluss der Objectivconstruction auf die Licht- vertheilung in seitlich von der optischen Axe gelegenen Iiildpunkten . . . Sitzungsber. d. math. pliys. Classe der Kgl. Kayr. Akademie der Wiss. in München. Hand XIX, Jahrgang !S8i). 26 1. Die Herstellung und Venvertlmng von Iliminolsaufmihnieii. / / / io tit /\ \ /V \ \ *1 ~7 V J20 j/z 1 \ \ \ff/ J 1 \ \/ ZS \ «X. y 6 Fig. 3. dingung auf seitlich gelegene Milder ausübt, hat St ein heil a. a. 0. die Berechnung für das Königsberger Heliometerohjectiv ausgeführt. Es soll ein Strahlencylinder von 2ö Einzelstrahlen auf das Ohjectiv auffallen, wie Fig. 3 zeigt. Der Strahl 1 entspricht dem Hauptstrahle, die Strahlen 2 bis !) fallen am Kunde des Objectivs ein, die von 10 bis 17 in 2 / 3 Entfernung von der Mitte, die von 18 bis 25 in 1 Entfernung. Für das Königsberger lleliometerobjectiv erhält man nun in der Einstellcbenc bei 48' Abstand von der Hauptaxe folgendes Bild von der Ver- theilnng der Strahlen (Fig. 4). Es ist aus dieser Figur zu ersehen, dass sie gegen die llichtung zur Axe ( 2 , 1 , 0 ) symmetrisch ist, dagegen in Bezug auf die hierauf senkrechte Dichtung vollständig unsymmetrisch. Der Hauptstrahl ( 1 ) liegt also nicht in der Mitte der Figur, sondern viel tiefer, so dass die Yertheilung der Helligkeiten eine sehr ungleiche ist; denn die Linie 8 , 10 , 24 , 1 , 20 , 12 , 4 , welche in Fig. 3 die Menge des auffallenden Lichtes halhirt, tlieilt das Lieht im Bilde des Sterns zwar auch in zwei Tlieile von gleicher Helligkeit, aber von sehr ungleicher Ausdehnung, so dass der über dieser Linie liegende Tlieil des Bildes viel weniger intensiv erscheint, als der unterhall) gelegene. Auf der photographischen Blatte würde bei einem derartigen Objec-tive das Bild eines Sternes seitlicli der Hauptaxe als eine ellipsenähnliche Scheibe erscheinen, deren Maximalhelligkeit nahe einem der Brennpunkte der Ellipse liegt. Ist die Helligkeit des Sternes nicht ausreichend gewesen, um in der Gegend der Buukte 5 , 0 , 7 , 14 eine merkliche Wirkung anszuüben, so fehlt das eine Ende der Ellipse. "Die Bilder werden denen von Cometen ähnlich. Damit nun die auf der Blatte gemessenen Distanzen von Sternen auch thatsächlich den Distanzen am Himmel — unter Berücksichtigung der regelmässigen Distorsion — entsprechen, muss auf den Blinkt 1 , den Dnrchselmittspnukt des Hauptstrahles mit der Blattenebene, eingestellt werden. Dieser Bunkt ist wegen seiner cxcentrischen Lage ■XO 1 gf Die optischen Tlieile dev photographischen Instrumente. 27 nicht mit Sicherheit zu erkennen; mit einer gewissen Annäherung wird man ihn erhalten, wenn man auf das Maximum der Schwärzung hei den seitlich gelegenen Sternscheihchen einstellt. Die Sichtbarkeit dieses Maximums wird aber um so schwieriger, je heller der entsprechende Stern ist, je mehr also das elliptische Scheibchen von gleicher Schwärzung erscheint. Man wird ihn im allgemeinen immer mehr nach der Mitte der Figur verlegen, und bei völlig ausexponirten Scheibchen wird inan, wenn man nicht zu ganz unsicheren Taxirungen greifen will, überhaupt, nur noch die geometrische Mitte des Scheibchens einstellen können. Die Unsicherheit der Einstellungen ist also im allgemeinen vermehrt, und es tritt eine von der Helligkeit der Sterne und von der Expositionszeit abhängige Distorsion auf, die sich rechnerisch nicht streng verfolgen lässt. Ist aber die Bedingung 4 erfüllt, so geht die Fig. 4 in Fig. o über. Das Sternscheibchen ausserhalb der optischen Axe wird zwar elliptisch, aber alle Strahlen liegen symmetrisch um den Haupt- stralil herum; das Maximum des Silberniederschlages entsteht unter allen Umständen in der geometrischen Mitte des Scheibchens, genau in dem Funkte, in welchem der Hauptstrahl die photographische Platte schneidet, die Messungen sind frei von Distorsiou. Je grösser ein Objectiv ist, um so wichtiger ist es, dass seine Construc- tion eine streng richtige ist, da die Fehler mit der Grösse des Objectivs wachsen, die Empfindlichkeit der Messung aber mindestens dieselbe bleibt, meistens beträchtlich zunimmt. Die Verwendung von Spiegelteleskopen in der Himmelsphotographie ist für viele Zwecke derselben, z. B. für die Aufnahme von Nebelflecken, von grossem Nutzen, die Bilder sind völlig frei von chromatischer Aberration; dagegen findet in den seitlich der optischen Axe gelegenen Bildpunkten infolge der nicht aufzuhebenden sphärischen Abweichung eine durchaus unsymmetrische Vertheilung der Kandstrahlen um den Hauptstrahl statt, ganz ähnlich wie bei einem fehlerhaft construirten Objective. Für exacte Messungen sind daher Aufnahmen mit sphärischen Spiegeln sehr viel ungeeigneter als solche mit richtig construirten Objectiven. ln neuerer Zeit hat man mit grossem Vortheile Objective mit ver- hältnissmässig sehr kurzer Brennweite zu Aufnahmen von Nebelflecken, Darstellungen der Milehstrasse etc. benutzt. Zur Erzielung eines grossen Gesichtsfeldes bei sehr kurzer Brennweite reicht die Combiuation zweier Fig. 5. 23 I. Die Herstellung und Verwertlmng von lliimnelsaufnalunen. Linsen nicht mehr aus, und man hat daher drei oder noch häufiger vier Linsen mit einander verbunden. Alle diese Systeme sind aplanatisch construirt, d. h. die Brennpunkte in den Nebenaxen liegen nielit auf einer Kugellläehe, sondern sie befinden sieh auf einer in dem llauptbrennpunkt auf der optischen Axe senkrechten Ebene, der photographischen Platte. Das ist natürlich nur annähernd zu erreichen, die Brennfläche hat vielmehr eine recht complicirte Gestalt und schmiegt sich der Ebene je nach den verschiedenen Constructionen nur mehr oder weniger gut an. Bei diesen Objcctivcn ist die Sinusbedingung nicht erfüllt; die Bildpuukte seitlich der optischen Axe zeigen daher häutig sehr eigenthiimliche Figuren, und für exacte Messungen sind Aufnahmen mit den verschiedenen Arten dieser Objective, die als Porträtlinsen, Euryskope, Aplanate etc. im Handel vorriithig sind, nicht geeignet, sofern man nicht in der Nähe der optischen Axe bleibt, also von dem llauptvortheil, dein grossen Gesichtsfelde, keinen Gebrauch macht. Ich gehe nun zur Betrachtung des Verhaltens der verschiedenen Objective in Bezug auf die Lichtstärke über. Es ist hierbei zuerst der Begriff der photographischen Lichtstärke festzustellen, da von einer absoluten Lichtstärke wie in der < >ptik nicht die Bede sein kann, wegen der Zunahme der Lichtstärke mit wachsender Expositionszeit und Empfindlichkeit der Platte. Tm Folgenden ist daher beim Gebrauche des Wortes Lichtstärke stillschweigend vorausgesetzt, dass nur relative Angaben in Bezug auf eine gegebene Expositionszeit und Platten-Empfindlichkeit gemacht werden. Beim idealen photographischen Objective ist die Lichtstärke für Abbildung von Punkten (Fixsternen) proportional der vierten Potenz der < feffnung. Dieser paradox erscheinende Satz wird folgendermassen klar. Wird unter Beibehaltung der Brennweite die Oetfnung grösser, so wird die Lichtmenge proportional dem Quadrate der Oetfnung vermehrt; gleichzeitig aber wird der Durchmesser des mittleren Ditl'raetionsscheibehens proportional der Yergrüsserung der Oetfnung kleiner, die Dichtigkeit des Lichtbündels wird also nochmals proportional dem Quadrate der Oetfnung stärker, im Ganzen ist also die Lichtintensität mit der vierten Potenz der (•etfnung gewachsen. Vergrössert mau bei gegebener Oetfnung die Brennweite, so nimmt die Lichtstärke für Abbildung von Punkten proportional mit dem Quadrate der Brennweite ab. Der Grund hierfür liegt darin, dass bei zunehmender Brennweite der Durchmesser des Ditfractionsseheibehens zwar nicht im Winkelwerthe wächst, wohl aber im linearen Betrage proportional mit der Brennweite; die Dichtigkeit des Lichtbündels beim Auffallen auf die Platte ist also proportional mit dem Quadrate der Brennweite Die optischen Tlieile der photographischen Instrumente. 29 verringert. Bezeichnet inan den Durchmesser der < >eflhung mit d, die Brenn- iJi weite mit f\ mit c eine Constante, so ist allgemein die Lichtstärke L=c-j^ ■ Für optische Instrumente ist bekanntlich L = cd 2 . I >ci der direeten Betrachtung von kleinen Liclitscheihen ist nämlich unterhalb einer gewissen Grenze eine weitere Abnahme des Durchmessers und der damit verbundenen Zunahme der Dichtigkeit des Strahlenbündels ohne Einfluss, weil das Auge hierin keinen Unterschied mehr merkt, tlieils wegen der Unvollkommenheit des optischen Apparates im Auge, tlieils wegen der eigcnthümlichen facettenartigen Structur der Betiua. Die photographische Platte besitzt zwar auch eine ähnliche Structur, das Silberkorn; dasselbe ist indessen im Verhältnisse zur Grösse selbst der kleinsten Scheibchen in Fernröhren so fein, dass noch mehrere Hunderte von Elementen auf dieselben kommen, eine Zunahme der Dichtigkeit des Eichtbiindels also noch durchaus wirksam ist. Der Formel L = c ist aber auch für photographische Aufnahmen eine Grenze der Gültigkeit gesetzt; sie gilt nur für das Erscheinen der allersehwächsten Lichtpunkte und ihre Anwendbarkeit hört immer mehr auf, je mehr die Lichtintensität genügend ist, eine vollständige Schwärzung des Scheibchens herbeizuführen; es tritt dann die Formel L — cd 2 ein. Bei ausgedehnten Objecten ist kein Unterschied zwischen optischer und photographischer Abbildung vorhanden. Die Lichtintensität eines ahgehildeten Flächenelementes hängt nur noch vom Verhältnisse der Oett- nuug zur Brennweite ab, es ist L = c d 2 _ f 2 die absolute Grösse des Instrumentes ist gänzlich gleichgültig. In der Praxis wird nun bei der Abbildung von Lichtpunkten die Abhängigkeit der Lichtstärke von den Dimensionen des Objectivs eine völlig andere; es tritt geradezu das umgekehrte Verhalten ein, weil für die Grösse des kleinsten Scheibchens nicht mehr die Ditfraction allein massgebend ist, sondern die Abweichungen des Objectivs von den idealen Verhältnissen. Die Abbildung von Punkten wird immer unvollkommener, je grösser die Oellhung im Verhältniss zur Brennweite ist, lässt man also die Oeflhung wachsen, so wird das kleinste Scheibchen nicht kleiner, wie beim idealen Objeetive, sondern eher grösser, die Lichtstärke wächst also nicht proportional der vierten Potenz der Oeflhung, sondern kaum proportional der zweiten: in der Praxis verhalten sich die photographischen Objeetive auch bei der Abbildung von Punkten ziemlich genau so wie die optischen. Eine möglichst vollkommene Achromasie ist für die Lichtstärke 30 I. Die Herstellung und Verwertliung von llimmelsaufnahmen. photographischer Objective von grösster Bedeutung. Blau liat bei den ersten Versuchen in der llimmelsphotographie häutig die für optische Strahlen achromatisirtcn Objective benutzt und damit in Bezug auf Lichtstärke nur sehr unvollkommene Resultate erzielt. Nehmen wir als Beispiel den Schröder’schen Befractor von 12 Zoll Oetfnung, der sich im Besitze des Potsdamer Observatoriums befindet, und dessen Objectiv für directe Beobachtung ganz vorzüglich ist. Die Strahlen sind annähernd für JJ und F vereinigt; für die übrigen Wellenlängen hallen die Abstände der Brennweiten von diesem Vereinigungspunkte folgende Wertlie, wobei der letzte Werth für Ile nicht direct beobachtet, sondern aus den anderen durch Extrapolation abgeleitet ist. W. L. Diff. mm W. L. Diff. mm 080 au + 3.6 F 486 mm 0 656 » + 2.4 473 ‘ > + 2.0 6IO > + 0.2 445 » + 5.3 573 > — 0.6 Jly 434 » + 8.2 544 » — 1.6 IB 410 » 4- 16.3 520 » 498 » — 1.9 — 0.7 Ile 397 » + 22 Wie man sieht, ist die Vereinigung der optisch wirksamsten Strahlen, von der Wellenlänge 620 /tu an bis etwa 475, m/i, eine sehr gute. Die Maximal- empfindlichkeit der photographischen Platten liegt bei ///; wollte man das Objectiv für photographische Aufnahmen benutzen, so müsste man zunächst die Platte um 8 mm hinter den optischen Brennpunkt versetzen; dann aber blieben noch für die übrigen wirksamen Strahlen von Pan weit ins Ultraviolette hinein grosse Brennweitenditfereuzen übrig, für F S mm, für He 14 mm und für die äussersten Strahlen im Ultraviolett jedenfalls Wertlie bis zu 30 mm. Diesen Abständen entsprechen chromatische Abweichungs- mm rom kreise von resp. 0.44, 0.9 und nahe 2 nun Durchmesser, d. h. die vcsul- tirenden Bilder von Sternen sind überhaupt nicht mehr als kleine Scheibchen mit angebbarem Durchmesser zu bezeichnen, sondern sie stellen selbst bei geringen Intensitäten stets grosse Scheiben dar mit allmählichem Lichtabfall von der Mitte nach den Bändern hin. Wegen der B erbreituug des Lichtes über diese grossen Scheiben ist natürlich die photographische Lichtstärke sehr vermindert, und auch die Einstellungsgenauigkeit ist selbstverständlich eine geringe. Der ausserordentliche Vorzug, den ein gut photographisch achro- matisirtes Objectiv besitzt, erhellt aus der vergleichsweisen Betrachtung der Verhältnisse bei dem 13zölligen Objective des Potsdamer Photographischen Befractor». Bei demselben sind die Strahlen von der Wellenlänge Die optischen Theile der photographischen Instrumente. 