UUU 't- ^ tzdX«§ HKWWMSM DU^DM KHWK >Ä<'!»i>!^ !v!b.'^p> WW MM DOM dM-: MM UM? MMWW MKMK Mittlitzi! Denkmal Herrn Avßali« I^oiirak Weiland des Raths und Zunftmeister in Züri ch. Als ein verehrungswürdiges Beyspiel seinen geehrten lieben, Mitbürgern gewie-met von Einem ihrer getreuen Mitbürger. 4 Zürich. 17 84 . Hoch- und Wohledle.' Sämmtlich vertraute/ liebe Mitbürger und Freunde! ^)as, zur Ehre und zum rühmlichen Andenken des edlen seligen Manns, hier von mir entworfene Denkmal ist die Wirkung und der redliche/ doch in mancher Absicht noch unvollständige Ausdruck einer meiner wichtigsten und liebsten Herzensangelegenheiten. — Ich verehre Tugend und Nechtschaffenhcit/ als die Zierde/ und den sichern Grund des wahren Glückes der Menschen: — und ich liebe/ vorzüglich vor allen Andern, mein Vaterland und meine Mitbürger. — Und da, ich kann und darf es mit Wahrheit sa- A 2 ^ gen, 4 gen, ist es, von meinen jungen Jahren an, vermittelst -er göttlichen Gnade, mir immer angelegen gewesen, meine Pflichten, in einer so wichtigen Absicht und Beziehung, getreulich beobachten und erfüllen zu können: — auch bin ich wirklich so glücklich gewesen, eine beträchtliche Reihe von Jahren hindurch, solches mit gesegnetem uud nicht unbekanntem Erfolge zu thun, davon das Andenken, und die noch wirkliche Beobachtung mir angenehmen Trost und Ermmrterung gewähret. — Allein, ganz besondere, verwinkelte Schicksale und Begegnisse, wie auch eine, durch fatale Umstände und Unruhe, mehr geschwächte Gesundheit haben mich, wider meine Herzensneigung, und zu meiner nicht geringen Be- seufzung, endlich genöthigt, aus meinem vormaligen Berufs- und Wirkungskreise herauszutretten, und mich auf eiuen abgezognem, eingeschränktem, und unmerkbarer» Standpunkt zurückzuziehen. — Da aber habe ich eben nicht, wie es in gewisser Absicht scheinen konnte, und wie es vielleicht Mancher, der mich nicht näher kannte, geglaubt hat, ohne bestimmte Thätigkeit und ohne nützliche Beschäftigung gelebt; sondern da, nebst vielen zufälligen ökonomischen und andern Geschäften, annoch im Stillen und Verborgner, Manchem meiner Mitmenschen durch Unterricht, Erinnerung, Anleitung, Ermunterung und guten Rath dienstbar und nützlich zu seyn: - be- 5 — Besonders aber mich selbst in der Erkenntniß heilsamer und nützlicher Wahrheiten, und in der Fertigkeit besserer und reiner, auf Gottesfurcht und Tugend gegründeten Gestnnungen zu üben und zu befestigen, mir redlich angelegen seyn lassen. — Doch in dieser eingeschränkter» und stillern Situation erhöbe stch öfter und immerhin bis izt der lebhafte Wunsch in meinem Herzen, daß ich doch noch, von Zeit zu Zeit, Anlaß und Gelegenheit finden möchte, mehrern von meinen Mitmenschen, und besonders meinen lieben Mitbürgern etwas wohlgemeyntes und nützliches sagen zu können. — Nun, da die göttliche Vorsehung mir eine Gelegenheit dargeboten hat, welche mir mein eigen Herz als besonders Achtung- und Liebe - würdig empfiehlt; so benutze ich izt dieselbe mit der lebhaftesten Freude, um Euch, meine lieben Mitbürger und Freunde! und besonders Euch, meine lieben iüngere Mitbürger! nach Anleitung des edeln Euch vorgestellten Charakters, und nach meinen Begriffen und Gestnnungen, etwas, für die Beförderung und die sichere Befestigung Euers Glückes und Wohlstandes, unterrichtendes und ermunterndes, mit der herzlichsten und freundschaftlichsten Angelegenheit anzufinnen und zu empfehlen. — Herzlich werde ich mich freuen, wenn Euch meine redlichen Absichten nicht mißfallen werden! A z Mit 6 Mit den eifrigsten Wünschen, für Euern und des ganzen Vaterlandes gesegneten Wohlstand, empfehle ich mich Euerem höchst- schätzbaren, freundschaftlichen Wohlwollen und Zutrauen, der ich die Ehre und das Vergnügen habe zu seyn Euer Hoch - und Wohledlen meiner theuren lieben Mitbürger Zürich den 27. Mär; Dienstergebenster Mitbürger und Freund * 7 8 4. Franeiscus Müller, zweyter sich resignierter französischer Pfarrer. ist eine sehr gemeine Sache, daß es Leute giebt, welche sich anmaßen, Männern, die als Bürger, als Gelehrte, oder als Staatsleute steh in ihrem Wirkungskreise vor andern ausgezeichnet haben, nach ihrem Tode eitle Lobrede zu halten, und Ihnen dadurch ein mehr oder minder beträchtliches Denkmal zu stiften. — Aber auch nichts ist Hiebey gemeiner, als die Sprache der Gefälligkeit, und der Schmeichele», welche^ aus eigennützigen Beweggründen, den Charakter des Mannes, den ste zu schildern steh vornimmt, mehr oder weniger anders, als er wirklich ist, und immer auf der scheinbarsten und vortheilhaftesten Seite vorzustellen suchet: — Da sie die wirklichen Fehler entweder ganz unbemerket läßt, oder solchen selbst, durch eine künstliche, meistens aber gezwungene Wendung, den Schein guter Eigenschaften, ja sogar preiswürdiger Tugenden beyzulegen sich bemühet ; — und auf der andern Seite, das wirkliche Gute sehr vergrößert, und bis zum außerordentlichen Schönen erhebet. Was für eine Wirkung aber müssen dergleichen rühm - und schmeichel- volle Schilderungen natürlicher Weise hervorbringen? Wohl mögen sie willkommen und angenehm seyn denen, deren Interesse mit dem Interesse des Verstorbenen in einer mehr oder minder engern Verbindung stehet, und derer Stolz und Eitelkeit es gerne stehet, daß durch den ruhmvollen Glain des Verstorbenen auch auf ste ein beleuchtendes Licht zurückfällt. — Dagegen 8 gen aber können dergleichen von eitler Gefälligkeit nnd Schmeichele» entworfene Schilderungen bey denen, die den Original-Charakter selbst eigentlich beobachtet haben und genauer kennen, nicht anders, als einen gerechter: Unwillen gegen den schmeichelhaften Schilderet', und eine fruchtlose Gleichgültigkeit gegen die übertriebene Schilderung selbst hervorbringen. Aber schön und angenehm, lehrreich und erbaulich ist es: init Wahrheit und Einfalt den Charakter eines Mannes schildern, nicht eines Mannes, — der, wie so mancher belobte Held, nur durch schulgelehrte Specn-- lationen, oder bloß witzige Wollust und Eitelkeit nährende Schriften, oder aber durch verschiedene veranlaßte Revolutionen, in der gelehrten oder politischen Welt Aufsehen gemachet, und sich durch sein Betragen eben so gerechte und gründliche Tadler, als gefällige und schmeichelhafte Lobredner verursachet hat: — sondern den Charakter eines Mannes, der wirklich Weisheit und Redlichkeit, Gottesfurcht und Tugend, Menschenliebe und Gefälligkeit, Großmuth und Wohlthätigkeit, nicht bloß in seinen Reden, sondern in allen seinen Handlungen, so gleichförmig und deutlich, als es menschlicher Schwachheit nur möglich seyn kann, beständig geäußert und zu Tage gelegt hat: — Eines Mannes, den alle seine Mitbürger, und alle, die mit Ihm Umgang und Verkehr hatten, als einen rechtschaffenen Bider- mann erkannten und verehrten, und als einen herzlichen wohlthätigen Menschenfreund und uneigennützigen Patrioten, mit Anmuth und Zutrauen: liebten. Nun die Grund- oder Hauptzüge des Charakters eines solchen ehrwürdigen Mannes, welche, nur von.wenigen Personen in ihrem ganzen Zusammenhange , von mehrern aber nur einzeln und nur zum Theile, nach verschiedenen Zeiten und Umständen, bemerket worden; Diese Grundzüge, sage ich, nach ihrer natürlichen Lage und Verhältniß zusammenordnen, und sie ' . § sie, in ihrem harmonischen Ganzen, -dem beobachtenden Auge darstellen: — das mag doch wohl eine edle, der Menschheit würdige Bemühung seyn! — denn, wie sollte es änderst seyn können, als daß die Schilderung eines so verehrens- und liebenswürdigen Charakters nicht alle die, welche sie mit ernster Aufmerksamkeit betrachten, auch zu gleich edlen Gesinnungen erweisen , und zn gleich edlem Bestreben antreiben, und ermuntern müßte? — Nur Leute, welche eine unglückliche längere Gewohnheit schändlicher und niederträchtiger Leidenschaften unfähig gemachet hat, die so natürlichen Eindrücke der edlen moralischen Reize der Rechtschaffenheit und Tugend zu empfinden; — nur diese können bey einer solchen Darstellung unempfindlich und gleichgültig bleiben. Ich meine Lieben, meine edler denkende Mitbürger! ich unternehme es, die Schilderung eines Charakters von der guten Art, die ich eben bemerkt habe, euerer Beobachtung zum feyerlichen Nachdenken, und zur glücklichen, gesegneten Nachahmung darzustellen. — Was aber kann mich dazu bewegen, das Gute, das Edle, das Gemeinnützige, das Wohlthätige, das Schöne und Liebenswürdige, das Ihr mit mir, nach euerer Lage, mehr oder weniger an dem seligen Mann beobachtet habet, Euch itzt, nach seinem Tode, annoch genauer und deutlicher vorzustellen? Sollte es eitle Gefälligkeit, sollte es Schmeicheley oder eigennützige Absicht seyn? Aber da darf ich es mit Wahrheit sagen: daß diese Dinge mir äusserst verhaßt stnd, und daß die Erfahrung bewährt, daß fie sich mit meinen Gesinnungen und meiner Art zu handeln nicht vertragen. — Nächst dem machet der wirklich so vereh- renswürdtge Charakter des seligen Mannes, und eben so auch der Charakter seiner hinterlassenen geliebten Familie dergleichen niederträchtige Beweggründe überall unnöthig, verachtet und verurtheilet sie. — Es ist also kein Beweggrund ausser mir, der mich zu meinem Unternehmen auffordere. — Aber B eigene ro .' .> "'^"',7! eigene rsjährige Beobachtung, eigene Erfahrung, eigene Ueberzeugung von -ein Wahren und Guten: — Ehrfurchtvolle Hochachtung und sympathetisches Gefühl für das Edle und Schöne, für das Nützliche nnd Wohlthätige: — Das einstimmige Zeugniß aller Rechtschaffenen, und die lebhafte hoffnungsvolle Vorstellung, daß das lehrreiche und liebenswürdige Beyspiel eines angesehenen tugendhaften und patriotischen Mannes doch noch manche gute und bessere Gesinnung, und noch manches gutes und edles Bestreben bey manchem meiner lieben Mitbürger erwecken, unterhalten, und bis ans Ende stärken und ermuntern werde: — Dieß meine Freunde! dieß sind die wichtigen und starken Beweggründe, welche mich auffordern, Euch den guten edlen Charakter des seligen Mannes annoch etwas näher vorzustellen. — Und so ist das, was mich Hiebey rechtfertiget, eine eigentlich moralische Pflicht. Der Charakter, den ich Euch zum Unterricht, und zur Nachahmung empfehle, hat nichts außerordentliches, welches die allgemeinen Talente und Kräfte der Menschheit übersteiget, nnd wo nur wenige seltene Menschen hinzureichen im Stande sind. — Er ist von gemeinnütziger, ja von allgemeiner Anwendung und Brauchbarkeit. — Es ist nicht -er Charakter eines grossen tiefsinnigen Gelehrten; nicht eines aussordentlichen, weit aussehende Dinge unternehmenden Staatsmanns; und nicht der Charakter eines seltenen Genie, das steh durch erstauneuswürdige Wissenschaft oder Kunst in seinem Zeitalter auszeichnet: — sondern es ist der ordentliche, deutliche, und lichtvolle Charakter eines guten moralischen Mannes — eines liebenswürdigen und getreuen Ehegatten — eines zärtlichen, sorgfältigen, und Beyspiel gebenden Vaters — eines arbeitsamen aufsehenden und geflissenen Hauswirths — eines menschenfreundlichen Vaterland liebenden und gemeinnützigen Bürgers — eines unverdrossenen und großmüthigen Regenten — eines gewissenhaften, freymüthigen und unpartheyischen Richters — und endlich der Charakter II rakter eines redlichen Christen, der steh mit Zuversicht der Leitung und Gnade der göttlichen Vorsehung überläßt, und von derselben wohlthätig gesegnet wird. Wie angenehm und lehrreich wurde es für mich und für Euch , meine Leser! seyn, wenn ich den Charakter des Seligen , nach allen den angeführten Verhältnissen, in so mancher besondern Lage, und bey so mancher besondern Begebenheit, genauer und vollständiger schildern und darstelle» könnte. — Allein, die Vorschrift, die ich mir selbst gemachet habe, nur ein Denkmal, und nicht eine Lebensbeschreibung; — nur einen Entwurf oder Grundriß, und nicht ein ausgeführtes Gemählde darzustellen, verbindet mich, die characteristischen Hauptzüge des Bildes, nach ihrer wesentlichen und harmonischen Lage, ins engere zu ziehen, und dem beobachtenden Kenner zu überlassen, die steh dabey natürlich und richtig ergebende Haltung und derselben Kontrast ohnschwer hinzuzudenken. — Nebst dem würde ich die tugendhafte Bescheidenheit der liebenswürdigen Familie des Seligen, die ich für das wenige, so ich hier schreibe, um ihre gütige Erlaubniß und Nachsteht bitte, durch eine weitläuftigere und um so mehr lobredende Beschreibung, vielleicht mehr beleidigen, als aber vergnügen. I. Der Selige, dessen Gedächtniß wir ehren, ward gevohren, den 12. Febr. 1714. und entstammte aus einem, seit mehr als zoo. Jahren, in unserer Bürgerschaft und in unserem Staate angesehenen und beliebten Geschlechte: — nicht durch einen zufälligen und willkührlichen kaiserlichen oder königlichen Gunst- oder Bezahlungs-Brief: — sondern durch die guten menschlichen und B 2 bur- 12 bürgerlichen Tugenden so vieler auf einander folgenden/ und sich anhaltend in ihrer Bidermanns-Treue und Rechtschaffenhett, und in Vaterlandsliebe und patriotischer Dienstfertigkeit nachahmenden Ahnen und Väter/ im wahren moralischen Sinne geadelt. — Und dieß/ meine lieben Mitbürger! Dieß ist der einzige wahre Adel, welcher empfindsame Achtung und Ehren-Bezeugung verdienet — der einzige / der in einer Republick, wie die unsrige ist/ die willige Folgsamkeit, und das zufriedene Zutrauen seiner Mitbürger mit Recht und mit Zuversicht erwarten darf — der einzige wahre versöhnliche Adel, welchen sich zu erwerben, einem jeden unter uns nicht nur erlaubt, sondern selbst durch unsere Gesetze und Pflichten anempfohlen wird. Was die physische und physiologische Constitution des Seligen betrift, so hatte derselbe, in Absicht seines Körpers , eine sehr wohl gebaute symetrische Gestalt, welche einen ansehnlichen, gesunden und starken Mann vorstellte. — Seine Haltung, sein Gang, seine Bewegungen, und seine Sprache verkündeten einen lebhaften, thätigen, aber auch einen gesezten, mit Ueberlegung und Anstand handelnden Mann. — Das sanguinische Feuer seines Temperaments war durch ein proportioniertes Phlegma so gemäßiget, daß Er auf der einen Seite zu männlichen und muthvollen Handlungen genügsame Entschlossenheit und Standhaftigkeit hatte: auf der andern Seite aber auch nichts über seine Kräfte, oder zum Nachtheil derselben, ohne Noth oder Pflicht, zu unternehmen sich bestrebte. — Seine Geflchtsbrlduug war nicht unbedeutend, nicht gleichgültig oder zweifelhaft, sondern ausdrückend, darzeigend, und redend; — ein offener, heiterer, beobachtender und seinen Gegenstand entweder mit Ernst oder mit Anmuth aushaltender Blick — und richtig proportionierte, deutlich und characteristisch auszeichnende, dabey aber sanfte Lineamente konnten ihren Beobachter nicht gleichgültig oder unempfindlich lassen. — Ohne es nöthig zu haben, allererst durch ein besonderes physiognomisches Lehrbuch unterrichtet zu ..... -Z zu werden, mußte ein jeder, -er ein richtiges Aug, und ein nicht ganz verdorbenes , für das gute unempfindliches Herz hatte, bey dem genauen Anschauen des Manns, fich in demselben einen Vernunft-und Geist-vollen, einen heitern und aufgeräumten, fich Gott und Redlichkeit bewußten menschen- liebenden Mann vorstellen. — Und diese Vorstellung wurde allemal durch die Erfahrung bewähret, so -aß ein jeder, der mit dem Seligen nur einmal einen kurzen Umgang oder Verkehr gehabt hatte, von Ihm mit ermunterter Frölichkett weggieng, und von Ihm das Zeugniß gab, daß er an demselben einen verständigen, rechtschaffenen und edelmüthigen Mann kennen gelernt habe. Der Selige besäße große Verstandes-Fähigkeiten, und diese übte und gebrauchte Er auch immer getreulich zur Erkenntniß der Wahrheit, und seiner allseitigen Pflichten. — Er liebte und beobachtete in Allem Ordnung und Gerechtigkeit : — und während dem, daß Er fich bemühete, durch Fleiß und Redlichkeit, sein Glück und das Glück der Seinigen zu befördern, wünschte und bestrebte Er fich auch, bey jeder Gelegenheit das Glück seiner Mitmenschen zu befördern, und das Unglück der Elenden und Bedrängten zu mildern. — Ungeachtet so vieler beträchtlichen und besondern Vorzüge seiner Glücksumstände, verabscheute Er doch von Herzen das den Reichen und Grossen so gemein bey- kommende Laster — den Hochmuth und Stolz. — Er war gegen Jedermann, auch gegen die Geringsten und Aermsten bescheiden, herablassend und gefällig. — Titnl und Würden konnten Ihn nicht verblenden, und diesen allein gab er keinen Vorzug in seinem Herzen; aber Rechtschaffenheit, Redlichkeit, und wesentliches Verdienst, die verehrte Er, auch in dem verborgenen oder verkannten Bürger, und in dem fleißigen , doch mehr oder weniger nothleidenden Landmann. — Eine genauere Aufmerksamkeit auf fich selber, und auf das so verschiedene Schicksal der steh mehr oder weniger gleichscheinenden Menschen machte B; Ihn 14 Ihn empfindsam nnd mitleidig, sowohl für die Fehlerund Vergehungen, als für die Bedürfnisse der Elenden und den Mangel der Armen. — Und so war Er, zur Nachsicht und zum Vergeben geneigt, in seinen Ahndungen und Bestrafungen allezeit gemäßiget und gelinde: — und Er erzeigte sich, wenn es um Tröstung und wirkliche Beyhülfe der Nothleidenden zu thun war, allezeit besonders wohlthätig und freygebig: und das würde Er, nach seiner Denkungs- und Empfindungsart, auch bey geringern Glücksumständen, immer gewesen styn. — Wie glücklich wäre die Menschheit, wenn die meisten allso denken, allso empfinden und handeln würden! — Und wie glücklich müßen die Bürger eines Staates seyn, wenn sie sich ein so edles Beyspiel zur