Buch 
Geschichte der Plastik von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart / dargestellt von Wilhelm Lübke
Entstehung
Seite
295
JPEG-Download
 

Zweites Kapitel. Die byzantinisch-romanische Epoche. 295

Epoche zuzuschreiben sind, stehen an stylistischer Durchbildung zweiReliefplatten im Münster zu Basel, ehemals einem Altar angehörend,obenan. Auf der einen sieht man, durch Säulenarkaden getrennt, sechsApostelgestalten, auf der andern vier Darstellungen aus der Marter-geschichte des heiligen Laurentius und Vincentius. Der Styl ist nochstreng antikisirend, die Gestalten sind würdevoll, die Motive der Gewan-dung klar und wohlverstanden, die Compositionen der kleinen Scenen vollBewegung und Leben. Ungleich strenger sind die Reliefgestalten desErzengels Michael und zweier Heiligen in der Michaelskapelle der BurgHohenzollern.

Von Arbeiten in Holz sind besonders zu nennen die Hochreliefs anden Pfeilern der Nischen des nördlichen Portals von St. Emmeram inRegensburg. Dieselben enthalten eine grossartige, jedoch überausherbe und strenge Darstellung des thronenden Christus, an dessen Fuss-schemel sich Abt Reginward (1019 64), in der Geberde der Verehrungin einem Medaillon als Brustbild hat anbringen lassen. Ausserdem dieheiligen Emmeram und Dionysius in bischöflichen Gewändern, in dem-selben starren unlebendigen Style, die Gewänder jedoch wie an der Ge-stalt Christi sorglich in feine Parallelfalten gelegt, dabei vollständig be-malt und schon als eins der ältesten Denkmale der mittelalterlichenPolychromie von Wichtigkeit.*) Dem Ausgange des Jahrhunderts scheintsodann auch die hölzerne Flügelthür am nördlichen Portal von Mariaauf dem Kapitol in Köln anzugehören. In kräftigem Relief ist hier eineAnzahl von Scenen aus der Geschichte Christi vorgeführt, deren unent-wickelt roher Styl mit der wohlverstandenen Ornamentik des Rahmen-werkes auffallend contrastirt.

2. Das zwölfte Jahrhundert.

Wenn bisher die Plastik der romanischen Epoche in den selbstän-digen kleineren Werken, welche ihre Thätigkeit vorzüglich in Anspruchnahmen, sich frei bewegen konnte, und selbst bei grösseren Arbeitennur in loser Verbindung mit den baulichen Schöpfungen stand, so wirdsie nun im Laufe des 12. Jahrhunderts überwiegend von der Archi-tektur in Anspruch genommen und dadurch einer anderen Bestimmung,einer neuen Entwicklung entgegengeführt. Der Grund dieses Umschwungesliegt in den allgemeinen Kulturerscheinungen der Zeit, die eine wachsende

*) Sighart a. a. 0. S. 105 bringt eine Abbildung des Christus. Als Regierungs-zeit des Abtes R. giebt er S. 61 seines Buches 105963, S. 104 dagen 104961 an.F. v. Quast in seinem Aufsatz im D. Kunstbl. 1852, S. 175 spricht irriger Weise vonSteinreliefs.

Holz-

sculpturen.

Aufschwungder Plastikdurch dieArchitektur.