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iit dessen Sinn, ließ auch den Bischöfen mehr geistliche Macht,daß zwar hier die lutherische Kirche bald in der Lehre abschloß,doch sich lebendig in guten Früchten zeigte. In Polen ver-breitete sich die Reformation erst nach der Halste des 16. Jahr-hunderts.
Drittes Kapitel.
Die Welt mit ihrem Bekenntnisse, dem wahrenBekenntnisse zum Herrn gegenüber.
Die Zeit vom augsburgischen Religionsfrieden bis 1580,wo das lutherische Bekenntniß zu der Concordicnformel fort-schritt, liegt im Sonnenschein für das Lutherthum, in dessenMittelpunkte, in Deutschland. Bon hier aus gingen fort und fortdie belebenden Strahlen in andere lutherische Länder. Zunächstwar die Herrschaft des Kaisers Ferdinand I. von 1558 bis 1564eine friedliche und der lutherischen Kirche nicht ungünstige, dieseines Sohnes Maximilian II. bis 1576 sogar eine günstige.Das Concil zu Trident hatte wohl beide wenig befriedigt, undso hinderten sie in ihren Landen die lutherische Kirche wenig,die ,sich dort fast überwiegend ausbreitete.
Seit Luthers mächtige Persönlichkeit fehlte, die in Glaubenund Demuth treu an dem heiligen Worte festhielt, und dadurchalle bewältigte, kehrte Fie Menschenweisheit zu ihrem altenHochmuth imnrer mehr zurück. Sie konnte es nicht vergessen,wie ihre Spitzfindigkeit in der Scholastik geglänzt hatte, unddie römische Kirche wählte von Neuem darin ihre Waffen. Lu-thers Weise, die Bibel zu gebrauchen, wo Oratio, Gebet, Medi-tatio, Betrachtung, imb Tentatio, Selbstprüfung, nach dem 119.Psalm alles galt, war zu anspruchlos, daß schon Melanchthoneine menschlich wissenschaftliche Methode ausbrachte. Bei derVerstandeskrast, worin Calvin strahlte, gelangte das, was dieWelt Wissenschaft nennt, zu neuem hohem Ansehen. Je ge-lehrter die Leute, fast desto gefährlicher war die Verlockung.Man meinte, zu begreifen, wo nur allein geglaubt werden konnte;man spielte fast mit der Sprache nach allen Seiten hin, esrecht zu nrachen; die kindliche Einfalt, womit Luther seine Treuebewahrt, entschlüpfte unmerklich. So erging es dem milden,versöhnenden, gelehrten Melanchthon, zumal die Kraft Luthers