:hW, *' 1 PHOTOGRAPHIE DER GESTIRNE ASTRO N O MI SCJA&0W ST IT l n VON der Johann WoKgag^^x^Onlversrtät FranöSntMain) '1800b De. J. SCH E I N ER A. 0. PROFESSOR DER ASTROPHYSIK AN DER UNIVERSITÄT BERLIN UND ASTRONOM AM KÖNIGL. ASTROPHYSIKALISCHEN OBSERVATORIUM ZU POTSDAM fies P&äMsb- Verein; Frsnkfupfr u. M. MIT 1 TAFEL IN HELIOGRAVÜRE UND 52 FIGUREN IM TEXT NEBST EINEM ATLAS VON 11 TAFELN IN HELIOGRAVÜRE MIT TEXTLICHEN ERLÄUTERUNGEN LEIPZIG VERLAG VON WILHELM ENGELMANN Alle Rechte, besonders das der Uebersetzung, Vorbehalten. VORWORT. Aehnlich wie die vor sechs Jahren in gleichem Verlage erschienene »Spectralaualyse der Gestirne« soll »Die Photographie der Gestirne« hauptsächlich als Lehrbuch für den Studirenden der Astronomie dienen. Hoff entlieh wird dasselbe auch für den ausgebildeten Astronomen als Handbuch nicht ohne Nutzen sein. Die Bearbeitung des Stoffes ist eine ähnliche wie hei dem erwähnten Brrche; jedoch habe ich mich in allen Fällen, wo dies überhaupt thunlieb war, bemüht, den historischen Entwickelungsgang zu berücksichtigen. Besonders betrifft dies den dritten Abschnitt des Buches, der als eine kurzgefasste Geschichte der Himmelsphotographie zu betrachten ist. Von zusammenfassenden Werken über die cölestische Photographie, die noch cinigermassen die neueren Ergebnisse enthalten, ist mir nur eins bekannt, die »Anleitung zur Himmelsphotographie« von N. v. Kon- koly. Wegen seiner populären Abfassung kann dieses Werk wohl nicht als Lehrbuch betrachtet werden; der Haupttheil desselben ist einer detaillirten Beschreibung einzelner Instrumente gewidmet, und wenn ich mich mit den hierbei ausgesprochenen Principien auch nicht immer einverstanden erklären kann, so habe ich doch geglaubt, im Hinblicke auf das v. Konkoly’sche Buch in dem vorliegenden Werke die Instrumentenbeschreibung auf ein Minimum beschränken zu sollen. In dem als Anhang gegebenen Verzeichnisse der Litteratur habe ich möglichst nach Vollständigkeit gestrebt; doch bin ich mir durchaus bewusst, dies bei dem grossen Umfange der photographischen Litteratur nicht annähernd erreicht zu haben. Es lag übrigens der Gedanke nahe, einen grossen Tlieil dieser Litteratur als wissenschaftlich minderwerthig oder auch ganz unbrauchbar von dem Verzeichnisse auszuschliessen; ich habe dies indessen nicht gethan, da gerade derartige Publicationeu geeignet sind, bei historischen und kritischen Studien wichtige Aufschlüsse IV Vorwort. über die Fälligkeiten der betreffenden Autoren zu geben, und für diese Zwecke wird daher ein möglichst vollständiges Verzeichniss von Nutzen sein. Der dem Buche beigefügte Atlas enthält Reproductionen in Heliogravüre aus allen Zweigen der Himmelsphotographie und gewährt so in directer Anschauung ein Bild von den jetzigen Leistungen dieser Specialwissenschaft, besonders für diejenigen Leser dieses Buches, die ausser Verbindung mit einer grösseren Sternwarte stehen, und denen Himmelsphotographien daher nicht ohne Weiteres zugänglich sind. Die Schwierigkeiten bei der Herstellung der »Photographie der Gestirne« sind wesentlich erleichtert worden durch die thatkräftige Unterstützung, welche mir in liebenswürdigster Weise von vielen Collegen und Freunden zu Theil geworden ist. Ihnen allen möchte ich an dieser Stelle meinen verbindlichsten Dank aussprechen. In nicht geringerem Masse gebührt dieser Dank auch der Verlagsbuchhandlung von Wilhelm Engelmann, die in uneigennütziger Weise für eine gediegene äussere Ausstattung des Werkes, besonders bei der Herstellung des Atlasses, Sorge getragen hat. Potsdam im October 1896. J. Scheiner. INHALTSVERZEICHNIS. Seite Einleitung . 1 I. Theil. Die Herstellung und Venverthung von llimmelsaufnalimen. 4 Capitel I. Allgemeine Vorbemerkungen . 4 Die photographische Technik in der Himmelsphotographie. 4 Die optischen Theile der photographischen Instrumente.23 Der Einfluss der Luftunruhe auf photographische Aufnahmen .... 43 Capitel II. Die Instrumente zur Aufnahme cölestischer Objecte 55 Die Heliographen und verwandten Instrumente.55 Die Spectroheliographen."S Die Coronographen. Die photographischen Refractoren und Reflectoren.93 Capitel III. Die Messungs- und Reductionsmethoden in der astronomischenPhotographie .1 13 Capitel IV. Die photographischen Registrirmetlioden .189 II. Tlieil. Die photographische Pliotometrie und die Entstehung derphotograp löschen Bilder 210 III. Tlieil. (Jeschichte der Himmelspliotographie und ihrer Ergebnisse für die Astronomie. . 257 Capitel I. Der Mond .25S Capitel II. Die Sonne . 2t, ‘ Die Venusdurchgänge.2 i9 Capitel III. DiePlaneten .293 Capitel IV. Die Cometen und Sternschnuppen .298 Capitel V. Die Fixsterne .302 Capitel VI. Die Nebelflecken . 33,1 Anhang. 33!) Litteraturverzeichniss . 339 Namen- und Sachregister . 3 " 3 Einleitung. Die Photographie hat auf die Probleme der Astronomie und Astrophysik in den letzten Deccnnien eine immer vielseitigere und fruchtbringendere Anwendung gefunden. Schon jetzt ist sie zu einem unentbehrlichen IHilfsmittel geworden, und cs scheint der Zeitpunkt nicht mehr ferne zu liegen, wo sie in vielen Zweigen der astronomischen Wissenschaft die früheren Beobachtungsmethoden in den Hintergrund gedrängt haben wird. Die Photographie lässt sich in der Astronomie auf zweifache Weise verwerthen; bisher hat jedoch nur die eine davon die eingangs geschilderte Bedeutung gewonnen, während die andere über vereinzelte, im übrigen aber geglückte Versuche noch nicht hinausgekommen ist. Der Unterschied in diesen beiden Anwendungen ist ein ganz wesentlicher. Im ersteren Falle dient die Photographie zur Erzeugung einer möglichst getreuen Darstellung der im Gesichtsfelde des Fernrohres befindlichen Objecte. Die wissenschaftliche Verwendung dieses Bildes, sei es durch blosse Betrachtung, sei es durch exacte Ausmessung, findet nachher unter geeigneter Vergrösserung — unter dem Mikroskope — statt. Hiermit ist eine völlige Umwälzung der früheren Beobachtungsmethoden gegeben. Die Fernrohre zur Aufnahme der cölestischen Objecte bedürfen im allgemeinen besonderer Einrichtungen, die sie von den zur rein optischen Verwendung bestimmten Kefractoren unterscheiden. Die Beobachtungskunst am Fernrohre sowohl, wie behufs Ausmessens am Mikroskope ist eine völlig andere, vor allem ist der Einfluss der Luftunruhe auf das Messen ein total anderer geworden. Die wesentlichste Aenderung durch die Einführung der photographischen Methoden betrifft aber die zeitliche Verwerthung des Fernrohres. Während bei der directen Beobachtungsmethode die Ausführung einer mikrometrischen Messungsreihe am Befractor z. B. die angestrengte Thätigkeit eines Beobachters für ein Jahr in Anspruch nalnn^ lässt sich ^ bei^ Zuhülfenahme der Plmlograpliie 'dieselbe 'Arbeit am f'ernroiir in vielleicht einigen Seheiner, Photographie dev Gestirne. 1 Einleitung. 2 Tagen, ja Stunden erledigen, und die eigentlicli zeitraubende, aber immerhin noch verhältnissmässig beträchtlich verkürzte Messungsarbeit wird unter dem Mikroskope ausgeführt. Damit ist die Benutzungsfähigkeit des für eine Sternwarte kostspieligsten Apparates, des Fernrohres, ganz ausserordentlich gesteigert; während früher ein Fernrohr die Thätigkeit eines oder zweier Astronomen zu absorbircn im Stande war, kann es heute mit Leichtigkeit die Arbeit von zwanzig und mein- Gchülfen in Anspruch nehmen. Die zweite Anwendung der Photographie in der Astronomie ist diejenige als registrireudes litilfsmittel bei Kreis- und Schraubenablesungen oder bei Sterndurchgängen. Sie vermag hier gewissermassen die Persönlichkeit des Beobachters und damit eine Reihe von individuellen Fehlerquellen zu eliminircn; eine wesentliche Aendcrung der Beobachtungsart, im Sinne wie bei der ersterwähnten Anwendung, ist aber hierdurch nicht gegeben; die Photographie ist hier nur ein rein technisches Hülfs- mittel. Die ausserordentlich wichtige und umfangreiche Anwendung der Photographie in der Spectralanalyse sei hier nur der Vollständigkeit halber erwähnt; sie ist mit diesem Zweige der Astrophysik so innig verbunden, dass sie nicht davon abgetrennt werden kann. Wie stets nach Einführung neuer, epochemachender Erfindungen in die naturwissenschaftlichen Probleme, so hat auch die Himmelsphotographie anfangs mit spielender Leichtigkeit wichtige Ergebnisse geliefert; selbst heute noch vermag z. B. ein einziger Blick auf eine zum ersten Male erhaltene Photographie eines Nebelfleckes ein wichtiges wissenschaftliches Resultat zu liefern, welches vielleicht früher trotz Aufwendung vieler Arbeit nicht hatte gewonnen werden können. Diese Leichtigkeit der Ausbeute hat aber noch immer zu einem gewissen Nachlassen der Exact- heit der Forschungen geführt, zur Herrschaft der Phantasie an Stelle des nüchternen Verstandes, und die ersten Anzeichen eines derartigen Verfalles sind bereits deutlich in der Geschichte der Himmelsphotographie zu erkennen. Ein weiteres Vorschreiten in dieser Richtung kann nur dadurch verhindert werden, dass die in dieser Beziehung bereits begangenen Sünden schonungslos aufgedeckt werden, und dass jedem, der sich mit der Himmelsphotographie beschäftigt, das Bewusstsein eingeprägt wird, dass nur dann ein dauernder Fortschritt der wissenschaftlichen Himmelsphotographie möglich ist, wenn jeder einzelne nach besten Kräften bestrebt ist, die Exactheit der Astronomie im Bessel’schen Sinne auch in dem neu aufblühenden Zweige derselben aufrecht zu erhalten. Vor allem muss auch jeder sich bemühen, die theilvveise geradezu beleidigende Unwissenschaftlichkeit, welche einen Einleitung. :i grossen Thcil der photographischen Fachliteratur beherrscht, und die sich z. B. in einer Menge falsch gebrauchter technischer Ausdrücke ver- rätli, von der cölestischen Fhotographie fern zu halten. Nach dem Gesagten ist als unerlässliche Bedingung festzustellen, dass nur derjenige mit dauerndem Erfolge sich der Himmelsphotographie widmen kann, der mit der Astronomie theoretisch und praktisch soweit vertraut ist, dass er die Exactheit derselben im Bessel’schen Sinne sich zu eigen gemacht hat. Es ist das lebhafte Bestreben des Verfassers gewesen, diesen Standpunkt in dem vorliegenden Buche möglichst hervorzukehren und so seinerseits nach Kräften dazu beizutragen, die Himmelsphotographie zu einer strengen und exacten Wissenschaft heran/ubilden. l* I. Theil. Die Herstellung und Verwerthung von Himmelsaufnalinien. Capitel I. Allgemeine Vorbemerkungen. Die photographische Technik in der llimmelsphotographic. Es muss vorausgesetzt werden, dass jeder, der sich mit der Ilimmels- photographie beschäftigen will, sieh vorher die nüthigeu Kenntnisse und auch die nothwendigen praktischen Erfahrungen in der Kunst oder Technik des l’hotographirens erworben hat. Hierzu gehört auch ein gewisser Einblick in die Chemie, wenigstens in die unorganische; denn nur der kann sieh seihst weiter vervollkommnen, der im Stande ist, die im allgemeinen höchst einfachen chemischen Vorgänge heim Entwickeln etc. zu verstehen, und der in jedem einzelnen Falle genau wciss, aus welchen Gründen er eine gewisse Manipulation vernimmt. Auch ist es eines Gelehrten nicht würdig, für seine Zwecke ein Verfahren zu verwenden, über welches er nicht vollständig im Klaren ist. Er stellt sich sonst auf den Standpunkt eines ineht vorgebildeten Berliners, der zwar im Stande ist, nach einem genau vorgeschriebenen Formelschema z. II. eine l’laneten- ephemeride zu rechnen, jedoch die Bedeutung der einzelnen Formeln, welche er verwendet, nicht versteht. Bei der kurzen Besprechung, welche in diesem Buche der photographischen Technik gewidmet werden möge, sollen nur diejenigen Verfahren berücksichtigt werden, die eine Anwendung auf die llimmels- pliotographie gefunden haben, und auch dies hier nur so weit, dass der Leser einen Ueberblick über die verschiedenen Methoden in Bezug auf ihre relativen Vortheile und Nachtheile erhält; im übrigen muss auf die sehr umfangreiche Fachlitteratur verwiesen werden, aus welcher als be- Die photographische Technik in der Ilimmelsphotographie. sonders praktisch mul reichhaltig; das »Handbuch der Photographie« von .1. M. Ed er empfohlen werden möge. "Nach der jetzt am meisten verbreiteten physikalischen Anschauungsweise hat man anzunehmen, dass bei den Molekülen eines jeden Körpers, dessen Temperatur oberhalb des absoluten Kulipunktes liegt, ein Schwingungszustand vorliegt. Ein Tlieil der Atome des alle Körper durchdringenden Aethers nimmt an diesen Schwingungen tlieil, zieht die benachbarten Atome in Mitleidenschaft und dient so als Erregungseentrum für 'Wellen, welche sich im Aether ohne merklichen Verlust an Energie fortpflanzen. Je höher die Temperatur des Körpers ist, um so mehr ist derselbe im allgemeinen befähigt, den Aether in sehr schnelle Schwingungen zu versetzen, d. h., da die Fortpflanzungsgeschwindigkeit der schnelleren und langsameren Schwingungen dieselbe ist, Wellen von kürzerer Länge auszusenden. Befindet sich der Körper nicht im gasförmigen Zustande, sondern im flüssigen oder festen, so ist die untere Grenze der AYellenlänge für alle Körper dieselbe und allein abhängig von der Temperatur; ob nach oben in der Wellenlänge eine Grenze besteht und wie dieselbe von der Temperatur abhängig ist, ist vorläufig nicht bekannt. Ein specifischer Unterschied in den Wellen von verschiedener Länge existirt also an und für sich nicht; wohl aber tritt derselbe sofort ein, wenn die Welle auf einen anderen Körper trifft, d. h. wenn die Energie, welche sie mit sich führt, theilweise oder ganz in eine andere Form umgesetzt wird. Nach der specifischen Wirkung der Wellen unterscheidet man die Strahlen und legt ihnen eine Bezeichnung nach derselben zu. Soweit sie im Stande sind, die Nervenenden des Sehnerven in der Netzhaut zu erregen und uns als Licht in die Erscheinung zu treten, bezeichnet man sie als Lichtstrahlen oder optische Strahlen; ihr Gebiet ist für verschiedene Augen verschieden und erstreckt sich im Mittel ungefähr von der Wellenlänge 380 Milliontel Millimeter (uu) bis 750 itu. Treffen diese Strahlen auf einen absorbirend wirkenden Körper, so wird ihre Energie in Wärme umgesetzt. Für die Strahlen der kürzeren Wellenlängen ist aber die Intensität der Strahlung (die Amplitude der Schwingungen) zu gering, als dass die resultircnde Temperaturerhöhung mit unseren 1 Hilfsmitteln noch nachgewiesen werden könnte; diese Nachweisbarkeit beginnt erst etwa in der Mitte des optischen Spectrums, erstreckt sich aber sehr weit über die rothe Grenze desselben, und das Gebiet der bei der Absorption temperaturerhöhend wirkenden Strahlen nennt man das Gebiet der Wärmestrahlen. Die obere Grenze der Wellenlängen dieses Gebietes ist nicht bekannt; wir wissen heute, dass es anschliesst oder übergeht in diejenigen Strahlen sehr grosser Wellenlängen (nach Centimctern und Metern zu rechnen , welche specifiseh elektrische Wirkungen erzeugen. 6 I. Die Herstellung und Verwerthung von Iliimnelsaufnahmen. Von besonderem Interesse für die Photographie ist mm dev Strahlen- complex, der etwa bei der AVellenlänge 490 uu im optischen Gebiet beginnend, sich weit in das Ultraviolett erstreckt, der trotz der verhältniss- mässig geringen Energie speeiell zur Einleitung chemischer Erocesse geeignet ist, und den man daher kurz als den Complex der chemischen oder photographischen, richtiger als den der chemisch oder photograpisch wirksamen Strahlen bezeichnet. Bis zu welcher unteren Grenze der Wellenlängen sich dieses Gebiet erstreckt, ist nicht angeblmr, da schliesslich alle Medien (besonders unsere atmosphärische Luft) für die Strahlen der kürzeren Wellenlängen undurchsichtig werden, jedenfalls lange bevor die Grenze der chemischen AYirksamkeit erreicht ist, Uebrigens ist die chemische AVirkung von Strahlen keineswegs auf dieses Gebiet beschränkt; es giebt eine Anzahl von Körpern, meist ziemlich complicirte chemische AArbindungen, auf welche auch die anderen, optische und sogar ultra- rothe Strahlen, eine chemische Wirkung ausUben. Die Kenntniss von der chemischen AVirkung des Lichtes ist schon eine sehr alte, besonders diejenige der bleichenden, die allerdings im allgemeinen keine reine AAärkung des Lichtes darstellt, sondern durch gewisse, in der Atmosphäre vorhandene oxydirende Stoffe unterstützt wird. Eine der bekanntesten und wichtigsten chemischen Einwirkungen des Lichtes findet bei der Bildung des Chtbrophylls in den Pflanzen statt. Dass gewisse Metallverbindungen sich besonders auffällig im Lichte verändern, ist bereits seit dem 10. Jahrhundert bekannt; eine genauere Untersuchung über das A’erhalten des Chlorsilbers ist im Jahre 1777 von Scheele veröffentlicht Morden, und von dieser Zeit an beginnen die eigentlich wissenschaftlichen Arbeiten auf dein Gebiete der Photographie, die bald zu einer Leihe von A’erfahren führten, durch welche Copien von Kupferstichen und Glasgemälden hergestellt werden konnten. Bei allen diesen A'erfäliren muss das Lieht noch die ganze Zersetzung der betreffenden A'erbinduugen besorgen, wie noch jetzt bei den meist gebräuchlichen Copirverfahren; es ist also eine sehr lange AAJrknng einer sehr intensiven Lichtquelle erforderlich. Praktische Bedeutung erlangte die Photographie erst, als man lernte, das Licht nur zur Einleitung des chemischen Proeesses zu benutzen (latente Bilder), die eigentliche Zersetzungsarbeit aber auf rein chemischem AVege zu leisten. Damit fand eine ganz enorme Abkürzung der notliwendigen Belichtungszeit statt, und nun wurde es erst möglich, die Bilder der schon lange bekannten Camera obscura festzuhalten. Auf dem Principe der Erzeugung von latenten Bildern beruhen auch heute noch alle directen photographischen A T erfähren, und die Bestrebungen sind im wesentlichen nur darauf gerichtet genesen, die zur Erzeugung des latenten Bildes nothwendige Lichtarbeit auf ein Minimum zu redueiren. Die photographische Technik in der llimmelsphotographie. Der erste, der eilt solches Verfuhren erfand (1839), ist Daguerrc, nachdem er sieh Jahre lang mit Yorversuehen, zum Theil in Gemeinschaft mit Niepee, beschäftigt hatte. Das Verfahren bei der Daguerreotypie ist das folgende. Eine Silberplatte oder meist eine stark versilberte Kupferplatte wird nach vor- hergegangener Politur und sorgfältiger Peinigung in einem geschlossenen Kasten den Dämpfen von Jod, Brom oder Chlor ausgesetzt. Zuerst verwandte D agu er re nur Jod zu diesem Zwecke, später wurde mit Vortlieil Jod und Brom gleichzeitig benutzt. Die Platte überzieht sich hierdurch mit einer dünnen Schicht von Jod- resp. Bromsilber, deren Licht- empfindliehkeit von der Dauer der Einwirkung der Dämpfe, also von der Dicke der gebildeten Schicht abhängt. An der Eärbuug der Platte Farben dünner Plättchen) erkennt man die Dicke, bei welcher erfahrungsgemäss die grösste Emptindliehkeit resultirt, und die Platte behält diese Empfindlichkeit während einiger Stunden. Nach der Exposition wird die Platte in einen zweiten Kasten gebracht, in welchem sich erwärmtes Quecksilber befindet. Die Dämpfe des Quecksilbers rufen in wenigen Minuten das latente Bild hervor, indem sie sich auf den Stellen, wo das Jodsilber der Lichteinwirkung ausgesetzt war, in Form von sehr feinen Tröpfchen niederschlagen. Durch Baden der Platte in einer Lösung von unterschwellig-saurem Natron wird das nicht zersetzte Jodsilber entfernt und das Bild hierdurch vorläufig fixirt. Das definitive Fixiren der Bilder geschieht durch Einlegen der Platte in eine Chlorgoldlösung, wodurch die Lichtstellen des Bildes, die vorher bläulich waren, rein weiss werden. Die eigentlichen chemischen Vorgänge beim Daguerreotypprocesse sind nicht bekannt. Man nahm ursprünglich an, dass das Jodsilber unter der Einwirkung des Lichtes zu metallischem Silber reducirt werde, und dass dieses metallische Silber unter Bildung eines weissen Amalgames das Quecksilber aufnähme. Später wurde der Vorgang als ein rein mechanischer betrachtet, indem man glaubte, dass durch die Lichteinwirkung der Zusammenhang der Jodsilberschicht gelockert würde, so dass nur an diesen Stellen die Quecksilberdämpfe bis zur Oberfläche der Platte Vordringen könnten. Eine gewisse Bestätigung fand diese Theorie durch die Thatsache, dass man die latenten Bilder auf kurze Zeit auch durch blosses Anhauchen liervorrufen kann, indem sich der 'Wasserdampf auf den belichteten Stellen leichter niederschlägt als auf den anderen; man wurde hierdurch an die Hauchbilder erinnert. Für einen chemischen Process spricht dagegen der Umstand, dass man Daguerreotypbilder auch in Pyrogallussäure entwickeln kann. Die geringe Empfindlichkeit der Platte und die grosse Umständlichkeit des Daguerre’schen Verfahrens bedingen seine geringe Verwerthbarkeit s I. Die Herstellung und Verwertliung von llimmelsaufualimen. tur die Zwecke der Astronomie; indessen besitzt das Verfahren einen sehr wesentlichen Vorzug vor allen anderen gerade für astronomische Aufnahmen, das ist die völlige Stabilität der Platte. Das Daguerre’sche Verfahren ist das einzige, bei dem eine feste Metallschicht als Träger des Bildes dient, während hei allen anderen eine sehr wenig feste, im Wasser aufquellende Schicht irgend einer organischen Substanz zur Aufnahme der lichtempfindlichen Materialien benutzt wird, die ihrerseits nur mehr oder weniger fest auf einer Glasplatte haftet. Das Ideal eines Verfahrens für die Ausführung feinster astronomischer Messungen würde das Daguerre’sche sein, wenn seine Empfindlichkeit den heutigen Verfahren gleichgestellt werden könnte. Das Verfahren mit nassem Collodium wurde im Jahre I830 von Le Gray vorgeschlagen, aber in einer für die Praxis nicht brauchbaren Form; eingefiihrt wurde es erst von Archer im Jahre 1831, und es verdrängte die Daguerreotypie bald gänzlich. Eine sehr sorgfältig gereinigte Glasplatte wird mit Collodium, einer Lösung von Schiessbaumwolle (Pyroxylin) in Aether und Alkohol, übergossen. Das Lösungsmittel verdunstet sehr rasch und hiuterlässt das Pyroxylin als eine sehr feine, strueturlose I laut, die als Träger des photographischen Processcs dient. Die Bereituugsweise der Schiessbaumwolle und die Zusammensetzung des Lösungsmittels ist von sehr merklichem Einflüsse auf das Aussehen des Bildes; es ist eine grosse Erfahrung erforderlich, um für die verschiedenen Zwecke der Aufnahmen die beste Bereitungsweise des Collodiums zu kennen. Das Collodium enthält eine geringe Quantität Jodkalium in Lösung; letzteres befindet sich also in sehr fein vertlieiltem Zustande in dem Pyroxylinhäutchen. Sobald das Häutchen eben angetrocknet ist, wird die Platte einige Minuten in eine Lösung von salpetersaurem Silber gelegt, wodurch sich in dem Häutchen ein äusserst feiner Niederschlag von Jodsilber bildet, der dasselbe undurchsichtig weiss erscheinen lässt. Damit das neugebildete Jodsilber sich nicht im Silberbade wieder löst — es entsteht ein Doppelsalz —, muss letzteres bereits mit Jodsilber gesättigt sein. Die aus dem Silberbade genommene Platte muss unmittelbar verwendet werden, denn sie uuetionirt nur, so lange sie noch feucht ist; auch darf sie nicht abgespült werden, da die anhaftende Lösung von salpetersaurem Silber bei der nun folgenden Entwickelung eine wichtige Bolle spielt. Zum Entwickeln hat man fast ausschliesslich Eisenvitriol angewendet, dem Eisessig oder einige Tropfen Schwefelsäure sowie Alkohol zugesetzt wird, damit die Collodiumliaut den Entwickler gut annimmt. Ist das Bild nach dem Entwickeln nicht kräftig genug, so kann man dasselbe sofort verstärken durch Uebergiessen mit einer unmittelbar vor- Die photographische Technik in der Jliinmelsphotographie. 9 her frisch hergestellten Mischung von Eisenentwickler und salpctersaurem Silber. Die Entwickelung geht dadurch vor sich, dass an den Stellen, wo das Licht gewirkt hat, das Jodsilber durch das Eisensalz zu Silber reducirt wird, welch letzteres sich in sehr fein zertheiltem Zustande in dem Collodiumhäutchen als schwarzer Niederschlag ausscheidet. Das Fixiren erfolgt durch Auflösen des nicht zersetzten Jodsilbers in unter- schwetligsaurein Natron oder in Cyankalium. Nach dem Fixiren muss die Platte sehr sorgfältig ausgewaschen werden, um die letzten Spuren der benutzten Salze zu entfernen. Auch nach dem Fixiren kann das Bild noch verstärkt werden, und zwar entweder auf genau dieselbe Weise wie vor dem Fixiren, oder nach anderen Methoden, von denen wohl die einfachste in der Umsetzung des metallischen Silbers in Quecksilheroxyd besteht. Zu dem Zwecke wird die Platte in eine Lösung von Quecksilberchlorid gelegt, wobei sich an Stelle des metallischen Silbers ein Gemenge von Chlorsilber und Queek- silbcrchlorür bildet. Durch Uebergiessen mit Ammoniak wird das ganz weisse Chlofsilber und Quecksilbcrchloriir in ein tief schwarzes Gemenge von Silber- und Quecksilheroxyd umgesetzt. Es muss noch bemerkt werden, dass man zum Collodiumprocess gewöhnlich nicht allein Jodkalium benutzt, sondern auch Jodcadmium und Jodammonium zusetzt, ausserdem auch noch Bromsalze, z. B. Bronikalium oder Bromcadmium. Die Collodiumplatten sind beträchtlich empfindlicher als die Daguerre- schen, auch ist das Verfahren selbst weit bequemer und einfacher, und so sind denn mit demselben schon sehr bemerkenswerthe Resultate in der astronomischen Photographie erzielt worden; aber in zwei Punkten liess das Verfahren noch viel zu wünschen übrig, einmal darin, dass durch die unter allen Umständen nothwendige Vermeidung des Eintrocknens die Expositionszeit eine sehr beschränkte ist — cs dürfen zwischen Herstellung der Platten und der Entwickelung höchstens 15 Minuten ver- fliessen —, und zweitens darin, dass zuweilen sehr starke Verzerrungen des äusserst feinen Collodiumhäutehens während des Processes eintreten. Auf diesen letzteren Punkt wird an einer anderen Stelle dieses Buches noch näher einzugehen sein; hier möge nur erwähnt werden, dass man es gelernt hat, die C'ollodiumschicht dadurch viel stabiler zu erhalten, dass sie nicht unmittelbar auf dem Glase hergestellt wird, sondern dass die Glasplatte zunächst mit einer dünnen Schicht von Guttapercha überzogen wird. Der erstere Punkt wurde erledigt durch die Erfindung der Collodium- Emulsionen. Den Gedanken hierzu hatte Gaudin bereits im Jahre 1853 ausgesprochen, während seiue ersten praktischen Erfolge in das Jahr 1861 fallen. Zu dieser Zeit entstanden eine ganze Reihe von 10 I. Die Herstellung und Verwertliung von Ilinmielsaufnahmen. Emulsionsverfahren, bis 1S(U von Sayce und Holton die Bromsilber- Emulsion mit Collodium als das beste derartige Verfahren eingeführt wurde. Das Wesen der verschiedenen Emulsionsmethoden besteht darin, das lichtempfindliche Silbersalz für sich darzustellen und dann in fein vertheiltem Zustande in dem dickflüssigen Collodium mechanisch zu sus- pendiren. Mit diesem Collodium, der Emulsion, werden die Platten iiher- gossen und können nach dem Trocknen mehr oder weniger lange Zeit aufbewahrt werden, ohne zu verderben. Für das Jlaltbarmachen der Platten giebt cs eine grosse Menge von Vorschriften; in sehr häutigem Gebrauch ist das Baden der Platten in Lösungen von Tannin, Gallussäure etc. Diese Stoffe wirken übrigens nicht nur auf die Haltbarkeit der Emulsionsplatten, sondern hauptsächlich auch auf ihre Empfindlichkeit, sie steigern dieselbe beträchtlich; indessen erreichen die Emulsionen nur selten die Empfindlichkeit des nassen Collodiums. Gleichzeitig mit dem Collodium-Emulsionsverfahren wurden auch Methoden gefunden, Collodiumplatten, welche wie beim nassen Collodium durch Baden in salpetersaurcm Silber hergestellt werden, nach sorgfältigem AbspUlen des Silbernitrates zu trocknen und für längere Zeit haltbar zu machen. Alle so hergestellten Platten sind aber sehr unempfindlich. Fotlier- gill fand, dass die gleichzeitige Verwendung von Collodium und Albumin zu sehr guten Besultaten führt. Die allerdings höchst unempfindlichen Fothergill-Platten zeichnen sich aber durch eine ausserordentliche Feinheit des Silberkornes aus, so dass dasselbe erst unter Anwendung sehr starker Vergrösserungen sichtbar wird; sie eignen sieh also sehr gut zur Verwendung bei Sonnenaufnahmen, wo geringe Empfindlichkeit nur günstig wirkt. Schon im Jahre 1S-17 sind von Xiepcc Versuche augestellt worden, Gelatine als Träger der empfindlichen Stoffe zu benutzen; aber erst im Jahre 1S71 erfand Maddox das Bromsilber-Emulsionsverfahren mit Gelatine, welches nach einer lieihe von weiteren Verbesserungen eine solche Bequemlichkeit und dabei so ausserordentliche Empfindlichkeit bietet, dass es alle anderen Negativverfahren fast vollständig verdrängt hat. Vor allem ist die Einführung dieses Verfahrens in die Ilinnnels- photographie von höchster Bedeutung für letztere gewesen; seit dieser Zeit beginnt überhaupt erst die Himmelsphotographie eine Bolle in der Astronomie zu spielen. Wir müssen uns daher mit diesem Verfahren etwas ausführlicher beschäftigen. Zu den Gelatine-Emulsionen wird fast ausschliesslich das Bromsilber benutzt, weil dasselbe die höchste Lichtempfindlichkeit besitzt. Die Bildung des Bromsilbers geschieht in der flüssigen Gelatine; durch längeres Erwärmen der Emulsion wird dieselbe immer empfindlicher, bis sie sehliess- Die photographische Technik in der liiimnelsphotographie. J] lieh dureli zu langes Koelien auch ohne vorhergegangene Liehtwirkung durch den Entwickler zersetzt und also zum Photographiren unbrauchbar wird. Nach dem Erstarren der Gelatine muss dieselbe einer sehr sorgfältigen Waschung zur vollständigen Entfernung des noch von der Herstellung des Bromsilbers her in der Gelatine gelösten salpetersauren Kalis unterzogen werden. Alsdann wird sie durch Erwärmen wieder gelöst und nach erfolgter Reinigung durch Filtrircn auf Glasplatten gegossen. Auf diesen ist die Emulsion nach dem Trocknen als dünne, aber sehr feste und widerstandsfähige Schicht vorhanden. In geeigneter Verpackung bleiben diese. Platten viele .Jahre lang haltbar; sie werden zunächst während einiger Monate immer empfindlicher, nehmen dann aber allmählich an Empfindlichkeit ab. Die eigentliche Wirkung des Lichtes auf das Rromsilber ist, wie auch bei den anderen photographischen Processen, nicht bekannt. Bei sehr intensiver und langer Belichtung wird das Bromsilber unmittelbar unter Ausseheidung von Silber durch das lacht zersetzt; eine sehr geringe Liehtwirkung genügt aber bereits, um das Bromsilber in einen solchen Zustand zu versetzen, dass die vollständige Ausscheidung des Silbers bei Anwesenheit reducirendcr Substanzen erfolgt. Nach dem Entwickeln wird das nicht reducirte Bromsilber durch Auflösung in unterschwefligsaurem Natron entfernt, das Bild also fixirt, und alsdann werden die noch in der Gelatine vorhandenen Salze durch längeres Waschen herausgebracht. Ein Baden der Platte in Alaunlösung macht die Gelatine härter und gleichzeitig klarer. Mit der Präparation der Bromsilber-Platten befasst sich der Astronom am besten nicht selbst. Zu deren Herstellung gehört grosse Leitung und ein grosser Aufwand an Zeit, und der einzelne, der im allgemeinen nur mit beschränkten Mitteln arbeiten kann, ist überhaupt nicht im Stande, so gute und besonders so gleichmiissig empfindliche Platten herzustellen, wie die grösseren Fabriken dies vermögen. Selbst wenn es sieh zu besonderen Zw'eckeu um die Anfertigung von Platten mit speciellen Eigenschaften handelt, empfiehlt es sich, dieselben bei einer Fabrik zu bestellen. Dagegen soll man eine genaue Prüfung der Platten vornehmen, die sich nicht bloss auf die Empfindlichkeit und auf Feinheit des Kornes bezieht, sondern sich vor allein auch auf die Reinheit der Schicht zu erstrecken hat. Für astronomische Aufnahmen ist nichts unangenehmer, als wenn die (Gelatine mit kleinen Verunreinigungen durchsetzt ist, die, da sie beim Entwickeln gewöhnlich einen stärkeren Niederschlag um sich herum erzeugen, selbst unter dein Mikroskope manchmal nicht von Sternen zu unterscheiden sind. Spätere Verunreinigungen durch Staub, der sich auf die Platten, während sie noch feucht sind, aufsetzt, sind zwar nicht so unangenehm, da sie leichter als solche zu erkennen sind; 12 I. Die Herstellung und Yerwerthung von llimmelsaufnahnien. aber immerhin verunzieren dieselben die Aufnahmen und können auch beim Messen schädlich wirken, wenn sie sich gerade auf einem Sterne oder einem zu messenden Tunkte der Platte befinden. Staub oder Niederschläge aus dem Entwickler und dem Fixirer lassen sich leicht entfernen, besonders wenn die Platten nach der Fixirung kurze Zeit in einer Alauulüsung gebadet worden sind, indem man die Gelatineschicht unter Wasser mit der Spitze der Finger leicht abreibt, wobei man natürlich grosse Vorsicht gebrauchen muss, nicht mit den Nägeln die Schicht zu berühren. Nach diesem Abreiben spült man die Platte mit einem kräftigen Wasserstrahle ab; sie ist alsdann völlig- frei von äusserlich hinzugekommenen Verunreinigungen. Viel gefährlicher ist der Staub, der sich während des Trocknens aufsetzt; derselbe kann überhaupt nicht mehr entfernt werden, selbst nicht beim nochmaligen Aufweichen der Schicht. Da das Trocknen sogar im Sommer mehrere Stunden in Anspruch nimmt und Staub selbst in wenig betretenen Räumen nicht zu vermeiden ist, so müssen die Platten in besonders dazu bestimmten Kästen getrocknet werden, ein Verfahren, welches auf dem Observatorium in Potsdam seit einiger Zeit cingeflihrt ist und sich vorzüglich bewährt hat. Dort werden die Platten sofort nach beendigtem Waschen in einen Kasten eingesetzt, dessen Scitenwändc und Deckel aus einer doppelten Lage von sehr feinem Mousselin bestehen; dieser Kasten wird in den Wind oder in den Luftzug gestellt, so dass das Trocknen nicht mehr Zeit in Anspruch nimmt, als wenn die Platten frei stehen; die Platten bleiben hierbei völlig staubfrei. Die Art der Entwickelung ist naturgemäss von Einfluss auf das resultireude Negativ, aber durchaus nicht in dem Masse, wie man leicht glauben könnte, wenn man die Anpreisungen über die in jedem Jahre neu erfundenen organischen Entwickler liest. Gerade in Bezug auf die beiden für die astronomische Photographie wichtigsten Factoren, auf die Empfindlichkeit der Platten und auf die Feinheit des Korns, ist, entgegen der Ansicht der meisten Fachphotographen, die Art der Entwickelung fast ganz ohne Einfluss, was sich sehr leicht beweisen lässt. Durch die Belichtung werden an einer bestimmten Stelle der Schicht die Bromsilbcrthcilchen so modificirt, dass sie bei der Berührung mit reducirendeu Substanzen leichter in ihre Bestaudtheile zerfallen, als die nicht belichteten Theilchen. Jede Beductionsfiüssigkeit (Entwickler) also, welche im Stande ist, bei genügend langer Einwirkung schliesslich auch die unbelichteten Theilchen zu zersetzen, hat natürlich vorher schon die am schwächsten belichteten Partikel reducirt, d. h. das Bild vollständig hervorgerufen. Diese Eigenschaft aber besitzen alle überhaupt brauchbaren Entwickler vom oxalsauren Eisen an bis zu den coinplieirteu Die photographische Technik in der Ilimmelsphotographie. 13 organischen Entwicklern, die in den letzten Jahren eingeführt worden sind. Es bestellt nur ein Unterschied in der Zeit, innerhalb welcher die vollständige Entwickelung stattgefunden hat. Diese Bemerkung bezieht sich natürlich nur auf das Hervorbringen der schwächsten, nur eben wirksam gewesenen Lichteindrücke. Handelt es sich z. B. darum, eine Sternaufnahme so zu entwickeln, dass die Anzahl der auf derselben aufgenommenen Sterne ein Maximum wird, so kann mau hierzu jeden beliebigen der gebräuchlichen Entwickler benutzen; mau entwickele nur so lange, bis die unbelichteten Stellen der Blatte beginnen, sich dunkler zu färben, also, wie der technische Ausdruck lautet, bis zur Schleierbiklung. Es ist dann das Maximum des Contrastes zwischen unbelichteten Stellen und den am schwächsten belichteten Stellen erreicht; eine weitere Entwickelung kann durch Verdunkelung des Hintergrundes diesen Contrast nur wieder vermindern. In diesem Sinne verstanden, ist also die Empfindlichkeit der Matte unabhängig von der Art des Entwicklers, sofern nur seine volle Kraft ausgenutzt wird. Die Ansicht, dass verschiedenartige Entwickler einen Unterschied in der Empfindlichkeit bedingen, hat aber doch eine gewisse Berechtigung, sobald es sich darum handelt, Negative herzustellcn, von denen Copien gemacht werden sollen. Einige Entwickler, z. B. der l’yrogallussäureentwickler, färben den Silberniederschlag braun; letzterer ist infolge dessen für blaues und violettes Licht weniger durchlässig, als die bläulichen Niederschläge, welche beim oxalsauren Eisen entstehen; beim Copiren wirken braune Negative also so, als ob sie kräftiger wären als die anderen. Das Silberkorn ist von der Entwickelung völlig unabhängig. Dasselbe ist gegeben durch die betreffende Emulsion. Das Bromsilber ist in kleinen Theilchen innerhalb der Gelatine ausgebreitet, und nach der Entwickelung befinden sich an der Stelle dieser Theilchen die entsprechenden Silberkörner. Die Zahl der Silberkörner ist also gegeben durch die Zahl der ursprünglich in der Schicht vorhandenen Bromsilberkörner, also unabhängig vom Entwickeln. Ein etwaiges Zusammenbacken der Silber- kürner während des Entwickelus und damit ein scheinbares Gröberwerden des Korns ist ausgeschlossen, da die Gelatine sehr zähe ist. Dagegen bewirkt eine nachträgliche Verstärkung der Negative durch Quecksilberchlorid und Ammoniak ein Gröberwerden des Korns, weil jedes Silber- theilchen in Quecksilberoxyd umgesetzt wird, welches einen grösseren Baum einninnnt als das Silber. Auf dieser Volumvermehrung der einzelnen Körnchen und der dadurch 'bedingten stärkeren Uebereinanderlagerung derselben beruht überhaupt die Verstärkungsmethode durch Quecksilberchlorid. 14 1. Die Herstellung und Verwertliung von llimmelsaufnnlnnen. Man kann demnach hei der Wald eines Entwicklers für llimmels- aufnalimen vom Silberkorne gänzlich absehen — dieser Gesichtspunkt muss hei der Wald der Platten erörtert werden —, dagegen richtet sich die Entwickeluugsmethode nach der Art des Objectes, welches man aufgenommen hat, und nach den besonderen Zwecken der Aufnahme, Es müssen hier folgende Richtungen unterschieden werden. 1) Man beabsichtigt, nach Möglichkeit die schwächsten Lichteindrücke hervorzurufen (Aufnahmen mit langer Expositionszeit von schwachen Sternen, schwachen Nebelflecken, Cometen u. s. w.). Man benutze einen beliebigen, möglichst kräftig angesetzten Entwickler ohne Verzögerungszusatz (Bromkalium) und entwickele, bis die ersten Spuren einer Verschleierung sichtbar zu werden beginnen. Bei der Wahl des Entwicklers berücksichtige man nur seine Eigenschaften in Bezug auf Bequemlichkeit und Sicherheit des Fuuctionirens. In ersterer Beziehung wird jeder seine besondere Ansicht haben und denjenigen Entwickler mit Recht bevorzugen, mit dem er am meisten gearbeitet hat. In letzterer Beziehung verdient der Eiseuentwickler zweifellos den Vorrang vor allen anderen, und Verfasser kann denselben nur auf das wärmste empfehlen. Die Lösung des oxalsauren Kalis hält sich unbegrenzt lange, diejenige des schwefelsaureu Eisens ebenfalls, wenn sie beständig am Lichte steht, oder wenn man von Zeit zu Zeit, sobald eine grünliche oder gar gelbliche Färbung eintritt, der Lösung einige Tropfen Schwefelsäure zusetzt, bis nach dem Schütteln wieder die schwach blaue Färbung eintritt. Es ist dies die einzige Vorsichtsmassregel, welche zu beachten ist; der Entwickler functionirt dann durchaus sicher, und es genügt eine Entwickelung von 4 bis 5 Minuten, um die schwächsten Lichteindrücke hervorzurufen. Länger fortgesetzte Entwickelung hat keinen Zweck mehr, sie wirkt nur allmählich verschleiernd. Die Temperatur des Entwicklers hat innerhalb der in einem Laboratorium in Frage kommenden Grenzen von etwa 25° Ins 10° C. keinen Einfluss, und man kann deshalb gänzlich ohne Betrachtung der Platten, auf denen ja bei der schwachen Beleuchtung ohnehin meistens gar nichts zu sehen ist, entwickeln, ganz allein nach der Zeit. Für die gleich zu besprechenden anderen Arten von Aufnahmen können andere Entwickler grösseren Vorth eil bieten; Verfasser muss aber gestehen, dass er auch hier stets wieder zu modificirten Eisenentwicklern zurückgekehrt ist, weil nach seinen Erfahrungen die anderen Entwickler keine Vorzüge zeigten, dagegen in Bezug auf Bequemlichkeit und Sicherheit hinter dem Eisenentwickler zurückstanden. Verfasser besitzt daher mit anderen Entwicklern nur geringe Erfahrungen, mit Eisenentwicklern dagegen sehr grosse und kann nur die letzteren hier Vorbringen. Die photographische Technik in der Himmelsphotographie. 15 2) Man beabsichtigt, Aufnahmen hellerer Sterne zu Messungs- zwcekeu herzustcllen, die Sterne sollen also möglichst scharf und gut begrenzt sein. Man exponire so lange, dass auf der Platte bei normaler Entwickelung mindestens eine, am besten 1 '/ 2 bis 2 Grüsscnclasscn mehr erscheinen, als zur Messung benutzt werden sollen. Man setze dem in voller Stärke an- gesetzten Eisenentwickler ziemlich viel Bromkalium zu — auf 100 ccm des Entwicklers mindestens 10 bis 15 Tropfen einer zelmprocentigen Lösung von Bromkalium — und entwickele ebenfalls 5 Minuten. Bei diesem sehr gedämpften Entwickler kann man die Platte der Lampe ohne Schaden so nähern, dass man die Sternpunkte erkennen und das Ende der Entwickelung beurtheilen kann. Bei dieser Art der Entwickelung werden die Sternscheibchen äusserst schwarz und sind, soweit dies nach dem Luftzustande möglich ist, scharf begrenzt. 3) Aufnahmen der Sonne, bei denen die Flecke möglichsten Fontrast gegen die Umgebung zeigen, nur zu Messungszwecken. Man exponire länger als für ein gutes Bild erforderlich ist, und benutze denselben Entwickler wie bei 2). Mau entwickelt, bis die Kerne der Flecken zu verschleiern beginnen. Dieselben erscheinen dann fast glashell auf dem dunklen Grunde; auch der Sonnenrand ist möglichst scharf begrenzt. 4) Aufnahmen von Sonne, Mond und helleren Nebelflecken, auf denen sieh die Einzelheiten möglichst contrastreich abheben sollen, ohne dass die schwachen Lichtcindrlicke verloren gehen. Man exponire nur wenig länger, als für ein normal entwickeltes Bild nothwendig ist, setze dem kräftigen Entwickler etwa 5 Tropfen Bromkalium nach dem unter 2) angegebenem Verhältnisse zu und entwickele sehr lange, bis zu einer halben Stunde und darüber. Der Brom- kaliumzusatz verhindert eine Verschleierung der Platte. Diese kurzen Andeutungen werden jeden in den Stand setzen, wenigstens die Bichtung, in welcher er je nach den Aufnahmen beim Entwickeln zu gehen hat, zu wissen. Erst eine längere Uebung kann die nöthige Sicherheit zur Erzielung der gewünschten Erfolge in jedem einzelnen Falle gewähren. Die theoretische Begründung der hier gegebenen Kegeln wird in dem Capitel über photographische Photometrie gegeben werden; es möge aber noch besonders darauf hingewiesen werden, bei Himmelsaufnahmen eine Dämpfung des Entwicklers niemals durch Verdünnung des Entwicklers oder durch Verminderung des Eisenzusatzes vorzunehmen, weil hierdurch in den dunklen Partien eine Verminderung der Schwärze entsteht, ein sogenanntes »Flauwerden« der Bilder, welches beim Messen JO I. Die Herstellung und Verwerthung von Ilimmelsaufnahmen. sehr schädlich ist, und welches hei Dämpfung oder Verzögerung durci Bromkalium niemals auftritt. Im allgemeinen sind die Silbersalzc nur für die blauen und violetten Strahlen empfindlich; bei den Bromsilberplatten liegt das Maximum der Empfindlichkeit ungefähr bei der Wellenlänge -130 uii . Durch den Zusatz gewisser Farbstoffe werden die Blatten aber auch für andere, weniger brechbare Strahlen empfindlich, indessen nicht in der Weise, dass sich die Empfindlichkeitsgrenzen continuirlich nach dem Both zu verschöben, sondern es bilden sich neue Empfiiidlichkeitsbezirke, die meistens durch eine grosse Lücke von dem ursprünglichen getrennt sind. Man kennt bereits eine grosse Menge derartig wirkender Farbstoffe; am meisten Verwendung finden Eosin und Erythrosin, die roth- und gelb-empfindlich machen. Die früher aufgestellte Behauptung, dass diese Farbstoffe die Blatten gerade für diejenigen Strahlen empfindlich machten, welche sie selbst absorbiren, ist nicht richtig. Man kann sich die roth- oder gelb-empfindlichen Blatten aus den gewöhnlichen Bromsilberplatten durch Baden in den betreffenden sehr verdünnten Lösungen selbst präparireu. Derartig hergestellte Blatten sind aber nur wenige Tage haltbar und müssen möglichst gleich nach dein Trocknen benutzt werden, wodurch eine gewisse Umständlichkeit für den vom Wetter abhängigen Astronomen entstellt. Es ist deshalb empfehlenswerth, auch die roth-empfindlichen, unrichtig als orthochromatische bezeichnten Blatten von Fabriken zu beziehen, die sie jetzt für mehrere Monate haltbar hersteilen können. Selbst ganz frische Blatten neigen sehr zur Sehleierbildung; man muss daher stets dem Entwickler Bromkalium zusetzen uud längere Zeit entwickeln; sonst ist die Behandlung genau wie bei den gewöhnlichen Blatten. Bei den Manipulationen, welche nach der Entwickelung mit den Blatten anzustellen sind, berücksichtige man den Umstand, dass eine llimmelsphotographie wie ein Beobachtungsbuch sehr lange Zeit hindurch aufbewahrt werden wird, dass also eine möglichste Haltbarkeit anzustreben ist. Man lasse demnach die Blatte recht lange im unterschweffig- sauren Natron liegen, damit eine völlige Lösung des nicht reducirten Bromsilbers statttindet. Alsdann lege man die Blatte einige Minuten in eine concentrirte Alaunlösung, wodurch nicht bloss die Schicht fester und reiner wird, sondern auch eine bessere Entfernung des unterschwefligsauren Natrons erzielt wird. Hiernach ist die Blatte mindestens sechs Stunden lang in fiiessendem Wasser zu waschen; wenn es angeht, nehme man hierzu aber lieber zwölf Stunden; denn die völlige Befreiung der Gelatine von den Salzen, welche in dieselbe eingedrungen sind, ist nach Die photographische Technik in der Hiimnelsphotographie. 17 der vollständigen Lösung des Bromsilbers der wichtigste Factor zur Haltbarmachung der Hatten. Ein Lackireu der Platten ist nicht anzu- ratlien, da die streitige Structur, welche der Lack gewöhnlich annimmt, beim Messen störend wirkt. Jedenfalls müsste man in der Wald der Lacksorte hierzu sehr vorsichtig sein auch aus dem Grunde, weil gewisse Sorten, besonders, wenn sie etwas stark aufgetragen sind, nach einer Leihe von Jahren springen und hierbei die Gelatine mit zerreissen. Die Platten müssen in einem gegen Staub dicht scliliessenden Schranke, der in einem durchaus trockenen, im Winter womöglich heizbaren Baume steht, anfbewahrt werden. l)a für die meisten Zweige der Himmelsphotographie eine möglichst hohe Empfindlichkeit sehr erwünscht ist, so hat es ein Interesse, die relative Empfindlichkeit, der verschiedenen Verfahren kennen zu lernen. Es ist nicht leicht, hierüber ein Urtheil zu gewinnen, da einmal die verschiedenartige Präparation innerhalb ein- und desselben Verfahrens häutig zu beträchtlichen Schwankungen in der Empfindlichkeit führt, während andererseits die relative Empfindlichkeit sich je nach der Art der Lichtquelle ändert. Letzteres kommt daher, dass der Spectralbezirk, welcher photographisch wirksam ist, je nach der Art der empfindlichen Schicht sehr verschiedene Ausdehnung besitzt. Immerhin mögen hier einige Angaben nach Eder*) Platz finden. Bezeichnet man die Empfindlichkeit des nassen Jod-Bromcollodiums mit 1, so kommt der Daguerre’schen Platte etwa die Empfindlichkeit von 1 ,5 bis */ 30 zu. Für die verschiedenen Verfahren der trockenen Collodiumplatten resultiren Zahlen von 1 / 2 bis ’/jo oder 1 / 20 - Im Gegensätze hierzu stehen die Bromsilber-Gelatineplatten mit Empfindlichkeitszahlen von etwa 3 his 30. Die in neuerer Zeit in Anwendung gekommenen Gclatineemulsionen mit ausserordentlich feinem Korn sind dagegen wieder sehr unempfindlich. Ihre Empfindlichkeitscoefficienten dürften vielleicht weit unter 00 liegen. Es möge noch bemerkt werden, dass bei farbenempfindlichen Platten die Empfindlichkeit der hinzugekommenen Spcctralbezirke diejenige im blauen und violetten Theile nicht erreicht. Zur Ausmessung können nur die Originaluegative benutzt werden, da selbst bei der sorgfältigsten Copirung zum mindesten die Verzerrungen der zweiten Schicht hinzukommen, also unter allen Umständen eine Verminderung der Genauigkeit eiutritt. Dagegen sind gute Beproductionen *' Handbuch der Photographie. II. Theil, p. 41. Sch einer, Photographie der Gestirne. IS I. Die Herstellung und Verwertliung von llimmelsaufnalimen. einzelner Aufnahmen von Wichtigkeit, sofern man die gewonnenen Resultate einem grösseren Kreise zugänglich machen will. Bei grosser Auflage der Reproduetion bleiht schliesslich nichts Anderes iihrig, als hierzu eins der photomechanischen Druckverfahren zu benutzen. Es ist nicht möglich, im allgemeinen Rathschläge über die Wahl des Verfahrens zu gehen, da dasselbe von dem zu vervielfältigenden Objecte und ganz besonders auch von der Leistungsfähigkeit der betreffenden Kunstanstalt abhängt. Während manche der bisher angewandten Druckverfahren für gewisse Zwecke, z. B. zur Reproduetion von Landschaften, Porträts, Mikrophotographien und dcrgl., sehr gut brauchbar sind, hat sich keins derselben für astronomische Aufnahmen bewährt. Die zarten Ueber- gänge, wie sie sich in den Negativen von Xebelfteekaufnahmen darstellen, werden hart und unwahr, alle feineren Objecte, wie die schwächsten Sterne, gehen verloren, kurz, völlig befriedigende Reproductionen durch ein Druckverfahren sind mir bisher noch nicht zu Gesichte gekommen. Am besten bewährt sich für astronomische Zwecke noch die Heliogravüre, vermittels welcher auch die im Atlas gegebenen Reproductionen hergestellt sind. Für wirklich getreue Darstellungen bleibt nur das directe (’opir- verfahren übrig-, und von diesem können eigentlich auch nur drei verschiedene Arten in Frage kommen: Diapositive auf Glas, Copien auf Aristopapier und auf gewöhnlichem Albuminpapier. Die Diapositive nehmen entschieden den ersten Rang ein. Man verwende zu denselben möglichst feinkörnige, unempfindliche Platten, am besten die sogenannten kornlosen Platten, die zur Erzielung einer schönen Farbe mit Gold getönt werden müssen, und die eine ausserordentliche Kraft besitzen. Das Copiren geschieht wie bei Papier im Copirraluneu, bei nicht zu unempfindlichen Platten am besten mit einer Kerze oder Petroleumflamme in einigen Meter Abstand; bei den korn- losen Platten muss man aber gedämpftes Tageslicht benutzen. Bei der Herstellung von Diapositiven empfiehlt es sich, in allen Fällen etwas stärker zu belichten, als unbedingt nothwendig ist, und mit einem durch Bromkalium gedämpften Entwickler zu entwickeln. Die hellsten Stellen müssen völlig glashell bleiben, die dunkelsten hei kornlosen Platten gegen Tageslicht undurchsichtig. Die Diapositive erscheinen am schönsten, wenn sie gegen eine fein mattgeschliffene Glasplatte angedrückt werden. Durch ein etwas umständliches und schwieriges Verfahren, welches grosse Geduld verlangt, kann man durch fortgesetztes Umcopircn auf Glas auf dem Negativ kaum sichtbare Objecte schliesslich recht kräftig erhalten. Wenn es sich z. B. darum handelt, einen ausgedehnten schwachen Nebelfleck, der auf dem Negativ als ein kaum deutlich begrenzter Schleier erscheint, nach Möglichkeit zur Sichtbarkeit zu bringen, so verfahre man Die photographische Technik in der Himmelsphotographie. 19 folgendennassen. Zunächst wird das Negativ durch Quecksilberchlorid und Ammoniak verstärkt. Dann copire man hei sehr schwachem Lichte — Expositionszeit his eine Stunde und mehr — ein schwaches Diapositiv, auf welchem die dunkelste Stelle des Nebels (im Negativ) noch glashell erscheint; der Hintergrund hat dann dieselbe Schwärzung wie diese dunkelste Stelle im Negativ. Durch Verstärkung des ersten Positivs wird die glashelle Stelle nicht afticirt, wohl aber wird der Hintergrund dunkler, der Contrast also vermehrt. Von dem ersten Positiv wird in gleicher Weise ein zweites Negativ hergestellt und verstärkt, von diesem ein zweites Positiv u. s. w. Die Schwierigkeit des Verfahrens beruht im wesentlichen auf der Einhaltung der richtigen Expositionszeit rc-sp. auf der Ausgleichung derselben durch die Entwickelung. Nur so lange, als die am wenigsten belichtete Stelle noch wirklich glashell bleibt, bei im übrigen möglichst kräftiger Belichtung (lange Expositionszeit, geringe Intensität) hat eine Fortsetzung des Verfahrens Zweck. An zweiter Stelle würde das Copirverfahren auf Aristopapier und verwandten Papiersorten zu erwähnen sein. Dieses Papier zeichnet sicli vor allen anderen Positivpapieren durch das feine Korn aus, da die empfindliche Schicht aus einem dünnen Häutchen von Collodium oder Heiatine besteht und also völlig unabhängig ist von der Structur des eigentlichen Papiers; letzteres dient nur als Stütze für das sonst zu zarte Häutchen. Man kann daher Copien auf Aristopapier mit Vortheil noch durch die Lupe betrachten. Ein weiterer Vorzug des Aristopapiers besteht darin, dass sich demselben durch Aufpressen auf eine polirte Fläche ein sehr hoher Glanz ertheilen lässt, durch welchen die dunklen Töne eine ausserordentliche Kraft erlangen. Durch langsames Copiren in schwachem Lichte lässt sich auf diesem Papier eine Contrastwirkung erzielen, die der auf Diapositiven nahe kommt, so dass die Feinheiten des Negativs nur in geringem Masse verloren gehen. Copien astronomischer Objecte auf Albuminpapier, Platinpapier und dergleichen zeigen wegen der groben Structur zwar grosse Weichheit, aber nur noch wenig Detail. Zu empfehlen sind sie aber sehr bei Vergrösse- rungen, wobei durch die gröbere Structur kein Verlust von Einzelheiten mehr eintritt und dann die Weichheit des Bildes sehr angenehm wirkt. Für viele Zwecke erscheint es wünsehenswerth, Copien nicht in derselben Grösse wie die Originalnegative herzustellen. Fast immer wird man Vergrösserungen erstreben, und bei nicht hohen Ansprüchen können solche leicht mit Hülfe einer gewöhnlichen, nur etwas weit ausziehbaren photograpbischen Camera hergestellt werden. Wirklich gute Besultate lassen sich aber bei primitiven Einrichtungen nicht erzielen, und man hat daher besondere Vergrüsserungsapparate construirt. Ein solcher, für 20 I. Die Herstellung und Vcrwertliuug von Iliminclsaufnalunen. alle Zwecke geeigneter Beproductionsapparat ist mich meinen Angaben von 0. Toepfer für das Potsdamer Observatorium gebaut worden. Derselbe erlaubt auch Verkleinerungen, während sich die Vergrösserungen bis zu etwa JOOOOfach linear treiben lassen, wie sie allerdings nur zu anderen als den hierher gehörigen Zwecken verwendet werden. Auf dem Untergestelle U (Fig. 1) ist eine Schlittenführung S eingelenkt, deren Neigung gegen den Horizont durch das gezähnte Kreisstück K und die Bremse A beliebig geändert werden kann. Dadurch ist es ermöglicht, den ganzen Apparat gegen den freien Himmel zu richten, wodurch allein .•■4P ■r Jr m‘£\ tesa s, bei grösserer abzubildender Fläche eine gleiehmässige Beleuchtung erreicht werden kann. Um diese (lleichmässigkeit zu erhöhen, kann in den Halter II eine mattgeschlitfene Glasplatte eingesetzt werden; ausserdem dient derselbe noch zur Aufnahme gefärbter Glasplatten, um besonders bei sehr hellem Himmel eine, wie vorher auseiuandergesetzt, für viele Zwecke vortheilhafte Verlängerung der Expositionszeit zu erreichen. Auf der in Millimeter eingetheilten Schlittenführung sind, ausser dem erwähnten Halter II. die drei Unterstiitzungspnnkte der Camera C, der Plattenhalter P und der Beleuehtungsapparat M verschiebbar angebracht. Die photographische Technik in der Himmelsphotographie. 21 ln die Camera können bei O die verschiedensten photographischen 01)- jective eingeschraubt werden, die in Verbindung mit den gegenseitigen Entfernungen von P bis 0 und 0 bis zur Cassette Verkleinerungen und Vergrüsserungen bis zu etwa 25fach linear gestatten. Ausserdem aber können mit Hülfe von Zwischenringen Mikroskopobjective eingesetzt werden, bei deren Benutzung der Beleuchtungsapparat 21 in Function tritt, der sonst abgenommen ist. Der Platteuhalter P ist so eingerichtet, dass jeder Funkt der Blatte in die optische Axe des Apparates gebracht werden kann, ohne dass die Senkrechtstellung der Platte zu dieser Axe merklich geändert wird. Bei der Iieproduction von Sternaufnahmen tritt eine bedeutende Schwierigkeit durch die Feinheit der schwächeren Sternscheibchen ein. Seihst hei dem besten Beproductionsverfahren gehen diese Sterne verloren, und die kleinsten Fleckchen und Unreinlichkeiten der photographischen Schichten lassen sich nicht von den schwächeren Sternen trennen. Die (’onstruction exacter Karten durch photographische Verfahren direct nach den Negativen ist daher vorläufig noch eine Unmöglichkeit, sofern man auf die Bealität der schwächeren Sterne Werth legt. Nach dem Vorschläge der Herren Henry fallen diese Uebelstände zum grössten Theile fort, wenn man zur Construction von Karten drei Aufnahmen dicht neben einander auf derselben Platte anfertigt, so dass das Bild eines schwachen Sternes als kleines Dreieck erscheint, bestehend aus drei kleinen, sich eben berührenden Scheibchen. Hierdurch sind einmal die Bilder der schwächsten Sterne so gross geworden, dass sie hei der Iieproduction im allgemeinen nicht mehr verschwinden; dann aber lassen sie sich auch leicht von zufälligen Fleckchen durch ihre ausgeprägte Form unterscheiden. Es tritt aber mit dieser Methode ein neuer Uebelstand hinzu: es ist naturgemäss notliwendig, dreimal so lange zu exponiren als sonst, und damit ist für viele Fälle dieser Methode eine Grenze gesetzt. Man wird also häutig gezwungen sein, überhaupt von directen lle- productionsverfahren hei der Herstellung von Karten nach photographischen Aufnahmen abzusehen, und sich auf indirectem Wege helfen müssen, und dies kann auf zweierlei Weise geschehen, entweder durch Ausmessung und nachheriges Zeichnen der Karte nach den gemessenen Coordinaten oder durch Benutzung eines storchsclmahelähnlichen Instrumentes. Das erstere, sehr umständliche Verfahren wird man anwenden, wenn man gleichzeitig genauere Positionen der Sterne zu halten wünscht, also bei rein kartographischen Zwecken nicht, vielmehr wird alsdann das zweite Verfahren von Vortheil sein. 22 I. Die Herstellung und Venvertliung von Hiinmelsuufnnlmien. Zn diesem Zwecke hat Roberts*) einen Apparat, Pantograph genannt, constrnirt, der nicht bloss die Sterne ihrer Position und Grösse nach auf eine Kupferplatte eingravirt. sondern dies bei ziemlicher Geschwindigkeit auch mit einer so grossen Genauigkeit ausfiihrt, dass die Messung der Positionen auf der Kupferplatte nicht wesentlich hinter derjenigen auf dem Originalnegativ zurückbleibt. Auf dem oberen zweier senkrecht zu einander beweglichen Schieber sind gleichzeitig das photographische Negativ und die Kupferplatte montirt. Die Platte, auf welcher das Negativ befestigt ist, kann um eine Axe gedreht werden und ist am Hände mit einer feinen Theilung versehen, die durch ein Mikroskop abgelesen werden kann. Den Schiebern wird durch Schrauben eine Bewegung ertheilt, die durch die getheilten miu Schraubenköpfe bis auf 0.00020 abgelesen werden kann. Ein festes Gestell trägt zunächst das unbewegliche Mikroskop, dessen Mikrometerocular mit zwei zu einander senkrecht stehenden Fädenpaaren versehen ist; die Distanz der Fäden eines jeden Paares kann durch die Mikronieterschrauben verändert werden, ohne dass der Mittelpunkt des durch die Fäden gebildeten Rechtecks verschoben wird. Durch Bewegung der Schlitten und der Mikrometerschrauben erfolgt die Einstellung auf ein Sternscheibchen vermittels Tangentialstellung der vier Fäden. Ebenfalls auf dem Gestell ist eine Vorrichtung zum Graviren befestigt, deren mit Diamantspitze versehener Stift an einem zweiten Mikrometer angebracht ist. Letzteres wird nach den Angaben des ersteren (oder nach Vielfachen oder Bruchtheilen, eingestellt, wodurch die Diamant- spitze eine excentrische Lage erhält und bei Drehung des Stiftes einen Kreis eingravirt. dessen Durchmesser von dem Durchmesser des Sternscheibchens abhängt. Nach vergleichenden Messungen auf dem Negative und einer mit dem Roberts’schen Pantographen gravirten Kupferplatte hat Pritchard die folgenden wahrscheinlichen Fehler einer Sterndistanz gefunden: auf dem Negative iE 0"12 auf der Kupferplatte ±: 0"IS. Die Messungen auf einem von der Kupferplatte gewonnenen Papierabdruck gaben in Folge der Papierverziehungen sehr grosse wahrscheinliche Fehler, die über 1" betrugen. Nach den Erfahrungen von Huberts hält es nicht schwer, in der Stunde etwa öO Sterne einzugraviren. Nach Ansicht des Verfassers würde sich leicht eine Vorrichtung an *) Hüll, du C'omite 1, 151. Die optischen Theile der photographischen Instrumente. 23 dem Pantographen anbringen lassen, dureli welelie automatiseli die Verstellung des Gravirstiftes bei Drehung der Schrauben des Mikrometers am Mikroskope erfolgt, wodurch grössere Geschwindigkeit des Gravirens und gleichzeitig grössere Fehlerfreiheit zu erzielen sein würde. Die optischen Theile der photographischen Instrumente. An die optischen Theile der zur Aufnahme von Himmelskörpern bestimmten astronomischen Instrumente müssen theilweise ganz andere Anforderungen gestellt werden, als an diejenigen der zur dirccten Beobachtung verwendeten. Die Gründe hierfür beruhen tlieils auf den speci- fischen Unterschieden zwischen den beiden Heobachtungsmethoden, tlieils auf den individuellen Unterschieden zwischen der Liehtemptindliehkeit der photographischen Platte und derjenigen der Retina unseres Auges; schliesslich bleibt nicht ohne Einfluss der Umstand, dass für die entgegenstehenden Heobachtungsmethoden Lichtstrahlen sehr verschiedener Wellenlänge in Frage treten. Es soll nun in der folgenden Betrachtung zunächst vorausgesetzt werden, dass die optischen Theile des photographischen Fernrohrs eine ideale Vollkommenheit besitzen, dass sie also frei sind von Lichtverlust durch Reflexion und Absorption, und dass sie völlig achromatisch und frei von sphärischer Aberration sind. Es wird dann unsere Hauptaufgabe sein, die Abweichungen von diesen idealen Eigenschaften einzeln als Fehlerquellen zu untersuchen. Bei dem idealen Objective — Spiegel brauchen hierbei nicht besonders unterschieden zu werden, da für sie unter bekannter Veränderung der Elemente dasselbe gilt wie für Objective — wird in einer durch den Brennpunkt gehenden Kugelfläche, deren Centrum im Hauptpunkte des Objectivs liegt, ein Bild einer begrenzten Stelle des Himmelsgewölbes erzeugt, welches dem Objecte völlig ähnlich ist; der Winkelabstand zweier Punkte des Himmels ist genau durch den Winkelabstand der Bildpunkte, gerechnet vom Hauptpunkte an, gegeben. Nimmt man nun ein Bild des Himmels auf einer ebenen photographischen Platte auf, welche die Focal- Häclie des Objectivs in der Hauptaxe tangirt, auf letzterer also senkrecht steht, so ist das Bild auf der Platte entstanden durch Central-Projcction einer Kugelftäche auf die Tangentialebene. Das Bild auf der Platte erscheint also nur dann als ein getreues und ähnliches, wenn die Betrachtung oder Messung mittels eines Winkelinstrumentes von einem Punkte aus geschieht, welcher sich in einer der Brennweite des Objectivs entsprechenden Entfernung senkrecht Uber dem Mittelpunkte der Platte befindet. Misst man dagegen Distanzen auf der Blatte, wie dies meistens 21 1. Die Herstellung und Yenvertluing von llimnielsaufnalmien. geschieht, so ist es ohne Weiteres klnr, dass die Distanzen, vom Mittelpunkte an gerechnet, proportional den Tangenten der Winkelabstiinde von der llauptaxe wachsen. T 11 der Fig. 2 bedeuten: 0 den Hauptpunkt des Objeetivs, F den Foens desselben; die Linie ABF einen Durchschnitt durch die Foealtläebe (KugelHäehe), die Hemde B’F einen Durelisclinitt durch die ebene, in F tangirende photographische Platte. Die zu messende Distanz Fli' ist die Tangente des Winkels a, welchen der Bildpunkt B mit der llauptaxe bildet. Eine genauere Darlegung dieser Verhältnisse muss dem Capitcl über photographische Messungen vorbehalteil bleiben. Ausser dieser regelmässigen und leicht in Beohnung zu ziehenden Distorsion kann für das ideale (Ibjectiv keine weitere ein- treten; mit ihr verbunden ist zwar eine Zunahme des Durchmessers der liildpuukte mit wachsendem Abstande von der optischen Axe, sowie eine Verzerrung der erstereil in Ellipsen, jedoch bei völliger Beibehaltung der Symmetrie, so dass eine Distorsionswirkung nicht eintritt. sofern beim Messen auf die geometrischen Mitten der Bilder eingestellt wird. Auch beim idealen Objective sind die Bilder von Funkten in der Brenntlüche nicht wirkliche Punkte, sondern sie besitzen einen merklichen Durchmesser infolge der an der Begrenzung des Objeetivs eintretenden Dilfraction. Der Durchmesser der mittleren Diifractionsscheibe, welche das eigentliche Bild eines Sternes darstellt, und der Diffractionsringc nimmt proportional mit der Oelfnung des Objeetivs ab. ln dem folgenden Täfelchen sind die Durclunesser gegeben für eine Oelfnung von 100 mm, gültig für die Wellenlänge der ///-Linie — 434 uu —, bei welcher ungefähr die Maximalemptindlichkeit der gebräuchlichen Bromsilberplatten liegt. Fig. 2. Durchmesser j Intensität Mittelbilü n 2.2 l.OOUO 1. Ring 2.9 0.0175 2. » 4.8 0.0042 3. » 6.6 0.0017 4. > 8.5 0.0008 5. » 10.3 j 0.0004 6. » 12.2 1 0.0003 Die optischen Tlieile der photographischen Instrumente. 2 .') Für Objective von Öl cm Octfnung, wie sie zur Herstellung - der photographischen Himmelskarte benutzt werden, würde also der Durchmesser des Mittelbildchens, und damit der möglichst kleinsten Abbildung, <>'.'64 betragen oder etwas weniger, da dieser Werth dem absoluten Minimum entspricht und schon kurz verlier eine merkliche Lichtwirkuug aufhören wird. Die Intensitäten der Hinge nehmen sehr schnell ab, und sie stören deshalb bei optischen lieobachtungen nur sein - wenig, treten aber bei photographischen Aufnahmen noch ganz entschieden in Wirksamkeit. Es möge nun, um das ideale Objectiv zu verlassen, zu einer kurzen Darlegung derjenigen Forderungen Ubergegangen werden, welche nach der Gauss’schen Theorie an ein zweilinsiges, sogenanntes achromatisches Objectiv gestellt werden müssen, um dasselbe für photographische Aufnahmen möglichst einem idealen Objective zu nähern*). \ erstellt man unter wahrer Brennweite den Abstand des zweiten Brennpunktes vom zweiten Hauptpunkte, so sind folgende Bedingungen zu erfüllen: 1) Zwei Strahlen verschiedener Brechbarkeit — für photographische Objective z. B. /. Bl 1111 und 7. 400 «« — werden in einem Punkte, dem wahren Brennpunkte, vereinigt. — Hebung des Farbenfehlers. 2) Ein Strahl mittlerer Brechbarkeit, der nahe am Bande des Objectivs einfällt, schneidet die Axe ebenfalls in der wahren Brennweite. — Hebung des Kugelgestaltfehlers. '.]} Für die zwei angegebenen Wellenlängen müssen auch die Hauptpunkte zusammenfallen. — Die zwei verschiedenfarbigen Bilder werden also gleich gross. 4) Mitte und Hand des Objectivs müssen bei Strahlen mittlerer Brechbarkeit gleiche wahre Brennweite haben. Die vierte Bedingung deckt sich mit der sogenannten Sinusbedingung; sie ist erfüllt, wenn die Anfangspunkte sämmtlicher vom Objective kommender Strahlen auf einpr Kugelfläche liegen, die mit der wahren Brennweite als Badius vom Brennpunkte aus beschrieben ist. Ihre Erfüllung ist gerade für photographische Objective von grösster Wichtigkeit, da nur dann die Handstrahlen symmetrisch um die I lauptstralilcn gelagert sind und die Bilder seitlich der Ilauptaxe keinen Anlass zu Distorsionen geben. Um zu zeigen, welchen Einfluss die Nichterfüllung der letzten Bc- *) A. Steinheil. Ueber den Einfluss der Objectivconstruction auf die Licht- vertheilung in seitlich von der optischen Axe gelegenen Iiildpunkten . . . Sitzungsber. d. math. pliys. Classe der Kgl. Kayr. Akademie der Wiss. in München. Hand XIX, Jahrgang !S8i). 26 1. Die Herstellung und Venvertlmng von Iliminolsaufmihnieii. / / / io tit /\ \ /V \ \ *1 ~7 V J20 j/z 1 \ \ \ff/ J 1 \ \/ ZS \ «X. y 6 Fig. 3. dingung auf seitlich gelegene Milder ausübt, hat St ein heil a. a. 0. die Berechnung für das Königsberger Heliometerohjectiv ausgeführt. Es soll ein Strahlencylinder von 2ö Einzelstrahlen auf das Ohjectiv auffallen, wie Fig. 3 zeigt. Der Strahl 1 entspricht dem Hauptstrahle, die Strahlen 2 bis !) fallen am Kunde des Objectivs ein, die von 10 bis 17 in 2 / 3 Entfernung von der Mitte, die von 18 bis 25 in 1 Entfernung. Für das Königsberger lleliometerobjectiv erhält man nun in der Einstellcbenc bei 48' Abstand von der Hauptaxe folgendes Bild von der Ver- theilnng der Strahlen (Fig. 4). Es ist aus dieser Figur zu ersehen, dass sie gegen die llichtung zur Axe ( 2 , 1 , 0 ) symmetrisch ist, dagegen in Bezug auf die hierauf senkrechte Dichtung vollständig unsymmetrisch. Der Hauptstrahl ( 1 ) liegt also nicht in der Mitte der Figur, sondern viel tiefer, so dass die Yertheilung der Helligkeiten eine sehr ungleiche ist; denn die Linie 8 , 10 , 24 , 1 , 20 , 12 , 4 , welche in Fig. 3 die Menge des auffallenden Lichtes halhirt, tlieilt das Lieht im Bilde des Sterns zwar auch in zwei Tlieile von gleicher Helligkeit, aber von sehr ungleicher Ausdehnung, so dass der über dieser Linie liegende Tlieil des Bildes viel weniger intensiv erscheint, als der unterhall) gelegene. Auf der photographischen Blatte würde bei einem derartigen Objec-tive das Bild eines Sternes seitlicli der Hauptaxe als eine ellipsenähnliche Scheibe erscheinen, deren Maximalhelligkeit nahe einem der Brennpunkte der Ellipse liegt. Ist die Helligkeit des Sternes nicht ausreichend gewesen, um in der Gegend der Buukte 5 , 0 , 7 , 14 eine merkliche Wirkung anszuüben, so fehlt das eine Ende der Ellipse. "Die Bilder werden denen von Cometen ähnlich. Damit nun die auf der Blatte gemessenen Distanzen von Sternen auch thatsächlich den Distanzen am Himmel — unter Berücksichtigung der regelmässigen Distorsion — entsprechen, muss auf den Blinkt 1 , den Dnrchselmittspnukt des Hauptstrahles mit der Blattenebene, eingestellt werden. Dieser Bunkt ist wegen seiner cxcentrischen Lage ■XO 1 gf Die optischen Tlieile dev photographischen Instrumente. 27 nicht mit Sicherheit zu erkennen; mit einer gewissen Annäherung wird man ihn erhalten, wenn man auf das Maximum der Schwärzung hei den seitlich gelegenen Sternscheihchen einstellt. Die Sichtbarkeit dieses Maximums wird aber um so schwieriger, je heller der entsprechende Stern ist, je mehr also das elliptische Scheibchen von gleicher Schwärzung erscheint. Man wird ihn im allgemeinen immer mehr nach der Mitte der Figur verlegen, und bei völlig ausexponirten Scheibchen wird inan, wenn man nicht zu ganz unsicheren Taxirungen greifen will, überhaupt, nur noch die geometrische Mitte des Scheibchens einstellen können. Die Unsicherheit der Einstellungen ist also im allgemeinen vermehrt, und es tritt eine von der Helligkeit der Sterne und von der Expositionszeit abhängige Distorsion auf, die sich rechnerisch nicht streng verfolgen lässt. Ist aber die Bedingung 4 erfüllt, so geht die Fig. 4 in Fig. o über. Das Sternscheibchen ausserhalb der optischen Axe wird zwar elliptisch, aber alle Strahlen liegen symmetrisch um den Haupt- stralil herum; das Maximum des Silberniederschlages entsteht unter allen Umständen in der geometrischen Mitte des Scheibchens, genau in dem Funkte, in welchem der Hauptstrahl die photographische Platte schneidet, die Messungen sind frei von Distorsiou. Je grösser ein Objectiv ist, um so wichtiger ist es, dass seine Construc- tion eine streng richtige ist, da die Fehler mit der Grösse des Objectivs wachsen, die Empfindlichkeit der Messung aber mindestens dieselbe bleibt, meistens beträchtlich zunimmt. Die Verwendung von Spiegelteleskopen in der Himmelsphotographie ist für viele Zwecke derselben, z. B. für die Aufnahme von Nebelflecken, von grossem Nutzen, die Bilder sind völlig frei von chromatischer Aberration; dagegen findet in den seitlich der optischen Axe gelegenen Bildpunkten infolge der nicht aufzuhebenden sphärischen Abweichung eine durchaus unsymmetrische Vertheilung der Kandstrahlen um den Hauptstrahl statt, ganz ähnlich wie bei einem fehlerhaft construirten Objective. Für exacte Messungen sind daher Aufnahmen mit sphärischen Spiegeln sehr viel ungeeigneter als solche mit richtig construirten Objectiven. ln neuerer Zeit hat man mit grossem Vortheile Objective mit ver- hältnissmässig sehr kurzer Brennweite zu Aufnahmen von Nebelflecken, Darstellungen der Milehstrasse etc. benutzt. Zur Erzielung eines grossen Gesichtsfeldes bei sehr kurzer Brennweite reicht die Combiuation zweier Fig. 5. 