31 434 .fi« [IIy) und 397 (Ile) vereinigt. Die stärkste Abweichung der Foeal- weite von allen photographisch wirksamen Strahlen von F Dis ins äusserste Ultraviolett tindet für die nach der weniger brechbaren Seite mm gelegenen Strahlen statt und beträgt für die Grenze daselbst bei F 2.5; inm der Durchmesser des betreffenden Abweiehuugskreiscs für F ist also 0.25. Das ist der grösste Durchmesser, der für ein primäres Scheibchen infolge der mangelhaften Achroinasie resultiren kann. Bei diesem Ob- jective ist dagegen die Abweichung der optischen Strahlen entsprechend eine sehr grosse, nämlich mm Hy 0.0 F + 2.5 h + (5.5 l) -1- 13.3 6 IS ini 4- 17.2 und der Durchmesser des Abweichungskreises für die Fraunhofersehe mm Linie I) beträgt bereits 1.3. Bei Verwendung von farbenemptindlichen Blatten, bei denen diese Strahlengattung noch wirksam ist, erscheinen die sonst unveränderten Sternscheibehen mit einem nahe gleichmässig hellen Halo von über I mm Durchmesser umgeben. Die Verwendung solcher Platten ist daher hei einem zweilinsigen, für die photographischen Strahlen achromatisirten Objeetive ausgeschlossen. Bei den vierlinsigen Objeetiven ist infolge der vielen zur Verfügung stehenden Flächen eine sehr viel vollständigere Achroinasie zu erreichen, als bei den einfachen Objeetiven. Man kann hierbei leicht den grössten Tlieil aller Strahlen von C bis ins Ultraviolett hinein sehr nahe vereinigen, so dass optischer und photographischer Brennpunkt zusammenfallcn. Bei diesen Objektiven können farbenemptindliche Platten ebenso wie hei den Spiegeln mit Vortheil verwendet werden; man erhält hierdurch entschieden einen Gewinn an Lichtstärke. B utlierfurd hat den Vorschlag gemacht, die für die optischen Strahlen achromatisirten Objeetive durch eine Vergrösserung des Abstandes der beiden lausen zu photographischen Zwecken geeigneter zu gestalten, indem hierdurch eine bessere Vereinigung der chemisch wirksamsten Strahlen erreicht wird. Um diesen Zweck bequem zu ermöglichen, hat Grubb dem 27 zölligen Objeetive des grossen Wiener Befractors direct die Einrichtung gegeben, dass die Linsen bis auf 2 cm von einander entfernt werden können. H. C. Vogel*) hat die Veränderungen, welche durch die * II. C. Vogel. Einige Beobachtungen mit dem grossen Refractor der Wiener Sternwarte. Publ. d. Astrophj-s. Obs. zu Potsdam. Band IV, 1. Tlieil. 32 I. Die Herstellung und Verwerthung von llimmelsaufnahmen. Trennung der Linsen in den Brennweiten der verschiedenen Strahlen hervorgebracht werden, genauer untersucht und ist hierbei zu den folgenden Differenzen derselben gegen den Yereinigungspunkt der Strahlen von der W.-L. 486 uu gelangt, wobei in Columne I der Abstand der inneren Linsenflächen 8 mm betrug, in Columne II dagegen 20 mm. 'eilenlänge. I mm II mm 6(51 u u — 3.(1 — 1.9 587 » — 6.2 — 7.9 511) » — 5.4 — 5.2 483 » + 0.7 + 0.7 454 » + 9.6 + 8.7 434 » + 17.5 -H 19.1 421 » + 28.3 — 414 » — 4- 28.6 Legt inan in beiden Leihen den photographischen Brennpunkt auf die Wellenlänge 431 uu, so ist zu erkennen, dass hei Leihe II nach F zu nur eine geringe Vergrößerung der Brennweitendifferenzen entstellt, nach dem Violett hin aber eine sehr merkliche Verkleinerung, so dass also im ganzen das Objcctiv thatsäehlich für photographische Zwecke besser achromatisirt erscheint; es steht auch zu erwarten, dass bei noch grösserer Entfernung der Linsen eine weitere Verbesserung eintreteu würde. Auch M. Wolf*) ist für ein kleines Instrument zu ähnlichen Lesultaten gelangt; es ist indessen zu bemerken, dass unter allen Umständen die Verbesserung doch nur eine relativ geringe ist, und dass es sehr fraglich erscheint, ob dieselbe nicht durch die Verschlechterung der Centrirung und besonders durch die zunehmende sphärische Aberration überhaupt wieder aufgehoben wird. Untersuchungen hierüber sind meines Wissens nicht angestellt, so viel aber ist sicher, dass ein so verbessertes Objectiv unter keinen Umständen mit einem photographisch achromati- sirten in Conc-urreuz treten kann. Cornu**) hat folgende theoretische Begründung für die Verbesserung des Bildes im chemischen Focus durch Auseinanderschraubung der beiden Objectivlinsen gegeben. Die Hauptpunkte der Convexlinse werden mit H { und // 2 bezeichnet, diejenigen der Concavlinse mit II, und II {. Die Entfernung der resp. Brennpunkte von // 2 sei F, von II 2 ' sei F'. Die Krümmungsradien und *) M. Wolf, Trennung der Objectivlinsen f. photographische Zwecke. Astr. Xachr. 118. **) Recueil de Mem. Rapp . . . Paris 1S74. Siehe auch Weinek, die Photogr. in der messenden Astronomie p. 94. Die optischen Tlieile der photographischen Instrumente. Brechungsexponenten seien entsprechend r t , r 2 , » und r 3 , r A , n, die Dicken d und d'. Bedeuten ferner noch a und b, resp. a' und b' die Object- und Bildweiten, so ist ganz allgemein: T + T = T = {n - l) [^r + und 1 1 ' + V F 1) 1 +4 r ,. + ~—d:) = — (»' — 1) Q. nr A r A J 1 a Für a — oo wird b = F, und dieses Bündel trifft in dem Abstande IL, //,' = e die Concavlinse, für welche also a' = — [F — e) wird. Folglich ist 1 T L_ 1 , J _i e rVJ- '/ F—e F~ F\ ~F'J ^F" oder Die Bedingung eines vollkommenen Achromatismus würde erfüllt sein, wenn b' constaut bliebe für alle Variationen von n und ri von Roth bis Violett, und es soll nun gezeigt werden, dass innerhalb eines gewissen Intervalles diese Bedingung durch die passende Wahl von e erreicht werden kann. Dazu werde in -. - die Brennweite für Strahlen mittlerer- Brechbarkeit eingeführt gedacht, so dass bei der Kleinheit dieses Bruches der Factor von (n —1) P unabhängig von der Farbe auzunehmen ist. .Alan construire nun für die verschiedenen Wertlie von n — 1 = x als Abscissen und n — l = y als Ordinaten eine Curve, durch welche der Grad von Achromasie, der für die betreffenden Gläser erreicht werden kann, genähert dargestellt wird. Dann ist der Ausdruck die Projection des Radiusvectors im Curvenpunkte der fraglichen Farbe auf eine Linie, die den Winkel u mit O x , Fig. ff (folg. Seite), bildet. Alan hat nämlich z. B. für einen im Violett gelegenen Punkt P, wenn V der Projectionspunkt von V auf die Richtung OA ist, OV = x cos u — y sin u , und die Bedingung lautet daher jetzt, diese Projection für ein gegebenes Stück der Curve so constaut wie möglich zu machen. Da nun so wähle man e, resp. gemäss dieser Beziehung « so, dass für das betreffende Stück die Senkrechte auf OA mit der Tangente oder Sehne dieses Curvenstückes zusammenfällt. Sch einer, Photographie der Gestirne. 3 I. Die Herstellung und Venverthung von llimmelsaufnahmen. Die Figur giebt, wie es dev Wirklichkeit entspricht, von Roth nach Violett wachsende Ordinaten; man erkennt hieraus und aus der Beziehung zwischen a und e, dass durch Vergrösserung von e der Winkel ci kleiner und damit die Achromasie weiter nach Violett verlegt wird. Stokes*) hat einen Vorschlag zur Umwandlung eines optischen Ohjeetivs in ein photographisches gemacht. der vielleicht Beachtung verdient. Das Ohjectiv soll so construirt sein, dass die beiden Flächen der Crowuglaslinse verschiedenen Krümmungsradius besitzen. Für optische Zwecke soll die schwächere Krümmung nach aussen liegen. Fig. 6. und die beiden Linsen berühren sich. Für photographische Zwecke wird die 'S erbesserung der Achromasie der chemischen Strahlen durch grössere Entfernung der beiden Linsen erzeugt; die hierdurch herbeigeführte Vermehrung der sphärischen Aberration soll dann durch Umwenden der Crowuglaslinse gehoben werden. Eine für die Güte der Bilder jedenfalls sehr gute Methode, ein optisches Ohjectiv in ein photographisches zu verwandeln, bestellt darin, vor das Ohjectiv eine dritte Linse von gleicher Oetfnung zu setzen. Für das so entstehende dreilinsige Ohjectiv lässt sich nicht nur die Achromasie sehr weit treiben, sondern auch die sphärische Aberration auf ein sehr geringes Mass herabdrücken. Dem grossen Ecfractor der Lick-Sternwarte ist eine derartige Zusatzlinsc beigegeben; das Instrument giebt bekanntlich ganz vorzügliche photographische Bilder; die besten Bilder des Mondes sind übrigens bei einer Abblendung des Ohjeetivs auf 8 Zoll Durchmesser erhalten worden. Abgesehen von dem sehr hohen Preise einer solchen Linse bringt deren Verwendung einen weiteren, sehr wesentlichen Nachtheil mit sich: die beträchtliche Verkürzung der Focalweite. Beim Lick- Refractor beträgt diese Verkürzung beinahe 3 m. * Grubb. Fernrohre für Sternphotographie. Zeitschrift für Instrumenten- Kunde 10 , 104 . Die optischen Tlieile der photographischen Instrumente. ;ir> Tn neuerer Zeit ist von Steinbeil u. :t. ein sogenanntes Correctious- systern construirt worden, welches au einer bestimmten Stelle in den Strahlengang eines gewöhnlichen Objectivs eingeschaltet, eine vorzügliche Achromatisirung herbeiführt, eine bessere, als mit einer Doppellinse erreicht werden kann, bei gleichzeitiger weiterer Verbesserung der sphärischen Aberration und unter Erfüllung der für die Praxis sehr wichtigen Bedingung, dass die ursprüngliche Brennweite nicht wesentlich geändert wird. Steinheil empfiehlt, dieses Correetionssystem in einer Entfernung von i / 3 Brennweite vor dem Brennpunkte einzuschalten; es braucht alsdann nur eine Oeffnung von wenig mehr als 1 / 3 der Objectivöffnung zu haben und erreicht demgemäss sogar hei sehr grossen Instrumenten einen nicht zu hohen Procentsatz der Kosten für das Objectiv selbst. Es dürfte nicht schwer fallen, eine Einrichtung am Rohre des Instrumentes zu treffen, ein solches System leicht und ein für allemal centrirt einzusetzen und wieder auszuschalten, so dass hierdurch ein optisches Fernrohr unmittelbar für photographische Zwecke brauchbar würde. Christie*) hat eine Constructiou für ein Correetionssystem vorgeschlagen, die bedeutend einfacher als die Stcinheil’sche ist. Sie kann indessen nur für spectroskopische Zwecke benutzt werden, da sie nur genau in der optischen Axe einigermassen brauchbare Bilder giebt. Huggins hat im Jahre 1887 eine solche Correctionslinse für seinen 15 zölligen Eefractor mit gutem Erfolge in Anwendung genommen. Später hat lveeler**) die gleiche Construction wieder in Vorschlag gebracht, und jetzt werden derartige Correctionssysteme in Pulkowa und Potsdam zu spectroskopischen Beobachtungen verwendet. Durch sie werden die Strahlen von C bis II nahe r ollständig in demselben Punkte vereinigt, hei nur sehr geringer Veränderung der ursprünglichen Brennweite. Für rein photographische Zwecke kann aber die Christie’sche Construction keine Benutzung finden, da selbst für so kleine Scheiben, wie sie die grossen Planeten geben, die Bilder unscharf werden. Der Einfluss der sphärischen Aberration ist bei den astronomischen Objectivcn im allgemeinen gering und für optische Beobachtungen nur von unwesentlicher Bedeutung, dagegen nicht so für photographische. Die sphärische Aberration ist hier die llauptursache für die unvollkommene Vereinigung der Strahlen, so dass ein grösseres Scheibchen entsteht, als nach der Diftractionswirkung zu erwarten wäre. Nach letzterer müsste z. B. für den Potsdamer Photographischen Eefrac- tor der kleinste Durchmesser 0'.'6 betragen; in Wirklichkeit beträgt er aber 2" bis ff", weil die äussersten Randstrahlen sich in einem Sclieib- * Observatory 1SS7, July. **) Astrophys. Journal 1, 101. 