- ^ ^»'»vEen-^ , ^ -7^-^ r <- L rrvh.rU'^ - n.ißr! »ä. 4» ^ ' .' !'M. n ' '.s'i ,s " V ! ,^ks.::.,.., .:1 .1 ^k r- — ..-.! .rsu<.m^ '/. /t t-s -- ^7-i,«:vyi'--)iL.i !t ^rEc.r!rut.': - - HNN:- ' ^ I /. . -! -s< .2 - I!L !N, 7. i ^i'.rUWvttutz lj .,: .« ^ .— '-:7 . '. '' i-' --'» ^ .r 7- - - rr. " 't Leben des Herrn Robert Scipio von Lentulus, weiland Generalleutnant i n Köm'gl. Preußischen Diensten und der Bernerischek Völker, rc. rc. rc. Beschrieben von Fr. Ludwig HNupt mann. Vern in der Hallerschen Buchhandlung, » 7 8 7 . (- l . u u l- '.'. Dem Woledelgebornen Herren, Herrn Rudolf von Frisching, des Großen Raths der Stadt und Republik Bern, Rühmlichst ausbedienten Landvogt von Wangen, Einem Anverwandten und vorzüglichen Freunde des Wolseligen Herrn Generals, wiedmet diese Blatter, Woldesselben gehorsamster Diener, der Verfasser. V o r b e r i ch t, «^ch werde nicht glauben , in dieser Schrift alles gesagt zu haben, was zum Ruhm dieses berümten Generals und der Zeit - Epoche, worinn er seine Thaten verrichtet, hätte gesagt werden können; aber das wenige, was ich liefere / ist aus zuverläßigen Quellen gezogen, vieles aus mündlichen Nachrichten solcher Personen , die den Wolseligen Herrn General genau zu kennen die Ehre hatten, * z VI anders aus schriftlichen Aufsäzen, und mehrere allgemeine Notizen fanden sich in öffentlichen Zeitschriften, meistens aber in der Geschichte der Preußischen Kriege, welche die anerkannten großen Militärischen Verdienste dieses unter den Waffen grau gewordnen Feldherrn aufbewahren. Ich wollte also nur kurz meinen Landsleuten den Schweizern zeigen, wer Lentulus war! um den dapfern Mann ihrem Andenken ehrwürdig und werth zu erhalten. Halter. Rupertus Robert Scipio vonLentulus stammte von einer aus Italien in die Schweiz- gekommenen Familie; der erste dieses Namens / welcher schon am Ende des i6ten oder im Anfang des i?ten Jahrhunderts von Rom nach Berit kaim und allhier das Patrizische Bürgerrecht erhielt/ war ein Praktikus der Arzneykunst; dieser leitete / vielleicht nicht ohne Grund / sein Geschlecht von den alten Römischen Lemulis her/ einem Zweig des edlen Stamms der Cornelier / welche sich dnrch ihre Thaten so berühmt gemacht; denn haberr nicht die Trophäen der grossen Sei- piouen über den furchtbarn Hanmbal und den Antiochus, über Nmnanz und Karthago; die opim.i spoijg des Vejentek-KömgS Tolmnnius, welche Cornelius Cossus Len- tulus dem Jupiter Feretrius gebracht; des Cornelius Dolabella Vertilgungs-Schlacht -er Gallier am Vadimonischen-See; des Cornelius Sylla Glükund Siege über Jll-^ gurtha, Nlarius und den Mithridat, und selbst die unvergleichliche Tugend Corneliens, der Tochter de/ Grossen ersten Afrikaners und Mutter der Grachen, diesem Geschlecht einen hohen Glanz erworben? Die meisten, ja alle Mitglieder der Familie von Lentn- lus behielten auch nach ihrer Verseznng aus Italien in die Schweiz Röm. Namen, und hiessen mehrentheils Cäsar oder Scipio; zwar gelangten die Lentulus in ihrer neuen Vaterstadt bald zu Reichthum und Ehren; dennoch suchten verschiedene ihr Glük in fremden Kriegsdiensten. Cäsar Joseph von Lenlulus^schwang sich durch Muth und Tapferkeit so weit empor, daß, ungeachtet er ein Protestant war, er unter Karl VI. von Grad zu Grade stieg, und im Jahr 1744. als Oestreichischer General - Feldmarschalleutnant und Kommandant der Stadt und Festung Cronstadt in Siebenbürgen sein Lehen schliessen honntk - ^ I dieser Herr erzeugte mit Marien Elisabeths verwittibten Lodisano, geb. von Wangen- heim unsern Robert Sejpio, welcher im I. 1714. am i 8 ten Apriü zu Wien das Licht der Welt erblikte; auch er wurde dem Kriegsdienst gewidmet, erlernte daher alle nöthige Wissenschaften, und wurde im Jahr 1728. als Fähndrich beym Kaiser!. Dragoner-Regiment von Philipp! angestellt; das Regiment mußte gleich darauf in Italien marschiren; unser Herr von Lenlulns betaut Erlaubnis , dieses irdische Paradies zu bereisen, welche er so gut nuzte, daß er Venedig, Parma, Plazenz, Florenz, Livorno, Pisa, Rot« und Neapel , besah- im Jahr 17? 1. gieng er mit dem Regiment in Steyermark; aber der Feldmarschall Merci, der wie es scheint, ein Freund des Vaters von unserm Herrn von Lentultts gewesen, nahm ihn bey Ausbruch des in 17;?. zwischen Oestreich und denen Bour- boriischm Höfen, der^n Partey auch Sardinien hielt, erfolgten Kriegs als Adjv A r. dank mit sich, und er wohnte -er in unweit Parma gelieferten blutigen Schlacht bey. Merer hatte die Völker der z Kronen in ihrer Vortheilhaften Stellung, die er aber, wegen seinem blöden Gesicht gar nicht für unangreiflich hielt, skaliert: i8- 2 O. Bataillone seines linken Flügels mußten nebst einigen Dragonern, das ganze feindliche Feuer aushalten, welches in dem engen Terran, worauf es sich kreuzte, sehr mörderisch war; die Bourbonier konnten bey ihrer grösser» Menge einander beständig ablösen, wenn sich die einen verschossen hatten, und da sie mehr Leute zugleich ins Feuer brachten; so war der Vortheil immer auf ihrer Seite; die Kaiserlichen hatten sich zwar einer verschanzten Caßine und einiger Kanonen bemächtigt, mußten aber solche bald wieder verlassen; da sie solche nicht behaupten konnten, indem sie weder Völker vom rechten Flügel 5 rempo Herbeybringen, noch ihre Reiterey gebrauchen, noch die Feinde weiter aus ihren Schanzen zu treiben vermoch- ten ; Merci blieb selbst durch eine» Falko netschuß, und Prinz Friedrich Ludwig von Würtemberg, der bald darauf bey G»a- stalla umkam/ führte die Ocstreicher zurük, welche nicht lange darnach Italien räumen mußten; unser Herr von Lentulus kehrte gleich nach seines Feldherrn Tode zurük/ und gieng wieder zum Regiment / welches am Rhein gegen die Franzosen stand; hingab ihm der Feldmarschall Philippi im Dec. eure Compagnie / und er befand sich mit dein Regiment im folgenden Jahr beym Heer-/ weiches Fcldmarschall Sekendorfan die Mosel führte, wohnte dem Gefecht bey Klausen bey/ und reglierte nach getroffenem Waffenstillstand mit dem Graf von Clme" lup/ den der Marschall von Koigni hiezu beordert hatte/ die Quatier -Linien derer -einseitigen Kriegsvölkcr. In dem zwischen Oestreich und der Ottomamnfchm Pforte iin Jahr i7?7- hatte der Herr Hanptinann von Lentulus mehr als einmal Gelegenheit sich hervorzu- A z -6 - ---- - - thun; denn im I. i7?8. belagerten-ie Türken Orsowa, eine ziemlich wichtige Festung in Ungarn an der Donau ; das Oefterei- chische Heer, welches Franz Stefan, Großherzog zu Toscana, Kaiser Karls VI. Toch- lermann , und der Feldmarschall Königsek befehligten/ marschierte zum Entsaz herbey, und stieß zwischen Cornia und Meadia auf den Feind, dessen Reiterey nebst einigen Janitscharen, wirklich die Brigade Fußvolk des Prinzen von Sachsen - HMmrghausen und die Dragoner Regimenter von Jörger, Khevenhüller und Ferdinand Bayern zum Weichen gebracht hatte; allein die Hohen- zoüerschen Küraßier und Dragoner von Philippi kamen zu Hülfe, und jagten das Türkische Korps von einer vortheilhaften Anhöhe unweit Meadia herunter. Dieser Ort, dessen sich die Ottomannen auch schon bemustert gehabt, gieng zwar alsbald an die Deutschen über; da sich aber dieselben noch disseits Meadia sczen wollten, grif der Feind eine grosse Schanz unweit davon und zugleich die Dragoner Regimenter Sa-- voyen und Kheverchüller hizig an; diesen kamen jedoch Philipp! und Hohenzollern schleunigst zu Hülse, und machten ein solch fürchterliches Feuer, daß fie alle ihre Munition verschossen, die Türken aber zurügektrie- ben wurden; hier siel der Hauptmann von Lentulns mit 2 Schwadronen seines Regiments einem Schwärm Ianitscharen aus'n Leib, und hieb sie meistens zusamen. In dem unglüklichen Tressen bey Grozla im Inl. 17; 9. büßten alle Oeftereichrschen Reiter - Regimenter sehr viele Leute ein, und liefen sogar Gefahr, gänzlich ruinirt zu werden, wenn nicht der Prinz von Sachsen- H'ldburghauseii an der Spize. einiger Bataillonen dencnselben Luft gemacht hatte; auch der Herr von Lentulns wohnte diesem Treffen bey. Der Geist und der Mut deS Großen Eugens führte damals die Kaiser!. Heere nicht mehr, und, troz aller Bravheit derer Befehlshaber und Soldaten, konnten dieselben bey damaliger Beschaffenheit der' A 4 8 Finanzen, rc. unter Sekendors, Neüperg und Olivier Tballis wenig ausrichten. Kap ser Karl mußte noch in diesem Jahr den ihm so nachteiligen Belgrader-Frieden schliesst ; nach dessen Bekräftigung der Herr von Lentulus , ungeachtet er blos 25 Jahre alt war, zum Kaiserl. Commissär zu Bestimmung deren Gränzen von Serviert und dem Temeswarer-Bannat ernannt wurde; so- -enn gieng er als ansserordentlicher Gesandter zur Bestätigung der Gränzscheidung nach Konstantittopel; da man ihn« aber Schwierigkeiten machte, und die Sache immer verschob ; so bereißte er innert 6 Monaten An- gora, Sero, Snnrna und andere merkwürdige Orte irr der Levaktte und im Archipelagus; er that sogar eine Reise nach Eghp- ten, woselbst er das merkwürdigste aus ältern und neuern Zeiten, besonders die Gegend , in welcher die Kinder Israels »bers rothe Meer gegangen, in Augenschein nahm; diese betrachtete er mit dem militärischen Auge eines künftigen Feldherrn, und fand, wie er seither selbst gesagt/ „daß MoseS bey Veranstaltung des ttebergangs/ welcher in einer grossen gedrängten Kolonne geschah / steh als ein treflicher General der Infanterie bewiesen hätte.» Bey seiner Nüekeknnft nach Kon- siantinopel wurde endlich die Gränzschei- dlmg ratistcirt/ und hier erfuhr der Herr von LentnluS Äaifer Karls Tod und die Thronbesteigung Marien Theresens in Ungarn ; hierauf reihte er nach gehabter Verhör beym Groß - Sultan / aus der Türkey ab/ übergab seine Verrichtung zu Wien, und wohnte noch in gleichem Jahr 1741. der Krönung der Königin von Ungarn ztt Presbnrg bey. Der am Ende des Jahrs 1740. erfolgte Hinfeheid Kaiser Karls VI. des lezten männlichen Zweigs von Habsburg / hatte einen derer blutigsten Kriege um die Oestreichische Erbfolge sowohl als um die Kaiferwnr- de erregt. Bayern/ Sächselt/ Brandenburg/ und bald darauf auch Neapel/Spanien und Frankreich/ bekriegten Marien Theresen, Karls ältere Tochter, welche, wie gedacht, als Königin von Ungarn war ausgerufen worden. Da der neue König von Preußen, Friedrich II. der sich nachher den Beynamen des Großen erworben , in Schlesien eingebrochen war; so hatte Feldmarschall Neüperg mit ;o - zsovo. Mann durch Mähren dahin eilen müssen, um sich desselben fernern Fortschritten zn widersezen; dieser verlor am loten April 1741. bey Molwitz eine Schlacht, worinn unter andern der Feldmarschalleutnant, Vater unsers Herrn von LentuluS, welcher den rechten Oestreichischen Reiterflügel anführte , selbst verwundt worden; obwohl er kurz hieraufim August zu Klein - Sehne!- dorf in Ober-Schlesien mit dem Preußischen General- Major Prinz Dietrich von Anhalt - Dessau die Auswechslung derer Kriegsgefangenen und andre geheime Unter- handlungen besorgen konnte. Unser Herr Hauptmann von LentuluS machte mit dem - Regiment im 1 .1742. den Krieg in Böhmen -- > - ^ ü und Bayern mit,, wo er sich unter den Befehlen des Grossen Khevenhüllers und des Fürsten von Lobkorviz befand; Anfangs des folgenden Feldzugs aber war er beym Oestreichischen Heer in Bayern unter den Befehlen des Prinzen Karls von Lothringen, welches im May 174?. das, aus Bayern und Hessen bestehende, zwischen Brannau nnd Simbach gelagerte Korps des Bayrischen Generals von Mmuzzi übersiel, und dasselbe nach ziemlichem Widerstand, nnd nachdem solches durch die Völker des Generals von Nadasti in der Flanke genommen worden, fast gänzlich aufrieb; die Oestreichische Reiterey, worunter sich auch das Philippische Dragoner - Regiment befand, trug sehr vieles zu diesem Erfolg bey; die Generale von Mimrzzi, Preising und Ga- A'ieli wurden mit ein paar 1000. Mann gefangen, und die Bayrischen Reiter und Dragoner, samt den Regimentern Mirbach und Leib - Regiment Heßen , meistens nie- dcrgerichtet; dieser Streich entschied das Glük des ganzen Feldzugs in Bayern, und die Oestreichische Macht konnte sich nunmehr sicher gegen den Rhein wenden und Elsas bedrohen. Der Herr von Lentttlus blieb mit dem Regiment unter denen Völkern des Feldmarschalls Grafen von Bathiani, welche is - 2OOOO Mann ausmachten, zur Bedeckung von Böhmen und Bayren zurük. Im folgenden Jahr hatten die Obstreicher das Glük, übern Rhein zu gehn, und bis an die Lothringischen Gränzen vorzudringen, und obwohl eine starke Hülfe vom Französischen Heer aus Flandern her, veyeilte; so schien es doch, als ob sich der Prinz Karl noch länger hatte im Elsas behaupten - und sogar Strasbnrg wegnehmen können/ welches verhältnismäßig nur schwach mit Landrniliz besezt war; allein Frankreich hatte in diesem Jahr mit dem König von Preußen die Frankfurter-Union geschlossen , und derselbe brach Anfangs Sept. mit 82OOO. Mann, welche unter ihm der Feldmarschall Graf von Schwerin, und Prinz Leopold Maximilian von Anhalt-Dessau befehligten- in Böhmen ein, und rükte vor Prag, welches förmlich angegriffen wurde; diese Hauptstadt vertheidigten zwar die Ge» NeraleHarsch und Ogilvi mit 14002Mann, meistens Ungarische und Böhmische Land- milizen; unser Herr Hauptmann von Len- tulus war auch mit 200. Dragonern hie- her kommandirt worden, und that verschiedene glükliche Ausfälle; doch sahe sich Harsch m kurzem zur Uebergabe gezwungen, und mußte sich mit der ganzen Vesazung zu Kriegs- gefangnen ergeben; der Herr von Lentu- lns einzig wollte die Kapitulation nicht unterschreiben; (so machte es im 1 . 