23 I. Die Herstellung und Verwertlmng von lliimnelsaufnalunen. Linsen nicht mehr aus, und man hat daher drei oder noch häufiger vier Linsen mit einander verbunden. Alle diese Systeme sind aplanatisch construirt, d. h. die Brennpunkte in den Nebenaxen liegen nielit auf einer Kugellläehe, sondern sie befinden sieh auf einer in dem llauptbrennpunkt auf der optischen Axe senkrechten Ebene, der photographischen Platte. Das ist natürlich nur annähernd zu erreichen, die Brennfläche hat vielmehr eine recht complicirte Gestalt und schmiegt sich der Ebene je nach den verschiedenen Constructionen nur mehr oder weniger gut an. Bei diesen Objcctivcn ist die Sinusbedingung nicht erfüllt; die Bildpuukte seitlich der optischen Axe zeigen daher häutig sehr eigenthiimliche Figuren, und für exacte Messungen sind Aufnahmen mit den verschiedenen Arten dieser Objective, die als Porträtlinsen, Euryskope, Aplanate etc. im Handel vorriithig sind, nicht geeignet, sofern man nicht in der Nähe der optischen Axe bleibt, also von dem llauptvortheil, dein grossen Gesichtsfelde, keinen Gebrauch macht. Ich gehe nun zur Betrachtung des Verhaltens der verschiedenen Objective in Bezug auf die Lichtstärke über. Es ist hierbei zuerst der Begriff der photographischen Lichtstärke festzustellen, da von einer absoluten Lichtstärke wie in der < >ptik nicht die Bede sein kann, wegen der Zunahme der Lichtstärke mit wachsender Expositionszeit und Empfindlichkeit der Platte. Tm Folgenden ist daher beim Gebrauche des Wortes Lichtstärke stillschweigend vorausgesetzt, dass nur relative Angaben in Bezug auf eine gegebene Expositionszeit und Platten-Empfindlichkeit gemacht werden. Beim idealen photographischen Objective ist die Lichtstärke für Abbildung von Punkten (Fixsternen) proportional der vierten Potenz der < feffnung. Dieser paradox erscheinende Satz wird folgendermassen klar. Wird unter Beibehaltung der Brennweite die Oetfnung grösser, so wird die Lichtmenge proportional dem Quadrate der Oetfnung vermehrt; gleichzeitig aber wird der Durchmesser des mittleren Ditl'raetionsscheibehens proportional der Yergrüsserung der Oetfnung kleiner, die Dichtigkeit des Lichtbündels wird also nochmals proportional dem Quadrate der Oetfnung stärker, im Ganzen ist also die Lichtintensität mit der vierten Potenz der (•etfnung gewachsen. Vergrössert mau bei gegebener Oetfnung die Brennweite, so nimmt die Lichtstärke für Abbildung von Punkten proportional mit dem Quadrate der Brennweite ab. Der Grund hierfür liegt darin, dass bei zunehmender Brennweite der Durchmesser des Ditfractionsseheibehens zwar nicht im Winkelwerthe wächst, wohl aber im linearen Betrage proportional mit der Brennweite; die Dichtigkeit des Lichtbündels beim Auffallen auf die Platte ist also proportional mit dem Quadrate der Brennweite Die optischen Tlieile der photographischen Instrumente. 29 verringert. Bezeichnet inan den Durchmesser der < >eflhung mit d, die Brenn- iJi weite mit f\ mit c eine Constante, so ist allgemein die Lichtstärke L=c-j^ ■ Für optische Instrumente ist bekanntlich L = cd 2 . I >ci der direeten Betrachtung von kleinen Liclitscheihen ist nämlich unterhalb einer gewissen Grenze eine weitere Abnahme des Durchmessers und der damit verbundenen Zunahme der Dichtigkeit des Strahlenbündels ohne Einfluss, weil das Auge hierin keinen Unterschied mehr merkt, tlieils wegen der Unvollkommenheit des optischen Apparates im Auge, tlieils wegen der eigcnthümlichen facettenartigen Structur der Betiua. Die photographische Platte besitzt zwar auch eine ähnliche Structur, das Silberkorn; dasselbe ist indessen im Verhältnisse zur Grösse selbst der kleinsten Scheibchen in Fernröhren so fein, dass noch mehrere Hunderte von Elementen auf dieselben kommen, eine Zunahme der Dichtigkeit des Eichtbiindels also noch durchaus wirksam ist. Der Formel L = c ist aber auch für photographische Aufnahmen eine Grenze der Gültigkeit gesetzt; sie gilt nur für das Erscheinen der allersehwächsten Lichtpunkte und ihre Anwendbarkeit hört immer mehr auf, je mehr die Lichtintensität genügend ist, eine vollständige Schwärzung des Scheibchens herbeizuführen; es tritt dann die Formel L — cd 2 ein. Bei ausgedehnten Objecten ist kein Unterschied zwischen optischer und photographischer Abbildung vorhanden. Die Lichtintensität eines ahgehildeten Flächenelementes hängt nur noch vom Verhältnisse der Oett- nuug zur Brennweite ab, es ist L = c d 2 _ f 2 die absolute Grösse des Instrumentes ist gänzlich gleichgültig. In der Praxis wird nun bei der Abbildung von Lichtpunkten die Abhängigkeit der Lichtstärke von den Dimensionen des Objectivs eine völlig andere; es tritt geradezu das umgekehrte Verhalten ein, weil für die Grösse des kleinsten Scheibchens nicht mehr die Ditfraction allein massgebend ist, sondern die Abweichungen des Objectivs von den idealen Verhältnissen. Die Abbildung von Punkten wird immer unvollkommener, je grösser die Oellhung im Verhältniss zur Brennweite ist, lässt man also die Oeflhung wachsen, so wird das kleinste Scheibchen nicht kleiner, wie beim idealen Objeetive, sondern eher grösser, die Lichtstärke wächst also nicht proportional der vierten Potenz der Oeflhung, sondern kaum proportional der zweiten: in der Praxis verhalten sich die photographischen Objeetive auch bei der Abbildung von Punkten ziemlich genau so wie die optischen. Eine möglichst vollkommene Achromasie ist für die Lichtstärke 30 I. Die Herstellung und Verwertliung von llimmelsaufnahmen. photographischer Objective von grösster Bedeutung. Blau liat bei den ersten Versuchen in der llimmelsphotographie häutig die für optische Strahlen achromatisirtcn Objective benutzt und damit in Bezug auf Lichtstärke nur sehr unvollkommene Resultate erzielt. Nehmen wir als Beispiel den Schröder’schen Befractor von 12 Zoll Oetfnung, der sich im Besitze des Potsdamer Observatoriums befindet, und dessen Objectiv für directe Beobachtung ganz vorzüglich ist. Die Strahlen sind annähernd für JJ und F vereinigt; für die übrigen Wellenlängen hallen die Abstände der Brennweiten von diesem Vereinigungspunkte folgende Wertlie, wobei der letzte Werth für Ile nicht direct beobachtet, sondern aus den anderen durch Extrapolation abgeleitet ist. W. L. Diff. mm W. L. Diff. mm 080 au + 3.6 F 486 mm 0 656 » + 2.4 473 ‘ > + 2.0 6IO > + 0.2 445 » + 5.3 573 > — 0.6 Jly 434 » + 8.2 544 » — 1.6 IB 410 » 4- 16.3 520 » 498 » — 1.9 — 0.7 Ile 397 » + 22 Wie man sieht, ist die Vereinigung der optisch wirksamsten Strahlen, von der Wellenlänge 620 /tu an bis etwa 475, m/i, eine sehr gute. Die Maximal- empfindlichkeit der photographischen Platten liegt bei ///; wollte man das Objectiv für photographische Aufnahmen benutzen, so müsste man zunächst die Platte um 8 mm hinter den optischen Brennpunkt versetzen; dann aber blieben noch für die übrigen wirksamen Strahlen von Pan weit ins Ultraviolette hinein grosse Brennweitenditfereuzen übrig, für F S mm, für He 14 mm und für die äussersten Strahlen im Ultraviolett jedenfalls Wertlie bis zu 30 mm. Diesen Abständen entsprechen chromatische Abweichungs- mm rom kreise von resp. 0.44, 0.9 und nahe 2 nun Durchmesser, d. h. die vcsul- tirenden Bilder von Sternen sind überhaupt nicht mehr als kleine Scheibchen mit angebbarem Durchmesser zu bezeichnen, sondern sie stellen selbst bei geringen Intensitäten stets grosse Scheiben dar mit allmählichem Lichtabfall von der Mitte nach den Bändern hin. Wegen der B erbreituug des Lichtes über diese grossen Scheiben ist natürlich die photographische Lichtstärke sehr vermindert, und auch die Einstellungsgenauigkeit ist selbstverständlich eine geringe. Der ausserordentliche Vorzug, den ein gut photographisch achro- matisirtes Objectiv besitzt, erhellt aus der vergleichsweisen Betrachtung der Verhältnisse bei dem 13zölligen Objective des Potsdamer Photographischen Befractor». Bei demselben sind die Strahlen von der Wellenlänge Die optischen Theile der photographischen Instrumente. 31 434 .fi« [IIy) und 397 (Ile) vereinigt. Die stärkste Abweichung der Foeal- weite von allen photographisch wirksamen Strahlen von F Dis ins äusserste Ultraviolett tindet für die nach der weniger brechbaren Seite mm gelegenen Strahlen statt und beträgt für die Grenze daselbst bei F 2.5; inm der Durchmesser des betreffenden Abweiehuugskreiscs für F ist also 0.25. Das ist der grösste Durchmesser, der für ein primäres Scheibchen infolge der mangelhaften Achroinasie resultiren kann. Bei diesem Ob- jective ist dagegen die Abweichung der optischen Strahlen entsprechend eine sehr grosse, nämlich mm Hy 0.0 F + 2.5 h + (5.5 l) -1- 13.3 6 IS ini 4- 17.2 und der Durchmesser des Abweichungskreises für die Fraunhofersehe mm Linie I) beträgt bereits 1.3. Bei Verwendung von farbenemptindlichen Blatten, bei denen diese Strahlengattung noch wirksam ist, erscheinen die sonst unveränderten Sternscheibehen mit einem nahe gleichmässig hellen Halo von über I mm Durchmesser umgeben. Die Verwendung solcher Platten ist daher hei einem zweilinsigen, für die photographischen Strahlen achromatisirten Objeetive ausgeschlossen. Bei den vierlinsigen Objeetiven ist infolge der vielen zur Verfügung stehenden Flächen eine sehr viel vollständigere Achroinasie zu erreichen, als bei den einfachen Objeetiven. Man kann hierbei leicht den grössten Tlieil aller Strahlen von C bis ins Ultraviolett hinein sehr nahe vereinigen, so dass optischer und photographischer Brennpunkt zusammenfallcn. Bei diesen Objektiven können farbenemptindliche Platten ebenso wie hei den Spiegeln mit Vortheil verwendet werden; man erhält hierdurch entschieden einen Gewinn an Lichtstärke. B utlierfurd hat den Vorschlag gemacht, die für die optischen Strahlen achromatisirten Objeetive durch eine Vergrösserung des Abstandes der beiden lausen zu photographischen Zwecken geeigneter zu gestalten, indem hierdurch eine bessere Vereinigung der chemisch wirksamsten Strahlen erreicht wird. Um diesen Zweck bequem zu ermöglichen, hat Grubb dem 27 zölligen Objeetive des grossen Wiener Befractors direct die Einrichtung gegeben, dass die Linsen bis auf 2 cm von einander entfernt werden können. H. C. Vogel*) hat die Veränderungen, welche durch die * II. C. Vogel. Einige Beobachtungen mit dem grossen Refractor der Wiener Sternwarte. Publ. d. Astrophj-s. Obs. zu Potsdam. Band IV, 1. Tlieil. 32 I. Die Herstellung und Verwerthung von llimmelsaufnahmen. Trennung der Linsen in den Brennweiten der verschiedenen Strahlen hervorgebracht werden, genauer untersucht und ist hierbei zu den folgenden Differenzen derselben gegen den Yereinigungspunkt der Strahlen von der W.-L. 486 uu gelangt, wobei in Columne I der Abstand der inneren Linsenflächen 8 mm betrug, in Columne II dagegen 20 mm. 'eilenlänge. I mm II mm 6(51 u u — 3.(1 — 1.9 587 » — 6.2 — 7.9 511) » — 5.4 — 5.2 483 » + 0.7 + 0.7 454 » + 9.6 + 8.7 434 » + 17.5 -H 19.1 421 » + 28.3 — 414 » — 4- 28.6 Legt inan in beiden Leihen den photographischen Brennpunkt auf die Wellenlänge 431 uu, so ist zu erkennen, dass hei Leihe II nach F zu nur eine geringe Vergrößerung der Brennweitendifferenzen entstellt, nach dem Violett hin aber eine sehr merkliche Verkleinerung, so dass also im ganzen das Objcctiv thatsäehlich für photographische Zwecke besser achromatisirt erscheint; es steht auch zu erwarten, dass bei noch grösserer Entfernung der Linsen eine weitere Verbesserung eintreteu würde. Auch M. Wolf*) ist für ein kleines Instrument zu ähnlichen Lesultaten gelangt; es ist indessen zu bemerken, dass unter allen Umständen die Verbesserung doch nur eine relativ geringe ist, und dass es sehr fraglich erscheint, ob dieselbe nicht durch die Verschlechterung der Centrirung und besonders durch die zunehmende sphärische Aberration überhaupt wieder aufgehoben wird. Untersuchungen hierüber sind meines Wissens nicht angestellt, so viel aber ist sicher, dass ein so verbessertes Objectiv unter keinen Umständen mit einem photographisch achromati- sirten in Conc-urreuz treten kann. Cornu**) hat folgende theoretische Begründung für die Verbesserung des Bildes im chemischen Focus durch Auseinanderschraubung der beiden Objectivlinsen gegeben. Die Hauptpunkte der Convexlinse werden mit H { und // 2 bezeichnet, diejenigen der Concavlinse mit II, und II {. Die Entfernung der resp. Brennpunkte von // 2 sei F, von II 2 ' sei F'. Die Krümmungsradien und *) M. Wolf, Trennung der Objectivlinsen f. photographische Zwecke. Astr. Xachr. 118. **) Recueil de Mem. Rapp . . . Paris 1S74. Siehe auch Weinek, die Photogr. in der messenden Astronomie p. 94. Die optischen Tlieile der photographischen Instrumente. Brechungsexponenten seien entsprechend r t , r 2 , » und r 3 , r A , n, die Dicken d und d'. Bedeuten ferner noch a und b, resp. a' und b' die Object- und Bildweiten, so ist ganz allgemein: T + T = T = {n - l) [^r + und 1 1 ' + V F 1) 1 +4 r ,. + ~—d:) = — (»' — 1) Q. nr A r A J 1 a Für a — oo wird b = F, und dieses Bündel trifft in dem Abstande IL, //,' = e die Concavlinse, für welche also a' = — [F — e) wird. Folglich ist 1 T L_ 1 , J _i e rVJ- '/ F—e F~ F\ ~F'J ^F" oder Die Bedingung eines vollkommenen Achromatismus würde erfüllt sein, wenn b' constaut bliebe für alle Variationen von n und ri von Roth bis Violett, und es soll nun gezeigt werden, dass innerhalb eines gewissen Intervalles diese Bedingung durch die passende Wahl von e erreicht werden kann. Dazu werde in -. - die Brennweite für Strahlen mittlerer- Brechbarkeit eingeführt gedacht, so dass bei der Kleinheit dieses Bruches der Factor von (n —1) P unabhängig von der Farbe auzunehmen ist. .Alan construire nun für die verschiedenen Wertlie von n — 1 = x als Abscissen und n — l = y als Ordinaten eine Curve, durch welche der Grad von Achromasie, der für die betreffenden Gläser erreicht werden kann, genähert dargestellt wird. Dann ist der Ausdruck die Projection des Radiusvectors im Curvenpunkte der fraglichen Farbe auf eine Linie, die den Winkel u mit O x , Fig. ff (folg. Seite), bildet. Alan hat nämlich z. B. für einen im Violett gelegenen Punkt P, wenn V der Projectionspunkt von V auf die Richtung OA ist, OV = x cos u — y sin u , und die Bedingung lautet daher jetzt, diese Projection für ein gegebenes Stück der Curve so constaut wie möglich zu machen. Da nun so wähle man e, resp. gemäss dieser Beziehung « so, dass für das betreffende Stück die Senkrechte auf OA mit der Tangente oder Sehne dieses Curvenstückes zusammenfällt. Sch einer, Photographie der Gestirne. 3 I. Die Herstellung und Venverthung von llimmelsaufnahmen. Die Figur giebt, wie es dev Wirklichkeit entspricht, von Roth nach Violett wachsende Ordinaten; man erkennt hieraus und aus der Beziehung zwischen a und e, dass durch Vergrösserung von e der Winkel ci kleiner und damit die Achromasie weiter nach Violett verlegt wird. Stokes*) hat einen Vorschlag zur Umwandlung eines optischen Ohjeetivs in ein photographisches gemacht. der vielleicht Beachtung verdient. Das Ohjectiv soll so construirt sein, dass die beiden Flächen der Crowuglaslinse verschiedenen Krümmungsradius besitzen. Für optische Zwecke soll die schwächere Krümmung nach aussen liegen. Fig. 6. und die beiden Linsen berühren sich. Für photographische Zwecke wird die 'S erbesserung der Achromasie der chemischen Strahlen durch grössere Entfernung der beiden Linsen erzeugt; die hierdurch herbeigeführte Vermehrung der sphärischen Aberration soll dann durch Umwenden der Crowuglaslinse gehoben werden. Eine für die Güte der Bilder jedenfalls sehr gute Methode, ein optisches Ohjectiv in ein photographisches zu verwandeln, bestellt darin, vor das Ohjectiv eine dritte Linse von gleicher Oetfnung zu setzen. Für das so entstehende dreilinsige Ohjectiv lässt sich nicht nur die Achromasie sehr weit treiben, sondern auch die sphärische Aberration auf ein sehr geringes Mass herabdrücken. Dem grossen Ecfractor der Lick-Sternwarte ist eine derartige Zusatzlinsc beigegeben; das Instrument giebt bekanntlich ganz vorzügliche photographische Bilder; die besten Bilder des Mondes sind übrigens bei einer Abblendung des Ohjeetivs auf 8 Zoll Durchmesser erhalten worden. Abgesehen von dem sehr hohen Preise einer solchen Linse bringt deren Verwendung einen weiteren, sehr wesentlichen Nachtheil mit sich: die beträchtliche Verkürzung der Focalweite. Beim Lick- Refractor beträgt diese Verkürzung beinahe 3 m. * Grubb. Fernrohre für Sternphotographie. Zeitschrift für Instrumenten- Kunde 10 , 104 . Die optischen Tlieile der photographischen Instrumente. ;ir> Tn neuerer Zeit ist von Steinbeil u. :t. ein sogenanntes Correctious- systern construirt worden, welches au einer bestimmten Stelle in den Strahlengang eines gewöhnlichen Objectivs eingeschaltet, eine vorzügliche Achromatisirung herbeiführt, eine bessere, als mit einer Doppellinse erreicht werden kann, bei gleichzeitiger weiterer Verbesserung der sphärischen Aberration und unter Erfüllung der für die Praxis sehr wichtigen Bedingung, dass die ursprüngliche Brennweite nicht wesentlich geändert wird. Steinheil empfiehlt, dieses Correetionssystem in einer Entfernung von i / 3 Brennweite vor dem Brennpunkte einzuschalten; es braucht alsdann nur eine Oeffnung von wenig mehr als 1 / 3 der Objectivöffnung zu haben und erreicht demgemäss sogar hei sehr grossen Instrumenten einen nicht zu hohen Procentsatz der Kosten für das Objectiv selbst. Es dürfte nicht schwer fallen, eine Einrichtung am Rohre des Instrumentes zu treffen, ein solches System leicht und ein für allemal centrirt einzusetzen und wieder auszuschalten, so dass hierdurch ein optisches Fernrohr unmittelbar für photographische Zwecke brauchbar würde. Christie*) hat eine Constructiou für ein Correetionssystem vorgeschlagen, die bedeutend einfacher als die Stcinheil’sche ist. Sie kann indessen nur für spectroskopische Zwecke benutzt werden, da sie nur genau in der optischen Axe einigermassen brauchbare Bilder giebt. Huggins hat im Jahre 1887 eine solche Correctionslinse für seinen 15 zölligen Eefractor mit gutem Erfolge in Anwendung genommen. Später hat lveeler**) die gleiche Construction wieder in Vorschlag gebracht, und jetzt werden derartige Correctionssysteme in Pulkowa und Potsdam zu spectroskopischen Beobachtungen verwendet. Durch sie werden die Strahlen von C bis II nahe r ollständig in demselben Punkte vereinigt, hei nur sehr geringer Veränderung der ursprünglichen Brennweite. Für rein photographische Zwecke kann aber die Christie’sche Construction keine Benutzung finden, da selbst für so kleine Scheiben, wie sie die grossen Planeten geben, die Bilder unscharf werden. Der Einfluss der sphärischen Aberration ist bei den astronomischen Objectivcn im allgemeinen gering und für optische Beobachtungen nur von unwesentlicher Bedeutung, dagegen nicht so für photographische. Die sphärische Aberration ist hier die llauptursache für die unvollkommene Vereinigung der Strahlen, so dass ein grösseres Scheibchen entsteht, als nach der Diftractionswirkung zu erwarten wäre. Nach letzterer müsste z. B. für den Potsdamer Photographischen Eefrac- tor der kleinste Durchmesser 0'.'6 betragen; in Wirklichkeit beträgt er aber 2" bis ff", weil die äussersten Randstrahlen sich in einem Sclieib- * Observatory 1SS7, July. **) Astrophys. Journal 1, 101. 3 * I. Die IIerstellun}r und Yerwertlunig von Ilimmelsaufnahmen. 36 eben von 3" in der wahren Brennweite vereinigen. Diese Strahlen tragen also nur wenig zur Vermehrung der Intensität des eigentlichen Mittelhildes bei, und dementsprechend ist der photographische Lichtverlust seihst bei starken Bandabblendungen sehr gering. Blendet man z. B. den Band um ! /:i des Badius ab, so ist die sphärische Aberration fast gänzlich beseitigt, der Durchmesser des Scheibchens nimmt ab bis auf nahe den durch Ditfraction geforderten Betrag von nunmehr l'/l. Ein Beispiel möge dies etwas erläutern, wenngleich nicht in exacter Weise, da die Liehtverthei- lung innerhalb der Scheibchen nicht eine gleichmässige ist, sondern Abnahme des Lichtes nach dem Bande zu stattfindet; es möge aber eine gleichmässige Vertheilung angenommen werden. Die Intensität des kleinen Scheibchens von I'.'l Durchmesser denken wir uns zusammengesetzt aus der Summe zweier Intensitäten. Die erste kommt her von der Vereinigung der Strahlen der mittleren beiden Drittel des Objcctivs in diesem Scheibeheil, die zweite aus der Vereinigung der Strahlen des äusseren Drittels des Objcctivs in einem Scheibchen von 3" Durchmesser. Es verhalten sich nun die beiden Intensitäten proportional den entsprechenden Objectivtiächen und umgekehrt proportional den Quadraten der Durchmesser der Scheibchen oder J ± _ 0.41x3.0- 3.96 . J 2 ~ 0.56x1.1-~ 0.67 ’ bei Abblendung des Bandes geht also von der ursprünglichen Intensität des kleinsten Scheibchens = 4.63 nur der siebente Theil verloren, d. li. noch nicht der zehnte Theil einer Grössenclasse. In Wirklichkeit wird der Betrag wegen der Zunahme der Intensität nach der Mitte hin grösser ausfallen; durch directe Versuche, die ich in der angegebenen Weise an Sternen angestellt habe, ergab sich ein Verlust von etwa 0.2 Grössenclassen. Bei Flächenabbildungen schwacher Objecte wird man natürlich nur mit voller Objectivötfimng photograpliircn; bei Steruaufnr.hmen aber kann man mit Vortheil Blenden anwenden, wenn es sich nicht darum handelt, die Lichtstärke nach Möglichkeit auszunutzen, sondern wenn man lieber möglichst feine Scheibchen erhalten will. Wie weit man hierbei mit der Abblendung gehen darf, kann nicht allgemein angegeben werden, sondern ist für jedes Objcctiv durch Versuche zu ermitteln; die Grenze für die Abblendung liegt da, wo die gerade Linie, welche das 'Wachsen der Ditfractionsscheibchen bei abnehmender Oeffuung darstellt, durch die Curve geschnitten wird, die die Abnahme der Scheibchen durch Verminderung der sphärischen Aberration bei Abnahme der Oeffnung darstellt. Die optischen Tlieile der photographischen Instrumente. 37 Von wesentlicher Bedeutung: hei photographischen Objectiveu sind die Lichtverluste durch Reflexion und Absorption; sie sind bedeutender als bei optischen Objectiveu, einmal, weil sowohl die Reflexion als auch die Absorption für die brechbareren Strahlen stärker ist als für die weniger brechbaren, dann aber auch, weil bei gewissen photographischen Objectiveu häufig mehr als zwei Linsen in Anwendung kommen. iNacli der Fresnel’scheu Reflexionstheorie wird die Intensität eines Lichtstrahles nach dem senkrechten Durchgänge durch eine ebene Trennungsfläche zweier Medien durch Reflexion vermindert auf die Grösse wo n den Brechungscoefficienten zwischen den beiden Medien bedeutet. Empirisch ist festgestellt worden, dass für Glasoberflächen dieses Gesetz im allgemeinen nur unmittelbar nach der Politur gültig ist, und dass allmählich nicht unbeträchtliche Abweichungen eintreten, und zwar meistens im Sinne einer Vermehrung des Reflexionsvermögens. Diese Erscheinung ist jedenfalls durch chemische Aenderuugen der Oberflächen zu erklären; sie hat im Gefolge, dass ohne directe Untersuchung das Reflexionsvermögen der Oberflächen von Glaslinsen nicht genau angegeben werden kann. Der allgemeine Ausdruck für den Lichtverlust durch Reflexion bei beliebigem Einfallswinkel

+ (/>)!_ ~cos 2 (r/) — tp)\’ der bei senkrecht auffallendem Lichte für cp — tp = 0 in den obigen einfachen Ausdruck übergeht, der nur noch den Brechungscoefficienten enthält. Aus dieser Form ist zu ersehen, dass bis

• — dr) = n [Ti — 1 \) sin x cos w Finden die Berührungen am Faden 2 zu den Zeiten 7', und T, statt, und bezeichnet man den dem Winkel w entsprechenden Winkel mit w', so folgt n (7 4 — 71,) sin y {>• dr') = cos w Bezeichnet man ferner mit c eine von der Exccntricität der elliptischen Sonnenscheibe abhängige Constante, mit p den parallaktischen Winkel, so ist ■ic = c sin 2 (45° — p) tc'= c sin 2 (45° -j- j>), also tc == ic' == c cos 2 p . Durch Division der beiden Gleichungen für 2 (r — dr) durcheinander folgt r — dr 7’ 2 — T 7 , sin x (1 ' /• — dr ~ 7 , 4 — T, ' sin y ' Nennt man A den Betrag in Bogenminuten, mn welchen die Bicli- tung der beiden Fäden von 9u° abweicht, ist also x -\- y = 90° + J, so geht (1) unter Vernachlässigung höherer Glieder Uber in 1 + dr dr_ r T i - T, 1 . 7 , 4 — 7' :i cotg x A sin 1' Zur Ermittelung von dr und dr' können folgende abgekürzte Formeln dienen: Versteht man unter * die Zenithdistanz, so ist mit genügender Annäherung das Differential der Refractiou zu setzen = 0/96 sec ' l xdx sin 1'. Für einen Sonnenhalbmesser, der den Winkel a mit der grossen Axe der Ellipse macht, wird dann dr = 0/96 sec 2 * • r ■ siu 2 a • sin 1 5S I. Die Herstellung und Verwertlinng von Himmelsanfnalnnen. Im vorliegenden Falle ist nun dr = 0/96 sec 2 « • r ■ sin 2 (45° — p) sin l' und dr — 0.96 sec 2 « • r • sin 2 (45° + p) sin 1', also —- ( ^ — 0'.96 sec 2 «- sir3^yj sin 1'. r r rp _ p Setzt man weiter ,-p - J — cotg T ü , wo T 0 stets nahe 45° sein wird, -m — J-3 die cotg also in den Gliedern höherer Ordnung als 1 genommen werden kann, so geht (2) über in cotg x — cotg T 0 = 2 (T 0 — x) sin 1' = — 0/96 sec 2 * sin 2p sin 1' — A sin 1' oder (3) x = T u 0/48 sec 2 « sin 2p -f- ^ ■ x ist der Winkel, welchen die scheinbare Balm der Sonne mit dem Faden 1 bildet. Beträgt die Neigung der scheinbaren Bahn gegen die wahre Bahn i, und setzt man x 0 = x — i, wo i = 0/48 sec 2 « • sin 2p ist, so folgt (4) x 0 = ■ An x 0 ist nun noch die Correetion wegen der Aenderung der Decli- nation der Sonne während der Berührungen anzubringen. Bezeichnet man die stündliche Bewegung der Sonne in Deel, mit dö, so wird die gesuchte Correetion in Bogenminuten jö 15 x 60 sin 1' cos -f- sin /. cos

. Aus den Gleichungen ( 1 ) bis (3) lassen sich nun für den Fall einer beliebigen Richtung der rehectirten Strahlen die Positionswinkel des Radius ableiten. *) Trepied, Ch. Sur une maniere de determiner l’angle de position d‘un point de la surface d un astre ä faide dune lunette liorizontale. C. R. 9(>, 1198. Die Heliographen und verwandten Instrumente. 69 Tliollon*) findet für den Winkel zwischen dein Souneuradius, welcher im Parallel liegt, gegen den Horizont den Ausdruck: ^ g _ sin t (cos

cos d sin cp ' wo A das Azimuth — gezählt von Norden nacli Osten — der reflectirten Strahlen bedeutet. Für den in der Praxis nur vorkommenden Fall, dass A = 0 oder = 180° ist, erhält man die bedeutend einfachere Form: _ sin t (cos cp W sin ö ° ± cos t (1 W sin d cos ro tuberanzen am Sonnenrande, sowie aller derjenigen Stellen auf der Sonnenscheibc, auf denen im Spectroskope die Wasserstoft'liuien bell erscheinen. Da im allgemeinen das Spectrum der Sonnenscheibe die Wasserstoft'liuien dunkel zeigt, also an dieser Stelle das von der Photosphäre herrUhrende contiuuir- liclie Spectrum absorbirt ist, so bildet eine Abbildung der Pliotosphäre nicht statt. Die ganze Methode ist demgemäss entstanden aus dem Wunsche, die Protuberanzen am Sonnenrande photographisch zu fixiren. In beschränkter Weise ist dieser Wunsch sehr leicht zu erfüllen; um eine einzelne Protuberanz aufzunehmen, bedarf es nur der Anbringung einer Camera an einem gewöhnlichen Protuberanzspcctroskope unter Verwendung einer der im Blau oder Violett gelegenen Wasserstofflinien, oder bei Benutzung rothempfindlicher Platten unter Verwendung der C'-Linie. In dieser Form hat Young bereits im Jahre 1870 die Aufgabe gelöst. Grössere Protuberanzen können aber nur stückweise aufgenommen werden, weil bei allzu weiter Spaltöffnung der Contrast zwischen Protuberanz und continuirlichem Spectrum zu gering wird. Die Aufgabe, die sämmtlichen Protuberanzen am Sonnenrande, auch die grössten, auf einem einzigen Bilde aufzunehmen, welches gleichzeitig auch infolge einer Unvollkommenheit des Apparats die Flecken und Fackeln zeigt, ist in theoretischer Beziehung 1S73 von Braun*) gelöst worden, und zwar dadurch, dass die Sonne nicht auf einmal, sondern successive in einzelnen Liueardurchschnittcn aufgenommen wird. Der von Braun angegebene Apparat, der übrigens niemals wirklich *) Braun, C., Ueber direc-te Photograpliirung der Sonnenprotuberanzen. Astr. Nachr. 80, 33. SO I- Die Herstellung und Verwertlmng von Ilirainelsaufuahmen. zur Ausführung: gelaugte, ist in Fig. 17 in zwei Durchschnitten abgebildet. Das Fernrohr A ist parallaktisch montirt und wird durch ein Uhrwerk dem Laufe der Sonne entsprechend fortbewegt. Der Spectral- apparat 11 ist so angebracht, dass das Sonnenbild centrisch auf den Spalt g des Collimators d fällt. Das objective Spectrum entsteht durch die Linse o'des Beobachtungsfernrohrs d’. Hier ist ein zweiter Spalt h angebracht, der der Krümmung der Wasserstoff linie Hy entspricht und genau auf diese Linie gestellt ist. Die durch diesen Spalt hin- durchgehenden monochromatischen Strahlen der Wasserstofflinic gehen dann in der Camera C ein vergrüssertes Bild des Spaltes. Das Fernrohr und die Camera sind nun durch die Platte P fest miteinander verbunden, an welcher ein Arm 1; befestigt ist, der au seinem Ende die Büchse l trägt, in der die Axe i drehbar ist. Diese Axe ist an der Platte p, welche das Spcctroskop trägt, in dem Punkte f\ dem Durchschnittspunkte der verlängerten Axen von Collimator und Beobachtungsfernrokr, fest und trägt somit den ganzen Spectralapparat. Durch diese Einrichtung ist sonach der Spectralapparat B in der Weise drehbar, dass die zwei Spalte g und h in den Focalebenen von A und C gleichzeitig fortwandern. Wird nun, während das Fernrohr der Bewegung der Sonne folgt, dem Spectralapparat eine solche Bewegung ertheilt, dass der Spalt g langsam durch das Sonnenbild hindurchwandert, so läuft der Spalt h gleichzeitig durch die entsprechenden Theile des monochromatischen Sonuenbildes, welches sich also successive auf der empfindlichen Platte Fig. 17. Die Spectroheliographen. bl in C abbilclet. Wenn die Objective o und o' die gleiche Brennweite haben, wird das Sonnenbild auch annähernd kreisrund, aller nicht vollständig, wie Braun annimmt; das Bild wird vielmehr infolge der Linien- krümmuug ziemlich stark verzerrt. Ausser den Protnberanzen wird die Sonnenscheibe mit abgebiklet, weil der zweite Spalt h nicht so fein gearbeitet sein kann, dass nur das Lieht der ///-Linie liindurchfällt; das nebenher eindringende Licht des contiuuirlichen Spectrums wird eine Abbildung der Sonnenscheibe erzeugen, und man muss schon den Spalt sehr fein nehmen, damit nicht das letztere Licht das erstcre überwiegt. Zur Ilervorbringuug der Bewegung des Spectroskopes schlägt Braun die Benutzung des Uhrwerks des Aequatoreals vor. Zu diesem Zwecke muss die Bewegungsebene, also die Ebene der Blatte P, eine zum Stundenkreise senkrechte Lage haben, und es wird dann an die Axe i ein langer Arm m befestigt, welcher die Lichtung gegen die llauptaxe des Aequatoreals hat, wenn die Spalte g und h in der optischen Axe der Linsen o und r/ stehen. Dieser Arm ist gabelförmig, und in die Oefthung der Cfabel passt ein Stift n, welcher parallel zu i in einer von allen beweglichen Theilen des Instruments unabhängigen Weise befestigt werden muss. Er muss stets zwischen der llauptaxe und der Axe i angebracht werden, in diesem Zwischenräume aber in jeder beliebigen Entfernung von diesen Axen festgestellt werden können. Je näher n an der flaupt- axe befestigt wird, um so langsamer wird die Bewegung des Spectroskopes erfolgen. Gegen die praktische Verwendbarkeit des Braun’sehen Apparates müssen sehr schwerwiegende Bedenken erhoben werden, da es principiell unrichtig ist, dem Spectroskope eine Neigung gegen die optische Axe des Fernrohrs zu ertheilen. Eine einfache geometrische Ueberlcgung zeigt, dass bei der gewöhnlichen Construction des Spectroskops, bei welcher das Yerlniltuiss von Oefthung zu Brennweite bei Oollimator- und Fernrohrobjectiv das gleiche ist, bei einer Neigung der Collimatoraxe gegen die optische Axe des Fernrohrs ein mit der Neigung zunehmender Liehtverlust bis zum völligen Verschwinden des Lichts eintritt. Erst bei Barallelführung des Collimators, wenn also der Drehpunkt f unendlich weit entfernt ist, verschwindet dieser Fehler. Lockyer* und Seabroke schlugen 1872 zur Aufnahme des Sonnen- randes die Verwendung eines ringförmigen Spaltes vor. In einem grossen Steiuheil’schen Spectroskope wird der gewöhnliche Spalt durch einen ringförmigen ersetzt. Mit Hülfe eines Heliostaten und eines Objectivs *) Proceedings R. Soc. 21, 105. Scheiner Photographie der Gestirne. 6 82 I. Die Herstellung und Verwerthung von llimmelsnufnalinien. wird auf der Spaltebene ein Sonnenbild erzeugt, welches genau in den ringförmigen Spalt hineinpasst. Bei dieser Einrichtung kann zwar ein Gesammtbild des Sonnenrandes und seiner Erhebungen erlangt werden; der Spalt muss aber weit geöffnet sein, und damit treten dieselben Nachtheile auf, wie hei der Aufnahme von Protuberanzen in gewöhnlichen Spectroskopen. Janssen*) wollte einfach ein directes Sonnenbild so lange expouiren, bis die Sonnenselieibe selbst durch Solarisation positiv erscheint. »Alsdann zeigt sich die Chromosphärc unter der Form eines schwarzen Eiliges, dessen Breite ungefähr 8" bis 10" entspricht.« .1 aussen ist hier in einem sehr starken Irrthume befangen. Der schwarze Hing entsteht durch die photographische Verbreiterung des Sonnenbildes und entspricht einer Liclitintensitilt, welche nicht mehr genügend zur Solarisation, wohl aber noch zur Erzeugung eines kräftigen Silberniederschlages ist. Diese schwarze Umrandung heller Flächen entsteht iii allen Fällen, wenn bei Abbildung der Fläche selbst Solarisation begonnen hat. Im Jahre 1SS0 hat 0. Lohse einen Spcctroheliographen construirt, der sich von dein Bra u Aschen insofern unterscheidet, als die beiden Spalte nicht senkrecht zu ihrer Längsausdehnung das Sonneubild durchlaufen, sondern eine Potatioiisbewegung ausführen in der Weise, dass sie stets senkrecht zum Sonnenrande bleiben; die Sonnenscheibe seihst wird durch einen Schirm abgedeckt. Der Apparat ist ausgeführt worden, doch sind die mit demselben erhaltenen Kesultate nicht befriedigend ausgefallen. Der Grund hierfür liegt wesentlich in der Benutzung der ZZp-Liuie, welche wegen ihres diffusen Charakters überhaupt nicht zur Abbildung der Pro- tuberauzen geeignet ist. Die Lohse ; sehe Form des Spectroheliographen ist im Jahre 1891 von Deslandres mit einer Modification in Vorschlag gebracht worden. Der Unterschied besteht nur darin, dass hinter dem zweiten Spalte die photographische Platte nicht fest liegt, sondern sieh mit derselben Geschwindigkeit, mit welcher der erste Spalt den Sonuenrand durchläuft, in gerader Lichtung fortbewegt. Dadurch wird die Chromosphärc als gerade Linie dargestellt. Irgend ein Vortheil dürfte hierin wohl nicht zu suchen sein, sondern nur eine unnöthige und nachtheilige Vermehrung der Complicirtheit. Vom Jahre 1889 an hat sich llale**) mit der Aufgabe der photographischen Aufnahme des Sonnenraudes beschäftigt, und seine Versuche *) C. K. 91, 12. **) Astr. and Astroph. 12, 241. Die Speetrolieliographeu. SH sind nach zwei Bichtungen hin augestellt worden. Die beiden Methoden sind die folgenden: 1) Die Geschwindigkeit des Uhrganges hei einem Aequatoreal wird so geändert, dass das Sonnenbild langsam über den Spalt eines stark dispergirenden Spcctroskopes hinübcrläuft, und zwar senkrecht zur Spalt- riehtung. Eine der Protuberanzlinien wird in die Mitte des Gesichtsfeldes des Beobaehtungsfernrohrs gebracht und fällt hier genau durch einen in der Focalebene befindlichen Spalt auf eine photographische Platte. Diese Platte wird reehtwinkelig zu den Spectrallinien mit einer der Geschwindigkeit des Sonnenbildes entsprechenden Geschwindigkeit bewegt. 2) Das Sonnenbild wird durch das Uhrwerk des Fernrohrs genau auf derselben Stelle gehalten, dem Spalte des Spcctroskopes dagegen eine gleichförmige Bewegung ertheilt bei feststehendem Collimator. Vor der unverändert festlicgendcn photographischen Platte bewegt sich im Focus des Beobaehtungsfernrohrs ein Spalt mit solcher Geschwindigkeit, dass eine gegebene Protuberanzlinie constant auf die Platte fällt. Haie hat schliesslich die zweite Methode als die beste befunden und hiernach seinen grossen, am 12zölligen Pefractor der Kenwood-Steru- warte in Chicago angebrachten Speetrolieliographeu construirt, der in Fig. 18 (folg. Seite) abgebildet ist. Derselbe besteht der Hauptsache nach aus einem Spectroskope mit Ifowland’sehem Gitter, welches eine sehr kräftige Dispersion giebt. Das Spectroskop besitzt zwei bewegliche Spalte, den einen in der Brennebene des Collimators, den anderen in der Brennebene des Beobachtungsfernrohrs. Die Spalte sind auf kleinen AVagen montirt, so dass sie mit vollkommener Freiheit senkrecht zu den üohraxen in der Längsrichtung des Spectrums bewegt werden können. Sie sind durch ein Hebelwerk so mit einander verbunden, dass ihre Bewegungen genau gleichartig in entgegengesetzter Itichtung erfolgen. Die photographische Cassette befindet sich unterhalb des zweiten Spaltes und kann demselben so genähert werden, dass die empfindliche Schicht die Spaltkanten beinahe berührt. Letzteres ist sehr wichtig, da selbst bei geringem Abstande schon sein- schädliche Ditfractionswirkungen durch den engen Spalt entstehen würden. Zur Erzielung eines gleichförmigen Bildes ist natürlich eine durchaus gleichförmige Geschwindigkeit in der Bewegung der beiden Spalte erforderlich, und diese schwer zu erfüllende Bedingung hat llale in sehr glücklicher Weise durch eine »Wasseruhr«, (»clepshydra«; erfüllt, und es ist geradezu überraschend, eine wie vollständige Gleichförmigkeit der Bewegung durch diesen einfachen Apparat hervorgebracht wird. Derselbe besteht aus einem Cvlinder, in dem sich ein dicht schliessender Kolben bewegt, dessen Stange in den zu treibenden Mechanismus eingreift. Auf S4 I. Die Herstellung und Yerwerthung von Ilinimelsaufnahmen. Fig. 18. beiden Seiten des Kolbens befindet sich Wasser, anf der einen Seite das Druckwasser einer Wasserleitung z. B., auf der anderen Seite Wasser, welches durch den Kolben Druck erleidet und deshalb aus einer sehr Die Spectrolieliographen. sr» engen Oetfnung (los Cylinders zu cntweiclien strebt. ,So lauge der Druck des Wassers eonstaut bleibt, ist auch die Bewegung des Kolbens gleichförmig, und der Apparat fuuetionirt um so besser, je kleiner der Querschnitt der Ausströmuiigsöffnung im Verliältniss zum Querschnitt des Kolbens ist. Um sich von dem Einflüsse des besonders bei öffentlichen Wasserleitungen häutig stark variirenden Druckes frei zu machen, hat Haie noch eine andere Einrichtung gewählt, welche überhaupt der ersteren vorzuziehen sein dürfte. Bei derselben dient das Wasser nur zur Bcgu- lirung der Geschwindigkeit, die nöthige treibende Kraft wird durch eine an dem einen Ende der Kolbenstange befestigte Schnur mit Gewicht erhalten. In diesem Falle sind die beiden, durch den Kolben getrennten Bäume des Cylinders durch ein communicirendes Bohr verbunden, dessen Querschnitt durch einen Halm an einer Stelle beliebig modificirt werden kann. Die Begulirung erfolgt dadurch, dass das AVasser von dem einen Ende des Cylinders durch die im Bohre befindliche enge Oetfnung auf die andere Seite des Kolbens gepresst wird. Es ist übrigens bei Benutzung dieser AA'assermotoreu wichtig, dass sieh im (B linder keine Luft befindet, weil sonst der Widerstand, den der Kolben erfährt, ein elastischer wird, und bei kleinen Veränderungen des AViderstandes, die unausbleiblich sind, Schwankungen in der Geschwindigkeit resultireu. Infolge der Bewegung der Spalte erfährt bei der vorliegenden C 011 - struction das Sonnenbild leider eine ziemlich starke Distorsion. Bezeichnet man mit D den Diffractionswinkel, mit io den Incidenz- winkel, mit /. die AVellenlänge der Linie, in welcher die Abbildung erfolgt, mit n die Ordnungszahl des Diffractionsspectrums und mit d die Distanz der Gitterstriche, so ist für ebene Gitter sin cd oder sin 0 eine Coustaute für eine gegebene Linie ist. Hieraus folgt d cosojduj d 0 — - cos 0 Für den 11 a 1 c'scheu Spectrolieliographen ist nun der Durchmesser des Sonnenbildes dio — ~) I nun, ferner wird (für die K- Linie 0 Maximum = 14° 36' ft Minimum =13 42 io Maximum = 40 ö l io Minimum = 3S 42 also dO = 39.S. S(i I. Die Herstellung und Venverthung von llimmelsaufnalimen. Das resultirende Sonnenbild ist also ein Oval, dessen kleinere Axe parallel zur Längsrichtung- des Spectrums im Verhältniss 4 : ."> kleiner ist als die grosse. Eine Ellipse ist das 1 »ild nicht, da dO nicht für die ganze Ausdehnung der Sonnenscheibe constant ist. Setzt man z. B. do> = I mm und rechnet dann d() für den ersten Hand, die Mitte und den zweiten mm mm mm Hand der Sonnenscheibe, so folgt (70,= 0.75; r/0 2 = l).T9; d0 3 — 0.S0. Die auf einem solchen Bilde erhaltenen Messungen erfordern also eine beträchtliche Keduction auf kreisrunde Bilder; dieselbe kann übrigens ein für allemal für ein bestimmtes Instrument tabulirt werden. Bequemer ist es, die Distorsion dadurch zu vermeiden, dass nicht bloss dem zweiten Spalte, sondern auch der photographischen Blatte eine Bewegung ertheilt Avird, wobei die Bewegung der letzteren so berechnet sein muss, dass sie die Verzerrung aufhebt. Um von den verzerrten Negativen eine Aveniger verzerrte Copie zu erhalten, hat Haie ein Bild des Negativs auf einen Schirm projicirt, in Avelchem sich ein Spalt parallel zur grossen Axe des Bildes befindet. Gleich hinter dem Schirme und in der Focalebene der Brojectionslinse ist die photographische Blatte angebracht. Schirm und photographische Blatte sind so mit einander verbunden, dass, Avährend sich der Spalt quer über den kleinen Durchmesser des Bildes schiebt, sich die Blatte in entgegengesetzter Dichtung um den Betrag der Differenz der beiden Axen beAvegt. Man erhält hierdurch Copien, Avelche für das Auge völlig rund erscheinen. Für exacte l’osi- tionsbestimmungen genügt natürlich diese mechanische Correction noch nicht; es muss an die ausgemesseneu Bositionen noch immer eine rechnerische Correction angebracht Averden. Es ist bekannt, dass die Wasserstofflinien, je mehr sic sich dem violetten Ende des Spectrums nähern, um so breiter und verwaschener Averden. Bereits zAvischen der C- und der F- Linie ist ein solcher Unterschied Avahrnehmbar, und dementsprechend lassen sich die Protuberauzen in der (7-Linie viel besser beobachten als in der F- Linie. Für photographische Aufnahmen können nun bloss die ///-Linie oder die noch Aveiter nach Violett zu gelegenen 'Wasserstofflinien in Frage kommen, und deren Venvaschenheit ist bereits so stark, dass die Aufnahmen der Protuberanzen ohne alle Schärfe sind und zum Studium sich nicht eignen. Es ist dies, Avie schon bemerkt, der Hauptgrund dafür, dass auch die Aufnahmen von Protuberanzen in geAvölmlichen Spectroskopen, z. B. diejenigen von Voting, nicht befriedigend ausgefallen sind. Das Verdienst Haies um diesen ZAveig der Sonnenphotographie besteht eben nicht allein in der vorzüglich gelungenen Construction seines Apparates, sondern auch darin, dass er nach einigen Vorversuchen ausschliesslich Die Corouographen. S7 zur Benutzung der K- Linie libergegangen ist. Diese mit grosser Wahrscheinlichkeit dem Calcium angehürende Linie erscheint iu den Pro- tuherauzen und in der Chromosplmre sehr scharf, erstreckt sich ausserdem mindestens gerade so weit in die Protuberanzen hinein, wie die Wasserstofflinien, so dass die erhaltenen Protuberanzbilder an Schärfe und Ausdehnung durchaus mit den in der C-Linie optisch erhaltenen concurriren können. Als weiterer günstig wirkender Umstand kommt hinzu, dass die helle K- Linie scharf in der sehr breiten und verwaschenen dunklen Absorptionslinie sitzt, dass also gerade an dieser Stelle die Intensität des continuirliehen Speetrums eine sehr geringe und damit der Contrast der abgebildeten Protuberanz gegen die Umgebung ein sehr grosser wird. Die A'-Linie erscheint cigenthiimlicher Weise auch in den Fackeln hell, und somit erhält man auch ein Bild der letzteren, und zwar im Gegensätze zu directen Aufnahmen oder Beobachtungen, hei denen sie nur in einem begrenzten Gebiete in der Nähe des Sonnenrandes zu erkennen sind, auf der ganzen Sonnenscheibe. Es ist damit für das Studium der Fackeln eine sehr beträchtliche Erweiterung eingetreten. Die C o r o n o g r a p h e n. Die grosse Schwierigkeit, welche der Erforschung der Sonnencorona dadurch entgegensteht, dass dieselbe im allgemeinen nur hei totalen Sonnenfinsternissen, also nur zu seltenen, sehr kurzen Momenten und dabei noch unter meist ungünstigen Umständen zu beobachten ist, hat naturgemäss zu dem eifrigen Bestreben geführt, eine Methode zu erfinden, welche es ermöglicht, die Corona in entsprechender Weise wie die Protuberanzen zu jeder Zeit sehen zu können. Dass dies nicht auf ähnliche Weise möglich ist wie hei den Protwberanzen, erhellt aus der Thatsache, dass das Licht der Corona im Gegensätze zu demjenigen der Protuberanzen ein wesentlich continuirlichcs Spectrum liefert, dessen Trennung vom continuirliehen Spectrum der Erdatmosphäre nicht erreicht werden kann. Aus der Länge der Coronalinie hei senkrechter Stellung des Spaltes zum Sounenrande würden sich allerdings vielleicht Schlüsse auf die Ausdehnung der inneren Theile der Corona ziehen lassen, auf die charakteristische Form und Structur aber nicht, da die Coronalinie einerseits sich nicht weit genug vom Sonnenrande erkennen lässt und andererseits auch zwischen den hellen Strahlen der Corona erscheint, das Gas, von dem sie herrührt, also an der Structur der Corona nicht wesentlich betheiligt ist. Irgend ein ausgedehntes cölestisches Object kann am hellen Tage nur daun sichtbar sein, wenn seine Flächenhelligkeit h so gross ist, dass das Verhältnis« der Summe von h und der Helligkeit H der erhellten SS 1- Die Herstellung und Verwertlmng von llinnuelsaufuahmen. Erdatmosphäre zur Helligkeit dev letzteren allein, also das Verhältnis* ~—fi > «och für das Auge wahrnehmbar ist. Für das Auge ist die Wahrnehmbarkeit abhängig von der absoluten Helligkeit h II, und deshalb werden die Verhältnisse günstiger, wenn durch Einschaltung eines absorbirenden Mediums die das Auge blendende Tageshelligkeit der Atmosphäre auf eine gewisse Grösse herabgedriiokt wird. Bei der photographischen Abbildung muss durch die Wahl der Plattenemptindliehkcit oder der Expositionszeit die möglichst günstige Stufe gesucht werden. Die optische Sichtbarmachung hängt aber nicht allein vom Helligkeits- Verhältnisse oder Contraste ab, sondern auch von der Art des Objectes. Eine kleine, scharfbegrenzte Scheibe ist viel besser zu erkennen als bei sonst gleichen Helligkeiten ein diffuses Object, dessen Helligkeit ganz allmählich nach dem Bande hin abnimmt. Nur hierdurch ist es zu erklären, dass alle 'S ersuche*), die Corona in Fernrohren zu sehen, missglückt sind, auch wenn sie auf hohen Bergen angestellt wurden, wo doch das Yerhältniss 1 ein günstigeres ist, als in der Ebene. Denn dass das Licht der Corona in der Fähe des Sonnenrandes hell genug ist, um durch Contrast noch merklich zu werden, beweist die Beobachtungserfahrung, dass zuweilen bei Mercur- oder Venusdurchgäugen die Planetenscheiben bereits vor ihrem Eintritt in die Sonneuscheibe erkannt worden sind, ln diesem Falle hat die Planetenscheibe die Helligkeit der Erdatmosphäre II, die nächste Umgebung aber die Helligkeit h -f- II. Beobachtungen von Langley, llarkuess und Janssen während totaler Sonnenfinsternisse haben ergeben, dass die Flächenhelligkcit der Corona in der Nähe des Sonnenrandes jedenfalls beträchtlich grösser ist als diejenige des Vollmondes. Langley**) hat bei I' Abstand von der Sonne die Corona sechs Mal heller als den Vollmond gefunden, bei 3' Abstand allerdings schon zehn Mal schwächer als letzteren. Harkness***) giebt folgende Besultate an: 1) Das Gesammtlicht der Corona (1S7S) war 3.S Mal heller als das des Vollmondes. 2) Die Helligkeit nimmt umgekehrt mit dem Quadrate der Entfernung vom Sonnenrande ab. 3) Der hellste Theil der Corona war 15 Mal heller als die Scheibe des Vollmondes. * Reports on the Total Solar Eclipse of July 29, 1S7S and January 11, lsso (Langley.. Langley, Report on the Mount Whitney Expedition. Copeland, Coper- nicus III, 212. **. Reports on the Total Solar Eclipse of July 29, 1S7S etc. *** ibid. Die Coronographeu. Sil Wenn auch alle diese Angaben naturgemäss sehr unsicher sind, und wenn auch die Helligkeit der Corona einem beträchtlichen Wechsel aus- gesetzt sein wird, so gebt doch so viel daraus hervor, dass die inneren Theile der Corona jedenfalls heller sind, als der Vollmond, dass also die Corona, könnte sie in eine beträchtliche Distanz von der Sonne weg versetzt werden, am hellen Tage durchaus sichtbar sein würde. Ihre Nieht- siehtbarkeit beruht im wesentlichen auf der enormen Zunahme der Luft- helligkeit nach der Sonne hin. In welchem Masse dies statttindet, lässt sich nicht angeben, da exaete Beobachtungen hierüber fehlen; auch ist die Zunahme nach der Sonne hin jedenfalls eine nach den verschiedenen Luftzuständen sehr variirende; sie wird bei dunstiger Luft, wenn der ganze Himmel weisslieh erscheint, um das Vielfache stärker sein als bei tief blau gefärbtem Himmel. Der Versuch, auf photographischem Wege das zu erreichen, was sieh auf optischem als unmöglich herausgestellt hat, scheint im ersten Augenblick verfehlt; denn nach allen Erfahrungen besitzt die photographische Platte weniger Empfindlichkeit für die Abbildung ganz schwacher Contraste als das Auge. Abney giebt zwar an, dass noch Helligkeits- Unterschiede von Viio photographisch nachweisbar wären, womit daun ungefähr die Empfindlichkeit des Auges erreicht wäre; nach meinen Erfahrungen aber dürfte, jedenfalls im allgemeinen, diese Grenze zu hoch gegriffen und auf etwa , / 3w zu redueireu sein. Dieser Nachtheil der photographischen Methode wird aber mehr als eompensirt durch den Umstand, dass die für optische Beobachtungen so schädliche Verwasehen- heit des Objectes für die photographische Darstellung fast ganz belanglos ist. Noch ein Anderes kommt vielleicht zu Gunsten der Photographie hinzu, aber nur dann, wenn das continuirliche Spectrum der Corona in der Hauptsache von Eigenlicht herrührt, und nicht wesentlich re- flectirtcs Sonnenlicht ist. In diesem Falle kann es eintreten, dass das Ilelligkeitsverhältniss > in Blau und Violett günstiger ist als im optischen Gebiete, weil das Lieht der Sonne in deren Atmosphäre im Blau und Violett eine stärkere Absorption erfährt, als in den weniger brechbaren Theileu des Speetrums, also II kleiner wird, während h unverändert bleibt. Es tritt dies aber nur dann ein, wenn die Temperatur, bei welcher die Partikel der Corona glühen, eine genügend hohe ist. so dass h nach dem Violett nicht mehr abnimmt als II. Aelmlich wie bei den Versuchen, die Corona optisch zu beobachten, hat man auch die photographische Methode durch Einschalten absor- birender Medien zu unterstützen versucht, indem man glaubte, hierdurch von dem auf die Platte wirksamen Lichte der Erdatmosphäre mehr 90 i. Die Herstellung und Venverthung von Himmelsaufnahmen. abschneiden zu können als von dem der Corona. Meines Erachtens ist dieser AVeg ein gänzlich aussichtsloser; denn eine solche Auswahl findet in einem continuirliehen Spectrum nicht statt, auch wenn nicht der grösste Tlieil dos Coronalichtes bloss reflectirtcs Sonnenlicht sein sollte. Ganz anders läge die Sache, wenn die Corona z. B. ein spccielles Intensitätsmaximum für einen eng begrenzten Tlieil der blauen Strahlen lieferte, welches das Sonnenlicht, resp. das Licht der Erdatmosphäre nicht besitzt; dann würde es möglich sein, durch ein geeignetes Absorptionsmittel alle übrigen photographisch wirksamen Strahlen abzusehliessen und so durch Benutzung nur dieses Maximums ein günstigeres Yerhältniss zwischen den Helligkeiten der Corona und der Atmosphäre herzustellen. Ein solcher Fall liegt aber wohl schwerlich vor. Die Bestrebungen müssen nach einer ganz anderen Lichtung gehen, nämlich dahin, das photographische Verfahren so zu wählen, dass ein Maximum der Empfindlichkeit in der Abbildung schwacher Contraste erreicht wird, und gleichzeitig in demselben Sinne die Expositionszeit zu wählen. Diesen Weg hat lluggins*) eingeschlagen, und es scheint, als ob er auf demselben auch zu positiven Resultaten gelangt sei. Es mögen deshalb hier die vergeblichen Versuche anderer Astronomen, sowie die Vorversuche von lluggins übergangen werden, um gleich die definitiven lluggins’schen Untersuchungen zu besprechen. .Sein Coronograph hat die folgende einfache Einrichtung (Fig. 19): Fig. 19. Bei b befindet sieh der 7 zöllige, auf 3 */ 2 Zoll Oeftuung abgeblendete Spiegel, der gegen die Axe des Rohres etwas geneigt ist, so dass der von C kommende Lichtstrahl nach y gelangt. C ist eine Röhre mit vielen Diaphragmen, welche zur Vermeidung von schädlichen Reflexen angebracht sind und das Gesichtsfeld auf einen kleinen Tlieil der Sonncn- umgebung beschränken. Dicht vor der photographischen Platte befindet sich ein kreisrunder Bleehschirm g, welcher, von etwas grösserem Durchmesser als das Sonnenbild, die directen Sonnenstrahlen von der Platte abhält. Vor der Platte befindet sich der Spaltverschluss mit Einrichtungen zur Variation der Expositionszeit. Als geeignetstes photographisches * Proceedings E. Soc. 1SS5. }fr. 239. Die Coronographeu. Ul Verfahren hat lluggins den .Chlorsilberprocess gewählt; für die Expositionszeiten musste die Ucberlcguug massgebend sein, dass natürlich nicht diejenige brauchbar sein kann, welche hei totalen Sonnenfinsternissen anzuwenden ist, welche also ungefähr der wirklichen Helligkeit der Corona h entspricht, sondern eine bedeutend kürzere, passend für die Helligkeit 11 + 1). Immerhin bleibt bei dieser Ueberlegung die wirklich anzuwendeude Expositionszeit noch in sehr weiten Grenzen unsicher, und lluggins war deshalb auf die Hoffnung angewiesen, bei einer grösseren Zahl von Aufnahmen mit den verschiedensten Expositionszeiten ein oder das andere Mal die richtige zu treffen, und das scheint auch gelungen zu sein. Allerdings zeigen ja alle derartige Aufnahmen eine helle, nach aussen abnehmende Umrandung der Sonne, die für gewöhnlich nur ein Bild der erhellten Erdatmosphäre ist; aber Bilder, welche deutliche Anzeichen einer unregelmässigen Umhüllung und einer corona- ähnlichen Struetur zeigen, hat lluggins nur bei sehr klarem, blauem Himmel erhalten. Um eine directe Aufklärung hierüber zu gewinnen, hat lluggins bei Gelegenheit der totalen Sonuentinsterniss vom 6. Mai ISS'.l, welche auf den Carolinen beobachtet wurde, in Eondou Aufnahmen mit seinem Coronographeu gemacht und nach diesen Aufnahmen eine Zeichnung der Corona anfertigen lassen, bevor die Resultate von den Carolinen-Inseln bekannt waren. Die spätere Vergleichung zeigte eine entschiedene Aelin- lichkeit in der allgemeinen Form, und ganz ausser Zweifel wurde die Identität gestellt durch einen eigenthümlich geformten Strahl, der auf den lluggins’schen Aufnahmen und auf denen von der Sonnenfinsterniss zu erkennen war. Es ist somit wohl ausser Frage gestellt, dass es lluggins gelungen ist, das Problem zu lösen; aber es ist dabei nicht zu verkennen, dass die erhaltenen Ilesultate noch wenig zu einem besonderen Studium der Corona geeignet sind, und dass ganz wesentliche Vervollkommnungen der Methoden noch sehr wünschcnswerth sind. Einen gänzlich anderen Weg als lluggins hat Haie in neuerer Zeit eingeschlagen, um Aufnahmen der Corona zu erhalten. Wenngleich derselbe bisher nicht zum Ziele geführt hat, so ist er doch insofern bemerkenswerth, als Haie wieder zu dem früher verfolgten Principe der Benutzung eines begrenzten, diesmal sehr eng begrenzten Spectralgebictes zuriiekgegangen ist. Da das Licht der Erdatmosphäre wesentlich nur Sonnenlicht ist, so ist es klar, dass unsere Atmosphäre für das Eicht von der 'Wellenlänge irgend einer Fraunhofer’schen Linie, welche in der Sonne ihren Ursprung hat, relativ sehr dunkel ist. Mit Hülfe eines dem Spectro- heliographen ähnlich gebauten Instruments ist es nun verhältnissmässig 92 I. Die Herstellung und Yerwerthung von llimmelsaufnalimeu. leicht, eine solche Linie ans dein übrigen Lichte zu isoliren, indem der zweite Spalt genau auf diese Linie gesetzt wird. Ob diese Methode zum Ziele führen kann, hängt allein wieder davon ab, ob das Licht der Corona zu einem beträchtlichen Theile aus eigenem Lichte bestellt und nicht nur reflectirtes .Sonnenlicht ist; im letzteren Falle würde natürlich die Corona in dem Liclite von der betrettenden Wellenlänge ebenfalls dunkel sein. Haie hat hauptsächlich auf Grund von Beobachtungen, die Hastings bei der 18S3er Sonnentinsterniss über das Spectrum der Corona angestellt hat, sich der ersteren Ansicht zugeneigt und einen rasp TincrJ .-m •4 * !>;.•» Fig. 20. zu dem Zwecke der Coronaaufnahmen bestimmten Spectroheliographen mit geringer Zerstreuung benutzt. Als vortheilhafteste Stelle des Spec- trums bot sich ihm die 7v-Linie dar, hauptsächlich, weil es kein breiteres Hand im brechbareren Theile des Spectnuns giebt, so dass sieb die erforderliche sehr geringe Weite des zweiten Spaltes noch praktisch herstellen liess. Die mechanische Einrichtung des Apparates unterscheidet sich in einigen Punkten von der des Spectroheliographen und ist wesentlich einfacher. Die beifolgende Fig. 20 giebt einen Durchschnitt durch den Apparat. Der äussere Lahmen ist am Fernrohre (Spiegelteleskop) befestigt, und an ihm ist fest verbunden die photo- Oie photographischen Refraetoren und Reflectoren. «)3 graphische Fassette mit Platte. Der ganze übrige Tlieil des Apparates, also Speetroskop mit dem zweiten Spalte, kann vermittels Pollen auf Führungen hin- und hergleiten. Die Bewegung dieses Theiles wird in gleichförmiger Weise durch eine in der Figur nicht sichtbare, seitlich angebrachte Wasseruhr besorgt. Als Dispersionsmittel dienen nur zwei Prismen aus ('rownglas; durch das dritte, totalreflectirende Prisma werden die Strahlen so abgelenkt, dass die Axen von Colliinator und Beobaehtungsfernrohr genau parallel sind. Hierdurch hat der Apparat eine sehr compendiöse und stabile Form erhalten und ist gleichzeitig der complicirte Hebelmechanismus des Spectrolieliographen in Wegfall gekommen. Yor dem ersten Spalte ist eine kreisrunde Platte von etwas grösserem Durchmesser als das Bild der Sonncnseheihe angebracht, um das directe Sonnenlicht abzublendcn. Die Aufnahmen, die Haie auf dem Aetna mit diesem Apparate erhalten hat, zeigen in Bezug auf die Corona ein negatives Besultat, und hieraus ist wohl der Schluss zu ziehen, dass ein wesentlicher Unterschied des Coronaliehtes gegen das Sonnenlicht nicht bestellt, und dass die für das Gegcntheil sprechenden Beobachtungen nicht genügend sicher sind. Die photographischen Refraetoren und Reflectoren. An die Instrumente, welche zur Aufnahme von Fixsternen, Nebelflecken, Cometen und auch zu direct vergrösserten Aufnahmen des Mondes und der grossen Planeten dienen sollen, wird die Forderung gestellt, dass während längerer Zeiträume der Bildpunkt eines Sternes mit einer sehr grossen Exactheit auf demselben Punkte der photographischen Platte festgehalten werden kann. Von einer möglichst hohen Leistungsfähigkeit des Instrumentes in dieser Beziehung hängt hauptsächlich die Erlangung von Aufnahmen ab, deren Ausmessung alle directen Messungen an Genauigkeit übertreffen kann. An die photographischen Pefractoren — um diese Instrumente kurz so zu bezeichnen — werden deshalb im allgemeinen höhere Ansprüche in Bezug auf Stabilität und genaue Ausführung gestellt, als an andere Fernrohre; ausserdem aber müssen neue Einrichtungen getroffen werden, um das gesteckte Ziel erreichen zu können. Seihst ein ideal fehlerfrei gebautes Instrument kann, selbständig functionirend, hei längeren Expositionszeiten keine guten Aufnahmen liefern, da die mit dem Stundenwinkel und mit Temperatur- und Barometerschwankungen veränderliche Rcfraction eine Bewegung des Bildpunktes auf der Platte bewirkt. Es muss also die Möglichkeit gegeben sein, dass der Beobachter die Lage des Bildpunktes direct oder h befindet, und die Correction wird man ausführen mit der Schraube, welche die Höhe des Instrumentcnpoles ändert. Entfernt sich der Stern vom Declinationsfaden scheinbar nach Westen, so muss das Nordende der Stundenaxe gehoben werden. Hierbei erhält man die Oricutirung des Instrumentes aber nicht auf den wahren Pol, sondern auf den scheinbaren, durch Re- fraetion veränderten. Das ist in unseren Breiten aber nur vortheilhaft. wenn die Aufnahmen in mittleren Höhen und nicht zu grossen Stundenwinkeln genommen werden. Man kann übrigens in jedem einzelnen Falle die Orientirung auf den wahren Pol nachträglich ausführen, wenn man Mi Die photographischen Refraetoren und Refiectoren. 101 sich ein für allemal ausgerechnet hat, um welchen Betrag hierzu die Schraube gedreht werden muss. Diese Methode gewährt eine sehr grosse Genauigkeit der Oricntirung. Wenn man eine Vergrüsserung von 300 bis 400 anwendet, kann man eine Variation von O'.'ö in der l'ointirung des Sternes noch deutlich erkennen, falls die Luftunruhe nicht zu stark ist. Nun bringt ein Fehler in der Oricntirung von 1' in einer Zeitminute eine Aenderung der Einstellung von 0726 hervor; in 2 Minuten kann also ein Orientirungsfehler von 1' bereits erkannt werden, und es ist daher mit Leichtigkeit die Orien- tirimg bis auf etwa 10" auszuführen. Die Felder der Oricntirung selbst bleiben bei dieser Methode der .rustirung unbekannt, was alter für die Zwecke der Justirung gleichgültig ist. Sie lässt sicli aber auch zu einer genauen Bestimmung dieser Fehler verwenden, wie Itambaut*) gezeigt hat. Es ist hierzu nur nüthig, von zwei passend gewählten Sternen zwei kurze Aufnahmen in einem Intervalle von 15 oder 30 Minuten zu machen mul die Distanz der den beiden Aufnahmen entsprechenden Bilder zu messen. Eine Auseinandersetzung dieser Methode gehört aber nicht an diese Stelle, sondern sie muss in einem später folgenden Capitel besprochen werden. Als Marke im Haltefernrohr benutzt man im allgemeinen am besten ein einfaches Fadenkreuz, entweder dunkle Fäden im hellen Felde oder helle Fäden im dunklen; letzteres ist indessen nur als Nothbehelf zu betrachten, wenn der I [ältestem zu schwach ist, um im hellen Gesichtsfelde deutlich gesehen werden zu können. Die Fäden sollen möglichst fein sein, damit das Sternpünktchen nicht im Durchschnittspunkte der Fäden verschwindet, und die Ocularvergrösserung soll eine recht kräftige sein, damit man einerseits die kleinsten Verstellungen walirnimmt, andererseits aber auch die feinen Fäden deutlich sehen kann. Die geeignetsten Vergrösserungen zum Halten dürften bei grösseren Refraetoren zwischen 100 und 600 liegen; bei unruhiger Luft wird man etwas weniger vorziehen, bei sehr guter Luft kann man dagegen noch weiter gehen. Je heller der Haltestern ist, um so schärfer kann gehalten werden, da das Bild des Sternes damit immer grösser wird und die Viertheiluug desselben durch das Fadenkreuz besser taxirt werden kann. Bei Haltefernrohren von 9 bis 10 Zoll Oeffnung dürfte die Grösse 9.5 die untere Grenze darstellen, unterhalb welcher im hellen Fehle nicht mehr genügend scharf gehalten werden kann. Man wird indessen nur selten ganz in der Nähe des Punktes, der auf die Mitte der Platte kommen soll, einen genügend hellen Stern zum Halten finden, und deshalb ist es unumgänglich noth- *) To adjnst tlie Polar Axis of an Equatorial .... M. N. 54, 85. 1112 I. Die Herstellung und Yerwertliung von Ilinunelsaufnahmen. wendig, das Fadenkreuz nicht fest im Ocularauszuge, sondern auf einer niikrometerälmlielien Yorrichtung anzubringen, welche es gestattet, das Fadenkreuz an jede Stelle eines Feldes von mindestens 30' Durchmesser zu bringen, um auch weiter entfernte Sterne zum Halten benutzen zu können bei Beibehaltung des gewünschten Plattenmittelpunktes. Bevor mau diese Einrichtung an photographischen Befractoren getroffen hatte, hat man zu anderen 1 Hilfsmitteln gegriffen, um schwächere Sterne halten zu können. Mau nahm dunkles Gesichtsfeld und beobachtete das Verschwinden des Sternes hinter den sehr dicken Fäden des Fadenkreuzes; ein exactes Halten ist mit dieser Yorrichtung natürlich nicht möglich. Besser ist die Lohse’sche Methode, wobei anstatt des Fadenkreuzes ein aus Balmain’scher Leuchtfarbe hergestellter Bing benutzt wird, de nach der Stärke der Belichtung des Binges erscheint derselbe nachher in mehr oder weniger mildem Lichte, so dass noch ziemlich schwache Sterne recht gut in die Mitte des Binges eingestellt werden können. Ganz zu verwerfen ist eine von Schacberle und Barnard angegebene und bei helleren Sternen häutig angewandte Methode, bei welcher keine künstliche Fehlbeleuchtung nothwendig ist. Man bringt hierbei das Fadenkreuz so weit aus dem Focus des Fernrohrs heraus, dass der Stern als kleine Scheibe erscheint, auf welcher alsdann das Fadenkreuz sichtbar wird. Infolge der hierdurch auftretenden Parallaxenwirkung kann natürlich exactes Halten nicht mehr stattfinden. Das Halten selbst ist nun, wie jede andere messende astronomische Beobachtung, eine Kunst, die nur durch Hebung erworben werden kann. Man muss Hei jeder Art des Luftzustandes sofort erkennen können, ob eine plötzlich stattfindendc Excursion des Sternes vom Fadenkreuze durch die Luftunruhe oder durch einen Fehler im Instrumente verursacht ist. Im ersteren Falle hat mau nicht zn corrigiren, da die durch Luftunruhe entstehenden Schwankungen sich im Laufe der Exposition von selbst ausgleichen; im anderen Falle aber muss möglichst sofort corrigirt werden. Diese Unterscheidung ist nicht immer leicht, da es Luftzustände giebt, bei denen die Schwankungen eine Periode von mehreren Secunden besitzen (siehe pag. 49). Das Corrigiren mittels der Feinbewegungen muss ganz mechanisch erfolgen, d. h. die Hebung muss so weit getrieben sein, dass ohne besondere Ueberlegung die entsprechende Handbeweguug ausgeführt wird, sobald eine Abweichung von der richtigen Stellung in irgend einer Lichtung sichtbar wird. Durch sehr grosse Unruhe der Luft wird das Halten schliesslich sehr erschwert; in solchen Fällen aber soll man schon aus anderen Gründen von photographischen Aufnahmen absehen. Die in diesem Capitel bisher gegebenen allgemeinen Principien der Die photographischen Refractoren und Retiectorcn. 103 Construction werden in Verbindung mit den entsprechenden Kegeln für die Wald der optischen Tlicilc genügen, zu einem bestimmten Zwecke ein möglichst geeignetes photographisches Instrument zu construiren. Es hleihe-n dabei natürlich noch viele Klinkte im einzelnen zu überlegen, die unmöglich im Voraus hier berücksichtigt werden können, da sie ein Speeialstudium erfordern. Es wird auch kaum möglich sein, ein grösseres Instrument dieser Art gleich vollkommen fertig zum Gebrauche herzustellen; erst die Benutzung lässt die Felder und Unvollkommenheiten erkennen, die dann nachher verbessert werden können. Diese Fehler dürfen natürlich keine die Uaupttheile des Instrumentes betreffenden sein, da deren Beseitigung nachträglich grosse Schwierigkeiten macht oder auch ganz unmöglich ist. und deshalb sind auch die allgemeinen Gesichtspunkte im Vorigen nufgestellt worden. Es möge nun zu einer Beschreibung einzelner Instrumente, die sieb durch gute .Resultate ausgezeichnet haben oder in historischer Beziehung interessant sind, übergegangen werden. In erster Linie gebe ich hier eine eingehende Beschreibung des Photographischen Refractors der Potsdamer Sternwarte, einmal weil dieses Instrument kaum durch ein anderes gleichartiges Ubertrotfen sein dürfte, dann aber auch, weil mir selbst dieses Instrument naturgemäss am genauesten bekannt ist. Bei den anderen Instrumenten sollen nur die Hauptpunkte kurz hervorgehoben werden. Die Objective des Photographischen Kefractors, von denen das für die photographischen Strahlen achromatisirte Öl cm Oeffnung, das für die optischen Strahlen corrigirte 23 cm Oeffnung besitzt, haben eine Brennweite von 3.4 m. Das Brennweitenverhältniss beträgt also für das photographische Objcctiv 1:10, für das optische 1:15. Ueber die Güte des von Steinbeil gelieferten photographischen Objectivs und über die Construction desselben finden sich an anderen Stellen dieses Buches die erforderlichen Angaben. Beide Objective sind auf einer gemeinschaftlichen, 5 mm dicken Eisenplatte befestigt, welche auf einen Flantsch des eisernen Kohres von elliptischem Querschnitte aufgenietet ist. Die Verjüngung des Kohres nach dem Ocularendc zu ist nur gering; es ist hier durch eine entsprechende Eisenplatte geschlossen, an welcher der Ocularauszug und der Cameraauszug befestigt sind. Das Kohr ist der Länge nach durch eine dünne, ebene Scheidewand aus Eisen in zwei Theile getrennt, damit das zur Beleuchtung des Gesichtsfeldes dienende Licht nicht in das photographische Rohr eindringen kann. Ocular- und Camera-Auszug sind durch Schrauben an der Schlussplatte befestigt; die Schraubenlöcher sind jedoch weiter gebohrt als direct nothwendig, so dass beide Theile behufs Parallelstellung der 104 I. Die Herstellung und Verwertlmng von Hiinmelsaufnahnieu. beiden optischen Axen um einige Millimeter nach jeder Dichtung hin verschoben werden können. Die zur Focussirung nothwendige Bewegung der Anszüge selbst in der Dichtung der optischen Axen wird durch Tangentialschrauben bewirkt und kann an Scalen gemessen werden. Beim photographischen Auszuge kann die »Scala mit Hülfe von Nonius und Lupe bis auf 0.1 mm abgelesen werden. Auf die Mitte des elliptischen Rohres ist später noch ein Euryskop aufgesetzt worden vom Brennweitenverhältnisse 1: A '/ 3 , welches gleichzeitig mit dem photographischen llefractor benutzt werden kann. Das Objectiv desselben wird durch eine einfache Handhabe vom Oculare des Befraetors aus geöffnet und geschlossen. Dem Euryskope diametral gegenüber befinden sich die zu seiner Ausbalancirung dienenden Gegengewichte. Die Klemm- und Feinbewegungsvorrichtungen sind in der bekannten Repsold’sehen Art ausgeführt; nur sind nachträglich an die Feinbewegungsstangen besondere Handhaben mit doppelten Huyghens'schen Gelenken angebracht worden, ’so dass bei jeder Fernrohrstellung die Hände des Beobachters eine durchaus bequeme Lage haben können, was bei den ohnehin ermüdenden langen Expositionszeiten durchaus nothwendig ist. Der zwischen den beiden Gelenken befindliche Theil der Handhabe muss eine feste Führung haben, weil sonst die Drehung der Handhabe wesentlich in eine Knickung umgesetzt würde; diese Führung muss aber verstellbar sein, um dem letzten Theile der Handhabe jeden beliebigen Winkel gegen die Fernrohraxe geben zu können. Die Führungen sind deshalb ebenfalls an Gelenken, jedoch nur sehr steif beweglich, angebracht. Zum Halten der Sterne dient ein Fadenkreuz, welches auf einem Doppelmikrometer befestigt ist. Die beiden auf einander senkrecht stehenden Schlitten des Mikrometers können um je 20' verschoben werden. Die Verschiebung wird durch je eine Schraube von I mm = 1' Steigung bewirkt und an einfacher Scala abgelesen. Die Schlittenvorrichtungen stehen parallel zur Bectascensions- und De- elinationsrichtung, können jedoch auch messbar in jeden anderen Positionswinkel gebracht werden. Entsprechend der Aufgabe dieses Mikrometers, weniger zum Messen als vielmehr zur Einstellung eines beliebigen Punktes des Gesichtsfeldes in die optische Axe des Fernrohrs zu dienen, ist seine Ausführung keine besonders feine. Die ganze Einrichtung bezweckt, wie bemerkt, einen Punkt des Himmels in die Mitte der Platte bringen zu können, an dem sich kein zum Halten genügend heller Stern befindet. Die Grösse 9.5 muss als die äusserste Grenze betrachtet werden, bei welcher ein Stern noch mit dem 9 zölligen Fernrohre gehalten werden kann, und in sternarmen Gegenden kann es leicht Vorkommen, dass man Punkte findet, deren Abstand vom nächsten Sterne von dieser Helligkeit i or> Die photographischen Kctractoren uud Ivetlcctoren. 