von Carolina. Oder ebers von WMssellen, Beschreibung seiner Reise von Zürich gen Rotterdam/ mit derjenigen gesellschaft, welche neulich aus dem Schweizerland in Larolinam _ zu ziehen gedach te._ Zürich / bey Joh. Jacob Lindinner/ ^vccxxxv. Diese Reiß - Beschreibung ist nicht nur aufrichtig und in allen treuen aufgesezet/ so gut als man es nämlich aus blosser ge- dächtnuß hat können berichten; sondern die gesprächs - weise angeführte Personen haben auch in der that miteinander eine Unterredung davon auf solche und dergleichen weise gehalten / und beschrieben. Wann man nun/wie auch gelehrten begegnen kan/ in etlichen historischen umständen etwas geirret hätte / so ist dannoch / was die tzaubtsach betrifft / in die Wahrheit der erzehlung nicht das geringste mißtrauen zusezen. ^ÄUdwig Weber von Wallissellen, ist einer von denjenigen, welche im Weinmonat vergangnen 17 z 4. jahrs in der gesell- schast des Sekanten Götschis von Zürich abgefahren, in Hoffnung, sein glück in Carolina zufinden. Dann weil er ein hauß-vatter von neun lebenden Anderen, und man so viel von diesem land rühmete, daß man daselbst gautze hoffe umsonst haben könne, gedachte er, wann dem also feye, wurde allen den seinigen geholffen werden. Er entschloß sich deßwegen, mit einem söhn die reise zuwagen, und den augenfchein einzunehmen, und wann es wol stehe, sein weib und übrige Ander auch abzuhohlen, wo nicht, wolle er zurückkehren , und das verzehrte gelt mit arbeiten und Hausen wieder erspahren. Er ist auch mit gemelter gesellschafft biß nach Rotterdam kommen , und hat sich neben den meisten etliche Wochen daselbst aufgehalten. Als er aber gesehen, daß das meiste, was man von diesem so geheißenen neuen land vorgegeben, erdichtet, faul und falsch wäre, und die armen leuth, welche durch eine eitele Hoffnung sich verleiten lassen, dahin Meisen in solch elend, jammer und noth gerathen, daß sie nicht gewußt wo aus noch an; und endlich diejenigen, welche neck etwas gelts gehabt, in Engel« hinüber ge- A 2 fahren, fahren, die anderen aber sich nach Pensylvanien zu- fahreneinschreiben lassen,hat er nicht rathsam befunden,sich in fernereund grössere gefahr zubegeben, sondern ist mit seinem Sohn widerum heimgereist. Nach seiner glücklichen ankunfft zu hauß, hat er einen benachbarten schulmeister, welcher fein alter bekanter guter freund und gvatter, besucht , und mit ihme folgendes freundliche gefpräch gehalten, in welchem er seine reise, und was sich ^ auf selbiger hin und wieder zugetragen, so gut er ^ konte, erzehlet. § Ludi. Guten tag, gvatter schulmeister. z Schulmeister. Botzkabis, bist du wieder da, ! gvatter Ludi? Ludi. GOtt lob, daß ich wieder da bin. Schulmeister. Ich habe vermeint, du seyest schon in Carolina, und werdest uns bald viel gu- V tes aus diesem neuen land berichten. ! Ludi. Ich habe es auch gehoffet, sonst hätte ! die reise nicht gewaget, so viel gelt verthan, und so viel ungemach ausgestanden. > Schulmeister. Setze dich dorthin, und erzeh- ! le mir dann auch deine reise. Lgrdi. Gar gern. Du weist, daß unsere Wal- liM im vergangenen jähr den 4. weinmonat ver- 7 reißt, ich aber bin erst morgens darauf in dem schiff von Zürich abgefahren, in welchem 96. Personen waren. Schulmeister. Man kan dir destoweniger die schuld geben, als o'b du die andern zur reise ver- anlaset hättest. Dann man solle niemanden zu ^ mißlichen Unternehmungen rathen noch verhelffen, damit man nicht andere und sich selbs in Unglück und und Verantwortung bringe. Aber wie weit styt ihr am ersten tag kommen? LudL. Biß gen Lauffenburg. Gchulm. Da werdet ihr lustig und guter dingen gewesen seyn. LudL. Es ist ungleich zugegangen, und hat der Hans Jacob Kühn von Rieden und seine Frau schon gnug gehabt, und sind deßwegen heimlich miteinander wieder zurück gegangen. Schulm. Es scheint , fie haben den braten von weitem geschmeckt, sind also glücklich gewesen , daß sie sich nicht weiter gewagt. LudL. Zu Meinfelden haben wir müssen unsere Pässe ausweisen, in welcher zeit alles zugelassen , als wann sie ihr lebtag noch keine menschen ' gesehen hätten, da es sich dann zugetragen, daß ein Brunner von Kloten, welcher daselbst in gar- ! nison ligt, seine stau ungefehr unter uns erblickte , worüber er sich sehr verwundert, und getrachtet sie von der reise abzuhalten, und als er bey ihr nichts ausrichten können, hat er ihr die Ander mit gewalt nehmen wollen, worüber sie einander in die haare gerathen. Endlich wurde das Weib meister, und ist samt den Andern mit uns fortgefahren. Es ist diese arme tröpffin nachge- hends zweymahl in Rhein gefallen, einst ob Mayntz, und hernach unter Mayntz; und zu Rotterdam ist ihr eins von den Anderen, namens Jacob, von zwey jähren, gestorben. Selbigen abend sind wir auf Basel kommen, qllwo wir diejenigen angetroffen, welche den tag vor uns von Zürich abgefahren, wie auch diejenigen, welche zu A Z fuß fuß dahin gegangen, deren etwan 28. Personen von Buchß waren, samt etlichen anderen. Gctmlm. Man hat gesagt, die Herren von Bast! haben alle in die armen-herberg aufgenoh- wen, und mit mueß und brod versorget. Ja man hat gar vorgegeben, sie haben euch bey eurer ab- reiß vm tausend gülden austheilen lassen. Ludi.Sie hättendamit viel künden pflantzen können. Die allerersten haben das glück und die gunst gehabt, daß man ihnen mueß und brod