Vorschrift und Regel ihrer Nachahmung wählen! Noch will ich hier eine brauchbare Anmerkung über die Gesundheit des Seligen machen. — Die Stärke und Dauer seiner so lange genossenen Gesundheit war, ohne Zweifel, ursprünglich in seinem Temperamente und in seiner Leibes- Constitution gegründet; allein es ist auch gewiß, daß Er, bey einer unordentlichen Lebensart, seine Gesundheit nicht so gut, so ganz und so lange würde erhalten haben. — Und da müßen wir uns zum Unterricht und zum Beyspiel anmerken, daß der Selige früher anfienge, sich einer wohleingerichteten Lebens- Ordnung und einer klugen Mäßigung zu befieissen. — Er war ein Feind des Müßigganges und der Verzärtelung. — Seinen würdigen Vätern gleich, gewöhnte er sich von Jugend auf, des Morgens ftühe an seine ordentliche bestimmte Arbeit zu gehen, und da in seinen Berufsgeschäften bis auf den Abend, und, wenn es nöthig war, bis auf den späten Abend, unverdrossen auszuhalten. — Und so billigte und erlaubte Er sich und den Seinen die Ruhe- und Erqutckungs-Stunden nur insoweit, als sie zu Wiedererhollung und frischer Belebung der Leibs-und Gemüthskräfte, oder besonders zur Bewegung des Körpers, bey einem Berufe, der meistens ein anhaltendes Sitzen erfordert, oder auch " — - ----- .. - auch zur gefälligen und angenehmen Conversation mit einem guten Freunde nöthig und nüzlich seyn können. — Nicht weniger beobachtete der Selige Proportion und Mäßigung bey seiner Tafel; — diese war allezeit niedlich und anständig/ doch nicht mit vielen oder seltenen Gerichten bedecket/ und allezeit so eingerichtet/ daß man weder auf der einen Seite einen kargen/ nach seinen Ver- mögensumständen / mehr als nöthig und anständig / zurückhaltenden Mann; noch auch auf der andern Seite einen eiteln/ scheinbaren Aufwand-liebenden/ oder wollüstigen/ nach seltsamen und kostbaren Bissen lüsternen Mann dabey wahrnehmen konnte. — Da Er den grösten Theil der Zeit sich mit seiner ordentlichen Arbeit, und seinen Berufsgeschästen bemühete; so genoß er auch seine tägliche Mahlzeit immer mit Lust / mit Dank und Geschmack — und weil Er sie mäßig genoß/ und dabey / außerordentliche Anläße und zufällige Bewirthung guter Freunde ausgenommen / sich selten länger als eine halbe Stunde verweilte/ und von da sich wiederum an seine Geschäfte begab; so mußte auch die von Ihm genossene Nahrung natürlicher Weise zur Erhaltung und Stärkung seiner Gesundheit und Lebenskräfte zuträglich und beförderlich werden. — Mögen sich diese Vorschrift diejenigen merken/ welche, durch allzu öftern, abzulaugen und unmäßigen Genuß mancherley Speisen und Getränke, die kostbare, zu nüzlichen Beschäftigungen bestimmte Zeit / und damit zugleich die Safte und Nerven ihres Leibes verderben / und so sich Beschwerden / Schmerzen und Schwachheiten zuziehe»/ die sie bey einer ordentlichen Lebensart gewiß, nicht, oder doch viel weniger / haben würden. Laßt uns den würdigen Mann jezt genauer nach seinen Geftüschafts- und Berufs - Verhältnissen betrachten. II. r§ Der Selige vermählte sich den i8. August i7?9. — Seine Auswahl bey dieser allerwichtigsten gesellschaftlichen Verbindung unsers hiesigen Lebens war eben so überlegt/ als gesegnet, und seine Zuneigung eben so richtig und edel, als glücklich und mit dauerhaftem Vergnügen belohnt. — Von tugendhaften , arbeitsamen und haushälterischen Eltern erzogen und gebildet, wünschte Er sich eine Freundin und Gehülfin von eben der Art; — und solche fand Er, durch Gottes wohlthätige Leitung, in der verehrenswürdigen Gemahlin, welche jetzund mit dem empfindlichen, edlen, geistigen Schmerz einer durch 44. Jahre in Freud und Leide allezeit richtig und glücklich geprüften Liebe und Freundschaft; aber auch mit einer christlich - kindlichen Entsagung an den guten Willen unsers himmlischen Vaters, und mit einer empfindungsvollen lebhaften Versicherung eines ewig seligen Wiedersehens, den zeitlichen Verlust ihres redlichen Mannes, und ihres besten vertrauten Freundes betrauret. — Würde es mir die edle Demuth und die Bescheidenheit dieser vortreflichen Matrone, und würde es mir, in dieser Rücksicht, meine eigen zuhabende Diskretion erlauben; so wollte ich es mit vielem und lebhaftem Vergnügen unternehmen, den Character Derselben zu schildern, und solchen unsern jungen Hans- itnd Kinder-Müttern, als ein richtiges und liebenswürdiges Beyspiel, zur getreuen Nachahmung empfehlen. Liebreich und zärtlich, angenehm und gesegnet war die so lang gedaurte Verbindung dieser getreuen rechtschaffenen Ehegatten. — Der glücklichste Ehestand, sagt das Sprüchwort, hat auch seine trüben und bangen Stunden: Und solches Sprüchwort soll auch hier gelten, insofern es sich nur auf äussere Zufälle und Umstände beziehet. — Aber dergleichen Zufälle und Umstände ausgenommen/ kann ich, nach meiner und nach allgemeiner Beobachtung, mit Wahr- .^ L7 Wahrheit sagen, -aß diese eheliche Gesellschaft sich durch eine anhaltende und Vis in das höhere Alter stets fortwährende Herzensfreundschaft und Seelen - Sympathie kennbar und liebenswürdig gemachet hat. — Was aber war der Grund hiervon? Das war der Grund/ meine Lieben! weil diese glückliche Verbindung / weil dieß eheliche Leben zu beyden Seiten , schon vom Anfange her / auf überlegte Zuneigung / auf persönliche Liebe / auf Einsicht eines guten Characters/ auf Achtung und Zutrauen/ auf redliche und gefällige Absichten/ und auf die Befestigung eines wechselseitigen gemeinschaftlichen Interesse gegründet war, und sich darauf immer gleichförmig fortgebauet hat. Erkennet und lernet daher / Ihr meine lieben jungeil Mitbürger und' Mitbürgerinnen! worauf Ihr/ bey der so höchst wichtigen Absicht/ Euch zu verheyrathen, vorzüglich euer Augenmerk richten müsset. — Nicht Reichthum/ nicht Familien - Ansehen allein/ sondern Tugend / Rechtschaffenheit/ persönliche Liebenswürdigkeit/ Ähnlichkeit guter Gesinnungen und sympathetisches Gefühl; das muß/ wenn Ihr Euch glücklich und gesegnet verbinden wollet, bey Euch die Hauptabsicht, und der entscheidende Beweggrund seyn. — Bloß mahlerische oder bildhauerische Schönheit; bloß Reichthum und Familien- Ansehen, ohne persönliche Tugend und moralische Liebenswürdigkeit; — die sollen Euch niemals verblenden und niemals verführen! — Denn bedenket es wohl! so einnehmend und reihend diese äußerlichen Vortheile uns immer/ für sich allein betrachtet/ auch scheinen mögen; eben so gleichgültig, ja eben so unangenehm, so widrig und verbittert, so gefährlich und kummervoll müssen sie uns werden, wenn wir sie in täglicher Gesellschaft und au der Seite einer unmoralischen, uns widerwärtigen, aber doch mit uns i>n- L rmr' i8 -. — wer genau verbundenen Person besorgen, brauchen, anwenden, undgenies- sen sollen. — So manches trauriges Beyspiel, das Ihr, leider! in diesem Falle beobachten könnet, soll Euch lehren und ansinnen, wie ausserordentlich viel Euch daran gelegen seyn mäße, Euch, mit wohl überlegter Vorsichtigkeit und mit feyerlichem Ernste, einen Gehülfen oder eine Gehülfin euerS diesseitigen, Trost und Ermunterung bedürftigen Lebens zu suchen und auszuwählen! m. Itzt wollen wir den Seligen als Vater betrachten. Unterrichtend und angenehm ist das Beyspiel, welches Er uns in dieser wichtigen Beziehung . giebet. — Die pflichtmäßige und wesentliche Absicht, und der herzliche aufrichtige Wunsch eines freundschaftlichen und zärtlichen Ehestandes wurde dem Seligen von der göttlichen Vorsehung wohlthätig und reichlich gewähret, da Er das segnende Glück, und das einem redlichen edelmüthigen Mann so innigliche Vergnügen hatte, von stebenzehen, und bis zu seinem seligen Abscheiden von sieben noch lebenden, allerseits tugendhaften und sehr glücklich etablierten Kindern, vier Söhnen und drey Töchtern der geliebte Vater, und von ueunzehen hoffnungsvollen Enkeln und Enkelinen der geliebte Großvater zu seyn. Vernünftig , überlegt, und sorgfältig war die Erziehung, welche der Selige seinen Kindern gab: und auch eben so glücklich und gesegnet waren die Folgen und die angenehmen Früchte davon. — Das Fundament und die Grundlage dieser guten Erziehung war die Herzensangelegenheit und der gemeinschaftliche harmonische Entschluß des pflichtliebenden Vaters und der psiicht- lievenden Mutter, die Kinder, die Ihnen Gott schenken würde, unter seinem Beystand und dem Einfluße seiner Gnade, so viel nur immer von Ihnen abhängen könnte, zu guten Menschen, zu frommen und tugendhaften Christen, 19 und zu nützlichen und dien-fertigen Mitgliedern der bürgerlichen und häuslichen Gesellschaft zu bilden. Bedenket dieß, Eltern/ und Ihr/ die Ihr noch Eltern zu werden wünschet! — Euere allererste/ euere vornehmste Herzensangelegenheit/ in dieser Absteht/ muß die gute moralische Erziehung/ und das dadurch zu erzielende wahre Glück eucrer Kinder seyn. — Wenn Ihr aber hierzu vor Gott den wohlüberlegten herzlichen Entschluß fasset / und demselben in der Ausübung getreu bleibet; so dürfet Ihr mit mehr als bloß mit Wahrscheinlichkeit/ ja mit Zuversicht hoffen / daß Gott euere Absicht und euere treue Bemühung segnen und sie mit Trost und Freude belohnen werde. Die allererste / meistens bloß physische Besorgung der geliebten Kinoer wurde natürlicher Weise hauptsächlich der zärtlichen / sorgfältigen, und klugen Mutter überlassen. — Mithin aber wurde allezeit gemeinschaftlich darauf" gesehen / daß die Kinder / von ihren zarten^Jahren an/ in Absicht der Nahrung und Kleidung und aller andern Bedürfnisse / in einer guten gleichförmigen Ordnung / mit Aufmerksamkeit / doch nicht mit einer zu ängstlichen oder übertriebenen und verzärtelnd - gefälligen Mühsamkeit/ besorget und unterhalten würden. — Der Selige befolgte Hiebey mit seiner Gemahlin den richtigen/ anfdaS Beyspiel der muntern Ahnen/ und auf seine eigene Erfahrung gegründeten Lehrsatz: nämlich / daß man die Kinder / von ihrer zarten Jugend auf/ an Ordnung und Mäßigung / nicht aber an nnnöthige und künstliche Bedürfnisse/ und eben dadurch auch an nnnöthige / unruhige und unangenehme Empfindnngen gewöhnen müsse. — Er liebte seine Kinder zu herzlich und zu angelegen / als daß Er / durch eine bey denselben in ihrer ersten Jugend verstattete Verzärtlung, sie zu blöden/ schwachen / delikaten und unschweizerischen Menschen machen sollte/ um so weniger/ da unstreitig Gesundheit und Stärke die wichtigste!und schäzbarste Gabe unsers körperli- C 2 ehe» 20 chen Lebens ist. — Anbey wurde allezeit sorgfältig dafür gewachet, daß an der angenommenen und beliebten Ordnung , durch unverständige Dienstbote» und andere zufällige Leute, nichts abgeändert oder verderbt werden möchte. Was die eigentlich moralische Erziehung betraft; da sahe der Selige, nach seiner vernünftigen und männlichen Klugheit, es ganz deutlich ein, daß der einzige wahre und fruchtbare Grund aller Moralität, und so aller Tugend und Gottesfurcht auf einem, erstlich bloß angewöhnten , hernach aber, vermittelst Ueberlegung und Einsicht, aus Achtung und Liebe sich erweisenden Gehorsam gegen die göttlichen und menschlichen Gesetze beruhe. — Und diesem Grundsätze zufolge, machte Er es sich zur feyerlichen Hauptregel seines Erziehungplans, seine Kinder, von der zartesten Jugend auf, an einen genauen pünktlichen Gehorsam, und, in allen Absichten, an eine erforderliche Subordination zu gewöhnen. — Solches geschahe nach Maßgab ihres anwachsenden Alters, erstlich vermittelst bloß sinnlicher Zeichen und Ahndungen, und dann nach und nach durch ausdrückliche vernehmliche Befehle, durch Anzeigen, Beyspiele, Erklärungen und durch deutliche faßliche Gründe: — und dieses alles mit einem nicht furchtbaren zurückschreckenden, sondern nur Aufmerksamkeit und Achtung erweckenden Ernste, der das gesetzgebende Ansehen; aber auch mit einer durchscheinenden Güte^ die das väterliche und sorgfältige Wohlmeynen dem kindlichen Herzen kennbar und empfindlich machte. Mit Freuden erlaubte der liebreiche Vater seinen noch minderjährigen Kindern angemessene unschädliche Spiele und Ergötzungen, und Er hatte das Vergnügen, oft sich selbst dabey mit einzumischen, und sich bis zur anmn- thigen Einfalt der geliebten Kinder herabzulassen. — Mitbin aber sorgte Er auch allezeit dafür, daß die unschädlichen Spiele und Ergötzungen, die Er seinen Kindern erlaubte, ihnen auch, so viel nur möglich seyn konnte, zu ..--7 rr W einigem Nutzen gedeihen »nöchte«: da sie dabey, entweder zum Vortheil ihrer körperlichen Bewegungen, oder zum Vortheil ihrer Gemüthsneigungen und ihrer gesellschaftlichen Pflichten, etwas zu beobachten und zu erlernen hatten. Ueberhaupt wurden die geliebten Kinder, von ihren ersten Jahren an, zu einer anständigen und nützlichen Beschäftigung, und allso zu einem thätigen und wirksamen Leben angewöhnt und ermunteret. — Nach und nach, da sich mit ihrem anwachsenden Alter auch ihre Begriffe mehr aufklarten, und ihre Fähigkeiten sich mehr entwikelten, wurden sie zu wesentlicher» und ernsthafter« Beschäftigungen gezogen; und hiernächsi in Sprachen, Wissenschaften, und Arbeiten unterrichtet, welche man nöthig und nützlich erachtete, sie geschickt zu machen, ihrer Bestimmung zu folgen, und künftig ihre Pflichten, nach jeder Beziehung, richtig erfüllen zu können. Obschon der Selige das Vermögen gehabt hätte, alle seine Kinder, durch besondere und eigens bezahlte Lehrer, in seinem Hause unterrichten zu lassen; so wollte Er doch dieses nicht thun, ivenigstens nicht während den Mgern Jahren seiner Kinder, und nicht, als nur in so ferne solches zu einem besondern und wettern Unterricht nöthig seyn konnte. — Er schickte sodeun alle seine Kinder in die ordentlichen öffentlichen Schulen, für deren Veranstaltung und Nutzbarkeit Er mit Recht viele Achtung und Zuneigung hatte. — Öffentliche Schulen, sagte Er, sind eine der wichtigsten und nützlichsten Veranstaltungen in einem Staate; — denn in denselben wird, nach einem allgemein beliebten uud bekannten Plane, dasjenige gelehrt, was Allen und einem Jeden nöthig, nützlich und brauchbar ist. — In denselben werden die Kinder zm- Arbeitsamkeit, zum Nachdenken, zur Orduung und Regel- nüßigkett, zum Gehorsam und zur erforderlichen Subordination angewöhnet. — und noch mehr — in öffentlichen Schulen ist es, wo die Jugend die Pflichten der Menschheit und des gesellschaftlichen Lebens aus Beobachtung C; und 22 und Erfahrung kennen lehrnet; — denn da gewöhnt sie sich an die Vorstellung und an den Begriff: daß wir überhaupt Alle einander gleich/ und alle zu gleichen Gesetzen und Pflichten verbunden sind / der Reiche wie der Arme/ und der Vornehme wie der Gemeine: — Und daß unsere so verschiedenen äusseren Glücksumstände weder unsere Fehler zuläßig und unftrafbar/ noch unser Gutes verächtlich oder unkennbar machen können. Wie wahrhaft und wichtig ist diese gemachte Vorstellung / und wie dar- zeigend/ um uns die Nutzbarkeit der öffentlichen Schulen begreiflich zu machen! — es seye mir erlaubt/ dazu noch folgendes beyzufügen: — In den öffentlichen Schulen ist es, wo die Jugend auf der einen Seite das Schöne und Angenehme der pflichtliebenden Tugend, und auf der andern, das Unordentliche und Verachtungswürdige der Pflichtversäumniß an dargezeigten Beyspielen genauer bemerken und erkennen lehrnet; — Und da ist es auch, wo die Beobachtung so mancherley Vergebungen den Schülern die so wichtige Pflicht ansinnet, ihre eigne Schwäche und Fehlerhaftigkeit zu empfinden, und eben darum gegen andere nachsichtig und mitleidig zu seyn. — Und endlich sehen wir deutlich, daß öffentliche Schulen den Schülern, in so mancher Absicht, Gelegenheit und Beweggründe dargeben, sich gegen einander dienstfertig, gefällig und freundschaftlich zu erweisen. — Wenn aber dergleichen sich früh angewöhnte tugendhafte, liebreiche und dienstfertige Gesinnungen für die Bürger eines jeden Staats ein Glück und ein Segen sind; so müssen sie es ganz besonders für die Bürger einer Republik, wie die unsri- ge, seyn: — für uns, die wir eigentlich Alle mehr oder weniger achtbare Theile von einem aus uns, zusammen genommen, bestehenden Körper sind, einem Körper, welcher nur vermittelst der freundschaftlichen und gleich wirksamen Harmonie aller Theile sicher und dauerhaft bestehen kaum Aus ' 7- —-."".'.---^'7. ^ " . V7 2Z AuS den angeführten wichtigen Gründen liebte der Selige es vorzüglich, seine Kinder, während ihren jüngern Jahren, in die öffentlichen Schulen zu schicken. Als ffe aber bey mehr ansteigendem Alter den gewöhnlichen Schul- Lurlum vollendet hatten, und es jtzt noch um die Erlehrnung einer ihnen nöthigen Sprache, oder einer nützlichen Wissenschaft, welche damals noch nicht in den öffentlichen Schulen gelehrt wurden, oder auch um einen weiteren und genaueren Unterricht in dem, was sie bisdahin gelehrnt hatten, zu thun wäre; so ermangelte da der sorgfältige Vater nicht, seine Kinder in diesen Stücken annoch durch einen besondern tüchtigen Lehrer, entweder in seinem eigenen Hause, oder auch in dem Hause des Lehrers, nebst andern ihren Gespielen, unterweisen zu lassen. — Hiebey aber war der Selige allezeit sehr sorgfältig darauf bedacht, seinen Kindern in jedem Fache einen solchen Lehrer ausfündig zu machen, welcher, nebst der erforderlichen Ge- schicklichkeit im Unterrichte, auch besonders durch einen guten Gemüths- Charakter, und durch reine anständige Sitten sich achtbar und beliebt machte: — denn das war über alles immer bey Ihm die Hauptsache, dafür zu sorgen, daß das Herz und die Sitten seiner geliebten Kinder gut gebildet, und nicht verderbt werden möchten. — Und da begriffe Er wohl, daß das Beyspiel eines Lehrers in dieser Absicht einen mehr oder minder beträchtlichen Einfluß haben müsse. — Er bemerkte Hochmuth, Petitmäterey, und ausschweifendes Wesen allezeit mit Wiederwillen und mit Verachtung an einem jeden, den er damit behaftet sahe; diese Dinge aber schienen Ihm besonders ärgerlich und ungeziemend an den sogenannten Geistlichen, welche die, Demuth und Tugend empfehlende, Religion lehren, und Beyspiele ihrer heilsamen Anwendung und Ausübung seyn sollen. Glücklich aber war ein jeder tugendhafter, redlicher und gewissenhafter Lehrer, der das Vergnügen hatte, den guten Kindern des verehrenswürdigen Va- 24 Vaters Unterricht zu geben. — Junge Leutbe unterrichten , welche, nebst mehr als mittelmäßigen Verftandes-Fähigkeiten und einer aufgeweckten ferti« gen Gemüths-Art, wirklich eine überlegte Lernbegierde und eine anhaltende Aufmerksamkeit zu dem Unterrichte bringen, und denselben dadurch kräftig ermuntern, daß sie allezeit Achtung, Liebe und Folgsamkeit gegen den, der sie unterrichtet, zu tage legen: — das ist gewiß eine, auch ohne alle andere Belohnung, höchst erfreuliche, sich selbst belohnende Bemühung für einen edel und herzlich gesinnten Lehrer. — Und noch mehr: bey dem redlichen Unterrichte solch gutartiger Söhne und Töchter, immer den segnenden Einfluß der Erinnerungen und Ermunterungen, der Prüfung und des Beyfalls eines Vaters bemerken, welcher den glücklichen Fortgang seiner Kinder und die treue eiferige Bemühung ihres Lehrers zu beobachten und zu schätzen weiß: — Das ist eine nicht gemeine, aber wonnevolle Befriedigung für einen Lehrer, dem es eine seiner angenehmsten Pflichten ist, jungen Gemüthern Wahrheit und Tugend bekannt und beliebt zu machen. — Diese wonnevolle Empfindung hat mir ehmals mehrere Jahre hindurch die Erfahrung gewährt, und noch genieße ich fie zu meinem Trost und meiner Beruhigung, doch weniger lebhaft, in dem dißfälligen Andenken und in meinem Bewußtseyn. — Noch muß ich beyfügen, daß der Selige einen jeden rechtschaffenen und getreue» Lehrer feiner Kinder sehr freygebig belohnte, und einem solchen seine Achtung und Freundschaft nicht nur zusagte, sondern auch wirklich und in der That bey aller Gelegenheit erzeigte. Mögen aus dem angeführten Eltern und Lehrer genauer bemerken, was sie zu thun haben, um die heiligen Pflichten ihres Berufs getreulich und auf eine Freude und Segen bringende Weise zn erfüllen! Wie aber hat es der Selige, in Absicht der galanten Künste und der Modegewohnheiten , mit seinen geliebten Kindern wollen gehalten wissen? — So -. ^ 24 So sehr Er auf Arbeitsamkeit/ auf nützlicher Anwendung der Zeit/ und auf einem eingezogenen Wesen hielte; so wenig verurteilte oder versagte Er doch unschädliche und anständige Ergötzlichkeiten/ wenn ste bloß als solche/ nach Maasgab der Zeit und Umstände/ gebraucht werden. — Und so viel Er die Einfalt der alten äußerlichen Sitten schätzte; so wenig mißbilligte Er doch die neuern faßonnierteren Sitte« / in so fern ste nichts unzuläßiges/ unmoralisches oder verderbliches baben. — Diesen Gesinnungen zufolge erlaubte Er allen seinen Kindern / daß ihnen für einige Zeit ein hinlänglicher Unterricht/ beydes in der Mufik und in dem Tanzen/ gegeben werden möchte: — doch dieses sollte nur als eine Nebensache / und als eine Ergötzlichkeit in den Nebenstunden/ und ohne Versäumniß der wichtigern Dinge geschehen: — und der ganze dißfällige Unterricht nur kurz und nicht länger dauren/ als es nöthig war. die jungen Leute überhaupt so viel zu lehre«/ daß ste bey einer dergleichen gesellschaftlichen Ergötzlichkeiten auf eine anständige Weife mit Antheil zu nehmen geschickt seyn konnten: — Aber einen grösseren Theil der Zeit darauf zu wenden/ um die Kunst immer höher zu treiben/ das konnte und wollte Er nicht erlauben: — denn / sagte Er / meine Söhne/ die freyen Bürger einer Republik/ die mögen wohl Musik lieben/ und kennen; aber ste müssen keine Virtuosen und keine Concertmeiftere / sondern arbeitsame/ ihrem eigenen Hause und dem Vaterlande -ienstleistende und nützliche Männer werden; — und meine Töchter / die freyen Bürgerinnen einer Republik, die mögen wohl anständig Tanzen können; aber ste müssen keine bewundernswürdigen Ball-Tänzerinnen/ sondern vielmehr gute/ sittsame uvd fleißige Haus- und Kindermütter abgeben / und dabey glücklich werden. Ich brauche es hier nicht weitläufig anzumerken/ da es sich von selbst er- gicbet, daß diejenigen Eltern sehr unbesonnen und nachtheilig handeln/ welche ihren Kindern erlauben / einen größeren Theil oder so gar den grösten D Theil 26 Theil -er so kostbaren Zeit nur mit Mufik / und meistens nur mit wollüstig ger Musik, — oder aber mit eitlen, nützliche Arbeit scheuenden, Tanzpar- thien zu verschwenden. In Absicht der Kleidung und der dißfälligen Mode hat Man immer beobachtet, daß die Söhne und Töchter des seligen Mannes niemals, uach ihrem Stande und Vermögen, auf das kostbarste, und niemals, nach dem Beyspiel besonderer, sich durch seltner» und künstlichern Putz auszeichnender Personen, gekleidet und aufgerüstet erschienen sind; sondern allezeit so, daß Man, nach der heutigen Mode, immer eine kluge Mäßigung und einen bescheidenen Anstand an Ihnen bemerken konnte. — Und dieses geschahe zufolge der von dem seligen Vater und der noch lebenden ehrwürdigen Mutter ihren Kindern angewöhnten und beliebten Gesinnung, nämlich, daß Man zwar in äußerlichen Dingen allezeit nach -er Mode und seinem Staude sich anschicken; wenn es aber um Aufwand und mehr oder weniger Pracht zu thun seye, sich dabey allezeit in so weit mäßigen und einschränken müsse, daß Man Andern kein unangenehmes, kein mit Grund Tadel erweckendes, linkem zur Nachahmung gefährliches Beyspiel gebe: — Und dieses seye bey uns um so wichtiger, und um so mehr zu beobachten, da wir in einer Republik leben, wo, bey sehr verschiedenen Glücks- und Haus-ttmständen, doch alle überhaupt auf die gleiche Freyheit, und das gleiche Recht Anspruch machen können. Was die gewöhnlichen Gespan - oder Gcspiel - Gesellschaften anbelangt; so erlaubte der selige Vater seinen Kindern dergleichen Abend-Gesellschaft zwar mit Freuden, doch mit der Einschränkung, daß solche ordentlich nur einmal oder höchstens zweymal in der Woche gehalten werden: und mit der Erinnernng, daß Man dabey keine besondere oder unmäßige Verköstung aufwenden, und sich mit und unter einander auf eine unschuldige, und so viel 27 viel möglich nützliche Weise unterhalten und ergötzen solle. — Daß aber jungen Leuten verstattet werde, so gar fast alltäglich den grösser« Theil des Nachmittags einem arbeitlosen Zeitvertreibe aufzuopfern, und da bald in diese, bald in jene Gesellschaft hin und her zu ziehen: das mißbilligte und untersagte der rechtschaffene Vater, als eine höchst strafbare Zeitverschwendung, und als eine den Berufspflichten und dem häuslichen Wohlstände äusserst nachtheilige und verderbliche Unordnung. — Mögen steh dieses diejenigen zu ihrer Besserung bemerken, die steh in solchem Falle fehlbar und strafbar finden! Nun will ich hier in Rücksicht auf die heut zu Tage so fast allgemeine, zu etwelchem Zeitvertreib gewöhnliche Lektüre einige nutzbare Bemerkungen beyfügen. — Der selige Mann machte es steh, in den wenigen, Ihm, nach Verrichtung seiner wichtigen und verschiedenen Berufsgeschäfte, annoch übrig gebliebenen Stunden, zu einem seiner Vergnügen, ein wohlgeschrie- benes, angenehmes, mehr oder weniger nützliches, Bnch zu lesen: — allein seine beliebte Wahl Hiebey waren eben nicht Komödien, und nicht Romane; sondern vielmehr interessante wirkliche Geschichten, Lebensbeschreibungen, oder aber praktische Bücher zuin Nutzen der Politik und der Oekonomie. — Die heut zu Tage so zahlreich und so frey und ungescheut herumgebotenen Bücher aber, deren Verfasser es auf stch nehmen, die, seit so vielen Jahrhunderten bis jzt, durch die vernünftigsten, lichtvollesten und rechtschaffensten Männer geprüften und festgesetzten Grundsätze und Lehren der Religion und Moralität, vermittelst mancherley witziger und spitzfindiger Einwürfe und Gegensätze, auch lustiger Einfälle und Zugaben, zweifelhaft und verdächtig zu machen: — solche verurtheilte und verabscheute Er, als Ausbrüche einer der Sicherheit des gesellschaftlichen Lebens und dem Heil der Menschheit höchstfemdseligen und unsinnigen Gewaltthätigkeit. — Und in dieser so D r höchst- 28 höchsiwichtigen Rücksicht war er äusserst sorgfältig, alle seine geliebten Kinder vor dergleichen mehr oder weniger gefährlichen/ offenbareres oder verborgneres Gift bey sich führenden Büchern zu verwahren. Die Erreichung dieser sorgfältigen Absicht mußte nm so viel sicherer nnd leichter werden, da die jungen Leute, von ihren ersten Jahren an, zur Gottesfurcht und Tugend angehalten, nnd in der Folge durch einen gründlichen und überzeugenden Unterricht in den Lehren der Religion und Moral, zn einer bereitwilligen und zuneigungsvollen Ausübung ihrer dießseitigeu Pflichten, und zu einem gerechten Unwillen gegen alles dasjenige, was sie daran verhindern möchte, ermuntert und gestärket wurden. — Mit dieser guten Gemüthsverfassung fanden sie freylich ein Vergnügen daran, auch in ihren Nebenstunden ein gutes unterrichtendes, oder ein unschuldig ergötzendes Buch zu lesen; aber sie gewöhnten sich auch nicht an eine allgemeine, unbestimmte, heut zu Tag so sehr zur Mode gewordene Lescsucht, wo Man, die ganze Woche hindurch, mit Versäumniß seiner Geschäfte und Pflichten, aus den so manchen lohnsüchtigen Lesebibliotheken, ohne Unterscheid, und meistens nur romanhafte und wollustreitzende Bücher, eines um das andere zu beschicken, und ganz hastig durchzulesm gewohnt ist. — Dergleichen Bücher fanden Sie nicht nach ihrem Geschmacke, nnd Sie waren gegen die witzvollen und gefährlichen Thorheiten derselben zugut verwahret, als daß solche Sie mit ihrer reihenden List hätten einnehmen und verführen können. Wie gut und glücklich würde es seyn, wenn Man das in unsern jzigen Witzvollen Zeiten so sehr überhand nehmende Geschmeiß solcher Bücher, die mehr oder weniger zur Schwächung und zur Verderbung religiöser und tugendhafter Gesinnungen abzwecken, hemmen und verbannen könnte! — Und wenn Man gegen das, was noch davon hie und da durchfthlüpfen möchte, den 29 den Verstand und das Herz junger Leute, durch gründlichen und herzbewegenden Unterricht, recht sorgfältig und erforderlich verwahren würde! Was die eigentlichen und näheren Berufsgeschäfte der Söhne und Töchter des seligen Mannes Vetrift; so wurden die Söhne, welche steh, nach dero eigenen Neigung und Wahl, zu Handelsleuten bestimmten, so bald Alter und Zeit es mitgaben, zu der Beobachtung und Kenntniß des Comptoir und der verschiedenen Departements einer alten best etablierten und aller Orten rühmlichst bekannten Fabrique-Handlung angeleitet, und da in den verschiedenen Fachen ordentlich zu arbeiten und gute Dienste zu leisten, mit dem besten Erfolg unterrichtet. — Die Töchter aber wurden von dero Einsicht- und Erfahrungs - vollen Mama in der Beobachtung und Kenntniß des Hauswesens nnd der verschiedenen dabey vorkommenden Geschäfte: — in der Vortheilhaften Einrichtung, Anordnung, und schicklichen Austheilung derselben : — und so auch in Verfertigung der, ihrem Geschlechte besonders zukommenden, allezeit nöthigen und nützlichen Nehe- und Strik-Arbeiten mit sorgfältiger und erfreulicher Bemühung unterwiesen. — Auf solche Weise wurden die geliebten glücklichen Kinder nicht zu unthätigen, und langweiligen , sondern zu arbeitsamen, nützlichen und angenehmen Mitgliedern der menschlichen und häuslichen Gesellschaft erzogen. Noch soll ich hier kürzlich anzeigen, wie der Selige in Abstcht -er Verheyrathung seiner Kinder gedacht und gehandelt hat. — Das, was ich über die Wahl seiner eigenen Verheyrathung angemerkt habe, das setzte Er auch zum Hauptgründe bey der Wahl der Verheyrathung seiner Kinder. — Auf Tugend nnd Liebenswürdigkeit, und auf persönliche, geprüfte Zuneigung vor allem zu sehen, — dieß empfahl der Selige seinen Kindern: aber eine gewisse bestimmte Person empfahl Er ihnen nicht; und niemals würde es Ihm seine Denkungsart erlaubt Haben, Sie zur Wahl einer solchen zu be- D ; reden. — zo -.. ^ ^ reden. — Und glücklich! seine Kinder konnten mit den ihnen angewöhnten richtigen und edeln Gesinnungen in dieser so wichtigen Absicht nichts ungefälliges wählen. — Sie wählten frey, und nach ihrer ganzen Herzensnei- gung: und so wählten sie Tugend und Liebenswürdigkeit in den Freundinnen und in den Freunden, mit denen sie ihr Leben und ihr ganzes Schicksal zu theilen wünschten. — Glückliche und gesegnete Wahl! welche den herzlichen Wünschen des zärtlichen Vaters entsprach, und welche Ihm zu einem seiner schätzbarsten Vergnügen geworden, und über die Er bis an sein seliges Ende den fortdaurenden Segen der göttlichen Vorsehung innig erflehte. Entzückend gerührt habe ich es öfter gesehen, wie der Selige, gleich einem der frommen uns in der heiligen Geschichte beschriebenen Altvater, an einem festlichen Tage, von seiner gesammten zahlreichen Familie umgeben, seine, über den Ihm von Gott so reichlich geschenkten Segen, lebhaft und dankbar empfundene Freude auf die anmuthsvollesie Weise geäußert hat; während dem, daß seine Söhne und Töchter und ihre Gatten und Gattinnen , und seine Enkel und Enkelinnen ihre dankbare Ehrfurcht, ihren kindlichen Gehorsam und ihre innigliche freudenvolle Ergebenheit, gleich als aus einem Herzen, gegen Ihn zu Tage legten. — Segen ruhe auf allen diesen Kindern, und auf ihren Kindern und Enkeln bis auf das späteste und lezte Geschlecht! — und göttlicher Segen wird immerfort und ewig auf Ihnen rnhen, wenn Sie immerfort die guten Wege gehen, die Ihnen der selige Vater gezeiget und empfohlen hat; und auf denen wir Sie bis jzt so glücklich unter uns fortwandeln sehen. Wie unterrichtend und lehrreich mag das, was ich in dieser Rubrike gesagt habe, in so mancher Absicht für Eltern uud Kinder seyn! Glücklich, wenn ' —.... ZI wenn sie das gute Beyspiel/ und die darauf gegründeten Lehren befolgen'. — O mögen -och Eltern es sich/ als eine ihrer wichtigsten Pflichten, recht herzlich angelegen seyn lassen, ihre Kinder, von ihren jungen Jahren an, beständig und in allen Absichten zur Liebe und Ausübung -er Gottesfurcht anzugewöhnen, und sie durch ihr eigenes Beyspiel dazu aufzumuntern! — Und mögen doch Kinder es ernstlich bedenken, daß der für sie zu erwünschende Segen ihnen nur durch den Gehorsam gesichert werden kann, den sie gegen die guten und wohlmeyneuden Erinnerungen ihrer Eltern bezeigen! IV. In dieser Rubrike werden wir den Seligen besonders unter dem Charakter eines Bürgers und Republikaners betrachten. — Nach dem aber, was ich allbereit in verschiedenen Zügen von seinem moralischen Charakter angemerket habe, werde ich hier in der Schilderung seines bürgerlichen Charakters um so viel eingeschränkter seyn können, dieweilen es sich von selbst ergiebet: — daß ein guter moralischer Mann nicht anders, als auch ein guter Bürger seyn könne. — Und so darf ich nur überhaupt sagen, daß der Selige, von seinen jüngsten männlichen Jahren an, alle seine bürgerlichen Pflichten und Chargen, in und ausser der Stadt, zu jeder Zeit und bey jeder Gelegenheit geflissen und getreu beobachtet und mit Freuden erfüllet hat. Der Selige erkannte den Werth unserer republikanischen Freyheit, und Er schätzte sie, als ein höchst kostbares Geschenk, mit welchem die göttliche Fürsehnng die männliche Rechtschaffenheit unserer Vorväter beglückte, und welche Sie uns noch bis jzund so wohlthätig und gnädig erhaltet. — Aber Er ZL Er erkannte es auch , daß unsere republikanische Freyheit, als ein kostbares und heilsames Geschenk, eigentlich und wesentlich darinn bestehe, und bestehen müsse; — einerseits, daß wir keinem bloß willkührlichen und unumschränkten Gewalt Unterthan seyen, — und anderseits darin, daß uns nichts hindern könne, und nichts hindern soll, unsern guten gemeinnützigen Gesetzen, die unsern eigenen Wohlstand und den allgemeinen Wohlstand des ganzen Vaterlands zu ihrem Hauptzwecke haben, in gefolg unserer eigenen Ueberzeugung und Zuneigung, geflissen und getreulich zu gehorsamen. — Und so sahe Er die, welche, indem sie auf Freyheit schreyen, sich dem Gehorsam gegen die ordentlichen und gerechten Gesetze zu entziehen wünschen, uicht als vernünftige und redliche Republikaner; sondern als von Leidenschaft betäubte Schwärmer an, welche unsinnig dasjenige edle Freyheit nennen, was nichts anders, als Gesetzlosigkeit und Ungebundenheit ist, wodurch nicht der Wohlstand und das Heil, sondern das Verderben und das Elend eines Volkes befördert wird. Der Selige kannte unsere Staats- und Regierungs-Verfaffung; und Er sahe sie an, wie sie es wirklich ist, als eine der weisesten, der klügsten, der gemäßigsten, der zusammenstimmensten, und der für alle Theile nützlichsten und heilsamsten Staatsverfassungen, die Man zur Versicherung des gemeinnützigen und fortdaurenden Wohlstandes einer Republik sich nur immer erdenken kan. — Er verehrte diese unsere Constitution mit seinem gerechten Lobe, und Er bemerkte bey jeder Gelegenheit, daß derjenige, der an einze- len Theilen derselben etwas zu verändern wünschte, Hiebey ganz übereilt und unrichtig urtheile , und deutlich zeige, daß er die Gründe, die Verhältnisse, die Beziehungen, die Einflüsse und Nutzbarkeiten, und den ganzen passenden Zusammenhang aller Theile dieses Ganzen noch nicht recht