Herrn Albrechts von Haller ertheidizun gegen die Einwürfe welche Herr Anton von Haen Wider die Lehre von der Nutzbarkeit und Empfindlichkeit der Theile des menschlichen Leibes, vorgetragen. Aus dem Lateinischen übersetzt.* Zürich, Bey Heidegger und Compagnie» r 7 S r>_«» » - "v --- > A Vorrede des MerseWs» H Z^Hk H, ^ M Lehrgebäude des Herrn vor» ' Haller von der Reitzbarkeit und Empfindlichkeit der Theile des menschlichen Leibes, ist mir jederzeit als eine der wichtigsten Entdeckungen vorgekommen, welche unser weitalter bey den Nachkommen merkwürdig machen wird. Ich glaubte solches müste auf den ausübenden Theil der Arzneywissenschaft einen großen Einfluß haben, da das allgemeine A a vor- 4 4Z )o( §?- Vorurtheil, welches bisher in Ansehung der Empfindlichkeit der Sennen und häutichten Bedeckungen der edelsten Theile, und der daher behaupteten Gefahr bey Verletzung derselbigen, geherrschet, den Wundärzten eine Furcht eingejagt, die bey den schwersten Fallen oft sehr schlimme Folgen haben kan. Ich hörte daher mit vielem Vergnügen die erste Nachricht an, daß der berühmte Herr von Haen stine Zweifel gegen dieses Lehr. gebäude der gelehrten Welt vorzutragen willens feye, ich hoste der Zeitpunct wäre nun vorhanden, da der Einfluß dieser neuen Lehre auf die Ausübung der Arzneywissenschaft in das volle Licht gesetzt werden würde, da ich an dem Herrn von Haen einen Gelehrten verehrte, der zur Beförderung des ausübenden Theils dieser edlen Wissenschaft erschaffen zu seyn schiene, und der mit einer grossen Einsicht, weitläuftiger Belesen- heil und Erfahrung die reinste wahrheits - und Menschenliebe verbände, ich erwartete alst> keine andere als die wichtigsten Einwürfe, die ihm sti- ne Erfahrungen und versuche wider seinen Willen abgenöthigt hätten, und die entweder das -len» "k? ) o ( r> ; blendende in dem neuen Lehrgebäude aufdecken oder dessen grossem Beförderer Gelegenheit geben würden, durch seine Auflösungen den Werth feiner Entdeckungen in ihrer vollkommenen Stärke zu zeigen, und auf den Nutzen für das menfchliche Geschlecht in Heilung der Krankheiten zuzueignen. Ich bewunderte Ehrfurchtsvoll die Leitung der Vorsehung, welche die gröften Geister in verschiedene Meynungen zerfallen last, damit die Wahrheit desto genauer geprüft und von allen Seiten betrachtet werde. Allein ich sahe mich bey Ansicht des Werks in meiner Meynung betrogen. Ich fände keine auf Erfahrung und versuche sich gründende Einwürfe vor mir, welche zu Erweiterung unserer Einsichten hätten Anlas geben können, sondern nur einige zusammengelesene unbestimmte Beobachtungen der Krankheiten, die schon meistens nach den Grundsätzen des neuen Lehrgebäudes aufgelöst worden, und diese waren mit einem Eifer vorgetragen, der mehr einen partheygeift als eine reine Wahrheitsliebe verriethe. Nichts setzte mich mehr in Erstaunen , als daß der Herr Verfasser mit dem A; Unser 6 -4Z )«-( rr Ansehen des grossen Doerhavens gegen Hekrn vsü Halber föchte, und von dreier Seite ihn auf das empfindlichste angriffe, als ob er aus einem niederträchtigen Ehrgeitz den Ruhm seines grossen Lehrers hätte verdunkeln wollen; er, der die grollen proben der Hochachtung und Dankbarkeit gegen seinen Lehrer bey allen Anläsen gegeben hat. Loerhave würde einen solchen Vertheidiger seines Ruhms mit Verachtung von sich gewiesen haben, da er seine gröste Ehre darinnen gesetzt, eine wahre Philosophische Freyheit in die Arzney- wissenschaft einzuführen, und alle wahrheitsliebenden Gemüther Zur Untersuchung und Ausbreitung dieser edlen Wissenschaft aufzumuntern. Rein Sterblicher hat jemals, mit grösserer Be, tzierde neue Entdeckungen aufgenommen, und solchen seine vorgefallen Meynungen, wenn er von ihrem Ungrund überzeuget worden, williger aufgeopfert als dieser wahre weise. Mit welcher