gegeben, die anderen aber haben sich meistens auf den gas- stnbette! gelegt, so lang wir uns daselbst aufgehalten, wodurch wir der stadt zimlich beschwerlich waren. Schuln,. Warum seyt ihr so lang zu Basel gebliben 2 LudL. Wir haben müssen unfeinen Frantzösi- scheu paß warten, und weil man uns zu Hünin- gen keinen geben wollen, warman genöthiget, deßwegen nach Straßburg zuschicken. Gchulm. Wie viel hat dieser paß gekostet? LudL. Vier und vierzig gülden, es haben ihn aber die Herren von Basel bezahlt. Schulm. Seyt ihr hierauf alsobald verreißt? LudL. Nein, wir haben noch zwey Tag auf^ die schiff warten müssen. Indessen hat des Con- rad Nässen stau aus unserem dorff wider heim wollen, als sie aber gen Aeugst kommen, und keinen paß zeigen können, müßte sie wieder zu uns auf Basel. Einigen stunde es nicht an, daß sie so lang auf den paß warten müßten ; ein schneider von Lichtensteg rathete deßwegen, es wäre besser, daß man zu fuß durch Franckreich reisete, und au- erbte- ? erbiethete sich zu einem sichrer, wann man ihne gastftey hielte, dann er die französische spräche verstuhnde, und den weg wol mißte. Es giengen auf dieses hin auch zi. persohnen mit ihme, von welchen wir aber seit selbiger zeit nichts mehr ver- nohmen. Vierzig biß fünfzig andere von Buchst, Esch und Mettmenstetten entschlossen sich durch das Lothringische über Namur gen Rotterdam zu reisen. Diesere hatten zwar» das glück, an etlichen orthen allmosen zubekommen, sie sind aber ' darüber miteinander in Areit und schläg- Handel gerathen. Doch sind sie endlich miteinander 8 . tag nach uns zu Rotterdam angelangt. Schulm. Was habet ihr von Zürich biß gen Basel schtfflohn zahlen müssen? ! LudL. Für eine erwachsene persohn ein gülden, ^ und für ein ktnd halb so viel, womit aber auch das schiff bezahlt worden. Schulm. Wie viel habet ihr von Basel bezahlen müssen? Ludi. Man hat auch einen unterscheid zwischen ^ erwachsenen und linderen gemacht, und haben die i ersteren müssen z. gülden,und diesere halb so viel biß nachMayntz bezahlen. Man hatte aber unsere schtss - gedeckt, und zwey kleine fuhren vorher, die paffe hin und wider zuzeigen. Schulm. So habet ihr es in schiffen von Basel besser gehabt als von Zürich. LudL. Es wäre uns auch wegen vielem regen- wetter und der kälte sehr nöthig, wiewol es unS doch wenig geholffen, dann die meisten übel gekleidet waren, und an allem Mangel hatten. Als wir von Basel abfuhren, wolle ein von Win- A 4 ter- terthnr wegen untreu verwiesener schulden -hott auch mit auf eins unserer schiffen , er ist aber ab- ' gewiesen worden; hingegen hat eine maqd zu Basel, namens Margarecha Bader von Affholteren, welche sich mit einem soldaten versprochen, aber wieder reuig wäre, ihre Zuflucht zu uns genehmen , damit sie des kerls abkomme. Ob welchen beyden begebenheiten ein nicht geringer lerm entstanden. Es sind auch 8o. vertriebene Piemonte- l ser, wiewol m einem besonderen schiff, mit uns von Basel abgefahren. Schuln,. Wie viel waren in euren beyden schiffen? LudL. Es waren unser 194. versöhnen; und das erste nacht-lager unter Basel wäre auf einer mit bäumen und standen besetzten insul, mitten in dem Rhein, unter freyem Himmel. Wie wir dann auch biß gen Collenburg mit solchen Nachtquartieren verlieb nehmen müssen, welches uns desto empfindlicher wäre, weil es, wie vorgemelt, meist kalt und naß Wetter wäre. Ja wir konten auch offt des nachts nur nicht an das land kommen, sondern müßten in den schiffen bleiben, vbfchon wir nicht recht sitzen, geschweige ltgen konten. Schuln,. Wie gieng es dann den armen kr'n- j deren? LudL.Das wäre eben das allererbärmltchste; in- ! sonderheit weil wir in den schiffen nichts kochen kön- ? nen, und doch, wie gesagt, offt tag und nacht darin >! bleiben müßten, es entstuhnde deßwegen underwer- ! len ein solches geschrey, daß einem das Hertz hätte > verspringen mögen. Wann wir dann an das land Zommen, kocheten, wärmten und trockneten wir uns uns unter freyem Himmel so gut und viel möglich wäre. Wobey die armen weiber wol tausent- mahl nach ihren warmen stuben geseuffzet, und gewünscht, wann sie auch nur noch eine sind davon hätten. Gchulm. Vorgethan und nachbedacht, hat manchen in groß leid gebracht. LudL. Das haben wir leider gnug erfahren. I Die meisten haben sich eingebildet, sie werden von Basel aus die gantze reise gastfrey gehalten werden, sie wurden also sehr bestächt, als sie sahen, daß nichts daran wäre, man tröstete sie aber, der Commissari mit dem gelt werde bald ankommen. Als er sich aber nicht einstellen wollen, wären viel gern wieder zurückgegangen, allem weil auf beyden seithen des Rheins kriegs-völcker lagen, durften sie es nicht wagen, deßwegen ein solches lamentieren entstanden, daß die männer den weiberen, und die weiber den Männern, der Hans dem Heini, und der Heini dem Hans schuld gab, und darüber einander in die haare gerathen. Die Götschin hat auch öfters deßwegen mit ihrem Mann gezancket, und ihme allerley schimpf- und fchand-nammen angehenckt, ja sie hat ihme . an einem morgen gar den stecken aus der Hand gerissen , und damit den buckel abgeschmiert, worauf ^ er davon laufen wollen, die Linder aber schreytm ! und baten ihne zu bleiben. ! Sckulm. Wie hat es deinem huben gefallen? ! Ludi. Nicht anl besten. Du weist, daß beyde I grossen, deren der einte 14. und