West-östlicher DIvan.
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Das fürwahr nur wenig GästeIn der Clause zählt.
Nun als Schüler mich, zu kommen,Endlich auserwählt,
Und mich lehrt der Buße Frommen,Wenn der Mensch gefehlt.
Woher ich kam? Es ist noch eine Frage:
Mein Weg hierher, der ist mir kaum bewußt;Heut nun und hier am himmelfrohen TageBegegnen sich, wie Freunde, Schmerz und Lust.O süßes Glück, wenn beide sich vereinen!Einsam, wer möchte lachen, möchte weinen?-
Märkte reizen dich zum Kauf;
Doch das Wissen blähet auf.
Wer im Stillen um sich schaut,Lernet, wie die Lieb' erbaut.
Bist du Tag und Nacht beflissen,Viel zu hören, viel zu wissen;Horch' an einer andern Thüre,
Wie zu wissen sich gebühre.
Soll das Rechte zu dir ein,
Fühl' in Gott was Rechts zu seyn:Wer von reiner Lieb' entbrannt,Wird vom lieben Gott erkannt.
Wie ich so ehrlich war,
Hab' ich gefehlt,
Und habe Jahre langMich durchgequält;
Ich galt und galt auch nicht;Was sollt' es heißen?
Nun wollt' ich Schelm seyn,Thät mich befleißen;
Das wollt' mir gar nicht ein,Mußt' mich zerreißen.
Da dacht' ich: Ehrlich seynIst doch das Beste;
War es nur kümmerlich,
So steht es feste.
Es geht eins nach dem andern hin,
Und auch wohl vor dem andern;
Drum laßt uns rasch und brav und kühnDie Lebenswege wandern.
Es hält dich auf, mit Seitenblick,
Der Blumen viel zu lesen;
Doch hält Nichts grimmiger zurück,
Als wenn du falsch gewesen.
Behandelt die Frauen mit Nachsicht!
Aus krummer Rippe ward sie erschaffen,
Gott konnte sie nicht ganz grade machen.Willst du sie biegen, sie bricht;
Läßt du sie ruhig, sie wird noch krümmer;
Du guter Adam, was ist denn schlimmer? —Behandelt die Frauen mit Nachsicht!
Es ist nicht gut, daß euch eine Rippe bricht.
Das Leben ist ein schlechter Spaß,
Dem fehlt's an Dieß, dem fehlt's an Das,Der will nicht wenig, der zu viel,
Und Kann und Glück kommt auch in's Spiel.Und hat sich's Unglück drein gelegt,
Jeder, wie er nicht wollte, trägt.
Bis endlich Erben mit BehagenHerrn Kannnicht-Willnicht weiter tragen.
Frage nicht, durch welche PforteDu in Gottes Stadt gekommen,Sondern bleib' am stillen Orte,Wo du einmal Platz genommen.
Schaue dann umher nach Weisen,Und nach Mächtigen, die befehlen;Jene werden unterweisen,
Diese That und Kräfte stählen.
Wenn du nützlich und gelassenSo dem Staate treu geblieben,Wisse! Niemand wird dich hassenUnd dich werden Viele lieben.
Und der Fürst erkennt die Treue,Sie erhält die That lebendig;Dann bewährt sich auch das NeueNächst dem Alten erst beständig.
Das Leben ist ein Gänsespiel:
Je mehr man vorwärts gehet,
Je früher kommt man an das Ziel,Wo niemand gerne stehet.
Man sagt, die Gänse wären dumm;O glaubt mir nicht den Leuten:Denn eine sieht einmal sich 'rum,Mich rückwärts zu bedeuten.
Ganz anders ist's in dieser Welt,Wo alles vorwärts drücket,
Wenn einer stolpert oder fällt.
Keine Seele rückwärts blicket.
„Die Jahre nahmen dir, du sagst, so vieles:Die eigentliche Lust des Sinnespieles,