1757- zu Breslau der Oestreichische General Philip Levin , Freyherr von Bek, welcher in gleichem Fall die Kapitulation zu unterzeichnen sich weigerte) sondern sagte zum Preußischen General Einsiedel, mit dem sie geschlos- fen worden: er wäre in Prag zum Fechten nnd nicht zum Gewehrstrekenl zu seinen Lem trn aber sprach der Herr Hauptmann: ikq,' -----------s ,, Dragoner! was ihr mich thun seht , das „ thut mir nach! „ und sobald er mit ihnen in die Mitte derer in 2 Reihen gestellten Preußischen Bataillonen kam; so zerbrach er den Degen / welches ihm alle seine Leute nachthaten; dieses Betragen gefiel dem König von Preußen so wohl, daß er ihn folgenden Tags zur Tafel zog, ihm Kriegsdienste anbot, welche derselbe aber dißmal ablehnte, um, nicht gegen die Königin von Ungarn fechten zu müssen, und entließ ihn auf sein Ehrenwort nach Wien; das Verhalten unsers Herrn Hauptmanns hatte sehr wohl verdient, daß er befördert werden sollte; man machte ihm auch gute Hoffnung dazu; Mein es blieb bey leeren Worten, und der Herr von Lentulus merkte wohl, daß man am Wiener- Hofe nicht die Verdienste, sondern die Religion derer Officiers in Betrachtung ziehe; obwohl nun sein Herr Vater, gleich andern nnkatholischen Befehlshabern, sich zu hohen Stellen im Oestreichische" Militär emporgeschwungen; so hatten sie es doch nicht immer ihren Verdiensten einzig, son« dern dem Ansehen und dem kräftigen Fürwort des ächten Kenners derselben, -es grossen Eugens, und nicht selten einigen zu rechter Zeit und am rechten Ort angebrachten reichen Geschenken zu danken; der Feldmar- schalleutnant, Vater unsers Herrn von Len- tulus, und er selbst, hatten Verdienste genug um das Oestreichische Hans, und doch über- gieng man den Herrn Hauptmann bey ver- ledigten Majorsstellen, und gab solche Offizieren, welche jünger am Dienste waren, sich aber zur herrschenden Religion bekannten ; dieses verleidete dem Herrn von Lentu- lus das Oestreichische Militär, und er entsagte dem Dienst einer Monarchin, welche, bey den erhabensten Eigenschaften, die Schwachheit hatte, ihre Officiere nach dem Glauben und nicht nach den Werken zu belohnen und zu befördern; diese Schwachheit brachte sie um viele wakre Krieger, welche sonst Theresien wider ihre Feinde, nun aber jenen gegen sie selbst, Arm und Schwer- anboten; wie viele edle Ungarn, welche des evangelischen Glaubens wegen in ihrem Vaterland keine Beförderung hoffen könnten, oder sonst zurükgesezt wurden, suchten und fanden ihr Glnk in Preußischen Kriegsdiensten? Die KeöSzeghi, Nagt), Ruesch, Haitafch, Ghilani, Szekely, Ki- neßey und hundert andre geborne Ungarn und Siebenbürger haben dem König von Preußen treffliche Dienste geleistet, und die Preußischen Husaren , welche heut zu Tag für die besten gehalten werden, sind es vor- nemlich dnrch die vielen unter ihnen befindlichen Ungarn geworden. Theresens grosser Sohn und Thronfolger Joseph H. handelte in diesem Stak schon anders, und belohnt in den seinen weder Katholik noch Protestant, sondern den braven und wohlverdienten Offizier und Soldat, worinn er dem Beyspiel König Friedrichs folgt, der unter seinem Militär so viele würdige Männer hatte, welche sich zur Kathol. Kirche bekannten, wie z. E. die Generale Nothmburg, Werner, u. a. in. rt. a. rn. und solche doch ohne Unterschied des Glaubens hervorzog, und betonte. Der Herr Hauptmann von Lentulus verließ die Oeftreichifchen Kriegsdienste Anfangs des I. 1745. und reiste nach der Schweiz, um seine Vaterstadt Bern, welche er noch nie gesehen hatte, zu besuchen ; hier wurde er von seines Vaters Bruder, der 2 Jahr vorher in den Tagl. Rath war befördert worden, mit vielem Vergnügen empfangen, und an Ostern 1745. bey damaliger Befördrung in Großen Rath, durch ihn zum Mitglied desselben ernennt , und der Herr Hauptmann gedachte sich nunmehr in Bern niederzulassen , aber die Vorsicht hatte es änderst beschlossen. Die Militärischen Talente des Herrn Hauptmanns von Lentulus waren, seit seinem rühmlichen Verhalten zu Prag , dem Kennerauge des Grossen Friedrichs nicht entgangen; der .König hatte daher kaum am 2/ten December .bemelten Jahrs den Dresdner - Frieden geschlossen, als er schon den Herrn von Len- tulns in seine Dienste zu ziehen trachtete ; B 1 « derselbe erhielt im Anfang Ienners i 746vom Fürsten Leopold zu Anhalt - Dessau, ein sehr verbindliches Schreiben , worinn ihm auf die gnädigste Art Königl. Preußische Kriegsdienste angetragen wurden. In denen Diensten eines solchen Königs / wo Treue und Tapferkeit nicht unbemerkt blieben, und ohne Unterschied des Stands/ der Nazion und des Glaubens belont zu werden pflegten/ — eines Königs / der nnr erst 2. wichtige Kriege durch die rühmlichsten Friedensschlüsse bekrönt - und schon 5. Hauptschlachten gewonnen hatte / war es doppelte Ehre auf diese Art eingeladen zu werden / und der Herr von Lentulus stand nicht lang an / ob er den Ruf annehmen wolle ? Die Beweggründe welche ihn 15. Monate vorher abgehalten hatten / in Preuß. Dienste zu treten / walteten nicht mehr / da er des Oestreich. Militärs entlassen - und besonders / da sein Herr Vater, der Feldmarschall - Leutnant / schon am 29ten May 1744. zu, Cronstadt gestorben war; -der Herr von Lentulus trat also mit Rang vomrsten Sept. 1744. als Flügel-Adjutant und Major von der Reiterey in Preußische Kriegsdienste; der König fand an ihm den brauchbaren und thätigenMann, den er suchte, und that alles mögliche, um ihn seinem Dienst zu gewinnen; Er verhcirathete daher unsern Herrn Obristwachtmeister am i4ten Ienner 1748. mit Maria Anna , Gräfin Tochter des Königl. Geheimen Staatsministers und Oberstallmeisters Bogislaf Friedrich von Schwerin , welche Hofdame bey der regierenden Königin war; diese Vermälung geschah auf dem Schloß zu Berlin , m Gegenwart Jhro Königl. Majestäten und des ganzen Hofs durch den Oberhofprediger Sak, worauf der König einen prächtigen Ball und ein Nachtessen gab, und das neuvermälte Paar reichlich beschenkte, welche Verbindung für den Herrn Obristwachtmeister eine desto größre Ehre war , da fich das Gräflich- Schwerinsche Haus einiger Verwandtschaft mit dem Königl. Preußischen rühmen kan, und der König besang diese Heirathsvervin- B - -2V . düng in einem Gedicht s. Der Herr Major war indessen bemüht, sich in des Königs Gunst immer fester zu sezen ; Er wohnte denen in 1746 - 47. und nachfolgenden Jahre» bey Carpzow / Spcmdau/ Pizpuhl, rc. angestellten großen Lustlagern bey /und exerzierte die ihren Feinden schon furchtbar gcwordne Preußische Neiterey so unermüdet und mit so gutem Erfolg / daß man ihre im siebenjährigen Kriege geleisteten Dienste meistens auf seine Rechnung sezen kan ; diese Reiterey war unterm vorigen König ganz vernach- läßigt und zurükgeftzt worden ; sie hatte fast keine Uebung gehabt/ und der Preuß. Reiter kannte das Gefühl der Ehre noch zu wenig / als daß man damals grosse Dinge mit ihm hätte verrichten können; die Generale und Chefs derer Kavallerie Regimenter mußten/ nach Friedrich Wilhelms gemeßnem Befehl / ihre Reiter §u Schonung der Gäule *) Ode an die Gräfin Maria Anna von Schwcrin / re. in denen koebes älverlsr än Uyi cie kiulle. 21 anhalten, und die Leute öfters eine oder mehrere Meilen zu Fuß laufen lassen , um die Mären zu schonen , wodurch solche so dik- lcibig und nugelenksam wurden/ daß sie sich fast gar nicht rühren und rippeln mochten ; daher kam's denn / daß die Preußische Reiterei) im ersten Schlestschen Krieg / sonderlich bey Mvlwiz , Lehrgeld geben mußte, ehe sie, von der Schlacht bey Hohenfriedberg an, das Ucbergewicht über ihre bisherigen Meister erlangen konnte. König Friedrich, welcher durch seine Thaten im siebenjährigen Krieg mehr als einmal zeigte, daß die Reiterey alles werden kan, was sie seyn soll und muß, und dessen Feldherren bey Leüthen, Zorndorf, Torgau, Langensalze, Frey- berg und am Tharauderwald mit derselben " fast unmögliche und unglaubliche Dinge verrichtet , wandte alles darauf an, solche je länger je furchtbarer zu machen , weil er den Sturm vorsah, der ihn von weitem bedrohte; die Preußische Reiterey bekam ihre Zäume au den Pferden dicht mit Eisendrat durch- V Z Lr- > - schlungen, um das Zerhauen derselben, wodurch der Mann seines Thiers nicht mehr Meister bleibt, zu verhindern; die Küraßiere insbesonders hatten zur Verwahrung gegen die Säbelhiebe eiserne Kreuze unter den Hüten. Der König von Preußen ließ die nicht fruchtlosen Bemühungen des Herrn Obristwachtmeisters von Lentulus eben so wenig unbetont; schon im Okt. 1748. hatte er die Gnade für ihn gehabt, Pathe des Sohns zu seyn , den ihm seine Gemalin geboren , welcher Friedrich Wilhelm Rupert Cäsar ge- nennt wurde; und nunmehr ernennte er den Herrn von Lentulus zum Obristleutnant, und schikte ihn in gleichem I. 1752. nach Kassel , um die zwischen dem Prinz Heinrich von Preußen und der Prinzeßin Wilhelmine von Hessen - Kassel gestiftete Vermälung zu unterzeichnen, und der Trauung im Namen des Prinzen beyzuwohnen; noch in diesem Jahr verlieh ihm sein Monarch die Barocke Kolombier im Fürstenthum Neuenburg. Im 1 .1754. verlor der Herr Obristlieutnant seine Gemaliir / nachdem sie ihm 4- Söhne geboren hatte / wovon aber nur noch2. leben/ deren wir am Schluß dieser Nachrichten gedenken wollen. JmJ. 1756. brach der ;te Schlestsche Krieg ans / welcher auch der siebenjährige heißt/ und dem König Friedrich von Preußen/ dessen Macht und zunehmendes Ansetzn ihm den Neid derer meisten Europäischen Fürsten zugezogen hatte / ein volles Recht auf die Beynamen des Grossen -- des Größten und des- Einzigen erwarb; Rußland , Oestreich und Frankreich / drey Machte / welche zukamen genommen / ganz Europa zittern machen / verschworen sich mit einander wider den weisen und uncrschroknen Brennen- König; schon in 1746. gleich nach dem Dresdner Frieden hatten Oestreich und Rußland ein Schuz - und Truz - Bündnis geschlossen , das so schnurgerad gegen den König von Preußen gerichtet war / daß Man nicht nur denn über ihn herfallen wollte / wenn er die einte oder andere Kaisermachl angriffe / sondern auch, B 4 24 wenn er von der einten oder andern selbst bekriegt würde; diesem Vertrag trat Sachsen bey, unter dessen schwachem Landesherr», dem König Mgustlll. von Polen, der alles vermögende Minister Graf Brühl das Zutrauen des allzugütigen Fürsten so sehr mis- brauchten/ daß er ihn, dem wahren Besten von Sachsen zuwider, in die Verbindung zog; hiezu kam Frankreich , welches alsbald die mit seinem Gel- bcstochnen Schwedischen Neichsräthe auf seine Seite zog, so daß auch diese Krone, ungeachtet des, vor wenigen Jahren mit dem, durch die Bande der Blutsfreundschaft mit ihrem Regenten vereinigten, König von Preußen geschloßnen, Bündnisses, unterm Verwand der. Gewährleistung des Westfälischen Friedens, fleh wider ihn erklärte ; das Deutsche Reich war getheilt; das Oberhaupt desselben, der Kaiser, mußte seiner Gemalin , der Kaiserin Königin, zu gefallen leben ; sodann verhielten sich besonders die Oberdeutschen, der Oeftreichischen und Französischen Ue-ermacht am meisten s; ausgesehen, Reichsstände / theils mit- theils wider Willen- die Römisch-Katholischen aber vornemlich darum / weil ihnen arglistiger Weise ein Glaubenskrieg vorgespiegelt ward, jr, omnibur. wicOefterreich ! König Friedrich sah, wie nöthig es wäre, so mächtigen Feinden zuvorzukommen; er verband sich mit England und einigen Patriotisch gesinnten Fürsten Deutschlands, und scheute sich dann nicht, die halbe Welt und ihre Helfershelfer mit gerechten Waffen zu bestreiken; ein Heer von 4O0O2. Mann, welches der alte versuchte Schwerin anführte, dekte Schlesien gegen die, auch von einem Helden, dem Fürst Ok« tavills Andreas von Piecolominj - Arra- gona befehligte, Kaiser!. Macht, während der König selbst mit 70. Bataillonen und 80. Schwadronen in verschiednen Kolonnen, welche unter ihm Feldmarschall Kerth , Marg- grafKarl, Fürst Morizvvn Anhaltdesiau, und der Herzog Ferdinand von Brann- schweig führten, in Sachsen einbrach, und Las ganze Land nebst der Hauptstadt Ares- den im August wegnahm / und 16020. Mann Sächsischer Völker unterm Feldmarschall Rutowski in ihrem festen Lager bey Pirna einschloß; unser Herr Obristleutnant kam in des Königs Gefolg nach Dresden, wo sich aber der König nicht lang aufhielt, sondern gleich nach Sedliz, wo das Hauptquartier war, und von da naher Böhmen abgieng, woselbst das Preußische Heer unterm Feldmarschall Keith bis gegen ;2202. Mann anwuchs , und die, zum Entsaz der Sachsen anmarschierenden, Oeftreichischen Völker, welche der Feldmarschall Graf Maximilian Misses Bronne, von Camus befehligte, beobachten mußte. Noch vor dem Aufbruch von Dresden hatte der Herr Obristleutnant von Lentulus , Namens des Königs seines Kriegsherrn, der Königin, Gemalin König Augusts von Polen, Churfürsten zu Sachsen , dir Versicherung gebracht, daß ihra mit aller Achtung begegnet werden sollte, ovwol sich diese Königin, eine Todfein- din Friedrichs, bey verschiednen Anlassen so betrug, -aß der König von Preußen mehr als einmal wider seinen Willen , zu schar, fern Maasrcgeln schreiten mußte. Der Herr Obristleutnant begleitete hierauf den Monarchen zum Heer in Böhmen, wo derselbe am iten Okt. 1756. dem Feldmarschall Broun die Schlacht bey Lowosiz abgewann. Die Preußische Reiterey hatte vielen Antheil an der Ehre dieses Tags; sie wurde beymvor- rnken gegen den Feind durch die Zwischen-, räume des Fußvolks in die Ebne zwischen Lowosiz nndSulowiz vorgezogen, und prellte zwcymal mit solcher Hize auf die Oestrei- chische, daß solche, ungeachtet sie durch ein starkes Kanonen - und Musketenfeur unter- stüzt war, zurükweicheu mußte, wobey unter andern die Regimenter von Kordua Kü- raßier- und Erzherzog Joseph Dragoner sehr vieles litten; allein das Oestreichische schwere Geschüz- und Kartetschenfeur wäre so heftig und ununterbrochen , daß die Preußische Kavallerie, nach erlittnem starken Ver- lurst, gleichfalls zurükgehn - und sich hinter ihrem Fußvolk sezen mußte ; die Bataillone DesPrenß. linken Flügels drangen endlich in Lowosiz ein , woraus sie den Oestreich, rechten Flügel vertrieben, und das Schlachtfeld behaupteten. Der Herr Obristleutnant von Lentulus befand sich in dieser Schlacht, wenn sich der Verf. nicht irrt, anfin rechten Finget der Preußischen Reiferen, welchen das Regiment Gendarmen hatte; sein Verhalten muß so treflich gewesen seyn , daß der König ihn mit der Nachricht von diesem Siege nach Londen schikte; König Georg II. der mit Wärme am Glüke seines königlichen Neffen Theil nahm, beschenkte den Ueber- bringcr dieser guten Bottschaft mit recht fürstlichen Geschenken an Geld und Kostbarkeiten, und der Herr Obristleutnant kehrte wieder in Sachstn zurük, wo er meistens um den König war, welcher in seinen Winterquartieren große Plane zu Beilegung und Zer- nichtnng der Feinde ausdachte. Im Frühjahr i7>'7. drang der König mit 70000. Mann in Böhmen ein, und jagte die Obstreicher vor sich her ins Lager bey Prag, wo er sie, troz allen Vortheilen ihrer Stel- -L- jung/ anzugreifen beschloß; Er nahm i sOOO. Mann von seinem Heere mit sich über die Moldau / und stieß bey Proßik zu denen Völkern, welche Schwerin und Bevem aus Schlesien und der Lausiz heranführten; der Herr Obristleutnant begleitete den König, und wohnte der blutigen Prager-Schlacht am 6 ten May 1757. bey, in welcher der Held Schwerin und viele andre brave Befehlshaber mit ihrem Tode und ehrenvollen Wunden dem König von Preußen einen theuren Sieg erkauften. Die Preußische Reiterey konnte wegen dem beschwerlichen Terra» aufm rechten Flügel wenig thun, wurde also meistens auf den linken gezogen, und küm daselbst eben zur Zeit an, da der, den leztern anfürende , Generalleutnant Prinz von Schönaich-Carolath mit seinen 65. Schwadronen der, ihn weit überflüglen- den , 104. Schwadronen starken , Oestrei- chischen Kavallerie zum dritten mal hatte weichen müssen ; aber als der gefürchtete Zielen mit seinen nnd denen Weruerschen Husaren und dem Stechowschen Dragoner- Regiment wie ein Sturmwetter heranprellte, und zugleich der wakre Obristleutnant von Warmrj mit dem zweyten Bataillon Put- kammerscher Husaren, um den Teich von Un- ter-Micholup herum, denen Oestreichischm Husaren unterm General Haddik in die Flanke gieng, so wurden diese übern Haufe» geschmissen, und zulezt in völlige Flucht gejagt ; einige Preußische Schwadronen sielen sogar denen auf der Flanke des Oestreichi- fchen rechten Flügels posierten Grenadieren in Rücken und in die Seiten , und hieben >mit gutem Erfolg darauf ein. Der Herr Obristleutnant von Lentulus half auch hier den Sieg erfechten, hatte aber auch den Tod des grossen Schwerirr, eines Vaters-Vruders seiner verstorbenen Gemalin, zu beweinen. Der Herzog von Bevern hatte wahrend der Belagerung von Prag das Daunische Heer über Kollin, Kuttenberg, Czaslau und Golz-Jenkau hinaus zurükgetrieben; als aber der Oestreichische Feldherr aus Ungarn, Mähren und Oestreich alle mögliche Verstärkungen an Volk und Geschüz an sich gezogen - und seine Macht über 60000. Mann vermehrt hatte; so drang er wieder vor, und Bevern lief Gefahr, mit seinen 2LOOO. Preußen mehr als einmal angegriffen - wo nicht vom Hauptheer abgeschnitten zu werden. Der König gieng daher mit dem Fürst Moriz von Anhalt an der Spize von einigen 1000. Mann aus dem Lager bey Prag ab / und vereinigte stch mit dem Herzog von Bevern, zu dem noch der Generalleutnant von Treskow nebst 4- 5000. Mann aus Schlesien geflossen war, unweit Kaur- zim; am i8ten Jun. griff der König die Obstreicher in ihrer vortheilhaftcn Stellung bey Chozemiz und Kollrn an; der Generalmajor Joh. Dietrich von Hülsen, welcher 7. Bataillonen des Vortrabs führte, hatte schon verschiedene Vortheile