Mehrbändiges Buch 
Goethe's sämmtliche Werke : Vollständige Ausgabe in sechs Bänden
Entstehung
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West-östlicher Diva».

Führen zu Kiosken dich und Lauben,Säulenreich von buntem Lichtgestein,

Und zum edlen Saft verklärter TraubenLaden sie niit Nippen freundlich ein.

Jüngling! mehr als Jüngling bist willkommen!Alle sind wie alle, licht und klar;

Hast du Eine dir an's Herz genommen,

Herrin, Freundin ist sie deiner Schaar.

Doch die Allertrefflichste gefällt sichKeineswegs in solchen Herrlichkeiten,

Heiter, neidlos, redlich unterhält dich

Von den mannichfalt'gen andrer Trefflichkeiten.

Eine führt dich zu der andern Schmause,

Den sich jede äußerst ausersinnt;

Viele Frauen hast und Ruh im Hause,

Werth daß man darob das Paradies gewinnt.

Und so schicke dich in diesen Frieden:

Denn du kannst ihn weiter nicht vertauschen;Solche Mädchen werden nicht ermüden,

Solche Weine werden nicht berauschen.

Und so war das Wenige zu melden,Wie der sel'ge Muselmann sich brüstet:Paradies der Männer GlaubensheldcnIst hiemit vollkommen ausgerüstet.

Ausrrwählte Frauen.

Frauen sollen nichts verlieren,Reiner Treue ziemt zu hoffen;

Doch wir wissen nur von vieren,Die alldort schon eingetroffen.

Erst Suleika, Erdensonne,

Gegen Jnssuf ganz Begierde,

Sinn, des Paradieses Wonne,Glänzt sie der Entsagung Zierde.

Dann die Allgebenedeite,

Die den Heiden Heil geboren,

Und getäuscht, in bitterm Leide,Sah den Sohn am Kreuz verloren.

Mahom's Gattin auch, sie bauteWohlfahrt ihm und Herrlichkeiten,Und empfahl bei LebenszeitenEinen Gott und eine Traute.

Kommt Fatima dann, die Holde,Tochter, Gattin sonder Fehle,Englisch allerreinste SeeleIn dem Leib von Honiggolde.

Diese finden wir alldorten;

Und wer Frauenlob gepriesen,Der verdient an ewigen OrtenLustznwandeln wohl mit diesen.

Einlaß.

Huri.

Heute steh' ich meine WacheVor des Paradieses Thor,

Weiß nicht grade, wie ich's mache,Kommst mir so verdächtig vor!

Ob du unsern MosleminenAuch recht eigentlich verwandt?

Ob dein Kämpfen, dein VerdienenDich an's Paradies gesandt?

Zählst du dich zu jenen Helden?

Zeige deine Wunden an,

Die mir Rühmliches vermelden,

Und ich führe dich heran.

Dichter.

Nicht so vieles Federlesen!

Laß mich immer nur herein:

Denn ich bin ein Mensch gewesen,Und das heißt ein Kämpfer seyn.

Schärfe deine kräft'gen Blicke!

Hier durchschaue diese Brust,

Sieh der Lebenswnnden Tücke,

Sieh der Liebeswunden Lust!

Und doch sang ich gläubigerweise:

Daß mir die Geliebte treu,

Daß die Welt, wie sie auch kreise,Liebevoll und dankbar sey.

Mit den Trefflichsten zusammenWirkt' ich, bis ich mir erlangt,

Daß mein Nam' in LiebesflammenVon den schönsten Herzen Prangt.

Nein! du wählst nicht den Geringern;Gieb die Hand, daß Tag für TagIch an deinen zarten FingernEwigkeiten zählen mag.

Anklang.

Huri.

Draußen am Orte,

Wo ich dich zuerst sprach,Wacht' ich oft an der Pforte,Dem Gebote nach.