Ar 8'. j - / ä' ' ' '.,-F ' —-- . .. ' " ^ . und in die Län- Schwer gr/ von der Grafschaft Tyrol bis nach Burgund/ ungefehr 46. deutsche Meilen erstrecket. Der weit grössere Theil dieses Landesistmit tausend ungeheuren an- und aufeinander stehenden Bergen besetzt/ welche eben so viel enge Thäler einschtieffen. Das meiste/ das man in diesen Thälern/ ausser einigen Städten/ Dörffern/ wenig Weckern/ und noch weniger« Weinbergen / siehet / sind grosse dicke Wälder/ fette Wiesen/ sehr viele kleine und grosse Seen/ und eine erstaunliche Menge Flüsse und Bäche. Der andre Theil/ welcher die Landgrafschaft Tburgäu/ einen Theil des Züricher- Schafhauser- Berner- Baßler- Solothur» ner- und Freyburger-Gebiets begreifst/ ist viel platter/ und gleicht cimgen Provinzen Deutschlands; jedoch ist alles überall mit klemm Bergen besetzt. In diesem Theil siehet man ordentlich alle vier Jahrs-Zetten aufeinander folgen/ die Hitze und Kälte fn»d erträglich. Der andre Theil aber hat/ wegen seiner besondern Lage/ einen so kurzen Frühling und Herbst/ daß man eigentlich nur zwey Jahrs-Zeiten/ nemlich Sommer und Winter/ hat/ wovon der lezrere ungefehr einen dritten Theil länger währet/ als der erstere. Die Berge sind in den beyden Theilen der Schweiz sehr Sememe unterschieden. In dem räuhern Theil sind es ungeheure Lg der Felßklumpen/ welche zwey- vier» und wol sechsmal über- Up-Ge. einander stehen/ und m lange« Reyhen miteinander ver- ^ knüpft sind. Man kan/ in Absicht »«f das äufferliche Ansehen/ drey Theile an denselben betrachte. Der unterste besteht aus dicken Wäldern und Wiesen/ welche mit langem und fettem Gras angefüllet sind. Den zweyten nehmen die Alpen ein/ welche mit kurzen/ trockenen und wol- riechenden Kräutern / auch einigem kurzen Gehölz und ):(2 Sträu- Vorrede Höhe derselben. Seschaf- fenheir der Iahrs- Felten da- selbst. Höl"§er rvslken. Sträuchen bewachsen sind. Diese werden den Sommer durch von den Schweizerischen Hirten oder Sennen und ihrem Viehe bewohnt. Hier entspringen die meisten Flüsse und Bäche/ und eine unglaubliche Menge der allervor- trefflichsten Brünnen. Der dritte Theil besteht aus spitzigen selten zu besteigenden Felsen/ welche entweder ganz kahl/ ohne Erde/ ohne Mas/ oder mit immerwährendem Schnee und Eiß bedeckt sind/ die als ein Hin/erhalt warten/ um die Flüsse/ wenn etwa die Hitze d/cselben austrocknen wol» te/ mit Wasser zu versehen. Die Höhe dieser Bergen über das mittelländische Meer ist von vier - bis zehentausend Schuhen/ und sie müssen als die oberste Spitze von ganz Europa angesehen werden. (*) Zu oberst auf diesen Bergen herrschet fast eine beständige Kalte; starcke Winde und sehr nasse Nebel sind die gewöhnlichste Witterung daselbst. Es wachsen Pflanzen da/ welche sonst in Lappland/ ja gar bey den Spitzbergen wachsen. In den Thälern herrschet in dem Sommer/ wegen der öftern Zurückprellung der Sonnenstrahlen/ oft eine so unerträgliche Hitze/ als in dem heissm Erdstrich/ welche die Leute aus den Thalern oft aufdie Berge treibet. Hingegen werden in dem Winter die Häuser fast in dem Schnee begraben. An sehr vielen Orten siehet man alle vier Jahrs- Zeiten auf einmal in einem engen Raum eingeschlossen/ und oft kömmt man so enge zwischen den Sommer und Winter/ daß man mit der einten Hand Schnee und mit der andern Blumen zu gleicher Zeit von veröde aufheben kan. Ich habe tn einem Tag an d-m Gorchardo- Berg eine Abwechslung von wol zo. Graden des äaren- heydischen Thermom^cs erfahren / und hätte eine wett grössere erfahren/onnen/ wenn ich/ an statt auf dem ordentlichen Wne zu bleiben/ die beschneyte Hügel hätte besteigen wollen. Ein guter Theil der Wolcken kommt die meiste Zeit des Jahres nicht bis an die Spitzen der höchsten Ber- _ge/ l*) S. meine Berg-Reise Bl. 45». des Herausgebers. 5 ge / sondern bleiben weit unter denselben stehen. Von diesem Auf- und Absteigen der Wolken an den Spitzen der Berge/ weiß der kluge Aelpler das Wetter genau vorher zu sirgen. Da hat er einen natürlichen Barometer/ welcher um so viel untrüglicher ist, als der gekünstelte / weil ihn die Natur selbst gemachet hat. Ein Reisender / der ei- wie «s nen mit Wolken umhängten Berg besteiget/ kan durch die» E" selbe hinaufsteigen/ er stehet nichts anders/ als einen dichten de» Der. nassen Nebel. Ist er über die Wolken hin / so kommt er wol- gleichem in eine neue Welt. Die Sonne zeiget stch ihm / r»» »st. welche der untern Welt durch die Wolken entzogen wird. Er stehet über die Wolken bin/ wie einer/ der von einem kleinen Vorgebürge in das grosse Welt - Meer stehet. Er erblicket eine ungemeine Menge Jnsuln/ nemlich die Berge/ welche durch diesen erhabenen Ocean ihren Rücken her- vorstrecken. Eine seltsame Begebenheit / welche unbeschreiblich vergnügt/ insonderheit/ wenn stch etwa die Wolken an einem Orte öffnen/ daß man von dem Himmel einen Blick auf die treffe Erde herunter thun kan. Wie stch die untern freuen/ wenn ste den blauen Himmel durch die zerrissene Wolken sehen können/ so hat dieser ein unbegreifliches Vergnügen/ wenn er durch eben diese Oeffnung ein Land stehet. Durch den zerfahrnen Dunst von einer dünnen Wolke, Eröffnet sich im Nu das Schauspiel dieser Welt; Der weite Aufenthalt von mehr als einem Volke, Zeigt alles auf einmal, was ftin Bezirck enthalt. Ein sanfter Schwindel schließt die allzuschwachen Augen, Die den zu breiten Lreyß nicht durchzustrahlen taugen. Haller. Das Wasser zeiget stch auf diesen Bergen noch in ver- schö,.» schiednen andern Gestalten; doch allemal so/ daß es dem Zuseher Verwunderung und Vergnügen bringt. Kein Berg Fälle, ist/ da man nicht einige Wasserfalle stehet. Oft läßt es/ als wenn das Wasser/ zu dessen Anfange das Auge nicht X 3 hin- Vorrede hinreichen mag/ aus dem Himmel über die Felsen herunter käme. Es stürtzt sich durch hundert Falle von einem Felsen zu dem andern; eö staubet/ es springt mit Brausen von dem Felsen zurücke/ als wenn es rasend wäre/ daß es den Felsen nicht dnrchdringen kan. Die Luft wird von dem weißen Staube ganz angefüllt/ und wo die Sonne kan Hinscheinen/ da bekommt der Fall erst seine rechte Schönheit. Ein ganzer schön gefärbter Zirkel/ wovon der Regenbogen nur ein Theil ist/ zeiget sich hier/ nicht ferne von uns an dem Himmel/ sondern gleich vor unsern Augen/ er geht über unsre Füsse hin. Es ist nicht zu sagen / ob die Er- staunung oder das Vergnügen bey einem solchen Anblick grösser ist. Der Fremdling steht erstaunt, und die betrogne Ginnen Vermeynen, daß allhier von Flammen Strome rinnen; Daß der verklärte Zug.der Strahlen die hier leuchten, Das Land versengen rvil, an statt es zu befeuchten. Die Menge der Wasser-Falle sind oft an einem Berge so groß/ daß man vermeynen solte/ der Rheyn solle sich von solchen Wassern ergießen. Weit einfältiger/ aber nicht weniger verwunderlich sind Alpen, die vielen Brünnen/ die man an den Bergen siehet. Bald eine siedende Quelle/ durch unterirdisches Feur zu dem Gebrauch der Menschen gewärmet. Bald einen Brunn / in dessen klarem Wasser sich der Schwefel aufgelöset hat. Bald ein saures/ bald ein süffes Wasser/ so durchsichtig/ daß man die Hand zum Zeugen muß annehmen/ ob es Wasser oder blosse Luft ist. Brünnen/ welche wegen ihren besondern Eigenschaften auch Weise zur Verwunderung bringen. (*) Diese Brunnen haben meistens ein so reines Wasser/ daß sich auch in den hölzernen Behältnissen/ die man etwa dem Vieh zu Dienste macht/ in Jahres*Zeit nicht die allergeringste Unreinigkeit ansetzet. Man siehet diese Brünnen (*) Z.E. der Engstlcr-Brunn/ Welcher in der Ersten und Fünften Reise be» tchrieben wird. des Herausgebers. 7 bald aus den Ritzen der Felsen/ bald aus dem Sande/ bald aus der Erde hervorquellen/ bald aber unter dem Schnee oder von dem Eiß herab rinnen. Die allgemeine Beschaffenheit der Berge/ ihre Auf» thürmung/ ihre Verbindung/ Gestalt/ die seltsamen Krüm* über die mungen der Thäler/sind Sachen/die einen gemeinen Mann AAA"" zwar in stumme Verwunderung/ einen fleißigen Natur» ftnheir r>e» forscher aber in noch grösseres Nachdrucken setzen. Hier ist ein alter Marmor/ aus dessen Betrachtung er die verschiedene Veränderungen und das Schicksal der alten Welt kan abnehmen. Eine Kunst/ die eben so wichtig ist/ als aus einigen Merckmahlen zukünftige Dinge vorhersagen. Bey Diesem muß man aus einer gegenwärtigen Geschichte die Reyhe ihrer Folgen abnehmen/ dort aber die Reyhe der schon vorhergegangenen Geschichten erforschen. Er wird Dadurch auf eine Zeit zurück gewiekn/ Da Meer war/ wo mrn das festeste und höchste Land ist. kilcium 6c stimmn Oenu8 baestt l^lmc» Dlora quX Leäes kuernc Lolumbis Lr luperjeLko pnviclse nstarunr -Aquvre Onmse. Er kan Die Ströme dieses alten Meers noch bestimmen/ und wenn er die Lager der Felsen betrachtet/ so kan er daran die Ueberschwemmungen abzehlen/ welches über diesen Theil der Erde gegangen. Wil er aber auch das innere der Bergen einsehen/ wil Da-innere er die Crystall-Minen und die Ertz-Gruben/ samt andern r^rver- Grufften mancherley Art betrachten/ so kommt er da recht ^' in die Werckstatt der Natur/ wo er diese Künstlerin würck- lich arbeiten siehet. Hier sind die Holen / von welchen die Fabeln so seltsame Dinge gedichtet. Hier siehet man den Aeolus den Wind abschicken (**). Hier kommt man in Die unterirdische Schmidte/ wo Vulkan alle Arten der Metallen zubereitet. Hier siehet man/ wie aus dem flüßigen ._ Was- (**) 2» den Wind-Hölen. 8 Vorrede von dem plattem Theil der Schweiz. Gebildete Steine. Wasser die allerhartesten Crystalle wachsen/ die von ihrer Mutter nichts als die Klarheit behalten haben / welche sie oft noch zu übertreffen scheinen. Hier kan ein Welt-. Weiser tausend Entdeckungen machen/ auf welche ihn alle in Häusern gemachte Versuche nicht führen können. Was immer die Natur seltenes hervorgebracht hat/ das siehet man an einem einigen Berge vereiniget. Wett anders ist der plattere Theil des Schweizerlandes beschaffen / der aber dessen ungeachtet auch nicht geringe Aufmercksamkeit verdienet. Die Thaler sind viel weiter und langer/ von wenigem/ aber desto grossem Flüssen durch- flössen. Man siehet da weite und fruchtbare Felder/ welche aber dennoch meistens mit vielen Steinen belegt sind. Die Wiesen prangen an den meisten Orten mit einer Menge der schönsten und fruchtbarsten Obst-Bäumen von mancherley Art. Die Berge in diesem Theil sind / gegen die andre gerechnet/ nur kleine/ von 2000. bis 2500. Schuhen über die Oberfläche des Meers. Unten sind sie mit Weinbergen/ Aeckern/ Wiesen oder Wäldern besetzt/ welche oft auch den obern Theil des Berges einnehmen. Keine Alpen/ keine grossen Felßkltppen/ keine Wasserfalle/ wenig Brünnen/ im Sommer weder Schnee noch Eiß. Sie sind meistens ganz/ d i. ohne grosse unterbrochene Klüffte/ in keine oder wenig kleinere Hügel abgetheilet / oben nicht spitzig sondern platt und rund. Sie haben obenher nur magere und dürre Weyden/ doch oft fruchtbare Felder. Man kan oft viele Meilen weit über ihren flachen Rücken hingehen/ ohne vieles Auf- oder Unterstetgen. Selten lassen sich die Wolken so weit herunter/es sey denn bey langwierigem Regenwetter/ insonderheit im Frühling und Herbst. Indessen sind sie wegen einer Sache werckwürdig/ welche auf den höhern Bergen rar ist. Hier ist ein wettlaufttges steinernes Thier - und Pflanzen - Reich. Die versteinerte Meer- Muscheln und Pflanzen finden sich meistens auf diesen Bergen/ und zwar oft in solcher Menge/ daß man ein games _de s Hera usgebers. 9 Thal damit anfüllen tönte. Neue Proben von einem alten Zustand der Erde/ der von dem heutigen weit unterschieden ist! Indien / der entlegne Welt; Theil/ scheinet in den alten Zeiten hier gewesen zu seyn. Viele Schnecken/ Muscheln und auch Pflanzen/ die nur in den entferntesten Landern und Meeren in ihrer Natur angetroffen werden/ liegen hier in ihrer wahren Gestalt / aber versteinert. Da haben wir eine Probe von der würcklichen Veränderung der Substanzen. Fleisch/ Bein/ Holz/ Kraut/ Muscheln sind in wahre Steine verwandelt/ ohne das geringste von ihrer ersten Figur verlohren zu haben. Wie viele schöne Betrachtungen kau ein geschickter Naturforscher hier an» stellen? Urtheile hieraus/ mein Leser/ ob es der Mühe werth w-cht,g- ist/ daß ein Naturforscher die Schweiz durchreise/ die Ber- A-m,- ge besteige/ und die Thaler durchwanvre. Urtheile von den Entdeckungen/ die er vor alle Theile der Natur-Wissenschaft daselbst machen kan. Urtheile zugleich von dem Werthe dieses Buchs / welches alles dasjenige beschreibt/ was ein geschickter und unermüdeter Naturforscher viel Jahre hindurch/ auf vielen Reifen durch die Schweiz gesehen und entdecket hat. Der Scheuchzerische Name ist in der ganzen gelehrten Welt so bekannt/ daß ich unmöglich etwas zum Lobe dieser Schriften sagen kan/ das nicht gleich der erste Anblick des dreNamr Namens bekannt macht. Der Verfasser war in den besten A, Ar Umstanden/etwas rechts auf seinen Berg-Reisen zu entdecken. Zchw«z Er war unermüdet/ er arbeitete unglaublich viel/ er war in achten, seinem Vorhaben/die Merckwürdigkeitenseines Vaterlands bekannt zu machen/ so standhaft / daß keine Arbeit/ keine Gefahr/ keine Unkosten/ mit einem Wort/ keine Schwierigkeit/ stz groß sie auch war/ dasselbe hintertreibe» tonten. Neben dieser guten Gemüths-Verfassung hatte der berühmteMaun ein weitlauffiges Erkenntniß in allen Theilen der Natur- Wssenschafft/ und der Natw-Historie. Ein sehr nöthiges ' ):():( Stück Vorrede 10' Stück vor einen Mann/ der die Natur-Geschichten der Schweiz beschreiben wir. Ein Unwissender wird hundertmal die Schweiz in die Lange und Queer durchreisen/ er wird zwar Mund und Augen aufsperren/ aber von den Würkungen der Natur wird er sehr wenig zu erzehlen wissen. Man muß die Natur allbereits in andern Umständen kennen/ che man sie in diesen erkennen kan. Diese Erkenntniß besaß unser Verfasser in einem nicht geringen Grade/ ehe er die Berge bestiegen hatte. Zu diesem kommt noch ein merkwürdiger Umstand/ welchem wir nicht wenig zu dancken haben. Er Scheuchzer war mit den berühmtesten Naturforschern seiner Zeit bekannt. Dieses waren Leute/ welche den Wissenschaften/ insonderheit der Physic/ ein neues Ansehen gaben. Sie kündeten den alten Hirngespinsten den Krieg an. Sie wolten eine Physic haben / deren Sätze in den gewissesten Begebenheiten der Natur gegründet waren. Zu dem Ende hin suchten sie dieselbe auf. Sie schrieben an Leute/ welche Anlaß und Geschicklichkeit hatten/ die Geschichten der Natur zu beobachten. Sie suchten einen Scheuchzer/ der sie auch suchte/ und sie fanden einander nach Wunsch. Die Kayserliche Gesellschaft der Gelehrten/ so auch die Königlich - Englisch- und Preussische nahmen ihn zum Mitglied an / und die Französische Academie der Wissenschaften wünschte einen Briefwechsel mit ihm zu haben/ und erhielt es ohne Mühe/ weil dieser fleißige Mann nur Anlaß suchte/ seine Beobachtungen andern in die Hände zu geben/ damit sie dieselbe zur Verbesserung der Natur- Wissenschaft anwenden möchten. Von diesen Orten nun empfieng Scheuchzer von den allerbe- rühmtesten Männern öfters Briefe/ sie fragten ihn/ sie gaben ihm neue Vorschläge vieles zu beobachten/ sie munterten den ohnediß fleißigen Mann noch mehr auf. Er war gleichsam ein Abgesandter / den die Welt - Weisen an die Natur geschicket hatten. Wenn er ausreißte die Natur zu besuchen/ so hatte er viele Beglaubigung--Schreiben des Herausgebers. _11 den und viele Fragen an sie zu thun. Sie schickte ihn nie» malen ganz leer wieder Drück / ob sie gleich ihre Geheimnisse nicht einem jeden offenbaret. So war der Verfasser gegenwärtiger Schriften. Ich würde eine allzulange Vorrede machen/ wenn ich noch meh» rers wolte sagen / als was ich nothwendig wegen dieser Ausgabe zu sagen habe. Dieser erste Theil enthalt eine Beschreibung von verschiedenen Natur-Geschichten des Schwetzerlandes. Der Verfasser war Willens/ eine ordentliche Natur-Historie des Schwetzerlandes in systematischer Ordnung zu schreiben. Zu diesem Ende hin stellte er auch seine Reisen an. Allein das war ein Merck/ welches erst nach einer vieljährigen Arbeit tonte herausgegeben werden. Dazu hatte er sich auf eine gewisse Weise gegen den Hochlobl. Stand Zürich verpflichtet. Weil aber sein Hauptwerck nothwendig viele Jahre ausbleiben mußte/ so wolte er sich inzwischen nicht unerzetgt lassen/ damit niemand glauben tönte/ als wolte er sein Versprechen nicht erfüllen. Er sieng deswegen in dem Jahr 1705. an/ ein Wochen-Blatt herauszugeben/ in welchem er das merckwürdigste/ so er auf seinen bisherigen Reisen angemercket hat / Stückweise und ohne Ordnung/ wie es ihm zum ersten iu die Hände kam/ beschrieben hat. Der Titel war: Seltsamer V 7 atur - Geschichten des Schweizerlandes wöchentliche Erzehlimg. Das Unternehmen fand grossen Beyfall. Er setzte es de- rowegen/ nach eben dieser Art/ in dem Jahr r/oä. fort. In dem Jahr 1707. aber lieferte er in seinen Wochen-Blattern die ganze ordentliche Beschreibung der Berg-Reise/ welche er A. 1704. gemacht hat; weil aber diese Beschreibung nicht alle Blatter anfüllte/ so machte er einen Anhang zu dieser Reise Beschreibung/ in welchem er die Materie von den Scbweizer-Gebürgen überhaupt/ deren Abmessung/ nebst einigen andern Sachen/ verhandelte. ):():( 2 Die Erinnerungen wegen dieser Aus- gäbe. Dorrede was in diesem Ersten Theil begriffen. Umstände des Herausgebers , währender Ausgabe. wie diese Ausgabe von der erster» unterschiede» ist. I" Anst- hung der Sprache» ir Die Blattte von dem ersten und zweyten/ wie auch der Anhang von dem dritten Jahrgange machen diesen ersten Theil aus. Nun muß ich dem Leser Rechenschaft geben^ von meiner Arbeit bey diesem ersten Theil. Vorher aber muß ich ihm überhaupt sagen / daß meine Umstände in der Zeit/ da ich dieses Merck zum Dttlck befördert habe/ verschieden gewesen/ damit er mir desto lieber verzeihe/ wenn ich nicht allen nöthigen Fleiß auf die Ausgabe angewendet habe. Da ich das Merck anfienge/ war ich in der Schweiz/ ohne zu gedencken/ daß ich in wahrender Ausgabe von da wegreisen würde. Ich war noch nicht weit gekommen/ da ich genügsame Gründe hatte/ meine damaligen Umstände zu verändern. Ich reißte von-dem Ort meines bisherigen Aufenthalts ab/ doch blieb ich in der Schweiz. Indessen vergiengen wol ein paar Monate/ ehe ich wieder in der Ordnung war/ da in wahrender Zeit die Presse immer fortgieng. Ehe noch der erste Theil fertig war / veränderten sich meine Umstände abermal. Ich reißte nach Deutschland. Da war ich nun wol drey Monat lang in keiner Ordnung: indessen mußte das Merck immer fortgehen. So viel von mir. Was meine Arbeit an diesem Ersten Theil betrifft/ st> bezicht sich dieselbe auf drey Stücke: Auf die Sprache/ auf die Ordnung/ und auf die Anmerkungen. Der Verfasser hat vor seine Landsleute geschrieben/ und deßwegen hat er sich auch ihrer Sprache bedienet/ er hat in Schweizer-Deutsch geschrieben. Seine Sprache enthielte gar viel Wörter / welche ein Deutscher nicht versteht / die Zusammensetzung und die Ortographie waren eben so wenig Deutsch. Weil nun dieses Merck nach der Absicht des Herrn Verlegers auch solte in Deutschland gelesen werden/ so mußte man eine Abänderung machen. Ich habe zu dem Ende hin die Sprache/ Schreibart rc. an mehr als ein tausend Orten verändert/ doch ohne den Sinn zu verderben. Wegen Der grossen Menge Der Stellen/ welche sollen abgeän- des Herausgebers._ r z dert werden/ habe ich nicht alles gesehen/ und einige Stellen habe ich mit Fleiß nicht verändert. Die Haupt - Absicht dieses Wercks ist doch immer auf Schweizerische Leser gerichtet. Es wäre also ganz ungerecht gewesen/ wenn man den hochdeutschen Lesern zugefallen die Sprache so geändert hätte/ daß sie den Schweizern nicht mehr überall verständlich geblieben wäre. Also gicng meine Mühe nur dahin / die Sprache wenigstens so auszubessern/ daß ein ztmlich reines Schweizer-Deutsch solte heraus kommen. Und dieses ist so beschaffen/ daß ein Hochdeutscher/ der nicht gar zu ekel ist/ es wol wird lesen können/ ob es gleich sowol in der Ortogra* phie/ als in Endungen und andern Stücken/ von seiner gewohnten Schreibart abgeht. Einige Schweizerische Wörter sind deßwegen stehen geblieben/ weil man entweder kein gleichgültiges in der Deutschen Sprache hat/ oder weil das gleichgültige in der Schweiz ganz unverständlich wäre. Ges nug/ wenn dieses Werck so eingerichtet ist/ daß ein Deutscher Liebhaber dasselbe lesen und verstehen kan/ wenn gleich nicht alles gut Obersächsisch ist. Die Veränderungen/ die ich in diesem Theil/ in Anst- I» Anst. hvng der Ordnung / gemacht habe/ bestehen darin / daß ich gar viele Titel/ welche in ein Kapitel der Physic und Natur- Historie gehören/zusammen gethan habe. Oft stund etwas von einer Materie vornen in dem Buch/ da ein anderer Titel von einer fast gleichen Materie hinten stund. Das habe ich zusammen gethan. Indessen bin ich so gar genau nicht gewesen/ well es nicht viel zu bedeuten hat. Man kan das Buch von hinten oder von vornen anfangen zu lesen / man hat gleichen Nutzen/ weil es von vielen besondern Abhandlungen besteht/ welche keine Verbindung miteinander haben. Da ich auch nicht gleich von Anfang diesen Vorsatz gehabt habe, so iß einiges in der alten Ordnung geblieben. Die Anmerkungen habe ich nur von ungefehr im Durch- r>-» lesen dazu gemacht; denn die Absicht war nicht/ eine Ausle- Anmerkn», gung/ oder etwas von meiner Arbeit/ sondernnur des Verfas- 2"" )§):( z sers r Entschuld dlgu»<7 e» niger An- meri'un- gm. 14 Vorrede des Herausgebers. _ fers Tert zu neben. Indessen habe ich mich doch nicht enthalten können, einige Anmerkungen beyzufügen. Sie sind aber von zweyerley Art. Einige sind von dem Verfasser selbst, wie ich sie in einigen von feinen Schriften gefunden habe. Sie sind am Ende mit einem * bezeichnet. Von meinen Anmerkungen sind einige vor Ungelehrte gemacht. Denn gleich wie dieses Werck, da es das erstemal herauskam, von vielen Leuten ist gelesen worden, die weder von der Physic noch von einer andern Wissenschaft Profeßion machen, so ist zu vermuthen, daß es mrch diß- mal so gehen werde. Diesen zugefallen, habe ich einiges zu mehrerer Erläuterung oder Anweisung hinzugesetzt. Ein Gelehrter, der es allzuweit unter seinem Horizont zu seyn glaubt, hat die Freyheit ein Misses Stück Papier darüber setzen zu lassen. Es wird mich veröffentlich niemand tadeln, wenn ich oft eine andre Meynung habe, als der Verfasser, und wenn ich dieses gut Deutsch heraus sage. Ich habe noch nirgend gelesen, daß einer, der ein fremdes Buch heraus giebet, nothwendigalle Meynungen desselben müsse annehmen; auch hat mir niemand verbotten, meine Meynung zu sagen, wie ich auch niemandem übel nehmen werde, wenn er meine Meynungen mit gutem Grund widerlegen wird. Ich habe aber darum nichts deftoweniger grosse Hochachtung vor den Verfasser, und glaube nicht, daß ich in der Natur-Historie den tausendsten Theil von dem wisse, was er gewußt hat. Ich bin der Meynung, welche Bayle gehabt: Man kan (sagt er in der Vorrede zu feinem Wörter-Buch) man kan die Fehler in den Büchern berühmter Männer bemerken, ohne die Schranken der Demuth zu überschreiten. Deßwegen unterlasset man ja noch nicht, stein ihrer ganzen Grösse zu betrachten. Wenn die Unter-Officiers und Soldaten ungescheut sagen, daß ihre Hauptleute in währendem Feldzuae einige Fehler begangen haben, so haben sie manchmal recht. Allein deßwegen bilden sie sich noch nicht eln, daß sie geschickter wären dasCom- mando zu führen, sie erkennen sich sowol an Fähigkeit, als dem Range nach, weit niedriger. So erkenne ich mich in Ansehung des Verfassers dieser Schriften. Endlich muß ich dem Lesernoch sagen, daß die alten Kupfer-Tafeln beybehalten worden. Die Verbesserung des Drucks hat ein geschickter Freund in Zürich über sich genommen. Weil er aber auch nicht allezeit anwesend war, so sind einige Fehler stehen geblieben, welche ich angemerket habe. Sind noch mehr, so kan sie ein jeder selber verbessern. Was von dem Zweyten Theil zu merken ist, das kan der Leser in der Vorrede daselbst sehen. Magdeburg, im Merz »745. Morrede des Merfassers. Allen nach Standes und Geschlechts Gebür geehrten Lesern wünschet Moh. Macoö Wchmchzev/ Mitglied der Leopol- dinischen und Lönig!. Englischen Gesellschaften/ alle Leibes-und Gemüths-Vergnügung zuvor. hat die von dem allgnttgen Schöpfer allen vernünftigen Menschen einge- WWH pflanzte Wissens-Lust mich in so weit getrieben,daß ich mich von Jugend auf möglichstens auf die Erforschung der Natur beflissen, diese Arbeit aber vornemlich auf unsre Eyd- gnößische Lande gerichtet habe. Ich habe derselben Natur-Wunder in vielen zu dem Ende hin angestellten Reisen,mit nicht geringer Mühe und Unkosten 16 Vorrede des Verfassers.' sten fleißigst untersucht, und davon bereits einen so grossen Vorrath gesammelt, daß ich nunmehr nach Mitteln trachten soll, wie solche von mir gemachte Beobachtungen zu der Ehre des Höchsten, zum Nutzen des Vaterlandes, auch jeder Privat-Per- fonen, können bekannt werden. Zu dem Ende hin habe ich mir vorgenommen, sowol Gelehrten als Ungelehrten zu dienen, Wöchentlich auf einem halben Bogen eine oder etliche Natur-Geschichten Lobl. Eydgnoßschaft in Deutscher Sprache vorzulegen,und meine Gedancken darüber zu eröffnen. Ich möchte aber wünschen, daß andre dadurch Anlaß nahmen, mich mit mehrerm über das einte und andre zu berichten, meine Meynungen zu verbessern, und sonsten aufdienatürlicheBegebenheiten unsers Vaterlandes genauere Achtung zu geben. Weil ich auch in Hoffnung stehe, es möchte diese meine wohlgemeynte Arbeit curieusen Gemüthern nicht mißfallen,folglich solche ungewohnte Zeitung von ihnen aufbehalten werden, so habe ich mir vorgesetzt, mit Gottes Hülffe zu Ende des Jahrs em ordentliches Register zu verfertigen, und dem letzten Bogen beyzulegen. -e? )°c i ^SSK- ^ ^ ^ ^ ÄÄ Luc ÄÄ LrL ÄLl ÄLl ^vär LLl ^Äc LLl ^ öchü ZL^ rzehlung seltsamer des chweitzerlandes. Von den Rothen Buchen zu Buch. ist bekannt/ wie zu Herbstzeiten sowol die Buch - als andere Baume die lebhaft grüne Färb ihrer Blätteren, in ein dem Ana zierlich vorkommend viel- farbiges Kleid verändern, welche Begebenheit nach den — heutigen Grundsätzen von der Natnr der Farben, ohne Zweifel darvon herzuleiten ist j daß der durch den Frühling und Sommer auf die Bäume, Stauden und Kräuter gestiegene Nehr- fast nun, bey annäherendcr Kälte, wegen eingezogener Gestalt der Nahrungs-Gefäßen, nicht mehr in so völliger maß kan einstießen, weswegen auch die Stiel verrumpfen und abdorren, die Früchte und Blätter abfallen, und beyde eine angenehme vielfältige Schönheit anziehen. O) Diese Bernünftclung lasset sich nicht wol auf diejenige i. Lheil. _A_ Bege- (a) Die Farben sind/ wie bekannt / nichts ander-/ als die von der Oberflache der bürgern auf verschiedene Weise in die Augen zurück geprellte Lichtstrahlen/ und die Veränderung der Farben ist eine Veränderung dreier Auruckprellung in die Augen. Damit man nun demlrch erklären möge / wie dir Farben sich an den Blättern der Bäumen abänderen / so ist zu merckcn/ daß nicht alle Lichtstrahlen von einerley Art sind/ indem eine jede HaupttFarbe von emer besonderen Art 2 Erzehlung seltsamer Natur-Geschichten Begebenheit anwenden, welche ich jezt erzehlen werde. Bey Buch, einem in der Herrschaft würflinum, Züricher-GebLers liegenden, welligst 220. Schuh über unsere Stadt erhöchten Dorff, auf dem sogenannter: Scammberg, stehen unter anderen Buch- Eich - und übrigen Wald-Bäumen drey Buchen, (b) welche von der gemeinen in gantz Europa bekannten Art darum abweichen, daß sie ihr buntes Kleid beyzeiten, zu Anfang des Sommers anlegen, und sonderlich um das H.Pfingst-Feft eine verwunderlich schöne Nöthe dem Gesicht vorstellen, so daß die rund in die zwey Stund umher wohnende Baurcn dannzumal sich häuffig herbey sammle«, um von diesen blutrothen (c) Bäumen Blätter und Aestlein abzubrechen, und auf den Hüten nachcr Hauß zu tragen. Es ist diß anbey verwunderlich, was die Anwohnere von dreien Buchen ausgeben, daß sie anderer Orten, wohin sie versetzet werden, nicht wachsen, als ob sie keiner andern, als der ihnen anerbohrnen Erden wehrt wären, oder alle andere Nahrung verachteten, (ci) Es heißet hier nicht, «-ll. ubi- der Lichtstrahlen entstehet. Er kommt z. Ex. bie'rothe Farbe von anderen Strahlen her/ als die gelbe/ und so fort / wie durch augenscheinliche Versuche kan erwiesen werden. Wenn nun die Lichtstrahlen auf einen Cörper fallen/ so werden sie gebrochen/ das ist / von ihrem Weg ein wenig abgezogen / und denn hernach entweder zurück geprellt oder in dem Cörper versenckt/ oder sie dringen durch den Cörper hindurch/ wie bey dem GlaS geschiehet. Diejenige Strahlen / welche zurück geprellet werden und in das Auge fallen, machen die Farbe aus. Wenn nun der Cörper auf seiner Oberfläche so beschaffen ist/ daß er nur einerley Strahlen zurück prellt/ so zeiget er »ine Haupt. Farbe; wenn er verschiedene Strahlen zurück prellt/ so entstehet eine Neben-Farbe; wenn er alle zurück prellt/ so erscheint er weiß/ u. s. f. Wenn also der Cörper an sttner Oberfläche verändert wird/ so geschiehet nothwendig eine Veränderung in der Zurückprelkna der Lichtstrahlen/ und folglich auch der Farben. Aus diesen Gründen nun muß man die Veränderung der Farben in den Blättern erklären. Allein «S mangelt uns zu völliger Erklärung noch die eigentliche Kenntnuß der Cörper; wir können noch nicht sagen waS vor Theile der Cörper muß haben / der nur rothe oder nur gelbe Strahlen re zurück prellt. Indessen verstehet man schon / warum die Blätter an Bäumen in dem Herbst ihre Farbe verändern / weil nemlich der Cörper selbst/ wie der Verfasser anführt/ wegen Mangel der Nahrungs Safts und noch andern Ursachen abgeändert wird (l>) ES soll eine oder ein paar darvon abgegangen/ hmgegen an deren Stell ander« junge nachgewachsen seyn. (c) Die Farbe ist eigentlich dunckel roth. (ä) Ihro Ercellentz der Hr. General Hirzel von wälffiingen / in dessen Herrschaft dar Dorff Buch gelegen/ sollen hierüber mehr als einmal Proben gr- macht/und beftinden haben/ daß sich diese Buchen nicht verpflantzen lassen/ es seye denn / daß man sie in dir Erden setze/ in welcher die alten gewachsen. des Gchweitzerlandes. z vbicunque bene , wetten diesen Bäumen nirgends wol ist/ als in ihrem Vaterland. In grössere Verwunderung aber soll uns setzen, was die Beywohnere über eine so ungewohnte Sache vernünftelen. Sie geben vor, daß vorzeiten fünf, andere vier, Brüdere sich unter einander auf eben diesem Platz ermordet haben, und seyen aus gerechter Verhängnuß Gottes fünf solche mit Blutstropfen besprengte Buchbäume allda aufgewachsen, zu einem währenden Gedenckzeichen einer so g rculichen That. Hierin» bestehet der Bauren gantze Philosophie, die zum öftern nicht zu verwerffen. An diesem Ort aber fehlets ihnen und uns an genügsamer Zeugnuß, diese Geschichte be- glaubtlzu machen. Es weiß niemand etwas von der Zeit, wann sich diese Mordgeschichte solle zugetragen haben, oder von den Thäten; selbst, oder von andern zur Warheit einer Historie nöhtigen Umständen. Gleichwol ist dieses gewiß, daß die jezt lebende Bauren solche Fabel nicht ersinnet, sondern von ihren Voreltern als eine rraä>uon ererbet haben. Und solle hin und wieder in alten Urbarien der rothen Buchen bey Buch Meldung zu finden seyn; Weßwegen einer in die Gedancken könte gerathen, ob nicht vielleicht das Dorff Buch selbst möchte von diesen seltsamen Buchen her den Namen bekommen haben. (?) Ich meines Orts halte davor, daß diese Buchbaume eine von andern besondere Art ausmachen, (0 welche weder mit Blut der erschlagenen Cörpern ernährt werde, noch auch eines all- hier vergossenen Bluts Anzeig sey, gleichwol würdig gewesen wäre, daß man sie, wegen ihrer Seltsamkeit und angenehmen Schönheit, dem NSttkaii. (Buchinen Gott) hatte aufopfern sollen; von welchem Abgott der Römern zu sehen Mn ttitt. l.xvl. c. rc>. Mit diesen unsern blutblätterichten Buchischen Buchbäumen lässet sich meines Bedunckens vergleichen ein mit gleich gefärbten Blättern versehener Birchbaum, welcher sich findet in einem Wald, der Abtey Ranton, in der Grafschaft Stafford in Engelland, der gleichfalls zu Frühlingszeiten so roth ausstehet, als ob auf ihn wäre frisches _ A 2 Blu t (e) Diese» wird dadurch bkstäliqct / daß das Dorff Buch rmcii rochen Buchen» Baum in seinem Wapen.Schtld sükret. * (f) Die Loranici beweisen/ baß dir blosse Abänderung der Farbe IN Pflanzen keine besondere Art ausmache/ indem die Erfahrung gelehrt bat/ daß ein« gleiche Pflanze/ welche an dem einten Ort grüne Blatter und Stiehl hat/ an einem andern Ort mit rölblichten Blättern und Sliehlen hervor wächßt/ welche» auch von der Farbe der Blumen zu bemerckeii. Daher diese Buchen für «in« Variation zu hallen / welche von dem Ort«/ da sie wachsen/ herkommt» 4 Erzehlung seltsamer Natur-Geschichten Blut ausgezogen worden; daher er auch der diurrorhe Lü chbaum geucnnet Wird, Nach der ZeUgMlß Koberci NIor. disr. l-M c>f 8rst- LZp. Vl p. 207. Beyde diese Birch- und Buchbäumehaben vermuthlich eine so zusammen gepreßte gestalt ihrer Holtzzäsern, daß durch die Nahrungs-gcfässe nur allein die subtilen Theile desNähr- safts können aufsteigen, weßwegen die Röhr- und Blaslein der Blattern nicht so wol können ausgedehnt werden, daß sie alcich andern Bäumen eine grüne Färb bekommen; worvon aber bey andern: Anlaß ein mehrers soll geredet werden. -kr—- - , ".. ... ^ Von einem Kalorie, oder Ring, welcher um den Mond gesehen worden/den 5. kebruarü des l70; ten Jahrs. ^Ey Hellem Himmel ist diese Luft-Geschicht allhier in Zürich gewahret worden, von 9. Uhren Abends bis um Mitternacht, als ein breiter weißlechter Ring um den bald vollen Mond, welcher zu End seiner Erscheinung verschleime Regenbogen-Farben gczeiget hat. Es ist dieser Monds - Ring merck- rvürdig, sowol wegen seiner Grösse, als Währung, und bald gleich jenem, der zu Basel äo. 1^7. den 2?. )un gesehen worden, und auch von 8. Uhren bis n. gewähret hat, nach der Zeugnuß vsnä. ttiti. lvionttr. P 3 A. 744. Fraget man nach der natürlichen Ur- sach, so werden die Cartestaner nach Anleitung ihres subtilen Lehrmeisters Meteor, c. 9. sich viele in den Wolcken Hangende kleine runde, abgeebnete, oder auch sternförmige Eißtheilchen vorbilden, welche in obbedeuteter kalten Nacht die Luft angefüllet, und Kraft ihrer Gestalt die eingefallenen Mondes-Strahlen in gleichen Wincklen ringsweis gebrochen haben. Es will aber diese Cartesianische Ver- nünftelung der heutigen dclicaten Welt nicht ein, als welche die Zeugung obbenennter sternförmigen Eißstücklein vor allzu einbildisch und von der Natur entfernt haltet, gleich sie auch die thauichte Wolcken, darinn der Regenbogen abgebildet wird, nicht anstehet vor würckliche Tröpflein, sondern vilmehr, und mit kräftigen (indenen so genannten l^emoires cle hrevoux 1701. p. rZs. 27z. eingeführten) Gründen darthut, daß es seyen kleine runde, hole, leichte Wasserblase des Scbwekrzerlandes. s bläslein/ in welchen die Lichtsstrahlm gleichfalls können ihre Spie- lungen haben/ wie durch die Tröpflein. (^) Gewiß ist dtß, daß bey Erscheinung gegenwärtiger Geschickt die Luft mit vielen wäfferich- ten Dünsten angefüllt gewesen, welche sich innert wenig Tagen hätten können in Tröpflein oder Schneeflocken sammlen, und also das kalte helle Wetter in Regen oder Schnee verwandle», wie dann Würcklich diese Aenderung den 8. und sten diß lauffenden Monats erfolget ist/ in welchen Tagen auch das Quecksilber in denen so genannten Wettergläsern mercklich/ bey Auslährunq des Lufts, gefallen; und hieraus die muthmaßliche Wahrheit zu ziehen/ daß auf dergleichen Mondes-Ringe acmcinlich Wind - und regnichte Witterungen folgen/ welches auch die Seefahrer bekräftigen/ nach -er Zeugnuß Oampier Voyzg. 1°.I. p. 4 ys. Um so viel eher konte man die gefolgte Wetter-Aenderung die folgende Nacht den 6. Febr. vorsagen/ in welcher auch noch etwas von dem vornächtigen MondS- Ring zum Vorschein kommen ist. Ob diese Folge besser begründet als jene jok. ttaiier,, welcher in seiner Chronie kllc. acl 15;;. mercket, -aß auf solchen damals gesehenen Mond-Ring oder Regenbogen schwermüthige Zeiten kommen seyen, überlasse ich dem ^vernünftigen Leser. -tt-- Von einem Gespenst/ Welches sich auf den Surner«Alperi so! aufgehalten haben. sZS liegen diese Alpen zwischen dem Haubtfleckcn Aktors, ^ Urner Gebiets/ und der Herrschaft Engeiberg, und kom- met man dahin von Urj durch die Alp waldnachr, auf die oberste Spitze des Bergs Smenen-Eck genannt/ dessen Höhe über den Flecken Altorf meiner äo 1702. gethanen Reise gefunden Z28o. Schuhe, das wil sagen 16. bis 17. Münfterthürne, A z deren (s) Daß die Ringe um den Mond (welche sich auch elwann um die Sonne und andere Sternen reizen) von den Dünsten herkommen/ welche sich in der Luft -erstreitet aufhalten/ und eben wieder Regenbogen entstehen/ kan anr vielen Gründen erwiesen werden. ES handeln aber fast alle LMemata davon / welche man aufschlagen kan / insonderheit aber lviuücbenkroek Z. 1286. L-j. 1741. welcher auch aus seiner eigenen Erfahrung berichtet / daß nicht allemal Winde oder Regen darauf erfolgen/ wie hier oben berichtet wird. 6_ Erzehlung seltsamer lTkamr - Geschichten deren je einer über den andern stünde. Jenseits der Eck finden sich die weydreichen Surener- oder Surner- Alpen , in welchen sich vor etlich hundert Jahren folgende Geschieht soll zugetragen haben. Ein Älpler, wie die Urner und Engelberger vorgeben, soll ein gewisses Schaf von seiner Heerde so sehr geliebet haben, daß er es nach christlichem Gebrauch (eine zu lesen und zu hören erschreckliche Sach) ge- tauffet habe. Was geschiehet? Es wird aus gerechtem Gericht Gottes dieses Schaf in ein so grausames Ungeheuer verwandelt, welches Tag und Nacht dem übrigen allda wendenden Wehe so zugesetzet, daß endlich diese Alpen zu einer öden Wildnuß, und von dem Gottshauß Engelberg an das Löbl. Ort Urj um einen geringen Werth verkauftet worden. Diesem unwerthen Gast abzukommen, haben die Urner aus Etnrathcn eines fahrenden Schülers (von welcher Zauber-Gesellschaft ^sgenseii per. ^uvcnil. 5)?nc>ps. Oestzrzpk. p. ivl. berichtet, daß sie zu Salamanca in Spanien von dem Teufel selbst, als ihrem Professors, unterrichtet worden) ein Kalb neun Jahre nach einander mit Milch ernehret, das erste Jahr zwar von einer Kühe, das andere von zweyen, das dritte von dreyen, und so fort; nach verstoßenen 9. Jahren aber, durch eine reine Jungfrau , in diese öde Surner- Alpcn führen lassen. So bald dieser Mimische Stier dort ankommen , sey ein so scharffes Gefecht zwischen ihm und dem Gespenst vorgefallen, daß der überwindende Stier nach geendigtem Kampf in vollem Schweiß aus dem vorbeyfliessenden Bach (welcher daher Stierendach heiffct) mit solch hitziger Beaicrd getrunckeu, -aß er darüber auf der Stelle todt geblieben. Wer diese Fabel nicht glauben will, dem zeigen die Älpler nicht nur den so genannten Sne. rengaden in der Alp Waldnacht, in welchem der Stier mit Milch ernähret worden, sondern auch die Merckmahl seiner Klauen, welche er in währendem seinem Streit dem harten Stein eingepräget hat. Dieser seltsamen Geschicht auf den Grund zukommen, habe ich in dem Gottshauß Engelberg (dessen gegen mir bezeigte Freundlichkeit und Gutthätigkeit anzurühmen ich nicht vorbey gehen soll) steißige Nachsuchung gethan, und in alten Instrumenten von /w. 1472. 1474. und isr;. ersehen, daß eben diese Surner-Alpen den Urneru und Engelberqern gemein gewesen, so daß diese die Sommerliche oder Mlttnächtige Seite, jene aber die Winterliche oder Mittägige, besessen haben, bis hinab zu des Gottshauses Sennhütte, die Her- ren Rüti genannt; Aber um bessererKommlichkeit willen seyen beyde Partheyen dahin mit einander Verein kommen, daß führohin den Urnern des Schweltzerlandes. 7 Urneren solle zugehören der gantze obere Theil der Surenen, untren Engelbergern der gantze undere. Was aber vor benannter Zeit paßiret sey, darvon stehetz so viel man bis dahin weiß, weder in des Gottshauses Instrumenten, noch in Vaterländischen Historien nicht das geringste, welches diese Gespenst - Geschicht wahrhaft machen könte. Von dem Züricher Torff. oder Tülff ist ein alt teutsches, und dißmal sonderlich in Niederlanden übliches Wort, welches bedeutet celpirem bimminolum, ein erdwächfische, aus vielen Wurtzzäseren be- stehende, leichte, luftige, in mosachten Orten befindliche Erde, deren man fich in den meisten Niederländischen sonderlich Ver- einiaten Provinzen an statt des Holtzcs und Kohlen, zum täglichen Gebrauch in allerhand Werckstättcn und der Küche, bedienet; Dergleichen Erden findet fich auch in verschiednen Orten Franckreichs, Teutschlandes, Engellands, und denen Oreadischen Jnsuln; Und haben fich verschiedene Scribenten, als Lsrolus ksrinus, ^arrinus Lckookms, öcc. beflissen, gantze Bücher von deren Bereitung, Verschiedenheiten, Nutz und Gebrauch in Druck heraus zu geben. Eine solche Erde habe ich bereits vor vielen Jahren in verschiedenen Orten Züricher-Gebiets wahrgenommen, und tüchtig erachtet, daß fie namhaft gemachet werde, als ein Mittel, welches den anscheinenden Holtzmangel ersetzen möchte. Sie findet fich aber aus dem Wanger-Ried um Urdorff und den Ratzen-Gee herum, so zwischen Affholcern und Regenstorss anderthalb Stund von der Stadt liegt, in grosser Menge, daß man durch Mittel dieser Erde des Jahrs viel 122. Klassier Holtz ersparen, die Wälder in gutem Aufnehmen unterhalten, und manchem Bürger- und BaurS- mann damit dienen könte. Gewiß ist dieses, daß auch die Waldreichesten Orte endlich in Holtzmangel gerathen können, walln entweder der Überfluß des Holtzes mißbraucht wird, oder man nicht gnugsame Sorge trägt, die Förste und Wälder in gutes Wachsthum zubringen, oder, wann gantze Waldungen durch Unglück abbrennen; wie dieses, zu grossem Schaden der Bergwercken und andern holtznöthigen Verrichtungen, die Landschaft Schams in Pünd- 8 _Erzehlung seltsamer V7aru^ Geschichten Pündtcn erfahren; So ist die Landschaft Rheinwald vor etlich iOo. Jahren an Holtz überaus reich gewesen, nun aber mangclbar. lacirus nennet Teutschland äylviz korrxizm KeZionkm. ein rauhes mir Wäldern wol besetztes Land , wie arm es aber dißmal an Holtz sey/ zeiget die Erfahrung. Anderer deraleichen Exempeln zu geschweigen. Es ist auch dieses gewiß, daß durch allweise Leitung der Göttlichen Regierung, alles zu bessnderm Nutzen erschaffen worden, von welchen Nutzbarkeiten aber die einten früher, die andern später bekannt werden, wie dessen genügsame Exempel sind alle Bergwercke, und in vorhabender Materie des Holtzmangcls die Steinkohlen Gruben, welche hin und wieder in Flandern, Sachsen, Brandenburg, Engelland anzutreffen. Wer siehet nicht mit offenen Augen die sonderbare alles regierende Güte des Höchsten in so Vielen Veenen, Lroecst, b/losr, b/larlcb, 6oor, Vonck und , das ist, so vielen moosachtcn Erden, oder Torffgruben, welche in den Niederländischen Provinzen die einige Zuflucht bey bekanntem dortigem Holtzmangel sind? Wie verwunderlich feuret man in denen Arabisch - Egyptisch- und Afticanischen Wüsteneyen mit gedörretem Cameel-Koth? (r>) Wie muß man sich im Magdeburgischen des Strohs zum kochen bedienen ? Wer wil glauben, daß nicht auch unsere moosachtcn Ried uns im Fall der Noth können zu Hülff kommen? Sie laden uns durch ihre ordinari Unfruchtbarkeit gleichsam ein zum graben, und wollen damit anzeigen, daß unter ihrem dürren magern Binzwasen ein weit edlerer Schatz, ein wahrhafter unterirdischer Wald verborgen sey. Ich wil gestehen, daß diese meine sorgfältige Gedaneken, bey genug hoffender Zufuhr des Hoches unnöthig seyen, ich habe doch gleichwol durch geaeuwärtiM Vortrag zeigen wollen, wie die natürliche Historie ihrer: vielfältigen Nutzen dem Vaterland könne zerführen, wie oft kostbare aber in Überfluß vorkommende Sachen nirgends hin geachtet werden, nach dem alten Ausspruch SenecL i^id. Vll. diät. HuXli. cap. i. Ils compllllN siimus, ul nos czuoliäianz^eliamtl acimiracione lligna lum, lr3n5e»m, contra minimsrum czuogue rerum, ll rnsolkJ pioclierum, speLlaculum clulce 6sc. h. i. Wir sind also ge- arrer, daß wir die Sachen, welche täglich vorkommen, ob sie _gleich (b) Auf den Coromandelischeo Küsten braucht man an statt dr- Brennhölzer Kühe» Loht / und in dem Bündnccischen Loal AverS Schaf Mist. In dem Uc. stier Th^l und aufdem St. Gonhard Berge brennen sie gewisse kleine PAaiijeir/ wovon in der Bcrg>Sielst von 17--;. kan nachgesehen werden. _des Schweiyerländes. 9 gleich merckwürdig, nicht achten, hingegen die geringste aber ungewohnte Dinge, mir verwundernden Auqen ansehen. (i) l. Theil. B " Von (i) Zu der Zeit/ da der Verfasser dieser geschrieben/ wüßte man hier noch wenig von dem Torff/ welcher jezt überall gemein worden / und mit grossem Nutzen gebraucht/ auch an mehr als -o. Orten gegraben wird. Man hat hier neulich auch angefangen dieselben zu verkohlen/ und es ist zu wünschen / daß man damit fortfahre/ und den Gebrauch davon gemein mache; denn nach den Proben/ die der Herr von Larlowtz mit den Sächsischen Torff- Kohlen ge. macht / sind dieselbe zum wenigsten so gut als die Duchen-Kohlen; er hat damit tn dren vrerirl Stunden so viel im Schmelzen auSgericht/ als man mit den Holz-Kohlen in einer Stunde thut. S. Tartowi; Anweisung zur wilden Baum-Zucht. Bl.4zo. Weil unser Verfasser über diese Materie kurz ist/ so wil ich noch ein paar Worte davon sagen: Man wird »orderst begierig seyn zu wissen / was der Torff seiner Natur und Ursp ung halber sey; ob er eine besondere Art von Erden sey/ oder ob man seinen Ursprung in dem Pfiantzen-Reich suchen müsse. Alle Beob» achtungen/ die man davon machen kan/ stimmen darin überein/ daß sie zeigen/ der Ursprung des Lorffs sey von den Pstantzen herzuleiten. Der Augenschein zeiget nichts anders als Wurzeln von Pstantzen/ und etwas von solcher leichter Erden/ welche von verfaulten Pstantzen entstehet/ daß also zu vermuthen/ der Torff sey in den alten Zeiten noch nicht da gewesen/ wo man ihn stndl/ sondern er sey nach und nach zugewachsen. Dieses wird durch die Beobachtung des bemeldten Hrn. von Carlowiz bestätiget/ welcher auf dem Grund/ da man Torff abgestochen / noch Stöcke von abgehauenen Bäumen angetroffen ha» / über welche der Torff hrrgewachsen ist/ welches auch an andern Orten ist beobachtet worden. ES fragt sich aber / wie er mlt diesem Wachsthum hergegangen. Ich solle fast vermubtrn/ daß au solchen Orten/ wo jezt der Torff gefunden wird/ ehrmalen fast nichts al» Moos und einige andere Pstantzen/ welche dl« moosichlen Ort« lieben/ gewachsen. Da hat nun leicht können geschehen/ daß der ausgefallen« Saamen auf dem bald vrr» faulten Moos aufs neue hervor gewachsen/ und so wurde der Boden um etwa- höher; »m andern Jahr gtenqr es wieder so/ und so fort/ bis endlich dieser Boden auf etliche Schuhe hoch / wie an einigen Orten der Torff stehet/ an» gewachsen. Daß ein solcher Anwuchs nicht unmöglich sey/ zeiget ein fast gleiches Exempel an einigen kleinen Seen/ die ich selbst gesehen / diese sind von M00S und andern Kräutern nach und nach so überwachsen worden/ daß sie seil viel kleiner sind als vorher/ und sich noch muer das Moos/ über welcher man jezt kan gehen / erstrecken. AuS diesem läßt sich auch die Frage beantworten / ob der Torff wieder nachwachse / wenn er einmal weqgestochen ist Er kan nemltch wieder anwachsen / wie er vorher gewachsen ist. Daher denn an rrnigen Orten m Holland und Sachsen dir kleine Stücke wieder auf ein neues zum Wachsthum angelegt werden. An eintgen Orten ist der Boden/ darauf der Torff gestanden / zum Ackerbau bequem / wie man denn würcklich tu unserm Lande fruchtbare Arckrr zeigen kau/ auf welchen vor weniger Zeit Torff ist abgestochen worden. Erzehlung seltsamer Natur. Gesch ich kett ro Von den Vorbotten des Regens. N dieser Wissenschaft werden die nas-weise Sterngucker von unsern gemeinsten Bauren weit übertreffen. Jene gründen ihre in den Calendern stehende Wetter-Propheceyüngm auf eitele, in ihrem eigenen Hirn gesponnene, in der That falsä-r Grundsätze, da diese allein auf die Natur, auf- und absteigende Wolcken, auf die Beschaffenheit der Luft, auf das Verhalten ihres Viehs, und andere dergleichen vor ihren Augen liegende Dinge Achtung geben. Einfältig- kluge Leute, welche die Stermvürckungs- weise lauffen lassen so viel hunderttausend Millionen Meilen, als die Irr-und Fix-Sternen von der Erden entfernt stehen, indessen die vor ihren Nasen liegende Natur-Schrift deutlich und glücklich lesen. Es müssen die heutigen Natur-Forscher gestehen, daß sie von solchen ehrlichen Leuten mehr lernen, als von den gelehrtesten Professoren auf den hohen Schulen. Ja, was wil ich sägen von den Baureu, es find, nach gewisser Art zureden, die unvernünftigen Thiere selbst verständiger in Vorkündung des Regens, als die berühmtesten Sternweise. Oder, ist nicht wahr, daß gemeiniglich ein Regen erfolget, wann die Hüner oft pipen, oder zeülich in ihre Ställe sich begeben, oder am Morgen nicht leicht unter dem Dach hervor wollen; wann die Schwalben nieder fliegen, und gleichsam an der Erde anstoffen, Oder ausden Wassern daher fladern; wann die Enten und andere Wasser-Vogel sich oft eintuncken; die Spatzen unter einander schreyen; die Nachtigallen Abends, und die Frncken Morgens frühemit ihrem Gesänge sich hören lassen; andere Vogel sich änderst verstellen? Ist nickt wahr, daß auch die vierfüßigcn Thierc uns den bevorstehenden Regen anzeigen: die Schaafe mit begieriger Auffressung des Grases; der Wolf mit seinem Heulen; das Raibmtt Springen; der Ochs mit Brüllen, das Schwein mit langem Verweilen im Schlamm; der Hund mitAufscharrung der Erde; die Laye mitLeckender Beinen ; viel andere Thiere durch vieles hin und her lauffen; die Frösche durch vieles quacken? Die stummen Fische reden von vorstehenden Platzregen durch ungewohnte Sprünge allster das Wasser. Es empfindet selbst das kriechende und fliegende Ungeziefer die Wetter-Aenderungen, und zeiget sie an, die Sommer-Vogel zwar durch vieles hin und her fliegen; die Ameisen , wann sie aus Sorgfalt ihre Eyer II des Schweiyerlandes. bald da bald dorthin tragen; die Mücken, Schnaken, Flöhe und andere dergleichen Thierlein heftig stechen; die wurme aus der Erden kriechen, und so fort. Dieses gewahren wir alles so wol in-als ausser dem Schweizerland, und kan stch ein verständiger, in heutigen Grundsätzen geübter Natur-Forscher, wol darein sinden, wann er bedenckct, daß alle Thiere von dem Schöpfer mit einer so zarten und kunstreichen Gestalt begäbet sind, welche alle äussere Aenderungen imd Eindruckungen der Luft viel eher und stärcker empfinden, als wir Menschen, wie denn unter uns diejenige gewisse Wettcrdeuter find, welche ehmals verwundet worden, oder gichterischen Bewegungen unterworffen find, oder sonst andere kräncklichte Arten an sich haben. Bey deren Beschreibung ich mich nicht länger aufhalten, sondern unmittelbar zu einigen besondern, hin und wieder in Eydgnößifcheu Lau- den befindlichen Vorbottcn eines nächst- könftigen Regens fortschreiten werde. Dessen vornehmste und gewisseste Anzeige find die Wolcken, wann die sich in die liesse Luft herab lassen, und an den Bergen umher kleben. Dieses gewahren wir allhicr an unserm nahe bey Zürich gelegenen Aldis, sonderbar aber bey denen hohen Alp-Gebirgen, welche als eine fruchtbare Zeugmuttcr der Wolcken, Flüssen, Seen, Bächen und Brünnen können angesehen werden. In dem Gotts- hauß Engelberg sehen sie einen Regen vor, wann die Wolcken um den Berg GchaUistock hangen bleiben, oder, wann andere Wolken von grauer Färb von Umerwalden her durch das Thal einmarschieren, da sie dann pflegen zu firgen, der Thalvogr, item, der graue Thalvogt kommt. Zu Filisur in Pündten hat man folgendes Sprüch- Wvrt. Lura ch',1 pur clz §liervi fo cliiapi, iclii laicka cler ia iorckcb Lr pißiia ii rzlli. das ist: Wann die oberste Spitze des Bergs Stirwis, welcher ohngefehr zwey Meilen weit gegen Abend von Filisur abstehet, eine Lappe auf hat, oder mit Wolcken gleich eitler Kappe Ultl- geben, so wirff die Sense (darmit man das Graß pflegt abzumähen) hin, und nihme den Rächen, das abgeschnidtene in Haussen zu sammeln, und also vor bevorstehendem Regen in Sicherheit zu bringen. M Dell Einwohnern zu Nuffenen, eurem Dorffim Rhein- B 2 wald, (lc) Fast ein gleiches nihmt man wahr an dem berühmten Blocks- Berg an dem Hartz in Deutschland. Wenn verseiln des Morgens frühe brauet/ (wre die Einwohner sagen) das ist/ wenn er mit einem dicken Nebel bedecket lst/ fo regnet es diesen Tag über gewiß. Hingegen/ wenn er zu bemeldter Zeit ohne uuen Nebel ist/ so folget .ic»rn,i klebende Wolcke eine gewisse Vorzeig eines «merk einem halben Tag, oder des künftigen Morgens, kommenden Regens. In dem Obern Engadin ist ein grosser See bey dem Dorfs Silo, daher auch 1l bsZo cki 8ii>o, der Mitsei-See genannt, zwischen beyderseits hoch aufsteigenden Bergen eingeschlossen; wann sich die Wolcken auf denselben herab lassen, nehmen die Einwohncre Anlaß fich auf bald kommenden Regen zu rüsten. Bisher eingeführten Erfahrnuffen scheinet zuwider seyn, was von dem berühmten nahe bey Lucern ligenden pilmus, Berg schreibet foii. CM M Beschreibung des Lucerner, See. p. 252. Daß nach der Bey- wohnern gemeinen Redens-Art Das Wetter fein und gut, wann der pilams hat ein Hut. Da aber zu mcrcken, daß dieser Berg so hoch, -aß die Wolcken sich müssen werter an die Mittelwände desselben herab lassen, wann der Regen bevorstehet. Es liegt aber nicht wenig an der Lage der Bergen, und unterliegenden Thälern, und Beschaffenheit der regierenden Winden; deßhalben ich wünschen möchte, daß hier und da in Eydgnößischcn Cantons, oder den untergebenen und Zugewandten Orten, sich curiose Leute funden, welche auf solche Bewegung oder Stillstand der Wolcken steißig wurden Achtung geben, und zugleich, nebst den Winden, auch die Grad des steig-und fallenden Quecksilbers in den so genannten Wetter-Glasern verzeichnen, damit man nach und nach zu gewissen Regeln schreiten, und aus denselben die in jeder Gegne vorstehenden Witterungen muhtmaßlich vorsehen könte, woran gewißlich den zu Wasser und Land Reisenden, in Holz, Feld und Rebbergen Arbeitenden, und andern in andern Geschäften Begrifferien, sonderbar auch den Aertzten, nicht wenig gelegen. Fraget man nach den natürlichen Ursachen oberzehlten Begebenheiten , so sind dieselbe unschwer zu fassen; wann man nach den Grundsätzen der heutigen Natur-Wiffenschaftbedencket, daßdie Wolken in beständigem Gleichgewicht seyen mit der Luft, folglich sich tief- fer curios. (Ü3P. VI. p. l 4; . Wenn der berühmte hobt Berg pico in der Insrrl Teneriffa/ unter der Regierung drsNordwest.WindeS/ mit einer Kappe bedecket ist/ so folget ein Sturm. 8prat ot rbe 8ocier/ p. * Wenn an dem PilatuS-Derg die Höhe der Rigi mit Nebel bedeckt ist/ so nehmen sie es vor ein gewisses Zeichen der bevorstehenden Regens. des Schwekyerlandes. _ iz fer herunter lassen, wann diese leicht, und höher steigen, wann sie schwer, welches anfänglich widersinnig scheinet, aber leicht zu verstehen ist, wannmanweiß, warum das Quecksilber im Wetter-Glaß falle, wann die Luft mit vielen wässerichten, bäldest in Regen sich verwandelnden Dünsten angefüllet, folglich schwer ist, hingegen bey Hellem Himmel steiget? (> ) Worvon aber dißmal zu reden die Zeit es nicht zulassen wurde. Es dienet diesere unsere Betrachtung nicht nur zu deutlicher Verstehung vieler in der Welt hin und wieder vorkommenden Begebenheiten, als da auf dem Vorgebirge der guten Hoffnung in Africa das so genannte Ocbsen'Aug ein aufdcn Tafelberg sich herab setzende, anfangs klein scheinende Wolcke, die auf dem Meer sich befindenden Schissleute warnet, daß sie die Segel einziehen, und dein bevorstehenden Ungewitter vorkommen; sondern auch zu Erklärung vieler Texten Heil. Schrift, welche ich den Gotteslehrern überlasse. Es folgen noch andere Vorbotten des Regens, welche ich hin und wieder, sonderlich von den Einwohnern der hohen Alpen, vernommen habe. Zu Eleve, einem der dreyfachen pündmerischen Republic Bott- mäßigkeit untergebenen, oberhalb dein Chumer-See gelegenen schönen Ort mercken die Einwohnere eine regnichteLuft, wanndieThüren- Schlöffer und Riegel an ihren bekannten Grotten oder Wein-Kellern schwitzen, oder feucht werden, nämlich von vielen in der Luft schwebenden, an die Keller-Thüren anpütschenden, und an dcm Eiseuwcrck, bey Alllaß der entgegen stehenden inwendigen Kälte der Kellern in Tröpflein sich sammelnden wässerichten Dünsten; welche Begebenheit man auch in andern Wein-Kellern bemercken kan. B z Die (1) Der Verfasser scheinet hier eine leicht« Sache durch ein« weit schwerer« zue» klären. Denn daß die Wolcken höher in der Lust steigen / wenn diese schwer ist/ alt wenn sie leichter wird / läßt sich gar wol brgreiffen/ ohne den Baro» Meter oder das Wetter.Glas um Hülste anruruffrn. Über diß könte man aus dieser Steile leicht schließen/ daß daS Quecksilber in dem Barometer fall«/ wenn die Lust schwer ist/ welches doch gerade im Gegentheil sich verhallet: denn je mehr Dünste in der Lust sind/ welche dieselbe schwermachen / je mehr muß auch das Quecksilber steigen /weil ein schwererer Last daraufligk. Dieser Aast rüget sich bey lange anhaltendem Hellem Wetter/ da denn unstreitig die Lust mit sehr vielen Ausdünstungen angefüllet ist/ weil sie sich lange nicht ge. reiniget hat. Du Erfahrung aber lehrt/ daß dennrumal das Quecksilber am höchsten ist/ welche- fällt/ so bald als die Dünste herab fallen. Sehet tn der ersten Reise die Beobachtung / welch« der Verfasser auf dem Schwritzrr» Hacken gemacht hgt. Bl. >». nach der Lateinischen Ausgabe. ich Erzehlung seltsam er V^amr- Geschichten Die Älpler halten für sichere Zeichen eines einfallenden Regens, wann die von hohen Bergen sich stürtzende Bäche und Wald- wasser ein stärckeres Geräusche machen, als gemeiniglich: Wann -äs anaezündete Holtz mehr als sonst krachet und praßtet; wann rie Gemsthiere stch voll den höchsten Bergspitzen in die Liesse herab lassen; wann der Firn oder das beständige Berg-Eis brütet. Das zu Auflösung meist oben und jetz erzehlten Begebenheiten nöthige Fundament gibet die Betrachtung der innert den Cörpern enthaltenen, so auch äußern Luft an die Hand: Wann diese in ihrer schwer-drückenden Kraft abnimmet, so wird jene sich ausdehnen, ihre Liiilliciter ausüben, die Holtzzäsern und Eistheilchen des Firns auseinander treiben, die Gemsthiere dahin leiten, wo sie eine dienlichere Luft antreffen Athem zu holen, und so andere dergleichen Dinge in der Natur verrichten, welches uns Anzeigungen geben können bevorstehender Aenderungen des Wetters. * L-vnc-vc-ococoo-Incoooc-oc-yoyc« Von dem Pilatus-Berg im Lucerner-GebLet. (m) Berg, so einer von den berühmtestenim gantzenSchwei- zerland, und von mir zum öftern bestiegen worden , werde VLxx in form einer von Lucern aus gegen das Underwalder, Gebiet vorgenommener Reise beschreiben, damit sich dieser Beschreibung einige Liebhaber an statt eines Wegweisers bedienen können. Der Anfang dieses Bergs (so sonst auch xion5 kUsälus, Lracmüm, krzcmonr, Lracmum genennet wird, und wol unterscheiden werden muß von einem andern Pilams-Berg bey Lyon in Franckreich, welchen loksnnes äu cnoui in einem besondern Tra- etätlein beschrieben hat,) wird gerechnet i. oder anderthalbe Stunden von Lucern. Von -annen gehet man durch unmuthige Wälder, Wiesen und Bühel, nebst einem verstörten alten Schloß (welches von * Man kan von dieser Maler» weirerr nachsehen in der Verfasser- lVlereoroZm ttclv. p. 17. und in der Uten Berg-Reise Bl y-. u. ff. (m) Siehe auch ein mehrers von diesem Berg in der V. Berg.Reise Bl. 497. u.ff. der alten Latein. Ausgabe/ woselbst wir VaS mehrere angemerkt haben / wetz cheS rur Beschreibung dieses Berges dienet. des Gchweitzerlandes. 15 von einem Engelländer sol besessen wordeir seyn ) in das Evenchal, welches eigentlich heisset Eigenchai, weilen es noch jetzund Zehenden frey, und vor altem sol ein Hoch-Gericht gehabt haben, so gestanden in einem Ort, Gaigenknobli genannt. In diesem Thal sind verschiedene Senken, mit darzn gehörigem Viehe, und Sennen. Von diesem Thal steigetman nicht ohne Mühe obsich auf den Berg, findet an dem Wege, und erquicket die vom Steigen müd gemachte Beine mit Cryftall-lauterm Brunnenwasser, welches man in ziemlicher maß kan einfchlucken, ohne daß es dem Trincker schaden thut. Unter denen heißt einer der Badbrunnen in Slarcerfthwendi. Ein anderer ist der Rallwehebrunn, dessen Wasser man starck bis zu Erweckung eines Aberwtllcns wider das kalte, sonderlich dreytäqiqe Fieber, zu trinckenpflegt. Aufdcr obersten Höhe des Bergs (welche ich 4.172-. durch Hülff -es Wetter-Glases über die Stadt Lucern wenigstens 2800. Schuhe erhoben gefunden habe) * und gegen die Güpft wird ein Felsen gezetget, aufwelchem Mlatus sol gesessen seyn, und fchwere Donner-Wetter erreget haben. Weiter kommet man zu einem kleinen Platz, auf welchem niemalen kein Graß sol wachsen, obgleich rings herum alles von fruchtbaren Krautern grün aussiebet. Dergleichen Graß-leereOrte haltet man gemeiniglich vor Hexentäntz-Platze, worden andcrftwo zu reden vorfallen wird. Und wird auch von diesem ins gevierte anderthalb schäbigen Ort vorgegeben, es habe sich dort ein fahrender Schüler gcftellet, als er den Pilatum von seinem Felsen herab beschworen, und in den so genannten Pi arus.See gestürzet. Von dieserm See wird zu einer gelegener» Zeit ein mehrers geredet werden: Dißmal berichte allein, -aßmanvor i oo. und mehr Jahren darfür gehalten; wann man einen Stein, odersonftetwas dergleichen, in denselben werffe, so werde der alldort versenckte zornige Pilatus sich hervor machen, und ein schweres Ungewitter über die benachbarte Landschaft erwecken; weßwegen auch vor diesem niemand hat dörfen diesen Berg besteigen, ohne vorher vom Lobl. Magistrat zu Lucern genommene Erlaubnuß, und sind auch die um den See sich aufhaltende Sennen beendiget worden, nichts irr denselben selbst zu werffen, oder von andern hinein werffen zu lassen. Hcutigs Tags aber hält man diese Geschichten alle für Fabeln; man wirffet ohne Scheuh Holz, Stein und andere Sachen hinein, ohne daß einiges Unglück -eßhalben erfolgen wird. —__Nicht * Hernach Hai der Verfasser durch ander« Versuche die Höhe desselben 4604 ge» funden. D. OreoZraplÜL blelv. Bl.ro;. r6 Erzehlung seltsamer Vlarur-Geschlchten Nicht weit von des Watt See zeiget man in dem Felsen am Weg zwey Zeichen/ die sehen aus/ als wann ein Pferd mit dem Fußeisen starck angesetzet hätte/ und giebet vor/ daß der leydtge Satan mit dem Ptlato also ftarck angefahren sey, daß darvon die Zeichen des Fusses als ein Merckmal geblieben. Von hier gehet man ungefehr eine Stundewegs auf eine andere Berghohe/ Miderfeld genannt, auf welcher gantze Felsen zu sehen/ die von lauter zermürseten steinernen See-Muscheln zusammen gewachsen; ein sicheres Bewctß- thum / daß die Wasser der Sündfluth auch über die Spitzen dieses hohen Malus-Bergs hergefahren/ und diese Muschelsteine zu einem immerwährenden Gedenckzeichcn hinterlassen. Unweit von diesem Ort findet sich das Monloch, eine Anfangs enge/ inwendig aber weite und in die ioo. Klafter langeBerghöle/ welchem, die höchste Felßwand gehet, die gegen dem Unterwaldner Land stehet. In dieser Höhle tropfet beständig ein Wasser ab/ welches steh in eine milchweiß leichte, luftige Materie verwandelt/ welche anfangs weich ist, hernach aber an der Luft trocknet/ und l-.ac i-un-, Mon- Milch ge- nennet wird / auch dienstlich ist zu allerhand Kranckheiten, worvon zu andern Zeiten ein mehrers. (*) Auf der andern Seiten des Bergs steiget man durch schöne fruchtbare Alpen ab gegen Alpnach, einem Flecken des Umerwalvner Gebiets. Es ist noch dieses von dem Pilatus-Bera zu bemelde,,/ daß unser weltberühmte Lonraäus 6ek- nerus von ihm ein gar artiges Tractätlein in Lateinischer Sprach beschriebe,,/ so gedruckt worden in Zürich/ 15^. ^0. - ' - (M Von dem stürmigen Hornviehe. lZS tragt sich ctwan z,,/ daß die auf hohen Alpen wcvdende Rühe bald still stehen/ wie ein Stock/ bald in die Runde sich bewege,,/ und dem rauschenden Wasser nachgehe,, / (n> an dem ye hernach still halten / gleich als ob sie von dem Geräusch des vorbey fließenden Bachs eine sonderliche Lust empfunden. Bey solchem Zustande rüstet sich der beruffcne Vieh - Arzt zu einer einfältigen und doch gefährlichen Operation, welche an den Mensche»/ wiewol sie an ihnen auf künstlichere Weise geschiehet, eine (*) S. auch in der s. Berg. Reise Bk. 2;. nach der kat. Ausgabe. (n) Sir werden daher im Glarner.Land umgehend genenni/ fönst anch hirv- mürhi^/ vielleicht hirnrvürtg. * _des Schweiger-landes. _ ry eine^repznsuon,oder Durcdbohrung der Hirnsalecheissct. Anstatt des Irepgns bedient er stch eines gemeinen dicken Bohrers oder scharf- fcn Messers/ womit er erstlich und gemeinlich in mitten der Stirne die Haut von dem Bein schelet/ hernach mit gemächlicher Umdrehung die Hirnschale durchbohret; wann diß geschehen/ und die sogenannte Our» i^Aker, oder harte Hl'rnhäuriem bloß vor Augen lieget/ so nimmt der 0per»wr ein vor das Loch kommendes/ oder sonften zwischen der Hirnschale und dem Hirnhäutlein liegendes, mit Wasser angefülltes Bläslein (ttyckus) hervor / oder ziehet selbiges mit einem Drätlein heraus- verbindet darauf die Wunde, und heilet den Patienten. Wann das Wafferbläslein seitwärts auf dem Hirn lieget/ und auch folglich die Durchbohrung sicherer auf selbiger vorgenommen werden kam so gibt der Arzt achtung, wie das stürmige Vieh umlauffe/ und bohret alsdann auf der inneren Seiten des Creyses die Hirnschale durch, (o) Es ist aber zu bemercken- daß nicht alles stürmige in die Cur genommene Viehe darvon kommt- solidem mehrmalen auf die Kranckheit der Tod erfolget- wann entweder die Ursach der Kranckheit nicht kan weggehoben werden- oder der Arzt mit seinem Messer das sehr empfindliche Hirnhäutlein verletzet. äo. 1699. hat es sich zugetragen- daß in der Herrschaft En- aeloerg ein Gemsrhier sich von den hohen Berg-Klippen in die Liesse herab gelassen- und unter das zahme Vieh genähert- mit ihnen geweydet- und sich auch nicht mit Steinen von bannen wegtreiben lassen: Nachdem es von dem Jäger erschossen, und irr das Gotts- hauß gebracht worden, hat man aufdem Hirne auch ein solches Was- serbläslein liegend gefunden, welches vermuthlich dem Gems seine forchtsame Art benommen, und selbiges gantz dumm gewachst hat. Eß888888888888888888888888888888888B> Von Abmessung der Berg-Höhen. E^Ch werde mit nächstem erweisen, daß unsere Gotthardische und andere in dieser Gegend liegende Schweizerische Gebirge vor die höchsten zu rechnen seyn in gantz Europa, und wil ich die, theils von den Ursprüngen der Flüssen, theils l. Theil. C von lo) Sonsten erfahren die Operarorer auch denOri dei BiäSlein- durch Auklopftmg mit den Fingern. * iZ Erzehlung seltsamer N^amr-Geschichten von würcklichen Meß-Proben/ theils von beständiger Währung der Schnee-und Eiß-Bergen hergenommene Beweißgründe allhier nicht anführen, pnivb.us und 8cr3bo, zwey Griechische berühmte Geschicht- und Erd-Beschreibere, haben diese Wahrheit wol erkennt, wann sie von der: grösten Bergen des Grie'chenlandslaygero, ^c«o, ?grnzllo, OI^mpo, kelio , und Ilboäopo jn Hirscia gemeldet, -aß jeder derselben in einem Tag könne überstiegen, und selbst in einem Tag rings umgangen werden, da hingegen man an der: Alp- Gebirgen fünf Tag zu steigen habe, verstehe von der niedersten Tieffe, zum Exenrpel gegen Italien, bis auf die oberste Höhe. Dann hier un Vorbeygehen zu mercken, daß die hohen Gebirge ihre verschiedne Absätze haben, und zum Exempel der Gotthard nach der gemeinen Redens-Art in dem Urseren-Thal ob Hospital angegangen wird, eigentlich aber seinen Anfang unten zu Sillenen, oder gar zu Morst nimmt. Ja es lieget selbst dieser Haubtflecken des Urner-Lands auf einer hohen Berg-Ebne in Ansehung anderer niedrigern Teutschen oder Frantzösischen Landen, und ist eines jeden Bergs oder Orts eigentliche Höhe gegen den niedersten Gegenden, oder den Norirom des Mittelländischen und Teutschen Meers zu rechnen, worvon muten mit mehrerm. Wir Menschet» sind also geartet, daß wir in Untersuchung der Wahrheit ftlten das wahre Mittel treffen können. Grosse Dinge wissen wir meisterlich zu vergrößern, und geringe unter behörige Maß zu verachten. Hohe Berge müssen grosse Wunder haben, und entweder gar vergöttert werden, oder wenigstens grosse Götter, und Heilige, einen )u>)l'rer, Oonksr^m, LsrnKsrNum, zu Schutzherren haben, darbey bleibt es nicht. Bey alten und neuen Scrk- bentenfinden sich aufhoben Bergen Sachen, welche ein mühsamer und den Allgenschein selbst einnehmender Liebhaber der Wahrheit den Fabeln zuzehlet. Von dem berühmten Berg Oiympo schreibet 80- iinus, daß auf dessen Spitze ein dem jupirer geheiligter Altar , auf welchem die abgelegtcOpfer-Ascheweder von Winden zerstreuet, noch von dein Regen befeuchtet werde, sondern das gantzeJahr hindurch still liege, daß auch andere dem jovi geweyhete Opfer unversehrt, und ohne Fäulung, bleiben: gleich auch die in Asche geschriebene Buchstaben nach Verflieffung eines Jahrs annoch zu sehen seyen; welche seltsame Begebenheit l-ucsno und Qsucüzno Anlas gegeben diesen heiligen Berg über die Wolcken zu setzen, hiemit an ein solch hohes - «i -(: / / / / / / l 1 XX X. r V > 8 ^ »X. XX. 'X ' i l, ' Xx > », .--k<» - - X '^Xx 'X.'' tXx >- s> Lx'X ^ ^ .. XL'- ^ l -X. ^ ' X -'. ' ... > ' ' '/ ' .->. ''' ^ X-- .X .- ^x 1k X. ' ' X"' * ^ ^x '-^x v .. ^ ^ / '' F>. . .. >«x >x . vu, der also hiervon schreibet; d/e vero^uZis sppropinquzbsnc, quoll rsrum in sliis locis esscr, gcleo omni conteLla Kebulä, ur k>3U«l tccüs qusm no- Liurno innere impeöiremur. Es widerfahret diß oft den Berg-Re^ sendcrr, daß die einfallende so genannte Nebel, oder eigentliche Wolken, den Fortgang der Reiß verhindern, weßwcgen die Aelpler der: Reisenden einrathen, daß sie bey Heller Luft die Berge besteigen, weilen, warm ein Nebel wurde einfallen, sie nimmer tonten fortkommen, sondern in einer Senn- Hütte, oder Gaden, zu bleiben gezwungen wurden. Vor: der Wolcken Höhe irrtheilen diejenigen am sichersten, welche nichts gewisses setzen. Des Sommers sind sie erhobener, des Winters tiesser, also daß sie sich auch bis auf die Erde herab lassen. Und zu gleicher Zeit schwebet je eine über die andere, also daß oft einer durch verschiedene Wolckcn auf einen Berg steiget, und auf grosser Höhe die Wolcken unter ihm sehen kan. Es kän deßwegen sich et- wann zutragen, daß einige niederige Wolcken sich in Regen und Schnee auflösen, die obere aber qarch und ausgedehnt bleiben, in welchem Fall einer auf einem hohen Berg in schön Heller Luft unter sich scher: rar: einen Regen ins Thal fallen, welche Begegnuß ich oft mit eigenen Augen gesehen; und ^b-irella cle Kez. -:er. cap. 8- auf dem Vc- nus-Berg im Paduanischen: Hiccolomineus lle kkreor. cäp.n. auf den Apenninischen Gebirgen. Wann eine Anzeigung hoher Gebirgen auch unter anderm die frühe aufsteigende und später niedergehende Sonne ist, wie deßwegen der t^lius und bey den Alten berühmt sind, daß man aufdiesen Bergen die Sonn gar frühe, gleich als aus der Nacht aufsteigen sehe, C 2 so 2o _ Erzehlung seltsamer tIatur Geschichten. so können auch wir daher von unsern Schweitzerischen Alp-Gebirgen schließen, daß sie sehr hoch seyen, weilen in der sommerlichen Sonnenwende die Nächte sehr kurz sind, und die Sonne eine kleine Zeit unter dem »onronr bleibet, wie diß ins besonder angerühmt wird von dem hohen Säntiö in der Grafschaft ToMenbura. Endlich auch lasset sich von ungemeiner Höhe unserer Berg-Firsten urtheilen, wei, lcn sie von den angräntzendcn Orten Italiens, Frankreichs und Teutschlands gesehen werden; welcher anmuthigen Aussicht der gewaltige Heerführer tt^nnikzi sich zu seinem Vortheil zu bedienen gewußt , als er aufden hohen Alpen seinen abgematteten Soldaten das lust-und frucht-volle Italien gezeiget, und sie dardurch zu fernerer Ausführung seines Vorhabens angefrischet. Aus bisherigem ersehen wir, daß unsere Schweizer-Gebirge sehr hoch, ja über alle andere Europäische sich in und über die Wolcken erheben. Mit diesem aber ist ein curioses Gemüth noch nicht zufrieden; es verdienen diese Berg-Höhen in Ruthen und Schuhen abgemessen zu werden, welches ich nun also ins Werck zu richten gesinnet, daß ich der Manier halben eine gründlich-einfältige Unterweisung geben werde, und jedermann sich dieses Unterrichts selbst zu Abmessung derjenigen Bergen, welche er zu besteigen Anlas oder Lust hat, bedienen könne. Die Arten oder Manieren, mit welchen man die Berg-Höhen abmessen oder in Erfahrung bringen kan, sind sonderlich zweyfach: die einten Geometrisch, die andern Physikalisch. Jene geschehen durch Hülff Mathematischer Instrumenten, als da sind Quadranten, halbe Zirckel, Tischlein, mit welchen man aus den Grundsätzen der 1'riZonomerrie, oder Wissenschaft, und Ausmessung der Triangeln, oder auf Mechanische Weise ohne Rechnung die Höhen der Bäumen, Thürnen, Bergen kan erforschen. Diese Mcß-Art ist von allen alten und neuen Mathematischen Natur-Forschern gebraucht worden, und habe auch ich in meinen sonderlich erstem Berg-Reisen nebst andern zu meinem Vorhaben dienlichen Instrumenten allezeit einen in Grad und Minuten abgetheilten Messingen halben Zirckel mit geführt, und darmit hier und da allerhand Proben gemacht. Nach der Zeit habe ich dieses Instrument zu Hause gelassen, weilen mir erstlich die Erfahrung und hernach auch die Vernunft gezeiget, dass die Geometrischen Instrument theils beschwerlich, theils betrüglich, und die darmit vorgenommene Meß-Arten an diesem Ort unzulänglich seyen. Hier habe ich wegen Enge der Thälern, dort wegen des Schrvekzerlandes. 2l wegen allzu grosser Haldung ihrer Flächen nicht können zurecht kommen, welche mir selten zugelassen, eine nach Proportion der Höhe in eine ttorinromsi Länge sich ziehende Stand-Linie zu setzen. Beuchen war mir unverborgen, daß ein Fehler von etlichen Minuten, welcher sonderlich bey Siftrnmenten von kleinem Durchmesser fast unausbleiblich an der Senckel-rechten begehrten Höhe der Bergen von mercklichem Nachdruck ist. Dieses alles aber hätte mich von dem Gebrauch dieser Mcß-Art noch nicht abwendig gemachet, warm ich nicht in reiffer Nachtrachtung wichtigere Gründe gefunden hätte, dar- von abzustehen. Ich bemcrckte, ob ich gleich allen möglichen Fleiß bey den Operationen angewendet, daß die Berge nach gemachter Triangel-Rechnung viel höher herauskommen, als sonst natürlich möglich, öder dem blossen Ansehen wahrscheinlich, oder mit andern Proben zu vergleichen war. Irr mehrerm Nachdenckcn beredte ich mich, daß die Sonnen-oder Licht-Strahlen, welchevonden Spitzen derBergen in die Thäler fallen, und bisher von den 6eomem8 oder Feldmessern vor gerade Linien angesehen worden, aus unzehlich viel geraden gebrochenen, oder krummen Linien bestehen, (p) Es lasset sich die _C-Z_Sach (p) Damit dasjenige/ war indem folgenden wird gesagt werden / allen Lesern deut» sich sey / ist nöthig folgender vorher ru bemercken. Die Erfahrung hat un» gelehrt / daß die Lichtstrahlen ihren Weg ein wenig verändern/ wenn sieaui einem Cörper in einen andern gehen / der in Ansehung der Dichtigkeit von dem erstem unterschieden ist/ nemltch der Strahl weichet von der Srnckel rech. ten Linie ab/ wenn er aus einem dichtem in einen dünnern Cörper/ z. E. au- dem Wasser in die Lust geht/ hingegen kommt er der Senckel-rechten näher/ wenn er aus einem dünnern in einen dichtem Cörper fallt. ES sey r- Er. in der«. Figur 2 ein mit Luft angefüllter Raum/ /^O ein Lichtstrahl / welcher durch die Luft >n das Wasser X fällt/ wenn er in einer geraden Linie fortgienge/ so müßte er in dem Wasser von O nach b gehen/ weil /^Ob eine gerade Li« nie ist; die Erfahrung aber lehrt/ daß er bey O gleichsam gebrochen werd«/ und seinen Weg nach 8 nimmt / also daß die Linie 06 näher bey der Scnckel« rechten 0 O stehet/ al- Ob. Wenn man nun setzet/ daß ein Raum 2 (in der 2 . F,g.) mit einer solchen Materie angefüllet sey/ welch« ihrer Dich. tigkeit halber allezeit ab. oder zunimmt/ also daß sie bey L dünner als bey b, bey b dünner alr bey c, u-s.f. und sich vorstellt/ daß ein Lichtstrahl ^O durch diesen Cörper durchfällt/ so wird man leicht bcgreiffen/ wir der Strahl nach und nach gebrochen wird/ also daß/ wenn die Näumlein a b c cl, rc. sehr klein s,ns/ nothwendig eine krumme Linie 06 muß beschrieben werben. Nun lehrt auch die Erfahrung/ daß dir Lust wüccklich ein solcher Cörper sey/ wie ich hier angenommen habe/ daß nemlich ihre Dichtigkeit allezeit zu«und ah. nihmt/ je nach Beschaffenheit der Höhe/und daß also der durch die Lust gehende Lichtstrahl keine gerade/ sondern eine krumme Linie ist. sr Erzehlung seltsamer Natur-Gksct-ichten Sach folgender gestalt fassen, in Ng-i. ist -je senckelrechte eigentliche Höhe des Bergs, dessen Spitze gesehen wird von dem Feldmesser 0, zwischen ö und ^ ist die Luft, in Ansehung ihrer Dichte und Dünnheit, nicht gleicher Beschaffenheit. Unten in dem Thal von »l- bis ^0 ist die Luft dicht, weilen die gantze übrige Dunst- Kugel, oder ^tmolfkLrs.aufihro lieget, dünner aber, oder weniger zusammen ist sie gedruckt zwischen v? und ni-, weil ein geringeres Gewicht aus ihro lieget; noch dünner oder ausgedehnter ist sie zwischen LL und i)k; diese verschiedene Absätze der Dichte und Dunn- heit, als so viel unterschiedliche xiecks, durch welche die Lichts-Strah- len paßiren müssen, verursachen eine unzehlich vielfältige Bruch- strahlung, keträLlionem, oder machen, daß z. Er. der Sonnenstrahl LL nicht geraden Wegs von e in 6 fortgehet, sondern von L in k. und also auch der kackus Lk nicht fortgehet vor; k. m l, sondern von in o, allwo der Messer die Spitze -es Bergs 8 nicht in 8. sondern in ü um viel höher siehet, weilen er dieselbe nach dem geraden Fortgang der letzten Linie 0 dl anflehet; und weilen solcher gebrochenen Linien unzehlich oder unendlich viel, und unendlich klein find, als ist hieraus zu schließen, daß die Linie kkkdlo nicht eine gerade, sondern aus unendlich viel kleinen geraden zusammen gesetzte krumme Linie ist; von deren Eigenschaften bald ein mehrers. Nach der Zeit habe in kiccioii, eines berühmten Jesuiten, Oeo- xrgpk. Lib. VI. p. 1-6. wahrgenommen, daß 8neIIlus I^ib. II. cap. »7. k°romon6us H l. Xlcrcor. csp. 2. ü rr. 2. UNd kurnerius bl^clroZraplr. Qib.xix. c-ip. 8 . in der Meynung sind, -aß die Berge, wegen Brechung der Strahlen durch die Lust, grösser, und weiter gesehen werden, als sie in der Natur sind. Es lasse sich diese Wahrheit aus deu Grundsätzen der Opüc erkennen, und bekräftige es die Erfahrung kircveri , Mlcher von der Jttsul Maltha zuweilen die Spitze des Bergs jn Sicilien gesehen, zuweilen aber, auch bey Heller Luft, nicht. So habe Oroius Vemimiiius von dem Berg k>ere- tzrino, in dem pznzrmjttn schen, zuweilen die Jnsul l-upncz gesehen, welche er aber bey Heller Luft nicht habe wahrnehmen rönnen. Es hat die Wahrheit dessen durch gründliche Proben die Königlich-Französische Gesellschaft der Wissenschaften erkennet, als welche äo. i sy r» in ihrer in groß re^al tob» heraus gegebenen Erdmessung, Xiegu-L - ieLoris ^zrkemzlici auf die Hohe Schul zu Padua, meines werthesten Freundes, subtil - und loliö gelehrten Hirn gekochet worden. Dieser Herr erkennet mit uns, daß die von den Berg-Spitzen irr die Thäler fallende Lichts-Strahlen keine gerade, sondern eine aus unendlich vielen unendlich kleinen gebrochenen Linien bestehe, oder L4 Erzehlung seltsamer N^atuc-Geschichken oder krumme Linie ausmachen. Er waget sich aber- mir zu Gefal- len, und der Gelehrten Welt zum Nutzen, noch weiter, und unterstehet sich durch subtile Algebraische jezt übliche Rechnungs-Art zu erfahren, von was Gattung oder Geschlecht diese krumme Linie sey. (g) Zu seiner Grund-Regel setzet er, daß die Dichte der Luft nach Proportion der steigenden Höhe abnehme, (r) In ph. irl. sey ^ die Spitze eines Bergs, die Höhe der Luft- oder Dunst-Kugel über den Berg. Die Dichte der Luft in ^ werde vorgestellet durch die Linie ^ o, ziehet man die Puncten L und v zusammen, und weiters fort, so kommet die gerade Linie Lo? heraus, und wird die Dichte der Luft in » durch die Linie »p vorgezeiget, weilen nach dem Grundsatz eine Gleichmaß ist zwischen der Dünne und _Höhe Hz) ES haben verschiedene grosse OeomerrL der Natur dieser Linie nachgefor- schet alr Ioh. Bcrnoulli/ -le /ä Kr>e, und andere/ welche alle von einander abgehen. Dir Ursache davon ist/ weil die Gründe/ darauf man die Ausrechnungen gesetzet/ noch ungewiß sind. ES ist auch nicht möglich/ daß man diese Linie so genau bestimmen könne / daß man durch dieselbe die Ausrechnungen von der Höhe der Bergen überall verbessern könne/ denn die p.e 5 raÄion der Lust verändert sich/ so zu sagen/ alle Augenblicke von den Dünsten / wie Nedleron durch Beobachtungen gestmden hat/ pbilolopk. l'rLnsaÄüom, n. ;88- Also haben wir auch nicht nöthig in unsern Au» mrrckungen / die hier in grosser Menge tönten gemacht werden / weiiläuftig zu seyn; dann rt diene» nicht zu des Verfassers Vorhaben / weil durch alle diese Ausrechnungen die Höhe der Bergen dennoch nicht könke genau bestim» met werden. (r) ES ist leicht zu beweisen/ daß dieser Grundsatz mit der Wahrheit nicht überall übereinstimme. Marione hat durch verschiedene Versuche gesunden/ daß dir Dichtigkeit der Luft sich verhalte / wie die aufliegende Schwere. Lstax l» Kakure äe I'^ir. p. 17. Die aufliegende Schwere aber ist wie die Anzahl der Lusttbeilgen/ welche drucken. Also müßte nach der Hrn Hermanns Satz die Anzahl der Lbeilgen sich verhalten wie die Höhe. Man setze / »S seyen zwo auf einander stehende Luft'Säulen/^L und ^8, so wird das Theilgen <2 von der Säule X e durch dir Schwere gebrücket/ das Lbeilgen 8 aber von der Säule ä 8. Nun verhalt sich nach Marione die Dichte der Lust bey 8 zu der Dichte der Luft bey /VL wie die Schwere der Säule ^8 zu der Schwere der Säule dar ist/ wie die Anzahl der Theilgen in der Säule ^8 zu der Anzahl der Lbeilgen in der Säule/VL, (denndie gantzeSchwere einer Säule ist die Summ der Schwere aller Theilgen /) allein die Anzahl der Theilgen in der Säule /^8 ist zu der Anzahl in der Säule nicht wie die Höbe ^ 8 zu der Höbe ^ sonst würde folgen / daß alle Lustiheilgen gleich groß sind/ welcher aber nicht seyn kan/ wie aus der Zusammendruckung der Lust leicht abzunehmen ist. des Schwelyerlandes. 27 Höhe der Luft/ oder sich verhaltet zu Nk, wie ^dzu «d. Nun wird des krummen Licht-Strahls so von der Berg-Höhe ^ ins Thal fällt, Eigenschaft und Art folgender Massen erfunden, sey-r, Lkl-x, Es werde Ll^l. :: oder ansi/ucL X. s:: b. ---»L. tt L aber stellet vor die Dünnung der Luft in », wann »k die Dichte derselben bedeutet. Es hat aber -er Hochgel. Hr. 1- Lernouiii, dißmaliger ?rok. zuBasel/ mein grosser Gönner/in den ^ölis dips. ^0.1697. p. 208 bewiesen/daß wann 6 X die villerenrialis ist von X, und die l)>L von X; so ist allwo er durch r die der Höhe X entsprechende Dünne verstehet: So ist dann in gegenwärtigem Fall/ wie bereits gezeiget/ r-^-, f aber eine beständige gewisse Linie: folglich ; wann ferner kc-ab, so verändert sich die ^quarion in ö vi-, XX—cc und wann an statt x gefctzet wird . und an statt 6x, - 2«« so wird ö verwandlet in ci . welche letzte ^quLtion ^xx-cc « ^ anzeiget/ daß die krumme Strahl-Linie eine doZzntbmicL sey, deren LonüruKion jn kitz i v. zu sinden/ allwo von beyden End-Pun- cten der Linie ^ d, welche die Höhe der Luft-oder Dunst-Kugel vorstellet/ nämlich von ^ und d zwey Senckel-rechte Linien , d8 zu ziehen sind/ und von der obern d5-, uach abgeschnidtener do in beliebiger Länge/ aus dem Mittelpunkt d durch den Punct o eine gleichseitige »yperbola, welche die in6e6m»m ^ nm ? schneide/ sodann muß die aus ? aufgezogene Senckel-rechte pc^in soweit gegen x fortaestreckt werden/ bis ^ gleich wird der Linie ^d. Wann dieses geschehen/ und durch n gezogen wird 1 eine mit 8d gleichlauf- fende Linie / und auf dieser ins pranget; ein zwar gläsernes zartes Röhrlein, wormit man aber, gleich als mit einer starcken peurcle. die Pforten der Schul-Wcißheit leicht einbrechen mag. Die erste Erfindung dieses Wetter-Glases, mit welchem nun bald alle Audienz-Wohn-und Studicr-Zimmer vornehmer und gelehrter Leuten sezieret, fällt in das Jahr 164z., und wird dem berühmten xiaMem-mco des Groß-Hertzogs von Florenz Lvsngciitlg- lorriceiiio zugeschrieben,weßwegcn er auch lubusiornceiiisnus.das lorriceiiische Glaß-Rohr genennet wird. Es ist zwar dieses Philosophische, uns Christen erlaubte Orscuium, nur allein, oder meistens bey Erörterung schwerer in der Natur-Wissenschaft vorkommender Streit-Fragen , oder aus kurioser, oft nützlicher Wissens-Begier- von Aenderung des Wetters befraget worden. Nunmehr aber gibt es auch Mtwort auf vorgelegte Fragen von respectiver Höhe der Bergen, des Schweizer-landes. 27 gen, Thälern, Dörfern , Städten, Seen, Flüssen. Und pflege ich, wie aus meinen bisdahin gethanen Berg-Reisen zu ersehen, diesen Götzen an allen Orten, wo ich hinkomme, aufzustellen; und ich bin -er versicherten Hoffnung, daß mit der Zeit, durch Mittel dieses Instruments, die gantze Unebenheit der äuffern Erde in Erfahrung werde gebracht werden, die in Berg und Thal abgetheilet, oder eine von den höchsten Alp-Spitzen bis m den Meeren sich senckende abhal- diae, vielfältig unterbrochene Fläche vorstellet. Es wird dann der Mühe wehrt seyn, meinen geehrten Lesern einen möglich-vollständigen Bericht von dieser MessungS-Art, und daher- zu hossenden vielfältigen Nutzen zu geben. So bald die Natur-Forscher versichert, daß die bey dem Wet- ter-Glaß vorfallende Aenderungen des Quecksilbers die verschiedene Schwere und Höhe der Luft zu ihrer Grund-Ursach haben, könten sie sich wol einbilden, daß das Quecksilber auf einem Berg ticffer müßte fallen als im Thal, weilen dort die Luft nicht so hoch als hier, folglich nicht so kräftig aufdas Quecksilber kan trucken; woraus dann die Begierde entsprungen, hiervon die Proben zu machen, und einen neuen Weg zu Abmessung der Berg-Höhen zu bauen. Die erste Probe ist gemachet worden ^ 1647. auf dem hohen Berg puy Ne Domme, bey der Stadt Oermom IN /^uverAne, von Hrn. perier, nach Anleitung Hrn. so zu gleicher Zeit in Paris ausThür- nen, und andern hohen Gebäuden, OKiervac,«,-en angestellet; hernach 1661. 1665. und 1666. hat die Wahrheit dieser Erfahrungen 5 in- clsrus, ein Schottländer, aufdcn Gebirgen irr Schottland untersuchet, wie des Austrags halber mehrere Nachricht zu finden bey 8iurm. volles- Lxperim. ?3rc. I. üpp. p-rg. ls. l 6. Sint wenigen Jahren aber ist diese Materie weiters fortgetrieben, und von der Rönigiich- Fianyösischen Gesellschaft der Wissenschaften der Abmessung der Bergen zugeeignet worden, wie bald in mehrerm zu vernehmen seyn wird. Weil ich mir in meinen wegen der natürlichen Historie angestellten Berg-Reisen vorgenommen, diese Materie durch allerhand eigene Proben zu untersuchen, und also unserer Helvetischen Landen unebene Beschaffenheit desto besser zu erforschen, so habe mich ins besondere auf einen bequämen beflissen, dessen Gestalt und Zu- rüstung ich vornemlich dem Mechanischen Ingenia Hrn. Hanpcmann D 2 Eß- 28 Erzehlung seltsamer tHatur-Geschkchten Eßlinc,ers, eines Ehren-Glieds des Grossen Rahts allhier, meines werthen Freundes, zu dancken habe. Die Sicherheit und Komlich- keit bestehet in dem, daß ich diesen Maßstab in Form eines Spazier-- Stocks in kiZ. v. gebrauchen karr, dessen Länge ist ohngefehr Schuhe. Der Stab selbst bestehet aus zweyen der Länge nach zerschnid- tencn halben Cylinderstucken, in deren Mitte eine hole Kähle oder Keinen zu Fassung des aläsernen Röhrleins. Oben und unten werden diese zwey Holzftücke durch Schraubdeckel vcst zusammen geschraubte. Diese sind aus Horn gedrcchslet, und inwendig theils zu Logirung des Glases, theils zur Fassung des Quecksilbers ausgeholet, in mitten werden über diß zwey oder drey Ringe oder Zwiru- gen angelegt, die auch von Horn sind. Nebst diesem Stab versehe ich mich mit genügsamem Quecksilber, eisernen Drat, einem subtilen Trichter von Horn, gelbem Leder, und zwey oder drey gläsernen Röhrlcin, damit, wann eins solte brechen, ein anders bey der Stelle sey. Dieser Gläsern halber aber ist zu wissen, -aß sie, wo möglich, von gleicher Oefnung seyen, wol auf der Glaß-Hütten gezogen, und durch genügsame zu Hauß gemachte Proben mit einem guten in der Studier-Stube bleibenden ö^romsrro in Begleichung gesellet, damit die Bewegungen des Quecksilbers und Grade des Maßstabs mit einander ordentlich übereinkommen. Mit diesem n-tromemschen Rüstzeug begicbe ich mich auf die Reise, und an dem Fuß des ersten Bergs, wie auch in allen Wirthshäusern, Flecken, Dörssern, Bergen, da ich mich in etwas aufhalte, bereite ich mein Lxpenmem auf folgende Weise: Ich schraube den Stab oben und unten aus, lege dessen zwey Theil von einander, ergreiffe denjenigen, an welchem das Glaß mit Riemlein oder Faden an zwey oder drey Orten angeheftet, stoffe einen geraden eisernen Draht in das Glaß hinein, daß er am zuaeschmoltzencn End abstehet, giesse durch das Trichterlein das Quecksilber allgemach hinein, gebe aber wol Achtung, daß durch Mittel der oft wiederhohltcn Bewegung des Drahts keine Luftblaßlein sich zwischen dem Quecksilber setzen: wann dann das Röhrlein angefüllet, so schraube ich den einten Knopf des Stabs wiederum ein, rucke das Glaß in denselben hinauf, daß es anstehet; in solcher Postur halte ich das Röhrlein mit den Fingern der lincken Hand an dem Stab vest, und kehre denselben um, so wird das Quecksilber auf seine der Be- des Scbweizerlandes. ry schaffenheit des Orts angemessene Höhe sich herab lassen, geschwind aber fülle ich unten den Knopf mit Quecksilber völlig an, bis an den Rand, und alsdannbemerckeichdenAollund Serupcl, in welchem daS Quecksilber stehet, und zeichne denselben auf, nebst der Beschaffenheit der Witterung; aus deren dann zugleich von Aenderungen des Wetter-Glases ein desto besser Urtheil gefället werden kam So viel von der Zubereitung unsers Instruments. Folget dessen Gebrauch. Durch fleißige i^eckrmische und Qeomerrische 0b- lervztionen habe ich wahrgenommen, daß das Quecksilber im Wet- ter-Glaß in einer Höhe von 8o. bis 90. Zür. Schuhen einen zehcn- -cn Theil eines Decima!-Zolls, oder einen Serupcl fällt, wornach ich bis dahin mich in meinen Ausrechnungen der Berg-Höhen gerichtet, alfo daß ich die Scnckel-rechte Höhe eines Bergs für 800. Schuhe dargegeben habe, wann an des Bergs Fuß das Quecksilber im 2o. Zoll (nämlich von unten auf zu rechnen) auf der Spitze aber des Bergs im 19. sich befunden hat, dann wie sich i. Serupcl zu 80. Schuhen verhaltet, also ro. zu 8 c>o. dieses Fundament kommt ohngcfehr mit denen Proben überein, so die Königlich-Französische Gesellschaft der Wissenschaften an dem Meer gemachet, allwo sie befunden, daß 60. Pariser Schuhe mit einer Limen übereinkommen, das ist, ii. eines Pariser Zolls. Darni4o. PariserZollsind zo. Züricher Oecimsl-Zoll, folglich ist I. Züricher Serupcl gleich Pariser Linie. ( 8 ) D Z Die (r) Wir haben gesehen/ daß die Geometrische Abmessung der Berg-Höhen gantz rm» gewiß sey; nun wollen wir ein gleiches von der Barometrischen Abmessung r«» gen. DaS Fundament zu dieser Abmessung ist die Beobachtung von der Ver» bältnuß der Höhen zu dem fallenden Quecksilber/wovon der Verfasser hier redl. Man muß nemlich wissen/ wie hoch der Barometer muß erhebt werden / wenn das Quecksilber darinn einen Scrupel fallen soll/ wie hoch/ wenn «S r. oder Scrupel rc. fallt/ damit man aus dem Fall desselben die Höhe erkenne auf wel« cher er steht. Allein «S sind zwey Dinge/ welche dieses Fundament der Ab. Messungen noch ungewiß machen. Denn -) kommen die Versuche/ welche man hierüber gemacht bat/ gar nicht mit einander überein/ wie dir folgende Tafel wri» set/ welche den AvSgang der Versuchen reiget/ den Verschieden« gemacht haben. Toinard setzet vor ein Linie im Barometer 60. Par.Sch. Bohaulc - - - ?r. - Die Beobachtungen auf dem St. Jacobs Thurn zu Paris - - 74. As_Erzehlung seltsamer lTkamr-Geschl'chten Die Königlich-Französische Gesellschaft bleibt (wie insonderheit aus ihren xicmo,re5 von ^o. 1705. pzZ 61. zu ersehen) bey dieser einfältigen Rechnung nicht/ sondern schreitet weiter fort/ um so wol durch gesunde Vernunft-Schlüsse/ als vielfältige Proben/ diese Mes- sungs-Art auf einen sichern Fuß zu fetzen. Es fetzen diese gelehrte Männer zu einem allgemeinen Fundament/ daß die Aenderung des Quecksilbers im Steigen und Fallen durch die gantze Höhe der Luftoder Dunstkugel nicht könne gleich seyn / weilen die Luft nahe bey dem Meer/ wo sie am niedrigsten/ sehr zusammen gedruckt, auf den höchsten Gebirgen aberweit dünner, alsodaß hier ein vielhöher Stuck Luft Marione fetzet vor ein Linie im Barometer 6Z. Lajsim - - - 6sk. ' - - - - 64 t. - - - s - - in Äre - - 8s. - - - - 7sA. - ) - - m/r Schweb. Derham 's- Schuhe vor i. Linie. 82. Englis. Nedleron k - - 8>. - Muschenbrock Schuh 82 7-7. Rheins Müller - - ^ 128. Gcheuchzer is.Lin. - 714. Pariser. Man kan ein mrhrerS hievon sehen in den lenram.äcl cimenw, mit MuschenbrockS Anmerkungen/ Ll.; > - ;6. Wem soll man nun bey ei» ner solchen Ungleichheit folgen? ES ist auch über diß 2) zu bemercken/ daß ei nicht möglich ist aus solchen Versn» chrn/ wenn ßt gleich noch so richtig sind / die Berg Höhen genau zu bestimmen; denn vorderst müßten alle Höben gleich seyn/ welche das Quecksilber gleich tal- len; i.El. wenn dasselbe «o Schuhe hoch vorn Meer i. Linie fällt/ so müßte «r 2. fallen/ wann man r60. Schuhe hoch steht/ welches aber gar nicht ein» trifft/ oder rum wenigsten müßte man eigentliche Regeln darüber haben. Her» nach müßte auch über diß ein gleicher Zustand der Luft seyn/ zu der Zeit da man den Berg mißt/ und zu der Zelt da man die Fundamental Prob gemacht hat/ welcher aber sehr selten und nur zufälliger Weise eintrifft. Daher ein Berg irr zwey oder mehr verschiedenen malen gemessen/ allezeit von ungleicher Höhe wird befunden werden. Man hat ein Exempel davon an den oben beschriebenen Pilaiul-Berg. des Gcbrveizerlandes. ?! Luft erfordert werde eine gewisse Druckkraft auszuüben, als dort. Hr. Marione ins besonder beweiset in seinem Lssay äs la diamre äs l ^ir, daß die Luft sich verdichte oder conäenlire, nach Beschaffenheit oder Proportion des aufliegenden Gewichts. Auf dieses Fundament, als ein gewisses Natur-Gesetz, rechnet er die gantze Höhe der Luft- Sphcräufls. Meilen, jede von 2220. loiies, welche 981 so. Züricher Schuhe machen. Er setzet, nach der Erfahrung, daß das Quecksilber an dem Ufer -es Meers in dem Wetter-Glaß auf 28. Pariser Zoll steige, welche die gantze Luft-Höhe zu ihrem Gegengewicht haben; daß auch die Höhe von 62. Schuhen an dem Meer das Quecksilber eine Linie, oder den zwölften Theil eines Zolls, fallen mache, die folgenden Höhen der Luft, so mit den folgenden Linien überein kommen, sind immer grösser, weilen im Fortgang immer weniger Luft auflieget, und ist zum Exempel dre zweyte Höhe, welche mit der zweyten Linie überein kommt, also zu sinden: Wie sich verhalten 28. Zoll, weniger ein Linie, zu 28. Zollen, also die Höhe von 62. Schuhen, zu dem vierten lermino, welcher gibt die zweyte Höhe, und so fort. Diese immer sich vergrößernde Höhen formtreu eine Oeomenische progresson, deren Summ die gantze obbemeldte Höhe der Luft-Spher ausmachet. Und wird ein gewisser Theil dieser Summ nothwendig die Höhe eitles Berges vorstellen, aufwelchcm das Quecksilber auf eine gewiffeHöhe abfallet. Es bleibet aber Marione bey der Oeomenischen Progression nicht, sondern verändert sie in eine äriMmensche, nach welcher er 6z. Schuhe vor die erste oder unterste Linie setzet. Die Herren Laßmi Sohn, und Maraldi hatten in ihrer wegen der Mittags - Linie durch Franckreich Anno 1703. gethanen Reise die Gelegenheit, verschiedene Berge so wol Oeomenisch als karomenisch abzumessen, und bemerckten, daß weder die Oeomenisthe, noch an deren statt gesetzte ärilkmenscho Prozessor, des Marione mit ihren Observatorien eingetroffen, weßwegen sie eine neue ärissmerische Prozessor» ausgerechnet , die mit der Erfahrung besser soll einstimmen. Beyde, so wol des Marione als des Läßint Progression. Tafel habe zu gefallen des geehrten Lesers allhicr einrücken wollen, theils damit man sich selbiger bey vorfallenden Anläsen bedienen möchte, theils das, so bisher von dieser Materie geschrieben worden, bekandtcr zn machen, theils auch, weilen die so genannten kiemoires äs äemie z s Erzehlung seltsamer N^amr-Geschichken ckemie llo^ale cles Sciences nicht gemein sind. Dieser Tafel habe ich so wol die Mereinkommung der Züricher Decimal - Zollen und Scruplen/ deren mich bisher bedienet, mit den Pariser Zollen und Linien, als die gleichfalls in Decimal Züricher Ruhten verwandelte Französische sechsschühige loiles beyfügen wollen. (0 Tafel (r) Nachdem der Herr Caßini die Beobachtungen und Versuche gesehen/ welche Kllr. tle plamacle auf verschiedenen Bergen gemacht hat / so hat er muffen gestehen / daß weder seine eigene/ noch des Marione Regeln / welche m dieser Tafel an» geführt werden/ richtig sind. Nach Marioeres Regeln findt man die Berge zu klein/ hingegen nach der Hrn. Caßini seinen zu groß. lVlft. 6e plMtaäe halben Pyreneischen Berg OaniZou gemessen / und gefunden / daß er -71. loiles höher sey/ alj nach des Marione Regeln folget/ hingegen -7;. loiles niedriger/ als nach der Caßini seinen heraus kommt; woraus man siehet/ daß die wahre Messung ungefehr in die Mitte kommt zwischen der Caßmischen und Mariomschen. Da nun hieraus folget/ daß diese Tafeln / zu richtiger Abmessung der Bergen/ nicht wol können gebraucht werden / so bat der Herr Laßini den Grund zu einer neuen gelegt/ zu welchem er nicht des Mariorre Regel/ (welche oben d>lor. (r) ist angeführt worden) sondern eine andere annimmt. Er setzt nemlich/ daß die verdännerungder Luft sich rer//-roce verhalte/ wie die «Quadrate der Schweren / welche auf sie drücken. Nach dieser Regel ist die Höht/ welche das Quecksilber im Barometer um i. Zoll fallen macht >z°. loiles. um ». - »6s. 4. - 4. - 5. - 6 . - 7 . - 8 . - 9 . - 4 ly. 582 . 96». n?t. 140;. >662. ro. " 1942. - Doch zeigen die Beobachtungen/ daß die Verdünnerungen noch grösser sind / als »n angegebener Verhälmuß. Nach dieser Regel kommt die Höbe der Luftkugel oder ^tmolpliLr weit höher heraus/ als man bis dahin vermevnt Hai; denn sie kommt über 500. Meilen hoch heraus. Sehet hievon die Klemoires äe l'^cack. cles Sciences ^0.17;;. p. 4Z. u. s. f. Sonst kau man von Abmessung der Berg'Höhrn durch den Barometer auch sehen / was der Verfasser in der Amur-Historie des Schweiyerlandes 1. 1 . Bl. i/. u. K anbringt. des Gchweiyerlandes. 33 Tafel der Luft-Höhem welche mit den Graden des Quecksilbers im Wetter-Glaß übereinkommen. Fall -es Qucksil- bers. Zoll.Lin O ^ O Höhe der Luft, so in der Linie des Quecksilbers übereinkommt nach Marione Meynung. Ruth.Sch.Zoll.Lin- IO Zk 0 0 Höhe der Luft über die Fläche des Meers nach Man'otte. Ruth.Sch.Zoll.Lin- o O O O Höhe des Queksil- ders in Pariser Zoll.Lin. 28 6 O I IO 3 2 3 IO 3 3 II 2 IO 3 4 6 21 0 6 9 IO 3 IO 3 6 IO 31 4 I 7 9 4 IO 3 9 I 42 1 IO 8 8 5 IO 3 ii 4 52 5 IO 0 7 6 IO 4 i 9 §3 3 II 9 6 7 IO 4 4 i 74 2 3 IO 5 8 IO 4 6 5 85 0 IO 3 4 9 IO 4 8 IO 95 5 7 1 3 IO IO 4 ii 2 126 4 6 3 2 I I IO 5 i 7 II? 3 7 12 1 I O IO 5 4 O 128 2 11 IO 27 O I IO 5 6 5 IZ9 2 6 3 II 2 IO 5 8 IO I5O 2 3 1 IO 3 IO 5 ii 4 I6l 2 2 5 9 4 II o i 9 172 2 4 2 8 5 II O 4 3 183 2 8 5 7 6 II O 6 9 194 3 3 2 6 7 II O 9 3 2Os 4 O 5 5 8 II 0 ii IO 216 5 0 3 4 9 II I 2 4 228 0 2 7 3 IO II I 4 ii 239 1 7 6 2 II II I 7 7 2sO 3 3 1 I 2 O II I IO 2 2-61 6 1 3 26 O I II 2 O 9 273 1 2 0 II 2 II 2 3 4 284 3 5 4 IO 3 II 2 6 O 295 5 11 4 9 4 II 2 8 8 327 2 8 0 8 5 II 2 ii 4 Zi8 5 7 4 7 6 II 3 2 i 330 2 9 5 6 I. Theil» E Z4 Erzehlung seltsamer lTlarur -- Geschichtey ZollLin. Ruth.Sch.Zoll Litt. Ruth.Sch.Zoll.Lin- Zoll.Lin. ^ 7 n 3 L 4 IQ Z42 O L 2 3 0 s , 8 n 3 7 7 353 3 9 10 4 9 n 3 IQ 4 36s 1 8 2 3 IQ II 4 i i 376 5 9 3 2 II n 4 3 11 388 4 1 2 1 3 2 II 4 6 9 4QQ 2 7 11 25 a i II 4 9 6 412 1 5 5 11 2 II 5 O 4 424 O 5 9 10 3 II 5 3 3 435 5 9 O 9 4 ll 5 6 2 447 5 3 2 8 5 II s 9 1 459 5 0 3 7 6 12 O 0 O 47 l 5 0 3 6 7 12 2 2 11 483 5 3 2 5 8 12 0 5 II 495 5 9 I 4 9 , 12 Q 8 II 508 0 6 0 3 10 12 O ii 11 s2Q 1 5 II 2 n 12 I 2 II 532 2 8 IQ I 4 a 12 I 6 0 544 4 2 IQ 24 0 i 12 I 9 I 556 5 11 II II 2 12 2 o 2 569 2 0 I IQ 3 12 2 3 3 58i 4 3 4 9 4 12 ^2 6 5 594 Q 9 9 8 s 12 2 9 7 606 3 7 4 7 6 12 3 o 9 619 Q 8 1 6 7 12 3 3 ii 6zi 4 0 O 5 8 12 3 7 2 644 1 7 2 4 9 12 3 IQ 5 6s6 5 5 7 3 IQ r2 4 I 9 669 3 7 4 2 II 12 4 5 o 682 2 0 4 1 1 2 12 4 8 4 695 Q 8 8 2Z O 1 12 4 ii 8 727 5 8 4 II 2 12 5 3 o 720 4 11 4 IQ 3 12 5 6 5 739 4 5 9 9 4 12 5 9 IQ 746 4 3 7 8 5 o l 4 759 4 4 11 7 6 13 o 4 9 772 4 9 8 6 7 IZ o 8 3 785 5 5 11 5 8 lZ 0 n IQ 799 0 5 9 4 des Gchrvektzerlandes. Zs Zoll.Lin. Ruth.Sch.Zoll Litt. Ruth.Sch.Zoll Lin. Zoll Lin. ^ 9 IZ i L z 4 812 1 e 9 5 6 z IO IZ i 6 n 82 s ' z 4 0 2 n iZ i 10 6 8)8 5 2 6 i 6 o iZ 2 2 2 852 1 4 8 22 0 I iZ 2 5 IO 865 Z 10 9 I! 2 IZ 2 9 6 879 0 8 0 IO Z IZ Z i Z 892 z 9 Z 9 4 iZ Z 5 2 906 I 2 5 8 5 IZ Z 8 9 919 4 II 2 7 6 iZ 4 o 7 9 ZZ 2 II 9 6 7 iZ 4 4 5 947 i 4 2 5 8 iZ 4 8 Z 961 0 0 5 4 9 iZ 5 o i 974 5 0 6 Z IO iZ s 4 o 988 4 4 6 2 II IZ 5 8 o 1002 4 0 6 I 7 o 14 o o o 1016 4 0 6 21 0 i 14 o 4 o IOZO 4 4 6 11 2 14 0 8 o 1044 5 0 6 20 10 Tafel der Luft-Höhen, welche mit den Graden des Quecksilbers im Witter-Glaßübercinkonimen,nach LaßmiMeynung. Höhe der Luft, so mit jeder Linie des Quecksilbers übereinkommt. Ruth.Schuh. 10 O 0 Höhe der Lurt über Nie Fläche des Meers. R. Sch. 0 L 0 Höbe der kvst über dir Fläche des MrerS/ in Züricher Dcci'muk- Ruth.Sch.Zoll Lin. k Höhe des Quecksilbers in Paris»- Zoll Lin. 28 6 0 Höhe des Quecksilbers in Züricher l)ecim,l- Zoll.Scr. 25 14 2 10 I 10 1 6 5 8 8 11 E. F ^ 10 2 20 Z IZ 2 8 4 10 r ^ 2 » 10 z Zi 0 20 O 8 8 9 24 9 ». IO 4 41 4 27 0 0 0 8 9 10 5 52 Z Z 4 O 2 0 7 - 8 l. II 0 6 Z Z 4 i I 4 8 6 - - 7 !. II i 74 4 48 3 8 4 5 -- s; II 2- 86 O 55 7 2 8 4 - 6 II 3 97 z 6 Z 1 8 0 Z ' 5 ;. II 4 109 I 72 7 4 0 2 - ' 4 !- Z§ Erzehlung seltsamer V7amr-Geschichten R. Sch. Ruth.Schuh. Ruth.Sch.Zoll.Li11. ZollLin. Zoll.Ser. n 05 121 L 0 78 4 k 0 8 6 1 - » 3 i 12 0 133 0 86 1 8 4 27 O - - 3 12 1 14s 1 94 O 6 8 II - - 2». 12 2 is 7 3 102 0 6 0 1O - - 1-. 12 3 17Q 0 IIQ I 6 0 - - 3 4 » 12 4 182 4 118 3 6 8 8 24 12 5 195 3 126 6 8 4 7 23 9;. 1Z 0 2O8 3 135 1 c> 8 6 8^. 13 1 22 t 4 143 6 4 0 5 - - 7 ». IZ 2 2 Z 5 0 ^ 152 2 8 0 4 .» 7 IZ 3 248 3 161 0 2 8 3 « - 6;. 13 4 262 1 169 8 8 4 2 - - 5-. 13 5 276 0 178 8 4 8 1 - - 4!. 14 O 290 0 187 9 2 0 26 0 - - 4. 14 I Z04 1 197 1 O 0 11 3 !. 14 2 Zi8 3 206 3 8 8 IO - - 2;. 14 3 333 O 215 7 8 4 9 - - 14 4 347 4 22s 2 8 8 8 » - i 14 5 Z 62 3 234 9 0 O 7 23 I 15 O 377 3 244 6 2 0 6 22 9 !. 15 1 392 4 254 4 4 8 5 8 15 2 408 0 264 3 8 4 4 8. 15 3 423 3 274 4 2 8 3 7 !. 15 4 439 i 284 5 8 c» 2 6l. 15 5 455 0 294 8 4 O i 16 0 471 O 325 2 0 8 25 O 1 4* 5. l6 1 487 1 315 6 8 4 11 4 l. 16 2 5 oz 3 326 2 6 8 IO 3 r. 16 3 s2Q 0 336 9 6 O 9 2 4. 16 4 5 Z 6 4 347 7 6 0 8 2. l6 5 553 3 358 6 6 8 7 1«. 1? c> 570 3 369 6 8 4 6 22 I l? 1 587 4 Z 80 8 O 8 5 21 94. i? 2 6os 0 392 O 4 0 4 . , 9. 17 3 622 3 423 3 8 0 3 84. 17 4 640 1 414 8 2 8 2 7 ». l 7 5 §58 O 426 3 8 4 I 18 O 676 0 438 0 4 8 24 0 - - 6. des Schweltzerlandes. z? R. Sch. Ruth.Schuh. Ruth.Sch.ZEin. Zoll Lin. Zoll Scr. 18 0 i 694 L 1 449 5 k 2 0 6 11 - 5 !. 18 2 712 3 461 7 0 O 10 - - 4!. 15 3 731 0 473 6 8 8 9 - - ^ 4 » 18 4 749 4 485 7 8 4 8 - - 3 . 18 768 3 497 9 5 8 7 - - 19 o 787 3 510 3 0 0 6 - - i;. 19 i 826 4 s22 7 2 '0 5 - - 3 4 » 19 2 826 0 535 2 4 8 4 21 19 3 845 3 547 8 8 4 3 20 9 !. 19 4 865 1 s6o 6 2 8 2 - - 8!. iZ> 5 885 0 573 4 8 0 I » - 20 o 905 0 586 4 4 0 23 O - * 7 . 20 i 925 1 599 5 0 8 II - - 6!. 20 2 945 3 612 6 8 4 IO - - 5 !. 20 3 966 0 62s 9 6 8 9 - - 4;. 20 4 986 4 639 3 6 0 8 - - 4 20 5 1007 3 6s2 8 6 0 ' 7 - - 3 j. 21 o 1028 3 666 4 6 8 6 - - 2!. 21 i 1049 4 680 1 8 4 5 - - i«. 21 2 1071 0 694 0 0 8 4 - - i. 21 3 1092 3 707 9 4 0 3 - - I 4* 21 4 ii 14 1 721 9 8 O 2 19 9;. 21 5 I1Z6 0 736 I 2 8 1 — 8 4 » 22 o 1158 0 750 3 8 4 22 0 8. 22 i 1180 1 764 7 4 5 11 - - 22 2 1202 3 779 2 2 O IO - - 6^. 22 3 >225 0 793 5 0 O 9 - - > 4* 22 4 1247 4 808 4 8 8 5 - - 5 . 22 5 1270 5 82Z 2 8 4 7 - - 4 l. 2Z o 1293 3 838 1 8 8 6 - - 3 ;. 2 Z i IZl 6 4 853 1 9 0 5 - - 2j. 2Z 2 IZ 40 0 868 3 i 0 4 - - 2. 2Z 3 1Z6Z 3 883 5 3 5 3 - - i;. 2 Z 4 1387 1 898 8 7 4 2 - - I r 2 Z 5 1411 0 914 3 1 8 I 18 9 ». 24 o 1435 0 929 8 7 0 21 O - 9. 24 i 1459 1 945 5 3 0 3 ;. 24 2 1483 3 961 2 9 8 - - z8 Erzehluncs seltsamer V^amr-Gkfthichten Der Gebrauch dieser Tafeln bestehet darin. Alls der lincken Seite lub i^il. ^ ist ausgesetzt derFalldes Quecksilbers von einer Linie zur andern, nämlich von dem niedersten ttEom des Mittelländischen Meers an besten Ufer, in der dritten und fünften Ordnung unter l->c. L mit L übereinkommen o. o. und in der sechsten Ordnung lud l->r. 6 28. Pariser Zoll, so hoch nämlich das Quecksilber an dem Ufer des Meers steiget. Mit der ersten Linie kommen überein nach der Rechnung l^rione io. Frantzösis. Ruthen z. Schuhe, 2. Zoll, S. Linien, welche zu finden unter unter l-n. k io. Ruthen r. Schuh, nach ealllno, unter l-ir. k 6. Ruthen, s. Schnhe, 8. Zoll, 8. Skrupel Züricher; und endlich unter l-n. 6 27. Zoll, n.Limen; mit denen unter i-u.«kommen überein 24. Zoll, i?. Scr.Zür. Die zweyte und viertLOrdnung unter l-mL und o zeiget die zunehmende Höhe der Luft von einer Linie zu der andern, nach und L^- üno. welche zwar Anfangs gering, nach und nach aber etliche Ruthen betragt, und begründet ist auf oben erklärte Lehr von zunehmender Dünnung der Luft. Wann nun irgendwo auf einem Berg das Quecksilber aufdem 22. Pariser, oder 18. Züricher Zoll, 8. Scrup. stehet, so suche ich 22. O. unter der Linie o. oder i8.8. unter der Linie i-l, und finde, daß mit deroselbm unter der Linie e übereinkommen nach knarre 852. loiles. 1.Schuh, (oder zuz. Schuhe) 4.Zoll, 8.Linien, unter -erLinie knachOüino ns8. loUes 0. Schuh, oder 6948. Schuhe, unter der Linie k aberRuthen, z. Schuhe, 8. Zoll, 4. Scrup. oder Schuhe, welche alle die Senckel-rechte Hohe dieses Bergs über den des Mittelländischen Meers bedeuten. Nach dieser Anleitung nun kau ein jeder, der nur ein wenig in der heutigen Lxperimemgi-pNyllc erfahren, leicht ersehen, anfwas Gründen die öaromerrifche Messung der Berg-Höhen beruhe, ja auch, wie auf dieses Fundament hinfort können in Ansehung der Höhe alle Länder, Städte, Flecken, Dörffer, Berge, See, Thäler, gegen einander gehalten werden; welche Wissenschaft nicht nur in blosser cunollr-r bestehet, sondern ihren trefflichen Nutzen haben kau inUntersnchung der Beschaffenheit eines jeden Lands, der Sitten, Gesundheit und Kranckheiten der Einwohnern, rc. als zu einem Beyspiel dienen kan unsere Schweitzer-Kranckheit, das Heimwehe genannt, deren Urfach ich vornemlich von der subtilen Höhe unserer SchweitzerischenBerg- Luft und derselben Aenderung in eine dichte, starck- truckende Hol- ländp des Sckvveitzerlandes._ z- ländische, oder andere niedere Luft herleite/ worvon ich bald ausführ- licher handeln werde. An dem, was bisherwon der vsrometrischen Messung-Art geschrieben worden^ können sich diejenigen, welche oben auf-erNatur- Wissenschaft schwimmen, wol vergnügen/ zugeschweigcn deren/ welche nur an dem Gestad des Natur-Meers stehen/ und nicht einmal sich auf dasselbe hinaus wagen dörffen. Ein Wissens-begieriges Gemüth aber/ welches sich in die Liesse der Geheimnuß-vollen Natur einzu- sencken bemühet/ ist mit diesem allem noch nicht zufrieden. Ein solcher Wassertauchcr siehet allerhand verwirrte Knoten vor sich / die nach selbst eigener Bekanntnuß der Frantzösischen Gesellschaft noch nicht aufgelößt sind / gleichwol hat bemeldte Gesellschaft mehr in dieser Materie gearbeitet/als all übrige Gelehrte von Europa. Was den Artzney- ooötonbuZ begegnet/ welche auf der Cantzel und in ihren Schriften alle Kranckheiten zu heilen wissen / aber die vorkommende Schwierigkeiten in Heilung der Patienten erst bey dem Bette erfahren ; das kan auch denen Herren begegnen/ welche sich bemühet, vbgesetzte Tafel auszurechnen. Die Rechnung ist gut, es fragt sich aber, ob sie mit der Natur überall übereinkommen? Ob die 6rsöuL- rion der Luft-Dünnunq in der That also sey, wie sie vorgerechnet wird in Ruthen, Schuhen, Zollen und Linien? Ob eine so richtige Ordnung nicht durch beständige Berg-Kälte unterbrochen werde, welche die ksrekttion oder Dunnung der hohen Luft mercklich einziehet, und selbst das Quecksilber auf einen hohem Grad treibet, als sonst die Tafel ausdrucket ? Ob nicht eine neue Ausrechnung nöthig wäre, welche nicht nur die Höhe und Schwere, sondern auch die Kälte der Luft in Betrachtung setzet ? Ich habe bereits über diese Materie eint-und andere Proben gemachet, werde aber weiters trachten dieselbe in mehrerm zu erklären, also -aß man nach und nach in mehrere und mögliche Gewißheit komme; wiewol wenig Hofnung zu völliger Auflösung aller vorkommender Schwierigkeiten sich ereignet, unter welche auch die tägliche und stündliche Veränderungen der Luft selbst, die auf-und absteigenden Wolcken, die Verschiedenheit der Weite und Enge der Glaß-Röhren, welche man braucht, so auch des Quecksilbers , re. müssen gezehlet werden. Dißmalwil ich noch, gleich als zu einemRach-Tisch, demgeehrten Leser etm Gegenhaltung der grösten Helvetischen Gebirgen mit andern in ftömden Landen abgemessenen Bergen darstellen. Daß un- sere 40 LrzehlunF seltsamer Natur-Geschichten sere Helvetische Gebirge die höchsten seyen von gantz Europa, bedarff keines mehrern Beweißthums, wenn man dasjenige betrachtet, was ich allbereits am i8.Bl. gesagt, und in den folgenden Blatt weiter ausführen werde, (u) Ich bemercke nur hier einige in unsern Landen aller Orten, sonderlich aber bey der 8imgcion unserer Bergen, ausgedruckte deutliche Fußftapfen, oder klare Anzeige der allweisen Allmacht des grossen Schöpfers: Es hat Gott gefallen wollen, die höchsten Alp-Gebirge in Europam zu setzen, als reiche, niemals zu erschöpfende Wassergehalter. Nach seiner unendlichen weisen Vorsehung hat er solchen Schatz an das komlichfte Ort setzen wollen, nem- lich in mitten zwischen der Mittag-Linie und dem Nord-polo, nicht unter der Linie, oder sonst in dem heiffen Gürtelstrtch, dann also hätten die Wasser in unsere Mitnächtig-mäßige Länder, Italien, Franck- reich, Teutschland, Holland, rc. gar zu weit zu Dessen gehabt, ja sie wären meistens, ehe sie zu uns kommen, ausgerauchet, zugefchwei- gen, daß die Berge noch höher hätten müssen aufgeführet werden, als sie jezt stehen: aber auch nicht in dem kalten Gürtelftrich der Erden gegen dem Nord-Polo, -ann da wegen immerwährender grosser Kälte nicht genug Wasser geschmoltzen wäre, um die meisten Länder Europä darmit zu versehen. Zu dem kommet, daß in denen Nord-polnischen Landen die Berge, wann sie schon nicht höher als unsere Helvetische Gebirge, den Anwohnern gantz unfruchtbar wären gewesen; da wir hingegen in unserm Schweitzerland, nebst dem ewigen Schnee und Eis, zu unserm grossen Nutzen die schönsten Graß- reichen Weyden gemessen, und nebst dem kahlen kalten Winter den lieblichsten Sommer sehen können. Woraus muhtmaßlich zu schließen, daß dir Natur und Beschaffenheit des Erden-Gebäus selbst diesen in mitten Europä liegenden Berghauffen erfordert hat; was sage ich von der Natur? besser ist ein so herrliches und grosses Merck, wie alle übrige, dem allgewaltigen Arm des weisesten Schöpfers zuzuschreiben, welcher die zweyte Erderr-Geftalt in-und nach dem Sündfluß also künstlich angeordnet, wie sie ist. Sehet, geehrte Leser, vermutliche Ursachen, warum die höchste und gröste Berg-Kälte durch die Mitte Europä ausgespannet? Sehet, warumdie Schweitz in der Schweitz? Ich sage mit Nachdruck vermutliche Ursachen: dann .gar nicht die Mey- (n) Scher unten die Anmerkung (x) des Schwelget landes. 4 r Meynung, daß Gott nothwendig sey bewogen worden von der Natur der Sachen selbst die Berge dahin zu setzen- wo sie find. Nein. Ihm ist möglich und frey gewesen , nach semer unendlichen Weißhcit unzählbare andere Wege auszudencken, die Wasser in genugsam reicher maß über Europa auszuspenden, und nach seiner mnrmfchrenckten Allmacht dicselbigcn unendlich viele Rahtschlüffe ins Werck zrr setzen. Weilen aber uns Menschen mit unserm endlichen und dabey verderbten Verstand in das Geheimzimmcr der Göttlichen Weißhcit hinein zu geben weder erlaubt, noch möglich, ist nicht die Frage, was Gott habe könnenthun, sondern was er habcwollen; jawaserwürck- lich verrichtet habe. Und ist einem Natur-Forscher erlaubt, mit seiner schwachen Vernunft nachzusinnen, welchen Weg der weise Schöpfer inHcrvorbring-und Erhaltung seines Welt-und Erden-Gebäucs gegangen seyn möchte. Ja ich vermcyne, es liege ihm diß ob, wann er je Gott kennen wil, und denselben liebet. Es hat sich der grosse Gott nicht ««bezeuget gelassen, sondern aller Orten - in allen Ecken der Natur sich geoffenbaret. Es ist aber diese Natur-Schrift nicht alsobald zu lesen, sondern mit fleißiger Nachdenckung zu studieren. Gott hat nicht wollen, daß wir alsobald, da wir an diese Welt gebohrcn werden, gantzc Texte nach einander daher lesen, und selbige verkündigen, sondern vorerst die Buchstaben lernen kennen, hernach die Silben und Wörter lesen. So viel natürliche Cörper, ja so viel Eigenschaften, Gestalten, Bewegungen derselben sind, so viel sind Buchstaben, ja Wörter, ja gantz kräftige Beweißthümer der Göttlichen Güte, Weißheit und Allmacht. Aber diese köstliche Wahrhcits-Perlen liegen nicht an allen Ufern, sondern in dem liessen Meer, innert den Muscheln verschlossen. Es kan sie nicht ein jeder aufheben, der an dem Geftad spatzieren gehet; sie müssen mit grosser Mühe hervor gesischctwerden. Dieses schreibe ich ins besonder zur Widerlegung der Epicureern, welche die gantze Welt, ins besonder aber die äussere Erden-Rinde, ansehen als einen aus dem finstern Stäublein gemenq, ohne zwischenkommenden weifen Naht, ohnsiefchr entstandenen Klumpen; die Berge als grosse, ohne Ordnung über einander liegende, gleichsam vorn Himmel gefallene, oder von eingefallener ersten Erden-Rinde übrige, ohne weife Leitung in jetzige Gestalt gebrachte, zerbrochne Erden-Stücke; die Thäler als von selbst entstarrderre Aushöhlungen der Erde, re. Da ich hingegen mit offenen Augen die äussere unebne Erde ansehe als ein or- i. Theil. F deut- 4r Erzehlung seltsamer N^atur Geschichten dentliches nach Göttlicher ^rcbireÄur aufgeführtes zierliches Kunst- Gebäude/ und auch mit kräftigen Vernunfts-Gründen als ein solches bald darzustellen vermeyne. Nunmehr ist es an dem, daß ich diese höchste, in unsern Helvetischen Landen befindliche Bergspitzen Europä in Vergletchung setze mit andern höchsten, oder hohen Bergen in der Welt. Den zo.Inn. 1725. ist bey den Capucinern auf dem Gotthard, bey Heller Witterung, die Höhe des Quecksilbers geftauden im 19. Zoll, 8. Serup. Zürich; mit denen komme» überein 22. Pariser Zoll, und in obgesetzter Tafel bey ^znorre 8^2. 1 oiles. i. Schuh, 4. Zoll, 8. Linien, oder 5uz. Pariser Schuhe; bey Oalllno aber 1158. loiles, oder 6848. Pariser Schuhe, oder 7523. Züricher Schuhe, vor die Höhe der Capucinern über das Meer. Es sind aber über der Capucinern Herberg noch höhere Joch, welche mit jetzt beschriebener Höhe wol möchten 8. bis 9200. Züricher Schuhe ausmachen. An gleichem Ort ist den 7. August, obgemeldten Jahrs die Höhe des Quecksilbers im 20. Züricher; mit dem kommen überein 22. Zoll, 2z. Pariser; und nach Kanone ungefehr 8i8. Avises, oder 4928. Pa- riserSchuhe; nach Lsssmo nry.iolles. oder 7262. Pariser Schuhe/ oder 7149. Züricher Schuhe, (x) Den 11. August. 1725. habe ich aufder Furke, bey Heller Luft, aufden Gräntzen des Urseren Thals und Walliser-Gebiets des Quecksilbers Höhe wahrgenommen im 19. Zoll, 4. Linien Züricher, mit denen kommen überein 21. Zoll, 6z. Linien Pariser; und in des 1^2- riorri Tabell 926. loiK-L , oder sss6. Pariser Schuhe ; nach L-lllino aber 1282. io,5es, oder 7692. Pariser Schuhe, oder 8-26. Züricher Schuhe. Zu denen eine über dem Creutz stehende Höhe von ungefehr 722. Schuhen, wiederum 9222. Züricher Schuhe vor die völlige Höhe der Furke über das Meer giebet. Den (x) IVlr. äs ?IrntLäe schließt aus der Vergleichung der Abmessungen / welchem» ser Verfasser auf dem St. Gollhards-Berg/ und er selbst auf dem LaniZon gemacht / daß dieser höher sey als jener/ und daß überhaupt die Pyrennschen Alpen höher seyen als die Schweitzerischen / indem nach Hrn. Schluchzers Versuchen baS Quecksilber niemal unter 2 >. Zoll gefallen S. I^lemoires äc l'äcacl. koz?. 17,;. P.42. Allein es Ist zu bcmercken/ daß der Ort/ wo unser Verfasser seine Versuche gemacht/ noch um etlich 1000 Schuhe niedriger ist als dir obersten Spitze des Bergs / (welche fast nicht zu ersteigen sind) wie er selbst hrer anmercket/ daber doch vest bindn/ daß der Ll. Gotlhards Berg der höchst« in gantz Europa ist. des Gchwektzerlandes. 4Z Denrz.Iun. r 706. habe ich auf dem Joch, einem Gräntz-Berg Mischendem CantonBern und der Herrschaft Eilgeldern, um 72 Uhr vor Mittag, bey Heller Luft, welche aber Abends in einen starcken Regen sich ausgeläret, dieHöhedes Wetter-Glases gehabt im 19. Zoll, 2. Linien Züricher, mit denen kommen übcrcin 21. Zoll, 4. Linien Pariser, und in des Ki»riolli Tafel 974. toikr, oder s 849 . Pariser Schuhe ; in des ouim aber 7 z 6 z. loiics, oder 8187. Paris. Schuhe, oder 88 z5. Züricher Schuhe: Zu denen 377. Schuhe vor die gantze Höhe dieses Berges hinzu zu thun, wann sie nur sol 9020. Züricher Schuhe ausmachen. Ich erachte aber, daß von dem Berg Joch M auf die Spitzen des anliegenden Ochsenstocks und Tittlisberg eine Senckel-rcchte Höhe wenigstens von 7022. Schuhen sey. Woraus vordcrft zu schließen, daß die Ehr-würdigeBeherrscher der Herrschaft Engclberg nicht so übel vom Zweck schießen, wenn sie den ihnen zrr- gehortgen Tittlisberg vor den höchsten des gantzen Schweitzerlands halten. So dann auch, daß die gerade oder Senckel-rcchte Höhe der höchsten Berg-Spitzen Europa über das Meer sich nicht über 72222. Schuhe erstrecke. Gegen diese oberste Höhe, welche ungefehr gleich ist 52. Münster Thürncn, dercnje eil,er über dem andern stünde, wollen wir nun andere bey alten und neuen Erdmessern berühmte Berg-Höhen Halter». vicTsrcllus, ein gelehrter Griechischer Erd-Befchreiber, welcher aus Befehl der Königen seiner Zeit die Berge abgemessen, fände, daß der höchste l^Iion 1252. Schritt habe. Dlckearckus, virinprimis erucNcu8, KeZum curä permcnlus Xlomeg, ex quibussirilllmum pro- cliciir ?elion irsv psstivvm, r^cione perpencliculi. ?!in. ttiii. n. csp. 6s. So schreibet auch plurarcNus in dem Leben Pauli daß weder die Höhe der Bergen, noch die Liesse des Meers «2.8tAg,-> übertreffe. Der berühmte Jesuit kiccioius wil, daß diese von den alten Erdmeffern uns hinterlassene Nachricht die völlige oder gäntzlichc Höhe der Berg- Spitzen über den »onroni des Meers anbetreffe, welche er nennet ^inmcknem Zbioluram, nnd nicht reisri- vam , welche nur von den Spitzen der Berge in das anliegende Thal, oder stäche Land gehet, woran ich annoch zweifle. Indessen finde, daß obbemeldte 1252. Schritte, oder 6252. Römisch-Velp^iiznische Schuhe, gleich find 6822. Pariser Schuhen, deren Anzahl vor die Höhe des Bergs i'ein in 'rneKsii-, mich annoch zu groß bcdnncket, obgleich selbige in Ansehung des Meers genommen wurde. Oeo- 44 ElZehlung seltsamer kTkamr-Gefchichten Lieomedes, ein anderer Griechischer Stern - und Erd-Bcschrei- ber, so nicht lang vor Christi Geburt gelebt, haltet davor, cyelic» i'Keor.c->p 12 daß kein Berg höher steige, als Is.8»clig. Mit diesen kommen überein 9375. Römische, oder 10214. Pariser Schuhe, welche nicht so weit von unserer obcn-gcsetzten absoluten Höhe der Alp - Firsten des Schweitzerlands abstehet». Der grosse OsiiiXus cle LaliiXis, einer der berühmtesten Reformatoren der Philosophisch-und Mathematischen Wissenschaften, gebürtig von Floren!;, ist der bescheidenste in seinem dlunno Liclereo pag. »4. allwo er die höchsten Gebirge über eine Meile, oder 8- sezciia. oder 5220. alt Römische, oder 5458. Pariser Schnhe, nicht erhebet. Ich halte aber davor, daß dieser Philosophische Märtyrer hierdurch nicht die absolute völlige Höhe der Berg-Spitzen über das Meer verstehe, sondern nur die kei-mv-Höhe gegen dem benachbarten flachen Lande, (y) Hieraus Messe der Wahrheit-liebende Leser, was polt jezt folgender Erzehlung der grösten Berg-Höhen nach der Meynung verschiedener alt-und neuer r^chemslicorum zu halten sey, und ob nicht die meisten allzuviel an die Sach gethan haben? Kess/er in Mronom. Optic. paZ. 129.1Z 5. UNd IN kpitome Hiiron. Lib. l. p. 26. leget den Rhätischen Alp-Gebirgen eine Hohe zu von mehr als - - Kr4bo Lib. II. LeoZrapIi. schreibet kelr« 80Z- clianX zu - - - kerenr« Lib. Xll. in Oenes. giebet dM höchsten Bergen - - Leo Lasst./Si-ertr« ^rckueÄ. Lib.X. c.7. Lrcberr« ^rr. XksZn. Luc. 6c Llmbr. ?.H. probl. s. - - Lib. I. X 4 eleor. cap. 2. ärr. i. Li/üettr« cle XiLAnere Lik. 4. cap. i. klrmr« Lib. II. csp. 64. nach der Auslegung kork. Liceri cle Lunx Luce subobkcur. L>b. U. psZ. zo6. - - - Sta- dien. Alt Rom. Vespasia-- nische Schuhe. Pariser Schuhe. 16 12222 12916 Zo I 875 L 22468 Z 2 22222 2 I 8 Z 2 22522 2 Z 66 l 43 26875 29338 64 42222 4Z664 128 82222 87328 420 252222 272917 Lrccio- (?) Diesen Beobachtungen verdiemt diejenige beygesert »u werden/ welche der ?. Levilläc auf dem höchsten Berge ?ico in der Insul Teneriffa gemacht/ dessen Höhe er Tojse«. oder i;»78. LKuhr/ dar ist beynahe rine Mell« gesmden bat. des Schweitzerlandes. 4t /rrccro/r« Oeozrzpk. I^ib, Vi- cup. ro. haltet davor/ (in Kraft-essen/ was er von deri^"' Höhe der Bergen älkos rrud o->uc3g he- ! wiesen zu haben vermeynt,) daß wol Berge ^ seyn können von - - !si 2 Alt. Rvm. Pariser Vespastan. Schuhe. Schuhe. Z22002 Z4SZ82 Vom St. Gotthards-Berg. <-) ist der Mühe wol werth gewesen/ daß der Niesten und Sroekhorn zwey hohem Löbl. Canton Seen stehende Ber- ae/ ein Gespräch gehalten von ihrem unter sich selbst und über andere Berge hinaus habenden Ansehen/ welches Ge- spräche^oh. RudoifRädmann angehört,und selbiges auch in Druck herausgegeben^ r6o8.; dabey aber zu verwundern/daß damals der Gorchmd sich nicht darzwischcn qcleget/ und benannte zwey, ja über alle in Evdanößischen Landen besindliche, ja über alle Berge Europä, habende hoheAuthorität/ in Bcylcgung bemeldter Streitigkeit/ und Behauptung seines Vorrechts gezeiget. Ich meines Orts glaube / er habe sich darum so wenig bekümmert / als wenig es einem grossen Fürsten zu schaffen giebt / wenn sich zwey obgleich wolhabende Privat- Personen unter einander über die Frage/ welcher unter ihnen der reichste sey / zcrzancken. Es sind einmal die Helvetischen Länder über alle andere Europäische/ in Ansehung der Lnuzrion, hoch erhoben/ und strecken in denselben die Gotthardischeu Alp-Firsten den Kopfüber andere Berge. Als ein alter und vornehmer Zeuge stellet sich der Römische Feld-Herr juiius OKr dar/ welcher in seinem Lom- menr.cie Lcii.63iiic ^>b l! I, diesen unsern Gotthards-Berg mit Nachdruck/ nach der Auslegung ttennci eiuresni, Lßicjji, IMuäü, 8rum- ki, jovii, und anderer mehr/ die höchsten Gebirge nennet. Andere und tägliche Zeugnisse werden alle Reisende ablegen / die diese gangbare Gotthardische Straffe brauchen. Wilman hieran sich nicht vergnüge«/ so betrachte man diesen einigen aus der Natur selbst hergenommenen Grund/ weilen auf dem Gotthard und F z andern (2) Ein« näher« Beschreibung der St. Gotthardr-Bergej sindi man in der IVten Berg-Reise von dem i?«/. Jahr. 46 Erzehlung seltsamer d 7 atur-Geschichten andern geschwisterten Bergen die Hanbt-Quellen so vieler namhaften Flüssen entspringen , welche uns und andern Europäischen Landen die meisten Wasser zuführen. Richtig gegen Mittag, durch Livinen, flieffet der Tefin, so hernach in das Venerische Meer sich ermesset. Gegen Mittnacht entspringet und laustet die Reuß, jn den Rhein. Der vordere so genannte Rhein nimmt seinen Ursprung aus dem Berge Crispalt, so auch ein Arm des Gotthards, laufft bis nach Chur gegen Aufgang, wendet sich aber von danncn gegen Niedergang , und in das Teutsche Meer. Von dem Gotthardischcn Berge Daldäjch, -Ä/ü?ocrrtt, rinnet her ^Lr/o, die 7o/a, so durch das Eschen- thal zwischen Mittag und Niedergang in den Langen See, und hernach in das Venedische Meer sich ergießet. Aus dem Berge entspringet der Rhodan, fliestet gegen Niedergang der Sonnen, fallet endlich in das Frantzösisch-Mittelländische Meer. Endlich aus der Grimsel fliestet die Aar, ^ro/a, nach einem krummen Laust in den Rhein. Wer ist, der nicht hieraus, ««angesehen dessen, was Limierus Ue einwirft, die abhaldige Stuffen-weise von dem Gotthard gegen das Mittelländische, Teutsche und Adriatische Meer sich ziehende Neste Italiens, Franckrcichs, derTeutschen und Evdgnößischen Landen klar vor sich sehe? Ja wer ist, der nicht die Ursach der Unebenheit der Erde hieraus abmercke, deren von Gottes allmächtiger Weißheit, in äusserlich anscheinender Unordnung ordentlich gemachte Eintheilung in Berge und Thäler uns mitder Hand führet zum Erkenntniß des weisesten Schöpfers und Erhalters; Es zeiget uns der einige oberste Helm des Europäischen Brenn-und Wasser-Hafens, ich verstehe den Gotthard, samt allen daher abquel- lenden Flüssen, Bächen, Brünnen, als so viel äeMüierten Wassern, wie auch die wildesten Berge, die unfruchtbarsten Schrofen, die härtesten Felsen nicht ohne sonderbare Göttliche Vorsehung also, wie sie sind, gestaltet, und dahin, wo sie stehen, gesetzet worden. So viel habe dißmal anregen wollen von der allgemeinen Höhe des Gotthar- dischen Gebirgs, von dessen besondern, über die Ebene von Zürich, oder Altorff, oder andere Eydgnösiische Städte und Flecken steigenden Höhe, so auch von desselben Namen, Theilen, Strassen, und andern merckwürdigen Sachen anderstwo zu reden seyn wird. des Schweirzerlands. 47 " Von des Schweitzerlands köstlichen wasser-ÜLuellen. iMU)Nter den herrlicher: Gaben, mit denen der Höchste unser liebes Vaterland gesegnet, ist nicht die geringste die Mittheilung so vieler frischen und gesunden Wassern, welche wir nicht nur vor uns gemessen, sondern auch andere Länder von unserm in Brünnen, Bächen, Seen und Flüssen zu findenden Überfluß reichlich versehen. Wer in andern, nahe an Meeren gelegenen Ländern, sonderlich in der: Vereinigten und Spanischen Niederlanden gereisct, und den Wassermangel daselbst gesehen, der wird vor diese reiche Wasser-Gutthat dem gütigsten Schöpfer nicht genug danken können. Aller Orten fliesten aus der Erden, sonderlich aüfmr- sern hoher: Alp-Gebirgen, die schönsten Crystall-lautern bald Brunnen- bald Fluß-Queller: hervor, welche alle Proben der besten Wassern an fich haben. Unser liebe Altvater NippocrLres schreibet Nachdrücklich lie /Lete > Loci/. V oH« sx , Ac. d.i. Die besten Wasser sind die, welche von hohen Orten und erhabenen Büheln hervor fliesten. Denn sie flnd süß, und weiß, lauter, und mögen etwas Wein ertragen; des Winters flnd fle warm, des Sommers kalt; denn fle kommen aus den rieflesten Ouellen bervor. Es giebt mir diese letzte Zeile Anlaß, meine Gedecken hierüber in mehrerm dahin zu erofnen. Ausser allem Zweifel ist, und aus dem, was bereits gesagt worden, zu ersehen, daß unsere Eydgnößische Lande, in Ansehung anderer Europäischen Landen und anqrentzcnden Meeren, am höchsten erhebt, so daß wir in völliger Freyheit fitzende Schweißer uns durch die Gnade Gottes rühmen rönnen, daß wir, auch natürlicher weise zu reden, den mit Bergen hoch gethürnten und angenehmsten Blumen gezierten Hut (so bey den Römern ein Zeichen der Freyheit gewesen) der Europäischen Jungfrau besitzen, wie dann bekannt, daß Europa bey den Erd-Beschreivern vorgestellet wird als eine fitzende Jungfrau, deren Haubt aber sie aus Portugall und Spanien gestalten, :ch aber veröffentlich mit bessern: Recht in unser liebes Schweitzerland setze. Ziehe ich das saubere Kleid, so einem Erd-Beschreiber zustehet, aus, und hingegen den Schmuzrock eines Chymiften an, so kommt mir das 48 Erzehlung seltsamer t^aiur-Geschichte das Schweitzerland vor als ein Hut oder Helm anfdcm Europäischen Brenn-oder Wafferhafen, von dem die Wasser in einer weit subtilem Klarheit müssen zu uns, als einem Rccipienten, oder Vorlag, hervor fliesten/ als zu den Italienern, Teutsche»/ oder Frantzosen, weilen wir ja auch in den Chornischen Werckftätten sehen / daß die Wasser leichter/ lauterer und geistreicher werden/ je höher der Helm über den Hafen stehet. Diese halb Geographische und halb Chvmi- sche Gcdancken geben mir Anlaß zu folgendem Verrinnst Urtheil, daß die salzichtcn Meer-Wasser durch unterirdische Gänge aller Orten in die Eingcwcyde der Erde hinfließen, höher aber nicht steigen können als das Meer selbst ist, folglich nicht einmal unter der Erde zu den Wurzeln unserer Schweitzerischcn Gebirgen, wil gescbwei- aen auf die Spitzen derselben, tönten hinkommen, so daß alle unsere Lande des Wassers mangeln müßten, wann nicht die wunderbare allweise Güte Gottes in den innern Kammern der Erden ein brennendes oder sonst wärmendes Feuer angezündet hätte, welches die Wasser in Dünste verwandelt, durch hohle Klüften zu der obern und obersten Erden-Rinde, ja auch in die Luft selbst auftreibet, wo sie nicht Hinterhalten, und in Wasser-Tröpfleiu versammelt werden, durch beschlossene feksichte Helme, mit denen insonderheit diejenigen hohen Gebirge versehen, welche viel Wasser von sich geben, wie zum Exempel dienen können die ob Flims in Pündten stehende Stein-Gebirge, und häuffige irr dem Dorss Flims selbst hervor fließende Brunn- und Bach-Quellen, von denen anderstwo zu reden seyn wird. Daß unsere Berawaffer mit den in hohe Helme aufgezogenen Chornischen Geistern einiger Massen zu vergleichen, wie in vorgehendem Blat angewiesen worden, können wir aus verschiedenen Gründen abnehmen: Sie sind pur, lauter, wie der rcinefte Cryftall, mit keinen oder sehr wenigen irdischen Theilen vermischet, folglich auch leicht, und kommen in der Schwere fast überein mit dem Regen- wasser, welches nach der Zeugniß «ippocrmis. und der täglichen Erfahrung das leichteste, süffeste, dünnste und lauterste ist, loc. c,r. Eben diese vortreflichen Eigenschaften unserer Wassern bekräftiget auch deren täglicher Gebrauch: In unsern höchsten Alp - Gebirgm und auch ebnen Landen finden sich Brünnen, von denen die Einwohner und Reisende bey gantzcn Massen ja wol zwey Massen trinken ohne einiges aufblähen, drucken oder andere geringste Beschwerde, ja mit grossem Vortheil der Gesundheit; weilen dergleichen suk- des Schweiyerlands. 4- tile leichte Wasser durch dic Milchgefäffe in das Geblüte, und durch dasselbe iu alle kleinste Acderlein ohne Widerstand dringen, ja selbst die widerstehende schleimichken oder andere hie und da in kleinsten Röhrlcin anklebende verstopfende zähe Feuchtigkeiten auflösen und ausführen , gleich den andern mineralischen Wassern. Was für nutzbare Regeln und Anleitungen, zu Erhaltung und Wiederbrin- gung der Gesundheit, hieraus stressen, wil ich eines jeden Gutdüucken überlassen, und nur diß anzeigen, daß vou diesen reichen und köstlichen Wasser-Quellen bald die vornehmste Ursache der so edlen Gesundheit herzuleiten sey, derer unserer hohen Gebirgen Einwohner meistens bis in das höchste Alter gemessen. '-M Von dem Züricher wein. i^N^Ormals war der Züricher wein, als das geringschätzigste Element des Schweitzerlands, verschreyt, daher er mit dem Wasser verglichen worden, gleichwie man den Glarner Rase vor die Erde angesehen, vor den Luft die pündme- rische, oder sogenannte Romanische, Sprache, vor das Feuer die Freyburger münz. Ist etwas unglückliche vorgegangen, so hat, wenn es je möglich gewesen, der Zürich-Wein die Schuld seyn müssen : Hat es sich mit einem Patienten gcschlimmert, ist ein Gesunder kranck worden, so hat man, wenn man je können, die Ursache aufdie- ses Tartarische Saurtranck aeleget, gleich dann vor nicht wenig Jahren an einem vornehmen Ort dieser unschuldige Wein angeklagt worden als die Ursache eines schmertzhaften gichterischen Grimmens, welches eigentlich von unverzinnten Kupfer-Geschirren hergerühret, und eine grosse Haußhaltung empfindlich angegriffen. Zwar ist nicht zu läuqncn, daß in gewissen Jahren unsere Weine zimlich herb und säur werden, wcim nemlich die Trauben wegen einbrechender Kälte eher müssen abgeschnitten werden, als sie zeitig worden. Aber auch ist wiedrum unlauabar, daß in andern Jahren ein so edler Wein wachßt, welcher nicht den wenigsten Tadel verdienet. Weßwegcn xiimdLUL Cardinal und Bifchoss von Sitten, als er einmal in dem Zürich-Gebiet eingekehret, und von einem Gewächs zwey gantz wi- i. Theil. G der- Erzehlung seltsamer lTkamr^Geschichrcn derwärtige Weine von verschiedenen Jahren versucht, gcurtheilct, solche Reben selten ausgestocket werden, weilen sie so unbeständig und eigensinnig wären, Luiiinß. Itteivel. Lkron. l.. XiV. c. I z. Vortref- liche Weine wachsen hin und wieder im Zürich-Gebiet, zu Neffren- bach, Roroas. Uwiesen, Marcelen, Bencken, Höngg Eglisiru: An dem Zürich-See sol der beste seyn, der zu Meylen'wachßt, (von welchem zu sehen in Jkr. Erhard Eschers Beschreibung des Zürich-Gees, pag. i-y ) Wetters ZU Herrliberg, u-s. f. Merckwürdig ist, und diß Orts in etwas zu untersuchen, -aß, ins gemein zu reden, der Wein, so an dem einten Gestad des Sees gegen Morgen wachßt, weit edler, gelber, gesunder ist, als den die Abend-Seiten giebet. Weßwegen man auch auf jener Seiten mehrere Weinberge, und bcyliegende Lust-Häuser gebauet siehet, als auf dieser. Die Ursache rühret her von der Aruzuon oder Gelegenheit dieser beyden See-Gestaden; Die Morgen-Seite ist niedriger, wie- wol auch mit etwelchen Bergen erhöhet; deßwegen kan sie zeitlich von der Sonne beschienen werden, genießet hernach den gantzen Tag die Sonnenwärme, und so lang, bis die Sonne sich hinter dem Albis-Berg verbirget; da hingegen die Abend-Seite diese Wärme auch zeitlich empfindet, aber weit früher, als die vorige, verliehret. DieserUrsache muß noch eine andere und vornehmere zugesetzet werden, welche die Betrachtung der Winden an die Hand giebet. Es lieget der Zürich-See also, daß -er rauhe Nord - oder Beise-Wind sonderbar die West-Seite des Sees bestreichen kan, und ist deßhalben kein Wunder, wenn diese nördliche Kälte die Wein- Reben und Trauben zusammen ziehet, die Aufsteigung des Nahrsaffts und Raffung verhindert, folglich eine Säure dem Wein hinterlasset. Über diß lieget eben diese West-Seite bloß gegen dem Ost-Wind, welcher öfters sich mit dem Nord-Wind vereinigt, und bald gleiche Kälte mit sich führet. Da hingegen die Meyltkomer Seite den Ost- Wind übertraget, von dem Nord-Wind nur ein wenig bestrichen wird, und hingegen dem Süd - und Abend-Wind offen stehet, welche eine mehrere Wärme und Feuchte zubringen, die Löchlein und Gestalt -er Pflanzung eröffnen, und überall die Früchte desto eher zur Zeitigung bringen. Endlich ist noch diß beyzufügen, daß die Abend-Seite mehrere und längere Kälte wegen der Nahe des Albis auszustehen hat, auf welchem Berge-er Schnee früher fallet, und des Schw itzerlandes. si später weggehet, folglich mit seiner Gegenwart dieielbige gantze Seite erkaltet. Die Nachbarschaft des auf den hohen Alpen beständig liegenden Schnees empfindet mit nicht geringem Schaden nicht nur die Morgen-Seite des Zürich-Sees, sondern auch die übrigen Theile unsers Gebiets, und des gantzen Schweitzerlands, dem die sonst warmen Süd-Winde viel Schnee und Eisthcilchen zubringen: Weßwegen der Mstr. ^mbrol-us, ein gelehrter Arzt und Stern scher, aus der Lombardie gebürtig, so zu Zürich bereits vor dem Loncgio zu Basel muß gelebt haben , (nach dem Zeugniß Mstr. Felix Häm- merlins, vor 2OO. und mehr Jahren Vorfingers zu Zürich, in cle Urbare lorculsn ävcenclo in Ve» kello) prophezeykt, es Werde innert in. Jahren die Kälte also in unsern Landen zunehmen, daß gar keine Wein-Reben mehr können gepflanzet werden. Nun find fo viel ioo. Jahr feit selbiger Zeit verflossen, und geniesscn wir durch Gottes Güte noch immer des edlen Rebensafts, es wachsen bey uns noch allezeit die Reben, ja so ferne ist es, daß dieses edle Gewächs in den Zürichischen Landen sein gutes Wachsthum nicht mehr habe, daß vielmehr die Einleg- und Pflanzung des Weinstocks solchergestalt zugenommen, -aß emcHohe Lands-Obrigkcit bewogen worden durch eine öffentliche Erkanntnuß vom ir. April 170z. die fernere neue Einsetzung der Reben zu verbieten, und hingegen den fleißigern Ackerbau einer gantzen Landschaft theils zu belieben, theils anzubefehlen. Es ist gleichwol des Mstr. kmbroln Weissagung, wenn fie nicht aus der Sternsehcr-Kunst mehr, als aus der Natur-Wissenschaft hergefloffen, nicht so gar zu verachten. Es bemercken die Einwohner der hohen Alpen, daß der Schnee und Eiß von Jahren zu Jahren höher steiget, gleichwie in den Nordischen Schnee - und Eiß- Bergen auch wahrgenommen wird, daß fie je mehr und mehr wachsen, und daher viel Gelehrte in die Meynung gerathen, daß die Erd- Kugel nicht mehr rund, wie fie anfangs gewesen, sondern Ey- förmig, oder Oval rund sey. Gewiß ist diß, daß viel schöne Alpen jetzund mit beständigem Schnee bedecket find, welche vor zo. und mehr Jahren dem Viehe die beste Weyd gegeben. Aus diesem Grunde könten ja unsere Eydgnößische Lande nach und nach mehrere Kälte auszustehen haben, wenn nicht solcher Endlauff der Zeit durch zwischen kommende warme Winde oder andere Ursachen hintertrieben wird, und hätte Mstr. ämbrolms besser gethan, wenn er an statt iw. Jahren gesetzet hätte 1000. oder 2200.; denn so hatte man den G 2 Feh- ^ 2 Erzehlung seltsamer tTlamr- Geschichten._ Fehler noch nicht mögen mercken. (->) Sonften ist zu Beliebung unserer Landcs-Kraft, des Zürichcrischen Weins/ dessen insonderheit/ der an dem See und der Limmath nach wächst/ diß zu bemerken/ daß er/ wenn er schon anfangs rauh / nach abgeflossenen etlichen Jahren milder/ lieblicher und gesunder wird/ ra, so zureden, in dem Fasse reistet, indem nemlich die indischen Tartarischen Theile sich nach und nach an die Wände, und zu Boden setzen. Hiervon schreibet obbemeldter M. Hämmerltn also: vma noltra roro vel nunguom penims in luis viribus MAturelcunr» lecl contra naturam alio- rum vinorum in umbra, Lt vaüs, Lr cellaribus prolunclioribus all annos tritzinra, vel ulrra, munclö conlcrvara connnuo clecoquunrur, Lr cle- mum cruclitare repulla äulcorelcunr. Das ist: Unsere weine kommen selten, oder fast niemal, zu ihrer Zeirigung, sonder n reisten erst nach dem Ablaufs zo. und mehr Jahren, wenn ste sorgsam behalten werden in tieften Rettern, und nehmen denn nach abgelegter Räuhe eine süffigkeic an, welches, wie er sagt, wider die k7atur anderer weinen ist. Es ist uns ja bekannt, daß die lieblichsten Veltleiner, Muskateller, Italiänische, Burgundifche, urrd andere dergleichen Weine in den ersten Jahren am besten; ja etwann länger nicht als ein Jahr dauren; weilen ihre schwefclichte Theile schön an den Reben, und in dem Most, den höchsten Grad der Freyheit besteigen, da sie hingegen bey unsern Weinen sich erst nach et- welcher Jahren Ablaust von den Banden anderer indischen Saltz- und Wasser-Theilchen los würcken. Und ist kein Zweifel, daß, gleichwie ins gemein alle währhafte Weine vor gesünder gehalten werden , unsere Land Weine um so vielmehr zu unserer Leibern Gesundheit helssen, weilen sie in unserm eigenen Lande gewachsen. Diesem füge ich rroch bey, daß unsere Land-Weine einen in gewisser Maß ausgedehnten Luft, den wir selbst täglich einatbmen, in sich enthalten, folglich unsern Leibern wie auch den Gemüthern ange- (2) ES sollen oewiffe und unfehlbareMrrckzeichen vorbanden seyn/ daß vor diesem auch Wein im Dergell in Pündten gewachsen/ so dlßmal nicht mehr zu erwarten. So sollen auch vor l oo.und mehr Jahren in denen Salischrn Gärten zu Mryenfeld Po neranzen und Granatapfel gewachsen seyn / dergleichen nun auch nicht mehr geschiehet. Man kan uberdiß von denen sonst köstlichen Weinen der Herrschaft Mryenfeld sagen / daß sie nicht mehr so zeitig/ auch nicht so starck mehr wer» den/ als ste ehemalen gewesen. Diß bertchtel Mich die Wolgebobme Frau Hortensla von Salis in einem Brief. * des Gchweitzerlandes. ez angemessener sind, denn wir sehen/ daß die Sitten und Gaben der Seele sich nach der Beschaffenheit des Leibs richten; die Franzosen sind, wie bekannt, eines geschwinden durchdringenden Geists, schlucken aber auch in sich einen edlen,, starcken, gleichsam gewürzten Wein; wie leicht lasset es sich hiemit muthmassen, daß ein Volck, welches einen zwar guten, aber dabey daurhaften, erst in den Keller reffenden Wein, trincket, auch seine Gemüths-Art zu gemächlicher Aus- kochuug vorhabender Vernunft-Schlüssen, und Ausweichung aller Fürwitzigkeit, neige, (d) Rede ich dißfalls zu wenig, so belieben die verständigen Leser auf sich selbst, und die Beschaffenheit unsers Landes aus dem gegebenen Grundsätze eine mehrere Zueignung zu machen; rede ich aber zu viel, so bitte ich dieses Urtheil einer anerbohrnen schuldigen Liebe zu meinem Vaterlande zuzuschreiben. Noch eins. Es ist oben gemeldet worden, wie der Wein in dem Keller bey allgemächlicher Auskochunq seine rauhen irdischen Theile nach und nach ablege, welche denn unten und an den Wänden in die Hefen gehen, und den Weinstein gestalten; ich sage, auch oben in einem Fasse. In einem sichern vornehmen hiesigen Keller ist ein edler Meilikomer Wein von Anno 1678. bis auf den Hefen gelegen, welcher nicht nur von unten und seitwärts umgeben, sondern auch oben mit einer Rinde von Weinstein überzogen worden, innert welchen:, gleich als in einem Gewölbe, sich die sonst flüchtigen Geister haben müssen gefangen geben, und folglich diesem Wein eine lieblichere Stärcke zubringen. Aus dem, was bisher von unserm Land - Wein vorgebracht worden, ist auch zu schliesst», daß der neue, oder nur jährige Wein, weil er noch nicht von seinen irdischen Theilen befreyet, der Gesundheit weit undtenlicher sey, als wenn er etliche Jahre gelegen ; und sollen ins besonder diejenige, welche der sogenannten Miltzsucht, dem Nieren-oder Blasen-Stein, dem Podagra, Gleichsucht und andern dergleichen Tartarischen, oder vom zähen irdischen Schleim herrührenden Kranckheitcn uuterworffen, gcwarnct seyn, sich vor unserm neuen Wein, den wir gemeiniglich Suser nennen, zu hüten. Zu gefallen der Wein-Liebhabern werde denn und wenn mehrere Anmerkungen diesem Wercklein einverleiben. G r Reise fb) Dieser ist gewiß eine recht leichte Muthmaffnng / wie sie der Verfasser nimmt; denn sie steht auf einem sehr schlechten Fundament. Erzehlung seltsamer Natm-Veschickren t4 Reise über den wallenstätter-See/ durch Hülff eines ordinairen rTlach-winds. kZS ist bekannt, wie nicht nur zwischen beyden l>opici§ »der M. Sonnenwend-Cireuln unter der Linie, ein allgemeiner Wind beständig von Morgen gegen Abend wehet, sondern andere gewisse Winde, nach welcher» sich die Schiff- und Kauffleute richten können, zu ordentlichen Zeiten blasen, irr Europa hingegen die Bewegungen der Winde vor unordentlich bald durch das gantze verflossene Jahrhundert arrgesehen worden; ausscrt das r^Lnocre in seinem Buch ciu Xkouvemenr cies Lsux, ür äes sulres Lorps lluiäe8 , P3A. fv., und Hr. Sturm in einer Villen. 6e /^eris viurarionibus pgZ. 20 . angemercket, daß auf dem Europäischen Uori- ronr die Winde gleichsam in dem Creise umher lauffen, also daß mei- stentheils auf den West-Wind der lTlord, aufdiesen der Ost, und endlich der Sud-oder Mittag. wind folge, welcher wiedrum in den Abend-Wind sich verwandle. Ich wünschte, daß in unsern Lander» hierauf mehrere Achtung gegeben wurde, weilen man bis dahin denLauffder Winde vor gantz unrichtig angesehen; denn so könte marr nach und nach hier und da gewisse Regeln von Abänderung des Wetters machen, aufweiche eher zu gehen wäre, als auf die meisten so genannten Bauren-Regeln im Catender. In unsern Eydgnoßi- schen Landen sind mir bis dahin zwey einige Orte bekannt, da man sich ordinaire auf den Wind zu verlassen hat, und gewiß vorsagen karr, welcher Morgen, ja bald das gantze Jahr hindurch, zu der oder dieser Tages-Zeit wehen werde; das einte Ort ist der WaUenstäteer-Gee, /rrva»«,, Krvan«/, Kr/v»/?/, MrFenFMe»/», so oben an die Grafschaft Sargans , und das Städtlein wallenstatt, unten an das Gaster, und den Flecken Wesen flösset, und dabey die Se; oder von sich lasset, welcher Fluß bald bey der Ziegelbrücke in die Lmrh fließet, und also die Limmach, oder ausmachet. Auf diesem See wehen gewisse Winde, nach welchen sich die Schiffleute zu ihrem urrd der Reisenden grossen Nutzen zu richten wissen. Morgens frühe vor und bey der Sonnen Aufgang fanget der Ober - oder Ost'wmd gemächlich zu blasen an welcher auch fon- sten der Heuwerrer-Wmd heißet, weilen des Sommers die Anwohner bey früher Erzeigung dieses Winds das Gras sicher abmähen, und des Schweizerlandes. 55 und znrTröcknung ausspreiten können; dieser Wind währet bis ungefehr nm l o.Uhr Vormittaa, dienet also denen, welche von Walleustatt gegen Wesen abfahren wollen. Zwischen i o. und 12. Uhren ist eine Windstille. Nachmittag fängt der West- oder Abend-wind zeitlich an seine Herrschaft zu zeigen, welcher denn regieret bis zu Abend, und denen bequem ist, so von Wesen nach Wallenstatt reisen. Nach der Sonnen Niedergang fängt gemeiniglich bey schönem Wetter wiederum der Ober-Wind an zu wehen. Wie aber nichts in der Natur so beständig und grad, das nicht zuweilen von der Richtschnur abweiche, und sich ändere; also geschiehet es auch etwann, daß diesen jetzt beschriebenen ordentlichen Laust der Winde der Nord-Wind unterbricht, welchen sie in dieser Gegend den Blämstr- und Ralchchar- ler.wind nennen, von dem Berge Blättlis und dem Ort Kalch- tharen, über welche dieser Wind herblaset, und den Schistleuten ein unbeliebiger Gast ist, weilen er ihren aufden ordentlichen Windlauff gegründeten Gewinn unsicher machet, ja, wenn er unversehens sich erhebt, die Seefahrenden in Gefahr setzet. Die natürliche Ursachen dieser Begebenheiten sind aus folgendem unschwer zu ersehen: ES liegt der Wallenstatter-See aegen Morgen lind Abend gantz offen, so daß die Sonne des Morgens bald aufstehet, Abends spät niedergehet. Aber gegen Mittag und Mitternacht erheben sich hohe Schroten und Berge, welche denen, so auf dem See bey schönem Wetter fahren, ein angenehmes Schauspiel vorstellen, aber auch bey entstehendem Ungewitter grosse Forcht einjagen, weilen die brausenden Wellen an die Steinwände mit Gewalt anstoffcn, und von dannen mit entsetzlichem Wüten in sich selbst zurück prellen. Hieraus ist leicht zu schließen, daß die von aufstehender Sonne verdünnerte, und in etwas ausgedehnte, folglich einen wettern Raum erfordernde Luft sich nicht könne auf allen Seiten gleich ausbreiten, sondern zwischen den hohen Glarner-Sarganser- und Gaster-BeraenMichsam gefangen, allein gegen Abend sich bewegen könne. Es wahret aber dieser Ost-Wind bis um io. Uhr Vormittag, bis nemlich die Sonne in mitten über den See zu stehen kommt, und also die gegen Wallenstatt und Wesen liegende Luft in gleiche Dünnung bringet, worauf bis Nachmittag eine Windstille erfolget, da die Wesener Luft bey absteigender Sonne gleicher weise ausgedehnt sich nirgendshin kan begeben, als übersich gegen Wallenstatt, und so einen Abend-Wind erwecken Daß aber nach der Sonne Niedergang der Ost-Wind wie- drum §6 E> zehlimg ftlksamer tTlarur-Gesch icltten drum anfängt zu wehem kommt daher, weilen dievon der Wärme ausgedehnte und gegen Wallenstatt getriebene Luftkugcl dannzumalsich wicdrnm zusammen ziehet/ und gegen Wesen durch die Kraft ihrer eigenen Schwere und Liaiticne, zurück fallet oder treibet. Oben habe ick bereits angedeutet/ daß dergleichen Vormittag wehende Ost- und Nachmittag blasende West-Winde sich noch an einem Ort sinden, -iß ist aber das Äergeller, pergetterrhal, inLobl. Gottshauß-Pundt -erhöhen k^riZ-, welches sich auch zwischen hohen Bergen von Morgen gegen Abend erstrecket/ folglich gleiche/ oben angebrachte Ursachen zulasset. Sol ich diese Natur-Geschichte in Vergleichung ziehen mit andern in andern Landen vorkommenden gewissen Winden/ so stellet sich der zweyfache Wind auf verschiedenen Ost-und West-In- -tschen Cüften ein. Auf den Malabarischen z. Ex. regierendes Sommers/ oder von dem Herbftmonat bis in April, von Mitternacht bi§ Mittag die so genannten lerrcmkos, vemi öi lerra, Landwinde, welche von Morgen herüber das veste Land Herstreichen; von Mittag aber bis zuMitternacht die Viraconos, wmcir uyc cj« Lee, so von Westen über das Meer her kommen. Varen. LeoZ^n. 6ener. Qb. l. c. 21. krop.7. (c) Ich komme aberwiedrum zit dem Wallcnftätter-See, um Achtung zu geben / was den Seefahrenden auf beyden Seiten desselben vor Augen komme/ und bequemen Anlaß zu gelehrten und luftigen vilcourien geben könne. Fahret man von Wesen auf Wallenstatt, so kommt lincker Seits in Augenschein erstlich der oben gemeldte Dlättlisderg, oder Liderschen; darnach Mattstock, ein anderer, so an ihn stoßet; weiters Ämmon, aufAmmon ein Berg und Dorff/ welches so viel sol heißen als au häonr , weilen das Dorff auf dem Berge liegt, nach der Auslegung Ouier. kkxr. r > z. oder amwnus mons» ein anmuthiqerBerg. nach Rädmanns Gespräch» von Berg. p 256. Denn gewißlich diesem Dorff nicht nur sein hohes und fruchtbares Lager ein schönes Aussehen giebt/ sondern auch der Musterbact) ^ welcher sich von grosser Höhe über die Felsen herabstürzet, und den Vorbeyfahrenden eine grosse Lust erwecket. An dem Fuß dieses Bergs war vor diesem ein Schloß, Grraleck genannt, da jetzund eine Capelle stehet. Wetters folget der Berg Seren, (c) Die beste Nachricht von den beständigen Winden hat man von dem berühmten Halley S. pkilorp. 18;. Er hat auch Oampier tlmn Traktat von Win« den geschrieben/ der rtgentltchi Nachricht htervon giebt. des Gchw^'tzerlandg. 17 Sel t n, zu dessen Anfang ist der Beyerbach von dem die Anwohner vorgeben, daß er mit dem Rhein, der doch Mit von hinnen durch das Rheinthal abssiessct, eine Gemeinschaft habt/ weilen die Wasser dieses Bachs mit dem Rhein wachsen/ und abnehmen/ welches aber an den meisten Bergwaffern kan wahrgenommen werden. Fürterhin ist der (Quinmerberg also genennt von dem Dorff «Quinten / welches seinen Namen von den Römischen hier an diesen See verlegten Colonicn behalten, gleich wie T^rz und (Quarr, welche drey Ort in Latein heißen in unserer Sprach die dritte, vierre, fünfte (Rott.) Besser hinauf ist Jenen, dadie Glatte, oder hohe Stcinwand, welche Senckel-rccht über den See aufstehet, und auch in denselben in gleicher geraden Linie sich cin- sencket, wie denn der See dieses Orts, nach der Schiffern Aussag, in die ZOO. Klafter liess seyn sol. Endlich bis Wallcnstatt siehet man folgende Berge, Schwalbrs, tz^chr>nen, Tjchmgtcn, Lmnz, T>cherier LUp. Auf rechter oder mittägiger Seite des Sees ist erstlich unweit Wesen, der Wellenberg; Britterwald, von dem 5lcl>u6,u8 an- mercket in bleiver. ?lnr,q. ^lic., daß er ein Gränz- oder March-Steitt des Helvetier-Lands, ins besonder aber des alten i >^urin, Zü- rtchgeu, so auch der Bistürnern Chur urid Coftarrtz gewesen. Ein Theil von diesem Berge heißet Gojft-l-Sralden. An dem Fuß desselben gehet an dem See hin der Neue Weg, so mit grossen Kosten und Fleiß oft in Felsen cinqegraben worden, zum Dienst deren, welche nicht zu Schiffe wollen, oder wegen Ungestüme nicht können über See kommen. Weilers ist zu sehen der Mürrsch Srock, Mörrsrben, zu dessen Anfang der Fi.tzdacl) abstießet. In der obersten Felsen-Spitze dieses Glarnischen Bergs ist eine von Natur durch- gcgrabene Höhle, durch welche man an einem gewissen Ort des Sees den Himmel siehet. Auf dessen mittägiger oder Glarncrseiten war vor dem ein gutes Gilber-Bergwerck, welches jctzund ungebauct lieget. An dem See ist das DorffMüuiham, und das Müllicnal. Weilers kommt der Lyregez-Lcr-g aufdemedas Dorff Ryrctzen: würgen, allwo eine Eisenschmelze; (Qual reu mit dem (Qual me-- berg; Teryen. undTerznerberg; wots, un-Woiferberg Boü- schyben, ein kleines Berglein, nebst dem die §a in den Wallcnstät- ter-See einstießet. Über diese Berge strecket sich die Sp'tzmeil, ein hohes Glarnisches Gebirg, welches den Namen von seiner zugespitzter! Gestalt scheint hcrzuhohlen. l. Theil. H Von ,8 Erzehlung seltsamer Natur-Geschichten von Bereitung der Milch und Milch-Speisen/ wie solche auf den hohen Alpen geschiehet. lMk>Nter den Wundergaben, damit der gütigste Gott unsere Eyd- gnößische Lande, gleich vor altem das Land Canaan, segnet, ist nicht die geringste die Milch, von deren Bereitung ich dasjenige in möglicher Kürze dem geehrten, sonderlich Milchliebenden Leser mittheilen werde, was ich aus eigner Erfahrung auf den höchsten Alp-Gebirgen gesehen, dabey denn veröffentlich der Gemeine, und Bauersmann, der Vaterländische Geschicht-Schrei- ber, der gelehrte Wörter-Sammler und Allsleger, der verständige Artzt ein jeder das Seinige wird finden; und jeder gebätten wird zu ändern, zu bessern, zu mehren, was ihn zu einer vollkommnem Milch-Historie dienlich düncken wird. Von des Sennen Person / Amt/ und Behausung. ist der Senn ins gemein ein ehrlicher, aufrichtiger Mann, ja ein Abdruck der alten Schweizerischen und redlichen Ein- fält, sowol in seinem Leben als Thun; bekleidet mit einem rauhen, ehrbaren Kittel; beschützet mit Holzschuhen, die er mit zwey ledernen Riemen über die blossen Füsse gleich den Alten Teutschen anbindet, cznorum svIeZ8 ex ^rbc)N8 libro läbreläAAg funiculus in plan» peäis aöllriNAir, nach dtM Zeugniß Lluver. 6srm. -Znric>. I^ib. l. c-tp. >6. und der Abbildung, welche Nalcluinu8 in seinem gelehrten Buch von den Schuhen der Alten, «le 6,/ceo ^«lr' 4 «o, p. ;s. vorstellet. Es ist aber hierzu das Holz tauglicher als Leder, weilen die Straffen auf die hohen Alpen (welche die Sennen täglich brauchen müssen) nicht eben, und besetzt, sondern wegen der vielen vorkommenden Felsen und Steinen sehr rauh sind. Ein solcher Senn wird vorgesetzet einer Senneen das ist, einer ziemlichen Anzahl von 20.30.40. oder mehr Stücken Haubt-Viehes, mit welchen er zu Anfang des Sommers zu Alp fähret , fleißig auf sie Achtung qiebet, und von ihnen die Milch, Käse, Butter und Zieger sammelt, darvor auch eintweder dem Besitzer fleißige Rechnung, oder einen gewissen verdingten Zinß giebet. Hiemit sennmee der Patron . ^MWWLWM,mMWLP5^^ .7.77 77,. 7^r777UAi:ck7 7.^ü?7. 7>^E-.-v^^, '/ ^ 7 - . 7', , / - 7 '-... ^ - 7 ^ ^ 7747^-^' ?'v 5'^ . 2 .. .' . ^. ,. ^ L' E . M< ' ' - ^ » L- . .-' - ? ' . ^'^>L > -- , K - - - 'i7- ! ' ->' . . ^ ^ UM' ' LLkMMxvI^ 7. .7''^^^ -°^ .- ^ / -7,? " ^!^77^." , ^ 7^ 7 7 . ! " ^ , - ^.! 7 : -. , ./< 7^ ^ v '... ^ ^ '. . ' >>i. .. ?- . , ^^.» >'»." 7 ^. v' ^ ^ . . -^- 7 .^^.7k,, ^ 5 ' -> , '-»-'7 >, .' - ? . L ^ Z.^ 7 - ^ - - !.-, !r r? ^ .> - - ^ -.,- ' 7 7-^.'I ^ . ^ 7 "- 7 . ? - 7 "4.- 7' <" -''^' ' >' ^^7 -'> ?., > - .7' '777^-,--' - --LLM '77 i i"'Af»K, ^- M.L - TNLv' "G, - ^ N LkUM^^ ^^^-W^77717WLH7^7^'M ,n-«M^ 77«'^ V7r^7K Mz-Ä >^ ^M' >/ , tz^,, , ' . z 7. 7^'- H üWP^ß 7.-Mf - ' "' 7 . "''7 ^ ' «1 . E '-. 7 -. ,7.E.Z. ^ ^ L. .M.S 77 . 7 ^ 7 -^ :L ^,. '? s ' <74 M-« 7"'7 i--,. . ^ .- / xUßch. kM M77 WÄtz; . 7^-^/ ''^7 ..... -^ . MU. 7'M ^EK / ^ >?- ^ 7 " 7 ^ 7 >r.7^^ . : . 'p-K .7- .- ' ^ » ' 7 ^ ^ » 7 ? ' . 7-^Mz?7 t 7LMz«j 7 7^" 7 ^ - ^ ^-' ,-"i ,. r - . SG ». -Z ^r.- : ,'i . ' 7.1 7 »* ;K ^ '7-^7-l77-rk -7?"> , .,^^7'-. ^ tL-' - A, , ... Ä -.'- >- . 7'^A'''V.' '^-7-7... >'^LM .K2-«HÄ>A ^ -»7^ip -- 7. ^ tW7. ^ Ä - - - . ».LU LMÜ '^ - 7L>^ -.<^ 4^7 ^7'- - c . tz^r7iM DWMW WWW WWW MiUUIli»I>üütW,i!„i>i!!' WMW lüHMki SSL ^tlIdW>!1 ^>^II!!i!!^!jji^tIi^ -7 W)o(W Blatt s§-6z. «^8888888883888888 88883888888888 ^ Tab. II. Diß Kupfer-Blatt stellet vor den in seiner Hütten arbeitenden Sennen mit allem bchöcigcn Geschirr. Ist -er einfüssige Melck-Smhl , welchen -er Senn mit dem Riemen -» um den Leib bindet mit dem Salb-Horn b. L. Eine Melckteren, darein die Milch gemolcken wird. c. Ein Milch, Täußlein, welches angefüllet wird aus vielen Melckteren. v. Die Follen, oder Milch-Sienen, ruhende auf dem Follen- heber L. k. Das Well-Band-Raß-Reffe, welches hanget an dem Thur- ner, ». Zwerch über das Keße lieget die Resse-Gchindlen, 6. in welcher ein Halbrundes Loch zu Fassung des untersten Theils der Sienen. l. Das Lupp,Täußlein, darin« das Lupp verwahret wird. x. Ein grosse durchlöcherte höltzerne Ziger-Relle, wormit man den Abzug wegnimmet. l- Die Räß-Brechen, darmit man die Bulderen/ eine zusammen geronnene Materi, umrühret und zerbricht. Ich Der Gtiel-lTlapff, Haggen-Napff, Gon, dienlich zu A»s- fthöpffung -er Sirpen. Eine Mmten, -arein man den Käse fasset, und gestaltet. o. Das Mutten-Holtz, daraufdie Mutten abhaldig geAellet wird. p. Der k. Der Gchweid-Napf, bequem zu Abnehmung des Vor, bruchs. (^Das Tranck-Laß, darinn man aufbehaltet das Saur-Tranck, oder Säur-Schotten, zu völliger Scheidung der Sirpen. X. Ein höltzerner z. oder 4. Finger breiter Ring/ Räsjärbe ge, nannt/ damit der Käse umfasset wird. 8. Ein in der Räsejarbe liegender/ mit der Läse-Blechen und Brett bedeckter und mit dem Räs-Ladstem beschwerter Käse. l. Das Ancken-Laß, oder Liren, darinn der eingeschüttete Nidel durch stättges Umtreiben der Haudhebe in Butter verwandelt wird. V. Ein Ancken-Rübel, auch dienlich zur Ancken-Bereitung, sonderlich aber gebräuchlich an denen Orten, da man nicht viel Butter auf einmal machet. Zlger-Rumpf, oder auch Zlger-Trimmen, darinn der Ziger aufbehalten wird. x. und x. stellet vor eine mit einer Schindle« belegte Säu- Melck- teren, ein Geschirr, varinn man ven Schweinen zu essen bringt. Giebet den vornehmsten Sitz ab bey den Sennen, welchen auch die fremden Gäste, denen sie Gutes thun wollen, gemessen. Zeiget die höltzernen Schuhe der Sennen. V *** *** * * * des Gchweszerlandes. 59 Patron selbst, d. i. er befiehlt fein Vieh auf seine Alpen oder Wenden zu führen, und beziehet darvon seinen Nutzen. Die Wohnung des Sennen ist die so genannte Sennhütte ein durchlcuchtigcs, von hölzernen auf einander gelegten Valcken aufgebautes / mit Tann- rinden bemaucrtes, mit hölzernen Schindeln bedecktes, und mit grossen Steinen beschwertes Häußlein, dessen Acstreich eine blosse oder mit Tanmindcn bedeckte Erde; dessen Thüren, Schlösser, Riegel, Kuchen-Geschirre alle von Holz; dessen Ober-und Unter-Bette, Küssen und anders Gerähte, viel aufeinander liegende Käse, oder Heu. Diese nach der bequemen Einfalt der ersten Erden-Einwohnern eingerichtete Wohnung wird abgetheilt in zwey Haubt-Gemä- cher: Das erste behaltet den Namen des grossen Hauses, und verdienet den Griechischen Titul Lafthütte, weilen darin der Käse verfertiget wird; da finden sich alle zu der Käsen,achung nöthige Werckzcügc, des Senmn Bette, die so genannte in form eines ^mplmkegln von Steinen gebaute Hell, Herd, oder Feuerstattr Der andere Theil des Hauses istder Milchgaden, Milchkeller, weilen da die Milch hingestellet, und behalten wird , lieget deßwegen gcmein- lich gegen Norden, woher die kalten Lüfte wehen. Nicht weit von der Sennhmtt ist der Vieh - oder Ruhgaden, allwo der Ordnung nach die Ochsen, Kühe und Griffen stehen , jede nach ihrem Rang, und mit ihrem gewissen Namen bezeichnet. villsne orclme ceno I'rivse Moores, mecliague serale leorüm ?rivA,imgue recens nzri. ltomer. Ocl^ls.A. Diese Thiere melcket der Senn Morgens und Abends, fitzend auf seinem einfüßigen Meickftuhl, welchen er mit einem Seil oder Riemen um den Leib anbindet; versehen mit einem Smbhorn, jn welchem zu Bestreichung der Uttern Butter enthalten. Von Bereitung des Aases. AAdIese nahrhafte, gesunde und ungesunde Speist bereitet man folgender Gestatt: Nachdem der Senn die Milch in die Melck- leren (welche den Namen herzuhohlen scheinet von dem Lateinischen Wort xtuiLNum, oder ) gemolcken, und aus vielen Melckteren in das Milchräußlein ausgegosscn, siebet er sie durch die Folien, oder Milch-Gienen, (ein hölzernes, oben weites, unten enges, mit frischem Tannkreis verstopftes Instrument) in das grosse H 4 well- 60 Erzehlung seltsamer iTlatur-Gtscl-ichren Wellkesset, Bandkessel. Räßkessel, welchesandemTburneo einem hölzernen Schnabel, hänget, welcher sich mit leichter Mühe von dem Feuer hinweg, und über dasselbe bewegen lässet. Nachdem die reine Milch eine Zeitlang ob dem Feuer gestanden, nimmt der Senn aus dem Lupplaußuin einen Löffel voll Lupp, Raslupp, Raslap, (von dessen Bereitung und Wüxckung unten mit mehrerm sol geredet werden) wormit er denn bis i oo. Maß Milch scheiden kam Von dieser dick geschehenen Milch nimmt er mit einer durchlöcherten Zi- gerkellen den Abzug, ein schaumiges Wesen, hinweg, damit es den Schweinen zur Nahrung diene. Die übrige zum Käse machen dienliche in ein dickes zusammen haltendes Wesen zusammen geronnene Materie nennet man Bulderen diese zerbricht der Senn mit der Räsbrechen einem ftachlichtcn Stecken, in kleinste Stücke. Wenn dieses geschehen, so scheidet sich die dicke Materie von einem wäffc- richten Wesen, und heißet jene Rase, diese aber Super,. Von dieser Sirpen nimmt der Senn mit dem Sne-napf, Hakeunaps, Esn, etliche Maß hinweg, schüttet sie in ein anders Geschirr, und fasset den Käse in die Murren welche abhaldig auf das Murrenbolz gelcget wird damit die überflüßige wäfferichte Feuchtigkeit den Ablaust habe. Indessen wird die Sirpen, weilen sie noch viel fette nähr- hafte Theile in sich hat, wiedrum über ein stärcker Feuer gcsetzet, damit sich vorderst aufs ueue der Vorbruch scheide, ein schaumichtcs, oben auf schwimmendes sehr niedliches Wesen, welches der Senn mit dem Schweidnapf wegnimmt, damit es ihm allein, oder mit andern Milch-Speisen vermischt, zur Nahrung diene. Es scheinet diß schaumichte Lcckerbißlcin, von welchem bereits geredt worden, sey jene n^bey ^men, 247. Dahin ziehet 6els- ner. cis l_3Ke pgg.; 7. b. jene Scherz-Rede in der LomoecllZ Arilio- pbanis, blucus genannt. -V-i Ztstu Tk-oxv, Lrc. A' cceleris quam plurimüm ilise clillerunc, Ollis, viäere in c^reris enim licer Anum luprs OIlA§, b!c moilo contrario, blovoque vielem, guocl ilc 0II3 tuprs snum. Denn das Wort bey dcrr Griechen ein altes Weib bedeutet, und aber auch diesen schneeweißen wolgeschmackten Vorbruch; woher vielleicht kommt die bey unserer Jugend bekannte Redens-Art, wann sie von den grossen Schneeflocken zu reden pflegen, es fallen ane Weiber des Schweirzerlandes. §r der herunter. Wir kommen aber wicdrum zu unserer in dem Wellkessel übrigen «Zirpen, undmerckenan, daß von dem Gau, n-an ck oder Gaurschorren darein geschüttet wird / welche zu eben dem Ende in dem Tranckfaß, Tranckvruncmen, aufbehalten wird. Da geschiehet wiederum eine neue Scheidung der flüßigen Theilen von den vestern/ und heißen jene Schotten, diese aber Zieger, beyde unter einander Gussi. Nach diesem kehrt der Senn wieder zu seinem Käse, nimmt denselben aus der Muttcn, umgiebt ihne mit einem hölzernen oder von Baumrinden Ring, den sie Räsejärbe nennen, bedecket ihn mit einem rohen saubern Tuch, oderRäßblechen, beleget ihn weiter mit einem runden Brett, und beschwert ihu mit einem schweren Rasetadiiein, damit aufsolche Weise der Käse seine ordentliche Ründe, oben und unten abgeebuete Gestalt bekomme, und von aller! wässerichten Theilen befreyet werde. Auf diese gewaltthatige Pressung des Käses kau gezogen werden, was virziiius schreibet in LcloZ.!. molleg, Lr prell: copia l^zAis. Auf diese Weise wird der Käse, nachdem er an ein dunckles und kaltes Ort gestellet worden, je mehr und mehr beschwert, je vester und vester, und mit Saltz zuweilen besprengt, damit er dauer-und schmackhaft werde. Es tst aber ein Unterscheid zu machen zwischen den magern und feißren Rasen Diese werden bereitet von frisch gemolckener, nicht abgenommener Milch, auf bisher beschriebene Weise, und haben folglich in sich das käsichte und butterichte Wesen, da jene aemachet werden von derjenigen Milch, welche etliche Taa in dem Milch-Keller an einem kühlen Ort gestanden, und den Raum oder Nidel, woraus der Butter gemachct wird, von sich gegeben. Von dem Lupp. ist ja die Würckung dieses vornemlich zur Käse- machung dienlichen Safts, wetten ein einiger Löffel voll in die i OO. Maß Milch scheiden kau: noch verwunderlicher aber, wenn es wahr, daß gleiche Würckung eine in das Keffen gesenckte Türkische Ducaten sol verursachen. Und geben beyde den Natur-Forschern zu verstehen, wie ein wenig Sauerteig den gantzen Teig ver- saure, wie etwann eine grosse Kraft in wenigen Theilen bestehe, H - wie 6°r El'Zehluncf seltsamer N'arm-G cschichken wie so kleine und oft unsichtbare Theile grosse Würckungen thun/ welche Wahrheit eben dieses Lupp bestätiget/ von dem nur etliche Tropfen in Milch/ oder Brühe/ eingenommen, mit aroffer Gewalt über- und unter sich purgieren, und hierdurch die Schärfe ihrer Theilen, mercklich zeigen. Es wird aber dieses Lupp also bereitet; mannimmt einen oder zwey zerschnidtene Kälber Mägen, eine Hand voll Saltz, messet darauf gemeines Wasser, läßt es ungefehr zwey Wochen stehen : so dienet es denn zum Gebrauch. Die Holländer haben ein Wort, welches mit unserm Lupp ziemlich nahe übereinkommt, wann sie cs heiffen Lr-öe, KaiML-e; gleich sie auch die Murren nen- neu /ickott/ien, oder Von Bereitung des Buttere edle Milch-Frucht hervor zu bringen, stellet der Senn die frisch-gemolckene und gesienete Milch in den sogenannten Milch-Keller, welcher desto besser, wenn er frischer und kalter. In einer gewissen vornehmen Sennhütte ist dieser Keller in einen Felsen eingegraben, und entspringet darin ein kaltes Wasser, welches den Boden bedecket, so daß die alldort zusindende küpfcrne, inwendig wol verzinnte Mutten in dem Wasser stehen, da denn die Milch etliche Tage frisch bleibet, lind einen herrlichen Raum, oder Nidel, in grosser Menge von sich giebct. Dieser Nidel wird zusammen gefastet, und in einem Dürrer - oder Anckenkübel durch einen Stecken, oder m dem Anckenfaß oder Liren, so lange dort auf und nieder, hier in die Ründe beweget, bis sich der wäfferichte Theil, den sie Ancken- oder Sucrer-Milcb nennen, von dem hiermit gemachten Dürrer oder Ancken selbst scheidet^ Von dem Zieger und Schotten. ^S kommt der aus oberzehlte Weise gemachte Zieger , necoSa. Qrsi«/ , heraus, nachdeme die Milch schon den Käse und Butter von sich gegeben, und wird vor den zukönftigen, sonderlich winterlichen Speiß-Gcbrauch bewahrt in demZiegerrumpf, ein von Lannrinden gemachtes, mit tannenen Wurzeln zusammen genährtes, rundes, zwey oder dritthalb Schuhe hohes Gefäß; oder in der Siegerrr.mmen, welches viereckicht, von Brettern zusammen genra- des Schweizerlandes. 6; gemachet: über diß beschweret mit Trimmesteinen, oderLadstemen, damit die in dem Zieger noch übrige Schotten ausgetrieben werde, und der Zieger selbst desto frischer bleibe. Die Schotten selbst dienet den Schweinen zur Nahrung, welche auf allen Alpen bey den Sennhütten anzutreffen, mit dem Zieger aber giebt sie eine Speise vor die Sennen, uno ihr Gesinde ab. Eine solche Speise müssen auch die e^ciopLs j,i ihrer Höle gehabt haben, bey denen uiiiles eingekehrt, wie uns dessen berichtet ttomer. Ocj/is. ix. Lrsum aurem climiöium coZAuIans slbi lexüübur in cvnürnKum repoluir, Vimiclium sucem rurlu8 conliicuir in vslibus; ur ei eilet In porum sumcnri cibum, Le gcl cosnzm iulllcerer. Da durch das erste halbe Theil kan verstanden werden der Käse, durch das andere die pure Milch, oder die Suffi, oder Schotten. Von Nidelbrod und Stunckenwerne. *S behelffen sich die Aclpler nicht nur der Milch, Butters, Käses, Ziegers, Suffi, und Schotten, sondern wissen auch ihnen selbst oder fremden ankommenden Gästen allerhand niedliche Milch-Speisen zu bereiten; unter denen vornemlich das Ni- delbrod kan gezehlet werden, wormit sie ein in heiffen Nidel getünchtes, oder gekochtes, in Schnitten oder Brocken zertheiltes Brod gantz wol benennen, welches einige auch mit Butter und Milch zu- rüsten; hernach die Stunckenwerne, ein feißres Muß wird gemachet aus Nidel, Mehl, und Eyern, wenn solche beyhanden sind. Andere nehmen Butter, Mehl, und Zieger. Bey Zurüstung dieses Muses ist zu mercken, daß, wenn es den höchsten Grad der Hitze erreichet, und Zunge und Hals verbrennen wurde, der oben auf schwimmende Butter-förmige Nidel nur lau ist, und ohne einige Gefahr Löffel-weise kan eingeschlücket werden. Eine Begebenheit , welche dem Leser aufzulösen überlasse. Von 64 Erzehlung seltsamer iTtatur-Geschichten *^83888888888888888 8888888388838888§3l» Von dem Sargansischen Stahl-Erz. kZS wissen die, welche sich aufdienatürlicheHistoriederMetal- len legen, gantz wol, daß in der Welt gar wenig Stahl - Erz, sAAG so sie »kahlstem und Rern-Stahl heissen, znfinden sey, aus dcm nemltch alsobald ein Stahl - hartes Eisen, das ist, ein Stahl könne gcmachet werden; Massen der meiste Stahl aus dem Eisen verfertigt wird, der deßnahen zum Unterscheid des erstem Eisen - Stahl genennt wird. Es sind zwar bey alten Scribenten der Sinopische, Lydifche und Laconiscbe Stahl bekannt; die eigentliche Geburts-Stadt aber des Stahls ist c^iybo, eine berühmte Stadt in Assyrien, von deren auch der Stahl den Namen (^i>-bs empfangen, und zu allen Zeiten getragen hat. äsimss. Lxercir. in pg§. 76Irr Europa ist mir nicht einiges wahrhaftes Stahl - Erz bewußt, wenn nicht solchen Titul verdienet das, welches gegraben wird in i>va, Llba, des Groß-Hertzogs von Florcntz Gebiete, und Mittelländischen Meers Insuls inexhzullis Zenerols mersllis, Oder das Norische Eisen, mit dessen zähen Härtigkeit OMus ein Frauenzimmer vergleichet, das sich kaum zu einer Gegenliebe bewegen lässet, wenn er sie also anredet: vurior es kerro, qu»6 k^oncus excoqnic ignis. Eines solchen kostbaren wahren Stahl- Erzts kan eineLobl. Eydgnoß- fchaft, und in derselben die Grafschaft Sargans sich rühmen, welche in einem hohen Vera Gunzen ein dreyfaches Erz hat, Schwarz Erz, Meliwerck undRohrErz, aus deren Vermischung ein wahrhafter Stahl unmittelbar gefchmelzet wird, welchen die Herren Goo- den , dißmaliqe Jnhaberc des Bergwcrcks zu Fiums (einem in der Grafschaft liegenden Flecken, der auch einen alt Römischen Namen trägt, so n«me», einen Fluß bedeutet,) ausarbeiten lassen. Diejenigen rothen Steine, oder Gebürgt, innert welchen als in einer Schale die Erz-Adern streichen, aber zum Gebrauch unnütz sind, heissen sie Level berge . von der Farbe. Merckwürdig aber ist, daß eine ordentliche gewisse Vermischung obbenanutcr drey Erzen ge- des Gchweitzerlandes. 6f schchenmuß, wenri ein Stahl sol heraus kommen, sonstcn aiebt es nur Eisen. Es ist aber die i'ropomon allein, und sonderbar den Arbeiter»/bekannt. (ci) «kM ELA» EßN» «EKZA» -E) (M Von den Berg-Nebeln und wolcken. zancken die Natur-Lehrer wegen der Wolcken unter tkn- ander, woher sie kommen? woraus sie bestehen? wie sie in FA» freyer Luft schweben können ? Das meiste aber, das sie hie- rübcr der Welt vortragen, sind in dem Hirn gesponnene Grillen. Ich bitte, sie spatziercn selbst auf die hohen Gebirge, oder begeben sich in die Schul der Aelplern, wenn es ihrem hohen Ansehen nicht zuwider, so werden sie ein und anders erfahren, ja mit Augen sehen, was zum Fundament der Sache dienet. Diese einfältigen Leute werden ihnen mit den Fingern zeigen, wie die Wolcken anders nichts seyen, als Nebel, wie sie nicht so fast von dem Meer her durch die Luft getragen andre Berge anstoßen, als aber aus den Bergen selbst, in Form kleiner zertheilter Nebeln, aufsteigen, welche hernach sich weiter auf- und irr Wolcken zusammen ziehen. Ich habe mich in meinen Reifen hierüber zum vftern verwundert, und mit Luft zugesehen, wie diese Ausdämpfungen oft den gantzen Berg, auf dem ich damals gerciset, überzogen, und mich selbst eingewicklet haben, daß ich kaum 22. oder zo. Schritt weit vor mir sehen können, da ich -och kurtz vorher bey zo. 42. und mehr kleine dünne Nebclein bey klarem Wetter habe sehen aufsteigen, bald auch, nachdem ich die i. Theil. I Wol- (ci) Der Stab! ist eigentlich darin von dem Eilen unterschieden / daß er mchrSchwe« fei und Salz / als das Eisen hat. Man bereitet denselben auf verschiedene Weise. Eniweder aus dem noch rauhen / oder aus dem allbereit geschmiedeten Eisen; da denn der von der erstem Art weit besser ist/ als der/ welcher aus geschmiedetem Eisen ist gemacht worden. Es würd« viel zu weilläuftig seyn / wenn ich das qantze Geschäft von der Zubereitung des Stahls hier solle erzehlen; wer begierig ist solches zu wissen / der kan eine westläustige Nachricht finden von der Zubereitung deS Stahls aus rauben Eisen in Hrn. Schwer dcnborgs vorirestichem Merck Oe kerro. Dl 19;- u.ff. und 2) von derZubereitung aus geschmiedetem Eisen/ in dem unvergleichlichen Merck des Herrn Keaumirr, welches unter dem Litul klorbockeöe conveirir 1 e ker kvrAL cn /Vcjcr, Lcc. ^o. I?rr. zu ParlS heraus gekommen ist. 6s E'zeklun^ seltsamer kTkarur-eAescbi'chren Wolcken durchreiset habe, wiedrum einen hellen Prospekt, oder weite Aussicht vor mir aehabt. Es hat mich diese wolckichte Ausdämpfung an die sichtbaren Ausrauchnngen unsrer Flüssen und Feldern erinnert, welche zu Anfang des Winters wahrgenommen werden, wenn nemlich die aufsteigenden Dünste durch die kalte Luft verdicktet, gleich unserm eignen Athem, sichtbar werden, welche in Sommer- und andern warmen Tagen sich zertheilen, und aus unsern Augen sich verliehren. In mehrerm Nachdrucken habe ich mir selbst die Fragen vorgeleget, welche ich auch andern zu erörtern überlasse, ob nicht bey diesen unsern Berg-Wolcken ein ordentlicher Crcysi-Lauff der Wassern wahrgenommen werden könne? 