Mehrbändiges Buch 
Patriotische Phantasien / von Justus Mösre ; Herausgegeben von seiner Tochter J. W. J. v. Voigt, geb. Möser
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142 Was muß die erste Sorge

schon einen einzigen Morgen Landes jährlich auf 6000 Li-mes nutzen; und daß in Pohlen, wo der Ackerbau ohneHandel getrieben wird, sechstausend Morgen nicht soviel reinen Gewinnst bringen.

Indessen ist freylich nicht zu längnen, daß auf einemsrmen Boden Handlung und Gewerbe zur Verbesserungdes Ackerbaues nöthiger seyn als auf einem ergiebigen.Der Anbgner des letztem macht sich immer selbst fertig,und lebt gut/ wenn die Eartnerey auf einem unfruchtba-re» Sande nur da gelingt, wo ihr eine mächtige Haupt-stadt zu statten kömmt; und -so wäre freylich ein gütli-cher Vergleich nicht zu verwerfen. Der sicherste Wegbey dem allen aber ist, beydes, Ackerbau und Handel zu-gleich zn befördern, und einem durch den andern zu hel-fen. Der Handel kann zur Noth ohne Ackerbau bestehe»,aber dieser nicht leicht ohne jenen. Ein hoher Preis derersten Bedürfnisse, und selbst die Auflagen anf das Brod,die in Holland den ganzen Werth desselben übersteigen,schaden den dortigen Fabriken so sonderlich nicht; aberdie Wohlfeikheit .dieser Bedürfnisse, welche ohne Hand-lung leicht.entsteht , drückt den AckersmanN zu Boden.

Doch ... Gewerbe und Handlung sind flüchtige Gü-ter, die von einer Nation zur andern ziehen. Wie sehrist die Größe der Holländer nicht gesunken? Ihre Flüssesind untief geworden; ihren Herings - Cabillau - undWallfischfang haben sie mit andern Nationen theilen müs-sen. Ihr Gewürzhandel ist in gleicher Gefahr; ihreJuckersiedereyen sind van' den Hamburgern, Bremernund andern gestürzt, und nicht ein Viertheil von demvorigen mehr; ihre Verschiffung, womit sie vorhin derganzen Welt dieneren, ist nur noch ein Schatten, da alleVölker ihre Waaren selbst holen ; ihre schwerem Fabrikensind durch die Franzosen, Schweizer, Preußön und Sach-sen unnütz gemacht worden;' und so werden sie bald,wenn einmal die Abnahme zu einem gewissen Grade geht,

durch