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Das Leben Raphaels / von Herman Grimm
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Raphael's Arbeiten für Frankreich ------

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Florenz war immer französisch gesinnt. Als vornehmstesResultat der Bemühungen Franz des Ersten von Frank­ reich um florentinische Kunstwerke darf der Erwerb derGemälde gelten, die er aus Raphael's Atelier empfing.1515, als Raphael dem Papste nach Bologna folgte,entwarf er vielleicht persönlich dort das Portrait, nachdem er in der Camera des Burgbrandes Franz I. dannin der Gestalt Karl's des Großen darstellte, dem Leo dieKaiserkrone aussetzt. So nämlich hoffte man, daß eskommen werde. 1517, als Cardinal Bibbiena päpstlicherGesandter am Hofe des Königs war, schickte, sahen wir,Raphael das Bildniß der Giovanna von Aragonien nachFrankreich , das heute im Louvre steht. Im gleichenJahre ging eben dahin der Erzengel Michael , der denSatan unter den Füßen hat, und die heilige Margaretha,die so vornehm mit gelinden Tritten auf den getödtetenDrachen tritt (vielleicht für Margaretha, die Schwesterdes Königs, bestimmt). Für Frankreich malte Raphael die .große heilige Familie des Louvre' und sein letztesWerk> die Transfiguration, sollte dahin kommen h.

Wieweit diese in den königlichen Schlössern hängen-den Gemälde dem französischen Publicum bekannt waren,weiß ich nicht: ein Verhältniß der Verehrung für Raphaelaber scheint in Paris bestanden zu haben. 1607 erschiendort die erste französische Uebersetzung des vasarischenLeben Raphael's und in Paris Angesichts raphaelischerWerke empfand Poussin den Beruf, sich der Malerei zuwidmen. Poussin war der erste Meister von Ansehen

Die Franzosen, als sie das Gemälde 1797 nach Paris entführten, beriefen sich darauf.

h Von Daret. Zweite Auflage 1709.