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XVIII.—XIX. Jahrhundert.
Johann Petcr Hcbcl (1760—1826); Roman: Jean Panl Friedrich Richter (1768—1825).
Johann Peter Hebel.
Gezeichnet und gestochen von Fr. Müller. Gering verkleinerter Ausschnitt.
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vean Paul Friedrich Richter.
Directe Wiedergabe der Kreidezeichnung seines Schwiegersohnes Ernst Förster in München.
Johann Peter Hebel, geb. 10., getauft 13. Mai 1760 zu Basel, alsseine in Hausen bei Schopfheim ansässigen Eltern sich dort des Sommerver-dienstes halber aufhielten. Zu Basel und Hausen wuchs der Knabe aus; in seinenalemannischen Gedichten klingen die Dialekte dieser seiner beiden Heimatsstättenwieder. 1774—1778 besuchte er das Gymnasium in Karlsruhe, 1778—1780studierte er in Erlangen Theologie. Bis 1783 war er Hauslehrer in Hertingen,bis 1791 Präceptorsvicar in Lörrach im Wiesenthale. 1791 nach Karlsruhe alsSubdiaconus der Hofkirche und Lehrer am Gymnasium versetzt, wurde er an dem-selben 1798 zum Professor und 1808 zu dessen Director ernannt, welche Stelle erbis 1814 innehatte. In diesem Jahre wurde er Mitglied des Oberkirchenrathes;1819 erhielt er die Würde eines Prälaten. Auf einer seiner Amtsreisen starb erzu Schwetzingen den 22. September 1826. Seine „Alemannischen Gedichte",von ihm selbst als „Kinder des Heimwehs" bezeichnet, erschienen zuerst 1803.Das „Schatzkästlein des rheinischen Hausfreundes" (1811) ist eine Zusammenstellungder in dem von Hebel 1808 bis 1811 herausgegebenen Kalender „Rheinlän-discher Hausfreund, oder Neuer Kalender mit litterarischen Nachrichten und lusti-gen Erzählungen" erschienenen Schwänke. Er gab noch die Jahrgänge 1814,1815, 1819 heraus („Rheinischer Hausfreund, oder allerlei Neues zu Spaß undErnst"); die Jahrgänge 1816, 1817, 1818 enthalten einzelne Beiträge von ihm.Die als Miterzähler häufig genannten Personen „der Adjunct" und die „Schwieger-mutter" sind der Württembergische Gesandtschaftssecretär Kölle und die Schau-spielerin Hendel-Schütz, der in seinen Schwänken oft genannte Ort Brassenheim istdas oben genannte Lörrach.
Johann Paulus Friedrich Richter, mit seinem Dichternamen JeanPaul, geb. 21. März 1763 zu Wunsiedel. 1781—1784 studierte er in Leipzig alsskull, kllecll., beschäftigte sich jedoch mehr mit schönen Wissenschaften und begann seinegroßen Excerptsammlungen und darauf gegründetes schriftstellerisches Schaffen.1787—1789 war er Hauslehrer, leitete 1790—1794 eine Elementarschule zuSchwarzenbach, die übrige Zeit seit seinen Leipziger Studienjahren verbrachte erbei seiner Mutter bis zu deren Tode (1797). 1797/98 hielt er sich wiederin Leipzig auf, gefesselt von einer seiner Verehrerinnen (Frau von Berlepsch).
1798 —1800 wählte er Weimar zum Wohnsitze; Goethe und Schiller behan-delten ihn zurückweisend, desto feuriger nahm ihn Charlotte von Kalb auf.
1799 hatte er von Sachsen-Meiningen den Titel Hofrath erhalten, 1800/1 lebteer in Berlin und verheiratete sich daselbst, 1801—1803 wohnte er in Meiningen,1803/4 in Koburg und dann bis zu seinem am 14. November 1825 erfolgten Todein Bayreuth. Heute verstehen wir die Vergötterung, welche Jean Paul nament-lich von den Frauen entgegengebracht wurde, nicht mehr. Hauptschriften: „Grön-ländische Processe" (1783, 1784); „Auswahl aus des Teufels Papieren" (1789);„Die unsichtbare Lage" (1793); „Hesperus" (1795); „Blumenfrucht und Dornen-stücke, oder Ehestand, Tod und Hochzeit des Armenadvocaten Siebenkäs im Reichs-marktflecken Kuhschnappel" (1796, 1797); „Leben des Quintus Fixlein aus fünf-zehn Zettelkasten gezogen" (1796); „Titan" (1800—1803); „Flegeljahre" (1804,1805); „Levana, oder Erziehungslehre" (1807); Dr. Katzenbergers Badereise"(1809); „Der Komet, oder Nikolaus Marggraf" (1820—1822).
Anfang von Hebels alemannischem Gedichte „Der Nachtwächter".
Nach der Originalniederschrift aus einem Briefe vom 2. Februar 1808. Original im Besitze der Verlagshandluug