Freude hätte er die Entdeckungen seines würdigen Schülers angenommen! tM welcher Rührung hatte er darinnen den Lohn eines Fleißes, der seines gleichen niemals gehabt, in seinem grossen r ) o ( Z4" - grossen Schüler entdeckt! wie sehr hätte es ihm geschmeichelt/ einen solchen Geist unter seine ge- treuesten Schüler und Verehrer zu zehlen und sich dadurch seine Entdeckungen eigen zu machen. Der Herr von Haen gab mir also ein trauriges Beyspiel von der Schwachheit der menschlichen Natur, da auch die grösten Geister durch Vor- urtheile und Eifersucht sich in die ausschweifende- sten Fehler verführen lassen. Die Vertheidigung des Herrn von Halter richtete mein Gemüth wieder auf; ich fahe darinnen ein Beyspiel/ wie man sich gegen die heftigsten Anfälle mit Bescheidenheit und Sanftmuth vertheidigen, und alle Achtung auch selbst der Freundschaft und Hochachtung gegen die Verdienste seines Gegners beybehalten könne/ ohne darbey den Rechten der Wahrheit etwas zu vergebey. In einer bewunderungswürdigen Rürze sahe ich alle Schein- gründe entlarvt, die Wahrheit in Sicherheit gesetzt/ und den Eifer des verirrten Gegners durch die gröste Menschenliebe beschämt. Diese Schrift gesiel mir so wohl/ daß ich mir so gleich vornähme solche zu übersetzen/ um mich völlig in A 4 die -rz )o( xr- die Denkensart des Verfassers einzulassen. Ich empfände in dieser Stellung die sanftesten Regungen des Menschenfreundes, und mir bliebe am Ende gegen den berühmten Herrn von Haen keine Bitterkeit sondern nur eine Art von Wehmuth übrig, daß dieser große Mann sich selbst so sehr vergessen, und dardurch den Eindruck seiner übrigen für die Ausbreitung der Arzney- kunst so wichtigen Werken schwächen können. Ein Gedanke tröstete mich, daß er durch ein freyes Bekentniß seines Irrthums, der Welt ein lehrreiches Beyspiel geben werde, wie ein Weiser wohl fallen könne, aber durch den Sieg über sich selbst, sich von dem Fall wieder erhebe. Ein solches Beyspiel der Großmuth wurde jedem Menschenfreund das Geftändniß abnöthigen, daß Herr "von Haen durch seinen Fehler der Well mehr Nutzen geschaffet, als wenn er sie würklich , von schädlichen Vorurtheilen befreyt hätte. H. C» Hirzelf N. I). 'Herrn -N )°( 5§- 9 45 45 45 45 45 ^ ^ -/5 45 45 45 45 ^ ^ ^ ^ ^ 8-t- H5 Hv H- ^ ^ Ho ^,Hr ^ ^ -Zerrn Albrechts von Hallev Vertheidigung gegen die Einwürfe des berühmten Herrn Anton von Haen. B O -iÄ- H- 4^ ^Ae ^ E^ ' Fnrtrcflichster von Haen, "icht ohne BeLümmermß ihre Einwürfe gesehen , welche sie dem heutigen Lehrgebäude von der Empfindlichkeit und Reizbarkeit entgegen gcsetzet, und bey dem Anfang dieses 1761? Jahrs an das Licht gestellt haben. - Ich liebte sie, und gäbe nach meinem Vermögen ihnen alles verdienten Männern gebührende Lob. Nun habe ich zum Lohn meiner Liebe von ihnen erhalten, daß sie mich in einem besondern Werk in einer solchen A 5 Schreib- io ) 6 ( ^ Schreibart angegriffen, welche nach ihrem eigenen Gestand! iß härter und nachdrücklicher ist als es der Wohlstand erlaubt (i). Es ist bitter von denen zu leidest die man geliebt, und unter seine Freunde gezehlt hat« Der Verlust eines Freundes ist ein grosser Verlust, aber noch schlimmer ist es, einen solchen als seinen Feind zu erfahren« Sie sagen zwar, sie habest die Wahrheit vertheidigen müssen, und ihr Gewissen habe sie darzu angetrieben (2), sie behaupten, es würde sie auf dem Sterbebette keine Sünde mehr drücken, als eine versäumte Widerlegung eines Irrthums in der Arzneywissen- schaft. Sie erlauben, daß ich aufrichtig und ohne Bitterkeit mit ihnen handle, in einer Schreibart, wie ich wünschte, daß andere gegen mir handelten. Ich glaube, daß uns unsere Pflicht verbinde das Wahre zu lehren, und daß sich ein redlicher Mann billig Ar) Irr der Vorrede« Dahin gehet daß meinem Werk der Name eines