der andere i s. rahre alt, gern mitgegangen wären, weil ich aber nur einen wolle, mußten sie miteinander losen, A s da da dann das looß den jüngeren getroffen z als aber der jammer angegangen, sagte er: DLsen häes guemen / und nüd ich. Aufder einten seichen des Rheins gar nahe bey uns sahen wir der Kaiserlichen, und auf der anderen der Frantzosen rracht-feur, welche fürchterlich anzusehen waren; wir müßten auch von beyden alle stunde uns eines übersahls besorgen, weßwegen wir uns gantz still hielten. Das aus-und einsteigen gienge auch sehr beschwerlich und langsam zu, insonderheit bey der nacht, und mit so vielen kleinen Anderen. Gchulm. Seyt ihr niemahls angehalten worden? Ludi. Wol, schon zu Alt-Breysach, allwo alle Kisten, und was in den schiffen verschlossen wäre, aufgeschlagen, und uns alles durchsucht worden. Als indessen der Götfchi zudem Comen- i -anten in die vestung gegangen, hat derselbe thue , gewahrnet, daß wir augenblicklich abfahren sollen, ! weil er durch ein perspeetiv gesehen die Frantzosen auf der anderen feiten des Rheins auf einer schantz ! drey stücke auf unsere schiffe richten, selbige in ! gründ zu schießen. > Gcvulm. Ihr werdet euch nicht lang befint > haben? ^ Ludi. Nein, sondern wir haben uns über kopff und halst davon gemacht. Unter Breysach ist dem Johannes Heid, schneider von Greiffensee, ein kind aestorben. Schulm. Du sagst nicht viel von dem Götfchi. Ludi. Ich werde noch gnug von ihme zu erzeh- len haben. Drey oder vier tag-reisen unter Basel ; stellte er uns vor, es seye anständig und nöthig, ei- ne gute ordtmng unter uns einzurichten/ er liesse deßwegen die hauß-vätter an einem gestad in einen ring stehen / und schlüge zu Ebegaumeren vor: i. Abraham Bünninger von Bachendülach. 2. Abraham Weidmann, Schmid von Luffingen. z. RudolfWeidmann,Schneider von Rümlang. , Und 4. Hans Gut, Wachtmeister von Esch. ! Der Heinrich Huser, 'Seidcnmütter von Albis^ ! rieben / welcher zu Brist sich von uns abqesönde- ret/ und den brieff heimqeschriben / welcher ge- truckt worden / ist sein tochter-marm. Es hat der Götsche auch acht Richter erwehlt, deren je zween und zween nach dem looß unter einem von den vier Ehegaumeren stehen sollen - 1. Jacob Näff aus ! unserem dorff. 2.JacobSchellenbergvonFlun- ! teren/aus dem Spiegelhoff. z. Heinrich Gast- i mann von Mettmenstetten. 4. HansMaag vou Hochselden. s. Jacob Dentzler, Schneider von Diebendorff. 6 . Conrad Keller, unser Zimermann, Der 7. wäre ich, und der 8 . Hans Grob von Zwillikon. Gchulm. Weil du so bald bist befödert wor- ! den, was würde es wol abgegeben haben, wann > du in Carolina kommen wärest Ludi. Wir wollen jetzo die fach eingestellt seyn lassen. Zu Cetsch oben an der keiferlichen Armee hielten die Huffaren unsere schisse an, und erzeigten sich gantz spröde gegen uns, weßwegen Hr. Wirtz von Zürich, als unser Commissm, welchen titul er sich ohne unser wissen und begeh ren selbs beygelegt, gen Heidelberg gehen, und einen paß hohlen müssen, welcher Zo. gülden gekostet. Er liesse sich aber da herum gewisser msa- cheu halben nicht seinen rechten rramrrren geben, sondern Hans Conrad Weiß nennen. Unterwegs haben die Huffaren ihme feine tabackbüchß genoh- rnen, welchen schaden zuersetzen er von einer jeden parihey ein pießli gefedert, und den Huffaren müßten wir für jedes schiff 2. ducaten zahlen. Sie sind uns auch biß drey stund unter Mayntz an dem gestad nachgeritten. Wir wären aber damit j nicht loß kommen, wann nicht der vornehmste ! von ihnen reformierter religion gewesen wä- > re. Dem Götsche haben sie das sieisch aus der schüssel gestochen, und als sie solches verzehrt, , fchwungen sie hie säbel um die köpff, worüber er ! den appetit gantz verlohren. Als indessen bey vielen Las geit aufgegangen, daß sie so viel nicht mehr hatten, auch nur den schifflyhn znbezahlen, stellten die neu - erwehlten Ehegaumer dem Göt- ^ schi solches vor, und baten ihne, sich derselben anzunehmen , und ihnen mit nothdurfft beyzustehen, sintemal sie glaubten, daß ihme zu solchem ende von guthertzigen Leuthen hin und wieder wäre ge- steurt worden. Scdulm. Was ist hierauf erfolget? Ludi. Nicht viel guts. Dann der Götsche hat , es sehr empfunden, daß man ihme einreden wol- 1 Sen, woraus vielleicht mord und todschlag ent- ^ standen wäre, wann wir nicht hätten fürchten müssen, daß wir alle miteinander darüber zu Mayntz in arrest würden gesetzt werden. Wir suchten also diesen Handel gütlich beyzulegen, und diejenigen, welche den schiff-lohn nicht zubezah- len hatten, deren 40. biß 50. waren, darunter ein neuer Ehegaumer , Wachtmeister Gut, von Esch, Esch , schbideten sich von uns, und reifsten zu fuß. Schuln,. Du Haff vorhin erzehlt, der Götsche habe euch die Nothwendigkeit und Nutzbarkeit guter ordnung vorgestellt, aber es scheint, er habe eine kraut - ordnung eingeführt. Fahr du unterdessen m deiner erzehlung fort. Ludi. Zu Mayntz müßten wir uns 4. tag aufhatten, weil wir wegen dem lohn mit den schiff- leuthen fast nicht übereinkommen könten. Endlich wurden wir des Handels eins, ihnen biß nach Rotterdam für eine erwachsene Person z. gülden, und für die kinder, wie gebräuchlich, halb so viel zubezahlen. Worauf wir von dort abgefahren, und gienge es da ein wenig besser als zuvor, weil wir nunmehr vornen und hinten in den schiffen zu kochen gelegenheit