^ 147
Die Schweizer.
XVIII. Jahrhundert, erste Hälfte.
Johann Jakob Bodmer (1698—1783), Johann Jakob Breitinger (1701—1776).
M L
EU
Johann Jakob Bodmer.
Bodmer im Greiseimlter, Kupferstich von I. F. Banse (1784) nach dem Gemälde vonAnton Grafs. Verkleinerter Ausschnitt.
Joh. Jacob Bodmers
Attische Abhandlung
vvn dem
«nhMreii
in der Poesie
und dessen Verbindung mit dem
chlschmilichm
In einer Vertheidigung des Gedichtes
Joh. Miltvns vvn dem verlohrnen Paradiese;Der beygefüget ist
Joseph Addisons
Abhandlung
von den Schönheiten in demselben
Gedichte.
Zürich , verlegts Conrad Orell und Comp.
1740.
Titel von Bodmers „Abhandlung von dem Wunderbaren in derPoesie" ( 1740 ).
Nach den: Exemplare der Münchener Bibliothek.
Johann Jakob Bod-mer, geb. 19. Juli 1698 zuGreifensee bei Zürich, wurdeauf dem Züricher Gymnasiumvorgebildet, studierte Theolo-gie, sollte sich nach Beendi-gung seiner Studien (1717) inBergamo dem Handelsstandcwidmen, kehrte aber 1719 nachseinem Heimatsorte zurück,studierte seit 1720 in Zürichnamentlich heimisches Rechtund Geschichte, wurde 1725Professor der helvetischen Ge-schichte und Politik in Zürich,1737 Mitglied des großenRathes, seit 1775 im Ruhe-stands, lebte dann meist aufseinem Gute bei Zürich, woer den 3. Januar 1783 starb.Er ist es, welcher, von Miltonausgehend, der neuen Dich-tung den Weg bahnte, indemer wieder wahrhaftes Empfin-den und Phantasie vom Dich-ter verlangte. Dies mußte ihnzum Kampfe gegen die fran-zösischen Vorbilder und gegenGottsched und seine Anhängerführen. Seine zahlreichen po-lemischen Schriften bewegtensich nicht immer in sachlichenSchranken. Seine Kritik wurdedurch die weitere Entwicklungunserer Litteratur überholtund seine Polemik gegen Les-sing konnte daher nur unglück-lich ausfallen. Sein FreundBreitinger war neben ihm derruhigere Vertreter ihrer ästhe-tisch - kritischen Grundsätze.Seine kritischen Hauptschristensind seine „Abhandlung vomWunderbaren in der Poesie"(1740) und die „KritischenBetrachtungen über die poe-tischen Gemälde des Dich-ters" (1741). Bahnbrechendfür seine Ideen war seineWochenschrift: „DieDiscourseder Mahlern" (1721—1723).Als litterar-historische Arbeitist bemerkenswerth sein Ge-dicht: „Charakter der deutschenGedichte" (1724). Wichtig sindseine Bemühungen um dieHerausgabe mittelalterlicherGedichte: „Proben der altenschwäbischen Poesie des XIII.Jahrhunderts", aus der Ma-nessischen Sammlung (1748),vermehrt als: „SammlungvonMinnesingern aus dem schwä-bischen Zeitpunkte" (1757bis 1759), „Fabeln aus denZeiten der Minnesänger"(1757), „Chriemhildens Racheund die Klage" (erste Aus-gabe einiger Gesänge der Ni-belungenlieder, 1757).
Johann Jakob Brei-tinger, geb. 17. März 1701zu Zürich, studierte Theologie,wurde 1731 Professor der he-bräischen Sprache am akade-mischen Gymnasium zu Zü-rich, 1745 Professor der grie-chischen Sprache daselbst undCanonicus am großen Mün-ster, starb in seiner Vaterstadtden 14. Dezember 1776. Er istder treue Bundesgenosse undMitkämpfer seines Lands-mannes Bodmer, hielt sichjedoch von dessen nicht immerlobenswerther Kampfweisefern; er nahm auch eifrigenAntheil an dessen altdeutschenArbeiten. Seine „KritischeDichtkunst" (1740) ist dasHauptwerk der von ihm undBodmer vertretenen Richtung;mit diesem zusammen hatte erschon 1727 herausgegebendie Abhandlung: „Vom Ein-fluß und Gebrauche der Ein-bildungskraft zur Ausbesse-rung des Geschmackes". —Außerdem verfaßte er noch:„Critische Abhandlung vonder Natur, den Absichten unddem Gebrauche der Gleichnisse"(1740), „Vertheidigung derschweizerischen Muse Dr. Al-brecht Hallers" (1744).
WMF
Johann Jakob Breitinger.
Schwarzknnstblatt von B. D. Preisten (1741) nach dem Gemälde von I. C. Fuesli.Verkleinert.
Johann Jacob BreitingerS
CRITISCHE
Wormnen die
in Absicht auf die Erfindung
Im Grunde untersuchet und mir Beyspielen aus
den berühmtesten Alten und Neuern erläutert wird.
Mit einer Vorrede eingeführet
von Johann Jacob Todeiner.
Zürich, bey Conrad Orell und Comp. 1740.
und Leipzig bey Joh. Fried. Gleditsch.
Titel von Breitingers „Critischer Dichtkunst" ( 1740 ).
Nach dem Exemplare der Münchener Bibliothek.
19 *