berüchtigten ( kamst!) gegeben wird x.i;ü. 2ch glaube ;uar der berühmte Verfasser habe den verhaßten Nael druck d-efts Worts nicht gewust. tzrimt mwcims köret ant licarncs aut sliogmii A>r«t. 8at^r. IV- ° c xr- in welchen von dem Schmerzen eines unbestimmten Theils des Leibes, gegen die Versuche ^ welche in einem entblösten Theile angestellt worden, ein Verdacht entstehet. Indessen tragen auch sie selbst sehr oft dergleichen zweydeutige Versuche vor. Ich behaupte (;) das Darmfell ftye bey dem Schnitt eines Bruches unempfindlich. Sie hingegen, man habe einen Menschen gesehen, bey dem man keine andere Ursach der Heftigsten Kolik finden köynen als einen kleinen Brand in dem Darmfelle; als wenn bey einer schnellen und unordentlichen Eröfnung eines todten Cörpers, der au .einer Krankheit verblichen, alle Mangel der Eingeweide des Unterleibs auf das genaueste erkant werden käuten (4). Der Sitz der Schmerzen kan auch in den .kleinsten Theilen gewestn seyn, in Theilen die sich ihren Ingen entzogen, und in einer Schärfe welche die Neppen gereitzet, welche sie nicht einmahl, gesucht haben, oder M einer Spannung die in dem Tod nachgelassen hat. Man muß gewissen und ossenbaren Versuchen bey welchen man das Darmfell blos vor sich gesehen und berührt, nicht andere.entgegensetzen welche nur vernej-' nend sind. Auf f;) Vergl, Usirrmsiuü srx. i;- 17 . und ftsläsiü c-rx. 17. (4) E. 5r. -t? ) o ( §§° Auf gleiche Weife sind sie mit mir in Ansehung der harten Hirnhaut verfahren. Ich setze daß solch? in den unvernünftigen Thieren ohne Empfindung schein dem Menschen haben viele und grosse Männer (5) solches gesehen, sie haben die nackte Hirnhaut angerührt , sie haben gesehen daß der Kranke das Werkzeug des Wundarzts womit er sie berührt nicht empfunden, auch nicht einmal wenn er sie mit eisernen B-Mengen geschadet oder angeschnitten hat. Sie wenden dagegen ein, sie haben nach den heftigsten Kopfschmerzen ( 6 ) keinen andern Grund finden können, alö die Geschwülsten der Pulsadern in der harten Hirnhaut. Sie glauben also, daß sie bey dem aufschneiden eines Menschen der an der Hemikranie verstorben den Fehler in dem Gehirn finden würden. Offenbar stecket das Uebel in der» Bedeckungen des Hauptes, und den darunter liegenden Nerven. Daher entstehen die Zuckungen in den Augenmuskeln, und der Schmer; <5) Zinn, Wern«, Fontan«, GeZner, der Polnische Ar- chiater, neben andern, und neulich ein Wundarzt au§ Meiner Nachbarschaft Herr Ricou in einer Weibsperson, ' bey welcher er zu wiederholten mahlen die harte Hirn? haut geschadet und eingeschmtttn- <6) S» 40. 41- )o( §§" Schnterz bey Berührung der Schläfen. I-b darf die« fts aus öfterer Erfahrung sicher behaupten. Der Fehler steckt deswegen nicht in der harten Hirnhaut, nicht im Gehirn , weil der Schmer; auch wenn er am heftigsten gewütet für sich selbst nachlast, und ohne eine Spur zurückzulassen auch ohne Gebrauch einiger Arzneyen verschwindet. Könnm sie bey der Eröfnung eines todten Cörpers, welche in wenigen Stunden verrichtet wird, den kleinen Nerven entdecken, welcher nach dem Niederdrücken eines Starren solche unlei- dentliche Schmerzen verursachet? Auf solche Weise haben sie allenthalben mit mir gehandelt. Niemals haben sie die Theile denen die Empfindlichkeit geläugnet worden, entblöß beruhet, damit sie ihre Empfindlichkeit mit eigenen Augen betrachten könten; sie beruften sich mir auf das Ansehen anderer , und sitzten den Versuchen Meynungen, und weitverbreitete Schmerzen entgegen, deren Sitz auf keine Weise bestimmt ist. Ich habe alles, was ich anführe, selbst gesehen. Sie führen aus ihrer Belescnheit Sachen an, die eigentlich mir nicht entgegen sind, aber die sie durch ihren Witz mir entgegen zu sitzen suchen. Und doch schelten sie meine Meynung als abgeschmackt aus (?). Eben (7) G. LZ )->( zz- -7 Eben so unbestimmt ist Pas was sie von der Bein- fäule , gegen die Unempfindlichkeit des Beinhaut- chens anführen (8). Sie wissen keine einzige Verletzung zu nennen, da nur das reine blosse Beinhäut- chen angegriffen gewesen wäre; sondern führen eine Beinfäule an, welche die «ufdem Beinhäutchen liegenden Nerven (y), oder solche die zu den tiefesten Muskeln Durchgehen, angreifet- Voll den Knochen selbst Ohren sie kein Zeugniß am Sie rechnen mir es auch/ Fürtresiichster von Haen, als einen grossen Fehler an (ic>), daß Herr Tißot so gut von nur denket, dieser berühmte Mann ist aber nicht allein, sondern auch Caldan, Cigna und Petrin, auch andere mehr, ja die ganze Holländische Schule- weiche das Fundament der Arzneywjssenschafl auf die Lehre von der Nutzbarkeit gegründet (i -), von welcher das Haupt dieser Schule der berühmte Gaub/ welcher durch semen Geist, gute Sitten, Gelehrsamkeit, B und ( 8) S §4. 65» (z>) S. 8i. (10) Hm und wieder, am meisten gegen dem Ende, (n) katkol. xaz. 71. 72. 74. äs LMöp äe vita 47- 60. v. äe vita. Mr» se Mur» NüllMia >>. 14. Le. --8 "4Z ) «( und den durch die Ausübung der Arzneykunst erlangten Ruhm den ?Hen Platz verdienet, mich als den Urheber erkennet, und nur darinnen von mir verschieden ist, daß er sich überredet, die reitzbare Natur erstrecke sich viel weiter, da ich, dem sie die Erfindung zur Sünde rechnen, solche in engere Schranken zusammenziehe. Gesetzt, Tißot seye zu weit gegangen, wenn ich sol. ches nicht gethan habe? daß ich es aber nicht gethan habe, erweise ich dadurch, da sie nur nicht ein Wort, das mir entfallen wäre, anführen. Hasten sie mich etwan darum, weil mich andere allzusehr gestehet haben? Wie viel billiger handelt Taylor, welcher, auch da er sich beklagt, daß die Ehre seines Glißons unterdrückt wer, de, die Reden meines Freundes sorgfältig von meinen Handlungen abgesondert (12), da doch Glißon der Urheber der Nutzbarkeit wäre. Aber, sie wenden ein, ich hätte mich nicht sollen loben lassen. Ich hätte sollen die Lobeserhebungen unterdrücken. Ich habe, läugnen sie daS nur nicht, wovon ich sie leicht über« fuhren könte, viele Lobsprüche in den Schriften eines Fontana , Caldans und anderer, welche durch meine Hände gegangen unterdrückt. Herrn Tißots Vormde konte (ir) I» iviiüv. -4Z )->( 5^- konte ich bey ihrer Herausgabe nicht sehen» weil ich dazumahl gar zu weit entfernt wäre, ich hätte vielleicht vieles bey diesem redlichen Mann abgebetcn. Nun mögen sie, wenn es ihnen beliebt auf Tißot zürnen. Ich habe also in diesem ganzen Geschäft keine Schuld an mir, wohl aber haben sie solche an sich» Sie thun mir offenbar unrecht. Sie sagen ich habe meine Wissenschaft (i;) meinen Leidenfchm Lehrern, besonders Boerhave zu verdanken; und allenthalben erhellet, daß sie darum anf mich böse sind, daß Hers Tißot in einer Sache, darinnen unsere Lehrer nichts eigenes vorgetragen, in Ansehung der Nutzbarkeit und Empfindlichkeit, aus der Holländischen Schule sich nicht genug mache. Kein Mensch, ich darf es mit gutem Gewissen sagen, auch sie selbst nicht, Fürtreflichster von Haen, welche Boerhave schändlicher Irrthümer beschuldigt haben (14), kein Mensch sage ich, hat so oft und standhaft das Lob seiner Lehrer wiederhohlt, und mit mehreren, Eifer auch in denen Sachen, da er von ihnen abgrenze, für ihren Ruhm gesvrget, und sich mit gewissenhafter Behutsamkeit vorgesehen, daß er sich nichts B 2 W ( 1 ;) S.i5i. (14) U-at. Neck. IV. x- s-2; )°c §z- zueignete , was er ihnen schuldig wäre, als ich- Ades soll darum dasjenige weniger mein seyn, was ich anders als diese Männer gesehen, und was ich über ihre Entdeckungen aus gesehen? Sie zwingen mich Wahr. Heiken zu sagen die ich lieber verschwiegen hätte, um Nicht von mir selbst zu reden. Ich bin nach Leides gekommen noch