gewacht hatten. Wir hatten auch feine ehrliche schiff-leuthe, welche uns fleißig zum gebätt ermähnet, damit unsere reise möchte glücklich und gesegnet seyn. Gchulm. Habet ihr dann nicht einen eigenen Pfarrer am Götsche gehabt, welcher sich euer als seiner Pfarrkinder angenohmen, und weil ihr ohnedem nichts zu thun hattet, die zeit mit hätten, lesen, singen und guten ermahrumgcn mit euch zugebracht? Ludi. So hatte es freylich seyn sollen, und Wäre nöthig gewesen, aber an statt dessen hat der elende mann immer entweder die tabackpfeiffm oder das weinglaß am mund gehabt. Doch hat der Heinrich Scheuchzer von Zürich uns morgens und abends ein gebätt vorgelesen, und der (Forsche hat etliche tage nach gemelten händlen eins predig predig im schiff gehalten, in welcher er die Ehe- ! gaumer wegen derselben-er rott Cdora, Dathan und Ubiram verglichen, worüber wieder von neuem ein solcher streit zwischen ihme und ihnen entstanden , daß fie einander bald in die haare gerathen ! wären, sie könten aber nicht zusammen kommen, ! weil sie nicht in einem schiff gesessen. Doch da beyde schiffe aneinander gebunden waren, schlugen i sie mit den stecken aufeinander zu, und schändete . der Götsche insonderheit auf den schneider Jßler, nennete ihne einen vermaledeyeten buben, und begehrte , daß man ihne aus der gesellschafft stosse, oder er wolle nicht mehr Pfarrer seyn. Unter diesen handle» sind wir zu einem städtlein kommen, allwo wir das. nacht-lager in den schiffen hielten, der Götsche und die seinigen aber giengen in das städtlein. Ehe wir des morgens wieder i abgefahren, liesse er und Commiffari Wirtz alle haußwatter zusammen beruffen, und fragten uns, was wir böses über sie wüßten, begehrten auch, ! daß diejenigen, welche es mit ihnen hielten , die Hände aufheben, die anderen aber sich zu dem Jßler gesellen sotten, da dann zwarn alle die Hände ausschaben, die meisten aber hielten es doch > heimlich mit dem Jßler, welcher auch, damit die- ^ ser Handel beygelegt wurde, den Götsche und Com- Mffari Wirtz um Verzeihung gebacken, und der Götsche verspräche von neuem treue ansticht und sorgfalt für uns zuhaben. Indessen wurden die schiffleuth ungedultig, daß sie deßwegen so lang auf uns warten müßten, und insonderheit, daß Wir uns des Jßlers so schlechtlich angenohmen. End- ! Endlich fuhren wir ab, und müßten noch zwey oder drey mahl in schiffen über nacht bleiben. Schulm. Ihr seyt ein artiges völklein zusam- ! men gewesen, dergleichen man kaum in einem ! storchen-nest finden wurde. Ludi. Man hat uns an etlichen orthen vorgehalten, wann wir etwas rechts wären, sowä- i ren wir in unserm land gebliben. ^ Schulm. Es hat auch geheißen, man werde eine pappier-wühle in Carolina aufrichten, und lauter feines post-pappier machen, weil man ihnen aus dem Schweitzerland die allerbeste Materie hineinschicke. Dem feye aber wie ihm wolle, so fahre du in deiner erzehlung fort. Ludi. Als wir gen Neuwik kommen, haben fich allda vier paar von einem reformierten Predi- ! ger ehelich einsegnen lassen, nemlich i. Commis- sari Hans Conrad Wirtz, mit Anna Götschi- 2. Conrad Näff, aus unserm dorff, mit Anna z. Jacob Rathgeb, mit Barbara Haller, beyde auch aus unserem dorff. Und 4. Conrad Geweil- ler, ein gärtner. Der Graf daselbst wolle uns alle miteinanderen aufnehmen, und uns Häuser und güther zu nöthiger underhaltung übergeben, weil er uns aber nicht so viel versprechen können, als wir in Carolina zubekommenvermeinten, Worten wir nichts davon hören, sonder wir find wieder abgefahren, und Commiffari Wirtz zahlte wegen glücklich vollzogenem Heurath 6 . biß 8 .maaß wein, wovon aber sein schwäher und schwieger, welche in dem anderen schiff waren, nichts bekommen. Von Neuwik kamen wir gen Collenburg, allwo wir wegen starckem wind 4. tage still ligen müßten, müßten, in welcher zeit der Götsche eine predig ! gehalten, nach derselben wurde eine steur für uns I gesamlet, davon jede parthey fast einen holländi- i fchen gülden bekommen. Es wurde auch dem ! Götsche und seiner haußhaltung insbesonders ge- steurt, und müßte er alle tage zu gast gehen. Es sollen ihm auch zwey Herren zwantzig gülden für uns gegeben haben, von welchem wir aber nichts gesehen. Den bürgeren müßten wir öffters Psalmen singen, welches sie uns an gelt, steisch, j kabis, erd-apfflen und hier reichlich vergolten, und uns viel gutes erzeigt. Unser quartier hatten wir > in einer fcheur, worfür jede Person alle morgen ! einen steuber oder halben guten batzen zahlen müssen , und kochten wir meistens am gestad des Rheins. Es starbe auch allhier dem plattma- > cher Heinrich Schreiber aus dem RiOach ein kind. ' Gchulm. Weil es euch an diesem orth so wol ergangen, werdet ihr gedacht haben, daß sich eue- re fachen besseren wollen. i LudL. Freylich. Insonderheit als der Götsche ! drey männer, den Abraham Bünninger, zimmer- Wann von Bachenbülach, den schneider Jacob Jßler, und Abraham Weidmann, schmid von ^ Luffingen, nach Rotterdam schickte, mitdem vorgeben, es seyen zwey Englische schisse daselbst, welche mit verlangen auf uns warteten, und in Engeland seye auch schon alle anstatt gemacht, uns Zu überwinteren. Es wäre aber nicht das gering- j sie wahr daran, wie du bald hören wirst. Er i und sein neuer tochter-mann verkaufften auch all- ^ hier unsere beyde schisse, welche wir von Zürich