3 * I. Die IIerstellun}r und Yerwertlunig von Ilimmelsaufnahmen. 36 eben von 3" in der wahren Brennweite vereinigen. Diese Strahlen tragen also nur wenig zur Vermehrung der Intensität des eigentlichen Mittelhildes bei, und dementsprechend ist der photographische Lichtverlust seihst bei starken Bandabblendungen sehr gering. Blendet man z. B. den Band um ! /:i des Badius ab, so ist die sphärische Aberration fast gänzlich beseitigt, der Durchmesser des Scheibchens nimmt ab bis auf nahe den durch Ditfraction geforderten Betrag von nunmehr l'/l. Ein Beispiel möge dies etwas erläutern, wenngleich nicht in exacter Weise, da die Liehtverthei- lung innerhalb der Scheibchen nicht eine gleichmässige ist, sondern Abnahme des Lichtes nach dem Bande zu stattfindet; es möge aber eine gleichmässige Vertheilung angenommen werden. Die Intensität des kleinen Scheibchens von I'.'l Durchmesser denken wir uns zusammengesetzt aus der Summe zweier Intensitäten. Die erste kommt her von der Vereinigung der Strahlen der mittleren beiden Drittel des Objcctivs in diesem Scheibeheil, die zweite aus der Vereinigung der Strahlen des äusseren Drittels des Objcctivs in einem Scheibchen von 3" Durchmesser. Es verhalten sich nun die beiden Intensitäten proportional den entsprechenden Objectivtiächen und umgekehrt proportional den Quadraten der Durchmesser der Scheibchen oder J ± _ 0.41x3.0- 3.96 . J 2 ~ 0.56x1.1-~ 0.67 ’ bei Abblendung des Bandes geht also von der ursprünglichen Intensität des kleinsten Scheibchens = 4.63 nur der siebente Theil verloren, d. li. noch nicht der zehnte Theil einer Grössenclasse. In Wirklichkeit wird der Betrag wegen der Zunahme der Intensität nach der Mitte hin grösser ausfallen; durch directe Versuche, die ich in der angegebenen Weise an Sternen angestellt habe, ergab sich ein Verlust von etwa 0.2 Grössenclassen. Bei Flächenabbildungen schwacher Objecte wird man natürlich nur mit voller Objectivötfimng photograpliircn; bei Steruaufnr.hmen aber kann man mit Vortheil Blenden anwenden, wenn es sich nicht darum handelt, die Lichtstärke nach Möglichkeit auszunutzen, sondern wenn man lieber möglichst feine Scheibchen erhalten will. Wie weit man hierbei mit der Abblendung gehen darf, kann nicht allgemein angegeben werden, sondern ist für jedes Objcctiv durch Versuche zu ermitteln; die Grenze für die Abblendung liegt da, wo die gerade Linie, welche das 'Wachsen der Ditfractionsscheibchen bei abnehmender Oeffuung darstellt, durch die Curve geschnitten wird, die die Abnahme der Scheibchen durch Verminderung der sphärischen Aberration bei Abnahme der Oeffnung darstellt. Die optischen Tlieile der photographischen Instrumente. 37 Von wesentlicher Bedeutung: hei photographischen Objectiveu sind die Lichtverluste durch Reflexion und Absorption; sie sind bedeutender als bei optischen Objectiveu, einmal, weil sowohl die Reflexion als auch die Absorption für die brechbareren Strahlen stärker ist als für die weniger brechbaren, dann aber auch, weil bei gewissen photographischen Objectiveu häufig mehr als zwei Linsen in Anwendung kommen. iNacli der Fresnel’scheu Reflexionstheorie wird die Intensität eines Lichtstrahles nach dem senkrechten Durchgänge durch eine ebene Trennungsfläche zweier Medien durch Reflexion vermindert auf die Grösse wo n den Brechungscoefficienten zwischen den beiden Medien bedeutet. Empirisch ist festgestellt worden, dass für Glasoberflächen dieses Gesetz im allgemeinen nur unmittelbar nach der Politur gültig ist, und dass allmählich nicht unbeträchtliche Abweichungen eintreten, und zwar meistens im Sinne einer Vermehrung des Reflexionsvermögens. Diese Erscheinung ist jedenfalls durch chemische Aenderuugen der Oberflächen zu erklären; sie hat im Gefolge, dass ohne directe Untersuchung das Reflexionsvermögen der Oberflächen von Glaslinsen nicht genau angegeben werden kann. Der allgemeine Ausdruck für den Lichtverlust durch Reflexion bei beliebigem Einfallswinkel
+ (/>)!_ ~cos 2 (r/) — tp)\’ der bei senkrecht auffallendem Lichte für cp — tp = 0 in den obigen einfachen Ausdruck übergeht, der nur noch den Brechungscoefficienten enthält. Aus dieser Form ist zu ersehen, dass bis• — dr) =
n [Ti — 1 \) sin x cos w
Finden die Berührungen am Faden 2 zu den Zeiten 7', und T, statt, und bezeichnet man den dem Winkel w entsprechenden Winkel mit w', so folgt
n (7 4 — 71,) sin y
{>•
dr') =
cos w
Bezeichnet man ferner mit c eine von der Exccntricität der elliptischen Sonnenscheibe abhängige Constante, mit p den parallaktischen Winkel, so ist
■ic = c sin 2 (45° — p)
tc'= c sin 2 (45° -j- j>), also
tc == ic' == c cos 2 p .
Durch Division der beiden Gleichungen für 2 (r — dr) durcheinander
folgt
r — dr 7’ 2 — T 7 , sin x (1 ' /• — dr ~ 7 , 4 — T, ' sin y '
Nennt man A den Betrag in Bogenminuten, mn welchen die Bicli- tung der beiden Fäden von 9u° abweicht, ist also x -\- y = 90° + J, so geht (1) unter Vernachlässigung höherer Glieder Uber in
1 +
dr
dr_
r
T i - T, 1 .
7 , 4 — 7' :i cotg x A sin 1'
Zur Ermittelung von dr und dr' können folgende abgekürzte Formeln dienen:
Versteht man unter * die Zenithdistanz, so ist mit genügender Annäherung das Differential der Refractiou zu setzen = 0/96 sec ' l xdx sin 1'. Für einen Sonnenhalbmesser, der den Winkel a mit der grossen Axe der Ellipse macht, wird dann
dr = 0/96 sec 2 * • r ■ siu 2 a • sin 1
5S
I. Die Herstellung und Verwertlinng von Himmelsanfnalnnen.
Im vorliegenden Falle ist nun
dr = 0/96 sec 2 « • r ■ sin 2 (45° — p) sin l' und dr — 0.96 sec 2 « • r • sin 2 (45° + p) sin 1', also
—- ( ^ — 0'.96 sec 2 «- sir3^yj sin 1'.
r r
rp _ p
Setzt man weiter ,-p - J — cotg T ü , wo T 0 stets nahe 45° sein wird,
-m — J-3
die cotg also in den Gliedern höherer Ordnung als 1 genommen werden kann, so geht (2) über in
cotg x — cotg T 0 = 2 (T 0 — x) sin 1' = — 0/96 sec 2 * sin 2p sin 1' — A sin 1' oder (3) x = T u 0/48 sec 2 « sin 2p -f- ^ ■
x ist der Winkel, welchen die scheinbare Balm der Sonne mit dem Faden 1 bildet. Beträgt die Neigung der scheinbaren Bahn gegen die wahre Bahn i, und setzt man x 0 = x — i, wo i = 0/48 sec 2 « • sin 2p ist,
so folgt (4) x 0 = ■
An x 0 ist nun noch die Correetion wegen der Aenderung der Decli- nation der Sonne während der Berührungen anzubringen. Bezeichnet man die stündliche Bewegung der Sonne in Deel, mit dö, so wird die gesuchte Correetion in Bogenminuten
jö
15 x 60 sin 1' cos
. Aus den Gleichungen ( 1 ) bis (3) lassen sich nun für den Fall einer beliebigen Richtung der rehectirten Strahlen die Positionswinkel des Radius ableiten. *) Trepied, Ch. Sur une maniere de determiner l’angle de position d‘un point de la surface d un astre ä faide dune lunette liorizontale. C. R. 9(>, 1198. Die Heliographen und verwandten Instrumente. 69 Tliollon*) findet für den Winkel zwischen dein Souneuradius, welcher im Parallel liegt, gegen den Horizont den Ausdruck: ^ g _ sin t (cos
cos d sin cp ' wo A das Azimuth — gezählt von Norden nacli Osten — der reflectirten Strahlen bedeutet. Für den in der Praxis nur vorkommenden Fall, dass A = 0 oder = 180° ist, erhält man die bedeutend einfachere Form: _ sin t (cos cp W sin ö ° ± cos t (1 W sin d cosro tuberanzen am Sonnenrande, sowie aller derjenigen Stellen auf der Sonnenscheibc, auf denen im Spectroskope die Wasserstoft'liuien bell erscheinen. Da im allgemeinen das Spectrum der Sonnenscheibe die Wasserstoft'liuien dunkel zeigt, also an dieser Stelle das von der Photosphäre herrUhrende contiuuir- liclie Spectrum absorbirt ist, so bildet eine Abbildung der Pliotosphäre nicht statt. Die ganze Methode ist demgemäss entstanden aus dem Wunsche, die Protuberanzen am Sonnenrande photographisch zu fixiren. In beschränkter Weise ist dieser Wunsch sehr leicht zu erfüllen; um eine einzelne Protuberanz aufzunehmen, bedarf es nur der Anbringung einer Camera an einem gewöhnlichen Protuberanzspcctroskope unter Verwendung einer der im Blau oder Violett gelegenen Wasserstofflinien, oder bei Benutzung rothempfindlicher Platten unter Verwendung der C'-Linie. In dieser Form hat Young bereits im Jahre 1870 die Aufgabe gelöst. Grössere Protuberanzen können aber nur stückweise aufgenommen werden, weil bei allzu weiter Spaltöffnung der Contrast zwischen Protuberanz und continuirlichem Spectrum zu gering wird.
Die Aufgabe, die sämmtlichen Protuberanzen am Sonnenrande, auch die grössten, auf einem einzigen Bilde aufzunehmen, welches gleichzeitig auch infolge einer Unvollkommenheit des Apparats die Flecken und Fackeln zeigt, ist in theoretischer Beziehung 1S73 von Braun*) gelöst worden, und zwar dadurch, dass die Sonne nicht auf einmal, sondern successive in einzelnen Liueardurchschnittcn aufgenommen wird. Der von Braun angegebene Apparat, der übrigens niemals wirklich
*) Braun, C., Ueber direc-te Photograpliirung der Sonnenprotuberanzen. Astr. Nachr. 80, 33.
SO I- Die Herstellung und Verwertlmng von Ilirainelsaufuahmen.
zur Ausführung: gelaugte, ist in Fig. 17 in zwei Durchschnitten abgebildet.
Das Fernrohr A ist parallaktisch montirt und wird durch ein Uhrwerk dem Laufe der Sonne entsprechend fortbewegt. Der Spectral- apparat 11 ist so angebracht, dass das Sonnenbild centrisch auf den Spalt g des Collimators d fällt. Das objective Spectrum entsteht durch
die Linse o'des Beobachtungsfernrohrs d’. Hier ist ein zweiter Spalt h angebracht, der der Krümmung der Wasserstoff linie Hy entspricht und genau auf diese Linie gestellt ist. Die durch diesen Spalt hin- durchgehenden monochromatischen Strahlen der Wasserstofflinic gehen dann in der Camera C ein vergrüssertes Bild des Spaltes.
Das Fernrohr und die Camera sind nun durch die Platte P fest miteinander verbunden, an welcher ein Arm 1; befestigt ist, der au seinem Ende die Büchse l trägt, in der die Axe i drehbar ist. Diese Axe ist an der Platte p, welche das Spcctroskop trägt, in dem Punkte f\ dem Durchschnittspunkte der verlängerten Axen von Collimator und Beobachtungsfernrokr, fest und trägt somit den ganzen Spectralapparat. Durch diese Einrichtung ist sonach der Spectralapparat B in der Weise drehbar, dass die zwei Spalte g und h in den Focalebenen von A und C gleichzeitig fortwandern. Wird nun, während das Fernrohr der Bewegung der Sonne folgt, dem Spectralapparat eine solche Bewegung ertheilt, dass der Spalt g langsam durch das Sonnenbild hindurchwandert, so läuft der Spalt h gleichzeitig durch die entsprechenden Theile des monochromatischen Sonuenbildes, welches sich also successive auf der empfindlichen Platte
Fig. 17.
Die Spectroheliographen.
bl
in C abbilclet. Wenn die Objective o und o' die gleiche Brennweite haben, wird das Sonnenbild auch annähernd kreisrund, aller nicht vollständig, wie Braun annimmt; das Bild wird vielmehr infolge der Linien- krümmuug ziemlich stark verzerrt.
Ausser den Protnberanzen wird die Sonnenscheibe mit abgebiklet, weil der zweite Spalt h nicht so fein gearbeitet sein kann, dass nur das Lieht der ///-Linie liindurchfällt; das nebenher eindringende Licht des contiuuirlichen Spectrums wird eine Abbildung der Sonnenscheibe erzeugen, und man muss schon den Spalt sehr fein nehmen, damit nicht das letztere Licht das erstcre überwiegt.
Zur Ilervorbringuug der Bewegung des Spectroskopes schlägt Braun die Benutzung des Uhrwerks des Aequatoreals vor. Zu diesem Zwecke muss die Bewegungsebene, also die Ebene der Blatte P, eine zum Stundenkreise senkrechte Lage haben, und es wird dann an die Axe i ein langer Arm m befestigt, welcher die Lichtung gegen die llauptaxe des Aequatoreals hat, wenn die Spalte g und h in der optischen Axe der Linsen o und r/ stehen. Dieser Arm ist gabelförmig, und in die Oefthung der Cfabel passt ein Stift n, welcher parallel zu i in einer von allen beweglichen Theilen des Instruments unabhängigen Weise befestigt werden muss. Er muss stets zwischen der llauptaxe und der Axe i angebracht werden, in diesem Zwischenräume aber in jeder beliebigen Entfernung von diesen Axen festgestellt werden können. Je näher n an der flaupt- axe befestigt wird, um so langsamer wird die Bewegung des Spectroskopes erfolgen.