ehe ich völlig 17. Jahr alt wärest), und noch vor dem iytm Jahr bin ich wieder von dort weggereist (iü). Bey Albm habe ich sechs menschliche Todtencörper gesehen, deren ich einen währender Krankheit des Herrn Albins mit I. Godfrid du Bois ganz Mein zerlegt. Ich habe Herrn Allst» die Myologie und die trocknen Knochen zierlich vorweisen gesehen, sonsten aber weder Nerven , noch Gefässe, noch frische Knochen, noch eine Herrn Winslow ähnliche Geschichte der Eingeweide, »roch einen einzigen Versuch. Ich habe aber nicht nur n». sondern noch viel mehrere ^rTxsrura, wie sie sie nennen, gesehen, welche Herr Raum, deren sehr L15) L. 1725. im April!» (16) L. 1727. im Julius, nachdem ich im May die NoÄor-Würde erlangt, und L. 1726. von Boerhave», -er aus der. Facullät aller» meine gemachten Progreffe erforschet, unter die Candidate» aufgenommen worden. )s( rr Dr viele warm, und Herr Albin verfertigt, der bey meiner Abreise von der Leidenfchen Academie 28 Jahr alt wäre. Nun Urtheilen sie, Herr vott Haen, ich berufe mich auf sie, ob in diesem Alter ein so unglaublicher und Äbentheurlicher Fleiß, Gedächtniß und Scharfsichtigkeit möglich gewesen, daß ich den ganzen Umfang der schwersten Wissenschaft, auch wenn man sie noch so vollständig abgehandelt hätte, innert zwey Jahren, m mein junges noch fast kindisches Gemüth habe auß- fassen können? Was ich bey Boerhave gehört und aufgezeichnet, habe ich der Welt mitgetheilt, sie nennen solches fehlerhaft. Was ich aus dem Vertrag Herrn Albins aufgezeichnet, habe ich in der grösten Kgjte zu Papier gebracht, und kan es so schwer lest», daß ich zuweilen im lesen fehle-, und deswegen habe ich endlich dieser Arbeit überdrüßig solches zu lesen unterlassen. Wollen sie mm sagen, daß ich von dieser Zeit an keinen todten Cörper zerlegt, keine Versuche angestellt, keinen Winslvw ober Bernoulli angehört, keine Bücher gelesen, nichts gehört das von den Meynungen eines Boerhave oder den Zweifeln eines Albins verschieden wäre. Es ist ein Elend, wenn man unschuldig sich B; böses sr )->( § S - böfts muß nachsagen hören, aber noch ein grösseres Elend ist es, wenn man sich selbst loben muß. Indessen werden andere eine Physiologie die in nL. Präparaten enthalten seye, nicht vertragest. Sie werden sagen, die Bewegung fehle, welche sich nur durch Versiehe entdeckt. Die Physiologie seye von der Anatomie durch die Bewegung unterschiedest. Weder sie stöch ein anderer wird weder den Umlauf des Geblüts, noch das Athcmhohlen, noch die Bewegung der Muskeln, noch die Verdauung der Speisen, noch die Erzeugung aus dergleichen Präparaten, wenn sie auch noch so schön, und selbst von Herm Albin verfertigt sind, erlernen. Nur die Eröfnung der lebenden und zuweilen auch der todten Thiere, hüben hiermsten den Weg zur Wahrheit eröfnet. Sie klagen mich einer Unbill gegen Boerhave an, daß ich ihm eisten, einem so grossen Mästn unwürdigen Irrthum aufbürde, als ob er eisten Nerven für eine Senne angesehen hätte (17). Sie haben Boerhavens Geschichte nicht recht gelesen. Ihr erlauchter Freund, erzehlt (*7) S. 5 . i - 4 § )°( «rzehlt uns den Fehler des WundarztS nicht so (18), daß man nothwendig daraus schliessen mäste, Boerhave seye zugegen gewesen, er sagt, er hätte ihn gewamet, nicht er habe ihn gewarnet, oder er warnete ihn. Aber eö kan seyn daß der Wundarzt keinen Nerven ergriffen. Dieses bereden sie sich. Ich habe aber die kennen lebender Menschen mit Zangen angesaget, und sie gedruckt, ich habe sie gesehen mit eisernen Messern reihen, und doch ist keine Empfindung oder Bewegung erfolget. Ändere haben ein gleiches gesehen. Wie leicht hat Boerhave wahre Sennen sehen können, und doch hat der Wundarzt in einer Eilfertigkeit den Hintern Rohrbeinnerven, der zunächst an den Sennen her- ablauft, und sehr groß ist, mit der Zange anfassen können. Zuletzt ist er ein Mensch gewesen. Nicht Boerhave, sondern diejenigen, welche zuerst von den Nerven die Sennen hergeleitet, und ihnen eine gleiche Empfindung beygelegt, haben wegen der Aehnlichkcit mit dem Namen der Nerven geirrt. Von diesen hat sich der Irrthum auf die Nachkommen fortgepflanzet. B4 ES (18) Aus dem Lomm. des berühmten V. 8 XVIL 1 M. "d. I- x. 241. 