und ziemliches Terran gegen den rechten Oestreichischen Flügel gewonnen; Ferdinand von Braunschweig unterstüzte diesen Angriff; da jedoch des Königs Dispositionen nicht -urchgehends befolgt wurden / das Oestreich. Kartctschen- und Kanonenfeur immer heftiger und mör- drifchcr - die Preußischen Bataillonen fast gänzlich zufamengefchossen - und keine frischen Fußvölker mehr waren / dix Reiterey aber an den.en wenigsten Orten gebraucht werden konnte; so mußten die Preußen hier zum erstenmal weichen. Zielen hatte zwar die Abtheilung deS General Nadafti zurük- getrieben, und das Dragoner - Regiment von Norrnmm hieb auf die Oestreich. Infanterie und Kavallerie mehr als einmal mit gutem Erfolg ein ; aber die Küraßiere konnten wenig thun; sie geriethen sogar durchs feindliche Kartetschenfeur in Unordnung, und das Regiment Prinz von Preußen / weiches durch die Sächsischen Dragoner geworfen ward, verlohr viele Leute und Pferde; unser Herr Oberstleutnant focht vermuthlich wie- drum bey denen. Gendarmen aufm linken Flügel. Der Verlurst dieses Treffens bewog den König König die Einschließung von Prag aufzu-- heben / um seinen Feinden desto besser begeg- nen zu können; Er übergab die Anführung des Beverschen Heers, welches er durch einige Regimenter verstärkte, seinem Bruder/dem Prinz Wilhelm von Preußen; derselbe sollte dem grossen Oeftreichischen Heer unterm. Prinz Karl von Lothringen und Feldmar» schall Darm den Eintritt in die Lausiz so lang möglich verwehren / und des Königs Operazionen bestens begünstigen; der Prinz, welcher sonst militärische Talente genug hatte, wenn er unter einem andern, z. B. dem Feldmarschall Keith, stand, befolgte nunmehr die Räthe von andern , welche noch minder ein Heer zu führen verstanden als er selbst, und ließ sich von ihnen zu solchen Fehlern verleiten, welche nicht nur den Verlurst von Gabel und Zittau nach sich zogen, und die Preußen zur Verlassung von Böhmen zwangen, sondern auch dem König sehr nachteilig hätten werden können ; deßwegen gieng er mit r 6 Bataillonen und 28 Schwadronen C von Leipa nach Budißin , wo der Prinz nach der Uebergabe von Zittau sich gelagert hatte / und nahm ihm das Commando wieder ab / welches der Herzog von Bevern erhielt; der Prinz von Preußen ließ durch unsern Herrn Obristleutnant von Lentulus den König um Erlaubnis bitten / sich zu Wiederherstellung seiner Gesundheit vom Heer weg und nach Dresden begeben zu dürfen , und erhielt durch ihn zur Antwort: daß dieses vom Prinzen selbst abhienge / und noch denselben Abend ein transport dahin abgehn würde; der Prinz Wilhelm verließ also das Heer am irten August / und laugte mit einer Convoi von 4°o. Wagen unter Bede- kung des Infanterie - Regiments von Haut- charmoi folgenden Mittags zu Dresden an. Bey diesem Anlaß müssen wir die Bemerkung machen / daß die daherigen Nachrich- richten von unserm Herrn von LentuluS verschieden sind; denn der Vers. derer Nachrichten über den Bayrischen Erbfolgekrieg meldet in einer Note von ihm : der Herr von Lentulus seye schon in 1755. zum Obrift ernennt worden *); dagegen der Heraus» geber des Briefwechsels zwischen dem König von Preußen und dem Prinzen Wilhelm, welcher solchen zweifelsohne aus sichern Ori» ginalien hat, denselben nur Obriftleutnant nennnt **); wir haben ihn daher bis so lang mit diesem Charakter benennt, bis wir sichere Beweise vom Gegentheil bekommen. Der König von Preußen hatte bald alle Hände voll zu thun, um sich derer auf ihn eindringenden Feinde zu erwehren; Er gieng mit ryoOO. Mann dem vereinten Französin schen - und Reichs - Heer entgegen, welches in Sachsen eingedrungen war, und Leipzig bedrohte; aber Keith war nicht der Mann, *)Ziivcrl. Nachrichten von dem in Deutscht, über die Bayr. Erbfolgentstandnen Kriege, TU. S. 574. No. 8 ; s. Leipzig bey Kummer 1780. **) Siehe I.ettres 8ecrettes touebsnt la itemr guerre, cie nrsin cie irisiere, psrt. I. p. Ir-mckort l77r. C r zS ----------- -er sich so bald ergeben hätte ; der König kam, ond diemal stärker» Feinde bebten zurük hinter die Saale und Unstrut, wo ste fich in dem vortheilhaften Lager bey Micheln und Branderode sezten; der König verfolgte ste dahin / und stand gegen ihnen über bey Bedra und Schortau; am 4 ten Nov. hatte er mit seiner ganzen Reiterey die feindl. Stellung rekognoszirt/ und am ste» lieferte derselbe das berümte Roßbacher- Treffen / welches wir auch darum etwas aus- fürlicher beschreiben wollen / weil der Antheil/ den unser Herr Obristleutnant am Gewinn dieser Schlacht hatte / solchem den , Weg zu höhern Stellen gebahnt hat. Die vereinigten Franzds. und Reichsvöl- ker / waren durch eine / ihnen vom Herzog von Richelieu zugeschikte / Verstärkung auf 6oOvO. Mann angewachsen / und ihren Feldherren , dem Prinzen von Soubise und Herzog vonSachseu-Hildburghausen/ wuchs der Mut so / daß ste sich beygehen liessen, den Marggraf von Brandenburg mit seinem Häufgen Volks gefangen zu nehmen; der ste Nov. war zu dieser wichtigen Unternehmung bestimmt / und ste bewegten sich schon früh aus ihrem Lager , wo sie in mehrern Kolonnen rechts abmarschirteri, um denen Preußen den Weg nach Merseburg abzuschneiden ; indessen der General Graf von St. Germain mit einer besondern Abtheilung unweit Gröst gegen den Preuß. rechten Flügel postirt wurde / bedrohten die feindlichen Kolonnen den linken Flügel immer mehr / und hatten sich um den Mittag denen Preußen ziemlich genähert; König Friedrich durchsah mit einem einzigen Blike den ganzen Plan und Anschlag seiner Feinde / und traf die besten Anstalten, denselben zu vereiteln; Er bemerkte/ daß ihre Hauptabsichl auf seinen linken Flügel gerichtet war / und das St. Germainsche Korps nur als Maske zur Verbergung des wahren Angrifs figuriern sollte; da sein rechter Flügel durch -asTer- rän bey Bedra gut gedekt wurde / so richtete er seine Aufmerksamkeit auf dasjenige / was C ? gegen seine linke Flanke vorgenommen werden konnte; der König hatte sein Quartier auf einem Hügel hinter der Front seines Heers, von da er alles zu übersetzn im Stand war; Er saß mit einigen seiner Vertrauten an der Tafel, als von denen Feldwachten die Annäherung derer feindl. Kolonnen gemeldet wurde ; sogleich befahl er , daß die Kavallerie unterm Generalmajor von Seidliz sattlen-aufsizen und hinte? denen Hügeln, worauf das Lager stunde, wegmarschieren- die Infanterie aber das Gewehr nehmen- und derselben alsbald folgen solle; das Lager blieb zum Schein stehn, um die Feinde sicher zu machen. Die Vereinigten, an deren Spize die Oestreichische und Reichs-Reiterey marschirte, beschleunigten ihr Vorrüken,und, weil sich auf denen Hügeln bey Lundstedt und Busendorf nur wenige von denen Sze- kulischen grünen Husaren sehn liessen, sv glaubten sie: die Hreußen zögen sich wirklich gegen Merseburg zurük, und hatten nur eine Arrieregarde stehn lassen, mit der sie bald fertig zu werden dachten; kaum aber waren sie neben Bttsendorf herausgekommen, und auf demjenigen, für sie nachtheiligen, Terran, wo sie der König haben wollte , als solcher durch eine steigende Rakete seinen Völkern das Zeichen zur Schlacht gab; ein entsezli- ches Kanonen - und Kartetfcbeufeur vorn Ja- nus-Hügel und von denen verdekten Batterien im Lager empfieng und verwirrte die dieses nicht erwartenden Feinde; die erste Preuß. Reiter - Linie harte sich formirt, und stürzte auf die an der Spize marschirenden Kaiser!. Regimenter von Bretlach und Tvautmannsdorf herein ; diese alten Krieger trieben zwar den ersten Anfall zurät, allein die Gendarmen, Garde-dü-Corp- und Leib - Küraßiers, welche der dapfre Seidliz und unser Herr Obristleutnant anführten / hatten sich im Hui wieder formirt, und innert 2 . Minuten prellten sie wieder mit solchem Ungestüm auf die Oestreicher los, daß solche auf die ihnen folgende Reichs- Reiterey geworfen wurden; es kamen ihnen C 4 zwar einige Schwadronen Französischer Rci- terey zu Hülfe, unss feinten auf die Preußische ; allein diese wurden auch von andrer Reiterey aus dem 2 tcn Treffen untersiüzt , und sezten ihren Angriff so mutig fort, -aß beyde feindl. Reiterlinien nebst -er Reserve völlig über» Haufen geschmissen - und geschlagen wurden, wobey die Preuß. Reiter vom Regiment Driesen oder vom Leib-Regiment Küraßierö, welche meistens aus Pommern und Märkern bestanden, einander zuruften: Bdödcrken gahto! d. i. soviel als beyden Preuß. Grenadier» in andern Gelegenheiten: Druff Brüder ! Alle Bemühungen einiger feindl. Staabs - Offizieres, die Leute in Ordnung zu bringen, waren vergeblich, und die Unordnung unter dieser Kavallerie allgemein ; die Oesireichi scheu Küraßiere verloren so stark, daß beyde Regimenter Traut- matmsdvrf und Bretlach -inige Zeit hernach zusamen kaum 6oo. Mann ausmachten. Während dieses zwischen -er Preußischen und gegenseitigen Reitrrey vorgieng, waren die Infanterie-Kolonnen des vereinigten Heers nahe genug bis Reichertswerben vor- gekommen, um durch das fürchterliche Feur des Preuß. Geschüzes in Verwirrung zu gerathen ; umsonst suchte der Graf von Anmale , Großmeister der Franz. Artillerie, mit seinen Brigaden solches zum schweigen zu bringen ; die Franz. Kanonen wurden bald durch die trcflich bedienten Preußischen Batterien unter der Direktion des Obrist von Möller demontirt / und mußten verstummen. Prinz Heinrich von Preußen führte 6. Bataillonen Fußvolks mit starken Schritten herbey / welche sich au Reichertswerben anschlössen / und ein so schnelles und würksa- mes Feur mit solcher Wirkung machten / daß die Verwirrung unter denen Feinden immer größer wurde; sie suchten zwar ihre Kolonnen deploiiren-und in Schlachtordnung aufmarschirenzu lassen; allein da stesich unterm Preuß. Kartetschenfeur formiren mußten ; so richtete dasselbe nur desto stärkere Verwüstungen an ; der Prinz von Soubise ließ das Infanterie - Regiment von Royal- Piemont mit aufgestrekten Vajeneten anrü- ken; aber gegen Preußen gelingt dieses Manöver nicht leicht einem Feind ; die an- marschlrenden Franzosen verloren durch das heftige Prenß. Feur den Muth und die Kon- tenanz so sehr, daß sie/ mit Wegwerfung des Gewehrs / ohne einen Schnß zu thun / davonliefen ; ein anders Infanterie - Regiment, wo ich nicht irre, das von Mailli , verließ Pelotonweise seinen Posten und die Fahnen, ungeachtet die Offiziers ihre Bursche an die Ehre Frankreichs erinnerten. Die Unordnung wurde zulezt allgemein, da besonders einige Preuß. Reiterey in die zerstreuten Bataillonen einhieb; nur die dapfern Schweizer von Salis, Waldner , Witmer und Dießbach hielten das Preuß. Feur so standhaft aus, daß selbst der König von Preußen ihre Herzhaftigkcit bewunderte, und denen braven Rothröken zu verschonen befahl; die St. Germainsche Reserve -ekte einigermassen den Abzug des geschlagnen Heers, welcher indessen eine völlige Flucht war. Unser Herr Obristleutnant von Lentulus hatte sich im Treffen bey der ersten Linie Neiterey hervorgethan , und ihm trug Friedrich die» Verfolgung des Feindes auf; Er gierig also mit denen Szekulischen Husaren , einigen Schwadronen von Katt und Meineke Dragoner und dem Meyerfchcn Freykorps denen Flüchtigen über Markwerben/Uchtriz rc. und zum Theil auch über Weissenfels nach, ließ ihnen weder Rast, Ruhe, noch Muffe sich zu erholen und wieder zusammlen, und sezte seine Verfolgung bis über Erfurt hinaus fort, wo die Preußen vom wettern Nachjagen abstunden ; -er Herr Obristleutnant brachte s. Kanonen nebst andern Siegeszeichen und über 8oo. Gefangne ein wir haben daher alle Ursache zu vermuthen , -er König habe ihn um diese Zeit zum Obersten- und kurz hernach auf dem Zuge nach Schlesien zum Generalmajor der Kavallerie er- ner.llt^ um uine treflichen Bemühungen und fein gutes Verhalten in der Schlacht bey Rvßbach und beym nachbauen zu belohnen. , ..f Der Gewinn dieses Treffens machte dem König von Preußen Luft, seinen Hauptfein- den , denen Oestreichern, welche ihm indessen Schweidniz, Breßlau uird fast ganz Schlesien weggenommen- und den Herzog von Bevern bey Breßlau geschlagen hatten, zu begegnen , und mit Nachdruck auf den Leib zu gehn. Friedrich gieng mit 18-20. Bataillonen und einigen ;o. Schwadronen seiner Völker, welche noch voll Feur und Mut vorn Siege bey Roßbach waren, nur wenige Tage nach dieser Schlacht aus Sachsen durch die Laust; nach Schlesien ab, und die Schreien.seiner Waffen eilten vor ihm her; Marschall und Haddik hüteten sich wohl, dem kommenden Sieger zu nahe zu tretten, und wichen ihm überall aus. Unter denen Helden, welche den König begleiteten, war auch der Herr Obrist und nunmehrige Generalmajor von Lentulus; was sich sein Monarch für einen vortheilhaften Begriff von ihm gemacht, und wie viel er auf ihn gehalten , ist daraus abzunehmen , daß Er ihm die Anführung derer Garde-dü-Corps und Gendarmen anvertraute ; diese zwey vortrefliche Haufen kann man mit Recht den Kern der Prerrß. Kavallerie insbesonders- «nd die Blume der Europäischen Reiterey überhaupt / nennen; der geschloßne Anfall dieser beyden Korps und des Zieten-jezt Ebenschen / Husaren - Regiments soll das wahre proLellu eguelirjs der Alten seyu. Der Herr Generalmajor entsprach auch der guten Meinung des Königs von ihm gänzlich/ und zeigte in der Schlacht bey LeüthM/ was man künftig noch von ihm erwarten könne; auch an dieser hatte er so vielen Antheil/ und trug so viel zum Sieg bey/ daß wir nicht umhin können / von solcher etwas weitläufig zu reden. Da die Beverschen Völker / welche nun der General Zieten fürte / unweit Liegniz zum König geflossen waren; so gieng er mir dem ganzen Heer über Parchwiz und Neumark/ woselbst einige ioo. Oestreicher überrumpelt wurden / gerad auf den Feind los-; 46 Prinz Karl von Lotringen und -er Feld- rnarschall Dann rükten mit 80200. Man» aus dem festen Lager bey Vreßlau bis über Liffa dem König entgegen, und nahmen eine vortheilhafte Stellung, deren rechter Flügel bey Nypern anfieng, und über Frobelwiz und Leüthen bis gegen Groß - Gohlau am Schwei-nizer- Wasser fortging / zwischen welch lezterm Ort und dem Dorf Sagschüj ihr linken Flügel aufmarschirte; die Reserve und das Nadastrsche Korps verstärkten diesen Flügel / wo sich auch die Bayrischen und Würlenbergischen Hülfsvökker befanden. Die Oestreichischen Feldherren hatten eine Schlacht zu wagen beschlossen / wider den klugen Rath des erfahrnen Dauns/ welcher ihnen rieth / " dem König / der in die Noth- „ wendigkeit, eine Schlacht zu liefern - und „ sein Glük darauf ankommen zu lassen, ge« „ sezt sey / auszuweichen / und nicht ihre biS- „ herigen Eroberungen in einem einzigen „ Tag aufs Spiel zu sezen; der König von „ Preußen sey jezt am furchtbarsten / und 47 „ werde das äusserste thun, und wenn es » ja geschlagen seyn müßte ; so sollten ste „ doch ihr vortheilhaftes Lager wieder be- „ ziehen , und den Feind darin« erwarten, „ damit die ihnen so überlegne Preußische „ Reiterey nicht so vortheilhaftes Tcrrän „ zum agieren habe/ weil unter der Oeft- „ reichlichen Kavallerie kaum 6ooo. beritene „ Leute zu finden wären / rc. „ allein Daun predigte dißmal tauben Ohren; bloß Nadasti und noch einige wenige Generale von Einstehlen jfielen ihm bey ; die übrigen alle stimmten / theils aus höfischer Schmeicheley/theils aus allzugrosser Einbildung von ihrer dreymal so starken Macht und unvorsichtiger Verachtung der wenigen Preußen / für die Meynung des Prinzen Karls , welcher mit Gewalt schlagen wollte / und das Prenß. Heer in seinem Siegestaumel nur die Wachtpa- rade von Berlin und Potsdam- auch ein Frühstük nennte/ das die Oestreichs bald aufzehren würden. Die Preußen rükten am sten Dec. früh gegen Borne vor; Zieten 48 attakirte mit dem Vortrab die