einsehe und erken- ----^ ZZ nckenne. — Und in dieser Absicht beliebte Er, besonders jungen Leuten > Bescheidenheit, Bedachtsamkeit und Zurückhaltung in ihrem Urtheilen. Gegen den Senat und die würdigen Mitglieder desselben bezeugte der Selige, noch als Privatmann, immerhin seine Hochachtung, sein Zutrauen und seine Ergebenheit: — und diese Gesinnungen empfahl Er auch bey jeder Gelegenheit einem jeden seiner Mitbürger, als eine schuldige und natürliche Wicht, um so mehr, da Er mit Grunde behauptete: — das eine würdige Magistratsperson in unserm Staate, wo mit der Senator - Würde wohl nöthiger und anständiger Aufwand, und eine die Bequemlichkeit sehe einschränkende Bemühung; aber keine in etwas beträchtliche Besoldung verbunden ist, — ihre Belohnung und ihre Ermunterung vorzüglich und hauptsächlich in der gegen sie zu erweisenden Achtung und Liebe, und in dem dankbaren Zutrauen ihrer Mitbürger suchen müsse, und auch da mit Recht und natürlicher Weise finden soll: — Und daß, im Falle die Mitbürger unnatürlicher Weise es an den so pflichtschuldigen Gesinnungen würden ermangeln lassen, es, zum Unglück des Staats und des Vaterlandes, nicht anders geschehen könnte, als daß Rechtschaffene und selbst die rechtschaffensten Männer aufgefordert werden müßten, einer mühsame» und lastvollen, aber nicht geachteten Würde, und einem gegen ein undankbares Volk unerkannten Dienste sich zu entziehen. Wennn man Ihn aufforderte, über die Berathschlagungen und Entschlüsse des Senats, in problematischen Dingen, seine Meinung dar zu geben; so war Er Hiebey allezeit sorgfältig und bescheiden, und erinnerte Andere, es auch zu seyn: — denn, sagte Er, es ist wohl leichte, über eine Sache, die von verschiedenen Seiten und nach verschiedenen Beziehungen angesehen werden kann, verschiedene und ungleiche Meinungen zu haben; aber es ist sehr schwehr, zu entscheiden, welches in solchem Falle die richtigste und beste Mei- E nu»g V Z4 " nung seye. — Dazu wird eine genaue und vollkommene Einsicht in alle Theile/ in alle Gründe/ und in alle Verhältnisse und Beziehungen der Sache nothwendig erfordert. — Da aber müssen wir uns vernünftiger Weise bereden/ daß diejenigen / welche mit der erforderlichen Geschicklichkeit aus Beruf und Pflicht sich angelegen seyn lassen / eine mehr oder minder wichtige Sache zu untersuchen/ zu berathschlagen/ und zu beurtheilen / natürlicher Weise und vorzüglich vor allen andern / die richtigsten / die angemessensten und besten Entschlüsse darüber abzufassen im Stande sind: — und dieß muß in jedem solchen Falle der sichere Grund unsers Zutrauens und unserer Beruhigung seyn. — Wann aber der erwünschte Erfolg einer sorgfältigen Berathung und einer guten Absicht nicht allemal oder doch weniger entspricht; so ist uns dieß kein Beweis / daß die Verathschlagung oder die Absicht nicht gut gewesen seye; — sondern nur ein Beweis davon/ daß selbst die klügste und beste Be- rathschlagung die Erreichung ihrer guten Absicht durch Zufälle und Begebenheiten / welche nicht vorzusehen / und die nicht in unserer Gewalt sind / mehr oder weniger verfehlen könne. — Durch dergleichen und andere gute Vorstellungen suchte der Selige/ als ein bescheidener und wohlgesinnter Bürger / die übereilten Urtheile anderer zu hemmen/ und sie in die gehörigen Schranken zu setzen. Gleichwie er sich Hochachtung und dankbares Zutrauen gegen den Senat empfände; eben so äusserte Er auch Achtung und dienstgefällige Zuneigung gegen alle seine Mitbürger. — Obschon seine blühenden Glücksumstände IHM/ in den Augen des Volkes / einen grossen ausserlichen Vorzug vor vielen andern gaben; so wollte und konnte Er sich doch nicht erlauben / in seinem Herzen einen wirklichen Unterscheid zwischen sich selbst, und so manchem ehrlichen/ durch Mißbrauch sogenannten/ gemeinen Bürger zu machen. — Er liebte sie alle/ als seine Mitbürger; und allen/ bis auf den geringsten Handwerks- ---.V———-. As Werksmann, und bis auf den niedrigsten Staatsbedienten , begegnete Er mit Achtung und Freundlichkeit: — und Niemand hatte steh jemals zu beklagen, daß Er eine stolze Einbildung auf Reichthum und Glück, durch eiu sprödes und verachtendes Betragen, gegen ihn geäußert oder mißbraucht habe. — Aber noch mehr. — Der Selige machte sich eines seiner edelsten Vergnügen daraus: seinen Mitbürgern, und sonderlich dürftigen und notleidenden Mitbürgern thätige Hülfe zu leisten, und ihnen ohne Geräusch und im Stillen Gutes zu thun. — Mancher wird sich nach dessen sein Lebenlang mit Dankbarkeit im Stillen erinnern, und das Andenken eines edelmütigen Wohlthäters in seinem Herzen vor Gott erheben. Sollte ich, meine lieben vertrauten Mitbürger! sollte ich es nöthig haben , Euch noch mit mehreren Gründen zu erweisen, daß der Charakrer des Bürgers, den ich Euch eben vorgestellt habe, der wahre und richtige Charakter eines vernünftigen, tugendhaften und pflichtbeobachtenden Bürgers seye? — Nein, das habe ich doch nicht nöthig, Euch noch mit mehrerem anzuturnen , da die Sache so ganz deutlich und empfindbar ist. — Wenn aber, auch selbst unter Euch , noch einige dießfalls unberichtet und gleichgültig seyn sollten; so müssen Sie, durch die darzeigende Aufforderung des guten Charakters erweckt, von dieser Stunde an, ansangen, die Ordnung und das Glück ihrer dießsettigen Wichten zu erkennen und zu empfinden! — Ja, meine liebe» vertraute» Mitbürger und Freunde! und besonders, Ihr meine lieben jüngere Mitbürger! Euch müsse der dargezeigte Charakter des Seligen, in Absicht euerer bürgerlichen Beziehung, ein deutlicher und sicherer Unterricht, und ein Euch zur Pflicht nachdrücklich erweckendes Beyspiel seyn! — Lernet, E r als z§ ^ ' als Bürger, sa denken, so empfinden und so handeln, wie Er! und dann werdet Ihr auch, gleich Ihm, das so kostbare Geschenk unserer bürgerlichen Freyheit nicht zur Unordnung und Ausgelassenheit mißbrauchen wollen, sondern dasselbe vielmehr zur ungehinderten Ausübung euerer Wichten, und zur gründlichen, gesezmäßigen Beförderung euers persönlichen nnd euers Familien« Wohlstandes anzuwenden beflissen seyn. — So werdet Ihr, gleich dem Seligen, die Staatsverfassung unsers Landes, zwar nicht als eine vollkommene, doch aber als eine der besten und glücklichsten ansehen: — und so werdet Ihr euere väterlichen Regenten und Sachwalters von Herzen verehren und lieben, und unter derselben Leitung und Schutz, voll Dankbarkeit gegen die göttliche Fürsehung, Euch ruhig, zufrieden und glücklich empfinden: — und so, meine lieben vertrauten Mitbürger! so und nicht anders: — nur auf diese Weise werdet Ihr von allen euer« Mitbürgern, von euern Landesvätern, und von Gott selbst , vou Ihm dem Herrn und Richter aller Staaten und Völker geliebte und gesegnete Bürger seyn können! V. Nun soll ich den Seligen in seinen eigentlichen und täglichen Berufsgeschäften als einen Kaufmann beobachten: Aber wie? werdet Ihr denken, sollte ich, als ein Fremdling in diesem Fache, hievon eine richtige Vorstellung machen können? Doch , um ein gänzliches Mißtrauen gegen mich in dieser Absteht abzulehnen, kann ich mit Wahrheit sagen, daß ich, seit mehrern Jahren, nicht bloß durch eine allgemeine Beschreibung, sondern durch nähere Beobachtungen, und durch Umgang und Gespräche mit geschickten Kaufleuthen, mir von dem Wesentlichen der Handlung und dem Charakter eines guten Kaufmanns einen hinlänglichen Begriff gemachet habe. Ich Ich unterscheide bey der Schilderung meines vorhabenden Charakters dasjenige, was man Theorie, und das, was man eigentlich Praxis nennet. In Absicht auf Theorie hatte der Selige, mit vorzüglicher Neigung für die Handelfchaft, sich besonders der in seinem väterlichen Hause gründlich unwohl etablierten Fabrike-Handlung gewidmet; und daher, von seinen jungen Jahren an, sich beflissen, in den zur dießfälligen weitläufigen Correspondenz nöthigen Sprachen, so wie in dem künstlichern Calkul und der Buchhaltung, mehr als gemeine Kenntniß sich zu erwerben; auch die kaufmännische Geographie und Historie zweckmäßig sich bekannt zu machen: — und wirklich haben Ihm die dahin einschlagenden neuern Schriften, annoch in seinen lezten Lebensjahren, viel Vergnügen gemachet. Was besonders die zur Favrike nöthigen Urfioffen und derselben Bearbeitung und Ausrüstung selbst angehet, so hatte Er von allem dabey zu beobachtenden nicht das Geringste aus der Acht gelassen: Alles seiner Aufmerksamkeit gewürdiget, und mit geschärftem Auge geprüft: — und eben nur durch solche gründliche Kenntnisse und Fertigkeit gelangte Er zu dem wichtigen Vortheile, sich selbst vor Betrug zu schützen, und dem jedem gewissenhaften Manne unerträglichen Falle zu entgehen — sich für den durch Betrug bey Erkaufung oder Verfertigung der Fabrike - Waaren erlittenen Nachtheil beym Verkaufe wiederum zu entschädigen. Diese Einsichten und gründliche Kenntnisse der Sachen gewährten demnach dem Seligen, auf der einen Seile, diejenige Achtung und Aufmerksamkeit von den Subalternen und Bedienten seiner Handlung; und auf der andern, die respektvolle Anhänglichkeit von seinen Fabrike - Arbeitern, vermittelst welcher allein der Hauptzweck zu erzielen ist, — nämlich Ordnung und Richtigkeit in allen Geschäften, als die Grundquelle des Zutrauens und des Cre- E ; dits Z8 dits eines Handels-Hauses / auf welchen einzig und allein der Flor und daß Glück eines solchen sicher beruhen kann. In Betreff der Praxis oder der ausübenden Kaufmanns - Kenntnisse will ich mich eben in keine Beschreibung so mancher Borfälle und Umstände einlassen; sondern nur überhaupt das Vornehmste und Wichtigste bemerken, welches den seligen, und einen jeden andern Ihm ähnlichen Mann, als einen verständigen, redlichen und achtungswürdigen Kaufmann charakterisiert. — Meine dießfälligen Bemerkungen beziehen sich , einerseits auf die rohen Waaren und verarbeiteten Stoffen und Handlungs-Artikel; und anderseits auf die Personen, welche entweder dieselben zu verfertigen, oder aber zu verkaufen und zu kaufen haben.' In Absicht auf Urstoffen zur Fabrike, und alle Handlungsgüter und Waaren, ist des Seligen fester und unbeweglicher Grundsatz gewesen, immer auf derselben innere Güte und möglichste Vollkommenheit den ersten Bedacht zu richten: — bey Erkaufung derselben ließ Er daher die Bestimmung des Preises niemals sein erstes Augenmerk seyn, und eben so, bey Verfertigung feiner Fabrike-Artikel, waren gute und redlich gearbeitete Zeuge das, was Er stets nnd zuerst haben wollte; — zuverläßig gewiß, daß, wenn bey derselben Verkauf schon geringerer Vortheil erhältlich seye, die gründliche und sichere Speculation doch immer darauf hinausgehen müße, bescheidenen Nu- zcn durch ununterbrochen - fortgesezte Geschäfte zum grossen Nutzen zu machen: — und daß geschwind reich werden wollen, selten, ja sehr selten gelinge, bisweilen wohl möglich , aber bey Fabrike - Handlungen schwerlich jemals mit derjenigen Gewissens-Ruhe geschehen könne, ohne welche dem wohlden- kenden und würdigen Handelsmann kein Glück angenehm und gedeihlich seyn ^ kann. Betreff - Z- Betreffend den Umfang -er Geschäfte/ und die in mehrerer und minderer Zahl und Gattung zuhabende Handlnngs-Artikel, war es des Seligen System; nicht sogleich alles an die Hand zu nehmen / was flüchtiger Geschmack und Mode von einer Zeit zur andern zu erfordern schien. —'Stoffen und Zeuge/ die einfach / die immer gebraucht, mehr oder weniger / doch immer Abgang haben würden; das waren diejenigen/ welche auf seinem Waarenlager allezeit anzutreffen seyn sollten. — Und eine lange und glückliche Erfahrung hat die Richtigkeit seiner Behauptung dadurch erwiesen / daß keine Stockung des Verkaufs und keine überhäufte Remanenz Ihn jemals in Verlegenheit geseyet hat. ^ In Ansehung der Personell / die Er als Handlungsbediente und als Arbeiter wählte, war Er äusserst besorgt, alles mögliche dahin anzuwenden, daß Er geschickte, fleißige und redliche Leuthe um steh haben möchte. — Dieses Glück hat er wirklich genossen; aber auch, mit Empfindung von dessen grossem Werthe, sich es zur Freude gemachet, seinen Leutken, über die ihnen bestimmte und freygebig zugedachte Besoldung hinaus, ferner durch immer menschenfreundliches Betragen, durch väterliche Sorge für ihre Schicksale und Angelegenheiten, wie auch durch zufällige besondere Beweise, seine Zufriedenheit und sein Wohlwollen zu bezeugen; und also Fleiß und Treue nach Verdienen, aber auch auf eine Art und Weise kzu belohnen, -aß derselben ununterbrochene Fortdauer Ihm durch eine dankbare Ergebenheit zugesichert gewesen ist. Gegen seine Fabrike - Arbeiter hat Er immer so gehandelt, daß es das Ansehen hatte, als wäre die Beförderung ihres Glückes und Wohlstandes noch mehr, als sein eigener durch ihre Arbeit zu erzielender Vortheil, der Gegenstand seiner Wünsche und Absichten gewesen. — Viele davon, und vielleicht die meisten, welche dieses erkannt und empfunden haben, sind dadurch zu freu- 4v - freudiger Arbeit ermuntert, und mehrere, aus Liebe und Erkenntlichkeit, vor der Versuchung zu der sonst so leichten und unmerkbaren Veruntreuung verwahret worden. Die Gemüthsart und das Temperament des Seligen bestimmten es, daß Er, wie bey allen seinen Handlungen, so auch besonders bey diesen seinen nähern Berufsgeschäften, steh ganz kurz zu äußern und zu erklären pflegte. — Ein Mann, ein Wort: würde da sein treffendestes Symbolum gewesen seyn. — So dann war Gepräng bey Kaufs-Anträgen auf Ihn ohne Wirkung, und beym Verkauf hatte Er für unangenehmes und unedles Markten ganz kein Gehör. — Vielen von seinen neuern Handlungsfreunden schien diese Manier, als ungewohnt, sehr oft, wo nicht anstößig, doch befremdend: allein das mit derselben dennoch verbundene höfliche, gefällige und dienstfertige Be- tragen veränderte ebenso oft den ersten Eindruck in diejenige Achtung, welche den fichern Grund zu einem dauerhaften Attachement legen muß. — Auf solche Weise erwarb sich der Selige den verdienten allgemeinen Ruf eines realen und des gänzliche» Zutrauens würdigen Mannes, sowohl in entfernten Landen und Gegenden, als auch und besonders in unserm Vaterlande und in unserer Mitte. — Und hier kann ich nicht umhin, ein besonderes Zeugniß von diesem Lobe anzufügen: — Vor etlichen Wochen kam ich in Unterredung mit zween angesehenen Männern ab unserer Landschaft; und da ich zufälliger Weiss von dem Seligen Herrn Zrinftmeiftev Ott, Erwehnung that, sagten mir diese Männer sogleich: — „ Nun den Verlurst dieses Herrn be- v dauren wir von ganzem Herzen! das war ja ein rechtschaffener galanter „ Mann, dergleichen es wenig giebt. — Wir haben lange Zeit und vieles « mit Ihm gehandelt, und Er hat sich gegen uns immerhin real, billig und freundlich erzeigt. — Er hätte uns wohl öfters drucken können, wo Man- cher es würde gethan haben; aber Er hat uns niemals gedrückt. — Sum- »ina, » ma: das war ein Mann, dessen wir uns, so wie alle rechtschaffenen Leu- v te, die mit Ihm zu thun hatten, mit Lob und freudigem Andenken im- „ mcr erinnern werden. „ Laßt uns jtzt noch naher bemerken, was der Selige als Kaufmann in seiner Handlung selbst gethan und gearbeitet hat. — Er begnügte sich nicht, wie Mancher andere, damit, geschickte und getreue Schreiber, Bediente und Gehülfen zu haben, und solchen die Geschäfte mit gutem Zutrauen zu überlassen, und dann nur etwa zufälliger und gelegener Weise etwas selbst zu verrichten; — sondern Er machte es sich, im eigentlichen Verstände, zu seinem eigenen Geschäfte, alle Departements seiner Handlung selbst zu beobachten, und derselben richtige Besorgung zu ordoniereu. — Vorzüglich aber war es sein Vergnügen, in seinem Comptoir zu arbeiten, wo Er alle die Briefe von so vielen seiner Freunde nicht nur selbst sorgfältig und mit Ueberlegung durchlase, sondern auch die darauf erforderliche Antwort entweder selbst niederschrieb oder aber dictierte; und mithin dafür sorgte, daß seine Scripturen in allen Theilen immer auf eine gleich reine und genaue Weise fortgesetzet würden. — Diesem seinem eigentlichen und besondern Berufe hatte Er alle die Zeiten und Stunden, welche Ihm seine vielen Civil- und Staats-Geschäfte annoch übrig liessen, immerhin und bis nächst vor seinem seligen Ende, mit vieler Zuneigung und mit Freude gewidmet, so daß alle die, welche zu Ihm in sein Haus kamen, Ihn allezeit, die wenigen nöthigen Ruhestunden ausgenommen, in seinem Berufe thätig und beschäftiget fanden. Warum aber hat der Selige so viel Arbeitsamkeit und so viel Anhänglichkeit für die gute Besorgung seiner Handlungsgeschäfte geäußert? Sollte der Hauptbeweggrund davon nur eitle Gewinnsucht und nur Liebe zum Reichthum gewesen seyn? Und sollte Er sich den Reichthum darum gewünscht ha- F ben, 4r ——.