-z> 41 -x>
XIII. Jahrhundert, erstes Drittel. Blüthe der höfischen Dichtung.
Lehrgedicht: sogenannter „Windsbeke" und „Windsbekin"; Thomasin von Zirclaria; Freibank.
Thomasin von Zerckaere (Zirclaria), aus der edlen Familie derCerchiarchi, war Canonicus von Aquileja, dichtete seinen „Welschen Gast" innerhalbvon zehn Monaten der Jahre 1218—1216. Er war damals noch keine dreißigJahre alt. Neben Freidank ist er der „Klassiker der mittelhochdeutschen Lehrdichtung".
Vom Leben des Meister Freidank, des bedeutendsten Spruchdichters desMittelalters, ist wenig bekannt. Er wird als Fahrender (vaAus) bezeichnet, warin Kaiser Friedrichs II. Kreuzzugsheere (1229), starb wahrscheinlich in Treviso
vor 1240. Seine Sprüche haben vieles mit Walthers von der Bogelweide Lebens-anschauungen gemein, aus dessen Gedichten er manches ebenso benutzte wie ausden Werken anderer Deutscher Dichter. — Seine Spruchsammlung „Bescheidenheit"(Verständigkeit, Anleitung zum verständigen Handeln) ist wohl allmählich inder Zeit nicht vor 1216 und nicht nach 1240 entstanden. Sie gehörte bis insXVI. Jahrhundert hinein zu den gelesensten Büchern; 1508 ließ Seb. Braut seineBearbeitung desselben in Straßburg drucken.
Erklärender Abdruck vom Spruche des „Windsbeke".
8un,> swsr^ siob selben ereil s wiläsn nimt Asträwes^ ratss war.man ervraisobet^ AÜter rhts vilan -einem beros-r tnAendsn bar.swer? dienst unds ratet dar
daJmans ?s AÜts nibt verbat,°der verlässt^ einen willen s Aar.swas kriunds^ tränt Asratsn maA,er welle selbe stürsn w sieb,es ist in ainsu baob ain slaA.
Erklärender Abdruck vom Spruche der „Windsbekin".
Drnt^ Lint, du solt sin boobASmüt,^daiainder doeb mit hübten leben,so ist din lox^ den werden Antund stat din rossnoranö dir eben.den ers Agrnden^ soltä Asbsu28 rebts6 dinsn werden ArÜ2,und 1a2^ in dinsin bsrrsn swsbensebsin und mars uk rebtsnb sin.sobär^ wilder bliebe uit revil,"swa" lose merLsr" bi dir sin.
1 trautes 2 hochsinnig s Lob 4 Werthen, edeln 5 Ehre be-gehrenden 6 nach Rechte 7 laß 8 rechten s schieß 10 zu vielII wo 12 Aufpasser.
Erklärender Abdruck zum „Welschen Gast".
Heu* erste bairrst Orammatioa,deui anders Dialstioa,dsu^ dritte listboriea ist Asnant,so sint di vier dar nab rsbant:^
S Xrismstisa und (lsomstris,
Uusiea und Xstronoinis.
Drammatioa Isrt sprsebsu wol rsbt,Dialstioa besebaidstb dar siebt ^voin ebrumbsn,^ di warbait10 vom talseb: Rstboriea eblait^unser rede mit varws^ sobosns.
Xrismstioa dsu^ Asit^ rs losne,^dar man von ir obnnst^ eelsn" sol.Deomstris Isrt msrren" wol.
15 Zlusioa mit weise sobosns
Asit^ uns wsistum^ an di dosns."Xstronomis Isrt ane wanob"
10
15
20
nnin >7 »F von gv'xvnicn -^ Mb tnivnL in vb gewinne-
krvnel
Hoeh lttit- «xvvvnrinL
' lictz linv vrtr jorrrr
tsevwrrnLl nwlxlt' llct? tirrv
7k nvLu irrc
«7 d« ^vn7 E (crvv vrinrrree-vruäirL< kin ill- siv^ WE Vst'deH vriu rrnzxs kkm
litt Ivol-V eVN
vvolrn^ bruxnr rnvv'vveh(elsri vml»
xy L»nrr<r7 -in «rveeFvo vvo4 Herbert
DL/wrla- rrriE vrl)r< rwÄrcmxlr<rn
welch ni^ur iO rv6
25
I Sohn S jeder, wer g ehren 4 getreues S ersährt; andere Lesart: verlinset - verliert 0 verschließt; andere Lesart: verrat — auf-nimmt 7 verliert 8 statt eine rvile — seine Zeit 9 dem Freunde 10 steuern, leiden.
30
35
40
45
50
ÜLci, <^vNt IINüliti" Niln r> ic IviritrWEt7 den) -fin Cl4' V>kvl><Avrivrriit<ni
^>-vcülbc7 rnvr?
DäX gmp kid) xrifip' xVhclri 4r^.n
dvnr nreiii
ep>M 2 er-vr- dL? gsvc' Ln «rturr^ M 21 .
Vv<x?rrr7 noclv ei^s nieH-L«. ovcö leiiXN lürcherr soiStr'
VX-st»' rn-nveu -Lrre 1^717
rm. dunxx ^Lir?
NTLinz- tAVtV ckh «ÄL 5»^
M run^cr^ ck^rhenr? def äkDerru-ssvr?