106 I. Die Herstellung und Yerwertliung von lliinmelsaufnalimen. mehr als 2(1' beträgt; cs ist dalier die Grösse der Verschiebung- beim l’otsdamer Befractor schon nicht mehr für alle Fälle ausreichend. Die Beleuchtung des Gesichtsfeldes und gleichzeitig des Declinations- kreises geschieht durch ein kleines Glühlämpchen, welches an einem die Fortsetzung der Deelinationsaxe bildenden, auf Fig. 22 (vorige Seite) nicht sichtbaren Bohre angebracht ist. Der Declinationskreis wird vom Oculare aus durch ein langes Mikroskop abgclesen. Zur Beleuchtung des Stundenkreises dient ein besonderes Glühlämpchen, welches sich am oberen Ende des in der Himmelsaxe liegenden Theiles der Säule befindet. Die Ablesung des Stundenkreises geschieht vom unteren Ende desselben Säulenstücks aus. Besonders praktisch und einfach sind die Cassetten eingerichtet. Dieselben haben auf ihrer vorderen, dem Objcetivc zugekehrten Seite einen vertieft eingedrehten Bing, der genau auf den Band des Cassettenauszugs- rolirs passt. Die Befestigung an dem Auszugsrohr erfolgt durch zwei Bajonettverschlüsse, deren einer eine Anschlagsschraubc enthält, durch welche die Orientirung der Cassetten nach dem Barallelkreise bewirkt wird. Das rmwechseln der eisernen Cassetten kann mit dieser Vorrichtung in wenigen Secunden erfolgen. Die Blatte liegt in der Fassette auf drei kleinen Flächen auf, die in einer zu dem erwähnten Binge parallelen Ebene liegen, so dass ein für allemal dafür gesorgt ist. dass die Blatte senkrecht zur optischen Axe steht. Es ist diese, durch den Mechaniker leicht herzustellende Justirung bei weitem allen anderen Vorrichtungen vorzuziehen, bei denen die Anschlagstellen verstellbar sind und die Senkrechtstellung der Blatte durch den Astronomen erfolgen muss, wodurch der Abstand der Blatte von der Ansatzfläche der Fassette und damit die Focussirung geändert wird. Es ist selbstverständlich dafür gesorgt, dass die Distanz der Auflagepunkte von der äusseren Anschlagfläche bei allen Cassetten genau dieselbe ist. Das Festdrücken der Pliitfmi tinf o*<* o*o_ Fig. 23. schiebt bei der Bepsold'schen Fassette auf sehr originelle Weise, die bei grosser Einfachheit eine Durchbiegung der Blatten, wie sie bei Benutzung von auf die Bückfläche aufdrückenden Federn leicht entstehen kann, verhindert. Die zwei auf einer Seite befindlichen Anschläge besitzen nämlich nach vom schräg geneigte Ansätze 'Fig. 23), gegen welche die Blatte gelegt wird. Hinter der dritten Anschlagfläche ist die entsprechende Schrägung an einer Feder angebracht, welche durch eine Schraube gegen die Kante der Blatte gedrückt werden kann. Die letztere wird also gleichzeitig auch nach den Seiten hin gegen Anschlagflächcn gedrückt. Die photographischen Iiefractoren und Kefiectoren. ] (17 Es war ursprünglich beabsichtigt, (leu sehr sanft in Sammetführung gehenden Schieber der (’assetten zum Exponiren, res]), zur Beendigung der Exposition zu benutzen. Sehr bald aller zeigte sieb, dass die durch die Bewegung der Schieber entstehenden, bei der Solidität der Bauart des Fernrohrs nur sehr geringen Erschütterungen hei helleren Sternen doch die grösste Präcision der Bilder verhinderten, und es wurde daher vor dem Objective ein Klappenverschluss angebracht, der ohne merkliche Erschütterungen funetionirt. Dieser Verschluss besteht aus einem leichten kreisförmigen Mctallralunen von etwas grösserem Durchmesser als das Objectiv, der mit schwarzer Seide überzogen ist. Die so hergestellte, sehr leichte, aber undurchsichtige Scheibe sitzt an dem einen Ende eines Stieles, der am anderen Ende behufs Aus- balancirung ein Gegengewicht trägt. Im Schwerpunkte des Stieles ist derselbe um eine seitlich vom Objective angebrachte, zur optischen Axe parallele Axe drehbar; eine an der gleichen Axe befestigte Spiralfeder ist bestrebt, die Scheibe seitlich zu halten, das Objectiv also frei zu lassen. Durch eine Schnur kann die Scheibe an das Objectiv gezogen werden, in welcher Lage sie durch eine Arretirung dann festgehalten wird. Ein Druck auf einen am Ocularende frei herabhängenden elektrischen Einsehalter hebt die Arretirung auf, durch die Spiralfeder wird die Scheibe vom Objective weggedreht und so die Exposition bewerkstelligt, die durch Ziehen an der Schnur wieder beendigt wird. Der Anschlag für die Scheibe besteht aus gespannten 0 ummistreifen. Sehr kurze Expositionszeiten sind mit Hülfe dieses Verschlusses nicht zu erreichen, da die Bewegung des Schiebers zur völligen Freilegung des Objectivs etwa eine Secunde beansprucht. Die Montirung des Fernrohrs ist die übliche von Bepsold angewandte, bis auf die Säule, welche nicht senkrecht steht, sondern deren oberer Theil zunächst in der Lichtung der Stundcnaxe verläuft, und zwar so weit, dass das Fernrohr, ohne anzustossen, die Knickung der Säule passiren kann. In dieser Montirung sind die Vortheile der gewöhnlichen deutschen und der englischen vereinigt; das Instrument kann in keiner Lage mit der Säule in Berührung kommen, und jeder Punkt des Himmels, auch der Pol, kann in jeder Lage des Fernrohrs erreicht werden. Für Beobachtungen in der Nähe des Zeniths, die gerade bei photographischen Aufnahmen möglichst erstrebt werden, ist die Lage oder Stellung des Beobachters sehr bequem, da die bei der deutschen Aufstellung sonst hindernde Säule weit entfernt ist. Die Säule ist natürlich sehr fest con- struirt und auf breitem Fussgestell aufgestellt, und die Aufstellung hat sieh gerade bei diesem Instrumente als so stabil bewiesen, wie es kaum je bei anderen Fernrohren beobachtet worden ist. I OS I. Die Herstellung und Verwertliung von Himmelsaufnahmen. Der grosse Befractor der Lick-Sternwarte ist in erster Linie fiir optische Beobachtungen eingerichtet; doch kann derselbe auch für photographische Aufnahmen benutzt werden. Eine Verwendung des Suchers zum Halten der Sterne ist bei der starken Durchbiegung des laugen Lohres (58 Fuss Brennweite) gänzlich ausgeschlossen, und es war daher nur eine Methode zu brauchen, bei welcher das Objectiv selbst auch zum Halten benutzt wird. Eine besondere Schwierigkeit ist dadurch gegeben, dass nach Vorsetzung der Correctionsliuse, welche das für optische Strahlen construirtc Objectiv in ein solches für die photographischen Strahlen verwandelt, eine Verkürzung der ursprünglichen Brennweite von 58 Fuss um ungefähr 10 Fuss stattfindet; die ganze CassettenVorrichtung muss daher an dem Orte des photographischen Focus durch eine grosse seitliche Oetfnung in das Kohr eingeführt werden. Die Fassette selbst, an deren Bande sich das Ocular befindet, ist auf zwei um 90° gegen einander gerichteten Schlitten befestigt, denen durch Schrauben feine Verstellungen crtheilt werden können. Im Gesichtsfelde des Oculars befindet sich ein System von mehreren Fäden, um an verschiedenen Stellen des Gesichtsfeldes halten zu können und nicht bloss auf die Mitte desselben beschränkt zu sein. Durch ein totalretlectirendes Prisma ist das Ocular seitlich aus dem Bohre herausgefiihrt, ebenso sind auch die beiden Feinbewegungsschrauben zum Bohre herausgeleitet. Beim I lalten wird die Bewegung des Fernrohrs selbst demnach gar nicht corri- girt, sondern nur die Stellung der Platte innerhalb des Fernrohrs. Ueber die Schwierigkeiten beim Halten wegen der photographischen Achromasie des Objectivs ist von Seiten der Lick-Sternwarte nichts publicirt worden; doch scheint die ganze Vorrichtung nicht tadelsfrei zu functioniren, da auf Aufnahmen mit langen Expositionszeiten die Sternbildchen nicht rund, sondern merklich länglich erscheinen. Seine hauptsächliche Benutzung hat der photographisch corrigirte Lick-Befractor für Mondaufnahmen gefunden, und zu diesem Zwecke musste eine Vorrichtung zur Erzeugung kurzer Expositionszeiten angebracht werden. Dieselbe befindet sich unmittelbar vor der Fassette und besteht im wesentlichen aus zwei Fylinderu, über welche ein Tuchstreifen läuft, der eine grosse Oetfnung enthält. Eine auf der Axe des einen Fylinders angebrachte Spiralfeder zieht das Tuch mit der Oetfnung über die Platte fort. Das Spiegelteleskop von üoberts, welches sich vornehmlich durch seine Lichtstärke für Nebelfleckaufnahmen auszeichnet, besitzt einen Spiegel von 20 engl. Zoll Durchmesser und 8 Fuss 2 Zoll Focal- länge, zeigt also das ungewöhnliche Brennweitenverhältniss von 1:5. Wie die Fig. 21 lehrt, befindet sich auf derselben Declinationsaxe als Die photographischen Kefractoren und Keflectoren. iOi» Gegengewicht eiu Refraetor von 7 Zoll Oeffnung, der selbständige Bewegung in Declination besitzt. Bei längeren Expositionszeiten kann der Befractor natiirlieb nicht als Haltefernrohr benutzt werden, und deshalb hat Roberts eiue sehr sinnreiche Einrichtung am Spiegelteleskope selbst zum Corrigiren des Ualtefernrohrs getröden. Der Spiegel ist in der Mitte durchbohrt, und in der Oeffnung befindet sieh eiu kleines Fernrohr mit etwa TOfacher Yergrösserung, welches auf den Brennpunkt des grossen Fig. 24. Jas? hJ 1 '■'fl. m/4 s.' S w* Sy i:V* I ■■ z" Spiegels eingestellt ist. In der Brennebene befindet sich die photographische Blatte und dicht davor der Schieber der Bassette, der auf der liiickseite einen ebenen Silberspiegel enthält. Bei geschlossenem Schieber wird nun das Fadenkreuz des kleinen Fernrohrs auf das von dem lliilfsspiegel redectirte Bild des llaltcsterns justirt und gleichzeitig auch das Fadenkreuz des Haltefernrohrs mit demselben Sterne zur Coin- eidenz gebracht. Nach Oeffnung des Schiebers der Bassette wird mit dem Haltefernrohr gehalten. Von Zeit zu Zeit aber wird der Schieber geschlossen und mit dem lliilfsfernrohr die Coincidenz eoutrollirt; ist dieselbe nicht 110 I. Die Herstellung und Verwertliung von llimmelsaul'nalimen. mein - exart. so wird sie durch die Feinbewegung des ganzen Instrumentes wieder hergestellt, das Fadenkreuz des llaltefcrnrohrs alsdann wieder neu justirt und die Exposition wieder begonnen. Nach Ausweis der Koberts’schen Aufnalunen, die in der Mehrzahl der Fälle selbst bei langen Expositionszeiten genügend runde Bilder der Sterne zeigen, dürfte die beschriebene Vorrichtung ihren Zweck hei der Aufnahme von Nebeldecken erfüllen; für Sternaufuahmen zu exaeten Messungen ist das Instrument wegen der nicht vollkommenen optischen Eigenschaften des Spiegels überhaupt weniger geeignet. Als für Nebcltleckaufnahmen in optischer Beziehung ebenfalls vorzüglich hat sich das Spiegelteleskop von v. Gothard erwiesen. Eine sehr ausführliche Beschreibung dieses kleinen, ursprünglich von Browning- gebauten, später aber von Gothard umgearbeiteten Instrumentes befindet sich in der Konkoly’schen Praktischen Anleitung zur Himmelsphotographie, so dass dieselbe hier füglich übergangen werden kann. Von besonderem Interesse wird für immer der Pariser Photographische üefraetor Fig. 25) bleiben, weil nach dessen Muster die optischen Tlieile der übrigen Photographischen Rcfractoren zur Aufnahme der internationalen Himmelskarte augefertigt sind. Das photographische Objectiv besitzt eine Oefi'nung von 34 cm und eine Focalweite von 3.4 m, das optische 23 cm Oefi'nung bei gleicher Brennweite. Die Montirung ist die englische und ist äusserst einfach ausgeführt. Die >Stundenaxe besteht in ihrem mittleren Tlieile aus einem Bahmen, und das Bohr selbst ist ein einfacher vierkantiger Kasten. Das Halten im Sinne der Bectascension wird durch die Feinbewegung des Instrumentes besorgt; im Sinne der Declination ist dagegen eine Feinbewegung nicht vorhanden, und es wird das mit der Fassette fest verbundene Ocular auf einem Schlitten durch eine Mikrometerschraube verstellt. Der Bruce - Befractor der Sternwarte des llarvard C o 11 e g- e ist in optischer Beziehung ein sehr eigenthümliehes Instrument. Das Objectiv ist aus 4 Linsen als l’orträtobjectiv construirt bei einer Oefi'nung von 24 Zoll und einer Brennweite von 11 Fuss, besitzt also das Brennweitenverluiltniss von 1:5.5. Bei der allgemeinen Besprechung der photographischen Objective ist bereits hervorgehoben worden, dass derartige Dimensionen unter Umständen für 41insige Objective ungünstiger sind, als kleinere Abmessungen, und cs unterliegt keinem Zweifel, dass ein kleines Borträtobjectiv von etwa 4 bis 5 Zoll und dem Brennweitenverhältnisse von 1 :3 für Nebeldecken viel lichtstärker ist, als das Bruee- Objectiv. Die Bemerkung von Pickering*), dass dieses Objec-tiv auch * Siel. Mess. S, 304. l)io photographischen Refractoren und Rellectoreu. 111 für Sterne viel lichtstarker als ein anderes gewöhnliches Objectiv wegen der relativ kurzen Brennweite sei, ist unrichtig. Das Aufcopiren feiner Gitter auf die Blatten, ursprünglich wesentlich nur zum Zwecke der Eliminirung der Schichtverziehung vorgcsehlagen. Fig. 25. Spül® i?3v - kiasn hat sieh als iiusserst praktisch zur Vereinfachung der Ausmessungen, besonders in rechtwinkeligen Coordinaten, erwiesen und allgemeine Verbreitung gefunden. Bei Benutzung der Gitter brauchen die Messungen nur innerhalb der Gitterquadrate ausgeführt zu werden, wodurch die Mikrometerschrauben der Messapparate nur von geringen Dimensionen zu sein brauchen und die Anwendung von Massstäben fortfällt. Die recht- 112 I. Die Herstellung und Verwcrthung von Himmelsanfualimen. winkeligen Coordinaten in Bezug auf den Plattenmittelpunkt werden durch die Addition der Gitterintervalle, deren Corrcetionen durch genaue Ausmessung des Originalgitters ermittelt sind, erhalten. Neben möglichst grosser Exactheit der Intervalle müssen die Gitterstriche die Bedingung grosser Feinheit erfüllen, da sonst heim Zusammenfallen von Gitterstrichen und schwachen Sternen letztere verdeckt werden. Die für die Aufnahmen der Himmelskarte bestimmten Gitter, mit einer Strichdistanz von 5 mm, werden in ganz vorzüglicher Weise von Gautier in Paris hergestellt und zwar durch Einreissen vermittels einer Diamantspitze in eine auf einer Spiegelplatte befindliche Silberschicht. Die Breite der Striche beträgt nur wenige Hundertstel eines Millimeters, und die Ausführung ist bei einigen Exemplaren eine derartig exacte, dass die Fehler der Gitterintervalle den Betrag von O.lMll mm nur selten oder gar nicht erreichen. Auch die Abweichung der Gitterstriche von der Senkrechtstellung ist meistens verschwindend gering und beträgt nur wenige Bogeusecuuden. Das Aufcopircn der Gitter erfordert besondere Vorsicht. Eine unmittelbare Berührung von empfindlicher Schicht und Silberschicht darf nicht stattfinden, weil sonst durch unvermeidliche Staubtheilchen die Silberschicht verletzt und das Gitter dadurch nach kurzer Zeit unbrauchbar wird. Der Abstand beider Schichten darf aber nur ein sehr geringer sein, weil sonst, selbst unter Anwendung parallelen Lichtes, infolge der Ditfraetion die aufcopirten Striche breit und unscharf werden. Erfahrungsgemäss darf der Abstand nicht mehr als höchstens Ü.l mm betragen, und man erzielt dies am einfachsten durch Aufkleben von Stauniol- streifen in den Ecken des Gitters. Sollen die Dimensionen des aufcopirten Gitters, auch absolut genommen, genau mit denen des Originalgitters übereinstimmen, so muss das Aufcopiren mit parallelem Lichte geschehen. Dieses parallele Licht verschafft man sich am einfachsten mit Hülfe des photographischen Be- fractors seihst, indem man im Brennpunkt des Objectivs eine Lichtquelle von kleinen Dimensionen (Glühlämpchen) anbringt und die zum Copiren bestimmte Fassette vor das Objectiv setzt. Zur Erleichterung der Beductionen ist es wünschenswcrth, dass die Striche des Gitters möglichst nahe nach dem Parallel justirt sind, und das lässt sich sehr einfach erreichen. Es ist nur erforderlich, dass die Platte eine geradlinig abgeschliftene Kante besitzt, die sich gegen zwei Anschläge legt, welche sowohl in der Cassette zum Aufcopiren des Gitters als auch in der Cassette zur Aufnahme am Himmel dieselbe Lage haben, so dass sich in beiden Fällen dieselben Stellen der Kante anlegen. Wenn die Anschläge im Messapparate ebenfalls dieselbe Stellung haben, so wird hierdurch auch noch die Justirung der Platte unter dem Mikroskope Die Messung- u. Reductionsmetlioden in der astronoin. Photographie. 11 i( erleichtert. Die Justirung auf den Parallel geschieht einfach dadurch, dass man eine Platte, auf welcher das aufcopirte Gitter hervorgerufen ist, iu die Cassette am Fernrohr einsetzt, einen hellen Stern in der Nähe des Meridians durchlaufen lässt und so lange die Stellung der Cassette corri- girt, bis der Stern auf einem Striche des Gitters läuft. Es wird auf diese Weise die Neigung des Gitters gegen den Parallel innerhalb der Bogenminute zu halten sein. Capitel III. Die Messungs- und Reductionsinetlioden in der astronomischen Photographie. Der Endzweck einer jeden astronomischen Aufnahme soll ihre Yer- wertlmng durch Messung sein, und wenn es auch hei der heutigen Einrichtung der Sternwarten in den meisten Ländern nicht möglich ist, das von nur einem Beobachter gelieferte Material zu bearbeiten, so darf doch nie ausser Acht gelassen werden, dass der Werth einer unausgemessenen Aufnahme zum grösseren Theile nur ein latenter ist, dass die Platte in dieser Beziehung einem unabgelesenen Begistrirstreifen gleicht. Die Erfahrung hat gelehrt, dass das photographische Messungsverfahren mit allen directen Mikrometermessungen in Bezug auf Genauigkeit eoncurriren kann; dazu ist es aber erforderlich, sämmtliche Fehlerquellen nach Möglichkeit zu berücksichtigen und die Eigentlnimlichkeiten der photographischen Messungen genau so zu studiren, wie dies der Astronom hei directen Messungen am Himmel zu tlnm gewohnt ist. Ich will daher zunächst die dem photographischen Verfahren eigentlmmlichen, hei der lleduction der Messungen zu berücksichtigenden Fehlerquellen einzeln besprechen. Eine astronomische Photographie ist die Projection eines Thciles der Himmelssphäre auf eine Ebene. Um die Projection zu einer möglichst einfachen zu machen, ist es erforderlich, dass die Platte thatsächlich eben ist, und dass sie senkrecht zur optischen Axe des Objectivs gestanden hat. Sind diese beiden Bedingungen nicht erfüllt gewesen, so müssen die hieraus entstehenden Abweichungen in Beclmung gezogen werden. Da es nun aber unter allen Umständen sehr leicht ist, diese beiden Bedingungen mechanisch mit einer für alle, auch die feinsten Messungszwecke genügenden Genauigkeit zu erfüllen, so wollen wir diese beiden Scheiner, Photographie der Gestirne. 8 I t 4 I. Die Herstellung und Verwertliung von Ilimmelsaut'nahmeu. Fehlerquellen im Folgenden als nicht vorhanden betrachten. Man verwende für Aufnahmen zu Messungszwecken nur geschliffene Spiegelglas- platten, sorge stets für eine gute Centriruug des Objectivs und lasse durch den Mechaniker die Senkrechtstellung der Platte zur optischen Axe besorgen; in welcher Weise Letzteres erreicht werden kann, ist Lei der Beschreibung der Instrumente gesagt worden. Bei der centralen Projection einer sphärischen Fläche auf eine taugirende Ebene tritt eine vom Mittelpunkte oder Tangentialpunkte der Platte ausgehende Bildverzerrung ein. Die Distanzen vom Mittelpunkte der Platte wachsen proportional mit den Tangenten des Abstandes von der Mitte; bei geringen Abständen sind sie also sehr klein, erreichen aber bei grossen Abständen, wie sie bei der Photographie häufig Vorkommen, sehr erhebliche Beträge. Die Distorsion ist also eine radiale vom Mittelpunkte aus, und man kann dieselbe für ein bestimmtes Instrument leicht in eine kleine Tafel bringen. Geschieht die Ausmessung in Positionswinkel und Distanz vom Plattenmittelpunkte aus, so kann mau die Distanzen unmittelbar nach der Tafel corrigiren. Hat man rechtwinklige Coordinaten gemessen, deren Mittelpunkt im Plattenmittelpunkt liegt, so verfährt man mit vollständig genügender Genauigkeit und gleichzeitig sehr einfach in der Art, dass man aus den Coordinaten genäherte AVerthe der Distanzen und Positionswinkel berechnet und die dann aus der Tafel genommene Correction nach sinus und Cosinus des Positiouswinkels auf die Coordinaten vertheilt. Noch einfacher ist es, die Distanzen vom Mittelpunkte mit einem gewöhnlichen Millimetcr- massstabe und die Positionswinkel mit einem Transporteur zu messen und dann die Correction in der angegebenen Weise zu vertheilen. Bei Benutzung eines Gitters wird man ein für allemal die Correction in rechtwinkligen Coordinaten für jedes Gitterquadrat oder für jeden Intersectious- punkt berechnen. Bakhuyzen*) berechnet die normale Distorsion für rechtwinklige Coordinaten folgendermassen: Es seien x und y die rechtwinkligen Coordinaten eines Sternes, dessen Beetasceusion und Declination mit a und 6 bezeichnet werden. A und I) seien die Beetasceusion und Declination des Mittelpunktes der Platte. Die Focalweite sei f in Millimetern, und mau setze = d ; x a ~~ f cos D — // sin D ’ all. du Comite 1, 175 - dann ist ( 1 ) Die Messimgs- u. Reductionsmethoilon in der astronom. Photographie. 115 ( 2 ) tg (I = oder wenn tg {!) -(- a sin 2 I) — \-pq cos 2 D — ^ ^ q- 3 q l + P~U 2 w—r sin IT) ■ 1 J : 2q 1 sin 2 D sin 2 D ■ In den meisten Fällen, d. h. bis zu Abständen von 1° und Üeclinationen von ()5°, können die zwei letzten Glieder in d vernachlässigt werden. Da p wenig von der Einheit abweicht, kann man setzen p—\ + p', d. h. man hat zu den gemessenen x und y die kleinen Corrections- grössen p'x und p'y hiuzuzufUgen, die man aus einer ein für allemal berechneten Tafel entnimmt. Zur Berücksichtigung der normalen Distorsion an beliebig liegenden, auf der Blatte gemessenen Distanzen hat WiIsing*) Formeln entwickelt. Es sei f = MO der Abstand der Platte vom Hauptpunkte des Objectivs, M der Durchschnitt der optischen Axe mit der Platte, ferner sei ' p mn = ^. mOu, ö n = 210n, so ist: p 2 = p {sec 2 d m + sec 2 ö„ — 2 sec d m sec ö n cos p mn } oder Fig. 26. s* *) Nach gefälliger persönlicher Mittheilung. I. Die Herstellung und Verwertliung von llimmelsaufualnnen. 1 Hi sec (5„ } 2 + 4 sec ö m sec ö„ sin oder mit genügender Annäherung V sec ö m sec d, n -f- sec? ö m • sec* ö n ■ sin /d m +d»\ 2 . I (-2-) ’ Sm ( cosec Pmn T Das zweite Glied der Formel ist für nicht zu grosse Ahstiinde vom Mittelpunkte sehr klein; für il m — ö n verschwindet es überhaupt, sobald also die gemessene Distanz symmetrisch zum Mittelpunkte liegt. Es ist bereits pag. 26 f. ausführlich darauf hingewiesen worden, wie die Construction des Objectivs für die Helligkeitsvertheiluug innerhalb der seitlich der optischen Axe aufgenommenen Sternscheibchen massgebend ist, und wie hierdurch eine weitere Distorsion entstehen kann. Bei allen Objectiven, hei denen die Lichtverthcilung in den seitlichen Bildern nicht symmetrisch ist, hei denen die Gauss’sche Sinusbedingung also nicht erfüllt ist, muss eine besondere Untersuchung über diese Distorsion angestellt werden, wobei der Punkt der seitlichen Sternscheibchen, auf welchen eingestellt werden soll, genau zu definiren ist; es wird hierbei am sichersten sein, den Punkt der maximalen Schwärzung zu wählen, weil dies derjenige ist, der bei schwachen Sternen noch allein zur Abbildung gelaugt, und sonst eine Abhängigkeit der Distorsion von der Helligkeit der Sterne bestehen bliebe, die wieder besonders untersucht werden müsste. Bei ausexpouirten Scheibchen ist man auf eine Schätzung dieses Punktes angewiesen, eine geringe Abhängigkeit von der Helligkeit wird demnach stets bestehen bleiben. Zur Ermittelung der nicht regelmässigen Distorsion hat Gill die Aufnahme einiger Stellen des Himmels vorgeschlagen, an denen die Sternpositionen behufs Bestimmung der Sonnenparallaxe aus den Parallaxen der kleinen Planeten Sappho und Victoria besonders gut bestimmt sind. Da die Exactheit dieser Sternpositionen mit der Zeit wegen der nicht genügenden Kenntniss der Eigenbewegungen stark abnimmt, so ist dieser Vorschlag bereits als veraltet zu betrachten; man könnte jetzt die Plejadengruppe zu dem Zwecke ebenso gut verwenden. Es empfiehlt sich aber, überhaupt eine viel einfachere und von der Genauigkeit der Sternpositionen und der liefraction nahe unabhängige Methode anzuwenden. Dieselbe besteht darin, Sternpaare in der Nähe des Zeniths auszuwählen, deren Componenten gleiche Helligkeit besitzen, und dieselben in verschiedenen Lagen zur optischen Axe auf derselben Platte aufzunehmen. Als Maximaldistanz der Sterne wird man mit Vortheil den Die Messmigs- u. Ileductionsmcthodon in der astronom. Photographie. ] 17 halben Durchmesser des benutzbaren Feldes nehmen; um ein vollständiges Bild des Distorsionsverlaufs zu haben, wird man auch kleinere Distanzen zu Grunde legen. Die Distanzen selbst brauchen nur genähert bekannt zu sein. Nach Berücksichtigung der Distorsion würde die Blatte ein in allen Thcilen ähnliches Bild der scheinbaren Constellation, welche photographirt worden ist, gewähren, wenn die Aufnahme auf einer durchaus unveränderlichen, stabilen Schicht stattgefunden hätte. Das ist aber nicht der Fall; vielmehr müssen die empfindlichen Schichten stets aus einer organischen Substanz bestehen, die bei der nothwendigen Behandlung mit wässerigen Lösungen aufweicht und zum Theil sogar aufquillt und daher keineswegs stabil ist. Eine Ausnahme hiervon liegt nur beim Dagucrrc'schen Verfahren vor, welches aber aus anderen Gründen gänzlich verdrängt ist. Man hat der Frage der Verzerrung der Schichten grosse Aufmerksamkeit zugewendet und zwar schon bei dem früheren Verfahren des nassen Collodiums. Die ersten Erfahrungen Uber die Verzerrung des nassen Collodiums sind von Buthcrfurd bei Gelegenheit der Ausmessungen seiner Sternphotographien gemacht worden. Auf Grund derselben erklärte Butlier- furd, dass grössere und merkliche Verziehungen der Schicht nicht stattfinden, besonders wenn die Glasoberfläche vorher mit einer dünnen Albuminschicht überzogen ist. Zu den Vorbereitungen für die Anwendung der Photographie beim Venusdurchgang von 1S74 gehörten auch specielle Untersuchungen über die Schichtverzerrungen; dieselben wurden von Paschen*) angestellt. Seine Methode bestand darin, von einem auf Glas gezogenen und sorgfältig ausgemessenen flitternetze mittels eines Objectivs ein nahe gleich grosses Bild zu erzeugen und zu photographiren. Die Ausmessung des photographischen Bildes ergab dann nach Beduction auf die wahre Gittergrösse die durch die Verzerrung entstandenen Fehler. Gegen diese Methode sind von vornherein schwerwiegende Einwürfe zu erheben. Einmal kann die durch das Objectiv verursachte Distorsion von derselben Ordnung sein, wie die gesuchte Schichtverzerrung, und muss jedenfalls vorher sehr sorgfältig ermittelt werden; dann aber geht jede Unsicherheit in dem Beductionsfactor auf die wahre Gittergrösse voll in die gesuchten Grössen ein, und es dürfte sehr schwer halten, diesen Factor überhaupt so genau zu bestimmen, dass der gefundenen Verzerrung Bealität beizumessen ist. Paschen fand sehr grosse Wertlic für die Schichtverzerrung, die bei proportionalem Verlaufe im Sinne einer Contraction bis zu '/^ * Astr. Nadir. Nr. 18S4. 1. Die Herstellung und Yerwertliuug von Iliinmelsaufnahmen. 1 18 gingen und somit die Anwendung von Collodiumplatten in der messenden Astronomie für sehr bedenklich erscheinen Hessen. Aber schon liutlierfurd*' machte auf das Fehlerhafte der Paschen- schen Methode aufmerksam lind stellte als nothwendige Forderung für eine derartige Untersuchung fest, dass nur eine Vergleichung von Messungen auf derselben Platte einmal im nassen Zustande unmittelbar nach der Aufnahme und dann nach dem Trocknen zu reellen liesultaten führen könne. Eine diese Forderung erfüllende Untersuchung, wobei die Platte bis nach dem Trocknen unberührt im Messapparate liegen blieb, hat liutlierfurd selbst angestellt, und hierbei fanden sich nur verschwindend kleine Grössen der Verzerrung, die, wenn man sie überhaupt als der gemessenen Strecke proportional anseheu will, zwischen '/ioooo und Vsoooo dieser Strecke schwanken. Zu entsprechend geringen AVerthen der Verziehung sind auch II. C. Vogel und Lohse, sowie II. W. Vogel gekommen. Die ersteren schlossen aus ihren Versuchen, dass sehr geringe locale Verziehungen, aber keine proportional verlaufenden eintreten; letzterer stellte folgende Sätze auf: 1) Verschiedene Collodiumsorten geben verschiedene Verziehungen. 2) Die Contraction auf der dicken Collodium- seite (Abfiussseite) ist grösser als an der dünnen (Aufgussseite), so dass überhaupt eine dünne Collodiumschicht die besten Chancen für grosse Stabilität gewährt. 3) Albuminirte Platten bieten dieselbe Sicherheit wie nicht albuminirte. 4) Das Lackiren wirkt verändernd auf die Schicht. 5) Cyankaliuin-Fixage ist derjenigen durch unterseliwefligsaurcs Natron vorzuziehen. Bei dieser Gelegenheit hat II. \V. Vogel auch das Verhalten der Collodiumtrockenplatten untersucht; er fand bei Anwendung eines sauren Entwicklers sehr starke Verzerrungen, bis zu '/ 300 , hei alkalischem Entwickler jedoch keine merkliche Verziehung. Schliesslich mögen noch die Untersuchungen von Weinck**) erwähnt werden. AVeinek kommt bei nassem Collodium zu folgendem Schlüsse: Locale Verziehungen der photographischen Schicht durch Antrocknen derselben von einem Betrage von 0.003 mm, noch viel weniger von grösserem Betrage, also auch, da Längen von 122 mm gemessen wurden, proportionale Verziehungen von ’^oooo konnten nicht gefunden werden. Durch warmes Lackiren scheinen Veränderungen in der Schicht vor sich gegangen zu sein, die aber immerhin als wider Erwarten klein bezeichnet werden müssen. Aus der Ausmessung des grossen Materials von Aufnahmen beim Venusdurchgange 1S74, welche AVeinek vorgenommen hat, haben sich bei *) Amer. Journ. of Science 1872. **) Die Photogr. in der messenden Astron. Nova Acta 41, pars I, Nr. 2, p. 113. Die Messungs- 11 . Eeductionsmetlioden in der astronom. Photographie. 1 I 9 den missen Collodiumplatten ebenfalls merkliche Verziehungen der Schicht nicht erkennen lassen, wohl aber sehr starke hei den Troekenplatten, welche bis zu 0.02 mm gingen. Aus der Gesammtheit aller dieser Untersuchungen wird man den Schluss ziehen können, dass heim nassen Collodiumverfahren nur local auftretende Verziehungen Vorkommen, die im allgemeinen an der Grenze der Messungsgenauigkeit liegen, und die bei Benutzung mehrerer Aufnahmen als kleine zufällige Fehler in die Resultate eingehen. Bei den Gelatineplatten sollte man a priori eine sehr starke Verziehung der Schicht erwarten, da die Exposition im trocknen Zustande der Gelatine erfolgt, die heim naehherigen Aufweichen bis zum zehnfachen ihrer ursprünglichen Dicke aufquillt. Die Erfahrungen haben das Gegcntheil gelehrt: die Verziehungen sind so gering, dass sic an der Grenze der Wahrnehmbarkeit durch feine Messungen stehen. Von speciellen Untersuchungen hierüber ist mir ausser meinen eigenen*) nichts bekannt; nach denselben ist über die Verziehungen Folgendes anzunehmen: 1 ) Die Verzerrung, welche die Gelatineschicht bei den verschiedenen Manipulationen des Entwickelns erleidet, ist als unabhängig zu betrachten von der Behandlung, welche die Blatte beim Fixiren und Alau- nisiren erfährt (sie entsteht wahrscheinlich beim ersten Aufqucllen während der Entwicklung). 2) Es scheinen die Verzerrungen insofern eine Regel zu befolgen, als sie in einer Richtung der Platte wesentlich positiv, in der dazu senkrechten wesentlich negativ verlaufen, dass also in der einen Richtung Ausdehnung, in der andern Zusammenziehung erfolgt. Hierbei ist es gleichgültig, in welcher Lage sich die Platte beim Trocknen befunden hat. und es rührt diese Erscheinung entweder von der Fabrikation her oder von einer cylindrisehen Form der Platte (zu den Versuchen sind keine geschliffenen Platten benutzt worden). Im allgemeinen ist der Verlauf der Verziehungen aber nicht regelmässig, weder auf einer Platte, noch verhalten sich alle Platten wie angegeben. Als mittleren Betrag der Verziehung lnihe ich auf eine Länge von nahe 6ö mm den Werth <>.()()(> mm gefunden, oder also etwa ^'loo l’rocent der Länge. Weitere Erfahrungen haben indessen gezeigt, dass man wahrscheinlich die Verziehungen nicht der gemessenen Strecke proportional setzen darf, sondern dass sie ziemlich localer Natur sind und sich häutig- schön auf sehr kurze Strecken hin wieder aufheben. Dann kann man die Verziehungen überhaupt nicht in Rechnung ziehen, sondern sie tragen, wie bei den Collodiumplatten, nur dazu bei, die zufälligen Messungsfehler, von *, Zeitschrift fiir Instrumenten-Kundc 11, h94. 120 1. Die Herstellung und Venvertlmng von llimmelsaufnalnnen. deren Ordnung sie sind, um einen geringen Betrag zu vergrössern, werden also durch die Vermehrung der Zahl der Aufnahmen ausgeglichen. ln einigen Fällen habe ich eine eigenthümliche, sehr starke locale Verzerrung gefunden, die zwar nur sehr selten aufzutreten scheint — von anderer Seite ist über diese Erscheinung noch nichts bekannt gegeben worden —, aber Beträge bis zu mehreren Millimetern erreichen kann. Auf einer meist rund begrenzten Stelle der Platte von einem Durchmesser bis zu 4 oder ö mm ist die Gelatine fast gänzlich verschwunden; die Stelle markirt sich bei schräg auffallendem Lichte als flache Grube, und innerhalb derselben haben Ortsveränderungen der Gelatine bis zum Betrage von mehreren Millimetern stattgefunden. Man erkennt dies sehr deutlich, wenn ein Strich eines aufeopirten Gitters gerade durch eine solche Stelle geht; derselbe erscheint alsdann stark ausgebogen oder auch wohl in mehrere Stücke zertheilt. Eine kleinere derartige Stelle wird, wenn kein Gitterstrich in der Nähe vorbeigeht, bei der Messung kaum zu bemerken sein, und die Position eines zufällig darin befindlichen Sternes kann dadurch um ganz enorme Beträge verfälscht werden. Die Ursache der Erscheinung beruht zweifellos in einer partiellen Verflüssigung der Gelatine, welche hervorgebracht worden sein kann sowohl durch ein aufgespritztes Tröpfchen einer Säure, z. B. Salpetersäure, oder aber auch durch die Entwickelung einer Pilz- oder Bakteriencolonie. Es ist als eines der wichtigsten Erfahrungsresultate für die astronomische Photographie zu betrachten, dass, abgesehen von den eben augedeuteten, sehr seltenen starken localen Verzerrungen, eine Rücksichtnahme auf Verzerrungen selbst bei den genauesten Messungen nicht erforderlich ist, und zwar besonders nicht, wenn durch die Einführung anfeopirter Gitter die zu messenden Distanzen klein bleiben. Bei Vernachlässigung der Verzerrung der Schicht bleibt nun noch ein Umstand übrig, der die absolute Aehnlichkeit zwischen der Con- stellation am Himmel und auf der Platte verhindert, die Unvollkommenheit in der exacteu Einhaltung der Richtung des Fernrohrs auf den Haltestern. Die ilauptschwierigkeit des exacteu Haltens bei länger dauernder Aufnahme ist auf constructivem Wege, durch die Verschmelzung des Haltefernrohrs mit dem photographischen Fernrohre in eins und durch die damit bewirkte Aufhebung der relativen Biegungen der beiden Instrumente, beseitigt worden; aber immerhin ist das Halten eines Sternes eine Kunst, die erst gelernt sein muss, und die niemals vollständig gelingt, wenn das Uhrwerk des Instrumentes schlecht fuuetionirt oder auch bloss nicht genau regulirt ist. Die infolge schlechten Haltens entstehende Deformation der Sternscheibchen — sie werden gewöhnlich bimförmig oder elliptisch — erschwert zunächst die Sicherheit des Einstellens beim Die Messungs- u. Reductiousmcthoden in der astronom. Photographie. ] 2 I Messen. Das ist aber nur der geringere Uebelstand; viel bedenklicher ist es, dass die hellen und die schwachen Sterne nicht gleichförmig deformirt werden. Nehmen wir z. 1’>. an, das Uhrwerk habe die Tendenz, vorzulaufen, so werden bei nicht genügender Uelmng oder Aufmerksamkeit des Beobachters die Sterne zwar während des grössten Theiles der Exposition auf ihrer richtigen Stelle sein; während eines kleinen Theiles aber werden sie im Sinne der täglichen Bewegung sich innerhalb einer kleinen Strecke vor dem llauptbilde befinden. Der Erfolg ist bei helleren Sternen der, dass diese kleine Strecke mit abgebildet wird, die Steruscheibchen haben nach dieser Seite hin einen schmäleren Ansatz, der das Urtheil älter den Mittelpunkt des Scheibchens irreführt. ETiterhalb einer gewissen Helligkeit rufen die Sterne auf dieser Strecke keine Einwirkung auf die Blatte aus, ihre Bilder erscheinen also rund; es wird sich demnach ein systematischer Unterschied in der Einstellung auf helle und schwache Sterne ergeben, der natürlich für jede Blatte je nach der Art der Deformation verschieden ausfällt und nur sehr schwer oder gar nicht zu ermitteln sein wird. Ein absolut richtiges Halten liegt ausserhalb der Möglichkeit, und deshalb sind im allgemeinen bei allen Stcrnaufnahnien die Sternseheibchcn etwas deformirt, wenn auch nur so gering, dass die Deformation seihst unter dein Mikroskope nicht mehr zu erkennen ist. Ein Einfluss auf die Messungen und zwar ein solcher, der durch Wiederholung der Bointirungen nicht herausfällt, der also für jede Blatte systematisch wirkt, findet stets statt, und meines Erachtens ist wesentlich hierdurch der Genauigkeit eine Grenze gesteckt. Man macht sehr häutig die Erfahrung, dass der Boin- tirungsfehler nur wenige Hundertstel einer Bogcusccunde beträgt, während doch nachher Abweichungen in den Bositionen von ganzen Zelmtel- secunden Vorkommen, die durch Verzerrungen der Schicht nicht zu erklären sind, da sie z. B. bei nahestehenden Sternen mit umgekehrtem Zeichen cintreten, sofern die 1 [eiligkeitsunterschiede ebenfalls die umgekehrten sind. Wir haben bisher diejenigen Fehlerursachen berührt, welche bewirken, dass die auf der Blatte abgebildete Constellation nicht absolut identisch ist mit der während der Exposition am Himmel scheinbar stattgehabten, und müssen nun zu denjenigen übergehen, welche bei der Ausmessung der Blatten massgebend sind. Wir schliesscn aber an dieser Stelle alle diejenigen aus, welche im Messapparate selbst begründet sind, weil einmal hierauf hei Besprechung der letzteren kurz eingegangen werden soll, es andererseits aber über die Ziele dieses Buches hiuausgehen würde, auf die genaue Untersuchung von Messapparaten einzugehen. Dieselbe ist für jeden Messapparat eine ganz specielle, abgesehen von den allgemeinen 122 I. Die Herstellung und Verwerthung von Ilimmelsaufnalimen. und liier als bekannt vorauszusetzenden Methoden der Untersuchung: von Schrauben, Scalen und dergl. Ks bleiben also nur die von der Person des Messenden abhängenden Felder übrig, der Einfluss der persönlichen Gleichung auf die Messungen. Man hatte bis vor Kurzem angenommen, dass die photographische Messung frei von derartigen persönlichen Fehlern sei, weil die Art der Beobachtung hierbei eine so ausserordentlich einfache gegenüber den directen Messungen am Himmel ist. Die Beobachtung besteht in der Einstellung eines Fadens oder eines Fadenpaares auf die geschätzte Mitte eines Sternscheibchens; die Schätzung der Jütte- eines solchen Scheibchens, wie überhaupt jeder breiteren Fläche ist aber mit principiellen, von dem Ycrhältniss der Grösse der Scheibchen zur Dicke des Fadens oder zur Distanz der beiden Fäden abhängigen Fehlern behaftet, ich habe hierauf zuerst aufmerksam*) gemacht, und da Angaben über derartige persönliche Fehler bisher von anderer Seite noch nicht vorliegen, so kann ich nur meine- eigenen Erfahrungen an dieser Stelle mittheilen. Bei Messungen in rechtwinkligen Coordinaten stelle ich das Fadenpaar stets zu viel nach rechts und zu viel nach oben ein. Sind die Scheibchen kleiner oder nur sehr wenig grösser, als die Fadendistanz beträgt, so ist der Fehler Xull, wächst dann ziemlich rasch bis zu einer gewissen Grösse an, um dann nur noch sehr wenig zuzunehmen. Bei geringer Uebung im Anfänge scheint der Fehler nicht eonstant zu sein, allmählich aber eonstaut zu werden. Seine Abhängigkeit von dem Durchmesser der Scheibchen zeigt das folgende Täfelchen: Darebmesser Corr. in horizont. Coordinate Corr. in vertic. Coordinate K. 0.20 0.25 0.30 0.35 0.40 0.50 0.00 0.70 0.80 1.00 1.20 1.40 1.60 — 0.0000 — 0.0001 — 0.0003 — 0.0005 — 0.0007 — 0.0009 — 0.0009 — 0.0009 — 0.0010 — o.ooio — 0.0010 — 0.0010 — 0.0010 + 0.0015 + 0.0014 -P 0.0015 + 0.0007 + 0.0009 ~P 0.0013 -(- 0.0014 + 0.0011 + 0.0005 + 0.0002 -p 0.0004 + 0.0001 + 0.0000 G. * Abliandl. der K. Akademie d. W. Berlin. 1S92. Die Messungs- u. Reductionsmetlioden in der astronom. Photograidiie. 1 23 Bei einem Massstabe, wie er für die Himmelskarte vorgesehen ist. J min == I', G. = I Gitterintervall = 5 mm, würden ans der Xichtberiick- sichtigung mciucr persönlichen Einstcllungsfehler in den relativen Coor- dinaten heller und sehwacher Sterne Felder bis zu 0'.'4 entstehen können. Völlig aufgehoben werden diese Fehler, wenn man die Messungen bei einer um 180" geänderten Lage der Platte wiederholt; es ist indessen wohl einfacher, ihn mit Hülfe eines Beversionsprismas zu bestimmen und dann nachträglich zu corrigiren. Als einfachstes Reversions- prisma empfiehlt sich ein gewöhnliches totalretleetirendes rechtwinkliges Prisma, welches man so auf das Ocular aufsetzt, dass die Hypotenuse parallel zur optischen Axe des ■Mikroskops steht (Fig. 27). Hei einer Drehung des Prismas um 90° dreht sieh das liild um 180°; rechts und links, oben und unten sind also vertauscht. Gleichzeitig ist auch die Bewegung des Fadens scheinbar die umgekehrte; befürchtet man hieraus einen Einfluss auf die Einstellungen, so kann man nach der Drehung des Prismas die Schraube beim Einstellen in der umgekehrten Dichtung drehen, muss aber alsdann den toten Gang derselben genau in Rechnung ziehen. Die Differenz der Sehraubenablcsungen bei den verschiedenen Stellungen des Prismas giebt den doppelten Betrag des persönlichen Fehlers. Heber die Grösse der wahrscheinlichen Fehler bei der Ausmessung photographischer Aufnahmen werden in einem anderen Capitel bei Gelegenheit der Besprechung einzelner Arbeiten Angaben gemacht werden; es mögen jedoch auch hier schon einige Daten allgemeinerer Art Platz finden. Thiele*) hat als Ausdruck für den Tlieil des Quadrats des mittleren Fehlers einer Messung, welcher allein von den zufälligen Messungsfehlern abhängt, für Platten, welche mit dem Henry’scheu Instrumente aufgenommen waren, Folgendes gefunden: f * 2 = „WH™ (°- ,)21G + °- 00192 5 ‘ 5 )) ’ wo r die gemessene Distanz und d den Durchmesser der Sternscheibchen in Bogensecunden bedeuten; m ist die Zahl der Einstellungen. Als eonstanten, von der durch die Unvollkommenheit des Haltens bedingten Deformation der Scheibchen herrührenden Betrag findet Thiele: : ) Bull, du Comite 1, 51. 121 1. Die Herstellung und Venverthung von Ilimmelsaufnalniien. und als von der Schichtverzerrung herriihrcnd: f s 2 = 0.0003. Für einen mittleren Bilddurchmesser von 5"5, eine Distanz von I ()<)(»" und für m = 11 resultiren dann als wahrscheinliche Felder infolge der drei erwähnten Ursachen: v e — ±: (>'.'057 v c = ±z 0.(161 v s = ± 0.065 . Durch Vermehrung der Zahl der Einstellungen kann r e noch stark verkleinert werden, v c und v s dagegen für ein- und dieselbe Hatte nicht, und cs folgt also aus diesen Zahlen, dass hei den angegebenen Aufnahmen der wahrscheinliche Felder der Messungen nicht unter den zehnten Tlieil einer Bogensecunde herabgedrückt werden kann. Zu einem vollständig übereinstimmenden Resultate ist Wilsing*' für Messungen an mit dem Potsdamer photographischen Refractor aufgenommenen Platten gekommen. Derselbe findet für die drei Arten der wahrscheinlichen Fehler folgende Wertlie: v e = dz 0”065 r c — ±z 0.063 v s = dz 0.070 . Die Ausmessung einer photographischen Aufnahme liefert nun nach Berücksichtigung aller bisher erwähnten Fehlerquellen die scheinbaren Positionen der Sterne, relativ zu denjenigen, welche bei der Rcductiou als durch anderweitige Messungen bekannt angenommen oder als Anhaltsterne benutzt worden sind. Es liegt jetzt genau dasselbe Verhältniss vor, wie bei directem mikrometrischen Anschluss; bei der Beduction auf ein mittleres Aequinoetium sind also dieselben Corrcctionen anzubringen, wie bei directen Messungen. In Bezug auf Aberration, Xutation und Praccession sind sowohl die Formeln hierfür als auch die numerischen Beträge naturgemäss absolut identisch; in Bezug auf die Refraetion ist dies aber nicht der Fall. Dieselbe ist einmal ihrem numerischen Betrage nach eine andere, dann aber auch können bei photographischen Aufnahmen Distanzen Vorkommen, für welche die gewöhnlichen Ditferentialformeln nicht mehr ausreiclien; * Astr. Nadir. 141, 89. Die Messunffs- u. Reductiousmethoden in der astronom. Photographie. 125 ferner müssen bei Aufnahmen mit sehr langer Expositionszeit noch besondere Ueberlegungcn angestellt werden. Wie hei jedem liclithreehenden Medium ist auch hei unserer Atmosphäre die Brechung für die Strahlen verschiedener Wellenlängen verschieden, die Atmosphäre dispergirt also das Licht heim Durchgänge, sofern es nicht senkrecht cinfällt, wovon man sich leicht durch Betrachtung eines sehr tief stehenden hellen Sternes überzeugen kann; derselbe erscheint nicht als Punkt, sondern als vertical stehendes Spectralhand. Betrachtet man für die Brechung der optischen Strahlen eine Stelle des Speetrums, gelegen auf */ 3 zwischen I) und E (571 /<«), als massgebend, für die photographischen Strahlen diejenige der mittleren Gegend zwischen G und II (420), so sind für diese beiden Strahlengattungen im Mittel aus den von Ketteler, Lorenz, Mascart, Kayser und Bunge ausgefiihrten Bestimmungen der brechenden Kraft (I — «/), wo u den Brechungscoefiicienten zwischen Aether und Luft hei mittlerem Barometerstände und mittlerer Temperatur bedeutet, folgende Wertlie anzunehmen: für —-f— (1 — li) = 0.0002930 ü für —~ — (1 —,«) = 0.0002975 . Der Unterschied beträgt 0.0000045 oder '/ 65 des Gesammtbetrages der optischen Befraction, um welche die photographische grösser ist. Die Gebrüder Henry*) haben die Befractionsdifferenz auf experimentellem Wege bestimmt. Sie brachten vor dem Objective eines Fernrohrs ein Dilfractionsgitter an, welches im verticalen Sinne orientirt war, so dass die Diffraetionsspectra horizontal lagen. Bezeichnet man das Gitterintervall mit i und mit a die Winkeldistanz der Spectra erster Ordnung vom Mittelbilde, so ist a = . !' • Pichtet mau das Fernrohr auf einen ’ i sin I Stern, dessen Zenithdistanz % ist, so werden die Strahlen verschiedener Brechbarkeit im verticalen Sinne gemäss der Befraction abgelenkt um den genäherten Betrag u = A tg x, wo A mit der Wellenlänge variirt. Man erhält also eine Spectralcurve, in welcher man die Variation von o und damit von A mit der Wellenlänge messen kann. Eine genügende Darstellung von A haben die Gebrüder Henry durch die Formel finden können. ') Mesnre de la Dispersion Atmosphcrique. Bull, du Comite 1, 464. 12(3 1. Die Herstellung und Verwertliung von llinmielsaufnahincn. Die Messung wird am genauesten, wenn man den Winkel in, den die Tangente an der Spectralcurve mit der Horizontalen macht, bestimmt. Zu diesem Zweeke hat man 3 1> tg x ■ i sin I" _ 3 1) tg -v 'DA ’2ai (/sin 1")$ § cii (/ sin l")f tg m eotg x . Die Beobachtungen haben für I) den Werth Ü'.'726 ergeben, und damit gewinnt man folgende Wcrtlie von Ä für die beigesehriebenen Wellenlängen : 1 A 700 UU 57779 600 5S.11 575 » 58.22 500 58.GO 430 59.13 400 > 59.42 Die Herren Henry betrachten die AA'ellenlängen 575 au und 430 uu als massgebende für die optische bez. für die photographische Refraction und erhalten damit als Unterschied der Refractionseonstante 0"91 oder, in sehr naher Uebereinstiimnung mit dem theoretisch abgeleiteten Werthc, '/ 64 des Betrages der optischen Refraction; man wird abgerundet 1 / 6 - als einen für alle Fälle ausreichenden Corrcctionswerth der nach den üblichen Tafeln gerechneten Refractionen annehmen können. Die folgende Tafel giebt eine Uebersicht über den Betrag der C’orrec- tion hei Höhendifferenzen von 1" bis 5° und verschiedenen Zenithdistanzen. (In (ln oder = tff m : I) Höhendifferenz 1° 2° , 3° 4° 5° Zenithdistanz 20° OVO 2 0'.'04 0’.'05 0'.'07 O'.’UO » 30° 0.02 0.05 0.07 0.09 0.11 » 40° 0.03 0.00 0.09 0.11 0.14 > 50° 0.04 o.os 0.11 0.1G ! 0.19 > 00° 0.07 0.12 0.1S 0.24 : 0.31 > 70“ 0.15 0.30 0.44 0.59 0.82 > S0° 0.46 0.92 1.38 1 .63 2.29 Die modernen photographischen Refractoren besitzen ein Gesichtsfeld von mehr als 2° Durchmesser. AVill man bei der Reduction hiermit erhaltener Aufnahmen das Zehntel der Bogenseennde in der Rechnung- sicher halten, so ist es also schon bei Zenithdistanzen von 20° bis 30° Die Messungs- u. Reiluctionsmethoden in der astronom. Photographie. | 27 nothwendig, die Aenderung der Refractionsconstante zu berücksichtigen. Miin sollte also überhaupt ein für allemal photographische Messungen mit der geänderten Refractionsconstante redueiren; ganz unumgänglieli nothwendig aber ist dies in allen Fällen, wo die .Photographie zu absoluten Hühenbestiinmungen verwendet wird, wie z. 15. bei Benutzung der Photographie bei Meridianbeobachtungen. Die Form, nach welcher man die Kefraetion berechnen will, kann für die betreffende Messung«- und Reductionsmethodc besonders passend ausgewählt werden; Schwierigkeiten bereitet aber in allen Fällen, wo die Expositionszeiten lang sind, die Frage, für welchen Zeitmoment oder für welche Zeitmomente die Rechnung geführt werden soll. Für einen Stern der Platte, nämlich für den Kältestem, ist die Re- fraetion vollständig aufgehoben; alle anderen Sterne sind aber in jedem Momente mit der Differentialrefraction gegen den 1 [ältestem behaftet und beschreiben also wegen der Aenderungen der letzteren kleine Bahnen auf der Platte. Die Form dieser Halmen hängt vom Positionswinkel der betreffenden Sterne gegen den Kältestem ab; im allgemeinen sind sie gekrümmt und werden mit ungleichförmiger Geschwindigkeit durchlaufen. Bei kurzen Expositionszeiten kann man mit genügender Annäherung die beschriebenen Bahnen als gerade und als mit gleichförmiger Geschwindigkeit durchlaufen betrachten und wird deshalb die Refraction für die Mitte der Expositionszeit berechnen. Bei grösseren Expositionszeiten, deren Grenze natürlich von der absoluten Höhe der aufgenommenen Gestirne und von der absoluten Distanz abhängt, ist diese Annäherung nicht mehr genügend, und es fragt sicli nur, was an deren Stelle gesetzt werden soll. Diese Frage ist allgemein wohl kaum zu beantworten, und selbst im speciellcn Falle macht sie grosse Schwierigkeiten, auch wenn man sich in Betreff einer vorher zu erledigenden Frage entschieden hat, der Frage nämlich, in welcher Weise bei langdauernden Expositionen die Form der Sternscheibchen geändert wird, und auf welchen Punkt der deformirten Scheibchen man einstellen soll. Zur Beantwortung derselben müssen wir uns erst über die Grösse der durch die Aenderung der Differentialrefraction enstehenden Deplaciruugen informiren. Der extremste Fall würde der sein, dass z. B. beim Anfänge der Exposition sieh ein Sternpaar im Zenith befindet, beim Ende alter am Horizonte und zwar im Positionswinkel 0° oder 180°. Bei einer Distanz des einen Sternes gegen den Haltestern von 1°, welche Distanz wir im Folgenden annehmen wollen, würde die Differentialrefraction von Null bis 10' wachsen. Hiervon kann natürlich in praxi keine Rede sein; dagegen dürfte es schon durchaus möglich sein, bis zu 50° Zenithdistanz zu gehen, und damit hätte man eine Verschiebung von 2'.'5; jedenfalls darf man 128 I. Die Herstellung und Verwertliung von llimmelsaufnalmien. auf Ortsveränderuugen von 2" bis 3" gefasst sein, also auf Grössen von der Ordnung des Durchmessers der kleinsten Scheibchen, die bei schwachen Sternen sehr deutlich sichtbar sein würden; bei helleren würden sie zwar durch die Ausbreitung der directen Wahrnehmung entzogen sein, sich aber in der Messung natürlich bemerklich machen. Diese Deformationen treten erst bei grösserem Abstande vom Mittelpunkte der Platte auf, com- biniren sich also mit den durch die Ohjeetivconstruction bedingten, von deren Ordnung sie sind. Wir haben bereits bemerkt, dass man bei Aufnahmen, die mit richtig construirten Objeetiven erhalten sind, stets auf den geometrischen Mittelpunkt der Figur einstellen soll; das muss auch bei der weiteren De- formirung durch Hefraetion aufrecht erhalten werden, es gelangt also auch der geometrische Mittelpunkt der Refractionsbalm zur Einstellung. Damit ist aber die erstere Frage insofern erledigt, als die Hegel nunmehr lautet: Hei lange exponirten Aufnahmen soll die Hefraetion für denjenigen Zeitmoment gerechnet werden, in welchem sich der Stern im Mittelpunkte seiner durch die Hefraetion auf der Platte beschriebenen Hahn befand. Die Lösung der Aufgabe, den allgemeinen Ausdruck für diese Zeit zu linden, wird uiclit unbeträchtliche Schwierigkeiten bereiten; man kann aber durch etwas umfangreiche Heclmungen in jedem gegebenen Falle auf graphischem Wege zu einem genügend genauen Werthe gelangen, indem man für einige aequidistante Zeitmomentc der Exposition die He- träge der Hefraetion in Heetascension und Dcclination rechnet, dieselben in ein Netz einträgt, dessen Coordinaten die Hectascensionen und Declina- tionen sind, durch die so erhaltenen Punkte die Refractionscurve legt und deren Mitte bestimmt. Dass die Rerechnung der Hefraetion für die Mitte der Expositionszeit oder ihre Mittelnahme für Anfang und Ende der Expositionszeit in vielen Fällen durchaus nicht immer eine genügende Annäherung bietet, kann leicht durch ein Beispiel gezeigt werden. Für einen südlich oder nördlich vom llaltestern gelegenen Stern wird, falls die Expositionszeit symmetrisch zum Meridian liegt fder günstigste Fall für Aufnahmen in geringen Declinationen), die Refractionscurve annähernd hufeisenförmig, und der Punkt, auf welchen beim Messen eingestellt werden müsste, ist der geometrische Schwerpunkt dieser Figur. Rechnet mau die Hefraetion für die Mitte der Expositionszeit, also für den Meridiandurchgang, so würde man damit den Scheitelpunkt des Hufeisens erhalten, bei Rerechnung für die Endzeiten die Mitte der beiden Enden. Eine recht gute Annäherung würde man in diesem Falle erst dann erreichen, wenn das Mittel der Refractionen aus den drei Momenten Anfang, Mitte und Ende genommen würde. Die -Messungs- mul Keductiousmethoden der astronmn. Photographie. 129 Wie schon bemerkt, werden bei Darlegung specieller Beductions- metlioden auch Refractionsformelii, welclie dem besonderen Zweck der Aufnahmen angepasst sind, Aufnahme finden. Diese Formeln dürften im allgemeinen ausreichen; es können jedoch Fälle Vorkommen, in denen wegen zu grosser Distanzen die BesseFsclien Entwickelungen nicht mehr ausreichen und Glieder höherer Ordnung mitgenommen werden müssen. Derartig erweiterte Formeln hat 1!amhaut*) entwickelt, und er findet hierbei, dass eine Darstellung der Refraetion innerhalb O'.'Oö durch die gewöhnlichen Formeln und für Distanzen bis 5° bei Zenithdistanzen bis 50° noch stattfindet, dass es aber ausserhalb dieser Grenzen nüthig wird, die Glieder, welche von der zweiten Ordnung der dö und du abhängen, zu berücksichtigen. Die Entwickelung der naturgemäss etwas complicirten Rambaut’schen Formeln möge hier folgen. Die Zenithdistanz eines Sternes werde mit C, seine Beetascension und Declination mit a, resp. <5 bezeichnet, rj sei der parallaktische AVinkcl und die Refraetion. Die gewöhnlichen Ausdrücke für die Befraction in Bectascension und Declination sind dann: Ja = J'Z sin rj sec ö und Jö = JZ cos r t . In dem sphärischen Dreieck zwischen dem Pol, dem wahren und dem scheinbaren Orte des Sternes ist nun: sin rj cotg Ja — cotg JZ cos <5 — sin ö cos rj sin (ö + Jö, = sin ö cos JZ + cos ö sin JZ cos t]. Diese Gleichungen gehen über in und Ja = JZ sin rj sec ö -f- JZ 2 sin // cos i] sec ö tg ö Jö = JZ cos i] —J JZ 2 sin 2 rj tg ö. Wenn jetzt eingeführt wird - ß tg= j: so wird (p = — tg g sin ij sec ö -0 = — tg Z cos r; TJ = tg 2 Z sin ij cos ij sec ö tg <5 r = — p tg 2 ;■ sin 2 >j tg ö , Ja ßip + ß 2 U; Jö = ßü + ß 2 V. Wenn die Differenz in den Werthen irgend einer Function für zwei benachbarte Sterne durch ein vorgesetztes d bezeichnet ward, so ist *) Astr. Nachr. Nr. 3125 und 3255. Scheiner, Photographie der Gestirne. 9 130 I. Die Herstellung und Yerwertlmng von Ilimmelsaufnahmen. dJa = Jda — dßip -f- iljPZ" dJÖ = Jdö = dßll + djf-V, wo Jda und Jdö die Kefractionscorrectionen an die Differenzen da und dö sind. Bezeichnet man mit ß 0 den Werth von ß, der dem Sterne entspricht, von welchem aus die Messungen gemacht werden, so ist für einen benachbarten Stern ß — ßo + dß n HZ \dZ d 2 ß o , ~dÖ + Unter Vernachlässigung der höheren Glieder als der zweiten folgt Jda = ß 0 chp + ijjdt, ^ + ßo'klU und Jdö = ß 0 dü + .Qi ß<:-dv. Zuerst mögen nur die ersten Glieder dieser Ausdrücke betrachtet werden. Da ip und 11 Functionen von a und d sind, so ist dip = da + öa bi p bd dö + -j | b 2 l p da 2 + 2 b 2 lp bßbd d ad ö !>■) + • Entsprechend gestaltet sich der Ausdruck für d 11. Ist

cos (0-a)l [cosdsine/>-sindcosrpcos(0-ß)] cos d [sin d sin cp 4- cos d cos cp cos (0 — ß)] 3 b 2 cp 2 cos cp sin (0 — ß) ö d 2 cos 3 d [sin d sin cp + cos d cos cp cos (0 — a)] 2 2cosr/?sin(0-ß)[cos2dsin(/>-sin2dcos-sindcos<7>cos(0-ß)] cos 2 d [sin d sin cp + cos d cos cp cos (0 - a)] 3 ö 2 LI — cos cp sin cp cos (0 — a) 2 cos 2 cp sin cp sin 2 (0 — a) cos ö öa 2 [sin ö sin cp + cos d cos cp cos (0 — ß)] 2 [sin d sin

cos (0 — a)] 3 "’ ö 2 LI — 2 cos cp sin cp sin (0 — a) [cos d sin cp — sin d cos cp cos (0 — ß)l ößbd [sindsin cp + cos d cos cp cos (0 — a)] 3 ’ ö 2 .Q —2 [sin 2 »/) 4- cos 2 cp cos 2 (0 — a)] [cosdsinr/) — sind cos cp cos [0 — «)1 öd 2 [sindsinr/i + cosdcosf/)cos(0 — ß)] 3 Setzt man nun cos n — cos cp sin (0 — ß), sin n sin m = cos cp cos (0 — a), sin n cos m = sin cp, cos v = sin cp sin (0 — a), sin v cos (.i = sin cp cos (0 — a), sin v sin u — cos cp, und schreibt cos 'C anstatt : n sin [m + d), so wird b cp cos cp sinvsiniß-f-d) bcp cos n i sin ii cos [m + 2 d) bcc cos d cos 2 £ ’ öd cos 2 d cos 2 £ ’ bL 2 cos cp cos V b.Q sin 2 n ba cos 2 L ’ bd cos 2 r 7 b 2 ip COS cp cos v sin d 2 cos cp eos u sin v sin C* 1 + d) Öß 2 cos d COS 2 L cos 3 C 7 ö 2 cp cos cp sin v cos u . 2 cos cp sin n cos (; m + d) sin v sin (u + d) ößbd cos 2 d cos 2 £ cos d cos 3 £ b 2 lp — 2 cos n 2 cos n sin 2 n cos [m + 2d) cos [m + d) öd 2 ' cos 3 d cos £ cos' 2 d cos 3 L 7 b 2 Li cos cp sin v cos rj 2 cos cp cos n cos v cos d öß 2 cos 2 C cos 3 T 9 * 132 I. Die Herstellung und Verwerthuug von Ilimmelsaufucilimen. ö -_ r 2 2 cos

sin d eos »cos v bu eos 2 d eos 3 ’C eos 2 d eos 3 1 ’ ö77_ sin d cos n sin 2 n cos [m -f- 2d) cos (m + d) sin d cos 11 sin 2 « ö d cos 3 d eos 3 £ cos 2 d cos 3 £ cos n sin n cos f m + d) cos 3 d cos 2 £ ’ ö V _cos (p sin d cos n sin v sin (u + d) ö u cos d cos 3 £ ’ ö V sin d cos 2 n sin n cos [m + 2 d) , cos 2 d' cos 2 n b d cos 2 d COS 3 £ " cos 2 d cos 2 £ Keiner dieser Ausdrücke kann grösser werden als ß^Ja sec 2 d sec 3 s; als Grenzwerthe ergeben sich die folgenden: f = 50° 00° 70° 80° ^ i 0 1 2025" 50 1420 60 6594" 862 70 963S" 3085 404 SO 527S" 2484 795 104 Die mit ß 0 2 lnultiplicirteu Glieder können also erst merklich werden, wenn entweder die Declination oder die Zenithdistanz grösser als 70° wird. Die Endformeln für die llefraction werden nunmehr: 11 /j öt// d ,öt r , dß n cos -n \ , Jdci = Af + ÄV + p- ■ - — — U/« \ bu du sin _ cos«/ /bw . bU - f/c? n sin 11 cos n cos (in -f- d)\ ,.. Pu tv + Po 1 tt H—p--- , ■ - dd \ ö d öd (L cos d sm L cos i / + A rf “ 2 + AFFT dadö + ■> — dd 2 / d° öF .y,/d = (/7 0 -- + ,v — + ö « ö d 2 ö d 2 ö V dß 0 sin n cos n cos d cos [m + d) du sm cos L )< + (A £ + A* ^ (H \ 00 öo sm c cos ^ / / d 2 -Q d 2 0 ö 2 O \ Die Messungs- u. Reductionsmetlioden in der astronom. Photograpliie. 135 Tu (len allermeisten Fällen wird inan mit folgender abgekürzter Form auskominen: f cos cp sin v sm Jd JdÖ cos ö sin- n sin cos

die mit weit grösserer Genauigkeit auszuführende Ausmessung der Platten für die Himmelskarte ausgearbeitet; ein bestimmtes Urtlieil über ihre praktische Brauchbarkeit liegt nicht vor, und obgleich ich dieselbe für umständlicher erachte als die anderen, so ist sie doch von einer grossen Eleganz und kann für gewisse Fälle wohl zur Anwendung empfohlen werden; sie möge hier an erster Stelle besprochen werden. Die Grundidee der Kapteyn’schen Methode ist die folgende: Das Auge befinde sich im Brennpunkte des Ohjectivs des photographischen Fernrohrs. Sieht man von den Verzerrungen etc. der Schicht ab, so wird man die Aufnahme so halten können, dass alle Sterne der Platte die wirklichen Sterne genau bedecken. Ersetzt man also das Auge durch den Durchschnittspunkt der beiden Axen eines Aequatoreals, so kaun man auf der Aufnahme genau so gut wie am Himmel die Rectascensions- und Dcclinationsdifferenzen messen. Dieses Aequatoreal muss aber einigen Bedingungen genügen, die dadurch entstehen, dass die Sterne der Platte nicht unendlich weit vom Instrument entfernt sind; es sind folgende zwei: I) Der Mittelpunkt des Ohjectivs muss mit dem Durchschnittspunkte der beiden Axen nahe coincidiren, damit der Bogenwerth eines am Oculare angebrachten Mikrometers für die ganze Platte constant ist. 2' Die optische Axc des Fernrohrs muss durch den Durchschnittspunkt der beiden Axen, der im Folgenden kurz als Centrum der Bewegung bezeichnet werden soll, gehen. Der Stundenaxe wird man eine horizontale Lage geben und dem ganzen Instrument eine Drehung um eine verticale Axe, welche ebenfalls durch das Centrum der Bewegung gehen muss. Es geschieht dies, damit man leicht den Platten eine zum Instrumente feste Stellung geben kann. Ausserdem muss die Platte eine genau alllesbare Drehung im Positionswinkel ausführen können. Das Instrument selbst ist mit Stunden- und Declinationskreisen verseilen, und das Ocularmikrometer ist ein Doppel- mikrometer, orientirt nach den Axen des Instruments. Fach Vorausschickung dieser Grundprincipien wird die von Kapteyn*) gegebene Construction des Apparates leicht verständlich sein. Fig. 2S giebt einen vertiealen Durchschnitt durch das Instrument, Fig. 29 einen horizontalen. Das Instrument ist ein einfaches Aequatoreal, für die Polhöhe 90° gebaut, und ist auf der vertiealen Säule LL montirt. Bll ist die Stundenaxe, getragen durch die Lager NX. Da jede Längenverschiebung dieser Axe die Messungen im ungünstigen Sinne beeinflusst, muss eine solche durch irgend eine federnde Vorrichtung, welche die Axe gegen ein Lager * Kapteyii,J.C. Plan et Details de fApparail Parallactique. Bull, du Com. 1,377. Die Messungs- u. Reiluctionsmethoden in der astronom. Photographie. | 37 im Sinne der Längsrichtung andrückt. vermieden sein. Die Stunden- axe trägt am einen Faule den Stundenkreis AA — die Ablesemikroskope sind in der Zeichnung fortgelassen —; am anderen Ende ist au der Axe das gabelförmige Stuck DI) befestigt, welches die Deelinationsaxe CC trägt. EE ist der Dcclinatious- kreis, dessen Mikroskope ebenfalls in der Zeichnung fortge- lassen sind. IIII repräsentirt das gebrochene Fernrohr, dessen Objectiv G sich im Bewcgungs- centrum befindet; es ist aus- balancirt durch die Gegengewichte E und 0. Das ganze Instrument ist durch den Tisch II getragen, der sich seinerseits um die verticale Axe LL dreht, deren Verlängerung durch das Centrum der Bewegung geht. Das Gegengewicht K balanc-irt den Apparat in Bezug auf die Axe LL aus. In Fig. 30 ist die Befestigungsvorrichtung für die zu messende Platte gegeben; sie muss gestatten, dass die Platte ausser der bereits erwähnten Drehung im Positionswinkel so gestellt werden kann, dass sie senkrecht N B Fig. 28. Fig. 29. Fig. 30. steht zur Verbindungslinie von Plattenmitte zum Bewegungscentrum, und ferner hat Ivapteyn die für die Messung selbst nicht direct nothwendige Einrichtung getroffen, dass die Platte leicht mit einer anderen Aufnahme derselben Himmelsgegend verglichen werden kann. I. Die Herstellung und Verwerthung von Himmelsaufualnnen. 138 d ist die photographische Platte; sie ruht auf drei Cylinderu e von Platiniridium, gegen welche sie durch die Federn f gedrückt wird. Diese Cylinder müssen genau den drei Punkten entsprechen, gegen welche die Platte in der Fassette bei der Aufnahme gelagert ist. Auf der Rückseite ist die Platte durch die federnden Halter a gegen drei kleine Messingzungen b angedrückt, gegen welche von der andern Seite her eventuell die zweite Platte d' Fig. 30) angedrückt werden kann, welche auf demselben Cylinder c ruht. Von den Federn wird die zweite Platte nicht gehalten, so dass sie im horizontalen Sinne gegen die erste Platte verschoben werden kann. Die Cylinder cc sind auf dem Thcilkreise g etwas verstellbar angebracht, so dass der Plattenmittelpunkt genau in den Drehungspunkt des Kreises gelegt werden kann. Der Theilkrcis wird durch zwei Mikroskope (in der Figur ist nur eines derselben h angedeutet) bis auf eine Ilogensecunde abgelesen. Der feste Kreis k, in welchem sieh g dreht, ist, an der Axc I angebracht, die durch Fussschraubcn und Niveau ver- tical gestellt werden kann. Die Fig. 31 giebt eine Ansicht von dem Messapparate, mit welchem Kaptcyn die Ausmessung der Photographien für die südliche Durchmusterung ausgeführt hat. Derselbe ist etwas einfacher gellalten, als der für die exacten Messungen bestimmte, hat sich aber sehr gut bewährt und darf schon ein historisches Interesse beanspruchen. Die Benutzung des Instrumentes kann auf zweierlei Weise erfolgen. I) Die Messung der Anhaltsterne liefert gewisse Constanten über die ganze Aufnahme hinüber, aus denen nachher durch ein Interpolationsverfahren die Positionen der unbekannten Sterne abgeleitet werden. Ein Tlieil dieser Constanten muss dazu dienen, die Fehler des Instruments und der Justiruug zu ermitteln, d. h. es ist eine vollständige Theorie des Instruments bei Benutzung dieser Methode erforderlich, bei welcher dasselbe thatsächlich als Acquatoreal verwendet wird. Die Reduetionen sind hierbei natürlich recht eoinplicirt. 2) Auf der Platte ist ein Gitter aufcopirt, dessen Fehler bekannt sind. Die Messungen sind nur relativ zu den Gitterstrichen, es kommen also nur kleine Distanzeil zur Berechnung, für welche eine ungefähre Berichtigung des Instrumentes vollständig genügt. Das Instrument als solches geht in die Messungen nicht ein. Da bei dieser Methode auf die Gitterstriche, resp. auf deren Intersectionspunkte, eingestellt werden muss, so ist die Zahl der Messungen eine beträchtlich grössere als bei der andern Methode, die Reduction aber eine einfachere. Wir wollen im Folgenden diese letztere Methode behandeln. Es wird angenommen, dass der Mechaniker die Bedingung erfüllt hat, dass sich die vier in Frage tretenden Axen (optische Axe, Stundenaxe, Die Messung»- u. Keduct-ionsmethoden in der astronom. Pliotograpliie. 139 Declinationsaxe und Verticalaxe) mit genügender Genauigkeit im Centrum der Bewegung schneiden. Der Collimationsfehlcr und der [ndexfelder des Declinationskreises werden auf die Uhliclie Weise möglichst klein gemacht, und der feste Faden des Mikrometers wird möglichst senkrecht zur Declinationsaxe gerichtet. Darauf wird die Platte nach Möglichkeit senkrecht zur Verbindungslinie vom Mittelpunkt der Platte nach dem Mittelpunkt der Bewegung gestellt und diese Distanz gleich der Brennweite des Fig. 31. photographischen Fernrohrs gemacht, mit welchem die Aufnahme erhalten worden ist. Ist nun I) die Declination des Mittelpunktes der Platte für das mittlere Aequinoetium, für welches man die Positionen der Sterne haben will, so stelle man den Deelinationskreis hierauf ein und klemme die Declinationsaxe. Alsdann drehe man das Instrument um die Stundenaxe und um die Verticalaxe, bis der Mittelpunkt der Platte (die Intersection der mittleren Gitterstriche) mit der Mitte des Gesichtsfeldes zusammenfallt. Darauf wird die Verticalaxe geklemmt. Es ist bequem für die späteren Rechnungen, besonders aber auch für die Identificirung der Sterne, wenn man den Stundenkreis jedesmal so justirt, dass die I. Die Herstellung und Yerwerthung von llimmelsaufuahmen. 1 - 1(1 Ablesung bis auf 1" mit der Reetaseension der Mitte (.1) für das betreffende Aequinoetium identisch ist. Man wähle nunmehr auf der Platte möglichst von einander entfernte Sterne aus, welche in einer Coordinate. z. B. der Reetaseension, nahe übereinstimmen. Dureli Drehung 1 der Platte im Positionswinkel kann man leicht erreichen, dass die beobachtete Declinationsditferenz mit der Differenz für das mittlere Aequinoetium identisch ist. wodurch die Aufnahme genähert für dasselbe Aequinoetium orientirt ist. Man kann denselben Zweck viel einfacher erreichen, wenn vorher Sorge dafür getragen wird, dass die Gitterstriche sehr nahe auf den scheinbaren Parallel justirt sind. Beim Messen selbst wird nun sowohl auf die Sterne eingestellt, als auch auf die Durchschnittspunkte der Gitterstriche, und dies kann nun in zweierlei Weise erfolgen, 1) indem man alle Pointirungen in der Mitte des Gesichtsfeldes macht — man braucht also nur ein festes Fadenkreuz — und dann Stunden- und Deelinationskreis abliest, 2) indem man bei einer bestimmten Einstellung des Declinationskreises die Deelinationsaxe klemmt und mit dem Ocularmikrometer in Declination misst, wobei man die Rectasceusionen am Kreise abliest. Die zweite Methode hält Kapteyn für die bessere, besonders weil man dabei in gleiehmässig breiten Zonen fortschreitet; im Folgenden ist daher diese Methode vorausgesetzt. Correction wegen liefraction. Zur Refractionsbereclmung giebt Kapteyn ein sehr hübsches Verfahren an, welches natürlich auch für alle anderen Methoden der photographischen Reduction, sofern Rectascen- sions- und Dcclinations-Unterschiedc vorliegen, benutzt werden kann. Führt man die bekannten Bezeichnungen ein: tg X = cotg ff cos t n = tg f sin X t = Stundenwinkeil des in der Mitte zwischen Stern und d = Declination J Plattenmittelpunkt gelegenen Punktes <-p = geographische Breite Ja und Jö = beobachtete Rectascensions- resp. Declinations-Differenz, so ist: ( 1 ) ( 2 ) d[Ja) I *\ neos(2ö + X) ^ , » 2 \ , \ cos 2 ö sin 2 (/M = n ■ Seien nun ferner «, ö = Hectascension und Declination des Sternes A für 11)0(1 21 und 2 = dieselben Quantitäten für den Stern .0 (I + r) — Abstand der Platte vom Hauptpunkte des Objeetivs im Momente der Aufnahme p = scheinbarer Positionswinkel von A gegen LI s = scheinbare Distanz der beiden Sterne 7t, o = dieselben Quantitäten für 1900. Daun ist yOS = p + co OS — F„ ( I + v) tg s , folglich ( 4 ) *S il> + w ) = ^ , (5) (1 + y) Vx 2 + y l — F 0 (1 + v) tg s . Für den Oesammtwerth von l'raecession, Xutation und Aberration im Positionswinkel hat man (6) (1900 — t) n sin 2I„, sec 2,„ — (Au + 11b -f- Cc + Db) = t wo n = 2()'.'0ö n = n sin 2Q sec 2,; b = cos 2Q sec 2 S, Fig. 32. 111 I. Die Herstellung und Verwerthung von Ilimmelsaufnahmen. Wir betrachten ein zweites Dreieck S x 1\ '2, , für welches man hat (J‘ (is: tg Sy ily Py : - tg P = tg A tgSiß, Py Lly = 90° — 3) P l Sy=d(f'—(l yPyÜy=a- 9t ( J\ Sy £}y = Sy . 1 P 2 -(•//- u Dieses Dreieck geht in das erstcre über, wenn inan giebt f dem PC P den Zuwachs — Jp , 19) dem PC 2' den Zuwachs F n Vs» + y* Pp + P + y‘ ■ sin 2? cos - ■ . W enn inan Jp und l als Differentiale betrachtet, so findet man den Zuwachs, welchen die W inkel a — 9( und d in dieser Transformation erfahren, durch die bekannten Diffcrentialformcln: d [a — 31) = (sin Sy d'23 — sin 3 cos Sy öP) sec d öd = — cos Sy d23 — sin 2:’ sin S x öP, so dass / « — 3t = (fl — 3Xy — (sin Sy cos — cos SyJp) sin 23 sec d ( 20 ) \ö — 2 = [d — 2) + (cos 5, cos 23 • /, + sin Sy Jp) sin 23 wird. In diesen Gleichungen müssen a — 3(, d —2, Sy und d aus dem Dreiecke 1\ S x f_>, abgeleitet werden, dessen drei Elemente (17 als Functionen von x, // und 33 gegeben sind. Die Auflösung dieses Dreiecks giebt zunächst: (211 ( 22 ) (23) tg (« — 9t) = sin iS', = sec d — sin P cos 3) cotg 23 — sin 33 cos P sin 4l t enthalten. Wenn jetzt andrerseits die Beobachtung von M die Ablesungen a und ö' giebt. so ist es klar, dass die Differenz der beiden Wertlie die gesammte Reduetion sein wird, welche die Ablesungen (nach Anbringung der Refraction) erfordern, Scheiner, Photographie der Gestirne. 