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Von der Erfahrung in der Arzneykunst / Joh. Georg Zimmermann
Entstehung
Seite
115
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ror

Drittes Buch,

Weiber, als ihnen unendlich an dem Herzen liegtdiese Beobachtungen besser zu machen als wir. Ichkenne Leute die in ihrer Kunst alles sehr wohl sehenund in allen übrigen menschlichen Dingen nichts;sie finden in der Erkenntnis von allem was ausserihrer Kunst ist keinen Vortheil, und darum sehensie ausser derselben nichts. Ein guter Kopf sieht nurdarum in den gemeinsten Dingen nichts , weil ernichts darinn zu sehen verlangt. Der kleinste Geistkann in einem elenden Gcrichtshandel alles mit demäussersten Scharfsinn sehen, und ein Mann von Ver-stand nichts.

Aus diesen Fördcrsätzen stießt daß der Beobach-tungsgeist weder das Eigenthum eines allznlebhaf-ten noch eines allznkalten Kopfes ist. Leute mitmehr Einbildungskraft als Verstand sehen auf ein-mal sehr viel, aber sie sehen zu geschwind und da-rum nicht deutlich. Darum verbindt sich zuweilenmit einer starken Einbildungskraft ein verworrenerund unflätiger Geschmack, weil der Verstand andem Geschmacke so viel Antheil hat als die Einbil-dungskraft. Leute mit vielem Verstände ohne Ein,bildungskraft sind überhaupt zum geschwinden sehenzu langsam, sie beurtheilen eine Beobachtung sehrwohl, aber sie bemühen sich nicht sie zu machen.Sie sehen vielleicht deutlicher die Leidenschaften auf-steigen und wirken, als ein allzulebhafter Kopf dersie selbst fühlt, indem er sie sieht. Aber sie habenden Trieb nicht der uns über alles was uns umgiebtden Geist öfnet; sie sehen nur was sie heftig zu sc-