^ ben, um vermittelst desselben solche Absichten erreichen und erfüllen zu können/ dergleichen Hochmuth und Pracht, Wollust und Herrschsucht sich Hiebey so oft vorzusetzen pflegen? — Allein alles dasjenige zusammen genommen, was ich allbereit von dem edeln Charakter des seligen Mannes angemerkt habe, muß uns ganz deutlich zeigen, daß sein Herz, von reinen moralische» Gesinnungen belebt, dergleichen niederträchtiger Beweggründe und Absichten ganz unfähig war. — Aber siehe! der Selige arbeitete, weil Er die Arbeitsamkeit als Pflicht und Tugend liebte, und den Müßiggang als eine schändliche und verderbliche Unordnung verabscheute: — und Er arbeitete mit Fleiß und Anhänglichkeit in dem Ihm gleichsam angebohrnen Berufe darum, weil Er für die dißseitigen, sich von Jugend auf angewöhnten Geschäfte eine besondere Zuneigung hatte: — und ferner sage ich: der Selige arbeitete mit Freuden und mit Dankbarkeit gegen die göttliche Fürsehung, da Er seine Geschäfte immerhin einen glücklichen Erfolg gewinnen sahe. — Den daher entstehenden Segen bestimmte Er, nach seinen Absichten und Wünschen, als ein sorgfältiger und zärtlicher Vater, vornehmlich zu einer glücklichen Erziehung und gründlichen Etablierung seiner zahlreichen Famille: — aber zu gleicher Zeit sahe Er auch diesen Segen als ein Geschenk und zugelegtes Gut an, wodurch die göttliche Vorfthnng Ihm und seiner Famille das schätzbare Vermögen und das edle trostvolle Vergnügen gewähren wollte, die Pflichten der Wohlthätigkeit und Freygebigkeit gegen Andere, als unsere Mitmenschen und Brüder, ungehinderter und voller ausüben zu können. — Dieses war wirklich der Lieblings-Gedanke und die herrschende Herzensneigung des Seligen: — aller Orten und bey jeder Gelegenheit erzeigte Er sich mitleidend, erbarmend, wohlthätig, und freygebig: — und eben diese menschenfreundlichen Christen-Empfindungen, und diese edle Gott nachahmende Art zu handeln, die flöste Er auch, auf eine glückliche Weift, alle» seinen geliebten Kindern ins Herz. Wenn 43 Wenn nun die göttliche Fürsehung die Handlung und die Geschäfte des Seligen immerhin mit einem glücklichen Erfolge begünstiget hat , so kann Man nicht sagen/ daß solches ein bloß zufälliges/ und natürlicher Weise nicht zu erwartendes Glück gewesen feye; sondern Man muß vielmehr dabey ganz deutlich und empfindlich einsehen / daß dieses Glück eine ordentliche Folge / und eine gütige von Gott bestimmte Belohnung der Arbeitsamkeit und des Fleisses/ der guten Ordnung/ der Treue und Rechtschaffenheit, und besonders der menschenliebenden Wohlthätigkeit / und eben darum auch ein gründlicher und dauerhafter / von Gott geordneter Segen seye: ein Segen/ der auf seinen Nachkömmlingen ruhen wird/ so lange Sie fortfahren werden/ auf den guten Ihnen vorgezeiehneten Wegen dem Seligen nachzuwandeln; woz« der Höchste selbst Ihnen allezeit seine Gnade verleihen wolle!. Wie lehrreich und wie ermunternd soll die eben jtzt entworfene Schildruttg für Euch seyn! für Euch meine lieben jungen Mitbürger! die Ihr es z« euerem besondern Arbeits-Berufe wählet/ Handelsleute zu werden/ und die Ihr wünschet, in diesem Berufe künftig glücklich und gesegnet zu seyn. — Lehrnet nun aus dem Euch vorgelegten Charakter erkennen, was zur Bildung eines geschickten und rechtschaffenen Kaufmanns nöthig und erforderlich seye! — Durch Beobachtung und Aufmerksamkeit erworbene Kenntniß und Entsteht; Arbeitsamkeit und Unverdrossenheit; Liebe zu einer genauen und gleichförmigen Ordnung; und besonders auch Redlichkeit und ein menschenfreundliches edelmüthiges Betragen: — dieß find die wesentlichen, höchstwichtigett Hauptzüge in dem Bilde eines rechtschaffenen und achtungswürdigen Kaufmanns. — Und da glaubet ooch nicht, meine lieben jungen Mitbürger! daß Ihr, ohne Schande und Gefahr, Euch erlauben könnet, in Absteht dieser, F 2 durch 44 durch euere eigene Beflißenheit an Euch zu bildenden Hauptzüge, nachläßig oder sogar gleichgültig zu seyn! — Was könnte Euch dazu veranlaßen? und was sollte, vielleicht nach eueren Meinung, Euch dazu berechtigen können? Verläßet Euch nicht meine Lieben! auf den Gedanken; daß, da euere Vater allbcreit eine glücklich etablierte Handlung haben, und Ihr künftig allezeit geschickte Commis und Bediente um Besoldung werdet erhalten können; es, auch ohne euere dießfällige nähere Kenntniß und ohne euere eigene Bemühung und Arbeit, Euch ganz leichte seyn werde, eueren Handlungsge- werb zu unterhalten, und die Beförderung euers Interesse allezeit richtig fortzusetzen. — Falscher niderträchtiger und unwürdiger Gedanke! eitele und verwegene Hoffnung! welche, wenn sie die Thorheit oder der Leichtsinn unterhält, früher oder später sich betrogen und gestrafet sehen wird. Die wohlgemeynte Warnung müsse Euch klug machen! und wenn Ihr, meine lieben jungen Mitbürger! wakere und gesegnete Kaufleute zu werde» wünschet; so fanget doch frühe an, dasjenige zu lehrnen, was Ihr in euerem Berufe zu wissen und zu verstehen nöthig habet! gewöhnet Euch frühe an Arbeitsamkeit und Fleiß uiH an eine bestimmte gleichförmige Ordnung! überzeugt, Laß diese Dinge, welche in jedem Beruf und bey allen Geschäften erforderlich und nützlich sind, besonders in den cnerigen nothwendig und wichtig seyen! Werdet Ihr die erwehnten Dinge, als euere Verufspflichten nicht beobachten und, bey euerer dißfälligen Unthätigkeit, euer Glück bloß von dem Fleiße und den arbeitenden Händen Anderer erwarten; so wird dann euer Glück, im Falle es die göttliche Fürsehung scheinbar, so lange es ihr gefällt, gedeihen läßet, in Absicht auf Euch selbst, ein bloß zufälliges und ein bloß mechanisches Glück seyn: — ein Glück, zu dem Ihr selbst durch eigene Arbeit und Fleiß nichts beygetragen habet, und das Ihr darum, im eigentlichsten Verstände, nicht verdienet: - ein Glück, an das Ihr vor Gott und ... 45 tttitz euerem Gewissen nicht änderst/ als mit beschämenden Vorwürfen, und eben darum auch nicht mit Zuversicht, wohl aber mit Furcht und Zweifel, in der Aussicht auf sein künftiges Schicksal, gedenken könnet. — Werdet Ihr aber selbst ordentlich und mit Fleiß arbeiten, und Euch angelegen seyn lassen, alle die Pflichten euers Berufs getreulich zu erfüllen; dann werdet Ihr auch den guten Erfolg euerer Bemühungen, als einen von Gott Euch zur Freude und Ermunterung geschenkten Segen ruhig und zufrieden ansehen und genie- sen können. Um aber den guten Fortgang euerer Geschäfte und den göttlichen Segen Euch auf eine gründliche Weise versicheren zu können; müsset Ihr bey Arbeitsamkeit, Fleiß, und guter Ordnung, Euch auch besonders, als eine wesentliche Hauvtpflicht empfohlen seyn lassen, Euch allezeit aufrichtig, redlich und menschenfreundlich gegen Jedermann in euerem Handel und Verkehr zu erweisen. — Kein Stand, kein Gewerb und kein besonderer Hand- lungs-Veruf-kann jemals uns von der Verbindlichkeit gegen diese wesentliche Grundpflicht der Moralität lossprechen. — Die Regel ist allgemein, und wir können uns da keine Ausnahme erlauben, ohne unbillig zu werden: — Alles, was Ihr wollet, das will sagen, alles was Ihr vernünftiger und billiger Weise fordern und wünschet könnet, das Andere gegen Euch thun und beobachten, das sollet auch Ihr gegen sie thun und beobachten! — Bedenket demnach wohl, daß, da Euch die Beförderung euers eigenen zeitlichen Interesse, als eine gerechte und billige Belohnung euerer Arbeit und Bemühung zugestanden und erlaubt ist; solche Beförderung doch allezeit die Einschränkung haben muß, daß sie niemals wissentlicher und vorsetzlicher Weise auf die Vervortheilung und den wirklichen Schaden Anderer sich gründen dörfe. — Und hier sott die allgemeine Regel der Menschenliebe und Billigkeit auch immer bey euch gelten: — Ein Jeder sehe nicht nur auf das Sei- F ; nige. 46 nige, sondern auch auf das, was des Andern ist , und Ihm billige? Weise zugehört! Endlich meine lieben Freunde! wenn, indem Ihr in Allem gerecht und billig handelt, die göttliche Fürsehung euere Bemühungen und Geschäfte mit gutem Erfolge und mit sichtbarem Segen beglücket, so müsset Ihr auch mit Ernste darauf bedacht seyn, wie Ihr diesen Euch von Gott geschenkten Segen Euch selbst, und den lieben Euertgen am besten, auf eine pflichtmäßige Weise, nützlich und heilsam machen könnet. — Hier aber soll Euch besonders die wichtige Betrachtung beschäftigen und einnehmen: „ daß der Ueber- stuß der Reichen allezeit, nach den Absichten der göttlichen Vorsehung, >, und nach den uns empfohlenen Pflichten des gesellschaftlichen Lebens, als v eine anvertraute Trost- und Hülfsquelle für die Armen und Dürftigen ange- „ sehen, und verhältnißmäßig dahin angewendet werden müße» — Die Parabel von dem reichen Manne soll Euch die dißfalligen schändlichen Verzeihungen äusserst verhaßt, und die entgegen gesetzten Pflichten und Tugenden zur getreuen Ausübung beliebt und angenehm machen! — Durch die Beobachtung aller dieser Pflichten werdet Ihr nach dem guten Wunsche euerer Vater und nach eueren eigenen Wünschen, glückliche, gesegnete, Ehre- und Liebe- würdige Handelsleute abgeben können. — Solche Handelsleute, deren wir, Gott seye es gedanket, mehrere unter uns mit Freuden sehen, sind ein Segen des Landes, eine schätzbare Ressource und Zierde des Staates, und eine beständige achtungswürdige Hülfsquelle der bürgerlichen und gesellschaftliche» Bedürfniße. VI. Nach der Folge der Rubriken, werden wir itztund den Seligen als Staatsmann, als den ersten Vorsteher einer ansehnlichen Zunftgemeine, und als Senator und Richter betrachten. Der 47 Der erste Beruf/ den der Selige bekam / als Staatsmann und Regent in unserer Republik mit zu wirken/ geschahe an Ihm im Jahr 1752. da die würdigen Vorstehers seiner ahnväterlichen Zunft / welche die erste und zahlreichste ist / denselben / aus dem eigentlichen Beweggründe seiner schätzbaren Talente / und seiner edeln Art zu denken und zu handeln / zu einem Mitgliede des grossen Raths oder des Raths der Zweyhundert mit einmüthigem Beyfalle erwählten. — Vier Jahre darnach aber ward Er von der gestimmten Zunftgenossenschaft/ welche aus mehr als 400 Männern bestehet/ zum Verwalter ihres sehr beträchtlichen Zunftvermögens und der damit verbundenen wichtigen Oeconrmie/ zum Beweise ihres allgemeinen und vorzüglichen Zutrauens/ mit einhelliger Stimme verordnet. — Und fehrner/ so bald es Zeit und Umstände mitbrachte»/ hat Ihn eben erwehnte zahlreiche Zunftgemeine im Jahr 1762. auch mit einmüthigem Beyfall zu ihrem ersten Vorsteher oder Zunftmeister auserkohren/ und Ihn in dieser Würde zu einem Mitglied des kleinen oder täglichen Raths erwählet und bestimmet/ welche Würde Er bis an sein seliges Ende auf die beste und ruhmwürdigste Weise bekleidet hat. Wie aber hat der Selige dem einmüthigeu und vollen Zutrauen/ und der guten Erwartung seiner Zunftgenoßame entsprochen? Schon als einer der zwölf Vorsteher feiner Zunft/ und als Mitglied des großen Raths hatte Er vom Anfange an und so immerfort deutlich gezeiget/ das Er es steh wirklich zu einer Herzensangelegenheit mache/ zum Besten des Staates und des gemeinen Wesens / nach seiner Einsicht und nach seinem Vermögen getreulich mitzurathen und mitzuhelfen/ und auch besonders seinen Mitzünftern in allen gerechten und billicheu Sachen nützliche und gefällige Dienste zu leisten. — Als Pfleger und Verwalter der so beträchtlichen und wichtigen Zunst-Oekonomie hat Er/ während der ganzen Zeit seines Amtes, als 48 als ein sehr geschickter Kaufmannund besonders als ein gestißener und redlicher Mann / die dißfallige Verwaltung so ordentlich und genau und so gewissenhaft geführet, daß nicht nur das Interesse der Capitalien richtig und merklich befördert/ sondern auch so mancher mögliche oder drohende Schaden und Nachtheil durch seine wachsame Klugheit gehemmet und verhindert wurde. Als Zunftmeister aber/ oder als erster Vorsteher und Führer der Zunft, hat Er/ während den 21 Jahren, da Er diese Würde bekleidete, sich uner- müdct dahin beflißen, alle die vorgekommenen Zunftgeschäfte und Berath- schlagungen, und die dißfällig zumachenden Anstalten und Verordnungen durch seine Thätigkeit und Klugheit allso zu führen und zu leiten, wie Er dieselben, nach einer genauen Prüfung der Sachen, zum Nutzen und zur Ehre der gesummten Zunftgemeine überhaupt, und zur nutzbaren Beyhülfe jeder einzeln Mitglieder besonders/ am schicklichsten und gemeinnützigsten befände. — Noch mehr aber hatte sich der Selige bey seinen Mitzünftern dadurch beliebt und verdient gemachet, daß Er, ungeachtet einer dißfättigen öftern und vielfältigen Bemühung, und ungeachtet seiner so vielen andern wichtigen Geschäfte, dennoch sich bereitwillig erzeigte, einem jeden von seinen Mitzünftern, wenn ein solcher Ihn besonders in seinem Hause, bey mancherley vorgekommenen Zufällen und Vedürfnißen, um guten Rath und Beyhülf ersuchte, — nicht nur freundlich und achtsam zu begegnen, sondern auch demselben wirklich einen erforderlichen heilsamen Rath zu ertheilen, und die nöthige billige Hülfe entweder zu verschaffen, oder zu derselben eine gute Anleitung zu geben. — Doch Hiebey muß ich auch besonders und als charakteristisch bemerken, daß der Selige die, sonst für einen blödsichtigen oder unrichtigen Mann ungewisse und schwankende, Würde eines Zunftmeisters für sich, durch sein rechtschaffenes und männliches Betragen, respektabel, und eben dadurch auch gründ- 4 - gründlich m.'ö dauerhaft zu machen wußte: — Er weicher sich deutlich erklärte , und es immer durch die That bewies , daß Er / niemals aus eitler und furchtsamer Gefälligkeit, wohl aber beständig aus Liebe zu einer guten Sache/ und aus reiner Neigung zum Wohlthun, fich bestreben werde, seinen Mitzünftern bey jeder Gelegenheit dienftgefällig und nützlich zu seyn; während dem, daß Er in jedem Falle fich das allgemeine natürliche und moralische Recht vorbehalte, einem jeden derselben, gleich als wie jedem andern seiner Mitbürger, das ungründliche einer übereilten Klage, oder das unschickliche einer unbilligen oder unbescheidenen Forderung, und überhaupt die Verbindlichkeit einer jeden zu beobachtenden Pflicht, ganz offenherzig und »»gescheut; aber auch immer wohlmeinend begreiflich und empfindlich zu machen. Ein solch rechtschaffenes, gemeinnützig - thätiges und männlich - entschlossenes Betragen mußte natürlicher Weise einen Ehrfurcht und Zutrauen erweckenden Eindruck auf die Gemüther aller seiner Mitzünster machen. — Und daher geschahe es auch, daß dieselben, während der Zeit von 21. Jahren, wo jedes Jahr eine neue, ganz freye und. ungehinderte Wahl nicht nur erlaubt, sondern selbst Lurch die Gesetze unempfohlen ist, allemal den Seligen mit ein- mülhiger und freudenvoller Zusammenftimmung wiederum von neuem zu ihrem Vorsteher und Führer erwählten. Der Verlust dieses so rechtschaffenen Mannes konnte nicht anders, als Ihnen sehr empfindlich zu Herzen gehen. — Doch bald wurde ihre Trauer auf eine glückliche Weise dadurch gemäßiget, daß ste, in dem Manne, der allbereit seit 9. Jahren ihre Zunft-Oekonomie auf die rühmlichste Weise verwaltet hatte, das ist in dem würdigen ältesten Sohne des Seligen, einen Demselben rühmlich nachahmenden Ihnen beliebten Mann fanden, und solchen, der es eben nicht wünschte; doch aber auch, selbst da es um die Aufopferung verschiedener besonderer Angelegenheiten zu thun war, sich dem Rufe der lei- G tendeu 10 .^ tenden Fürsehung nicht entziehen wollte, - sogleich an des seligen Vaters statt zu ihrem Zunftmeister und ersten Vorsteher erwählten. - Gott segne diesen würdigen Sohn mit seinen besten Segnungen, und Er lasse Ihn / als eine Zierde seiner Zunftgemeine, und als eine wirksame und wohlthätige Kraft des Staates und des Vaterlandes , lange Jahre hindurch auf eben der guten und rühmlichen Laufbahn/ auf welcher Ihm der ehrwürdige selige Vater vorgegangen ist, immerhin freudig und muthvott/ bis zum glücklichen belohnungsvollen Ziele unter uns fortwandeln! So respectabel und liebenswürdig steh der Selige / durch seine edle und gemeinnützige Art zu denken und zu Handel»/ bey seinen Mitzünftern/ und bey seinen Mitbürgern überhaupt gemachet hat; eben so achtungswürdig und beliebt hat er sich auch bey dem Senat gemachet/ alldieweilen Er/ als Sena- ter oder Mitglied des täglichen Raths, alle die mit dieser Würde verbundenen und davon abhängenden Pflichten allezeit getreulich und genau zu beobachten und zu erfüllen beflißen war.' Ohngeachtet seiner so vielen besondern Verufsgeschäfte fände Er sich doch immer und ununterbrochen bis auf die zwey lezten Jahre seines hohen / uu- merklich abnehmenden Alters/ in den Ihm angesagten Rathsversammlnngen ein/ und zwar allezeit mit der reinen Absteht und mit der warmen Entschlossenheit / nach seiner Einsicht und seinem Vermögen zum besten des Staats und des Vaterlands überhaupt, und zur Rechtfertigung oder Bestrafung / wie auch zur Belohnung und Tröstung einzelner Personen besonders / allezeit getreulich mitznrathen und mitzuhelfen. — Von dieser guten pflichtmäßigen Absteht belebt und geleitet / war Er immer ohne Zerstreuung und Abweichung, aufmerksam und nachdenkend auf alles dasjenige/ was in dem Senat über eine jede zu berathende oder zu beurtheilende Sache/ nach verschiedenen Gesichtspunkten, vorgetragen wurde. — War es um eine Sache zu thun, die Ihm schon - .. 5r schon vor der angesagten Rathsversammlung bekannt geworden; so ermangelte Er nicht, derselben sorgfältig nachzudenken, und sich davon einen, st» viel möglich, vollständigen und richtigen Begriff zu machen: und so gienge Er-, in dergleichen Fallen, niemals unbereitet in den Senat. — Mithin aber, da es niemals seine Neigung und sein Bestreben gewesen ist, ein förmlicher Staats- und Rechtsgelehrter, und ein diesfalliger guter Redner zu werden; so wünschte Er sich eben auch nicht, im Falle zu seyn, in dem Senat als der Erste, über so manche wichtige und verwickelte Sache seine Begriffe und seine Meinungen vorzustellen; sondern hielte es für ein Glück, daß höhere, Einsicht- und Erfahrungs-vollere Männer solches vor Ihm thun konnten.'