10 I. Die Herstellung und Yerwertliung von llimmelsaufnalnnen. f IC um uns ihnen die mittleren Hectascensionen und Dcolinationen für 1900 abzuleiten. Es seien nun J a und Jg die Summen aller Instrumentenfehler, der Distorsion und der Verzerrungen für den Punkt M in a und d, so ist J u = 91 + K — a -f- LI + MJp , Ja = 3? 4- A" — = d' 4- dp ; dann ist dp klein genug, um als Differential behandelt werden zu können. Die Gleichung (15) gellt dann über in X ;r = arc tg -- ß — dp . " V Die Messungs- u. Reductionsmetlioden in der astronom. Photographie. J 47 Wir stellen uns -wieder ein Dreieck P, S { P, vor, in dem mau -wie ■früher hat Xtf + y 1 tg Si P, P, P| = 90°—■ 3), wo aber Si P, 1\ = P — arc tg- ji oder vielmehr t g (p+/?)=! ^t. Dieses Dreieck transformirt sich in das Dreieck P S P durch die Formeln (19). Man erhält also für die Gleichungen (25) bis (27) folgende analoge: « = ?{ k 4 - l’l 4 - m dp , ö = 2 ) + 7. - '4- + m dp , (25 a) ( 2 b a) tg (P + ß) Vaf- 4- ?/ ; P 0 Po siu (P + p P, cos (P 4- p Die übrigen Gleichungen bleiben dieselben, wenn man statt der K ) L, 21 die kleinen Buchstaben setzt. Die Rechnungen müssen mehrfach unter verschiedenen Annahmen für ß durchgeführt werden. Der llauptvortheil der Kapteyn’schcn Methode besteht darin, dass die Messungen gleich sehr genäherte Werth e der mittleren Positionen für das betreffende Aequinoctiuin geben, so dass die Ideutiiicirung der Sterne mit anderen Beobachtungen sehr bequem ist. Um der parallaktischen Ausmessung der Platten hier nicht allzu viel Baum zu gewähren, möge die Kapteyn’sclie Methode*) ohne Benutzung der Gitter übergangen werden. Es werden bei derselben auch so grosse Anforderungen an die Stabilität des Apparates und au seine Justirungen gestellt, dass es zu bezweifeln ist, ob trotz der grössten Bemühungen eine solche Genauigkeit der Resultate erreicht werden kann, wie sie unter Benutzung der Gitterstriche oder überhaupt anderer Messmethoden zu erreichen ist. Die Apparate, welche zur Messung rechtwinkeliger Coordi- naten auf photographischen Aufnahmen bestimmt sind, können nach den : ) Bull, du Comite 1 } 401. 10 * 148 I. Die Herstellung und Verwerthung von Ilimmelsaufnalimen. verschiedensten Principien eonstruirt sein. Die Messungen können über die ganze Länge der Platte ausgefiihrt werden; dann muss ein Massstab vorhanden sein, den man entweder durch ein zweites Mikroskop abliest, oder der, schräg über der Platte befestigt, durch das auf ihn einzustellende einzige Mikroskop abgelesen wird. Diese Vorrichtung- kann direct doppelt vorhanden sein, so dass gleich beide Coordinaten gemessen werden; sie braucht aber auch nur einmal da zu sein; dann ist aber eine weitere Vorrichtung erforderlich, welche die Platte um genau 90° behufs Messung der zweiten Coordinatc dreht. Ist die Platte mit einem Gitter versehen, so hat die Messung nur innerhalb eines Gitterintervalls zu erfolgen, kann also durch eine .Schraube ausgeführt werden. Hierbei muss entweder das Mikroskop oder die Platte unter dem Mikroskope so verschoben werden können, dass jedes Quadrat des Gitters in das Gesichtsfeld des Mikroskops gebracht werden kann. Auch hierbei können entweder mit zwei aufeinander senkrechten Schrauben beide Coordinaten gleichzeitig gemessen werden, oder es muss eine Drehung um 9(1° vorhanden sein. Es mögen einige Instrumente der verschiedenen C’onstructionen kurz beschrieben werden. Der Messapparat der Leydener Sternwarte*;. Ein horizontaler Lahmen, auf welchem die photographische Platte befestigt ist, gleitet auf einem horizontalen geraden Cvlinder. Ein mit Ocular- mikrometer versehenes Mikroskop bewegt sich ebenfalls horizontal, aber in einer zur Bewegung des Palnnens senkrechten Lichtung, kann also auf jeden Punkt der Platte gerichtet werden. Nachdem die Fäden des Mikrometers auf einen Stern eingestellt sind, wird dem Mikroskope eine kleine Bewegung um eine horizontale Axe ertheilt, wodurch es auf einen Massstab gerichtet wird, der parallel zur Bewegungsrichtung des Mikroskops gestellt und fest am Fussstiicke des Apparates angebracht ist. Indem man vermittels des Mikrometers eine Einstellung auf den nächsten Theilstrich des Massstabes macht, erhält man also die Projec-tion des Sternbildes auf den Massstab. Man erhält die andere Coordinatc des Sterns, indem man gleichzeitig einen Massstab abliest, der senkrecht zum ersten angebracht ist. Die Figuren 33 und 34 geben einen verticalen und einen horizontalen Durchschnitt durch den Apparat. Die Platte A ist vermittels der Klammern a und der Feder b auf dem Lahmen J> befestigt und -wird von unten beleuchtet durch die Oeffnung C. Der Lahmen kann in dem Linge D gedreht werden, und der Drehungswinkel kann am Kreise E durch die beiden diametral gegenübersteheuden Mikroskope abgelesen werden, deren eines in F gezeichnet ist. Der Kasten G, der mit 2 ') Bull, du Comite 1, 169. Der Messapparat der Leydener Sternwarte. 149 I) ein Stück bildet, ruht mit zwei Führungen c und d auf dem horizontalen Cylindcr TI und mit der anderen Seite auf der ebenen Oberfläche eines Balkens, dessen Enden in I zu sehen sind. Diese Einrichtung gewährt für den Kasten eine möglichst geradlinige Bewegung, welche ihm durch den Zahnradtrieb K und L mitgetheilt wird. An dem Massstabe M kann der Betrag der Verschiebung durch eine Lupe abgelesen werden. Das Mikroskop ist auf dem Schlitten 0, der auf den beiden Führungen 7' gleitet, befestigt; die Führung ist bei 77 mit dem Fussgestelle fest ver- ;n* L V Fig. 33. bunden. Durch den Zahnradtrieb Q wird dem Mikroskope die gleitende Bewegung crtheilt. Um auf den Massstab TU zu pointiren, wird dem Mikroskope vermittels des Hebels T und V eine kleine Drehung um die Axe S ertheilt. Der Massstab ist auf der Brücke AI angebracht und in Millimeter getheilt. Die Ablesung in der zweiten Coordiuate wird nur genähert ausgeführt bis auf einige Zehntel eines Millimeters, und zwar kann dies mit Hülfe einer kleinen Kegistrirvorrichtung geschehen. Die genäherten Werthe genügen zur Identificirung der beiden Coordinaten; I. Die Herstellung und Verwerthung von Ilimnielsaufnalimen. I öl) die genauere Messung der zweiten Coordinate geschieht später, nachdem der Kähmen tun 90° gedreht worden ist. Es würde sich die Einrichtung haben treffen lassen, auch die zweite Coordinate gleich genau zu messen; Bakhuvzen zieht jedoch das andere Verfahren trotz der etwas grösseren Umständlichkeit vor, und zwar aus folgenden Gründen: I) Einfachere Einrichtung des Apparates; 2) genaue Senkrechtstellung der beiden Coordinaten aufeinander; 3) Vereinfachung der Beobachtungsmethode; Fig. 34. 4, Verminderung der Gefahr, einen Stern auszulassen; 5) Erkennung gröberer Ablesefehler durch die genäherten Wertlie. Es können mit dem beschriebenen Apparate, der zur Messung Uber die ganze Platte hinüber bestimmt ist, natürlich auch Platten mit anf- copirtem Gitter gemessen werden. Die betreffenden Gitterstriche müssen genau, so behandelt werden wie die Sterne, und bei der lleduction brauchen immer nur die Differenzen zwischen Gitterstrichen und Sternen in Pechnung Der Messapparat des Potsdamer Observatoriums. jr.i gezogen zu werden. Ist die Mikrometersehraube lang genug oder das (titterintcrvall eng geling, um ein Gitterintervall mit der Schraube messen zu können, so können die Pointirungen auf den Massstab gänzlich in Wegfall kommen, und der Apparat geht damit in einen solchen über, bei dem das Gitter die vollständige Grundlage der Messungen bildet. Ein Apparat, der hierauf allein basirt, und der wohl liehen der grössten Genauigkeit die denkbar grösste Geschwindigkeit der Messungen erlaubt, ist von Rcpsold für das Astrophysikalische Observatorium in Potsdam gebaut worden. Der M e s s a p p a rat des P o t s d a m e r 0 b s e r v a t o r i u m s. Auf dem massiven Untergestelle I 7 , welches in der Mitte eine Oetfnung zum Durchlässen des Lichtes besitzt, ruht auf den drei Säulen eine Verschlussplatte, welche das Mikroskop .1/ trägt. Letzteres ist schräg gebrochen — in der Zeichnung nach vorn gerichtet — und kann nur um geringe Quantitäten behufs Justirung bewegt werden, ist aber im übrigen unveränderlich über der Mitte des Untergestells angebracht. Der Oeular- lnikrometerkasten O enthält zwei aufeinander senkrecht stehende Schrauben mit je einem Fadenpaare; dreizehn Revolutionen der Schrauben entsprechen einer Strichdistauz des Gitters (5 nun;. Die photographische Platte P ist durch zwei corrigirbare Klammern K, welche den festen Anlagcpunkteu in der Gassette entsprechen, und die Feder F auf dem Rahmen Ii befestigt. Letzterer kann um seine ganze Länge über den horizontalen Führungscylinder C gleiten; auf der vorderen Seite gleitet der Rahmen nur Uber einen ebenen Balken B. Cylinder und Balken befinden sieh ihrerseits auf dem zweiten Rahmen r, der in genau gleicher Weise auf dem Cylinder c und dem Balken b gleitet, und zwar senkrecht zur Bewegungsrichtung des oberen Rahmens. Durch die combinirte Bewegung der beiden Rahmen kann demnach jedes Gitterquadrat der Platte in das Gesichtsfeld des Mikroskopcs Fig. 35. t EÄSrry I. Die Herstellung und Verwerthung von llimmelsiuifnalimen. 152 gebracht werden. Eine auf den Cylinderu befindliche Theilung von 5 zu 5 mm — den Gitterstriehen entsprechend — mit Index gicht an, welches Quadrat der l’latte im Gesichtsfelde ist. Die Bewegung der Balimen gesehielit durch zwei Zahnradtriebe, ihre Klemmung durch die Schrauben K. Die Messung gestaltet sich mit diesem Apparate folgcndermassen. Zunächst wird die Platte vermittels der corrigirbaren Klammern so justirt, dass in der einen Bewegungsrichtung beim Durchschieben der Platte ein Gitterstrich genau im Fadenkreuze bleibt. Da die Abweichung der beiden Cylinder von der Senkrechtstellung nur eine ganz unmerkliche ist, und da andererseits nur Messungen über die kurzen Distanzen von 5 mm Vorkommen, so sind damit die Gitterstriche parallel zu beiden Bewegungsrichtungen gestellt. Nunmehr wird das Mikrometer so justirt, dass eines der Fadenpaare parallel zur Strichrichtung steht. Wenn man nicht darauf refleetirt, die Hundertstel der Bogensecunde exact zu erhalten, sind damit auch die beiden Mikrometerbewegungen justirt. Das Einstellen auf die Gitterstriche und auf die Sterne ge- '■CT--: Fig. 36. schiebt in beiden Coordinaten unter Verwendung beider Hände gleichzeitig, wodurch eine bedeutende Zeiterspamiss und Sicherheit in der Indenti- ticirung der zusammengehörigen Coordinaten erzielt ist. Die Sternwarte in Upsala besitzt einen nach genau gleichen Prin- cipien gebauten Messapparat, der aber noch die weitere Einrichtung hat, dass die Platte nicht unmittelbar auf dem oberen Balimen befestigt ist, sondern auf einem drehbaren, mit feiner Theilung versehenen Binge. Ausserdem ist einer der Cylinder mit einer feinen, durch Mikroskop ablesbaren Theilung versehen, so dass der Apparat auch zur Messung von Distanzen und Positionswinkeln benutzt werden kann. Auf dem gleichen Principe beruhend wie der Potsdamer Messapparat. Reduction rechtwinkeliger Coordinaten. 15H mir in den äusseren Formen abweichend, ist der Messapparat der Pariser Sternwarte gebaut (Fig. Das feste Untergestell trägt auf einer horizontalen Schlittcnflihrung eine um 40" geneigte, zur crstcren senkrecht stehende Schlittenführung, auf welch letzterer ein drehbarer King gleitet, der die photographische Platte aufnimmt. Die Bewegung der beiden Schlitten geschieht durch starke Schrauben mit grosser Ganghöhe. Durch Drehung des Kinges werden die Gitterstriche der Platte mit den Schlittenflihrungeu parallel gestellt. Die Messung innerhalb der Gitterquadrate wird mit den beiden Mikrometerschrauben des mit dem Untergestell durch einen festen Balken verbundenen Mikroskops ausgeführt. Wir gehen nunmehr zu den Kednetionsmethoden bei Benutzung recht- winkeliger Coordinaten über, nehmen also an, dass, gleichgültig wie der betreffende Apparat eingerichtet gewesen ist, die Messungen der Sterne in rechtwinkeligen Coordinaten, bezogen auf den Mittelpunkt der Platte oder auf einen diesem nabe liegenden Stern, vorliegen, corrigirt wegen Distorsion u. s. w. Eine sehr einfache und strenge Keductionsmethodc, die indessen keinen Anspruch auf Eleganz machen kann, habeich**) mit Vortheil bei der Ausmessung des Sternhaufens Messier P.l angewendet. Es ist bei dieser Methode vorausgesetzt, dass die rechtwinkeligen Coordinaten genähert nach der scheinbaren Bewegung orieutirt sind, und dass für mindestens zwei Sterne genaue Meridianpositionen vorliegen. Als Anfangspunkt der Coordinaten dient ein der Mitte der Platte nahe gelegener Stern, dessen Position nur genähert bekannt zu sein braucht. Ich bezeichne im Folgenden die rechtwinkeligen Coordinaten der Anhaltsterne mit r,, x 2 , x,. . . //,, y 2 , ausgedrückt in Gitterintervallen, die entsprechenden scheinbaren Reetascensionen und Dcclinatiouen mit ((,, o 2 • ■ • d|, d 2 , d; . .., bezogen auf den Zeitpunkt der Aufnahme und wegen Refraction corrigirt. Zur Bestimmung des Bogenwerthes der Gitterintervalle nehme man ein oder mehrere Paare möglichst weit von einander entfernter Anhaltsterne. Die Distanzen auf der Platte sind dann: • 1) J' = V{x 2 — x,) 2 + (?/ 2 — v/j) 2 ; J" = V{x x — x,) 2 + [y x — ?/ 3 ) 2 in Gitterintervallen; die entsprechenden scheinbaren Distanzen am Himmel in Bogensecunden erhält man nach: *) Astr. and Astropü., 12, 784. **) J. Scheiner, Der grosse Sternhaufen im Hercules, Messier 13. Matliem. Abhandl. der Kerl. Akad. 1892. I. Die Herstellung und Yerwertliung von Hiimnelsaufnahmen. 154 + cos d, cos dj sin' + cos d 4 cosd :( sin 2 Die Verbleichung der entsiircchcnden .7 giebt den Bogenwerth, dessen Mittel unter Berücksichtigung etwaiger Gewichte angesetzt wird. Die scheinbare Rectasocnsion und Declination «„ und d 0 des als Nullpunkt verwendeten Sternes (Normalstem) leiten sich aus je zwei Anhaltsterncn folgendennassen ah. Man rechne die Distanzen vom Normalstem (») -/, = 1 * 1 2 + //, 2 , J t = 1- ,r 2 2 + // 2 ' 2 in Gitterintervallen und verwandle dieselben in Bogenmass. Der Winke! zwischen den beiden Distanzen werde mit p bezeichnet. Es sind dann in dem Vierecke zwischen dem Pole, den beiden Anhaltsternen und dem Normalsterne die folgenden Grössen bekannt: <5,, rF) '' cosdi, sin(«, — Rechnet man nunmehr für jeden Anhalt- steril den Positionswinkel P in Bezug auf den Normalstem einmal aus den gemessenen recht- Fig. 37. winkeligen Coordinaten, dann aber aus den scheinbaren Oertern am Himmel, so ergiebt die Differenz beider Rechnungen die Neigung des Coor- dinatensystems gegen den wahren Parallel. Zur Berechnung der Positionswinkel n am Himmel nehme man , , 1 / , d, do d, — tgp = tg £ (a, — «„) cos —-— cosec —- cosec dj — d„ •) tg Jp = tg l (, «„; Sill VC — p — Jp . 0 Die Reductionsmetliode von van de Sande Bakhuyzen. 155 DieWerthe P — u geben die gesuchte Neigung. Man kann die Neigung aueli auf andere Weise bestimmen, sobald einer der Sterne hell genug ist, um bei feststellendem Fernrohre eine Spur zu hinterlassen. Diese Spur stellt den scheinbaren Parallel zur gegebenen Zeit dar; man braucht also nur die Distanzen der Endpunkte der Spur gegen den näehstgelegenen Gitterstrich zu messen, um diese Neigung zu erhalten. Die Reduction wegen der Krümmung der Spur erhält man nach der Formel /. = — 2 sin 2 -Je/ • £ sin 2 «! — 2 sin 1 «/ sin 2 «! sin ö , in welcher d den Rectascensionsunterschied der Endpunkte gegen die Mitte der Platte bedeutet. Gewöhnlich reicht das erste Glied dieser Formel aus. Aus der so erhaltenen Neigung gegen den scheinbaren Parallel muss nach bekannten Formeln noch die Neigung gegen den wahren Parallel berechnet werden. Kann man mehrere Anhaltsterne zur Bestimmung der Neigung verwenden, so ist dieses Verfahren entschieden dem zuletzt beschriebenen vorzuziehen, da wegen der Luftunruhe die Spuren gezackt erscheinen, wodurch die Messungsgenauigkeit herabgedrückt wird. Auch muss streng genommen die Aufnahme der Spur in der Mitte der Expositionszeit stattgefunden haben, oder es müssen zwei Spuren, je eine zu Anfang und zu Ende der Expositionszeit, aufgenommen werden, um den Einfluss der Aufstellungsfehler des Instrumentes zu eliminiren. Um nun die in Bogenmass reducirten rechtwinkligen Coordiuaten in Rcctaseensions- und Declinations-Differenzen gegen die Mitte der Platte zu verwandeln, rechnet man für bestimmte Stellen der Aufnahme Tafeln der Correotionen wegen Neigung, Refraction, Reduction auf ein mittleres Aequinoetium und vereinigt diese Tafeln in eine einzige, aus welcher man alsdann die Sternpositionen interpolirt. Das Intervall der Argumente richtet sich nach der Declination der Aufnahme und nach ihrer Höhe über dem Horizonte. Das hier eben beschriebene Verfahren eignet sich wegen seiner Einfachheit und Uebersiehtlichkeit besonders für die Reduction vereinzelter Aufnahmen. Handelt es sich darum, viele Aufnahmen, die zoneuartig erhalten sind, zu berechnen, so empfiehlt sich eines der folgenden eleganteren Verfahren. Die Reductionsmethode von van de Sande Bakhuyzen*): ln welcher Weise die recht winkeligen Coordinaten von der normalen Distorsion zu befreien sind, ist bereits auf pag. Hilf, angegeben. Es * Bull, du Comite, 1, 174. 15t) I. Die Herstellung und Verwertliung von llimmelsaufnalimen. liandelt sich also liier zuuächst noeli darum, dieselben vou der Aberration und der Befraetion zu befreien. Es werden folgende Bezeichnungen eilige führt: 5t, und 35 t = llectaseension und Declination des Plattenmittelpunktes 0 für die Epoche T. b und c = Aberrationen in llectaseension und Declination für 0 im Momente der Aufnahme. 51 = 51,4-6; 35 = 35, + c. «, und d, = Bectascension n. Declination eines Sternes A für die E])oche T. b + clb und c -\- de die Aberrationen für den Stern A. « = «,-)- b und d = d, + c; .r, und sin (31 -f- St) x — /,■ sin 2 )y = e y x + f v y. liefraction. Nach den Entwickelungen von Kapteyn (pag. 140) ist ;n) ( 15 ) da = K dd = K n cos(2d„ + X j eos 2 d 0 sin 2 (d 0 4 - X) n cos JY + A '[ sin-(d 0 4- X) v. a 4- A . <111 r sin 2 (d 0 4- X) sin 2 (du 4 - X) d , wo ]«, tg A r == cotg- <[ cos t , n — tg t sin X ist. Da nun da = R x secd, dd = R y , a = x seed, d—y ist, so folgt: n cosd cos(2d 0 4-//) . T ,|“. . n- '16) 11 r — K .17) cos» *.«* + .%•)’ » + 4 + S in’(ä'iTV;] X -^+ ,, racosAT R„ = A- .. . X ■' cosd sin 2 d 0 4-A K 1 sin Die Werthe von g x , g y , h x und h y sind mit der Position des Sternes - veränderlich, indessen nur so wenig, dass inan diese Aenderungen nur hei hohen Declinationen zu berücksichtigen braucht, in welchem Falle man diese Werthe für mehrere extreme Punkte der Platte zu rechnen hat. Orientirung des Netzes, Fehler des Bogenwerthes, Neigung der Platte gegen die optische Axe. Es ist bisher angenommen, dass die P-Axe parallel zum Declinations- *1 Die Formeln sind nach den pag. 111 ff. gegebenen Formeln zur Berechnung der normalen Distorsion weiter numerirt. | öS I. i>ie Herstellung und Verwerthung von llimmelsaufnalimen. kreise liegt, Ist dies nicht genau der Fall, so muss dem x die Correc- tion qx, dem 7/ die Correction qy zugefügt werden. Wegen.des Fehlers des angenommenen Bogenwerthes für die x und y müssen letzteren die Correctionen rx und ry zugefügt werden. Hat die Platte nicht senkrecht zur optischen Axe gestanden, so wird die Correetion von x und y tx + uy und vx + ivy . Fehler in der Annahme der und 2 ) des Mittelpunktes verursachen die Correctionen _ kj. + d% sec 2) und k y — n = cos 5: — y !/■ sin 2 )' construirt man eine Tafel I, welche die Wertlie von tg |cos 2 — j mit >i als Argument giebt. Hat man die tg von x gebildet, so erhält man X leicht aus dieser Tafel das erste Glied der Gleichung-. ^ • sin 2 ) cos 2 ) — y 7 ))$ Fine Tafel II, welche die Wertlie - mit m als Argument giebt, •V liefert das zweite Glied der Gleichung. Zur Herechnung von y nach der Formel (5) construirt man eine Tafel III für den Hauptnusdruck 7 sin' 2 -i« sin2 S, mit a als Argument, darauf eine Tafel IV mit y und a als Argumenten, welche die Wertlie giebt ■V y a cos ■2 2' + .1 y' 1 ^7 sin 2 2 . - ■' qi - • r/> Reide Glieder sind klein, das letzte ist fast immer Aull, so dass der Gebrauch dieser Tafel trotz des doppelten Eingangs sehr einfach wird. fl'i , Die Wertlie von +— entnimmt man aus Tatei II. E Wenn 2 gross ist, über 00 ", so construirt mau noch eine kleine ff 1 Tafel V, welche mit a als Argument die Grösse i -—sin 2 2 sin22 giebt. i ... s qi Die Tafeln I, III, IV und V bleiben dieselben für alle Aufnahmen einer Zone, welche den genähert gleichen .Wertli von 2 haben; es braucht nur eine kleine Correction für die geringen Veränderungen von 2 hinzugefügt zu werden. Die Tafel II ist unabhängig von 2. Die Keductiönsmethode vonJacoby*). Es wird vorausgesetzt, dass Distorsion und Schichtverzerrung anderweitig bestimmt oder eliminirt sind. Die Platte hat während der Aufnahme senkrecht zur optischen Axe gestanden. Der Durchschnittspunkt der optischen Axe mit der Platte sei der Coordinatenanfangspunkt. *) Astron. Journal 10, 129. 100 I. Die Herstellung und Verwertliung von llimmelsaufnalimen. In Fig. 38 sei o der Anfangspunkt auf der Platte, m und m seien zwei Sternscbeibclien; in Fig. 39, welche einen Tlieil der Sphäre darstellt, bedeute 0 den Punkt, auf den das Fernrohr gerichtet war, 21 und 21' die zwei Sterne und P den Pol. Dann entspricht 0 o, und die Platte ist orientirt, wenn die X-Axe der Richtung des Positionswinkels Null am Himmel entspricht. Osten Norcirrt 0 Fig. 38. Fig. 39. Es seien mm: P, P' die Positionswinkel von 21 und lf vom Punkte 0; x, //; x, y' die Coordinaten von m und m' auf der Platte; p, p' die linearen Distanzen von m und m nach o; R, 11' die Winkeldistanzen von 21 und 2T nach 0; B s der sphärische Winkel 02121' ; B p der ebene Winkel omm ; r die Brennweite des Fernrohrs; s die Winkeldistanz 2I2P; d die lineare Distanz mm’. Wir haben dann ( 1 ) p sin P — y p' sin P' = y o cos P — x p' cos P' — x ; ferner aus dem Dreieck 02121' sin [P' — P) sin R cotg R' — cos R cos (/’’ — P) und aus dem Dreieck ornm' o' sin /’' — P) p' cos (1 Da nun o = r tg R , y' — r tg R' ist, so folgt sin V — P) cos R = cos R tg B s . sin R cotg R' — cos R cos (P' — P) Die Reüuctionsmethode von Jacoby. 161 Die Reihenentwickelung giebt B, B p = tg 2 -^P sin 2Jl p + f tg J |di sin 1 -'S -'-'p - 1 J - V I 2 »n 2^' ‘••"'p 1 Das erste Glied dieser Keihe genügt stets, und setzt man nocli B s m B„ t], so folgt r t = \ ' sin B p cos B p . Nun ist sm s — sin (P 1 — P) sin K' sin B, d = g' sin iP' — P) r sin R' sin (P' — P) sin B„ sm s = d cos P' cos R’ sin B p sin B„ also r sin (B p + rj) ’ da >] sehr klein ist, giebt die Ecihenentwickelung d cos W d cos W sin s = r ; l -+- /; cotgP ) r 1 ’S cos 2 ß l») Es ist nun cos R’ = 1 1 1 + tg 2 P' V >+v •2 r i + also sin s = oder '■(l ~M % cos' 2 Bp | ' r (I + i cos 2 B p j ?(-*$ cos 2 B.„ .£\ 2 r ij ( 3 ) s = j-^<»*Z9-*7>«' 2 + *7> dK Nun ist B p gleich der Summe des Winkels P und des Supplements der Neigung der Linie mm' gegen die A-Axc; führt man also ein ( 4 ) ( 5 ) d sin Q = y — y d cos Q = x! — x, so folgt B p = P — Q + 180°, also P, = P- Q p y ) + 180°. Es ist weiter (ß) r = + ° r r 6 r s Scheiner, Photographie der Gestirne. 11 1. Die Herstellung und Verwertlumg von Ilimmelsaufnalnnen. 1G2 Der Positionswinkel der Linie OM an O ist P , und der Positionswinkel derselben Linie an M kann durch die Hinznfüguug der Bessel'schen Correction gefunden werden: (7) y = P tg d sin P -f- i- P 2 sin 7' cos 7’ (1 +2 tg' 2 d), wo d die lleelination des Mittel])unktes der Platte ist. Endlich ist der Positionswinkel der Linie MM' an M gegeben durch (8) p = 180° — P s + P -|- y = Q + y — >] ■ Wir wollen nun zeigen, wie die obigen Formeln angewendet werden müssen, und zwar, wenn zwei oder mehrere Anhaltsternc vorhanden sind. Zuerst müssen die Werthc von s und p für die Anhaltsterne gerechnet werden. Sind u, «' und d, d' die bekannten Pectascensionen und Dcclinationen der Anhaltsterne, und wird p gezählt von 0° bis d(iO° in der liichtung Norden, Osten, Süden, Westen, so haben wir: sin 1 s sin p„ = cos 1, (d' — d) sin 4 [u' — «) ' sin 1.9 cos p 0 = sin i (d' — d) cos-Da' — a). p„ ist das Mittel der Positionswinkel an den beiden Sternen, und um den Positionswinkel p am Sterne a, ö zu erhalten, muss gerechnet werden (10] p =- po — h S tg 1 (d + d') sinp 0 + tV s:! sin 2 i" sinp 0 cos 2 p 0 tg-»- (d + d') [1 + 2 tg 2 4-(d + d')], woraus man die Correction von p 0 in Pogensecuudcn erhält. Das letzte Glied wird übrigens kaum merklich. Die erhaltenen Werthc von p und s sind die wahren Werthe; sie müssen noch in die scheinbaren verwandelt werden durch die gewöhnlichen Correctionen für liefraction, Präcession etc., bevor sie im Folgenden weiter benutzt werden können. Die übrigen Formeln werden nun aus Gleichung (1 aus (4) und (ä) g sin P — // o' sin P' = //' g cos P = r g' cos P' = (1 sin Q = //' — // _ <1 cos Q = .r' — x p x . p- 0, aus (3) (1 ■, = — eosec n wo s in Bogensecunden ausgedrückt ist, und wo )\ ein genäherter Werth von r wird; der genaue A Verth wird 1 (l C 2 2 73 , d g ' 2 , . d d 2 , r = r, — 4-—- • -- cos 2 7),, cosec 1 — i- —--cosec 1 + 4 — ■ — cosec 1 . 2 -r , 2 s p 2 2 s b r , 2 s Damit ist die Brennweite gegeben. Die Rednetionsmethode von Jacobv. 163 Um den Fehler der Orientirung zu erhalten, haben wir aus (2) o 2 >1 — ^ ^ sin B p cos B p cosec 1 , wodurch rj in Secuuden gegeben ist; aus '6' folgt R — — cosec 1" — cosec 1" (.R in Secuuden), aus ; 7) y—Rtgö sinP+ 4 -ß sin P cosP(l + 2 tg 2 S) sin 1" '■/ in Secuuden). Die Correction wegen der Orientirung wird dann r= p — Q — y + rj. Wenn v gross ist, kann es notlnvendig werden, y noch einmal zu rechnen und damit einen neuen Wertli von v abzuleiten; der Werth für r wird aber durch die Grösse von v nicht beeinflusst. Soll die Platte anstatt durch Anhaltsterne durch die Spur eines laufenden Sternes bestimmt werden, dessen Declination = A ist, so muss natürlich r anderweitig bekannt oder berechnet sein; die Formeln zur Berechnung von v sind dann die folgenden: ( 11 ) d sin Q — y' — y d cos Q — x' — x o sin P = y o cos P = x j/sin P = y' (/cos P = x! B p = P — Q s = — cosec 1" — -1 ~ q- cos 2 ZU, cosec 1" — i ~ o" 1 cosec 1" - yd s P )'0 s + ^ ^ 7 2 cosec 1 o 2 y — 4 ~ sin B p cos B p cosec 1' R = — cosec 1" —1 r J r J cosec1" y = R tg ö sin P + \ R 1 sin P cos P (1 + 2 tg 2 fl) sin 1" p = 270° + $s tg-l (d + d') v—p—Q — y+ rj. Gehört die Spur einem central gelegenen Sterne an. so werden die Formeln sehr einfach: 164 I. Die Herstellung und Verwerthung von Ilimmelsaufnahmen. ( 12 ) d sin Q = y' d cos Q = x d (7 3 , s = — cosec 1 —.! cosec 1 r 3 r 3 p = 270°+ VstgV(d + suhstituirt werden, und anstatt (3) ist zu benutzen: f ■ a ■ h ■ tg n f ■ h ■ cos 1" -f- 17 - (;t — p ), wo 7 0 — s h sec re cosec n — --- a Eine auf ganz anderen Principien beruhende Beduetionsmetliode ist neuerdings von Jacoby*) gegeben worden, die aber hier keine Aufnahme mehr linden konnte. ( 4 ) . / o — s) J'-n — y)-- /'= Von den bisher besprochenen Methoden der Beduetion der auf photographischen Aufnahmen gemessenen rechtwinkeligen Coordinaten war die erste, von mir gegebene für die Fälle geeignet, in denen es sich nur um eine oder einige Aufnahmen handelt. Die anderen Methoden, ebenso wie die parallaktische, erreichen ihre eigentliche Bedeutung erst bei der Beduetion umfangreicher, in Form von Zonen an- gestellter Vufnahmen, wenngleich sie natürlich auch, wie z. B. besonders die Jacoby’sche, bei Einzelaufnahmen mit Yortheil angewendet werden können. Wir gehen nun zu anderen Methoden über, welche speciell nur für die lieduetion der für die Himmelskarte aufgenommenen Photographien oder für in ähnlicher Weise erhaltene Aufnahmen bestimmt sind, hei denen jeder Punkt des Himmels doppelt aufgeuommen ist, auf der einen Platte nahe der Mitte, auf der andern nahe dem Bande. Die Aufnahmen decken sich also nach dem Schema Fig. -10. Fig. 40. Die lleductionsmethodc von Loe w y **). Diese Methode ist aus der Erwägung hervorgegangen, dass nicht auf jeder Platte eine genügende Zahl wirklich gut bestimmter Sterne vorhanden sein *) Ann. New-York, Acad. of Sciences 1. **) BuU. du Comite. 2, 1 und 159. Die Reductionsmethode von Loewy. 167 wird, um die Beduction mit der Genauigkeit ausführen zu können, wie sie durch die Messungen gegeben ist. Die Zahl der Meridian- Sterne wird zwar nach Vollendung der Cataloge der Astronomischen Gesellschaft eine sehr bedeutende; da aber die Epochen dieser Cataloge im allgemeinen ziemlich weit von den Epochen der Aufnahmen — 20 und mehr Jahre — entfernt liegen, so ist die Genauigkeit der Positionen wegen der nicht bekannten Eigenbewegungeu im allgemeinen sehr herabgedrückt. Die Zahl der mehrfach bestimmten Sterne, für welche die Eigenbewegung mit einiger Sicherheit abgeleitet werden kann, ist nun nicht so gross, dass auf jedes Areal von z. B. vier Quadratgrad mehrere derselben fielen; dagegen wird sie ausreichend für ein viermal so grosses Areal von 16 Quadratgrad, welches man erhält, wenn man fünf Aufnahmen in der in Fig. 40 angedeuteten Weise zusammenstcllt, oder natürlich noch mehr, wenn man durch Hinzufügung der acht rund herum gelegenen Aufnahmen ein Areal von 36 Quadratgrad herstellt. Auch wenn auf jeder Platte eine genügende Zahl von Anhaltsternen vorhanden ist, so bietet ein Anschlüssen verschiedener Aufnahmen aneinander für grössere, zonenartige Unternehmungen den wesentlichen Vortheil grösserer Homogenität. Die Aufgabe besteht darin, durch rechnerische Verbindung der benachbarten Aufnahmen eine einzige virtuelle Aufnahme von 16 oder 36 Quadratgrad Flächeninhalt herzustellen. Die Lösung dieser Aufgabe ist nicht ohne Weiteres möglich, da die auf verschiedenen, wenn auch benachbarten Platten gemessenen Coordi- naten durchaus nicht homogen sind. Jede Aufnahme stellt die Projection eines Tlieils der Sphäre auf eine Ebene dar, und diese Projectiousebenen sind gegen einander um einen bestimmten AVinkcl geneigt. Die Epochen der Aufnahmen liegen eventuell weit auseinander, der Massstab und die Orientirung der Platten werden also verschieden sein. Die sehr umfangreichen Loewy’schen Entwickelungen liier wiederzugeben, würde einen zu grossen Baum beanspruchen; es muss in Bezug auf dieselben auf die Originalabhandlung verwiesen werden. Dagegen möge ein relativ kurzes Besinne der Methode hier Platz linden. Die zur numerischen' Bechnung nothwendigen Hülfstafelu liegen zwar fertig berechnet vor, siud aber bisher noch nicht publicirt worden. Man wählt auf jeder bei zwei Platten gemeinsamen Stelle mehrere (6) Paare von Sternen aus nach folgenden Gesichtspunkten: 1) Die beiden Sterne, deren Coordinaten man vereinigen will, müssen iu Bezug auf die Mitte des gemeinschaftlichen Areals symmetrisch liegen. Dieser Bedingung ist Genüge geleistet, wenn jede Summe der beiden nachher zu definireuden Grössen [x m |,„) und [y m 4- nicht 10' überschreitet. ]()S I. Die Herstellung und Verwertliuug von Ilimiuelsaufnalnnen. 2) Die Differenz der Coordinatcn (y„ — //,) möge nicht 4 /10 der Differenz (x„ — x,) überschreiten. 3) Pis ist wünschenswertli, dass die Differenz [x„ — ,r ; ) grösser als 40' ist. Die Erfüllung von 2) und 3) ist nicht unbedingt erforderlich, aber besonders in der Nähe der Pole doch sehr wünschenswertli. Bezeichnungen. (*/, //,) (%„, y„) die rechtwinkligen Ooordinatcn zweier Sterne, bezogen auf die Axcn der Haupt- (mittleren) Aufnahme; (|,, /;,) (!„, rj„) die Ooordinatcn derselben Sterne in Bezug stuf die Axen der zweiten Platte. Die positive Seite der Abscissenaxe liegt in der Dichtung der wachsenden Rectaseension, die positive Ordi- natenaxe liegt nach Norden. A'c, J)' c Rectaseension undDeclination des Centrums der mittleren Aufnahme. i Neigung der positiven x-Axe gegen die scheinbare tägliche Bewegung (i ist also wenig von I SO° verschieden'. öt Correetion des angenommenen Bogenwerthes der Einheit der Coordiimten. A'c, D" c , J, öt' die analogen Wertlie für die Nebenplatte. (lA'c, dl)' c , dA", dl)' c Oorreetionen der angenommenen Wertlie für die Aequatorial-Coordinaten der beiden Mittelpunkte. a und c) Rectaseension und Declination eines Sternes. 0 und 0' die Ocrter der Mittelpunkte der Platten am Himmel. j Winkel zwischen den Abscissenaxen Ox und O'S der beiden Plattem Man erhält diesen Winkel, indem man durch 0 eine Parallele OS zu OS' zieht; derselbe wird positiv gezählt von Ox nach Oy. J, J' die Wertlie der Winkeldistanzen der beiden Sterne, erhalten durch die Benutzung der beiden verschiedenen Wertlie c und r' für den Bogenwerth. n die Zahl der Sternpaare, welche zum Anschluss der Platten benutzt werden. Vergleichung der Bogenwerthe. Pis ist angenommen, dass die reehtwinkeligeu Coordinaten bereits corrigirt sind wegen Refractiou, Aberration, wegen der normalen Distorsion durch die Ausdrücke sin 1"’ Wir setzen xl J’ 1 + v ^ !l sin 1" = r + dr = dd i = d r' — d r ; Die Reductionsmetliode von Loewy. 169 x m — x , x„ x,. » ! + ■ iv + i'. th , »/-—»; V" ~F */'. '/ m r/ 0 2 = x 2 + ?/ 2 - Dann ist /ZK?/» — ?/») (!) :,)] + T [fr,, — .T,) - (g„ — g,) ] dj ör = — 0 . 4 « sin-1"| (y m -+- r- m ) y u + -*o2/o sin + r^-sin^) = (]) + C2). t°'t°* n Ans Tafel I erhält mau die Werthe für x — und y — -fr? ' sin \" sin 1" Aus Tafel VI mit den Argumenten x und // crliält man die Factoren x , y d * und m ‘ M 0 w l) Aus Tafel VII a erhält man mit dem einzigen Argumente U c den Ausdruck 0.46 ^600" y 0 -f- x 0 y 0 sin '] t j- Hieraus erhält man leicht ( I), welches übrigens immer sehr klein ist; von (2) kann mau gewöhnlich absehen. Bei sehr hohen Declinatiouen erlangen die Ausdrücke [y„ — ?/,) — und {x„ — x,) — (g„ — |,) merkliche Werthe; um in diesem Falle die Bereclinung von r schneller und genauer zu gestalten, ist es praktisch, eine Coordinatentransformation vorzunehmen, ehe man die Factoren ~ and y— sucht. Diese Traus- ’ d,d dj formatiou wird leicht mit Hülfe der Tafel B ausgeführt. Es ist y' = y cos j — x sin j = y — x sin j — 'ly sin 2j ^-, x = x cos j — y sin j x y sin j — Ix sin'-y • Mit dem Argumente D' c findet mau den numerischen Werth von sin,/ und die Bezeichnung der Tafel, welche zur Berechnung der Ausdrücke in sin 2 -^ bestimmt ist. Die letzten Oorrectionsglieder werden direct aus der Tafel mit Hülfe des zweiten Argumentes x oder y gezogen. Um die Gleichförmigkeit der Bogenwerthe herzustellen, fügt man unmittelbar den Coordiuaten g und /; der zweiten Aufnahme die Cor- 170 I. Die Herstellung lind Verwerthung von Ilinnuelsaufhnlmien. rectionen r, ; und /•, r t liinzu. In allen späteren Rechnungen müssen also i' und t] als um diese Beträge corrigirt betrachtet werden. AVill man Sterne verwenden, welche der zweiten Bedingung y„ — y, < 0.4 (,r„— x,\ nicht genügen, muss ör durch die folgenden Formeln gerechnet werden: ör ■— — n{x m -f- i m ) — b[y m ijm) + t r ' + slo 2 j i w0 3600 sin 2 l" 2 7ß 3600 sin' 2 1" (//" — !I>) (?/» — !h + — or .), b = — f]2 (r„ — (?/„ — )J, + r„ — x,). IY _ (3600)2 sin 2 1" Id 2 {//" — y!) 2 — {■ r " — - r ') 2 ] sin,/ = c sin /. Die Berechnung aus diesen Gleichungen ist sehr einfach, da die Quantitäten a, b und e mit den Argumenten ,//„ — //,, x„ — x, aus Tafel VII zu entnehmen sind und der Factor ./ aus 'Tafel VIIa entnommen werden kann. Im übrigen können die Ausdrücke c sin,/ und — sin 2 ^j fast stets vernachlässigt werden. Die Tafel VIIa ist unter der Annahme gerechnet [x m + | ro ) = (y m + 17,,, ) = 10'. Es genügt, die Tafelwerthe mit resp. X "‘ ^ und ^ r ‘ m zu multipliciren, um x m + und !/ m + >]m in Bogenminuten auszudriieken. Bestimmung der relativen Oricntirung. AVir bezeichnen mit t„ und t d Quantitäten, welche die folgenden Gleichungen richtig machen: .r -I-/, = (« — A' c ) cos ö ; d + t d = D' c + y ; ferner fügen wir den Abscissen der vier Bilder eines jeden Sternpaares die resp. Correctionen liinzu — ix, sin 2 ~ + t' a , — 2.r„sin 2 + t", — 2i*,sin 2 -l- + C >» • 0 I?„ 1 jJ V 2 *»* iu 2 tt + ta , den Ordinaten die Correctionen — t'd, — t'd, — 47 und — und bezeichnen mit (x n (x„, 'y,,' für die mittlere Aufnahme, mit 'if)> ('*!», '£») für die zweite Aufnahme die neuen Coordinaten, welche also alle Instrumentalcorrectionen einschliessen. Auf analoge AA T eise wie früher bezeichnen wir: Die Keductionsmetliode von Loewy. 171 O' + 'O ’x„ + ’x, y» + 'y, rjm, d 1 — [• Eh muss also im Folgenden stets zwischen den mit zugesetztem Accent und den nicht mit Accent versehenen Coordinaten unterschieden werden. Die entsprechenden Functionen dieser beiden verschiedenen Arten von Coordinaten differiren nur wenig von einander, nur um Grössen höherer Ordnung. Das Hauptglied der relativen Orientirung (i — wird berechnet nach: sin (i — J) c = sin [i — J) m tg [D' c + 'y m ] sin(/ — J), sin rj m + 0.9 -) + dt] sin (i — J) m ’iy _ Um nun die Coordinaten der zweiten Aufmilime auf die Orien- tirung j der llauptaufnahme zu reduciren, muss an die Abscissen i' die Correction + rj sin [i — J) c und au die Ordiuaten t] die Correction — i‘ sin (i — J) c angebracht werden. Hat man auf diese Weise die gemessenen Coordinaten der zweiten Aufnahme als Function der Constanten i und dr der Hauptaufnahme ausgedruckt, so hat man mit diesen Coordinaten i r = £ + r, i* -j- rj sin (i — J ) c , ij r = r , + ?'i y — I sin li — Jj c die Correetionen t a und t d aufzusuchen. Man erledigt dann alle weiteren Rechnungen mit den Coordinaten § r und r r und mit und 'tj r , welche auf den neuen Werthen von t a und t d beruhen: 'iV = sV + t a — -sr sin' 2 und 'rj r = r jr — t d . Ermittelung der Differenzen zwischen den Aequatorial- coordinaten der Mittelpunkte der beiden Aufnahmen. Diese Differenzen sind gegeben durch: cosjUM" — - 4) = x -f- (JA'c cos I) + (jdl)' c — ( y 0 + dy 0 ) sin i + (- r o + dr 0 j d * ■ (IIJ m = '//« + [ l tg 2 [I)’ c + 'y m ) sin 1"] dl)' c + [x 0 + dx' 0 ) sin i + {y ü + dy' 0 ) dr . Ist n die Anzahl der benutzten Sternpaare, so sind zur Berechnung von III folgende Ausdrücke noch nothwendig. — - ?/».; n 2/(mo| dJ = IK + '?/(»«); •** (tuo) n - '.r., sec ^V^secr/. 9 = -r sin a: 0 tg (I/ c + ’y m ); x = + 'x 0 sec sec d + 'x (m0) tg d tg D. dx 0 = -hz/ 0 sinx 0 tg{B’ e + 'y m )’, dy n = — (x m sin x 0 + r im sin»/„) tg [D' c +'y m )■ dx' 0 = — § m sin?y 0 tgdJ' c + ’y m ); dy' 0 = + § m sin.r 0 tg+ '?/,„). 'x {) und 'y m sind directe Functionen der rechtwinkeligen Coordinaten; mau kann also direct die Mittel bilden 1 'di .»<>), 2) für jedes Sternpaar den Werth von d und dann das Mittel 'x [m0) . Tafel VIII führt direct zum Producte tgD tg d mit d und TJ als Argumenten. Tafel VIIa liefert mit dem einzigen Argumente D' c + 'y m ) die Werthe aller andern Coefticienten, und zwar aus den Columnen 7, 8, 9 und 10. Die Reductiousmetliode vou Loewy. 173 Wenn man zunächst genäherte Wcrthc von dA’ c und dl)' c bestimmt, tg 2 (1)|, + ’y m ) sin 2 1" vernachlässigt werden. so kann der Ausdruck Bedinguugsgleichungen aus den Anhaltsternen der zweiten Aufnahmen. Bezeichnet man mit « und ö die Rectascension und Declination eines Anhaltsternes, so bestehen mit den corrigirten Coordiuaten 'g r und '>],. folgende Beziehungen: cos (1 (« — A") = 'g r — (rj t . + dq T- drj ) sini -(- (g,. + di -f- dg )dv , + -\~ds ') sini ( dr ]"— dt]'") dr wo 'lr = 's + »?9in(f— /Jc + J'i g, 't) r ='i] — g sin(f— J) c + c,/;, D = De+'?/(».r», sini'tgd sin.r,, tgl>, dr: >1 siny,,tg», r/// rj sin 2 § sinr/tgd £sin;/ u tgZ>, d >] siu.r,, tgD, (/£' Wie oben gesagt, wird die Berechnung der Coefficienten dr h dg, dif und dg" mit Hülfe der Tafel VIIa sehr einfach; dg' und dif' sind direct aus den Tafeln XII und XIII mit den Argumenten g m und d zu ziehen, dg"' und dr)' sind ebenfalls nach einer leichten Umformung aus Tafel XII und XIII zu entnehmen. Durch Combination dieser Bediugungsgleiclmngen mit den vorhergehenden, welche sich auf die Differenzen der .' ' Uoordinateu der Mittelpunkte beziehen, werden die Grössen A" und T)" c eliininirt, und es bleiben nur die directen Unbekannten des Brohlems übrig, nämlich dÄ[., dü'c, i und dr. Es möge hier daran erinnert werden, dass hei hohen Decliuationen zwei Bedingungen zu erfüllen sind, um die uöthige Genauigkeit zu erhalten. Man muss die Ausdrücke t a und t d , welche in ’g,. und enthalten sind, 1) mit den corrigirten Coordiuaten ;,. und rj r berechnen, und 2) mit Hülfe der beiden Argumente ö und g r . Da aber die Argumente der für diesen letzten Zweck bestimmten Tafel ( D" c -f- und g r sind, so muss man mit Näherungen Vorgehen, gestützt auf die Relation T)" c + r] r = d + t d . Unter Benutzung der Argumente d und g r nimmt man zuerst t d aus der Tafel, alsdann zum zweiten Male mit den Argumenten d + t d und g r \ dann wird t' d bereits dem wahren Wertlie so nahe liegen, dass eine Näherung nur sehr selten nothweudig sein wird. Bedingungsgleichungen aus den Anhaltsternen derHaupt- au f nah m e. Diese Gleichungen sind natürlich unabhängig von dem Anschluss- I 7-1 I. Die Herstellung und Verwertlmng von Himmelsaufnahmen. verfahren der Übrigen Aufnalimen. Sind x und y die rcclitwiukcligcn Koordinaten der Anhaltsterne, so ist d-A'c cos d — (y + a) sin i + (x + b) dr — A , A — cos 8 (a — A' c j — ’x , (ID'c + [x -f- a) sin i + [y + //) dr = B, B = 8 — D' c — '?/, a == -f- yx 2 sec 2 8 —-— , /; = + x* sec 2 o —-— , a' = + xy tg 8 sin V , V — — x 2 tg 8 sin J" . Die vier Coefticienten a, b, a' und V resultiren aus den Tafeln XIII und XII. Die beiden Correctionsglieder t a und t$ müssen mit den Argumenten 8 und « auf dieselbe Weise, wie oben angegeben, durch Näherungen ermittelt werden. Diese lledingungsgleichungen vereinigen sich mit den andern, welche aus den zweiten Aufnahmen erhalten sind, und nehmen so an der Bestimmung der gesuchten Elemente mit Theil. Für die llaivptaufnahmc selbst liefern sie allein die Bestimmung der Unbekannten. Die hier kurz angegebenen Formeln und lieclmuugsvorschrifteu genügen bis zu einer Declination von 84°; darüber hinaus muss eine zweite Ausgleichung vorgenommen werden. Eine andere indirecte Methode der Verbindung der zweiten Aufnahmen mit der Ilauptaufnahme, sowie die Regeln für den Anschluss von weiteren acht Aufnahmen wollen wir hier übergehen; dagegen möge noch eine für die praktische Verwertlmng der Loewv sehen Methode massgebende Regel angegeben werden, wie man zu verfahren hat, um sich eine genügend genaue Kenntniss der Positionen der Plattenmittelpunkte zu verseil arten. Man wählt hierzu zwei Anhaltsterne aus, welche möglichst symmetrisch in entgegengesetzten Richtungen vom Plattenmittelpunkte liegen. Es seien «, u', 8 und 8' die Rectascensionen und Declinationen dieser beiden Sterne; vernachlässigt man nun in Formel (V) die Glieder höherer Ordnung, so hat man die folgenden Bedingungsgleichungen, in denen A, A‘, B und B bekannt sind, mit Hülfe der für die Koordinaten A' c und D' c angenommenen Xäherungswerthe. dA' c cos d — y sin i xdr — A, d-A'c cos 8' y sin / — xdx = A ’, dl)' c + x sin i + ydr == B, d J)' c — x sin i — yd v = 7/, dA' c = A + A' d' + d d' — 8 A = cos 8 (« — A'c) — 'x, A' = cos 8' (a 1 — A ' c ) -f- 'x, B =8 — D'c — ’y, B'= 8'— D'c — ’y, B + B' dB' •) 4 cos cos 9 Die Kciluctionsmethode von P. Henry. 175 Hat man keine zwei Anhaltstcrnc, welche genügend symmetrisch liegen, um i und dr zn elimiuiren, so muss man drei oder vier andere Anhaltsterne so gruppircu, dass annähernde Symmetrie erreicht wird. Die Beductionsmethode von 1*. Henry.*' Die Loewy’sche Methode, welche auf der rechnerischen Vereinigung mehrerer benachbarten Platten zu einer einzigen beruht, erfordert ein sehr umfangreiches Material von Iltilfstafeln, ist also mit Vortheil nur bei sehr ausgedehnten Arbeiten zu benutzen. P. Henry hat deshalb eine etwas einfachere Methode gegeben, bei welcher nur Aufnahmen von nahe gleicher Declination mit einander verbunden werden, und zwar mit Hülfe von nahe an den Kanten oder Ecken der Platten gelegenen Sternen. Das Princip der Methode ist das folgende. M enu man eine Aufnahme mit genäherten Werthcn für Neigung gegen den Parallel und für Hogcnwerth reducirt, so ündet man mit Hülfe bekannter Anhaltsterne sehr leicht Pectascension und Declination des Plattcumittelpunktes. Man kann hieraus die Pectascension und Declination eines beliebigen Sterns linden, und zwar mit um so grösserer Genauigkeit, je mehr der betreffende Stern sich in der Mitte der benutzten Au- haltsterne befindet. Für diese Mitte selbst bleiben Pectascension und Declination unveränderlich, d. h. unabhängig von den Fehlern der Orien- tirung der Platte und denen des Bogeuwerthes. Man berechnet nun zuerst zwei Sterne einer Aufnahme, welche auf der benachbarten ebenfalls vorhanden sind; darauf geht man zur Beduc- tion der benachbarten Aufnahme Uber, berechnet deren invariablen Punkt und die Positionen der beiden Platten gemeinschaftlichen Sterne. Um nun die Uebereiustimmung der beiden Aufnahmen herbeizuführen, ist es erforderlich, dieselben so um den invariablen Punkt zu drehen, bei gleichzeitiger Variation der Bogenwerthe, dass die Positionen der beiden gemeinschaftlichen Sterne sich genau decken. Die Methode selbst ist nun die folgende. Man verwandelt zuerst die rechtwinkeligen Coordinaten X 0 und F 0 in Beetascensions- und Declinations-Differenzen, in a —31 und ö — £, mit Hülfe der genäherten Werthe r„ für den Bogenwerth und i 0 für die Orien- tirung der Aufnahme. Jeder Anhaltstern liefert alsdann durch einfache Sub- traction einen Werth von 31 und X>, und das Mittel dieser Werthe 31» und U» kann als genäherter Werth für den Plattenmittelpunkt betrachtet werden. Die 4 Elemente r 0 , /», 3t» und F» sind nun so miteinander verbunden, dass, welches auch ihr numerischer Werth sein mag, für das Mittel X c , Y c der rechtwinkeligen Coordinaten der Anhaltsterne eine constante ) Bull, du Comite. 2, 359. 176 I. Die Herstellung untl Venverthung von Himmelsaufnalimen. Bectascension und Declination, ?( c und £ c , resultirt, nämlich die Position des invariablen Punktes. Für zwei, den beiden anzuschliessenden Platten gemeinschaftliche Sterne, möglichst nördlich und südlich gelegen, rechne mau aus den vier Elementen die Positionen ö n und a s , d s . Für die zweite Aufnahme verfahre man nun mit Hülfe anderer Anhaltsterne in der gleichen Weise, und bezeichne die für diese zweite Platte gültigen Werthe mit Accenten. Es werden dann folgende Bezeichnungen eingeführt: ein — \ u n j cos d,i , a s = — ««; POS d s , dn fbi d;, , t Os Schliesslich werden noch eingeführt: - % , cos S, I- ' 4 Ä, ßc COS 4 4 Die Recluctionsmethode von P. Henry. 177 Die Bestimmung des Bogenwertlies und der Orientirung gesc-liicht nun folgendermassen. Bezeiclmet num mit r resp. x die definitiven Bogenwertlic, so ist, wenn r 0 einen genäherten Werth darstellt, zu setzen: i: = r (i -j- T und r'=*o+ T'. Entsprechend hat man für die definitive Orientirung: i = 4 + J und i = i ' n -f~ ■ Die in Bogenminuten ansgedrückte Distanz I) der Sterne Ö n und ß s , d* Dt ohne merklichen Fehler die Hypotenuse eines rechtwinkeligen Dreiecks, dessen zwei andere Seiten sind («„ — « s ) \ cos ä,t ^ — und ö n — ö s , wo co.— ct s in Zcitsecundeu, — ö s in Bogenminuten ausgedrückt ist. Auf der zweiten Blatte erhält man in gleicher AVeise dieselbe Distanz, und folglich ist D( \ +T) = D'(1 + T') oder sehr nahe Nun ist \ — a s ) \ cos -—-—-J + (d n — d s ) 2 , oder, wenn man setzt: («»— a s ) \ COS-—- D = (ö n — d,) sec y . Auf der anzuschliessenden Blatte erfahren die den rechten AVinkel einschliesscnden Seiten die kleinen Veränderungen a n — a a und d n — cl s ; es ist also D' = (d„ — d s ) sec y [a n — a s ) sin y + (d lt — d s ) cos y , und hieraus folgt yr yr' ^ i &$) tg‘ '/ ~1~ d n d s I) sec 2 y(d„—d s ) Sch einer, Photographie der Gestirne. 12 I7S I. Die Herstellung und Yenverthung von Hinnnelsaufnalimen. J — J' ist der Winkel, welchen die beiden Hypotenusen mit einander bilden, also r _ r, = a„ — a, — [d n — d,) tg y _ sec' 2 / (d„ — ) Correction von /„ und i' 0 = — a tg/J + d (A-\- Ä) secV In Verbindung mit den Correctionen (1) bis (4; liat man schliesslich: <Ä) ( 8 ) (») (10 T=(T— T) Ä A + A a — d tg/i (A -f- A’) sec 2 /i ’ T'= (T — T') — A A+Ä + a — d tg/i (A Ä) sec 2 /i 5 -7= (7- 7') Ä A + Ä J' = (7 -7') — A A + A' a tg/i + d (A A‘) sec 2 /i ’ a tg/i + d (A + A') sec 2 ji Verbindet man jede Aufnahme mit der vorhergellenden und der nachfolgenden, so erhält man zwei Werthc der T und 7, aus welchen man einfach das Mittel nehmen könnte, während es allerdings besser ist, ihnen Gewichte, proportional der Distanz A + A', aus der sie bestimmt sind, beizulegen; man setze p = A -\~ A' aus dem einen Anschluss und s = A + Ä aus dem andern und hat dann T — i — T n T s + T’ P s +- p ’ h = 7, 7 S + J'p s + p Es handelt sich schliesslich noch um die Herleitung des besten Werthes für die Positionen der Mittelpunkte der Platten. Will man dieselben nur aus den auf der Platte selbst vorhandenen Anhaltsternen ermitteln, so kann man dies mit Hülfe der Elemente r und i in der bekannten Weise thun; einfacher aber ist es, hierzu die folgenden Corrections- formeln zu benutzen (11) Correction an 9l 0 = 4 S sec£>(— X C T 0 — Y C J 0 ), (12) Correction an = + X C J Q — Y C T Ü . Es ist indessen natürlich vorzuzielien, auch die Anhaltsterne der angeschlossenen Platten hierzu zu benutzen, und dies geschieht auf die folgende Weise. Aus (7) und (9) ergiebt sich unter Vernachlässigung der mit tg,^ mul- tiplicirten Glieder und unter sec 2 ß = 1 s 12 * 15,0 I. Die Herstellung und Verwerthung von Hiinmelsaufnahmeu. und entsprechend aus (8) und (10) P Es ist also für T + JT = T' + JT' und J + JJ = J' + JJ', unter Rücksichtnahme darauf, dass J% c = J%l c und JZ C = J^' c , p + s J' ~ J) P + s demnach somit Nach Anbringung &&xJ% c nud^/® c würde werden T = T’ und J = d. li. die Correction des Mittelpunktes der Ilauptplatte bezöge sieb allein auf die Anbaltsterne der beiden angeschlossenen Platten, aber nicht auf diejenigen der Platte selbst; um letzteres zu erreichen, darf nur die halbe Correction angebracht werden; es ist also (J' - J) P + s Nach Verwandlung von J% c in Zeitsecunden werden schliesslich die an 3(„ und ® 0 anzuhriugenden Endcorrectionen zusammen mit Ml) und (12)): = 4* sec® (- Xc T 0 - Y e Jo - i(r - T) i) + AWo Y c T a + \[J'-J) Es ist selbstverständlich, dass vor Benutzung dieser Methode die rechtwinkeligen Coordinaten bereits wegen der normalen Distorsion des Objectivs corrigirt sein müssen, sodann dass die Refraction in Berechnung gezogen ist, während bei geringen Declinationen die Präcession, Xutation und Aberration vernachlässigt werden können. Die Keduetioiismethode von Turner. 1S1 Die IIenry'sche Methode ist zweifellos eine der einfachsten und elegantesten, besitzt jedoch auch gewisse Mängel, infolge deren der höchste Grad von Genauigkeit der Reduction wohl nicht erreicht werden kann. Unvortheilhaft ist es, dass die Sterne, welche den zu vereinigenden Aufnahmen gemeinsam sind, ganz in den Ecken der Platten liegen, auf welche wegen ihrer Deformation nicht so gut eingestellt werden kann, als auf die andern Sterne. Ferner ist, wie Donner gezeigt hat, der Umstand ungünstig, dass die Correction des Bogenwerthes fast ausschliesslich auf den .r-Coordinaten beruht und diejenige der Neigung nur auf den »/-Coordinaten. Ganz neuerdings hat Donner*) eine Reductionsinethode angegeben, welche auf einem ähnlichen Principe beruht wie die Henry’sche, aber von den erwähnten Mängeln frei ist. Dies hat aber wiederum die Methode viel coinplicirter gestaltet und die Rechnungsarbeit beträchtlich vermehrt. Die Keduetioiismethode von Turner**). Wir kommen hiermit zur Besprechung einer Methode, welche vor allen andern bisher behandelten den grossen Vorzug einer ganz ausserordentlichen Einfachheit hat, so dass die nothwendigen Rechnungen auf einen kleinen Bruchtheil der sonst erforderlichen beschränkt bleiben. Sie hat dafür den Nachtheil, nicht völlig streng zu sein; in der grossen Mehrzahl der Fälle ist dieser Nachtheil jedoch vielleicht bedeutungslos, da die zu Grunde zu legenden Oerter der Anhaltsterne ebenfalls nicht streng richtig sind. Für die Praxis hat es keinen Zweck, in der Reduction die Hundertstel oder halben Zehntel der Bogensccunde richtig zu halten, wenn die Fundamente um einzelne Zehntel unrichtig sind, ja wenn im Durchschnitt sogar die ganze Sccunde nicht verbürgt werden kann. Mit Recht ist allerdings der Astronom geneigt, auch in solchen Fällen durch die Rechnung keine neuen Fehlerquellen einzuführen, ist es doch gerade diese Exactheit, welche die astronomische Wissenschaft in ihre hervorragende Stellung gehoben hat; befindet man sich aber der Wahl gegenüber, unter Innehaltung dieses Princips vielleicht nur den zehnten Theil derjenigen Arbeit liefern zu können, welche man ohne praktische Schädigung des Endzieles bei Ausserachtlassung des Princips leisten würde, so ist es doch fraglich, ob nicht im zweiten Falle für die Wissenschaft ein beträchtlich grösserer Nutzen erzielt wird, als im ersten. *) Sur le Rattachement de Clich6s Astrophotographiques. Acta Soc. Scient. Fennicae 21, Nr. 8, 1890. Die Ponner’sche Methode konnte leider nicht mehr in das Buch mit aufgenommen werden. **j Observatory 16, 873. IS-2 I. Pie Herstellung und Verwerthung von Himmelsaufnahmen. Die Erfahrung hat gelehrt, dass eine gute photographische Aufnahme mit den jetzt viel im Gehrauehe befindlichen Refractoren von Dl Zoll (•effnung bei sorgfältiger Ausmessung und scharfer lleduction relative Stempositionen liefert, deren mittlerer Fehler den Betrag von O'.'l nicht wesentlich überschreitet. Handelt es sich also um rein mikrometrische Anschlüsse auf photographischem Wege, z. B. behufs Parallaxenbestimmungen, so ist es klar, dass sämmtlichc Reductionen mit möglichster Schärfe aus- getührt werden müssen, da eben der unsichere absolute Ort eines Gestirns oder mehrerer derselben herausfällt. Will man aber Sternpositionen ableiten aus im Meridian bestimmten Anhaltsternen, deren Coordinaten um mehr als 1" fehlerhaft sein können, deren Verbindung also auch in der gleichen Ordnung fehlerhafte Reductionselemente für die Orientirung der Blatten und ihren Bogenwerth giebt, dann nehme man auch keinen Anstoss daran, wenn Refraction, Rräcession etc. um ein oder ein anderes Zehntel der Bogensecunde unsicher bestimmt werden. Verfasser muss gestehen, dass er von diesem Gesichtspunkte aus der Turner’schen Methode in allen Fällen, in denen ihre Anwendung überhaupt erlaubt ist, den Vorzug vor allen andern giebt. Das Wesentliche der Turner’schen Methode besteht darin, die einmal gebräuchlichen Coordinaten kectascension und Dccliuation nur am Anfänge und am Ende der Rechnungen einzufUliren, alle andern aber in den natürlichen Coordinaten der Blatte zu behandeln und die Correc- tionen wegen Refraction, Aberration, Reduction auf ein mittleres Aequi- noctium überhaupt nicht zu berechnen, sondern ihren Gesammteintluss aus der Vergleichung der gemessenen scheinbaren Coordinaten mit den für ein mittleres Aequinoctium bekannten Oertern der Anhaltsterne zu ermitteln und proportional über die Blatte zu vertheilen. Die Felder in den Positionen der Anhaltsterue gehen also genau mit derselben Ordnung eiu, wie bei den anderen Methoden; die Ungenauigkeit der Turner’schen Methode beruht nur auf der Annahme der proportionalen Vertheilung der erwähuten Reductionsgrössen über das Areal der Blatte hinüber, und es lässt sich also sehr leicht erkennen, welche Fehlerbeträge im einzelnen Falle hieraus entstehen können. Die Principien der Methode sind die folgenden. Die Blatte soll senkrecht zur optischen Axe des Fernrohres gestanden haben. Verzerrungen der Schicht und etwaige anormale Distorsionen sind anderweitig bereits bei den gemessenen rechtwinkeligen Coordinaten berücksichtigt -worden. Bezeichnet mau nun die genäherte Rectascension und Boidistanz des Plattenmittelpunktes mit A und P, die Rectascension und Poldistanz eines bekannten Sternes mit a 0 , p 0 und die entsprechenden Coordinaten eent? Die Rednetionsmethode von Turner. 183 unbekannten Sternes mit a und p, so kann man auf der Platte die recht- winkeligen Coordinaten A r 0 und Fi, eines bekannten Sternes, parallel resp. senkrecht zum Meridian gerechnet, ausdrücken durch: ' sm?o Vo) tg (P-?„) ( 1 ) wo tg > 55 ' ' n Bogensecunden auszudrücken. Ob man Js als Unbekannte einfuhrt oder nicht, hängt davon ab, ob mau durch besondere Untersuchungen über die Abhängigkeit von s von der Temperatur genaue Daten für diesen Werth hat oder nicht; es ist dies eine Frage, die bei jeder Reductionsmethode entschieden sein muss. 188 1. L>ie Herstellung und Ycrwertlmng von Himmelsaufnahmen. Kacli Auflösung der Gleichungen werden nun die gefundenen Werthe vou Ja und . 1 r) an deu augenoinmenen Werth für den Plattcnmittelpunkt angebracht und Jp an den gemessenen Positionswinkel, und nunmehr müssen für jeden Stern aus den corrigirten Werthcn für p und ,s die betreffenden Rectascensions- und Declinations-Differenzen gegen die Mitte gerechnet werden. Die hier besprochenen Reductionsmethoden involviren die Ermittelung des Rogenwertlies für jede Platte aus den Anhaltsternen. Es ist bereits darauf hingewiesen, dass dies nicht unbedingt nothwendig ist, sondern dass man auf Grund sorgfältiger Untersuchungen den Rogenwerth jeder Platte aus der Temperatur und der Einstellung des Cameraauszuges berechnen kann. Es ist hierbei vorauszusetzen, dass die Temperaturangaben sieh auf die wahre Temperatur des Rohres beziehen und nicht auf die Lufttemperatur in der Kuppel. Das oder die Thermometer müssen daher iu metallische Verbindung mit dem Metalle des Rohres gebracht sein. Ferner muss die Focalein- stelluug für die verschiedenen Temperaturen bereits ermittelt sein (siehe pag. 44 f.). Koch auf einen andern Punkt ist besonders zu achten, dass nämliclf auch die Platte resp. die Cassette dieselbe Temperatur wie das Rohr hat, was im allgemeinen nicht der Fall sein wird, sofern die Platten in einem andern Raum aufbewahrt werden. Resouders im Winter ist es alsdann nothwendig, die Platten und Cassetten in der Kuppel selbst längere Zeit liegen zu lassen. Rei sehr grossen Temperaturunterschieden zwischen Platte und Rohr tritt schliesslich auch eine Verschlechterung der Rüder ein, wenn sich nämlich bei längerer Expositionszeit die Plattentemperatur stark ändert und damit auch ihre linearen Dimensionen. Da es nicht angängig ist, die Platten bei derselben Temperatur auszumessen, bei der sie aufgenommen worden sind, so muss eiue Reduction der Messungen auf eine bestimmte Temperatur durch Verwendung der Ausdehnungscoefficienten von Platte und Messapparat erfolgen. Für den Fall, dass die Messungen auf einen Massstab bezogen werden, hat WiIsing*) das folgende Verfahren zur Ermittelung des Rogenwertlies aus der Temperatur angegeben. Rezeiclmet man den Rogenwerth von 1 mm in der Mitte der Platte mit p, mit l ab die gemessene Distanz bei der Temperatur r der Aufnahme, mit j) ah den entsprechenden Winkelwcrth, mit ö a und d b die Winkelabstände der Strecke l ab vom Plattenmittelpunktc, so ist *) Astr. Nachr. 141, 89. Die photographischen Registrirwethoden. ISO wobei der Factor k ausgedrückt ist durch: 1 ««'* d a + d J + i sec d 0 sec ö b sin : cosec Pu h Nennt man / die bei der Temperatur t der Messung gefundene Distanz iu Einheiten des Massstabes bei der Temperatur T, so ist lab — l [J + « ( Pi = Po + d P» ■ so ist Wi Ising hat gezeigt, dass für den Potsdamer photographischen Itefractor bei Berücksichtigung der oben angegebenen Bedingungen sich eine durchaus genügende Genauigkeit in der Ermittelung des Bogeuwerthes erhalten lässt. Eine Unsicherheit von 1° in den Temperaturangaben bedingt bei einer Distanz von 1° erst einen Fehler des Bogeuwerthes von 0'.'06. Capitel IV. Die photographischen Registrirmethoden. Die bisherigen Capitel dieses Buches sind dem Hauptgebiete der cölestischen Photographie gewidmet gewesen, dessen Aufgabe es ist, möglichst getreue Darstellungen cülestischer Objecte zu erhalten und dieselben nachträglich durch Messung zu verwertlien. Wir gehen nun über zu einer kurzen Darlegung einer anderen Art der Anwendung der Photographie in der Astronomie: der photographischen Kegistrirung bei Durchgangsinstrumenten, also zu ihrer Benutzung bei Positionsbestimmungen im Meridianinstrumente und bei Zeit- und Ortsbestimmungen. Definitiven I. Die Herstellung und Verwerthung von Ilimmelsaufnalimen. DIU Eingang in die Praxis hat übrigens diese Verwendung noch nicht gefunden; man ist bisher über das Stadium der Versuche nicht hinausgekommen. Photographische liegistrirmethoden giebt es in vielen Zweigen der Physik und Meteorologie schon lange. Diese Methoden beruhen im Wesentlichen darauf, au demjenigen Tlieile des Instrumentes, dessen Drehung in letzter Instanz gemessen werden soll, einen Spiegel anzubringen, der ein auf ihn fallendes Lichtbündel nach einem in gleichförmiger Bewegung befindlichen lichtempfindlichen Papierstreifen refiectirt. Durch die combinirte Bewegung von Streifen und Spiegel resultirt eine Curve, deren Abscissen die Zeit und deren Ordinaten die Winkelstellung des Spiegels angeben. Zur Messung von Längenänderungen, z. B. bei Quecksilberthermometern und -Barometern, kann man auch das Schattenbild der Quecksilbersäule continuirlich auf einem hinter der Säule sich verschiebenden lichtempfindlichen Streifen aufnehmen u. s. w. In allen diesen Fällen verliilft die Photographie zu einem wirklichen Registriren, der betreffende Apparat zeichnet automatisch die zu messenden Veränderungen auf. Fälle, in denen diese Art der liegistrirung in der Astronomie angewendet werden könnte, liegen im allgemeinen nicht vor. Es ist allerdings denkbar, die Chronographen, wie sie jetzt bei Durchgangsbeobachtungen angewendet werden, schliesslich nicht rein mechanisch durch den Druck einer Spitze auf den Streifen aufzeichnen zu lassen, sondern dies photographisch zu besorgen; damit wäre aber schwerlich ein Gewinn zu erreichen, sondern wahrscheinlich nur vermehrte C'omplicirtheit und Unbequemlichkeit. Andere Arten der Begistrirung würden vielleicht mehr Vortheil bringen. So liesse sich z. B. unschwer ein Apparat construiren, der es dem Beobachter erlaubte, von seiner Stelle aus bei einem Meridiankreise die relative Stellung der Kreisstriche zu einem Index zu photo- graphiren, die, nachher ausgemessen, die Kreisablesung im Mikroskope ersetzte. Es würde sich hierbei eine grössere Schnelligkeit in der Aufeinanderfolge der Beobachtungen erzielen lassen bei gleichzeitiger Ersparnis eines zweiten Beobachters. Dergleichen »Jllilfsvorrichtungen« Hessen sich gewiss zu vielen Zwecken hersteilen; doch mögen hier diese Andeutungen genügen, und ich gehe zu eigentlichen Begistrirmethoden Uber, bei denen das Auge des Beobachters durch die photographische Platte ersetzt werden soll. Der Zweck, der hierbei verfolgt wird, kann ein sehr verschiedener sein: Erzielung grösserer Genauigkeit durch Vermehruug der Einzelbestimmungen bei gleichem Zeitverbrauche; Beibehaltung der gleichen Genauigkeit mit Zeitersparniss; Vermeidung persönlicher Fehler. In dieser letzteren Beziehung ist zu bemerken, dass zwar die persönlichen Fehler, Die photographischen Registrinnethoden. IUI wie sie bei direeten Beobachtungen auftreten, vermieden werden, dass dafür aber persönliche Fehler anderer Art bei der Ausmessung neu hinzu- kommen. Die Eigentümlichkeit der photographischen Methode bei Durchgangs- iustrumenten besteht darin, dass die Sterne ihre Spuren auf der Platte zurücklassen, die als Projectionen der scheinbaren Declinationskrcise zu betrachten sind. Soll aus diesen Spuren auf die Zeit geschlossen werden, so müssen 1'nterbrechuugsstellen derselben vorhanden sein, die mit der Beobachtungsuhr in bekanntem Zusammenhänge zu stehen haben. Bei Benutzung der Spuren zu Bestimmungen im Sinne der Declination können entweder die Spuren verschiedener Sterne auf derselben Blatte relativ aneinander geschlossen werden, oder es muss eine mit dem Fernrohre verbundene Marke (Declinationsfaden) mit zur Abbildung gebracht werden. Zur Beurteilung der Helligkeit von Sternen, welche ihre Spuren noch eben abbilden können, sind dieselben Betrachtungen gültig, welche bei Gelegenheit der Bhotograpliie der kleinen Blaneteu (siebe den betreffenden Abschnitt) angestellt werden; die Helligkeit ist demnach abhängig von der Declination der Sterne. Beim photographischen Befractor von 13 Zoll Oeffnuug und dem Brennweiteuverhältnisse von 1:10 wird von einem Aequatorsternc der Durchmesser des kleinsten Scheibchens (3") in 0?2 durchlaufen; für die verschiedenen Decliuationen vergrössern sich die Zeiten, wie folgt: Declination Expositionszeit 0° 0B2 4T> 0.3 GO 0.4 70 O.G So 1.2 8S°:>0' 24 s . Bei laufenden Aecpiatorsternen wird noch eben die sechste Grösse als schwacher Strich abgebildct. Bei wachsenden Decliuationen findet die Vermehrung der Lichtstärke zunächst nur sehr langsam statt; bis 45° ist sie noch unmerklich, und bei 70° beträgt die Vermehrung etwa eine Grössenclasse. Erst bei einer Declination von 88°5ü', der eine Expositionszeit von 24 s entspricht, werden alle Sterne der Bonner Durchmusterung, also bis zur Grösse 9.f>, abgebildet. Um Schlüsse auf andere Instrumente in Bezug auf die Lichtstärke Hei laufenden Sternen ziehen zu können, genügt die etwas rohe Annahme, dass bei allen guten Objectiven, gleichgültig, welche Brennweite und Oeflhung sie besitzen, die linearen Durchmesser der kleinsten Scheibchen dieselben sind; die Lichtstärke 192 I. Die Herstellung und Verwcrthung von llimmelsaufnalnnen. wächst also proportional mit abnehmendem sse, so dass kleinere Objectivc mit kurzer Brennweite — l’ortraitlinsen — schliesslich lichtstarker sind als grössere Bcfractoren. Je heller die Sterne sind, um so kräftiger werden natürlich ihre Spuren; bei ganz hellen Sternen tritt eine sehr merkliche Verbreiterung ein in entsprechender Weise wie bei ruhenden Bildern heller Sterne. Der Einfluss der Luftunruhe auf die Messungsgenauigkeit ist bei der Aufnahme laufender Sterne ein viel stärkerer als bei ruhenden. Die Schwankungen der Sterne gleichen sich bei letzteren aus, worauf ja wesentlich die Vorzüge der photographischen Methoden vor directen Beobachtungen beruhen. Bei laufenden Sternen wird dagegen der scheinbare Ort in jedem Momente abgebildet; die Steruspur registrirt daher die Luft- uurulie sorgfältig, so dass sich hierauf sehr gut eine Methode der Untersuchung der Luftunruhc gründen liesse. Die Schwankungen, welche senkrecht zur Bewegungsrichtung des Sternes stehen, stellen sieh als Ausbiegungen der sonst glatten Curvcn dar; diejenigen, welche in jener Bichtung liegen, werden als schwächere resp. kräftigere Stellen, als Knoten, in der Spur erkannt. Das Einstellen einer bei unruhiger Luft erhaltenen Spur zwischen zwei Fäden ist daher sehr schwierig, und die dabei zu erreichende Genauigkeit ist beträchtlich geringer als bei ruhend aufgenommenen Sternen; ja, ich habe den Eindruck gewonnen, als wenn sie geringer sei, als bei directer Beobachtung unter entsprechenden Umständen. Eine bedeutende Verbesserung lässt sich erreichen, wenn man den Stern nicht eine continuirliche Spur aufzeichnen lässt, sondern eine unterbrochene, indem häufig, aber jedesmal nur auf sehr kurze Zeit — kürzer als zur Durchmessuug der eigenen Ausdehnung nothwendig ist — exponirt wird. In diesem Falle bestellt die Spur aus einzelnen, etwas länglich gezogenen Sternbildchen, auf die sich mit nahe derselben Genauigkeit eiustellen lässt, wie auf die Scheibchen ruhender Sterne. Jeder Punkt für sich ist durch die Luftunruhe deplacirt; stellt man auf eine grössere Zahl solcher Punkte ein, so erhält man den Mittelwerth frei vom Einfluss der Luftunnihe. Gleichzeitig dienen dann diese Unterbrechungen als Anhalt im Sinne der Bcctascensiou. Eine Vorrichtung, die derartig unterbrochene Spuren liefert, ist zuerst auf dem Georgetown Observatory *) in Anwendung gebracht und mit dem Namen Photochronograph belegt worden. In der Foealebene des Fernrohres ist anstatt des gewöhnlichen Fadennetzes eine Glasplatte mit eingerissenen Strichen eingesetzt, gegen welche die empfindliche Platte unmittelbar angedrückt wird. *;■ The Photochronograph and its Applications. Georgetown Coli. Obs. Publ. Die photographischen Registnrmethoüeu. 1 tut Eine dünne Stahllamelle liegt horizontal vor der Mitte der Nctzplatte, so dass das Licht eines durchpassirenden Sterns von der empfindlichen Platte abgeschlossen ist. Diese Lamelle steht mit dein Anker eines Elektromagneten in Verbindung, der seinerseits an den Stromkreis einer elektrischen Pendeluhr angeschlossen ist. Bei jedem Pendelschlage wird die Stahllamelle während eines Zeitraumes von (PI gehoben, so dass also alle Secunden eine Aufnahme von Secundc Expositionszeit erfolgt. Um die Secunden unterscheiden zu können, fällt der 29 te, 57 te, 58 te und- 59 te Contact aus. Zum Aufeopiren des Netzes findet eine kurze Belichtung durch das Objcctiv hindurch statt, während die Stahllamelle die Sternspur bedeckt, damit letztere nicht durch die Belichtung leidet. Die Fig. 41 stellt eine mit dem Georgetowner Photochronographen aufgenommene Sternspur dar, und zwar diejenige des Doppelsterns Castor. 1**rm Fig. 41. Es ist klar, dass die bewegbaren Tlieile des Apparates sehr leicht gearbeitet sein müssen, damit keine Erschütterung des Fernrohres durch die Contacte stattfindet. Einen ganz wesentlichen Vortheil in der Anwendung des Photochronographen bietet der Umstand, dass für jede Platte ohne weitere Hülfssterne aus den Distanzen der Einzelbilder der Spuren der Bogenwerth der Messschraube unmittelbar abgeleitet werden kann. Es sind nun auf der Georgetowner Sternwarte einige Anwendungen des Photochronographeu gemacht worden, und zwar zunächst zum Zwecke der Polhöhenbestimmung nach der in neuerer Zeit so allgemein in Anwendung gekommenen Bömer-lIorrebow-Talcott’schcn Methode. Das Wesen dieser Methode besteht bekanntlich darin, zwei Sterne, die in nahe gleicher, geringer Zenithdistanz kurz nacheinander nördlich und südlich culminiren, bei unveränderter Einstellung des Fernrohres allein durch Umlegen ins Gesichtsfeld zu bringen und vermittels eines Mikrometers aneinander an- zuscliliessen. Mit Hülfe feiner Libellen wird der Fehler der Verticalaxe bestimmt, und es ist nur vorausgesetzt, dass innerhalb der Beobachtung eines Sternpaares keine Veränderungen in der gegenseitigen Lage der Libellen zum Instrumente eintreten. i;i Seit ein er, Photographie der Gestirne. 