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Das Burgtheater : ein Beitrag zur deutschen Theater-Geschichte / von Heinrich Laube
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Am andern Tage hatte ich dann eine Zusammenkunft mitdem Herrn General-Intendanten, in welcher dieser Compromißformulirt werden sollte. Das erwies sich unmöglich. BaronMünch behauptete noch starrer als er früher gethan seinen An-spruch auf ausgedehnteste Souverainetät. Er müsse der Herrsein auch über die kleinste Anordnung, auch über die geringsteBesetzung das war sein Refrain.

Mit Einem Worte: die artistische Direction sollte in einebloße Oberregie verwandelt werden.

So bat ich denn zum zweiten Male um meine Entlassung.Ich wurde nun noch einmal schriftlich befragt, ob ich mich wirk-lich nicht den neuen Jnstructionen fügen wollte, und nachdemich diese formelle Frage mit einem formellen Nein beantwortethatte, erhielt ich jetzt meine Entlassung.

Einige Zeit nach meinem Austritte hatte einer meiner Freundeeine längere Unterredung mit dem Herrn Fürsten zu Hohenloheüber dies Thema, und da erklärte der Letztere unumwunden:Es mußte ein Ende gemacht werden damit, daß der artistischeDirector das Burgtheater zu liberalen politischen Stücken miß-brauchte, wieStatthalter von Bengalen" undAus der Ge-sellschaft"."

Diese Aeußerung war ersichtlich ernst gemeint: Baron Münchhatte mir schon, als ich noch im Amte war, officiell aufgetragen,jene Stücke vom Repertoire auszuschließen.

Hierdurch wurde also doch ein politischer Grund sichtbar.Man hatte nicht an einen solchen geglaubt, weil um dieselbeZeit ein liberales Ministerium eingesetzt worden war. Mich selbstüberraschte er nicht; ich hatte nur zu oft erfahren, daß die Hof-theater-Jntendanzen von einer alten Tradition nicht lassen können,welche den Todeskeim der Hoftheater in sich birgt. DieseTradition lautet: das Hoftheater ist nur für den Hof da, dasPublikum, oder die Nation, oder wie man sonst die zuschauendeMasse nennen mag, ist ein gleichgültiges Ding. Eine Tradition,welche eben so dem Hofe wie dem Theater schadet. Es kamnicht darauf an, daß Baron Münch das Verbot jener Stückezunächst nicht aufrecht erhalten konnte vor der stürmisch auf-tretenden öffentlichen Forderung. Das sonst so artige Publikumdes Burgtheaters demonstrirte nämlich Wochen, ja Monate langin unerhörter Weise gegen solchen Wechsel der Direction. Es