— Wenn aber solche erlauchte und geschickte Männer, dergleichen wir, Gott seye es gedankt! allezeit in unserem Staat und Senat gehabt, und besonders in unsern Zeiten ausnehmend haben, entweder gleichförmige oder verschiedene Rathschläge und Endurtheile zur Prüfung und allfalligen Genehmigung vorlegten; so beobachtete der Selige Hiebey die genaue Pflicht, allezeit demjenigen seine Stimme und seinen Beyfall zu geben, was Er, nach seiner erlangten Einsicht, das billigste, das klügste und nützlichste zu seyn erachtete: — und solches, ohne hierüber persönliches Ansehen , und ohne Gefallen- oder Mißfallen-wollen in einige Betrachtung zuziehen. — Seine Meinung oder seinen Beyfall erklärte Er allezeit nur kurz, und nur mit den nöthigsten Worten, im Falle es nicht Pflicht und Nothwendigkeit erforderte, etwas mehreres zur Erläuterung oder Berichtigung der Sache beyzufügen: — denn außer diesem Falle sahe Er es als überflüßig , und als eine nur unangenehme Verlängerung der Geschäfte an, dasjenige, was allbereit gründlich und deutlich vorgetragen worden ist, nochmals in seiner eigenen Sprache zuwiedei holen. Besonders müssen wir es auch, als «ine gute nicht wenig beträchtliche Tugend bemerken, daß der Selige als Senator, nicht nur in Absicht der G r wich wichtigsten geheimen Berathschlagungen, die Pflicht der Verschwiegenheit; — sondern auch überhaupt, in Absicht aller Raftsschlüsse und Geschäfte, insofern solche nicht unmittelbar zur Bekanntmachung an das Publikum bestimmt waren, eine kluge und vorsichtige Discretion beobachtet, und eben dadurch manche unzeitige und mißverständige Erzählungen und Beurtheilungen verhindert hat. In Absicht so vieler, mehr und minder wichtigen Amtswahlcn, welche der Senat zu bestellen hat, erzeigte sich der Selige auch auf eine ausnehmende Weise als einen rechtschaffnen, gemeinnützigen, und edelmüthigen Mann. — Wenn es um die Bestellung eines weltlichen oder geistlichen Amtes zu thun war; so sahe Er, unter den dißseitigen Pretendenten und Can- didaten, vorzüglich auf denjenigen, den Er, ausser seinen häuslichen und andern Umständen, nur nach seiner persönlichen Fähigkeit und Geschicklichkeit betrachtet, für das Amt den tauglichsten und würdigsten zu seyn erachten konnte. — Er wußte es aus Erfahrung, und nach so maucher Beobachtung, daß, im Kleinen und im Grossen, die gute Ordnung und der glückliche Fortgang der Geschäfte hauptsächlich von der Geschicklichkeit und dem Fleiße der Arbeiter und der Besorger abhängen; und darum wünschte Er, daß jeder Verussposten, so viel nur immer möglich, mit dahin tauglichem Leuten besetzt werden möchte. — Er befolgte Hiebey, so viel Er nur immer konnte, seine Begriffe und seine Gesinnungen: — und da vermochte kein ferneres Rachwerben, Ihn in seiner einmal gefaßten Entschliessung mehr wankend zu machen, wenn Er den empfohlenen entweder untüchtig oder unwürdig fand. Hier aber liesse Er Niemand lange im Zweifel stehen: denn demjenigen unter den Amts-Candidaten, welchen Er nach seiner Kenntniß und Einsicht als würdig und tauglich genehmigte, versicherte Er sogleich seine Patronanz, und diese konnte Ihm nicht entgehen: — den Andern aber erklärte Er deutlich und bestimmt, daß Er Ihnen in dem gegenwärtigen Falle zu dienen nicht ... " sz nicht tm Stande, mithin aber geneigt seye, Ihnen zu 'einem andern für sie schicklichen Posten bey Gelegenheit mit zuverhelfen. — Wenn es aber der Fall war, daß einer der Candidaten seine besonders dürftigen Umstände Ihm empfindsam vorstellte; so ermangelte Er nicht, einem solchen eine diß- falls gute und behülfliche Anleitung zu geben, und Ihn selbst durch seine eigene thätige Generosttät zu ermuntern. — Auf solche Weise hat durch seine Beyhülfe mancher würdige Mann einen angemessenen Posten erhalten; und so ist Mancher durch seine guten Vorstellungen, und durch sein generöses Betragen unterrichtet, geleitet und getröstet worden. Nach diesem laßt uns den Seligen in einem, seiner Senator-Würde für einige Zeit beygefügten, besondern Regierungs- und Richter-Amte betrachten. — Bald nachdem Er Senator war, wurde Ihm die dem täglichen Senat zuständige Vogtey R** zu regieren aufgetragen. — Aber welch eine Dar- zeignng, und welch eine Aussteht hatte da der Selige vor stch! zwar keine grosse Menge von Leuten, und keinen so grossen Bezirk von Land: aber Leute , welche in Absicht ihrer Moralität und ihrer Oeconomie, iu so mancher Betrachtung sehr verdorben waren: — und eine geräumige Strecke Landes, welche die Unthätigkeit und der leichtsinnige Müßigang der Besitzer, auf eine eben so schändliche als »achtheilige Weise, viele Jahre hindurch ungebaut und unfruchtbar gelassen hatte. — Eine solche Ansicht würde Manchen zur Muth- lostgkeit und Manchen zur äussersten Strenge verleitet haben. — Aber siehe! Der Selige war der Mann, der, bey einem solchen eben so widrigen, als wichtigen Gegenstände, die erforderliche Mäßigung zwischen einer verdrießlichen Unthätigkeit, und einem übereilten zuweit getriebenen Eifer zu beobachten und auszuüben wußte. — Seine Liebe zur Moralität und guten Oeconomie wurden durch den Anblick so vieler Unordnungen und Schändlichkeiten nicht wenig betroffen und beleidiget; und sein Wunsch, die Sachen künftig G; auf 54 auf einem besseren Fusse zu sehen , ward durch die Betrachtung so vieler grossen Schwierigkeiten, und dißfalls nöthigen Bemühungen fast gänzlich darnie- dergcschlagen: — aber auch seine Neigung zum Wohlthun und seine so starke reine Begierde, die Glückseligkeit seiner Mitmenschen befördern zu können , forderten Ihn auf und ermunterten Ihn, alles nöthige und alles mögliche stuffenweis zu versuchen und anzuwenden, was dem so tiefen Verfall seiner Anvertrauten aufhelfen, und für fie einen bessern Zustand befördern konnte. — Von solchen menschenfreundlichen und wohlthätigen Gesinnungen belebt und ermuntert, bemühete Er sich, den wahren eigentlichen Zustand seiner Vogtey-Angehörigen und ihrer Oeconomie, nicht bloß nach den so oft und meistens partheischen und intereßierten Berichten und Anzeigen eines oder mehrerer Unterbeamteten; — sondern nach seiner eigenen nähern Prüfung und Beobachtung, genauer kennen zu lernen, und da, nach Maasgabe seiner dißfalls erlangten Kenntnisse, die schicklichsten Verbesserungs- und Hülfsmittel vorzuschlagen, und hiernächst derselben Anwendung auf die bäldeffe und vortheilhafteste Art wirksam zu machen. — Allererst war es darum zu thun, so viele falsche Begriffe und Vorurtheile zu verdrängen, und anderen statt wahre Begriffe und richtige Vorstellungen in den Verstand hineinzubringen. — In dieser Absicht wurden die Irrenden mit Freundlichkeit, mit Deutlichkeit, und mit vieler Geduld, gleich wie Kinder, zur Erkenntniß der Wahrheit geleitet. — Nach diesem war es nöthig, so manche böse und schädliche Gewohnheit und besonders die Trägheit und den Müßiggang zu unterdrücken. — Zu dem Ende hin stellte Man den Achtbaren das Schändliche, das Strafbare und das Nachtheilige ihres bisharigen Verhaltens ganz deutlich und empfindlich vor die Augen, und ermannte sie mit wiederholten Vorstellungen und mit dringendem Ernste zu einer pstichtmäßigen arbeitsamen und christlichen Lebensordnung. — Besonders verwahrnte Man sie such, bey jeder Gelegenheit sehr nachdrücklich, gegen die so verhaßte Zank- «nd Slreitsncht und gegen die so meistens unbesonnenen und unnöthigen Prozeß- Händel: — ^währenddem, daß ihnen , bey allen fich dißfalls noch geäusserten Fällen, die genaueste und unpartheyischste Gerechtigkeit, von Seite -er richterlichen Autorität, aufdie kürzeste »»kostbarste und generöseste Weise ertheilet wurde. Da die Oekonomie dieser Dorfgenoßschaft in Holz und Feld, seit mehrern Jahren, äusserst verabsäumt und vernachlässiget war; so richtete sich die Aufmerksamkeit und das Nachdenken des Regenten auch ganz besonders auf diesen Punkt, als auf die wesentliche Hauptquelle entweder des Wohlstandes, oder der Käumerlichkeit des landwirthschaftlichen Lebens. — In dieser so wichtigen Absicht war Man recht sorgfältig bemühet, der Gemeine taugliche Vorschläge zu machen, schickliche Anleitungen zu geben, und selbst sichere unterrichtende Beyspiele vorzulegen, von der Art und Weise, wie sie ihre zerrüttete Forst- und Holz-Ordnung und ihren vernachlässigten Feldbau wiederum herstellen und verbessern: — und besonders auch, wie sie ein sehr geräumiges, in Nsru guo, sehr unergiebiges Weidried, einerseits durch Ausgrabung eines theils der dasigen Torf-Erde, und anderseits durch die daher zu bewirkende Urbarmachung und Anpflanzung eines grösseren Bezirkes, für die ganze Gemeinde überhaupt, und für jeden Bürger besonders - sehr nützlich und erträglich machen könnten. — Was aber war der Erfolg hievon? Solche neue Vorschläge und Erinnerungen erweckten, da es um die Bearbeitung und Ausführung der Sachen zu thun war, manchen unwilligen Gedanken und manchen Widerspruch: und mit diesem Widerstände hatte die Geduld und die Großmuth der wohlthätigen Absichten vieles zu kämpfen. — Würden die Leute sich folgsamer und thätiger erwiesenhaben; so wäre sehr vieles und selbst das meiste zur Besserung gediehen. — Mithin aber kann Man doch itzt mit Wahrheit sagen, daß vermitelst des Betriebs einer anhaltende» s6 - ^ ' ----------. den und «»ermüdeten Anleitung und Ermunterung manches'und vieles zurrt Nutzen und bessern Zustande -er erwehnten Dorfgemeine angeordnet und vollzogen worden ist. Für die gewünschte Erzielung solcher guten und gemeinnützigen Abstch- ten hatte sich die Klugheit und der Eifer des Seligen immer standhaft und ausharrend bemühet: — doch/ bey so manchen schwierigen/ unangenehmen und oft selbst fruchtlosen Bemühungen/ würde Er in Gefahr gewesen sey»/ seinen Eifer und seinen Muth zu verlieren / wenn Er nicht in Allem von feinern höchstwürdigen Amtsgenossen und Mitregenten / einem gleich Ihm edeldenkenden und großmüthig-handelnden Mann unterstützet und ermunteret worden wäre: — Wr einem Manne / den wir das Glück haben / als ein verdienstvolles und liebenswürdiges Standeshaupt unter uns zu verehren/ und für den wir inniglich zu Gott flehen/ daß Er seine so kostbaren Tage zum Heil des Staats und des Vaterlandes im Seegen erhalte und verlängere! — Das Beyspiel dieser zween verehrungswürdigen Männer soll uns lehren/ daß Man bey einer Landes-Vogtey-Verwaltung, durch eine kluge Aufmerksamkeit und Beobachtimg / und durch eine anhaltende großmüthig sort- -aurende Bemühung/ in jeder, auch selbst in der verdorbensten Dorfgemeine, wo nicht alles, doch vieles verbessern und gut machen kann. Da die Rechtschaffenhett und die gemeinnützige wahre republikanische Thätigkeit des Seligen, schon vom Anfang seiner Senatorwürde an, dem Senat ganz augenscheinlich und ausnehmend bekannt wurde; so hatte Derselbige nicht ermangelt, Ihm sein achtungvolles Wohlwollen und Zutrauen dadurch zu be- scheinen, daß Solcher Ihn, von Zeit zu Zeit, zu Verrichtung und Besorgung verschiedener besonderer Aufträge und wichtiger Kammergeschäfte mit verordnete. — Unter diesen verschiedenen Fachen von Geschäften war es Ihm, nach seiner besondern Kenntniß, und Zuneigung, vorzüglich angenehm, 57 « ein Verordneter in der Militär- und Kriegskammer wie auch in der Rech, nungs- und Seckelamts-Kammer mitzuseyn. — Und da hat Er bey verschiedenen Anlässen und Umstanden, theils seine dißfällige Kenntniß durch guten Beyrath und nutzbare Anmerkungen und Vorschläge, theils aber auch seine bereitwillige Beflissenheit durch wirkliche und eiterige Bemühungen nicht urr- bezeuget gelassen. Hatte der Selige es steh erlauben wolle«, entweder nach den Geschäften eines höhern Ranges, oder auch nach einer einträglichen Amtes-Verwaltung zu streben; so würde es, ohne Zweifel, Ihm nicht sehr schwer gewesen seyn, vermittelst seines so gründlich etablierten Credits das einte oder das andere zu erlangen. — Aber weder das einte noch das andere konnte und wollte Er sich erlauben : — und zwar das erstere darum nicht, weilen die besondere Berufs-Anhänglichkeit, die'Er für seine Handlungs-Geschäfte hatte, Ihm nicht erlaubte, sich ferner noch mit mehrern und wichtigern Geschäften zu beladen; besonders aber auch darum, weil seine Bescheidenheit, und unpar- theyische Billigkeit Ihm nicht verstatten konnten, nach Rang und Würden zu streben, für welche Er tüchtigere und verdienstvollere Männer vor sich sahe, und die Er selbst dazu bestimmte. — Was aber den Gegenstand des zweyten Bestrebens beirrst; da müssen wir ja wohl aus dem ganzen Charakter deutlich ersehen, daß ein solches Bestreben sich mit den edlen Gesinnungen und der generösen Denkensart des Seligen niemals hatte verbinden können. — Nein! — voll dankbarer Zufriedenheit über den Segen, mit welchem die göttliche Fürsehung seine häuslichen Handlungsgeschäfte zu beglücken beliebte , hätte Cr sich das, nach seinem Begriffe, sehr unbescheidene und un- gemäßigte Bestreben, noch eine ergiebige Amtsverwaltung vou dem Staate zu begehren, niemals erlauben können, während dem, daß Er hiezu da und H dort 58 'l.,-. Dort tüchtige und würdige Männer kannte. Leren Oekonomie dergleichen be- lohnende Beyhülfe eher bedurfte, als die scinige. Von solch edeln und großmüthigen Gesinnungen belebt, bliebe sodann der Selige auf seinem ersten Standpunkte als Senator, ohne weiter gehen zu wollen, immerhin rnhig und und zufrieden stehen: — und so hat Er, während der Zeit von 21 Jahren und selbst bis auf die letzten Tage vor seinem seligen Hinscheide, dem Staate und dem Vaterlande uneigennützig und ohne ökonomischen Vortheil gedienet. — Aber wie, bliebe Er da ganz ohne dißfällige Belohnung? Nein, meine Freunde! der Selige hatte doch die herrlichste Belohnung für sich: — ja die edelste Belohnung, welche ein bescheidener und großmüthiger Mann, den die göttliche Fürsehung mit einem besondern ökonomischen Segen beglücket hat, sich von dem Staate und dem Vaterlande annoch wünschen darf: — ich meyne Achtung, Liebe, Zutrauen, Ergebenheit: — diese Dinge hat der Selige immerhin bis an sein Ende auf eine allgemeine und ausnehmende Weise für sich gehabt. — Und nun, nach seinem Tode, wird noch mancher gute und edle Gedanke, und noch manches edles Ihm nachahmendes Bestreben, auch bey den spatesten Enkeln, seinen Charakter verehren. Noch will ich am Ende dieser Ruvrike die besondere Anmerkung machen, daß die Magistratswürde bey dem Seligen keine wesentliche Abänderung in seinen Gesinnungen noch in dem Betragen seines gesellschaftlichen Lebens jemals hat bewirken können. — Da gienge es eben nicht, wie bey jenem Dorfschulze, welcher, da er Schulze geworden war, sogleich aller Gesellschaft mit seinen vorigen Kameraden und Schulfreunden entsagte, und wenn Er sie noch etwa hie und da antraf, auf sie, die nicht Schulzen waren, als auf gemeine, weit unter Ihn gesetzte Bürger, mit einer stolzen Amtsmine her- herunter sah: — und der sich, von dem an, mit Niemand mehr einen nähern und vertrauten Umgang erlaubte, als nur mit dem Herr Ober-Am/- mann und dem Herr Pastor Loci. — Ein solches Betragen schien in den Augen des Seligen eben so thöricht und närrisch, als nidertrachtig und Ver- achtungs-würdig. — Er erkannte und Er empfand die wahre Grösse eben so, wie feine Pflichten: — die wahre Grösse: — und diese setzte Er darin, daß Man die Würde seines Berufs und Amtes niemals durch nidertrachtige Reden oder Handlungen zu beflecken sich erlaube; — und sich aufrichtig bestrebe, das Ansehen derselben durch eine geflissene nnd gewissenhafte Beobachtung der damit verbundenen Pflichten vor Aller Augen rein und angenehm zu erhalten: und darin, daß Man auch in dem höchsten Amte und in der erhabensten Würde sich gegen Jedermann, selbst gegen die Geringsten und Kleinsten unter dem Volke, freundlich und dienstfertig, und nach Maasgabe der Umstände und Verhältnisse, höflich, gefällig und herablassend erzeige: — und noch mehr, — daß Man den Mangel einer uns schuldigen Achtung oder einer uns angethanen Beleidigung mit mitleidiger Nachsicht und mit Großmuth zu ertragen wisse. — Diese Begriffe und diese Gesinnungen hat der Selige immerhin als Senator eben so befolget, wie Er sie vorhin als Privatmann zu befolgen gewohnt war. — Er ehrte und liebte seine alten Freunde und Bekannten eben so, wie Er sie vorhin geehret und geliebet hatte. — Er begegnete Jedermann mit der gebührenden Achtung und Freundlichkeit, und bey seinen häuslichen Audienzen war Er allezeit willig und bereit, dem geringen Bürger und dem Sandmann eben so ungesäumten und guten Bescheid zu ertheilen, als den Grossen und Reichen; und es würde Ihm selbst am meisten mißbeliebig gewesen seyn, wenn Jemand sich dißfalls mit Grunde über Ihn hätte beschweren können. — Ich beschließe den Inhalt der gegenwärtigen Rnbrike mit der allgemeinen Erklärung, daß der Selige, als Senator, H 2 sich V <§0 - .. sich in seinem ganzen Betragen eben so liebenswürdig als respektabel gema- chet hat. Was sagt Ihr nun, meine lieben vertrauten Mitbürger und Freunde! zu dem Charakter, den ich Euch eben itzt vorgelegt habe? — Verehrens- nnd liebenswürdig ist Er, werdet Ihr mit mir sagen: — und diesen edel» Charakter, den soll sich ja ein jeder, den die Vorsehung und der Staat berufen hat, oder noch berufen wird, an der Regierung mitzuarbeiten, als ein richtiges und sicheres Vorbild zu seinem Unterrichte und zu seiner Nachahmung vorstellet;! Glücklich ist der Staat, glücklich die Bürger, glücklich das Vaterland, wo Männer von solchem Charakter an der Regierung stehen! — Männer, welche für das allgemeine Beste, und für das Heil eines jeden, mit erleuchteter Weisheit und mit väterlicher Treue, wohlthätig und großmüthig besorgt und bemühet sind. — Aber wo ist dieser glückliche Staat? wo diese Bürger? wo dieses Vaterland? — Voll Freude heftet Ihr euere Blicke auf das, was