194 I. Die Herstellung und Verwerthung von Ilinmielsaufnahmen. Das Instrument */, mit dem der Photoohronograph in Verbindung gebracht worden ist. und welches durch Fig. 42 veranschaulicht wird, ist in seinen wesentlichen Theilen dem Chandler’schen Almukantliar nacli- gebildet. Es ruht mit vier durch die eiserne Fussplatte gebenden Schrauben .s auf einem Steinpfeiler. Die Fussplatte misst zwei englische Fuss im Quadrat. Die darauf sieb erhebende eiserne Säule £ trägt auf einem Ring einen gusseisernen Trog T von 4(1 X 1 (5 engl. Zoll Fläche und 1 :, / 4 Zoll Höhe, welcher sich um eine durch die Säule gehende verticale Axe drehen lässt. Er dient zur Aufnahme von etwa 50 Pfund Quecksilber, auf dem eine mit einem eisernen Kähmen eingefasste, den Trog fast ganz ausfallende Holzplatte II schwimmt. An seiner unteren Seite hat der Trog eine mit einem Hahn versehene Ausflussöffnung h zum Ablassen des Quecksilbers. Der Boden ist mit Cemeut ausgegossen, weil der Trog nicht aus einem einzigen Stück hergestellt ist und daher das Quecksilber sonst durch die Fugen durchdringen würde. Um die Bewegung des Quecksilbers zu mässigen, ist der Cementboden nicht geglättet, und auch die schwimmende Holzplatte ist nuten durch einen sandhaltigen Firnissüberzug rauh gemacht; ob hierdurch aber der angegebene Zweck erreicht wird, scheint sehr fraglich. Auf der Platte sind die Lager für die Drehungsaxe des Fernrohres F befestigt. Ausserdem ist mit der Platte noch eine in der Figur nicht sichtbare Axe fest verbunden, die mit zwei an ihren äusseren Enden sitzenden, nach unten gerichteten Schneiden versehen ist. Diese liegen ganz schwach, nur um die Azimuthstellung des Fernrohres zu sichern, in zwei an dem Trog befestigten justirbaren Lagern auf. Die bereits erwähnte Fernrohraxe trägt auf der einen Seite das Fernrohr F und einen zur Klemmvorrichtung gehörigen Kreis Ä',, auf der anderen cineu eben solchen Kreis /ff 2 , dann den durch ein Gliihlämpchen beleuchtbaren Einstellungskreis E und noch weiter aussen ein verschiebbares, in der Figur nicht sichtbares Gegengewicht für das Fernrohr. Die beiden zur Klemmung dienenden Kreise K { und Iv 2 sind eiserne Scheiben von 1 Fuss Durchmesser und 1 2 Zoll Dicke. Die Klemmung geschieht durch Druck auf die Aussenseite der Kreise an zwei gegenüberliegenden Stellen mittels der Handräder R, wie in der Figur zu sehen. Dadurch kommt das Fernrohr in feste Verbindung mit der Holzplatte. Das Objectiv hat 0 Zoll Durchmesser und 3 Fuss Brennweite. Achro- matisirt ist es für die photographisch wirksamen Strahlen. Infolge seiner *) The Photochronograph .... siehe besonders: 0. Knopf, Der Photochronograph. Zeitschrift f. Instrumcnten-Kunde 1893, 151. Die photographischen Registrirmethoden. 190 I. Die Herstellung und Verwendung von Himiuelsaufnalnnen. geringen Brennweite lässt es auf der Platte die Spur eines durch das Gesichtsfeld gehenden Sternes siebenter Grüsse erkennen. Der am Ocularende befindliche Photochronograph besteht eigentlich aus zwei solchen Apparaten, wie sie eben beschrieben sind. Es sind demnach zwei Elektromaguete vorhanden, die sich gegenüber stehen und sowohl mit, als gegen einander verschoben werden können. Jeder Elektromagnet zieht in gewissen Zeitiutervallen einen Anker an und lässt ihn dann wieder frei. Mit jedem Anker ist eine quer über das Gesichtsfeld reichende Zunge verbunden, die so gestellt wird, dass sie das Licht des Sterns bei seinem Durchgang durch das Gesichtsfeld für gewöhnlich abblendet und nur in jenen Intervallen auf die dahinter befindliche photographische Platte gelangen lässt. Die Entfernung der beiden Elektromaguete wird durch die Differenz der Zenithdistanzen der beiden Sterne bestimmt, da jede Zunge einen der beiden Sterne, die ihre Wege auf der Platte aufzeichnen sollen, auch abzublenden im Stande sein muss. Um dem Fall zu genügen, dass die von den Sternen beschriebenen Wege auf der Platte sehr nahe an einander fallen, liegt die eine Zunge etwas hinter der anderen, so dass sie sich ein wenig überdecken können. Während bei der Anwendung des Photochronographen zu Zeitbestimmungen der Stromschluss jede Secuude auf die Dauer von 1 j 0 Se- cunde stattfindet, ist liier, wo es sich meist um schwächere Sterne handelt, die Einrichtung so getroffen, dass der Strom nur alle zwei Secunden und zwar auf die Dauer einer Secunde geschlossen wird; bei der kurzen Brennweite des Objectivs würden die Bildpunkte, wenn sie jede Secunde entworfen würden, auch zu nahe an einander fallen. Die helleren Sterne werden nur auf Bruchtheile der Secunde exponirt. Das Auslassen dreier Punkte am Ende einer Minute und eines Punktes in der Mitte sichert die bequeme Identificirung der übrigen Bildpunkte. Zur Einstellung der Zunge auf den Stern dient ein Oc-ular <> mit total reflectirendem Prisma. Ist die Einstellung geschehen, so wird die Platte eingeschoben. Zur Verhinderung einer Lagenänderung wird sie durch Federn gegen den Tubus gedrückt. Besondere Sorgfalt erfordert die Nivellirung der Axe. Zunächst horizontirt man den Trog durch die vier Fussschrauben, so dass das Quecksilber darin überall gleich hoch steht. Dann setzt man auf die Umdrehungsaxe des Fernrohres ein Niveau und bringt sie durch Verschieben des schon erwähnten Gegengewichtes in horizontale Stellung; wobei mau das Niveau öfter umzusetzen hallen wird. Dabei muss man Sorge tragen, dass die mit der Holzplatte fest verbundene Axe nicht mit ihren Schneiden in den auf dem Trog sitzenden Lagern ruht. Hierauf Die photographischen Registrirmethoden. 197 werden diese Lager, welche, wie oben bereits gesagt, justirbar sind, gehoben, so dass die Schneiden anfliegen. Durch Drehen des Instruments um seine vertieale Axe überzeugt mau sich, ob die Horizontirung gelungen ist. Hei den Beobachtungen nach der Horrebow-Talcottsehen Methode wird das Instrument nur im Meridian benutzt. Um es in diese Lage immer sofort wieder bringen zu können, ohne einen Horizontalkreis, den das Instrument auch gar nicht besitzt, nüthig zu haben, ist unten am Trog ein Anschlag A angebracht, der gegen eine mit der Säule in fester Verbindung stehende Schraube stösst. Die Beobachtungen werden so angcstellt, dass man zunächst die beiden Zungen des Photochronographen in eine der Differenz der Zenithdistanzen der beiden Sterne entsprechende Entfernung von einander bringt. Das Fernrohr stellt man mit Hülfe des Yerticalkreises auf die mittlere Zenithdistanz der beiden Sterne ein, zuerst natürlich nach der Seite hin, auf welcher der zuerst c-ulminirende Stern steht. Hat man diesen durch das Ocular am Rande des Gesichtsfeldes erscheinen sehen, so verschiebt inan die beiden Elektromagnete des Photochronographen so weit, dass der Stern von der einen Zunge verdeckt oder nicht verdeckt wird, je nachdem der Stromkreis geschlossen oder offen ist. Dann schiebt man die photographische Platte ein und lässt nun eine in den Stromkreis eingeschaltete Uhr die regelmässige Folge von Stromschluss und -Unterbrechung bewirken. Hat der Stern in einer bis zwei Minuten das Gesichtsfeld durchlaufen, so dreht man das Instrument um seine Verticalaxe um ISO 0 herum, worauf der zweite Stern sich in derselben Weise auf der Platte abbilden wird. Der Abstand der beiden Punktreihen auf der Platte giebt die Differenz der Zenithdistanzen und ist mit einem Mikrometer unter dem Mikroskop auszumessen. Fügt man die Hälfte dieser Differenz zu dem Mittel der Deelinationen der beiden Sterne, so erhält man die gesuchte Polhöhe des Beohachtungsortes. Soweit man aus den Resultaten weniger Beobachtungsabende schliessen kann, scheint die mit dem Georgetowner Instrumente zu erreichende Genauigkeit eine recht befriedigende zu sein, doch hat sich auch eine vorher zu erwartende starke Fehlerquelle gezeigt, die in schwingenden Bewegungen des schwimmenden Theils des Instrumentes ihren Grund hat; es hat sich als nothwendig erwiesen, mindestens drei Minuten nach der letzten Berührung zu warten, bis mit der Registrirung des Durchgangs begonnen werden kann. Eine zweite Methode der Breitenhestimmung ohne die Hülfe von Libellen ist durch die Benutzung reflectirter Bilder von einer Quecksilber- 198 I. Die Herstellung und Verwertliung von Ilimmelsaufnahmen. oberHäche gegeben und auf der Georgetownsternwarte in Anwendung gekommen. Die Constructiou eines entsprechenden Instrumentes, olme Chronographen, ist alter schon einige Jahre früher von Kapteyn*) publicirt worden und soll deshalb zuerst liier besprochen werden. Das Instrument besteht zunächst aus einem Objective AÄ, dessen optische Axe sehr nahe vertical ist, einem Quecksilberhorizonte BB, der in einer etwas grösseren Distanz als die halbe Focallänge unter dem Objective aufgestellt ist, und einer empfindlichen Platte BP, genau in der Focalcbcne der redeetirten Strahlen des Objectivs. Das Bild des Sternes A entsteht also im Punkte S. Das Ohjectiv muss mit der mit ihm fest verbundenen Platte um eine nahezu verticale Axe drehbar sein, damit je eine Aufnahme mit um 180° verschiedenen Lagen des Objectivs von jedem der P beiden Zenithsterne gemacht werden kann. Zur Bestimmung des Bogenwerthcs soll ein dritter, etwas weiter entfernter Stern benutzt werden. Bei Zenithdistanzen, die 1° nicht übersteigen, ist die nothwendige Correction wegen der Aenderung der Neigung des Objectivs beim Umlegen einfach gegeben durch h wobei h die Distanz der empfindlichen Schicht Snectyi&cn. vom zweiten Hauptpunkte des Objectivs, F die Brennweite und i die Neigungsänderung be- Fig. 43. deuten. Das auf der Georgetowner Sternwarte**) von Algue S. J. construirte Zenithteleskop, Fig. 41, weicht wesentlich von dem Kapteyn’sehen Principe ab. Es ist ähnlich wie ein Passageninstrument gebaut, jedoch ist das Fernrohr li an beiden Enden völlig symmetrisch und mit zwei Ob- jectiven von 10.5 cm Oetfnung und 64 cm Brennweite versehen. Zur Verminderung der Biegung gehen vom Cubus je vier Arme [a) nach den Ohjectivenden hin. Bei h sind Handhaben zur Bewegung des Fernrohrs angebracht. Das Fernrohr ruht auf einem justirbaren eisernen *) Astr. Nachr. 125, 81. **) The Photochronograph . . . siehe besonders: 0. Knopf, Photochronograph. Zeitschrift für Instrumentenkunde 1891. Die photographischen Kegistrirmethoden. 199 I. Die Herstellung: und Verwerthung von Ilimmelsaufnahmen. 2ll(l Gestelle T. K ist der Einstellungskreis mul wird durch das (Tllililämj>- chen g beleuchtet. Unterhalb des Fernrohrs befindet sich der 2 in lange und 18 cm breite Quecksilberborizont. Er muss eine gegen Erschütterung durchaus gesicherte Aufstellung besitzen und möglichst tief unter dem Fernrohr liegen, damit selbst noch nahe dem Zenith culminirende Sterne darin reflectirt und auch durch das volle Objectiv auf der photographischen Platte abgebildet werden. In der gemeinsamen Brennebene der beiden Objcctive befindet sich die lichtempfindliche Schicht der photographischen Platte. Letztere wird durch Federn fest gegen eine Glasplatte gedrückt, wobei die empfindliche Schicht dieser zugewandt ist, so dass die von den Objectiven kommenden Strahlen jedesmal erst eine Glasplatte zu durchdringen haben, ehe sie die lichtempfindliche Schicht treffen. Durch die Brechung, welche die Strahlen beim Eintritt in die Glasplatte erleiden, kommt eine Verzerrung der Bilder zu Stande. Da es sich aber nur um kleine Einfallswinkel handelt, so kann, wie sich unschwer zeigen lässt, diese Verzerrung als in einer Verjüngung des Massstabes des Bildes bestehend betrachtet werden, die dem Abstand der betreifenden Stelle vom Brennpunkt proportional ist. Für die Ausmessung entsteht dadurch jedoch keine besondere Schwierigkeit, da der Massstab, wie wir nachher sehen werden, erst empirisch aus der Platte bestimmt wird. Die nur durch Correctionsschräubchen innerhalb gewisser Grenzen verstellbare Glasplatte, gegen welche die photographische Platte gedrückt wird, hat auf ihrer inneren, der empfindlichen Schicht zugewandten Seite zwei senkrecht zu einander stehende, mit Diamant eingerissene Striche, welche nach Schluss der Aufnahme durch kurzes Vorhalten einer llaud- lampe vor das Objectiv auf das Bild photographirt werden und daselbst die Richtung des Meridians und Parallelkreises angeben sollen. Mit einigen Umständen ist die Justirung des Instruments verknüpft, llat man nach einer Bestimmung der Brennweiten der Objective die letzteren in die richtige Entfernung von einander gebracht, so dass beider Brennebenen, zusammenfallen, so bandelt es sich darum, den Collimations- feliler des Instrumentes zu beseitigen, d. h. die als Collimatiousaxe zu bezeichnende Verbindungslinie der beiden Objectivmittelpuukte in senkrechte Lage zur Fernrohraxe zu bringen. Zunächst richtet man das eine Objectiv, das andere ganz unberücksichtigt lassend, auf ein irdisches Object und stellt das Bild desselben, welches man auf einer in die Focalebene gebrachten, matt geschliffenen Glasscheibe auffängt, durch Drehen des Instrumentes im Azimuth auf den verticalen Strich ein, legt dann das Fernrohr um und sieht zu, ob das Bild noch gut auf dem Strich einsteht. Ist dies durch Verschiebung Die photographischen Registrirmethoden. 201 der Strichplatte erreicht, so dreht man das Fernrohr um seine Axe, bis das zweite Objectiv auf jenen terrestrischen Gegenstand gerichtet ist. Fällt das Bild nicht auf den verticalen Strich, so verschiebt man das zweite Objectiv mittels der zu diesem Zweck am Objectivkopf angebrachten Schrauben r so weit nach der Seite, bis das Zusammenfallen bewirkt ist. Auf diese Weise wird die horizontale Collimation beseitigt; der Schnittpunkt der Collimationsaxe mit der Ebene des Strichkreuzes weicht vom Mittelpunkt des letzteren in horizontaler Richtung jetzt nicht mehr ab. Um auch die verticale Collimation wegzubringen, stellt man das Fernrohr wieder auf ein irdisches Object ein, so dass das Bild auf den horizontalen Strich der Strichplatte fällt, dreht es dann um 180° herum und sieht, ob der Strich wiederum einsteht. Ist es nicht der Fall, so kann man den im übrigen ziemlich unschädlichen Fehler entweder durch eine Verschiebung der Strichplatte oder durch eine Verschiebung des zweiten Objectivs wegschaffen. Hinsichtlich der Neigung und des Azimuthes ist die Justi- rung dieselbe wie bei anderen Durchgangsinstrumenten. In beistehender Skizze (Fig. 45) ist Z das Zenith, S der südliche, A der nördliche Stern im Meridian. ZO ist die mittlere Zenithdistanz der Sterne. Die beiden Objective sind mit A und B bezeichnet, PP t ist die lichtemptindliche Schicht der photographischen Platte, QQ t der Quecksilberspiegel. Der nördliche Stern wird direct, der südliche nach der Reflexion im Quecksilberspiegel photographirt. Ist der Collimationsfehler vollständig beseitigt, so fällt die Mitte des Strichkreuzes auf 7V n und s sind die Bilder des nördlichen und des südlichen Sternes bei ihrem Durchgang durch den Meridian. Wie ein Blick auf die Figur lehrt, fallen die Spuren des nördlich und südlich vom Zenith culminirenden Sterns auf dieselbe Seite von der Collimationsaxe. Die Differenz der Zenithabstände der beiden Sterne ist demnach gleich der Summe der Abstände der beiden •202 I. Die Herstellung und Yerwerthung von llimmelsaufnahmen. Sternspuren von dem Schnittpunkt der Collimationsaxe und der Brennebene, also gleich P n n + P n s, und nicht, wie es bei dem früher besprochenen Instrumente der Fall war, gleich dem Abstand der beiden Sternspuren von einander selbst. Will man daher ans einem einzigen Sternpaar die Polhöhe ableiten, so muss man die Lage jenes Schnittpunktes i', genau kennen. Man bedarf dieser Keuntniss aber nicht, wenn man noch ein zweites Sternpaar auf dieselbe Platte photograpliirt, nachdem man das Fernrohr entweder um seine Axe herumgedreht hat, so dass das bisher untere Objcctiv zum oberen wird und umgekehrt, oder nachdem mau es umgelegt hat. Aus den Durchgängen zweier Sternpaare kann man auch den verti- calen Collimationsfehler seinem Werthe nach bestimmen, und es empfiehlt sich, dies zu thun, um durch seine Berücksichtigung auch Durchgänge nur eines Paares, wenn das zweite Paar nicht erhalten wurde, zur Ableitung der Polhöhe benutzen zu können. Damit endlich das Resultat nicht von der Biegung des Rohres beeinflusst werde, muss man dieselben zwei Sternpaare an zwei verschiedenen Abenden einstellen und jeden der Sterne einmal direct und einmal reflectirt photographiren. Das Mittel aus diesen Eiuzelbe- stimmuugen ist frei von einer Correction wegen Biegung. Andrerseits kann man auch aus den Durchgängen mehrerer Sternpaare von verschiedener Zenithdistanz in verschiedenen Nächten den Biegungscoefficienten des Fernrohres bestimmen. Bei dem Georgetowner Instrument war für die Zenithdistanzen, innerhalb deren das Instrument gebraucht wurde, keine Biegung des Rohres bemerkbar. Der Massstab für die Ausmessung des Bildes wird, wie schon bemerkt, gewonnen mit Hülfe des Photochronographen, der hier eine etwas andere Coustruction hat. Er besteht aus einem mit einer Uhr in Verbindung stehenden Elektromagneten E (Fig. 44), welcher bei dem alle Secundeu erfolgenden Stromschluss zwei mit sectorfönnigen Ausschnitten versehene, 14 cm im Durchmesser haltende und 25 mm von einander entfernt auf derselben Axe sitzende Kreisscheiben M jedesmal um ein Stück weiter treibt, so dass bald eine Oetfnung, bald ein Feld in den Strahlengang tritt und so dem Licht der beiden Sterne der Weg zur photographischen Platte bald geöffnet, bald versperrt wird. Je nach der Lichtstärke der Sterne wendet man Scheiben mit mehr oder weniger vielen sectorfönnigen Oeftnungeu an. Die Axe der beiden Scheiben steht natürlich senkrecht zur Brennebene und liegt in der Verlängerung des verticalen, der Glasplatte eingeritzten Striches. Welchem der zur Anwendung der llorrebow-Talcott’schen Methode dienenden Instrumente der Vorzug zu geben ist, lässt sicli vielleicht Die photographischen Registrinnethodeu. 203 kaum definitiv entscheiden. Das in Rede stellende hat den Vorzug, dass es während des Durchganges eines Sternpaares nicht berührt zu werden braucht; freilich ist behufs Elimination des Collimationsfehlers die Aufnahme zweier Sternpaare nötliig. Ein weiterer Vorzug besteht darin, dass zwischen den Durchgängen der beiden Sterne kein Zeitintervall, wie es für die Umlegung eines Instrumentes erforderlich ist, liegen muss, und dass endlich hei gewissen Lagen der Sterne die Mikrometerschraube nur auf eine kurze Strecke beansprucht wird. Einen Nacktheit könnte man darin erblicken, dass Sterne, die sehr nahe dem Zenith culminireu, von der Benutzung ausgeschlossen sind; doch brauchten bei dem George- towner Instrument die Sterne nur 3° vom Zenith abzustehen, wenn das untere Objectiv mit seiner ganzen Oeffnung zur Geltung kommen sollte. Bedenklicher ist wohl der Umstand, dass der Biegung des Rohres besondere Aufmerksamkeit zugewandt werden muss, da bei Vernachlässigung derselben nicht wie bei den während der Beobachtung umzulegenden Instrumenten die Differenz der in beiden Lagen statthabenden Biegungen, sondern die Summe der Biegungen der beiden Bohrhälften das Resultat verfälschen würde. Die bisher mit dem Instrument gemachten Erfahrungen sind durchaus befriedigend. Während sich die bisher besprochenen Instrumente durch besondere Constructionen auszeiclmen, hat Marcuse*; den Vorschlag gemacht, mit ganz unwesentlichen Aenderungen die für optische Beobachtungen benutzte Einrichtung beizubehalten und nur das Ocular durch eine Cassette zu ersetzen. Das Umlegen erfolgt also um eine nahe vertic-ale Axe, und die Abweichung von der Verticaleu wird in üblicher Weise durch Niveaus bestimmt. Erst längere Beobachtungsreihen werden entscheiden können, welcher Methode der Vorzug eingeräumt werden muss; die Verwerfung des »Photochronographen« ist jedenfalls eher ein Rückschritt als eine Verbesserung, da sich auf die Punkte zweifellos besser, vor allen Dingen unbefangener, einstellen lässt als auf die contiiiuirlichen Spuren. Der Hauptzweck bei der Anwendung der Photographie auf Ortsbestimmungen ist der gewesen, vermehrte Genauigkeit zu erlangen; ob dieser Zweck thatsäehlich durch die angegebenen Methoden zu erreichen ist, muss vorläufig noch dahingestellt bleiben. * V. .r. S. i 7, 30S. 201 1. Die Herstellung und Verwertlmug von Ilimmelsaufnahmen. Anders liegt die Sache bei einem von Schnauder*; gemachten Vorschläge, die Photographie bei rohen Ortsbestimmungen, speciell für Breitenbestimmungen auf Reisen, zu verwenden. Hierbei soll die Genauigkeit gegenüber den bisherigen Methoden nicht vermehrt werden, vielmehr soll erreicht werden, dass die Ortsbestimmungen von astronomisch nicht vorgebildeten Leuten ausgeftihrt werden können, und dies ausserdem mit viel weniger diffieilen Apparaten und in beträchtlich kürzerer Zeit. Als einfachste Vorrichtung hierzu empfiehlt sich eine kleine Camera, die auf einer nahe verticalen Axe, mit Anschlägen drehbar, montirt ist. Als Ob- jectiv kann eine gewöhnliche Portraitlinse mit grossem Gesichtsfelde dienen, welche gegen das Zenith gerichtet ist. An der Camera sind zwei aufeinander senkrecht stehende Niveaus angebracht, zu deren azimuthaler Orieutirung ein Compass oder eine Visur auf den Polarstern genügt. Es werden nun in zwei um 180° verschiedenen Lagen der Camera zwei Aufnahmen — behufs Vereinfachung der Rechnung drei Aufnahmen in der Hei heufolge 0°, 180", 0° — gemacht, welche bei dem grossen Bildfelde der gewöhnlichen photographischen Objective unter allen Umständen von mehreren Sternen die Spuren abbilden. Die Ausmessung der Distanzen der Spuren liefert nun später in Verbindung mit dem während der Aufnahmen ausgeführten Nivellement die scheinbaren Zenithdistanzen der Sterne und damit die geographische Breite des Beobachtungsortes. Auch für Längenbestimmungen liesse sich das Instrument verwerthen, doch müssten auf anderem Wege erhaltene genauere Zeitbestimmungen damit verbunden werden, oder es muss der Mond mit aufgenommen werden. Die Bestimmung der geographischen Länge durch Monddistanzen von helleren Sternen ist ebenfalls auf photographischem Wege ausführbar. Der erste Versuch dieser Art ist wohl von Runge**), der in einer gewöhnlichen feststehenden photographischen Camera zuerst ein Bild des Mondes aufnahm und eine Stunde später das Sternbild des Löwen, nachdem dieses in das Gesichtsfeld der inzwischen verschlossen gewesenen Camera gelangt war. Ein Nachtheil dieser Methode liegt einmal in der nicht controllir- baren Voraussetzung der absoluten Unveränderlichkeit der Stellung der Camera in der Zwischenzeit und besonders in der Unschärfe der Mond- räuder wegen der Bewegung des Mondes und seiner grossen Helligkeit. Dieser letztere Uebelstand haftet in noch viel höherem Masse einer von Schlichter***) vorgeschlagenen Methode an. der Mond und Sterne *] Nach gefälliger privater Mittheilung. ** Ueber die Bestimmung der Länge auf photogr. Wege. Zeitschr. f. Vermessung XXII. *** Eine neue Präcisiousmethode zur Bestimmung geogr. Längen auf dem festen Lande. Verb. d. 10. Deutschen Reographentages. Berlin 1803. Die photographischen Registrirmethoden. 200 gleichzeitig photographirt bei solcher Stellung der Camera, dass sich der Mittelpunkt der Platte möglichst in der Mitte zwischen Mond und den betreffenden Sternen befindet. Auf dieselbe Platte werden dann noch zwei bekannte Fixsterne von nahe derselben Distanz in symmetrischer .Lage aufgenommen, welche den Winkelwertli für die Monddistanzen liefern. Da der gleichzeitigen Aufnahme der Fixsterne wegen länger exponirt. werden muss, so wird das Bild des bewegten Mondes ganz unscharf und zu einigermassen genauen Messungen ungeeignet. Eine wesentliche Verbesserung in die photographische Methode der Mouddistanzmessuugcn hat Koppe*) durch die Elimination des stets unscharfen Moudbildes eingeführt. Es lässt sich hierzu jedes um 180° umlegbare photographische Instrument benutzen, sofern dasselbe mit einem Halteferurohr versehen ist. Koppe selbst hat hierzu seinen zu anderen Zwecken construirtcn Phototheodoliten mit Vortheil benutzt. Mau stellt das Fernrohr so auf den Mond und den zu vergleichenden Stern ein, dass der eine Faden des drehbaren Fadenkreuzes durch Mondmitte und Stern gebt, während der andere Faden den Mondrand berührt und mittels der Feinbewegung für die Dauer der Expositionszeit — 20" bis 30“ — in Berührung gehalten wird. Dann wird das Fernrohr mit der Camera um 180° durchgeschlagen, in gleicher Weise eingestellt und eine zweite Aufnahme gemacht. Man erhält dadurch zwei Bilder in einer geraden Linie, die Mondbilder berühren sich, während die Sterne um das Doppelte der Monddistanz von einander entfernt sind. Gemessen werden nur die Sterne, die unscharfen Mondbilder fallen also heraus. Auch hier werden zur Ermittelung des Bogenwerthes zwei bekannte Fixsterne mit aufgenommen. Das Halten des Mondrandes lässt sich während der verhältnissmässig kurzen Expositionszeiteu nach einiger Hebung unschwer ausführen; immerhin sind durch die unvermeidlichen Schwankungen und durch die Eigeu- bewegung des Mondes die resultirendeu Sternbilder nicht ganz rund und symmetrisch. Trotzdem ist die zu erreichende Genauigkeit eine recht hohe, wie Koppe an einem Beispiele gezeigt hat. Das Mittel der Monddistanzen gegen cc Virginis aus vier Platten mit je drei Aufnahmen zeigte gegen die berechnete Monddistauz eine Abweichung von nur l'.'-i, entsprechend einem Fehler von 2:8 in der Länge. Damit ist die Brauchbarkeit der Methode für Längenbestimmungen auf lleisen erwiesen. Wenn der betreffende Beobachter auch nicht gerade astronomisch vorgebildet zu sein braucht, so ist eine genauere Kenntniss in der Hand- *) Koppe, C. Photogrammetrie und internationale Wolkenmessuug. Braunschweig lS9ö. Pag. 3(i. I. Die Herstellung und Verwerthung von Ilimmelsaufnahmen. 2(16 liabung des Pliototlieodoliteu und eine specielle Einübung im Halten doch erforderlich. Eine genaue Beschreibung und Abbildung des Koppe’schen Phototheodoliten befindet sich in der oben citirten Abhandlung. Auf pag. 99 ff. habe ich eine Methode angegeben, vermittels welcher es möglich ist, ein parallaktisch montirtes Fernrohr mit einem hohen Grade von Genauigkeit justiren zu können, viel genauer, als dies unter Benutzung der Einstellungskreise möglich ist. Bambaut*) hat diese Methode dahin erweitert, die infolge der Aufstellungsfehler entstehenden Abweichungen eines Sterns vom Decli- nationsfadeu photographisch zu registriren und durch die nachträgliche Ausmessung die Grösse der Justirungsfehler zu bestimmen. Es werden zu diesem Zwecke zwei Aufnahmen mit einer Zwischenzeit von 15 bis 30 Minuten auf derselben Platte angefertigt, während inzwischen die Fortführung des Fernrohres allein durch das Uhrwerk erfolgt ist. Es möge zunächst angenommen werden, dass die Justirung bereits auf einige Bogenminuten stimmt, und dass das Uhrwerk genau nach Sternzeit geht. Dann sei (Fig. 46) P der Himmelspol, PS der Meridian nach Süden hin, Z der Zenith, P' der Instrumeuteupol, K der Punkt am Himmel, auf welchen die Declimitions- axe zeigt, und 0 der Punkt, auf den das Fernrohr gerichtet ist. Es sei nun t-„ die Ablesung des Stundenkreises, wenn sich K auf dem grössten Kreise PP' befindet, und t die Ablesung, wenn das Fernrohr auf 0, westlich vom Meridian, gerichtet ist. Ferner werde bezeichnet der Bogen ZP' mit £, Winkel SPP' mit h, Winkel SPO mit 0, Winkel KPR mit r. Dann ist der Winkel KP'P — t — t 0 , und es ergiebt sich aus dem Dreiecke KPP' sin 1) = sin i cos /. -f- cos i sin /. cos (t — t 0 ), sin r cos D = cos i sin (t — f 0 ), *) M. N. 54, 85. Die photographischen Registrirmetlioden. 207 oder genähert: D = i -4- 7. cos ( t — L) m ' J T =t—t 0 . fl ist also der Stundemvinkel des Fernrohrs. Man bezeichne ferner mit ä die wahre und mit ö' die instrumentale Declinatiou des Punktes 0; dann ist A also constant fiir die Dauer der Aufnahmen. Bildet nun die optische Axe des Fernrohrs den Winkel 90° — c mit der Declinationsaxe, also KO = 90° — c , so ist sin c = sin 1) sin 8 + cos D cos 8 cos (w + fl — r — fl), oder c = D sin 8 + cos 8 sin + fl — fl — • Befindet sich der zu beobachtende Stern nicht ganz nahe am Pol, 7t so ist t -\- li — fl — — ein kleiner Winkel, also fl = r 4- fl-^ — c sec 8 + 1) tg 8 , oder in (1) eingesetzt: (2) fl — t — — fl, + h — y — c sec 8 + i tg ()' + /. tg 8 cos [t — t 0 ) , also d (fl — 1) = — /. tg d sin (/— t ü )dt — [c sec 8 tg 8 + i sec' 2 8 + Ä sec 2 <5 cos ( t— f n ) ] d 8. Aus dem Dreieck PP'O folgt: sin 8' = sin 8 cos 7. + cos 8 sin 7. cos (fl — fl) = sin d + 7. cos <5 cos (fl — fl.). Nach (2) ist aber genähert Y — A — fl = t — t 0 , also sin d' — sin 8 = 7. cos 8 sin (t — 1 0 ; oder 8 - ---- 8' — 7. sin (t — 7 0 ), also dö = — 7. cos [t — t„) dt. Bezeichnet man mit cp die Breite, so ist cos C = sin

dt ist, d. h. wenn das Uhrwerk vorgeht. Die zweite Aufnahme wird also auf die folgende Seite der ersten fallen, oder V muss nach der folgenden Dichtung positiv gerechnet werden. 4) F ist positiv (aus der zweiten der Gleichungen [4]), wenn das zweite Bild südlich vom ersten liegt. Die an die gemessenen X und F anzubringenden Correctionen wegen Kefraction sind ^ cos (/ (cos Ö cos cos t), 2 206265 für F: i Die photographischen Registrirmetlioden. 209 Kanu man sich auf den Gang - des Uhrwerks in der Zwischenzeit nicht verlassen, so darf man nur auf die Abweichungen in Declination Rücksicht nehmen, d. h. mau muss auf die von mir pag. 100 gegebene Regel zurückgehen und zur Bestimmung des Fehlers im Azimuth einen Stern im Meridian nehmen (A — — ^ secr p) und zur Ermittelung des Fehlers in Höhe einen Stern im Stundenwinkel 6 h , wo k = Y 206265 15 dt ist. Dieser letztere Fall wird im allgemeinen der häutigere sein. Sch ein er, Photographie der Gestirne. 14 II. Theil. Die photographische Photometrie und die Entstehung der photographischen Bilder. Seit der ersten Anwendung der Photographie auf die Aufnahme des gestirnten Himmels ist es bekannt, dass sicli die Sterne als Scheibchen abbihlen, deren Durchmesser sowohl mit der Helligkeit der Sterne als auch mit der Dauer der Exposition zunimmt. Man kann daher auf den photographischen Platten die Helligkeitsunterschiede der Sterne mit derselben Leichtigkeit erkennen wie bei der directeu Betrachtung; man kann aber auch diese Helligkeitsunterschiede auf der Platte messen, und damit ist für die cölestische Photometrie eine neue Methode gegeben, die sich von der optischen in einem principielleu Punkte so wesentlich unterscheidet, dass zwischen beiden eigentlich gar keine Aehnlielikeit besteht. Jede optisch-photometrische Methode beruht in letzter Beziehung auf der Beurtheiluug von Intensitätsunterschieden, ganz gleichgültig, wie der messende Apparat beschaffen ist, und der Beurtheilungsgenauigkeit ist eine Grenze gesetzt, die in physiologischen Eigenthiimlichkeiten des Auges ihre Ursache hat, und die durch keinen Apparat erweitert werden kann. Es ist bekannt, dass das menschliche Auge Intensitätsunterschiede, die unter 1% der Intensität liegen, nicht mehr wahrnehmen kann. Bei der photographischen Methode*; werden die Intensitätsunterschiede in Längendift'erenzen umgewandelt, deren exacter Bestimmung durch physiologische Eigenthiimlichkeiten keine Grenze gesetzt ist, sondern nur durch die Unvollkommenheiten der Methode und der Apparate, deren immer weiterer Verbesserung aber princ-ipiell nichts im Wege steht. Das ist meines Erachtens ein ganz enormer Vorzug der photographischen Methode vor der optischen, der bisher entschieden nicht genügend gewürdigt worden ist. *i Scheiner, Astr. Nachr. 121, 49. II. Die pliotograph. Photometrie u. die Entstellung photograph. Bilder. 21 I Die Frage nach der Ursache der Verbreiterung der photographischen Sternscheibchen hängt so innig mit der Ermittelung der physikalischen Beziehungen zwischen den Durchmessern der Scheibchen und der Intensität und Expositionszeit zusammen, dass ihre Lösung auch vereint mit letzterer behandelt werden muss. Die photographische Verbreiterung oder Ausbreitung stark belichteter Stellen der Platten über die Belichtungsgrenze hinüber zeigt sich übrigens nicht nur bei Sternaufnahmen, sondern bei allen contrastreichen Photographien; man bezeichnete diese Ausbreitung früher als »photographische« oder »chemische« Irradiation und glaubte, dass sie auf einer Ausbreitung der chemischen Vorgänge innerhalb der empfindlichen Schicht durch Contact beruhe, dass sie also einen ähnlichen Vorgang darstolle, wie die Ausbreitung der chemischen Vereinigung oder Trennung innerhalb eines explosiven Gemisches, welche an einer Stelle eingeleitet worden ist. Der erste, der sich genauer mit der Frage nach der Ausbreitung der Sternscheibchen beschäftigt hat, war G. P. Bond*), Cambridge, dessen Untersuchungen hierüber im Jahre 1857 begonnen haben; es ist charakteristisch, wie genau Bond bereits damals die Eigentümlichkeiten des Vorganges erforscht hat, und wie er die Vortheile der photographischphotometrischen Methode erkannt hat, soweit dies nach dem damaligen Stande der physikalischen Kenutniss überhaupt möglich war: »Photographien von Sternen ungleicher Helligkeit bieten deutliche Unterschiede in Gestalt und Intensität dar, wenn ihre mit gleicher Expositionszeit erhaltenen Bilder mit einander verglichen werden; es drängt sich sofort die Möglichkeit auf, sie nach einer Scala ihrer photographischen oder chemischen Grössen zu ordnen, welche analog der gewöhnlichen optischen Scala ist, sich aber von ihr wesentlich durch die Thatsache unterscheidet, dass sie auf wirkliche Messungen gegründet werden kann, gegenüber den vagen und ungewissen Schätzungen, auf welche sich die Astronomen bisher beschränkt haben, um die relative Helligkeit der Sterne in Zahlen auszudrücken. In drei Besonderheiten wird das vorgeschlagene System einen fraglosen Vortheil über das gewöhnlich benutzte haben, vorausgesetzt, dass die chemische Wirkung des Sternenlichtes kräftig genug ist, um genaue Bestimmungen seines Betrages zu geben. Es wird weniger zugänglich für individuelle Eigenthümlichkeiten unseres Gesichtssinnes sein. Es wird weniger Raum sein für Unterschiede zwischen verschiedenen Beobachtern oder für schlechte Uebereinstimmungen zwischen den Resultaten ein- und desselben Beobachters zu verschiedenen Zeiten, in Beziehung auf das Intensitäts-Verhältnis der verschiedenen Grössenclassen * G. P. Bond. Stellar Photography. Astr. Nachr. 49, 81. 212 11. Die photographische Photometrie untereinander. — Schliesslich wird es vollkommen die grösste der dem Problem entgegenstehende Schwierigkeit überwinden — die Vergleichung der Sterne verschiedener Farbe.« Die Beschreibung des Aussehens der Platten unter dem Mikroskope, welche Bond giebt, befindet sich in so völliger 1 Übereinstimmung mit derjenigen, welche man von den jetzigen Gelatineplatten geben kann — Bond hat nasse Collodiumplatten benutzt —, dass dieselbe auch heute noch unverändert gültig ist: »Die ganze Oberfläche dieser Platten erscheint unter dem Mikroskope mit unzähligen undurchsichtigen Partikeln übersäet, von unregelmässiger Begrenzung und von gleichem Aussehen, gleichgültig, ob sie durch ihre Vereinigung das Bild eines Sterns liefern, oder ob sie bloss den Untergrund darstellen, auf welchen die Sterne projicirt sind. Obgleich die Durchmesser dieser Partikel sehr stark bei verschiedenen Platten variiren, wahrscheinlich infolge unbeabsichtigter Veränderungen der chemischen Entwickelung, bleibt doch ihre mittlere Grösse auf allen Theilen derselben Platte nahe dieselbe. Wenn sie ein Sternscheibchen bilden, zeigt in ihrem allgemeinen Aussehen nichts die Helligkeit oder Lichtschwäche des Objects an als das einzige Charaktcristicum, dass, je heller der Stern ist, um so grösser die Menge des Niederschlages wird, und zwar erkennbar durch die vermehrte Zahl der Theilchen innerhalb eines gegebenen Areals. Eine bemerkenswerthe Eigentlntmlichkeit zeigt sich übrigens bei der Entstehung des Bildes, dass nämlich eine gewisse bestimmte Expositionszeit, welche von der Helligkeit des Sterns allhängt, erforderlich ist, che irgend eine Spur von Lichtwirkung entdeckt werden kann. Unmittelbar nachher wird das Bild dadurch plötzlich erzeugt, dass 10 bis 20 Partikel innerhalb eines Areals von etwa 1" Durchmesser sich vereinigen. Ihre Zahl wächst dann sehr schnell, und schliesslich berühren sie einander und überdecken sich, während sich die Grenzen des Bildes nach allen Seiten ausbreiten, ein immer grösser werdendes Areal einschliesseu, in der Mitte dichter, nach den Bändern diffuser werdend.« In Betreff der Ursache der Lichtausbreitung hat Bond folgende Ansicht: »Die Erklärung für die Ausbreitung der Lichtwirkung, welche durch die Messungen angezeigt wird, ist etwas dunkel. Wenn sie durch Lichtzerstreuung in Folge der Unvollkommheiten des Objectivs verursacht wäre, müsste sie durch Verminderung der Oeffnung gehemmt werden; aber oft entstehen ähnliche Bilder bei verschieden grossen Oeffuungen, sofern man die Aenderung der Lichtmenge hierbei in Rechnung zieht. Es ist aber sehr wahrscheinlich, dass atmosphärische Störungen zum Tkeil die Erscheinung verursachen.« Fig. 47 zeigt den Anblick eines stark verbrei- und die Entstellung photographischer Bilder. •213 terten Sternscheibchens bei starker Vergrösserung. Die in der Mitte gelegene Aufhellung rührt von der bereits eingetretenen Solarisation her. Aus einer grösseren Zahl von Durchmesserbcstimmungen von Sternscheibchen bei verschiedenen Expositionszeiten leitet Bond folgende Sätze ah, von denen der erste natürlich nur für das nasse Collodiumverfahren Bedeutung hat. Fig. 47. I , Die Empfindlichkeit der Platten wird gegen das Ende der Exposition hin grösser. 2) Das erste Bild des Sterns erscheint plötzlich, und folglich kann der Moment des Erscheinens sehr genau festgelegt werden. 3) Der Flächeninhalt der Bilder wächst proportional mit der Expositionszeit. Aus Nr. 3 leitet Boud unter der Annahme, dass Expositionszeit und Lichtintensität umgekehrt proportional verlaufen, ah: 4) Die Classification der Sterne nach ihren photographischen Lichtstärken kann vermittels der Formel erfolgen Pt+Q = y\ in welcher t die Expositionszeit, ?/ den Durchmesser des Scheibchens, 2)4 II. Die photographische Photometrie nud ]’ und Q zwei Constanten bedeuten, welche für jede Platte gesondert bestimmt werden müssen. Die übrigen Untersuchungen Bonds, welche auf dem photometrisch unrichtigen Principe der Objectivabblendung beruhen, mögen liier übergangen werden. Beinahe dreissig Jahre waren seit den Untersuchungen Bonds verflossen, in denen dieselben wohl ziemlich der Vergessenheit anheimgefallen gewesen sind, bis im Jahre 1886 die Frage der photographischen Photometrie durch Piekering*) neu angeregt worden ist. Bezeichnet man mit a die Oeffnung des Objectivs, /' die Focallänge desselben, t den Betrag des durch die Linse durchgelassenen Lichtes, d den Durchmesser des kleiustmüglichen photographischen Bildes des schwächsten Sterns, welcher noch ein Bild erzeugt. in die Grösse eines solchen Sterns, I das Verhältniss des von einem solchen Stern ausgesandten Lichtes zu dem eines Sterns von der Grösse l), T die Expositionszeit, s die Empfindlichkeit der Platte, gemessen durch die Liclitmeuge, welche erforderlich ist, um die schwächste photographische Wirkung zu erzeugen, so ist nach Pickering: Mi = — 2.5 dg A -f- 2 lg d -|- lg ,s- — 2 lg a — lg t — lg T). Pickering nimmt hierbei an, dass / proportional d 1 und * ist, und (J 'l 9 umgekehrt proportional ct l und / und auch T: dann ist I = A , , wo " a-tl A eine Constaute bedeutet. Pickering deutet selbst an, dass diese Formel keinen praktischen Werth besitzt, besonders weil d nur sehr unsicher zu bestimmen ist. Die Grösse von d hängt für ein gegebenes Instrument ab zunächst von der Luftunruhe; eine Vergleichung der d bei verschiedenen Instrumenten aus den optischen Constanten derselben ist gar nicht möglich. Auch einige andere Voraussetzungen in der Formel sind nicht richtig oder wenigstens melit bewiesen. Die grossen Fortschritte in der Fixsternaufnahme, welche durch die Verwendung der äusserst empfindlichen Bromsilberplatten und durch das *) E. C. Pickering. An Investigation in Stellar Pliotography. Memoirs of tlie Ainer. Acad. 11, 179. nnd die Entstehung photographisclier Bilder. •215 Instrument der Gebrüder Henry in Paris herbcigefiihrt worden sind, haben auch eine erneute Anregung zum Studium der photographischen Photometrie gegeben und dieselbe zu einem vorläufigen Abschlüsse gebracht. Im Jahre 18S9 habe ich zuerst eine Untersuchung*) angestellt über die Beziehungen zwischen den Durchmessern der photographischen Sternscheibchen und den optisch bestimmten Sterngrössen. Ich benutzte kürzere Plejadenaufnahmeu mit verschiedenen Expositiouszeiten, welche v. Gotha rd mit einem Spiegelteleskope erhalten hatte, sowie eigene Aufnahmen mit einem fünfzölligen, für die chemischen Strahlen achromatisirteu Ob- jective, ausserdem aber noch Aufnahmen der künstlichen Sterne eines Zöllner’sehen Photometers. Es zeigte sich, dass die gemessenen Durchmesser innerhalb des gegebenen Intervalls von sechs resp. vier Grösseneiassen durch eine äusserst einfache lineare Beziehung mit den Steru- grössen in Verbindung stehen, nämlich durch die Form m = ahl), wo a und b zwei Constauten sind, während m die Grösseneiasse und I> den Durchmesser bedeuten. Für die Beziehung zwischen Durchmesser und Expositionszeit fand ich bei den künstlichen Sternen des Photometers die Form I> = I ) ü 1 t, entsprechend dem früheren Bond'sehen Resultate, während bei den Plc- jadensternen die Durchmesser gleichmässig wachsen, wenn die Expositionszeit in einer geometrischen Progression fortschreitet, wenn also eine loga- rithmisehe Beziehung zwischen beiden Quantitäten bestellt; das letztere Resultat ist auch später von M. Wolf**) erhalten worden. Eine umfangreiche Untersuchung über die photographischen Sterngrössen ist ebenfalls noch im Jahre 18S9 von Charlier***) veröffentlicht worden, auf Grund von Plejadenaufnahmeu. Unter Vernachlässigung der Diffraetion nimmt derselbe an, dass bei der Helligkeit H — (l auch der Durchmesser der Scheibchen D = 0 wird, und dass dann II durch die folgende Potenzreihe darstellbar ist: II = pD*{ 1 + ßJJ + ß 2 D^ -)• Die Charlier’schen Aufnahmen ergeben nun, dass bereits /i, =0 gesetzt werden kann, dass also II = pI) zu setzen ist; es wird dann die Sterngrösse m = a — b 1 gZ>, wo b = 2.5 n und a = — 2.5 lgji ist. *) Scheiner, J. Application de la Photographie ä la Determination des Gran- deurs Stellaires. Bull, du Comite. 1, 227. **) M. Wolf. Sur la Loi des Diaraetres Photographiques des Disques Stellaires. Bull, du Comite. 1, 389. ***) Charlier, C. V. I.. Ueber die Anwendung der Sternphotographie zu Helligkeitsbestimmungen der Sterne. Publ. d. Astr. Gesellschaft. Nr. 19. 21(5 II. Die photographische Photometrie a und I) werden hierbei als Functionen der Expositionszeit t aufgefasst, und zwar kann a aus D bestimmt werden. Für I) fand Charlier das allgemeine Gesetz 4 . — I) = I) u y t , und liiernacb a = a 0 + j lg t. Charlier betrachtet demnach a n und b als wirkliche Constanten, als photographische Instrumentconstanteu, und findet auch für seine Beobachtungen ^tatsächlich b als constant, indem für vier Platten mit Expositious- zeiten von 13 m his 3 Stunden die Werthe für b betragen (5.72, (5.7S, (5.6S und 6.81. Ich bin unter Benutzung der Charlier'selten Formel in dieser Beziehung zu dem entgegengesetzten Resultate*) gelangt: Für vier Platten mit den Expositionszeiten von 24 s bis (i m 15 8 erhielt ich folgende Werthe von b: 5.17, 0.35, 7.00 und 8.08, also ein rapides Anwachsen von b mit der Expositionszeit. Der Unterschied ist darauf zuriickzuführen, dass Charlier im Gegensätze zu mir überhaupt nur beträchtlich lauge Expositionszeiten verwendet hat; vielfache Erfahrungen haben aber ergeben, dass die interessantesten und wichtigsten Details bei photographischphotometrischen Untersuchungen verschwinden oder in viel unbestimmterer Form auftreten, sobald die Expositionszeiten verhältnissmässig sehr gross werden. Schaeberle**) hat aus Aufnahmen von Polaris und Wega folgendes Durchmessergesetz abgeleitet: (l = a + t i]gD+y\ S t, wo u, jj, y Constanten sind und I) den Objectivdurclimesser bedeutet. Hierbei kommen Abblendungen des sechszölligen Objectivs bis auf 2 Zoll vor. Auch in diese Formel ist also eine Instrumentalconstante eingeführt. Trepied***) findet aus seinen Beobachtungen eine Bestätigung der Charlier’scheu Formel in ihrer weitesten Form: m = a n b lt lg , und 'Vt zu dem gleichen Resultate kommt Pritchard, nur mit dem Unterschiede, dass anstatt yt zu setzen ist yt. *) Scheiner, J. Recherclies Photometriques sur les Cliclies Stellaires. Reunion du Comite 1890, 81. **) Schaeberle, J. M. Pac. 1, 51. ***; Tröpied, Cb. Sur la Relation .... Reunion du Comite 1890, 77. und die Entstehung photographischer Bilder. 217 Der Umstand, dass die verschiedenen Beobachter zu durchaus verschiedenen Formeln geführt worden sind, und dass unter diesen Formeln keine einzige sich befindet, welche alle Beobachtungen, die mit anderen Instrumenten und mit anderen Expositionszeiten erhalten worden sind, gut darstellt, zeigt schon, dass dieselben keine physikalische Bedeutung besitzen, sondern nur als Interpolationsformeln betrachtet werden können. Je mehr Constante in eine derartige Formel gebracht werden, um so bessere Darstellung der Beobachtungen ist natürlich zu erwarten. Um nun den Ursachen der Ausbreitung der Sternscheibchen und damit der Frage, ob überhaupt eine allgemein gültige Form für die Beziehungen zwischen Durchmesser der Sternscheibchen einerseits und der Helligkeit und Expositionszeit andrerseits existirt, näher zu kommen, ist es erforderlich, eine kurze theoretische Betrachtung vorzuschicken. Das Licht verrichtet auf der empfindlichen Schicht eine gewisse Arbeit, deren Form noch völlig unbekannt ist, die sich aber darin äussert, dass nach der Belichtung das Silbersalz eine Modifieation erfahren hat, welche es befähigt, unter der Einwirkung reducirender Substanzen sich zu zerlegen und das Silber als Niederschlag auszuscheiden, dessen grössere oder geringere Dichtigkeit ein Mass für die geleistete Arbeit abgiebt. Die Grösse der Arbeit, welche das Licht leisten kann, ist direct proportional dem Producte aus der Intensität i des Lichtes und der Zeit t, während welcher es wirkt, bei gleicher Arbeit ist also it eine Constante; dass dies aber für die zunächst allein sichtbare Wirkung der Arbeit, für die Dichtigkeit des Niederschlages, nicht der Fall ist, oder dass wenigstens eine obere Grenze hierfür existirt, ist bekannt. Wird die Arbeit über eine gewisse Grenze hinaus vermehrt, so findet ein Dichterwerden des Niederschlages nicht mehr statt, sondern vielmehr umgekehrt: bei der Solarisation hellt sich der Niederschlag' wieder auf. Es ist klar, dass schon lange, bevor diese Grenze erreicht ist, eine Proportionalität von i und t nicht mehr vorhanden sein kann, sondern dass eine solche nur bei geringen Schwärzungsgraden und innerhalb enger Grenzen näherungsweise anzunehmeu ist. Dieser Punkt spielt in der ganzen photographischen Photometrie die wichtigste Bolle, und seine Erwähnung musste deshalb zunächst vorausgeschickt werden. Von nahe gleicher Wichtigkeit ist die Frage nach der Ursache der Verbreiterung der Sternscheibchen. Die zuerst aufgestellte Ansicht darüber, eine chemische Irradiation sei als Ursache anzunehmen, ist bereits erwähnt, ebenso, dass Bond hauptsächlich an den Einfluss der Luftunruhe gedacht hat, die auch zweifellos hierbei eine Bolle spielt. Ich selbst kam durch gewisse Erscheinungen auf die Erklärung der Verbreiterung durch seitliche Befiexion von den beleuchteten Partikeln in die 218 II. L>ie photographische Photometrie Schicht hinein. Unter der Annahme, die Ausbreitung eines Sternscheibchens linde durch Reflexion des Lichtes von dem primär beleuchteten Mittelpunkte aus statt, ist die jeweilige Grenze des Scheibchens bedingt durch die in der Schicht stattfindende Absorption. Es sei i die mittlere Intensität eines Punktes des Sternscheibchens während der Expositionszeit t, Der Abstand dieses Punktes von dem allein beleuchteten Mittelpunkte des Scheibchens, dem Orte des Brennpunktsbildes des Sterns, sei r. Durch die Luftunruhe wird der sonst als wirklicher Punkt aufzufassende Mittelpunkt zu einem kleinen Scheibchen mit dem Radius p; unter J möge die Intensität des Mittelpunktes verstanden werden. Die Intensität i hängt nun als Function von r hauptsächlich von der Stärke der Absorption innerhalb der Schicht ab, ferner auch von der secundären Beleuchtung durch die erhellten benachbarten Bromsilbertheilchen, welch letztere jedoch ganz unberücksichtigt bleihon soll. Ferner besteht eine merkliche Abhängigkeit des i von der durch die Luftunruhe hervorgebrachten Ycrgrösserung des ursprünglichen Mittelpunktes, welche mit ü){q bezeichnet werden möge. Als einfachste Beziehung lässt sich hiernach aufstellen: i -- Jip[Q)e ur , wo a den Ahsorptionscocfticieuten der empfindlichen Schicht bezeichnet. Da man nun bei Durchmesserbestimmungen auf Punkte gleicher Schwärzung am Bande einstellt, so hat man für zwei beliebige Sternscheibchen (dieselbe Emulsion und Entwickelung) t ± u 'A a(ri—ro) M’ l Qo) oder lg Y + a i r ü ) + lg Für Stcrnscheibekcn derselben Aufnahme ist t 0 = t { und o 0 = p, und demnach a’o) = lg J 'r = u.4_ Mod {»h m, o )) wenn m„ und m { die betreffenden Sterngrössen sind, d. h. es besteht zwischen Sterngrössen und den Durchmessern der photographischen Scheibchen eine lineare Beziehung, entsprechend meiner früher aufgestellten Formel. Die Relation zwischen Durchmesser und Expositionszeit erhält man, wenn 0.06 » Hiernach ist beim Befraetor und beim Euryskop die Solarisation bei 16- bis 18 maliger Verbreiterung des primären Scheibchens eingetreten, und die Entstehung photographischer Bilder. 221 bei den durch Oeffnungen erzeugten Scheibchen schon bei 3- bis 4 maliger, und es kann also nicht mehr dem geringsten Zweifel unterliegen, dass die Liehtreflexion im Innern der Schicht nur einen verhiiltnissmässig geringen Beitrag zur Verbreiterung der Sternscheibchen liefert. Hierbei lässt sich gleichzeitig auch genähert feststellen, wie sich die Intensitäten in der Mitte der solarisirten Scheibchen und an dem äussersten Bande, wo nur noch eben eine Lichtwirkung stattgefunden hat, zu einander verhalten. So beginnt z. B. für den Refractor die Solarisation der Mitte (einstündige Expositionszeit) bei Sternen der 3. bis 4. Grössenclasse, und in derselben Zeit erscheinen als schwächste Sterne, von der Intensität des Bandes der verbreiterten Sternscheibehen, die Sterne der 12. bis 13. Grössenclasse; die Helligkeit des Bandes ist also um 9 bis 10 Classen geringer als die der Mitte, die Intensitäten verhalten sich demnach annähernd wie 1 zu 5000 bis 10 000. Man ersieht hieraus, dass hier In- teusitätsunterschiede in Frage treten, wie solche bei optischen Untersuchungen überhaupt nicht Vorkommen; zur Erklärung der Erscheinung der Verbreiterung müssen also Factoren in Rechnung gezogen werden, auf welche man sonst bei Eernrohrobjectiven nicht Rücksicht nimmt. Ich werde im Folgenden einen Erklärungsversuch an der Hand der hier für den photographischen Refractor geltenden Zahlen geben. Von den in Frage tretenden Factoren könnte man in erster Linie an die das Mittelbild umgebenden Diffractionsringe denken. Ich habe schon früher*) gezeigt, dass für das von Gothard’sche Spiegelteleskop die Ditfractionsringe nicht die Hauptursache der Verbreiterung sind; dasselbe gilt auch für den photographischen Refractor. Das Intensitätsverhältniss von ’/snoo bis ’/toooo wird beim 7. bis 9. Ringe erreicht, welche Ringe bei dem genannten Instrumente einen Halbmesser von 10" bis 12" haben. Ich habe oben dieselbe Intensität für einen Radius der Scheibchen von 30" angegeben, die Diffractionsringe allein können also nur bis zur Hälfte der verbreiterten Scheiben gewirkt haben. Man könnte dann weiter an den Einfluss der unvollkommenen Aehromasie denken; dieser Gedanke ist um so mehr berechtigt, als bei Aufnahmen mit für optische Strahlen achromatisirten Objectiveu überhaupt keine scharfen Sternscheibchen entstehen und hier zweifellos die sehr grossen blauen und violetten Abweichungskreise hauptsächlich die Verbreiterung bewirken. Bei dem Potsdamer photographischen Objective sind jedoch die Strahlen von F bis ins äusserste Ultraviolett (das Gebiet der photographisch wirksamen Strahlen'' sehr gut vereinigt, und zwar * Astr. Nadir. Nr. 28SÖ. >22 11. Die photographische Photometrie derart, dass der Halbmesser des stärksten Abweichungskreises — F — nur etwa 0.1 mm = 6" beträgt. Erst bei C erreicht dieser Halbmesser den Betrag von 0.5 mm = HO", wie sieb leicht durch Anwendung roth- empfindlicher Platten constatiren lässt. Der Einfluss der sphärischen Aberration ist bei dem besprochenen Objective wie bei allen guten astronomischen Objectiven sehr gering und beträgt für die Bandstrahlen höchstens 0.05 mm = H". Bei allen nicht verkitteten Objectiven, bei denen die Krümmungsradien der beiden inneren Flächen nicht sehr von einander verschieden sind, entsteht durch doppelte Keflexion in der Kälie des Focalbildes ein zweites Bild, dessen Distanz vom Focalbilde von der Differenz der beiden Krümmungshalbmesser abhängt (s. pag. 40). Bei Bildern ausserhalb der op- tischenAxe liegt dieses Beflexbild zwar nicht genau centrisch zum eigentlichen Bilde, man könnte jedoch diesem, in der wahren Brennfläche als Scheibchen erscheinenden Bilde die Ursache der Verbreiterung zuschrciben. Es lässt sich aber leicht zeigen, dass dies nicht zulässig ist. Die Intensität des zweiten Bildes ist wegen seiner Entstehung durch doppelte Bedexion zu annähernd 1 / iM anzunehmen. Nimmt man den Halbmesser des Bildes selbst zu 1"5 au, ein jedenfalls eher zu grosser, als zu kleiner Werth, so redueirt sich seine Flächenintensität aber auf etwa ' /60 ooo, wenn es eine solche Distanz vom Focus hat, dass es in der Brennfläche als Scheibchen mit dem geforderten Halbmesser von 30" erscheint. Ich glaube, hiermit gezeigt zu haben, dass keine der bei einem Objective rechnungsmässig zu verfolgenden Fehlerquellen für sich allein eine Erklärung für die Verbreiterung der photographischen Sternscheibchen geben kann, und dass auch ihr Gesammtcinfluss nicht die bei langen Expositionszeiten und grossen Intensitäten auftretende starke Verbreiterung zu erklären vermag. Da ausserdem nach Angabe von Steinheil die Flächen des ungefassten Objectivs nicht um Beträge von Viooono nun von der wahren Kugelgestalt abweichen, so können zur Erklärung der Verbreiterung nur noch die unregelmässigen Fehler des Objectivs herbeigezogen werden. Hierbei hat man zwei Arten derselben zu unterscheiden, einmal die Bauhigkeiten der Oberflächen, kleine Schlieren, Luftbläschen etc., welche dem Objective unveränderlich augehören, und in zweiter Linie Deformationen des Objectivs durch die Fassung desselben. Was die ersteren angeht, so ist es klar, dass sie bewirken, dass ein Theil des auf das Objectiv fallenden Lichtes nicht im Bildpuukte vereinigt wird, sondern als zerstreutes Licht sich über das ganze Gesichtsfeld verbreitet; man erkennt diese Erscheinung sehr deutlich, wenn man schräg auf ein von der Sonue beschienenes Objectiv blickt. Da aber kleinere Fehler naturgemäss häufiger Vorkommen als grössere, und die Entstehung photographischer Bilder. >23 so sind geringere Abweichungen der Strahlen vom regelmässigen Gange häutiger als grosse, und folglich ist die Intensität des zerstreuten Lichtes in der Nähe des Bildpunktes grösser, als weiter von demselben. Diese Ursache kann augenscheinlich eine unbegrenzte Ausbreitung der Stern- seheibchen im Gefolge haben. Die Fassung des Objectivs äussert sich im Strahlengange folgender- massen. Alle mir bekannten Objeetive (auch Spiegel), welche an drei Funkten gefasst sind, oder bei welchen die unmittelbare Berührung der beiden Linsen durch drei Stanniolstreifen verhindert ist, liefern photographische Scheibchen, von welchen sechs Strahlen ausgehen, die nach den drei Druckpunkten orientirt sind. Es ist also anzunehmen, dass bei solchen Objectiven durch die Vertheilung des Druckes auf drei Funkte Einsattelungen entstehen, welche bewirken, dass in den Richtungen auf die Druckpunkte zu die Vereinigung der Strahlen theilweise in grösserer Entfernung vom Bildpunkte erfolgt. Der Umstand, dass nicht drei Strahlen, sondern sechs entstehen, dass also jeder Strahl eine Fortsetzung über den Bildpunkt hinaus erfährt, und besonders, dass diese Fortsetzung fast genau gleich dein eigentlichen Strahl in Bezug auf Länge und Intensität wird, scheint darauf hiuzudeuteu, dass auch eine Diffractionswirkung hierbei mitspielt ; dass letztere allein die Ursache der Strahlen bilden sollte, ist für das Objectiv des photographischen Refractors völlig ausgeschlossen, da hier die Stanniolblättchen nicht in die freie Oetfnung heraustreten. Objeetive, die voll gefasst sind, z. B. das Yoigtläuder’sche Euryskop, zeigen die sechs Strahlen natürlich nicht; es ist aber anzunehmen, dass der allseitige Druck auf deu Rand auch eine allgemeine Deformation des Objectivs bewirkt, ähnlich wie wenn die Flächen des ungefassten Objectivs Abweichungen von der regelmässigen Kugelgestalt besässen. Es mag dies theilweise die Ursache für die im Winkelwerth Sinai stärkere Ausbreitung der Sternscheibchen im Euryskop gegenüber dem Refraetor sein, zum anderen Theile sind hierfür gewiss die etwas weniger exacte Ausführung der Flächen und die Zusammensetzung aus vier Linsen massgebend. Auch bei der Fassung durch drei Druckpunkte muss eine geringe Deformation des ganzen Randes erfolgen und somit ein Beitrag zur allgemeinen Verbreiterung der Sternscheibchen geliefert werden. Um dies experimentell zu prüfen, habe ich beim photographischen Refraetor eine Central- und eine Randblende, welche gleiche Flächenräume abblendeten, benutzt. Die Randblende bewirkte nun zunächst eine Verkleinerung des primären Scheibchens, entsprechend der theilweisen Aufhebung der sphärischen Aberration, gleichzeitig auch eine im Verhältniss nur sehr geringe Abnahme 224 II. Die photographische Photometrie der photographischen Lichtstärke, weil die durch die Bandscheibe des Objectivs gellenden Strahlen wesentlich nur eine Verbreiterung des primären Bildes bewirken und nur eine geringe Verstärkung der Flächenintensität desselben. Die an sich nur geringe Veränderung des primären Scheibchens kann auf das Verhalten des verbreiterten Scheibchens nur einen geringen oder ganz verschwindenden Einfluss ausüben; trotzdem zeigten die Versuche, dass bei gleichen Expositionszeiten die verbreiterten Scheibchen mit Bandblende im Verhältnis von 2 : 2 grösser wurden als bei Centralblende. Diese Erscheinung lehrt also, dass die Bandpartien des Objectivs mehr zur Verbreiterung beitragen als die mittleren Theile, dass dies aber, da die Flächen des ungefassten Objectivs am Bande gerade so gut sind wie in der Mitte, eine Folge der durch die Fassung bedingten Deformation des Objectivs ist. Die verbreiterten Scheibchen besitzen eine Eigenschaft, auf welche m. E. bisher zu wenig Gewicht gelegt worden ist. Sie sind nämlich zuerst sehr scharf begrenzt, und erst von einem gewissen Durchmesser an beginnt der Band verwaschen zu werden, bis schliesslich bei sehr grossen Scheiben die Verwaschcnheit eine grössere Ausdehnung besitzt als der schwarze Kern. Unter der nicht zu bezweifelnden Annahme, dass bei einer gegebenen Intensität eine untere Grenze der Expositionszeit existirt, unterhalb welcher keine in die Erscheinung tretende Wirkung auf die empfindliche Schicht ausgeübt wird, oder umgekehrt, bei einer gegebenen Expositionszeit eine entsprechende untere Grenze der Intensität, ist nur die folgende Erklärung für die obige Eigenthümlichkeit der Scheibchen zulässig: Der Intensitätsabfall in der Nähe des Bildpunktes ist ein so steiler, dass einer sehr geringen Aenderung der Entfernung eine so starke Aenderung der Intensität entspricht, dass der Uebergang vom völlig aus- exponirteu Bromsilber bis zum unzersetzten innerhalb einer sehr kleinen Strecke erfolgt, während der Intensitätsabfall in grösserer Entfernung vom Bildpunkte immer flacher wird. Die Intensitätscurve hat also die Form der in der nebenstehenden schematischen Figur punktirt gezeichneten steilen Curvc, bei welcher die Ordinatenaxe in den Band des primären Sternscheibchens verlegt ist. Ich denke mir nun die Entstehung dieser Curve folgendermassen: In der Nähe des Bildpunktes wirken auf die Verbreiterung zunächst die ersterwähnten Ursachen, also Diffraction, sphärische und chromatische Aberration und innere Befiexion in der Schicht: diese Intensitätscurveu mögen in der Figur durch die ausgewogenen Linien angedeutet sein; sie erreichen die Wirkungsschwelle schon alle nahe beim Bildpunkte. Die gestrichelte Curve möge nun den Intensitätsverlauf der durch die unregelmässigen Fehler des Objectivs und die Fassung verursachten Licht- und die Entstehung photographischer Bilder. 225 Zerstreuung darstellen; diese Curvc hat die Eigenschaft, erst in weit grösserer Entfernung- von der Axe den Schwellenwerth zu erreichen, also sehr viel flacher zu verlaufen. Die Gesammtwirkung- der fünf Curven gieht die oben festgestellte Intensitätscurve der verbreiterten Scheibchen. Es ist nun auch ohne Weiteres einleuchtend, dass für jedes Objectiv je nach seiner Construction, der Feinheit seiner Bearbeitung- und der Art seiner Fassung- die Curve anders aus- fallcn wird, und hieraus sind die Verschiedenheiten in den Formeln für die Verbreiterung- der Scheibchen als Function von Zeit und Intensität zu erklären, welche verschiedene Beobachter bisher erhalten haben. Ebenso erg-iebt sich unmittelbar die Richtigkeit meiner schon früher ausgesprochenen Behauptung, dass keine der bisher hierfür gefundenen Formeln eine physikalische Bedeutunghat, sondern dass sie nur als Interpolationsformeln zu betrachten sind, dass also das praktischste Verfahren bei photographisch - photometrischen Untersuchungen stets die graphische Ausgleichung sein wird. Diese Bemerkung bezieht sich auch / / / auf diejenigen Formeln, welche gewisse Instrumenteuconstanten enthalten, z. B. die Objectivöffnung, und welche den meisten Anschein von physikalischer Bedeutung besitzen. Auch bei ein- und demselben Objective treten je nach der Lage des Bildpunktes auf der Platte, je nach der Plattensorte und je nach dem Luftzustande Aenderungen in der Ausbreitung der Steruscheibchen auf; ihre Ursachen mögen als störende bezeichnet und zunächst besprochen werden. Nimmt man einen Stern bei derselben Expositionszeit einmal in der optischen Axe und dann in grösserem Abstande auf, so ergeben diese beiden Aufnahmen nicht denselben Durchmesser. Je weiter das Bild von der optischen Axe entfernt ist, um so grösser wird der Durchmesser bei Scheiner, Photographie der Gestirne. 15 226 II. Die photographische Photometrie gleichzeitiger Deformation der Bilder. Diese Erscheinung ist eine Folge der bereits näher besprochenen Distorsion der Objective in Verbindung mit dem Umstande, dass die Abbildung auf einer Kugelttäche erfolgt, während die Platte eben ist. Die Zunahme der Durchmesser hängt dementsprechend von der Construction des Ohjectivs ab und bei demselben Objective ausserdem noch von der Focussirung der Platte, je nachdem dieselbe die Brennfläche in der optischen Axe tangirt oder sie in geringem Abstande durchschneidet, zwecks einer grösseren Gleichförmigkeit der Schärfe über den mittleren Theil der Platte. Allgemein gültige zahlen- mässige Angaben lassen sich also Uber den Einfluss des Abstandes von der optischen Axe auf die Helligkeitsbestimmungen der Sterne nicht machen; dagegen dürfte es von Interesse sein, in einem bestimmten Falle SC dieu Einfluss kennen zu lernen. Mit dem Potsdamer photographischen Befractor habe ich auf zwei Platten Aufnahmen desselben Sterns an verschiedenen Stellen der Platten bei gleichen Expositionszeiten gemacht und dabei die folgenden Resultate erhalten, welche gleichzeitig auch den Betrag der Ellipticität der Sternscheibchen bei diesem Instrumente zeigen. 1. Aufnahme. Distanz von der optischen Axe Gemessener in der radialen Richtung )urchraesser in der transversalen Richtung Mittel Differenz in Grössenclassen 0' 4'.'53 4750 4752 M.' 0.00 6 4.47 4.50 4.49 — 0.01 17 4.51 4.41 4.46 — 0.02 24 4.S9 4.57 4.73 + 0.07 29 4.59 4.86 4.73 + 0.07 35 4.77 4.54 4.66 + 0.04 40 5.06 4.62 4.84 + 0.11 46 5.09 4.11 4.60 + 0.03 52 5.37 5.00 5.19 + 0.22 57 5.92 4.71 5.32 + 0.26 2 Aufnahme 11 4.40 4.32 4.36 0.00 27 4.40 4.26 4.33 — 0.01 36 4.43 4.50 4.47 + 0.03 42 4.26 4.59 4.43 + 0.02 47 4.74 4.47 4.61 + 0.08 51 4.92 4.14 4.53 + 0.05 57 5.76 4.20 4.98 + 0.21 61 5.70 4.64 • 5.17 + 0.27 und die Entstellung photographischer Bilder. 227 Eine graphische Ausgleichung führt zu folgenden Werthen: Distanz von der optischen Axe Differenz in Sterngrössen 30' uoo 40 + 0.03 50 + 0.10 55 + 0.15 60 + 0.25 Es zeigt sieh also, dass hei 40' Abstand von der Plattenraitte ein merklicher Einfluss auf die Grössenbestimmungen aus Messungen der Durchmesser der Sternscheibchen nicht existirt, dass sich aber von da au bis zu 60' Abstand eine Differenz bis zu einer Viertelgrössenclasse zeigt, in dem Sinne, dass um diesen Betrag die Sterne zu hell gemessen werden. Ein Blick auf die gemessenen Durchmesser lehrt, dass selbst bis zu 1° Abstand die Vergrüsserung der transversalen Durchmesser nur sehl- gering, kaum merklich ist, und dass die ganze Störung fast allein dem radialen Durchmesser zur Last fällt, so dass man sich von derselben ziemlich frei machen kann, wenn man bloss die transversalen Durchmesser benutzt. Es ist also weniger der Abstand der Blatte von der Brennfläche selbst, welcher die Scheibchengrösse beeinflusst, als die durch diesen Abstand verursachte Distorsion der Scheibchen. Während bei den ausexponirten Sternscheibchen eine Vermehrung der abzuleitcndeu Helligkeit nach dem Bande der Platten zu eintritt, findet naturgemäss für schwächere Sterne das Umgekehrte statt. Die Lichtmenge wird am Bande auf eine grössere Fläche vertheilt, die Intensität, und dementsprechend die Dichte des Silberniederschlages verringert, In welchem Umfange dies geschieht, lässt sich nur sehr schwer ermitteln; soviel aber ist sicher, dass ein Stern, der in der Mitte der Platte noch eben wahrnehmbar wird, in grösserem Abstande von der Mitte verschwindet. Ausser der, um es kurz auszudriieken, gesetzmässigen Ungleichförmigkeit des Gesichtsfeldes in Bezug auf die Lichtstärke existirt noch eine andere, gänzlich unregelmässige, welche durch ungleiche Empfindlichkeit der Platte an verschiedenen Stellen verursacht wird. Ihrer Unregelmässigkeit wegen ist sie nicht zu ermitteln, sondern sie vermischt sich mit den zufälligen Messungsfehlern. Xacli meinen Erfahrungen ist sie bei guten Platten im allgemeinen verschwindend gering, doch glaube ich, einzelne Fälle sonst unerklärlicher stärkerer Abweichungen auf sie zurückführen zu müssen. 15 * 22S II. Die photographische Photometrie Der Uebergaug von den auf einer Platte ermittelten Helligkeiten zu denjenigen einer anderen, mit demselben Instrumente bei gleicher Expositionszeit erhaltenen Aufnahme wird im allgemeinen durch sehr viele Fehlerursachen erschwert und ist, wenn es sich um grössere Genauigkeit handelt, überhaupt nur dann möglich, wenn beide Aufnahmen identische Objecte enthalten. Die Fehlerursachen liegen im photographischen Verfahren, im Instrumente und in den atmosphärischen Umständen. In erstcrer Beziehung ist Folgendes zu bemerken. So lange man Platten derselben Emulsion verwendet und die Aufnahmen zeitlicli nicht weit aus einander liegen, ist von Seiten der Plattenempfindlichkeit nur geringer störender Einfluss zu erwarten, da von den bessern Fabriken die Platten derselben Emulsion eine bemerkenswerthe Gleichförmigkeit zeigen. Es scheint indessen, als ob sieh die Plattenempfindlichkeit innerhalb längerer Zeiträume verändert und zwar so, dass zunächst eine Zunahme der Empfindlichkeit und nach einigen Monaten wieder eine Abnahme derselben eintritt; liegen also die Aufnahmen zeitlich weit aus einander, so ist gleiche Empfindlichkeit auch bei Platten derselben Emulsion nicht mehr anzunehmen. Verschiedene Emulsionen oder gar Platten aus verschiedenen Fabriken zeigen stets recht beträchtliche Unterschiede in der Empfindlichkeit und sind ohne Weiteres gar nicht mit einander vergleichbar; es ist daher bei ihrer Verwendung in der eülestischen Photographie eine anderweitige Ermittelung der relativen Empfindlichkeit mittels eines Sensitometers erforderlich, wobei grosse Genauigkeit freilich nicht erreichbar ist. Es ist stillschweigend vorausgesetzt, dass das Entwickeluugsverfahren bei den verschiedenen Aufnahmen durchaus das gleiche ist, dass also bei genau der gleichen Zusammensetzung des Entwicklers auch bei gleicher Temperatur und während gleicher Zeiträume entwickelt wird. Eine Nichtbeachtung dieser Bedingung bringt natürlich weitere Unregelmässigkeiten des photographischen Verfahrens hervor. Das Instrument selbst kann im allgemeinen nur dadurch bei Aufnahmen zu verschiedenen Zeiten zur Fehlerquelle werden, dass die Aufnahmen nicht bei genau gleicher Lage der Platte zum Brennpunkte erhalten worden sind. Durch sorgfältige Focussirung ist man also stets in der Lage, einen hieraus entspringenden Fehler zu vermeiden. Von der grössten Bedeutung bei photographisch - photometrischen Untersuchungen unter Verwendung verschiedener Aufnahmen ist der jeweilige Luftzustand. Die Erfahrung hat gelehrt, dass die photographische Lichtstärke weit mehr durch dunstige Luft in schädlicher Weise beeinflusst wird als die optische. Wie bei dieser entzieht sich die durch und die Entstellung photographischer Bilder. 229 dunstige Luft verursachte Absorption jeglicher exacten Beurthcilung, und hei trüber Luft sind photographisch-photometrische Beobachtungen noch weniger zulässig als optisch-photometrische. Ueber den Einfluss der Luftunruhe auf die absoluten photographischen Helligkeiten ist bereits auf pag. 51 berichtet worden, doch muss hier noch etwas näher darauf eingegangen werden. Wir hatten — pag. 218 — diesen Einfluss mit tp{q) bezeichnet, und um denselben für einen bestimmten Fall festzulegen, habe ich mehrere Aufnahmen der Plejaden, die einmal bei sehr unruhiger, mit IV bezeiclmeter, im übrigen aber recht durchsichtiger Luft, das andere Mal bei sehr ruhiger Luft (I—II' erhalten waren, genauer untersucht. Die folgende Tafel wird keiner besonderen Erklärung bedürfen. >-d © 02 Grösse (Charlier) Kxpos J Expos 2“;jo“ J Expos. t ra (>* Luft Luft IV ; I—II Durchmesser J Expos. ‘21* J Luft Luft IV | 1—II Durchmesser Luft 1 Luft IV | 1—II Durchmesser Luft i Luft IV | I—11 Durchmesser 9 5.5 19'.'43 16149 + 2194 16"28 13'.'34 + 2'.'94 14'.'30 10"76 + 3'.'54 10'.'58 8'.'93 + r.'65 k 5.75 18.30 14.84 + 3.46 15.50 12.36 + 3.14 12.98 9.93 + 3.05 9.60 7.61 + 2.05 34 6.1 17.77 13.20 -t- 4.57 14.30 11.35 + 2.95 12.21 8.57 + 3.64 9.86 7.10 + 2.76 P 6.4 16.8S 13.70 + 3.18 13.94 10.43 + 3.51 10.80 8.70 + 2.10 8.70 6.18 + 2.52 l 6.4 16.08 13.25 + 2.83 13.41 10.65 -f- 2.(6 11.04 8.73 + 2.31 8.75 5.95 + 2.SO 12 6.75 14.27 11.34 + 2.93 11.91 9.85 + 2.06 10.02 7.43 + 2.59 6.86 5.66 + 1.20 24 7.75 14.22 11.91 + 2.31 11.51 9.72 + 1.79 9.32 7.38 + 1.94 7.00 5.49 + 1.51 29 7.1 13.52 11.93 + 1.59 11.12 9.39 + 1.73 9.23 7.97 + 1.26 6.36 5.49 + 0.87 19 7.25 13.70 11.37 + 2.33 11.18 9.59 + 1.59 9.51 6.98 + 2.53 Mittel + 1212 22 7.3 12.26 10.65 + 1.61 10.44 8.IS + 2.26 8.06 6.50 + 1.56 4 7.55 13.10 12.53 + 0.57 10.34 8.63 + 1.71 8.46 6.39 + 2.07 33 7.75 10.68 8.71 + 1.97 9.06 7.00 + 2.06 7.10 5.07 + 2.03 20 7.9 11.16 9.08 + 2.08 8.97 7.83 + 1.14 7.22 5.46 + 1.76 30 8.05 9.96 8.21 + 1.75 8.18 6.33 + 1.85 5.94 4.20 + 1.74 1 8.25 10.17 8.54 + 1.63 8.15 6.56 + 1.59 5.81 4.50 + 1.31 9 8.45 10.67 7.80 + 2.87 8.01 6.42 + 1.59 6.20 4.62 + 1.58 Mittel + 2.41 Mittel + 2.17 Mittel +2.19 Diese Zahlen geben nun Aufschluss Uber das Verhalten von i p[g). Bei allen Expositionszeiten zeigt sich zunächst eine Abnahme der Durch- messerditferenzen mit abnehmender Helligkeit der Sterne, und daraus folgt, dass die Constanten in den oben angegebenen Formeln für die Beziehungen zwischen Durchmesser und Sternhelligkeit unter sonst gleichen Umständen nur hei verschiedener Luftunruhe nicht gleich ausfallen, dass also, wenn diese Formeln verwendet werden sollen, eine Berechnung der Constanten für jede einzelne Aufnahme erforderlich ist. Die Expositionszeit scheint 230 II. Die photographische Photometrie auf die Grösse der Differenz nur geringen Einfluss zu haben (innerhalb der Grenzen von 0 m 15 s bis 24“), doch zeigt sich eine Tendenz zum Geringe nverden hin hei kürzerer Expositionszeit. Die Vergrüsserung des Durchmessers der ausexponirten Sterne entspricht einer Vermehrung der Helligkeit um nahe 3 / 4 Grüssenclassen, um welchen Betrag man bei sehr unruhiger Luft die Sterne heller erhält als bei sehr ruhiger. Auf das Erscheinen der schwächsten Sterne übt, wie schon pag. 51 bemerkt, die Luftunruhe wegen der Verbreitung des Lichtes auf eine grössere Fläche den entgegengesetzten Einfluss aus; die folgende Zusammenstellung wird dies näher erläutern. Zu derselben sind ebenfalls Plejadenaufnahmen verwendet worden. Stern Grösse Luft IV (2 !