Buch 
Johann Christoph Stockhausens Sammlung vermischter Briefe
Entstehung
Seite
232
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von euch Briefe zu empfangen, ohne ein Wun-der des Glücks abzuwarten. Dieses ist die ein-zige Freude, deren ich in eurer Abwesenheit fähigbin, dieses ist die Freude, die selbst den Se-neka rührte (den ihr mich lesen lasset), so eingroßer Weltweiser er auch war, wenn er vonseinem Lucil Briefe empfieng. In der Erwar-tung, daß ihr mir bald ein ähnliches Vergnügenmacht, beschäftige ich mich mit der Betrachtungeures Bildes; ich achte es nicht, wenn ich euchsehe, eure Abwesenheit aber macht es mir nurangenehmer. Allein, wenn ein blosses Gemähl-de so viel Vergnügen macht, was müssen dieBriefe nicht für Freude erwecken, sie, welchedas Feuer unserer Begierden erwecken und un-terhalten. Eine so unschuldige Belustigung istuns nicht untersagt: Last uns durch unsereSaumseligkeit nicht noch den einzigen Trost ver-lieren , der uns noch übrig geblieben ist. Ichwerde in euren Briefen lesen, daß ihr meinGemahl seyd, und in den meinigen werde ichmit euch als eure Frau reden; denn ohngeachteteures Unglücks werdet ihr mir dennoch allesseyn. Die Briefe sind bloß zum Trost derjenigenPersonen erfunden worden, die so eingeschlossen

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