Gegen die praktische Verwendbarkeit des Braun’sehen Apparates müssen sehr schwerwiegende Bedenken erhoben werden, da es principiell unrichtig ist, dem Spectroskope eine Neigung gegen die optische Axe des Fernrohrs zu ertheilen. Eine einfache geometrische Ueberlcgung zeigt, dass bei der gewöhnlichen Construction des Spectroskops, bei welcher das Yerlniltuiss von Oefthung zu Brennweite bei Oollimator- und Fernrohrobjectiv das gleiche ist, bei einer Neigung der Collimatoraxe gegen die optische Axe des Fernrohrs ein mit der Neigung zunehmender Liehtverlust bis zum völligen Verschwinden des Lichts eintritt. Erst bei Barallelführung des Collimators, wenn also der Drehpunkt f unendlich weit entfernt ist, verschwindet dieser Fehler.
Lockyer* und Seabroke schlugen 1872 zur Aufnahme des Sonnen- randes die Verwendung eines ringförmigen Spaltes vor. In einem grossen Steiuheil’schen Spectroskope wird der gewöhnliche Spalt durch einen ringförmigen ersetzt. Mit Hülfe eines Heliostaten und eines Objectivs
*) Proceedings R. Soc. 21, 105.
Scheiner Photographie der Gestirne.
6
82
I. Die Herstellung und Verwerthung von llimmelsnufnalinien.
wird auf der Spaltebene ein Sonnenbild erzeugt, welches genau in den ringförmigen Spalt hineinpasst. Bei dieser Einrichtung kann zwar ein Gesammtbild des Sonnenrandes und seiner Erhebungen erlangt werden; der Spalt muss aber weit geöffnet sein, und damit treten dieselben Nachtheile auf, wie hei der Aufnahme von Protuberanzen in gewöhnlichen Spectroskopen.
Janssen*) wollte einfach ein directes Sonnenbild so lange expouiren, bis die Sonnenselieibe selbst durch Solarisation positiv erscheint. »Alsdann zeigt sich die Chromosphärc unter der Form eines schwarzen Eiliges, dessen Breite ungefähr 8" bis 10" entspricht.« .1 aussen ist hier in einem sehr starken Irrthume befangen. Der schwarze Hing entsteht durch die photographische Verbreiterung des Sonnenbildes und entspricht einer Liclitintensitilt, welche nicht mehr genügend zur Solarisation, wohl aber noch zur Erzeugung eines kräftigen Silberniederschlages ist. Diese schwarze Umrandung heller Flächen entsteht iii allen Fällen, wenn bei Abbildung der Fläche selbst Solarisation begonnen hat.
Im Jahre 1SS0 hat 0. Lohse einen Spcctroheliographen construirt, der sich von dein Bra u Aschen insofern unterscheidet, als die beiden Spalte nicht senkrecht zu ihrer Längsausdehnung das Sonneubild durchlaufen, sondern eine Potatioiisbewegung ausführen in der Weise, dass sie stets senkrecht zum Sonnenrande bleiben; die Sonnenscheibe seihst wird durch einen Schirm abgedeckt. Der Apparat ist ausgeführt worden, doch sind die mit demselben erhaltenen Kesultate nicht befriedigend ausgefallen. Der Grund hierfür liegt wesentlich in der Benutzung der ZZp-Liuie, welche wegen ihres diffusen Charakters überhaupt nicht zur Abbildung der Pro- tuberauzen geeignet ist.
Die Lohse ; sehe Form des Spectroheliographen ist im Jahre 1891 von Deslandres mit einer Modification in Vorschlag gebracht worden. Der Unterschied besteht nur darin, dass hinter dem zweiten Spalte die photographische Platte nicht fest liegt, sondern sieh mit derselben Geschwindigkeit, mit welcher der erste Spalt den Sonuenrand durchläuft, in gerader Lichtung fortbewegt. Dadurch wird die Chromosphärc als gerade Linie dargestellt. Irgend ein Vortheil dürfte hierin wohl nicht zu suchen sein, sondern nur eine unnöthige und nachtheilige Vermehrung der Complicirtheit.
Vom Jahre 1889 an hat sich llale**) mit der Aufgabe der photographischen Aufnahme des Sonnenraudes beschäftigt, und seine Versuche
*) C. K. 91, 12.
**) Astr. and Astroph. 12, 241.
Die Speetrolieliographeu.
SH
sind nach zwei Bichtungen hin augestellt worden. Die beiden Methoden sind die folgenden:
1) Die Geschwindigkeit des Uhrganges hei einem Aequatoreal wird so geändert, dass das Sonnenbild langsam über den Spalt eines stark dispergirenden Spcctroskopes hinübcrläuft, und zwar senkrecht zur Spalt- riehtung. Eine der Protuberanzlinien wird in die Mitte des Gesichtsfeldes des Beobaehtungsfernrohrs gebracht und fällt hier genau durch einen in der Focalebene befindlichen Spalt auf eine photographische Platte. Diese Platte wird reehtwinkelig zu den Spectrallinien mit einer der Geschwindigkeit des Sonnenbildes entsprechenden Geschwindigkeit bewegt.
2) Das Sonnenbild wird durch das Uhrwerk des Fernrohrs genau auf derselben Stelle gehalten, dem Spalte des Spcctroskopes dagegen eine gleichförmige Bewegung ertheilt bei feststehendem Collimator. Vor der unverändert festlicgendcn photographischen Platte bewegt sich im Focus des Beobaehtungsfernrohrs ein Spalt mit solcher Geschwindigkeit, dass eine gegebene Protuberanzlinie constant auf die Platte fällt.
Haie hat schliesslich die zweite Methode als die beste befunden und hiernach seinen grossen, am 12zölligen Pefractor der Kenwood-Steru- warte in Chicago angebrachten Speetrolieliographeu construirt, der in Fig. 18 (folg. Seite) abgebildet ist.
Derselbe besteht der Hauptsache nach aus einem Spectroskope mit Ifowland’sehem Gitter, welches eine sehr kräftige Dispersion giebt. Das Spectroskop besitzt zwei bewegliche Spalte, den einen in der Brennebene des Collimators, den anderen in der Brennebene des Beobachtungsfernrohrs. Die Spalte sind auf kleinen AVagen montirt, so dass sie mit vollkommener Freiheit senkrecht zu den üohraxen in der Längsrichtung des Spectrums bewegt werden können. Sie sind durch ein Hebelwerk so mit einander verbunden, dass ihre Bewegungen genau gleichartig in entgegengesetzter Itichtung erfolgen. Die photographische Cassette befindet sich unterhalb des zweiten Spaltes und kann demselben so genähert werden, dass die empfindliche Schicht die Spaltkanten beinahe berührt. Letzteres ist sehr wichtig, da selbst bei geringem Abstande schon sein- schädliche Ditfractionswirkungen durch den engen Spalt entstehen würden.
Zur Erzielung eines gleichförmigen Bildes ist natürlich eine durchaus gleichförmige Geschwindigkeit in der Bewegung der beiden Spalte erforderlich, und diese schwer zu erfüllende Bedingung hat llale in sehr glücklicher Weise durch eine »Wasseruhr«, (»clepshydra«; erfüllt, und es ist geradezu überraschend, eine wie vollständige Gleichförmigkeit der Bewegung durch diesen einfachen Apparat hervorgebracht wird. Derselbe besteht aus einem Cvlinder, in dem sich ein dicht schliessender Kolben bewegt, dessen Stange in den zu treibenden Mechanismus eingreift. Auf
S4 I. Die Herstellung und Yerwerthung von Ilinimelsaufnahmen.
Fig. 18.
beiden Seiten des Kolbens befindet sich Wasser, anf der einen Seite das Druckwasser einer Wasserleitung z. B., auf der anderen Seite Wasser, welches durch den Kolben Druck erleidet und deshalb aus einer sehr
Die Spectrolieliographen.
sr»
engen Oetfnung (los Cylinders zu cntweiclien strebt. ,So lauge der Druck des Wassers eonstaut bleibt, ist auch die Bewegung des Kolbens gleichförmig, und der Apparat fuuetionirt um so besser, je kleiner der Querschnitt der Ausströmuiigsöffnung im Verliältniss zum Querschnitt des Kolbens ist.
Um sich von dem Einflüsse des besonders bei öffentlichen Wasserleitungen häutig stark variirenden Druckes frei zu machen, hat Haie noch eine andere Einrichtung gewählt, welche überhaupt der ersteren vorzuziehen sein dürfte. Bei derselben dient das Wasser nur zur Bcgu- lirung der Geschwindigkeit, die nöthige treibende Kraft wird durch eine an dem einen Ende der Kolbenstange befestigte Schnur mit Gewicht erhalten. In diesem Falle sind die beiden, durch den Kolben getrennten Bäume des Cylinders durch ein communicirendes Bohr verbunden, dessen Querschnitt durch einen Halm an einer Stelle beliebig modificirt werden kann. Die Begulirung erfolgt dadurch, dass das AVasser von dem einen Ende des Cylinders durch die im Bohre befindliche enge Oetfnung auf die andere Seite des Kolbens gepresst wird. Es ist übrigens bei Benutzung dieser AA'assermotoreu wichtig, dass sieh im (B linder keine Luft befindet, weil sonst der Widerstand, den der Kolben erfährt, ein elastischer wird, und bei kleinen Veränderungen des AViderstandes, die unausbleiblich sind, Schwankungen in der Geschwindigkeit resultireu.
Infolge der Bewegung der Spalte erfährt bei der vorliegenden C 011 - struction das Sonnenbild leider eine ziemlich starke Distorsion.
Bezeichnet man mit D den Diffractionswinkel, mit io den Incidenz- winkel, mit /. die AVellenlänge der Linie, in welcher die Abbildung erfolgt, mit n die Ordnungszahl des Diffractionsspectrums und mit d die Distanz der Gitterstriche, so ist für ebene Gitter
sin cd oder sin 0
eine Coustaute für eine gegebene Linie ist. Hieraus folgt
d
cosojduj d 0 — -
cos 0
Für den 11 a 1 c'scheu Spectrolieliographen ist nun der Durchmesser des Sonnenbildes dio — ~) I nun, ferner wird (für die K- Linie
0 Maximum = 14° 36' ft Minimum =13 42 io Maximum = 40 ö l io Minimum = 3S 42
also
dO = 39.S.
S(i
I. Die Herstellung und Venverthung von llimmelsaufnalimen.
Das resultirende Sonnenbild ist also ein Oval, dessen kleinere Axe parallel zur Längsrichtung- des Spectrums im Verhältniss 4 : ."> kleiner ist als die grosse. Eine Ellipse ist das 1 »ild nicht, da dO nicht für die ganze Ausdehnung der Sonnenscheibe constant ist. Setzt man z. B. do> = I mm und rechnet dann d() für den ersten Hand, die Mitte und den zweiten
mm mm mm
Hand der Sonnenscheibe, so folgt (70,= 0.75; r/0 2 = l).T9; d0 3 — 0.S0.
Die auf einem solchen Bilde erhaltenen Messungen erfordern also eine beträchtliche Keduction auf kreisrunde Bilder; dieselbe kann übrigens ein für allemal für ein bestimmtes Instrument tabulirt werden.
Bequemer ist es, die Distorsion dadurch zu vermeiden, dass nicht bloss dem zweiten Spalte, sondern auch der photographischen Blatte eine Bewegung ertheilt Avird, wobei die Bewegung der letzteren so berechnet sein muss, dass sie die Verzerrung aufhebt. Um von den verzerrten Negativen eine Aveniger verzerrte Copie zu erhalten, hat Haie ein Bild des Negativs auf einen Schirm projicirt, in Avelchem sich ein Spalt parallel zur grossen Axe des Bildes befindet. Gleich hinter dem Schirme und in der Focalebene der Brojectionslinse ist die photographische Blatte angebracht. Schirm und photographische Blatte sind so mit einander verbunden, dass, Avährend sich der Spalt quer über den kleinen Durchmesser des Bildes schiebt, sich die Blatte in entgegengesetzter Dichtung um den Betrag der Differenz der beiden Axen beAvegt. Man erhält hierdurch Copien, Avelche für das Auge völlig rund erscheinen. Für exacte l’osi- tionsbestimmungen genügt natürlich diese mechanische Correction noch nicht; es muss an die ausgemesseneu Bositionen noch immer eine rechnerische Correction angebracht Averden.
Es ist bekannt, dass die Wasserstofflinien, je mehr sic sich dem violetten Ende des Spectrums nähern, um so breiter und verwaschener Averden. Bereits zAvischen der C- und der F- Linie ist ein solcher Unterschied Avahrnehmbar, und dementsprechend lassen sich die Protuberauzen in der (7-Linie viel besser beobachten als in der F- Linie. Für photographische Aufnahmen können nun bloss die ///-Linie oder die noch Aveiter nach Violett zu gelegenen 'Wasserstofflinien in Frage kommen, und deren Venvaschenheit ist bereits so stark, dass die Aufnahmen der Protuberanzen ohne alle Schärfe sind und zum Studium sich nicht eignen. Es ist dies, Avie schon bemerkt, der Hauptgrund dafür, dass auch die Aufnahmen von Protuberanzen in geAvölmlichen Spectroskopen, z. B. diejenigen von Voting, nicht befriedigend ausgefallen sind. Das Verdienst Haies um diesen ZAveig der Sonnenphotographie besteht eben nicht allein in der vorzüglich gelungenen Construction seines Apparates, sondern auch darin, dass er nach einigen Vorversuchen ausschliesslich
Die Corouographen.