24 )°( ^ ES erhellet auch aus allen Seiten gar zu deutlich daß sie mit Vorsatz mich haben widerlegen wollen, und mit solchem die Arbeit angegriffen. Denn sonsten hatten sie es von sich nicht erhalten können, daß sie in einem grossen Werk, unter so vielen Versuchen, gar nichts von meiner Arbeit ihres Beyfalls gewürdiget, auch solche Sachen welche sie keiner Falschheit beschuldigen dörfen, da sie erlauchte Kenner zu Zeugen, nicht zu Lobrcd- riern, für sich haben. Ich läugnete, daß die Sennen Nerven, oder Empfindung halten, sie behaupten es. Ich sage was jederman sagt, das Herz habe Nerven und tziemit auch einige Empfindung; sie laugnen, daß das Herz eine Empfindung habe, mir wehe zu thun, deme es zuträglich ist, die Reitzbarkeit von der Empfindung so viel immer möglich abzusondern. Sie wenden viel gegen die Reitzbarkeit des Herzens ein, aber glauben sie im Ernst daß es nicht reitzbar seye? Kan ein Sterblicher in Zweifel ziehen , ob es von verschiedenen Reitzungen, oder von dem zugetriebenen Geblüt, zur Bewegung gereiht werde? Zweifeln sie allein hieran, der einzige wie ich glaube unter allen Menschen, gewiß der einzige unter meinen Gegnern? und wenn sie daran nicht zweifeln, wie ich nicht glauben kan, daß sie in ihrem Irrthum so weit gekommen, warum häufen , sie -n ) o c 2^ sie die Schwierigkcitm auf, damit sie endlich beweisen können, daß wir «ns nicht aus ihren Fallstricken loszuwickeln vermögen, sie werden aber nimmer zuwege bringen, daß das- was uns unsere Sinnen lehren, nicht wahr scye. Wollen sie durch Krankheiten, durch Folgerungen machen, daß wir das nicht gesehen haben , was wir gesehen haben, ich und zwanzig andere berühmte Männer, welche mit mir nicht anders als durch das allgemeine ^Band der Wahrheit verbunden sind? t Wir wollen nun jedes besonders durchgehen. Die Finger (19) sind allenthalben mit Nerven angefüllet, diese sind grösser auf der biegenden als auf der ausstreckenden Oberstäche, zu beyden Seiten befinden sich auch viele. Dieses ist der Sitz des Schmer- zens in dem Wurm am Finger. Sie sagen, ich behaupte die Nerven styen unempfindlich (20), ein solcher Irrthum ist von mir nicmahl mich nur als eine Muthmaßung vorgetragen worden, da ich durch so viele Beyspiele erwiesen habe, wie scharf die Empfirrdung der Nerven sehe (si). B; Sie )S. 7;- (4») S. ro. zr .-4Z ) ° ( D- Wenn ich aber eine Ursach hinzufüge die eine Zuckung erregt, so werden sie auch wider Willen husten. Ihr außerordentliches Milz (4t) hat den Magen, das Zwerchfell und die Gedärme gedruckt. Es scheint auch der Sitz des Schmerzen seye in dem Zwerchfell gewesen. Indessen verursachte jenes Milz keinen Schmerzen, das in der Grösse dem Unterleib gleich wäre, welches Her weiland berühmte König anführt. Es sind in diesem Eingeweide nur wenige Nerven und eine schwache Empfindung. Ich habe die Leber, und Nieren bey Verwundungen durch Geschwüre verschwinden gesehen, ohne Schmerzen, auch sahe ich oft in diesen Eingeweiden Steine verborgen. Es können ihnen, bey ihrer grossen Belesen- heit, eine Menge dergleichen Geschichten nicht Uflbekank seyn. Und doch wollen sie lieber mich angreifen, und Hie Nieren sehr empfindlich machen (42). Sie lehren beynahe allein, daß die Fetthaut (4;) Schmerzen empfinde, welche ohne einige Schmerzen Durch die Eyterung ganz verichwindet, und obgleich Nadeln .und andere. Cörper ohne Empfindung durch diestlbige durchgehen. .Es