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Das Burgtheater : ein Beitrag zur deutschen Theater-Geschichte / von Heinrich Laube
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so gegen sie verhalten.Zärtliche Mütter und diejenigenCharaktere, wozu kein starkes, heftiges Spiel gehört," schreibter ihr zu, und man sehe sie auch nurin ältlichen Rollen, dieihrer Figur anpassend sind und die sie auch sein herausbringt".Meyer stellt sie höher und sagt von ihr:Was Wien an MadameNouseul besaß, hat die Menge nie völlig erkannt. Geist undGefühl vereinigten sich mit ihrer junonischen Gestalt, um sie imTrauerspiel der Siddons gleichzusetzen, deren Unarten sie sichnicht erlaubte, im Lustspiel über sie zu heben. Es bleibt einunersetzlicher Verlust für die Kunst, daß sie Berlin verlassen,dessen gerechte Bewunderung sie, die von keiner tragischenMutter Deutschlands übertroffen worden, hingerissen habenwürde, sich selbst zu übertreffen. Theilnahme und Entzückungkönnen das Talent nicht erschaffen, sind ihm aber unentbehrlich,wenn es jede Kraft in sich entwickeln und ungeahnte Höhen er-reichen soll."

Madame Nouseul scheint eben dem norddeutschen Geschmackemehr entsprochen zu haben als dem süddeutschen.

Endlich hatte das Theater in Madame Stierle eine vor-treffliche Zofe, in Madame Stephanie der jüngeren und MadameGünther stattliche Vertreterinnen zweiter Fächer, und ein jungesnachwachsendes Geschlecht für kleinere Rollen. Nennen wir nocham Schlüsse Schröder's Gattin, eine junge, liebliche Frau vonAnmuth, Feinheit und charakteristischer Zeichnung in den Lieb-haberinnen, welche sie spielte, und nennen wir noch Schröderselbst, dessen Talent eine ganze Reihe von Fächern in sich ver-einigte, so haben wir uns das reiche Personal des damaligenHof- und Nationaltheaters vergegenwärtigt. Es war ein Reich-thum, an welchen kein anderes Theater auch nur von fernheranreichte, ein Reichthum, welchen das Burgtheater noch inspäterer Zeit kaum je wieder eingeholt bat.

Das höhere Lustspiel konnte für sehr gut, das niedere undörtliche für vollkommen gelten. Daher erklärt sich, warum inWien Manches gefallen und sich erhalten, was dem auswärtigenLeser werthlos erscheint. Im Trauerspiel und rührenden Schauspielgelangen einzelne Rollen häufiger als das Ganze. Etwas Gedehntheitließ sich auch den besten Vorstellungen nachreden. Aber an das rascheSpiel der Schröder'schen Bühne gewöhnt"schließt Meyer -warich freilich empfindlicher dagegen als Zuschauer anderer Stimmung."