S7
zur Benutzung der K- Linie libergegangen ist. Diese mit grosser Wahrscheinlichkeit dem Calcium angehürende Linie erscheint iu den Pro- tuherauzen und in der Chromosplmre sehr scharf, erstreckt sich ausserdem mindestens gerade so weit in die Protuberanzen hinein, wie die Wasserstofflinien, so dass die erhaltenen Protuberanzbilder an Schärfe und Ausdehnung durchaus mit den in der C-Linie optisch erhaltenen concurriren können. Als weiterer günstig wirkender Umstand kommt hinzu, dass die helle K- Linie scharf in der sehr breiten und verwaschenen dunklen Absorptionslinie sitzt, dass also gerade an dieser Stelle die Intensität des continuirliehen Speetrums eine sehr geringe und damit der Contrast der abgebildeten Protuberanz gegen die Umgebung ein sehr grosser wird.
Die A'-Linie erscheint cigenthiimlicher Weise auch in den Fackeln hell, und somit erhält man auch ein Bild der letzteren, und zwar im Gegensätze zu directen Aufnahmen oder Beobachtungen, hei denen sie nur in einem begrenzten Gebiete in der Nähe des Sonnenrandes zu erkennen sind, auf der ganzen Sonnenscheibe. Es ist damit für das Studium der Fackeln eine sehr beträchtliche Erweiterung eingetreten.
Die C o r o n o g r a p h e n.
Die grosse Schwierigkeit, welche der Erforschung der Sonnencorona dadurch entgegensteht, dass dieselbe im allgemeinen nur hei totalen Sonnenfinsternissen, also nur zu seltenen, sehr kurzen Momenten und dabei noch unter meist ungünstigen Umständen zu beobachten ist, hat naturgemäss zu dem eifrigen Bestreben geführt, eine Methode zu erfinden, welche es ermöglicht, die Corona in entsprechender Weise wie die Protuberanzen zu jeder Zeit sehen zu können. Dass dies nicht auf ähnliche Weise möglich ist wie hei den Protwberanzen, erhellt aus der Thatsache, dass das Licht der Corona im Gegensätze zu demjenigen der Protuberanzen ein wesentlich continuirlichcs Spectrum liefert, dessen Trennung vom continuirliehen Spectrum der Erdatmosphäre nicht erreicht werden kann. Aus der Länge der Coronalinie hei senkrechter Stellung des Spaltes zum Sounenrande würden sich allerdings vielleicht Schlüsse auf die Ausdehnung der inneren Theile der Corona ziehen lassen, auf die charakteristische Form und Structur aber nicht, da die Coronalinie einerseits sich nicht weit genug vom Sonnenrande erkennen lässt und andererseits auch zwischen den hellen Strahlen der Corona erscheint, das Gas, von dem sie herrührt, also an der Structur der Corona nicht wesentlich betheiligt ist.
Irgend ein ausgedehntes cölestisches Object kann am hellen Tage nur daun sichtbar sein, wenn seine Flächenhelligkeit h so gross ist, dass das Verhältnis« der Summe von h und der Helligkeit H der erhellten
SS 1- Die Herstellung und Verwertlmng von llinnuelsaufuahmen.
Erdatmosphäre zur Helligkeit dev letzteren allein, also das Verhältnis*
~—fi > «och für das Auge wahrnehmbar ist. Für das Auge ist die
Wahrnehmbarkeit abhängig von der absoluten Helligkeit h II, und deshalb werden die Verhältnisse günstiger, wenn durch Einschaltung eines absorbirenden Mediums die das Auge blendende Tageshelligkeit der Atmosphäre auf eine gewisse Grösse herabgedriiokt wird. Bei der photographischen Abbildung muss durch die Wahl der Plattenemptindliehkcit oder der Expositionszeit die möglichst günstige Stufe gesucht werden. Die optische Sichtbarmachung hängt aber nicht allein vom Helligkeits- Verhältnisse oder Contraste ab, sondern auch von der Art des Objectes. Eine kleine, scharfbegrenzte Scheibe ist viel besser zu erkennen als bei sonst gleichen Helligkeiten ein diffuses Object, dessen Helligkeit ganz allmählich nach dem Bande hin abnimmt. Nur hierdurch ist es zu erklären, dass alle 'S ersuche*), die Corona in Fernrohren zu sehen, missglückt sind, auch wenn sie auf hohen Bergen angestellt wurden, wo doch das
Yerhältniss 1 ein günstigeres ist, als in der Ebene. Denn dass das
Licht der Corona in der Fähe des Sonnenrandes hell genug ist, um durch Contrast noch merklich zu werden, beweist die Beobachtungserfahrung, dass zuweilen bei Mercur- oder Venusdurchgäugen die Planetenscheiben bereits vor ihrem Eintritt in die Sonneuscheibe erkannt worden sind, ln diesem Falle hat die Planetenscheibe die Helligkeit der Erdatmosphäre II, die nächste Umgebung aber die Helligkeit h -f- II.
Beobachtungen von Langley, llarkuess und Janssen während totaler Sonnenfinsternisse haben ergeben, dass die Flächenhelligkcit der Corona in der Nähe des Sonnenrandes jedenfalls beträchtlich grösser ist als diejenige des Vollmondes. Langley**) hat bei I' Abstand von der Sonne die Corona sechs Mal heller als den Vollmond gefunden, bei 3' Abstand allerdings schon zehn Mal schwächer als letzteren. Harkness***) giebt folgende Besultate an:
1) Das Gesammtlicht der Corona (1S7S) war 3.S Mal heller als das des Vollmondes.
2) Die Helligkeit nimmt umgekehrt mit dem Quadrate der Entfernung vom Sonnenrande ab.
3) Der hellste Theil der Corona war 15 Mal heller als die Scheibe des Vollmondes.
* Reports on the Total Solar Eclipse of July 29, 1S7S and January 11, lsso
(Langley.. Langley, Report on the Mount Whitney Expedition. Copeland, Coper- nicus III, 212.
**. Reports on the Total Solar Eclipse of July 29, 1S7S etc.
*** ibid.
Die Coronographeu.
Sil
Wenn auch alle diese Angaben naturgemäss sehr unsicher sind, und wenn auch die Helligkeit der Corona einem beträchtlichen Wechsel aus- gesetzt sein wird, so gebt doch so viel daraus hervor, dass die inneren Theile der Corona jedenfalls heller sind, als der Vollmond, dass also die Corona, könnte sie in eine beträchtliche Distanz von der Sonne weg versetzt werden, am hellen Tage durchaus sichtbar sein würde. Ihre Nieht- siehtbarkeit beruht im wesentlichen auf der enormen Zunahme der Luft- helligkeit nach der Sonne hin. In welchem Masse dies statttindet, lässt sich nicht angeben, da exaete Beobachtungen hierüber fehlen; auch ist die Zunahme nach der Sonne hin jedenfalls eine nach den verschiedenen Luftzuständen sehr variirende; sie wird bei dunstiger Luft, wenn der ganze Himmel weisslieh erscheint, um das Vielfache stärker sein als bei tief blau gefärbtem Himmel.
Der Versuch, auf photographischem Wege das zu erreichen, was sieh auf optischem als unmöglich herausgestellt hat, scheint im ersten Augenblick verfehlt; denn nach allen Erfahrungen besitzt die photographische Platte weniger Empfindlichkeit für die Abbildung ganz schwacher Contraste als das Auge. Abney giebt zwar an, dass noch Helligkeits- Unterschiede von Viio photographisch nachweisbar wären, womit daun ungefähr die Empfindlichkeit des Auges erreicht wäre; nach meinen Erfahrungen aber dürfte, jedenfalls im allgemeinen, diese Grenze zu hoch gegriffen und auf etwa , / 3w zu redueireu sein. Dieser Nachtheil der photographischen Methode wird aber mehr als eompensirt durch den Umstand, dass die für optische Beobachtungen so schädliche Verwasehen- heit des Objectes für die photographische Darstellung fast ganz belanglos ist. Noch ein Anderes kommt vielleicht zu Gunsten der Photographie hinzu, aber nur dann, wenn das continuirliche Spectrum der Corona in der Hauptsache von Eigenlicht herrührt, und nicht wesentlich re- flectirtcs Sonnenlicht ist. In diesem Falle kann es eintreten, dass das
Ilelligkeitsverhältniss > in Blau und Violett günstiger ist als im
optischen Gebiete, weil das Lieht der Sonne in deren Atmosphäre im Blau und Violett eine stärkere Absorption erfährt, als in den weniger brechbaren Theileu des Speetrums, also II kleiner wird, während h unverändert bleibt. Es tritt dies aber nur dann ein, wenn die Temperatur, bei welcher die Partikel der Corona glühen, eine genügend hohe ist. so dass h nach dem Violett nicht mehr abnimmt als II.
Aelmlich wie bei den Versuchen, die Corona optisch zu beobachten, hat man auch die photographische Methode durch Einschalten absor- birender Medien zu unterstützen versucht, indem man glaubte, hierdurch von dem auf die Platte wirksamen Lichte der Erdatmosphäre mehr
90
i. Die Herstellung und Venverthung von Himmelsaufnahmen.
abschneiden zu können als von dem der Corona. Meines Erachtens ist dieser AVeg ein gänzlich aussichtsloser; denn eine solche Auswahl findet in einem continuirliehen Spectrum nicht statt, auch wenn nicht der grösste Tlieil dos Coronalichtes bloss reflectirtcs Sonnenlicht sein sollte. Ganz anders läge die Sache, wenn die Corona z. B. ein spccielles Intensitätsmaximum für einen eng begrenzten Tlieil der blauen Strahlen lieferte, welches das Sonnenlicht, resp. das Licht der Erdatmosphäre nicht besitzt; dann würde es möglich sein, durch ein geeignetes Absorptionsmittel alle übrigen photographisch wirksamen Strahlen abzusehliessen und so durch Benutzung nur dieses Maximums ein günstigeres Yerhältniss zwischen den Helligkeiten der Corona und der Atmosphäre herzustellen. Ein solcher Fall liegt aber wohl schwerlich vor.
Die Bestrebungen müssen nach einer ganz anderen Lichtung gehen, nämlich dahin, das photographische Verfahren so zu wählen, dass ein Maximum der Empfindlichkeit in der Abbildung schwacher Contraste erreicht wird, und gleichzeitig in demselben Sinne die Expositionszeit zu wählen. Diesen Weg hat lluggins*) eingeschlagen, und es scheint, als ob er auf demselben auch zu positiven Resultaten gelangt sei.
Es mögen deshalb hier die vergeblichen Versuche anderer Astronomen, sowie die Vorversuche von lluggins übergangen werden, um gleich die definitiven lluggins’schen Untersuchungen zu besprechen. .Sein Coronograph hat die folgende einfache Einrichtung (Fig. 19):
Fig. 19.
Bei b befindet sieh der 7 zöllige, auf 3 */ 2 Zoll Oeftuung abgeblendete Spiegel, der gegen die Axe des Rohres etwas geneigt ist, so dass der von C kommende Lichtstrahl nach y gelangt. C ist eine Röhre mit vielen Diaphragmen, welche zur Vermeidung von schädlichen Reflexen angebracht sind und das Gesichtsfeld auf einen kleinen Tlieil der Sonncn- umgebung beschränken. Dicht vor der photographischen Platte befindet sich ein kreisrunder Bleehschirm g, welcher, von etwas grösserem Durchmesser als das Sonnenbild, die directen Sonnenstrahlen von der Platte abhält. Vor der Platte befindet sich der Spaltverschluss mit Einrichtungen zur Variation der Expositionszeit. Als geeignetstes photographisches
* Proceedings E. Soc. 1SS5. }fr. 239.
Die Coronographeu.
Ul
Verfahren hat lluggins den .Chlorsilberprocess gewählt; für die Expositionszeiten musste die Ucberlcguug massgebend sein, dass natürlich nicht diejenige brauchbar sein kann, welche hei totalen Sonnenfinsternissen anzuwenden ist, welche also ungefähr der wirklichen Helligkeit der Corona h entspricht, sondern eine bedeutend kürzere, passend für die Helligkeit 11 + 1). Immerhin bleibt bei dieser Ueberlegung die wirklich anzuwendeude Expositionszeit noch in sehr weiten Grenzen unsicher, und lluggins war deshalb auf die Hoffnung angewiesen, bei einer grösseren Zahl von Aufnahmen mit den verschiedensten Expositionszeiten ein oder das andere Mal die richtige zu treffen, und das scheint auch gelungen zu sein. Allerdings zeigen ja alle derartige Aufnahmen eine helle, nach aussen abnehmende Umrandung der Sonne, die für gewöhnlich nur ein Bild der erhellten Erdatmosphäre ist; aber Bilder, welche deutliche Anzeichen einer unregelmässigen Umhüllung und einer corona- ähnlichen Struetur zeigen, hat lluggins nur bei sehr klarem, blauem Himmel erhalten. Um eine directe Aufklärung hierüber zu gewinnen, hat lluggins bei Gelegenheit der totalen Sonuentinsterniss vom 6. Mai ISS'.l, welche auf den Carolinen beobachtet wurde, in Eondou Aufnahmen mit seinem Coronographeu gemacht und nach diesen Aufnahmen eine Zeichnung der Corona anfertigen lassen, bevor die Resultate von den Carolinen-Inseln bekannt waren. Die spätere Vergleichung zeigte eine entschiedene Aelin- lichkeit in der allgemeinen Form, und ganz ausser Zweifel wurde die Identität gestellt durch einen eigenthümlich geformten Strahl, der auf den lluggins’schen Aufnahmen und auf denen von der Sonnenfinsterniss zu erkennen war.
Es ist somit wohl ausser Frage gestellt, dass es lluggins gelungen ist, das Problem zu lösen; aber es ist dabei nicht zu verkennen, dass die erhaltenen Ilesultate noch wenig zu einem besonderen Studium der Corona geeignet sind, und dass ganz wesentliche Vervollkommnungen der Methoden noch sehr wünschcnswerth sind.