0) und ob nicht wahrscheinlich, daß die Göttliche Vorsehung auch unter au- dcrm die Berge zu dein Ende auf die Erde gesetzet, daß sie an statt grosser Schornsteinen oder Kaminen dienten, durch welche die Dünste m grösserer Maß aus dem Eingeweyde der Erden ausrauchen können, als durch ebne Felder und Wasser, weilen oft die Fläche eines einigen Veras so groß ist, als die ebne Fläche eines gantzen Lands? Hieraus könte man Messen, daß, gleich wie unsere Eydgnößische Hebirge diejenigen Wasser, welche den meisten Theilen von Europa durch grosse Flusse zustießen, sammlcn und austheilen, gleicher gestalt Sammler und Ausspcndcr der Wolcken, eines edlen überaus nützlichen Geschöpfs, köntcn genennt werden. Gewißlich, wenn wir die Natur nicht mehr, wie vorhin, mit blinden, sondern offnen Augen ansehen, finden sich aller Orten gnugsame Proben einer un- umschränckten Macht, unendlichen Weißhcit, und unverdienten Güte gegen uns Erden-Bewohner, die wir die Geschöpfe wie Rosse und Mäulthiere anschauen, die keinen Verstand haben. Ich komme Wiedrum auf den Weg, welchen mir die Wolcken zeigen, und bemerkte, daß die Einwohner der hohen Gebirgen nicht nur aus dem steigen und fallen der Wolcken, sondern auch aus ihrer Farbe, Gestalt und Beschaffenheit, von dem Wetter urtheilen: sind sie zertheilt, dünn, weiß, leicht, so daß sie leicht in die Höhe fahren, so werden sie grumte) E« ist freylich bey den Wassern ein beständiger Creiß-kaust wabr,unebenen. D'k Dünste steigen auS dem Meer und andern Orten täglich in grosser Menge auf/ hernach werden sie von den Winden in alle WelnEeaenden getragen / da sie denn stch wiedrum in Wolcken sammeln/ durch den Regen brnab fal» lenz in Brünney und Mffcn wieder hervor lausten/ und endlich wieder in das Meer fallen / aus welchem sie aufs neue wieder herauf steigen / rr. 6? des Schweizerlandes. gcnennt trockene, Hcuwettcr-Nebel, weilen sie schönes Wetter anzeigen : sind sie hergcgcn dick, schwer, nnd lassen sich nicht leicht von der Erden auf, so zerfallen sie in Regen. Mit diesem, was von dem Ursprung der Wolckcn geredtwordcn, kan das verglichen werden, was in den Nordischen Gebirgen wahrgenommen, und den Novis i_icre- r-'n>8 L^Mici 172; p 8z einverleibet hat, sozck. ?riö. Lreiliow, Pfarrer zu Rommcleden im Wcftcr-Gothland. (0 "kr - . .- . > - .. . , . .. . 24- Von den Gems-Thieren. Ch will mit Stillschweigen alles dasjenige übergehen, was von dieser Art Thieren bey andern Natur-Bcschreibern, als Lonrscio 6el'snero, ^Icirovrimin, öcc. zu sindttt, und nur allein den curiosen Leser bey dem aufhalten, was andcrstwo gar nicht, oder falsch, oder nicht in genügsamer Erläuterung anzutreffen. Die Berg-Jäger machen von der Gems-Thieren Vestiakcit viel Wesens. Einige derselben halten sie vor vest, wenn sie Morgens nüchtern und frühe vor der Sonne Aufgang von der Gems -Wurtz, insonderheit von derjenigen Art, welche blaue Blumen habe, essen. Da aber den Kräuter-verständigen keine andere Gattung Ooromci. oder Gemswurtz, als die mit gelben Blumen, bekannt ist, so daß ich vermuthe, es möchte die blau-grblümte Gemswurtz anders nichts seyn, als ein älter aipinus riore coeruieo, oder blaues Berg-Sternkraut, deren es auf hohen Alpen verschiedene Arten giebt. Aridere halten sie vor Schußfrey, wenn sie in ihren Mägen so genannte Gemskugeln, oder ^gagrop.i^ haben, daher auch diese Kugeln mit grossem Fleiß aufgesucht, und von abergläubischen Soldaten getragen werden. Diß sagen die Jäger bald einhellig aus, daß diejenigen Thiere, welche dergleichen Kugeln in sich haben, zwar nicht Schußfrey seyen, aber einen harten langsamen Tod auszustehen haben , und ihnen etliche Kugeln in den Leib gejagt werden müssen, ehe sie davon fallen, so daß sie aus dieser ihrer Lebens-härtigkeit gleichsam vor gewiß sagen können, welche Gemse Kugeln haben, I 2 oder ( f) Man kan diese Stelle/ mjt andern hiezu gehörigen Sachen/ in der Uereoro- loZia l-Ielverirc B1. rr.und r;. lesen. 68 Erzeblung seltsamer Nchur-Meschichten oder nicht. Und kan wol seyn, -aß eine gewisse berozrö.sche, in den Gemskugeln befindliche Kraft dieser Thieren Geblüt so lebhaft, die Geister so bcweg-empfindlich, und die Zäserlem selbst so ftarck machet, daß fie daher dem Tod länger widerstehen können, als andere. Wenn man über diß die dicke Haut in Betrachtung setzet, den weiten Stand des Jägers, die Verschiedenheit der Wunden, da die eine Kugel schärffer und tödtlicher, als eine oder mehr andere, verwunden kan, die Räuche der kalten Luft, durch welche die gantzen Leiber dcrGems- Thieren zusammen gezogen werden, und gleichsam erhärten; so läßt sich wol aus natürlichen Ursachen, von dem harten Leben dieser Thieren, etwas schließen, hingegen auch urtheilen von derjenigen Meynung , welche den Gemsen eine völlige Vcstigkcit zuschreiben, oder gar die zart hautichten Menschen, Officier oder Gemeine, bereden wollen, daß auch fie vor dem Schuß ficher seyen, wenn fie, wil nicht sagen, von eitler Gemskugel nüchtern essen, sondern nur eine solche bey sich tragen; da etwa» eine ankommende matte Kugel, durch keine oder geringe Hautverletzung, die Lebensbegierige Menschen in ihrem Wahn stärckcn kan. Von den Gems-Lecken / oder Sulzen. »Fervon schreibt unser Conrad Gcßner in seinem Thier-buch 6z. K. also : Die Gemse sammlen sich gemeiniglich bey etlichen sandigren Felsen, lecken den Sand, reiben ihre Zunge und Buchen damit, machen ihnen selbst also Begierd zu essen, als ob es Saly wäre, werden aus dieser Ursache von den Jägern und Einwohnern der Landen Sulzen genennr; bey loschen Sulzen Hinterhalten, und verbergen sich die Jäger mit ihren Büchsen und Geschütz, so denn die Gemsen nach Gewohnheit herzutraben, schiessen sie es unversehen zu rode. Dem ist also, wie Geßner schreibt. Hin und wieder auf den hohen Alpen finden sich dergleichen sündigte Felsen, die also von den Gems-Zungen ausgeschaben find, daß mall gewaltige Schrammen oder Hölen darin siehet: die Pündtner heißen solche Orte Gläck ; andere nennen sie Sulzen, Gulzläckinen, Lackmen. Diese Felsen sind nicht, wie einige wollen, oder sehr selten, salzicht, sondern nur sandicht, und urtheilet Geßner gantz wol, daß dergleichen Sulzen den Gemsen zu Vermehrung -er Essens-Lust, oder auch, wie er im Lateinischen Erem, des Sebwektzerlandes. 69 Exemplar meldet, zu Ablösung des Schleims der ihnen am Gaumen kleben möchte, dienen: ich sage noch über diß, zu Beförderung der Däumrq. Es ist bekannt, wie die Vogel allerhand Sand- und Kisel-Steinlein in sich schlucken, zu keinem andern Ende, als damit die harten Saamen-Körner dadurch zwischen ihrem ftarcken Magen, als zwischen Mühlsteinen zermalmet, desto eher und besser meinen Nährsast gekochet werden. Nun ist bekannt, daß die wiederkäuende Thier, unter welchen auch die Gemse, in dem obern Mund keine Zähn haben, folglich die eingenommene, meistens trockene, lange und zähe Speisen nicht wol zerschneiden können, weßwegen dergleichen Thiere, damit gleichwol aus ihren Speisen ein guter Nahrungssaft bereitet werde, von dem Schöpfer mit einem überaus künstlichen vierfachen Magen begäbet worden, zugleich aber mit einer eingepflanzten Lust, vom Salz oder Sand einzüschlücken, und also den Mangel der Koch-Instrumenten damit zu ersetzen; wie wir denn sehen, daß die Kühe, Getssen und alles übrige Hornvieh von allen vorkommenden, sonderlich salpetrischen Mauren mit grosser Begierde schaben, und das abgeleckte einschlücken. Dieses Vortheils müssen sich die Gemse um so viel desto mehr bedienen, weil ihnen niemand Salz vorstrecket, und sie sich, sonderlich zur Winterszeit, trockener, zäher Krauter und Wurzeln zur Speise bedienen. (Z) I z Von (§) Von den GemS «Minen «st auch diß zu bcmercken/ daß du Thiere meistens zur Zeit der Voll- und Neumonds dahin kommen/ und rwar etwan von vielen andern Orten/und viel Stunden weit/ hergetrieben werden / da sie sich denn oder 4. Tage aufhalten/ und mit so grosser Degierd davon lecken/ daß sie ab ler andern We»d oder Nahrung darüber vergessen/ auch/ wenn sie genug ge. lecket / ohne weiters in der Nähe zu wenden / sich ungesäumt in aller Eil wie» drum in diejenigen Gegenden davon machen / wo sie herkommen; die andern aber/ so einheimisch sind/ bleiben in der Nähe. Du Jäger nehmen diese Zeit sorgfältig in acht / weil sie dennzumal etwas zu erjagen „erhoffen/ wirwol die Sultzen an etlichen Orten den Jägern nicht zugänglich / da sie denn den Thieren auf dem Weg aufpassen müssen. Über diß ist zu wissen/ daß ej zweyer« ley Aulzen giebt/ nasse und trockene; daß auch die Thiere/ so sich öfters dabey aufhalten/ viel magerer als andere zu seyn pflegen/ weil sie / wie gesagt/ der Weyd vergessen/ auch vielleicht diese salzichu Materie (wiewol sie mehr eine» süsscn als salzichten Geschmack in den Mund geben soll) die andern Säfte/ so zur Nahrung gedeyen sollen / allzusehr verzehret. Diß schreibt Hr. ssoll. tteinr. Ilclmäiu;, Oiac. zu Schwanden/ den n.Hpril 17 «;. * 70 E^zehlung seltsamer N^atur- Geschichten Von der Gems-Iagd. S ist diese eine der beschwerlichsten und zugleich gefährlichsten Jagden, bey deren der Jäger keinen Fleiß mnß sparen , keine Mühe steh daurcn lassen, die Stell- und Bewegungen dtr Thiere wol in acht nehmen, Frost, Hitze, und ander Ungemach ausstehen, ja gar oft in Leib-und Lebens-Gcfabr sich begeben muß. Keine Hunde nützen ihn etwas; er muß den Jäger und den Hund zugleich versehen. Seine Ausrüstung bestehet in einem rauhen Kittel, Geschoß, Pulver und Kugeln, einem Räntzlcin mit etwas dürren Fleisch, oder Käse und Brot versehen, und einem paar Schuh- Eisen, welche er an den gantzcn Schuh anlegen, und damit über die gähcn, abhaldigen Felsen, oder über die Gletscher klettern kan. Seine Wirthshäuser sind die Senken, in denen er Milch und Milch-Speisen zu stiller Erlabung antrifft, und da stillen Ausspanne oder Nacht- Herberg aufblosserErdc nimmt, oder, wenn es wol gehet, auf dem Heu schläffet. Oft geschiehet es, daß er Morgens auf die Jagd gehet, und entweder gar nicht mehr naher Hause kommt, oder gantz zerfallen dahin getragen wird; Oft stürzet er sich in solche ungeheure Dessen über Felsen und Berge hinunter, daß man ihn nimmer sindet; Oft schieffet er ein Gcwild von hohen Klippen herab, oder er erschrecket die auf höchste Felsen getriebene Gemse durch Loßbren- llung eines Geschosses in freyer Luft so sehr, daß diese forchtfame Thiere durch verzweifelte Sprünge sich selbst den Hals brechen, und in solche Berg-Klüften hinunter fallen, da sie ohne grosse Lebens- Gcfahr nicht können herauf geholet werden, oder gar müssen liegen -leiben, und verfaulen, daß sie der Jäger entweder nicht findet, oder nicht suchen darf. Etwann trägt es sich zu, daß ein oder viel Thiere von dem schlauen, an einem kaum viertel-schühigen engen Paß stehenden Jäger in solche Enge getrieben werden, daß sie vor sich nicht weiter kom- menkönnen, hinter ihnen aber ihren Tod-Feind vor sich sehen müssen, der ihnen den Rückweg abschneidet. In diesem Fall braucht es bey dem Birger (denn also nennet man an verschiedenen Orten die Gems- Jäger) grosse Klug-und Herzhaftigkeit ; weilen das verzweifelte Thier ihn leicht anfallen, und über die Felß-Wand htnabstürtzen kan. Bey so gefährlicher Begegniß leget er sich entweder der Länge nach zu Boden, damit die Gemse über ihn hinüber ohne Anstoß springen kön- des Schrveltzerlandes. 7r können, und so ihr eigen und ihres Feindes Leben retten, oder er stehet aufrecht so nahe an der Wand als möglich, damit das Thier, wenn eS keinen Raum zwischen dem Jäger und der Wand mercket, ausser ihm müsse vorbey springen, da er denn den Vortheil ergreifft, und dem vorüber springenden Thiere einer» Stoß giebt, -aß es sich stürzen muß: Wo aber das Gems zwischen dem Jäger und dem Felsen einen kleinen Schlupffindet, da tringt es fich hinein, und stürzet ihn hinunter, daß der dem Gems eine Grube gegraben, nun selbst darein gefället wird. Hiervon hat Rabmann folgende Reimen gemacht. Gespräch von Berg. Das Stein, wildpret steigt übechoch, Mder steht in ein Felsig Loch, Und über höchste Felsen springt, Mit List der Jäger nachher tringt, Und wann er mit geschwinder Hand Ein Gems getrieben an ein wand, Daß sie nicht weiter weichen kan, So sahet sie zu thränen an, Und plerret doch, und wisplet nicht; So aber Ung'ferd sie durchsteht Zwischen dem 'Jäger und der wand, Mit starckem Sprung fle durchhin rannt, Und stürzt den Jäger in das Thal Zu seinem gwiffen Todee-Fall. wird aber mir Fürsichtigkelt Das Gnus Thier an dem Mrr erlekt, So fallt es osr ad Felsen hoch, Da d'Häm gemeinlich gany bleiben noch. Ich melde endlich nicht ohne Entsetzen einen gefährlichen Vortheil, dessen sich die Jäger ctwann zu Rettung ihres Lebens bedienen müssen/ vor welchem es manchem Schwindel-Kopf schaudern solle. Es kan sich zutragen, daß ein Jäger sich so weit versteigt, daß er fast weder hinter-noch vorsich kommen kan, und sein Leben zu retten durch ei- uenWaa-Sprung genöthigt, bey deiner keinen mehrern Ansatz hat, als ein eine halbe oder gantzc Hand breit hervor ragendes Felsenstuck. In dieser äussersten Gefahr wirfft er sein Geschoß von sich, ziehet Lie Schuhe, denen er wegen Schlipfrigkeit nicht trauen darf, aus, schnei- 72 Erzehlung seltsamer Natur, Geschichten schneidet sich mit dem Messer in die Fersen, oder Ballen des Fusses, damit das hervor wallende Geblüt an obbemcldtem felsichten Vorschuß anstatt eines Leims dienen könne, welches den Fuß an den Felsen vest, ohne Gefahr des Schlipfens, anhalte; Denn setzet er mannhaft an, und waget den Sprung. Was sonften die Regeln, welche ein Gems-Iäger in acht zu nehmen hat, betrifft, bestehen selbige in folgenden Stücken. Wenn er diesen Thieren nachgehet, so siebter aufdenWind Achtung, daß der nicht den Geruch des Jägers, oder eigentlich zu reden, die von ihme ausdünstende subtile Theilchen zu dem Gcms hintrage, welches einen überaus zart-empfindlichen Werckzeug des Geruchs hat, und bey geringster Merckung des Jägers, oder des bey ihm tragenden Pulvers , sich alsobald davoii machen wurde. Wetters giebct der Gemsen-wie ein anderer Jäger, Achtung auf die Zeit und Orte, da sich die Gemse gemcinlich wcydcn, oder sonst einsinden, wie z. Ex. dienen könnendieobenbeschriebene Gcms-Sultzen, oderLäckinen, bey denen ein Jäger paffen, und oft manches Thier fällen kan. Ein merckltcher Umstand ist auch dieser, daß die Gemsen sich nicht auf das beständig gläntzende Eis oder Gletscher wagen; wenn sie hiemit von dem Jäger dahin getrieben werden können, daß sie entweder sich über das Eis saldieren, oder dem Jäger in die Hände fallen müßten, so lassen sie sich eher in solcher Enge nieder schießen. So hat vor wenig Jahren Jörg Schäm, ein guter Jäger von Nuffenen, im Rhetnwald bey einem gar grossen Gletscher des Hintern Rheins innert einer Stunde drey Gems-Thiere, eins nach dem andern, erschollen. Sind die Gemsen noch so jung, daß sie ihren in der Flucht begriffnen Eltern nicht folgen können, so fanget sie der Jäger lebendig, und führet sie also mit naher Haust; oder er bedienet sich die jungen Gemse, wenn sie mit Geschwindigkeit davon lauffen mögen, zu fangen, folgender Lift: Wenn er die säugende Mutter erschossen, leget er sich auf die Erde nieder, stellet die todte Mutter aufihre vier Füsse, als ob sie lebendig wäre, und locket also die Jungen herzu, um sie zu erhäschen, und an dem Stricke fortzuschleppen; etwann ist auch diese List unnöthig, indem das junge Gems oftmals dem Jäger, als Patrone feiner todten Mutter, gleichsam wie ein ftcywilliger Sclav nachfolget, wo er hingehet. Bringet der Jäger seine lebendige Beute heim, so erziehet er sie, ernehret sie mit Geiß- Milch, und machet sie so zahm, daß sie oft mit ihren Stief-Eltern, den des Schwekizerlündes. 7Z den zahmen Griffen, auf den Alpen weyden, und ungezwungen wie- drum zurück kommen; wiewol auch zuweilen diese vcrmeynt ^ahme Gemse ihre Gesellschaft verlaffen, und wiedrum auf die höchsten Gebirge lauffcu, sich wiedrum zu ihrer Art wilden Thieren zu begeben. Von der Gemsen Lebens. Art. ^M^Leichwie kein Thier so wild und scheu, dasi es sich wenigstens zu seiner Art geselle, also ist es auch mitden Gemsen bewandt. Sie leben gern in gemeiner und grosser Gesellschaft, theilen ihr Futter, welches sie gleich als eine Beute in qröfter Unsicherheit wegschnappen müssen, gantz freundlich; damit sie aber desto sicherer weyden können, stehen sie, wenn der Jägern und Aelplern Altssage zu glauben, auf guter Wacht, welche der Heerführer selbst verstehet, den man das Vor-Thier, oder die vor.^eiß nennet. Diese stehet an einem erhöhctcn Ort, strecket die Ohren, siehet scharf, indem die übrige weyden, rings umsich, und giebt, wenn sie etwas verdächtiges höret oder siehet, mit ihrer pfeiffenden Stimme ein Zeichen, damit sie sich eilends in die Flucht begeben. Es sind aber auch die übrige Gemse nicht schläffcrig, sondern strecken ihre Köpfe indessen, nachdem sie zwey oder drey mal von derWeyde gefressen, leben also diese armselige Thiere niemalen sicher, als in stock-sinsterer Nacht, und in mitten des Winters, da ihnen nicht beyzukommcn. Denn sie ihre Winter-Quartiere nicht auf den höchsten Berg-Spitzen haben, auf welchen sie im Sommer umher wringen, sondern in mitten der Alpen unter hohen hervorragenden Felsen, da sie denn vor den herab fallenden Schneeläuwinen irchcr styl» können, und sich theils von den ullter dem Schnee grünenden Krautern, theils von Wurzeln, theils von Tannries ernähren. Es sorgen die Gemse das gantze Jahr hindurch nicht nur für ihre eigne Erhaltung, sondern auch fm die Jungen, welche sie nicht eher an gefährlichen Klippen durchführen, als sie des Steigens aewohnt sind: Etwann müssen sie dieselben vor dem Anfall der grossen Stein - Gcyren beschirmen, welche auf die jungen Gemse sich urplötzlich herab lassen, sie mit ihren räuberischen starcken Klauen anfassen, und mit in die Lüfte fortschleppen, oder mit ihren schweren Flügeln also schlagen, daß sie über die Felsen herab- stürtzen, und also nach dem Todes-Fall ihnen zu Theil werden, l. Theil. K Von 74 Erzehlung seltsamer Natur-Geschichten Von einer feurigen Luft-(beschicht/ weiche in Zürich den 15. April 1705. gesehen worden. zwischen io. und n. Uhren, sahe man einsmals eine Helle in der Luft, auf dem garitzen ttonrom, oder so weit man um sich sehen mochte, welch e unaefchr eine Viertelstunde gewähret hat, vor-und nachher aber wäre es sinster: Einige vermeynten, es möchte irgendwo eine Feuers-Brunst seyn. Es kan diese Geschicht eine Mittelgattung zwischen dem wetterleuchten und brennenden Himmel (< 7 <Äum zrciens. dd»sm3) geukNNt Werden; währet sie einen oder wenige Augenblicke, so wird sie kaiZur. oder wetterleuchten genennt, währet sie aber länger, so heiffcn es einige einen brennenden , andere eillen geöffneten Hiininel je nachdem die Farbe roth ist, und sich nach einer gewissen Gegend ziehet; andere lAnem clivilnm, vel lp.irlum. eiu zertheiltes, ausgebreitetes subtiles Feuer. Von solchen Geschichten kan geleserr werden, lNin. ttiii ^r. I_ib. tl.csp. rr. 28.57, Lom. 6em. (.'osmocrir. !bib. I.cap 6, Le b.il). r. c»p.r. urld andere mehr, deren Historien ich diesesOrts einzuführen unnöthig erachte; gleichwie ich nothwendig befinde diese gegenwärtige Geschicht, und darüber waltende Gedancken mit andern Vaterländischen Historien zu beleuchten. Man hat dergleichen Luft-Erscheinungen in vorigen Jahren auch gesehen, nemlich: Anno 1560. den 28. Dee. erschiene nicht nur über der Stadt Zürich, sondern fast über gantz Deutschland, frühe ungefehr dritthalb Stund vor Tag, oder der Sonnen Ausganq, am Himmel eine ungewohnte Nöthe, fast blutfarb, die sich sehr weit ausbreitete, mit z. oder 4. Missen Strichen gleich den Wolcken unterschieden, man konte auch die Sternen dadurch sehen; dieses erschreckte viele Leute hin und wieder, daß man vermeynte, es wäre eine Feuers-Brunst. Um Mitternacht, als diß Gesicht gegen Tag erschienen, ist man zu Zürich eines Erdbebens gewahr worden, welches der Wächter, auf St. Peters - wie auch der auf dem Münster-Thurn, bey Erschütterung der Fenstern, gespüret; so hat auch ein Bauer kurtz vor der Morgenröthe einen Glantz von vielen Farben aus dem Erdreich aufgehen sehen; etliche Habens gesehen wie eine Feuerkugel, lok.n-nier. (Ikron. b.ib csp. 6. blrüis Lbron. KN'iI. büb. 8- csp. 2s. Hiervon soll eine besondere Beschreibung in Druck gegeben haben des Gcbweiyerlandes. 7s IoN. /^cronius, krjsius. ?rof. LonrL^us Oessnems, unter dem Namen Lonrsöi koloveli. Anno 1572. den 12. Ienner hat man nicht allein zu Zürich und in der Eydgnoßschaft, sondern auch in Deutschland, Franckreich und Italien den Himmel wie brennend gesehen; es war von Mitternacht bis um 2. Uhr so heiter als wann der Mond schiene gegen Aufgang, und gegen Norden sahe man eine herrliche lichte Wolcke, aus welcher etliche Strahlen und Blitze gen Himmel fuhren, toller. Lkron. klic. L.ib. Z8. c. I. Anno 158O. den IO. Sept. Abends um 8. Uhren hat sich zu Zürich eine ungewöhnliche Helle oder Tags-Scdein am Himmel sehen lassen, mit crfolgtcr feuriger Nöthe, welche auch im Glarner Land, und im Zürich Gebiet an vieler: Orten gesehen, und vor eine Feuers-Drunst gehalten worden. »Liier, ekron. 4,. cap. s. Anno 1582. den 6. Merz um 7. Uhr Abends war der Himmel durchaus wie blutfarb gegen dem Zürich-Berg; es zöge sich diß Zeichen hernach über die Stadt, und um 8. Uhr gegen Baden. Den letzten Merz sahe man wiedrum der: Himmel wie brennen, und war, als werrn zwey Heerzeuge geger: einander zögen. In diesem Jahr grassierte die Pest. »ziier. I^rd. 4Z. czp. I. Anno 158z. den 2. Sept. und 1584. der: 19. Febr. sahe man auch in der Stadt und Landschaft Zürich den Himmel wie brennen. »zlier. H. 44. CLP. 2. Anno 1585. den 25. Nov. sahe man den Himmel feurroth, des Tags vorher waren erschreckliche Windstürme, welche sonderlich zu Solothurr: grosser: Schaden thäte»:, »»Her. 44 . csp. Anno 1621. der: 2.12. Sept. hat man gegen Norden, vor: 9. Uhr Abends bis um 4. Uhr Morgens durch die gantze Eydgnoßschaft eine grosse Heitere, gleich der Morgenröthe, gesehen, welche sich auch in weisst und dunckle Striche gezogen. ^»gner. »eiver. eurios. k»8- Z6s. Anno 1672. den 24. Ienner hat sich vor Schlieren über, jenseit der Limrnath, Abends um 9. Uhr ein grosses Feurzeichen gezeigt, worauf man Sturm geläutet, in der Meynung einer Feursbrunst zu- zulauffen; indessen ist diß Zeichen der Limrnath nach hinauf fortgerückt, und endlich verschwunden. Es ist auch allhter in Zürich Abends um 10. Uhr gesehen, und für eine grosse Feursbrunst gehalten worden. kx /Vrctiiv. ^nriltir. litzurin. 76 Erzehlung seltsa mer N atur-Geschichten Anno 1724. den 4. Nov. um halb s. Uhr Morgens ist auch ein hellleuchtender Himmel wahrgenommen, und aber alsobald darauf ein ftarckes Erdbeben in der Stadt und Landschaft Zürich gespürt worden. Anderer Geschichten, welche Anno 1602. den 12. Jun. 1621. den 24. Ienner, und 162z. den 20. Merz gesehen worden, zu geschweige». Wir sind nun begierig zu wissen nicht nur, daß sich solche Luft- Geschichten zugetragen, und wenn es geschehen; sondern auch wie, und wo sie geschehen, ins besonder aber, was es vor eine Bewandt- niß und Bedeutung mit derjenigen habe, welche jüngstens wahrgenommen worden. Die Naturforscher sagen kurz, daß dergleichen Geschichten aus schwefelicbten, in der Luft entzündeten Dünsten entstehen, sehen hicmit die über der Erden stehende Luft vor den Zeu- gungs-Ort an. Ich meines Orts, wenn ich die lange Währung «»wandere Umstände betrachte, denOrt derZeugung von dem Ort der Erscheinung unterscheide, mache hierüber folgende Gedancken: es werden bemeldte Dunste in denen unterirdische»» Klüften und Gängen angezündet, brechen aber durch die Erden-Rinde an einern oder vielen Orten, auf einmal oder allgemach aus, und beleuchten die obere von uns sichtbare Luft, bis sie verschwinden, oder auslöschen. Ist die angezündete Materie nicht sonderlich häuffig, sondern gering, mrddieErderrlöchlein offen, so giebt es einen geschwinden Glanz, gleich einem Blitz: Ist sie aber häuffig, und doch »richt mit vielen salpetrischen Theilen begleitet, so daß sie auf einmal nicht durch die äussere Erden dringen mag, solidem allgemächlich paßiren muß, so währet dieser helle Schein eine viertel Stund, wie der vorhabende, oder eine gantze oder mehr Stunden. Sind die schweflichtc Dünste mit vielen salpetrischen untermenget, so geschiehet der Durchbruch gewaltsamlich, und wird mit einem Erdbeben begleitet, wie^o 1560. und 1724. angemercket worden. Eben diese zwey Historien, nebst dem Umstand der Zeit, machen »»»ich glauben, was ich schreibe. Niemand wird ja sich einbilden, daß der helle Schein, so unmittelbar dem Erdbeben ko. 1704. vorgegangen, ein gemeines Wetterleuchten gewesen, und nicht mit der Erd-Erschütterung selbst eine genaue Gemeinschaft gehabt habe: und es gehet schwer her zufasse»», wie bey kalter Winters-Zeit die schweflichte Dünste in der Luft können entzündet werden ? Daher ich die meisten Winter - Blitze von jetz- er- zehltcr Art zu sey»» beglaubt bin, andern aber ihr freyes Urtheil 77 des Gchweizerlandes. auch überlasse: denen aber zu betrachten vorlege die natürliche, bey allen heutigen Natur-Forschern beliebte Vergleichung der Erdbeben mit den so genannten Minen, wie nemlich die Erdbeben entstehen von entzündeten schweflichten, salpctrischen, und andern unterirdischen Dünsten, wie auch oftmals in dem Neapolitanischen, und in Sieilien, mit dem Erdbeben zugleich würckliche Flammen aus der Erde fahren, nach dem Zeugniß n,u i-'b li. ^rmz>. 8 eliec» Q>b. vi. dlzr. cap. 4 und vieler heutigen Natur-und Geschicht-Schrei- bern. Zur Bestätigung dessen dienet folgendes: Es haben vor dem Erdbeben, so den 4. Wintcrmonat 1704. acspüret worden, zwey ehrliche Bauren, der einte von Birchweil aus der Pfarr Basserstorff, der andre von dem nahe dabey gelegenen Hof, Obholz getrennt, als sie von Hauß hinweg naher Wülflinqen gefahren, bemercket, daß ein Feuer aus der Erden kommen, welches dem Boden nach gleich einem Blitz gefahren, darob sie erschrocken, und je einer den andern gefraqet, was doch diß bedeute, das sey keilt rechtes Wetterleuchten? die Erschütterung des Erdbodens aber haben sie selbst nicht wahrgenommen. Ein gleiches sol auch zu Einbrach von einem Mann gesehen worden seyn. Wir unterdessen lernen von diesen unsern Lehrmeistern, daß die eigentliche Ursach derjenigen Wetterleuchten, so etwan unmittelbar den Erdbeben vorhergehen, also auch der oben beschriebenen feurigen Luft-Geschichten, welche unter dein Namen Loeii ^äenkis, eines feurigen Himmels bekannt sind, mehrmalen von würcklichem Ausbruch eines unterirdischen Feuers herrühre. Diß berichtet mich Hr.) 6 ^ l). mein sehr werther Freund. Es lieget nicht wenig an vernunftmäßiger Untersuchung der eigentlichen Zeugung dieser feurigen Luft- Geschichten, wenn man von derselben Art, Würckung und Bedeutung reden wil. Ge- meinlich haltet man davor, sie bedeuten mehrere Kälte; ich kan aber nicht sehen, warum, wenn nicht davor gehalten wird, daß bey Aus- brechung des unterirdischen, materialischen oder formalischen Feuers, welches bis dahin die obere Erden-Rinde gleich einem Ofen erwärmt, auch die Wärme mit ausgcstogen, und sonderlich die Gewächse der Wurckung des Schnees und Frosts desto blosser übergebe. Einmal bemercket l^iierus, daß auf das Feuer-Gesicht 1562. eine grar»- same Kälte gefolget sey, welche von Anfang des Winters bis in mitten des Drills i s6i. mit vielem und grossem Schnee gewähret hat, so daß beynahe alle Wasser übcrfroren, auch gar der Rhein zu Basel K 3 ob 78 Erzehlung seltsamer kJamr-Geschichten _ ob der Rhein- Brücke bestanden, welches vorhin unerhöret war. Ob aber diese Kälte ^».1561. von der Feuer-Geschichte/ die bereits vor einem Jahr acfthen worden, herrühre, kan ich noch nicht begrelf- fen, vielwenigcr wolle ich mich unterstehen zu propheceyen, daß der näckst-könftige Winter, so anf^o. 1706. zu erwarten, auch von so grimmiger Kalte seyn werde. Und wann auch -ist erfolgen würde, so hätten wir die Schlacht noch nicht gewonnen, weilen bevorstehender Winter aus andern zufälligen Ursachen könte kälter seyn, als ein anderer, und bey andern wichtigern Exempeln bekannt, wie leicht und oft man saiiscism non caulX ui.csi.isT begehe, oder eine Sach vor die Ursache einer Würckung ansehe, welche esKber nicht ist. Vielmehr lasset sich muthmaffen, daß aufdergleichcn ausgcbrochene Feuer schwere, auch ansteckende Kranckheiten folgen können, und könte wol seyn, daß die Hals-Wehe und Fluß-Fieber, welche au vielen Orten der Eydgnoßsthaft seit dem vergangenen Herbst graßirt, und etwas giftiges mit sich geführt, eine Würckung anderer Neben-Ursachen find, inS besonder aber des Erdbebens, welches wir gespürt im Win- term. 1704. und dabey auSgebrochcner allerhand ungesunden Dünsten , welche wir mit einathmen in unS schlucken müssen; Gleichwie aufviele dergleichen Feuerzeichen, so^o iz8o. 1581. und 1582. gesehen worden, eine Pest erfolget ist. WaS auf die letzte Geschickt folge« werde, stehet zu erwarten ; der Höchste wende gnädig alles Unglück ab. Es ist zu vermuthen, daß diß Jahr seltsame Lust- und andere Natur-Acttderuttgcn,aus bereits geschehener Erscheinung zweyer Mondhöfen, des letzten Feuerzeichens, auch eines Rings um die Sonne, welcher den is. April dieses lauffenden Jahrs zu Schwanden im Glarnerland gesehen worden, zu gewartcn. Ich hüte mich aber sorgfältig vor gewisser Propheceyung dessen, was geschehen könte, mich an dem vergnügend, wenn ich die in der Natur würcklich geschehene Dinge kan zusammen fügen, und so einen Weg bahnen lernen, auf dem nach und nach aus gegenwärtigen und vergangenen Natur-Geschichten auch künftige vorgesagt werden können. Von des Schweiyerlandes. 79 Von dem Pfefers-Bad. liegt dieses kostbare Bad, in Latein i'bermD l^vsrienleg, G)i pzvJi-i«, käV 3 s, 3 nse, ? 3 vnrinx, piperinL genennt, in der gnA- Grafschaft Gcrrgans , gehöret eigenthümlich dem Gottö- haust pftfers zu; stehet aber unter der Vll. Alten Orteir Bottmäßigkeit, in einer tieffen Berg-Kluft, aleich dem Golde und Edelgefteinen, welche gemeiniglich entweder in tieffen Bergwercken oder härtesten Felsen eingesendet stnd, von dannen ste, ohne grosse Mühe und Kösten, nicht können hervor gezogen werden. Und hat diß edle Wasser wol verdienet, dast es von verschiedenen alten und neuen Skribenten in besondern Tractätlein beschrieben worden, als Von ^bils, ^LcksriL Osmur, lLolvveck, INeopkrstto pzrscelscr, ^lick. 8cbmurio, äu^ullinc» 8lüjrlin6, Xlzttkro Ximmermsnn, sonften aber in andern grossem Wercken von Ouler llUxr. I^ib. VI. 8p5eclicr pall. KKZer. I4b. IN. pzZ. 8lumpf. Lkron. blelv. I^id. X. l'lckuN. Rhtt. Alpgeb. dlelv. Lurioz. pag y,. Hieraus ist leicht zu ersehen, daß mein gegenwärtiges Vorhaben nicht ist, das, was jezt bemeldte Herren geschrieben, abzucopieren, und damit dem sonst gönstigen Leser verdrießlich zu fallen. Es würde auch dist der enge in einem halben oder gantzen Bogen eingeschlossene Raum nicht zulassen, welchen deßwegen mit einigen zwar bekandten gleichwol nöhtigen, und auch mit andern neuen, von eigner Erfahrung herhabenden, und denen Liebhabern dieses Wassers sonderbar dienstlichen Sachen anzufüllen, Willens bin. Obgleich diese Wasserquelle in einer tieffen Berghöle eingesenket ist, so habe ich doch, vermittelst meines Wetterglases, in einer Anno 1704. alldort gehaltenen Cnr, befunden, daß sie über unsere Sradt 720. bis 8oo. Züricher Schuhe erhöhet ist. Es scheinet zwar diese Observation von geringem Nutzen zu seyn, ob ich wisse, wie hoch dieses Bad liege, in Ansehung unserer oder anderer Evdgnössi- sehen Städten. Sie qiebet nur aber Anlaß zu folgendem Vernunft- Urtheil , welches sich auf die gesunde Lehr der Natur-Wissenschaft gründet, und den Trinck- und Bad-Gästen einen herzhaften Muth machet, die Cur mit Freuden anzuheben, und zu erwünschtem Zweck zu bringen. Weilen dieses Heilwasser so viel ioo. Schuh über unsere Zürichische und andere retpeüivL niedrigere Lande erhebt, so wird alldort 80 Er^ehlung seltsamer lTkatur-Gesciu'cbten alldort die äussere Lltft eine geringere Drückkraft auf unsere Leiber ausüben, und diejenige Luft, welche innert uns, in unserm Geblüt, Adern, und allen kleinsten Theiler, enthalten, ihre Ausdehnkraft mit erfolgender desto grossem Würckung zeigen, alle kleinste Blas- und Aederlein unserer Leiber erweitern, wobey dann die sonst subtilen hauffig etngedrungenen Waffertheilchen desto leichter alle Aederlein durchgehen, den Crcißlauss aller Säften befördern, die hier und dort an den Wänden der kleinsten Röhrlein anklebenden Schlei- msgkciten ablösen und fortführen, folglich die Verstopfungen, welche -er meisten Kranckheiten Ursachen sind, ausiösen, endlich die Gesundheit wiederum erstatten können. Hieraus ist leicht zu Messen, daß, wenn die Drückkraft der äußern Luft noch mehr durch die eingeschlossene Wärme des Bads selbst gcschwächet wird, die innere Luft desto mehr sich wird ausdehnen, wie denn dieses diejenigen Bad-Gäste erfahren, welchen der gantze Leib geschwillet, öfters in solcher Maß, daß die Haut zerspringen möchte; worauf mehrmalen die beste Gesundheit erfolget. Aus bisherigen Fundamenten lasset sich Messen, daß dieses Pfefers-Bad uns Zürichern, oder andern in niedrigern Orten wohnenden Schweißern, insonderheit Deutschen, Franzosen, Italienern oder Holländern besser zuschlagen werde, als denen anwohnenden Unterthanen der Grafschaft Sargans, oder noch höher liegenden Pündtnern: welches alles aber mit Vorbehalt der Natur, Kranckheit, Alters, und anderer Umständen, welche einen jeden Menschen ins besonder angehen, zu verstehen ist. Aus gleichem Grundsätze kan man von oben angerühmter gesunden Eigenschaft aller Gebirgischen Wassern urtheilen. Fraget man von der eigentlichen Natur oder Beschaffenheit des Pfefers-Bads, so ist zu wissen, daß bis dahin bald alle Naturforscher selbiges vor ein mineralisches oder solches Wasser angesehen, welches verschiedene mineralische Theile in sich halte, und kraft derselben in dem Leibe -er Menschen würcke; und wäre man eher bedacht solche fremde Theile zu benennen, als aufzusuchen, kuckliuz, und andere, schreiben diesem Wasser einen Schwefel, Salpeter, Kupfer, Eisen und Gold zu. ikumeiller den Magnet, Gold, Kupfer und Schwefel, öruicdius Gold und Kupfer, Eisen, gesiegelte Erde, Salpeter, nebst dem feinsten Golde; dem auch Zimmer- mann unterschreibet, welcher dem Goldischen Schwefel die vornehmste Kraft zueignet. Die einige diesem Wasser anerbohrne Wärme hat des Gck)we,'tzerla"deo. 8r alle Scribcnten glauben gemacht, daß gewisse Mirleralien darin sich finden müssen, weilen in gant) Europa rein natürlich-warmes Wasser ist, das nicht Schwefel oder andere Mineralien enthalte; absonderlich diejenigen, welche die Wärme der Bädern nicht so fast von unterirdischer Wärme, als von Zusammenkonft widerwärtiger, alkalischer und saurer Theilen, und daher entstandenem Jast herleiten. Es wird mir aber erlaubt seyn, gleich andern Natur-Kundigern diese Freyheit gedeyet , meine unmaßgebliche Gedancken dahin zu eröfnen, daß dieses Wasser kein Mineral-Wasser zu nennen, folglich von allen andern Europäischen warmen Bädern zu unterscheiden sey. Diese meinemuthmaßlicheMeynung,damit sie nichtvor eine eitele Vcrnünf- telung angesehen werde, bestciffe ich mit folgenden Gründen. 0 Ist es unfarbig, ohne einigen Geschmack oder Geruch, Cryftall-lauter, gleich dem reinestcn Bergwaffer; folglich auch 2 ) jedermann gleich annehmlich, weilen darin keine schwefclichte, salzichte, oder anders gestaltete Theile sich finden, welche die Zuna, als des Geschmacks Werckzeug, empfindlich rühren, oder den einten Menschen mehr, den andern weniger angreiffen könten. z) Entstehet keine Aenderung aus Anschüttung allerhand flüßiger oder trockener Dingen, als da sind das Scheidwasser, destillirter Eßig, Vttriol-^isrmomsc- Geift, Violen-Sast, Erbseln-Saft; obgleich man sie ein oder zwey Tage stehen läßt. Aus Vermischung des in Wasser aufgelößten su- blimirten Quecksilbers habe ich oben auf dem Pseferser-Wasser ein von Pfauen-Farben schimmerndes Häutlein wahrgenommen. So auch nach Angiessung des Weinstein-Salzes oder Oehls hat sich eine etwelche Vcrdunckelunq erzeiget, auf welche innert etlichen Stunden ein weißes Wölcklein sich zu Boden gesetzet: Also hat auch eine geringe weiffe Verdunckelung der i3n»ru8 L.uäoviL> verursachet. Dieses sind aber solche Aenderungen, welche von geringerm Gewicht,und bald bey allen gemeinen Berg-oder andern Brunn-Wassern zu sehen sind. Und ist über diß zu bemercken, daß dieses Pfe- fers-Waffer zu gewissen Zeiten durch die Chymische Proben eine mehrere Aenderung zeiget, zu andern eine wenigere, oder gar keine; welches viel gelehrte und erfahrne ^leckci. so dieses Wunder-Wasser auf die Prob setzen, und erkundigen wollen, bezeugen können. 4) Habe ich durch Mittel einer subtilen Waag befunden, daß dieses vorhabende Pfefers-Waffer in gleichem Gewicht mit dem Georgischen Brunnen- auch fast mit dem Regen-Wasser ist, woraus denn alsobald abzu- t. Theil. L nehmen, 8r Erzehlung seltsamer t"kmur-GeschLchte nehmen, daß darin nicht fremde mineralische Theile enthalten, deren Gegenwart in andern natürlich-warmen Badern eine grössere Schwere verursachet. Ich habe etwa» in 7. Quintlein warmen Pfefers- Wasser gefunden, daß es um ein halbes oder gantzes Gran leichter gewesen, als so es kalt abgewogen worden, welches ich der in dcnLöch- lein enthaltenen verdünnerten Luft zugeschrieben, s) Gleichwie man in andern natürlich-warmen Badern wahrnimmt, daß sich einige Schwefelblumen in die Höhe ziehen, daß aufdem Wasser eine weisse, oder gelbe Haut, welche man abnehmen und trocknen kan, sich zeiget, daß an der,er, Wassergehalten! und banalen sich ein Badoder Tugftein anhänget, daß endlich auch zu Boden sich eine weiffe oder gelbe Erden setzet; also spüret man hier dergleichen nichts. Wozu aber, möchte einer sagen, dienet diese weitläuftige Ver- nünftclung ? Genug ifts, daß dieses Heilwasser vortrefliche Würckun- gen thut; genug, wenn wir uns dessen zu unserer Gesundheit bedienen können; und unnöthig, daß ich wisse, was vor Theil dieses Wasser in sich halte, oder wie es in unsern Leibern würcke? Recht so, wann es gerathet; genug ifts ia einem unverständigen Arzt, oder Arzney-Stümpler, daß er seinen Patienten auf das blinde Glück hin solche Bad-Euren einrathet, und liegt ihm wenig daran, ob sie glücklich ausschlagen, oder nicht. Ein verständiger und gelehrter Arzt aber gehet gewissenhaft in die Sach, und gründet sein Ein-odcr Mißrathcn auf eine gründliche Wissenschaft beydes der Arzney und der Kranckheit: er kennet des Menschen Leib, und dessen Verrichtungen, gesunden oder krancken Stand, er weiß wie die Gesundheit (ins gemein zu reden) in gewisser Beweg-Vereinigung oder Temperatur des Geblüts, und übriger Feuchtigkeiten des Leibs, in unver- hindcrtcm Einfluß der Geister» in alle Glieder, in dem lono. oder steiffenHaltung aller veftenZaserleinmnd endlich in dem Gleichgewicht bestehe aller sowol fiüßigen als trockenen und Veiten Theilen des Leibs; folglich die Kranckheiten herrühren von verderbter Bewegung der Leibes-Feuchtigkeiten und Geistern, in Veränderung ihrer Gestalt oder Beschaffenheit, in vermehrten oder verminderten Spannung der Zäserlein, endlich auch in aufgehebtem Gleichgewicht aller Theilen des menschlichen Kunftwercks, rc. Wenn nun ein verständiger Arzt gleich einem erfahrnen Uhren- macher den gesunden und krancken Zustand dieses von Gott selbst verfertigten Uhrenwercks kennet, und die Würckung des Pfefers- Wassers i. MN -MM MW MMU. 'M UM -ÄM LLÄ WM zMMM «KÄM MkZ M-MM, KW Wß r-LL^L -ir^M!r DM MM MW .' < :^kO ,/L r r i 4 " ^ ^'1 ! r^-. ^ 4 - L ^ /' / ' ' ». / . . > ' '?^E ^ - , > ^ M.«R '^L. W ) o ( M Blatt 8 z. l'ad. IH. Diß Kupfer-Blatt bildet ab das Badhauß zu PftferS/ wie es angesehen wird jenseits des Bachs lammina. L. Stellet vor die endliche Überführung des Wasser-CanalS über den Bach Hamming, v. Der Gang, auf welchem man zur Quelle hingehet, o. Die Thüren, durch welche man auf den Gang kommt, bl. Die 'Wassel-Räbi en. nan wclchcr die Kälte trinckeu, und -abey auf einem kleinen Läublein spazieren. 8. Das Badhauß, oder Losament selbst, in welchem s. Böden: i) Der oberste. 2 ) Der Capellen-Boden. z) Der Kuche- Boden. 4) Der Laternen^Boden. e) Der unterste Boderr. R Die Trinck-Laube, auf welcher die Trinck-Gäfte spazieren. V. Die Bettler, Ruche. Die Seite gegen Valem. Die Seite oder felsichte Wand gegen dem Closter. x. Der Ort, wo die Bäder sind, und das Wasser ablaufft. 7- Fünf neben einander stehende. Secret. lab. IV. Diß Kupfer-Blatt zeiget an, wie die Wasser- Leitung an denen hohen und finstern Felßwänden/ nächst dem rauschenden l^mmina-Bach fortgesetzet / und die Canäle im Winter versorget werden. Istein Brücklein, über welches die Canäle getragen, und abgelegt werden in die Höle v. v. Ist die lincke Seite, worinn man zur Quell hingehet. L. Die rechte Seite. * Sind Balken, die in die Felsen cingesencket, auf welchen die Canäle, und der Gang selbst, liegen. n. v. Diß Kupfer-Blatt zeiget den Ort, da die Pfefers- Quell/ und anfänglich das Badhauß selbst gestanden. H. Ist ein Felse, in welchem die Quell entspringt, welche vornem- lich innerhalb dem Thürlein 8. verwahret liegt, und durch.un- terirdische Canäle v. fortgeleget wird in die grosse den Felsen nach 6Oo. Schritt weit gchmde Wasserleitung. Q Hier dringet das Pfefers-Wasser aus der Erden, wann es häufig ist, hervor, und laustet ohne Nutzen in den Ummms Bach, k. L. Ein schöner hoher Wasserfall von dem lÄmmm- - Bach, welcher sich unter die Felsen verbieget, und bey k. wiedrum hervor dringet. 6. Ist der Ort, da vor altem das Badhauß auf den Felsen gestanden. Ist». V. 3 . Dem günstigen Leser hat man auch die beyden krolpeKe des Bads und Gasthauses zu Pfefers / wie solche ^o. 1716. anstatt des alten vorgehnd-beschrieb- nen Hauses/ neu erbaut worden/ und gegen der Seiten von Valentz und dem lammma Bach anzusehen/ hier mittheilen wollen. MM -!.-M MW MgL MDM - ,-Vv- MW; MM' MM Nk RAM UWK L-S- z^.L MW WH^D NW K^ZL< ZÄrMn 7 *^ 4 ^- 4 Si ^ 'r- - ^ EM'^ > - ' ' '^- ^-'77.. -' '^5 .-^ - . ^ '-«. . '.. V ' ^ ^ '- ^'.5- ^ .' -PL^'^. , H-' - . ^ ^ '^ ' .' » ^ ^ > " >-'?. /.. ° -!n- / L-.7 ' . . ') .. . '. . . ^ . /-?W ! ' -V - -', "ß - '' -W «MMr dMW^I ^ ' -7^ . ... - "< .> * -^- r-. . '^-Ml - ^ 'T' ^i«f- ?ff ^ -i . '- - ?» '.. Zk»>'.x>«»*'. ,q . L.t-t/-,: i-7 jir^Lr - - ''' / ^. ^.^SIrsVi AL-H er^ crl^te- E o^srren AirnA. L. Urrksr" ö^M ö -rH AiöL o T/Tvr^r^L Fesreß^ri^ cuTfös^-rrb^Aei^-ö^erv A^sr^ckÜL^öi^o^Lr^ A^ra-. ^ ^ Z BzU I ll s s sl ^ s S F^-^ Vorr^öer" serterr cr<5cr // Ar. M^ ...X , .^E: s ^ 6^ ^ ^ ^ > s s U s s ^ » s V^^clrttLr^sr^gerrrcrc/)^ rÄiL-t-^E^ac-H S-U,.^Lnporv 2 Üj) ftc^LAeLM^XLdZaF>,o. V§re^A-tt^.2,^s/L72L^L<'^. ^r^L^LLL^. 2 . G^/ 2 /r.'^!-. ^ ^rLrT-rr^. FI^^L's^Lr^' ^ L^r!»/7"rL^L<7 § ,-^rs^».^^ L ^^LL7-2^2LL^.27? o o. rri7 o^rerr AMN:A,^ 2 . 61s 6«^s/^.s^.^^,ss^7s^s2.^46s^6/72SL/._/61^-^s/r^s/^/^a^s8ir"l^r-öer'. össs-/, -5^^L^LL«'HaLosLii;^,e^K't7^sL--'s^2.L.^r/s«/rsr27:Z^o^s^^Li-^.sX^s/T./-.^ 6 I^>r^L^r^ r^ L^r^s/'LI'.S. 6 Ärs/-/i^r. 2 S. 67^7^o6/rs^ ^.^/. 2 L.^>V 7 V? t7f?n.^LÄs7L-^r>7r, ofen-^ec ^ 0 Hsr^I^ 0^er^»^sterrboöM.^^.7.^L>'r^:o1^rd,erLLN-^'0^sLLL.^^lL-N 61 677rsMSU'. s. ^»rser^.^LrskT/sr^. 2 ^.^.^. ./o^-^s/^TLs- 22 'o^»t^-7^c 2 >k e^sjs^^^ücDi2t'6s/!?F//7'söLii7,2222'2^^sr7«..c'sLr^siLeti^v7i?L2.2.>i/^«s6.2'^«67'rLL 67r^7«A' 61>2>/s/L/uo^,7.S^/rLr/«^s. 26r^6^7-rl22.p^67^/«62//i27i.2o/r^^/.^727/^r77,2/7L.. s^Lr"^i?s<^rL.7l7^7,^oö-N''2!sÄvü^ ^^LreHutrj^r'ssL oösr^t8rvEl?öeN7, 2222. ^2/TrTLSL/rrsT-.L^.^/s^cr-'^n^ 2. 6222622 /^^,' -j^.^76.27«77rr1r-2rLr, ^ 6s/7?rrL2'.s,^ü^2''^/rl2.!','^2722/2-r/rl, ^ 2S'6262s-6rl2772L/'. 722722. ^L7^r^rL>: o öet^eüst'r 22. ^^/r^r^A.A ./^ 7 ^ 6 / 7 /r,^^7<2e/^r>^ o.ino^er^ AQ^IA.61 -7 ^s.^/r«^r>r^ s. 2 's. L/r^L^<-L. V. crk-uttlLl^l)curr öÄeH LUL^ 8 ^irnttrer^ 2 .-/lL^rr^>L^LL^/.L^s'^r- 2 ^^/7^/t/. s.ivs?"Ä^L^r> oHer^stL EiooLrv, 2r2^V2s,^/?^sL.2.^Ä^^«^,^»/LL^L/!7. 3.^'^LL. ^.^^oS.^^^rtttt--^SLN^r:^.^^L^L>^ZijZ7^L6Ae2v. 6 T'- L?si^«ni,r>i-, S.^ 7 ol//'L^. ^ L^oöö^fts oft«:,^ss^sL.2,^-?7-»u^ o 1 mr-^L^LL 2 .c!I^^^r^. ^7 V^^LL.^.a«te«i-^sL^st.ü,L7ftöMr'Al«''^f'LeAe«> 61c5?eau-. 7. ÄL>EL^- S.c/«^7.r2s^. ^Lcchutr^r^s^^5c>öeri: 000 esr^hLittoftrstt Z»nA ^7L- öc^^»c5ELi^rVFe«rLc^2-2-LÄs/2^^6-^c^^,>^^sr2^»^^r^^Dn^^sc^LL2.Ls^Lr7''LL^.-L^LLtt,^:^^LL^sL 61 T'.§.^^Lr.,^r^. ^^vsrn7cr6sr'i»rler''l^rrSoötti:,it?^^ ^a^'Lirr»n 6 nöcrA. 2 .^Wsi 1 bL^b-rö.L.Le«rLrnlPsiber'bLc>' ^ ^tt//r^9/u'7r.,L6Lc'EÜEanl-nScrö T'. Vrs ^^rn>^iaiAerr,s. 6 t^msn^iÄM^Lö-^.al>^A^i«'^E^! . Lr/?s/ 6 ,^s. ss v^t«^»te«n^L-v-. steHeL-bs) ES^Fi'irtStrjo vUltzesl-r^r^Hcrt^. ^ /A'rl2^c7?772^^ 2 )n^. 58 c??^^c>r^ L 7 ^. ^r^-^rl/L^rs 7 ^ ' des Schwelyerlandes. 8z Wassers aus ob-angeführten Gründen nicht so fast von unbekannten Mineralien, als von der läutern Quell der natürlichen durchdringenden Wärme/ der Subtil- und Kleinheit aller Theilen dieses Wassers herleitet / so wird er aus diesem einfältigen Grundsatz unschwer fassen können/ wie dasselbe äusserlich durch die Bad-oder innerlich durch die Trinck Cur würcke/ wie es durch den Magen in die Gedärme, durch diese in die äussersten Löchlein der Milch-Gefässcn / und von dannen in das Geblüt durch alle kleinsten Aederlein gehe, die hie und da anklebenden schletmerig-trdischen Theil auflöse und ausführe, folglich die Verstopfungen, welche der meisten Kranckheiten Ursachen sind, weghebe: Wie über diß auch diejenigen zähen Feuchtigkeiten, welche durch die innerliche Trinck-Cur nicht haben können aufgelößt, und ausser den Leib geführet werden, durch die äussere Bad-Cur weiters verdünnert, die Löchlein der Haut eröfnet, die Zä- serlin erweichet, die kleinsten Aederlein auf oben erklärte Weise ausgedehnet, und die fremden unnützen Theile theils durch den Schweiß, theils durch den Harn weggetrieben werden, wobey anfänglich zwar Mattigkeit der Gliedern, und andere etwann weit aussehende und gefährliche Zufälle entstehen, hernach aber, wann die Cur zu End, oft auch erst zu Hauß der gautze Leib wiederum zu gesunden Kräften, und das Gemüth zu frölichen Gcdancken wiederkehret: Wer, sage ich, die Natur und Würckungen dieses Pfefersischen Heil-Wassers auf solche Weise mit vernünftigen Gedancken erweget, eines jeden Menschen, der seine Gesundheit zu erhalten, oder wieder zu bringen sorgfältig ist, Beschaffenheit in Betrachtung ziehet, die Kranckheiten kennet, dero Ursachen gründlich erforschet, der wird mit desto grösserer Sicherheit solche Haupt-Curen selbst unternehmen oder unterlassen, andern auch ein- oder abrathen. Die ^ppUcsuon überlasse ich den Verständigen, in der Wissenschaft geübten und in der Practic erfahrnen kieäicis, aus deren Zahl ich ausschließe die Stümplermänn- und weiblichen Geschlechts, welche die ihnen unvorsichtig überge- bene köstliche Hinderlag des menschlichen Leibs nicht kennen, gleichwol etwann durch sonderbares Glück und gefährlichen Streich curiren, mebrmaleu aber auf eine unverantwortliche oft mörderische Weise zu Grund richten, wie wir dessen leyder bald tägliche Exempel haben. Zum Beschluß werde ich nicht nur dem curieusen Leser eine dreyfache mahlerische Zeichnung dieses Wunder-Bads vorstellen, sondern auch mit wenigem einige dort herum befindliche Merckwurdig- keiten der Natur andeuten." L 2 Nahe 84 Erzehlung seltsamer ZTlamr-GeschlchtM Nahe bey dem Bad-Hauß sprerrgte man zu dem neuen ansehnlichen Gebäude in dem Sommer ^o. 1724. einige Marmor-harte Felsen, in deren Zwischenspälten sich einige kleine Cryftallen befanden, aber auch in ihrer Mitte einige Muschelfteine, nebst dem so getrennten Kümmistein, oder Spille krumeM3Ü lmpergri I^glur. p. ^ 7 <). welchen ich weitläuftig in meinem Zpecimine l_irKoA>-ApK. Ueiver. P3A. zo. unter dem Titul l-enre8 l3pi(ieL llrlZtL lnrinque convexL, vilreis KZUsä llmiles, in msila lapiciez vzrio fub scl>em3re conlpicuL beschrieben, und von der 42. bis zur 48. Figur vorgestellet. Dergleichen Steine, weilen sie nach der gemeinsten und sichersten Meynung von der Sündflut herkommen, und deren gewisse Anzeigen sind, geben uns zu verstehen, daß zur Zeit dieser allgemeinen Überschwemmung auch die jezt härtesten Marmor weich gewesen, sodaßdieMeer- Muscheln und Schnecken sich in selbige damals lettichte Materie haben können einsencken; wovon zu andern Zeiten ein mehrers. Zwischen Pfefers und dem Dorff Valenz finden sich all dem Weg graue, dürre, brüchige Schiffersteine, und oberhalb Valenz gegen den Grauen Hörnen (welches Gebirg über das Bad über die 2022. Schuhe erhöhet) andere schwache und härtere, welche an Gestalt denen Blattensteinen gleich sind, welche aus dem Glaruerland bald in alle Theile von Europa verführt werden. Bey und in der Quelle findet man eine gelb-rothe subtile Erde, von welcher, als einer lerrs KUri, die Kräfte dieses Heil-Wassers von vielen hergeleitet werden; und ist nicht zu lammen, daß etwann bey Abrauchung des Wassers etwas von dieser Erde in dem Geschirr übrig bleibet. Es ist auch diese Erde köstlich zu Auftröcknung alter flieffender Schäden, wenn sie darauf gestreuet wird. Und zweifle ich keineswegs, man könte sie auch mit Nutzen, zu Versüssung derscharf- etzenden Feuchtigkeiten inwendig brauchen, an statt einer gesiegelten Türckischen oder Schlesischen Erden. Ob aber von etlich wenigen Granen, so sich in etlichen Massen finden, die Würckungen des Wassers hergeleitet werden können, überlasse ich dem vernünftigen, mit keinen Äorurtheilen eingenommenen Leser; dem gleichfalls zu beurtheilen frey stehet, ob die Ursachen so kräftiger Würckungen auf einigen Gold-Flammlein oder Stäublein können beruhen, welche dann und wann in dem Pfefcrs-Wasser (sonderlich, wenn es lang gestanden) sind wahrgenommen worden. Obgemeldter Erden, und auch dieser Goldflitschen halber bin ich versichert, daß sie aus dem Felsen _ des Schweirzerlandes. 8f Felsen selbst herkommen/ (darin die Quell entspringt) welcher von unterirdischer Wärme und Feuchtigkeit also mürbe gemachet worden/ daß die darin enthaltene fremde Theile abgelediget worden/ und in Vorschein kommen. Von den Würckungen dieses Pfefcrsischen Heil-Wassers könte sehr viel gesagt werden/ wenn ich mich wolle der Weitläufigkeit bedienen/ und diejenigen Sachen/ welche in gantzen Büchern zu finden sind / ausschreiben. Es ist aber diß nicht mein Thun. Gleichwol kan tch nicht umgehen/ aus oben gesetzter Grundlehr von der Natur und Eigenschaft dieses Wassers zu schließen, daß derselben so wol innerlicher als äußerlicher Gebrauch hauptsächlich diene zu Auflösung allerhand Verstopfungen/ zu Abledigung derjenigen schleimerig-irdischen Theilen / welche sich da und dort in den kleinsten Röhrlein verstecket/ oder an dero Wände stch angesetzet haben/ worin gewißlich der vornehmsten und meisten Kranckyeiten Ursachen bestehen, als z. Ex. dienen können die Haupt-Schmertzen, Tropf- oder Gutschlag, Schwindel, fallende Sucht, Abnehmen der Gedächtniß, Verduii- kelung des Gesichts, Verminderung des Gehörs, Verstopfung des Milzes, Gekröses,Leber, allerhandGattungMelancholey oderScöwer- muth, Verstopfung der Nerven, und daher kommen die Mattigkeiten, Schwachheiten, zitternde und gichterische Bewegungen der äusser» Gliedern, alte Schäden, in welchen etwann Kugeln, oder Spreisscn, oder abgeledigte Beine verborgen liegen, alte Fieber, Gleichsucht, Podagra, Blasen-und Nierenstein, Mutter-Kranck- heiten, allerhand ÄrtRaud, Fisteln, und tausend andere dergleichen Zustände mehr, in welchen diß Heil-Wasser, nach Beschaffenheit des Patienten, und der Kranckheit selbst, von einem verständigen Arzt kan gerathen werden. Ich meines Orts begnüge mich allen und jeden, denen vor ihre eigne, oder anderer Menschen Gesundheit zu sorgen oblieget, diese allgemeine und Fundamental-Regel, nach welcher sie sich in allen vorfallenden Begebenheiten richten können vorzustellen. wo die verstopfende Ursach der Kranckheit annoch innert den kleinsten Ader» Bohrlein stecket, und dero Faserlein noch einige Brafre haben, da kan das Pfefers-Wasser, menschlicher Weise davon zu reden, innerlich oder äusserlich würcken. wo hingegen obbemeldre Böhrlein geösner, zerrissen, oder von der Scharsfe der Materie durchfressen, oder die Faserlein ihre Spann-und Treidkrafr verlohren, oder Gefahr ist, es mochten L Z irgends 86 Lrzehlung seltsamer Natur- Ges chichten _ irgends an einem vornehmen Mrc die äussersten Aederlcin von der Gewalt des Wassers, gleich einem Damm, durchbrochen werden, da hüte man sich vor dieser Lm ; sonderlich, Wenn auf solche Weise die edlen innern Theile des Leibes leiden, dannenhero -iß Wasser die Wasser-Schwind - Gell-süchtigen, Aussätzigen, die mit der rothen Ruhr behafteten, die mit der alten noäok geplagten, ja auch die schwängern Weiber meiden. Es beliebe der enrieuse Trinck- oder Bad-Gaft, ehe er von Pfefers wegreiset, .m bemerken, wie der wilde'bEinna-Bach die harten Felswände , zwischen welchen er eingeschlossen daher rauschet, nicht nur abspület und glatt machet, sondern auch in die Liesse sich je mehr und mehrscncket; diß bemercket jok i^oi wek in seinem Tractat vom Pfe- fers-Bad p?-ß 24.48.69.71.72. mit sonderm Fleiß, und wil, daß /ro I6Z I. der Bach Z4. Klafter tieffer geronnen, als zu Anfang der Welt (hätte vielleicht besser gesellet, zur Zeit der Sundstuth) und alle Jahr sich um einen halben Zoll tieffer einsencke, folglich jetzund Z. Schuh tieffer wäre als äo. r6zr. da das Hauß gebauet worden. Diese Einkreisung der Gebiraischcn Wald-Wassern karr an andern Orten mehr wahrgenommen werden. In Pundten ist ein merkwürdiges Exempel in der msis, einer Straß zwischen den Thälern Schams und Domleschg, durch welche vor diesem der Rhein geflossen, der jetzund bald zä. bald 122. und mehr Schuhe tieffer durch das Tobe! abrauschet. Von dem Heimwehe. kZS ist zwar unserm Vaterlande ins gemein, aber auch einem jedenVater, der seinen lieben oft zarten Sohn in die Fremde TAG schicket, vorncmlich aber den in fremden Diensten stehenden Offieieren und Soldaten viel daran gelegen, daß diese uns Schweißern besondere Kranckheit erkennet, und curirt werde. ^0. 1678. ist zu Basel eine oissen-mon hierüber gehalten worden, pr«- licie I)n. )ob. ^cobo btzr^ero Ooäk. Lr brok. ltesp. ^ob. t^ofero, r^yibuüno. In welcher diese Kranckheit mit einem neuen Titul benermt wird, welches Wort zusammen gesetzct ist von welches eine Wiederkunft ins Vaterlaud bedeutet, und Traurigkeit, des Scbweiyerlandes. 87 rigkeit, oder Schmerz: so auch und welche beyde Wörter eine wegen verhinderter Heimreise entstandene Gemüths- Verwirrung andeuten. Bey den Frantzosen hcisset diese Kranckheit la clu ?^8. Der^elehrte Verfasser dieser jezt angezogenen Schrift leget die gantze Schuld dieser Kranckheit auf eine verworrene Einbildung, welche durch verschiedene Ursachen veranlagt werden könne, als da sind, stetes Andrucken naher Haust; eine zarte und forchrsame Auferziehung, bey welcher den Kindern mit Fremden viel umzugehen, oder zu reden nicht erlaubt werde; eine allzugrosse Liebkosung der Eltern, sonderlich der Müttern gegen ihre Kinder, welche diese Muttersucht leicht zeugen können; eine allzugrosse Gewohnheit an unsere Milch-Speisen (welche sonderlich bey denen An - und Einwohnern der hohen Alpen Platz findet) und Müser, insbesondre'deren, die man alle Morgen den Kindern einzuschütten, und oft einzuzwingen pflegt; fremde Speisen, fremde Sitten, allerhand vorkommende Ungemach; fremder Luft; oder was dergleichen mehr seyn kan. Ich meines Orts wil mich bey diesem allem nicht aufhalten, sondern meine Gedancken dahin richtet», wie es komme, daß die Schweitzcrische, sonsten so freye, starcke und ta- pfercNation, sich von einer solchen Kranckheit überwinden und unterjochen lasse, welche dem ersten Ansehen nach die Italiener, Franzosen und andere Völckcr unter ihre Herrschaft bringen solle, denen allen alle oben erzehlte Ursachen zufallen, und noch über diß nicht wenig zum Heimwehe eine weiche Zärtlichkeit des Leibs beytragen können? Ich hoffe diese zum Heil des Vaterlands dienende Sache also zu erklären, daß dadurch die Ehre unserer Nation gerettet, und verhoffentlich zur Heilung dergleichen Patienten ein natürlicher Weg gcbahnet werde, (v) Wir Schweißer bewohnen, wie oben erwiesen, _den (ll) Wenn daßjenige/ was der Verfasser vier anführt/ der eintzigeoder der vornehmste Grund des Heimwehes ist/ so dörfte man fragen/ warum dieses Ue« bei die Wchweltzer am meisten plage/ warum nicht andere Nationen/ wenn sie in die Schweitz kommen/ das Heimweh« haben? Mich dünckrt der fol» gende Grund / welchen Hr. Tschudi von Schwanden in einem Brief an den Verfasser angegeben / noch stärcker. Ich vcrmeyne/ sagt er/ eSkönnenoch emr politische Ursache angegeben werden / warum nur Schwerer vor andern Nationen von dem Heimweh« geplaqet werden. Die Lrtegs-Zuche und dir Schweitzer-Freyheit/ an welche sonderbar wir Ländler nur alijuwol gewehnt sind/ sind Sachen von sehr ungleicher Natur/ wo diese aufhört/ muß jene nothwendig Verdruß und sehnliches Verlangen nach dieser gebühren. 88 Erzehluny seltsa mer Natur-Geschich ten den obersten Gipfel von Europa, athmen deßwegen in uns eine reine, dünne, subtile Luft, welche wir auch selbst durch unsere Land- Speisen, und Gcträucke, so eben dieselbige Luft enthalten, in uns essen, und trinckcn; gewehnen unsere Leiber also, sonderlich, wenn wir bergichte hohe Orte inn haben, daß sie nicht ftarck getrückt werden, und bey gleich starcker Gcgeudrückuug der innern, in unsern Aederlein sich aufhaltenden Luft, der Creißlauff des Geblüts, und Einstuß der Geistern ohne Hinderung, zu der Menschen Gesundheit ihren ordentlichen Fortgang haben. Kommen wir in andere, fremde niedrige Lander, so stehet über uns eine höhere Luft, welche ihre schwerere Drückkraft auf unsere Leiber um so viel leichter ausübet, weil die innere Luft, welche wir mit uns gebracht, wegen ihrer grossem Dünnung nicht genug widerstehen kan; wie z. Ex. eines Holländers schwerere inwendige Luft mit gleichen Kräften der äußern, auch schweren, und dicken Dunst- und Luftkugel entgegen stehet. Ist dem also, so verwundere sich niemand, wenn eine Holländische oder Frantzösische Luft unsere Hautzäserlein, äusserste Blut- und Sparm- Aederletn so zusammen drucket, daß der Lauff des Geblüts und der Geister gehemmet, jenes gegen das Herz, diese aber gegen dasHirn zurück gchälten oder getrieben werden, also der Creißlauff aller Säften nicht zwar völlig still zu stehen, wol aber gemächer zu gehen veranlagt wird. Wer ein solches leidet, und nicht genügsame Kräfte hat, solcher Gewalt zu widerstehen, der spüret eine Bangigkeit des Hertzcns, gehet traurig einher, zeiget in seinen Worten und Wercken ein grosses Verlangen nach dem Vaterland an; schläffet wenig und unruhig, seufzet oft bey sich selbst, nimmt ab an Kräften; verrichtet seine Sachen ohne Lust und Ordnung, muß sich endlich an einem hitzigen, oder kalten Fieber legen, und stirbet mehrmalen dahin, wenn man ihm nichtHoffnunamacht, nacherHauß zu kommen, oder auch würck- lich aufdie Heimreise befördert. Diese Zufälle alle lassen sich unschwer Den Glarnern muß man nachsagen/ daß sie zn Wasser und ru Lande weit kommen/ insonderheit dir Tischhändler; allein der Kriegs Diensten können sie sich anfangs schwerlich gewöhnen/ und suchen mehrenihell- bald wieder den Abschied / wenn sie auch gleich ru Hause nichts anders als Betteln und Armuth vor sich wissen. Der Grund. Sie sind nicht gewohnt/ von andern Meistern sich Befehle vorschreiben ru lassen. Doch bemercket man/ daß sie da« Heimwede wol vergessen / wenn sie von thrrn Herrn Eapitalnrn mit aller Freundlichkeit lractlrt werden » des Gchrvekzerlandes. 89 aus unserm Grundsatz erklären, es lässet aber unser enge Raum eine solche Weitläufigkeit nicht zu. Alts bisherigen Fundamenten karr ein verständiger Arzt leicht schliefen, auf was Weife ein solcher in sein Vaterland auf eine unmäßige Weise verliebter Patient könne tractirt und geheilet werden. Ein Politikus wird den Einschlag geben, man solle so bald möglich, ehe dieKranckheitüberhandgenommen , mit solchen verliebten Leuten naher Harrst fahren, sie nicht aufhalten, zur Heimkehr alle Beförderung thun, ja sie würcklich mit dem krancken matten Leib auf die Straß schicken ; wenn aber diß die Umstände der Zeit und des Orts, oder der hohe Grad derKranckhcit solches nicht znläffet, so spreche man wenigstens dem Krancken einen Hertzhaften Muth ein, man versichere ihn, daß er die Heimreise solle vornehmen, so bald es sich ein wenig bessere, um dadurch die sinnlichen Geister aufzumuntern, daß sie durch ihren kräftigen Einfluß in alle äussere Glieder den Mangel der innern gegeudrückenden Luft ersetzen, und den zunehmenden Gewalt der äußern abhalten. Es gibt Exempel genug deren, die durch bisher beliebtes Mittel aus diesem seltsamen und gefährlichen Zustand errettet worden: Soldaten, die halb tod, nach erhaltenem Abschied, sich auf die Reise gerüstet, und in währender Heimkehr, oder nach vollendeter Reise, gesund worden; andere, denen man den Abschied nur auf den Schein hin ausgefertiget, und damit das Leben gefristet: Nebst dergleichen politischen Mitteln müssen Artzncy-verftändtge bedacht sey» auf alles das, was die innere in den Adern des Patienten liegende Luft kan ftärckcn, und die äussere aufliegende schwachen. Auf diesen Fuß ivil ich folgende wenige Mittel vorstl-lagcn, und die Herren Ossicicrs und Feld-Aerzte ersuchen, -erfelbigen Würckung an ihren Patienten zu erfahren, (i) Ist der Krancke an einem Ort, da in der Nähe ein hoher Berg oder Thurn sich findet, so beliebe man ihme dorthin fein Quartier zu verändern, damit er eine leichtere, nicht so schwer auf ihne druckende Luft m sich schlucken könne. Wenn dieses nicht zulänglich, oder ins Merck zu richten unmöglich, so bedencke man sich auf solche Arzneyen , welche eine zusammen gepreßte Luft in sich enthalten. Unter u Theil. M solchen (i) Weil mir der anMebene Grund der Hktmwehes verdächtig vorkommt/ so besoroe ich auch / die vorsscschlaqene Mittel seyen nicht aenuqsam dem Uebel abiubelsstn Ich glaube aber / daß durch dlt Aufrrjrehutu! daS Hcimwche wol köntt verbinden werden. §o Erzehlung seltsamer Natur-Geschichten solchen möchte wol den vordersten Rang der Salpeter/ und was aus ihm gemachct wird, haben; als da sind das^umm 6xum» ^ronum ciup! c»mm Xlyns. 8piriru8 I^irri, ins Wasser gelegt, und oft davon getruncken; oder in Mangel deren nehme man das Schieß - oder Büchsen-Pulvcr, dessen verwunderlich starcke Trcibkraft die heutigen Natur-Lehrer mit besten Gründen von einer zusammen gepreßten, sich bey gegebenem Anlaß starck ausdehnenden Luft, herleiten: Nebst -em nnro karr auch der Most, oder neues noch nicht verjäsencs Bier, und aller neue Wein eher, als der alte, dienen. Über diß kau man die äussere Gewalt der Luft schwächen,durch Aufhaltung des Patienten in warmen Gemächern, wol cingeheitztcn Stuben, und angezündete Feuer. Zur Bekräftigung dessen, was bisher von den Ursachen des Heimwehes, und dessen Heil-Mitteln geschrieben worden, dienet, daß dieser Kranckhcit sonderbar junge Leute unterworffen, deren Haut- zäferu noch so zart, und biegsam, daß sie die äussereLuft leicht empfinden, und derselben weichen; so auch die, welche aufdcn Bergen auf- crzogen, der dünnen subtilen Berg-Luft, und Milch-Speisen gewöhnet, weniger aber die, welche bey ziemlichem Alter, deren Haut erhärtet, deren welche in Städten oder niedrigen Orten des SchweHerlands auferzogen, auch an allerhand fremde Speisen und Gctrancke ge- wehnet worden. Fremde Nationen, die insonderheit, welche in niedrigen Landen an den Meeren wohnen, sind, wenn sie in höhere Lärr- der reisen, dem Heimwehe nicht so leicht unterworffen, weilen sie eine schwere, dicke, unreine Luft mit einer leichtern, subtilem, reinen abändern; gleichwol müssen sie eine, ihnen aber vorthcilhafte, nnbe- schwerliche Aenderung ausstehen: es wird nemlich die in ihren Adern enthaltene Luft sich bey solchem Anläse ausdehnen, alle Röhrlein des Leibs erweitern, wodurch der Creißlauff des Geblüts befördert, alle Säftcr und Geister in eine richtige Bewegung gebracht, oder in derselben unterhalten werden. In Betrachtung dessen kan ich kecklich sagen, daß unsere Eydgnößische Lande, wie sie seit der Zeit ihrer tapfern wiederhergestellten Freyheit ein Fluchthauß vieler um der Religion, Kriegs und anderer Ursachen willen verfolgten Völckern gewesen, also auch languemium, ein Trost-und Heilhauß der Krancken seyn können, denen unsere Luft viclcrlcy von langwähren- dcn Verstopfungen entstandene Kranckheitcn hinwegnehmen kan, welches ich ins besonder unsern in Niederländisch- und Französischen Diensten an langwierigen Fiebern dameder liegenden Ossiciern des Scbweizerlandes. 9i und Soldaten cinrathe, welchen eine alljahrtg oder zweyjährige Reise ins Vaterland, oder andere Abänderung, und Erhaltung des Abschieds, zum grosser, Vortheil der Gesundheit, wenigstens in den ersten Jahren ihrer Diensten, und bis sie der fremden Luft gewohnt find, dienen muß. Und glaube ich sicherlich, es müsse mancher wackerer Soldat in solchen Diensten elendiglich darben und sterben, welchem, menschlicher Weise zu reden, durch dieses einige Luft-Mittel hatte können geholfen werden, re. Zum Beschluß, und gleich als zum Nachtisch, wil ich dem geehrten Leser eine fremde Tracht aufstellen, welche sich aber auf letzt- gehaltene Philosophische Mahlzeit, meines Bedunckens, qantz wol schicket. Es ist bekannt, wie die allergrößten Thiere der Welt, ich verstehe die ungeheuren Wallsische. sich nirgends als in den kalten Meeren gegen den aufhalten, da es hingegen scheinet, die grimmige Nord-Kälte solte das Wachsthum solcher Thieren mercklich verhindern, wie wir an dem Exempel der Berg-Bäumen sehen; und ?r»nciicus v^itlougby in seiner IcblyoloZ. p. 2O. bezeuget, daß die in Schottländ- und Wallischen Gebirgen weydende Pferde, Ochsen Schafe re. weit kleiner seyen, als die so in den Thälern und Ebnen ihre Nahrung finden. Ich meines Orts fasse die Sach also: Unter allen Fischen sind keine mit Lungen begäbet, als unsere vorhabende Wallfische; da die übrigen, wie bekannt, durch die SrsncKisL oder Ohren athmen, ziehen diese den Luft häuffiq durch die Lunge an sich. Wie nun alles kalte Wasser in seinen Löchlein eine zusammengedrückte Luft enthaltet, als ist leicht zu erachten, daß die zu- sammengeprcßtcste in eben diesen Nördlichen Wassern seyn muß, welche in die Leiber der Wallfischen gebracht, und durch dero Bewegung und Wärme verdünnert, die Adern des gantzen Leibs mcrck- lich ausdehnen und erweitern kan; gleich der vorher eingeschlossenen Luft des Salpeters und Schieß-Pulvers, welche, durch das Feuer verdünnet, einen unglaublich wettern Raum ausfüllet, als vorher. Hieraus schließe ich, daß dergleichen ungeheure Fische nirgends leben, nirgends ihrer Sässter und Geistern Creiß-Bewegung ungehinderter ausüben können, als in den eißkalten Polarischen Wassern, in welche sie der allweise Schöpfer gesetzet hat. Geschiehet es, daß sie sich verirren und in den Deutschen grossen Ocean kommen, so finden sie zwar dort Wassers genug, aber eine so dünne Luft in denselben, welche nicht genugsam ist, die grosse Machine M 2 ihrer 92 Erzehlung seltsamer N'atur-Geftbrchren ihrer Leibern in erforderlicher Ausdehn- nnd Bewegung zu erhalten. Wenn hiemit eine Zeitung kourmt, daß auf die Schottisch- Norwegisch-Dähnisch- Niederländischen Küsten ein grosser Wall- fisch ausgcworffcn worden, und insgemein darüber geurtheilet wird, daß dessen Ursach ein starcker Sturm gewesen, so sage ich, aus bisherigen Grundsätzen, er seye vielmehr an dein Heimwehe gestorben oder crepiert. -tr - " ..— -s> Von dem Unterschied der Arautern und Bäumen/ so auf hohen Bergen/und tieften Thälern/ wachsen. daß die Buchen-Berg- Achten- Lerchen- und andere Baume, nicht auf den obersten Alp-Spitzen, AxAHä sondern nur bis auf eine gewisse Höhe, wachsen, über alles bloß, und dann nichts als Felsen und Kräuter zu sehen; auch wachsen die Bäume nicht in gleicher Höhe auf, bis sie obgcmeldte Höhe erreichen,sondern werden allezeit kleiner. 0) Diese (lc) Dieses ist nicht nur von den Bäumen/ sondern überhaupt von allen Alp« Kräu. lern wahr. Diejenige/ welche auf den obersten Berg > Spitzen wachsen/ stnv weit kleiner/ als die/ welche in niedrigern Orten hei vorkommen; sie sind oft so klein/ daß man sie kaum fassen/ und mit der Wurtzel ausreisten kan. ES giebt zwar auch auf Alpen hohe Kräuter/wie». E die OemiE major larea, und andere mehr/ die aber in geringer Anzahl sind. Indessen ist zu bemercken/ daß sich die Kleinheit der Alp-Kräuter nicht eben wie die Höhe verhält. Auf dem Rtgl-Derg sind dieselben weit kleiner/ als aufdern PilatuS-Brrg/ welcher weit höher ist : auf jenem sind sie auf der obersten Höhe so klein/ daß in dem Tbau das Uberleder an den Schuhen kaum naß wird; hingegen auf dem Pila» tuS Berg kan man an Orien/ va eS höher ist ai« auf der obersten Spitze der Rigt-BergS/ durch «in Graß gehen/ welcher über die Füsse hinaufgehet. Über» Haupt kan man sagen/ daß du Kräuter weit kleiner sind/ wo die starcken Win. d« wehen/ als wo sie nicht hinwehen können. Der Rigi Berg stehet dem Wind fast von allen Seiten offen/ da hingegen auf dem Ptlaluj. Berg/ weil er sehr «neben ist/ und viele Hügel hat/ die Winde nicht so wol an alle Orte können hinkommen. des Gchweiyerlandes. — , - Diese Blosse der Berg-Firsten hat schon pohbius angemercket »ilk. I^ib. lll. -7-sv ^ ^ «x§«, r(. Es sind die obersten spitzen der Alpen, und auch um etwas niedrigere Orte, überall bloß, und ohne Bäume. Da finden sich keine Baumgärten, keine unmuthigen Wälder, alles stehet kahl, kalt und traurig aus; Ich verstehe denen, welche ihre Freude an der Baumpflantzung, und dero Früchten haben: weilen ein, sonderlich Kräuter verständiger Natur- chrscher und Aelplcr, an solchen wilden rauhen Orten seine größte Belustigung findet, jener zwar, weilen er auf diesen hohen Berg- Firsten, und von denselben die grossen Natur-Wunder des Schöpfers besehen kan, und solche Kräuter und Kräutlein antrift, die er anderswo in niedrigen Orten, Ländern und Thälern vergebens suche» würde; dieser aber, findet die schönsten und fruchtbarsten Alpen oder Weyden, zu seinem grossen Nutzen vor fein Viche. Wenn ich diese kahlköpfigten Gebirge mit verwundernden Augen ansehe, und dem Mangel so wol als der Kleinheit der Bäumen nachdencke, so kommen mir verschiedene Ursachen vor, von welchen dieses herrühren kan: Vorderst die geringe Höhe der aufstehenden Luft, welche das Quecksilber im Wetter-Glaß an diesen Orten 4. s. und mehr Zoll tieffer fallen macht, als in den Thälern, wie oben bereits bey Anlas der Abmessung der Berg-Höhen angemercket worden. Es findet dieie Ursach bey vernünftigen Gemüthern um so viel mehr Platz, wenn man bedencket, daß der in die Pflantzen, Stauden und Bäume aus der Erden kommende Nährsast eigentlich nicht, von einer ehemals eingebildeten Anziehungs-Kraft, angesogen, oder aufgezogen wird, sondern von äusserer schwer aufliegend-drückender Luft , in die äussersten Zäserlein der Wurtzcln, als so viel Mundlöchlein, ein- und hinauf getrieben, geflossen, und bis anf die Gipfel der höchsten Bäumen gedruckt wird. Hiemit, wo eine geringere Höhe der Luft, da ist auch eine mindere Drückkraft; wo die Höhe der Luft nach und nach abnimmt , da müssen auch gleichsam stuffenweise die Stauden und Bäume sich verkleinern. Dabey aber, als einer allgemeinen Ursach, allerhand besondere Fälle ausbedungen werden müsse»:: als da ein gegen der Sonnen, obgleich in zimlicher Höhe des Bergs stehender Baum, grösser seyn muß, als ein anderer, so tieffer aber gegen Mitternacht stehet; weilen dort die innere Röhrlein des Baums, von der Sonnen Wärme ausgedehnt, den Nährsast leichter aufnehmen, und dieser durch geringere Drückung hoch gebracht werden kan, ja M 3 wurck- 94 Erzehlung seltsamer i77arur-G' sthiehten würcklich eine grössere ausstehen muß; oder, da in einem jäh aufsteigenden Wasserreichen Tobet ein in mehrerer Menge anwesender Nahrungssaftauch höher getrieben werden muß, wenn man bedencket, daß die wässerigen Theile in den subtilen Baumröhrlein (gleichwie in gpbone reitexo) in gleicher Höhe können gehalten, und von andern dahin getrieben werden, welche durch die Löchlein -er Erden nach des Bergs baldiger Jähe zu den Wurtzcln eines jeden Baums abdrinqen, und daß diese etwa« durch eine schwammigte Erde gehende Drückkraft ihre Würckung leichter ausüben kan in einem Bäum der höher stehet/ als in einem andern, der an einem ticffern Ort seinen Platz hat. Über diß muß ein vernünftiger Unterschied zwischen den Bäumen selbst qemachet werden, je nachdem fie geradere, oder krümmere, enge oder weite Nahrungs-Gefäffe haben; wie denn bekannt, daß in unsern hohen Gebirgen sonderbar die Lerchen- und Tann- Bäume hoch steigen; weil in jenen die äderichte Röhrlein gerad aufsteigen, und weiter sind, als die so einen harziqten Saft enthalten; in diesen aber enger, und näher beysammen stehen, auch sich in die Krümme winden, und deßwegen der Nahrungssaft nicht so leicht durchpassieren kan. Aus bisher erklärtem Mangel der drückenden Luft lässet sich ferner schlieffen, daß in die aufhoben Bergen wachsende Pflantzen und Bäume, sonderbar die subtilem, dünnern, leichtern, flüchtigern, geistreichen Theile des Nahrsafts aufsteigen müssen, als die der Drückkraft eher weichen, und hingegen die schwerern, grobem, und schleimigten zurück bleiben. Eben daher muß nicht nur die Kleinheit der Berg-Pflantzen, sondern auch dero scharffer gleichsam ge- würtzter Geruch und Geschmack geleitet werden. Ja aus eben diesem Grund darf ich den Unterschied der Berg- und Thal-Kräutern behaupten, daß nemlich diese weit geringer an Kräften seyen, als jene, und insgemein unsere Schweitzmschen Pflantzen viel kräftiger, als die Deutsch - Italienisch - Französisch-Niederländischen gleichen Geschlechts, welches in der That die Holl- und Engelländer scheinen zuerkennen, denen viel Wund-und andere heilsame, bey ihnen oft auch Wachstube, Kräuter aus unsern Gebirgen jährlich zugeführet werden. Das ifts, was ich aus blosser Betrachtung der auf unfern Landen und Gebirgen stehenden Luft von der Helvetischen Pflantzen Kleinheit und Vortrefflichkeit urtheilen wollen. Ich bleibe aber dabey nicht, sondern bemercke, daß zu oberzehlten Wurckungen nicht wenig die rauhe, kalte Lüfte, und beständig durch die Höhen blasende Winde des Gchrvekzerlandes. 95 Winde beytragen können, von welchen die Röhr- und Löchlein der Kräutern, Stauden und Bäumen eingezogen, die Zäserlein enaer zusammen getrieben, des Nähr-Safts Aufsteigen verhindert, und nur die flüchtigen, geistreichen Theile in die Stämme, Stengel, Aeste, Blätter, Blumen und Früchte ausgespendet werden, ja wegen dieser umstehenden Kälte nicht so leicht, wie in niedrigen Orten, ausfliesen können. In Betrachtung dessen ist sich nicht zu verwun- dcrn, daß die Berg-Bäume gemeiniglich ein weit dauerhafter und milter Holz haben, als andere, so in den Thälern, oder sonst niedrigen Landen, wachsen. Diß bemercken unsere Handwercks-Leute, welche mit dem Holz umgehen. Im Glarncrland unterscheidet man alles Bauholz in das Hoch-und Niederwälder, und wird jenes als das dauerhaftere, mehrentheils zu hölzernen Häusern gebraucht. Unsere Schreiner ziehen dem gemeinen bey uns wachsenden roth-tan- nenem Holz das so genannte Hochwälder-Holz vor, so ihnen aus denen hohen Wäldern des chlarnerlands zukommt, weilen diß leichter, luftiger, von engern Jahren, folglich zu allerhand, sonderlich Resonantz-Böden, und anderer der Musie dienender Schreiner-Arbeit bequemer ist. So spüret man auch einen mcrcklichen Unterschied zwischen unserm und dem Glarnerischcn Nußdäu, neuen Hoiz. daß dieses dauerhafter, geschlachtet, milter, leichter, jenes aber schwerer , gröber und härter ist. Gehen wir von dem Glarncrland hinüber in die Sa ganser Grafschaft, so finden wir ein nicht liur gemein hartes, sondern wahrhaftig gestähltes Holz, re. Man bcmercket auf dem Berge Kumzen, der oberhalb Sargans stehet, daß die daselbst wachsende Buch-Bäume schwerer, härter, kropfichter und krümmer seyen als anderswo: Welche Begebenheit ich nicht nur den obangeführten Ursache»! zuschreibe, soudern auch einem gestählten, das ist, mit subtilen Stahl-Theilchen (weilen in benanntem Berg die berühmten Stahl-Bergwcrcke sind) versehenen Nahrungs-Saft; welches um so viel eher glaublich, wenn man bedencket, daß cm in materialischcn Wassern eingeheiztes Holtz endlich zu einer gleichsam stählernen Härte gebracht werden kan. Es muß diese Fürbündigkett des Berg-Holtzes den alten Griechen und Rölnern nicht unbekannt gewesen seyn. Diese kriegerischen Völcker wählrten zu ihren Pfeilen und Spießen sonderbar das Holtz, so auf hohen Bergen gewachsen, »omerus bezeuget uisä xi. daß des ä- «liiliis Leib-Spieß von der Spitze des Bergs kein herkommen, und nennet 9<5 Erzehlung seltsamer kTamr-Vestchichten mnnet ihn mit Nachdruck «r-^-^e-per, welches die Ausleger übersetzen, rj^ictum LeciurumNästile, eigentlich aber ein vom wind ernährter, das ist, von der rauhen, kalten Berg-Luft erhärteter Spieß. So werden auch bey vir^iia vi-i. v.66. die Soldaten vorgestellet, als Träger zweyer aus Berg-Holz verfertigter langer Pfeilen, oder Wurss-Sviessen. - Duo quisque ^Ipins corulcsnr 6 elä msnu, Und bey 8ilio Icalico Lib. k. Lt Ligurum liorremerque comr , pgrmsec;ue relät» ltilhznL cie genle rulles» ^Ipinäque gsefz. Da an beyden Orten diese Gattung Wurff-Spieß ^lpinz Lrk heißen, nicht mn deßwegen, weil die inaipini, 6smes ^ipin«, auf und an den Alpen wohnende Völcker sich deren bedienet haben, sondern vornemlich, weil sie aus zähem, hartem Berg-Holz gemachet worden, wie es loiias 8im1eru8 Lämmern. cte ^Iplb.p. 126 ausleget, oder vielleicht von leichtem, gemachtem Berg-Holz, an dem die Soldaten nicht schwer zu tragen gehabt. «»^-l H ^ -X- ^^^ ^-X-^-A-^« 2 -x-2-x- I.S« Voir den Reisen über hohe Gebirge. sZS ist nicht meines Thuns, denen nachzuforschen, welche ^ zuerst unsere Schweitzerischen Gebirge möchten überftie- gen, und aus den alten Gallischer: Landen in Italien, öder aus Italim irr unsere Lande mit gantzcn Heerzeugen gekommen seyn ? Auch welchen Weg, und zu welcher Zeit der gewaltige Heerführer Hanmbal über die hohen Schweitzer-oder benachbarte Savoyische Alpen kommen sey? Es gehöret diese Materie eher einem ttüwrico , oder Geschieht-Schreiber zu, und kan der geehrte Leser nebst dem Livio und !>oiyv>o unsere Vaterländische Seribcnten hierüber zu Naht ziehen, als 8imierum äs ^ipw. p.76-86. ^5ckuci. ttcivcr. ^nnc^. Xllcr. und Rhetisch Alp-Gebirge psg. 4 s.ö:c. deren muthmaßlich-endliche Meynung dahin gehet, daß die hohen Alp- Strassen von uralten Zeiten her, in denen Italien und Gallien bewohnet waren, durchgängig gewesen, gleichwol seyen so wol die Italiener des Gchweitzerlandes. 97 liener als Gallier jede Nation in ihren Landen still gesessen, wol zusammen gewandelt, aber nicht einevonderandernmitHeers-Macht überzogen worden; und sey Nei-cuies der erste (wenn je wahr, was von ihm geschrieben wird) der sich von Morgen her über die Alpen in Gallien gewaget; hernach seyen auch die Gallier zu Hquim, Zeiten, lang vor Hannibal, mit einem Heerzeug in Italien gezogen. Mein Vorhaben ist, deren Reisen, so durch unsere Schweitzerische hohe Gebirge vorgenommen werden, Bequemlichkeiten, Beschwerden, Gefahren, Manieren wie selbige abzuheben, oder zu vermindert!, zur Nachricht denen Reisenden, bekannt zu machen; zugleich aber auch diese Materie aus den alten Geschicht-Schreibern, sonderlich i'oiybio ( welcher das, was ll-mmbgii in feinern Zug über die Ab- pcn begegnet, von den Reißaefehrten selbst, erfahren, und hernach auch, seinen Luft zu büffen, in die hohen Gebirge geretset) zu erläutern. Hieraus wird verhoffentlich mancher Fremder und Einheimischer die Beschaffenheit unsers Lands erkennen lernen, und ein und anders zu seinem Nutzen ergreiffen. von Lust-Nutzbarkeit/ und Bequemlichkeit der Berg-Reisen. i S ist jederman durch die Erfahrung bekannt, daß bey jähem Auf- und Absteigen der Bergen grosse Mühe und Beschwerde auszustehen sey. Wer die wahrhaften aus Anatomischen und Mathematischen Grundsätzen gezogenen Ursachen solcher Müh- samkeit zu wissen verlangt, findet fie in dem herrlichen Merck jok. Hiplionli knreili cie X/loru HnimzI. ?3rc. l. prop, I6o. p. 194.. Hieraus scheinet, die Berg-Reisen seyen so mühsam und beschwerlich, daß sich jederman davon solte abschrecken lassen. Ich wil aber zum Trost der Reisenden beweisen, daß ihre durch die Schweitzeri- schcn oder andre hohe Gebirge vorzunehmenden Reisen mit mehr Lust und weniger Arbeit zugehen, als auf der Ebne. Es hat diesen widersinnigen Vertrag der grosse ^nitoleies m seinen sogenannten pro- biemzubus schon längsten gethan. Die eigentliche Ursach dieser Begebenheit bestehet kurtz darinn : Weil bey abwechselnder Auf- und Al'fteigung alle Glieder des Leibs in Bewegung kommen, aber nicht zugleich, sondern also, daß, wenn die einten Mäuslein arbeiten, andere, so kurtz-zuvor fich abgemattet haben, ruhen können, und in der t. Theil. N Zeit, 98 ErzehlunA seltsamer Natur-Geschichten Zeit, da diese an Dantz müssen, jene herqegcn durch die Ruhe sich wiedrum erholen. Nebst dem ist in Betrachtung zu ziehen, daß durch fortgesetzte Bewegung aller Leibs-Zäscrn der Lanff des Geblüts, und der Geistern Einfluß, mercklich befördert wird, welches nicht wenig zur Gesundheit der fremden Reisenden beyträgt, sowol als denen Einwohnern selbst, deren ftarcke, ansehnliche und gesunde Leiber der gantzen Welt bekannt sind. Betrachtet man über diß die Ausdehnung der innern in den Adern des Leibs enthaltenen Luft, die geringere, schwere und rauhe Kalte der äuffern, so wird sichs finden, daß der Creißlauff aller Säfften befördert, und die Ausdämpfung des Leibs verhindert wird, welches beydes viel zu Unterhaltung der Leibes-Kräften, so zu Fortsetzung einer Reise nöthig sind, beyträgt. Halte man das mühsame Leben der Bauren, ja das beweglich beschwerliche Leben unserer Aelvlern, welche bald alle Tage ein^ hohes Gebirge von der Wurtzel an unter fortwährender Gesundheit, mit beständigen Leibes-Kräften, besteigen, gegen die weiche Lebens-Art zarter Höflingen, oder der Gelehrten bald immerwährendes Stillfitzen in ihren Studier-Stuben, so wird fich bald zeigen, wie jene durch allerhand Unordentlichkeiten ihrwollüstiges Leben bald abkürtzen, und diese nicht nur ihre Geister durch oft unmäßiges Studieren verzehren, sondern über diß zu allerhand Verstopffungen, so sich in ihrem Leib sammeln, Anlaß geben, folglich zur Miltze-Sucht und andern schweren Kranckheiten zurüsten. Diesem allem kommen die Aelpler, ja auch andere, so die Berg-Strassen und Reisen viel brauchen, vor, theils durch ihre einfältige Lebens-Art, theils durch tägliche von Jugend auf anqewehnte Bewegung. Wahr ists, daß einer, sonderlich der, so der Berg-Reisen nicht gewohnt ist, auf den höchsten Alp-Firsten eine merckliche Schwierigkeit des Athems empfindet, welcheaber, meinesBedunckens, nicht so fast von Mattigkeit der Gliedern, als aber von oben bemeldter Ausdehnung der innern, die Lunge umgebenden, und folglich zusammen drückenden Luft herkommt, welcher zwar die innere, in den Aederlein dcr Lunge selbst enthaltene, auch mehr als zuvor ausgedehnte Luft widerstehet, aber nicht genugsam, weilen die äussere dieLungen-Bläslein selbst aufblasende Luft allzuschwach in ihrer Drückkraft ist. Wer die Ausdehnung einer zusammen gedrückten auf die Berge getragenen Luft vor ein Hirn-Gedicht haltet, der nehme eine nicht gar aufgeblasene Schweins- Blater, binde sie in solchem Stande unten in dem Thal zu, steige damit des Schwekzerlandes. 99 damit aufdie Höhe desBergs. so wird erfinden, daß fie droben völlig aufgeblasen, da doch kein andere Lust hinein kommen ist, als die so mit herauf getragen worden. Aus eben diesem oben bey verschiedenen Anläsen angezogenen Fundament lässet fich die vierschrötige, grosse, ansehnliche Gestalt der Aelplern, und in§ gemein der Schwettzcrn herleiten; Ja auch die merckltche Grösse des Viehs, inS besonder derjenige Umstand, welchen unlängst mir nachdrücklich der Hochgeehrte Herrn. 0,3c. zu 8 . im Glarnerland zugeschrieben. Von dem Drehe auf unsern Alpen bemercket man biß, daß je höher es hinaufkommt, je mehr es zunehme,und wie wir reden, trüh». Unsere Alpen sind gemeiniglich in obere, untere, auch mittlere Skafel unterschieden; wenn man nun mit dem Viehe gegen dem Herbst von den obern wiedrum in die untern, und also in ein frisches Graß fahret, können doch die Sennen nicht mercken, daß die Rühe wieder an Milch zunehmen, ob sie gleich auf den obern fast nichts mehr zu fressen gehabt. Unsere Hauß- Mütter wollen auch den Butter viel lieber von den obern, als untern Grafeln haben, weil er ihnen in der Rüche besser, als der andere ausgeben solle. Recht so ; in den obern Stafcln ist zwar ein kleines, aber kräftiges wolgeschmacktes Futter, dessen ausgekochter Milch-Saft fich leichter durch alle Adern zertheilet, und häuffiger in den Utter-Drüftn abscheidet, als in den untern, nnd mittlern,- obwol Graßrcichern Orten. AuS bisherigem ist bald zu schließen, was von denen zu halten sey, welche unsere Schweitzer-Kühe in Teutschland oder Italien, um davon eine Zucht zu pstantzcn, abführen lassen, aber, wie die Erfahrung bezeuget, umsonst. Suche man zuerst, ehe man das Vieh von unsern Alpen wegtreibet, ein zulängliches Mittel, unsere dünne hohe Berg-Luft, unsere kostbare Berg-Wasserquellen, unsere herrliche gewnrtzte Berg-Kräuter mit wegzuführen, so wird die Sach sicherlich gerathen. ES erhellet hieraus, daß, gleich wie die Verwandlung der Metallen und Elementen heutigS TagS vor unmöglich gehalten wird, aus dem Grund, weil Gott anfänglich jedes Element und Metall in seiner Vollkommenheit erschaffen, und solche von ihm selbst gesetzte Ordnung nicht unterbrechet! laßt, also auch jedes Land von Gott, dem allweisen gütigsten Schöpfer, mit solchen Vortheilen begäbet sey, welche fich nicht von bannen weg- und anderftwohin fuhren lassen. Ich komme aber wiedrum zu meiner Berg-Reise, und N 2 gebe iOQ Erzehlung seltsamer Natur-Geschichten gebe den Reisenden diesen Einschlag, daß sie gemächlich steigen, nicht sikmd , sondern stehend ruhen, und sich im Absteigen hurtig und geschwind erzeigen. Von Gefahr und Schaden/so denen Berg Reisenden aufstößt/ vom Schnee und Eiß, und wie dem zu begegnen. des HannibalS Zug über die Alpen melden l-ivius käb. r r. und polchius lillt. Qib. lil. pzg; 287. Läir. 1670. daßdas Absteigen ihn nicht weniger Mühe und Soldaten gekostet als das Aufsteigen, weilen die Wege eng, jähe und schlipfria gewesen, so daß die Soldaten mehr auf dem Schnee hinunter gerutscht oder geschlipft, als gegangen, folglich je einer über das Vieh, das Vieh über die Menschen, gefallen, und auf solche weise viele Menschen und Vieh zu gründ gegangen sey. Obangezogene Römische Geschichtschreiber können nicht genugsam ausdrücken, was vor Schaden der Schnee dem Hannibalischen Heer mqefüget: wie der neue weiche Schnee leicht von Menschen und Viehe sey durchtretten worden, unter dem aber ein alter, schlipfriger, bald eiß-harter Schnee, auf welchem man nicht sicher einher gehen können, sondern glitschen und rütschen müssen; wie man auch öfters in dem Schnee und Eiß stecken geblieben, daß insonderheit das schwere Laft-Viehe darin gleich als gefangen, gar leicht die Füsse gebrochen, oder gar eingefroren. Eben dieses erfahren noch heutzuTagdte, welche über den Gotthard, Splü- gen, und andere gangbare Strassen unserer hohen Alpen reifen. Das Eis allein machet wiedrum den Reisenden grosse Ungeleqenheit, ja setzet sie in grosse Lebens-Gefahr, wenn nemlich dessen grosse Klumpen von der Hohe ab - und in den Weg fallen, alles, was sie da antreffen, darnieder schlagen, oder wenigstens den Paß einnehmen, und abschneiden, daß man weder hin noch her kommen kan, wovon auch 8rrzbo 6eoßrApN. I V. pzg. m. 141. zu lesen. Diejenige, welche über die Eiß-Berge oder Gletscher selbst reisen, stehen auch grosse Gefahren aus; etwan wirfft dieses Berg-Eiß breite und Thurn- Liesse Spälte, welche denen, so hineinfallen, zum Grab dienen. Es wird aber die Gefahr vermehret, wenn ein neuer Schnee auf diese Gletscher gefallen, oder von dem Wind zusammen gewehet worden, weilen der die Spälte obenhin bedecken, und also den Reisenden selbst des Gchwekyerlandes. ror eine Falle werden kan; Zu dem Ende, damit man sicher durch der- gleichen gefährliche Ortkomme, pflegen die Wegweiser eine Stangen mitzunehmen, um damit zu forschen, ob und wo die Spälte seyen: finden sie dieselben, so geben sie ihren Gelehrten Anleitung, wie sie darüber springen, oder auf einem angelegten Brett (das sie zu solchem Ende mit sich tragen) hinüber gehen können; damit man aber der gantzen Gesellschaft und dero glücklichen Durchkonft besichert seyn rönne, pflegt man mehrmalen je einen an den andern mit einem starken Seil in gewisser Wette zu binden, damit, wenn je einer solte in einen Spalt fallen, die übrigen ihne wiedrum retten können, wovon auch 8imkrus äs ?äpib P 1 Z. III. b. zu lesen. Solisten müssen die Bergsteiger an solchen Eiß-glatten und schlipftigen Orten ihre Pferde wol spitzen, auch selbst ihre Schuhe mit spitzigen Fußeisen versehen, wie dergleichen die Gems-Jäaer allezeit mit sich tragen, oder die Schu- hesolcn selbst mit spitzigen Eisen oder Nägeln beschlagen; darneben auch einen mit Eisen beschlagenen starcken langen Stock an derHand tragen, um, wo es gefährlich, sich daraus zu lehnen. An vielen Orten ist der Schnee einen oder mehr Spieß ticff, so daß Leute und Viehe darin versincken, wo ihnen nicht geholssen wird; von solchem Unglück schreibet OsuMnus also: mulros lizusere prokunä« Vasia mole nives, ci-im^ue iplis ssepe juvencis Kaufrgga cznäenti merzumur plaullra bzrarkrc». Damit die Reisenden vor dergleichen Gefahren besichert seyen, und nicht leicht, weil alles übcrschneyet, nebst dem Weg in tieffcm Schnee zu Grund gehen, pflegen die Anwohner der Berg-Straffen lange Stangen dem Weg nach aufzurichten, welche xi^ceiimus tt.ior liAneos, die Pündtner hcissen, damit die Reisenden von einer zu der andern fortschreiten. Etwa« leget man gantzeHäuffen Stein aufeinander, wie oben auf dem Splügcn zu sehen, mit denen jene steinerne Bild-Säulen gar wol können verglichen werden, welche aus Königlicher Freygebigkeit auf den höchsten Doffriner-Gebirgen, so Schweden von Norwegen absondern, aufgerichtet worden, nach dem Zeugniß o>zi 6enr. Lepcenrrion. II c. Damit diese Berg-Strassen das gantze Jahr hindurch gangbar seyen, haben die Obrigkeiten eines jeden Landes die Sach also angeordnet, -aß die benachbarte» Dörffer einer jeden Straß (als eine solche in N z Pund- iO2 Erzehlung selrsirmer N^amr Geschichten Pündtcn die so genannte Vis mal-, ist) selbige öffnen, offen behalten, welches nicht ohne grosse Mühe, Unköften, und Gefahr geschiehet. Damit aber auch diese Dörffer des Schadens einkommen, ist ein Weg Geld angesetzet worden, welches sie auch Runen nennen, (a nimpenöo, von Brechung des Schnees,) und von den Reisenden an statt eines Zolls fordern können. Bey Emnehmung dieses Rm- ren-Gelds muffen sie sich verpflichten, die Wege offen zu behalten, alles schadhafte zu verbessern, ja auch den von ihrer Versaumniß her entstandenen Schaden zu ersetzen. Auf diesen Fuß wird denen so genannten Fuhrleireen vor eine gewisse Summ das Amt der Oess- nung und Verbesserung der Wegen anvertrauet, welche dann ihren Pflichten gemäß alle Tag hingehen, die Straffen in Augenschein zu nehmen, und das nöthige durch die Weger zu verbessern. An etlichen Orten geschiehet diese Weg-Oeffnung durch die Rmrer, (dieses stnd Ochsen, die man durch die Strassen, da ein neuer Schnee gefallen ist, hinführet, und durch ihres Mittel denselben bricht) man führet auch der Straß nach durch diese Ochsen, oder auch Pferde, langeBalcken, um damit die gebrochnen Wege abzutönen. Kan man durch dieses Mittel den Weg noch »licht aüfthun, so werden gewisse Männer angestellet, welche mit Schaufeln und andern Instrumenten den Schnee wegnehmen, und also auch den Weg öffnen; diejenige, welche den Gemsen oder Schnee-Hünern gegen dem Winter nachgehen, bedienen sich, um aufhohem Schnee fortzukommen, runder, hölzerner Rcif- fen, gleich denen, so zu den Fässern gebraucht werden, ziehen kreuzweise hindurch Schnüre, mit denen sie auch in mitten der Missen ihre Schuhe anbinden, und schreiten also mit dieser seltsamen ckine auf eine beschwerliche Weise fort. (l) Bey Mnophonte lesen wir fast ein gleiches von den Griechen, welche, durch die Armenische Schnee-Gebirge zukommen, an die Füsse ihrer Pferden, und andern Laftviehs, Säcke gebunden, damit sie nicht tieff iu den Schnee hineilt sielen. Aridere hattet! - runde eiserne Ringe an den Solen ihrer Schuhen, mit welchen sie auf dem Schnee einher giengen, wovon ilu kUetne in seinem 6Ioll3rio OrTcir. Lsrctanus gedencket l-ib. Xl,i. ker. varier. c. 6 z. gewisser aus Weiden oderLindenbaum-Rin- -en geflochtener Körben, welche in den Nordischen Ländern an die Füsse (I) Die Lapländer binden lange Bretter an die Schuhe / damit sie in dem Schnee nicht untersagen/ wie der Herr von berichtet. des Gchweitzeelandes. I0Z Füsse der Pferden geleget werden, welches anch Lsttdoiinus 6s d^ivis utu 184.- UNd OlZUs^ß. Uiii.6enr. 8epc. I.. IV. cap. IZ. bestätiget. Es ist noch nicht genug von dem Schaden geredt, welchen der immerwährende Alp-Schnee denen Reisenden zufüget, und den entgegen stehenden Hülffs-Mitteln. In die gröste Lebens-Gefahr wickeln die Reisenden ein, die so genannten r-a/E, Läuwmen , un- gläublich grosse vor» den Bergen herab fallende Schneebällen, von denen anderftwo zu reden seyn wird. Es haben steh ferner die Berg- Reisenden vor vielem Anschauen des Schnees zu hüten, weilen von dessen glatten Spiegel-förmigen Eißblattleindte Sonnen- oderLichts- Strahlen häuffig zurück prellen, und das zarte Werckzcug -es Gesichts allzustarck und empfindlich bewegen. Sonderbar nimmt mau wahr, daß von dem neu-aefallenen Schnee das Gesicht eher verletzet wird, als von altem verlegenen, weilen dort die Eiß-Sternlein und Blättletn noch gantz, hier aber theils gebrochen, theils geschmolzen sind: Wiedrum bemercket man, daß bey scheinender Sonne den Augen mehr Schade zugefüget wird, als bey trüber Witterung, aus leicht erforschlichen Ursachen. Es ist auch diß nicht mit Stillschweigen zu übergehen, daß Fremde, so des beständigen Anschauens des Schnees nicht gewohnt, viel eher und stärcker geschädiget werden, als dieAl- pen-Bewohner, oder andere, welche die Berg-Reisen streng brauchen selbst, weilen deren Augen, und zarte Nerven, solchergestalt an starck empfindliche Berührung der Sonnen-Strahlen gewehnt sind, daß von denselben die einflieffende sinnliche Geister nicht alsobald in die Flucht gejagt werden, sondern auch einem hellen Glanz kräftig widerstehen, gleich den Glaßschmelzern, welche in die feurig-fliej- sende Materie ohne sonderlichen Schaden hinein sehen können, da andere, so dieserArbeit ungewohntsind, bald völlig erblinden wurden. Unter die Bewahrungs- und Erhaltungs-Mittel des Gesichts sollen die Reisenden,die Abhaltung der Augen von dem Schnee,zehlen, und zu dem Ende, wo sie können, ihre Augen auf die allzeit grünenden Lerchen - und Tannen-Bäume, oder auf Schnee-blosse Felsen richten, oder selbige mit schwach fürhangendem Tuch bewahren, O) Des (m) Der grl. Engtllander M. ka» als er im Mertzea A.1664. durch die Pündt. nrrischr Grbirqe rußte/ wolle dir Augen durch Zuschlieffung derselben bewah» reu/ rS bat chm aber der AuStrag gewiesen/ daß diese- Mittel mehr schädlich ro4 Erzehlung seltsamer Natur-Geschichten Des Cyri Soldaten bedienten sich eines schwachen Tuchs, das sie vor die Augen gehalten, nach dem Zeugniß Xenopkonns läb. iv. Lxpe6. Lyr,. Die Einwohner des Königreichs Tibet in Asia gebrauchen sich, zu Abwendung dieses blinden Schadens, gewisser aus subtilen Netzen verfertigter Augen-Vorhängen, deren NierenberA.us Lab. XVI. diät. csp. 69. gedencket. Von der Rälte/ welche den Berg-Reisenden beschwer- und schädlich ist. allen Zeiten sind die hohen Alp-Firsten kalt, weßwegen auch der Schnee beständig durch das aantze Jahr bleibet, wie der tägliche Augenschein uns lehret: sonderbar aber wird eine durchdringende Kälte gespüret, wenn der scharffe Bise - oder Nord- Wind in der Luft die Herrschaft führet, und, wie aller Orten, des Winters. Da geschiehet es mehrmalen, daß die Reisenden auf der Straß erstarren, oder, wie wir es heißen, geftaben, oder ihnen die Händ, Füß, Ohren, Nasen und Finger abfrieren, daß, wenn sie in Losamcnt kommen, und die Nase schneuzen wollen, ihnen selbige mit samt dem Unraht ins Schnupftuch fällt. Diese seltsame, und denen so es angehet, höchst beschwerlich- und gefährliche Begebenheiten können, nach der gelehrten Meynung Herrn perraulr, Mitglieds der Französischen äcuciemie cles Sciences, ausfolgende Weise gefastet, und in ihren Ursachen ausgeleget werden. Unser Leben bestehet in beständigem Creißlauff des Geblüts, in lebendiger Wärme, in immer gleichem Einfluß der sinnlichen Geistern, und daher rührenden Gleichgewicht der äußern und innern Luft. Nun ist zu wissen, daß denen, so über hohe Gebirge reisen, allzeit durch die äussere Haut und dero Mundlöcher etwas von den subtilen Theilen des Geblüts und der Geistern ausflieset, ja nach und nach so viel, daß bey ausbleibender Eraäntzung der ausqefloqenen Theilen, die innere Luft in grimmiger Kalte geschwächet wird, und die äussere aufstehende eine über- gtwesen / als nüzlich / weil der durch scharffen Nordwind in sein Angesicht gewähete Schnee auf seinen Augen Liedern liegen geblieben / und durch erfolgt« Erfrierung dieselben bald zu Grund gerichtet hätte. S lopoZrspIiicÄl ob- servarions PLA. 4 6. woraus denn zu sehen / daß es besser / man halt« durch beständige Oeffnung der Augen den Schnee von ihnen ab. * des Gchwelyerlandes. _I2s überwachserrde Drückqewalt bekommet; wenn hiemit das Gleichgewicht der äusser» drückenden und innern gegenstehenden Luft aufgehoben/ so müssen von jener die Zäscrn unsers Leibs zusammen gedrückt der Lauff des Geblüts durch die äussersten Puls- und Blut- Aederlein, und also auch der Geistern durch die Spann-Adern ge- hemmet werden/ worauf das Leben in solchen Theilen sich nach und nach vermehret/ und eine gäntzliche Abftcrbung, anfänglich zwar der äussersten Gliedmaffen, erfolget; so daß von der Kälte ein sogenannter kalter Brand entstehet. Wozu dienet aber diese Vernünftclung ? Dazu, saae ich/ daß ein jeder sich selbst, seine Gesund-und Kranck- heit lerne erkennen, auch auf begebenden Fall ihm selbst oder andern mit vernunftmäßigen Mitteln beyspringen; ins besonder aber diejenige Wund-Aerzte, denen die Zergliederungs-Kunft unbekannt isi, Anlas nehmen, dergleichen Patienten durch vorsichtiges Tractament eher zum Leben, als zum Tode, zu befördern. Vernehmet jetzunder die Zueignung : Wer in solchen Berg-Reisen, oder sonst kalter Luft, seinen eigenen oder anderer Geführten Leib gesund erhalten wil, der muß vor allem dahin bedacht seyn, daß er um den Leib her seine ausdämpfende Warme behalte, damit sie nicht zerfliege, und zu dem Ende alle Glieder des Leibs mit dicken Kleidern und Peltz- werck wol verwahren, ins besonder die Brust mit Papier und Pergament oder Leder einfassen, damit durch solcher Cörpcrn englöch- richtc Gestalt die subtilen Ausdämpfungen des Leibs nicht so leicht durchdringen können. Ist in den Füssen oder Aermen bereits eine etwelche Unempfindlichst oder Erstarrung, oder fangen diese äussere Glieder an zu zucken, so gieße man denselben kaltes Wasser an, bis die Erfrierung aufgelöst ist. Wie ? Kaltes Wasser ? heißet das con- rrariz comfari,8 cur-tre: Kalte Kranckheiten mit erwärmenden Arzneyen heilen. Leset folgend merckwürdiges Exempel in des berühmten Bernerischen Arzts Luilk. krbrilii kiilclLm Feld-Arzney, vorn heissen und kalten Brand, cap. i z. Eine Adeliche und glaubwürdige Person hat mir erzehlt, als er durch die Nordische Lande gereiset, daß er einsmals einen jungen Mann am Wege beynahe todt und steifsvom Frost gefunden habe, und als er ihn zu sich in seinen Schlitten genommen, habe er ihn bis in die nächste Herberg fuhren lasten, auf daß er nicht von den wilden Thieren zerrissen und gest essen würde. Der Wirth aber habe ihm angezeigt, man müsse geschwind den ganyen Leib in kalt l. Theil. O was- io6 Erzeblung seltsamer tTkarur-Geschichren Wasser werffen, und nachdem solches geschehen, seye der Frost ausgezogen, und der ganrze Leib mit Eiß, gleich als mit einem Harnisch, überzogen worden. Darnach aber habe man ihm einen starckenTrunckMett mit gestoffenem Zimmer lTlägelin und Nluscatblust, zu trincken gegeben, und im Bett warm zugedeckt, zum Schwitzen gebracht, und sey also wiedrum zu ihm selbstcn kommen, und gesund worden: r?ur daß ihm die Spitzen, oder erste Gelencke der Fingern, und Zehen abgefallen seyen. Es Wird eine solche Heilungs-Weise dem nicht fremd vorkommen, der jemalcn gefrorne Apfel, Eyer, Rüben, in Eiß-kaltcs Wasser werffen, und die um sie gezogene Eiß-Riude, gesehen. Leget man aefrorne Früchte alsobald in die Wärme, so gehen sie zu gründ; Badet mau gefrorne Menschen, oder Thiere, und dero Glieder in warmem Wasser, so ersterben sie. Warum? Es geschiehet hier eine murano sb nno ex- rremo Lcl aliuö, eine Aenderung von grosser Kälte in grosse Wärme: dergleichen Sprünge von einem Ast auf den andern leidet die Natur nicht. Die von der Kälte allzustarck gedrückte Zäserlein lassen sich nicht ohne Gewalt und Gefahr auf einmal von der Wärme auslösen. Geschiehet aber diese Auflösung gemächlich, von grimmig kalter Luft in kaltes Wasser, von diesem in laues, bis man endlich zu dem warmen kommt, so kommt man zu erwünschtem Zweck. Gleich also wird die flüßig-brennende Materie des Glases aus dem Feuer-Heissen Ofen nicht alsobald an die kalte Luft gebracht, weilen also die Gläser springen, sondern von einem Kühl-Ofcn in den andern, bis die er- starreten Glaß-Zäsern die Gewalt der äuffern drückenden Luft ertragen mögen. Die Eiß-Rinde, welche sich um die aufgefrorneu Glieder anleget, ist nicht, wie die Alten geglaubt, ein aus dem Leib gezogenes Eiß, sondern kommt vielmehr von dem umgebenden Wasser selbst her, als welches an dem noch kältern Leibe in Eiß verwandelt wird, gleichwie dieTröpflein an dem Marmor, oder die winterliche vielför- mige Gefrorne in Fenstern nicht ein wahrhafter Schweiß des Marmors oder Glases selbst zu nennen ist, sondern von denen in der Luft schwebenden, an diese kältere Cörper anpütschendcn, und dort verdickcr- ten, oder angefrornen Dünsten, herzuleiten sind. Ich komme aber wie- drmn zu den Heil- Mitteln, deren man sich auf kalten hohen Bergen bedienen kan und sol: Unter denen ist nicht die geringste die Bewegung : Man muß denen, obgleich müden Reisenden keine Ruhe las- des GchweLtzerlandes. 1-27 sen, Ihnen nicht erlauben sich niederzusetzen, denn sonst schlaffen sie ein, und cntschlaffen, gleich jenen bey Osuckano: welche ceu 6orZone vis» OblriAuere ^elu. Man muß sie mit Gewalt fortführen, und schleppen, ihre Glieder rütteln und reiben, damit dadurch der Lauff des Geblüts von dem Hertzen in die äussern Glieder befördert, und also das Leben in dem gantzen Leibe erhalten wird« in iNom» kisreri, eines berühmtesten Baßleris. ^eclici, Lebens-Beschreibung, welche noch nicht in Druck heraus kommen, stehet von seinen Landsleuten, den Wallisern, daß sie, wenn sie sich auf hohen Schnee-Bergen verspäten, und weiter nicht kommen können, den Schlaff aus ihren Augen, und den Tod von ihrem Leibe also abtreiben, daß je einer den andern mit der Hand fasse, und alle sich in einem Creiß bewegen, bis der Tag anbricht. Und es berichtet »ormus ^rcz ^loli p. 174. daß den Reisenden gut, wenn sie in grimmiger Kälte das Männliche Glied in vielfaches Papier einwickeln, und also vor der Erfrierung, welche dort mehrmalen anfangen sol, bewahren. Übrigens ist ein Reisender, der seiner Gesundheit psiegen wil, zu wahrnen, daß er sich nicht mit Wein oder vielen Speisen belade, sondern mäßig lebe. Um so viel eher und mehr ist diese Regel cin- zuschärffcn, weil in den Berg-Reisen die Effens-Lust allezeit grösser, als in andern, so auf der Ebene, oder in Thälern, und in warmen Orten vorgenommen werden; Wie solchen kalten Berg-Hunger auch die Soldaten des L>r> erfahren, bey Xenopkome cie LxpLd. <^>r. deren viele Hungers gestorben. Die natürliche Ursach dieser seltsamen Begebenheit bestehet kurtz darin, weil nach obeingeführten Grundsätzen von der Berg-Kälte, die Leiber der Reisenden von allen Seiten her enger eingezogen, das Geblüt und die Geister hiuciuwärts getrieben werden, und deßwegen die sinnliche Geister durch die Ma- gen-Senadern in die Werckftatte des Appetits und der Däuurrg desto häuffiger und ungehinderter einstießen können. Oder deutlicher ist die eigentliche Ursach dieses mchrern Appetits herzuleiten von verstärkter Zichekraft der im Winter zusammen gezogenen oder ver- kürtzten Mäußlein: Wir erfahren diese Einziehung der Maußzä- sern nicht nur an unserm harrt- und fleifchichten weichen Leib, sondern sogar in den dichtesten Metallen, als Eisen, Messing, wie nemlich die äüronomifchen Quadranten in grimmiger Winter- O r Kälte i o8 Erzehlung seltsamer lTlarur-Geschichren Kälte engere Grade haben, und die Eisen-Stäbe um etwas kürtzer sind. (n) Es ist bey Auflösung obangefuhrter Begebenheit, die winterlich geringere Durch - und Ausdämpfung des Leibs, nicht aus der Acht zu lassen. Es lehret uns der erfahrne 8-m6tc»l>u8, 2 y. üc 4>. 8l-mc. r daß wir des Sommers täglich ein Pfund mehr, durch die unempfindliche Durchdämpfung, oder Löchlein der Haut, verlieren, als im Winter. Ist dein also, so müssen zu Winterszeit mehr flüssige Theil, mehr Geblüt, mehr Geister in alle Theile des Leibs, besonders aber in die Mäußlein, einstießen, als im Sommer, folglich mehrere Bewegkräfte ausüben; wie hierüber gar schön aus Mechanischen Fundamenten ^rcMbsläus pircsm, ein subtiler Schottländer, urtheilet, in vill. cle Xäoru, quo cibi in vemnculo reäiAUMuc sä foemsm ümAuini rekcienclo iclonesm l'k. io. Hieraus ist gleich als im Vorbeygehen, wahrzunehmen, woher es komme, daß wir den Winter durch vielcrlcy Gattungen Flüsse in unsern Leibern sammle», welche bey ankommender Frühlings-Wärme, sonderlich bey Anlas veränderlicher, bald kalter, bald warmer, bald feuchter Witterung, in Flußfieber und andere Kranckheiten ausbrcchen. Von Abstürtzung der Felsen-Steinen/ und Enge verwegen/ so den Reisenden auch beschwerlich sind. >S kommt zwar den Berg-Reisenden die tausendfältige Abänderung der Aussicht oder des Prospekts überaus anmuthig vor; bald kommet er durch luftige beyderseits mithohen Bergen eingeschlossene Thäler; bald durch unmuthige Wälder; bald durchwandert er die schönsten Berg-Garten, ich verstehe, die mit vielfarbigen seltsamen Kräutern ausgeziertesten Berg-Wiesen und Alpen; bald siehet er auf allerhand Art gestaltete, von dem Schöpfer der Natur (n) Von der Zusammen»iehung der Cörpern durch die Kälte/ und von der Aus. Dehnung derselben durch die Warme / verdienen gelesen zu werden/ dir Versuche der Hcsäemis äel Limento, und was der gelehrte Muschenbrok weiterj angemerckel hat. S. l'emLrnins clel Omento p. ll. p. 8 6c ieqq. Der Hr. Leueman hat diese Ausdehnung durch verschiedene Proben weikers erwiesen in den Lommemsr. ^csäerniL ?erropc>l. It-m. IV. des Schweiger-landes, 129 tur selbst ausgemauerte Felsen; bald den blaugläntzenden Firn oder Gletscher und ewigen Schnee; bald überstehet er von der Höhe eines Bergs ein gantzes Land mit dessen Städten, Flecken, Dörflern, Wiesen, Acckern, Weinbergen, Flüssen, Seen, re. Er entsetzt stch aber auch nicht wenig, wenn er über stch ein altes bald einfallendes Felsen-Gebäude, oder gar in einem engen Paß von dem Berge, einen oder mehr Steine, mit untermischter Erde, Holtz, und anderer Materie, herab fahren stehet, welche ihn leicht beschädigen, oder gar zu tod schlagen kan; wenn er überdiß jähftotzige, schlipfrige, enge, oft in Felsen eingehauene kaum schühiae Wege, zu paßieren hat, die zwar oft zu beyden Seiten aufsteigende Felsen haben, dennzumal wol ohne Gefahr stnd, etwan aber nur einerseits eine Felßwand, anderseits aber eine ungeheure wilde Deffe, da denn ein jeder Fehltritt über die Grentz-Thürschwelle in den Tod führen kan. Es hat bisher obenhin erzehlte Ungemach auch der tapfere Hannibal erfahren, wie bey Nulykio l. !It. p. 288 1-ivio xX>. p. m. 45. zu sehen , aber männlich überwunden; die harten Felsen, so ihnen und seiner Armee im Weg gestanden, bezwungen, das gefällte Holtz darauf angezündt, und dann die vom Feur mürb gemachte Steine durch eiserne Instrumente geöffnet und durchgraven. lHus und luvengii« melden, daß er die glühenden Felsen durch Anschüttung des Essigs habe erweichen lassen. Oppoluu dlzturL slpemgue, nivemgue veöuxir scopulos, Le monrem rupir ^ceto. Über diese Begequiß zancken stch die Gelehrten nicht wenig, und wollen viel diese Essig-vergiessung vor eine Fabel halten, um so viel .mehr, weilen poiMis. der den Hannibalischen Zug aufs fleißigste beschrieben, nichts davon meldet, 5i>w8 ir3i>cu8 auch nicht, wäre also -licht leicht zu begreiffen, wo Hannibal so viel Essig hergenommen, als genugsam gewesen wäre, die glühende Felsen auszulöschen. Andere hingegen sehen diese Geschicht für wahrhaft an, welche nemlich diese zwey ehrlichen Männer, und luvensiem. der Unwahrheit zu beschuldigen steh ein Gewissen machen. Ich meines Orts glaube, der ficherste Weg sey der mittlere; und kan mir wol einbilden, wie auch die härtesten Felsen durch Feuer bezwungen werden können, nachdem ich in den Sächstschen Ertz-Gruben mit Augen gesehen, wie das Felsenharte Gebirge von den Bergknappen durch ein in den Gruben angelegtes Feuer also aufgelöst wird, -aß es O Z her- 1Iv Erzchlung seltsamer lTfamr-Gkschi'chren hernach mit leichter Mühe zu zerbrechen ist. Nachdem die Felsen weich gemachet worden/ hat Haunibal sie wol glücnd mit Etß, Schnee und Wasser dämpfen/ hernach durch eiserne spitzige Instrumente/ als die Stemmeisen sind/ durchbrechen/ denn und wenn aber/ wo das Gebirge zu hart gewesen/ oder nicht genug aufgespalten worden/ befehlen können/ daß die Arbeits-Leute, durch unterweiligc Angiessung des Effias ihr Merck befördern; da denn nicht so viel/ als oben ver- meynt worden / hierzu nöthig gewesen. Ich komme aber wiedrum aufdie vorhabende Materie/ und bemercke, daß an vielen Orten des Schweitzerlands gefährliche schlimme Wege durch die hohen Gebirge anzutreffen. Bald hat man müssen / die Reise abzukürtzcn / durch die härtesten Felsen brechen/ wie bey dem sogenannten Neuen Weg nebst Wallenstatt/ da einerseits der See/ anderseits die Berge und Felsen/ zu sehen: (o) Die via m-Uz, oder böse Wen m Pündten, welche aus dem Domleschg in das Schamferthal nebst dem Rhein/ der vorzeiten durch den Weg selbst/ oder in gleicher Höhe mit demselben geflossen / nun aber weit tieffer durch ein ungeheur finsteres Tobel mit grossem Geräusch abfließet/ hinführt: It. derjenige Weg, den man vom Splüaer-Berg gen eampo6o «cmo und Clever: abzusteigen hat: Wetters ein anderer neuer Weg/ somit grossem Fleiß und Uttköften über die Albelen gemacht worden. Etwan werden die gebrochene Felsen-Stücke/ wegen zwischen liegender Tieffc/ durch überlegte Balcken und Läden zusammen geführt; wie dessen die Teufels, Brücke/ denen welche über den Gotthard hin und wieder zu reisen haben, auch die v>z mNa, ein Exempel ist. Etwan wird nebst der: hohen Felßwänden eine gleichsam Hangende/ auf Balcken, so in die Felsen selbst eingelassen/ liegende/ und hier oder dort unterstützte Brücke oder Gang, fortgeführet/ wie ein solcher von Oberhalbstcin in das Domlcfchger Thal paßirt wird. Oder man hat in mitten einer hohen Felßwand einen Weg zu gehen, der einerseits nichts als Felsen, anderseits neben ihm die freye Luft, und unter ihm ein ungeheures tieffes Thal hat, dessen Ansicht auch den Hertzhafteften Schrecken und Schwindel einzujagen vermag. Ein solcher ist die sogenannte Wand, an der Schürdlen, oder Tscheingel, einem jäh- (o) Nahe bey Urselen bey der Teuft!« Brücke ist ein Weg Schritte lang durch euren Zelsrn gehauen / wovon unten rn der IVun Berg.Rrise ein mchrerS. des Schwekyerlandes. m ftotzigenBerg, welcher von Elm, einem Dorf des Glarnerlands, über den Berg Segnes in Pündten nacher Flims hinführt. Hiehec kan gezogen werden/ was der Poet von der Schiffahrt redet: - —- äiSilis L morts remoli vix quzruor, sut teplem. Mir ist keiner so entsetzlich und gefährlich vorkommen als dieser. Auf dergleichen engen und gefährlichen Strassen hüten sich die Reisenden/ sonderbar aber die Säumer (welche mit ihren Samn-Ros- fen die Waaren über die Gebirge führen) daß sie einander nicht an solchen Orten begegnen, da keiner ausweichen, und ohne Gefahr wiedrum zurück kommen kan. Zum Beschluß dieser Materie ist die Manier anzumercken, wie man die Reisenden zu Winter- und sonstcn zu schnecreichen Zeiten über den Gotthard führet: Sie werden auf einen Schlitten an Händen und Füssen angebunden, mit Stroh bedecket, mit grobem Tuch umhüllet, und also fortgeführet, oder vielmehr zusagen, gleich dem Viehe, geschleppet, ohne daß sie die Gefahr der Straß vor sich sehen, oder viel von ihrer ausgcdämpften Wärme verlieren. Was ersinnet nicht menschliche Witz aus Veranlagung der nothwendigen Bequemlichkeit! 8crmzgnAbu^eniis erzehlct bey Anlas des Winter-Zugs ttcnnci i v. über die Alpen, wie die Königin und übriges Frauenzimmer sich auf Ocbsenhäute gcsetzet, und also von den Wegweisern die Berge abgezogen worden. Ich qedencke diß Orts der Wegweisern, und erinnere die Reisenden, daß sie sich niemalen auf hohe Gebirge, ohne Begleit erfahrner Führern, begeben, nach dem Exempel Hannibals, welcher »6 umemm äiKcukz- les ctucibu8 urebzmr incii^ems, die Reise-Beschwerden zu erleichtern, sich aller Orten der Bergleuten selbst eigener Anführung bediente. bol^b. PZA. 280 . Von 1i2 Erzehlung seltsamer Natur - Geschichten Eß 888888888888888888888888888888888B» Von der Schweitzerischen Gebirgen Gestalt/ und Alter. §S gibt sich Gott zwar auch in den kleinsten Stäublein zu . 2gr erkennen, welche, so zureden, einen Schatten der Unendlich- keit von sich werffen, sonderbar aber in grossen Welt-Cör- pern. Unlauabare Zeugen dessen find der Himmel, die Sonne/ auch alle Fix- undJrrftcruen, deren erstaunliche Weite und Grösse die heutige scharf-und fernsichtig-gelehrte Welt nicht genugsam bewundern kan. Unsere Erdkugel ist zwar gegen der übrigen Welt kaum als ein Stäublein zu rechnen, gleichwol ist ste an sich selbst, und in Ansehung unser, groß genug; und auf der Erden zeigen vor- nemlich die grosse Weißheit des Schöpfers an die grosse und erhobene Theile derselben, ich wil sagen, die Berge, welche an sich etwas prächtiges haben, einen grossen Werckmetfter anzeigen, und selbst die über- cörperliche Grösse unsers Gemüths zu versichert geben, welches dieselben, und auch den Himmel mit seinen Cörpern, in gewissem Verstand, fassen mag. Wenn nach der Erd-Beschreibern Ausrechnung die Berge, so auf der qantzen Erden anzutreffen, ungefehr den zeher,den Theil derselben, nemlich der trockenen, ausmachen, so muffen unsere Helvetische Lande vor andern aus bergicht seyn, weilen wol zwey dritthetl aus Bergen bestehen. So daß es der Mühe wol werth, ja eine mir obliegende Schuldigkeit ist, -er Helvetischen Gebirgen Gestalt und Alterthum, oder ersten Ursprung, zu erforschen, und in unsern Bergen, gleich als in einem Spiegel, Gottes Gerechtigkeit und Güte, denen Einwohnern zu zeigen. Wir selbst, weilen wir sie alle Tage vor uns sehen, sehen sie nicht mit so bewundernden Augen an, commuä pr^iemiL vii^im. Solte man aber einen Niederländer aus seinem flachen Lande in mitten unserer Alpen mit verbundenen Augen führen, wie würde er ste mit verwundernder Forcht öffnen, und sich einbilden, daß er an der Welt Ende gekommen, oder wenigstens an ein Ort, da die Natur alle ihro übrige unnütze Materie auf einen Haussen geschüttet. des Gchweiyerlandes. tet. Hätte er die alten Heydnischen Romans jemalen gelesen, so käme ihm vor, daß diß dasjenige Land wäre, da die ungeheuren Riesen mit einander gestritten, und Berge auf Berge gesctzet hätten. Ihm würde die Schatzkammer seiner Gedächtniß sich öffnen, indem er vor sich sehen würde eine Verwirr- und Mischung aller Materien und Formen, Berge, Thäler, Felsen, Erde, Wasser, Wolcken, Schnee, Eiß, Metall, Mineralien, m,d Mineralische Wasser; unzehlich verschiedene Gestalten der Felsen und Bergen selbst, welche bald zugespitzt, bald oben flach, etwan von andern abgestndert, etwan mit andern Kettenwcise angehängt. Unten an dem Fuß einer hohen Bergwand, würde er sich, wegen des Einfalls so alter Gebäuden und überhangender Felsen, ftrchten: oben auf den Spitzen würde ihn der Schwindel überfallen, wenn er unter sich in die liessen Thäler und enge Klüften sähe. In die Weite hinaus würde er mit Verwunde- nmg einen weiten ttor.rom von vielen nach einander liegenden Reihen anderer Bergen sehen, und, wenn er je bey stürmendem Ungewitter auf offner See gewesen, lang zweifeln, ob nicht die Bera-grossen Meerwetten sich in ihrer größten Wuth in Stein verwandelt, und also die Berge gestaltet hatten; würde man ihn in tieffe Berghölcn oder Klüften hinabführen, so würde er die Werck- und Wohnstätte -es Vulcsni und ^oli sich vorstellen. Einem, der in der Baukunst erfahren, kommen unsere Gebirge Mich, als ein besonders, seltsames, von Gott selbst angelegtes Gebäude vor, welches zwar ohne scheinbare Ordnung aufgerichtet, gleichwol so viel i ooo. Jahr bereits in seinem Wesen gestandet,, und unendlich weit die alte Griechisch- und Römischen Bauwercke, aus deren Ueberbleibseln man hie und da die Vortrefflichkeit des Meisters , und den Pracht der nunmehr verdorbenen Völckern und Monarchien , abnehmen kan, hinter sich lässet. Sehet, geehrte Leser, eine kleine Vergleichung -er gemeinen, und -er Göttlichen .^cKircNur Das Fundament unserer Berg-Gebänden bestehet in -er vesten Erde aus gewaltigen, je nach Beschaffenheit der aufliegenden Schwere und Hohe, grossen, gemeinlich Lagerweise auf einander liegenden Felsen, so daß die Berge, wie sie allein nach dem Willen des allmächtigen Schöpfers aufgehauen sind, auch nicht, ohne besondern Befehl desselben, einfallen können und werden; und haben wir des Einfalls halber so wenig Gefahr an den Wassern, als insonderheit dem Vier- Waldstädten-See, Wallcnstatter-See, re. als in mitten des vesten I. Theil. P Lands, r i4 Erzehlung seltsamer kTkatur-Geschichren Lands, weilen auch dort die Feiß, Schalen, l^eLius soliöu8, unter und in dem Wasser so feft liegen, daß sie niemal erweicht, oder auf- aelößt, oder unterfreffen werden. Etwas weniges mögen die auf dem Horizont der Seen anpütscbende schaumichte Wellen den Felsen arr- qewinnen, welches aber erst nach sonstigem Ablanff etlicher 100O. Jahren in etwas Gefahr setzen mag. Wo die felsichte Berg-Mauren nicht aerade und nackend aufstehen, sondern die Wände mit autcr Erde, Graß, Bäumen, und allerhand andern Pflantzen bekleidet sind, da gibt es abhaldige, gegen den Berg-Spitzen je mehr und mehr, alles nach den Regeln der unfehlbaren Baukunst, eingezogene Flächen, welche von hervorragenden Gräten, Blanken, Planken, als wahren Strebe-Pfeilern, ILritmatibus, ^mericlibus, befestiget und unterstützet werden, die alle ihre angemessene Grösse, Länge, Höhe und Weite zwischen einander haben, wie eS die Natur der Sach, ja die Weißheit des Baumeisters erforderte. Die Mauren bestehen wiedrum aus Felsen, und denen ordentlich sich auf- und in einander schickenden Lägcrn, aus welchen hie und da, auch zwischen harten Felsen, grosse Bäume hervor wachsen, welche mit ihren Wurzeln die Fclß-Steine noch fester verbinden, und so zu reden, verklammern. Da findet ein Liebhaber der Baukunst Opera rericulars, bey welchen nur die äuffern Mauren aus grossen Felß-Stücken, die innern Theile aber aus Kiesel- und andern kleinen Steinen bestehen: Opera aruiqua inlerra, ver bundene Maur- rvercke: Opera ttonlara, llogoma, pieuciiloäoma, doppe-t verbundene Maurwercke ; und unzehlich viel andere zusammen gesetzte, verwunderlich ineinander gewundene und gekrümmte, von Gott selbst erfundene, den Menschen unnachähnliche Wercke; welche etwan zu einer andern Zeit besonders vorgestellt werden tönten. Wie fest diese Berg-Mauren seyen, ist unter anderm auch daraus zu sehen, daß viele derselben seit ihrem Anfang, oben über die senckel- rechte Linie ausragen, so daß man meynen möchte, sie müßten nothwendig einfallen: gleich jenem Thurn zu Pisa, welcher vor ein rechtes Meisterstück gehalten wird. Die Aestricbe, Böden und wände, sind selbst die abhaldige Flächen, in verschiedener Höhe liegende Thäler, Meyensäffe,Alpen, Stafeln, welchemitden schönsten Blumen, dem fettest-grünen Graß, Baumvollen Wäldern, und untermischten glatten, rauhen, vielförmigcn Felsen, gleich als mit den kostbarsten Tapezereyen und Gemählden beleget und bekleidet sind. In des Schwekzerlandes. irs diesen Berg-Zimmern kan man sich gleich als in Luft-vollen und anbey Fruchttragenden, mit Gemsen, Hirschen, Baren, Schneehü- nern und anderm Wildprät angefüllten Thiergärten erspazieren. Da mangelt es nicht an crystall-lauternBrunnquellen, Springbrünnen, hohen in einen schaumichten Staub sich verkleinernden Wasserfällen, gegen welchen alle oicaä^ irr allen Fürst- und Königlichen Gärten nichts zu rechnen sind. Bey diesen Bergmaurcn und Wänden sind die Ueberrünchungen, Bestechungen, UeberkleLdungenmitGyPs, Kalch und dergleichen, IruIIiiäüones, 1'cLkoria, Lalcaria Opera, o^p- lara, ^renara. xiarmorara, oder auch die sogenannte»! Mahlereyen in frefco , unnöthig, weilen alle diese Erfindungen Zeichen der menschlichen Unvollkommenheit sind. Einziehungen der oben dünnern, unten dickern Mauren , eonrraäluras klurorum , zeiget die Gestalt der Bergen selbst, welche unten breit, etliche Meilen irn Umcreiß haben, oben aber sich nach und nach zuspitzen, und folglich unsäglich schwere Läste zu tragen fähig sind. Diese abhaldigen Wände der Bergen kan man zugleich als Dächer ansehen, und das vielfältig ineinander gebundene Felßwerck^als den Dachstuhl, oder das Gesparr. Da mangelt es nicht an Stützfparren, Zwerchsparren, Streben, oder Nlammersparren, Dachstützen: nicht an dem Unterschied der Dächern; da gibt es'l'cüa äeiiciara. welche nur auf einer Seite ablaufen; HÄa peNinata, ciiipulviara, welche den Regen auf beyde Seiten abführen; leäia reliuäinars, Zeltdächer, welche sich von vier Seiten oben zuspitzen; icNa faMgiara, welche in eine jähe Thnrn- spitze zulaufen, und oft kaum denen Gemsen ersteiglich sind; un- zählich anderer Arten, welche sich in denen Schriften -erBau-ver- ständigen nicht finden, zu geschweige«. Diese Berg-Dächer sind hier mit Blatte»», dort mit unordentlich geformten Felsen, meistens mit fruchtbarer Erde und schönen Kräuter»», belegt. Säulen, die dieses Berg-Gebäude aufhalten, unterstützen und ziere»», gibt es so viel starcke Felsen; da gibt es ärencle5, Strebepfeiler, Lolomnas und V»IZ8, Lolonnes, Pfeiler, Opera kuüica, Bäurifchesogenannte Merke , von allerley Art. Hole Bcrgklüften stellen so viel natürliche Gewölbec vor. Die sommerlichen Gemächer sind in den Alpen; die winterlichen in den Thäler»», zu sehen. Die Winter-Quartiere der Murmelthieren in der Erde, der Gemsen aber unter und an den Felsen. P 2 Wie 116 Erzeblung seltsamer V 7 ntur-Gesthichren Wie aber, möchte einer gcdenckeu, ist diese Bera-^rcdireLlur so grossen Anrühmens werth? Es ist ja dabey weder Zierlichkeit, noch Ordnung, noch Gleichheit der Theilen unter sich selbst ; dasind keine Gemählde, keine geschnitzte Bildwercke? blinu m»Zi8 incenum, inconclnum, »c percurb»cum, ul iolenc esse rucier», omnium formr- rum ör llAursrum kunl, prgecer reAulsrium: moles prserupr» con- frsÄL, nullu8 moäu8, null» r»rio p»rnum, »ur proporlio, null» pul- cknwcknis umkr», »rtls »urconlilii nullum veftiAium. Lurner. l'beor. 1'ellur. s»cr. p 48. Erstaunet hier , geehrte Leser und Anschauer llii- serer Bergen, über die wundersame Weißheit des grossen Gottes, als obersten Wcrckmeifters! sehet hier eine mechanische Bauart, welche alle Kräften der Natur und Kunst, geschweige desEpicurei- sehen Casus oder Zufalls unendlich weit übertrtft ! Hier haben die bekannten Corinthischen, Dorischen, Ionischen, Romanischen und Toscanischen Ordnungen, welche geringe Überbleibsel der sechsten Heiligen Ordnung derjenigen Säulen seyn sollen, die in dein Tempel Salomons gestanden waren, keinen Platz. Diese ordentliche Ordnungen sind hier alle zu gering. Allhiesiger Orclo ist inorj8 8»rcoii, einzuführen: ll.>cre»l. gei 8»- v>o, c»p. 8- p. m. !i s. Zouviemrni «tllaver veäuro in un l?»I»Aio non meno inzetzno, e giu6icio, cke ne tz!i »Irri, clovencloli 6sre unik» »I clillip»ro, ßrsri» »I äeforme, regol» »Ilo sconcio, llmmerri» »llc» 5concerl»co, e »rle »l c»lo. in enrrsrvi cg^ion» borrore e clilerro, il veclerll cliroccar» in 1u'IL»po un» f»bbric» rovinsnre, is non cke, nel caclere, lconcrzreli, svenrur» comemvür» lo ilrsno »nclsmcnro clelle pen6en?.s, l'un» psrre 8loZzr» con »irr», lull» in pie li loitiene, pos»nclo bi?.»rr»meme topr» membr» non proprie, e pur coü bene »clane^ cke I'occkio non cbe ritenlirlene come » moüruosir», lomm»menre ^ocle, rrovsr» un» non piu vecluc» lpexie äi proporrione, e äi bellerr», nsll» äilormit», e nell» proporrione. )o per me creclo, elle cbi ne des Schweizerlandes. H 7 tormo il ckleZno, vi lluclinlle inlomo i! ctoppio piü, cke g uns fabrica den' oräinain; ma non e 6» o^nunc» l'inrenclerne i! ^la^iltero. So mag denn unsere Berg-Baukunst wol mit Larroii genennet werden: k/n nuovo orciin^ ct ^rckiretturs 8compotto , e perico piu arriticiola- meme compotto. Die Wercke Gottes scheinen mehrmalcn, dem äus- sern Ansehen nach, einfältig, sie zeigen aber in dieser ihrer Einfalt die größte Kunst-Gebäude, die alle Augenblick scheinen einzufallen, und seit etlich 1020. Jahre»! aufrecht stehen; Sachen, welche uns Menschen durch eine vielfältig verwickelteWeißheit scheinen gemacht zu sey»», kommen, wenn man sie genau untersuchet, einfältig heraus. Zu einem Exempel könte uns das gantze Welt-Gebäude dienen. Wir fahren in Betrachtung unserer Berg-Bauart fort; bey welcher die hole innere Beschaffenheit unserer Helvetischen Gebirgen eine neue Gefahr des Einfalls vorstellet. Diese sind nicht, wie man sie anstehet, durch und durch loiiu oder fest, sondern hol. 0 ) Und eben diese, dern äusser» Schein nach desto gebrechlichere Berg-Gebäude geben uns neue Betrachtungen zu Darstellung kostbarer Nutzbarkeiten an die Hand, welche daher auf die gantze Erde, und dero Bewohner, sonderlich auf uns nächste Anwohner, fliesten, folglich neuen Anlaß zu Anpreisung der allerweisesten Güte Gottes geben. Wie? ist nicht ein Maurftock währhafter, wenn er durch und durch fest, als, so er inwendig hol ist? Sehet wiedrum in dieser Gebrechlichkeit, gleich als in einem Spiegel, Gottes beständige Weißheitl Wären die Berge durch und durch fest, und zwar aus lauter schwarzer Garten-Erde aufgebauet, welche die leichteste und fruchtbarste, so würde sie von den anlauffenden Schnee-und Aegenwassern bald abgewichen, ja es würden innerhalb 102. Jahren viele Thäler von solchem Erdfchleim überall ausgefüllet, die Thal-Bewohner damit überschüttet, oderweggetrieben, javielleicktinZeitvon mehr nicht als 1000. Jahren wäre das bergichte Schweitzerland in eine morastige Ebne verwandelt; ich sage, eine morastige Ebne, weilen endlich die Wasser keinen Ablaust fünden, sondern sich hie und da in Form stillstehender Seen sammeln, und die nebenjtebcnde Erde durch und durch P 3 befcuch- <^>) ES ist eben nicht ausgemacht/ daß alle Berge hol seyen/ und wenn gleich hm und wieder eine Hole ist/ so kan man eigentlich ru reden noch nicht sagen/ daß der Berg hol sey. 118 Erzählung seltsamer Natur-Geschichten befeuchten würde, daß man nicht darauf bauen oder wohnen könte. Bestünden diese massive Berghohen aus derjenigen schwerern Erde, so in der Bergwercken Tieffe angetroffen wird, so wäre sie wicdrum den Abschwemmungen wie die vorige unterworffen, daraus aber würden zwey andereUngelegenheiten erwachsen,welche theils uns Schweizer, theils aber die gantze übrige Erde treffen würde. Wir Schweizer würden ein dürres unfruchtbares Land bewohnen, weilen eine solche schwere sandige und metallische Erde zu Hervorbring- und Nahrung der Pstantzen gant; untauglich. Die übrige Erde stünde in Gefahr des Untergangs, oder der Ausweichung aus dem Mittelpunkte ihres Wirbels. Die Herren Moiemsici verzeihen mir, daß ich nicht gesagt habe, aus dem Mittelpuncte ihrer Nutze. Wie aber diß? Nach heutiger mechanischer Ausrechnung verhalt sich die Erde, so an dem Boden der Bergwercken gefunden wird, zu dem Wasser, in Ansehung ihrer lpecMc-Schwere, wie z. oder 4. zu i. ja bisweilen wie s. zu i.; hingegen die Steine, von welchen unsere Gebirge aufgehauen sind, Wie 14. ZU 57. ; Worüber auch velblevi Lluvcri Lecr- loZia. P3Z. 26. zu lesen. Hieraus lässet sich schließen, daß bey so be- wandter Gestalt oder Beschaffenheit der Bergen aus schwerer Erde, die Schweiß, andern gleichgroßen Theilen der Erde, an Schwere überlegen seyn, und die Erdkugel aus der Ruhe ihres Wirbels (mit dieser Redensart werden sowol die t^olemaici als Lopermczm zufrieden seyn) gehoben werden würde. Um so viel gefährlicher wäre diß Uebergewicht, wenn unsere Helvetische Berge aus lauter Metall oder Ertzklumpen bestünden. Um so viel leichter, ja vielleicht allzu- leicht wären unsere Berge, wenn sie aus Sandsteinen bestündet,, weil diese sich gegen dem Wasser wie 2z. zu l. verhalten, darneben aber wären sie nicht so daurhast; die blosse äussere Gewalt der Luft, Regen und Winden würde sie verzehren, die Bergwaffer wegschwemmen, die See und Flüsse unterhölen. Auf solche Weife aber, da unsere Gebirge von steinichten Felsen aufgebauet sind, machen sie, nach oben gelegten Grundsätzen, (obgleich die ungeheure Grösse anfänglich darwider zu streiten scheinet) einen leichten, mit angräntzen- den Deutschen, Französischen und Italiänischen Landen in einem Gleichgewicht liegenden Erdentheil aus. Wetters, wenn urisere Gebirge von Steinen, Sand und Erde durch und durch fest wären, wo wäre alsdenn die Fruchtbarkeit unsers Landes? wo wären die Ursprünge der Flüssen, Bachen, Brünnen? wo die reichen Wasser- gehal- des Schweiyerlandes. H9 gehalter in und auf den Bergen? wo wäre das Gcbuhrtshauß der Wolcken, welches wir auf eine andere Zeit auf unsere Berge gesetzet? wo wäre der Rhein, dieRhosne, derTestn, dieReuß, ber Inn, und andere köstliche durch Franckreich/ Telltschland und Jtalieu ab- lauffende Flüsse? Preiset mit mir/ ihr Lichaber der Natur-Wissenschaft, irr stiller heiliqer Verwunderung die Anbctens würdige Weisheit -es grossen Gottes, und lernet aus der Natur selbst, daß alles sehr gut ist, was er gemachet hat! Nun, nachdem wir die Gestalt der Bergen in etwas vorbedachtet, wollen wir auch erforschen, wenn und wie unsere ungeheure Helvetische Bergsänlen entstanden; und das zwar mit derjenigen Freyheit, welche wir andern auch gönnen, uns vornemlich auf die jetzige Beschaffenheit oder Gestalt gründend, welche theils vor beschrieben, theils hernach in mehrerm dargezetget werden sol; alles dem ungebundenen Vernunft-Urtheil unpartheyischer Lesern zur Nachdruck-und Verbesserung überlassend. Die gemeinste Meynung der Christlichen Gottsqelehrten und Weltweiten gehet dahin, daß die Berge anfangs, gleich andern Cör- pern, von Gott erschaffen, hiemit gleiches Mers mit der Welt seyen. In dieser Meynung befteiffen sie verschiedene Oerter Heil. Schrift, insonderhc t diejenige, welche uns genaue und sichere Nachricht von der Erschaffungaller Dingen geben. 6en. vn,wirdvondemGe- heimschreiber Gottes Moses die angewachsene Höhe der Sündsluth- wassern folgendermaßen beschrieben: Und das Wasser nahm über- Hand, und wuchs so sehr auf Eide, daß alle hohe Berge unter dem ganyen Himmel bedeckt wurden. Lünfzehen Ellen hoch nahm das Wasser überhand über die Berge, die bedecke wurden. Damit wil Moses anzeigen, daß in der Sündfluth keine Flucht, auch auf die höchsten Bergspitzen den Menschen oder Thieren etwas genützer hätte, und misset er die Höhe der Wassern gleichsam an den Bergen ab; woraus nothwendig zu folgen scheinet, daß Berge vor der Sündfluth gewesen. >^>m. XL, 2 . wird das ewige Daseyn Gottes also, in Vergleichung mit den erschaffenen Dingen, angepriesen: Ehe daß die Berge gemachet waren, und du die Elde gestaltet hattest, samt dem Umcreiß des Erdbodens. Ja von E- wigkeir zu Ewigkeit bist du Gore ; und ?iz!m. Ov, s - 9. wird die Gründung der Erde aufdie Wasser, als das dritte Werck des zweyten Tags, also beschrieben: Er hat die Erde auf ihren Boden cie, grün- 122 E^eblung seltsamer Natur-Geschichten gründet, daß sie ewiglich nimmermehr verrückt wird Mir der Treffe, wie mir einem Nleide hast du sie bedeckt, die Wasser er- hehren sich ülxr die Berge: Ader von deinem Bescheren flohen sie, für deinem Donnerklaps fielen sie schnell ab. Dann richteten sich die Berge auf die Thäler liessen sich herab an den Ort den du ihnen gegründet hattest. Wolle man Über diß die Naturweißheit zu Rath ziehen, so finden sich auch Gründe, welche beweisen, daß Berae vor der Sündsiuth gewesen. Wie wollen über eine ebne, obgleich nach kuwms Einbildung eyförmige, folglich gegen der ^gumottial Linie abhaldige Fläche, die Flüsse abgeflossen seyn ? Wo wollen die Fluß-Muscheln gelebt haben, welche annoch unter andern Überbleibseln dcr Sündfluth gezeiget werden? Anderer Gründen zu geschweige«. Viele zwar von dieser ersten Claß, welche den ersten Ursprung der Berget: von der Erschaffung herholen, gestehen auch, daß in der Sündfluth, und bey andern Anläsen, durch Aufhäuffung der Erde, Sands, Steinen, einige Berge entstanden seyen; ob aber diesen letzter:: unsere Helvetische Gebirge müssen zu- gezehlet werden, habe ich bisdahin keine Nachricht bey einigen Scri- bcnten gefunden. Wie aber auch bey der Erschaffung die Berge entstanden seyen, ist noch ungewiß; dennoch den Naturforschern erlaubt, gleich es auch bey dem gantzen Weltgebäude, und besonderer Erdengestaltung, practiciert wird, einigen Arten der Hervorbrin- guna, welche der Beschaffenheit der Natur, und denen von Gott in die Natur gesetzten Beweg-Ordnungen gemäß, ünd denen Vollkommenheiten Gottes nicht nachteilig find, nachzudencken. Die meisten bilden sich die Sache folgendergeftalt vor, daß Gott durch seinen allgewaltigen Arm hie und da, zu Legierung der Flüssen und Meeren, die Erde ausgegraben, und die ausgegebene Erde zu Auf- bauung der Bergen und andern Erhöhungen der Erde angewendet habe. Hierwider aber lässet sich ins Feld wom-,8 Lurner, em subtilgelehrter Engelländer, in seiner i'üeoriz leiiuns, besonders i->b. i. (.sp. xi. allwo er nach der Länge zu beweisen trachtet, daß zwischen denen auch größten Bergen, und der Liesse des Meers und anderer Wassern, welche den halben Theil der Erde ausmachen, keine Gleichmaß feye, wenn schon die Berge 8. mal höher und grösser wären, als sie würcklich sind. Es gründe sich diese gemeine Meynung auf die Gleichheit der Erde, so vor der Sündfluth gestanden, mit der jezigcn, deren jene Spötter sich auch bedienet haben r. kcrr. n:. 4. des Schwekyerlandes. 12! daß von der Zeir an, da die Vater emschlaffen sind, nStD alles bieioe, wie es von Anfang der Schöpfung gewesen; da über Petrus an angezogenem Ottt, sie zu überweisen, unterscheidet die Gestalt und verschiedene mit derselben übereinkommende Zerstörungen der ersten, und andern Erde. Daß nach dieser Meynung nicht könne erkläret werden, wie es mit der Sündstuth hergegangen, und dessen Wasser die Spitzen der höchsten Bergen haben überschwemmen können : mästen bey jetziger Beschaffenheit der Erde 8. mal so viel Wasser hiezu nöthig waren, als sich in den Meeren würcklich finden, wozu alle Molchen kaum den 8ten Theil beytragen tönten. Daß nirgends auf dieser jetzigen Welt-Erde einiger Ort anzutreffen, dem die Eigenschaften und Umstände-es Paradieses zukommen; welches er zu beweisen in dem 2 ten Buch seines Wercks sich sehr bemühet. Es seye überdiß unanständig, und der Weißheit Gottes nicht gemäß, die heutige ungeftalte unbequeme Erdengestalt also anzusehen, als wenn sie vorerst aus der Hand Gottes also kommen wäre. Es zeige weitcrs die gantze heutige Erdenform ein zerbrochenes Wesen, verderbte Säulen, und zerrissene Kuciera eines eingefallenen Gebäudes an. Wenn man schon wolle dieser gemeinen Meynung der Gelehrten zugefallen setzen, daß die nächst an Meeren liegende Berge von derjenigen Materie wären aufgerichtet worden, so durch Gottes Geheiß aus der tieffen Meergrube genommen worden, so wäre doch dieses voll den Bergen, welche weit von dem Meer entfernet sind, lächerlich zu gedencken, wie zum Exempel unsere Schweitzergebirge, deren Materie hätte müßen über andere hinaus geworffen werden. So müßten nach diesem alten Grundsatz die Berge durch und durch fest, und nicht hol seyn. Es beruffen sich zwar die Herren Theolog,, wenn sie mit Physikalischen Gründen nicht weiter kommen, oder zu ihrem Zwecke gelangen können, auf die wunderwürckende Allmacht Gottes, dero nicht zu viel gewesen seye, mit einem einigen Winck die Berge auch von den entferntesten Meeren zu bringen, und übereinander zu setzen: Sie geben aber damit ihre Unwissenheit in der Naturwissenschaft zu erkennen, und setzen also die von Gott selbst eingesetzte staffelweise absteigende Ordnung der natürlichen Mittel-Ursachen hindan. Anderer , und anderer Gründen, welche Herr Lurner gegen die bisher gemeine Meynung einführet, zu geschweige». Wie wir uns auch diß Orts mit weitläuftiger Untersuchung der Lurneuanischen Gruu- l. Theil. O. den i22 EczehlmiA seltsamer Natur-Geschichten den nicht aufhalten wollen, ob- und wie weit dieselbe Stich halten? sondern zu andern Meynunaen anderer gelehrter Leuten fortschreiten, nachdem wir dieser ersten Meynung halber, welche die Berge von der Erschaffung der Welt herleitet, diesen Vorspruch geben, daß in der ersten Erde freylich auch Berge gewesen; die Form aber unserer heutigen Erden - Bergen erst in der Sündfluth entstanden sey. Wovon hernach mit mehrerm. Es gibt, wiewol wenig, welche der Bergen Ursprung nicht an eine gewisse Zeit, weder an die Zeit der Erschaffung, noch der Sünd- fiuth , binden, sondern vorgeben, die Berge seyen bald in diesem, bald in einem andern Jahrhundert entstanden, und durch die Gewalt der Erdbeben, und anderer auf der Erde geschehenen Zerreißungen, aufgeworffen worden, also daß von den erschütterten Erdenthcilcn hie und da gewaltige Stücke in die tieffen Holen gefallen, andere aber aufrecht stehen geblieben, und die Berge gestaltet hätten. Diese Grundlehr wird, wie oben bereits angedeutet, von wenigen angenommen, und mag nicht einmal bey kleinen von der Feuerspeyenden Bergen Gewalt veimeynt ausgewogenen Bcrglein oder Hügeln, bestehen, als da der sogenannte Aschenberg, r^once 6, Len^re, in dem I^gcu l^ucrino, bey l>orruoio im Neapolitanischen ist, welcher eigentlich von aufgehäufftem Sande, Stein nnd Aschen, die der Berg Veluvius Isz8. ausgewogen, bestehet; nimmermehr aber kan diese Meynung bey unsern Helvetischen Alpgebirgcn statt finden, ' welche sowol an Grösse als Anzahl andern vorgehen, und von den vuicznis oder Fenerbcrgen entfernet find. So fern ists, daß unsere Helvetische Gebirge von den Erderschütterungcn hätten entstehen können, daß wir nn Gegentheil ein trauriges Exempel an dem Stadtlein Plurs haben, welches mit einem überstehenden Berge bey Anlaß eines Erdbebens, wie gemeiniglich davor gehalten wird, in die Erde versencket worden. Es finden fich auch in den Glarne- rischen Gebirgen hie und da, vermuthlich von Erdbeben, eingefallene Gruben, und stehet man nicht ohne Ursach in Sorgen, daß in dafiger Gegend gantze Berge einfallen könnten, wenn Gott nach seiner gerechten Weißheit selbiges Land Wetters, wie Anno 1701. und 1722. mit vielen nacheinander folgenden Erdbeben heimsuchen würde. Es müssen die Liebhaber dieser zweyten Gruuo-Meynunq, wenn je ein Grund dabey ist, uns aus den alten Gedichtbüchern zeigen, -aß in diesem oder jenem Jahrhundert diese oder jene Berge, in die- des Gcbwekyerlandes I2Z ftm oder jenem Lande entstanden/ und beyneben stärckere Bewciß- thümer aus dem Schatz der Natur selbst herbringen/ wenn sie sich eines Beyfalls getrosten wollen; da hingegen gewiß ist/ daß die Gestalt der Bergen mehr wider/ als vor sie/ streitet, lg) Q 2 Die (q) Wie verächtlich immer der Verfasser diese Meynung trartirt / so wolle ich mich doch nicht schämen/ wenn ich meine Meynung von dem Ursprünge der Bergen sagen solle/ mit diesen wenigen Zusagen / die Berge sepen nicht auf einmal/ auch nicht auf gleiche weise entstanden. Daß einige Berge nach und nach / nemlich durch öftere Überschwemmungen / entstanden / beweisen ihre Lager. ES giebt Berge / da die Felsen also Lager-weise auf einander lir« gen/ daß das einte groß/ das andere klein ist/ u.s. f. obgleich die Steine in allen Lagern von gleicher Art sind. Dieser halte nicht also kommen müssen/ wenn alle Lager auf einmal an den Ort getragen worden wären / da man sie siehet/ denn eS hätte alles nur ein einrigeS Lager ausgemacht. Also sind öfter« Überschwemmungen gewesen/ nemlich so viele Lager von gleichen Steinen an einem Berge sind/ so viel sind auch Ueberschwemmungen geschehen/ wodurch der Berg nach und nach groß geworden. Nahe bey dem Dorff Lunnern/ in der Herrschaft Knonau/ Züricher Gebiets/ tst ein kleines Berglein von sehr feinem Lctt/ welchen man Bleickcr-Erde nennt/ wo man das / war ich hier von den öftern Ueberschwemmungen gesagt habe/ rä ocnlum r«gen kan. Der Lett liegt Lager.weise. Die Lager sind in der Dicke sehr verschieden / von ir- bis auf Zoll. Ein jeder Lager hat etwas Sand unter sich / diese« Sand verhält sich wie die Dicke der Lagern. Je dicker «in Lager ist / je mehr hat eS Sand unter sich; welches die öftern Ueberschwemmungen klar bewußt. ES ist eben so mit den horizontalen Lagern der Bergen. Daß alle Berge auf diese Weise entstanden / wolle ich nicht behaupten. Dieses ist gewiß/ daß einige hohe Berge Ueberschwemmungen gehabt/ da sie schon sehr hohe und vest gewesen / wie die Steine beweisen / die man oft auf den Gipfeln der Bergen siehet / da der Berg von andern Steinen bestehet/ wie dergleichen Hr. Schwedenbors auf den Schwedischen Gebirgen / und ich selbst auf dem Rigi-Berg/ in dem Canton Schweig / gesehen habe. Woher diese Ueberschwemmungen gekommen / kan ich nicht vor gewiß bestimmen. Doch bat man so viel ersah« ren/ daraus man sicher Messen kan / daß vor diesem stehende Wasser gewesen/ wo jezt Berge sind. Von dieser seltsamen Begebenheit wird ein jeder über« reugct werden / wenn er lesen wird/ was bemeldter Hr. Gchwedenborg in der kleinen cke Zenerarione solium in Oceano primXvo Lcc. 6 e Oce-mi Ü1>U5 ultituciine, welche vor dem proäromo principior. rerum nLwral. steht / htcvon geschrieben hat. Dieser wird auch durch die Beobachtungen der Hrn. Saulmon bestätiget/ welcher angemercket/ daß die versteinerte Muscheln auf den Bergen / dir er gesehen hat / genau an denjenigen Orten liegen/ an welche sie hätten müssen getragen werden / wenn das Meer an denselben Orten gestan« den wäre. S. IMoire äe k.v> . 1 '^nnee 1707. ?2A.67. 124 Erzehlung seltsamer Natur-Geschichten Die dritte Hauptmeynung ist des oben gerühmten i'Komx vur- netii, welcher der Bergen Ursprung von der Sündfluth hernimmt, und welche wol würdig ist/ in ihrer natürlichen Gestalt vorgeleget, aber auch auf die Probe gesetzct zu werden. Ich wil deßwegen, was er in einem gantzen Buche weitläufftig darthut, kurtz und begreiflich zusammen fasten, und des gelehrten Lesers Urtheil die burneusmschen Gedanckcn unterwerffen. Die mittlere feste Erde, oder der innere Kern der Erde war rund, und bestünde aus denen schwerern irdischen Theilen, welche von der damals noch finstern (ikaouschen Luft rings herab fielen. Über diese Erde war auch rings um der lekom rabbak, nni ein tieffer Abgrund der Mastern, auf dessen Oberfläche sich viel zähe, leichte, öhlichte, hartzichte und wässerige Theile sammleten, woraus der äussere bewohnete Erdcreiß gestaltet wurde. Dtß wäre der Tückel, den Gott über die Treffen gestellt, krov. Vtll, 27. Also hat Gore die Erde auf das Meer gegründet, und über die Wasser flüsse gebauet, ?lalm. XXIV, r. Die Erde über das Wasser ausgedehnet, ?Kim. Lxxxvi, 6. In diesem Ey (denn die erste Erde wäre nicht rund, sondern eyförmig, ja eben das Ey, von welchem Orpbeus, und andere weise Heydcn, so viel geschrieben) Ware hiemit das innere oder gelbe, die innere unter dem Abgrund gelegene Erde; das weisst, der Abgrund der Wassern selbst; die Schale, die äussere bewohnte Erdenrinde. Diese von den Menschen bewohnte Erde wäre gantz anders gestaltet, als die heutige: eben, durchaus gleich, ohne Meer, ohne Berge. Sie hatte auch eine andere Siru^on gegen der übrigen Welt, allcrmassen ihre Ap mit der Ax der Sonnen- straffe selbst gleichlaufend war, welche nun 2 ;z. Grad von jener, oder der Welt-Ap, entfernet. Auf dieser ersten Erde regierte eine beständig stille, angenehme Frühlings,Luft; aller Orten war alles fruchtbar ; ein durchgehendes Paradies; die Menschen erstreckten gemeiniglich ihr Alter auf etlich i oo. Jahre. Die Luft wurde nicht beunruhiget durch starcke Platzregen, Hagel und andere Ungcwitter. Wenn man nun dieser voraus setzen wolle/ so liesse sich leicht erklären, nur die Berge inS gemeinen der Treffe des Meers entstanden; wolle man aber die besondere Würckungen, die durch dieselbe entstanden sind / wissen / so müßte man eme genauer« Beschreibung von der Gestalt und r«ge der Bergen haben. des Schweikzerlandes. 127 Die Flüsse sioffen sanft von beyden poiis gegen der Mitte/ und wurden alldort unter dem ^guarore m sandichter (r) heisser Erde verschlungen. Auf der gantzen Erde wäre das gantze Jahr aus eine beständige Gleichheit der Nachten und Tagen. In solcher bisher beschriebener Gestalt bliebe die Erde bis M Sündfluth. Nach und nach aber wurde diese obere Erden-Rinde durch unnachläßltche Sow- nenhitz, und immer aus dem Abgrunde aufsteigende Wasserdünste also theils ausqesogen/ theils weich gemachet, daß sie hin und wieder Spälte geworffen, und endlich, nachdem die Maß der ersten Sün- denwelt voll war, aus gerechter Verhängniß Gottes durch natürliche Ursachen zerstöret. Es fiele dieses Erdengewölb ein. Es brachen alle Brünnen der grossen Tiefte, des UNom rsbbzti, oder Abgrunds, auf, und rhären sich auf die Fenster des Himmels, und kam ein Regen auf Erden vierzig Tage, und vierzig Nächte. 6 en. VlI, r i. Also ward die Erde, welche aus dem Wasser bestanden ist, durch Gottes Wort, mit dem Wasser crrränckc und verdorben, r. Peer. in, 5.6. Von diesem Einbruch oder Einfall der äusscrn Erde, hat ihren Ursprung oder Anfang die jezige unebne, in Berge, Thäler, Meere und Flüsse abgetheilte Erde genommen. 0) Nicht nur veränderte sich die gantze äussere Gestalt, sondern sie selbst stuckte die Ar ihrer Lclipuc um 2zz. Grad von der Welt-Ax ab, und entstunden daher die Ungleichheiten der Nächten und Tagen, so auch der Q Z Jahrs- (r) Man könte hier mit Recht fragen / woher auf dieser Erde die (andichte Erde/ ja so gar auch die Menschen gekommen. Denn weil alles nach den Regeln der Stallt/ nach Hrn. Burners Meynung selbst/ muß erkläret werden / ss ist klar/ daß die oberste Rinde der Erde muß leichter gewesen seyn/ al- das Wasser/ welches unter derselben war. Also muß auch alle» / was ob dem Wasser ist/ erzeuget werden/ die sandichte Erde/ die Menschen / da«Diebe/ dir Pfiantzen/ leichter gewesen seyn als das Wasser/ welches sich heute zu Tage nicht mehr also verhalt. Also müßte man sagen / die Erde / die Menschen / die Thiere/ und die Pfiantzen, wären von anderer Materie gewesen/ als sie heule zu Tage sind/ welches schiverlrch jemand behaupten wird. ss) Diese- kan wieder nicht seyn/ denn die obere Erde halte muffen in Stücken oben aus dem Wasser schwimmen/ wenn sie wäre zerbrochen worden/ weil sie leichter gewesen ist/ als daS Wasser. Daher siedet man/ daß diese Erklärung mit den Grund. Gesetzen der Natur streitet/ welches Hr.Hallcy dieser Meynung auch vorgeworffen. S. ?lü!olopk. Hr/iaA. ;8;. l 26 Erzehlung seltsamer d kamr-Geschichten Iahrszeiten, des Frühlings, Sommers, Winters und Hcrbsts. Was ins besonder den Ursprung der Bergen antrift, mit welchen wir unsdißmal vornemlich beschäftigen, ist derselbe aus denen Lu» nerignischen Grundsätzen irnschwer zu fassen. Da das Erdengcwölbe eingefallen, haben sich einige Stücke in die Treffe des Abgrunds gestrickt, andere aber, welche ungefehr einander entgegen gefallen, haben sich gegen einander geftützet, den Fall Hinterhalten, und hernach die äussere abhaldige trockene Erde, ins besonder die Bergspitze gestaltet, welche hiemit als übrige Säulen eirrcs eingefallenen und gebrochenen Gebäudes anzusehen sind, die einander aufgehalten. Es lässet sich aus diesem Grundsatz leicht abnehmen, warum die Gestalt der Bergen sich nach und nach zuspitze, und ohne Ordnung eingefallene Mauren eines zerbrochenen Gebäudes vorstelle? warum die Berge inwendig hol? warum die bergichte Länder gemeiniglich denen Erdbeben unterworffcn? und bey denselben etwan gantze Städte und Lander einstricken? woher gantze Bergreyhen entstanden, welche gleich Ketten die gantze Erde umfassen? Diese Grundlehr »urnem fünde bald, wie sie neu, und mit allerhand von allen Orten her zusammen gezogenen Gründen, treflich, mit schöner Schreibart auSge- geschmücket gewesen, einen grossen Ruhm in der gelehrten Welt; Aber auch viele, welche dieses Lurneüsmsche Erdengebäu möglichster Massen eiNZUreisseN getrachtet, einen verkett, darren, Leaumonc, einen 8r. Llsir, einen klsi-k, LullMZ, Lircberochum , welche ihme öffentlich den Krieg angckündet, viel andere, welche mit verdeckten Namen wider ihn geschrieben; der einte Theologisch, zum Schutz der H. Schrift, insbesonder über Mosen, dessen Ansehen öurner in den Augen einiger eifriger Gotteslehrern gering zu achten scheinet: ein anderer führet sich als einen Philosophen oder Naturlehrer auf, und greifst vornemlich seinen Erdenbau an: ein dritter nimmet ins besonder vor sich die erste 8im-lnon der Erde in Ansehung der übriaen Welt: ein vierter streitet mit geist-und natürlichen Waffen; so daß Herr öunier einer Zielscheiben gleich ist, nach welcher jederman sein Geschoß richtet. Ich meines Orts unterstehe mich nicht, gegen einem solchen Mann, wie Lurnec jst, öffentlich ins Feld zulassen, um so viel weniger würde ich es thun, weilen ich viel schöne Sachen in seinen Schriften finde, obgleich ich frey bekenne, daß auch viele Sachen, welch: absonderlich die veränderte Gestalt der äußern Erde angehen, mir nicht ein wollen. Sein gantzes oder Grund- des Scbrvel'yerlandes. 227 Grundgebäude hat einen schönen Schein,les kommt mir aber vor, als ob es mehr nach den Realen seines Gehirns und Einbildung, als nach der Richtschnur der Natur selbst aufgeführet wäre. Diese gantze Gestalt der äußern Erde, absonderlich der Bergen und Thalern, kommet ihm als eine Sache vor, welche p-»r kararä bey dem Einfall der obern Erden-Rinde entstanden; da ich hingegen dafür halte, und hin und wieder bereits dargethan habe, daß die gantze äussere Erde, absonderlich alle Berge, Felsen, Höhe, also, wie sie stehen, von Gott selbst angeordnet und gebauet; zwar auch durch Einfall, ein rechtes Meisterstück Göttlicher Allmacht, Weißheit und Güte seyen; daß die Erde und Berge nicht unqestalt, sondern in ihren vielfältigen Abänderungen einen sonderlich schön geziertenSchau- platz darstellen, daß nichts überflüßig, sondern alles zu gewissem Absehen und Gebrauche diene. Daß man bey genauer Untersuchung genug Wasser in dem Abgrunde und den Meeren, zu Überschwemmung der höchsten Bergen, antreffe, ohne mit Lumcc einen neuen Erdbau auszudencken, oder mit einigen Theologen, aus Mangel anwesender natürlicher Ursachen, die Allmacht Gottes anzurußen. Daß die Überbleibsel der Sündfluth, auf welche wir, als auf eil: festes Fundament, unsere Vernunft-Schlüsse von dem Unterscheid der ersten und zweyten Erde, bauen müssen, das Lornerignische Gebäude von selbst niederwerfen. Daß eine beständig gleiche Wärme, wie solche vurner sich vorbildet, die erste Erde nicht nur nicht zu einem Paradieß, sondern vielmehr zu einer Wüste gemachet hätte. Die Zeit lässet mir nicht zu, solche Sachen nach ihrer Weitläufigkeit auszuführen; ich würde selbst von meinem vorhabenden Zwecke des Ursprungs der Bergen abweichen. Fahre deßwegen fort. An die Spitze einer vierten Claß stellet sich Herr. ^ooä- vvzrcl, der Arzney Doctor, von der Königlich-Englischen Gesellschaft, UNd Professor I'N)ssicL in dem (.olleZio 6ersknmssssi in LvttdtN, MöM sehr werther Freund. Dieser Herr gründet seine Vernunft-Schlüsse fürnemlich auf die Erfahrung, oder jeziqe Beschaffenheit der äussern Erde, in welcher er, gleich als in einem Spiegel, sich und andern die erste und zweyte Erde auf solche Weise vorstellet, welche mit der H. Schrift gar schön übereintrifft, und wol verdienet, dem geehrten Leser in einem kurtzen Begriffe vorgezeiget zu werden, um so viel mehr,weil der Bergen Gestalt und Anfang daraus fließet. Nach dieser Grundlehre war die Gestalt der ersten Erde vor der Sündfluth auch, I'27 Erzehlung seltsamer l 7 ^atur-Geschichten wiediejezige, uneben, abgetheilet in Berge, Thäler, und ebene Lande, unterschieden durch Meer, See und Flüsse. Das Meer mit übrigen Wassern hatte gegen der trocknen Erde eine Gleichmaß, wie noch jezund. Das Meer war gesaltzen, wie jezt, und hatte seinen Auf- und Ablauff. In dem Meer, Seen und Flüssen war eine grosse Menge allerhand Fischen, Krebsen und anderer Thieren, deren Geschlecht annoch übrig sind. Auf der Erde waren eben diejenigen Arten der Bäumen, Stauden und Kräuter, der vierfüffigen Thieren, Ungeziefer und Vögel, welche wir noch jezt haben; von gleicher Gestalt, Grösse, Farben; in der Erde gleiche Metall und Mineralien mit den unsrigen. Die gantze Erde hatte gleiche Stellung gegen der Sonne, wie jezt, folglich waren dort, wre hier, gleiche Abänderungen der Tagen und Nächten, des Sommers, Winters, Herbsts und Frühlings. Eine solche Uebereinkunft der ersten mit der zweyten Erde wird Lurneuo nicht nur auf das Ansehen der H. Schrift allein entgegen qesetzet, sondern sie gründet sich auch auf die annoch vorhandene Üeberbleibfel der ersten Erde. Sehet, wie die natürliche Historie zu Bewährung und Erklärung dessen dienen kan, so in dem geoffenbarten Worte Gottes 6en.l,9. l c>. stehet: Und Gott sprach; sammle sich das Wasser unrer dem Himmel an ein Ort, daß man das Trockene sehe, und es geschah also. Und Gore nennete das Trockene Erde, und die Sammlung der wassern nennet er Meer, und Gott sahe, daß es gut war. Nun zeigen uns die Wahrheit dessen auch die Überbliebene Meer-Schnecken, Meer-Dachse, Meer-Igel mit ihren Stacheln, Meer-Sternen, Meer-Muscheln, Zähne, Gräte, und Gedeine der Meer. Fischen, welche an Gestalt und Grösse, ja oft auch an der Farbe denen gantz gleich sind, die in den heutigen Meeren vorhanden. Und, lieber, wie wolle der Mensch geherrfchet haben über die Fische im Meer, 6en. l, 28. wenn dasselbe unter der obern Erdenrinde in dem liessen Abgrunde verborgen gewesen wäre? Es wäre Adam ein armer Herr über Sachen gewesen, die cr niernal gesehen hätte, wtl geschweige«, daß er mit den erstell Erden-Bewohnern die schmackhafte Süffigkeit -erfelberr hätte schmecken können. Wir gehen noch weiter, und sagen, daß in der ersten Erde nicht nur etwa» irgendwo ein eingeschlossen Caspisches Meer gewesen sey, sondern so viele und weite Meerengen Ost und Westen, als jezund sind. Diß nehmen wir ab aus der grossen Menge des Schwekrzerlandes. 129 Menge und Verschiedenheit der Überbleibsel der .Sündfluth, welche heutigs Tags mit grossem Fleisse in allen Enden der Welt aufgesucht werdet». In allen Meeren gibt es andere Muscheln und Thiere, je nachdem sie unter einer Himmels-Gcgend (O'mz) liegen, andere in Mittelländisch - Deutsch-^Miop.sch- Indischen Meeren; Nun finden wir, nicht nur in einem Lande, sondern in allen Theilen der Welt, Muscheln von allen diesen Meeren. Unser Schweitzerland allein hat eine zimliche Anzahl solcher verschiedener Arten. Wir haben Perlen- und andere Muscheln aus den Oft-und Wcft- Indischen Meeren, und nehmen daraus ab, daß nicht eine jede Muschel an dem Ort, oder in dem Lande wiedrum gesuncken, an dessen Ufern sie qelebet, sondern daß in der Sündfluth eine so gewaltige Bewegung schwer-dicker Wellen gewesen, daß auch die Meerschülffcn von den entferntesten Enden der Welt in unsere Lande getragen, und bey uns abgeleget worden. Es müssen die Meere auch vor der Sündfluth, wie jetzund, gesaltzcn gewesen seyn, weilen sonst obbenennte schaltchte Thiere und Fische nicht hätten leben können. Daß auch das Meer dazumal seine Ebbe und Fluth gehabt habe, nehmen wir nicht allein von dem Nutzen ab, welchen diese Bewegung mit sich führt, sondern aus dem, weilen wir bie und da die Überbleibsel der Muscheln auf gleiche Weise aufeinander gehäuffct, theils zerbrochen, theils eingebogen antrcssen, wie sie annoch heut zu Tag an den Ufern gefunden werden, da das Meer seinen Zu - und Ablauft hat. Daß vor der Sündfluth Flüsse gewesen, mercken wir aus den annoch übrigen See- und Fluß-Muscheln, welche nirgends als in süssen Wassern leben, von welchen auch wir in unsern Landen, sowol in Wassern als auf den Bergen eine zimliche Anzahl finden. Sind Flüsse gewesen, so hat nothwendig die Erde müsset» uneben und bergicht seyn, weilen die Flüsse auf den Bergen entspringen, und durch die Thäler, als abhal- diae Flächen, abfließen. Es muß in der Erde, Meeren und Flüssen eine ungemeine, dem segnenden Ausspruch Gottes (Oen. 1,22. s »ehrbarer und mehrer euch und ersuUer das Wasser des Meers, rc.) übereinkommende Fruchtbarkeit gewesen seyn, welches aus der übcr- häufften Menge der Meermuschcln und Schnecken abzunehmen, so hie und da an gantzen Klumpen in den Naturalien-Kammern gezeigt wird, welche so eng ineinander müssen gelebt haben, daß dergleichen in heutigen Meeren kaum anzutreffen. An Metallen, Mineralien , Edlen - und andern Gesteinen hatte die erste Erde keiner» 1. Theil. R Mau- i zo Erzehlung seltsamer kJatur-Gesthichren Mangel. Das erste Wasser des Paradieses hiesse ?rso», das umläufst das ganye Land Neur/a, da Gold ist. Und das Gold des- selbigen Landes ist köstlich. Da stndr man auch öcieüia», und den edlen Stein Göhain. 6en. Il, 9. Thubalcain wäre ein (besser in allen Meisterstücken von Eisen und Erye. 6en. iV, rr. Ja ich stelle mir die erste Erde also vor, daß die Metalle nicht so zerstückelt tieff in engen Adern, sondern an grossen Klumpen oben zu Tag gelegen: O) daß die erste Erde an allerhand Bäumen und Krautern einen grossen Uebcrfluß gehabt, dessen auch die annoch in allen Landen übrige unterirdische Bäume eine Anzeige find, und daß insgemein die erste Erde weit edler und fruchtbarer gewcseu sey, als die heutige; überall bedecket mit so reinem und kostbarem Erdreich, welche ihre Pflantzen in grosser Menge, ohne grosse Arbeit, hervor gebracht und ernähret, weßwegen die Menschen Zeit gehabt, dem Müßiggang obzuliegen, und sich aller, Lüsten des Fleisches zu ergeben; folglich sich desto weniger zu verwundern ist, daß der Menschen Boßyeir sehr groß gewesen auf Erde und alles Dichten und Trachten ihres "Herzens gany böse immerdar , 6en. VI, s. Daß die Erde verderbt war vor Gott, und voll Frevels, V, r. Daß sie äffen, rruncken nahmen zur Ehe, und gaben zur Ehe. xx i v. zz. Ein solch allgemeines Übel verdiente eine durchgehende Straff; es mußte aber auch die reihende Ursach abgethan werden, weßwegen es Gott, des menschlichen Geschlechts allmächtigem Vater und reichen Gutthätcr, gefallen, Hand an Heilung so allgemein graßierender Kranckheit zu legen, die Welt von dem elenden Stande, in welchem sie verliesset lag, zu bcfreyen, die Menschen hinfort von den Wollüsten abzuhalten; welches aber der allweise Schöpfer durch die Sündfluth ins Merck gesetzet, in welcher britischer Weltänderung die Erde mit den Menschen verde! br worden, 6en. Vl, r z. IX, l I. Der Tod, als ein König des Schreckens stunde vorher 800. und 900. Jahre weit von den Menschen, durch die Sündfluth aber stellte ihn Gott in die Nähe, daß ihre Tage wurden hundert und zwanzig Jahre. 6en. Vi, z. Die Reitz- und Lockvögel zur Sünde wurden weggejagt, denn bey vorgcnonh mener (r) Dieser wird manchem/ wie mir/ seltsam vorkommen/ wenn man betrachtet/ wie die Metalle heut zu Tage erzeuget gefunden werden. Ich wtl nicht aufführen/ war ein jeder vernünftiger Leser selbst thun kau. des Gchweitzerlandes. ___ rz't mener Zermalmung der gantzen Erd-Kugel die fette, köstliche, erste, dem ersten Stande der Unschuld gleichende Erde, mit vielen sandicht- und mineralischen Theilen untermischet worden, deßwegen ste hernach mit desto grösserer Mühe, wenn man von ihro was haben wol- te, mußte gebauct, und überall eingerichtet werden nach dem Elend und der Dürfftigkeit der in die Sünde gefallenen menschlichen Natur. Mit dem auf die Erde selbst, nicht nur auf die Bewohner derselben, ausgesprochenen Fluch 6en. »i, 17. ergienge es, wie mit derbem Adam angedroheten Todesstrafe, 6en. u. 17. Es stehet zwar dort, welches Tags du davon iflest, wirst du des Todes sterben. Nun hat zwar in dem Augenblick, da Eva in den Apfel gebissen, die Tödlichkeit angefangen, der Tod selbst aber konte nicht alsobald über Adam, sondern erst nach 900. Jahren, triumphieren. Also wolle Gott nicht alsobald auf die Sünde das herrliche Merck seiner Händen zerstören, und eine so schöne Augenweyd in ihrer ersten Blüthe und Früchten erftecken, sondern die Menschen selbige über die i6oc>. Jahre gemessen lassen. Erst nach der Sündfluth, und nach der über die Erde selbst ergangcnen Strafe, thäte Gott dem Noah diese Verheißung : chch wll hinfuhro nicht mehr die Erde verfluchen um der Menschen willen, 6en.VIII,rs. allwo, glcich auch6en.iX.i l. der Fall Adams, und der Fluch, den Gott an der Erde in der Sündfluth vollstrecket hatte, klärlicb zusammen gesctzet wird. Die Historie der Sündfluth habe ich bis dahin in erforderlicher Weitlaufftigkeit, aber möglichster Kürtze, eingeführt, weilen auch die Gestalt unserer Helvetischer Gebirgen bey Anlaß dieser ersten Erden-Zerstörung entstanden ; und verdienet sonften eine so erschreckliche Umkehruna und Zermalmung des köstlichen Erden-Baus, und dabey vorgefallene gjchterische Erschütterungen, daß ste zum Schrecken und Nachricht der gottlosen Welt wol untersuchet, und in Gestalt citier Tragödie zum öfter« vorgestellet werde. Es ist ja entsetzlich zu gedencken, daß alle Berge, Steine, Metalle, Mineralien, Erde, Sand, rc. die vierfüffigen, fliegenden, kriechenden und schwimmenden Thiere, die Bäume, Stauden und alle Gewächse der Erde, mit den Menschen zermalmet, und, so zureden, in ein Muß verwandelt worden, (u) R 2 Daß (u) Eine blosse Überschwemmung dir nicht länger als ein Jahr gewahret hat/ kan unmöglich alle Steine / Metallen und Mineralien rcrmalmet haben. ES wird mchreri dazu erfordert. izr Erzehlunq seltsamer N^atur-Gefthichren Daß dem also, und diese anfangs der Vernunft widrig scheinende Erklärung der Sündfluth nicht unter die »»gründlichen Hirngc- dichte zu zchlen sey, lässet sich gantz gewiß aus Betrachtung und Untersuchung der obern Erde, insbefonder aber aus den gewissen unzweifelhaften Ucbcrbleibseln der ersten Welt schlicffen, welche nicht nur oben aufder Erden-Fläche in den Aeckern liegen, sondern innert den härtesten Felsen, Marmorn, in liessen Steinbiirchen, Kohl- Ertz- und andern Berqwercken anzutreffen sind. Wie wolten sie in solche Steinfelsen, und erhärteten Dessen, kommen seyn, wenn diese nicht auch ein weicher Lett, oder lindes Sandgemüß gewesen? 0) Man bemercket überdiß, so tieff als man in die Erde kommt, daß die Theile der obern Erde nicht nur Lagerweise übereinander liegen, sondern auch jede an dem Ort, welches ihnen in Ansehung ihrer 8pec,6c-Schwere zukommt, die schwersten Cörper und Cörper- lein unten, in den tieffsten Erz-Gruben, hernach die um etwas leichtere, bis endlich oben aufder Erden-Fläche die luftige, leichteste Garten-Erde liegen blieben. Wie aber wolle diß alles, ohne vorhergegangene Zermürsung der Erde, und darauf gefolgte Senckung der aufgelöste» Theilen, geschehen seyn? Wie wolten die so ordentlich aus Steinen, Marmorn, Kohlen, Erde, Kreide formirtc Lager entstanden seyn, welche wir in unsern Helvetischen Gebirgen, und an- dcrftwo in Kohl- Stein- und Erz-Gruben vor Augen sehen? Nicht nur aber zeiget sich die Wahrheit dieses Satzes bey den Lagern, l>8, welche aus lauter Marmor- Sand- Kohlen- Kreiden- Metall- Theilen bestehen, sondern auch aus allerhand in ihnen enthaltenen fremden Theilen, welche auch an denen Orten liegen, da sie in Ansehung ihrer Schwere hingehören. Hierin geben die Uebcrbleibsel der Sündfluth, welche sich in denen Stein- und Erden-Lagern eingeschlossen finden ein grosses Licht. Diß ist die Ursach, warum die allerschwerftcn Muscheln und Schnecken am tieffsten gefnnckcn, und gemeiniglich in den Lagern von Steinen, Marmor, und anderer ihnen gleich schwerere Materie sich finden: die leichtere Schlüssen aber in eine leichte Materie, als da ist die Kreide, sich eingemischet, wo (x) Daraus folget aber nicht/ daß diese Sachen vorher auch hart gewesen. Der Lett und Ton wird durch die Hitze auch hart; wenn man nun sagen wolle/ daß die Ziegelsteine welche je» hart sind/ und vorher weich gewesen/ auch schon «n andermal/ ehr sie welch worden/ hart gewesen/ so würde man sich be» trügen. des Gchwekzerlandes. izz wo diese nickt vorhanden wäre, sind solche Muscheln in der obersten Erde, nahe bey der Fläche abgelegt worden. Daher kommts, daß die sogenannte KcNmi, Meer-Äepfel, See-Igel gemeiniglich in Kreidengruben angetroffen werden, welche Uebcrbleibsel deßwegen inEnqelland, da viel Kreiden, gemein, in andern Europäischen Landen aber seltsam sind; daher kömmt es auch, daß man so wenig von Krabben, Krebsen, und andern leichtern schalichten Thieren mehr findet, weilen diese auf der obersten Erde liegen blieben mit den Leichnamen der Menschen, mit den vierfüffigen, fliegenden und fchwimmenden Thieren und ihren Theilen, als Gebeinen, Hörnern, Zähnen; so auch den Bäumen, Stauden, Pflantzen, Gesamen und Früchten , von welchen allen wir gleichwol in unsern Raritätem Kammern unläugbare Ueberbleibsel zeigen können, und zwar solche, welche auch in tieffen Orten der Erde, als in Bergwerken,, gefunden werden, dahin sie aber nickt so fast in kraft ihrer eignen Schwere unter sich gezogen worden, als weilen sie sich an einer metallischen oder andern schwerern Materie angehänget, und damit zu Boden gezogen worden. Man findet, auch in unsern Schweitzerischen Landen, an solchen Orten, da sonst niemal Wälder aufgewachsen, unweit von der obersten Erdenfläche, gantze Läger von Bäumen, Stauden, Früchten und Gesämen, welche zuweilen noch ztmlich frisch und unverwesen, wenn sie nemlich in einem balsamischen, fctt- ohlichten, schwefelichten oder hartzichten Grunde abgeleget worden, darin» sie, recht zu reden, balsamirt worden. Was oben auf der Erdenfläche von allerley Thieren und Pflantzen liegen blieben, das hat die ersten Erden-Bewohner und Nachkömmlinge des Noah, der schweren über die Erde ergangcnen Straffe erinnern können, bis diese Cörper uach und nach verfaulet, von der Luft, Wind, Wetter und Reuen verzehret, von Menschen und Thieren zertreten, und also zu nichte gcmachet werden, ausgenommen die, welche mit einer steinickten Materie sich vereinbaret, eine Steinart an sich genommen. Aus bisherigem erhellet genugsam, daß die jezige obere Erden- Gestalt, ja vielleicht die gantze ^6» des Erden-Cörpers, also wie sie ist, in der Sündfluth formirt worden. Wir wollen aber jezt auch sehen, wie, und ins besonder, wie unser gebirgichtcs Schweitzerland seine Form bekommen. Nachdem die Maß der ersten Sünden-Welt voll werden, und Gott nach seiner heiligen und gereckten Vorsehung die Erde samt ih- R s ren r Z4 Erzehlung seltsamer l^latur Geschichten reu Bewohnern mit der Sündfluth straffen wolle, da brachen alle Brünnen der grossen Treffe aus und thäten sich auf die Fenster des Himmels, und kam ein Begen auf Erden vierzig Tage und vierzig Nächte. 