auf denen Anhöhen bey diesem Dorf aufmarschirten Sächsischen Dragoner und Oeftreichischen Gränz- Völker / welche im 2ten Angriff, als ihnen der Obristleutnant von Kleist mit 5. Schwadronen Husaren von Szekuli in die rechte Flanke gekommen war, mit vielem Verlurst auf ihr Hauptheer zurükgeworfen wurden. Da steh die Preuß. Kolonnen dem Feind ge- nähert hatten ; so ließ der König durch einige Manövers derer Kolonnen links, welche sich zu deploiiren schienen, den feindl. rechten Flügel so ernsthaft bedrohen, daß der daselbst kommandireude General Luchesi einmal übers andre um Verstärkung ansuchte, welche ihm Darm selbst zuführte; da der König von Preußen diese Schwächung des feindl. linken Flügels merkte, auf den seine wahre Absicht gerichtet war; so schwenkten sich die Teten aller Kolonnen , und deploiirten rechts heraus gegen Kartschiz und Striegwiz, welches Manöver durch die Anhöhen bey-und um Lobetinz vortreflich bedekt wurde; -er Preuß. Preuß. Vortrab von 9. Bataillonen dekte theils die rechte Flanke der Kavallerie, theils that solcher unter Anführung des General- Majors von Wedel den Angriff auf einige Oestreich. Batterie»/welche nach und nach weggenommen wurden. Unser Herr General-Major von Lentulus bekam hier zum erstenmal die Garde-dü-Corps und Gendarmen zu seiner Brigade aufm rechten Flügel, den der General Zietheu anführte; diese Ka? vallerie hatte Anfangs einen harten Stand; sie gerietst nemlich beym ersten Zusamentref- sen auf eine Oestreich. Batterie, welche so stark mit Kartetschen schoß, daß selbige weichen mußte, wobey der General - Major Anton von Krokow von den Dragonern ver- wundt und gefangen-dem Herrn Generalmajor von Lentulus aber ein Pferd unterm Leib erschossen wurde; Nadasti wolte mit seinen leichten Völkern in die weichenden Schwadronen einbrechen; allein 4. Bataillone Preußischer Grenadiere, welche Friedrich , wie ehmals Cäsar bey Pharsalus sei- D ne 6 . Kohorten / hinter die erste Reiter-Linie gestellt hatte / feürten mit solchem Nachdruk auf die anprellende Ungarische Kavallerie, daß solche in Unordnung zurük gieng, und von der Preußischen verfolgt ward, welche sodann auch ins Fußvolk einbrach, und viele Gefangne machte; die Schlacht wurde allgemeiner, und der Sieg, nach Eroberung des Hauptpostens Leuthen, zum grösten Vorteil derer Preußen entschieden; der Herr Generalmajor von Lentulus bekam für sein gutes Verhalten im Treffen vom König ein Geschenk von etl.ioOo. Reichsthalern; seine unterhabende Brigade hatte über i)-. Kanonen, einige Fahnen und Standarten , nebst einigen ivo. Gefangnen — lauter Beweise ihres Wolverhaltens — eingeliefert. Im Winter wurden noch Breslau und Liegniz..im Frühjahr 1758. aber Schweid- niz in Preuß. Gewalt gebracht; unser Herr Generalmajor hatte bald nach der Leuthner- Schlacht diese leztere Festung mit denen 7. Küraßier - Regimentern Kiau, Driesen, MaragrafFriedrich / Prinz von Preußen, Alt - KroLow, Bredow und Baron Schö- naich berennt; der Kvnig vertraute ihm auch im Jan. 1758. die Anführung des in Sachsen stehnden Leih - Küraßier - Regt, menls an; welches bisher der nunmehr ver- absch.edete Generalleutnant von Katt gehabt hatte. König Friedrich gedachte nach Wiederer- oberung der Festung Schweidniz den Kriez in Fetuds Lande zu verftzen; Daun ließ sich durch verschiedene Blendwerke glaubend machen / daß es Böhmen gelte, woselbst er die Korps von Kalnoki / Laudon / rc. an der Gränze-das Hauptheer aber bey Schnürst; unweit Könrgsgräz postiert hatte; allein der Marsch des Preußischer! Heers gieng in 2. Kolonnen über Reiß und Jägerndorf, und es rükte am i ten May in Mahren ein; Zu- folg einer vor mir habenden Schlachtordnung derer Preuß. Völker befand stch der Herr Generalmajor von Lentulus mit denen Garde-du-Corps und Gendarmen abermals D 2 aufm rechten Flügel der Relterey im iten Treffen unter den Befehlen des Generals von Ziechen. Beym Einmarsch in Mähren war der Herr Generalmajor beyder ersten Kolonne/ welche Feldmarschall Keith führte / und machte den Nachtrab davon mit 2. Bataillonen Prinz von Preußen Musketier und LOo. Pferden von verschiednen Regimentern; die Preußen panierten den Morafluß bey Spachendorfnnd Hartan/ und rükten endlich über Bahrn und Sternberg vor Oll- müz / welches von ihnen belagert wurde. Der Herr Generalmajor von Lentulus mußte mit denen Garde -du -Corps (denn die Gendarmen gehörten zur Abteilung des Generalleutnants von Forkade /) dem König folgen/ welcher am uten May aus dem Lager zwischen Aschmeriz und Man auf- drach / und sich auf denen Anhöhen von Smdnizund Starechowiz unweit Prosnik sezte; da auch der König verhindern wolle/ daß der Oestreichische General Deville von Predliz aus die Gemeinschaft seines Heers mit Schlesien unsicher machen könne; so mußte der Generalleutnant von Seidliz mit ro. Schwadronen Dragoner und zoo. Ästhetischen Husaren und der Generalmajor von Lentulus mit dem Grenadier - Bataillon von Wedel, und ;oo. Küraßiern nebst vielen Fouragewagen und Pakpferden über Tobit- schau, welches durch die Grenadiere besezt blieb, nach Kremsir marschieren, und in dieser Gegend, wie auch bey Holeschau und Prerau herum, alle Fourage und Lebensmittel zum Theil verderben-zum Theil aber auf denen mitgenommenen und andern vom Land selbst gelieferten Wagen nach Schmirsiz zum Königlichen Heer schaffen laßen, welches die Belagerung dekte, woraufdas ganze Korps am i?ten May wieder in bemeltem Lager eintraf. Als zu Anfang des Iul. die Belagerung von Ollmüz aufgehoben wurde; so befand sich der Herr Generalmajor von Lentulus meistens bey dein Korps, welches der Fürst Moriz von Atthalldessau anführte ; der König wolle den vorteilhaften D ; Posten von Kömgsgrä; wegnehmen lassen , in dessen Nähe sich die Oestreich. Generale Buccow, Esterhast und Kaluvki mit einigen lvOO. Mann leichter Volker und Reiterey gesezt hatten ; die Kolonne des Fürsten Moriz gieng durch den Wald von Lothka nach Schwinary , wo eine Brüke übern Adlerfluß geschlagen, und der in Verschanzungen aufm Pandurenberg stehnde General Buccow Vorwerks angegriffen werden solle , dessen Kavallerie am Fuß des Bergs aufmarschiert - und durch die in denen Gelbüschen postierten Kroaten bedekt war; jedoch das Grenadier-Bataillon von Wedel vertrieb leztre durch einige gutangebrachte Kartetschenschüsse; der Generalmajor von Putkammer sezte mit seinen Husaren - und der Generalmajor von Lentulus mit dem Krokowscheu Dragoner - Regiment durch den Adler/ und schmissen die gegenseitige Reiterey über« Haufen; General Buccow wolle der Streichen nicht weiters erwarten, und retirierte so schnell, daß die ihm nachge- fchikte Preußische Reiterey seine Völker nicht mehr einholen konte. Das Korps des Fürsien Moriz hatte sein Lager jenseits der Elbe hart vor Kdnigsgraz genommen, wo es sich wieder mit dem König vereinigte; in der Schlachtordnung hatte unser Herr Generalmajor seine gewonte Brigade aufm rechten Flügel der Kavallerie, nahe an Rußet, wo sich dieser Flügel anlehnte, und Front gegen die Elbe machte. Zu Anfang des Aug. gieng der König über Poliz und Nachod nach Schlesien ; die schwere Reiterey unter Ziethen und Seidliz folgte dem Korps des Generalleutnants von Fvrkade, welches mit dem Gepäk deS Heers und denen Brodwagen voraus gegangen war; diese Kavallerie . gieng über Wernersdorf und Wiese nach Neu - Sorge, von da Seidliz mit lg. Schwadronen, wobey sich auch die Garde- dü-Corps und Gendarmen befanden, nach Gottesberg marschierte / allein sie mußten bald wieder aufbrechen, und mit dem König , von Landshnt., in siarken Zügen wl- D 4 der die Russen - und der Mark Branden-- bürg zu Hüls eilen. General Fermor hatte die Festung Küstrin an der Oder bombar- dirt, und die Stadt selbst in Grund geschossen ; das Heer des Generalleutnants Grasen von Dohna war zu schwach gewesen, für sich etwas zu unternehmen; König Friedrich gieng mit 14. Bataillonen und ;8. Schwadronen vom SchlesischLn Heer ab, und stieß am L2ten August unweit Küstrin zu demselben ; der Herr Generalmajor von Lmtulus begleitete den Monarchen an der Spize derer Garde-du-Corps und Gendarmen, und kampierte mit solchen zwischen Gmgast und Golzow. Der König von Preußen gieng mit seinem Heer am r;ten August unweit Güfte- biese über die Oder, um Fermorn anzugreifen , dessen vortheilhafte Stellung zwischen Quartschen und Wilkersdorf er so geschikt tournirte, daß er denen Russen am 2sten dieses Monats unversehens im Rüken stand; die Preußen hatten zwar die gewöhn- liche Schlachtordnung, ihr Fußvolk in der Mitte und die Reitcrey aufden Flüglen; aber -er König änderte solche, nachdem seine Völker aus dem Bazlowschen Wald gegen Wilkersdorf und Zorndorf debouschiert waren, dahin ab, daß die Küraßiere vom rechten Flügel, welche General Seidliz anführte , mit denen vom linken Flügel zusa- menstossen / und auf lezterm den Angrif des Fußvolks unterstüzen mußten, neben ihnen standen die Ziethen - und Malachowskischen Husaren - und hinter der Kavallerie die Dragoner aufmarschiert. Auf dem rechten Flügel hatte der Generalmajor von Lentu- luS , nebst denen Garde-du-Corps und Gendarmen, auch das Czettriz- nunmehr Wulfensche Dragoner - Regiment unter seinen Befehlen. Die Russen hatten wirklich die Preußischen Grenadiere samt einigen Bataillonen Infanterie zum weichen gebracht , und liessen sie durch ihre Kavallerie und das erste Treffen Fußvolk verfolgen, als General Seidliz mit der Preuß. Reite- rey itt sie einbrach, -ie Rnßische zurük warf , und auf das Fußvolk einhieb; die Preußischen Küraßiere , welche Seidliz und Lentulus mit ihrem eignen Beyspiel aufs herzhafteste anführten, richteten ein schrek- liches Gemezel unterm Feind an, das noch dadurch vergrößert wurde, daß die Ziethen- schen Husaren , welche sich mehrere male durch die Rnßischen Bataillonen durch und durch hieben, Gelegenheit fanden, die feindl. Pulferkarren anzuzünden, und in die Luft zu sprengen; da sich indessen die Russen immer wieder sezten, und selbst einige Anfälle auf die Preußen , nicht ohne Erfolg, thaten, so wurde das Gefecht immer mör- -rifcher; die Preuß. Kanonen, welche auch hier der Obrist von Möller dirigierte, machten ein entsezliches Feür mit Kartetschen; nichts destominder blieben besonders die Rußtschen Grenadiere Maurenfest stehn, und kämpften wie erzürnte Bären; dennoch wurden sie endlich von denen Preußen zum Rükzug gezwungen; die Preuß. Reiterev war aufm linken Flügel mit dem Feind fertig worden , schwenkte nunmehr rechts / und stieß auf die Rußischen Grenadiere / welche erst nach dem grimmigsten Gefecht konten bezwungen werden. Man hat noch Abschriften eines Briefs von unserm Herrn Generalmajor an seinen Herrn Oheim in Bern, worinn ihm derselbe einige Tage nach dev Zorndorfer - Schlacht von dem erfochtnen Sieg Nachricht ertheilt/ und zugleich das er- schrekliche Blutbad beschreibt; der Herr General meldet Larinn: « er habe mit seiner „ Brigade auf die Rußischen Grenadiere zu Fuß eingehauen / welche sich so verzwei- „ felt gewehrt / daß er bey r. Stunden mit „ ihnen zu thun gehabt; endlich hatten sich „ seine Reiter blindlings auf die feindlichen ,, Glieder geworfen / seyen eingedrungen, „ und haben alles niedergehauen - auch 7. » Fahnen und 14-Kanonen erbeutet. „ Der König von Preußen soll folgenden Tags bey der Tafel dem Herrn Generalmajor von Lentulus sehr verbindlich zugetrunken nnd gesagt haben : ,, daß er ihm für den vielen „ Antheil/ den er zum Siege beygetragen/ „ ewig Dank wissen werde; „ Nebst unserm Herrn Generalmajor hatte aber auch -er Generalleutnant von Sei-liz und -er brave Rittmeister und Kommandeur derer Garde-dü-Corps — jezige Hessische Generalleutnant—von Wakniz, Wunder der Tapferkeit gethan / und dem Regiment Garde- dü-Corps / an dessen Spize diese drey Helden fochten / war die Entscheidung -es Siegs bey Zorndorf hauptsächlich zu danken. Am ;ten Sept. gieng der König von Preussen fast mit denen peinlichen Völkern / welche er aus Schlesien gegen die Russen ge- fürt hatte/ durch Küftrin nach Sachsen, und trieb unterwegs in der Lausiz das Lau- donsche Korps bis Radcberg hinter die Roeder zurük. Am i4terr Set. fiel das Treffen bey Hochkirch vor, worinn die Garde- dü-Corps und Gendarmen , unter Anführung des Herrn Generalmajors von Lentu- lus, ihr äußerstes thaten, um die Oestrei- cher zurükzuschlagen, verschiednemale auf deren Fußvolk und Reiterey einhieven, und Lesonders die Grenadiere zu Fuß sehr übel zurichteten; der Herr Generalmajor begleitete auch den König zum Entsatz von Reiß in Schlesien, dessen Belagerung General Harsch über Kopf und Hals aufhub , und nach Böhmen zurük gieng. Wir haben s. o. gemeldet, daß unser Herr General-Major vomPreußischen Monarchen im Januar i758 zum Chef des Leib- Küraßier Regiments ernannt worden seye; er hatte aber dasselbe noch nie unter seinen Befehlen gehabt; denn es stund seit dem vorigen Feldzug immer in Sachsen Leym Heer des Prinzen Heinrichs, welches nach der Hochkircher - Schlacht durch den Generalleutnant August Friedrich von Jzenbliz an- gefürt wurde, weil der Prinz mit einigen iOOO. Mann davon zum König gestoßen war; das Regiment Leib - Küraßiers bezog auch Ends des 1758. Feldzugs seine Winterlager zu Taucha, Wolleniz, Mokau und in der Leipziger-Vorstadt. 6r Im Jahr 1759. giengen die Preußen^ welche mit so vielen Feinden zugleich fechten mußten, zeitig ins Feld; aufm rechdemFlü- gel des Königl. Heers in Schlesien, welches aus denen Winterlagern in die Kantonnierun- gen zwischen Jauer und Schweidniz rükte, stand der Herr Generalmajor von Lentulus mit der Brigade derer Königl. Leibwachen zu Pferd; am 27ten Aprill brach er mit solchen / dem Karabinier - Regiment und 2. Bataillonen von Ferdinand Braunschweig, welche io. schwere Zwdlfpsünder bey sich hatten, von Landshut auf, und marschierte nach Reiß - um in Vereinigung mit denen Korps von Seidliz, Ramm, Bülow und Fouque über den aus Böhmen angernkte» General Deville herzufallen; dieser aber hütete sich, denen Preußen zu nahe zu kommen , obwol er doch einige Zeit hernach durch die Generale von Golz und Fouque mit vieler Einbuße zurük in Böhmen gejagt wurde; der König von Preußen schikte hierauf die mitgenommene Kavallerie unterm General 6 ; Seidliz wieder in die Kantonierungen nach Frankensteirr und Reichenbach zirrük, wo selbige bis zum iMn May stehn blieb, an welchem Tage die Garde - dü - Corps und Gendarmen wieder aufbrachen, und bey Landshut zum Hauptheere stießen; der Generalmajor von Lentulus aber blieb mit denen Küraßier - Regimentern Bredow, Seidliz und Vasold bey Frankenstein zurät , um gemeinschaftlich mit denen Generalen von Bülow und Ramm die dortigen Gegenden wider die Oestreichjschen Völker der Generale von Harsch und Bek zusichern. Nach verschiednen Marschen und Kontre- märschen bezog der König von Preußen ein Lager bey Kaltvorwerk, um dem Feldmarschall Daun, welcher bey Marklißa stand, näher zu seyn ; als auch hierauf der König aus dem Lager bey Düringsvorwerk den Herzog Eugen von Würtenberg mit einem Korps dem General Laudon bis Sagan entgegen schikte; so mußte der Generalmajor von Lentulus mit rv. Schwadronen Kü-> 64 raßier in das von ihm verlaßne Lager bey Gerichtsseifen einrüken, und solches besezen. Der König marschierte am iten August aus dem bey Schmottseifen genommenen Lager ab, um die Russen zu attakiren, welche nach dem Treffen bey Palzig und ZüUichau die Mark Brandenburg und Schlesien stark bedrohten; der Herr Generalmajor von Lentulns aber blieb, nebst denen Garde-dü-Corps und Gendarmen, beym Heer des Prinzen Heinrichs, welches den Feldmarschall Dann beobachten solte; die Leib-Küraßiers begleiteten den