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Wcsi>östlicher Twain
Tefkir Nameh.
Buch der Betrachtungen.
Höre den Rath, den die Leier tönt;
Doch er nutzet nur, wenn du fähig bist.
Das glücklichste Wort, es wird verhöhnt,Wenn der Hörer ein Schiefohr ist.
„Was tönt denn die Leier?" sie tönet laut:Die Schönste, das ist nicht die beste Braut;Doch wenn wir dich unter uns zählen sollen,So mußt du das Schönste, das Beste wollen.
Fünf Dinge.
Fünf Dinge bringen fiinfe nicht hervor;
Du, dieser Lehre öffne du dein Ohr.
Der stolzen Brust wird Freundschaft nicht entsprossen;Unhöflich sind der Niedrigkeit Genossen;
Ein Bösewicht gelangt zu keiner Größe;
Der Neidische erbarmt sich nicht der Blöße;
Der Lügner hofft vergeblich Treu' und Glauben:
Das halte fest und niemand laß dir's rauben.
Fünf andere.
Was verkürzt mir die Zeit?Thätigkeit!
Was macht sie unerträglich lang?Müßiggang!
Was bringt in Schulden?
Harren und Dulden!
Was macht gewinnen?
Nicht lange besinnen!
Was bringt zu Ehren?
Sich wehren!
Lieblich ist des Mädchens Blicks der winket,Trinkers Blick ist lieblich, eh' er trinket,
Gruß des Herren, der befehlen konnte,Sonnenschein im Herbst, der dich besonnte.Lieblicher als alles dieses habeStets vor Augen, wie sich kleiner GabeDUrft'ge Hand so hübsch entgegen dränget,
Zierlich dankbar, was du reichst, empfänget.
Welch ein Blick! ein Gruß! ein sprechend Streben!Schau' es recht, und du wirst immer geben.
Und was im Pend-Nameh steht,Ist dir aus der Brust geschrieben:Jede», dem du selber giebst,
Wirst du wie dich selber lieben.
Reiche froh den Pfennig hin,
Häufe nicht ein Goldvermächtniß,Eile freudig vorzuziehnGegenwart vor dem Gedächtniß.
Reitest du bei einem Schmied vorbei,
Weißt nicht, wann er dein Pferd Leschlägt;Siehst du eine Hütte im Felde frei,
Weißt nicht, ob sie dir ein Liebchen hegt;Einem Jüngling begegnest du schön und kühn,Er überwindet dich künftig oder du ihn.
Am sichersten kannst du vom Rebstock sagen,Er werde für dich was Gutes tragen.
So bist du denn der Welt empfohlen,
Das Uebrige will ich nicht wiederholen.
Den Gruß des Unbekannten ehre ja!
Er sey dir werth als alten Freundes Gruß.
Nach wenig Worten sagt ihr Lebewohl!
Zum Osten du, er westwärts, Pfad an Pfad.Kreuzt euer Weg nach vielen Jahren draufSich unerwartet, ruft ihr freudig aus:
Er ist es! ja, da war's! als hätte nichtSo manche Tagefahrt zu Land und See,
So manche Sonnenkehr sich drein gelegt.
Run tauschet Waar' um Waare, theilt Gewinn!Ein alt Vertrauen wirke neuen Bund!
Der erste Gruß ist viele tausend werth;
Drum grüße freundlich jeden, der begrüßt.
Haben sie von deinen FehlenImmer viel erzählt,
Und für wahr sie zu erzählenVielfach sich gequält.
Hätten sie von deinem GutenFreundlich dir erzählt,
Mit verständig treuen WinkenWie man Beßres wählt;
O gewiß! das AllerbesteBlieb' mir nicht verhehlt,