6en. VII, n. Hier zittert das Bartes, änifche Er- -enaebäude/ weilen vermuthlich irr einem grossen Raum gegen dem Mittelpuncte der Erde anstatt des Fcurs/ Wasser/ und eben diß Wasser der grosse äbyssus, oder grosse Liesse/ gewesen. Die erste Erde My wie wol zu vermuthen/ nicht so fest und hart/ wie die jcziqe, sondern locker, die Felsen waren nicht fester als Sandsteine, die Metalle in kleiner: meistens gediegenen Nicrenstücklein; Nun war zu Zermalmuna eines solchen harten Cörpcrs mehr nicht nöthig, als daß nach dem Geheiß des Schöpfers das nächste über dem Abgrunde liegende Felsengewölb eingesuncken, die Wasser darauf nach ihrer mindern Schwere überfich gestiegen, und also die gantze Erde, welche ohrredem hie und da ihre Zöafferqehalter, wie annoch, hatte, durch- gedrungen, alle Theile derselben voneinander gesondert, alles locker gemachet, bis endlich die Wasser über der Erdenfläche in die Höhe angewachsen, und die Berge selbst eingesuncken, worauf alles Fleisch, ausgenommen was in der Arche war, und den nöthigen Fischen, zu Grunde gangen, und die Erde eine gantz runde mit Wasser untermengte Kugel ausgemachet. In eurem solchen Stande konte die Erde- und Wasserkugel nicht lange bleiben. In diesem flüssigen Gemenge waren allerhand Gattung Theilen: die schwerern mußten zu Boden sincken, und die leichtern oben auf zu schwimmen kommen. Wenn diese Geschäfte allein der Natur und deren Gefatzen wäre überlassen worden, so wären alle irdische Theile gesuncken, und alle wäffcrichte, mit den öhl- und hartzichterr, oben geblieben: alsderm wäre eine ebne kugelrunde Wasserfläche heraus kommen, welche allein den Fischer: zu gut kommen wäre. Es wolle aber Gott eine neue Erde haben, dre da tauglich wäre die Menschen und alle Art der Thieren zu beherbergen und zu ernehrcn, und wiedrum Graß, Kräuter und Bäume hervorzubringen. Wie mag aber diß hergegangen, und die jezige Erdengestalt herauskommen seyn? Hiezu hat Gott nach seiner unendlichen Weißhcit unendlich viel Wege ausstn- den können, und stehet jederman frey, in seinem Gehirne nachzu- 'enckcn, und solche Grundsätze auszufinden, welche den Vollkommenheiten Gottes nicht nachteilig, und selbst, wo nicht eine übernatürliche Kraft hat müssen angewendet werden, den Bewegungs-Regeln, des Schweltzerlandes. welche Gott selbst zum Urheber haben, gemäß sind. Ich meines OrtS fasse die Sach also, lasse mich aber gern eines bessern berichten, und unterrichten. Nachdem die Erde ihre Zermürsungs-Straffe ausgestanden, haben sich die schwersten, sonderlich reiche metallische Theile vorerst gesencket, weilen aber der Weg bis zum Mittelpunkt der Erde weit, haben viele einander begegnet, und sich in grosse Felßklumpen vereinigt, welche denn mit desto mehrerm Grad der Geschwindigkeit . ihren Fall fortgesetzt, und nebst Uebersichftossung vielen Schlamms und Wassers aus dem mittlern Erdenpuncte gleichsam ein Gewölb, wtewol in zimlicher Weite von dem Mittelpuncte, formirt, oder sonften ohne Ordnung allerhand Holen zwischen sich gestaltet. Diese innerste Erdenaeftalt ist vermuthlich nicht so ordentlich in 8113» oder Lager abgetheilt, wie die obere, weilen erstlich die metallische Theile am Gewicht mercklich unterschieden, nicht ringsherum gleich haben können ausgetheilet seyn, und ungleich grosse Klumpen haben müssen ausmachen, welche denn nicht so ordentlich aufeinander haben können zu liegen kommen; da wir hingegen auf der obern Erde mehr gleichförmige, am Gewicht nicht so weit verschiedene Theile antreffen, welche bey verminderter Bewegung sich gar ordentlich aufeinander geschicket, und gewisse Lager gestaltet haben. Diese Lager sind ohne Zweifel, als aus ihrer gegenwärtigen Beschaffenheit abzunehmen, anfangs rings um die Erde flach, und Nonromsi gewesen, weilen aber auf solche Weise die Erdengestalt auch platt, oder eben, heraus kommen wäre, gleich jener ersten Nunieci-m sehen, so haben die 811-313 ihre 8im3lion geändert, sich hie und da gesencket, wodurch die Unebenheit der Erde entstanden. Anlaß zu dieser Senckung, ja würcklichem Einfall der obern Erdcnlaaern, hat die veränderte 8iiu3i,on der untersten Felß-und Metallklumpcn gegeben, welche anfangs nur obenhin aneinander gehalten, hernach aber bey Zunehmender schweren Drückung und Absteifung der Ecken, welche sie zusammen gefügct, hie und da eingesunckcn, und den obern Erdenla- gcrn auch Anlaß gegeben , an den einten Orten wo hernach die Meere entstanden, ticsser einzusinckcn, da sie hingegen cwderftwo, gleich vieler, gegeneinander gestellten Säulen, in der Hohe sind erhalten worden, gleich in unsern Helvetischen und andern hohen Gebirgen. Wer die Gestatt unserer Bergen, und deren ordentliche Abtheilung in gebrochene 8113,., nur anschauet, der wird bald begreifst», ja mit offnen Augen die erste Konromrü-Äwsuon der Lagern und iz§ Erzehlung seltsamer k^arur-Geschichren und hernach gefolgte Einsinck-uud Brechung derselben sehen können. Jene ist an etlichen Orten in Vorschein. Ja man findet solche Lager, welche gleich als über einen festen Nuhepunct gebrochen, beyderseits gegen zwey Thäler abgesunken find. Einmal lasset sich die Wahrheit dieses Einfalls nicht in Zweifel setzen. Nachdem die irdischen Theile durch ihren senckelrechten Fall ordentliche Lager rund um die Erden-Kugel formiret, waren die Wasser oben ; nachdem aber die 8rr-ua bey Anlaß der untersten Metall - und Felßklumpcn gebrochen worden/ verliess sich das Nasser von der Erde immerhin, und nahm ab, 6en. vm, z. Es fände das Wasser seinen Ablaust durch die Spülte der zerbrochenen Lagern in die Holen der Erde, gar bis in den Abgrund, und wäbrete dieser Ablaust so lange, bis die Wasser des Abgrunds, die Wasser in den holen Klüften der Erde, und die Wasser in den Meeren, Seen und Flüssen in ein Gleichgewichte kommen, in welchem sie annoch sich befinden. Je tieffer die Lager eingesuncken, je fester ist dort die Erde geworden. Daher ist kein Zweifel, daß die unter den Flüssen, so gemeiniglich durch Thäler abstießen, liegende Erde, biummum , viel fester ist, als die, so unter den Bergen lieget, nicht ohne sonderliche Fürsehung des Schöpfers, und viele von dem Lauff der Flüssen auf die Einwohner der Erde fließende Gutthaten. Zu Verschlieffnng der Wassern in die Erde, und Verstiegung derselben in die Luft, mag nicht wenig der VHind, welchen Gort ließ aufdie Erde kommen vm, r. beygetragen haben,welcher Wind vermuthlich von Osten oder Süd-Ost herkamen,weilen unsere Ueberbleibsel derSündfluth,dte wir inScbwci- zerischen(und andern Europäischen) Landen antreffen, mehrcntheils in den Mittelländisch- und Oft-Indischen Meeren ihres gleichen Schnecken und Muscheln haben. (>) _Es (^) Er wäre viel zu weitlaufkig/ alles anzuführen / war wider das bisher erzeblte mit Grund einzuwenden ist. Überhaupt ist zu mercken/ daß dieses die Schwierigkeit von dem Ursprung der Bergen nicht aufhebt / weil man Berge schon vor der all« gemeinen Überschwemmung setzt/wrlche Moser erzehlet. Man fraget a'so biiM/ woher die ersten Berge entstanden seyen. Auf welch« Frage Herr wcodrvard Mit keinem Worte antwortet. Haben die ersten Berge ohne eine allgememe Über« schwemmung und Zrrmürsnng der Erde können entstehen / so haben auch andere hernach entstehen können/ und hat man gar nicht nöthig / die Sündfluth um Hülffe anzuruffen. Wer indessen einige besondere Meynungen des Herrn Woodwards widerlegt wissen wil/ der lese den Auszug aus seiner OeoZrL- ptua kli^üca in der Libliotli» kaiionnee I.XVlU. x>. Ll> öc luiv. des Schweiger-landes. rZ7 Es ist diese Materie von der Sündfluth, und damal geschehener Einflncknng der Lagern, würdig, daß sie wol untersuchet werde, weilen daher die völlige Beschaffenheit veräußern Erde in Erfahrung gebracht wird. Daher kommet die unebne Eintheilung derselben in Berge und Thäler; daher kommt die Gestalt der Bergen, und aller ihrer Theilen, Alpen, Stallen, Wänden, Holen. Daher müssen die Ursprünge der Flüssen, Seen, Brünnen, Wolcken geleitet werden, zu welchen allen in den holen Eingeweiden der Erde genügsame Materie vorhanden, ohne daß wir nöthia haben, zu besonderer Entdeckung derBrunnenquellcn, zu dem Meer hinzugehen, oder den Regen und Schnee herbeyzuruffen. Daher ist zu schließen, warum bergichte Lande den Erdbeben mehr unterworffen, als andere, so tieff und stach liegen? Anderer in -er Natur-Wissenschaft einstiessenden Nutzbarkeiten zu geschweigen. Von des Schweitzerlands Beschaffenheit in Ansehung der Elementen und Iahrszeiten. Ir wollen uns hier in der Welt-Weisen bekandten Streit von der Elementen Anzahl nicht einmischen, ob deren drey seyen nach den Cartesianern und Chymisien, oder vier nach den Schul-Lehrern, oder fünfe nach denen Chvmiften, oder nur eins nach verschiedener gar alten Natur-Weisen Meynung, oder unzehlich viel nach den Epicurcern: daran sieht uns dißmal weder auf noch ab. Setze mich deßwegen ohne Bedencken in den mit vier Elementen bespannten Aristotelischen Triumphwagen, und fahre damit in dem Schweitzcrland umher, zu sehen, wie insgemein in unserm Vaterland, insbesondre' aber hier und dort das Feuer, Luft, waffcr und Erde anzusehen ; nicht aber bey dem Geftäud allerhand Beyftagen von der Elementen wesentlichen oder zufälligen Eiaenschaften, von derselben kleinsten Theilen, und ihrer Gestalt, in denen sie von Gott erschaffen worden, aufzuhalten. Dergleichen Streitfragen dienen hicher nicht. I. Theil. Von S Erzehlimy seltsamer Natur-Geschichten iZ8 Von der Schweitzerischen sonderlich von der Berg-Luft merck- lichen Leichte/ Subtilheit und Dünne ist bereits bey Anlaß der Bergen/ Bäume«/ des Heimwehes re. zur Gnügc geredt worden/ wohin ich denn den geehrten Leser wil gewiesen haben. Anf den höchsten Alp-Spitzen ist die Luft am kältestem weilen dort die Winde beständig blasen/ die Wolcken gczeuget werden/ und sich aufhalten / auch die Sonnenstrahlen keine solche Kraft ausüben können/ wie an den Seiten der Bergen und in den Thälern/ wohin sie durch unzählbar viel Zuruckprellungen eine empfindliche und oft starcke Wärme bringen/ daß dergleichen kaum an einigem Ort Eu- ropä anzutreffen. Wer biß in Betrachtung ziehet / und noch dazu die geringe Schwere und gewaltige Dünnung der aufstehenden Luft beyfüget/ der wird bald genügsame Ursachen der beständigen Währung des Berg-Schnees und Eises sehen. Steiget man nach und nach den Berg ab, so empfindet man mehr und mehrere Wärme, bis man in das Thal kommt. Es ist aber ein grosser Unterschied zu machen, je nachdem die Berge und Thäler liegen, daß daher zwar den gantzen Sommer durch alle 4. Iahrszeiten in dem Schweitzer- land regieren, aber xs gibt auch einige Orte, die zu einer Zeit die Hitze des heiffen Erdgürtels, andere die Kälte der Nordischen Landen ausstehen müssen, andere haben eine massige Mischung von beyden, so daß ich in den Gedancken stehe, daß zum Exempel in dem Auastmonat in dem einigen Schwcitzerlande alle Grade der Wärme und Kälte anzutreffen seyen , welche zu selbiger Zeit bey allen Völkern der Welt zu finden; O) und in Betrachtung dessen können unsere (2) Jck> habe auf dem Rigi'Berg die Abwechslung der Warme und Kälte in eim Lag (war der ir. August in dem lösten Jahr) durch daS Farenhevtlsche l'iaermnmerrum beobachtet, ^kn diesem stunde Morgens Frühe/ an der Mitte des Berge-/ der Spiritus auf ?c>.Grad; Nachmittag auf 70. und am Abend / auf der obersten Höbe der DerqeS / auf 44 Es machte also m rim Tag eine Reise von 26 Graden. Allein der Herr von Mauperruis hat bey seinem Ausenlhait in Norden beobachtet/ daß daS Ikei momcrrum des Herrn keaumur in eim Tag eine Reise von Graden gemacht hat/ welche er m Franckreich in eim Jabr kaum macht. Man kan daher von der großen Ab» wechSlung der Wärme und Kälte an denen Orten/ wo cS auch im Sommer kalt ist/ urtheilen. Er ist ,u wissen/ daß der Verfasser die Materie von der Luft etwa» writläuftiger abgehandelt in dem l. Theil der tziatur-Hrstone des Schwer- zerland» Dl. 4. U. f. f. des Schwekyerlandes. iZ9 unsere Eydgrwßische Lande angesehen werden als ein compenciium Om verli, dahin der allweise Schöpfer verlegt hat/ was er weitläuftig durch die gantze Erde zerstreuet. Sehet/ wie diese vielfältige Abänderungen bald von dem einigen Lager oder Simenon der Bergen herkommen ! Wo diese sich von Morgen gegen Abend ziehe»/ also daß die Morgen- und Abend-Sonne zwar ihren Zugang haben kan/ die übrige Zeit aber des Tags wegen Höhe der Bergen nicht/ ausser etwa» in den längsten Sommcrtagcn kommen mag/ da ist dieMittä- aige Seite des Thals fast das gantze Jahr hindurch kalt und unfruchtbar/ die Mitternächtige hingegen Sonnenreicher, und von grösserer Ertragenhcit. In dem Pergellerthal in Pündtcn ist die Seite von 80LU0, OtksletzNL fast allein bewohnet/ weilen sie die auf- und absteigende Sonne genießet, und um so viel fruchtbarer/ obgleich 80- 8>io sehr hoch liegt/ weilen der kalte Nordwind dahin nicht/ wol aber an die vorüberftchendc Seite/ wehen kan. In dem Rheinwald/ da der hindere Rhein entspringt / regiert bald durch das gantze Jahr eine zwar gesunde aber rauhe kalte Luft/ weilen dahin sonderlich der Ost- und Nordwind den Zugang hat/ daher in Pündtcn das gemeine Sprüchwort: Ilm Rheinwald seyen 9. Monar Winrer, und Nlonar kalt. So bcmercken auch diejenige / welche in dem Pfefers- Bad stch einige Wochen der Cur halber aushalten/ daß die Sonne dorthin, wegen überhangenden hohen Felsen, auch in den Sommer- Tagen kaum 2. Stunden hinkommt, welche Abwesenheit der Wärme den Trinck-und Bad-Gästen eine «»beliebige Feuchte und Kälte zubringet. Es ist die durchdringende Kälte der Engadiner - Luft merckwürdig, welche zur Winterszeit bey still-hellem Wetter grösser als auf den höchsten Bergen, indem, der Säumern Bericht nach, der Wein im Führen durch das Thal eher, als über die Berge, gefrieret. Bey dergleichen Orten, wo die Sonne wenige Zeit des Tags hinkommen mag, heißet es, was Silius der Italienische Poet geschrieben . „V -.-Loelum inrercism Ver usgusm, nuIÜcjuL sonores, 8oIs ^ugi's kabicar cliris, TeUesgue werur ?erperu38 6«:5ormi8 l^yerr>8. Wo hingegen das Gebirg von Morgen gegen Mittag sich erstrecket, und die Sonne bald den gantzcn Tag ein solches Thal beleuchten kan, da aeniesset man köstliche Früchte einer durchdringenden Warme, S 2 als i4o Erzehlung seltsamer Natur-Geschichten als zum Exempel die Landschaft Veltlin dienen kan, so gemeinen drey Pündten unterworffen, ein wahrhaftes irdisches Paradicß, von dessen Fruchtbarkeit anderswo zu reden seyn wird. Wir wissen auch in unfern Landen, daß diejenigen Aeckcr und Weinberge, so hinter dem Nordwind liegen, und hingegen dem Mitragwind offen stehen, vor andern fruchtbar sind. Diejenige Thäler, Länder und Güter welche gegen Abend liegen, werden zwar mehr befeuchtet, müssen aber auch von diesem feuchten Abendwtnd mehrere Ungelegcnhciten ausstehen, wie denn bekandt, daß die Abendseitc der Häusern, welche gegen dem Wetter, oder derjenigen Gegend, wo die meisten Wetter herkommen, lieget, eher schadhaft wird, als die übrigen, und hier und da in dem Schweitzerlande kan wahrgenommen werden, daß diejenige Felsen- und Bergseite, so gegen Abend stehet, brüchiger ist, und eher als eine andere, so gegen einer andern Welt-Gegend siehet, abreistet. Was für Folgerungen aus diesem Fundament der 8imsnon, jn Ansehung der Gesund- öder Ungesundheit, Grob-und Subtilheit der Gemüthern können gezogen werden, wil ich einem Naturverständiqen überlassen, und bey andern Anläsen die Wahrheit dieses Grundsatzes durch Vaterländische Exempel vielfältig bekräftigen, und zugleich anzeigen, wie ein in diesem Theile der Na- tur-Historie-verftändiger Arzt manchen Patienten, durch blosse Abänderung der Luft, könne curiren. Wir sehen ja, daß von der höchsten Berg-Luft unsere Leiber anders, als von der tieffcn Thal-Luft, anders in warmer als in kalter, in feuchter als trockener, angegriffen werden, und die von der einten Ursach zugezogene Kranckheiten können und müssen durch ein entgegen gesetztes Mittel geheilet werden, in dessen kluger Ausstndung und Zueignung die gantze Cur eines Patienten bestehet. Ich gehe in vorhandener Materie weiter, und bemercke in den innern Dessen der Bergen bald eine sehr warme, bald eine durchdringend kalte Luft. Jn den unterirdischen Klüften und Hölen spüret man zur Sommerszeit, da die äussere Luft von der Sonnenwärmc in stärckere Bewegung gebracht worden, oder die unterirdische Winde blasen,eine zimliche frische Kälte, in dem Winter hingegen, da die äussere Luft eine geringere Bewegung hat, eine Wärme. In den tiessen Eißspälten der Gletschern regiert eine er- schröckliche Kälte, welche den Menschen, so hinunter fallen, oder sich hinab lassen, das Leben, wenn sie sich ein wenig darinn aufhalten, bald auslöschet. Diß bezeugen ehrliche Männer, welche einen Anno des Gchwn'tzerlandes. _ l4l Anno 1699. in einen solchen Gletscher-Spalt gefallenen Gcms-Iä- ger herauf gcholet, daß sie, nachdem sie in die is. Klafter ungefehr hinab gekommen, eine ungemein grimmige Kälte ausgestanden, welche unerträglich gewesen wäre, wo sie sich nicht alsobald wiedrum hätten heraufziehen lassen; wie mir diese Historie der Ehrwürdige Herr l- ^ Pfarrer in Schams in Pündten berichtet. Da möchte einer gcdencken, daß an solchen Orten die sogenannten «-orpulculr friZnnticz, oder kaltmachende Cörperlein sich häuffig aus den Glet- scherwänden hervor, und in die Leiber solcher Männern hineinge- lassen, dcro Geblüt zu vcrdtckern, und der Geistern Lauff zu hemmen. Besser aber lässet sich nach Hrn. ?errzuir Meynung sagen, -aß diese Begebenheit vielmehr dem verhinderten Creißlauff der ausgewogenen Wärme, und dadurch vermehrter Drückkraft der äusser» Luft zuzuschreiben, wodurch die Leiber haben von allen Orten her in die Enge gedrückt, oder eingezogen, und der Umlauff des Geblüts, in dem unser Leben bestehet, verhindert werden müssen. Ich habe oben angezeiget, wie in dem Schweitzerlande zu einer Zeit können Oerter, Stadt, Flecken, Dörffer, Häuser, Berge gezeigct werden, welche von der größten Kälte der Nordischen Landen Stuffenweise zu der größten Wärme der hciffcn Zon absteigen. Noch mehr aber vergrößert sich die Verwunderung, wenn man solche vielfältige Aenderungen in einem Tag, ja in einer Reise von z. bis 6. Stunden erfahren kan. Auf der obersten Höhe eines Bergs hat man den Winter, bey beständigem Eiß, Schnee, kaltem Winde, und solche Kräuter, welche unter dem Schnee, oder nach dessen Abgang alsobald hervor wachsen, folglich den Winter; besser hinab fangt alles je mehr und mehr hervorzuwachsen an; da zeiget sich eine mehrere Wärme, und findet man die Frühlings-Kräuter, bis man nach und nach in das Thal kommt, da man unter empfindlicher Hitze das reiste Korn abschneiden, oder die Trauben lesen, hiemit die Sommer-und Herbst-Früchte kan einsammlen sehen. So viel sey dißmal von der Schweitzcrischcn Luft geredt. Kommen wir zu dem Element des Feurs, so findn: wir genügsamen Anlaß die allerweiseste Güte Gottes gegen uns zu preisen. Ein alter Schulfuchs, so die Elemente nach der Ordnung ihrer Schwere setzet, die Erde z. Ex. zu underft, über dieser das Wasser, über dem Wasser die Luft, und von dero Gräntzen bis zu dem Mond das Feuer, könte in seinen Grillen sich so weit versteigen, daß er den S Z Bewoh- 142 Erzehlung seltsamer l^lattir-G' sich ick ren Bewohnern der höchsten Gebirgen eine solche Hitz zu'.näffe, dergleichen die auszustehen haben, welche unter dem heißen Gürtelstrich der Erde sich aufhalten; ja nach dieser Meynung müßte unser gantzes Schweitzerland, weilen es das höchste von Europa, auch das wärmste seyn. Es flösset aber die Erfahruna solche Hirngrillen um. Je höher die Gebirge ihre Spitzen in die Luft erheben, je mehrere Kälte müssen sie aushalten, so daß auf unsern Eiß- und Schnee-Bergen die Kalte allein regiert, und alle Warme ausgeschlossen scheinet. Ich sage, scheinet, weilen ich in der Meynung stehe, es dienen be- meldte Schnee-Berge unserm übrigen fruchtbaren stachen Schweizerlande zwar denn und wenn zu grossem Schaden, aber auch zn grossem und vielleicht gröffcrm Nutzen. Ich fasse die Sach also: Weilen die Eydgnößische Lande höher liegen als das übrige Europa, auch eine reinere dünnere Luft gemessen, und grösserer Kälte untcr- worffen sind, so hat -er natürliche Mangel genügsamer Wärme müssen anderftwoher ersetzet werden, wenn wir Einwohner solcher kalten Landen von derselben Früchten haben leben sollen. Ich finde insonderheit zwo Ursachen, dadurch eine mehrere Wärme in unsern Helvetischen Landen erwecket, und die Kälte abgehalten wird: die einte bestehet in der 8iru^ion -er Beracn, und vielfältiger oben bereits erklärter Zurückprellung -er Sonnenstrahlen: die andere in einer unterirdischen Wärme, welche in unsern Berg-Klüften und verborgenen Hölen sich aufhalten, und die äussere Erden-Rinde unserer Helvetischen Landen beständigso viel als nöthig ist, erwärmen kan. Ein solches unterirdisches Feuer oder Wärme zeigen so viele warme Wasserquellen, und Erdbeben, denen alle bergichte und sonderlich auch unsere Schwcitzerische Lande unterworffen, genugsam an, wie insbesonder hiervon der Löbl. Canton Glarus, welcher Anno 1654. is. und Anno 1701. über zo. Erdbeben gespürt, so auch die Löbl. Stadt Basel, der Löbl. Canton Zürich, die Grafschaft Baden, und andere Orte mehr, von deren Erschütterungen anderswo zu reden seyn wird, zeugen können. Von dieser unterirdischen, in allen Bergwercken zu spürenden, und etwan in würckliches Feuer ausbuchenden Wärme werden unsere Berge, Felsen, Wälder, Wiesen, Alpen, dero Gewächse, und unmittelbar aufliegende Luft erwärmet, der Nährsaft in die Bäume, Stauden und Kräuter getrieben, ja selbst hintcrhaltet der beständige Berg- Schnee die innere Wärme, daß sie nicht leicht ausstiegen kan, wie wir des Schweiger-landes. 14z wir auch in unsern ebenen Landen sehen, daß der auf der Saat liegende Schnee dieselbe erhaltet, und auf den höchsten Alpgcbirgcn mit Verwunderung zu bemcrcken, wie nahe an dem Schnee und Eiß, ja unter demselben die schönsten und rarcften Kräuter grünen und blühen. Diese wunderbare Güte Gottes, welche in weisester Austheil-und Mischung der Wärme und Kälte steh zeiget, genießet gleich unserm Schweitzcrlande die Insel Ißland, von deren bekannt, daß ste nicht so fruchtbar und bewohnet wäre, als steift, wenn ste nicht beständig von dem Feuroffen »eci» erwärmet würde. Also sehen wir, wie Gott seine Geschöpfe, die FeuerHeyenden Berge, die erschreckliche Erdbeben, die Wärme, Kälte, Wasser, Luft, re. zu gebrauchen weiß, wenn er gegen uns Menschenkindern stch als ein gnädiger Vater, oder als ein strenger Ricktcr, erzeigen wil. Was uns an genügsamer Wärme der obern und innern Luft abgehet, das können wir aus sonderbarer Güte des Schöpfers durch andere Mittel ersetzen, unter welchen unsere Lerchen - Tannen- Eich- Buch- und andere Wälder müssen gezehlet werden, aus denen wir Brenn- und Bauholtz genug haben ; solte uns auch dißfalls etwas abgehen, so tönten wir unsere oben angerühmte Torff- oder auch Steinkohlen-Gruben öffnen, und daraus gantze Städte und Landschaften reichlich versehen. Ich geschweige anderer Feuer - Materialien, deren wir uns zu täglichem Gebrauche bedienen können, als da find die Kieß, Feurfteine, Schwefel, Zunderschwamm, welche wir hie und da in unsern Landen in nicht geringer Menge antreffen. Ich übergehe auch den Nutzen, welchen uns Eydanoffen im Fall der Noth unsere auf den Bergen und Hochwachten anzuzündende Feuer schaffen können, durch deren Hülff innert wenig Stunden das gantze Schweitzerland kan aufgeweckt und irr Allarm gebracht werden. Dergleichen Feuern stch auch die alten Römer m Kriegszeiten bedienet, und schon vor 1u>>> Olsn8 Zeiten die Peruanischen Könige oder Vncx; die Gothen in Schwedischen und Norwegischen Gebirgen, wie zu sehen aus L-rKr, m. ^ Leil. civil. p. m. 6z-. Oarcillallo cte Is VeA» commemsir. koyzl. cib. VI. c-p.7. OI. lvlzgn. Uill. o.nr. 8epr. cib. Vti. c. IO. Ich geschweige auch des Schadens, welchen das räuberische Feuer-Element unserm Vatcrlande in allerhand muthwillig verursachten, oder durch zufälliges Unglück entftan- denen Brünsten zuaefüget, unter welchen jene muthwillige Land- verlaffung, deren e-jsr Leu. QMc. i4b.l. gedencket, sonderbar merck- würdig »44 El'Zehlung seltsamer Natur-Ges^ichren würdig ist, -aß nemlich um das Jahr der Welt zs i r. -je alten Hel- veticr unter ihrem Heerführer O-Zerorix sich berbunden, ihre wilde Lande zu verlassen, und das fruchtbare Italien einzunehmen, dcß- weaen vor ihrer Abreise in die 12. Städte und 400. Flecken und Dorffer mit allem Korn- und anderm Vorrath verbrennt; m 00- mum reclirionis lpe sublara, parariorcs oci omnia pericula lubeunös estenr. (s) Von den Schweitzerischen Wassern, und deren Kostbarkeit ins gemein, ist oben bereits zur Genüge geredet worden: Von den Flüssen, Seen, Bachen, Brünnen, warmen und kalten Mineral-Wassern aber wird hier und da etwas Merckwürdigcs zu schreiben vorfallen ; und kan auch hieher gezogen werden, was schon oben von den Berg-Nebeln und Wolcken, als überirdischen Wassern, ist angebracht worden. (-) Wir sehen die Erde hier nicht so fast als ein kaltes und feuchtes Element, sondern vielmehr als eine Zengmutter aller Gewachsen, Thieren, und Menscher: an. Wir Sänveitzer können der Güte Gottes nicht genug dancken vor die vielfältig reichen Schatze, welche unser kleine Erdcn-Winckel nicht kärglich, sondern reichlich hervor bringt. Wahr ists, daß hier und da, sonderlich auf den höchsten Gebirgen, grosse Platze anzutreffen, da alles wild, rauh, und unfruchtbar ist, da gibt es keine Korn-vollcn Aecker, keine köstlichen Weinberge, keine Obst-reichen Garten, ja nur nicht ein einiger wilder Baum; (a) Ich will noch einig« Begebenheit hier anführen/ welche jv diesem Arlickel gt. hört/ die vielleicht vor die Ausländer seltsam ist. Die Wärme ist ru gleicher Zeit an einigen Orten in unserm Lande so verschieden/ daß man in Zeit von wenigen Stunden an Orte kommen kan/ wo man alle vier JahrS-Zeiten an. trifft. Ich bin in dem > Ersten Jahr den 21. August, von Urselen über den Crispalt Berg in das Thal gereißt/ durch welches der vordere Rhein läufst. Am Morgen hatte ich auf dem Berg Schnee; Am Mittag war ich in dem Bündnerischen Oorff SclveS/ wo dar Geirayde »um Theil noch in der Blü« lhr war; Am Abend/ eben dieses TageS/ war ich an Orten/ da man da- Geirayde einsammelte/ und etwas weiter gegen Ehur zu / krasse ich den folgen» den Tag reiste Herbst. Früchte an. (l>) Don den Wassern und von der Erde des Schweitzerlandes kan man lesen/ waS der Verfasser in der Natur-Historie des Schweiyerlando in dem ersten Theil BI.u.ff. in dem gantzen iweyten Theil und in dem dritten Theil Bi.-s. und ss. geschrieben. des Schwekyerlandes. -45 Baum; da alles von Kälte starret, mit Schnee und Eiß bedecket, und gantz traurig ausstehet; Gleichwol finden fich auf, und nächst an dieser wilden Schaubühne die weyd-reicheften Alpen, die schönsten Gärten, so von dem Schöpfer der Natur selbst gepflanzet, und mit ihren anmuthigften vielfarbigen Blumen die Augen und Gemüther auch derjenigen ergehen, welche sonst fich nicht auf die Krämer-Wissenschaft legen, oder fie verstehen; ich geschweige nun des Nutzens, welcher von Erhaltung vieler 120000. Stücken Viehs unserm ganzen Lande durch Milch, Butter, Käse, Fleisch, rc. zufließet. Es solte mancher bey Vorstellung der erschröcklich-allgemeinenSündfluth ge- dencken, daß die wütenden Wasser-Wellen alles Erbrich von unsern hohen Gebirgen müssen weggeschwemmet, und in die Thäler, oder niedrigere Lande, abgeführet, folglich die Berge bloß und unfruchtbar gelassen haben. Es findet fich aber diß nicht in der That; Ein jedes kleines an den Felsen hervorragendes Mätzlein stehet man mit Erde beleget, und mit Kräutern gezieret: Welches denen Sündfluth- Beschreibern zu Abfassung verschiedener Gedancken kan Anlaßgeben. Wahr ifts, daß die wilden Berg-Wasser jährlich eine grosse Menge guten Erdrichs abspülen, und mit fich fort in die grössere Flüsse führen, daß von unserer Landes-Fette andere Völcker, zu denen unsere Schweizerische Erde hingeflöffet wird, nicht geringen Nutzen haben, wie dessen diejenigen Wiesen in den Niederländischen Provintzen, welche zu gewissen Jahrszeiten von unsern anwachsenden Flüssen überschwemmet, und dadurch, gleich wie Egyptenland vorn Nilo, gedün- get, und fruchtbar gemachet werden, Zeugen seyn können. Wie spüren über diß in unsern Landen, daß die Berg-Wasser je tieffer und ticffcr in die Erde einfressen, so daß zum Exempel der Rhein, so ehemals durch die via m-,iz zwischen Schams und Thusis geflossen, nun « gewesen / daraus die Muscheln bestehen. Desgleichen hat man Steine/ auf welchen Fisch« zu sehen sind/ davon die einten Schuppen in Steine ver» wandelt sind / dtt andern aber ihr voriges Wesen behalten haben. Daher/ wir gesagt / niemand mehr zweifeln kan / daß der Ursprung dieser Dingen nicht auS demThter.Retche herzuleiten sey. Wenn aber dieses «st/ so entstehen hier zwo Fragen, i) Wie «S geschehen/ daß diese Thiere jezt auf den hohen Be» gen gefunden werden / da die meisten nirgend als rn dem Meer leben können. 2) Woher «r kommen/ daß sie jezt steinern gefunden werden. Wegen der er. sten Frag sind die Scribentrn nicht einig. Der Hr. Woodward / dem unser V rfasser folget/ vermeynt/ diese- komme von der Sündflllh her/ da die gantze Erbe überschwemmt gewesen. Andere aber scheinen mit mehrerm Grund« zu behaupten/ daß dieses auch von andern besondern Überschwemmungen könne herkommen. Noch andere vermeyncn/ eS sey vor diesem an den Orten/ wo man diese versteinerte Sachen findk/ Meer gewesen. Man kan sehen/ was ich vorher (Anmerck. 2.) hierüber angebracht habe. Was die andere Frage betrifft/ so ist zu mercken/ daß eS Sachen gibt/ die würcklich / da sie vorher auS einer andern Materie bestanden/ in Steine verwandelt worden sind; Andere sind nur ausgehärtet worden/ das ist/ die steinerne Materie ist/ da sie noch flüßlg war/ in die holen Schalen der Schnecken / Mecr-Igeln / rr. hinein geflossen/ und nachher hart worden. Daher findt man jezt Schnecken, und Muschel» Sterne / da dre Schale noch in ihrem natürlichen Zustande/ inwendig aber ein Stein ist/ der die Gestalt der äuffern Schale vollkommen an sich hat. Bey diesem gibt er keine Schwierigkeiten / aber bey den erstem fragt man/ wie ein Cörper/ der überall von der Natur der Steinen abgebt/ könn« ln Stein verwandelt werden. Ich antworte / baß dieses geschiehet / wenn eine srömde Materie in die Cörper dringet/ welche 1. die Theile dessel. den zusammen ziehet / und also hart macht 2. Wenn sie das Zähe aus den Eöcpecn vertreibet. Nun ist aus andern Verwandlungen bekannt/ daß es 6 - ^ / ^ ^ WW-Ä MM UMM SAELB ^r-L?/-Lz r-SL-LA LKLSSL; 7 '//E< o> E>t. des Gchweitzerlandes. 149 deuten, welche von ihnen gantz gewiß zu den Zeiten der Sündfluth gehören, welche zweifelhaft, und welche endlich in der Erde selbst gebildet worden. Auf dem Läger, Leger, oder Läber Berg Züricher Gebiets, so ein Theil des lur«. oder lurM, bey der Hochwacht, findet man allerhand Arten Mnfchel- Schnecken- und andere Steine, von denen ich dißmal nur die raresten vermahlen werde. i'sb. v. In der i. und folgenden Figuren stehet man die sogenannten Gtern-Greine , welche bey unserm 6elsnero Meng vern, und Lpkrsgis alleres , 6e pigur. t.3p. p. Z7. bey 8. cle Loor. Meriz vers seu Srellaris s. 3 pis. 6emmar. Le l. 3 pick. Ih. II. c. 148- ^llroites Ln> rrocko llmilis Veltckio »ecarost. i. p. sr. heissm, Welche NIMM alle endlich eine Gattung runde oder fünfeckichte Steine bedeuten, die gar ordentlich gleich vielen Tellerlein aufeinander liegen, so daß man sie voneinander sondern, und auf jedem derselben oben und unten ein wolgebildetes Rös- oder Sternlein sehen kau. Etwan find diese Radlein oder Tellerlein gantz rund, (wie irr ki§. 5.4.) etwan fünfeckicht, mit spitzigen oder runden Ecken, (Ng 5- s.s.b.) etwan T z gantz Mannen gebe/ welche ungefehr solche Würcknngen haben / wir wir hier for« decn. Und er ist zu vermuthen / daß diese versteinernde Materie eine sehr subtil« kalckichn Ausdünstung sey; denn dir meisten versteinerten Sachen werden aus Kalck-Bergen gefunden. Aus gleiche Weise haben einige vitriolrsche Ausdünstungen einen menschlichen Cörper/ der e? Jahre lang unter der Erd« gelegen / in eine hörnichte Materie verwandelt. Philosoph. HMsLAiou 8 Rum. ;84- Man lißt auch/ daß zu Dradoblo in Aftira von Ausdünstungen in einer Nacht Menschen/ D>ehe/ Pflantzen/ Häuser/ rc. in Siein seyen ver. wandelt worden. Mehrere Erempel hat der geschickte Herr l^c zusam» mrn getragen / in seinen Lour« ahreZe ckc ph>sgue p. -86. §c suiv. Wenn den Erzehlungen zu glauben ist/ so gibt es auch Wasser/ welches dir Sa. chen in Stein verwandelt. In der Provintz Barkshire in Engelland / unweit karrenZton, soll eine Ilm gegen der Wurzel gantz zu Stein worden seyn/ und soll der Boden daran Ursache seyn / der dergleichen Wasser oder Feuchte/ so zum Steinmachen geneigt/ hege. Carlorvi; Anweisung zur wilden Laum-Zuchr. Bl -7-. Lcl. >7;-. Mehrere Exempel führt der Herr v. Rohr in dem III. Theil des bemeldien Buchs in dem 26. Cap an. Zu Lima in Peru soll rt Wasser haben / welches an der Sonne in Stem verwandelt wird/ welche man zum Bauen braucht. Philosoph. Irans Rum. ix«. Sonst gibt «S auch bey uns gar viele Brünnen/ welche alle darein gelegte Cör- per mit Siein überziehen/ welche man/ aber unrecht/ auch versteinernde Wasser nennt. I so Erzeblung sesrsamer r^atur-Geschichten gantz rund, aber an dem Rande mit fünf Anshölungen versehen. Etwan findet man in einer Reihe von 5. 6 . oder mchrern aufeinander liegenden Rädlcin alle diese Abänderungen, (wie in Fig. i. 2.) in Ansehung der Grösse find einige dicker, andere dünner, (wie Fig. 2. und z. die natürliche Grösse anzeigen.) Wiedrum find einige in grader Linie aufeinander gesetzet, (wie Fig. 1.2. z.) andere krumm (Fig.4.) das Rös- oder Sternlein, welches auf denen Räderlein zu sehen, bildet Fig. s. vor. Es finden fich diese Sternlein etwan in Mitte anderer harter Steinen, oder zeigen fich aus denselben hervor, etwan aber bloß auf den Aeckern, nachdem fie nemlich aus den Steinen nach und nach durch Regen, Schnee, Kälte, Wärme gelöst worden, und heraus gefallen. Fragen wir nach dieser Sternförmigen Steinen Ursprung, so ist zu wissen, daß derselbe gantz gewiß könne und müsse in gewissen Thieren, welche in der Sündflüth zu Grunde gegangen, gesucht werden. Ihre ordentliche Gestalt, Dusammenfüqung, und gewisse gläntzende Materie woraus fie bestehen, gibt diß genugsam zu erkennen, i-uicMis haltet fie vor Theile der Meer-Greenen, Zreii-e MSNNT; Ob nicht auch einige mit denen Grätten grosser Floßfedcrn der Meer-Fischen können verglichen werden, überlasse ich denen, welche an den Meeren wohnen, und täglichen Anlaß haben, die Meer-Thiere mit ihren Theilen zu sehen, und zu beschreiben. Fig. 6. stellet cin ablang-rundes, oder Cylinder-sörmiges Steinlein dar, cylinclricusi.üpllius, welches mchrmalen einzeln, sehrselten zwey- und dreyfach an einander hangend gefunden wird. Daß aber anfänglich viele aneinander müssen gewesen seyn, zeiget der runde Düpflein-Creiß an, so auf jedem dieser Steinlein zu sehen. Ich habe einmaleins gefunden, daß mit dem so genannten Nägelein-Stein zusammen gefügct. (Fig. i z. b.) Zu diesem Steinlein gehöret Ln- lrocdo conAener volvol^ vulgzris eburnes r.uict. n. i>6r. ein dem Helfendem gleiches Cylinder- rundes Steilstem; mit Vorbehalt eines kleinen Unterschieds. haltet davor, daß auch diese Art Steinlein zu den Meer-Sternen gehöre, gleich auch die nächst-folgende. Fig. 7. ein bauchichtes Steinlein, so einem kleinen Fäßlein fich gleichet, voiioii kigurL und eben diß ist, welches t-uiclius nennet Volvolzm cloljzrzm, leu caidscum recencem n. 116;. munä in seiner Ulläeskeim. p Lmrockurn contlän- rem r>- ^ des Schweitzerlandes. IN tem ex l'rockiü? kenig cAncüöis. quorum ?»r5 meöis rumer; Einen aus vielen bauchichten Rädlein zusammen gesetzten Rädlein-Stein. Diese nun sind an der Länge und Dicke ungleich/ und werden gar selten zwey gefunden/ die noch aneinander halten/ denn ihre Fugen so subtil sind/ daß sie kaum gesehen werden: weßwegen leicht zu erachten/ daß in der allgemeinen Erden-Zerstörung diese Gläiche der Meer-Sternen sich haben müssen an einander zerstoße«/ so daß keine oder sehr wenig gantze aus vielen Gläichen zusammen gesetzte Aerm- lein haben können übrig und gantz bleiben. Fig. 8. ist eir: kleines Viren - oder Schwamm-formiges Steinlein ( kunZuius pyritor-miL Ispicieu«) welches oben viele Lochten: hat/ und unten einen ziemlich dicken Stiel/ gleich der Gattung Schwärn- Mt/ Welche bey k^emrelio kunZuli c^Iiciformes leminikeri in ?uZi 1 t klanrsr rarior. ehe sie sich öffne». Fig. 9. ist ein kleines SteinleiN/ gleich einem Baret/ Ba- retlin/ (Lirerisormis l^piUus) welche Gattung Hut in 8peim3nni 6!oss3no beschrieben wird/ unter dem Namen kirr,, kurri, Lym, 8i- recse, Lirrkeri, Lirreri, kil-i-erri. Was aber eigentlich dieses Steinlein vorstelle/ kan ich nicht wissen: oben hat es viel hole Löchlein/ unten aber ausaebogene Düpflein. Fig. ist ein grauer Stein/ gleich einem einerseits ausgebo- genen/ anderseits holen Glaß/ dergleichen zum Exempel über die Sack-Uhren gemacht werde«:: selten ist es eines Zolls in dem Durchschnitt/ mehrmalen aber kaum eines Nagels breit/ und noch kleiner; etwan findet man ihn einzeln; etwan sind z.4.5. und mehr/ über einander / welche sich gar füglich in einander schicken. Diese Art Steine beschreibet auch l-uiciius 8nn. p. 86. unter dem Namen älveoi,, welches Wort eigentlich ein holes Schüsselein heißet. Was aber dieser Stein sey/ oder bedeute/ ist bis dato noch unbekannt: Das habe ich mehrmalen wahrgenommen/ daß dergleichen oder hole steinerne Schüsselein/ sich in dem Centro/ oder Kegel-för- migen Höle des so genannten keicmE, odcrLuchsstcins, finden/ deren em gantzer ir: Fig. n. b. ein halber aber/ in dem die äiveoli liegend zu sehen ir: Fig. ii. vorgestellet wird. Fig. 12. bildet ein den Krebs-Augen nicht ungleiches Steinlein vor/ welches ohne Zweifel auch von der Sündfluth hergeleitet werden muß. Es ist dasselbe fast einem runden / oben hole«/ mit fünf Strichlein bezeichneter: Schälchen gleich / weßwegen es anderftwo von 152 E^zeklung seltsamer Natur-Geschichten von mir8c)'pNc>iäe8 I^3piilu8 ?cciuncuio cr>ren8 gcnennet worden; ciu Steinlein, so einer Schale ohne den Fuß sich gleichet. Fig. iz. wird gerneinlichNägelein-Stein, Eß-Nägelein, c-,e- )o^yIIo8 I^p>cleu8, ^zryopiiyUoläes I^pin genemwt, Weilen er fast einem Gewürz-Nägelcin gleichet. Fig. i z. d. hat oben vier Ecke, wie das erstere fürrfe. Einmal habe ich ein eylindrisches Steinlein, an vorhabender: Nagelein-Stcin gefügt, angetroffen, wie Fig. i z. b. zu sehen. Es gehört indessen auch dieser Stein zu denen Reliquien der Sündfluth, obgleich wir noch nicht wissen, was vor Thieren Theil es sey. Fig. 14 . ist ein mit Fisch-Rogen besetztes Steinlein. Ovchirzlpe,-- sum 8-,xum: und hat jedes Eylein in mitten ein schwarzes Vünctlein. Fig. i s. heisset ^uAmices. ein mit vielen Düpflein bezeichneter Stein. Fig. 16 . gerepors leu LscliAsA MZNNZ kiriperzt! lilpiclez: ein netzförmig steinern Meer-Gewächs auf einem Marmorstcine. Es ist kein Zweifel, daß man in den ersten Jahren und Jahrhunderten nach der Sündfluth alles in frischer Gedächtniß gehabt, was sich während dieser erschröcklichen Überschwemmung zugetragen. Noch und die seinigen, so in der Arche erhalten worden, werden oft- malen miteinander Gespräche von ihrer wunderbaren Errettung, und anderer lebenden Geschöpfen elendem Untergang, geführet haben, und wird diese Geschicht von Mund zu Mund zu den Nachkömmlingen fortgetragen worden seyn: Wenn auch schon die Menschen geschwiegen hätten, so wäre doch die Sache selbst nicht unbekannt geblieben; es hätten so viele tausend und aber tausend Muscheln, Schnecken, Krebse und andere Reliquien der Meerthieren gcredt, mit welcher; der gantze Erdboden anfangs beleget gewesen. Wie aber diese theils von den Wassern weggeschwemmet, theils von der Luft verzehret, theils von den Menschen und Thieren zertrctten worden, die Menschen auch mehr um ihre Kleider und Nahrung zu sorgen hatten, als um Erfindung der Buchstaben und Wissenschaften, dadurch die Gedächtniß einer so merkwürdigen Begebenheit wäre erhalten worden, als ist nach und nach die wahrhafte Historie der Sündfluth verblichen, und in lauter Mährlein verwandlet worden. Die Griechen hatten irr folgenden Zeiten die Ogygische und Deucalioneische Überschwemmung ausgestanden, deren jene äcucam verwüstet, diese aber zugrund gerichtet; weilen nun von des Schwekyerlandes. isZ diesen besondern Überschwemmungen dem gantzen Griechenlande grosser Schade erwachsen, so hat man nur allein von diesen traurigen Zeitunacn geredet, als die von frischem Dato waren, und die allgemeine vorher entstandene Fluth mit diesen leztern vermenget, oder gar in dieselben versencket. Es haben zwar auch die Völcker in klein-und groß Asia, Asrica und Europa einige Nachricht von dieser allgemeinen und grossen Welt-Tragödie behalten, aber mit allerhand zugesezten Fablen so vermischet, daß man aus ihren hinterlassenen Schriften sich wenig erholen kan. Der einige Geheim - Schreiber Gottes, Moses, gibt uns einen zwar kurzen, aber eigentlichen Bericht, wie es hergegangen, und müssen sich alle andere Historici dessen, in Beschreibung dieser Beschicht, zu ihrem Fundament bedienen. Wir sind dißmalen in Aufsuchung aller derjenigen Mitteln begriffen , welche uns die Natur an die Hand gibt, und damit zu dem Traurspiel der Sündfluth den graden Weg führet. )ok. Lraix, ein subtil-gelehrter Engellander, wil in einem Tractatlein, 'genannt IkeoloZiX LiirillianL ?rincipiz kvlackemrtticz, behaupten, daß alle auch die wahrhaftesten und in Göttliche»? Schriften selbst aufgezeichneten Geschichten ihren gewissen Zeitlauff haben, in dem sie geglaubt, und endlich vor Mährlein angesehen werden, und rechnet aus, daß nach z i so. seit der Zukunft Christi ins Fleisch verflossenen, und annoch abzulauffenden Jahren, die Historie unsers Erlösers nicht mehr werde geglaubt werden, und nach der Prophezey Christi selbst, Luc. xvlti, 8 . das Ende -er Welt kommen. Es scheinet diese seltsame Meynung unsere vorhabende Materie der Sündfluth umzustoßen. Zu der Zeit, da die Wahrscheinlichkeit dieser Geschichte je mehr und mehr abnehmen, und sich bald in eine Fabel verwandten solte, suchet man die Überbleibseln der Sündfluth, die man so viel 1000. Jahre nichts geachtet, mit besonderm Eifer und Fleiß auf, und findet sie würcklich zu Überzeugung aller deren, welche sie bis dahin vor neue Geburten der Natur angesehen, ja zu Beschämung aller Schrift- und Gottes-Läugnern. Oder, wo ist je eine Zeit, da man bald irr allen Ländern Eüropens, ja auch übrigen Welttheilen, mit solcher Mühe und Sorgfalt diese Materie untersuchet, und davon geschrieben, als jezo geschiehet? Wir haben hohe Ursach, die Güte Gottes Hu preisen, daß man nach dero allweisen Leitung zu diesen unsern Zeiten Berge und Thäler durchlauffet, und aus den Leim - Stein - l. Theil. U und 154 Erzehlung seltsamer dlamr-Geschichten imd Erz-Gruben täglich solche Sachen hervor gebracht werden, welche uns die eigentliche Beschaffenheit der Sündfluth vorwählen, (e) Gleichwol ist auch diß zu bekennen, daß diese Wissenschaft noch nicht den höchsten Grad ihrer Vollkommenheit erreichet hat, und nicht so bald erreichen wird, wo nicht grosse Monarchen und Stände das Geschäft befördern werden. Man findet viele Sachen, von welchen man gantz gewiß sagen kan, daß fie zu der oder dieser Classe lebender Thieren und Gewächsen gehören: aber auch viele, von denen wir nichts gewisses melden können, aus Mangel genügsamer Wissenschaft von den natürlichen in Wassern oder auf der Erde fich aufhaltenden Cörpern. Von solcher Art find bald alle gebildete Steine, welche in gegenwärtiger vi. Tafel vorgestellet werden. Wir wollen aber eine Figur nach der andern besehen: Fig. i?. Ist ein Stück eines Lorallen-Gewachses, so mit einer netzförmiger: Rinde gleich einem Weinstein überzogen. Lomi- linum kollile Lnrtice rericulato obcZuÄum. Diese Meer-Rinde, oder ^arcarus. findet fich auf den Muscheln, Schnecken, Corallen, und andern Meercörpern, und wird vor: Loccone m seinen keckerckss dlsrureiles p. 7. q. 17.160. beschrieben. Fig. 18. ist ein in zwey Aeste fich theilendes Stück eines Co- rallen-Gewächses. älc^onii bikurcari LmZmenwm, welches Vielleicht mit (e) Wir baden astberettS obest erinnert/ daß «- «den so gewiß nicht sen/ daß diese versteinerte Sachen von der Sündfluih herkommen. Also wäre dieser Nutze gantz zwerfelhaft/ den man aus der Sammlung solcher Dingen hat. ES ist aber gut/ daß die Sache noch ihren andern weit gewissem Nutzen hat; dieser bestehet darin»/ baß man aus diesen versteinerien Dingen dir ehemalige Be« schaffenheit des Erdbodens erkennen lernt; daß man aus Deirachmng derselben Milch genau von dem Ursprung und Wachsthum der Steinen unter« lichtet wird; daß man sehen kan/ ob dir Thier«/ welche vor alten Zeilen -n dem Meer gelebt haben/ sich noch daselbst befinden/ und ob sie durch eine so lange Fortpflanzung rbre Gestalt behalten haben / und dergleichen Dinge mehr/ welche m manchen Fragen von grosser Wichtigkeit seyn können. Endlich haben gar viele versteinerte Muscheln auch einen medikinischen Gebrauch/ so wol als dir aus dem Meer kommende Schalen selbst. Daher siehet man/ daß rS keine unnütze Sache sey/ diesen Dingen nachzuforschen/ und dieselbe aufzubehalten. Ob gleich nicht zu läugneu/ daß er nicht solche Liebhaber gebe / welche die Sache zu weit treiben / und ihr Leben nur mit Sammlung solcher Steine zubringen/ ohne auf den Nutzen zu sehen/ den diese Mühe geben kan. des Gckweiyerlandes« mit dem ^lc^omo fcrrsminolo, ve! qusi-ro Diolc. Impersr. liiil. d^ar. p. 641. einem löcherichten Mcergewächse oder r^scirepor« cujusllsm toWi5 ü-ZAmenw. l^uiö. n 107. kan verglichen werden. Fig. 19. ist eine Art steinern Mcergcwächs den Pfifferlingen nicht ungleich/ wcßwegen sie auch von tt,ü. ^r. tteiv. p. Z 0 S>. ki.mßi Izpi6ei, steinerne Pfifferlinge genennt werden. Es findet sich dieser Stein gar viel auf dem Lager- und Randen-Berg, ist von verschiedener Gestalt und Grösse: insgemein aber endet er sich unten in einer Spitze, und oben dehnet er sich aus, gleich einem Glotze, mit dem die Kinder spielen. In aegenwärtigcr Figur ist absonderlich die äussere von dem innern Steinmarck verschiedene Rinde zu sehen; welches mir auch den Anlaß gegeben, diesen Stein mit einem Mcergewächse, ^Icyonium liuppolüm Impsrsr. vel qusr- tum l)iolcoriö genannt, zu vergleichen; dessen Abbildung in Impe- rzr. n,ll. ttzr. p. 640. zu sehen. In folgenden Figuren zeiget sich dieser Stein in Gestalt einer Feige, und wird deßwegen mit ^lcyo- niaruberolo toimä kruätub slicujus kicu«, vel Hlc^onio quinro Oiolc. Impersr. Nsc. p. 64.. verglichen. Unser selige Herr ^->gner,8 nennet ihn aus gleichem Fundamente gantz wol kicoiciem. und ^sri- coiäen, FelIenstein, denn gewißlich einige von dieser Art Steinen mit ihrer Gestalt und Streimen, welche oben in mitten anfangen, und sich gegen dem Stiel zusammen ziehen, einer Feige nicht ungleich sehen; wie Fig. 20. Andere sind nicht gestreimet, sondern mit vielen gleich als mit Nadeln gemachten Pünetlein bezeichnet; wie Fig. ri. Wiedrum andere sind bauchichter, und grösser als die Feigen, oder sie sind ringsum in ihrer äußern Fläche mit vielen holen, ctwan der ordentlichen Länge nach, mehrmalen aber ohne Ordnung stehenden Löchlein besetzt. Hieher gehöret die grössere und kleinere Fig. 22. ; diese, welche wiedrum den Pfifferlingen sich eher gleichen als den Feigen, haben oben ein Löchlein, welches etwan durch den gantzen Stein hinab gehet, und sind an Grösse und Länge sehr ungleich ; einige sind nicht dicker als ein Federkiel, und ctwan eines Zolls lang; andere sind von gleicher Zoll-Länge, aber noch einmal so dick als die vorigen : einige sind nicht grösser als ein Kirschen- Stein, andere so groß, und noch grösser, als eine Faust. Hieher gehören vielleicht 'tubera i^piäok, die steinerne Pfifferlinge, deren Olceolarius klus. 9.411. gedmcket. Us Be- l 56 Errehlung seltsamer kTkatur-Gestcht'cbti'N Bekannter als die vorigen find beyde Steine, so mit No. 2z. bezeichnet find. Ich nenne sie ein wurmformiges Meergewachö, ^lc^onium VeruncularL (V eimicckiärz) ^Ic^onium l^lilcliom, vel iLttium Oio^c. lmper ^iit k§Ll.. pZtz 6z^ I.3ckmun6 in Or^Llogr. tiilcleskeim. p. 48. hcisset ihn lubulicen, oder l-3piclem l'ubulum Ver- mium exzäie rekcieneLM, wurmstein sreinernen IMurm. l^uicliur in I^NNopd. Lrin. n. ,r,z biS 1221. VcrmicuIi>ri3M. X^ormius irr I^ulco p. 4y I_.äpiclem älbitlimum porolum, ex vermiculis quibus^ZM contlzmm, oder ^Ic^onium canciic-inz vermiculsrum. Pott diesen Steinen kötinen wir gantz gewiß sagen, daß ihre erste Mutter das Meer seye, und fich die Zeit ihrer Geburt bis hinaufzur Sündfluth erstrecke; sie sind den auf- und übereinander hcrkricchenden und an den Muscheln und Schnecken sich anhcnckcndcn Mccrwürmlein so ähnlich, daß kein Ey dem andern ähnlicher seyn kan, in ihrer Gestalt, Grösse, Farbe und Durchlöcherung. Man findet sie auf dem Lager-Berge Züricher- auf dem Randen-Berge Schafhauser- Gebiets: in der Büß bey Basel, und der Grafschaft Neuenburg. Fig. 34. ist ein Stein gleich einem holen Schüssclein, heißet daher vielleicht ^keil» KpMcz, steinernes Schüssclein, ^->?nerc, ttelv. Lur. p., 18 und gleichet sehr einer gewissen Art holer Pfifferlinge oder Schwämme. Was es aber eigentlich sey, kan ich bis dahin nicht gewiß anzeiget». Der Ort, wo dieser Stein sich findet, ist auch der Läger- und Randen-Berg, und bey Liechstal Basier Gebiets. Fig. 25. ist gleich einem mit vielen Tugstcin umlegten und versteinerten StÜcklciN Holtz: hcisset deßwegen drirculus 1 äpicieu 8 , 6 »rcs, vcl Izrr^ro incruitzcu8. Fig. 26. ist gleicheinerknorrichten Herculis-Keule, oder Stecken: UNd kalt itt Vergleichuttg Mit I-iMopNyto nii-,o m^ijori Lr. c^üion I'ournct. oder N'gro 8. gesetzct werden, ^-»zner hcisset diesen Stein l^itkopli^ron, seu sflino.um lg^lv. dur. p. ZIZ. Es schrittet, daß diese Art Steine anders nichts seyn, als ein Stück eines Sckwantzes von einem Meer-Roch oder Angelfisch, Kn», oder paitin^ ; oder eine Gattung Stacheln von Meer-Igeln, diejenige ins besonder, welche Laitonc^ii iwpuriu nennet Lo^cono oi bilicz p. »8z. Fig. 27. und 28. ist eine rare Gattung viellöcherichtcr Meer- Muscheln , OnckL krllNis IcUlnoicies poros-t. Diese Muscheln find des Gckwer'tzerlandes. 157 sind so leicht und brüchig, daß man sie gar selten gantz findet; sie können desto weniger sich und ihren ersten Ursprung vcrläugnen, weilen sie keine oder nur geringe Versteinerung ausgestanden. Die Farbe selbst ist aschgrau, ctwan auch purpurbraun. Der Ort derselben, und zweyer vorhergehenden Steinen, ist der Lagcrbcrg. Nun schreiten wir zu Besichtigung gegenwärtiger v«.' Tafel fort, und zwar erstlich zur 29. Fig. in welcher ein Muschclsteiulcin mit Haarkleinen Streunen (peLlrmcujircs psrvus csp>i!srikus tu^s no- racus) vorgestellet wird, mit dem kan verglichen werdet» peälim'le» mirior tirz,» cspütsridus ctonsrn« Miller Loclilir. -^r>Al. 1'il. . ein kleines haarklein gcstrcimtcs Jacobs-Müschelein; sie findet sich auf dem Lager- und Randen-Berge. Fig. zo. ist eine dickgestreimte steinerne Jacobs-Muschel. (pe- Llinires ctenle ttrisill!-) wenn ich unter den Meer-Muscheln einem Muster nachfrage, das sich diesem Stein gleiche, so kommet vor pe- Aen minimus sriguiiior, irirgusli!- ferä Lc scher, ünu sct csrUiriem c^IinNrsceo crekerrimi; minurillimisgue slrys clonsro, oder kleinste unebne und rauhe dichtgestrcimte Iacobs-Muschel. Witter. Ue LocM. Hc.; k Sie findet sich auf dem Läger-Berae. Fig. z i. eine stcirterne Meer-Bone, öder Meer-Nabel, k7mbilicu« MZNNU8 Ispic>eu8: sie verdienet unter die rarestcn gezehlct zu werden, als den bis dahin bey keinem Scribenten angetroffen; sie gleichet sich gantz dem sogenannten Umbwco msrmo. welcher eigentlich kein eigenes Müschclein, sondern nur ein Deckel gewisser Pcrlcn-Schuccken ist, welche sich in dem Asiatischen und andern Meeren finden; wird von den Italienern genannt Occuio cl, t^cis, L. r^ucien-Aug. Das Steinlein selbst habe ich von dem Lagerberg. Fig. Z2. ist eine Gattung doppclschalichier steinerner Meer- Muscheln, welche sich hin und wieder in dem Schweitzcrlande, auf dem Lager- und Randen-Berge, im Bader-Gebiet, in der Grafschaft Ncucnburg, zimlich häuffig finden lässet. Sie heisset bey t-'itero Loctilic. t'il. 4.6. (loncwres sriomiu-» Koltri prommulo Le veluri perrust' cioristus ein mit ungleich grossen Schalen und hervorragendem Schnabel, in welchem ein Löchlcin zu sehen, versehener Muschel-Stein. ksbiud Oolumns cle Purpurs, csp. , 2. NtNNet ihn cksm rsriorem ^riomism Vertice roslrslo, eine rare geschuabclte Mll- schel mit ungleichen Schalen: und^oncksm gwbolsm, eine höcke- richtk Muschel in Oblervsc. ^.guslil Lr ^rrellr. rzrior. I^uicilus ersin- U z net i^8 Erzehllmg seltsamer Natur. Geschichten net einen neuen Titus und nennet diese Muschel-Steine m i.,tKopUxi n 8Z7- ^crebrarulum vulgiUam ovslem. Unser S. l^elv. Our. p. ^07 ^oncbirzm Üriatum Plenum, einen glüttkN, UNd geftMNI- ten Muschel-Stein, und auch (üoncbiczm vei Lrenicam t-ilciLtum xisnum. einen glatten Band-Muschel-Stein. Fig. Z4. ist ein kleiner aschgrauer Luchsftein, i^uiöio särkopy. n. 1722. genannt lielemnites minor cinereus ?Uli!Ium referens. Fig. Zs. ist eine rare glatte weisse steinerne Meer-Schnecke, ^eritires aidicki; ssiznus. Welche sich in einen gar offenen Mund alls- breitet, und dadurch von andern Meer-Schnecken sich unterscheidet. Dieser findet sich auf dem Lager-Berge. Fig. zs. sind zwey aneinander stehende Gelencke eines Krebs- Fttffes. ^iizcopnclium biM8 ^rriculis invicem con tzns. Ist deßwegen rar, weilen wir hentigs Tags gar wenige Reliquien von Krebsen, so vor der Sündfluth gelebt haben, finden, als die wegen ihrer Leichte sich oben auf die Erde gesetzet, und theils verdrückt worden , oder sonst zu grundgangen. Diesen Stein habe ich aus einem Felsen, so da am Steiner-Weg bey Stein am Rhein stehet. Fig. ? 7 . ist ein mit einem Aug bezeichnetes Kiselsteinlein, bili- cul'18 0 mmuriA 8 . aus der Sil, einem Flusse der neben Zürich vorbey stießet, und sich in die Limmath ergießet. Dergleichen augförmigen Steine gibt es mehr unter den Achaten, als da sind 0 m- M 3 U 38 , und On^cbopkrslmoz bey Vellckio I^ecsloil. t. Obs. 22. heu- copkrslmi, l^ccipbalmi, ^Aopbtslmi, bey Lsrclsno 8ubtilir. s. 29». Dergleichen Figuren find eine blosse Spielung -er Natur. Fig. Z8. ein Leiftformiges Steinlein, viuüricuiL, s,ve i^zpiilus minuwlum quocltjzm calopoäium referen8. s.uiö. L^itk. n. 1105. Ist vom Lagerberge, und eine Spielung der Natur. Fig. zs. Ein cylindersormiges aschgraues runzlichtes durch und durch holes Steinlein ('subuiu8 so 5 Nt 8 c^iinctrsceu8 ) vom Lagerberge. Wohin es gehöre, ist noch ungewiß. Fig. 40. Ein Stücklein von einem Meer-Rochen-Schwantze, käsT OuUs kochi,8, ist gantz sicher von der Sündfluth. Fig. 4^. Ist eine seltsame Gattung dreyeckichten Flusses oder Berg-Cristall, kluor cr)'skrl1inu8Mtzonu8, ttrüs s.Ltelibu8 p)frAmicii8 cuju8cjue psrzllelir pulcbi-e norzM8. gehöret eigentlich nicht unter die Schweitzerische Steine, weilen er sich in dem Steinbruch bey Oenin- gen, Constanzer-Btßthums, findet. In O-M? TZ- >^WiL des Gchwektzerlandes. N9 In der 42. und nächstfolgenden Figuren n vM kommt uns ein seltsam gebildeter Stein vor, welcher einer genauen Zergliederung und eigentlichen Beschreibung wol würdig ist. Aussert dem Schweitzerlande ist kein sonderlicher Ort bekannt, da er sich sinde, ausser einigen wenigen, deren unten Meldung geschehen wird, da er zwar gar selten anzutreffen ist. Innert unsern Eydgnößischen Landen aber findet er sich in der Gil, einem Flusse, so in dem Silthal, Schweitzer-Gebiets, entspringt, und nächst Zürich vorbey fliestet; einen einigen habe ich oben auf dem Ueeliberg , welcher ein Theil -es Aldis ist, angetroffen! mehrere aber auf dem Wiederfeld, einer Höhe des pilarus. Bergs bey Lucern; insonderheit aber gibt es eine so grosse Menge dieser Steinen auf dem Berge Aibrig, Aubrig genannt, Schweitzer-Gebiets, daß man bey ioo. und 1002. Centnem nach Belieben auswchlen, und damit manches Cabinet auszieren kan; wohin ich auch einen Liebhaber dergleichen Seltenheiten wil eingeladen, und versichert haben, daß seine Mühe nicht werde vergeblich seyn. Auswendig ist dieser Stein gautz schön und wunderlich bezeichnet: Unsere Baurcn, welche in der Sil Kalchsteine aufsuchen,nennen ihn Lümmicj)- oder Rümmel-Sreln. Und er siehet gewißlich mehrmal aus, als ob er mit Kümmich, Fenchel, Aniß und andern dergleichen Saamen bestreuet wäre. kerr, ^mpersms in stiner »ilt. d^r. in - 4 - p- 579 vergleichet diese Figuren, gleich unsere Bauren, mit dem Korn oder Kernen, heiffet deßwegen den Stein pjecrs krumemsle, e namrslmence tcolpirs in ki^ure cli krumenlo, e lemi cle'I^eßumi. ^lksnagus Lirckerur bringet die Gleithniß Mit eiliem Weidenblatt heraus, wenn sein koiium 8alicis hjeher gehöret, dessen er in ^luncl. subrerr. l^ib 8. p. gedencket. Es ist auch der , den wir in der Sil finden, solchen Weidenblättern gantz ähnlich, deßwegen er von mir ä-liicUa, Weidekiblätrer'Srem, genennet Worden in ^ppenclic. Xlilcell. Luriolor. 1679. Lr 1698. P2Z. 6z. Den Weidenblättern sind fast gleich die Lorbeerblätter, und kan wo! seyn, daß hieher der vspUm-»« dienet, welchen Loroaüres bey Heilung der fallenden Sucht angerühmet, nach der Zeugniß Minü.ttili. l^,b. Z7. c. IO. /zr>dres5 ^kioccus kan aus diesem Stein nichts gewisses machen, und nennet ihn deßwegen in Beschreibung des Lsl- ceolsrischen ^1u5ei 8eÄ. iz. p. z »7. zi8 l^spiclem vsicly ele^Lncem vg- riis rerum Imszinibuz perpulckre gcimoäüm 3 b^arurs exornstum, ei- nen gar schönen mit allerhand Bildnissen von Natur gezierten Stein : 162 Erzehlung seltsamer Natur,Geschichten wie er ihn denn qewürdiget hat, in einem saubern Kupfer vorzustellen. Beaeben wir uns etwas näher zu Betrachtung dieses Steins, so finden wir, daß die blätterförmigeu Figuren etwan gantz weiß und glatt sind, etwan mit subtilen Zwerch-Linien, fast allezeit aber mit einer langen Linie, welche sich der Länge nach von einer Spitze des Blatts zur andern ziehet, bezeichnet sind; etwan siehet man z. 4. »der mehr ablang-circulförmige Striche, welche sich um den Mittel- punct an beyden Enden schließen; wie diß alles in der 42. Fig. zu sehen. Bleiben wir nicht bey der äußern Schale oder Rinde, sondern suchen den Kern, die eigentliche Gestalt auf, so kommet, wenn man die kleinen Steinlein aus den Banden eines grossen löset, eine Gestalt heraus, welche an dem Borte rund, und beyderseits erhoben, gleich denen i-smitrus mrinque convexis. oder bauchicht geschlissenen Brennqlasern, ausser daß diese durchsichtig und glatt, jene finster und gestreimet sind, also daß die Striche oder Streimen von dem Mittelpuncte gegen dem Bort sich bald einen graben bald krummen Weg ziehen, wie Fig. 4 Z. und 44. zu sehen. In Betrachtung dessen werden diese Steinlein von mir genennet Genres itri-uL. Mrinque convexx, vilreis kiZurä limiles, in X-Izssä Izpicieä vario lud Lchemzle conlpicu«, beyderseits bauchicht oder erhoben, und geftrci- met, welche unter vielförmiaer Gestalt dem Aug vorkommen. Über diß ist zu bemercken, daß diese Steinlein aus vielen übereinander gezogenen auch gestreimten Häutlen bestehen, gleich denen Zwiebeln, welche Häute oft in einem Steinlein ordentlich zu sehen sind; wie Fig. 45 . Schneidet man diese Steinlein horirom»iner, wie man zu reden pflegt, durch, so kommet wiedrum etwas neues hervor, da zeigen sich aus ebner Fläche schlangenförmige in sich selbst gewundene und mit Seiten-Strichlein versehene Züge, gleich denen Scherhör- nern, wie in Fig. 46.47.48. zu sehen. Hieraus ersehe ich, daß unter diesen Titulier sogenannte Pfenning-Srein aus Siebenbürgen gehöret, I^pisdeumismslisl'rznlilvgniX, dessen Ouims,n Körnend, ksrinon gedencket; welcher in dem Brackenhoferischen kiuleo p. 14. Lilex circularis zlm8, ein anderer sehr rarer Zirckelstein, Creißstein genennet wird, weilen auch der gleich bezeichnet, und coniexo plan, oder einerseits ausgcbogen, anderseits flach ist. Vielleicht ist auch hieher Kumulus Imeu8 vulgsris I^uiZ. j_irkopk. n. 176z. zu ziehen, ein kleines Pfenning-rundes Steinlein, welches sich bey Lockeriey ttiij, m der Grafschaft Glocefter, findet: so auch die sogenannten kummi cü Lo- des Schweizerlandes. 161 ck Lonmo. steinerne Pfenninge, welche auf dem Berge vonmo ve- ronesischen Gebiets, nach der Zeugniß oiceoi. ^u§. p. zr 8 - sollen anzutreffen seyn. Es wird der geehrte Leser die in bisheriger Beschreibung gebrauchte Weitläufigkeit zu gut halten/ aus deren er wenigstens zu dem allgemeiner: Nutzen ersehen kan, daß nothwendig dergleichen sonderlich raren Steine vorher genau untersuchet werden müssen, ehe man sie mit den Cörpern, so sich in dem Meere und an dessen Gestaden finden, vergleichen kan. Ich rede von den Meer- Cörpern, weilen ich festiglich glaube, es seyen diese jezt-beschriebene Steine wahre Ueberbleibseln der Sündfluth; hiczu beredet mich nicht nur,daß auf oben bemeldtem hohem Berge Aubrig mit und neben diesen Steinen sich steinerne Iacobs-Mufcheln finden, grosse Austern, welche in meinen Händen liegen, nebst einem wahren Lckino msnno, oder See-Apfel, so in einen solchen Kümmistcin einge- sencket, sondern vornemlich bey Anlaß einiger kleinen ohnlängst von Bologna hergebrachten See-Müschelein, welche sich alldort unter andern wahrhaften Reliquien der Sündfluth, ich wil sagen, unter holen natürlichen See-Müschelein und Schnecklein finden, und unsern jezt-beschriebnen Steinlein gantz gleich find, wie in Fig. 48. mit blossem Auge, und Fig. 48. b. unter dem Vergröfferungs-Glase zu sehen. Ich überlasse aber den Anwohnern des Meers genaue Nachsuchung zu thun, was diß eigentlich vor ein Geschöpfe sey, und recommendterc -er gelehrten und curieusen Welt eine eigentlichere Beschreibung derjenigen Sachen, so sich in und an dem Meere finden, als wir bis dahin haben. (0 Fig. 49. stellet einen Kiesel- und marmor-hartcn Seern-Seem dar, gleich demjenigen Meer-Gewächse, welches Loccono gcnenrret wird, ^liroi» rubulnris mzjoribus ltellis, Pierre eroilee Lvec les Lroi- les amplcs, Pierre eroiiee msrczuee cie Zrsncls pores ra^onnes corä- loiöes in seinen lleclierekeg nsnirell. p. I ky Hieher setze auch por- pirsrum plurium monllroszm (longeriem, UNd ^ikbostroiion seu Lz- tslren Minimum lirisrum l^uicl. k.irkopk n. i ^ 8 . und p- l 22. Diese Gattung Steine finden wir in dem Birß, einem unfern Basel in den Rhein sich ergießenden Flusse. Es ist zwar dieser Stein mehr- malen nur in der äußern Flache gezeichnet; er findet sich aber auch etwa« röhricht, wie in Fig. 5«. und habe ich aus Gunsten Hrn. 1. Theil. X 0.8. ^ ^----— »- ( 5 ) Sehet auch in der Derg-Rcise von ^0.170». Dl. 7. 162 Erzeblung seltsamer N'atur-Ges chkchten v. 8 . eines sehr werthen Freundes von Basel, ein mehr als faust- groffes Stuck beyhanden, welches aus lauter Röhrlcin bestehet, und zu einer andern Zeit ein besonder Kupferblatt verdienet. Auf der andern Seite dieses Stern-Steins sind oft besemförmige Striche Fig. 51. zu sehen, davon ich noch nichts gewisses sagen kan. Fig. 52. ist ein Stern-Stein mit kleinen Sternlein; -Mroite8 minoribus 8le!!l8. Aus der Birß. Fig. 5Z. ist ein Stern-Stein mit noch kleinern Sternlein; ^llroires mmimis 8rellis Aus der Birst. Fig. 54 . ist eine andere Art Stern-Stein, mit Cometen-förmi- gen Sternlein bezeichnet, welchen ich deßwegen Cometiten heiffe, nach Anleitung Veilckii »ec-cott. l. Obs. 4.4. Er ist von gleichem Orte. Fig. 55. ist ein Rogenstein, oder Nammires, auch aus der Birst, von dem in nächstfolgendem Blatt ein mehrers. Fig. 56. ein Schnecken-förmiges Kiselsteinlein, 8 iiicuius Srrom- bites. Aus der Birß. Fig. 57. eine steinerne Muscat-Nuß, Nux moLbs» Ispicler; oder ein Stein, so -ero ähnlich ist; aus der Birß. Fig. 58. ist zweifelsohn ein steinern Corallen-Gewächs: bey l^uiciio yeiffet es iirsncbizll conAener Oolumelles ttrisrus, 1iveLr),onjL k^aclix lspicies klolii l_.uicl. n. 120. Fig. 59. ein wunderschön gezeichneter Luchsftein, veiemmu trun»ru8 pol^mitus. Fig. 60. ein steinernes Krähen-Aug, dlux vomics Izpicle-, , mit deme l-->pi8 dluc. vomic« sim>ii8 zu vergleichen, ein Stein denKrä- Hen-Aeuglein gantz gleich. k^u 8 . L»cKenKot. p. iO. Fig. 61. ein Nierenförmiger Kisling, 8ilex reniform,8,8rriLturL per Mt-cilvm cii visus Bisherige Steine alle sind aus der Birst. Es ist das Basler-Gebieth sehr reich an allerhand seltsam gebildeten Steinen, sonderbar aber die Birst, ein Fluß, bey dem den 25. Aug. 1444. zwischen dem Delphin aus Franckreich, und den Eydgnoffcn eine gewaltige Schlacht geschehen. Allhier finden sich Stern-und andere in vorgehenden Blättern benennete Steine, sonderbar aber auch Rogensreme von verschiedncn Arten und Farben, weiß, bleichgelb, blaülccht, schwach, roth, so auch von ungleicher Grösse. Von dieser Art Steinen habe ich ein und anders zu reden rathsam erachtet. Die größte Gattung bestehet aus Erbs-förmigen, run- des Schweiyerlandes. i6z runden Steinlein, und heiffct deßwegen piloinbus, Erbsen - Grein, ScsI-igmttes boelv. cle koor. k-M. Lr 6em. l^ib. II. c.2Z8. k'jis Lc Genres ispiäer, steinerne Erbsen und Linsen bey OIceolLr. I^ns. p. 4.10. ^ Steine, die a»» Größe und Gestalt den Linsen ähnlich sind. Lrrsbo eeo^pk. 1.1b. ,7. Hie- her gehören auch die sogenannte kelkiekemiucs, steinerne Erbsen, welche auf den Aeckern bey Bethlehem sollen gefunden werden, wovon Xlonconis Vo^aZe lom. I. p. ; I;. Orobi^s Oessner. k^i^. I-.L- piä. p. 7;. L.zpis Ovis pjscium llmiiis, Steine dem Fisch-Rogen gleich, ?Iin. blarural. küb. z>7. csp. lo. weßwegcn er auch Rogen-Stein, Ragenstein heiffet. Es ist zwar diß Wort allgemein, und kan so wol die grössere Bonen-Erbsen-und kleinere Linsen- oder Wickcn- förmige Steine, alsiden Xleconiren und Lenckrirem plinii I^ib. ZI. c-p. 11. bedeuten, dadurch aber werden solche Steine verstanden, die aus andern kleinern zusammen gesetzt sind, welche den Hirß- und Mag-Samlein an Gestalt und Grösse sichaleichen, oder auch kleinen Sandkörnlein ähnlich sind, daher dieser Stein bkmmires, ämmiies, von Sand genennt wird: Solche gibt es in der Birß. Einen überaus schöne»; marmorharten ämmirem habe ich vor einigen Jahren im Frickthal bey Terznach angetroffen. Aus einem rothen ttsmmire bestehet das reiche Eisen-Ertz bey Wölsslisweil, auch im Frickthal. Von der ersten Zeugung dieser Erbsen- Linsen- Hirß- Saamen-förmigen Steinen urtheilen die Naturforscher insgemein, -aß sie der Natur zuzuschreiben sey; wie »nan die Erbsen-Steine des Carls-Bads in Böhmen zum Zeugen nehmen könne, welche aus dem Toffstcin des Bads selbst gestaltet werden; so auch die sogenannten contecü 6i I'ivoii, welche aus dem abfließenden Wasser gezeuget werden, und gleichwol glatte und krause Zucker-Erbsen, Mandel, und ander dergleichen Confect vorstellen. Ich wil diese Meynung »licht verachten, ja selbst annehmen, gleichwol aber auch diß nicht verheilen, daß ich viel dergleichen Steine gesehen habe, welche vor rechte Rogen-Steine, das wil sage»», vor wircklich versteinerte Fisch-Rogen von allerhand Art zu halten sind, welche nirgends anders als von der Sündfluth hergeleitet werden können. In solcher Meynung stärcket mich nicht nur die Aehnlichkeit der Gestalt, sondern auch der Umstand des Orts, weilen dergleichen Steine mehrmalen, wie in -dem Schweitzerlande, »in- angrenzendem Frickthal / gefunden werden, wo zugleich wahrhafte Überbleibseln der Sündfluth, als Schne- X 2 ken, 164 Erzehlung seltsamer 17 !arur«Geschichren keil, Muscheln, Schcrhörner, Meer-Igel, Stern-Steine, re. anzutreffen. Ist dem also, so soll man aus der erstaunlichen Grosse der Rogen-Steinen, da an vielen Orten grosse Felsen von solcher Materie anzutreffen, gleich aus andern anderswo anzubringenden Gründen, die grosse Fruchtbarkeit derjenigen Erde abnehmen, welche vor der Sündfluth gestanden; wiewol auch kan gesagt werden, daß in den Wassern der Sündfluth von der Gewalt der Wellen und Winden allerhand Gattung Fisch-Rogen zusammen getrieben worden, so hier und da einher geschwummcn, und hieraus gantz wol haben grosse Klumpen erwachsen können, welche hernach an denen Orten, da sie untergesuncken, versteinert worden; um so viel leichter läßt sich diß glauben, weilen bekannter Massen die Fisch-Eyer klcbricht sind, und sonst an einem Schleim zusammen hangen. In der «x. ^b. kommet Fig. 62. vor ein cylindrischcs oderlang- rnndes wciffes Röhrlein, Huiug foil,i>8 »ibu--, welches durch und durch mit einem schwärtzlichtcn Marck ausgefüllet vorher muß hol gewesen seyn; es gehöret vielleicht zu den wurmförmigen Röhrlein, welche oben in Fig. 2 z. vorgestellet worden. Kommt aus der Birß. Fig.sz. ein kleines schneeweißes mit vierfachem Creutz schwach bezeichnetes Kiselsteinlein, Silicuius ranor cruciter Ms der Birß. Fig. 64. ist ein Stein ans dem Basler-Gebiet, welcher einem obern Theile des Gehirns, wie es mit dem Häutlein oder der Hirnschale bedecket, und deßwegen Lrsmoiäes kau genennet werden, nicht unähnlich ist. Er ist ausgebogen, fast rund, doch von formn schmäler, glatt, gelblicht, mit einer schwachen Linie, (welche von der Stirne zu dem Hinderhaupt gradenwegs fortgehet, und also diepfcil- förmige Naht, Smursm sz^ngiem. oder auch die lange Blut-Puls- Ader, 8>num longicuäinsiem, abbildet) und über diß noch mit andern auch schwachen Ncben-Strichen, gleich als mit so vielen Aeder- lein bezeichnet. Es kan wol ein Stück von eines Menschen- oder Thiers-Haupt seyn, das in der Sündfluth Untergängen. Fig. 6s. ist eine seltsame Art steinerner Meer-Muscheln, auS -er Birß, mit hoch erhabenen höckerichten Streimcn oder Rippen. I^uiäius nennet diesen Stein 8rrißolulsm minorem vulgärem, n. 54s. r 5«. Eine grössere Art findet sich in der Grafschaft Baden, in der Gegend Lütkcren, welche bey t-uiciio genennet wird 8mtzolulL msjor rsllellali,, leu I.ilironiles conäiäka. n. sso. dessen findet sich in llob. klor. l§sr. lM. Ok LläKoröLkir. lab. XI. kiZ. 14. eine schöne Abbildung SSL? EM MMW des Scbwektzerlandes. l6s düng. Es gehöret dieser Stein / wie auch der nächstfolgende/ zu den Reliquien der Sündfluth. Fig. 67. ein unebner, gleichsam mit vielen Knöpflein oder Warzen besetzter Spangen- oder Bad-Srem. knr-ockus vei-iucoli.18. Er ist aschfarb, aus der Birst, allwo es vielerley Arten gibt, welche zu einer andern Zeit werden beschrieben werden; dißmal habe ich zu einem Muster nur eiucn einigen hersetzen wollen, welchen ich vergleiche Mit dem Lnrrocko c^lincjrsceo norlolo ieu Aenicukro n. i izs. Miller ?di1os. l^oncl. n. ivv. k°>Z 6. und Leaumont. n. I so. kiZ. 22. so auch LlNrocki 8peciminibus clzvellznr, leu rubercu- lolis K0MÜ8 coniiruLti 8 n., ,4.5. Welche Wörter eine Art cy- linderförmige aus vielen Räder-Steinen, als so vielen Gelenckcn, zusammengesetzte knotichte Spangen-Steine bedeuten. Fig. 68. ist ein hcrtzförmiger Kiselftein, 8iiex b. xxxvll. czp.lo. ^nclro63M38 ^r^enri nirorem Hader, ur^cl3M38, ^uaörars sempervue lessellis llmilis. Welches ich also verdeutsche: Hat einen Gilberglantz, gleich dem Diamant, und ist allezeit würsi» lichr. (g) Dieser (§) Diese Namen beziehen sich nicht alle auf eine Art. Denn dieser Stein ist verschleimet Art. Herr O. L.innXU5 setzet in seinem 8xüemars dlarurL p. vitlerley Arten derselben: 1 . 8pLtum sillile, lLmellir cledircenridur. Spat/ der sich spalten und blättern läßt. 2 . 8pLtuin compLÄum opacum. Dichter und vunckler Spat. z. 8p3lum compzötum pelluciäum. Dichter und durchsichliger Spat/ und dieser ist der eryüallus Irlanäica. 4. 8oarum compaätum lcinrillaNL. Dichter und funckelndrr Spat. . Der Name Talck kommt ibm eigentlich auch nicht zu/ denn der Talck laßt sich nicht zu Kalck brennen, wie der Spat. Der Verfasser hat in der Or>üv- GH«S? des Gchweitzerlandes. 167 Dieser 8e!enire8 rkomboiääiis , oder Lautcnförmrger Crystall (b) findet sich zwar hin und wieder in den Schweitzerischen Gebirgen, aber nirgends so schön und vollkommen, als in obbeschriebner Hole des Appenzcller- und Rheinthalerischen Gebirgs Gamor. An andern Orten ist er mehrentheils undurchsichtig, und unrein, hier aber findet man ihn hell, lauter, wie den reiuesten Crystall; etwan zwar wird die durchsichtige Lauterkeit durch schwache Striche verfinstert, welche aber nicht nur dem Steine seine Schönheit nicht benehmen, sondern ihm noch einen besondern Glantz mittheilen, den andere dergleichen Steine in andern Ländern nicht besitzen. Es gehen diese schwachen Adern eckweise fort, und stellen nicht unfein die Lauffgrä- ben vor, welche vor den Vestungen, zu Bedeckung deren, welche gegen dem Platz approchiren, angelegt werden; wie in Fig.?r. vorgehender Tafel zu sehen, Etwa» ist die Gestalt und Zusammenfügung einem Giebel gleich, wie irr Fig. 72. Etwan steiget aus dem Grunde eines sonst hell-lautern Steins ein weißes Wolcklein auf, wie in Fig. 7Z. Etwa» siehet man in Mitte des Steins viele kleine Luft- Blaslein, wie in Fig. * Von Farben habe ich bey unserm Ap- penzellerischen Stein noch keinen andern Unterscheid gesehen, ausser weiß, durchsichtig ohne Farben, und durchscheinend mit schwarzen Adern. Anderstwoher habe ich eine gelbe und rothe Gattung bekommen. Es gehöret dieser Stein mit vorderstem Recht unter die sogenannten Spilles llAursros, oder gebildete Steine, denn er nicht nur in gantzen und grösser» Stücken einen kNvmbum. oder kkom- boillem, ein Rautenförmiges Orpv8 vorstellet, sondern es sind von dieser Gestalt auch die kleinsten Stücklein, welche auch unter das Ver- gröfferungs-Glaß müfferrgcsetzet werden. Wenn aber von Zeugung oder Gestaltung dieses Steins gefraact wird, so findet man hievon bey den Naturftrschern nichts, welches ein Wiffens-begieriges Gemüth begnügen kam Wir müssen hier die trockenen Sodbrünnen der xraplüa »clveUT, woselbst er diese Materie von den versteinerten Sachen ausführlicher und ordentlicher abgehandelt/ Dl. i;-. ein besonders Lateini« scher Gespräch von dem LncirostsmLS eingerücket. (k) Dieses ist nicht so »u verstehen/ als wenn dieses würcklich «in Crystall sey. Denn er ist seiner gantzen Natur nach von dem Crystall unterschieden/ mit welchem er nicht« gemein hat/ als die Durchsichtigkeit/ welche doch in dem Crystall weit besser ist. Man findt ihn zwar auch sehr schön uud groß m der Ervstall.Mme hinter Gessinen am St. GolthardS.Berg. 168 Erzehlung seltsamer Narur-Gesctncbren -erSchul-Gelehrten, ja auch alle einbildifchen Natur-Kräfte fahren lassen , und uns unmittelbar zu den lebendigen Wassern der ewigen Weißheit hinwenden, welche nach ihrem heiligsten Gefallen durch ihre unendliche Kraft allen Elementen, Pflanzen, Thieren, re. ihre gewisse Gestalt angesetzet und geordnet, daß ein jeder vernünftiger Mensch an denselben den alles mahlenden, eintheilenden und gestaltenden Finger Gottes deutlich sehen, und alles zufällige blinde Glück der Epicureern ausschließen kan. Unsere vorhabende Steine haben das Ansehen, die Materi, allgemeine Gestalt, den ZeugungsOrt, und andere zufällige Eigenschaften gleich mit denen Cryftallen, und sind allein von ihnen in ihrer besondern Rautenförmigen Gestalt verschieden. (>) Und gehet meine Meynung, so wol der gemeiniglich sechseckichten, als dieser verschrenckt-würfflichten Cryftallen, kurtz dahin: daß der allmächtige Gott dero kleinsten uns Menschen unsichtbaren Anfängen oder ursprünglichen Theilchen, eben diese Bildung, welche wir an den grossem Cörpern sehen, gegeben habe: nachdem aber gleich Anfangs der Erschassung, oder bey Erneuerung der Erden-Welt in der Sündfluth die hin und wieder gelegene , und nach den Gesätzen der Bewegung in Fluß gebrachte gleichförmige Materie solche von Gott gestaltete Theilchen angetroffen, hat sie sich ihnen angehenckt, gleiche Figur behalten und an sich genommen. Daß dieser Stein, und alle andere l-apictes lpecuisres, Frauen-Eiß, ja alle Cryftallen und Edelgesteine aus einer Anfangs flüssigen hernach gefestigten Materie entstanden, bedarf keines mey- rern Beweißthums. Kein verständiger Naturforscher wird diese von kok. voyie und andern erwiesene Wahrheit in Zweifel ziehen; nur allein kan man sich in die so ordentliche beständig gleiche Gestalt nicht finden. Diese Materie ist bis dahin von niemand angegrissen, von jederman aber vor unergründlich angesehen worden, und nicht ohne Ursach. Wer wil sich unterstehen in die geheime Rüstkammer GotteS (i) Der Crystall laßt sich in Glaß schmeltzen/ dieser Stein aber wird zu Kalck qe» brennt. Der Crystall ist sehr hart und härter/ als da« Glaß/ der Spat aber ist weich. Der Crystall bricht gantz unordentlich/ wie das Glaß/ der Spat aber bricht allezeit regulär/ und bekommt keine kleine Spitze. War den U» sprung dieser Steinen und ihre Bildung anbelangt / so wird unten bey der Berg.Rkls« von Ho. 170;. wo dies« Mater» weitläufttger ausgeführet wird/ das mehrere angemercket werden. des Schweiyerlandes. 169 Gottes hinein zu sehen/ und solche gründliche erste Gestaltung erforschen? Wer wil das in der Natur und deren Kräften suche»/ was der Schöpfer ihm selbst vorbehalten? Wer diesen unsern Stein recht anstehet/ oder einen jedem sonderlich grossen Cryftallwol betrachtet/ wie jener sich in unzehlbare subtile Biattlein zertheilen lässet, dieser aber in seiner aussern Fläche viele Absätze, oder rumpfichte Zwerch- Linien hat/ der wird hieraus bald sehen, daß dessen materialische Ursach ein gewisser, hernach in Stein verwandleter, über die erste schon feste Fläche gezogener Fluß gewesen. In dieser Meynung befleißen mich auch verschiedne Anmerckungen, welche ich hier beyzubringen unnöthig erachte, unter anderm auch das, was vor einem Jahre durch Hülff der Vcrgröfferungs-Gläsern der scharfsichtige Hr. I^eeuvvenkoek beobachtet, und in einem an Sr. Excel!. Hrn. l>errum Vsikenier^ gewesenen extraord. Abgesandten von den Hochmög. Herren Staaten an Lobl. Eydgnoßschaft, unterm uten Febr. i?c>4. abgelassenen Schreiben ausgeführt: Wie nemlich die kleinsten Theile der Crystallen gleiche sechseckichte Gestalt haben mit den grossen, gleich wir dtß an vorhabendem Rautenförmigen Frauen- Eiß mit blossen Augen wahrnehmen können. Ich wil aber diese, wie alle andere meme Gedancken gar gern dem Vernunft-Urtheil der Gelehrten unterwerffen. Diejenigen gebildeten Steine, so noch zu beschreiben übrig sind, kommen aus der Grafschaft Neufcksrei, oder Neuenburg, welche so reich ist an Überbleibseln der Sündstuth, daß ihro hierin» vor allen andern Theilen des Schweitzerlands der Vorzug gebühret. Da finden sich allerhand Arten Muschel-Steine, LonciMX, Scherhör- ner, Lornus Locistir-e , Schnecken-Steine, LcKinirL, See-Apfel-Steine, welche anderstwo aussührlichcr beschrieben und vor Augen gcmahlct werden sollen. Fig. 74. ist ein aschgrauer, doppelschalichtcr, bauchichter und gestreimtcr Muschel-Stein, zieht sich einerseits leer lang hinaus, anderseits aber ist er kurtz, LoncNire 8 sb UNO Lsrciinis L.srere brevis- I1MU8, sb slrero longillimö excurrens, slrisM 8 ; ist zimlich brüchig, daher mandiesen Stein gar selten gantz findet. Unter denen Meer- Muscheln mag ihm die sogenannte wahre Muschel, combs vers klinii bey xlärovsncl. leftsc. c. 47. sich gleichen, welche in IonNono cle llxsnMib. sgusric. I'sb. xm. abgemahlet stehet, oder her lrslsnu 8 Lonrnm ll.ecresr.Xlem. n. rs. p. 101. l. Theil. Z) Fig. i7o Erzehlung seltsamer Natur - Geschichten Fig. 75. eine steinerne Ginn-Muschcl, jst aber nicht <^mke8 I^uicjii, n. 768. Denn dieser Scribent unter dem Namen Ginn-Muschel alle und jede Muscheln verstehet/ deren Schalen dünn, subtil und glatt sind, da eigentlich nach ^l- Zrovanäl und konanni Vorschrift diejenigen Muscheln zu nennen sind, deren Rand wegen ungleicher Gestalt nicht wol zusammen schlieffen, oder, wie wir sagen, von einander ginnen. Und ist unsere steinerne Ginn-Muschel eben die, welche üon»linu8 p. ,of. n. 56 beschreibet und vormahlet. Ja es sind diese unsere Neubur- ger-Muscheln so vollkommen, daß sie nicht nur insgemein den Meer- Ginn-Mnscheltt sich gleichen, sondern auch insbesonder in ihrer inwendigen Hole die Merckmale der Mäußlein zeigen, durch welche das Thier sich an die Schale fest gemachet, und also keineswegs zu zweifeln, daß diese Muscheln ursprünglich aus dem Meere kommen durch den Weg der Sündstuth. Wie auch Fig. 76. da ein Stücklein von einer wahrhaften Perlen-Muschel, Lonckz imrgzrirjfera vorgezeichnet wird, von denen sich auf den Gebirgen von Neuenburg viele zerbrochene Stücker finden. Diese Perlen-Muschcln mögen wir aus Ost-Indien, oder aus den Peruanischen Meer-Busen, oder aus dem Mexikanischen Meer-Busen in America herholen, so erhellet sich aus dieser natürlich-historischen Begebenheit, und noch vielen andern Indianischen Muscheln und Schnecken, welche auf unsern hohen Gebirgen anzutreffen, daß die Wasser der Sündfluth erschröcklich müssen gewütet, und selbst aus den entlegensten Landen die sonst schweren Meer-Muscheln und Schnecken hieher in unsere Lande gcführet haben. Und hieraus lässet sich auch schlieffen, daß die Wasser der Sündfluth schwerer am Gewicht, als die heutigen Meer-Wasser, müssen gewesen seyn, weilen die so schweren Perlen-Muschcln auf so langer Reise aus Indien hieher nicht Untergängen, da sie sonsten von denen Meeres-Welleu nicht weit pflegen getrieben zu werden. Es kan diese Betrachtung nicht wenig der Grundlehre ^ooäwarm, ^6. v. und Mitglieds der Königlich-Englischen Gesellschaft, dienen, welcher in seinem gelehrten Buche lMtory of LarM , oder Lpecimen OeoZrapkiL qenennt, (so vor wenig Jahren von mir ins Lateinische aus dem Englischen übersetzet, allhier gedruckt worden) davor hält: ES sey in der Sündfluth die gantze Erde, alle Steine, Felsen, Berge, rc. zermalmet,und so zu reden, zu einem Gemüse worden, in welchem aus MM des Schweitzerlandes. 171 Erde und Wasser vermischten dicken Gemüse die Meer-Muscheln und Schnecken wol haben oben schwimmen, und endlich in den entferntesten Landen abgeleget werden können. Ja nach diesem Grundsätze haben alle Todten-Cörper der Menschen und Thieren oben auf- und Trouppenweise daher schwimmen, auch theils auf dem Wasser, theils an denen Orten, wo sie nach abgeflossenen Wassern liegen blieben, verfaulen müssen. Solle aber die Meynung Hrn. ^ooctwsrcii, meines werthesten Freundes, welche ?. -17. seines Buchs anzutreffen, gelten, und nemlich alle metallischen, mineralischen, irdischen, und andere schweren Theile, wie auch die leichtern Pflanzen und dero Gcsame an eben den Orten und in den Landen, da fie in die Wasser der Sündfluth vermischet und erhebt worden, wiedrum ge- sunckcn seyn, so müßte man entweder sagen, daß die Erde vor der Sündfluth eine andere Stellung gegen der Sonne gehabt, wie 6>i- berr Lurnet in seiner Icheoris 'iclllii-js 8acrz Wil; oder wenigstens eine andere äussere Gestalt, und namentlich müßte unser Schweizerland ein wahres Indisches Meer gewesen seyn, oder unmittelbar an ein solches Meer, da die heutigen Indianischen Muscheln und Schnecken sich finden, angcgräntzet haben. Was die Gestalt und betrift, welche unser Schweizerland vor den Seiten der Sündfluth soll gehabt haben, lässet sich aus den annoch übrigen ^onumemi8 davon verschiedene Muthmas- sungen machen, solang, bis einer uns eine nicht Utopische, sondern wahre kvlspPZM AeoZrzpkicsm rolius'kerrL, pder ^nrecülu- vmn-e eine Land-Charte von dem Sehweitzcrland, oder auch der ganzen Erde, wie sie vor der Sündfluth gewesen ist, zeigen wird. In der äl. Kupfer-Tafel sind sehr rare Reliquien jener allgemeinen grossen Überschwemmung enthalten, welche das gantze menschliche Geschlecht, wenig Personen ausgenommen, zugrund gerichtet, und von allen Thieren nur so viel übrig gelassen, daß allein die Geschlechter möchten erhalten werden, ja welche vermuthlich die gantze Erde mercklich geändert und geschwächet hat. In Fig. 77. zeiget sich eine rare, runtzlichte, bucklichte, mit erhobenen kleinen Bückelein zuweilen versehene krummschnablichte, steinerne Muschel, Loncka IspicleL curvirollla rvAnsz, Lc rubeiculis quznäoque munira, ilorlo elstion. Sie ist cinsthalicht, hol, kehret ben Schnabel linckwerts, auf welcher Seite sie auch ausqebogcn ist, gleichwie rechter Seits hol, und überall mit missen aus subtilen Z) 2 Cir- 172 Erzehkung seltsamer ITkattrr-Gefchicbten Circuln bestehenden Flecken bezeichnet. Man stehet bey diesem Stein gar schön die aufeinander liegende Blattlein der Muschel, aus welchen die Natur-verftäudige einer jeden Muschel Alter wissen, gleich aus denen sogenannten Creißrundcn Jahren der Bäumen Alter abzunehmen. Es solte Mich diese einige Betrachtung denen die Augen öffnen, welche dergleichen Muschclförmige Cörper vor eine blosse Sptelung der Natur ansehen; nebst dem, daß diese steinerne Muscheln auch unter dem Vergrösserungs-Glafe in ihren Röhrlein und gantzem Gewebe der kleinsten Zäserlein völlig mit den See-Muscheln zutreffen, wie hievon insbesonder der subtile l^euweny. 7; 1. Fig. 79. ein doppelschalichter, krummschnablichter, mit dicken schregliegenden Rippen versehener Muschel-Stein, Lonckira bi vzi- vi8 curviroller, 8rr»5 obIic^ui8 crrrlHoribus veluri 8 MSNN3 fllchiis, ist ein sehr rares Stück, dessen bis dahin kein Scribent einige Meldung thut, ausscrt l-uicko p. 1-4. welcher aber nebst pioiio «in. Oxon. cap. 1 s. k. io;. bezeuget, daß in gantz Eugelland unter denen foli,iibu§ioder ausgegrabnen See- Muschel-Steinen kein Meer-Ohr bis dato sey gefunden worden, obgleich des Sckweiyerlandes. 17z obgleich dergleichen Meer-Ohre viele auf den Küsten von Engelland anzutreffen. Fig. 8i. ist ein Stück eines grossem der Länge nach gestreim- ten Schraub-Schnccken, ktrombÜL msjoris secunclüm I^ongilu6inem ttrizti lpir»: so bis dahin nicht gantz, sondern nur Stückweise gefunden worden; die Striche oder Strcimen gehen nach der Länge von oben herunter, und sind bald abgeebnet, bald in kleine Bückelein erhöhet, sonften breit, und ist der gantze Stein braunfarb, als ob er mit einem Firniß überzogen wäre. Das rarefte an diesem Stein ist, daß darauf gleich als durch mahlerische Hand gewisse Blätterförmige Nähte bezeichnet zu sehen, dergleichen wir gar viele in unsern Landen auf den sogenannten Schneehörnern antreffen. Es ist mir aber noch kein Sce-Schncck unter die Augen kommen, welcher mit dergleichen 8mun§ oder Nähten bezeichnet sey. Fig. 82. isteinHornformiger, in seine Gelencke abgetheilter, mit Zwerch-Strichen und zierlichen Blätterförmigen Nähten bezeichneter Stein, (-ersrolcie; Lruculams, irsnsverlis un6glus, Lc 0rnzmenü8 foii»ceis inlißnirus. Wiedrum ein rares Stück, davon ich noch nicht sagen kan, wohin es gehöre. Ich nenne diesen Stein Horuförmig, obigem, weilen er, wenn er qantz wäre, sich in eine Spitze enden würde, und also ein grad ausgestrecktes, auch über diß mit zwerchliegenden Strichen oder Runzeln versehenes Horn, vorbildet. Diese Zwerch-Striche umgeben nicht den ganzen Stein, sondern etwan nur den halben, etwan den dritten Theil, da denn das übrige glatt bleibet; zuweilen fangen diese Striche von einem Bückelein an, öffnen sich von bannen gleich einer doppelspitztgen Gabel, und kommen in einem andern Bückeletn wiedrum zusammen. Die Gelencke sind einem Malteser-Creutze nicht so gar unähnlich, wie Fig. 8z. zu sehen, so -aß in Ansehung dessen dieser Stein auch unter die sogenannten Oucigeros l^piäes, Creutz-Steine, kan gerechnet werden. Fig. 84. ist eine Art steinern See-Apfel, Lckmues 8p->rgAo,'6es, vel krissoiUes buikms, 8e tlrisws, also genennet, weilen er die zweyte Gattung -er Meer-Igeln, oder Lnssus genannt, in -er Gestalt, ja allen Pünetlein und Strichen abbildet, so daß kein Zweifel, daß dieser Stein, wie alle andere LMirm« oder See-Acpfel- Steine, deren es viele und schöne in Engelland, in Italien bey Verona, und anderstwo gibt, denn und wenn auch einige auf dem La- N 3 ger- 174 Erzchlung seltsamer Natur-Geschickten ger-und Randen-Berge bey uns, in die Zahl derer Dingen gehörig, so von der Sündflüth rnrs überblieben find. Es ist dieser Stein ablang-rund, aschfarb; von der obersten Mitte gehen in doppelten Reyhen fünf aus kleinen Zwerch-Strichlein bestehende Linien ab, welche unten an dem Bort in einiach-erhobene Püncklein ausgehen, dergleichm auf der gantzen Flache zu sehen sind. Es findet fich dieser See-Apfel-Stcin zu 8 »ucNie, ttzurerive, Prise, und langst dem Wasser äion in einem Missen oder blaulechten fetten Lette. Mit verschiedner Benennung dieses Steins wil ich dißmal dem Leser nicht verdrießlich fallen, sondern selbige, in so fern sie zu Ausarbeitung einer natürlichen Historie nöthig find, auf einen andern Anlaß verspäten. Fig. 8s. ist ein mit Sternlein überall bezeichneter Iu-en- StciN, Lckinomen-se OiZilU8 fotlllis, 8lellu1>s unclique exornatus; mit welchem die Indianischen kcNinomerrT zu vergleichen, welche ldent 2 e 1 ii.i 8 und llumpkius denen ^liscell. ^rur. (^ur«8. ^o. 1690. p 119 einverleibet haben. Nicht uneben kan er ^llroirz oi>vL-for. mis genennet werden, weilen er die Gestalt einer kleinen Olive und Juden-Steins hat, und beneben mit vielen Stcrnlen gezicret ift; die Materie daraus er bestehet, ist fteintcht, nicht, wie die übrigen Juden-Steine, glänzend. Ich zweifle keineswegs, daß auch dieser Stein seinen Ursprung aus dem Meer herhole. Fig. 86. ist ein kleines steinernes, subtil-gestreimtes, in fich selbst gewundenes Mecr-Würm- oder Röhrlein, i'ubuius foill- 1i8 pzrvu8 Lornu ^mmon>8 inüsr in leipsum revolutU8, dessen Länge würcklich hol, oder mit einem steinernen Marcke ausgefüllt ist. Etwa» sind diese Würmlein rund, etwan eckicht, und winden sich einige den graben Weg in fich selbst, andere aber weichen davon in etwas ab, und formieren eher eine Schnecken-Linie: Allezeit aber muß man sie von denen wol unterscheiden, welche oben in Fig. 2z. vorgebildet worden, weilen diese sich unordentlicher Weise übereinander legen, und krümmen. Unserm sel. ^gnero heißet dieser Steiir LoctUires ru^otub. Fig. 87. ist ein Stück einer Moluceanifchen Krebs-Schere, dsncri kioiucczm glatt, mit unebnem Saae-sormigem Borte, grauer Farbe, über einen harten, gelben, mit schwarzen Pünet- lein besprengten Sand-Stein überzogen. Fig. des Gchwektzerlandes. Fig. 88. scheinet ein Stück eitles Rochen-Schwanzes zu seyn, oder von dem Rückgrathe eines Fisches, welches ich insbesonder aus dem Loch, das durch den gantzen Stein gehet, abnehme, und ohne Zweifel dem Rückqrath-Marck den Durchpaß gegeben hat. Fig. 89 . scheinet eine versteinerte Frucht vorzustellen, oder das inwendige Gebeinhauß eines Meer-Igels, worüber auch anderer Gelehrten Urtheil erwarte, und bey gemachter Vorstell- und Beschreibung einiger weniger Überbleibseln der Sündfluthden geehrten Leser versichere, daß von dergleichen gebildeten Steinen eine weit grössere Anzahl beyhanden habe, und bey gegebnem Anlaß der gelehrten Welt, als eine heutigs Tags gesuchte Tracht, darstellen werde, zugleich auch alle und jede curieuse Gemüther, sonderlich aber junge Leute, zu fleißiger Aufsuchung dergleichen Sachen an- frische, damit die Seltenheiten unsers Landes je mehr und mehr so wol uns selbst, dessen Einwohnern, als fremden Völckern bekannt gemachet, und der grosse Gott qeehret werde, dessen Allmacht wir insbesonder an dem erstaunlichen Gerichte der Sündfluth erkennen, dessen Weißheit wir in dem preisen, daß ihm gefallen wollen, die Gedächtniß des allgemeinen Untergangs der Menschen und Thieren nicht nur in H. Schrift, sondern auch irr solchen versteinerten Sachen zu verewigen, und selbige uns zu einem Büß-Spiegel vorzulegen. Niemand ist, der nicht die Muschel-Steine, steinerne Muscheln, auf erhabnen und niedrigen Orten, auf Aeckern, in Felsen, auf dem Lager- Randen - Pilatus- Aubrig- und andern Bergen, in der Grafschaft Neuenburg, und andern Orten des Schweitzerlands, mit verwundernden Augen ansehe, und sowol bey sich selbst nachdencke, als von andern zu wissen begehre, woher doch dergleichen den Meer- und Fluß-Muscheln gantz gleiche Steine herkommen, oder, wie sie gezeuget werden. Ich hoffe -erowegen, es werde dem geehrten Leser nicht beschwerlich fallen, wenn ich ihm die vornehmsten über diese Materie waltenden Meynungen gantz kürtzlich vorstelle, und nach habender Freyheit diejenige daraus erwähle, welche mich am wahrscheinlichsten düncket. M Es (lc) Ei ist bereit- oben von dieser Materie in den Anmerckungen etwa« geredt worden. 176 Erzeblunci seltsamer ^arur-Geschicbten Es theilen sich alle Skribenten in zwey Haupt-Lager: Indem ernten sind die, welche davor halten, daß dergleichen Muschel- Schnecken-Steine in der Erde gezeuget und gestaltet werden; tn dem andern, die sie von dem Meere herholen. In beyden Lagern sind wiedrum verschiedene abgetheilte c^orps. welche wir absonderlich wollen durch die Musterung paßiercn lassen, und von jedem Generalen seine besondere Meynung vernehmen. koberc pior, und viele andere, denen die sogenannte Chymischen Grundsätze vor andern gefallen, Halter» davor, daß die Gestaltung aller Cörpern von dem Saltze herzunehmen sey, welches hiemit auch in dem innern Eingeweide der Erde nach seiner verschiednen Art und Bewegung die lettichte, sandichte, oder andre zu Stein werdende Materie in die Gestalt einer Muschel, Schnecke, oder andern Thiers, oder Krauts verwandle. Diese Meynung habe auch ich ehemals behauptet, und bin nicht nur aus Chymischen, sondern auch Mechanischen Grundsätzen so weit geschritten, daß ich eine (mir damals) wahrscheinliche Weise auSgesonnen, nach welcher z.Ex. die Muschel-Steine in der Erde tonten gezeuget werden. Oiis. kpill. cie Lonckitar. Oener. in ^ppencl. Lpkcm. Oerman. Oec. III. -^n.tV. p. i s8. Diejenige, welche unter des grossen ^Moteiir Heerhauffen sich haben einschreiben lassen, beruffen sich alle mit erhabner Stimme auf ihre sogenannten kormzs oder wesentliche Formen, auf eine gewisse gestaltende versteinernd: Kraft, vim gguEicem, piüNicsm, lapiMcam, welche sie anders und anders betiteln, wo sie andere Figuren macht: hciffet sie, wenn sie ein Seher- oder anders steinernes Horn gestaltet, wo sie eine Muschel zeuget, und so fort. Gehen wir weiter fort, zu -es berühmten kspult-e tteimomn Officiern und Soldaten, so werden wir wiedrum in einem lauten Geschrey hören, wie alles sich auf den ^rckcum, ein gewisses alles bildendes lrnd bewegendes i^incipmm beruffet, welches nebst der alten Heydnischen Weltweisen Natur, des llenrici klori plincipio K7- jzrckico, anderer Welt-Seele oder Geist, kluncjj, Lpiriru ktun- lii, 8piricu ärclureLlonico in gleichem Range stehet. Zu diesem, wie auch des änlloreiis Fahne, in welchen bemeldte Wörter mit grossen Buchstaben stehen, müssen alle ihre Angehörige einen blinden Gehorsam schwerer». I^UCLS des Scbweitzerlcmdes. 177 I^ucas Kliicm, gebürtig von Coburg, ein Obrister ohne Regiment, gehet in seiner v,sp. 6s Lbore folliii etwas näher, und wil, Laß eine durch die Erde zertheilte Saamen-Kraft, (v>s lemmsik) oder kleine Muschel-Schnecken- und andere Sämlein in einer gewissen dienlichen, schleimichten Erde sich aufschwellen, in eine Gährung gerathen, und wl'rcklicbe Thiere oder derselben Gehäuse zeugen können, welche auch leben würden, wenn nicht ein versteinernder Geist oder Saft sie ergriffe, und in ein hartes Wesen verwandelte. Ehe wir zu der feindlichen Armee übergehen, treffen wir L6uzr- 6um einen Engellander an, welcher in einem Walde postiert, aber mit gar weniger Mannschaft versehen. Dieser hat auch eine besondere Meynung, und wil, daß die aus dem Meere und der Erde aufsteigende Dünste das kleine Gesäme derMuscheln, Schnecken, anderer Thieren, und Gcsämen mit sich führen können; wenn nun dieselbe durch die Luft fortgetragen sich innert die Erden-Löch- lein eindringen, so können sie sich in einer bequemen Materie ausdehnen, und allerhand Bilder gestalten, welche hernach unter dem Namen der siqurirten Steinen bekannt werden. Aus diesem Walde wenden wir uns zu der zweyten Armee, bey welcher man resolvirt ist, zum Vortheil des Meers, aus welchem sie die Muschel- Schnecken- und andere dergleichen Steine, ursprünglich herleiten, alles aufzusetzen. In den Vorposten treffen wir einige geringe Ausschüsse an, welche aus gemeinen Leyen bestehen, und vorgeben, es haben in den ältesten Zeiten die Menschen solche Muscheln und Schnecken aus dem Meer an die Orte hingetragen, da man sie nun findet, die enthaltene Thiere zur Speise gebraucht, und denn die Schalen liegen lassen. Andere sagen, die Erde habe bereits allerhand Aenderungen ausgestanden, und sey vor diesem das Meer gewesen, wo nun trocken Land ist. Bey der Armee selbst, welche trefflich wol nicht nur natürlich postirt, sondern mit guten Vernunft-Gründen, als starcken Boll- werckern eingeschanzet,überdiß auch mit regulirter zahlreicher Mannschaft versehen, höret man von nichts anders reden, als von der Sündfluth, diese, sagen sie, ist der einige Anlaß, bey welchem die Meer-Thiere in unsere Schweitzerifche Lande, ja in alle Theile der Welt kommen, und ist die beste Anstalt gemachct, sich bey dieser Meynung bis auf den letzten Blutstropfen zu wehren, damit zu gutem der Wahrheit der Sieg befochten werde. 1. Theil. Z Von 178 Eezehlung seltsamer dlarur-Geschichten Von dein unterirdischen Holye. vielen mosachten sumpfichte« Orten, wenn man z. oder 4 . Schuhe tieff gräbt, findet man gantze Lagen Holtz; in der Wiesen genannt Kellen in dem Waltikummer Ried in dem KruzelenMooß, und Mooß-Acker auf dem Hirzcl, Züricher Gebiets; und andern dergleichen Orten mehr. Von dergleichen unterirdischem Holtze finden sich vielerlei) Meynungen; viele wollen, es wachse also in der Erde; andere, daß es durch grosse Wasser-Güsse dorthin geschwemmet werde, da Sand, Stein und Erde übereinander ge- häufet, und etwan Bäume und Stauden darunter vergraben werden ; andere, daß an dergleichen Orten die Bäume von starcken Winden umgeworfen worden, oder ein gantzer Wald in tiefen Morast verftrucken; wiedrum andere halten es vor eine Würckung eines Erdbebens, durch welchen ein Stück Landes eingesunckcn. Endlich find nicht wenig Gelehrte der Meynung, daß diese Begebenheit mehrmalen von der Sündfluth selbst herzuleiten sey, und bringen Gründe, welche nicht leicht umzustoßen, und die wir anderstwo in mehrcrn ausführen werden. «M88888888888838888 8888888388888888M» Von den Erschütterungen des Glarnerlands. (l> gegenwärtiger Betrachtung qtebet ein empfindliches Erd- xKjl beben Anlaß, welches den 22. May z. Jun. in diesem 1705. Jahre zu Mollrs und Nafels gespürt worden, dem auch ein anders vorher gegangen. Ich wil mich aber bey weitläuf- tiger Erzehlung allerhand alter und neuer Meynungen von den Ursachen, (I) Die Erdbeben sind wol eine von den allermerckwürdigsten Begebenheiten der Natur. Die Zeit/ wenn sich dieselbe rugetragen/ die Weite/ in welcher sie gr« spürt worden/ und alle andere Umstände welche dazu gehören/ sind solche Sa« chen/ daraus man hernach die natürlichen Ursachen derselben entdecken karr. ES muß sich demnach niemand verwundern/ daß unser Verfasser so sorgfältig gewesen/ alles/ was ihm immer von dieser Materie bekannt war/ hier arm» fuhren. E< wär« zu wünschen/ daß man von allen natürlichen Begebenheiten des Schweiyerlandes. 179 fachen/ Würckungen und Umständen der Erdbeben nicht aufhalten, sondern setzen, daß der geehrte Leser mit allen heutigen Natur-Verständigen die Erschütterungen mit gleichen Augen, wie die sogenannten Minen, ansehe, folglich vor derselben Ursachen ein unter der Erde angezündetes Feuer, (m) welches, weil es einen grösser» Raum bedarff, als der vorhandene Platz fassen kan, die aufstehende Erde mit Gewalt aufhebt, oder erschüttert; ich schreite deßwegen unmittelbar zu Erörterung der Frage, warum das Glarnerland den Erdbeben so sehr nnterworffen? welcher ich eine historische Erzehlung aller derjenigen Erdbeben nachsetzen werde, die in besagtem Löbl.Canton bis dahin gespürt worden sind. Wer die Beschaffenheit und verschiedne Gestalt der Ländern in Betrachtung ziehet, der wird leicht sehen, baß alle bergichten Orte, vor andern aus, den Erdbeben imterworffen; weilen in ihren Hölen und Grüften allerhand schweflichte, Metrische und andere entzündliche Dünste sich aufhalten und sammle« können, welche, so sie in eine Flamme gerathen, nothwendig die Wände und felsichten Decken solcher natürlichen, von dem Schöpfer der Natur selbst angelegten Minen, wo nicht aufheben, doch in eine zitternde Bewegung bringen. Es hat die Wahrheit dessen von Zeit zu Zeit das bergichte Z 2 Peru vollständige Nachrichten samineln möchte/ weil dieses der einige Weg ist ru ei. ner gründlichen Erkenntniß der Natur zu kommen. Ich sage dieses darum / weil ich wol weiß/ daß «S vielen/ welche die Ar»/ wie man die Würckungen der Natur erforschen muß/ nicht wissen/ gantz eckelhaft vorgekommen/ als der Der- faffer diese folgende Blatter da- erstemal hat drucken lassen. Wer ein Crem« pel verlanget/ wie dergleichen Erzedlungen zur Erklärung der Natur so vor« treffliche Dienste leisten/ der lese nur des Hrn. ciu klairan Iraittö ckel'Au- rore Lorca! e. pari« 17; 4. 4to. (m) Wie das unterirdische Feuer/ und die daher kommende Erdbeben und Feuer, spenende Berge entstehen/ hak der geschickte Herr Hsmberg mit einem Versuch deutlich gezeigte. Er grübe ein Loch einen Schuh tieff in die Erde / und schut» teil 50. Pf. gefeiltes Eisen/ und zu Pulver vergossenen Schwefel/ von jedem gleich viel in dasselbe / nachdem er diese Materie mit Wasser zu einem Teige gr. macht. Nach acht Tagen sahe er/ daß dir Erde anfienge an demselben Orte sich ein wenig in die Höhe zu heben/ und an einigen Orten Oeffnungen zu be. kommen/ aus welchen heiffe schweflichte Dünste/ und hernach Feuerflammrn hervor brachen. S. lviemoire; cle l'Acack. Lc»x cle; Science;. An. 1700. Dl. 66. Daß aber fast an allen Orten Eisen und Schwele! verborgen sey / tsteruS der Chymie bekannt genug. i8o Erzeklung seltsamer lTkatur-Geschichten Pmr in America erfahren, ja die gantze Berg-Kette, welche Asien und Europa zusammen haltet, absonderlich aber die bergichten Theile von Stellten, Calabrien, die Appenninischcn, und unsere hohen Alp- Gebirge, und auch mit seinem Zeugniß der grosse äMoteleg bekräftiget H- ^leceor. I N. 42. Lec. Eö smt> die Erdbeben sonderlich starck an solchen Orten, wo das wilde Meer starck wütet, und die Länder umerhölet sind, und klimus L. ll. c. 80. ^isrilims msxime quzriunkur. dlec monloiä rsli Xtalo carent. Dcnnzirmal werden sonderlich die Erdbeben in bergichten Orten mehr und öfters gespürt, wenn dero unterirdische Holen viele schwef- lichte und salpetrische Materie enthalten, wie aus verschicdnen bald zu erzehlcnden Begebenheiten vernünftig abzunehmen, daß eine solche Materie mehr in dem innern der Glarnerischen, als andern Schweitzerischen Gebirgen anzutreffen. In nächstfolgender Erzeh- lung sinden sich allein diejenigen Erdbeben, welche in dem Glarner- lande allein gespürt worden. Es wird aber derselben eine andere, von andern Erdbeben nachgesetzet werdcrr, welche einen grossen Theil des Schwcitzcrlands, oder gewisse besondere Cantons, angehen, und mehrmalcn das Glarnerland selbst mit einbcgrciffen. Anno 157z. ist am St. Thomas-Abend ein grosses Erdbeben im Glarncr-Lande vermcrckt worden, ^ok. »enr. itcNuci. ttiüor. Olsrori. X^lc. A. i 594. auf St. Martins-Tag erhöbe sich ein gewaltiges Erdbeben , in welchem ein Stück von dem Gipfel des Glärnisch-Bcrgs, mit einem entsetzlichen Praßten, auf der Seite gegen dem Haupt- Flecken Glarus, hinunter gefallen, und nicht allein den dasigen Brunnen, oder Bach (der hernach mit grossen Unkösten wieder in seinen Gang gebracht werden müssen) verlebt, sondern auch ein grosses Stück Brenn-Wald mit einem guten Theil der beygelcgnen Feldern niedergelegt und unnütz gemachct. HKua. ik,'6. Ä. 1654. sind im Glarncrlande Is. Erdbeben gespürt worden. tielv. Lurios. p. Z72. A. 1661. den 9. Jan. gegen I l. Uhr in der Nacht spürte man im gantzen Lande ein ftarckes Erdbeben. Lx Lwi. ^>8^.74. A. 166z. den Scpt. Abends um io. Uhr ist ein zimlich starckes Erdbeben vermercket worden; und folgenden Sonntags den a ztcrr dito ein anders. ilckun. l. c. A. 1665. des Schwer'yerlandes. i8r A. 1665. den 1. Merz Nachts um 2. Uhr ist ein gewaltiges Erdbeben im gantzen Lande/ zu jedermans grossem Schrecken/ gespürt worden, rlenun. i, c A. 1668. den 22. April Abmds zwischm z. und 4. Uhr ist in diesem Lande allenthalben ein starckes Erdbeben mit grossem Zittern und Beben gehört und vermerckct worden, ilckuck i. c. A. 1672. den 7. Heum. Morgens um z. Uhr ist ein empfindliches Erdbeben in diesem Lande vermerckct worden, ilckuci. j. c. Den 18. Herbftm. Morgens um io. Uhr ist abermal ein zimlich starckes Erdbeben gespüret worden, ick > c. A. 167z. den iz. Febr. ist an etlichm Orten des Lands ein Erdbeben gespürt worden, m. t.c. A. 1674. den 6. Dec. Sonntags Morgens vor der Predigt ist sowol irr diesem Lande/ als fast in der gantzen Eydgnoßschaft und an- gräntzenden Landen, ein starckes Erdbeben vermerckct worden. Und bald nach diesem find zu Näfels zwey feurige Kugeln vom Himmel gefallen. Hckua. i. c. A. 1679. den 2s. Jan. Nachts zwischen 2. und z. Uhr ver- mcrckte man abermal ein zimlich starckes Erdbeben, ick 1 . c. A. 1680. den 27. Jan. Nachts zwischen io. und n.Uhr hat sich in und ausser dem Lande ein gewaltiges Erdbeben verspüren lassen/ ob gleich die Winters-Kälte damals so hart war/ daß dergleichen kein Mensch steh zu erdrücken wußte, 'rickua. 1. c. Im Appen- zcllcr-Lande find an etlichen Orten Ziegel von den Dächern gefallen. d48L ^bdaulc. A. 1682. den 2. May ist Morgens zwischen 2. und z. Uhr ein entsetzliches Erdbeben mit erschrecklichem Getöse in diesem Lande und andcrstwo gespürt worden. Den 7. hierauf hat man im ganzen Glarnerlande einen erschröcklichen Hall und Knall/ gleich einem Canon-Schuß/ wovon die Fenster erzittert/ wahrgenommen. r6.i.c. A. 168s. den 26. Febr. Abends zwischen 8. und 9. Uhren hat man in diesem Lande und vielen Orten der Eydguoßschaft ein gar starckes Erdbeben gespürt, m. i-c. Den 9. Sept. wurde abermal ein gewaltiges Erdbeben/ an einem schönen Tage zwischen 12. und i. Uhren / in diesem Lande von vielen Leutem nicht ohne Schrecken, gespürt. >6. i.c. Den s. Merz 1687. erzeigte fich abermal ein empfindliches Erd- -ehen. ick i. c. Z - A. 1701. iA2 Erzehlung selrfamer lTlamr-Geschichten A 1701. und 1702. hat man von dem Auastm. des einten bis zum Febr. des andern Jahrs 37. Erdbeben wahrgenommen; andere zehlen 40.50. und 60. Deren Beschreibung ich hieher setzen werde, in der Form, wie sie mir zur Hand kommen. Das i. 2. und zte Erdbeben ist im Linthal den 19. zo.Augstm. 1701. Abends zwischen 6. und 7. Uhr mit einem grausamen Getöse in den Lüften gespürt worden. Das 4te ist noch selbigen Abend um 9. Uhr sehr starck empfunden worden. Das 5 te Morgens den zi. Angst. st. n. nach z. Uhr. Das ste den i. Sept. Nachts um n.Uhr. Das 7te den 2. Sept. nach 9. Uhren Vormittag. Das 8 te den 4. Sevt. als man zu Bettschwanden in der Kirche war, hörte man zwey Klapse nacheinander, welche gcthönt, als wenn ein Stock auf den Knüttel- oder Prügel-Kasten, so hinten in der Kirche bey der grossen Thür stehet, zweymal niedergefallen wäre. Es ward dieses Erdbeben auch in den Häusern um 8 . Uhr Morgens empfunden. Das 9. und rote wurde mit einem starcken Stoß und Zittern gedachten Tags Abends um 5. Uhr gespürt; zwischen diesen beyden mochte man ungefehr die zehen Gebotte und den Glauben erzehlen. Das ute den 4. Sept. Abends um 9. Uhr, war starck. Das l2te auch diesen Abend zwischen n.und i2.Mr. Das l?te den 6 . Sept. Abends um lo.Uhr, war starck. Diese iz. ersten wurden allein im Linthal gespürt. Das i4te den 7. Sept. war sehr empfindlich mit starckem Knallen, Klöpfen, Sausen und Surren in der» Lüften, auch gewaltigem Zittert, des Erdbodens in beyden Gemeindet! Linthal und Bettschwanden. Es ist dieses auch bis gen Aesch zu Anfang des Schä- chen-Thals im Urner-Gebiet bemercket worden: doch hatman im kleinen Thal zu Matt und Elin nichts verspürt. Das i ste, den 8 . Sept. in der Nacht um i. Uhr hatten wie- -rum beyde Gemeinden ein ftarckes Erdbeben, welches die Leute in den Bettern gewieget. Das i 6 te den io. Sept. Morgens vor 8 . Uhr. Das l7te den iz. 2. Sept. Morgens um io. Uhr. Das i8te den 18. dito ward von etlichen Leuten, sonderlich von den Schützen, Abends um 4. Uhr wahrgenommen. Das des _ r8) Das lste den 19.8. Sept. Morgens um 8. Uhr/ war sehr starck. Das roste selbigen Tags, war eines von den stärcksten; es kam, da die Leute eben in der Kirche waren, mit einem solchen Stoß und Knall, als wenn ein Stein im Boden von angezündtem Pulver zerspränge, und erschütterte die Kirche mit grossem Gewalt. Doch wurde es ftärcker im Linthal als zu Bettschwaudcn gespürt. Das 2ifte den 2z. 12. Sept. kurtz vor 4. Uhr Abends, ward von vielen Leuten mit einem geschwinden Stoß und zimlichem Zittern, wie auch mit Surren und Sausen, bey Hellem Wetter und Sonnenschein gespürt. Das 22fte den 29. 18. Sept. Abends um 7. Uhr, ward wiedrum in der gantzen Gemeinde Linthal, doch nicht gar starck, gespürt. Der Erdboden war naß, und nicht so trocken als bey vorigen Erdbeben. Das 2zfte den 12. 2z. Oet. um 6. Uhr Morgens, war eines von den geringsten, und doch von vielen, in den Häusern und Viehe- Ställcn, gespürt. Das Erdreich ist s. Tage lang bis dahin mit Schnee bedeckt gewesen. Das 24ste den i s. 26. Abends eine Viertelstunde vor 9. Uhr, war mittelmäßig starck, und doch von vielen Leuten m -er gantzen Gemeinde verspürt, den gantzen Tag lag ein dick-trockener Nebel, um 12. Uhr darauf in der Nacht ward der Himmel hell, und sahe man alle Sternen. Das 2^ste den 2. i z. Nov. um 7. Uhr Morgens, war geringer, und von etlichen Leuten diß- und jenseits der Liuth gespürt. Das 26fte ward den i. 12. Dee. Montag Abends um 8. Uhr bey kaltem Hellem Wetter, da es am Samstag zuvor sehr warm geregnet, gespürt. Das 27ste den 8. 19. Dee. Morgens eine Viertelstunde nach z.Uhr, war starck. Das 28fte den 17. 28. Dee. Morgens um 6. Uhr, ward im gantzen Linthal gespürt. Das 2sste in der Nacht zwischen den 19. z-> und 20. zi. Dee. war- an beyden Seiten der Ltnth gespürt. Das zoste, den 24. Dee. 4. Jan. Morgens nach 6. Uhr, kam ein geschwindes, starck hin und wieder stoßendes Erdbeben daher, welches jederman heftig erschreckte. Vier Tage zuvor war die Luft grimmig kalt, hernach folgte eine gantz warme Wcyhnacht. Es ward in beyden Gemeinden, doch im Linthal ftärcker, gespurt. i84 Erzehlung seltsamer lTkatur-Gefchlchten Das z iste den iz. 24. Febr. ward Abends nach s. Uhr in beyden Gemeinden gespürt. Das )2fte den 17. Iun. ward ein imttelmäßig starckes Erdbeben im Linthal kurtz vor 10. Uhr am Morgen gespürt. Das zzste den 24. Sept. 2. Ott. Morgens vor Tag, ward von vielen Personen im Linthal gespürt. Den 26. Sept. 4. Oct. eine halbe Stünde vor Tag kam ein gefchwind-starcker Haqeldaher; die Steine waren so groß als eine Hasel-Nuß. Das Z4ste den 28. Nov. s- Der. ward vor e. Uhr sthr starek wahrgenommen, es hebte mit dreyen Stössen an, und währete länger als die vorhergehenden. Dieses Erdbeben ward im gantzen Lande, vornemlich zu Mollis, gespürt; die in Bettern lagen, haben vermeyrrt, sie werden nicht nur gewieget, sondern starck mnher ge- sil)üttelt. Das Z5. Z6. und z?fte den zo. Jan. ro.Febr. 172z. Morgens um 7. Uhr. Es kam ein Rauschen in der Luft daher, darauf erzeigte sich eine empfindliche Erschütterung und Bewegmig der Häusern ungefehr eine halbe Stunde hernach; und nach verflossenen 24. Stunden empfunde man solche Bewegung wiedrum, aber nicht so starck, als das erstemal, in beyden Gemeinden, -och dißmal in Bettschwanden stärcker als im Linthal. Aus oben gemachter Erzehlung erhellet, daß bey diesen Glarnertschen Erdbeben sonderlich und gemeiniglich diese drey Begebenheiten bemercket worden : 1) Ein Stoß öder Klaps im Erdboden unter den Füssen. 2) Eine Erzitterung, Erschütterung und Beben der Erde, bey welcher, nach der Alp-Knechten Bericht, an vielen Orten grosse Steine von ihrem Ort beweget worden, daß sie mit grossem Praßlen herab gefallen, z) Ein Surren, Sausen und Brummen in der Luft, welches alles füglich aus heutig-allgemeiner Grund-Lehre von den Ursachen der Erdbeben kan erkläret werden» Werden die schweflicht-falpetrische Dünste in den unterirdischen Gängen und Klüften, mit denen das Linthal, und auch zum Theil Las übrige Glarncrland muß unlermmirt seyn, angezündet, so erfolget bey gewaltthätig mehrern Ausdehnung erstlich eine starcke Stoß-und Schlagung der obern Erden-Rirwe, und darauf eineBc- bung oder Erzitterung, welche etwan auch mit einer hin und her- Schwanck - und Wtegung begleitet wird. Das sausende Gethörr nimmet seine Urfach her, theils von eben dieser Erd-Zitterung, welche desSchweitzerlandes. igs auch der aufstehenden Lust mitgetheilt wird, theils von gewaltthäti- ger Durchdringung der innern Erden-Luft durch die enge Löchlein der obern Erden-Rinde, gleich wir wahrnehmen, daß die Winde auch also sausen, surren und brummen, wenn sie innert engen Strassen , oder zwischen Bergen und Bäumen gefangen durchpaßiercn müssen, und jederman bekannt, wie ein innert Canoncn oder Muß- queten angezündetes und aufgetriebenes Feuer die vorstehende Lust in so ftarcke Dünn-und Erschütterung bringet, daß von dem daher entstehenden Gethöne ein gantzes Thal erfüllest wird. Daß aber diese Erdbeben nicht etwa« von einem unterirdischen Winde, sondern würcklich angezündetem Feuer verursachet worden, dessen haben wir, ohne auffert das Glarnerland zu gehen, verschiedne MerckzMen, welche ich auch noch in möglicher Kürtze anzeigen werde. Im Glar- nerlande sind währender Zeit dieser Erdbeben, viele Brünnen auf- aetröcknet, welches zwar von gar grosser Hitze der äuffern Luft auch hat geschehen können, wie eben dieses auch Anno isss. 1669.1676. und 1686. begegnet, da auch einige Firren auf den höchsten Bergen zerschmolzen, ohne daß dabey eimge Erdbeben gespürt worden, hier aber kau und sol dieses den übrigen Würckungcn zugesetzet werden. Im Linthal fliesten an dreyen Orten Schwefel- Brünnlein. Ju der Sand-Alpe, deren Märchen an die Pündtnerische Gebirge gegen Disentiß flössen, so auch in den Alpen-Limmern, und Fißmatt, riechet man einen im Gebirge verborgenen Steinöhl-Brunn, welches wiedrum eine Gegenwart schweflicht- öhlicht- entzündlicher Theilen anzeiget. Verwunderlich war auch diß, daß der gefallne Schnee in den Riedwäldern, Oberreitenen, zu hinterst im Thale nicht so hoch gewesen, als im Dorffe Linthal, und allhier minder Liess, als im Laü und Haßten, allernächst hinter Schwanden: So schmoltze auch der Schnee viel geschwinder zuhinterst im Thal, als im Dorffe Linthal, auch hier eher, als allernächst hinter Schwanden, welches sonst nicht geschiehet, ausser der Süd - oder Föhn- Wind habe die Oberhand, daher die Einwohner viel auf den Streit des Süd - und Nord-Winds Achtung geben, und von dieser Ursache herleiten, daß etwan im Thal viel Schnee lieget, im Flecken Glarus aber keiner, etwa« aber zu Glarus mehr, als im Thal. Dißmal aber muß man die geringere Höhe und geschwindere Schmelzung des Schnees in höhern Orten nothwendig einer unterirdischen Wärme oder Feuer zuschreiben; dessen deutlicher Anzeig auch über diß l. Theil. Aa ein 186 Erzehlung seltsamer dJatur-Geschl'cbten ein grauer Rauch oder Dampf gewesen/ welcher bey dem rasten Erdbeben den 2. iz.Winterm. vor Aufgaug der Sonne aus einem geöffneten Grabe hervor kommen, zu jedermans desto grösserer Verwunderung, weil dieser Morgen sehr kalt und helle war, auch hin und wieder das Wasser in der Küche gefroren. Wetters dienet zur Bekräftigung, das in solchen hohen Gebirgen ungewohnte warme Weyhnacht-Fest, so auf das zoste Erdbeben gefolget. Endlich ist zu bemercken, daß die Unterhölung der Glarner-Gebirgen im grossen Thal aus verschicdnen Merkzeichen abzunehmen, insonderheit aber aus vielen hie und da befindlichen Luft-Löchern, unter welchen ich jüngsthin auf der Alp-Guppen über Schwanden das sogenannte Dönelocb gesehen habe, in welches ein einaeworffener Stein sehr tieff hinab fallet, und lange thönet, auch dabey verschiedene Gruben, welche ohne Zweifel bey Anlaß der Erdbeben, oder aus andern dergleichen Ursachen, eingesuncken seyn müssen. Historische Beschreibung aller Erdbeben, welche in dem Gchwei- zerlande von Zeir zu Zeit aespürer worden. Anno 849.867. 944. sollen Erdbeben gewestn seyn, nach der Zeugniß Urpiürni ^nnal. bey Oolclsll. /Zlsm. 8,er. ^om. l. p. 8. ic>. 14. Anno 1021. den 12. May erzeigte sich ein erschröckliches Erdbeben, durch welches das Münster zu Basel zerrüttet ward, daß etliche Gebäude davon in den Rhein fielen, denn es nahe auf das Wasser gebauetwar. srumpf. cbron. i_. >i. c. 21. A. iZ48. war ein gar grosses Erdbeben. Sprenger. (Airon.^sc. 26 b. L. Es scheinet, es habe die Stadt Basel in demselben starck gelitten, laut dreyer alten Versen, so man zu Villach in Kärndten, in der St. Iacobs-Kirche, in eine Mauer eingehauen flehet: 8ub>ä. L. rripio qusöraginrs oälo r>bi ctieo, lunc kuir l'err« morus converlio ?LuIi, Subverril l^rbes k^liieam. czlirL Villäci. Zu Truisch: Ein ^ drey c. vierzig und acht, Wol auf St. Pauls-Bekehrum Nacht, Verfiel durch eins Erdbebens Macht Basel die Stadt, zusamt Villach. Und kan sich vielleicht Würstchen in seiner Basler Chronie p-176. aeirret haben, daß er dieses i zMe Jahr mit folgendem iZssften vermischet. A. iZs§. i87 des Gchwcitzerlandes. A. den l 8 . Oct. erhübe sich Abends um 10. Uhr zu Basel ein schreckliches Erdbeben, und in selbiger Nacht noch ro. andere, daß hiedurch sowol sonderbare und gemeine Gebäude nicht nur crgcl- let, sondern auch zu gröfferm Theil in einen Haussen gcfället wurden. Der einbeschloßne Gewalt warffe nicht nur schlechte Häuser, sondern auch Vestunqen, Thürnc und Kirchen darnieder; was nicht einsancke, das zerfpillte, und ward presthaft. Ein Theil des Chors im Münster, samt dem Fron-Altar fiele bey Nacht ein; so schreibt >LneZ 8 Syiviug. es seyen in der Stadt nicht über ivo. Häuser gantz und aufrecht geblieben. In diesem Einfall verdürben, wie etliche setzen, bey dreyhundert. Iederman verliesse Hauß und Gut, und fiohe, das Leben zu fristen, aufdie Weite, sonderlich auf den St. Peters-Platz, allwohin einer von Bercnfels geflohen, und aber von einer herabfallenden Zinne auf St. Peters-Brücklein zu tod geschlagen worden. In diesem Jammer gieng hin und her in der Stadt Feuer auf, das etliche Tage brann, und niemand aus Forcht löschen dorfte. Die Zeit dieser ernstlichen Heimsuchung Gottes ward von. den Alten in dreien Reimen begriffen: Ein Rink, mit seinem Dorn, Drey Hufeisen auserkorn, Ein Beihel, der sechs Krägen Zal, Da verfiel Basel überall. Es vergiengen durch dieses Erdbeben auf 4. Meilwegs um die Stadt Basel, sonderlich am Blauwen, und um das Gebtrg7ur»m, vier und dreyßig namhafter Burgen und Schlössern; als ein Mönch des Closters St. Martin auf dem Zürich-Berge, so damals im Leben gewesen, verzeichnet. Andere sprechen sechzig, welche nervlich die mindern Wasser-Häuser dazu gezehlet; als da gewesen find Telspcrg, Vorburg, Löwenberg, Mersperg, Blocbmont, Thierstcin, Neucn- stein, Pfcffingen, Bercnfels, Schollbcrg, Mönchsberg, Hängen- stein, Lands-Cron, Reichenstein, Birseck, Mönchenstein, Beuren, Ramstein, Gilgenberg, Schauenburg, Wartenberg, LandeSchr, Hasenburg, Steinbrunn, Bindcrthan, Heitweiler, Wildenstein, Eptingen, Horberg, Froburg, Farnsperg, Licchtstal, und jenseit Rheins Hartenberg, Ottlicken, Brombach, mit viel andern. Von diesen find etliche nochmalen wiedrum gebauct worden, etliche aber öde und unbewohnt geblieben, also daß noch die Burgftäle und Maur- stöcke hin und her zü sehen. Zur Wiedergedächtniß dieses traurigen St. Lucas-Tags ist erkennt worden, jährlich an demselben Taae eine herrliche Proceßion mit der Litaney und dem Fron-Leichnam um das Aas Mün- 188 Erze blung seltsamer kTkamo-Gefthicht en Münster zu halten, eine genannte Summa Brods den Dürftigen auszutheilen, dazu haußarme Leute mit Röcken und nothwendiger Kleidung zu begaben, welche löbliche Stiftung der grau-Lucas- Röcken noch dieser Zeit gehalten wird. Gemeldtes Erdbeben wäh- rete nicht nur einen Tag, oder Monat, sondern man nahm selbiges (obwol nicht so starck) ein aantzes Iahr durchaus, beynahe alle Tage, gewahr. Diß und anders mehr von wieder Aufbauung der zerfallenen Gebäuden, schreibt Wursteisen in seiner Basier-Chronic, I^b. NI. c.!z. Zu Basel giengen bey diesem Erdbeben bey lOOO. Vlenschen verlohren. Zu Bern siel an der Lüt-Kirchen der Wendelstein, der war mit Steinen bedeckt, und die Gewölbe in der Kirchen, nieder, auch etliche Mauren an den Häusern, sonst fiele kein §>auß, es geschahe auch kein anderer Schade zu Bern. Tschachtlan Chrom l-'k. >2. c. r8- benennet 42. Schlösser, welchem diesem Erdbeben zerfallen. Besiehe auch Königshöfen Lkron. xag. zsr. Spreng. NNd LullinZ. t^kron. Xälc. sci k. Anno iZ5? im Meyen erzeigte sich abermal zu Basel ein grausames Erdbeben, das zerschütterte das Münster gar übel. Lcumpk. Lkron. I4b. XII. czp. 28- A. I Z72. den i.Brachm. erzeigte sich ein neues Erdbeben zu Basel, welches etliche Camine oder Schornsteine, und vom Münster St. Georgen etliche grosse Steine herab warffe. Nach s. Tagen sahe man einen Ring um die Sonne, über welchem zwey roth-farbe Creutze stunden, wursteisen Basier Lkron. P3Z. i3s. Lrumpll. Lkron. k. Xiti c z. k. XU. c. 28. A. i Z94. den 22. Merz kam ein ftarckes Erdbeben, der erschütterte die Berge und Gebäude in unsern Landen; und erfolgte ein gar heisser Sommer, darinn alle Früchte gar gut und frühzeitig Wurden. Kicker. Lkron. X4ic. 3ci k. A. A. 1416. den 21. Jul. Abends hat abermals ein erschreckliches Erdbeben die Stadt Basel grausam erschüttert, daß viele Leute aus Forcht auf das Feld hinaus geflohen. 8iumpN. LMon. k^. xu. c. ;o. A. 1428. den iz. Dec. erregte sich abermal ein entsetzliches Erdbeben, das erschütterte die Stadt Basel also, daß viele Ziegel und Camine von den Dächern sielen. Srumpk. LMon. Q.xm c.zr. A. 1444. den ZO. Nov. frühe vor der Sonne Aufgang erzeigte sich abermal ein Erdbeben über Basel, dem Volcke nicht zu kleinem Schrecken. 8rumxk. Lkron. XII. c. zr. A. rsZZ. des Schwelyerlandes. i89 Anno iszz. hat sich im Nov. in den Helvetischen Landen ein starckes Erdbeben verspüren lassen. 8mmpk. LKron. i^>b. xl>. c. ^r. A. 15 Z4. den r. Oct. in der Nacht erzeigte sich ein Erdbeben um die Stadt Zürich/ unddarinn; darauf folaete den 21. und 22. Oct. ein starckcr Sturmwind/ der that in Wäldern und sonst grossen Schaden. lcl. I^ib. VI. c. ro. A. 15-8. den 28. Jan. erzeigte sich abermals ein Erdbeben über Baseh doch ohne allen Schaden. '6. l.,b. xn. c. A. 1557. den 24. Apr. spürte man ein Erdbeben in Zürich mit einem grossen Klapse. t.. xii. A. 1572. spürte man an vielen Orten gar starcke Erdbeben. blaller. Lkron. Ivllc. l^ib. z8 c t. Den !>-. Horn. zwischen 8. und 9. Uhr spürte man zu Basel eine plötzlich fürübergehende Erschütterung. Wursteisen Basier Lhron. p. 650. A. l 57z. den 2O. Dee. erzeigte sich ein Erdbeben zu Zürich/ und am See. 8lumpk. dkron. 1 ^. VI. c. 20. Loükzrr Lkron. Viroclursn. X 15 c. sci k. z. A. 1574. den zo. Jun. erzeigte sich zu Zürich ein Erdbeben. ex Xllc. kibl. n. s2. >. A. 1577. den 22. Sept. spürte man zu Basel in der Stadt und daherum in der Eydgnosischaft drey Erdbeben/ das erste und stärckfte am Morgen zwischen 2. und z. das andere auf den Abend um 5. Uhr/ das war etwas geringer; das dritte die folgende Nacht, war wieder stärcker, als das mittelfte. 8mmpk. LMon. xin. csp. 42. A. 1575. den 28. Sept. spürte man zu Zürich und anderstwo ein starckes Erdbeben. Lx xäic. 4nc,q. Lwi.i'io. n. 52. A. 1584. den 1. Merz um 12. Uhr spürte man ein erschreckliches Erdbeben an mehrtheils Orten der Eydgnosischaft/ besonders am Greiffensee; in der Landschaft Berner-Gebiets, zu Vvo,ne und i-orbiere hat es gar grossen Schaden gethan/ wovon zu seiner Zeit bey Anlaß der Bergfällen eine umständliche Beschreibung gemacht werden sol. blaUer. Lkron. Xlsc. I^lb. 44. c. 2. 8uimpk. (.yron. s.lb. XUi. c. 42. A. i6oi. den 8. Sept. am Morgen zwischen i. und 2. Uhr war ein erschröckliches Erdbeben, nicht nur in gantz Europa, sondern auch einem Theile Asiens, das hin und wieder grossen Schaden ge- Aa z than, Erzehlunc, seltsamer kTsatur-Geschichten thau. Zu Lucern in der Stadt trieb es das Wasser also von ein- arider/ daß das halbe Theil der Reuß im See, und das andre halbe Theil aus der Stadt liesse/ daß man trocknes Fusses hat können im Fluß wandlen. Dasselbe spürte man in den s. Orten noch etliche Tage also, daß jederman vermcynte, der Jünafte Tag würde kommen. Eine hohe Obrigkeit zuZürich hat dieses Erdbeben veranlasset, ein grosses Büß-Mandat zu machen. Salier. dNi-on. I4b. 58. c. iz. Zu Zürich hat es zwey Camine und den halben Dachstuhl im Wirtz- hauß zum Adler abgeworffen, alle ftärcksten Thürne und Gebäude mit Spülten zerrissen. LxMc. /mriq. L,bl. DZ. n. 52. A. 1602. den 28. Jun. am Morgen um §. Uhr hat sich ein Erdbeben der Stadt Zürich erzeigt. Kicker, cliron. »n n. 3. A. 1610. den 29. Nov. hat sich zu Basel ein starckes Erdbeben mit einem grossen Getöse mereken lassen. Groß Basler Chronie P.2Z7- A. 1614. den 17. Febr. und 24. Sept. haben sich zu Bafel strenge Erdbeben erzeigt, also dast mit grossem Praßten alle Gebäude von einer Seite zur andern erschüttert worden. Groß Bas. Chron. x. 240. A. 1622. im Monat Merz, als das Volck (der Ober- Engadi- nern, so, ausZumuthuna der Oesterreichern, ins Unter-Engadin gehen sotten, dem Fürsten zu schwerer!, daß sie den Unter-Engadi- ncrn in Ewigkeit keine Hulffe wider das Hauß Oesterreich leisten wollen) dem Unter-Engadin zugezogen, hat sich ein starckes Erdbeben erhebt, welches das Erbrich unrer ihnen heftig erschüttert, und als sie fürwärts gegangen, und an das bestimmte Ort kommen, da sie schweren sollen, hat sich das Erbrich abermal erschüttert. Basler Pundtner Krieg. csp. 47. , A. 162z. den 20.21. 22.2z. 24sten Febr. ist alle Nacht ein cr- schröckliches Erdbeben (auf geschehene?ubijc3uon eines Päbstlichen vecreks) erfolget, daß sich dadurch alle Gebäude erschüttert und bewegt, an etlichen Orten auch die Gläser auf den Tischen erzittert, welches Erdbeben im gantzen Veltlin gewesen, wie auch zu Pusclav, im Bergell, und der Grafschaft Eleven. Basler Pündtner-Krieg. csp. 54. A. 1650. hat die Freyherrschaft Hohen-Sax 18. die Stadt Basel 7. und die Stadt Zürich 4. Erdbeben empfunden, ^ßner. k-lei v. Lur. p. Z71 . Zu Anfang dieses Jahrs haben sich in der Herrschaft Sax des Gchweitzerlandes. 191 Sax Tage nach einander starcke Erdbeben mercken lassen. Und im Herbst darauf sind zu Zürich und Basel, in Städten und auf der Landschaft, abermals vier starcke Erdbeben mit schrecklicher Erschütterung gespürt worden. l^orrinZ. 8pec. Dxur. p. 5 O 4 . A. 1652. den 4. Febr. ist in der Stadt und auf -er Landschaft Zürich, dcßgleichen auch zu Basel und Schafhausen ein sehr starckes Erdbeben gespürt worden, krtw. Eydgnößische Gcschtcht-Beschreibung. p-9?6. A. 1656. jm Febr. wurden bey Basel herum in einer Nacht drey unterschiedliche, und den i6. May Morgens zwischen z. und 4 . Uhr wiedrum ein starckes Erdbeben verspürt. i<^n. ekron. cir. p. lOvI. A. r 666 . spürte man Erdbeben. Den i. Sept. zu Arbon am Boden-See und umlieaenden Orten. Den 2. Oct. zu Eglisau, mit grossem Erschüttert!. Den 14. Dee. wiedrum zu Ealisau mit starkem Knalle. A. 1672. den 9. Jan. Nachmittag um z. Uhr ist in der Herrschaft Sax ein Erdbeben verspürt worden mit einer zimlichen Erschütterung und Geräusche; zu Frümsen aber mit einem lauten Klaps und Getöse. Lx ^rcbivo /muttir. 1'jAurin. Selbigen Jahrs den 12. May um halb 12. Uhr, ist die Herrschaft Sax mit einem starcken Erdbeben erschüttert worden, von welche,» die Wohnungen mächtig erzittert, und in den Gebirgen ein lautes Getöß erschollen ; dieses Erdbeben ward in allen Orten, in Berg und Thal, Holtz und Feld, zu Wasser und Land empfindlich vermcrckt. Lx Archiv. ^nrillir. Hgurin. Den 2. Dee. auf den Abend gegen z. Uhr ist zu Uster, Eglisau, Kyburg und andern Orten ein gar empfindliches Erdbeben vermerckt worden. Auf dem Thurn zu Eglisau bemerckte der Wächter erstlich ein kleines Geräusch, und dabey die Geschirre fich auf den Gestellen bewegen, und als er darauf zum Fenster hinaus gesehen, den Thurn, die Fenster und fich selbst hin und her bewegen. 16. A. 1674. in dem Merz ist zu Jverdun, Berner-Gebiets, ein schröckliches Getöß in der Luft gehört, find bald darauf ein starckes Erdbeben verspürt worden. Dcßgleichen ward den 6. Dee. fast in gantzer Eydgnoßschaft und angräntzenden Landen ein ungewöhnliches Erdbeben so starck gespürt, daß man fich an einigen Orten eines plötzlichen Einfalls der Gebäuden vermuthet, kslm Eydgnößische Ehron. ?. 10z;. A. 1680. i§2 Erzehlung seltsamer kTkamr- Geschichten Anno i68a. den 24. Jul. ijt an vielen Orten der Eydgnoß- schaft ein starckes Erdbeben gespürt worden. So haben auch damals starcke Ungewittcr mit Donner, Strahl, Hagel, ungewöhnlichem Regen und Sturmwinde sich erzeigt, kakn l.b cit. p ie6s. ^ A. 1681. den 27. Jan. hat sich Nachts zwischen und n. Uhr ein starckes Erdbeben hiesiger Landen durchgehend verspüren lassen. kakn, I,b. cir. p. ro^6. A. 1682. den 2. May ist Morgens zwischen 2. und z. Uhr ein entsetzliches Erdbeben mir erschrecklichem Getöse, so gar, daß an unterschiedlichen Orten die Glocken an den Häusern davon geschälter, gespürt worden. >6. ,079 A. 1684. den 26. Febr. ward Abends zwischen 8. und 9. Uhr an vielen Orten der Eydgnoßschaft und benachbarten Enden ein sehr starckes Erdbeben verspürt, welches die Gebäude mächtig erschüttert. Iä. PSA 110s. A. 1704. den 4. Nov. Morgens zwischen 4. und s.Uhk hat man zu Zürich in der Stadt, und auf dem Land eine helle feurige Luft- Geschtcht gesehen, (von deren Ursache oben mit mebrerm geschrieben worden) worauf ein starckes doppeltes Erdbeben erfolget. Zu Basel hat in eben der Stunde in der Luft ein starcker Wind mit Donner und Blitzen, und unterflieffendem Platzregen, doch ohne Erdbeben, regiert. A. 1705. den 24. Sept. Vormittag um 12. Uhr ist zu Eglisau ein empfindliches Erdbeben gespürt worden, doch nicht in allen Häusern, auch mehr innert als aussert dem Rhein, zu grossem Schrecken, mit heftigem Praßlen, Knallen, und darauf erfolgtem Erschüttern, als wäre etwas schweres gefallen, oder mit Gewalt niedergeworffen worden. Dieses letztere Zeichen ist zu Eglisau mehrmalcn bey andern solchen Anläsen gespürt worden, wie aus den Beschreibungen zu ersehen; und veranlaset mich dieser vermeynte Fall an einen würck- lich geschehenen Fall zu qedencken: wie ich mir denn die Eingeweide der Erde unter der Herrschaft Eglisau, als gewölbt und hol, vorstelle, wie es auch die Beschaffenheit der daselbst zusammen kommenden Bergen mitgibt, welche wol bey ihrer Zusammenftoffung nach der Sündfluth sich in der Höhe behalten haben, und unter ihnen eine grosse Liesse Höle, in welche sie nicht abgesuncken, übrig lassen können. Auf dieses Fundament sage ich nun, daß sich leichterdingcn zutragen kan, daß von den obern Theilen dieses Natur-Gewölbs ein grosser des Schweizerinn des. I9Z grosser bereits zimlich abgelößter Felsen von selbst, in Kraft seiner eignen Schwere, fallen, und durch diesen Fall die Erde erschüttern kan. Hieraus ist zu ersehen: i) Die Ursach, warum die Herrschaft Eglisau den Erdbeben so sehr unterworffcn. 2) Daß bey solcher jezt -eschriebner Beschaffenheit zu sorgen, es möchte das natürliche Gcwölb dieser Herrschaft zu seiner Zeit völlig einsincken, und ein grosser Jammer erfolgen; weßwegen wir Ursach haben, den grossen Gott zu bitten, daß er mit seiner Macht die schwacher» Stützen unserer Landen fest halte, und uns indessen dahin neige, daß wir durch unsere Bekehrung einer solchen schon langst verdienten Strafe vorkommen, z) Daß folglich die wirckcnde Ursach der Erdbeben nicht allezeit und nothwendig ein unterirdisch Feuer seyn müsse, sondern auch ein solcher Fall eines grossen Felsen in ein unterirdisches Gewölb seyn könne. Den rz. Nov. 1705. folglich 9. Tage später als vor einem Jahr, hat ein starckes Erdbeben unsere Stadt und Landschaft Zürich in Bewegung gebracht, welches auch zu gleicher Zeit, nemlich zwischen z. und 4. Uhr am Morgen, in der Landschaft Thurgäu, in der Grafschaft Toggenburg, und, wie man berichtet, im Schwabenlande aller Örter», mit einem vorhergehenden Knall und Stoß, gespürt worden, da dann der meisten Aussagen dahingegangen, daß nebst einer Erzitterung der Häusern und Fenstern jederman bedüncket, man werffe einen schweren Sack auf den Boden. Zu Stettbach hinter dem Zürich-Berg hat ein Mann, der auf der Reise war, nebst der Erzitterung ein zweyfaches Wetterleuchten gesehen,wodurch wtedrum das, »vas oben Bl. 76. von dergleichen feurigen Luft-Geschichten geschrieben worden, bekräftiget wird. In den nächst vorhergehenden Tagen hatten wir unbeständige, bald warme, bald kalte, bald trockene, bald nasse Witterung; aber zu Anfang des Monats brachte derun- gewohnt-starcke Mittag- oder Föhn-Wind auch einem,gemeine Wärme in unser Land, daher der Schnee auf den hohen Gebirgen aufs neue zu schrneltzen, und die Wasser aller Orten anzulauffen angefangen, welche hie und da grossen Schaden verursachet, wovon auch oben gemeldet worden. Bey dieser Erd - Zitierung bliebe es nicht: Zu Eglisau, und dort herum, einer dem Lobt. Stande Zürich zugehörigen Vogtey, spürte man vier Tage hernach, den 17. Nov. Abends nach 7. Uhr, ein neues Erdbeben, und zwar ftarcker, als das erste. Bey welchem Anlaß zu bermrcken, daß die Gegend um Eglisau, so 1. Theil. Bb auch l-4 Erzehlung seltsamer Natur-Geschichten auch die Grafschaft Baden, Freyherrschaft Sax, nebst den Löbl. Cantonen Baiel und Glarus vor andern Orten des Schweitzerlands denen Erschütterungen unterworfen. Von den natürlichen Ursachen der so oftmaligen Erschütterungen-es Glarnertands, und sonderlich -es Grossen Thals, ist bereits gehandelt worden; und fügen wir, zu mehrerer Bekräftigung dessen, was geschrieben worden, hinzu, daß von Schwanden bis ins Linrhal sich aller Orten Schwefel- Brünnen, und andere mineralische Wasser zeigen, woraus die Materialien zu einem unterirdischen Feuer ohnschwer hergeleitet werden können. Von der Stadt und Landschaft Basel ist zu vermuthen, daß die unter derselben gelegenen Holen, in welchen sonderlich viel Schwefel und andere desgleichen Materialien gelegen, währenden so gar ftarcken Erschütterungen in den Jahren i zs?. i Z72.1416.1428. 1444. rc. von welchen oben Meldung geschehen, eingefallen, und mit Felsen, Sand, und anderer dergleichen nicht entzündlichen Materie verschüttet worden, weilen man bemercket, daß seit ungefehr 102. Jahren die Erdbeben allda nimmer so oft und starck gewesen, wie vor diesem; ja es sind mehrmalen in andern Orten des Schwcitzer- lands Erschütterungen gespürt worden, da Basel leer ausganqen. Eglisau, Sax und Baden halber ist aus ihrer Situation oder Beschaffenheit ihres Lagers zu schließen, -aß solche gleichsam mit vielen holen Klüften und Gängen unterminirt, in welchen eine entzündte Materie nothwendig die obere Erden-Rinde aufheben, und in eine Erzitterung bringen muß: Es senckten und lenckten sich alldvrt in Erneuerung der Erde nach derSündfluth die Berge und Felsen von allen Seiten gegen einander, so daß sie gleichsam ein natürliches Gewölbe ausmachen müssen, unter welchem denn die holen Minen oder Gänge sind. Es sol uns Mich die Betrachtung solcher Natur-Gewölben in eine heilige Forcht setzen, und zu einem beständig frommen Leben anmahnen, weil wir nicmalen, natürlicher Weise davon zu reden, sicher sind; denn, lieber, wo wollen wir hinfließen, wenn die Erde, welche uns tragen soll, selbst wancket? was vor Mittel wollen wir ergreifen, wenn die schwanckcnde Pfeiler dieser Gewölben einfallen? Hierüber kan mit Lust gelesen werden, was der gelehrte äenecz schreibet l-ib. vi. i. Um so vielmehr haben wir hohe Ursache, mit unserm Gott uns zu versöhnen, weil unser Schweizerisches mit Bergen überdiß beschwerte Erden-Gewölbe bereits des Schwelyerlandes. 195 viele Stösse ausgehalten hat/ und wir/ so wol aus diesen natürlichen Ursachen/ als auch aus ezulis mmsübus, ich verstehe/ die überhand nehmenden Sünden und Boßheiten/ vermuthlich mercken können/ daß der Terminus fzrsii8 nicht mehr weit von uns abstehe, da Gott nach seiner strenger» Gerechtigkeit, und unerforschlichen Weißheit/ die Pfeiler unsers Landes kan einfincken, und uns durch die Erde selbst verschlingen lassen. Vsn ungewohnten Iahrs-Zeiten des Schwettzer-Lands. ^Usdem, was bisher von der verwunderlichen Thal-Bergichten Beschaffenheit/ und hoher Situation des Schwei- Mands geschrieben worden, ist leicht zu schliesset»/ daß die Jahrs-Zeiten bey uns nicht so ordentlich auf die bey vielen andern Länder»» gewisse Zeit/ Wochen und Tage/ oder alle Jahre auf gleiche Weise geschehen / sondern sich merckllch abändern. An einigen Orten regiert bald das gantze Jahr hindurch eine beständige fast winterliche Kälte; an andern bald eine durchdringende Kälte/ bald eine fast unleidenliche Wärme. Die meiste»» Länder, Städte und Thäler aber werden etwa»» innert wenig Tagen oder Wochen mit gantz widrigen Abänderungen angefochten. Es stürmen auf dieses Haupt, oder obersten Gipfel von Europa, nicht nur alle Elemente, sondern auch alle Winde rnit grösserer Freyheit und leichtern Wür- kung, als auf andere Lande; und wäre in Betrachtung dessen unser Schweitzerland das ungesundeste von allen, wenn nicht dem gütigsten Schöpfer gefallen hätte, dieser kräncklicher» Blöffe die Reinigkeit und Gesundheit der Luft und Wasser»» entgegen zu setzen, wie auch die Fruchtbarkeit der Erde, die Köstlichkeit der Gewächsen, und andere dergleichen Gaben, vor welche wir dem barmherzigen Gott zu danken habe»». Unsere Entfernung von den» Meer haltet viel grobe, schwere, salzichte Dünste von uns ab, welche bald an den Küsten, oder auch angräntzenden Landen sich herab lassen, und also nur die leichten wässerigen Theile zu uns geführt werden, welche denn an unsern Bergen arrstossen, und sich in Nebel, Reger», Schnee, Brünnen , Bäche und Flüsse verwandeln. Gleichwie auch von den B b 2 Gotts- 196 Erzehlung seltsamer Natur-Geschichten Gottsgelehrten Naturkündigern die Winde insgemein vor ein Herr- liches Mittel angesehen werden, die Luft vor der Fänlung, und unsere Leiber vor vielen Kranckhetten zu bewahren, also können wir uns leicht vorstellen, daß durch viel und öftere wtndichte Bewegungen der Schweitzerischen Luft auch diejenige böse Dünste, welche etwan änderst woher uns zugeführt worden, oder aus unsern eignen Landen aufgestiegen, von uns hinweg, und anderwärts hin getrieben, wir folglich von vielen Beschwerden, die daher erwachsen tönten , erlediget werden. Es weiß aber auch der gerechte Gott eben diese Heil-Mittel in Straf-Gcrichte zu verwandeln, und uns nach . unserm Verdienen bald mit ungewohnter und schädlicher Hitze, bald mit empfindlichem Frost, bald mit allzunaffcr, oder trockener Witterung, und daher auf die Früchte des Felds, Weinftocks, Menschen und Viehe kommendem Schaden heimzusuchen. Ein Exempel der Barmherzigkeit Gottes ist diß lauffende i?2tte Jahr, zu dessen Anfang hin und wieder in unsern Eydgnößischcn Landen bey kaltfeuchter Witterung allerhand hitzige Fluß-Fieber und andere böse Kranckheiten gercgiert, welche aber durch die Güte Gottes bald wieder nachgelassen. Der Frühling liesse sich also an, daß man aus allerhand theils oben beschriebnen Wunderlichen abnehmen konte, daß wir ein rechtes Wunder-Jahr vor uns haben werden: Der Sommer war absonderlich durch den Augstmonat ein Wunder- Sommer, zumalen nicht leicht ein so lang anhaltendes schönes Wetter und ftarcke Wärme erlebt worden, welche auch auf den Gebirgen gespürt ward, da sonsten der Winter regiert, und mehr Schnee und Eiß, als in andern Jahren, hat schmeltzen mögen; die Baum-Früchte haben wegen Mangel des Safts nicht zu vollkommner Grosse gereichen mögen; der Menschen und Thieren Leiber haben eine unge- wohnt-starcke Ausdämpfung ausstehen müssen, deren Würckunq sich bereits durch die rothe Ruhr, Durchbrüche und andere Kranckheiten erzeiget hat, welche hie und da graßirt, bcsorglich aber sich noch weiter^ bey einbrechendem Herbst und Winter, eröffnen wird, absonderlich, weilen unmittelbar auf die grosse Hitz eine zimlich strenge Feuchte und kalt-windichte Witterung erfolget. Bey diesem Anlaß habe ich vor gut erachtet, dem geehrten Leser eine historische Erzehlung aller derjenigen seltsamen Jahrszeiten vorzustellen, welche unsere Eydgnößische Lande ausgehalten, und hie und da in gedruckten oder gefchrtebnen Geschicht-Büchern verzeichnet stehen. A. 729. des Schweiger-landes. 197 Anno 709. 762.86o. 91z. 94s. müssen sehr herbe und lang anhaltende Winter gewesen seyn, nach der Zeugniß ttepiNsni ^nnai. bey Goldast. ^izmann. Ker. p. 6-10. A. rrzs. war ein solcher hciffer Sommer und Herbst/ daß alle Pfützen und Gräbem viele Brünnen und Wafferstüsse im Rhätischen Gebiete und anderswo austrockneten / und an vielen Orten grosser Mangel an Wasser erlitten wurde/ alle Hecken und Zaune auch auf den hohen Bergen verdorreten/ und grosse Wälder entzündeten sich» 6uler. llrer. p. 128. b. A. 1277. war der Winter so ungewöhnlich kalt/ daß der Boden-See von einem Gestade bis an das andere überfroren. rEner. IkeLtr. Lolcxlor. p. z 12. A. 1Z4Z. war gar ein heisser Sommer/ und wurden alle Früchte überaus gut; mehr als 8. Tage vor St. Johann hat der Wein verblühet. Es hat so lange nicht geregnet / daß in diesen Landen Gersten gesaet/ geschnitten/ und Brot daraus gemachet worden/ da es doch darauf nie geregnet. (Hon. ^ K. A. i zs7. im Hornung/ Merz und April starben viele Leute und Vieh vor Hunger und Frost/ also lang währete der Schnee und die Kälte. Es verdurb auch dieses Jahr viel Heu von Hitze / daß man viel Vieh niederschlagen mußte / weil es vor Hunger starb; man deckte viele Häuser in den Dörffern ab/ die mit Stroh gedeckt waren/ und gäbe es dem Vieh zu essen. Alles war sehr theur/ das Malter Spreu kostete z. ß. Sprenger Oiron. ->n K. A. I Z62. war ein übermäßiger heisser Sommer/ in dem die Matten und Wcyden verbrunnen/ daß alles Hem Emd und Futter verdarb; darauf folgte A. iz6z. ein grosser schädlicher Vieh-Tod, sonderlich in den z. Monaten Hornung/ Merz und April: viel Vieh starb vor Hunger/ viele Leute schlachteten ihr Vieh/ daß es ihnen nicht Hungers verdürbe; man fütterte an vielen Orten mit Ebheu und Tankrieß; etliche deckten ihre Stroh-Dächer ab/ und legten das Stroh dem Vieh zur Speise für; die Aus-Tage des Frühlings waren gar herb und streng/ des Schnees war viel/ und der wolle nicht schmeltzen/ und war eine überaus grosse und beharrliche Kälte: Alle Wasser froren allenthalben hart / der Zürich-See beschloß sich gantz bis an die Stadt. Dieser Frost währete bis an den Cbarfreytag. Es thauete aber der See in einem Tag und in einer Nacht auf. Die Räben um Zürich erfroren im Frühling, daß man sie meiften- Bbs theils 198 Erzehlung seltsamer Namr-Geschichten theils ausschlagen mußte. LullinZ. Lkron. 2ä k. a. Skumpk. dkron. (.ib. XIU. c. z. A. 1Z72. fiel im Herbst eine so gar grosse Kälte ein, daß die Trauben an den Rüben erfroren, als man aber wümmete, war der Most süß, und blieb süß bis zu Pfingsten, da er aber aufgieng, ward er so säur, daß ihn niemand trincken mochte. Luiimx QNron. acl k.s. A. i Z84. war ein Heister Sommer, darin» alle Früchte sehr gut, und frühe zeitia wurden. Es war also lang schön aneinander, daß etliche Sommer-Früchte gesäet, geschnitten, und Brot daraus gebacken ward, also daß fie fast nie,oder wenig beregnet wurden. Lmmxk. (.Krön. Xllt. c. 8 - A. i Z94. war ein so heisser und trockner Sommer, daß der Wein aar gut, und dessen viel gewachsen, schon vor St. Johann-Tag verblühet; und das Korn gesäet, geschnitten, gemahlet, und zu Brot gebacken werden können, ohne daß in der Zeit ein einiger Tropfen Regen gefallen. LmmpK. LKron. Ec. A. 1407. um Martini erhub fich ein überaus grosser Winter- Frost, welcher bis auf Mittefafien, 12. Wochen aneinander währete, daß der Zürich-See starck übersror. Es ist auch der Rhein so hart überfroren, daß man mit Wägen darüber gefahren. Diese Kälte mit dem Eiß und Schnee zergienge mit einem Regenwetter, deßwegen ein solcher grosser Wasserfluß erfolget, daß auf dem Rhein und andern schiffreichen Wassern etliche Brücken und Jnsuln weggeführet, und dem Lande, wegen wilder Bächen, so aus den Gebirgen und Wildnissen zusammen liessen, grosser Schade zugefüget worden. Lckvverrer GrÜlUNg. Lkron. 1.. IV. c. 12- VrttiL Lkron. Lstil. t^ib. IV. c. 12 . A. 1428. am St. Martins-Tage gieng ein kalter Winter an, der währte bis auf Lichtmeß, daß fich niemand -es Frofts erwehren mochte, darauf fiel eine regnichte Lust ein, daß die Wasser überaus groß wurden. Luerlm Lkron. KUc. aci k. 3 . Hckäckcjsn Lkron. sä k. 3. A. 1422. war ein so frühes Jahr, daß man zu angehendem Meyen reiste Kirschen, und auf Maria Magdalena reiste Trauben fand, und gab man darnach in der Fasten des 1721. Jahrs ein Viertel Kernen und ein Viertel Aep^el jegliches um z. ß. kuesiin. ckron. xiic. gci k. L. Die meisten Bäume verblüheten im Merzen; der April war noch schöner. Den 7. April hatte man zu Basel Erdbeeren des Schweiyerlandes. 19 - beeren feil. Zu Schwatz blüheten etliche Räbcn den s. April. Zu Bern fienge man an den Wein lesen den letzten Augstmonat. Zu Basel schenckte man neuen Wein auf St. Bartholomai-Tag, die Maß um i. Pfenning; zu Bern um 4. s. 6 . und 7. Pfenning. Um Martini-Tag gab man den Haber um 7. ß. die Wicke um 9. den Roggen um IO. ß. den Mütt. Dck 3 ckll 3 n Lkron. 3 ä b. 3 . A. 14z 2. war es im Ienner so kalt, daß Menschen, Böget und Thiere erfroren. Es erfroren auch die Raben und Nußbäume, daß man sie abhauen mußte, dcßhalben war daffelbige Jahr mit vielen Dingen unfruchtbar, kueülm LKron. gn n. 3. darauf ist eine grosse Hungers - Noth und Pestilenz erfolget. 5 mmpk. LMon. Vt. c. iy. A. I 4 Z 5 . war der Winter so kalt, daß man auf dem Boden-See von Langenargen bis gen Arbon über den See gegangen; so ward auch der Zürich-See brs an die Stadt überfroren. Es flogen auch die wilden Enten und aridere wilde Vogel von grosser« Hunger in die Stadt, als ob sie zahm wären. Zu Rapperschweil waren die Enten und Belchen so matt, daß man sie mit Händen sierrg, und viele in den Hürden tod fand. Sprenger. Lkron. 3 ä k. 3 . A. I 4 Z 8 . am 12. Merz siel ein grosser Schnee, grösser als er des Winters eingefallen, und lag 7. Tage, da kam ein grosser Regen und Wind, der den Schnee gleich abtrieb, und ward das Wasser groß. Diß Jahr erfolgte eine grosse Theure in Korn und Wein. Man gäbe um einen Mütt Dünckel 2. fl. um einen Mütt Kernen 8 . Pf. um einen Mütt Haber 2.Pf. um einen Mütt Roggen ?.Pf. Ilcksckclan Lkron. aci k. 3. A. 1442. an der Faßnacht ist ein so ungewöhnlich-grosser Schnee gefallen, daß man, die Häuser so damit etliche Schuhe hoch bedeckt waren, vor Einfall zu bewahren, selbigen aller Orten von den Dächern räumen müssen, und eine gute Zeit niemand über Feld gehen können. Darauf war ein sehr fruchtbarer Jahrgang, hernach aber ist eine so grimmige Kalte gefolget, daß fast alle Wein-Räben erfroren. 8rumpk. LNron Xlti. c. i 2 . A. 144z. war ein kalt und herber Winter, der Zürich-See übcr- fror, unverfroren die Räben am Zürich- und Boden-See, und vielen andern Orten, daß der Wein desselben Jahrs theuer ward; am H. Creutz-Tage im Mey schneyte es den gantzen Tag, es fiel ein Schnee, der dem Mann über seinen Fuß, und auf den Bergen über die Knye gieng. dxreng. LKwn. sän.». A. 144^. roo Erzehlung seltsamer lTkamr-Gefthicheen_ A. 1445. war ein guter Winter/ und warmer Merz, so daß viel Blüthe Herfür kam: aber darauf den n. und i2tcn Tag April hub es an schneyen, und ward so kalt, daß alles erfror was sich erzeigt hatte, und wuchs am Zürich-See, Boden-See, Elsaß, Breißgau, am Neckar und allenthalben gar kein Wein, deßwegen er sehr theur ward in Deutsch- und Welschen Landen, kuelsim scl u.z. A. 1446. an dem Palm-Tage hub es an zn schneyen, und den folgenden gantzcn Tag (den io. und n.Apr.) und fiel ein grosser Schnee, mit strenger Kälte, die Räben erfroren an dem Zürich- und Boden-See, und andern Orten, der Wein ward in allen Landen theur. 8prsntzer.LNr. acl I1.3. A. 1464. war ein gar kalter Winter, und fielen mehr dann 20. Schnee aufeinander, und ward der Schnee so groß, daß niemand wandeln konte; an etlichen Orten erdrückte er die Dächer; doch gienge er ohne Schaden ab. i'icKscKtiLn. emon. zu u 3. A. 147z. war ein dürrer Sommer, daß die Bäume im Hor- nung schon blühetcn, und alle Erden-Gewächse gleich in dem Mey gri'lneten. Den 20. Iun. kam in der Revier um Basel herum ein Regen, und darnach in -.Wochen keiner mehr, so daß die Wasser ab- giengen, und viele Brünnen versiegeten. Zu Pfingsten hatte man zeitige Erdbeeren, Kirschen, und auch das Fruh-Obft; mit Ausgang Brachm. zeitige Trauben; die Ernd gienq an vor St. Johann, und der Herbst vor Bartholomet. Wiewol auch der Dürre wegen wenig Korn gewachsen, ward es doch gut, und zimlich wolfeil, so daß ein Viertel io. Blappert galt. Der Wein wuchs an vielen Orten sehr ftarck, und galt ein Saum Bretßgauer 7. Blappert. Andere Erd-Früchte, so vor übriger Hitze nicht fortkommen konten, wurden sehr theur, ein Kabis-Kopf galt einen Blappert, Rüben einen Vierer. Summa, es war eine solche Hitz, daß sich an etlichen Orten die Wälder entzündet. Im Oktober blüheten die Bäume wiedrum, wie im * Frühling, so daß die Biren und Aepfel einer Nuß groß, und die Kirschen bis Martini wiedrum zeitig wurden. vrMs LMon. vi. Up. 4. A. 148 r. war gar ein unbeständig Jahr mit Regen und Un- gewitter. Auf St. Martins - Tag hatte man zu Zürich auf der Brücke viel reiste Kirschen feil; der Wein war sehr säur. kuellim. (Mron. sct n. s. A. 1491. 2OI des Schweitzerlandes. Anno 1491. war ein gar kalter Winter, denn es sielen zi. Schnee aufeinander, daß keiner vor dem andern abqicng, und über- fror der Zürich-See bis an die Stadt; dieser Schnee lag bis zur Lichtmeß, da ward es warm, daß er in 2. Tagen schier abgieug, und das Eiß im See zergieng; demnach ward es vor St. Martins-Tag nieder kalt, daß der See wieder überfror, und aber wieder ein Wind kam, der das Eiß zerwehete; demnach fiel am letzten Tag Hornung und am ersten Merzen abermal eilt grosser Schnee, und ward wieder so kalt, daß der Zürich-See zum dritten mal überfror: darnach am ersten Tag May fieng es abermal an zu schneyen, und trieb es drey Tage aneinander, darnach fielen Reisten, daß die Rüben, welche durch den Winterfrost noch hinkommen waren, erfroren, kuelsim Lkron. 3 ei 8 i,n. LKron. 3 ä n. 3. A. 1529. war ein gar warmer Sommer, es gab wenig Heu und Emd, zu Winterthur säuberte man beyde Galg-Brünnen mit l.Theil. E e einem 222 Erzehlung seltsamer Natur-Geschichten einem Besen, so daß kein Wasser darinn war. i-mäouer. ^nnsi. VUoclcirLn ^Uc. all N g. A. 1514. war ein aar kalter Winter, und viel Schnee: der Zürich-See überfror, so daß man von Rapperschweil gen Zürich mit Schlitten fuhr. Die Müller in Winterthur konten in 14. Tagen nicht mahlen; man fuhr von Schafhausen gen Andelsingen zu Mühle. Der Rhein war oberhalb der Brücke dermassen überfroren, daß man darüber reiten und gehen konte. Man hat daselbst einen Hasen auf den Rhein gejagt, und gefangen. Zu Basel hat man auf dem Rhein gcdantzet und gespielt. Nach St. Iohanns-Tag war es nie über eine Woche schön, und haben die Wasser grossen Schaden gethan. Am St. Michaels-Abend hat es geschneyt, und war zim- lich kalt, aber des andern Tags daranfwar es gantz warm. l-mcr-ruer. ännsi. Vicocluran. sä k. 3. In rauhen Gebirgen mußten viel Leute aus Mangel des Mehls den Waitzen im Wasser sieden, und an statt des Brots essen. UrlUs. Baßler Chrom I-. vn. c.6. A. isrs. sienge es an von St. Urbans-Tag bis an St. Bar- tholomäi zu regnen; Korn und Haber kam naß in die Scheuren. l^oc. cir. A. isis. war ein guter warmer Sommer, man hatte Mangel an Wasser. An Margarethen- Tag war das Korn in Schemen, und am H. Creutz-Tage hatte der Herbst ein End. Es ward so guter Wein, daß dergleichen lang nie gewachsen, l-mllouer. 1. c. A. is17. war ein kalter Winter, und erfroren die Raben. An St. Marx-Tag siel ein Schnee; darauf aber folgte ein warmer Sommer, so daß die Schmal-Saat auf dem Felde von grosser Hitze verdorben. I4nk, ttenr. Ilcbuc! Lkron. Ol^ronens. Ivllc. u. 3 . A. iszr. den i zten Hornung siel ein so grosser Schnee, daß er viel Dächer und Häuser eindrückte, der lag bis in Mitten des Merzen : da kam eine so grosse Wärme, daß er überall zu jedermans Verwunderung abgieng. Auf den 6ten April fände man Trauben; den 7ten kam ein sehr schweres Hagelwetter mit ungcmein grossen Steinen; den »7ten April schneyte es abermal, und in der Nacht siel des Scbweitzerlandes. 22 z siel eine grosse Kälte ein, daß was an Räben und Bäumen Herfür kommen, erfroren: Gleichwol wachßtc diß Jahr ein guter Wein. Ludwig Edlibach. Chron. ^ilc. A. i s4o. nach Weyhnacht fiele ein fast grosser Schnee, der menge aber bald wieder ab. Der Merz, April und May waren beständig schön: Man fände im April rciffe Erdbeeren, und ausgehcnds Mayen reiste Kirschen. Anfangs des Brachmonats regnete es zwey oder drey Tage zimlich, und ward hernach wieder schön. Den 2tcn diß fände man blühenden Wein, der bald verblühet. Auf Jacobi hatte man rciffe Trauben: Den i. Herbstmonat sienge man an zu wümmen. Die edlen Fische in den Bächen stürben von Wärme der Wassern, nieder. (Illron. sä n. 3. In diesem Jahr war der sogenannte heisse Sommer. Von Anfang des Merzens bis im Christmonat war gleichsam eine beständige Wärme; und weil es diese gantze Zeit über nicht vierzehn mal geregnet, war eine solche Dürre, und Verschwetnung der Wasser, daß gar viele Brünnen verfiegeten. An etlicher, Orten mußte man weitem Mühle fahren, oder das Viehe träncken. Gleichwol fielen des Nachts grosse und gute Thäuer, welche die Bäume erquickten, so daß alle Früchte gut und vollkommen wurden; insonderheit ge- riethe der Wein sehr wol, daß man an Viele und Stärcke seines gleichen wenig gehabt. Schwerter Grüninger Chron. ^ilc. iv. c. 15. Zu Ausgang des Maycns in diesem Jahre haben die Trauben verblühet; vor Ulrichs-Tag war alles Korn geschnitten und cirrgc- sammlet; der, 25. Sept. war aller Wein im Faß. Es wurden diß Jahr die Räben nie gckarstet noch gehauen, wegen Härtigkeit des Erdrichs. I^ucjvv. Lcllibzck.Lkl'ON. 3 c 1 k. 3 . In diesem heiffen Sommer nähme der Rhein also ab, daß man ihn an etlichen Orten mit Pferden durchschwcmmen konte. Alle Mühlen im kleinern Basel stunden, deß man in Schissen auf dem Rhein anrichtet. Man konte den Wein wegen seiner Viele schier nicht fassen, er ward deßwegen vor der Einsammlung wolfeil ver- kaufft. Zur Herbftszeit fand man einen Saum Virnen-Wein um 5. den neuen aber um 7. oder 8 . Blappert. Doch, so bald er in die Fässer kam, stieg er auf i. Gl.; nachmalen, weil in den zwey folgender, Jahren saurer Wein wachste, schlüge der heisse Sommer Wein bis auf s. Pfund auf. Wursteis. Baßler Chron. l- V ru. c., 7. E c 2 Die 204 Erzehlung seltsamer Natur-Geschichten Die Wasser wurden so klein, daß man zu Zürich in der Lim- math das Wasser aus der Schnelle an die Mühlen richten und aufschwellen mußte; man gieng trocknes Fusses um den Wellenberg herum. 8rumpt>.LKron. ll. VI. c. rv. l^orrmZ. 8pecul. H'iZur. p. sri. Zu immerwährendem Gedächtniß dieses heissen Sommers hat man bis auf die jetzige Zeiten etwas Korns von demselben Jahrgang zu Zürich aufbehalten. Und gedencket Jkr. Erhard Eftder, in Beschreibung des Zürich-Sees/ eines grossen Stocks Embdes, so im Thal, einem Dorfflein am Zürich-See, in Vogt Steiners Scheure von derselben Zeit aufbehalten worden. A. N65. zu Ende des vergangnen und Anfang dieses Jahrs war die Winters-Kälte so streng, daß man auf den Strassen hin und her eine Menge erfrorner Leute gefunden. So sind auch die Aar, Reuß, Ltmmath, Rhein, und andre Wasser dergestalt überftoren, daß man mit geladnen Wägen darüber fahren können. Die Wcin- Räben wurden verderbt, der Frucht-Saame ersteckt, oder hernach, da der grosse Schnee bey einem warmen Wind abgangen, durch gar zu strenge Eraieffung der Wassern verfchwemmt, zumal auch die Brücken von den grossen Eißftücken ruinirt wurden. UrNK Las. ckr. L.. Vlll. c. 29. ^ke3tr. Loloäor. k. I. P.456. lisller. Lhron. k.. ;7- c. r. A. i e?c>. den 6. April auf den Abend kam ein grausames Wetter daher, mit Donnern und Blitzen, dergleichen man vorher nie erlebt hatte; hierauffolgte eine grosse Kälte, und fiel den n.i2.undiZten April ein grosser Schnee, als wie im Winter; demnach auf St. Marcus-Hag siel abermal ein grosser Schnee; doch waren die Augen an den Raben noch nicht herfur. Hierauf kam eine geschwinde und grosse Theurulia: Denn auf den i tten May galt ein Mütt Kernen zu Zürich 12. Pf. 7. ß. 6. hlr. ein Viertel Haber i s. ß. Es war auch diß Jahrs grosse Wassers-Noth. Lx vnc. L>bi. DZ. n. i, 2. A. 1571. liesse sich der Winter sehr streng an, also daß der Zürich- und andere See gantz überftoren, auch viele Leute von unerträglichem Froste dahinstürben, oder von hungrigen Wölfen zerrissen wurden, darauf dann eine durchgehnde Lheurung und grosser Mangel an Lebens - Mitteln erfolget. Viele Leute ernehrten sich von dem Graß auf dem Felde, und wurden dabey mit dem Grase in den Mäulern tod gefunden. »Aller. l. Z7. c. n. 8ed-riier.LKron. 36 K. 3. A. 1608. siel ein mächtig grosser Schnee, der das Geheld an den Räben zu Boden drückte, und die Scheyen zerbräche, dadurch ein grosser Mangel an Scheyen entstund. Darauf folgte ein grosser Schuß Trauben, daß sich jederman darüber entsetzen mußte; aber um St. Johann fiel viel Regenwetter ein, dasselbe schwemmte die Blüte der Trauben hinweg, also daß es wenig Wein gab, und der dazu nicht gut war. r^lc. DZ. n. 52. In dein Winter dieses Jahrs ist eine so ungewöhnliche Kälte eingefallen, daß dadurch alle Wasser überftoren, und man über den Rhein, Donau, Elb, Mayn und andere Flüsse mit Last-Wägen fahren können; es sind auch hin und wieder viele Leute erfroren. Zu Basel sind alle Mühlen, eine allein ausgenommen, still gestanden, und deßwegen oft kein Brot in der gantzcn Stadt zu bekommen gewesen. Groß Basier Chron. p. r;s. A. 1614. war ein unerhörter kalter Winter, der fieng im Oct. des i6l zten Jahrs an, und währete bis im April; obwolder Merz zimlich warm, entstund doch im April ein kalter Wind, der erftörte völlig, was der Schnee überbleiben lassen ; inmassen man im April wenig Blüte an den Bäumen sahe: es that aber doch die Kälte ihnen, wie auch den Räben, wenig Schaden; das Korn aber erfror übel, so daß an vielen Orten die Zclgcn wieder aufgebrochen, und Haber oder Sommer-Früchte daran gesäet worden. Diß verur- 208 Etzehlmrcs seltsamer lTlatur-Geschictiken sachte grosse Theurung, daß man das Korn um 12. und i z. Pfund kaufen mußte. ^ v, 3 c. zu Schwanden,den 19.Hcrbstm.17o5. zugeschrieben: „ Vor weniger Zeit,schreibt er, ist ein Mann aus dem Thal bey mir gewesen, welcher behauptet, man werde diese Wochen von Alp fahren müssen, weilen er an selbigem Morgeu (war sonst ein schöner und lieblicher Tag) Schnee- Blust gesehen, das ist, ein kleines weiffes krauses, oder wie ers er- klärete, qefögletes Wölcklein, sehr hoch in den Lüften, so daß es mit blossen Äugen schwerlich zu sehen. Des Mannes Prognostikon hat gar wol eingetroffen, indem gar wenig Tage darauf ein rauhes Wetter eingefallen, und man wegen des Schnees fast voll allen Alpen mit dem Vieh nach Hause kehren müssen.» Von des Gchwektzerlandes. 2ls Von den Astrologischen Prophceeyungen: als, dass ein nasser Sommer werde folgen, wenn es bey der Sonne Eintritt in den Lenen regne; von des H. Medardi und andern dergleichen Tagen allzu abergläubischen Mahlungen wil ich hier nicht viel schreiben, weil es mmothwcndig, ungewiß, und zu wünschen, daß man solche Prophe- eevungen, deren gar viele aus dem abgöttischen Heydenthum zu uns herflicssen, entweder mit mehrerer Bescheidenheit tu den Ealender setzte, oder abschaffen würde. Von dem starcken Fön-Wind / der im October und November des I/Osten Jahrs unsere Lande mit grossem erfolgenden Schaden durchwehet. dem Monat August hatten wir eine unqemcin anhaltende Hitz und Trockne. Auf den hohen Alpen schmoltze der LAD) Schnee und die Eiß-Bcrge stärcker, als in vielen andern Jahren; und kan ich bezeugen, daß ich in meiner dißiäh- rigen Reise über die höchsten Spitzen der Helvetischen Gebirgen daselbst eine solche Wärme gespürt habe, dergleichen mir um diese Jahrs-Zeit auch auf niedrigern Gebirgen nie vorkommen. In Zeit von 4. Wochen hatten wir kaum zwey Tage Regenwetter. Diese Witterung machte Hoffnung zu reicher Einsammlung köstlicher Herbst-Früchten. Es hat aber der Austrag gczeiqet, daß diese Zeit zwar in Ansehung der Wärme den Früchten vortheilhaftig, aber wegen mitlaussender Tröckne sehr nachteilig gewesen, weil der Nah- rungs-Saft, durch beständige Ausdämpfung aus der Erde und den Märchen selbst, ihnen entzogen worden, daß sie nach der Beschaffen- hcit der Jahrs-Zeit nicht genug nachwachsen können. Hierauf war die Witterung bis in die Mitte des Septembers kalt und naß. Die Feuchte zwar schicne die von allzugroffer Tröckne in dem Wachsthum verhinderte Früchte wiedrum nachzubringen; die Kälte aber zöge die Zascrn der Gewächsen also zusammen, daß man gleichsam ohne Hoffnung war, trinckbaren Wein zumachen, und die Baum-Früchte auch in ihrer Grösse eingezogen wurden. Zu Ende des Septembers aber und zu Anfang des Oktobers kamen wiedrum lieblich warme, mit 2i6 Elzehluntf seltsamer kTkatur-cNeschichten mit warmem Witwe und Regen untermischte Tage, welche endlich die Trauben zu bald völliger Zcitiqung bequem machten. Es ist zwar auf den hohen Gebirgen, und auch zwischen liegenden Thälern unter der Regierung obgemeldtcr kalt - und feuchter Witterung der Schnee zeitlich und in grosser Menge eingefallen, daß man, ehe mans vermeynte, von den Alpen fahren mußte, und ein den 4. Oct. in Pündten gefallner schwerer auch hoher Schnee die Frucht-Bäume zwar durch Brechung der Acften sehr verderbt, sonsten aber, durch entstandenen lauen Wind ohne schädliche Kälte, zerschmoltzen. Den 8 . Oet. Abends um io. Uhr sahe man bey uns einen Ring oder Hof um den Mond, aus dessen Erscheinung man, nach Anleitung »essen, was oben Bl. 4. gemeldet worden, wol von seltsamen Lust- Aenderungen muthmassen konte, welche auch erfolget. Um die Mitte des Oktobers hielte in den hohen Gebirgen und Thälern viel Tage nacheinander ein ungemein starcker und warmer Fön- oder Mittag-Wind an, welcher im Glarner-Land, Pündten, Urner- Land, und Liviner-Thal sehr viele Dächer beschädigt, auch an hohen Orten ganß weggetragen, ja so gar Nagel-Dächer (welche von kleinen lerchenen Schindeln gemachet, und mit eisernen Näacln angeheftet werden) zerrissen. Anf diesen warmen und ungestümen Fön-Wind, und in Pündten gesehene zwey Regenbögen, welche in dangen Landen um diese Jahrszeit ungemein sind, ist ein sehr ftarckes Regen- wetter erfolget, und hat der Schnee aufs neue iu den hohen Gebirgen zu schmeißen angefangen, so daß theils von dem Regen, theils von dem gcfchmoltznen Schnee alle Wasser starck angeloffen, und hie und da mercklichen Schaden verursachet. E. E. Herr und Freund aus demDomleschger-Thalbertchtetfolgendes: Bey uns sind alle Wasser ungemein angeloffen, so daß den 21. Oct. lt. v. sonderlich der neben unserm Flecken Tusis abfließende kleine Bach Nolla mit Wegreissung der ftärckften Wuhren und Dämmen, Beschädigung der Brücken und Wasser-Leitungen, Untergrabungen und Hinführung des Bodens, Kraut- und Baum-Gärten, auch Anfüllung mit unsäglicher Materie des Betts oder ^ivc> des Rheins, wodurch dieser überlasten, nicht nur die schönen Güter überschwemmet, sondern mitten durchgebrochen und gegraben, jämmerlich gehanset und gewütet. Es ist der Nolla mit so erschröcklichcm Sausen und Brausen übereinander Hergetrieben, mit ungeheur grossen Steinern Holtz, Bäumen, vermischten gantz dicken hinten-farbigen Materie, welche jewetlen des Gchweiyerlandes. 217 sich etwas versteckend schwache Wellen in die Höhe trieben, so grausam herunter gefahren, daß kaum die Augen und Ohren etwas ent- setzlichers hätten sehen und hören können; ja kein Entwurff, wie graußlich er wäre, mit der Sache selbst, und kaum die Einbildung mit dein Augenschein würde übereinkommen können. Es haben mich (schreibt er ftrncrs) glaubwürdige Zeugen versichert, daß da die größte Furie hervorkommen, die Wasser-Leitung, so über den Nolla mehr als zwey Klafter hoch geführet ward, durch den blossen vorgehenden Dunst (wie etwa« in den Läuwinen wiederfährt) ehe die Materie selbst solche berühret, hinweg gerissen worden. Der Schrecken Ware so groß, daß die Leute nicht allein aus den Mühlen, so doch noch unbeschädigt geblieben, sondern zu oberft im Flecken aus den Häusern ihre Sachen anderwcrts in Sicherheit getragen. In Summa, es hat uns der gerechte Gott mit Schrecken und Schaden heimgesucht, der auf etliche 1002. Gulden, so das gemeine Wesen und besondere Personen leiden, gerechnet wird. Um den Gotthart herum sind die Wasser auch sehr streng angewachsen, so daß dissetts die Rcuß, und jenseits der Tesin mir Wcgführung der Brücken und Abreiffung des Wegs grossen Schaden verursachet. Au der Scböl- liuen, einem engen Paß zwischen der sogenannten Teufels-Brücke und Gcftinen, soll ein Stück vom Weg wol in die 20. Klafter lang eingefallen seyn, welches mit grosser Mühe und Unkösten wiedrum hat müssen ersetzet werden, damit der Paß aus dem Schwcitzerland iu Italien offen bleibe. Im Glarncrland sind die Wald-Wasser so ungelösten, daß neben anderm auch 7. gewölbte Brücken verderbt worden. Zu Anfang des Novembers ist durch anhaltende Regen die Linth so hoch angewachsen, daß sich keine alte Leute um gegenwärtige Jahrs-Zeit dergleichen zu erinnern wußten. Absonderlich müssen die Berg-Wasser jenseits der hohen Gebirgen auf der Seiten von Italien üngcloffcn seyn, weilen die Zeitungen uns nicht genugsam den elenden Zustand, in welchen viele Länder, Güter und Völcker gesetzet worden, beschreiben können. Auf dem Platze zu Luqgaris, einem unter der xil. Orten Regierung stehenden schönen Flecken, führe man mit Schiffen. Viele andere am Langen- See s i-acus V erbznus, l^Zo kiZAAiore) liegende Orte waren in grosser Gefahr der Überschwemmung. (0) In Italien war von Pavia bis Voghera 1. Theil. _Ee_ anders (0) An diesem See demerckteman/ daß er 24 Ellen tn die Höhe angewachsen/ da hingegen der diffms dem Gotthart liegende Lurerner- See nicht höher gestiegen/ 218 Erzehlunrf seltsamer N'amr-Geschichten _ anders nichts als lauter Wasser zu sehen, so gar ist der Tesin über- joffeu. So hat auch der Po-Fluß viel Land unter Wasser gesetzt, und die Menschen genöthiget, sich auf die Bäume und Dächer zu flüchten. Das Ferrarische, Mantuanische/ Polesinische und Mo- dcncsische stunden allerdings unter Wasser; und sollen dem Bericht nach nicht nur viele Häuser weggeschwemmt, sondern über iooo. Personen ertränckt worden seyn. Ja es sollen hin und wieder irr den Italienischen Landen die Wasser innert wenig Wochen mehr Schaden gethan haben, als beyde Armeen den gantzen dißjäbrigen Feld-Zug hindurch. Es ist aber mein Vorhaben nicht, das Papier mit vielen besondern aus Italien herzuholenden Zeitungen anzufüllen : Ich halte mich allein an der Schweitz, und gehe gleichwol, meinem Vaterlande zugefallen, nicht nur in die Nachbarschaft Italiens , sondern gar über das Mittelländische Meer in Asien. Wie ist das zu verstehen ? Es beliebe der geehrte Leser folgendes in Antwort zu bcmercken, und nach seiner habenden Freyheit meine auch freye Gedancken gut zu heiffen, oder zu verwerffen, oder zu verbessern. Wenn ich der vergangnen beständig warmen und trocknen Sommer- Witterung nachdrucke, so kommt mir die über unserm Schwcitzcr- lande stehende gantze Dunst- oder Luft-Kugel (ärmolpy-rrH nicht nur in ihrer ordinairen sommerlichen Dünnung oder Ausdehnung vor, welche unter anderm aus den hohem Abend-und Morgen - Demmerungen abzunehmen, sondern also aufferordentlich dünn, daß sich ihr größter Theil aus unsern Landen hinweg, und nacber Italien, auch übers Meer in die Türckische und andere Morgen-Lande gezogen: Gewißlich dahin eher, als anderstwohin, weilen gegen Norden die Luft je mehr und mehr dick und dicht, folglich der Drückung unserer ausgedehnten Luft widerstanden. In Asien selbst hat die in ihrer Dünnung sehr verftärckte Luft sich so weit ausgebreitet, bis sie theils von der kalten und dicken Nord-Luft einerseits, theils von der dicken über dem Europäischen, Caspischen, Rothen, Pcrsianisch- Ara- alS etwa zwo Ellen. Es haben einige Gelehrte die Ursach dessen der starcken Würckunq des Föhn- oder Mittag Windes in den Ausfluß des Po in das Meer zuschreiben wollen/ und vermuthen/ daß derselbe dadurch sey verhindert wor« den/ und folglich sich von hinten die Wasser angeschwellet haben. Wahr. schttnlicher aber ist dieses Unglücks Ursache der häuffigcn Schmelzung des Schnees auf den mittägigen Seilen der hohen Alpen zuzuschreiben. " des Schwemerlandes. 2l9 Arabisch- und Indianischen Meeren stehenden Luft beyderseits nach gemachtem Anlauff nicht nur von weiter»! fortschreiten abgehalten, sondern gar durch der dicken Luft eiaiHsche Trieb-Kraft zurück zu weichen genöthiget worden, und zwar, wie leicht zu sehen, eben den Weg, durch welchen sie kommen war. Dieses wäre zwar die natürliche Ursach eines aus der Türckey, Arabien, Persien und Indien in Europa, und besonders in unsere Evdgnößischen Lande zurück kommenden Föhn- oder Mittag-Winds, beydem aber ausser der Wärme kein weiterer Gewalt sich zeigen würde. Hiervon würde allein der auf Seiten Italiens liegende Alp-Schnee schmelzen, und darvon die Wasser, so gegen Mittag von unsern hoben Gebirgen ab- lauffen, sich mcrcklich ergicsscn. Wenn wir aber über diß die Luft- Kugel als ein in beständigen Wellen bewegtes Meer, und als einen flüssigen Cörper ansehen, dessen Theile in beständigem Glcich-Gewich- te, aber auch iu beständiger Bewegung sind, also daß bald die auf- und absteigenden, bald die allzunahe aufeinander liegenden Wolcken, bald die bergichte Beschaffenheit der Landen, bald andere und andere Ursachen eine auch sanft daher fahrende Luft einen solchen Trieb geben können, daß ein wurcklicher und ftarcker Wind erfolget. Hieraus ist leicht zu fassen, wenn unsere vorhabende Föhn vielleicht in ihrem Zug über das Mittelländische Meer und ebnere Länder Italiens gemach einher gefahren, erst aber in unsern zwischen hohen Bergen einaeschloßnen Helvetischen Thälern dicjeniae Gewalt bekommen, welche die verbanden gewesene Dünste in Regen verwandelt, die Dächer abgedeckt, Häuser, Ställe und Bäume umgeworssen, und andern Schaden zugefüget. «E—------— würckungen der grossen Warme / welche in dem Sommer des i7o6ten Jahrs das Schweitzerland erfahren. sM^ZS hat diese ungemeine fast durch den gantzen Heu - und Augstmonat anhaltende Hitz verschleime Würckungen in allerhand Cörpern verursachet. Die Gewächse und Bäu- me stunden gleichsam in ihrem Wachsthum still, weitste wenig Feuchtigkeit hatten; hin und wieder sahe das Laub an Bäu- E e 2 mm 222 Erzehlung seltsamer Vlatur-Geschichten men und Raben aus, als ob es gesengt wäre: denn bey den Man- zen, gleich bey Thieren und Menschen, eine beständige Durch - und Ausdämpfung flüßtger Theilen, welche, wann sie nicht mit neuer Feuchtigkeit ersetzet werden, eine Vcrdorrung und Abnehmung erwecken, mit welcher gantz wol der Menschen Dürrsucht kau in Ver- gleichuna gesctzet werden. Das Vieh litte an vielen Orten grossen Wasser-Mangel, und mußte man dasselbe hie und da etliche Stunden weit zur Träncke führen. Die Leiber der Menschen spürten auch nicht geringe Aenderung, ihre Durchdämpfung war viel ftärcker, als sie gemcmialich des Sommers zu seyn pflegt. Das Geblüt wurde scharst und verdickert; die subtilen flüchtigen Theile flogen davon, und blieben die grobem, dickern, irdischen und sattzichien Theile zurück, wcßwcgen sie nicht zu verwundern, wenn auf so grosse Warme allerhand von des Geblüts Schärffe und Verstopfungen herrührende Kranckheiten gefolget, als rothe Ruhr, allerhand Durchläuffe oder Bauchflüsse, allerhand so wol hitzige als kalte ein- drey- und viertägige Fieber, welche auch bis nach dem Herbst angehalten, allerhand Geschwülsten, Haupt-Flüsse, insonderheit auch die Pocken oder Kinder-Blattern, an welchen gar viele Kinder gestorben. Man bemerckte insbesondre, daß diejenige Biren, welche viel irdische zusammenziehende Theile bey sich haben, als da die sogenannten Lang- undWürg-Biren, die Scheur-Biren, rc. sind, mehr als andere Jahre den Hals gewürget, welches nicht wenig zu Erweckung der Ruhr, allerhand Grimmen, rc. beytragen können, und dein Mangel der wässerigen Theilen, welche mit den irdischen in einer gewissen Proportion stehen müssen, gründlich zuzuschreiben ist. Im Glar- nerlande sind auf dem Berge Guppen, oberhalb Schwanden, Holtz'Viren und Aepfel znr Zeitigung kommen, welches bey Manns-Gedencken nicht geschehen; und haben in gedachtem Canton an verschiednen Orten die Obst - Bäume aufs neue in: Herbst ge- blühet; welches auch in währenden Pündtnerischcn Kriegen Anno 1622. in demprekklgeu, zu Sichlers, Faciona, Lsnda und Ma- lans bcmercket worden, allwo die Kirsch - Biren- und Aepfcl-Bäu- me im Herbst geblühet und verblühet, so daß man kleine Aepfel und Bierlein an den Bäumen gefunden; auch haben die Renen auf ein neues Eyer leger, und brüten angefangen wie im Frühling, nach der Zeugniß Hrn. Baslers pündmer. Rrieg, C3P.54. der als damaliger Feld-Prediger es selbst gesehen. Von des Schwektzerlandes. 