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Glück gemacht. Dieser günstige Eindruck blieb den folgenden,an Zahl geringen Productionen Müllner's am Burgtheater treu.1816 wurde sein „König Angurd" gegeben — Frau SchröderBrunhilde, Herr Heurteur Dngurd — und in dieser günstigenStrömung eine Zeitlang aufgenommen und getragen, als ob esein dauerndes Repertoirestück wäre. Diese Gunst kam 1820selbst der „Albaneserin" zu statten, welche die Manierirtheit undinnere Hohlheit der Müllner'schen Muse schon damals einemTheile des Publikums sichtbar machte. Solch ein Wasserfall,der eine Zeitlang bewundert und plötzlich dünn wird, ja sogargänzlich aufhört, erscheint eben in der Literargeschichte von Zeitzu Zeit. Er ist durch Pumpwerk entstanden und hat keinennatürlichen Zufluß. Besonders beim Tbeater ist die Mode einrecht augenscheinlicher Factor, und ich finde kein Zeichen, daßSchrepvogel durch Diode-Erfolge berauscht oder getäuscht wordenwäre, wenn er auch Werth legte auf ein überraschendes Original-werk, wie „Die Schuld" immerhin war.
In demselben Jahre 1816 setzte er Goethe's „Tasso"zum ersten Mate in Scene — Korn Tasso, Roose Antonio,Adamberger Prinzessin; Julie Löwe, eine neue Größe, San-vitale.
Dasselbe Fräulein Julie Löwe war ihm einen Monat späterhülfreich für das glänzende Gelingen seiner eigenen Arbeit, der„Donna Diana", welche am 18. November 1816 zum erstenMale aufgeführt wurde. Diana — Löwe, Don Cesar — Korn,Perin — Roose. Diese Bearbeitung des Moreto'schen Stückes,in welcher ihm Mokiere und Gozzi vorausgegangen waren, hatSchreyvogel's literarischen Namen „Carl August West" dauerndeingeführt in unsere dramatische Literatur. „Ich habe bei dervorliegenden Bearbeitung" — sagt er in der Vorrede zur erstengedruckten Ausgabe der „Donna Diana" — „Gozzi's Ver-änderungen benutzt, aber mich im Ganzen so nahe an dasspanische Original gehalten, als die Verschiedenheit des National-geschmacks nur irgend zu erlauben schien. Insbesondere habeich geglaubt, dem Charakter der Prinzessin seinen ursprünglichenAdel wiedergeben zu müssen, den er in der sich zum Burleskenneigenden Manier des Gozzi zum Theil verloren hatte. Dagegenverdankt Perin (bei Gozzi „Gianetto", im spanischen Original„Polilla") der Hand des Letzteren mehrere glückliche Züge, die