König auf diesem Zug, und standen in der Schlackt bey Kunnersdorf am i2ten August nebst dem Küraßier - Regiment von Schlabren- dorf unter der Brigade des Generalmajors von Schmettau im iten Treffen vom rechten Flügel Reiterey, den der Generalleutnant von Sckorlemmer anführte. Die Preußische Reiterey that zwar ihr möglichstes zu siegen, und mezelte ganze Rußische Bataillonen zukamen , mußte aber dem heftigen Kartetsch- und und Kanonenfeur weichen/ da besonders der General Laudon mit dem Kern seiner aus» geruhten Östreichischen Kavallerie derlei- ben in die Flanke gefallen war / und litt starken Verlurst. Beym Rückzug wurden zwey Schwadronen vorn Leib-Küraßier-Regiment durch eine überlegne fetndl. Kavallerie umringt / und davon der Obristleutnant Friedrich Siegmund von Biederste mit einigen andern Offiziern und vielen Gemeinen zu Kriegsgefangnen gemacht; der Rest schlug stch durch; die Rußischen Berichte/ sonderlich derjenige/ welchen Feldmarschall Sol- tikow an die Kayserin über diese Schlacht einsandte/ meldeten zwar: gedachter Obristleutnant wäre mit seinen beiden Schwadronen bloß durch die Tsthugujewschen Kosaken gefangen-und der Rest gänzlich aufgerieben worden; diß ist jedoch übertrieben-oder wenigstens schwer zu glauben / weil man nie gehört hat, daß sich Preußische Küraßiere an solche unregliene leichte Völker / wie die Kosaken waren / ergeben hätten. E Wahrend und nach der Schlacht beyKun- nersdvrf, da der König von Preußen das Rußische Heer zum Nükzug nach Polen nötigte , blieb Prinz Heinrich nicht müßig, und begünstigte / ungeachtet er einige Wochen lang keine Gemeinschaft mit dem König haben konte , dennoch dessen Unternehmungen aufs kräftigste; Nach des Königs Abmarsch gegen die Russen war der Prinz bey Schmottseifen stehn geblieben, und beobachtete den Feldmarschall Dann aufs genauste; auch sicherte er das Schlesische Ge- bnrge wider die feindlichen leichten Völker, und that so geschikte Wendungen und schnelle Marsche um das ihm so sehr überlegne Ocst- reichische Heer herum / daß er demselben mehr als einmal im Rüken oder in der Flanke stand / und da sich Daun vor einem Marsch- Angrif immer am meisten fürchtete / so zog er sich bis gegen Böhmen zurük, und ließ Friedland, worum sich ein starkes Magazin unter Bedekung von 700. Kroaten befand, verloren gehn; Prinz Heinrich tournirte «7 den Feldmarschall Daun abermals, und gieng gegen Hoyerswerda ; Unser Herr Generalmajor führte den Vortrab, welchen die rothen Husaren des Obristen Otto Ernst von Gersdorf und einige Schwadronen Dragoner ausmachten; Er solte das Städtchen Hoyerswerda an der Elster besezen , erfuhr aber zu Loße durch seine Patrullen, daß der Oestreichische General von Wehla mit z-4000. Mann Ungarischer Infanterie in dortiger Gegend stünde; er blieb daher in einem Gehölze verdekt stehn, und ließ dieses dem Prinzen Heinrich melden, welcher denn seinen Marsch bcschleunigte, und den Vortrab verstärken-auch ein Korps Kavallerie durch die Elster gehn und denen Wehlaschen Völkern den Rükzug abschneiden ließ. Hoyerswerda wurde mit ein paar Bataillonen besezt, und neben diesem Städtchen, jenseits der Elster , eine Batterie aufgepflanzt; der Prinz ließ alsdenn das mit Kroaten besezte Schüzenhaus bey Hoyerswerda durch Frey- willige und Grenadiers wegnehmen; der E 2 6S Oestreichische General wolle sich in den Wald zurükziehn ; allein die Generalmajore von Lentulus und Krokow giengen ihm mit Küraßier - und 2. Dragoner - Regimentern und der Obrist von Gersdorf mit seinen Husaren von daher so heftig zu Leib , daß sich Wehla selbst mit 25. Offizieren und 1522. Gemeinen zuKricgsgefangnen ergeben mußte ; etwann 1020. Kroaten blieben aufm Plaz, oder wurden im verfolgen niedergehauen/ und der Rest zersprengt/ wobey denen Preußen / welche nicht über 70. Mann verloren hatten/ das feindliche Lager und Gepak / samt;. Feldstüken/ in die Hände fiel. Da / nach der Vereinigung des Prinzen Heinrichs mit dem König / die Preußen bis gegen Dresden vorgerükt waren; so kam der Herr Generalmajor von Lentulus wieder an die Spize derer Garde-du-Corps und Gendarmen / wo wir ihn im Plan einer Schlachtordnung des Königlichen Heers von Anfang des I. 1762. finden; gleich hernach kam diese Brigade zum Hülsenschen Korps, 6 - und wurde in denen Dörfern Siebenlehn, Rosenthal / rc. in die Winterquartiere verlegt ; als aber der König am 26ten Aprills vonWilsdrufaufbrach/ und nach Meißen marschirte, so stieß das Hülsensche Korps zu ihm / und die Brigade der Königl. Leibwache zu Pferde kam wieder ins erste Treffen aufm rechten Flügel zu stehen / wo fie ihre Quartiere in LeutewiZ/ Manne / Graub- zig / Ziegenhain rc. bezog / bis der König wieder aufbrach / um den Feldmarschall Dann von Dresden wegzulocken. Im Jul. marschirte er nach der Laustz / und am i sten dieses Monats standen die Königl. Völker im Lager bey Lampersdorf/ wo der Generalmajor von Lentulus mit denen (Zar- deducorps und Gendarmen den gewohnten Posten hatte; auch wohnte/ so viel wir wissen / unser Herr Generalmajor der Belagerung von Dresden bey. Im Anfang des Augusts gieng unser Herr Generalmajor von Lentulus mit denen Völkern / welche Prinz Heinrich und der Generallieutenant E ? 7 -» Karl Christoff von der (Holz anführten, gegen dre Russen zu Feld; diese drangen zwar in Schlesien ein, wurden aber sowol als die Oesterreichs unterm General Lau- don, durch die meisterhaften Märsche und Manövres des Prinzen an Belagerung und Eroberung von Breslau verhindert; indessen ist uns unbekannt, was für Reiterregimenter zur Brigade -es Herrn Generalmajors gehört haben? soviel aber wissen wir, daß in seiner Abwesenheit der Obrist Graf von Schwerin die Brigade derer Garde- ducorps und Gendarmen erhielt, welche zwar dem Treffen bey Parchwiz am lften August beywohnten, aber so wenig als der übrige rechte Flügel zum schlagen kamen. Gewiß waltete die Vorsicht über unsern Herrn Generalmajor, daß er in diesem Feld- zug nicht, wie sonst, an der Spitze dieser Brigade focht; denn wie leicht hätte ihm selbst dasjenige begegnen können, was dem Obersten von Schwerin wiederfuhr! welcher am ;ten Nov. gleichen Jahrs in der 7r Schlacht Sey Torgatt mit denen Garde-du- corps und Gmdarmen bey der Abtheilung des Generals von Ziethen stand / fich aber, ehe noch die Schlacht geendigt war, in der Dunkelheit von seinen Leuten verirrte/ zur österreichischen Kavallerie kam/ welche er/ wegen Aehnlichkeit der Uniform/ für Preußen hielt / und ehe er seinen Irrthum merkte / vom Feind gefangen wurde. Im I. 17 61. zog der König von Preußen den größten Theil derer Prinz Heiurichscheu Völker an stch/ um der vereinigten Macht derer Generale Butturlin und Laudon de- stobesser widerstehen zu können. Der Herr General Lentulus kam hier wieder zum königl. Heer/ und hatte anfangs eine Zeitlang die Dragoner-Regimenter Zettriz und Zinkenstem zu seiner Abtheilung/ mit denen er stch am isten August bey Kloster- Wahlstadt unweit Liegni; auszeichnete. Die Russell und Oesterreicher suchten nemlich ihre Vereinigung zu bewirken / und -er König von Preußen wollte solche hintertreib E 4 Leu. Er erfuhr an diesem Tage, daß Lau- don an der Spitze seiner Grenadieren zu Fuß und zu Pferd und andrer auserlesenen Reiterey voranmarschiren - und zu den Russen flößen würde, welche unweit Klofterwahl- stadt verschiedene Batterien schweren Geschützes aufgepflanzt hatten. Der König ließ hierauf den Generalmajor von Leu'ulus mit einem Theil seines Vorderzugs> nemlich denen obbemeldten 2 Regimentern, in einen Wald ins Berstet postireil/ wo die Oester- reicher unumgänglich durch den unten dran gelegenen Hohlweg paßiren mußten. Die preußl. Artillerie wurde an vortheilhafte Orte gebracht, und die Husaren blänkerten, und jagten sich mit denen feindlichen leichten Völkern herum ; sobald die ersten Oestrei- chischen Schwadronen den engen Weg paßirt hatten, so stürzte der Herr Generalmajor von Lentulus an der Spitze derer Preußischen Dragoner hervor, und mitten in die Oestreich. Kavallerie hinein, welche sich wegen dem unbequemen Ort weder formt- ren noch stellen konnte, schmiß solche über» Haufen, und nahm derselben verschiedene Ofstziere und über ;oo Gemeine an Kriegs- gefangnen ab z nur die i o ersten Schwadronen Oesterreicher kamen zum Russischen Heer; die übrige Reiterey mußte in Unordnung, nebst denen Grenadieren zu Fuß, wieder dahin zurükziehn, woher sie gekommen war; doch lief es bey denen Preußen auch nicht ohne allen Verlurst ab, denn unter einem entseuchen Feuer der Ruß. Batterien, giengen ganze.Schwärme Kosacken und andere feindliche Reiterey auf bemeldte Dragoner-Regimenter los. Der Herr Generalmajor mußte seine größte Geschiklich- keit anwenden, um nicht von jenen umringt zu werden, und zog sich unter Begünstigung des gleichfalls sehr heftigen Prcuß. Ka- nonfeuers zum Heere zurük, wobey das Fmkeufteiusche Regiment einige Mannschaft und Pferde einbüßte. Da endlich der König die Vereinigung beyder feindlichen Heere nicht mehr hindern konnte, so nahm er bey E 5 Schweidmz zwischen Würben undJauer- nik mit so. Bataillonen, und 80. Schwadronen eine so vortheilhafte Stellung, daß ihn Landon und Butturlm mit ihren i zoooo. Mann nicht angreifen durften; auch in diesem Lager hatte der Herr Generalmajor von LentuluS den rechten Flügel der Reiterey im ersten Treffen mitSchwadronen Gardeducorpä und s. Schwadronen Gendarmen ; da es aber zu keiner Schlacht kam , so wurden die Prcnß. Völker, nachdem Schweidmz verlohren gegangen, zunächst um Bre^lau herum, und gegen Reiß hinauf in die Winterquartiere verlegt. Der König von Preußen zog eine Kette von Postirungen längs der Lohe, oder dem Schweidnitzer Wasser, wozu meistens Freybattaillone, Husaren und Dragoner, samt einigen Grenadieren, gebraucht wurden; die Kavallerie, aus welcher diese Posten fvrmirt waren, bestund, wenn wir aus dem Nachfolgenden schließen können/ in Husaren von Gersdorf/ ZiethM/ Möh- ring und Malachowski/ in Dragonern von Zcttriz, Finkenstein und Pomeiske und in Kürassieren vom Regiment Marggraf Friedrich; Ueber diese sämmtlichen Posii- rungen hatte der König unserm Herrn Generalmajor den Befehl aufgetragen/ welchem er so gut entsprach/ daß Breslau gedekt- und denen Oestreichern mancher Abbruch gethan wurde. Da im Frühjahr 1762. durch die Aussöhnung und Vereinigung Rußlands mit Preußen die Sachen eine andre Gestalt bekamen / so traf der König von Preußen die besten Maaßregeln / denen Oestreichern nachdenklichst zu Leibe zu geh»/ er zog seine Völker im Anfang des Jun. zusammen; unser Herr Generalmajor stand um die Mitte dieses Monats mit denen Regimentern von Marggraf Friedrich Kürassier, Zettrrz Dragoner, Ziethen und Mala- chowski Husaren zu Magniz , wohin auch das zte Bataillon Musketier von Anhalt- Bernburg kamen; zunächst bey seinem Quartier standen die beyden ersten Bataillone dieses Regiments, 2. Büttaillone von Tadden, das Freygrenadier- und Husarencorps des Obristwachtmeisters von Schony, und das Küraßicr-Regiment von Seidliz, meistens unter Anführung des Generalmajors Prinz Franz Adolf von Anhalt- Bcrnburg-Schanmburg, in denen Dörfern Zaumgarten und Koberwiz. Der Herr Generalmajor kam gleich hierauf zum Heere, welches der Herzog von Bevern und Generalleutnant von Werner in Oberschlesien befehligten, und am 29sten Jun. zu Neukirch, am 2ten Jul. aber beyTrop- pau stand. Der Generalmajor von Len- tulnä hatte die ganze Reitcrcy dieses Corps d'Armee unter seiner Anführung; diese be- stund in denen Dragoner-Regimentern von Pomeiske, Flans und alt-Platen, wie auch denen braunen Werner- Samogy-und Möhrmgschen Husaren; in der Schlachtordnung selbst aber hatte der Herr Generalmajor Las im ersten Treffen des rechten Flügels stehende Platensche Dragoner-Regi- nrent und auf dessen Flanke die Husaren von Möhring zur Brigade. Da der Herzog von Bevern und General Werner vom König aus Ober-Schlesien zurükkomman- dirt wurden/ so brach jener amrrstenIul. von Troppau auf/ gieng über Katschev/ Kofel und Friedland / und stieß unweit dem leztenOrt zum König / welcher Schweidniz hatte einschließen lassen/ und sich zu Deckung dieser Belagerung bey Peterswalde, die durch einige Regimenter verstärkte Bevern- sche Abtheilung aber bey Peile postirte. Der Herr Generalmajor bekam abermals die 25. Schwadronen Reiterey des Bevern- sehen Heers unter seinen Befehl, nemlich die Dragoner-Regimenter von Flans, Wür- tenberg und alt- Platen, zusammen 15. und die Möhringschen Husaren 10. Schwadronen stark. Der Herzog von Bevern hatte kaum 7. Tage aufdem Posten von Peile gestanden, als Feldmarschall Daun , welcher Schweid- niz entsetzen wollte, ihn zu vertreiben beschloß ; hiezu bestimmte derselbe das ganze Beksche Korps, nebst allen Karabiniern und Grenadieren seines Heers, welche Lascy und Odvnel mit dem Kern der übrigen Oestreichischen Völker unter seiner eignen Anweisung unterstüzten ; er forzierte den mit denen Hordtschen Freycompagnien beseztcn Posten und die Holwege von Langen-Biela, und debouschierte in verschiedenen Kolonnen gegen die aufm Fischberg stehenden Beverschen Völker; die äusserste derer beiden Oestreich. Kolonnen bestand aus Kavallerie, formierte sich in der Ebne von Nieder-Bicla , dekte 79 -e» linken Flügel des angreifenden Heers, und wurde durch die Feldherrn Odonel und Lascy befehligt / welch lezterer gedachten Flügel dirigierte; diese Reiterey machte i o. Regimenter aus / und sollte das Bevernsche Heer / womöglich/ auf seiner rechten Flanke tournieren / und ihm die Gemeinschaft mit dem Königlichen abschneiden ; der Herzog von Bevern ließ aber die beiden Dragoner- Regimenter von Flaus und Würtenhsrg nebst Schwadronen Möhringscher Husaren / welche der Obristwachtmeister Anton Teufel von Zeühlenberg führte / unter den Befehlen des Generalmajors von Lentulus auf feinen rechten Flügel und - denen Oest- reichern entgegen rüken; der Herr Generalmajor machte mit dieser wenigen Kavallerie mehrere so gut abgepaßte Manövers und Angriffe; daß er die so sehr überlegne feindliche in Ehrfurcht erhielt / wobey ihn der / von Reichenbach heranmarschierte / Major des Wernerschen Husarenregiments Karl Chri- 8» stof von Owstien mit 700. Pferden bestens unterstüzte; -er Herr Generalmajor behauptete auch fernen Posten solang > daß der König mit 10. Bataillonen und Herzog Eugen von Würtenberg mit Schwadronen von Schweidniz her zu Hülfe eilen konnten; lez- terer ließ verschiedne Kanonen von der reitenden Artillerie auf einer vortheilhaften Anhöhe auffahren , welche die Oestreich. Kavallerie mit sehr guter Würkung beschossen, und den Angriff begünstigten/ den derObrist und Kommandeur des schwarzen HusarenregimentS Daniel Friedrich von Lossow / mit denen Wernerschm braunen Husaren und dem Dragoner-Regiment von Zettriz auf dieselbe machte; dieser brave Offizier faßte die gegenseitige Reiterey in der Flanke, und schmiß solche / da er durch die schwere Kavallerie und die vom Generalmajor von Lentulus geführten Dragoner und Husaren unterstüzt wurde/ gänzlich übern Haufen / und in die Holwege Holwegevon Nieder-Bielazurük; General Lascy lief Gefahr von denen Preußen nunmehr in Flanke und Räten attakiert zu wer- den, und ließ daher sein Fußvolk, so gut er tonte, abmarschieren; auch das Beksche Korps, welches dem Bevernschen Heer ganz im Räten herumgezogen war, gieng eiligst zurät, um sich nicht ebenfalls denen Angriffen -er Königl. Völker in die Flanke bloß zu stellen; die Obstreicher wurden durchs Ka- nonfeur auf ihrem Rükzug begleitet, und der König verfolgte sie selbst über Habendorf und Ouikendorf; da indessen der Generalmajor von Lentulus ihnen mit einigen