Einen gänzlich anderen Weg als lluggins hat Haie in neuerer Zeit eingeschlagen, um Aufnahmen der Corona zu erhalten. Wenngleich derselbe bisher nicht zum Ziele geführt hat, so ist er doch insofern bemerkenswerth, als Haie wieder zu dem früher verfolgten Principe der Benutzung eines begrenzten, diesmal sehr eng begrenzten Spectralgebictes zuriiekgegangen ist.
Da das Licht der Erdatmosphäre wesentlich nur Sonnenlicht ist, so ist es klar, dass unsere Atmosphäre für das Eicht von der 'Wellenlänge irgend einer Fraunhofer’schen Linie, welche in der Sonne ihren Ursprung hat, relativ sehr dunkel ist. Mit Hülfe eines dem Spectro- heliographen ähnlich gebauten Instruments ist es nun verhältnissmässig
92
I. Die Herstellung und Yerwerthung von llimmelsaufnalimeu.
leicht, eine solche Linie ans dein übrigen Lichte zu isoliren, indem der zweite Spalt genau auf diese Linie gesetzt wird. Ob diese Methode zum Ziele führen kann, hängt allein wieder davon ab, ob das Licht der Corona zu einem beträchtlichen Theile aus eigenem Lichte bestellt und nicht nur reflectirtes .Sonnenlicht ist; im letzteren Falle würde natürlich die Corona in dem Liclite von der betrettenden Wellenlänge ebenfalls dunkel sein. Haie hat hauptsächlich auf Grund von Beobachtungen, die Hastings bei der 18S3er Sonnentinsterniss über das Spectrum der Corona angestellt hat, sich der ersteren Ansicht zugeneigt und einen
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Fig. 20.
zu dem Zwecke der Coronaaufnahmen bestimmten Spectroheliographen mit geringer Zerstreuung benutzt. Als vortheilhafteste Stelle des Spec- trums bot sich ihm die 7v-Linie dar, hauptsächlich, weil es kein breiteres Hand im brechbareren Theile des Spectnuns giebt, so dass sieb die erforderliche sehr geringe Weite des zweiten Spaltes noch praktisch herstellen liess. Die mechanische Einrichtung des Apparates unterscheidet sich in einigen Punkten von der des Spectroheliographen und ist wesentlich einfacher. Die beifolgende Fig. 20 giebt einen Durchschnitt durch den Apparat. Der äussere Lahmen ist am Fernrohre (Spiegelteleskop) befestigt, und an ihm ist fest verbunden die photo-
Oie photographischen Refraetoren und Reflectoren.
«)3
graphische Fassette mit Platte. Der ganze übrige Tlieil des Apparates, also Speetroskop mit dem zweiten Spalte, kann vermittels Pollen auf Führungen hin- und hergleiten. Die Bewegung dieses Theiles wird in gleichförmiger Weise durch eine in der Figur nicht sichtbare, seitlich angebrachte Wasseruhr besorgt. Als Dispersionsmittel dienen nur zwei Prismen aus ('rownglas; durch das dritte, totalreflectirende Prisma werden die Strahlen so abgelenkt, dass die Axen von Colliinator und Beobaehtungsfernrohr genau parallel sind. Hierdurch hat der Apparat eine sehr compendiöse und stabile Form erhalten und ist gleichzeitig der complicirte Hebelmechanismus des Spectrolieliographen in Wegfall gekommen. Yor dem ersten Spalte ist eine kreisrunde Platte von etwas grösserem Durchmesser als das Bild der Sonncnseheihe angebracht, um das directe Sonnenlicht abzublendcn.
Die Aufnahmen, die Haie auf dem Aetna mit diesem Apparate erhalten hat, zeigen in Bezug auf die Corona ein negatives Besultat, und hieraus ist wohl der Schluss zu ziehen, dass ein wesentlicher Unterschied des Coronaliehtes gegen das Sonnenlicht nicht bestellt, und dass die für das Gegcntheil sprechenden Beobachtungen nicht genügend sicher sind.
Die photographischen Refraetoren und Reflectoren.
An die Instrumente, welche zur Aufnahme von Fixsternen, Nebelflecken, Cometen und auch zu direct vergrösserten Aufnahmen des Mondes und der grossen Planeten dienen sollen, wird die Forderung gestellt, dass während längerer Zeiträume der Bildpunkt eines Sternes mit einer sehr grossen Exactheit auf demselben Punkte der photographischen Platte festgehalten werden kann. Von einer möglichst hohen Leistungsfähigkeit des Instrumentes in dieser Beziehung hängt hauptsächlich die Erlangung von Aufnahmen ab, deren Ausmessung alle directen Messungen an Genauigkeit übertreffen kann. An die photographischen Pefractoren — um diese Instrumente kurz so zu bezeichnen — werden deshalb im allgemeinen höhere Ansprüche in Bezug auf Stabilität und genaue Ausführung gestellt, als an andere Fernrohre; ausserdem aber müssen neue Einrichtungen getroffen werden, um das gesteckte Ziel erreichen zu können. Seihst ein ideal fehlerfrei gebautes Instrument kann, selbständig functionirend, hei längeren Expositionszeiten keine guten Aufnahmen liefern, da die mit dem Stundenwinkel und mit Temperatur- und Barometerschwankungen veränderliche Rcfraction eine Bewegung des Bildpunktes auf der Platte bewirkt. Es muss also die Möglichkeit gegeben sein, dass der Beobachter die Lage des Bildpunktes direct oder
h befindet, und die Correction wird man ausführen mit der Schraube, welche die Höhe des Instrumentcnpoles ändert. Entfernt sich der Stern vom Declinationsfaden scheinbar nach Westen, so muss das Nordende der Stundenaxe gehoben werden. Hierbei erhält man die Oricutirung des Instrumentes aber nicht auf den wahren Pol, sondern auf den scheinbaren, durch Re- fraetion veränderten. Das ist in unseren Breiten aber nur vortheilhaft. wenn die Aufnahmen in mittleren Höhen und nicht zu grossen Stundenwinkeln genommen werden. Man kann übrigens in jedem einzelnen Falle die Orientirung auf den wahren Pol nachträglich ausführen, wenn man
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Die photographischen Refraetoren und Refiectoren.
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sich ein für allemal ausgerechnet hat, um welchen Betrag hierzu die Schraube gedreht werden muss.
Diese Methode gewährt eine sehr grosse Genauigkeit der Oricntirung. Wenn man eine Vergrüsserung von 300 bis 400 anwendet, kann man eine Variation von O'.'ö in der l'ointirung des Sternes noch deutlich erkennen, falls die Luftunruhe nicht zu stark ist. Nun bringt ein Fehler in der Oricntirung von 1' in einer Zeitminute eine Aenderung der Einstellung von 0726 hervor; in 2 Minuten kann also ein Orientirungsfehler von 1' bereits erkannt werden, und es ist daher mit Leichtigkeit die Orien- tirimg bis auf etwa 10" auszuführen.
Die Felder der Oricntirung selbst bleiben bei dieser Methode der .rustirung unbekannt, was alter für die Zwecke der Justirung gleichgültig ist. Sie lässt sicli aber auch zu einer genauen Bestimmung dieser Fehler verwenden, wie Itambaut*) gezeigt hat. Es ist hierzu nur nüthig, von zwei passend gewählten Sternen zwei kurze Aufnahmen in einem Intervalle von 15 oder 30 Minuten zu machen mul die Distanz der den beiden Aufnahmen entsprechenden Bilder zu messen. Eine Auseinandersetzung dieser Methode gehört aber nicht an diese Stelle, sondern sie muss in einem später folgenden Capitel besprochen werden.
Als Marke im Haltefernrohr benutzt man im allgemeinen am besten ein einfaches Fadenkreuz, entweder dunkle Fäden im hellen Felde oder helle Fäden im dunklen; letzteres ist indessen nur als Nothbehelf zu betrachten, wenn der I [ältestem zu schwach ist, um im hellen Gesichtsfelde deutlich gesehen werden zu können. Die Fäden sollen möglichst fein sein, damit das Sternpünktchen nicht im Durchschnittspunkte der Fäden verschwindet, und die Ocularvergrösserung soll eine recht kräftige sein, damit man einerseits die kleinsten Verstellungen walirnimmt, andererseits aber auch die feinen Fäden deutlich sehen kann. Die geeignetsten Vergrösserungen zum Halten dürften bei grösseren Refraetoren zwischen 100 und 600 liegen; bei unruhiger Luft wird man etwas weniger vorziehen, bei sehr guter Luft kann man dagegen noch weiter gehen. Je heller der Haltestern ist, um so schärfer kann gehalten werden, da das Bild des Sternes damit immer grösser wird und die Viertheiluug desselben durch das Fadenkreuz besser taxirt werden kann. Bei Haltefernrohren von 9 bis 10 Zoll Oeffnung dürfte die Grösse 9.5 die untere Grenze darstellen, unterhalb welcher im hellen Fehle nicht mehr genügend scharf gehalten werden kann. Man wird indessen nur selten ganz in der Nähe des Punktes, der auf die Mitte der Platte kommen soll, einen genügend hellen Stern zum Halten finden, und deshalb ist es unumgänglich noth-
*) To adjnst tlie Polar Axis of an Equatorial .... M. N. 54, 85.
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I. Die Herstellung und Yerwertliung von Ilinunelsaufnahmen.
wendig, das Fadenkreuz nicht fest im Ocularauszuge, sondern auf einer niikrometerälmlielien Yorrichtung anzubringen, welche es gestattet, das Fadenkreuz an jede Stelle eines Feldes von mindestens 30' Durchmesser zu bringen, um auch weiter entfernte Sterne zum Halten benutzen zu können bei Beibehaltung des gewünschten Plattenmittelpunktes.
Bevor mau diese Einrichtung an photographischen Befractoren getroffen hatte, hat man zu anderen 1 Hilfsmitteln gegriffen, um schwächere Sterne halten zu können. Mau nahm dunkles Gesichtsfeld und beobachtete das Verschwinden des Sternes hinter den sehr dicken Fäden des Fadenkreuzes; ein exactes Halten ist mit dieser Yorrichtung natürlich nicht möglich. Besser ist die Lohse’sche Methode, wobei anstatt des Fadenkreuzes ein aus Balmain’scher Leuchtfarbe hergestellter Bing benutzt wird, de nach der Stärke der Belichtung des Binges erscheint derselbe nachher in mehr oder weniger mildem Lichte, so dass noch ziemlich schwache Sterne recht gut in die Mitte des Binges eingestellt werden können. Ganz zu verwerfen ist eine von Schacberle und Barnard angegebene und bei helleren Sternen häutig angewandte Methode, bei welcher keine künstliche Fehlbeleuchtung nothwendig ist. Man bringt hierbei das Fadenkreuz so weit aus dem Focus des Fernrohrs heraus, dass der Stern als kleine Scheibe erscheint, auf welcher alsdann das Fadenkreuz sichtbar wird. Infolge der hierdurch auftretenden Parallaxenwirkung kann natürlich exactes Halten nicht mehr stattfinden.
Das Halten selbst ist nun, wie jede andere messende astronomische Beobachtung, eine Kunst, die nur durch Hebung erworben werden kann. Man muss Hei jeder Art des Luftzustandes sofort erkennen können, ob eine plötzlich stattfindendc Excursion des Sternes vom Fadenkreuze durch die Luftunruhe oder durch einen Fehler im Instrumente verursacht ist. Im ersteren Falle hat mau nicht zn corrigiren, da die durch Luftunruhe entstehenden Schwankungen sich im Laufe der Exposition von selbst ausgleichen; im anderen Falle aber muss möglichst sofort corrigirt werden. Diese Unterscheidung ist nicht immer leicht, da es Luftzustände giebt, bei denen die Schwankungen eine Periode von mehreren Secunden besitzen (siehe pag. 49).
Das Corrigiren mittels der Feinbewegungen muss ganz mechanisch erfolgen, d. h. die Hebung muss so weit getrieben sein, dass ohne besondere Ueberlegung die entsprechende Handbeweguug ausgeführt wird, sobald eine Abweichung von der richtigen Stellung in irgend einer Lichtung sichtbar wird. Durch sehr grosse Unruhe der Luft wird das Halten schliesslich sehr erschwert; in solchen Fällen aber soll man schon aus anderen Gründen von photographischen Aufnahmen absehen.
Die in diesem Capitel bisher gegebenen allgemeinen Principien der
Die photographischen Refractoren und Retiectorcn.
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Construction werden in Verbindung mit den entsprechenden Kegeln für die Wald der optischen Tlicilc genügen, zu einem bestimmten Zwecke ein möglichst geeignetes photographisches Instrument zu construiren. Es hleihe-n dabei natürlich noch viele Klinkte im einzelnen zu überlegen, die unmöglich im Voraus hier berücksichtigt werden können, da sie ein Speeialstudium erfordern. Es wird auch kaum möglich sein, ein grösseres Instrument dieser Art gleich vollkommen fertig zum Gebrauche herzustellen; erst die Benutzung lässt die Felder und Unvollkommenheiten erkennen, die dann nachher verbessert werden können. Diese Fehler dürfen natürlich keine die Uaupttheile des Instrumentes betreffenden sein, da deren Beseitigung nachträglich grosse Schwierigkeiten macht oder auch ganz unmöglich ist. und deshalb sind auch die allgemeinen Gesichtspunkte im Vorigen nufgestellt worden.
Es möge nun zu einer Beschreibung einzelner Instrumente, die sieb durch gute .Resultate ausgezeichnet haben oder in historischer Beziehung interessant sind, übergegangen werden. In erster Linie gebe ich hier eine eingehende Beschreibung des Photographischen Refractors der Potsdamer Sternwarte, einmal weil dieses Instrument kaum durch ein anderes gleichartiges Ubertrotfen sein dürfte, dann aber auch, weil mir selbst dieses Instrument naturgemäss am genauesten bekannt ist. Bei den anderen Instrumenten sollen nur die Hauptpunkte kurz hervorgehoben werden.
