Buch 
Sammlung von Johann Christian Günthers, aus Schlesien, bis anhero herausgegebenen Gedichten / Auf das neue übersehen, und in einer bessern Wahl und Ordnung an das Licht gestellet. Mit einem Anhang und Register, Nebst einer Vorrede von den so nöthigen als nützlichen Eigenschafften der Poesie, wie auch bey dieser Dritten Auflage mit des Autoris Leben vermehrt
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Madrigale.

LXIV.

Als er von seinem Neben-Buhler

abgestochen zu werden besorgte.

siebtes Kind! der schön ' Täuber,

Der nun mein Neben-Buhler ist,

Macht, daß der Argwohn mir so Marck alsHerhe frißt ZDarum, ich kenne schon den Unbestandder Weiber,

Die nicht so wohl den Mensch als nur das W -ms beschaun,Und ihres Glückes Grund auf Gold und Silber baun.

Ihr leichter Sinn verschmäht die guten Künste,

Und stellt die Klugheit und VerstandDem Reichthum an die lincke Hand,

Gläntzt nur die Brust von einem Wurm-Gefpinste,

Das Färb und Arbeit theuer mc chc,

So wird das Hertze nicht bedacht,

Das unter Seid' uns Sammt offt einen Schalckverheelet;Ja wiegt der Bemel nur fein schwer,

So wird der Bram'gam flugs erwehtek.

Undwenn er auch ein Jude wär'.

Ach! Olorine! tröste mich.

Du stehst die Furcht, so mich betrübet;

Ich sichre dich, ,

Daß meine Freundlichkeit dir einen MahbSchatz giebek,Den dieser nie bezahlen kan,

Der deinen Vater jetzt um deine Gunst gesprochen.Bedencke stets den Eyv, den mir dein Mund gethan!

Der Liebe falscher Schwur wird warlich auch gerochen«Blüht mir das Glücke nicht,

Bin ich gedrückt uns arm und überag verlassen,

Sind jetzt der Feinde viel, die meine Wahrheit hassen ZSo glaube doch,

Der Himmel kan das JochDereinst von meinem Halse nchmsn,

Und meine Wissenschafft noch aus dem Staube stehn«