Bos- niaken und'verschiednen Schwadronen brauner und weisser Husaren, wie auch Dragonern , über Dittmannsdorf und Olbers* dorfbis Fahren unweit Frankenstein nachjagte. In diesem Treffen, -essen Gewinn gutenteils der schönen Anordnung und dem Wolverhalten unsers Herrn Generalmajors zuzuschreiben ist, sollen die Preußen 7. Standarten und mehr als 1200. Gefangene, L worunter, wie es hieß, nebst 8 . Offizieren, -er dapfre Obrist und Kommandeur Anhalt? zrrbftschen Küraßier - Regiments Franz von Laßgalner gewesen, bekommen haben; Hiebey müssen wir die Anmerkung machen, daß uns die in einem gewissen Werk vorkommende Beobachtung, worinn sehr wahrscheinlich das Reichenbacher - Treffen gemeint wird: daß nemlich bey vorbemeltem Stoß der beidseitigen Kavallerie einige ioo. Mann verwundt-und viele gefangen worden , aber keine Todte aufm Plaz geblieben seyen, ziemlich ungegründt vorkommt; denn im Preuß. sowol als Oestreich. Bericht über dasselbe, stndt man ausdrüklich , daß zu betreu Theilen Reiter, Dragoner und Husaren umkommen stnd. Das Treffen bey Peile war der lezte wichtige Auftritt des 7. jährigen Kriegs, dem unser Herr Generalmajor beywonte ; Ein Theil des Königl. Heers gieng, nach Eroberung von Schweidniz, unter Anführung -es Königs gegen die Lausiz und Sachsen-, ---------- 8 , wohin auch eine ansehnliche Verstärkung von denen Daunischen Völkern geeilt war; wenn wir uns nicht irren , so begleitete der Generalmajor von Lentulus den König nach Sächselt, wo es aber zu keinen wettern Thätlichkeiten kam, da im Febr. der Hubertsburgerfriede geschlossen wurde. Dr der unbesiegte König den zosten Merz seinen siegreichen Einzug zu Berlin hielt, so war die ganze Stadt so schön erleuchtet, daß Er, indessen Wagen der Herzog Ferdinand von Braunschweig und unser Herr Generalmajor von Lentulus sich befanden, solche selbst in Augenschein nahm. Dieser leztre hatte nur wenige Zeit bey seinem Regiment Leib- Küraßier- welches zu Schönebek im Magdeburgischen liegt, sich aufzuhalten; denn schon imJul. gleichen Jahrs erhielt er vom König Befehl, nebst dem Generalleutnant von Seidliz und dem gelehrten d'Alembert in Potsdam zu seyn, und dem Monarchen Gesellschaft zu leisten. Ends August gieng der König mit dem Prinz von Preußen und § 2 denen Generalen von Seidliz und Leutulus nach Berlin, wo er dem Oestreich. Gesandten Feldmarschalleutnant von Ried, die erste Audienz gab, und am rasten Sept. begleitete er, nebst gedachtem Generalleutnant von Seidliz und andern Staabsoffizieren den König wieder von da nach Berlin, als derselbe dem an die Stelle des Herrn von Ahle- ftld gekommnen Dänischen Gesandten von Diede zum Fürstenberg die Antritts-Verhör ertheilte. Im Iun. 1764. hielt der König über die bey Pizpuhl versammelten Völker , worunter fich auch das Leib-Küra- ßierregimeut befand, eine Mustrung, und während seinem Aufenthalt zu Magdeburg war der Generalmajor von Lentulus meistens um ihn. Im Sommer des I. 1765. wäre der Herr Generalmajor in dem bey Körbeliz unweit bemeltem Magdeburg ge- haltnen Lager, worinn stch die gleichen Kavallerie-und Infanterie-Regimenter befanden , immer um des Königs Person, und genoß beständig sehr viele Gnade von ihm; da im Jul. gleichen Jahrs die Vermalunz des damaligen Kronprinzen Friedrich Wilhelms mit seiner Base , der Prinzeßin Eli- sahet Christine Ulrike von Braunschweig- Wolfenbüttel, zu Berlin gefeiert war, st» machten der Generalleutnant von Wylich und -er Generalmajor von Lentulus an -er Königlichen Tafel, woselbst alles in gold- nen Geschirren zugerichtet - und aufgetragen wurde, die Wirthe und die Aufwart. Seit seiner Berufung in Königl. Preust. Kriegsdienste im 1 . 1746. also seit ganzen rv. Jahren, hatte der Herr Generalmajor von Lentulus die Schweiz und seine Vaterstadt Bern nicht mehr gesehn; der Dienst, worinn er stand, wäre so wichtig, und, besonders im siebenjährigen Krieg , seine Gegenwart so nöthig, daß an keine Beurlaubung gedacht werden konte; Nun aber bekam der Herr Generalmajor Anlaß, den König für einen Semester zu ersuchen ; denn im Jul. 1766. verstarb zu Bern seines Vaters Bruder, welcher eine der vornehmsten Stelle» 86 im tägl. Rath bekleidet hatte; derselbe hinterließ eine beträchtliche Erbschaft / aber keine Kinder / und unser Herr General - Major wäre, samt noch einem andern Bruderssohn , Herrn Joseph Scipio Lentulus, nunm. des großen Raths zu Bern und reg. Landvogt zu Vwis, einem Sohn Hrn. Josephs von Lentulus, der als Oestreichischer Dragoner-Major den Abschied genommen, und unsers Herrn Generals Vaters Bruders- Sohn, zum Haupterben der ganzen Verlassen- schaft ernennt worden; der König gestattete daher dem Herrn Generalmajor von Lentulus eine Frist von 6. Monaten, sich in Bern umzusehn, und seine Erbschaft zu berichtigen ; Er reißte also im Febr. 1767. nach der Schweiz ab, und traf, wo sich der Verf. nicht irrt, im Anfang Merzens zu Bern ein; da sein erworbner Kriegsruhm in der Vaterstadt bekannt war, und man in seine militärischen Talente das gröste Vertrauen sezen konte; so ersuchte ihn der große Rath, nach und nach die verschiednen Sam- 87 nielpläze derer Infanterie-und Dragoner- Regimenter/ wie auch der Artillerie/ zu besuchen / und solche in Waffen zu üben; die- Vemühungen des Herrn Generalmajors waren von so guten Folgen / daß besonders die Artillerie/ welche bey allen Gelegenheiten vollkommen gut manövrierte / ein vorzügliches Lob erhielt; Blau war nicht unerkcnnt- lich gegen die Dienste des Herrn Generalmajors von Lentulus / und überreichte ihm im Namen -es Stands eine große goldne Schaumünze an einer wol gearbeiteten Kette von gleichen! Metall / welches zusamen mehrere loo. Dukaten werth war/ zum Zeichen ausnemender Zufriedenheit / und er erhielt noch dazu in einer goldnen Schachtel das Patent eines Generalleutnants über sämtliche Kriegsvölker des Kantons / welche Ehren- stelle zwar auch der Holländische Generalleutnant und Kommandeur der Schweizer- garde im Haag / Friedrich von May, bekleidete. Da der Herr Generalleutnant von Lentulus in Bern seine Sachen berichtigt F 4 hatte, so verreißte er bey Auslauf seines Semesters, wieder nach Magdeburg und Potsdam, woselbst er dem König von Preussen seine Aufwart machte, und im August Bey dem unweit Weghof und Floriansdorf in Schlesien gehaltnrn großen Lustlager einzig zum Generalleutnant der Preußischen Reitercy ernannt wurde; die übrigen 7. Generalmajors, welche nebst ihm avanziert worden, waren alle vom Fußvolk, nemlich die Herren von Buddenbrok, Braun, Queis, 2. von Stutterheim, Ramm und Putkammer. Am 2§sten Sept. bemeldten Jahrs hatte der Herr Generalleutnant von Lentulus die Ehre, Namens des Königs von Preußen, von welchem er dazu besondern Auftrag und ein prächtiges Begleit erhielt, den Prinz von Oranien , der zu Vollziehung seiner Ber- mälung mit der Prinzeßin Friderike Wil- helmine von Preußen, Tochter des in 175-8- verstorbnen Prinzen August Wilhelm , ältesten Bruders des Königs, nach Berlin reisete, zu empfangen , und zu begleiten ; -er Herr Generalleutnant empfieng den Prinzen zu Magdeburg / wo er über Braunschweig anlangte, unter einer zahlreichen Versammlung des vornehmsten Adels und derer Stabsoffiziere sämtlicher in Magdeburg liegenden Regimenter, an deren Spize sich der Generalmajor Friedrich Christoph von Saldern, als Kommandant -er Festung , befand. Der Herr Generalleutnant begleitete folgenden Morgens den Prinzen über Brandenburg nach Berlin, und wurde von demselben bey seiner Abreise nach Holland mit einer prächtigen goldnen mit Brillanten und des Erb-Statthalters Bild- mß gezierten Schnupftabakdose beschenkt. Da die in dem, denen Königen von Preußen seit 1707. zugehörigen Fürstentum Neuenburg schon seit mehrern Jahren dau- renden Unruhen immer zunahmen, und die Neuenburger wegen verschiednen Punkten, worinn sie Recht zu haben vermeinten, mit ihrem Landesherr» sogar einen Rechlshan- 9 » -" del angefangen hatten; so fand der König von Preußen für gut, unsern Herrn Generalleutnant von Lentulus abermals nach Bern zu schiken , um mit dem Regierungsrath Freyherr» von Derschau, welcher in des Königs Namen daselbst erschienen war , die Sache aufs nachdrücklichste zu betreiben; Schon im Decemb. 1767. und Jan. 1768. wäre vor dem Souveränen Rath zu Bern, welcher zwischen dem Prinzen und der Stadt von Alters her Schiedsrichter ist, ein Urteil zu Gunsten des Fürsten wider die Stadt Nenenburg ergangen ; da aber die Neuen- burger Mine machten, die Zollziehung desselben auf die lange Bank zu schieben ; so traf der Stand Bern sehr ernsthafte Anstalten , die Starrköpfe zu brechen; zu welchem Ende 8-9000. Mann Infanterie nebst mehr als 50. Kanonen, Mörsern und Haubizen, ohne die Bataillons - Stäke, wie auch ein Regiment Dragoner und einiger Kompagnien Scharfschüzen fertig gehalten wurden; der Generalleutnant von Lentulus, welcher - -r gleich nach dem Neujahr 1768. zu Bern angelangt war / solte diese Völker ins Feld führen ; Zu mehrerer Vorsorg hatte man würklich den Paß und die Brüte übern Zihl- sinß , der das Neuenburgische vom Bern- gebiet scheidet / mit ioo. Berner- Grenadieren besezen lassen; obwol nun die Neuen- bnrger rathsam gefunden hatten / sich dem Rechtsspruch von Bern zu unterwerfen; so gab doch die am 2ssten Aprill geschehne Ermordung des Königl. General-Advokaten Gaudot, welcher den Prozeß gegen die Stadt gewonnen-und sich dadurch den Haß seiner Mitbürger zugezogen hatte / neuen Anlaß zu Bewegungen; die Neuenbnrger hatten zwar alsbald Gesandte nach Bern ge- schikt, um sich deßwegen zu entschuldigen; diese wurden aber vom Pöbel beschimpft, und übrigens mit schlechtem Trost entlassen ; der Baron von Derschau ersuchte hieraufdie Kantone Bern / Luzern/ Freyburg und Solothnrn im Namen des Königs um Zuzug / wozu jeder derselben 150. Mann be- stimmte, welche Peumburg bis zu Beyle- -ung aller Streitigkeiten Sesezen sollen; damit aber diese Völker auf ihrem Marsch Lurchs Neuenburgische keinen Anstoß finden möchten , und um die übelgesinnten zu schre- keu, ließ die Regierung von Bem 1400. Mann Infanterie nebst einiger Kavallerie und vielem Geschüz, unter den Befehlen deZ Generalleutnants von Lentulus, zu Ins, einem Dorf unweit -er Gränze, postieren, wo solche die Völker der 4. Kantone von Bern her erwarteten ; kurz vor ihrer Ankunft ließ der! Herr Generalleutnant sein Korps links ab gegen die Zihlbrüke marschieren , und durch die Infanterie einige Lisseits gelegne Anhöhen besezen, auf denen einige Batterien mit schweren Kanonen gepflanzt wurden, um die Brüke, das Dorf und das jenseitige Ufer gänzlich zu bestrei- chen; hinter denen Bataillonen standen die Dragoner etwas verdekt zur Reserve aufmarschiert; nachdem alle diese Vorsichtsan- stalren zur Dekung des Uebergangs getrof- sen, und die Flanken hinlänglich gesichert waren; so langten die Völker derer Kantone an; den Vortrab machte ein Detaschement Dragoner, und weil man denen Neuen- kürzern nicht recht traute; so wurde durch- gehends die Strasse wol rekognosziert-»n- durch verschiedene Vor - und Seiten - Patrnl- len rechts und links alles genau abgesucht, die Brüte aber und -er Zugang zum Dorfe Vesezt; der Uebergang lief jedoch ganz ruhig ab , und die Völker derer vier Kantone rük- ten gleichen Tags, den rosten May, ohne Widerstand in die Stadt Neuenburg ein; -er Herr Generalleutnant von Lentulns wohnte hierauf im Namen des Königs denen zu Murten angestellten Zusamenkünften der Gesandten oftbemelter Kantone bey, und verblieb bis Ausgangs des Sommers zu Bern; am rasten August aber hielt er als Statthalter von Neuenburg, dessen Stelle bisher der Herr von Mitchel versehn hatte, den Einzug in diese Stadt, welche, nach Berichtigung aller Streitigkeiten, durch die Besazung derer Kantone war geräumt worden; der Herr General wurde mit vielem Gepräng eingeholt / hielt sich aber nicht mehr lang in der Schweiz auf/ sondern verreißte noch vorm Ende des Jahrs wieder nach dem Brandenburgischen / und legte dem König von seinen Verrichtungen genauen Bericht ab; verfügte sich aber bald wieder zu seinem Regiment / welches die Standquartiere in Schönebek unweit Magdeburg hat / und hielt sich meistens daselbst - oder auf seiner Herrschaft Redekin im Magdeburgischen auf/ welche er schon in 176;. mitVorwissen des Königs erkauft hatte. Im Jun. 1769. führte der Herr Generalleutnant das Leib- Küraßier - Regiment nach Pizpuhl/ woselbst der König solches mit verschiednen andern Infanterie-und Kavallerie-Regimentern eiuige Tage lang manövrieren ließ; auf der Rükkehr von seiner nach Braunschweig und Antonettenruh gethanen Reise kam der- König ungefehr am loten Jun. über Magdeburg/ nach Schönebek/ und nahm die Mittagsmalzeit bey unserm Herrn Generalleutnant von Lentulus ein; da der König bald hierauf im August nach Schlesien abreiße , wo er in Neiß eine Zusamenkunft mit dem Kaiser Joseph ll. veranstaltet hatte; so wäre der Herr von Lentulus der einzige Generaloffizier den er, ausser! denen Prinzen vom Geblüt / mit sich dahin nahm; der König von Preußen empfieng den Kayser > welcher das inkognito angenommen hatte/ und unterm Namen eines Grafen von Fal- kenftein reißte/ am 2/steu August zu Mittag in der Bischöstichen Residenz zu Neiß aufs freundschaftlichste; beyde Monarchen stellten einander ihre Begleitung von Prinzen vom Geblüt, Generalen und hohen Stabsoffizieren vor; unter denen Preußischer Seits, nebst dem Kronprinzen / dem Prinzen Heinrich und Marggrafen von Brandenburg - An- spach / die Generale von Lentulus, Tauen- zien, die Obristen von Anhalt, Rosiere und Lengefeld „ in des Kaysers Begleit aber -er Herzog Albert von Sachsen-Teschen, Feldmarschall Graf von Lascj , die Generale von Laudon , Miltiz / Ayasas und Nostiz und der Obristleutnant von Renner sich befanden. Der wakre und um Preussen wolverdiente General der Kavallerie Freyherr von Seidliz hatte vom König Befehl erhalten / sein Küraßierregiment, welches in - und bey Ohlau in Nieder - Schlesien verlegt ist, und sonst immer bey Breslau gemustert wurde, nach Reiß zu führen; denn der Kayser, welcher sowol den Kriegsruhm des Generals von Seidliz-als des Regiments selbst/ das eines der besten, und fast das schönste untermPreuß.Heer gewesen seyn soll, sehr gut kannte, hatte sich dieses vom König von Preußen ausgebetten ; Äußert dem. Seidkizschen Küraßier-Regiment welches , so wie sein grosser Anführer , sogar die Erwartung des Kaysers übertraf, und von ihm ganz besonders betrachtet-und gerühmt wurde, waren bey diesem Lustlager noch die im Preuß. Ober-Schlesien verlegten Regimenter nemlich Schmettau und Spaen Spam Küraßier- Krokow Dragoner-Tres- kow, Bredow, Pionnier und andre zusa- mengezogen worden; Schon am 28ten reißte -er Kayser von Reiß wieder ab, nachdem er prächtige Geschenke hinterlassen-und vor- nemlich denen Generalen von Seidliz, Tauenzien und Lentulus goldne, mit Brillanten reich besezte, Ringe und Schnupftabakdosen eingehändigt hatte. Die Jahre 177°. bis 7;. liefern uns wenig merkwürdiges von unserm Herrn Generalleutnant von Lentulus; wir wissen blos, daß er im ersten derselben von Sr. Preußischen Majestet mit dem großen Orden des . schwarzen Adlers beehrt worden; ob aber -er Herr Generalleutnant den König zu jenem Gegenbesuch, den er in gleichem oder dem folgenden Jahre beym Kayser aus dem Lustlager bey Austerliz in Mähren ablegte, begleitet habe? ist dem Verf. unwissend, jedoch sehr wahrscheinlich, daß der König von Preußen, welcher auf seinen Reisen den Herrn Generalleutnant von Lentulus gern G ,8 --------- und öfters um sich hatte / ihn auch dißmal mit sich genommen habe. Im I. 177;. beschlossen die Höfe von