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fortwährend und glücklich verstärkt; Weiskern, Kurz und Kurzin,Mayberg und Huber hatten das Contingent vermehrt, und esist nicht zu verkennen, daß sie alle sehr begabte Leute waren fürfröhliche, possenhafte Komödie. Sie schufen sich immer neueNarrencharaktere und waren darin geradezu schöpferisch: Kurzerweiterte die stehenden Masken mit einem ungezogenen, lüder-lichen Buben, welcher Bernardon genannt wurde, Weiskern warOdoardo, Schröter Bramarbas, Huber Leander. Letzterer erwiessich sogar von bedeutungsvoller Originalität, er schuf eineheimathliche stehende Figur: den Leopoldl, welchem später der„Salzburger Bauer" zur Seite trat. Es entwickelte sich ausden italienischen Masken allmälig eine wirklich lebendige Local-posse, welche nie und nirgend ihre Anziehungskraft versagt, unddie Unmittelbarkeit voraus hat vor dem gebildeten Schauspiele.Der spätere Staberl und der neueste Nestroy sind Enkel undUrenkel dieser Richtung. Wenn die eigene Erfindung nicht zu-reichte, so nahm man spanische, wälsche und französische Stückevor, um einen neuen Leitfaden für den Stoff zu haben. Ausder Handlung dieser fremden Stücke verfertigte man ein Scenarium,und füllte dies aus mit extemporsten Späßen. „Diese Leute"— sagt ein alter Bericht — „hatten es so weit gebracht, daßihnen im Extemporiren keine Truppe gleichkam; man beobachtetekeine langweilige Scene, selbst die ohne den Narren wurdenlebhaft."
Ein Schauspieler Namens Weidner brachte ^noo 1747 eineUnterbrechung in dies talentvolle, aber wüste Theatertreiben. Ersetzte es durch, daß ein regelmäßiges Stück „von draußen"gegeben wurde. Es war ein Trauerspiel in Versen „DieAllemannischen Brüder" von Krüger aus Danzig. Der Contrastwar grell, aber er machte Glück. Das Stück gefiel und konnteoft wiederholt werden. Man fragte nun nach den Theater-zuständen „draußen", und als es allgemeiner bekannt wurde,daß die Neuber'sche und Schönemann'sche Gesellschaft schon seitJahren regelmäßige Stücke aufführten, da verlangte man nunauch nach solchen Stücken. Obiger Herr Sellier nahm sichder Sache an und verschrieb von der Neuber'schen Gesell-schaft mehrere Mitglieder: Koch und Köchin, Heydrich und Made-moiselle Lorenzin mit der ausdrücklichen Klausel: zu studirtenStücken.