22l Von den wässerigen und windichren Luft-Geschichten des Schweiyer-Lands. ^ unfern Helvetischen Landen ist der eigentliche Schau-Platz sowol der feurigen als wässerigen und windichten Luft-Geschichten, (Klereorz Lc Vem>,) welche Nirgends so eigentlich, wohl, viel, und in ihren ersten Anfängen können wahrgenommen werden, wie bey uns. Des Redens halber können wir nicht nur sehen, wie derselbe auf die Erde falle, sondern auch, wie er gezeuget werde. Andere und niedriaere Völckcr sehen und fühlen den Regen erst, wenn er bereits eine halbe Meile oder noch höher herab gefallen: Uns Schweißern aber ist erlaubt in das Zeugoder Geburts-Hauß selbst hinein zu gehen, ich verstehe die wässerigen auf den hohen Alp-Gebirgen liegenden und an ihnen klebenden wolcken , durch welche wir oft passieren eben zu der Zeit, da sie sich in Regcn-Tröpsiein verwandten. Von des Regens Zeug-Mutter, den wolcken selbst, können wir bezeugen, daß dieselbe uns als ein Nebel vorkommen: wie sie in der That anders nichts sind, als ein Geweb oder Gemenge von allerhand sonderlich wässerigen Dünsten; wie solche Form auch die Nebel haben. Von dem Regen können wir zeugen, daß der in seiner ersten Gestaltung gleich dem sogenannten Staub-Regen aussehe, und in vielen dicht ineinander stehenden kleinen Waffer-Tröpsiein bestehe, welche an Grösse, je mehr sie in das Thal, und derTröpflein viele aufeinander, fallen, zunehmen, aber auch in der Tieffe dünner sind, oder weiter voneinander stehen, daher, wenn ungefehr ein Regen auf einem Berge einbricht, man irr Mitten dessen, gleich als in der Finfterheit, daher wandelt, so daß man kaum etliche Schritte weit vor sich siehet, und man alsdann behutsam einherzuaehen hat, damit man nicht an gefährliche jäh-ftotzige Orte hinkomme; und bey solchen Begebenheiten auch die Aelpler selbst sich nicht weiter fortzugehen getrauen, aus Forcht, in gefährliche Irrwege zu gerathen, weßwegen sie auch die Reisenden zu warnen pflegen, daß sie irgendwo still halten, wenn sie, als erfahrne Heu- und Wetter-Schauer, ein Ungewitter, wie sie es nennen, vor sich sehen. Es trägt sich oft zu, daß eine vom Wind getriebene Berg- E e z Wolcke 222 Erzehlung seltsamer V 7attir-Geschichren Wolcke sich in einen Regen verwandelt, der nnr etliche Minuten lang wahret/ und so wol vor als nach ihm eine helle Luft zeiget, über welche und andere dergleichen Begebenheiten ein Natur-begieriges Gemüth sich nicht wenig ergötzen kam Wenigstens kan ich von mir bezeugen, daß ich an dergleichen, sonst wilden und einsamen Orten, grössere Belustigung und mchrern Eyfer zur Aufmerckung spüre, als bey den Füssen des grossen Hnitoreiis, Lpicuri, oder Lsneln. LÜ3M kic l)jj lum, sagte jener Heidnische Welt- Weise. Da lasset sich mit Härchen greissen die unermeßliche Allmacht, Weißheit und Güte Gottes: auf den Alp-Gebirgen kan man, gleich als in einer wol-vcrsehencn Rüstkammer oder Zeughauß, die Natur-Wunder besehen. Wil der Herrscher der Heerschaarcn unser Land mit Tröckne heimsuchen so besiedlet er den Winden, daß sie unsern Waffer-Vor- rath, die Wolcke», in andre Länder wegführen, so werden unsere Brünnen vertrocknen, die Bäche und Flüsse abnehmen, das Graß auf dem Felde verdorren, die Mühlen stillstehen, Viehe und Menschen vor Durst seufzen und schreyen, und überall ein grosser Jammer entstehen. Wil dieser oberste Gewalthaber uns mit vielem Gewässer strafen, so dünnet er die Luft aus, daß sie die Dünste nimmer halten kan, oder, er besiehlet wiedrum den Winden, daß sie die Wolcken in Regen zusammen treiben; oder er gebietet der unterirdischen Wärme, daß sie von den in der Erde verborgnen Wasser- Schätzen mehrere Dünste in die Höhe treibe, alsdenn wird das Was- scr-Zeughauß aufhoben Bergen geöffnet, daß alle Brünnen, Bache und Flüsse an- und überlauffen, und ein gantzes Land mit allzuvie- lem Wasser beladen oder überschwemmet wird, wiedrum zu grossem Schadender Früchten,Aeckern, Weinbergen,Menschen und Thieren. Verwunderlich groß ist die Weißheit Gottes in Austheilung des Thaues ; niemand ist, der nicht die herrlichen Würckttttgen dejftlben zum Wachsthum und Befruchtung der Erden-Gewächsen wisse; und geben hierüber die Naturforscher selbst ein mehrers Licht, wenn sie den Ursprung des Thaues nicht nur von den blossen Wasser-Theil- chen, sondern auch von einigen aus den Gewächsen selbst ausdünstenden balsamischen, Wichten, geistreichen Pflantzen angemeßnern Theilen herholen. Jederman solte in die Gedancken gerathen, daß aufden hohen Gebirgen nirgends sich kein Thau aufdte Pflantzen setze, sondern alle thauichte Thetle sich in Reisten verwandten, wegen beharrlicher Kälte, und des Schweitzerlandes. 22 ^ -- »— —- — —-- -- - - —- und immer durchblascnder, scharffen Winden, folglich auf den Alpen alle Pflanzen und dero Blumen erstarren, und an statt schöner graß- und blumen-reicher Alpen oder Weyden, nichts anders zu sehen seyn, als ein unfruchtbares von Kälte gesengtes Erdrrch; wie wir etwan mit Schmcrtzen die traurigen Würckungen der Reisten, so da auf unsere Wein-Räben und Garten-Gewächse fallen, erfahren. Worauf aber zur Antwort dienet, daß freylich auf diesen hohen Alp - Gebirgen die Wein-Räben oder Garten - und andere zarte Früchte nicht könten gcpflanzet werden, sondern von dem allweisen Gärtner in diese hohe Berg-Gärten solche Pflanzen gesctzet worden, welchen die auch bald beständig strengste Kälte nicht nur nichts schadet, sondern noch zu Vermehrung ihrer Kraft dienet, (wie aus dem, was oben Bl. 90. gesagt worden, zusehen,) welche htemit die Reisten selbst, gleich dem gemeinen Grase und andern Matten-Kräutern, wol vertragen können. Es ist aber zu desto grösserer Bewunderung Göttlicher Vorsorge zu bemercken,daß auch auf den hohen Alpen oftibcy dem Schnee und Etß die besten kräftigsten Thäuer fallen. Es wird die Verwandlung der Thau-Tröpflctn in Eiß theils durch aufliegende und an den Bergen klebende Wolcken, theils durch die wässerige Dünste verhindert , welche alle Morgen aus dem Erdrich in grosser Menge aufsteigen, und die Erde gleich einem Kleide bedecken, also die Wärme beysammen halten, daß die Kälte alsdenn nichts ausrichten kan, wie auch wir bey uns den Reisten nach einer hellen Nacht eher förch- ten und sehen, als nach einer duncklcn mit Wolcken überzognen Nacht. Der Schnee, eine auch wässerige Luft-Gcschicht, scheinet bey erster Ansicht den Berg-Pflanzen eben so wenig dienstlich, als beständige Kälte und Reisten, sonderlich, wenn noch neben dem ewigen Schnee immerwährende berg-grosse Eiß-Klnmpen gesehen werde»». Daher bey l^o^bio unsere Alpen als mlsmeg ckiZonbus ange- rühmet werde»», i->b. und ^uckmus nennet sie blick. 24. mE» 61 triZore iMrEabilia l.ocz. So daß MiM Wol diejenige»» Völcker vor die unglückseligsten halten könte, welche an und nahe bey den Schnee-Gebirgen ihr Leben zubringen müssen, nach jenem Ausspruch Oviäii HI. äe?om. LleZ. 4. Orbis in exrremi »aceo cleserrus ^renis kerr ubi perperu 38 obruts leris d^ives. Es können auch diejenigen, welche nur von weitem unsere Schnee- Gebirge ansehe»», oder davon hören, nicht begreiffen, was wir täglich mit 224 Erzehkung seltsamer lTlnrur-Geschi'chren mit Augen sehen, und zu unserm Nutzen gemessen können, daß nem- lich nahe an dem Schnee und Eiß die fettesten mit dem besten Graß und vielfältigen schönet: Blumen ausgczierten Berg-Garten oder Alpen anzutreffen seyen, welche der Schweißern Schatz, Bcrgwerck, Handelschaft, und bald einige Vergnügung sind. Sehet, wie der allweise Schöpfer und Erhalter aller Dingen dasjenige, was andere als einen Fluch ansehen, und deßwegen förchten, in einen Segen verwandelt! Setzet euch mit mir ein wenig auf diesen rauhet: und fruchtbaren Schnee-Gebirgen nieder, und betrachtet den herrlichen Nutzen des Schnees! Erinnert euch, wenn ihr jcmalen Wasser destil- lirer: oder brennen gesehen habt, oder auch dessen, was ich obenBlatt 48. bey Anlaß des Schweitzerlands köstlichen Wasscrguellen geschrieben habe, daß auf den Helm kaltes Wasser gehöret, oder nebst den Breunhafen ein mit kaltem Wasser angefülltes Faß geftellct wird, damit die von dem Hafen aufsteigenden Dünste sich in Tröpstein sammle«, welche denn in den Vorlag auslauffen. Allhier ist der Brenn- hafen die Erde, das Feuer die unterirdische Wärme, der Helm unsere hohen Alpen, und deren mit Küh l-Wasscr, das ist, beständigem Schnee bedeckte Felsen, welche die aus dem innern Eingeweide der Erde aufsteigenden Dünste zum theil an völligem Ausstiegen verhindern, und in Tröpstein sammeln, die dem: durch ihren Zusammenfluß die Brünnen, Bache und Flüsse ausmachen, und vor allein unsere Berg-Wey- den trättckcn und anfeuchten, zu grosser Erquickunq dafigcr Pflanzen, welche ohne diese und andere von den Wolcken auf sie niederlassende Wasser von Durft vertrocknen und verderben müßten, (p) Über diß ist zu bemercken, daß die innere Erden-Wärme von dem Berg- Schnee an ihrer Ausrauchung verhindert, desto kräftiger in die Gewächse würcket, und eine desto mehrere Nahrung in ihre Wurtzeln, Stengel und übrige Theil treibet. Diese nährende, treibende, und Wärme erhaltende Kraft des Schnees erfahren wir bald alle Winter auf (p) Du größte Nutzen dcS Schnees auf unsern Bergen ist ohne Zweifel dieser / daß derselbe den beständigen Laust der Flüssen unterhaltet. Wenn Regen anstatt der Schnees auf die Berge fallen würde/ so würden die Flüsse auf einmal sehr entlausten/ aber bald wieder au Wasser Mangel haben; weil aber der Regen in Schnee verwandelt wird / welcher nicht auf einmal/ sondern dar gantze Jahr hindurch nach und nach schmeltzet/ so bekommen die Flüsse allezeit Wasser / und können diejenigen/ welche aus den Schnee »Gebirgen kommen/ mentalen aus. trocknen. des Schweiyerlandes. 22s auf unsern Ueckern. Vocs ^rbonim krugumgns communiz lunr, diives 6>uc> N38 seciere. Lzul» ncm s-!üm, quis /cnimzm l'err-e evz- nescericem incluciunr, Lr comprimunc, recrochie Agunr, in Vire8 kru- gum, 3lc^ue k<3ciice8. Verum c>uo6 Lc i^iquorem scniim pr^benc, pu- rum prLrereL ievilümumcjue, qu3näo h?jx ^qusrum ccelcliinm Zpu. M3 eli. ?!in. s^isi. xvil. c?3p. 2 . Des «Barrels halber ist folgender Vorbcricht zu geben: Auf den hohen Alpen fällt gar selten ein grosser, schwerer Hagel, sondern nur ein sogenannter Risset, denn der Ort, da der Hagel gezeuget wird, nicht hoch, und die Regen-Tröpftcin klein sind; in den zwischen-liegenden Thälern aber und niedrigern Schweitzerischen Landen gibt es so grossen Hagel, als anderswo, ja vielleicht noch öfters, weilen wir wegen unsrer kalten Nachbarschaft auch mehrere kalte Winde bey uns spüren, welche denn die herabfallende Regen-Tropfen leicht in Hagel verwandle« können. Der winden halber beliebe der geehrte Leser zu bemercken, daß diese so sehr verschieden sind, als in andern Landen, aber viel sich nach der Situation, oder Lage der Thälern richten, allermaffen einige dem Süd-Wind offen stehen, andere gegen dem Nord-Wind liegen, die dritten gegen Morgen, oder Abend, oder auch andere Scitcn-Gegenden der Welt, sich ziehen, woher denn auch der grosse Unterschied zweyer oft nahe beyeinander liegenden Thälern in Ansehung der Fruchtbarkeit, sonderlich Korns und Weins, kommt; und ist bey solcher Bcwandniß unsers Lands sich nicht zu verwundern, wenn hie und da sich ein Süd-Ost-Wind in Oft- oder Süd, ein Nord-Ost in Nord-oder Oft, ein Süd-West in West- oder Süd, ein Nord-West in West- oder Nord, und also fort, verwandelt, welches nach meinem Bedüncken, in Wahrnehmung der Winden und deren Würcknngen, welche von einem Wind an verschiednen Orten sehr verschieden sind, grosse Schwüriqkeiten verursachet. Diejenigen Länder und Thäler, welche jenseits der hohen Gebirgen gegen Italien liegen, haben einen weit wärmern Süd-Wind, als die dis- seits gegen uns sich ziehen. In dem Rhemwalde, einem Thal in Pündten, so gegen dem Ursprung des Hintern Rheins sich ziehet, hat der Mittag-Wind, welchen die Einwohner den welschen Seewind nennen, diese verwunderliche Eigenschaft, daß er das Heu, welches sonst Dürre halber eingesammlet werden könte, ganiz feucht und weich machet, daß man es muß liegen lassen, obgleich sonsten der Himmel hell, und das schönste Wetter regieret; da man hingegen l, Theil. Ff M 2L6 Erzeh'ung seltsamer lTlatur-Gefchkcheen an andern Orten unter dieses Fön-Winds Regierung das beste und -ürrefte Heu machen kan, als in der Sckamier Landschaft, welche nicht weit von dem Rheinwalder Thal, aber tiefer, liegt. Es haben sich viele heutige Naturforscher, sonderlich ^-»norre, 6cc. sehr auf die Winde Achtung zu geben bemühet, und endlich nach vieljäh- rigen Ovservationcn dahin zu kommen vermeynt, daß eine gewisse Ordnung bey den Winden sey, und z. Ex. auf den Abcnd-Wmd ge- meinlich der Nord-oder Bis-Wind, auf diesen allgemächltch der Ost - und endlich der Süd - oder Mittag-Wind folgen werde; worauf vielleicht auch schon zu seiner Zeit der Altvatter ^Mtoreies gedeutet hat, wenn er 2.6. I^robl. 40. fraget T tlsxx« cpi^ss-«,. ob der Wind in einer cireul-runden Linie herum fahre? ^tario're aberinseinemBuche^u^Iouvemcnr cles Lzux, Le äes »U»e8 Lorp8 üuiöes p. ^O. berichtet, wie er zu Paris bemercket, daß dieser Wind-Circul sich innerhalb 14. Tagen ende, und gemeinlich bey vollem und neuen Mond der Nord- oder Nord-Ost blase, das ist, wenn an dem Taae des Neu-Mon-s der Nord-Wind wehe, so komme aufihn nach z. oder 4. Tagen der Oft- nach diesem der Süd- und West- und endlich in dem vollen Monde wiedrum der Nord-Wind, zeiget aber zugleich an, daß einige dieser Winden zuweilen zurück kehren. Zum Exempel, der Weft sich in Süd-West, der Nord-Ost in Nord verwandle, welche dann 7. oder 8. Tage währen, niemalcn aber den gantzen Circul zu Ende bringen. Welches alles mit dem übereinkömmt, was 8rurm in seiner 0,I8 ,iu»nonibu8 p. ro. schreibet, mit dem Anhang, daß dieser Wind-Creiß ungleich auslauffe, etwan in 4. Tagen, etwan auch innerhalb 24. Stunden, so daß er sich nicht so genau nach dem Laust des Mondes richte. Wolte man hierüber eine eigentliche Nachricht haben, so wäre kein bester und sicherers Oblervzionum in gantz Europa, als die Spitzen unserer hohen Alp- Gebirgen, weilen dorthin die Winde in ihrer natürlichen Linie, ohne vorher ausgestandene Aenderung, kommen; und wil ich meines Orts zu solchem Geschäfte die auf dem Gotthard, als dem obersten Gipfel von Europa, residirende Herren?srre8 e»pucmo8 erlesen, und publico Komme sonderlich den Ehrwürd. Hrn. p i'wiper hierzu erbettcn, in -essen Kluleo. zu Diensten der curieusen Welt, ein Wetter-Glaß oder Liromerrum, nebst einem ^nemomerro oder Wind-Zeiger, sehr wohl stünde. Wenn denn wolermeldter Hr. i> die Mühe nehmen würde, alle Tage die Grade, sowol des einten als des andern Instruments, gufzu- des Gchweitzerlandes. 227 aufzuzeichnen, so könte hierdurch viel neues und gewisses in Erfahrung Macht werden. Um so viel desto nöthiger wären dergleichen An- nerckungeu, wetlew glaubwürdig, und der Wahrheit qantz ähnlich st, daß unsere Helvetischen Gebirge, wie ste der Schatz-Gchalter von Europäischen Wassern mit Recht können genennct werden, auch eine fruchtbare Zeug-Mutter der Winden seyen, (q) Es hat vorlängftcn der berühmte 8NM8 Usiicusdie Alpen als ein Stammhauß des angesehen, wenn er also schreibet: Lola tiabicar cliris, Lecle^csue loecur perpecuas clekormis bk^ems: üla unclique bludes. zrrzs 3ßir, Lr mixros cum Orancline dlimbos. )am cunöli tlarus, venuc^ue iuremia ^Ipina polueee vomo. Wer stch hierin» nicht alsobald finden kan, der beliebe auf folgende Beweißthümer Achtung zu geben. Es find die Winde, nach der vornehmsten Natur-Lehrern Meynung, nichts anders als eine Bewegung der wäßrigen Dünsten, welche durch die Sonnen-Wär- me aufgezogen, und weiters zertheilt eine ungleiche Drück- und Bewegung der Luft verursachen, und folglich Winde erwecken. Wo nun viel Wasser find, da gibt es auch viel Dünste; wo diese in grosser Menge aufsteigen, da spüret man viel Winde, wie wir auf und an dem Meer sehen können. Nun wissen wir, daß in den ticffcn Eingeweyden unserer Landen ein grosser Vorrath an Wassern ist, aus welchem gleich als aus einem Brennhafen oder unterirdischem Meer, durch Hülff einer innern Wärme, ohne Aufhören eine un- gläubliche Menge von Dünsten aufsteiget, welche oben durch die Löchlein unserer Gebirgen, gleich als aus einem Schornsteine oder Camin, ausdämpfen, und bald darauf irr der obern und äusser» Luft, gleich als in einem Vorlage, die Wind-zeugenden Wolckcn gestalten. (r) Hierzu kommen noch die gewaltig grossen Schnee-und __Ffs_Eiß. (4) Ich baln die Wohnung der Herren Capurinern auf dem St. Goithardr.Drrge nicht vor bequem die Winde zu beobachten ; denn sie ist solchergestalt zwischen zwey Revben Berg« eingeschlossen/ daß nur der Nord» und Süd. Wind hier freyen Paß haben. (r) Es muß sich niemand einbilden/ daß das Wasser/ welches sich in den Bergen befindet/ durch die Löchlein oder porös der Bergen könne ausdünsten/ denn dar Wasser dringet nicht weit durch die Erde/ vtrlweniger durch die Steine/ woraus die Stern« bestehen: er laufft vielmehr durch die Ritze und Spalte der 228 Erzehlung seltsamer Natur-Geschichten Eißklumpen / von welchen die Sonnen-Wärme immer etwas auflöset, und die Winde selbst wegtragen. Wer die Wahrheit dessen noch nicht fassen kam der verfüge sich zu den Goldschmieden hin, und sehe mit Augen, wie in der sogenannten ^oi>p>la, einer Artküpfcr- nenBlasbalgs, das blossein Dünst anfgelößte und durch ein enges Röhrlein getriebne Wasser einen starcken Wind erwecke. Wer hieran noch nicht genug hat, der frage die Schiff- und Acker-Leute, und lerne von ihnen, daß die dicken Wolcken gemeinlich den Winden vorgehen, und deren Auflösung bald die Winde nach sich ziehe. Hieraus ist bald, und zu mehrer Bekräftigung dessen, was bereits von den Ursachen der Winden qeredt worden, zu ersehen, warum auf unsern hohen Gebirgen allezeit Winde blasen, und mit beffcrm Recht, als bey den Alchymisten, hier, in Vergleichnng des MeerS mit den Alp-Gebirgen, kan gesagt werden, tuperms eil licm infertil. Wo die Materie der Winden hauffig vorhanden, da findet sich auch bald die Form ein, alles nach den von Gott verordneten Natur-Gefäßen. Warum auch die sonst warmen Süd-Winde in unsern Landen kälter seyen, als anderswo, welches auch LeHnerus ttorc. 6erman. r;8- b. angemerckct, ist leicht zu Fachten: Es mischen sich irern- lich mit den wärmern Wasser-Dunsten auch viele kleine Eiß- und Schnee-Theilchcn, welche, wo sie hinkommen, eine mehrere Kälte verursachen. Von den am Blocks- und Harz-Bergen gelegenen j^rten bezeuget auch kFicl. l-iollmsn. Okierv. Laromerr. Ivlercorol. ^c>. 1700. p. ro daß sie eine kältere Luft, als andere entlegene Lande, haben; und Verulsmius inttltt. Vemor p.4.74. mercket an, daß die in Hundstagen anfgelößte Schnee-Theilchcn des Etß-Meers Italien und Griechenlands, scharffe Nord-Winde zuziehen, welche auch uns in unsern Helvetischen Landen begrüßen. So wissen auch die Sachsen und Brandenburger zu klagen über der Kälte der Ost- Winden im Monat April, in welchem der Schnee auf den Mährisch - Böhmisch - und Meißnischen Gebirgen anfängt aufgelößt zu werden. NoEm. lib. cn. p. 8. Diß ist auch zum Theil die Ursache, warum wir gemeinlich zu Frühlings - und Herbst-Zeiren gar starcke Winde haben, weilen alsdenn die Dunste näher beysammen halten, und Felsen hervor; daher kan man dieser inwendige Wasser nicht vor die Ursache der Wolcken angeben / welche aus den Dünsten entstehen/ d» aus der Ober« flächt der Versen / oder des ebnen Landes und Meeres entstehen. des Scbwektzerlandes. L2K und sich mehr in die Liesse senckett/ da sie hinaegen im Winter an Anzahl gering, und wegen manqlender Sonnen - Wärme träg, in dem Sommer aber allzusehr und weit in der Luft-Sphere zerstreut wcrdem daß sie sich nicht leicht sammle« können. Hat der Winden Urvatter ^oius auf den hohen Alpen seinen Sitz, so ist sich nicht zu verwundern, wenn auf denselben und in der Nahe die Winde am heftigsten wüten. Von dergleichen ungestümen Berg-Witterungen wissen unsere Aclpler und auch die Reisende viel zu sagen, welche, wo sie sich auf die Reisebegeben, sich oft in grosse Lebens-Gefahr stächen; Welches denn die Ursach, daß sie etwa» zwey, drey oder mehr Tage in dem Quartier zu bleiben genöthiget sind. Diese Berg - Witterungen sind dem Poeten 8>iio nicht unbekannt gewesen, welcher uns folgenden Bericht gibt: Inreräum aciverlo Alomerstug lurbins Lorus In meclia Ora d^ives iulcis Agil korriclus ^lis. mrlum immani llriclens svuliakrocellz ^umler. Lommem. ^lpid P.7;. b. 7s. b IIs b gelesen werden. In dem Berneller Thai in pündten thut sonderlich der Abend- Wind an den Caftanien-Bäumen grossen Schaden, indem er oft in einer Nacht, und in einem kleinen Bezircke ioc>o. derselben nie- F f 3 der- 2Z0 Erzehlung seltsamer V 7 amr-Geschichten derwirfft. Jezt hernach, damit wir einen nähern Bericlst von den Ungcwittern des Schweitzerlands, und daher entstandenen Schaden, bekommen, folget eine nach der Zeit-Ordnung eingerichtete Erzehlung aller schweren Wettern, welche verhoffentlich dem geehrten Leser nicht undienlich, und um so viel nützlicher seyn wird, weilen er mit mir daraus die Beschaffenheit unsers Lands erkennen kan. Anno 1275. gieng ein gar schwerer Hagel über den Bötz-Berg, daß Steine fielen so groß als Hüner-Eyer, die zerschlugen alle wachsende Früchte, auch die Thiere auf dem Felde zu tod. koll. Lieber. Lkron. 26 b. 2. A. 1 zzz. um St. Johann-Tag im Sommer, an einem Abend, entstund ein Wetter aus einem unverschcnen Wolckenbruch. Zu Lucern kam es daher mit solcher Ungestüme, daß jederman ver- meynte, die kleine Stadt würde untergehen. Das Wald-Wasser führte das Erbrich im Felde hinweg, stieß die Bäume nieder, überschwemmte die Matten und Felder, füllte die Gräben aus, zerriß die Gaffen, führte Häuser und Scheurcn von der Stadt hinweg, und weltzte grosse Steine; einem Schmied riß es den Amboß mit dem Stock aus dem Grund, und führte ihn weit vom Hause hinweg; viele Better und anders Haußgeräth wurde in die Rcuß hingeführt. Es war auch an andern Orten ein so grosses Wetter mit Donnern, Blitzen, und Grösse der Wassern, daß jedermann vermeynte, der jüngste Tag seye vorhanden. Lieber. Lbron. V 18 L 26 K. 2. A. 14Z7- gieng ein schwerer Hagel in der Ernd über Grünin- rren, Rybm g und das Thür Thal herauf an den Arliberg, und in das Thurgäu, auch in die Elsch, was nicht abgeschnitten war, erschlug er in Grund. Darauf ist grosse Thcurung gefolget. Lieber. Lbron. 2ä k. 2. Liumpk, (^bron. I^ib. i z. c. n. p. 7,2. b. A. 1449. erregte sich am Montag vor Oßwald eine ungewöhnliche Witterung zu Basel, um io. Uhr Abends, mit Wetterleuchten, Donnern, Sturm und Hagel, daß es jederman sehr schröcklich schien. Der gewaltige Wind erhübe die Ziegel-Dächer, daß fie kein Wasser abhielten, warff auf Burg und zun Barfüßern grosse Linden darnieder, dergleichen geschahe auf dem Felde an fruchtbaren Bäumen grosser Schade. Zwischen Öriickon und der wiese riß er bey zoo. Bäume aus der Erde. Zu Rhcinfeldcn gierigen gräuliche Donner- schläge und Stralschüffe in den Thurn, darauf weit und breit mit scheiblichten Steinen ein Hagel kam, welcher die Fenster und Dächer an des Gchw'merlandes 2?r an gemeinen und sonderbaren Gebäuden dermassen zerknirschet, daß man kümmerlich Schindle« genug anstatt der Zteglen bekommen kvnte. Olltil. Lbron ösjl V c 48 Anno 1487. den rsten Brachm. erregte sich zu Basel, und in umliegender Gegend auf 2. Meilen, um 4. Uhr Nachmittag ein schröcklich Wetter, mit einem schädlichen Hagel, welcher nicht nur in dem Felde an Räben, Bäumen und Erd-Gewächsen, sondern auch in der Stadt an Fenstern und Dächern, die es gemeinlich zerschlüge, merckltchen Schaden that: denn es sielen Steine in Hüncr- und Gans-Eyer Grösse, gleich den Kuglen; und dieweil nicht der zehende Ziegel gantz blieb, tonte man zür Noth kümmerlich Schindle« genüg finden, die Häuser einzudecken. Drills. LKi-on. l 4 b. vi. CLP. I 5. A. 1502. in Psingst-Feyrtaqen war es so kalt mit Schriee und Regen, daß viel Speiren und Schwalben aus der Luft todt herab fielen. Diß Jahrs auf der 10000. Ritter Tag schlug der Hagel zu Bern, Solothurn und am Vieler-See Wein, Korn und andere Früchte, und fielen etliche Steine als Eyer, und noch grösser. Man rechnete den Schaden auf 60002. Gulden. Auf St. Peter und Pauli Abend A. i sor. kam zu Zürich über den Berg Miß ein solch grausames Wetter, dergleichen sich niemand zu gedencken möchte. Der Hagel erschlug alles eine halbe Meile ob der Stadt; das Wetter menge zwey Meilen wegs über Gretffensee und für Allnau hinaus: Kühe, Kälber, Gänse und Hüner, die nicht entrinnen möchten, verdürben. Man fände viel todter Vögel im Felde, die alle vom Hagel und Wasser verderbt worden. Die Steine, sd gefallen, waren seltsam gebildet, etliche ganz dünn, und breit, etliche lang mit vielen Zincken. Den 22. Heum. hat sich von Genfheraus ein grosses Wetter erhebt, und hat der Hagel für Frcyburg, Bern, Zürich, Wyl und Bürgten im Thnrgäu, und über den Bodensee hinaus ins Schwa- benland, einer halben Meile breit alles erschlagen, das aufdem Felde stund. Es fielen an etlichen Orten Steine, wie grosse Hüner - und Gänß-Eyer, und erschlugen Pferde, Kühe, Kälber, Hasen, und Vögel. Es ist auch diß Jahrs ein gar kalter Winter gewesen, und viel Schnee, deßwegen es auch theuer worden, und zu Basel bey ;ooo. Menschen an der Pest stürben, küelslin eurvmc. xasc. sän. s.8rumpk. 2 ZL Erzehlung seltsamer l77atur-Geschichten S. 8rumpf. Lkron. Lib.ViU. csp.Lt. p^Z. ^92. und Lib. Xlti. csp.zo. P"87s2 b. A. 1508. war zu Anfang des Jahrs ein sehr harbcr Winter/ und grosse Kälte/ die bis zu End des Merzens gewähret. Darnach am Sonntag nach St.Urbans-Tag regnete es 24. Stunden nacheinander/ so daß alle Bäche angelassen/ und viel SÄM den verursachet. Sonntags nach Lanrentz um io. Uhr Nachmittag kam ein sehr grosses Wetter über die Stadt Zürich; Bey Wiedickon leerete sich ein Wolckcnbruch aus, der so viel Wassers gab, daß der Oetenbach über den hohen Steg gicng, so darüber laac. Der Bach zu Fellan- den war so groß, daß er in die Kirche zu den Fenstern eingelösten, und auch einen Theil der Kirchhof-Manr weggeführt. Der Bach / so von Hottingen durch die Stadt Zürich fließt, müßte durch den Hirschgraben abgeleitet werden, sonst hätte er in der Stadt grossen Schaden gethan, denn er aller Orten in die Keller liesse, so daß in vielen die Fässer im Wasser schwummen. kuelsiin Linon. X 48 L. 3ci n. z. A. isis. Am Samstag vor dem Neuen Jahr kam ein grosser ungestümer Wind, dergleichen man in unsern Landen nie erfahren, er warst die Dächer von Häusern, Schlössern und Thürnen ab, lind thäte in Wäldern grossen Schaden. Im Winterthurer Walde hat er bey 1000. Tannen niederaeworffen. An St. Urbans-Taa sienge es an regnen, und währete bis an Bartholomei Tag, Korn und Haber kam naß in die Scheure. Linäsuer. ^nnsi. vnoNurzn. x^8L. scl k. 3. A. 1519. aufPetriund Pauli Tag erhübe sich zu Basel, um Mitternacht, mit Wolckenbrüchen und Platz-Regen ein schrecklich und gar nahe unerhörtes Wetter. Der Büsick ward in einer Stunde so groß, daß er den Schwiebogen seines Einflusses, samt der Stadt- Maur, durch die herzu getriebnen Hölzer, darnieder stiesse, daß alle Häuser in Steinen Vorstadt halb im Bade stunden, und ein Was- fcrfturm angienge. Das strenge Gewässer möchte durch die Stadt Unter den Gewölben nicht wol seinen Ausqang haben, deßwegen es am Fisch-Marckt ein Hauß darnieder stiesse, und sonst der Bürger- schaft grossen Schaden zufügte, LrNis. Linon. LM. Lib. VII. c3p.9. P 3 Z. s28. A. 1522. fiel ein grausamer Hagel über die Stadt Bern, der zerschlug nicht allein die Früchte, sondern auch viele Dächer und Fenster. Lmmxf. Linon. Lib. vm. c. 8. l>. s 79. A. des Gchweizerlandev. 2zz A. i ^24. hat ein grausamer Hagel zu Schasshauftn die Früchte des Felds und die Weinräben in Grund zerschlagen/ auch an Dächern, Fenstern und Gebäuden der Stadt mercklichen Schaden gethan. 8wmpf. Lkron. H. V. cap. 17. ^3^.417. A. i s ZO. kam ein schwerer Hagel über die Stadt und Landschaft Basel . die Steine waren so groß als Hüner-Eyer, und zerschlugen dieRäben, Früchte, Fenster, und Gebäude. Lieder, (.dron. ki8L. srl k. 3 8rumps. Ldron. d.id. xll. csp. Z4. psZ. 716. b. A. i s Z4. kam den 21. und 22.Octob. ein grosser Sturm-Wind, der that in Wäldern, und sonst, grossen Schaden. Er warst unter andern: auch den Knopf samt dem Stern von dem Grossen Münster- Thurn zu Zürich. 8rumpf. Cdron d.iIr.Vl. C3P.20. PAß. m. 497. A. l sZs. den l s. Heum. kam ein crschröcklich Wetter über das Zürichgäu, und drann der Himmel grausam von Feur, daß die Flmnmcn auf die Erde fielen, und verbrannen zuBülach2.Hauser, zu Lottstettcn zwey, und zu Gräßlikon eil: Hmrß. Lleker Ldron. Xi8L. 3ci d. 3. A.issr. den iz. Januar, entstund ein solcher Sturm-Wind, daß er die Ober-Brücke der Stadt Zürich abgeworffen, die Dächer entdeckt, viele Bäume aus der Wurtzel gerissen. 8 rumpk. Ldromc. p3g. m.497- b. A. i s 5 6. im Herbftmonat ist ein schröcklich Ungewitter um die Stadt Lucern gewesen, der Wind währete 4. Stunden lang, und warffe Häuser und Mauren um; darauf kam ein solches Donnern und Blitzen, daß die Menschen vermeynten, es müßte alles untergehen. Lieder Lkron. 3 ä d. 3 . A. I s6o. den 2Q.Octob. war ein solcher Windsturm, der die Dächer abdeckte, und einen Zeiger an St. Peters Thurn bügte. Ldimlcd. Xtemorisl. l^iZ. P3A. 28>- A. r ssi. ward die Ober-Brücke zu Zürich abermal im October durch einen starcken Wind entdeckt, und geschahe anderer Schade mehr dadurch. 8rumpt. ». c. p. 498. Den 6.Heum. war ein ftarcker Wind-Sturm, und schädlicher Hagel unter Zürich gegen Höngg, und zum theil über die Stadt. Lieder cidron. 36 d. g. A. 1567. -en letzten Deceinb. um Mitternacht kam ein schweres Wetter über den Zürich-6ee mit Wetterleuchten, Donnern und Regnen, als wäre es mitten im Sommer. 8rumpf. 1. c. A.1568. den2s.Augstm. war ein erschröcklicher Wasser- und I. Theil. Gg Wol- 2Z4 Erzehlung seltsamer Natur-Geschichten Wolckenbruch, der sich unter dem Dorffe Buchs ausleerete, und grossen Schaden that/ ins besonder zu Dreist,,gen, allwo die Häuser nn Wasser gestanden, etlichen auch die Oefen zerftosse«/ mit Steinen und Grund erfüllet/ viel Geschirr und Haußraht aufs Feld hinaus geführt worden/ die Leute sind in die obern Gemächer/ und unter die Dächer geflohen. Einem / mit Namen Hans Brunner, sind drey Kinder ertruncken, das vierte/ so i. Jahr und s. Wochen alt war/ hat das Wasser in einer Wiege weggeführt/ und auf einen grossen Haussen Holz getrieben/ da es errettet worden. Einem andern Bauren hat das Wasser 9. Schweine ertränckt/ und sonst die Aecker, Matten und Gärten dermaßen mit Steinen überführet / daß sie nicht wol mehr zu säubern waren. Als dieses ungestüme Wasser für das Dorff hinaus gekommen/ hat es sich angefangen zu theilen, der einte Theil nähme seinen Lauff auf würenios, der andre auf das Dorff wetlingcn ZU/ da es viel Jucharten Räben samt den Trauben aus dem Grunde weggeflötzet hat. Von bannen hat es sich gegen der Stadt Baden gewendet/ ist hinter dem Siechenhause die Straß hinab mit solcher Ungestüme kommen / daß es eines Spießes hoch aroffeLöchereingcfrcffen/ das Mäurlein gegen dcrLimmath/ und verschiede Gärten hinweggenommen. Diß ungestüme Wasser ist durch die Limmath an das andre Ufer qetrunqen/ und hat den Fluß dermaßen geschwelter / daß dasWasser bis in das Schützenhautz geloffen. Es hat auch etliche Bäume/ sonderlich zwey Nußbäume/ die zunächst vorder Stadt gestanden/ aus der Wurtzel gerissen, und an das grosse steinerne Joch der Brücke geführt. An der Seite gegen der Stadt hat es die Landveste, und das Hauß zum Hirschen sehr unterfrcffcn. An der andern Seite der Limmath hat es das äussere Thor mit Gewalt aufgestoffen, ist zu dem Schloß gedrungen, daß der Landvogt (Simon Wurstenberger von Brunnen) samt allem seinem Volcke, in den Stall entrinnen müssen. Demnach hat es das Thor gegen der Brücke auch mit Gewalt geöffnet, etliche Wägen voller Raben und Räbfteckcn über die Brücke in die Stadt hinein aeführet. Bald darauf ist der Thurngegcn der Stadt samt der Brücke umgefallen. Auf der andern Seite des Bergs ist auch ein ungestümes Wasser das Wenchal hinab gelassen, und hat den nächst- gelegnen Dörflern und Höfen grossen Schaden gethan. Dem Wirth zu Lencmau sind in einem Stall 9. Stücke Vieh ertruncken. Der Schmid daselbst, als er einem Schwein helffen wollen, ertraucke auch. des Scbweitzerlandes. _ 2Z5 Den Küster, als er ziemlich lang für das Wetter geläutet, und aus derMche gegauaen, hat das Wasser auch erwitscht, weit mit fich geführt, und als er auf eiuen Kricchenbaum kommen, hat das Wasser chn und den Baum umgerissen, darnach ist er an einen Schweinstall kommen, auf den ergestiegen, den hat das Wasser auch hingenommen , aber zu allem Glück an ein Ort geführt, da er mit dem Leben davon kommen. Es hat diefelbige Nacht fo erschrecklich gedonnert undgeblitzet, daß der Himmel davon ganz helle worden. LlcN«r(chron. K 15 L. sä n. 3 . A. 1570. den 6. April Nachmittag um s. Uhren kam ein zornig grausam Wetter mit Donnern und Blitzen daher, dergleichen man nicht viel gehört, oder erlebt hat. Sonderlich gab es zu Lucern grosse Hagelsteine. ö>bi. i'iZ. n., 12. A. 1572. den 2s.Augstm. auf den Abend nach z. Uhren gierige ein schweres Wetter von grossem Wind und Hagel von Rnßnacyt gen Ehrlibach, von daunen über den Berg gen Mur, Greiffensee Egg und Thurgäu, bis über den Bodensee hinaus: der Schade war groß, fällete viel Bäume, schädigte und zerschlug die Trauben. Zu Bischoffzcll kamen Wolckcnbrüche samt einer Winds-Brant, die thaten grossen Schaden an Bäumen, überbliebnen Früchten, und dem Brachfelds: Es hat viel Dächer zerschlagen, indem es Steine etliche Pfund schwer geworffen. Im Thnraau hat es viel Nuß- und Eichen-Bäume aus der Wurtzel gerissen, und grosse Tannen zer- wunden, die Bäume nicht in glescher Ordnung, sondern hin und wieder zerfället, grosse Acste einen weiten Weg weggetragen, kotier cdron. Qlr.; 8 . c. 20. Zu Lallanden hat das WaUr einen Hirtcn- Knaben, samt den Schweinen, einen Berg ab in die hole Gaffe geführt, und ertränckt. An etlichen Orten sind 2. und z pfündige Steine gefallen. In der Pfarr O rren dach hat Her Strahl einem Baurcn sein Hauß und 1000. Korn-Garben verbrennt. Llcker. LNron K 15 L. sä k. s. Den 26. Septemb. erhübe sich ein erschröcklich Wetter mitBlitz und Donner, darauf wurden feurige Kuglen herab fallen gesehen, und folgte ein langwieriger rauher Winter, inmaffen der Genfer- Züricher- und andere See überftoren. Slumpf. LKron. r.. v l. c. 20. g. m. 498. b. A. i57Z. den 5. May schlug -er Hagel gar übel von Wäden- schwyl über Sräfen, Grüningen, bis gen wyl im Thurgäu. Ggr Den 2Z6 Erzehlung seltsamer lTkarur-Geschichten Den 7. May schlüge der Hagelwieder zuTaliwyl bis gen Ober- riebt». Den 17. May am Morgen frühe stunde ein schwarzer dicker Nebel anf, wie zur Herbst-Zeit, und ward darauf ein Heister Tag. Alls den Abend zwischen <<. und 7. Uhren kam ein schrecklich Wetter mit Donner und Blitzen; es fielen auch Steine wie Haselnüssen. Ein anderer Hagel gieng den 27. und 28. May von Zug über Wä- denscbwyl, Ehrlibäch/und über den Egg-Berg hinaus, und thäte grossen Schaden. Den s.Iul. Abends um 5.Uhr gienge ein Hagel über den Zu- ricbbel g herein: Diese langwierige Kälte und Witterung verderbte die Früchte im Felde an vielen Orten dermaßen, daß man die Felder wieder umkehren, und neue Früchte daran säen mußte. L>bi. 1°>A n Kicker, (.krön sci k. s. A. N74. den is.Iun. Nachmittag um s.Uhrhatficheinftarck Wetter mit einem Wind-Sturm erhebt. Bey uns war zivar nichts als Regen; über L»el aber, und etliche Dörffer zwischen Viel und Solothurn, gienge ein schwerer Hagel. Kicker. CKron, sä k. Z. Den 2i^Iun. um Mitternacht haben steh zwey schwere Wetter zugetragen, da der Strahl in viel Bäume geschlagen. Im Wagenchat fielen Steine wie Hüner-Eyer; um Brenmarren Achhol- recen und an aridern Orten mehr, hat der Hagel die Früchte Übel zerschlagen. Den 20. Iun. kam ein böses Wetter über das Flaachchal. das gienge weit und breit, der Hagel zerschlüge die Rüben, Korn, Roggen, Haber, Hanff, Bäume, in Summa alles, so der Mensch gemessen mochte. Zu Rorbas und Einbrach hat es ohnzahlbar viel fruchtbare Bäume aus der Wurtzel gerissen, die Räben aus dem Grunde weagefiözt, die Brach verschwemmt; Man fand 8. Tage hernach eines Knyes tieff Haqelstcine aufeinander liegen, die das Wetter zusammen gestötzet hat; Es war so kalt, wie in mittendes Winters: die Steine waren hart und klar, wie Cryftall. Zu Elfii- sau hat es viel Vieh, samt zweyen jungen Kindern hinweg geführt. läsller. ( krön. kib. XXXIX csp., s. Llcker. Lkrori. sä k. s. Den 2^. Brachm. zwischen 6. und 7.Uhr Nachmittag hat fich ein schweres Wetter mit Donnern, Blitzen und Strahlen zugetragen. Zu Rorbas hat der Hagel Wein und Korn in Grund erschlagen: Zu Einbrach auch grossen Schaden gethan. Den des Schwelyerlandes. 2Z7 Den 20. Augftm. zu angehender Nacht hat der Hagel im velr, lein an etlichen Orten grossen Schaden gethan; auch an dem Bodensee; item zu Richrenschweil, wadenschrvei!. Den 27. Deccmb. erhub sich ein grausam starcker Wind, der grossen Schaden in Wäldern und Höltzern gethan. MNsr. cnron. sci k. A. 1576. waren gar viel schwere erschröckliche Wetter. Den 24. May zwischen 2. und z. Uhr Nachmittag hat sich ein schweres Hagel-Wetter von Meningen und Rodorff auf Baden zu / und von darmen weiter genwmenlos, wemingen, und Höncig. zu aroffem Schaden gezogen. Kicker. LKr»n. n. Ä Den 2. Augftm. schlüge der Strahl in den Münfter-Thurn zu Zürich, wie oben au seinem Ort angezeigt worden. Den 5. Augftm. kam ein Hagel, der sicngc bey Genf an/ und menge durch das ganze Been-Gebiee, durch das Thmgäu, bis gen Inspruck, der schlug nicht allein die Vogel in Lüften, sondern die Thiere auf dem Felde tod: es fielen Steine wie Fäuste/ und die meisten wie welsche Nüssen. Zu wem'ngen hat es an Dächern solchen Schaden gethan/ daß der Abbt in die 52020. Ziegel von Zürich beschicken mußte/ insonderheit zerschlug es die Fenster im Creuzgang, darin der Eydgnosscn Wappen gar schön gemahlt ftuhnden. Zu Frauerifeid hat es viel grosse Bäume aus der Wurtzel heraus gerissen. Von alten Leuten ward gemeiniglich geredt/ daß innert 70. Jahren solch Wetter nie gewesen. Es kam aber den 8. Augftm. wredrum ein schweres Wetter/ welches zu gründ gerichtet/ was die ersten übrig gelassen haben, toller. Lkron.t-,ib.XI_>.c.iz. 8tumps.(^ron. k>. Vili. cäp. 2L. P 3 g. m. 592. A. l 577. zu Eingang des Oktobers hat es bey angehender Nacht viel geblitzet und gedonnert/ als ob es mitten im Sommer wäre. Ueber Menzmgen gierig ein gar schweres Wetter, Salier Lkron. I^ib. Xl^I. c»p. 5. A. 1578. den 15. May schlüge der Hagel zu Ober-Meylen am Züricu-Gee gar Übel. Den 18. auf den Abend kam ein schweres Wetter mit grossem Hagel/ von Horgeu bis gen Tallwysdaß man des Morgens noch viel Steine gefunden. Lkron I,. Xl^I. c 12. LickerOkron. zä k. a. A.1579. den Z 4 .Augftm. schlüge derHagelgar Übel bey Schaff, hausen zu HaUnau und d^eukilch, zu grossem Schaden dcrTrauben. Lscker. (^Kron. aron. k,b. i^iu. czp. 7. A. 1592. den 48. Merz gieng ein schrecklicher Hagel von der Schindellege bis gen Lucern. Es fielen Steine wieBaumnüssen. Den 2z. und 24. waren auch grausame Sturm-Winde, und ungewohnte Kalte, davon die Wasser sehr angiengeu. Näi!er.ckr. I.V1. cap. i. A. 1598. hat der Hagel grossen Schaden zu Horgen, Cappek, Rnonau, Rafz Grein am Rhein, und anderstwo mehr, gethan. Kicker Lkrori. aä k. 3. A. 1599. hat der Hagel wiedrum grossen Schaden, besonders in dem Zürich-Gebier, in der Grafschaft Ryburg, und Herrschaft Än- delfin gen, verursachet. Derr 29. Heum. gegen Abend um ?. Uhr kam ein Hagel-Wetter Vom Albis Über Rieden, gcamwiedikon, wollrshoffen, Tallweil, und über den See gen Zöuikon, Goldbach. nnd Rußnachr, da es Steine wie Hüner-Eyer gegeben hat, die aufden Dächern etlich 1000. Ziegel erschlagen. Kicker. c^krnn sä K 3 A.i6oo. den 16. Heum. hat der Hagel bey Rapperschweil gegen Bubickon grossen Schaden gethan. Lieber, c^kron. 3(1 k. 3. A.i6Qi. den 20. May hat der Hagel bey Tallweil, und dem Berg zn ziemlich geschabt, sonderlich dem Graß. Den lo.Angstm. ist ein Hagel vom Lägerberg herkommen, der ist über Rümrang Lloren, Brütten bis gegen Ryburg gegangen, und hat dem Haber sonderlichen Schaden gethan. Und zu Eingang des Monats ist auch ein ziemlicher Hagel über das Dorffweinmgen, und daherum gegangen. Dergleichen Hagel-Wetter gibt es gern, wann in dem May -icke Nebel sich zeigen, wie dann auch diß Jahr, sonderlich den 14. May ein wüster dicker Nebel vom Morgen an bis gegen 9. Uhren gewesen, und sich das gemeine Sprüchwort, Mayen-V rebei, Bracher- oder Äugsten-Hägch erwahret hat. Kicker. Lkron. sä k. 3 . A. L605. des SchweLyerlandes. 241 A. 1625. -cn 21. Heum. ist ein schwerer Hagel um Schaff- hausen herum gewesen, es sollen Steine 7. Pfund schwer gefallen seyn, die haben zwo Personen erschlagen, k/cber. Linon. K.3. A. 1607. hatder Hagel im Lucerner-Gebiet, amwadeschwei- ler Berg, und andern Orten mehr grossen Schaden gethan. Llciier. Linon. 36 ii. 3. A. i6n. den 2 s. Iun. gieng ein schweres Wetter über Rap- perschweil von Emstdlen her über Grnmngen durch das Fischen- rhal in die Grafschaft Toggenburg bis an den Bodensee, und thäte grossen Schaden: Es sollen Steine wie Hüner-Eyer gefallen seyn. Libl. lig. n. sr. p 3 A. A. 1614. den 21.22.2z. Nov. war ein so heftiger Wind, das sich jcderman darüber entsezte; er warf hin und wieder viel Bäume UM. liiller. Ltiron. Lib V. c 3 p. 11. A. 161s. zu Baden im Aergäu sind Hagelfteine gefallen, so z. Pfund schwer waren. >^ 3 Zner.tteiv.Lur. ausl4ol3rcj kaum 2. Schuhe tieff gewesen. Welches sich auch A. 1600. den i 6 . Sept. nach dem Bericht Loikotreci, in seinem ( ii-niin cie 6e- neve P.Z 7 >.Z 72 . ^3Zner ttlil.tteiv.Lur. p.) 68 so! begeben haben. A. r 6 ss. den z.Augstm. find zu Rüßnachr am Zürich- See, zu Uster, und anderftwo in der Herrschaft Grüningen, gar viel Bäu- l. Theil. Hh me 242 Erzehlung seltsamer Natur, Geschichten me von der Gewalt der Winden umgeworffen worden, ^sxner. lib. cic. pg§. z 69 Zu Lüßnacht ist eine Scheuer mit allen Früchten in den See aeführt; und dcrHelm von demThurn zu Nteder-Ufter darnieder geworffen worden. Es sielen Steine wie Hüner-Eyer, welche an den Feld-Früchten und Rüben unsäglichen Schaden thaten, kr. LnctNriä. LkronoioZ. l'iA. »cl k. g. Gleiches ist A. 166s. den Z.Jul. zu HongA geschehen, 1. c. A. 1668. den 8. Iul. ist ein sehr ungestümes Wetter/ doch ohne Hagel, in dem Glarnerlande eingefallen, in welchem, sonderlich zu Bilren, grosser Schade verursachet worden. ^.»Lnr.'i'sckuci.ttlll. Olarn. acl k. g. A.167O. den 17. April hat ein erschröcklicher Sturm-Wind viel Häuser entdeckt, Bäume umgeworffen, und andern Schaden verursachet. Ilckucklc. A. 1671. den z. Iul. haben gewaltige Sturm-Winde und schwerer Hagel an Bäumen und Früchten grossen Schaden gethan. In Nider-Urnen ward durch den Hagel ein Töchterlein erschlagen. Ilckuä. I. c. I. c. A. 1674. den ganzen Sommer durch ist sehr viel Donner und Hagel in der Eydgnoßschaft gewesen, und dadurch grosser Schade verursachet worden. 1. c. A. 1678. den letzten Iun. Sonntags zwischen 4. und s. Uhr kam ein grausam Wetter mit Donner und Hagel bey demGlärmsch herein, mit entsetzlichem Sausen und Brausen, daß hievon beyde Rufenen zwischen «Schwanden und Glarus mit grosser Ungestüme angetrieben, und durch deren Ueberlauff ganze Güter zu grossem Schaden mit Steinen, Sand und Lett bedecket und verwüstet worden. 1 'sctiuN. I. c A. 1679. haben viel ungewohnte Hagel-und Strahl-Wetter, auch plötzliche Wasser-Güsse im Glarnerlande, und hin und wieder an Menschen und Viehe, grossen Schaden verursachet, ilckuci. 1. c. A. 1682. den 25. Iul. Abends nach 9. Uhr hat die Ober-Rusi zwischen Schwanden und Glarus in einem starcken Sturm-Wetter ein Gut nächst an der Linth überlegt. iicku 6 .1. c. A. 168Z. am H. Psingsttag fiel zu Eglisau ein verwunderlicher Hagel, Abends um 6. Uhr, es hagelte eine ganze Viertelstunde nacheinander, und fiel so breit als ein halber Thaler, etliche so lang als ein halber Finger, andere rund als eine Nuß, andere mit vielen Zincken des Gchwekyerlandes. 24Z Zincken und Ecken. Darauf kam ein zweyftündiger Platz-Regen, risse ander Steig ein Hauß um, unddemHörnli-Wirth eine Scheuer, stürzte etliche Mauren ein, nahm Schweinställe hinweg, und waren viele Häuser in Gefahr. In den Raben hat es den besten Grund weggeführt, und an etlichen Orten in den Strassen eines Manns Liesseingefreffen. Es wurden Steine geschwemmt, die z. oder 4-Män- Ner kaum tragen Mögen, ölumickl. )^emor3b. 1iA. P3g. r8 A. 1684. den zo.Oct. hatder starcke Fön-Wind in dem Schwei- zer-Zuger-und Zünch-Gebiet, mitUmwerffung der Bäumen, und Abdecküng der Dächern, grossen Schaden verursachet. Den zc>. Jun. gienqe Abends um 8. Uhr ein ungewöhnlicher Platz-Regen und Hagel-Wetter über die Dörffer Wipkingen und Höngg. Das Erbrich würd unter dem Räbftock allerdings verschwimmt, und die Landstraß naher Baden etlicheTage unbrauchbar gemachet. Lnckiricj. Lkronol. l'iZ. 3cl k. 3. A. 1686. -en r2.Heum. Abends um 9. UhrFat sich ein unge- meirrer Hagel, meistens nur über die Stadt Zürich ausgeleeret. Das Gewitter währte nicht länger, als etwan 8. Minuten. Es fielen Steine so groß, als zweylöthige Kugeln, und zerschlugen viel iO2o. Scheiben, sonderlich am Rahthauß, und an den Kirchen. Liunlickl. I. c. A. 1688. den s. Jul. leerte sich ein erschröcklich Hagel-Wetter mit heftigern Donner, Blitzen, und Wind-Sturm über die Eyd- qnoßschaft aus, wodurch auch fast in dem dritten Theil des Zürich- Gebiets die schönen Feld-Baum und Garten-Früchte, eben zu der Zeit, da die Sichel angeschlagen werden solle, wie in gleichem die Räb-Gewächse, gänzlich erschlagen, und viele Bäume aus der Wurzel gerissen worden, kr. Lnckir. evronol. I'iß. 3(j k. 3. Dieses Hagel-Wetter gienge 14. Tagreisen weit, 4. Stunden in die Breite, und schlüge in der Eydgnoßschaft 182. Dörffer. Lium5cki 1 c. A. 1692. den 24. Jun. ist bey dem Flecken EUgouw, Züricher- Gebiets , Nachmittag um 2. Uhren ohngefehr, der Himmel ohnver- seheus mit Wolcken und einem schwarzen Nebel bedeckt worden, und hat darauf ein gewaltiger Strahlstreich in den Wald Gngenharc genannt, allernächst bey dem Flecken, geschossen, aufweichen ein grosser Regen mit vermischtem Hagel gefolget, und gleich hiernächst ein so grausamer Wind und Wolckenbruch über den Schönen-und Schauenberg daher rauschend kommen, daß in einem Augenblicke Hh s von seltsamer Natur-Geschichten von besagten Orten her über Hrn. Gerichtsherrn Hirzels Mühle zu Luweil ein solches Gewässer mit entsetzlichem Gctöffe erwachsen, und sich, wo es hat können, ausgeleert, daß jedermann dort herum sich eines plötzlichen Untergangs vermuthet. Dieser Wasser-Strohm hat das halbe Haust zu Buweil, samt aller Zugehörde der Mülle, ganze Better, Kästen, allen Haußrath, ganze Sagbaume, und viel anders weggeschleppet, ja die Mühle so weit rninirt, daß sie fast von neuem wieder aufgebaut werden müssen. Endlich hat dtß Wasser durch das sogenannte Fahren loch zwischen den Felsen einen Äusbrnch gefunden, und nachdem es sich in zoo. Schritte weit ausgebreitet, und alle Bäume, Hanffländer, Gersten und Grast elendiglich verwüstet, viel ganze Tannen weggeführt, alle Stäge und Brücken abgeworf- fen, und also grossen Schaden gethan, ümpiiff. llskn. LKromc. iE. I^ib. XV. cap. ;. A.l 7 Os. den 22. Juri. hattemanzuHerrlibergamZürich-See starcken Hagel mit Regen. Den 24. hatte man hin und wieder, ins besonder am Irchel- Berg, starcke Wolckenbrüche. Zu wemingen und Unrer-Eistrin- aen gegen der Sonne Untergang ist erstlich der Strahl geschossen, hernach eine dicke Wolcke, gleich einem Rauch aufgegangen, welche sich urplötzlich in Wasser verwandelt, also daß gleichsam ganze Eymcr ausgeleert worden, und die Felder und Häuser innert einer Viertelstunde im Wasser gestanden. Ein guter Herr und Freund von Schlieren schreibt folgende Nachricht: „ Ich wäre auf dem Weg zwischen „ wettingen und Gpl eicenbach. und genösse eines schönen und »klaren Himmels, anssert daß auf die Letzte ein wenig Regen folgte. » Hinterwärts aber gegen Weitungen und Schlieren sahe ich in eine »gleichsam ftock-dicke Finsterniß hinein, daraus ich geschlossen, daß, » weil nach gehörtem grausamem Knall diese Schwärze einsmals erfolget, es müsse ein gewaltiger Wolckenbruch oder häuffiger Platz- » Regen gewesen seyn. Neben dem sahe ich zu gleicher Zeit am Him- »mel r.Feur- und l. Wind-Zeichen, da das einte einem Winckel- »mäß, das andere einem Triangel, und das dritte einem gewöhnli- » chen Wind-Zeichen gleich gewesen. Den Jammer, den man zu „Schlieren ausgestanden, kan man nicht genugsam erzehlen; das « Gewässer ist so hoch angeloffen, daß man fast in allen Strassen mit » Schiffen hat fahren können; es wurden grosse Balcken hingetrie- »ben, ein Kohlhauffen auf der Allment (gemeinen Wiese) wurde des Schwei'tzerkandes. 24s bey nahe weggeschwemmt und ausgelöscht; die Leute hatten ge-,, nug zu thun, vor ihren Häusern dem Schwall des Wassers, darin „ sie Knyes hoch gestanden, zu wehren. Ein Knäblcin mit einem ,, Korbe hat es einer» Strich weit geschwemmet, doch ohne Scha- „ den; um unser Haust herum war alles im Wasser. An verschied- ncnOrten sind vom Wasser Liesse Gräben, Hölm, andere Wege ,, urrd Straffen gemacht worden. „ M8888888838888888 88888888888888888^ Vor» einiger» Seltenheiten des Windes im Schweitzerlande. Von der Winds- Braut. s^^?S ist diese Luft-Geschicht, in Ansehung ihrer Zeugung urrd Würcknng, dem Wasser-Wirbel gleich. Beyde winden oder krümmen sich in sich selbst in einer schnecken-förmigen Linie bey Anlas des auch stüßtgen und widerstehenden Wassers oder Luft, jedoch mit dem Unterscheid, daß in der Luft einem zwischen zweyen Wolcken einher blasenden Winde eine einerseits verdickerte, anderseits aber dünnere Luft vorkommt, welche dann dem Winde, einen krummen Lauff anzunehmen, Anlaß gibt, und in währender dieser Abweichung von gerader Linie die geschwinden Grade ihrer Bewegung verftärcket, so daß darauf crschrockliche Würckun- gen erfolgen. Dergleichen Wirbel-Winde heiffeu die Lateiner und Griechen lypbones, die Türcken Oü^nr, die Indianer Orgne-m, o» c-m, und sind sonderlich in dem Oft-Indischen Meer zwischen Ma- lacca, China und Japan gemein, allwo sie, sonderbar zur Herbst-Zeit die vestesten Häuser darnieder werffcn, die größten Bäume aus den Wurtzeln reisten, und die Schiffe mit grausamer Gewalt, auf den auch hievon erzürnten Meers-Wellen daher treiben, in Stücken zerbrechet», und etwan eine viertel Meile ins Land hinein werffen. Anno 1661. den4.Iulii, als des Spitthals Bediente bey Ober- Haßlen, einem Dorffe Züricher Gebiets, an einem gewissen Ort, auf der Hörrwagen genannt, in Eittsammlung der Zehcnd-Garbcn beschäftigt waren, ist ihnen Abends bey Heller und stiller Luft ein H h z kleines 246 Erzehlung seltsamer Natur- Geschichten kleines schneeweiffes Wölcklein erschienen, (s) aus welchem plötzlich eine Winds-Braut hervorgebrochen, welche 8 . Garben in die Höhe wegführte, auch den Wagen selbst, aufdem bereits etliche Garben nebst einem Knecht waren, etliche Schuh hoch hebte, und dabey zum drittenmal in die Runde triebe, also zwar, daß dem Knecht, so auf dem Wagen gesessen, kein Schade wiederfahren; die Zehend-Garben aber sind also zerstreut worden, daß kaum eine Handvoll mehr davon zu bekommen war. Diese windichte Wolcke ist hernach in den nächsten Wald mit solcher Ungestüme eingebrochen, als ob darin alles solte zu Grund gehen. Der Weibel von Bülach, so bey den Knechten war, hat sich auf die Erde nieder gelegt, und die übrige Garben gefastet, damit sie nicht von dem Wind weggetragen wurden. I. cir. Den I s. April 1672. Nachmittags zwischen Z. und 4. Uhr erzeigte sich eine wunderbare Winds-Braut, welche vonHrn. Hans Ultict) wadee, Pfarrer zu Steinmur, dem Hrn. Drilles also beschrieben worden: »Inder Pfarr Steinmur, auf einer bergichten » Höhe, aufSollern genannt an der Egel, vor dem Lagerberg über- »hin, kam bey schönem Wetter eine Winds-Braut daher, welche »etliche sich ftarck üben gesehen, sonderbar an einem kleinen Eich- » bäum, welchen dieselbe gewunden und heruntergebogen, daß man »den Gipfel hätte fassen können, auch einen Bengel in die Luft »schwingen, samt vielem Laub, so in das Thal hinab verflogen, »welcher Winds-Braut nahe dabey anwesende Personen zu entge- » hen gesucht, andere aber sich zu sehen gestellt, wie es enden werde, »welche Fenr, Rauch und Dampf aus dem Erdboden aufsteigen »sahen, darauf erfolgte ein langer Thon, welcher einen starcken Wider- (5) Dieser war also ein sogenannter wokcken-wind / welchen die in Ost-Indien fahrende Schiffer oft mn Schrecken wahrnehmen Insonderheit rst der söge» nannte Lafel'Berg/ an dem Vorgebirge der guten Hoffnung deßwegen be» kaant. Man siehet oft auf demselben ein kleiner Wölcklein / welches die Portu» giesen 0IK0 äe (Ochsen Auge) nennen- Wenn die Schiffer bey Er» dlickung dieses WölcklrmS/ welche« Änfangr sehr klein/ nach und nach aber grös» ser erscheinet/ sich nicht beyzeiten vorsehen/ so werden die Schiffe in Grund ge» sturtzet. Solche Wmdc sind auch bey Vienne m Franckrrlch nicht ungewohnt. D,r Wolcken/ welche diese Wind« verursachen/ bestehen ohne Zweifel aus solchen Ausdünstungen/ welch« eine schlinge Gchrung verursachen/ wenn andere Zeuch» tigkeilen dazu kommen. des Gchweitzerlandes. 247 Widerschall aegen dem Lägerberg gegeberi, welcher Thon zweymal» von vielem Polcke, die in der Hohe und im Thal wäre«/ ftarck ge- „ hört worden, da die einten vermeynt, manschieffemit Stucken,,, oder mit vielen Musqueten, oder man sprenge mit Pulver grosse,, Steine, oder es donnere; die, so zunächst dabey waren, sind hernach,, an das Ort gegangen, haben aber nicht diegeringsteAcnderung ver-» spürt, daß Feur da gewesen.,, ^rcwv. 4)5. In des Wirbel-Winds Verwandfchaft ist . Der Wasser-Thurn. MInc seltene und wundersame Luft- und Wasser-Geschieht, da ^ das Wasser selbst aus einem See, oder aus dem Meer, in Gestalt einer Säule, aufgezogen, oder eine Wolcke in gleiche Form herunter gezogen, auf dem Wasser zu stehen kommt, mit begleitendem oder nachfolgendem gewaltigen Wirbel-Wind, welcher eine Wolcke in die Ründe fasset, verdichtet, und hernach mit eingefangner zusammengedrückter Luft wiedrum mit förderlicher Gewalt ausbucht, so daß die Seefahrenden, wo sie sich nicht zeitlich entfernen, daher in grosse Gefahr kommen. Eine solche wolcken - oder Wasser- Gäule nennen die Engelländer -> 8pom; und handelt vampier hievon Wkitläuftig in seinen Vo^zZes lom. l. P.451. Lsjit. ^nZIic. Anno i s86. den 16. Heum. hat eine Winds-Braut nächst bey Meilen das Wasser so sehr in die Höhe getrieben, daß es einem ziin- lich hohen Thurne gleich geschienen. Au oberst auf diesem Wasscr- Thurn hatte es das Ansehen, als wenn ein neblichter Dunst aufgienge, und sich mit den Wolcken vereinbarte, klcker. Beschreibung des Zürich Sees p. 166. aus l^IIerdkron 1^.4^. r. Es istwoleitt Wunderding, daß ein so schweres Element des Wassers durch natürliche Kräften also in die Höhe -er 1000. mal leichtern Luft steigen soll, und kan anders nicht zugehen, als daß die Drück-Kraft der Luft an dem Orte, da das Wasser aufsteiget, sehr geschwächt, oder aufgehoben, und hingegen rings um solchen Platz ein in die Ründe sich drehender Wirbel-Wind oder andere aewaltthätige Ursache das Wasser also untersich drücket, daß es, gleich als in einer Sprütze, hinauf steigen muß. A. 1652. den 24. Jan. hat auch ein solcher Wind-Wirbel das Wasser in demGreissen-Gec (Züricher-Gebiets) mit groffemGeräusch und Getöß gleich einem Thurn aufgezogen, dabey die Wellen des Sees 248 ErzehluiiF seltsamer N'atur-Geftdkchten_ Sees gewaltig aewütct. Aus der obern Spitze dieser Wasser-Säule fuhr ein Wind aus, der mit grosser Gewalt in dem nächst vorüber gelegnen Wald bey dem Dorff Mur viele Bäume darnieder geworfen, und an ihren Aesten geftümmlet. ^gner ttittor. diac. tlelvec. P5A. Z7O. A. 1688. hat sich auf dem Zurich-See auch eine solche Wasser- Geschicht, wie A. 1586. zugetragen; und wäre das Wasser so dick, daß man den Uetliberg in der Stadt kaum sehen können, wie es Ikr. Erh. Escher Beschreib.des Zürich-Sees p. »66. selbst gesehen ztt haben bezeuget. Von dem sengenden winde. ^On dieser Art Winden, welche gemeiniglich ?reüer heisset, und ^ in den sandichteil Wüsten Arabiens, aus Mangel der Feuchtigkeit, den c>rrav-men grossen Schaden thut, und die Menschen plötzlich, wo sie sich nicht auf die Erde legen, erftecket, wissen wir in unsern Eydgnößischerr Landen nicht viel. Hieher mag folgende Historie gehören, welche in Mich. Grettler Nmchrländischen Geschichten, Tom. i. p. 672. b. -w. 1^27. zu finden: „ An der Pest „ vergienge diß Jahr in der Stadt Bern ein Knab, Namens Hans „Schindler, welcher aus einem Dorffe ihrer Landschaft, nemlich „zu Roeenbach, gebürtig: demselben waren, als er das 8te Jahr „seines Alters erlanget, beyde Hände und Füsse von einer Winds- „ Braut angezündet, so daß man ihm solche abschneiden mußte; „ dessen jedoch unangefehen bliebe er eines wolgestaltcn ftarcken Leibs, „konte ohne Krücken und Stecken wandten, sich selbst an - und abziehen, essen, trincken, mit dem Armbrust und Büchsen Wessen, rc. Von den Seltenheiten des Regenbogens im Schweiizerlande. iS ist bekannt, daß man gemeiniglich nur einen halben Cir- cul vom Regenbogen siehet, wenn er aufs höchste kommt, und die Sonne im Auf- oder Niedergang ist, weilen nemlich die Gesichts-Axe von der Sonne durch das Auge in die Mitte des Regenbogens gehet, und folglich dessen Mittelpuuct als- denn des Sckweitzcrlandes. 249 denn auf dem Horizont oder Gesichtsender ist; daher wir sehen, -aß der Regenbogen-Cireul kleiner heraus kommt, je höher die Sonne über den Horizont steiget, weilen in solchem Fall der Mittelpunkt des Regenbogens unter dem Gesichtsender fallet, dahin also unser Gesicht durch die sinftere Erde nicht gelangen mag. Ob aber ein Regenbogen könne gesehen werden, der grösser als ein halber Cireul, ist bey den Naturforschern streitbar. Sie vermeynen aus ihren Grundsätzen zu folgern, daß wenn das Aug der Menschen hoch erhebt werde, und folglich der Mittelpunkt des Regenbogens über dem Gcsichtsender zu stehen komme, so seye möglich, einen Regenbogen zu sehen der einen halben Ctrcul übertreffe. Ja es bezeugen zwey hochberühmte Männer, OullerxluL ^mmacrv. >n p. H24. und Kiccioiu8 Kov. p. 8; daß sie so grosse Regenbögen gesehen haben. Aus diesem Zweiftl können wir Schweißer denen Naturforschern am besten helffen, ja durch genaue Obftrvatio- nes den genaust möglichen Circulbogen abmessen, wenn wir die nöthige Instrument darzu hätten, weilen wir die höchsten Gipfel von Europa innhaben. Und bezeugen würcklich, daß dergleichen grosse Regenbögen auf unsern hohen Gebirgen, als natürlichen Obicr^- rorus, gesehen werden, es muffen aber alsdenn die Wafferbläßlein der Dunftkugel 42. Grad über den Mittelpunct des Regenbogens, oder gar sz., wenn man den zweyten Regenbogen auch wil ins Gesicht bekommen, erhoben seyn. sr) Es kommt ein unbekannter Hansischer Natur-Weiser, der sich unter dem Namen 'Dmoms bey der gelehrten Welt bekannt gemacht hat, dahin, daß wir einer, gansien oder vollkommen runden Circul sehen würden, wenn wir uns m oie Luft so hoch als die Adler erschwingen könten; welches aber mehr in der Einbildung, als Hoffnung beruhet. Mir ist Anno r?oz. dieses Glück begegnet, ohne -aß ich mich in Flieg-Schiff ge- waget, oder rmt dem 5impi,c>irimo, unter Begleit eines angebundenen Vöael-Schwarms, in die Höhe geflogen, ja, ohne daß lch auf I Theil. Jt einen (r) Ich hab« dieses auf meiner schon angeführten Reise mit Vergnügen beobachtet. Denn als ich an einem Morgen/ bald nach Aufgange der Sonne aus dem Ur« stier Thal über die Ober Alp/ (welches ein Berg - Thal zwischen dem Crispalt und den St. Gotihards-Berg ist) gegangen/ sahe ich von der Höbe in das Thal einen sehr schönen und grossen Regenbogen/ dessen oberster Rand nicht viel höher als ich/ dir beyden Ende aberin dem Urstler.Thai gestanden; er hat mehr als einen halben Lircul ausgemacht. 2s0 Erzehlung seltsamer ^7atur«Geschick>ten einen hohen Berg zu steigen mich bemühet. Zu unterst in dem DergeUer-Thal, vor dem Ort über, da vor diesem der schöne Flecken plurs gestanden, stürtzet sich von dem Berge SavoZno ein so schöner Wasser-Fall, dergleichen ich ausser denen Fällen des gantzen Rheins nicmalen gesehen, dessen Wasser sich hernach in den Fluß ^>rs ermesset. An dem Fuß dieses Falls sahe ich mit Verwunderung in Mitte des staubichten Wassers einen gantz runden Regenbogen-Cir- cul mit allen seinen Farben, so nahe, daß ich selbst in dem Creise oder peripkene stunde, der Durchmesser war ungefehr l 2. Schuhe. Ich begnüge mich dißmal allein, die Geschickt selbst beyzubringen, den kislhemmcis überlassend, ihre Gedancken hierüber waltet! zu lassen. Dem gemeinen in der Natur-Wissenschaft unerfahrnen Volcke kommt diese unzweifelbarc Wahrheit seltsam vor, daß auf einmal viel IQOO. ja viel IOOOOO0. verschleime Regenbögen gesehen werden, so viel nemlich als Zuseher sind, weilen ein jeder Zuschauer seinen eignen besondern Regenbogen stehet; weßwegen die Alten nickt unfein gedichtet, daß diese Luft-Geschicht ^ , geschwindflüßig sey, weilen er sich mit dem bewegenden Leib des Zusehers auch, gleich dem Schatten, bewege. Wie, sag ich, diß den Ungelehrten seltsam vorkommt, also kommt hingegen den Naturforschern wunderlich vor, daß mehr als 2. oder z. von einem Zuschauer auf einmal können gesehenwerden; Jene können sich in das nicht finden, was sie nicht fassen, und diese nehmen nichts an, als was sie sehen, oder mit gesunder Vernunft begreiffen können, änlloreies wil nicht, daß mehr als zwey Regenbögen auf einmal können gesehen werden, Q,b. z. Vteceor. cgp. 2. Sein getreuer ^cbiileg aber, der blcmorsrus k3. dri, irALl.Vl.Qib lv. ?rop. rr. n. 17. versichert, daß ein dritter gesehen worden. Also erzehlet auch Qzrtelms aus dem Mund anderer kiereor. csp. 8- daß ein dritter, aber sehr bleich von Färb, ungefehr in der Höhe von 62. Graden, gesehen worden. Viceilio in seiner Opric. Q. X. Urop. 69. sol 4. gesehen haben zu Padua. 8neii,u8 m dome» A. 18. erwehnt sechs. In unsern Helvetischen Geschicht- Büchern geschiehet Meldung vonRegenbögen, welche den i.Nov. 1604. zu Basel bey der Sonne Aufgang gesehen worden, welche auch also zerstreuet waren, daß man zuweilen ic>. und auch mehrere zu sehen vermeynte, nach der Zeugniß Oollü in seiner cbronoioZ. 2-M. Es ist aber diese Geschickt, wie auch der vorcrzehlten z. 4. und 6. Regenbögen halber von Gelehrten vermuthet wird, vielleicht des GckrvelyerlandlS. 2sl eher zu den ttaiombus oder Sonnenhöfen zu rechnen, oder als zertheilte Stücke zweyer gemeinen Regenbögen, dergleichen man gemeiniglich vor Windzeichen haltet, anzusehen, (u) Seltsamer ist, was A 1664. den zi. Dee. zu Meyenfeld in Pündten, von 10. Uhr Vormittag bis 12. gesehen worden, nemlich zwey widereinander, der einte untersich, der andere überfiel) stehende Regenbögen, auf solche Weise X, deren gedenckct ^->Zner. tE dkc. tteiv. p. Z8o. Wenn diß fich allezeit zutragen solte, so hätten die alten Schul-Lehrer einen guten Grund ihrer Meynung von dem zweyten oder obern Regenbögen, daß er per !onem primw, durch Abbildung des ersten in einer Wolcke, gleich als in einem Spiegel, entstehe, wie wir denn an den Gestaden der Wassern sehen, daß die wahrhaften Bäume aufrecht, ihre Schatten-Gestalt aber umgekehrt untersich stehen. Csnelmg haltet einen umgekehrten Regenbogen vor möglich, wenn nemlich die Luft gar still, und die Sonnen Stralen auf ein auch stilles Wasser fallen, und von dessen Fläche erst gegen einer über dem Wasser stehenden Wolcke zuruck- prellen. Es kommet aber diese Vernünftelnng der heutigen philosophischen Welt gar zu künstlich vor, und halten die Gelehrten davor, daß dergleichen umgekehrten Regenbögen ein Hirngedicht, oder, wenn sie ja, wie man Exempel hat, gesehen worden, wiedrum nicht wahrhafte Regenbögen, sondern »Moires seyen, wovon 8mrm. ge lncle p. 2Z. 88- zu lesen. Von den Regenbögen/ welche Nachts bey Hellem Mondschein gesehen worden. E§S ist -er R-genbogen eine so wunderbare Luft-Geschicht, in Ansehung seines geschwinden Ursprungs, und angcnblickli- chen Verschwindung, -er Schönheit, Vielheit und Ordnung Ii 2 sei- (u) Jch kan wiedrum rühmen / daß ich diese seltsame klift'Geschicht selbst gesehen. In dem vergangenen irrsten Jahr sahe ich anf einmalschöne Regenbögen/ deren mittlere Höbe 42. Grade und etliche Minuten war: wobey zu mecckcn/ daß dir Farben bei dritten Bogens in der Ordnung gestanden / wie bey dem er» sten/ doch so/ (welches merckwürdig/) baß die innerste Viel blaue Farbe sich in die äusserste de§ zweyten dergestalt eingeschwungen/ daß der blaue Bogen so starck und helle war/ at-r bey dem ersten. Es war sonst sehr dunckel/ welche! denn -ik Ursache/ daß alle drey Bogen Heger gewesen/ als sie sonst ru seyn pflegen. 2>2 Erzehlung selrstriner v^amr-Geschickten seiner Farben, seiner Circul-rnndcn Gestalt, und anderer Eigenschaften halber, daß sich nicht z» verwundern, wenn die götzen-reiche Hcidenwelt ihn auch unter die Götter gesetzet, und mit Namen vor eine Tochter der i'NLum-mus, oder Verwunderung gehalten, nach dem Zeugniß blellocii l'keoAon. v. 780. Vir^il t.ib IX. /Lneicl. daß auch'die Peruaner in America ihn, gleich einsten die Perser und andere Morgenländische Völcker, und die Peruaner selbst die Sonne angekettet, und ihm einen Theil des Sonnen-Tempcls zugeeignet, wie uns der aus Königlichem Stamm entsprossene Vncz äe iz vegs in seinem ^ommen»ue U073I p z8 6. berichtet. Wenn der gemeine Gonnen-Regenbogen, Iris Solaris , der nemlich des Tags erscheint, uns in solche Verwunderung setzet, wie viel seltsamer und verwundrungs-würdiqer denn ist der Mond s-Regenbogen, in^n- N3r,8? so seltsam, daß der grosse Naturforscher ^nliocein bezeuget, vor seiner Zeit habe niemand nichts davon gewußt, und zu seiner Zeit seyen innert so. Jahren mehr nicht denn zwey gesehen worden. In den mittlern Jahrhunderten, da die Schul-Weißheit, und nebst ihr die Unwissenheit regierte, findet man nichts von dieser Luft-Ge- schicht; nachdem aber, sonderlich durch Hülst der ^üiemzücorum, die Natur-Wissenschaft, seit ioo. und mehr Jahren, eine gantz nöthige Reformation ausgestanden, hat man verschiedene angemercket; als : Anno 1569. 6emm» krili>.i8 ^ckemmicl.,8 zu Löwen. A. I s 80. den 2s. Jul. und 18. Dee. in Meisten, nach dem Bericht sollen ännzl. kriberg. A. 1617. u. 18. nach der Zeugniß 8 neIIii bey 6gs- lencio ?grr. r 8 eLl. X 4 emb. A. l 6 Zo. zu FreybUkg M Meisten den 25. Jenner. A. 1684. den 24. Jenner in Sachsen nebst einem Creutz durch den Mond, wovon Leorg csspsr kirckmejer. prot zu Wittenberg, eine gantze t)itierttlion geschrieben. In Eyd- gnößischen Geschicht-Büchern finden sich zwey einige Exempel, deren unser sel. Hr. 0. Wagner in seiner l-teiv. Lunos. p. ;8v. gedencket. Das einte A. i6n. ohne Farben, in Gestalt eines weissen Gürtel- strichs; das andere A. 1664. im Sept. Abends um 9. Uhr, da Herr Felix Christian Spöri, damaliger Pfarrer zu Buch am Jrchel, einen Nacht-Regenbogen gesehen mit dreyen Farben, weiß, aschgrau und schwach. In dem Christmonat eben dieses Jahrs sollen auch in dem Canton Bern zwey solche Regenbögen gesehen worden seyn, von Veiten man aber keine besondere Nachricht hat. A. r 704. den 19. May ist ein wahrhafter Monds-Regenbogen zu Herrliberg und andern Orten des Gchwektzsrlandes. _ 2sZ Orten am Zürich-See, mim. Uhr m der Nacht bey vollem Monde, * gesehen worden. Unter diesen oder ii. Nacht-Regenbögen aber kan wol der halbe Theil unter die Näiones.oder Ringe u>n den Mond, gezehlet werden, so daß wir innert 200. Jahren nur s. bis 6 . wahre Monds-Rcgenbögen haben. Das l?oste Jahr, wie es in vielen Sachen ein rechtes Wunder-Jahr gewesen, hat uns zwey Exempel von dergleichen Regenbögen gezeiqet, das eine den 28. Augstmonat Abends nach 8 . Uhren, nach ftarckem Wetterleuchten, und Gefahr eines Ungewitters, (unter Regierung des Mittag-Winds) welche aber bald verschwunden, so dass der Regenbogen bey stiller Luft, von mehr als 40. Personen, zu Mcylen am Zürich-See, gesehen worden; unter welchen sich ein edler Herr und Freund, der mir hernach diese Gcschicht erzehlet, mit befunden. Das andere merckwürdige Beyspiel, ja ein Exempel ohne Exempel, ist den z i. Oct. Abends von 7z. bis nach 9. Uhr von einem vornehmen Freund und dessen Reiß- gefehrten, wie auch den Einwohnern des Lands Schweiß gegen Un- terwalden, über den >v Wald-Städten See, mit Erstaunung stehend, gesehen worden, nemlich ein herrlich-schöner, mit allen erforderlichen Farben ausgezierter Regenbogen, und zwar, welches bisher in keinen Historien gefunden, über den vornehmsten, indem pri- mari-rm, noch ein anderer, seeuncl-u-ia, wiewol der nicht die völlige Rundung hatte, wie der erste, auch gar bleich von Farben gewesen. Kein Wunder ist, daß dergleichen Monds-Regenbögen rar sind. Wie die Sonne alle Tage in ihrem hellen Schein über die Erde verstreichet, und folglich ihre Stral-Pinsel ^e Tage in den Wasser- Tröpfgen oder Bläßgen, wenn mit denselben die Luft angefüllet ist, durch ihre vielfältige, von den ausgelegte Brechungen und Zurückprellungen, in Gestalt eines Regenbogens vormahlen können, also kan disi des Jahrs kaum zwölf mal geschehen, wenn nemlich der Mond voll, sein von der Sonne entlehntes Licht häuf- sig und in voller Kraft auf die Erde wirfiet. Es ist aber diese Schein- volle Mondeskraft allein nicht genug,, einen Regenbogen vorzubilden; es muß überdiß die Luft still, m>ö mit Regen-Tröpf- oder un- zählichen Wasser-Bläßlein angefüllet, auch der Mond selbst nicht so gar hoch über die Erde erhoben seyn. Nun aber kommen diese Ursachen gar selten zusammen, und dann fallen nächtlicher Zeit die Tröpflet» eher zu Boderr, daß sie nicht lange in der Luft schweben können. Was den zweyten oder obern Regenbogen anbelangt, ist derselbe J i z auch 2s4 ErzehltMA seltsamer Natur-Geschichten auch selten des Tags ein Begleiter des untern oder ersten/ weilen die Wasser-Tröpflein gar hoch stehen müssen, wenn die in sie spielende Sonnen-Stralen einer: zweyten Regenbogen vormahlen sollen. Geschiehet nun diese Begebenheit selten des Tags, so wird sie sich noch seltener des Nachts finden. Es kommen mrr bey diesem Anlaß die Helvetischen Gebirge als eine fruchtbare Zeugmutter allerhand Luft-Geschichten vor: Es kleben an ihnen, und schweben zwischen ihnen die Wolcken, welche folglich auch in ihrer anfangenden, oder aufhörenden, Verwandlung in Wasser in unsern Landen höher als anderstwo können zu stehen kommen, und so hoch, daß die Mondes- Stralen, durch ihre irr sie gerichte Spiclung, difimal einen doppelten Regenbogen haben abmahlen können. Zu fortwährender Gedächtniß dieser seltsamen Natur-Geschicht, habe ich von einem berühmten Mahler, der sechsten zugesehen, die Landschaft mit dem doppelten Regenbogen zeichnen lassen, welche der Leser auf der u. Tafel sehen kau. Von andern seltsamen Begebenheiten des Regenbogens im Schweitzeriande. >S bemühen sich die heutigen Natur-Forscher durch allerhand Lxpei-imenre, oder Proben, den Regenbogen vor Augen zu stellen, und dessen Winckel und Höhe eigentlich abzumessen. Der sinnreiche d-Elms. welcher durch Hilff feiner Erfahrenheit in Mathematischen WisseTchaftcn, zu Auflösung der Begebenheiten des Regenbogens, das Eis gebrochen, (x) und sehr grosse Ehre bey der Nach Welt eingeleget, zeiget in einer gläsernen, mit Wasser angefüllten Kugel, die er unter freyem Himmel bey hell-fchetrrender Sonne an einem Faden auf-und abziehet, alle Färbendes Regenbogens , je eirre nach der andern. Grosse Fürsten und Herren belustigen sich bey den Kunst-Regenbögen, welche sie bey ihren hohen Spring-Brünnen und tieffen Wasser-Fällen sehen können. Uns Schweißern gibet diesen Vortheil der gütige Schöpfer der Natur selbst (x) Obgleich Oarrelm; der erste ist/ welcher die wahren Ursachen der Regenbogens bekannt gemacht/ so bat er doch Vorgänger gehabt/ von denen er nicht wenig Licht empfangen/ nemitch ^i/illekirockuL, 8nclii'ri5 und ^mc>n. cle VomlM5. Lmrelu Versuche hierüber stehen in seiner Dioptrie» Lap. VIN. des Gchweitzerlandes. rss selbst an die Hand, indem er uns sein schönes Regenbogen-Geschöpft bald bey allen Wasser-Fällen vorstellet, deren denn gar viel, und sehens würdig sind; wie insonderheit der wunderschöne Wasser-Fall des Rheins bey dem Lausten beygebracht zu werden verdienet, da man allezeit bey dem Sonnenschein einen grossen Regenbogen sehet! kam Rotwek. in Beschreib, des Pfeffers Bads gedencket 6s. eines Regenbogens bey dem daselbftigen Wasser-Fäll des laminnr- Bachs; in Beschreib, des IV. Waldssätren-Gee. PLL. 2?2. eines andern an dem Rigiberg. Ich habe in meinen Bcm-Reisen bald so viel Regenbögen gesehen, so viel starcke, endlich in Staub sich verwandelnde Wasser-Falle sind; erinnere aber den geehrten Leser, und curieusen Seher, daß er die nothwendige Stellung seinesLeibS in acht nehme, welcher sich mit dem Gesicht Men dem ftaubichten Fall des Wassers wenden, und rückwerts die Sonne haben muß; widrigenfalls muß er die Augen lange aufthun, ehe er dieses Natur- Wunders ansichtig wird. Von dem Donner / Blitz/ Strahl/ feurigen Angeln/ und andern feurigen Lust - Geschichten des Schweitzerlands. !)S scheinet zwar Anfangs diese Materie sey allgemein, weilen sich in der ganzen Welt die Stimme des Herren, die krachenden Donner hören, und die flammenden Blitze sehen lassen, und kein Volck ist, welches nicht von traurigen Wür- kungen der schrecklichen Strahl- und anderer dergleichen Feuer-Geschichten erzehlen könne. Ich hoffe aber, dem geehrten Leser zu beweisen, daß die Natur, Ursachen, Eigenschaften, und Umstände der feurigen Luft-Geschichten, in keinem Lande besser erlernet werden könne, als im Schweitzerlande, als welches über alle Lander erhoben, die Köpfe seiner Bergen über die Wolcken strecket, und also der rechte Schauplatz ist, da dergleichen Natur-Comoedien, und Tragoedten, nicht von Fehrne, wie in andern Landen, sondern in der Nähe können gesehen und betrachtet werden. Wer 2s6 Erzehlung seltsamer V^acur-Geschichten Wer des unvergleichlichen Onel'1 l'raät äe Meteor, csp 7 liefet der wird leicht sehen, daß er seine Grund-Lehre von des Donners Ursachen nicht hinter dem Ofen, sondern in seinen Ungarischen Feldzügen, in den Carpathifchen Gebirgen, ersinnet, allwo erdieLeumen von den Bergen abfallen, und einen donnernden Thon erwecken gesehen, daraus auch geschloffen, daß, gleich wie dieser krachende Donner-Thon von dem Fall des Schnees, und daher entstehender Zitierung der Luft herrühre, also auch ein donnerndes Gemürmel in -er Luft entstehen könne, wenn eine obere Schnee-Wolcke aufeineuntere falle, und dadurch die zwischen liegende Lust mit Gewalt und zitternder Schwingung ausgetrieben werde, 0/ Einmal müssen wir, nachdem wirft viel ioo.Jahre unter der tyrannischen Regierung der Schuk-Lehrern gestanden, und theils noch stehen, unsere Augen auf- thun, und die Natur nicht aus den Schriften dieses oder jenes Groß. Hansen, sondern aus der Natur selbst, welche aller Orten ganz leß- liche Buchstaben zeiget, kennen lernen. Ein Muster dessen ftl uns vorhabende Materie -er feurigen Luft-Geschichten seyn, bey deren Verhandlung ich zwar nach Chronologischer, oder Zeit-Ordnung erzehlen werde, was in den Helvetischen Landen vorgegangen; aber diesem Historischen Bericht werde ich hierund da unmittelbare Zueignung und vernünftige Erklärung mit einmischen, damit sowol die Liebhaber -er Historie, als der Natur-Lehre, verhoffentlich ihr Vergnügen finden. Strahl-Exempel. (?) A. 1094. zerschlug der Strahl den Balcken, darauf das grosse Crucifix im Münster zu Basel stund, ward ausgelegt, es wäre darum (x) Man rvtk doch heut zu Tag diese e-urei^nische Auslegung so leicht nicht an» nehmen/ weil dieser vermrynie geschwinde Fall der Wolcken eine Einbildung ist. Man hält mit gröffrrm Recht davor / dieser Knall des Donners entstehe von der angezündeten Materie in der Lust/ «n welcher Materie/ wie in dem Knall» Pulver/«ine sehr zusammen gepreßte Luft ist/ welche einen Thon erweckt/ wenn sie ledig wird. (r) Man hätte nachfolgend« Geschichten um ein mercklicheS vermehren können/ wenn man alle Lag-Bücher/ welche hin und wieder geschrieben worden/hätt« durchgehen und ausschreiben wollen. Man hat es aber nicht wollen thun / theils weil diese Materie allein einen Folianten ausmachen würde/ theils weil man kaum hoffen kan/ daß die meiste Leser auch dieses ohn« Eckrl lesen werden. Man hak also gar mchtS hinjugekhan. 2s7 des Schweitzeelandes. rum geschehen, daß man mit dem bannigen Bischoffund Priesterschaft daselbst Gemeinschaft gehabt. Urllers. LKron. n. c->p. 14. Sehet, wie auch die Natur-Geschichten haben müssen des Papsts damals mächtig wachsendes Ansehen unterstützen? Es menge nicht schwer her, das gemeine Volck dessen zu bereden, weil die sogenannten gelehrten Schul-Lehrer selbst nichts bessers wußten. A. i Z4>. Abends schoßder Donner in das Glockenhauß zu Bern, und schoß auf der Canzel St. Jacob eine Hand ab, daß die Finger in dem harten Holze stecken blieben. i'tcNacKrlän. LKron. Lern. EL. sci k. 3 . Es kan biß anders nicht zugangen seyn, als daß der Strahl zugleich mit seiner durchdringenden Kraft das harte Holz durchgeboxet, und die abgeschossene Finger dieses Heiligen darein geftecket, denn sonften kein hartes Holz, sonderlich wenn es an seinen Enden stumpf ist, wie ich mir die Finger Jaeobi vorstelle, in ein ander hartes Holz auch nicht mit Gewalt kan gebracht werden. A. 1420. aufden Maytag zwischen i v. und n. kam bey schöner Heller Luft ein Blitz daher, ohne Wetter, und bald darauf ein Donnerknall, es schlug der Strahl in drey Häuser zu Bern, und schoß eine junge Tochter an der Gaffe tod. Die Stadt war voll Bauren, und ein grosser Marckt. Man hielte diese Geschieht vor eine verdiente Straff, weil man dieFeyertage der H. Aposteln Philippi und Jaeobi entheiligte. i'lcksctuizn. -ä K. s. Nicht ohne Ursach hat das damals lebende Bernerifche gemeine Volck seine Verwunderung in so weiterstrecket, daß esein übernatürliches Wunder daraus gemacht: Man glaubte den Artieul von Verehrung der Heiligen, und lebte in völliger Unwissenheit natürlicher Dingen. Annoch heutigs Tags würden auch die Gelehrten diese Geschicht kaum glauben, öder sich darüber bcstürzen. Es ist ja bekannt, daß gemeiniglich ein Strahl mit Donner und ungestümem Wetter begleitet ist, dem eine tüppige oder schwüle Luft vorhergegangen. Der grosse Lznelms selbst wußte fich nicht leicht darein zu finden, weil ein bey Hellem Himmel gezeugter Strahl, oder Strahl-Stein, nebst seinem Fall der Wolcken, und gewaltthätigcr Zusammentreibung der schwesticht-und irdischen Theilen, kaum bestehen kan. Andern Natur-Lehrern würde es auch satter ankommen, nach ihren Grundsätzen, die sie haben, sonderlich von Sammlung der Strahl-Materie, diese Begebenheit aufzulösen. Ich meines Orts wil auch nicht viele Glossen hierüber machen, damit ich nicht die Sache vor bekannter und leichter auf mich zu nehmen l> Theil. Kk scheine, 2 s 8 Erzehlung seltsamer dlamr-Geschrchten scheine, als andere, gleichwol wil ich zwey mögliche Arten anzeigen, wie diese Geschieht sich habe zutragen können. Erstlich denn, hat dieser Strahl können von weitem herschickn, wie man ins gemein davor haltet, daß diejenigen Sommer-Blitze, welche etwan zu Abend ohne Wetter gesehen werden, und Abkühlungen der Luft heißen, von weiten Orten herkommen, und in den Landen, wo sie entstanden, würcklich mit Platz-Regen begleitet seyen; oder es haben in der obern Luft die Wolcken durch widerwärtige Winde zusammen stoßen, und die Strahl-Materie in denselben sich sammlen können, und anzünden, ohne daß ein Regen hat müßen auf die Erde fallen. A. 1527. den is.Herbstm. schlug der Strahl zuDasel bey dem St.Alban-Thor in einenPulver-Tlmrn, zerriß ihn aufden Grund, warst die Steine über die Ringmauern hinaus, und erschlug 24. Personen in Weingarten und Häusern, ktlc. Libi. i'iZ. n.y,. sä n. ». A. 1546. an St. Anna Tag hat sich zuGolochurn Nachts um 1 i.Uhr ein grausamWetter erhebt, da der Donner in den Rtedholz- Thurn, allwo über die Z22.Centner Pulver in Porraht aufbehalten, geschossen, selbigen samt den nächst-gelegnen 4. Häusern in den Boden zerschlagen, auch andere Gebäude, Kirchen, Fenster, re. übel verderbt, in welchem Ruin ein Mann, eineFrau, und zwey Knäblein tod verblieben, viel andere aber erbärmlich geschändt, und die Stadt dergestalt zugericht worden, daß der Schade über die 12200. fl., so damalen eine überaus grosse Summ, geschähet worden. Zur Gedächtniß sind folgende Verse gemachet worden: 8«cu>L quinque lleccm conjungiro, gue!s kupers66e qusrer, lexcus krillis kic ^nnus ersc. kulmine rsLla kuit 8oIo6o> i msxi'ma lurris: -IvettZt poükLc rali3 Oeus. ttzfner. Solothurn. Schauplaz. p.u. p.2;o. A. lss6. aufden zweyten Tag nach Creuz-Erfindung hat -er Donner bey heiterm Himmel in die Mühle zu Hub-rstorss (m der Vogtey Flumerchal, Golochurner-Gebiets) geschlagen, den Müller UrßBiberstein Hinter bein Tisch erschossen, welcher in dem Hauß bis auf den halben Theil verbrunnen. Deßaleichen ist auch eil» Kind in dem Hauß umkommen, darzu Battli Bibersteins Wohnung samt etlichen Häusern mehr auf den Grund abgebrannt. Hafner. Soloth. Schauplaz. l>. u. A. des Schweirzerlandes. 259 A. N57. den rr.Jul. kam ein schweres Wetter über den Zürichberg herein/ und schlug der Strahl in den Gciß-Thurn, zum grossen Schrecken des Volcks, weil viel Pulver darin lag/ aber durch Gottes Gnade kam grad darauf der kalte Strahl / daß man den Dampf wol sehen mochte, i^ron. kUc. 1 -ib. XXXII. csp. II. Man haltet bey uns gemeiniglichdavor, daß/ wo auf einen geschossenen Strahl keine Anzündung des Dachs oder Hauses erfolge/ die Ursach dessen sey ein auf einen anzündenden Strahl bald gefolgter kalter/ den man sonst auch wasser-Su-alss Wasser-Schlag zunen- nen pflegt/ und bilden wir uns würcklich ein/ dieser letztere bestehe aus Wasser / und habe den erster« ausgelöschet. Wir werden uns aber berichten lassen, daß man in den Schulen der Natur-Verstän- digen von einem solchen wässerichten auslöschenden Strahl nichts weiß/ wol aber von einem kuimme mlcucienre, einem zerschlagendem zerschmeiffenden Strahl/ welcher das/ was er thut / durch einen Treibschlag und Stoßgewalt / nicht aber durch anzündende und brennende Kraft verrichtet. Und sind diß eigentlich solche Natur- Bomben, die schon meistens ausgebrannt/ ehe sie an den Ort/ da sie sollen würcken/hinkommen/ oder deren Materie mehr irdisch oder salpetrisch ist / als aber entzündlich/ oder schwcflicht/ und hartzicht; oder deren Vermischung also eingerichtet ist/ daß die irdischen Theile an Vielheit die schwcflichten übertreffen/ so daß diese ihre Brenn-Kraft nicht ausüben können. Gleichwol ist in vorgebrachtem Exempel Feuer gewesen/ weilen ein Rauch aufgegangen/ aber ein so geringes Feuer/ welches nicht einmal die Dach-Rasen / oder Balcken hat anzünden können; denn nicht zu glauben/ daß das Strahl-Feuer weiters als in den Dachstuhl kommen sey; wenn der geringste Funcke in ein Pulver-Faß durchgedrungen hätte, so wäre würcklich derjenige Jammer alsobald erfolget, den man A. 1652. den lo.Iunii, hiemit nicht gar ioo.Jahre hernach, von diesem zersprungnen Geiß-Thurn erfahren müssen. Von welcher Geschickt auch bald ausführlich geredt werden fol. 21.1572. den 7. May schlug der strahl zwischen s.und 6 . Uhren in den einten Münster-Thurn zu Zm-icb, da die Glocken hangen, er gienge zu oberst durch den Helm, daß er alsbald zu brennen an- ßeng, und so brann er bis an das Maurwerck und Glocken hinab. Der Carl-Thurn fienge zum zweyten mal anbrennen, ward aber mit grosser Gefahr der Leuten, die sich gewaget, errettet. Der ab-> Kk r M 260 Erzeh lung seltsamer tTlarur-Gefttz r'cbren gebrannte Thuen ward folgenden Jahrs i s?Z. wiedrum aufgerichtet. t^sc. kibl. li'ig. n. s2. pag. Z44. toller. Lliron. I^id. Z8- cap. l8. riß ist Kulmen urens, ein brennender anzündender Strahl gewesen, und namentlich eine auf den Thuen gefallne, oder nahe bey dessen Spitze zersprungene Bombe, rc. Es verwundere sich der geehrte Leser nicht, daß ich mich in gegenwärtiger Strahl-Materie der Vergleichung mit den Bomben so oft bediene. Es ist dieselbe nicht in meinem Hirn ersonnen, sondern bey dem berühmten Natur-Lehrer l>ecro Lallenäo zu finden, welcher sich nicht embtlden kan, wie eine aus den Wolcken getriebene blosse Flamme, als ein flüßiges Wesen, einen weiten Weg, ohne sich zu zertheilen, oder ihre Kräfte zu vermehren, fortkommet: könne, haltet deßwegen davor, daß die schweflicht- salpetrisch- irdischen und andere in den kalten Wolcken zusammen getriebne Dünste sich wol all- dort sammle»:, und in eine Ründung, oder ablauge Ründung, gestalten können, welches denn abgebe, wie es Lpicums schon zu seiner Zeit benennet hat, 6iomerem vonicosum, kurtz, und nach heutiger Fcurwcrcker Weise zu reden, eine Fcurkugel, oder Bombe, welche sich dann durch die Bewegung entzündet, kraft ihrer eignen Schwere aus den Wolcken falle, je nach Beschaffenheit der widerstehenden Luft, aufftossenden Winden, und der angczündten Materie selbst einen grädern oder krümmer« Weg mache, zwar keinen Schaden zufüge, wenn sie in hoher Luft zerspringt, aber gefährlich seye, wenn sie ihre Würckungcn nahe bey der Erde oder irr einen: Hauß ausübe. Diese Vergleichung des Strahls mit den Bomben hat dem Osllen6o bey den meisten heutigen Naturforschern ein grosses Ansehen gemacht, weil aus diesem Grundsätze die vorkommenden Begebenheiten gar füglich erkläret Werder: können. (3) Und findet diese Lehre bald bey denen statt, welche mit der Lust-und Ernst- Feuerwcrckerey umgehen, und etwa:: die verwunderlichen Wür- kungen ihrer durch Kunst verfertigten Bomben, oder Careassen, mit Augen sehen können, auch aus den Fundamenten ihrer Religion ermes- (i) Obgleich die Erfahrung lehret/ daß er solche feurige Kugeln in der Lust geb«/ so haltet man doch den Strahl vor etwas anders / nemlrch vor eine Reche schwesiichter und salpetrischer Dünste/ welche wie ein Feuer.Rastn sehr schnell durch «inen weiten Raum kan entzündet werden/ wovon in den heutigen 8>- üemaribuL kan nachgesehen werden. des Gchwektzerlandes. 261 rrmessen, daß, wie ihre Geschicklichkeit und Arbeit nur nicht als ein Schatten gegen der Göttlichen Weißheit und Allmacht zu rechnen, also die in der Göttlichen Werckftatt selbst, nach den von Gott selbst angeordneten Natur-Gesätzcn, verfertigte Strahl-Bomben als voll- kommne Meisterstücke anzusehen seyen, die alle nicht nur durch aller Menschen Witz und Kunst nicht nachzuahmen sind, sondern so verwunderliche und erschröckliche Würckunaen thun, welche uns Menschen billich in eine heilige Erftaunung setzen, und zu der Forcht Gottes veranlascn sollen. Diese des Grund-Lehrvon dem Strahl mündet sich nicht nur auf seine und des Lpicuri Hirn-Grillen, .wie sich mancher Schul-Lehrer einbilden möchte, sie hat auch nicht nur die Feuerwercker und Ingenieurs zu ihren Zeugen und Beyständern, sondern bekräftigt sich durch die Natur und dero vorkommende Begebenheiten selbst. Was sind die aus der Luft auf die Erde gefallne, in unsern Eydgnößischen Chronicken hie und da verzeichnete, theils oben bereits eingeführte, theils an seinem Ort beyzubringende Feuer- Kugeln anders, als solche Strahl-Bomben, die etwan aus einer zähern und mehrern Materie, als der gemeine Strahl, bestehen, ctwan auch ohne Schaden zerfallen, oder zerspringen, etwan aber gleich dem Strahl den Häusern, und Menfchen, oder Viehe merck- lichen Schaden zufügen können? Wer dieses nicht also fassen wil, der nehme die Mühe, auf unsere hohe Gebirge zu reisen, und alldort von den Spitzen, gleich als auf Wacht-Thürnen, diesem Strahl-Feuerwercke, welches etwan neben, etwan über, ja auch unter ihm angezündet und gespielt wird, zuzuschauen. Förchtet er sich, selbst zuzusehen, so melde er sich bey meinen lieben und getreuen Lehrmeister», den Gemß-Iägern und Aelplern, an, und erkundige sich, was sie bey dem Strahl wahrgenommen; diese werden ihm, gleich mir zum öftern wicderfahren, anzeigen, wie sie zuweilen bey entstehendem schwerem Ungewitter den Strahl nahe bey, oder unter ihnen, inGestalt einer feurigen Kugel, zerspringen sehen, welche nicht nur unter-sondern übersich, und auf alle Seiten hinaus Feuer aus- werffe. Diese OblervLuon kan mau nicht wol erfahren, wo nicht hohe Gebirge sind, ja, wo man nicht selbst auf denselbigen sich ein- findet, weilen die meisten Strahl-Kugeln in der obern Luft springen, und deßwegen auch meistens hohe Orte, die Spitzen der Thürnen, wie in gegenwärtigem Beyspiel, die Firste» der Berge, die Gipfel der Bäume, treffen. Kk z A.is7Z. 262 Erzehlung seltsamer Natur-Geschichten A. I57Z. den 28 May zwischen s. und 6. Uhren Nachmittag käme ein schwerer Hagel von Zug her über den Zürich-See, der zog sich über den Egg-Berg hinaus. Der Strahl schlug zu Wyl im ThurgäN in Hof in den Saal. tt-Uler. Lln-on. E. s.ib. Z9. czp.6. Gemeiniglich in unsern, und andern Landen, sind die Strahl- Donner- und Blitz-Geschichten mit schwerem Ungewitter, starcken Platz-Regen , und verderblichem Haael begleitet. Onelms nimmt hicrbey Anlas seine Grund-Lehre von dergleichen Begebenheiten zu befteif- fen; Denn, sagt er, wenn eine obere Wolcke, kraft zugenommener Schwere, auf eine untere fallet, so kan es anders nicht seyn, als daß diese mit Gewalt erschüttet, zertheilet, und oft beyde zugleich in Wasser verwandelt werden müssen, welches sich in grosser Menge in den sogenannten Wolckenbruch ausleeret, wenn nicht die untere Wolcken schon vorher durch Winde, oder andere dergleichen Ursachen zertheilet worden; Zu welchem Ende denn an vielen Orten die Glocken geläutet, oder die Canonen von hohen Orten, als Wällen und Thürnen, bey anscheinendem Ungewitter, losaebrannt zu werden pflegen. Es ist diese natürliche Bewcg-Ursache wol voll der Einbildung der Römisch-Catholischen zu unterscheiden, welche die Kraft -er Zertheilung desUngewitters mehr der Weyhung und der Tauffe, so über die Glocken mit allerhand bey ihnen gewöhnlichen Ceremonien ergangen, zuschreiben. Und kommt mir dieses ihr gesegnetes Glo- ken-Lauten nicht viel anders, als jene Weife der Chinesen vor, die bey entstehender Finsterniß ein grosses Geräusch mit Trommeln, und andern Instrumenten machen, um damit den grossen Drach zu verjagen, welcher mit der Sonne in heftigem Streit stehet, und sie würcklich verschlingen würde, wenn er nicht durch ihr das ganze Land durch-thönende Geräusch weggejagt würde. Ich komme aber wie- drum auf oben gcmeldten Grundsatz des Orcein, und sinde, daß der Wolcken-Fall der heutigen delicaten Welt nicht wahrscheinlich, sondern gezwungen vorkommt; vielleicht möchte sie besser das zwischen der Luft und den Wasscrtheilen ausgehcbte Gleichgewicht begnügen, wenn sie gedencken, daß die gefchwulige, in eine Gehrung gerathene und über diß noch mehr durch anqezündte Blitze vcrdünnerte Luft zugleich um viel leichter worden, daß die Wasserthcilchen, aus welchen die Wolcken bestehen, sich sammlen, und zu Boden fallen, da sie denn in währendem Fall wol können durch Unterblasung eines kalten Winds in Eiß, oder Hagel, verwandelt werden, welches denn zu des Schweiyerlandes. 26z zu grossem Schadender Saat, und andrer Erde-Früchten, gereichen karr. A. 1576. den 2. Augstm. schlug der Strahl in den Münster- Thurn zu Zürich, unterhalb dem Wächterhäußlein, mit einem schrecklichen Donnerknall, also daß der Drath an demGlocken-Scil zerschmölze. So hat auch der Dürrst beyde Wächter, Vütor Kcretz, und Sebastian Sturm, säst erstickt, l^iier. LKron. t.ib.40. csp. IZ. Es ist nichts neues, daß der Strahl die härtesten Metalle augenblicklich schmelzet. Man kan daraus die durchdringende Kraft des Strahl-Feuers abnehmen. Wenn eine Strahl-Bombe zerspringt, so fahrt das concemrirte Feur an einem oder vielen Orten aus, und durchborct durch seine Geschwindigkeit und Subtilheit alles, was ihm vorkommt; gleich auch die Glas-Blaser durch eine zugespizte Flamme das Glas, und die Metalle zu schmelzen, oder in einen Fluß zu bringen wissen. A. 1579. den 2.Iul. schlug der Strahl in das Schloß Ssnnen- berg im Tdurgäu, und denselben Tag auch um Greiffensee, Zü- richer-Gebiers , zu, 14. malen hin und wieder, verletzete auch den BanrM iM GftNN Übel. Agiler. Lkron. llib.4.r. c»p. i. Den ir.Jul. am Morgen zwischen i. und ;.Uhren schlugder Strahl mit einem erschröcklichen Donnerknall in das Schützenhauß auf dem Platz (Zürich) zerschlug das Stadt-Wappen, und in beyden Stuben die Gieß-Faffe, schädigte auch etliche Buchstaben an der Uhr, und nähme den Zeiger gar hinweg. Es schlug auch der Strahl dieser Zeit in denKirch-ThurnzuLuftorffund Affelerangen, da er den Küster, als er vor das Wetter läuten wolle, tödete. Er schlug auch zu Leuemercken in den Kirch-Thurn, wie auch zu Büß, nanu. 16. l.c 'A. 1591. den 5. Iul. schoßderStrahl §u Aadorffim Thurgäu in die Schmetten, davon verbrunnen 7. Häuser, 2. Scheuren, und eine Trotte. An diesem Tage fiele ein schröcklicher Hagel über das Zürich-und Berner-Gebiet; und unweit Längeren , im Bern- Gebier, zündte der Strahl 8 . Häuser und etliche Scheuren an, darin io. Personen, und gar viel Vieh verdürben, »siier. Okron. I^ib. 5Z. cap 8- A.I597. den 19. Iul. ist ein unerhörtes Wetter mit Donner, Blitz, Hagel, und Strahlftreichen entstanden, so einen gantzenTag und Nacht gleich al§ ein Feuer gewähret: und wurden zu Grein. maur, 264 Erzehlung seltsamer Nnmr- Geschichten maur, in der Herrschaft Regensperg, Züricher-Geblets, 6. Personen durch den Strahl erschlagen, und zu Scein am Rhein ein Hauß samt einem Kind verbrennt. Nahn. Eydgnöff. c^ki-on. p, 870. A. i6O2. den r.Iul. Abends zwischen 9. und ro. Uhren ist ein schweres Wetter über die Stadt Zürich, und an etlichen Orten über die Landschaft gegangen, und schlug der Strahl irr der Stadt in einer Stunde in das Hauß des Ban-Herrn, irr Spittal, zum güld- nen Schwert, zum Adler vor dein rothen Hauß über, in dasRaht- Hauß, in dem Göldifchen Hauß aufDorff, in ein Garten-Hauß vor dcmOberdörffer-Thor, doch alles ohne Schaden, n-cker.cchron. lgb. sy. c»p. z. A. s. den 8. Iul. hat der Strahl, unter schrecklichem Wetter zu Zürich zum Grossen Münster , zu den Predigern, in Wellenberg, auf den Bau, und in die Zunfft zum gelben Horn eingeschlagen. Lx ES A. 1628. den 26.Iun. entstund plötzlich einsokchgrausamDon- nec-Wettcr, daßzuDaradlngen imGolorhurner-Gebier, ;i.Häuser und Firsten von dem Strahl angezündt, zu Aschen verbrannt, und damalen auch NielausLüti, Wirth zu Kriegftettcn, unter einem Baum, dahin er sich zu Schirm begeben, erschlagen worden, dem Knablein, so bey und neben ihm gewesen, geschahe kein Levd. Haffner. Soloth. Schaupl. p- n. p- 5 Bey dieser Trauer-Gefchichtmercke ich zwey Umstände; der erste gehet die Bäume an, von denen die Erfahrung lehret, daß. sie, gleich hohen Orten, leicht von dem Strahl getroffen werden, sonderlich, wenn sie viel-ästig, oder breit- zweigicht sind, als die Eich - und Buchen-Bäume: Die Ursache bestehet nicht nur darin, weil diese Bäume ihre Gipfel hoch in die Lüfte erheben, sondern vornemlich, weilen sie sich so weit ausbreiten, daß von ihren Aesten die Strahl-Materie leicht gefangen, eingewickelt, und also aufgehalten wird, daß sie ihre völlige Würckuna in dem Baum, und das, was unter demselben stehet oder lieget, ausüben muß. Die alten Heyden hielten den Lorbeer-Baum in so hohen Ehren, daß sie ihn nicht nur dem Abgott Apollo weyhcten, und in die Schoß Jupiters ablegten, auch die Häupter und Hände der Ueberwin- derdamit zierten, sondern von ihm, als einem dem Jupiter geheiligten Baum, ausgaben, daß er von dem Strahl nmnalen getroffen werde. (b) ?lm. rillt. Nsr. Sk. XV. C 3 P.Z 0 . Ich halte dafür, daß noch mehr llo) Mich hm jemand versichert/ daßman noch kein Exempel habe/ da-der Strahl in des Gchweiyerlandes. 26s mehr Grund bey diesem sonst eitcln Wahn sey, als bey dem Aberglauben vieler Christen/ welche diejenigen Orte/ so mit geweyheten Glocken versehen/ oder mit dem Zeichen des Creutzes bewahret sind / vor Strahlfrey ansehen. Es steiget der Lorbeer-Baum nicht so hoch / breitet auch seine Aefte nicht so weit aus/ wie etwa ein Eich-Bamm und kan daher aus natürlichen Ursachen vor dem Strahl sicherer als andere seyn; es sind aber in Ansehung des Lorbeer-Baums aridere noch kleine Bäume und Stauden noch sicherer/ keine aber völlig von den Ueberfällen des Strahls zu befreyen. Der Nutze/ den wir aus diesem über die Bäume ergangnen Vernunft-Urtheil ziehen solle»/ ist der/ daß man bey entstehendem Ungewitter sich nicht leicht unter hohe und brcit-ästichte Bäume flüchten/ sondern viel eher auf dein freyen Felde bleiben soll/ oder sich hinter eine Maur begeben/ oder unter niedern Bäumen bleiben. Die zweyte Betrachtung giebet die Verschiedenheit des Schadens an die Hand/ so den Menschen wieder- fahren/ die unter dem Baum waren/ von welchen der Mann getöd- tct worden/ das Knäblein aber bey Leben blieben. Diß/ wird mancher sagerr, ist eine sonderbare Würckung göttlicher Vorsehung. Ich bin auch dieser Religion. Glaube aber benebens/ weil es sich gar oft zuträgt, daß kleine Kinder nebst erwachsenen Leuten an solchen Orten/ da der Strahl Hintrift/ erhalten werde«/ und diese indessen dahin sterbe«/ daß/ in Kraft der von Gott in die Welt eingeführter; Natur- und Beweg-Gesäßen/ dergleichen seltsame Begebenheiten gleichwol ihre natürliche Ursachen haben. Und mache ich meines Orts hierüber folgende Gedancken: Unläugbar ist/ daß die meiste«/ so von dem Strahl getroffen / durch gewaltsame Erstickung dahin sterbe«/ mehr, als durch offenbare Wundem durch eingebildete Strahl- Pfeile/ oder Steine; Diese Erstickung schreibe ich einer gewaltigen kzretLäiion, oder Dünnung der Luft/ zu/ wordurch dero Drücknng auf unsere Leiber gehindert/ der Athem qefchwächet/ die Lunge nicht aufgeblasen/ folglich der Creiß-Lauff des Geblüts durch die Lungen- Blaslein gehemmet/ oder gar aufgebebt/ und also/ weilen daran unser Leben hanget, dessen Faden abgeschnitten wird. Einen solchen Tod müssen auch diejenigen ausstehe«/ welche in einem von neuem zählendem Wein angefüllten Keller eingeschlossen sterben. Nun kan l. Theil. L l solche einen Bücken Baum gefahren/ ob eS gleich an dem Ort/ wo der Freund wohnet/ dergleichen viele hat/ und das Schüssen m die Baun» nicht ungewohnt «A 266 Erzehlunn seltsamer ITlatur-Geschkchten solche Würckungen, eine von dem Strahl verdünnerte Luft/ ein kleines Kind eher ausstehen/ als ein erwachsener Mensch. Es scheinet -iß wunderlich, daß ein so zartes Geschöpf, ein schwaches Zweig, mehr ausstehen solle, als ein erwachsener erhärteter Baum. Es wird mir aber ein jeder Beyfall geben, der die Gestalt des menschlichen Leibs, und sonderlich der jungen Kinder, verstehet. Bey diesen hänget das Leben nicht von der Creiß Bewegung des Geblüts durch die Lunae ab, weilen dieses verrichtet werden kan durch sogenannte kommen ovrtle, oder ablaNg-rUNde OeffNUNg, UNd den tlsnsliculum Ltterio- lum. welche in Mutterleib das Geblüt unmittelbar von der rechten Herzenkammer in die lincke überführen. Strahlschuß in den Geiß-Thurn zu Zürich. Dieser gevierte, starck aufgemaurte Thurn stunde aufder Höhe zwischen dem Oberdörffer-und Lindeu-Thor, in der Ring-Maur-er grösser« Stadt, ward A.sss. gehauen, bey Anlaß der Hungarn, welche fast ganz Europa durchzogen, als eine gute Hochwacht, und Nothwehr. DieHöhe dieses Thurns war von dem See bis zu dem Fundament 90. Schuhe, von dem Fundament bis unter den Helm 90. Schuhe, das Dach 25. In diesen veften Thurn ist A. 16s i. die Munition der Couftaffel, und 12. Zünfften, aus dem Wolffs- Thurn bey demBarfusser-Closter, übergetragen und verwahret worden. Bald darauf haben Steinkäuzen, die sich sonst gern in abgebranntem Gcmaure befinden, darein genistet, die sich bey der Nacht, und etwan auch unter Tags mit einem Geschrey hören lassen, als wenn ein sterbender Mensch auf dem Todbett läge. Donnerstags den iO. 20.Jun. haben der Nord- und Süd-Wind den ganzen Tag über heftig mit einander gestritten, und das neblickt-trübe Ge- wölck, daß etliche Tage vorher, uud sonderbar selbigen Morgen, um die Berge herum geschwebt, über der Stadt zusammen getrieben, daß es Abends über der Stadt wie ein schrofichter Berg anzusehen war. Aus diesem Gewölcke haben sich bald nach s. Uhren angefangen ftarckc Platz-Regen mit Wetterleuchten, und Donner, ergießen. Um s. Uhren geschahe der erste Strahlftreich in den Wolffs-Thurn, traffe noch etwas Pulver-Staub darin an, und zerrisse das Dach, doch ohne fernern Schaden. Der andere Schlag, so augenblicklich auf den erstell folqete, gierig in den Geiß-Thurn, der dadurch entzündet , ehe als in einem Augenblicke aus dem Grund umgekehrt wor- des Scbweitzerlandes. 267 worden. Die Ring-Mauren zu beyden Seiten sind in die 200. Schritte lang darnieder geworffen worden, als wenn ein Feind mit vielem und ftarckem Geschütze bereits etliche Wochen lang eine Sturm-Lucke oder Lrecke geschossen hätte. Alle Häuser in der Neuen Stadt / auf Dorff, zu Stadelhoffen, und an der Kirchgaß, sind zu einem elenden Anblick worden. ES ist bald kein Hauß in der gantzen Stadt/ und um dieselbe? unbeschädigt geblieben / und vermcynte ein jeder/ der Strahl habe in sein eigen Hauß geschlagen. Der Gewalt des Pulvers, dessen 42z. Centner gewesen/ hat die Steine durch die gantze Stadt/ und gar über den See gen WolliShoffen getragen. Da der Thurn allbereit gelegen/ hat man noch z. verschiedne Streiche ge- zehlt, die auch aufdaS Fundament gegangen. Um 8 .Uhren schösse der Strahl in den CarlS-Thurn zum Grossen Münster/ der anfangs ein wenig gebrunnen, aber durch den starcken Regen wieder gelöscht worden. Man hat auch einen Streich an einer Linde auf dem Hof bemercket. Ein andrer ist in Mstr. Anthoni FrigenthalS / des Pa- ftetenbeckerS Hauß/ und wiedrum einer in Hr. Amtmann FußlinS Hauß am Rennweg gegangen. Man sagt/ es habe so oft geschlagen, so oft eS geblitzet. In währendem Jammer sind ^Personen getodet, und 32. verletzet worden. Gleichwol hat Gott auch seine vielfältige Güte erzeiget/ sonderbar in Erhaltung kleiner Kinder, welche mitten in dem Stein-Hagel unbeschädigt geblieben. Man hat Beyspiel, daß eine Wiege zermürset worden, und dem darin liegenden Kinde kein Leyd widerfahren; daß zwey Kinder in einem Bad bcyeiu- ander gesessen, mit grossen Steinen gleichsam ummauert, ihnen ohne Schaden; daß vier'Kinder auf einem Tisch gesessen, denen die Pfosten von zerbrochenen Fenstern um die Köpfe geflogen, und doch nichts geschadet. Bey dieser Strahl-Tragödie wollen wir uns nur ein wenig aufhalten, um das vor dem Unglück hergegangene Traurgcschrey der Steinkautzen, und die Sammlung der Strahl-Materie über der Stadt in Betrachtung zu ziehen. ES leitet die gnädige Vorsorge GottcS über die lieben Feld-Früchte die Strahl-und Hagelwetter also, daß sie sich mehrmalen über die Städte ausleeren, und zwaren nach den von ihm selbst angeordneten Natur- Gesätzen. AuS den Städten steigen mehr allerhand Dünste, Feuer, Rauch und Dampf, als von umliegender Landschaft, auf, und wird die über den Städten stehende Dunstkugel mit solchen fremden Theilen von allerhand Art L l 2 nicht 268_ Erzehlung seltsamer Natur-Geschichten _ nicht nur angefüllet/ sondern auch von aufsteigender Wärme Verdünners daß die Winde andcrstwohcr dahin mit gröffcrm Nachdruck blasen/ und mehrere schwestichte und Metrische Dünste herzu wähen, welche denn/ wenn fie fich zwischen zweyen Gegen-Winden / wie in gegenwärtigem Beyspiel/ gefangen sammle«/ stch über eine Stadt, mit grossem Schrecken der Einwohner, ergießen. Bey uns, zu Zürich, kommt zu dieser natürlichen Ursache noch die Situation der Stadt selbst hinzu, als welche in der Liesse zwischen zweyen Bergen, dem Aldis-und Zürich-Bera, lieget, so daß die in zwischen liegendem Thal sich sammlcnde Dünste nirgendhin besser, als in die bereits ver- dünnete und folglich geschwächte Mitte und Liesse, begeben können. Von dem prophetischen Geschrey der Steinkaützen dürfte ich nicht viel schreiben, wenn nicht solches in kraft Philosophischer Freyheit geschehen könte, weilen ich wol weiß, daß bey meinen sonst geehrten Lesern viel Vorurtheile von diesen Kautzen antreffen werde. Wenn je ihr Geschrey ein Vorbott des erfolgten Unglücks gewesen, mnß man sagen, entweder, daß der oberste Gewalthaber der Natur diese Thiere sonderbar geleitet, daß sie sich in den Geiß-Thurn einnisten, und mit ihrem wehmüthigen Geschrey den vorstehenden Jammer vorkünden müssen. Diß aber kan niemand leicht behaupten, als der in die verborgnen Geheimnissen der göttlichen Weißheit weiter hinein stehet, als den natürlichen Menschen möglich ist. Denn aus dem Erfolg allein stch nicht dahin schließen läßt, wo diese erste Meynung hinzielet, sonderlich wenn noch andere nähere Ursachen vorhanden, welche auch können und müssen in Betrachtung gesetzet werden. Oder zweytens müssen diese Vögel als natürliche Feuerschmeckcr, welche sich gern an solchen Orten aufhalten, da nächstens eine Feurs- Brunst entstehen wird, angesehen werden. Gewißlich, wenn sie etliche Wochen oder Monat vorher das Salpeter- und Schwefelfeuer haben riechen können, welches vor dem Fall nur >n i'orcnriä gewesen, wie die Schul-Lehrcr reden, nicht aber in ättu. so wil ich sagen, daß dieser Kautzen Nasen weiter als der Adler Gesicht reichen, weilen diese nur sehen, was ihnen vor Augen liegt, jene aber riechen, was nicht ist. Desto höher sind diese Vögel zu schätzen, wenn sie bey sich selbst folgende Schlußrede werden gemachet haben: Es wird baldest der Strahl in den Geiß-Thurn schlagen, und ein grosses Unglück über die Stadt ergehen, deßwegen wollen wir in eben diesen Thurn einnisten, und mit einem seltsamen Zettergeschrey die Einwohner war- ___des Schweitzerlandes. L69 warnen. Also, darf ich wol sagen, sind sie klüger gewesen, als alle Bürger dcrStadt Zürich. Oder endlich kan man von diesen Stein- kautzen sagen, daß sie sich gerne an solchen Orten aufzuhalten pflegen, da abgebrannte Maurstöcke oder viel schweflicht-salpetrische Dünste sind, welche entweder von entstandenem Brand noch übrig, oder erst hinkünftig in eine Entzündung gerathen können, und den Werckzeug ihres Geruchs auf eine angenehme Weise kühlen. Hier gebe ich mich gefangen, weilen ich daraus eine natürliche Ursache der Einnistung und des Aufenthalts, nicht aber des nächst-folaenden Brands, ersehe, weilen, wenn es der Vorsehung Gottes also gefallen hätte, das Pulver des Geiß-Thurns hatte können bis jetzund unversehrt bleiben, und könte also noch auf etliche 120. Jahre hinaus währen , also daß oftbenennte Kautzen in gantzer dieser Zeit ihr Geschrey fortsetzen, und die Lust, welche sie bey dem Schwefelgestancke empfunden, auch auf ihre spate Nachkömmlingschaft fortsetzen tönten, ehe ein würcklicher Brand entstünde. Ich übergehe mit Stillschweigen die Gefahr, in welche dergleichen elende Vogel sich setzen, weilen sie ihr Quartier an solchen Orten suchen, da sie keinen Augenblick sicher find; welche Betrachtung allein diesen Vögeln allen Verstand benimmet. Nun laste ich dieses über den Geiß-Thurn und gantze Stadt er- gangene Unglück fahren, und bemercke ferner, daß in diesem Jahre noch mehr Strahl-Wetter gewesen. Den 22. Iun. Abends schlug der Strahl im Gißübel in einen Baum, und erstickte nächst dabey ein Haupt-Vieh in einem Stall: deßgleichcn in eine Gerwe hinder den Seidenhöfcn. Den 25. dito schlug der Strahl zu wollishofen, auch Züri- cher-Gebiers, in einen Baum, und tödtete unter demselben 4. Rinder; und zu Merg bey Glünmgen Rudolf Krieß, einen jungen Mann, in seinem Hause. Den 28. dito, Nachts zwischen io. und n. Uhr, schlug der Strahl in den Kirchen-Thurn zu Niichderg am Zürich-See, und löschte an der Uhr das Eins, und den ersten Strich an der zweyten Zahl aus. Den i8. Iul. schoß der Strahl Abends zwischen z. und 4.Uhr zum fünften mal, und war dabey ein Wolcken-Bruch. Den 24. dito auf den Abend zwischen 2. und z. Uhr schlug der Strahl unter grausamem Donnerwetter zu Oerwyl und weininnen in den grossen Nußbaum bey der Schmidten. Den 272 Erzehlung seltsamer Natur-Geschichten Den 4. Augftm. nachdem Tags vorher auch ein schweres Donnerwetter gewesen, irm 9. Uhr Morgens war ein schweres Unge- witter, mit einem Wolckenbruche, der Strahl erschlug unter den Linden oberhalb Abstatten eine fremde Frau, ohne Schaden einer andern so nebst ihrem Knaben darbey gewesen. Mehrere Strahl- wetter brachen ein den io. n. und i 6 tcn dito. Anno i 66 z. den 22. Juri. um 4. Uhr gegen Tag hat sich ein erschreckliches Donnerwetter erhebt, welches mit grossem Krachen in den Kirch-Thurn zu Oberdorfs, Solochurner Gebiets, geschlagen, allwo der Dunst den Küster oder Sigristen samt seiner Frau alsbald ersteckt, und zwey andere Personen, die nach Römisch-Ca- tholischem Gebrauch die Glocken angezogen, in die Ohnmacht gelegt, jedoch denselben weder am Leben, noch sonften am Gebäude keinen wettern Schaden gethan. Hafner Soloch. Schaupl. ? n. p. ,<1,. A. 1664. den 7. Augftm. zwischen 9. und ro.Uhr in der Nacht hat das Donnerwetter zu Tettmgen, Golochurner Gebiets, eingeschlagen, und drey Häuser mit allen eingesammleten Früchten elend in die Asche gelegt. Hafn. lib.cir. p. ^7. A. 1672. den 29. Iul. Nachmittag gegen Abend hat der Strahl zum Speichcr im Äppenzellerland in ein Hauß durch das Camin in die Küche, deßgleichen in die Stube und Stadel geschlagen; ein Töchterlein in der Küche neben der Mutter stehend ist tod geblieben, und die Mutter in Ohnmacht gefallen. Den 29. Augftm. eben desselben Jahrs hat es zu Appenzell in den Flecken geschlagen, davon eine Frau getödtet, eine andere bey ihro in Ohnmacht gefällt worden, ein Kind aber bey ihnen unversehrt geblieben. Bischoffbcrg Appenz. Thron. p. 497 - A. 1678. den 19. April ist ein schröcklich Donnerwetter zu Trogen im Appenzellerland gewesen. Die Wetterleuchte haben nicht nur einen unerhörten Glantz, sondern ftarcke Wärme von sich gegeben. Es hat unterschiedlich, sonderlich in Birli in eine neue Behausung gar wunderbar geschlagen. Der Streich ist durch das Camin geschehen, davon das Hauß in Brand kommen, aber durch eine» Nachbar mit Schotten gelöscht worden. In der Dlli-Kammer hat es die Thüre samt der Säul von der Wand gerissen, der Frau mit dem Kind auf den Armen ohne Schaden. In der Stube hat es die Thür aus den Hacken gehoben, lind zu den Fenstern Herfür, dem Haußvater in den Rücken, geworffen, welcher zum Fenster ausgesehen, des Sckweitzerlandes. ryr fthen, dem den einten Schuh samt dem Strumpf zerrissen, davon er in Ohnmacht gefallen, einem Kind aber auf dem Bancke sitzend nichts geschehen. In der Web-Stuben hat es die Web-Stöcke aus dem Boden gerissen, re. Bischoffb. Appenzell. Chron. p. 498. Es hat dieser Strahl eine rechte Schwärmer- Are an sich gehabt, und lässet sich mit jener Gattung Raqueten, welche man Schwärmer heiffet, gantz wol vergleichen; gleich wie diese aus Mangel eines Leit-Steckens keinen geraden Lauffhat, sondern hin und her schlan- genweise umschwärmet, also ist es auch der gegenwärtigen Strahlkugel ergangen, deren Materie ungleich zertheilt, mit einer auch ungleich zähen Rinde umgeben gewesen, weswegen sie bald in die Stube, bald in die Kammer gesprungen, je nachdem die Gewalt der an- gezündten Materie sie getrieben, und die vorstehende Luft, Thüren, rc. ihr widerstanden. Es ist auch bey dieser Beschicht merckwürdig, daß den im Hauß anwesenden Menschen nichts beaeanct, da doch die Thüren aus ihren Angeln, und gar die Web-Stocke aus dem Boden gerissen worden. Es hat die Strahl-Bombe bereits ihre meiste Wür- kungen ausgeübet, und ihre Kräfte so zu reden abgemattet, eheste zudem Hausvater und dessen Kind gekommen; und hat der Vater, als er zum Fenster hinaus gesehen, wol Athem schöpfen können. In dergleichen Fällen lieget auch nicht wenig an der Stellung des Menschen ; richtet der sein Angesicht gegen dem ankommenden Strahl- Dampfe, so kan er leicht und einsmahls ersticken; kehret er aber, wie es auch hier geschehen, dem Strahl den Rücken, so fahret der Dampf ohne Schaden vorüber. Deßwegen, weilen der Mensch nicht wissen kan, woher der Strahl fahret, ist nichts bessers, als wenn er, nachdem der Strahl in ein Hauß geschlagen, sich geschwinde auf die Erde nieder lässet, den Mund an den Boden haltend, damit, wo der Dampf immer herkomme, er ihn nicht erqreiffen könne. A. 1679. den z. Iun. hat der Strahl einen Knaben nächst bey G'arus auf der Ennedaer Allment von einem Kirschbaum hinunter und zu tod geschlagen, i'icyi.iä. ^180. A. 1682. den 12. Jul. hat es etlicher Orten geschlagen, auf Gaiß, und zum Speicher in eine neue Behausung gantz wunderbar, und mit grossem Gewalt. Bischojfv, Appenz Chron. p 499. Den 24. dito ist an vielen Orten der Eydgnoßschaft ein ftarckes Erdbeben gespürt worden. So haben sich auch damals ftarcke llnge- witter mit Donner, Strahl, Hagel, ungewöhnlichem Regen und Sturm- 27L Erzehlung seltsamer tIamr-Gesch i'chren Sturmwind erzeigt; allermassen zu Langenchal, Berner-Geblers, der Strahl in 2. Häuser geschossen, davon selbige, nebst noch 24. andern vcrbruune». Rakn. Evdgnöff. Chron. p. 1 064. A. i68z. den 9. Dec. ist zu Zürich plötzlich ein Blitz mit einem Harte,: Donnerknall gespürt worden, auch hat der Strahl in den Kirchen-Thuru zu Richrerschrveü am Zürich-Gee geschossen, üm- pliis. Bahn. Eydnöss. Chron. p. 1087. Strahlftreich in den petersrThurnzu Zürich. Donnerstags den 20. Iul. 1699. ist nach einem schönen Sonnenschein ein plötzliches Ungewitter mit ftarckcm Regen und Donner über die Stadt Zürich ergangen, und hat -er Stral um s.UhrNach- mittaa in den Kirchen-Thmn zu St. Veter, zu grossem Schrecken dcr gantzen Stadt, geschossen, und den Helm in volles Fern gebracht, also daß derselbe fast bis auf die Hochwächterhäußlein abgebrunneu, und um 6. Uhr samt dem Knopf gegen der Helfferev und in das Gäß- lcin bey dem Hause zum Grossen tzhriftoffel, mit entsetzlichem Geprassel hinunter gefallen, wovon denn die brennende Balcken und Schindler: den nahe gelegnen Häusern zimliche Gefahr angedrohet, und die Dächer beschädiget, welche aber durch Mittel der kleinen Feur-Sprützen leicht wiebrum gedämpft worden. Und ist zu grossen: Glücke bey dieser so gefährlichen Begegniß nur ein Mann von dem abgefallenen Helm tödtlich gequetscht, ein andrer aber von einem Feur-Eimer in etwas verwundet worden. Es haben sich die Zim- merleute und andere tapfere Bürger und Landleute bis in den Thurn hinauf gewagct, «nd grösserm anscheinenden Schaden mit eiligstem Abschneiden der brennenden Balcken, Hcrzutraqen vielen Mists, und genetzten Ochsen-Häuten, womit man den oben: Boden des Thurns und die Glocken beleget, noch vorsteuren können. u. Lkron. Ic>m. IV. scl N. ». Strahlsteich in den mir Pulver angefüllten Heu-Thurn zu Lucern. A. 1701. den ?o. Iul. um 2. Uhr Nachmittag erzeigte sich eine schwache Wolcke von Aufgang der Sonne, aus welcher ein Donnerkeil ohne sonderlichen Knall, und amroch bey trocknen: Wetter, in den sogenannten Heu. Thurn auf der Müsegg, zwischen dem Luginsland und dem Zeit-Thurn, gefallen, und den dafelbstiqen Eor- des Schwektzerlandes. 27z Verrath an Pulver, von etwa» 250. Centnern, angestecket, darauf der Obertheil des Pulver-Thurus mit einem entsetzlichen Knall und Gctös Anfangs in die Luft gesprungen, und da, wie man bemercket, -er mehrere Theil des annoch unangezündtcn Pulvers samt der Tilen untersich aesunckcn, in der Liesse Fcur bekommen, und erst alsdann den Thuru aus dem Fundament zu Boden, und zwar zu allem Glück anssert der Stadt in die nächstgelegne Matten zu grossen Stückenweis gelegt; der Obertheil des Thurns, so in die Luft gegangen, istmeh- rertheils über die Stadt in den See gefallen. So bald der Strahl eingeschlagen, und das Pulver angezundt, ist in dem Augenblick ein schwach ftmckender Rauch, gleich einem Berg, in die Höhe gewaltet, und gleich hernach bey der zweyten Anzündung des Pulvers hat ein neuer gleich dick schwacher Rauch alle Häuser dergestalten angefül- füllet, daß ein jeder Haußvatcrvermeynte, das Ungewitter habe in sein eigen Hauß geschlagen, und selbiges angezündt, welches an sich sechsten der größte Schrecken und Jammer gewesen, immaffen ein jeder in dem Augenblick dieses Knalls die Ziegel von seinem Dach, und alle Fenster zertrümmert sechsten gesehen oder hören müssen, also daß man in diesem Schrecken einige Leute gehört hat nach Lettern schreyen, die man ihnen zubringen solle, damit sie sich retten könten. Der Schade, so hierdurch -er gantzen Stadt durchaehends verursachet worden, ist sehr groß. Nächst an diesem gesprungenen Thurn haben einige Maurer die Rtngmaurcn ergäntzct, davon es 4. erschlagen, unter denen ein Vater und Sohn, Febrio, so ausländische, doch angenommene Beysassen waren. Man erzehlet von dem Vater, daß als er eben des Tags zu Mittag gespicsen, erzehlt habe, daß er schon an zweyen Orten nahe an Pulver-Thürnen gearbeitet, darein das Wetter geschlagen habe, nun habe er eine gleiche Arbeit vorhanden, Gott aeb wie es ergehen werde, hat ihm also selbsten wahr gesagt, indem er in dieser dritten Arbeit das Leben lassen müssen; der dritte wäre ein Kräutli von Kriens, dessen zerstümmleten Leib es hin und wieder, und das Haupt und einen Fuß in des Päbst- lichen Nuntii Residenz getragen; der vierte wäre ein Meyer von Horw. Sonsten hat auch ein Stein einen Zimmermann auf der sogenannten Schütz-Matt über die Rüß hinüber zu tob geschlagen, wie auch in der Stadt eine alte Frau, welche von einem Brunnen Wasser getragen, ist von einem Stein getroffen worden, also daß sie den sten Tag hernach gestorben; von den übrigen Arbeitsleuten sind l. Theil. Mm einige 274 Erzehlung seltsamer Natur-Geschichten einige noch davon komme»/ die aber eine Zeitlang Gehör - und Red- loß gewesen; in der Stadt und dero Gegend, so man vor eine besondere Gnad und Vorsicht Gottes halt/ eben bey dieser Stunde und Zeit/ da jederman auf den Gaffen herum gienge, sind solchen wenig Personen mercklichvcrwundt worden, auffert zweyen/ denen in der Hm. Jesuiter-Kirche ein durch eine Pforten gedrungener Stein geschlagen/ und hat der Dunst und Gewalt einen Bedienten des Hrn. Nuntii hinter sich zu Boden auf einen Stein geschlagen/ daß er Tags hernach das Leben lassen müsse«/ so ist auch der Hr. Nuntius sechsten um etwas doch nicht tödtlich verwundt worden. Der Schade in Ziegeln und Fenstern ist durchgehends/ und dörfcn wol wenig Häuser seyn/ die nicht in ein - und anderm mercklichen Schaden gelitten/ besonders aber jene Häuser dem sogenannten Graben nach/ deren der meiste Theil keinen oder wenig gantzc Ziegel noch Fenster übrig hatten/ also daß sie nicht allein deßwegen/ solider» wegen er- folgtem und lang gedaurtem Platzregen einen grossen Schaden an ihrem Haußgeräth, und zwar dergestaltcn erlitten, daß sie eine Zeitlang anderwärts Herberg suchen müssen. Die Erschütterung und Dunst des Pulvers ist so groß gewesen / daß es fast aller Orten die Thüren aufgesprengt/ einen Theil zerrissen/ zertrümmert/ und sonderlich in denen vor der Müßegg über stehenden Häusern die Tafel- wercke zerrissen/ und die Oefen theils unnütz gemacht/ theils gar über einen Haussen geworffen, deren eint- und andere man in die 20O. zehlet. Der Schade der hohen Obrigkeit/ so sie in ihren Ma- gazyner,/ Mühlen/ Brücken und andern Gcbäuen erlitten/ und in dem Verlurft des Pulvers und gesprengten Thurns/ war auch sehr groß. Anno 1726. den Heum. schlüge der Strahl zu Albisneden, einem Dorffe Züricher-Gebiets, in Heinrich Weidlers Hauß/ erstlich in das Camin, von dem er ein Eck weggenommen/ darauf führe selbiger einen Dachrafen nach hinunter auf den obersten Boden der Schütte/ daß der Rafe in der Mitte zerspalten/ und viel kleine und grosse Späne ausgeworffcn: es wurden dabey auch über 8o. Ziegel zerschmettert/ wobey aber gleichwol die Latten unversehrt geblieben/ an welchen auch/ gleich wie in dem qantzen Hause wo der Strahl durchgefahre»/ nichts versengt oder geschwächt worden. Unter der Schütte führe er in eine Kammer, öffnete deßwegen in der Maur ein Loch, durch welches man einen Kopf stecken können. Von bannen des Gchwekzerlandes. 27s fnhre er in die Hintere Stube, darin die Haußleute waren, daselbst hat er einen Lader; mitten cntzwcy gerissen, in die zo. Scheiben zerschlagen, eine alte Frau von 70. Jahren niedergeworfen, thro den lincken Schuh samt dem Strumpf aufgerissen, davon sie einen brennenden Schmertzen an dem Schenckel und in dem Rucken empfunden, aber, wider Vermuthen, in wenig Tagen wieder genesen; sonst wäre an ihren Kleidern nicht die geringste Anzeige eines Feurs zu spuren. Aus dieser Stube ist der Strahl in des Besitzers Stube, auf gleichem Boden, fortgefahren; allhier hat sich das fordere Gesimse einer halben Hand hoch aus Nutt und Nagel, wie wir zusagen pflegen, gehebt, eine Rechen-Tafel hinter der Thür, und'einen halben Fensterläuffer, mitten in der Stuben geworfen, etliche Scheiben samt der Fenster-Rahm zerschmettert. Endlich traffe der Strahl Häuser, einen Mann aus dem Dorff, welcher bey der Thür unterstünde zu ruhen, daß er plötzlich tod zur Erden fiel; es wäre an feinem Leib nichts zu sehen, als an dem Haupt, dessen Haar eines Thalers breit gleichsam weggeschnitten worden: nach verloffenen 24. Stunden sahe man den Rückgrath blau, als mit Blut unterschos- sen. Einen Schritt weit von dem Mann war ein 2 jähriges Knäb- lein, und ein erwachsener Sohn vom Hanß, denen aber nichts wie- derfahren. Im Keller ist eine Faß-Lage, oder Balckcn, aufrecht gestanden, von dem Stral entzwey gespalten, und dabey ein Loch eines Kopfs groß durch die Maur gebrochen worden. Von den Strahl-Steinen. ^S ist eine grosse Streit-Frage der Strahl-Steinen halber, ob es dergleichen in der Luft mit dem Strahl gezeugete Steine gebe, und wie sie so geschind in der Luft türmen gestaltet werden? Fraget man den gemeinen Mann, so bekommt man ohne Aufschub ein Ja-Wort. In bald allen Naturalien - und Kunstkammern siehet man Strahl-Steine von verschiedner Art und Form liegen, und in dem Mineralischen Reiche einen eignen Tttul ausmachen. Ja, weilen gemeiniglich nach geschoßnem Strahl die Steine unsichtbar werden, so haben die Gelehrten und Ungelehrten allerhand andere Steine zu Strahl-Steinen gemachet, deren Gestalt nemlich ihnen also vorkommen, daß sie die Stelle eines solchen Luft- Steins vertreten tönten. Da komt einer her, der einen Schwe- Mm L ftl- 276 Erzehlung seltsamer Natur-Geschichten felkieß, vor einen Strahl-Stein darbietet. Ein anderer bringt LrystaUen weiche auch gemeiniglich Strahlen heissen. Ein dritter pranget mit dem sogenannten Lelemmre, l^p.cle oder Luchs-Stein, dessen zugespitzte pfeil-förmige Figur den Anlaß zur Fabel gegeben. Ein vierter ziehet auf mit denen Ombms, oder L- ct>!Mli8» Rrötten- oder Seeapfel - Steinen, und weiset sonderlich als ein strahlendes Mrrckzeichcn auf, fünfderselben aus einem Mittelpunkte ausgehende Streunen oder Striche. Ein fünfter bringet wahre Tviftl-Steine. absonderlich solche, welche eine Beihel-oder Axt-förmige Gestalt haben, dergleichen man hin und wieder in den Grabstätten der alten Cimbriern und Gothen findet. Diese alle aber bestehen auf so schlechtem Fundament, daß man ste heutigs Tags, da die Mineralien mit aröfferm Fleiß als iemalen untersucht werden, kaum einer gründlichen Widerlegung würdiget. Die wahrscheinlichsten Strahl-Steine sind schwach angelassen, uneben, und gleichsam gcfthmoltzen, geben beyneben einm Schwefelgeruch von sich, wenn sie gerieben werden. Ein solcher wieget auf der Waagschale der Vernunft mehr, als hundert Centner obaugezogner Cryftallcn, Schwefelkiese», Luchs-Krötteu- und Kiesel-Steinen, insonderheit, wenn dergleichen glaubwürdige Umstände dazu kommen, die in vorhabender beschicht zu lesen: Dienstags den : 8 . May 1698 . hat man bey heiterm Himmel an unterschiedlichen und vielen Orten ein überaus starckes Wessen in der Luft gehört: Der Schüssen waren fünfe, und hatte ein jeder seinen Nachklapf, welcher nicht minder ftarck, als der Hauptklapf war. Neben diesen Schüssen hörte man au etlichen Örter: eine grosse veckarge von vieler: I OOO. Musqueten , und heftiges Trom- men; welches alles an obbcmeldtcr: Tag auf den Abend zwischen 7 . und 8. Uhr gehört worden ist. Zu eben dieser Zeit ist in der Gemeinde Walcrincien, dem Gericht Haßle, zu Himer-Schrvendi, an dem höchsten Ort der bedeuteter: Gemeinde, ein grosser und schwerer Stein aus der Luft auf einen Acker herunter gefallen, welchen Stein des Hans Blindiba- chers Magd, die unter einem Baum etwan zo. Schritte von dem Ort stehend, fallen gesehen, welcher Stein, nach ihrer Auffag, ein Räuchlein erwecket, als er zur Erde niederfallen. Ohnweitvon dieser Magd, etwan 6. oder 8. Schritte, stunden zwey Manns-Personen in einem Garten, welche, als sie gefragt wurden, ob sie diesen Stein des Scbwekyerlandes. 277 auch cntweders gehört, oder ihn hernieder fallen gesehen haben, darauf geantrvortet, daß sie zwar den Stein »richt haben hernieder fallen sehen, wie die Magd so ausser dem Garten gestanden, aber das können sie mit Grund der Wahrheit sagen, daß sie nach dem Schiessen ein Rauschen in der Luft gehört, nicht anders, als wenn sich ein Voael schnell in der Luft schwinge. Als nun diese beyde Manns-Personen, wie auch die bedeutete Magd, welche, nach ihres Meisters Aussag, still und wahrhaft, diese Schusse mit grosser Bestärkung als über ihrem Haupt gehört, und deßwegen in einen nicht geringer: Schrecken gerathen, sind sie sämtlich in ihr Hauß hcimgeloffcn, und haben miteinander von dieser Sache geredet, da denn die Magd bezeuget, daß sie nicht nur diese Schüsse gehört, sondern auch etwas gesehen aus der Luft auf den Acker niederfallen. Als sie nun solches der Magd nicht glauben wollen, sind sie des morgenden Tags mit der Magd an das Ort gegangen, da sie gesagt, daß sie etwas habe niederfallen sehen, als sie an das Ort kommen, fanden sie anders nichts als eine Grube in dem Herd, ctwan eines Gmünds hoch, (da aber wol zu wissen, daß an dem Ort nicht mehr als einer guten Hand hoch Erdrich, darunter aber harte Steine,) in der Gruben aber funden sie gar nichts. Da sie sich aber weiters umsahen, um zu sehen, was noch anzutreffen sey, da fanden sie an dem Rcinlcin dieses Ackers, etwan 8. Schritt von der Grube, einen schwachen Stein, dergleichen kein anderer zu sehen wäre; worüberhin sie festiglich glaubten, daß derselbe aus der Luft herunter gefallen sey. Welchen Stein sie dem Prediger des Orts, Herrn Jacob Düncki überbracht, welcher ihne hernach auf die Bibliothee zu Bern nebst bisher erzehltem ^rrellzr verehrt. Gewißlich, wenn je eine Strahl-Gcschicht die Würcklichkeit der Strahl-Steinen bejahet, so ists die jüngst-erzehlte. Man höret den Stein in -er Luft daher rauschen, nach vorhergegangener: Loßschüs- sem man gräbt ihm nach, wo er in die Erde gefahren, man sindet ihne nicht weit von der Grube, und siehet offenbar, daß er eine gantz andere Aussicht hat, als eir: andrer Stein. Wenn hiemit irgendwo ein wahrer Strahl-Stein ist, so suche man denselben in dem Naturalien- und Kunst-Ghalter der Löbl. Stadt Bern. Dessen kau sich LLrrellU8 mit seinem Anhang bedienen, um die Welt glauben zu machen, daß aus Vermisch - und Zusammenfügung vieler schwef- licht- fett- und irdisch-saltzichter Dünsten ein Strahl-Stein äuge,:- M m z blick- 278 Erzehlung seltsamer Natur-Geschichten blicktich in -er Luft gezeuget werden könne, gleich wie aus Anzün- dung eines gewissen aus der im Regenwasser enthaltenen Erde, Salpeter und Schwefel bestehenden Gemengs die Chymici in geschwinder Eil einen Stein zu gestalten wissen: Gleichwol weiß die zahlreiche und gelehrte Gegenpart ihre Einwürffe auch auf so starcke Gründe zu machen, welche »richt aus der Acht zu lassen sind. Man sichtet mrt gleichen Waffen, deren man sich gemeiniglich wider die sogenannten t-rmcipiz (^ymicz, oder Grund-Säulen der Chymi- schen Welt-Wcißheit, bedienet, welche dero Patronen durch das Feur zu beweisen suchen, und fraget, wie hier, ob das Saltz, Schwefel, Mccurius und andere herausgebrachte Anfänge würcklich in den natürlichen Cörpern selbst gewesen, oder aber nicht vielmehr als neue durch das Feur gestaltete Cvrper anzusehen seyen? Also dort, ob dieser Stein würcklich aus der Luft herabgefallen, oder, ob nicht vielmehr zu glauben, daß die dmchdringende Kraft des Strahlfeurs den in der Erde zuvor gelegnen Stein also gesenget, und an feiner aus- sern Fläche geschmeltzet, oder in einen Fluß gebracht, und noch dar- zu mtt schweflichten Theilen befchwängert habe? Welche Frage ich andern zu erörtern überlasse. Verschiedene feurige Lust-Geschichten. Feur-Zeichen vor der Schlacht zu Dornegg. jNno 1499. am Abend zuvor, als Morgens daraufdie Schlacht zu Darnach gehalten wurde, ward zu Zürich am Himmel ein Zeichen gesehen, gleich einer feurigen Kugel über das Albis schnell gegen der Stadt und darüber schießen, mit einem langen Schwantz, so daß niemand eigentlich wissen tonte, was es wäre; als aber morndrigen Tags die Zeitungen von Doruach kommen, hielte man dafür, es wäre ein Zeichen von Gott, oder ein Drache. Berlin. Eydgnöff Chrom p., 15. Lieber, was hat doch die Schlacht zu Dornegg zwischen den Kayserlicheu, und Eydgnossen, da bey jenen in die zoocr. bey diesen aber nicht über ioo. umkommen, vor einen natürlichen Zusammenhang mit der Feur-Geschicht, so zu Zürich gesehen worden? Diese von malt- heydnischen Zeiten herftammende abergläubische Weise, aus den Natur-Geschichten selbst pro- des Gchwektzerlandes. 279 prophetische Wunder zu machen, klebet uns, Gelehrten und Unze- lehrten, annoch jczt an. So schwerlich lassen sich die Vormtheile ablegen, die man mit der Muttermilch an sich gesogen. Wir könten viel Exempel zeigen, diß zu bekräftigen. Wie oft muß ein Schwärm fremder Vögel eine Anzeig fremder ins Land kommender Soldaten seyn ? Ein Erdbeben eine Bedeutung politischer Welt-Aenderungen ? und so fort. Eskan sich ungefehr schicken, daß eine seltsame Natur-Geschicht mit und neben einer mcrckwürdigen Aenderung in der Policcy sich zuträgt. Es folget aber nickt, daß diese von jener sey vorgezeuget worden. Diese feurige Kugel, deren oben gedacht worden, ist eine Natur-Geschicht, und entwcders ein sogenannter feuriger oder fliegender Druche, vrzco voizns, ein angezündtes Gemenge schweflich- ter Dünsten gewesen, welches ungefehr die Gestalt eines Drachen vorbildet; oder eine rechte Natur-Bombe, dergleichen im Schweitzer- land zuweilen gesehen worden, und des 6->iienä, Grundlchre, von Zeugung der Strahl, bekräftigen, wie bald in mehrerm erkläret werden soll. Feuriger Speer. Anno den 2z. Nov. erschiene zu Bafel Abends nach 8. Uhr ein seltsam Feurgesicht in der Luft, es war ein langer schießender Strohm, gleich einer fliegenden Flamme, die einen Glantz gäbe, als wenn der Mond leuchtete. Die Naturkündiger nennen solche Entzündungen bsnceas grcienres; blinius kolicles, das ist, brennende Speere und Wmss-Gpieffe; oder, wenn die Materie etwas grösser ist, Feurbalcken. x/rliis^ Lkron. Lack. b.. VII. c. §. Diese feurige Spieße und Balcken rühren von viel schwcflicht entzündlicher und dabey zäher zusammenhangender Materie her, welche, ehe sie in Brand gerathet, sich der Länge nach, und in solcher Form, anhänget, daß ein Fcurwerck, gleich einem Speer oder Balcken herauskommt. Dergleichen Exempel werden mehrere folgen. Von einer sonderbaren Feur-Geschieht/ so im Flaachthal gesehen worden. Den 26. Sept. 1572. als es dunckel, und der Himmel mit Regen-Wolckcn behängt, jedoch kein Wind, Donner noch Blitz gesehen noch gehört worden, hat sick zu Berg im Flaachthal, Züricher- Gebiers, gegen Mittag eine schwache Walcke sehen lassen, darin man 28 o ErzehkunA seltsamer Natur - Geschichten man etwas Getöß gehöret, als wenn Donner vorhanden wäre. Bald darauf/ Abends zwischen s. und 6. Uhr/ hat sich die schwache Wolcke aufgethan, und ist darin eine grosse roth-feurige Kugel/ in der Form und Grösse einer Tischscheibe/ gesehen worden; in deren Mitte hat sich eine bleich-gelbe Flamm zu flachen erhebt/ gleich wie die Feur- kugeln thun/ wenn man sie anzündet. Diese Kugel ist eine gute Weile gestanden/ indessen die Flamme je länger je grösser worden. Darnach, als man fleißig auf das Wunder gesehen, ist die Flamme mit einem pfeifen herausgefahren, wie die angezündten Magneten thun; die Wolcke aber hat sich zusammen gethan, und ist nichts Wetters darin gesehen worden. Die Feuer-Flamme aber ist gegen Mitternacht gefahren, und hat sich in die Länge, gleich einem Balcken gezogen, zuforderft aber daran ist ein bleicher Stern gesehen worden: dald darauf hat sich der Himmel in der Länge des feurigen Strichs aufgethan, und ist daraus wie ein Heller Blitz hervorkommen, daß jederman von den Zuschauern dünckte, es seye auf ihn gefallen. Hierauf bald bat sich der feurige Strich wtedrum zusammen gethan, und in die Gestalt einer grossen Schlange verwandelt, welche drey Farben hatte, nemlich von forne blutroth, und der bleiche Stern an statt des Kopfs, in der Mitte gelb-feurfarb, an dem Schwantz abcrweiß, mit einem bleichen Sternlcin zu Ende. Diese Schlange hat sich je mehr und mehr in ihren Krümmen zusammen gewunden, bis sich zuletzt alles in eine rothe ziegel-farbige Wolcke verwandelt, und allein die zween bleiche Sternen in der Wolcke stehen blieben; wie es sich nun alles in die Runde begeben und zusammen gezogen, hat sich irr -er Wolcke ein grosses Geprassel hören lassen, und bald darauf sind drey starcke Donnerknäll gehört worden, gleich als wenn man drey grosse Stücke loßgebrennt hätte, und ist also dieses Getöß langsam gegen Mitternacht über -en Irchel gegen der Stadt Zürich zugefahren. In Zürch hat man diese Geschicht als eine Feur-Flamm, die entzwerch dem Himmel nach zunächst bey dem Gewölcke daher gefahren, angesehen, und als sie, wie es sich ansehen liesse, eines Büchsenschusses weit kommen, ist sie erloschen; darauf liesse sich ein weiffer Strich einer Hand breit unverändert sehen, verstund also eine gute Zeit, gleich einem Spieß, als aber der Wind das Gewölck triebe, ward her Strich, gleich einer Schlange, krumm, und ob er sich schon in das Gewölck vermischet, behielt er doch die weiffe Färb eine Weile, also daß man ihn vor dem andern Gewölcke erkennen konte; und des Gchwektzerlandes. 28 r gleich darauf, da man den Strich noch sahe, sienge es an dem Ort, da die Flamme erloschen war, zu donnern an. toller Lftron. Z 8 , c. 2,0. Es ist dieses Jahr, in welchem sich jczt- erzchlte merckwürdige Feur-Geschicht zugetragen, ein rechtes Wunder-Jahr gewesen. Es erschiene ein gantz neuer grosser Heller Stern in dem Zeichen der Csk- üopoeA , welcher A. l s?4. wicdrum verschwunden. Man sahe zu Nacht einen Regenbogen. Man hatte außerordentlich - schwere Ungewitter; aber auch in der Eydgnoßschaft allerhand Unruhen. Sonderbar aber verdienet zu ewiger Gedächtniß in ehernen Tafeln die bekannte Blut-Hochzeit zu Paris cingcgraben zu werden, (c) au welcher in einem dem H. Bartbolomäo gewidmeten und nächstfolgenden Tagen von denen unschuldigen Ncformirten in die 10000. Personen elendiglich umkommen. Ob nun diese Natur- und Po- licey- oder Religions-Geschichten miteinander eine Verwandschaft haben, und worinn das Band ihrer Zusammenfüguna bestehe, wil ich nicht untersuchen, sondern denjeniaen überlassen, welche an solchen geheimniß-reichcn Auslegungen der Natur-Wunder ihre Luft haben; hingegen eins und anders in beliebter Äürtze beyfügen, welches zu natürlicher Erklärung unsrer feurigen Luft- Begebenheit dienen kan. Gleichwie die Strahl-Materie in ebnen Landen sich leicht in dev Luft ausbreiten kan, hingegen in unebnen höckerichtcn Landen zwischen den Bergen sich sammle«, und daher auch unser Schwettzer- land dergleichen Fcur-Geschichten mehr als andere Länder unter- worffen; also haben sich in angebrachtem Beyspiel die schwcflicht und salpctrische Dünste in dem Flaachthal in denen auch zusammen getriebnen Wolcken, sonderbar wegen bequemer Situation, wol sammle» können; und ist anfänglich wegen entstandner Gährung der fremd-artig-zusam'.ncn gebrachter Materie, die in diesen schwächen Wolcken enthaltne und umliegende Luft in eine Dünnung gerathen, Theil. Nn und (c) Ein anderer würde sagen / man solle vielmehr dar Ardcncken dieser schwartzen That aur allen Büchern/ Schriften nnd Monumenten auskratzen/ damit ein solcher Schandflecken der menschlichen Geschlechts in ewige Vergessenheit kommen möchte. Lxciclal illa Dies ^vo! ncc poftera crcclanr 8 ecula: d^o5 cerke raceamu! Lc obruta mnlra KoLte rc§i proprie patiamur Lrimin» Oentis» Allein diese- gehört nicht hirher. 282 Erzehlunrt seltsamer Natur-Geschichten und daher auch ein ctwelchcs Donner-Getöß gehöret worden. Nachdem aber die Materie in eine völlige Entzündung kommen, hat sich die Wolcke zertheilt, aufgethan, und ist die Gestalt einer Fcurkugel in Vorschein kommen, und zwar eine solche, welche mit einer Bombe oder Carcaffe eine genaue Gleichheit gehabt, mästen aus der gantzen Historie zu schlieffen, daß die Materie irr eine Enge zusammen getrieben, und auswendig mit einer irdisch-zähen Rinde umzogen worden, so daß das Feur nur Anfangs durch einen schwächer» Ort, gleich die Flamme einer Bombe durch den Zünder, ausgefahren, welche aber nach und nach die gantze Kugel in Entzündung gebracht, so daß die Flamme zugenommen, und zuweilen mit einem pfeifen, wie bey den Raqueten geschiehet, herausgedrungen. Diese von den Zuschauern selbst gemachte Vergleichung löset die Frag auf, warum diese Kugel nicht äefallcn, sondern in freyer Luft geschwebt sey: Hier hclffen uns die Lüft-Feurwercker aus dem Scrupel, denen bekannt ist, daß eine Raquete, nachdem sie angezündt worden, immer in die Höhe steiget, weilen die oben weagetriebne und in beständige Dünnung gebrachte Luft sich nach den Bcwegungs-Gcsetzen zu dem Boden der Raquete herab lässet, und diese immer in die Höhe treibet; und hätte auch diese unsere Fenrkugel würcklich können in die Höhe steigen, wenn nicht ihre eigne Schwere ihr widerstanden, und zur geraden Leitung ein ihrer Grosse angemeßner Stecken angebunden gewesen wäre. Es führe die Flamm der Länge nach gegen Mitternacht, und zöge sich auseinander, so daß die kuglichte Gestalt sich in einen Balken verändert- Bis dahin aber hat sich die stammende Materie allezeit in engen Schrancken gehalten, gleich einer Carcaffe, ehe sie zerspringt, bald aber darauf ist ein heiterer Blitz herausgefahren, daß jederman von den Zuschauern dünckte, es sey auf ihn gefallen ; weilen die gantze umstehende und untenliegende Luft in solche Dünnung gerathen, daß der Athem aller Zuseher in ftlbigem Augenblicke schwerer, und aller Augen von dem hellen Schein der Flamme empfindlich gerühret worden. Die Verschiedenheit der Farben an der gantzen Feur-Geschicht, und dero angehängten Sternlein, kommet von Verschiedenheit der Materie selbst, und von demdurchdieWolcken dringenden Widerschein, her. Endlich, nachdem auch die weißen aus dichterer Materie zusammengesetzte Sternlein verschwunden, sind drey starcke Donnerkläpfe gehört worden, welche mit dem Schlag der Raqueten zu vergleichen, und von plötzlich gewaltsamer Aus- dähnung und Zitierung der Luft herzuleiten. Em des Gcbweltzerlandes. 28Z Ein Wunder»Gesicht in der Luft. Den 28. Sept. 1575. an St. Michaels Abend hat man nachfolgendes Wunderzeieben weit und breit, nicht allein in der Eydanoß- schaft, sondern auch in Franckreich und anderswo gesehen, ncmlich nicht anders, als wenn zwey Hecrzeugc einander angriffen, da über einem ein Spanisch oder Burqundisch Crcutz gestanden. Das geschahe zwischen 8 . und 9. Uhr Abends, da hat sich erstlich von Auf- gang bis gegen Niedergang eine Heitere mit langen Striemen, wie lange Spiesse, erzeigt, also daß an vielen Orten auf dem Lande ein grosses Gelauff, gleich einem Feurgcläuffe, gewesen, und hat bis nach Mitternacht gewahret, 4 Diese Geschickt hat zweifelsohn seltsame Gedancken bey den Zuschauern erwecket: Einer wird es vor eine Natur-Geschichte, aus deren nichts sittlich böses vorzusagen, gehalten haben: hundert hingegen werden Krieg und Kricqs-Geschrey prognosticier haben; wie denn auch t-l-u- ler berichtet, daß einige vermcynt, es habe den Caflmiriscken Zug bedeutet, da i z. Compagnien Eydgnößifcher Völckcr, hinterrücks der Obrigkeiten, aus dem Lande geführet worden. Die langen wctssen Striemen kamen ihnen als Spicffe vor, und die geringste Bewegung derselben, und der Wolcken in der Luft, als zwey gegeneinander an- marschircnde Hecrzeugc. Ja ich bilde mir ein, es werde mancher die Ohren gespitzct haben, um das Zcttergcschrey der streitenden Partheyen, das Praßten der Spiesscn, und die Loßbrennung des Geschützes zu vernehmen. Die Sternseher werden den damaligen Stand des Gestirns zuhülff genommen haben, und durch dessen Mittel auch die Standarten beyderseits kriegender Partheyen, ja gar durch die Ferngläser ihres Gehirns, die öommandirende Generalen erkennt haben. Die Staatistcn werden die damalige Starcke und Schwäche der Europäischen Potenzen auf der Waage ihrer Klugheit abgewogen haben. Jcdcrman hat die zwey folgende Jahre Achtung auf den Lauff der Wclthändlcn gegeben , um solchen mit unserm Wunder-Gesichte zu vergleichen. Ich sage, diezwey folgende Jahre, weilen die fernern Wahrsagungen könstiger Geschickten der Comet auf sich genommen, so im November 1577. im Zeichen des Stein- bocks gesehen worden. Ich meinerseits wil diesen allen ihre Vor- sagungs-Freude gern lassen, aber auch die Freyheit nehmen zu sagen, -aß auch diese Feur-Gcschicht mir als gantz natürlich vorkommt, aus Nn 2 vielen 284 ElZehluncf seltsamer iTsattrr-Geschrchten vielen in der Luft befindlichen schweflicbt- jaltzichtcn und gar ^rleni- cslischen Dünsten bestehend; ich füge nicht ohne Ursach das Beywort, ärlemcchjsch, hinzu, weilen in eben diesem Is7sftcn Jahr eine giftige Pest-Seuche zu Zürich graßirt, welche von dem Juli» an bis im Wintermonat gegen 1200. Personen weggenommen, und wol von Vergiftung der damaligen Luft herzuleiten ist. (6) Feurfall vom Himmel. Den n. Oct. 1577. bey angehender Nacht zwischen 7. und 8 . Uhr, hat man ein Fcur vom Himmel fallen sehen, Anfangs, als wenn ein Stern, vom Hof bis gegen dem Rahthauß zu Zürich, daher schösse, welches fich nach und nach wie eine Welle Stroh zertheilt, und mit einem grossen Glantz, vielen Striemen und Funcken herab gelassen. Es haben dieses Fcur insbesondre die Schisslcute auf dem See wahrgenommen, darauf ist auch ein Donnerknall gefolget. «stier dkron. xtbL. j-.ib. 41 . Lsp. 5. Zur Erklärung dieser Fcur- Ge- schicht dienet, daß in eben diesem Jahr Anfangs des Herbftmo- nats die Luft Nachts und Tags ungcmein warm gewesen, viele Blitze gesehen, und viele Donner gehöret worden, ja auch über Menzinaen ein gar schweres Wetter ergangen: woraus sich erscheint, daß damals die Luft von vielen entzündlichen Dünsten angefüllet, eine Gährung oder kermemsnon ausgestanden, welche sich theils durch die Wärme, theils durch andre Fcur - Geschichten und Wetter, sonderbar aber bey unsrer vorhabenden Begebenheit gezeiget, da sich die schwcflichten Dünste zusammen gezogen, und in eine Entzündung gerathen, welche die Gestalt eines daher schießenden und fallenden Feurs gehabt, und vor» einer Feurkugcl darin unterschieden gewesen, weil sich bey dieser die Feur-Materie fester zusammen lässet, dort aber zertheilt bleibet, und sich von jedem Winde leichter hin und her treiben lässet. Gleichwol muß von dieser Entzündung die Luft in eine zitternde Bewegung gebracht worden seyn, weil ein Donnerknall gehört worden. Merckwürdig ist die ftarcke Kälte, welche bald auf diese Wärme, ncmlich den 2s. Oct. mit Schnee und Frost eingefallen, (ci) Es ist ohne Zweifel ein Nördlichem (^uror» borcslir) gewesen/ welche merckwurdkge Erscheinung seit einigen Jahren gar oft ist gesehen worden. Man findet hievon keine bessere Nachricht/al- in Hrn. cle^En l'r.-me «je l'äu- rore boreste. Paris. 1714. _ des Schweitzerlandes. 28s len, weil ncmlich vorher die Luft in eine grosse Dünnuug gerathen, so daß die innere Luft der Pflantzen, Menschen und Thiere sich gewaltig hat ausdähncn können, währender Zeit haben sich die in der Luft zertheilte wässerige Dünste naher zusammen gezogen, um sich bey erstem Anlaß leicht in Schnee oder Regen zu verwandeln. ES hat aber fast nothwendig eine Kalte erfolgen müssen, weilen die umliegende Berg- und anderer Lander Luft unsre Zürichische Dunst- kugel um so viel leichter hat können zusammen drücken, und unter regierendem Nord-Wind erkälten, als leicht ein gewärmtes Wasser vor dem kalten frieret, weßwegen auch die Wasserdünste sich haben in Schneeflocken verwandten müssen. Feurige Spiesse. Anno 1581. den 6. April um Mitternacht hat man zu Zürich und andern Orten mehr ein feurig Zeichen, gleich einem Spieß, am Himmel gesehen, der stund eine Stund lang wie grad über den Oet- tenbach, darnach vergnüge er allgemach. Salier. LKion. t 4 b. 42. Lsp. 10. Den 26. Augstm. sahe man zwey Fcurflammen am Himmel, wie zwey pyrsmides. Agiler. I.c. Den 8 . Nov. hat man am Morgen vor Tage einen Spieß am Himmel gesehen, der ist bald darauf mit einem Blitz vergangen. Brennende Häuser in der Luft. A. rszi. den 14. Nov. auf den Abend zwischen 7. und 8 . Uhr sahe man zu Zürich schnell eine Heitere am Himmel , also daß man Anfangs meynte, es wäre eine Feursbrunft,' hernach aber liesse sich in derselben eine Stadt, in Form und Gestalt, Herfür, mit Thürnen und Häusern, doch alles, als ob sie brünne, wie Sodom und Go- morra: Sie ist nach einer Stunde wicdrum vergangen, i. c. Es ist die Einbildungskraft der Menschen so reich und vielfältig, daß sie aus einer jeden ungewohnten Begebenheit dem Gemüthe «llerhan- Gcstalten vormahlen kau Bald siehet sie einen feurigen Spieß, bald eine Feur-Säule, bald feurige Balcken, bald gantze brennende Häuser und Städte. Bey Ausarbeitung solcher Feur - Gemählden ist der Mahler die Natur, der Pinsel eine jede Bewegung der Luft, die Farben die angezündte schwcflichte Dünste selbst, und die Schattierung bestehet in verschicdner Dichte lind Dünne der Materie. Nn z Leur- 286 Erzehlung seltsamer Natur«Geschichten Feurfall vom Hiinmel. A. r s82. den 28. Oct. sahe man zu Zürich und an andern Orten nach dem Untergang der Sonne Feur vom Himmel fallen. Diß bcmerckte man auch A. i^8z. den iO. Febr. bey angehender Nacht. Lwi. rjZ. n. sr. Vielleicht ist dieser Feurfall ein Zeichen der grossen A. 1582. von Pabst Gregorio x 11. angesehenen Calender-Reformation gewesen/ und der dabey ausgeschoßuen feurigen Bann-Strahlen über alle diejenige, welche diesen neuen hernach also genannten Gregorianischen Calender sich weigern würden anzunehmen. Ich meines Orts halte dergleichen nach der Sonne Untergang sich erzeigende Feurfälle, wo sie nickt mit schwerem Ungewitter begleitet sind, vor einen blossen Gesicbts-Betrug, welcher von denen in die dicke Abend- Luft spielenden Sonnen-Strahlen herrühret, deren vielfältige Brechungen allerhand auch feur-rothe Farben dem Gesichte vorstellen. Feurig Schwerdt/ Spieß und Heerzeug. A. i s8Z. den i z. Merz hat man zu Genf Feur vom Himmel fallen gesehen. Auch sahe man zwey gerüstete Hecrzeuge am Himmel. Den 2. April Nachts hat man zu Zuritt, und m selbiger Gegend ein zimlichcs Schwerst mit zwitzernden Striemen, und einem langen Spieß, gelb von Färb, gesehen, die haben ihre Spitzen gegen der Stadt gewendet; das hat dreyvicrtel Stunden gewähret. Anderwärts hat man auch eine Schlange am Himmel gesehen, als zu Arau und an andern Orten mehr. l-^iier. I4K 4z. L->p. - s. Ohne Zweifel sind diß feurige lttercora oder Luft-Geschichten gewesen, aus welchen die Gemüther der Zusehcr Schwcrdter, Spieffe, Balcken, Schlangen, ja aantze Heerzeuge gestalten können, je nachdem sie dieselben ansahen. Feurige Rugel. A. i s84. den 19. Febr. hat man zu Zürich und in umliegender Landschaft den Himmel wie brennend gesehen, und auf der untern Brücke nach 6. Uhr Abends eine feurige Kugel vom Hinimel fallen, toller. Lkroli. l^,b, 44. e 2. Von dem feurigen Himmel ist das nöthige gemeldet worden Bl. 74. und ff. In näcvst-vcrgangncn und folgenden Jahren sind in Löbl. Eydgnoßschaft allerhand Unruhen und Gefahren entstanden, welche auf erzehlte Feur-Geschichtcn hät- des Sckweiyerlandes. 287 tcn können gezogen werden, absonderlich brachte das Calender--Geschäft die Gemüther von beyderseits Religion in zimliche Erhitzung. Die Spanier machten einen gefährlichen Anschlag, das Veltlein zu überrumpeln; und giengen andre politische Sachen mehr innerhalb unsern Gräntzen vor, welche unnöthig erachte nach der Länge zu erschien, weil ich zwischen denselben und unsern feurigen Luft-Geschichten keinen natürlichen Zusammenhang sehe. Wenn etwas sol hieher gezogen werden, so ist es das Erdbeben, welches A. is84. den i. Merz gespürt worden, und im Amt Aelen, Berner-Gebiers, einen gantzen Berg umgestürtzet, welcher die zwey Dörffer codieren und Vvorne bedecket, also -aß 122. Personen und über sOo. Stücke Vieh zu Grund gangen ; von welchem Bergfall zu seiner Zeit gel. G. ein mehrers sol geschrieben werden. O) Feuriger Drache. Anno i6oz. den io. Sept. Abends um 10.Uhr sahe man einen feur-funckelndcn Drachen von Mittag gegen Mitternacht stiegen. Die helle Färb des übergüldten Knopfs auf dem Münster-Thürne wurde dadurch um etwas verdunckclt. Darauf find aus dünnen durchsichtigen Wolcken, ohne Wetterleuchten, viel Donnerschläge ausgebrochen, gleich als ob man Mußqueten und Canonen unter einander loßgebrannt hätte. ämLer ckron. «civ. p. 125. Es zeigen uns diese und viel andre in der Natur vorkommende Begebenheiten, wie eine jede plötzliche Dünn- oder gewaltthätig zitternde Forttrei- bung der Luft ein donnerndes Getöß erwecken kan. Die Feur- wercker ahmen der Natur um etwas, durch allerhand Raqueten und Kugeln, nach, die sie also zurichten und werffen, daß sie in der Luft, oft viele zugleich, zerspringen. Die Glaßblaser machen gewisse kleine mit Wasser halb angefüllte und sonsten zuaeschmoltzne Luftküge- lein, welche, in das Feur gelegt, mit einem solchen Knall zerspringen, als ob eine Pistole wäre abgeschossen worden. Feuriges Heer. A. 1612. den 27. Jul. sahe man in der Nacht ein Gesicht am Himmel, wie ein streitend Heer. BLschoffverg. Appenz. Chrom p3g.5rr>. Leute) Srhtl Oreoxrapliir ttcl velics» oder Beschreibung der Berge» der Tchweiter- land-. BI. 127.-145. 288 _ Erzehlung selt samer 177 amr-Geschkchten Feuriger Drache Ist zu Basel gesehen worden A. 1614. den 25. Im,. Abends um 9. Uhr. dlar. »elv p ) 6 c>. Von einer Schlacht in der Luft. A. 1621. den 2. Sept. vor Mitternacht hat sich der Himmel aufgethan, und ist so hell worden, als ob es Tag wäre: Es sind viel Spieße am Himmel gestanden, und Schüsse von allen Seiten wider einander gegangen. Bischoffberq.Appenz.Chron. p srz. Feurige Stangen und Augel. A. 162z. -cn 20. Merz hat man zu Zm-i'ch, auch in Sr. Gallen und andern Orten, Morgens um 4. Uhr ein am Himmel gesehen, also daß sich der Himmel grösser als eine Wanne aufacthan, und hernach eine lange feurige Stange, an welcher unten eine Kugel gewesen, gesehen worden. Baß er Vündtner Krieg. Lzp. 54. vi8S Feurige Geiß. , A. 1629. im Ittttio, Abends um Io. Uhr, sahe man zu Zürich eine hupst nde oder springende Gliß, Hslrgns.) »ich ttZl »el v. pZ 6 r. Diese Feur-Geschicht ist aantz nahe mit dem feurigen Drachen verwandt, und ist allein die Gestalt unterschieden, nebst dem, daß die Geiß wol kan mit einem verbrannten Papier verglichen werden, in welchem die Feurlein noch hin und her, der noch übrig entzündlichen öhlichten Materie nach, hüpfen. Feuriger Drache. 2 l. i 6 s i. den 7. Jan. nach Mitternacht zwischen i.und 2. Uhr sahe man einen feurigen Drachen von Wädenschwett (am Zunch- Se.) gegen Manidorffüberfliegen, man hörte zugleich ein Getöß, gleich einem anhaltenden Canon-Schuß. »itt. »elv. P3g- z6r. Feurige Ruthe. A. 1657. den z. Jan. sahe man ein Zeichen über Gaiß, im Ap- penzeUer-Land, wie eine feurige Ruthe. Bischoffberg. Appenz. Chron. PLZ.zrz. Feur-Rugel. A. 1661. den 20. Jan. Abends um 7. Uhr sahe man eine feurige Nugel zu Glarus mit sehr Hellem Schein auf die Erde fallen. Und eben denMend^sahe man auch eine solche Kugel zu wädeu- jchweüam Zürich-See schießen. »elv. p. ;6§. Leu- 289 _ des Schweirzerlandes. Feuriger Speer. Anno I6?r. den 19. Nov. Abends um s. Uhr hat man zu Bisch sjfzeU im Thurgäu eine feurige Lanze eine Viertelstunde lang gesehen/ welche den Buchstaben ^ vorstellte, bald aber sich wie eine Schlange krümmte. Wagner, ttili. dl->c. tteiv. p. Z6Z. Herr Bar- tholomaus Anhörn, damaliger Pfarrer des Orts, berichtete, daß dieses Feur-Gesickt thme erstlich wie ein ablangcr feuriger Speer, hernach wie der Buchstabe dl, endlich wie eine krumme Schlange vorkommen. Archiv. öncill. BZur. Feurige Rüge!/ brennende Balcken/ Pfeile und Gpiesse. Zu lTkäfels im Glarneclande sind zwey feurige Nugeln V 0 M Himmel gefallen, auf das Erdbeben, so den 6 . Dee. 1674. gespürt worden, /oll blsnr. Bckucl. Ll^ron. V 18 L. A. 1676. der» 24. Jan. Abends um s. Uhr sahe man zu Zürich irnd dahcrum eirren feurigen Balcken, welcher endlich einen Knall von sich gegeben, als ob man mit Stücken schösse; diese Feur-Beschicht ist auch zu Baden, im Glarnerlande und anderstwo gesehen worden. ^LANer. d^r.^slv. p. z6r. Ischucl. chll Osron.Ic 18 (^. Den 21. Febr. Abends um 10. Uhr sahe man wiedrum eine gleiche Fcur-Geschicht. Den 29. Merz, Nachts um n. Uhr sahe mmr im Thurgäu brennende pseile. I c. Luft - Comet. A. 1681. den i8. April ist von vielen im Glarnerland ein feu- riacs Wunderzeichen Abends um ic>. Uhr gesehen worden, fast gleich der Comct- Ruthe, so im verwichnen Winter an eben demselben Orte gestanden. 'I'ickuä. Llsron. Icl8L. Feur-Nugel. A. 168s. im Jenner hat man im Glarnerlande eine feurige Kugel gesehen, i'lckuä. l c. Feuriger Drach. Am H. Oftertag 1727. sahe man zu Bisch offzell, Sukgen, rc. beyder Abend-Dämmerung einen fliegenden Drachen in der Luft, so sich anfänglich wie eine lange Stange, darauf wie eine gekrümmte Schlange gezeiget, endlich in 2. Theile getheilet, und nach einer Viertelstunde feurig scheinend verschwunden, da es geschienen, als ob davon Feur auf die Erde gefalle». I. Theil. O 0 Von 29o Erzehlung seltsamer Natur-Geschichten ^co<>2«)c^c>2e^c<)«)rxrc<>wc«c^l!>2c<)c>sc<)«!>c<)«>2«>2r>sc<>voL4" Von dem St. Elmus Feur zu WLnterthur. ^ Stadt winrerrhur an dem sogenannten spitzigen Lirchen-Thurn sahe man A. Iss6. den 4. Jcnner, Abends um 7. Uhr/ unter währendem starcken Wind und Schneyen, ein Feur, dessen Flammen so sehr geprasselt, daß man sie auch von weitem nicht nur sehen, sondern hören konte. Iederman meynte, der Thurn-Helm brünne, man ist auch deßwegen auf den Thurn gestiegen, um eigentlich zu erfahren, was es wäre, es ist aber nach einer Viertelstunde alles verschwunden, so daß die sich hinauf ge- waget, nichts mehr angetroffen. ^sZner. Wll. i^r. »eiv. pzZ. aus 6elsner. cte bierb. dloc. Lucent, p. 12. Dieses FeM ist seit der Zeit vielmal, etwan grad Anfangs an dem Knopf, etwa» von der Mitte des Helms gegen dem Knopf hinauf fahrend gesehen worden; allezeit aber bey vorstehendem Ungewitter; und heißen es die Einwohner St. Elmus Feur, oder Licht. (f) Viele einfältige Leute sind in der Einbildung gewesen, es bedeute dieses Licht einige in dein Knopfe des Thurns verborgen liegende Heiligthümer, vielleicht des heiligen Anselmi. Ich zweifle nicht, daß die Clerisey sich solcher Begebenheit vortreflich, zu Aufrichtung und Bestciffunq eines Wunders, ja gar vielleicht zu Anrichtung köstlicher Wallfahrten, würde bedienet haben, da ihnen auch, etwas Gebeine in den Thurn-Knopf heimlicher Weise zu bringen, leicht gewesen wäre; wenn, sage ich, diese Stadt aunoch in der Finsterniß steckte, und ihro nicht das helle Licht des Evangelti in voller Klarheit leuchtete, welches denn dergleichen irr- und avergläubige Lichter kräftig auslöschet. Es hat die Erfahrung gezeiget, daß von vermeynten Heiligthü- mern nichts vorhanden: denn A. 1720. hat man diesen Wunder- Thurn aufs neue bedecket, und bey diesem Anlaß den Knopfgeöffnet, da man nichts als eine Nachricht wegen des Thurns selbst, wenn derselbe ausgebauet worden sey, gefunden. Und hat man auch seit der Zeit obangezognes St. Elmus Feur nicht nur an diesem neubelegten Thurn, (f) Die Spanier nennen dieses Feur kuezo cli Lc. Limo, ö ck 8r. k4ermo» die Franjvsm lekeu äe 8. leime. ikiccioi, Oeo§r. L. X. c. i;> * 29! des Gchweirzerlandes. Thurn, sondern auch an dem kleinern, und dessen vergüldten Knöpfen, Äschen. Wenn ich, wie ich sol, diese Fcur-Geschieht mit philosophischen Augen ansehe, so kommt sie mir als ein ^lereorum oder feurige Luft-Beschicht vor, und insbesonder vergleiche ich dieses Licht mit dem bekannten Ollor und poikix. zweyen aus der Heydenschaft zu uns gekommenen Göttern und Natur-Propheten, welche, wenn sie nur in einer Flamme oder Licht erscheinen, den Schiffleuten einen schweren Sturm vorsagen, wenn sie aber doppelt gesehen werden, anzeigen, daß das Wetter bereits vorüber. Vermuthlich deßwegen, weilen bey einem einfachen Lichte, wie ein solches auch unser Gr. Eimus Feur ist, die schweflichte Materie, so bey Ungewittern pflegt entzündet zu werden, annoch beysammen, bey einem doppelten aber schon zerstreuet, folglich nichts mehr dabey zu befürchten. Es sind aber, insgemein zu reden, solche ixnes i-rmbenres, lechzende Flammen denen auch unser St. Elmus-Licht zugesellet werden kan, weniger, als die Strahl-Bomben, zu befürchten, weilen jene aus einer dünnern, lustigern und stößigem, diese hingegen aus einer festem, dichtem Materie bestehen, daher auch jene mit nicht so starcker Gewalt, wie diese, einherfahren. 8> minore vi mirmmur iZE. 6e- tluunr rgnlüm Lr inüclenc, non feriunr, nec vulnergnl, sagt Tenecs diswr. (puselt, l^ib. s. Op. i. Gleichwol haben die alten Romer auf dergleichen lechzende Feuer fleißige Achtung gegeben, und so oft sie in ihren Feldzügen selbige aufden Lanzen oder Fähnlein und Standarten ihrer Führer gesehen, in ihren Geschichtbüchem nicht vergessen, wie bey obangezognem 8enecz und anderswo zu sehen. Ich komme aber wiedrum auf unser Winterthurisches St. Elmus-Feur, und leite -essen Materie zwar aus den nahegelegnen Feldern und Bergen her, deren Situation vielleicht auch viel zu desto leichterm Antrieb an die Kirchen-Thürne beyträgt, die Benennung aber nicht von dem H. Ansclmo, sondern aus Spanien, weilen mich erinnere irgendwo gelesen zu haben, -aß diese Nation den (.aüorenr mrd eoiiucem mit dem Namen Gt.Elmus Feur betitle». Von der lechzenden Flamme. Z2S lässet sich diese Feur-Beschicht etwan an den Kleidern und Haaren unter Menschen und Thieren, zu nicht geringem Schrecken der Zuseher, sehen. Die alte Heydenschaft hielte dergleichen jgnes lambemes, oder lechzende Flammen vor sonderliche Oo 2 Wun- Ly2 Erzehkmg seltsamer Natur-Geschkchten Wunderzeichen, und von den Göttern herrührende Bezeugung künftiger Dinge. 8ervk,s Julius hatte einer solchen um sein Hauptlem erschienenen Flamme den Thron des Römischen Reichs zu danckcn. Denn man ihn deßwegen vor eines l-ar-,8, oder Hauß-Gottes Sohn, hielte, und sind bey dem Anlaß gewisse Feste den zu Ehren angestellet worden, tn KeAia cub-mri ?uero Oapul achtle vjlum, cre- clicumcjue »ans tamiliarig?ilium. Ob iä Lompicalia, Oiöos ribu8 primum instimisse. I'lin »ist. dlac. Ob. ;6. c r/. Ich wäre ohne grosse Mühe zu bereden, daß in den mittlern Jahrhunderten mancher, bey Anlaß einer um sein Haupt erschienenen Flamme, in die Zahl der Heiligen aufgenommen worden. Wenigstens hat man aus diesen lechzenden Flammen allerhand Geheimnissen gemachet, wie denn nebst andern A. 072. gesehenen Wunderlichen »aller Lbron. klsc. ob, z8 Oap. 16. auch dergleichen lechzende Feure setzet, so an vcrschiednen Kindern in der Stadt Biel an ihren Hembdern, Haaren und Hüten gesehen worden. Unter den Dtul dieser strciffcnden Flarnme gehöret, was gewisse annoch lebende hiesige Schiffincifter, auf dem Zürich-See fahrend, an ihren eignen Leibern bemercket. Jt. die Flammen, welche Peter Meili, von Nuffcnen im Rbeinwald, mit seilwn Gefährten, als sie vom Berhardincr-Berge Reiß und Korn führten, den 2. Jan. 1700. wahrgenommen, da sie vermeynt, ihre Kleider und Ochsen brünncn, aber wenn sie nach der Flamme gegriffen, nichts empfunden; dieses geschahe ungefehr um 7. Uhr Abends, unter wahrendem starckem Winde und Schneyen. Wer die natürlichen Ursachen dergleichen ftreiffender Flammen in Betrachtung zusetzen begehret, dem dienet zu wissen, daß solche Feuer nachdem sie in der Luft, aus schweflichten Dünsten bestehend, angezündet worden, leicht, gleich denen Feurmännlein, durch der Menschen oder der Thiere Athem angezogen, oder von den Winden zuqewähet werden können, da sie denn, wegen ihrer Zähe, an den Kleidern, Haaren, re. behängen bleiben. Gemeiniglich aber ist solcher Flammen Ursprung von den Menschen und Thieren selbst herzuleiten, deren beständige empfind- und unempfindliche Ausdämpsungcn nicht nur aus wäßrichten, sondern auch schweflichten und salpetrischen Dünsten bestehen, welche, in eine geschwinde und starcke Bewegung gebracht, leicht in eine Entzündung gerathen können. Dieses Vernunft-Urtheil bekräftiget genugsam ^ nebst der Erfahrung, und bey den lechzenden Flammen vorhandener! Umständen, der sogenannte kbos- des Scbwertzerlandes. 29 z pkttspdorus, ein in, Finstern scheinendes und facklcndes, ja auch brennendes Wesen, welches bekannter Massen aus dein Menschen-Harne durch Chymische Kunst bereitet wird. von feurigen Männern. ^Iese Fenr-Geschicht, wie sie bald in allen Orten der Welt sich ^ mcistenthetls in sumpfichten, morastigen Orten finden lässet, also wird sie auch in unsern Eydgnößischen Landen gesehen. In lateinischer Sprache heiffet sie »gms lswu 8 , welches ein thörichtes, oder vielmehr bethörendes Licht kan verdeutschet werden, weilen es die Reisenden zu Nacht äffet, oder bethöret, weilen sie bey dessen Ansicht meynen, sie sehen ein Licht vorsieh, dem sie etwan nachgehen, und in Irrwege gerathen, weßwegen die Deutscher, dieses Feurlcin In. wisch, 'Inlichr, ^rrsackel, auch Wisichrnannlein, feurige Männer . Fcurmännlei'n hcissen. Denn diese Lichter gleich feurigen Männlein hin und Her lauffett, und etwa» zu springen, zu tantzen, etwan einander, so sie zusammen stoßen, zu rauffen und zu schlagen, scheinen. Von diesen Schein-Männern ist bey unserm gemeinen Volck die meiste Sag, das seyen die abgestorbne, nun von der Hölle oder Fegfeur angestammte Geister derer, welche sich mit Versetzung der Marchfteinen versündigt, und hiedurch ihrem Nächsten das Gelinge genommen haben; wie hievon auch u>ü. d^r. »ei v. p. z sL. Ms Uu c!e Ozvict p. r62. berichtet. Woher diese Fabel entstanden, magich Nichtwissen. Vermuthlich kommt dieser, wie andere dergleichen Irrthümer, aus der Finsterniß der mittlern Jahrhunderten, da alle, auch die unschuldigste Natur-Cörper haben dienen müssen, beydes diegrobeUnwiffenheit der Clerisey (welche gleichwol allein den Schlüssel zur Welt-Weißheit hatte) zu bedecken, und das gemeine Volck im Aberglauben zu unterhalten. Oder vielleicht kömmt diese irrige Einbildung von dem Heydenthum her, welches zu allen Zeiten viel auf wahrsagerischen Mslegungen des Jenes gehalten. Ich achte »„nöthig, diesen von den Irrlichtern gefaßten Irrthum nach der Weitläufigkeit zu widerlegen: weilen, wermitVernunftdieseBegebcnhettansiehet, denen Naturforschern leicht gestehet, daß die eigentliche Ursache solcher Feur- Geschichten in angezündten schweflichten subtilen Dünsten bestehe, welche daher auch nach der geringsten Lust-Bcwcgunq sich richten, ja gar von dem Athen, sich anziehen, oder wegjagen lassen. Daher Oo Z ein 294 Erzehlung seltsamer Natur-Geschichten ein dem höllischen Feur-Geift angenehmer Wahn entstanden / daß -irrch das Gebett diese Feurmänner nur desto mehr ergrimmet, und herzugelocket, hingegen aber durch Fluchen und Schwccren weggetrieben werden. Wer aus Angst vor dergleichen natürlichen Gespenstern bey sich selbst seufzet, und bettet, folglich den Athem an sich ziehet, der ziehet auch zugleich die Feurmannlein selbst an sich. Wer hingegen mit gewaltiger Fluch-Stimme die Luft vorsich hinweg treibet? der jaget auch die Irrwische hinweg. Hieraus ist bald zu sehen, daß gar nicht nöthig zu schwccren, weilen man sonsten starck reden kan, ohne Sünde, und ein lautes pack dich fort eben so wol die Luft wegtreibet, als ein holl dich der T. Es halten sich diese feurige Männer fonderhcitlich in morastiaen, fetten Orten, da die Master stille stehen, und faulen, auf; als da sind sumpfichte Wiesen, Kirchhöfe, Orte, da vor weniger Zeit Schlachten geschehen, und der todten Cörpern fette Feuchtigkeiten in Dampfe ausrauchen. (Z) M8888888338888888 83888888838888888A» Von den Schnee-Lauwen. ^5S bedeuten diese Wörter Louwin, Lauwin, Lauwen, ^ Löuwin, Löwin, Laüin, Löbin, Löbinenstrich, Lau- wer, Gchneelauwin, eine grosse Menge Schnee,-er von hohen Bergen in die angelegne Thaler herunter fallet, zu grossem Schaden und Schrecken der Einwohner; daher vermcynet Omer3lM5ttor. lubcitiv. Lencur.ll. § Z7. daß ein zusammen gerollter und von der Höhe abfahrender Schnee wie eine Löwin, I_ern3, sey , wegen seiner Geschwindigkeit und Gewalt, der niemand widerstehen mag. Wahrscheinlicher aber ist dieser Wörter Ursprung, von dem lateinischen gleichdeutigen iHn», herzuleiten, welches herkommt» Izbencio, vorn Fallen, oder vom Pündtnerischen t-avine, QsviZns. Sonsten heißen diese Lauwen auch Schnee. Schlipfe, Schnee- Brü- lß) Die gelehrte Männer kaz, und ^illuZHH), halten diese Feurmänner vor einen Schwärm fliegender Schein-Würmer. Allein der berühmte Oerham hat sowol aus eigner a!S anderer Beobachtung gefunden / daß eS weit etwas anders sey. Es ist nemlich eine besondere / kalte / jähe und zugletchileiichtende Materie. Eine sehr umständliche Beschreibung dieser Erscheinung findet man in den Philosoph. Irrmh di. 4>e. des Gchwcitzerlandes. 29s Brücke, Schnee-Läste, alles mit kräftigen den Fall und Grösse des Schnees vorstellenden Namen; in Französisch-Schweizerischer Sprache l-ev3M7.e, und Vzlzmre, L Vsite, von dem Thale, in welches sie sich abstächen, pismin. »eiv p. 40. Lpeimsnn leget in seinem 6tossz,-io das Wort k'lma auch aus, als ob es eine Lauwin bedeutete, aber falsch. Diß Wort ist aleich vielen alt Deutschen Wörtern, aru- noch im Schweitzcrlande gebräuchlich, und bedeutet eine Rrsin,Rtftne, L.3vinTr, in Pündtnerischer Sprache, die Gähftotztgkeit der Berge, durch welche nicht nur die Lauwen, sondern auch Steine, Felsen, Erde, rc. leicht abreistet. Vielleicht hat Speimann durch seine killnzz die Rufinen anzeigerl wollen; von denen auch zu seiner Zeit sol geschrieben werden. Von den Lauwen ist auch ein Windwaben, zusammen gewahrter Schnee, Schneegewaheren, ZU unterscheiden, d^ix cumulatrr Venco, bey Lurtio b.ib. V. czp. 4 Oius biivium Olsc» ^3Zno 6enr. 8ept. l-ib. k. c 2O. welche die Berg-Reisenden auch etwa» bedeckt, wie diß auf dem Albulen-Berge in Pündten A. 167z. im Monat April 4. ftarckcn Männern begegnet, welche unter einem solchen Schneefall ihr Leben lassen müssen. Ein solcher Schnee fallet senckelrccht von den Bäumen oder Felsen oder Dächern, von denen er gleichsam gehangen, herunter, da eine Lauwe dem Berge nach ablaustet, und sich in eine grosse Balle zusammen rollet. Es gibt vornemlich zweyerlcy Gattung Lauwen. Die einte nennetman Wrnd-Lauwen, theils, weilen sie mehrmalen vorn Winde erreget werden, welcher den cingefallnen Schnee (denn diese Gattung Lauwen insonderheit bey neugefallnem annoch weichem Schnee zubeförchten) von hohen Orten her bewegt, und also zum Falle veranlasset, theils von ihrer Würckung, weilen sie gleich einem Winde geschwind daher fahren, und durch ihren Fall einen so starcken ungestümen Wind erregen, welcher auch von weitem alles danieder wirfft, die größten Tannenbäume entzwey bricht, Menschen und Viehe ersticket, Häuser und Ställe über einen Hanffen stürtzet; man nennet sie auch Scaub-Löwen, Graub-Lowein, weilen durch sie alles was sich im Thal findet, mit einem Schnee - Staub überdecket wird; andere heißen sie Schnee Lauwen, weilen sie aus nichts als Schnee bestehen. Man betitelt sie nachdrücklich in Italienischer Sprache IHns 6i kreääo, in Engadinisch-Pündtnerisch l-3vjgne ck kr-ttä. als wolte man sagen, Winter- oder von grosser Kälte entstehende Schnee-Lauwen, weilen sie sich »nehrentheils im Winter, und zwar 296 Erzehlung seltsamer Natur-Geschichten bey der größten Kälte, erzeigen, wenn nemlich die frisch-gefallncn Schneeflocken gleichsam schwannn- und viellöchericht sind, und also von den Winden sich leicht bewegen lassen, rc. Die Wind-Lärmen sind in so weit gefährlicher als die folgenden, weilen sie geschwind daher fahren, und zwar bald rechts, bald tincks, je nachdem der Wind sie treibet, und daher die Reisende sich nicht so bald oder leicht mit der Flucht retten oder rathen können; foulten aber, weilen hier der Schnee nicht so fest aufeinander sondern luftiger ist, fo kan man sich auch eher aus dergleichen Lauwen Herauswickeln, oder wenigstens langer darin, ohne Gefahr der Erstickung das Leben behalten. Die zweyte Gattung heißet schloß - und Schlag-Lauwen, weilen sie nicht so fast durch mitfahrenden Wind, als durch eigne Schwere alles, was ihnen begegnet, darnieder werf- fen, und nicht allein aus Schnee, und zwar aus altem fest auf einander liegendem Schnee, bestehen, sondern auch Bäume, Felsen, Steine, jaden Grund selbst (daher sie auch Grund-Lauwen heisst:») einwickeln, mit sich fortschleppen, und alles von Grund aus reisten. Diese Gattung Lauwen ersticken die Reisenden so sie ergriffen, alsobald, oder schliesst» sie so fest ein, daß sie, wenn sie schon den Kopf vorauffen oder frey haben, sich mit dem übrigen Leibe nicht loßwicklen können, sondern zugrund gehen müssen. In diesem Verstände sind sie gefährlicher, denn die erstere; in einem andern Sinn aber mit weniger Gefahr begleitet, wenn man betrachtet, daß sie nicht fo geschwind, wie die ersten, daher fahren, noch auch eine so große Breite und Weite einnehmen, daß man nicht, so man sie zeitlich wahrnimmt, ausweichen könne. In Italienischer Sprache nennet man sie l-avine cjj cslclo, Pündtnertsch clickiocl, weilen sie sonderlich zur Frühlingszeit angehen, da die zurückkommende Wärme den Schnee fester und schwerer machet. Dergleichen Lauwen bringen durch ihren Fall Berg und Thal in eine Erzitterung, weßwegen auch ein solcher Thon in der Luft entstehet, als ob es heftig donnerte. Beyde Arten von jezt bcschriebnen Lauwen stellet Rabmann in seinem Gespräch von Bergen in folgenden Alt-Deutsche» Reimm vor: p. i Der Schnee durch ein klein Windlein leicht Oder vom Vogels-Fluch bald weicht. Und rückt über den Berg hinab, Also, daß das Land erchond darab. Und 297 _ des Schweiger-landes. Und stoßt zugrund Baum und Erbrich, Felsen, Häuser, und was vergleich, Menschen und Viche, was es' trift an Muß z'rodc, zu Grund und Boden gan. Solch Gchneebruch ein Löwin genannt, Den Bergleuten ist wol bekannt: wann aber starcke Wind encstond, Daß Staubloweln hiemit angond, Den Schnee dick in dem Luft umtreiben, Da muß der reisend Mensch oft bleiben, Daß er vom Schnee wird tieft bedeckt, Wird bald erfröret und ersteckc, wo nicht das Volck grabt nach mit Gwalt Und also ihn bey Leben b'halt, Und er nicht z'rieft'hinunter fallt. Wem diese deutschen Verse zu altvaterisch oder alt Schweizerisch vorkommen, der kan sich bemühen folgende nach heutig deutscher Dichtcrkunst einzurichten, welche sich bey ösucliano ue 4. Lons. Uonori) finden: - - - multos bausere prokunclL Vafts Xlole d^ives, cumque ipüs sxps ftivencis cgnäeuti mer^untur ?laustra Lsrarbro, Inrerclum iubilam (-lscie isbenre kuinsm lclons 6eclit. Oder folgende aus 5ilio lraiico : 1°um qu3 clurari concrelo krigore dollis Lubrics kruürätur cancnri semira Oivo, Quölanrem ferro 6laciem premit, bsurit Ul3tu resolura Viros, 2 lcoc>ue a Lulmine pr^ceps Vivenrcs B>rm38 operit clelapss Kuins. Es kan eine Lauwe von allem dem erwecket werden, was unmittelbar, oder mittelbar durch die Luft den auf den Bergen liegenden Schnee kan bewegen, und zum Abschlipfen veranlafen, als zum Er. der frisch gefallne Schnee selbst, der beweglicher als ein verlegner ist; die von Bäumen oder Felsen abfallende Schneefiocken, oder obange- zogne Schncewäheten; die verfaulten Bäume selbst, welche vor Alter zerfallen; der Thon der Schellen, Glocken, Pistolen, oder andrer Feurrohren; die Stimme der rüstenden, oder auch nur miteinander i. Theil. Pp reden- 298 Erzehlung seltsamer Natur-Geschichten redenden Reisenden; der Regen; dieFrühlings-Wärme;dieGemß- thiere, Schneehüner, und alle andre Vogel. Alle diese Ursachen, und jede derselben, können auch durch die geringste Beweaung etwas weniges von luckern oder Hangenden Schnee von seinem Ort bewegen , welches denn in währendem Abfallen sowol an Stärcke als Grösse solchergestalt zunimmt, daß endlich eine Hauß-und Berggrosse Schneebälle daraus wird, welche alles, was ihro anftösset, die Bäume, Felsen, Gemß-und andere Thiere, Menschen, Häuser, mit sich fort und an den Fuß des Bergs führet, und auch im Thal etliche Iucharten Felds bedecket, so daß er oft in einem Jahr alldort nicht völlig zerschmeltzen mag. Gleichwie man in Kranckheiten, und anderm Ungemach, so uns Menschen begegnen kan, billich sorgfältig ist, wie man sich vorsehen, oder so man mit Unglück überfallen worden, wiedrum daraus retten möge, also bedienen sich auch die Einwohner hoher Gebirgen allerhand Mitteln, dadurch sie sich, und die Reisenden, wahrnen, ihre Häuser, Ställe und Viehe vor den Lauwen verhüten, und aus denselben wiedrum retten mögen. Ein kluger ürckkettus, oder Baumeister, gibt nebst andern Bau-Regeln aufdie Nmzrion. oder Lagerstätte des Baus Achtung, wo er den, oder die besondern Gemächer desselben, hinsetzen sol. Nun ist zwar unsrer Aclplern ärcKneKur so einfältig, als etwas seyn kan, daß sie auch die Gebäude unsrer Altväter in der Famille Adams vorbilden kan, wie zum theil aus obigem Bl. s9. zu ersehen: Gleichwol wijsen sie gantzwol, bey Anlegung gantzer Dörffer, oder besondrer Häuser und Ställen auf die von der Aruarion herzuleitende Regeln Achtung zu geben, indeme sie niemalen, oder nicht leicht, wegen Gefahr der Lauwen, an dem Fusse eines gähstotzigen Bergs bauen, es wäre denn, daß ein vorstehender Hügel, oder obstehender Wald so bequem läge, daß dadurch eine herabfallende Lauwe sich aufdie Seite zertheilen, oder oberhalb dem Thal liegen bleiben, und ihre Kraft zeitlich verkehren könte. Wer über den Gotthard reiset, der kan in dem Thal Ursern (da sonst wegen allzu wilder Höhe keine Bäume wachsen,) oberhalb dem Dorss Ursern, oder anderMatt, mit Bewunderung einen dreyeckichten, oben zugespitzten Tannwald sehen, welcher die Lauwen, so aufdas Dorff, oder aufdie nächst an dem Berge liegende Häuser fallen mochten, zerschneidet, und abhaltet, daß davon kein Schade erwachsen kan, weßwegen auch niemand bey hoher Straffe diesen Wald beschädigen darff, obgleich, wie gesagt, des Schweiyerlandes. 