k rmtge- mitgebracht/ um 45. holländische gul-em wovon aber uns nichts worden/ und müßten wir dazu für eine erwachsene persohn drey und einen halben steuber/ und halb so viel für ein kind biß gen Rotterdam noch bezahlen / da doch aeeordiert worden / daß die Mäyntzer schiffleuth uns um das, was wir ihnen voraus bezahlt/ dahin führen sollen. So müßten wir auch alle in ein schiff/ und hofften noch selbigen abend gen Rotterdam zukommen. Weil wir aber in grossem gedräng waren, und viel ungelegenheit hatten, wäre uns unmöglich, länger im schiff zubleiben, wir baten deßwegen den schiffmeißer gantz inständig, daß er unS an das land setze, worauf einer da der ander dorr übernachtet. Dem Abraham Bünninger fiele sein knab in das waffer, welchen die mutier mit noth wieder herausziehen können. Des Bal- thasar Boffarten knab von Flunteren hatte gleiches Unglück, und als ich ihne wieder herausgezogen, sagte seine mutier, fie dancke mir nicht dafür. Sie wäre aber über mich erzörnt, weil ich ihr zugesprochen, als fie einst entsetzlich über ihren mann geschworen und gefluchet, undihmedie schuld gegeben, daß sie von Zürich weggegangen, und nun so grosses elend ausstehen müffen.DerGöt- sche erinnerte uns indessen zu eilen, damit wir vollends nachRotterdam kommen möchten,dann,sagte er, er habe selbige nacht mit einem Englischen Leu- theuanth von des königs wacht geredt, welcher ih- me gesagt, daß man mit grossem verlangen auf uns warte, worauf wir uns nicht länger aufhielten, sondern des morgens früh fortfuhren, daß wir noch vor tag zu Rotterdam angelangt. B Gchulm. Schuln,. Ihr habt gewiß gesorget, ihrmöch- tet zu sparh zum morgen-effen kommen, und die leuth wurden es zörnen , wann sie euertwegen vergebene unkösten hätten. Ludi. Ich habe mein lebtag gehört, wer den schaden habe, dörffe für den spott nicht sorgen. Wir hätten freylich nichts zu eilen gehabt, indem wir aller orthen gleich lieb und werth gewesen, wie die sau. 5. v. in des Juden hauß. Wie dann auch so bald wir angelangt, die drey Männer, welche der Götsche zu Neuwick vorausgeschickt, zu uns kommen, und uns erzehlt, daß sie zwarn aller orthen dem Englischen schiff nachgesraget, es habe aber niemand nichts davon wiffen wollen, worüber wir alle hefftig erschrocken, und daß um so viel mehr, als der Götsche, an statt uns zu trösten, sagte: Er könne uns weiter nicht helffen, es solle ein jeder sehen, wie er es mache, und gehen wohin er wolle. Der schiffmann eilete auch zurück, deßwegen wir unsere bündel aus dem schiff nehmen, und auf einen Haussen werden müßten. Schuln,. So wäre euer führer wol ein leidiger tröster. Lud,. Ja, wir waren recht übel daran. Er der Götsche hatte einen brieff von einem gewissen Hrn. Schobinger von St. Gallen aus dem Hag erhalten, daß er eilends zu ihme kommen solle, ist auch sogleich mit seinem tochter-rnann dahin gegangen, und hat weib und kinder zu Rotterdam gelassen, wir aber wüßten weder aus noch an. Endlich haben wir uns in verschiedene Wirthshäuser vertheilt. Weil aber die meisten mehr unzif- fer 5 v. als gelt hatten, legten sie sich aus das bettlen. bettle». Allein das bandwerck wurde ihnen bald riidergelegt, indem unsere Wirth, als wir sechs tage daselbst waren, auf das rahthauß beschickt, und ihnen bey 2s. gülden straffverbotten worden, uns ferner underschlauff zugeben. Sie waren also ge- nöthiget uns abzuschaffen. Doch sind einige über. sehen worden, und in der stadt gebliben. Wir aber wüßten abermal nicht, was wir anheben, oder wohin wir uns wenden sotten. Indem wir also in der irr herumgegangen, sind wir eine halbe stund vor der stadt in ein wtrthshauß, zur kästen genant, kommen, allwo wir auch einige von unseren leuthen angetroffen, und haben uns daselbst biß zu unserer abreiß aufgehalten, so daß unser i 6 o. beysammen waren. Nach etlichen tagen ist Com- rniffari Wirtz zu uns kommen, und sagte, man werde uns aus dem Haag etliche ochsen zuschicken , damit wir biß in Engeland zueffen haben, und die Herren Staaten werden uns in ihren kö- - - sten dahin führen lassen. Es lige auch schon viel gelt in Engeland für uns beysammen. Scbulm. Das wird wieder krafft - wasser für euch gewesen seyn, insonderheit als die ochsen kommen. ^ Ludi. Ja, wir warteten mit grossem verlangen , auf die ochsen. Endlich ist der Götsche kommen, und sagte: Die Herren Staaten haben ihme eine ansehnliche Prediger-stell von grosser ertragenheit versprochen, es seye also ihme und seiner haußhal- tung geholffen, wir folten sehen, daß uns auch ge- holffen werde. Wie uns hierüber zu muth gewe- ^ »sen, ist leicht zu gedencken, insonderheit weil die armuth und das elend unter uns immer grosser B 2 wurde, wurde, und, wie schon -erbeutet, niemand bettlen ! dörffen, dann wen man in Holland über demsel- , den erdapt, wird ohne compliment in das zucht- hauß gesetzt, allwo die männer prißilien rasplen, die Weiber und Ander aber spinnen müssen. Wir waren also aller menschlichen htlff entblößt, wel- ! ches uns bey damahliger kalten winters-zeit desto ! empfindlicher wäre, zumahlen wir auch in keine s warme stube kommen konten, und doch alle nacht ^ zwey stüber schlaff- gelt zahlen müßten, wir möch- s ren selbige hernehmen, wo wir wollen. Wir hat- > ten auch keinen guten trunck Wasser, geschweige wein. Es wurden also viel aus Hunger und Mangel kranck und elend, und