können freylich Nerven welche durch sie zur Haut gehen auf verschiedene Weise verletzt werden. ( 41 ) S. r-. k4-) S. 84- (-») S. 8?. -4Z )->( 54- n den (44). Aber das geht weder das Fett, noch das zeltichte Gewebe etwas an. Daß ihnen das habe entfallen können, was sie von der Unempfindlichkeit der Haut gegen mich anführen (4;), setzt mich so sehr in Erstaunen, daß ich kaum meinen Augen traue. Ich habe es bey nieinen und meiner Freunden Versuchen hundertmahl wiederhohlt (46), daß die Haut geschmerzet habe, da die Sennen ohne Schmerzen geschnitten worden. Sie haben ganz recht, wenn sie einwenden, daß es bey den Versuchen mit dem Ribbenfelle (47) ein Mangel seye, daß man ohne Verletzung anderer Theile zu dieser Haut nicht kommen könne. Man kan aber diese Unbequemlichkeit nicht ausweichen (48), und daß es eine Unbequemlichkeit seye, habe ich erinnert. Sie handlen aber nicht recht, da sie deswegen läugnen, daß diese Versuche etwas lehren. Fassen sie in der nemlichcn Wunde, einen Nerven an der auf dem Ribbenfelle liegt, sie werden sehen daß er nicht ruhe, obgleich das Ribbenfell sich in voller Ruhe verbrennen läss Auch das reitzen der C Haut (44) Dein. low. I. 0/ 50. ;i. ( 45 ) S. Si- f 46) Siehe die Sammlung in der kexonle genemle x. 76.77. ( 47 ) S. 9;. (48) 8 econs. Nsm. S« 214» ;4 -rs )->( §> Haut hat den Thieren Zeichen des Schmerzens abgs° Hrungen, da von Zerreißung des Ribbenftlles keine dergleichen Zeichen entstunden. Von der reitzbaren Natur der Blutadern sagen sie zü wiederholten mahlen, ich habe solche bald zugegeben bald wieder gelaugnet, sie sind hierüber sehr weitläufig, und füllen damit etliche Seiten an (49), als wenn sie damit ihrem Feind den garaus machen wollten, einem Feind den sie mit Gewalt darzu haben wollen, da er ihr Freund gewesen. Lesen sie doch, Fürtreßtchster Mann, und versöhnen sich mit mir. Ich habe gejagt (40) die Hohl- ädern, welche bey den Ohren zusammenkommen, seyen muskulös und rcitzbar , bey allen andern Blutadern hingegen erscheine keine von diesen beyden Eigenschaften. Beydes habe ich beständig behauptet. Ich habe weder im Jahr 1742. noch im Jahr 1746. noch im Jahr 1757. 1748. oder 1760. diese Eigenschaft der Hohlader bey dem Herzen geläugnet, erlauben sie daß ich sie deß sen gclind erinnere, da ich es scharf thun könte. Sie müßen ( 49 ) S. 98 . Mld folg. (50) Im Lateinischen S. 142. fframvsisch S. 58. Nein. !ur 1 e xart. irrit. L kenüd. §. 17. In den zahlreichen Versuchen, krim. lin. klivüol. ao. 1741. x. 66. n. uz. Llsin. kkvilol. L. IV. x. Zio. und m Lxxer. ele xnllo. T'. II. x. 117, «bs. 244. 265. 26z. 27Y. müssen mich nicht eines Irrthums beschuldigen, wenn sie irren, und mir nicht Meynungen andichten die nur ganz fremde sind, nur damit sie mich angreifen können. Und doch bedienen sie sich nur dieses Fundaments um allen meinen Versuchen den Glauben abzusprechen. Die Blösse der Nerven des Herzens trägt zu der reitz- baren Natur nichts bey (; i). Wenn sie es aber thäte, so würde das Herz desto ehmder callos »Verben. So urtheilen sie. Doch sind die Nerven der Gedärme fast eben ?7 das Herz in den Fischen (56), m den Küchlein ( 57) , völlig erblasse, und hieinit gänzlich ausgeleert werde. Wenn aber das Herz wirklich ausgeleert wird, so wirb, wie ich glaube, die Ausleerung möglich seyn. Es ist aber nicht gar selten, daß man es in den Menschen leer findet, ja es ist bey Kindern die durch die Hand gottloser Müttern sterben, gemein. Wenn die Ohren mit geronnenem Geblüt angefüllt find (58), zeigt sich an ihnen kein Puls. Der berühmte Houßet -( 59) hat hierauf geantwortet, dieses seye dem Magen, Harnblase und den Gedärmen gemein. Jedes habe seine Gränzen, über welche es sich ohne Zerreissmrg nicht ausdehnen lasse. Sie haben nicht warten »vollen, bis sie solches gelesen hätten. Indessen hat unser Lehrer von der Brust und dem Magen ein gleiches gelehrt. Diese Behältnisse sind um deswillen nicht weniger reitzbar» Das Her; wird schlapp, auch ohne eine gänzliche Ausleerung (60). Habe ich dieses nicht vor ihnen gc- C; sagt, (;6) 8ellvNli Alemoirs exx. 487. 