• Kxpos.) Luft I (2 i* Expos.) 2 3 8.1 gut messbar sehr gut messbar 13 8.15 kaum messbar » 1 8.25 messbar » 27 8.45 > IS 8.5 kaum messbar 21 8.0 » 2 8.65 » 25 9.0 * . 8 9.05 » . * 11 9.2 kaum sichtbar,, kaum gut messbar messbar bei l m Exp. r» 9.35 nicht messbar; messbar messbar bei l 1 " Exp. 20 9.4 unsichtbar, kaum mess- messbar bar bei 1™ Exp. 14 9.5 unsichtbar, kaum mess- kaum messbar bar bei l" 1 Exp. 3 9.S unsichtbar, auch bei l m ; kaum sichtbar kaum messbar bei 2'» 30* Exp. Man ersieht hieraus, dass mau bei dem Luftzustande IV etwa ;t /' 4 Grüssenclassen Lichtverlust hat gegenüber dem Zustande I, und dass der Uebergaug von den kaum sichtbaren Sternen bis zu den messbaren Sternen viel schneller bei ruhiger als bei unruhiger Luft erfolgt. Von sehr merklichem Einflüsse auf photographische Grössenbestim- mungen ist die Extinction in unserer Atmosphäre. Auch bei durchaus klarer Luft werden die blauen und violetten Strahlen beträchtlich stärker absorbirt als die optischen; es ist bekannt, dass für Strahlen von weniger und die Entstehung photographischer Bilder. 231 als 2110 uu Wellenlänge unsere Atmosphäre vollständig undurchsichtig ist. In welchem Masse die Extiuction hei verschiedenen Höhen mit der kleineren Wellenlänge zunimint, zeigen die Beobachtungen von G. Müller*). Hiernach beginnt eine merkliche Zunahme der Extiuction erst hei einer Zenithdistanz von 45°, sie wächst aber dann bis zum Horizonte sehr beträchtlich. Gleichzeitig lehren die Mtiller’scheu Zahlen, dass die mittlere Ex- tinction des weissen Lichts gleich ist derjenigen der gelben Strahlen, also derjenigen Strahlen, für welche unser Auge ein Maximum der Empfindlichkeit besitzt. Man kann hieraus den Analogieschluss ziehen, dass die mittlere Extinction bei photographischen Strahlen zusammenfällt mit der Extiuction für diejenigen Strahlen, für welche die photographische Platte ein Maximum der Empfindlichkeit besitzt, d. h. für die Wellenlänge von ungefähr 134 uu. Die Müller’sche Tafel reicht nicht ganz bis zu dieser Wellenlänge, doch lässt sie sich noch mit ziemlicher Sicherheit bis dahin extrapolireu. Bechnet man die Ilelligkcitslogarithmen in Grössen- classen um und fügt die für 45° Zenithdistanz gültige Extiuction**) von 0.0(1 Grüssenclassen hinzu, so erhält man folgende, theoretisch abgeleitete photographische Extinctionstabelle: Zenithdistanz Extinction 45° 0.06 Grüssenclassen 50° 0.16 » 55° 0.29 » 60° 0.45 » 65° 0.59 » 70° 0.86 » 75° 1.26 O o 00 1.98 » 82° 2.56 » GO 3.21 > 80° 4.25 » 00 5.01 > Durch Vergleich mit der optischen Extinctionstabelle ist zu erkennen, dass die photographische Extinction ungefähr doppelt so stark anzunehmen ist als die optische. Aus einer allerdings nur sehr kleinen Beobachtungsreihe***) habe ich eine praktische Bestätigung dieser Besultate *) Astr. Nachr. 103, 241. **) G. Müller. Photometrische und Spectroskopische Beobachtungen auf dem Siintis. Publ. d. Astroph. Obs. zu Potsdam. 8. ***) Astr. Nachr. 124, 27(i. 232 II. Die photographische Photometrie uachgewiesen, im Gegensätze zu Abney, der nach mir nicht weiter bekannt gewordenen Beobachtungen für die photographische Extinction den dreifachen Betrag wie für die optische gefunden hat. Eine sehr umfangreiche Untersuchung über die photographische Extinction hat neuerdings Schacherte*) angestellt. Zur Darstellung seiner Beobachtungen hat Schacherte allerdings nur eine rein empirische Formel augewendet, die gar nicht mit einigermassen physikalisch begründeten Formeln verglichen werden kann, indessen werden die Beobachtungen durch dieselbe gut dargestellt. Die folgende Tabelle enthält in abgekürzter Form die Extinctions- werthe von Sehaeberle; zum Vergleiche sind die auf voriger Seite abgeleiteten Wertlie nach Müller zugesetzt. Zenithdistanz Extinction nach Sehaeberle nach M ii 0° 0.00 10° 0.01 20° 0.06 30° 0.15 40° 0.27 40° 0.35 0.06 50° 0.45 O.I6 55° 0.57 0.29 (i0° 0.71 0.45 65° 0.89 0.59 70° 1.12 0.86 75° 1.45 1.26 80" 1.93 1.98 82" 2.19 2.56 84" 2.54 3.21 86° 3.00 4.25 87" 3.30 5.01 Die beiden Curveii stimmen recht wenig zusammen. Bis 80° Zenithdistanz sind die Schaeberle’schen Wertlie höher, darüber kommend, sind sie kleiner als die nach der Müller'sehen Curve. Da die Scliaeberle- schen Aufnahmen hauptsächlich auf der sehr hoch gelegenen Licksternwarte gemacht worden sind, so ist es nicht auffallend, dass die letzten Wertlie kleiner sind als die in Potsdam erhaltenen. Sehr auffallend aber *j Terrestrial Atmospheric Absorption of the Photographie Rays of Light. Sacramento 1893. und die Entstellung: photographischer Bilder. •2:1:1 sind die starken AVerthe bei geringen Zenithdistanzen; sie entsprechen nicht den allgemeinen Erfahrungen. Jedenfalls darf man die Untersuchungen über die photographische Extinetion noch nicht als abgeschlossen betrachten; man kann annehmen, dass sie etwa doppelt so stark ist als die optische, und man soll also bestrebt sein, bei photographischen Aufnahmen in möglichst grossen Höhen zu operircu. Auf die Aufnahme lichtschwacher Objecte, welche wegen ihrer Deelination nur geringe Höhen erreichen können, muss mau verzichten und dieselbe günstiger gelegenen Sternwarten überlassen. Hat man nun auf den verschiedenen Aufnahmen mehrere identische Objecte, so ist der Uebergang von einer Aufnahme zur andern mit grosser E^actheit herzustellen; es sind alsdann alle Aufgaben der Photometrie der Sterne auf photographischem AVege zu lösen möglich, und zwar, wie die Erfahrung gelehrt hat, mit einer Genauigkeit, welche den genauesten Messungen mit dem Zöllner'schen Photometer mindestens entspricht. Das Intervall, innerhalb welches diese Genauigkeit erreicht werden kann, ist auf etwa sechs Grüssenclassen anzugeben. \A ird das Intervall grösser, so tritt bei den helleren Sternen bereits eine solche Unschärfe der Begrenzung der Scheibchen ein, dass die Durclnncsserbestiinmungeu weniger exact ausfallen. Ich habe bereits augedeutet, dass einem weiteren Fortschritte hierin nur technische und keine principiellen Schwierigkeiten entgegenstehen, deren Beseitigung darin gesucht werden müsste, die Begrenzung der Sternscheibchen schärfer und damit ihre Durchmesserbestimmung exacter zu machen. Hierauf gerichtete Bestrebungen hätten sich also in der Richtung zu bewegen, die die A'erbreitcrung der Scheibchen wesentlich hervorrufenden unregelmässigen Fehler der Objective möglichst herabzudrücken. Bei Benutzung der Photographie zur Mappirung des Himmels oder zur Herstellung eines Stcrncatalogs wird man ähnlich wie bei Durchmusterungen und Zonenbeobachtungen weniger AYertli auf eine sehr genaue Grössenbestimmung der Sterne legen, als auf möglichste Gleichförmigkeit an den verschiedenen Stellen des Himmels. Auch schon der grossen Arbeitsvermehrung wegen wird man auf die Messung der Durchmesser der Sternscheibchen verzichten und vielmehr directe Grössenschätzungeu nach einer durch A r erglciche mit bekannten Sternen erworbenen Scala anstellen. Die so gewonnenen Angaben sind nun ausser den eigentlichen, vom Beobachter abhängigen Schätzuugsfchlern mit den sämmtlichen bisher besprochenen Fehlern behaftet, und da dieselben, wie wir gesehen haben, sehr beträchtliche AA’erthe erreichen können, so ist es nothwendig, besondere llücksicht auf ihre möglichste A'ermeidung und Unschädlichmachung zu nehmen. 231 II. Die photographische Photometrie Für die Zwecke der photographischen Himmelskarte hat mau vor- gcschlagen, an jedem Beobachtungsabende eine Aufnahme einer photometrisch genau festgelegten Sterngruppe zu machen und nach Ausweis dieser Aufnahme die Expositionszeit für den Abend festzustellen resp. durch Modification der vorgeschriebenen mittleren Expositionszeit die an dem betreffenden Abende vorhandenen Fehlerquellen aufzuheben. Dieser Vorschlag leidet an zwei Mängeln, welche seine Benutzung unmöglich machen. Einmal pflegt während einer klaren Nacht weder die Unruhe der Luft noch ihre Durchsichtigkeit constant zu sein, sondern besonders in unseren Gegenden finden häufig sehr beträchtliche Schwankungen dieser Verhältnisse statt; zweitens aber würde für jeden klaren Abend ein grosser Theil der nutzbaren Zeit hierbei verloren gehen. Die Probeaufnahme würde incl. Entwicklung, Fixirung und Betrachtung unter dem Mikroskope und Berechnung der Expositionszeit nabe eine Stunde erfordern, und die Verwerthung halbklarer Abende wäre damit unmöglich gemacht. Es bleibt daher nichts Anderes übrig, als alle Aufnahmen bei der gleichen Expositionszeit anzufertigen, dabei aber folgende Vorsichtsmass- regcln zu beachten. Bei ausgesprochen dunstiger Luft und bei stärkerer Luftunruhe — nach meiner Bezeichnung der Luftunruhc von I bis IV, unterhalb des Zustandes III — soll man überhaupt diese Aufnahmen nicht machen, was sich auch aus Gründen der Messungsgenauigkeit empfiehlt, da auf die sehr diffusen Sternscheibchen schlechter eiuzustelleu ist, als auf scharf begrenzte. Alle Aufnahmen werden in nahe derselben Höhe über dem Horizonte angestcllt, möglichst nahe dem Zenith; man kann aber unbedenklich bis zu 30° oder 33° Zenithdistanz gehen. Durch besondere Abmachung mit der Fabrik, von welcher man die Platten bezieht, und durch Controllirung der Platten mittels eines Sensitometers sorge man für möglichste Gleichförmigkeit des Materials, und durch Entwicklung der Platten nach der Zeit und Benutzung eines gleichmässig zubereiteten Entwicklers, wobei besonders der gegen Temperatureinflüsse sehr constante Eisenoxalatentwickler (ohne Bromkalium) zu empfehlen ist, vermeide man auch in dieser Beziehung alle Unregelmässigkeiten nach Möglichkeit. Unter Beobachtung dieser Vorsichtsmassregeln gewinnt man ein photometrisches Material von derselben Genauigkeit, wie man es bei Durchmusterungen oder Zonen erhält, d. h. im allgemeinen wird man bei den Grössenschätzungen Fehler, die eine halbe Grössenclasse erreichen oder übersteigen, nicht begehen. Das Schätzen der Grössen selbst muss durch Uebung erlernt werden, wie auch bei directen Beobachtungen; besondere IUicksicht ist aber darauf zu nehmen, ob der Stern dem Bande oder der Mitte der Platte nahe ist. Man muss sich für beide Lagen geradezu besonders einüben; es bildet sich mul die Entstehung photographischer Bilder. 235 aber bald für jeden Beobachter eine feste Scala aus, deren individuelle Abweichungen durch Vergleichung mit photometrisch bestimmten Sternen ermittelt und durch spätere Bcduction unschädlich gemacht werden müssen. Es ist sehr auzurathen, auch wegen der Messungen selbst, nicht mit einfachen, sondern mit Doppelfäden zu messen; die Vergleichung der Durchmesser der Sternscheibchen mit der Fadendistanz erleichtert das Grössenschätzen in hohem Masse. Unterhalb einer gewissen Helligkeit wird bei gegebener Expositionszeit keine Verbreiterung des primären Scheibchens mehr hervorgebracht. Die Sterne unterscheiden sich auf der Platte nur noch durch die Dichte des Niederschlags innerhalb der Scheibchen, und man kann hiernach die Grössensehätzuugen bis zu den schwächsten Sternen fortsetzen. Die Schätzungen fallen aber sehr viel ungenauer aus als bei den helleren Sternen; die Luftunruhe ist hier von noch grösserem Einflüsse, und die Construetion und Güte des Ohjectivs bedingen die Grenzen des Helligkeits- intervalls dieser Sterne. Im allgemeinen wird mau aunehmen können, dass die schwächsten, noch eben erkennbaren Sterne l'/i bis 2 Grüsseuclassen unterhalb der Helligkeit liegen, bei welcher eben ein in der Mitte noch ausexponirtes Scheibchen ohne merklich vergrösserten Durchmesser entsteht. Bei exacten photometrischen Untersuchungen können die unterexpo- nirten Scheibchen nicht mehr benutzt werden; sie bieten aber für die Frage nach der Lichtstärke photographischer Instrumente noch besonderes Interesse, und wir werden deshalb weiter unten noch ausführlich darauf zurückkommen müssen. Es ist bisher stillschweigend vorausgesetzt worden, dass die Helligkeitsbestimmungen, welche auf photographischem Wege erhalten worden sind, durch die Verwendung optisch ihrer Helligkeit nach bestimmter Sterne an die optische Grössenscala angeschlossen werden, d. h., dass das mittlere Intervall der photographischen Scala gleich dem mittleren Intervall der optischen 2.5 genommen wird, und dass an mindestens einer Stelle die beiden Scalen einen identischen absoluten Werth haben. Diese Forderung ist streng nur dann zu erfüllen, wenn man sich auf die sogenannten weissen Sterne beschränkt, genauer ausgedrückt, auf die Sterne der ersten Spectralclasse, bei denen der blaue und violette Tlieil des Spectrums, der für die Photographie massgebend ist, nicht mehr durch Absorptionen beeinflusst ist als die weniger brechbaren, für das Auge wirksamsten Theile des Spectrums. Bei den Sternen der zweiten Spectralclasse sind alle Theile des Spectrums durch Absorption geschwächt, so dass auch für das Auge ein solcher Stern schwächer ist, als er unter übrigens gleichen Umständen — gleiche Entfernung und gleiche wahre ■23(5 11. Die photographische Photometrie Grösse — erscheinen würde, wenn er der ersten Classe angehörte. Die Zunahme der Absorption ist aber keine gleichförmige; sie ist im Dian und Violett beträchtlich stärker als im Roth und Gelb, und deshalb ist die photographische Intensität des Sterns beträchtlich stärker abgeschwächt als die optische. Bei der dritten Spcctralclasse ist dies in noch bedeutend vermehrter Weise der Fall; bei diesen Sternen hört die Strahlung gleich hinter G fast gänzlich auf. Man kann den Betrag des Unterschiedes zwischen optischer und photographischer Helligkeit hei den Sternen der verschiedenen Spectralclassen leicht ermitteln, und man könnte somit auch diese Stenie auf die optische Grössenscala reduciren; dazu genügt aber nicht bloss die ungefähre Angabe der Spcctralclasse, so wie sie etwa durch die Farbe des Steins gegeben ist, sondern es muss die Stellung des Sterns in der Spectralreihc sehr genau bekannt sein, da gerade heim Uebergang von der zweiten zur dritten Classe sehr beträchtliche Unterschiede in der photographischen Wirkung auftreten, die sich nur hei genauer Betrachtung des Spectrums, nicht aller hei blossen Farbenschätzungeu deuten lassen. Von einer solchen Kenutniss der Spectra sind wir aber mit Ausnahme bei den 50 hellsten Sternen der nördlichen Hemisphäre noch sehr weit entfernt, und es bleibt daher vorläufig nichts Anderes übrig, als zur Grundlage der photographischen Grössenschätzungen optisch bestimmte weisse Sterne zu benutzen, deren Zahl etwa 2 3 aller Sterne beträgt, im übrigen aber die photographische Grössenscala als eine besondere für sich zu betrachten, innerhalb welcher mau genau dieselben Untersuchungen anstellen kann, wie innerhalb der optischen, die aber nicht in jedem einzelnen Falle mit der optischen Ubereinstimmt. Einen Aufschluss über die Grösse der Differenzen zwischen beiden Scalen für Sterne der zweiten und dritten Spcctralclasse können die folgenden Beobachtungen abgeben, die ich mit dem Potsdamer photographischen Refractor erhalten habe. Stern Photographische Grösse Optische Grösse (Pickeriug) Differenz Farbe (Schmidt) in m m ß Lacertae 5.0 4.5 — 0.5 orange i!> Pegasi 5.1 4.6 — 0.5 roth i Lacertae 5.7 4.1 — 1.6 roth-orange <)' Androm. 5.0 3.4 — 1.6 tief goldgelb u> Persei 6.3 4.7 — 1.6 roth a Arietis 3.9 2.0 — 1.9 goldgelb a Persei 6,1 4.4 — 2.0 rütlilicli ß Androm. 4.4 2.2 — 2.2 roth '/■ Androm. 6.2 4.0 — 2.2 goldgelb t- Persei 6.3 3.9 — 2.4 roth und die Entstellung photographischer Bilder. 237 Zwischen den Farbenbezeichnungen nach Schmidt und den obigen Differenzen ist ein Zusammenhang nicht zu erkennen; es darf dies bei der Unsicherheit derartiger Angaben, wie schon angedeutet, nicht verwundern. In Betreff der Spectra ist Genaueres nur über a Arietis und ■> Andromedae bekannt, die sich etwa auf der ersten Uebergangsstufe von der zweiten zur dritten Classe befinden, i; Persei wird nahe der Classe lila angehören. Sterne der Classe IIIb sind in dem obigen Verzeichnisse nicht enthalten; es steht zu erwarten, dass für diese die Differenzen noch beträchtlicher werden würden. Als Resultat der Vergleichung ist zu entnehmen, dass die Differenzen zwischen photographischer und optischer Grösse für die zweite Spectralclasse etwa zwischen 1.5 und 2.0 Grössen- classen liegen und für die Classe III jedenfalls mehr als 2.5 betragen werden. Die Benutzung einer photographischen Grössenscala neben einer optischen, bei gleicher Berechtigung beider, stösst nur in einem Punkte auf Schwierigkeiten, nämlich in allen Fragen, in denen eine Beziehung zwischen Sterngrösse und Parallaxe auftritt. Es ist bisher, wie es scheint, überhaupt auf diesen Punkt nur wenig Rücksicht genommen worden. Auch bei optischen Grössenbestimmungen ist die Lichtmeuge, welche ein Stern der zweiten oder gar dritten Spectralclasse aussendet, bei gleicher Masse des Sterns eine beträchtlich geringere als diejenige eines Sterns der I. Classe. Die bisher gefundenen Beziehungen zwischen Grösse und Parallaxe sind daher inhomogen, und da etwa 1 / 3 aller Sterne zur zweiten oder dritten Classe gehören, so sind für dieses Drittel zu kleine Parallaxeuwerthe gefolgert. Dieses Missverhältnis wird für die Sterne, deren Grössen nach der photographischen Scala angegeben sind, beträchtlich gesteigert, indem für das erwähnte Drittel der Sterne die Intensitäten um das Vier- bis Fünffache kleiner erhalten werden als bei optischer Grössenbestimmung. Wie gross bei der letzteren bereits der Fehler ist, lässt sich nicht leicht übersehen, da eine grosse Reihe von Factoren hei den gefärbten Sternen in dem Sinne einer Herabsetzung der Lichtintensität auftritt, nämlich niedrigere Temperatur, vermehrtejelective und allgemeine Absorption, und ferner der Umstand, dass bei diesen Sternen die Dichtigkeit eine grössere ist, dass also bei sonst gleicher Masse eine kleinere ausstrahlende Oberfläche vorhanden ist. Um die Unbequemlichkeiten und Uebelstäude einer mit der optischen nicht identischen photographischen Helligkeitsscala zu umgehen, hat man die Benutzung der sogenannten orthochromatischen Platten vorgeschlagen. Es ist bereits in dem Abschnitte über Objective darauf hingewiesen worden, dass bei den absolut achromatischen Rcflectoren sowie hei den melir- linsigen Objectivcn, bei denen nahe alle Strahlen vereinigt sind, diese 238 II. Die photographische 1‘liotometrie Platten, mit Vortlieil benutzt werden können, besonders bei der Aufnahme von Nebelflecken, indem ein entschiedener Gewinn an Lichtstärke dadurch eintritt. Bei den für die photographischen Strahlen geschliffenen Objectiveu ist dagegen ihre Benutzung ausgeschlossen, indem hierbei die sehr starken rothen oder gelben chromatischen Abweichungskreise mit zur Abbildung gelangen. Aber auch ganz abgesehen hiervon, würde für die Photometrie kein besonderer Gewinn aus ihrer Verwendung resultircu, da die Platten durchaus nicht orthochromatisch sind. Es ist bisher kein Sensibilisator gefunden worden, der die Empfindlichkeit der Platten derjenigen unseres Auges einigermassen gleichbrächte. Es wird immer nur für eine bestimmte, abgegrenzte Strecke des Spectrums eine mehr oder weniger hohe Empfindlichkeit erzielt, und ausserdem bleibt das Maximum der Empfindlichkeit, im Gegensätze zum Auge, im blauen und violetten Tlieile des Spectrums. In der künstlerischen Photographie wird eine weitere Annäherung an die Empfindlichkeit des Auges durch Einschalten einer gelben Glasscheibe erreicht, durch welche ein Theil der blauen und violetten Strahlen zurückgehalten wird; damit ist aber natürlich ein ganz beträchtlicher Verlust der gesammten Lichtstärke verbunden, und eine Anwendung dieses Princips auf den Himmel wäre nur hei spcciellen Aufgaben an helleren Sternen möglich. Selbst hiermit würde nur wenig gewonnen sein, indem auch dann die beiden Scalen nicht identisch, sondern nur einander genähert würden; die Differenzen würden kleiner, aber sie fielen nicht fort. Bei der im allgemeinen geringen Haltbarkeit der farbeu- empfindlichcn Platten und der noch immer bestehenden Unsicherheit in ihren quantitativen Leistungen würden ausserdem neue Fehlerquellen in das Problem eingeführt werden. Wir kommen nun zu einem der wichtigsten Abschnitte der photographischen Photometrie, zu der Frage, welche Grössenclassen bei gewissen Expositionszeiten und bei gegebenen Instrumenten noch eben zur Abbildung gelangen. Diese Frage ist von besonderem Interesse durch den Umstand, dass die Photographie unter Benutzung sehr lichtstarker Instrumente und sehr langer Expositionszeiten noch Sterne zur Wahrnehmung bringt, welche optisch nicht mehr erkennbar sind. Sobald die PL oder 12. Grösse überschritten ist, wird auch optisch die Helligkeitsbestimmung der schwächsten Sterne eine sehr unsichere: die Sichtbarkeitsgrenze ist für die grossen Refractoren ziemlich willkürlich festgesetzt, und besonders ist nicht mehr von einer einigermassen exacten Innehaltung des bei helleren Sternen üblichen Helligkeitsintervalls der Grössenclassen die Rede. und die Entstehung photographischer Bilder. 230 Als die Fixsternphotographie in der zweiten Hälfte der achtziger .Itvlire ihren plötzlichen Aufschwung nahm, glaubte man, auch für die Helligkeitsbestimmung der schwächeren Sterne mit •einem Male ein Mittel gefunden zu haben; man nahm als ganz selbstverständlich an, dass Intensität und Expositionszeit im reciproken Verhältnisse ständen, und dass daher durch fortgesetzte Multiplication der Expositionszeit mit 2 '/ 2 fortgesetzt ein Gewinn von je einer Grösscnclasse erzielt würde. Man gelangte hierdurch selbst bei noch verhältnissmässig kurzen Expositionszeiten zu ganz ausserordentlich niedrigen Ilelligkeitsangaben: so sollten z. B. die für die Aufnahme der Himmelskarte bestimmten 13zölligen photographischen b'efractorcn in zwei Stunden Sterne der 17. Grösscnclasse abbilden. Das Ansehen, welches die llimmelsphotographie berechtigter- massen zu diesem Zeitpunkte erlangte, wurde durch die Angabe derartig enormer Leistungen der Instrumente noch beträchtlich erhöht; und insofern hat die überschwengliche und wissenschaftlich nicht begründete •Lobpreisung doch der astronomischen Wissenschaft einen Nutzen gebracht, als vielleicht ohne sie nicht das allgemeine Interesse an der lliminels- photographie in dem Masse erweckt worden wäre, wie es zur internationalen Vereinigung der Astronomen behufs Herstellung der grossen Himmelskarte nothwendig war. Die Annahme, dass bei vermehrter Expositionszeit ein mit dieser in proportionalem Verhältnisse stehender Gewinn an Lichtstärke erhalten wird, involvirt die weitere, bereits erwähnte Hypothese, dass der vom Lichte auf der Platte geleisteten Arbeit eine unter allen Umständen genau gleiche Menge von Silberniederschlag entspricht. Die Arbeit, welche vom Lichte geleistet wird, oder vielmehr geleistet werden kann, ist gegeben durch das Product von Intensität und Zeit, durch das Product i-t. und die obige Annahme setzt voraus, dass, sofern it constant ist, auch die Niederschlagsmenge constant ist, gleichgültig, welchen Werth die einzelnen Eac-toreu besitzen. Dass diese Annahme nicht richtig ist, ist bereits kurz gezeigt; es muss aber der Wichtigkeit dieses Punktes wegen zunächst ausführlicher hierauf eingegangen werden. Die gewöhnlichen Trockenplatten enthalten das Bromsilber in einem recht feinkörnigen Zustande. Die mittlere Grösse der Körner entspricht etwa derjenigen der Bacterien; sie sind also bei Betrachtung durch die Lupe oder durch die zum Messen bestimmten Mikroskope, deren Vergrößerung das 30 fache im allgemeinen nicht überschreitet, gar nicht oder kaum zu erkennen. Die grobe Structur der Platten, welche bereits bei fünf- bis sechsmaliger Vergrüsserung erkennbar wird, und die um so stärker ist, je empfindlicher die Platten sind, rührt her von der Vereinigung der kleinsten Körner in grössere Gruppen und Coutignrationen, die unter 210 11. Die photographische Photouietrie Umstunden schon dem blossen Auge sichtbar werden können. Es scheint so, als oh gerade das stärkere Zusannnenhallen der Körner die grössere Empfindlichkeit der Platten bedingt; es lässt sich vorstellen, dass, wenn nur eines der zusammengeballten Körner durch die Belichtung afficirt wird, sicli die Fähigkeit des lfeducirtwerdens im Entwickler auch allen sich berührenden Körnern mittheilt, während sie sonst auf das isolirte Korn beschränkt geblieben wäre. Worin eigentlich die Wirkung des Lichts auf das Bromsilber bestellt, ist zur Zeit noch nicht bekannt; doch hat man verschiedene Hypothesen hierüber aufgestellt. Einige nehmen an, dass thatsächlich eine chemische Umwandlung des Bromsilbers, welches für gewöhnlich durch reducirende Mittel, wie z. B. oxalsaures Eisen, Pyrogallussäure etc., nicht zersetzbar ist, in eine andere Verbindung, in das Silbersubbromid statttindet, welch letzteres dann leicht ralucirbar ist. Von anderer Seite ist die Hypothese aufgestellt worden, dass das Bromsilber durch die Belichtung in eine Modification desselben umgewandelt wird, ohne chemische Veränderung. Analoge Beispiele dieser Art giebt es ja viele; charakteristisch ist z. B. die durch Wärme zu bewirkende Umsetzung des rothen Jodquecksilbers in die gelbe Modification, welche ihrerseits wieder durch mechanischen Druck zurückverwandelt wird. Es giebt indessen einen Umstand, auf den man bisher bei der vorliegenden Frage nur wenig geachtet hat, der, meiner Meinung nach, gegen die beiden vorstehenden Hypothesen spricht und dafür an eine andere denken lässt, welche ich hier mit allem Vorbehalte angeben möchte. Bei sehr starker Belichtung tritt eine Ausscheidung des Silbers direct ein, ohne die sonst nothweudige Entwicklung. Der entstehende Niederschlag ist zwar niemals so kräftig, wie der hei normaler Belichtung durch die Entwicklung hervorgebrachte; das ist aber auch nicht zu erwarten, da die Ausscheidungen erst bei so starken Belichtungen eintreten, dass eine sehr beträchtliche Solarisation vorhanden ist, hei welcher auch durch Entwicklung der Niederschlag nur sehr matt sein würde. Es ist nun zunächst die wahrscheinlichste Annahme, dass zwischen der Entwickluugs- und der directen Methode der Silberausscheidung kein materieller, sondern nur ein gradueller Unterschied besteht, d. h., dass auch schon bei schwacher Belichtung die Silberausscheidung bei den betreffenden Körnern in geringem Masse stattgefunden hat, die nun durch den Entwickler bis zur völligen Zersetzung des ganzen Kornes fortgesetzt wird. Es würde dies ein ähnlicher Vorgang sein, wie hei der Krystallisation, die, nachdem der erste Anstoss dazu gegeben ist, unter geeigneten Verhältnissen sehr schnell zu Ende geführt wird. Welches nun auch der eigentliche Vorgang sein mag, jedenfalls ist und die Entstehung photographischer Bilder. 241 sicher, dass die Bromsilbertheilchen, welche die empfindliche Schicht zu- sannnensetzen, nicht von gleicher, sondern von sehr verschiedener Empfindlichkeit sind. Wären sie dies nicht, so müssten hei der geringsten wirksamen Belichtung sämmtliche Körner reducirbar geworden sein, es müsste sofort die totale Schwärzung der Platten erreicht werden, .was aber durchaus nicht der Fall ist. Um die letztere zu erzielen, ist vielmehr eine Lichtarbeit nothwendig, welche etwa das Hundertfache derjenigen beträgt, die bereits die ersten Spuren eines Niederschlags erzeugt. Diese Eigenschaft, welche übrigens allen lichtempfindlichen Substanzen eigen zu sein scheint, ist von höchster AVichtigkeit, da sonst die Photographie nicht im Stande sein würde, Intensitätsübergänge continuirlich darzustellen; sie würde sonst nur zur Wiedergabe von in Punkt- oder Strichmanier hergestellten Zeichnungen geeignet sein. Es wird übrigens von anderer Seite angenommen, dass die Körner alle gleich empfindlich seien, dass aber ihre Bedncirharkcit nicht die gleiche sei; für den Erfolg ist es gleichgültig, welche dieser Annahmen man machen will, sie laufen genau auf dasselbe hinaus, indem eigentlich Empfindlichkeit und Beducir- barkeit im vorliegenden Falle identische Begriffe sind. Der graduelle Vorgang von der Belichtung Null an bis zur äusserst kräftigen ist nun der folgende. Jede unbelichtete, auch mit der grössten Vorsicht bei der Fabrication behandelte Platte weist nach der Entwicklung eine nicht unbeträchtliche Anzahl von Silberkörnern auf, allerdings nicht in dem Masse, dass dieselben mit dem blossen Auge erkennbar wären oder gar einen leichten Schleier hervorbrächten. Dieser Umstand beweist, dass bereits während der Fabrication die Bedncirharkcit einzelner Körner eingetreten ist, so dass also deren Empfindlichkeit gleich unendlich zu setzen wäre. Beginnt man nun mit sehr geringen Belichtungen, so wird zwar die Zahl der zersetzten Körner stetig vermehrt, aber bis zu einer gewissen Grenze doch nur in sehr geringem Masse, so dass von einer Schleierbildung noch keine Bede ist. Die Platte befindet sich jetzt im Zustande der Vorbelichtung; denn es genügt nun eine weitere, sehr geringe Belichtung, die, einer gänzlich unbelichteten Platte applicirt, keine merkliche Wirkung hervorbringen würde, um eine plötzliche beträchtliche Vermehrung der reducirten Körner zu bewirken. Eine solche Vorbelichtung hat also die Platte empfindlicher gemacht, und der ganze Vorgang beweist, dass eine gewisse kleine Lichtarbeit zu einer Vorbereitung für die Bedncirharkcit nothwendig ist; eine direct erkennbare Leistung wird durch diese Vorarbeit nicht bewirkt, und hieraus folgt eine weitere, für unsere Zwecke sehr wichtige Thatsaehe, dass es nämlich eine gewisse, sehr kleine Intensität giebt, welche auch bei sehr grosser Expositionszeit, die man Seheiner, Photographie der Gestirne. ] ^ 242 [[. Die photographische Photometrie praktisch als unendlich gross bezeichnen kann, keine erkennbare Wirkung auf die Platte ausübt. Ist die Grenze der Vorbelichtung überschritten und verstärkt man die Belichtung graduell, so findet auch eine graduelle Vermehrung des Silberniederschlags statt, die, falls man nicht wirkliche Messungen anstellt, der Belichtung proportional zu verlaufen scheint, bis inan sich dem Maximum der Dichtigkeit des Niederschlags genähert hat. Es beginnt dann die Zunahme der Dichtigkeit immer geringer zu werden und schliesslich gänzlich aufzuhören. Verstärkt man die Belichtung immer mehr, so fängt wieder eine gewisse Aufhellung des Niederschlags an, die Zahl der rcducirbaren Theilcheu wird immer geringer, bis schliesslich nur noch ein schwacher Schleier übrig bleibt; es ist dann der höchste Grad der sogenannten Solarisation erreicht. Derselbe tritt ein, wenn die Belichtung das normale Mass um viele Tausendmal überschritten hat; bei noch weiterer Verstärkung der Belichtung beginnt auch wieder eine Verstärkung des Niederschlags bis zu einem gewissen Maximum, dessen Dichtigkeit aber beträchtlich geringer ist, als die des normalen Maximums; es folgt dann wieder ein Minimum u. s. w. Es scheint demnach, als ob die Dichte des Niederschlags eine periodische Function der Belichtung sei, mit stark abnehmender Amplitude. Es herrscht hierüber aber eine gewisse Unklarheit; die verschiedenen Untersuchungen widersprechen einander, und es ist jedenfalls noch sehr viel freies Feld zu Studien auf diesem Gebiete vorhanden. Auch über das eigentliche "Wesen der Solarisation ist man noch durchaus im Unklaren. Es ist mehrfach angenommen worden, dass bei sehr starken Belichtungen ein gewisser Oxydationsprocess eintrete, durch welchen die Redueirbarkeit der Bromsilbertheilelien wieder aufgehoben wird; doch würde dieser Erklärung eine weitergehendc Periodicität der Erscheinung, falls eine solche wirklich existirt, widersprechen. Indessen hat Miclialke*) doch einen Erklärungsversuch in dieser liichtung unternommen. Derselbe bemerkt Folgendes: »Man könnte die Solarisation durch den Einfluss zweier Ursachen erklären: 1) einer rein physikalischen, ähnlich der galvanischen Polarisation, 2) einer chemischen, indem die Stelle, an welcher viele Brommoleküle ausgeschieden sind, hierdurch weniger entwickelungsfähig wird. Führt man einer Stelle der Platte durch Belichtung Energie zu, so kann diese zur Reduetion von Bromsilber zu Silbersubbromid verwandt werden. Die benachbarten und die tieferen Stellen werden nur Bromsilbertheilelien enthalten. Es tritt hierdurch das Bestreben der Ausgleichung ein, indem die minder belichteten Stellen *) Photogr. Mitth. 27 , 127. und die Entstehung photographischer Bilder. 243 lh'umatome abgeben, die belicliteten ebenso viele wieder aufnelimen. Es tritt infolge dessen an den belicliteten Stellen partielle Reduction fArbcits- aufnalnnc), au den weniger belicliteten Stellen Oxydation (Arbeitsabgabe) ein. Ausserdem werden an den stark belichteten Stellen mehr freie Brom- tbeilcben sieb befinden als an den schwach belichteten. Es werden daher bei der Entwicklung trotz der geringen Arbeitsaufnahme die geringer belichteten Stellen dunkler erscheinen. Positiv I. Ordnung.) Die vergrösserte Arbeitsaufnahme an den dunkleren Partien wird aber ebenfalls eine Grenze finden. Es wird sich auch hier eine grosse Zald von Bromtheilchen ansammeln, welche die weitere Reductioii schwächen und auch den Polarisationsstrom ! Ausgleichungsstrom vermindern. Es tritt daher hei der Entwicklung wieder ein Zurückgehen der Schwärzung ein, während die helleren Partien wieder an Schwärzung zunehmen werden. So wird man bei genügend langer Exposition einen Zustand erhalten, bei welchem die stärker belichteten Partien wieder dunkler erscheinen (Negativ II. Ordnung), und so fort. Der Polarisationsstrom selbst wird nur unter dem Einflüsse des Lichtes stattfinden, da dieses die Leitung bewirkt, daher wird im Dunkeln bei einer partiell belichteten Platte der Ausgleich nicht statttinden.« Für uns ist es nun von besonderem Interesse, dass der Solarisations- vorgang, dessen erste Anfänge wahrscheinlich schon lange vor der Erreichung des ersten Maximums beginnen, aufs deutlichste der Proportionalität von Belichtung und Dichte des Niederschlags widerspricht, und auch noch auf einen weiteren in derselben Richtung wirkenden Umstand muss aufmerksam gemacht werden, der darin besteht, dass infolge der merklichen Dicke der Gelatineschicht eine mehrfache Uebereinanderlageruug der Bromsilberkörner stattfindet, so dass die Körner der unteren Schichten sich im optischen Schatten der oberen befinden; cs tritt hierdurch bereits bei den Anfangsbelichtungen ein Verzögerungsfactor auf, der um so grösser sein muss, je dicker die Gelatineschicht und je silberhaltiger dieselbe ist. Das Verhalten der Dichte des Niederschlags oder auch umgekehrt der Transparenz der Platte zu den beiden Factoren, welche die Belichtung zusammensetzen, zu Zeit und Intensität, ist nur massgebend bei der Aufnahme von Flächenobjecten (Sonne, Mond, Planeten und Nebelflecken;, bei denen man doch behufs möglichster Deutlichkeit einen möglichst grossen Contrast erzeugen will. Nach Versuchen von Michalkc a. a. 0.) stellte sich folgendes Verhältniss der Transparenzen heraus, wenn die Expositionszeit eine Vermehrung um je 50% ihres Betrages erfuhr. Die unbelichtete Gelatine hatte die Transparenz 0.4; sie nahm bei den ersten Graden der Belichtung um 8% ah und schliesslich bis zu 47%, um als- 1G* 244 II. Die photographische Photometrie daun wieder bis zum Wertlic 1, d. h. bis zum Verschwinden jeglichen Unterschiedes der Transparenz, abzunehmen. Das contrastreiehsto Bild tritt ein, wenn das Verhiiltniss der Transparenzen dem der Expositionszeiten möglichst nahe kommt, und das findet bei den mittleren Expositionszeiten statt. Aehnliche Verhältnisse erhält man, wenn man bei eonstanter Expositionszeit die Intensitäten oder sogenannten indicirten Helligkeiten ändert. Es mögen auf die einzelnen Stellen einer Platte die Helligkeiten //,, II 2 , //, • ■ • indicirt sein, wobei //„ die günstigste Belichtung sei; es sei das Helligkeitsverhältniss = tt = jt = ••••■ , - = c constant. ri\ tii Yi : . ri n — \ Die erzeugten Transparenzen seien T u I\, T 3 , ■ ■ ■ T n . Es ist nun nach T y y den Versuchen Michalkcs: 2 7T —— = c = - ist. 2)1 — ! ‘hi—\ Aus diesen Annahmen folgt: II), = C II n — | 1 n = C I n — i II)i — 1 dl n —2 Ui — 1 'U £ 2 „—•> . T„ — 2 < c T„ _ 3 oder II n — c //„ _, = c 1 II n _ 2 = c :) //„ _ 3 . T n = C T n — n < C’-Tn- l < &T n _ 3 . daher allgemein: II,, II* T„ ^ T* ’ H» ^ //, ^ T x ’ d. h. für geringere llelligkeitsunterschicde wird bei bestimmter Expositionszeit das Verhältniss der Transparenzen dem Verhältnisse der Intensitäten nahe kommen. Es existirt aber für jeden zu pliotographirenden Intensitätsunterschied eine bestimmte günstigste Expositionszeit, und für die gesummten zu photographirenden Intensitätsunterschiede wird es demnach eine untere und eine obere Grenze der günstigsten Expositionszeit geben, welche das Intervall der richtigen Belichtungszeit einschliesst. Auch durch die Art des Entwickelns hat man es in der Hand, Contraste zu verstärken oder abzuschwächen. Besonders bei der Entwickelung nicht allzu schwacher Nebelflecke kann man durch geeignete Moditication des Entwickelungsverfahrens ausserordentliche Vortheile er- und die Entstellung; photographischer Bilder. 245 zielen. Bei der Verzögerung der Entwickelung, z. B. durch Zusatz, von Broinkalium heim Eisenentwickler, werden die nur wenig belichteten Stellen in viel stärkerem Masse zurüekgehalten als die kräftig belichteten. Man kann dies soweit treiben, dass die schwächer belichteten Stellen eines Objectes, die bei gewöhnlicher Entwickelung noch einen sehr merklichen Niederschlag gezeigt haben würden, glashell bleiben, während doch die am kräftigsten belichteten Partien ihre volle Schwärzung erhalten. Da eine derartige Verzögerung auch auf das llervortreteu der Solarisationserscheinungen stark hemmend wirkt, so kann bei dieser Art der Entwickelung ein zweiter Gewinn an Contrast auch dadurch erzielt werden, dass die. hellsten Stellen des Objectes, welche bereits eine merkliche Solarisation und damit Schwächung des Niederschlags bei gewöhnlicher Hcrvorrufung bewirkt hätten, nunmehr doch in voller Kraft erscheinen. Die nachträgliche Verstärkung von Aufnahmen, auf denen durch Verzögerung des Entwickeln« die dunkelsten Stellen des Objectes gänzlich klar geblieben sind, bringt eine noch weitere Vermehrung des Contrastes hervor, indem die klaren Stellen gar nicht und die Mitteltöne weniger durch Verstärkung gewinnen als die kräftigsten. Ueber den Zusammenhang zwischen Expositionszeit und Intensität einerseits und der Transparenz der Niederschläge andrerseits sind in neuerer Zeit mehrere tlieils theoretische, theils experimentelle Untersuchungen angestellt worden von Abney*), llustcr**), Driffield und Eider***'. Die von den Genannten aufgestellten Formeln und Entwickelungen haben indessen für die Erkenntnis» der Erscheinungen keine Bedeutung; sie beruhen auf gänzlich willkürlichen Voraussetzungen. Nachdem auf den vorigen Seiten in allgemeiner Weise die Unrichtigkeit des Gesetzes i ■ t = constans klargelegt worden, müssen wir auf speciellcre Untersuchungen hierüber übergehen, von denen indessen nur eine solche von Michalket) der Wiedergabe werth erscheint. Zunächst zeigt Michalke, unter welcher einfachen Voraussetzung das Gesetz i-t = constans ableitbar ist. Diese Voraussetzung bestellt darin, dass die Zahl der in jedem Zeittheilchen durch das Licht moditicirtcn Körner proportional ist der Anzahl der noch überhaupt vorhandenen nicht moditicirteu Körner, ferner der indicirten Helligkeit (oder Intensität) und der Expositionszeit. Enthält eine Platte in der Flächeneinheit n redueirbare Körner, so werden nach der Belichtungszeit x Körner bccintiusst sein, also noch n — x Körner reducirbar bleiben. Werden nun in dem kleinen folgenden *) Eders Jalirb. 1894, 30. ***, Eders Jalirb. 1894, 23. **) Eders Jalirb. 1894, 157. i) Photogr. Mitth. 27, 261, 29Ü, 305. 246 II. Die photographische Photometrie Zeittheilclien dt dx Körner modificirt, so ist, wenn p einen von der Empfindlichkeit der Platte abhängenden Factor bezeichnet,: dx = p u — x)idt. Hieraus folgt: ( = /V^T-- »"<1 dp[n—x)t x = n {1 — e~P u ). In dieser Formel kommen i und t nur als Producte vor, d. li. unter den obigen rein willkürlichen Voraussetzungen ist das Gesetz it = cou- stans abzuleiten. Michalke hat nun seine Untersuchungen in der Weise angestellt, dass er ermittelte, welche Expositionszeit erforderlich war, um bei gegebener Intensitätsänderung gleiche Schwärzung hervorzubringen. Die Versuche ergaben, dass sieb die Platten aus verschiedenen Fabriken in dieser Beziehung verschieden verhalten; als Beispiel für eine bestimmte Platte giebt er folgendes Täfelchen: Intensität Berechnete Expositionszeit nichtige Expositionen Abweichung von it = constans i i i _ '.4 4 4.S 20% */ie JO 20 250/o *25 25 32 30 ■ ■ ■ ■ photographirt. Dann wurden mit stark abgehlendetem Ohjectivc zwei Aufnahmen mit den Expositionszeiten T und zwei weitere mit den Zeiten T' angefertigt. Schliesslich wurde die erste Reihe der Aufnahmen wiederholt zur Eliminirung etwaiger Aenderungen des Luftzustandes. T wurde so gewählt, dass ungefähr die Sterne der neunten Grösse bei abgeblendetem Objective erhalten wurden, und t n so, dass annähernd dieselbe Grösse ohne Abblendung erschien, T wurde festgesetzt durch die Gleichung T' = (>.25 T, und f 0 endlich ist die genäherte Zeit, in welcher man mit voller Ocffnung dieselbe Grösse erhält wie in T' bei abgeblendetem Objective. Es wurden nun die schwächsten Sterne aufgesucht, welche noch bei den Expositionszeiten T und T erschienen waren, und gleichzeitig wurde für dieselben Sterne die Sichtbarkeitsgrenze bei den Reihen £_•>, #~i etc. und f_ i etc, aufgesucht, so dass durch Interpolation für die Sichtbarkeitsgrenze die Zeiten t m und t' u ermittelt werden konnten. Wenn nun die Formel it = constans richtig wäre, so müsste sein T 4 T oder C. T T ' Einerseits sind hierbei t' n und t, n und andrerseits T und T unter genau gleichen Umständen erhalten worden; folglich ist die Beziehung zwischen ihnen völlig frei von constanten Fehlerquellen und von dem Einflüsse des Diaphragmas. Bei der von Duner ausgeführten Prüfung dieser Formeln wurde 'f = 50 s , T' = 31 2 S genommen. Die Serien t_ 2 ■ ■ ■ variirten von 9 5 bis 14 s . diejenigen £_ 2 ... von -14 s bis 74 s , und für die obigen Verhältnisse ergab sich T T' — = 4.3 ; , = 5.55 . hll ?il Die Formel it — constans ist also nicht richtig. Für die Zeiten t m und t' n fanden sich die Werthc 4, = 11-6, t,; = 56!2, und als diesen Zeiten entsprechende Grenzwerthe der Sternhelligkeit er- M. M. geben sich 9.0 und 10.3. Um also von der 9. Grösse an einen Gewinn von 1.3 Grösscnclassen zu erhalten, musste die Expositionszeit mit 4.S multiplieirt, werden, und wenn man aunclnnen wollte, dass dieser Factor bis zur 11. Grösse derselbe bliebe, so würde man die 11. Grösse erhalten, 252 11. Die photographische Pliotometrie ■wenn man die Expositionszeit für die 9. Grösse mit 7.1 anstatt (i.25 mul- tiplieirte. Diese Annahme ist aber für noch schwächere Sterne nicht richtig-, da der Factor mit abnehmender Sternhelligkeit zunimmt. Es war T T' gefunden worden — = 4.5 und tt = 5.55 ; man muss also 7.4 mit hn hl multipliciren, wenn man die untere Grenze des Factors erreichen will, mit dem man die Expositionszeit multipliciren muss, um von der I I. Grösse auf die 15. Grösse zu gelangen. Diese Grenze wird 9.55, und das ist sehr nahe derselbe AVertli, wie er aus der Anwendung der Gitter vor dem Objeetive sieh ergehen hat. Durch eine weitere Fortsetzung der Duner’schen Methode und Ueber- legungen wird man leicht die verschiedenen AVerthe des Factors für die verschiedenen Helligkeiten der Sterne finden und so wenigstens für bestimmte Plattensorten das Gesetz, welches die Helligkeiten und Expositionszeiten mit einander verbindet, empirisch ermitteln können. Die Durchmesserbestimmung der Sternscheibchen ist nicht der einzige AVeg, auf welchem photographisch-photometrische Untersuchungen angestellt werden können. Soweit dem AArfasser bekannt ist, hat Janssen zuerst den A’orschlag gemacht, die Sterne stark ausserhalb des Focus aufzunehmen und nach dem Abstande vom Focus und der Transparenz der entstehenden Scheiben die Helligkeiten zu ermitteln. Praktische ATrsuche hierüber scheinen nicht angestellt worden zu sein, und es ist auch nicht zu erwarten, dass diese Methode A’ortlieile bieten wird, da gerade die Messung der Transparenzen recht unsicher, jedenfalls aber der allen optischen Methoden eigenen physiologischen Genauigkeitsbegrenzung unterworfen ist. Eine andere Methode besteht darin, die Platte während der Exposition nicht in relativer Tiulie zu den Sternen zu halten, sondern die letzteren über die Platte laufen zu lassen, wobei ihre Spuren Zurückbleiben. Es kann dies auf verschiedenem AYcge erreicht werden, am einfachsten durch Feststellung des Fernrohrs, wobei dann die Sterne vermöge der täglichen Pcwegung über die Platte geführt werden. Die Geschwindigkeit, mit welcher die Sterne die Platte passiren, ist dann proportional dem Cosinus der Declination. A T on diesem A’erfahren hat Pickering*) zuerst praktische Anwendung gemacht, gleichzeitig aber auch ein anderes A'er- fahren in der Nähe des Pols angewendet, bei welchem die Sterne auf *, Aimals of the Harvard College Obs. 18. und die Entstehung photographischer lülder. 2Ö3 einer Platte, mit gleicher Geschwindigkeit laufen. Es wird nämlich die Stundenaxe des Fernrohrs sehr stark aus ihrer richtigen Lage gebracht, und dann werden die Aufnahmen mit gehendem Uhrwerk angestellt. Hol den und Sehaeberle haben vorgeschlagen, auch der Fassette durch ein Uhrwerk eine gleichförmige llewegung zu ertheilen. Will man die tägliche Iiewegung zur Erzeugung der Spuren verwerthen, so kann man dies auch durch blosse Aenderung des Uhrganges erzielen; man erhält hierdurch beträchtlich langsamere llewegung, und dieses Verfahren eignet sieh daher Fig. 49. besonders für schwächere Sterne , die bei stillstehendem Fernrohre keine Spuren erzeugen würden. Bei sehr hellen Sternen oder bei sehr langsamen Bewegungen werden die Spuren völlig ausexpouirt, und es tritt eine Verbreiterung derselben ein, die auf genau denselben Ursachen beruht, wie bei ruhenden Sternen die Ausbreitung der Scheibeheu. Die Messung der Durchmesser solcher Spuren führt also zur llelligkeitsbestimmung der Sterne, aber im allgemeinen nicht mit demselben Grade von Genauigkeit, weil infolge der Luftunruhe die Spuren nicht glatt erscheinen, sondern aus lauter kleinen Curvenstücken zusammengesetzt sind und vielfache Verdichtungen (Knoten) oder schwächere Stellen zeigen (siehe Fig. 19). Man hat deshalb wohl diese 254 II. Die photographische Photometvie Methode bisher uicht benutzt, sondern sieh nur auf die Bcurtheilung der Transparenz des Niederschlags in den Spuren beschränkt, damit aber auch die Bedenken wieder hervorgerufen, welche bereits bei der Benutzung von ausserhalb des Focus aufgenommenen Sternen hervorgeholten worden sind. Die durch die Aufnahme von laufenden Sternen von Pickering*) erhaltenen photonietrischen Besultate sind leider durch die Yerwerthung eines unrichtigen photometrischen Princips (kreisförmige Übjectivabblen- dung) stark in ihrem Wertlie herallgedrückt; indessen haben sie doch zu einem interessanten Ergebnisse geführt. Bei laufenden Sternen ist die Expositionszcit eines Flächenelements proportional der Geschwindigkeit der Bewegung; man müsste daher erwarten, dass die Transparenz der Spuren proportional dein Cosinus der De- clination abnimmt. Pickering bat aber gefunden, dass dies durchaus nicht stattfindet, sondern dass die Abweichungen hiervon die Hälfte des ganzen Betrages der Cosinuscorrection erreichen, und zwar in dem Sinne, dass die Transparenzen weniger stark abnehmen, dass also die Niedersehlagsdichte nicht der Expositionszeit proportional verläuft. Pickering hat hiernach also schon in den Jahren I SSti bis I SSO einen Beweis für die Ungültigkeit des Beeiprocitätsgesetzes von Zeit und Intensität geliefert. Es dürfte am Schlüsse dieses Capitels der Ort sein, auf die eigen- thümlichc Erscheinung der Lichtringe einzugehen, von welchen die Scheibchen heller Sterne häutig umgeben sind, und die im hohen Masse störend wirken, weil dadurch die in der Umgebung heller Sterne befindlichen schwächeren Sterne zum Theil verschleiert werden. Die Erscheinung äussert sieh darin, dass bei hellen Sternen die Scheibchen zunächst in normaler Weise bis zum Verschwinden an Intensität abnehmen, dass alsdann aber in einem gewissen Abstande eine neue Schwärzung der Platte scharf ansetzt, um wiederum allmählich bis zum Verschwinden abzunehmen (Fig. 50). Die Erscheinung hat also grosse Aelmlichkeit mit dem Halo, Fig. 50. i mm *) Annals Ilarvard College Obs. IS. und die Entstellung photographischer Bilder. 2 .'. 5 welcher häufig hei dunstigem Wetter den Mond umgieht; es lässt sieh aber leicht zeigen, dass sie auf durchaus andere Weise zu Stande kommt, nämlich durch die Totalreflexion von der liüekseitc der Platte. In Fig. 51*) sei 0 der belichtete Punkt der empfindlichen Schicht <) CIIX. l)a diese Schicht nicht durchsichtig, sondern nur durchlässig ist. so ist der Punkt 0 als primäre Lichtquelle zu betrachten, die nach allen Lichtungen hin ausstrahlt, also auch nach der Biickseite EBLM der Platte hin. Die Strahlen OE, OB, OL werden zum grössten Theile gebrochen und verlassen die Glasplatte nach rückwärts, wie z. B. der Strahl BS. Nur ein geringer Tlieil des Lichtes wird durch die gewöhnliche Reflexion zurückgeworfen und trifft wieder auf die empfindliche Schicht. Ganz anders verhalten sich die Strahlen vom Punkte M an. wo die Totalreflexion beginnt. Dieselben werden alle, abgesehen von der Absorption im Glase, mit unveränderter Intensität zuriiekrellectirt und treffen die empfindliche Schicht vom Punkte JV an. Da die Grenze der Totalrcfieetion eine scharfe ist, so ist auch die Begrenzung des Binges nach Innen im Punkte X eine scharfe. Alle Strahlen, welche diesen lting bilden, kommen aus dem virtuellen Bilde (>'■ Bezeichnet man mit n den Brechungsindex von Luft gegen Glas, mit B den Grenzwinkel der Totalreflexion, so ist n sin li = 1 . Ist nun e die Dicke der Glasplatte und o = OH der innere Radius des Halos, so ist 2 e ü — 2ß tg 1! oder o =-- " V«* — 1 Der Halbmesser des Binges ist also proportional der Dicke der Glasplatte und wird kleiner, je grösser n wird. Für die violetten Strahlen ist er also kleiner als für die rotheu. _ Da n im Mittel gleich 3 /.> ist, so ist

denen die Expositionszeit sehr kurz genommen werden kann, wird die Messuugsgenauigkeit, sofern die Monde nur unter einander angeschlossen werden, genau wie hei den Fixsternen weiter getrieben werden können als durch directe Beobachtung. Sollen die Bahnelemente der Monde ebenfalls bestimmt werden, muss also auch ein Anschluss der Monde an die Scheibe erfolgen, so wird letzterer wohl ebenso unsicher werden, wie bei der directen Messung, und die photographische Methode wird dann vielleicht keinen Vortheil vor anderen gewähren. Vielleicht gelingt es aber auch hierbei, durch gewisse Hülfsmittel etwas weiter zu kommen. Treibt man z. B. die Expositionszeit so weit, dass die Jupitersscheibe solarisirt wird, so wird die verbreiterte Scheibe mit einem dunklen Bande erscheinen (siehe pag. 82 ), auf den wahrscheinlich recht gut eingestellt werden kann, und der genau concentrisch zur Scheibe liegt. Gleichzeitig aber werden die Bilder der Monde stark verbreitert und verwaschen, und es kann nur Sache der Praxis sein, zu entscheiden, ob der hiermit verbundene Nachtheil den durch die Solarisation erreichten Vortheil aufhebt oder nicht. Die Aufsuchung der kleinen Planeten ist durch die Anwendung der Photographie in den letzten Jahren in ganz ausserordentlichem Masse erleichtert worden, und die Zahl der Entdeckungen hat sich dadurch gegenüber den Vorjahren verdoppelt. Ob hieraus für die Astronomie ein wirklicher Vortheil erwachsen ist, scheint mehr als fraglich. Für unser Jahrhundert ist die Entdeckung der kleinen Planeten und die damit zusammenhängenden Bemühungen, einerseits durch Karten und Fixsternpositionen die Auffindung und Ortsbestimmung zu erleichtern, andrerseits aber durch die Vervollkommnung der Theorie die einmal gefundenen Objecte auch dauernd festzuhalten, eine ausgiebige Quelle des Fortschritts in der Richtung der Exactheit gewesen. Das massenhafte Eintreten von Plauetenentdeckungen aber gerade zu einer Zeit, als das schon vorhandene Material auch nicht annähernd mehr zu bewältigen war, wirkt im entgegengesetzten Sinne: Durch die Nothwendigkeit bedingte Unexactheit erzeugt ein Gefühl der Unsicherheit, welches sonst der Astronomie fern geblieben ist. Es ist nicht streng wissenschaftlich, nach immer neuen Planetenentdeckungen zu trachten, wenn man bestimmt weiss, dass der grösste Theil derselben doch wieder verloren geht und ihre Auffindung wieder einem Zufall überlassen bleiben muss. Dieses ürtheil über die Planetenentdeckungen darf aber nicht Veranlassung sein, Uber den "Werth der photographischen Methode selbst absprechend zu ur- theilen, mit welcher wir uns nun etwas näher befassen müssen. Die Unterscheidung der kleinen Planeten von Fixsternen geschieht allein durch ihre eigene Bewegung; bei den directen Aufsuchungsmethoden 290 111. Geschichte der Ilimmclsphotographie. ist wegen des meist geringen Betrages der Bewegung die Ortsveränderung erst innerhalb grösserer Zeiträume mit Sicherheit zu erkennen, und man vergleicht daher Messungen und Zeichnungen mit einander, die von zwei auf einander folgenden Abenden kerriihrcn. Auf der photographischen Blatte dagegen bildet sich der Blauet uicht mehr als Bunkt, sondern als kurzer Strich ab, sofern eine genügend lange Expositionszeit hierzu gewählt wird 1 bis 2 Stunden). Der Blanet wird also durch seine abweichende Form von den Fixsternen unterschieden. Bei ruhenden Objecten ist die Lichtstärke eines Fernrohrs photographisch nahe eine unbegrenzte, da sie mit der Expositionszeit ständig, wenn zuletzt auch nur sehr langsam, wächst; bei bewegten Objecten ist das nicht mehr der Fall, sondern nach Ablauf einer gewissen Expositionszeit wirkt eine Verlängerung derselben nicht mehr im Sinne der Lichtstärke, sondern erzeugt nur eine Deformation des Bildes. Diese Grenze ist erreicht, wenn der Bildpunkt auf der Blatte infolge der Eigeubewegung des Objectes seinen eigenen Durchmesser durchlaufen hat. Die absolute Lichtstärke eines Fernrohrs für Blaneteuaufnahmen ist also abhängig von Oeffnung und Brennweite des Objectivs, von der Grösse der Eigenbewegung und ausserdem von eiuein schwer definirbaren Factor, der seinerseits von der Grösse des Objectivs und der Luftunruhe abhängt. Kennt man für ein Fernrohr den Durchmesser des kleinsten Bildpunktes und die Lichtstärke für verschiedene Expositionszeiteu, so lässt sich ungefähr die untere Ilelligkeitsgrenze der mit diesem Instrumente noch aufnehmbaren kleinen Blaneten angeben. Man kann annehmen, dass die eigene Bewegung der kleinen Blaneten in der Opposition im Mittel O'.o in der Zeitminute beträgt. Für deu photographischen Befractor von 13 Zoll Oeffnung und 3.4 m Brennweite ist der Durchmesser des kleinsten Scheibchens zu 3" anzunehmeu; ein Blauet durchläuft diese Strecke in etwa 6 Minuten, in welcher Zeit der Befractor noch die Sterne der 11. Grösse liefert. Kleine Blaneten bis zur 11. Grösse lassen sich mithin mit diesem Iustrumente noch aufnehmen. Dasselbe, ja noch mehr, lässt sich aber durch viel einfachere Mittel erreichen. Das Euryskop von 4 Zoll Oeffnung, welches am photographischen Befractor der Bots- damer Sternwarte angebracht ist, giebt kleinste Scheibchen von 30" Durchmesser; diese Strecke wird von einem kleinen Blaneten erst in 60 Minuten durchlaufen, und in dieser Zeit liefert das Instrument Sterne der 11.3. bis 12. Grösse; es eignet sich also besser zur Aufnahme vou kleinen Blaneten als der grosse Befractor. Dieser Vorzug der kleineren Instrumente mit kurzer Brennweite vor den grösseren ist aber noch fast nebensächlich gegenüber einem anderen, der durch das grössere Gesichtsfeld der ersteren bedingt wird. Mit den Die Planeten. 297 kleineu aplanatischen Objectiven lassen sich leicht Flächen von 100 Quadratgrad und mehr aufuchmen, während die grösseren Kefractoren höchstens 4 Quadratgrad zu liefern vermögen. Durch das grosse Gesichtsfeld kommt hauptsächlich erst die photographische Methode zu ihrer Bedeutung; erst dadurch tritt die Wahrscheinlichkeit ein, bereits nach wenigen Aufnahmen einen neuen kleinen Planeten im aufgenommenen Felde zu haben. Es ist das Verdienst von M. Wolf, die Bedeutung der Instrumente mit grossem Gesichtsfelde und kurzer Brennweite für die Aufsuchung kleiner Planeten zuerst erkannt und in die Praxis übersetzt zu haben. Wenn auch im allgemeinen die Planetenstriche neben den Punkten der Fixsterne leicht erkannt werden können *), sobald die Helligkeit eine genügende ist, so kann doch nur selten aus einer einzigen Aufnahme ein sicherer Schluss auf die Existenz eines Planeten gezogen werden. Besonders sind es Unreinlichkeiten auf der Platte, welche zu Täuschungen Anlass geben; aber auch Doppclstcruc und Aneinanderreihungen schwacher Sterne können ähnliche Striche wie Planeten erzeugen. Eine sichere Entscheidung erhält man nur, wenn zwei Aufnahmen möglichst kurz hinter einander gemacht werden. Auf der einen Platte ist dann die Stelle, wo sich ein Strich auf der anderen befindet, leer; aber der eine Strich muss die Fortsetzung des anderen bilden. Bei zweistündiger Expositionszeit für jede Aufnahme resultirt hieraus ein beträchtlicher Zeitaufwand, und Wolf hat deshalb eine modificirtc Methode unter Benutzung zweier gleicher Objective angewendet. Zuerst wird eine Stunde mit dem einen Objective allein aufgenommen, die zweite Stunde mit beiden Objectiven und die dritte mit dem zweiten allein. Damit erhält man zwei auf einander folgende Aufnahmen mit je zwei Stunden Expositionszeit zusammen in drei Stunden. Aus der Kichtung und Länge eines Planetenstriches lässt sich Pichtu ng und Grösse der täglichen Bewegung des Planeten einigermassen feststellen; dagegen ist das Taxiren der Grössen sehr schwierig, und man scheint meist geneigt zu sein, die Grössen zu unterschätzen, die Helligkeiten also zu schwach anzugeben. Bei der Verfolgung eines bereits aufgefundenen Planeten bietet die Photographie keinen wesentlichen Vortheil mehr. Man erhält in diesem Falle schneller und mit grösserer Genauigkeit weitere Positionen, wenn mau nach der alten Methode mit grösseren Instrumenten direct beobachtet. Die erste photographische Aufnahme eines bereits bekannten kleinen Planeten dürfte diejenige der Sappho sein, die Roberts**) mit seinem *) M. Wolf. Die Photographie der Planetoiden. Astr. Xaelir. 139, 97. ** M. N. 47, 265. 298 III. Geschichte der Ilimmelsphotograpliie. Spiegelteleskope im December 1886 erhalten hat. Der Planet war damals 11. Grösse. Die erste eigentliche Entdeckung geschah durch Wolf am 22. December 1891; sie bezog sich auf den Planeten (323) Brucia. Von da an häufen sich diese Entdeckungen in ganz ausserordentlicher Weise durch Wolf und Charlois. Das Jahr 1892 weist 29 Planetenentdeckungen auf, darunter 25 auf photographischem Wege; für 1893 beträgt die Zahl 26 (25), für 1894 22, so dass Ende 1894 die Numerirung der kleinen Planeten bis über 400 gestiegen ist. Die Entdeckungszahlen für die vorhergehenden Jahre sind: 1888 10 Entdeckungen 1889 6 1890 15 1891 22 » , darunter 2 auf photographischem Wege. Die Zahl der Entdeckungen hat sich also im Durchschnitt seit Einführung der photographischen Methode verdoppelt. Capitel IV. Die Cometen und Sternschnuppen. Die Cometen. Für die Aufnahme von Cometen, als von Objecten mit Flächenausdehnung, gelten dieselben Kegeln wie für diejenigen der Nebelflecken. Als erschwerender Umstand kommt aber die meist sehr starke scheinbare Bewegung dieser Himmelskörper hinzu, die es in fast allen Fällen notliwendig macht, den Cometenkern selbst während der Aufnahme zu halten, was bei schwachen Cometen sehr schwierig ist und unter allen Umständen zur Folge hat, dass die gleichzeitig mit aufgenommenen Sterne wegen ihrer scheinbaren Bewegung gegen den Cometen als Striche abgebildet werden. Der helle Comet des Jahres 1858, der Donati’sche, war der erste, dessen photographische Aufnahme unternommen wurde. W. de la Eue versuchte es vergeblich, mit seinem lOfüssigen Spiegelteleskope das Bild des Cometen zu fixiren; dagegen gelang dies bei verhältnissmässig sehr kurzer Expositionszeit dem Photographen Usherword*) in Walton Common mit Hülfe einer gewöhnlichen Porträtlinse. -) M. N 19, 138. Die Couieten und Sternschnuppen. 299 Der nächste hellere Comet, der von 1861, wurde ebenfalls von W. de la Rue zu photographiren versucht, aber wieder ohne Erfolg. Gute Erfolge wurden erst hei dem grossen Cometen von 1881 erzielt. H. Draper erhielt bei einer Expositionszeit von 2 h 42 m ein Bild des Cometen, auf dem sowohl der Kern und die Coma als auch der Schweif, letzterer in einer Ausdehnung von 10°, zu erkennen waren. Auch Common erhielt mit seinem Spiegelteleskope von 91 cm Oeffnung schon bei einer Expositionszeit von 20 Minuten ein gutes Bild des Cometen und seines Schweifes. Janssen in Meudon verwandte zur Aufnahme dieses Cometen ein Fernrohr von 50 cm Oeffnung und 1.60 m Brennweite. Er erhielt mit demselben eine Reihe von Aufnahmen bei verschiedenen Expositionszeiten, aus denen er dann durch Zeichnung ein Gesammtbild des Cometen herstellte und im Annuaire du Bureau des Longitudes für 1882 in photographischem Drucke veröffentlichte. Dieses Bild ist also keineswegs eine dirccte Aufnahme des Cometen, wie anfangs vielfach geglaubt wurde. Von dem grossen Septembercometen des Jahres 1882 sind vornehmlich durch Gill gute Aufnahmen bei verschiedenen Expositionszeiten erhalten worden. Derselbe verwandte hierzu ein gewöhnliches Porträt- objectiv von 6 cm Oeffnung- und 28 cm Brennweite. In den letzten'Jahren sind von fast jedem hellen Cometen zahlreiche Aufnahmen gemacht worden, ja man hat bereits sehr lichtschwache Cometen auf photographischem Wege entdeckt (Comet Barnard 1892). Eine wesentliche Förderung ist durch die photographische Aufnahme von Cometen bis jetzt für die Astronomie nicht erzielt worden. Das dürfte aber weniger darin liegen, dass hierfür die photographische Methode etwa nicht geeignet wäre, als an dem rein äusserlichen Umstande, dass seit der Vervollkommnung der photographischen Methoden und Instrumente auffallend grosse und helle Cometen nicht erschienen sind. Es kann keinem Zweifel unterliegen, dass z. B. die bei grossen Cometen beobachteten, vielfachem Wechsel unterworfenen Ausstrahlungen durch die Photographie der Messung viel besser zugänglich gemacht werden müssen als durch directe Beobachtungen. Bei dem Cometen Holmes konnte durch Aufnahmen die sternartige Feinheit des Kerns constatirt werden, weil bei diesem Cometen die grossen Eefractoren zu verwenden waren. Sonst beziehen sich die Resultate der bisherigen Cometenaufnalimen wesentlich auf die Form der Schweife. Bei längeren Expositionszeiten mit Porträtlinsen erhält man leicht bei Cometen noch die Bilder von Schweifen, die optisch nicht mehr wahrnehmbar sind, und diese Schweife erscheinen im allgemeinen sehr viel schmäler, als man nach der bei grossen Cometen gemachten Erfahrung III. Geschichte der Himmelsphotographie. 300 annelimen sollte. So zeigt z. 11. der Comet Gale 1894 auf den Bar- nard’sclieu*) und AVolf’schcn**} Aufnahmen einen Schweif von etwa 10° Länge bei einer Breite von nur wenigen Bogenminuten. Sehr viele Einzelheiten zeigen die Barnard’schen Aufnahmen des Cometen Brooks***) 1893. Der Hauptschweif geht geradlinig vom Kopfe etwa 5° bis 6° aus, ist auch zunächst sehr schmal, wird aber schliesslich etwas breiter und zerfällt in einzelne wolkenartige Tlieile. Neben diesem Hauptstrahl gehen noch mehrere, sehr schmale und scharfe Strahlen vom Kopfe aus, die mit dem Hauptstrahl Winkel bis zu etwa 10° einschliessen. Schon zweimal ist auf Aufnahmen, die hei Gelegenheit einer totalen Sonncntinsterniss erhalten worden sind, ein sonnennalier Comet gefunden worden; doch konnte in beiden Fällen der Comet späterhin nicht wieder entdeckt werden. Der erste Fall dieser Art ereignete sich bei der Sonneu- finsterniss von 1882 Mai 16, der zweite bei derjenigen von 1893 April 16; bei letzterer ist der Comet auf fast allen Aufnahmen, die während der Totalität gemacht sind, sichtbar. Die Sternschnuppen. Für die Beurtheilung, von welcher Helligkeit Sternschnuppen sein müssen, um mit einem gegebenen Instrumente aufgenommen werden zu können, gelten dieselben Kegeln wie bei bewegten Objecten überhaupt: Sterne bei feststehendem Fernrohr und kleine Planeten. Bei Sternschnuppen sind die scheinbaren Geschwindigkeiten im allgemeinen ausserordentlich viel grösser als bei den anderen genannten Objecten, und daher muss die Helligkeit derselben selbst für Instrumente mit kurzer Brennweite sehr gross sein. Am vortheilhaftesten ist die Aufnahme in der Nähe des Eadiationspunktes, weil hier die scheinbaren Geschwindigkeiten am geringsten sind. Die Festlegung einer Sternschnuppenbahn durch directc Beobachtung resp. durch Einzeichnen in Sternkarten liefert nur eine sehr massige Genauigkeit, während auf einer photographischen Aufnahme dies mit mehr als der hundertfachen geschehen kann. Das Problem der Höheubestim- mung von Sternschnuppen aus correspondirenden Beobachtungen ist photographisch demnach in demselben Verhältnisse exacter zu lösen, und deshalb sind schon vielfach Vorschläge und Versuche in dieser Kichtung gemacht worden, ohne dass indessen, soweit mir bekannt, es zu einem wirklichen Resultat gekommen wäre. Die ersten Versuche wurden von Zenkeri) bei Gelegenheit des grossen Sternschnuppenfalls am 27. November 1885 gemacht, waren aber nur wenig vom Wetter begünstigt. Zwei Apparate mit lichtstarken *) Astr. and Astropliys. 13, 421 ***) Astr. and Astropliys- 13, 789. **) Astr. Nachr. 135, 257. t Astr. Nadir. 113, 228. Die Cometen und Sternschnuppen. -.501 Porträtlinsen waren in ö km Entfernung von einander aufgestellt, und vor dem Objective des einen derselben war eine Scheibe mit sectorförmigen Ausschnitten angebracht, so dass durch deren Drehung Belichtungen von '/io Secunde Dauer erreicht werden konnten. Die Sternschnuppenbahnen mussten sich also stückweise abbildeu, und aus der Distanz der Stücke sollte die Winkelgeschwindigkeit der Bewegung bestimmt werden. Resultate sind nicht erhalten worden, weil, wie es scheint, keine Sternschnuppe für die betreffenden Apparate hell genug gewesen ist. Fig. 52. In ähnlicher Weise wurde bei demselben Stemsclmuppeufalle von Weinek*) verfahren, nur war die Basis ausserordentlich viel grösser; sie umfasste nämlich die Strecke Prag-Dresden. In Dresden konnten wegen schlechten Wetters überhaupt keine Aufnahmen erhalten werden; auf den Prager Platten ist eine einzige Sternschnuppe abgebildet. Diese sowie andere Versuche haben gezeigt, dass die angewandten Objective für die durchschnittliche Geschwindigkeit und Helligkeit der Sternschnuppen noch zu lichtschwach sind. Jesse**) macht daher auch darauf aufmerksam, lieber nur in der Nähe des Radiatiouspunktes auf- zunehmen, um kleinere scheinbare Geschwindigkeiten zu haben. Vor allem *) Astr. Nachr. 113, 374. ** Ebenda 111), 153. III. Geschichte der Himmelsphotographie. 302 aber muss bei diesen Versuchen auf grössere Lichtstärke geachtet werden, und in dieser Beziehung wird man daher auf die Euryskope, wie sie zur Aufsuchung der kleinen Planeten und zu Aufnahmen der Milchstrasse benutzt werden, allein angewiesen sein. Dass diese Objective hierzu geeignet sind, haben die Aufnahmen vonAVolf*) bewiesen, der auf seinen Platten mehrfach durch Zufall das Gesichtsfeld durchschneidende Steru- schnuppenbahnen aufgefundeu hat. Diese Aufnahmen haben auch zu physikalisch interessanten Resultaten geführt, indem bei zweien der erhaltenen Bahnen diese letzteren keineswegs gleichförmig waren, sondern mehrere Maxima und Minima aufwiesen, also ein periodisches Hellerund Schwächerwerden der Sternschnuppen andeuteteu. Zur systematischen Abfangung von Sternschnuppen hat Elkin** einen Apparat construirt, mit dem der verfolgte Zweck wohl erreicht werden dürfte, falls er mit geeigneten Objectiven versehen wird. Das Instrument besteht, wie die Fig. 52 (vor. Seite) zeigt, aus einer langen Polaraxe nach Art der englischen Montirung, die durch ein Uhrwerk gedreht wird. Auf dieser Axe ist in der Mitte die Declinationsaxe angebracht, welche an jedem Ende einen Arm trägt, an welchem je drei Kammern drehbar befestigt sind. Bei dem grossen Gesichtsfelde der hierzu verwendbaren Objective kann natürlich durch sechs derselben gleichzeitig ein grosser Theil dos Himmels unter Controlle gehalten werden. Die Dimensionen des Apparats sind recht gross; die Stunden- axe ist 12 Fuss lang. Capitel V. Die Fixsterne. Die ersten erfolgreichen Versuche der photographischen Aufnahme von Fixsternen datiren bis zum Jahre 1850 zurück, wo es AA T . C. Bond und AVhipple gelang, auf einer im Brennpunkte des grossen Cambridger Aequatoreals angebrachten Dagucrreotypeplattc ein Bild des hellen Sterns u Lyrae und des Doppelsterns a Geminorum, welcher letztere länglich erschien, aufzunehmen. Diese Aufnahmen Hessen erkennen, dass ein Fortschritt in diesem Zweige der Himmelsphotographie zunächst nicht zu erwarten war, einmal wegen der Unempfindlichkeit der Daguerreo- typeplatten und dann wegen des ungenügenden Functionirens des Uhrwerks. * Astr. Xaclir. 129, 101. ** Astr. and Astroph. 13, 626. Die Fixsterne. 303 Infolge des letzteren Umstandes war es bei Verlängerung der Expositionszeit auf einige Minuten nicht möglich, kreisrunde Bilder zu erhalten. Im Jahre 1857 nahm G. P. Bond*} in Gemeinschaft mit Whipple und Black die Versuche wieder auf, nachdem das Aequatoreal mit einem besseren Uhrwerke versehen worden war und inzwischen der Collodium- process das Daguerre’sche Verfahren verdrängt hatte. Gleich die ersten Aufnahmen gaben überraschend schöne Resultate, und wie Bond, wie bereits an anderer Stelle gezeigt ist (pag. 212), schon damals alle charakteristischen Eigenschaften der photographischen Sternscheibchen gedeutet hat, so hat er auch die Wichtigkeit und die Tragweite der Einführung der Photographie in die Fixsternastronomie erkannt und hat gelehrt, dass dieselbe wesentlich in der Exactheit der Positionsbestimmungen zu suchen ist. Die Messungen an einer Anzahl von Aufnahmen des Doppelsterns Mizar führten zu der Distanz von 14'.'49 und dem Positionswinkel 147950. Die Struve’schen Messungen hatten hierfür ergeben 1l'.'IO resp. 147940. Als wahrscheinlichen Fehler einer einzelnen photographischen Distanz fand Bond ± 0"12. Diese ausserordentlich erfolgreichen Versuche, die zu sehr viel besseren Resultaten geführt hatten, als man jemals hatte erwarten können, waren die Veranlassung zu einem Briefe G. P. Bonds**) an Wm. Mitchell, in welchem er die Vorzüge der neuen Methode und ihre Aussichten in klarster Weise auseinandersetzt: »So weit ich informirt bin, ist sonst noch nirgendwo der Versuch gemacht worden, Fixsterne zu photographiren; das Gerücht Uber ein in Italien angefertigtes Daguerreotype eines Nebels hat sich nicht bestätigt. »Vor ungefähr sieben Jahren (1850, Juli 7) erhielt Mr. Whipple Daguerreotypeaufnahmen des Bildes von « Lyrae im Brennpunkte des grossen Aequatoreals und ebenfalls von Castor, indem er so die einfache, aber nicht uninteressante Thatsache feststellte, dass ein solches Verfahren überhaupt möglich ist. Hierbei war eine Expositionszeit von ein oder zwei Minuten erforderlich, um einen Eindruck auf der Platte zu erhalten, und während dieser Zeit waren die Unregelmässigkeiten des Münchener Uhrwerks so gross, dass die Symmetrie des Bildes zerstört wurde, während die schwächeren Sterne der zweiten Grösse überhaupt die Platte nicht »fassten« (»take«). »Einige Jahre später wandte Mr. Whipple seine Aufmerksamkeit der Photographie von Mond und Sonne zu, und die Sterne wurden sich selbst überlassen. Aber die Verbesserungen schritten rasch vor; die Präparirungen *' Stellar Photography. Astr. Nachr. 