starbe Hans Meyers stau von Ober-Steinmur, samt ihrem kind von zwey jähren. Gchulm. Es möchten einem die ohren ob deiner erzehlung ergellen, wie der Götsche, wiewol in einem anderen finn und Hoffnung guter tagen in der rede angeführt, welche er vor euerer abreiß auf dem schützen-platz in Zürich an euch gehalten, , so daß es scheint, er seye ein Prophet gewesen, aber ein schlimmer. Doch wollen wir ihne seinem Herrn stehen lassen, und kanst du fortfahren. LudL. Ein schneider von Buchß, Sebastian / Neracher, welcher in Rotterdam verheurathet ist, j hat uns in der zeit besucht, und steh insbesonders > deren von Buchß treulich angenehmen. Er brachte auch einen Herrn, Joh. Schapenbaudt, welcher bey ihme wohnet, mit fich. Derselbe hatte gros- , fes mitleiden mit uns, und stellte unsern kläglichen ' zustand hin und wieder so nachdrücklich vor, daß !, sich viel leuch unser erbarmet, und uns einige mit- ^ de allmofen austheilen lassen. Well aber der Götsche uns so übel angeführt, und wir von ihm weder hülff, rath noch tröst hatten, giengen drey von uns, nämlich Abraham Bünninger vsn Ba- chenbülach, Wachtmeister Gut von Elch, und Jacob Boffart von Mülliberg, nach dem Haag, und verklagten ihne daselbst, sagten auch alles, wer er seye, wie er sich aus der reise verhalten, und eine so schlimme haußhaltung geführt, als die aller- rauchlosesten leuthe, auch daß fein tochter-mann uns öffters heiffen in des Bösen nammen in die schiffe gehen, und anders mehr, was sie gewußt, worüber sein eredit zimlich in das kath gefallen. Schuln,. Ihr habt zuerst gewußt, wer und was er ist, und hättet dencken sollen, daß ein solcher mann euch nicht werde heiffen noch glückhafft machen können. Man hat es euch auch gnug gesagt, und euch gewabrnet, und doch habt ihr ihm traut und glaubt, und euch auch noch auf der reise ein nasen um die andere von ihm drehen lassen. Lud,. Wir haben es gemacht, wie die unglückliche spihler, welche immer hoffen, ihr verspiltes wieder zu gewinnen, darüber aber je länger je mehr verliehren, und tieffer hineinkommen. Schuln,. Du kanst dich selber wol trösten. Aber der Götsche wird euch wenig danck gewußt haben, daß ihr ihne so schön recommendiert. Ludi. Er ist in aller eyl mit gemeltem Scho- binger gen Rotterdam zu uns in unser wirthshauß kommen, und hat uns sämtlich vor sich gefedert; woraufderSchobingerangefangenrderHr.Götsche beschwere sich höchlich über uns, daß wir ihne und seinen tochtermann gottloser weise verklagt, wann B Z wir wir etwas Unrechts auf sie wüßten, sotten wir es ^ sagen re. Er brauete auch ernstlich, wie es denen, welche im Haag gewesen, so übel ergehen werde re. Worüber nicht allein die drey manner, sondern auch wir übrige zimlich erschrocken, so daß keiner > nichts sagen dörffen, und jene z. haben sich versteckt. Hierauf hat Schobinger eine attestation aufgesetzt, daß wir nichts als alles ehr, liebs und guts s von dem Götsche und seinem tochter - mann wüß- z ten, welche wir underschreiben müssen. Womit - sie sich unter vielen dräuworten wieder fortbega- ! den. Weil nun einige sich dieses Handels wegen > fürchteten, und sahen, daß sie sich ohne dem des ' Götschis nichts zugetroffen hatten, entschlossen sie ! sich, in Engeland hinüber zufahren, zu welchen sich ' auch noch andere mehr gesellet. > Gehulm. Und wo sind die anderen hinkommen? LudL. Nachdem jene verreißt, haben uns treu- hertzige keuche viel gutes erzeigt, und uns nicht nur speiß und tranck zugeschickt, sondern auch kleider ^. und decken. Sie zahlten auch das schlaff-gelt - für uns, und liessen uns durben zum brennen zuführen. Es ist auch obgemelter schneider mit dem Herrn Schapenbaudt zu Hrn. Pfarrer Wilhelm gegangen, haben ihme unstrn zustand erzehlt, / und ihne gebätten, sich unser anzunehmen. Der Hr. Pfarrer Wilhelm rathete, es sotten unser drey nach dem Haag zu Herrn von Felß an dem Englischen hoff gehen, und ihme unsere noth klagen, und hätten, daß er uns helffe. Wir nahmen den raht mit danck an, und gienge ich selber mit noch zweyen nach dem Haag. Als wir dahin kommen, meldeten wir uns zuerst bey dem Götsche an, er- ! > z ! zchlten ihm unser vorhaben, und wer uns selbiges angerathen. Es gefiele ihme aber gar nicht, und mtßrathete uns solches im höchsten grad, sagte auch, er habe schon überflüßig mit dem Herrn von Felß geredt, so daß er unsern zustand und vorhaben gnugsam wisse. Und damit wir nicht dahin gierigen, behielte er uns bey dem Mittag essen. Es speisete neben seinem tochter-mann und demScho- binger auch ein Herr Zollikoffer von St. Gallen mit uns. Nach dem essen sagte der Götsche, er wolle uns einen briess an den Herrn Wilhelm mitgeben. Als wir aber eine stund daraufgewar- tet, liesse er uns entbieten, er habe den briess schon durch seinen knaben verschickt. Wir müßten also unverrichteter sachen wieder zurück nach Rotterdam. Schulm. Es ist kein wunder, weil ihr denen, welche es redlich mit euch gemeint, nicht gefolget. Doch weil ihr unverrichteter sachen weiter als nur aus dem Haag gen Rotterdam gereiset, werdet ihr es desto leichter haben verschmerzen können. Aber nur fortgefahren. Ludi. Nach etlichen tagen ist der Götsche zu uns kommen, und sagte: Es haben gewisse Herren am besten für uns funden, daß wir nach Pensylva- nien reisen, und wann wir tust dahin hätten, werde man uns anleitung geben, wo