Buch 
Das Leben Raphaels / von Herman Grimm
Seite
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------ Goethe über die heilige Cäcilia -----

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Heilige neben einander, die uns alle nichts angehen, derenExistenz aber so vollkommen dasteht, daß man dem Bildeeine Dauer für die Ewigkeit wünscht, wenn man gleichzufrieden ist, selbst aufgelöst zu werden. Um ihn aberrecht zu erkennen, ihn recht zu schützen und ihn wiederauch nicht ganz als einen Gott zu preisen, der, wie Melchi-sedek, ohne Vater und ohne Mutter erschienen wäre,muß man seine Vorgänger, seine Muster ansehen. Diesehaben auf dem festen Boden der Wahrheit Grund gefaßt,sie haben die breiten Fundamente emsig, ja ängstlichgelegt und mit einander wetteifernd die Pyramide stufen-weis in die Höhe gebaut, bis er zuletzt, von allen diesenVortheilen unterstützt, von dem himmlischen Geniuserleuchtet, den letzten Stein des Gipfels aufsetzte, überund neben dem kein Anderer stehen kann? Und nun gehtGoethe auf Perugino und Francia zurück, denn es istihm unmöglich, sich auf den gegebenen Fall zu beschränken:er faßt das Gemälde im Allgemeinen als historische Er-scheinung, will wissen, woher es gekommen sei und waszusammenwirken mußte, damit es entstände. Die ver-gleichende Methode war Goethe angeboren. Er behandeltKunstgeschichte wie Anatomie und Botanik. Allerdingserlangte er beinahe zwanzig Jahre später erst die leiten-den Gesichtspunkte für die neuere Kunstgeschichte alsGanzes: in sich trug er ein Gefühl dieser Lehre jedochimmer.

Nach diesem Vorspiele sehen wir dann, wie er inRom Raphael's Werke erfaßt. Wir lernen sein und derganzen Epoche Verhältniß zu Raphael, zur Antike undzur Blüthezeit der gesammten Renaissance kennen. Dervon Winckelmann und Mengs vorbereitete geistige Um-schwung bietet sich Goethe's Geist als eine vollendete

Grimm, Raphael. 4. Aufl. 18