47, 1—0. **) Pübl. of tlie Astr. Soc. of the Pacific. 2, 300. 304 III. Geschichte der niinraelsphotographie. wurden empfindlicher; die Künstler hatten mehr Geschicklichkeit erlangt. Gleichzeitig wurde das Princip des »spring-governor« gründlich untersucht, und man fand, dass dasselbe geeignet war, eine grosse Lücke in der Fortführung der Teleskope auszufüllen und ihnen eine unvergleichlich viel gleichförmigere Bewegung zu ertheilen, als dies mit dem Münchener Mechanismus erreicht werden konnte. »Die Herren AVhipple und Black fingen ihre Versuche mit Sternaufnahmen (vermittels des Collodiumprocesses) im März dieses Jahres wieder an und fahren zur Zeit noch damit fort. Die Ausgabe an Zeit, Chemikalien etc. ist viel beträchtlicher, als man vorher geglaubt haben würde — jede Nacht eröffnet thatsächlich neue Gesichtspunkte, welche erklärt sein wollen. Das Gebiet der Erfahrung ist ein zu ungeheures, als dass es auf einmal beherrscht werden könnte, selbst wenn wir mit unbeschränkteren Mitteln versehen wären. Aber die Resultate, welche wir schon aus den Dis jetzt angestellten einzelnen Versuchen haben erhalten können, sind von höchstem Interesse und eröffnen Möglichkeiten für die Zukunft, welche man sich kaum auszumalen getrauen kann. Wenn noch ein solcher Fortschritt, wie der seit 1850, erzielt werden könnte, so würde derselbe zweifellos von unberechenbarer Wichtigkeit für die Astronomie sein. »Dasselbe Object, a Lyrae, welches im Jahre 1850 100 Secunden zur Erzeugung eines immer noch unvollkommenen Bildes auf der Platte erforderte, wird nun momentan als eine symmetrische Scheibe photo- graphirt, vollkommen geeignet zur exacten mikrometrischen Ausmessung. Wir waren damals auf ein oder zwei Dutzend der hellsten Sterne beschränkt, während wir jetzt alle aufnehmen können, welche mit blossem Auge sichtbar sind. Sogar von Woche zu Woche können wir entschiedene Fortschritte erkennen. »Von der Schönheit und der Bequemlichkeit der Methode werden Sie sich kaum eine genaue Vorstellung machen können, ohne sie selbst kennen gelernt zu haben, wozu Sie, wie ich hoffe, bald im Stande sein werden. »Die Menge von Material, welches in einer schönen Nacht erhalten werden kann, bei gänzlicher Freiheit von Belästigung und Ermüdung, die selten bei gewöhnlichen Beobachtungen zu fehlen pflegen, ist erstaunlich. Die Platten, normal hergestellt, können für zukünftiges Studium hei Tageslicht und Müsse zurückgelegt werden. Das Resultat liegt da, ohne Raum zu Zweifeln und Irrthümern, in voller Treue. Bis jetzt jedoch können wir nur Bilder von Sternen bis zur 6. Grösse inclusive erhalten. »Um von wirklichem Nutzen für die Astronomie zu sein, müssen auf alle Fälle noch grosse Verbesserungen gemacht werden, und dies wird sicherlich nicht ohne eine Menge von Erfahrungen eintreten. Die Fixsterne. 305 »Wenn wir dies beschleunigen könnten, würden wir bald im Staude sein, anzugeben, was wir in der Fixsternphotographie erreichen können und was nicht. Die letzte Grenze haben wir jedenfalls noch nicht erreicht. Gegenwärtig muss die Hauptaufmerksamkeit darauf gerichtet sein, die Empfindlichkeit der Platten zu erhöhen, für welche, wie mir von höchsten Autoritäten in der Chemie versichert worden ist, von theoretischem Gesichtspunkte aus kaum eine Grenze zu setzen ist. Wir wollen voraussetzen, dass wir schliesslich im Stande sein werden, noch Bilder von Sternen der 7. Grösse zu erhalten. »Es ist gestattet, dann anzunehmen, dass wir auf einem hohen Berge und bei reinerer Atmosphäre mit demselben Teleskope noch die 8. Grösse aufnehmen werden. Die Oeffnung des Objectivs auf das Dreifache zu vermehren, ist eine mögliche Sache, wenn nur das Geld dazu gefunden werden kann. Dies würde die Helligkeit der Sternbilder auf das ungefähr Achtfache vermehren, und wir würden dann im Stande sein, alle Sterne bis zur 10. oder 11. Grösse zu photographiren. Es liegt also nichts Extravagantes darin, eine zukünftige Anwendung der Photographie auf die Stellarastronomie in diesem höchst prächtigen Massstabe vorauszusagen. Es ist sogar in diesem Augenblicke nur eine Frage, ein oder zwei Hunderttausend Dollar aufzutreiben, um hiermit das Teleskop herzustellen und die Experimente aufzunehmen. »Welche bewundernswürdigere Methode könnte zum Studium der Bahnen der Fixsterne und zur Lösung des Problems ihrer jährlichen Parallaxe erdacht werden, denn diese, wenn wir die Eindrücke der tele- skopischen Sterne bis zur 10. Grösse erhalten könnten? Bedenken Sie dabei, dass Gruppen von 10 oder 50 sogar, Avenn so viele im Gesichtsfelde vorhanden sind, eben so rasch aufgenommen Averden können, Avie nur einer allein — vielleicht nur in Avenigen Secunden —, und dass jeder mit ausserordentlicher Genauigkeit ausgemessen Averden könnte. »Ich habe zwei Avichtige Gesichtspunkte in der Stellarphotographie noch nicht berührt. Einer ist der, dass die Intensität und Grösse der Bilder in Verbindung mit der Zeit, Avährend Avelcher die Platte exponirt Avorden ist, die relative Sterngrösse misst. Der andere Punkt ist der, dass die Messungen der Distanzen und PositionsAvinkel von Doppelsternen, welche Avir auf unseren besten Platten erhalten haben, sich von derselben Genauigkeit Avie die besten mikrometrischen Messungen ergeben haben. Unsere späteren Aufnahmen sind viel vollkommener und Averden noch bessere Erfolge geben.« Die kühnsten Hoffnungen Bonds sind heute nicht nur erreicht, sondern sogar weit übertroffen. Gleichzeitig mit Bond oder kurz nach ihm hat sich W. de la Eue mit der Aufnahme der Fixsterne beschäftigt. In dem »Keport of the Sclieiner, Photographie der Gestirne. 20 306 III. Geschichte der Ilimmelsphotographie. British Association hold at Manchester in September 1861« finden sich folgende Bemerkungen von ihm: »Ich möchte jetzt Ihre Aufmerksamkeit auf einen neuen Gegenstand richten, auf die photographische Repro- duction einer Stemgruppe, z. B. einer solchen, welche das Sternbild des Orion bildet, oder mit anderen Worten, auf die photographische Herstellung einer Sternkarte. Ich habe schon mehrere Versuche in dieser Richtung angestellt und befriedigende Resultate erhalten; ich glaube wenigstens, ein Verfahren zu haben, durch welches diese Methode der Construction einer Himmelskarte leicht verwirklicht werden kann. Das hierfür am besten geeignete Instrument ist ein photographisches Objectiv von im Verhältniss zu seiner Oeffnuug kurzer Brennweite (die Brennweite kann so gewählt werden, dass man einen gewünschten Massstab für die Karte erhält;, welches mit seiner Camera auf einem mit Uhrwerk versehenen Aequatoreal montirt ist. »Die Fixsterne bilden sich mit grosser Schnelligkeit auf der Collodium- schicht ab; ich habe keine Schwierigkeit darin gefunden, bei massiger Expositionszeit Photographien der Plejaden im Brennpunkte meines Teleskops zu erhalten; sie -würden noch schneller mit einem Porträtobjectiv erhalten werden könuen. Die Schwierigkeit in der Herstellung der Sternkarten liegt nicht in der Fixining der Bilder, sondern im Auffinden der vorhandenen Bilder; sie sind thatsächlich nicht grösser als die (Staub-) Körnchen, welche man auch im besten Collodium findet«. Von besonderem Interesse ist in dieser Aeusserung de la Ru es der Hinweis auf die Benutzung von Objectiven mit verliältnissmässig kurzer Brennweite, deren Verwendung in den letzten Jahren eine so vielseitige geworden ist. De la Rue scheint übrigens später keine weiteren Versuche in der Stellarphotographie angestellt zu haben, wenigstens hat er nichts mehr darüber publieirt*). Einen weiteren Fortschritt in der Photographie der Fixsterne bezeichnen die Arbeiten Rutherfurds, die Ende 1864 begannen. Derselbe ist wesentlich bedingt durch die Benutzung eines Objectivs (28 cm Oeff- nung,, welches für die photographisch wirksamen Strahlen achromatisirt war und somit eine bessere Vereinigung dieser Strahlen und also grössere Lichtstärke kerbeifiilirtc. Rutlierfurd konnte hiermit Sterne bis zur 9. Grösse aufnehmen. Im Sternhaufen der Praesepe erhielt er bei 3 Minuten Expositionszcit und einem Gesichtsfelde von einem Quadratgrad 23 Sterne der 9. Grösse. Eine Expositionszeit von einer Secunde lieferte ein kräftiges Bild von Castor, und in einer halben Secunde wurde bereits *) Kayet. Notes sur fHistoire de la Photographie Astronomique. Paris IS87. Die Fixsterne. 307 der Begleiter dieses Sterns sichtbar; mit einem Objective von gleicher Oeffnung, welches aber für die optischen Strahlen achromatisirt war, konnte dasselbe 'Resultat erst in 6 Secunden erhalten werden. Kutherfurd gebührt das grosse Verdienst, nicht bloss Aufnahmen angefertigt, sondern auch deren Ausmessung mit einem besonders zu diesem Zwecke construirten Apparate vorgenommen zu haben (die Bond’schen Messungen an Mizar sind nur angestellt worden, um die Genauigkeit der Methode zu zeigen). Die Messungen von drei Aufnahmen der Plejaden sind bereits 1806 von Gould reducirt und mit den Bessel- schen Heliometermessungen verglichen worden, wobei sich eine sehr befriedigende Uebereinstimmung ergab. Auch die Messungen an der Praesepe sind 1870 von Gould berechnet worden. Während Kutherfurd einerseits auf seine Kesultate in der Fixsternphotographie mit Befriedigung blicken konnte, indem sie schon nahe die Hoffnungen Bonds realisirten, erkannte er andrerseits, dass weitere Fortschritte nunmehr bloss von einer Verbesserung des photographischen Verfahrens zu erwarten waren, und dies war Grund genug für ihn, sich überhaupt von der Himmelsphotographie abzuwenden. Gould beabsichtigte, die Versuche fortzusetzen, und nahm 1870 das Rutherfurd’sche Objectiv mit nach Cordoba, Leider zerbrach während des Transportes die Flintglaslinsc, und erst 1875 konnte Gould nach Beschaffung einer neuen Flintglaslinse die photographischen Arbeiten aufnehmen; es gelang ihm, in wenigen Jahren 1350 Photographien von Sternhaufen des südlichen Himmels, eine grosse Zahl von Doppelsternaufnahmen und schliesslich Beobachtungsreihen von Fixsternen mit starker Eigenbewegung behufs Untersuchung derselben auf Parallaxe zu erhalten. In der ersten Zeit benutzte Gould hierzu noch Collodiumplatten, in den letzten Jahren dagegen schon die viel empfindlicheren Bromsilber-Gelatineplatten. Mit der Ausmessung und Keduction dieser Aufnahmen ist zwar begonnen worden, doch liegt eine Publication darüber noch nicht vor. Gleichzeitig mit Gould hat sich auch H. Drap er erfolgreich mit der Stellarphotographie befasst; seine Arbeiten beziehen sich aber einerseits mehr auf die photographische Aufnahme von Sternspectren und gehören also nicht in den Rahmen dieses Buches, andrerseits auf die Aufnahme von Nebelflecken und werden daher erst im nächsten Capitel besprochen werden. Vom Jahre 1882 an ist bereits die Zahl der Astronomen, welche sich mit der Stellarphotographie beschäftigt haben, eine so grosse, dass es nicht möglich ist, eine exacte Chronologie festzuhalten. Es kommen hier wesentlich in Betracht*) die Arbeiten von Common, von der astro- * Ray et. Notes sur l’Histoire de la Photographie Astronomique. Pag. 39. 20 * 308 III. Geschichte der Ilimmelsphotographie. uomischen Gesellschaft zu Liverpool, von Gill und von den Gebrüdern Henry. Der Beginn dieser Epoche fällt zusammen mit der weiteren Verbreitung der Erfindung der Bromsilber-Gelatineplatten durch Maddox. Die ersten Arbeiten Commons beziehen sich auf Aufnahmen von Nebelflecken; dann aber hat er sich ernstlich der Aufgabe der Herstellung einer Himmelskarte auf photographischem Wege zugewandt. Zu diesem Zwecke benutzte er zunächst eine gewöhnliche photographische Kammer mit einem Objectiv von 10 cm Oeffnung, die er auf dem Bohre seines grossen Spiegelteleskops befestigte. Dieselbe hatte ein Gesichtsfeld von 10° und zeichnete in etwa 20 Minuten die Sterne bis zur 9. Grösse auf. Aus der Gesammtheit seiner Versuche schliesst Common, dass derartige Objective am besten zur Herstellung einer Himmelskarte geeignet seien, und dass die grossen Spiegelteleskope nur zur Aufnahme von interessanten Objecten, wie Nebelflecken und Sternhaufen, verwendet werden sollten. Bei diesen kleinen Instrumenten genüge es auch vollständig, zur Erzielung runder Sternscheibchen einen Stern mit Hülfe der Feinbewegung im Sucher des Fernrohrs zu halten. Von Seiten der astronomischen Gesellschaft in Liverpool beschäftigte sich zunächst Koberts mit der Herstellung einer Himmelskarte. Seine ersten Versuche gehen bis zum Jahre 1883 zurück und beziehen sich auf die Vergleichung verschiedener Objective, deren Oeffnung unter 15 cm war; sie wurden an einem Aequatoreal von 18 cm Oeffnung angebracht. Die Erfahrungen, welche Roberts hiermit gewann, veranlassten ihn, die Versuche in grossem Massstabe aufzunehmen, und so liess er sich von Grubb ein Spiegelteleskop (versilberter Glasspiegel) von 50 cm Oeffnung und 2.54 m Brennweite anfertigen, welches im Jahre 1885 an Stelle des Gegengewichtes auf der Declinationsaxe seines Acquatoreals von 18 cm Oeffnung angebracht wurde. Mit Hülfe dieser Einrichtung, die übrigens bereits 1883 von Huggins benutzt worden war, haben beide Instrumente dieselbe Bewegung in Rectascension, aber eine unabhängige in Declination; das eine kann als Leitfernrohr für das andere dienen, und die Ungleichheiten in der Bewegung des Uhrwerks können auf diese Weise aufgehoben werden, nicht aber diejenigen, welche durch verschiedenartige Durchbiegung der beiden Fernrohre entstehen f's. pag. 96). Mit diesem Spiegelteleskope hat Roberts bei einem Gesichtsfelde von 2 Quadratgrad und einer Expositionszeit von 15 Minuten eine Anzahl von Aufnahmen der nördlichen Polarzone erhalten, welche im doppelten Massstabe der Bonner Durchmusterung beträchtlich mehr Sterne als letztere enthalten. Mit einem der Liverpooler astronomischen Gesellschaft gehörigen Grubb’schen Fernrohr von 23 cm Oeffnung und 4.S5 m Brennweite hat ferner T. E. Espin eine Anzahl von Sternaufnahmen erhalten. Die Fixsterne. 309 In den Beginn der achtziger Jahre fallen auch die ersten Versuche Pickerings auf dein Gebiete der Stellarphotographie. Er benutzte zuerst ein photographisches Objectiv von 18 cm Oeffnung und 0.94 m Brennweite, welches auf dem grossen Aequatoreal angebracht wurde und hei einem Gesichtsfelde von 15 Quadratgrad in 15 Minuten Expositionszeit Sterne der 8. Grösse aufnehmen liess. Auf Grund dieser Versuche hat nun Pickering ein nach besonderer Art montirtes photographisches Aequatoreal construirt, dessen Ohjectiv 20 cm Oeftnung und 1.15 m Brennweite besitzt. Das Fernrohr ist am äussersten Ende einer U-förmig gebogenen Stahlaxe angebracht, welche sich in der Polaraxe dreht. Das ganze Instrument hat'in seiner Aufstellung also eine gewisse Aehnlich- keit mit demjenigen, welches dir. Scheiner zur Beobachtung der Sonnenflecken anwandte. Das Gesichtsfeld umfasst 5 Quadratgrad. In welchem Umfange Pickering mit diesem Instrumente Aufnahmen hergestellt hat, ist mir nicht bekannt. Die erste umfangreiche Anwendung der Photographie zur Mappirung des gestirnten Himmels ist von Gill am Cap der guten Hoffnung gemacht worden, und zwar zur Fortsetzung der Bonner Durchmusterung auf den südlichen Himmel. Das von Gill benutzte Instrument besteht aus einem Dallmeyer’schen Objective von 15.2 cm Oeftnung, welches auf einem viereckigen Holzrahmen befestigt ist, der seinerseits eine mit Uhrwerk versehene aequatoriale Montirung besitzt. Als Sucher dient ein Fernrohr von 7.6 cm Oeffnung und 1.4 m Brennweite. Jede Platte umfasst 36 Quadratgrad; bei einer Expositionszeit von einer Stunde werden die Sterne bis zur 9. und 10. Grösse ahgehildet, so dass sich die erhaltene Karte in Bezug auf Helligkeit der Bonner Durchmusterung vollständig anschliesst. Die Beobachtungen sind bereits über den ganzen südlichen Himmel abgeschlossen, und auch die enorme Arbeitsleistung, welche die Ausmessung der Platten und die Catalogisirung der einzelnen Sterne erfordert hat, ist durch Kapteyn in Groningen bereits erledigt; das Erscheinen des ersten photographischen Himmelsatlasses steht in nächster Zeit zu erwarten. Die Unmöglichkeit, die von Chacornac in Paris begonnene Mappirung der ekliptischen Region des Himmels in gleich umfangreicher Weise auf die in der Milchstrasse gelegenen Theile auszudehnen, veranlasste die Gebrüder Henry, zu diesem Zwecke die Photographie als Hülfsmittel zu verwenden. . Selbst geschickte Mechaniker und Optiker, vermochten sie nach eigenem Ermessen ihre Apparate herzustellen, unterstützt durch das Interesse, welches der Director der Pariser Sternwarte, Mouchez, ihren Bestrebungen entgegenbrachte, und nicht zum mindesten durch die Munificenz der französischen Regierung. Sie construirten zuerst ein für die chemisch wirksamen Strahlen geschliffenes Ohjectiv von 16 cm Oeff- III. Geschichte der Himmelsphotographie. 310 innig und 2.1dm Brennweite. Dieses Objectiv wurde mit einer hölzernen photographischen Camera auf dein Bohre eines kleinen Aequatoreals der Pariser Sternwarte angebracht. Das Fernrohr des Aequatoreals selbst diente als Sucher resp. Lcitfernrolir, und cs gelang, bei einer Expositionszeit von 45 Minuten Sterne bis zur 12. Grösse*; aufzunehmen, wobei die Definition der Bilder eine so vorzügliche war, dass Doppelsterne von 1'.'8 Distanz noch getrennt werden konnten. Diese erfolgreichen Versuche veranlassten die Gebrüder Henry nunmehr, ein photographisches Fernrohr in grossen Dimensionen herzustellen und an demselben gleichzeitig die von ihnen als notliwendig erkannten mechanischen Verbesserungen anzubringen. Sie verfertigten zu diesem Zwecke ein für die photographischen Strahlen achromatisirtes Objectiv von 34 cm Oeffnung und einer Brennweite von 3.43 m, also mit einem Brennweitenverhältnissc von l : 10, wie es bisher bei einfachen achromatischen Linsen wohl noch nicht in Anwendung gekommen war. Bei der gewählten Focalweite entspricht einer Bogenminute ein linearer Werth von 1 mm. Als Leitfernrohr verwandten sie ein für die optischen Strahlen achromatisirtes Objectiv von 24 cm Oeffnung und von nahe der gleichen Brennweite wie das photographische. Die wesentlichste Vervollkommnung besteht nun darin, dass sowohl das photographische Instrument als auch das Leitfernrohr in demselben Rohre angebracht sind, beide nur durch eine dünne Scheidewand getrennt. Wie an anderer Stelle, pag. 96, aus einander gesetzt, ist diese Einrichtung die einzige, welche ein strenges Halten der Sterne, frei von den Fehlem der Durchbiegung etc., ermöglicht. Das Doppelfernrohr wurde als englisches Aequatoreal montirt, wobei zwar der Pol selbst nicht zu erreichen ist, wohl aber ein ungehinderter Uebergang von der einen Seite des Meridians auf die andere stattfinden kann. Um mit Sicherheit die Bilder schwacher Sterne von zufälligen Fehlern der empfindlichen Schicht unterscheiden zu können, verwandten die Gebrüder Henry in etwas modificirter Weise ein bereits von Rutherfurd vorgeschlagenes und benutztes Verfahren. Sie machten drei Aufnahmen derselben Gegend auf derselben Platte bei geringer Verstellung, so dass jeder Stern ein kleines gleichseitiges Dreieck von 3" bis 4" Seitenlänge bildet. Die Erfahrung hat inzwischen gelehrt, dass bei der Ausmessung der Platten unter dem Mikroskop auch bei einfachen Aufnahmen Verwechslungen von Sternen mit Fleckchen u. dgl. nicht leicht Vorkommen, so dass die allerdings noch etwas vermehrte Sicherheit durch den dreifachen Zeitaufwand doch allzu theuer erkauft ist. Uebrigens soll nicht verhehlt werden, dass die dreifachen Aufnahmen noch für einen anderen *) Ueber die Grüssenangaben der Pariser Astronomen siehe pag. 238. Die Fixsterne. 311 Zweck von Vortlieil sind, nämlieli für die dircctc Reproductiou, bei welcher sonst die kleineren Sternsclicibchen gewöhnlich verloren gehen. l)er neue photographische Rcfractor in Paris ist seit dem Jahre 1885 in Benutzung, und von diesem Jahre au datirt der eigentliche Aufschwung der Ilimmelsphotographie, besonders noch dadurch gefördert, dass bei einer dreistündigen Aufnahme der Plejaden ein den hellen Stern Maja umgebender Nebel entdeckt wurde, der bis dabin auch in viel grösseren Re- fraetoren optisch nicht bemerkt worden war. Als unmittelbare Folge der grossen Fortschritte, welche durch die Pariser Astronomen auf dem Gebiete der Stellarpkotographie gemacht worden sind, ist das grossartigste Unternehmen, welches bisher auf astronomischem Gebiete unternommen worden ist, die internationale Vereinigung zur Herstellung einer den ganzen Himmel umfassenden photographischen Karte und eines Sterncatalogs, ins Leben gerufen worden. Auf mehreren, Ende der achtziger und Anfang der neunziger Jahre in Paris stattgehabten Congressen haben sich die Astronomen der verschiedensten Länder vereinigt, die Mappirung des ganzen gestirnten Himmels vorzunehmen. Die dazu erforderlichen Instrumente sind nach dem Muster des Pariser photographischen Refractors hergestellt worden. Zunächst findet eine zweimalige Aufnahme des Himmels statt bei kurzer Expositionszeit'5'"); die hierbei auf der Platte befindlichen Sterne bis zur 11. Grösse werden mit aller Exactkeit ausgemessen und an die bereits mit Meridianinstrumenten festgelegten Sterne angeschlossen, so dass das Endziel ein Catalog aller Sterne bis inclusive der 11. Grösse ist, mit einer Genauigkeit der einzelnen Positionen, die in relativer Weise den besten Mikrometermessungen entspricht, in Bezug auf die absoluten Positionen sich den bei Meridianbeobachtungen erhaltenen anschliesst. Bei dem enormen Arbeitsaufwande, den allein schon die Ausmessung erfordert, hat man auf den meisten Sternwarten vorläufig von der Berechnung der gebräuchlichen Coordinaten der Rectascension und Declinafion abgesehen und beabsichtigt zunächst, nur die auf den Platten gemessenen rechtwinkeligen Coordinaten zu publiciren. Wann einmal der wirkliche Catalog fertig sein wird, lässt sich zur Zeit noch nicht übersehen. Ausser diesen zur Ausmessung bestimmten Aufnahmen werden nun aber auch solche mit langer Expositionszeit (1 Stunde’, hergestellt, auf denen etwa die Sterne bis nahe zur 13. Grösse vorhanden sein werden. Diese Platten sollen die eigentliche Himmelskarte liefern; über die Art ihrer Publication resp. über ihre Zugänglichmachung für jeden Astronomen, ist aber nichts Näheres beschlossen worden; es spielt hierbei nicht mehr bloss der Arbeitsaufwand eine Rolle, sondern vor allem fallen die ganz bedeutenden Kosten des Unternehmens ins Gewicht. 312 III. Geschichte der Ilinimelsphotographie. Die einzelnen Gebiete des Himmels sind zonenweise an die verschiedenen Sternwarten vertheilt worden; es ist hei dieser Vertheilung die geographische Breite der letzteren berücksichtigt worden, soweit dies nach Massgabe der Lage der Sternwarten möglich war, da es bei photographischen Aufnahmen noch wichtiger ist als bei optischen Beobachtungen, in möglichst grossen Höhen Uber dem Horizonte zu arbeiten. Die Berücksichtigung dieses Umstandes geht aus dem folgenden Verzeichniss der be- theiligten Sternwarten und der ihnen zugewiesenen Zonen hervor. Zonen-Declin. Sternwarten Geogr. Breite 4- 90° bis + 65° Greenwich + 51° + 64 4~ Oü Rom + 42 4— o4 » —{— 4 / Catania + 37 -i- 46 » + 40 Ilelsingfors + 61 4- 39 » 4- 32 Potsdam 4- 52 + 31 + 2o Oxford + 51 + 24 » + 18 Paris + 49 4- 17 + 11 Bordeaux + 45 4- 10 + 5 Toulouse 4- 43 + 4 » — 2 Algier 4- 36 — 3 — 9 San Fernando 4- 36 — 10 » — 16 Tacubaya 4- 19 — 17 » — 23 Santiago — 33 — 24 » — 31 La Plata — 34 — 32 » ----- 40 Rio de Janeiro — 23 — 41 » — 51 Cap der guten Hoffnung — 34 — 52 — 64 Sydney — 34 — 65 » — 90 Melbourne — 38 Die Vorarbeiten, welche in grossem Umfange für die Ermöglichung der Herstellung der photographischen Himmelskarte erforderlich waren, haben naturgemäss eine beträchtliche Erweiterung der Kenntnisse in diesem Zweige der Astrophysik herbeigeführt; dieselben sind in anderen Theilen dieses Buches verwertket worden. Von noch grösserer Bedeutung dürfte der Umstand sein, dass durch die Betheiligung an der gemeinschaftlichen Arbeit eine beträchtliche Zahl von Astronomen in den Besitz vorzüglicher und wichtiger photographischer Instrumente gelangt ist, die nun auch zu anderen als den speciell vorgesehenen Zwecken Verwendung finden und bis jetzt zahlreiche wichtige Resultate geliefert haben, deren einzelne Besprechung weiter unten folgen wird. Ueberhaupt hat die gesummte Anwendung der Photographie in der Astronomie durch das Die Fixsterne. 313 internationale Unternehmen eine fortschreitende Bewegung erhalten, die auch Früchte auf anderen Gebieten der Hinnnelsphotographie gezeitigt hat. Wenn ich nunmehr beabsichtige, einen Ueberbliclc über diejenigen Resultate zu geben, welche in der Astronomie der Fixsterne und Sternhaufen durch die Einführung der Photographie erhalten worden sind, so müssen in erster Linie die Rutlierfurd’schen Arbeiten Berücksichtigung finden. Wie schon erwähnt, hat Rutherfurd einen grossen Theil seiner Aufnahmen selbst ausgemessen oder doch ausmessen lassen; aber zunächst sind nur drei Platten mit je zwei Plcjadenaufnahinen durch Gould reducirt worden. Eine vorläufige Mittheilung*) hierüber und Uber die sein- befriedigende Uebereinstimmung der photographischen Messungen mit den Heliometermessungen Bessels ist 1867 durch Gould erfolgt, während infolge äusserer Umstände die ausführliche Publication**) erst 20 Jahre später bewirkt wurde. Die Messungen haben die Distanzen und Positionswinkel von 40 Sternen gegen Alcyone ergeben, und die Vergleichung***) derselben mit den revidirten Bessel’schen Heliometermessungen sowie mit denen Elkins (1885) führt zu sehr befriedigenden Resultaten, wenngleich eine nicht unbeträchtliche Correction sowohl des Nullpunktes der Positionswinkel als auch des Schraubenwerthes sich als nothwendig ergeben hat, was übrigens auch bereits Gould aus seiner Vergleichung mit Bessel erkannt hatte. Als w. Fehler einer Differenz zwischen Photographie und Heliometer ergiebt sich nämlich: helle Sterne schwache Sterne bei den Positionswinkeln ±07106 — 0'.'137 bei den Distanzen ± 0.086 ± 0.131, •oder nach Massgabe der w. Fehler für die Heliometermessungen resultirt als w. Fehler einer photographisch bestimmten Coordiuate für die helleren Sterne ± 07079 für die schwachen Sterne ± 0.101 . Die Eigenbewegungen sind hierbei durch die Vergleichung zwischen Bessel und Elk in ermittelt worden. Im Jahre 1890 schenkte Rutherfurd seine sämmtlichen Negative der Sternwarte des Columbia College in New York, worunter sich 638 Platten mit Aufnahmen von Sternhaufen, Doppelsternen und vielfachen *) Astr. Naehr. 08, 185. **) Mem. Nat. Acad. IV. ***) Elk in. Coraparison .... Astr. Journ. 9, 33. t III. Geschichte der Himmelsphotographie. 314 Sternen befinden. Von diesen Platten waren 100 ausgemessen, und unter der Leitung des Directors der Sternwarte K. Rees ist die sehr dankens- werthe Reduction der Messungen und die Publication der Resultate ins Werk gesetzt worden. Die erste dieser Publicationen betrifft die Verwertlning von io Platten mit je zwei Aufnahmen der Plejadensterne durch H. Jacoby*). Es konnten im ganzen von 74 Plejadensternen die relativen Coordinaten gegen Alcyone gemessen werden, und diese Coordinaten beruhen für jede Platte auf je 20 Messungen der Distanzen und je 12 der Positionswinkel. Der grossen Zahl der Aufnahmen entsprechend, haben sich die w. Fehler der Positionen noch merklich kleiner ergeben als bei den Gould’sclien Resultaten; sie stellen sich in Rectascension auf ± O'.'OG und in Declination auf ± i)'.'05, sind also sehr nahe auf denselben Betrag herabgedrückt wie bei den Elkin’schen Heliometermessungen. Den besten Einblick in die Güte der Rutherfurd’schcn Plejadenaufnalnnen gewährt die Ableitung**) der Eigenbeweguugen der fünf Sterne Anon. 14, 17, 21, 26 und 36 (Anon. 35 befindet sich nicht auf den Rutherfurd’schen Aufnahmen), für welche Elk in eine besonders starke und gemeinschaftliche Eigenbewegung abgeleitet hat. Hiernach beträgt für diese fünf Sterne die jährliche Eigen- bewegung — 0'.'040 in Rectascension und + 0f032 in Declination, während die übrigen Sterne im Mittel geben —o'.'004 und —0'.'002, die relative also — 0"036 und + 0"034. Leitet man diese relative Bewegung aus der Vergleichung zwischen Rntherfurd und Elkin ab — 12 Jahre Zwischenzeit — so resultirt hierfür in fast vollkommener Uebereinstimmung — 0'.'03S und 4- (>'.'033. Von anderen Aufnahmen Rutherfurds sind bereits reducirt und publicirt die der Umgebungen der hellen Sterne ß Cygni und Cassio- pejae. In der Umgebung von ß Cygni, auf dem Areale von 10 ll 2l m 53 3 bis 19 h 29 m 32 s in A. R. und + 26°58' bis + 2S°35' (1875.0) in Deel., wurden 42 Sterne bis zur 9.5ten Grösse herab gemessen und zwar auf 6 Platten mit je 2 Aufnahmen. Die Rechnungen hierzu und die Aufstellung des Catalogs dieser Sterne ist von H. Jacoby***) ausgeführt worden. Die relativen Positionen in Bezug auf ß Cygni werden sehr genau sein; doch würden dieselben entschieden an Werth gewonnen haben, wenn mehr Sorgfalt auf die Ermittelung des Bogenwerthes gelegt worden wäre, für den einfach das Mittel der für die Plejadenaufnahmen gefundenen genommen worden ist. *) H. Jacoby. The Rutherfurd Photographie Measures . . . Ann. of New York Acad. 0. **) Siehe mein Referat in Y. J. S. 27, 205. ***) a. o. a. 0. Die Fixsterne. ;u5 In der Umgebung von »; Cassiopejac*) sind auf 27 Platten 02 Sterne gemessen worden. Das Areal erstreckte sieh von 0 h 35"’5 s bis 0 h 45 m 50 s in Rectascension und von + 56°22' bis 5S°5' in Declination (1872.0). Auch liier gilt in Betreff des Scbraubcmvertlies das eben Gesagte. Bis Ende der achtziger Jahre sind weitere Resultate der Fixsternphotographie nicht zu erwähnen; es sind zwar viele Aufnahmen erhalten worden, aber eine wissenschaftliche Bearbeitung derselben hat nicht stattgefunden. Mit diesem Zeitpunkte beginnt die Verwertliung der Photographie in der Fixsternkunde wieder aufzuleben, doch sind die ersten Arbeiten weniger als selbständige Untersuchungen zu betrachten; vielmehr suchen sie nur die Anwendbarkeit der Photographie zu den feinsten Präeisionsbestimmungen am Himmel zu beweisen, obgleich ein solcher Beweis kaum noch nüthig gewesen wäre im Hinblick auf die Resultate von Bond und Ruth er für d, die aber schon beinahe der Vergessenheit an- heimgcfallen waren. Als die ersten zielbewussten Arbeiten sind die sehr sorgfältigen Positionsbestimmungen durch Renz zu erwähnen, die sich auf schwächere Sterne beziehen, deren Bedeckung durch den Mond bei totalen Mondfinsternissen beobachtet worden war. Besonders umfangreich sind die Untersuchungen in Betreff der bei der Mondfinsterniss vom 15. Novbr. 1891 bedeckten Sterne. Zunächst hat Renz nach vier zu Potsdam gemachten Aufnahmen einen Catalog**) der Sterne bis zur 11. Grösse aufgestellt. Als sich nachträglich herausstellte, dass auch Sterne bis zur 12. Grösse in Verwendung gekommen waren, hat Renz***) nach Aufnahmen auf der Helsingforser Sternwarte die Sterne bis zur 12. Grösse neu bestimmt und so einen Vergleich zwischen mit gleichartigen, aber doch verschiedenen Instrumenten erhaltenen Positionen ziehen können. Es hat sich hierbei ergeben, dass die systematischen Differenzen zwischen diesen Aufnahmen nicht grösser sind, als diejenigen zwischen verschiedenen Aufnahmen mit demselben Instrumente. Ueberhaupt sind derartige systematische Unterschiede nach Anbringung der persönlichen Correction nur sehr gering, aber doch noch immer deutlich vorhanden; photographische Messungen sind ebenso systematischen Fehlern ausgesetzt wie directe Messungen, nur sind diese Fehler im allgemeinen von geringerem Betrage und haben andere Ursachen. *) H. S. Davis. The Rutherfurd Phot. Meas. of 62 Stars about r; Cass. Ann. New York Acad. S. **) Astr. Nachr. Nr. 3061. *** Renz, F. Ueber die Ausmessung und Berechnung einiger photographischer Sternanfnahmen. Bull. St. Petersburg. V. Serie, II. Nr. 4. 316 III. Geschichte der Ilimmelsphotographie. Die weiterhin erschienenen Arbeiten beziehen sich fast ausschliesslich auf die Ausmessung von Sternhaufen. Als erste derselben ist die von mir durchgeführte Ausmessung*) des Sternhaufens im Hercules Messier 13 erschienen. Dieser Sternhaufen ist bekanntlich ein derartig dichter, dass eine directc Ausmessung desselben selbst in den mächtigsten Fernrohren unmöglich ist; auch in Bezug auf seine photographische Auflösbarkeit steht er an der Grenze des Möglichen, und erst nach mehreren Versuchen konnte ich zwei befriedigende Aufnahmen von zwei bezw. einer Stunde Expositionszeit mit dem Potsdamer Photographischen Kefractor erhalten. Der Catalog der gemessenen Sterne, worunter übrigens auch Nebclknoten und dergl. mit einbegriffen sind, umfasst 833 Objecte, von denen 520 auch auf der nur eine Stunde exponirten Platte enthalten sind. Die Helligkeit der schwächsten Sterne entspricht etwa der 14. Grössenclasse, bezogen auf das Grössensystem der Plcjadenstcrne von Charlier. Die Messung der Sterne ist sehr erschwert durch die ausserordentliche Gedrängtheit, die nach der Mitte sehr stark zunimmt, und durch das Vorhandensein von unauflösbarem Nebel, der das Innere erfüllt. Die w. Fehler der Catalogpositionen weisen folgende Wertlie auf: Abstand w. Fehler von der Mitte « rf — 6'30" bis — 2' 20" ± 0'.'12 ± 0714 — 2 20 » — 1 10 0.13 0.17 — 1 10 » — 0 40 0.14 0.17 — 0 40 » — 0 12 0.14 0.21 — O 12 + 0 9 0.20 0.21 + 09 » + 0 30 0.26 0.21 + 0 30 » + 0 56 0.23 0.18 + 0 56 » + 1 19 0.18 0.21 + 1 19 > -|— 15/ 0.16 0.16 + 1 57 » + 60 0.14 0.16 Will man diese w. Fehler mit denjenigen der eben besprochenen Rutherfurd’schen Aufnahmen vergleichen, so ist ausser den schon erwähnten die Messungen erschwerenden Gründen zu berücksichtigen, dass die Messungen sich auf nur eine Platte beziehen. Ein Bild von der Gedrängtheit dieses Sternhaufens mag die Bemerkung liefern, dass weit Uber die Hälfte aller Sterne, nämlich über 500, *) J. Scheiner. Der grosse Sternhaufen im Hercules Messier 13. Anhang der Abh. d. K. Akad. Berlin. 1892. Die Fixsterne. 317 sielt innerhalb eines Kreises von 2' Radius befinden, und es lässt sieb leicht zeigen, dass die Zunahme der Dichtigkeit nach der Mitte hin eine ausserordentlich viel stärkere ist, als einer gleickmässigen Vertheilung der Sterne innerhalb einer Kugel, als welche die Form des Sternhaufens anzunehmen ist, entspricht. Zieht man nämlich, vom Schwerpunkte ausgehend, sechs concentrische Kreise, welche die Bedingung erfüllen, dass die Inhalte der diesen Kreisen zugehörenden und die Kugel durchdringenden conaxialen Cy linder von der Mitte aus gerechnet den Zahlen von 1 bis 6 proportional sind, so entsprechen die durch die Kreise begrenzten Ringe gleichen Inhalten im kugelförmigen Sternhaufen; bei gleichmässiger Vertheilung müsste also jeder Ring die gleiche Anzahl Sterne enthalten. In Wirklichkeit aber fallen diese Zahlen folgendermassen aus: = 2/0 Zahl der Sterne 501 = 2.9 132 = 3.65 66 = 4.3 58 = 5.0 38 = 6.0 31 Der Ort des Schwerpunktes selbst, Uber dessen Lage sich hier zum ersten Male Untersuchungen anstellcn Hessen, ergab sich zu 16 h 37 ra 47!l -+- 36°40'13" für 1S91.0. Im Mittel aus den besseren Ortsbestimmungen des Sternhaufens als ganzen Objects erhält man den Werth 16 h 37 m 46f6 + 36°40'2" für eine etwa 30 Jahre zurückliegende Epoche. Die ziemlich starke Abweichung der beiden Werthe in Declination dürfte aber weniger auf Eigenbewegung zurückzuführen sein als auf den Umstand, dass die Maximalhelligkeit des Haufens etwa 10" bis 15" südlicher liegt als der geometrische Schwerpunkt. Bei der Ausmessung dieses Sternhaufens habe ich zum ersten Male auf das Auftreten persönlicher Einstellungsfehler bei photographischen Messungen, die von der Helligkeit der Sterne abhängen, aufmerksam gemacht. Der ziemlich grosse Sternhaufen Messier 36, G. C. 1166, ist unter Benutzung von drei Platten von S. Oppenheim*) ausgemesseu worden. Die Aufnahmen wurden mit dem photographischen Refractor der v. Kuffner- schen Sternwarte erhalten, und zwar bei Expositionszeiten von 30™, l h 24™, U32™. Auf letzterer Platte beträgt die Zahl der ausgemessenen Sterne 204 auf einem Areale, welches übrigens beträchtlich dasjenige des eigentlichen *) Publ. d. v. Kuffner’schen Sternwarte in Wien. 3, 273. 31S III. Geschichte der Hiinmelsphotographie. Sternhaufens übersteigt. Die Einstellungen geschahen bei den helleren Sternen nicht auf die Mitten der Stemscheibchen, sondern auf die Künder; eine völlige Elimination persönlicher Auffassuugsfehler wird hierdurch jedoch wohl nicht erreicht sein. Aus der Vergleichung der drei Platten unter einander resultiren folgende mittlere Fehler: U ()' Platte 3 und 2 ± 0?0184 ± 0"205 » 3 » 1 ±0.0163 ± 0.177 » 2 * 1 ±0.0190 ± 0.203. Die zwischen den Aufnahmen restirenden constanten Unterschiede sind nur in Decliuation merklich. Eine Anzahl der gemessenen Sterne ist auch in den Leydener Zonen durch Meridianheohachtimgen festgelegt, sowie durch eine von Valentiner ausgefiihrte directc mikrometrische Ausmessung des Sternhaufens. Die constanten Unterschiede gegen letztere sind ziemlich beträchtlich, gegen die erstereu dagegen recht klein; die mittleren Fehler gestalten sich bei diesen Vergleichungen wie folgt: « d Vergleich mit Leyden ± 0:0429 ± 0"377 » » Mannheim ± 0.0562 ± 0.783. Sie sind also ganz beträchtlich höher als aus der Vergleichung der Photographien unter einander. Von Donner*) und Backlund ist der Sternhaufen 20 Vulpeculae ausgemessen worden nach zwei mit dem Helsingforser Photographischen Kefractor aufgenommenen Platten von 20 ra und l b Expositionszeit. Ein wesentlicher Zweck dieser Untersuchung war die Feststellung der Genauigkeit, die hei einem möglichst geringen Aufwand an Zeit und Arbeit zu erreichen ist. Trotzdem die Expositionszeiten der beiden Aufnahmen sehr verschieden sind, und obgleich persönliche Einstellungsfehler nicht berücksichtigt wurden, besteht eine merkliche constaute Ditferenz zwischen den beiden Platten nicht, und als w. Fehler einer gemessenen Coordinate resultirt in cos öJa ± 0?0J26 und in Jö ± O'.'ll. Der Sternhaufen 20 Vulpeculae ist auch von Schulz in Upsala ausgemessen worden. Die Vergleichung mit den Sckulz’schen Positionen giebt den ziemlich grossen constanten Unterschied von —0!040 und 0'.'55, *) Donner, A. und Backlund. 0. Positionen von 140 Sternen des Sternhaufens 20 Vulpeculae nach Ausmessung photographischer Platten. Bull, de l’Acad. Imp. St. Pötersbourg. V. Serie. 2, Nr. 2. Die Fixsterne. 319 der wolil weniger auf Eigenbewegung zurückzuführen sein dürfte als auf einen Unterschied der beiderseitigen Nullpunkte, und zwar scheint es, als oh Schulz den hellen Stern 20 Vulpeculae anders aufgefasst habe als die übrigen schwächeren Sterne. Auch zur Lösung der allerschwierigsten Messungsaufgaben der Astronomie, zur Ermittelung von Fixsternparallaxen, ist die Photographie bereits mit Erfolg verwendet worden. Ausser den bereits bekannten Vorzügen der photographischen Methode kommt gerade hierbei noch ein sehr wesentlicher hinzu, nämlich die Möglichkeit, schwächere und daher eventuell besser gelegene Vergleichssterne benutzen zu können. Auch auf diesem Gebiete ist Rutherfurd bahnbrechend vorgegangen und hat eine grosse Anzahl systematischer Aufnahmen zur Parallaxenbestimmung hellerer Sterne hergestellt. Die Reduction einiger derselben ist allerdings erst in den letzten Jahren von Seiten der Columbia-Sternwarte erfolgt. Die erste derselben bezieht sich auf den Stern u Cassiopejae und ist in sorgfältiger Weise von H. Jacoby*) ausgeführt worden. Die Zahl der benutzten Platten mit je zwei Aufnahmen beträgt 28, aufgeuommen in dem Zeitraum von 1870 Juli bis 1873 December. Jacoby hat nur die Distanzen in Rechnung gezogen und hierzu ursprünglich drei Paare von Vergleichssternen benutzt, später jedoch noch eiu viertes Paar hiuzuge- nommen, bei dem an Stelle des Sterns 0 Cassiopejae eiu anderer gewählt wurde, weil für ersteren selbst der Verdacht einer merklichen Parallaxe entstand. Die für die vier Paare erhaltenen Wertlic der Parallaxe sind die folgenden nebst ihren w. Fehlem: Vergleichssterne a und b c » d e » f c » 0 71 + 0'/249 dz 0'.'045 -r 0.266 ± 0.035 + 0.324 ± 0.050 + 0.151 d= 0.026. Die starke Abweichung des Parallaxenwerthes für das Paar c und 0 gab Veranlassung, für 0 ebenfalls die Parallaxe zu rechnen, und als End- werthe findet Jacoby: Parallaxe von u Cassiopejae + 0'.'275 dz o'.'024 » » 0 Cassiopejae 4- 0.232 dz 0.067. Struve hat für die Parallaxe von u Cassiopejae den Werth 0'.'251 aus Distanzmessungen und 0'.'425 aus Positionswiukelu abgeleitet. Der * Jacoby, II. The Parallaxes of fi and 0 Cassiopejae .... Ann. New York Acad. 8. 320 III. Beschichte der Himmelsphotographie. Bessel’sche Werth der Parallaxe von —0'.'12, abgeleitet aus Beet- ascensiousdifferenzen gegen ß Cassiopejae scheint die Existenz einer starken Parallaxe von ß Cassiopejae zu bestätigen, wenngleich ihr w. Fehler beträchtlich grösser ist als der Werth selbst, nämlich dz 0729. Jedenfalls darf man den oben gegebenen Werthen für die Parallaxe von u Cassiopejae dasselbe Vertrauen entgegenbringen, wie den bisher nach directen Beobachtungen gefundenen Parallaxen im allgemeinen. In ganz entsprechender Weise ist die Parallaxe von rj Cassiopejae von II. S. Davis*) abgeleitet worden. Die Zahl der Platten beträgt hier 27, in demselben Zeiträume aufgenommen wie diejenigen für u Cassiopejae. Davis hat sogar sechs Paare von Vergleichssternen benutzt, von denen allerdings nur drei günstige Lage in Bezug auf die parallaktischen Coeffi- cienten besitzen. Die gefundenen Wertlie sind: Vergleichssterne a und e c » d e » f 9 * Ä i » j k » 1 71 + o:'349 =h 0'.'086 + 0.3S5 dz 0.084 + 0.568 dz 0.056 + 0.662 ± 0.078 + 0.660 ± 0.138 + 0.297 ± 0.155. Wenn auch die Einzelabweiehungen recht stark sind, so darf doch der von Davis aus den drei ersten Paaren gewonnene Mittelwerth der Parallaxe von 0'.'443 dz 0'.'043 insofern als sicher angenommen werden, als er eine ziemlich grosse Parallaxe wahrscheinlich macht. O. Struve hat aus Distauzmessungen allerdings nur einen sehr kleinen Werth erhalten: 0'.'096 ± 0'.'051, dagegen aus den Positionswinkeln den starken Werth 07373 dz 07098. Schweizer und Sokoloff haben folgende Parallaxen gefunden: aus den Distanzen 07374 dz 07072 und aus den Positionswinkeln 07139 dz 07085. Sehr zahlreiche Parallaxenbestimmungen sind unter Pritckard**) in den Jahren 1887 bis 1892 durch Plummer und Jenkins ausgeführt worden. Die Aufnahmen wurden mit einem Spiegelteleskope von 13 Zoll Oeffnung und 10 Fuss Focalweite angefertigt und erstrecken sich, für jeden Stern auf etwa ein Jahr. Es wurde nur je ein Paar Vergleichssterne benutzt, und allein die Distanzen wurden in Kechnung gezogen. Die erhaltenen Parallaxen sind die folgenden: *) Davis, II. S. The Parallax of rj Cassiopejae . . . Arm. New York Acad. 8. **) Pritcliard, Ch. Researches in Stellar Parallax by the of Aid of Photographie Observ. Oxford Observ. 1889 und 1892. Die Fixsterne. 321 a Androm. + 0"05S ß Cassiop. + 0.157 a Cassiop. + 0.036 V Cassiop. + 0.018 i-t Cassiop. + 0.038 ß Androm. + 0.074 a Urs. Min. + 0.078 Ci Arietis + 0.083 ß Persei + 0.060 a Persei + 0.087 ß Tauri + 0.063 ß Aurigae + 0.062 7 Gemin. — 0.023 ß Urs. Maj. + 0.088 a Urs. Maj. + 0.046 ,i Leonis + 0'.'029 7 Urs. Maj. + 0.095 e Urs. Maj. + 0.081 i. Urs. Maj. — 0.046 fi Urs. Min. + 0.029 u Coronae — 0.037 / Draconis + 0.050 7 Cygni + 0.104 f. Cygni + 0.129 61, Cygni +0.433 61 2 Cygni + 0.435 a Cepliei + 0.058 e Pegasi + 0.083 a Pegasi . + 0.081 Die w. Fehler dieser Parallaxen sind sehr klein, was um so auffallender erscheint, als die Untersuchung nur als eine sehr schematische bezeichnet werden kann, wie sie im allgemeinen bei der Schwierigkeit des Problems nicht angebracht ist. Schon Jacoby*) hat darauf aufmerksam gemacht, dass systematische Fehler vorhanden sind, und dass man, mit Ausnahme der beiden Sterne 61 Cygni und vielleicht noch von ß Cassiopejae, aus den vorstehenden Werthen nur schliessen kann, dass die betreffenden Sterne sehr starke Parallaxen nicht haben werden. Es kann nicht dringend genug darauf hingewiesen werden, dass die Dis- cussion photographischer Messungen keineswegs eine leichtere ist, als diejenige directer Messungen am Fernrohr, sondern dass eben wegen der vermehrten Einzelgenauigkeit sie eine noch sorgfältigere und profundere sein muss. Ein Beispiel für eine derartig sorgfältig durchgeführte Untersuchung liefert eine Parallaxenbestimmung von 61 Cygni durch J. Wilsing, die als solche aber zur Zeit noch nicht veröffentlicht ist, mit Ausnahme**) eines dabei unerwartet gefundenen Ergebnisses über die Veränderlichkeit des Abstandes der beiden Componenten. Die Untersuchung stützt sich auf ein Plattenmaterial von 110 Stück mit 386 Einzelanfnahmen, und es ergab sich im Laufe derselben das Vorhandensein einer Fehlerquelle, die *) V. J. S. 28, 117. **) Wilsing, J. Ueber eine anf photographischem Wege entdeckte periodische Veränderung des Abstandes der Componenten von 61 Cygni. Sitzungsb. der Berl. Acad. 1S93. Scli ein er, Photographie der Gestirne. 21 322 III. Geschichte der lliminelspliotographie. nach sorgfältiger Discussion nur auf eine reelle periodische Veränderung des Abstandes der beiden Componenten von 61 Cygni zurückgeflihrt werden konnte. Es liegen folgende Mittelzahlen für die Distanzen der Componenten vor: Distanz Abweichung vom Mittel 1890 October 18 20799 + 07041 » November 5 20.91 — 0.039 » December 17 20.95 + o.ooi 1891 Februar 4 20.98 + 0.031 Mai 13 20.91 — 0.039 » Juni 14 20.77 — 0.179 » August 25 21.02 + 0.071 » September 17 20.98 4- 0.031 October 13 21.06 + 0.111 » November 11 21.08 + 0.131 X* December 17 21.10 + 0.151 1892 Januar 15 21.04 + 0.091 » Mai 16 20.94 — 0.009 > Juni 15 20.96 + 0.011 1893 Januar 13 20.94 — 0.009 » März 24 20.79 — 0.159 April 15 20.78 — 0.169 » Mai 14 20.86 — 0.089 » Juni 11 20.90 — 0.049 Juli 18 20.97 + 0.021 August 15 20.96 + 0.011 » September 8 20.98 + 0.031 Eine hiernach gezogene Curve hat folgenden Verlauf. Bis April 1891 verläuft sie nahezu horizontal; alsdann nimmt die Distanz bis Ende Juni um 0'.'2 ah, wächst in den folgenden fünf Monaten wieder um mehr als 0'.'3 und erreicht ein Maximum im December. Nunmehr nimmt die Entfernung bis zum Juni 1892 wieder um 0715 ah. Bis Ende 1892 liegen keine Beobachtungen vor; dann folgt eine schnelle Abnahme von 072 bis zu einem Minimum im April 1893. Von da nimmt die Distanz wieder zu und hat bis Juli 1893 den Minimalbetrag bereits wieder um 0'.'2 überschritten. Hiernach scheint eine Distanzänderung von 073 in einer Periode von 22 Monaten vor sich zu gehen, deren Ursache nur in dem Vorhandensein eines oder mehrerer unsichtbarer Begleiter der Sterne gesucht werden kann. Die Fixsterne. 323 Eine nachträgliche Bestätigung dieser Entdeckung ist durch eine neue Discussion der Pritchard’schen Aufnahmen zur Bestimmung der Parallaxe von (31 Cygni gegeben worden, und zwar von Jacoby. Von verschiedenen Seiten ist in neuerer Zeit in Vorschlag gebracht worden, Sterne mit stärkerer Parallaxe einfach dadurch zu entdecken, dass von derselben Gegend des Himmels zwei Aufnahmen mit einem halben Jahre Zwischenzeit gemacht würden, deren Betrachtung im Stereoskope ohne Weiteres die mit Parallaxe behafteten Sterne erkennen lassen würde. Die Unterscheidung von Eigenbewegungen würde durch eine dritte, wiederum ein halbes Jahr später angefertigte Aufnahme erfolgen. Oder es sollten die in den nämlichen Zwischenräumen zu machenden Aufnahmen auf derselben Platte erfolgen; nach der späteren Entwickelung würde dann eine längliche Gestalt der Sternscheibchen die Parallaxen verrathen. Praktische Anwendung scheinen diese Vorschläge bisher nicht gefunden zu haben, und man muss gestehen, dass die Wahrscheinlichkeit der Auffindung von Parallaxen auf diesem Wege nicht sehr gross ist, da bei dieser rohen Methode selbstverständlich nur sehr starke Parallaxen von mehreren Bogensecunden gefunden werden könnten, deren Existenz nach den bisherigen Erfahrungen unwahrscheinlich ist. Die in der Fixsternastronomie durch die Photographie bisher gelieferten Resultate, deren hauptsächlichste eben in Kürze erwähnt worden sind, lassen bereits ein definitives Urtheil über die Bedeutung der nunmehr eingeführten photographischen Methoden für diesen Zweig der Astronomie zu. Dieses Urtheil kann nur dahin lauten, dass bei Verwendung von weit weniger Mühe und Arbeit als bei directen Beobachtungsmethoden sich doch die gleiche Exactheit erzielen lässt, dass aber bei etwa gleichem Aufwande von Arbeit und Sorgfalt die zu erreichende Genauigkeit eine merklich höhere wird als bei den feinsten bisher angewandten directen Messmethoden. Dazu kommt noch, dass die photographische Methode, selbst unter Verwendung von Fernrohren nur mittlerer Grösse, diese gesteigerte Genauigkeit auf so schwache Sterne ausdehnen lässt, wie sie selbst in den mächtigsten Instrumenten direct überhaupt nicht mehr der .Messung unterworfen werden können. Es wird sich schwerlich nur ein Astronom heute finden lassen, der dieses Urtheil nicht unterschriebe, und es muss sich daher die Anwendung der photographischen Methode in der Fixsternastronomie, speciell in den mikrometrischen Messungen, immer mehr einbürgern. Die Zeit kann nicht mehr sehr ferne seiu, in der eine Umkehrung der jetzt bestehenden Verhältnisse eingetreten sein wird, in der es eine Ausnahme sein wird, 21 * 324 III. Geschichte der Himmelsphotographie. wenn man eine Untersuchung auf dem angeführten Gebiete durch directe Beobachtung ausführt. Aber noch in anderer Richtung zeigen die photographischen Methoden gewaltige Vorzüge: in der Leichtigkeit, mit welcher für verhältnissmässig grosse Flächen die Kartendarstellung des Himmels bis zu den allerschwächsten Sternen hin möglich ist. Es braucht nur daran erinnert zu werden, dass es den Gebrüdern Henry gelang, in dem Sternbilde des Schwans, allerdings in der reichsten Gegend der Milchstrasse, eine Aufnahme von vier Quadratgrad Fläche zu erhalten, die etwa 10000 Sterne enthielt. In der Umgebung von t Orionis — bei ebenfalls ungefähr vier Quadratgrad Flächenraum — erhielt ich mit einstiindiger Expositionszeit 1100, mit achtstündiger Uber 7000 Sterne, während auf der gleichen Fläche die Bonner Durchmusterung nur 125 enthält. Koch bessere Beispiele bieten die Aufnahmen von dichtgedrängten Sternhaufen, wie die schon erwähnte des Sternhaufens im Hercules mit über 800 Sternen auf einem Flächenraume, der dem 16. Theile der scheinbaren Mondoberfläche entspricht, oder diejenige des Sternhaufens w Centauri (Gill), dessen Componenten nach Tausenden gezählt werden müssen. Einen ganz ausserordentlichen Fortschritt hat durch die Photographie die Darstellung der Milchstrasse gewonnen. Während die grösseren photographischen Instrumente die Milchstrasse vollständig anflösen, geben die kleineren Objective mit verhältnissmässig kurzer Brennweite Bilder, auf denen der allgemeine Zug der Milchstrasse und ihre gröbere Structur viel contrastreicher und also deutlicher zu erkennen ist, als bei Betrachtung mit dem blossen Auge oder mit kleineren Fernrohren. Die in dieser Beziehung besten Aufnahmen werden erhalten, wenn Oeffnung, Brennweite und Definition der Objecte in derartigem Verhältnisse zu einander stehen, dass in den dichtesten Theilen der Milchstrasse die Scheibchen der Sterne eben in einander fliessen. Diese Stellen werden dann im Negativ fast schwarz, ohne dass die Auflösung in einzelne Sterne ganz aufgehört hätte; in den weniger dichten Stellen bleibt der Himmelsgrund völlig klar, und auf diese Weise kommt eine äusserst contrastreiche und dabei doch völlig naturgetreue Darstellung zu Stande. Die besten Aufnahmen dieser Art sind von Barnard erhalten worden, und nächst den Mondphotographien stellen dieselben wohl die schönsten je am Himmel gemachten Aufnahmen dar. Sie lassen deutlich den äusserst complicirten Bau der Milchstrasse und ihren Zusammenhang mit ausgedehnten Nebelflecken erkennen und zeigen vor allem die charakteristische Neigung der Milchstrassensterne zu Gruppenbildungen, die oft derartig ausgeprägt sind, dass sich Stellen allergrösster Sterndichtigkeit unmittelbar an fast gänzlich Die Fixsterne. 325 sternlose Flächen anschlicssen, die von einer solchen Ausdehnung sind, dass von zufälliger Gruppirung keine Rede sein kann, sondern dass in diesem Falle schon die blosse Betrachtung zu wichtigen Schlüssen Uber die Constitution der Milchstrasse führt. Besonders ausgezeichnete Stellen dieser Art befinden sich hei y Aqui- lae, ferner in der Nähe des Sternhaufens Messier 11, wo die Grenzen der Milchstrasse äusserst scharf und schroff sind und canalähnliche leere Stellen in den dichtesten Theilen auftreten. Die auffallendste Stelle ist aber hei 18 h 10'" und —20°. Sie ist schon auffallend in dem Atlas der Bonner südlichen Durchmusterung, wo nur die Sterne bis zur 10. Grösse eingezeichnet sind. Auch im Sternbilde des Schwans tritt die Erscheinung vielfach auf, besonders in der Nähe von a Cygni. Dagegen bietet die Gegend hei ß Cygni das Beispiel einer grossen Ausdehnung der Milchstrasse in gleichförmiger Dichtigkeit; erst nach dem Rande zu tritt wieder merkliche Unglcichförmigkeit ein. Es ist mir nicht bekannt, oh Schlüsse hieraus bereits schon von anderer Seite ausgesprochen worden sind; sie erscheinen mir aber als ganz selbstverständlich. Das unmittelbare Nebeneinander von sehr dichten und sehr leeren Stellen steht in völligem Widerspruche zu der ziemlich weit verbreiteten Ansicht, dass die Sterndichtigkeit der Milchstrasse wesentlich abhängig sei von der Strecke, durch welche wir hindurchsehen, dass also die Ausdehnung des Milchstrassenringes in der Ebene der Milchstrasse eine beträchtlich grössere sei als in der darauf senkrechten Richtung. Wäre dies der Fall, dann könnten auffallend leere Stellen inmitten grösster Dichtigkeit nur durch sternleere Räume von röhrenartiger Form, deren Axen ausserdem noch auf uns zu resp. auf das Centrum der Milchstrasse gerichtet sein müssten, erklärt werden, und das scheint mir bei der Häufigkeit des Vorkommens solcher Stellen äusserst unwahrscheinlich. Nimmt man dagegen an, dass wenigstens in den Theilen der Milchstrasse, wo diese Erscheinung auftritt, die Ausdehnung des Milchstrassengürtels höchstens von der Ordnung der Milch- strassenbreite ist, oder wohl noch geringer, dass also die Milchstrasse mehr einem wirklichen Gürtel ähnelt, als etwa dem Saturnsringe, so verschwindet jegliche Schwierigkeit in der Erklärung. Auf eine andere Eigentkümlichkeit, welche die Milchstrassenphoto- graphien zeigen, ist schon von verschiedenen Seiten hingewiesen worden, und man hat derselben, meines Erachtens ohne Berechtigung, besondere Wichtigkeit beigelegt. Es betrifft dies die häufig perlschnurähnliche Aneinanderreihung hellerer Sterne. Fast an jeder etwas dichteren Stelle der Milchstrasse fallen diese Aneinanderreihungen sehr auf; sie erstrecken sich häufig bis über 10 oder 12 oder noch mehr Sterne und bilden die 326 III. Geschichte der Himmelsphotographie. verschiedensten Cnrven. Derartige Gebilde aber haben zweifellos keine reelle Grundlage. Sie entstehen stets bei durch Zufall vertheilten Scheibchen, deren Durchmesser nicht viel kleiner als die mittleren Distanzen sind. So kann man sie sehr schön auf Steinplatten zu Beginn eines Regens beobachten. Auch der Atlas der Bonner Durchmusterung zeigt in den dichtesten Partien, wo die eben ausgesprochene Bedingung erfüllt wird, die Kettenbildung. Sobald man Aufnahmen von der Milchstrasse in grösseren Refractoren macht, verschwindet die Erscheinung vollständig, weil dann die Scheibchen im Verhältniss zu den Distanzen klein werden und damit das physiologische Bedürfnis» zur Aneinanderreihung verschwindet. Die Wahrscheinlichkeit für die Realität von Sternketten in der Milchstrasse würde gewinnen, wenn nicht beliebige Figuren der Ketten oder Schnüre vorhanden wären, sondern ganz bestimmte, z. B. geradlinige. Nun giebt es allerdings auch derartige, nicht allzu willkürlich gekrümmte, von denen besonders eine bei IS' 1 10™ — 20° sehr auffallend ist. Hier befindet sich eine nur wenig gekrümmte, sich Uber mehrere Grad hin erstreckende Kette hellerer Sterne, an deren einem Ende als Fortsetzung eine sternleere Linie von ähnlicher Länge sich ansetzt, so dass allerdings ohne AVeitercs der Eindruck entsteht, als wenn eine Reihe von Sternen sich fortheAvegt und eine Lücke hinterlassen hätte. Dazu kommt noch, dass gerade an dieser Stelle der Milchstrasse eine Neigung zur Bildung von sternleeren Canälen herrscht, die in entschiedener Beziehung zu einer fast ganz sternleeren Stelle stehen. Bei dieser Kette fällt es allerdings sehr schwer, sich dem Eindrücke einer reellen Grundlage der Erscheinung zu entziehen, und doch möchte ich dies thun. Man muss eben bedenken, dass eine Gruppirung, die für sich betrachtet ohne allen Zweifel als durch inneren Zusammenhang gegeben erscheint, hei der ganz enorm hohen Zahl der vorhandenen Möglichkeiten noch durchaus unter das Gesetz des Zufalls fallen kann. AVenngleich photometrische Ergebnisse in Betreff der Fixsterne nicht in den Rahmen dieses Buches gehören, so mögen doch der Yoll- ständigkeit halber die wichtigsten auf photographischem Wege erlangten hier Erwähnung finden. Weiche Leistungen man auf dem Gebiete der Fixsternphotometrie von der Anwendung der Photographie bereclitigter- massen erwarten darf, ist bereits in dem Capitel über die photographische Photometrie auseinandergesetzt worden. Von positiven Ergebnissen liegen auf diesem Gebiete bisher nur wenige vor. Als erstes dieser Art ist die photographische Durchmusterung von Pickering zu betrachten, die jedoch nicht dazu herangezogen werden Die Fixsterne. 327 kann, die Vorzüge der photographischen Methoden darzutlmu, da sie nicht mit der Sorgfalt durchgeführt ist, wie man sie von astronomischen Arbeiten zu erwarten berechtigt ist. Einen sehr werthvollen Specialeatalog der photographischen Helligkeiten von über 500 Plejadensternen hat Charlier*) geliefert. Die Aussetzungen theoretischer Natur, welche bereits in Kürze auf pag. 216 angegeben worden sind, beeinträchtigen die Güte des Catalogs nicht in merklicher Weise, und da gerade in der Plejadengruppe die Sterne im allgemeinen von einer sehr gleichartigen Constitution I. Spectralclasse) zu sein scheinen, so wird dieser Catalog bei allen späteren photographischphotometrischen Untersuchungen von grundlegender Bedeutung sein. Das umfangreichste, auf photographischem Wege gewonnene Material ist dasjenige, welches Kapteyn**) in der südlichen Durchmusterung erhalten und bearbeitet hat, und welches, ähnlich wie die Grössen der Bonner Durchmusterung für den nördlichen und den südlichen Himmel bis — 25°, für alle astronomischen Untersuchungen am südlichen Himmel von — 23° bis zum Pole Verwendung finden wird. Auf Grund eines Theiles dieses Materials hat nun Kapteyn eine Untersuchung über die Abhängigkeit der Sternfarbe von der Position der Sterne in Bezug auf die Milchstrasse durchgeführt, für welche allerdings noch eine Bestätigung durch andere Methoden sein - erwünscht sein würde — die übrigens bereits an der Cap-Steruwarte angebahnt ist —, deren Resultate aber auch ohne diese Bestätigung schon von hohem Interesse sind. Dieselben sind von Kapteyn in folgenden Sätzen kurz zusammengefasst: »IT Die Variation der Sterndiclitigkeit in den verschiedenen Gegenden des Himmels, wie sie aus den Zählungen auf den photographischen Platten folgt, ist sehr verschieden von derjenigen, wie sie sich aus den directen Beobachtungen von Schönfeld und Gould ergiebt. In einigen Gegenden enthält die photographische Durchmusterung dreimal mehr Sterne als die Schönfeld’schc südliche Durchmusterung auf demselben Areal, während in anderen Gegenden Schönfelds Catalog der reichere ist und liier die doppelte Zahl der Sterne des photographischen Catalogs enthalten würde, wenn nicht die sternärmsten Aufnahmen mit etwas grösseren Expositionszeiten wiederholt worden wären. Ein analoges Resultat ergiebt sich durch die Vergleichung mit Goulds Catalog. »2. Entsprechend diesem Unterschied in der Zahl der Sterne findet man, dass gleiche Durchmesser der Sternscheibchen von Sternen sehr *) Publ. der Astron. Gesellsch. 19. **) Cape Photographie Durchmusterung. London 1895. Bull, du Comite. 2, 131—158. 328 III. Geschichte der Himmelsphotographie. ungleicher Helligkeit in den verschiedenen Gegenden des Himmels hervorgebracht worden sind. »d. Die Differenz zwischen directer und photographischer Helligkeit ist zum Theil entstanden infolge meteorologischer Zustände und Verschiedenheiten in der Empfindlichkeit der photographischen Platten; aber hauptsächlich hängt sie ab von der Stellung der Sterne relativ zur Milchstrasse, und zwar beträgt die Variation für jeden Grad der galaktischen Breite ungefähr 0.01 Grössenclassen. »4. Diese Variation der Differenz, directe — photographische Helligkeit, muss abhängen a) von systematischen Fehlern der directen Grössenschätzungen von Schönfeld und Gould; b) von systematischen Differenzen in der Farbe der Sterne. »Es ist sehr zu bedauern, dass keine genügende Uebereinstiinmung in der Bestimmung der ersten dieser Fehlerquellen vorhanden ist; das Einzige, was genügend festgestellt zu sein scheint, ist, dass diese Fehler, falls sie überhaupt einen merklichen Betrag haben, 0.2 bis 0.3 Grössenclassen nicht übersteigen. Wenn dies so ist, so kann man sich der Folgerung kaum entziehen, dass Differenzen der Art b) eine reelle Existenz haben. »Die von Pickering entdeckte Erscheinung, dass die Milchstrasse reicher als andere Gegenden des Himmels an Sternen ist, deren Spectra zur ersten Classe gehören, kann nur einen kleinen Theil der beobachteten Thatsachen erklären. Wir werden so zu dem Schlüsse geführt, dass, wenn man auch nur Sterne von ein- und demselben Spectraltypus betrachtet, die Sterne der Milchstrasse im allgemeinen blauer sind als die Sterne in anderen Gegenden des Himmels.« Der K ap tey n’sche Ausdruck, dass ein Stern blauer sei als ein anderer, besagt, dass bei dem einen Stern das Verhältuiss der Intensität des blauen Tlieiles des Spectrums zum weniger brechbaren grösser ist als bei dem anderen. Soll dies nicht mit einer Aenderung des Spectraltypus Zusammenhängen, also nicht auf dem verschiedenen Auftreten von Linien beruhen, so bleiben nur zwei Erklärungsarten übrig. Es könnte erstens bei den Sternen im Blau und Violett eine allgemeine Absorption vorhanden sein, die bei den der Milchstrasse näher gelegenen Sternen geringer wäre, als bei den entfernteren. Ueber eine derartige allgemeine Absorption ist bei den Sternen, besonders bei den bei weitem zahlreichsten des ersten Spectraltypus, nichts bekannt; ihr Nachweis würde auch bedeutende Schwierigkeiten bieten, vielleicht sogar unmöglich sein. Zweitens könnte infolge von Temperaturverschiedenheiten thatsächlich die Emission die angegebene Eigenthiimlichkeit zeigen. Dass bei geringen Die Fixsterne. 329 Temperaturen, die nicht allzuweit über der Glühtemperatur liegen, dies wirklich der Fall ist, ist allgemein bekannt; ob aber bei den hier allein in Frage tretenden sehr hohen Temperaturen noch merkliche Unterschiede in dem Emissionsverhältniss der verschiedenen Strahlungsarten auftreten, ist nicht nachzuweisen. Man muss deshalb der Kapteyn’schen Hypothese etwas vorsichtig gegenüber treten und zunächst lieber noch nach anderen Erklärungen suchen. Zwei derselben hat Kapteyn bereits erwähnt, davon eine physiologische, wonach bei Zonenbeobachtungen die Sterndichtigkeit einen Einfluss auf die Schätzungen der Grössen ausübt, in dem Sinne, dass bei grösserer Dichtigkeit die Sterne zu schwach geschätzt werden, d. h. dass also zu wenig Sterne aufgenommen werden. Kapteyn dürfte diese Ursache vielleicht etwas unterschätzt haben; ich habe nachgewiesen*), dass z. B. bei der Bonner südlichen Durchmusterung dieser physiologische Unterschied bis zu 0.3 Grössenclassen beträgt, und das würde in der Zahl der Sterne für die reichsten Gegenden nahe die Hälfte ausmachen, also bereits einen sehr merklichen Theil der von Kapteyn gefundenen Erscheinung deuten. Die zweite, ebenfalls von Kapteyn schon angegebene Ursache, eine Anhäufung der Sterne der ersten Spectralclasse in der Gegend der Milchstrasse, würde, falls richtig, in demselben Sinne wirken. Damit sind aber die möglichen Erklärungen noch nicht erschöpft; auch in den photographischen Aufnahmen selbst muss ein Theil der Erscheinung begründet sein. In der Milchstrasse ist an sehr vielen Stellen der Himmelshintergrund durch ausgedehnte Xebelmassen schwach erhellt; infolge der grösseren Sterndichtigkeit ist auch unsere Atmosphäre in der Bichtung nach der Milchstrasse hin durchweg etwas stärker aufgehellt als nach den Polen hin, und infolge beider Umstände findet bei lange dauernden Aufnahmen in der Gegend der Milchstrasse eine theilweise oder völlige Vorbelichtung der Platte statt, durch welche dieselbe in merklicher Weise empfindlicher wird, also schwächere und damit mehr Sterne abbildet. Es scheint mir durchaus nicht unmöglich, dass die erste und die dritte dieser Erklärungen, vielleicht auch noch in Verbindung mit der zweiten, für das Kapteyn’sche Phänomen ausreichen. *. Astr. Nadir. 110, 81 330 III. Geschichte der Himmelsphotographie. C'apitel VI. Die Nebelflecken. Die Bestrebungen, photographische Nachbildungen von Nebelflecken zu erhalten, hängen in ihren ersten Anfängen so eng mit den gleichzeitigen Versuchen über die Aufnahme der Fixsterne zusammen, dass sie hier nur kurz unter Anlehnung an die Darlegungen im Capitel der Fixsterne behandelt zu werden brauchen. Naturgemäss begannen diese Versuche erst, als durch die Benutzung der Trockenplatten die Empfindlichkeit des photographischen Processes sowohl direct, als auch indirect, durch die Möglichkeit einer längeren Exposition gegen früher eine sehr bedeutende Steigerung erfahren hattrn Im Jahre 1880 erhielt II. Drap er die erste gelungene Aufnahme des Orionnebels bei einer Expositionszeit von 51 Minuten. Er benutzte hierzu ein für die chemischen Strahlen achromatisirtes Objectiv von 18 cm Oefi'nung. Während diese Aufnahme nur die allerhellsten Theile des Nebels in der unmittelbaren Nähe des Trapezes aufweist, gelang es Drap er schliesslich im Jahre 18S2, durch beträchtliche Verlängerung der Expositionszeit bis zu über zwei Stunden den ganzen mittleren Theil des Nebels zur Abbildung zu bringen. In demselben Jahre erhielt Common mit seinem grossen Spiegelteleskope bereits bei einer Expositionszeit von nur 37 Minuten eine Aufnahme des Orionnebels, welche sich der Dra- per’schen noch beträchtlich überlegen zeigte. Common vermochte auch mit dem kleineren Objective von 10 cm Durchmesser, welches er zur Herstellung von Himmelskarten benutzte, in etwa '20 Minuten bereits ein deutliches Bild des Orionuebels aufzunehmen, eine Folge der grossen Lichtstärke dieses Objectivs für Flächenabbildungen wegen der verhält- nissmässig kurzen Brennweite desselben. Von dieser Zeit an hat sich eine grosse Zahl von Astronomen mit der Aufnahme von Nebelflecken beschäftigt, und es mögen hier zunächst nur die Namen derselben Platz finden: Roberts, Picke ring, Henry, Gill, v. Gothard, der Verfasser dieses Buches, u. a. m. Infolge dieser vielseitigen Bemühungen sind die Regeln für die Benutzung bestimmter Instrumente für die Aufnahmen der Nebelflecken durchaus klar gestellt. Für die allerhellsten Nebel, wie Orionnebel, die inneren Theile des Andromedanebels, Ringnebel in der Leier, den Nebel um /; Argus u. s. w., und die helleren planetarischen Nebel sind bei verhältnissmässig langen Expositionszeiten die für die Herstellung der Himmelskarte bestimmten Die Nebeldecken. 331 Refractoren von 34 cm Oeftüung und 3.4 m Brennweite nocli sein- gut geeignet. Sie sind vortheillmft wegen ihrer grossen trennenden Kraft, so dass sie noch in den kleinen planetarischen Nebeln, deren Durchmesser meist weit unter einer Bogenminute liegt, deutliche Einzelheiten erkennen lassen. Um schwächere Nebel zu photographiren, muss man Objective von verhältnissmässig viel kürzerer Brennweite benutzen; man geht hierbei mit Vortheil bis zu dem Verhältnisse von 1 : 3 für Oeffnung zu Brennweite hinunter und verwendet die aplanatisch construirten Porträtobjective oder Euryskope. Bei den schwächsten und dabei ausgedehnten Nebeln gehen diese Objective ganz überraschende Resultate; bei allen kleineren Objecten gehen wegen des kleinen Massstabes der Abbildung bei verhältnissmässig schlechter Vereinigung der Strahlen alle Einzelheiten verloren, und dann, also in der Mehrzahl der Fälle, treten die Reflectoren an ihre Stelle. Unter Verzichtleistung auf ein grosses Gesichtsfeld kann man bei Spiegeln bis auf Brennweitenverhältnisse von I : 8 oder noch darunter gehen, und dann sind dieselben thatsächlich lichtstarker für Flächenabbildungen als die Porträtlinsen mit relativ kürzeren Brennweiten, weil bei letzteren bereits eine sehr beträchtliche Absorption der ultravioletten Strahlen stattfindet. Es giebt heute wohl kaum — wenigstens am nördlichen Himmel — noch irgend einen durch Grösse, Form oder Helligkeit ausgezeichneten Nebelfleck, der nicht photographisch abgebildet wäre, und wenn auch hierbei von der Ausmessung der einzelnen Objecte noch keine Rede gewesen ist, so hat doch schon die blosse Betrachtung der Photographien zu sein- wichtigen Resultaten geführt. Es liegt in der Natur der Sache, dass eine Darstellung dieser Resultate eigentlich nur durch Reproduction der Aufnahmen erfolgen kann; da dies aber in diesem Werke nur auf wenige Fälle beschränkt bleiben muss, so will ich im Folgenden versuchen, in Kürze durch Hervorhebung der wesentlichsten Punkte ein ungefähres Bild von dem grossen Fortschritte zu geben, den die Kenntniss der Formen der Nebelflecken und ihrer Beziehung zu Fixsternen durch die Einführung der Photographie erfahren hat. Bei den grösseren, helleren, früher schon vielfach direct optisch untersuchten Objecten ist photographisch ausserordentlich viel mehr Detail zu erkennen als optisch; in vielen Fällen ist die wahre Gestalt und Structur früher überhaupt nicht festzustellen gewesen. Ein classisches Beispiel hierfür gewährt der grosse Andromedanebel. Derselbe erscheint in Fernrohren mittlerer Grösse als nahe elliptischer Nebel mit ziemlich gleich- mässig zunehmender Helligkeit bis zum Kerne hin. In den mächtigsten Instrumenten sind dann noch ein oder zwei canalartige dunklere Streifen gesehen worden, die nahe parallel zur grossen Axe liegen. Eine Vor- 332 III. Geschichte der Himmelsphotographie. Stellung- über die wahre Gestalt des Nebels im Kannte Hess sich hierdurch nicht gewinnen. Die erste gelungene Aufnahme des Nebels in dem Spiegelteleskope von Roberts gab diese Aufklärung ohne Weiteres. Der Andromedanebel ist ein flacher Spiralnebel, gegen dessen Kante wir unter einem ziemlich spitzen Winkel selten. Unter der Annahme, dass die äussere Begrenzung annähernd kreisförmig sei, würde dieser Winkel ungefähr 25° betragen. Die Ellipticität des inneren, sehr hellen Kerns ist beträchtlich geringer als die der Spiralstreifen, und hieraus könnte man schliessen, dass dieser Kern gegenüber den sehr flachen Spiralen eine merkliche Dickenausdehnung hat, nahe kugelförmig ist. In den Spiralen selbst ist eine. Neigung zur Bildung von Knoten sehr deutlich ausgesprochen. Die zahlreichen in dem Nebel und um ihn herum befindlichen schwachen Sterne zeigen ziemlich gleichförmige Vertheilung und scheinen nicht mit dem Nebel in physischem Zusammenhänge zu stehen. Das Gleiche dürfte wohl von dem in der Nähe befindlichen kleinen hellen Nebel G. C. 117 gelten. Auch er ist elliptisch geformt, mit hellem Kerne, zeigt aber keine feinere Structur und befindet sich ganz ausserhalb der Spiralen; seine grosse Axe ist gegen die des Andromedanebels um etwa 00° geneigt. Damit ist der Andromedanebel seiner wahren Gestalt nach erkannt; er gehört zur Classe der Spiralnebel, die eine verhältnissmässig einfache mechanische Deutung zulassen. Beim Orionnebel lassen die Aufnahmen mit grösseren Instrumenten einen ungeheuren Reichthum an Detail im mittleren hellen Tlieile erkennen. Aber die Anordnung dieses Details verräth nichts Gesetzmässiges; das Innere des Nebels ist eine chaotische Masse im vollsten Sinne des Wortes. Erst bei der Betrachtung der äusseren Partien beginnt eine einiger- masseu geregelte Structur kenntlich zu werden, die sich darin äussert. dass sich gekrümmte Strahlen von der Hauptmasse ablösen, die, nach Innen fortgesetzt gedacht, etwa den hellsten Theil des Nebels treffen würden. Eine völlige Aufklärung hierüber liefern aber die Aufnahmen des Nebels mit lichtstarken Instrumenten, die uns auf das deutlichste zeigen, dass die äussersten gekrümmten Strahlen nach Aussen hin sich zu einem Ringe Zusammenschlüssen, so dass der Nebel als Ganzes die Gestalt eines Siegelringes zeigt, bei dem allerdings die Masse, welche den Stein dieses Siegelringes darstellt, ganz ausserordentlich Uberwiegt. Ich glaube aber nicht, dass dies die wahre Gestalt des Nebels im Raume ist; vielmehr scheinen mir die von anderen Stellen des inneren Theiles ausgehenden Strahlen, deren Fortsetzungen nachdem entgegengesetzten Punkte des Ringes führen, anzudeuten, dass auch eine Drehung der jetzigen Projectionsebene immer wieder zu einer ähnlichen Gestalt fuhren würde, Die Nebelflecken. 