wir uns deßwegen anzumelden. Die meisten waren dessen also- bald zufrieden, und liessen steh einschreiben, welche aber schreiben könten, schriben ihre nammen selbs auf. Damit gtengen ste zu einem schiff- Patron, und accordierten mit demselbigen für eine erwachsene persohn §. Dublonen, und für ein kmd z.nnb B 4 wann wann einige auf der fahrt sterben, sollen diejenigen , welche mit dem leben davon kommen, fowol z für dieselben, als für sie selbs zahlen. Ich habe s auch, seit dem ich wieder zu hauß bin, gehört, sie seyen den 24. Hornung von Rotterdam nach diesem land abgefahren, haben aber wenig tust, fteud und muht mehr gehabt. l Schuln,. Sie müssen doch nicht so übel daran seyn, wie du erzehlt, sondern noch zimlich gelt !. haben. s Ludi. Holla. Es bat nicht die meynung, > daß sie den schifflohn zubezahlen gehabt, sondern ! wann sie nach Pensylvanien kommen, werden sie ! verkaufft, und müssen selbigen alsdann abverdie- l nen. Weil sich nun der schifflohn aus eine gros- l se summ belaufft, und öffters von einem gantzen ' schiff voll wenig übrig bleiben, gerathen die ar- i' men leuth meistens in einen solchen schulden-last, daß sie und ihre kinder ihr lebtag daran zubezah- l len haben, und deßwegen elende selaven seyn ) muffen. ^ Schuln,. Man Me dencken, du wärest auch j darinnen gewesen, daß du so viel davon zu tagen ^ weist. ^ LudL. Ich habe gnug vom erzehlen bekommen, ? und solle man es auch in glaubwürdigen bücheren i zulesen finden. E Gchulm. Ja, ich habe auch schon etwas davon gelesen, und daß Pensylvanien eine Englische Vrovintz in America, wie Carolina, und lige in gleicher gegye, doch seye noch eine andere Pro- > vintz dazwischen, und nicht gar so weit dahin als ' nach Carolina. Es seye auch dieselbe von allerley ley gattung Europäern am längsten undstärckstm ^ bewohnt worden; von welchen die meisten als le- hens - lerrthe anzusehen, dann die eigenthums- Herren, welche ansprach daran haben, seyen En- geläuder. Die haubt - stadt beiffe Philadelphia, und solle so voller volck seyn, als wie Zürich» Die leuth, welche ohne schiff-lohn dahin kommen, j sollen, wie du gesagt, für leibeigene sclaven, je ! nach beschaffenheit der umständen, und ihrer viel i oder wenig seyen, und die einwohner sie nöthig l haben oder nicht, auf viel oder wenigere jähre l verkaufft werden. Junge ledige leuthe sollen am besten anzubringen seyn, wer aber weib und Linder mitbringe, finde nicht so leicht käuffer, und komme eins da das andere dort hinaus. Ludi. Ich hatte bald vergessen zu melden, daß ^ noch ihrer 22. von Kloten zu Rotterdam ankommen , und an der Weyhnacht langte auch ein schiff l an mit einigen anderen von verschiedenen orthen. l Es wolte fich aber ihrer niemand nichts amreh- / men, daher ste auch in grosse noth und jamer i gerathen, und wüßte niemand, wo ste hinkommen , aussert daß ich gehört, es seyen auch zwey ! wieder gen Zürich zurück gereiset. ? Schulm. Dieser parthey, die anfangs auch - groß gewesen, dann es sollen nur von Kloten über l 40. Personen dabey gewesen seyn, gienge es zum theil noch unglücklicher als euch. Dann die käy- ferliche soldaten haben ihnen zu Alt-Breysach, nachdem ste ihnen den Frantzöstschen paß gewiesen , das schiff genommen, wiewol mit aller höflich - und steundlichkeit, und ohne sehrnere zufü- gung einiges lejds, aus dem gründ, die andere ftind- B 5 liche liche parthey möchte es sonst nehmen, und zu ihrem schaden brauchen. Deßwegen ward dieses volck alsobald zertheilet. Einige giengen zu fuß fort medfich, andere kehreten um obsich. Etliche nahmen dienste unter denen dem kayser dienenden Schweitzerischen regimentern. Aber sag du fort, was hast du zuletst angefangen? Ludi. Als ich mit meinem eigenen schaden und vielem ungemach erfahren, was ich vorhin nicht glauben wollen, hatte keinen lug mich von neuem, und zwarn in noch grössere gesahr zubegeben, und mehrerem Unglück entgegen zugehen, sondern fünde am rathsamsten, wieder heimzureisen. Meinen buben hatte zwarn unterwegs wo! anbringen können, weil ich aber sorgte, wann ohne iyne heimkommen wurde, möchte man allerley argwohn daraus schöpffen, habe also selbigen mit mir genohmen. Unterwegs find wir am alten Sylvester zwey stund von Hertzogenbusch in einer scheur auf einer Heu-tille über nacht gelegen. Um 9. uhr kamen ihrer fünff mit laternen, flinten, pistohlenund seblen zustürmen, und rufften mit grossem geschrey, wir sotten aufstehen und herunter kommen. Als wir die leiter hinunter sti- gen, und auf dem untersten feige! waren, bunden fie uns die Hände auf den rucken, und führten uns in die kuche zum feur, allwo fie uns ernstlich examiniert und allenthalben ausgesucht. Haben uns auch unser gelt, und was wir hatten, genohmen. Indessen find fie bey dem feur gesessen , und haben eins um das andere getruncken. Wir sotten ihnen zwarn auch bescheid thun, es wäre uns aber nicht wie dem Pfaffen an der Ostern, bedanck- bedanckten uns deßwegen des truncks-. Einer von ihnen fragte unter anderem, was religions wir waren? und da wir geantwortet: reformiert; sagte er: ich auch. Als wir etwan ein paar stund in dieser angst und noth gewesen, machten fle uns ledig, und hiessen uns wieder auf unsere Heu-tille gehen, wir könten aber, wie du wol dencken kanst, selbige nacht wenig mehr schlaffen. Am morgen hat uns der Wirth unser gelt und was