299 gesagt/ so grosser Holz-Mangel dorten ist/ Massen die Einwohner des gantzen Thals nur von den Alp-Rosen-oder Rafauslen-Stauden, so etwan eines Fingers dick sind, zum Hausi-Gebranch brennen, und alles Bauholtz 2. z. oder mehr Stunden weit den Berg hinauf tragen müssen. Hin und wieder irr den Schweitzerischen Landen siehet man unten an den Bergen dreyeckichte Mauren, deren spitziger Wtnckel gegen dem gefährlichsten Orte des Bergs stehet, um die herab fallende Lauwcn zu zertheilen, und von andern Gebäuden abzuhalten. Eine solche Vormaur ist auf Davos in Pündten über die mittlere Kirche zu sehen. Weilen die Wege durch unsere bergichten Lande mehrmalen unmittelbar unten an den Bergen durchgehen, und folglich der Lauwcn halber gefährlich sind, so haben sich die Reisenden wol vorzusehen, daß sie mit dem Leben durchkommen. Zu dem Ende rathet man ihnen, daß sie sich am Tage Morgens frühe auf die Straß begeben, und eilends in grosser Stille fortwandlen, sonderlich aber die Geschwindigkeit an solchen Orten brauchen, da etwan Lauwcn angehen köuten. Zu mehrerer Versicherung können sie aller Orten, wo sie durchpaßiren, sich bey den Einwohnern anmelden, und erkundigen, ob, und wo Gefahrsey, und nach erhaltnem Bericht sich vorsehen, oder auch Leute aus anliegenden Dörffcrn selbst mitnehmen, welche ihnen die gefährlichsten Orte anzeigen. Sonften pflegt man auch, um mehrerer Sicherheit willen, in mitten des Thals, da man denn keine Gefahr der Lauwen halber hat, eine Pistole los zu Wessen, um durch den Thon diejenige Schneebällen, welche leicht angehen könte, zeitlich von ihrem Orte zu bewegen, gleichwie man hier und da bey vorstehendem schwerem Wetter die Glocken zu läuten, oder auch das schwere Geschütz los zu brennen pflegt, nicht nur zu dem Ende, damit das Wetter zertheilet werde, sondern auch deßwegen, damit die dicken schwartz-grauen Wctter-Wolcken, unter starcker Bewegung der Luft, sich zeitlich in einen Regen verwandeln, ehe sie sich in Hagel verge- stalten können. In engen gefährlichen Berg-Strassen pflegt man den Saum- Pferden ihre Glöcklein oder Schellen zu verstopfen, und den Reisenden die Unterredung zu verbieten, damit nicht durch den Thon und folgende Luft-Bewegung irqcndswo an einer jähen Höhe der Schnee herunterfalle. In dem Avcrscr Thal, Pündtnerischen Gebiets, erhöhet man die Kirchen-Glocken nicht über etliche Schuhe von der Pp 2 Erde, Zoo Erzehlung seltsamer Natur-Geschichten Erde, damit nicht etwa derselben sonst in die Weite gehende Schall zum Fall der Lauwen Anlaß gebe. An vielen andern Orten lautet man gar nicht mit den Glocken zur Kirche. Zwischen den Dörflern Lavin und Guardia, im untern Engadin, sind hin und wieder ander Landftraß unterirdische Gewölber zu sehen, in welche sich die Reisende begeben können, wenn ungefehr eine Lauwe solle daher kommen. Es sind auch diejenigen Hüttlein sicher, welche hart an dem Berge oder Felsen, sonderlich unter einer hervorragenden Höhe gebaut sind, weilen die Lauwen darüber hinaus fahren. Endlich sollen die Reisenden auch diß in acht nehmen, daß sie ihre Angefachter nicht einer anfahrenden Schnee-Lauwe entgegen halten, sondernden Rücken kehren; thun sie jenes, so kan ihnen ihre Curiosität, gleichdemWeibe Loths, mit einsmaliger, von starck daher brausendem Winde und Schnee herkommender Erstickung und Erstarrung bezahlt werden. Wäre eine abfallende Lauwe so nahe, daß thro durch die Flucht nicht mehr zu entweichen, so sollen sie bey so augenscheinlicher Lcbens-Ge- fahr wenigstens sich an den nächsten Felsen oderBerg-Wand begebet:, auch mit dem Angesicht und qantzen Leib nahe anhatten, oder, wen» eS änderst nicht seyn kan, als daß ihn die Lauwe ergreiffen muß, ihr» den Kopf entgegen strecken, und unter Anrüffung seines Gottes sich mit Gedult in dessen allweise Vorsehung schicken, also erwarten, und hoffen, daß etwan eine menschliche Hülffe sicher auf die Weise, wie folget, werde zugesendt werden. In den sogenannten Schnee-Lauwen,welche vonfrischem Schnee angehen, erhalten die Menschen, so davon ergriffen werden, eher und länger ihr Leben, als in denen Schlag-oder Schloß-Lauwen, weilen jene lucker, luftiger, diese vefter und dichter sind, folglich man hier leicht ersticket, dort aber sich um etwas bewegen, wenigstens etwas Schnee vor dem Munde wegmachen kan, um Athem zu schöpfen, denn also ist eS möglich, in so enger und kalter Schnee-Gefängniß über 24. Stunden das Leben zu erhaltet:, um so viel desto leichter, weilen die aus dem Leib gehende Dünste nicht leicht verstiegen, soru- dern ar: und um den Leib sich aufhalten können; Zu Erläuterung reffen, und zu zeigen, wie nothwendig eS sey, Lust vor dem Munde zu haben, dienet eine Historie, welche zu Tsthiersch in Churwalden, Pündtner-Gebiets, vor etlichen Jahren sich zugetragen, und unten beygebracht werden sol. In dergleichen Schlag-Lauwen ist nicht nur Gefahr der Erstickung, sondern auch Zerschmetterung, oder des Gchwektzerlandes. Z2l tödlicher Zerstoffung, weilen mit den Menschen zugleich Bäume, Holz, Steine, und andere grobe, harte Cörper eingewickelt werden, welche aber auch manchmal dem Menschen sein Leben retten müssen, denn wenn es sich begibt, daß der Mensch nahe bey einem Holzstamm oder Felsen zu liegen kommt, so kan er eher Luft bekommen , absonderlich , weilen mehrmalen in solcher Gegend sich von dem Schnee nicht alles ausfüllet, daß nicht hier und dort Holen seyen. Diesen Trost, von dem bis dahin geredt worden, kan einer sich selbst machen, und auch auf erzehlte Weise, so viel ihm möglich, helffen, wenn er nemlich bey seinem Verstand ist, denn solche Leute meistentheils also- bald, indem sie eingewickelt worden, in Ohnmacht sincken, und hernach in diesem Stand, vielleicht mit denn und wenndarzwischcn kommender Erholung, nichts von sich selbst wissende, verbleiben. Auf solche Weife aber können sie sich selbst nicht von den Banden ihrer Gefängniß los machen, sondern müssen auf die Gütigkeit der nächsten Anwohner ihre Hoffnung setzen, welche sieißtg und unaesäumt sich zu neu-gefallnen Lauwen verfügen, sonderlich, wenn sie wissen, daß -enselbigen Tag einige Menschen auf solche Straß gewandelt, und aus Betrachtung der Zeit, da sie paßirt, schließen können, daß solche Reisende vonderLauwemöchten ergriffen worden seyn, fangen hierauf an zu graben, und suchen also denen, so darin liegen, eiligst-mögliche Rettung zu schaffen. Es sind die Lauwen nicht nur den Menschen, Thieren, Bäumen undGebäuden schädlich, sondern sie können auch, wiewol zufälliger Weise, den Wiesen und andern Gütern ziemlichen Schaden zufügen, wenn sie nemlich an solchen Orten liegen bleiben, da etwa» eil, Berg-Wasser seinen Runs gehabt, welches nun seitwärts seinen Ausganq suchet, und mit Sand, Stein und Felsen, gleich einer Rüfe, die benachbarten Güter, so etwan einem gantzcn Dorffe zu- gehoren, überführt, und verderbt, wenn nicht die Einwohner sich zeitlich vorsehen, und den gefallnen Schnee dnrcbgraben, damit das Berg-Wasser seinen alten Runs behalte. Es ist solches um so vielmehr nöthig, weilen der Lauwe Schnee mehrmalen so hoch aufeinander liegt, daß er den Sommer durch nicht zerschmeltzen mag , so daß darüber, gleich als über einen Hügel, die Landstrasse in mitten des Sommers gehet, ja er lieget etwan Häuser - und Thurn-Hoch so häuffig aufeinander, daß man damit wol etlich 122. Wägen, oder Last-Schiffe, anfüllen tönte. Ppr E< zor _Erz ehlung seltsamer N ^atur-Geschkchren _ Es ist auch diß in acht zu nehme«, dasi die in Lauwen eingewi- kelte Menschen- und Thier-Cörper, so lang sie mit Schnee bedecket sind, etliche Wochen und Monat lang unverwesen bleiben, so bald sie aber an die frische Luft kommen, desto geschwinder verfaulen, oder zerfallen. Dieser Erhaltungs-Kraft wissen sich auch die Jäger zu bedienen, welche ihr Gems-und ander Fleisch in Schnee oder Eis begraben , und auf solche Weise lange Zeit frisch behalten. Hierüber können auch die Schweden, Dähnen, Norwegen, Moscowiter, und andere Nordische Völcker, ihre Zeugnissen ablegen. In Spitz-Bergen sollen die todten Leichnamme oder mehr Jahre vorder Fäuluna bewahret liegen, nach dem Berichteter. Irrens Spitzberg.Reiß k. ll. c. i . und Lartkolm. cie vis cap. i r. pZA. 80. Dw Ursache reffen, wie sie denen schwer, welche in der Natur-Erkänntniß keine geübten Sinne haben, also ist sie hingegen denen leicht, welche die wahren Grundsätze dieser edlen Wissenschaft gefastet. Weilen der Todten-Cörper Fäulung theils von der äussern Wärme, theils von innerlicher Feuchtigkeit Herrühret, als wodurch das Band der vesten und Eigen Cörper aufgelößt wird, diese die Damme des gantzen Leibs durchbrechen, alles unter Wasser setzen, und nach und nach selbst mit den Geistern wegfliegen, hingegen dasWesen der Kälte in Abwesenheit der Wärme, oder aller Theilen Ruhe, bestehet, so ist unschwer zu erachten, daß dabey die Säfte bestehen, und innert denen erstarrten Aederlcin liegen bleiben werden, folglich keine Fäuluna entstehen kan. Hieraus kan ein jeder bey sich selbst auch die aridere Begebenheit auflösen, warum nemlich dergleichen Cörper, so sie an die Luft kommen, geschwinder, als sonsten zu geschehen pflegt, verfaulen und zerfallen? Endlich ist noch diß zu bemercken, daß die Leute, welche aus den Lauwen hervor gegraben worden, an dem Leibe gantz roth aussehen, weilen nemlich vorn umliegenden Schnee und Kälte der Creißlauff des Geblüts durch die äussersten und kleinsten Blut-Gefässe verhindert wird, also daß zwaren das Blut durch die Puls-Adern immer von dem Hertzen ausaesprützet, aber nicht so leicht von den Blut-Adern zurück genommen wird. Histo- des Gchwektzerlandes. ?2Z Historische Lrzehlung alles Schadens/ den die Lauwen in den Helvetischen Landen bisdahin verursachet. Wd'As bisdahin von der Lauwen Würckung und Gefahr gemeldet worden, ist kein leeres Hirn-Gedicht, sondern es befindet fich, leyder, also in der That, wie nachfolgender historischer Bericht in mehrerrn zeigen wird. Als A. 1478. etliche an das Lifiner-Thal gräntzende Mayländi- sche Unterthanen in einem gewissen nacher Lifinen gehörigen Kesten- Walde Holz gehauen, und zugleich behaupten wollen, dieser Wald, zusamt dem gantzen Berge, wäre annoch in dem Bezircke des Her- zogthums Mayland beariffen, ist daraus eine solche Weitläufigkeit erwachsen, daß die von Uri zur Stund der verwittibten Fürstin von Mayland öffentlich den Krieg ankünden lassen, und alle Orte der Eydgnoßschaft mit ihnen über das Gebirg zu ziehen aufgemahnet. Als nun die Züricher, welche in iooo. starck die vordersten seyn wol- ten, mit -en Urnern kaum über den Gotthard gelanget, wurden ihnen von einer Lauwe so. Soldaten plötzlich überfallen, und elendiglich verdrückt, kuelslin. Lkron. tielver Xllc. P3A. r86. Ltettler, lub. Vl. Nüchtländ. Geschicht. p-8- 274. LuIIinxer t.lb. IX. »ill. ttclv. kvllc. csp. 7. 8. Eydgnöff. Chron. 457. Als A. 1499. der Kayser Maximilianus mit Pündten in Zwey- spalt stund, und 2002. Soldaten über einen hohen Berg in das Eli» gadein einzubrechen geschickt, trüge es sich zu, daß eine Lauwe von ungefehr angegangen, und über 422. Soldaten eingewickelt; welcher Ueberfall anfänglich zwar einen grossen Schrecken erwecket, bald aber sich in ein Gelächter verwandelt, nachdeme die unter dem Schnee begrabnen Männer einer nach dem andern gleich als aus dem Grabe hervor gekrochen, so daß zwar viel beschädigt worden, keiner aber verjähren gegangen. LüibzIU ?irckk3imer cie 6e!I. Helver. I^ib. 1l. A. I s2O. ward von dem Baillif von Dijon eine grosse Anzahl Volcks in der Eydgenoßschaft auf die Beine gebracht, zuFrevburg in Uechtland gemustert, und über den St. Bernhards Berg geführt, allwo sie von einer ungeheuren Lauwe ergriffen, und ihrer gegen IOO. Mann zu gründ gerichtet worden, kuelsiin. ckron. »elv. Xälc. x-g. 4 5 2. llLkn. Eydgnöff. Chron. b. 2. Anno l 59s. den 4. May haben sich bey dem Flecken Martinach in Wallis etliche Schnee-Lampen mit grossem Geprassel in den Fluß Rod- zs4 Erzehlung seltsamer dlatur-Geschichten Roddan gestürzt, also daß das Wasser aller Orten aufgelösten, und in gedachtem Flecken in die 502. Häuser, samt mehrtheils Menschen und Viehe zugrund gegangen; der Fleckerl Brenz aber dermaßen verstößt worden, daßdaselbst keine Anzeigung eines bewohnten Gebäudes mehr anzutreffen; und das Dorff Bamen mit 140. Personen verschluckt, auch alle Brücken von Martinach bis nach St. Moritzen uiedergeworffen und zerrissen worden. l<3kn. Hydgnöß. ctron. all n.s. ex 8wmp5. Xi. Lkron. c. 19. Franckf. ls-elac. ^»uterback Le Leu- tder Part.;. Lontin. lliltor. 8Iei6zn ^ib.X-i. n. 66. A. 1622. den 16. Jcnner Nachts um i r. Uhr ist bey Davos in Pündteneine Lauwe angegangen, welche iz. Menschen ergriffen, und alle qetödtet, ausgenommen ein Mägdlein von 14. Jahren, welche von Samstag Mitternachts bis am Dienstag in der Lauwe geblieben, und doch lebendig hervor gezogen worden. Zu gleicher Zeit ist Johannes Sprecher mit seinem Weib, Sohn und Magd, von einer andern Lauwe ergriffen, und alle lebendig heraus gezogen worden, nachdem sie 12. Stunden unter dem Schnee gelegen, das Söhn- lein von 9 . Monaten ausgenommen, welches ersticket, korrunsr. Sprecher. LkronolvA. Kkrer. VI. p. zi6. A. 1629. den z. Merz sind in dem Dorffe 8. i'keoöor in Pünd- ten 26. Menschen von einer Lauwe bedeckt worden, von denen Peter Guler, ein 8s. jähriger Mann, nachdem er zwey Tage in dem Schneegrabe gelegen, an dem dritten Tag wiedrum lebendig hervor gegraben worden. x^Zner. »-iv. (luriot. p. ;s. A. 1624. im Merzen sind von dem Berg Olleöra, auf den Gränzen von Italien erschröckliche Lauwen gefallen, welche den gantzen Flecken bedecket, und über Z22. Menschen getödtet. kranc. blslner. t^kron. Sslocl. p. s?s. A. 16si. den 27. Fcbr. ist zu Matt im Glarnerlande durch eine grosse Schnee-Lauwe ein Stall mit etlichen Stücken grosses und kleines Viehs eingewickelt, und mit zu dem Fusse des Bergs geführet Worden. jhjb. cir. P3A. Z8. So hat es sich auch zu unsrer Großväter Zeiten im Glarnerlande zugetragen, daß ein Knab, welcher seine Kühe tränckte, mit den Kühen, dem Brunnen, und nächst gelegner Scheur, plötzlich von einer Schnee-Lauwe ergriffen worden. Hierauf ist zwar am ersten Tag der Knab mit langen Stangen, aber vergebens, gesucht worden; des folgenden Tags aber, als die Eltern mehr Volck mitgenommen, um des Gchweizerlandes. ZOs Um den vermeynt-todten Sohn mit grösserm Fleiß hervor zu suchen, hat man den Knaben lebendig in der Liesse der Lanwe, zu grosser Freude der Eltern, und aller Anwesenden, angetroffen. l^ib. cir. pIZ. zs. A. I6s9. im Ienner ist im Grossen Thal des Glarnerlands bey Dießbach eine grosse Lanwe gefallen, welche Hrn. Landshauptmann Streiff 28. Stücke Vieh, worunter i8. Kühe waren, samt dem Stall ergriffen, und fortgeschleppet, unter welchen zwey oben aufdie Lauwe gekommen. in cn. z8z- A.I629. den 27.JUN. nachdem eine Nacht vorher ein grosser Schnee eingefallen, sind viel ioo. Schaafe auf den Glaruerischen Alpen von den Lauwen ergriffen, und zu gründ gerichtet worden. In der einigen Niedern Alp bey Schwanden hat ditz Unglück über die 20O, und in einer andern auch 200. getroffen, ^Zner. 1. c. A. i68z. fiele gar viel Schnee, welcher hin und wieder sich in Lauwen von den Bergen abgestürtzet, und viel sowol leere als mit Viehe angefüllte Ställe weggeführt, auch in dem Grossen Thal ein Weib bedecket, welche aber nach etlichen Stunden lebendig hervor gezogen worden, llenr. lickuci. Lkromc. Olsron. Mc gcl k.g. A.I687. zu Eingang des Jahrs siele ein ungewöhnlich grosser und hoher Schnee, wobey folgende traurige Begegniß sich zutrüge: Ein Mann, aus der Gemeinde Schwanden, zu Nitfuren wohnhaft, war mit feinem Viehe an einem der sogenannten Läugeln-Bergen, weilen er sich nun daselbst der Lauwen wegen in grosser Gefahr zu seyn bedünckte, und wegen grossen Schnees allein nicht von dannen kommen tönte, rief er daselbst von -er Höhe gegen dem alten nächst-ge- legnen Dörfflein um Hülffe, und fanden sich auch sobald etliche mitleidige Männer, welche sich, ungeachtet der daher zustehenden Gefahr? auf den Weg machten, und diesen Hülff- schreyenden aus der Angst erretten wollen. Sobald sie aber gegen dem Berge heranna- hetcn, kamen sie selbst darein, indem eine erschreckliche Lauwe sie alle unversehens überfiel, und bedeckte, welche aber alle durch dcn Zulauff eines grossen Volcks, auffert zween, noch lebendig wieder hcrfnr gegraben und erhalten worden; vereinte von den zwey Todten ward bald, der andere erst des folgenden Tags (den io.Jan.) gefunden. Einer der noch lebte, läge in die 8. Stunden unter dem vesten Schnee. llenr. Ilctwg. llill. (slsr. k/llc. scj N.3. l. Theil. Q . Schritten eingefaffet, von einem ftarcken Wind aufactriebcn, ein gewisses Dorff in der Landschaft Meinthal plötzlich überfallen, und darin n. Häuser, nebst n. Schemen und Ställen, über einen Haussen gcworffen, so daß allda fast kein Stein auf dem andern gelassen, noch andere 15. Häuser aber an Dächern und Gebäuden übel beschädigt worden: An etwelchen andern hat der ftarcke Sturm-Wind die Fenster eingeschlagen, und die Gebäude mit hinzu gewehrtem Schnee angefüllt. Bey diesem Unglücke kamen Z4. Personen, und darunter z. Kinder, elendiglich um das Leben. Einige wurden wunderbarer Weise dem Tod aus dem Rachen gerissen, da sonderlich unter andern eine Mutter mit zwey kleinen Kindern hervor gegraben, und bey Leben erhaltenworden. n^nEydgn. Geschickt, c->p. 8 . A. 1699. zu Eingang des Frühlings, nahe bey 80^1,0 jm Per- geller-Thal , Pündtner-Gebiets, hat eine Wind-Lauwe, m kreciäo, durch den ftarcken Blast des daher fahrenden Schnee-Nebels, drey Ställe über einen Haussen geworffen. Ein Baur sahe von weitem diese Lauwe daher kommen, retirirte sich deßwegen eilends hinter eine Maur, konte aber gleichwol nicht unbeschädigt davon kommen; der Schnee Mete seine Hosen und das Hembd überall an, und wurde sein Leib von Eis gleich als mit einer Rinde überzogen. Gleichwol hat er sich in vollem Schrecken naher Hauß begeben, sich über grosse Bangigkeiten und fiebrische Fröste beklagt, von welchen er aber durch Mittel eines guten Wund-Trancks, und der Warme, befrcyet worden, an dem Gehör aber eine Schwachheit, welche noch jczund wahret, erlidten hat. Dieses berichtet mich Hr. Anton. Pi- cenin, Ehrwürdiger und Hoch-gelehrter Pfarrer -es Orts, den i8.Augstm. 1700. Von vielen wasser-(Quellen zu Flims. WW^Ieses Dorff Flims, Flyms, klemelmm, 3c> kluminz, lieget in dem Obern Grauen Pundt, ohngefchr I OOO. Schuhe in BLsL perpengicujzr-oder aufrechter Höhe über Reichen«», und hat seinen alt Lateinischen, oderjetzig Pündtnerischen Namen von vielen Wasser-Quellen, welche sich alldort finden, denn kiim irr Q slons, zwischen v-,1 LK-sv» und Vai- cierz. oder Fttldcra, welcher einen Steinwurff weit fortstießet, und sich denn in den Fluß Ram ergießet. ^Zn-r. vilc. In dem Canton Bern, der Landvogtey Wimmis, steigt ein solcher rother Brunn auf, aus einem rothen Grund, in der Schwendi, auf dem Kühegrimmen. In dem Frutinger Thal besagten Hochlöbl. Cantons bey Mül- linen, unweit der Kander, in einer Wiese, ist auch eine solche Quelle, welche unbrauchbar lieget. Hieher gehöret auch der sogenannte Roehbach in dem 8ssser- Thal, bey dem Dorff im Visper-Zehnden, waULsserkands, dessen ^Zner. tteiv. dur. PAA. ,02. gedencket. Es verdienet auch in diese Classe das Leucker-Bad in Wallls selbst gesetzet zu werden, welches einen gelben Oocum bey seiner obern Quelle ziemlich häuffig ableget, und den vornehmsten Theil seiner Kräften demselben schuldig ist. Von gewissen Seen/ welche durch ein brüllendes Brummen ein Wetter vorsagen. dem Domleschger-Thal ( vomettica Lr lumelisca VsIIli) ist der sogenannte Heiki tzenberg, Oivur Uenliii-mus, welcher beyThujrs, I'ulciz, lolrms, anfängt, in die z. Stunden sich der Länge nach erstrecket, und seinesgleichen an Fruchtbarkeit, und Reichthum der Einwohnern, von 6. namhaften Dörffern, welche daraufliegen,nicht nur in Pündten,sondern im gantzen Schwei- zerlande nicht hat. Auf diesem Berg, oberhalb dem Dorff ?ier<^, lieget der Pascholer-Gee, welcher dieEigenschaft an sich hat, daß er mit starcken murmelnden Gethöne sich hören läßt, ehe ein Ungewittcr daher kommt. Gleiche Wunder würcket ^er See e-,i^näsri. von welchem der Ehrw. Hr. Oswalciu; xäoiicor, treu-eyfriger Diener Göttlichen Worts, zu Mucker jn Schams, in seinem an michabge- l. Theil. R r gcbnen z 14 Erzehlung seltsamer Nutur-Geschlchken gebnen Schreiben unterm z.April 1720. folgendenBerichr ertheilt: Im Samser-Gebiet und Bottmäßigkcit findet sich ein See, Okn- ci!,ri genannt, auf Violen Alp, welcher gar klein, daß man ihn an allen Seiten mit einem Stein überwerffcn kan, ist aber unergründlich , hat seinen Einfluß, aber keinen Ausgang. Wenn ein ungestümes Wetter vorhanden, so schwellet fich in Mitten dieses Sees ein gewaltig grosser Wirbel auf, welcher in zunehmendem Wachsen so starck brüllet, daß man ihn von einem Berg zum andern, wol 6 . Stunden weit hören kan. Wunderseltsam ist, was obangerühmter Hr. xioiiror ferner von diesem See meldet, und wolverdient, ob esgleich nicht unter diesen Titul gehört, hicher gesetzet zu werden. Es hat, schreibt er, dieser See noch eine andre verborgne Eigenschaft, daß er die Menschen, so dabey schlaffen, an sich ziehe, wie ich denn gehört, und von alten Personen bin versichert worden, daß eine Frau ziemlich wett von diesem See gcschlaffen, und von demselben angezogen, und verschlungen worden. Nach diesem hat man ihren Gürtel mit Schlüßlen an dem Ufer des Rheins gefunden, welcher Fluß von dem See 4. Stunden entlegen. Es find noch mehr Leute m Leben, welche auch bey diesem See eingcschlassen, und da sie erwachen, schon mit ihren Füssen in dem Wasser gewesen. Vor etlichen Jahren haben etliche junge Knaben aus Luft 7. Pferde in diesen See gesprengt. Was geschickt? Diese Pferde find mehr als z. Stunden darin gewesen, worauf die Knaben angefangen zu zittern, vcrmeynende, sie seyen verlohren, haben deßwegen sich zusammen verbunden, niemandem zu offenbaren, was fich hier zugetragen, und eine Straff angesetzt, daß der, welcher diese Sach offenbaren würde, alle Pferde bezahlen solte. Indem sie aber mit diesen Gedancken umgienaen, und von dem See sich hinweg begeben wollen, kommt eine aste graue Stuth, und die übrige alle, je ein Pferd aufdem Rückendes andern, fest angeschlossen hervor, welche aber, als sie auf das Land gekommen, lang nacheinander wie tod gelegen, find aber gleichwol wieder zurecht gekommen. Es ist auch noch diß zu bemercken, daß diese Pferde, ehe sie eingesprengt worden, alle beschlagen gewesen, wie sie aber heraus gekommen, alle Fuß-Eisen verlohren. Gewißlich, wenn diese Geschichten wahr, sotten sie manchem spitzfündigen Welt-oder Natur- weisen gnug zu schaffen geben. Wenigstens verdienen sie erzehlet zu werden, damit man fich befleiße die Wahrheit gründlich zu erfahren, und, im Fall nichts an der Sacke wäre, den gefaßterr Irrthum LU des Gchweitzerlandes. zr 5 zu Widerweisen. Ich meines ^Drts wil es nicht bejahen , und auch nicht verneinen, sondern allein mich Hinterhalten, einen Vernunft- Schluß in Sachen zu machen, von deren Gewißheit man noch nichts versickert. Ich komme nun wiedrum zu unserm vorhabenden See-Gebrülle, und zeige an, daß ein solcher See auch in dem Thal ^vogno in pündren seyn sol, und noch ein andrer im Sarganseeland, ohnge- fehr 4. oder s. Stunden oberhalb dem Pfefers-Bade. Gehe ich ausser das Schweitzerland, so finde ich bey cle kter. V3!-ier. t.ib., s. Op.8s. daß der Mpiler-Sce eine solche Eigenschaft an sich habe, als welcher in dem Monat April einen Thon von sich hören lasse, als rüste man laut, aber mit gebrochner Stimme, 6K, 6K, ön, oli, 6n, und diese Stimme, wenn sie gehört werde, ein gewisser Vorbott eines reichen Jahrs an Wein und Getrayde sey. Es hat auch bemeldter L»Mnus seinen subtilen Geist in so weit bemühet, daß er in der gantzen damals blühenden Schul-Weißheit sich erspaziert, um die wahren Ursachen so seltsamer Begebenheit zu erforschen, aber endlich weiter nicht, als zu der Wärme kommen können, welche bey guten Jahrgängen sich zeitlich im Frühling in den Eingeweyden der Erde einsinde, und alles in Bewegung bringe, welche Bewegung auch der Luft mitgetheilet werde, und also einen Thon erwecke. Der gelehrte ^torNot gedencket dieser Geschichte auch in P3Z. 8;. kau sie aber kaum glauben, doch erkläret er sich, im Fall etwas an der Sache seyn solle, dahin, daß ein solcher Thon von vielen schwcsticht- Metrischen, in eine Gährung gerathnen, und mit Gewalt aus der Erde ausgctriebnen Theilen entstehen könne, deren Gegenwart und Bewegung nothwendig eine Fruchtbarkeit anzeige, und leicht, wenn sie verftarckt würden, ein Erdbeben erwecken könte; wie man dann beobachte, daß dergleichen oft gleichsam donnernde Gethöne mehrmalcn die Erdbeben begleiten, wovon pim. tub. ll. Lsp. 8o. HM. t.ib. U. ^leleor. ( sp. 46. V^ren. tut), t. Csp. ,o. l>rop. s. kirctl. Xtunci. 8ubcerr. ?rg-fzl. zu sehen. Wie NUN hierüber ein jeder die Freyheit hat, seinen Geist zu üben, also gestehe ich meines Orts, daß solche gewaltsame von wurcklicher Entzündung unterirdischer schweflicht - Metrischer Dunsten herzuleitende Bewegung hieher nicht diene, weilen in unsern Helvetischen Landen auf ein solches Gebrülle ntemalen die geringste Erb-Zittcrung, oder einige andere Anzeige einer geschehener! Entzündung gespürt worden. Mci- Rr 2 nes zi6 Erzeblung seltsamer kTkamr-Geschichcen nes Bedünckens ist in diesem Natur-Spiel der vornehmste , nicht die Wärme des äriitoteii?, noch das Fcur der »reuen Natur- Weisen, sorrdern der ^oius; oder deutlicher zu reden, ist die Ursache dieser Begebenheit von ungleichen Kräften der ober - und unterirdischen Luft herzuleiten. Ich fasse die Sache also: Wenn ein Unacwitter bevorstehet, so wird die äussere aus der Erde liegende Lust sehr dünn, und vermehret viel von ihrer Trieb- Kraft, öder Li-Miciter. so daß dcnnzumal das Gleichgewicht zwischen -er innern und äußern Luft aufgebebt wird. Unfehlbare Zeugen dessen sind die Wettergläser, Lsromerrs, Hiermomecr», und auch die bey den Wind-Löchern und Grotten, ^eoiüs o^pns. gemachte, anderswo anzubringende Proben. Indessen, da die äussere Luft geschwächt wird, spielet die innere, so in den Klüften der Erde sich aufhaltet, den Meister. /Tolus Nie claulc» Ventorum Lgrcere regnst. Virg. UNd l->ib. I. ^rieiä. lkic vsllo Kex ^olus ^ntro ^uÄames Vent08, l'empesisrergue sonoras Imperio premit, ac Vinclis 6 c Lsrcere fronst. Illi in 6 ign 3 nres w.AZno X^lurmure klontis Lircum Llzullrs fremunt. Die innere Luft, so lange sie von der äusser« gewaltig gedrückt wird, bleibet in ihren Löchern, sobald aber diese ihre Drückkraft und LirM- cirer nicht mehr wie zuvor ausüben kan, machet sich jene aus ihren holen Gehältern hervor, und bläset mit Gewalt durch alle offene Gänge, wie wir in den Grotten sehen, in welchen der Sommer die Luft ausbläset, der Winter aber von aussen hinein dringet. Ist hiemit die äussere und innere Luft als zwey starcke Fechter, von denen bald der einte bald der andre ober: lieget, anzusehen, oder wie zwey mächtige Potentaten, welche gegen einander zu Feld liegen, und bald gewinnen, bald verliehren; denen bald eine Zeitung von Verlurst etlicher iwo. in einer grossen Feld-Schlacht, bald eine andere von Gefaugennehmung etlicher ic>o. in einer Parthie zukommt. Wenn wir endlich mit den Augen unsers Gemüths in die innere Gestalt der Erde hineinsehen, wie solche hie und da, sonderlich in bergichten Orten, mit holen Klüften oder Gängen durchgelöchcrt, in welchen die euthaltne Luft ihre ungehinderte Bewegung haben kan, wie auch diese Holen allerhand Gestalten können an sich haben, bald weit und hoch, des Schweltzerlandes. Z17 bald eng, bald grad, bald krumm, auch etwanSchnecken-förmtg sind, über diß aus den Grundsätzen heutiger Natur-Wissenschaft wissen, daß eine durch krumme Schneckeu-Gänge getriebne Luft einenstarcken Thon erwecket, so können wir ohne mehrere Wcitläuftigkcit von unsrer vorhabenden Natur-Geschieht diesen Endschluß machen, daß unter bedeuteten Seen die innere Erde eine solche krumm-hollöche- richte Gestalt habe, durch welche die unterirdische an Gewalt verstärke Luft oder -Loius getrieben, keinen andern Ausgang findet, als in Mitten der Seen selbst, in welchen er Anfangs eine wirblicbte Bewegung und Aufschwellen erwecket, hernach, unter starckem Gethan , welches sich etliche Meilen weit erstrecket, mit Macht durch - und ausbucht. --LZ-L4- Von denjenigen Ungewittern/ welche aus werffung eines Steins in die Berg-See/ oder Holen der Berge, entstehen. (-)GAN unsern Helvetischen Landen sind sonderlich drey Beyspiel i solcher Wunder-Wettern, Wunder-Löchern und Wunder- Seen anzumercken. Das erste in dem Berg Gchnibenflu in Tschangnow, Ber- ner-Gebiers, einer Hole, in welche, so man Steine hinein wirffct, alsobald ein Wind, mit Hagel und Ungewitter entstehen sol. Uill. »elv. P3Z. Zy. aus Rädmann. Das zweyte im Lucernerischen Pilatus-Berg und See, da auch, nach alter Sage, ein in diesen See geworssner Stein, oder andrer schwerer Cörper, den darein gestürtzten Pilatum also erzörnet, daß er ohne langer! Verzug ein Ungewitter erreget. Das dritte im Appenzeller-Land, von dem wir folgende Nachricht in Lsrlko!. Bifchoffoergers, gewtsnen Pfarrers zu Trogen, Appenzeller-Chrom'c p. Is. finden. In dein Berg Gimmor, nach Aussage glaubwürdiger Leuten, finden sich zwey Wetter-Löcher, das einte fast in der Mitte deffelbigen, von solcher Liesse, daß, wenn ein Stein hinein geworffen wird, er commue, und Stafel-weise hinunter fähret, daß er immerdar gehört wird/welches wenigstens einen Zwölftel chier Stunde währet, jedoch ohne Gefahr eines Wetters. Das Rrz andre zi8 Erzehluncs seltsamer N^arur-Geschichren andre ist aufdem Gipfel des Bergs/ auswelchem, wenn etwas darein gcworffen wird/ ein Nebel »nd Hagel entstehen sol. Ich zwar habe solches nicht erfahren, noch auch glauben können / eingedenck der Worten Jobs Cap. Z8: 22 . Hast du gesehen, wo der Haqei herkommt e Die Meynung ist Nein. Gleichwol solnichtverschwiegen werden / was glaubwürdiaeLeute und selbst-sehendeZeugen aussagen/ zu geschweige«/ was der hochgelehrte Hr. Joachim Vadianus, wcy- land Bürgermeister der Stadt St. Gallen, in seinem Lommemzrio in m. p ^4 davon schreibt/ daß der Zugang zu diesem Loch verzäunct, deßgleichen von den Sennen und Hirten, aus Gefahr/ man möchte etwas darein Wersten, und aus Beysorg eines Wetters/ nicht leichtlich gezeiget werde. Und was noch mehr ist/ so erzehlet ein hochbetagter Herr (Pe- lagius Schlüpfer, gewesner Landamman im Austern Rhoden) daß er vor vielen Jahren, bey seinen jungen Tagen, an diß Ort kommen, und zu erfahren begehrt, ob diß Loch Luft an sich ziehe, oder nicht, weßwegen er eine Blume hinein gcworffen, welche, sobald sie hinunter gefahren, sey ein Dampf aufgestiegen, doch neben dem Berg, nicht aus dem Loch. Es erzehlen aber die Jäger, welchen die Beschaffenheit dieser Berge bekannt, daß die Witterung weit anders, ungnädiger, und so zu reden, augenblicklicher sey, als in den Gründen des platten Lands. Bis hieher Herr Bischoffberger, aus welchem ttiil. ttar. tteiv. p. ;y. j 84. seinen Bericht gezogen, p. Clemens des Capuciner-Ordens, ein werther Herr und Freund, berichtet mich in seinem den 4. May 172z. abgelaßnen Schreiben, daß aleiches, so von Hrn. Schlüpfer erzehlet worden, auch seinem eignen Hrn. Vater begegnet sey. Gehen wir ausser unsere Gräntzen, so finden wir dergleichen Natur-Wunder auch. (>) Pliniust 4 b. li. LAp.45. gedcncket einer tieffenGruftinDalinatien/inwelcher, so etwas hinein gcworffen wird, auch bey sonst Hellem Wetter eine ungestüme Witterung fich erhebet. Wir (i) In der Provintz Languedoc ist ein Drrg.See / welchen die Einwohner I.ac «le 8t. kartlielemi nennen/ und vorgeben/ daß/ wenn man dar Wasser bewege/ alsobald sehr starcke SluriN'Winde/ mit Blitz und Donner begleitet/ ent« stehen. Fast ein gleiches berichtet 6rex. «je lours von dem See auf dem Berg Helanus l^emolre§ pour l'kMolre naturelle «je la krovince «le ll. 2 NLueäoc, par IVlr. des Gchwekyerlandes. Zl9 Wir wollerr diese Wunder-Geschichten etwas genau untersuchen, und sehen, ob sie wahrhaft, und auf der Vernunft-Waage einig Gewicht ausmachen. Der ersten halber, so im Bern-Gebiete nach Räbmanns Bericht seyn sol, ist mir weder ja noch nein bewußt. Von dem Pilatus-See aber, so auf dem Pilatus-Berae lieget, kan ich gewiß sagen, was oben bereits angcmercket worden, daß das vor, ihm ausgesprengte Gerüchte falsch, und nach aller Einwohnern selbst eigner Zeugniß, unter die Mährlein gehört. Von dem Wunder-Loch in der Alp Gimmor, Appenzeller- Gcbiets, habe ich gleichfalls sichre Nachricht, daß dasselbe heutiqs Tags so eingefallen, daß man kaum etliche Klafter tieff einen Stein hinabwerffen kalt, und von den anwohnenden Sennen der alten Aussage kein Glaube zugestellet wird. Diß allein wäre genug, die von unsern Voreltern auf uns ererbte ri-säinones in den Rodel falsch-be- gründter Mährlein zu setzen; wir wollen aber auch unsre Gcdancken hierüber walten lassen, und, wenn es je möglich, erforschen, wieweit die Kräfte der Natur reichen, und woher unsere Alten möchten beredt worden seyn, solche Geschichten zu glauben. Das, so Hr. Bischoffberger aus der Jägern Erfahrung von andrer Beschaffenheit der Berg-und Thal-Witterungen beybringt, ist gewiß, und wol anzumerken. Auf den hohen Alpen bewegen sich die Wolckcn, nachdem sie kaum aus der Schale geschloffen, oder aus den Bergen, als ihrer Zeuge-Mutter aufgestiegen, hin und her, und verwandeln sich etwa» schnell in einen kurtzen Regen, der auch zuweilen einen kleinen Strich fortgehet, und oft in der nächst- gelegnen Alp das hellcfte Wetter ist, da hingegen in tieffern Orten es selten, und nur dennzumalregnet, wenn viele Regen-Wolcken sich gesammlet, und die gantze über dem Thal stehende Dunst- oder Luft- Kugel überzogen haben. Diese so unversehene Zeugung der Berg- Witterungen hat meines Bedünckens unsre sonst in vielem Aberglauben erblindeten Voreltern veranlaset, eine k-üizciam non Laut« ur Oulx. wie man in den Schulen redet, zu begehen, oder die Hin- einwerffung eines Steins in eine Höle vor eine würckliche Ursache des aus andern Ursachen entstandnen Regens oder Wetters anzusehen. Zch wil zwar nicht läugnen, daß von einem in eine liesse Berg-Hole geworffnen Stein die daselbst ruhig liegende Dünste in eine mehrere Bewegung gebracht, und zum Aufsteigen veranlaset wer- Z2o Erzehlung seltsamer ITlamr-Geschkchten werderr können/ das aber kan ich noch nicht fassen/ wie von dieser einigen Aufsteigung der Dünsten eine Würckung/ welche von vielen andern überirdischen Ursachen herrühren kan / sol hergeleitet werden; es wäre denn/ daß einer mir beweisen könte/ daß diese aufsteigende fremde Theile von solcher Art seyen/ die in den wafferichtcn Wolken eine augenblickliche Gährung/ welche die Luft verdünnert / und die wäffcrichte Dünste in Regen-Tröpflein verwandelt/ erregen kan. Obgleich aber die Wetter nicht von dem erzörnten unterirdischen erreget werden/ so werden sie doch von ihme mehrmalcn vorbedenkt/ gestalten die Luft aus den Berg-Klüften mit grösstem Triebe bey bevorstehendem Ungewittcr, als zu andern Zeiten ausgcblasen wird/ ja gar durch Schnecken-förmige Gänge unter der Erde mit solcher Gewalt fortgehet/ daß ein Murmle»/ Getöß oder Gebrüll gehöret wird/ wie hiervon in mehrerm Um. i. ,77. zu sehe»/ und aus lom.i. p^.9. die Materie von den Vorbotten des Regens/ welche gemeiniglich auch Vorzeige schwerer Wettern sind/ hieher gehöret. Es wäre zu wünschen/ daß man in unsern Eydgnößischen Landen mehrere Achtung/ als bisher/ sowol auf die besondere Vorzeichen nächst-bevorftehender Luft-Aenderungen/ als aufdie allgemeine Vorbedeutungen gantzer Jahrgängen gäbe, wie zum Ex. einige unsrer Landsleuten bemercken/ daß gemeiniglich Hagel-und Wetter-Jahre nnt ftarcken Waffer-Ergieffungcn folge»/ wenn das Nußbaum-Blatt zu Anfange des Sommers häuffig/ wie im Herbst/ abfallet. SA8D QA8D Wk-D SA-'ÄV W?§0 S SÄLD Wk-D Beschreibung des Walterschweiler-Bads/ im Zuger. Gebiete. it^(A»Jr haben -er Güte Gottes nicht nur den reichen Wasscr- Schatz der reinestem Crystall-lautem Brünnen, Bächen und Flüssen zu dancken, damit unser gantzes/sonderlich aber das bergichte Schweitzerland vor allen Ländern aus versehen ist/ wie solches in mehrerm oben Bl. 47,48. gezeiget worden; sondern auch / daß wir bald in allen Cantons/ Verbündeten Orte«/ und gemcinen Graf-oder Herrschaften/ mit kostbaren Heil-Bädern versehen sind/ deren enthaltene klmei-zii-,, so sie recht gebraucht werden/ den Krancken zu grossem Trost und Wiederbringung ihrer Gesundheit dienen können/ gleich wie die sonst reinen, leichten und hell- lauter» Brunn- .7LL, H MAA'-VI MN A,'^ ' ?-E/ Z^E Ml-. EAA-« KMM ^öMojcßmil L. SavMÜL v Äaöorüii chmLaU r.Lreutz-L'yy LNMZ 4 UkttkN emtuM antstall -rÄW lNMS tzNDW MW« - WA VMM MWWM8 -O „ M^!§E EM WW>>!ü>>'S^ ML2^ des Schweitzerlandes. Z2I Brunn-Quellen zu Erhaltung derselben/ und anderm Hauß-Gebrauche können angewendet werden. Bey so vielen mineralischen Heil-Wassern erzeiget sich sonderbar auch die grosse Weißheit dcs Schöpfers ; damit alle Einwohner unsrer Helvetischen Landen den edlen Nutzen derselben könten gemessen, hat es der weisen Güte Gottes gefallen, die Mineral-Wasser nicht nur an ein Ort unsers Lands zu setzen: Denn wie wollen sonderlich die armen oder schwachen elenden Patienten sich über Berg und Thal durch beschwerliche und köstliche Reisen dahin erhebt haben? Nun ein solches Bad ist indemHochlöbl.CantonZug, zu Wal, terschvvyl; Walterßwyl. Villa Qualccriana, welcher Sitz mit allen Zugehörden dem Löbl. Gottshauß wcttmgen zustehet, folglich von einem andern WMterfchrvyl in den Freyämtcrn, nahe bey Brem- gartcn, und einem dritten Walter schwyl, welches Schloß zu Unterst im Emmemhal Bcrner-Gcbiets, liegt, zu unterscheiden ist. Dieses Bads gedencket unser sei. Hr. xvaxner in seiner «,1t. Nae. ttelver. curiot. P3Z. n l. Sonderbar aber ist es Reimcns-weisc von dem Landschreiber Hoy vontTrorikon beschrieben, und in 8v». unter dem Titul: Beschreibung des Walrerschwyler Bads: gedruckt worden. Es verdienet solches um so viel eher, und eigentlich nach der heutigen Prüffungs-Art beschrieben zu werden, weilen es seit wenigen Jahren pflegt nicht nur von benachbarten gemeinen Baurs- leuten, sondern auch von vornehmen Geschlechts-und Stands-Per- fonenvon benachbarter Stadt und Landschaft Zug, Zürich, Lucern, Schasshausen,rc. mit Freud und Nutzen besucht zu werden, als welche an diesem sonst einsamen Orte viele Gesetzlichkeit finden, nemlich gutes und herrliches Tractament, ein bequemes Losamcnt, welches mehr einem Pallast als eincmBadhause gleichet, ihre schöne Aussicht,heitere und gesunde Luft, annehmliche Spatzier-Gängc in benachbarte Wiesen, Felder, anmuthige Wälder, theils ihre Gesundheit, zu deren Erhaltung und Wiederbrinqung man sich insonderheit dahin, wie auch in andre dergleichen Bader, bcaiebet. Ehe wir aber zu dem Bade selbst fortschreiten, wird nicht ausser dem Wege seyn, daßjenige, was obgemeldter Hotz von dem Alterthum dieses Bads geschrieben, kürtzlich und denen Liebhabern vaterländischer Historie zu gefallen, in beliebter Kürtze vorzusetzen. A. Isis. ist Gigmund Gchwartzmaurer von Zug mit andern Pilgra- men ins gelobte Land gereiset, welcher zu Ierusillem in eines Juden l. Theil. S s Hauß Z22 Erzehlung seltsamer iTkamr-GestDichren Hauß aus einer alten Hebräischen aufgerollten Chronik erfahren/ daß dessen Voreltern, aus dem Stammen Äser gebürtig, auf der Barbura, so ob Walterschwyl liegt, und von Baran den Namen habe, gewöhnet; Daß auf Barburq gegen Mittag eine von Natur warme, gegen Aufaanq aber eine kalte Quelle fliesten, welche beyde vonGold, Schwefel, Kupfer und Salpeter geflossen, und von herrlicher Kraft seyen; Daß man auch an diesem Orte vor 1400. Jahren demGold-Ertz, von welchem das Wasser stieffe, nachgegraben, dadurch das warme Wasser verlohren, von Bergmännlein übel geplaget worden; Daß in nachfolgenden Zeiten die Juden von dar seyen vertrieben, und die Burg mit den Bädern abgeschlissen worden, so daß Metall, Bad und Ertz zugleich zu Grund gegangen; daß auf diesen Bericht abgedachten Schwarzmmers, so auch wernt Sceiners, Hans Srockars und Hans Brandenbergs der kalte BttttM Wie- drum geöffnet worden, welcher jetzund noch geöffnet werde. Wir kommen nun zu dem Wasser selbst, und bemercken, daß dessen Quelle ohnaefchr eines Büchsen-Schusses wert oberhalb dem Bad- hauß aufdem Berg Barburg ist, welches vielleicht eher seinen Namen von dem Flecken Baar, als von dem Iud Baraon her hat. Da quillct das lebendige Wasser mit zimltcher Gewalt aus einem blaulichtcn, aschfarben, oder auch weiß-gelbem Lett hervor, und wird alsobald in einer Cistern, oder Waffcrgchalter ein- und aufge- sasset, darin auch sorgfältig verwahret, damit das Regen- und andre Wasser sich nicht damit vermischen, und hernach durch geschlossene Canäle fortgeführet bis zu dcm Badhauß selbst , bey welchem ein doppelter Kessel, damit in dem grösser« das Wasser aantz rein, wie es ist, gesotten werde, in dem kleinern aber gewisse Krauter, nach des Patienten Verlangen, oder des Medici Vorschrift, zu besondern Euren gesotten werden. Das Wasser ist gleichen Geschmacks, und von der Lauterkeit, wie ein anders Brunnen-Wasser, wenn man es aber siedet, so wird es endlich Milch-weiß, wegen Vielheit der vermischten irdischen Mineral-Theilchen, welche anfangs so zertheilt sind, daß sie nicht unter das Gesichte kommen, erst dennzumal aber näher zusammen gerathen, und sichtbar werden, wenn viel Waffer-Thcilchen ausgerauchet, und die übrigen sie nicht mehr halten können, weßwegen sie auch zu Boden sincken, und den Badftein abgeben. Eben diese irdische Theile, und darein spielende Sonnen-Strah- lcn stellen zu verschleimen Tags-Zeiten verschleime Farben vor, daß das des Schweirzerlandes. zrz das Bad bald grün bald blaulicht aussiehct. Neben diesen wcisscn irdischen Theilen/ welche in dem Badkeffel und Badkästen sich zu Boden setzen / und gemeiniglich vor eine Anzeige des Alauns gehalten werden (daher auch dergleichen Bäder Alaun-Bäder pflegen genennt zu werden/ ob mit Recht/ oder nicht/ wil ich dißmal nicht untersuchen) findet sich auch ein etwas süffer Schleim/ welcher zu den Würckungen des Wassers nicht wenig beyträgt/ wie wir jczt vernehmen werden. Wir haben hiemit vor uns erstlich gemeine Wasser-Theile/ darnach irdische/ drittens schlcimichte Theile. In Ansehung der Was- ser-Theilchen hat dieses Bad gleiche Kräfte mit andern dergleichen sogenannten süßen Wassern, als da sind das Geiren-Udorffer-Fläscher- Bad/ von welchen etwan zu andern Zeiten ein mehrers sol geschrieben werden M: ich sage gleiche/ oder auch vor einigen aus grössere, weilen -iß Walterschwylcr-Bad in einem ziemlich höhen Thalc lieget/ und von gleicher Schwere wie andere alpine, oder Berg-Waffer- Quellcil befunden wird. In Betrachtung dessen werden die Wal- terschwyler-Wasser die Hautzäsern erweichen/ die Schweißlöchlein öffnen, die zähen Feuchtigkeiten/ so hie und da irr den kleinsten Röhr- lein oder Aedcrlein sind, und Verstopfungen verursachet!/ Verdünnern, oderauflösen, den Creißlauff des Geblüts, von dem unser Leben und Gesundheit abhänget, befördern, und die empfind-und unempfindliche Leibcs'Dmchdämpfung, welche auch eine Hauptsäule oder Stütze der Gesundheit ist, vermehren: dieses alles zwar desto eher, mehr und stärcker, weilet, dieser Bad-Ort höher als Zürich, Zug/ Lucern, und viel andereOrte mehr lieget; weßwegen bey denen hieher sich erhebenden Bad-Gästen ihre innere, in ihren Aedcrlein liegende Luft, dieselben stärcker und leichter, sonderlich bey Anlaß der Wärme des Bads, kan ausdehnen, weilen die äussere nicht mit genügsamer Gcwatt widerstehen, oder der innern entgegen drücken kan. Es scheint zwar, diese Betrachtung diene mehr auf die Schul - Cantzel, als zu dem Badkasten, wenn man aber sich bemühen wird die Augen aufzuthun, und mit Vernunft die Sache zu fassen, wie sie ist, so wird mai, mir leichtlich darin Beyfall geben, daß diese zwar aus einer in Ssr den ), damit nicht ihr bereits tastendes Geblüte noch mehr bewegt, und angezündet werde: Auch alle die, welche eine allzuftarcke Ausdämpfung bereits ausgestanden, oder nicht vertragen können, als da sind diett^tici. Auszehrende, Schwindsüchtige, denen doch hernach ein etwelcher Trost sol zugeleget werden: Die ?krene- rici> Hirnsücht-oder wütige, weilcnderenGciftersonstschon in voller Raserey sind, und durch die Bäder nur mehr erhitzt und feuriger würden: So auch die mit Gichtern, Krampf und andern von allzu strengem Lauff der Geister herrührenden Kranckheiten sich beschwert befinden: es wäre denn Sach, daß ihre gichtcrische Bewegungen eine ragende Ausdehn-Tröcknung, und Spannung der Nerven zum Fundament hatten, in welchem Fall ein verständiger Arzt mtt grossem Nutzen denen Patienten ein solches Bad, wie das unsrige ist, ein- rathen kan. Wetters schließen wir aus die, so mit Krebsschaden beschwert: Item die, welche durch unreine Venerische Lüfte sich die sogenannte Frantzosen-Kranckheit, und mit ihro eine Blut-verdünnernde und Leib-verzehrende scharsse Säure zugezogen haben; Ferner die, welche Ssz ver- (I) Ich weiß nicht/ warum hier den Gelbsächtiaen dieser Bad verholten wird/ da t- doch so wenig Zellen vorher ihnen angerathen worden. ZT6 _ Erzehlung seltsam er jTlatur-Geft^icbken verborgene Geschwüre in der Lunge, Leber, Miltze, Gedärmen und andern innern Gliedern liegend haben, weilen sie durch die Bäder gar leichtlich deren Ausbruch, und Zeitigung, und sich selbst zum Grabe befördern tönten; über diß die, welche aller Verblutung, dem Blutspeyen, Bluterbrcchcn, Blutharnen, blutigen Stuhlgang un- terworffen, weilen die bereits offene, oder sonst schwache Blut- oder Puls-Aedcrlein gar leicht durch mehrere Bewegung des Geblüts wicdrum aufs neue einen gewaltigen Durchbruch leiden müßten-; so auch die, welchen andre und andre Feuchtigkeiten in größrer Masse, als bey gesunden Zeiten zu geschehen psiegt, ausgeführt werden, als in viAbei-,. oder Harnruhr, in allzuvielem Schweiß, im Saamenfluß, sonderlich, wenn der von Venerischen Ursachen herkommt : Endlich halten wir von unserm Bad ab die Wassersüchtigen, die Taubsüchtigen, die das Hertzklopfen haben, urw lassen nicht anders, als mit wol vorbedachtem Rath eines verständigen Medici, diejenigen Weiber zu, welche schon zum öftern frühzeitige Geburten abgeleget haben. Richten wir unsre Augen auf die in unserm Walterschweiler- Bad enthaltne irdische, von der Quelle und da herum liegenden mineralischen Lett, herkommenden Theile, von deren auch die weisse Milchfarb des Wassers entstehet, so werden wir finden, daß dieses Bad über obbemeldte Würckungcn die an der Haut hie und da klebende, auch etwan iu die Schweißlöchlein eingesenckte Uneinigkeiten abwaschen, ja so zu reden, abschaben, die scharffen, gesalzenen Feuchtigkeiten versüßen, die uberstüßige Eiter-und andere dergleichen Flüsse auftröcknen, folglich in vielerley äußerlichen Kranckhci- ten treffltche Dienste leisten wird, so daß dahin als ^ lzc^m znctiorzm ihre Zuflucht können nehmen, die Schäbigen, Krätzigen, Aussätzigen, und andre, so mit fistulösen, oder sonst langwierigen Haut- Schäden behaftet sind. Betrachten wir endlich den subtilen, lettichten, am Geschmack qantz süssen, an der Färb braunlechten, und weißen, recht Balsamischen, von dem Feur entzündlicher,, hiemrt schweflichten Schleim, welcher in diesem Walterfchweilcr-Ba-e sich sowol an der Bad-Gästen Haut, und an den Kasten, als auch in dem durch Chymische Kunst aufgelößten und probierten Ba-stein zeiget, so können wir hieraus, nebst einer mehrern Versüssung scharfetzender Feuchtigkeiten, abnehmen, daß in diesem Bade hiedurch die starcke Ausdämpfung des des Gchweitzeelandes. zr? des Leibs um etwas verhindert wird; Welches zum Trost kan dienen denen/ welche auszehrende Kranckheiten haben, und doch dabey in ihren innwendigen vornehmen Theilen gesund sind. Denn also wird der Creißlauff des Geblüts, ohne vieler nährhaften süffcn Theilen Verlorst, befördert. Daher kommt es, daß in dergleichen Bäder oftmalcn wider alles Rathen der ^edicorum die ausgemergelten (»n- cNljzci ^lorus sich begeben, und auch Wider alle Hoffnung diejenige Gesundheit, nach welcher sie so ernstlich seufzen, mit sich, als den besten Bader-Kram, naher Hause bringen. Bey diesem Anlaß muß ich desWeissenburcser-BadsimBer- mr-Gebietegedenckcn, welches insbesonder in Curierung schwindsüchtiger,und zu dieser Kranckheit dispomrter Leuten treffliche Proben thut. Endlich können hieher sich auch die Gesunden vcmgen, von allerley Alter und Geschlecht, welche etwan ihre GesunHekt zu erhalten, oder sich in angenehmer Gesellschaft zu eraetzen, oder ihrer Geschäften eine Zeitlang zu entladen, oder in einem angenehmen einsamen Ort etliche Wochen sich aufzuhalten willens sind, wie denn dieser Ort zu diesem allem gantz bequem ist, allcrmaffen ein nach den Regeln der Bau-Kunst aufgeführtes, wol eingetheiltes Losament, mit einem schönen dabey liegenden Garten, und andern zur Ergetzlich- und Nothwendigkeit dienenden Sachen versehen, die Zimmer auch also eingerichtet, daß sonderlich Personen von vornehmer Condition allhier chr Vergnügen finden werden. Von innerlichem Gebrauche dieses Wassers kan ich nicht viel schreiben, weilen derselbe niemal praetieirt worden. Gleichwol lässet sich aus Betrachtung oberzehltcr MAl-edEien dieses Heil-Wassers vermuthen, es möchte auch dasselbe innerlich von denen, die sonst gute Mägen haben, qctruncken, gute Dienste, fast gleich -enSaur- brünnen leisten, in Äustös-und Wegschwemmung schleimichter im Magen und Gedärmen liegender Feuchtigkeiten, in Verfassung des scharffen Geblüts, Reinigung desselben von seinen fremd-artigen Theilen, und deren Ausführung durch die Harngänge, folglich denen einzu- rathen seyn, welche sonst züdenenSaur-Waffern hingewiesen werden. Näher bey dem Bad-Hauß sind nochzwey andre Quellen, an dem Fuß des Walds, welche mit leichter Mühe könten mit der obersten Haupt-Quelle vereiniget, und in die allgemeine Wasserleitung geführet werden, wenn es nöthig wäre. Es enthaltet die unterste von diesen Quellen mehr wciffe, irdische Materie, als die obern, und Z28 Erzehlung seltsamer kTsamr-Gcschicbten und könte hiemit insonderheit gute Dienste denen leisten, die mit der schäbichten Rand, fliesscndcn Geschwären, und andern äusscrlichcn Zuständen beschweret sind. Den noch übrigen Raum dieses Platzes finde ich rathsam auszufüllen mit einigen auf unser vorhabendes Waltcrschweilcr-Bad sich schickenden Bad-Regeln. Vor Antritt der Cur mrrß der Leib wol zugerüstet seyn, insbe- iönder durch Laxativ- oder Purgier-Mittel, deren Vorschrift nach des Bad-Gasts Natur/ Geschlecht/ gesunder oder krancker Beschaffenheit/ muß eingerichtet werden. In währender Cur sol man, sonderlich anfangs/ ehe die Schwetß- löchlein recht eröffnet/ nicht zu streng/ auch nicht zu heiß oder kalt/ ja gar niemalen zu heiß baden, sondern, so viel immer möglich, gleich; nicht zu ticff, sondern gemeiniglich bis zum Nabel einsitzen, es wäre denn Sach, daß ein gewisser Zustand des obern Leibs ein anders er- foderte, da denn ein erfahrner Arzt deßwegen kau zu Rath gezogen werden. Der Zeit halber muß man nicht zu sehr eilen, gemächlich auf- und absteigen, und aufs höchste ohngefehr 6. Stunden des Tags mit Baden anwenden, da denn ein jeder Bader bey sich selbst abnehmen kan, wie lang er zu bleiben hat, wenn er auf seine Lcibs-Be- schaffenheit, Zärtlichkeit und Stärcke, und wie lang er ohne Beschwerde aushalten mag, wil Achtung geben. Die Luft muß mittelmäßig kalt und warm seyn, und nachdem er unmäßig, durch Kirnst, einheitzen, lebendiges Reckholder-Feur, spatzieren in benachbarte Lust- Wälder verbessert werden. In Essen, Tnncken, Bewegung und Venusübung fol man sich mäßig halten. Der Leib mußtäglich, oder alle zwey Tage einmal offen seyn. Der Gemüths-Bewegungen halber ist zu mcrcken, daß solche eher zur Freude als zurTraurigkeit sich neigen sollen; allen Verdruß, Kummer, Creuz, muß man zu Hause lassen, und einig und allein der Cur abwarten: Da giltct, was ttieron. kracattorius den Bad- Gästen an einem Ort vorschreibet: 1u Ismen inrere» elluZilo, qu« rrillig kleinem Lollicirsm, procu! elle jube Lurzsgue, Klerumgue kaUernem, ulinces Iras, liin omnia Iris Lcc. Vilere üepe ämnes nnigc», jucunäägue lempe Ll placiclas lummis seälari in kionribus ^uras, äcceüsnx ^uveuumgue Lkori öcc. des Schweiyerlandes. Z29 LZLZ--rZLZ-LXZ-kZLZ—LZLS- Beschreibung des Fläscher-Bads in Pündten. ,Enn irgendwo ein Mineralisches Bad in unsern Helvetischen Landen Nutzens und Lufts halber soll besucht werden, so ist es das Fläscher-Bad. Dein über viel andre Bader aus eine bequeme aesunde und angenehme Situation den Vorzug gibt. Es lieaet dasselbe nicht in einer wilden, treffen, feuchten Kruft, noch auf einem hohen, schwerlich zu ersteigenden Berge, noch in einem unbewohnten rauhen Thal, dahin man über hohe, gefährliche Berge reisen muß, sondern in einem schönen, fruchtbaren, an dreyen Seiten gegen dem Sarganser - und Schweitzerland, aegm dem Rheinthal und Deutschland, und gegen dem Pündtnerland, offnen Gelände, eine Viertelstunde von dem Dörfflein Mscb, kaiilca, ksiiscum, kistcoms, k^i'cis, welches vermuthlich seinenUrnamen von den kzliscis herholet, welche von Scrzbone und pimio in ttelrunz zwischen dem Berge Nmilio, und dem Tyber-Fluß, um die Stadt k3- Ilica, so jezt Livir-, czlleiizr», gesetzet worden, ursprünglich aber von ärtzos in Griechenlande herstammen. Diese krüilcer oder Fläscher mögen wol mit den i'ulcsnern, so auch aus »errun^ kommen, unter dem Hauptmann Reeto über das Gebirge gezogen, und allhier bey Fläsch sich niedergelassen haben, gleich die i^ner bey lulls jm Domleschg, welcher Flecken auch daher seinen Namen bekommen, worüber in mehrerm Ouier km. p. 4. zu lesen. Von diesem Dorffe Fläsch sind A. 1091. viel Güter an das Benedietincr-Closter Zwey- faltum im Schwabenland, vonLütold Grafen von Alchheirn oberhalb Reutlingen vergäbet worden. 6ul. 12 -. b. Es hat auch diß Dorff viel in den Pündtnerisch-Oefterreichischcn Kriegen A.i62i. und l 622. ausgestanden; wie hicvon umständlich Hr. Baßler PKndc- ner-Lrieg ;69 416.477. berichtet. Sonst liegt Fläsch im zeheridcn Gericht des Zehen Gnchcenpundts unter der Meyen- felder Herrschaft, und das Bad mit dem Bad-Hauß an einem sehr lustigen, erhabnen Ort, ohngefchr einen Büchsenschuß weit von dem Rhein, so daß man aus dem Losament eine weite Landschaft übersehen kan, Morgenwärts gegen Meyenfeld, Ragaz, Pftfers, Abendwärts gegen Sargans, und aufeinmal Felder, Wiesen, Wäl- l. Theil. Tt der, Erzchlung seltsamer kIatur-Geschkcbten der, Wasser, Berge, in summa alles zu einem Vorschein hat, wa- zu einer vollkvmmnen Landschaft gehöret; nächst dabey wächßt der edle Fiäsct)er-weLn, welcher mit Recht pro primiliis Vim R.Uenzni, als -er erste und beste Rhein-Wein kan angesehen werden, der meines Bedünckens an Haltung und gesunder Würckuna die Italienischen, und an Stärcke und Lieblichkeit andre, sowol Schweizerische als Deutsche Rhein-Weine übersteiget, und den Bad-oder Trinck- Gästen zu grossem Heil und Trost dienen kan, um so vielmehr, weilen der beste von allem Fläscher-Wein in des edlen Herrn Bad-Besitzers eignen Gütern wächßt, und Er sich mit Recht eines köstlichen Wasser- und Wein-Schatzes rühmen kan. Nebst diesem edlen Weiu- Trancke mangelt es nicht an guten annehmlichen Eß-Waaren, welche sie in wolfeilcm Preiß haben, und nach Gefallen zubereiten können: Es kan auch ein Liebhaber der Jagd in dieser Gegend ihm selbst einen Braten von fliegendem oder laüffendem Wildprät auf- trciben; so findt man auch den edelsten Fisch, und gutes Brot zur Genüge. Das Losament und Bad-Hausisind mit allen erforderlichen Nothwendigkeiten versehen. Diese Situationcs, Eß- Trinck- und Luft-Vortheile, möchte mancher als ««nöthig ansehen, welche aber gar viel, ja oft das meiste zu glücklichem Austraq der Cur beytragen, weßwegen ich sie mit Fleiß der Beschreibung des Bads selbst habe vorsetzen wollen. Es guillet das Fläscher-Bad-Wasser allernächst oberhalb der Bad-Hütte aus einem Felsen, auf welchem der beste Wein wächßt, an dreyen unterschiedlichen Orten Herfür, von wannen es alsobald in zwey grosse Kessel geleitet wird, hiemit den Badern an der Hand ist, und'nicht durch weiters Führen gcschwächct, oder mit Regen- Wasser vermischet wird. Alsobald, wo das Wasser hervor quillet, hänget sich an den Felsen eine Materie an, so dem i'opko, odcrTugstein gleich, ohne Geruch, wie das Wasser selbst keinen sonderlichen Geschmack oder Geruch hat, sondern vielmehr, wenn je ein Geschmack ihm beyzulegen, mild und süßlecht ist. Wenn man dasselbe siedet, so wird es Milch-weiß, wegen vielen irdisch-und saltzichten Theilen, welche sich hernach zu Boden setzen, und an dem Kessel in Gestalt eines i^rczri, loti, Bad - oder Wasser- steins anhängen, welcher von Ausschüttung des vurioi- oder andern scharf-sauren Geistes in eine Währung gerathet, aufgehet, und einen sroma- des Gchweitzerlandes. ZZi -romsuschen/ gantz lieblichen Dampf oder Rauch von sich gibt. Eine solche ?ermenrzrion ist andern Badfteinen, die gemeiniglich alle irdisch- sicalischer Natur sind, gemein; es hat aber unser Fläscher-Wasserstein noch etwas anders in kecessu, nemlich ein süß- saurlecht- zusammenziehendes braunes Saltz, wie ich denn arrs zo. Pfunden des Steins 7. Orsckmen oder Quintlein von demselben erhalten. Dieses ^tu- minog. Saltz kau auch mit dem Munde in dem Badsteitt selbst gespürt werden, als der anfangs zwar ungeschmackt, ftdennoch aber eine zusammenziehende Süßigkeit hat, auch selbst lässet es sich in dem Wasser sehen, welches nach langem sieden braunlecht wird, und oben auf eine schwimmende, öhlichte Fettigkeit bekommt, welche zum theil in dem Saltz gespürt wird, und eines vorhandenen Schwefels Anzeia ist. Hieraus ist zu sehen, daß wir in unserm vorhabenden Fläscher-Wasser haben: 1) Das reine, helllautere, an und vor sich selbst in viel Wege gesunde Berg-Wasser. 2) Eine irdische Materie, welche einer gesiegelten Erde, oder dem Spath, in Ansehung ihres Ursprungs und Würckung, kau verglichen werden. z) Ein aluminoses Saltz. 4) Einen subtilen Schwefel; wo der von andern ihm zugeschriebne subtile Salpeter-Geist und Stahl sey, kan ich Nichtwissen, als der ich -je blosse braune Färb vor eine undienltche Anzeige des Stahls halte. Aus jezt gefundenen 4. Haupt-Quellen leite ich des Fläscher- Wassers Eigenschaften und Würckunaen her. Und i) zwar aus den Wasser-Theilen selbst eine andern Berg-Bädern und Wassern gemeine subtil-durchdringende, das Geblüt und Geister bewegende, die Gall innerlich demmende, die Gährung derselben, und des Geblüts hindernde, und die kleinsten Aederlein durchlauffende Kraft. 2) Vondenweisscn irdischen Theilen eine auftrocknende, die Säure verschluckende, alte stieffende Schäden und Geschwüre heilende, und -en Leib ftärckende Eigenschaft. z) Von den siummotischcn Saltz-Theilen einen Schleim auslösende, abtreibende, die Verstopfungen wegnehmende, und zugleich auch die zarten Leibs-Zäserlcin küzclnde, und zu Abtreibung des ihm beschwerlichen Feinds aufmunternde Würckung, von welcher auch nicht wenig die zusammenziehende Stärcke des Wassers, welche demselben vor vielen andern den Vorzug giebet, herrühret. Tt 2 4) Sind zzr _Erzehlung seltsainerV7atur-Geschichten 4) Sind die schweflichten Theile als balsamisch/ besänftigend / und Schmertzen lindernd anzusehen. Hieraus können verständige, sonderlich inderNatur-Wissenschaft geübte DoNores, denen/ und nicht den Vieh/und Stümpcl-Aerztcn, ich die vorgeschriebne^nscomie des Wassers übcrgibe, ersehen, in was vor Zuständen dieses Heil Wasser zu gebrauchen, wieesnemlich, sowol innerlich als äusserlich, den Galt- und Milzsüchtigen, welche von Zeit zu Zeit eine Menge gallichtcn Schleims in ihrem Magen und Gedarmen sammlen, und deßwegen so vielen Aufblähungen des untern Leibs, als auch Verstopfung) und Verdickungen des Geblüts, Verduncklnna der Geister, Unmuth und kieisnckoiie unterworffen sind, anzurathen sey, welchen, nebst denen ordinaire-Würckungen des Wassers, wol der gesunde Fläscher-Luft, der edle Fläscher-Wein, der schöne Prospekt, die angenehmen Spatziergänge, gute Gesellschaft, und andre dergleichen Gemüth-erfreuende Dinge dienet, die man nicht leicht anderswo in compenäio beysammen findet, wie hier die sogenannte ttypockonöriaci, deren Gesellschaft in unsern Landen je mehr und mehr fich vergrößert, werden bey dem doppelten innerlichen und äußerlichen Gebrauch, oder auch bey diesem allein erforschen, sonderlich wenn sie mit einem vorher gereinigten Leib herkommen, wie der gallichte Schleim aufgelößt, die Winde oder Bläfte zertheilt, die Verstopfungen in ihren kleinsten Aederlein weggehoben, daß Geblüt verdünnert, die Geister aufgeweckt, und des gantzen Leibs Zäscrlein gestärcket werden. Denen, so mit demarkieren - oder Bia- senstein beschwert, dienet sonderlich dieses Bad zu Auflösung lind Ausführung dieses lürrsnschen Schleims, und Sandes, und folgender Stärckung und Zusammenziehung der vorher luckcrn, oder von Sand und Steinen ausgedähneten Nieren-Zäsern und Harngängen. Wer in dem Magen eine zähe schlcimichte Materie sammlet, so an den Wänden fest anklebt, der kan durch um-und äußerlichen Gebrauch dieses Bads von derselben erledigt werden, wie der Austrag erscheint, indem eitle solche dem Magen beschwerliche, die Däuunq verhindernde, und hernach allerley Verstopfungen verursachende Materie, nachdem sie durch den Stuhlgang aufgelößt worden, oder über- fich durch das Erbrechen, mit grosser Erleichterung des Patienten, weggehet, dein gleichsam ein schwerer Steinlast weggehoben wird. Die podagräm'jfhen und Gielchsuchrigen müssen sich gemeiniglich vor den Badern hüten, weilen die mehrmal ihren Zustand nur ver- bösern, _ des Schwn'rzerlandes._ zzz bösem, hier aber finden fie grosse Erlabung und Trost, also daß in Ansehung dieser armseligen Gesellschaft, und sonst, dieses Fläscher- Bad als ein rechtes Glicder-Bad kau angesehen werden; und bezeuget diß die vielfältige Erfahrung, daß viele von dergleichen beschwerlich- schmerzlichen Anliegen völlig bey diesem Heilbrunn kuriert worden. Wer die inZreüiemien dieses Wassers mit gesunder Vernunft anstehet, dem wird es nicht fremd vorkommen; der i-in-msche zähe Schleim, als eine fruchtbare Zeugmutter aller Gleichsüchtigen, wird beydes durch inn-und äusserlichen Gebrauch dieses Wassers aufgelöset, ausgeführt, und darauf die Röhrlcin, wo derselbe gewesen, gcftärckct, daß fie hinfort nicht so leicht alldort loqiren können. Wo die Verstopfungen von den Wasser-Theilchen allein nicht mögen aufgehoben werden, da hclffcn und bohren die Saltz-Tbcile hindurch, so in dem Wasser enthalte», welche auch die Leibszäsern aufwecken, und zu Abtreibung des Feindes anreihen, absonderlich können diejenigen Hoffnung zur Gesundheit haben, bey welchen der i-mznsche Schleim annoch in den Aederlein fich aufhaltet, und diese noch nicht ihren l'o- num. oder ihre Spann-undZusammenziehungs-Kraft verlohren, vor- nemlich auch die, welche mit der sogenannten fahrenden Gieich- suchr behaftet, bey denen die böse Materie noch im Geblüte und bald indem, bald in einem andern Glied Schmerzen verursachet. Denn was die noäokm anbelanget, da der Patient Knot> ten oder Knüpel an den Gclcnckcn, oder gar fich allbereit in dieselben eine kalckichte Materie ausgeleeret hat, denen dienet zur Nachricht- daß bald gar kein Balsam in Gilead, der fie heilen kan, daß weder die Wasser zu Abana, Pfarpfar, Damasco, noch auch die Wasser in Israel fie natürlicher Weise heilen mögen. Wie der zähe und oft scharffe Schleim in den ausser» Gliedern allerley Glicdcr-Kranck- hciten, oder Schmerzen verursachet, also erwecket er anderswo, wo er fich hinsetzet, und stecken bleibt, andreKranckhciten, indem Magen ein schweres Drücken, Undaulichkeir, Blast in den Gedärmen, Verstopfungen, Harrleibigkeic. Wind-Majserfucht Grimmen; in den Milch-Aederlein und Krösgefäffen eine Verhinderung des Nährsafts, daß der nicht ins Geblüt kan hinkommen, und darauf folgendes Abnehmen des Leibs; in den innern edlern Theilen des Leibs vielfältige Verstopfungen und daher rührende schwere Kranck- heitcn; in der Leber die Gelbsucht; j» dem Milze die Milzefuchr und Melancholie; in den Nieren, Harngängen mid Blasen, Srem- Tt z Schmer, ZZ4 Erzehlung seltsamer dlamr-Geschlchten Schmerlen, Harnstrenge, Blutharnen, Harnverstopfungen; in der Bärmutter und dazu gehörigen Theilen die Zurückhaltung der monatlichen Reinigung, und vielerley Mutter-Kranckheiten; in den Ieltibu8 verhinderte Scheidung des geistreichen Saamens, und in beyden Geschlechten die Untruchrvarkeir mw Unrüchrigkeir, oder Unlust zu ehelichen wercken ; in der Lunge, Engbrüstigkeit, Husten; in dem Hertzen allerhand ?oiybo5, oder Schleim- Gewächse; in dem Gehirn Ausdähnungen der zarten Aederlein, und danahen herrührelrde Haupt-Schmerzen, Gchlaffsuchren, Schwindel, Oilpoliüon zu Gchlagflüssen; in dem sogenannten Schleim-Häutlein, ^1embr3N2picuir3rig, den Schuppen, und vie- lerlcy sogenanrlte Haupt-Flüsse, in dem gantzen Leib eine Matk- und Bangigkeit , allerhand kalte Fieber. In diesen und vielen andern dergleichen Zuständen, welche die Zeit nicht zuläßt der Länge nach zu erzehlen, kan ein verständiger Arzt, durch Mittel dieses unsers Fläscher-Bads, wenn er vorderst die Kranckheit wol erkennt, und je nach Beschaffenheit des Alters, des Geschlechts, und andrer Umständen, die Trinck-und Bad-Cur einrichtet, viel ausrichten. Kommen wir zu äufferlichen Anliegen des Leibs, so könte gleichfalls, zum Lob unsers Heil-Bads, und züm Trost der Krancken, ein qantzer Rodel derselben aufgesetzt werden. Ich wil nur mit wenig Worten andeuten,wie die zusammenziehende Stärck-Kraft dieses Wassers dienlich den von allerley Ursachen geschwächten Gliedern, der von schweren Geburten verderblichen Bärmurter, und deren Ausfalle, in dem Ausfall des Afters, in Leistenbrüchen, im weissen Fluß, Güldenen Adern, allerhand Geschwülsten, Gliederschwamm, Geschwüren, Fistien, stressenden Schäden, Räuden, rc. Bey Welchen äufferlichen Kranckheiten wahrzunehmen, daß denen insonderheit, durch ftarcke Einsieduna dcs Wassers, auch bis zur braunen Farbe, wird aeholffen werden. Es dienet diese letzte Regel, welche bey wenigen Bädern pflegt in acht genommen zu werden, zur Anweisung des rechten Gebrauchs, und der Bad-Art, welche bey jedem Patienten nach des Leibs Beschaffenheit und Zustand eigentlich sol eingerichtet werden. Insgemein zwar ist zu wissen, daß man nicht leill)t sich sol hieher verfügen lliolis Mleliinis, mit ungcwäschnen Gedärmen, sondern vorher zu Hauß, oder in dem ersten Ruhtag an dem Bad-Ort selbst den Leib reinigen durch ein kräftiges, feinem Leib angemessenes Purgier- des Schrvelyerlandes. Mittel/ und auch in währender Cur allzeit aufdieOeffnung des Leibs Achtung geben/ und solche/ wo sie dahinten bleibt/ durch leichte Hauß-Mittel, oder kluge erweichende und anfeuchtende Lebcns-Ord- nung befördern. Wer vor dem Eingang des Bads zu Stuhle gehet/ der wird von dem Bade bessere Würckung spüren. Wer nüchtern in das Bad einsitzen/ und darin bleiben karr/ dem ist es gesünder/ als wenn er/ nach gemeinem Gebrauch/ den Magen indem Bade selbst anfüllet : Wer es wegen Gewohnheit oder Blödigkeit des Magens nicht vertragen kan / der bediene sich eines Magen-ftärckenden Pulvers/ oderLresents, trocken/ oder aus einer mit gutemFläscher-Wein angefeuchteten gebähetcn Schnitten Brots. Im Bade selbst muß man sich munter bezeige»/ die Zeit mitan- genehmen Discourscn zubringe»/ und nicht leicht schlaffen/ essen/ oder trinckcn: Wer eine Trinck-Cur nebst der äusserlichen nöthig hat/ der kan etwan Morgens im Bade das Wasser warm zu sich nehme»/ oder auch/ wenn ers vertragen mag/ das Wasser 8. oder iQ.Tage Morgens nüchtern frisch von der Quelle wegtrincken, so viel der Appetit leiden mag/ und darauf/ gleich als auf einen Saurbrunnen/ oderdas Pfefers-Bad, spatzieren gehen. Der Bad-Gast sol die Grade des Stcigens bey der Wärme wol in acht nehmen / und niemal zu heiß/ oder gar zu tieff baden. Kommt er aus dem Bad/ so kan er sich/ vornemlich das Haupt, mit warmen von Mastix beräncberten Tüchern wol abtröcknen lassen, und darauf sich entweder ins Bett verfügen, oder spatziercn gehen, je nach Besindniß seines Zustands. Die Iahrs-Zeit/ in deren man dieses Bad besucht, ist die kräftigste von dem May bis zu Ausqang des Augstmonats. Die Tags- Zcit betreffend, sol man nicht alsobald aus dem Bette sich in das Sad verfügen, sondern etwan eine halbe oder gantze Stund vorher sich ermuntern; Im Ausgehen sol man sich sorgfältig hüten, daß man nicht aus dem Bade alsobald zu Tisch sitze, sondern wenigstens eine Stund Zwischenrauin habe; so sol man auch nicht alsobald nach dem Essen ins Bad gehen, sondern ohngefehr zwey Stunden hernach, nachdem der Magen seine Däuung meistentheils verrichtet, inzwischen aber mit Spatzierengehen, oder andrer mäßiger Uebung die Däuung befördern. Die Zeit, so lang man baden sol, kan man nicht eigentlich benennen Az6 Erzehlung seltsamer lTkamr-Geschichten nennen, daß stch jedcrman darnach verhalten könne: Erwachsnekön- ncn anfangen bey einer Stunde Vor-und einer Nachmittag, hernach gemächlich steigen, an dritten oder vierten Tag zwey Vor-und eine Nachmittag, und also fortstcigen bis aufs höchste. Da ftarcke Leute gleichwol über?, oder 8. Stunden nicht, und zarte Leute nicht über s. oder 6. baden sollen. Ist die Ausschlächte wol draussen, so soll man gemächlich wieder absteigen, und stch wol vorsehen, daß nicht durch unordentliches langes bleiben, oder heiß baden, die zweyte und dritte Ausschlächte nachgezogen werde, als welche dem Bader mehr schädlich, als aber nützlich ist, deßwegen, wenn die erste Ausschlächte wol geheilet, obgleich es schon in der dritten oder vierten Woche geschehen, und man ordentlich, wie gesagt, abgestiegen, kan man sein Gcräthe einpacken, und stch auf die Heim-Reise begeben. Ein absonderliches Kennzeichen einer vollendeten Cur ist, wenn das Bad selbst dem Patienten nach langem Gebrauche anfängt widrig zu seyn, oder ihm von selbst verleidet. Im Fall die Ausschlächte gar zu lang anhalten, und zu Heilung stch nicht bequemen wolte, sol man Anfangs etwas kühler baden, an der Zeit des Bleibens im Bade abbrechen, und des Tags in die z. bis 4-mal bald ein bald ausgehen. Das allerbeste Zeichen, welches auch der Befitzcr des Bads allen Gästen von Hertzen anwünschet, ist die Cur des Patienten, und die Befreyunq von denjenigen Anliegen, welche ihn hieher getrieben, sonderlich auch ein leichter Leib, dessen Verrichtungen ohne Beschwerden von statten gehen. Mit grossem Nutzen könten die meisten, welche auf PfeferS reisen, nach vollendeter Trinck-Cur allhier baden. - m(M Von dem Hunger-Brunn zu Wangen. iMU)NLer die Natur-Wunder des Schwcitzerlands sol billich der Hunger-Lack) zu Wangen, einem Dorff Züricher - Ge- bieks, eine Meil von der Stadt abgelegen, gezehlt werden, wenn wahr ist, daß er nur bey einbrechenden theuren Zeiten Hiesse. und bey anhaltender Wolfeile gantz trocken bleibe. Wir wollen diese Begebenheit so genau, alsmögltch, untersuchen, undvorderst dasjenige erzehkcn, dessen mich Herr ci. 6. Ehrwürdiger Pfarrer des Orts berichtet hat, wie nemlich dieser Wunder-Brunn ßchseitA.i686. der- _ des Gchweitzerlcmdes. ZZ7 verhalten, daEhren-benaunterHerr nacher Wangen gekommen, welcher Erzehlung den von selbiger Zeit an bis jczt allhie auf- und abqe- stiegnen Korn-Prciß beysetzen, endlich diese Abhandlung mit Einführung andrer Exempeln, und einem Vernunft-mäßigen Ausspruch schließen werde. A. i 686 . war der Haussen Stein oberhalb dem Bach-Tobel, so allernächst über der Pftund Baumgarten liegt (denn hier der Ort des Brunnens) so trocken, daß kein einiges Ansehen war, als wenn jemals die geringste Feuchtigkeit allda gesehen, oder gespürt worden wäre. Diß Jahr hindurch war der gemeine Rorn-Preißz. bis4.fi. A. 1687. steng an ein geringes Wässertem aus obbedeutetcm Steinhauffen zu fliesten. A. 1687. galt der Rernen z. bis 4. fi. A. 1688. wuchs diß Wasser so sehr, daß es in seinem Runzohri- gefehr die Höhe eines Werck-Schuhes erreichen konte. A. 1688. war derRorn preiß bis in Julium bis 4«fi. von da an bis zu Ende des Jahrs 4. s. und s.fi. A. 1689. nähme dieses Wasser zu, daß es nicht allein unter besagtem Steinhaussen einen Weyer machte, der grösser gewesen als der sogenannte Mühl-Weycr, so allernächst darunter liegt, und seine eigne, sowol im heißen und trocknen Sommer, als kaltem Winter, allzeit fließende Quelle hat, die auch in gröster Winter-Kälte nie- malen zufriert; sondern auch gleich einem Wald-Wasser mit ziemlicher Ungestüme bis auf A. 1695. daher stoß. A. ,689. kauffre man das Rorn im Jenncr um s. bis 6.fi. hernach bis in Augufium um 6. bis 7>fi. von da an bis zu Ende des Jahrs um 6. 7. und 8 fi. A. 1690. bis in Augstm. 6. und 7. fi. im Augstm. und Sept. 5. und 6. und also auch bis zu Ende des Jahrs. A 1691. im Jenner undHornung S.fi. folgende bis zu Ende des Jahrs ; und 6. A.1692. bis indenlUay6.und7.fi. weiterS8.9. io. und l i.fi. das gantze Jahr aus. A. 169z. hielte die Theurung an, und ward das Ror« verkaufst von r. bis io.fi. A. 1694. bis in Julium io. und 9. fi. imIulio 7. infolgenden Monaten s. und 6. im December 4. und s. A. 1695. 4.bis s.fi. I. Theil. Utt A.i696. ZZ8 ElZehlung seltsamer -Iatur- Geschichten A. i§s6. nähme das Wasser von Wochen zu Wochen ab, sogar, -aß im Septemb. dieses Jahrs alles Wasser versiegen: Die Trocknung währcte bis A. 1698. und 99. in welchen Jahren das Wasser wieder also floß, daß es ungefehr die Höhe eines vierten Theils von einem Werck-Schuhe hatte, und bis auf den Anfang 1720. conti- tinuirte. A. 1696. ins gemein ;.st. A. 1697. gemeiniglich ;. bis 4. fk. A. 1698. war der preis 7. und 8 st. A. >699. im Jenner 7.fi. im Hebe. f. 6- und 7. Mart. und April. 7. und 8. May und Jun. 7.8.9« io. 11. bis zu Ende des Jahrs 6 . 7. 8 . st. A. 1700. bis in Junium 5. und6. bis zuEnde desIahrs z.4. und s.st. A. 1701. nähme der Bach Wetters zu, daß er im Martio bey zwey Schuhe hoch wurde, und also fast das gantze Jahr bliebe. A. »701. bis in Majum 4. und 5. hernach s. und S.st. A. 1702. nähme das Wasser gemächlich ab, so daß im May nicht mehr Wasser hervor flösse, als 2. oder z. Brunnen-Röhren hätten fassen mögen: Im November flösse er so gering, daßnichtmchr als eine Brunnen-Röhre damit hätte angefüllt werden können. A. 1702. im ersten Halbtheil des Jahrs 4. und 5. im zweyten z. und 4. st. A. 170Z. flösse er noch wie zuvor, doch nähme er nach und nach bis zu Ende des Mayens ab, und bliebe allezeit ein wenig Wasser in dem Graben, und bey der Quelle. A. 170z. war der Preist z. 4. s. fi. A. 1704. im Hornung spürte man, -aß sich das Wasser bey -er Quelle in etwas zu vermehren begunte, bis es im Mertz wieder hervor flösse, aber nur so viel, als durch eine geringe Röhre hätte laufen können, doch nicht länger währte, als bis mitten in den April, da es wieder aufhörte, und gemächlich abnähme, bis im Auqusto alles vertrocknet, so daß auch bey der Quelle nicht ein einiger Tropfe Wasser mehr zu sehen, oder zu spüren war, und ist also bls zu Ausgang des Jahrs geblieben. A. 1704. gälte das Rorn z. und 4-fi. In diesem verwichnen 172?. Jahre war bis in May, ungeachtet der ungleichen Witterung, der Bach gantz trocken, und continuirte auch des Gcbwelyerlandes. Z^9 auch die Wolfeile der Früchten. Das Mollwiß-em aber, aus welchem der wahrhafte Ursprung des Bachs muß hergeleitet werden, war mit Wasser angefüllt. Zu Anfang des Iunii ist der Hunger-Brunn noch gantz trocken gewesen, und hatte es das Ansehet», das Mollwr'ßie-Wasser vermindere sich; Es ist auch, ungeachtet des eingefallnen dreywöcbigm ftarcken Regen-Wetters, bis auf den 26. Iunii trocken geblieben. Denn in dem vordem Loch nicht mehr als ein Glaß voll Wasser zu sehen war. Den 28. war etwan eine Maß Wasser in diesem Loch. Der Rernen galte z.fi. zo. ß. Den 8. Iul. bis zum 12. hat das Wasser des Brunnens, ungeachtet des beständig trocknen Wetters, also zugenommen, daß das vordere Loch überloffen, und das Wasser nächst dabey in dem Graben gespürt worden. Der Rernen gälte z.fi. und lo. bis 2v.fi. Den 16. spürte man auch im Hintern Loch Wasser. Den 20. ist das Wasser also angewachsen, daß es aufdie 20. Schritte weit indem Graben hervorkommen mochte. Der Rernen galt, wie oben. Bis zu dem 8.Augufti hat das Wasser also zugenommen, ungeachtet der dreywöchigen warmen und trocknen Witterung, daß mehr als eine Brunnenröhre voll in den vorder» Weyer (in den der Hungerbach stch ergießet) mochte kommen. In dem Mollwißle aber »st das Wasser fast gantz verschwunden. Der Rernen gälte 2.fi, 20. ß. bis z.fi. Den 27. Sept. war es noch also. In mitten des Oktobers spürte man wiedrum ein Abnehmen des Wassers, bis zu Anfang des Novembers. Den n. December war es gantz trocken, ungeachtet die Witterung bald trocken bald naß war. Aber das Mollwißle hatte doch wieder zimlich Wasser. Der Rernen gälte z. fi. Bis in Mitten dieses Monats war, ungeachtet des vielen Regenwetters, kein Tropfe Wasser zu spüren. Diesem Wangcrischen Hunger-Bach solder sogenannte Gel- ten-Bach zu Eglisau, auch Züricher-Gebiets, gleich seyn, von dem ich aber bis dato anders nichts in Erfahrung bringen können, als daß er im Mayen pflegt anzulauffeu, und um Weyhnacht wiedrum zu Uu 2 flies- Z40 Euzehlung seltsamer lTlamr-Veschichten fliessen aufhört; hiemit denen sogenannten Maybrünnen beyzurechnen ist. In den theuren Zeiten A. 1690. und 91. sol er 4. Jahre nacheinander geflossen seyn. Dtß berichtet mich Hr.). l). zu L. Bey Henckal r liegt der Haar-See mitten in dem Felde in einem holen oder tieffen Orte: es fließt kein Wasser weder darein noch daraus. Wenn dieser See zur Frühlingszeit mehrentheils aufgetrocknet oder leer ist, so halten es die Bauren vor ein gewisses Zeichen einer erfolgenden reichen Erndte; wenn er aber gar vrel Wasser habe, so sey (sagen sie) eine Theurung vorhanden. Diese Nachricht finde ich in Jkr. Heinrich Eschers Schreiben an Hrn. ^mittlrem kremn- tzer. lud Winterthur, den 27. April, I62Z. Ausser dem Schweitzerlandc habe ich bis dahin keine dergleichen durch ihre Wasscrvölle eine Theurung vorsagende Brünnen angetroffen, als in kok PIotKüt. ot'8rztsor6->vik'. cgp r. 46. 47- 49 und find mit Namen der kioss-pcole bey verton, in der Pfar- rey Norton. vruäe-Meer, in der Pfarr Der Hunger- Brunn , ttllNAry ?ir bey LillinAton, in der Pfarr Sejßkforci, nach dessen Zu - oder Abnehmen die Einwohner sich in Kauf- und Ver- kaussung des Korns fleißig richten, gleich wie die Egyptier bey der stcigendenHöhe des diili gantz genau die Fruchtbarkeit des Jahrgangs vorsagen können. Wetters zwey Brünnen bey der Kirche x^K.r- rinAlon; ein andrer bey ttiiaerUon. Sonderbar aber kommt mit unserm Wanger-Brunn einer in der Provinz Dein überein, dessen Oulielm. I 4 ubr,Aenl Kerum ^nZIic. c. 28- gedMcket, daß er NUk denn und wenn, non quiclem jugicer, secl ^nnis imerpollcis, bey einbrechender Theurung, fliesse. Es ist steh zu verwundern, wie seit A. i 68 §. des Wangerbachs Tröckne und Ueberfluß, mit der Theurung und Wolfeile, so in dem Zeitraum gewesen, so wol übereintrifft; und hätten die Korn-Käuffer und Verkäufer besser Recht dahin ihre Wallfahrten «umstellen,, als einsten die blinden Heyden zu dem Oracuio ^poiiims, Ja es waren solche Observationen würdig, aus Hoch-Oberkeitlichem Befehl in ein besonder Tag-Register eingeschrieben zu werden, wenn die Begebenheiten wahrhaft, und in der Natur begründt find; damit ein gantzes Land fich auf den einbrechenden Mangel vorsehen konte. Fordern wir ein vernnnftmäßiges Urtheil von dergleichen prophetischen Wassern, so vermcyne meines Orts, daß auf dergleichen Vorsagungen so wenig zu sehen sey, als auf die Sterndeutungen, wenn des Schweitzerlandes. Z4l Wenn nemlich Krieg, Theure/ Hunger und andre Plagen, aus politischen, sittlichen, oder andern Ursachen, die mit der Würckung keinen natürlichen Zusammenhang haben, verursachet werden, als da sind Abschlagung des Proviants, der die Geneigtheit eines benachbarten Korn-reichen Fürsten zum Grund hat, oder Verzehrung desselben durch Krieg, Verwüstung, Feuersbrunsten, solche Kriege, deren Ursachen mehr in einer Machiavellischen Staats-Raison, als in natürlichen, oder andern gerechten Ursachen zu suchen, re. Wo zwischen verursache, und der Würckung, zwischen einem Zeichen, und dem bezeichneten, keine natürliche Perwandschaft ist, da höret die gesunde Philosophie auf, und kommt die Schulfückserey auf den Thron, welche sich aufdie Unwissenheit, oder unbegründte Vorurtheile, oder vorgeschützte Frömmigkeit, fest zu setzen vermeynct, kraft deren alles alsobald der Allmacht Gottes zugeschrieben, und damit den Naturforschern der Weg zu fernerer Untersuchung abgeschnitten wird. Von unsern vorhabenden Hungerbrünnen läßt sich aus den Fundamenten der Natur dahin schließen, daß ihr Uberstuß ein Zeichen vieler wässerigen in der obern Erden-Rinde sich befindenden Feuchtigkeiten, oder eines nassen Jahrgangs seye, in welchem das Korn und andre Gewächse nicht wol gerathen, und eher faul, als reiff werden, worauf nothwendig die Früchte im Werth steigen müssen. Es be- mercket mein werther und geehrter Freund, Hr. o. 6., in dessen Gütern dieser Hungerbach liegt, daß derselbe dennzumal sonderlich flies- fe, wenn ein gewisser etlich i vO. Schuhe von des Hungerbachs Quelle ab- und höher liegender Wcyer, das Mollwißie genannt, vorher von zusammenfließendem Wasser angefüllet, nachgehends aber sich in die Erde versencket und abnimmet, so daß zu erachten, -aß die eingefunckene Wasser in einer schwammichten, zwischen dem Weyer und des Bachs Quelle liegenden Erde sich so lang aufhalten und fammlen, bis dieselbe gantz damit angefüllet unten Herfür drücke; wie insonderheit die Wahrheit dieses Vernunft-Urtheils aus der Historien» A. 1725. und dabey von obbelobtem Hrn. o. 6 mit Fleiß gemachten Anmerckungen kan abgenommen werden. So bezeuget tllor. I. c. -aß in Engelland dennzumal sonderbar theure Zeiten einbrechen,wenn langwahrende ftarcke Regen vorher gegangen. Und be- mercken die Einwohner des Dorffs Wangen, daß, wenn der Hungerbach groß, alle andre Quellen, deren es daherum gar viel hat, m dem Pfarrhause selbst und andern Häusern, Überlauffett. Ob U u Z aber 342 _ Erzehlung seltsam er Namr-Geschichten aber dieser Hungerbach ein Zeichen des grossen Sterbens A. 1625., der Aufruhr 1647. und 16^2., des sogenannten Winterkriegs An. 1655., oder der Pestilenz so A. 1661. und 68. zu Uster und anderswo graßiert, habe seyn können, (denn damals der Bach auch ftarck überloffen seyn soll) überlasse ich andern/ so fernsichtiger sind als ich/ zu beurtheilen. -- -. , - Von den May-Brünnen. ! 5 S sind die Natur-Wunder andrer Länder entweders an der Zahl wenig; oder wenigen bekannt. Vielleicht giltet bey- des bey den konribug tvtaiz!ibu8, May-Brüunen, solchen Wassern, welche nicht ordentlich durch das gantze Jahr hindurch fliesten / sondern in dem Mayen gemeiniglich hervor quellen/ und dann im Herbstmonat sich wiedrum verliehrcn. Dergleichen gibt es in unsern Eydgnößischen, sonderlich bergichten Landen gar Vieh wie unten aus angehängter Erzehlung zu sehen; da hingegen ausser unsern Landen sehr wenig sind / oder wenigstens in Historisch-natürlichen Beschreibungen nicht verzeichnet sind/ (m) 6uil. pilo Lagl. P3Z.7. gedenckt des Flusses St. Francisci in Fernambuckv/ daß derselbe nur den Sommer durch überläufst/ wenn alle andre Wasser klein sind. I4ier. Larcl3nu8 cle 8ubl>1. k.ib. il. sub llli. schreibet von einem solchen Sommer-Brunn/ der sich bey pesguera in Spanten sinde. öernk. Varenius Oeo^r. Üeneral I^ib.l. Cap. 17. ?rop. 17. eines andern bey vui-mova in Portuaall; so auch eines der zwey Meilen von Vgiigloc. ttik. vk LtsKorcisb. p. s8. findet einen solchen May-Brunnen bey l-»m- boum, und Lcl v v. h-eitzb einen andern in der Grafschaft Vork in seiner Beschreibung knZlancls pag.r , 9. Ich übergehe mit Stillschweigen andre wenige, welche sich etwa finden möchten, um eine Erzehlung derjenigen May-Brünnen zu geben, welche hin und wieder im Schweizerland zu finden. Im (m) l^r. hat in den oben angezognen klemoires Lec. ein« Verzeichn!- der May-Brünnen/ und anderer nur zu gewisser Zeit flieffender Brünnen/ ant sehr vielen alten und neuen Skribenten. des Schwelyerlandes. Z4Z Im Zürich-Gebiet. Zu Wolllshoftn, einem Dorff, welches eine Stunde weit von -er Stadt ist, fliestet das sogenannte Schonbrünnelem tm Erd-Brust nur den Sommer durch, Wagner »eiv. cur. p., z^. Zu Heßlibach, in dem Kirchspiel Küßnacht, in der Wejweiler Landstrasse soll aus dem Bord auch ein solches Wässerlein hervor fliesten, wie mich dessen mein sehr werther Freund Hr. J.G.H. berichtet. Bern. In -er Frey-Herrschaft Spiez hat diese Eigenschaft der Giede- mansBach. ^i,gn.ttelv.ttjll:.dlgr.p.l;o. aus llebmanöe blak. klag. Unterwalden. In der See Enge zwischen dem Lopper-und Roz-Berg. l.c. p.,; l. Bcschr. des!V. Waldstätten-Sees. ?. 248. AnUll- terwalden gräntzet die Herrschaft Engelberg, in welcher verschiedene Mao-Brünnen anzutreffen; als, zwischen dem Gottshauß und dem Dorss Wölfen Schluß im Grafen-Ort, welches vor diesem ein Lust- Sitz der Grafen von Habspurg gewesen, ist der sogenannte kalte Brunn, über welchen man sich verwundert, daß er A. 1700. bis in den Wein- monat geflossen, weilen er sonst gewöhnlich im Herbstmonat sich vermehrt. Dieser Brunn ist eben der im Ralrle, dessen cykr i.c. und aus ihm l.c. gedencket, daß er schnell im Mayen in solchem Ueberfluß anlauffe, daß er etliche Mühl-Räder zu treiben genugsam wäre. (») „ Das Wasser, oder Blumen Zui-anum, kommt auch zu Anfang des Mayens, mit grossem Schwall, aus einer Kluft des Erdrichs Herfür, anfangs gantz wetßfärbig, wie Milch, welches hernach in das Aawasser laufft. und Wagner 1 .1. c. c. Der (n) Die Mönchen zu Engelberq haben von diesem Brunnen folacnden Versuch ge« macht: Sie sind auf die Höhe des Bergs/ an welchem derselbe liegt/ gestiegen/ und haben in dem daselbst offen liegenden Wirbel eine Menge Spreu ange« troffen. Da denn diejenige/ welche unten an dem Berg bey der Quelle gestalt« den / dieselben au- derselben wieder hervor kommen gesehen. Weil aber der Berg mit beständigem Schnee bedeckt ist / welcher vor Anfang der MamMonati nicht anfangt zu schmelzen/ im Herbst aber wieder gefrieret/ so ist kein Wunder/ daß der Brunn die übrige Zeit hindurch nicht laufft. ?//«/. * Man bat hierin den Grund zu einer allgemeinen Aufiöiung der Ursache der Mav'Drünnen/ welcher sich auch auf andere anwenden läßt/ die nicht von den Schnee-Bergen herkommen. 344 Erzehlung seltsamer Natur-Geschichten Der Dürrbrunn soll nach etlicher Meynung gleichen Ursprung haben mit dem kalten Brunnen, wovon oben. Der Mehlbach, also genannt, weilen er sich durch seine stareke Bewegung in einen Mehl-förmigen Schaum verwandelt. Glarus. Von dem Berge Guppen fließet gegen Schwanden ein solcher May-Brunn ab, welcher den Anwohnern ein gewisses Zeichen gibt, daß keine rohe Winter-Kälte mehr zurück sey, sondernder angenehme Frühling nun die Herrschaft der Luft besitze. Und ist von diesem Wasser merckwürdig, daß damit die Einwohner keine Erbsen weich kochen können, noch auch die Seiffe zu Reinigung des Leinwands brauchen; von welcher besondern Begebenheit anderswo zu reden seyn wird. (*) Sargans. In dieser Grafschaft, welche von den v n. alten Orten bevogtet wird, lieget das Welt-berühmte Bad Pfeffers, welches auch unter die May-Brünnnen muß gezehlet werden, weilen es mehrmalen im Mach hervor quillet, und im Oktober wiedrum verschwindet; ich sage, mehrmal, weilen sowol dessen Ankonft als Verliehrung gantz ungewiß; etwan kommt es früher, im April, wteA. iszi., in welchem das vordere jetzige Bad-Hauß unter Abt joöoco gebauet, und die künstliche Wasserleitung angeleget worden; etwan fließet es den gantzen Winter hindurch, wie A. i srg. Im 1596. Jahre ist es im April noch in völliger Menge geflossen, hernach verschwunden, und im Julio wieder angekommen. Merckwürdig ist, was hievon job. kolvvek. iraLt. vom Pfeffers-Bad PLA 1 26. ins gemein schreibet: Daß, im Fall der Winrer rauh und trocken, sich alsdann die Duelle völlig verberge, und nicht vor Mitten, oder zu Ende des Monacs May komme. Im Fall aber im Gegentheil der Winter leicht und gering, so ftieffe zwar die Duelle, aber in keiner Menge, und nur etwas lauiichr, so daß je später sein Abzug, je später auch seine Ankonft sey. Eine halbe Stunde von venis, fliesten unmittelbar aus zweyen Felsen, so ungefehr 25. Schuhe von einander stehen, mit zimlichem Ge- (*) Zn dcr lV.Bcrg.Rrisr. Z45 des Gchwektzerlandes. Geräusch zwey Bäche, die Gorbsbrünnen, oder Gorbsbäche genannt, welche sich in das Thal herab stürtzen, und auch im Mayen ankommen, im Herbst aber sich wiedrum verliehren. pündten. Eine Mayquelle findet sich zu Tamins, einem Dorff im Obern Grauen Pundt: wie mich dessen der Woledle und Gelehrte Jkr.R.R. berichtet. wallis. Auf dem Lcucker-Gebirge, ungefehr 220. Schritt von dem berühmten natürlich warmen Leucke,'-Bade, ist der Lieben-Lrauen- Brunn, eine eißkalte Quell, welche auch unter die Maybrünnen gehört. ^o 5 . 8imler cle A Vslies. p. 20.145. V^gZner. ttelv. Lur. i Z4- Einem Naturforscher ist eine bis hieher gebrachte historische Er- zehlung nicht genug: (welche der curieuse Liebhaber hie und da zu vermehren gebetten wird) er sucht überdiß die natürlichen Ursachen solcher Wunderbrünnen auszusinnen, und vor jedermans Augen zu legen. Wer unsers Landes Beschaffenheit nur ein wenig kennet, der wird bald seine Gcdancken dahin richten, daß die sommerlichen Zu - und winterlichen Abnehmungen der Wassern daher kommen, weilen der Schnee auf unsern hohen Gebirgen in warmen Monaten ftarck schmeltzet, in kalten hingegen bleibet. Auf solche Weise urtheilet ?ecr 6allenä. §. z. t^ib. I. Op. 7. )ob. K37 jn seinen lopogrAZilicsi-Observ-tt. P3g. 10z. Zeugen dieser Wahrheit sind bald alle Wasser, Flüsse und Bäche des Schweitzerlands; wir wissen ja, daß unsere Sihl, Limmath, der Rhein, Rhosne, und andre mehr im Sommer starck an-und überlauffen, des Winters hingegen sehr klein find. Gleichwol braucht es doch etwas mehrers zu Auslegung derjenigen Begebenheiten, welche sich bey den Maybrünnen finden; diese fliesten nicht, wie jezt-ernennte Flüsse» des Winters wenig, und des Sommers starck, sondern dort gar nicht, ' hier aber in völliger Stärcke; ja quellen gemeiniglich in dem Mayen plötzlich, und mit solchem Geräusch hervor, daß, wer dabey stehet, er- schrtcket; und finden sich Maybrünnen sowol an solchen Orten, da der Schnee zeitlich abgehet, als an andern, da er beständig liegen bleibt. Wir müssen hiemit mit unsern Gemüths-Augen das innere Eingeweyd der Berge beschauen, und wahrnehmen, was in diesen l. Theil. Xx natür- Z4§ Erzehlung seltsamer N^atur, Geschichten natürlichen Wunder-Grotten vor allerhand Waffersprünae nnd Fälle sich finden; auch denjenigen Grundsatz, welchen wir zu machen vorhaben, also einrichten, daß daraus, als aus einer lebendigen Quelle die verschiedne Begebenheiten der Maybrünnen können hergeleitet und erkläret werden. Ich wil meine muthmaßliche Meynung auf verschiedne Weise darleget:, welche denn der curieuse Leser nach Gefallen ändern und verbessern kan. Es ist nicht zu läugnen, und bey andern Anläsen zu beweisen, daß in den Eingeweiden der Bergen grosse NyclkopKyizciA, oder Wasser-Gehälter anzutreffen seyen, dergleichen Wasser-Schätze, wenn sie des Frühlings theils von dem schmeltzenden Schnee, theils von unten aufsteigenden, oben in Wasser gesammleten Dünsten, angefüllet werden, leeren sich aus, und fliesten von dem Maymonat an, so lang ein neuer Zufluß des ge- schmolznen Schueewaffers, oder der abfallenden Dünsten, oder eines auch von zusammenfliessendem Schneewaffer bestehenden Sees Ausguß::: den unterirdischen Wasserkessel währet: Oder, es kan ein solcher Wasser-Gehalter bis auf eine gewisse Höhe, ehe er sich ergies- fet, angefüllet werden, wenn nemlich der Ausqanq, von Sand oder Stein rc. verstopfet; oder es kan der Einfluß des Wassers in den Gehälter (von den Schneegängen, von zurückfallenden Dünsten, von dem See, endlich auch von andern kleinern Wafferschätzen) grösser seyn, als der Ausfluß, folglich das Wasser höher steigen: In solchem Fall nun geschiehet der Ausguß des Wassers mit sonderlicher Gewalt, wie dieses bey oben erwehnten Gorbsbachen im Sarganser- land kan gesehen werden; und wird ein solcher Brunn währen, bis nach und nach der Einfluß abnimmet, uud die Wassersammlung ab- schweinet, da die Kälte wiedrum einfallet, und den Winter über solche Brünnen müssen trocken bleiben. Hieraus ist unschwer zu ersehen, warum dergleichen Maybrün- nen bald früher kommen, und auch desto früher sich vcrliehren, bald späther anflieffen, und gegen dem Winter annoch, oder gar über den Winter lauffen: Warum das könftige Jahr meistens fruchtbar sey, wenn in gegenwärtigem die Maybrünnen lang fliesten; welches bey dem Siedemansbach in der Freyherrschaft Spictz sol angemercket werden; und nothwendig einen Überfluß von vielen wässerigen Theilen in der obern Erdenrinde, und hiemit eine mehrere Nahrung vor die Pflanzen anzeiget. Zum Beschluß überlasse dem verständigen Leser von deren Meynung zu urtheilen, welche ein Geheimniß darin suchery des Schwei'tzerlandes. Z47 suchen, daß dergleichen Brünnen von einem H. Crentztaq zu dem andern fliesten, uemlich von der Crcutz-Erfindung bis zur Creutz-Er- höhung, da nicht zu läugnen, daß etwa« von ungefehr ein May- brurrn kan anfangen fließen an dem Tag des ersten, und aufhören an dem letzten Fest; oder von des i^r-rceili Einbildung, daß diese Wasser im Herbst, wenn andre Kräuter verwelcken, auch verschwinden; oder von i'liomX Traumung, daß die himmlischen Einflüsse solche Quellen im Winter nicht aus der Liesse in die Höhe heben können; oder von denen, welche wollen, -aß die Waffergauge bey anfangendem Winter durch das Eiß verstopft den durchflieffcn- dcn Wassern den Weg abspannen; oder endlich von denen, welche aussagen, das Erdrich habe zu Winterszeiten die Kraft nicht, die Wasser aus dem Meer-Wasser anzuziehen. Von den Metallen des Gchweitzerlands. dem bergichten Hungarn, Sachsen, Peru, gibt es Metall-reiche Berg-Städte; dorthin müssen die metallischen Theile durch die Wasser der Süudfluth, wenn je des gelehrten Woodwards Grundlehre, von Zertrümmeruna und Zermürstmg der ersten von Gott crschaffnen Erde in der Süudfluth, statt findet, in grosser Menge geführt, und kraft ihrer Schwere in die Dessen der Erde gcsuncken seyn, allwo fie gantze Lagen und Adern von köstlichen Metallen formirt haben, welche man nun bey Metall-gierigcn Zeiten mit unbeschreiblicher Arbeit hervorsticht und gräbt. So möchte einer gedencken, ist auch unser Schweitzer- land in seinen innern Eingeweiden mit Gold, Silber und andern Metallen, das Eisen ausgenommen, angefüllt. Ich meines Orts vermuthe eher das Widerspiel, und kommt mir unser oberste Gipfel von Europa also vor, daß in der Sündfluth vornemlich diejenigen lcttichtcn Theile, welche hernach zu Felsen, Stein und Marmor worden, dorthin müssen geschwemmt und ausqehäuffet worden seyn, -waren mit dem Erlauterungs-Anhang, daß nach sonderbarer Leitung des grundgütigeu Gottes die oberste, als leichteste Lage, aus einer luftigen fruchtbaren Garten-Erde formirt worden, welches Lr 2 schwär- Z48 Erzehlung seltsirmer lTkatuk-Geschichten schwache Kleid bald nach der Sündfluth sezieret/ und mit der grünen Graß- und andern schönen Kräuter-und Blumen-Farbe gleichsam durchwürcket ward, mit denen es anjezo durch Gottes Segen zu unserm grossen Nutzen pranget, ungeachtet seit der Sündfluth das Schwcitzerland viel von seiner Erdenfeißte dem Deutschland, Niederlanden, Italien und Franckreich mitgetheilet. Gleichwol aber müssen sich bey jener grossen Erden-Aenderung gar viel metallische Theile an die Lett-sieinichten angehänget haben, und mit in unsere Lande geschlcppet worden seyn, weilen wir noch zimlich viel verschicdne und schöne Metalle haben, wie hernach gczeiget werden sol; wiewol unsere Lande, so wenig als andere, denjenigen Reichthum besitzen, welchen sie in der ersten Welt gehabt, da sich wol einzubilden, daß das Gold und andere schimmernde Metall-Schätze an grossen Klumpen unmittelbar aus der Erde müssen hervor geblincket haben, so daß man ohne sonderliche Mühe -erselbigen habe können theilhaft werden. (*) Denn der nach gerechtem Gericht Gottes, bey Anlaß des ersten Abfalls der Menschen von Gott, aufdie Menschen und die Erde selbst ausgesprochne Fluch unter anderm auch diese Würckung gehabt zu haben scheinet, daß die vorher Klumpenweise zusammengeführte metallische Theile (**) in der Sündfluth zer- tzückct, zertrümmert, und unter die irdischen und steinichtcn zerstreuet, ja gleichsam Stücklein- oder Fetzleinweiie begraben worden; daher auch unsere jeztge Erde der vorigen an Fruchtbarkeit viel nachgibt, und die Metalle mit gröfferm Schweiß und Fleiß gegraben, und von andern fremden unnützen Theilen gesöndert werden müssen. Unsre Schweitzerische Lande, wie sie so viel offenbare Ueberbleibsel der Sündfluth zeigen, daß sie mit Recht l'bescrum keliquiitrum vlluvii, ein Schauplatz der Überbleibsel der Sündfluth können betitlet werden, also sind dieser metallischen Theilen Zerstücklung und weitere Ausspreitung, so auch ihre Anhängung an die irdische steinichte Materie, ein lebendiges obgleich todtes Zeugniß. Es verwundern sich die Sächsischen Berg - und Metall-vcrständigen Ertz-Knappen über der grossen Verschiedenheit der Situation oder Lagerstelle unsrer und ihrer Metallen. In dasigen Landen liegen die Metalle tieff in die Erde eingesenckt, je weiter man in dero Eingeweide abgräbt, je (*) Schtt oben die Anmerckulig. C ) Bl- des SchweLyerlandes. Z4, je besser und köstlicher sind die Stuffen, die obere Erden-Rinde aber ist zimlich unfruchtbar, die Schärffe vieler metallischer aus dem inner» der Erde aufsteigenden Dünsten versenget gleichsam das Graß, Korn, und andere Früchte. Hingegen sind in den Dessen unsrer Gebirgen mehr Wasser- als Metall-Schätze, weßwcgen dann die aufsteigenden und sich in Wolcken, Brünnen, Flüsse und See verwandlenden Dünste mit wenigen metallischen Theilen begleitet, die obere Erden- Rinde nicht nur befeuchten, sondern anbey sehr fruchtbar machen, wie alle unsre Alpen, graßreiche Wenden, blumenvolle Berg-Gärten, ja das gantze Land, welches gleich dem Lande Canaan von Milch und Honig Messet, dessen Zeugen seyn können. Und liegen die Metalle gemeiniglich nicht in ihren Adern, sondern mehrmalen also zwischen den Felsen ftückleinweise eingesprengt, daß man sie mit desto grösserer Mühe scheiden, und, wenn man vermcynt auf einer guten Ader fortzusetzen, auch gute Ausbeute zu machen, bald davon ab, lasen muß: auch liegen sie nicht tieff, sondern c,ehen, nach Bergmännischer Art zu reden, ;u Tag aus, das ist, sie liegen oben, und verschlimmern sich, je weiter man in die Liesse gräbt. Also z. Ex. in Schamsischen Bcrgwercken in Pündten halten die obersten Ertze sieben Marck Silber im Centner, diejenige aber, welche i z. und mehr Klafter tieff liegen, nur 12. Lothe. Welches insonderheit den Gewcrcken dienen kan, die dergleichen Bergwercke in Bestand haben, oder auf sich nehmen wollen, aber vor ihre Zubuß auch Ausbeute zu machen hoffen. Es locket sie zwar die geringe Liesse des Ertztes an, hingegen aber stehet ihnen die Unbeständigkeit der Gän- gen im Weg, welche sich aufthun, oder die Füsse von sich strecken, und wiedrum abschneiden, oder verliehren können, weßwegen man genöthiget wird die Zechen bald da bald dort zu bauen, und selbst die Schmeltzhütten und andre Gebäude anderwärts hin mit grossen Un- köften zu versetzen; nebst dem, daß hin und wieder grosser Mangel an Holtz, und die Bergleute mit grosser Unkommlichkeit, unter Hoffnung grossen Verdicnsts, aus Sachsen hergebracht und unterhalten, auch die Einwohner vor ihre beytragende Mühe wol bezahlet werden müssen; so daß man nach gemeiner Redensart oft eine Ganß in Back wirft, und eine Wurst wiedrum hervor zieht. Ich wil mich aber dabey nicht länger aufhalten, sondern die Gewerckschaft elbft den Ueberschlag machen lassen, ob sie bestehen oder nicht, und ndeffen zu besondrer Vorstellung aller Metallen, welche sich in mr- ern Helvetischen Landen besinden, fortschreiten. Von Zso_Er zehlung seltsamer Natur-Geschichten _ Von dem Schweitzenschen Golde. ÄMS sol billich das Gold, als das schwerste Metall, welches auch in allen Wclthändlen das vornehmste Gewicht machet, und als eine der herrlichsten Gaben Gottes angesehen werden kan, zu deren uns gleichsam die Natur selbst, gleich als zu einem Magneten, ziehet, den Vorzug haben. Es schnappen die kleiner» Kinder nach Golde; denen Erwachsnen ist nichts liebers, als Gold; bey den sonst kalter» Alten findet fich eine feurige Liebe nach dem Golde. Es befitzet dieses fcurgelbe Metall nicht nur die Herzen des armen Manns, sondern auch der reichsten Königen und Fürsten, welche durch dessen Glanz oft mehr ausrichten, als durch eiserne Gewalt der Waffen, propenius würdiget diese Göttin in wenig Versen fünfinal zu benennen, wenn er ihre Würckungen also ausdrücket: ?lurimus-wro Venir tionor, >wro concilizwr ^mor. Huro pulls kicle§, -wro venalia ^urz ^urum I^ex lequimr, mox Uns I^eZe puclor. Und hat ^Ntonius X^zjoi-Jgius eure schöne Rede von dem Lob des Golds (philocbr^lus, live kilu 8 , ?seiiv 5 , und andere jüngere Griechische 8 cnbemcn in verwandelt haben: vor welches Obsyrnm zwar andere lieber ein durch das Fenr, und nicht von Natur selbst fein gemachtes Gold, verstehen wollen. Sonsten heisst» unser von Natur gediegen Gold, nach der Zeugniß kiimi käb. XXX. csp. 4. die Spanier k'siLcrss, oder l^Ucran^, (andere lesen P 3 lzc 38 , ^ 3 l 3 cec>N 38 .) welches 82>M3iil,i8 in 8oIin. p. 7s7.762. in l^L- >2^8 verändert, weilen die Griechen durch eben solche Körn- lcin, oder gediegene Stücklein verstehen. Bey jeztgedachtem l^imo stehet auch das Wort ^wtziz, so auch 8 criAiie 8 , 8 rr,n 8 >ic 8 . und wil 83im38 üb. cir. p. 762. daß Daniel X: s durch witt welches unsere Übersetzung gibt, guc Arabisch Gold, eben dieses gediegne Gold müsse verstanden werden. Ich fahre aber fort, weilen mir wol einbilden kan, daß den meisten geehrten Lesern nicht damit gedienet ist, wenn man sie in die Wörtcrschule führet. Verhoffentlich wird dann schon angenehmer zu vernehmen seyn, wo, und in welchen Cantons das Gold sich finde, wie man mit dieser Fischerey umgehe, und wo eigentlich die ursprüngliche Gold-Quelle sey, von deren die kleinen Gold-Sandlein oder Flitzschen herkommen. In dem Canton Bern waschet man Gold aus der Emmat, ncmlich der grösser», weiche in dem obern Emmcnthal aus dem Berg Schibcnflu entspringt, und unter Solothurn in die Aare flies- stt; denn die kleinere Emmac nimmet ihren Ursprung in dem Ent- libnch, im Berg Neffelstock, und fliestet unter Lucern in die Reuß. Also auch führet die Aare, ^roiz. ^rsrig, in bemeldtem Canton, Gold, sie hat ihre Queller! theils auf der Grimsel, theils auf dem Wetterhorn , zweyen hohen Gebirgen, und ergießet sich bey Coblenz in den Rhein. kr 3 nc>icu 8 berichtet in seinem So- lothurnischen Schauplatz k>- u p. ;ro. daß in dem Schatz daselbst viel aus der Aare und Emmat gesischetes Gold aufbehalten worden, welches auch das beste seye, und 22. Larac an fin halte, so es durch Spießglaß zum dritten mal gegossen, und alsdann durch Bley aufeiner Capelle gereinigt, so daß auch zwischen Ungarischem und Arabischem und diestm Golde wenig Unterscheid an Färb oder Zähe möge gespürt werden: Es gehe ihm im durchgehen 2.z. 8rruv. Oi^^uricl.cle^uro^iuvialili ir. 1Lcc. zusehe»». Zwaren ist man in unsern Eybgnößischen Landen nicht so genau, wie anderftwo, z. Er. in derPfaltz, da der Churfürst die zwischen Man- heim und Oppenheim habende Goldgründe gewissen Personen irr Bestand giebet, und zu Urkund dessen gewisse Bestand-Briefe ausfertigen lasset. Wie in gantz Europa bald kein Land ist, da die Volcks-Freyheit in grösserm Grade sich sinde, als die Eydgnoßschaft, also zeigen sich auch bey uns die wahren Überbleibseln desjenigen Na- tur-Rechteils, mit welchem Gott die Menschen begäbet, kraft dessen einem jeden das zugehöret, was er findet, ex §. >8. i. 6e kerum vi- vilione. Unsere hohe Obrigkeiten mache»» kein kionopaiium aus dem Golden, man lässcr jederrna»» ohne Unterscheid zu, Gold aufzusuchen und zu waschen nach Belieben, mit dem Vorbehalt zwar, daß ein gewisser Zehenden oder alles gefundene Gold in gewissem Werth der Obrigkeit oder dem Landvogt zugestellet werde. Wie denn die Bauren in der Grafschaft Baden ihres oberhalb Klingnau gefundne und vorher geschrnoltzne Aaren-Gold in die Stadt Baden bringen, es bey einem Goldschmid wägen lassen, von ihm einen Zedul Nehmen, und ihn dein Landvogt bringen, der dann ihnen ii. Thaler vor die Krone gibt; das übrige so etwa»» Thaler oder 4 . Kronen oder 32. ß. bleibt dein Landvogt. Es ist diß eine alte uud auf die Bil- lichkeit gegründete Sache, derhalben eine ausdrückliche Satzung stehet L. 'lüeoci. cle l. z. Huicjijuiü /^urum »mplius coUiZers poluerim, kisco poritlimum clillrabank, ä quo Lompekentis ex llsr- xilionibus nollris ?retik luscipienr. So ist bekannt aus Noppen. c^urN. s-. c. IZ. wie die Fürsten in Deutschland sich den SUberkauff By 2 i»l Zs6 Erzehlung seltsamer kIarur-Geschichten n ihren eignen Landen vorbehalten; und findet fich des Golds halber folgende scharffc Satzung in der Serg-Ordnung m Nieder- Oesterreichis. Landen ^rc. 177. Alles Gold, und so auf dem Wasihwerck gemacht, so! niemand anders verkaufst werden, bey unser schweren Straf an Leib und Gut. Ich glaube aber auch, daß in einigen Cantons auch diese sonst schuldige Pflicht nur nicht einmal begehrt oder eingefordert werde. Schreiten wir zu der Weise fort, deren fich unsre Gelder bedienen, das Gold von dem Sand oder Schlicht abzusondern, so finden wir bey ihnen eine künstliche Einfalt. Einige waschen das Gold- Sand durch ein wollnes Tuch, wie der sogenannte Nördlingcr ist, in dem die Goldflizschcn hangen bleiben; gleich einsten die Einwohner der Landschaft Colchis mit ihrem Waschgold umgegangen, nach der Zeugniß xi. p. 49- welcher auch die bekannte Fabel von dem äureo Veiiere, oder güldenen Fließ daher leitet. Andere nehmen das Gold in eine Mulde, waschen den Sand davon, also daß nichts übrig bleibt, als der schwarye und weifte Schlicht, laftrn denn (Quecksilber hineinlauffen, welches das Gold an sich ziehet, thun diß in ein Leder so gehet das (Quecksilber durch, und bleibt das Gold im Leder, just Wie man in der Grafschaft Schwarzenburg, nach dem Bericht Dmrneylers b>b. v. csp. 5. verfahret. Es bemercken aber die, welche die Scheidkunst recht verstehen, daß man aus dem Gold-Sand einen weit grösser» Nutzen beziehen könte, als würcklich geschiehet, daß nemlich durch Mittel des Feurs nebst einem Theil Gold allezeit zween Theile Silber heraus zu bringen, welches aber die Golder nicht verstehen. Der vorgesetzten Ordnung zufolg gehe ich fort, die wahren Quellen zu suchen, aus welchen die Gold-Stäublein und Körnlem herkommen, und so viel desto freymüthiger, weilen nicht wenig an dieser Untersuchung gelegen, und diejenigen Cantons, oder Zugewandte Orte der Eydgnoßschaft, in deren Gebiete die eigentlichen Gold-Quellen könten entdecket werden, grossen Nutzen sowol vor das gemeine Wesen, als angehörige Privat-Personen, schaffen könten. Es finden fich dieser Sache halber sowol in - als aussert dem Schweizerlande verschiedne Meynungen. Die wenigsten halten davon, es werde das Gold in dem Sand nach und nach durch der Sonnenwär- me, unter allgemeiner Würckung des Weltgeifts, gezeuget: Die meisten Gelehrte und Ungelehrte, wollen, dass innert den Gebirgen, in des Gchweitzerlandes. in dem Eingeweid der Erde sich rechte, reiche, Geldquellen finden, da diß edle Metall häuffig beysammen, von dannen aber durch die Wasser abgeflösset, und andersiwohin geführet werde, so daß man bey dem Ursprung der Aare, Reuß und Emmat reiche Berg-Schätze zu verhoffen hätte. In dieser Meynung stehen wir Schweißer selbst, aber auch, wie jezt verbeulet, die meisten Gelehrten, als 6evrZ ^ric. X^3Zner. tiiii blsr. Uelv. p.Z so. In dem Canton Bern finden fich Silber-Ertze bey kex. LzHir- cum, einem Dorffe oben an dem Genfer-See gelegen. Wagner lib. cir. pLA ;4S> Bey den Ucnern sollen fich auch Ertze finden, nach ^Znen Zeugniß i c. Ich habe aber hievon noch keinen eigentlichen Bericht. Auf dem Grossen Diechelm , einem hohen Gebirge im Sihl- thal, Schweiger-Gebiets, zeiget man ein Silberloch, aus welchem ehemalen viel Silber muß hervorgegraben worden seyn. uer. alpin. prim. p. 6. In dem Canton Unterwalden sol der Berg Schnyden, in der Pfarrcy Gaxien, und also auch Wöiflis-Alp un Melchrhal, Silber-Adern haben. I.c. p. In dem Canton Glarus fände man auf dem Berg Guppen, oberhalb Schwanden, A. 1526. etliche Anzeigungen eines Silber- Ertzes, worauf der Berg nach Bergmännischer Weise gefreyet, und eine Grube, von vielen Landleuten und Fremden, bevorab Hrn. Felix Grebel von Zürich, und Conrad Grebel von Baden, welche Bergleute aus Joachimsthal beschrieben, aufgeschlagen worden; es ward aber nichts sonderliches ausgerichtet, weilen die Adern, so man ver- meynte gefunden zu haben, fich allezeit wieder verlohren. vaienr. Ilcbuä. bliü. Kelorm. Olaron. acl än. 1526. dessen gedkncket auch Wagner, p. Z49. In pündten gibt es hin und wieder Silber-Ertze. ^Znerus p ; 50. gedencket folgendes: Jm Thal kerrers. Scarla; in der Landschaft OLvos; in dem Berg koöerL, oder k^fsisrio, Buffalor, im Untern Engadein, s. Stunden von dem Dorff l-svin, so auch im Schamftrrhal. Die Landschaft Fillisur sol so viel heissen, als Vzi- l>8 Aurea , ein goldreiches Thal , weilen man alldort vor A. 1618. Silber, Kupfer und Bley in zimlicher Menge gegraben, und find auch dieselbigcn Bergwercke zu unsern Lebzeiten wiederum geöffnet und gebauet worden. Dißmalen werden noch die Gruben im Schamserrbal, oberhalb dem Dorff Ander, gebauet, nicht aber mit solchem Glück, wie zu Anfang des jüngft-verwichnen Jahrhunderts, in Bestand Hrn. Holtzhalben und Nüschelern von Zürich. Diese Waren so glückhaft, daß fie alle 14. Tage ein Stück Silber gegossen, Erzehlung seltsamer kTkatur-Geschlchren so schwer/ daß der stärckste Mann genug daran zu tragen hatte; die Unkosten bezahlten sie aus dem Bley und Kupfer. Die Gange in den Gruben waren so reich/ daß die Knappen/ wenn sie am Abend aus der Grube gegangen/ und ein Feur darein gemacht/ am Morgen ein zimlich Stuck rein ausgegoßnes Silber gefunden. Sie theilten aber den Armen grosse Almosen aus/ und je mehr sie gaben, je reichern Segen genossen sie im Bergwercke. Sonderlich wird in den ^nnsiibur des Orts eine Fram RegulaNüschlerin, als eine rechte Mutter der Armen, welche sie alle Freytage mit Fleisch/ Suppen und Brot gefpiescn, gerühmt. Nach deren Tod hörten die Almosen auf, und mit ihnen der Berg-Segen; es entstunden allerhand Mißhelligkeiten, und menge alles zu Grund. Die Herren Francken von Plurs hatten in dieser Schamscr Landschaft 7. Gruben/ und bereicherten sich sehr daraus. Nachdem aber A. 1615. der gerechte Gott den Flecken Plurs mit allen seinen Einwohnern mit einem kläglichen Untergang gestraft/ sind auch diese Gruben zerfallen. Diese besondre Nachricht habe von dem Ehrw. Hrn. i.uä. ^oiirore, Pfarrer zu Ander. Auf dem hohen Gebirge Galanda , welches zwischen Chur und dem Vettißthal im Sarganser Lande, auch selbst in jeztbenann- ter Landschaft Schams, und anderswo in Pündten/ findet sich Sil- ber-Ertz in einem weissen mit Bergqrün und Bergblau durchmeng- ten Gesteine. Es sol auch Silber-Adern bey Ober-vag, Disemis, und im Thal Gt. Maria haben. Im Walliser-Lande gibt es auch Silber-Ertz/ nemlich im Ei- schoUerchal, im Rarer-Zehenden; im Enfischerrhal, und zwischen kercorin und Grün des Sider-Zehnden; im Thal Baneas in Untcr- Wallis. I.c. p. zsv. aus 5 imler Vslles. p. ro. 2Z.r8. UNd ? 2 - rsäin. Lbroniq. cie 8avove, p. 15 . In der Herrschaft Engelberg, welche an Uri, Unterwalden und Bern angräntzet, und dem Closter dieses Namens, Benedictiner- Ordens, eigenthümlich zugehöret/ sind auch Silber-Ertze im sogenannten Bruderloch und Geißloch in vitriolischem Stein und Erde, auch in der Rcyen, und aufdemljoch, einem hohen Berg, dessen letztem auch tteiv. cur. p. rxo. gcdencket. des Schweiz erlan des. Z6i Von dem Eisen des Schweiyerlands. i^^S ist bekannt/ daß die Lkymic, mit einem Zeichen ^ den krie- gerischen Abgott ^s, den Planeten ^t-rs, und das Eisen abbilde«/ ja selbst dieses letztere mit dem ^l-rns-Dtul bekleiden. Ob ihnen der Einfluß des Martialischen Gestirns über das Eisen/ und Martialische Gemüther der Welt/ oder die rothe Gestalt -es Harris und Eisens hierzu Anlaß gegeben habe/ wil ich dißmal nicht untersuchen, das aber den naswcisen Sternschcrn zugefallen allhier einsetzen / daß es scheine/ ihr Martialischer Grundsatz von Martialischen Einflüssen über Martialische Länder und Gemüther bekräftige sich nicht wenig durch das Exempel unsrer Helvetischen Landen. Der alte und neue kriegerische Oemos der Schweitzerfchen Nation ist aller Welt durch verrichtete Heldenthaten genugsam bekannt/ daß ich »«nöthig habe die Wahrheit dieser Sack zu beweisen. Ich füge aber auch hinzu/ daß bald kein Land so viel Eisen-Ertz hat, als das unsrige. Nur fehlet es uns an genügsamen Beweggründen, daß unser Vaterland unter einfliessender Regierung des Jrrsternen vor allen Ländern aus, siehe. Könte mich jemand dessen bereden, so wolle ich kecklich behaupten, daß unsre Schweitzersche Gemüther und Leiber von oben herab durch kräftige Einflüsse aus dem Planeten-Himmel geftählet würden, acstählct von unten durch Martialische aus unserm Eisen-reichen Land aufsteigende Dünste, gesichtet durch eigne in alten Römisch- Oesterreichisch > Burgundisch, und heutigen, sowol ausländisch- als einheimischen Kriegen, so vielfältig geübte Kriegs-Erfahrenheit, zu deren auch unsre Kinder angeführet werden, ehe sie recht aus der Schale geschloffen: Ja ich wolle endlich mich und andre bereden, daß wenn je bey einer Nation die Kunst der Fcftmachung sich finden solle, solche der Schweitzerfchen, als ein Vorrecht, gebührte, um so viel mehr weilen unsre Leiber von rauher Kälte der Winden auch so zu reden gehärtet werden, wie wir oben gesehen, daß das Berqholtz von kriegerischen Völckern vor andern aus zu Bereitung der Waffen gebrauchet worden, als das härtere und leichtere; und im Sarganser-Land, da die reichen Stahl- Bergwcrcke sind, das aufwachsende Holtz selbst gleichsam geftählet wird. Ich wil Wetters mit dieser Vernünftelung nicht schreiten, damit ich nicht manchem Hasen eine Forcht vor der Schweitzerischen Nation einjage, oder andern einen Weg zeige, auf unbegrundre 1. Theil. Zz Grund- Z 62 Erzehlung seltsamer st^atur Geschichten Grundsätze, oder einbildische Vorurtheilc ein gantzcs Gebäude von allerhand Scheinwahrheitcn aufzuführen, wie solche Schwachheiten obbcnennte Sternwcisc und Chymisten an sich haben. Wil hicmit dieses alles in die leere Luft geredt oder geschrieben haben, und zu dein Schweitzerschcn Eisen-Ertz selbst fortfahren. Der gantze Bergbesten Lrekar. b.,b. l Lsli. Osil. ?iin. b.. lll. c.44.. und andre alte Scribcnten mehr unter dem Namen jul-assug, l gedencken, ist bald durchaus in seinen Eingeweiden mit Eisen und eisenschüssigem Kieß angefüllet. Unter diesem Namen des jur-e aber verstehen wir den grossen Strich ge- birgichtcn Landes, welcher sich von dem Schafhauser Gebiete durch den Canton Zücich . die Grafschaft Baden, die Cantons Bern, Golothurn, Basel die Grafschaft Neuenbnrn, und folgenden Strich Landes längst dem Genfer-See hin bis in Franckreich, ziehet. Hicmit gehören unter diesen Dtul gar viel namhafte mit ihren besondern Namen bezeichnete Berge, als der Randen, Lager-berg, Blauen, Bötzberg, Schastmatt, Ober-und Nieder-Hauen- stein, Wasserstau, St. Llaudis-Berg, und andre mehr. Auf dem Lägerberg, Züricher-Gebiets , welcher sonst auch hcisset Läg-ren, Lägerberg, ^e^erius >äon8 . findenfichschonzim- liche Anzeigen eines Eisen-Ertzes, nemlich allerhand sigurirte oder gebildete Steine von Eisen, oder eisenschüssigem Messe, deren einige runde Zucker-Erbsen, glatt und krausen, groß und kleine Cubeben, Würffel, Schnecklein, Muscheln, Sternlein, Ammons-Hörner, und so fort, vorbilden: man findet diese Stcinlein tu dem Pöppelzer- Berg bey dein Wachthauß; an der hangerlden Rüti, rc. Bey den Zucker-Erbsförmigen Eisenstüfflein kau der curieuse Liebhaber be- mercken, daß rund um ihre äussere Fläche kleine hervor ragende vier- eckichte pyramicl->lische, oben zugespitzte oder abgeebnete Stücklein zu sehen, und folglich diese Art Steine füglich mit jenem rostfarbigen grob'pitzigen Mrrcasit, mir vor sich geschobenen Buckien, sto spitzig sind wie ein Demant, kan in Verglcichung gesellet werden, p.6s; ja auch mit jenem Liöerile, welchen unter dem Dtul eines Demantsteins aus Indien ^Im3lm8 in 8o>m. pzg. 77774. bekominen hat. Diese Anmerckung habe ich allhier beysetzen wollen, weile»» von solcher Gestalt die meisten Eisen-Kicsse sind, die sich auf unsern hohen Gebirgen finden, und mehrcntheils kuglicht sind, als zum Ercmpel diejenigen Schwefel-Kicsse, welche in der des Gchweitzerlandes. _ Z 6 z Freyherrschaft Hoben-Sax, oberhalb dem Dorff Frümbsen anzutreffen, seyn körrnerr. In dem Canton Bern gibt es Eisen-Ertze in den Bergen Baum- garren, Bötzberg, und allda im Adlersberg, Schortzberg, so zwischen Habspurg und Braunegg; weiters im Müllirhal, Haßli- cbal, und Gurenrhann, deren auch ^gner btill. bist. blelv. P.;50. Meldung thut, und Räbmann Gefpr. von Bergen, p. lyA. Bey dem Dorff Lengnau grabet man auch ein reiches Eisen-Ertz, welches man im benachbarten Dorff Grenchcn, Solothurner Gebiets, schmelzen lässet. Es eignen sich aber die Herren von Bern den zehenden Kübel voll zu, als ein Zeichen der hohen lei^ron-,! Bottmäßigkcit, wie diß auch in der Grafschaft Baden practicirt wird. Das Eisen- Ertz, welches sich überall durch die Grafschaft Baden und im Bötzberg, so auch zu Lengnau findet, heisset gemeiniglich Bon-Ery, weilen es sich den Erbsen und Bonen gleichet, welche entweder frey aufeinander liegen, oder in einem gelben Lett, gleich als in einer Mutter, eingestricket sind. Indem Canton Lucern ist Eisen-Ertz in der Alp Bleiken, m der Pfarr Schnepfen, V18L. In dem Canton Url ist Eisen in dem SchwaryenEry-Berg, ttlü. d§ar. bleiv. p. Zs0. Die Uncerwaldner haben Eisen-Ertz im Melchthal. lch Der Canton Goloeburn hat Eisen-Ertz in den Landvogteyen Lalckenstein bey der Cluß; Thierstem bey dem Dorff Erschwyl, und Gilgenberg. lll. l. c. Die Glarnkr haben Eisen-Ertz auf Guppen, einem Berg oberhalb Schwanden, m. I. c. Es ist auch auf dem bekannten Berg Glärnrsch, an der Seite des Scerüti-See vor diesem eine Eisen-Grube bearbeitet worden, welche nun, gleich obiger auf Guppen, ohne Frucht lieget. Der Canton Gchafhaufen hat Eisen-Ertz auf dem Randen- Derg, (p) und auf dem Roß-Berg bey Osterfingen. Zzr Die (p) Ich habe vor einigen Jahren auf dem R.rnden einen grossen weisst» Kalck. Sem in Glücke geschlagen/ und mitten in demselben «ine EtsemAder/ in Ge« statt eines Drachs/ mitten in dem Stein gefunden/ davon ich ein Stück mitten durch den Stein gehend/ noch besitze. Z64 Erzehlung seltsamer dlaturrGeschlchten Die n«. r^hetlsi-ben pündte haben in ihren Landen zimlich viel Eisen, als in den Thälem^illisur, Lcgrlz, ?erre3, ?errerz. (inder Schamser Landschaft, welches eben daher auch seinen Namen trägt, und ein köstlich Eisen-Ertz in grosser Menge, sonderlich auf dem Gebirge kmeii, hat, so aus Mangel Holtzes unbrauchbar lieget) Lsil- viserthal. ^->Zner i. c. Der berühmte Guler in seiner k-kn-» ge- dcncket auch, daß ehemals im Malenckerchal Eisen-Ertz gebauet worden, welches im Veltlcin liegt, und von Sonders in das mitt- nächtig Gebirge hinein sich dem Wasser Maler nach erstrecket, i8i. weiters im Thal so auch im Veltlein neben ^i^reciL sich gegen Mittag in das Gebirge ziehet, p. >8r. in dem Eisemhal, welches oberhalb dem Dorff l^ra unter den Bergen i'rona und Ironeiu liegt, auch im Veltlein. p. 184- Auch finden sich Anzeige verfallner Eisen-Gruben auf dem Berglein Loim-,cii osric»: iä. psg. 189. Es find auch Eisen-Ertz auf Davos, bey Alvaneu, und zun tzct)mitten. Bey Zeu'iez im Untern-Engadein ist A. i68s. ein reiches Eisen-Erz bey Offen entdeckt worden, welches auch guten Stahl gibt. Das Land wallls hat Eisen-Ertz im Tridenn'ner-Thal, welches zu Mal rinnet) gehört. p. I. aus 8imler VzIIek. 2A. b. Die Grafschaft Neuenburg in , bey der Beste Oulene. und bey krolle 3UX kees und Lure. Der Bischoffvon Basel bey dem Dorff kickonec, 2. Meilen von Diel, an dem Wasser Sckuisss, xn Man gräbt auch Eisen-Ertz unterhalb der Stadt Ursitz am Berg, das wird m Schiffe geladen, und gen Leiiesomsine herab zu schmeltzen geführt, da jährlich 8oo.oder iooo. Centner Eisen gemacht werden. vrüi5. Baßler Lkrvn, p. t . In der Grafschaft Baden, welche von Vli. alten Orten (q) regiert wird, liegt gar viel und gutes Eisen-Ertz. Der gantze Berg- Strich vom Lappeierhof (da die Herren Merlanen von Basel vor weniger Zeit haben arbeiten lassen) hinweg bis aufEndingen hinab, ist von des sogenannten BomrLerzes, welches erstlich aus dcmLett in kleinen Mulden gewaschen, und denn bey Lauffenburg an dem Rhein zu Eisen geschmoltzen wird; der zchende Kübel aber gehört (q) It,o seit dem legen einheimischen Krieg A. i?'». nur von den Orte» Zürich / Lcrn und Gtar^s. _ des Gcbweitzerlemdes. z6s der hohen Lands - Obrigkeit. Es schreibt Wagner in seinen ^ 80 . daß man auch bev Tegerftiden in den Aeckern ein gut Eisen-Ertz finde/ aus welchem ein gar guter Stahl gemacht werden könne. In der Grafschaft Gargans haben das oben ««gerühmte Eisen-und Stahl-Bcrgwerck die Herren Gnaden von Flums in Bestand. Von dem Rupfer des Schweitzerlands. ^8^ As Rupfte, und das aus ihm gemachte Ertz oder Meßing, ^urick^icum, denen das neu-erfundene Pemtz-Meeall zuge- setzt werden kan, gehören nicht unter die geringsten Metalle. Der schönroth und gelbe Gold-Glantz locket manchen Alchymisten, daß er sich unterstehet, den Schwefel des Kupfers noch mehr zu stgi- ren, und dadurch in das Gold selbst zu verwandten. In den ältesten Zeiten hat man das Kupfer und Ertz sehr hoch gehalten. Davon wurden die Geschirr des Tempels Salomons gemachet. i.Reg. ?: 4t. Job vergleicht den Himmel mit dem Ertz, Cap. z?: 18. wie auch ttomerus jhn nennet. Der Sohn Gottes selbst vergleichet sich mit gläntzendcm Ertz, Dan. io: 6. Apoc. i: 15. Ja es scheinet der Gebrauch des Ertzes älter zu seyn, als der Gebrauch des Eisens; wie auch das ehrene Welt-Alter dem eisernen vorgesetzet wird. In den Nordischen von alten Cimbrern bewohnten Landen, wo man in den Grabhüglen Eisen findet, da liegen an- rroch die OmX icpuic m-,ie8, oder Grabdöpfe unversehrt, wo aber den Todtcrr küpfernc Instrumente oder Waffen zugeleget worden, da ist von irdenen Geschirren, zum Zeichen einer höheren Aelte, alles zerfallen; und bezeuget »Socius Oper. Le o,er. v. ,4.9. -aß in dein ehre»,en Welt-Alter alle Waffen und andre Instrument ehern, und das schwache Eisen noch unbekannt gewesen. Die alten Römer bedienten sich der ehernen Tafel»,, ihre Gesatze, Erkannt»,iffen, den Lauff des Gestirns rc. darauf vorzustellen, und hiessen sie llxum. Die Geschirre, Götzen, Thüren und Säulen in ihren Tempeln waren von diesem Metall. Wie groß annoch jezund der Nutze sey, den wir von dem Kupfer und Ertz haben, zeigen vielfältig die Koch- Geschirre; welche auch, so sie nicht wol verzinnet werden, oder aus einer unrechten Vermischung eines gefährlichen Zusatzes, zu grossem Schaden der Gesundheit gereichen können. Zrr Nr- z66 Erzehlung seltsamer N^atur-Geschichten Xirckerus in seinem 8ublcr. l^. X. p. 218 schreibet, daß ein zweyfaches Meßing sey, ein natürliches, welches aus einem gewissen Ertz, ohne andern Zusatz, gekochet werde; das andere künstlich, oder durch Kunst, und nut Zusatz andrer Mineralien gemachet. Ein natürliches ^uricNsicum, oder wahrer eigentlicher Messing sol das kosmische, an Färb gelbe Kupfer aus Lickym-,, I>iic^num > Oemonelium gewesen seyn, welches 83imAsiu8ttyi. )»>ric. P.228. Lcc. beschreibet. Ob diß ein wahrer Meßing gewesen, oder, ob jezuud ein natürlicher Meßing in der Welt sey, wird sehr gezweifelt: Der Weltberühmte cle ^r. kotig. l^ik l. p. 1 87. wil von keinem andern wissen, als von dem, so die Kunst hervorbringt. Heutigs Tags weiß man auch nichts von dem natürlichen Meßing. Wahr ist es, daß es ^-"-otiien, oder Schwefelkiese gibt, die ein Aussehen haben, wie der schönste Meßing. Einen solchen zwölfsetzigen Kieß habe ich unlängst aus der: Walliffer Gebirgen erhalten; wenn man aber dergleichen Kieß in den Tiacl wirfft, so kommt nichts zum Fluß, und rauchet der Schwefel ab. Von solcher Art Kieß ist, wie ich vermuthe, der Meßing, dessen m seiner ttiu Nsc. tteiv. p. 354. gedencket, daß davon ein qantzer FelßimwegIi'chal, in derMarck, Schweitzer-Gebikts, bestehe, welcher schwer, und am Glantz dem Gold oder Ertz gleich sey, aber durch keine Gewalt -es Feurs könne geschmoltzen werden. Auf dem Mortsch-Berg , Mürtsch-Gtock , welcher auf der Glarnerischen Seite des Wallenstarrer-Sees aufsteiget, ist ehemals ein Knpfer-Ertz gegraben worden. In Hoher ktiseriz, oder Grau-Pündten, gibt es die meisten Kupfcr-Ertze, die wir in Helvetischen Landen haben, als bey dem Lläscher -Berge zwischen Lalckins und dem Meyenfelder Berg, im Liäck: irr denen Thälern . Mrsur; bey dem Berge Buf- falor, im Untern Engadein; und in der Landschaft Davos. »in. Nsc. ttelv. p. Zsl. Weiters in dem Schamserchal, bey Ober- vatz, bey Disenris ; von 83ML Croce habe ich auch ein aus einem Ertze gegossenes Metall, so dem Kupfer ähnlich ist, bekommen. Ein mit etwas Bley vermengtes Kupfer-Ertz findet sich oberhalb ZLUis, in dem Gebirge vetpm. Ein wildes sriemcaiisches Kupfer - Ertz ist auch auf der Gchamser Alp, i-rmbin genannt, anzutreffen. Ein filberhälttg Kupfer-Ertz findet fich im Rheinwalde, unter dem Ge- des Gchwekyerlandes. Z§7 birg8unerre, nicht weit von 8uver8. in dem Geriwald, oberhalb lr In wallis gibt es Kupfer-Ertz in dem Armenserchai, des Gie- leNrZchenden. I. c. p. aus 8imler. Valles p. r6. In der Grafschaft Sargans ist Kupfer-Ertz bey Vem's, auf dem GaUanda-Berg, der einer von den höchsten seyn sol im Schweizerland. Impalenzer Thal, Vsiiig pieniz, welches unter der Herrschaft der U! Ländern Uri, Schweitz, und Unvecwatden stehet, grabt man dißmal ein überaus schönes Kupfer-Ertz, dem nichts, als Hertz- Hafte Gewercke, fehlet. Voir dem Bley des Schweitzerlands. gehört zwaren das Bley unter die geringern Metalle, ist aber von so grossem Nutzen, daß man dasselbe kaum entbähren kau. Daraus werden die Musquetenkuglen gemachet, die Scheiben der Fenstern cingefasset, die Edelgesteinc und Metalle von ihren Uneinigkeiten gesäubert: Die Haffner bedienen sich des Bley- Ertzcs zu ihrer Mäste : Die Aerzte und Apotheckcr wissen aus dem Bley vielerlcy heilsame Arzneyen zu verfertigen; andrer und andrer Nutzbarkeiten, die aus diesem Metall zu ziehen sind, zu geschweige«. In unsern Helvetischen Landen ist insgemein Bley unter dem Silber- und Kupfer-Ertz, so daß die obenbenennte Orte auch hieher könten gezogen werden, wenn nickt dergleichen unnöthige Wiederholungen dem Leser so unangenehm vorkämen, als ein zwey-oder dreymal gewärmtes Geköche. Gleichwol wil ich einige Orte namhaft machen, da insonderheit das Bley vor andern Metallen aus den Vorzug hat. In pündren gibt es sonderlich viel Bley in den Thälern ker- rera, Schanis, und der Landschaft Davos. N3t. ttciv. p Alls Davos ist vor alten Zeiten eine mächtige Arbeit geschehen, und -er Berg über 400. Klafter liess ausqehauen, dergleichen sich in Pündten nirgends zeiget. Weilers zu Aivaneü, und zun Schmieren im X. Gerichten pundr; bey l ickopin-, am Heinzenberg ütt Grauen pundc ; auch bey Disenris. Ein silbcrhäl- tiges mit etwas Kupfer vermischtes Bley-Ertz sindet M oberhalb Zillis auf dem Gebirge Zins, oder velpw genannt. Das Gebirge Z68 Erzehlung seltsamer ^atur-Geschichten allda ist überall reich von Metall, so fast aller Orten in dafiger Gegend zu spüren. Wetter ist eines Blcy-Ertztes Anbruch auf einem hohen Gebirge über dem Dorff zun Schnurren genannt, nicht wett von Fillisur. In wallis gibt es Eisen-Ertz im Lerscherrhal, im Rarer Zehenden. l. c. aus Simler. Volles. p. 20. Zu hinterft im Brenner-Thal, welches zu Palenza gehöret, wird dißmal ein gut Bley - Ertz gegraben. Einige Privat-Personen von Uri, Schweitz, und Untcrwalden haben diß Bcrgwerck in Bestand. Es gibt auch Bley-Ertz in der Grafschaft Neuenburg. v^-ign. Zinn. MS ist kein Ort im Schweitzerland bekannt, da diß Metall sich ^ finde. Von dem (Quecksilber. §8^festes verwunderliche und von den Naturwcisen noch nicht ge- nugsam untersuchte (r) Haib-MeraU hat so seltsame und veränderliche Eigenschaften, daß es nicht ohne Ursach von den Alten dem kiercuno und I'roreo verglichen worden, welche Götter ihre selbst eigne Namen ihm angehänget. In der Arzneykunft gestaltet man aus diesem Metallischen Flusse die besten Arzneyen, aber auch das ärgste Gift; und sind die sogenannten vi^cunolio oder aus Quecksilber gezogne Heil-Mittel selbst, so sie in gestudirter Kälber- oder Stümpel-Aerzten Hände kommen, gleich einem scharffen Schwerdt in der Hand eines Unsinnigen, womit die unglücklichen in solcher Stümplern Hände gerathene Patienten, gleich als mit dem Schwerdt des Scharffrichters hingerichtet werden, da hingegen kluge und wolbegründete Aerzte sich dieser so heftigen Mittel, auch zu geschwinder Ausreutung der schwersten Kranckhciten, und erfreulicher Wtederbringung der Gesundheit, welche sonst vor verkehren geschähet worden, zu bedienen wissen. Was vor weitere Nutzbarkeiten das Quecksilber in -er Goldschmiden und andrer Künstlern (r) Dar Quecksilber ist mit grossem Fleiß von dem Welt-berülmten Loerkave unteisucht worden/ wie seine in den Englischen l'rLnsaÄjons und lVtemoi- res cke 1'äcaä. äes Sciences dkßnvlichk SchriffltN davon btjtllgen. des Gchweiyerlandes. 369 lern und Handwerckern Werckstättcn habe, ist bald jederman bekannt. Dieses Quecksilber sindet sich in der gantzen Welt nirgends so köstlich und häuffig, als in lciria, so in Friaul liegt/ und dem Hauß Oesterreich des Jahrs grosse Einkünften ertraget. (§) In den Steyrmärck- und Hungarischen Bergwercken gibt es auch Quecksilber gus dem Zinober-Ertz, so alldort schöner als irgendwo gegraben wird: Ausser denen dem Oesterreichischen Hauß zugehörigen Landen ist in der Welt so wenig Quecksilber/ -aß man es nicht einmal in einige Rechnung setzen kam (r) So ist es auch mit dem Quecksilber unsers Schweitzerlands bewandt. Nach der Zeugniß unsers sel. ^Zneri Kar llelv. p. , 52 . ist in dem Canton Bern vormals Quecksilber gefunden worden bey Thun/ einem Städtlein an dem Thuner-See. Qeonk. I'liurneiller l^ib. Vk. c s. meldet/ daß ek im Canton Golorhurn in einer mit Weiden besetzten Wiese bey Btpp ein gar schönes Quecksilber angetroffen. In dem Thal valiengm. der Grafschaft rvelscb-VIeuenbm-F, fol bey dem Dorff das Quecksilber aus der Erde in warmen Sommer-Tagen hervor fliessen/ Ki8e. Von dem Spießglaß. ^^JeseBaftart-Art von Metallen gibt dem menschlichen Ge- schlecht vielerley Nutzen. Die Zinngieffcr machen davon ci- nen Zusatz, um ihren Geschirren einen Silber-Thon zu geben ; andere Künstler bedienen sich desselben zu Formirung der Spiegel; andere zu Giessung der Glocken/Buchdrucker-Schrift; andere zu Bereinigung der übrigen Metallen. Nirgend aber zeiget dieses Halb-Metall seine Einflüsse in der Menschen Gesellschaft mehr, als in der Arzney-Kunst: Daraus werden viel hunderterley heilsame, unschuldige und auch gefährliche Arzneyen gemachet, welche, mit kluger Vorsichtigkeit gebraucht, grosse Dienste leisten in Wieder- bringung der Gesundheit, aber auch durch die Hände frecher Stümp- ler manches Schiff solcher Patienten dem anfüllen, welche, menschlicher Weise zu reden, langer hätten bey Leben bleiben kön- i. Theil. Aaa nen. (il) Sehet KerßlerS neuste Reisen lom II. p. 8;S. wo dieses Dergwerck und dessen Erfindung auWhrlich beschrieben wird. b) Ls g»bl solche in Spanien und in Peru. Z7<2 Erzehlunn seltsamer ^katur-Gefchichtcn nen. So daß Mich ein jeder sich selbst liebender Krancker den obersten Befehlhaber über Leben und Tod zu bitten hat, daß er ihn nicht in die blutiaen Hände dergleichen Spießglaß-Stümpel-Aerzten fallen lasse. Es hat diese Gefahr der ännmonizlischerr Arzneyen den berühmten Lui^onem?3linum, Parisischen voNorem, veranlaset, allen Gebrauch dcrselbm zu verbannen und zu verdammen, wie aus seinen lustigen Briefen zu ersehen. In Betrachtung dessen hat das Spicßglaß vor allen Mineralien rmd Ve^k^Men aus, seltsame ausgestanden: die Chymisten ängstigen es Taa und Nacht mit Feuer, um, wenn es möglich, endlich solche Arzneyen auszusinden, welche die schwersten Kranckheiten augenblicklich wegwischen können. In Franckreich hat sich das Parlament zu Paris auch in diß Spiel ge- lcget, und A. 1566. erkennet, daß man die änrimon^iis aus allen Apothecken verbanne, und als schädliche Gift keinem Menschen eingebe. Es hat aber das Spicßglaß diese ihm auferlegte Urphed nicht i Qi. Jahr gehalten, sondern ist zeitlich wiedrum angeschlichen: ja es hat das Parlament r oo. Jahr nach der ersten Erkannrniß, ncmlich A. iü66. durch ein öffentliches Mandat jederman kund thun lassen, daß die Arzneyen aus Spicßglaß sicher seyen. Wenigstens gehet man heutigs Taas aller Orten sicher mit um; rechtschaffne kluge Aerzte bringen ihren Patienten sicher ihre Gesundheit wieder, aber die Stümpler von beyderley Geschlecht bringen sie sicher ins Grab, oder noch tieffer ins Bett, als sie zuvor gewesen. Wir schreiten aber fort zu besehen, wo man diß Affter-Metall in Helvetischen Landen sinde. In der Landschaft Gcbams in Punkten findet sich ein gar schönes Spicßglaß-Ertz, welches dem Ungarischen nichts nachziehet. Dessen gcdencket auch unser sel. Herr »>n. Nsr. Nelv. p. 352. Ein anders ist in der Landschaft Rheinwald, da der Hintere Rhein entspringt, auf einem mit ewigem Schnee bedeckten Gebirge Luneirc genannt. . Aus der Herrschaft Engelberg habe ich auch vor einigen Jahren eine Stuffe gesehen, welche mir ämimonislisch vorkommt. Von des Gchweitzerlandes. Z7- Von dem Schwefel-Riesie des Schweitzerlands. /^^Leich wie in der Welt überall das Gute von dem Bösen über- wogen wird / die Laster unter dem Schein der Tugenden verkauft werden, also ist auch in der Natur nicht alles Gold, was aläntzet. Ein vorbündiges Exempel haben wir an unserm vorhabenden Schwefel Liesse, welcher sonst auch und kchrcalttz, Marcasit genennt wird. Dieser gleich dem Gold und Silber schimmernde Halb-Stein oder Halb-Metall, denn daraus nichts als Schwefel gezogen werden kan, findet fich aller Orten im Schweitzer- land, und verführet manchen, daß er bey Aufhebung eines solchen Steins fich lauter Gold oder Silber gefunden zu haben einbildet, ja es vergaffet fich mancher Alchymist also an dem Glantz, daß er viel ioo. Körbe Kohlen und wahres Gold, daraus etwas zu ziehen, aufopfert, da er endlich nichts als pro kuro kumum, einen leeren Rauch bekommt, welches wir gemeiniglich, Gold durch das Camin auf- und wegjagen, heißen; da zu wissen, daß das Gold eigentlich nicht, und durch keine Feursgewalt, wegen seiner widerstehenden Schwere, kan in die Hohe getrieben werden, aber indessen auf diesem Feur- Altar, vor allerhand Materialien, Zusätze, Kohlen und Instrumente, welche alle nichts als Geld kosten, aufgeopfert wird. Ich habe mich vielmal in meinen Berg-Reifen über der Einfalt unsrer Nation verwundert , welche mir bey Darweisung dergleichen Schwefelkiesen viel Ruhm von derselben Kostbarkeit, und in den Bergen liegenden Schätzen gcmachet, und hätte ich mich selbst vielleicht verhören lassen, ihnen zu glauben, wenn ich nicht in denen Sächsischen und andern Bergwercken gantze Häufen von dergleichen Kiesen, welche als unnütz weggeworfen worden, gesehen, und darzu selbst Proben gemachet hatte. Ich ziehe auch das gemeine Vorurthcil unsrer Bcrgleuthcn hieher,die hin und wieder ihre Alpen vor reiche Schatz- gehalter verborgner Metallen halten, welche denn und wenn zu nächtlicher und ungewohnter Zeit von Jtaliänern und andern Nationen abgeholet werden, welche fich damit zu bereichern wissen. Ja ich selbst hatte vielmehr die Ehre, vor einen solchen Berg - und Metall-Spion angesehen zu werden, sonderlich, wenn man bey mir und übrigen Reißangehörigen einen schweren Last von gesammleten Steinen, Krautern, und andern natürlichen Seltenheiten gesehen. Aaar Obge- Z72_Erzehlung seltsamer dlatur-Geschl'chten _ Obgemeldte Schwefel-Kiesse sind nicht einerley Art/ sondern an Gestalt und Farbe unterschieden, die, so mehr weiß als gelb sind, heissen pyr,lL aeAeruei Loloris, weisst Liesse, Wasser-Liesse, griechisch! -Vkr,>cox<§6e 6ü,ii, zwölff-seitige kleine Kieß, die sich den Granaten gleichen, in einem Schiefer-Stein. Diese zwölffsetzige oder zwölff- eckichte Gestalt finde ich hin und wieder im Schweitzerland an Granaten und Schwefel-Kiesen, und tönte mir kommlichen Anlaß geben von derselben so ordentlicher Zeugung zu schreiben. Es ist aber diß eitie Materi, welche von andern bis dahin nur nicht ist angegriffen worden, und auch würcklich nicht verhandelt werden kan ohne genaue Wissenschaft der Mathematik, deren subtile Spekulationen aber hieher nicht gehören, als die den meisten Lesern verdrießlich vorkämen: gleich wie auch die würfflichte Gestalt der Schwefel-Ktessem und sechseckichte Figur der Crystallen, von deren doch an seinem Ort, gel. Gott, etwas mehrers, als bis dahin bekannt ist, zu schreiben Vorhabens bin. (u) Bey Bruck im Äergäu ist ein Pyrite; friäbjlis, oder Schwe- fel-Nieß, der sich zerreiben lasset. >^3gner. llili. bist. ttelv. p. Zly. Dieser Zerreibungsind alle Vitriol- oder Kupferwasser-Haltende Kiesse unterworffen, sonderlich wen,t sie lang an der Luft gelegen, weilen diese durch ihre feuchte und schwerdruckende Kraft die in dem Stein enthaltene klinische oder Saltztheile allgemach auflöset, welche denn den Stein oder Kieß selbst nach und nach so durchnagen, daß er ganz ruck wird und zerfallt. Der Canton Lucern hat Schwcfel-Kieß in dem Wasser kun- ranz. welche Zweifelsohn von den Entlibucher Bergen abgeschwemmet werden. Im Schweiger Canton gibt es Pyrit« »rcos globoic»8, kug- lichte Schwefelkteß auf der hohen Fläsch im wägn'chal, in der Alp Stafflen, s. Stund hinter Lachen; viel-eckichte Gold-Schwefelkieß find an einem aschfarben Steinfclß angesprengt am untern Rampen; auch auf dem Aubricf-Bera; würfflichte Kieß von Eisenfarb gibt es auf der Zindlen, einem hohen Berg im Waggirhai. In pündren gibt es viel und seltsam gebildete Schwefel-Kieß; von wurfflichter Gestalt bey dem Ursprung desi Hintern Rheins im Rheinwald, und gar schön von gleicher Form in dem Waldwasser diolla, welches bey Tusis abfließet in den Hintern Rhein. Unweit , AgZ 8oZIio ka) s. die rv. Berg.Reise. Z 74 Erzehkung seltsamer N^amr-Geschichren Loftiio im Thal Bergell gibt es gar schöne zwölffseitige Kieß auf dem Berg l)»ir, welche alldort Pierre ^linersli cli Oair, Steine von p>zir aenennet werden. Hin und wieder in andern Pündtnerischen Gebirgen findet man auch die oftgenannten kuqlichten Schwefel-Kieß, -ie alle inwendig von allen ausser« Punctendes Umkreises gegen dem Mittelpunkt hinein gcstreimet find, welche ftrahlichre Zeichnung vielleicht denen Aelplern Anlaß gegeben, dergleichen Kieß vor rechte Gkrahlstein zu halten. In k^rers in Schanis , unter der Alp Nussera, wo das Ertz zu Tag ausgehet, findet fich ein Schwefel- Kieß. Ein andrer Schwefel- und Vitriol-Haltender Kieß findet fich zu Oberhalbstem über Schwemmten, auf einem sehr hohen Gebirge, Plan cl-iis Ü008 genannt, der Felsen daselbst bestehet meiftcn- theils aus solchem Kieß; unterhalb fliestet ein scharffes nach Vitriol- schmeckendes Wasser, und riechet der gantze Berg sehr säur. Unweit Filiisur in dem Bauwald bricht auch ein Kupferhaltiger Kieß. Eisenschüssiger Kieß ist bey dem Dorff Smis, zwischen Filiisur und Bergun. Ein anderer Eisenhaltender Schwefel-Kieß ist bey Tief, fenkasten. Auf den höchsten Wallisser-Gebiruen graben die Cryftallgrä- ber mit denen Crystallen eine wunderschöne Art eines zwölfeckichten Schwefel- Kiesses heraus, welcher nach äußerlichem Ansehen dem schönsten Meßing oder Gold fich gleichet. Ich habe einen solchen zwölfsetzigen Kieß, der zwey Fäuste groß, und gantz regulär, als ob er nach Mathematischen Regien gebildet wäre. In der Grafschaft Neuenburn gibt es auch viel Schwefel-und Kupfcrwaffer-haltende Kieffe, theils ungeförmt, theils rund und bucklicbt; auch finden fich alldort viel Ammons- oder Scher-Hör- ner, Schnecken-Steine, und andere Überbleibseln der Sündfluth, welche aus pur lauterm Kieß bestehen. In der Herrschaft Engelberg findet fich auch hin und wieder ein Vitriol-Haltender Schwefel-Kieß, als im Bruderloch; im Grasten; jn Gurenen-Alpen, W0V0N IN meinem lünere ^Ixino. pstz. 18. des Von den Gtein-Aohlen des Gchweitzerlandes. i^I^Erwunderlich groß ist die Vorsehung Gottes in Austheilung der von ihm erschaffenen Natur-Gaben. In bergichten Lan- dem wie unser Schweitzerland ist, ist eine reiche Menge al- ^ lerhand Wald - und Baum-Holtz, nicht nur zu unserm Gebrauch, sondern auch zum Nutzen benachbarter Völckern. In andern Ländern, da die Wälder und Berge mangeln, vertrittet die Erde selbst die Stelle des Holzes, wie wir an dem Exempel des Torffs und der Stein-Kohlen sehen, welche in den Niederlanden aus Mangel des Holzes aus der Erde hervorgegraben werden. In unsern Helvetischen Landen hat man bisdahin so wol den Torff als die Stein-Kohlen, wegen genügsamer Holz-Zufuhr, in der Erde ruhen lassen. Von dem Züricher Torff habe ich oben Bl. 7. u. f.f. etwas gemeldet, allwo ich hätte beysetzen können, daß sich eine grosse Menge Torff-Erde im Run-wald befindet; so auch im wenchal, welches vielleicht seinen Namen herholet von dem alt Teutschen Wort Verven, Venne, Vene, wie auch l-iplius I. ^ovzn. c»p. r die Stadt Löven in Braband von 1-0 herleitet, so eine Höhe bedeutet, und Ven; von gleichem Ursprung kan Venio, eine Stadt in Geldern, hcrstam- men; die Grafschaft 7 mptien,Lurven, welches so viel sol heiffcn, als Lu^l veen; und viel andre Ocrter in Spanisch- und Vereinigten Niederlanden, deren 8 ckonk öe Tu rss. c.,. mit Namen gedenckct. So könte auch (nachgemachter curieuser Anmerckung eines gelehrten Herrn) unser wenchal so viel heißen, als Venchal, Veemhal, und VAeder-weningen, Venin^en. An obgemeldtem Ort habe ich eingeführt, wie die'Noth die Einwohner der Magdeburgischen Landen gelernet habe mit Stroh kochen, und die Araber, Egyptier und Afrikaner mit gedörretem Kamcl-Koth, denen ich noch die Einwohner des Thals kvers in Pkmdren hätte beyfügen können, welche sich an statt des Holzes des gedörreten Schaf-Mists bedienen. Ich komme nun, damit ich meinen Landsleuthen so wol, als Ausländern zeige, wie unsere Lande auch an solchen Sachen, deren wir zwar bis bahrn nicht nöthig gehabt haben, reich seyen, nemlich zu den Scem-Lohlen. z?6 Erzehlung seltsamer V^atur-Gefchichten welche m Latein und Griechisch genennet werden ^lrkLnli-aces, xiSwv Lsrbones 5 c>Üi!es, minersles, lerrei, lgpiclei, niZri, csr- bonsrii, lubcerranei, bituminei, Lulpkurei, picei, lzpirle« koilües im- ÜZMMäbiles glri, Spilles Ikräcii, cherrs ^mpeliris, öitumen darko- nsrium; Teutsch: Srein-Lohlen, Steinerne Lohten, weilen sie den Kohlen gleich sehen, und Steinhart sind; Pech-Lohlen, Tage- Lohlen, Schwarze Lreide. Lohi-Erbe, Berg-Lohlen. Dergleichen schwache pech- und schwcftlichte Kohlen finden fich im Zürich-Gebieth bey Räpfnach, einem kleinem Dörfflein am Zürich-See, in der Pfarr Horgen gelegen, welche gar bequem könten eingeschiffet, und in die Stadt geliefert werden. Deren gedcncket Ikr. Erhard Escher Beschreib, des Zürich-Sees, p. 246. V^sAncr. k^sr. I 4 e!v. pzg. 34s. und 8rumpf. Lbron. P.6s5. So auch in der Pfarr Orelfin- gen am Lärrerberg; und bey Stein am Rhein finden sich auch einige Merckzeichcn solcher Kohlen in den harten Felsen. Etwan wird auch eine Art Stein-Kohlen aus der Mitte der Bruchsteinen herausgegraben, welche die Stein-Sprenger und Gräber bey unS SreingaUe nennen, weilen sie wie eine gedörrte Galle aussehen. Im Bern-Gebieth bey Remom in dem Bezirck von l^Lulsrme. ^Stzner. tvi 8 C. Es ge- dencket auch der Stein-Kohlen dieses Gebiets Lurner voysZs cie Luille p. ;r. In der Grafschaft Welsch-tTteuenburg. x^szner. kM. !. c. In der Grafschaft Thurgau, zwischen Sreckborn und Ber- nang. I.c. In dem N^allifser-Land im Bremifferthal(8remilia Vsllis) nicht weit von Sitten, und in dem Zehenden Slders. I. c. Alls äimlei-Volles- p-r. Z. UNd Stumpf. Lkronic. L^ib. Xk. cgs,. 2. 654. welcher uns folgendes berichtet: Seit kurtzen Jahren von A. 1540. her sind an vrelen Orten dieses Lands die Stein-Kohlen in so grosser Menge erfunden worden, daß man den Kalch damit brennt ohn alles Holz, nemlich, so der Kalch-Ofen gesetzt und ausgebreitet ist, zündet man die Kohl-Steine an, die geben eine sehr grosse und stäte Hitz, lassen auch nicht nach, bis sie zu Aschen ver- brunnen, also daß man nach Anzündung -es Kohls keine Acht mehr darzu haben darf, bis der Kalch ausgebrunnen ist. Von des Schwelyerlandes. Z77 Von dem Ursprung der Stein-Kohlen gibt es verschiedne Meynungen. Einige Naturforscher wollen, sie seyen Anfangs der Welt gleich andern Mineralien also von Gott, zum Nutzen menschlicher Gesellschaft, erschaffen worden; andere hingegen, daß sie diese ihre Gestalt, die sie jezt an sich haben, erst nachher bekommen, sondcr- hcitlich inderSündfluty, und hiemit, als eindamalen untergangnes, in der Erde vermodertes oder verfaultes, mit schwesiichten undvi- triolischen Theilen befchwänqertes Holtz, zu halten seyen, (x) Und filwet diese letzte Meynung mehrern Beyfall bey den Gelehrten, als die erstere. Man findet, je nach Beschaffenheit der Ländern und Erde, in welcher das Gehölz in der Sündflnth untergärigen, bald alle Grad, von dem annoch frischen unveränderten Holz an zu rechnen, bis zu dem, so würcklich zu Stein geworden; nemlick gantz verfaultes, das alsobald, wenn man es aus der Erde hervor nimmt, zerfallt, welches unter das Torff gerechnet und gebraucht wird; Holz, das von Vitriolischen Säften durchdrungen, Kohlschwarz ist, aber dabey seine natürliche Harte behalten, so daß man es zu Tischler-Arbeit ariwenden kan; Holz, das mehr oder weniger mürb, braun oder schwarz ist, und sich spalten läßt, denen halb oder ganz ausgebrannten Kohlen gleich. Alls welcher Verschiedenheit denn vielerley in der Ximersiogie vorkommende Schwierigkeiten können aufgelöset werden, nemlich von dem unterirdischen Holz, l^iZno koüili, Lubter- räneo; VVll der ämpeliricls und pbarmscincie , von deren IbeopkrL- ttus tut), cle l^piöilr. und Oiolcoricies melden, daß die Orientalischen Völker mit einem aus ihro gekochten Saft die Wein-Räben be- -reichen, damit sie vor den Wärmen sicher seyen; so auch von der cilice illeopkrasti, ob auch diese unter die Stein-Kohlen zu zehlen. Worbey wir lins nicht länger aufhalten wollen, sondern noch dieses gedencken, daß die heutige Aufsuchere der Überbleibseln der Sünd- siuth unter den Steill-Kohlen allerhand Früchte, Gesäme, Schnecken, Muscheln rc. finden, und auf ihnen allerhand Kräuter abgebildet zeigen, deren Gestalt den wahren annoch jezt wachsenden Pflanzen so ähnlich, als ein Ey dem andern. Aus welcher Anmerckung denn die Stein-Kohlen zwar zu den Zeiten der Sündfluth verlegt, anbey aber i. Theil. Bbb auch (») Dir Sttin.Kohlen sind vielmehr eine Vermischung von Schwefel/Derg.Saft/ Erd.Harr und Stein/ akr ein brfchwängerleS Holt. Denn dir Menge/ Lage «nd Orrter derselben geben nicht tu/ daß r< Holt seyn könne. Z78 Erzehlung seltsamer N^amr-Geschichren auch dißmit Fug geschlossen werden kau, daß die Stetu-Kohlen nicht so fast ein unterganancs Holz, sondern ein von zermürseten Erde, Stein, Erd-Pech, Schwefel, Vitriol, Holz, rc. bestehendes Gemenge seyen, in welches sich die Krauter eingemischet, und also in ihrer Gestalt, nachdem alles aufeinander verhärtet worden, geblieben; welches denn eine dritte Meynung abgibt, die zwar der geehrte Leser nach Gefallen annehmen, oder verwerfen kam Fraget man nach dem Nutzen der Stein-Kohlen, so ist zu wissen, daß die Aerzte sich ihrer, in Ansehung ihrer berg-wächsischen, trocknenden und auflösenden Theilen, in Vertreibung allerhand Geschwülsten und Stärckung der Nerven, bedienen können, nach der Zeugniß I^ibzvn psn. IN. LmAuiar. I^lb. 8. c. lc>. p. 1050. Wenn die Stein-Kohlen mit Oehl gekochet werden, kan man darmit vortrefflich erweichen und zertheilen, und, wenn das räudige Vieh darmit bcstrichen wird, fället der Grind in kurtzem davon ab. Es sol auch das distilirte Oehl von Stein-Kohlen, in alten Schäden, Kröpfen, und Podagrisehen Schmerzen, sehr dienlich seyn, nach dein Bericht Joh. Phil. Büntittgen IN 8yiv. 8ubtcrr-m. p. I zv. Hergegen ist nicht zu läuqnen, daß der Rauch von Stein-Kohlen der Menschen Gesundheit höchst-schädlich sey, sonderlich wenn unter den schweflicht- und salzichten Theilen sich ^rlemc^lische einfinden, welche denn als ein würckliches Gift cingeathmet den Lebcnsfaden oft in welliger Zeit können abschneiden; jene allein können Kraft ihrer zusammenziehenden Säure die Lungenbläßlein ausreisten, reitzen, und das Geblüt nicht nur in stillem Lauff verhindern, sondern gar anstecken; und schreiben die erfahrneften Gelehrten heutigs Tags dem Stcin- kohlen-Rauch meistens die Ursach der in Engelland, sonderlich in der Stadt Londen, so gar gemeinen Krankheit der Lungen-Schwindsucht, zu. Der vornehmste Nutz, den man von den Stein - Kohlen zu beziehen hat, trifft die menschliche Gesellschaft, und dero nöthiges Feur zum Etnheitzen in kalter Winterszeit an, darbey in Acht zn nehmen, daß, wie man sie in Engelland und denen Spanischen Niederlanden unter offenen Caminen anzündet, sie auch in unserm Ocfen gebraucht werden können, wenn nur in Mitten des Oftns ein komlicher eiserner Rost gemachct wird, auf den die Stein-Kohlen aeleget werden müssen, theils zu Spahrung der Kohlen selbst, theils zu desto leichteren Anzündung derselben vermittelst eines Wisches Stroh oder wenig Scheiter, theils zu desto geschwindem Er- war- 379 des Schrveltzerlandes. wärmuna des Ofens und der Stuben. Sie dienen also auch zu Kochungallerhand Speisen aufdcm Heerd, und zum braten, wenn wiedrum wegen desto bessern Durchzugs die Kohlen nicht auf den blossen Heerd gelegct werden, sondern auf einen Rost, welcher über cin halb Ellen tiesscs und breites Loch, so in der» Heerd gemachet, geleget wird. Die Schmiede machen mit den Stein - Kohlen cin weit stärcker und daurhaftcr Feur, als mit den gemeinen Holz-Kohlen, müssen sich aber wohl vorsehen, daß sie das Eisen nicht allzulang im Feur halten, weilen es zu schmeltzcn kommt, dabey müssen die Kohlen fleißig abgenetzet werden, (y) Die Becker können auch mit diesen unsern Kohlen Brot backen, wenn nur mitten durch den Back- Ofen, als aus einem Heerd, ein Rost gemachet, und über der, Rost ein Kachelofen in den Backofen qesetzet wir-, daraus der Zug hinten hinaus gehet, daß kein Rauch in den Ofen, wo das Brot stehet/ komme, wie obangezogner Bünting, p. -49 diese Anleitung gicbet, welcher weiters zeiget, wie man mit den Stein-Kohlen gar bequem Bier brauen, Kalch und Ziegel brennen, Saltz und Salpeter sieden, Ertze oder Metall schmeltzen könne. Ich hoffe, es werde der geehrte Leser die Ausführung dieser Materie nicht vor unnöthtg ansehen, weilen mich unsere Schweitzerische Stein-Kohlen selbst darzu veranlasset , und aus verschiedenen Anzeigungen zu förchten, es möchte sich auch in unsern Landen jene Wahrsagung kiLirmcMKoms erfüllen, -aß nemlich vor dem jüngsten Tag ein grosser Mangel i. guter aufrichtiger Freunde, 2. tüchtiger und wichtiger Münze, und z. wilder Holzungen seyn werde. * ********************************************* Hz»***»**»*»***»***»*******''-**«******»*»***»»* Von den Lavetz-Stemen/ und ihrem Gebrauch. ^In seltsames Natur-Wunder, welches der allweise Schöpfer unsern Helvetischen Landen zugetheilt, und allen andern Ländern, so viel bisher bekannt, abgesagt. M Ihm hat gefallen wollen, die hohen Alp - Firsten mit Felsen zu unterstützen, deren Bbb 2 Gestalt (?) Die dißmalige Besitze» der Eisen-Schmidten im Lauffen/nahe bey Schafhausen/ haben einen Versuch gethan/ mit den Stein.Kohlen ihr Bonen.Ertz r» fchmeltzen/ haben aber gefunden/ daß dieselbe das Eisen verbrennen. (r) Ee werden an verschiednen Orten in Schweden dergleichen Steine gegraben. S. Brom»!, bkineral. Luecalia. Lap.IV. §.». Z5o _E rzehlung felrsirmer N atur-Geschichten Gestalt eine Göttliche Baukunst anzeiget, und siehe! unter, und in solchen Felsen gibt es allerhand Mineralien und Metalle, welche bald zu diesem bald zu jenem Gebrauch dienstlich sind. Also ist an der Erden, insonderheit aber an unserm Eydgnößischen Berg-Gebäu nichts umsonst, sondern alles köstlich ausgeziert. Unsere Mauren sind nicht von Lett, Kalckund blossen Steinen aufgeführt, sondern von Gold, Silber, Kupfer, Eisen und andern Mineralien, doch nicht also, daß ein jeder hingehen, und ein reines Stück Gold oder andern Metalls von den Bergen abschlagen und mit heim tragen könne. Nein. Es hat dem Schöpfer gefallen wollen, seine Schätze innert dem Gehälter der Erden und rauhen Felsen also Stückleinweise zu vergraben, daß wir sie durch unverdrossenen Fleiß und grosse Arbeit hervorgraben, und denn erst, nachdem wir sie mit Arbeiten verdienet, zu unserm Gebrauch mäßig anwenden. Unter denen rauhen Felsen selbst zeiget und schencket uns der grosse Gott solche, welche wir gleich dem Holz drehen oder drechslest, und weilen sie das Fcur auf ungemeine Weise aushalten, zu Koch-und andern Geschirren anwenden können. Diß sind eben die Lavey-Steine, welche wol verdienen, in einer besondern und eigentlichen Betrachtung vorgestellet zu werden. Es heiffet dieser Stein oiiäns ^pjz, i^eberum I^APIS bey jok. ?>uAuttino pamkeo LKinM. (welcher ihn auch perrgm dollimbinsm sol genennct haben, nach der Zeugniß äekneri cie ki§. I^spiä. y. m. weilen daraus OÜL und Debetes, Krüge, Töpfe, Häfen und andere Kochgeschirr, ja auch Blatten, Becher, Schreibzeuge, rc. gedrechslet werden. Bey 8csijgero heißet er Lomenlls L.s- PI8, der Comerstcin, Lxercic. 26 Lsrllan. Ir8. 8. r. unter welchen Titul er sich auch bey L i'iini». jenem grossen Naturforscher, findet, welcher unter velpslisno gelebt, und um das Jahr Christi 8o. in dem Feur-speyenden Berg Veluvio, aus allzugrosser Curiosität oder Wissens-Begierd, im ss. Jahr seines Alters, umkommen; denn also liefet man in seiner u>ü. Nzr. b.ib. xxxm. csp. 22. in Ljpkno L.spj8 eil, qui cavzrur, tornarurcjue in vzsz coquenciis cibis ucilis, vel 26 esculenrorum ulu8, guocl in (lomenll IcsIiL k.2p>cie viricii acciclere scimu3. 8e6 in Lipknio llngnlsre, quocl excsIssKns OIco ni^rescic, liurelcit^ue, N!,rur3 moliilllmug. Hieraus erscheint sich, daß dieser Stein, und dessen Gruben vor mehr als 1620. Jahren bekannt gewesen, und mit dem Zunamen Comensis belegt worden, nicht deßwegen, weil er in der Gegend von Como gefunden worden, wie also des Gchwektzerlandes. ?3r ^Zricois l^ib. V li. cle I^sr. kolli! geurtheilt, sorwern, weilen man ihn zu Eleven gegraben/ in Kochgeschirre gestaltet, nachcr Chnm, als eine damalen berühmte Handel-^tadt, geführet, urw von bannen weiterS m Italien ausgebreitet, wie man auch noch hcntigs Tags in den Clevischen Steln-Berawercken Merckmale finden sol, datz man vor gar alten Zeiten die Gruben auch gebaut habe. Mim,,; vergleichet feinen Chumer-Stcin mit s.pknio Spiels, welcher in Siphnö, einer Gold - und Silber-reichen Jnsul im Griechischen Meer, gegraben, und auch durch Kunst gedrechslet worden. Wir wissen heutigs Tags nichts mehr von dem ^pkmo, können aber dem Lomenii den weichen Marmor oder Alabaster , aus welchem man allerhand Geschirre drähet, an die Seite setzen, noch mehr aber den sogenannten Serpentin, kerpenrinum, Opbitem, ^eblirivm Xtsrmor, dttt MÜN aus Sachsen in alle Europäische Länder abführet, weilen auch der einen hohen Grad des Feurs aushalten kan. Der heutige Namen, damit man unsere vorhabende Steine, und daraus gemachte Geschirre belegt, istt^veM, ^rveerj, Lavezzi, Lavezen, QsveZe; wiewol die Steine selbst etwan zum Unterscheid Pierre cli genennet werden. Diese Wörter aber alle kommen meines Bedunckens her von t-ebes. Gebens, Debetes, welches in lateimscher Sprach einen Topf oder Haftn bedeutet, Massen man weiters nichts nöthig hat, als das erste e in und das b in u zu verwandeln, damit i-sberi heraus komme, welches die Pündtner durch b.sverri, oder t-svei?., ausspre- chen. An der Färb sind diese unsere Stein aschfarb oder grünlicht, und viel weicher, wenn fie erst hervor gegraben worden, als nachdem sie eine Zeitlang gelegen, welches bey allen andern Steinen wahrgenommen, und der ausfliesenden Feuchtigkeit zugeschrieben wird. Man grabt diese Steine aus den Gruben hervor, wie das Ertz aus den Bergwercken. Diese Stein - Gruben heißen die Einwohner Irone, und wenden eine unbeschreiblich grosse Arbeit an, sowol in den Gruben auf den Knyen cinzuschlicffcn, als auch die Steine zu hauen, und auf dem Rucken heraus zu tragen. Liegen die Steine voraussen, oder bey der Hütte des Stein-Drechslers, so müssen fie erstlich in eine halb-runde oder cylindrische Form, wie das Holz, bereitet oder gehauen werden. Ein solches halb - rundes oder an dem einten End plattes, am andern ausgebognes Stuck Stein nimmet der Drechsler, haltet den zugespitztem Theil an das Feur, dass er wol erwärme, beftreichet denselben mit Pech, haltet ihn geschwind B-b z an Z82 Erzehlung seltsamer lTkamr-Geschichten an ein arm-dickes abgeebnetes Ho^, welches denn wegen äusserlich zudrückender Luft so fest an dem Stein klebet/ daß man es hernach nicht anders als mit Gewalt davon absondern kan; gleich wir auch sehen, daß zwey wol polirte, mit Oel aufeinander geriebene Marmor- Steine so starck aufeinander halten, daß man 2c-. zo. und mehr Pfund damit aufheben kan, ehe sie voneinander fallen. Wenn auf oberzehlte Weife der Stein an dem Drehstuhl, welcher gleich einer Mühle vom Wasser getrieben wird, angesetzet, so nimmet der Meister seilte eiserne, spitzige, anfangs gerade, hernach je mehr und mehr krumme Instrument, arbeitet damit in den Stein hinein, und drechslet aus einem Stück Steil: s. 6. oder mehr Geschirre heraus, die ineinander liegen, und einen einigen Einsatz ausmachen. Endlich befeftiaet rnan diese Geschirre mit eisernen Banden, damit sie zum Koch-Gebrauch über das Feur gehängt, und wicdrum von demselben genommen werden können. s->) Den ganzen Proceß der Arbeit beschreibet sehr wol der berühmte Lcsiiger l. c. nach dessen Zeuaniß die Einwohner des A. 1618. unglücklicher Weise durch einen Bergfall untergangnen Flecken Plms, alljährlich in die sooso. Ducaten mit diesem Stein-Gewerb gewonnen haben sollen. Es erinnert dieser Herr über diß, p-177- daß in diesen steinernen Koch-Geschirre»: die Speisen eher und besser sieden, als in andern, so von Meßing, Kupfer oder anderm Metall gemachet sind; daß auch die Speisen in ihrem natürlich guten Geschmack bleiben, und keinen fremden an sich nehmen. Diese Geschirre brechen ander? nicht, als durch den Fall, und lassen sich, wenn solches geschiehet, wiedrum durch Hefte zustimmen sticken. Zum Beschluß melde noch kürtzlich die Orte, wo dergleichen ausgearaben und zubereitet werden. 6 uler in seiner p. I-Z. b. gcdencket eines Fleckens, vlcio- num genannt, neben Eleven , dessen Einwohner beynahe sich alle mit Steinwerck nähren; undpaZ. 196. des Stein-Bergwercks neben Plurs : weiters p. 1 8 1. b. eines andern in dem Malenker-Thal, welches ein Theil des Veltleins ist; item pag. »88. b. eines andern oberhalb dem Masiner,Bad, an dem Fuß des Gold-Bergs, auch im Veltlein. Heu- (») Eine Abbildung der dar» gehörigen Instrumenten findt man in der U. Berg» Reise/ lab.IX. ?. 104. der Laren. Ausgabe. des Schweitzerlandes. Z8Z Heuttgs Tags gräbt und rüstet man auch dergleichen Steine nicht nur zu Eleven, sondern auch im Verzascher-Thal der Herrschaft Luggaris, welche unter der Bottmaßigkeit der XU. erste» Orten der Eydgnoßschast stehet. rmM «8^0 EZ80 vcsrWo 2AW0 «AM WkÄ) 0B8O Von den Bader-würffeln. EAAEnn je etwas die Augen und Gemüther eurieuscr Men- sthen belustiget/ und irr Kunst- und Naturalien-Kam- mern in Vorschein zu kommen verdienet/ so sind es die steinerne Würstel, steinerne Bader-Würstel, legen Lzclenseg IspigeL. legen iuloris IspiäeL, Wie sie V 0 N Unserm sel. Hrn. ^sgner. »ig. »elv. P3g. zr-. betitlet werden. Sie sind arr Gestalt andern Würffeln gleich/ aber um viel kleiner/ an Färb weiß, oder gelb, auch schwärtzlicht, und werden ausserhalb der Stadt Baden/ in dem Graben bey dem alten Schloß/ welches eine Römische Vcstung gewesen/ und daherum liegenden Wiese»/ sonderlich in der sogenannten Würstel-Wiese, welche denen/ so aus der Stadt in die Bäder gehen/ an der lincken Hand liegt/ gefunden. Dieser Würffeln halber bereden sich die Einwohner der Stadt und Landschaft Badem und sehr viel andere/ sonderlich der Natur unerfahrne Schweißer/ daß sie natürlich seyen/ und in dieser Bader-Erde also/ wie man sie findet/ ohm Zuhülff menschlicher Händen / gebildet werden ; weßwegen sich nicht zu verwundern/ wenn fremde Nationem und unter denen selbst gelehrte Leute diesem gemeinen Urtheil folge»/ und dieses Eydgnößifchc Natur-Wunder mit Erftaunung ansehen. Denn gewißlich diß ein solches Meisterstück der tausendkünstlerischen Natur/ dergleichen sonst in der Welt keins anzutreffen. Wer die Beweq-Gejatze, nach welcher! die Natur diese Würffeln ausgearbeitet/ und die Puncten so ordentlich/ wie in andern gemeinen Würf- fcln/ gesetzet, und ja etwa» durchgeboret hat/ zu ergründen trachtet, der wird sich eher zu einem Narren studieren, ehe er sich und andere im geringsten vergnüget. So daß er sich endlich mit jenem alten Poeten trösten kan, daß die Natur viel verborgene Sachen habe, welche die Menschen niemalen recht ausgründen können. - - - diglurL cerle Xiult» tSAie 83^3 involucrz, nec ullis käs eli lcire czuiclem morrslibus omüis. Es Z84 Erzehlung seltsamer kTlamr-Geschichten Es muß einmal eine neue Natur-Wissenschaft, auf ein gantz neues uns bis dahin unbekanntes Fundament gebauet werden, wenn man -er Natur dieses Würffelwerck zuschreiben wil. Da mag der grosse ^rilloreles mit allen seinen kormis, (^ua!ir«ibu8, ^tkeälioni- bU', kscuilsribu8. Formen, Kräften und Eigenschaften, wie sie immer Namen haben mögen, nicht langem Der weise piaco, sein Lehrmeister, kommt mit fernen röeis öder Vorbildlen aller Dingen, weiche annoch jezt nach einiger neuen 8eml-k>iscomcorum Meynung tn der Welt umherfliegen, auch zu kurz. Der klügste Lpicurus wird eher erleben, daß seine ungefehr zusammenstoßende Stäublein des Nomeri Buch, iii-,5 genannt, ausmachen werden, als einen einigen Bader-Würffel gestalten. Der Welt-berühmte Erneuerer der Epi- eurcischen Welt-Weißheit OsLnäus . mit dem gantzen Schwärm seiner Nachfolgern findet nichts, das hicher diene, wenn fich schon alle heutigen ^lsrkemsrici , welche nach mechanischen Gesätzen die Begegniffen der Natur auslegen, zu ihnen gesellen. Der kühne und glückliche Ausfinder Oneims , wird eher in dem einbildischen Welt-Raum, da er sich jezund sol aufhalten, nach seinen Grundsätzen eine neue Welt bauen, als ein halbes Dotzet Bader-Würffel machen. Wahr ists, daß unsre Helvetische Lande so voll von allerhand Natur-Wundern sind, daß es scheinet, die Natur habe diesen obersten Gipfel Europä zu ihrem Thron und Herrschaft-Sitz erweh- let; aber auch haben wir ihro bis dahin mehr zugeschrieben, als ihr gebärt, wie der Pilatus-See zum Beyspiel dienen kan, dessen Wet- iermacherische Würckungen man vor etlich iOO. Jahren zu Lucern und in übriger Eydgnoßschaft eben so wenig hätte in Zweifel ziehe» dürfen, als jezund zu Baden die Würffclmachende Natur-Kraft. Wenn jemand die Helvetische Natur in hohen Ehren haltet, und sich bedenckct, ihro etwas abzusprechen, so bin ichs, ich habe mich aber bis jezo nicht bereden können, -aß diese Bader-Würffel» natürlich, oder also in der Erde gewachsen und gestaltet worden. Die Gründe welche mich hierzu bewegen, werde ich in möglichster Kürtze darlegen , und denn dem Warheit-liebenden Leser sein Ja oder Nein arv» zuhencken überlassen. Erstlich denn behaupte ich, daß das Würffcl- Spiel und deren Bezeugung eine Erfindung seye eines, und zwar menschlichen Verstands. Oder es muß ein Natur-verständiger daher kommen, und anzeigen, wie denn die Würffel in den Geheim- Zimmern und verborgenen Werckstätten der Natur, zu was End, des Gchweiyerlandes. Z8s und mit was vor Instrumenten ausgearbeitet werden? Warum die Pünetlein allezeit also den Würffel-Flächen eingcgraben, daß zwey einander entgegen stehende Seiten die fiebende Zahl ausmachen, als r und s, s und 2,4 und z? Warum auch in diesen vermeynten Natur-Würfflen die Pünctlem allezeit in gleicher und folgender Ordnung zustehen kommen? Diese einige Anmerckung ist genugsam, die Augen zu öffnen, und uns zu zeigen, daß nicht die Natur, sondern die Menschen die Würffel erfunden: ob nun diese Ehre der ersten Erfindung den Lydiern zugekommen, welche einen gewissen Theil Asiens bewohnet, denen »e- rcxiorus L.ib.1. die ersten Würffel zuleget; oder pLismecti, wie aus ?su 1 sniL Loel. kkoäitzin. vzr. l^eÄion. I^ib.LO. csp. 27. beweisen wil, wil ich nicht erörtern. Ich weiß wol, daß die Natur nach denen von Gott angeordneten Bewegungs-Gesätzen, oder besser zu sagen, der Natur-Schöpfer selbst, würfflichte Cörper in dem Mineralischen Reiche gestaltet, und können uns die sogenannten Würffel- Kieffe zum Exempel dienen, welche wir auch hin und wieder in unsern Helvetischen Landen finden, und oben N.io. pzy. beschrieben werden, auch so reZuiLr und schön sind, als wenn sie durch Kunst wären abgeschliffen worden. Diese Würffel aber sind ohne einige Puncten, und also derjenigen Zierde beraubet, welche unter dißmalige Betrachtung kommt. Eine wunderschöneOrdnung ist an dem ganzen Welt-Gebäude, ins besonder aher bey der Bildung der Pflanzen, Thieren und Menschen zu bemercken, in aller derer Pünctlem, Zä- serletn und grossem Leibes-Theilen zeiget sich eine unendlich grössere Vollkommenheit, als bey den künstlichsten Würfflen, so jemals bearbeitet worden. Darüber aber verwundern wir uns nicht so sehr, wenn wir gedencken, daß die würckende Ursache dessen nicht eine blinde Natur sey, sondern die allmächtige Hand des grossen Gottes selbst, welche die vollkommenste Kraft ihrer Wcißheit unter andcrm auch darin zeiget, daß die lebenden Geschöpfe nicht nur allein vorsich eine unvergleichlich künstliche Bildung aller ihrer Theilen haben, sondern noch über diß die Kraft besitzen, andre ihres gleichen Geschöpfe auch hervorzubringen, worin diö allkräftige Natur alle Künstler der Welt, und deren Werckc unendlich hoch übersteiget. Ob nun dieser alles bildenden Göttlichen Natur-Kraft könne, oder dörffe die Gestaltung unsrer Baderwürffel zugeschrieben werden, wil ich nicht mit l. Theil, Eee . vielen Z86 Erzehlung seltsamer ITkatur-Gescbkchten vielen Worten verneinen; die Sache selbst redet hievon genugsam, und möchte 2tens mancher diese Folge machen, daß Gott ein Gefallen hätte an diesen Würfflen, und deren Gebrauch, und diejenige sowol Heydnische als Christliche Fürsten, Lonciiiz, uiw Stände unrecht gehandelt, daß sie ein von der Natur selbst gezeigtes Spiel völlig, oder unter gewissen Bedingen vcrbotten, wie denn diß im Loncii.o LiibettiNo On. 79 geschehen, durch das LcliäMm ^olinienle A. l s 66 . unterLaroiolx. König inFrarrckreich bey l^ib. LA. p. »91. ztens sind auch die Steine, und Erden, so um Baden herum gefunden werden, nicht von solcher Farbe, Gestalt oder Aussehen, daß man sie vor eine Zeug-Mutter der Würffel könte ansehen, oder halten, und weiß ich keil» Exempel eines Bader-Würffels, welcher in einem Stein, gleich als in seiner Mutter liegend, oder steckend, wäre gefunden worden, wie dann bekannt, daß die steinerne Muscheln, Schnecke»», und andre dergleichen gebildete Steine, auch in oft gleicher, oft ungleicher Erde oder Steinen sich aufhalten. 4tens gebet sowol der Augenschein als die Feuer-Probe einem jeden, so der natürlichen Sachen erfahren, alsobald zu erkennen, daß die Badcr- Würffel von Bein seyen, ja es sind einige so neu, und unverändert, -aß einer ein grosser Tohr seyn müßte, der sie nicht vor wahres Bein anschauen solte: obgleich andre, und vielleicht ältere Würffel nicht weiß-gelb, sondern schwarzlccht von Farbe eine solche Veränderung in der Erde ausgestanden, welche sie eher in die Ordnung der Steinen, oder versteinerten Cörper, als der Beinen, zu setzen scheinet, so haben auch diese sowol als jene, solche Eigenschaften än sich, daß sie von dem Feuer verzehret werden, und gleich dem wahrhafter» Bein eitlen stmckenden Schwefel-Geruch von sich geben, so daß »licht zu zweifeln, daß man auch einen Geist, flüchtiges Salz und Ocl, aus dieser» vermcynten steinernen Bader-Würfflen ziehen könte; wenn man die Mühe und Unlüsten darüber wolte gehen lassen, und sonderlich ei»»c solche Anzahl hätte, wie der A.i6Z8. den iz. April in Kö- Mgs-Fclden seligst verstorbne Herzog von Rohar», welcher ein ganzes 'Viertel unsrer Bader-Würffel sol hinterlassen Haber», nach dem Bericht jn Beschreibung des lv.Waldftättcn-Skcs Wenn aber aus bisher angeführten Gründer» die Bader-Würffel aus der Zahl dcr figurirtcn oder vor» Natur gebildeten Steinen weggenommen, und unter die Kunst-Sachen verleget werden, so entstehet ci»»c neue Frage, woher sie denn kommen? wer sie gcmachct? bey des Gchwelzerlandes. 387 bey was Anläse sie in dieser Gegend abgeleget, oder begraben worden? wer hierüber etwas gründliches anbringen wil, der muß eher die Geschickt-als Natnr-Bücherraths fragen, und sonderlich in der uralten Stadt Baden historischer Beschreibung fleißig nachsuchen. Einige steigen bis zu der Römer Zeiten hinauf, da bekannt, daß die Stadt und Schloß Baden unter Vneiiio von äuio decmna eingenommen, und in nachfolgenden Zeiten in der Vestung Baden allezeit eine Besatzung gelegen, und vermeynen, es habe sich wol zutrauen können, daß unter der Römischen, sonderlich Christlichen Kayser Regierung, -der auch unter den Alemannern, Franckcn, den Grafen vonKv- burg und Habspurg, oder den Herzogen von Oesterreich, das Würffel- Spiel verbotten, und die Würffel selbst, als ein unnützes Werckzeug, an ein dem Schloß nächst-qelegenes Ort ausgeschüttet, und verscharret worden : wie denn das Würffel-Spiel verbellten gewesen ex n l. Ll ;. Loci. cle ^lesrorib. und in Lllgeltis. l. Lolenr. §. NsäleLlvrib. Lee. Zur Bekräftigung dessen kan dienen, daß auch auf dem Hof zu Zürich, da ein Römisch Castcll gestanden, vor etwas Jahren einige den Badischen gleiche Würffel hervor gegraben worden, wenn man nicht sagen wil, daß jemand vorher die Bader-Würffel selbst an jezt- gedachtem Orte möchte verlohren haben. Andre wollen, man müsse näher zu unsern Zeiten schreiten, und den Juden den Ursprung dieser Würffel zulegen. Bekannt ist das gemeine Sprüchwort, mit welchem man dieIüdische, sonst elende und verachtete Nation aushöhnet, )ud gib mir würffel, von welchem Hohnwort an einem Ort mit mehreren der gelehrte ^agenleii in per» i^,brorum juvemiium schreibet, daß vor diesem die armen Juden allezeit mit Würffeln haben müssen versehen seyn, um den Grimm der Christen zu stillen. Und möchte wol vor etlich i c>o. Jahren zu Baden eine Verfolgung über die Juden, mit Bestürmung ihrer Häuser, und Ausleerung ihres Würffel-Vorraths ergangen seyn. Diese Muthmaßung bekräfftigt um etwas den Umstand des Orts selbst, da die Würffel gegraben werden , welches vor diesem sol die Juden-Sradr gcnennt worden seyn. Diese letzte Meynungen lassen sich alle muthmaßlich darstellen, aber Nicht aus vaterländischen Geschichten, wie es wol seyn solte, beweisen. Bey solcher Ungewißheit der Sachen trösten wir uns mit jenem weisen Ausspruch ?kXnom. p.m.220. daßauchzu feiuerZeitwerde an den Tag kommen, was jezt verborgen liegt. Ecer ZZ8 Erzehlung seltsamer N^atur-Gesch erbten ... ... ... «7rw ^x ^107 -^/vc^xo^sv, «Äv' 571», 7ro^«j I^LXLvTr!