vor und an Euch ist: — und voll der lebhaftesten Dankbarkeit gegen die Vatergüte der göttlichen Fürsehnng, sagt Ihr es der Welt frohlockend mit mir: — dieser glückliche Staat ist der nnsrige: — diese glücklichen Bürger sind wir: — und dieses gesegnete Vaterland ist das unsrige. Unnöthig würde es seyn, Euch, meine lieben vertrauten Mitbürger! eine so glückliche Erfahrung umständlicher und weitläufiger anzusinnen. Ihr erkennet und empfindet sie lebhaft mit mir. — Solche vortrefliche Regenten und Senatoren, wie der Selige war, haben wir, Gott seye es feyerlich ge- danket, noch mehrere unter uns. — Und wenn es nnläugbar ist, daß unser 6r fer Staat, seit etlichen Jahrhunderten, allezeit mehr oder wenigere vereh- renswürdige und wahrhaft patriotische Männer zu Regenten gehabt hat; so ist es itzt eine sonnenklare und überall einem jeden noch sehenden Auge einleuchtende Wahrheit, daß wir gegenwärtig, in einer so wichtigen Absicht, die glücklichsten und segenvollesten Zeiten für uns haben. — Nicht nur etliche, nicht nur wenige; sondern so viele, so zahlreiche Männer, — welche eine gründliche Wissenschaft mit einer männlichen Arbeitsamkeit; — eine redliche Klugheit mit dem lebhaftesten Eifer; — eine unverletzbare Gerechtigkeit mit einer edlen Großmnth; — und ein voll Geduld anhaltendes Bestreben, im- mermehr gutes zu bewirken, — mit den uneigennützigsten Absichten auf die sicht- bareste und ruhmvolleste Weise verbinden: — Männer, welche, selbst von ihren jüngern Jahren an, mit einer freywilligen Aufopferung ihrer Privat- Neigungen und ihrer Bequemlichkeit, und selbst mit Aufopferung ihres eigenen häuslichen Interesse, ihre Arbeit und ihre Tage dem Vaterland und ihren lieben Mitbürgern zum Dienste und zum Schutze widmen. — Dieses sind gegenwärtig, in unserer so glücklichen Zeit, die verehrungswürdigen Regenten unsers Staates, die leuchtenden Zierden unsers Senats, und die wohlthätigen liebenswürdigen Väter unsers Vaterlandes. Nun, meine lieben vertrauten Mitbürger! urtheilet selbst, oder vielmehr befraget euer eigenes Herz, welches unsere natürlichen Pflichten, in einer für uns so wichtigen und so glücklichen Beziehung, seyn müssen? — Ihr erkennet und empfindet sie mit mir: — billig, sagt Ihr mit mir: billig soll unser Herz die ebrfurchtvolleste Hochachtung, die lebhafteste Dankbarkeit, die kindlichste Liebe, das vollkommenste Zutrauen, und die innigste Ergebenheit gegen diese unsere so theuren Regenten und Landesväter empfinden! — gegen Sie, welche für unser Heil immer so eiferig und so großmüthig bemühet sind. — Ja , meine lieben vertrauten Mitbürger! diese so pflichtmäßigen und so begrün- H; deten 62 —. deten edlen Empfindungen müssen auf immer unsere Herzen erfüllen und beherrschen ! — und wir müssen solche auf eine thätige und deutliche Weise dg- Lurch zu Tage legen und beweisen, daß wir uns allezeit getreulich und eiferig angelegen seyn lassen, den heilsamen Befehlen und Verordnungen dieser unserer so verehrens-und liebenswürdigen Regenten und Väter zu gehorsamen, und also ihren so guten und wohlmeynenden Absichten gegen uns durch einen christlichen, tugendhaften, stillen, friedfertigen, und gemeinnützigen Wandel, folgsam zu entsprechen. — Und eben nur dadurch ist es, wodurch wir Ihnen die Last Ihrer Sorgen und Arbeiten, so viel an uns ist, erleichtern und weniger drückend machen können. — Heilige.', feyerliche Pflichten, welche keiner von uns, jemals mehr oder weniger, verletzen kann, ohne sich dadurch vor Gott und seinem Gewissen strafbar zu machen. Laßt uns, meine lieben Freunde! unsere Herzen zu Gott erheben, und seinen allmächtigen Schutz über unsere so würdigen Regenten und über uns selbst erflehen ! Ihm, dem Gott der Götter möge es gefallen, unsere so edlen Regenten, unsern ganzen Senat, und besonders unsere so verdienstvollen Stan- deshäupter, unter seinem besondern Gnadenschutze, fernerhin in gesegnetem Wohlstände zu erhalten! — Er lasse das Licht seiner Weisheit über Sie leuchten, so daß alle ihre Rathschläge und Entschlüsse, voll Erkenntniß der Wahrheit und voll der besten Absichten, immerhin zu einem erwünschten und glücklichen Erfolge gedeihen! — Und Er unterstütze Sie mit seiner Kraft und Stärke also, Laß Sie in Ihren so vielen und wichtigen Bemühungen und Arbeiten, durch seinen mächtigen Beystand ermuntert, den Muth nicht vermehren ; sondern immer fortfahren mögen, zum Heil des Vaterlandes, bis zu Ihrem ruhmvollen seligen Ende, alles Ihnen mögliche Gute zu bewirken' — Der Herr beglücke Ihre uns so kostbaren Tage und verlängere dieselben uns zum Besten! Der Herr segne Sie in allen Absichten mit den wohlthätigsten Scg- - -- - V.. 6Z Segnungen! — Und Er lasse Sie/ als eine der edelsten Belohnungen Ihrer Arbeit und Treue, die heitere Ruhe und die fröliche Zuversicht des Bewußt« seyns eines edeln und wohlthätigen Lebens immerfort empstuden und genießen, bis Er Sie endlich, wenn Sie ihre hiesige mühsame aber ruhmvolle Laufbahn werden vollendet haben, in einer künftigen beßern Welt mit vollkommener Wonne ewig beglücken wird— Uns aber, meine lieben vertrauten Mitbürr ger und Freunde! uns wolle der Gott unserer Väter die Gnade geben, -aß wir Ihm und seinem Gesetze, und den uns von Ihm so gütig vorgeordneten Regenten getreu und ergeben, uns allezeit aufrichtig und geflisscn bestreben, in allen unseren Beziehungen dasjenige zu beobachten, zu thun und zu erfüllen^ was unsere sowohl gemeynten Pflichten und unser wahres Heil von uns erfordern! — Und so meine lieben Mitbürger! so müßen wir ein tugendhaftes und ' glückliches — ein von Gott geliebtes und gesegnetes Volk seyn und bleiben! VII. Endlich bleibt uns übrig, den Seligen annoch in Absicht der allerwichtig» sten Beziehung dieses gegenwärtigen und des zu erwartenden künftigen Lebens zu beobachten, — das ist, in Absicht der Religion und der christlichen Re« ligion besonders. Hier werde ich erstlich die Grundsätze des Glaubens, und dann dir darauf gegründeten Pflichten in Bemerkung ziehen. In Absicht der Theorie oder der Grundsätze des Glaubens bemerke ich, daß, da der Selige, bloß als Mensch und Christ, keinen Beruf hatte, die so vielen und so mancherley besondern Lehrsätze -er ungleich denkenden Theologen sich bekannt zu machen und zu untersuchen; — Er auch niemals gewünscht, oder sich angemaßet hat, mit andern über dergleichen sich in Gespräch einzulassen, und noch weniger mit Jemand darüber zu disputieren. Aber ^4 —— . ------ Aber die wesentlichen und wichtigen Grundlehren der Religion — die be- fiiße Er sich/ nach ihren Gründen und Beweisen/ genauer zu erkennen uud einzusehen. — Und so glaubte Er/ nicht nur überhaupt und auf eine unbestimmte Weift/ daß ein Gott sey; — sondern besonders und bestimmt/ daß Gott/ der Schöpfer und Herr aller Dinge/ unendlich mächtig/ weift/ heilig/ gerecht/ wohlthätig / gütig und barmherzig: — und daß Er mit der immer wirkenden Kraft seiner Vollkommenheiten aller Orten gleich gegenwärtig ftye: — also/ daß seine alles beobachtende und alles besorgende Fürsehung sich über jede / auch über die geringstscheinenden Dinge verbreite / und darum nichts ohne seine Leitung und ohne seinen Willen / oder seine Zulassung geschehen könne. Das aber/ was Ihm den Grund der Religion und der Gottesfurcht noch darzeigender und verbindlicher machte/ das war die Vorstellung und der Glam be,. — daß wir vernünftige Geschöpft / mit so vielen und so wichtigen Veram staltungen / nicht bloß für dieses sehr kurze/ und in so manchem Falle und in so mancher Absicht unproportionierte Leben; — sondern annoch für ein künftiges/ aufsteigendes und längeres Leben geschaffen seyn müßen: — und daß Gott/ zufolge und in Kraft seiner unverlezbaren Vollkommenheiten/ alles dasjenige/ was uns hier/ in moralischer Betrachtung / noch als Unordnung und Disproportion vorkommen mag, in den Anordnungen einer für uns künftigen Welt vollkommen rechtfertigen und berichtigen; und da besonders Tugend und Unschuld/ in Absicht ihrer hiesigen Mühseligkeiten und erlittenen Bedrängniße/ gnädig und huldreich entschädigen werde. Dieß waren die von dem Seligen anerkannten/ und mit Ueberzeugung geglaubten Grundlehren für eine sogenannte natürliche Religion. — Allein Er sahe anch aus Ueberlegung und Beobachtung ganz deutlich ei»/ und Er erkannte es noch mehr aus der besondern Geschichte so mancher Völker / wie dunkel und unvollkommen/ und wie verstellt und irrthumvoll diese Grundlehren der so- ' ' ' 'n. ' - 65 sögenannten natürlichen Religion bey den Menschen überhaupt seyn würden; — wenn es nicht der göttlichen Güte gefallen hätte , diese Grundwahrheiten von Zeit zu Zeit / nach Masgab der Umstände und Absichten, den Menschen durch einen positiven, und sich mit einem besondern göttlichen Beweise auszeichnenden Unterricht, deutlicher bekannt zu machen und nachdrücklicher anzustnnen. — Und hier verehrte der Selige, voll dankbarer Ehrfurcht, den uns in den heilten Büchern, und besonders den uns in den Schriften des Evangeliums von Jesus und seinen ersten Gesandten ertheilten Unterricht, als ein unschätzbares und höchsivcrehrungswürdiges Geschenk der sich an uns geoffenbarten Weisheit und Gnade Gottes. Wie aber hat der Selige die wirksame Kraft seiner Religion und seines Glaubens auf eine deutliche und unzweifelhafte Weise zu Tage gelegt? Das, was ich allbereit von Ihm, als Vater betrachtet, angemerkt habe, giebt uns hier einen nicht unbeträchtlichen Beweis. — Von der so natürlichen Verbindlichkeit, und von dem Werthe und Nutzen der Religion überzeugt, machte Er es sich, bey der Erziehung seiner geliebten Kinder, zu seiner ersten, wichtigsten und vornehmsten Angelegenheit, dieselben in der Erkenntniß Gottes, seiner herrlichen Vollkommenheiten, und seines guten heiligen Willens gegen uns, auf das sorgfältigste und gründlichste unterrichten zu lassen; und sie zur getreuen und freudigen Erfüllung ihrer dießseitigen Pflichten nicht nur durch Erinnerungen, sondern auch besonders durch ein gutes ihnen dißfalls gegebenes Beyspiel aufzumuntern. Ich bemerke demnach, daß der Selige für die Lehren und Pflichten der Religion , und für alle die denselben nöthigen und angemessenen Hülfs- und Bewirkungsmittel immerhin in seinem Betragen Respekt und Hochachtung ge- äußert, und alle dißfälligen Vergehungen von Andern mit Unwillen angesehen und mißbilliget hat. Eilt I «76 ... Ein fernerer, zwar für sich selbst allein nicht sicherer und untrieglicher, doch aber sehr natürlicher und psychologisch nothwendiger/ anch im Zusammenhange des Ganzen sehr darzeigender Beweis von der wirksamen Religion des Seligen war dieses: — daß Er/ von seinen jüngern Jahren an bis in sein hochangestiegenes Alter/ den öffentlichen Gottesdienst allezeit fleißig besuchte, und demselben mit Hellem und erbaulichem Ernste beywohnete: — auch alle seine geliebten Kinder, und nicht weniger seine Bedienten und Untergebenen zu einer aufmerksamen, nachdenkenden nnd redlichen Benutzung des ihnen ertheilten öffentlichen Unterrichtes sorgfältig ermannte und angewöhnte. — Hier aber kann ich nicht umhin, die für die Sache selbst sehr unangenehme Bemerkung zumachen, daß der Selige die, in der Folge von etlichen Jahren, unter uns so stark überhand genommene Gleichgültigkeit gegen den öffentlichen Gottesdienst, als ein deutliches Zeichen von der Gleichgültigkeit gegen die Religion selbst, eben so, wie alle dißfalls noch besser und edler denkenden Gemüther, mit Wehmuth betraurte, und, die fatalen Ursachen davon weggehoben zu sehen, herzlich wünschte. Es seye mir erlaubt über diesen so wichtigen Punkt einige nöthige Anmerkungen zu machen. — Ich habe gesagt, meine lieben vertrauten Freunde! -aß der dißsäüige angeführte Beweis, für sich selbst allein, nicht sicher und un« trieglich seye. — Aber daher folget nicht, daß Man gegen denselben gleichgültig seyn oder ihn sogar ohne Bedenken verabsäumen und vernachläßigen könne: — Nein, meine Freunde! Eine solche Folgerung ist unbedachtsam, falsch und ungegründet. — Freylich ist es wahr, daß Man den öffentlichen Gottesdienst fleißig besuchen, und doch dabey ein arglistiger gefährlicher Heuchler , und ein lasterhafter leidenschaftvoller Maulchrist seyn kann; — darum weilen das Bekenntniß des Mundes und die Gesinnungen des Herzens, und weilen die erscheinenden Andachtsminen und die dabey gefühlten wirklichen Ab- Äbfichten nicht immer redlich zusammenstimmen. — Aber es ist auch auf der andern Seite nicht weniger wahr; ja es ist auffallend und unzweifelhaft deutlich, daß derjenige, welcher Gleichgültigkeit und sogar Verachtung gegen den öffentlichen Gottesdienst dadurch bezeuget, daß er denselben überall verabsäumt, uns Hiebey zu erkennen giebt, daß er für das, was der Gegenstand und der Endzweck des öffentlichen Gottesdienstes seyn soll, — das ist, für Gott selbst und die seiner Herrlichkeit schuldige Verehrung gleichgültig und unempstndlich feye, oder es doch zu werden und zu seyn wünsche. — Diese Wahrheit, so hart ste auch scheinen mag, ist richtig und unzweifelhaft, darum weil es psychologisch, und nach aller menschlichen Erfahrung und Beobachtung unmöglich ist, — daß ein Mensch, welcher für Gott, den Schöpfer und Vater aller Dinge, die Ihm schuldige Hochachtung, Dankbarkeit und Ergebenheit in seinem Herzen empfindet, gegen die öffentlichen feyerlichen Veranstaltungen, wo Man gemeinschaftlich und gleichförmig, ohne Unterscheid des bürgerlichen Ranges und Standes, die Gott schuldigen Empfindungen und Pflichten einander zur Erweckung und Ermunterung zu äußern sich angelegen seyn laßt, gleichgültig, nachläßig und verabsäumend seyn könne. Noch muß ich hier die wichtige Frage machen: Wie können doch Leute, welche, bey ihrer deutlich dargezeigten Gleichgültigkeit gegen den öffentlichen Gottesdienst, uns doch noch immer Moral und gute bürgerliche Sitten predigen ; — wie können ste doch die so deutliche und durch die Erfahrung bewährte Wahrheit mißkennen? — nämlich, daß ein öffentlicher und allgemeiner Gottesdienst, wo Große und Kleine, Vornehme und Gemeine, Reiche und Arme, Herrschaften und Dienstboten, ohne Unterscheid in gleicher Abficht und aus- gleicher Verpflichtung zusammenkommen, und ihre Andacht bezeugen; ein sehr nöthiges, und für die grössere Menge der Menschen sehr angemessenes und kräftiges Mittel seye, um ihnen die Beweggründe der Moral, und sonderlich I 2 - die 68 die Beweggründe der gesellschaftlichen und bürgerlichen Pflichten, ich meyne, der Demuth, der Subordination und Bescheidenheit, der Menschen- und Nächsten-Liebe, der Dienftfertigkeit, des Mitleidens und der Beyhülfe empfindlich und wirksam zu machen. — O was müßte eine Gemeine, eine grössere Gesellschaft von Menschen werden, wenn bey ihnen aller öffentliche gemeinschaftliche Gottesdienst und Unterricht aufgehoben würde? Mit Schauer wird jedes menschenfreundliche Gemüth die schrecklichen Folgen und Wirkungen bedenken , die daher entstehen müßten! Laßt uns, meine lieben Freunde und Mitbürger! aus dem gesagten den Schluß und die Lehre ziehen, daß wir die so guten Veranstaltungen unsers vernünftigen und lehrreichen öffentlichen Gottesdienstes, als ein höchstwichtiges und höchstschäzbares Beförderungsmittel unserer moralischen uno bürgerlichen Glückseligkeit ansehen und verehren; und unsere dißfälligen Pflichten mit freudigem Eifer und angelegener Treue beobachten und erfüllen sollen. — Mögen wir uns doch angewöhnen, uns der so wichtigen Grundwahrheiten der Religion beständig und lebhaft zu erinnern! Ich meyne besonders der Allgegenwart Gottes, welcher uns immer genau beobachtet, und welcher allein unser Schicksal in seiner Hand hat; — und demnach der vielleicht uns so nahen Stunde des Endes unsers hiesigen Lebens, und der daher steh ergebenden wichtigen Folgen in einem künftigen Zustande. — Je mehr wir uns werden angewöhnen , hierauf unsere Gedanken und Ueberlegungen zu richten; je um so viel geneigter und eiferiger werden wir auch seyn, jede feyerliche und gesellschaftliche Gelegenheit zu benutzen,.wo wir uns und andere zur Verherrlichung Gottes und zur getreuen Beobachtung unserer Pflichten erwecken und ermuntern können. Aber laßt uns jezt den guten Charakter des Seligen weiter zu unserem Unterrichte betrachten. — Der deutlichste und auffallendeste Beweiß seiner wirkliche» Religion und Frömmigkeit war die getreue Beflissenheit, alle seine moralischen 6 ) Mischen Pflichten zu Verpachten und zu erfüllen. — Und da berufe ich mich auf das, was ich allbereit von Ihm, nach seinen verschiedenen gesellschaftlichen und bürgerlichen Beziehungen, besonders und umständlicher angemerkt haben. — Er verehrte einen unendlich weisen, heiligen, gerechten, gütigen und barmherzigen Gott: — aber seine Ehrfurcht, seinen Gehorsam und seine Ergebenheit gegen denselben äusserte und bewiese Er auf die richtigste und deutlichste Weise dadurch, daß Er, nach dem Fürbilde und nach dem geoffenbare- ten Willen dieses himmlischen Vaters steh angelegen seyn ließ, steh selbst, so Viel menschlicher Schwachheit möglich, in allem seinem Betragen und in seinem ganzen Wandel, vernünftig, gerecht und billig; redlich, aufrichtig und wahrhaft ; gemeinnützig, dienstfertig und gefällig; mitleidig, barmherzig und wohlthätig gegen Alle und gegen Jedermann zu erzeigen. — Dieß, meine Freunde ! dieß war die wesentliche und auffallende Darzeigung von der Frömmigkeit und Rechtschaffenheit des Seligen. — Und dieß, meine Lieben! dieß ist die wesentliche Hauptabstcht der ganzen Lehre des Christenthums. — Dahin