^ selrew wol iriE rvr^
wesön--nE
D euretr ruc
1! rrn HVkT^1rI)e^os mvrr^
D «läm ilv Lne- ZX7V
orxlrLn- oS^
^EÜerüos' Fvtef' rÜ7^ vrJM «r s^rn En rvrv wiV>v Hvk7 init7 nsv AUwirnLirlsäi?Devü? -VVH.17 och er-g
enen Nl^r-
ssl ruxrl) Fioccl w«'1>ew^LA»r Xtrerri»ri lVl
6)1 Lr >riniio rnrr- volle,
Lm viElriX (öllc s, ruX wocli Lilolnr
Ein Abschnitt von Frcidanks „Bescheidenheit" aus der dem Ende des XIII. Jahrhundertsangehörenden Heidelberger Handschrift 349.
Zeile I—2> ist von Spalte 1, SS—SS von Spalte II des Blattes (5, lS ff. der Bezzenbcrgerschen Ausgabe).
der Sterne naturs und ir Aaneb.^wir snvindsn nibt" Assobribsn,
20 dar dsbsinib man obunns^ di sibsn,noob der ainns list Aar?"dar sult ir wissen wol kurwar.di besten di wir an Zrammatioa ban^>dar was Donatus und Driseian,
25 Xristareus man von rsbt solander di besten reisn" wol.
Dialstioa bat auob ir dikt;^^die sint die besten di si bist: 22Xristotiles, Losoius,
30 2eno unds Dorpbirius.
Rstborioa den' bat nibt Aaran krums leuts beweist^ ir sebar;die besten waren I'uIIius,tzuintilian, Lz'donius.
35 an Xrismstioa der beste was:drisippus unds D^taAoras;an musioa: OrsAorius,
Lliealus Nillssius?^an Oeomstris was ilbalss40 der tsurist^o und Luol^des.der Xstronomis sebarVar maistsr Xlbumasar,
Dtbolomsus vaner^i wasunds vorvebtsi-W Xßblas.
45 ssbt, der dsbainsr mosbt ni lurwarssbsn^o ei- ebunds sein ebunst Aar?^
1 die 2 alsbald 3 brennt 4 das Gerade 5 von: Krummen6 kleidet 7 Farbe 8 giebt- 9 zu Lohne 10 ihrer Kunst I I zählen12 messen 13 Weisheit, Kunde 14 Töne 15 NN6 r.-anl- — sicher16 Gang 17 enrinäon niclit — finden nicht 18 irgendein 19 versteheso noch deren eine Kunst völlig 21 habe» 22 Volk, Leute 28 hatte24 angewiesen 2 g wer ist MicaluS von Milet? 20 theuerste, bedeutendste27 Fahnenträger 28 Vorfechter 29 behaupten so völlig.
Erklärender Abdruck zum „Freidank".
Von mimio und von Aswinnsn.
III minus und uk Aswinnestaut 1 al der weilte 2 sinne;
Xoeb sürsr sint Aswinnedanns bsinsr slabts^ minus.
5 Vik lisp^ sint wip und bint,Aswinne miobsls° lieber sint.
80 der man is ms Aswinnst,so er da2 Ant is ssrsr° minnet?Der ma-rnss sin^
10 ist sin^ Aswin.
8wai'i° is des Mannes bei-rs stat,"dar ist sin bort, den er bat.Xisman wolts sinen müt,"
Asrns wsbselsn umb AÜt.
15 8we»' riebst m anms gute,
der ärmst" au dein mute.
Dar AÜt mao wol bsiren Aut,da man mits rsbte tut.
Xisman de-' rs bsrrsn rimt,"
20 der sin Aut rs bsrrsn uimt.
8wslob^ man ist des Autss Lust,"der- bat ismmsr sebalbsr^ rsbt.Xaeb AÜts wirbst manio mau,und wirt dem, dem ers übel Aan.w25 8ankts2" Aswinnsn Aut
maobst uberiAen-k müt.^>
Dar Aut sieb nibt verbellt ban,er spriebet okts ur^ dem man.
Aan sret^^ dar gut an manigsM man,30 der tugsnt noob ers nie gewau.
Aan erst oueb leider rieben Lust,"vor armen bsrrsn ane" rsbt.
Ilan vra-Ast olsins an dirre rit,^^wie manr gut gewinne, ob manr gitZS35 Alanigsr rsobsnt des andern gät,der selten wol mit sinsm tut.
Xisman ristte,- wsssn^i maedrirrso iar und einen tao,^bim gsbrests^s 8 gutes,
40 übe« oder mütss.
Der man ist eilends ans^ gut,swar er bau oder tut.
Xs Leines gutes ist rs viel,mit dem man gut tun wil.
45 Zwei- gut mit not Aswnnsu bat,
dsist^ wunder,^ ob ers sankts 1at?32s gute mamAsr witrs^^ bat,de?- sieb re srsn nibt vsrstat.
Vkan sol naob AÜts werben,
50 sam^b nisman sol ersterben,
und sol er danns mit volles Asbu,sam-'^ niemair solle eins woobs Isdit.
1 stehen 2 Welt s irgend einer Art — jeder Art 4 lieb 5 um vieles 6 mehr 7 liebt 8 Sinn9 sein 10 wohin 1t steht 12 Gesinnung IS reich wird 14 wird arm IS ziemt, paßt 16 welcher 17 Knecht18 Dieners, Knechts 19 gönnt 2 V mühelos 21 übermuth 22 aus 23 ehrt 24 ohne 25 dieser Zeit26 giebt 27 sein 28 — ein Menschenalter 29 mangelte so ohne SI das ist 32 Wunder 33 gern läßt34 Verstand 35 als ob 36 Fülle.
6