fie uns genehmen, alles ordenlich widerum zugestelt, worauf wir den fincken-strich genehmen) und unsers Wegs marschiere. Gchulm. Man sagt nicht umsonst, das beste komme hinden nahen. Es ist dir vielleicht auf der gantzen reife niemah! so warm worden, als wie bey diesem stur. Ludi. Ich habe mehr an mein weib und kind gedacht, und für fie gejamert, als für mich. Wir reiseten also ohne ferneren anstoß durch das Lothringische und Burgund auf Basel, und sind endlich glücklich wieder zu haust angelangt. Schuln,. Wie komts, daß keine von denen anderen mit dir zurück gereiset? LudL. Es hat am guten willen nicht gefehlt, wann sie nur das gelt dazu gehabt hätten, insonderheit wäre Caspar Nötzli von Hirßlarrd und seine söhne gern mitkommen, er hatte aber nicht nur kein gelt, sonder er hat auch schon vorher, als er etliche Wochen zu Rotterdam kranck gelegen, seine kleider um 5. gülden versetzen müssen. Schuln,. Es scheinet, man könne ohne gelt m keinem theil der Welt viel ausrichten. Deßwegen auch diejenigen , welche würcklich m Engeland ankommen, kommen, und mit grosser müh dem könig haben können rccommenäiert werden, daß er ste in Amerieam hinüber führen lasse, nicht viel rüh- rmns davon machen, laut denen mehr betrübt als freudigen briefen, welche ste von Londen hieher geschrieben haben. Ludi. Die, welche kein gelt haben, find an frembden orthen viel übler dran, als daheim. Dann man gibt und thut einem gar wenig umsonst, wie wir es neben anderem mit einer leich erfahren, welche wir eine stund weit von Rotterdam auf ein kirchhofgeführt, und ste allda unbegraben müssen stehen lassen, weil wir so viel gelt nicht hatten, als man für eine leiche daselbst zahlen muß. Wir hätten selbige ohne zweiffel auch wieder zurück nehmen müssen, wann nicht der mehrgemelte schneidet von Buchß solches erfahren, und die gebühr endlich erstattet hätte. Schuln,. Ihr habet also vielerley angösse und Widerwärtigkeiten gehabt. Ludi. Es wäre noch viel zu melden, wann ich nur alles von einer zeit zur andern ordenlich aufgezeichnet hätte. Doch kommen wir veröffentlich mehr Wammen , und kan mir indessen das einte und andere wieder zu sinn kommen. Schulm. So gerathen die armen menschen, wann ste mit dem stand, in welchen ste die Vorsehung GotteS gesetzt, nicht zufrieden, sondern mit gemalt wollen bessere tage haben, und reich werden, wie der Apostel sagt, in allerley Versuchungen, und viel thorachte und schädliche lüfte, welche ste, nicht nur in zeitlichen und leiblichen ja- mer und elend , sondern wo nicht wahre buffe erfolget, folget, auch in den Undergang und ewiges verderben stächen. Der HErr erbarme sich indessen dieser armen unglückhafften leuthen, für welche sein lieber söhn auch sein theures blut vergossen , daß sie in ihren trübsahlen den muth nicht sincken lassen, oder aus ungedult in solche ruchlosigkeit gerathen, daß sie sich nicht auch noch in grösseres und ewiges ungM und hertzenleid stächen, sondern mit bußfertigen hertzen ihre zußucht zu der gnad und erbarmung Gottes nehmen, auf daß sie in er- manglung aller menschlichen hülff und trosts sich an ihme halten und erquicken können, und endlich nach vollendetem lauff ihres elenden lebens irr -sein ewiges und himmlisches reich aufgenohmen werden. Und du hast deine Herberg und heymath vorhin auch wenig geachtet, und vielleicht dem lieben GOtt schlechtlich dafür gedancket, und hättest vermeint, wann man dich nicht hatte gehen lassen, mau wäre dir vor deinem grossen glück, nun du aber gesehen, wie die Welt überall im argen ligt, faul und falsch ist, und in welch grossem elend die armen leuth anderstwo leben, und wie schlechtlich sie sich behelffcn müssen, wirft jetzund ohne zweiffel wieder froh und erkantlicher seyn für das gute, daß der HErr dein GOtt die in deinem stand mitgetheilet, und insonderheit auch, daß du noch zimlich ungeschlagen davon, und glücklich wieder heim kommen bist» Ich dancke dir underdessen für deme erzehlung, und wann ich dir oder den demigen etwas dienen kan, will ich es gern thun. LudL. Und ich dancke dir für deine wolgemein- te ermnerung und gutes arierbiethen. Und well es zeit ig heimzugehen, so Wunsche ich dir gute beständige gesimdheit, und was dir nach seel und . leib heilsam ist. ' Gchulm. Wart, ich muß dir noch auf den weg geben das qesprach zwischen dem Jörg und Michel, welche bey anlaß euerer abretß inden druck kommen ist. Du kanst es mit guter weil daheim lesen. Es ist unter andermein brief darin enthalten von einem freund zu Zürich an feinen ^ freund zu St. Gallen, in welchem das, was euch > begegnete, kurtz aber nachdrücklich vorgesagt worden , und so wol errathen ist, als ob es dazumal schon alles geschehen wäre, und der, so es geschrieben hat, selbs dabey und damit gewesen wäre. Indessen leb wol, und grüffe mir dein weib und kind. Verzeichnis derjenigen / welche sich in Engeland führen lassen. beyde von H-chfeld-n Heinrich Gaßmann, selb - - - Heinrich Engeler, selb - - - Heinrich Gallmann, von Mettmenstetten, selb Abraham Bünninger,vonBachenbütach, selb Hans Grob, von Zwtüiken, selb - - - diesem starb eine tochter am kind, und auch das kind. Hans Dutweiter, selb - -- , <§ WachtmersterHans Gut, von Esch, selb - -s Margreth Bader, von AsshMren, deren bruder zu Namurblibe. , Hans Stierli, selb - - 7 L Isnti-sldidliollisk Kurien ^01653241 AM