und nur dahin beziehen steh alle Erinnerungen und alle Beweggründe, welche uns Jesus und seine Apostel auf alle mögliche Weise aus Herz zu legen bemühet sind. — Befleißet Euch, sagen Sie uns in Allem, befleißet Euch, weise, gerecht, wahrhaft, gütig, liebreich, fridfertig, gemeinnützig, barmherzig, wohlthätig, und in allen eueren Gestnnungen und Absichten rein und heilig zu seyn! — und bemühet Euch durch die Gnade, die Euch gegeben wird, in allen diesen Dingen immer vollkommener zu werden, nach dem herrlichen Vorbilde Gottes unsers gemeinschaftlichen Vaters, welcher im Himmel thronet, doch uns Allen immer gegenwärtig ist! — Da, meine Freunde! mag sich ein Jeder über die Kraft und die Wirkung seines Glauveus prüfen! — Und da mag ein Jeder erkennen, ob Er ein wirklicher redlicher Christ seye oder nicht! — und im Falle Er es nicht ist, zu sehen, welches die Ursache seines Unglaubens oder seiner Untreue seye! I; Aber 70 Aber was für Wirkungen und Folgen hat die Gottesfurcht und die Pflicht- Beobachtung -es Seligen/ in Absicht auf sein Schicksal und seine Gemüthsfassung, hervorgebracht und uns vor die Augen gelegt? — Gott, der Schöpfer «n- Herr aller Dinge, dessen väterliche Fürsehung über Alles und besonders über seine folgsamen Kinder wachet, hat, wie wir allbereit schon in so mancher Absicht bemerkt haben, über den Seligen, über seine Bemühungen und Geschäfte, und über seine gesammte zahlreiche Familie, zum Zeugniß -es Wohlgefallens, und der die Redlichkeit und Treue belohnenden Gnade, einen herrlichen Segen nicht nur an sogenannten Glücksgütern, sondern auch und noch mehr an den weit schäzbareren Geschenken, — an Frieden und gesellschaftlicher Ruhe, an herzlicher Freundschaft und häuslicher Liebe, an allgemeiner Achtung und Anhänglichkeit, und überall an moralischem, öconomischem uns bürgerlichem Wohlstände, so reichlich ausgegossen und verbreitet, daß ein Jeder, der solchen beobachtet, dabey deutlich erkennen muß, es seye nicht umsonst, und hier schon nicht ohne grosse Belohnung, wenn Man sich redlich bestrebt, dem Herrn zu dienen, — das ist, wenn Man sich angelegen seyn laßt, aus Ehrfurcht und Gehorsam gegen Gott und seinen heiligen Willen tugendhaft, gerecht, wahrhaft, aufrichtig, menschenfreundlich, gemeinnützig «nd wohlthätig zu seyn. Wenn aber die göttliche Fürsehung den Seligen mit einem allgemeinen und augenscheinlichen Wohlstände gesegnet hat; so unterließe Sie doch nicht, aus den besten und liebreichsten Absichten auch Ihm, an dessen Betragen Sie ein Wohlgefallen hatte, von Zeit zu Zeit und in verschiedener Beziehung, ein bestimmtes Maas von Widerwärtigkeiten und betrübenden Vorfällen zuzuordnen. — Da aber hatte sich der Selige gewöhnt, die weisen und immer gütigen Absichten der alles leitenden Fürsehung mit gelassener Folgsamkeit zu erkennen und zu verehren: — Und Er, der so viel Gutes aus kr Vateehand Gottes empfan- empfangen hatte, und aus Einsicht und Erfahrung wußte, daß denen, die Gott lieben, alles zum Heil gedeihen muß, murrete nicht, und wurde nicht muthlvs, da es diesem himmlischen Vater gefiel, Ihn von Zeit zu Zeit durch mehrere oder wenigere mühsame und bittere Stunden zur Entsagung an seinen Willen, zur Geduld und zur Großmüthigkeit zu üben; — und Ihn dadurch zu einer weisen, klugen und ruhigen Benutzung aller Umstände und Zufälligkeiten geschickt zu machen. — Die gesegnete Wirkung hievon offenbarete fich deutlich darin, daß Man den Seligen nicht nur überhaupt in seinem allgemeinen Betragen als heiter und aufgeräumt; sondern auch bey den widrigsten Vorfallen, und bey den verdrießlichsten und unfruchtbarsten Bemühungen, als gesezt, Geistes - gegenwärtig, geduldig und ausharrend-thätig sehen und beobachten konnte. — Mit einer so glücklichen und so wahrhaft christlichen Gemüthsfassung hat Er sich immer redlich beflissen, seine so vielen verschiedenen Geschäfte zu besorgen, und seine allseitigen Pflichten, so viel Ihm nur möglich seyn konnte, zu erfüllen; — dabey aber alles der ferneren Leitung der göttlichen Fürsehung ruhig zu überlassen. — Er arbeitete mit Fleiß und Treue, und verabsäumte nichts von dem, was von Ihm abhängen konnte, um eine gute Absicht zu erreichen: — aber dabey empfahl Er immer dem Herrn feine Wege nnd den unbestimmten Erfolg seiner Bemühungen, überzeugt, -aß das, was Gott bestimmen und verordnen würde, immer das Beste seyn müsse. — Gesegnet und herrlich belohnt wurde sein dißfälliges Zutrauen; — denn immerfort, und bis zu seinem seligen Ende, sahe Er seine Geschäfte und Bemühungen im Ganzen einen glücklichen Fortgang haben , und alle seine geliebten Kinder wohl versorget, und alle sich ihres Segens erfreuen. Nun, zufrieden und ruhig, in Absicht aller seiner hiesigen zeitlichen Angelegenheiten , sahe der Selige, in Betracht seines höher angestiegenen Alters, schon seit mehreren Jahren seinem Tode, als näher entgegen, und diß nicht mit 72 mit einer widrigen Empfindung/ und nicht mit dem Wunsche/ einen so de- denkltchen Zeitpunkt sich doch noch weiter hinaussetzen zu können: — sondern vielmehr mit der ruhigen Gemütsverfassung eines fleißigen und getreuen Arbeiters/ der dem Feyerabende seines Tagewerks frölich entgegen siehet/ nicht nur/ weil Ihm solcher eine angenehme Ruhe gewahren soll; — sondern auch und besonders darum / weil Er bey einem guten Bewußtseyn sich im Stande findet/ dem Herrn seiner Arbeit eine redliche Rechenschaft zu geben/ und von Ihm/ nach seiner anwohnenden Huld und Güte/ eine gnädige Belohnung erwarten darf. — Und in dieser Aussicht hatte der Selige schon vor mehreren Jahre»/ und besonders bey der Ahndung des Todes eines seiner geliebtesten und geehrtesten Freunde/ in Bedacht der Ihm ungewissen/ und vielleicht Ihm näher seyenden Todesstunde / nicht unterlassen und nicht verschoben/ sein Haus zu bestellen/ und da alle dißseitig erforderlichen Veranstaltungen und Verordnungen mit männlicher Klugheit und väterlicher Treue zu bestimmen und den Seinen zu empfehlen. Es gefiele aber der gütigen Fürsehung / diesen rechtschaffenen Mann noch länger/ und selbst bis in das hohe Alter des siebenzigsten Lebensjahrs imimr thätig und wirksam unter uns zu erhalten; — da Sie wollte, daß Gr bis dahin seiner geliebten Familie, seinen Mitbürgern, dem Staate und dem Vaterlande zum Dienste und zum Segen leben und wirken sollte. Nun aber kam die von Gott bestimmte Zeit, wo Er den Geliebten zu sich nehmen wollte, endlich herbey. — Hier meine Freunde! wo ich die Geschichte der zween letzten hiesigen Lebenstage des Seligen zu beschreiben habe; werde ich mich genau an die'eigentliche einfache Erzählung halten, welche hiervon die geliebte Famille des Seligen mir und mehreren Freunden ge- machet hat. Noch Noch bis auf den 21 Tag -es letzten Monats im abgewichenen Jahre schien -er Selige seine bisherige Gesundheit zu genießen, um so mehr / -a Er noch an diesetn Tage seine verschiedenen Berufsgeschäfte / wie gewöhnlich/ besorgete. — Was aber diesen Tag in der Folge sehr merkwürdig machet/ ist dieses/ daß Er an eben diesem Tage/ als dem dritten Tage vor seinem seligen Ende/ wo Er noch gänzlich gesund schien/ den schon vormals oft gethanen Wunsch / ohne Zweifel mit einer bedeutenden Vorempfindung, dahin wiederholte, daß es doch Gott gnädig gefallen möge, Ihm nur ein kurz dau- rendes Krankenlager und eine baldige selige Auflössung zu vergönnen. — Schreckenhaft meine Freunde! schreckenhaft mag eine sehr kurze Krankenahndung, keine ceremonialische Vorbereitung, und ein schneller Tod wohl in Absicht derjenigen scheinen, welche bis zu diesem bedenklichen Endpunkte ungött- lich und lasterhaft gelebt haben! — Aber tröstlich und erfrenlich ist eine stille und bäldeste Auflösung in Absicht derer, welche sich durch eine getreue Beobachtung ihrer Pflichten alltäglich auf ihren Tod vorbereitet haben. — Eine solche Auflösung ist der Wunsch und das öfters vergönnte Vorrecht tugendhafter Seelen. — Und eben diesen Wunsch hat die göttliche Güte dem Seligen gewährt, da Er nach demselben nur zween einzige schwachheitsvolle Tage, doch ohne besondere Schmerzen und ohne ängstliche Empfindung, noch bis zu seinem seligen Ende auszuwarten hatte. An eben diesem 2isten Tage schien der Selige annoch gesund: — aber auf den Abend befiel Ihn die Beschwerde eines starken Brnst- und Magen- Drückens, welche anfänglich als Unverdaulichkeit; bey darauf erfolgtet unruhiger Nacht aber als der Anfall einer bevorstehenden noch unerkannten Krankheit angesehen wurde. — Am folgenden 22ten Tag glaubte der Selige, sich durch fernere Bewegung vielleicht am besten Leichterung zu verschaffen, und so nahm Er wiederum seine Berufsgeschäfte an die Hand: — ' K al- 74 allein bey mehr empfundener Entkräftung seines Leibes/ konnte Er itzt keine zur Erholung erforderliche Ruhe/ wohl bisweilen einen flüchtigen Schlummer / aber keinen erquickenden Schchlaf finden: — und eine zweyte schlaflose Nacht hatte Ihn fichtbar entkräftet. Am rzsten als dem letzten Tage fände fich / nebst der fortdaurenden Beschwerde des Brust- und Magen-DrückenS, noch ferner die eines trocknenden Durstes bey Ihm ein. — Wenige Medikamente wurden da angewandt/ aber ohne Wirkung. Wie aber ertrug der.Selige diese seine letzten hiesigen Lebensbeschwerden? Er ertrug Sie meine Freunde! nnt der christlichen Gemüthsfassung/ die wir allbereit an Ihm bemerket haben; — Er ertrug fie mit Geduld und ohne Klage. — Ja in der freudigen Aussicht anf sein seliges Lebensend ertrug Er fie mit dem höchstmöglichen Grade einer gelassenen Gemüthsruhe/ mit einer vollkommenen Geistes-Gegenwart/ und rnit den trostvollesten Bli- ken gegen die Seinen. — Und was hier besonders angemerkt zu werde« verdienet / ist/ daß der Selige an diesem letzten Tage/ wo Er seinem nahen Ende entgegen sah/ seiner theuren Gemahlin und seinen geliebten Kindern, durch seine Gelassenheit und stille Gemüthsruhe, nicht nur alle ängstliche und bange Traurigkeit zu benehmen; sondern auch selbst dem herzlichen Eifer ihres Bestrebens, Ihm dem besten Mann und dem besten Vater alle mögliche Hülfsdiensie zu leisten / dadurch zu verschonen suchte / daß Er fich immer noch in allem nöthigen selbst bediente, und so gar jeden Beystand, wodurch Man Ihn, mehrere Erleichterung zu verschaffen wünschte, liebreich ablehnte und verweigerte. Welch eine Scene meine lieben Freunde! welch eine Scene mag dieser letzte Tag und dieser letzte Abend für einen geist- und herzvollen Zuschauer und Beobachter gewesen seyn! — Einen Treue- und Liebe-vollen Ehegatten, und einen Zartlichkeit-vollen verehrenswürdigen fievenzig Jahr alten Vater: — zwar — zwar voll Beschwerden und körperlicher Schwachheit; aber auch voll christlicher Gelassenheit/ voll Geduld und voll heiterer Gemüthsruhe, auf seinem Lehnstuhle, meistens mit gefalteten Händen und in betender Stellung, seine redenden Blicke auf Gott und auf die geliebten Seinen hinlenken sehen! — Und dann an seiner Seite und um Ihn herum eine getreue und sorgfältige Ehegattin und eine verebrungswürdige Mutter, und bey Ihr die tugendhaften geliebten Kinder: — und Alle voll herzlicher Achtung, Liebe und Zärtlichkeit gegen den besten Mann, und gegen den besten Vater: — Alle inniglich und höchst-schmerzlich betrübt, bey dem Gedanke, daß der Geliebte nun bald vonJH- nen scheiden soll: — aber auch Alle, so viel nur möglich, getröstet und gelassen bey dem Gedanke, daß der Geliebte Sie nur darum verlasse, um näher zu Gott zu kommen, und ewig bey Ihm selig zu seyn: — und daß ste Denselben in einem himmlischen Leben einst Alle werden wieder sehen. — Eine solche feyerltche Familie-Scene meine Freunde! ist gewiß das, was für das menschliche Herz nur immer das rührendeste seyn kann. — Eine Scene, deren Eindrnke niemals hinlänglich mit Worten beschrieben, und nur unaussprechlich empfunden werden können. — Da war keine sich wörtlich ansdrü- kende Conversation: — und da war auch nichts besonderes nöthig zu sagen: alles war schon bestellt und alles besorget: — und von beyden Seiten war Man der guten Gesinnungen und Empfindungen, der Treu und der Angelegenheit sich redlich bewußt. — Da empfand und redte itzt nur das Herz — und seine Empfindungen äusserten steh durch Minen und Blicke. — Saufte Stille war da von Aussen, und der Herr redete zu Ihnen im Herzen. — zu dem Seligen sagte die Stimme Gottes: — Geduld mein Getreuer! noch eine kleine Weile; und dann wirst du bey mir in meiner ewigen Wonne seyn. — Sorge itzt nicht mehr für die Deinen! Ich nehme Sie in meinen Schutz; und Ich werde den Segen, den du Ihnen immer so herzlich gewünscht hast, K r sicht- 7 § sichtbar auf Ihnen ruhen lassen. — Und zu den Seme» sagte die Gottes- Stimme: — getreue Gattin! geliebte Kinder! eucre Zärtlichkeit-volle Traurigkeit bey dem Zeitpunkte, da Ich eueren Geliebten von euerer Umarmung wegnehmen will, ist Psticht und Tugend und sie ist mir angenehm: — aber trauret itzt nicht wie Verlassene! den Geliebten nehme Ich zu mir- und den Segen, den Er Euch so vielfältig gewünscht hat, werde Ich immer auf Euch ruhen lassen. — Bemerket nur immer seine guten Wege und folget Ihm nach! — Und ihr werdet Ihn wiedersehen, und ewig will Ich euer Freund und Vater seyn. Mehrere von den geliebten Kindern und ihren Gatten, die den seligen Vater heute noch besucht hatten, begaben sich, da Ihnen die schmerzliche Trennung noch nicht so nahe schien, itzt wiederum nach ihren Wohnungen zurück; aber der im väterlichen Hause wohnende älteste würdige Herr Sohn samt seiner Gemahlin, und die älteste Frau Tochter samt ihrer geliebtesten Mama blieben diesen letzten feyerlichen Abend dem Geliebten, bis wenige Stunden vor seinem seligen, nicht so nahe vorgesehenen Ende, beständig mit den herzlichsten Empfindungen zur Seite. — Nun legte Er sich diesen letzten Abend eine Stunde früher, als sonst gewohnt zu Bette, und von diesem war Er noch ein paar mal aufgestanden. — Hierauf aber hatte Er, ohne weiter« sichtbaren Zufall, als eine sein sanftes End bedeutende außerordentliche Uebelkeit von wenigen Minuten, am Arme seiner getreuen allerliebsten Ehegattin, und sonst von Niemand gesehen, seinen nun seligen Geist in die Hände Gottes empfohlen und übergeben. — Und so entschlummerte Er sanft aus diesem Leben hin, im Anfange der letzten Stunde des 2;sten Tags Christin vnats, im abgewichenen Jahre. — Alle noch abwesenden Kinder und ihre Gatten erschienen itzt sogleich um Mitternacht auf den Trauerbericht 77 in dem väterlichen Hause; und Alle / inniglich und schmerzlich betrübt, benetz? ten itzt die theure entseelte Leiche mit Zärtlichkeit- und wehmuthsvollen Thränen. Still und ohne Geräusch war sein Leben; und sanft und ruhig war auch sein Tod. — Nun ruhet Er von der Arbeit und der Mühseligkeit des diß- seitigen Lebens; und genießet itzt vollkommen die herrliche Belohnung seiner Rechtschassenheit und Treue in einer näheren seligen Vereinigung mit Gott, dem Er sein hiesiges Leben zum Gehosam gelebt hat. — Seine Werke folgen Ihm nach und zeugen von Ihm: — und bey Allen, die sie sehen und kennen, wird sein Andenken immer gesegnet und zum Guten ermunternd bleiben. — Nun meine geehrten geliebten Mitbürger und Freunde! was soll ich Euch noch bey dem Grabmal des Seligen, und zum Beschlusse meiner wohlgemeinten Vorstellungen und Erinnerungen sagen? — Daß Ihr den edlen rechtschaffenen Mann gekannt, geehrt und geliebet, und daß Ihr seine Hinnahm von uns herzlich betrauet habet; das habt Ihr mit mir am Tage seiner Begräbniß durch euer so besonder und außerordentlich zahlreiches Leichen- gefolg, selbst bey einer rauhen, sehr unangenehmen Witterung, ganz entscheidend-deutlich zu Tage gelegt. — Aber itzt meine lieben Freunde! wie werden wir den guten menschenfreundlichen, und den so gemeinnützigen patriotischen Wünschen und Absichten, die der Selige in seinem hiesigen Leben gegen uns Alle so deutlich und herzlich geäußert hat, nun nach seinem Tode annoch am besten entsprechen? und wie werden wir unser Achtung- und Liebe-volles Andenke» an Ihn uns selbst auf die gesegneteste Weise zum Nutzen machen können? — dadurch, meine Freunde, und diß müsse doch der gesegnete heüvolle Erfolg aller unserer dißfalligen Betrachtungen seyn! dadurch, K z wenn 78 wenn wir alle uns ernstlich und aufrichtig dahin bestreben und bemühen, fromme, tugendhafte, pflichtbeobachtende und rechtschaffene Menschen und Bürger zu seyn. — Dadurch, wenn wir alle und ein jeder besonders, an seinem Ort, und in seinem Berufe, uns redlich angelegen seyn lassen, alles dasjenige zu beobachten und zu erfüllen, was unsere allgemeine Wohlsart, unsere Ruhe, unsere Einigkeit und unsere freundschaftliche stchere Vertraulichkeit befördern und befestigen kann. — So meine Freunde! so werden wir ein gesegnetes und glückliches Volk seyn; so werden wir als tugendhafte Menschen, als liebenswürdige Bürger, und als hoffnungsvolle Christen leben. — Unser Leben wird uns so angenehm, und im Falle der Widerwärtigkeiten trostvoll; und der uns zuerwartende Tod wird uns dann auch willkommen und seine Folge für uns selig seyn. — Dieß meine Freunde! dieß müsse von «un an und beständig der Hauptzweck und das letzte Ziel aller unserer Absichten und Bestrebungen seyn, — immermehr Fertigkeit zu erlangen, alle unsere Pflichten genau zu erfüllen, und in der Ausübung derselben unsere Befriedigung und unser Glück zu empfinden! Und dazu wird uns Gott, wenn wir es nur redlich verlangen, und Ihn herzlich dafür bitten, alle uns nöthige Gnade — und alle uns nöthige Einsicht und Kraft verleihen.