Die Objective des Photographischen Kefractors, von denen das für die photographischen Strahlen achromatisirte Öl cm Oeffnung, das für die optischen Strahlen corrigirte 23 cm Oeffnung besitzt, haben eine Brennweite von 3.4 m. Das Brennweitenverhältniss beträgt also für das photographische Objcctiv 1:10, für das optische 1:15. Ueber die Güte des von Steinbeil gelieferten photographischen Objectivs und über die Construction desselben finden sich an anderen Stellen dieses Buches die erforderlichen Angaben.
Beide Objective sind auf einer gemeinschaftlichen, 5 mm dicken Eisenplatte befestigt, welche auf einen Flantsch des eisernen Kohres von elliptischem Querschnitte aufgenietet ist. Die Verjüngung des Kohres nach dem Ocularendc zu ist nur gering; es ist hier durch eine entsprechende Eisenplatte geschlossen, an welcher der Ocularauszug und der Cameraauszug befestigt sind. Das Kohr ist der Länge nach durch eine dünne, ebene Scheidewand aus Eisen in zwei Theile getrennt, damit das zur Beleuchtung des Gesichtsfeldes dienende Licht nicht in das photographische Rohr eindringen kann. Ocular- und Camera-Auszug sind durch Schrauben an der Schlussplatte befestigt; die Schraubenlöcher sind jedoch weiter gebohrt als direct nothwendig, so dass beide Theile behufs Parallelstellung der
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I. Die Herstellung und Verwertlmng von Hiinmelsaufnahnieu.
beiden optischen Axen um einige Millimeter nach jeder Dichtung hin verschoben werden können. Die zur Focussirung nothwendige Bewegung der Anszüge selbst in der Dichtung der optischen Axen wird durch Tangentialschrauben bewirkt und kann an Scalen gemessen werden. Beim photographischen Auszuge kann die »Scala mit Hülfe von Nonius und Lupe bis auf 0.1 mm abgelesen werden. Auf die Mitte des elliptischen Rohres ist später noch ein Euryskop aufgesetzt worden vom Brennweitenverhältnisse 1: A '/ 3 , welches gleichzeitig mit dem photographischen llefractor benutzt werden kann. Das Objectiv desselben wird durch eine einfache Handhabe vom Oculare des Befraetors aus geöffnet und geschlossen. Dem Euryskope diametral gegenüber befinden sich die zu seiner Ausbalancirung dienenden Gegengewichte.
Die Klemm- und Feinbewegungsvorrichtungen sind in der bekannten Repsold’sehen Art ausgeführt; nur sind nachträglich an die Feinbewegungsstangen besondere Handhaben mit doppelten Huyghens'schen Gelenken angebracht worden, ’so dass bei jeder Fernrohrstellung die Hände des Beobachters eine durchaus bequeme Lage haben können, was bei den ohnehin ermüdenden langen Expositionszeiten durchaus nothwendig ist. Der zwischen den beiden Gelenken befindliche Theil der Handhabe muss eine feste Führung haben, weil sonst die Drehung der Handhabe wesentlich in eine Knickung umgesetzt würde; diese Führung muss aber verstellbar sein, um dem letzten Theile der Handhabe jeden beliebigen Winkel gegen die Fernrohraxe geben zu können. Die Führungen sind deshalb ebenfalls an Gelenken, jedoch nur sehr steif beweglich, angebracht.
Zum Halten der Sterne dient ein Fadenkreuz, welches auf einem Doppelmikrometer befestigt ist. Die beiden auf einander senkrecht stehenden Schlitten des Mikrometers können um je 20' verschoben werden. Die Verschiebung wird durch je eine Schraube von I mm = 1' Steigung bewirkt und an einfacher Scala abgelesen.
Die Schlittenvorrichtungen stehen parallel zur Bectascensions- und De- elinationsrichtung, können jedoch auch messbar in jeden anderen Positionswinkel gebracht werden. Entsprechend der Aufgabe dieses Mikrometers, weniger zum Messen als vielmehr zur Einstellung eines beliebigen Punktes des Gesichtsfeldes in die optische Axe des Fernrohrs zu dienen, ist seine Ausführung keine besonders feine. Die ganze Einrichtung bezweckt, wie bemerkt, einen Punkt des Himmels in die Mitte der Platte bringen zu können, an dem sich kein zum Halten genügend heller Stern befindet.
Die Grösse 9.5 muss als die äusserste Grenze betrachtet werden, bei welcher ein Stern noch mit dem 9 zölligen Fernrohre gehalten werden kann, und in sternarmen Gegenden kann es leicht Vorkommen, dass man Punkte findet, deren Abstand vom nächsten Sterne von dieser Helligkeit
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Die photographischen Kctractoren uud Ivetlcctoren.
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I. Die Herstellung und Yerwertliung von lliinmelsaufnalimen.
mehr als 2(1' beträgt; cs ist dalier die Grösse der Verschiebung- beim l’otsdamer Befractor schon nicht mehr für alle Fälle ausreichend.
Die Beleuchtung des Gesichtsfeldes und gleichzeitig des Declinations- kreises geschieht durch ein kleines Glühlämpchen, welches an einem die Fortsetzung der Deelinationsaxe bildenden, auf Fig. 22 (vorige Seite) nicht sichtbaren Bohre angebracht ist. Der Declinationskreis wird vom Oculare aus durch ein langes Mikroskop abgclesen. Zur Beleuchtung des Stundenkreises dient ein besonderes Glühlämpchen, welches sich am oberen Ende des in der Himmelsaxe liegenden Theiles der Säule befindet. Die Ablesung des Stundenkreises geschieht vom unteren Ende desselben Säulenstücks aus.
Besonders praktisch und einfach sind die Cassetten eingerichtet. Dieselben haben auf ihrer vorderen, dem Objcetivc zugekehrten Seite einen vertieft eingedrehten Bing, der genau auf den Band des Cassettenauszugs- rolirs passt. Die Befestigung an dem Auszugsrohr erfolgt durch zwei Bajonettverschlüsse, deren einer eine Anschlagsschraubc enthält, durch welche die Orientirung der Cassetten nach dem Barallelkreise bewirkt wird. Das rmwechseln der eisernen Cassetten kann mit dieser Vorrichtung in wenigen Secunden erfolgen.
Die Blatte liegt in der Fassette auf drei kleinen Flächen auf, die in einer zu dem erwähnten Binge parallelen Ebene liegen, so dass ein für allemal dafür gesorgt ist. dass die Blatte senkrecht zur optischen Axe steht. Es ist diese, durch den Mechaniker leicht herzustellende Justirung bei weitem allen anderen Vorrichtungen vorzuziehen, bei denen die Anschlagstellen verstellbar sind und die Senkrechtstellung der Blatte durch den Astronomen erfolgen muss, wodurch der Abstand der Blatte von der Ansatzfläche der Fassette und damit die Focussirung geändert wird. Es ist selbstverständlich dafür gesorgt, dass die Distanz der Auflagepunkte
von der äusseren Anschlagfläche bei allen Cassetten genau dieselbe ist. Das Festdrücken der
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Fig. 23.
schiebt bei der Bepsold'schen Fassette auf sehr originelle Weise, die bei grosser Einfachheit eine Durchbiegung der Blatten, wie sie bei Benutzung von auf die Bückfläche aufdrückenden Federn leicht entstehen kann, verhindert. Die zwei auf einer Seite befindlichen Anschläge besitzen nämlich nach vom schräg geneigte Ansätze 'Fig. 23), gegen welche die Blatte gelegt wird. Hinter der dritten Anschlagfläche ist die entsprechende Schrägung an einer Feder angebracht, welche durch eine Schraube gegen die Kante der Blatte gedrückt werden kann. Die letztere wird also gleichzeitig auch nach den Seiten hin gegen Anschlagflächcn gedrückt.
Die photographischen Iiefractoren und Kefiectoren.
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Es war ursprünglich beabsichtigt, (leu sehr sanft in Sammetführung gehenden Schieber der (’assetten zum Exponiren, res]), zur Beendigung der Exposition zu benutzen. Sehr bald aller zeigte sieb, dass die durch die Bewegung der Schieber entstehenden, bei der Solidität der Bauart des Fernrohrs nur sehr geringen Erschütterungen hei helleren Sternen doch die grösste Präcision der Bilder verhinderten, und es wurde daher vor dem Objective ein Klappenverschluss angebracht, der ohne merkliche Erschütterungen funetionirt. Dieser Verschluss besteht aus einem leichten kreisförmigen Mctallralunen von etwas grösserem Durchmesser als das Objectiv, der mit schwarzer Seide überzogen ist. Die so hergestellte, sehr leichte, aber undurchsichtige Scheibe sitzt an dem einen Ende eines Stieles, der am anderen Ende behufs Aus- balancirung ein Gegengewicht trägt. Im Schwerpunkte des Stieles ist derselbe um eine seitlich vom Objective angebrachte, zur optischen Axe parallele Axe drehbar; eine an der gleichen Axe befestigte Spiralfeder ist bestrebt, die Scheibe seitlich zu halten, das Objectiv also frei zu lassen. Durch eine Schnur kann die Scheibe an das Objectiv gezogen werden, in welcher Lage sie durch eine Arretirung dann festgehalten wird. Ein Druck auf einen am Ocularende frei herabhängenden elektrischen Einsehalter hebt die Arretirung auf, durch die Spiralfeder wird die Scheibe vom Objective weggedreht und so die Exposition bewerkstelligt, die durch Ziehen an der Schnur wieder beendigt wird. Der Anschlag für die Scheibe besteht aus gespannten 0 ummistreifen. Sehr kurze Expositionszeiten sind mit Hülfe dieses Verschlusses nicht zu erreichen, da die Bewegung des Schiebers zur völligen Freilegung des Objectivs etwa eine Secunde beansprucht.
Die Montirung des Fernrohrs ist die übliche von Bepsold angewandte, bis auf die Säule, welche nicht senkrecht steht, sondern deren oberer Theil zunächst in der Lichtung der Stundcnaxe verläuft, und zwar so weit, dass das Fernrohr, ohne anzustossen, die Knickung der Säule passiren kann. In dieser Montirung sind die Vortheile der gewöhnlichen deutschen und der englischen vereinigt; das Instrument kann in keiner Lage mit der Säule in Berührung kommen, und jeder Punkt des Himmels, auch der Pol, kann in jeder Lage des Fernrohrs erreicht werden. Für Beobachtungen in der Nähe des Zeniths, die gerade bei photographischen Aufnahmen möglichst erstrebt werden, ist die Lage oder Stellung des Beobachters sehr bequem, da die bei der deutschen Aufstellung sonst hindernde Säule weit entfernt ist. Die Säule ist natürlich sehr fest con- struirt und auf breitem Fussgestell aufgestellt, und die Aufstellung hat sieh gerade bei diesem Instrumente als so stabil bewiesen, wie es kaum je bei anderen Fernrohren beobachtet worden ist.
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I. Die Herstellung und Verwertliung von Himmelsaufnahmen.
Der grosse Befractor der Lick-Sternwarte ist in erster Linie fiir optische Beobachtungen eingerichtet; doch kann derselbe auch für photographische Aufnahmen benutzt werden. Eine Verwendung des Suchers zum Halten der Sterne ist bei der starken Durchbiegung des laugen Lohres (58 Fuss Brennweite) gänzlich ausgeschlossen, und es war daher nur eine Methode zu brauchen, bei welcher das Objectiv selbst auch zum Halten benutzt wird. Eine besondere Schwierigkeit ist dadurch gegeben, dass nach Vorsetzung der Correctionsliuse, welche das für optische Strahlen construirtc Objectiv in ein solches für die photographischen Strahlen verwandelt, eine Verkürzung der ursprünglichen Brennweite von 58 Fuss um ungefähr 10 Fuss stattfindet; die ganze CassettenVorrichtung muss daher an dem Orte des photographischen Focus durch eine grosse seitliche Oetfnung in das Kohr eingeführt werden.
Die Fassette selbst, an deren Bande sich das Ocular befindet, ist auf zwei um 90° gegen einander gerichteten Schlitten befestigt, denen durch Schrauben feine Verstellungen crtheilt werden können. Im Gesichtsfelde des Oculars befindet sich ein System von mehreren Fäden, um an verschiedenen Stellen des Gesichtsfeldes halten zu können und nicht bloss auf die Mitte desselben beschränkt zu sein. Durch ein totalretlectirendes Prisma ist das Ocular seitlich aus dem Bohre herausgefiihrt, ebenso sind auch die beiden Feinbewegungsschrauben zum Bohre herausgeleitet. Beim I lalten wird die Bewegung des Fernrohrs selbst demnach gar nicht corri- girt, sondern nur die Stellung der Platte innerhalb des Fernrohrs. Ueber die Schwierigkeiten beim Halten wegen der photographischen Achromasie des Objectivs ist von Seiten der Lick-Sternwarte nichts publicirt worden; doch scheint die ganze Vorrichtung nicht tadelsfrei zu functioniren, da auf Aufnahmen mit langen Expositionszeiten die Sternbildchen nicht rund, sondern merklich länglich erscheinen.
Seine hauptsächliche Benutzung hat der photographisch corrigirte Lick-Befractor für Mondaufnahmen gefunden, und zu diesem Zwecke musste eine Vorrichtung zur Erzeugung kurzer Expositionszeiten angebracht werden. Dieselbe befindet sich unmittelbar vor der Fassette und besteht im wesentlichen aus zwei Fylinderu, über welche ein Tuchstreifen läuft, der eine grosse Oetfnung enthält. Eine auf der Axe des einen Fylinders angebrachte Spiralfeder zieht das Tuch mit der Oetfnung über die Platte fort.
Das Spiegelteleskop von üoberts, welches sich vornehmlich durch seine Lichtstärke für Nebelfleckaufnahmen auszeichnet, besitzt einen Spiegel von 20 engl. Zoll Durchmesser und 8 Fuss 2 Zoll Focal- länge, zeigt also das ungewöhnliche Brennweitenverhältniss von 1:5. Wie die Fig. 21 lehrt, befindet sich auf derselben Declinationsaxe als
Die photographischen Kefractoren und Keflectoren.
