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Kirchen-Historie Altes Testamentes
verstellete Mann endlich sagte: Laß mich» gehen/denn die Morgen-Räthe bricht an. WogegenJacob , der mehr, als einen bloßen Menschen an ihmerkannte, antwortete: Ich lasje dich nicht, du seeg-nest mich denn. Der Man» gab ihm Hierauf denZunahmen Israel, weil er mit GOtt und Menschen,gekämpffet und obgesieget hätte, seinen Nahmen aber!wolle er den fragenden Jacob nicht wissen lasten, weil'er wunderbar wäre, sondern seegnete ihn, wie er be-gehret hatte- K)
Einige bilden sich ein, es wäre dem Jacob biß allesim Traume vorgekommen, welches aber offenbarlichgegen den Bericht Mosts streitet, welcher die Sacheals eine würcklich ergangene Geschichte erzehlet. Etli-§he Juden halten den Mann, mit welchem Jacob ge-kämpffet, vor den 8ammael, oder einen bösen Engel,die meisten aber vor den Engel des Esau, davon siedoch nicht einig sind, ob es ein guter oder böser gewe-sen. i) Viele auch unter den Christen glauben, daßes ein erschaffener Engel gewesen. K) . .
Allein die Historie zeiget uns viel was anders. Eswar ein solcher Engel, der die Macht zu seegnenhatte, l) welche keinem geschaffenen, geschweige einein bösen Engel zustehet. Er wird zu unterschiedenen mahlen ausdrücklich GDTE genennet. Dennerstlich sagt er selbst: Du hast mit G(!)TTLlobim, und mir Menschen gekämpffet. m) Her-nach nennet Jacob die Stätte ?niel, das ist,GÖrres Angesicht; denn er sprach: Ich habeGd)rt von Angesicht gesehen, und meine Seeleist genesen, n) Und also ist wohl gewiß genug, daßes der »»erschaffene Engel o) unter angenomme-ner menschlicher Gestalt gewesen, welcher sich folgendözu seiner Zeit als den wahrhafften Gst)rr-Menschendargestellet, und das gantze menschliche Geschlechtesonderlich aber diejenigen, so durch den Glauben kämpffen und überwinden, geseegnet- p)
Dieses ist noch bey dem wunderbaren Kampffe zubemercken, daß der Himmlische Kampffer, weil er, wiedie Geschickte redet, Jacob nicht übermocht«, ihmdas Gelencke der Hüfften gerühret, daß es verrenckerworden; daher Jacob nachgehendS gehinckct, und beyden Kindern Israel die Gewohnheit aufgekommen, daßsie die Spann-Ader auf dem Gelencke dei Hüffte nichtessen, g) Diß hat nach einiger Meynung bedeutensollen, daß derMcßias von cinerJungfrauen, und nichtaus Mannes-Saamen sollen gebohren werden.
Hierauf erfolgete nun die Zusammenkunfft Jacobsmit Esau, wobey sich Jacob fthr demüthig erzeigeke,und sich siebenmahl vor seinem Bruder neigete, welcherihm hingegen um den Hals fiel, ihn hertzete und küste-
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t»r> in Vek. 1°eü. »ci l>. I. I) 6 en. XXXII, 2 g. m) Ibxl.v. 2g. n ) IdicI. r. Z0. oIII- I. 6en. XVI, 7.
10. leg XXII, II. kegg. l6. lc^q.XXXI. II. IZ. Lxocl.III, 2.p) Oonf. i. lo. V, 4. ^xoc. III, 12. Lx. <^) Oen. XXXII-r;. zi.
ke, also daß sich die Aufrichtigkeit der brüderlichenLiebe zu beyden Seiten durch Thränen zu erkennengab. r) Ein jeder mercket leicht hieraus, daß bey Esaueine grosse Hertzens-Veränderung müsse vorgegangenseyn, weil er seinen ihm vormahls so vcrhasseten Bru-der mit'einer so zärtlichen Liebe empsieng; dahermannicht ohne Grund muthmasset, er habe sich, ohneZweifelauf bewegliche Vorstellungen seines Vaters, und An-trieb der erbarmenden Gnade GOttee, von Hertzenbekehret, wie denn auch von seiner Verdamme nir-gends in der Schrifft etwas anzutreffen, und dieStellen, da seiner nicht zum besten gedacht wird, alleinauf sein vorheriges Leben und den Verlust des zeitli-chen Seegens gehen.
! Nachdem Esau wieder nach Seir abgereiset, zozJacob an den Ort, welcher folgends von den von ihmdaselbst erbauekcn Viche-Hütten Gucoth genennetworden. 5 ) Einige Zeit Hernach begab er sich überden Jordan nach Sichern, ohnfern Salem, wo erein Stück Landes von den Kindern Hemor, des Va-ters Sichem erkaufete. c) Hier geschahe es nun, daßJacobs Tochter Dma fürwitzig war mit den Töch-tern des Landes zu conuerliren, und bey der Gelegen-heit von Sichem, Hemors Sohn, des Hevikers,welcher des Landes Herr war, geraubet und geschwä-chet wurde. Weit auch Sichem darauf bestund, dieDina zu heyrathen, und sich zu allem erboch,waSman nur von ihm fordern würde, so verlangten dieSöhne Jacobs hinterlistig, daß er und alles, wasmännlich in seiner Stadt, sich sollen beschneiden lasten.Da aber solches geschehen, und es sie am dritten Ta-ge recht schmertzete, giengen Simeon und Levi, derDma Brüder, in die Stadt, und erwürgten alles,was männlich war, auch Hemor und Sichem, undführeten ihre Schwester davon. Die gantze Stadtaber war von den Söhnen Jacobs geplündert u)
Diese verwegene That seiner Söhne stzte Jacobnicht in geringen Kummer. Denn er befürchtete sichnicht unbillich, es möchten sich die Canaaniter überihn Her machen, und ihn vertilgen. Der HErr aberhielt um siiner Verheißung willen die Hand über ihm,daß sich Niemand an ihn getranete.
Zu mehrer Versicherung seines Schutzes sprach GOttzu Jacob : Mache dich auf, und zeuch gen Be-the! , und wohne Daselbst, und mache daselbst ei-nen Alrar dem (vOtt, der dir erschien, da duflohest vor deinem Bruder Esau. Jacob gehorche-ce dem HErrn, zumahl, da es zu seiner Sicherheitvonnöthen seyn wolle, den Ort zu verändern, undweil sich bishero einige Abgötterey durch seine fremdeHausgenossen in seine Familie eingeschlichen, befahl eralle Götzen abzuschaffen, sich daneben zu baden undzu reinigen, auch neue Kleider anzulegen, um als»durch die äußerliche Reinigung die innerliche zu bezeu-gen. Die Götzen und was sonst abergläubisches beyihnen war, begrub man unter «ine Eiche bey Sichem- x)
' Nach
r) 6-n. XXXII. ») ibiä. c. XXXIII, 16 17. k) Iblö.v.l8 t-gl« 6-n,s. XXXIV. Oonf. LV8LVIV8 p»e^r,l.iLuimtzel-Ud.,-. c.2. x) 6en«s. XXXV, I. kegij.