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West-östlicher Divair
Erinnerung des allerliebsten TandesVon gestern, weit - und breiten LandesDurchschweifen frommt nicht mehr; selbst nicht von obenDer Ehren anerkannte Zier, das LobenErfreulich sonst. Aus eignem Thun BehagenQuillt nicht mehr auf, dir fehlt ein dreistes Wagen!Nun wußt' ich nicht, was dir Besondres bliebe?"
Mir bleibt genug! Es bleibt Idee und Liebe!
Vor den Wissenden sich stellen,Sicher ist's in allen Fällen!
Wenn du lange dich geqnälet,Weiß er gleich, wo dir es fehlet;Auch auf Beifall darfst du hoffen;Denn er weiß, wo du's getroffen.
Freigebiger wird betrogen,Geizhafter ausgesogen,Verständiger irregeleitet,Vernünftiger leer geweitet,Der Harte wird umgangen,Der Gimpel wird gefangen.Beherrsche diese Lüge,Betrogener, betrüge!
Wer befehlen kann, wird loben,Und er wird auch wieder schelten,Und das muß dir, treuer Diener,Eines wie das Andre gelten.
Denn er lobt wohl das Geringe,Schilt auch, wo er sollte loben;Aber bleibst du guter Dinge,Wird er dich zuletzt erproben.
Und so haltet's auch, ihr Hohen,Gegen Gott wie der Geringe,Thut und leidet, wie sich's findet,Bleibt nur immer guter Dinge.
All Schah Sedschan und seines Gleichen.
Durch allen Schall und KlangDer TransoxanenErkühnt sich unser SangAuf deine Bahnen!
Uns ist für gar nichts bang,
In dir lebendig;
Dein Leben daure lang,
Dein Reich beständig!
Höchste Gunst.
Ungezähmt, so wie ich war,
Hab' ich einen Herrn gefunden,
Und gezähmt nach manchem JahrEine Herrin auch gefunden.
Da sie Prüfung nicht gespart,Haben sie mich treu gefunden,
Und mit Sorgfalt mich bewahrtAls den Schatz, den sie gefunden.Niemand diente zweien Herrn,
Der dabei sein Glück gefunden;Herr und Herrin sehn es gern,
Daß sie beide mich gefunden,
Und mir leuchtet Glück und Stern,Da ich beide sie gefunden.
Firdufi
spricht.
O Welt! wie schamlos und boshaft bist du!Du nährst und erziehest und tödtest zugleich.
Nur wer von Allah begünstiget ist,
Der nährt sich, erzieht sich, lebendig und reich.
Was heißt denn Reichthum? Eine wärmende Sonne,Genießt sie der Bettler, wie wir sie genießen!
Es möge doch keinen der Reichen verdrießenDes Bettlers im Eigensinn selige Wonne.
DslhM-ed-din Kumi
spricht.
Verweilst du in der Welt, sie flieht als Traum,Du reisest, ein Geschick bestimmt den Raum;
Nicht Hitze, Kälte nicht vermagst du fest zu halten,Und was dir blüht, sogleich wird es veralten.
Snleika
spricht.
Der Spiegel sagt mir: ich bin schön!
Ihr sagt: zu altern sey auch mein Geschick.Vor Gott muß alles ewig stehn,
In mir liebt Ihn, für diesen Augenblick.