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Gegengewicht eiu Refraetor von 7 Zoll Oeffnung, der selbständige Bewegung in Declination besitzt. Bei längeren Expositionszeiten kann der Befractor natiirlieb nicht als Haltefernrohr benutzt werden, und deshalb hat Roberts eiue sehr sinnreiche Einrichtung am Spiegelteleskope selbst zum Corrigiren des Ualtefernrohrs getröden. Der Spiegel ist in der Mitte durchbohrt, und in der Oeffnung befindet sieh eiu kleines Fernrohr mit etwa TOfacher Yergrösserung, welches auf den Brennpunkt des grossen
Fig. 24.
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Spiegels eingestellt ist. In der Brennebene befindet sich die photographische Blatte und dicht davor der Schieber der Bassette, der auf der liiickseite einen ebenen Silberspiegel enthält. Bei geschlossenem Schieber wird nun das Fadenkreuz des kleinen Fernrohrs auf das von dem lliilfsspiegel redectirte Bild des llaltcsterns justirt und gleichzeitig auch das Fadenkreuz des Haltefernrohrs mit demselben Sterne zur Coin- eidenz gebracht.
Nach Oeffnung des Schiebers der Bassette wird mit dem Haltefernrohr gehalten. Von Zeit zu Zeit aber wird der Schieber geschlossen und mit dem lliilfsfernrohr die Coincidenz eoutrollirt; ist dieselbe nicht
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I. Die Herstellung und Verwertliung von llimmelsaul'nalimen.
mein - exart. so wird sie durch die Feinbewegung des ganzen Instrumentes wieder hergestellt, das Fadenkreuz des llaltefcrnrohrs alsdann wieder neu justirt und die Exposition wieder begonnen. Nach Ausweis der Koberts’schen Aufnalunen, die in der Mehrzahl der Fälle selbst bei langen Expositionszeiten genügend runde Bilder der Sterne zeigen, dürfte die beschriebene Vorrichtung ihren Zweck hei der Aufnahme von Nebeldecken erfüllen; für Sternaufuahmen zu exaeten Messungen ist das Instrument wegen der nicht vollkommenen optischen Eigenschaften des Spiegels überhaupt weniger geeignet.
Als für Nebcltleckaufnahmen in optischer Beziehung ebenfalls vorzüglich hat sich das Spiegelteleskop von v. Gothard erwiesen. Eine sehr ausführliche Beschreibung dieses kleinen, ursprünglich von Browning- gebauten, später aber von Gothard umgearbeiteten Instrumentes befindet sich in der Konkoly’schen Praktischen Anleitung zur Himmelsphotographie, so dass dieselbe hier füglich übergangen werden kann.
Von besonderem Interesse wird für immer der Pariser Photographische üefraetor Fig. 25) bleiben, weil nach dessen Muster die optischen Tlieile der übrigen Photographischen Rcfractoren zur Aufnahme der internationalen Himmelskarte augefertigt sind. Das photographische Objectiv besitzt eine Oefi'nung von 34 cm und eine Focalweite von 3.4 m, das optische 23 cm Oefi'nung bei gleicher Brennweite. Die Montirung ist die englische und ist äusserst einfach ausgeführt. Die >Stundenaxe besteht in ihrem mittleren Tlieile aus einem Bahmen, und das Bohr selbst ist ein einfacher vierkantiger Kasten. Das Halten im Sinne der Bectascension wird durch die Feinbewegung des Instrumentes besorgt; im Sinne der Declination ist dagegen eine Feinbewegung nicht vorhanden, und es wird das mit der Fassette fest verbundene Ocular auf einem Schlitten durch eine Mikrometerschraube verstellt.
Der Bruce - Befractor der Sternwarte des llarvard C o 11 e g- e ist in optischer Beziehung ein sehr eigenthümliehes Instrument. Das Objectiv ist aus 4 Linsen als l’orträtobjectiv construirt bei einer Oefi'nung von 24 Zoll und einer Brennweite von 11 Fuss, besitzt also das Brennweitenverluiltniss von 1:5.5. Bei der allgemeinen Besprechung der photographischen Objective ist bereits hervorgehoben worden, dass derartige Dimensionen unter Umständen für 41insige Objective ungünstiger sind, als kleinere Abmessungen, und cs unterliegt keinem Zweifel, dass ein kleines Borträtobjectiv von etwa 4 bis 5 Zoll und dem Brennweitenverhältnisse von 1 :3 für Nebeldecken viel lichtstärker ist, als das Bruee- Objectiv. Die Bemerkung von Pickering*), dass dieses Objec-tiv auch
* Siel. Mess. S, 304.
l)io photographischen Refractoren und Rellectoreu.
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für Sterne viel lichtstarker als ein anderes gewöhnliches Objectiv wegen der relativ kurzen Brennweite sei, ist unrichtig.
Das Aufcopiren feiner Gitter auf die Blatten, ursprünglich wesentlich nur zum Zwecke der Eliminirung der Schichtverziehung vorgcsehlagen.
Fig. 25.
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hat sieh als iiusserst praktisch zur Vereinfachung der Ausmessungen, besonders in rechtwinkeligen Coordinaten, erwiesen und allgemeine Verbreitung gefunden. Bei Benutzung der Gitter brauchen die Messungen nur innerhalb der Gitterquadrate ausgeführt zu werden, wodurch die Mikrometerschrauben der Messapparate nur von geringen Dimensionen zu sein brauchen und die Anwendung von Massstäben fortfällt. Die recht-
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I. Die Herstellung und Verwcrthung von Himmelsanfualimen.
winkeligen Coordinaten in Bezug auf den Plattenmittelpunkt werden durch die Addition der Gitterintervalle, deren Corrcetionen durch genaue Ausmessung des Originalgitters ermittelt sind, erhalten.
Neben möglichst grosser Exactheit der Intervalle müssen die Gitterstriche die Bedingung grosser Feinheit erfüllen, da sonst heim Zusammenfallen von Gitterstrichen und schwachen Sternen letztere verdeckt werden. Die für die Aufnahmen der Himmelskarte bestimmten Gitter, mit einer Strichdistanz von 5 mm, werden in ganz vorzüglicher Weise von Gautier in Paris hergestellt und zwar durch Einreissen vermittels einer Diamantspitze in eine auf einer Spiegelplatte befindliche Silberschicht. Die Breite der Striche beträgt nur wenige Hundertstel eines Millimeters, und die Ausführung ist bei einigen Exemplaren eine derartig exacte, dass die Fehler der Gitterintervalle den Betrag von O.lMll mm nur selten oder gar nicht erreichen. Auch die Abweichung der Gitterstriche von der Senkrechtstellung ist meistens verschwindend gering und beträgt nur wenige Bogeusecuuden.
Das Aufcopircn der Gitter erfordert besondere Vorsicht. Eine unmittelbare Berührung von empfindlicher Schicht und Silberschicht darf nicht stattfinden, weil sonst durch unvermeidliche Staubtheilchen die Silberschicht verletzt und das Gitter dadurch nach kurzer Zeit unbrauchbar wird. Der Abstand beider Schichten darf aber nur ein sehr geringer sein, weil sonst, selbst unter Anwendung parallelen Lichtes, infolge der Ditfraetion die aufcopirten Striche breit und unscharf werden. Erfahrungsgemäss darf der Abstand nicht mehr als höchstens Ü.l mm betragen, und man erzielt dies am einfachsten durch Aufkleben von Stauniol- streifen in den Ecken des Gitters.
Sollen die Dimensionen des aufcopirten Gitters, auch absolut genommen, genau mit denen des Originalgitters übereinstimmen, so muss das Aufcopiren mit parallelem Lichte geschehen. Dieses parallele Licht verschafft man sich am einfachsten mit Hülfe des photographischen Be- fractors seihst, indem man im Brennpunkt des Objectivs eine Lichtquelle von kleinen Dimensionen (Glühlämpchen) anbringt und die zum Copiren bestimmte Fassette vor das Objectiv setzt.
Zur Erleichterung der Beductionen ist es wünschenswcrth, dass die Striche des Gitters möglichst nahe nach dem Parallel justirt sind, und das lässt sich sehr einfach erreichen. Es ist nur erforderlich, dass die Platte eine geradlinig abgeschliftene Kante besitzt, die sich gegen zwei Anschläge legt, welche sowohl in der Cassette zum Aufcopiren des Gitters als auch in der Cassette zur Aufnahme am Himmel dieselbe Lage haben, so dass sich in beiden Fällen dieselben Stellen der Kante anlegen. Wenn die Anschläge im Messapparate ebenfalls dieselbe Stellung haben, so wird hierdurch auch noch die Justirung der Platte unter dem Mikroskope
Die Messung- u. Reductionsmetlioden in der astronoin. Photographie. 11 i(
erleichtert. Die Justirung auf den Parallel geschieht einfach dadurch, dass man eine Platte, auf welcher das aufcopirte Gitter hervorgerufen ist, iu die Cassette am Fernrohr einsetzt, einen hellen Stern in der Nähe des Meridians durchlaufen lässt und so lange die Stellung der Cassette corri- girt, bis der Stern auf einem Striche des Gitters läuft. Es wird auf diese Weise die Neigung des Gitters gegen den Parallel innerhalb der Bogenminute zu halten sein.
Capitel III.
Die Messungs- und Reductionsinetlioden in der astronomischen
Photographie.
Der Endzweck einer jeden astronomischen Aufnahme soll ihre Yer- wertlmng durch Messung sein, und wenn es auch hei der heutigen Einrichtung der Sternwarten in den meisten Ländern nicht möglich ist, das von nur einem Beobachter gelieferte Material zu bearbeiten, so darf doch nie ausser Acht gelassen werden, dass der Werth einer unausgemessenen Aufnahme zum grösseren Theile nur ein latenter ist, dass die Platte in dieser Beziehung einem unabgelesenen Begistrirstreifen gleicht.
Die Erfahrung hat gelehrt, dass das photographische Messungsverfahren mit allen directen Mikrometermessungen in Bezug auf Genauigkeit eoncurriren kann; dazu ist es aber erforderlich, sämmtliche Fehlerquellen nach Möglichkeit zu berücksichtigen und die Eigentlnimlichkeiten der photographischen Messungen genau so zu studiren, wie dies der Astronom hei directen Messungen am Himmel zu tlnm gewohnt ist. Ich will daher zunächst die dem photographischen Verfahren eigentlmmlichen, hei der lleduction der Messungen zu berücksichtigenden Fehlerquellen einzeln besprechen.
Eine astronomische Photographie ist die Projection eines Thciles der Himmelssphäre auf eine Ebene. Um die Projection zu einer möglichst einfachen zu machen, ist es erforderlich, dass die Platte thatsächlich eben ist, und dass sie senkrecht zur optischen Axe des Objectivs gestanden hat. Sind diese beiden Bedingungen nicht erfüllt gewesen, so müssen die hieraus entstehenden Abweichungen in Beclmung gezogen werden. Da es nun aber unter allen Umständen sehr leicht ist, diese beiden Bedingungen mechanisch mit einer für alle, auch die feinsten Messungszwecke genügenden Genauigkeit zu erfüllen, so wollen wir diese beiden
Scheiner, Photographie der Gestirne. 8
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I. Die Herstellung und Verwertliung von Ilimmelsaut'nahmeu.
Fehlerquellen im Folgenden als nicht vorhanden betrachten. Man verwende für Aufnahmen zu Messungszwecken nur geschliffene Spiegelglas- platten, sorge stets für eine gute Centriruug des Objectivs und lasse durch den Mechaniker die Senkrechtstellung der Platte zur optischen Axe besorgen; in welcher Weise Letzteres erreicht werden kann, ist Lei der Beschreibung der Instrumente gesagt worden.
Bei der centralen Projection einer sphärischen Fläche auf eine taugirende Ebene tritt eine vom Mittelpunkte oder Tangentialpunkte der Platte ausgehende Bildverzerrung ein. Die Distanzen vom Mittelpunkte der Platte wachsen proportional mit den Tangenten des Abstandes von der Mitte; bei geringen Abständen sind sie also sehr klein, erreichen aber bei grossen Abständen, wie sie bei der Photographie häufig Vorkommen, sehr erhebliche Beträge. Die Distorsion ist also eine radiale vom Mittelpunkte aus, und man kann dieselbe für ein bestimmtes Instrument leicht in eine kleine Tafel bringen. Geschieht die Ausmessung in Positionswinkel und Distanz vom Plattenmittelpunkte aus, so kann mau die Distanzen unmittelbar nach der Tafel corrigiren. Hat man rechtwinklige Coordinaten gemessen, deren Mittelpunkt im Plattenmittelpunkt liegt, so verfährt man mit vollständig genügender Genauigkeit und gleichzeitig sehr einfach in der Art, dass man aus den Coordinaten genäherte AVerthe der Distanzen und Positionswinkel berechnet und die dann aus der Tafel genommene Correction nach sinus und Cosinus des Positiouswinkels auf die Coordinaten vertheilt. Noch einfacher ist es, die Distanzen vom Mittelpunkte mit einem gewöhnlichen Millimetcr- massstabe und die Positionswinkel mit einem Transporteur zu messen und dann die Correction in der angegebenen Weise zu vertheilen. Bei Benutzung eines Gitters wird man ein für allemal die Correction in rechtwinkligen Coordinaten für jedes Gitterquadrat oder für jeden Intersectious- punkt berechnen.
Bakhuyzen*) berechnet die normale Distorsion für rechtwinklige Coordinaten folgendermassen:
Es seien x und y die rechtwinkligen Coordinaten eines Sternes, dessen Beetasceusion und Declination mit a und 6 bezeichnet werden. A und I) seien die Beetasceusion und Declination des Mittelpunktes der Platte. Die Focalweite sei f in Millimetern, und mau setze