VIII.
Schauspielerische Talente gediehen wirklich zu Schreyvogel'sZeit in erstaunlicher Fülle. Als ob die von den Franzosenkriegenerschöpfte deutsche Welt all' ihre Fähigkeiten mit Bewußtseinder darstellenden Kunst anheimgegeben hätte.
Wirklich ist auch der Friede nöthig für den Schauspielberuf.Sammlung, strenge Uebung, Aufmunterung durch ein unzerstreutesPublikum sind dem Schauspieler unerläßlich. Eine bewegtepolitische Welt ist dem Gedeihen der Schauspielkunst niemalsgünstig. Das gespielte Leben verliert seine Hauptreize, wenndas wirkliche Leben in hohen Wogen geht.
Schrepvogel fand eine gute Liebhaberin für das Lustspiel inJulie Löwe, und er fand eine außerordentliche tragische Lieb-haberin — doch nein, das war sie nie, — er fand eine außer-ordentliche Heroine in Frau Sophie Schröder; er fand endlichin seinen letzten Directionsjahren auch die ersehnte tragischeLiebhaberin in Sophie Müller.
Er fand einen geschmackvollen Liebhaber in Korn, einenfeurigen in Löwe, einen liebenswürdigen in Fichtner.
Er fand für das ältere Fach einen Heldenvater in Anschütz, einenCharakterkomiker in Costenoble, einen heiteren Vater in Wilhelmi.
Dazu die guten Reste früherer Zeit Koch, Krüger, Roose —Herz eines Directors, was willst du mehr?!
Die wichtigste Schauspielerin unter diesen Talenten war FrauSophie Schröder. Sie konnte nicht wie Cäsar von sich sagen:ich kam, sah und siegte. Im Gegentheil: sie kam, wurde ge-sehen, und ging. Ihr Aeußeres war auch in ihrer Jugend nichtvortheilhaft, und die kleine robuste Gestalt machte als Lieb-haberin keinen vortheilhaften Eindruck in Wien.
Sie kam aus den deutschen Ostseeprovinzen und hatte Fräu-lein Bürger geheißen. In Paderborn war sie 1781 geboren