Wien, Petersburg und Berlin bey denen überhand nehmenden Polnischen Unruhen ihre Ansprachen auf einige Provinzen dieses Reichs gelten zu machen ; daher ließ in der Folge jeder dieser Höfe 15000. Mann seiner Völker, welche / im Fall Widerstands von Seite der Polaken, gemeinschaftlich agieren sollten, in Polen einrüken; die Oberfeld- Herren dieser Völker sollten zugleich/ als aufferordentliche Gesandte, den Nuzen ihrer Souveraine aufm Reichstag zu Warschau, welche Stadt zulezt durch die vereinigten Corps umschlossen wurde, besorgen. Oest- reichischer Seils befehligte der Feldmarschall- Leutnant von Richekourt- für Rußland der Generalleutnant von Bibikow - und für Preußen der Generalleutnant von Lentulus obbemeldte Kriegsvölker, und diese drey Anführer unterstüzten die ordentlichen Gesandten ihrer Höft bey der Republik Polen, vie Freyherrn von Rewizki, Stakelberg und Benoit/ und sezten deren Ansprachen, welche zwar erst i?7s. völlig berichtigt wurden, gänzlich durch. Der Herr Generalleutnant von Lentulus hatte, nebst andern Befehlshabern , den braven Generalmajor und Chef -es schwarzen Husaren-und Bosniaken-Regiments von Loßow samt seinen beiden Regimentern und denen Malachowekj-jeztUse- -omschen gelben Husaren und verschiednen in Pommern und Preußen stehenden Infanterie - und Dragoner - Regimentern bey sich, deren einige hernach zu Besezung des Polnischen, dem König abgetrettnen, Preussens gebraucht wurden. Die Preuß. Völker hatten sich zwischen Nord - und Südwest von Warftbau gelageret, und stießen rechts an die Oestreichs , links an die Rußen. Nach Endigung dieser wichtigen Geschäften gieng der Herr Generalleutnant von Lern? tulus wieder, nach Potsdam und von da auch naher Schönebek zurük. Der Großfürst von Rußland / Paül G r Petrowiz , hatte im Frühjahr 1776. feine Gemalin, die Prinzeßin Wilhelmine von Heßendarmftadt , Schwester der Kronprin- zeßin von Preußen , welche , bey Annehmung der Griech. Religion, Natalia Alexiewna getauft worden war, im Kindbette verloren, und man suchte ihm eine andre; die Prin- zeßin Sophia Dorothea Augufta von Wür- temberg- Mümpelgard/ Tochter des Herzog Friedrich Eugens und einer Prinzeßin von Brandenburg - Schwedt , Nichte des Königs von Preußen , wurde dazu auser- sehn / und der Großfürst, den der berümte Feldmarschall Graf Peter Alexius von Ro- manzow begleitete, kam im Sommer ged. Jahrs durch Preußen nach Berlin/ um diese Gemalin abzuholen. Der Herr Generalleutnant von Lentulus hatte die Ehre, vom König mit einem, seinem Auftrag gemäßen, Hofstaat dem Großfürsten bis an die äusserste Preuß. Gränze entgegengeschikt zu werden / demselbeu unterwegs alle mögliche Ehrenbezeugungen zu erweisen , und ihn über Kä- nigsberg, allwo die Besazung im Gewehr stand, und die Kanonen auf den Wällen abgebrannt wurden, nach Berlin zu begleiten; der Herr Generalleutnant saß gewöhnlich in einer Kutsche mit dem Ruß. Thronfolger, welcher, auf feine Veranstaltung, zu Königsberg in dem schönen Garten des Kriegs- raths Saturgus, dessen ansehnliche Sammlung von Naturfeltenheiten der Großfürst beschaute, aufs prächtigste bewirtet wurde; der Großfürst hielt sich eine Zeitlang zu Berlitt auf, und nach Endigung derer Verlobungs- Feyerlichkeiten war abermals unserm Herrn Generalleutnant die Begleitung des erlauchten Paars bis an die Gränzen aufgetragen worden , wobey ihm der Großfürst immer mit besondrer Achtung Segnete, und ihn beschenkte. Noch am Ende des gleichen - oder Anfangs des folgenden Jahrs erhielt unser Herr Generalleutnant von der Rußischen Kaiserin den reich verzierten Orden des heil. Andreas, welchen vor ihm noch kein Schweizer getragen hatte, nebst einem sehr verbindlichen G ? eigenhändigen Danksagungs-Schreiben seinen Bemühungen beym Großfürsten; der Verf. hat seither vernommen / ob mit - oder ohne Grund ? daß der Herr Generalleutnant von Lentulus auch mit dem Schwedischen Serafinen - oder dem Schwerd - Orden beehrt gewesen seye. Der in 1778. zwischen Oestreich und Preußen wegen der Bairischen Erbfolg ent- fiandne Krieg, brachte den Herrn Generalleutnant von Lentulus wieder ins Feld; König Friedrich bestimmte ihn bey dem Heere zu fechten, welches sein großer Bruder/ Prinz Heinrich von Preußen, befehligte, und die rechte Flanke derer Kriegs-Operarionen machte; unser Herr Generalleutnant war bey demselben einer der ältesten Generalen , und hatte bey der Reiterey nur den Generalleutnant Dubislaf Friedrich vonPla- ten im Rang vor steh. Der Herr Generalleutnant von Lentulus gieug mit seinem und andern Kavallerie - Regimentern Anfangs Jul. naher Sachsen/ wo die sämtliche / uu- term Prinz Heinrich zu agiren bestimmte Kriegsmacht sich bey Dresden versammelt Hatte / wozu noch 20000. Sachsen stiessen; unser Herr Generalleutnant beseligte sodann die Reserve, welche aus denen Husaren - Regimentern von Podgurskj / Belling, Zet- triz / Owstien und Usedorn bestand / und Hatte die Generalmajore Karl von Pod- gurskj und Georg Oswald von Zettriz unter sich ; diese Reserve war zusamen 50. Schwadronen stark; und von solcher besän« den sich die Podgurskj-und Belliiigscherr Husaren größtentheils mit bey denen Vorfallen bey Gabel und Georgeutal, woselbst die Kaiserl. Bataillone von Geisrük und Kaprarü/ samt einigen ioo. Kroaten / gefangen wurden. Das vereinigte Heer stand zwar mehrere Wochen lang bey Nimes der großen Oestrerchischeu Macht unterm Feldmarschall Laudon vor der Nase / und suchte solches zum schlagen zu bringen; allein dieser so schlckue und erfahrne als kühne General blieb unvcrrükt in seinem festen Lager G 4 Hintern, Jserfluß stehn , und begnügte stch damit/ seinen Gegnern das fernere Eindringen in Böhmen und die Vereinigung mit dem König von Preußen zu verwehren. Die schlechte und alle Wege fast grundlos gemachte Herbstwitterung , nicht aber die vorgeblich aufm Punkt gewesene Einschlieft sung durch die Oestreichs, nötigte den Prinz Heinrich / seine Völker über Leutmeriz midie Gebürge von Baskopol nach Sachsen zurückzuführen/ und in Kantonierungen zu verlegen; dieser Rükmarsch war gewiß eben so beschwerlich - als es vor dem Hannibals Zug über die Alpen gewesen seyn mag; der rmunterbrochne Regen / welcher die ohnehin abscheulichen und mühsamen Wege in denen Böhmischen Gebürgen fast unbrauchbar machte; die außerordentliche Wachsamkeit, welche, um den Rükzug ohne Verlurst zu thun / gegen die allfäligen Absichten und Angriffe des verschlagnen Laudons angewandt werden mußte / erforderte / besonders bey Nacht, weil man in derselben sowol als bey Tage marschierte/ die größte Anstrengung und Vorficht; die Strapazen waren fast unausstehlich/ und ruinierten viele Leute und Pferde. Unser Herr Generalleutnant führte beym Aufbruch aus dem Lager bey Tschiskowiz / welches eines der lezten in Böhmen war, die ate Kolonne der Preuß. Reiterey / welche in denen Regimentern Lölhöfel / Mar-- wiz und Weiher bestand; dieseKürafiier* Regimenter wurden hierauf nach Cobus, Halle und Potsdam in die Winterläger verlegt ; der Herr Generalleutnant aber gienz ins Magdeburgische zurük. Wir sind nunmehr beym lezten merkwürdigen Zeitpunkt der Lebensgeschichte unsers Herrn Generalleutnants von Lentulus / nemlich bey seiner Verlassung derer Preuß. Kriegsdiensten; In einem Alter von 65. Jahren / welche er durch so viele Strapazen / Ungemach und Arbeiten verlebt hatte/ suchte er Ruhe; der lezte Böhmische Feldzug / worinn der Herr Generalleutnant / besonders aufm Rükmarsch / oft Tag und Nacht im grösten Wind und Wet- ter zu Pferd geblieben war / hätte seinen Körper sehr mitgenommen; Er entschloß sich daher, beym König den Abscheid zu fordern, und seine übrigen Tage zu Bern in seinem Vaterland zuzubringen, wo er noch eine reiche Landvogtey haben konte; der König von Preußen erteilte dem Herrn Generalleutnant , in Betrachtung seiner Gesundheits- Umständen , jedoch äusserst ungern / seine Entlassung; denn er konte schwerlich einen Feldherrn missen, der ihm in allen Gelegenheiten so treflich gedient hatte/ und überdiß lange Zeit einer von seinen liebsten Gesellschaftern gewesen war; der Herr Generalleutnant wurde also Anfangs des Jahrs 1779. auf eine rühmliche Weise seines Preuß. Kriegsdiensts entlassen / und als er , nach einem rührenden Abscheid / das bisher gehabte Leib - Küraßier - Regiment dem Generalmajor Joh. Rudolf von Merran von Basel / welcher vorher bey dem ehmals Iung-Platen-jezt Boßeschen Dragoner- Regiment gestanden, und vom König zum - -- -r°7 Chef -es vorvemelten Regiments ernennt worden war, übergeben hatte, so kam er' im Febr. nach Bern, wo er an -er nächsten Ostern , seinem Rang nach, -ie sehr erträgliche - und wenig beschwerliche Landvogtey Köniz ansprach, und , da keiner im Rang vor ihm war, ohne anders erhielt. Die Ge- sundheits - Umstände des Herrn Generalleutnants verbesserten sich durch gute Ruhe und Pflege vollkommen, und er wurde für sein Alter wieder so munter, -aß er im Stand gewesen wäre / noch mehr als einen förmlichen Feldzug mitzumachen. Da die Genfer im Winter 1780. bis 81. beynahe in Thätlichkeiten ausbrachen; so hatte der Stand Bern 86. Grenadier-Compagnien, einen schönen Zug groben Geschüzes, nebst einigen 100. Jägern und Dragonern, marschfertig gehalten, und der Herr Generalleutnant von Lentulns solte diese Völker anführen; die Wirbelköpfe legten sich aber damals noch zum Ziel. Im Frühjahr 1781. sahe es zwar zu Freyburg ernsthaft aus, als die Untertanen dieses Kantons, wegen eickgen Beschwerden stch zusamengerottet-und die Hauptstadt auf einer Seite gleichsam blvkiert hatten ; Der Herr Generalleutnant solte mit 6022. Mann, welche von Seiten anmarschierten / dem Stand Freybllrg zu Hülfe eilen; allein dieses war nicht mehr nötig / weil die von Bern gleich Anfangs in Freyburg gelegte Infanterie und fast 2. Schwadronen Dragoner in denen ersten Tagen des May auf einer Rekognoszierung / welche der Obrist von Froide- ville und Obristleutnant von Ryhiner mit einem Detafchement vornahmen / bey einem Wald zwischen der Stadt und dem Dorfe Pigriz 7 - 8vo. bewafnete Bauren ohne Blut- vergieffen gefangen genommen-und den Rest zerstreut hatten / welches auf das übrige Landvolk den gehörigen Eindruk machte. Im Iabr 1782. zwangen die unruhigen Genfer / welche steh an keine Vorstellungen von Seiten Berns kehrte« / diesen Stand, daß derselbe (zwar nicht um den Genferi-- sehen Freystaat zu unterdrüken - sondern um bey allen Vorkehren Frankreichs und Sardiniens , welche diesem Unwesen ein Ende machen zu wollen vorgaben / die Hand im Spiele haben zu können/) Bataillonen Grenadiere / mit nöthigem Geschüz und einiger Kavallerie nach Genf schiken muß.e, über welche der Generalleutnant von Len- tulus die Anführung erhielt, und solche im Anfang des Jun. bey Voisbogj / zuäusserst an der Gränze vom Berngebiet gegen die Französ. Landschaft Gep-bald darauf bey Klein - Saconex - und endlich bey Wua- rambex kampieren ließ, so daß Genf durch die Völker von Bern auf dieser Seite der Rhone - gleichwie durch die Franzosen und Piemontefen aufder andernSeite eingeschlossen wurde. Der Marschall de Kamp Mar- kis von Iaukourt und Generalleutnant Graf von Marmora / welche als Feldherren - und zugleich als Bevollmächtigte derer Höfe von Versailles und Turin handelten/ liessen am Ende ged. Monats im Einverständnis mit dem Herrn Generalleutnant von Lentulus, ein Manifest ausgehn , worinn die Genfer' zur Uebergab aufgefordert wurden, und ein andres, nach welchem alle und jede Angehörige von Frankreich, Savoyen und Bern, welche, im Fahl eines Angrifs, in Genf mit Waffen in der Hand ergriffen würden, ohne weitcrs aufgeknüpft werden sollten. Da unser Herr Generalleutnant im Rang und an Jahren der älteste war; so hatten die Heiden andern Feldherren alle Achtung für ihn , und der Markis von Iaukourt, der den Herrn von Lentulus seit dem Roßbacher-Treffen, worinn er selbst von denen Preußen gefangen worden, kennen mochte, hieß ihn gemeiniglich seinen Vater, und der Feldherr von Bern hatte die Ehre, am - ten Jul. da Genf durch die vereinigten Völker überrascht worden, den Oberbefehl über dieselben zu führen. Am Ende dieses Monats aber ließ der Generalleutnant von Lentulus die Berner , mit Hinterlassung einer Besä zung , welche ihrerseits der Obristleutnant von Le-Maire kommandierte; wieder nach- Haus zieh». Nicht lang hernach / in denen ersten Tagen des Sept. traf der Großfürst von Rußland mit seiner Gemahlin- unterm Namen eines Grafen und einer Gräfin von Nord / nebst dem Prinz Friedrich von Holstein-Gottorf, Koadjutorn von Lübek / und dessen Gemahlin zu Bern ein / und hielten stch / mit Einbe- griff einer Reise in die Lauterbrunnen - Gletscher / ein paar Tage auf; unser Herr Generalleutnant machte dem Rußischen Thronfolger die Aufwartung / wurde von demselben mit vieler Achtung und Freundschaft empfangen / und war meistens dessen Begleiter; der Großfürst freute sich / denjenigen noch gesund anzutreffen / den er auf seiner Reise durch Preußen nach Berlin -und von -a weiter zurük bis an die Ruß. Gränzen mit Vergnügen um sich gehabt hatte / und er umarmte den Herrn Generalleutnant beym Abschied wie beym Empfang aufs gnädigste. Im Sommer 1784. kam Prinz Heinrich/ Bruder des Königs von Preußen / unterm Namen eines Grafen von Oels- mit.einer kleinen Begleitung nach Bern; -er Herr Generalleutnant von Lentulus empsieng denselben beym aussteigen aus dem Wagen, und wurde von dem Sieger bey Freyberg, unter welchem er verschiedene Feldzüge gemacht, als ein alter treuer Diener seines Königlichen Bruders angesehn; der Prinz umarmte ihn, unterhielt sich öfters mit ihm / und der Herr Generalleutnant begleitete den Prinzen ins Zeughaus, welches demselben sehr wol gefiel; er war auch fast immer um ihn, bis solcher / nach kurzem Aufenthalt / seine Reise in Frankreich über Neuenburg fortsezte. An der Ostern r?8s. hatte unser Herr Generalleutnant das Vergnügen / daß sein jüngrer Herr Sohn / der Rittmeister, in den Großen Rath zu Bern befördert wurde. Das lezte merkwürdige vom Herrn Gene« ralleutnant von Lentulus war dessen Reise nach Surfte im Kanton Luzern / wo sich jährlich die Helvetische Militär-Gesellschaft aus denen mehresten Eidgnöß. Ständen versammelt / um, soviel möglich, die, in unsern Zeiten Zeiten aufs höchste getrieben und verfeinerte Kriegskunst auch in unserm Land zu verbessern/ und eine, der Beschaffenheit des Lands und der Nation gemäße, gleichförmige Taktik und Uebereinstimmung im Kriegswesen ausfindig zu machen , wie auch um durch einen ungezwungenen Umgang und bessere Be- kantschaft Vertraulichkeit zu pflanzen ; da dem Herrn Generalleutnant von Leutulus alles dasjenige am Herzen lag, was den alten Helvet. Heldengeist und die Ehre unsrer Nation erhöhen konte; so wolle auch er das sei- nige dazu beytragen , und entschloß sich dahin zu reisen; Am 9ten Jul. 1786. langte der Herr General in Begleitung vieler Staabs-und andrer Offiziere von Bern zu Surfte an, wo auch die Herren Generale von Pfeiffer, Zurlauben und Steiner, nebst vielen Offizieren, besonders von Zürich, Luzern und Basel einfanden, so daß diese Versammlung die glänzendste war, die man bisher daselbst gesehn hatte; die Herren Generale wollen sämtlich mit ihrem meisten Be- H gleit am Montag nach Cyrillen den Sem- pachersee hinauf nach Sempach-und von da zne sogenennten Schlachtkapelle, ober, halb diesem Städtchen, Wallfarten , weil auf diesen Tag eben das 4 te Jahrhundert verstrichen war / daß Herzog Leopold von Oestreich/ nach einem blutigen Treffen, in i z86. mit rooO. der seinen von denen Schweizer» erschlagen worden war; Herr Göldlin von Tieffenau, Pfarrer zu Jnnweil im Kanton