333 dass also die Nebelmaterie eine Art von Kngelschale bildet, die an einer Stelle eine ganz ausserordentlich starke Verdichtung hat, deren innere Structur unseren Sinnen regellos erscheint. Auf der nordwestlichen Seite des inneren Theiles sind sehr charakteristische Anordnungen der Nehelmaterie zu bogenförmigen Gebilden vorhanden, und diese Bogen oder Strahlen treffen so auffallend in ihren Endpunkten mit schwachen Sternen zusammen, dass kaum an einer physischen Verbindung dieser Objecte mit den betreffenden Sternen ge- zweifelt werden kann. Aber auch für andere Sterne lässt sich ein solcher Zusammenhang mit dem Nebel nachweisen. Im Gegensätze zu den direc-ten Beobachtungen, die infolge einer Contrastwirkung die nächste Umgebung der Trapezsterne als nebelfrei erscheinen lassen, befindet sich gerade das Trapez in einem hellen und dichten Theile des Nebels, ebenso einige andere helle Sterne. Durch successive Verminderung der Expositionszeit lassen sich nun leicht Aufnahmen hersteilen, welche nur noch die hellsten Theile des Nebels schwach angedeutet zeigen, und die dann sichtbar werdende Form dieser hellsten Theile lässt ohne Weiteres ihre directe Verbindung mit den betreffenden Sternen erkennen. Dasselbe gilt auch für den in unmittelbarer Verbindung mit dem Orionnebel stehenden Nebel Messier 43, dessen Hauptstern diesem Nebel deutlich erkennbar physisch angehört. Beim Orionnebel ist es auch zum ersten Male möglich gewesen, die Exactheit der photographischen Methode in Anwendung zu bringen. Ich habe eine Ausmessung dieses Nebels in der Art versucht, dass ich die Positionen einer Anzahl hervorragender Punkte, als Maxima der Helligkeit oder Dunkelheit, geometrische Mitten von Nebelknoten, Ecken, Einbuchtungen u. s. w., bestimmt habe. Die wiederholte Ausführung dieser Messungen hat ergeben, dass sich Uber 150 solcher Punkte mit einem w. Fehler von unter 1" festlegen lassen, und es ist die Hoffnung vorhanden, dass die so ermittelten Positionen nach einem allerdings wohl erst sehr langen Zeiträume als Grundlage zur Ermittelung systematischer Bewegungen im Nebel zu dienen und damit einen weiteren Fortschritt in der Erkenntniss seiner Natur zu bringen vermögen. Einen ganz ausserordentlich complicirten Bau zeigen die Aufnahmen des Nebels um r] Argus, welche Gill mit dem 13 zölligen photographischen Refractor der Cap-Sternwarte unter Anwendung von Expositionszeiten bis zu 25 Stunden erhalten hat. Die Nebelmassen bedecken eine Fläche von ungefähr 4 Quadratgrad und sind in einer AVeise angeordnet, dass es ganz unmöglich ist, durch Beschreibung ein Bild dieses Nebels zu geben. Er zerfällt in zwei durch einen dunklen, fast ganz nebelfreien Canal getrennte Theile, von denen der hellere und kleinere Theil ziemlich scharf begrenzt erscheint und annähernd die Form eines Dreiecks besitzt. 334 III. Geschichte der Himmelsphotographie. Der andere Tlieil ist von ganz unregelmässiger und zerrissener Form. Die in dieser Gegend des Himmels sehr zahlreich vorhandenen Sterne scheinen an einzelnen Stellen ihrer Vertheilung nach mit dem Nebel in Conuex zu stehen, indessen ist ein bestimmtes Urtheil hierüber nicht möglich. Völlige Klarheit hat die Photographie Uber die Form der Spiralnebel gebracht (siehe Andromedanebel,. Die Spiralform dieser Objecte ist direct nur mit Mühe unter Benutzung der mächtigsten Fernrohre zu erkennen, so dass die Rossc’schen Beobachtungen lange Zeit angezweifelt worden sind. In der That sind die Hosse’schen Zeichnungen ganz ungeeignet, mehr zu geben als die Richtung der Spiralen, und erst H. C. Vogel hat am Wiener Refractor eine Zeichnung des Spiralnebels in den Jagdhunden, G. C. 3572—74, gefertigt, die eine deutliche Aehnliclikeit mit den Ergebnissen der Photographie besitzt. Die besten Aufnahmen hat v. Gothard mit einem nur 10zölligen Spiegelteleskope erhalten; eine genaue Reproduction derselben durch Zeichnung findet sich in Astr. Nachr. Nr. 2S54 (Vogel). Das Charakteristische der beiden daselbst wiedergegebenen Spiralnebel, G. C. 3572 — 74 und 2S38, besteht darin, dass die Spiralen verhältnissmässig sehr dünn sind und vielfach Unterbrechungen und Verdichtungsknoten zeigen. Bei dem ersten der beiden Nebel gehen vom Kerne aus zwei Spiralen dicht neben einander ab; die eine wird sehr hell und verwaschen und scheint nach einem halben Umlauf zu verschwinden oder sich mit der anderen zu verbinden. Bei der anderen lassen sich deutlich 2'/ 2 Umläufe verfolgen, doch hat sie an der Stelle, wo sie mit der ersten zu- sammenstösst, eine ziemlich complicirte Structur; von einzelnen hier befindlichen Knoten gehen sogar neue gekrümmte Arme ab. Das letzte Stück der Spirale ist äusserst schwach, endigt aber in einer helleren, breiten, dreieckigen Nebelmasse, die mit dem sehr hellen bekannten Knoten G. C. 3574 in Verbindung steht. Der Kern besteht aus einer fast kreisrunden Scheibe mit hellerem Rande und Verdichtung in der Mitte. Die Projectionsebcne scheint mit der Ebene der Spirale ziemlich zu- sammenzufallen. Bei dem Nebel G. C. 1838 ist die Spiralform weniger scharf ausgesprochen. Die Arme zeigen starke Knickungen, und ihr Zusammenhang mit dem unregelmässig geformten Kerne ist weniger deutlich zu erkennen. In Bezug auf die Abbildung anderer Gothard‘scher Nebelficckaufnahmen möge auf die an derselben Stelle publicirten Re- productioneu der Nebel G. C. 2373, 3321 und 2377 hingewiesen werden. Noch bei einigen anderen Nebeln ist ähnlich wie beim Andromedanebel durch die Photographie*) eine spiralige Structur mit Sicherheit *! E o b e r t 8 , J. A Selection of Photographs of Stars, Star Clusters and Nebulae. London 1895. Die Nebelflecken. 335 nachgewiesen worden. Hierher gehören z. B. die folgenden: G. C. 1561, 63, bei dem mehrere kräftige Spiralen von einem ziemlich scharfen hellen Kern abgehen, die übrigens bereits von Bosse erkannt worden sind; G. C. 1949: ein heller verwaschener Kern von einer schwächeren, ziemlich grossen Hülle umgeben, in der die Spiralform zwar deutlich, aber doch nur sehr zart angedeutet ist; G. C. 2052 besitzt einen völlig stern- artigen Kern, von dem zwei vollständig symmetrische Spiralen abgeheu, die aber ihrerseits in ebenfalls sternähnliche Knoten abgesclmUrt sind; in der Rosse’schen Zeichnung ist die spiralige Structur angedeutet, aber in der Beschreibung nicht erwähnt; G. C. 3770, 71: sehr ausgeprägter Spiralnebel mit hellem, scharfem Kern; die Spiralen selbst zerfallen in äusserst zahlreiche sternähnliche Verdichtungen, so dass der Nebel fast ganz in Sterne aufgelöst erscheint; von Rosse bereits als Spiralnebel erkannt. Die bisher besprochenen Nebel, deren Zahl sich noch sehr erweitern liesse, gehören sämmtlich zu den helleren Objecten, so dass sie sich zum Theil noch zu Aufnahmen mit den für Nebelflecken nicht besonders lichtstarken photographischen Rcfractoren eignen. Aber auch bei den schwachen und dabei meist ziemlich ausgedehnten Nebeln hat die Photographie zu einer wesentlichen Vermehrung unserer Kenntnisse beigetragen. Als erstes Beispiel möchte ich den von Barnard optisch entdeckten Nebel bei § Persei, N. G. C. Nr. 1499, erwähnen, der sich durch Aufnahmen von Archenhold, mir und neuerdings Barnard als einer der grössten Nebel entpuppt hat. Seine Längenausdehnung beträgt über 3°, seine Breite über 1°. Die Anordnung der schwächeren Sterne lässt recht deutlich einen physischen Zusammenhang mit dem Nebel, der im 'Wesentlichen aus zwei durch Brücken verbundenen Streifen besteht, erkennen. Ganz besonderes Interesse wegen ihres innigen Zusammenhanges mit den Sternen bieten die grossen Nebel in der Milchstrasse. Au sehr vielen dichten Stellen derselben lehrt die Photographie die Existenz von nicht auflösbarem Nebel kennen, der im allgemeinen seiner Form nach sich den durch die verschiedene Dichtigkeit gebildeten Configurationen der Sterne an- sckliesst und also zweifellos den interstellaren Raum der Sternanhäufungen in der Milchstrasse ausfüllt. Das beste Beispiel dieser Art bietet der von M. Wolf entdeckte grosse Nebel bei u Cygni; fernere Beispiele bilden einige Nebel bei y Cassiopejae. Die Gestalt dieser grossen Milchstrassen- nebel ist sehr verschieden; nach Wolf*) ist die typischste Form diejenige eines Trichters, dessen Spitze in einer der im vorigen Capitel erwähnten *j Zur Erklärung der Kettenbildung der Gestirne. Astr. Nachr. 135, 11. 336 III. Geschichte der Himmelsphotographie. Sternketten endigt. Icli habe bereits erwähnt, dass ich derartige Sternketten nicht für reelle Systeme halte, und kann mich deshalb auch nicht der Wolf’schen Erklärung dieser Ketten im Zusammenhänge mit der Trichterform der Nebel anschliessen. Wolf nimmt an, dass sich der Nebel in einer Rotation befindet und sich infolge dessen die Materie trichterartig absclmürt und so Aneinanderreihungen von Sternen au der Spitze des Nebels entstehen. Auch aus mechanischen Gründen dürfte diese Hypothese sehr wenig Wahrscheinlichkeit besitzen. Ein anderer sehr grosser Milchstrassennebel befindet sich Ende I7 h und —28°. Die Structur dieses Nebels entspricht vollständig der der Milchstrasse selbst. Derartige Beispiele Hessen sich ausserordentlich vermehren, besonders hat Barnard*) viele solcher Stellen aufgefunden. Barnard macht darauf aufmerksam, dass es besonders die helleren Sterne der Milchstrasse seien, deren Configurationen sich die Nebel anschliessen. Dies dürfte aber durchaus nicht überall die Regel bilden; vielmehr scheint mir die Sterndichtigkeit überhaupt der massgebende Factor zu sein; gerade an den dichtesten Stellen befinden sich auch naturgemäss die meisten helleren Sterne. Ein ganz merkwürdiges Object befindet sich in der Nähe von k Cygni. Schon J. Herschel hat die eigenthiimliche schlangenartige Form dieses sehr langen Nebelstreifens erkannt; aber die charakteristische Structur des Streifens, seine Zusammensetzung aus ganz dünnen Nebelfäden, ist erst durch die Photographie (Roberts) zu Tage getreten. Der Streifen beginnt etwa 25' nördlich von k Cygni als einzelner heller Faden, tlieilt sich dann bald in mehrere durch einander verflochtene Fäden, die nach Süden gehend immer schwächer werden und schliesslich etwa 30' südlich von k Cygni verschwinden. Er liegt gerade an der Grenze der Milchstrasse, scheint aber mit den dort befindlichen Sternen in keiner Verbindung zu stehen. Ein Nebel, dessen grosse Ausdehnung und complicirte Structur erst durch die Photographie bekannt geworden ist, ist der Nebel um ’C Orionis; auf ihn ist zuerst von Wolf aufmerksam gemacht worden. Nach meinen Aufnahmen scheint er weder mit 'C Orionis, noch mit anderen Sternen in Verbindung zu stehen. Er erstreckt sich in Form eines spitzwinkeligen Dreiecks, dessen folgende Seite ziemlich scharf begrenzt ist, etwa 1 VA nach Süden; eine kleinere, aber hellere Partie folgt nördlich auf C Orionis und besteht aus regellos zusammengesetzten Nebelknoten, in Form und Structur an den Omeganebel erinnernd. *) Photographie Nebulosities and Star Clusters connected with the Milky Way. Astr. and Astrophys. 1S94. Die Nebelflecken. 337 Höchst interessante Nebel befinden sich in der Plcjadengruppe, von denen vor Anwendung der Photographie nur der den Stern Merope umgebende bekannt war, während jetzt noch diejenigen um Maja und Al- cyone hinzugekommen sind. Diese Nebel sind besonders merkwürdig durch ihre streifige oder faserige Natur; sie liegen zwar ziemlich symmetrisch um die betreffenden Sterne herum, bestehen aber aus nur schwach gekrümmten, unter sich parallelen Fasern; ausserdem liegt das Faserhündel bei Merope noch parallel zu dem bei Alcyone, während die Faserrichtung beim Majanebel einen Winkel von etwa 60° gegen die anderen bildet. Eine Vorstellung von der wahren Gestalt dieser Nebel im Raume lässt sich nur schwer gewinnen, besonders in Rücksicht auf ihre Stellung zu den Centralsternen. Durch schwache Streifen scheinen die drei Nebel mit einander verbunden zu sein, und wenn man nur nach dem Anblicke ur- theilen wollte, so müsste man annehmen, dass hier ein grösserer Nebel vorhanden ist, der sich wesentlich vor den erwähnten Sternen befindet und weniger durch eigenes Licht, als durch das hindurch passirende Licht der betreffenden Sterne leuchtet. Dem widerspricht aber das Verhalten des Meropenebels in lichtschwächeren Instrumenten; hei Airfnahmen im photographischen Refractor erscheint bei etwa 30 m Expositionszeit die erste Spur dieses Nebels als ein etwa 1' langer, dünner und scharf begrenzter Streifen, der ganz genau von Merope ausgeht, also zweifellos mit ihr in physischem Connexe steht. Die Plejadenaufnahmen von Roberts deuten übrigens darauf hin, dass eine beträchtliche Erweiterung der Lichtstärke oder Vermehrung der Expositiouszeit schliesslich die ganze Plejadengruppe mit Nebel erfüllt erscheinen lassen würde. LJeberhaupt gewinnt man aus der Betrachtung der jetzt vorhandenen Nebelaufnahmen den Eindruck, dass bei noch etwa verzehnfachter Empfindlichkeit der photographischen Methoden ein sehr grosser Theil des Himmelshintergrundes, vielleicht ein Drittel oder noch mehr desselben, mit nebliger Materie bedeckt erscheinen würde. Audi bei den kleinen, regelmässig gestalteten Nebeln, den planetarischen Nebeln, hat die Photographie zu neuen Kenntnissen geführt, allerdings nur bei den helleren Objecten. Die Aufnahmen des Ringnebels in der Leier, um dieses Object zu den planetarischen Nebeln zu rechnen, zeigen in völliger Uebereinstimmung mit den directen Beobachtungen den Nebel als elliptischen Ring, der an den beiden Enden der grossen Axe merklich lichtschwächer ist als an den übrigen Stellen. Als unerwartetes Ergebniss fand v. Gothard, der die ersten Aufnahmen dieses Nebels erhalten hat, ein schwaches Sternchen genau in der Mitte des Nebels, welches trotz aller Bemühungen bisher in keinem Fernrohr direct wahrnehmbar gewesen ist. Denza, der den Nebel mit dem photographischen Scheiner, Photographie der Gestirne. 22 338 III. Geschichte der Ilimmelsphotographie. Refractor des Collegio Romano aufgenommen hat, gieht an, dass derselbe sieh hei stärkerer Vergrösserung in Hunderte von Sternen auflösen lasse. Es liegt hier eine unbegreifliche Verwechslung mit dem Silberkorn der Platte vor. Verhältnissmässig kurz exponirte Aufnahmen mit dem Potsdamer llefractor deuten übrigens auf eine streifige Structur des Ringes, die bei kräftigeren Aufnahmen verschwindet. Von den beiden typischen planetarischen Hebeln*) G. C.462S und 4964 habe ich mit dem photographischen Refractor Aufnahmen erhalten, die trotz der Kleinheit dieser Hebel noch ziemlich viel Detail zeigen. Beide Hebel sind Ringnebel, und beide zeigen centrale Kerne, die auf der Photographie heller erscheinen als die Ringe, während sie von Burnham mit dem Refractor der Licksternwarte kaum erkannt werden konnten. Diese centralen Verdichtungen sind nun keineswegs Sterne, sondern wirkliche nebelige Verdichtungen von unregelmässiger Form. So gehen von dem Hebelcentrum in G. C. 4628 Streifen aus, welche die Figur eines X bilden; bei G. C. 4964 ist der Kern länglich und durch nebelige Ansätze mit dem äusseren Ringe verbunden. Auch der sonst wohl sternartige Kern des Ringnehels in der Leier erscheint etwas deformirt, so dass diese drei Objecte einander zweifellos äusserst ähnlich sind. Während es Schwierigkeiten machen würde, sich einen Stern vorzustellen, der wesentlich nur blaues oder violettes Licht aussendet und daher photographisch heller sein würde als optisch, macht dies bei einer gasförmigen Verdichtung keine Schwierigkeiten. Es braucht nur angenommen zu werden, dass ein Gas, welches wesentlich brechbareres Licht emittirt, im Kerne in grösserer Menge vorhanden ist, als im Ringe, oder dass Temperaturunterschiede die Erscheinung hervorrufen. Mit Hülfe der Photographie ist auch zum ersten Male der Versuch einer Parallaxenbestimmung bei Hebelflecken möglich gewesen. Wilsing**) hat hierzu zwei planetarische Hebel von möglichst kleinem Durchmesser bei symmetrischer Form gewählt, den Webb’schen Hebel (B. D. -j- 41°4004) und den bereits oben erwähnten Hebel G. C. 4964. Die w. Fehler der Messungen sind zwar etwas grösser als hei Sternen, aber doch immerhin klein genug, um Unsicherheiten der Parallaxen von mehr als 0"2 aus- zuschliessen. Für den Webb’schen Hebel konnte eine bestimmte Andeutung einer Parallaxe nicht gefunden werden; für den anderen resultirt gegen zwei Sterne der 11. Grösse eine negative Parallaxe von ungefähr O'.'l, so dass also folgt, dass diese beiden planetarischen Hebel eine messbare Parallaxe nicht besitzen. * Astr. Nadir. 129 , 239. **) Astr. Rachr. 133 , 353 und 136 , 349. Anhang’. Litteraturverzeicliniss. Die bei Aufstellung des Literaturverzeichnisses massgebend gewesenen Gesichtspunkte sind bereits kurz im Vorworte angedeutet worden. leb habe demnach die sämmtlichen in den Rahmen dieses Buches gehörenden Publicationen, welche ich auftinden konnte, in das Verzeiclmiss aufgenommen. In den zahlreichen Fällen, in denen Autoren ihre Arbeiten gleichzeitig an mehreren Stellen publicirt haben, sind dieselben auch bei verschieden lautendem Titel unter einem Titel liier aufgeftikrt. Wenn hierbei die Zahl der Publicationsstellen sehr gross war, habe ich häufig die Hinweisung auf einige derselben unterdrückt. In einzelnen Fällen, in denen mir eine dieser Veröffentlichungen nicht direct zugänglich war und ich wegen der Verschiedenheit der Titel nicht über eine Identität der Publicationen ins Klare kommen konnte, habe ich dieselben unter den besonderen Titeln aufgenommen. Es wird daher Vorkommen können, dass im Wesentlichen identische Publicationen zweimal angeführt sind. Referate sind im allgemeinen nur aufgeführt, wenn dieselben kritische oder sachliche Zutliaten von Seiten der Referenten enthalten. Die reiu referirenden Journale, wie die Beiblätter der Physik, Fortschritte der Physik etc., die man zur ersten Orientirung immer hinzuzielien wird, und deren Benutzung eine sehr bequeme ist, sind bei der vorliegenden Zusammenstellung nicht berücksichtigt worden. Eine Entscheidung darüber, welche Artikel aus populären Zeitschriften aufzunehmen sind, ist sehr schwierig zu treffen. Ein ganz consequentes Vorgehen ist daher hierbei nicht erfolgt; doch habe ich wesentlich nur ältere Artikel berücksichtigt, und es sind deshalb manche Zeitschriften gar nicht binzugezogen worden. Ein Versuch, alle einschlägigen Artikel auch nur der gangbareren Zeitschriften dieser Art aufzunehmen, würde etwa zu dem dreifachen Umfange des Verzeichnisses geführt haben. 22 * 340 Anhang. Abhandlungen, welche die photographische Technik betreiben, sind nur ganz ausnahmsweise aufgeführt, wenn sie in directem Zusammenhänge mit in diesem Buche benutzten Angaben stehen. Der Umfang der zum grösseren Tlieile gänzlich werthlosen Litteratur dieses Gebietes ist überhaupt ein kaum zu bewältigender. Das bereits in meiner »Spectralanalyse der Gestirne« eingeführte Princip, die Litteraturangaben nach den Namen der Autoren zu ordnen, habe ich auch hier als das meiner Ansicht nach zweckentsprechendste heibehalten. Zur Erleichterung des Auffindens wird das Verzeichniss wieder in mehrere, sachlich von einander geschiedene Abschnitte getrennt, und zwar in die folgenden: I. Allgemeines, Geschichtliches, Theoretisches. II. Instrumente, Messungen, Keductionsmethoden. III. Photographische Photometrie. IV. Sonne, Sonnenfinsternisse, Protuberanzen, Corona. V. Venusdurchgänge (Instrumente, Methoden, Resultate). VI. Mond. VII. Planeten, Satelliten. VIII. Cometen. IX. Sternschnuppen, Meteore. X. Fixsterne, Sternhaufen, Nebelflecken. Bei der umfangreichen Arbeit des Sammelns der Litteraturangaben habe ich mich der eifrigen Unterstützung des Herrn Hirayama zu erfreuen gehabt, was ich hier dankbar hervorheben möchte. Erklärung der häufiger vorkoinmenden Abkürzungen. Amer. Journ. = The American Journal of Science and Arts, by Silliman etc. Ann. Bur. Long. = Annuaire du Bureau des Longitudes. Paris. Arch. des Sciences Phys. et Nat. = Bibliotheque Universelle de Geneve. Arcliives des Sciences Physiques et Naturelles. Geneve. A. and A. = Astronomy and Astrophysics (Fortsetzung des Sidereal Messenger;. Nortlifield, Minn. Astr. Nachr. = Astronomische Nachrichten. Astr. Journ. = The Astronomical Journal (Gould. Boston. Astrophys. Journ. = The Astrophysical Journal. Chicago. Athen. = The Athenäum. Journal of English and Foreign Literature, Science London. Ber. k. Sachs. Ges. d. Wiss. - Berichte über die Verhandlungen der Künigl. Sächsischen Gesellschaft der Wissenschaften. Leipzig. Litteratur. 341 Brit. Journ. Pliot. = The British Journal of Photograph)'. London. Bull. Acad. St, P6tersbourg. = Bulletin de l’Academie Imperiale de St. Petersbourg. Bull. Astr. = Bulletin Astronomique. Paris. Bull, du Comite = Bulletin du Comite Permanent International pour l’Execution Photograpliique de la Carte du Ciel. Paris. Bull. Soc. Prang. Phot. = Bulletin de la Societe Frangaise de Photographie. Carls Rep. = Repertorium für Experimentalphysik von Carl (später von Exner). C. R. = Comptes Rendus Hebdomadaires des Seances de l’Academie des Sciences. Paris. Engl. Mecli. = The English Mechanic and Mirror of Science and Arts. London. Institut = L’Institut, Journal des Academies et Societes Scientifiques. Paris. Journ. of Astr. Assoc. = The Journal of the British Astronomical Association. London. Journ. Pliot, Soc. — Journal of the Photographie Society of London. London. Mem. Manch. = Memoirs of the Literary and Philosophical Society of Manchester. Mem. Spettr. = Memorie della Societä degli Spettroscopisti Italiani. Mem. of Rat. Acad. = Memoirs of the National Academy of Science. Washington. M. N. = Monthly Notices of the Royal Astronomical Society. London. Nature = Nature, a weekly illustrated Journal of Science. London. Obs. = The Observatory, a monthly Review. London. Pac. = Publications of the Astronomical Society of the Pacific. San Francisco. Philadelphia Phot. = The Philadelphia Photographen Philos. Mag. = The London, Edinburgh and Dublin Philosophical Magazine and Journal of Science. Pogg. Ann. = Annalen der Physik und Chemie (z. Z. von Wiedemann). Proc. Amer. Acad. = Proceedings of the American Academy of Sciences and Arts. Boston. Proc. Amer. Assoc. = Proceedings of the American Association for the Advancement of Sciences. Washington. Proc. Manch. = Proceedings of the Literary and Philosophical Society of Manchester. Proc. R. Soc. - Proceedings of the Royal Society of London. Rec. de M6m. Rapp. = Recueil de Mdmoires, Rapports et Documents Relatifs ä l’Observation du Passage de Venus sur le Soleil. Paris 1871—1878. Rep. Brit. Assoc. = Report of the Meeting of the British Association for the Advancement of Science. Reun. du Comite = Reunion du Comitd Permanent International pour l’Execution Photograpliique de la Carte du Ciel. Paris. Sid. Mess. = Sidereal Messenger. Sirius = Sirius, Zeitschrift für populäre Astronomie. Leipzig. Trans. R. Dublin Soc. = The Scientific Transactions of the Royal Dublin Society. Trans. R. Soc. = Philosophical Transactions of the Royal Society of London. V. J. S. = Vierteljahrsschrift der Astronomischen Gesellschaft. Z. f. Instr. = Zeitschrift fiir Instrnmentenkunde. Berlin. 342 Anhang. I. Allgemeines, Geschichtliches, Theoretisches. Abney, W. de W. Celestial photography. A treatise on photography. London 1878. - Conference donn6e a l’association .... Bull, de l’Assoc. Beige de Phot. 6, 115. - Dry plate process for solar photography. M. N. 34, 275. - Ueber die Lichtempfindlichkeit photogr. Platten. Eders Jahrb. 1894, 36. Airy, G. B. Remarks on the application of photogr. to Astronomy ... M. N. 18, 17. Babcock, A. II. Astronomical photography at the mid Winter fair. Pac. 6. 152. Barnard, E. E. A simple method of detecting changes . . . Astr. Nachr. 130. 77. - Ueber die Photographie mit einem gewöhnlichen Fernrohr. Sid. Mess. 1891; Bull. Astr. 9, 69. Bond, G. P. Allgemeine Bemerkungen über die Erlangung photogr. Bilder. Astr- Nachr. 48, 1. Brothers, A. Celestial photography. Engl. Mech. 19. 90. Burnham, S. W. Cölestische Aufnahmen für Nichtfachmänner. Sid. Mess. 1891; Bull. Astr. 9, 68. Chacornac. Sur l’heliographie et la selenographie. Bull. Acad. Bruxelles 23. Cliapman. Ueber Himmelsphotographie.) Bull, de l’Assoc. Beige de Photogr. 3, 143, 176, 205; Photogr. News 19, 305, 316; Journ. de Photogr. 1877, Nr. 12. Common, A. A. Lecture on astron. photography. Obs. 12, 123. Cornu, A. Travaux de Photographie astronomique .... C. R. 82, 1365. - Etndes de photographie astronomique. C. R. 83, 43; Photogr. News 15, 473. Deike. Ueber astronomische Photographie. Phot. Archiv 14, 49; Photogr. News 17. 236, 244. De la Rue, W. Celestial photography. M. N. 19, 138, 353. - Application of photography to astronomy. M. N. 18, 16, 54. - Report on the present state of celestial photography in England. Rep. Brit. Assoc. (29) 1859, 130; M. N. 19. 352. - Report of the progress of celestial photography . . . Rep. Brit. Assoc. 31 , 1861. - Die Photographie des Himmels. Carls Rep. 2. 202. - Notice of experiments in celestial photography. M. N. 14, 134. - Erection of an observatory at Crawford. M. N. 18, 110. - De la nettete des images photographiqnes des objets celestes. Moniteur de la Photogr. 8, 92. - Astronomical photography. Rep. Brit. Assoc. 1872, II, 1; Photogr. Nervs IC, 134, 400. Draper, II. Photographie astron. Moniteur de la Photogr. 1877, Nr. 20. Durien. Reproductions photographiques de l’image des corps celestes. Bull. Soc. Franq. Phot. 2, 314. Eder, J. M. Handbuch der Photographie. Halle. Eider, H. M. Zur Wirkung des Lichtes auf photogr. Platten. Eders Jahrb. 1S93, 23. Fabre, C. et Andoyer. Sur l’emploi des plaques orthochromatiques en photogr. astr. C. R. 114. 60; Bull. Astr. 9, 244. Faye. Sur l’etat de la photogr. astron. en France. C. II. 50, 965. - Bericht über die astron. Zeichnungen und photogr. Bilder von W. de la Rue. C. R. 54, 545. Flammarion, C. Sur la comparaison des resultats de 1’observation astron. avec ceux de la photogr. C. R. 102, 911. - La photogr. celeste ä l’Observatoire de Paris. L’Astronomie 18S6, Fevr. Litteratur. 343 Fleming, M. Ein astronomisches Feld für Frauenarbeit. A. and A. 1893, 683. Fleury. Lettre concernant une application qu’il croit possible de faire de la Photographie pour faciliter l’6tude du ciel. C. R. 31, 497. Gautier, A. Sur quelques applications recentes de la photographie a l'astronomie. Arch. des Sciences Phys. et Nat. 1, 116. Gill, D. The application of photography in Astronomy. Obs. 10, 267; Brüh Astr. 4. 361. - Ueber die photogr. Arbeiten am Cap. Journ. of Astron. Assoc. 1891; Bull. Astr. 9. 232. v. Gothard, E. Erfahrungen auf dem Gebiete der llimmelsphotographie. Eders- Jahrb. 1888, 238; 1894, 291. - Ueber Himmels- und Spectralphotographie. V. J. S. 22, 336. - Ueber astronomische Photographie. Eders Jahrb. 1887, 128. Gould, B. A. Memoir of L. M. Rutherfurd. Mem. of Nat. Acad. 1895. Gregory’s and Taylor’s Ilistory of celestial photography. Obs. 17, 375. Hall, A. Astron. Photography. Bull. Philos. Soc. Washington. 1874, 28. - Application of photogr. to the determination of astr. dates. Arner. Journ. 3), 2, 25; (3], 11, 25, 154. Harkness, W. Application of photogr. to astr. Washington Obs. 1882, App. 3. Ilerschel. J. F. W. On the application of photogr. to astron. Observation. M. N. 15. 158. Holden, E. S. Astronom, photogr. at the Lick Observatory. Pac. 2, 152. - On photographing and seeing stars in day-time. Astr. Journ. 9, 73. Hussey, W. J. Latent image of exposed dry plates. Pac. 7. 102. lluster, P. and Driffield, V. C. Der Spielraum in der Exposition und die Liclit- empfindlichkeit photogr. Platten. Eders Jahrb. 1894, 157. Janssen, J. Application de la photogr. a l’astron. C. R. 82, 13 1 -3. - Sur le röle de la photogr. en astronomie. Moniteur de la Phot. 1576, Nr. 20 u. 22. - Photogr. Astronomy. Photogr. News 1878, Nr. 1009. - La methode photogr. comparee a la vision. Ann. Bur. Long. 1879, 652. - Sur les transformations successives des images photogr. . . . Rep. Brit. Assoc. 1 SSO, II, 500. Janssen, J. and Common, A. A. Astronomical photography. Obs. 11, 386. Kaiser, F. Berigt omtrent de photographische ondersoekingeu aan der Sterrewacht te Leiden. Amsterdam. Versl. and mededeel. Akad. vetens. 16, 13. Kaiser, P. J. De Toepassing der Photography op de Sterrekunde. Leiden 1862. Klein, H. J. Die Anwendung der Photogr. in der Astr. Gaea.22. Konkoly, N. v. Anleitung zur Himmelsphotographie. Halle 1887. Lacan. L’Observatoire de Meudon. Moniteur de la Photogr. 16, 53; Photogr. News 21, 151. Lau gier. Rapport sur les travaux de phot. celeste de W. de la Rue. C. R. 62, 476. Ledger. Astron. photogr. Brit. Journ. Phot. 25, 222. Lee. Address on the progress of astron. photogr. M. N. 22. 132. Liais. Histoire des applications de la photogr. a l’astronomie de preeision .... Ann. l’Observatoire de Rio de Janeiro. 1, 29. Michalke. Aetinometrisehe Untersuchungen. Photogr. Mittheil. 27,123, 261, 296, 305. Müller, J. Ueber astronomische Photogr. Photogr. Archiv 7, 56; Phot. Corresp. 3.115. Newall, II. F. Notes on some photographs taken with a visnal telescope. M. N. 54, 373. 344 Anhang. Newall, H. F. On the formation of photographie star-disks. M. N. 54. 515. Niesten. La photographie celeste. C'iel et Terre 1, 145. Phipson. Photogr. astronomique. Moniteur de la Phot. 2, 70; 5, 85. Pickering, II. C. Astronomical photography. Obs. 6, 149. - Circular concerning astron. photogr. Proc. E. Soc. 35, 260. Porro. Photographies des corps celestes. Bull. Soc. Prang. Phot. 2, 117. Pritchard, Ch. Present state of celestial photography. M. N. 47, 322. Quetelet, A. Sur l’H61iographie et la Selbnographie. Bull. Acad. Bruxelles 23 . Eadau, R. La photographie et ses applications scientifiques. Paris, 1878. Ranyard, A. C. Celestial photography. M. N. 46, 305. - Comparison of the sensitiveness of the eye and of the phot. plate. Pac. 2 . 195. Rayet, G. Notes sur l’histoire de la photographie astronomique. Ann. de l’Observ. de Bordeaux 3; Bull. Astr. 4, 165, 262, 307, 344, 449. Reeves. Astronomical photography. Photogr. News 16, 419. Rüther für d, L. M. On astronomical photography. Am. Journ. 39, 304; Reis Woeh. 9, 51. Schroeder, II. (Beschreibung seines photogr. Observatoriums.) Phot. Mittheil. 7,8. Smith, C. P. Ordinary photographies, from an astronomers point of view. Brit. ■ Journ. Phot. 1873, 54. - Photogr. as both a high and low lielper. Brit. Journ. Phot. 1878, 40. Spitaler, R. Fortschritte der astron. Photographie. Eders Jahrb. 1887, 288; 1888, 458; 1889, 354; 1890, 290; 1891, 258; 1892, 146; 1893, 268; 1894, 304. - Vorschlag zum Photographiren des Zodiakalliclites. Eders Jahrb. 1889, 157. Stein. Das Licht im Dienste wissenschaftlicher Forschung. Leipzig 1876; V. J. S. 12, 167. -Die Photographie im Dienste der Astronomie. Halle. Stone, 0. Die Photogr. im Gegensätze zur directen Beob. Sid. Mess. 6; Bull. Astr. 4. 157. Struve, 0. La photographie au Service de l’astronomie. Bull. Acad. St. Peters- bourg 18S6. Tissandier. Les merveilles de la photographie. Paris 1874. Turner, H. H. What shall we do witli our photographs. Obs. 17 , 257, 287. Vogel, H. W. Astron. Photogr. in Boston. Photogr. News 14 , 449; 15 , 31, 39; Phot. Mittheil. 7 , 222. - (Himmelsphotographie.) La photographie et la chimie de la lumiere. Paris 1876, 128. - Ueber neue Fortschritte in dem farbenempfindlichen Verfahren. Z. f. Instr. 7, 99. Weiss, E. Ueber die Anwendung der Photographie in der Astron. Phot. Corresp. 6 , 66 . Wellmann, V. Hiilfsmittel zur Erkennung von Bewegungserscheinungen. Astr. Nachr. 131 , 31. Wolf, M. Aus der astrophotogr. Praxis. Eders Jahrb. 1892, 257. - The change of sensitiveness of dry plates. Pac. 5. 182. Wortley. On photography in connection with astronomy. Rep. Brit. Assoc. 1874. Young. Celestial photography. . . . Obs. 10, 239. Zenger, Ch. Celestial photography. M. N. 36, 80. - Etudes astrophotographiques. C. R. 97, 552. - Etudes photogr. pour la reprodnetion du ciel. C. R. 102 , 40S. Litteratur. 315 Astronomical photograpliy. Obs. 9, 317. Astronomieal photograpliy at Harvard College Observatory. Proc. Amer. Acad. (2) 21, 410. Celestial photograpliy. M. N. 27, 135. Astronomieal photograpliy. M. N. 55, 256. Astronomical photograpliy. Sid. Mess. 7, 138, 181, 409. Astronomical photographs taken by De la Rue. Obs. 17, 346. II. Instrumente, Messungen, Reductionsmethoden. Airy, G. B. Distorsion of the photoheliograph. Obs. 2, 122. Angot, A. Sur les images au foyer des lunettes .... C. R. 82, 1180, 1305; M. N. 37, 387. Avenir-Delagree. Note sur une metliode destin6e a augmenter l’intensite lumi- neuse de l’image .... C. R. 47, 214. Bakhuyzen, Van de Sande. Note sur l’ötude des images photogr. des dtoiles a de grandes distances du centre des plaques. Reun. du Coniitd 1889, App. 3. - Mesure des clichös d’apres la möthode des coordonnees rectangulaires. Bull. du Comitd 1, 164. - Quelques considdrations sur le nombre et le clioix des etoiles de repere. Bull. du Comite 2, 65. Barnard, E. E. Photogr. with a non-photogr. telescope. A. and A. 10, 331. Bat ho. Latitude and longitude by photograpliy. Photogr. News. 19, 119. Battermann. Erwiderung auf die Bemerkung des Dr. Scheiner . . . Astr. Nachr. 121, 217. Bigelow, F. H. Registrirendes Passageninstrument. Sid. Mess. 1888. - Photogr. method of determining star transits. A. and A. 10, 42. •- The Photochronograph and its application to star transits. Georgetown College Observatory Publ. 1891. Bond, G. P. Ueber die Genauigkeit der Messungen der photogr. Bilder von a Lyrae und Mizar. Astr. Nachr. 48, 3, 7; M. N. 18, 71. Brächet Application de l’heliostat ä la photographie. C. R. 31, 64. Ceraski. Ueber den Photoheliographen. Ann. Obs. de Moscou (1), 4, 2. Lief. 115. Chan dl er, S. C. On the refraction correction of photogr. measures. Astr. Jonrn. 10, 175. - A device for diminuating refraction in micrometer or photogr. measures. Astr. Journ. 12, 14. de Chardonnet. Sur la transformation actinique des miroirs de Foucault. . . . C. R. 94, 1171. Chase. H. S. Comparison of the positions of stars in Praesepe derived from photographs with observations by Prof. Hall. Astr. Journ. 8, 167. Christie, W. H. M. A micrometer for photogr. measures. A. and A. 12, 588. - Photographisches Correctionssystem. Obs. 1877, July. Christie and Dyson, F. IV. Measures of plates for the photogr. chart. M. N. 55, 60, 102. Christie, Henry . . .) Rapport de la Commission chargce de la distribution des ecrans. Bull, du Comite ... 2, 43. Common, A. A. Note on a method of giving long exposures .... M. N. 45, 25. - Note on an apparatus for correcting the driving clocks .... M. N. 49, 297. 346 Anhang. Common, A. A. Astronomical telescopes for photogr. Nature 31. 38, 270. - Sur un instrument permettant de comparer et de mesurer les cliclies d'images- stellaires. Bull, du Comite 1, 330; Obs. 13, 208. Conroy, J. Some observations on the amount of light reflected and transmitted, by certain kinds of glass. Trans. E. Soc. 1880 , 245. Cornu, A. Examen micrometrique d’une epreuve Daguerrienne .... Eec. de Mein. Eapp. 1, 403. - Etudes de photogr. astron. C. R. 33, 43. - Methode pratique pour transformer les objectifs achromatises pour la vision directe en . . . . photogr. Bull. Soc. Fran; Cassio- peae. Ann. New York Acad. 8. - The parallax of rj Cassiopeae. Ann. New York Acad. 8. De la Eue, W. (Ueber Fixsternphotographie.) Rep. Brit. Assoc. 1861. Denza, P. F. Photographies de l’etoile Nova Aurigae .... C. R. 114, 406; Bull. Astr. 9, 229. -Photographie de la nebuleuse de la Lyre. C. R. 114, 972; Bull. Astr. 9, 347. Donner, A. und Backlund, 0. Positionen von 140 Sternen des Sternhaufens 20 Vulpecnlae nach Ausmessung photogr. Platten. Bull. Acad. St. Petersbourg. 5, Serie 2, Nr. 2. Draper, H. Photogr. nebulae. Amer. Journ. (3), 20, 433; C. R. 91, 688; Phil. Mag. (5), 10, 388. -Photographs of the nebula in Orion. Cop. 1, 160. -Presentation d’une epreuve photogr. de la nebuleuse d’Orion. C. R. 92,173, 261 ; Amer. Journ. (3) 22, 75. -On photographs of the nebula in Orion. M. N. 42, 367. - Sur la photographie stellaire. C. R. 92, 964. Duner, N. C. Liste preliminaire des questions ä traiter par le comite permanent. Bull, du Comite 1, 276. - Ueber einige photographische Versuchsaufnahmen. Astr. Nachr. 127, 365; Obs. 14, 291. Elkin. Photogr. survey of Pleiades. Astr. Journ. Nr. 197; Obs. 12, 358. Ellery. Note on photographs of * Crucis. M. N. 43, 395. Espin, T. E. A remarkable configuration of stars in milky way. 31. N. 45, 27. - Stellar photography. Obs. 7, 247. - Photogr. observations of the nebula in Andromeda. Journ. of Liverpool Astr. Soc. 1885; Bull. Astr. 2, 353. Flammarion, C. Determination de la position du pole par la photogr. C. R. 120, 421. Gill, D. Photogr. Durchmusterung des südlichen Himmels. Astr. Nachr. 119, 257. - Note concernant la carte du ciel. Renn. du Comite 1889, App. 1. - Notes relatives ä differents memoires contenus dans les premiers fascicules du bulletin. Bull, du Comite 1, 128. - Extrait d’une lettre (carte du ciel). Bull, du Comite 1, 136. - Photographie stellaire. C. R. 114, 867; Bull. Astr. 9, 344. - The photographie chart of the heavens. Obs. 11, 320. -Lettre (carte du ciel). Bull, du Comite 2, 116. Gill, D. and Kapteyn, J. C. The Cape photographie Durchmusterung. Part. I. (—18° bis — 37°.) Ann. of the Cape Observatory 3. (1896.) Gothard, E. von. Photographie von Nebelflecken. Astr. Nachr. 115, 221. 24 * 372 Anhang. Gothard, E. von. Studien auf dem Gebiete der Stellarphotographie. Ungar. Ber. 5, 72. - Photographie von Nebelflecken. Astr. Nachr. 119, 337. - Der kleine Barnard’sche Nebel bei Mess. 57. Astr. Nachr. 135, 11. Gould, B. A. Photographie der Plejaden. Astr. Nachr. 68, 183. - Star photographs at Cordoba. Amer. Journ. 6, 399. - Reduction of Rutherfurd’s photographs of stellar groups. Mem. of Nat. Acad. 4. -— On the comparisons of the photographic with the instrumental determinations of star places. Astr. Journ. Nr. 197. -— On photographic determinations of stellar positions. Proc. Amer. Assoc. 35, 74. - Celestial photography. Observatory 2, 13. -Bemerkungen zu Schultz-Sellack .... Astr. Nachr. 93, 124. Hagen, S. J. Messungen an Doppelsternen mittels Photographie. Astr. Nachr. 136, 303. Hall. Note on the ring nebula in Lyra. Astr. Journ. 9, 64. Henry, P. et Pr. Photographie in der Milchstrasse. Astr. Nachr. 112, 111. -Photographs of a new nebula in the Pleiades. M. N. 46, 98. -The photographic nebula in the Pleiades. M. N. 46, 281. -L’astronomie photographique. C. R. 102, 145. - Sur une carte photographique du groupe des Pleiades. C. R. 102, 848; Amer. Journ. (3) 31, 318; Bull. Astr. 3, 290. - Photograph of the nebulae in Pleiades. Obs. 11, 98. - Etüde du champ des clichcs photographiques .... Bull, du Comite 1, 139. Holden, E.' S. Photographing the milky way. Pac. 1, 74. - Examination of stellar photographs. Pac. 1, 75. - On some of the features of the arrangements of stars. M. N. 50, 61. -Photographing stars in day-time. Astr. Journ. 9, 73. - Comparison of some photographs and drawings of the nebula in Orion. Pac. 3, 57. - Schmidt’s drawings of nebula Orionis compared with photographs. Pac. 3, 68. - Photograph of the cluster Mess. 34. Pac. 3, 62. - Photographs of the nebula of Orion. Pac. 3, 141. - Ueber die Keeler’schen Photographien der Nebel. Astr. Nachr. 125, 289. Hopkins. Photography of the Pleiades. Obs. 9, 194. Jacoby, H. The Rutherfurd photogr. measurements of the Pleiades. Ann. New York Acad. 6; Y. J. S. 27, 206. - The Rutherfurd photogr. measurements of the stars about ß Cygni. Ann. New York Acad. 6. - The parallax of /j. and 0 Cassiopejae. Ann. New York Acad. 8. - Researches in stellar parallax made at Oxford. Pac. 5, 174. - The astrophotographic chart. A. and A. 12, 117. - The periodic Variation in the motion of 61 Cygni. M. N. 54, 117. Janssen, J. Sur les photographies des nebuleuses. C. R. 91, 713. - Sur les photographies des nebuleuses. C. R. 92, 261. - Photographs of nebulae. Amer. Journ. 21, 401. Ing all. Note on the nebulous stars in Roberts’ photogr. M. N. 49, 420. Johnson. Photogr. of Mess. 42. Obs. 10, 100. Kapteyn, J. C. Bericht über die zur Herstellung einer Durchmusterung des südlichen Himmels ausgeführten Arbeiten. Y. J. S. 24, 213; 25, 240; 27, 218. Litteratur. 373 Keeler, J. Note on a cause of difference between drawings and photographs of nebulae. Pac. 7, 279. Knobel, E. B. Examination of stellar photographs. Obs. 10, 231. - On the photographic chart of heavens. Obs. 11, 256. y. Kövesligethy, R. Ueber unsichtbare Sterne mit photogr. Wirkung. Phot. Corr. 1888, 3; M. N. 48, 144. Lohse, 0. Ueber photogr. Aufnahmen des Sternhaufens x Persei. Astr. Nachr. 111, 147. - Ueber Stellarphotographie. Astr. Nachr. 115, 1. Monck. Stellar photographs. Obs. 13, 90. Mouchez, E. Proposal for photographing the heavens. M. N. 46, 1. - Carte photographique du ciel ä l’aide des nouveaux objectifs_ C. R. 100; Bull. Astr. 2, 289. -Photographies astronomiques de M. M. Henry. C. R. 101; Bull. Astr. 3, 93. -Photographie celeste. C. R. 102; Bull. Astr. 3, 192. -Travaux preparatoires pour l’execution de la carte .... C. R. 106; Bull. Astr. 5, 315. - Photography as a means of charting the Stars. Obs. 7, 305. -Photographic chart of the heavens. Obs. 11, 255, 296. - Photogr. Aufnahmen in der Milchstrasse. Astr. Nachr. 112, 111. -Note (carte du ciel). Bull, du Comite 1, 81, 221. - Photographie d’etoiles .... C. R. 99, 305. - (Himmelskarte.) Obs. 14, 232. - Circulaire relative ä l’essai des e er ans .... Bull, du Comite 2, 45. -Photographie de la nebuleuse 1180 du G. C. par M. M. Henry. C. R. 103; Bull. Astr. 4, 76. - Nouvelles nebuleuses remarquables dans les Pleiades. C. R. 106; Bull. Astr. 5, 314. - Sur une photographie de la nebuleuse de la Lyre. C. R. 111; Bull. Astr. 8, 85. Oppenheim, S. Ausmessung des Sternhaufens Mess. 36. Publ. der von Kuffner- schen Sternwarte. Wien. 3, 273. Peirce, B. Stellar photography. Amer. Journ. (3) 3, 157; Brit. Journ. Phot. 19, 105. Peters, C. H. F. Mittheilungen über photogr. Aufnahmen von Himmelskörpern. Y. J. S. 16, 277. Pickering, E. C. Propositions relatives ä la carte du ciel. Reun. du Comite 1887, App. 5. - Chart of the heavens. Obs. 12, 375. - A photographic study of the nebula of Orion. Proc. Amer. Assoc. 20, 407. - The great nebula in Orion. Sid. Mess. 1890; Bull. Astr. 8, 211. - Photographic determinations of stellar motions. A. and A. 13, 521. - Detection of new nebulae by photography. Ann. Harvard Coli. Obs. 18, 113. - Ueber photogr. Aufnahmen vor der Entdeckung der Nova Aurigae. Astr. Nachr. 129, 59, 111. - An investigation in stellar photography .... Mem. of Amer. Acad. 11, 179. Pritehard, Ch. Researches in stellar photography. Proc. R. Soc. 30, 449; 41, 195. - Lettre Himmelskarte betreffend). Reun. du Comite 1887, App. 4. - A newly discovered Merope nebula. Astr. Nachr. 126, 397. - Researches in stellar parallax by the aid of photography. Obs. of Oxford Observatory 1889 and 1892. 374 Anhang. Pritchard, Ch. Researches in stellar parallax. (Referat.) Bull. Astr. 10, 63. Ranyard, A. C. Aufnahmen der südlichen Milchstrasse. Knowledge 1891; Bull. Astr. 9, 358. Ray et, G. Sur une photographie de la nebuleuse de la Lyre .... C. R. 111, 31; Bull. Astr. 7, 402. Renz, F. Ueber die Ausmessung und Berechnung einiger photogr. Sternaufhahmen. Bull. St. Petersbourg (5), 2, Nr. 4. * Roberts, J. Star photography . . . . Proc. R. Soc. 40, 566. - Photographie maps of the Stars. M. N. 46, 99. - Photographs of nebulae in the Pleiades. M. N. 47, 24. - Photographs of nebulae in Orion and Pleiades. M. N. 47, 89. - Photographs of stars in Cygnus. M. N. 47, 22. - Photographs of the nebulae Mess. 57 ... . M. N. 48, 29. -Photographs of the nebulae Mess. 31 ... . M. N. 49, 65. - Photographs of nebulae in the Pleiades and in Andromeda. M. N. 49, 120. - Photographie analysis of the great nebula Mess. 42 ... . M. N. 49, 295. - Photographs of the nebulae Mess. S1 . . . . M. N. 49, 362. -Stellar pantograver. M. N. 49, 5, 118. -Photographs of the clusters Mess. 33 and 34. M. N. 50, 315. -Photographs of stars in the region of Tycho’s nova. M. N. 50, 359. - Photographie evidence of variability in the nucleus of the great nebula in Andromeda. M. N. 51, 116. - Photographs of the region of Hind’s variable nebula in Taurus. M. N. 51, 440. -Photographs of the cluster Mess. 44 Cancri. M. N. 51, 441. -Photographs of nebulae. M. N. 52, 502, 543, 544, 545. -Photographs of nova Aurigae. M. N. 52, 371. - Photographs of nebulae and clusters. M. N. 54, 92, 93, 136, 137. -Photographs of nebulae. M. N. 55, 12, 13, 398, 399. - A selection of photographs of stars, Star clusters and nebulae. London 1895. Rüssel. Photographs of the milky way and nubeculae. Obs. 14, 382. - Celestial photography. M. N. 51, 39, 96, 494. Rutherfurd, L. M. On astronomical photography. Amer. Journ. 39. - (Aus einem Briefe Goulds über Plejadenaufnahmen;. Astr. Nachr. 68, 184. Scheiner, J. Resultate der Vorarbeiten zur Herstellung der photogr. Karte. Z. f. Instr. 11, 366, 394. -Ueber planetarische Nebel nach photogr. Aufnahmen. Astr. Nachr. 129, 239. - Der grosse Sternhaufen im Hercules, Mess. 13 ... . Anhang zu den Abhandlungen der Berliner Akad. d. Wiss. 1892. - Ueber den grossen Nebel bei I Persei. Astr. Nachr. 132, 203. Schultz-Sellack. Ueber Photographien südlicher Sterngruppen. Astr. Nachr. 82, 65; Amer. Journ. 6, 15, 399; Brit. Journ. Phot. 21, 305. Schur, W. Ueber die Bestimmung der Parallaxe der Sterne der Praesepe-Gruppe durch photographische Aufnahmen. Astr. Nachr. 137, 221. Taechini, P. Fotografia celeste. Mem. Spettr. 18, 179. •Turner, H. H. Sur la carte du ciel. Bull, du Comite 1, 326. - The photographie chart of the heavens. Obs. 11, 254; 13, 233. - Measures of photographs of the Pleiades. M. N. 54, 489. - Council note on the astrophotographic chart. M. N. 55, 255. Turner and Common. Photographie chart of the heavens. Obs. 11, 259, 333. Literatur. 375 Vogel. H. C. Mittheilungen über die von dem astrophysikalischen Observatorium übernommenen Vorarbeiten .... Astr. Nachr. 119, 1; Bull, du Comite 1, 86. - Ueber die Bedeutung der Photographie zur Beob. von Nebelflecken. Astr. Nachr. 119, 337. - Propositions et remarques concernant la carte du ciel. Reun. du Comite 1889, App. 2. Wilsing, J. Ueber eine auf photogr. Wege entdeckte periodische Veränderun des Abstandes der Componenten von 61 Cygni. Sitzungsb. der Berl. Akad. 189; Wilson. Photographie chart of the sky. A. and A. 10, 632. Wolf, C. Sur la comparaison des resultats de 1’Observation direete avec ceux de l’inscription photographique. C. R. 102, 476; Bull. Astr. 3, 194. Wolf, M. Der Sternhaufen G. C. 4410. Astr. Nachr. 126, 297. -Ueber den grossen Nebel um f Orionis. Astr. Nachr. 127, 39. -Ueber grosse Nebelmassen im Sternbilde des Schwans. Astr. Nachr. 127,427; Bull. Astr. 9, 232. - Die Anzahl der Sterne .... Astr. Nachr. 129, 321; Pac. 4, 155. -Photogr. Aufnahmen der Nova Aurigae. Astr. Nachr. 131, 157. -Photographies celestes. C. R. 114, 940; Bull. Astr. 9, 345. - Ueber einige neue Nebelflecken. Astr. Nachr. 134, 365. -Notiz über die Plejadennebel. Astr. Nachr. 137, 175. Z eng er, Chr. V. Etudes phospliorographiques pour la reproduction photographique du ciel. C. R. 102; Bull. Astr. 3, 193. Photography among the Pleiades. (Rutherfurd). Antliony’s Photogr. Bull. 1, 90. Photographie der Sterne. (Rutherfurd). Phot. Mittheil. 7, 270. Photographs of Southern star clusters. M. N. 34, 194. Congres astrophotographique international tenu ä l’observatoire de Paris pour la levd de la carte du ciel. Paris 1887. Reunion du comite permanent pour l’execution de la carte photographique du ciel. Paris 1889. Reunion du comite permanent pour l’execution de la carte photographique du ciel. Paris 1891. Bulletin du comite permanent pour l’execution photographique de la carte du ciel. 1 (1892); 2 (1895). Photographische Himmelskarte betreffend.) Astr. Nachr. 116, 383; Obs. 10, 190; 11, 409; 12, 120, 266, 329, 361, 388, 438; 14, 184; 16, 208, 407; 18, 279; Amer. Journ. 111, 57; M. N. 48, 212, 351; 50, 245; 51, 261, 278; 52, 289. Stellar photography at Paris. Obs. 8, 219; 10, 205. Stellar photography. Obs. 9, 170, 203. Photographische Astronomie. Mem. Spettr. 14, 59. Stellar photography. M. N. 47, 184. Stellar photography at Harvard College. Obs. 10, 76. Note on astronomical photography. M. N. 49, 232. erq Namen- und Sachregister, Seite Aberration, sphärische . . 32, 35, 44, 222 Abney, W. de W. (photogr. Empfindlichkeit) 89; (Extinction) 232; (Photometrie) 245. Absehwächung des Lichtes durch Dif- fractionsgitter.249 Absorbirende Medien bei Coronaaufnahmen .89 Absorptionscoefficienten 38; der empfindlichen Schicht 218. Abstand von der optischen Axe, Einfluss des — auf die Sterngrösse . 226 Abweichungskreise, chromatische . . 30 Achromasie 29; vollkommene 33; unvollkommene 221. Aenderung der Biegung.94 Aequatoreal als Messapparat . . . .136 Albedo der Planeten.293 Albuminpapier.18 Alexander, St. (Sonne).276 Algu6, S. J. (photogr. Breitenbestim- mnng).198 Almucanthar, Chandler’scher .... 194 Andromedanebel, Aufnahme des . .331 Anhaltsterne.124 Aplanatische Systeme.28 Arago, F. (Mond) 258; (Sonne) 267. Arbeit des Lichts.217, 239 Archenhold, F. S. (Nebel) .... 335 Archer (photogr. Technik) .... 8 Aristopapier.18 Arnauld (Mond).260 Art der Entwickelung.12 August (Heliostat).67 Ausdehnung der Milchstrasse .... 325 Ausmessung der Mondaufnahmen 267; der Sonnenaufnahmen 76. Aussehen des Silberkorns.212 Auw ers, A. (Yenusdurchgänge) . . 289 Bäcker (Sonne).277 Backlund, 0. (Fixsterne).318 Bakhnyzen, Van de Sande, (Distorsion) 114; (Messapparat) 150; (Reductionsmethode; 155. Seite B a 1 m a i n’sche Leuchtfarbe.102 Barnard, E. E. Planeten) 294; (Co- meten)299; (Milchstrasse) 324); (Nebel) 335, 336. Baxendell, J. (Mond).260 Berkowski (Sonne).257 Bertch (Mond).260 Bessel, F. W. (Plejadenmessungen . 313 Biegung, bei Fernrohren 203; der De- clinationsaxe 95; Aenderung der 94. Bildverzerrung.114 Black (Fixsterne).303 Bogenwerth, Bestimmung des 188; bei Venusdurchgängen 282. Bolton (photogr. Technik). 10 Bond, G. P. (Photometrie) 211; (Ursache der Lichtausbreitung) 217; (Mond) 258; (Fixsterne) 303. Bond, W. C. (Mond) 258; Fixsterne) 302 ~ ~ 267 78 Bouguer, P. (Sonne) Braun, S. J. (Spectroheliograph). Breitenbestimmungen, phot. 193, 19) auf Reisen 204. Brennweitenveränderung. Bromsilber, Modification des . . . Bromsilberplatten, Präparation der Brothers (Sonne). Browne (Sonne). Bruce-Refractor. Burnham (Nebel). Busch (Sonne). Cassette, Repsold’sche._ i] Cassiopejae, phot. Aufnahmen 315 Parallaxe 320. a Cassiopejae, Parallaxe. Catalog der phot. Himmelskarte • Central-Projection. Centrirfernrohr. Centrirung. • ■ . Chacornac, Eklipticalkarten . Challis (Sonne, . Chandler, S. C. (Refraction) Charlier, C. V.L. (Photometrie) 215, Charlois (kleine Planeten) . • ■ • 47 45 240 11 287 277 110 338 275 106 319 311 23 47 114 309 268 165 327 298 Namen- und Sachregister. 377 Seite i Chemische Irradiation.211 Chemische Strahlen.. . 6 Chlorsilberprocess bei Coronaaufnahmen .91 Christie, W. H. M. (Achromasie 35; (Photometrie) 25U. Chromatische Abweichungskreise . . 30 Collimationsfehler.100 Collodiumemulsionen. 9 Collodiumverfahren, nasses. 8 Cometen, photogr. Aufnahmen 298; Entdeckungen 299. Cometenähnliche Bilder.26 Common, A. A. (Halten der Sterne) 96; Cometen 299; 'Fixsterne) 307; (Orionnebel) 330. Construction exacter Karten .... 21 Contactbeobaclitungen, photogr. bei Venusdurchgängen.281 Contrast 54; möglichst starker 213; Maximum des 13. Controlle der Plattenempfindlichkeit 234 Copiren der Gitter. ... . 111 Cornu, A. (Achromasie) 32; (Lichtringe) 255; (Venusdurchgänge) 292. Corona, Flächenhelligkeit der 88; Aufnahmen der 275; Form der 279; Veränderungen der 279. Coronographen.87 Correctionssystem.35 Crookes (Mond).259 ß Cygni, photogr. Aufnahmen von . 314 Daguerre (phot. Technik) 7; (Mond) 258 Daguerreotypie. 7 Dane er Mond.260 Davis, H. C. (Sonne, 278; Parallaxe) 320 Declinaitionsaxe, Neigung der .... 100 Deformation der Sternscheibchen 120, 226 De la Eue, W. (Mond) 259; (Sonne) 268,276; (Cometen) 298; (Fixsterne) 306. Den za Nebelflecken).337 Desland res, H. (Spectroheliograph) 82; (Sonne) 274. Diapositive.18 Differentialbiegung bei Fernrohren . 94 Diffraction2S2; beimGittercopirenll2. Diffractionsgitter, Lichtabschwächung durch.249 Diffractionsringe. 24, 221 Diffractionsscheibe.24 Diffractionswirkungen bei Momentverschlüssen .70 Dimensionen der Objective.42 Distorsion, normale 24, 114, 115; bei Vergrüssernngssystemen 85, 282; Abhängigkeit von der Expositionszeit 27; Einfluss auf die Helligkeit 226. Seite Döllen (Venusdurchgänge).290 D o n n e r, A. (Reductionsmethode) 181; (Photometrie) 250; (Fixsterne, 318. Doppelsterne, Aufnahme enger ... 44 Drap er, J. W. (Mond).258 Dr ap er,H. (Mond) 262; (Cometen; 299; (Fixsterne) 307; (Nebelflecken) 330. Driffieldund Eider (Photometrie) 245 Druckverfahren, photomechanisches . 18 Duchocliois (Sonne).276 Duner, N. C. (Photometrie .... 250 Dunst, Einfluss des — auf die Grössenbestimmungen . 53, 229 Durchgangsinstrumente, photogr. Re- gistrirung bei.189 Durchmesser der Sternscheibchen 211, 220 Durchmessergesetz b. Sternscheibchen 214 Durchmusterung, südliche, photogr. 135, 309 E d e r, J. M. (photogr. Technik) 5; (Empfindlichkeit der Platten).17 Edwards (Mond).259 Einfluss der Luftunruhe 48, 229; des Dunstes 229; der sphärischen Aberration 35; der Spectralclasse auf die Helligkeit 236. Einschleifen des Triebkreises .... 98 Einstellungstafel der Focussirung . . 45 Eisenentwickler.14 Elektrisch controllirte Regulatoren . 98 Elk in (Sternschnuppen) 302; (Ple- jadenmessungen) 313. Ellery (Photometrie).250 Ellipticität der Sternscbeibchen . . . 226 Empfindlichkeit der Platten . 13, 17, 240 Empfindlichkeit, ungleichförmige 227; Unterschied der 228; Controlle der 234; Veränderung der 22S; verschiedene der Bromsilberkörner 241. Entdeckung, photogr. von Planetoiden 295; von Cometen 299. Entstehung der photogr. Bilder . . .210 Entwickler, Wahl des.14 Entwicklung, Art der 12; Modifica- tion der 244; Verzögerung der 244. Eosin.16 Ergebnisse der llimmelsphotographie 257 Erwärmung der Heliostatenspiegel 70, 74 Erythrosin.16 Espin, T. E. Fixsterne).308 Euryskope.28 Exactlieit des Haltens 97; bei Fixsternaufnahmen 303. Expositionszeit bei Sonnenaufnahmen 71; bei Planetenaufnahmen 294; Feststellung der 234; — u. Durchmesser der Sternscheibchen 211; — u. Lichtstärke 248, 251. Extinction, photographische ... 53, 230 Extinctionstabelle, photographische . 231 378 Namen- und Sachregister. Seite Fackeln, photogr. Aufnahme der 87, 274 Farbenempfindliche Platten. . 3), 39, 43 Farbenfehler, Hebung des.25 Fassung der Objective.223 Faye, H. (Sonne).268 Federpendel.98 Fehler der Stundenaxe 99; der Objective, unregelmässige 222; persönliche 122; wahrscheinliche 123. Fehlerquelle bei Venusdurchgängen . 280 Feinbewegung der Fernrohre .... 102 Feinheit des Silberkorns.11, 12 Feststellung der Expositionszeit . . 234 Flächenhelligkeit der Corona .... 88 Flauwerden der Bilder.15 Figur des Mondes.261 Fixsterne, Aufnahme der.302 Fizeau Sonne) 267; (Venusdurchgänge) 286, 292. Focalbestimmung durch lauf. Sterne 45 Focussirung. 44, 226 Fothergill (photogr. Technik) . . 10 Foucault, L. (Heliostat; 66; (Sonne) 267, 277. Fry 'Mond).260 (iambay (Heliostat).66 G a n d i n (photogr. Technik, .... 9 Gauss’sehe Sinusbedingung . . 25, 116 Gautier (Gitter,:.112 Gelatine-Emulsionen.10 Gelatineplatten, kornlose . . .18, 71, 273 Genauigkeit der Orientirung . . . .101 Geschichte der Himmelsphotographie 257 Geschwindigkeit der Momentverschlüsse .71 G i 11, D. (Distorsion) 116; (Reductions- methode) 186; (Cometen) 299; (Fixsterne) 308; (südl. Durchmusterung) 309; (Nebelflecken) 330, 333. Gitter, Copiren der.111 Gleichmässige Exposition bei Sonnenaufnahmen .72 v.Gothard, E. (Spiegelteleskop) 110; Plejadenaufnahmen) 215; (Nebelflecken) 330, 334, 337. Gould, B. (Fixsterne) . . 307, 313, 327 Granulation der Sonne 270; Ursprung der 272. Grösse des Silberkorns 239; der Sternscheibchen ausserhalb der optischen Axe 226. Grössenscala, photogr.235 Grössenschätzungen, photogr.233 Grubb (Objectiv) 31; (Mond) 260; Spiegelteleskop! 308. Gruel (Heliostat;.67 G-nnpenbildung der Sterne in der Mil chs Tasse.324 Gussew, li. (Figur des Mondes' . . 261 Seite Haie, G. E. (Spectroheliograph 78, 82; (Coronaaufnahmen) 91; (Sonne 273. Halo um helle Sterne.254 Haltbarkeit der Platten.1*> Haltefernrohr.96 Halten der Sterne ... 94, 97, 102, 120 Haltesterne. 101 , 127 Hansen, P. (Fernrohrstativ) 60, 287; (Figur des Mondes) 261. Harkness, W. (Corona) 88; (Venus- durchgänge) 284, 292. Hasselberg, B. (Momentverschluss, 72; (Venusdurchgänge; 290. Hastings, C. S. ,Corona).92 Hebung des Farbenfehlers 25; des Kugelgestaltfehlers 25. Heliographen. 55, 268 Heliogravüre.18 Heliopictor.72 Heliostaten. 65, 69, 74 Helle K-Linie.87 Helligkeit des Randes der Sternscheibchen 221 ; der Plejadensterne 327; des Himmelshintergrundes 53. Helligkeitsbestimmung schwacher Sterne.239 Hennessy (Sonne,.278 Henry, P. und Pr. (Sternkarten) 21, 309; (Halten der Sterne) 96; Reff ac- tion) 125; (Reductionsmethode) 175; (Photometrie) 250; Planeten 294; (Fixsterne) 308; (Nebelflecken, 330. Herschel, F. W. (Mond) 262; (Sonne 268; Nebelflecken) 336. Hirnes (Sonne).277 Himmelskarte, photogr. 308, 311. Höhenbestimmung der Sternschnuppen 300 Höheninstrument, schwimmendes . . 194 Holden, E. S. und Schaeberle (Photometrie).253 Huggins, W. (Achromasie) 35; (Corona) 90; (Mond) 260; (Sonne. 271. Iduster (Photometrie).245 Jacoby,H. Reductionsmethode) 159; 'Fixsterne) 314; (Parallaxen) 319, 321, 323. Janssen, J. (Spectroheliograph, 78; (Chromosphäre) 82; (Corona) 88; (Photometrie) 252 ; (Sonne) 269; (Cometen) 299. Jenkins (Parallaxen,.320 Jesse, O. (Sternschnuppen) . . . .301 Instrumentalconstanten, photometrische . 2 Instrumente zur Aufnahme der Venus- durchgänge. 280 Intensität und Durchmesser der Sternscheibchen . 211 Namen- und Sachregister. 379 Intensitätsabfall am Rande der Scheibchen . Intensitiitscurve bei Sternscheibchen Interpolationsformeln in der photogr. Photometrie. Irradiation, photogr.211, Jupitersmasse, phot. Bestimmung der Jupitersmonde, Aufnahme der . . . Jtipitersoberfläche, Aufnahme der . . Justirung der Stundenaxe. K a i s e r, J. P. (Figur des Mondes 202; (Geschichte der Ilimmelsphot.) 257. Kapteyn, J. C. (südliche Durchmusterung) 135, 309; 'Mess- u. Re- ductionsmethode) 13b; (phot. Breitenbestimmung) 198; Photometrie) 249, 327. Kartendarstellung des Himmels . . . Kays er und Runge Refraction Keeler, J. E. (Achromasie) . . . . Ketteier, E. (Refraction. Kettenbildung der Sterne. Kleine Planeten, Aufnahme der. . . K-Linie, helle. Klinkerfues -Meyerstein (Heliostat) . v. Konkoly, N. Heliographen . . Koppe, C. (photogr. Monddistanzen) Kornlose Platten.18, 71, Krümmung der Heliostatenspiegel . Krüss, H. (Absorption. Kugelgestaltfehler. Hebung des . . . Lackiren der Platten.17, Langley. S. P. (Corona) 88; (Sonne Latente Bilder. Laussedat (Venusdurchgänge' . . Le Gray Photogr. Technik) . . . . Lerebours (Sonne). Lichtarbeit.217, Lichtausbreitung. Ursache der . 212, Lichtringe 254; Vermeidung der 256. Lichtstärke, photogr. 28, 42, 44; als Function der Exposition 248; bei Planetoidenaufnahmen 296. Lichtverlust durch Reflexion und Absorption 37; durch Luftnnruhe 230. Lick-Refractor. Linieukriimmung beim Spectrohelio- graphen . v. Littrow, 0. (Heliostat;. Locale Verziehungen der Gelatine Lockyer, X. Protuberanzen . . . Loewy, JI. (Reductionsmethode' 166; 'Mond 263, 264, 266. Lohse, 0. Protuberanzen) 82; Halten der Sterne) 96, 102; Sonne 273. Lorenz Refraction). Luftunruhe 44 48; beim Halten 102; Seite bei Sternspuren 192; Einfluss der — auf die Sternscheibchen 218; auf Grössenbestimmungen 50, 52. 229; auf Mondaufnahmen 51, 264; auf Vennsdurchgänge 280. Maddox (photogr. Technik .... 10 Majocchi (Sonne).275 Marcuse (phot. Breitenbestimmung 203 Marke im Haltefernrohr.10! Marsoberfläche, Aufnahme der . . . 294 Mascart, E. Refraction.125 Masse des Jupiter, photogr. Bestimmung der.294 Mayer, M. A. (Sonne).277 Maximum des Contrastes.13 Meridianinstrumente, photogr. Regi- strirung bei..' . 189 : Messapparate für Aufnahmen 307; Ley- I dener 148; Potsdamer 151; Upsalaer 152; Pariser 153; für rechtwinkelige Coordinaten 147: für Polarcoordi- naten 1S5; Untersuchung von 121. 'Messmethoden.113, 135, 185 Michalke (Solarisation 242; Con- trastwirkung) 243: (Photometrie; 245. Milchstrasse, Aufnahme der.324 Modification des Bromsilbers 240; der Entwickelung 244. Momentverschlüsse. 55, 70, 75 i Mond. Aufnahme des.258 i Mondaufnahmen, stereoskopische 261; ; Ausmessung der 267. Monddistanzen, Mess, der photogr. . 204 Monde des Jupiter, Aufnahme der . 294 Monochromatisches Licht, Aufnahmen in. 79, 273 Monserrat Sonne.276 Müller, G. (Extinction.231 Nasses Collodiumverfahren. 8 Nebelflecken, Aufnahmen der .... 330 Neigung der Declinationsaxe . . . .100 Newcomb, S. (Venusdurchgänge) 281, 285, 292 Niöpce de Saint-Victor (Phot. Technik) 7, 10; (Sonne) 268. Objectiv, photogr. achromatisirtes 30; Lichtstärke eines 42; Dimensionen der 42. Obrecht Venusdurchgänge) . . . .287 Oppenheim, S. Fixsterne) .... 317 Optische Strahlen. 5 Orientirungen der Bilder beim Heliostaten 68; der Stundenaxe 99, 101. Orionnebel, Aufnahme des . . . 330, 332 Orthochromatische Platten ... 16, 237 Ortsbestimmungen, photogr.189 Oudemans (Venusdurchgänge . . 290 Seite 224 224 217 282 294 294 294 206 324 125 35 125 325 295 87 67 72 205 273 283 38 25 118 272 6 283 8 267 , 239 217 i 10S 81 67 118 81 125 380 Namen- und Sachregister. Seite Pantograph.22 Papierverziehungen.22 Parallaxe 135, 237; der Sonne 270, 319; der Nebel 338; beim Halten 102. Pariser Photogr. Kefractor.110 Paschen (Schichtverziehung) . . . 117 Periodicität der Niederschlagsdichte 242 Persönliche Fehler.122 Phillips, J. Mond). . . 259, 260, 277 Photochronograph. 192, 202 Photographisch achromatisirtes Objec- tiv.30 Photographische Bilder, Entstehung der.210 Photographische Irradiation . . 211, 282 Photographische Lichtstärke .... 28 Photographische Refraction . . . .125 Photomechanisches Druckverfahren . 18 Photometer, Züllner’sches.215 Photometrie, photographische . .210, 326 Photometrische Durchmusterung . . 326 Photosphärisches Netz.270 Phototheodolit, Koppe’scher .... 205 Physiologische Grenze in der optischen Photometrie.210 Pickering. E. C. Photometrie) 110, 214, 252, 326; Planeten) 294; Fixsterne) 309; Vertheilung der Stern- spectra) 328; /Nebelflecken) 330. Planetarische Nebel, Aufnahme der 337; Parallaxe der 338. Planeten, Aufnahme der.293 Planetenstriche.297 Planetoiden. Aufnahme der.295 Plejaden, Aufnahme der.314 Plejadennebel. Aufnahme der .... 337 Plummer (Parallaxe).320 Pointirungsfehler.121 Polarcoordinaten, Rednetionsmethode in.ISO Polhöhenbestimmungen, photogr. 193, 197 Porro (Sonne .268 Porträtlinsen.2S Potsdamer Heliograph 73, phot. Re- fractor.103 Präparation der Bromsilberplatten . 11 Prazmowski Heliostat).67 Primäres Scheibchen.31 Pritcliard. Ch. (Pantograph) 22; Photometrie 216, 250; Parallaxe 320 Projection. centrale.23 Protuberanzen, Aufnahmen der . . . 273 Pniseux /Mond) .... 263, 264, 266 Radau Heliostat).67 Ra mb aut, A. A. Refraction) 129; Justirung der Stnndenaxe 101,206. Ranyard (Sonne).278 Ray et Photometrie) 250; Geschichte der Himmelsphotographie) 257. S Seite Read, J. B. (Mond) 259; (Sonne 268. Reducirbarkeit der Bromsilberkürner 241 Reductionsmethoden 113; von Donner 181; von Turner 181; von Scheiner 153; von Bakhuyzen 155; von Ja- coby 159; von Loewy 166; von Henry 175; von Gill 186. Reflectoren.43,., 93 Reflexbilder 40; Vermeidung der 41: bei Objectiven 222. Reflexion in der empfindlichen Schicht 217, 219. Reflexionscoefficienten. 37 Refraction.124 Refractionsconstante, photogr. ... 126 Refractionsdifferenz (opt.-photogr.) . 125 Refractionsformeln . . 128, 129, 140, 165 Refractoren, photographische .... 93 Regelmässige Distorsion. 24 Registrirmethoden, photogr.189 Regulatoren. 97 Relative Empfindlichkeit der Platten 17 Renz Fixsterne).315 Reproduction. photogr. 18 Reproductionsapparat. 20 Repsold Cassette. 106; (Montirung) 107; Messapparat) 151. Reversionsprisma.123 Revolverapparat (Venusdurchgänge). 290 Ringförmiger Spalt. 81 Roberts, J. (Pantograph) 2 2 ; (Spiegelteleskop) 108; Planetoiden) 297; Fixsterne) SOS; Nebelflecken 330. 332, 336. 337. Rümer-Horrebow-Talcot t'sche Methode.193 Rosse, Lord Mond) 260; Nebelflecken) 334. Rother Fleck auf Jupiter.294 Runge (photogr. Monddistanzen . . 204 Rutherfurd, L. M. photogr. Ob- jectiv 31; (Centrirung 48; (Schicht- verzieliung) 117 ; (Mond) 261; (Sonne 269. 276; (Fixsterne) 306, 313; »Parallaxen 319. Saturn. Aufnahme des.294 Savce photogr. Technik). 10 S ch a eb e r 1 e, J. M. (Photometrie) 216; (Extinction 232. S c h a e b e r 1 e, J. M. u. B a r n a r d, E. E. Halten der Sterne).1° 2 Schätzungen der Sterngrössen, phot. 233 Scheele (photogr. Technik) .... 6 Scheibchen, primäres. 31 Scheiner, Ohr. Fernrohr zur Sonnen- beob.).309 Schleierbildung.133, 53 Schlichter (Phot. (Monddistanzen). 204 Schmidt. J. Farben der Sterne . 237 Namen- und Sachregister. 381 SSchnauder, M. {photogr. Breitenbestimmung) . SSchönfeld, E. (Durchmusterung) . S S c h u 1 z Sternhaufen). 8 Schwächste Sterne, Aufnahme der . 8 Schweizer Parallaxen). ISeabroke, G. M. (Protuberanzen) . 8 Secchi, A. (Sonne. 1 Senkreclitstellung der Platte .... fr Sensitometer . 8 S’Gravesande Heliostat). f Sichtbarmachung der schwächsten Nebel. f Silberausscheidung, directe. f Silberkorn. Feinheit des 11, 12, 13; Aussehen des 212; Grösse des 239; Zusammenballen des 240. 8 Silbermann (Heliostat). 8 Silbersubbromid. f Sinusbedingung, Gauss’sche . . 25, 8 Skirks (Difl’ractiousgitter). 1 Sokoloff (Parallaxen). f Solarisation . . . 21T, 220, 240, 242, s Sonne, Aufnahme der 267; in monochromatischem Lichte 79. f Sonnenbild. Distorsion des. 1 Sonnenfackeln. Aufnahme der . . . : Sonnenfinsterniss, totale . . . .275, : Spalt, ringförmiger. f Spectralclasse, Einfluss der — auf phot. Grösse . Spectrolieliograph.78, Sphärische Aberration ... 32, 44, Spiegelglasplatten. Spiegelteleskope. Spiralnebel, Aufnahme der. Spuren der Sterne 45; Helligkeit der 191. 252 : Messung der 193. Stabilität der Platte 8; der Refrac- toren 93. Stanoiewitsch Sonne). Stein Heliopictori. S t e i n h e i 1. A. Objectiveonstruction' 26; (Acliromasie) 35; (Objective) 103; Exactheit der Objectivflächen) 222. Steinheil, C. A. Heliostat . . . . Stereoskopische Mondbilder . . . . Sternfarbe. Sternhaufen, Aufnahme der 316, 317, Sternhelligkeit und Parallaxe .... Sternscheibchen, Deformation der . . Sternschnuppen, Aufnahme der . . . Sternspuren. 45, 191, 193, Stokes, G. G. (Acliromasie) . . . . Strahlen, optische 5; chemische 6. Struve, 0. (Figur des Mondes 262; Parallaxe) 319. Stundenaxe. Orientirung der . . . . Sucher bei photogr. Aufnahmen . . Südliche Durchmusterung . . . 135, Seite Technik des Photographirens .... 4 Tennant (Sonne).277 : Theilungsfehler des Triebkreises . . 98 Theorie der Heliographen 55; der Heliostaten 66; der Mondbildung 266. (Thiele, N. (Messungsgenauigkeit) . 123 iThollon, L. (Heliostat).69 Thompson (Sonne).276 Todd (Venusdurchgänge).285 Totale Sonnenfinsternisse, Aufnahme Totalreflexion bei Lichtringen . . . 255 Transparenz der Silberniederschläge 243 T r e p i e d, Chr. (Focalbestimmung) 46; Heliostat 68; 'Photometrie) 216,250. | Triebkreis.98 Triebwerke.97 Trocknen der Platten.12 Tupman (Venusdurchgänge). . . . 289 Turner, II. H. 'Reductionsmethode) 181 Unempfindliche Platten, möglichst . 71 Ungleichförmige Empfindlichkeit der Platten.227 Unregelmässige Fehler der Objective 222 (Unreinlichkeiten der Platten 11, 297, 31o ( Unterexponirte Sternscheibchen . . . 235 | Unterschiede der Empfindlichkeit 228; der opt. und photogr. Grössen 236. Ursache der Lichtausbreitung . . .212 Usherwood (Cometen).298 Yenusdurchgänge, Aufnahme der . . 279 Veränderlichkeit des Abstandes der ; Componenten von 61 Cygni . . .321 Veränderung der Plattenempfindlichkeit .22S Verbreiterung der Sternscheibchen 211,217 Verflüssigung der Gelatine.120 Vergrösserung, photogr. 19; des Abstandes der Objectivlinsen 31; bei Mondaufnahmen 263. Vergrüsserungsapparat.43 Verkittung der Linsen.41 Vermeidung, der Reflexbilder 41; der Lichtringe 256. Verschleierung.13, 53 Verstärkung der Negative.13 Verunreinigungen der Platten 11, 297, 310 Verziehungen der Schicht 117, 118, 120 Verzögerung der Entwickelung . . . 245 Verzögerungsfactor.243 Verzögerungszusatz.14 Vogel. H. C. .photogr. Objective) 31; Sonne 269; (Nebelflecken) 334. Vogel, H. C. und Lohse, 0. (Verziehungen).118 Vogel. H. W. (Verziehungen) 118; Sonne 277. Seite 204 327 318 247 320 81 276 114 234 66 53 240 66 240 116 250 320 295 85 274 300 81 236 273 222 114 27 334 272 72 67 261 327 318 237 120 300 , 252 34 99 94 309 382 Namen- und Sachregister. Seite Vollkommene Acliromasie.3a Vorbelichtung. 212, 241, 329 Wärmestrahlen . 5 Wahl eines Entwicklers. 14 Wahrscheinliche Fehler ...... 123 Wanschaff Messapparat!.16 Wasseruhr.83 Waterhouse Sonne). 278. Weine k, L. Verziehungen) 118; Mond 263; 'Venusdurchgänge; 288; (Sternschnuppen 301. Whipple, J. A. Mond 258; (Sonne) 277; Fixsterne) 302. Williamson (Mond). Winlock (Sonne. 269, 277; ,Venusdurchgänge) 283. Wilsing,J. Reflexbilder 40; (Helio- Seite graph 62; Distorsion 115; (Messungsgenauigkeit 121; (Bogenwerth) 188; Parallaxen! 321, 338. Wirkung der Aetherwellen. 5 Wolf, M. (Acliromasie) 32; Focal- bestimmung; 46; (Photometrie! 215; 219; Planetoiden) 297; (Sternschnuppen) 302; (Nebelflecken) 335. Young, C. A. (Protuberanzen) 79; (Sonne) 274. Zeitbestimmungen, photogr.. . .189, 196 260 : Zenithteleskop, photogr.199 Zenke r (Sternschnuppen.300 . Zusammenballen der Bromsilberkörner 240 ! Zusatzlinse.34 Berichtigungen. Seite 66, Fig. 12. Die Dreiecksecke rechts unten muss bezeichnet werden mit S' statt N. Seite 263, Zeile 12 v. o., Seite 261, Zeile 2 v. u., Seite 266. Zeile S v. o. lies Puiseux statt Puyseux. Druck von Breitkopf & Härtel in Leipzig. SCH El NER, Photographie der Gestirne. Aeltoste coelestische Aufnahme -von -wissenschaftlichem. Werthe, darstellend ^ Totale Sonnenfinsterniss vom 18.-Juli 1851." X)agucrreotyp, auf genommen von D? !3usch . "Verlag- von 'Wilhelm 'Engelmann in Leip zip. Gra». Meieenbs:h Riffarth & Co, Leipzig- »»-.Ä v> S w. t j'. %■ V > J mXsi V43* mwm