Buch 
Das Leben Raphaels / von Herman Grimm
Seite
275
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Der französische Kupferstich. Edelinck. Dorigny 275

Vor dem Eingreifen Colbert's bereits hatten fran-zösische Stecher in Italien nach Raphael besser gearbeitetals die Jtaliäner selbst. Edelinck war de Pailly's Schüler,der Raphael's VierZe an beregnn und die an linge ge-stochen hatte. Edelinck stach in Paris Raphael's Großeheilige Familie und, nach einer angeblich von Rubens stammenden Zeichnung, Lionardo's Reiterschlacht. Gerard Audran stach die römischen Fresken Raphael's und dieTeppiche. Das Größte zu Ehren Raphael's und Frank­ reichs aber hat Dorigny geleistet, Edelinck's Schüler. Erbegann mit den Fresken der Farnesina, ließ die Trans-figuration folgen, die besser ausfiel, unternahm dann aber,durch englische Kunstfreunde nach London gebracht, denStich der Cartons Raphael's zu den Teppichen, die durchRubens ' Vermittelung nach England gegangen waren.Von Gemälden Raphael's war nach der EnthauptungKönig Karl's in England kaum etwas zurückgeblieben:wir wissen, zu welch heute unbegreiflich niedrigen Preisensie nach Frankreich verhandelt wurden,' die Cartons zuden Teppichen aber erscheinen selbst den Puritanern alsein kostbarer Besitz. Eine Nationalsubscription deckte dieKosten des Stiches. Fast zehn Jahre )17111719) ar-beitete Dorigny daran. Unübertroffen stehen diese Blätterheute noch da, in denen Europa etwas geboten wurde,das Raphael in einem Lichte erscheinen lieh, in dem ihnbis dahin noch Niemand betrachtet hatte.

An diesem Triumphe französischer Arbeit für eng-lisches Geld h war Frankreich unbetheiligt. In Paris

des Jabach', des Kölner Banquiers, dessen Sammlungen nachParis verkauft wurden, im Besitz des Berliner Museums ist.

y Dorigny empfing nicht nur Geld. Es wurde ihm in Eng-land der Adel verliehen.