Mehrbändiges Buch 
Goethe's sämmtliche Werke : Vollständige Ausgabe in sechs Bänden
Entstehung
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West-östlicher Dlvan.

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Mathal Nameh.

Buch der Parabeln.

Vom Himmel sank in wilder Meere SchauerEin Tropfe bangend,, gräßlich schlug die Fluth,Doch lohnte Gott bescheidnen GlaubensmuthUnd gab dem Tropfen Kraft und Dauer.

Ihn schloß die stille Muschel ein.

Und nun, zu ew'gem Ruhm und Lohne,

Die Perle glänzt an unsres Kaisers KroneMit holdem Blick und mildem Schein.

Bulbul's Nachtlied durch die SchauerDrang zu Allah's lichtem Throne,Und dem Wohlgesang zu LohneSperrt' er sie in goldnen Bauer.Dieser sind des Menschen Glieder.Zwar sie fühlet sich beschränket;

Doch wenn sie es recht bedenket,Singt das Seelchen immer wieder.

Wunderglaube.

Zerbrach einmal eine schöne Schal'

Und wollte schier verzweifeln;

Unart und Uebereil zumalWünscht' ich zu allen Teufeln.

Erst rast' ich aus, dann weint' ich weichBeim traurigen Scherbelesen;

Das jammerte Gott, er schuf es gleichSo ganz, als wie es gewesen.

Die Perle, die der Muschel entrann,

Die schönste, hochgeboren,

Zum Juwelier, dem guten Mann,Sprach sie: Ich bin verloren!Durchbohrst du mich, mein schönes All,Es ist sogleich zerrüttet,

Mit Schwestern muß ich, Fall für Fall,Zu schlechten seyn geküttet.

Ich denke jetzt nur an Gewinn,

Du mußt es mir verzeihen:

Denn wenn ich hier nicht grausam bin,Wie soll die Schnur sich reihen?"

Ich sah mit Staunen und VergnügenEine Pfauenfeder im Koran liegen :Willkommen an dem heil'gen Platz,Der Erdgebilde höchster Schatz!Goethe, Werke. I.

An dir, wie an des Himmels Sternen,Ist Gottes Größe im Kleinen zu lernen,Daß er, der Welten überblickt,

Sein Auge hier hat aufgedrückt,

Und so den leichten Flaum geschmückt,Daß Könige kaum unternahmen,

Die Pracht des Vogels nachzuahmen.Bescheiden freue dich des Ruhms,

So bist du werth des Heiligthums.

Ein Kaiser hatte zwei Cassiere,

Einen zum Nehmen, einen zum Spenden;

Diesem fiel's nur so aus den Händen;

Jener wußte nicht woher zu nehmen.

Der Spendende starb; der Herrscher wußte nicht gleich,Wem das Geberamt sey anzuvertrauen,

Und wie man kaum thät um sich schauen,

So war der Nehmer unendlich reich;

Man wußte kaum vor Gold zu leben,

Weil man einen Tag nichts ausgegeben.

Da ward nun erst dem Kaiser klar,

Was Schuld an allem Unheil war.

Den Zufall wußt' er wohl zu schätzen,

Nie wieder die Stelle zu besetzen.

Zum Kessel sprach der neue Topf:

Was hast du einen schwarzen Bauch!Das ist bei uns nun Kllchgebrauch;Herbei, herbei, du glatter Tropf,

Bald wird dein Stolz sich mindern.Behält der Henkel ein klar Gesicht,Darob erhebe du dich nicht,

Besieh' nur deinen Hintern.

Alle Menschen, groß und klein,Spinnen sich ein Gewebe fein,

Wo sie mit ihrer Scheren SpitzenGar zierlich in der Mitte sitzen.

Wenn nun darein ein Besen fährt,Sagen sie, es sey unerhört,

Man habe den größten Pallast zerstört.

Vom Himmel steigend Jesus bracht'

Des Evangeliums ewige Schrift,

Den Jüngern las er sie Tag und Nacht;Ein göttlich Wort, es wirkt und trifft.

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