Luzern, ein Redner von vielen Talenten, hielt die Gedächtnisrede voll Kraft und Nach- drirk, und zeigte darin», was die Helvezier ihren dapfern Ahnen, vornemlich dem grossen Arnold von Winkelried, der z« Erwerbung des Siegs sein Leben heldenmütig aufopferte, zu danken haben! Der Herr Generalleutnant voll Lentulns wünschte besonders , das Schlachtfeld, worauf die Kapelle steht, an welcher Stelle Herzog Leopold selbst nmkam, zu besehn, und der Feierlichkeit beyzuwohnen , welche mit einem Hochamt geendigt wird; man hatte wirklich zst Sempach ein Pferd für ihn bestellt / damit er desto leichter auf diese mit beschwerlichen Zugängen umgebne Anhöhe kommen könte; allein die, in der Nacht vorher einfallende, schlechte Wittrung vereitelte, zu jedermanns Bedauren, dieses Vorhaben; In der am gleichen Tage zu Surfte gehaltnen großen Gesellschafts - Versammlung' begab sich der Herr Generalleutnant von Pfeiffer von Wy- her seiner bisher mit allem Beyfall geführten Prasidentenstelle, worauf unser Herr Generalleutnant von LenkÜlus einhellig an dessen Plaz erwählt wurde, und in einer kurzen doch schönen Rede die Nothwendigkeit einer eignen, der Nation angemeßnen, Taktik- samt Noch mehrern wichtigen Gegenständen darthüt, und verschiedene Verbesserungen vorschlug , welche mit Beyfall aufgenommen kvurdeN. So endigte sich diese Patriotische Versammlung , welcher der Herr General zum ersten - und auch — leider! zum leztenmat heywohnte; denn auch für ihn nahte das Ende der Tage! Der Herr Generalleutnant hatte H 2 seit seinem Abscheid aus Preaß. Diensten bisher > einige Schwachheiten des immer zune- menden Alters ausgenommen / einer sehr guten Gesundheit genossen; allein gleich nach seiner Rükkehr von Surfte verspürte er solche Zufalle , die ihm eine völlige Brustwasser- suchfund baldigen Tod drohten; er bestellte also bey Zeiten seinen lezten Willen; Das am 2?ten August erfolgte Absterben seines gewesenen Kriegsherrn, des verewigten Preuß. Friedrichs, machte gleichfahls Eindruk auf den Herrn von Lentulus, und er soll mehr als einmal gesagt haben: - daß wie im ste- „ benjahrigen Krieg bisweilen Zieten den „ Vorderzug - der König die Mitte-und er „ selbst den Nachtrab des Preuß. Heers ge- » führt / also auch in gleicher Ordnung „ (denn Zieten war im Jan. 1786. gestorben) " gehe der Marsch ins Reich der Todten! „ Der Herr General hatte zwar im Nov. noch so viel Kräfte / Laß er der Bunds - und Bur- gerrechts-Erneurung beywohnen tonte / welch- der Obrist Kleiftschen Infanterie-Regi- ments, Ludwig Gottlieb Le Chevenix von Beville, als Statthalter des Fürstentums Neuenburg/ im Namen -es jeztregierenden Königs von Preußen , Friedrich Mlkielm des II. vor dem Souveränen Rath zu Bern verrichtete; bald darauf aber nahm die Krankheit bey unserm Herrn General so sehr überhand, daß, ungeachtet einer anscheinenden Besserung, derselbe zusehends schwächer wurde, und endlich am nsstcn Der. Nachts um n. Uhr auf seinem Landgut, welches er nach seiner Heimkunft aus Preußen erkanstund Non-repos genannt« auch nach geendig- ter Amtsverwaltung in 1785. bezogen hatte, in einem Alter von 72. Jahren, 8 . Monaten und 8 . Tagen seinen Geist aufgab. Im Testament , worinn er seine beiden Söhne zu Erben eingesezt, hatte der Herr General verlangt , in der Nische auf einem Hügel vor seiner Wohnung, von welchem man die prächtigste Aussicht, rechts gegen die Schneege- vüxge, links nach dem Jura, oder Leber- berg «gerad vor sich aber auf-und über die H ii8 E-/ v Stadt Bem genießt , ohne einige Pracht und Feirlichkeit beygesezt zu werden, und man willfarte ihm darin». In eben diesem Testament hatte der Herr General auch alle seine Schriften und Papiere von einiger Wichtigkeit , als die Korrespondenz mit Friedrich dem Großen und andern Hohen und gekrönten Häuptern, seine eigenhändigen Nachrichten über den 7. jährigen Krieg in Schlesien, rc. und ein Buch, der Kavallerist betitelt , seinen Herren Söhnen vermacht. Der Herr General war von schöner Länge, welche bey 7. Schu betragen mochte, und er gehörte eher zu den fetten als magern Leuten; Er stellte also eine sehr ansehnliche Person vor, und man erkannte in seiner kriegri- schen Bildung alsbqld den Feldherrn, wozu er gleichsam geboren war; Er sprach mehrere Sprachen mit vieler Leichtigkeit, und wurde als ein Hofmann zu verschiednen Ge- sandschaften gebraucht, wie wir s. O. gemeldet haben; Im Feld zeigte er sich an der Svize seiner Schwadronen ganz als Held und Krieger / und obwol er in io-ir. Schlachten gegen Franzosen / Türken, Beyren / Oestreicherund Russen an denen gefährlichsten Stellen und in entscheidenden Augenbliken gefochten, so wissen wir doch nicht / daß er jemals verwandt worden / obwol er vermutlich öfters das Pferd unterm Leib verloren hatte. Wenn bey grossem Licht großer Schatten-und bey außerordentlichen Tugenden nicht mindere Schwachheiten angetroffen werden; so überwogen jene -och diese / welche mehr persönlich waren / bey weitem. Er wies gleich bey seiner Gefangennehung bey Prag die vorteilhaften Anerbietungen zum Preuß: Dienst aus Ergebenheit und Treue gegen die Königin von Ungarn / von -er Hand / und nahm diese!, den erst dennzumal an / als man ihn nach langem Ansuchen um Beförbrung / mit leeren Worten abspies / und ihm den Abscheid ertheilte. Dem König von Preußen dient- er mit mustermäßigem Eifer im Feld sowol gls in andern wichtigen Aufträgen, pnd hatte H 4 rso in allem über so. Jahre lang , also mehr als ß seines Lebens, für Habsburg und Brandenburg die Waffen getragen. Dem Herrn Generalleutnant von Lentu- ltts darf wol niemand große militärische Kenntnisse absprechen, denn er wurde, wahrscheinlich nur darum, hin und wieder beneidet ; aber genug! ganz Europa - König Friedrich und sein großer Bruder, Prinz Heinrich von Preußen - die besten Richter über Milit. Talente - kanten seine Verdienste, und der Ruf von ihm drang bis in Italien, wo er zuerst im Feld erschienen war; Die Republik Venedig soll in 1767. zur Absicht gehabt haben, dem Herrn von Lentulus die einträgliche, und durch Königsmark und Schulenburg ehrenhaft gewordne, Stelle eines Feldherrn über die Völker dieses Frey- staats, welche durch Absterben des General Gräeme ledig worden war, zu übertragen; allein derselbe blieb noch fast ir. Jahrelang in Preuß. Diensten, und als er solche in 2779. verlassen hatte; so wandte er, wie wir s. O. gesehn , seine übrigen Kräfte zum Dienst seines Vaterlands an; das Berne- rische Militär hat dem Herrn Generalleutnant sehr vieles zu danken; die heutige Verfassung desselben, welche respektabel genug ist, wenn jeder das seine thun ivill, kommt guten Theils von ihm her; Er führte auch die fast unentbehrliche reitende Artillerie ein, wovon man schon den Nuzen in jenen Frey- burger - Unruhen gesehn hat, da die einzige. Kanone, welche die Berner-Dragoner mit sich führten, durch ihre geschwinden Manöver den ganzen Schwärm derer bewafneten Bauren in Schreken und Erstaunen sezte; diese reitenden Kanoniere waren aus den Dragonern gezogen, und vom Herrn Generalleutnant von Lentulus selbst mit grossem Eifer und aller Sorgfalt geübt und unterrichtet worden. Der Herr General wußte sich die Neigung und das Zutrauen des Gemeinen solchermaßen zu erwerben , und denselben durch Freundlichkeit und gute Behandlung so zu gewinnen, daß er mit diesen Leu- r:r ten alles hätte thun könne« / woran andre Nicht denken dorften; Mit Recht wir- also der Verlursi, den die Republik Bern-ja die ganze Schweiz in diesem trefflichen Offizier erlitten hat/ beklagt. In seiner Ehe mit der Gräfin Maria Anna von Schwerin erzeugte der Herr General z. Söhne und i. Tochter / welche leztre aber / so wie der älteste Sohn, frühzeitig mit Tode abgegangen; dieser Hoffnungsvolle Sohn hieß Friedrich Wilhelm Rupert Cäsar / und hatte die Ehre, daß der König von Preußen selbst sein Taufpathe war; auch wurde er «och jung zum Körnet bey den Gendarmen ernennt/ und in seinem Kehr zum Leutnant; er starb aber schon in den sechsziger Jahren gn den Folgen eines Trunks / den er auf einem Ball in die Hize gethan hatte; von denen beiden andern Söhnen ist Herr Cäsar Scipio Leutnant in dem Regiment Musketier vom Prinz von Preußen/ welches zu Potsdam iu Desazung liegt/ auch Königl. Kammerhcrr / und bey dem jezigeü König, M dem und dessen verstorbnen Bruder, dem Prinzen Karl von Preußen, derselbe erzogen worden, sehr in Gnaden steht; Herr Robert Scipio aber ist Königl. Preuß. Rittmeister unterm Leib-Regiment Karabiner, zu Ratenau m der Mittelmark, und seit Ostern 178s, Mitglied des Großen Raths zu Bern; beide sind noch unvermalt. Der Vers. glaubte das Andenken des Hrn. Generals, der mit Recht unter die großen und merkwürdigen Männer gezalt wird, welche die Schweiz hervorgebracht hat, und guf den sein Vaterland stolz seyn kan, zu ehren ; Seine Asche ruhe im Frieden! und sein Name glänze unter den Helden - Namen edler Helvezier im Tempel des Nachruhms, L e n t u l u s und die Helden. Ins welk« Reich der abgtschiednen Geister, Wohin der größte Held auch muß, Trat, nach durchlaufner Bahn von Thaten und von Jahren, Jüngst Feldherr Lentulus. Ihm nahten, als er kam, schnell and're Schatten Vordem verstorb'ner Krieger sich, Der Helden Geister alle, die im Kampf geblieben Für König Friederich! rrS Mit ihnen auch die nicht den Schlachttod starben Im blutbesprizten Ktiegesfcld, Doch fürchterlich wie sie, ha! Seidliz, Krokoiv, Ziethen, *) Puttkammcr, Winterfell»! **) Golz, Schmettau, Krusemark und Keil, der Dritte Katt und der edle Greis Schwerin, ***) *) Friedrich Wilhelm- Freyherr von Seid- liz, Königl. Prcuß. General der Kavallerie, wurde von Freund und Feind geschazt und bedauert, als er im ,774 Jahr starb; Anton von Krokow, war Generallicntenänt der Reiterey und Inhaber eines Dragoner-Regiments Hans Joachim von Ziethen, General der Kavallerie, ist durch viele und große Thaten bekannt genug; er starb iM Jan. 1786. *') Georg Ludwig vonPuttkämnicr, Prellst- Generalmajor und Cbcf eines Regiments Husaren, blieb am raten Aug. 1759. im Treffen bey K u n- nersdörf; Hans Karl von Winterfell)/ Gcnttallicutenant der Infanterie, starb an seinen im Gefecht bey MoyS in der Lau s, z im Sept. 1757. empfangenen Wunden. *'') Karl Ehrist 0 ph von der Golz, Proust, All' eilen dem gekannten und beliebten Sch Metier, Entgegen, grüßen ihm i, Mein König folgte mir in dies Gefilde, " Zum Freund der bied're Ziethen sprach: Nun führt der Tod auch dich, Vertrauter des Monarchen! » Hieher uns beyden nach! " General-Lieutenant der Infanterie; Johann Ernst von Schmettau, und Hans Friedrich von Krnsemark, Generalmajore dc>! Reitcrey, starben in ihren besten Jahren an bösen Krankheiten; Feldmarschall Jakob Kcit hingegen blieb im Treffen bey Hochkirch am i4ten Okt. 1758. DcrGeneral-LicmcnantHans Friedrich von Kalt war, unmittelbar vor unserm Herrn von Lentulus, Chef des LcidküraKIcr- Regiments, starb aber erst einige Jahre nach sekkier Entlassung; und der Feldmarlchall Kurt (nach andern Karl) Christoph von Schwerin, welcher am 6 ten May 1757. bey Prag. rimkam, war, wie schon oben gemcldt, ein naher Derwairdten der Gemalin des Herrn General von Lentulns. Des Wiedersehns freu'n sich die Kriegsgefährten! Bald aber durch den Lorbeerhain In Kreis der tapfern Deutschen schwebten andre Schatten Elysiums herein. Die Dapfersten der Vorzeit — edle Streiter, Sie — jener Brennen-Führer werth! An Mut und schönen Thaten große Schweizer h e l d e n, Gefürchtet und geehrt. Eicg oder Tod! kein Feind sah diese weichen! Darum ihr hoher Name blüht; Zwchl Erlach , Hertcnstein, Hallweil, die Bubenberge, Der kühne Winkelricd! *) Wald- ') Ulrich von Lrlach, Ritter und Anführer der Bern er/ gewann im Jahr i-?8. die Schlacht am Donnerbühl/ unweit Dern, und schlug die weit stärker» Völker des Adels aus derWaa t, Liudolph von Erlach/ Ritter, besiegte in izz-, mit 5000. Mann von Bern und ihren LnndSgenossen von Uri, Schwer; und Unter») al den, das mehr als 20000. Mann starke Heer der Oeßreicher und des Adels, welches Laupen Waldmann, von Mnlern, Mooß, Wol- läb und Matter, Und du, gepricsncr Gundolding! * *) Hell strahlt des Kriegers Muth, der fest im Stahlgeprassel Den Tod entgegen gieng! Laupen belqqertc, mit großem Vcrlurst aus dem Feld; Kaspar von Hertcnstein von Lu- ;ern; HanS von Hallweil, Adrian und andere des Geschlechts von Bubeiiberg von Bern zeichneten sich bey der Schlacht und Belagerung Murtens nngcmcin aus; Arnold Struthan von Winkclricd von Unter- ivalden erwarb durch seinen freywilligen Heldentod in der Se m pa eher-Schlacht am -teil 2»l. iZ86. denen Schweizern einen blutigen Sieg, welcher dem Herzog Leopoldvon Oesterreich und seinem halben Heere das Leben kostete. *) Johannes Waldmann von Aurich, und Rudolf von Mulcrn von Bern,kbcyde Ritter, hielten sich bey Murten und Laupen vortreflich"; erstrer war in der Schlacht oberster Hauptmann des Eid- und Bundsgenoßi« sch e n Heers, und leztrer einer von den Befehlshabern der Besatzung in Laupen ; Heinrich von Moos und Petcrmann vSnGun- Bewundernd staunten erst die Schweizerhelden Den großen Enkel an, Bis gegen Lentulus der Feldherr Berns vor Laupen Allein- und so begann: „ Ost hörten wir von deinem Ruhm, „ Und freuten uns, o Syhn! „ Denn Ehre, Krieger! brachtest du „ Der ganzen Nazion l „ Und führtest, deinen Vätern gleich, „ Im Kampf das Heldenschwerd; » Von hundert neuern Kriegern sind „ Kaum sieben unsrer werth l dol dingen, beyde Ritter und Schultheißen zu Luzern, Anführer der Eidgenossen im Streit beySempach, erkauften den Sieg und die Freyheit mit ihrem Leben. Heinrich Matter von Der» führt? die Schweizer beySt. Jakob, wo sie dem Heer des Französ. Delphins An. 1444. den Sieg aufs theuerste verkauften. Heinrich Woll üb von Uri trug An. 1499. mit Aufopferung feines Lebens viel zum Sieg bey Fräste nz bey, wo die Schwaben mit gröstem Vcrlurst aus ihrer vorthcilhasten Stellung geschlagen wurden. tt Ihr Name bloß ist Schweizer lich, „ Nicht aber Herz und Sinn! n Entnervt durch Lüste waren sie/ ,, Und nur bey Weibern kühn! Erlöscht in unsern Enkeln schon „ Der alte Schweizer Mut, », So kämpften wir umsonst für fiel ,, So reut uns unser Blut! „ Einst bebten Könige vor uns! „ Und wir vor ihnen nie! >, Und unsre Söhne? — zittern nicht ,, Vor Fürstenkncchten sie? -- " In aller Namen sprach's der wak're Vertier,' Da Lentulus ihn unterbrach, — Und was der Heldensohn dem hohen Führer sagte, Das, Muse! sage nach! Theur, Väter! ist mir euer Lob, „ Und ehrenvoll genug! Daß ich zum Ruhm Helveziens . „ Vordem die Waffen trug! „ Für Preußens Königlichen Held „ Focht' ich als Held im Krieg, „ In mancher Schlacht schlug meine Faust „ Entscheidung — brach? ihm Sieg! „ Auch Feldherr war ich poch zulczt Der Berner Kriegesmacht,— „ Und ob sch gleich sie nie geführt „ Ins Feld der kühnen Schlacht, „ So regt in unsrer Nazion „ Sich dennoch Schweizermuth; „ In vieler Herzen wallet warm ,, Der Ahnen ächtes Blut! „ Noch sind die Schweizer ihrer werth, „ Und werdend immer seyn! „ Wenn sie nur Stolz und Weichlichkeit ,, Weit mehr als Feinde schcun. " Druckfehler. S. 5. Linie 18. lies Quartier, anstatt Quatier , — 21. — nach 17)7. istvcrgessenausge- brochncn Kriege. 2;. — i. — Kinder, anstatt Sohn. - — 2.-2. Söhne leben,anst. 2. leben, 42. — 2. —aufgesteklen,anst. aufgestickten, 48. — 20. — aller vier Kolonnen anst. aller Kolonnen. 76. — 4. — kam anstatt kamen, 79. — iz. — Zeülenberg, anst. Zeühlenberg, ... ... Fiügel-und anst. Flügel und- 29. — i. — 20000. anstatt 1900». 16. — 8. — nach Szcrdahely, 7. — daher solang, anst. daher bisso lang, 7. — s. jurükgetrieben,gnst. zurügektrie- ben.