«, , >rwv «1X5 -N- er «V7-«X« s»SI7« ) Der sei. l). Iohann Gcheuchzer/ unsrer Verfassers Bruder/ hat in einer besondern gelehrten OitlertLtionunwidersprrchlich erwiesen / da-diese Würffel Seinern und gekünstelt seyen. Der Herr von Lrjbniy schreibt in einem Brief «n unsern Verfasser vom i f. Mertz 17°?. ^näicenänm cst, co inb-oco OKLinam olim everkam talibur l'clleriL rcfertam, ul putcolir Leinw»- rum vctcrum inlculpt»rum Copia rcpcrirur? des Schweitzerlandes. ZS9 schöpfen zu grossem Nutzen dienen. Wäre die Fläche der Erde durchgehend ein, obgleich polirter/ Marmel, eine von purem Golde, Silber und andern Metallen dargesprcitcte Decke, so wäre sie zwar vor eine kleine Zeit unsern Augen lieblich und angenehm anzusehen, aber unfähig uns, oder den Thieren und Pflanzen die geringste Nahrung zugeben, hiemit gleich einem Speis- und Tranck-lecrcn schönen Schauplatze, der zwar das Gesicht belustigen, aber den Magen nickt sättigen tönte; und wenn schon in diese marmelfteinerne, güldene oder silberne Erden-Fläche die schönsten Canäle oder Gräben ausgehauen wären, durch welche die Fisch-volle Crystall-lautere Wasserquellen über die gantze Erde geleitet würden, so würde auch diese Gestalt allen Gewächsen den Aufenthalt benehmen, und uns der so herrlichen Aussicht in so viel-farbichtc Blumen-und Speis-volle Gärten, Accker, Wiesen rc. berauben, ja aus uns Menschen eine wilde Art Carthäuser machen, die jenen Barbarischen Völckern gleich wären, welche die Fische roh weg essen, oder gleich den Hottentotten, welche die Miftvolle rohe Gedärme der Thieren für ihre Leckerfpeise halten. Nichts würde von vierfüffigen, kriechenden und fliegenden Thieren zu sehen seyn. Es wären die schwimmende Thiere selbst sehr seltsam, weilen die meisten, wo nicht alle, ihr Leben von Kräutern und Ungeziefer erhalten. Wenn hingegen die gantze Erde eine blosse Wafferkugel wäre, so wäre diß wicdrum mit Noth eine Fischherberg, einmal eine uns Menschen ««beliebige, ja gänzlich unnütze Wohnung, die uns zu zwcyfüssrgen Fischen und armseligen nackenden Wafferschlückern machen würde. Denn, Lieber, wie wollen wir von einem Orte zum andern reisen, wie uns vor dem Raub der grossen Fischen verwahren, wie unsre Blosse bedecken, oder uns vor der Kälte, Ungewttter, und andern widrigen Beschaffenheiten der Elementen beschützen, wenn kein Holz, oder vierfüssige Thiere, oder Vogel wären? Etwas besser würden wir leben, wenn die Erde ein durchgehender mit Erde und Wasser vermengter Morast wäre, da tönte man gleichwol die Wasser- und Morast-Pflanzen, Fisch und Ungeziefer sehen und brauchen, ja hie und da die Erde aufwcrffen, nnd trockene Hüttlein bauen, um uns vor dem Wetter zu bewahren. Aber auch dieser Stand wäre nichts gegen der Glückseligkeit zu rechnen, welche wir von gegenwärtiger Erden-Gestalt gemessen. Da wir eine nicht nur zur Nothdurft, sondern auch zu ersinnlicker Lust dienende, allgenugsame Verschiedenheit der Steinen, Metallen, Cee 3 Sal- Eezehlung seltsamer Natur,Geschichten_ Salzen, Erden, und andrer Mineralien, so auch allerhand Erdens Luft- und Wasser-Thieren vor uns sehen. Wir wollen uns diß- mal in Ansehung unsers SchweitzcrlandS allein bey allerhand Arten Erden aufhalten, wie dieselbe sowol zu Hervorbringung allerhand zur Nahrung und Arzney dienlichen Pflanzen, als auch zu unmittelbarem Gebrauche vielfältig bequem sind, und sehen, wie der allgütige Vater der Natur bey ordentlicher AuStheilung seiner Erden- Gaben uns nicht nur nicht Übergängen, sondern reichlich beschicket habe? Diß wird sich zum Theil auS dem erhellen, was von dem Element der Erde oben Bl. 144,14s. gemeldet, zum Theil aus Vorstellung der vielfältigen Fruchtbarkeit, und fruchtbaren Verschiedenheit unsrer Schweizerischen Erde, welche jezt folgen wird. Wer unsre Lande nur obenhin und durch ein Fernglaß ansiehct, dem kommen sie so roh, wild, und von Natur unfruchtbar vor, als wenn der übrige Abschaum dessen, so andern Ländern wäre beschwerlich und schädlich gewesen, in unsern kleinen Schweitzerischen Erdenwinckel wäre ausgeschüttet worden. ES scheinet auch dieses bald allgemeine Vorurtheil die Erfahrung selbst zu bekräftigen, weilen wir ja sehen, daß ein grosser Theil unsrer Landen wild, uneben, mit Holtz und Gesträuche bewachsen, weder Korn-noch Weingewächse hervorbringen mag, und auch selbst in unsern Korn- und Weinlanden das Erd- rich mit Steinen und Sand also bestreuet ist, daß einer bey Durch- lefunq der alten Fabel-Geschichten in die Gedancken gerathen möchte, eS müssen die Riesen vor Zeiten bey uns, auf unsern Bergen und Feldern, mit Steinen untereinander gekrieget haben, und man, bald wegen der lcttichten Zähe, bald wegen Vielheit der untermischten Steinen, z. bis 4. Pferde vor einen Pflug anspannen muß, welchen in andern Landen ein einiaer Esel führen kam ES treibet das Vorurtheil von unsrer Landen vermeyntcr Unfruchtbarkeit einen sichern sonst vornehmen Deutschen Scribenten so weit, daß er von uns darzugcben sich erkühnet, wir halten eS vor ein grosses Unglück, wenn nicht bald alle io. Jahre eine Pest in unsre Länder komme, welche die unnützen Brodfresscr, die sonst das Land nicht erhalten könte, hinwegneyme. Wie offenbar aber diese Lüge sey, darf keines BeweißthumS. Ein so widersinniger Wunsch sindet bey vernünftigen Menschen, in einem fruchtbaren und gefunden Lande, da die Pest so rar als irgendwo in der Welt ist, keine statt. Wer unsre Berge, Thäler und ebne Lande in der Nahe, auch ohne Verqröfferungs-Glaß, arme- des Gchweiyerlandes. Z9! anflehet, und sonderlich eine gründlich-philosophische Betrachtung nebst die Erfahrung legete der wird bald die Wahrheit dessen sehen, was der grosse Heerführer und Schweißer-Bezwinger Lom- msnr. 6sli. schreibet: bjelvelii incer (üetrzs populi sunt» Lomrarem Kabenre8,daß wir Schweißer ein fruchtbar Land umhaben , und auch diejenige faule Wollüftlcr unter uns schamroth machen, bey denen es heisset: ksrulior 8ezes eil slieno kemper in ^rvo, Vicinumque pecus Zrznäius I^ber ksber. oder viel andre, welche die Landcskraft nirgendhin achten, und alles hingegen, was aus fremden Landen kommt, hoch schätzen. HuT- , Lereo, oder gewissen salpetrischtn Theilen, so in der Luft umher fliegen, aufs neue beschwängert, und fruchtbar gemachet. Andre urtheilen einfältiger, und der Wahrheit ähnlicher, daß die ausgebauchte Erde an wässericht-und irdischen zähen Theilen erbst, deren enger Zusammenhang oder genaue Vermischung den Pflanzen die Nahrung gibt, und aber nicht in kleiner Zeit zuwege gebracht werden kan, absonderlich bey einer lcttichten, dicht aufeinander liegenden Erde; denn der Regen, oder Schnee, kommt und dringt nicht also- bald in solche Erde, weßwegcn die ausgescherte Erde nach Länge der Zeit gleichsam mürbe gemachet, und mit obenbemeldten Nahrungs- Theilen wol durchmenget werden muß, wenn man des Segens einer neuen Frucht wil gewärtig seyn. Zur Erläuterung dieses Vernunft- Urtheils dienet, was die Acker-Räb-Lcute und Gärtner gemeiniglich wahrnehmen, daß die luftigere Erde, wenn sie nur nicht gar zu lttcht, und die Nahrung allzugefchwinde durchlässet, auch die fruchtbarste sev, wcßwegen sie auch verschiedne Vortheile gebrauchen, ihre Erde lustiger zu machen. Nicht nur graben sie die Erde um die Bäume, Wemräben, und auf den Aeckern um, damit die Luft desto leichter in die Schöllen eindringe, und das Erdrich mürbe mache, sondern sie legen etwan den autzegrMer» Grund auf Dorne, die sie in die Erde um die Wurtzeln begraben, damit sie sich nicht so leicht wiedrum fest setze. Einige befinden sich wol dabey, wenn sie ihre Aecker zu Jahren um kreuzweise pflügen, damit auf solche Weise alle Erd- Schollen wol zerschnitten werden. Man bemercket auch, daß die Mtfgeackerte, oder in den Räben aufgescharrete Erde fruchtbarer, wenn etwas Zeits hernach schön Wetter anstehet, daßdie Sonne, nach unsrer Baursleuten Redcns-Art, die Erde kan bauen; denn, wenn es bald darauf regnet, so sitzet die Erdebesto geschwinder aufeinander, und ziehet sich darüber gleichsam eine Haut, welche dem Regen den Eingang schwer machet. DiesemitVernunft-Schlüssenuntermischte Bauren-Practic habe ich um so viel eher Sicher setzen wollen, damit man theils den herrlichen Nutzen sehe, welchen ein in der Natur-Wissenschaft erfahrner und geschickter Landmann, oder Etgen-Herr bey Aussindunq allerhand Manieren sich zuziehen kan, theils aber die Beschaffenheit unsers Erdrichs desto besser erkennen, und darauf acht haben lerne. l. Theil. Dbh Das Z94 Erzehlung seltsamer lTlamr- Geschichren Das Bern-Gebier ist in Ansehltng seiner Weite, Gestalt und Fruchtbarkeit das köstlichste Kleinod der ganzen Schweiß. Das platte Land gibt einen Ueberfluß von Korn, und andern Feld-Früchten, auch Obst in grosser Menge. In den Bergen finden fich dieköftlich- iten Alpen, welche wiedrum mit Milch, Käse und Butter, nicht nur daS ganze Land reich versehen, sondern auch die Einwohner mit solcher Milch-Speisen und des Viehes Gewerkschaft, die sie in frömde arr- siräntzende Lander treiben bereichern. Etwan liegen die zwischen den Bergen befindliche Thäler so bequem, daß man auch Frucht an- säyen, und nach Verstiessung io. Wochen, oder z. Monaten, wie im Grindelwaide, einernden kan. Jnsbesonder ist die garrze Wade, alle an dem Bieler-Murter-Neuburgcr- und Genffer-See liegende Deutsch- und Weltsch-Bernerische Lander, ein rechtes Paradies, da »richt nur die herrlichst? Frucht wächßt von allerhand Art, sondern auch ein trefflicher Wein, den ich in mehrerm anzurühmen andcrstwo Anlas nehmen werde. Lucern, Uri, Gchweiiz, Unterwalden, Zug und Glarus, behelffen fich meistens ihrer Bergen, und der darauf sich befindenden Alpungen, welche eine unbeschreibliche Anzahl Viehes ernähren, und der Einwohner Bergwerck und reiche Handlung sind. Lucern hat darneben in ihrer Landschaft einen zimlichen Vorrath von Gcträyde, damit sie auch den folgenden drey Orten Vorsehung thun kan. Ihre Viehzucht haben sie sonderlich in der Landschaft Entlibuch, an dem Pilatris-Berg und der Rtgi. Uri ist rnit seinen Thälern überall zwischen hohen Bergen eingeschlossen, genießet aber sonderlich von dem Fön- oder Mittag-Winde viel Gutthaten, gestalten die Früchte auf dem Urncr-Boden früher als auf andern von den hohen Gebirgen entferntem Theilen des Schweitzerlands zeitig werden, darzu zwaren die ftarcke Zurückprellung der an die Berg-Wände fallenden Sonnen-Strahlen viel beyträgt, welche zur Sommers-Zeit in den Thälern oft eineunerträgltche Kitz erwecket, und deßnahen zu bemerken, daß diejenige obgleich zwischen hohen Schnee-und Eis-Bergen liegende Thäler, welche dem Biß > oder Nord-Wind nicht offen stehen, zum Ackerbau, und oft auch zur Wein-Pflanzung sehr bequem sind. suq hat Getrayd, Wein undObst, sonderlich viel Castanien um den See her, nebst fetten Weyden. Der Canton, und das Bisthum Basel hat an mehrtheilOrten einen herrlichen Ackerbau, mit einem Mehl-reicher» und missen Ge- trayde, des SchwektzerlandesI Z9s traydc, also daß dieses Gebirg-Korn weit besserist als das Suntgeuische. An vielen Enden hat es Wein-Gewächse, sonderlich um Basel, Liech- siall und Siffach; item im Frickgeu, unter Ölten herab. Allein es ist das Gebirq- Land hinter Telschberg hinein so winterlich, daß da kein Wein wachsen mag, auch an etlichen Orten, sonderlich im Freyen Berg, und daselbst herum, wenig Getrayds bringt, hat aber sonst, wie das Land überall, zu Berg und Thal viel schöner Wiesen, und Weydcn, mit vielem Viehe. Orü>8 Baßler LNron. csp. e. Freyburg genießet nach Beschaffenheit der Grösse des Lands, gleiche Erden-Früchte mit dem Eanton Bern, mit dem dieses Ort der Evdgenoßschaft umgeben. Das Solochurner-Gediet hat an allerhand Baum-Früchten keinen Mangel. In der Vogtey Gößgen und Dorncck einen starken Weinbau, an andern Orten aber keinen, zwar nicht, daß der Boden dazu nicht geschickt sey, sondern weilen man den Wein aus der Grafschaft Neuenburg, der Landschaft Waat, und deMeichen mehr Orten reichlich haben, auch dazu auf dem Wasser garkomlich, und mit geringen Unkosten, nicht weniger aus dem Elsaß herauf überflüßig in Stadt und Land herbringen kan. Die Aecker, Matten und Wälder sind dergestalt vermischt, und abgetheilt, auch mit vielfältigen unterschiedlichen Bäumen besetzt, daß solche von weitem, oder der Höhe herab, einem wolgezierten Lust-Garten ganz gleich sehen, llslnsr Soloth. Schauplatz, u. zi 7. Scbaffhausen hat ein sehr fruchtbar Land, sonderlich an köstlichem Wein, der rings um die Stadt in grosser Menge wächset. Wie sich in diesem xu. Canton dteSchweitz gegen Deutschland endet, also endet sich auch die Landes-Art, daß die Berge in Ansehung der Grösse und Räuhe vielmehr Hügel qenennet, und überall mit Korn können angesäet werden, also daß dieses Land anfängt dem benachbarten Korn-reichen Schwabcnlande gleich zu werden. Appenzell, das XU1. und letzte Ort der Evdgenoßschaft, ist ein reiches Vieh-Milch- und Käß-Land, mit hohen Bergen umgeben, und durchzogen. Der Abbe von Gr. Gallen, das erste zugewandte Ort der Eydqenoßschaft, hat in Ansehung der Grafschaft Toggenburg gleiche .Lands-Art mit dem benachbarten Appenzell, und andern Alv-und Vieh reichen Cantons; in Ansehung der sogenannten Anen Landschaft aber gleiche Beschaffenheit mit dem Thurgäu, von welchem an seinem Ort insbesondre zu reden seyn wird. D-- 2 Von Z96 Erzehlung seltsamer N'amr-Geschr'chten Von der ^tadcSk.GaUen^ället, weil sie kein eigen Land hat> -ißmal nichts zu reden vor. In pündren findet sich in Ansehung der Fruchtbarkeit, ein grosser Unterschied/ wie denn die gütige Natur der Herrschaft den vier Dörffern, der Gegend um Cyur, dem Boden der Herrschaft Razüns/ dem Domleschg/ und dem mehrern Theil des Hochgerichts Grub bey Jlanz., auch theils Pretigäu/ allerhand Frucht und Nah- rungs-Mittel ertheilt/ nur das etliche wenig/ andre gar keinen Wein- wachs haben. Die etwas wildere sind mit vielem Korn versehen: den Abgang des Korns und andrer Früchten ersetzet man mit den köstlichen Pteh-Weyden, und trefflichstem Heu. Es erwecket auch die natürliche Unfruchtbarkeit der Einwohner Fleiß, der an manchem Ort der Erde / mit Wcgräumung der Steinen, gleichsam Luft machet/ wie in Perqell zu sehen. Man hat sogar/ wo die Grösse der Steinen das Wegtrolen versiiqet/ sie mit Erde bedeckt, und also zum Korn - und Heutrageu tauglich gemacht, wie durch das Campdolci- ner-Thal zu sehen. Anderwerts sind ganze Auen, Büsche und Wälder, durch Umgraben, Schwemmen und Brennen zur Fruchtbarkeit gebracht worden. k. k. Die an Italien gräntzende Grafschaft Eleven, und Landschaft Velrlems haben Theil an Köstlichkeit der Italienischen Luft - und Fruchtbarkeit. Veltlein insbesonder kan mit Recht ein indisches Paradies betitelt werden; denn diß Land neben dem so genannten Velt- leiner-Wein auch allerley Getrayde undZugemüß hat, alsWäitzen, Rocken, Gerste», Haber, Erbsen, Bonen, Linsen, Hirß, Fenckel, Heyden, und anders. Und begibt sich oft, daß an etlichen Orten aus einem Boden vielerlei) Früchte nacheinander in einem Jahre eingesammelt werden. Denn zwischen den Weinräben, die am Herbst ihre Früchte geben, wird Waitzcn, Rocken, Korn und dergleichen angesäet; nach der Ernde desselben Getrayds folget Hertz, Heyden, nach diesem die Rüben. So dann fruchtbar? Bäume auch dabey stehen, wie es denn oft geschiehet, ist die Nutzung desto grösser. An den Orten, wo die Sonne wol hinscheint, kan man im Meyen anheben zu ernden, und also fortfahren, bis man dem Lande nach erstlich , und folgends in den Höhen und Zuthälern alles einbringt. Ein par Ochsen, und an vielen Orten ein einiger ist genugsam den Pstua zu ziehen, so milt und willig ist das Erdrich im Ackerbau. Jedoch ist dieses sehr Volck-rciche Land mit Getrayde nicht nach Nothdurft versehen. des Gchweirzerlandes. , _gz? sehen. Denn obgleich Gegenden darinnen hin und wieder liegen/ die nicht allein zu ihrem genügsamen Gebraucht/ sondern auch zu dem . Verkauf, wenn gemeine Jahrgänge find, einen guten Ueberfluß haben ; so find doch gar viele Platze, denen nicht ein geringes mangelt, weilen fie sich mehr auf das Räbwerck und Viehzucht, als aber auf den Ackerbau begeben. Derhalben behilft fich dieses Thal aus der Eydgenoßschafk, aus Schwaben, Bayern, Tvrol, dem Beliebiger- Gebrete, undHertzogthumMayland, wo dasGctrayde je am besten zu bekommen. Wenn die Marren und Caftanien im Lande wol gerathen, so ist der Mangel am Getrayde desto kleiner; denn solche dem gemeinen Mann grosse Nahrung geben. Neben diesen gibt es in diesem Thal Obst-und Baum-Früchte in grosser Anzahl, von allerley Geschlechtern, darunter die edelsten find Mandel, Feigen, Granaten, Lorbeeren und dergleichen. Viel schöner Matten, und sehr grosse und weite Weyd-Böden liegen in diesem Lande hin und wieder; besonders find die Berge und Zuthäler graßhaft und weydreich. Dannenhcro diß Thal an allen Enden, furaus in den Höhen und Zuthälern, neben den Pferden, Maulthieren und Eseln, überflüßig viel Rindviehes, auch Schafe und Griffen ernähret. Zu Winters- Zeit etzen fie ihr Heu mit dcnsclbigen; zur Frühlings-und Herbst- Zeit behelfen fie sich der Plänen und heimischen Weydcn; im Sommer aber haben sie zuhinterst in den Thälern, und um die Spitzen ihrer Bergen herum, gute kühle und qraß-reiche Alpen, da das Viehe am mastigsten und fettesten wird; denn es in gesunder und frischer Luft, auch in guter zarter, und wilder Weyde stehet, deren ein Ueberstuß ist, und sehr kräftige und angenehme Nahrung gibt. Derhalben ist man an diesen Orten mit Milch, Käß, Zieger, Schmalz, Fleisch, Leder undUuschlitwolversehen. Die edle Beschaffenheit de§ Veltleins habe ich sonderlich aus Ouiers kni- psg.lS4. » 6 s. desto weitläufiger angeführt, weilen sich ein grosser Theil dieser Beschreibung auch auf das übrige Pündtner-und gebirgichte Schweizerland zueignen lässet. Wie edel das Wein-Gewächs im Veltlcin sty, ist auch daraus abzunehmen, daß sich Trauben von 4so. bis 4§O. und mehr Beeren finden. Obwol einige Güter bis i. Philip- das Klafter zu 6 . Schuhen, und dieser zu 12. Zollen gerechnet, bezahltwerden, statten fie doch z. von iOO. Nutzen ab, welches theils der günstigen Himmels- Gegend, theils der Einwohner Fleiß und Menge beyzumessen, als womit alle Winckel besetzt, wie denn auf Ddd z allcy Z98 Erzehlung seltsamer iTkatur,Geschichten allen Bergen und Wäldern Kirchen zu sehen/ deren Anzahl in dem Thal VeltleiN/ die Grafschaften Cleffen und Worms unbegriffen, auf 202. ankommt. K. k Das waUiser-Land ist ein so fruchtbares Thal-Gelände/ dergleichen kaum/ ich wil nicht sagen in Schweitzerischen Landen, son^ dern aitf Erde zu finden: Es erstrecket sich von Aufgang gegen Niedergang, genießet deßwegen den ganzen Tag die Sonnen -Wärme. Da wachset ein edler Muscateller, und sonsten fürbündig guter Weinwachs, so oberhalb dem Zchenden Brigg zu Möril anfängt, und durch das ganze Land nieder bis zu St. Mauritzen gehet. Dieses guten Weins wird viel über das Gebirg aesaumet,(d.i. auf Saum-Rossen geführt) in andre Land, als z. Exogen Uri, genHaßle, aenSanen, und andre Thäler des Berner-Gebiets, geführt. An allerley Getrayde hat diß Land genug, als Wäitzen, Roggeri urrd Gersten. Das untere Land (als das tieffere) hat mehr Winter-Früchte als das obere, (so höher liegt gegen der bui-c-,,) und das obere mehr Sommer- Früchte als das untere. Das Erbrich ist ganz fruchtbar, also daß auch zu oberst im Lande, imZehendenGoms, die Aecker gemeiniglich alle Jahre Frucht geben, daß man gleich nach der Ernde diefelbigr wiedrum bauet und säet. An vielen Orten wässern sie alle ihre Güter, richten das Wasser auch etwan durch ihre Aecker und Weingärten, können dasselbe gar artig, oft mit grosser Lebcns-Gefahr, an den Bergen und Felsen leiten, durch Canäle, die sie etwan zwey Meilen und weiters herführen. Die ersten Acckcr-Früchte werden an den fruchtbarsten Orten im Meyen zeitig, deßwegen im Land Wallis die Ernd im Meyen anfängt, und sich erst im Oktober endet, also daß die ersten Früchte, im Grund, die andern in den Nebenthä- lern, und die letzten aus den Bergen, gleich unter den Schneebesen herab gesammlet werden. Das ganze Land ist mit allerley Obst und guten Baum-Früchten durchpflanzet, als Apfel, Biren, Nüssen, Pflaumen, Kirschen, Castanicn, Maulbeeren, Pinnüsseu rc. Es hat auch um Sitten, Siders und Grundis herum, Mandel, Feigen, Granaten, und dergleichen edle Früchte, darzu zieht man auch an bemeldten Orten viel guten Saffran. Grosser Überfluß ist auch zu Berg und Thal an allerley zamem und wildem Viehe. äcumpf. LKr. tub.Xt- cap.r. p.m. 654. b. 8imler Valley P3K.2. Mülthausen und Diel liegen in sehr fruchtbaren Gegenden, jenes gegen dem Elsaß, am Ende des Scbweitzerlands, dieses zwischen dem Canton Bern, und Bisthoff-Baßlerischcn Gebiete. desSchweltzerkandes. Z9S , Die Grafschaften lTkeuenburr, und haben einen so edeln und fruchtbaren Boden, nebst vortrefflicher Situation, als kaum ein Theil des SchweitzerlandS. Auf den Bühlen, und in dem Grunde, sonderlich an und um die Stadt Neuenburg, wachßt der edelste Wein in grossem Ueberßuß, und auf den Bergen die trefflichsten Gewürtze, auch raren Krauter, die man andrerOrten schwerlich Met. Genf hat zwaren ein kleines, aber fruchtbares Land, eine Gränz-Stadt zwischen der Schweitz, Saphoy und Frankreich, welche wegen dieser ihrer Situation nicht nur an dieser drey Ländern gütigem Einflüsse des Himmels, sondern viel andern Vortheilen, in Ansehung der Handlung, und vielen Zuspruchs fremder Leuten, Theil hat, so daß hierdurch der Mangel des weiten Landes reichlich ersetzet wird. Von dem Bl'scix-ff.Baßlerischen Gebiete ist oben unter dem Titul Basel das nöthige gemeldet worden. Unter denen gemeinen Eydgnößifchcn Voateyen oderHerrschaf- ten ist »orderst die Land-Grafschaft Lhm-gäu, welche sehr lieblich und fruchtbar an Wein, Korn, Obst, und allerhand guten Früchten, ausgenommen in den Gegenden gegen Mittag, gegen dein Appen- zellcrlande und Toggenburg, da das Land ansängt wild werden, doch aber auch an Viehweyden gut bleibt. Des Weins wächset zu gemeinen Jahren in diesem Lande so viel, daß auch die anstoßenden Länder Wein bey ihnen holen. Dazu wird an vielen Orten dieses Lands viel Tranck aus Apflen und Biren gemostet. Den besten nennen sie Berli-Most, oder Berq-Biren-Most; den führet man auch in andre Länder, und schenckct ihn vor einen delicatcn, fremden, süffeu Wein aus. Wenn die Jahre an jezt-bemeldten Biren fruchtbar siud, findet man Baurcn im Thurgän, die ab ihren Gütern 8 .9. bis ic>. Fuder Most machen. Es kan die fruchtbare Art des Bodens auch aus der grossen Menge der im Thurgäu liegenden Flecken, Dörflern, Schlössern und Höfen abgenommen werden, via. Stumpf emon. L^ib. V ca?. 1. pZA Z49. Ltc. Die Grafschaft Laden liegt zwischen denen Cantons Zürich und Bern, genießet also eine gleiche Beschaffenheit guten Erdrichs, und hat sonderlich der Limmat nach einen guten Weinwachs, sonftcn aber viel Korn, und andre Früchte. Die Grafschaft Gargans ist bergicht, reich an Weyden und Viehe, 402 Erzehlung seltsamer Natur-Geschichten _ Viehe, als die zwischen Toggenburg, Glarus und Pündten inn lieget; im Grund gibt es auch Korn, und allerhand gutes Obst. Die Freyen Aemter, in dem Wagenthal, sind sonderlich reich an Korn und Obst-; das Rhemrhal über diß auch an Wein. Die so genannten welschen Vogtcyen, Lauis, Luggaris, Mendryß und Mein that, haben weydreiche Berge, und fruchtbare Thäler, sonderlich wo der Italienische Fön Hinwehen kan. Andre Vogtcyen, welche cinigenOrtcnderEydgnoßschastbesonders zustehen, als Murren. Schwarzenburg, Tscherli und Orden, so Bern und Freyburg sind: Bechburg, welche von Bern und Solothurn beherrschet wird; Bellen;, «wier-s und palenzerrhal, Welche Ury, Schweiß und Unterwalden zugehören; endlich das Güster, so von Schweiß und Glarus bevogtet wird, haben jede ihre besondere Gelegenheiten lind Fruchtbarkeit, je nachdem sie hier oder dort liegen, eben oder bergicht sind. Von allerhand Mineralischen Erden des Gchweitzerlandes/ und msbesonder von der Nreide. lt^(^Ie der allaütige Schöpfer uns des Schweitzerlands Be- wohnern nicht nur die reinestcn, Crystall-lautern Waffer- Quellen in grosser Menge, sondern auch eine zimlicbe Anzahl vermischter oder Mineralischer Wasser zugetheilt hat, welche in Ansehung der in ihnen cnthaltncn Mineralischen Theilen zu Erhaltung und Widerbringung der Gesundheit vielfältig dienlich sind: Also hat es auch dem grossen Gott gefallen, unsre Lande nicht nur mit einer zum Ackerbau, Wein-und Wieswachs trefflich bequemen Erde zu versehen, womit das ganze Schweitzcrland, gleich «ls mit einem köstlichen Kleide bedecket ist, sondern noch überdiß mit andern Gattungen Erde- welche eutweders zur Arzney, oder zu täglichem Hauß-Gebrauch, oder allerhand Handwerckern und Künstlern dienlich sind: wie uns zum Exempel die Kreide dienen kan, deren Nam einige so weit hinaus erstrecken, daß sie auch nebst der wetssen die blaue, gelbe, grüne und schwarze Erde darunter begreiffen; wir aber verstehen diß Orts durch die Kreide, Kriede, Rn'de, Net«, iv. 8ylvzn. §. 77s. Erfahrne Vieh-Hirten mischen unter die Träncke, Kreide und Salpeter, wenn ihr Vieh an Milch abnimmet. i-l. §.778. Die klugen Chineser saltzen die Endten-Eycr zum Speiß - oder Artzucy-Gebrauch mit Salz ein, so mit Kreide vermischet ist, ganz zugedeckt, also daß die Eyer auch durch die Schale selbst das Salz an sich ziehen. Aben- theuer lTlamrl. und Nunsti. Sachen in und LÄi-o/n. p.s68. Die alten Römer hielten gar viel auf-er weißen Farbe, und wüßten ihre Lein-Kleider mit Kreide vortrefflich weiß zu machen, welche sie deßwegen auf die Weise brauchten, wie heut zuTag in das reine oder mit blauer Farbe untermischte Amelmehl das weisst Zeug eingestoßen oder getunckct wird. Wenn vornehme Personen um Ehren-Stellen angehalten, so zogen sie mit bekreideten, oder vonweisser Kreide glänzenden Kleidern auf, wurden daher csnäiciAi genennet, wiehievon kizcrobiui L-uurnLl. csp. I6. schreibet. Es ist aber hernach von des Gchwekyerkandes. 40z den inbums durch ein Gesätz diese Krcidcn-Hoffart verbotten worden, ne cui album, (i.e. t^rekäm) in Vellimentum sllclere penrionig czuls licerek. I^iv. l.ib. IV. csp. 25. Auch die gemeinen Leute, so keine Kleider abzuwechslen hatten, pflegten ihre Schmutz-Röcke mit Kreide zu überstreichen, um dadurch desto mehr zu scheinen. In denen Orcenlischen Schauspielen gab man denen, so sich wol gehalten, zumZeichen erhaltner Freyheit ein weiffes bekreidetes Tuch, von dem n XII. LpiZr. 29. Die Egyptier dörften, nach der Zeugniß tterocloci, bey Lebens-Straffe keine Opfer schlachten, als die mit wciffer Kreide bezeichnet waren. Bey den alten Römern wurden die Schuhe der zu verkauffenden Sclaven mit Kreide bezeichnet, wohin juvenslir verl. Z. LglZ'r. l. zu verstehen. diuper in ksnc l^rbem, poeciibur qui vener^nt slbis. So gebrauchte man auch die Kreide, wenn das Urtheil über einen Uebelthäter gnägig, und zur Erhaltung des Lebens, ausgefallen. Unter denen Handwerckern bedienen sich der Kreide die Blcicker, dem Leinentuch eine weiffe Färb zu geben ; Die Kürßner, ihr Beltzwerck zu reinigen, und zu bewahren; Die Goldschmiede zum polieren; Die Mahler zu ihren Farben. Bey vnruvio t.>b.vui. ärckir. Lsp. l. stehet eine artige Manier zu erforschen, ob Wasserin der Erde sey. Man setzte in hie und da ausgegrabene Gruben einige aus Kreide gemachte Geschirre, und bedeckte die Grube mit Gesträuch und Erde. Wenn man dann nach Verfiieffung etwas Zeit die Gruben eröffnet, und gefunden, daß die kreidene Gefäffe feucht, oder gar verfallen, so hielt man solche Ortvor bequem zu Sod-Brünnen. Ich übergehe mit Stillschweigen andre mehrere Nutzbarkeiten der Kreide, und verweise den Liebhaber zu andern Scribenten, vornem- lich auch zu <^krjIiopk.tteIvvjßl)ist.cjeLrerz.6r^pklsvvaI7. und »r. ausführlich beschrieben habe. 4vS Erzehlung seltsamer ^ lamr-Geschichten len lahm werden, oder in andre Glicder-Kranckhciten fallcri , welches sie gemeiniglich einem in der Erde steckenden Salpeter zuschreiben, der sich in die Glieder schlage, und sie angreiffe; dazu zweifelsohn der scharfctzende Geist des Bleys/ mit dem sie viel umgehe«/ auch Viel beyträgt/ und auch selbst die viele Feuchtigkeit/ in deren sie Sommers und Winters stecken / wie denn bekannt lst / daß die Hafner bald aller Orten bleichfarbig aussehen/ und sehr oft an Blonigkeiten, Glieder-Lähme, Wassersucht/ Gleichsucht/ und andern dergleichen Kranckhciren dahin sterben. Bey Erlach am Bieler-Gee ist eine rothe und schwärzlichte Erde/ gantz mager, aber trefflich gut ins Feuer. Man mischet sie unter einander. Bey Vverclon ist eine blaue und weisst Erde. Auf demBötzberge findet sich hin und wieder die ^"26 ler-r-ena. //e/Ei--,Lebcrstejri, Leber-Schiefer, Mergel, einsteinichter Lett, oder lettichter Stein, der schiefer-weis bricht, und den Ackersleuten zur Düngung, den Goldschmieden aber zun Formen dienen kaN. l^elv. pgß. A4L. Ungefehr eine Stunde von ist ein blauer Lett, fest, und gut zu arbeiten, absonderlich zum wciffen Grund: daselbst ist auch ein rother Lotus. Zu Murren ist auch eine rothe Erde, sauber zu arbeiten. In dem Canton Lucern im Emlibuct», in dem Goldbach, tvie auch bey Eschoitzmare findet sich eine gelbe Erde, genennt ocbra, n innere /Upin. psg 4 gedacht wird. In dem Cantou Unrerwaldm, zwischen dem Neunalper- und Glaudendielen, zweyen Bergen, findet sich eine rothe Erde. Uilt. hlsc. Uelv. In der Herrschaft Engelberg, welche oben an Unterwalden grätttzct, im Galriberg, und an der Herren-Rütt, findet sich eine kohlschwarze fette Erde, welche zweifelsohn nicht nur den Mahlern, sondern auch andern Künstlern und Handwcrckern dienlich ist, wenn man deren Eigenschaften recht untersuchen wird. Dieser Erde habe ich auch in Innere /clpin. P 3 A. > 8 . gedacht. IndemCanton GlarusjnNeffelrooß, aufdemRräyenberg, findet man eine rothe, weisst und blaue Erde. ^Zner ttill ttsr. Ueiv. PZA. ; 4 Z. Die blaue ist dürr, letticht, hochblau, so lange sie feucht, bleicher aber wenn sie trocken ist. Auf diesem Berge ist auch ein Ocker, und andre gelbe Erde. In dem Canton Basel, bey Möncbenstem, ist eine rothe fette völkische Erde, welche an statt der gesiegelten zu Versüffung des Geblüts, und andrer scharffen Feuchtigkeiten gebraucht wird, in Blut-und andern Durchflüssen, und hitziaen Fiebern, sonderlich bey kleinen Kindern. Bey Sc. 7-acob an der Dieß findet sich ein Mergel. Bey Binmngen graben die Hafner eine gelbe und blaue Erde, welche sie mit rother, zu allerhand Geschirren, so sie mit gelber und grüner Glasur überziehen, vermischen. BeyLiechstaU, einem Städtlein, ist eine rothe und weisst Erde, welche untereinander, zu Ausarbeitung allerhand Koch-Geschirren, welche, weil sie das Feuer wol aushalten, weit und breit geführet werden, gemcnget wird. i. Theil. Fff H, 4lo_ Erzehlung seltsamer Natur, Geschichten In dem Canton Freyburg hat k^r- )esn 6u ?re cie Lruyeres in seinem künstlich in einem Felsen eingehaltenen Lremkono. oder Ein- sidler-Wohnung bey 8r.vi3ri3X43Aci!,len3, (woranerittdie zo. Jahre gearbeitet) auch eine gelbe Ocber-Erde gefunden. Dieses Gebäude lst würdig von allen fremden Durchreisenden, wegen seltsamer Bau- Art, besucht zu werden, da nicht nur eine Kirche, sondern noch 9. andre Gemächer, nebst dem Garten in einen Felsen gehauen, sind, und lieget voll Freyburg ab ungefehr eine Stunde. Indem Canton Solorhurn, bey Attisholrz, ist eine röthlichte Erde gut ins Feuer, daselbst ist auch ein blauer Lett, welcher aber mit dem rothen, wenn man wil daß er halte, gcmischet werden muß. Ein heiter-blauer Lett wird auf dem weiffen Stein gegraben, darauf fließet die Glasur gantz wol. Gegen Buchberg findet fich auch eine weisse zarte Erde, so auch eine weisst Glasur trägt, hat aber viel Stein vermischt. Im Egelmooß ist eine röthlichte Erde, zwar rauh, aber gut ins Feuer. Eine rotheSoiZrische Erde wird auch bey derClus, im Welschen Rohr, in einer Fels-Höle gefunden, welche von denen Wund-Aerz« tcn an statt des ^rmcn.vvii zu Pflastern gebraucht wird. ^sgn.kiic. In dem Canton Schafthausen mischen die Hafner eine gelbe Erde aus der Enge, und zweyerley blaue Erde aus dem Schaaren, welche letztere fich im Feuer weiß brennet, (e) Bey Neukirch findet sich eine schwarze Erde, welche gut ins Feuer, auch eine gelbe und rothe zum Grund. Bey Hallau ist eine rothe schöne Erde, welche aber die Glasur nicht wol behaltet, daß fie nicht abfalle, wenn man saure Milch in die Geschirre thut. Mühlhaustn hat eine rothe Erde, so aber kurz, wird mit der weiffen, so s. Stunden weit her von Rodern geführet wird, vermischet. Also aber haltet fie das Feuer. Eine Stunde von Diel bey Begingen in einem Walde findet sich ein schöner rother Lotus, der den Hafnern einen guten dunckel- grünen Grund gibt. In der Grafschaft Neuenburg ist ein grosser Ueberfluß an weis- sem, gelbem und blauem Lett, und Mergel, in welchem sich gemeiniglich («) In den Eistn-Gruben des Cantons Schaffbausm findet sich auch «in rother und gelber Lolur» Welcher aber mit vielen fremden Theilen vermischt ist. _des Gchweitzerlandes._ 4rr niglich steinerne Schnecken, Muscheln, und andre dergleichen Ue- berdletbseln der Sündflutb finden. Bey ist die Hafner-Erde zwar hart, aber wegen ihrer Festigkeit nicht leicht zu arbeiten; hergegen bleibt fie im Feuer beständig, und schweint nicht. Bey cote E ke'e; ist eine weiß-blaue Erde, die aber zumwkis- fen Grunde nicht gar gut ist. Bey nr/enZj» findet man auch einen gelben Volum unter einem Felsen, welcher denen Goldschmieden zun Formen dienet. Ehe man fie aber hierzu brauchen kan, muß man fie von den gröbern Theilen , durch Angicssung des Wassers, und vielmalige Rührung in demselben, reimaen, welches so oft widerholet wird, bis das Wasser nicht mehr trüb wird. Nach diesem wird das, welches fich in abgeschüttetem Wasser zu Boden gesctzet hat, wie oben gedacht, zun Formen gebraucht. In dem Bischöff-Baßlerischen Gebiete, bey Delsperg, ist auch ein gelber öolus. blill. dkr. ttelv. P2g. ZZ8> Im Thm-gäu, bey Holtzen, unweit Lostantz am Boden-See, ist eine röthlichte und blaue Erde, welche untereinander müssen ge- menget werden. In der Grafschaft Baden, im Buchwalde gegen dem Closter werringen ist eine Leim-Grube, deren fich die Stadt Baden bedienet; diese Erde haltet das Feuer aus, theilet aber dem Wasser einen Schwefel-Geschmack mit, wenn man es über Nacht in Krägen stehen läßt. Hr. Wagner in seiner Uill. Nsr. tteiv. P3Z. Z4r- gedencket einer Bader-Erde, so er I'crrsm, feu Lieksm Vaclensem nennet, und ziehet dahin folgenden Bericht Lpill. xiellic. i. Lp. 22. vum ^mbergr, kälskinatus Xletropoli, ^leclicinsm prollrebar, quiclsm^u- licus ex blelveuorum Ikermis 6Iebas nitzras» inttar kumrcis lreves sc lspiZescemes, iecum anulir, gu» in cslicts inllsr Lirumims len- rescebsnr: qugs ab ^reNä elu»s, sc inliar Lerori cliltemLs, Olcerl- dus Vulneribusqus applicabar, gu» ea fzcile coNloliäsbgnr. In der Grafschaft Gargans, bey der Bad-Quelle zu Pfeffers, findet sich eine gelbe zarte Erde, von welcher, als einer lerrr 80- i->n, verschiedne Bad-Beschreiber die Würckungen dieses herrlichen Bads herleiten; worvon Bl. 84. zu sehen. In dieser Geaend ist auch hin und wieder ein grauer schieferichter Leberstein, oder Mergel anzutreffen. Fffs Von Erzehlung seltsamer N^atur-Geschichten Von dem Gips. ^Leichwie der Alabaster ein weicher Marmor ist, und alle Mar- melftcin sich zu Kalch brellnen lassen, also lassen sich anch die Alabaster-Steine zu Gips brennen, welches eine edlere Art Kalchs ist, deßwegen er zu Auszierung gemeiner und sonderbarer Gebäuden, je mehr und mehr aufgesucht wird. Ja es ist unser sogenannter Gips ein wahrer Alabaster, als der sich schneiden und poliren läßt, wie ein Alabaster. In verschiednen Sprachen heißet der Gips, Gyps, Spar Sparkalck, Italiänisch 6eW, Frantzöfisch iumbo ultc>, und Terpentin mit Brandtenwein aufgeweicht, ein Stein-Kütt qemachet, welches gleich einem Marmor hart wird, und folglich dem Wasser den Durchgang sperret. Es wird aber der Gips gefunden Jn dem Canton Bern, im Aeruäu, in dem Berge Gyßnfluh, bey dem Schloß Sieberstkin. und dem Dorfs Lmtinqen, unweit Armi, allwo dreyerlcy Arten Gips heraus gegraben werden, i) ein schwärzlichter, der wenig, oder selten zunutz gezogen wird; 2 ) ein weiffer und weicher, welcher gemeiniglich gebraucht wird; z) auch ein weiffer und harter, aus dem, als einem Alabaster, die Cantzel zu Graniten gestaltet worden. So auch findet sich ein Gips bey Är- dura. ^stzner ttilt. dlär. ttelv. P3A.ZZ9- (k) In (f) ES soll auch im Canton Untrrwaldm GipS-Lerge geben. S. Meine Reiß« Beschr. Dl. ;s. des Schweiger-landes. 4rz" In dem Canton Gtmus, in der Alp müllibach, inderPfarr Marr. In gemeiner» drey Pändren , bey Treffen-Rasten, oder Teuf- fen-Tastel, Qstlrrem, im Gorrs-Hauß-Bund. Bey im BergeUerchal. allwo die Einwohner den Gips zu Vertreibung der Mäusen und Ratten brauchen. Nachdem sie den Stein aebrennet, und zu einem subtilen Pulver gestoßen, mischen sie dasselbe mit dem Castanien-Mehl; wenn denn die Mäuse kommen, davon zu fressen, und der Gips in ihren Mägen mit dem dasigen Hebel sich in eine vereinbaret, welche in dem Leibe selbst verhärtet, so müssen sie nothwendig davon zu Grunde gehen. In der Grafschaft Neuenburg, bey findet sich ein schneeweiffcr Gips, aber von keinem solchen Grad der Feste oder Härtigkeit, wie der Alabaster, sondern der eher und näher kommt zu dem StLisNirA. oder Tropfstein, von dem ich versichert bin, daß er mit dem Gips und Marmel in naher Vcrwandschaft stehet. In der Grafschaft Laden, auf demLägerberqe, wird ein schöner wetsser Gips gegraben, davon viel anhero nacher Zürich geliefert, und dahier verarbeitet wird. Von der Mond-Milch. V ^cl^vmsre, k.sc l^un«, Mond-Milch, (k) ist eine zarte, schnee- I weisst, schwammichte, luftige Erde, welche hin und wieder in hoher Helvetischen Gebirgen, holen Klüften angetroffen wird, und dem äufferlichen Ansehen nach dem Lerchen-Schwamme gantz gleich ist, deßwegen sie auch genennet wird ägsncus mmeraiis bey kerr. Impergr. ligt. dl^cural. l->>b.V. csp. 4,. ^ggricum lsxLtile, bey Lelsner. äe kigur. kotlil. pzg. 49. so. und kunZus perrsus I. c. ^gri- coiz cle bläk. koss. pzg. 194. heißet diese Materie nicht unfein d^eäullam 8axorum. Steinmarck, ärenomnrZrm, weil sie gleich einem Marck in den Holen der Bergen und Felsritzen lieget, und von danncn weiter abgespület wird; denn sie eigentlich anders nichts ist, Fffz als (§) Sollt vielleicht beigen ^lont-Milch/ d. i.Derg'Mllch/ wie das Wort Mont auch bev der Benennung deS PilatuS Bergs ist/ den die Anwohner desselben Frackmom heiffen. Diese Mond.Mllch wird würckllch auch Berg-Milch genennr in der Grafschaft I^iptsn in Hungaru. S-Dreßl. Samml.A. e?-;- P2§. 6j,. 4-14 Erzehlung seltsamer Nattir-Geschkchten als eine subtile, zarte, in holen Felsgängen liegende, und von durch- flieffendem Wasser abgespülte, und weiters in eine grosse offne Höle zusammengeführte irdische Materie, welche Anfangs wegen untermischten Wassers weich und flüßig ist, hernach aber je mehr und mehr ertrocknct und erhärtet. Woraus sich alsobald erhellet, daß diejenigen irren, welche dieses Minerale vor kioreg^rxemi, Siber- bluft, halten, und vermeynen, es wachse und entstehe aus gewissen filberhältigen, von innerm Eingeweyde der Erde aufsteigenden, und oben wiedrum sich sammlenden Dünsten: wenn dem also wäre, so müßten die silberreichen Sächsischen und Ungarischen Lande einen grossen Ueberfiuß haben, wovon man aber nichts weiß. Eher hat die Mond-Milch eine Verwandschaft mit dem Tropfstein, oder §»- iLÄire, welcher, so er in denen Hölen der Erde veraltet, endlich seine veste, schwere, gips-förmige, aus glatten Spiegel-Theilchen bestehende Gestalt in ein leichtes, weisses, derMond-Milch gleiches Wesen verwandelt, wie ich dieses selbst sowol in als auffert Helvetischen Landen wahrgenommen, weßwegen die Apothecker und Aerzte zu wahrnen find, daß sie in Währung derMond-Milch zum Arzney- Gebrauch behutsam seyen. Die bisher eingeführte Namen und Zunamen unsrer Mond-Milch sind nicht über 220. Jahre alt: Wenn wir uns in denen ältesten Schriften »iotcoriclis, eines Griechischen, und plinii. eines Lateinischen Scribenten, umsehen, so kommt unS der Stein OslEires, Lslaxia, so auch l-eucs, I^eucoFrspkis , vor, Lynnepkiles genannt bey Oiolc. I^ib. V. csp. i so. und klinio I 4 b. XXX vu. csp. 10. von dem sie schreiben, daß er ttilus Lucco lir no»biii5 , einen Milch-weissen Saft und Geschmack von sich gebe, und daher auch mucksten, heisst : und wiedrum bey violc. Lud. v. c3p. 152. ein andrer Stein b^oroclirus genannt moliis öc fäcile liquescens . der weich ist, und leicht im Munde zergehet, den plinius schon zu seiner Zeit unter den Titul OzjaäHl- gesetzt: Von diesem oder Klorockw. ist zu vermuthen, daß es eine Art Mergel, oder unsre Mond-Milch gewesen, umso viel desto mehr, weilen derselbe auch in Ansehung der zugeschriebnm Kräften übereinkommt. Diß haben schon zu ihren Zeiten Lekner l.c. L. cieLoor. ttilt. Oemm. Lhapiä. I^ib.ll. cap.rr8- UNd 229. Uttd andre mehr angemercket. (b) Wenn wir unsre Mond-Milch auf die (l>) Der bkrühmlk Conrad Geßncrist/ so viel mir bekannt/ der erste/ der die Mvnb.Milch ogenillch beschrieben hat. Hr. O. Lappeler hält davor/ daß , des Schweiyerlandes. 4r s die Waagschalen unsrer Sinnen leaen, so findet sichs, daß fie unge- schmackt oder süßlecht/ weiß, in dem Wasser zergehet, und demselben hiemit eine Milch-Farbe zutheilet, überdiß mit denen sauren chymischen Geistern in einen heftigen Gährungs-Streit gerathet, und ist hieraus bald zu ersehen, daß dieses Minerale in der Arzney- Kunst grosse Dienste in Verbesserung und Dämmung der im Leibe liegenden Säure leisten könne, so auch in Versüffung des scharffen Geblüts, und in Ansehung dieser Blut-versüffenden Eigenschaft auch denen kostbarste»! gefiegelten und ungefiegelten Erden an die Seite aesetzet werden kan. Einmal zeiget die Erfahrung selbst, daß die Mond-Milch in dem Magensod dienet, dessen Ursache gemeiniglich von scharf-etzenden, gallicht-sauren Feuchtigkeiten Herrühret; item, in der Harnstrenge, und andern von des Harns Schärffe herkommenden Kranckheiten; in den Niercn-Schmertzen und Harns-Ver- stopfung, nemlich von saurem Schlei», wie fie deßwegen auch insgemein zureden, eine harn-treibendc Eigenschaft an fich hat; weiters in allerhand hitzigen, giftigen Fiebern, selbst auch in andern durch den Mund zugekommenen Vergiftungen, in allen Durchbrüchen, oder Rühren, und Blut-Flüssen: insonderheit aber wird diese unsre Milch-weisse Erde angerüymt, wo die Milch in den Brüsten zu dick, oder geronnen, oder zu wenig gezeuget, oder geschieden, w»rd mit andern hiezu dienlichen gebrannten Wassern eingenommen. Aeus- serlich können die Wund-Aerzte dieses unser Heil-Mittel mit Nutzen brauchen, wo immer schärffe, fiieffende, gesaltzne, oder saure Feuchtigkeiten stecken, in allerhand offnen, alten, fließenden Geschwüren, der Schenckeln, Augen, und andern Theilen des Leibs, in der Kinder Frattigkeit. Unsre Vieh- Aerzte gebrauchen auch diese unsre Stein-Mllch in allerhand Geschwülsten der Thieren, welche Eigenschaften , weil fie fast alle auch dem und ^lorocvro, oder Milchstein bey violc. und zugeschrieben werden, uns desto eher Glauben machen, daß die Alten würcklich unsre Mond-Milch mit diesem Namen betitelt. ^ Nun dieselbe bey den Alten unter dem Namen Icrra Samia mit begriffen gewesen sey/ welche Meynung er writlänstrg ausführt in seiner Beschreibung des Pi. latuSDergS/ welche noch nicht gedruckt ist/ doch vielleicht bald / wiewirwün» scheu / wird anS Licht kommen; da denn insonderheit eine schöne und auSführ. lrche Beschreibung Ver Mond.M>lch anrutreffen/ welche tch hicher gesetzt hatte/ wenn ich nicht wüßte/ daß Hr. Cappeler sich vorgenommen/ sein Merck aa den Tag iu geben. 4l6 Erzehlung seltsamer lTlatur-Geschichten Nun folget eine ordentliche Verzcichniß aller derjenigen Orten des Schweitzerlands, da die Mond-Milch gefunden wird. In dem Canton Bern findet sich die Mond-Milch bey dem Weiffenburger-Bad , welches vielleicht auch daher seine Kräfte herholet. So auch auf dem Stockhorn, nach dem Bericht Lelsner. Ne ?iss. p3Z. 5O. In dem Canton Lucern ist sonderlich auf dem Pilams-Berg ras sogenannte Mondioch, Moonloch, berühmt, welches von der Mond-Milch her seinen Namen hat, oder vielleicht eher der Mond- Milch den Namen geben, weilen dort alle Mond-Milch vor Zeiten geholet, und anderstwo hingeführt worden, so daß fich unser Schweizerland, insbesonder aber dieser Löbl. Canton Lucern, des Ursprungs dieses nun in gantz Europa gemein-üblichen Namens rühmen kan. Es lieget diese Hole an einer sehr hohen, jähftotzigen Fluh, nicht weit unter den obersten Spitzen der Berge auf der weiten gegen Alp- nach: Bey ihrem Eingang ist sie i6. Schuhe hoch, und 9 . Schuhe breit, und stießet immer aus ihro ein klares Wasser mit cruem angenehmen Geräusche hervor. Wenn man ungefehr i o. Schritte hinein gehet, so öffnet sie sich in eine grössere Weite, sonderlich aber nachdem mau in die zoo. Schritte fort gewandelt, soll sie sich merck- lich weit in dem Eingeweyde des Bergs aufthun. Wer ein mehrers von dieser Höle zu wissen verlanget, der lese Le'snerum in velcripr, XiomiL-kratti, p->8-66. und cie Ng. b.3pjd. l.c. sonderlich aber Hrn. v. Langen von Lueern Meam UilioriL d^ruralis kiAurälor. Uelver. csp. z. In einer andern Höle des Bergs wallenstock, welche auch Lang i c. beschreibet. In dem Schynberge im Entlibuch. ^sZner.Uitt. Xäc.Uelv. xs§.)4l. In dem Canton Schweitz aufdem Rrgiberg. I. c> Indem Canton Unterusalden, aufdem Berge Fontänen, in der Pfarr Gißweii. ^3gner. t. c. Inder Herrschaft Engelberg, in einer Höle, imHorbis. itiner. HIpin. 18 - In dem Canton Appenzell, im Zigerbach. In dem Blseböffikch-Baßlerischen Gebiete, bey Delsperg, wird eine schwerere Art Mond-Milch, welche mit gelben vertheilen untermischet, gefunden. X^3Zner.I.c. Eine des Scbwekyerlandes. _ ^7 Eine Meile von Brunrrue, in einem trocknen Berg-Gelände sammlet sich auch eineMaterie, welche der Mond-Milch sich gleichet, so viel man aus der Beschreibung OLuctii Oeollsci k^mk. U^iällic. i^ib. ti. c 3 p. 4 . abnehmen kam > — - — — — . . . - — . — - ---.->——-AM Von dem gegrabnen Einhorn. ^ l^icornu^/linersle, LornuXtineizIe, hlnicornuhollile, gegrab- I nes Einhorn/ nennet man gemeiniglich ein Horn-förmigcs, weiffes, odergelblichtcs, an der Zunge klebendes xömersie, welches etwan einem gewundnen, oder geraden Einhorn, oder Horn-förmigen Elephanten-Zahn, mehrmalcn aber allerhand Gebeinen der Thieren und Menschen-Cörper sich gleichet, und hier und da unter der Erde gefunden, und hervor gegraben wird. Solisten heißet es auch Lbur kollile, Uttd5pociium^1inerz1e, weilen es einem Helffenbein an Gestalt und Farbe gleichet. Cercles von der Gestalt des Horns. aiba , welches so viel wil sagen, als ein weißes Steinmarck; und vcrmcynet OKipmus, daß der ^rsbicus bey Oiolcoriöe anders nichts, als dieses unser h)nicornuko5- s-ie gewesen sey, welches am füglichsten unter dem Titul OLum koshiium, gegrabner Beinen, kommen kan, weilen es wahrhafte Thieren - und Menschen-Beine gewesen, und noch sind; Es haben -waren viel gelehrte Männer diese Wahrheit vor wenig Jahren in grossen Zweifel gesetzet, und sich der Zeugung und des Ursprungs halber dieser Hörner und Gebeinen zimlich miteinander zerstoßen, weilen sie die einten vor wahre, in der Erde also durch ungefehre Zu- sammenrinnung eines Mergel-Safts, oder künstliche Ausarbeitung eines ärckei, oder klugen Erden - und Welt-Geists also gestaltete ner-gjg, andre aber vor wahrhafte durch würckliche Begrabungen, oder bey Anläse der Erdbeben, oder sonderlich zur Zeit der allgemeinen Sundfluth in der Erde gebliebneThier - und Menschen-Gebcine gehalten haben. Und hat man diese Streit-Frage vor so wichtig angesehen, daß ^ok. h, 2 uremius kgulclr, )ok. 8 amuel Lsrl, Lslomo Kei- telius, )ok. s.ucas hhiem, X^iIK.Lrnellus lenrrel, 6 eorZ V^c>If§ 3 n§ V^e 6 ei, und vielleicht andre mehr, vor thunlich erachtet, hievon gantze Bücher irnd visserizliones zu schreiben. Absonderlich hat man Key Anläse etner großen Menge dergleichen bey Canftadt im Wür- tTyeil. Egg tem- 4i8 ElZeklung seltsamer Natur-Geschichten tembergerland vor wenig Jahren gcftlndncn Hörnern und Gebeinen (mit denen JhroFürstl.Dmchl. auch unsre Löbl.Zürchertsche Kunst- und >i2mr3l-en-Cammer freygebig zu beschencken beliebet) diesen Philosophischen Proceß von neuem beyderseits/ und zwar hitzig zu führen angehebt, und so lang durch allerhand Gründe und gemachte Proben gegen einander »öhomrt, das lemreiius bey kkMLkiLO, Hertzogen in Sachsen, erst vor einem Jahre angehalten, daß Jhro Durch!, gefallen möchte, den zwischen ihme und v. Lcknerrer hierüber waltenden Streit, durch Zufammenberüffung der berühmtesten ^e> clicorum, nacher Gotha , zu entscheiden. Obgleich hieraus nichts worden, so hat doch die unparthevisch-gelehrte Wahrheit-licbende Welt dem Mineralischen Reich diese Hörner entzogen, und dem Animalischen, oder Tbier-Reiche einverleibet, so daß nun wenig mehr sind, die daran zweifeln, und die meisten zwar der Zeit halber bis zu den Zeiten der Sündfluth aufsteigen. (r) Absonderlich hat sich bey Erörterung dieser Streit-Frage abgedachter 8-rmuei c-,ri, kieclicus zu Oringen, verdient gemachet, welcher in seinem Qspiös pklloivpkico-p^rorecknico aci Ollium kollilium vocimsiiam ^nalynce «Zemonttrancinm Läkibito, so A.i 7 O 4 .zuFranckfMtheraus- gekommen, gar deutlich qezeiget, daß diese Beine gleich andern Beinen in der Feuer-Probe bestehen, bey verschloßnem Feuer schwartz, bey offnem aber c-ic-nirt, und weiß werden, sonderlich aber einen siüchtigen urinoftn Geist, und Salz, nebst einem stinckenden Oel, Oleo empyreumslico. von sich geben; welche von keiner Marge, Stein - oder Erden-Saft zu erwarten stehen. Diesen gegrabnen Hörnern ist es ergangen, wie andern raren Sachen; man spürte vey ihnen eine ^leeUcinaiische Kraft, und erhcbte dieselbe so hoch, daß man sie vor ein herrliches Gift-Mittel, und bald vor eine allgemeine Arzney dargegeben, und denen Materialisten und Apotheckern Anlaß gemachet, ihre Beutel trefflich durch theure Verkauffung eines so kostbaren Schatzes zu spicken. Nunmehr aber, weil man sie in grosser Menge haben kan, fället sowol der Preiß als die gehabte hohe Mime, so daß nun diese veralteten, vielleicht oft von einem Schind- Acker genommenen Beine in gleiche Banck nebst andern zufammen- ziehen- (i) IndemFürstenchumHersfeld/ nahe bey demDorffZossen/ wird eine Menge versteinerter Deinen von allerley Art gefunden/ über derer Herkonft auch noch «lilpuürt wird. S. lVUlceU. Lerol. IV. k> 2 L ;8S. des Schwekyerlandes. 419 ziehenden, 3klorbrendcn, versüssenden, Schweiß-trcibenden, Blutstillenden, Gicht-vertreibenden Arzneyen, denen man sie beygegebenem Anläse untermischet, gesetzet werden. Ich wil aber bey Erzehlung der Weise, wie es m unsre Leiber würcke, und je nach Bewandtniß der Kranckhciten oder Umständen des Alters, der Zeitrc. solle zubereitet werden, mich nicht länger aufhalten, sondern ich schreite fort zu Benennung derjenigen Orten des Schweitzerlands, da dergleichen Beine gefunden worden. In dem Canton Zürich, in der Leim-Grube bey wiedicksn, eine halbe Stunde von der Stadt, stnd vor wenig Jahren in zimli- chcr Liesse Zähne und Anzeigungen von einem gantzen Hirsch-Bein- Gerüste, welche meines Trachtens auch unter gegenwärtigen Dtul gehören, gefunden worden. In dem Canton Bern hat auch vor wenig Jahren ein Mann Z. Stunden von Bruck ein neues Haustlaufbauen wollen, und tieff in der Erde, als er das Fundament gegraben, ein Horn gefunden, welches gantz rund, zwey Ellen lang, fast ein Viertel Ellen dick, Und ungefehr 20. Pfund am Gewicht gehalten. So ist auch A-isro. bey Bruck an der Aare ein glattes, zwey Ellen langes, inwendm weißes, außwendig gelbes Einhorn, welches einen lieblichen Bisem-Geruch von sich gegeben, sonderlich, wenn man es nahe zum Feuer gehalten, gefunden worden. bM. tielv. psg. Z44. In dem Canton Gchrvettz war- auch vor etwas Jahren an dem Aa-Fluß bey Arrh ein solches Horn hervor gegraben, dessen Beschreibung mit jezt-gedachtem Bettlerischen übereinkommt, ^gner l.c. In dem Canton Basel jstimIunio A. 168s. von einem Fischer aus der Bü ß ein 8. pfündiges Einhorn hervor gezogen worden, eines Arms dick und lang, dessenHr. Eman. König. ktmersi. 8eü. m. LLp.x. m. ?o4. gedencket. In der Grafschaft Baden ist A. 1665. ein Einhorn hervor gegraben worden, welches die damals anwesenden Herren Ehren- Gesandten unter sich getheilet. Ggg 2 Von 420 ErzehltMg seltsamer lTlacur-Geschichten Von dem Lucemerischen Drachen-Stein. ^Enn nach dem gemeinen Sprüchlein rsrr pr-rci-,ra. und prrcizi-z rArA, was rar oder seltsam ist, auch sol hochgeachtet werden, und je die rarsten Sachen einzeln sind, oder gar wenig gefunden werden, und in desto höherm Grade der Vollkommenheit, ja auch des Werths stehen, so sol billick allen Naturalien des Schweitzerlands, ja der gantzcn Erde unser vorhabende Drachen-Stein vorgezogen werden, (dessen gegenwärtiger Besitzer ist das wol edle Ltofische Hauß in Lucern) weilen in gantz Europa kaum ein Königlich, Fürstliches, oder priv-r (Uner, da ein solcher Stein sich finde, wie dieser ist. Niemand dannwird fremd fürkommen, wenn ich eine möglich-kurze Beschreibung des Drachen-Steins insgemein, und unsers Luceruerischen insbesondre, hie- hcr setzen, und auch selbst dieses seltsame und köstliche Natur-Wunder in seiner natürlichen Gestalt und Grösse vor Augen stellen werde in l»b. v. Die älteste Nachricht eines Drachen. Steins, welchen die Griechen teil. Oemmzm, und die Lateiner daher vraconcicim, vc-iconri-im, vr-,cc>mtem, nennen, findet sich bey demWelt-berühmten Natur-Forscher piinio^c. i^,b. 57. csp. - 0. allwo er meldet, daß er weiß-durchsichtig sey, und in dem Gehirne des Drachen liege, weilen er aber denen annoch lebenden Drachen müsse benommen werden, so müssen, nach der Erzchlung diejenigen, welche ein solches Edelaestein haben wollen, sich aufeincm mit zwey Pferden bespannten Wagen cinhcrführen lassen, und an dem Orte, da der Drach sich aufhaltet, eiuschläffcnde Sachen ausstreuen, und dann, wenn hierdurch der Drach cinacschlaffen, ihme bey annoch lebendem Leibe den Kopf abschneiden, und den Stein also Heralts nehmen. Seine Wort sind folgende: orzcomrer live DrzcomiL e Derebro 6c Orsconum, seä nüi vivencibu? »blciüo nun- qusm gemmescic, inviciis ^nimAlismori lesencienciL. I^icur clormien» ubus ÄMpursnc. Locscus qui vi6rm ezm Lemmsm 6bi spuö lte^em 5cnp6r, bi^is vebi c^userenre; rrsäit, Lc vilo Oracone spZl-Zerü lomni- Ncis kleclicamenrs, scque irs prsecillere. Lite äucem Lgnclore t»c>8- luciclo, nec pollea poliri, am ^rtem gci innrere. Und kkilolirsras '--LÄ/.LL << t MWZN Kr^ -LE - des Schwelget landes._42^ u. z meldet, daß die Indianer ein Scharlach-farbes, mit gülde- ncn, zauberisch einschläffenden, Buchstaben dmchwürcktesTuch dar- spreiten, und den Drachen dahin locken, daß er darauf liege, und dann den Kopfim Schlaf sich abschneiden lasse. Nach i'imii Zeiten hat mancher diesen Schatz gesucht, wenig aber, oder vielleicht niemand, gefunden, klariiiius kicinug rühmte sich, daß er ihn aus Indien bekommen habe. Roeck cie Lcror ttilt. 6emmsr. Lc j^Lpici. k.. lk. csp. l/ 2 . Man siehet aber bald aus der Beschreibung, daß dieser vermeynte Drachen-Stein anders nichts gewesen, als ein gemeiner Sieg- oder Stern-Stein, LceUzris I^zpis, ^ltroires. ^nclr. LLssl- pinus U.2. cle Xöec3jiic. czp. 4.1. versichert, daß er diesen Stein besitze, welches aber ihme niemand glauben wollen. Obbemcldtcr cls voer, der sonften ein gar fleißiger Stein-Forscher, und des Kayscrs Rodolphi Leib-Arzt gewesen, bekennet frey, daß er keinen Drachen- Steinjemalen gesehen. Es ist wahr, daß pimius bey vielen heutigen Scribcnten in schlechtem Credit, als einer, der in seiner, Schriften mehr Fabeln als wahre Geschichten habe, wie nicht zu läugnen, daß er viele Sachen nicht aus eigner Erfahrung, sondern von hören sagen geschrieben, und zwaren solche Sachen, von derer Falschheit man jczt überzeuget ist: Aber auch sind viele Sachen bey die man vor weniger Zeit vor erdichtet gehalten, nun aber nach fleißig gethaner Untersuchung wahr findet. In gegenwärtiger Geschicht kommet die Weise den Drachen einzuschläfen, und ihme den Stein zu benehmen, gantz fabelhaft heraus, wiewol unten zu Entschuldigung des i^nii auch hierüber etwas sot beygesetzet werden. Die Nachricht aber des Steins selbst, die man auch bisdahin nicht glauben wollen, bekräftiget sich nicht wenig durch neue in Oft- und Weft- Jndischen Landen gemachte Entdeckungen natürlicher Sachem Georg Everhard Rumph, gebürtig von Hanau, der sich lange Jahre in Indien aufgehalten, und mit bestem Recht den Titul l'i-nii inHcj verdienet, berichtet uns in seinem kostbaren Wcrcke, o'^mboinlcks karireilksmer genannt, so crst vor einem Jahre in Druck gekommen um. 8eLt.s8-p.zo5. ZO6. das unter andern wahrhaften Gchian- gen-Geeinen (die aus vergifteten Schlangen würcklich heraus genommen worden, von ihme Opkires veri, Xäeitic-r ^'Isr genennct) zwey zu seinen Handen gekommen, so dem piimUschen Drache,r- Steine in Ansehung ihrer Crystallinischer Durchsichtigkeit zngekonr- me„, aber nicht grösser, als ungefehr cine Haselnirsse, der einte von GggZ einem 42L Erzchlunks seltsamer Natur-Geschichten _ einem Basilisken förmiqen Thier aus der Jnsul c^eiebes, der andre aus dem Haupt einer grossen Schlange auf der Jnsul klinci-mao. Unser Lucernerische Drachen-Stein kommet zwar nicht mit bisher eingeführten Indianischen und Plinianischen weder an Gestalt, noch Grösse, noch auch dem Zeugunqs-Orte, weil jene im Kopf liegen, übcrein, aber doch mit andern, so jezt folgender Beschreibung des unsrigen sollen nachgesetzet werden; also aber, daß dieser jene an Gröift und Schönheit weit übertrifft. Wir wollen die Geschicht mit der Beschreibung des Steins selbst allhier einsetzen, und von der Urquelle herholen, ncmlich aus Hrn. Ioh. Leopold Cysats, gewesnen Stadtschreibers zu Lucern, Beschreibung des lv. waldstärcen- Sees, p-ig. i?6. Dieser Stein , sagt er, ist groß, und bey nahem ganz rund wie eine Kugel, von unterschiedlichen Farben, weiß, schwarz, blutfarb, seltsam durcheinander getheilt: wiegt 9. Untzen. Ist trefflich gut contra pellem, den Schaden mit dem Stein bestri- chcn oder umfahren, und dann 24. Stunden darüber gebunden, oder also: Ist der Schaden unter derUechs, so bind den Stein mit einer Zwehel in die rechte Hand, so ziehts von Stund an das Gift auS, daß der Schade ausgehet; ist er am Schenckel, so thu gleichfalls, und binds auf die Füß. Item, den Weibern, so ihre Monat zu streng haben; wer den Bauchfluß, die rothe Ruhr und rothen Schaden hat, der sol diesen Stein gleicher Gestalt 24. Stunden in die Hand binden; item, der sonsten böse Kranckheiten mit Flüssen hat. Dieser Stein ist bey so. Jahren an vielen Menschen der Stadt Lucern eigentlich und gewiß erfahren worden. Nun folgen einige Copken, welche sowol die Historie als Würckungen des Steins beglaubk machen, Wie sie von Wort zu Wort in alt hieländischem Stylo und Sprache lauten. MCH Peter zu Käß, des Raths zu Lucern, und der Zeit Vogt zu ^ Rotenburg, Bekenn öffentlich mit diesem, daß aufHeut seiner Dato, als ich zu Rotenburg gericht hab, vor mir erschinen sind, die Ehrsamen Martin Schryber der Wund-Arzet, Bürger zu Lucern an einem: Und Rudi Stempflin von Rotenburg anders theils, und öffnet gcmeldter Martin Schryber, wie daß ihme gemeldter Rudi Stempff- des Schweitzerlandes. 42Z Stempfflin ein Pfand versetzt hab, nämlich ein Stein, so von einem Drachen syn solle, umb ein Summa Gclrs, welche Sum er begehrte, ihn der Stempfflin/ darum ausrichte und bezahlte, und sollich stirr Pfand lößte, dieweil doch gemelt Pfand lengest, vor Jahren und Tagen, verstanden und vergangen sye, nach formb des Rechten, und dargegen und wider, Rudi Stempfflin antwurt, es sye wahr, er hab gemeltem Martin Schryber, solchen Stein versetzt, und solle den vor lengst gelößt haben, und sye Zihl und Tag, und alle Recht Übergängen, aber es sye an seinem Vermögen nicht gewesen, und noch nicht, wo es aber an seinem Vermögen wäre, so woll er diesen Stein lösen, dann derselbe Stein habe hievor seinen Vorderen, ein groß Gelt wöllen gellen, und in sinem Geschlecht gsin, als er ghört hab, vor zc>. Jahren, und hab auch derselbig Stein «nzahlbarlich vil Meru- schen, Frauen und Mann, mit Hilf Gottes, ernehrt, und thüe groß wunderliche Ding, mit verborgnem Gift zumelden, und stelle alle Flüß des Bluts, wie die genent werden mögen, es syen die rothen Stulgänq, zu Wunden, zu der Nasen, und sonderlich der Frauen übrigen Flüß und weiblich Kranckheit, ohn allen Schmertzcn: Er habe auch von sinen Vorderen gehört, daß setn Aeni selig diesen Stein funden hab, in einer Matten, als er gehewct hab, syeeingrausammer Drach kommen, in dem Lust schießen, zu nechst bey ihme hin, von einem Berg genant Rigi, in den anderen Berg Fräckmont, und ihm so nahend, von der Höhi herab kommen, daß ihm geschwunden und in Ohnmacht gelegen. Als er aufstunde, fünde er ein Schwäre Bluts, so von dem Drachen qesprüzt war, dassclbiq Blut wäre zu stund an gestanden, als ein Sultz, in demselbiqen Blut sye diser Stein gelegen und Duden worden, also sye der Stein, ießdt in sinem Geschlecht gebliben, und sicher, etlich Herren und Stätt, Visen Stein wollen kauffcn, aber sine Vorderen, haben ihn nie wöllen verkaufen, und dieweil er nun Visen Stein jezt nicht gelöst» mög, ihm in Pfandtswyß verstanden, und vergangen sye, so gunt er ihn niemands baß, als crmeltcm Martin Schryber, der ihm auch vil guts gethan habe, und wölle von ihme, nach ein Ehrung und Schenkt erwarten, was sein guter Will sye, rc. Uff solches die obgenanten Parthyen, von mir obge- -achtem Vogt, allerding, einanderen gichtig und bekantlich waren, und Rudi Stempfflin gutwillig was, auch Zihl und Tag vergangen, nach Ordnung des Rechten, ist zu recht gesprochen, und mir, als einen 4- 4 Erzehlung seltsam er V"latt,r-Geschichken einem Obervogt auch erkennt, daß gemelter Martin Schryber und sine Erben, fürohin Visen Stein haben sollen, damit schalten und walten, als mit ihrem eignen Gut, vom Stempfflin sinen Erben und allermenigklichen ungesumpt, und unangcsprochen, discrBekantnuß Lind Vertigung begehrt Martin Schryber eines Uhrkundts, daß ihme zugeben erkennt ward, under mines vorgeschribnen Vogts an- gchenktem Jnfigcl, mir und minen Erben ohn Schaden, .auf Montag nach St. Martins Tag, iso-. Die andre Copia. xr Schultheiß und Rath der Stadt Lueern, tuhndt kundt al- lermänigklichen, und bekennend öffentlich, mit diesem Brieff, daß auff hüt filier Date, als wir in Rathswyse, by einanderen ver- sampt gewesen, vor uns erschinen ift, der Fron», Ehrsamb, unser besonders lieber und getreuer Geschworner Diener, Martin Schry- der, unser Bürger und Grichtfchryber, und Wundartzet, hat uns erzehlt, wie wir wol bericht, deß wunderbarlichen Kleynods, so ihm von Göttlichem Glück, vor etlichen vergangnen Jahren, zuhanden worden sye, ein Stein, so von einem grossen, ungehüwren Drachen kommen, und vor langen Jahren, in unser Herrschafftcn und Gebieten fünde»!, und doch ungefährlich bey den achzigJahren oder mehr, in Hcimblikeit behalten und nicht vil erzeigt, ander- dann groß merck- iich, ungleüklich Schaden, damit ernehrt, für und für deßhalbcr in Gcheimb, etlich Fürsten, Nationen, Kciscr und König samt den Ve- ncdigern, darnach gestelt, und geworben zu kanffen, »»nd also bliben, deßhalb er auch, vil Frommer Leuthen darmit ernehrt, hie und an «»»deren Enden, da er beschickt worden sye, batt uns darauff, daß wir ihme Kundschaft der Warheit, vor» etlichen der unseren Mitt- räthen, u»»d andern der unsern Bürgern, uffncmmen und zuverhö- rcn, nach unser Statt Bruch und Gewonheit, damit von solchem Kleynod, die wunderbarlichen Ding, und die Warheit ar» den Tag komme rc. und so nun, Kundschafft der Warheit, niemand zuversa- gen, so»»der zubefürdern fich gebärt, so haben wir unsern geschwornen Rathsrichter, und etlich unserer Räthen, sampt dem Geschwornen Schryber, hierzu verordnet, die Hand »»ach gcmeldtem Gezeugen geschickt, und sye liblich, zu Gott an dieHeyligen schweren lassen, was ihnen, von diesem Stem zuwüsseu sye, ein Warheit zusagen, niemand z»r lieb upch zu leid, so»»der allein, die Warheit zufnrderen, und nach getha- des Schweiyerlandes. 427 gethanem Eyd und unsere Ratsfteund, by ihren Enden so sye unsere Räthe gesebworenhabent, so redt und bezüget, deß erstem unser Raths- fründ Jacob Franckhuser, als vergangner Jahren der Sterbent die Pestilentz hie mercklich ynfiel, daß vil Leuth stürben, da stieße ihn der Prest auch an, am Hals by dem rechten Ohr, daß er sich seines Lebens hette verwegen, und sich zu Gott geschickt, da wurde ihm gesagt, in gheimb, wie gemclter Martin Scbryber, unser Bürger, ein Drachen-Stein hette, darmit er etlichen geholffcn, und er beschickt den genanten Martin Schryber, mit dem Stein, und bestricheihm den Schaden darmit, und bunde ihm den Stein ein wyl daruff, und gleich darnach zuge der Stein, ihm den Schaden herfur, daß er ihm bald außgieng, und er ehrlich genäß in kurtzer Zyt. Demnoch redt unser Rathsfreund, Moritz von Mettenweil, er sye, vergangenes Jahrs, begriffen gewesen , mit einer grossen Kranckheit des Blutstuß oder rothen Schaden, daß ihm niemand könte helfen, und alle Do- etores und Artzet, an ihm ersessen, deßhalb er mit allen H. Sakramenten versorgt, da habe er auch beschickt, obbenanten, Martin Schryber, mit seinem Stein, der käme bald, und bunde ihm den Stein in sein rechte Hand, mit einer Zwehelcn, und von Stund an durchging ihm die Kraft des Steins allen seinen Leib, daß er von ihme selbst käme, eine kleine Wyl, darnach für zwo Stund hin, verstund ihm der Fluß, und berührte ihn nicht mehr. Unser Bürger Laurenz Hu- kler, unsers grossen Raths redt, er hette den Presteu der Pestilentz, under dem rechten Armb, da käme Martin Schryber, und bestriche ihme den Schaden, mit dem Stein, und bunden ihme den Stein in dieselbe Hand, da zuge der Stein die Gisst von ihm Herfür, underm Armb und uff dem Armb, daß es ihme uß dem Leib käme , und genäse in kurtzen Tagen. Unser Bürger Anthoni Hüter redt, er hette die Pestilentz bey dem Bein, daß ihm niemand das Leben zusprech, da schickend seine Freund eylendts zu Martin Schryber, der brachte syn Stein, und bestriche ihm synen Schaden damit, und so dick er den Schaden damit bestriche, so schwitzte der Stein von Stund an, den er in kaltem Wasser wüsche, und bunde ihm denselben Stein an rechten Fuß, und von Stund an, in einer halben Stund zuge er die Gisst und den Schaden aus dem Lyb, und lüffe ihm den Schenckel uider, daß ihm vil Blätteren entsprungent, und gienge ihm an fünffOhrten uß, und genäse redlich. Unsers Bürgers Eonrad Fischers ehliche Hußftaw zum l. Theil. Hhh Och- 4r§ Eczebluny seltsamer ITlatur- Geschichten Ochsen, Barbara Fersin redt, daß sie die Pestilcntz bette, by dem rechten Bein, daß sie mit allen H. Saeramenten versehen wäre, und sie nichts mehr von ihr selber wüßte, und niemand mehr bekannte, dahabe Martin Schryber, ihro syn Stein auch bracht, und ihro denselben uff den Schaden gebunden, daß der Stein die Gisst von Stund Herfür zuae, daß sie zn ihr selbs käme, da bunde er ihro den Stein under den Fuß an die Solen, da zuge er die Gisst von Stund an dem Stein nach, das Bein hinab, und menge ihro am selben Ort uß, und uff dem Fuß auch, und gnase redlich. Barbara Hoffmannin redt auch somlicher wyß, wie es jezt diser gcmelten Frauen zum Ochsen, gangen sye, also gienae es ihro auch, und anäse mit dem Stein, unser Bürger und des grossen Raths Hans Studcr rcdt, daß er ein grossen Schaden gehabt habe, in der Dicke des Schenckels, der ihm auffbräch, und außaiena ein lange Zeit, daß sollicher mächtiger Fluß darzu geschlagen war, das unglcublich vil Wufts darauß lüffe, by einem halben Jahr, daß nicht zusagen wäre, und het vil Artzet, aber es hulffe alles nichts, daß er sich des Lebens gar hette verwegen, da brachte Martin Schryber sein Stein, und band den in syn rechte Hand, mit einem Tüchlein, und ließ ihm den ein Nacht und ein halben Tag darinnen, und verhütte ihm, daß er den Stein niemand zeigte, noch sehen ließ, und in demselben Tag und Nacht, genäse er fry, und verstünde der Fluß, und gieng ihm kein Tropffen nimmermehr. Heini von Chain redt, er hette den Blutfluß, des rothen Schadens, den ihm uiemantickönt stellen, daß er mit den Heyligen Sakramenten versorget wurde, da bunde ihm Martin Schryber syn Stein in syn rechte Hand, und ließ den ein Nacht, und morndeß ware er fry genäsen, und berühret ihn nicht mehr. Er hab auch demnach, ein Kmd gehabt, ungefährlich eines Jahrs alt, dem haben sie den Stein auffs blosse Lyblin gebunden, ein Nacht, da genaß daS Kind von Stund an, dann er vil Kind wüsse, die alle also, mit der Hilff Gottes und dem Stein genesen fycnd. Anna Ztmmcrman redt, sie habe auch den Blutfluß treffenlich gehabt, daß ihro niemand geheißen kont, da habe ihro auch Martin Schryber, mit sinem Stein geholffen, in einem Tag. das es sic nie- mehr berüert hat. Sy hatte auch by ihro, ein arme Haußfrawen, die hatte ihr fräwlich Kranckheit so unbillich, fast und lang, das ihro niemand geheißen könt, da habe ihro Martin Schryber, mit synem Stein, in einemTag und einer Mcht gehulffen, daß sy fty genesen, rc. Wel- des Gchweiyerkandes. 427 Welcher Kundschafft der offt gemelt Martin Schryber, unser Bürger, begehrte eines Urkundts, das wir ihme mit unser Statt .Seeret angehencktem Jnsigel besialet geben haben, uff Donnstag nach St. Martins Tag Anno 152z. Bis hiehcr angezogner siylär, aus welchem andre, was sie hie- -on haben, entlehnet, als XttlLN. Xircker. Xäunci. 8ubrer. t.,b.VU 1 . 8eäi. lV. czp. 2. Le^friecl X^e6ult- d^irabil. I^nrur. pzz;. 648. Lrztm. krsncilc. 6uin. und Amerikanisch. Blumaart. l'.i. p. 121. ^Lgner ttitt. dkr. tteiv. pzg. r26. Die eigentliche Grösse und Gestalt diests edlen Steins zeiget i'sv. v. in welcher zu sehen, daß er gleichsam in drey 7-on38 odrr Gürtelftriche abgetheilt, deren die zwey äussersten (so den kalten Lom§ -er Erde entsprechen) an Farbe braun oder schwarz-roth sind, gleich einem geronnenen Blut, der mittlere Strich aber (so mit der heissen Erden-^on übereinkommt) weiß-gelb, und mit seltsamen schwarz-braunen Flecken bezeichnet, in der Ordnung und Gestalt, wie die untere Figur gleich als in einem Grund-Risse ausweiset. Uebrigens ist zu wissen, daß der gantze Stein an Härte den Marmor weit übertrifft, weilen ihm kein Eisen.etwas angewin- um mag. Wenn nun viel sonst gelehrte Leute die Drachen-Geschichten vor ein blosses Hirn-Gedicht halten, und unser gegenwärtiges Drachen-Kleinod vor eine gemeine Marmor-oder Jaspis-Kugel, und die seltsamen Flecken vor ein Spiel der Natur, oder Würckung sonderbarer Kunst ansehen würden, als wird nicht ausserdem Weg seyn, wenn ich sonderlich aus GMnhaltung fremder Zeugnissen -Wenige beybringen werde, was zu Beglaubigung dieser Historie dienen mag. Die Frage, ob Drachen seyen, wil ich dißmal nicht berühren, sondern mich auf das beruffen, was ich zu einer andern Zeit, gel.Gott, bey Anlaß der Schweizerischen Drachen crzehlen werde M, und allhier nur dieses melden, daß die Umstände dieser Geschicht der kiclei kiüoric-e, so dißmal möchte streitig gemacht werden, ein grosses Gewicht geben. Es kommt dieser Stein nicht aus den Handen eines Juden, oder betrügerischen Kauffmanns, oderinNatur-undKunst- Sachen erfahrnen Manns, welcher etwan einer Jaspis-Kugel solche Farben, wie der Stein hat, hätte eindrücken oder anstreichen können, Hhh 2 son- M Sehet die Vlte Bers-Reise. 4»§ Erzehlung seltsamer r77atur-Gefch! chten sondern von einem armen Bauren, dessen einfältiger Verstand sich weiter nicht erstrecket, als zu der Begierlichkeit, den vom Drachen gefallnen Stein aus dem Blut, in dem er eingewickelt läge, hervor- zi,suchen, und als etwas seltsames aufzubehalten. Wo hatte er sonst einen Stein, dergleichen keiner in Europa angetroffen wird, hergenommen? Wer hatte ihme den umsonst, denn er gewißlich nicht viel davor bezahlt hätte, oder um ein geringes Geld gegeben ? Was hätte ihn veranlaset, die von ihm gesehene Drachen-Geschickt in dereiri- fältigen Ordnung, wie sie oben beschrieben ist, zu erzehlen? Hätte er mcht vielmehr können sagen, wenn er je hätte die Welt wollen bctriegxn, dieser Stein komme aus Indien, weil doch alles, was daher gebracht wird, gemeiniglich höher als eigne Landskraft gehalten wird? Ist ein Betrug bey dem Bäurlein gewesen, welcher den Drachen-Stein gefunden, warum hat er denn den Stein nur vor wenige Gülden, und nicht vor eine grosse Summe Gelds anqebottcn, versetzt oder verkaufft, absonderlich, weilen leicht zu vermuthen, daß er seine Augen mehr werde auf die Würckungen gerichtet haben, so der Stein an Menschen und Viehe, ihm zum Nutzen, gezeiqct, als auf die blosse Qunolnec. oder Seltsamkeit, gegen welcher die Bauren wenig K.L- ipeK tragen, wol aber grosse Herren, so mit dergleichen raren Stäken in ihren Juleis, oder Kunst-und d^mrsl>en-Cammern prangen. Daß ich nichts rede von den trefflichen, von Aerzten aufgezeichneten, und durch den Löbl. Magistrat zu Lucern bekräftigten, vielfältigen, und scit A.i66i., da dMis Buch in Druck gekommen, nochmeh- rern Würckungen, welche vergeblich von einem Marmor, oder Jaspis , ausser etwa« in Blutftcllungen zu erwarten. (l) Wenn ich mick in andrer fremder Länder natürlichen Historien umstehe, wo irgend Drachen-Steine sich finden möchten, so kommt mir in der Amerikanischen Jnsul vomimci eine Geschickte vor , welche dastge Einwohner, oder Laibes, denen Europäern zu erzehlen pflegten, von einem wundergrossen Drachen oder Schlange, welche einen unschätzbaren Stein auf ihrem Haupte getragen, so gleich einem Car- funckcl einen gar hellen Glantz von sich gegeben, daß in der Dunckelheit alles (l) Unser Verfasser hat in reiffererUeberlrgung dies« Meynung fahren lassen/ und den Stein vor einen Agar gehalten/ der durch Kunst auSgeriert worden» S. lc. älp. V. des Schwekzerlandes. 429 alles von ihm beleuchtet worden , wie hievon kockefon «ill. Kamrell. tjes isles ^Miller ps^;. 2l., der es vor ein Mährlein zu halten scheinet, schreibet. ES kan aber dieser West-Indischen Geschichte eine andre aus Ost-Indien von dem Chinesischen Admiral ?o an die Seite gesetzet werden, der aus Kayserlichem Befehl sich lang auf der Insul donrunß , oder poeio Lonäor, so auch in Lorneo, aufgehalten, um solche hell-funckelnde Drachen-Steine zu erhäschen, aber auf seiner gantzen Reise mehr nicht als einen einigeU bekommen, von einer der größten Schlangen odcrDrachen, so M QionZ jn Chinesis. Sprache heiffet, nach der Zeugniß obbelobten Kumpbii üb. cic. pgZ. ;O7., dem alle Indianer deö wahren Kteilic». oder Drachen-SteinS halber diese Nachrichtgeben, oderwenigstens in der Einbildung stehen, eS leuchte z« Nacht keiner, als der von lebendigen Schlangen genommen werde, und seye der von tod geschoßncn Thieren genommene finster, wodurch dann die oben eingeführte Fabel-gleiche Erzehlung Plinii auch auf etwas vcstern Fuß der Wahrheit gesetzet wird, wenigstens ist zu schliesst, daß dieser grosse Natur-Kundigcr solches Mährgen nicht erdichtet, sondern von Indianern gehört habe, welche von selbigen Zeiten her bis jetzund noch immer in gleichem Wahne stecken. Naher zu unsers Luccrnischen Drachen-Steins Beglaubigung dienet die Historie des grossen Drachen, wie sie in ^cob, voll, seroioiymitanischer, oderRodiser, und wie man fiejeztnennet, Malteser Rittern (Tronic u. zu finden, welcher Drach die Einwohner der Insul lang ge- plaget, endlich aber A.IZ46. durch den Ritter oeoäarum von6o> rone. so hernach zum Großmeisterthum gekommen, umgcbrachtwor- den; sonderbar aber der vom Ritter ^m. 5 oxono berichtete Umstand, daß in der thronen Geschlechte, und dero Nachkommen, unter andern Wort-Zeichen dieser ritterlichen That ein Stein zn finden, in Form einer Olive, aber grösser, und glänzend wie ein Jaspis, untcrschiedenlicher Farben, welcher sehr wunderbare Tugenden und Würckunaen wider allerhand Gift habe, wenn man ihn irr kaltes Wasser lege, (welches alsobald zu sieden anfange) und dasselbiae einem, der vergiftet, oder von einem vcrMen Thiere gebissen worden, zu trincken gebe; ES werde auch dieser Stein des Großmeisters Stein geheißen, und -er Drachen-Stein, weil er aus demsekbigen Drachen gezogen, welchen der Großmeister veoclsro erschlagen, und haben die erft-gebohrnen dieses Geschlechts solchen allezeit in grossen Ehren aufbehalten. ES habe auch ihme kox-mo der Ritter llierw Hhhz von 4Zo Erzehlung seltsamer Natur-Geschichten von6o^oti, ?rior zu8.-L8i(jio, odcr6iiio. erzehlet, daß er selber gesehen, wie ein Mann, welcher vergiftet war, von diesem Wasser getruncken, und darauf eine sehr vergiftete Schlange, die anderthalb Spannen lang gewesen, zu dem Mund ausgespyen, und also gesund worden. Am nächsten kommet meines Bedünckens zu unserm Lu- eernerischen Drachen-Steine derjenige, welchen seit A. 1687 . der König von Siam in Besitz hat, denn dieser nicht nur an Grösse, Gestalt und Farbe, so brandig-gelb, nach roth zickend, sondern auch mit dem Umstand mit unserm übereinkommt, daß man ihn von dem Drachen fallen gesehen. Ich wil die selbst eigne Worte kumpwi psA. ;o8 hieher setzen, um dem geehrten Leser zu zeigen, wie nützlich und nothwendig es sey, wenn man die Natur-Geschichten allerhand, auch etwa» entferntester Länder gegeneinander hält. Len Lkirurg^n kebbencle eeniZe Maaren op Lr^oor gelegen int jasr 1687. verkiarrcle gerien te kebben en Xärlronkel van een 8Iang een ^eker kegenr cles k.anc!rs. c!e welke ckoor äe moecker in 2),ne l^incls- keit wer een klectie in in t'bolck aan rvvee takken was gekangen, toen was 'er een groote 8iang kem gekomen nsar r' verkasl van r^ne ouckers, clie een rekeren 8teen op r^n 1^5 lier vallen, een üie Slang is nsclerkant b), 2^ne ouäers alt^r gevoeär: äere 8reen war in cle grootte van en ou6e gefckilcle (m), ovaals vv^re, cloor- fck),ttencj branäig geel, naar cicn roocken rrekkencke, >t3ckr roo klaar 5 ck),nencke, rlar een Kamer rlaar cloor verlickt vviercie. Oe Vi- cerox en regeerencke Opperkoofr van Ltzoor kekben kem cleren 8reen, als ky in kegrcnis rat, afgenomen, en aann clen l^oning van Äam geronnen. Reise über den Gplüger-Berg. 1882 Urch unsre Helvetische Lande gehen in Italien zwey Haupt- Straffen, die einte über den Gorchard, die andre über den HLU Splügen, an welchen man über Lhur durch das Dom- leschger-Thal, weiter nach Tusis oder Tosanne und die sogenannte via mal-, gehet, welche oben beschrieben worden. Dieser nam- (m) , gescheite Indianische Haselnuß ^reca, oder kaufe! genannt: die Frucht ist gesteckt/ und der Banm eine Art Palmen/ kalma cuju! kruÄus lcllilis kaufet äieitur. Die Beschreibung stehe in R-aj ktiü. klaut. pa§.iz6z. , des Schweitzerlandes. 4)i namhafte in dem obern Bund liegende Berg heißt Splügen, Splüg- ner, 8pe!ußZ, 8plugr, vrlulus, Lulmen vrll ^ionur, Lolmsn cje! 0r5o . Urschler, Ursthelec , bey Vi^nerio auch 8- Lembzrllini r^0N8. bey andern auch ävicuk. Er ist im Sommer und Winter zu Pferde und zu Fusse wandelbar, und scheidet das Dorff Splügen und das Thal Gampolfthin. Ompus Ricinus, voneinander. Gleichwie auch alle hohe Helvetische Gebirge als reiche Waffer-Behalter können und müssen angesehen werden, welche viele Brünnen, Bache und Flüsse von sich geben, also können wir dieses insbesondre von dem Spluger-Berge sagen. Denn hieher gegen dem Dorff Splügen stießet ein Wasser, welches sich in dem Hintern Rhein ergießet: gegen Mittag aber entspringt die ^yr». ein Fluß, welcher durch Gampolschin hinab fließet, bey Eleven in das Wasser ^.ra, so aus Bcrgellkommt, sich ausleeret, und dann weiters 8 . Jtalienis. Meilen unter Eleven in den Chumer-See fället. Steiget man von Splügen den Berg hinauf, so trifft man hin und wieder aufrechte Stangen an, welche ^i-cciiinus Lcylos ligneos heißet, die Pündtner 8l»r-s, und, wie oben Bl. ?r. angedeutet worden, zu denen Zeiten, da der Berg mit Schnee beleget ist, den Säumern und andern Reisenden den Weg zeigen. Die oberste Höhe des Wegs (dann über diese noch höhere und grössere Berge sind) habe ich Ä. 1720. gefunden, über das DorffSplügen 1080. Schuhe, und über Zürich 3260. Zu grossem Vortheile der Reisenden ist oben aufdem Berge ein Wirthshauß, welches, nebst andern Nothwendigkeiten, mit einer Glocke versehen, deren Klang den Reisenden im Winter an statt eines Wegweisers dienet, und sie gegen dem Hause selbst weiset, welches oft so einge- schneyct, daß man es von weitem nicht wol sehen kan, und nebst dem durch den scharffcn Nord-Wind und hellen Glanz des Schnees das Gesicht so vergehet, daß man dasselbe in die Weite nicht wol brauchen kan, in welchem Fall demselben ein andrer Werckzeuq, nemlich das Gehör, muß zu hülff kommen. Auf dieser Höhe des Wirthshauses ist eine zwey Stunden lange schöne Ebne, mit fruchtbaren Wiesen, welche aber wegen lange bleibenden Schnees erst im Äugst- und Herbst- monat gemäyet werden. An dem Wege liegen aufgerichtete Stcin- hänffen, welche den Reisenden gleichen Nutzen schaffen, wie obbe- meldte Stangen. Ehe wir diese Berg-Ebne verlassen, müssen wir uns an lieblicher von Italien her blasender Luft erquicken, welche die Reisenden gleichsam in ein ander ciims führet. Dann auf mit- nächti- 4Z2 Erzeh lung seltsamer V 7 awr-Geschichten nächtiger Seite gegen Splügen gemeiniglich nicht nur alles wild ausstehet, sondern anbey der kalte Nord-Wind so gar bläset, daß man in Mitte des Sommers oft meynt, man müsse erfrieren, wie ich selbst in obbemcldtem Jahr erfahren habe. Hat man aber die Höhe des Bergs überstiegen, so genieffet man eine liebliche von Mittag her wehende Sommer-Luft, mit welcher man forthin bis auf Eleven sich erquicken kan, anbey kan man bemercken, wie die gegen Italien liegende Thäler nicht nur wärmer, sondern auch fruchtbarer als die Wellige seyen, so gegen Norden liegen, allermaffen in dem Gampol- schiner-Thal, und zu Eleven selbst, ein füsser Vorgeschmack von Italienischen Früchten sich findet, als zum Ex. edle Trauben, Feigen, Citronen re. Woraus wir gleich als im Vorbeygehen sehen, wie die Winde ihre Eigenschaften von den Ländern hernehmen, durch welche sie herwchen, und auch selbst der Süd-Wind in den Helvetischen Landen, so gegen Italien liegen, viel wärmer gespüret wird, als in andern, so jenseits den Alp-Gebirgen geaen Norden gelegen sind, und einen zwar auch warmen, aber mit vielen Schnee - und Eiß- Theilchen vermischten Mittag-Wind haben. Obbeschricbner Verschiedenheit der Splüger-Luft gedencket auch Lurner.voysZ. äeLmsse. P28- l 68. Gehet man weiters über diese baumlose Ebne des Splü- ger-Bergs fort, so trifft man ungefehr eine Stund vom Wirthshauß eine öde Herberg ohne Wirth an, welche gleichwol mit Mauren ein- gefaffet, damit die Säumer, und Saum-Pferde, bey anstehendem Un- gewitter sich unter das Dach begeben können. Bey diesem Hause kan der Reisende eine Abbildung der Orientalischen Reisen haben, und auch derer, welche durch Spaniel! vorgenommen werden, da man ncmlich mitbringen muß, was man zehren wil, und der Reisende eine doppelte Person des Wirths und Gasts zugleich vertrittet. Wo man den Berg abzusteigen anfängt, stehet ein alter, mit dicken und starcken Mauren versehener Thurn, welcher ohne Zweifel vor diesem an statt einer Hochwacht ist gebraucht worden, von welcher man zugleich im Fall der Noth sich hat, gleich als aus einer Vestung, wehren können. Das erste Dorff, so jenseit des BergS annoch auf dem Berge lieget, ist kkäelen, welches vor das i^rvelecium der Alten von 6uler. pax. 194. b. gehalten wird. Dahingegen andre, als ^lcduUiuL klelver. ^nriy. Xllc. künrm blelver. Llttiq Sc nov. p. Z47. LimIerLomment.cle^Ipib. p.io4-b. das ^srveleäum, dessen ^moninu8 in seinem ltinersrio gedencket, vor das Dorff Splügen selbst ansehen. Bon MK8 '-^KW .-«O ESLD ^-«i> .>1 WAM MMZ MWE MML 8E ?LW NW? des Gchweiyerlandes. 433 Von Madeftn hinab in das Thal Gampolschin gehet eine an vielen Orten in Felsen geschnittne Land-Strasse, welche mit grossen Unkosten der Anwohner muß unterhalten werden. Es haben sonderlich die, welche dergleichen Strassen nicht viel gewohnt sind, eine entsetzliche Belustigung, wenn sie einerseits in erschrecklich tieffeAbgründe hinunter sehen, anderseits auf verschicdne von ungemeincr Höhe herab fallende, und in währendem Fall rauschende und schäumende Wasser-Fälle die Augen richten, und durch deren brausendes Getösse die Ohren erfüllen. An dem Fusse des Bergs liegt das Dorff und Thal Lampo volcino, Gampolschin, Lampus ^Ilinus, (üsmpus vul- cinus genennt: Es ist aber eigentlich hier noch nicht das Ende des Splüger-Bergs, denn von Gampolschin hinweg hat man nach einer viertelstündigen Ebne bis auf Eleven in die s. Stunden lang immer abwärts zu gehen, zwaren durch anmuthtge Caftanien-Wälder, und Obst- oder fruchtreiche Wiesen und Aecker, welche vielmal aus Felsen liegen, und kaum 4. Stunden in die Länge oder Breite haben. Wenn wir die schiefe Erhöhung des Splüger-Berges von Eleven bis aufdie oberste Höhe rechnen, welche 7. Stunden ausmacht, so wird uns die senckelrechte Höhe, welche 3540. Schuhe, oder über Zürich Z26O. Schuhe ist, nicht zugroß vorkommen. Zürich liegt höher als Eleven 28s. Schuhe. EZ888838888888888888888888888888888ZA» Von dem Iu!ier-Berg m Pündten. i^^Mosse Sachen zeigen sich nicht nur in der That, sondern mehr- male»: auch in dem Namen. Die höchsten Gebirge des Schwcitzerlands haben ihre Benennung von den Göttern der Heyden, oder von den Halb-Göttern der Römisch-Ca- tholischcn, oder von gewaltigen Welt-berühmten Männern. Jn Wallis waren die ^Ipes penninX, poeninr, penninische Gebirge, zu heydnischen Zeiten dem obersten GottJupiter eigen, und wurden deßwegen ^lonr, sovis, )0VIU8, genennet: Es hat aber in hernachfolgenden Zeiten der H. Bernhardus, ein gewesner Qonvenr-Bruder des Closters zu Äugst, den Jupiter abgesetzt, und die Herrschaft dieses grossen Bergs auf sich genommen, wie er denn annoch den Titul führet, des grossen St.Bernhardv-Bergs, zum 1'Theil, Jii Unter- 4Z4 Erzehlung seltsamer tTsamr,Geschichten Unterschied der Grätschen Alpen, welche der kleine St. Bernhards- Berg genennet werden. Der kriegerische Mars legte seinen Namen auf einem Berge in Nieder-Wallis (^n^Kions) so nun koe heisset, in Italiänisch und von Grenchen und Visp ins Sefferthal führet, rc. Ich sol des Gt. Bernhardiner-Bergs nicht vergessen/ so ein Theil ^äui-e ist, und das Masoxerthal von den Pündtncrn unterscheidet; erwirb sonsten gemeiniglich ^viLuls, LoimencleiOiceilo der Vogel genennt. Der H. Braulius erstrecket seine Herrschaft über die ZormignL, Wormser-Ioch, Welche ^scirus llbselica I.ib. 17. ttick. nennet. Diese geben den Paß aus dem Veltlein inS Vinstgöw, und werden gemeiniglich Lrsuüus ^lons, Gc.Braulis- Berg, xionbrsjo, Ombrsil qenennet. Der Welt-berühmte St. Gotthardö-Derg, der obcnBl.4s. 46. beschrieben, eignet die Ehre seines Namens dem H.Gotthardo zu, welcher deßwegen sich rühmen k Idiome, k-ueumonis Ivionre, gestiftet hat, der sonst auch St. Barnabas-Berg heisset, Ulw das Palenserthal von der: Rhe- tiern scheidet. Wir kommen aber, ohne uns bey andern dergleichen Beyspielen ferners aufzuhalten, auf den ^ulier-Lerg, dessen mög- lich-kurtze Beschreibung verhoffentlich dem geneigten Liebhaber Vaterländischer Geschichten nicht unannehmlich seyn wird. Gilig in einem Burgrechts-Briefe zwischen der Stadt Zürich und Johannes Bischoff zu Chur aufgerichtet A-r^s. heisset diß Ge- birg ^ulise /^Ipes, Julius )^on8r der Julien, Julier-Berg, Ijuler- Derg. Es ist aber unser Julier-Berg wol von jenen älp,bu8 ^uiiis zu unterscheiden, deren l-ivm8 Qib.v. c»p.; 4 . gedencket, daß Leiio- velliL durch die Tricaftiner dahin gekommen sey , welches gewisse Völker an der Jsere in Franckreich gewesen. Denn erstlich trifft bey uns der Umstand des Orts nicht zu, und lesen L lZ0Nlus, Simierus, I° 5 ckuäius und andre gelehrte Außleger des lUi, an des Gchweiyerlandes. _4Zs an statt laiiss, lnvizs ^Ipes, welches nicht Iulier, sondern unwegsame Gebirge bedeutet. So werden allhier auch die Julier-Gebirge, so zwischen den Kraintischen und Trientifchen liege»/ und sonst auch älpes VenerL gencnnet werde»/ nicht verstände«/ wovon ämmianus 1-ib.; l. Unsers Juliens gedencket Lornej. I'aciru« I.ib. 19. Dieser Strich hoher Alp-Gebiraen lieget in Pündren zu oberst imEngadin und Bergell, und ziehet sich von Malögien her, allwoderZnn entspringt/ bis zu dem eigentlich also genannten Juiicr-Berge, über welchen ich A.170Z. von 8^lvs pknL gen vevio, oder brsiis gereiset bin. Der Berg MaioyeN/ Melojen, XtzloZzia, XtaloZia, Xttto/S, ^teiojus so auch vor ein Glied des Julien von Ilckucho »e!v. änriq. 6uier. ttkXt. p. ,92. b. und andern mehr gehalten wird/ lieget oberhalb dem Dorffe kisioAjg, scheidet da§ OberEngadin von dem Bergels und gibt den Ursprung der so hernach durch das Bergellerthal ab- und in den Chumer Seeflieffet. Aber auch entspringen dort/ nemlich auf dem klome cie 8err, 8epcs> Geprmer-Derge/ so grad oberhalb Malojeu liegt/ zwey andre Wasser/ welche in gantz andre Welt-Gegenden fließen: eins in den Hintern Rdein: ein anders/ 6e ?ii-, genannt/ welches oben auf der obersten Höhe des Bergs ein Seelin machet/ n l-sAetw ci, i^un^in, hernach über den Berg sich abstürzet/ und in den nächst bey Kiaiojs gelegnen See / Uago ci> 8iiio, sich ergießet/ und folglich Wetters in den Hnn, und dann in die Donau fort fliestet; so daß hieraus die Höhe dieses Gebirgs abzunehmen/ weilen von bannen in bald alle Welt-Gegenden die Wasser abfließen. Nach meinen in obgedachtem Jahre angestellten Proben ist das Dorff ^lojs über das Dorff rUcjr sgo. Schuhe / über 80AÜ0 1480., über Eleven 3440. erhoben. Die oberste Höhe aber von dem^erge^!oZiz,oder Kiomeäe8err. habe ich gefunden 1720. Schuhe über das Dorff 2420. über Lslacci», über^vKiio Z2oo./ über Eleven 5160.; die Höhe des Julier-Bergs habe ich von Lylvz an zu rechnen (welcher Ort 240. Schuhe tieffer liegt als Xtäioj!,) bis zu den Säulen ^uin LLs-iris gefunden 960., hiemit über das Dorff^sioji, 720. Sch. Wann ich aber vermittelst eines 6eome- rrischen Instruments gefunden/ daß dicobersteHöhe desJulier-Bergs über die Säulen 2021. Schuhe erhoben/ so kommt die ganze senckel- rechte Höhe des Juliers von 8yivs piZna herauf 2971., von Kizioja dem Dorffe 17z Schuhe/ woraus dann die relpcLttve Höhe gegen LLiaccis, 8oAi>o und Eleven, unschwer abzunehmen/ und insbesonder Iiis anzu- q.?6 Erzehlunq seltsamer N'at ur-Geschichten _ anzumercken, daß diese beyden Berg-Firsten, welche wol vor die höchsten in Pündten scheinen können, einander in der Höhe gleich, nemlich der einte 1720 ., der andre über überCleven der einte s i6o., der andre 5171 ., welches auch ungefehr die oberste Höhe des Goerhmds, wie an seinem Ort gel. G. sol in mchrerm gczeiget werden. Ueber das habe ich in damaliger Reise angemerket, daß SylvA piznJ und üevio fast in gleicher Höhe, oder auf einem ttoriMru liegen, 8yivs Plans auf der einten, und Lc v,o auf der andern Seite des Julier-Bcrgs. Es ist nicht so gar gewiß, von welchem )uiio dieser unser Julier-Berg seinen Namen bekommen habe. Lexrus Kusus spricht: 8ut> )uI,o Lt Oclavisnu L-eisrikus per ^>pes Julias Irer ssälum ^Ipinis omnibus vjäiis dloricorum provinci« scces- scrunr. 8imterus in seinem dommenrsr. cie ^Ipib. pzZ. ic>8. Ver- meynt, der Urname komme von )uiio eLssre her, und gründet diese seine Meynung theils auf jezt angczognen Text Ku6, theils auf daS Zeugniß bsbellici, welcher erzehlet, daß unweit dem Kärntischen Julicr-Berge, auf dem sogenannten Creuz-Berg eine zu Andencken des von sullo L-esare allda bevestigten Passes eingegrabne Gedenck- Schrift zu lesen, deren Anfang also laute: e. ^u^i08 <^8^K. 1?sckuäjus aber vermuthet ili obangezognem Buche, daß der Nam- Geber OKsvisnus sey, der auch Julius ^uZultus (weilen er Kaysers )ulii scloprirrer Sohn war) genennet worden, und kkserism, t>lo- ricum , nebst andern Alp-Völckern bezwungen. Dieser Julius Qesar. oder OLlsvianus, muß auf die Höhe dieses unsers Julier-Bergs mar- schirt seyn, wie aus zweyen von ihme auf der obersten wandelbaren Höhe aufgerichteten Säulen, welche annoch jezt auf beyden Seiten der Landstraße stehen, abzunehmen. Diese Säulen sind rund, ohne Fuß und Kopf, aus einem rohen Felsen, auch auf rohe Weise gestaltet. Ihre Höhe, ausser der Erde (dann sie in die Erde eingegraben sind) ist 4. Schuhe, 5.Zoll, der Umkreiß s. Schuhe, 2.Zoll. Ihr Zwischenraum ist 4. Ruthen, 4. Schuhe. Aufder obern Fläche einer jeden Säule ist ein eingegraben Loch, aus welchem abzunehmen, daß darein entweder die cspireUs, oder gewisse Kriegs-Götter gestecket worden, dergleichen die Römer in ihren Zügen allezeit mitgeführet. Von Inscripcionen, oder einaegrabnen Gedenck-Schriftcn ist nicht das geringste zu sehen. Es hatten einige davor, es seye auf der einten Seite N0N (L'sKz gestanden, Bishieher, und nicht weiter; auf der andern Seite aber oxtino KMKD3 1800 - des Schwekzerlandes. 4Z7 MV 0 X 1 H 08 , lasse die unbändigen Rhetier fahren. Es gedencket dieser Ueberschrift auch vurner. Vo^sge cle 8uille, pzZ.28. Woher aber diese Nachricht komme/ ist mir unbewußt. Das ist gewiß, daß der jui.us, so auf diesen Berg gezogen, auf dieser Höhe, da die Säulen stehen/ wol Ursache gehabt/ in jezt bemeldte Worte anszubrechen/ weilen er vor sich nichts anders gesehen/ als hohe unwegsame rauhe Gebirge; und wird er sich von weiterm Marsch, und von deßwegen abhängender Bezwingung der Rheticr abzustehen/ desto leichter haben bereden lasse»/ wenn sein Hcerzeug bereits, Wie leicht zu vermuthen / sehr abgemattet gewesen/ und ihme überdiß der scharffe Nord-Wind in das Angesicht geblasen / wie dann diß auf dergleichen hohen Gebirgen gemein/ und in Mitte des Sommers eine rechte Winter-Kälte verursachet; wie mir selbst aufdiesemJulier- Berge in der Mitte des Augftmonats widerfahren, und leicht zu ermessen, was vor eine Kälte in diesen Landen regiere, weilen zu 8yiv, plsns, welches doch an dem Fusse des Bergs im Thal lieget, damals der Brunn mehr als eines Fingers dick in einer Nacht übcrfroren gewesen. Es zeiget dieser Marsch des Iulischen Heerzeugs an, daß vor alten Zeiten die vornehmsteLandstrasse aus Deutsch- und Schweizerland in Italien, und aus Italien zurück über diesen Julier-und den Septmer-Berg, der aucheinTheildesJuliiist, gegangen: Undmuß zu der Römer Zeiten das Dorff Lrabuium Livmm, Lev,o, Slsiia, 8rz- duium, in gleicher Achtung gewesen seyn, wie jezt Thusis und Splü- am, weilen dieses, und andrer in selbiger Gegend liegenden Orten Meldung in dem irinerano /Mtonim geschiehet; welcher Ort auch Livium genennet worden, wegen des zweyfachen Paffes, welcher durch vevio theils über den Julier ins Engadin, und über den Sept- mer gen Eleven gegangen. Uebriq ist noch zu bemercken, daß auf der obern Höhe des Juliers, nicht weit von den Säulen ein Berg- See, genennet t-sgo ck Liuiio, derIulier-Gee lieget, auswelchem ein Wasser gegen 8^iv3 Plans abfließet. Diesen See mit den Säulen, und gantzer auf dem Julier habender Aussicht, habe ich mit Fleiß in lab. in. vorstellen wollen, um so viel desto mehr, weilen mancher Liebhaber der Helvetischen Antiquitäten aus Gegenhaltunq dieses nach der Natur gezeichneten Kupfers, und der Iulischen Säulen, so gemeiniglich in den Land-barten -es Pündtner-und Schweitzer- lands, auch bey 8rumpf. dki-omc. l-ib X. cap.s. stehen, seine hierüber gefaßten Vorurtheile ablegen kan. Iiiz Von 4)8 Erzehlung seltsamer N^atur,Geschichten Von dem Ursprung des Hintern Rheins. i^Z^Eil ich mich erinnere, daß ich in der IV. Berg-Reise, bey Anlaß einer durch die hohen Alp-Gebirge A.i^s. getha- MW/ nen Reise, die Ursprünge zweyer Rheinen, des vorder» auf dem Crispalt gegen demUrsern-Thal, und des mittlern in dem l-ucumannischen Gebirge, oben im Thal gegen dem Liviner-Thal vorgestellet habe, so hoffe ich, meinen geehrten Lesern einen Gefallen zu erweisen, mit kürzlicher Beschreibung des vornehmsten Ursprungs des HinternRheins, welchen ich den 29. Jul. dieses nunmehr zu End lauffenden 1727. Jahrs besuchet. Morgens früh hatte ich zu Splügen, Speiu^a, 8 pelucz, einem berühmten Dorff, und Paß in der Landschaft Rheinwald, die Höhe des Quecksilbers im 21. Zoll, und um z. Uhr Nachmittag in der Alp L-IN ?orra. Zur Porten, den Hrn. Lorentzen von dem Dorff Hinter Rhein zuständia, bey des Rheins Ursprung, die Höhe des Wetter- Glases wahrgenommen im 19. Zoll 2.Serupel, und Abends um 8 . Uhr in dem Dorff Zum Rhein, oder Hinter Rhein 20. Zoll, 7. Scrup. also daß der Unterschied zwischen Splügen und Hinder- Rhetn ist z. Scrup. oder 240. Schuhe nach dem ersten Grundsatz, (da 80. Schuhe mit einem Skrupel übereinkommen) 270. aber nach dem zweyten Grundsatz, bey welchem 90. mit einem Skrupel übereinkommen. Zwischen Splügen und dem Ursprung des Rheins sind i8.Ser. mit denen kommen 1440. oder 1520. Schuhe überein. Zwischen dem Dorff Hinder-Rhein und dem Ursprung sind rs. Scrup. gleich 1220. oder i z 50. Schuhen. Zwischen dem Ursprung des Rheins und Zürich, allwo heut das Quecksilber im 2z^Zoll 7i. Scrup. gestanden, kommt der Unterschied heraus von 4sz. Scr. mit denen kommen überein nach dem einten Grundsatz Z64O. nach dem andern aber 409s. Schuhe. Gehen wir zu den Bl. zz.undff. eingesetzten Tafeln, so sinden wir nebst 19. Zoll i?. Scr. Zürich, oder 22. s. Paris. 4889. Schuhe Zürich, oder 78s. Paris. Ruthen s.Schuhe, nebst 2 z. 7 l. oder 26. s.Pariser 1329. Zür. Schuhe, oder 20s. roll. ^Schutze, sodaßderUnterschied zwl- des Gcbwekyerlanves. 4Z9 zwischen Zürich und dem Ursprung des Rheins/ nach Kkriotti Meynung, 3562. Züricher Schuhe heraus kommt. In des ossim Tafel stehen nebst 19. Zoll ii. Scr. 6821., urch nebst rz. 75.14Z6., welche von den erstem abgezogen, geben sz 6 s. Züricher Schuhe vor die Oilleremizi-Höhe zwischen Zürich und dem Ursprung des Rheins. Vor die gantze Höhe des Rheins zu seinem Ausfluß in das Deutsche Meer, welches wir jezt mit dem Mittelländischen von gleichem Uorironr setzen, gibt ^riorre nach meiner Oblervzrion 47ls. Paris» oder 4889. Züricher Schuhe; c^chni aber 6298. Pariser, oder6821. Züricher Schuhe. Wenn wir Wetters bedencken, daß die Gletscher, welche den eigentlichen Ursprung des Rheins machen, und über dieselben stehende nackende Gebirge wenigstens 1222. Schuhe höher stehen als die Alp, da wir das Lxperimenc gemachet, so kommt diese gantze Höhe des Rhein-Falls gegen 8222. Züricher Schuhe. Der wahre Ursprung des Hintern Rheins bestehet, wie iezt verbeulet worden, in Eisbergen, oder Gletschern, welche sich zwar bis 2. Stunden in die Länge erstrecken, dergleichen ich noch nirgends irr Schweitzerischen Landen gesehen. Von diesen Gletschern, welche oberhalb einer wilden Alp, das Paradieß, ich glaub ironice. genant, stehen, fliesten viele Bäche in einen liessen, in Felsen eintreffenden Runß ab, welcher anfangs von Mitternacht gegen Mittag, hernach gegen dem Dorffe HLmer-Rhein (welches von dem Ursprung drey Stunden weit lieget) von Abend gegen Morgen fliestet, und so Weilers fort, wiewol sanfter, durch Nuffenen, Splügen re. Die Alpen bey dem Ursprung des Rheins sind so jähe und wild, daß sie nur von den Schaafen abgeetzet werden, welche in grosser Menge alljährlich aus Italien um dieser Weyde willen geführt werden. Die kergomalcer-Hirten, so ihnen abwarten, führen ein rauhes, wildes, einfältiges Leben: Ihre Speise ist Hirß-Mehl mit Wasser gekochet, ohne Salz, ohne Butter: zuweilen ergehen sie sich mit einem über die Felsen zu tod gefallnen, oder sonst crepirten Schaaf: ihr Tranck ist Wasser: ihre Hütten ein von Steinen auf und an eine Felß-Wand gelegtes Gebäude, von 8. oder 12. Schuhen in die Länge, s. oder 6. in die Breite, und 6. in die Höhe, mit einem durchläuch- tigen Dach bedecket: ihr Unter-und Feder-Bett ein wenig altes Heu: ihr Ober-Bett eine rauhe dünnePferd-Decke. Wie aber aller Orten was niedliches anzutreffen, als- ist es auch hier» Wir fanden, in 440 ErzehluiI seltsamer Natur- Geschichten _ in Abwesenheit des Hirten, einiae Schaaf-Käse und Schaaf-Zieger, reffen zarten Geschmack wir nicht genug anrühmen können, sondern in diesem rauhen Welt-Ende vor eine ^mbrolis, genossen. Dasjenige Gebirg, welches dem Hintern Rhein den Ursprung gibet, heißet ^viculz, der Vogel, Lulmen -VviculL, (üolmen NeOl- cello, und OceI!o,Xlonüerl äeI Vccello, in PÜNdtneristher, UNdd4onts rlel Vccello, in Italienischer Sprache, sonst auch^lons 8r. Lernksrclin, Lulmen cie Lc.Lernksrclino, der St. Bernhardin, weilen zu Ehren dieses Heiligen eine Capelle sol auf diesem Berg gebauet worden seyn. Sonsten meldet 8precker KkXlic, daß bey dem Ursprlmg des Rheins annoch alte Gemaure von einem Küchlein zu sehen seyen, welches zu Ehren der Nympden, oder Waffergöttincn, von den Heyden selbst sol erbauet worden seyn. Ich habe aber dergleichen von den Einwohnern des nächsten Dorffs Zum Rhein nichts erfahren können, ausser das einige etwelche gehauene Steine gesehen zu haben, vorgeben. Diese wilde Berg - Gegend beschreibet c^lra-us um. Vener. pzZ. s 4 > s s. nicht unfein: kiel^erios Itaüs clirimit ^ions ssper ab Ori§, ksrs ^clulX, Lerndsräjnum clixere X^slsuci Ljv8 in scceüäs nunquzm contingere Kupes Ver pomit, non liuc Lscckus, ?kilomel3, Ceresve dlon acliir Ltc. Von dem (Numerischen Schab-Zieger. ^KLQIese Art Käses, mit welcher die Glarner, gleich mit ihren schwarzen steinernen Tafeln, weit und breit in Europa Hari- delschaft treiben, Heißet gemeiniglich Schab-Zieger, Lsleub rLüüs, weilen er aus Zieger gemachet wird, und stch zu eßbarem Gebrauche schaben läßt. OeoNams m seinem ?3nrkeo I^ib. I. czp. rs. beschreibet diesen grünen Schab-Zieaer gantz wol, hat sich aber in dem einigen betrogen, welches viele Leute annoch sich einbilden, daß man allerhand gute heilsame Kräuter zu Bereitung dieses _ des Gchweitzerlandes. 441 dieses Käses brauche, und gedenckct auch6elsnerus 6e i^Ne P3Z.48. der imper->ror>T, oder Mcifterwurz, daß sie darunter gemischet werde, vonderen man doch jetziger Zeit nichts weiß. Es ist ein einiges Kraut, welches die Glarncr zu dem Ende in ihren Gärten pflantzen, damit es ihnen zu dieser Kaßmachung diene. Dieses pflegen sie zu nennen Zleger-Nraur, Gchab-Zieger-Lraut: Sonsten hetffct man es Gtund-Nraut, Siebengezeir, weilen es siebenmal des Tags den Geruch bekommen, und wieder verliehren sol; wilder Srein-Rlee, wolriecbender Llee. Da des Geruchs halber zu bemercken, daß sich derselbe erst dennzumal hervor thue, wenn das Kraut dürr, weilen die feuchten, ölichten, ftarck-riechenden Theile vorher, da es noch grün wäre, unter vielen wäßrigen also gefangen und eingewickelt waren , daß sie sich nicht wol hervor lassen, und in Freyheit setzen könten. In Lateinischer Sprache finden sich bey verschiednen Krauter-Ver- ftaudtgen auch verschiedne Namen, und zwaren folgende: ttieron. IrsZus nennet es ^krikolium Oioscoriclis. >^3lrkioIu8, ^NAuillzra, und Lsitor Oursnles I^oms 8^Ivetlris. k'ucdlius» voäonLU«, Lorclus, 6e!s- nerus I^orus Lsrivz. I^gcunz, lurnerus, und^tlerreng8^orru8l->c>mr klrbsns. kuckliu8, lurneruZ, l^>niceru8, l'ritolium oclor»mm. Oo- cloneu!, und t.UA6unense8 l'rifoli^m oclorswm skerum. Leksnerus in btorco IHioIium cabsllinum: l^obel>U8 t.oM8 ^loreorum oäora: ^bernX-moM3NU8 Vlelilocus vera. ?onz ^le!iIolU8 8>NAulgri5 ^Ipini. Oss>. LaukinuZ b.oru8 lionenüs ociorz: ^ok. Lsukinus QotU8 Lakivz oclorsrs, »nnuz, tlore coeruleo: Bey ^beopdralio einem der ältesten Kräuter-Erfahrnen 7. -4. sol er heißen: klix, nach Erklärung l^lel kruZum. Die neuesten Lorznici, ttermsnnu8, ^lori- sonins, lourneforlivs , bringen diese Pflantze unter das Geschlecht des Stein-Klees, und nennen sie deßwegen kteiiionim o^ormam viq- lscesm. Diese viele Zunamen habe ich bey diesem Anläse mit schuldigem Fleiß hieher setzen wollen, damit der geneigte Leser dieses Kraut, samt dessen Eigenschaften, in verschiednen Krauter-Büchern wisse aufzusuchen, und anbey die Schwierigkeit der Kräuter-Wissenschaft sehen könne, weilen ein jeder Scribent nach seinem Willen die Kräuter benennet, weßwegen eine solche Erleichterung und Reformation dieses Sruclij, dadurch so vielerlei) Namen unter ihren einigen behö- rigcn Titul gesetzet worden, gantz nöthig gewesen. Dieses Kraut wird, wie oben angezeiget worden, in Gärten undAeckern im Glar- nerlande gcpflanzet, hernach, so es zeitig worden, gedörret, und auf l. Theil. K k k folgende 442 Erzehlung fel< samsr Natur-Gesch r'chten folgende Weise, nachdem es zu Pulver geriebeu und durchgesiebet worden, aus demselben der Schab-Zieger gemachet. Man richtet hin und wieder im Lande, sonderlich in dem Hauptßecken Glarus, zu Matt, rc. gewisse Machinen auf, die sie Zieger,Relben heiffen, weilen damit das Zieger-Pulver mit dem Zieger wol untermenget und gerieben wird. Eine solche Zieger-Reibe, mit allen dazu gehörigen Instrumenten, wird i'-b lv. vorgestellet, und gleich einer Mühle getrieben, so daß die mittlere Säule in die Runde gehet; Die untere Fläche, odcrBoden, wird mit Brettern eingetastet, damit die aufgeschüttete Materie völlig innert ihren Gebrauchen bleibe» Und sind bey dieser Zieger-Mühle insbesondre zwey hölzerne Schaufeln o und o zu bemercken, deren die einte die aufgeschüttete Materie von dem Rande, die andre aber von der Mittel-Säule hinweg treibet, damit der schwere Last-Stein L m währendem seinem Umgang selbige wol finden, und zermalmen könne. Die Materialien des Scdab-Ziegers (welche zum Exempel in einem Centner magern und trocknen, Missen Ziegers, Salzes, und gepülverten Zieger-Rrams, jedes dieser letzten ungefehr einen Vicrling, bestehen,) werden erstlich auf ein sauber nebst der Reibe stehendes Tuch aufgeschüttet, und dann in derReibe aufjezt besagte Weise untereinander gcmenget. Wenn biß geschehen, so werden die Zieger-Formen oder Zieger-Rübel L nacheinander angefüllet, vermittelst der Zieger-Scößlen 6 wol eingedrücket, und mit einem hölzernen breiten Tätschler k? abgeebnet, folglich in denen Formen an einem luftigen Ort gelassen, bis zu einem gewissen Grade ihrer Tröcknung. Nach diesem werden die Schab- Zieger aus ihren Kübeln Herausgenommen, und nacheinander auf Läden (wie bey «zu sehen) an einem mittelmäßig feuchten und trocknen Orte aufbehalten, da insbesondcr zu bemercken, daß bey kalter windichter Witterung die Zieger-Gehalter wol verwahret werden, damit der Schab-Zieger keine Spalte bekomme. Nun, nachdem der grüne Schab-Zieger gcmenget, gerieben, gestaltet, und getröcknet worden, stellen wir ihn auf den Tisch, sehen aber alsobald, daß die anwesenden Gäste diesen Gast mit ungleichen Augen ansehen, die einten ihre Nasen rümpfen, und nicht nur nicht davon essen wollen, sondern auch nicht einmal den Geruch leiden können, da hingegen andre sich darob, als über eine niedliche Tracht, erfreuen und erlassen. Schon zu Geßuers Zeiten waren viele, die mit diesem Glarner, Zieger ihr Gespött getrieben, und ihn verächtlicher Weise vor das Ab- WW» MH' ' PE'' KWM': Ä»" K'ß-b- DMM WMM !M>»0IIWM««MWMWN>WMMMI»>MW lWWM! IWWWMW»VW>!»llM>»! WM LMG lMM des Ochweiyeilandes. 44Z Element der Erde, wie den Züricher wem vor das Wasser, die Pündmer-Gprache vor die Luft, und die Freyburger-Munze vor das Feuer gehalten. Ich hoffe aber darzuthun, daß dieser Zieger eine von den nutzbarsten Erfindungen unsers Landes sey, und folglich nicht hhne Ursach in unsern eignen und fremden Landen so viel gebraucht, so hoch angesehen, und auch aufvornehmen, Fürstlichen und Königlichen Tafeln aufgetragen werde. Es hatdie Milch dreycr- lcy Theile oder Wesen in sich, erstlich den Niedel oder Raum, so obenauf schwimmet, welcher aus leichten, ölichten Theilen bestehet, und die Materie zum Butter abgibt; zwcytens ein säurlichtes Wasser, die Schotten, welche man zum Tranck anwendet, oder, so sie in Ue- berfluß vorhanden, den Schweinen fürwirfft; drittens eine dickere, schwerere Materie, aus welcher theils der Käß, theils der weiffe Zieger gemachct wird; Jener ist wegen seiner Festigkeit und Unverdaulich- kcit bey denen, welchen die Gesundheit menschlicher Leiber anvertrauet wird, nicht sogar wol angeschrieben, weilen er in dem Magen einen zähen, unverdaulichen, nach und nach in eine Säure sich verwandelnden Schleim übrig läßt, welcher erstlich den Magen und die Gedärme inwendig überziehet, die Däuung und Scheidung verderbet, und folglich auch, so er in das Geblüt durch die Milch-Gefässe hingeführet wird, denqantzenLeib überschwemmet, sichinden kleinsten Blut-Röhrlein stecket, und zu allerhand Kranckheiten, so von Verstopfungen herrühren können, Thür und Thor öffnet, daher auch vor ctlich loo. Jahren die 83iermtanische Schule dem Käse einen Schel- men-Titnl angehänget in diesen bekannten Reimen: Lzi'evs eli nequ^m, quia cli^eric omnistequzm. Nicht bessers Lob verdienet der weiffe Zieger, absonderlich wenn er zu winterlichem Gebrauche aufbehalten, und in eine Säure gebracht Wird. Und glaube ich vestiqlich, daß unsre Landsleute sothane Zieger-Speisen ohne tägliche und grosse Gefahr ihrer Gesundheit nicht Verträgen könten, wenn ihnen nicht theils die Gewohnheit, theils die gesunde subtile Luft, nebst unserm herrlichen Berg-Wasser, zuHülffe käme; wozu noch kornmt, daß unter Lands-Zieger, weilen er vor seine erste Materialien die herrlichsten gewürzten Berg-Kräuter erkennet, auch weniger Schleim qebiehret, als etwan ein Holländischer, oder in andern niedrigern Landen gebohrnerZicger. Gleichwol ist auch unser Zieaer aus oben gegebnen Ursachen nicht von aller Schuld und Straffe zu befteyen. Und haben unsrer jezt lebenden Kkks Glar- 444 Erzehlung seltsamer lTkatur-Gescbichtm Glarner löbliche Vor-Eltern ein ewiges Lob verdienet, daß sie nach Mitteln getrachtet/ denZieger zu verbessern, und so vielem aus dessen Gebrauche entstehendem Unheil vorzukommen, wiewol diese ihre Sorgfalt vor die liebe Gesundheit ihnen reichlich vergolten worden, und noch täglich durch den von dem Schab-Zieger-Cömmercio eingeführten Nutzen vergolten wird. Setzen wir das untermischte Schab- Zieger-Kraut nach den Grund-Regeln der heutigen i^rmaciL kario- nziiI (durch welche aller Heil-Mittel wahre Eigenschaften / Tbeile und Würckungen wol untersucht werden) auf die Prob/ so wird sich bald aus dessen rässem Geruch und Geschmack zeigen, daß es nebst denen wäfferichten Theilen, welche bey dem Dörren wegfliegen, viel subtile salz-ölichte Theile bey sich führe, welche kraft ihrer durchdringenden Gestalt sich zwischen die schleimichten Theile des ZiegerS einmischen, und also hindern, daß diese nicht so fest sich aufeinander setzen können, folglich von dem Magen leichter können angenommen, und, ohne in einen zähen Schleim sich zu verwandeln, verdänet werden , wozu noch das seinige das Salz selbst beyträgt, als welches das beste Gewürz, und kraft seiner scharffcn spitzigen Winckel, allen vorkommenden Schleim sowol in dem Magen und Gedärmen, als in dem Gcblüte auflöset. Woraus zu ersehen, daß durch Untermischung der gewürzten Salz-Tbeilchen der Schab-Zieqer nicht nur nicht so leicht in einen Schleim verwandeln kan, sondern noch denjenigen, so würcklich in dem Leibe vorhanden, auflöset. Aus welchem folget, daß der Schab-Zieger als eine allgemeine Schweitzer-Arzney angesehen werden, ja als ein Schweitzerischer Theriac in gar vielen Zuständen des Magens, Gedärmen und gantzen Leibs, und denen absonderlich, welche von zähen, schleimichten Flüssen, und daher kommenden Verstopfungen herrühren, sonderhcitlich aber dem ganzen weiblichen Geschlechte dienlich seyn kan. Ja man kan von dieser Arzney-Speise (denn er ein wahres ^iimemum mecücsmenrolum. folglich vielen andern Speisen und Arzneyen vorzuziehen, weilen er zugleich in Kraft seiner Milch - und Zieger-Theilen nähret, und den Ursachen der Kranckheiten Müsset) rühmen, daß sie allgemein sey, und allen Complexioncn wol bekomme, denen Schleimichten, Blo- nichtcn, in Ansehung oft-bcrührtcr Gewürz-und Salz-Theilen, denen (Fallsüchtigen aber in Ansehung der mitführenden Schleim- Theilen rc. Ich l .MIO V - ch'LiZ Mz. M- X ?^r«^e^/ec-e MG l-°L^ !MMWZ __des Gchwektzerlandes. 44s Ich wil mich nicht weiter bemühen/ einen gantzen Rodel derjenigen gesunden Personen / und krancken Zuständen / denen der Schab-Zieger angerochen werden kan / allhero zu setzen / weilen ein jeder vernünftiger Arzt aufoben-geleqtes Fundament leicht sein Schluß- Gebäude bey allen vorfallenden Begebenheiten aufführen kan, gleichwol das einige noch hinzu setzen, baß man den Schab-Zieger auch nicht vor eine Götter-Speise(^mbrolig) ansehen sol, von deren man desto gesünder werde, je mehr man davon genieße, sondern jederman sich recommcndirt seyn lasse jenes artige Spruchwort, «>«>., dle quiä mmis; Nur nicht zu viel. Von der völligen Sonnen-Finsterniß/ welche den IL. May des 1726. Jahrs in unsern Helvetischen Landen wahrgenommen worden. !?S war -iß eine solche Verfinsterung, oder vielmehr Verde- kung der Sonne, derenthalber der berühmte Dähnis. Stcrn- scher i>Ko c!e Lrake gezweifelt, ob sie möglich sey, wie er denn (Ho selbst kaum könte Glauben zustellen, daß er A. l s6o. in Portugal eine solche völlige Finsterniß gesehen, und nach seinen Grundsätzen der Mond, wie nahe er auch gegen der Erde kommen solte, die Sonne nicht völlig decken könte, wie hievon kepiems in^llronom. Opric. csp.8. pgg.285. UNd Kicciolus ^Imageli. I'om.l. I^ib. V. c-,p.2o. zu sehen, welcher hergegen mit allen andern Sternweisen die Möglichkeit von dergleichen totalen oder centralen Finsternissen behauptet, und diejenigen, so vor oder nach Christi Geburt gewesen, nacheinander erzehlet. Diese, weilen sie nur 1 z. an der Zahl, werde ich auch zu Gefallen des geehrten Lesers allhier beysetzen, um die Seltenheit einer solchen Natur-Geschichte desto bekarmter zu machen. Die >- ist gewesen den 28. May A. 585. vor Christi Geburt, und ln derMecr-Enge bey Constantinopel wahrgenommen worden. Der berühmte hatfiedenIoniern vorgesagt. Es hat diese Finsterniß eine Schlacht der Meder unter Lysxzre, und der Lydier unter so bey völliger Verfinsterung am heftigsten war, aufge- Kkkz hebt, 446 Erzehlung seltsamer Natur-Geschichten hebt/ und die erhitzten Gemüther zu einem Friedcns-Vcrgliche ck- sponirt / wie hievon tteroclocus Qib. l. zu lesen. Die l i. den is. August. A.zio. vor Christi Geburt: von deren schreibet l)ioäorus 8iculu8 l^ib. ro. - daß dic Sterncn/ gleich zu Nacht/ überall gesehen worden. Dieser Finsterniß wußte sich X8->Mocie8, König in Siechen, trefflich zu bedienen/ denn als er einen Zug wider dieCarthagincnser vorhatte/ und aber diese völlige Sonne-Verfinsterung seine Soldaten schreckte/ hat er sie beredet/ das von der Finsterniß bedrohete Unglück wäre sie/ die Siciltaner/ angegangen/ wenn sie noch nicht abgefahren wären/ nun aber/ nachdem sie auf die Reise sich begeben / werde es die Carthaginenser treffen. Mm. Mlor. I.ib. XXII. Die in. A.2Z7. nach Christi Geburt/ den 12. April, indem ersten Jahre der Regierung Gordiani des jüngern/ war auch so starck/ daß ma«/ nack) dcrZeugniß ^uiü capiroiinl, ohne Lichter nichts sehen konte. Die i v. A.484. den iz.Jenner, war gleichfalls mit einer Nacht- gleichen Finsterhett begleitet/ und sahe man auch die Sternen. Die v. A.840. den 5. May/ nach dem Bericht äimomi L.ib.v. esp. > 9., gleich also beschaffen. Die vi. A. 878. den 29. Oct. im 29. Jahre hullovici Laibi. Lx ^nnsi. k^ranLor. Es kommet diese Geschicht mit unsrer vorhabenden Finsterniß in der Zeit überein/ weilen beyde sich zwischen 9. und ic>. Uhren Vormittag zugetragen, und i s. Tage vorher eine Monds- Finfterniß gewesen. Die vt». A. n 87. den 4. Sept. war auch so groß, daß die Sternen gesehen worden. Nach dieser ist Lslöumus von ^isöino gefangen worden, und Jerusalem wiedrum in Türckische Hände gekommen. Die Vlii. A.i24i. den 6 . Octob. Die ix. A. 141 s. den 7. Jun. ist in Böhmen so starck gewesen, -aß die Vögel von plötzlicher Dunckelheit erschrecket, zur Erde fielen. jkeinkolci. in Hieor. purback. aus I->ec>vilio und b.vco>lkene. Die X. A. 148z. den 16. Mertz war auch sonderlich sichtbar in unsern Landen. Denn also schreibet krumpf. Or«n i ,b. xm. c. 21. aus l-ycollkene. Es ward so finster, als ob es Nacht wäre, die Hüner und das Geflügel flog alles auf zur Ruhe. Die xi. A. i s 6 o. den 21. Aug. ist von Oavio zu c^oimbra m Portugal wahrgenommen worden, welcher uns "p. 4. 8pKa-rK8acrod tc. berichtet, daß es um dieMittags-Zeit stockfinster worden, ohne Licht 447 k>es Schweitzerlandes. niemand wandeln körmeii, die Sternen am Himmel erschienen, die Vogel aufdie Erde gefallen, und die Weiber gcjmnmert, weilen sie vermeynt, der jüngste Tag sey vorhanden. Die Xl k. A.i6os. den ir.Octob. ist auf dem Mittelländischen Meer zwischen Neapoli und Marseille wahrgenommen worden, also, daß rings um die Sonne die Luft blut-roth in Mitten der Verfinsterung vorgekommen, Xepler LreU. diov. csp. 2;. Dieser berühmte ^llronomug erzehlet in seiner Mikron. Opnc. csp. 8- noch mehrere Finsternissen, stauch total gewesen, als A.4ZI. und 49. vor Christi Geburt, und nach derselben A. 14.97.192.719. mz. Iszo. l 544., welche aber kicciolus unter die zweifelhaften zeh- lkt. älmLZ. l^ib. V. cLp.ro. Oben erzchltcn 12. völligen Somren-Finstcrnissen ist diejenige nachzusetzen, welche in der Amerikanischen Insul ^mniquc von X 4 Lruneau wahrgenommer, worden, und mit unsrer letzten völlig Übereinkommt, Wie aus dem)ournzl cles^LVLns, dL -^pril. 1701. pLZ. 290. zu sehen. Wäre also unsre jüngst auf den i2.Maygefallne Sonnen-Fin- sterniß unter denen völligen an der Zahl die xm., dero Anfang bey uns zu Zürich war um 8.Ubr 54.Min. Das Mittel um 9.Ubr 58.Min. Das Ende um n.Uhr 12. Minuten. Die mittlere völlige Verfinsterung der Sonne währete 4. Minuten, innert welcher Zeit die Sonne von dem Mond gleich als mit einem Fürhang völlig bedeckt worden, und an dem hellen Himmel ihren Schein plötzlich verlohren, aber auch um io. Uhr 2. Mtn. schnell wicdrum gleich einem Blitz die Erde beleuchtet, welches denn klärlich anzeiget, daß der um den Mond in währender völliger Finsterniß gesehene bleiche (durch die Fern-Gläser aber feuerrothe) Ring anders nichts gewesen, als ein von der Sonne seitwärts geworffner, und durch unsre Luft zu uns in gebrochnen Strahlen fortgesetzter Glantz, welcher wol zu unterscheiden ist von denjenigen Strahlen, so graden Wegs von der Sonne auf die Erde fallen, und einen hellen Licht-Schein von sich geben, unmittelbar vor, und nach der Verfinsterung, wie wenig auch von der Sonne übergeblieben. Es ist dieser Umstand in Acht zu nehmen, wenn man wil zwischen denen ror3iibu5. cencraiidus und snnvisnbus Lcliplibus . oder völligen und Ring-Finsternissen einen Unterschied fassen, da in diesen letzten entweder ein hell-gläntzender Ring von der wahren Sonne um den Mond, dessen scheinbarer Durch- 448 Erzehlung seltsamer dlatur-Geschichten Messer dennzumal kleiner ist, als der scheinbare Durchmesser (Diameter Jpparen8) der Sonne; oder ein bleicher Ring, wenn nemlich beyde gleich sind, da denn in solchem fall der sichtbare Ring gleich der Heiterkeit herzuholen, so an dem Rande des Monds gesehen worden, von dcnentenigen Sonnen-Strahlen, welche durch des Mondes Dunst-Kugel auf unsgebrochen, die wirim Schatten stehen, gebracht werden. Von welcher letztem Gattung Finsternissen auch die unsrtge war, hiemit rorsUs oder cenrrsüs, weilen die Mittelpunkten der Sonne, der Erde und des Monds, in einer Linie stunden, und annMaris, wegen des um den Mond gesehenen Rings. Und ist zu vermuthen, daß unter denen in Historien angemerckten, sonst sehr seltsamen nuiar-Finfterniffen vielleicht die meiste zu dieser letzten Art, folglich auch unter die roraies zu rechnen, als die A. 1567. den 7. April 1^98. den 2>. Oet. 1601. den 24. Decemb. Was weiters in der Natur unter währender völligen Verduncklung wahrgenommen worden, wird unten in mehrerm angezeiget und erkläret werden. Es ist nicht weniger Lodens-als Bewunderns würdig die durchdringende Fähigkeit der Menschen, welche unter Gottes gnädiger Hülffeinder Stern-Wissenschaft so weit gekommen, daß sie unter andern Eigenschaften und Zufälligkeiten der Irr-und Fix-Sternen, auch dero Verfinsterungen auf Jahre, Tage, Stunden und Minuten ausrechnen, und vorsagen können. Es gründet sich diese Rech- nungs-Kunst auf die unwandelbare von Gott in die Natur gesetzte Bewegungs-Gesätze. Es sind aber die Bewegungen des Gestirns so verworren, die Astronomische Grundsätze ungleich, die Länge und Breite der Erden-Plätzen noch zur Zeit unrichtig, daß, in Ansehung jezt erzehlter und vieler andrer anstoßender Schwierigkeiten, man zuweilen nicht so genau in dem owui zutrifft, wie dessen ein neues Exempel unsre gegenwärtige Finsterniß ist, welche an wenig Orten also in den Calendern ausgesetzet worden, wie man sie in der That erfahren. Herr H. I. F., ein in Astronomischen Wissenschaften trefflich erfahrner Herr und Freund, hat bereits vor etlichen Jahren diese merckwürdtge Finsterniß nach verschiednen Grundsätzen ausgerechnet, und nach denen llypoMelibus DansberZii gefunden, daß die comunÄio vila um 9. Uhr Z4.Mnr.komme. Dsncucio Dun« visil Z.MiN. s 6 .5ec. ^uttralis. Lemicliameker 80Ü8 17 Min. Dunre spparen8 >/-MiN. Zv. 8ec. Lcrupula äeücielNia; v. MiN. Z 4 §ec. Wer- des Gchwelyerlandes. 449 Woraus er geschloffen die Gröffe deri Verfinsterung iQ.Zoll, 47.M. und diese Gröffe in unsern Calender zu setzen meistens darum erwählet, weilen eine fast völlige Ldiplis, die er doch nach kicdoti Grundlchre gefunden, ihme so entsetzlich vorgekommen, daß er lieber wollen zu wenig an die Sache thun, als zu viel. Es zeiget der Austrag unsrer damaligen Ldiplisklärlich, daß die ^nomitlis^qmnoäiiorum, derer fich l^nsbergius in seinem Lsl- cu! bedient, ein Gedicht seye, dessen so man überhoben ist, man ganz genau zutrift, wie denn auch eallenclo dise änomriis verdächtig vorgekommen, und von ttuiilMo gänzlich verworffen worden. Nach denen U>polbe6bu§x.epien kam Herr k. noch weiter : Denn die LonjunKio vjss mn 9 . Uhr, sZ. M. L.Lciruäo l-unre vers Loredis Zs. m. s6. sec. k.arituciini§ ksrLllzxis Z7. m. Z0. fee. LrAv i^lilucio l-unX visg ^ullrslis. i.m. zi. sec. Lemicksm. Solls. is.m. s. sec. l-un«. is.m. 14. sec. ^MLAsrum 8emiää. Zi. m. 19. ftc. 8crupul3 tlsllcicnriL 29. N 1 . 4s. fee. woraus zuschlieffcn Ware, daß die Sonne werde II. Zoll und so. nun. verfinstert werden. Nach seinen auf die Isbuks koöolpkinas und pkilolsrcsr kal- ilLiäi gegründten velleirs ^üronomicis wird die Sonne auch bis anf k. Zoll verdecket. Nach denen U^porkellbus k.rccio!i sb Lrroribus smsnueriüs, sur correölix kam die conjunttio v«rs um 10. Uhv 18. fee. in den si.gr. IZ. m. des Stiers. parsllaxrs l^onZiruZinis 9. M. conjunLiio visg auf9. Uhr s 6 .m. indem 21. gr. 12. m. des Stiers. Auf welche Zeit b.ocus Noäi gefunden wird im 14. gr. zs. m. des Stiers. Hiemit UllisMiL l^uminarium L bloclo 6. gr. Z7. m. L.sriru6o bringe vcrs Loreslls. c>. gr. Z4. M. 14. sec. ksrallaxis l.z- liwllinis. 0. gr. Z4. m. 48. sec. folglich L.SMU60 Visa ^uitrglis 0. gr. 0. m. Z4. fee. Semiillsm. L.UNL sppsrens. 0. gr. r6. m. 0. sec. Solls Lppsr. Is.m. Z8.sec. 8emidc!. Zl.M. Z8. ftt. Scrupula Neüciemig Z i. M. 4. ftc. I' Theil. Lll wor-^ 4so ErzehlunA feltsainer ITlatur-Geschkchten woraus zu schlteffen war/ daß die Grösse der Finsterniß werde auf n.Zoll komme«/ folglich von der Sonne nichts mehr übrig bleiben als Zoll. Welches mit der Erfahrung am besten zugetroffen/ und folgbarauch die bhpoMclm Xepleri, und kicciou, oder Hllronomism ejus reiorMZiam höchstens recommendirt. Nun wende ich mich zu Erzehlunq derjenigen Nsturverände- rungen/ welche währender sonderlich völliger Verfinsterung bey uns wahrgenommen worden/ und eigentlich alles das zusammen fassen, so bey oben erzehlten rr. Lciiplwus ceniraiibus bemercket worden. Weilen die gerad einfallenden Sonnen-Strahlen uns gänzlich durch des Monds Zwischenkunft benommen worden/ welche vorher unsere Halbkugel beleuchtet/ und einen hellen Tag gemachet, so ist bald zu erachten/ daß unsre Luft- und Dunstkuget hat müssen ihren Schenk (der umso lang währet/ als dessen Mutter, das Licht selbst, würcket) verkehren, eine nächtliche Dunckelhctt erfolgen, und die Sternen zum Vorschein kommen, wie denn würcklich 7. grad gegen Aufgang gar schön gesehen worden, die Venus jm 28. gr. des St., rs. gr. gegen Aufgäng der Kiei-curius ilarion^ius, in dem 7. gr. des Zwillings, io. gr. über den Horizont von Aufganq gegen Mitternacht der Jupiter, im 24. gr. des Krebses, und etwan 2. gr. von der Sonne gegen Mittag der Burnus, im 22. gr. des Stiers, nebst vielen Ftx-Sternen von der ersten Grösse, so damalen über unserm Horizont gestanden. Es wäre diese Verduncklunq noch stärcker gewesen, wenn nicht unsre Augen vorher von dem hellen Sonnen- glanze geblendet gewesen wären, welches denn verursachet, daß alles, was wir um ro.Uhr angesehen, nicht so fast schwarz, als gelblicht, oder gelbschwarz uns vorkommen, welche starcke Eindrückung des Lichts in unsre Äugelt uns verhindert, -aß wir nicht den ganzen gestirnten Himmel, wie zu Nacht, sehen können. Und sehen wir all- hier gleich als im vorbeygehendie allmächtige Weißheitdes Schöpfers, daß durch Mittel der Dichte unsrer Dunstkugel, und durch zwischen kommende Abend-und Morgen-Demmerungen, die Nacht sich gemächlich in den Tag verändert, und dieser auch also stuffenweise in die Nacht ausgehet. Ist also aus jczt gegebnen Grundsätzen leicht zu ermessen, daß die Menschen und Thiere erblinden mußten, wenn -er helle Tag sich plötzlich in eine finstere Nacht, oder diese in jenen verwandle» solte. Gleich des Gchweiyerlandes. Gleich wie wir von der Sonne/ als einem reichen Schatzmeister, Licht und Schein haben, also fliestet auch aus diesem unerschöpflichen Brunn der Güte Gottes die uns Menschen und ändert) lebhaften Geschöpfen so hoch nöthige Wärme. Folglich, wo die Sonne mit ihren Strahlen nicht hinlanget, spuret man eine Abwesenheit der Wärme, oder mehr oder weniger empfindliche Kälte, dessen die Nacht ein alltägliches Beweißthum ist. Es sol fich denn niemand über der frischen Kälte verwundern, welche währender größten Verduncklung gespüret worden, und um so viel empfindlicher gewesen, weilen sich da eine urplötzliche Aenderung »b uno exrremo sci aiiuä zugetragen, von grosser Tagswärme zu schneller Nachtkälte, welche unsre vorher durch die Wärme eröffnete Schweißlöcher plötzlich zugestopfet, den Laust des Geblüts in Unrichtigkeit gebracht, die Hauptzäscrn zusammen geschrumpfen, und den Reisenden Anlaß gegeben, die Handschuhe hervor zu suchen und anzuziehen. In der Luft- und Dunftkugel (ürmoipkLrs) haben fich ver- schicdne andre mcrckwürdige Aenderungen zugetragen. Diese war auf unserm ganzen Horizont seit Aufgang der Sonne in eine Dün- nuna gebracht, wodurch fie weiter in die Höhe und Breite ausgedehnt und die wäßrige Dünste durch mitwürckende Kraft der War- . me solchergestalt aufgelößt und zertheilt worden, daß man weder von Regen noch Thau etwas mercken konte. Nachdem aber die über unser Schweizerland stehende Luft in den Schatten des Monds kommen, hat sie sich wiedrum eingezogen, verdicket und find die Was- serdünste so nahe zusammen kommen, daß sie in Mitten der Verfinsterung, unter Beyhülff der Kälte, fich in würckliche Tröpflein versammlet , welche Kraft ihrer Schwere in Gestalt eines Thaus zu Boden gefallen. Dieses kalte Thau hätte sich, nach gemeiner Aussage der Baursleuten, bald, wenn die Verfinsterung länger gewähret hatte, in einen Reisten verwandlet, der den Erdgewachsen um so viel schädlicher gefallen wäre, weilen dero Gänge und Löchlein durch vorhergegangene Wärme eröffnet, die Blätter und Blumen ausgespreitet waren. So daß wir -ißsals Ursach haben der Güte Gottes demüthigsten Danck abzustatten, daß nach seiner allerweiseften Vorsehung dergleichen völlige Sonnen-Finsternissen nur etliche Minuten währen, viel länger aber die Monds-Finsternisseu, vor welchen wir «ns nicht so viel zu förchten haben. Unter 4?r Erzeblung seltsamer N'arur- Geschichten Unter den Thieren beobachtete man währender völliger Son- mnbedeckung verschiedne Aenderungen. Die Vöqel flogen auf, als ob sie in ihre Ruh wollen, und begaben sich würcktich in ihre Nester, oder, wo sie den Weg verfehlet, putschten sie hin und wieder an den Häusern an. Die Fledermäuse hingegen liessen sich hervor, und flogen umher. Das vierfüßige Vieh auf den Wcydcn stellte sich zusammen , und rüstete sich zum Heimweg. Die Pferde, so auf der Strasse waren, stunden still, oder waren anders nicht, als mit Gewalt fortzutreiben. Der Fischen halber bemerckte man in unserm Zürich-See, daß sie sich oben auf gelassen, und in grosser Menge auf der obern Fläche des Wassers einhcrgefchwummen, etliche auch ausser das Wasser in die Höhe gesprungen, so daß man sie gleichsam mit Händen hätte fangen können. Diese Begegniffen sehen die Schul-Le-rcr als vernünftige Bewunderungen über eine so seltsame Natur-Geschicht an, wir lassen sie auch in ihrem und solcher Thieren Gehirne würckliche und solche Vermmftschlüsse, von Entgehmig der Gefahr, Ausweichung der Nachtschrecken rc. machen, an welche kaum auch die klügsten unter uns Menschen gedächten, und sehen die ganze Natur an, als eine von dem allweisen und allmächtigen Schöpfer verfertigte Kunst-Uhr, in welcher alles sich richtet und beweget nach denen von ihm vorgeschriebnen Besätzen, aber ohne Verstand, in welchen auch selbst unsre vorhabende Thiere als so viel Kunst- Rädlein anzusehen sind, die sich nach dem Gewalt der Feder, oder angehängten Gewichten bewegen. Diejenigen Vögel, welche des Tags umher fliegen, haben eine hierzu bequeme Gestaltung aller ihrer Theilen. Die zarte Gestalt ihrer Augen ist so künstlich eingerichtet, daß des Tages-Licht ihnen eine nicht zu starcke und mich nicht tu schwache Eindrückung machet, und sie dabey ihrer Nahrung nachgehen, und andre ihnen nöthige Verrichtungen ausüben können. So auch werden ihre Geister mit dem Geblüte durch der Sonnen Licht und ausgetheilte Wärme in eine ihren Verrichtungen anae- mäffene Bewegung gebracht, daß alles an ihnen lebt und schwebt. Wenn nun an dem hellen Mittag diese Urquell ihrer Wärme und Bewegung, die von der Sonne auf sie geleitet wird, plötzlich an ihrem Ausfluß gehemmet wird, so stehet die Wasser- Blut- und Gei- ster-Mühle, oder Haut-Fleisch- und Bein-Uhr still; in ihre Augen kommet eine so starcke plötzliche Dunckelheit, welche ihnen die Nacht vorstellet, und bey welcher sie zu andern Zeiten sich zur Ruhe de- geden, des Schwekyerlandes. 47Z geben . da denn diese Retirade der Vögel meines Erachtens ganz anders anzusehen ist, als der Menschen vernünftige Berathschlagung, in der Dunckelheit sich nach Hause zu begeben, oder vor dem Regen unter das Dach zu kommen. Die Nachtvogel hergegen haben eine so zarte Gestalt ihrer Augcntheilen, daß sie das helle Licht der Sonne und des Tags nicht vertragen können, sondern zu ihren Verrichtungen an dem ihrem Gesicht angemäßnen Nachtschcin, bey dem sie denn sich aus ihren Nestern und Holen hervor machen, genug haben. Die vierfüßige Horn-und andre Thiere wissen gleichfalls ihre Feie, das ist, ihrer Leiber Gestalt richtet sich auch nach der Gewohnheit bey einbrechender Dunckelheit, entweders indem Stall zu seyn, oder nach Hause zu kehren. Wahr ists, daß viel von ihnen auch Nachts sehen; hier aber ist zu bemercken, daß aufden hellen Schein plötzlich eine Versinsterung eingebrochen, und in solchem fall denen Thieren begegnet, was uns Menschen, oder ihre Augen solchergestalt geblendet worden, daß sie die vorkommenden Dinge nicht wol, wie sonst in gleichem Grade der Dunckelheit, sehen können, daher denn die Pferde zum Stillstehen bewogen worden. Der Fischen halber gibt es mehrere Schwierigkeiten. Diese stiegen in dem Wasser, gleich wie die Vögel in der Luft schwimmen, wiewol jene in einem dickern, diese aber in einem dünnern Element. Und ist zu wissen, daß die Fische mit dem Wasser vornemlich durch Mittel ihrer von Luft ausgedehnten, in dem Leibe liegenden Blase in einem Gleichgewicht stehen. Ziehet sich diese um etwas zusammen, so fahren sie in die Liesse, dehnet sie sich aber wiedrum aus, so schwimmen sie übersich. Zu solchen Bewegungen nun trägt die Beschaffenheit der äußern Luft in Ansehung der Warme, Kälte und Drückkraft vieles bey, welche sich an den Fischen, gleich als an lebendigen kz- romerris oder Wetter-Gläsern, zeiget, deren sich auch die Fischer zu ihrer Prognosticierunq zu bedienen wissen. Was nun unsre vorhabende Beschicht betrifft, kan man derethalber in folgende Gedancken gerathen, daß die in währender Verduncklung vermehrte eisttische Treib - und Drückkraft der Luft init solchen Kräften in die Luftbläslein hineingedrungen, und selbige also ausgedehnet, daß dadurch das Gleichgewicht zwischen dem Wasser und den Fischen aufgehoben, und diese obenauf zu schwimmen veranlaset worden. Es ist aber auch das bey den Fischen zu bemercken, daß sie die schnelle, uns Menschen Lll z auch 454_ Erzehlung seltsamer Nalur-GeschLchren auch unempfindliche Veränderung -er Wärme und Kälte nickt wol ertragen können, sondern gar bald und leicht dieStärcke ihrerZäscrn verliehren, und der Luftblase Ausdehnung zufolg obenauf schwimmen müssen; welches ihnen etwan widerfährt, wenn fievon einem kühlern Brunnen in einen wärmern, oder von diesem in jenen übergetragen werden, (r>) Bis hieher haben wir vernommen, was vor Aenderungen Kch in der Natur in währender grösser Verduncklung der Sonne zugetragen haben. Nun wollen wir Wetters forschen, was darauf folgen möchte. Hier müssen wir auf eine Seite diejenigen setzen, welche entsetzliche und Land-verderbliche Zeiten, sowol in Ansehung der Natur als Policey, mit Schrecken erwarten, und aus einem von der Finsterniß angezündeten Eifer vorsagen; auf die andre Seite aber die, welche aus natürlichen Gründen weder gutes noch böses aus dieser sonst natürlichen Begebenheit vorsehen. Jene halten es mit den alten und neuen Heyden, und unwissenden Schul-Lehrern, denen Vergleiche seltsame Natur-Begebenheiten Ominös vorkommen, und bringen einen gantzen Rodel alles deßjenigen Unglücks, so auf dergleichen völlige Finsternissen erfolget!, und theils oben erzehlet worden. Diese sehen lieber durch die Fern-Gläser ihrer mit /ulronomi- schen und pdysicziischen Wissenschaften eingefaßten Vernunft, als aber durch die finstere Gläser unbegründtcr Vorurteilen. Und winken solche Begegnissen bey ihnen vielmehr heilige Freuden, weilen sie daraus die unwandelbare Wcißheit des grossen Gottes sehen, welcher sein Himmel- Sternen - und Erden-Gebäude noch immer erhaltet, nach Venen von ihm selbst aus freyem Willen eingeführten Gesä- zen, und würden erst dennzumal erschrecken, wenn diese Natur-Ordnung (n) Wir Menschen sehen bey Erscheinung derSonnen.Finsternissen such nicht leer au«. Der hochberühmle Laco 6c Verulamio ist bey solcher Zelt en Ohnmacht gesuncken. Mein werther Freund ^nronius Vallirneri H1e6. O. und Pros. tn^astua, schreibet mir vom is.Jun./ daß er an seinem eignen kräncklichru keib merckltche Aenderungen / Mattigkeit / Zitiern und Fröste der Glieder / nebst einer Milchen Grmüthr'Traurigkeit gefpühret habe/ da doch dort noch von der Sonne übergeblieben. Der gelehrte K^mar-inus bereuget/ darr bey denen Patienten gantz ungleiche Abänderungen de« Pulse« wahrgenom« wen habe. So svl auch da« Quecksilber tm karomcrro sich um etwa« nach gerndigter Finsterniß gesenckel haben/ und hingegen dq« l'kcrmomctrum um l o. Grade höher gegen der Kalte gestiegen seyn. * des Gckweltzerlanbes. _ 4ss nung unterbrochen, und eine auch völlige Finsterniß zu ihrer bestimmten Zeit nicht gesehen würde. Sie gestehen und wissen, daß m der Welt innert einem kleinen Jahr-Begriff namhafte Aenderungen im Krieg und Frieden, in grosser Herren Geburt und Tod, in Niederlagen und Siegen, Belagerungen und Einnehmungen gewaltiger Vestunaen, Theurung, und andre dergleichen Sachen mehr vorfallen, können aber nicht glauben, daß sothane Sachen von den Finsternissen herrühren, oder proAnolKort werden, solang man ihnen iclem per >6em probirt, oder keinen natürlichen Zusammenhang zwischen demZeichen und dem bezeichneten zeiget. Wie lächerlich wäre es, wenn einer aus der letzten Sonnen-Finsternißden bald erfolgenden Tod des jetzigen Königs in Franckreich, ^uäovici x»v. schließen wolte, weilen auf die völlige Sonnen-Verfinsterung, so Anno 84a. den 2. May gesehen worden, auch Luäovici en, Anno 878. i-u- (lovici Lzibi. und auf die Anno l s6o. der Tod krsncilci erfolget. Und doch hätte ein solch proZnoMcon ein mehrers Fundament, M viel andre, weilen da die Gleichheit des Monats, Namens, und dreyer Königen Exempel, und noch überdiß -es annoch lebenden Königs eignes Sonnen-Sinnbild übereintrifft. Oder, wer wolte so kühn seyn» und den Tod des jetzigen Papsts Oememis Xl. vorsagen, weilen auch auf die Finsterniß 1187. Orbznus gestorben. Oder, wer wolte so frech seyn, und sagen, daß die jüngst geschehene Entse- zung der belagerten Stadt Barcellona in Catalogne, und vorge- gangne Schlacht bey Tirlemont, und davon abhängenden kevom- rionen in Spanien und denen Spanischen Niederlanden, von dieser Finsterniß wären vorbedeutet worden, obgleich diese Streiche empfindlich , und die darauf folgende Aenderungen sehr groß find. Wir unserseits wollen nicht klug seyn über das, was fich klug zu seyn gebühret, nicht mehr sagen, als wir wissen zu ergründen, aber auch solche Finsternissen als vernünftige Menschen ansehen, und hieraus, wie aus allen andern Geschöpfen, denjenigen Welt-Monarchen erkennen, bey dem keine Veränderung noch einiger Schatten der Abwechslungist, und seine allervollkommensten Eigenschaften verehren: unter andern, auch seine preißwürdigste Weißheit und Güte darin bemercken, weilen wir aus genauer Wahrnehmung solcher Verfinsterungen den sonst uns Menschen verworrnen Lauffdes Gestirns lernen und verbessern; auch allen Städten und Landen der Erde auf der Kugel, oder Charten, ihre rechten Plätze, aus Erfindung der Länge eines 456 Erzehlung seltsamer Natur-Geschichten eines jeden Orts geben; und die sonst hie und da zerrissene ckrono- loxie oderZeitrechnung flicken und ausbessern können. Ich geschweige des politischen Nutzens, welchen aus der Wissenschaft von Finsternissen ein l'ericies gezogen, der seine bey Anlaß einer Sonnen-Fin- sterniß in Schrecken gerathene Soldaten durch artige Verglcichung eines überfein Angesicht gezognen Mantels wiedrum aufgemuntert; Ein vion, König in Sieilien, welcher sich dieser Wissenschaft zu Eroberung der Stadt Syracusa bediente; Ein SuiMuz Osiius und vrulus zu Besänftigung der pöchischen Militz; Ein Lkrillopkorur Kolumbus zu Erhaltung alles dessen, waserA.1493. von denen Einwohnern ^msicL begehrt hat. Von einer Seuche/ welche in diesem 1706. Jahre unter den Gemß-Thieren gewesen, so) sZS ist bereits oben Bl.67. und ff. ein historischer Bericht von ^ der Gemß-Thieren Festigkeit, Läckinen, oder Gulyen, Jagd und Lebens-Arr gegeben worden, und ist nichts mehr übrig, als die Materie von den sogenannten unbekannten Gemß-Aallen oderRugeln, welche ich dem geehrten Leser darstellen werde, nachdem ich etwas wenigs von einer Seuche werde gemeldet haben, welche im vergangnen Frühling dieses lauffenden Jahrs gar viel Glarnerische Gemse sol beschädigt und getödtet haben. Diese ArtTbiere haben, wie aus obigem zu ersehen, eine mühselige Lebens- Art, sie sind vor ihren Aufsätzern nirgends sicher, ausser im Winter, da ihnen zwar nicht beyzukommen, sie aber mit dem Hunger und Kälte zu streiten haben. Und gleichwol leben sie unter beständiger Bewegung durch, und über gefährliche Klippen, in fortwährender Gesundheit, ausser, wenn sie auf ein hohes Alter kommen, dasiedcnn krätzig und schäbig werden. Eine solche, und zwar schwere, fast aus- säMe (0) Diese Blätter hätten schon oben Bl.74. sollen eingerückt werden, weil sie aber vergessen worden, so kan der Leser selbst an beweibtem Orte eine Andeutung davon thun. _des Gchweiyerlandes. 457 fähige Raub hat diefts Jahr nicht nur alte Thiere, sondern auch viel junge, sonderlich in dem sogenannten Freibery, getroffen, welcher zwischen dem grossen und kleinen Thal, oder zwischen der Lint und Sernft lieget, und bald das einige ähium. Fluchthauß oder Frey- Hadt im gantzen Schweitzerlande ist, dahin sich die Gemß-Thicre, ohne Gefahr täglicher Aufsätzen, begeben können. Auf diesem Freyberge hat man diß Jahr hin und wieder todte Gemse mit aussätzigen Hauten liegen- gefunden, und nehmen die Jäger hierüber Anlaß, ihre aus -er Erfahr»,ng gelehrte verschicdne Gedancken walten zu lassen. Einige wollen, daß diß nicht eine besondre Kranckheit gewesen sey, welche die Thiere aufgerieben, sondern sie haben das Unglück gehabt, in Lauwen eingewickelt zu werden, da sie denn nach Abgang -es Schnees durch eine entstandene Fäulung an der Haut so kratzig, und von den Wärmen durchfressen worden seyen, wie man sie angetroffen. Andre geben die Schuld den zamen Griffen, so auf dem Serge gewendet, und sagen, daß diese hie und da unter den Felsen, oder in andern Lagern, gewisse Theilchen von ihrer Raud auf der Erde und im Grase abgelegt, und hinterlassen haben, welche denn die Gemse, so dorthin zu weyden kommen, angestecket, wie denn bekannt, daß sich diese schäbige beißende Kranckheit gar leicht mittheilet, wie unter uns Menschen durch das Gelieger, oder Anrührung der Hände rc., geschiehet. Endlich gibt es solche, die diese Raud Beschicht als eine Seuche ansehen, so sich unter den Gemß-Thicren diß Jahr aus besondern natürlichen Ursachen eingefunden. Sie sagen, daß die Schulder ungleichen Jahrs-Zeit zuzumessen sey, da wir zu Anfangdes Frühlings eine leidentlich-warme Witterung gehabt, worauf eine neue und härbe Kälte erfolget. Bey jener haben die Gemse ihrem Gebrauch nach ihr schwarz zottlichtes lang-haarichtes Winter-Kleid abgeleget, nachdem aber ihnen diese Winter-Haare ausgefallen, und eine härbe Kälte erfolget, habe hierdurch d»e kahle blosse Haut viel müssen ausstehen, die Ausdämpfung durch die Schweißlöchlein sey verhindert, und die Haut selbst also m ihren Zäsern eingeschrumpfen worden, daß sie hin und wieder Spälte geworffen, in welche ein von den Haut-Drüsen abgesondertes zähes Fließ-Wasser sich ausgeleeret, an kalter Luft verdickert, und in aussätzige raudichte Bückelein auf- geworffen habe: worauf denn der Creitzlauffdes Geblüts gehemmet, alle Säfte nicht nur in unordentliche Bewegungen, sondern auch saltzichte vilpoimon gebracht worden, so -aß aus jezt erzehlten Ur- l. Theil. Mmm fachen 458 Erzehlung seltsamer lTkamr-Geschichten_ fachen Fieber und andre schwere auch tödtliche Kranckhciten wol haben entstehen können. Es bekräftigen dieses Urtheil auch die Murmelthiere oder Muncken, deren viele dißJahr an gleicher Kranckheit tod gefunden worden seyn sollen. Von den Gemß Ballen. ÄMS haben diese in Gemß-Mägcn befindliche Kugeln so grossen Ruhm in der Welt erlanget, daß man fie aus dem Schwei- zerlande in alle andre Europäische Länder verschicket, und 6eorß. »ieronymus Vellckius, I^lecl. o. zu Augspurg, ihnen zu Gefallen ein qantzes Buch geschrieben, welcher fie auch mit einem neuen Namen L^agropiii tüuffet, der so viel heiffet als da bey Ogpiano eine wilde Geiß, oder Gemse heiffet, aber eine runde aus Kräutern gemachte Balle, oder Kugel. Solisten nennet mau diese Gemß-Rugel auch L^oar Lermsmcum, wegen der Kräften, mit welchen fie dem wahren -Steine sol zukommen. An Gestalt find diese Kugeln rund, oder ablang-rund, an Farbe schwarz, oder grau, an Grösse einer Hasel-Baumnuß, einem Hüner- oder wiewol selten einem Ganß-Ev gleich, inwendig bestehen fie aus lauter Wurtzen-Zäsern von kräftig gewürtzten Alp- Kräutern zusaminen geflochten, wodurch fie fich von den sogenannten Hacrr-BaUen unterscheiden, welche man irr denKalber-Ochsen- u»ld Vftrde-Mägen findet, und aus solcher Thieren Haaren in einer Kugel-Gestalt zusammen gewickelt find, auswendig haben sowol diese als jene mehrmalen eine schwarze, oder braune, mehr oder weniger harte Rinde. Ich habe auch aus Pündten vor wenig Jahren die blossen iu einem Gemß-Maqen aefundnen, und noch nicht in eine Kugel zusammen gerollten Wurtzen-Zäsern bekommen; von denen ich aber noch nicht gewiß sagen kan , ob sie von den sogenannten Gcmß- oder Mutter-Wurtzcn, oder andern dergleichen Krautern seyen. Denn es ist bekannt, daß diese Thiere auf den höchsten Alp-Spitzen, da die edelsten Pflantzen sind, und des Sommers zwar das Kraut selbst abetzen, in Winter-Quartieren aber die Wnrtzcn aus Mangel der Nahrung aus der Erde hervor zu scharren genöthigt find, da sie denn, wie ich davor halte, fich gar leicht, unter beständiger Bewegung und Zusammenziehung der Magen-Häuten können übereinander wickeln, und eine Kugel formtreu, welche vermittelst des Magen- Schleims je mehr und mehr fest zusammen haltet, so daß sie Anfangs zwar des Gchweiyerlandes. 45- zwar weich ist/ und sich leicht zertheilen läßt/ nachmals aber unter Veyhülffe der zusammendrückenden Kraft des Magens in eine harte mit einer Rindeumgclme Kugel sich bevestigct/ welche dnm die Thiere ihr Lebcnlang / und zwar zu ihrem eignen Unglück tragen müssen, dann gleich wie unsre Metzger bemcrcken/ daß dasjenige Horn-Viehe, welches Haar-Balben bey sich hat/ nicht wol zunimmt/ sondern an Fleisch je mehr und mehr abnimmt; also berichten auch die Gcmß- Jäger, daß die mit Kugeln versehene Thiere alle mager sind, zwei- ftlSohn daher, weilen dergleichen Gemß-Ballen, so lang sie in dem Magen sich aufhalten, dessen Kochkraft verhindern, so daß ein schlechter Nahrungs-Saftkangezeugct werden, oder, weilen die durchdringende, so zu reden gewürtzte, oben schon gerühmte LeroLräisthe Kraft der Gemß-Kugeln, den Nähr-Saft gar zu sehr verdünnert, daß er sich nicht leicht anheften kan. Es kan auch seyn, daß dergleichen Gemß-Ballen die beste Kraft des Magen-Hebels und Schlenns an sich ziehen, und auch dadurch die Däuung mercklich verhindert wird. Fraget man von dieser Gemß-Kugeln Nutzbarkeit, so dienet zurAnt- wort, daß sclbige theils von dem Magen-Hebel selbst, theils und sorr- derbar von denen Kräutern und Wurtzeln, aus welchen die Kugeln bestehen, kan hergeleitet werden. In Betrachtung dessen läßt sich wol sagen, daß sich in den Gemß-Kugeln viel stachlige gewürzte durchdringende Theile finden, und folglich grosse Kräfte das Geblüt zu Verdünnern, die Verstopfungen auszulösen, die Zäsern des Leibs zu stärcken, darin liegen, ja man kan, wie es gemeiniglich bey dergleichen seltsamen und köstlichen Mitteln geschiehet, die Kräfte dieser Kugeln vor allgemein ausrüsten, als ob sie dem gantzcn Leib und allen dessen Theilen dienlich und vortrefflich heilsam, folglich in den Zuständen des Haupts, der Augen, der Lunge, des Hertzens, des Magens, Leber, Nieren, Mutter, Nerven und andrer Glieder mehr zu gebrauchen wären. Es läßt sich, sage ich, solches wol sagen und schreiben, wie denn VcilcMus einen langen Rodel von gar vielen Zuständen des menschlichen Leibs hat, in welchen die Gemß-Kugeln dienlich seyn sollen: Aber, wenn man von dem Gebrauche selbst, oder der Praetie, wil reden, so thun sich erst denn die Schwierigkeiten hervor. In Diseoursen und Schriften lassen sich die schwersten Kranck- heiten, die fallende Sucht, allerhand andre Gichter, Wassersucht, Schlaafluß, rc. curiren, aber nicht allezeit in der That. Beneben, wenn man die Seltsam- und Köstlichkeit der Gemß-Ballen, auch die MmmL Ver- 46s Erzehlung seltsamer N^mr-Veschichten fchiedenhcit derselben in Ansehung des Alters und der Wurtzeln selbst, aus denen sie bestehen, bedencket, so wird man bald sehen, daß sie nicht nur nicht eine allgemeine Artzney abgeben können, sondern bald niemand als den Reichen zunutz kommen, zugeschweigen, daß diese Kugeln mehrmalen alt, und etliche Jahre gelegen, hiemit ihre meiste Kraft verlohren haben. Wenn mau endlich andre auch wolfcilere, aus denen drey Reichen der Natur genommene Schweiß-trcibende, Blut-verdünnernde, Herz-ftärckende, dem Gift widerstehende Arzney- Mittel neben die Gemß-Kugeln haltet, so wird man leicht gestehen, daß wir die Gemß-Kugeln gär wol entbehren können, gleich wir auch heutigs Tags des k-roar. und andrer kostbarer, aus Ost - und West- Indien herkommender Mitteln mangeln. Um so viel weniger ver- dienctdie vermeynte festmachende Kraft der Gemß-Kugeln angerühmt zu werden, die doch denn und wenn von abergläubischen Officie- rcn und Soldaten mit vielem Gelde bezahlet werden. Es ist dieses eine so thörichte Einbildung, daß sich billich zu verwundern, wie eS Leute von Verstand geben kan, welche sich einbilden können, daß ein aus Haut und Fleisch zusammen gesetzter Leib durch blosse Tragring der Gemß-Kugeln der natürlichen Gewalt des Degens, Messers, Kugeln, und andrer verletzender Dingen widerstehen könne. Noch eher liesse sich von der Sache reden, wenn ein in Streit oder sonsten gefährliche Oerter gehender Soldat etwas von der Gcmß-Kugel in Form einer Arzney einnehmen würde, um so vielmehr, wenn der Jäger Aussage wahr, daß diejenigen Gemß-Thiere, welche Kugeln in ihrem Leibe tragen, fest, oder wenigstens so harten Lebens seyen, daß sie kaum mit vcrschiednen Schüssen umzubringen, wovon oben bereits p»8- 67. etwas gemeldet worden. Es ist aber auch darauf nicht zu gehen, und ist, im Fall der Gemsen Festigkeit wahr wäre, noch ein grosser Unterschied zwischen ihnen und den Menschen. Sie haben, wie bekannt, eine zähe, feste, dicke Haut, an welcher eine auf sie los qeschoßne Kugel leicht abschlipfen, oder wenigstens so viel von ihrer Kraft verliehren kan, daß sie gantz matt in den Leib kommt. Ucberdiß nehmen sie nicht etwan einige Gran oder Scrupel in sich, sondern beherbergen gantze Ballen, von denen folglich eine mehrere Würckung in ihren Leibern entstehen kan. Andrer Gründen mehr zu geschweige«. Noch eins ist von den Gemß-Ballcn zu bemercken, daß sie nicht in allen Gemsen, und auch nicht in allen Gebirgen angetroffen oder gezcu- _ des Scbwekzerlandes. 461 aezcuget werden. In demThal Maroz in Pündten haben die Gemse, so auf mittnächtiger Seite der Bergen leben, fast alle ihre Ballen: die hingegen keine, welche sich gegen Mittag aufhalte», da die Sonne wenig hinscheinet. Dessen berichtet mich Hr. )äc. »icenninug, treueifriger Diener Göttlichen Worts zu SoZiic» den 18. August 1720. Gleichfalls in Rbeinwalder-Gebirgen haben die Gemse gegen Mitternacht (ich verstehe an derjenigen Berg-Seite, so gegen Mittag zwar lieget, aber gegen Norden siehet) kerne Ballen, und die gegen Mittag alle, auch Gitze, die nur z. Monat alt find. Diß schreibet der oft angcrühmte Hr. t.eonlizr6. Lee. zusehen. Die Dähnen, Schweden, und andre an und um die Ost-See liegende Nordische Völcker, sind zu allen Sachen fähig, wenn sie ihre im Schleim steckende Geister wollen aufmuntern, und durch die Uebung die Durchdämpfung ihrer Leiber befördern, wie sie denn in der zum Krieg nöthigen Starcke und Herzhaftigkeit sich zu allen Zeiten gezeiqet, sonderlich in den mittlern Jahrhunderten, als sie unter dem Litul der Gothen fast gantz Europa überschwemmet, und unter ihr Joch gebracht, unter Gustav Adolph, bis znm Ende der Deutschen Landen durchgedrungen, und auch dieser Zeit, unter einem dapfern König von dessen Nachkömmlingen, gewaltige Bewegungen in Norden verursachen. In Künsten und Wissenschaften üben sich diese Völcker heutigs Tags so trefflich, daß es scheint, die xiinervz, wie sie aus Asien allgemach in Griechenland gewichen, von dar in Italien, von hier in Franckreich und Spanien, sich jezt in den Deutschen und angräntzenden Nordischen Landen niedergelassen habe, wie dessen insonderheit die diova i^ireraria Klans Lalrlrici , so zu Lübeck seit A.i6s8. herausgekommen, und die Nova taeerana Lerm-niL, welche seit A. i?oz. zu Hamburg gedruckt, und an beyden Orten fortgesetzt werden, Zeugen sind. Die Demschen, zu denen wir auch zum Theil uns rechnen, haben, wenn wir den ausländischen, und sonderlich Frantzösischen Scribenten, als einem Johann Bodin, Joseph Scaliger, Cardinal Perronius, Dominicus BouhourS, und andern mehr Glauben zustellen, dumme Ingenia, und grobe Sitten in groben Leibern, und muß die Deutsche Nation es vor ein grosses Glück halten, daß Adrian Lsiiiec jn feinen )ugemens Ues s^avans denen Deutschen eine Fähigkeit zu grosser Gelahrtheit zuschreibet, wenn sie durch langwährende Gedult die Arbeit wollen darüber gehen lassen. Es haben diese unwahrhafte Zulagen, zur Beschämung unsrer Ge- genpart, Markos, Schurtzfletsch, Lramer, Kicksy, und andre mehr widerleget, und deutlich erwiesen, daß der Deutschen Verstand nicht Nnn z im 470 Erzehlung seltsamer t^lamr- Geschichken _ im Rücken, sondern im Gehirne seinen Sitz habe, und ihre sowol hohen als niedern Schulen keine Esel zu Lehrern haben. Ihre herrlichen Schriften wachsen nicht in einer Nacht auf, gleich denen Pfifferlingen, sondern kommen sie säur an, weilen sie, ihr zu überwinden, die Mühe mit Gcdult über alles gehn: lassen, was sie sowol in Künsten als Wissenschaften, zu Kriegs - und Fricdcns-Zeiten, unterfangen. Unsrer Gchweitzerischen V7ar,on gehet es noch schlimmer, und würden viele kein groß Bedencken tragen, uns den Thieren zuzurechnen; Unsre Landslcute die Deutschen selbst, und unter denen sonderlich diejenige, welche das Schweitzerland niemal änderst als in den Charten, oder in ihrer Einbildung gesehen, haben von unsers Landes Beschaffenheit gantz falsche Gedancken. 6evrx vcMzrcjiNA in einer Disput, von der gesunden Luft zu Rostock, daselbst A. 1705. gehalten, schreibt von unsrer Schwcitzer-Luft, gleich auch von der Tyrol-Kärndtischen, und andrer Berg-Luft, daß wegen ihrer Ungesund-und Grobheit die Gemüther der Einwohner gantz dumm werden, und wir Schweißer insbesonder eben deßwegen das Heimwehe bekommen; weil wir eine reinere und gesündere Luft nicht vertragen können, gleich denen Widhopfen, welche an den stinkenden Mist gewehnt, anderstwo nicht leicht zunehmen, oder jenem WittenbergifthenHenckers Knecht, dessen SalmuthLenrur r.Obs.? i. gedencket, daß er von einer Ohnmacht, in die er bey Anlaß einer wolriechenden Apotheck gefallen, nicht eher habe können zurcchtge- bracht werden, bis sein Meister ihn in ein Secret gcleget. Wie sich aber diese Gedancken nebst dem, so oben Bl. 66 . und ff. von dem Heimwehe geschrieben worden, reimen, kan jeder Vernünftiger leicht ermessen; und noch mehr die Wahrheit aus dem erkennen, was jezt folget. Richten wir unsre Gedancken auf die koius-Höhe, so sehen wir bald, daß unser Schweitzerland eins von den mäßigsten sey, als welches unter dem 46. und 47. Grade lieget, hiemit fast in der Mitte zwischen 0. Grad, da die Linie ist, und 90. Grad bey dem ?oio, -as ist, zwischen der qrösten Kälte, und der empfindlichsten Wärme. Unsre Luft-Theile müssen in Ansehung der Dünn - und Dichtung seine sonderlich grosse, oder äusserste Gewalt ausstehen. Gehen sie m gröfter Sommer-Hitze unter Tagen auseinander, so ziehen sie sich in den folgenden, obgleich kurzen, Nächten wiedrum ein, und lassen also von ihrer Bewegung stuffenweis nach, so daß allezeit, das gantze Jahr hindurch, innert 24. Stunden die Kälte und Wärme auf eine uns gesunde des Schwekyerlandes. 47 / gesunde Weise umwechseln (q), da hingegen andre Lander entweder längere Nächte als wir, in Ansehung des Tags, haben, wie in dem heissen Gürtelstriche, oder gar zu lange Täge, wie in der kalten ^on. und folglich die Leiber der Menschen grössere Veränderungen von desto grösserer Kälte oder mehrerer Wärme auszustehen haben. Betrachten wir ferner die Situation des SchweitzerlandeS, wie solche insonderheit oben bey verschiednen Anläsen auf der Erfahrung- und Vernunft-Wage abgewogen worden ist, so werden wir ohne viel Um- schweiff bald sehen, daß wir die reinste und subtilste Luft unter allen Europäischen Völckern gemessen. Wir wissen ja, daß unsre Lande den obersten Gipfel von Europa machen, und hiemit andre Lande unter uns liegen; wie kans denn seyn, daß wir die gröbere, und diese die reinere Luft haben ? Ich lasse jedem, der nur ein wenig Vernunft hat, dieses.zu brdencken über, denen insonderheit, welchen aus der Natur-Wissenschaft die Schwere, die Flüßigkeit mit andern Eigenschaften des Luft-Elements bekannt ist; denen denn jezt folgende Gedancken leicht werden zu Sinn kommen. Besitzen die Schweißer das oberste Land von Europa, so wird die aufstehende Luft sie nicht so starck drücken können, wie andre, welche niedrigere Orte umhaben: folglich wird die in ihrenLeibern, Adern und Geblüte sich befindende Luft wenigem Widerstand in ihrer Ausdehn-Kraft (V, eistticz) finden , sonderlich wenn sie von den Thälern müssen in die Höhe steigen, wie denn die höckerichte Lands-Art viel auf- und abwärts steigens er- fodert. Ist dem also, so wird die Bewegung des Geblüts, und aller übrigen Säften und sinnlichen Geister, in deren Richtigkeit unsre Gesundheit bestehet, besser fortgehen, alle Scheidungen der unnützen oder überfiüßigen Theilen einen ungehinderten Fortgang haben, und überdiß die Leiber selbst an Gestalt grösser und starcker werden. Aber auch in solchen grossen, gesunden, starcken Schweitzerischen Leibern können aus jezt gebrachten Gründen dumme und ungeschickte Gemüther nicht wohnen, sondern ins Gegentheil kluge, heitere, zu allerhand Hirn-Arbeit geschickte Gedancken. Diß, was ich bisher angebracht, gehet die Orte der Schweitzerischen Nation insgemein an; denn es ist zu wissen, daß wir unter uns sehr verschieden sind, je nach Beschassenbeit der Orten, Situation der Thäler, Zugang- der Winden und Sonnen-Strahlen, Verschiedenheit der Speisen, Was- (4) S. meine Reiß-Beschreibung Bl. »r/ 24. seltsamer Natur-Geschichten Wassern, Lebens-Gattung, u.s.f., also daß oft in einem Thal ein mercklicher Unterschied ist zwischen denen Einwohnern, so diß - oder jenseits eines zwischen stiessenden Wassers sich aufhalten. Wir wollen nun auch ins besonder dasjenige, was wir insaemein abgehandelt haben, in Form einer gründlichen Zueignung bekräftigen, und erstlich von unsrer Nation Gesundheit reden, in Ansehung der Leiber und Gemüther. Daß unsre Lande wegen Gesundheit der Luft, der Wassern und Einwohnern selbst berühmt seyen, wird jederman gestehen, der uns kennet. Die Bewohner unsrer hohen Gebirgen, und überall unsre gemeine Bürger und Baursleute, sind gemeiniglich starcken Leibs, zu schwerer Arbeit von Kindheit auf gewöhnet, welches denn selbst ihre Glieder noch mehr stärcket, den Einfluß des Geblüts und der Geister in ihre Spannadern und Mänßlein befördert. Sie leben überdiß einfältig, von Wasser und Brot, oder Milch und Milchspeisen, und Früchten, sie wissen nichts von fremden niedlichen Speisen und Geträncken, sondern behelffen sich dessen, was die gütige Natur des Lands ihnen darreichet, und sind deßwegen keinen oder wenigen Kranckheitcn unterworffen, so daß man viele Menschen antrifft, die bis aufdas 82.92. und rooste Jahr, ohne vorhergegangene Kranckheit, kommen. Wenn uns Schweißern ein Zuname, hergenommen von der Lebensart, sol zugeleget werden, so gebühret uns mit bestem Recht der Dtul der Milch-Esser, an statt jenes verächtlichen derRuhmelcker, welchen der Haß benachbarter Deutschen uns zusetzet; denn wir uns, sonderlich in bergichten Landen, meistens der Milch, und daher gemachter Speisen, be- helffcn, und asso annoch die einfältige Lebensart der ersten Menschen zeigen können, v»n denen Oviäius Vsllor. l^ib.4. v. zs. sagt: w.ero veceres uli memorantur, Le Verdis Lponre 6 qug8 lerra ferebar, sir. . Gleichwol ist auch ein Unterschied zu machen, und viele Mißbrauche, welche seit etlich ioo. Jahren zum Nachtheil unsrer Gesundheit eingeschlichen, und je mehr und mehr überhand nehmen, nicht mit Stillschweigenzu übergeben. Viele von unsern Bauren haben diese ungereimte Gewohnheit, daß sie den Magen mit allzu- vielen Speisen belästigen: Sie essen des Morgens, wenn sie aufstehen, oder an die Arbctt gehen, hernach um 9. Uhr, drittens zu Mittag, viertens zu Abend oder Vesper, und fünftens zu Nacht, und allezeit also, daß sie gesättiget werden; wenn denn kaum eine Däuung -er des Schweitzerlandes. 47z der andern mag Platz machen, und der Magen zu beständiger Arbeit angehalten wird, so ist sich nicht zu verwundern, daß, unangeseheu -er strengen Arbeit welche wiedrum ausbauen macht, sich in dem Magen, Gedärmen und übrigem Leibe viele Schleimrichkeiten sammle«,welche zu allerhand Verstopfungen, und daher rührenden Kranck- heiten, Anlaß geben. Ich wil nichts reden von dem, daß diese schändliche viclfräßige Art unsre Leute in andern Landen, wo sie hinkommen, verhaßt macht. Hierzu hilft unsre Gewohnheit, die Kinder zu erziehen, nicht wenig, da wir sie gemeiniglich allzu oft, und zu geschwind, mit Speisen anfüllen, und dem Magen nicht so Viel Ruhe lassen, daß er sich erholen könne. Aus welchem Fundamente gar viele bey uns sich einsindendeKinder-Kranckheiten herzuleiten sind. Irr wolbemittleten Häusern vergnüget man sich nicht mehr mit unsrer Landskraft; fremde Speisen und Geträncke müssen je mehr und mehr ausItalien, Franckreich, Deutschland und andern Landen her-und eingeführt werden, welche mächtig sind unsre Schweizerische Natur nach und nach zu verändern, die Gesundheit zu zerstoh- ren, und allerhand fremde Kranckheiten ins Land zu bringen. Ins besonder haben diß auch die Milchretche Cantons zu bemercken, welchen die fremde Italiänische, und andre Ennetbirgische, Elsäffische Weine die Milch im Magen scheiden, und darauf zu allerhand Kranckheiten Anlas geben. Wie wir in Zuziehung der Kranckheiten wider die Gebräuche unsrer Voreltern fehlen, welche viel einfältiger, als wir, gelebet, und sich mit ihren Landsfrüchten begnüget, also weichen wir nicht wenig von ihrer Weise, die Kranckheiten zu heilen, ab. Man behalf sich ehemal, wie annoch an verschleimen Orten unsrer Landen, derjenigen Mittel, welche das Schweitzer- land selbst hervorbringet: Nun aber lehrnen wir mit fremden Speisen fremde Sitten, fremde Kleidungen, und fremde Heilungs-Manie- ren mit fremden Arzneyen, da in unsern Bergen, Thälern, Wäldern, Wiesen und Aeckern so viele und herrliche Kräuter und Mineralien wachsen, derer Kräfte, wenn sie mit Fleiß untersuchet würden, zur Heilung auch derjenigen Zuständen genugsam wären, welche wir aus fremden Landen, und durch fremde Lebensart, uns zuziehen. Von dieser Materie aber wird anderswo in mehrerm zu reden seyn. Ich schreite fort von dem, was wir seyn sollen und tönten, zu dem, vas wir find, und uns -essen mit Grunde -er Wahrheit rühmen 1. Theil. Ö-o kön- 474 Erzehlung seltsamer dlamr-Geschichterr können. Ich wil wicdrum von der Fähigkeit unsrer Gemüther zu allerhand Künsten und Wissenschaften reden, welche ich voll obbe- schriebner Beschaffenheit unsers Lands, und auch selbst von der starken Grösse der Helvetischen Leiber herleite, zuwider dem gemeinen Sprüchwort, was sich wol leibet, das beseelet sich Übel , so auch dem, was Locknus cie kep. schreibet, daß in grossen Leibern kleine Gemüthsgaben seyen, und hergegen in kleinen Leibern ein grosser Geist, cüm (Corpus Lc lnrelleüus concrario kloäc» stllcisncur, quo msjor eli kujus, edminor eli illius, Lc contra, und deme, was M Ikesaur. polit. ^por. Z0. P3Z. n. stehet: lngeniis Uelveriorum nikil crallius, Niki! pintzuius, nikil inculcius, proelerrim olim. Es ist densemgen, welchen die Historie des Schweitzerlands bekannt, nicht unbewußt, wie klug unsre Regierungen eingerichtet sind, wie wir uns durch unsre Staats-Maximes, nächst Gottes sonderbarer Hülffe, aus den verworrensten und gefährlichsten Geschäften heraus gewicklet, also daß wir nur seit den Zeiten der Reformation, wenig kleine und kurtze Kriege, die wir unter uns selbst geführet, ausgenommen, in gutem Friede sitzen, da indessen die Kriegsflamme um unser Vaterland her zu verschleimen malen heftig gewütet, und bald gantz Europa überschlagen hat; wie ferners nicht nur die, welche an dem Steurrudcr der Regierung sitzen, sondern auch gemeine Leute von Staats-Geschäften zu reden wissen; wie sowol gantze Republiquen, als dero Privat-Angehörige ihr Interesse und Vortheil in Acht zu nehmen wissen; wie unter uns allerhand zu Unterhaltung der menschlichen Gesellschaft dienliche Künste, Handwercke, Gewerbe, Wissenschaften, und in denen allen listige, geschickte und erfahrne Leute sich fünden, welche in Kriegen und an Höfen hie und da zu grossen Beförderungen gelangen. Von gelehrten Männern, welche sonderlich feit den Zelten der Glaubensverbcsserung unter beyden Religionen, sonderlich aber unter uns Reformirten, gelebt und geschrieben, könte ein grosser Rodel ausgesetzet werden, welchen aber hier weder Ort noch Zeit zulasset. Von besondrer Fähigkeit der Veltliner kan 6u- 1er. K.KXC. P3A. 6s. b. l66. gelesen werden. Wahr ists, daß vor der Reformation die Gelehrtheit einen kleinen Raum in der Eyd- gnoßschaft eingenommen: worüber sich aber nicht zu verwundern. Zu den Zeiten der Römer hat unsre Nation mehr die Waffen als die Feder geführt, und also auch in den mittlern Jahrhunderten hat sie so viel Kriea, sonderlich zu Behauptung ihrer kostbaren Freyheit, wider 475 _ des Schwelyerlandes. Wider grosse ausländische Fürsten, und eigne tyrannische Landherren geführt, daß fie nicht Zeit gehabt hat, an anders zu gedencken. Und gleichwol, obgleich vor 220. und mehr Jahren alles in allen Orten der Welt in dicker Finsterniß, so wol in der Gottsgelahrtheit, als andern Wissenschaften/ gelebt, hatte man um A. 840. in derSchweitz zu St. Gallen eine berühmte Schule, aus welcher viel herrliche Männer geist- und weltlichen Stands entsprungen. Es hat auch der grosse Erasmus zu seiner Zeit von der Schweizerschen Nation so gute Gedanckcn gehabt, daß diese in allerhand Theilen der Gelahrt- heit sich wol könte berühmt machen, wenn sie nur von ihrer kriegerischen Art ablassen würde. Uelvekio 8 in Lükeri 8 6c in ccLteriz None- lli 8 ZlucNis exreAie vaüwror, 6 reliälis Lellis kuc Hninrum rrppelie- rent. L-Kilisö.l. Cenrur. VI. 14 . Der Altvater tkippo- crares hat in seinem vortrefflichen Büchlein 6 e ^erc, ^guis, 8c l^ocis. Iexr. 58 . von der Beschaffenheit bergichter Landen ein gelehrtes Urtheil, welches sich auf unser Schweitzerland nicht unfein schicket, und deßwegen wol verdient, hieher gesetzet zu werden: Ubi kexio eil nugz, Uarurä munics, Lc sspers; qurecjue 8c ä kriZore b^berno premstur, 8c 2 8ole sellivo exurstur, ibi ciuros 8c robuttos, 8c ^rci- culis probe 6isjiinäii8, ve^eros^ue 8c kirluros reperias l^omineg, 6c in guibu8 2 digrurs I_,3bori8 loleranriL, ViZilarttiaclue inllr, gnicjue Flores b 2 be 2 Nt pcrringccr, 3cl lrsm procüves , 6c comum 2 ce§, M 2 - xirl^ue keril 2 le pANicipanres, qu 2 M Klanluecucline: insuper gcl ^rre8 eri3M 2 cuciore 8 , 6c plug 5oIerre8, 6c 26 lle8 bellicss Zerenci3s apkiores. (ju^ig 6c omnia, guL e lerra proveniunr, l^err« >pllu8 k§3tur3M re- Lipiunr, 8c sequunrur. Diesen Urtheilspruch Uippocr3l>8 lege ich mit Untermischung etwelcher nöthiger Anmerckungen also aus: Wo das Land offen, gegen allen Winden oder Weltgegenden bloß lieget, und von Natur mtt Bergen wol umgeben oder verwahrt, über das eine grosse Winterkälte und heftige Sommerhitz ausstehet, welches auch in gewissem Verstände von unserm Schweitzerland gesagt werden kan, sonderlich aber den Thälern, welche von Abend gegen Morgen liegen, wie Wallis, Veltlein, re. da in dem Sommer die von allen Seiten -er Berge in das Thal zurückpreüende oder häufig einfallende Sonnenstrahlen eine empfindliche Hitz verursachen, mr Winterszeit aber grimmige Kälte ausstehen müssen. In solchen Landen sind die Einwohner von hartem Leibe, gleichsam qestählet, Aarck, wolgereimter Gestalt, frisch, gesund, rauhhärig; arbeitsam, O 0 0 « gedul- Erzehlung seltsamer t7lamr--Gescbl'chten gevultig, nicht alsobald über der Arbeit vcrdrüßig, sondern beständig, wachtbar, in ihrem Vornehmen und Tbun hartnäckig, Zorn- müthig, mehrwild als zahm: welche letztere Eigenschaften zum theil auch unsrer Nation zukommen, mehr aber den Berg-Bewohnern in warmen mittägigen Landen, da die Geister von Natur erhitzter, und zu zornigen Gemüths-Bewegungen geneigter sind, denn wir Schwerer eher gutmüthig als wild, und unbarmhertzig in Ansehung unsers Temperaments sind. Vornemlich aber schicket sich auf uns, was der grosse ttippocrmes weiters von bergichten Völckern schreibt, daß sie zu Ersinn - und Ausübung allerhand Künst und Wissenschaften sehr geschickt, und zum Krieg, wie wir bald vernehmen werden, tauglich seyen. Alles kommt endlich mit der Lander Beschaffenheit überein, und kau hieher gezogen werden, was derHertzogvon Rohan zusagen pflegte, die Schweiger seyen vor die Berge, und die Berge vor die Gchweitzer. Es hat ehemal )ul'U8 O-tsr selbst über die Grösse der von ihm erschlagnen Deutschen und Galliern, unter denen zwei- felsohn auch Schweitzer gewesen, sich verwundert. ttircius nennte sie miriüca Lorpora, ä Lorpora miniies Lpecie ^mpliruciinegue. ix Leilo ^fsican. b.ib. V. Annoch heut zu Tage sind sonderlich die Bewohner hoher Alpen grosse ansehnliche Männer, in Städten aber, und andern zahmem Orten, wo fremder Pracht und Trachten ein- schleichen, nimmt auch die Grösse je mehr und mehr ab. 0) Und nimmt (r) Von drr LeibeS.Grösse der Schweitzer ist diese Haupt-Requl w mercken/ daß diejenige, welche metstrntheils von der Milch leben / und keinen Wein trincken/ viel grösser/ schöner/ und dem Ansehen nach stärckersind/ als die/ so Wein und weniger Milch trincken. Wenn r- Er. eine Compagnie Züricher» und eine Compagnie Lucerner-Dauern neben einander waren/ man würde sie gewiß nicht vor eine Nation ansehen; der Unterschied ist gar groß/ diese sind meistens grosse/ fette und schöne Männer / jene kleiner/ mager / und beu weitem nicht so schön. Indessen ist ;u wissen/ daß dieWein.Länder Bauern weit tapferer/ stärcker und arbeitsamer sind/ als die Milch-Länder/ ausgenommen/ wenn die Milch-Länder einige Jahre von der Milch weg und in den Wein kommen. Ein gewisser Schweitzerischer Officter/ der in Künigl. Spanischen Diensten viele Jahre ge. standen / sagte mir/ wenn die Schweitzerische Soldaten alsobald aus ihrem Lande sotten in den Krieg geführt werden / so wolle er allemal mit l oo-Wein» Ländern 20a. Milch-Länder schlagen: wenn sie aber beyderseits etliche Jahre aus dem Lande weg wären/ und die Mtlch»känder Wein bekämen/ so wollt er im Gegentheil mit i«,-,. von ihnen mehr als 20s. Wein-Länder schlagen. ES wär« vieler von der Würckung der Weine? und der Milch ru untersuchen/ wenn es hier drr Ort wäre solches zu thun. __ des Schweirzerlandes._ 4 77 nimmt man insgemein wahr/ daß die Völcker/ so sich gegen Norden ziehe»/ als die Deutschen/ Schweden und Dahlien,meistens großleibig, andre hingegen, so gegen Mittag liegen, als Spanier und Italiener, von kleiner Gestalt sind, jene auch mehr essen und verdäuen, als diese. Mit der grossen Gestalt unsrer Nation kommt auch die Stärcke, welche wir bey allen Begebenheiten, in Kriegs» und Fricdens-Zeiteu, ausüben, übereiu. Schon zu der RömerZeiten waren die Helvctiev eine-apfere kriegerische Natron, bellicollüimrLens, bey kloro ttill. k.ib. III. cap. 1O. acerrims diauo. Cicer.Orar. cle llrovinc. Lonsulsrib« relicjuos 6allos V irrme prsecellenres, und llomines bellancli cupicü Lsesze, kommene, 6ens ^rmis Virirque, Le Xtemoriä d^ominis darr, l'scir I^'b. l. forrillimL omnium 6d!orum 6enL. Orol. VI. C3P. 7. Diese ihre Dapferkeit haben die Römer selbst in ihren mit uns geführten Kriegen, und in nachfolgenden Zeiten die Deutschen, Burgunder, Frantzosen, Italiener, in denen Schweitzerisch-Oesterrei- chischcn, Burgundischen, Mayländischen, und andern Kriegen, erfahren : Ja es erfahren sie noch heut zu Tag alle Fürsten und Stände von Europa, in ihren Kriegen, die sie unter einander führen, irr Zügen und Schlachten, an ihren Höfen, da ja bekannt, daß unsre Schweizer als ftarcke und getreue Gardes angesehen werden. Wir können mit Grund der Wahrheit von uns sagen, daß wir von Natur zur Waffen-Uebung eine Lust haben, und diese uns anerbohrne Begird in unsrer Kindheit selbst zeigen, welche auch nicht in ihrer ersten Blüthe ersticket, sondern von den hohen Lands-Obrigkeiten selbst durch Besoldung besondrer Trüllmeister unterhalten wird, welche zu gewissen Zeiten des Jahrs die grosse und kleine Jugend, auch diejenige, welche kaum aus der Wiege geschloffen, in allerhand Waffens-Uebungen müssen unterweisen, und allerhand erlaubte Ergetzlichkeiteri vornehmen, um ihre Kinder zeitlich zu lehren, was sie in erwachsenem Alter verstehen müssen; Denn auch die gesunde Politic solche Waf- fen-Uebungen erfodert, weilen unsre Lande im Fall der Noth sich selbst vor feindlichen Anfällen, ohne Zuziehung fremder gedingetey Soldaten, bewahren müssen. Ein jeder Bürgevund Sandmann muß sich verpflichten zu Kriegsbeilen als ein Soldat sich brauchen zu lassen, und deßwegen zu allen Stunden bereitet seyn mit seinen Feur- oder andern Gewehren, dis ihm zu tragen bey begcbendem Falle befohlen wird. Uns Bürgern und Bauern ist nicht nur nicht, gleich in benachbarten Deutschen Ooo 3 W- 478_ Erzehlung s eltsamer lTlarur- Geschichten und andern Landen geschiehet, verbotten, Seiten-Gewehre in die Kirche und andre öffentliche Umgänge oder Zusammenkünften zu tragen, sondern bey angesetzter Straffe gebotten, und als ein sonderbares Zeichen der Freyheit vorgestellet. Es haben selbst die alten Römer die Baursame als eine wegen ihrer Arbeitsamkeit und Hurtigkeit der Leiber zum Krieg taugliche Mannschaft angesehen. Lx ätzncolis Lr Viri torkillimi, Lc klilires lirenuitlimi Aitznunmr. Orc» üe N.e rullic. L^ib. !. cap. i. und VcZerius I^ib.I. c. sagt, das spuor ^rmis rullicsPlebs, ciu» lud vio, Lc in l^aboribus enulritur. Damit aber wir, die wir durch Gottes Güte im Friede leben, in demselben an den Krieg gedcncken, (minpsce «teLsllocoxitemuL) und sonderlich auch die Kricgs-Manieren, welche von Zeiten zu Zeiten sich verändern, auf den Nothfall hin verstehen lernen, lässet man bey uns die Mörser, Canonen, Musqueten und Spieffe nicht verrosten, sondern man unterhaltet sie sauber, sowol in öffentlichen Zeug-als besondern Häusern, man besichtiget sie aus Oberkeitlichem Befehl in Haußbesuchungen, man brauchet sie in Musterungen, sichern Canr- ptrungeri, unblutigen Belager - und Einnehmungen. Wenn wir Schweißer forthin bedencken, daß eines jeden Mitbürgers einer in ein eorpus gesammelten Gesellschaft natürliche Pflicht sey, dieselbe vor allem feindlichen Anfall zu beschützen, so können wir uns schwerlich einbilden, daß im Nothfall jemand unser Land besser bewahren könne, als wir selbst, und muntern uns unter einander auf, bey allen Anläsen vor unser Vaterland, Religion, Weiber, Kinder, Güter, re. unser Leben zu wagen, und mit Dapferkeit unser Blut aufzuopfern. Zu mehrerm Beweißthum dessen, was die Schweitzerische Nation in Kriegen gethan, und veröffentlich weiters thun kan, wil ich aus unsers sel. und hochgelehrten Hrn. Ioh. Heinrich Hottingers XK- Mocio isAencij Mt.tteiver. PAA. 244. «c. allhier anmerckend einrücken, daß die Schweißer sonderlich wol in der Infanterie stehen, und also fest zusammen an dem Ort, da sie hingestellet werden, halten, daß sie sich nicht trennen lassen, und stehen wie die Mauern; welchegute Eigenschaft der Schweitzerischen Truppen insonderheit die Crone Frankreich sich wol gewußt zunutz zu machen. Ein merckwürdigeS Exempel Schweitzerischer Dapferkeit, und unvergleichlicher Stand- haltung, hat sich in der Schlacht zwischen den Evdgenossen und dem Delphin bey Basel zugetragen, A.I444., da jener 4000., dieser aber 6soo. geblieben, und nicht mehr als i s. Mann von den Schweizern des Schweitzerlandes. 