IX.
Nur der bodenlos dreiste Leichtsinn eines Cavaliers konntesolchergestalt einen Schreyvogel beseitigen und einen Deinhard-stein für ihn einsetzen.
Ein hochwichtiges Kunstinstitut von unermeßlicher Bedeutungfür Stadt und Reich wurde ohne Noth dem Zufalle, ja der offen-baren Lüderlichkeit preisgegeben.
Deinhardstein entsprach diesem Acte vollständig. Er warselbst der bodenlose Leichtsinn. Ein behaglicher Kumpan vollerSchnurren und Späße, ohne genügende Bildung und ohne irgendeinen inneren Halt. Es ist gar charakteristisch für jene Zeit,daß dieser Mann bei den damaligen Wiener Jahrbüchern, einerwissenschaftlichen Zeitschrift, eine Rolle spielen konnte. AlsIllustration für diese Sorte wissenschaftlicher Bildung will ichnur zwei Punkte erwähnen: „Benvenuto Cellini", ein Stück vonDeinhardstein, wurde eingereicht. Es war von völliger Ab-geschmacktheit und die Behandlung des Künstlers und der Kunst-interessen war des Themas ganz unwürdig. Dies mein' ich in-dessen nicht als ersten Punkt. Auch ein tüchtiger Mann straucheltzuweilen und schreibt ein ungeschicktes Stück. Aber dies Stückspielte unter Franz I. in Frankreich und zwar vorzugsweise inder königlichen Residenz von — Versailles! Man braucht nichtzu wissen, daß ein kleines Jagdhaus im Walde von Versaillesfür König Franz I. nicht die Rolle von Fontainebleau oderChambord übernehmen kann, aber wenn man französische Ge-schichte dramatisirt, so muß man doch Kenntniß davon nehmen,daß Versailles als Lustschloß und königliche Residenz erst mehrdenn hundert Jahre später von Ludwig XIV. gebaut und zurResidenz erwählt wurde. Oder wenn auch das zu viel verlangtist, so muß ein noch so leichter Autor doch den Irrthum, wenner darauf aufmerksam gemacht wird, als einen Irrthum an-