492. 524. 546. 549. (57) "t?. II. x. 109. 1 . I. obt'. ;6. 59. 6z. 68. 71. 74. 78- 79, 8i. 82. 8Z- 8;. 105, 119, 121, 127, iZ2,izz, 14z, (58) S, 129. (59) S. 405. 407, rr, - (60) L. izo- ;8 "HZ ) o ( sagt (6i), Md die Versuche vorgetragen, welche sie mir entgegensetzen? Alle Muskeln haben ihre Abwechslungen in dem zusammengehen und nachlassen. Dem unerach- trt wird man sthen, wenn man das Herz einer Frösche aufblasen will, daß es sich um diese Lust herum bestän? djg bewege, aber schnell in Ruhe komme, sobald man die Luft ausdrucket (62). Auch diesen ihren Emwurf hat Caldan mit vielen Versuchen beantwortet (6;). Allein es giebt in dem Herzen auch Krankheiten, und hremit wird es nicht vom Geblüte gereiht (64) , denn es niüste beständig zusammengezogen verbleiben. Es giebt auch Krankheiten an den Gedärmen und an der Gebährmntter, und doch ist ihre reitzbare Natur ganz klar, Freylich wird von diesen Geschwülsten der Mus- kul, der die stärkste Reitzbarkeit besitzt, gereitzet, und sän sehr schwer ruhen, und leidet daher starkes klopfen, Auf diese Weise habe ich es wahrgenommen, und sie führen eben dieses aus andern an. Nebcn- (61) LIcm. kkKvI. u. IV. x. 490.' (6r) 8ecoiui. Älemoir. exx. 512. ;iz. 514. ;iL. ;i8, ;iy. ;2v. ;ri. ;rs. ;;i, .Larggn x-kZ 27 . zrL, (6;) S. zs7, z-8. <^4) S. 4Z )°( " s- Nebcndem so stecken diese Fehler meistens m dem zel- lichten Gewebe/ welches das Herz von aussen nmgiebt (6;); aber die inwendige Seite des Herzens und der Gedärmen, besitzt eigentlich die meiste Reitzbarkeit (66). Um den Leim (67) bekümmere ich mich nicht sehr. Es ist ein angenommener Satz / welcher in das innere unsers Streites keinen Einfluß hat. Unser Leben ist viel zu kurz, daß wir solches in Vertheidigung unserer Muthmaßungen verschleißen sollten; ich habe aber schon lange auf die Einwürfe / die den ihrigen ähnlich sind, geantwortet (68). Und also habe ich, Fürtreflichster von Haen / mit Nachdenken ihr Werk dnrchgelesen / und das wichtigste daraus ausgezogen. Denn was die Reitzbarkeit und Empfindlichkeit nicht unmittelbar betroffen/ sondern sie nur geschrieben hatten mich zu verkleinern / habe ich mit Fleiß Übergängen. Ich sehe daß sie mit einem heftn ( 6; ) Nckel Nein. äe 1 'ttcüä. äs Lerliii g?. XII. x. (66 ) Llein. kk^iwt. I.. IV. p. 468. (67) Sie nennen ihn nicht gar wohl einen Schleim (mucnm) S. 14;. re. (68) HexonL xeneriile x. Hexo/ck », x. irz. -tt )°c §4- 4 ^ Heftigen Widerwillen gegen mich an dieses Werk getreten; allein sie wandeln in der Irre, erlauben sie mir -aß ich ihnen, in einer Lebensart die von der ihrigen ganz fremde ist, die Wahrheit predige. Suchen sie ihren Ruhm darinnen, auf die Heilung der liebenswürdigsten Menschen ihren Fleiß anzuwenden, und für die Gesundheit des Volks zu sorgen. Begnügen sie sich mit dieser Ehre, und lassen uns in der niedrigen Beschäftigung der Zergliederungskunst arbeiten, und glauben sie dem, was wir gesehen haben. Wollte GOLt daß wir nicht so entfernt voneinander leben wüsten! Ich habe nicht alle Hofmmg verlvhren, ihren Beyfall zu erhalten, wenn ich ihnen die Versuche vorweisen tönte die mir den meinen abgenöthigt haben, da ich von dem Gegentheil unterrichtet und überredet gewesen (69), Diefts Glück hat scholl oft unsere Versuche begleitet, daß sie eben so ungläubige als sie sind, überzeugt haben (7°> ( 70) Ick schriebe den Sennen die Empfindlichkeit zu, Lnnim. Lli xrolett. Loerch. 1. II!. x. 467. und der harten Hirnhaut- l - II. x. (70) Lexovlb xsnsrnle x. 41. 4 r. N9<902845Z8Z UU MM MtzLW ÄM