479 zern davon gekommen: Der Streit währte von Morgen bis Abend, und luffendieEydgenossen, nachdem sie gesehen, daß sie übermannet, in die Feinde wie die Leuen, nicht in Hoffnung des Siegs, sondern durch ihren eignen Tod sich an ihren Feinden zu rächen. LuUenles quss> ^eoner per omnsm kxercirum in Viäkores vs^znrur, c^ciunr» llernunr<^ue omniä, ur gui jam non in 8pem Viälori«, se6 in Morris Oirione ss pu^nare lciunr. ^cl excremum non vi<3i 8uirenf«s, teN vincenclo fätigsei inker ingentes ttollium Lsrervgz ceci6erunr; Wie ihnen diß schöne Lob äeness 87IVM8 LpiN. 87. gibt. In alten Historien findet man ein einig Beyspiel, welches dieser in etwas zu vergleichen, da die Lacedemonier, Thebaner und Thespienser bey ider- mop^ix etlich wenig 1000. mit den Feinden also geschlagen, daß sie deren 20000. erlegt, sie selbst aber bis an zwey umkommen. Sonderlich haben die Schweißer mit ihrer Hand-Stärcke zeigen können, zu den Zeiten, da man nicht mit Geschütz, sondern mit Hand-Streichen, Hallparten und Seiten-Gewehren, sich an einander gewaget, welche Kriegens-Art von der jetzigen unterschieden ist, bey welcher das Feuer die Ober-Herrschaft hat, und der stärckfte und dapferstc Soldat von dem liederlichsten Kerl durch einen Kugel-Gruß kan überwunden werden. Es gienge aber die Schweitzerische Nation nicht allezeit offenbar, und einfältig an den Streit, sondern begleiteteihren Helden-Muth gemeiniglich mit grosser Wachtbarkeit, Vorsichtigkeit und Klugheit; ja etwän bediente man sich erlaubter Kriegs-Listen, als bey Einnahm des Uetlibergs A. 1268., bey Rettung der von Kayser Albert belagerten Stadt Zürich A. 1298., bey Einnahm des Städtleins Glanzenburg an der Limmat, unter Anführung Graf Rudolffs von Habspurg um A. 1268., der besten Schlösser Samen undRotzberaimUnterwaldner-Lande A.rzo7., und zu andern Zeiten mehr, welches denn nicht einen plumpen und groben, sondern klugen Geistder Nation genugsam anzeiget. Gleichwie aber eine sämtliche Schweitzcrsche Nation bey allen Ständen Europens das Lob der Tapferkeit verdienet, also ist leicht zu erachten, daß bey allen Anläsen gewisse herzhafte Männer sich vor andern aus gezeiget haben, wie aus alten und neuenHiftorien könte das Exempel OrAeroriZis angeführt werden, item eines Einheer aus demThurgäu, der dreyen Eydgnös- sischen Helden, und Retter unsrer Freyheit, Wilhelm Teilen, Wern- herr Stauffacher, und Ernt von Melchthal ; weiters eines Müllers, Stuckt, Mneß, Braunen, Göldi, Stapfers, Waldmanns, Kel- 48o _Erzehlung seltsamer Natur-Geschichten Icrs, Roüsten/ Engelharten, der Werdmüllern von Zürich; derEr- lachen, Hallweilern, rc. von Bern; der Feeren, Pfeiffer», re. von Lucern; eines Wolleben, Motin, rc. von Uri; eines Rosigen von Schweiz; der Winckelrieden, Rotzen, Jordanen,rc. vonUnterwal- den; der Zurlanben, Steinern, rc. von Zug; eines Tfthudi, Schülers, re. von Glarns; derLützelmannen, Bären, rc. von Basel, und andern mehr, derer in vater-und ausländischen Geschicht-Büchern zu grossem Lobe gedacht wird, aus welchen auch wir bey gegebnem Anlaß diejenigen erzehlen werden, welche durch sonderliche Stärcke rcs Leibs sich bekannt gemacht haben. Gleichwie unsre Voreltern in ihren Kriegs-Zügen und Schlachten eine herzhafte Stärcke mit kluger Vorsichtigkeit vereinet, also dienet ihnen insonderheit auch zu grossem Ruhm, daß sie alle ihre Kriege mit Frömmigkeit angefangen und begleitet haben, wie sie denn m ihren Schlachten mit den Hertzogen von Oesterreich und Burgund allezeit vorher, ehe sie angegriffen, auf die Knye niedergefallen, Gott um den Sieg eifrig anzuflehen. Weilen die Dapferkeit ihre Belohnung und Hochachtung bey vernünftigen Feinden selbst Platz findet, als ist merckwürdig, Laß unsre Ueberwinder selbst unser Wolverhalten mehrmalen mit Anerbietung und Aufrichtung beständiger Freundschaft haben belohnen müssen, als kin juliu8 L-elsr, l^uclovicus Xl., krsncilcus, König in Franckreich. Es ist auch diß zu bemercken, daß die Schweißer, ungeachtet sie eine kriegerische Nation sind, eher alles wagen, ehe sie einen Krieg anfangen, oder sich in denselben einwickeln, wie diß von Zeit zu Zeiten die Erfahrung selbst aelehret hat; und sonderlich sind die gütliche Unterhandlungen und friedliche Anerbietungen an- zumercken, welche den Burgundischen Kriegen mit dem Hertzog Carl vorgegangen. Auch wenn sie gesieaet, haben sie sich -es Siegs nicht hochmüthiqer Weise überhoben, sondern ihren überwundnen Feinden selbst verschonet, wie wir dessen verschiedne Exempel aus unsern Historien könten beybringen, wenn es die Zeit zuließe. Das, was ich bisher angeführt, habe ich gleichwol kürzlich anbringen wollen, damit man daraus 6emum dkuoms, die Art der Eydgnößischen Nation kennen, und selbige von benachbarten Völckern selbst unterscheiden lerne, derer unbesonnener Hochmuth uns mehrmalen zu unserm grossen Vortheil und Glück aedienet hat: wie denn Gottes gnädige, den Hochmütigen widerstehende Hilff sich in Schweitzerijchcn Kriegen darin augenscheinlich hat spüren lassen, haß oft eine geringe Anzahl des Schwekyerlandes. 48 r Eydgenosscn einen grossen Haussen der Feinden überwunden: als A. isiz. in Mayländischem Gebiete 20020. Frantzosen durch 9200. Schweitzer, und wicdrum 60000. durch zsooo. zu Ermatingm bey bostantz/12000. Oesterreicher durch 1420. Eydäenoffen; A.IZ88. Looo.Ocfterreicher durch 200. Glarner. Andre Schlachten, so z. Er. zu Laupcn, Sempach, St. Jacob bey Basel, rc. allezeit mit geringem Verlust der Eydgenosscn, gehalten worden, könten noch mehrere erzehlt werden. sZu ewigem Nachruhm der Schweizerschen Tapferkeit, wollen wir nur einiger merckwürdiger Umstanden dieser leztern berühmten Schlacht gedencken, durch welche der Heldenmuth unsrer Nation in desto grösser» Licht gesttzet wird. Sehet, es dürfen isoo. Eydgenoffen den tapfern oder verwegnen Entschluß fassen, eine wolgerüstete Armee von zoooo. (andre sagen 60000.) Mann regulircer Milch in ihrem Vortheil anzugreiffen, und obschon die Unmöglichkeit selbsten, etwas fruchtbarliches auszurichten, ihnen sichtbarlich in den Weg träte, wollen sie doch alle lieber darüber ersterben, als von ihrem einmal gefaßten Vorhaben abstehen. Um den fürchterlichen Feind anzngreiffen, schwammen sie über die Dirs, liessen das feindliche Geschütz unerschrocken aufsich loßdonnern, setzten an das Land,machten sich also- bald Raum, und schlugen mit ihren schweren Hellparten die Feinde Glieder- und Reyhemveise zu Boden, so daß der Delphin genug zu thun hatte, ihnen immer andre Haussen entgegen zu stellen; weilen er aber allezeit frische Völcker im Ueberfluß anführen konte, so mußten endlich die durch so vieles Niedermetzle,! der Feinden ermüdete Eydgenoffen, wegen ihrer geringen Anzahl von dem weitmächtigern Feinde besieget werden, oder vielmehr müßten sie vom Siegen gäntzlich entkräftet, zulezt ihren Heldengeist ausblasen, und nach einem 10 ständigen Gefechte ihr Haupt in den Staub legen. Jeder bedeckte den Platz auf welchem er gestritten, mit seinem Leib, rmd hatte 4. oder 5. Wallonen um sich liegen. Als es ihnen zulezt an Geschoß gebrach, zogen sie die Pfeile aus ihren Wunden heraus, damit die verhaßten Feinde zu verletzen. Sie waren auch im Tode schrecklich, und hatten noch die Wuth und Standhaftigkeit in ihren erblaßten Gesichtern eingepräget. Ein Anführer der feindlichen Armee ritt auf der Wahlstatt herum, und rief freudevoll überderEyds- genoffen Niederlag aus: Heure baden wir rn Rosen! Diese Worte verdrossen einen mit dem Tode ringenden Eydgenoffen solchergestalt , daß er alle seine Kräfte zusammengeraffet, sich auf die Knye gerichtet,, einen Stein ergriffen, und den Großsprecher so richtig an den Kopf und die Schlaffe damit getroffen, daß er ohnmächtig vom Pferd gesuncken, und drey Tage hernach sprachlos seinen Geist ausgegeben. Mit was für Großmuth die übrigen Eydgenoffen den Verlust ihrer Bruder aufgenommen, erhellet nebst anderm daraus, daß als von dem gesummten Helvetischen Haussen nicht mehr als 16. davon gekommen, diese die größte Gefahr gelauffen haben, durch des Scharfrichters Hand eines schmählichen Todes zu sterben, weilen sie Las Leben dem Tod vorgezogen. Die Anzahl der erschlagnen Franzosen wird auf 4. bis 8000. Mann gesetzt; dieselben haben alsobald nach dieser blutigen Schlacht ihre Todten auf grosse Haussen getragen, und zu Asche verbrennet, damit man die grosse ihres Verlustes nicht genau erfahren möchte. Nur von ihren Pferden find il. Theil. P p p mehr 482 Erzehlungseltsamer N'attrr-Gesch. des Gchwekzek-L. mehr als 1600. aufder Wahlstatt liegen geblieben; und hat der Delphin selbst ge» stehen müssen/ daß es um ihn würde gethan seyn, wenn er noch einmal also siegen solle. Er hat bey seinem Abzug mit den Eydgenoffen Friede gemacht, und hernach alles angewendet, derselben Freundschaft zu erwerben; wie man diß allessowol bey ausländischen als unsern National-Geschichtschreibern ausführlich beschrieben finden wird. Sind das nicht Proben der Schweizerschen Tapferkeit? I Zu denen so vielen herrlichen Siegen/ so unsre Nation erhalten, kan auch die fürchterliche Gestalt derSchweizer, -ero braune Gesichtsfarbe, Init langen ansehnlichen Bärten begleitet, etwas beygetragen haben. Man bcmercket der Farbe halber, daß unter der Lime und zwischen beyden Sonnenwend-Circuln die Angestchter der Menschen, ja auch die gantze Haut schwarz, oder braun, und von denen iropicis hinweg gegen denen Pokr-Cireuln je weisser und weißer sind, bis auf eine gewisse l'olus-Höhe, da sie wiedrum braun aussehen, als z. Ex. die Groll- lander und Lappländer seyn können, von denen man sagen kan, daß nicht die Hitze, sondern die Kälte sie verbrenne. Fast gleiches Urtheil lasset sich von den Schweißern fällen. Wir sotten in Ansehung -er Poius-Höhe weisser und zärter seyn, als die Jtaliäner, und brauner als die Deutschen; nun aber bezeuget die Erfahrung das Widerspiel. Wenn wir die platten Länder, und in denselben sonderheitlich die Städte, ausnehmen, so müssen wir gestehen, daß unsre Nation unter die braunen zu zehlen. Die Ursach schreibe ich theils der Wärme, theils der Kälte zu; in den Thälern, so sich zwischen hohen Bergen, sonderlich von Morgen gegen Abend ziehen, ist, wie oben schon angezeiget worden, wegen vielfältiger Zuruckprellung der Son- nen-Strahlen eine grosse Hitze, welche die Leiber erhitzet, und die offenstehenden Angesichter verbrennet: auf denen Schnee - und Eiß- Gebtrgen machen eben diese vom Schnee hauffig zurückprellende Strahlen in sonst kalter Luft die Angesichter der Anwohner und Reisenden gantz braun, als wären sie angebrennt, wie wir solches alle Jahre erfahren und sehen können, und es auch der gelehrte Engel- länder ksjus in seinen durch die Pündtnerische Gebirge gethanen Reisen wahrgenommen hat, wie in seinen lopoZrrxKicsl- vblervations pag. 4^7- ZU fthM. P Regi- Register der vornehmsten Sachen, so in diesem Theil enthalten. Lpen/ mit Schnee bedeckt, 51. zeigen uns viele Naturwunder, 222. Gestalt der Schweizerschen Gebirgen, 112. deren Alter, 1 iy. Reise darüber, 96. wie sich dre Rei- senden zu verhalten, 107. ären-Jagd, 461. Barometer/ dessen Erfindung, 26. warum das Quecksilber steige oder falle, iz. Baume und Kräuter, deren Unter« scheid, so auf hohen Bergen und tief« fen Thalern wachsen, 92. Berge im Schweizerland sind nützlich, 2n. und schädlich, 212. deren Al- ter, 119. Ursprung,122. Höhe, 13. und Abmessung, 17. ob sie hol seyen, 117. Bergfall im Berner-Gebiet, 237. Berg-Reisen / deren Lust, Nutzbarkeit, und Bequemlichkeit, 97. was den Reisenden für Gefahr und Schaden begegne, ioo. Birchbaum rother, Blev im Schweizerland, 167. Brunnen/ so Theure oder Wolfeile vorsagen, ,40. Buchen rothe zu Buch, r. Burrer/ dessen Zubereitung, 62. O^AIendari - See hat wunderbare Eigenschaften, Z14. L-met wird gesehen, rs;. » 8 -, Lrexß runder im Gras, woher rntste« he, 46;. , Crystall rautenförmig, 167. Onner» Ursachen, 2 es. Drachenstein zu Lucern, 4 »». feuriger Drache/ 287.«239. Gkifau/ warum es dem Erdbeben sosehrunterworffen, 19;. Einhorn gegrabenes, 417. Eistn-Erz des SchweizerlandS, ; 6 r. Elementen Anzahl, IZ7. Se.Elmus Feur zuWinterthur,29o. Engelländer/ wie sie geartet, 469. Epicureer widerlegt, 41. Erde/ wie sie beschaffen, 124. vorund nach der Sündfluth, i;4. deren allerhand Gattung und Fruchtbar» keit in jedem Canton, M. Erdbeben/ dessen historische Beschreibung, 136-194. 271.287. warum das Glarnerland oft erschüttert werde, 173. 185. Erfrierung/ wie aufzulösen, 105. Er;/ dreyfaches im Berg Gunzen, 64. kupiler - See, wunderliche Eigenschaft, ;i5. E?s auf den Alpen, macht den Reisenden grosse Ungelegenheil, 100. Arben/ was sie seyen, 1. woher die rothe komme. a. Ppp » Zel- Register. Felsen -Steine, deren Abstürzung von den hohen Gebirgen, 108. Feur/ damit werden die härtesten Felsen aufgelöst, 109. unterirdisches, 142. Feurige Drachen, 287.-289. Geiß, 288. Fcur- Geschichten sonderbare, 279. Kugel, 282. 286. 288. 289. Schwert, 23s. Spies- se, 28s. 286. FemfaU vom HiMMl, 284. 286. Feur-isslännlein/ 29;. Feur-Zei- chen. 278. Fisch-Rogen-Steine, 16,. Flammen lechzende, 291. oder, streif- sende, 292. Flascher.Lad in Pündten, 729., Fön Mnd starcker, 217. so viel geschabt, 229. Fracmont/ oder Pilatus-Berg, 12. 14. Franzosen Lebens-Art, 468. Frauen-Eis/ woraus entstanden, 168. (DtLbirge. Sihe Alpen. Geißchurn zerspringt, 266. Gemse/ 67. deren Beschreibung, 476. Ballen,478. Steinlein, 461. Lecken oder Sulzen, 68. Jagd, 70. Lebens- Art, 7;. Seucheunter ihnen, 476. Gespenst aufdenSurner-Alpen, 7. Gips/ wie zugerüstet werde, 412. Gold/ wo in der Schweiz gefunden werde, 770. Gorchard ist der höchste Berg in Europa, 42. dessen Beschreibung, 47. Gras von darin» rund verbrannten Creysen, 462. ^Aar-See hat wunderliche El'gen- ^ schaften, 740. Hagel/ Bericht davon, 227. grosser, 270.272. 276. 277. verwunderlicher, 242. schwerer, 262. . ttalo, oder Ring um den Mond, 4. Häuser brennende in der Luft, 237. Heerzeuge in der Lust, 237. 236. Heimrvcb der Schweizern, 86 . 470. Hexen- Tänze. 462. Hol;/ ist unterschieden, 97. dessen Mangel, 8. wessen man sich an statt dessen bediene, 777. unterirdisches, 178. Hö,ncr/ so aus der Erde gegraben worden, 419. Hornvieh stimmiges, 16. Hunger -Brunn zu Wangen, i;6. t^Ahrszeiten ungewohnte, 197. de- ren Zunutzmachung, 209. Ißland istfruchtbar vorn Berg k-kcla. 147. . ^ . Italiener/ wie sie gesittet, 467. Julier-Berg in Pündten, 477. Aelce grosse, 197.-199. 207. schädliche, 206. überaus grosse in den Eisspälten der Gletschern, 140. Vorsagnngen von Lälic und Wärme, 214. ist den Vergreisenden schädlich, 104. Räs/ wie zubereitet werde, 79. Liesse/ deren gibt es mancherley, 772. Rramer. Sihe Baume. Lreiden/ deren Nutzen, 401. Lümmich-Steine, 179. Lupser im Schweizerland, 765. Lim oder Lett/ dessen Nutzen, 404. Lavetz- Steine und ihren Gebrauch, 779. Laurven/ 107. 294. sind zweyerley, 297. verursachte Schaden, 7°;. Leben/ worinn es bestehe, 104. Lorbeerbaum/ ob er sicher vor dem Strahl, 267. Luft ist zweyerley, ; 16. ist dicht und dünn, 22. deren Höhe, 77. wo sie am kältsten, i; 8 . Lust-Erscheinung/ 74. woher sie kommen, 76. Zeu. Register. 487 Feurige Lust-Geschichte/ 74. 235. wässerige und windichte, 221. allerhand wunderbare, 2k5. 276. 2g;. Lnpp) dessen Beschreibung, 6r. LWArcasir/ was seye, ;?!. Max-Brünnen, ;42. Meer/dessen Erschaffung, 127. Mergel/ wo gegraben werde, 40s. Messing/ zweyerley, ;66. Metallen des Schweizerlands, ;47. Milch hat dreyerley Theile in sich, 44;. Zubereitung der Milch-Speisen/ 58. Milch-Stein/ 414. Mineralische Erde, 400. Mond/ Ring darum, 4. 216. Monloch/ Mon-Milch/ 16. Mond-Milch/was seye, 41;. wo sie gefunden werde, 416. Morast brennender, 464. Muscheln/ von deren Ursprung, 170. (>l^Lbel der Bergen, 65. Medclbrot/ 6;. LZordischer Völcker Sitten, 4S9. Lxmpus/ berühmter Berg. 18. O HXAscholer-- See sagt ein Wetter ^ vor, ;i;. Pest-Seuche, soi. 2;r. 284. Pfefers-Bad, 79. ;44. dessen Wirkung, 85 . pilarus - Berg, 12. 14. See, 15. Quecksilber/ dessen Gebrauch, ; 68 . Ol^Äquete/ warum sie in die Höhe steige, 282. Regen / dessen Beschreibung, 221. Vorbotten, io. langwieriger, 202. Regenbogen/ dessen Seltenheiten, »48. rarer, Rhein Hintere: dessen Ursprung, 4;8. Rothe Bäume, 1.Brünnen, ;i2. Rurren- oder Weg-Geld, ror. ^LEHab-Zieger der Glarnern, 440. Schlangen-Stcine/ 421. Schnee/ dessen Nutzen, 224, grosser, 199. 200. 201. 202. viel aufeinander, 206. thut auf den Alpen den Reisenden grossen Schaden, ivo. warum er an einem Ort geschwinder schmelze als am andern, 185. Schotten/62. V Schwefel-Brünnen oberhalb Nüsch- licken, ;c>9. Schwefcl-Kiesse, ;?1. Schweizer; deren Leibs- und Ge« mühts-Beschaffenheit, Lebens - Art, Sitten, re. 465. was von deren Leibes - Grösse zu mercken, 47ss. Schrvrizerlands Beschaffenheit in Ansehung der Elementen und Jahrszeiten, i;7> Seen/ deren wunderliche Eigenschaften, ;r;.-;ls. Z40. Sennen Person, Amt und Behausung, 58. Silber-Erz, wo gefunden werde, Z58. Sirpen/ 60. Sommer warmer, 197. 198. 202. sogenannter Heister, 20;. dürrer, 200 . 201 . Sonneri-Ansterniß völlige, 445. was für Veränderungen sich dabey zugetragen, 45,1.. Spanier/ wie sie gesittet, 468. Spat/ was es für ein Stein, 166. Spießglas/ dessen Gebrauch, Splüger-Berg, Reise darüber, 4;«. Srahl-Erz, Sargansisches, 64. wie vom Eisen unterschieden, 67. Steine/ so allerhand Figuren vorstellen, 15». Ppp; Srein- 486 Register« Srcin-Rauze,, Geschrey war ein lln- glucks Vorbott, 268. Srem-Bolen/ ;75. deren Nutzen/ ) ^ 8 * Stern ganz neuer/ rxi. Srern-för- ringe Steine/ 14s. Strahl/ was er seye, 260. womit verglichen/ 260. 271. dessen Exempel, 256. gewaltiger Skrahlstrcich/ 24t. in den Peters-Thurn zu Zürich, 272. in den Pulver-Thurn zu Lucern. jhick. Strahl-Steine/ was davon zuhalten, 275. woraus skr entstehen, 277. Srunckenwernc/ 6;. Göndsimh/ deren Ursach, i;«. was davon zu halten, 148. deren Ueber- dleibsel, 1Z2. 14s. Surner-Alpen, s. Hau/dessen Ursprung, 222. Thcurung grosse, 204. Thon oder Leu: dessen Nutzen, 404. Torff--Erde im Zürich - Gebiet, 7. 9. Z 75 . IrcpLniren am Horn-Vieh, 17. Tropfstein/ was seye, 414. 4 leberschwemmungen in Griechen» 4-4 land, i s2. Delrlin/ dessen Fruchtbarkeit, ;r>6. Vieh/ wo es am besten trühe oder zunehme, 99. Ungevoitter. Sihe Wetter« 2 llenstätter-See, 54. Wallfische / warum sie sich in kalten Meeren aufhalten, 91. Walliffer-Lands Fruchtbarkeit, Z98. Walrenschweiler Bads Beschreibung, Z 20 . warme grosse, 196. um Martini, 20Ü. deren Würckungen, 219. Wasser/ dabey ist ein beständiger Creyßlauff, 66. verwandelt die Sachen in Stein, 149. kleines, 204. starck angeloffenes, 216. 217. wasser-iQuelien des Schweizerlands, 47. viele zu Flims, ;v7. Wasserrhurn/ was seye, 247. Wege/enge, auf den Gebirgen, io?. böse in Hündten, 110. wein/ Züricher, 49. neuer, Saser genennt, ist schädlich, 5;. guter, 202. 20z. saurer. 198. 200. Wetter schwere, deren Exempel, 204. 2ZO. 2;;. 26z. so aus Werffung eines Steins in die Berg-Seen entstehen, ;r7. winde; deren Bewegung, 54. Nutzbarkeit , 196. was davon zu be- mercken, 225. was sie seyen, 227. einige Seltenheiten, 24s. ungestümer, 2Z2. 2;;. 241. sengender, 248. Winds-Braut, 245. Winter kalter, 202. 204. 207. roz. harber, 2)2. dessen Vorbott, 214. lang anhaltender, 197. 198.20«. 201. Witterung/ deren Veränderung ist Schweizerland sonderbar unterworf» fkN, 2 ic>. Wolfeile/ grosse, 198. Wolcken/ was sie seyen, 65. deren Hohe ist ungleich, 19. wolckenbruch / 2;«. rzr. 2Z4. 244. Würstel-Wiese zu Baden, ;8z. Zeger/ 6r. Zieger-Braut/ 441 . ENDE. Zusätze und Verbesserungen. Blatt -4. Anmerck. (m) lin. 2. z. Diese Zusätze finden fich in nick - ner Reise-Beschreibung Bl. zo. u. f.f. Bl. zo. Anmerck. ». r. Diese hier angebrachten Schwierigkeiten werden durch die Methode, welche ich in dem Anhang meiner Berg-Reise beschrieben habe, gehoben. Bl.42. Anmerck. (x) in der lezten lin. setzet hinzu: denn der Onl. xou ist 8640. Schuhe hoch befunden worden. Bl. 56. Anm. (c) an statt kkilorp. leset kkiloloxd. IranüÄions. dlum.' 18z. Bl. 92. Anmerck. (k) lin. 5. Iscer, leset lucea. Bl. 102. Anmerck. (l) setzet hinzu: Fast eben so machen es die Nord-Amerieanischen Völcker, wenn fie auf der Jagd über den Schnee gehen müssen. S. Vo^Lges ciu Laron cje u ttoMLn. lom. I. Leckre X. Bl. I 2 Z. Anmerck. (g) lin. 7. von unten auf, an statt cle Zenerscio- ne lolium in Oceans primLVO Lcc. cie. leset: Vorrede cie gene- ratione /a/r'ttvr in Oceans primLvo V cle. Bl. 125. Anmerck. (s) in der lezten lin. leset an statt ä. Z8Z. dlum. Z8Z. Bl. 167. lin. i. an statt Lautensormiger, leset Rautenförmiger. Druckfehler, so der Kupferstichen halber in dem Text eingeschlichen. drv. Indem Text psZ. 149. anstatt lab. v. foltcstehenlab.vi. 154. an statt lsb. vi. folte stehen lab. vn. 157. an statt lab. vn. folte seyn lab.viii. 159. an statt lab. VIII. folte seyn lab. IX. PSA. 164. an statt lab. IX. folte seyn lab. X. PSL- 171. an statt lab. XI. folte seyn lab. XII. psx. 420. lm. 17. an statt lab. v. muß stehen lab. xv. x-L- 442. lm. 7 . an statt lab. IV. muß stehen lab. XVII. '^»4 ^LLZE ^r-Ls. / .L -5 ^ >. X Johann Jacob Wcheuchzers M Weylcmd?roieirder Natur-Lehre und Mathematic/ Lnnomc! in Zürich/ wie auch Mitgliedes der Kayserlichm, Königlich-Englisch - und Preußischen Gesellschaften der Gelehrten/ rc. chiveUrlaiidtö / Samt seinen eisen über die Wchweißerische Gebürge. Aufs neue herausgegeben/ und mit einigen Anmerkungen versehen von Deorg Nutzern. Zweyter Theil. Zürich/ bey David Geßner, Gbdr. 1746. "LUtl-k/L .AS-' Je vornehmsten Reisen, welche derVer- fasser dieser Schriften, wegen der Er- forschung der Natur-Merckwürdigkei-^. ten, über die Schweitzerische Gebürge gethan hat, find A.i/2z. in lateinischer Sprache durch Hrn. Peter van der Aa in Leyden, in vier sehr kleinen Quart-Banden herausgegeben worden. Die drey ersten Reisen sind schon A. 1708. in Londen auf Befehl der KöniglichenGesellschaft der Wissenschaften, deren der Verfasser seine Hand- Schrift überschickt hat, gedruckt worden. Die vierte aber hat der Verfasser selbst in deutscher Sprache auf die Weise herausgegeben, wie wir in der Vorrede zu dem ersten Theil gesagt haben. Die übrigen fünfe aber erschienen in derLeydener Ausgabe zum erstenmal. Diese neun Berg-Reisen werden nun dem Leser auch hierin diesem Theil, jedoch in veränderter Gestalt, mitgetheilet. Der grosse Unterschied, der zwischen dieser und der Holländischen Ausgabe nicht nur in Ansehung der Sprache, sondern auch in Ansehung der Materie leicht kan wahrgenommen werden, erfoderte diese Vorrede, in welcher ich dem Leser Rechenschaft von meiner Arbeit geben werde. ):(2 Weil Vorrede wie diese Weil diese Ausgabe viel kleiner ist, als die vLm Holländische, so siehet ein jeder gleich, daß hier nicht unttrsthie. alles stehen kan, was in jener stehet. Ich gestehe es, daß sehr vieles hier nicht angetroffen wird, was in der andern Ausgabe zu finden ist: indessen bitte ich den Leser, sich darüber nicht zu erzürnen, bis er folgenden Bericht gelesen hat. D«k «rff- Die meisten Titel des ersten Theils unsrer Aus- W.' gäbe stehen von Wort zu Wort in der Holländischen Ausgabe dieser Reisen, weil es Sachen sind, die der Verfasser auf den Reisen beobachtet hat. Also habe ich sie alle miteinander in dieser Übersetzung weggelassen, doch mit beygesetzter Erinnerung, auf welchem Blatt des ersten Theils sie zu finden sind. Dadurch mußte nun das Buch um ein mercklicheö kleiner werden. Es sind aber noch mehrere Ursachen, die ich alle aufrichtig angeben werde. Der Zwey. Der Verfasser hat bey einer jeden Berg-Reise sch"r?"' botanische Beobachtungen angehängt, darin die von ihm gesammelte Berg-Pflanzen nach dem Alphabet angegeben, und oft in Kupfer abgebildet werden. Dieses habe ich alles weggelassen. Und zwar aus folgenden Gründen: i) Weil die meisten Leser diesesWercks vermuthlich keine Kräuter-ver- ständige seyn werden,denen also dieseBeschretbung nichts nutzen würde. 2) Weil Hr. O. Haller alle Schwel- des Herausgebers. Schweitzerische Kräuter so vortreflich beschriebet hat, (^) daß kein Liebhaber der Schweitzerischen Flora dieses Buch mangeln wird. Wenn sich also etwa einigeKräuter-Liebhaber finden solten,welche dieses Buch lesen, so werden sie das, was wir hier weggelassen, nicht ungerne mangeln, weil sie es an bemeldtemOrte besser haben. Aber wie soll ich mich über das dritte Stuck entschuldigen ? Unser Verfasser hat hin und wieder den natürlichen Merkwürdigkeiten einige historische, politische, und die Alterthümer betreffende Nachrichten beygefügt, die ich meistentheils weggelassen habe. Ich weiß zu meiner Entschuldigung eben nichts anders zu sagen, als, daß dieses ein Buch ist, worin man solche Sachen nicht suchet. Ist man mit diesem nicht zufrieden, so muß ich mir gefallen lassen, daß man mir deßwegen die Ruthe gibt. Ich werde sie auch gedultig aushalten, ohne die geringste Bewegung deßwegen zu machen. Die vierte Veränderung wird wol manchen am meisten verdrießen. Viele Leute lieben die Kupferstiche weitmehr, Meine Beschreibung der Sachen; ja einige kauffen die Bücher nur deßwegen. Diesen verständigen Liebhabern zu gefallen, hat der dienstfertige Verleger der Holländischen ):(z Aus- (*) Lnmircraüo mciiZeliarum. 1742. toi. Der dritte Der vierte Vorrede Ausgabe eine MengeKupfer beygelegt,welche aus Merrans Topographie genommen sind. Stücke, davon oft in dem Texte kein einiges Wort stehet. Diese hat man hier weggelassen, und vielleicht in eben der Absicht,in welcher sie Hr.varr der Aa dazu gethan hat. Wer diesen Abgang nicht vertragen kan,der hat die Freyheit,die Holländische Ausgabe oder Merians Werck zu kauffen. Sind aber nicht auch einige Kupfer-Tafeln weggelassen worden, die der Verfasser dazu gethan hat? Ja, aber dagegen hat man auch neue hingesetzt, die eben so wichtig sind, als die alten. Was man weggelassen hat, waren meistens Tafeln, auf welchen dieFlüffe in ihrem Ursprünge und Lauffab- gezeichnet waren, welche in der Scheuchzerischen Land-Larte schon zu finden sind, die einer, der diese Reisen recht begreiffen wtl, nothwendig haben muß; und in Mangel dieser hat man dieWalseri- fche Larte von Grau-Bündten dazu gethan, wo alle Kupfer, welche der Verfasser von dem Ursprung der Flüsse hat machen lassen, vereiniget stehen. Die übrigen Sachen habe ich frey übersetzt, ohne mich an die Worte zu binden. Ich habe aber nichts weggelassen, das zur Natur-Historie der Schweiß dienet, weil die Absicht fowol der ersten Ausgabe, als dieser, vornemlich auf die Bekanntmachung derselben gehet. Von _ des Her ausgebers. Von den Zusätzen, die dem Wercke angehängt worden, weiß ich weiter nichts zu sagen, als daß ich glaube, sie schicken sich zu dem Wercke besser, als das, so man weggelassen hat. Sie bestehen theils aus verschiedenen merckwürdigen Beytragen des berühmten Verfassers zu den bekannten Breß- lauer-Samlungen; theils aus meiner Beschreibung der Nerckwürdigketten/welche ich in einer A. 1742. gemachten Reise durch einige Orte des Gchweitzerlandes beobachtet habe; wie auch aus meiner Untersuchung von dem Ursprung der Berge/und andrer Dinge/die damit verknüpfet sind. Nach einer aufrichtigen Erzehlung der Verän- Der derungen,welche ich in dieser Ausgabe gemacht ha- be, lasse ich nun dem Leseralle Freyheit, meinerAr- xU( §4- » WMWZÄWS Johann Jacob Ncheuchzers Z^rste In dem Jahr 1701. habe mir vorgenommen/ nach dem Exempel unsers grossen Schweizerischen Gelehrten o. Lonrad OMA», Gegners, die Natur-Geschichten des Schwettzcrlandes V»D(/W/ überhaupt, und insbesonder die Seltenheiten der Ber- gen zu erforschen, und dieselbe zu etwelchem Nutzen deS Vaterlandes und der gelehrten Welt zu beschreiben. Dieses wichtige und sehr mühsame Werck habe ich aus eignem und gleichsam an- gebohrnem Triebe vorgenommen, bin aber, insonderheit durch das hohe Ansehen E. Hochedlen Magistrats, welcher mein Unternehmen beschützet, unterstützt worden. Diesen Vorsatz ins Werck zubringen, erwehlte ich nach dem Rath jenes Weisen eine gelegne Zeit, nemlich den August-Monat, welcher zur Sammlung der Pflanzen und Saamen vor andern aus bequem ist. Ich reisete also den 4ten bemeldten Monats, mit meinem Bruder Johann, rch v. von Zürich ab. Wir fuhren den See hinauf, und kamen den folgenden Morgen frühe auf Lachen, welches der Haupt-Flecken der Landschaft March ist. Hier empficnge mich der berühmte Hm v. Hegner sehr geneigt, und schenckte mir einen kugelförmigen Gchwefel-Rieß , (*) welcher auf der hohen Schwefel, tl. Theil. A Lläsch Kieß. (*) ?>rNa areus Llobolur. s Erste Berg, Reift _ Fläsch im weqcstchal gefunden wird. Er versicherte mich / -aß ' dieser Schwefel-Kieß gleich einem Blut- Stein, wenn man ihn in den Händen hält, das Blut stille. Man findet solche Schwefel-Kieße hin und wieder auf den Alp-Höhen, woselbst sie von den Waldwassern ausgeschwemmt und fortgetragen werden. Einige wollen sie Strahl, uns vor Strahl-Steine aufbürden, wie mir vor einigen Jahren in Sttme. pündren hegegnetist. Diese Alp-Schwefel-Kieße sind von aussen rauh und uneben, sehen meistentheils rostig aus, in dem Bruch aber zeigen sie viel Striemen, welche im Mittelpunkt zusammen gehen und wie Silber oder Gold gläntzen. Vielleicht gehören hieher die ründlichte Schwefel-Kieße, die inwendig gestriemt, auswendig knorricht und zu Zeiten eckicht sind, (r) dergleichen man in En- gelland sindt, wovon der berühmte Martin Lister meldt; 0) desgleichen die Steine aufder Jnsul Srariyo, wovon Strauß in seiner Reiß-Beschreibung (c) sagt, es seyen Steine, als Limonen und Pomeranzen, sehr hart und schwer als Eisen anzufassen, rvil man stein Stücke zerschlagen, so findet man darin die Gestalt eines Sterns, von Gold, Silber, gelber oder brauner Farbe. Ich ymß bey diesem Anlaß sagen, was ich von diesem und andern Kiesen beobachtet, welche man in Gestalt der Erbsen, des runden Pfeffers, und der Zuckerküqelgen, auf dem Laqerberge sindt. Alle sind von aussen rauh und uneben, doch nicht ohne Regel, indem bald abgekürtzte, bald gantze viereckichte Pyramiden daran erhöhet sind. Urtheilet, ob nicht hieher der fernes gehöre, den Szimzlms beschreibt, (cy Es kommt alles was er sagt mit unserm Kieß Verein, ausgenommen, daß die viereckichten Pyramiden nicht polirt, Wie er sagt, sondern wie mit Rost überzogen sind. Msch« Gedachter Herr v.Hegner scheuchte mirüberdiß falsche Diaman- »iamant«. te oder kleine Berg-Lristalle, welche an Glantz und Vollkommenheit (denn sie sind fast alle spitzig) sich an beyden Enden hervorthun. Man sindt sie auf dem kleinen Aubrig in dem Trittwege. Ich bemercke hier, (a) ?.inw 8 ttriLti, fcre lubrotnnäi, extra, tuberoll 2 c interäum 211- Zuloli. (b) kont. KleäicLt. Hn§l. pa§. 20. und I.uyc!iu§ l.itbo§r. Lritannic«. pa§. yy. (c) Dl. 97. (ä) Lxercit. in 8v1m. p. 77 !. 774. z _ des horten Jahrs. hier, als im Vorbeygang, daß die 6 eckichte Figur allein/ -ieCristalleauS dem Diamanten Geschlecht nicht auSschlieffe/ indem die Indianischen Diamante, welche man V7aistes nennt, auchseckicht, und dennoch besser und härter sind, als alle andre, o) Bey unsern falschen Diamanten sind die Seiten und Winckel sehr verschieden. In den meisten sind die mittlern Säulen klein und knrtz, ja kürtzer, als die Seiten der Pyramiden, in andern sind sie grösser, doch meistens ungleich. Einige davon haben entweder gar keine Mittel-Säule, oder ^ U' an derselben nur einige Seiten, oder sie haben alles sechs Seiten, ' aber sehr schmal. Andre sind aneinander, oder auch aufeinander gewachsen. Es gibt auch solche, in deren Mittel - Säule die Spitze von andern so eingewachsen sind, daß diese scheinen -er andern Stichle zu seyn. Von Lachen, wo wir uns kaum eine Stunde aufgehalten, mach- . - ten wir uns fertig den Liem-Aubrig oder Albrig zu besteigen, über bris. welchen wir auch diesen Tag glücklich gekommen sind. Nicht weit von dem Dorff fließt aus den benachbarten Bergen ein Waldwaffer, Spreiten- der Spreitenbacb genannt, welcher durch Überschwemmungen den bach. Land-Gütern oft grossen Schaden zufüget. Die fürnehmsten und seltsamsten Beobachtungen, welche wir diesen Tag gemacht haben, betreffen das Stein-Reich, und darin tnS besonder die Historie der gebildeten Steinen. Ich sahe mit Verwunderung, daß der Rlein-Aubrig, und wie ich höre auch der Groß- Aubrig, gantz, vornemlich aber in den höhern Orten, gegen alle Gegenden, insonderheit aber Ostwärts mit den geftriemten Linsen- xmsen. Steinen angefüllt sey, welche auf beyden Seiten erhaben, wie Strine. die gläsernen, unter verschiedner Form, in einem Stein sich zeigen, ft) wovon ich neulich mit mehrcrm gehandelt habe. ls) Die ersten Anzeigungen von diesem Stein hatten wir bey dem GL- spiswiesbach, von welchem sie sich bis auf die oberste Spitze des Berges, zwey Stunden weit, allezeit in grösserer Menge zeigen. Unter andern Steinen von dieser Art crgetzte mich ein Felsen-Stein in Langen Reinbach ungemein. Er war fast in allwege s. Schuhe lang, A 2 und 5» (m) r. Seruvel ist hier der i«le Theil von einem Züricher Zoll. Langen» Reinbach. Jacob«» Muschel. Wrack. Höhe be« Klein -Au» brigs. 6 Erste Berg-Reise_ Auf dem Gipfel des Berges beobachteten wir folgende Berge in ihrer Lage, welche alle zu dem weggirhal im Schweiger-Gebier gehören: Der Röpfi-Berg gegen Aufgang; der Groß-Au- brig gegen Süd-Ost; der Groß-Oiechelm , sonst Staffelwand, Lluhberig genannt/ gegen Mittag. In gleicher Lage stehet der Saaßberg, die Saaß, den ich vor 2. Jahren bestiegen, als ich aus dem Silthal in das Glarnerland übergegangen. Gegen Nord-Ost - ist der Nieß-Eck. Unter diesen find insonderheit der Groß-Aubrig und Diethelm voll Sreinklippen , und wegen entsetzlicher Steile fast nicht zu besteigen. In diesem leztern find zwo unterirdische Hö- tzilbtt-roch. len, das Silber-Loch und das Gold,Loch genannt, weil vor einigen Jahren die Gräber Gold- und Silber-Adern in Lett hervorgebracht. Neben bemeldten Bergen, welche man auf der Satteleck siehet, sind noch in dem Weggithal die Zmdlen, woselbst nach Hrn. Hegners Aussage kubische rothe und gelbe aber undurchsichtige Edelstein-Flüsse gesunden werden; ferner die Rederren, Unter- und Ober- Schwein-Alp, und die Scharten. ßMbal Von dem Klein-Aubrig steiget man durch den Schönen-Bühel ' in das Silthal hinab, welches von der dadurch ßiessenden Gil also aenennetwird, welche hernach auch neben Zürich hinfließt, und ihre Wasser der Limmarh übergibt. Auf schon gedachtem Berg-Hügel Rothe Erde. ist eine rothe Erde, welche man in der Arzrüdung vielleicht an statt des Bolus tönte gebrauchen. Durch dieses Silthal führt ein zim- Einfiedlen. lich ebner und angenehmer Weg auf Einsiedler,, wohin die Papisten von allen Orten her als zu einer heiligen Statte kommen zu beichten und Ablaß zu holen. Hier nahmen wir die Nacht-Herberg, und giengen den folgenden Tag im Begleit Hrn. v. Joseph Frantz wüerner, Jhro Fürstl. Gnaden des Abbes Leib-Arzrs, auf eine Senn-Hütte, woselbst wir die Zubereitung der Milch-Speisen und des Käses angesehen und untersucht haben. Hacken. In Fortsetzung unsrer Reise giengen wir über den Berg Hacken oder Hoagen, wo wir in dem Aufsteigen den untersten Stamm einer abgehaunen Buche angetroffen, welcher von Alter anfienge zu faulen, daher der größte Theil davon seine natürliche Färb verlohren, und hingegen auf eine verwunderliche und angenehme Weise eine sehr schöne grüne Färb bekommen, als wenn er mit Fleiß wäre mit Grünspan angefärbt worden. Er hat aber diese Far- der Natur des lysseen Jahrs.' 7 zudancken, welche ihn nach und nach durch Erhöhung des Vitriols so grün gemachthat. (n) Auf der obersten Fläche des Berges ist ein kalter Schwefel- Schwefel» Brunn, welcher mit einer Mauer umgeben und mit einem Dache, Brunn, zum Trost der Reisenden, bedeckt ist, welche, ohne die geringste Unge- legenheit, seine Wasser in zimlicher Maaß einschkücken. Er hat einen schwarzen lettigten Grund, welcher einen starcken Schwefel- Geruch hat. Wir fanden hier durch Hulff eines Halb-Cireuls, daß die Rleine Ew Mitte 770. Schuhe höher ist, als die Ebne, über welche man zu gehen pflegt. Ich bemercke hier im Vorbeygang, daß die Mirre (von der Gestalt also genennt) zweyerley sey, die Kleine Mitte von welcher ich gercdt, und die Grosse Mitte, welche beyde wegen steilen Fels - Klippen fast nicht zu ersteigen. Andre schreiben Myd und Miren. Indem wir auf der obersten Fläche des Hacken waren, fiel ein mit Wind und Nebel (die an den Seiten und unter den Spitzen dev Bergen herabsuncken) vermischter Regen ein. Wir beobachteten vor und nach dem Regen die Höhe des Barometers, und sahen, daß das Quecksilber nach dem Regen drey Scrupel gefallen, welches denn deutlich weiset, -aß die Luft-Kugel vor dem Regen viel schwerer gewesen sey, als hernach. Nachdem wir unsre Beobachtung zum Ende gebracht, stiegen wir bey Hellem Wetter in das vor uns liegende Thal hinab; da wir denn eine sehr angenehme Aussicht hatten, die sich in das Schweißer - und Unterwalder-Gebiet auch über den lv. Wald-Grädcen- und Lavezer-Gee erstreckte. Wir kamen also durch Schwektz (von welchem Haupt-Flecken die Helvetier die Schwerer genennt werden) auf Brunnen, wo eine Landung der Schiffen ist, die in alle Theile des Lucerner-Gees auslauffen. Hier dingten wir alsobald ein Schiff, und kamen bey stillem See gen Llue, wo die lezte Landung des lV. Wald-Gtädren-Gees ist. Von da kamen wir nach einer halben Stund gen Alrorff, den Haupt-Flecken des Cantons M-rf. Un, -er daher auch selbst Uri, Ury, genennt wird. Hier (n) Der Vitriol färbt song dar Holtz schwartz und nicht grün. Daher hier wol eine andre Mach der grünen Farbe ,u suchen. Ich habe eben vergleiche» Holtz angetroffen an dem Weg von Alpnach auf den WaluS-Vera. 8 Crisialle. Der iv. Wald-Städ-- ren-See. Dam-erg. Erste Berg-Re ise Hier sahen wir bey -em Hrn. Länds - Hauprmann Schund, ein Mann von Helvetischer Aufrichtigkeit, und Liebhaber der Natur, verschiedne Arten Cristatten, und Erzstufftn, welche ihm von den höchsten Gipfeln der Urner-Alpen sind zugebracht worden. Das vornehmste darunter waren zimlich grosse TristaUe die schwarz scheinen, aber doch vor dem Licht eine braun-schwarze Durchsichtigkeit haben, (man grabt dergleichen auch aus den Bernerischen Bergen nahe bey Thun;) auch andre, in welchen schwarz in Criftall verwandeltes Spieß-Glas zu sehen. Ein andrer, ohngefehr i. Finger dich 2. breit, und 4. hoch, sahe aus wie ein aus dem Arß aufsteigender Berg, an welchem zu beyden Seiten seckichte Pyramiden, in Form kleiner Fels-Klippen, hervorgiengen. Von dem äussersten Arm deS iv. Wald-Städeen-Gees, welcher die Urner Landschaft umgibt, habe ich folgendes bemercket, daß man auf der Fahrt von Brunnen nach Flue auf der rechten Seite folgende Berge stehet: Den Ge. Eulisberg; den Bauenberg; den Guschen (Gltschen-Berg, GLtschen-Grock)) auf der lincken den Moechelsberg; Lronalp; Bucki; Axenberg. Von dem See selbst erzehlten die Schissleute, daß zwischen Brunnen und Flüe die Liesse durch abgelassenem Senckel 250. und ZOO. Klassier sey gefunden worden. Lysac ftzt nicht mehr als 120. und i Z2. (0) Nicht weit von Flüe kommt aus einem Berg - See, Alpeler- Seelein genannt, der Milchbach (von der Farbe also genennt) der nur im Brachmonat und Heumonat stießt. Auf der Oestlichen Seite des Fleckens Altorff ist der jähe waldige Bamberg, vielleicht Bannberg, weil niemandem erlaubt ist nur ein Bäumgen, vielweniger eine hohe Tanne zu fällen, bey schwerer Straf vor die Uebertreter, damit nicht etwa Bäume oder Steine herabfallen, welche den Häusern und Ställen den Untergang, den Menschen und dem Viehe aber den Tod bringen würden. Von Altorff kamen wir durch das bergichte Thal Waldnacht auf den Gipfel des sehr hohen Berges Auf-Eck, und auf Gurenen- Eck genannt, dahin man fast durch beständiges Aufsteigen ungefehr nach s. Stunden kommt; man muß aber mehr als i. Stund über Schnee gehen. Hier ergezten wir uns an Beschauung allerhand auch (0) Beschreibung des Lumner-Sert. p. is. 9 _des irrten Jährst auch rarer Alp-Kräutern, und Schnee-Wasserfällen, welche von den obern Fels-Klippen, insonderheit von dem Berg z'allen winden, (d.i. zu allen Winden) mit Geräusch herabstürzten. Aufdem Gipfel des Bergs selbst mußten wir einen sehr kalten Regen- und Schnee- Wind mitten in den Wolcken ausstehen, welche uns mit ftarckem Frost belegt, daß wir nicht lange haben dort bleiben, und kaum unsern Barometer zurecht machen können. Auf der andern Seite der obersten Höhe zeigen sich gleich die Surner- oder Gm-enen- Alpen, welche au Kräutern und Weyden sehr reich sind, dadurch denn eine grosse Menge Viehes ernähret wird; sie gehören noch den Ur- nern zu. Rings umher sind steile Fels-Klippen, welche die Gemse und Jäger kaum besteigen können; auf deren Mittäglichen Seite find neben häuffigem und beständigem Schnee, auch Gletscher oder Gletscher. Firn, wie sie es nennen, welche eine bleiche Himmel-blaue Färb haben. Mittendurch das Surener Alp-Thal stießt der Stieren, Dach, Stierender von dem Berg-See Gurenen-Seelein herkommt, und wegen der Bach. Historie oder Fabel, die ich an einen andern Orte schon erzehlt (?) Habe, merckwurdig ist. Die Höhe des Surenen-Berges fanden wir vermittelst des Barometers über Altorff 3280. Schuhe. Das Engelberger-Thal ist nach gleichen Beobachtungen 760. Schuhe höher als das Urner- Thal. In dem Closter Engelberg hielt ich mich zwo Wochen lang C-igellmg. auf, damit ich den HHrn. ?Ltribu8 und krscribusHülff leisten konte, welche an einer Rrampf-Colic, die mit einer durch die Glieder und den gantzen Leib hin und her fahrenden Hitze und andern bösen Zufällen begleitet war, kranck lagen. Die vornehmste Ursach dieser Kranckhett mag wol der schlechte Zustand der Küchen - Gefäßen gewesen seyn, welche theils von Erz, theils von Kupfer waren. Jene sind schon lange verdächtig gewesen, weil die darin gekochte Speisen eine grüne Färb bekamen; die von Kupfer waren durch langen Gebrauch des Zinnes, womit sie sonst überzogen sind, beraubet. In solchen Gefäßen wurde die Milch und der Butter aufbehalten, und alle auch saure und mit Eßig angemachte Speisen gekochet. Nun ist leicht zu urtheilen, was die scharffe Vitriolische Kupfertheilgen, u. Theil. B welche (p) In dem I. Theil der Nam-- Geschichten/ Bl. 5. Erste Berg, Reise io welche alle Tage in die Speisen gekommen, qewürcket haben/ und daß eben dieses das meiste zu bemeldter Kranckheit beygetragen habe. In dem Thal und der gantzen Gegend um Engelberg herum/ welche der Herrschaft des Abbts, ohne äppeli-mon an höhere Orte/ un- terworffen ist/ habe ich folgendes beobachtet: Gegen Süd-Ost, wenn man zürn Clofter hinaus siehet, siehet LitW. man den Tirriis-Berg sein Haupt zwischen den Wolcken empor he- he«: ^ ist mit beständigem Schnee und Eis bedeckt, und wird insgemein vor den höchsten in der Schweiß gehalten; er wird aber von Cysat(g) und Wagnern (--) fälschlich dem Unterwaldner-Gebiet zugeschrieben. Den vordern Theil dieses Berges habe ich durch trigonometrische Berechnung Z s8v. Schuhe hoch gefunden. Die oberste Spitze aber, der Nollen genennt, habe ich wegen den Wolcken die sie bedeckten, nicht sehen können. Ich stund aber bey der Abmessung neben der Senn-Hütte, die Herren-Rüri genennt, welche eine halbe Stund von dem Closter weg und zoo. Schuhe über dasselbe erhöhet ist: daß also diegaritze Höhe des Berges über das Closter Z88O., und über Morff 4680. Schuhe ausmacht. CMi'Berg. Diesem vorüber ist der auch hohe Engel-Berg, wo die Engel bey Erbauung und Einweyhung des Closters sollen gehört worden seyn. Vor diesem ward er Hennenberg von der Gestalt des Gipfels genennt, wie denn noch jezt die Spitze des Berges -er Hauen heißt. Im übrigen sind in der Engelbergischen Herrschaft auch noch folgende Berge: Der Rauh-Berg, Firn-Alpen, von den Gletschern oder Firn also genennt, Weiß-Berg, GtorzüBerg, Renlis-Berg, plangenkelen, Gandeck, Gemsenspiel, Gerstine Alpen. Denen von Unterwalden und Engelberg sind folgende gemein: Der Wildberg, planggengradt, Gcheiberg, Grojfelberg, RL- gemhalergradr. Zeichen des Den Engelbergern sind die um den Gipfel des Berges Schal- nnkvmmen- listock Hangenden Wolcken ein Zeichen des bevorstehenden Regens, ven Regens. Eben dieses bedeuten auch andere graue Wolcken, welche von Unter- waiden, das ist, von der Nord-Seite durch das Thal herkommen/ welche die Einwohner den Thalvogt heissen, auch sagen: Der graue Thaivogt kommr. Sonst sagt auf den Alpen auch hin und wieder das ungewohnte Geräusch der Bächen, den Regen vor. Hin (q) Beschreibung der Lucerner.Seer. Bl. 24s. (r) Uelv. Lur. p. l6. des ryorten Jahrs. ir Hin und wieder in den Helvetischen Bergen und an den Füssen derselben fliessen May-Brünnen, welche also genennt werden, weil sie im May anfangen und im Herbftmonat aufhören zu fliessen. In dem Engelbergischen zwischen dem Closter und dem Dorff Wolfen- Schieß, im Gr afenorr, welches ehemalen ein Luft-Ort der Grafen von Habspurg war, ift der kalce Brunn, wegen seinen sehr kalten Wassern also genennt. Dieser bricht ungefehr den zten Tag May an Lreutz-Erfindung aus der Erde hervor, und den I4ten Herbftmonat an Lreutz-Erhöhung hat sein Lauff ein End, er fliesset hiemit von einen Creutz-Tag bis zum andern. Doch beobachtet er diese heilige Tage nicht so genau, daß er nicht zu Zeiten vor Creutz-Erfin- dung komme und vor Ereutz-Erhöhung sich wieder verberge, zu andern Zeiten aber nach beyden Festen anfange und aufhöre zu fliessen. Unter die seltsamen Begebenheiten dieses Brunnens wird dieses ge- zchlt, daß er in dem Jahr 1700. bis in den Weinmonat hinaus geflossen. Dieses ift eben der Brunn, von welchem Lysae (s) und aus ihm Wagner (r) melden, daß er an einem Ort im Baltle an der Landstraße hervorstieße. Herr Wagner hat ihn in seinen geschriebenen Anmerckungen deutlicher beschrieben, aber falsch vor einen andern gehalten. Der Dürrbrunn hat, wie man vermeynt, mit dem vorigen eine Quelle, und fließt auch den gantzen Sommer hindurch. Daß die Engelbergischen Berge und Thaler allerhand Mineralien tragen, ift aus folgender Verzeichniß klar: Ein schwarzer Marmor mit weißen Adern und verlegnen Flecken; findet fich häuffig in den um das Closter herum liegenden Bergen. Aleine 6 eckichte Cristalle auf der wallen in der Ochsen- Alp. Diejenige, welche an beyden Enden Spitze haben, werden von den Einwohnern Gchwindelsteine genennt. Andere unzeitiae Cristalle von unbestimmter Figur oder vielmehr Ouarz, in der Höle gegen dem Graftnorc. Nach Wagners Beruht (u) findet man an dem Engelberg Goldrrachciges Erz. Vielleicht ist diß die aschfarbigte Gold- und B 2 Sil- May- Bnmil» Mineralien im Tngelber-- gischen. Marmor. Cristalle. Gold--und Gilber-Err. (r) Beschreibung des Lurerner.Seer. Bl. >48. (r) blelv. Lurios. p. i;i. (u) l.c. p. ;4S. 12 Erste Berg-Reise Silber-Ader, welche im Bruderloch gefunden wird, mit dem Arramenr-Stein und einer aschfarbichten oder gelben virriolischen Erde welche durch Caleinirung braun wird, welches denn eine Anzeigung des untermischten Eisens ist. Daher bekommen auch die aus der Hole fließende Wasser einen Saurbrunnen-Geschmack. Atrament' Ein anderer Akramenr-Stein, aus welchem Vitriol und Stein. Misy herausschweißt, wird im Grasten, desgleichen in den Sure- nen-Alpen gefunden. Silber-und Im Geißloch , welches eine Höle dem Bruderloch vorüber, Wird eine fast gleiche Silber- und Vitriol- Ader gefunden. Letkigre Vitriol-Adern habe ich hin und wieder in den Fels- Spälten gefunden, an dem Fuß des Tirtlis, Bergs. Deßgleichen Schiefer-Steine, welche etwas von dem Arramenr-Stein mit sich führten und eine eisenrostige Färb hatten. Von dem Vitriol werden sie in ein weiches aschfarbigtes Lett aufgelöst. Ein silberglänzender zackichter Rieß, im Urner-Grossen. Ein silberglänzender Ließ in einem sehr harten Fels-Stein, mit einer rothen Eisenerde besprengt, im Lirn-Aelplein und Hofad. Rugelichte Riese werden auf dem Geißberg im Unterwalder- Land gefunden. Schwarze Schiefer-Steine, den Glarncrischen gleich, so auch Wetzsteine , sind hauffig auf dem Lattenberg, der auch daher den Namen bekommen. Schwarze Rreide vor die Mahler findt man an Schotten im Galti-Berg und an der Herren-Rüti. Mond-Milch in einer Höle im Horbis. Dorax-Saltz Einem grauen Schieferftein hanget ein Salz an, welches dem Borax auch an Geschmack gar ähnlich ist; es hat eine zarte etwas zusammenziehende alaun-artige Süßigkeit. Durch Angieffung des Olei Tanzn per Oeiiquium zeiget es keine Veränderung, wie der Alaun, Borax, und Salmiack auch nicht. Von Angiessung des Tornefol zeiget es auch keine merckliche Veränderung, gleich dem Borax, dahingegen -er Alaun diese Tinktur gählings purpurroth macht, das Vitriol aber dieselbe mit einem Satze trübe macht. Von dem Urin-Salmiac-Geist damit vermischt, entstehet eine milchweiße Tinctur, und sezt sich eine weiße Materie zu Boden. Der Alaun und Borax aber leiden dadurch wenig Veränderung. Von dem 5pir. Tartan Volarili und dem Vitriol-Geist hat es sich nicht der- des ryorten Jahrs. iz verändert. Das lnioium der Gallapfeln wird von dem Alaun trübe gemacht, von dem Borax aber und unserm Salz nicht. Von Engelberg geht man durch das Joch , neben dem Berg Tngstler. Ochsenstock zu den Bemer Alpen, mit Namen in das Haslithal, VMM. und die Engstler-Alp, welche der Zeic-Brunn berühmt macht, davon die Helvetischen und aus ihnen fremde Seribenten Wunderdinge melden. Es schreiben davon Gcumpf(a), Zwinger (b), Schweizer (c), Räbmann() lVIeMocl. Hpoclem. 1^. H. c.;« p. 84 . (c) Oelcr. blelv. p. 6 . (ä) Gespräch von Bergen Bl. 89. 20°. (e) Beschreibung der Lucerner.Se«-. Bl. 247. ( k) blelv. p. 71. (e) t3elv. Luriok. p. i;r. (n) Oc lVämir. klunx»r. agui;. p> 1-. Z> 4 Erste Berg - Reist des r yo rten Tsahrs. lang stresse, hernach etliche Tage lang kein Wasser zeige; daß es fabelhaft sey/ was man vorgibt / er stiesse alle Tage nur Morgens/ Mittags ünd Abends, wenn das Vieh kommt zu trincken. Es ist auch falsch und den Mährgen zuzuzehlM/daß dieser Brunn still stehe/ wenn man etwas unreines oder sonst aus Boßheit oder Muth- willen darein wirfft, als wenn er dennzumahl gleichsam im Zorn etliche Tage lang kein Wasser gebe. Dieses habe ich im Vorbeygang wollen anmercken / damit die Wahrheit in ihrem Werth bleibe / und aller Aberglaube und Falschheit aus der natürlichen Historie wegkomme. Ich übergehe aber dißmal die Muthmaffung der Seri- benten von dem Lauff dieses Brunnens und anders mehr/ und behalte es bis auf eine andere Zeit/ ja auch auf einen andern Anlas, da ich hoffe den Lauff desselben einige Tage lang selbst anzusehen, und genauer zu untersuchen, (i) Im Rückweg von den Berner- und Unterwalder- Alpen bestiegen wir den Pilarus-Berg/ welcher an einen andern Ort ist beschrieben worden. (i) Srhrl auch hievon in dem l. Theil Bl. ,4;. Ende der ersten Reise. Die )-( »? Die weyte Werg - Indem Wahr 170z. dem Jahr 172z. den 9ten August führet: wir von Zürich ab nach Lachen, wo wir von dem Nord-Winde getrieben - 22 A glücklich ankamen. Der Zürich-See erstrecket sich ungefehr zehen Stunden weit von Mitternacht gegen Mittag, doch geht er zugleich insonderheit mit dem obern Arm gegen Morgen. An der Abend-Seite desselben stehet der Berg Albis, (.^ibiuz kions) als -er äusserste Grentz- Berg der Helvetischen Alpen, welcher noch zimlich hoch ist; an der Morgen-Seite aber stehen etwas niedrigere aber fruchtbarere Berg- Joche. (2) Beyde Seiten des Sees sind mit Wein-Gärten, mit grünen Wiesen, und angenehmen Baum-Gärten, dergleichen mit prächtigen, aber auch schlechten Gebäuden, besetzt; die Morgen-Seite mehr als die Abend-Seite; denn dort wachsen viel bessere und gelbere, hier weißere oder grünere und räuhere Weine, (b) Im Herausfahren besahen wir bey dem Wohledlen Juncker Rudolf Haab ein seltsames steinernes Faß, welches den Wein sehr gut erhaltet und keinen fremden Geschmack darein mischet, gleich wie auch die aus dem Lavez-Srem gemachte Geschirre die Speisen sehr wol halten. In 0) ES giltet von diesem Drrg/ was Ltrako von dem Derg ^IKlU5 in Li« burnien sagt : Es sey ein hoher Lerg/ der zu äusserst an den Alpen stehe/ er werde ^lbiur genennr/ als wolle man anzeigen/ daß die Alpen bis dahin gehen. Oeogr. L» IV. (b) Sehet m dem I. Theil. Vl. 4-.«. f. f. Albis-Btt«. Steinern Wein Laß. i6_ Zweyte Berg-Reise_ In dem Dorff Lachen untersuchte ich das Gewicht zweyer Wassern, welche von den Einwohnern vor Mineral-Wasser gehalten werden. Der obere, welcher Merzg-Brunn genennt wird, wird vor einen Alaun-Brunnen gehalten, weil er im sieden weiß wird, und einen weißen Satz an dem Boden bekommt, welches bey den meisten Brünnen in der Schweiß sich befindet. Der untere soll Stahl führen, weil er, wie die Saurbrunnen, bald abgeht, und nicht die geringste Belästigung macht. Allein es haben beyde schwerlich etwas anders, als die Reinigkeit und Leichtigkeit zum Vortheil. Doch möchte das erstere einige irdische alealische Theilgen haben, welches neben dem Augenschein die Schwere desselben anzeiget; daher es denn auch von den krätzigen vor ein Bad gebraucht wird. Die Einwohner berichten auch, daß in der Frühlmgs-Zeit ein scbweflicbter Schaum auf diesem Wasser schwimme, der dem ähnlich ist, welcher sich auf unserm Züricher-See zeiget, da wir denn sagen, daß er blühe. Es wird aber hievon ein andermal zu reden seyn. Zur Abwägung des Wassers bedielte ich mich einer gläsernen Kugel, welche von RMnwasser 2.Unzen, 6 .Drachm. 17. Gran halt. (c) Von dem obern Wasser, welches vor ein Alaun-Wasser gehalten wird, hielte sie 2. Unzen, 6 . Drachmen, 34. Gran. Von dem untern 2. Unzen, s. Drachmen, 21. Gran. Daher ich schließe, daß ein Pfund Apo- thecker-Gewicht von 12. Unzen, von dem erstem i. Drachme, i z.Gr. fremder Materie enthalte; von dem andern aber nur 21. Gran. Um 6 . Uhr nach dem Mittag, bey Regenwetter, welches in Zürich stürmig und mit Donner begleitet war, stieg das Quecksilber ' in dem Barometer auf i. Scrupel. Es ist aber zu bemercken, daß ich durch Scrupel den roten Theil des Züricher Zolls verstehe. Die Zahlen fangen bey der obersten Höhe an, welche das Quecksilber in Zürich bis dahin erhalten hat: sie werden aber hinunter gezehlt. An gleichem Tag stunde das Quecksilber in Zürich auf 5. Scrupel; daher eitler schliessen könte, daß wir um 400. Schuhe tieffer gewesen, als Zürich liegt, welches aber ungereimt, weil der See nicht von Zürich auf Lachen, sondern von Lachen aufZürich hinunter rinnt. (c) Man kan zu besserer Abwägung det Wassers dasjenige Instrument brau» chen/ welches der gross« ekymicns Hr. Fridr. Hostnann beschreibt tn seinen Ob- lervLtionikeiz ?ti>6co - Lli^micis l. Ik. Ok5. vn. oder das welches der br« rühmte karcukez^ beschreibt m den kküol.l'rAllüH» bium, z«4. des lyozten Jahrs. Diese Schwierigkeit wird aber dadurch gehoben,Hiß die Beobachtung m Zürich ist gemacht worden, ehe der Donner erschallet und ehe der Regen gefallen ist, und also zu einer solchen Zeit, da die Lufft noch dünne und mit Dünsten angefüllt war: Ich aber machte den Versuch nach gefallenem Regen, nachdem die Luft wieder war helle worden. Den 10. IM, als wir auf Wesen ritten, kamen wir durch folgende Oerter in der Landschaft March-Galgenen, Gibnen, Schädeldach, Reichendurg, wie auch durch Bären und Nieder- . Urnen in dem Glarnerland. Zwischen Bäten und Nieder-Urnen ist das Nieder - Urner- Nieder, «d»- Bad, dessen Wasser an dem Fusse des Rochen-Bergs (welcher den Namen von seiner Farbe hat) entspringen, und in dem nahe dabey stehenden Hause gekochet werden. Von diesem Bad ist zu mercken, daß dasselbe von dem größten Regen nicht zunimmt, auch indem heißesten Sommer nicht austrocknet, sondern durch das gantze Jahr einen beständig gleichen Lauff hat. Im Winter aber ist es zimlich warm. (6) An dem Fuß des Wellenbergs, welcher an der mittäglichen Seite des Wallenftätter-Sees liegt, quillt ein Schwefel-Wasser Herfür, welches in allem dem V7eydel-Bad oberhalb der Stadt Zürich gleich ist. (e) An dem Fuß des Blättlis-Bergs, welcher an dem nördlichen Ende des Wallenftätter-Sees liegt, ift eine wind - Hole,, (Oypca ^oti-) einen Büchsenschuß weit von Wesen. An dem Wallenstätter-Gee, welcher zwischen wallenstatt Wallenffäti- und Wesen liegt, haben wir zimlich seltsame Dinge beobachtet, t f) Den n. Julii kamen wir genLlumbs, (l.sr. Mumen). Hier wird ein vortrefliches Grahl-Erz ausgeschmcht, welches auf dem hohen Berge Gunzen in dem Sargansischen gegraben wird. Dieses Erz ift von -reyerley Art, schwarz Erz, Meu'werck und roch Erz , welche nur von den besten Kennern können unterschieden werden, und aus verschiednen Theilen der Erz-Gruben hergenommen sind. Wenn man diese Arten gehörig miteinander vermischt, so wird ll- Theil. C unmit- (6) Sehet auch die IV. Derg-Reise/ bald von Anfange, (e) S. in dem l. Theil/ Dl. Ll) Sehet im I. Theil/ PI. ,4. u. f.f. i8 Zweyte B erg-Reise _ , unmittelbar Grab! daraus geschmelzt, geschiehet aber diese Vermischung nicht in gehöriger Verhältniß, so gibt es Eisen, (g) Zu Ragaz in dem Wirthshause war die Höhe des Quecksilbers im Barometer, Nachmittag um z. Uhr, bey Hellem Wetter, auf 5 . Sernpel: in Zürich an gleichem Tag auf 7 . Serupel. Aus dieser und der des vorhergehenden Tags gemachten Beobachtung, (da zu Wallenstatt, Morgens um 9. Uhr bey Hellem Himmel, das Quecksilber auf i. Serupel, in Zürich auf 4 . Serupel, war) und auch aus Lre^Kraft den nachher gemachten Versuchen, schließe ich, daß dieAusdähnunqs- der Berg. Kraft (LiLllicirXi) der Luft in hohen und bergichten Orten weit grösser sey, als bey uns, weil dort das Quecksilber höher steht, da doch sonst das Gegentheil seyn solte, weil man dort höher, bey uns aber tieffer in der Luft stehet. Ich schreibe, bis auf weitere Untersuchung die Ursach dessen der mehrern Reinigkeit der Berg-Luft zu, welche macht, daß die Luftfedergen ihre Treib-Kraft besser auf unsre niedrige Luft können ausüben, als wo sie durch die Dünste und andre in der untern Luft befindlichen Theilqen verhindert werden. Ich wil aber lieber über diese Materie andrer mehr erfahrne Gelehrter: Meynung vernehmen, als meine Muthmaßungen jemandem aufbürden. «öfter M- Vor: Ragaz aus bestiegen wir den Berg aufwelchem das Clostev pfefers, Benediktiner-Ordens, steht, und um das Jahr Christi 720. ist Misstet worden. Die Säulen der Kirche, die vor wenig Jahren ist aufgebauet worden, sind theils von dem aschgrau-schwarzen Marmor, der nicht weit von dem Closter gebrochen wird, theils von dem zartem schwarzen Sargansischen Marmor, welche beyde mit weißen Adern untermengt sind. Hshe veffel. In diesem Closter fiel das Quecksilber auf I z i. Serupel, daher bt"' ich geurtheilet, daß dasselbe 68o. Schuhe über Ragaz erhöhet seye. BadPfefers. Auf den Abend giengen wir in das Bad hinunter , wo wir die Höhe des Quecksilbers auf s i. Serupel sahen, und daher urtheilten, daß das Bad 362. Schuhe höher als Ragaz, und 320. Schuhe niedriger sey, als das Closter. Den 12. Julii um den Mittag war die Höhe des Quecksilbers 10. Serupel, und in Zürich an eben diesem Tag 6. Daher man, wenn man die vorgedachte Schwierigkeit nicht achter: wolle, Messen könte, daß dieses Bad zro. Schuhe, das (x) S. in dem i. Theil, Dl. 64. Ich habt Bericht bekommen, daß dieser schöne Bergwerck dißmal nicht gebraucht werde» 19 des legten Jahrs. ras Clofter 640. Schuhe über die Stadt Zürich erhöhet sey. Diesen Tag und einen guten Theil des folgenden wmdten wir auf die Untersuchung des Badwassers. (b) An eben diesem Tag verliessen wir das Bad, um noch in das Dorff Vättis zu gehen/ welches das lezte ist in der Grafschaft Sar- gans. Wir gierigen durch die Dörffer Valenz und Gin, an dessen lincker Seite der Berg Mumon , an der rechten aber der Berg Finders und Aelpiein genannt. Wir hatten bald zur lincken Seite die höchsten Joche des Bergs Taland, welche sich durch das gantze Vaters-Thal erstrecken/ und an dieser Seite sehr steil, auf der andern aber gegen Thür und Feldsperg zahmer und voll fruchtbarer Wenden sind. Wir haben den Bera selbst nicht bestiegen; die Pflanzen/ welche ehemalen Ioh. Fabriz von Chur auf demselben gelesen/ er- zehlt 6stsner in /^rer. velcr. 8rc»ccbc>rc». p. 2 ;^. b. Dem Dorff Vättis gegen Abend sind die Berge Simmelberg lind Laiveißen, welche durch das ganze Jahr Eisi haben/ daher auch der Tamin-Bach seinen Ursprung hat/wie Lolweck vom pftfers- Bad p. 7s. berichtet. Man sagt/ sie seyen in den alten Zeiten von Leuten bewohnt gewesen, die säst so groß als Riesen waren, deren Ueberbleibsel noch in einem Beinhause sollen zu sehen seyn. Abends um s. Uhr war das Quecksilber zu Vättis bey trüber Luft auf 17?. Scrupel. Daher ich geschlossen, daß dieser Ort über das Pfefers-Bad 6ov. und über Zürich 92O. Schuh erhöhet sey. In den Alp-Gegenden sind die Insekte wegen der grossen Kälte sehr rar; indessen habe ich -och zwischen Valenz und Vams eins angetroffen. Dieses war der s xnm»« , ein fast aschgrauer Greinbock-Ist.efer, dessen Bauch, Beine und Hörner schön himmelblau, mit schwarzen Gelencken unterschieden sind ; der Hals-Schild, Schwanz und die Flügeldecken sind mit schwarzen Flecken besprengt; die Hintern Füsse sind länger, als die übrige. S. Gallon, lab. XV. Den iz. Jul. durchwanderten wir das Vättis-Thal, welches voll der schönsten Wiesen und Mall-lautem Brünnen ist. Ehe wir aber von vättis weqgiengen, fanden wir Morgens frühe das Quecksilber auf eben der Höhe, wie gestern. C 2 Eine (K) Dies« Beobachtungen und Versuche sind MereitS in dem I. Theil Blatt u. l. f. rrMt worden/ daher sie hier mit Recht ausgelassen werden. Ursprung des TaminS. Höhe des Dorffs Vät- ris. Inlett. 20 May-Brün- ««n. TunggeU- NttS. Heu-NÄel. GtMS.Val- lm. Zweyte Berg-Bekse Eine halbe Stund weit von dem Dorff lauffen zwey Bäche mit starckcm Fall unmittelbar airs Felsen hervor, welche ungefehr 2s. Schuh voneinander liegen. Sie werden Gorbs-Back» und Gorbs- Brunnen gmmnt, und stürzen sich bald schäumend in das Thal hinab. Der Durchschnitt der einten Quelle ist ungefehr 2. Schuh breit, der andern z. Aus dem ungestümen Auslaüff derselben läßt sich abnehmen, -aß in diesem Berg ein grosser Wasserbehälter sey, der höher liegt als die Oeffnungen, wo das Wasser herausfließt. Übrigens ist auch zu mercken, daß diese Brünnen nicht allezeit fliesten, sondern mit den May, Brünnen anfangen und auch wiedev enden. Auf dem Berge Gunggels, Gungelser,Berg, Runckels, worüber man aus pündren^m das Pfefers-Bad und in die Graf- schaft Sargans reifet, fanden wir die Höhe des Quecksilbers auf 27;. Skrupel. Daher abzunehmen, daß die Berg-Ebne auf welcher wir gewesen, über Vättis 820., über Zürich, wo das Quecksilber auf eben -er Höhe gestanden, als gestern, 1720. Schuhe erhöhet sey. Hier, wo wir uns niedergesezt, sahen wir einen von Natur, gleich einer Säule ausgehauenen Felsen, bis zc>. und mehr Schuhe hoch, der Sennen-Grcin genennt, neben welchem bey gutem Wetter fast beständig ein Nebel aufsteiget, welchen die Älpler trocken, Heuwetter. Nebel heißen, und davon sie, wie von allen andern weißen Nebeln, aus derm Erscheinung sie das gute Wetter vorher verkündige», einstimmig sagen, daß sie unmittelbar aus dem Boden aufsteigen und nicht von andern Orten hergebracht werden, wie ich nachher selbst im Heruntersteigen von dem Splüger-Berg, und an andern Orten hin und wieder gesehen, welches auch andre bestätigen. (') Woraus denn zu sehen, daß die Berge in Hervorbringung der Wolcken ihren guten Nutzen haben. Wir Waffen einen Gems-Iäger an, welcher uns von der Festigkeit dieser Thieren O) und von den Gems.BaUen erzehlte. Von diesen sagte er, daß die Gemse auf dem Galanda gar selten solche Ballen haben, weil die Höhen allzu öde und unfruchtbar seyen. (>) Von des i7szten Jahrs.' rr Von dttn Berge Gunggels find wir durch einen engen Paß u koppA, kupp- , genennt, hinabgestiegen. Dieser könte , mit weniger Mannschaft besezt, einer ganzen Armee zu einer unüberwindlichen Hinderniß seyn. Ein solcher enger Paß ist auch zu Sr- Mors, welcher den Eingang in das Walliffer-Land öffnet oder versperret. Von diesem schreibt k-r-äm. dikron. äs 8rvo^e, l_.iv.l. ck. 16. Xu äir L.ieu te vienuem les Dockers äes ^lpes r clorre ct'une p-rr üc ll'autre, en moäe ä'une 6orge Lc kmboucNement, l-ill-m une Lfp-cs torr erroire pour leLours Lc älvse äu ktkosne, äuc>uel le ponräe Pierre avec une feule ^rcke embralle les äeux ltiv-Zss Le Loräs, gui eil l Lnrree äu kÄs äe V-Io»: Lr en hl^vcr perfonne ne pcm svoir Access en ceue VsIIee li non p-r le Xto^en äs ce ?onr äu Lk-re-u: 1 'ellcmem, ^ue gusnä teOpir-ine 2 lerme le Pont, roure la llegion «les Vsleüens eti clc> 5 e. Nicht weit von dem Dorff Tamins findt man an dem Wege weiß glänzende Taick-Felftn. Zu Reichenau, wo der vordere und Hintere Rhein zusammen Dessen/ ist das Quecksilber um den Mittag auf ? Serupel gestanden, welches anzeiget, daß die Ebne des Gunggels 1600. Schuh höher als der Rhein allhier. Und wenn man sezt, daß hier und in Zürich die Luft in gleichem Zustand gewesen, so würde hieraus folgen, daß Reichem» nicht mehr als 120, Schuhe höher liegt, als Zürich. Es find aber oben bereits einige Schwierigkeiten dieser Ausrechnung halber gemacht worden. Den 14. Jul. Morgens um 6 . Uhr war die Höhe des Quecksilbers abermal 7 i. Serupel. Um -en Mittag verreißten wir von hier, um nach Tufis zu gehen. Am Gestade des Hintern Rheins, nicht weit von dem Bad zum rothen Brunnen, ist ein kleines Wäldlein von dem Hagedorn oder lVeißdorn, klelpiio ^Vpli tollo hävcltrj spinal- üve ox/csnlNa L. L. welcher hier io. und mehr Schuh hoch ist. Das Bad zum Rochen-Brunn ist ein kaltes Schwefelwaffer, wird aber gewännet wider die Unremigkeiten der Haut und die innerlichen Verkalkungen gebraucht, (m) Den Namen hat es daher, weit es die Felsen, Erde und Holz, worüber es stießt, roth färbet. Die Quelle ist nahe bey dem Hause au der Landstraße, wo sie in einem viereckigen Stein eingeschlossen ist; es hat gleiche Schwere mit dein C 3 Pfe- TngrrPuk. Reichen««, und dcffe» Höhe. Wäldlei« von Hagedornen. Bad »um rothen Brunn. to») V^LZirer Helv. curiofi 0. iro» 22 Zweyte Berg - Reise Pfeferser-Waffer; daher in einem Apotheker-Pfund 51. Grane einer Martialischen oder Ocher-Erde mit subtilem Schwefel vermischt enthalten sind. Denn daß dieses das vornehmste lme c-L-üegn». l.A Villa, oder pomelien; dallZseZria, welches seinen Namen bekomm men von der: zahlreichen Castanien-Bäume», Mlche hier von allm Seiten das Dorff umzäunen. Hier ist uns der Ehrwürdige Herr Pfarrer äui^r bekarmt worden, in dessen Begleit wir nach SoZim gekommen, woselbst um 6. Uhr Abends bey Hellem Himmel das Quecksilber auf 21 i. Serupel gestanden, woraus wir geschloffen, daß wir 1262. Schech über Eleven, über Zürich aber 1480. uns befinden. 8oZiic>, 80g, 8 o!Z ist gar nicht das geringste Dorff in dem Ber- Familie von geller-Thal, und ist insonderheit berühmt wegen der vornehmen Fa- e»!,s. mtlie von Salis, welche annoch sehr reich, und sowol weqeu den Wissenschaften als dem Kriegswesen berühmt ist, und welche sein Geschlechts-Register (wie es von meinem vornehmen Gönner, Hm. Rodolf von Saus, ehemaligen Gubernator in dem Tellinischen Thal mit vielem Fleiß ist gesammlet worden) bis auf Andrem: Salis, der A. 1260. in dem Bergeller-Thal sich niedergelassen, erstreckt; Unter die ersten Stiffter dieses fürnehmen Stammens zehlet er auch eimn andern Andream, welcher A. 1292. die Julier-Alpe gekaufft, so annoch dresem Hause zuständig; weiter eine:: andern gleiches Namens, welcher unter dem Kayser knöcrico A. i 172. und bey der Syrischen KxpeMuon A. H 88 . als Hauptmann gedienet. In dem prächtigen Pallaft dieses Hochadelichen Hauses wurder: wir überaus wol empfangen, und zwey Tage auf das höflichste bewirthet. r»g« vm Obgleich 8 oi§ nach kurz vorher gemachter Rechnung sehr hoch liegt, so ist daselbst der Boden doch nicht unfruchtbar, weilen die Sonne denjenigen Ort fast den ganzen Tag mit ihren Strahlen beleuchtet, und mit ihrer erwärmenden Kraft erquicket; die Lage läßt auch den Mittägigen Winden freyen Zugang, welchen es denen rauhen Nord-Lüften verwehrt. Wmrelm Durch das Bergeller-Thal, welches sich von Morgen gegen Derg«ll«r- Aberw erstreckt, blasen auch bey stillem Wetter gewisse Winde, und zwaren in der Morgenszeit von Süd-Ost, und um den Mittag kleine Mittag-Lüftlein, welches eine gleiche Bewandtniß hat, wie ich oben erklärt bey Anlaß der beständigen Winden an dem Wallen- stätter-See. Den 2o. Iulii stund das Quecksilber zu Abendszeit bey stillem Wetter auf 22. Serupel. Von 80^ gegen Mittag ziehet sich eine Reyhe des i7vzten Jahrs. z r Reyhe Berge zwischen dem Iulliner-und Bergeller-Thal in die Höhe, derer Aussicht sich die Solger anstatt einer Sonnen-Uhr bedienen, so daß daher auch die Namen, mit welchen man diese von der Natur aufgerichteten Zeichen belegt, ihren Ursprung haben, z. E. k,rr ctelle nuove, kil? clellv ctieci, Lrc. Diese pstegM (nach Art der Gothen, von welchen ltucibeck ^tlsrnic. ?arr. 1. p. 89. meldet) aus einem gewissen Ort ihres Dorffs, als aus einem eemro. auf gewisse Gipfel der Bergen, oder hohe weit von sich entfernte Bäume Acht zu geben, und daraus den Auf- und Untergang der Sonnen und des Mondes zu Messen, damit sie auf solche Weise die Stunden des Tages wissen können. Den 21. Iulii Morgens um 6. Uhr stund das Quecksilber auf 2i i. Scrupel. Nach dem Mittagessen giengen wir fort durch das Bergeller- Thal, in welchem der Ordnung nach folgende Dörffer sich befinden , Loncio, an dem Fuß sehr hoher Bergen; c-tteimur, wo vorzeiten ein festes Schloß gestanden, welches die Clcvner und Plurier An. -272. erobert, durch diesen Ort werden die zwey Theile des Ber- geller-Thals Lop» ^«3 und lntra ?orrs voneinander geschieden; Csrickor, ^-r Pfarr Stampen zugehörig ; Stampen selbst, so von den Edelleuten deffelbigen Namens erbauet; KiomzlcKi; Lolmra; LorZo nuovo; Vico Loprsno; Vesprsis, das fÜMehmste DE M-tM Bergellerthal, wo das Criminal-Gericht gehalten wir-, und die andern Processe entschieden werden; estaccis, Casatsch, so an dem Fuß zweyer Bergen sichre und Lepumi liegt. Dieses Dorff ist A. i67z. von dem Fall eines benachbarten Bergs fast überall bedeckt worden, welches Herr >cobus ?icenmnus, Diener am Göttl. Wort zu Solg, mir in einem Briefden r8. Aug. 1722. folgendermassen beschrieben: „ Man hat schon von 100. und mehr Jahren einige Merkmahle und Vorbotten von diesem Unglück verspuhrt, da dazumal ein Theil von dem benachbarten Berg herunter gefallen, welcher viele Güter verderbt, -och das Dorff unbeschädigt gelassen: Erst A. 167z. im April, ist von dem zerschmolznen Schnee, und im Heumonat durch einen ftarcken Platzregen die lettichte Materie abgerissen worden, und hat die Gebäude, die höchsten ausgenommen, bis zum obersten Gipfel des Dachs ausgefüllt. Dieses bedunckte jederman am wundersamsten, -aß ein Büchlein, welches kaum eine Wiese zu wässern tüchtig war, eine grosse Menge dieser Materie, welcher man mit keinen Schleu- ReylErrge zwischen dem Julliner-und Vergelte» Thal. BergeA«? Thal. kÄlscoi» vom Fall «» nes Berg« verwüstet. Zweyte Berg, Reift Zr Schleusen widerstehen und sie aufhalten tonte, mit sich fortgeführt. Man siehet jczo noch Merckmahle davon. Höhk Hier fanden wir um s. Uhr des Abends die Höhe -es Quecksilbers zi?. Serupel, daß also dieses Dorff höher liegt als 8 oAii«r 8oo, als Eleven 2560, als Zürich 2280. Schuhe. Den 22. Julii fand sich die Höhe des Quecksilbers 32. Ser. Berg Na- Von bannen bestiegen wir den Berg rvkiojus, kisiojen, ^siojen , welcher einen Theil von den Iulier-Alpen ausmacht, und das obere Engadin von dem Bergeller-Thal unterscheidet. Man besteiget diesen Berg durch einen zimlich steinichten und steilen Weg. Auf dem obersten Gipfel bey dem See, von welchem wir bald reden werden, liegt ein Dorff gleiches Namens mit dem Berg, in welchem wir die Höhe des Quecksilbers befanden 42. Scrupel, daß es also höher als Lskcciz 68v, Liotziio 1480, Eleven Z442 , Zürich 2960. Schuhe. Diesen Tag wollen wir noch einmal unsre Kräfte zu steigen ver- Eetmtt- suchen. Wir bestiegen demnach einen sehr hohen Theil des Setmer- Btkg. Bergs, (welcher fönst auch heißt 8 eprmer, Lcnmer, Xtonce cie Lett, Qmllm und einen Theil der Iulier-Alpen ausmachet) in desselben Gipfel dreyer Flüs. die merckwürdigen Quellen dreyer Wassern zu besehen, welche so st. viele Flüsse ausmachen, oder sich mit solchen vereinigen, und kaum 20. Schuh voneinander abstehen. Die gegen Nord-West vereiniget sich mit dem hindern Rhein; die gegen Süd-West machet die Mayren aus; und die so durch das Berqeller- Thal und die Grafschaft Eleven fließt, ergießet ihr Wasser nahe bey kierok in dem Clevner-See. Gegen Morgen befindet sich ägua ae piis, welches zuerst die kleine Lunguische-See (ai i.ungm,)-welche ihren Namen hat von dem nahe dabey liegenden Berg (welche ein Theil des «erc- mers) ausmacht, und sich denn durch einen steilen Weg in das Thal und den See stürzt. Den Ursprung dieser Flüssen konteu wir wegen Menge des Schnees, welcher alles bedeckte, nicht sehen; allein wir . konten unterdessen unsre Curiosität mit andern Sachen stillen. Wir MmnMn. Waffen hin und wieder einen Stein an, welcher dem Nierenstein (l^pis Nepkrmcus) gantz ähnlich war, theils in Ansehung der gleichsam öhlichten Glätte, theils in Ansehung der Spaltung und der Farbe, welche bald grünltcht-schwarz, so vor den besten gehalten wird, bald gelblicht-grün war. Dieser Stein hat verdient, in besondern Werckgen von Limio und Lalpsro Larckoilno beschrieben zu werden. -es lyozten Jahrs. ben, weil er bey verschiednen Anfechtungen des menschlichen Cörpers, insonderheit aber zur Zerreibung der Blasen- und Nieren-Steinen, und zu Austreibung der Sandkörnletn ist gebraucht worden. Man hat ihn bis dahin aus beyden Indien hergebracht. Auf diesem Berg fanden wir auch gar rare Alp-Kräuter. Auf dem obersten Gipfel war die Höhe des Quecksilbers 6i ^ Scrupel. Hiemit war er über dem Dorffe 1720, über Lalaccia Hsheder 2720, über soZiio Z2Oo, über Eleven 7160, und über Zürich 4682. Schuhe. Im Herabsteigcn erwitschte uns ein Regen, welcher von einem kalten Nordwind begleitet worden, bey welchem Wetter wir durch und durch genezt endlich in dem Wirthshanß angekommen. Dieser Regen daurte im Thal die qantze Nacht, da indessen die in der Nähe liegende Berge bis in die Mitte mit Schnee bedeckt wurden. Den 2Z. Julii war zu i^ioja die Höhe des Quecksilbers 42t. Scrupel. Von dmen nahe dabey liegenden Bergen werden kleine Seen Seen bey eingeschlossen, an deren Gestade man bis zu dem St.Mauritzer Säur- den Bregen, brunnen kommen kan. Der erste ist der Silser- See, LsZo cie 8iis. Dessen auch ^-gno- »eiv. Lur. paZ. 5 s. gcdenckt. Der zweyte ist ck 8 ei va-p, 4 nz, welcher in zwey See getheilet ist. Darauf folget der kleine Fluß 8 -ris; und endlich nahe bey St. Mauritzen ein garIieffer See, worinnen sich dreyertey Fische befinden, nemlich Druschen, welche 12, 12. und 18. Pfund schwer sind, Nasen und Gchlaren, wie sie dieselbe heiffen. p. s 5.78. haltet den ersten See für die Quelle des Unnsiusses, welcher durch beyde En- gadin fleußt, und von dannen durch das Annthal sich in die Donau ergießt, aber ich halte dafür, man solle besser alle drey See, wovon ich geredt, dafür annehmen. Der Fluß hat bey dem See den Namen Arm noch nicht, sondern erst nahe bey welches auch ^ ^ daher seinen Namen zu haben scheint, 8 amX. auf der andern mit L. 41. Theil. § AlL Z4 _Zweyte Berg-Rei ft Mouritz« Als wir den ersten Anfangen der Ami nachgiengen, kamen wir Gambrun- in dreyen Stunden zu dem St. Mauritzer Saurbrunnen, welcher von den Pündtnem, Schweitzern, Deutsche«! und Italienern starck besucht wird. Der kleine Raum laßt nicht zu, vieles aus denen Schriftstellern, welche die Wasser beschrieben haben, zusammen zu sammlen, und ich glaube, es würde wenig zur Sache beytragen; wir wollen uns also mitdem einigen Zeugniß 'i^eo^iMi ksracelg begnügen, und dann einige kleine unemrte Sinngedichte, welche zum Lob dieses Brunnens aüfgesezt worden, mitunseru eignen Observationen beyfügen. Dieser berühmte Medieus, Chymieus und Philosophus sagt in chem cle 'säriareiz. csp. XVl. p. m. ;rz. Ich setze ihn allen andern Gaurbrünnen, welche mir in Europa bekannt sind, vor, ich fand ihn im Engadin, bey Gk. Maunyen, dessen Duelle im Augüst Eßich säur hervsrlaustc. Der welcher dieses Nasser als eine Arzney rrinckt, erlangt seine Gesundheit, und wird niemal weder einigen Grein, oder Sand, noch das poda- gra, noch die Gelencksuchr verspüren. Ginremal der Magen so verstärkt wird, daß er Weinstein verdauen kan, so wol, als ein Gtrauß das Essen, und eine Amsel den Gand. Nicht allein aber nur Weinstein, sondern auch alles andre in Speis und Tranck, was eine Rranckheit erwecken könte. Er quillet oder siedet vielmehr aus der Erde hervor an dem Fuß eines Berges, in einem Winckel einer sumpfichten Wiese, ungefehr eine Viertel Meile von dem Dorff, die Quelle ist in einem in allweg ischühigen Behältniß eingeschlossen, und wird durch ein kleines Häusgen, so einer Capelle gleichet, vor dem Regen und von allem was ihm von aussen- her begegnen könte, beschüzt. Man kan bey der Quell folgendes zweyfaches oiltickon. in schwarzen Marmor eingehauen, lesen: Aftera, guzs quLris, I_.ympkzs äsm 82x2 saludrez, 6ralL lud inZratig llupibus blncla lluir. dl^unc slii Lerem hälenc, Lt Tuners Lsecki, Omnis Opre8 'I'ellus ciucit ubique lu 38 . Ein andrer hat zum Lob dieses Saurbrunnens folgende Verse hinterlassen, welche mir der Ehrw. Hr. Jae. Orurio. Diener am Wort Gottes zu St.Manritzen, mitgetheilt: Lyria ^oräznem celebrrc, ^uclXL Lechsülsm, Onum X 4 zuritium prseclicat omne Lolum. ls _ des r7ozten Jahrs._F- 15 l-eprsus tolam rzpiclis ur sultulik t^oclis, 8ic ?uNäto irlrem l'emporis iitr juvar. Uis guosvis tiovir Quorum vir rollere Klorbos, Empore non uno ierre pararus O^em. Von einem andern: Vir ssnur 6eri? l^rompra eli ^eNicinL, l^iquore» l^or bibe. L.onZsevo lempore ssnus eris. csnit celebres, qui prxbem bibere konres, 8eä versx ille ell, ksbula sunt slii. Herr l). ^l-riLcriclz, welcher einen bis dahin noch mcht eckrten Traktat von diesem Saurbrunnen zusammen geschrieben, den er auf die Erfahrung von 20. und mehr Jahren gegründet, hat dieses Mineral-Wasser auch in Versen beschrieben, und sagt unter andern: lumpiäa scorre in quXÜo picciol leno Oncla cNe nssce non ks i nollri ^lonri Ivla ben ii Na clalle superne konli (Quells co! Virriolo, e con il kerro L spirirosz e 5orle sZisce in rutlo, ^pre oZni vs5e oiirutto 5cio^lie te clure Kcnj, e l'io non crro, dkiuäe »I läNAue l uicirs. O bevsnclL xrsclita! Lerro ck« cki non bevs ^1 konre klellr Virs Vivere o piü non vuole, o piü non ckeve. Andre wil ich Kürze wegen nicht anführen. Als ich dieses Wasser auf der Waag untersucht, so befanden wir daß es sehrstarck, und fast von dem Geschmack der Dinte, und das schwerste gewesen von allen welche wir auf der gantzen Reise angetroffen haben. Es hatte nemlich 2. Unzen, 6. Drachmen, Z7. Grün, also daß ein Apothecker-Pfund 1. Unze, 26. Gr. von vitriolifth-salmifchen und Indisch-martialischen Theilen in sich haltet. Daß sich aber dergleichen darinnen befunden, zeigten neben dem Geschmack die Versuche an, so wir damit angestellt. Von dem §pir. 5ai. ärmon. Vmo5 veränderte es sich ein wenig; von dem Vrmoio wurde es wie Milch und stürzte einen weissen Satz zu Boden; bey Angiessung des 01 . ?Ärr. wurde es auch milch-weiß, und von den eingeworffenen Gallapfeln wurde es im Anfang sieistbfarb, hernach aber fchwarzroth. E s Der z6_ Zweyte Berg-Reift Der Mauritianische Saurbrunn hat seinen Ursprung von den vi- triolifch-martialischen Adern, welche in den herum liegenden Bergen und zwischenlicgenden Thälern sich häuffig befinden. Salpeter. Man findet öfters in denen herumliegenden Oertern martialische Wasser, welche eine Ocker-Erde mit sich führen, und auch etwas von einen: fäurlichten Geschmack anzeigen. Dergleichen hat uns der Ehrwürd. Herr Pfarrer am Ort auf der Mitternächtlichen Seite des Thals gegen dem St. Mauritzer-Brunncn über gezeiget. In dieser Gegend trifft man auch häuffig eine schwarze Erde an, aus deren man in Menge Salpeter auskochen kan. In den: Dorff selbst gibt es gar viele lautere süffe Wasser, welche fast bey allen Hausem hinflieffen. r.i,» i-i-a.. Als wir von St. Mauritzen wcggienaen, kamen wir nach Seiv» P'-MZ, wo Wir, weil es an einen» gar kalten Ort situirt ist, Morgens frühe einen überfrohrnen Brunnen gesehen. In dem Dorff St. Mauritzen um den Mittag war die Höhe des Quc cksilbers 42. Serupel. Daß also vtziogia 40. Schuhe höher liegt. c»mx° L Zwischen 8eiv» piana llnd St. Mauritzen liegt ein Ort L-impo m 5erro genannt, weil der Boden so hart seyn soll, daß er fast mit keinen Instrumenten umzugraben ist. Den 24. Iul. war Morgens mn 6. Uhr bey Hellem Wetter und blasenden Nordwind das Quecksilber Z8i. Serupel. Daß wenn man gestern und heut eine gleiche Schwere der Luft annimmt, dieser Ort 242. Schuh niederer als wäre. Iulier. Obgleich es sehr kalt, liessen wir uns doch nicht hindern heut den Iulier-Berg zu besteigen. (--) Man kan aus vielen Merckmahlen schließen, daß die Italiener über den Iulier-Berg in Deutschland, und hinwiedrum die Schweizer und Deutschen durch solchen in Italien gereiset, (da man jezt vielmehr sich des Wegs über den Splüger und v,sm maiam bedient); und daß sie durch eben die Dörffer, welche mit den alten Namen belegtfind, und durch welches wir gekommen, gereist; deren in^ma- mm iunei-zrio ausdrücklich Meldung geschiehet. Bereitung Den Butter habe ich in den Hütten des Iulicr-Bergs in einem des Butters solchen Gefäß bereiten gesehen wie bey uns, ausser daß da bey den ° ' unsern (r) Dir Beschreibung davon steht im ».Theil Bl.4;r. u. f.f. des i7ozten Jahrs. Z7 unsern der Stcmpfel mit der Hand bewegt wird, hier solches wegen feiner Grösse durch ein mechanisches Hebcl-Werck geschehen muß. Levio, 8tn!i3, wo wir zu Mittag gespiesen, hat seinen Namen veri». 2 kivio, von dem zweyfachen Weg, welcher hier über den Julter- Berg in das Engadin, und über den Settmer nach Eleven führt. Darauf folget Marmels ; zur Mühla; Roffnen; TlNtzen. Nahe Marmor, bey Tinben habe ich grüne und rothe mit weißen Adern geftreimte Marmorsteine angetroffen; Schwammen, Cuneurs, wobey nahe liegt Reams, i. e. «.kseris smpia. Zu Lunturs war des Abends die Höhe des Quecksilbers 22. Scrupel, wie gestern frühe; daß also dieses Ort unter Levio 1280. Schuhe liegt. Folgenden Tags den 2s. Julii wanderten wir durch Lastet Teuf- fen, treffen Lastan, und durch die verdrießlicher; Umwege des Berges UE. Gchm kamen wir endlich zu der Rhein-Brücke nahe bey Füostenau. Zu Fürstenau machten wir der Hoch-Edlen LaroneL von G^ß-Kär. Gchauenstein unsere Aufwartung, welche uns einen Geiß-Käs gezeigt, der schon einige Jahre durch Wäschum und Beitzung mit Wein und Gewürtz-Nelcken-Waffer, in eirren Brey verwandlet worden, und für dieLrebhaber solcher Speisen eines überaus guten Geschmacks war. Wir sezten unsern Weg weiter, und kamen bey später Nacht zu Reichenau an. Reichem». Hier stund den 26. Julii das Quecksilber auf 7 2 . Scrupel überall, wie den i z. und 14. dieses lauffenden Monats, daß also dieser Ort i i 62. Schuhe niedriger als Cunturs liegt. Diesen Tag giengen wir nach Flims, woselbst das Queck- Mm«. sicher bis auf 22. Scrupel gefallen, welches anzeiget, daß Flims 1222. Schuh höher als Reichenau sey. Der Name Flims, so in Bündtnerischer Sprach einen Fluß bedeutet, kommt von den vielen Quellen kalter Wassernher, deren man nicht so bald an einem Ort so viel antreffen wird, daß wenn sie alle zusammen flössen, sie einen grossen Fluß ausmachen würden, (s) In diesem Dorff haben wir noch Ueberbleibseln von dem Scha- Schade von den gesehen, welchen ein Waldwasser »--er m-mne vor wenig Tagen emmiWald den 'ri. dieses Monats, Abends um 8 . Uhr, verursachet, da es aus der Ober-Alp mit solcher Ungestüme herabgeloffen, daß es seine Gränzen durchgebrochen, und durch einer; neuen Weg das Dorff in Ge- E Z fahr Z8_ Zweyte Ber g - Reise. fahr gesetzet. Viele Häuser sind daher durch viele Centner- schwere Steine zerschmettert, Ställe und Scheuren umgekehrt, die Gemächer in dem zweyten Stockwercke mit Erde, Steinen und Koch ausgefüllt worden. Eine solche Überschwemmung von einem Wald- wasser, welches sie Rüfin heissen, hat sich auch A. 1687. und A. 1572. zugetragen, bey welchem Anlas die Häuser niedergerissen, und die Küche so verletzt worden, daß das Gewölb eingefallen. Hier machten wir dem Fürnehmen Herrn o»uäemio cle Opel unsere Aufwartung, welchen der König in Engelland 6un.iLl.nvs glorwürdigsien Angedenckcns mit dem Ritter-Orden beehrt: Ferner dem Ehrwürd. Hrn. »»rrmsnn Kassel , Pfarrer daselbst, welcher schon mehr als so. Jahr alt, und dessen Herr Vater in seinem 8rsten Jahr annoch zimlich hurtig eine gleiche Stell zu Tamin verwaltet. Diese leisteten uns viel unverdiente Höflichkeit. Sirmstr. Den 27. Julii verliessen wir Lllms , und bestiegen in Begleit Brrg. des Ehrwürd. und sehr höflichen Greisen den Flimser-Berg , welchen die Bündtner 8 cZncs nennen , und in Zcgnes Xuor, und Leznes Luor, d. i. den obern und untern Berg, eintheilen. Der mittägige Theil dieses Bergs, welcher gegen Bündten siehet, ist schwer zu besteigen, doch ist er leichter als der mitternächtige Theil, welcher viel gäher ist, und viele abgebrochne Felsenstücke hat, welcher uns mehr Mühe gemacht, als alle bis dahin bestiegne Berge. Auf dem obersten Gipfel ist ein durchbrochner Felsen , welchen die Warner ge- MEs. meinigltch das Marns-Loch nennen, und alle Jahr im Dorff Elm den z. Merz, und um Michaeli im Herbst, durch diese Hole als durch ein Seherohr die Sonne betrachten; besiehe bl-i v. cur. p. zy. und pfenders Bericht von Bergen, p. 24. Gegen diesem durchbohrten Felsen über hören die durch den Schnee gehenden ermüdeten Reisenden einen deutlichen vielfachen Wiederhall. Fast zu unterst an Schmaler diesem Berg, auf der Seite gegen Glarus, welche Gegend von den »nd Mhr- Bundtnern Tscheimgel, von den Deutschen aber Schindle» ge- licherWeg. nennt wird, muß man durch einen sehr schmalen Weg gehen, die wand genannt, er ist zimlich lang, und bisweilm kaum zu beyden Seiten i. Schuh breit, unter welchem ein steiler Abgrund ist, in welchen zuweilen Stücke hinunter fallen. An einigen Orten ist die Wand glatt, und stehet fast fenckelrecht etlich ioo. Schuh hoch; obenher ist auch eine andre felfichte Wand aufgericht, daß die Sicherheit der Reisenden nur von den hervorragenden Felsenstücke» und 3 - _ und Baumästen abhänget. Die so dem Schwindel unterworffen, führt man einen andern Weg, damit sie sich nickt so augenscheinlicher Lebens-Gefahr unterwerfen müssen. Aus solche Weis sind wir end- ^ lich -es Nachts um iv. Uhr nach Elm gekommen. Wir haben aber billich Ursach uns des Schutzes Gottes so wol hier als auf der ganzen Reise mit Danckbarkett zu erinnern. Den 28. Julii kamen wir von Elm auf Mau. Hier machten M«tt. Wir uns in einer Stunde das Vergnügen, den Slarcen-Lerc, zu be- sehen, welcher seinen Namen von den schwarzen Sckieffcrsteinen Berg. hat, (^rclel;-,) woraus man schöne Tische und Schreib-Tafeln, auch andre Sachen machet, welche, wenn sie polirt werden, mit dem schönsten Marmor uck den Vorzug streiten. Diese werden hernach in Deutschland, Holland, Engelland, Schweden und Därmemarck hingebracht- ^->Zn, «elv. cur. p. 304. Ich wil mit wenigem sagen, was wir an dem Ort ihrer Herkonft selbst angemerckt, sie liegen ganz parallel übereinander, allzeit in gleicher Ordnung, sind alle platt, keine sind krumm, sie sind auch nicht klein, sondern einige bis io. Schuhe lang und 4. breit. Bisweilen siehet man zwischen denselben helle Quarz-Adem, welche kaum eines Fingers breit find; wenn solche in Ansehung der Blatten Kon-omai liegen, werden sie Zieger gemimt, welchen Namen sie von der Gleichheit der Farbe mit dem Zieger bekommen haben; wenn sie perpenclicuiar sind, nennet man sie Gläß. Alle Schiefersteine, welche von den Arbeits-Leuten mit eisernen Bissen, so sie in den Zwischenraum hineinschlagen, leicht voneinander getrennt werden, bestehen aus zwey Tafeln, der obern härtern , und der untern als weichern. Bisweilen ist der Stein überall so weich, daß er zu nichts tauget. Diese Steine werden von den Steinhauern in die Form eines Tisches oder einer andern Tafel gehauen, und hernach bey Hause noch mehr auspolirt. Die langen, aber nicht so gar breiter; Stück, welche sie in Form der Brettlein zuschneiden, brauchen sie die Garten-Better zu umzäunen. Diese ri°>- Sckichten liegen nicht Konromai, sondern gegen Mittag gestrickt, v-üc°rm->. wie die Schichten an andern Bergen des Schwcitzerlands. In einer Ritze dieses Felsens findet man einen fetten Mergel Mr- welchen sie weiffe Nreide nennen. Durch das Rleine Thal fließt sei - Erd«, die Sernft, welche in dem Vera wichlen entspringt, und sich in TlußStttift. Lie Limmath ergießt. An diesem Tag kamen wir auf Glarus. Gla- Burg St. Felix und Äegul». Mararteres von Lin- drückung ihrer Fingern -in Stein. 4s Zweyte Berg-Reise Glarus, der vornehmste Flecken in dem Warner - Gebiet, gab uns den 29. Iulii zu einer Betrachtung Anlaß, deren Erzchlung den curieusen Leser nicht weniger ergehen als unterrichten wird. Diejenigen, welche die lieben Heiligen mit ihren Gebetern bestürmen, halten eirren um etwas erhöhten Ort, Auf der Burg genannt,in grosser Verehrung (welches seinen Namen hat, weil vorzeiten von dem Herrn -es Orts daselbst ein Schloß erbauet gewesen) wegen der Capell, welche nach einigen von dem H. Felix zu Ehren des Erzengels Michaels, nach andern aber sonsten zum Angedencken -er Heil. Märtyrer Felicis und Regulä erbauet seyn soll. Dieses zu untersuchen überlasse ich den Herren Theologis. Es hat aber unser in der Kirchen-Hiftorie so sehr bewanderte Herr Ioh.Iac. Homnger viele Betrügereyen hierinnen entdeckt in den Helvee. Rirchen-Geschich- ren L.iv. li. p. i, 6., 17. Ach füge nur hinzu, was ich selbst gesehen, und sich nicht auf die historische Glaubwürdigkeit gründet, sondern was mich die Natur selbst belehret, und was ich also, ohne einem andern in seine Arbeit zu kommen, wol thun kan. Man zeiget nemlich in dem besagten Ort, nicht weit von der Capell, einen erhabnen von Natur holen Felsen, worinn ehmal die vorbenannten ersten Märtyrer des Schweitzerlands, als sie vor -er Heischen Legion siüchtig waren, gewohnt, und daselbst zu ihrem Angedencken theils einige Cha- racteres, (wovon aber oben gepriesner Hr.Hottinqer gar wohl sagt, sie seyen so dunckel, daß sie selbst der Prophet Daniel, der die Geheimnissen so wohl auflösen können, nicht verstehen könte,) theils die Merckmahle ihrer Fingern eingedrückt haben sollen. Allein o V3NÄS ttominum Kt«nre8, o c«c»! Diese so geheißne Eindrückung der Fingern ist offenbarlich nichts anders, als Merckmahle der spielenden Natur in Gestaltung der Tropfsteinen. Es wird auch ein jeder, der die Tropfsteine oder das Spiegeleis kennt, oder diese Gestaltung mit andern Tropfsteinen vergleicht, leicht begreiffen können, daß es hier eine gleiche Art sey; dann solche stellen bisweilen nicht nur Merckmahle von Fingern vor, sondern auch gar gantze Capellen, und m denselben Oraelwercke, darin die Pfeiffm bisweilen von der Natur so artig gemacht sind, daß sie denen durch Kunst zubereiteten fast gleich sehen ; ja damit es bey dergleichen Lo- moeciien nicht an Zusehern und stummen ütteurx mangle, so stellet sie selbst Mönchen und geschorne Priester vor: wie in der berühmten Baumanns-Höie, welche im Hartzwald, in der Grafschaft Rhein- des 1723km Jahrs. 41 stein, liegt, wie sie neulich Lekrens ttercyn. dur. czp. I. beschrieben. Die Wunder dieser Hole hat unter andcm ^ok. L.uäov. kurrerus irr einer Liegie abgemahlet: (^uoäc^ue kiäem luperar, ftillanres Marmors 6unss Liücere, Le veris reclclere Imsgimbus. Kurares Lip^lo düobon, speÄsror, s6emx>rgm, klxoris üarusmgue kic superelle L.orko! kdines guis llubirer, Lepkslique in ^lsrmore Cervi Olcsrius üguis progreiliLre, Csnem? kerlea LorAvneos nempe kic poluille Lolubros Lre^ibile eli, imisgue occuluille L.ocir. In6e rizor 8reropum, kerri gui ponclern mulcenk, Inkulcanr russ, Luöa, freguenrer ^guas. Minima mirs. Oei guos non s« exrenäir in 3Äus ^irsmLnus! I nunc, polce, 8opkiliz, Vio6um. Was soll ich sagen von jenem Mönchen-förmigen Stein, welcher zwey verkappte Mönchen vorstellt, und deßwegen der Mönchstein genennt wird, und gefunden ward in der Nähe des Cloftcrs Mi- chaelstein, in der Grafschaft Blanckenburg; von welchem nachzulesen Lchrens I. cir. p. r 2 8. Auf solche Weise siehet man, daß der Aberglauben selbst die Natur zu Hülffziehet; und daß man aus den Naturspielen Wunderwercke macht! So hat vorzeiten ein Chinesischer Kay- ser in einer Hole des Berges Riirgieang bey der Stadt )enkm- Lhina, aus einem einzigen Stein (den ich für einen ScaigNirsm halte) tausend Götzenbilder ausbauen lassen. S. Nmhof. Lhines. Beisbescbr. psg.; i s. (r) An eben dem Tag habe ich vermittelst eines geometrischen Halb- Circuls auf der Ebne bey Glarus die Höhe nachfolgender Bemen abgemessen: Des vordem Glarnrfth ? Schuhe. (denn man siehet den hindern und höhern hier nicht) ! 2431. Schür, welcher sich erstreckt über Ennerbühl u. Enneda. 3976. wiggisberg, dessen Theile sind Rautlspitz «.Schienftc^ck. 3571. Es erhellet hieraus, daß -er vordere Glärnisch höher seye als Schilt szs, und als Wiggis 66 o, dieser aber ist höher als Schilt 404. Schuhe. Theil. _F_ Von (r) Dir Beschreibung von der Verfertigung der Glarnerischen Schab>ZiegrrS sind« man in dem i. Theil Blatt 440. kkLnome- non an der Sonne. 42 Zweyte Berg« Z^eise des ragten Jahrs._ Von Glarus gierigen wir an eben diesem Tag fort/ und richteten unsern Lauff nach Wesen / daß wir von dort aus der Limmath nach auf den Zürich-See kämen/ welchen wir noch diesen Tag erreicht / ja noch bis auf Horgen gefahren sind. . Das lezte kkLnomenon, welches uns gleichsam zu unserer glücklich vollführten Reise beglückwünschte/ hat uns die Sonne vorgestellt : da sie einen gantz neuen Habit angezogen/ (zum wenigsten habe ich sie in solchem noch niemal gesehen). Abends um s. Uhr ist bey neblichtem Himmel dieses sonst so hellglänzende Gestirn, zum wenigsten einige Augenblicke/ in Mitten dem Nebel, in einer angenehmen purpur-blauen Farbe erschienen. Ende der zweyte» Reise. Dir W )°(W 45 In dem Mahr 1704 S hatten mich in dem Julius im Jahr 1724. die Ver-Maß ' ftopfungen, die ich schon einige Jahre her in denen äußern Ms«. hautichten und drüsichten Theilen des Haupts / nach dem Pfeferser-Bad, als dem gewissen Ort meiner Genesung/ geruffen. Ich spürte diesen Zufall mit nicht geringer Spannung / welche mich am meisten in dem vollen - und neuen Mond plagte. Das Übel ist aber so groß worden/ daß ich bißweilen nothwendig die Stirn und die gantze Haut des Haupts habe falten müssen/ so daß ich schon schwere Anzeigungen von der Nemid-anm verspürt/ welche das rechte Aug mit denen nahe dabey liegenden Zäsern einer Sennen angegriffen, entweder mit einem gar schmerzhaften Spannen oder Zurückziehen, wobey ich bald den Appetit verlohren, bald behalten, bald bey geringern Schmerzen, bald mit Ekel und Erbrechen. Ich leitete die Ursach her von dem verhinderten Lauff des Geblüts durch die äussern Theile des Haupts, zumalen die Lebensgeister durch beständiges Nachsinnen, zu dem Sitz der Seele hineinwärts geruffen , mit einer niederen Kraft die äussern Zäscrlcin haben anstrahlen können, daher mußte auch die Bewegung des Geblüts durch die äussersten schwachen Canäle verringert werden, und auf diese nothwendig Verstopfungen in den Haut-Drüsen folgen, auch eine unordentliche Bewegung in dem rechten Aug und auf der rechten Seite des Gesichts, welche vielleicht schwächer ist, als die lincke, und daher den gehinderten Lauff des Geblüts, der allzuhef- tig war, nicht erleiden mögen, sondern ausgespannt, und entweder Wechsel-weise oder durch unordentliche vis-r, m den schwachen Röhrgen, mit Blut angefüllt worden. Damit ich nun diese Vor- F 2 boten Figur in ei- riem Felsen. Echwarzr Marmor- steine. Sechseckich- te CristaUen. 44_ Dritte Berg - Reise boten eines schweren und langwierigen Mels vertreiben tönte/ habe ich dieses in dergleichen Fällen heilsame Wasser zu Hülst gezogen, von dem ich fast alle Mergelt früh durch den Julium s. bis 6 . Äpo- thecker- Pfund getruncken, wobey sich ein Schwindel und einige Tollheit eingefunden, welches Vormittag so lang gewährt, als das Wasser die Röhrgen der Puls-Adern in dem Hirn durchgeirret und ausgedähnt, und also die nervigten Zäsern einigermassen hat mögen zusammen drücken; denn es bald ein wenig aufgehört hat. So bald der lose Gast durch die Harngänge ausgeführt worden, als es überall aufgehört, habe ich mit dem Trincken auch tnngehalten. Wie es aber mit dem ersten Übel des Haupts ergehen werde, dieses ist Gott bekannt, er bringe auch dieses zu Ende! Ich muß anmercken, daß A. 1704. als ich diese Reise gemacht und beschrieben, das alte Haus umgerissen, und dagegen ein neues weit bequemers und grössere» erbauet worden. O) Gegen der Morgen-Seite des Hauses hat die Natur an einem erhabnen blaulichten Felsen mit weiffen Adern, ein bey einem Tische knyendcs Weib, welches ein Creutz vor sich haltet, abgemahlet: man heißt es gemeiniglich St. Mariä Magdalenä Bild. Ich verwundre mich, daß Lügner ttei V. cur. p.; r 8 . diese Spiele der Natur mit dem Namen der Heiligen belegt, da doch diese weiffe Adern niemand für die Gestalt eines Weibsbilds anstehet, als der mit unsrer Religion widrigen Vorurteilen angefüllt, und von den falschen Wunder- wercken verblendt ist. Bey dem Gasthanse zu Pfefers bricht man, zu Erbauung einer neuen und bequemern höchftnöthigen Wohnung, schwarze Marmor- Steine; in der Mitte derselben sahe ich klare Fußftapfen figurirtcr Steine, Lonckiram peÄini formem clcnle llrisrum, grque comorwm, ferner Merckmahle !^3pige3rum,oder krumemslis l^piäis lm- peläli /wovon weitläufftig gehandelt in Lpec. I.irk. Uelv. Aus den Spülten selbst dieses Marmors wachsen kleine sechs- eckichte Criftallen Herfür, auch ieienitische 8 . und n. eckichte Flüß, die denen Linsen beynahe ähnlich,an denen,?. Ecken zu beyden Seiten in Pyramiden zusammen lausten, die die übrigen Seiten beschließen. Unter diesen viel-eckichten Flüssen aber liegt eine martialisch-gelbe Schale, welche die Flusse hm und wieder mit braunlichter Farbe bemahlet. Zwi- (u) Scher in dem l. Theil. Dl. 7S. 4 s des i7O4ten Jahrs.' Zwischen Valenz und Vftfers ist ein aschfarber Schieferftein, welcher leicht zu zerreiben ist; aber an einem hohem Ort zwischen Valenz und denen Bergen, welche man gemeiniglich Graue Hören nennt, ist ein härterer schwarzer, welcher dem Glarner gantz gleich ist, mit dem sie fast gantz Europa durchreisen. Diesen Ort habe ick vermittelst des Barometers über Pfefers 1200. Schuh erhöhet befunden. Um Pfefers auf den höchsten Bergen Galand, Graue Hören, Genmhi«m Sanoi, befindet sich eine grosse Menge Gemsthiere. Allein ich fahre zu andern Betrachtungen fort, welche ich auf dieser Reise, und in diesem Jahr gemacht. Zwischen wallenstatt und dem Gestade des Sees, erstrecket sich durch sumpfichte Wiesen der Römische weg, via , welcher mit Grieß und kleinen Steinlein bedeckt ist. Ich habe auch in dem vorigen Jahr in der Grafschaft Baden, zwischen dem Dorff Grsß- Tettingen, und wo die Limmath mit der Aare zusammen lausst, eben em solches Denckmahl von der Römischen Pracht gefunden, das sich beynahe i Stunden weit erstreckt. Der Bauart dieser beyden Wegen, die, so viel ich weiß, noch von niemanden beschrieben worden sind, habe ich hier den Liebhabern der Alterthümern zugefallen Meldung thun wollen. Dergleichen, die man in Ungarn hin und wieder bemercket, thut der sehr berühmte und vortreffliche Graf äioy. llus kercl. KIsrsiAli in ?rollr. Oper. Oznubi»!. p»ß. 2s. öftere Meldung. Ich habe in der vorhergehenden Reis-Beschreibung von Anno St. M«r. 17OZ. das St. Manms-Loch beschrieben, welches zu oberft in dem tins roch. Llimser-Berg zu sehen ist. Von diesem hat der Ehrwürd. Herr Wild, erster Pfarrer zu Glarus, gar wol gemuthmaffet, diese Höle habe ihren Namen vielmehr von Mathas als Martins, (daß es also eigentlich heißen würde Machisloch , an dessen statt nach und nach entstanden Martinsloch). Man pflegt aber an diesem Tag die Sonne dadurch zu besehen. In der Reis-Beschreibung von A. 1722. geschiehet Meldung Mch« von falschen Diamanten, oder von kleinen reinen Criftallen, welche Diamanten, auf dem Audrig tm Schweitzer-Gebiet gefunden werde»; ich wil nun das was ich ferner angemercket habe, anzeigen. Die meisten von diesen Steinen sind überall gantz, auf beyden Seiten zugcspizt. Die Griechen nennen sie Einige haben entweder keine, oder sehr wenige, oder sie haben alle Ecke, aber sie sind sehr eng aneinander; andre haben längere und zugespizte; andre sind ein- und auf ver- F 3 schiedne HbscrvLtio- ner Lsrvmc- »ric»:. 4 § Dritte Berg-Reise schiedne Weise aneinander gewachsen. Durch die ersten verstehe ich dergleichen, welche in einer gleicher, rechten Linie aneinander gewachsen, oder deren Axen eine rechte Linie ausmachen; durch die leztern aber (angewachsen) dergleichen, deren Axen in verschiedne Winckel zusammen lausten; endlich gibt es noch dergleichen, deren Cörper in eine Pyramide eines andern Criftalls eingesenckt ist, daß man das äussere seines Cörpers für den Stiel des andern anstehet. Jezt fahre ich fort zu denen Oblervsrionibus Lzromettico-Kle- teoroiotzico-Leomecricis , woraus man die Lag des Pfeferser-Bads gegen andern Orten abnehmen kan. Den?. Iulii 1724. Zu Zürich stund um 12. Uhr zu Mittag das grosse Barom. auf 2. - - - grosse Thermometer 191. - -- - lHZromerrum Z8. Welches eine Anzeigung von einer grossen Feuchtigkeit der Luft, wie das Hiermomerrum der Wärme. In der Nacht erfolgte ein Regen mit Donner und Blitz, welches ein schweres Ungewitter dro- hete, so vielleicht an andern Orten begegnet. Wir fuhren auf dem Zürich-See Den 8. Iulii. Im Dorff Lachen stieg bey Hellem Himmel das Quecksilber bis auf i. Grad. Der Himmel blieb hell bis am Abend. Zu waUenftatt um 7. Uhr Abends, das grosse Barometer 4r. Zu Zürich stund das Quecksilber den gantzen Tag auf I. um 8.Uhr Vorn,, das kleine einfach Bar. 46. umi.UhrNachm. 46. - - grosse Therm. 196. - - 192. - - Uygrom. 29. - - ZO. Der Himmel war bald hell, bald neblicht, bisweilen donnerte es. Vormittag bließ der Wind von Nord-Ost zu Norden, Nachmittag der West-Wind. Nach den Observationen dieses Tags läge Lachen und Zürich gleich hoch, Wallenftadt aber höher als Zürich 280. Schuh. Den 9. Iulii. Um 5. Uhr Vormittag stund zu Wallenftadt das Quecksilber z. Zu Ragaz Mittags um 12. Uhr - - - s. Zu Pfefers im Bad um 11. Uhr Nachts - 1 o. Diesen Tag über stiegen die Nebel an den Bergen in die Höhe, worauf eine Helle erfolgte. Zu des lochten Jahrs. 47 Zu Zürich um 7 . UhrVorm. großBarom. i. umi.UhrNachm. Z. - - groß Therm. 182. - - i8s. - - t-l^Zi-omec. 2?x. - - zo. Nach den Observationen dieses Tags wäre Wallenstadt über Zürich erhöhet 160, Ragaz über Zürich zso, und über Wallenstadt 20c». Endlich dasPfeferser-Bad über Zürich 760. über Ragaz zso, über Wallenstadt;6o. Schuhe. Den io. Julii. In dem Pfefers-Bad stund um s. Uhr frühe der Mereur. auf 10. Zu Zürich um 7. Uhr Vorm. groß Bar. i. um 2. Uhr Nachm. i. - - groß Therm. 179. - - - 89 . - - I^ßrom. ZZ. - - 40. Es war ein Heller Tag, und Nachmittag warm, es fuhr der West- Wind zu blasen fort. Nach der heutigen Observation wäre das Bad 720. oder 760. Schuhe höher als Zürich. Den ii. Julii. Im Bad stund um 8 . Uhr Vormittag das Quecksilber auf 9. ZuZürich um 6 . Uhr Vorm. groß Bar. um 1. Uhr Nachm. - - groß Therm. 177. - - - 188. - -- tty^rom. zi. - - - Z9. Der Himmel war beständig hell und warm, und bließ eine angenehme Mittag-Luft. Nach dieser Ausrechnung liegt Pfefers höher als Zürich 680. Schuhe. Den 12. Julii. Im Bad stund um 9. Uhr Vormittag das Quecksilber auf 8 !. Zu Zürich um 6 . Uhr Vorm. groß Bar. l. über 1. Uhr Nachm. 2. - - groß Therm. 165. - - - 188. - - Z9. - - - 44. Zu Zürich war allzeit gleiches Wetter, wie auch der Wind. Heut war das Bad hoher 720. Schuhe als Zürich. Den i z. Julii. Im Bad stund um 12. Uhr Vormittag das Quecksilber auf 9!. Zu Zürich um 7. Uhr Vorm. groß Bar. über 4. Uhr Nachm. 2. - - groß Therm. 176. - - - 221. - - U^grom. 42. - - - so. Es war gleich hell, und bließ der gleiche Wind, wie vorhin. Heut war Pfefers 822. oder 762. Schuhe höher als Zürich. Den 48 Dritte Berg-Reist Im Bad um s. Uhr Vormittag das Quecksilber Am Fuß der Grauen Hören, den ich bestiegen, Den 14. Julii. Daselbst ist um den Mittag ein Regen herunter gefallen. Zu Zürich um 6. Uhr Vorm. groß Bar. um;. Uhr Nachm. - - groß Therm. 188. - - - 204. - - t^Zrom. 41. - - - si. Noch beständig Heller Himmel. Der Wind West zu Norden. Heut war Pfefers 820. Schuh höher als Zürich, der Berg den ich bestiegen, höher als das Bad 1142. als Zürich 1942. Schuh. Den i e. Julii. Im Bad um 6. Uhr früh fiel der Mereurius bis Des Abends um s. Uhr Nachm. entstund ein Ungewitter, daß zu wareau und andrer Orten in der Grafschaft Gargans ein starcker Hagel gefallen. Zu Zürich um 12. Uhr Vorm. groß Bar. i o. um z. Uhr Nachm. il. groß Therm. 19 z. tty^rom. zz. 220 . 44 . n Zürich siel des Abends ein starcker Platzregen mit Donner und Blitz. Zu Zürich um 6. Uhr Vorm. groß Bar. 2. um 1. Uhr Nachm. i l. - - groß Therm. 182. - i8f. N)?Arom. 2;. Vormittag war das Wetter bald helle bald neblicht; hernach aber sehr heiß. Im Bad um 7. Uhr Vormittag war die Höhe des Quecksilbers 14. «.»« v IM.« . .1 In Zürich'""^ umi.UhrNachm. i;. grotz Lyerrn. 179. 18s. Z8. - - ir^Zrom. Z4. Heller und warmer Himmel, und der vorige Wind Nach heutiger Observation ist das Closter höher als das Bad 242. Schuhe, das Bad höher als Zürich 960. oder 1220, das Closter 1240. Schuhe. Dm 49 des i704ten Jahrs. Den » 8 . Julii. Im Bad mit einem neuen Bar.Rohyder Merc. um s.uhr frühe, ni. um 4. Uhr Nachmttag. i oi. In Zürich um 6 . Uhr Vorm. groß Bar. r. um i r.Uhr zu Mitt. 2. - - groß Therm. 184. - - - 17z. - - ^vgrom. 44. -- - -- Z7. Es Meß der Süd-Süd-Weft, und war ein Regentag. Die Höhe des Bads über Zürich 740. Schuhe. Den 19 . Julii. Im Bad um 9. Uhr Vormittag das Quecksilber 12!. Unbeständig Wetter. Jn Zürich um 10. Uhr Vorm. großBar. i;. umi.UhrNachm. i;. - - großTherm. 151. - - 152. - - U/Zrom. 20. -- - 19. Bald regnicht, bald hell. Die Höhe des Bads 722. Schuhe. Den 22. IM. Im Bad um 6 . Uhr Vorm. das Quecksilber 9!. Ein schöner Tag. In Zürich um 9. Uhr Vorm. groß Bar. 1. um 5. Uhr Nachm. 1. - - großTherm. 162. - - - i6z. - , 19. - - - 27. Es war neblicht, um den Mittag regnete es starck, und bließ der Süd-Oft-Oft-Wind. Die heutige Höhe des Bads war 682. Schuhe. Den 21. Julii. Im Bad das Quecksilber 9. Helles Wetter. In Zürich um 12. Uhr Vorm. groß Bar. i. um 2. Uhr Nachm. r. - - großTherm. 15 6. - - 159. -- - UyZrom. 12. -- - 9. Unbeständig Wetter. Der Himmel fängt Abends an sich aufzuklären. Die heutige Höhe des Bads war 682. Schuhe. Den 22. Julii. Im Bad das Quecksilber 9 . Beständig und Helles Wetter. In Zürich um 12. Uhr Vorm. das groß Bar. 2. um 12. Uhr 2. - - groß Therm. 15 z. - 166. - - llyZrom. z. - 14. Am Morgen Nebel; den übrigen Tag hell. Es bläst der gleiche Wind. Die heutige Höhe war 722. Schuhe. II. Theil. G Den 50 Dritte Berg-Reise _ Den rz. IM. Im BadderMemrr. 9. DerHimmeh ist wie zu Zürich/ helle. In Zürich um 7» Uhr Vorm. das großBar. 0. um 1. Uhr Nachm. - - großTherm. is8. - - - 28 . - 29« Es bläst ein Nord-Ost-Wind. Die heutige Höhe ist 720. bis 760. Schuhe. Den 24. IM. Im Bad der Merc. 9. Hier und in Zürich beständig schönes Wetter. In Zürich um 10. Uhr Vorm. groß Bar. 0. um i. Uhr Nachm. 0. - - groß Therm. 171. - 17z. - - Uygrom. 26. - 26. Die heutige Höhe war 720. Schuhe. Den 25. Julii. Im Bad der Mercur 9!. An beyden Orten ists hell und warm. In Zürich um 7. Uhr Vorm. groß Bar. o. um 2. Uhr Nachm. - - großTherm. 168. - 188. - - ttyZrom. Z6. -- Z7. Die hmtige Höhe war 760. Schuhe. Den 26. Julii. Im Bad der Mercur. 10. An beyden Orten gleich Wetter. In Zürich um is.uhrVorm. groß Bar.um i. Uhr Nachm. ;. - - großTherm. i84. - !88. - - ttytzrom. Z§. - Z7. Die heutige Höhe ist 760. Schuhe. Den 27. Julii. Im Bad der Mercur. 10. In Zürich um 9. Uhr Vorm. groß Bar.!. um 2. Uhr Nachm. 1. - - großTherm. 177. - -so. - - ttyZrom. 42. - 47. Es ist an beyden Orten schön/ warm und beständig Wetter. Die hmtige Höhe war 760. oder 720. Schuhe. Den 28. Julii. Im Bad um ii. Uhr Vorm. io;. um s. Uhr Nachm. is. Abends ein Platzregen/ mit Donner und Hagel. In Zürich um 6. Uhr frühe groß Bar. i. umi.UhrNachm. 1. - - großTherm. 17t. - 19 s. - - blvZrom. 41. -- 41. Be- des r7<24ten Jahrs. fr Beständig und Helles Wetter. Die heutige Höhe war 720. oder 760. Schuhe. Den 29. Julii. Im Bad der Mercur. ro;. Helles Wetter. In Zürich um 10. nhr Borm. groß Bar. 1;. um 8 . Mr Nachm. i - - großTherm. 189. - 187. - -- ttyßiom. Z4. -- 4s. Unbeständig Wetter. Abends Regen, mit Donner und Blitz. Es bläst ein Ost-Weft-West-Wind. Die heutige Höhe war 72O. Schuhe. Den z->. Julii. Im Bad Morgens Abends n. HellesWetter. In Zürich um r o. Uhr Vorm. groß Bar. i;. um 6. Mr Nachm. 2. - - groß Therm. 184. - - a 7 Z. - - dl^Arom. 18. - - Ein neblichter Tag. Abends gegen 8. Uhr Regen mit Donner und Blitz. Die heutige Höhe 720. Schuhe. Den ?l. Julii. Im Bad Morgens, io;. Mittags rs. Regnicht Wetter. In Zürich um 10. Uhr Bonn. großBar. i;. um 8. Mr Nachm. iL. - - großTherm. 181. - - - - - U^Zrom. is. - - - Unbeständig Wetter. Heutige Höhe 720. oder 6go. Schuhe. Den i. Auglrft. Zu Ragaz der Mereur. 7. In Zürich um 6. Uhr Vorm. groß Bar. 1-'. um- 5 . Uhr Nachm. il. - - großTherm. 177. - - - i 8 s. - - Uytzrom. Z2. - - - Z5. Unbeständig Wetter. Unterscheid der Höhe 440. (oben war es zso. Schlche.) Den 2. August. Da, wo der Zürich-See anfangt > t. In Zürich umiO. Uhr Vorm. groß Bar. i-. um r. Uhr Nachm. r-. - - großTherm. 184. - - - .191. - - dl^grnm. 18. ^ - -- 24. Abends Platzregen. Kein Unterscheid der Höhe, gleich wie auch oben. G 2 Aus ;r_ Dritte Berg,R eist des 1724 km Jahre. HLh« dt« Aus diesen Observationen kau man schlieffen, daß das Pfefers- Pftfers-Da- Bad 7 oder 822. Schuhe höher als Zürich ist. Den» wir hadert 762. Schuhe 9. 722. - 7 . 822. -- 682. <- 5 3» 722. - 962. -- 1 . !222. - GMS Wiedrum/ werrrr man setzt 762. Schuhe, läßt sich dafür hatten, daß Rag«;. das Closter Pfefers 1222, Ragaz 422, und Wallenftadt 162. Schuhe höher als Zürich seye. Ende der dritten Reise, Die «K888S88888888888888888888888888ZA Die eise. In dem Wahr 1705. Heiden hatten den Aberglauben in Erwählung der Ta- am, an welchen sie Geschaffte vorhatten, daß sie diejenigen Tage, welche ihnen unglücklich gewesen, schwartz angeschrieben, und hernach sich nicht leicht unterstanden haben, au denselben etwas vorzunehmen. Es begab sich vor einem Jahre, daß all eben diesem Tag, an welchem ich jezt diese Reise angetreten habe, ein falsches Gerücht anfZürich gekommen, daß ich mit meiner Frauen und einer Gesellschaft guter Freunden und Frelmdinnen auf dem Wallen- ftädter-See Schiffbruch gelitten. Es würde derowegen ein andrer abergläubischer Mensch diesen Tag gefürchtet haben. Ich aber verliesse mich aufdie Göttliche Vorsehung, die mich bis dahin so gnädig erhalten hat, und vertraute mich, in guter Zuversicht auf den Allerhöchsten, dem Zürich-See, auf welchem ich mit guter Gesetlschafft den zo. Julius meine Reise angetreten habe. Ich werde in der Beschreibung derselben auch dasjenige anbringen, was zur Historisch- Politisch- und sonderlich auch zur Geographischen Beschreibung unsers Landes dienet. Ehe ich mit meinem Barometrisch- oder Philosophischen Wan- MrM derstab von Zürich abreise, pflege ich ein Wetterglaß oder Barome- ter bey Hause zu lassen, von gantz gleicher Würckung und Zeich- mendm Ba- uung der Graden mit dem, welches ich mit auf der Reise nehme, uud romet««. mache Anstalt, daß alle Tage, nebst der Wetter-Beschaffenheit, die Höhen des Quecksilbers aufgezeichnet werden, weilen ich in allen Städten, Flecken, Dörflern, Bergen und Thälern, wo ich durchreise, meinen Wetterstab ausschraube, und die Grade und Scrupel so fleißig, als möglich, bemercke, um sie hernach unter sich selbst, und Gz 54 Deii^i.Ju!. Lachk-r. vierte Berg- Reift mit denen, so zu Hause in meiner Studier-Stube sind bemercket worden, zu vergleichen, und durch dieses Mittel die resp. Höhen aller Orten in Erfahrung zu bringen, nach Anleitung dessen, was im l Theil gleich Anfangs von Abmessung der Berg-Höhen ist ange- mercket worden. Also bin ich an bemeldkem Tage Abends von hier abgereiset, nachdem ich die Höhe des Wetterglases, von der Flache des Quecksilbers an zu zehlen, 2z,Zoll und 9. Scrupel gefunden habe. Da Anfangs in Acht zu nehmen, daß diese Zolle der rote Theil eines Züricher- Schuhes sind, und ein Scrupel der rote Theil eines Zolls, auch, daß ein Scrupel mit 8 c>. Schuhen in die Höhe zu vergleichen, als- daß, wenn ich 80. Schuhe in die Höhe steige, das Quecksilber in dem Wetterglaß sich um einen Scrupel tieffer fenckct. (3) Den folgenden Morgen, als den zi. Julius frühe langten wir in Lachen an. Dieses ist ein Lateinischer Name, der so viel bedeutet, als aä i^cum, an dem See, und, gleich vielen andern in dieser Gegend, als ein Überbleibsel der alten Rhätischcn Colonien anzusehen, welche jenseits der Limmath durch das Gaster (so deßwegen auch Ottrs llkmica gencnnet worden) hinab bis an den See, und die Landschaft March sich erstrecket, provincism sä kmes, vel 1er» minos, so den Helvetiern zugehörig war, als eine March, oder an- gränzende Provinz, angesehen, (also daß die Limmath ehemals die Helvelier und Rhatiec voneinander geschieden.) Diese Landschaft March gehöret nun in den Canton Schweiz, wiewol mit eignen schönen Freyheiten; sie erstrecket sich ungefehr z.Stundcn in die Länge, auf einem ebnen sehr fruchtbaren, sonderlich Obst- und Weydreichen Boden; sie war vor diesem unter denen Grafen von Rapperschweil, von denen sie um A. izic. an Grafwernherr von Homberg gekommen, der des lezten Grafen von Rapperschweil Tochter hatte: von diesem aber kam sie an Graf Hansen von Habspmg, feiner Mutter Schwester Sohn, hernach an das Hauß Oesterreich, bis sie endlich A. 1428. von den Appenzellern in dem Krieg Wider Herzog Friedrich von Oesterreich eingenommen, denen von Schweiz zur (s) Nachdem/ wag in dem ersten Theil Dl. Anmerck. (t) ist gesagt worden/ wird der Leser/ in den folgenden Stellen/ wo svwol des Laßini als Marrotte Abmessungen angebracht werden/ die Höbe der Bergen viel genauer haben/ wenn er das Mittel rwischrn beyden bemeldten Abmessungen nimmt. _des 1725 ton ^ahrs._ss zrrr Danckbarkeit, daß sie ihnen zu Hülff gezogen, geschencket, und also der Eydgnoßschaft einverleibet worden. Einen Büchsenschuß weit unter dem Haupt-Flecken Lacken BergM-» an dem See, liegt Alren Dorfs, ein altes Dorfs, dem eine daselbst MendE. stehende uralte Kirche diesen Namen gegeben. Hieher verfügten wir uns, um die traurigen Würckungen eines Bergfalls, welcher sich vor einem Jahr begeben, und den Einwohnern nicht geringen Schaden zugefüget hat, in Augenschein zu nehme,:. Dergleichen Fälle heißen in Schweizerisch- und Bündtnerischen Landen gemeiniglich Rüst, Rüstnen, vermuthlich 3 llupibus, von den herabfallerwen oder durch der anlaufenden Bergwasser Gewalt abgetriebnen Felsen, oder» kmna. als wenn es Ruinen wären, wegen des Ruins und Schadens, welchen daher die Wenden, Wiesen, Aecker, Häuser, Menschen und Vieh leiden: sonften nennet man sie auch Berg. bräche, BergschUpfe. Ich hätte dißmal bequemen Anlaß eine gantze historische Beschreibung aller Berqfällen, so sich in den Schweizerischen Landen zugetragen, darzulegen, werde sie aber auf einen noch bessern Anlaß verspahren, und dißmal allein diese vor Augen liegende Geschicht, wie sie sich zugetragen, erzehlen. (b) Es hat sich nemlich den 27. Sept. 1724. zugetragen, daß in der Nacht ein grosses Stück von dem Berg, so oberhalb Allen Dorfs lieget, mit grossem Geprassel eingefallen, und daß durch Ungestüme der Bergwaffer viele Felsen, Steine, Erdkloffen und Bäume abgeführt worden, welche emen grossen Theil des Walds, schöne Wiesen, Grasreiche Weyden und fruchtbare Aecker verderbet, drey Häuser und 6. Ställe theils überdecket, theils fortgeschleppet, und nebst 12. Stücken Viehes 5. Menschen, nemlich Hans Caspar und Jacob die Lriegen, zwey BrÜdern, Luci Schüler. Anna Maria Gchag« gl, eine Magd von Galgenen, und einen Mann von Wallenftadt, aetödtet. Es rechnen die Einwohner den Schaden aus 12202. st. Denn die Güter, wo die Rüst angefahren, sind mit Steinen, Sand und Holtz so hoch überführt, daß zu keinen Zeiten Hoffnung ist, etwas Nutzens daraus zu ziehen. Von Lachen hinweg reißten wir zu Pferd durch die oben be- Reise durch ichriebue Landschaft March , und zwaren durch folgende Oerter: df-Land- ^ 1^ liDufr March. (b) Eine Historische Errehlung der Berg. Fällen hat der Verfasser in der Makrr.Historie des SchweizrrlandrS I. Theil/ Dl. ir?. Glarnerland Lab. l. Schwefel- iDaffer r» Nieder- Urnen» Beschreibung des Nieder - Ur- ner-Bads. 56 _ Vierte Berg-Reise Galgenen z. Stund; Sl'bnen i. St. allwo eine Brücke über die Aa, welche hernach in den Zürich-See fließet; Gchübeibach z. St. Buyikon z. St. Rychenburg z. St. allwo ein alter zerfallner Edelmanns-Sitz, welcher mit der gantzcn Pfarr, Herrlichkeit und Gütern an^das Clofter Einsidicn Lurch Abbt Marqumden, geboren von Grunenberg, zu Kayser Caroli des lv. Zeiten, erkaufft worden. Auf lincker Seite hatten wir die Linc, einen Fluß, der sich hernach in den Zürich-See ergießet, und jenseit derselben sahen wir, nachdem wir ein wenig auf eine Höhe gekommen, das gantze Gastal, Gastet, Lallra Ukrucs, welches unter der Schweizer und Glarner Bottmaßigkeit stehet. Auf der rechten Seite hatten wir zimlich hohe Berge, die ein Vortrab der Glarnerifchen noch weit hohem Gebirgen sind, welche wir bald besteigen werden. Hier ist im Vorbeygang zu wissen, daßvondemAlbis-Berg, bey Zürich, nebst dem Zürich- See hinauf, sich ein Berg bis ins Glarnerland erstrecket, welcher aber nach und nach an seiner Höhe zunimmt. Nachdem wir also die March durchwandest, kamen wir ins Glarnerland, welches lab. I. vorgestellet wird; dessen erste Dörffer sind Unter- und Ober-Bilten, (Pisten,) welche Kirch nun Re- sormirt ist, und vor diesem in die aste Pfarr Schänm's gehöret hat, die jenseits der Lint im Gafter liegt. Bey Bilten ist auf einer Matte ein Schwefelwasser, welches aber ohne Gebrauch. Nun folget das Dorff Nieder--Urnen, ehe man aber dahin kommt, ist das am Weg liegende Nieder.Urner-Bad zu besehen. Es ist solches ein eriftall-lauteres, kaltes, leichtes, durch das gantze Jahr allezeit gleiches Wasser, welches allernächst bey dem Badhause unter einem Felsen entspringt, und ursprünglich von dem rochen Berg herfliesset, welcher von seinen röthlichten Nagel-Gebirgen oder Felsen also genennet wird, und zur Sommerszeit mit schönen GraK- reichen Auen obenher bedecket ist. An diesem rothen Berge ist zur Winterszeit ein gewisser Ort, da kein Schnee bleibet, sondern bald zerschmelzet, vermuthlich von einer unterirdischen Wärme, welche auch den Nieder-Urner-Brunn selbst alsdenn also erwärmt, daß er über die Art andrer Brünnen des Lands von vielen nicht kan ge- truncken werden, bis er um etwas erkaltet; daher stehet man in den Gedancken, es möchte eine würcklich warme Quelle in dieser Gegend unter der Erde verborgen seyn. Dieses Bad ist vor alten Zeiten bekannt gewesen, sonderbar aber bey Anlaß der Pündtnerischen Oöe»- tt»^'ade geschrieben. Bemeldte weisst irdische, eher als ^lummose Materie, findet sich zimlich häufig in dem Bade zu Nieder-Urnen, und sind z. Er. in jedem Stotzen oder 12. Unzen l.Quintl. und 9. Gran enthalten, nach der Probe, welche ich über dieses Wasser A. 172z. im Amust gemachet habe. Ich habe auch damals allerhand Geister, und Safte m das Wasser geschüttet, wormit man die sauren oder -arischen Saltze zu erforschen Mgt, als die 'lorn-toiis, den 5 ->! 3 r- monisc-Geist, Viol-Syrup, aber keine mcrckliche Veränderung wahrgenommen; von Angiessung des in Wasser aufgelößten Sublimes aber hat sich oben ein Häütlein von vielen Regenbogen-Farben gezeiget, und von dem Weinstetn-Saltze ist das Badwaffer milchweiß worden, welches leztere insgemein auch in unsern Brunnenwassern kan wahrgenommen werden; daß ich daher in die Gedancken gerathen bin, es tönte des 77s«sten Jahrs. 59 könte manche fremde Bad-Cur eingestellet, und mit gleichem Nutzen durch unsere gemeine Wasser ersetzet werden. Von diesem Bad gehen wir auf NLeder-Urnen fort, bey welchem Dorss vorzeiten ein vestes Schloß gestanden, windeck genannt, so nun zerstöret ist. Es hat dieses Dorff A. 170z. von einem den August geschehenen Wowkenbruche und daher aufgeloffenen Berg- Wasser«», grossen Schaden und Gefahr völliger Überschwemmung' ausgestanden. Abends zwischen 6. und 7. Uhr, nachdem vorher der gantze Tag hell gewesen, hat sich ein Wolckenbruch bey gantzen Ey- mern ausgeleeret, wovon sonderlich der Dorfs- «nid fallende Bach ausgelosten, ausser dem Dorffe sich wunderbarer Weise vereinigt, und hernach mit gesummter Macht dem Dorffe zugedrungen, daselbst alles unter Wasser gesetzet, die Damme und Hecken durchbrochen, die Keller und untere Böden m den Häusern angefüllet, so daß jeder- man sich auf die obern Böden, oder in erhöhete Häuser flüchten müsse««, alle Brücke«« und Stäge weggeführt, die Mauren selbst hin und wieder umgeworffen, die Bäume theils von ihren Rinden durch An- treibung allerhand Steinen und Holtzes entblößet, oder gar weggeschwemmet. Eine Walche und Mühle, welche den ersten Anfall haben «nässer« aushalten, und also auch ein Stall mit einem Heu-Gaden sind von Grund umgekehret worden, auch ist eine andere Mühle in gleicher Gefahr des Untergangs gestanden, welche weiter unten gegen dem Dorffe liegt, weilen auch da bereits einige Haußecken weggeflossen, die Räder und anders Zugehörige «nit grossen Steinen theils zerquetschet, theils angefüllet worden. Ein anders Hauß in dortiger Gegend ist Zusehens des Besitzers, nachdem sich die Bewohner «nit Noth retten können, eingefallen. Unterhalb demselben stund ein Stall, in welchen sich eine Tochter geflüchtet, welche aber samt ihrem Fluchthause zu Grund gegangen. Viele sind auf die Bäume gestiegen , um der Wassersnoth zu entgehen; viele haben «nit Weib und Kindern ihre Wohnungen verlassen, weilen sie darin «richt vermeynt sicher zu seyn. Die Wiese««, Felder und Gärten wurden mit Steinen, Sand und abgeführtem Holz bedeckt. Und es war noch ein grosses Glück, daß der Bach nicht in seinem Runß geblieben, sondern sich ausserhalb dem Dorffe zertheilet, indem sonst das gantze Dorff irr Gefahr des Untergangs wäre gesetzet worden, weilen nach der Aelp- lern Aussage, welche dem Wolckenbruch und Hagelwetter auf den Bergen eigentlich zusehen körnten, die Bergwasser Häuser-jaThürnen H r hoch Nieder - Urnen. Schloß Windeck. Wvlcken- bruch ;u Nieder - Urnen. >62 Vierte Berg-Reise _ hoch aufgewachsen, und die größten Felsen, mit einer Menge Tari- nen- und andern Bäumen aus dem Grunde gerissen, und mit fortgeführet haben. Bey diesem Unglück konten sich die Nieder-Urner jene Verse Virgin zueignen: Isunc en»m immeniurn doelo venic ^gmen Lr glomeram l'empeliLlem Imbribus srris, doIIeälL ex sko taubes: mit »röuus ^tber. Lc pluvia ingsnri Zara iLlL, Loumgue ^»bores viluie: implentur kollZe, Lc csvz kluminz ci-escuut Lum Sonicu öcc. Oder besser - - Kspiöus Montana klumine lorrens, Zrernir ^gros, llernic 8grzLovmcjue I^Lbores, prXcipirezgue rrrkm 8^!vas, 8cupec inlcius alro ^ccipieris 8onirum - - - cle Vcrtice pgllor. Diese Bergwasser-Geschickt, welche auch zum Theil unter die Rufen zu zehlen, berichte ich, wie sie mir von dem Ehrwürd. Hrn. Ioh. Heinrich» Fast, damaligen treu-eyfrtgen Seelsorger der betrübten Gemeinde, nun Pfarrer zu bedingen, Züricher-Gebiets, unterm i.Sept. i?oz. überschrieben worden. Sber-Uruen. Von V7ieder-Urnen reißten wir weiters auf Ober-Urnen fort, Schloß Vor- bey welchem Dorff ehemals ein Schloß, Verbürg genannt, geftan- den. Es ist diß Dorff gen Näfels Pfarrgenößtg. Me». Weiters kamen wir auf Vläftls, Vlefels , Vtähenfels, blavz- li», einen schönen Flecken, bey welchem eine Brücke über die Lint, die auf Wesen oder Moliiß hinführet. In diesem Näfels (welches seinen Namen 2 blavibus, als eine alte Schifflände, oder von nächst- gelegnen Felsen hat) ist der Fräulerische Pallastfehenswürdig, und nasse bey dem Flecken die mit Creuzen bezeichnete Wallftatt, auf welcher A. i? 88 . den 9. April von z«»o. Landleuten isow. Oefter- reicher, welche unter Herrn Donat, Grafen zu Toggenburg, und Peter von Torberg von Wesen ausgezogen, geschlagen, und in die Flucht gejagt worden; zu welches herrlichen Siegs Angedencken alljährlich aufden ersten Donnerstag im April die sogenannte Mäftlftr Fahre gehalten wird. Ehe man von Näfels weggehet, kan man wol auch das A. 1677. ausgebaute Capueiner-Clofter besehen, welches auf einer Höhe, vorzeiten Bmck-Glock, hernach Mariäburg genannt, also angelegt ist, daß es im Fall der Noth als eine Festung karr gebraucht werden. Die des rasten Jahrs. ^ Die Einweichung der Capuciner-Kirche ist den s. Oktober 1679. geschehen. Darauf folget das Dorff Nerstall, welches vor den» in den MtstM. Flecken gehört, nun aber seit wenig Jahren auch eine eigne Kirche, und Römisch-Ctltholischer Seits eine Capelle aufgerichtet hat. Von Nerstall kamen wir auf Glarus, Glarrs, clsris, 61a. Glorie, rona, Osron», 6i3re^nz, so einer Stadt gleich, der Hauptflecken-es Landes Glarus, welches seit A. izs2. in den Eydqnößtschen Bund getreten, und in der Ordnung den vumn Canton machet. Diese Landschaft ist schon unter viocieciano und bewohnet gewesen, weilen da die H. Märtyrer, so von der Thebaischen Legion überblieben seyn sollen, sich niedergelassen, und ein Gedenckzeichen hinterlassen haben. Unter Ooäoveo 1. König in Franckreich ward sie von zweyen Brüdem o,lo, und beherrschet, welcher sie dem H. Fridolino geschencket, der noch tezt des Landes Patron ist, und in des Landes Wappen stehet. Von diesem kam es an das Clo- ster Seckingen, dessen Aebbtißin zu 4. Jahren um persönlich nach Glarus gekommen, das Gericht mit 12. Landsleuten zu besetzen. Aber unter Kayser Friedrich dem l. wurde dem Clofter und dessen Landen ein Schirmvogt gegeben, und zwaren unter kriclerico Lsr- bgrolls dazu dessen Sohn, 0 uo, Pfaltzgraf zu Burgund, verordnet, dem für seine Belohnung alle Steuer, Frefel, und Gerichtszwang Glarus zugehörten. Der übrigere Zinsen, Gülten und Lehen halber bestellte die Aebbtißin ihre Meyer aus Adelichen Geschlechtern, so zugleich Regenten des Landes waren, unter denen vornemlich zu zehren sind die Tfchuden von Glarus, welche die Meyerey von Glarus lange Zeit inngehabt. Nachdem aber das Hauß Oesterreich sowol die Castvogtcy als Meyerey zu Glarus mit List und Gewalt an sich gezogen, sind die Landleute also gedrängt, und an ihren alten Freyheiten angefochten worden, daß sie es in die Länge nicht hätten ertragen können. Zu ihrem Glück aber ist in dem schweren Krieg zwischen verzog Albrecht von Oesterreich, und der Stadt Zürich, mit welcher sich A. lZ5i. Lucern, Uri, Schweiz und Unterwalden ewig verbmi- den, ihr Land von den Zürcher« ein - und sie selbst in die ewige Bünd- niß aufgenommen worden. Seit der Zeit besitzen die Landsleutc von Glarus ihr eigen Regiment, und kommen jährlich auf den ersten Sonntag im Mayen alle, so über i§. Jahr alt, im Hauptfleckcn zusammen, den Eyd aufdas Land-Buch zu leisten,denLand-Amman und H z übrige 62 Vierte Berg-Reise übrige Regenten zu bestellen/ Unfalles dasjenige abzuhandeln/ was zu des Landes Besten dienet. Hier zu Glarus war die Höhe des Quecksilbers rz." da stein Zürich zu gleicher Zeit 2z." z." war. Diesemnach wäre Glarus 40. Schuhe höher als Zürich. Der Haupt-Flecken GlaruS giebet einem Liebhaber natürlicher und historischer Begebenheiten sonderlich zwey derselben zu betrachten an die Hand. Die einte ist der sogenannte Glarnechche Schab- Zieger, welcher daselbst in grosser Menge gemachet wird. und von uns in dem t Theil Bl. 440. weitläuftig genug beschrieben worden. Zweytens sind in Acht zu nehmen die von den H. Märtyrern Felix und Regula in harren Felsen eingedrückte Merckmahle ihrer Fingern. Welche historische Beschreibung oben in der rten Berg- Reise Bl. 42.41. ausführlich zu lesen. Nachdem wir zu Glarus übernacht geblieben/ reißten wir den ^ ^ i. August/ als folgenden Tags/ fort/ und sahen in dem Dorff Mir- 882 " loben, so auch nach Glarus Pfarrgenößig, ein sonderbares Exempel eines Kna. der Vorsehung Gottes/ Marx Gmsing, ein 6jähriger Knab/ wel- bens. ^er vor wenig Wochen in einem kleinen Häußlein / auf welches ein weit grösserer Felß gefallen, in mitten der zerbrochnen und eilige- schlagnen Balcken unverschrt geblieben/ da sonst alles zu Grund gerichtet worden, was indem Häußlein war. Schwanden- Von da reißten wir Wetters auf Schwanden, 8ugn6a, einem alten schönen vornehmen Flecken, der mitten im Lande Glarus bey dem Zusammenfluß der Line und Gernft lieget, und denen 8u-mri- bus (sind gewisse Völcker, Lerer kiinius L.W. m. csp. ro. gcdencket) den Namen gegeben, nach der Muthmaßung QuilUmanm Ker. ttel- ver. lll. czp. 6. Es ist dieser Flecken Reformirter Religion, dahingegen Glarus vermischt, und werden dort die jährlichen Lands- Gemeinden von den Evangelischen gehalten, auch wird der Metzen- Gewerb meistens allhier getrieben, und von einer besondern Gesellschaft unterhalten. Es ist nahe bey dem Flecken eine alte Burg gestanden. Die Kirche ist A. 1349. gebauet worden, die Schul aber und Helsserey ward erst A. 1669. aufgerichtet, weilen die Schwander Gemeind, Glarus ausgenommen, die größte und volckreichste im Lande ist, und benanntlich dahin gehören Luchsingen, Läugelbach, Egder ^lirfuren, Leu, Haßten, Thon, Schwendi, Gol. Bey Anlaß G-igerischm dieses Fleckens ist anzumercken, daß die sonst wolgemachte Geigcrische 6Z des rasten Jahrs! Carte des Schweizerlands- nach welcher alle andere, wiewol mehr mit Verderbung des Originals, als mit Verbesserung desselben, ausgefertigt worden, auch selbst hie und da einige Verbesserung nöthig hat. Denn sie setzet Bettschwanden, ein Dorff, das an der Lint lieget hinter Schwanden, an dem Zusammenfluß der Sernft und Lint, da doch dieser Ort dem Flecken Schwanden zustehet. Allhier ist uns grosse Ehr und Freundschaft bezeigt worden von dem Ehrwürd. Hrn. Heinrich Tschudi, Diacon des Orts, welcher zu stillem und des Landes Ruhmeine Historische Beschreibung des Slarnerlands ausgearbeitet, in welcher dessen Situation, der Einwohnern Sitten, Regiment, und Erzehlung aller Geschichten, welche das Vaterland angehen, in Chronologischer Ordnung abgehandelt werden. Er erneuert also die Gedächtniß Gilg Tschudis, eines vornehmen und hochgelehrten Herrn seines Geschlechts, welcher einer der besten Geschichtschreiber war, so jemals in unsern Landen geredet. In Begleit Melodien Herrn und seines Herrn Bruders, wel- Huppe» eher des Orts Richter, haben wir den Berg Guppen bestiegen, welches der lezte Anhang ist des weltberühmten und hohen Glarmsth Berges, der sich von dem Flecken Glarus rechter Seits bis hieher, und auf der andern Seite bis zum Ende des Llömhals erstrecket. Was wir auf heutiger Berg - Reise verrichtet, wird jezt der Ordnung nach folgen. Oberhalb Schwanden traffen wir einen sehr kalten Brunnen Kalter oder Bach an, welchen ich im i. Theil Bl. Z44. unter die Maybrün- Brun», nen gezehlct, weilen er sich den Winter durch verbirget, und im Maymonat wiedrum aus der Erde hervor quillet, von welcher Begebenheit an jezt-angezognem Ort mit mehrerm geschrieben worden. Es demercken die Anwohner von diesem Bach, daß er nicht zu flies- sen anfängt, bis der Winter völlig vorüber, und keine rauhe Win- terkälte mehr dahinter, daß daher der Fluß dieses Wassers als ein Zeichen der bevorstehenden Frühlinqs-Wärme angesehen wird. Über welche Begebenheit ich also urtheile, daß derjenige Wassergehalter, aus welchem -er Brunn fliestet, nicht mag angefüllet werden, bis durch beständig warme Frühlings-Witterung eine zimliche Menge Schnees aufgelößt, und zu Wasser worden. Es ist überdiß An- Wassers» -enckens-würdig, daß dieser Brunn sich nicht läßt mit der Sciffen U Seiffen vermischen, und die Erbsen oder Bohnen nicht können in demselben vermische» weich gekochet werden. Ein ußr. §4 _ Vierte Berg-Reise Ein solcher Hauch der Hammerbrunn bey Hallau, Schaf- Hauser-Gebiers; dieSeiffe vergehet darin nicht/ sondern gerinnet zusammen/ und werden die Erbsen nur hart/ wenn man sie darin kochet; das leinen Zeug/ welches man darin waschet/ wird davon ganz rauh, und dauret nickt lang. Wenn ick diese seltsamen Eigenschaften jezt- benannter Brünnen auf der Vernunftwaage einer gesundete Natur- Wissenschaft abwäge/ so fallen mir folgende Gedancken ein/ welche ich anderm die geübtere Sinnen als ich haben/ zur Verbesserung darlege. Ick wil zwar die Gestalt der uns unsichtbaren kleinsten Was- sertheilchen weder mit Cartesio noch andern berühmten Naturforschern vermahlen; das in dessen/ als eine Folge aus gegenwärtiger und andern in Eydgnösiischen Landen vorkommenbett Begebenheiten und Würckungen der Wasser ziehen/ und anzeige«/ daß des Wassers Element nicht durch die ganze Natur gleich, oder dessen kleinste Theile nicht über einen Leift geschlagen, nicht alle einer Grösse oder Gestalt, sondern voneinander unterschieden seyen, also daß einige gröber und grösser, andre kleiner und subtiler sind. Aufdiesen einfältigen Grundsatz, welchen mir die Natur selbst an die Hand gibt, baue ich nun jezt-fol- gendes Sckluß-Urtheil: Daß in vorhabenden Wassern, obgleich sie von den Bergen herab fliessen, diekleinfte Theile in Ansehung andrer zu grob und zu groß seyen, und deßwegen nicht wol durch die subtile Löch- lein der Erbsen und Hülsen eindringen können, um sie zu erweichen, sondern vielmehr wird die Feuchtigkeit der Erbsen selbst heraus schmissen, und müssen folglich in fernerm Sieden dergleichenHülfttt-Früch- te je mehr und mehr erhärten, welches die Erfahrung mitgiebet. (c> (c) ES lan wol seyn, daß die Waffertheilchen nicht alte gleich groß sind. Indessen aber ist doch nicht wahrscheinlich, daß das Wasser dieser »wry Brünnen ohne die Vermischung fremderThetlen, ander- seo/alSandreWasser. Ich halte davor «s seyen alle Wasser in der Welt, wenn sie von ftemden mineralischen Theilen be« freyt werden, gleich subtil. Denn er kommen alle Quellen von gleicher Ursache/ nem sich von den Dünsten, Nebeln und Regen her. Also daß diese zwey Wasser/ «in andermal in andre Quellen, und hingegen dar Wasser andrer Quellen in diese zwey Quellen kommen. Derowegen halte ich davor, daß die besondre Würckung dieser Wassern vielmehr den fremden mineralischen, vielleicht Vitriol«, schrn oder andern salziqten Theilen «Mschreiben sey, welch« die in da« Wasser gelegte Sachen «usammrn «lehrn, daß die Waffertheilchen nicht hinein können/ wie ich schon in dem l. Theil D!.i4y. Anm. fä) ein Exempel angeführt habe/ daß «in menschlicher Cörprr, welcher viele Jahre lang in einem vitriolischen Wasser gelegen/ sani hart worden. ES gibt aber noch mehr andregleich seltsam« des ryssten Jahrs. 6s Die Unmischbarkeit der Seiffe setze ich in Vergleichung mit andern in der Natur und Chymie vorkommenden Begebenheiten, als da das Wasser und Oel sich zwar mit Gewalt untereinander mischen lassen, bald aber, wenn sie in Freyheit gesetzet werden, sich wiedrum absondern, und jenes untersich, dieses aber überstch steiaet; insonderheit aber dienet mir zu Auflösung gegenwärtiger Natur-Geschieht die Auflösung der Keli-iiikum, oder harzichten Gummi im Brandtewein, und durch Anschüttung des gemeinen Brunnenwassers erfolgende Zusam- menrinnung der harzichten Theilen an einen Klumpen, der sich zu Boden stucket oder pr-cipiriret. Da niemand läugnen kan, daß nicht die Theile des Brandteweins subtiler seyen, als die Wassertheile, und in Kraft dieser Subtilheit die Kräfte haben, in die engsten Löch- lein des Harzes einzudringen, (welchesdie gröbern Wassertheile nicht können) dessen völlige Gestalt aufzulösen, und, als ein bequemes lviLnttruum in einen durchsichtig gefärbten l-iquor zu bringen, in welchem alle Löchlein von den kleinsten Harztheilchen angefüllet stehen; wenn aber die groben Wassertheile angeschüttet werden, erweitern sich die Löchlein, in welchen die Harztheile gleichsam als gefangen eng gehalten worden, und kommen diese in Freyheit, so hchigen sie sich durch ihre Dichte Gestalt zusammen, und stürtzen sich miteinander zu Boden. Gleich also muffen die kleinsten Seiffentheile, welche sich in andern Wassern auflösen lassen, und zertheilt bleiben, in denen wettern Löchlein vorhabender Brunnen zusammen rinnen, und zu einer natürlichen prscipiracion oder Niederstürzung Anlaß geben. Und kan uns diß Exempel dienen, wie, nach Anleitung der Gassendi- schcn oder c>rpulcuizr-Philosophie, manche Natur-Begebenheit könne und müsse aus der kleinsten Theilen Schwere, Grösse, Gestalt, Enge oder Weite der Löchlein aufgelöset werden. Wir müssen aber, wenn wir heute noch den Berg besteigen wollen, jezt-beschriebnen Wunder-Brunn verlassen, uns aber den sonst mühsamen Weg durch freundliche Unterredung mit obbelobten beyden ll. Theil. I Her- Würckungen des Wasser«. ES ist bekannt/ daß einige Wasser vor asten andern au« gut sind zum Lcdergärben/ Farben/ Bierbrauen/ u. s. f. welche« gewiß von nicht« andere/ al« von den mineralischen Theilen herkommt. Es wäre aber zu wünschen/daß diese mineralische Theile genau würden erforschet werden/ weil man dadurch vielleicht auch andern Wassern «ine solche Eigenschaft durch die Kunst wurde geben können. 66 Vierte Berg-Reise Ekjchlung von Gletscher». Waldwasser. Herren Tschudm, welche uns/ nach des grossen erstmi Ausspruch, jucuncii Lomke8 pro Veklculo waren, erleichtern. Denn diese erzehl- ten uns viel von den Gletschern, welche sich oberhalb Guppen an dem Fuß des höhern Glarnischbergs besin-en, und wie sie auch «ritten im Winter Wasser von sich geben. Es wird aber diese Materie an seinem Ort weitläuftig verhandelt werden von anlauffenden Bergwassern, derenthalben bey den Einwohnern -erhöhen Gebirgen diese Redensart zu bemerckm, es sey ein Drach ausgefallen, zu welcher Vergleichung der Drachen vermeynte Geschwindigkeit möchte Anlaß gegeben haben, ingleichem der unversehens erfolgende Schade, welcher auch von denen oft urplötzlich mit Ungestüm anlauffenden Berg- wassern herkommt. Unterdessen ist zu vermuthen, es habe diese Redensart Anlaß und Ursach zu vielen erdichteten Drachen-Historien gegeben, von welchen anderstwo mit mehrerm soll gehandelt werden. Man sagte uns auch von den sogenannten Wildheuern; dieses sind arme Leute, welche weder Wiesen noch Alpen haben, ihr weniges Vieh damit zu ernähren, und deßwegen das Heu (von dem sie den Namen bekommen) in der Wikdniß, in hohen gähstotzigen Orten sammlen müssen, dahin die Eiaenthums-Herrn nicht einmal getrauen ihr Vieh zu treiben, das Graß abzuätzen, aus Forcht, selbiges möchte zerfallen, auch nicht der Mühe werth achten, ihre Mäder dorthin zu senden. An solche Ort hin verfügen sich die Wildheuer, und schneiden das Futer, welches nach dem Natur-Recht eher den wilden Gemsen als den zahmen Kühen zu gehören scheint, mit grosser Lebensgefahr ab, weilen sie oft kaum mit einem Fuß sicher stehen können, sie pflegen dasselbe in ein Netz einzuwickeln, und über die Felsen abzustürzen, da es sich ctwan zuträgt, daß der allgemeine Menschen-Mä- der diesen Wildheuern den Lebensfaden zugleich abschneidet, wenn diese mit einem Fuß glitschen, oder mit dem Fuß, mit welchem sie ihre Bürde Graß fort über die äussersten Felsenspitzen hinaus gestoßen, in dem Netze hangen bleiben, und zugleich fortgezogen werden, und elendiglich zerfallen. Wie dergleichen Trauerfalle mir hie und da auf meinen Berg-Reisen erzehlet worden. Insonderheit hat uns der Herr Richter, ein trefflich erfahrner Gemstr,-Jäger, viel von der Gemsen Art, Jagd, Lebensart, insbesondre auch von der Seuche, welches dieses Jahr unter den Gernstn gewesen, erzehlet. Wovon mit mehrerm im i. Theil Bl. 67, 68, 70,7Z, 456,458, 461. gehandelt worden. Also §7 des i Touren Jahrs. Also kamen wir auf die Höhe -es BergS Guppen, und besahen daselbst das Döneioch, eine in den Berg hinunter gehende tieffe ^ Hole, in welcher ein htneingeworffener Stein gar lange rhönec, ehe er zu Boden fällt, weilen er nemlich in wahrendem Fall hin und wieder an den Felsen anstößt. Es ist hieraus zu vermuthen, daß der Guppen-Berg inwendig hol, oder wenigstens einen tieffen Spalt von oben bis unten geworffen, und bey Anlaß eines Erdbebens leicht einfallen könte; wie denn nahe bey dem Döneloch tieffe bereits eingefalln Gruben zu sehen. Auf der Höhe des Bergs Guppen ruheten wir aus. Damit Höh« aaf wir aber auch da nicht müßig wären, rüsteten wir unser Bergmässe- kuppen, risches Barometrum zu, und sahen das Quecksilber in dem 2iften Zoll, schloffen hieraus, daß wir über Glarus (allwo wir die Höhe des Wetterglases rz. Zoll, 9. Serupel hatten) 2320., und über Lachen 2720. Schuh erhöhet stünden, wenn dem gestrigen Experiment zu trauen, da wir 24. Zoll, 4. Scr. hatten. Wenn ich diese Züricher aecim»i-Zoll und Serupel in Parisische verwandle, so kommen 22. Zoll, 10z. Linie heraus, welchen in derjenigen Tafel, so die Königl. Französische Gesellschaft ihren Xäemoirss von A. 1725. p. 6i. einverleibet, nach Marioere Ausrechnung zu vergleichen 714. loiles, oder 4284. Pariser Schuhe , nach Laßmi besserer Rechnung aber 9Zs. loiles, oder s6io. Schuhe über das Mittelländische Meer; von welchen, so man i so. Schuhe, die Höhe der Stadt Paris über das Meer, abziehet, nach Caßmi Meynung 5460. Schuhe herauskommen, welche die senckelrechte Höhe des Bergs Guppen über Paris geben. Allhier auf Guppen, da wir uns niedergelassen, ist ein Ort, da Ort da k«i« der Schnee zur Winterszeit nicht bleibt, zu einem gewissen Anzeig We« einer unterirdischen Wärme, welche, wo sie mit einer holen Bil- düng der Bergen und schweflichten Mineralien begleitet ist, die, wie wir vernehmen werden, in dem grossen Thal des Glarnerlands nicht mangeln, gar leichten Anlaß zu Erweckung der Erdbeben geben können, denen dieses Thal sehr unterworffen, wie im 1. Theil Bl. 178. zusehen. Über diese Höhe des Guppen hatten wir eine weit grössere und stotzigfelsichte Höhe des Glarnisch selbst, welche wir ungefehr z bis 4000. Schuhe erachtet, aber heut noch zu besteige», nicht Luft hatten, sondern uns auf die Rückreise rüsteten, bey welcher wir noch ein und andere Mineralien antreffen werden. I r Un- 68 Mttbleil'. sein der Gündfluth. Besondere Art versteinerter Au. stem. Marmor. Vierte Berg- Reise_ Unweit von unserm Ruheplatz fanden wir verschicdne Überbleibseln der Sündflmh, als z. Er. einen peÄunculnsm, oder See- muschel-Gtein in rothem Gesteine. Ein Stück eines Oltrei , steinernen Auster in grauen Felsen/ welcher den Namen pbucoürbi oder ttummnkL, eines Erbsen- oder Rogensteins verdienet/ weil er aus lauter kleinen hirs-förmigen Kügelchen zusammen gesetzet ist. Ein Cornu ^mmoriis, oder Scherhorn in blauem Gesteine. Seltner aber sind diejenigen gebildeten Steine/ welche ein Liebhaber der Gemß-Jagd, aus dem Flecken Glarus, an eben diesem Berge da wir jezt stehen/ aber weit höher/ angetroffen/ und uns mitgetheilet hat. Sie sind bey dem ersten Ansehen einem Scherhorn gleich/ wenn man sie aber genau betrachtet/ so siehet man bald/ daß es eine andre Art ist. Die/ welche ich beyhanden habe, sind ungefehr einen Zollbreit, und einen oder zwey Zolle lang, es sind aber nur abgebrochne Stücke einer längern Figur ; ihre Striemen sind tieff, und bogenweise überzwcrch gezogen, und gehen an den Seiten in einen Grath/gleich bey einigen Scherhörm-ni, zusammen; ein jeder erhabner Strieme ist überdißmit vielen subtilen Gelencken, und auf dem Grath des Striemens mit zusammenlauffenden Linien bezeichnet; mitten durch gehet der Länge nach eine Naht, welche den ganzen Stein in zwey Theile unterscheidet; und ist noch überdiß eine mit steinichter Materie angefüllte Hole, welche durch den gantzen Stein gehet, zu bemercken, die uns Anlaß giebct zu vermuthen, es möchten diese Steine Überbleibseln eines Fisch-Rückgrats oder Rochenschwanzes seyn, denn sie enden sich endlich in einen stumpfen Spitz; sie sind nicht rund, sondern breit, zusammen gedrückt, oben aus gebogen, und unten um etwas hol. Wer aus der Beschreibung dieses Steins sich nicht wol finden kan, der besehe die 88 Ngur. izb. XI. lom. I. und 8pecim. Lackogrzp. sleivcl. pzg. 86. allwo ich ihn dauclse ^nimsiis eujusclsm kotlilig kragmentum, ein Stück eines versteinerten Thierschwanzes betittelt; und anbey angezeiget, daß Se. Ercell. Hr. Petrus Valkenier, der Hochmög. General-Staaten vereinigter Niederlanden Extraordinari-Abgesandter in dieEydgnoß- schaft, diesen Stein vor etwas rares aus der Grafschaft Nmenburg bekommen. Welcher Herr von dergleichen uralten Seltenheiten der Natur ein vortrefflich schön und grosses Cabtnet gesammlet hat. Auf dem Berge Guppen findet sich auch hin und wieder ein schwarzer Marmor mit weissen Adern. Besser hinab traffen wir alte 6V des 1705 kett Jährst alte Anzeigen einer Eistngrube an, welche vor diesem gebauet wor- den, nun aber öde lieget. Das Eisen-Erz, dessen auch ^Zner. ttciver. p z i > . gedencket, ist schwer, und ohne Zweifel reich. Der Ort oberhalb Schwanden, da We Gewercker das Er; geschmolzen, heisset jezo noch die Herren-Rmhi. Dieser Berg aber ist nicht Silb«.Err. nur Eisen - sondern daneben Silberreich, weilen auch daselbst Anno I 52 s.und Is26. Silbergnrben gebauet worden, von welchen im l. Theil Bl. Z59. gehandelt wird. Nachdem wir von unsrer heutigen Berg-Reise in Schwanden zurück gekommen, ergczten wir unsre matten Leiber mit einem annehmlichen Nachtessen, welches uns unsre werthen Freunde und Gekehrten, die Herren Tscduden hatten znrüsten lassen. Den Anfang des folgenden Taqwercks, den 2ten Aug. machten Den».Au», wir mit unserm Barometrischen Wetter- und Maßstabe, welcher uns das Quecksilber im 2z. Zoll und 9. Serupel zeigte, an gleichem Ort, da es gestern zu Glarus war, woraus ich aber nicht schlteffen kan, daß diese beyde Flecken, Glarus und Schwanden, in gleichem Horizont liegen, weilen ich versichert bin, daß Schwanden höher als Glarus, indem von dort hieher die Line allezeit in die Liesse fliestet, und gar leicht übernacht an einem oder andern Ort die Luftspher eine Aeudrung ausgestanden, und dem Quecksilber mitgetheilt haben kan, so daß die Vergleichung der Observationen zwischen heutigem und gestrigem Tag auf zimlich ungewissen Füssen stehet, und also die heutige Probe uns allein vor den heutigen Tag dienen wird. Ehe wir von Schwanden verreisen, wollen wir einen Wo- Aeyberg der risch-politisthen Bericht von dem Freyberge einholen. Wir ver- pflichten uns hierzu um so viel mehr, weilen unsre heutige Reife längst demselben hingehet, und wir deßwegen ihn auch in unsrer Glarne- rischen Land-Carte vorgestellet haben, welche oben bereits dargebot- ten worden. Es sind dre Gemse sehr sorchtsame Thiere, und allezeit in der Flucht, wozu sie ein jedes rauschendes Blatt bewegen kan; aller Orten ist man ihnen aussätzig, sie find nirgends, auch nicht aus den höchsten schier unersteiglichen Felsen, vor der Jäger listigen und doch mühsamsten Nachstellungen, sicher. In der ganzen Schweiz ist bald ihr einiges Fluchthauß der Freyberg im Glarnerland , nebst dem wlggis, wyggis, weiggis, welcher auch A. 166z. im Monat May zu einem Freyberg gemachet worden. Es hat die Land- Leute von dem Glarner-Canton, nebst dem Nutzen der sich auf das I - ganze 7O Vierte Berg - Reift gantze Land erstrecket/ veranlasset, den Freyberg zu einer Fluchtftatt der Gemßthieren zn machen, die bequeme Lage desselben, als der einerseits von der Lmc eingeschlossen, anderseits von der Sernft, zweyen Flüssen, über welche die Gemse sich nicht wagen dörffen, um so viel weniger, weilen sie sich deßwegen in die Thäler hinab lassen müßten, welches der Natur dieses Hochgewilds Zuwider. Hinter sich gegen den Ausserbirgen, so ausserhalb dem Freyberg sind, sind die Gränzen desselben hinter Limhal, bey der sogenannten Bamn- garremvand gegen Bächi. In einer Oemocrrmschen Regierung, wie die Glarnerische ist, scheinet ein solcher Wildbahn etwas seltsames, und des gemeinen Landvolcks Freyheit zuwider; wenn man aber den Endzweck dieser sonst scharffen Satzung, welche Verlust der Ehren, und Leibes-Straffe auf die Uebertretter setzet, recht betrachtet, so wird man finden, daß dieses Verbott zu grossen Ehren und allgemeinem Nutzen des Lands dienet. Denn hierdurch würden die Gemßthiere allen Landleuten gemein, welche sonst, wo alles zu schleifen erlaubt wäre, allein durch etlicher Jäger Hände denen wolbe- mittleten Häusern zugebracht, und dieses Gewild selbst aus denen Glarnerischen in die Urner- Gebirge gejagt würde. Es ist nemlich eine Grund - und Land-Satzung vor dem höchsten Gewalt der Lands- Gemeind aufgerichtet worden, daß einem jeden Landmann, er sey arm oder reich, wenn er Hochzeit haltet, zwey Gemßthiere zugehören sollen. Zu dem Elfte, damit nicht ein neuer Bräutigam selbst die Müh nehmen, oder durch selbst eignes Jagen dem Gemsenvorrath mehr schädlich als nützlich sey, sind in dem Lande 12. beeydigte Jäger bestellet, welche die zwey jedem Bräutigam zugetheilte Gemß- thiere ihm zubringen müssen. Diese Freyberger-Schüye, denn so heißen sie, haben alsdann die Häute für ihren Loh»,. Sie dörffen aber auch zu verbottner Zeit, zwischen Jacobi und Martini, nicht gen schießen gehen. Dieser Freyberg wird in seine verschleime Spitzen, oder Joche, alsBüelstock, Gantstock, Rorhberg, Gaßberg, Vorsteg-Stock abgetheilt. Grosse Thal. Nnnmehr setze ich meine Reise durch das Grosse Thal fort, und eochskiten. gedencke erstlich aus ^sgner. »ist. tteiver. P3Z. uz. des Bads Bad. Lochftlten, welches an einem Ort, Ovia genannt, entspringt, von dannen gen Schwanden geleitet, und in allerhand Zuständen gebraucht wird. Von diesem Bade weiß ich nichts zu berichten, als daß es nicht mehr bekannt ist. Jen- t- des rasten Jahrs. 7? Jenseit -er Line, unweit von dem Flecken, ist Se. wendels Gt. We«- eingefallne Lapell, bey welcher oft ein Gespenst, in Gestalt eines Cape«. Pfaffen, soll gesehen werden. Es sind die fetten Einkünfte, welche dieser LapeUe vor der Reformation zugestanden, hernach an die Kirche zu Schwanden verwendet worden. Wir sezten unsre Reise diß- oder jenseits der Line erstlich durch Mgire». das Dorff riirfuren fort, welches nach Schwanden gehöret; hernach durch Läugeldach welches seinen Namen von dem nahe flies- LLugelbach. senden Bach her hat, der auch Vor- oder Lenge dach heisset. Dieser Bach kommet oben im Berg aus einem Felßloch mit Ungestüm hervor, und stürtzet sich von dünnen in schaumichter Gestalt in das Thal herunter, und bald in die Line. Seinen eigentlichen Ursprung obEgi. aber hat dieser Bach in dem Oberblegi-Gee, dessen auch ^gner. See. tteiver. ttiit. war. p. 57. gedencket, welcher eine halbe Stund ungefehr im Umcreyß, und insonderheit viel Hechte sol in sich haben, unter denen einer von ungemeiner Grösse seyn soll, der die übrigen bald alle. verschlinget. Dieser Berg-See soll unter der Erde seinen Ausfluß fortsetzen, und den vorernannten Läugeldach ausmachen. Nahe bey diesem Bach hat sich A. 1687. jene erbärmliche Lau- Laum-se. we-Geschlcht zugetragen, welche im l. Theil Bl. Zvs. beschrieben sch'cht. worden. In dieser Gegend ist das Laugelbacher, Bad, welches rLug«lbach« ehemals viel gebraucht worden, nun aber auch in Abgang gekom- men ist. Nun folget das Dorff Luchsingen, welches auchnoch der Gemein- AEirs« deGchwanden einverleibet ist. Bey diesem Dorffflieffet der Luchsin- U""" ger-Bach von den Bergen, welcher seine Urquelle in Sachl , einer Bach - oder Wasserreichen Alp hat. Nahe bey diesem Dorff ist das Luchsinger-Bad, so unter einem Felsen entspringt, und durch hölzerne Canale in das Badhauß geleitet wird. Es soll nach dem Bericht ^sgneri läd. cir. p.»lr. Schwefel und Alaun führen. Ich meines Orts habe diß Wasser nicht in die Probe gesezt, theils aus .Mangel der Zeit, weilen ich mich nicht wol allhier säumen konte, theils, weilen dieses Bad, unangesehen des Orts bequemer Lage, auch von den Nachbarn selbst nicht besuchet wird. Wir reißten also über den Adlerbach, und durch das Dorff selbst, Adlerb«», fort, welches der Gemeinde Beeeschwanden zugehöret mit folgenden N""' jenseits der Lint liegenden Dörffern Haymgen, Dießbach, Im Thoren -Hauß. Allbier 72 Lhorruhauß H»hr. DießthaUr- Bach un- See. Bettschwan- den. Brunnwald, Durnagel. Bach. Brunndach. Lindthal. Alaun-Wasser. Vierte Berg-Reise Allhier schraubten wir unser Wettcrglaß aus, und sahen das Quecksilber im 2z. Zoll, 7. Skrupel, woraus wir geschloffen, daß wir bereits i6o. Schuhe höher als Schwanden. Räch oben angebrachter 6r3ltuzrion der Königl. Gesellschaft in Franckreich kommet die Höhe dieses Orts über das Mittelländische Meer, nach Marioree 4->9>loiles, oder 2574. Pariser Schuhe, nach Taßini sir. volles, oder ZO72. Schuhe heraus. Nun folget der Dießrhaler.Bach, welcher seinm Ursprung von dem Dießrhaler-See herholet, dessen auch XVzZnei- cir. PSA. ^8. und pfendlcr von Bergen, p. >7 gedencket. Weiters das Dorff Bettschwanden, welches, wie ich oben schon angezeiget, die Schweizerischen Land-Carten unrecht bey dem Zusammenfluß der Lint und Seruft setzen. Zu diesem Dorff gehört auch Rüri, da eine von Stein gewölbte Brücke über die Lint ist. Die Berge welche rechter Setts in die Höhe steigen, heiffet man deu Brunwalo, vielleicht Bannwald, weilen dort viele Wasser hervorquellen. Weiters hatten wir über den Durnagel - Bach zu gehen: dieses ist ein ungestümes Wasser, dessen unrichtiger Lauff den Anwohnern viel zu schaffen gibt, daß sie bald hie bald dort die von diesem Waldwasser umgekehrte Brücken oder Stäge wiedrum aufrichten müssen. Diesem unbeständigen nicht allezeit in seinem Runß bleibenden Bach vergleichen die Einwohner diejenigen Menschen, welche in ihren Verrichtungen unbeständig, von einem Ast aus den andern springen, bald das bald diß vornehmen; von diesen pflegen sie im Sprüchwort zu sagen, sie seyen so wanckelmüchkg, wie der Durnageldach. Diesem gegen Über fliestet der Brunnöach jenseits in die Lint. Das lezte Dorff im Grossen Thal heiffet Lindrhal, Linechal, Linrhal . und ist, wie das gantze übrige Thal, Reformirter Religion, wenig Haußhaltungen ausgenommen, welche Römisch-Catholisch sind, und ihren Gottesdienst ungehindert in einer besondern Kirche Verrichten, bey welcher ein ansehnlicher grosser Thurn. Sonsten ist zu wissen, daß die Kirch im Lintthal A. 128z. erbauet worden. Oberhalb diesem Dorff, an dem Fuß des Gcahlherys, an einem sehr gähen Ort, in Hrn. Landvogt Stüssis Gütern, ist ein Alaun- Wasser, welches innerhalb einer kleinen Zeit das eingelegte Silber vergüldet, so aber ohne Gebrauch ist, weilen es an einem ungelegnen gefährlichen Orte, und nur Tropfenweise aus den Felsen hervor auillet. Allhier des 17sstell Jahrs. _7Z Allhier im Lintthal sind wir übernacht gelegen/ und den folgen- Denr.Mg, den Tag, als den z. August Wetters, in Begleit abgedachter Herren Tschuden von Schwanden, Herrn Zwicki, Pfarrers von Bettschwan- den, und Herrn Zahl, Pfarrers im Lintthal, fortgereiset. Die Höhe H§he der des Quecksilbers war 2 z. Zoll, s. Scrupel, woraus wir abgenom-mtthau. wen, daß wir wiedrum 160. Schuhe höher wären, als im Thoren- hauß. Nach oben angeführter OraNuLuon- Tafel der Königlichen Gesellschaft zu Paris kommt die Höhe dieses Orts über das Meer, nach Mariotte 2759. Schuhe, nach Laßino ZZ2I. Der Weg, welcher hinten in das grosse Thal führet, ist eben und luftig, zu dessen Ende kommet man durch ein angenehmes stilles Wäldlein, welches einem Durchreisenden eine sonderbare An- muthung erwecket, wenn er sich erinnert, wie oben bemeldte H. Mar- ^« 8 » tyrer von der Thebaischen Legion sich allhier zuerst niedergelassen, und Brunn.' sich solchermaffen in diesen Ort verliebt, -aß sie sich etwas Zeits bey einem Crystall-lautern Brunn, der noch jezt gezeiget wird, an dem Fuß -er Baumgarren-Wand , nächst an der Rübe-Alp, aufgehalten, und ihrem Gott in der Stille gedienet, ehe sie nach Glarus gekommen. Zur rechten Seite siehet man von zimlicher Höhe den Waldwass«?. Fecschbach, deßgleichen den Schräyen, oder Zismat-Bach ab- schiessen, welcher aus der Fismar, einer Urner-Alp her, durch die Alp Bärenboden fort, und endlich in einem schönen Wafferfall allhier aus - und in die Lint fliestet, bey welchem wir mit nicht geringe« Gemüths-Erquickung einen zierlich gefärbten Regenbogen sahen, dergleichen sonst auch bey andern Berg-Wasserfallen mit Verwunderung anzuschauen. Allhier, zu hinderst in dem grossen Thal, bcschliessen das And WE. folgende Berge: der Gelbsanft , und hinter demselben der Tod«- TEers. derg, welcher fast unersteiglich, und von vielen vor den höchsten im ganzen Schweizerland gehalten wird, neben welchem ein Paß aus dem Grossen Thal des Glarnerlands in pundten hindurch gehet aufDlsenttö , ein reiches Closter, Benedietiner-Ordens. An dieses Criüall- Bergs Nord-Seite ist eine Criftall-Mine, und nicht weit davon ein M""' gewisser Ort, genannt die Oelbancken, weilen allda zur Sommerszeit ein ftarcker Geruch eines in -er Erde verborgen liegenden Pe- Stem-Oehl. trolei oder Gceinöls verspüret wird. Nebst dem Tödtiberq ist die Limmern-Alp, über welche auch kimmr» ein Weg in Pündten gehet, -er aber gefährlich, und bald von nie- Al". ii. Theil. K man- Ursprung derLmt. Music auf der Sand' Alp. Grmschi- Stock. Kammer- Stock. Erste B«- ivshuer dieser London. 74_Vierte Berg-Reise_ mandem , als den Jägern gebraucht wird. Irr dieser Alp ist auch ein Gremöi - Geruch, und wird der Ursprung der Linc gezeiget. Es kommt nemlich aus dieser Alp der LLmmern-Bach , welchen die Anwohner vor die eigentliche Urquelle der Line halten, welche hernach die Limmar ausmachet. Meines Bedunckens aber ist diese Ehre des wahren Ursprungs dieses Wassers dem Sandbact) zuzusprechen/ weilen der viel mehrere beständiges und trübes Firen- Waffer der Ltnt zuführet. Dieser Sandbach fliestet ursprünglich aus -er Sand-Alp und den daselbst befindlichen Gletschern her, hernach unter der Bamen-Brücke hindurch, und vereiniget fich darauf mir dem Limmernbach, bey deren Zusammenkunft die Link entstehet. Von dieser Sand-Alp erzehlen die Aelpler, wie zu gewissen Zeiten daselbst in der Luft eine liebliche Müsse gehört werde. Zwisen der Sand-Alp und Alten Dhren erhebet fich der Gem- schi-Stock. Wetters ist der Rammer, Stock zu bemcrcken; ein sehr hohes Gebirg, welches wegen zweyer Sulgen oderSultzlackmen berühmt ist, einer trocknen, an sandichten Felsen, und einer nassen, zu welchen die Gemsthiere auch von ferne hergelocket werden. Von diesen Sultzen aber ist das nöthige im l. Theil Bl. 68.69. gemeldet worden. Es gibt auf diesem Berg aar viele Gemse, aber keine, die Gemß- Ballen oder Ruglen beyN) haben, da hingegen die Gemse in der benachbarten Alp Limmern insgemein Gemßkugeln tragen. Von dieser Begebenheit habe ich auch im 1. Theil Bl. 461. ein Urtheil gefallet. Anfallen insonderheit aber den sonst beschwerlichen Berg-Reisen, machet man die Zeit mit nützlichen und anmuthigen Discursen kurz und angenehm. Also ist auch hier in währendem Steigen unter uns geistlichen und weltlichen Reißgefehrten eine Frage, von der ersten Dewohmmg dieser Landen entstanden, ob die ersten Einwohner derselben in den liessen Gründen und Thälern, oder auf den Höhen der Berge möchten gewöhnet haben? Das erste kam uns wegen der bequemern Lage wahrscheinlicher vor; wie denn heut zu Tage die Thäler auch von denen Alpvölckern zur Bewohnung gebraucht werden, weilen fie wärmer, vor den rauhen Winden beschirmter, in Ansehung des Umgangs mit andern Menschen, wie auch zum Garten - und Feldbau bequemer erfunden, und die Gebirge allein zur Sommerszeit von dem Viehe abgenutzt werden, welches sich mit den Htr- 75 des rasten Jahrs. ten gegen dem Winter in die Thäler herab lasset. Doch machte die leztere Meynung auch ein zimliches Gewicht , nach welcher vermuthet worden/ dass anfänglich von den Menschen die Bergspitzen müssen umgehabt worden seyn, von welchen sie sich allgemach in die Liesse hernieder gelassen. Es ist leicht zu erachten, daß z. Er. alle unsre Schweizerische Thäler in den ersten Jahrhunderten nach der Sündfiuth ein dicker Wald gewesen, welcher nach und nach hat müssen ausgestocket, von den wilden Thieren gereimgt, und also zum Feld-Garten-oder Wiesenbau bequem gemacht werden, welches alles nicht hat können in kurzer Zeit geschehen, auch nicht ohne den dem Adam angekündigten Schweiß des Angesichts, welchen annoch jezodiejenige S-rn-Loh- ler erfahren, welchen in dem Unterwaldischen und andern Evdgnößi- schen Landen etwan ein ganzer Wald übergeben und geschencket wird, Laß sie denselben ausreuten, zu Kohlen brennen, und zu Alpungen oder Bergweyden tüchtig machen, dergleichen ich hin und wieder auf meinen Reisen angetroffen. Dieses alles, möchte jemand einwenden, sind leere Hirngrillen; wo sind die historischen vocumem, oder Be- weißthümer, wo sind die alten kuäer-r oder Gemäure solcher uralten Berg-Städten, Flecken, Dörffer und Häuser? Wie haben sie sich den Winter durch auf den hohen Alpen können aufhalten? Diesem lezten Einwurff änderst zu begegnen, ist zu wissen, -aß nicht die Meynung dahingehet, als wenn die ersten Schweizer auf den höchsten mit Schnee und Eiß immer belegten Berg-Spitzen ihre Wohnungen gemachet, als die ihnen auch im Sommer in Ansehung der Weyden, theils unerträglich, theils unbequem wären gewesen: sondern sie werden sich im Sommer, wie noch jezt geschiehet, in den höher» Alpen aufgehalten, und gegen dem Winter in die nächsten Wälder hinab gelassen haben, da sie sich und ihr Viehe vor derWtn- terskälte haben können beschirmen, gleich auch die Gemßthiere in harter Winterskälte sich tiefer herablassen, und etwan unter einem Felsen, oder unter Tannenbaumen ihr Winterquartier suchen. Es fehlet uns auch nicht an Überbleibseln eines alten Berg-Gemäuers. In der Alp Müllibach, Glarner-Mebiers, siehet man noch jezo uralte, nach sonderbarer Bau-Art gemaurte, an den Felsen klebende Hüttlein, welche die Einwohner HeidemHäußlem heißen, und wol HäMm. die ältesten kuäers unsrer Landen seyn können. Wiewol man dieser Häußlein halber auch folgende Gedancken machen kan, daß sie denen K 2 Thal- 76 Vierte Berg-Reise Thal-Bewohnern zu einer Zuflucht möchten gedienet haben/ um sie vorder Gothen Anfall zu bewahren/ wenn sie ihre Züge durch unsre Lande gethan: wie zu vermuthen, daß zu eben dem Ende vor diesem so viel 100. ja lOOo.veste Schlösser unsers Landes aufhöbe oft kaum erfteigliche Felsen gebauet worden / damit man bey Ankunft einer Schwarms räuberischen Volcks sich und das seinige dorthin flüchten können/ welche Schlösser hernach den Besitzern Anlaß gegeben/ Raub- nester daraus zu machen; oder die Thal-Leute zu tyrannisiren; und es zulezt dahin gekommen/ daß sie sich ihrer natürlichen Rechten beholf- fen, die Zwingherren abgeschaffet, und die Schlösser zerstöret/ wie noch an denen meistens mit Gesträuche bewachsenen Gemäuren zu sehen/ welche jezt zu nichts mehr taugen/ als schöne mahlerische Landschaften auszuzieren. Hierüber gebe der geehrte und sonderlich in Vaterländischen alten Geschichten erfahrne Leser den Ausspruch; Ich gebe ihm allein die Materie an die Hand. Wir reißen fort/ und kamen durch einen anmuthigen Wald/ «anten- (dessen Holz zum Gebrauch der Stadt Zürich gefället wird) zu der Brücke, berümten panten - oder Bamen-Brücke , welche von Steinen gewölbt/ und von einem Felsen zu dem andern hinüber gehet. Es kan allhier ein Baukünftler dieManier sehen,wie an solchen hohen und wilden Orten die Brücken anzulegen/ und von einer Seite zur andern zu führen. Einen Landschaft- Mahler wird die Zeit oder Mühe / welche er sich hieher zu verfügen nimmt, nicht gereuen, denn es kommen ihm so seltsame Prospekte vor, dergleichen ich in der gantzen Schweiz nicht gesehen, ausser bey dem Pfefers-Bad zwischen der Quell und dem Badhauß. Alls der Brücke siehet mall eine senckel- grade Liesse von ctlich hundert Schuhen, und sowol oberhalb gegen Mittag, als unterhalb gegen Mitternacht eine lange perspektivische Verticffung der Felsen, mit nach und nach zunehmender Verfinsterung, wegen Mangel des einfallenden Lichts, und unter den Felsen durch einen in erschröcklicher Liesse rauschenden und schäumenden Sand-Dacb, (welcher die vornehmste Quelle der Lmt,) daß auch die herzhaftesten Leute bey einer so hohen in einen liessen Abgrund gehenden Aussicht der Schwindel überfallen kan. Mir kam die Lage dieses Orts so seltsam für, daß ich von dieser Brücke unterschiedliche Zeichnungen, wie sie von verschiednen Seiten her ins Gesicht fallt, verfertigt, wie denn dem geehrten Leser hiemit eine derselben in einer n. besondern Tafel vorgelegt wird. Allyrer 7A Z MM UM UÄM f .W K^-U MHW ÄLs>^' MN WM DU? § WWR MW !''-W?L Oi-^HWWWM k''^WÄMWß UM DMA WM NM LWM WM «« M' WWK U>> LM'/K^ MM U« WMMWKWWU' MMWUMMWL W^GDMEM W NÄWtzxUUW 8WNUMMM UMM'^WKMW^ GMÄE UHWAWN UMWWDN AWjMUW M4ÄUOMÄMM WW W W MU» MMf MNN WAL lAÄi My M» Wl WWY UM »VÄ ?M» »L des rasten Jahrs._ _ 77 Allhier nahmen wir von der Ehrwürd. Geistlichkeit Abschied, und kamen in Begleit unsrer Gems-Iäger, Hrn. Richter Tschudis, und Caspar böris , oder klimmeten vielmehr einen beschwerlich gähen schlüpfrigen Weg, mitten durch Rmzenhor-en. einen Wald, da wir schwarzen Marmor antraffen, in die Alp Alcenohren, all- wo wir ein wenig ausruheten, und uns mit einem magern Mittagessen von Wasser und Brot erquickten, und von da in die Alp und Sennhütte Bärenboden. Hier hatten wir die Höhe des Quecksilbers in unserm Maßstabe 21. Zoll, und erachteten, daß wir über das Dorff Linchal , wovon wir heut frühe verreiset, 200O. Schuhe in senckelgrader Höhe stunden, woraus leicht zu ermessen, ob wir unser Tagwerck verrichtet, oder nicht. Nach Mariom Rechnung wäre dieser Ort 5286., nach Caßino ^912. Pariser Schuhe höher als das Mittelländische Meer. Wir begaben uns bey eingebrochner Nacht in die Ruhe, die Schlafkammer war ein durchleuchtiger Gaben, die Better, Fedem, Küssen und Decken waren einerley Materie, nemlich Heu; in diesen wolriechenden Heubettew ruheten wir so wol oder besser die Nacht über aus, als mancher grosser Herr in seinen koftbar- susgezierten Federbettern. Wir machten uns gleichwol den folgenden Tag, welcher der 4te August war, ftüh aus unsern Federn, theils, weilen wir heut einen weiten Weg vor uns hatten, theils auch deßwegen, weilen die kalte neblichte Morgenluft durch unsre spalt-volle Nachthütte eindrang , und uns den Schlaf aus den Augen jagte. Wir stundet! hienut auf, und rüsteten uns auf den Weg, ergezten uns aber, ehe wir verreißtcn, mit einer lustigen Aussicht, welche wir auf die umliegenden Berge, und durch das ganze Grosse That hatten, welches wir gestern und, vorgestern dmchwandelten. Von diesem hohen Orte sahen wir die weit hohem bald Himmel an steigenden mit beständigem Eiß und Schnee bedeckten Alp-Firsten, von welchem die anliegenden Thäler vermuthlich nichts gutes oder fruchtbares zu hoffen haben. Denn, lieber! was Nutzen wii man von Aeckern und voll Wiesen erwarten, in derer Nachbarschaft Berg- grosse Schneehäuffcn das ganze Jahr durch liegen bleiben? Muß man nicht allhicr den Sommer in Mitten des Winters suchen ? Muß nicht die Wärme weichen, wo eine beständige Kälte regiert? Eylet nicht mit euren Vorurtheilen, ihr, die ihr unsre Lande nur von weitem und obenhin ansehet. Steiget hinab in das Grosse vor uns K 3 lie- Kinzenh». ren. Marmor- Höhe im Bärendr- dey. Rauh« je- doch sehr fruchtbar« Gebirge. 78 Vierte Berg-Reise liegende Glarner-Thal, und besehet mit Augen, berühret mit euer» Händen, betretet mit euern Füssen die schönster! graßvollen Wiesen, die reiste Korn-Saat, und allerhand andre Früchte, ja in einigen Thälern des Schweitzerlands, als in Wallis, die füffcsten Trauben, edelsten Feigen, das delieate Italien mitten in den rauheften Bergen. Wahr ifts, daß in unsern Helvetischen Landen eine grössere Kälte regiert, als der Polus-Höhe von 45 . bis 48. Graden zustehet. Es ist oben bereits an verschiednen Orten die Ursache dessen der hohen Lage und der bergichten Beschaffenheit des Schweitzerlandes zugelegt worden. Aber eben diese über das übrige Europa erhöhete Berge Gipfel sind die Ursache der Fruchtbarkeit unsers Landes, (ä) Unsre Vernunft siehet diß baracioxum I^ylicum also an: Wäre die ganze Schweiz ein einiger Berg, so wären wir wol die unglückhaftesten Einwohner Europens; von der Nord-Seite her würden wir von den rauhen Nord-Winden geplaget, welche alle Früchte und das Graß selbst würden Hinterhalten, daß wir unser Lager anderstwo aufzuschlagen genöthiget würden, und hätte sich allein die Mittag- und Abend-Seite der Fruchtbarkeit zu getrosten. Da aber dieses unser Land in Berge undTbäler zertheilt ist, so halten jene diescharffen Winde auf, und Hinterhalten sie, daß sie nicht mit ihren völligen Kräften die Thäler durchstreichen können, gleich in einigen Engelländischen Jnsuln die Fruchtbarkeit der Gärten, durch hohe Mauren welche die gesalzne See-Lust abhalten, mercklich befördert wird; hievon ist bereits im l Theil Bl. 2 n. u. f. gehandelt worden. Es ist nicht zu läugnen,daßnicht dienächst anhohen Schnee-Gebirgen liegenden Thäler von so kalter Nachbarschaft etwas leiden; wie denn in vor uns liegendem Linr-Thal, als dem hintersten Winckel des Glarnerlands, der Schnee später abgehet, als weiter hinaus bey Schwanden, oder um Glarus; gleichwol (welches zu bewundern) kommet dort das Graß so bald zu seiner Vollkommenheit, als hier, weilen -er häuffige Schnee die Wurzeln der Pflanzen nicht nur nicht erstecket oder verderbet, sondern durch Hinterhaltung der Erdenwärme, und Offen- behaltung der Nahrungs-Zäsern oder Gefäßen, erhaltet: da hingegen in (ä) Ei ist alles wahr/ was der Verfasser hier anführt. Indessen ist doch nicht ru läugnen/ daß nicht oft von diesen Bergen/ insonderheit m dem Früh'Iahr/ grosse Kälte und Reißen entstehen/ welche den Wein.Rähen und Feld'Arüchlrn nicht selten sehr schädlich sind. des ryoftett Jahrs. 7 - in offnerm Lande bey dünnerm Schnee und freyer»! Zugang der kalten Nordwinden, die Pflanzen den Winter über näher zusammen gedrückt werden, daß sie bey ankommendem Frühling nicht so geschwind sich wiedrum öffnen können. Eben dieses sehen wir mit größter Er- stammng auf den Alp-Firsten selbst, da nächst an den Eiß- und Schnee-Felsen die fettesten Weyden grünen und blühen, und die schmackhaftesten Erdbeeren abzupflücken sind; also der Winter neben dem Sommer zu sehen. Es erkenne jederman hieraus die Göttliche Allmacht, Weißheit und Güte, welcher hat gefallen wollen, unser Schweizerland höher zu setzen, als das übrige Europa, als ein reiches Wasser-Vorrath-und Provianthauß, als eine Zeugmutter der Wolckcn und Winden, anbey aber, damit wir Bewohner dieses Europäischen Berg-Gipfels nicht von Kälte und Hunger verdürben, die Thäler mit hohen Bergen also zu unterscheiden, daß diese jenen als Vormauren, jene aber uns zu unsrer Nahrung, Erhaltung und Luft, als Gärten, Felder und Wiesen dienen könten. Insbesondre aber ist durch sonderbare Weißheit des grossen Gottes das Schweizerland also eingetheilt, daß wegen vielfältiger Lage der Thälern und Berg-Jochen hier diese Gattung der Früchten eher hervor kommt, und dort eine andre, damit hierdurch die Gern-nr- schaft und Commercia der Helvetischen Nation desto mehr b-ffetffet, und selbst unsre Gemüther durch dieses natürliche Ba"i> vereinigt würden. Es kan aber eben diese jezt - gepriesene Allmacht des Schöpfers auch bey unsern zunehmenden Sünden und muthwilligem Gebrauch unsrer Landes-Gaben, uns alle Augenblicke nach ihrer Gerechtigkeit straffen ; es ist der Bogen allezeit gespannet, um die Wasser-Schnee-und Eiß-Pfeile auf uns loßzuschieffen, und uns mit Winden, Regen, Überschwemmungen und Erdbeben hennzusuchen; Wie dann diß vor uns liegende Grosse Th^' den Erd-Erschütterungen sonderbar, und vor allen Orten des Schweizerlands aus, unter- worffen, welches uns Anlaß gegebn in dem i Theil Bl. i?8. hiervon einen besondern Titul zu machen, wohin ich auch den geehrten Leser weise. Bey geschehener Untersuchung der Ursachen so öfterer Erschütterungen des Glarnerlands habe ich an obengedachtem Ort meine Gedancken theils auf die hohe Gestalt der Berge gerichtet, weswegen alle bergichten Länder vor andern den Erdbeben unterworffen, theils Göttliche Vorlehnn«, Erdbeben m Glarner- lande. 82 Vierte Berg, Reise theils auf die in den Glarnerischen Berg-Eingeweiden vorhandene schweflichte, salpetrische Mineralien, und deren Entzündung, deren Gegenwart jezo mein geehrter Leser auch aus so vielen mineralischen sonderlich Schwefel-Quellen, abnehmen kan, welche wir auf unsrer Reise durch das Grosse Thal wahrgenommen, und ein Fingerzeig dessen find, was in der Erde verborgen liegt. Andre Anzeigen schwe- fel-öhlichterTheilen gebender Steinöl-Geruch in der Sand-Alp und Limmcrn an die Hand, von dem oben mehr gemeldet worden. Diese und mehrere Darweisung der Zeichen und Ursachen so öfterer Erd-Erschütterungen des grossen Thals habe ich aus denen läutern Vernunft-Quellen heutiger Natur-Wissenschaft hergeleitet. Wer einer höhern übernatürlichen und verborgnen Philosophie Lieb- Wuvder. Haber ist, dem kan mit folgende.» Wunder-zeichen gedienet seyn: Beschicht. Es begab fich in denen 1721 u. I?22ten Jahr, in welchen über die ZO oder 42. Erdbeben im grossen Thal verspührt worden, daß ein ehrlicher Mann und Bürger im Linchat um Mitternacht eine unbekannte Stimm gehört, die ihm mit Namen geruffen. Als er darüber aus dem Schlaf erwachet, und zum Fenster hinaus gesehen, stehet er einen Menschen oder Geist mit einem Licht in die an seinem Lause nachst-gelegne Kirche einaehen, und nachdem dieser Lichtträger oir Thür hinter fich zugeschlossen, die Kirche selbst in vollen Flammen stehen, an welcher gleichwol hernach nicht das geringste Merckzeicben eines Femr wahrgenommen worden. Auf eine andre Zeit ist sechs Knaben, so n»»ch der Kirche gehen wollen, dieselbe vorkommen, als wolle fie einfallen, und ein Stein von dem andern fich ablösen. Jeztsagemir einer, wer ist dieser Lichtträger? Was ist diß vor eine Art Feursbrunst, oder Einfalls, bey welchem alles aufrecht bleibt? Man sage mir, was dergleichen Wunderzeichen bedeuten? ob gutes, oder böses? ob des Glarnm-nds Einfall, oder Aufrecht-Erhaltung? und was vor ein natürlicher Zusammenhang zwischen denjenigen Sachen sey, welche gesehen worden, rmv den Erdbeben? Ich bekenne meine Unwissenheit in so hohen Geheimnissen. Nun ist es Zeit aufzubrechen und weiter zu gehm, in getroster Versicherung, daß wir von Bllren bis hteher das Giarnerland mit offnen Augen gesehen, und so viele Sachen angemercket, aus welchen -te historisch-natürliche Beschaffenheit dieses Landes zimltch bekannt werden soll. Aus des lösten Jahrs. 8 l Alis unserm Nachtquartier, der Alp Barenboden, (welche vermuthlich daher ihren Namen hat, weilen ehemals eil, Bar allhier ge- fället worden, wie denn zu Ende des I. Theils auch eine Geschieht eines Bären erzehlet wird, der i>, der nahe liegenden Ixa,nmer-A!p erlegt worden) kamen wir in die Alp Fisinac, Fiftr, welche den, Canton Uri zustehet, und wegen der Gemß-Suizen berühmt ist, bey welchen allezeit viele Thiere anzutreffen, und von uns selbst mit Lust gesehen worden. Diese wilde Berg - Geisten kommen uns vor, wie Virgil die zahmen -Tneia. iv. l 52. Nolt^uzm »Icos Vemum in X-Iontes, stelle invis^ullrz. Lcce ker» 8r>xi clejeÄi Vcreice Lsprss Oecurrere ^uZis. Wenn diese von Natur listigen Thiere einiger vernünftigen Luft fähig wären, so würde sie die angenehme Gestalt der Alp Fisinar von den umliegenden Örter, hiehcr treiben, wenn sich schon keine Sulzläckinen hier finden sotten. Es sind grosse ordentlich aufeinander liegende Felsen so künstlich von dem Baumeister der Natur selbst aufgerichtet, daß sie ein ämpdilbezn-um oder einen halb-runden Schauplatz vorstellen, doch also, dass sich hie und da zwischen denen Felßwänden schöne Weyden, und gähe, ihnen aber leicht ersteigliche Risenen finden, durch welche sie der Jäger Nachstellungen entgehen, und in die Höhe fliehen können. Ar, dem Fuß dieser Felßwänden ist ein beständiger Schnee, und nächst daran die besten Weyden, so daß den Gemsen nichts von dem fehlet, was zur Nahrung und Lust dienen kau. Wie aber die Bergweyden oder Alpen je eine höher als die andre lieget, also ist auch hier die Fisinar-Alp zweyfach, eine Obere und Unrere. In der untern Fisinar kam uns ein braun-farber Rnmmichstein, I^ZPIS kHumenraiis vor, von -em ich weitläufttg im l. Theil Bl. ls9. gehandelt. Wir sezten unsre Reise durch die obere und untere Ohrrhaiden und Gufern fort, und nahmen unser Mittagmahl in dem Thal und Hütten Gemschfayr, allwo wir die Höhe des Quecksilbers 20. Zolle 1 i. Serupel hatten, und daraus abnahmen, daß wir über die Alp Bärenboden 68 O., und über Linrchal 2682. Züricher-Schuhe erhöhet seyen; über dem Meer nach Marione 5072., „ach Laßino 68 s 2. Pariser-Schuhe. Allhier nahmen wir von Hrn. Richter Tschudi unsern Abschied, Wie auch von Mstr. Caspar Grori, einem erfahrnen aufrichtigen ll. Theil, L Gemß- DM4.Au»- Fifinat. Kümmich- Stein. Ohrthalve«. Gufern. Höhe zu Gemschfayr. 82 Vierte Berg-Reise Gcmß-Jäger, welcher auf eine Zeit durch eine sonderbar gütige Vorse- hung Gottes aus seines Lebens Gefahr errettet worden. Es verdienet Ee'Ge diese Berg-Iägerische Geschichte an diesem Ort eingerücket zu wer- schichr. ' den. Als er vor einigen Jahren in Begleit zweyer andrer Jäger den Gemsen nachstellte, und über die Gletscher in der Limmern-Älp zu gehen hatte, fiel er urplötzlich, als er steh dessen am wenigsten versehen, und sicher aufdem Schnee einherzugehen vcrmeynte, irr eine Liesse Eiß-Schrunde oder Spalt. Seine Gefährten waren in grosser Angst, sie konten dem ehrlichen Gröri, den sie aus dem Gesicht verrohren, nicht helffen, und versahen sich nichts anders, als daß er bereits tod, oder in den lezten Zügen wäre, oder doch bald theils vom Fall, theils von der Kälte umkommen werde, sie befahlen also seine Seele Gott. Damit sie aber dennoch dasjenige Mögliche vorkehre- ten, welches zu Rettung des Grfallnen dienen könte, eiletcn sie zu der nächsten Sennhütte, so eine Meile von da abgelegen, um daselbst Rath und Hülff zu suchen. Allhicr fanden sie nichts als eine rauhe Bettdecke, welche sie in Riemen zerschnitten, und mit sich zurück nahmen, um sie in den Firen-Spalt hinunter zu lassen. Indessen war unser Stört von Kälte halb erstarret, bis auf halben Leib m dem Eißwaffer, dessen übrige Liesse er mit den Augen nicht ergründen konte, mit dem obern Leib und Armen sperrte er sich beyderseits an den Eißwänden, fand sich also in einem grimmigkalten, engen und doch unergründlich tieffcn Kercker, in welchem das Wasser, die Luft, und das Eiß wider ihn stritten, von welchen Elementen das erste ihn wolle verschlingen, das andre ersticken und durch aufliegende Schwerkraft erdrücken, das dritte wegen seiner Seblüpfrichkeit nicht halten. Wie ihm hierbey zumuth gewesen, kan ein jeder leicht bey sich selbst ermessen. Er versähe sich nichts anders, als des Todes, und empfahl seine Seele in die Hand Gottes, welche ihn dergestalt in seinerr engen Nöthen starckte, -aß er den von seinen Gefährten herabgelassenen Riemen um den Leib anbinden konte. Durch dieses Mittel wurde der gute Jäger aus der Grube heraufgezogen, in so weit, daß man ihn fast erreichen konte. Was geschiehet? Als er fast zu oberst war, bricht der Hülffs-Riemen entzwey, und fällt unser Morris wiedrum in das Eißgrab hinunter. Bey dieser Begebenheit vergröfferte sich die Gefahr aufs neue. Einen Theil des gebrochnen Riemens nahm er zu allem Unglück mit sich, und war das übrige in den Händen seiner Helffern gebliebne Stück nicht lang genug hinab 83 des hosten Jahrs. zu reichen. Neben dem brach dem Jäger in diesem neuen Fall der Arm entzwey. Bey sobewandteu Dingen entfallet denen Gefährten der Muth noch nicht, sie schneiden die Riemen noch einmal der Länge nach entzwey, und lassen sie hinunter; diese bindet der Jäger mit dem gebrochnen Arm noch einmal um den Leib, um zu erfahren, was Gott weitere über ihn verhängen werde. Mit diesem schwachen Riemen wird er nun durch Gottes Hülff völlig herauf gezogen, und von der Ohnmacht, in welche er alsobald gefallen, wiedrum in so weit aufgemuntert, daß er zu sich selbst gekommen, seine Erretter mit halb erstarrten Augen angesehen, sich nach Haufe tragen und führen lassen, und also wiedrum seine Gesundheit erlanget. Er erzehltc uns, daß ihm etliche hernach gefolgte Jahre allezeit die Thränen in die Augen geflossen, so oft er sich einerseits so grosser Lebensgefahr, die er ausgestanden, anderseits so augenscheinlicher Gnaden-Hülffe Gottes erinnert, dem er auch schuldig seye Lebenslang demüthigst zu dancken. Nachdem wir von unsern Gefährten Abschied genommen, reißten wir von der Alp Gemsthfayr hinweg, und hatten zur rechten den Glatten- oder Schrayenberg, dessen Theile in iormg ätrsrorum, Lagerweise und Horizontal übereinander stehen; littcker Seits aber die Grieffer-und Llarider-Aipen, samt denen daselbst befindlichen Gier- Alpen und federn , welche mit ihrer grün-blauen Farbe den Durchreisenden Gletscher, lieblich in die Augen scheinen. Von denen Clarider-Alpen erzehlen die Anwohner eine fclt- Seltsam« same Geschieht, welche der geehrte Leser nach seinem Gefallen unter Beschicht, die wahrhaften Begegnissen zehlen, oder in den Rodel der Mährlein einschreiben kan. Es soll daselbst vorzeiten ein Senn eine leichtfertige Hur unterhalten, und in so hoher: Ehren gehalten haben, daß er ihr von der Wohn - oder Sennhütte bis zum Käßaaden den sonst kothigten unflätigen Weg mit Käsen bespreitet, damit >ie ihre Schuhe oder Füsse nicht besudelte. Auf eine Zeit sey seine arme Mutter zu ihm gekommen, um ihren hungrigen Bauch mit Milch und Suffy zu füllen, der gottlose Sohn aber habe ihro Pferd-Harn unter die Milchspeisen gemischet, und mit so schlimmem Tractament wiedrum abgefertigt. Worauf dieses arme Weib ihrem verschwenderischen und verruchten Sohn alles Unglück über den Hals gewünschet, und Gott gebeten, an ihm seine gerechte Rachhand zu zeigen, welches auch geschehen, also daß die Erde ihren Mund aufgcthan, und dieser: unnützen Erdenlaft mit seiner leichtfertigen Dirne verschlungen, zugleich 84 Vierte Berg-Reise aber auch seyen die obern Firn und Felsen eingefallen, und die vorher qraßreichen fetten Alpen damit überleget, daß sie nun seit der Zeit ganz unfruchtbar seyen, und nichts tragen. Ob nun diese Geschicht sich in der That zugetragen habe, oder dieselbe von der frommen Cle- risey ersonnen worden, um das gemeine Volck, absonderlich die Sennen, von dem Laster der Hurerey, und des Ungehorsams gegen den Eltern, abzuhalten, wil ich nicht erörtern. Einmal, die Anwohner sind von der Wahrheit dieses Straff-Exempels so versichert, daß einer nicht wol würde ankommen, der sie in Zweifel ziehen würde. Man gibt auch vor, daß dieser Bößwicht, wenn man ihn ruffe, oder heraus fodere, sich mercken lasse. Und erzehlete uns selbst ein gelehrter und ehrwürdiger Priester, ^ >>. in U. S. der in der Nähe wohnet, daß er auf eine Zeit in seinen jungen Jahren sich in diese Llarider- Alpen verfüget, und an dem Ort, wo die Sennhütte gestanden, den mit Leib und Secl verschlungnen Senn kühner weise ausgefodert, worauf die Erde in eine Erschütterung gerathen, und die Felsen- Steine von der Höhe mit grossem Geräusche und zu seinem grossen Schrecken heruntergefallen, daß er sich mit der Flucht salvirt, und Gott gedancket, daß er mit dem Leben davon ackommen. Gauß. Auf unserm Fortmarsche kamen wir erstlich in die Tlauß, eine schöne weydreiche Alp, allwo man die Felßwände etlich los. Schuhe hoch in Form eines mit Luft siehet in die Ründe stehen, Wasserfälle, lind über dieselben drey schöne Wasserfalle sich abftürtzen, welche bald FeiMach. nach ihrem Sturtz in den Fetfthbach zusammen fliesten, welcher sich hinter dem Dorff Lintthal, im Grossen Thal des Glarnerlands, in die Linc ergiestet. Vorfrut, Von hier reißten wir weiters durch Vorfruk, Sauboden, IWden, Claus-Thal, Baim , und hatten zur rechten den Engliswald. Balm. , Wcngl'swald, Ober- und Unter-Balnrberg, zur lmcken den Wienerstadel, und Unrerbodmen. Im Tlauschal traffen wir Röche Trde. eine röche Martialische Erde an. ^ ^ Von der Höhe Balm stiegen wir durch einen jähen krummen Schächen. AZeg den Berg hinab in das Schachenthal , zu dessen Ende der Berg Scharhorn seinen Kopf in die Höhe strecket, von weichern die Anwohner vorgeben, daß er ihnen von allen Seiten her in gleicher Gestalt vorkomme. Von diesem und andern in dieser Gegend anliegenden Bergen fliesten sehr viele Wafferbäche herab, welche theils in Wafferfälle. Gestalt schöner Wasserfallen (unter denen sonderlich einer ist, die Stau- des »-asten Jahrs. 8s Stäube genannt, weilm seine Wasser wegen des hohen Falls sich endlich in einen Staub auflösen) abstürtzen, theils sonst über die Felsen und gähsenckende mit Gesträuch und Holtz beworffne Borte in das Thal abfließen. Diese und andre von verschiednen Bergen dieses Thals zusammen Messende Quellen und Bäche, deren einige Cristall- lautere Brunnenwasser führen, andre aber Milchweiß von Gletschern herkommen, machen die Schächen aus, einen kleinen Fluß, welcher Schächm. dem ganzen Thal den Namen gibt, und endlich feine Wasser dem iv. Waldstadten-See übergibt. Der Lange nach dieses Flusses rcißten wir das Thal hinab durch Aesch, Elch, Schwanden, allwo eine Capell, kamen endlich gen Unterschächen, allwo wir aus Mangel eines Wirthshauses genöthigt wurden den Ehrwürd. Hm. Pfarrer des Orts, Hrn. Carl Joseph Arnold um die Herberg anzusprechen, welcher sie auch ganz freundlich zugesagt, und uns mit seiner in diesen wilden Gegenden ungemeinen Gelährtheit nicht wenig erquicket. Des folgenden Tags, welcher war der s. August, führte er uns D«» 5 .«ur, zu dem Unrersihächen-Bad, das zimlich alt, laut folgendem Zeug- unterschL. niß, welches indem Losament an der Wand stehet, und auS dem chen-Ba». Gemeind- oder Jahrbuch soll ausgezogen worden seyn: A. 1414. Mvenrum ell Noc Lslneum ä ^iggiltro r.eopvläo , ^rris ?ro- tcllore, gui Lt 1450, tzoc, guoci ä erst csiiclum, ex merr Xlsliris, Lr berverüläle viLbolica lubvertir. LxrruÄa ksec Oomus eil: ^n> 1495. Dieses süsse Badwasser quillet unter einem Felsen an dem Fuß hoher gegen Mittag liegender Bergen hervor, und wird durch Canäle unter einem Waldwasser durch, und also weiters in das Badhauß geleitet, und insonderheit von Aieorssaus besucht. Es soll absonderlich denen Schlaaflüßiqen und mit Nieren- und Mutter-Kranckheiten behafteten dienen. Allem Ansehen nach muß dieses Bad ehmals besser und kräftiger gewesen seyn, als es jezt ist, weilen man vor der Zeit bey der Quelle eine Wärme und aus der Erde aufsteigende Dämpfe wahrgenommen , hernach aber ist das Bad in Abgang gerathen, die Quelle eingefallen, die Canäle durch welche es abgeleitet worden, verfaulet, so daß der Besitzer erft A. 1704. wiedrum angefangen denen ersten Quellen nachzugraben, und nun die Frag ist, ob er sie gefunden, und die iezige etwas mchrers sey, als ein gemeines Verglaster. Ich habe durch verschiedne Proben, welche mir die Kürtze L s der 8§_ Vierte B erg-Rcise der Zeit zugelassen, keine Mineralien in diesem Wasser verspüren können, und mir crzehlen lassen, daß es gute Würckungen verrichte, und die verwelckte Blumen, wenn sie in das warme Badwaffer gestellt werdet», sich wiedrum erfrischen, welches man auch bey andern mineralischen Wassern unsers Lands wahrnimmt. Kreidr. Unweit von dem Bade, in einem sähen Felsen, grabt man eine weisse Nreide, derer im k. Theil Bl. 40z. gedacht worden. Höhe ru un- Die Höhe des Wetterglases war zu Unrerst-Kächen 22. Zoll, «Mächen. 5. Serupel, welche, wenn sie mit obangeregten Erfahrungen verglichen wird, anzeiget, daß dieses ungefehr in Mitte des Thals liegende Dorff höher liege als Lunchm sm Glarnerland 800., tieffer aber als die Alp Bärenboden I2OO., über diß auch höher als Zürich, all- wo heut das Quecksilber auf dem 2z. Zoll 8i. Serupel gestanden, iO8s. Schuhe; nach Marione stunden wir hier über dem Meer 28ZI., nach Laßino Z42Z. Pariser Schuhe. Gpinngen. Nachdem wir das nöthige in Umerschächen verrichtet, reißten Mler- )vir längst dem Flusse Gchächen das Gchächenrhal hinab, kamen Trud-iin. durch Spiringen, Witterschwanden, Trudelintzen, Bruck, all- gen. Brück, wo eine stemmte Brücke, Lorelei,, da eine Capell, Kürglin, LurZiiiz, Düralin da eine alte Burg, welche vielleicht die Meyer von Bürglen bewohnet, deren bey Stumpf. Lkror,. l^ib. VI. c. r 6 . gedacht wird. Von diesem Bürglen, welches von b.uctov,co Lermzmco an die Abbtey Frau-Münster zu Zürich verftdenckt worden, kamen wir end- Morff. ijch dem Hauptflecken Alrorss, sonst auch Ure und Ury genarlttt, an, welcher von dem i v. Waldstädten-See eine kleine Vierielstuitde, und von Unterschächeu z. Stunden abliegt. Auf diesem Weg hat-» ten wir rechter Seits die Berge windMl, allwo die rauhen Nordwinde so ftarck wähen sollen, daß sie zimlich schwere Schieferfteine in die freye Luft werffen; Gamperstock, Roßstock; ltncker Seits aber den Spitz. Winde so In diesen aus hohen Bergen und tieffett Thalern vermischten Acdgcwls- Ländern ist der winden halber in Acht zu nehmen, daß sie sich nach wehen. ^ dem Lager der Thälern, insonderheit auch nach dem Lauff der Flüssen richten. In dem Urner-See, welcher ein Theil des von Hrn. lob. i_eopoiä c.ysat, gewesenen Stadtschreibers zu Lucern, befchriebnen iv.waldstädten-Gees ist, bläset die Nacht hindurch bis ungefehr um 9. Uhr Vormittag der Ost-Wind, auf den hernach der Abend- Wind folget, welcher zwar bis an den Abend währet, aber um den Mit- 87 des rasten Jahrs. Mittag am strengsten wehet. Die Ursach dieser Begebenheit Hiesset aus gleicher Quelle/ welche in dem t. Theil Bl. 54. bey Anlaß -er Winden auf dem Wallenstädter-See ist aufgedeckt worden/ nervlich von der Lage/ die zwischen hohen Gebirgen eingeschlossen sich von Morgen gegen Abend ziehet. Es ist überdiß hier/ da wir die Materie der Winden vor uns haben, etwas von der Fön zu melden/ weilen dieser Mittag-Wind in der Ebne von Altorff vor andern Winden aus seine Herrschaft ausübet; er bläset in dieser Gegend sehr oft/ und bringet die Baum- und andre Früchte geschwinder zur Zeitigung/ als in dem Lucerner- Schweizer- Zuger- und Untcrwaldncr-Gebiet/ ungeachtet diese von den hohen Gotthardischen Schnee-Gebirgen entfernter sind/ als der Canton Uri, und alle s. Orte an einem See liegen. Ja eS wehet allhier die Fön oder Mittag-Wind zu Zeiten so ungestüm/ daß sich alsdann niemand auf die See wagen darff/ und man in dein Flecken Äleorff selbst / aus Oberkeitlichem Befehl mit dem Feur, welches zu Kochung der Speisen angezündet werden soll/ sehr vorsichtig umzugehen/ oder/ wo nicht die Nothwendigkeit es erfo- dert/ kein Feur anzuzünden/gewamet wird/ damit nicht durch entstehende Feursbrunst alles verzehret werde: wie die Einwohner eine traurigeWirckung dessen A. 169z. den 16. April/ da ?s. Häuser im Rauch anfqangen/ erfahren. Wer die Lage obbenannter Ländern mit Philosophischen Augen anstehet/ der wird sich nicht verwundern/ wen»: die Mittag-Winde in einem kältern Grad in denen vom Gott- hard abgelegnen Orten/ als an dem Fuß desselben/ verspürt werde»/ denn hier wehet die von -er Höhe untersich gedrückte/ folglich wärmere/ dort aber/ und durch die übrige Schweiz, eine mehr ausgedehnte, über diß auch mit vielen Schnee- und Etßtheilchen beschwängcrte Fön oder Mittag-Wind. Es kan dieser mit den höchsten Alp-Gebirgen eingeschloßne kleine Winckel des Schweizerlands, welcher nemllch den Urner-Boden samt dem Schächentyal und Reußthal in sich begreift/ das sich der Reuß nach in die Höhe bis auf den Gotthard erstrecket, mit Recht eine unm die pflanzstadc der alten und neuen Schweizerischen Tapferkeit alten r»- betittelt werden. Die alten laui-ilci , oder, wie sie jezt genmnet werdm, Urner, waren die ersten unter den Galliern, welche zu den Zeiten der Römer, unter der Regierung jenes grossen Helden und Schweizerbezwingers, )uiii die übrigen Helvetier angereihet, daß sie mit ihnen über die Alpen in Italien ziehen, und dieses herrliche 88 Vierte Berg-Reise liche Wein- und Fmchtvolle Land einnehmen sotten. Sie, sage ich, waren die ersten, welche k«cuncii»ie keßionis peiieäli, aus sonderbarer Begierde die Lichtvolle Fruchtbarkeit der jenseit des Gebirgs liegenden Italienischen Landen zu gemessen, aus 63Ü13 oincs, und zwar aus dem p-rzo 'riZurino, oder Züricham, dem sie damals einverleibet waren, sich unternommen, die höchsten Alp-Spitzen zu übersteigen, und in einem nachdrücklichen Kriegs-Zug Italien einzunehmen. Hiervon schreibet pünius i^>b. xn. csp. i. also, daß L>>co, ein Helvetier, den ersten Anlaß zu diesem Zug gemachet habe, welcher wegen seines Schmidhandwercks sich eine Zeitlang zu Rom aufgehalten, und etwas von dürren Feigen, Trauben, Oel und Wein nut heraus gebracht habe : ?rocium Xlpibub coercil 3 S, Lc «.um inexuperabili Xäu- nimenro LsIIiss bsnc primüm kzbullle Cautsm superttinäencii 5 c Italic, quoc! Llicoex blelveciis Ovis earum (pinrirnus schreibet, divis ltom.) febrilem ob Lrtem kom« commorslus, kicum ücczm Lr Olei- gue 3c Vini prsemillg s Oalecksmpius listt Primili 38 , Welche kettus sonst 8scrim38 heisset, wir legen es aus vor einen Sauser, oder neuen Wein,) remc3N5 tecum ruMcr. t>i vius l^ib. V. cap. Z z. gibt hiervon folgenden Bericht, daß nebst der Süßigkeit der Früchten, äruns, gebürtig von Clus in des Groß-Herzogs von Florenz Gebiet, den Anlaß zu dem Helvetischen Vorhaben gegeben habe, dem l.ucumo, ein edler und gewaltiger Jüngling, sein Eheweib beschlaffen, weilen er aber sich an ihm nicht rächen konte, habe er die Gallier mit herausgebrachtem Wein angelocket, und in so weit überredt, daß sie unter seiner Anführung in Italien eingedrungen, und obbemeldte Stadt Aus eingenommen. LsUicsln Lenrem rraclimr kamä, Oulcecline kruZulN, maximeHue Vini nova rum Voluprare cäprsm, ^!pe8 rrgnüile, ^Zros- que ab Llrulcis snre cutto8 potleclille: Le invexille in Lslliam Vinum illicienäL 6enris Lgusg /^runrem Ouünum, ira corruplse Oxori8 gb L.ucumone, cui^rori8 fuer3c iple, prsepolenle )uvene, Le 3 <^uo ex- peri poenL, nill exrernr Vi8 qurlit» eilet, nequirent, kunc rränseumi- bus ^Ipes vucem, suäloremgue Ouiium oppugn3ncii fuiile. Hierüber kan auch der Aeißige Geschichtschreiber ?oi)-biu8 I^ib. ll. gelesen werden. Diese in Italien gelockte Gallier sind, wie es ilckuckus »elver. äntiq. Vi8e. trefflich erweiset, keine andre Völcker gewesen, als unsre Urner oder Tauriscer, denn die lleciui, Limri^, i'eälolL- gL8. k.iZure8, 8s!Iuvii, (.'3rnuce8, Xulerici, oder andre Gallische Völcker, nicht Mach hatten, um des Weins, der Feigen, und andrer dergleichen Früch- _ des hosten Jahrs. 89 Früchten willen Burgund, Saphoy, Provence und Languedoc zu verlassen, und in Italien zu ziehen, weilen sie selbst der edelsten Räb- und Baum-Früchten einen grossen Merflusi, hingegen die Taurifter eitlen völligen Mangel haben. Von welchen Völckern auch diß zu bemercken, daß nach der Erklärung Ouver., 6e>-m3n. vincte- lic. czp. 2. P.728. mit der 'Urit'corum Namen alle Bergvölcker beleget, welche zwischen Deutschland und Italien, dergleichen zwischen Franckreich und Pannonien, längst dem Donaufluß gewöhnet haben, und zwar diese Benennung selbst die Berge zum Grund habe, von ihnen Touren, älben und Alpen genennet worden, welche Wörter noch jezt in bergichten Gegenden, von der Schweiz durch das Tyrel, Lärmen, Seevrmarck und Schwabenland bekannt sind. Daß aber der vornehmste Sitz der Tauriscern hieher in das vor unS habende Urnerische Land müsse geleget werden, ist aus folgendem zu ersehen: IU.MU8 l^ik. m. csp. ro. berichtet aus Ogcone, daß die Lepontier und Salaffer auch von den Tauriseern abstammen. l.eponüoz ür 83I3608 kurier 6enns L3lo 3rd>cr3wi'. DkM PÜnio stimmet auch ?o!^bius bey täb. 11. üllwo er mit ausdrücklichen Worten meldet, daß die Tau- riscer bey dem Ursprung des Rhodans wohnen. Es ist auch wahrscheinlich, daß die Lepontische und Salaffische oder Walliffer-Tau- riscer, weilen sie ein weit besser Land, als der Urnern ist, innhaben, vor» diesen ihre Herkunft haben, und über die Furca gezogen seyen. Ja selbst von unsern Urner-Tauriscis leitet unser ilctwMus l. c. die Kärnter, Steyrmärcker und andre alte Taurifter her. Es ist be- dencklich, daß die Steyr- oder Sttermärcker in ihrem Wapen auch einen Stieren-Kopf führen, wie die Urner; deren Namen gantz deutlich 3 von dem Uri herstammct, von welcher Art wilder Stieren LZesgr Lommem. äe keil. LsII. VI. meldet, daß sie sich in Uercimr Lylvs im Hartzwalde finden. Vermuthlich haben sie sich auch ehemals in unsern Alpgebirgen aufgehalten, aus welchen sie nach und nach vertrieben worden. Es ist auch kein Zweifel, daß die Uri, wie sie nennet, ein alt Deutsches Wort seyen, weilen noch heut zu Tage solche wilde Stieren Urochsen genennet werden. Und ist bey Smmpf. (Ikron. Vl. c3p. r6. zu ersehen, daß auch wir Schweizer die Ochsen Uren nennen. Diese alte kriegerische Tau- riscer- oder Urner-Nation pfleget noch jezt in ihren Kriegs-Zügen, nach der alten Römer Weise, welche ihre ^omicines, Hörnervlaftr, hatten, einem Führer ein grosses Horn zu übergeben, welches sie den ü Theil. M Gner As_vierte Berg» Reise_ Skier von Uri nennen. Aus diesem allem erhellet sich klärlich, daß Olzresnus mit bestem Recht die Urner vor Uberbreible.n dcr alten Tauriseer ansehe, und Itckmäiu; den Hauptflecken des Lands Altöl jsl-isZMZM Iaurilcorum, 1 'igurinoi'um Vlcum MäXimum wol nelt- ne, worüber auch Ouiüimann. Ker. ttelvet. l>ib.! l czp I. zu lesen. Nunists Zeit von diesem Haupt-Flecken der Tauriseer zu verreisen, und dcro Lande wciters bis aufdie oberste Höbe des Gotthards zu besuchen; die Pferde stehen schon gesattelt, welche als nützliche Erdenläste des oft engen und sonderlich zur Winterszeit gefährlichen Bergweges gewöhnet, insgemein allhier von den Reisenden um gewissen Prciß qedinget werden. Doch müssen wir nicht vergessen, noch vor unsrer Abreise auf das Rahthauß zu gehen, um daselbst nebst ver- fchiednen schönen allerhand Schweizerische Heldenthaten vorstellen- Urner-kand den Gemählden, zwey Charten des Lands zu besehen, deren die eitle «nd kiviner. mehr nach Mahlerischer als Geographischer Manier das ganze Urner- Land, mit zugehörigem Livinerthal. vorzeiget, die andre aber absonderlich bey denjenigen Gränzgebirgcn sich aufhaltet, welche dasUrner- Land von der Engelbergischen Herrschaft scheiden. -ör>e vo« So ist auch, ehe wir zu Pferde steigen, die Höhe des Quecksil- «ltvrff. bers zu -emerckcn, welche wir bey hell-schöner Witterung im 24. Zoll i. Serupel hatten. Woraus wir abnehmen tonten, daß Altorff iZ2o. Schuhe tieffer liege als Unrerschächen; und nach oftgedachten Grundsätzen, ist Altorff höher als das Meer, nach Mariorce Rechnung izQi., nach Laßmi aber 1410. Pariser-Schuhe, rxn- Aus Heute, den 6. August hatten wir bis zum Sräg, da man gemeiniglich, als an dem Fuß des Gotthards, einzukehren pflegt, eine Erst Feld. Reise von z. Stunden vor. Wir kamen durch 'Lrftfeld oder Iag- mar, i.St. welches vielleicht daher seinen Namen hat, weilen die alten Tauriseer an diesem Ort, als in einer fruchtbaren Ebne, zuerst Gaus. ihre Felder gebauet; weiters durch die Elauß, nebst dem Ellbogen- Räppeli, durch Silenen , Gyuinen, Stirnen, HIuns, in das ^ Wirthshauß am Scag. Die Kirche zu Silenen gehörte vor diesem mit allen ihren Leibeignen, Zchenden, und andern zugehörenden Gittern, zu der Abbtey zümFrauerl-Münfterin Zürich, tu Kraft eines Vergabung-Briefs, welchen König Ludwig A. 8s8. kerolllo (andre nennen ihn kercMcM und Gerold) dem ersten Vorsteher zum Frauen- Münstcr, gegeben, welchen er in dem Instrument uresdyrerum ckz- rillimL flliX ttilriZsrclL, den Pfarrer seiner liebsten Tochter Hildgard/ nrn- des lyorten Jahrs. 5>r nennet. Es hat sich aber diese Kirch unter der Aebbtißin L 1426. rlm 80. Rheinische Gülden ausgekaufft. Es ist aber nicht nur die Kirche zu Silcnen, sondern das ganze Landein (?»- gLÜus) Uri, samr allen Kirchen, Häusern, und andern Gebäuden, allen Leibeignen, allem Grund und Gütern samt allen Renken wie die Worte des Stift-Briefs lauten, von König Ludwig dem Könialichen Geftift zu Zürich vergäbet worden, wie hievon ein mehrers in Hm. Hottingers Helvet. Krrchen-Geschicht, Hlv. p»Z. 4Z6.4Z8. und in Stumpf. Llimn. bib. Vl csp.26. so8- 509. zu sehen. Auf -er rechten Seite der Reitst ist das alte Burgftall Seltenen gestanden, da vorzeiten die Meyer von Gyllinen, ein adelt- ches Geschlecht, gewöhnet, welches hernach nach Lueern gekommen. In der Pfarrey Silenen bricht ein schwarzer Marmor , und Schwane ein andrer, so auch schwarz mit weiffen Adern; und ungefehr drey- Marmor, viertel Stunden von dem Dorff eine Vitriol-Ader herfur. Nebst Vitriol.«, dem Wirthshauß (dessen jeziger Besitzer Hr. Johannes am Pore ist, ein freundlicher Mann, -er allezeit einen Vorrath von Criftallen hat, und uns einen grossen 12 fettigen Schwefel-Kieß aus dem Wallisser- Land gezeiget/) stießet der Nerstenen-oder Rerstelen-Bach ab,Kerst«len. welcher milch-weisse Gletscher-Wasser mit sich führet, -ie in grosser Bach. Sommerhitze den Reisenden zu grossem Labsal dienen; es entspringet aber dieser Bach im Ruppleren. Thal, in der Pfarrey Sillenen. Nach der Länge dieses Bachs wehet iin Sommer fast den gantzen Beständig« Tag, ausgenommen um den Mittag, ein beständig lieblicher Sud- Süd-O-. Ost-W'nd, welcher denen fremden müden Gästen auch zu grosser Erquickung dienet. Allhier, wie oben gesagt, fanget eigentlich der Gotthards-Berg an, weilen man von hier bis auf die oberste Höhe immer Berg an steiget, doch also, dast hie und da,sonderlich im Lande Ursern, zwischen den Bergen ebne Plätze, als kleine Thäler, liegen. Diese gemein übliche Bergstrasse siengen wir den?. AugustMor- . gens frühe zusteigen an, und sahen vorher die Höhe des Qnecksil- bers auf 24. Zoll, woraus wir in Gegenhaltung der gestrigen zu Al- torff genommenen Höhe geschlossen, daß dieser Ort 120. Schuhe ticf- fer als Sillinen liege. Den 28. Jun. dieses Jahrs gab eine Höhe von 160. Schuhen gleiches Experiment, welcher Unterschied bey Abmessung der Berghohen nicht mercklich ist. Nach Mariotte ist der Stäg höher als das Meer 1454., nach Laßmo is?Z.Par. Schuhe. Ms Au auf den Gott- bard. Dir Reirß. 9L __ Vierte Berg-Reise An rechter oder lincker Seite dieser Gotthardischen Strasse hatten wir allezeit die Reuß, einen ungestümen Fluß, dessen Räncke ich bey diesem Anlaß durch Hülff der Magnet-Nadel, mit allen ein- fliesscnden Bächen, fleißigst gezeichnet, damit ich hiervon eine besondre Carle machen köntc, welche hernach folgen wird. Es sollen auch auf derselben die meistens von Stein gewölbte Brücken bemercket werden, welche von den Anwohnern mit vielen Unkosten und Fleiß, zu fortwährendem Nutzen der Reisenden, zur Sicherheit der mit schweren Lasten beladnen Saum-Pferden, und insgemein zu Unterhaltung dieses vornehmen Paffes aus dem Schweizerland in Italien, in gutem Stande unterhalten werden. Es ist diese Strasse theils lustig und angenehm, theils wild, rauh und förderlich. Bald kommet man, insonderheit in den untersten Theilen des Bergs durch an- muthige Wälder; bald stehet man durch eine dunckle natürliche Per- fpeetiv vieler aufrechtftehender oder übereinander geworffner Bäumen, die brausende und schäumende Reuß; bald die von den Bergen sich abstürzende und in dieselben sich ergießenden Bäche; bald höret man ein liebliches, bald ftarck und entsetzliches Geteß dergleichen über die Felsen abrauschender Waldwaffcrn, welche sich auch hier und dort wegen Höhe des Falls, oder bey Anlaß im Weg stehender Felsen, in einen Staub auflösen, in welchem die-einfallende Sonnenstrahlen, als so viel Kunftpinscl, schöngefärbte Regenbögen vormahlen, und die müden Reisenden von solcher feuchten Kälte, und dabey entstehender Luftbcwegunq, angesrifchet werden; bald aber wird das Gemüth, bey Ansicht überhangender, oft ganz unterfreßner tausend centneriger Felßfteinen, welche ungefehr einbrechen, und den Wandersleuten den Weg in die andre Welt zeigen köntcn, in grosse Forcht und Schrecken aesetzet. Zur Winterszeit stehet man von dem scblipfrigcn Eiß und liess verschneyten Straffen grosse Gefahr aus, insonderheit aber sind die Lauwen zu sorchten, welche als so viel grausame Leuen die Baume, Stauden, Felsen, und ungefehr auf dein Weg sich befindende Reisende ergreiffen und verschlingen. Uberdiß findet man sich an allen Orten zwischen hohen Gebirgen eingeschlossen, deren vielfältige Gestalt, seltsames Aussehen, bald nackende bald mit Bäumen insonderheit aber mit allerhand raren Bergpflanzen bekleidete Wände einem curieusen Bergsteiger mannigfaltige Belustigung beybringen, welche ihm die aufstoffenden Widerwärtigkeiten vortrefflich versässen, und vielfältigen Anlaß geben, die grossen Wercke des grossen Gottes, 9 ? des lösten Jahrs. als gütigsten Natur-Schöpfers zu preisen/ mithin auch -er Anwohnern Fleiß anzurührnen, welche zur Sommer - und Winterszeit so enge und gefährliche Strassen mit grosser Mühe und Unkosten offen behalten/ hohe Felsen mit gewölbter, Brücken vereinigen, hie und da die harten Felsen selbst durchgrabcn um die Wege dadurch zu leiten/ auch überdiß die sonst lockern leicht einfallenden Strassen mit gewölbten Mauren/ mit grossen in die Erde gesenckten Balcken und mit Eisen verklammerten Steinen unterbauen. Damit aber auch dem Wandersmann die Zeit nicht zu lang werde/ und er sich nicht einbilde/ daß er in die 8 . oder mehr Stunden zu reisen habe/ ohne Häuser und Menschen anzutreffen/ wil ich ihm der Ordnung nach diejenigen Oerter und Dörffer benennen, welche er zu paßiren hat. Ungefehr eine halbe Stunde vorn Stäg ist das Dörfflein Riede, auf welches MeUschligeu folget. Mitten zwischen diesen beyden Ddrffern zeigte uns unser Geleitsmann einen der Lauwen halber gefährlichen Paß/ bey welchem vor 2. Jahren einem Französischen Oft sicier 22. Pferde samt dem Knecht eingewickelt worden / und alles, ausser 4. Pferde die man noch erretten konte, zu Grund gegangen. Jenseit der Reuß kommet bey dem Dorff Riede das Dörfflein Irisch, und bey Meicschligen das Dörfflein Gurnellen zum Vorschein. In Zeit einer Stunde kommet man in Weiler, und in gleichem Zeitraum nach wasen, Waffen, da der Meyenbact) sich in die Reuß ergießet, welcher seinen Ursprung in den benachbarten Ber- ner-Gebirgen hat. Es ist die Höhe dieses Orts über Altorff den 28. Arm. iO4o. Schuhe gesunden worden, welche mit 2615. Schuhe über das Meer nach Mariorre, nach Caßino aber mit 3120. zu vergleichen. Eine halbe Stunde von wasen ist Waumgen , da man Felscrr- Lager (krLrg) siehet, welche nicht wie insgemein, waagrecht oder gestrickt liegen, sondern aufrecht stehen. Wiedrum in Zeit einer halber, Stunde kommt man gen Ge- stinen , einen schönen Flecken, (welcher von den Gästen die etwan da einzukehren pflegen, also gerrennt wird,) durch welchen ein Bach fliestet, welcher aus den Gestiner - Alpen und Gletschern, die dortherum liegen, herkommt, und unterhalb Gestmen seine Wasser der Reuß übergiebet. In dieser Gegen- grabet man viele LnMlen. Wie M 3 denn Riebt. Mitschli- gen. Weil«. Maser». Watti'KMv Gestillt«. L«usclr- Brücke. 94 Vierte Berg - Reise denn in der Schäumen vor wenig Jahren eine Cristall-Mne entdeckt worden, darin man vor l soo.fi. solcher edeln Steinen anf einmal gefnnden. (e) Reisen wir von Gestmen eine Stunde weiter fort, so kommen wir zur Teuftlsbrücke . welche n i!l. vorgestellet wird. Von dieser Brücke erzehlen die Anwohner folgende Fabel-gleiche Geschicht, welche dem geehrten Leser wegen Benennung derselben etwelches Licht geben kan. Es sollen die alten Einwohner des Urner- Landes langgerath schlaget Haber:, wie sieden ihnen nothwendiger: Paß über die Muß auf sichern Fuß setzen können, es sey aber die Ausführung eines solchen Vorhabens durch die gähstvtzige Tieffe hoher Felsen, m:d die Gefahr in die unten durchfiieffende und schäumende Muß zu fallen, ihnen schwer gemacht worden. In dieser Berathschlaqung aber sey der leidige Teufel dazwischen gekommen, welcher ihnen seine Dienste anerbotten, und würcklich versprochen, die Ausführung dessen, so ihnen sonst fast unmöglich, wenigstens höchst-gefährlich sey, mit dem Bedinge über sich zu nehmen, daß sie (die Urner) ihm hinwieder versprechen, dasjenige was zuerst über die Brücke paßiere, zu geben. Nachdem nun die Anwohner diese Bedtngniß eingegangen, habe der Satan die Brücke, in Hoffnung guteBeme zu bekommen, gebauet. Die Landleute aber, listiger als ihr Verführer, weil sie geförchtet, es möchte zuerst ein Mensch über die Brücke gehen und in des Teufels Netz fallen, haben einen Hund.herbey geführet, denselben auf -ie andre Seite der Reuß durch ein übergeworfenes Stück Brot ge- locket, als derselbe auf die Brücke gekommen, sey er von dem Teufel ergriffen, und in tausend Stücke zerrissen worden. Die Brücke aber fcy, zu grossem Nutzen der Einheimischen und Fremden, geblieben. Hiemit aber habe die Tragödie noch nicht aufgehört; es habe dem Höllenhund dieser unschuldige Hunds-Biffen nicht wol geschmeckt, weilen er seine Absicht auf ein vernünftiges Geschöpf hatte, und deßwegen aus gefaßtem Zorn, da er sich durch List betrogen sahe, getrachtet sein Gebär: wiedrum zu verderben, zu welchem Ende er dann einen fchweren Felsen, gleich ein andrer ärtss auf seine Schultern genommen, mit demselben die Brücke einzuwerffen. Aber auch dieser Anschlag habe ihm gefehlet, weilen ihm, als er auf dem Weg war, ein (e) Die Beschreibung einer Cristall-Minr/welchr hinter diesem Dorff Gesiinen liegt/ kan man in meiner R«»se.D«schreibung Bl. 4«. lesen. 2om -2. L)4 MMM MIM W^UMM «L» >!-"!'Ä! MU MM MMW WAWUzLMM E.Vvi d ' -' MWW WM »W SMj UM WU MU KM ß« WWM KMDMKsjM tzWME WAÄWW '» -?.M, U'«V./! UM M? MWM M« HtzUM M^WD WUKW MMML; MWMAsK!-^ iM'it L.ÄÄ MM'!< '.MU ///? WÄW des rasten Jahrs. 9f ein heiliger Mann begegnet, der ihn bescholten, und dahin gebracht, daß er den aroffen Felsen- Stein ablegen mußte. Wer diese Fabel nicht glauben wil, dem zeiget man noch den Stein selbst an dem Weh unter Gestmen. Die Höhe der Teufelsbrücke über Gestlnen ist 420., und über Altorff 1460. Züricher- über dem Meer nach Ma- riocce 3194. und nach Taßino Z948. Pariser Schuhe. Von dieser Brücke kamen wir bald in das Urseren-Urselen-Tbal, urseieM«. Urlzris, Ui-srrA, UrleN» Va!!,g; Es ist dieses anmuthige Thal-Gelätt- kaum eine Meile breit, und zwey Meilen lang, bekleidet mit fetten araßreichen Weyden und Alpen, welche, nebst dem Nutzen des täglichen Paffes, denen Einwohnern verschiedncr Dörffcr zur Unterhaltung dienen. Allhier wachsen wegen rauher und wilder Höhe keine Bäume mehr, also daß die Einwohner alles zum Bau nöthige Holz mit grosser Mühe und Kosten von Gestmen und noch tieffer liegenden Orten herauf holen müssen, und indessen in der Küche sich mit dem kleinen Gestäude Alprosen, kok ^ipinz, genannt, behelffen. Es wäre aber diesem Thal wol ein Mittel zu zeigen, mit welchem sie ihren Brennholtz-Mangel zu ihrem grossen Vortheil ersetzen könten. Es ist ungewiß , ob diß tu fern - Thai seinen Namen hat von Urlls, den Bären, welche vielleicht ehemals den Einwohnern und ihrem Viehe grossen Schaden zugefügt, oder von der Reuß, Urk genannt, welche durch dieses Thal fließet. Der erstem Meynung unterschreibet 6 uier.kXr. pzZ. i vs.b. weilen das Thal noch jezt in seinem Wapen einen Bären führe. Es dienet diesen sonst in der höchsten Gegend des Schweitzerland- wohnenden von Kälte und anderm Ungemach viel ausstehenden Thal- Leuten diß zum Trost, daß sie ihre eigne schöne Freyheiten besitzen. Sie sind eigentlich alte Lepontier, so in die Rhätische Provinz gehöret, wie sie auch noch heut zu Tage in geistlichen Sachen unter dem Biß- thum Chur stehen. Auch der weltlichen Policey halber sind sie noch jczo etwas den Rhätiern zugethan, indem sie zu den Gottshauß-Leu- ten zu Disentis im Obern Grauen Bund gezehlet werden; und wenn sie einen Amman, der das Haupt in ihrer Obrigkeit ist, jährlich unter ihnen nach ihrem Gutdünckcn erwehlt hassen, so muß er so bald möglich gen Disentis kommen, von dem Abbt daselbst das Amt und Gericht zu empfangen, da er denn schuldig ist dem Abbt ein paar weisst Handschuhe zu geben, zum Wahrzeichen einer Bestättigung des Amts und Gerichts desselben Jahrs. Neben diesem hat der Abbt auch -6 Dickte Berg-Reife - auch seine Renten und Gülten sinnt andern Gerechtigkeiten in diesem Thal, insonderheit daß die Güter, so ihm von Todschlag wegen zinß- dar sind, nicht können verfällt noch einiger Obrigkeit zuerkennt werden. A. 1412. sind die Urseler mit gewissen Bedingniffcn, ncmlich mit Vorbehalt der Diensten und Rechten, so sie dem Gottshause Di- sentis schuldig sind, und auch ihrer eignen Freyheiten, von Löblichem Ort Uri in ein ewiges Land-Recht und Freundschaft angenommen worden, welches alljährlich ihren Rath und Amman, so sie erwehlt, bestätiget, und zwey Räthe dem Blut-Gericht zusetzet. Neben dem müssen die Urseler ihr eigen Land-Vanner dem Land-Panncr von Uri, wenn es in Kriea ausziehet, zugeben. 6ui. ll-rr. p. 106. Sim- lcr. Rcgim. der Eydgnoßsch. 454- Ursel« ALß. In dem Urseler-Thal machet man eine sonderbare Gattung hoher feißter Räse, -je sind weich und sehr gut, sie lassen sich aber nicht lang behalten, und sollen ohne alles Feür oder Wärme gemacht werden, Beschreibung des iv. Waldftädtcn Sees i z. (f) Diese nennet man insgemein die Urseler Last. Urselen. Das erste Dorff in diesem hohen Thal-Gelände behaltet den Na- Dvrff. nien des ganzen Thals, uöftren , und wird sonst auch An der Matt genennet. Nächst oberhalb diesem Dorff an dem Berg, und sonst nirgends im ganzen Thal, ist ein drcyecklchtcs Tannwaldlein zu sehen, welches mit grosser Sorgfalt erhalten wird, damit es als eine Schutz- wehr wider den Einfall -er Lauwen diene. Es ist deßwegen, sonderlich bey Anlaß des grossen Holtzmangels in diesem Thal, bey hoher Straff verboten, etwas an diesem Wald zu verderben, oder Holz darinn zu fällen, wovon im!. Theil Bl. 298. zu lesen. Hospital. Eine halbe Stunde von Urselen ist -as Dorff Hospital , welches seinen alt-Rhätischen Namen annoch behaltet, in Deutsch heißet es einen Spithal -der Herberg, nicht nur deßwegen, weilen die hin und wieder Reisenden allhier ihre meiste Niederlage haben, sondern vermuthlich auch, weilen die arme krancke halb erfrorne Reisende mit nöthiger Speise und Arzneyen daselbst verpflegt werden. Es pflegen diejenige, welche den Gotthard besteigen wollen, insgemein hier, oder in Urselen zu übernachten, damit sie bey anbrechendem Tag den Berg, -as ist, die oberste Höhe des Bergs angehen, und mit guter Weil hinüber kommen mögen. Allhier ist ein altes Schloß gestanden, dessen Über- (5) Sehet meine Reiß-Beschreibung Dk. s». c ^ f.'l sMF' '^, / / - / >N> F «« WM« cu^i 7-^q »>v > «U/" / M F §«A ,>« ^)r Lü-?<^v LRÄ W»> LM >>' , W!' AchMS _ des rasten Jahrs. Z? Überbleibseln noch jczt stehen. Dieses hatte seinen besondern Adel, deren von Hospital, welche von etlichen unter die Freyherren geftzt werden. Ob von diesen diejenige von Hospital abstammen, welche stch zu Uri, und im Canton Schweiz niedergelassen, von welchen lez- tern sich auch einige in Zürich befinden, kan ich nicht wissen. Man findet in einer alten Lateinischen Walliffer-Ehronic, daß A. iZ2i. eine Schlacht bey Hospital geschehen sey, dabey aber wird weder der Partheyen noch einiger andrer Umständen gedacht. 6uier. krr. p. »05. b. ro6 Allhier war die Höhe des Quecksilbers 21. Zoll, sz. Serupel. Höbe auf Woraus abzunehmen, daß Hospital über Sillenen erhoben 1880., HWtar. doch noch r zro. Züricher Schuhe tieffer lieget als der Capueinern Herberg auf dem Gotthard, wie aus folgendem zu ersehen. Nach der Rechnung Marioeci kommet die Höhe von Hospital über das Meer Z6Z9., nach Taßino 46H. Pariser Schuhe. Von Hospital kamen wir innerhalb zwey Stunden aufdie ober- G»tth«v. ste ncmlich bewohnte Höhe des Gotthards, denn es find über der Ea- pucinern Hcrberg noch höhere Berg-Joche zu besteigen, wenn man auf der obersten Spitze Europens zu stehen Luft hat. Jezt, nachdem wir diese Schweizerisch-Europäische Hochwacht bestiegen, wird uns erlaubt seyn uns niederzusetzen, zu dem Ende, damit wir die an solchen hohen Orten befindliche Natur-Wunder zur Ehre des grossen hocherhabnen Gottes betrachten. Von dem Weltberühmten Gotthard ist über das, was oben im l- Theil Bl. 4s. 46. beygebracht worden, folgendes zu bemercken: Seine Namen find der Gocchard, Gant Gotthard, Gocchardc, St.Gotthardrs-Berg, Lorrksräus, 8. Locksräus, 6oMgräi klons, Xtomsgne cle 8. Loäarci, It ktome äi 5. Ootsröo. 8umm» ^lpes bey julio L-elare Lomm. 6e Lelt. 6ull. L.ib. lll. f.epc>ntlL binares, die kleinern Leponüschen Gebirge bey lovio, zum Unterscheid der arös- strn, l^eponcisrum r^ajorum, welche vom Corner-See über Eleven nacher Cbm gehen, da sonderlich der Gplügen hin gehörte, von welchem im i. Theil Bl. 4?o. u. f. zu sehen. Ein mehrers kan von dem Gotthard und seinem ganzen Paß, den wir in seiner Ordnung beschreiben, bey 8imler. Lomm. Ue ^Ipib. p. rol. 15ckucl. Nätisth. Alpgeb. p. 51. b. und »elv. ^nr. nachgesehen werden, allwo er unter arr- derm meldet, daß man zu Heydnischen Zeiten gewohnt gewesen, etlichen Göttern die gebräuchlichen Landstraßen über die Alpgebirge ll» Theil. N zmu- «>K_Vierte Berg, Reise _ zuzueignen, und ihnen Altare auf die Firsten der Strassen aufzurichten, wie i-ivius von ?«mno meldet, auch ^on8 K/KM8 in Wallis, und andre, dezeugen; also werde auch dieser Gotthard seinm Namen daher gehabt habm, daß man einen Abgott allda verchret. In folgenden Zeiten als man Chriftgiäubig worden, habe man die Abgötter abgethan, und anderen Stelle die Alpinsten der wandelnden Strassen den Christlichen Heiligen zugeeignet, und dem wahren Gott Altäre aufaerichtet; auch dieweil der Berg Lummarum äipium zuvor den Namen Gotthard hatte, haben die Christen 5.Ooubaröum den H. Bischoff allda zu verehren sich fürgenommen; gleich wie G. Bernharden auf dem e«nino , -er jezt -er hohe Gr. Bernhardtsberg genennet wird ; 8. Larnabam Mf dem Lucmanmer ; 8. Lernkgröiri aufdem Vogel, s.Lraulium aufdem wormser Joche. Bey dieser wol ausgesinnten Tschudischen Wörter-Erforschung finde ich sonderlich folgende Bedencken: Erstlich ist ungewiß, und aus alten Scribentm schwerlich zu beweisen, -aß zu der Heyden Zeiten dieser Berg den Name« Gorchard gehabt, wie hingegen gewiß ist, daß er von den Römem 8umm-e ^ipes amennet worden. So finde ich auch nirgend, was der Gorchard vor ein Hcydnischer Abgott gewesen , dem man aufdem Gotthards-Berge einen Altar habe aufgerichtet, und scheinet derNamenicht Mnischsondern Deutsch zu seyn. Nicht nur ist wahr, daß die Heydm ihren Abgöttern auf den Höhen der Bergen geräuchert, sondern man findet, daß sogar die Berge selbst von denen Datiern und Capadociern als Götter verehret worden, wie bey 8slino C3P, 57» alls 8lr3bone nnd KIsximo lyrio, bey 6er. Voll. tnllirur. Orsr. l. 6ib. V. c. ;y. 8eÄ., gleich auch des Carmcls, gls eines Gottes bey 1'scir. II. Wg.78.c3p. 8ueron in Vespsfian« c. 5. Meldung geschiehet. Der H. Bischoff Gotthard, von dem i'tcku- clius schreibt, ist vermuthlich jener Graf von Scheyew, ein naher Blutsfteund Kayser Heinrichs des n. welcher hernach Bischoff zu Hildesheim (da er vorher Prälat im Closter Altaych in Bayern, so auch zu Hersfclden, Cvems-Münster, undTagem-See) gewesen, endlich A. nzi. von Pabft lnnocenno n. in dre Zahl der Heiligen aufgenommen worden, wie hiervon weiter in 8»ni cle v-us 8snLb. "rom. ?. und in Langms Grm.driß der Cathol. Welt 1-id. I. c3p. 6. p3§. siz. nachzulesen. Eskan dieser Heilige, wenn der Gotthard- Berg von ihm seinen Namen hat, sich rühmen, daß er der höchste Heilige sey, (gleich von dem H. Ehristophoro gesagt wird, daß er der groß- des ryvsten Jahrs. 99 m ößre) weilen er seinen Sitz auf dem höchsten Gipfel Eurvpens hak. Ich möchte aber wol wissen/ wie er von Hildesheim in diese rauhe Schweizerische Alpgebirge gekommen sey. Wenn je etwas daran wäre/ so solte Lang es in ftiner Catholifchen Helvetia nicht vergessen haben. Ich überlasse eine genaue Untersuchung dieser Materie denen/ so die Verehrung der Heiligen ihrer Reliqions Übungen einverleibet ; und schreite indessen zu einer andern Wörterquelle fort/ welche sich bey 8imier. ^ib. cir. P3Z. 5O0. b. findet/ und dahin gehet/ daß der Gotthard seinen Namen von den Gothen her habe/ welche A. 55s. mit ihrem Könige loüi-,» von dem edlen Ritter Martere, welchen der Kayser Mmi-muZ aus Griechenland in Italien gesandt/ aus diesen Landen vertrieben worden/ und sich bey den Lepontiern und Tau- rtsccrn/ vielleicht ins besonder im Urfern-Thak, so zunächst am Gotthard lieget/ niedergelassen. Gmmpf schreibet in seiner nei v. Lkron. I.ib. VI. csp. r6. P.M. 508. b. daß die alten Helvetischen Chronicken dieser Ankunft der Vertriebnen Gothen in miste an dem Gotthard liegende Lande insgemein Meldung thun, und daß die Landleute nach Uralter auf sie ererbter Aussage sich rühmen, daß ein guter Theil aus ihnen von den Gothen herkommen seyen/ und der meiste Adel daselbst ein Gothischer Ade! sey. Ich mercke bey diesem Anlaß an, daß wir Schweizer Überbleibseln von den ansehnlichsten und tapfersten Nationen seyen, so iemalen in der Welt gewesen, nemlich von den Gothen und Römern, denen wir uns Schweizer selbst mit den Ale- manniern zugesellen. Was die stnckclrechte Höhe des Gotthards über dem Mittelländischen Meer betrifft, finde ich, weilen das Quecksilber auf 21. Zoll, 6^. Skrupel Pariser Mäß gefallen, daß nach Marione Meyuung 5559., nach Laßmi aber 7692. Pariser Schi* he herauskommen. Wir wollen weil wir fezt«« Ver- Die höchste» tices, Ocumins klonrium, ja 8 umm 3 § ^.lpes, die höchsten Alp-Se, Mp'Gebw' birae bestiegen haben, uns bey denselben noch etwas aufhalten, nach Anleitung dessen, was Olar schreibt: ^nrustes, Ver 3 Zros, 8 e- lluno8ljue, 3 kinibus /»llobrogum, Lc l^gcu l^emsno, Lr klumine llko» 6ano 36 8 umm 3 s ^Ipes perrmere; vielleicht, perrmZere. Es Wich diestr Text Mlgkeich ausgeleget, ttenricus Ol 3 re 3 nus, ^^iöius'I'scku. clius, Ü.zimunclu 8 Xi 3 rÜ 3 nus, langer, 8 tump 6 us, ^ovius, und mr- dre, sehen die 8UMM3S ^Ipes. die höchsten Alpgebirge, vor gewiss! und zwar in der That höchste Helvetische Gebirge an, nemlich den Gott- N 2 hard Vierte Berg, Reise___ hard mit seinen Theilen, der Furca, Crispalt und VziPL8, die höchsten Alp-Gebirge durchreiset, auch 5ummir-ne8, oder^mm-, 8umm->- rum ^Ipium, die oberste Höhe derselben zu übersteigen hat: wahr ists, daß bemeldte Völcker bis auf die höchsten Gebirge Europens sich erstrecket, und ist auch wahr, daß sie bis an die möglich - und beguem- lichen Höhen der an sie Messenden obgleich nicht gar höchster: Gebirgen gewöhnet haben. M-girstm. Es haben diese Spitzen der Bergen ungleiche Namen. Tschudi mnnet sie hin und wieder in seinen Schafften hohe Firsten, Alpfir- sten, Berg-Lirsten, und setzet sie also in Vergleichung mit den Häusern, deren Spitze gemeiniglich Firsten, Fyrsten, Fürsten heisscn: L^uimins, quirl Vereres cie Lulmo ^D6i6cia cometzsbJM 8erv. LcloZ. l. weilen die alten ihre Häuser mit Schaub oder Strohe bedecket. So finden wir auch Lulminz ^Ipium , bey Lsesgre LeII. 6a!I l^ib z. und ist -iß alte Römische Wort Kulmen nicht so gar in unsern Landen ver- bliechen, daß nicht noch alte Überbleibseln dessen seyen. Auf dem Gotthard selbst ist ein Berg, der Coimo heißet, auch nennet man die oberste Höhe des Rigibergs Lulm. Die Pündtner aber haben den eigentlichen Verstand dieses Worts um etwas geändert, indem sie den ganzen Berg dadurch anzeigen, dessen oberste First sie 8ü 80m l'cuoim, und den Fuß desselben ciim i cuoim nennen Andere Berghohen heissen Wir Hie und da Grnch Belchen, Horn,Deichen Horn, Grock. Zu ' _des lösten Jahrs. ' ror Zu höchst auf uns ist unser Grach, Da unser Spitz zum höchsten staht, Man nennr es auch Deichen, und Horn, Da wir im höchsten sind erkorn. Räbman. Gespräch von Bergen/ p-»g. - > i - Das Wort Grach, dem der Lateinern vorlum zll vergleichen, heisset nicht allezeit eine einige oberste Spitze, sondern mehrmalen, und nach dem Grund der Sprache, viele in die Länge sich fortstreckende Höhen eines Gebirgs. Also ge- dencket plinius täb. VI. Lp. Z I. 8zxei clorll. Dahin ist ein altes, nicht von weitem, sondern den nächsten Bergen hergeholtes BejahungsWort der Puudtnerischcn Nation zu ziehen, so lang Grund und Grach staht , womit sie in ihren altert Instrumenten ihren Bündnissen eine ewige Währung anwünschen. Diese Oorla, Gräte, hassen auch Gchneeschmilzen, weilen daselbst der Schnee früher pflegt abzugehen, als in tieffern von der Sonne entferntern Orten. Hörner, LornuL I>rr«, werden auch ganze Berge genennct, weilen sie aus der Erden-Fläche aufsteigen, gleich denen Hörnern aus dem Kopf. 6or. Lec-M Kieroßi. I z. Aber auch kommen unter diesem Namen die obersten höckerichten oft gleich den Hörnern hervor ragenden und krumill einhcrgehenden Bergspitzen, wie also bey Srauo in- torls dorliuz pzruM zu finden. Das Wort Stock ist insonderheit im Glarnerland eilte genrein-übliche lezte Sylbe eines ganzen Berg- Stocks, Wie dessen der Anhorn-Gtock, Blancken-Srock, Buchi- Srock, re. Zeugen seyn können. Mit diesem kommt überein der En- gadinern welches eigentlich allein die Spitze des Bergs bedeutet, aber auch ganzen Bergen zugeschrieben wird; als z.Ex. II piL Ni vo^n, Pi 2 clelle unäec,, Lec. Vielleicht kommt von diesem Pündtnerischm das deutsche Wort Spitz her. Im Glarner- laride haben wir den Grünen Spitz, Spiymeil, rmd auf dem AlbiS unweit Zürich bey Stalliken den Nilcben-Spitz. Es haben unsre hohen Alp-Gebirge nicht nur ein jedes seine Spitze oder oberste Firsten, sondern sie selbst sind die höchsten Berg- Spitze von ganz Europa. Ich habe zwar diese Materie im i. Theil Bl.4s. berührt, und insonderheit den Grund beygebracht, welchen der Ursprung unsrer Flüssen an die Hand giebet. Nun aber wil ich diese Streitfrage etwas genauer untersuchen, theils die Wahrheit desto deutlicher an Tag zu legen, theils die Vorurtheile zu benehmen, welche durch Lesung Iosias Simlers, eines unsrer berühmtesten Seri- N r beuten L02 Vierte Berg-Reift _ benten entstehen möchten, welcher in seinem herrlichen Buche cis äl> pik. 98. b. behaupten wil, daß nicht diejenigen Berge vor die hoch- ßen zu halten, von welchen namhafte Flüsse malle Weltgegenden abfliessen: weilen bekannt, daß aufdcm Fichtelberg 4. Haupt-Flüsse, der Mayn, die Eger, dielTkab und die Saale entspringen, da doch dieser bey weitem nicht unter die höchsten zu zehlen; wie gleichfalls der bald größte Fluß in Europa, die Donau, bey Doneschmg an einem sehr niedrigen Ort auf dem stachen Land entspringe; über daS gar viele Flüsse in der Moskau und Tartarey auf ebnen Landen ihre Urquellen haben; und streiten selbst die Pündtner, Wallisser und Schwätzer, welche von ihnen die höchsten Gebirge haben. Humider setze rch anfänglich zu einem unbeweglichen Pfeiler unsrer hierüber waltenden Vernunft-Schlüssen folgenden Grundsatz, daß alle Flüsse als rianz incimgra, Weffgefrnckte Flachen, also-aß zuoberst die Quelle, zu unterst der Auslanff, arizusehen sey; und bemercke hier, gleich als NN Vorbeygehen, daß Lecmrmn in seiner UM. Orb.lerr. 6eoZr. p. m. 61. ungermqfam die Ursach des durch die Flußbette abfließenden Wassers herleitet i)und vornemlich, von Drückung desjenigen Wassers, welches hinten nach kommt; 2) von runder Gestalt der kleinsten Wafferthetlchen, Kraft welcher sie sich leicht übereinander bewegen und fortwehen können. Hergegen behaupte ich, daß die vornehmere und dritte Ursach des Flusses die Unebenheit der Erde sey, von welcher (als einer zu Ausspendung des frischen Wassers von Gott weißlichst angeordneten Gestalt) Hr. in seiner »Mary of LarM.pZA ,;Z. gar schön schreibet, welches vortreffliche Buch ich aus dem Engellandifthen ins Lateinische, unter dem Titel 6 eoZrz- pdiX übersetzt habe, damit es -er gelehrten Welt desto bekannter würde; ich behaupte auch mit dem Verfasser dieses Buchs, -aß wenn keine Hügel, Berge und Thaler wären, wenn nicht einige Theile der in der Sündfiuth eingefallnen Erde wären erhoben geblieben, da andre gestunken, wir auf der ganzen Erde nur stillstehende, faule Wasser, und nirgends keinen-reffenden Strohm gehabt hätten. Es drücken die hinten nachkommenden Wasser die vordem nicht alleinweaen ihrer leichten Beweglichkeit, sondern vornemlich, weilen jene von höher» Orten in liessen Dessen Wem ist die niederste Liesse des Meers unbekannt, von dessen Gestade die Erde allgemach bis auf die höchsten Alp-Gebirge aufsteiget? Der Augenschein bringt rs mit, die Vernunft fasset und bejahet es, und die Erfahrung be- des lösten Jahrs. roz kräftigt diese Grundwahrheit genugsam. Hierauf sage ich, daß der Fichtelberg in Deutschland (dessen Wasscrgehalter ich selbst A. 1694. in Augenschein genommen) die oberste Spitze von vier sich scnckenden Flächen sey, deren unterste Theile bey jedes Flusses Auslauff in andre Wasser, als des Mayns bey Mayntz, da er sich in den Rhein ergießet: der Eger bey Leitmeriz in Böhmen, da sie ihre Wasser der Eide übergibt; der Saale-ey Kalb im Ertzbißtum Magdeburg in gleichem Fluß, und der Nab in die Donau. Ob nun gleich dieser Berg nicht einer von den höchsten, ja kaum unter die mittelmäßigen zu zehlen, so ist er doch höher, .als alle die Lande durch welche seine Flusse ah-und fortfließen, nemlich das Maynzische und Magdeburgische Gebiet, Böhmen und Bayern. So ist auch Doneschmg, oder die schwarzwäldischen Gebirge, welche den wahren Ursprung der Donau geben, (wenn sich der nicht in unsern Helvetischen Gebirgen selbst eher findet, als indem alten Lremo llelven»,) höher, als Schwaben, Bayern, Oesterreich, Ungarn, Serbien, Bulgarien, Wallachey und Moldau; höher endlich, als der Nonws Luxinug, in welchen sich dieser namhafte Fluß ergießet. Was wil ich nun sagm von unsern Helvetischen, Römischen und Walliffer Gebirgen, gegen welche -er Fichtelberg und Abnoba nicht mehr zu rechnen sind, als ein Baum- lein gegm einer hohen Ceder? Gölten nicht diese höher liegm, als Deutsch-und Niederland, durch welche der Rhein fliestet; als derjenige Theil Frankreichs, welcher den Rhodan durchtastet; als Italien, dahin der Tesin und die Adda lausst? ja höher als das Mittelländische, deutsche und schwarze Meer? Jezt, weilen wir uns auf denm höchsten Bergspitzen Europens, erwiesener mästen, aufhalten, solten wir Anlaß nehmen von den Lame». Lauwen zu reden, als welche meistens in mrd um diese Gegenden gespürt werden; Es ist aber diese Materie bereits oben im 1. Theil Bl. iQZ, 294, 29s, zoz. ausgefi'chrt worden, wohin ich dengeehrten Leser weist. Ich schreite hiemit fort zu den Cristallen , welche eigentlich auf diesen Gotthardischen und umliegenden Alp-Spitzen ihr Vaterland AstM». oder Stammhauß haben. Eine Art Stein, welche Orpkeus cle piclib. p. 199. « TreAsislv , rzclium lucicli ilivini 8pIenrioris , eine Lortstrahlung des helleuchtenden Göttlichen Glanzes, nennet; welche Redens-Art von einem Heyden wsl anzumhmen, und von uns dahin auszuleM, daß wir aus der ordentlich 104 _Vierte Berg - Reise lich sechseckichten Figur und andern Eigenschaften derCristallen ganz klärlich sehen können, wie - , der allweise Gott in seinen Wercken sich als der künstlichste ^rtnmsncus zeige, -essen Grundlehre seine hohe Weißheit, Circul und andere Instrumente feine Allmacht, uns durch Betrachtung so herrlicher Geschöpfen einen offnen Weg zu seiner Erkäntniß bahnet. Diese auf dem Schauplatz unsrer höchsten Alpgebirgen vorkommende Criftall-Materie werde ich zu verhelfender Vergnügung der turieusen und gelehrten Welt also abhandeln, daß ich erstlich alle derselben Gattungen mit ihren eigentlichen Namen und Zunamen Vorstelle, und dann auch etwas von der Gestalt- oder Zeugung dieser Steinen in denen Felßhölen melde. Bey Ausführung des ersten Punctens kan der geehrte Leser ziraleich ein Muster sehen, nach welchem ich das ganze Wneralifche Reich zu reformirm vorhätte, wenn mir die Zeit nicht mangeln würde. Den andern Puncten aber, welcher bis dahin die besten Naturlehrer auf das äusserste gequälet, und allezeit mit dicker Finsterniß umgeben gewesen, werde ich also aufdecken, daß man gleichwol einige WahrMs-Strahlen aus unsern heUfchimmernden Criftallen hervor blicket» sehe. Zu diesem allem siebet mir theils die Wichtigkeit der Materie, theils die aufhabende Pflichtschuldigkeit den Bewegungs-Grund, weilen ich nur vorgenommen, die Helvetischen Natur-Geschichten zu erklären, und gewiß ist, daß der Eristallen eigentliches Geburtshauß die Gotthardifchen, Lepoutischen, Rhätischen und Wallisser-Gebirge sind, welche allzeit reinere, grössere und köstlichere Steine hervor bringe»», je höher rnan von Geftbinen, Mol, Tavetfch und Gestinen aufsteiget, und in -er ganzen Welt nicht ein einiges Land oder Ort bekannt, da so viele, so grosse, so schöne, so seltsame Cristalle ausgegraben werden, als bey uns, aus gewissen Ursachen, welche auch an seinem Ort, geliebts Gott, untersuchet werden sollen. Wie in gemeinem Umgang eine Sache von verschiednen Menschen, je nach Verschiedenheit ihrer Absichten, verschieden angesehen wir-, also wir- auch unser vorhabende Cristallhan-el mit andern Augen von denen angesehen, welche mit diesen edlen Steinen Kauffmann- fchaft treiben, oder aus denselben allerhand Kunstsachen verfertigen, und mit andern Augen von Vene»» Naturforschern. Jene gehen auf das Geld, diese auf die Natur. Jene messen den Werth der Cristal- len ab nach der Regel -es Debits, diese nach der Stemm seltsamen Ves rossten Jahrs. ivy Verschiedenheiten; denen dann Ist ein Stücklein in die Hand kommen karr, welches sie sehr hoch achten, jene hingegen nirgendshin schären. Bey denen Criftallhändlern werden die Cristallen insonderheit in drey Ordnungen abgetheilt: In der ersten Classe stehen die Meyländer, also genennet, weilen sie nach Meyland verkaufft und alldort verarbeitet zu werden pflegen. Diese sind rein, hell, durchsichtig, ohne Wolcken, oder Brüche, und unfarbig, so auch einer rechten Grösse, damit aus ihnen etwas könne verfertigt werden. In die zweyte Classe kommet die halbe Waar, halb an durchsichtiger Schönheit, und halb im Werth; aus denen man auch eins und anders arbeitet. Die dritte Gattung heisset konsm, zweifelsohne s mmpenclo, weilen darunter sonderlich allerhand abgebrochne Stücken gezehlet werden, sonften aber die schlechtsten, duncklen, mit allerhand Uneinigkeiten belegten Cristallen. Es richten so wol die Kaufleute als Naturlehrer ihre Augen forderst auf die hell-lautem ganz reinen Cristallen, gu- tme vmo lum. pura eile mslunr, acencera gppeljgnles, nec 8pumei (Solaris lumpig« ^guse. ?lin. tM. l^arur. k.ib. Z7. czp. r. allwo LalmLlius in 8olin. paß. 1074. liftt nec 8pum« Lolore, secl limpiä« Ein solcher Stein wird genennet drillallus lplenäens sc pelluciaus. Ein durchsichtig hell-glänzender Tristall, bey Or- pkeo cle i_Lpiä. p. m. i99- Lriliaitus, qu» LIscicm relei-r monrsnzm, ein Criftall, der so lauter ist, als ein Berg-Eiß , in ^orm. kluleo. loo. Oillsllus nullä maculorä d^ube, sur acra, 8czbieve inseäla, seä purillimr, Lc ^qure, limpiclL inilar pelluciös. Ein wasserklarer mit keinen schwarzen Wolcken oder andern Unreinigkeicen befleckter Tristall. In dem ^lukeo LLlceolarii p. 97. drillzilum mon- rsnum msxime pslluciclum. Ein sehr schon durchsichtiger Berg- Tristall, in 8ibb3lcli ?roclr. lgill. bist. 8cot. karr. ll. ü.>b. IV. 50. Ich zweifle auch nicht, so wenig als oi-us kuäbeck in seiner äriamic. I^srr. I. P3A. 660. daß hieher gehören ^lläMSlNcs pell-ucicii Kipbreorum Xlonrium, die durchsichtigen Diamanten von llipk-eischen Gebirgen, bey vicmylio. V.ZI4. weilen sich in denen Nordischen Gebirgen nirgends keine Diamanten, wol aber Cristallen finden. Unsre Cristallhändler heißen das, was in den Cristallen durchscheinend, das Wasser, und Pflegen von einem unfarbig hell-lautern Stein zu sagen, ll. Theil. Q er io§_ Vierte B erg-Reise_ er habe ein schönes Helles weisses Wasser; Wie von einem gelben und doch durchsichtigen, er habe ein gelbes Wasser. Dieser Cristallen halber kan ein Naturverständiger wol in gemein sagen, er bestehe aus einer reinen durchaus gleichartigen Materie, wenn er schon noch nicht weiß, was diß vor eine Materie sey; und ist -iß Orts nicht mit Stillschweigen zu übergehen, daß beyden Cristallhandlern nächstfolgende Cristallen in die erste Ordnung gesetzet werden, die auswendig mit einer wüsten Rinde bekleidet, wenn nur ihr inneres schön hell ist^ Es gibt nemlich gehemdlett Cristallen , die mit einer farbich- ten Haut oder Rinde, gleich als mit einem Kleide oder Hemde überzogen. Also: Ein grün gehemdlerer Cristall, Crillsllo cli vercleggisnre Co- lore in 8ettLi-e r^ulco. PZZ. 5 ,O. ist beleget oder besprengt mit einem wahrhaften Berggrün, (Ckrylocoils.) findet sich auch in grüner Erde. Bey diesem Stein ist zu bemerckcn, daß die berggruntchte Körn - oder Stäublein etwan nur hin und wieder auswendig angesprengt sind, welches einem sonst durchscheinenden Steine ein schönes Ansehen gibt, etwan aber den Cristall ganz und mit einer Haut überziehen, oder in knollichte Klumpen angewachsen : etwan in dm Stein selbst eindringen, und demselben eine wüste grüne Dunckelheit zubringen : etwan aber in Mitte eines durchscheinenden Cristallen gar schön bald einen grünen klulcum oder Mieß, bald lange Graßblattcr vorstellen ; von welchen unten ein mehrers. Diese seltsame mit Graß tzeschwänqerte Cristallen haben zu allen Zeiten dm Naturforschern viel zu thun gegeben, und haben die »misten bis dahin dieses Graß vor ein wahres m dem Stein aufgewachsnesGraß angesehen, gleich auch die Mücken, Ameiffcn und anders in dem Agtstem vorkommende Ungeziefer wahre Thierlein sind. Mir aber kommt das Graß als ein ve- triegliches Gemählde vor, welches durch einen berggrünen Saft gebildet, der in den Cristallen, da er noch weich oder stußig war, eingefallen, in Kraft seiner Schwere ein- und zu Boden gedrungen, in währendem Sincken aber wegen seiner Zähe eine Gestalt von langen Graßblättern bekommen, und zugleich mit dem Stein hart oder fest worden. Diese Meynung aber wil ich niemanden aufdringen, sondern nur zu betrachten vorlegen. Etwan ist diese Materie welche sich auswendig anlegst, und auch zuweilen selbst in dm Cristall eindringet, Zelv, findet sich auch in der Gilbe _ -es lösten Jährst is? Gilbe oder gelben Erde. (s) Dahin ist zu ziehen Lrittsiias impum. purpureg, croceä, Lc terrcllri quaäam I^ateriL macular», ur rmpurum 8Z! drscovianum guo63mmo6o reserat. Ein unreiner mit braun- gelber Materie befleckter, dem Cracauischen Salze nicht ungleicher Cristall. ^orm. Xtus. p»g. 101. (ürillallini kluore8 llsvum gui spiranr Lolorem, pyriri b.spi6i pulckerrimo ilavum Oolorem eruökantk »clnsti. Gelbe Cristallflüste, aufschönem SchwefebNieß aufgewachsen: calceolur. !^us. p. roi. Ist die gilbe auf röthlich, so mag wol in dieser Ordnung stehen Oiiiz1ju8 infellgu kerruAine, item ruk, sliq»ibus Xubl^cr. Ein roflfarbkchter Cristall, bey kllnio. b-lilt. blrt. b.ib. XXXVII. csp. 2. Etwa« geschiehets, daß insonderheit die sogenannte in Berg-- wercken vorkommende Berg-Cristallen nicht nur mit irdischen Theilen bedecket oder besprengt werden, sondern auch mit metallischen, insbesondre aber mit Schwefel-Kiese. Wo Metalle aus der Erde hervorgegraben werden, find dergleichen Flüsse gemein, und gehöret Oillzilus 6mris 3ure>8, leu verib» Lsbulo »unsers un6igue consperlä hjcher, ein mit Goldsand, vielleicht Goldkieß besprengter Cristall, in Velscb Isecalcrit. l. p. 5s. Lrillallss, in quo XlallulX XiarcslitX sure» eminent »ngulgre8, oLiaellr», clecaeclrse, Lc 6o6ec3e6rL. Ein mit 8» 10- und 72- seirigem Goldkieß besezter Cristall. 16 . 1 . c. Bey mir ist ein Faust-grosser Cristall aus unsern Alpgebirgen zu sehen, dessen eine Seite mit Schwefelkies gleich als mit einem Netze überzogen. Wenn bisher erzehlte farbichte Erde oder Kieß den sonst inwendig Hell-lautem Cristallen nur äusserlich angelegt find, so ist leicht zu erachten, daß forderst die Cristallen selbst ihre Festigkeit bekommen , und hernach dergleichen fremde Theile in einem holen Felßgewölbe auf fie hinunter gefallen, und vermittelst eines zähen Steinsafts angewachsen; oder auch, daß die fremde irdische oder metallische Materie allzu grob gewesen, als daß fie fich hätte in die engen Löchlein der fiüßiaen Criftall-Materie einsencken können. Wenn aber die färbende Materie so subtil ist, daß fie fich durch den ganzen Cristallfluß zertheilen kan, so kommen Cristallen heraus, welche nicht nur in ihrer O 2 äus- (s) Daß dir Farbe der Cristallen von einer fremden Materie herkomme/ welche sich in die Cristalle seit/ kan man daher sehen / weil sich dies« Farben durch das Ferre lassen aufreiben/ wie Becher in der kb^lica iubrerr-me» p. 77. Läir. Ir»- Lau« bertchitt. ^o8 _Vierte Berg-Reife_ äussern Fläche eine fremde Farbe zeigen, sondern durch und durch, oder wenigstens so weit die Farbe langen möchte, tingirt find. Ist die färbende Materie von solcher Art, daß in ihro die einfallende Sonnenstrahlen verschlungen werden, so wird gezeuget Oi- itzllus nigrä, quam ^rrzmenlum elt, ein dinrenschwarzer K ristall. Veltcti. !. c. Lriltallo neriltimo, ein kohlschwarzer Lristall: 8er- ral. ^lut.p.^A.kluores tubnigri, schwarzlichte Flüsse, ^orm. k^lut. pr,A. iol. Lriltsllus opaca niZricans, ein schwarzdunckler Lristall. Loccon. Xluteo cli?isnre. p. 159. Iris vulZsris, ^3nr»mmon hieher setzen, einen Stein, -essen Pltnius l-.ib. XXXVIl. csp. 10. Meldung thut: Marion knälca. qux nigerrimo Lolore trsnslucer vocstur pramnion; in gus milcecur Le Lsrbunculi colos, ^lexLnärinum; ubi 8sr6L, L^prium. dlsscuur Lr in l'yro, Lt in Lalatia. Xenocrstes Lt lud ^Ipibus nalci traclit. Das ist: Der Indianische Stein Xloricrn, sonst auch ?rsmnion genannt, ist schwarz durchsichtig; ecrvan mischet sich die rothe Farbe des Carsunckels ein/ als in dem Alexandrinischen r erwan des Garders, als in dem Cyprischen. Man findet ihn auch zu Tyco, und in Galatia; und nach dem Bericht Xenoccaus in den Alpen. Es stimmet die Farbe und das Geburt- Ort überein. In unsern hohen Alpen ist dieser Stein zimlich gemein, und von den Crtstallhändlern gering geachtet, obgleich sie groß und durchsichtig sind, deßwegen unlängst ein CriftM-erfahrner Kanffmam, in Wallis nachgesiimet, wie er solchen Cristallen ihre Farbe benehmen könne, -a er sie denn unter anderm lange Zeit in dem Mist eingeheizt gehabt, aber ohne erwünschten Erfolg. Hätte Wnius seiner Beschreibung noch die seckichte Figur zugefezt, so könte niemand den geringsten Zweifel haben, daß sein Marion unser braune Cristsll sey; aber auch diesen Scrupel benimmt uns der trefflich-erfahrne ^gricols cw kolhi. l^iv. Vi. p. 4.8 l. allwo er iciorion und I'rzmnion den Flüsien zurechnet, welche, wie bekannt, insgemein s eckicht sind, und unter die Cristalle gehören. Dem aZricoi» unterschreibet Oekne,-. big. l^picl. psg. 28. Ein mehrers hiervon zu schreiben läßt die Enge -es Orts nicht zu. Ich schreite hiemit aus der Finsterniß des Alterthums zu andern anders gefärbten Cristallen fort, nachdem ich zuvor angezeiget habe, daß bald allcGrade der braunen in meinem Besitz stehen, ncm- lrch von der schwarzduncklen Farbe bis auf eine heitre, die wir bey den Weinen die Schillerfarbe nennen, welche nur etwas nach braunroth siehet. Es verwundre sich der geehrte Lesernicht,wenn ich mich in Aus- drückuna der Farben der Gleichniß des Weins bediene: denn selbst der grosse Mnius, dessen Name unsterblich, unsern braunen Enftall prämmon geheißen, von der Farbe des Weins, welchen llomerus unter diesem Namen «vA-. rühmet. Folget Lriiiällus citrinz 1"op32>i tere Orientaiis smui», der Ei- y-onen-Zelde, einem Orientalischen Topasier gleichende LristaU. O Z Velick. Vierte Berg-Reise ^ Velllb. Kecaroll. l. paK. s5. Oillallo äi color Zisilo al loparro §L ^mdrz non inferiore, ein gelber Lristall, gleich einem Topaster, oder Bernstein. 8epral. ^lui. p. ^.7. pieuäo-l'opzrius, falscher Topaster. L cle Loor. fab. II. p. 2 l x>. Lrillallus Lolore guali elcölrino » ein Agtstein-farber Tristall. l.uic 1 . t.icbopk. n. 72. Iris Minima Lri- llolieniis, Loloris K^acimkim, kerri minerx coacervarim aclnalcens, ein kleiner Hyacinchen-gelber Lrystallfluß, auf einem Eisen-Erze aufgewachsen. Icl. n. 20. Iris lud Ocrina, lcalis Le 6allis Lirrino vo- cara, ein gelber lris, wird von den Italienern und Franzosen Oi- lrin genennt. L. cle Look. I. c. Iris alrera minus canciicli, guam Cri- llallus, Loloris, gure l^uci obveriä luteo Ocri Lolore fulger, atque ob ici a 6emmariis t?rtn»a, nominakur, ein gelb durchstchtt'ge» edler Stein, welchen die Jubilieret' L?rtn» Heister». Öe I_.aer. I^apill. Pag. s 8. ^Kricol. l^ib. VI. cle Kar. kotlll. Or^llallus dirrina, ein Ti- rronen-gelber Tristall. Laräan. Lubril. b,ib. VH. pa^. z6r. drillallus Oicri Lolore iulgens, Oillailo minus ell csnllicla, minusgue fplenclenr magis kamen spitlos ejacularur Oolores. t?icrr«m 6emmariorum, Topa- ri»m Scrmrc«m nonnullorum, ein Titrin, oder Böhmischer Topafler. daiceoiar. Xtus p. 200. Endlich findet fich in dem gelehrten Alterthum Iris OrX simill's (andre lesen cLrera iimilis) Lc prarclura, ein Wachs-gelber harter Stein Iris genannt. ?Iin. Kill. Kar. b.ib. Z7. cap. 9. Es gibt insonderheit zweyerley Gattungen dieses Steins, denn entweder ist die gelbe Farbe nur auf der äussern Fläche zu sehen, oder fie dringet in den Stein hinein, und machet ihn denn zu einem falschen oder Böhmischen Topafier oder Hyacint; und überdiß gibt es allerhand Grade oder Absätze dieser gelben Farbe. Sonsten bemercke ich bey Anlaß dieses inclis Omn-, daß die erste Gattung Irictis (Regenbogen-Steins) bey plinio I. c. welche, so ste gegen der Sonne gehalten wird, die Regenbogen-Farben, zu grosser Verwundrung der Zusehern, an die wand wirffee, guL lud Teölo perculla 8ole Species öc Lolores srguus coelellis in proximos parieces cjacvletur, lubincle mrttans, magnague Varietate, ^clmirarionem (ui auxens, eigentlich nicht eine besondre Art Einstallen ist, sondern eine Begebenheit vorstellet, welche bey allen gleich- Wincklichten Crtftallen anzutreffen: gestalten keiner andem Ursache, als der Wincklm Verschiedenheit zuzuschreiben, daß einige Cristallen ihre Regenbogen-Farben an die nächste Wand werffen, andre die einfallende Licht-Strahlen zertrennen, noch andre aber nur einen hellen Schein d es »yosten Jahrs. r rr Schein ohne Farben an der Wand zeigen, all« ktaäios in le csüenres ctitcuciLnr, sli« ante le projeäo dliror« LÜjLcentia illullrent, nach H(M Ausspruch I>Iinii I c. Folget der Vtolbraune oder Amethystenfarbe Lrlstall, Oillzl- lus Lmemyltina Vcllck. llec. I. psg. Lsrcian. 8ubr. lab. VII. p. z62. kluor /rmetkyllmus, Amethystrnfarber Fluß. l.uM. l.ilbopk. n. 2S. Oillrllc» cli Lolore nrrursi menre Vinaro; ein 'Meinfarbichket Eri- stall. 8epral. ^lul. p.4.7. so auch Crillsllus non sclmoclüm peltucicla, in cujus Cscumin« Loior pmpureU 5 , ^metkylium Lemmrnn relerens vikrur; ein Cristall, dessen Spitze Purpurfard gleich einem Amethysten. Laiceoi. ^lul p. s 99. Hieher gchöret meines Erachtms die fünfte Amethysten Art, so einem Cristall nahe kommt, aus Mangel genügsamer Purpurfarbe. ämelbylli czuimum Lenus, aci Vi- ciniam OillsIIi 6escenciens, albicanre Purpur« clele^lu. ?lin. I. c. dem ich folgmde Namm beylege: /cmechylli vivläceo ^uictem Colorv tinöft cxaLie, 5 e 6 pauco, üa ur plane rransparenreZ lint, gui ut c«re- ris molliores, ira eriam viliores lunr, durchsichtig weiche bleichfarbige Amethysten. L. cle Loor. l.ib, II. eap. zr. ^merbyllus, gu« sci kormam Lriliglli clelccnöir, ein geringer rveiffer Amethyst. Kenc- msn. ^oÜil. p. 4.8. ^merbyllus paÜelcens, bleicher, bleichfarbiger Amethyst. 8pener. Xlull paZ. r ro. ^metbyüus Oiilallinus, ein A- rnerhysten Cristall. kcl. I. c. Höher gefärbct ist der Sapphic-blaue Cristall, OiÜAÜus Lo- lore 8»ppkirum rekerens, pscuöo 8sppkirus. L. cle Loor. l.ib. II. p. 219. Qrillallus coerules. , Xlul. p. 4.9. Crillallur dolore coeruleo cliluto ex Lraiilia. 6e l^zet. p. 58. Bey dtesem Anlaß, da ich von den verschiedentlich gefärbten Cristallen handle, bemercke der geehrte Leser, daß auch die Edelgesteine auf gleiche Weise wie die Cristallen gezeuget werden, daß sie insgemein gleiche Gestalt haben, von gleicher Materie gefärbt werden, nnd eigentlich nichts anders als harte Cristallen find, gleich wie dir Cristallen mit Recht weiche Edelgesteine können betittclt werden, und jene, nemlich die wahren Edelgesteine einen höher» Grad -er Festigkeit nnd enger Znsammenhaltung aller Theilen haben, als diese. Es sol dann niemand fremd vorkommen, wenn ich vorhabende Cristall-Ma- lerie durch die ihnen verwandte Edelgesteine erkläre, und bereits die geringern oder falschen Amethysten, Sapphir, Topasier,rc. eingeführt Habe. Nahe 112 Vierte Berg-Reise_ Nahe zu dem Rubin kommet der rorhe Cristall, Oiltsiium rub- rum 8ibbslcl. 1. c. zu welchem kluores rubri Larbunculis ümiles, seälsu- xuiöius fulgentes müssen gerechnet werden, bleichroche Flüsse. >^c>rm. ^luk p. iOi. von welchen aber wol zu unterscheiden diejenigen Ru- binrothen Flüsse, welche durch Mittel des Feuers aus dem Glaß gemacht werden, Oillsllo cla ekimico kuoco relo, come utt tizmmeZZiante kubino 8eptsl. ^lus. p. 57. In unsern Schweizerischen Alpgebirgen finden fich etwan, aber sehr selten, rothe Cristall- fiüffe, dergleichen ich auch zur Hand gebracht, die aber in mehrerm Nachsehen eher den sogenannten Leiemus. oder 8pecuisribu8 kkom- boiäaiibus. viereckickten Fraueneis-Flüssen zugehören, welche in Pündtneriftben Landen vor eine Cristallmutter gehalten werden. Den Smaragden ist der grüne LrLstall, crillsiiu8 vincks verwandt , Lsrclzn. 8ubl. I^ib. VII. p. ;6r. driiisllus dolore viriüi 8ms- rsgäum rekerens, pseuäolwLrsZäus, ein grüner Trrstall, oder falsche Smaragd. L. öe Loot. Qib. II. psx. 219. Vor einigen Jahren habe ich sehr schöne grüne Cristallflüsse, aus den Bernerischen an Wal- lis gränzenden Gebirgen, gesehen, welche ich, weil fie an Gestalt würfflicht waren, wiedrum eher denen vorgenannten 8pecuisribu8 zurechne, oder vor den wahren ^n6roc>sms5 uimn halte. Wo die grünfärbende Materie nicht völlig durch den ganzen Stein langen mag, da kommt ein halb-grüner und halb-weisser Kristall heraus, Oilisilus climiM?srte albs, üimiclis viriälb ^olepbi Ein Stein, dessen halber Theil ein Smaragd, der andre halbe Theil ein Tristalk. OillsIIo, cli cui Narre e 8merslUo, cli xerketto Lolore, e psrre e Lrilisllo. 8es)tsl. gsg. 57. Endlich kommet -er grünblaue Cristall, der einem Beryll ähnlich ist. Oiüsllus veryllum reterens, kieuclo-Leryllus. L. cle Loot. Läb. II. p.2ry. Aus bisherigem ist zu sehen, daß ich zuweilen die Flüsse unter die Cristallen rechne, welche also vom stießen genennet werden, weilen fie in starckcm Feuer stießen, und auch selbst die Metalle durch ihre Untermisthung desto geschwinder in Fluß bringen. Man findet fie insgemein in Erz-Bergwercken, da fie auch von allerhand Metallischen Dünsten mit verschiednen Farben tingirt werden. Sie find von den Cristallen anders nicht unterschieden, als in Ansehung der Härte. Also daß fich in dreyen verschiednen Absätzen erstlich die Edel- gesteine als die härtesten Flüsse, hernach die Cristalle, und drittens die sogenannten Flüsse oder Berg-Eristalle, stellen lassen. Ich M st- HZ ->c . - st M- v-, -/- ,-rj ^ ; -- .. - - ' -Mst - 4 ststM ^st.. l..'^. '--st 1 M'st^st!- ' -''' st- ^ -k '-" '- °-iM. '«-'-14 r t - - st 7 - i " » ?>- ck. -Mr^st- ''st Ast st '-ststk' --AE'st -. -.^r. - -- 4-->>-.,. ^ - - -- T ' H ^ - ^ - ä'WPV/- st-MstU"" - 5 ' stk? l- WM87 Ä ^ stst st^st^ <' / > st-st M' M-L I - stist-, ^ ----- stst-,st D » - N^st -1 r t» >-! ? . -2-' ->» —' -1- »---Ast'stst . ?--«.. stK- -HMst /st -st!- stAst/" st. 'stkstst st-M7'> st - st ^ >. -' L. -H--. --«7»".' - . , . st - -rv-- st - Äst ststi st7st 7?W - >^st n »I > «. . »,» »VPI-»»- ,>>. , .»» , >,> - „l» L ' 7 - --.- -- ,v- '>? stst>. - - M>ststWMWWNst^ Ä!« ! des lösten Jahrs.' uz Ich schreite fort zu Betrachtung der Figur oder Gestalt/ welche die Criftallen haben. Ich sehe aber ein sehr weites Feld vor mir, welches zu durchlaufen ich weder Zeit noch Athem hatte, absonderlich wenn ich mich bey Zehlunq so vieler verschiedner Wincklen, welche etwa» die zusammen gewachsene Criftallen machen, wolte aufhalten. Ich werde deßwegen, damit ich nicht in einem Labyrint verirre, auf die vornehmsten Verschiedenheiten der Criftallen, in Ansehung der Figur, Achtung geben, und um besserer Ordnung willen nicht von dem tugilchr-runden Cristall anfangen, (aus welchem etwan falsche Diamanten verfertigt werden, Oillallo kltzurL romnctä 6c globosä, qui pro llleucio ^3M3nre haberur 8. cie 6oor. tab. II. P3ß.ri9.) ob ich gleich alle Rechte und Vortheile, welche die runde Figur vor allen andern hat, vorbehalte, sondern von der 6 eckichten, mit welcher die Eri- srallcu insgemein begäbet find. Ich sehe mit 8renone ?rocir. Ojss. 6e Lolillo inrrz 8o!icium p. sy. einen ganzen oder vollkommen gestalteten Cristall an, als einen Stein, der aus zweyen entgegen stehenden sechs- eckicbten Pyramiden oder Spitzen, und einer auch sechseckichten Mittelsaule mit durchgehend gleichen Winckeln und Flächen zusammen gesezt ist. Wer cm wenig in die Mathematische Wissenschaften hinein gesehen, der kan fich ganz wol in jezt folgende umständlichere Beschreibung des Srenonis selbst finden, dem ich meine eigne Worte untermische, (.rillzllus, sagt er, componicur ex cluabus pyramiäibus kiexs- xoms, abc^e./^bik, Le Lolumnä imermeäir iritlem llexz- ZonL, ä c ^ e r bZ/, requrlibus prrciirz änßulis loliciis exrremis, gui scilicel Verrices 8yr3miclum conllicuunr, sec! Le ^ngulis loliciis m- lermeciiis, qui in pyrsmillum cum Loiumna H7nione conlliruunrur, requalibns porro plsnis Nyramillum, ca^, Vc. leu cxtremis, Le Lo- lumnse pisnis, 5eu inrermecilir, - c Z /, c Z b, cchos ranllem plz- nom Lsleos « D >), s § ^, eli 8eälio perpenclicolaris omnis plznz imermecliz, üc planum ^Vxis a H rL t « a elt 8cälio compolirs ex llUsngulo TguilLtero in pyramicle, Lc paralleloZrZMmo, per cujus meclium 6e5cenciir Hxis dloiumnx. Zu besserer Erläuterung stelle ich in Ng i. einen solchen vollkommnen sechseckichten Cristall vor, und richte nach diesem Model jezt-folgende Beschreibung ein: Erstlich dann stellet fich dar der stchseckichre an beyden Enden zugespizte Cristall, -er würcklich bitz I.i.c. vorgebildet wxd; dessen Zunamen, welche zur Befriedigung der Liebhabern beyzusetzen fortfahre, find folgende; Lrillallus mrinque zcma Vellck ltecs- L. Theil. P kvll. I. Vierte Berg-Reife H4 roll.I. p.ig 54. Lrillallus utrinqus ex r<^uo mucronata, ein beyderseits gleich zugespizter Lristall. Lelsner. kiZ. l^apicl. p. 18- b. Lri- tlallo cla encrambs 1e parti appumato. 8epkal. l^lul. p.49. Lrillallus ulrinyue in -^picem rerminara. V^orm. Xluli p. i oo. InZemmamenri Qrillallini, appuntati in ambe!e Karti. Imperar. tlill. d^ar. P.S44. E§ ist diese Art Cristallen in Ansehung des Orts ihrer Zeugung wol von denjenigen zu unterscheiden/ welchen die eine Spitze manglet/ und an den Felsen selbst ansitzen/ weilen die erstere bey ihrer ^rilkiiilsrion oder Gestaltung in eine weiche Erde oder Sand abgelegt worden/ wie mmr sie auch noch daselbst, oder >n Lrrarir rerreis, findet, diese aber haben sich an ein hartes Gebirge angeschossen, und da ihre einte Spitze abgestoßen. Ein mehrers kan in ^oogwaräi LeoArapK. ?byl. 147. nachgesehen werden. In denjenigen Cristallen, deren einte Spitze abgestoßen, oder in dem Felsen selbst eingesencket ist, kommt die Wurzel öfters dunckel, oder sonst undurchsichtig, milchweiß, heraus; dahin denn LMziius ball laäkea zu jiehM. Vcllck. I. c. Oiliallus snilogona ball laälez. lä. p. s s. Lrillallus, cujus llaclix, 5 eu Kalis slbicar. Qessner. kiz. paß. 19. Ich schreite fort zu den Verschiedenheiten der Flächest und Wincklen. Es kommen aber der Ordnung nach folgende auf die Schaubühne: Lrillallus» cujus bina ranrüm l^stera lara lunt, guaterna llriäla, guoclque vero Ikarus ltriölum eil e Kegione llriälo, quoclque lamm, laro, ein LristaU, dessen zwey Flächen breit, vier aber schmal sind, und zwar also, daß je die schmale Fläche der schmalen, und die breite der breiten entgegen stehet. 6 elsner.kig.L. 3 pi'nrerms6is minora lunr, ein Tristall, dessen Mirrelflachen gegen denen Flächen der Spitze klein zu rechnen. 8tsno I. c. Lrillzllus, cui magnu8 ell Xlucro, Lorpus exiguum. 6e5ner. 1. c. So sind insonderheit die Waffer-Cristallen gestaltet. OistzIIus, cujus plan» inrermeciia omnino rleli6eranrur, ein Tri- stall, der beyderseits zugespitzt ist/ und keinen Mittel, Leib hat. 8teno. ! c. Oiüsllus, cujv8 plana intermeclis non 5unt parallela, lecl do- lumnam meäiam in Nyrami6i8 lruncat» l^loäum efformant, ein Kristall , dessen mittlere Flächen nicht gleich, sondern gegen der Spitze senckend zulaussen. Dergleichen gibt es sonderlich im Wallisser-Lande. LrittaUus, cujus ^xiz pyramiäum non conllituir eanäem reäiam cum ^xi Tolumnae, ein Lristall, dessen Spitze nicht gerad auf dem mittlern Leib stehet. 8reno. I. c. Oiliallm, in cuju8 plani8 oriuntur Inrczualitat« Zcalsrum 6ra- öibu8 limile8, ein Lristall, dessen Flächen in unterschiedliche Absätze abgetheilt, also daß je eine kleine Fläche über der andern stehet, gleich denen Stiege-Tritten. 8teno. l. c. Diese Akt heißen unsre Cristallhändler gestrahlte Cristalle. kig. II. OiliaIIu8> cu)U8 planum communirer äiäium multl8 in Qoci8 non planum, seä 6ibbum confpicitur, ein Tristall mit ausgebognen Flächen. 8teno. l.c. Lrillallug comprellior l^ucrone lellili. kx l^bombis mucronali- bus unus aä extremum aöeo lsrus ell, Lr leMis, ut eitlem innixus Qa- pis immobiliz lublier, ein Tristall, dessen Spitze also nieder oder eingedrückt, daß auf einer seiner Flächen der Leib aufrecht gestellt werden kan. Quirl. Qilkopk.Lrirr. n.§. Oillallus triangularis, dreyeckichter Tristall. ^acob. l^lus. KeZ. Dan. p.zy. kluor rriguetrus, dreyeckichter Fluß. Quirl. Qirbopk. n. Z2.ZZ.Z4. Xliniera 6i Oillalli 3 K4zssa Minerale cli ?iombo con- xiunti, e in punte triangolari terminanri, nel cui Lentro lcuopreg il piombo Minerale in pigura ancor eile triantzolare, dreyeckichte Tri- stall-Flüsse auf gleich gestaltetem Bley-Erz angewachsen. 8epral. xlus- p. 48. Also sind jene Flüsse gestaltet, welche sich hinter der Bretthal-Mühle, ungefehr eine Stunde von Altorff im tTlürnbergi- schen, an einem Felsen finden: so auch jene dem Zucker-Candel gleiche Flüsse, welchem in dem Steinbruch oberhalb Meningen, imBi- P 2 schoff- 116_ Vierte Berg - Reise schöfflich-Lonstanzischem Gebiete finden/ deren Beschreibung und Abriß in meinem 8pccim. b.ukogr. Heiv. p. ry. unter folgendem Titul zu finden: kluor Oillallinus trigonus, 8triis l^sreribus pyramitlis cu- jusque karallelib pulcbre notatus. Hjcher MögM auch gehören kluor triquerrus inllar kruölos periclymeni coacervarus, per mecliam I^ongi- wcknem koramine inlignirus. l^uicl. l^irboph. n. ;4- so auch kluor lriyuetrus omnium minimus, luteum 8acckarum aonnibil referenr. Ici. n. ;6. kiI. III. l^alla Ze (^rillalli non gia nella pjgura kellagoni, come gli gltri, mapiani, flache, nicht sechseckichte Lristalle. 8epral. lclus pag. 49. In der m. Figur ist ein solcher platter Criftall aus unsern Gebirgen vorgestellet/ an dessen Enden die Flachen so wol der Spitze als des mittlern Leibes/ aber sehr klein oder schmal zu sehen. kiz. IV. b/lslla Oilialii absque Lulpickbus, cchur 8cil. LrillalU juxta i'n- vicem aäsurgenres sunr IlexagonL planis pyramiäalibus lribus clepres- lis iisqne penragonis rerminstL, sechseckichte Cristallen, deren eingedrückte Spitzen aus drey funftckichten Flächen bestehen. Es lieget diese Cristall-Stuffe auf der Bürger-Bibliothee zu Zürich, kig. iv. ki§. V. Oillallus utrinque acuts, cujus columna lex quiäem cingirur Datenbus, pyramis etiam uns roriclem, alter» rria ranrüm badet plana, ein sechseckichter Cristall/ dessen eine Spitze auch aus sechs, die andere aber aus fünf Flächen bestehet. Aorring. Dill. c!e Lriliall. pLZ. f. Siehe kig.v. In Vellckii ttecacollea I. P3Z. 54. und dazu gehöriger Tafel, werden vorgestellet Lnllallus pentsgona raclice porosa. - - - 8cabrosr, - Heptagon» inLqualis. - Oälogona, Oäiseclros. - enneagona. - clecaeclros. - henöecaeclros. - cloclecagona. - 7rLV7-«-lLi«rrl^iA-. - heälacxäecagona. Kurz zu reden: s-7 8-9--c>-n.ir-rs-l6-l7-ftmge Cristalle. Es des >-Osten Jahrs. ir- Es kommen mir aber diese alle als unnöthig und überflüßig vor/ und werden ohne Zweifel auch andre/ welche obaedachten Herrn veilckii Tafel ansehen/ und anbey in der Crtstall-Wissenschaft wol geübet sind/ eben so urtheilen. Wer die Seiten und Ecken nach allen Verschiedenheiten der Cristallen abzehlen wolle/ wie etwan 2. z. oder mehr zusammen wachsen/ der könte noch viel ioo. oder 1020. Gattungen mache«/ welche aber sich nicht nur wie das fünfte/ sondern wie das hundertste oder tausentste Rad an einem Wagen reimen wurden. Also gehören auch jene in viele Seiten durch Kunst abgeschliffene Cristalle/ welche die Opuci verfertigen/ nicht hieher. Einen solchen heisset Oelsner. lle kitzchap, p. »8. LrillsIIum ?»NAonium, cui /^rliücis ^laaus /^ngulos 12. aclcliclir. Welcher aber von dem kanZonio k.aetti paZ s8 guem Matura in plurcs, c>uam 6. ^ngulos iörmavir Wol ZU Unterscheiden. Lrilizllus magna Lr perfeöla, cui aclnaicunturplures parvL Le im- perieA», Lcqussi climiciistse, guibus trianAula l.arerz viäenmr eile, cam rlioqui Oillallir sexangula lint. 6eszner. cle kig. x>3Z. 17. b. ein grosser vollkommen gestalteter Lristall, aus welchem viel kleine dreyseicige nur halbe Cristalle hervor stehen. Es geschiehet tiem- lich/ daß m wahrendem Anschieffen der Cristallen einige kleine in einen grossem ehe er fest wird/ sich einverleiben / und dann mit einem Theil ihres eingesenckten Leibs hervor ragen / woraus denn unzehlich viele Verschiedenheiten entstehen könne«/ so viel nemlich/ als auf vielfältige Weise ein oder viel Cristallen auf einen ändert» fallen/ und sich in demselben einsencken können; welche Zahl ich denen auszurechnen überlasse/ welche mit der ^rre comtrinaroria sich belustigen. Also sind nicht nur obige Veilckiamsche Criftall-Geburten entstanden/ sondern auch sein Lrilrallus äillzIaZmias bicormL; äigona ^ppen6ice irregulsri» clipb^es csrcüniöes ; Lrc. Dahin auch jener Englische Demant gezehlet werden kan, welcher in einen andern also eingewachsen/ daß man ihn aus der Hole/ welche er in währendem Einsticken gemacht hat/ nach Belieben heraus nehmen können. Häsmzs Lornubieniir minor majori ira inierrus, ut Sep-ratione iääla remanlerir in Majore Laviras, guse concinne lete aä minorem Läsprsbar. L07I. äe 6emmar. Orig. Lc Virrur. p. m. 24.. Ich schliefe gleichfalls aus unsrer vorhabenden Ordnung alle diejenigen sonst sechseckichten Cristalle und Flüsse aus/ welche durch P s ihre rig_ Vierte Berg- Reist. jhrcZusammcnwachsung oder Fügung allerhand Kunst- oder Natur- börper vorbilden, als eine Rose, Kröte, Kröpfe, rc. wie dasind Ln- ltalli pzrvse iimul nzscenres, Ckoei-sclum, leu Ltrumarum inllgr, X/lsAni- tucline inirqugle?. 6ei8ner. kiz. l_. 3 p.p. 19. Crillällm gu« virile Xtembrum reprsesentAt. Velick. I. c. Eine besondre Betrachtung verdienen diejenigen Cristalle, deren Fläche nicht glatt, sondern mit unzählich vielen kleinen Cristallen (Oittziiuiis) besetzet sind. Bey mir findet sich ein grosses von einem ganzen scchseckichten Cristall abgebrochnes Stück, welches an allen seinen Seiten jeztbesagtermasscn criftallisirt ist. Wenn ich dieser Begegniß nachdencke, so finde ich anders nichts, als daß dieses Stuck von dem grossen Cristall, an dem es nicht wol haften können, nach geschehener Anschiessung unter dem ersten Grad der Festigkeit, sich abgebrochen, und durch Einschrumpfung seiner Flächen rings umher criftallisirt hat. In einem Cristall-Cabinet stehen sonderlich wol die mit seltsamen Dingen beschwängerte Cristallen. Als nemltch: VI. Oittallus, m qus gculeus Lrinscci >nclusu8 cozluie, ein Cristall, in welchem eine Igelfeder eingeschlossen scheinet. Vclsck. ttecg- rolk. I. sssg. ss. (iriÜAllo cii peii e mseckienere ripieno, ein mit schwarzen Haaren und Flecken angefüllter Cristall. Leplal. Xluk. P3g. 4.6. Crill3llo, in cui 6 vcgzono peii neri e grolli, come 6i co6a cli cgvglio, ein Cristall- in welchem schwarze Züge gleich dem Roßhaar zu sehen. Icl. I. c. Lrjllzllo «rico cli peli neri, in cui 6 cli- iung3no cerri c3N3leni, come cli verro, 0 lM3lro Nero. 16 p3g. 4.8. Oistglius cckinopkorz. ^culeos iltos in meciio I.3pi6e a communi Oenrro unlliguggue sparsos Lcöi««m 6icimv8. I^ui6. hickopü. Lritt. n. 15. Crill3llu8, in quo ^nrimonium LrisisIIilgrum, ein mit cristallistrtem Spießglaß beschwangerker Cristall. klorcing. vilk. 6e erill-II. p. 8. Es stellet die Natur hier nZ. vi. eine seltsame Begegniß vor. Denn lieber, wie kommt eine Igelfeder, oder schwarzes Haar, oder schwarzgeschmelzte Glaßstengel mitten in einen harten Cristall? Würcket irgendwo die Natur Wunder, so ist es hier. Aber auch, wenn irgendwo die Augen unser Gemüth bekriegen,, so geschiehet es hier, und bey nächstfolgenden Cristallen, da einer ftbweeren solte, er sehe Haar, Grüß, und dergleichen, da aber in der That nichts von solchen Dingen vorhanden. In dem Aqtftein zeigen sich Fliegen, Ameisen, Spinnen, die Augen hinterbringen diese Seltenheit dem Gemüth, .'TM FMN /^/// 7 ^' '>/^- «LLM V?L ^ V des rasten ^ahrs. uz dieses nimmt es vor bekannt an, es urtheilet, daß würcklich in so hartem Gummistein solche Thierlein enthalten, und ist nur um das bekmn- mert, wie solche fremde Gäste in den Bernstein gekommen; da aber betriegen sich weder die Augen noch die gedenckende Seele, weil end-« lich nach langem Nachsinnen und Disputiren die Streitfrage dahin erörtert wird, daß würcklich das Ungeziefer sich in die Materie des Agtfteins, da sie noch weich, einwickle, aber in diesem ihrem köstlichen Grabe verbalfamirt beständig bleibe. Es ist auch diese Begebenheit unschwer zu fassen, nachdem man durch fleißige an der Ost-See gemachte Untersuchungen in Erfahrung gebracht, daß der Agtstein in der Erde gezeuaet, von bannen abgespult, und durch die Meereswellen weggeführt werde, welche diesen Raub wiedrum an das Ge- stad auswerffen, hiemit ihrem ersten und rechtmäßigen Besitzer wieder zustellen. Mit unsern Cristallen aber hat es eine ganz andre Bewandniß. Man findet stachlichte Jqelfedern, Haar, und Graß an solchen Orten, in verschloßnen Felßgehaltern, und in solchen Cör- pern, da sie niemalen gewesen, und auch nicht, ausser durch übernatürliche Kraft, haben können hinkommen. Hierüber wil ich nun meine Gedancken eröffnen, und die verworrene Knoten dieses Natur- Geheimnisses veröffentlich glücklich zu jedermans Vergnügung auflösen. Meine Meynung gehet kurz dahin, daß diese in der Natur verkleidet-spielende Comödianten, wenn sie entkleidet werden, anders nichts als gefärbte Mineralische - oder Erden-Säfte seyen, welche in währender Zeugung oder Anschicssunq der Cristallen sich in dieselbe einsencken, und sich zugleich mit denselben befestigen oder erhärten. In dieser Meynung die ich schon längst hatte, bin ich sonderlich be- steiffet worden, als ich den Gotthard-Berg ins Liviner-Thal abstiege, ?;§. vn. da kam mir eine seltsame Art weißgrauer Felsen vor, welche durch und durch mit kohlschwarzen Strichen bezeichnet sind, welches eben dasjenige vorstellet, so mitten in den jezt-vorhabenden Cristallen zu sehen, und anfänglich eine flüßige Materie gewesen, ehe sie erhärtet worden. Diese Art Stein habe ich um mehrerer Erläuterung willen kjg. vii. vorstellen, und überdiß noch anzeigen wollen, daß sich dieser schwarze Mineral-Saft nicht allezeit in lange Striemen oder Fäden ausdehnet, sondern etwan in eine runde kiaLm zusammen rinnt, und alsdann Lrittällo, nel merro äi cui vesieli UNL ktLccsiiL ners, come solle 420 Vierte Berg-Reise Zolle Larbone circonäara 6i iras parenre Lkiaccio heraus kommt. Loc- rone Xlufeo 6i kilica. p. 177. (k) Gleich wie in jeztqedachtem Cristall dem Gesicht eine schwarze mit Cristall-Eiß umleate Kohle vorkommet/ also kan ein rother Mineral-Saft in einem Cristall rothe Blut-Adern vorstellen, als m Oiltallo in qua Venx Lruentse conlpicuL. VeI5ck. kiecalolt. I. c. Ist der Mineral-Fluß, wie oben schon angezeiget worden, grün- färbig, in einem subtilen Berggrün bestehend, so kommet auf dem Schauplatz der Natur ein Wunder, welches so wol -er Schönheit als Seltenheit halber von der curieusen Welt mit höchster Verwunderung angesehen wird: Ein Cristall, in dem grünes Graß zu sehen. Oillallus, in quz 6ramen viriclillimum. Vellck. l. c. llristallo conri- uenre in le veriieManrillima lterberca. 8eprsi. Vlust p. 46. Crillallo, in cui sottilillima blerba rillretta llveclcie. 16 . 1 .c. LrillsIIo ü nscural- mente llerbolo, cke rapprelent» una Lolckins, ein Cristall, der einen ganzen Graßboschen vorstellet, 16 . !.c. Lrillallo pieno cli ver6eg- xiami Herberre. 16 . p. 4.9. Lritlallum, in cujus lariori karte mustcosum c;ui66am spparet, ein Cristall, in dem etwas von Mooß zu sehen. 8ibl>aI6. Hill. dlac. 8cot. l. c. iVloss mclu6e6 in 2 kiece o 5 Lrillall. lla/ 1/opo^rApl»c. Observst. p. 2Z7. Ist das Bergarün bleichfarbig gewesen, wie denn allerhand Arten von diesem Mineral sind, so stellet es nicht so fast ein frisches grünes Graß, als aber ein gedörrtes Heu vor: CriÜLllus, IN gua jam re- üccarum kornum. Velsck. l. c. Etwan aber ziehet sich der grüne Berg-Saft nicht in lange dünne Ha ärlein und Gräslcin aus, sondern sammlet sich in einen Klumpen, und kommet alsdann ein in Cristall eingeschloßner Smaragd heraus. Lrillailo, nel cui Lentro vercleMÄ ü mirsbilmenre non L» guglcos» conlimile sl veluto, cke un vcro 8mersI6o rastcmbrL. 8exral. X1u5. pag. 47 . Ein ritt 3 ltus K>M 3 M inrus latentem kabens ex Olu 3 Ut lälu siiquo (noliri vocanr erbellt) Lc eä ? 3 tte lriöem, i6 eli, -srcum ccsle- Ilem Loloribus reprLsenlsns. 6 e 5 sn. l_.3pi6. p. l Unter die Gebrechen der Crtstallen setzen die Kauffleute die schneeweissen l^kebel oder 'Molchen. Lriltallus infellara maculosL dluke. plin. I. c. Lrillalius, in quowebulT. 8. cle 8oot. I^ib.II. p.L2i. (Irillallus intus veluti blivem kabens. 6elsner. l. c. Lrillallus macu- !os 5 dlude inkeLla, qu» non translucet, guoä 8uccum gqueum, ie6 ob- fcurum Lt fuliginosum in nstslibus conceperir. Lslceol. !vluf. pag. 200. Solche bald weisst bald fchwarzdunckle Wolcken entstehen aus einer unreinern mit fremdartigen Theilen vermischten Criftall-Materie, weswegen sie auch meistens wegen ihrer Schwere zu Boden stucket, und sich an der Wurzel der Cristallen zeiget. Wenn dergleichen trübe Wolcken den ganzen Stein einnehmen, so Wird Lrillällus XIarmore», live Oranctinis inllar lemiopaca gezeuget. I^ui6. fickopk. n. io. Wenn diese gröbere Materie in dünne Haär- oder Aederlein sich erstrecket, so zeiget sich in dem Criftall ein Büfthlein wolle, omai- lo cii u lolci pslt Lrricckiro» cke non e punco inferiore alis I.LN3. äep' tsl. Xluf. p. 46. Bleich- oder Goldgelbe Gcroh-Halm stellet vor Lriftallus, in guo peliucL. 8. cle 800t I^ib. II. o- 22 1 . Lrillslius trianZularis , cui 8tipul« mclufse, ^3cob.b»1uf.8eZ. van. 8. VII. pag.z-. Lrillallo come cii Zrolla psZliucL ripieno. 5 eptsl. I. c. (üriftallo ripieno 6i pgglie, cke fembrario vergkette cii Oro. ich I. e. Oiliatlo, nel cui fcno pNAÜa cl'oro confervafi. 16 P3g. so. Von diesen Stroh-Halnrett urtheile ich wie- drum, daß sie solche nicht in der That find, sondern scheinen, und ihren eigentlichen Ursprung von jener flüssigen Berg-Gilbe herhaben, welche den ganzen Stein nicht durch und durch färben, sondern nur hie und da in denselben hat eindringen können. Zu Begläubigung dessen dienet, daß dergleichen Einstalle insgemein anch auswendig und wo die Stroh-Halmen aufhören, eine gelbe Farbe zeigen. ll. Theil. Q Flies- irr Vierte Berg-Reife Fliesset eben diese Materie subtil durch den Criftall, so zeigen sich denn schöne Meßing-oder Gold-Fäden. Lrilisllo, in cui pell groll» 6 ckiu6ono, clis sembrsno Iuci6itlimi kili cli K.3M2. Leptsl. l.c. Lrilisl- lo
  • . keil coti bens sMulisti, cbe sembrsno un ^lsrretto cli biori con mirs- bile /.ni6cio legari inlierne. 8eptsl. I.c. Des Holzes Gestalt zeiget sich in dem Criftall, wenn vielgedachte gelbe Farbe einen grösser« Platz einnimmet. OiÜLiio conri. nente in se picciolitlinri b.egni. 8eptrl. ^tus. l. c. Lrillsllo 6encro cui vi sono rillretti in per/erci begno e ?3tzl>3. 16.!. e. Gediegen Silber, oder vielmehr Wie ich vermuthe eine Gestalt desselben bildet Lrillrllo, nells cui vilcere vi 6 Zcorgono drsnellä 6i puritlimo ^rgenro Vor. 8eptsl. I.c. Lilver inclu6e6 in r piece ok Lri- llal. K.37 TopoZeaphic. Observ. P.2Z?. ?;§. vm. In einer andern Art Cristallen sind runde oder viereckichre hole gerade Gänge ohne Farbe zu sehen. Lrillsllo, in cui 6 ollervsno gusllrsnAolsri Lsnali. Leprsl. l.c. klA. VIII. kie. IX. Subtile vielfältig ineinander gekrümmte würmlein in drillLlio nel cui seno 6 rillrinZono Vermicelli. 8eptal. I. c. p. 47. Dergleichen Würmlein, wenn sie grün find, wie sich bey mir ein solcher Criftall findet, werden meines Erachtens von eben demjenigen Bcrggrün, welches oben die Gräslein gestaltet hat, gezeuget. Siehe kig ix. Etwan lieget mitten in den Cristallen ein bewegliches Wasser gefangen. Lrillzllus, in guo 6uttuls ^guL, gu« demmse penerrsli» ob66edsl, semper ssliebst. kixnor. Lpill. §MdoI. i s. drillsllüs lim- piäillims, c^use vü in proprio Oomicilio Luccum sc^ueum iplilmet Ocu- !is conspicuum intus reclusum servst.öc conqusllstus lluäluac. Lslceol. Ivlus. pLA »y-. Lrillsllo, in cui 6 veZgone rincbiuse cinque gocciole 6'äcqus, uns 6e!le gusli s> muove sl muoverli6el perro. 8cptal.XIus. pLg.48. Lrillsllo, nel cui seno onlleMs uns 6occiols ä'^us. 16. l.c. OiÜLlIo, entro 6i cui sequellrste rsuuissnsi tregocciole 6i ^qua, 0 s>3 l^iquore, leyusli bencbe lmno 6i yerocolore, non mancsno pero 6i sccrescere iuce 6i vsßkerLs gl corpo crillallino, ein Criftall, in welchem s. rc. Tropfen schwarzen Wassers zu sehen. 16. I.c. LrillsIIo» in cui nvo» picciolilliws gocciols 6i ^^ua, cke per un cs- des,-Osten Jahrs. rrz naletto 6i un qusrro ä'onxis 6 muove. 16 . 1 . c. -V Kock Lrillzll wich Drops ok vvster inclolell in tlle m>66Ie c>f rtiem. R.37 lib. cit. pzg. rzs. Ob diese Tröpflein ein recht natürlich Brunnen- oder Bergwasser seyen, oder ein edles flüßiges Überbleibsel des Cristallflusses selbst, wil ich nicht bejahen. Vielleicht ist es diesen auf unsern mit ewigem Schnee und Eiß bedeckten Bergen, vielleicht auch in winterlich kalter Witterung, angeschossenen Cristallen ergangen, wie jenem gefrornen Wein der Holländern in denen eiskalten Nord-Polarischm Landen, welcher in den Fässern gefroren, also aber, daß sich das aeistreicheste Wesen in -er Mitte, in Form eines köstlichen Brandteweins, versammlet. Gewiß ist diß, daß ein jeder Criftall in seinen Löchlein ein wässeriges Wesen verborgen hat, welches durch das Feur mit oder ohne Spaltung des Steins kan ausgetrieben werden. Lrillällo mclinznre zj nero, 6enrro s cui rsuuikali una ko^Iis 6! Dlivo, ein schwärzlichrer Criftall, in welchem ein Oliven-Blatt ZU sehen. 8ept3l. Xluk psg. s r. CnÜsIIus, gux infellalur occulrs vomicä. plin. D. Z-. cap. r. Oillaüos infellarg prL6uro, frzgiligue Lentro, Lt 8z>e sppsllakc». plin. l. c. Wie der nächst vorhergehende Criftall meines BedünckenS einen inwendigenBruch hat, also ist dieser inwendig spröde, so daß er leicht, wenn er solte verarbeitet werden, zerfiele. Dieses brüchige Wesen heißt kiarrialis wirrum: Lr turbats lxvi gmellAS Oillgllina d^itro. Lrillsllus, in gus Xtsculs minmiori ^u 5 «e perlimilis, ein Criftall, in dem ein Flecken, gleich einer kleinen Fliege. 6u Hamei 6e ^ls- leor. Lc?ollll. Dib.II csp. 7. P.4.5Z. Criltallus 8uper6cie scsbrä Lc llriata, Iriöi's körte 6enus, ein Cri- ftall mit einer rauhen gestreimten Fläche. Qelsn.kig. l_.Jp. pz§. 19. Crillallus inkellaiz 8csbro. klin. k.ib. Z7. csp. 1. Lnllallus, in cujus klsnirie knurre linezres, koveolse^cu i^uzti exlculptL cernunrur, ein Criftall, in dessen aujssern Fläche einige Züge oder Gcrichlein, gleich als mit einer Nadel ausgefto- chen.Ltc. k°jg.X. Es sind diese kleine Grüblein ohne Zweifel von einigen Sand- körnlein entstanden, die auf den Criftall, da er noch weich war, gefallen, hernach aber, als er erhärtet, wiedrum aus ihren Löchlein ausgefallen, oder von übersiieffendem Wasser ausgewaschen worden. CrltlsUus exiZuis luberculis ranguam Variolrs plensm 8uperft- Q 2 ciem 524 _Vierte Berg-Aeife cjcm exbibsns, ein Cristall, dessen äussere sonst glatte Fläche mit einigen angewachsnen Gändlein oder Bückelein gleich als mit kis. Xl. Voc^en beleget. 8reno?roär. Oils pag. 6r. Lriliallus, cujug pl3NL k/rsmiäAliz obicuri 6t nigricsmis sunr Loloris, Lr inLiper Lullulis exi- guis, velur Variolis conlperiz, ein schwärzlichter Lristall, dessen Spitzstächen mit kleinen Bläslein besäet, Xlus. I'i^ur. kig. XI. Allhier sind obangezogne eingefallne Sandkörnlein geblieben, und in dieCriftall-Materie also fest eingeschlossen, daß sie ohne Gewalt nicht herauszubringen sind. riZ. xn. Ich muß einen sechseckicht durchsichtigen Cristall nicht mit Still- XUL schweigen übergehen, in welchem kleine Gebüsche oder Baumlein von gelber und schwarzgrüner Farbe zu sehen, der dcßwegm billich denen Ocnälilis oder Baumstemen soll zugerechnet werden, von welchen ich ein besonders Traetätlein >n LpKemeriN. dksws. (Hot. l)ec. in. V. k VI. p s7. geschrieben, deme ich auch eine besondere Tafel zugeeignet, in welcher die xn. und xm. big. unsern Cristall vorstellen. Bisher habe ich mich aufeinem weiten aber ebnen mit allerhand Criftallen besaeten Felde oder Alp erspatziert. Nun aber habe ich einen dichtem duncklen Wald vor mir, der nicht nur mit vielen Gebüschen und Dornsträuchen besetzet, sondern auch gefährliche verführende Irr- und Abwege hat. Ich wil sagen, daß mir annoch die kütz- lichste Materie von Gestalt und Zeugung der Criftallen übrig bleibet auszuführen, welche bisdahtn aller Naturlehrern Gedaneken überstiegen. Ich getraue mir zwar nicht, diesen verwirrten Knoten auszulosen, sehe mich aber genöthigt, wenn ich weiters meine Physikalische Berg-Reise fortsetzen soll, diesen finstern Jrrwald durchzupas- streu; ich werde aber diesen Durchzug also einrichten, daß ich mich so viel möglich auf der: gebahnten Steigen einer gesunden Vernunft halte. Die so ordentlich ausgemessene Gestalt der Criftallen ist zu allen Zeiten von den Naturweiscn mit Vcrwundrung angesehen, und mit grossem Fleiße untersucht, aber doch nicht ergründet worden. Wenn aber gleich die Materie nicht so schwer wäre, als sie ist, so hat man sich doch nicht zu verwundern, daß seit Aristotclis Zeiten bis auf das Siebenzchende Jahrhundert nichts ausgerichtet worden. Man redte vorzeiten eine ganz andre Sprache, man wandelte einen ganz andern Weg, man sahe die Gestalten und andre Eigenschaften der Natur- Cörpern durch finstre Brillen der vermeyut offenbaren, ja auch ver- 7^7 .W --^M l"-i»ii LKM -AWMM KAMME WO MM des rasten Jahrs. rrf borgenenBeschafferrheiten, gestaltenden Kräften/ einerbornen Vorbildern, an, (in der hochgelehrten Schul-Lehrcrn Sprache hiesse man diese Gehcinmißvollen Grundquellen (^usliresoccuirss, kscuicsres K,r- M»crice8, läezz innal!,8> und hatte dergleichen Wasserleere oder mit faulem Wasser der Hirngedichten angefüllten Sodbrünnen mehr:) Da man hingegen heut zu Tag die natürlichen Cörpcr und dero Bildungen und Bewegungen durch hellgeschlissne Gläser einer gesunden Vernunft/ nach denen von Gott in die Natur eingeführten Gesetzen, allschauet. In heutiger Natur-Sprache finden sich aller Orten der kleinen Naturtheilen Gestalt, Bewegung, Ordnung, Zusammenfü- aung. Unsre Buchstaben find Zahlen, Linien, Winckel, Circul, Triangel, Vierecke, und andre Mathematische Figuren: Die Federn find der Cireul, Compaß, Winckelmäß, Richtscheit, Bleywaqe: Die Silben in dieser Sprache find ungezweifelte Wahrheiten in der Geometrie und Arithmetik, die man Axioms» nennet: Die vielsilbige Wörter sind andre daraus siieffende auch sichere Wahrheiten, so ikeo- remiN3 genennet werden: und Problems» sind die Naturbegebenheiten selbst. Mit dieser hell-leuchtenden Latern wollen auch wir durch den dichten Wald der Cristall-Bcgebenheiten gehen, und Anfangs wahrnehmen, daß, die Materie insgemein betrachtet, nicht nur in sehr, ich wil nicht sagm unendlich, kleine Theilchen zcrtheilbar sey, sondern auch würcklich diese Zertheilung in so vielen Aenderungen, Brechungen, Aufiösungen, Ausrauchungen, und andern Bewegungen bestehen müssen, doch.also, daß jedes solcher kleinsten Theilchen gleichwol feine gewisse Gestalt habe. Gleich wie wir in dieser unsrer vorhabenden Vergreise sehen werden, daß die gewaltigsten Flüsse ursprünglich von den kleinsten Büchlein, und diese zulezt von wenig zusammen gießenden Tröpstein herkommen, also ist gewiß, daß alle und jede Cör- per, die grossen so wol als mittelmäßigen und kleinen, von einem so geringen Anfang der kleinsten Stäublein herkommen; dabey aber die von Gott selbst angeordnete Bewegung seyn muß, kraft deren jene kleinster: Theile, so von Natur unbewegsam sind, in eine Bewegung gebracht, versammlet, zusammen gefüget, oder zertrennet, gebrochen , ausgelöset, und in Flnß gebracht werden müssen. Diese Bewegung aber, als ein Haupt-Instrument, dessen sich Gott in seiner Werckstatt bedienet, weilen sie auf unendlich vielfältige Meise geschiehet und geschehen kan, nach geraden, schregen, unzahlich viel krummen, einfachen, zusammengesezten Linien, geschwind, langsam, Q z ordent- 126 vierte Berg-Reise ^ _ ordentlich und unordentlich, gleich, ungleich, re. Diese Bewegung, sage ich, ist ein tieffer Abgrund, aus welchem die uns Menschen von Gott noch übrig gelassene Vernunft die Würckungen oder Begebenheiten der Natur, als so viele köstliche Wahrhcits-Perlen, hervor stschen muß. Hier aber sincket mancher unter, der nimmer hervor kommt. Nicht ein jeder kan sich so lang unter dem Wasser halten, als nöthig ist in solche Liesse zu kommen, da die besten Perlen liegen. Ja kaum in einem Jahrhundert findet sich ein guter Schwimmer. Dergleichen Perlenfischer sind Lpicums, plsro, Xriüorclcs, dsrcelios, c-Mnäus, Loyie, und wenig andre gewesen, die in lezt-verwichnem Jahrhundert gelebt haben. Aber auch diese müssen gestehen, daß sie unter dem Wasser so viel gefährliche Klippen, fräßige grosse Fische, verschlingende Wirbel, und leztlich unergründliche Liessen antreffen, in welchen sie mit jenem Sicilianischen Fischer, Nicolo genannt, zu Grunde giengen, wenn sie sich wolten hinunterlassen. Ich wil sagen, daß so unzählich viele Verschiedenheiten der Bewegungen, so unendlich viel verschiedentlich gestaltete kleine Theile, die wir auch mit den besten Vergröfferungs-Oläsern nicht entdecken können, uns Menschen diese Perleusischerey so schwer machen, daß wir uns zu keinen Zeiten versprechen dorfen, allen diesen in dem Abgrund Göttlicher Weißheit und Allmacht liegenden Schatz hervor und an Tag zu bringen. Vorerst denn nehmen wir vor bekannt an, welches kein Natur- verständiger laugnen wird, daß die Cristallen aus unzählich kleinen Theilchen bestehen, aus welchen sie auch würcklich zusammen gesetzet worden. Wer hieran zweifelt, der lasse einen Cristall in ein subtiles Pulver verstoßen, oder er sehe nur mit vernünftigen Augen seine Durchsichtigkeit an, welche er mit dem Glaß in Vergleichung setzen, oder seine vieleckichte Gestalt, die er gegen dem im Kessel anschießenden Salpeter oder andre 8si>2 halten ran; ferner, das in seiner Mitte eingeschloßne Gras, Stroh, Wasser, schwarze Striche, und andre fremdartige Dinge; welche da nicht haben hinein kommen können, ohne daß der Cristall vorerst flüßig, folglich in unzählich kleine unter- ßch bewegte Theile würcklich zertheilt gewesen; gleich aus diesen und andern dergleichen Gründen der härtesten Edelgefteinen erste Flüssigkeit von dein Weltberühmten voyie in iraN. 0nZ. QemmLr. gezeigt und behauptet wird. Was die Zeit anbelanget, wenn nemllch die Cristallen also flüßig gewesen, ist solche so leicht nicht zu bestimmen. Vermuthlich aber ist, daß alle Cristallen bey Erneuerung der durch des lösten Jahrs. _ ir> Die Sündfluth verderbten Welt / .hicmit grad nach geschehener Ver- stnckung der Wassern in die Behälter der Erde/ seyen gezeugetworden; zu gleicher Zeit ncmlich/ als die Berge, dero Felsen, Klüften, und insgemein die unebne Fläche der Erde entstanden. Ich wil nicht laugnen, daß nicht auch zu Anfang der Welt Cristallen seyen erschaffen worden, ich vermuthe aber, daß dieselben in der obern durch die Sündflurhgantz veränderten Erden-Rinde zu Grund gegangen, und aus einem hie und da zusammen geronnenen Quartz-Fluffe wiedrnm gestaltet worden. Daß annoch Cristallen gezeuget, oder an den Orten, wo sie ehemals gewesen, und weggenommen worden, wieder gestaltet werden, dessen haben wir keine Anzeigungen, (i) Bey sechseckichter Gestaltung der Cristallen kommt sonderlich zu bedenckcn vor, ob sie aus einem vorerst unförmlichen Quartz, welcher aber durch die Bewegung allerhand Figuren annehmen könne, gebildet oder gezeuget werden? oder ob sie aus unzählich kleinen, gleichförmigen, oder auch fechseckichten Cristallen gestaltet, oder deutlicher zureden, zusammen gesellet werden? Wer die leztere Meynung bejahet, -er hat nebst der Einfältigkeit des Grundsatzes die Erfahrung selbst auf seiner Seite; obgleich die der erster» Meynung beypflichten, mit folgenden Einwürffen aufziehen können: daß aus Zusammensetzung vieler gleichgestalteten Figuren nicht allezeit und nothwendig eben dieselbiae Figur hervorkomme, allermaffen ein Würffel aus vielen ablang-viereckichten ungleichseitigen Cörpem gebildet werden kan, ja selbst ans Zusammensetzung zweyer Wurffeln nicht wiedrum ein Würffel, sondern ein par-iieiopipeäum vonungleichen Seitm herauskomme; es körme auch em Würffel aus geschickter Zusammensügunq 6 ) Ich hatt« davor/ daß die Cristall« brüt zu Lag« noch eben so wol können gezeuget werden/ als von Anfang der Welt. Ja er scheinen dieser einige Beobachtn», gen gewiß zu machen. Der Graf von Kicvrc hat angemeccket / daß die Feuer. Steine beständig nachwachsen/ daß/ wenn man eine Höle ausgeleert / und wie. der zugeschlossen/ in vielen Jahren hernach wieder Feuersteine daselbst anqetrof. srn werden. Dieser geschiehet in Franckretch cian; 1er fröstln <1e kvleunsr Lc xr Cristallrs. izo_ Vierte Berg-Reife _ terland der Eriftalleil nennen kan. Es scheinet diesen Umstand der grosse Naturforscher Plinius in Acht genommen zuhabe»/ wenn er hib. Z7> csp. 2. also schreibet: Oriens Le käNc mirrir, leä InclicL uulla ptLiercur. t^ascitur Lc in ^iia, vililllma circa ^labanäa, Lc Ortoiiam, imirimisque ^lontibus, item in L^pro : lell lauclarillima in L«ro^«e ^r«m Und bald darauf: blos üquiclo sikirmare pollumus, in cautibus ^Ipium nssci, acgue Lcle6 inviis Ltple- runc^ue fune penclentes eam exrrakam , das ist: Es gibt auch Cri- stallen in den Ländern gegen Aufgang, nirgend aber so vortreffliche, als in Indien. Es wächset dieser Stein auch in Asten, aber von geringem Werth, um Alabanden, (vrtosten, und Nächstliegenden Bergen, so auch in Lypern. Der berühmteste überkommet aus den höchsten Alpgebirgen Emspens/ allwo ste oft mir grosser Lebensgefahr von den Trabern, die sich etwan an Geilern müssen herab lassen, gesucht werden. Wenn NUN anderstwo aezciget worden/ daß unsre Gotthardische Gebirge die höchsten Alpspitzen von ganz Europa seyen/ so ist bald zu schließen/ daß Plinius unsern Schweizerischen Cristallen mit uns vor allen ausländischen den Preist giebet. Anmerckenswürdig ist / was jeztbelobter Naturschreiber fcrners meldet: Lomrana lmic Lau5a Criitaitum kacir, Oelu vebemeariore concreto. dlou aliubi certe rcperimr, c^uam ubi Maxime k^bernL dlives rigem; 6Isciemque ei^r certumell, uncteLe dlomen 6rrci äeci^re. Ich verdeutsche diesen Text also: Der Cristallen zusammenfügende oder festmachende Ursach ist eine sehr grosse Aälce. Denn ste nirgends gesunden werden, als wo die grimmigste Aalte, und beständiges Eiß mir Schnee vorhanden. Hier finde ich die Grundquelle eines in die natürliche Historie eingeführten grossen Irrthums/ an welchem doch Plinius selbst keine Schuld trägt. Es ist alles wahr/ was Plinius schreibt/ und verdienet dieser grosse Mann nicht von valeckampio, seinem Ausleger/ und andern mehr/ dieses Texts halber durchgezogen zu werden. Es ist ja wahr/ Oiliallum 6elu vekemenriore concrelcere , daß der Cristallen Festigkeit in sehr grosser Rälte, ich füge hinzu/ in größter Aälte bestehet, welche gewißlich sich nirgends also, wie in unsern Helvetischen hohen Gebirgen / findet. Wer nicht wol fassen kan, wie eine grosse Kälte fich hieher reime/ der gehe in die Werckstätte der Chynusten/ und lasse fich zeigen/ wie die Salz-Criftallen am besten nnd geschwindesten anschießen / wenn man das auf gewissen Grad eingesottene Was- _des rossten Jahrs,_ izr Wasser des Winters an die kalte Luft setzet; ja er frage auch nach den Cristallen, welche in einem i-iguore sich das ganze Jahr hindurch nie- malen als in dem Winter sehen lassen. Ist er damit noch nicht vergnügt, so ziehe er in Bedenckcn, wie bey harter Winterskälte die in ihrer Klatschen oder TreibkraftmercklichgestärckteLuft auf die ganze Erde mit gröfferm Gewalt drücke, und die in flüßigem Wasser enthaltene Salztheile zusammen drücke und zu Boden stürze. Der größte Stein des Anstossens liegt irr folgenden Worten pimü: Non sliubi cerre reperitur, quam ubi msxime ködern» daives riZenr; Oa- ciemque esse cerrum eli. Diese erklären die Ausleger also, daß nach Plinii Meymmg der Cristall selbst eiscies 6elu concrekä, ein von grosser Nätte erhärtetes Elß sey. Ich sehe aber den Text all, wie er lieget, und erkläre ihn dahin, daß sich die Cristallen vornemlich finden, wo ein beständiger Winter, wo die Eiß-und Schneeberge find; nicht aber, daß sie würcklich aus Eiß und Schnee gezeuget werden. Ein anders ist, einem Ding die Materie, und ein anders -en Ort geben. In Kraft dieser meiner Erklärung kan man wol mit der gesunden Philosophie die Herlettung desMorts Cristall, >-§ü- vergleichen, von dem Griechischen Kälte, und , vor daß der Cristall wäre vv- frigore concretL, ein Wasser, das in der Kälte bestanden, oder bey lielychio, n 77-577^^ Jndeme ja in der immer kalten Berg-Luft, wie oben bereits dargethan worden, alle Cristallen schöner und besser anschießen. Nach dieser unsrer Auslegung lasset sich vioäorus wol hören, wenn er l-ib.ii. schreibet, -rqp , daß die Cristallen aus einem reinen in -er Kälte erhärteten Wasser bestehen. Nicht aber seneca, welcher b.ib. m. HuM. -karur. c3p.2s. den Cristall pro Nive 6iacie clurätL per ännos, vor ein verjährtes und verhärtetes Schnee- oder Eißwaffer haltet; andrer, so dieser Meynung auch unterschrieben, zu geschweige». Von -en Merckzeichen verborgen liegender Cristallen hat Plinius An,«>ge« diß wenige l-c. kericis Le Inclicis norz iunr , -aß den Erfahmen U -ie Anzeigen bekannt seyen. Es ist den Cristallsuchern nicht wenig daran gelegen; wenn sie ohne Unterschied hie und da in die Felsen eingraben sotten, könten sie schlechte Beute hoffen. Sie geben deßwegen Achtung i) aufdie weiffe Quartz-Adern, welche sie Lristall- dande heißen, denen graben sie nach, und öffnen die Felsen, bis sie Rr in iz2_ Vierte Berg, Reise in eine Criftallvolle Höle hinkommen (k), 2) auf die ausgebogne gleichsam gcschwollne überköpfige Felsen, welche gemeiniglich eine Höle in sich haben, z) und deßwegen auch, so man daran schlägt, einen andern Thon von sich geben, als die, so durch und durch ausgefüllet sind; 4) bemerken sie, daß die Cristallen nicht bald in dem Kalch-Gebirge, sondern mehr in weißem hartem Geißberger-Stein oder Gebirge sich finden. So viel sey geredt von den Cristallen. Nun ists Zeit, daß wir unsre Reise fortsetzen ; wir wollen es ' aber thun in Begleit der Säumern , mit welchen wir den Gotthard- Berg ab ins Livinerthal zu gehen Vorhabens sind; unterwegs aber uns mit diesen arbeitsirmen Bergsteigern, ihrer Lebensart, Namens, und Gesetzen halber so sie unter sich haben, ersprachcn. Es ist jeder- man, der unsre Schweizerische Gebirge gesehen, oder nur davon re-' den gehört, bekannt, daß man über dieselbe nicht mit Wägen fahren kan; die gähe Höhen und die Enge der Wegen würde solche Fuhr- männische Art, die Waaren aus dem Schweizerland in Italien, oder von dort hieher zu schicken, nicht zulassen. Alles wird auf Saum- Rosse geladen. Diese werden in Latein genennet ciireiiimi. und^umarii, und bey denen Scribenten, so mit allerhand varba- nlmis die Lateinische Sprache angefüllet und verderbet, Ssgmz, 83g- msris, und Lagma, 53gmre, 8-mgms, §3UM3, 8glmz, 83gir>3, 8c>ma, LumsZium, item §3gM3riu8, 8agm3ri3, §3UMÄNus. Zzumsris, 8ou- marius, 8oum3ris, 8um3riu8, 8um3N3, 83gin3riu8, 83gin3ria; mit welchen leztern Namen nicht Mtk die Saum-Pferde oder Saum-Esel, sondern auch deren Führer oder Treiber benennet werden, die durch das aanze bergichte Schweizerland unter dem Namen der Säumer bekannt sind. " Woher die Säumer ihren Namen haben, ist nicht so gar gewiß. Die meisten leiten den Ursprung von Sagma, und dieses von äsAUM her. So schreibt Isiciorus Origin. 20. c. 16. 83gM3, c>u» corrupch vulgo 8LUM3, s 8lr3lu 83gorum vocgrur, uncle Lc La- baUu8 8aßM3riU8 , r^ula 83gM3ri3. Denn 83gm2 eigentlich eiNM Überzug eines Schilds und auch einen Sattel, nach der Zeugniß k Königin. (lc) Sie Semercken aber/ daß man diesem Band nicht,wo rS am breitesten/sondern wo es sich nach und nach verliehret/ nachgraben müsse. Die Hurd - Blatten nennen sie eine rontinnirt« Eristall»Mutier / da die Cristallen angeschoffen sind. * des i-Qsten Jahrs. izz ciiZili. Lab. 17. cap. »4. bedeutet. Bey den Griechen heiffet eine Last, die man einem Thier aufleget, s Daher leitet Lpeimrmn in seinem 6>. Schuhe, so daß dieser Berg mit dem Gocchard ungefehr in gleicher Höhe stehet; denn wie über die Capueiner noch höhere Berge sind die wir nicht bestiegen, also hatten wir auch über dem Ort, da wir uns niederliessen/ auf koWo, auch höhere Firsten, welche zu besteigen uns weder die Zeit noch die Müdigkeit unsrer Beinen zulieffe. Diese Obscrvation wird der geehrte Leser insbcsonder deßwegen bemercken, weilen so wol hier auf als auf dem Gotthard, der Tefin-Fluß seine beyderseits in gleicher Höhe oder auf gleichem Horizont liegende Ayrol «ich dessen Höhe. Mineral» Wasser. Reise ant demLiviner» Tbal in Pllndten. Vrlle. kkiäcrr«. 801-Berz und dessen Hitze. _ Vierte Berg-Rei fe_ Urquellen hat; welche unten an seinem Ort jede in ihrer natürlichen Situation sollen vorgestellet werden, weilen sie in Land-Charten und Büchern nirgends recht gezeichnet oder beschrieben sind. Nach dem Pariser Maßstab stehet das Quecksilber auf dieser Berghöhe 22. Zoll, o. Lin. welche bey Marioere mit s n z. und bey Laßino mit 6948. Schuhe zu vergleichen. rmiitttb«!. Von dieser Berghöhe hatten wir eine schöne Aussicht durch das ganze Lwiner-Thal, t.epomin3m vollem, welches annoch seinen alten Namen behält, den es zu der Römer Zeiten gehabt, weilen dieses Thal allezeit einen nothwendigen Paß über das Gebirg gegeben. Das Livinerthal ist unter der Bottmäßigkeit des Cantons Uri, welcher einen Vogt dahin setzet, der seinen Vicarium und Richter in demselben hat, mit welchem er alle Bürgerliche und Malesizische Sachen erörtert. Die Übergabe ist von Lsie^io Maria, Herzogen zu May- land, den 14. Aug. 1466. in Kraft eines zu Lueern deßwegen autze- richteten Instruments, geschehen. Es gränzet lincker Seits des Te- sins, da wir jezt stehen, anpündren, und zwar an den Obern oder Grauen Pundt, und weiter hinab an das palenserchal, piems Vai- lis- welches denen drey Orten Uri, Schweiz und Umerwalden unterworfen, rechter Seits aber das Maynrhal, Vsiiis, welches von den xn. Orten der Eydgnoßschaft bevogtet wird. Gegen Mittemacht hat es die hohen Gorchardischen Gebirge, gegen Mittag die Rwier, Xiviers, so an dem Tesin liegt, und von obbenennten dreyen Eydgnößischen Cantons beherrschet wird. "Es hat dieses Thal sonderlich drey namhafte Plätze, zu oberft Airol, da wir heut gewesen, in der Mitten Pfau, ksiclum, und zu unterst Irniß, irenicum, so auch kollegAio, kuietzium, zum Clösterlein. In geistlichen Sachen erkennet es den Biftboff von Meyland vor einen Richter. Von den Lepontiern schreibt ?iimus niii. d^r. i.ib. 111. cap. 20. folgendes: l^eponrios äc LLlallosiLuricre Oenris Lsro srbilracur. L»- teri lere I.eponrios reliälos ex Lomirscu dlercuiis, Inrerprecalione 6r»ci diominis creäunt; prLullis intrs Linus älpium diive I^embris ( al. pc- ruliis in ^gnllru -^ipium xiembns.) So hat denn Lsio davor gehalten, daß die Lepontter, Liviner und Salasser, Augstaler, von den alten Tamiscern seyen. Andre aber wollen, daß sie auf der Reise Her- eulis über die Gebirge dahinten geblieben, weilen die Kälte, so sie auf den Alpen ausstehen müssen, ihre Leiber kranck darnieder geworfen, daß sie nicht weiters folgen können. Und bald darauf fest Plinius einige des lösten Jahrs.'_iZ7 einige Lepontier an den Ursprung des Rhodans: lleponriorum, qui Viberi vocsncur, komem llkoclärii eoclem Diplom sccolunc. Und llib.iv. schreibt, daß der Rhein in den Lepor,tischen Alpen entspringe: llbenus oriwr ex Lepomiis, qoj ^Ipes incolunc. Hieraus erscheint sich, daß unter dem Namen der Lepontiern diejenigen Völcker kommen, welche die höchsten Spitzen Enropens innqehabt, und in dem Obern Walliß an dem Ursprung des Rhodans gewöhnet haben, des Tesins in Livinen, der Reuß in Ursern, und des mittlern oder vordem Rheins in dem Medelser- und Tavetscher-Thal in Pündterr. Es gehörten hiemit unter die Lepontischen Gebirge der Goechard, die.'surca, der Erispalr, Gimpeler, Lucmanniec, Grimsel, und viel andre Gebirge in Pündten, sonderlich, wenn wir die Lepomiss ^Ipe8 Moores, wie sie jovius nennet, dazu nehmen, nemlich alle Gebirge, welche sich von dem Chumer-See über Eleven bis nach Chur erstrecken; benebst folgende Thäler, das Masoxerchal, VMz xie- 1»ucorum, das palenserthal, Ulenjz Valüs, Livinerthal, Lepoming, weynrhal, X^zcli», V»> X/l.ißZia, Räinifagerthal, Vegeciz, Eschen- rhal, Ol'celsn-t. iDagginiackerthal, , und das Gefsiter- thal. 8ellg, von welchen allen hier nicht Zeit zu rede» ist. Wer mehrere Nachricht hievon verlangt, der findet sie bey 'rtcmmio »eivsr. Vl8L. 8imierLomm.cle^jp. PZA 122 . 8wmpf.Llironchib.IX. csp. r. Es lassen sich jeztgemeldten Thälern, wie ich oben schon bemerket, noch das Obere wallst), das Ursirn-Thal, Taverscher- Thal und Medelser-Tbal beyfügen. Arrf dieser Berghöhe koMv. da wir jezt sind, lieget einer Seits D»g.Grm das Livinerthal vor unsern Augen, ander Seits gegen Pündten zwey auf namhafte zwischen hohen Bergwänden eingeschloßne Berg-Seen; der erste und grössere heißet bsZo u, korrsm, ist ungefehr eine halbe Meile lang, und oben an demselben eine dem H. Carolo gewcyhte Capelle; der kleinere und obere, 6, Tom, welcher seine Wasser jenem, wie der dem Tesin-Flnß, zustellet, weßweqen ich in den Ge- dancken stehe, daß diese zwey Seen und die darein fließende namhafte Bäche so wol als die Gvtthardischen Seen unter die Haupt-Urquellen des Tesins müssen gezehlet werden; denn in diesen See fließet durch das Thal ?iom ein grosser wilder schaumichter Bach, dem wir jezt bis in das hohe Thal St. Maria nachgehen, da mit Lust zu sehen, wre einer Seits die ersten Bächlein des Tesins gegen Abend abstielten, und den ungestümen Nnshach ausmachen, ander Seits aber U. Theil, S auch kuckbm«- imr-Bers. Mittler» Rhein. »enL.Aug. rz8_Vierte Bergs Reise_ auch kleine Büchlein die ursprüngliche Quellen des mittlern Rheins abgeben, welcher gegen Morgen durch das Medelser-Thal abfließt. Nachdem wir diesen Büchlein nachgewandert, kamen wir endlich Abends späth mit müden Gliedern in das »olpi^ie cll 8. klaeia. so bereits in Pündten lieget, und denen zum Trost dienet, so aus dem Obern pundr in das Palenser-Thal, oder, durch eben den Weg den wir heut in das Liviner-Thal gemacht, reisen. Iezt sind wir zwar noch bey den alten Lepontischen Völckern, welche aber heutiges Tags dem Obern - oder Grauen-Pundr zuge- hören; insbesondre aber, sage ich, befinden wir uns auf dem Gebirge Luckmanier, ^lons I^ucnmoni;, Luchmanier, Luckhmanier, Sr. Barnabas-Berg, 8r. Lmnzbse ^lonr, iu Barbarisch Latein bocus ^ZZNUS genannt, der ein Theil der äcillia ist. Die beste Beschreibung dieses wie auch andrer unsrer Gebirgen gibt oftbelobter HKuclius in tieiver. gnriqug EL., aus welchem das nöthige hieher zu setzen nicht undienlich erachte. Er ist in der Meynung, dieses Gebirg habe seinen Namen von l^ucumone, welcher mit seinem Führer kb«- ro. als sie sich aus lulcia, jezt Toscana in Italien flüchten müssen, über dieses Gebirg gewandelt. Es ist aber dieser l-ucumo wol von jenem frutigcn und reichen Sohn vzmsrgrki, von Corinthcn, zu mr- terscheidcn, so auch bucumo geheissen, unter der Regierung ^ncl nach Rom gekommen, und hernach den Namen b. larquim, prjsci angenommen; nach dem Zeugniß in, i.rb. i. cap. z^.. Es ist dieser Berg Sommers- und Winterszeit wandelbar, sonderlich aber aus dem Palenserthal in dieses 8r. i^riL- und Medelser-Thal linL VMs) und von bannen Wetters gen Disentis; so daß wir gleichsam auf den Gränzen des Palenser-Livmer-und Medelser-Thals stehen. Die hohen Gränz-Gebirge oder Alpinsten heiffen ^ip> cii Corners. Von diesem Luckmannischen Gebirge meldet Ilcliuckus und 8im!er. Lamm. cle /^Ipib. PZZ. ror. b. daß dessen Abend-Seite den Lepontiern zugehört, nemlich nach Ntlsrer Observation das Thal Niors, so eine Quelle des Tesins abführet, die Morgen-Seite aber den Pündtnern, und daß aus dem höchsten Joche der Lepontiern, so Lsöeiin, Ocielim heisse, der Fluß krocla den Luckmannierberg ab- stiesse, welcher bald darauf seinen Namen ablege,. und der mittlere Rhein, Kkenus meclius, heisst. Den 9 . August frühe fanden wir in unserm Wetterglaß das Quecksilber im 22 . Zoll, 6. Skrupel Pariser, denen vor die senckel- rechte _des rasten Jahrs._rzs rechte Höhe über dem Meer bey Marione 46Z6., beyLaßmo 6298. Par. Schuhe zu vergleichen. Sonsten habe ich, ohne auf die 6ra- ciuzrion - Tafel der Körriglich-Französischen Gesellschaft Achtung zu geben, geschlossert, daß wir in St. Maria tieffer waren als aufbog- ^o z2o. Züricher Schuhe, und als der Gotthard 482.; höher aber denn Ayrol 1442., Stäg 2720., Altorff 2842. Es ist aber zu be- mercken, daß hellte, wegen Aertderung des Wetters, das Quecksilber wol hat können um 2. Linien tieffer gefallen seyn, als es gestern gewesen, weilen sich heute Abends in diesen Berg-Gegenden und auch in Zürich die Luft in einen starcken Regen ausgeleeret hat. Nurr setzen wir unsre Reise fort durch das Medeiser-Thal, Vaiiis Medafto kieguüinZ. dessen zwar auch krumpf, umon. Qw. ix. c»p. z gedencket. Weileli es aber weder von ihm noch einem andern Vaterländischen Geschichtschreiber eigentlich mit allen feinen Theilen vorgestellt worden, habe ich nöthig erachtet, dasselbe, wie es mir vorkommen, mit allen Räncken des mittlern Rheins und darein fließender Bächen abzuzeichnen, welchen Riß ich aber auf einen andern Anlaß verspare, und dißmal nur die Oerter, welche mir in meiner Reise vorkommen, andeute. Eine kleine Stunde unterhalb dem Hospital und Küchlein St. Maria lieget das Dorff selbst gleiches Namens, und eine Stunde besser hinab 8r. 6ziio. wiedrum nach zweyen Stunden folget Medels, viecluilium. welches dem ganzen Thal den Namen gibt; Medtl». daraufkommet^. 6izcomo. weiter hinab 5 . kocco, und von hier s.Giaconw. m einer halben Stunde pl-ma, bald daraufcorzgiut, nur dem G-Rocco. Bcrg-Dörfflein 8m,vz. Um diese Gegend wachsen neben dem Wies- ^ wachs auch Feldfrüchte, Korn, Roggen, Gersten; und fließt der Rhein, so wol bey Lursziiz als besser hinab neben St. Valentius- Berglcin, in schrecklicher Liesse mit gewaltigem Brausen durch, und gegen dem Closter Disemis, vlsertinL, veleninz, Disetis, Difernris, Diftntis. Oeterwm ubi Lel!ü eil, Benedietiner-Ordens, allwo sich der vordere Rhein mit dem mittlern vereinigt. Der Weg durch das ganze zwischen hohen Bergen eingeschloßne Thal hinab, ist zimltch eben und lustig. Unser dißmalige Marsch aber gienge weiters nicht, als bis auf durztziis, da wir denn über eine hohe von Steinen gewölbte Brücke über den Rhein gierigen, und den Berg auf über das Dorff ^ ^ Lucinenßv nacher Taversw kamen, welches in Latein äemmms Vicus, Tamsch. äemarium heißt, aber annoch den alten Namen der ^etuztiern behält. Es sind diese Völ-cker ^emsr,, /mrustes, oder dlsmuAes, so S« bey 142 Vierte Berg-Reise bey dem Ursprünge des Rheins liegen, wol von den nZmuzus zu unterscheiden, welche im Anfang seines Lom.m unter den 8e- ciunis und Verzins, Oder- und Unter-Walliffern setzet; und heiffet Tschudius jene ^etu-nios snreriores, die vorder» ^erusuer, oder Ta- vetscher, zum Unterscheid der hinter», ^emguorum keu ^»ntusno- rum polleriorum, welche von dem Ursprünge des Hintern Rheins bis zum Einfluß des vordem, hiemit durch den Rheinwald, Schamser- Thal und Domleschg bis gen Reichenau sich erstrecken. St Ann, Von Tavetsch sezten wir unsre Reise weiters bis St. Anna fort, und dessen allwo wir das Nachtlager nahmen. Die Höhe des Quecksilbers fan- den wir hier r z. Zoll, 7i. Lin. Paris, woraus ww abnahmen, daß wir niedrer wären als St. Maria, von bannen wir heute früh verreiset, 88o.Zük.Schuhe, als Foagio I2OO., Gotthard l-6o.,Altorff I§>6z. In der ersciuacion Tafel der Königlichen Gesellschaft kommen hiemit nach Markorte zzso., nach Laßmo 5982. Paris.Schuhe über das Meer überein. KsnMttr. Ehe wir von hier verreisen, müsset; wir der Rescane oder Rorn- leiter gedencken, welche vor unserm Losament anfqericht stehet, und in Pündten, Walliß und benachbarten mehrern Thälern Mnein, bey uns aber unbekannt ist. Der geehrte Leser wird diese Machine in der ersten Tafel von Criftallen, l^r. ^ abgezeichnet finden. Sie dienet dielen Bergvölckern an statt der Scheuren, stehet unter freyem Himmel, und dienet dazu, -aß an den Zwerchstangen die Korngarben aufgehängt werden, welche oben mit Schaub oder anderm Stroh bedeckt werden, bis zu der Zeit da man das Korn ausdreschen wil, da man alsdenn die Garben nacheinander ablöset, und unter freyem Himmel neben dieser Kornleiter die Drescharbeit vornimmt. D i«. Aug. Den io. August sind Wir von St. Anna dem vordem Rhein St. Giaco. nach durch die Dörfler 8r. Oiscomo, Ckiamur fortgereiset, welche Chiomut. alle der Gemeinde Tavetsch einverleibet sind, und bestiegen allgemach die Gebirge, welche das Ursern-Thal von Pündten abscheiden. Namen der In der lezten pündrner Alp rubelen wir etwas in einer Senn- MMsveiftn Hütte aus, theils unsre durstige Zungen zu erquicken, theils von den und Mach. Besitzern die Namen der Milchspeisen und Milchgefaffen zu er- ven Lepon-^ forschen, welche ich dem Milch-und Wörter-Liebhaber zu gefallen tier«. allhier beybringen wil, als eine Zugabe dessen, so von Bereitung der Milchspeisen oben im i Theil Bl. s 8. bis 6Z. bereits ist angebracht worden. Be» bös Inlett 'Jahrs.' 147 Bey Anlaß der Senken selbst, welche aufhohcn Gebirgen meine Wirthshäuser und Zuflucht sind, berichte ich den geehrten Leser, wie ich zu meiner grossen Freude ungefehr bey dem grossen Naturforscher Plinio ttitt. war. l.ib. II. czp. 47. diesen sonst Schweizerischen Namen angetroffen habe. Also schreibet er an gedachtem Orte: Line kms Venros genergnt jzmqui^am 8pecu8, qu3Ü8 in OälmLUL Orz, valio in prseceps Hisru, in quem äejeälo levi ?on bulkis l^ib.n. Lieg. z. in gleichet« Verstände bedienet. Der Läß-Ladstein, damit man den Käß beschweret/ krizppi. Das Gussygönelein, einen Löffel/ daraus gemeiniglich die Sennen ihren Gästen zu trincken geben/ uns 8cu6eiis. Der Anckenkubel oder Lire, ein Faß darin man den Butter bereitet/ pansgüs. Es wird veröffentlich dem geehrten sonderlich Sprachliebenden Leser nicht mißfallen/ daß ich ihm von diesen Überbleibseln der alten Lepontischen, Malischem oder auch Tuscanifchen Sprache, von deren wir sonsten keine Lexics (Wörterbücher) im Drucke haben, etwas/ zusammt den Milchspeisen aufgestellt habe. Verschied«« Ich bemercke bey diesem Anlaß nicht nur/ daß die Pündtnerische Gattungen Sprache ihre so verschiedne Gattungen oder visieätos hat, daß sie nerÄen sich untereinander nicht verstehen können, sondern dieses ins besonder, Sprache, welches kaum in einigem Weltbezirck anzutreffen, daß in diesen hohen gebirgichten Landen, oft in einem Begriff von wenig Stunden, ganz verschiedne Sprachen, bald die Deutsche, bald eine von den Pandt- nerischen üblich sind, welches nicht wenig zur Trennung der nachbarlichen Gemüthern selbst beytragen kan. In dem Sessiter-Thal, Vsiie Sechs, ist eine Gemeinde ?rer- meiio, welche Deutsch redet, da sonsten im ganzen Thal eine andre Sprach regieret. In dem Vsi ckOrceis, Osceisns Vsiie, redet man such Deutsch zu Bonmaer, in übrigen Dörffern aber eine verderbte Italienische Sprache. In dem Meynrhal^ xiallis Vslle, ist auch eilL des i^ozten Jahrs. 14z ein mit Italienischen Gemeinden umzingeltes Deutsches Kirchspiel. In dem Schainser- Thal, 8SX3MMN3 Vaile, so zwischen Splugen und Domleschg lieget/ ist die Pündtner Sprache üblich/ da man Hingegen bey dem Ursprung des Hintern Rheins selbst / und im Domleschg Deutsch redet. Bey dem Ursprung des Rhodans und der Reuß gegen dem Ursern-Thal redet man Deutsch / in dem übrigen Walliß aber andre Sprachen, welche bald der Italienischen, bald der Französischen näher kommen. Es vermeynt Tschudi in seiner tteiveriL /muq. und aus ihm Stumpf. k.ib. IX. czp. 2. es seyen diese Deutschen wahre Lepontische Völcker von denen Weltherrschenden Römern aus ihren Gebirgen nicht vertrieben, noch auch ihrer Sprache halber beunruhiget worden, theils damit sie nicht, wenn sie hart gehalten würden, sich des Römischen Jochs mit leichter Mühe, wegen Vortheils der hohen Bergen und engen Pässen, eutladeten, theils damit sie, die Römer, ihre Paffe über die Gebirge offen behielten, wozu fremde anderftwoHer geführte Colonien nicht so tauglich als die alten Einwohner selbst gewesen, als welche des rauhen Berglcbens gewohnt, und deßwegen mit hartem Joch nicht konten beleget werden; da hingegen andre zahmere in Liessen ebnen Thälern gelegene Völcker nicht nur sich völlig der Römischen Gewalt unterwerffcn, sondern auch die Weltherrschende Sprache annehmen mußten. Diesen gelehrten Muthmaßungen Tstbudii kan meines Erachtens eine andre in der Klugheit der Römischen Po- licey begründete Staats-Maxime nachgesezr werden, nach welcher vielleicht die Römer gut befunden, in diese bergichte Lande verschiedne Sprachen einzuführen, als ein bequemes Mittel zur Zertheilung der Gemüther selbst, wozu selbst das ungleiche Traetament dienen kan, womit sie angesehen, und in Evfersucht gegen- und widereinander verleitet worden sind. Wir reißten fort, und kamen über die Tavetfcher Gebirge, die CrlsE. ein Arm des Lrispalrs oder Rreuztts sind, in die Alpen derUrselcrn, allwo wir in zimlicher Höhe, welche wir aber nicht abgemessen, einen See antraffen, welcher sich unaefehr eine Stunde in die Länge erstrecket, und eine der vornehmsten Quellen des Reußfluffes aus-Ursprung machet, deren aber bey keinen Skribenten oder in Land-Charten ge- der RM. dacht wird. Diesem Reuß-Arm, der von Aufgang her fließet, sind wir bis in das Ursern-Thal gefolget, da wir auch vvr einigen Tagen durchpaßirtcn. Wir speisten in dem Dorff an der Marr, und A> L« bat- Hospital. Urftrn-Lhal gibt einen 4 fachen Paß über den Gvttdard. r>. ii. Aug. Zum Dorff Kealp. 144_ Vierte Berg-Helfe hatten bey unbeständiger Witterung das Quecksilber im Wetterglase in gleicher Höhe/ wie zu St. Anna, woraus wir auch eine ungefehr gleiche Höhe des Ursern- und Tavecscher, Thals abnahmen. Wir blieben aber hier nicht, sondern reißten noch des Tags durch eine schöne halbstündige Ebne gen Hospital. Es ist diß Ursern »Thal, Urlaris VM;, kaum in die zwey Meilen lang, und eine Stunde breit, aber angenehm, eben, und mit fetten Matten wol versehen, so daß es, mit denen aufangränzenden ho» hen Gebirgen liegenden Alpen, die Einwohner dreyer darinn liegender Dörffern wol erhalten kan, welche aber überdiß von dieser Creutz- Strasse, die gegen alle 4. Gegenden der Welt gehet, täglichen Nutzen ziehen. Denn erstlich gehet gegen Mitternacht längst der Reuß ein Haupt-Paß vom Gotthard gen Uri, welcher zur Sommer- und Winterszeit bald alle Tage gebraucht wird; zweytens besteiget man aus diesem Thal den Gotthard, und reiset gegen Mittag ins Lwiner- Thal und weiters in Italien; drittens kommet man gegen Aufgang in den Obern-Pundr; und viertens über die kurc» ur wallis. Die drey erstem Straffen haben wir nun innerhalb wenig Tagen mit unsern Füssen abgemessen, und was merckwürdiges dabey vorgefallen, bezeichnet; die vierte aber wollen wir gel. G. beute den n. August auch bewandeln; und diesen vornemlich zur Beschreibung der Urquellen der namhaftesten Flüssen Europens anwenden, welche wir theils bereits in Augenschein genommen, und noch weiters nehmen werden. Von Hospital hinweg reifsten wir gutes Muths durch zum Dorff und Realp, welches ungefehr eine Stunde von Hospital abstehet, und fangen von hier an den hohen Berg korca zu besteigen, welcher uns aber um so viel weniger zu schaffen geben wird, weilen wir in währendem Aufsteigen unsre Augen und Gemüther mit allerhand schönen Aussichten und vorkommenden Berg-Kräutern belustigen werden, auf die wir in allen unsern Vergreisen sonderbar acht haben, die Berge, Thäler, Alpen, Felsen re. ansehende, als so viel schöne von dem Schöpfer der Natur selbst angelegte und mit den schönsten Gewächsen gezierte Lust-Gärten. Über diß aber werden wir uns bey lieblicher Ansicht der Bcrae- groffen und Meer-grünen Gletschern ersetzen, welche dem Rhodan- Fluß seinen Ursprung geben; ja uns auf den obersten Spitzen der kurca niederlassen, um uns mit den Cristall-lautem Wassern selbst aus Tarn. c>L6 WöLLML W ^^covQ c^Msuc o4/t?c/,- (0: I7L??'SLrL nsrr^vLLe r?rc/rr7«?r^L^ «5^/rc» ^/s^Lr^ L?o^r^rr^ ^/o?r / des i-ostett Jahrs.' 14s aus den Urquellen der Reuß, des Testns, zweyer Rheinen, und Beßrer, der zu erlaben/ welche wir jezt in besondre Betrachtung sczen bu->g ver- wollen/ und damit einen vornehmen Theil der ttyciroZi-LpKi-e, oder Um der ko^rnoZrzpkiL ttelvericL, Wasser- oder Fluß-Beschreibung des Schlveirer« Gchweizerlands abhandeln. Die Reuß, Rüß, Uelz, kuls, kugz, lleull». ein in dem DieReuß. Schwcizerland mit seinem Anfang und End eigner Fluß, wird in sei- ^ v nen Ursprüngen in einer besondern Charte vorgestellet; allwo drey Haupt-Quellen zu sehen, welche ich alle mit grosser Mühe aufgesucht, und mit besonderm Fleiß durch Hülss des Compasses mit ihrein Fortgange, Krümmen und darein stressenden Bachen abgezeichnet habe. Die erste bekannte und bey allen Seribenten zu findende Quelle ist ein Berg-See auf dem hohen Gotthard, gj b.urenciro genannt, in welchen sich andre von höhern Firsten Orlmo und Orüroi» abfließende Büchlein ergieffen, so daß wir allhier nicht nur die Quelle des Wassers, sondern auch den Ursprung des Namens in diesen hohen Bergfirsten antreffen. Der See ist das ganze Jahr hindurch schwarz- grün dunckel, sehr tieff, eine kleine Stunde von den Herren Capuei- nern entlegen, und ziehet sich auch eine kleine Stunde in die Länge. Aus diesem See nun fliestet das ganze Jahr die Reuß, welche bald durch andre Bachlein gemehret wird. Also fliestet die Reuß in vielen krummen Räncken den Bergab, und kommt in zweyen Stunden gen Hospital, welches Dorff mitten im Urfern-Thal lieget. Daselbst vereinigt sich mit dieser Gotthardischen Reuß ein andrer und größrer Arm, welcher von dem Berge k^rc-t herfliesset, und anfänglich nur aus vielen kleinen Bächlein zusammen rinnet, so von ver- schicdnen Orten ab und zukezt in einen Fluß zusammen fliesten; also wol den Blut-Adern des menschlichen Leibes zu vergleichen, welche aus unzätzlich vielen kleinen fast unsichtbaren Aedcrlein endlich die grosse Hol-Ader gestalten. . ^ . Die Namen dieser Quell-Adern, oder dre in die Reuß von Sekten der kure -. fließenden Bächen sind folgende: Der Giedelen-Bach, Niederen-Bach, Mutten-Bach,z'Wlggenwassern, Fuchsegger- Bach, Lochberg-Bach, Liperstein-Bach, Weisien-Dach, Wire- Wal-Bach, Enchal-Back, Räser rbal-Dach, Groß-Thal-Bach, Reiclüner-Bach. Von Hospital fliestet diese zweyfache Reuß in einem Rklnß ük stiller Ebne bis zu dem ersten Dorff an der Mme fort, II. Theil. L ffllwo 146 _ Vierte B erg-Reise __ allwo sich mit ihro die dritte Haupt-Quelle vermischet, deren zwar weder die Land-Charte, noch die Vaterländischen Skribenten emige Meldung thun. Diß ist derjenige See in der Oder - Alp , welchen wir gestern vorbey paßirt, als wir von Pündten hieher reifeten. In diesen dritten Fluß kommen, vor dessen Einlauff in die gemeine Reuß, von andern Alpen andre Bäche herab, welche ich aber zu erkundigen die Zeit nicht gehabt, und deßwMn auch in der Charte nicht völlig ausgedrückt habe. Es hat die Reuß bis hieher sich schon zahm und wild gezeiget, wild in ihren ersten Ursprüngen über qähe Berge und Felsen herab, zahm in ihrem Fortgange durch das Ursern-Thal; jezt beginnet sie ihre ungestüme Art zu Ende des Thals noch mehr an den Tag zu legen, indem sie durch ein enges gäh-tieffes Thal über hohe Felsen und Steinklippen herab, mit schrecklichem Brausen und schäumenden Wellen, welche sich hie und da in lauter staubichte Dünste zerschlagen, bis gen Sillinen hinab fortrauschet, also daß sie fast einen einigen etliche Stunden langen Wasserfall vorstellet; gleichwol aber habe ich diejenigen Orte, da die namhaftesten Fälle sind, mit einem Creutzlein andeuten wollen. Erstlich zwar fließet sie also zu der Teufelsbrücke , und unter derselben mit rauschendem Wüten hindurch, wie in einem besondern oben bereits vorgestellten Abriß dieser berühmten Brücke zu sehen. Da indessen die Reisenden auf schmalen oft in Felsen ausgehauenen Wegen mit Forcht und Schrecken von der Schäumen ab und in die Tieffesehen, und die aneinander und an die Felsen anschlagenden in einem hohen Wasserftaube sich auflösenden Wellen hören. Bey Ge- stmen fließet in die Reuß ein zimlich starcker Bach, welcher seinen Ursprung in den Gestiner-Alpen aus den daselbst befindlichen Gletschern hat; so ergießet sich auch in die Reuß ein andrer Bach von den Bergen die gegen Aufgang liegen. Unfern von Wasen, in dem wafener-Walde, ist eine hohe über die Reuß gewölbte Brücke, deren Ansicht mir nicht minder förderlich vorkommen, als die Teufelsbrücke. Bey wafen führet der Meyenbach der Reuß mehrere Wasser zu, welcher aus den benachbarten Bernerischen Alpen herfliesset. Weiter hinab liegen an der Reusi die Dörfler Weiler, Gurnellen, wektfchlics, Im Ried. Am Srag und Sillinen, da der Rerstenen-Bach sich in die Reuß ergießet. Um diese Gegend fanget die Reuß an zahmer neben Erst- feld oder Iagmacc fortzufließen, empfanget ungefehr eine Viertelstunde _des 17s sM, Jahrs._ 147 stunde von dem Haupt-Flecken Morffdie Gchächen, so durch das Schächenthal abfließet. Endlich nachdem fle zwischen Altorjf und dem Closter Atkinghausen und Geedorff durchgefloffen, leeret fle alle ihre Wasser bey Flüelen in den iv.waldstadcen-See aus, aus welchem sie bey Lucern wieder unter dem Namen der Reuß, welchen sie vor ihrem Einfluß in den See aehabt, ausfliestet. Ungefehr eine halbe Stunde von -er Stadt unter dem zcrbroch- nen Burgstall Seollberg empfanget sie die weiß Emmar, welche in den Earlibucher Alpen entspringet. Hernach fliestet sie fort neben Radhausen, Buchrein, Eschenbach, Ingweil, Roth, Gt. Cacharina, GyslLkon, allwo eine Brück, Dieccweil, so alles bis hieher im Lucerner-Gebiet; Hünenberg im Zuger, Gebier; Rürri jin Grur, Gins, Rüßegg, Hagnau, Rickenbach itt Freyen Aemtern ; empfanget bey Maschwanden, Züricher-Gebiets, die Lo- reg; weiters hat sie auf Seiten des Zürich-Gebiets Ionen, Lunck- Hosen, Hufen, Geißhof; auf Seiten der Freyen Aemtern Aristau , Althüsern, weerd, Rorenschweil, Hermanschweil, Bremgar- ren ; unterhalb diesem Städtlein fliestet sie fort nebelt Fisehbach, Sultz, Gnaden-Thal, Srerren, Mellingen, Birmensrorff', Mül- linen, Gäbisdorff, und überaiebet endlich ihre Wasser der Aaren, unter -er alt zerstörten Römischen Stadt Wind-sitz. Der Tefln, Thesin, Il iebno, licinus, ein namhafter Fluß, welcher der Reuß entgegen gegen Mittag in Italien fliestet, er mmmt seinen Ursprung auch aufdem Gotthard von zwey Seen, welche unfern von den Capucinern liegen, und eine kleine Stunde von dem Ursprung der Reuß. Von dieser Urquelle fliestet oder laustet vielmehr -iefer Fluß zur Sommers - und Winterszeit den Berg ab, oft unter Schnee- und Eißbrücken hindurch, durch krumme Schlangen-Wege in das Liviner-Thal. Es gedencken unsre Seribenten dieser einigen Quelle des Te- Der resin. fins. Ich habe aber auf dieser meiner Berg-Reise mehrere gefunden, welche, wo sie nicht vornehmer als die Gotthardische find, doch nebst diese, so wol in Ansehung der Höhe, als Vielheit der Wassern, in gleiche Linie gesetzet zu werden verdienen. Wir wollen aber der Gotthgr- dischen zu Respect der i^lcriprion ihr Vorrecht nicht disputiren, und ihr also den Vorzug geben. Die zweyte lieget aufder Abend-Seite des Gotthards, aufdem Berge kerrine, allwo ein namhafter Berg-See tzsgo ciel Tr '148 _ Vierte Berg» Reife _ öoppo tr Lima 6sl perrine, l^3M 8oprA Is Lims 6e-lUeicine ge- nannd von welchem See ein Arm des Tesins aus und nicht fern von Airol in den ersten Tesm einstießet. Die dritte Quelle giebet auch ein Berg-See l-n§o clellz 8eiir, aus welchem auch ein Arm des Tesins durch das zitternde Thal, Valie Tremolz, ab und bey Airol in den Tesin ausfliestet. Die vierte Quelle haben wir auf dem Berge Luckmannier gesehen, an gleichem Ort, da der mittlere Rhein entspringet, allwo viel kleine Büchlein in einen Bach zusammen fliesten, welcher durch das Thal p>or» ab und bey -er Capelle 8 (^rlo j„ den Rorcomer-See, L.i,§o lli llottLm , fließet, dem auchfeine Wasser der kleinere Tomer- See, ci, Tom, übergiebet. Der erste fliestet neben koMo aus, und stürzet sich von gewaltiger Höhe ins Liviner-Thal herab, bis er endlich unter klsärsno dem Tesin seine Wasser übergiebet. Oberhalb Airol fliestet auch eine Hauptquelle des Tesins in den Tesin, welche von der Abend-Seite, aus einem See l-axo ck öeärerro genannt, herkommt, und durch Vaiie äi öenrecro abfließet. Nachdem sich also der Tesin mit vielen Wassern versehen, setzet er seinen Laust gegen Mittag fort durch das Liviner-Thal herab, und begrüßet in demselben ämbr>, üscio, allwo das große Zohlhauß, ksicto, Vfayt, kusnenAO, Oilognz, Oiornico, llivolra, pol- le;;io. da er alsdann sehr durch die Breun, so aus dem Brenner- Thale hervor fliestet, verftärckt wird. Von hier gehet der Tesin weiters fort, bis er endlich bey llino dem I-.3A0 ^ial-Ziore (^scus Verbsnus) seine Wasser übergiebet. Den Ausfluß des Tesins aus diesem grossen See, und weitem Fortgang bis in das Mittelländische Meer überlasse ich den Italienern, und verspreche indessen dem geehrten Leser nebst der allgemeinen Charte, darin« die Ursprünge der von mir untersuchten Flüssen, zu seiner Zeit auch eine besondere Vorstellung des Tesins, von seinen ersten Quellen bis zu Ende des Liviner-Thalö, wenn mir der Höchste Leben und Gesundheit giebet. Der Mein Ich fahre nun in meiner Flüß-Beschreibung fort zu dem Rhein, und dessen Rhyn, kkenm , einem der vornehmsten Flüssen Europens, welchen Ursprung, ^jxobulus und blsrisnTenus Lu-zE«, edel und rvolgeboren tituliren. Von ibm schreiben (^lar, ?roiomeus und Lcrsbo, daß er auf dem Berg Adula bey den Lepontiern entspringe. Recht so. Dieser Berg Adula, bey ätrsbone Lateinisch auch des rasten Jahrs._ 14- Mich ^U3Ü3, vjgäueiiz, genannt, hat seinen Namen von ^ciuiz, Vogler, einem der 2O. Fürsten ^lccnsr, wenn 6u- lero llXr. p-rx s. zu glauben. Er begreift >n Sensu Isnllimo. in weitestem Verstände, alle hohen Alp-Gebirge, welche sich von Savoyen her bis in Dalmatien, Crain und Sclavonicn erstrecken; in einem engern und bessern Verstand aber, m 5enlu l^riori, -je Rhätischen lliid Lepontischen Gebirge allem, welche gleichwol noch vier starckc Tag- reisen weit gehen. In diesem Verstand hat Sirabo vorn geschrieben wenn er mit ausdrücklichen Worten die Quellendes Rheins und der Adda von dem Berg Aoula herleitet, da gewiß ist, daß der Adda Ursprung im wormjer -Joche, ^UA!8 llkLlicis; daher auch 'I'lckuäius ^ieiv. ^ne. und 8im!er. domm. rie ^!pib. pZA. 102. 10z. Srradonem eines Fehlers überzeugen, als welche in dem eigentlichsten Verstände 8enlu ttriLlo, dem Ädula allein den Crispalr, da der vordere, den Luchmanmer, da der mittlere, und Gr. Bernhardm, da der Hintere Rhein entspringet, zurechnen, nach welcher Auslegung von dem Adnla das Liviner- Galancker- palenjer« Taverscher- Und Masoxer-Thal eingeschlossen wären. Es wird der Rhein seiner ersten Ursprüngen und Fortgangs Emd halber insgemein in den vordern, mittlern und Hintern abgetheilt. ^ Einige lassen den mittlern aus, und gedencken allein der übrigen. Wenn wir der gemeinen in Pündten üblichen Sprache nachgehen wollen, so finden wir nnzählich viele Rhein, gestalten -iß Orts an- znmercken erinnere, daß in der sogenannten Romanischen Sprache mit dem Namen Rhein, llNen, bald alle Bäche betittclt werden, sie mögm liegen wo sie wollen; in welchem Verstand der Rhein gar wol seinen Namen von dem Griechischen lluo. fliessen her haben mag. Von dem Hintern Rhein wil ich dißmal nichts melden, weil ich denselben nicht besucht. Es verdienet dessen Nachspürung eine . besondre Reife. Der mittlere Rhein entspringet, wie oben bereits angezeigt wvr- U'spkn"- den, aufdem Berge Luckmannier, der ein Theil ^clui«sst, vonwel-UElm, chem in das Thal Gr. Mariä viele Bächlein einerseits in einen Arm dem Lack. des Tesins, anderseits in den Rhein ab - und zusammenstießen, in den m-naier. bald noch oberhalb dem Hospital St. Mariä von entsetzlicher Höhe ein wasserreicher Bach, den wir Abends spät mit müden Beinen -urchwatten mußten, sich herabstürtzet. Ob dißder kroä-r. oder k^aci- lle-Fluß sey, dessen licKuMus und andre gedencken, daß er hernach T Z dm Der vorder« «us dem Lrispalt. DieFurcs. deren Höhe. Iso _ Vierte B erg-Reife den Namen des Rheins annehme/ habe ich nicht in Erfahrung bringen können. Das haben wir vernommen, daß des mittlern Rheins Ursprung an dem Ort da wir durchpaßirt, gezeiget werde, welcher deßwegen n orincipio ven8 schreibet Plinius inOrd- Diev.b-« nung der Berg- oderAlp-Völckern m czp. 22. l^epomios, qui Viberi vocznrur, koncem KUoctam Accolere. Es scheinet bey erster Ansicht, wir werden sie erst begrüssen, wenn wir die Furcke ab und in das obere Walliß gestiegen, denn der Rhone Ursprung in Walliß ist. Ilckuäius aber, und mit ihm andre unsrer Skribenten, sind der Meynung, l-eponüi Viberi seyen die Urseler, als welche dem Ursprung des Rhodans näher sind, denn die ersten Wallisser, wiewol, meines Trachtens , dieser Grund nicht so gar wichtig. Von dem Ursprung der Rhone getraute ich mir eher nach Unter-Wastn, in das oberste wallLsser-Dorff, als nacher Realp, so das lezte Dorff im Ursern- Thal, zu kommen. Gültiger ist ein andrer Beweggrund, den i'lcdu- cliu5 daher nimmt, daß (.«Kr. m. 6ZII. die überwundene Wattisser-Völcker mit Fleiß in der Ordnung erzehlet, wie sie aufeinander _ Vierte Berg-Reife ander folgen, ^Nlu3tes, Verazri, Lecjuni, welche lezte die Ober-Wal-? liffcr, und Besitzer-er höchsten Walliffer-Alpen sind, daselbst aber keine Meldung der I.eponriorum v-kerorum oder )ubec>rum thut, als die an gegenstehender Seite der Furcke wohnetcn. Uberdiß muthmasset I'lckuciiu«, es möchten diese Viberi oder lubsri ihren Namen von der Reuß haben, so in ihrem Land entspringe; welcher Grund aber auch auf schwachen Füssen stehet. Einer andern Meynung ist 8>mier, welcher l-'b. I. cle Vzies. p. 8. b. die Vibcros in Walliß setzet, weilen des Wodans Ursprung aufderWallisser, und nicht aufder Urseler Seite ; wiewol er p^-d- itckuäio näher kommt, wenn er sich endlich dahin erkläret, daß mit diesem Namen wol auch die Urseler benennet werden können, weilen manchmal die -iß- und jenseit eines Bergs wohnende Völcker gleiches Namens seyn können. Uns ists gleich viel, ob wir die vweros bereits heute gesehen, oder erst auf den Abend begrüßen werden. Es mahnet uns die Zeit, und vortressliche Wichtigkeit derjenigen Sachen, welche uns heute noch auf dem Weg begegnen, aufzubrechen und fortzurücken. Kaum inag man auf der Walliffer-Seite um etivas die Furcke absteigen, so siehet man auf lincker Hand in der Höhe einen, in Ansehung des folgenden, kleinen Gletscher, aus welchem ein beständiger Bach herfiiesset, dem bald andre, so von andern Orten des Bergs abrinnen, sich zugesellen, und sich nach einer kleinen halben Stunde N d?* Abendwärts unter dem grossen Gletscher verlieren, bald aber wiedrunr Furca. unter demselben hervor kommen, und mit wett mehrern von dem gros- Der Rhone stn Gletscher selbst kommenden Wassern des Rhodans Ursprung aus-, umrund, machet; wie so wol die Gletscher als des Rhodans Ursprünge in einer besondern Tafel vorgestellet werden. Wir sehen also, daß nicht nur die Furcke in Gestalt einer Gabel zweyspitzig, sondern auch der Gletscher doppelt, uud -er von ihnen herflicssende Rhodan zweyzincktcht ist. Wir bemerckcn hier, wie von dem Ursprung eines so gewaltigen Flusses die alten Natur- und Erdbefchreiber so wenig genaues gewußt. kiinius »ist. K-u. l-ib. III. csp. 4-. sagt einfältig, er stieße her von den Alpen, und ziehe sich hernach durch den Genfer-See, kho- chnum ex ^Ipibus le rapcre per I^emrmnum I^cum. Ltrabo schreibt UM etwas genauer, der Rhodan entspringe lupra ömustes Lc Vei-Ä- xros, oberhalb den Uchtläudern und Ober-Walliffern, unweit den Quellen des Rheins und dem Berg ^äula. ?oi^bius eignet der Rhone drey Quellen zu oberhalb dem Admtischen Meer, lupr» ^ 11 . «^ - 5 ^ 2 ,- F'. ^ . See Aeüre^e ^rc nn » ^t^^ie-sÄsche^üell, l 'sV V'. v °-7 -.^:?.L: .^jr- <-^-^». _ves : 70s ten Jahrs. isZ Xlzris ^UriLcici intimum 8inum. ?omponius I^Iels setzet den Ursprung dieses Flusses nicht weit von dem Jster und Rhein. Es ist anbey klar, wie so weit von der Wahrheit nicht nur xieiz, welcher den Jster und Rhodan als zwey Nachbarn zusammen setzet, abstehen, (da jener, heut die Donau geuennet, nach gemeiner Sage bey Donesching, besser aber in hohem Schwartzwaldischen Gebirgen entspringet,) sondern auch ^mmisnus, welcher den Rhodan von den poemms ^!p>bus oder grossen St. Bernhards-Berg ableitet; dem auch der sonst hochgelehrte St. Gallische Bürgermeister )o3ckimus VscUsnus, so auch r>»ülus )o- viur beystimmet, welche alle 8 imier. äe Valcs. p. i o. widerleget. Unter den Alten hat bald keiner den Rhodan in stimm Ursprung so eigentlich beschrieben, wie äiüus icaiicus: ^ggeribus Lspur ^lpinis, Le llupe nivsli kroülit in Lelrss, ingentemgue exrrskic ^mnem 8pumsnü llboäLnus proicinciens 6urgite Lsmpos am nächsten aber stimmet mit der Wahrheit und unserm selbst genommenen Augenschein TekMisnus Xlüniteruz und sok. 8lump6us über- ein, welcher t-ib. XI. csp. 4.. folgenden Bericht ertheilt: In dem BergFurcka, auf der Seite gegen Niedergang, entspringt der Rhodan; sein Ursprung wird genannt der Rhodan-Brunn, kam llkocisni, der empfangt doch sein Wasser nicht nur aus natürlichen Brunnquellen, sondern vielmehr aus dem stäken Firn und Glettscher des Gebirgs, welcher, so er nimmer gar verschmilzt oder abgehet, starig Wasser gibt. Es ist auch uns dieser Rbodanbrunn , desseuthalber Limlerus volles p. 9. b. mit 8cump6o und uns gleiche Meynung hat, vor den wahren Ursprung gezeiget worden, und deßwegen auch in der Tafel vom Ursprung des Rhodans angedeutet. Diestr Rbodanbrunn ist, gleich einer andern Brunnquelle, lauter, entspringt innerhalb einer gevierten Ruthen Beariff an dreyen Orten, stießet aber bald in einen Runß zusammen, vermischet hernach sein cristall-lauters Wasser mit den milch-weissen Glettscherwaffern, so die eigentliche Urquelle des Rhodans ausmachen. Marr hat sich nicht wenia über der grossen Kraft des Vorur- theils zu verwundern, mit welchen die Ober-Wallisser von vielen Jahrhunderten her behaftet, einem der größten Flüssen von Europa, klummi LMsrum muko lerriliiHmo, wie ihn Plmius nennet, kluvio inrer rres Lurop» msximo, Wie ihtt Vsrro bky^-6eIIio, und 5o!inc> betitelt, eine s- kleine Quelle zulegen, von welcher kaum ein Bach ll. Theil. U end- Mtschtt. Vierte Berg-Rerst entstehen tönte. Es wäre diesen Berqvölckcrn noch M verzeihen, wenn dieser Rhodanbrunrr der höchste aüfder Furcke wäre, oder andre seines gleichen neben ihm daher flössen. Aber eine kleine Brunnquell nebst einer grossen, ein kleines Büchlein nebst einem doppelten zwanzigmal grossem Bach sehen, welcher aus einem Berg-grossen zweyfachen Gletscher herfliesset, und doch jene vor den wahren Ursprung des Rhodans halten, düncket mich eine grosse Schwachheit des Gemüths. Es hatte den Anwohnern allein die milch - weiffe Farbe des Rhodans sollen die Augen aufthun, als welche von den Gletschern herkommet. Ich finde hier bequemen Anlaß, die wichtige Materie von den Gletschern, Schnee - und Eiß-Bergen des Schwerzer- lands zu verhandle«. Nicht unfein hat jener berühmte Italienische Poet -en Berg, auf welchem der Pallast ^rmiä» gebanet, in Gestalt eines Haupts, mit einem weißgrauen Bart, grünen Haaren, und Kleidern, umstreuet mit Schnee, Reisten und vielfarbicht von Blumen, vorgestellet: - - - - l)i dlevi e cli pruins Lparie oZm 8rrz6a, ivi Na pol 6ori eil Uerb» prollo gl canuto menro, il vercle crine krcmcleAgis, e'ltzkisccio beäe s i gigli kerb» Lr a le Koke renere. Ein schönes Contrafait unsrer Schnee-und Eiß-Gebirgen, bey welchen man ganz nahe in den grünen Alp-Weyden die weissen Berg- Lilien und purpurfarbichten Alp-Rosen stehet blühen. Eine Berg- Geschichte, welche nicht weniger Belustigung in unsern Augen, als Bewunderung in unsern Gemüthern erwecket. Es hat dieses weisst Winterkleid, mit welchem unsre Gebirge auch mitten im Sommer beleget find, kettus, ein alter Römischer erzmmslicus, so hoch bewundert, daß er auch damit sein Wörterbuch hat auszieren wollen, und das Wort ^>pes, Alpen, von dem weiß glänzenden Schnee, der immer aufihnen lieget, hergeleitet, weilen auch ehemalen die seiner sipum genennet, was die Lateiner nachmals ausgedrücket durch »ibum, weiß. Von denen Kückemirjschen Schnee-Bergen rühmen die Unterthanen des Groß-Mogols, welchen fievor allen andern Welt-Monarchen aus, einen Nönlg der Römgreichen der Welt nennen, daß dieselben seine Crone ausmachen, so die allcrkostbarste sey in der Welt, mit lauter Diamanten zugespitzt, und mit Smaragden rmgsweis _ -es lösten Jahrs. r <5 umleget, wie hieven kemier Vo^zZe cie Lscliemire p. I4Z. zu lcscir. Das können auch wir Schweizer von unsern Schnee-Bergen rühmen, daß sie eine kostbare Crone unsers Haupts und Lands seyen. Uns dienet zum Nutzen, was jener bey Oawiio oa. 64. vor ein Unglück Men. gehalten: - - ^6 IclL rewli dlemo» lleNem I^r spuö d^ivem, Lr kerarum 8tgbu!A forem. Wir rühmen, so hoch wir können, die grosse Güte des Schöpfers gegen uns, daß er uns in solche Berge gesellet, und halten dieselben vor einen wolversehenen Schatzgehalter aller zu unserm Leben nöthiger Gütern. Ich wil mich nicht damit aufhalten, wie die alten Römer und Griechen mit so groß ersonnenem Fleiß getrachtet den Schnee in den Hölcn der Erde das ganze Jahr durch zu behalten, um damit ihre Geträncke in der größten Sommerhitze zu erfrischen, welches anjezo in Italien noch hoch gehalten wird, sondern einen Liebhaber der Italienischen Natur-Geschichten hierüber seine Gedancken walten lassen. So auch würde ich mich selbst in Abwege leiten, wenn ich nach der unnöthigen Länge den vielfältigen Nutzen des Schnees in -er Arzneykunst und andern zum Behufs des menschlichen Lebens nützlichen Wissenschaften erzehlen folte. Wer hieran ein Belieben trägt, dem rathe ich den gelehrten Tractat ksrMoiim cie Nivis Ulu zu lesen. Gnug ist zu gegenwärtigem Vorhaben, wenn ich sage und zeige, daß von dem aufhohen Alp-Gebirgen liegenden und erhärteten Schnee die Bergweyden oder Alpen, und die tteffere zwischen den Bergen liegende Thaler ihre Fruchtbarkeit herholen, und auch die Brünnen, Bäche und Flüsse ihren Ursprung, folglich die Pflanzen und Thiere ihre Nahrung daher leiten. Wer nur ein wenig in der Chymie erfahren, oder nur einmal ein Wasser oder Oel aus den Kräutern hat brennen oder -estiliren gesehen, dem ist bewußt, daß oben auf den Hut des kupfernen Helms kaltes Wasser geschüttet, oder daß des Helms Rohr durch ein mit frischem Wasser angefülltes Faß gezogen werde, damit die aus dem Hafen aufsteigende Dünste sich in Tröpsiein sammlen. Ein solcher Kühlhelm sind die mit Schnee und Eiß belegte Spitzen unsrer Berge; wären diese nicht, so würden die aus dem Eingeweide der Erde durch die holen Gänge der Bergen aufsteigende Dünste aller Orten durchbrechen, und in freyer Luft verstiegen, folglich weder Brünnen noch Bäche und Flüsse entspringen, und unsre Berge und Thäler theils aus Mangel des Wassers verdorren, theils von grosser Kälte erstarren. Nicht nur aber dienet diese U 2 Schnee- N6 V'ette Verg reife_ Schnee- und Eiß- Kälte zu Hinterhaltung der sonst ausfliesenden Wassertheilen, lmd Sammlung derselben m Brünnen und Bäche, folglich auch zur Nahrung der Pflanzen; sondern es wird die zum Leben der Gewachsen und Thieren nöthige Erdenwärme durch solche aufliegende Kälte, und überdiß noch unter Begleit beständiger Windem zurück gehalten, daß sie nicht leicht ausfliege, sondern vielmehr zurückgetrieben in die Mnndlöchlein der Wurzeln mit desto grösserer Kraft eindringe, und die Bläßlcin der Pflanzen auftreibe. Fraget uian nach den Ursachen, warum der Schnee auf hohen Gebirgen ewig bleibe, da doch dieselben ihre Spitzen so hoch in die Luft erheben, daß sie von den Sonnenstrahlen allezeit können beschienen werden, vbvjj lurZemj Ukoeko? Ein in der Natur-Wissenschaft unerfahrner kan sich darein nicht richten, indem er vermeynt, daß diejenigen Cör- per, so der Sonnen am nächsten, auch von derselben eine mehrere Wärme selten zu gemessen haben. Es begegnet aber diesem Einwurff Lenec» !_ib. IV. d^Lmrzl. <)ursiion. da er zeiget, daß die Höhe der Bergen keine Proportion oder Gleichmaß gegen dem ganzen Umcreyß der Erde habe, wil geschweige« gegen der unglaublichen Weite der Sonne von der Erde. Ein Schul-Lehrer, dem die bekannte Aristotelische Eintheilung der ganzen Luft in drey unterschiedliche Quartiere im Kopf stecket, wird bald sagen, ihm kommediese Gegenwartdes Schnees aufhoben Gebirgen nicht fremd vor, weilen dort die mittlere Luft, so von Natur kalt, und eine Behausung der auch kalten Wolcken sey. Es mag aber auch diese Vernünftelung keine scharffe Probe ausstehen. Besser urtheilet hievon obbenennter weise §eneca, wenn er an angezogenem Ort schreibet; äerem, czuo eciilior eil, sinceriorem pur,o- remcjue esse, irsque 8nlem non rerinere, seä velur xer inane rrsnsmi» rere, illcogue minus cäleUeri. »Itiorg I.ocs> MAgis perllari, geprells minus L Venus verberari. Aber auch diß schmecket Nach der Undeutlichkeit der alten Natur-Weißheit. Wir fassen die Sache also : Erstlich ist zu wissen, daß auf hohen Gebirgen beständig eine ftarcke kalte Luft bläset, welche, wie sie die Zeugung des Schnees befördert, alfv auch die Schmelzung desselben hemmet. Daher auch die Alpen bey den Poeten folgende Zunamen bekamen: vemol«. gelicl«, m» voüe, borricl«, nubigen«, qu« dlive perpcms?rigoribusque rigent. Der grosse Aristoteles selbst hat hierüber seine gute Gedancken, welche aber seine Lateinischen Ausleger, wegen Unwissenheit in der Griechischen Sprache, nicht verstanden haben. Das zweyte oder mittlere Luft- öes ryasten Jahrs/ rfzf Lilftguartier setzet er dahin, § xq^^-v F/-- ---o k»? «^«vec s.^>cE5, Deutsch, wo die Sonnenstrahlen aufhören, nemlich, die Lnftsphere empfindlich zu erwärmm, weilm fie fich dort allzuweit von einander öffnen. Diß ist zu verstehen von denen ein - und zurückfallenden Strahlen, welche, je näher fie bey der Erde find, je naher oder enger fie stehen, und desto kräftiger das, was ihnen vorkommt, erwärmen, je Wetter fie aber von der Erde, je in grossem Winckel fie stch öffnen, und desto gerinaere Würckung ausüben können. Wer weiß nicht, daß die Weinreben und andre Gewächse an einer gegen der Sonne stehenden Mauer eher zur Zeitigung kommen, als in freyem Felde, weilen nemlich dort die ein - und zurückfallenden Strahlen eine merckliche Wärme verursachen, und gantz spitzige Winckel machen. Iezt wenn wir qedencken, wie die niedern Theile der Bergen, und sonderlich die Thäter nicht nur von den geradenweg- auf fie von der Sonne einfallenden und zurückprellcnden Strahlm, sondern von unzählbar vielen andern getroffen werden, welche nach den Regeln der Zurückprellunq von den Scitmwänden der Bergen zurück und in das Thal geworffen werden, so werden wir uns nicht vermindern, wenn eine sehr empfindliche und den Schnee bald auflösende Warme, von so vielen durcheinander schleifenden Strahlen, entstehet. Auf den Berg-Spitzen hingegen haben wir allein die einfach einfallenden und also auch einfach zurückprellcnden Strahlm, welche nicht kräftig genug find, den gefallnen Schnee in einen Fluß zu bringen; um so viel mehr, wenn wir, wie wir sollen, dieser Ursach annoch die beständigen Winde und immer an den Bergen klebende Wolcken beyfügen, welche gleich einem kalten auf den Helm des Brennhafens geschütteten Wasser die Dünste in Schneeflocken verwandle». Es ist endlich -er Unterscheid der Luft - und Dunstkugel, wie fie an hohen und treffen Orten ist, nicht mit Stillschweigen zu übergehen; hier in den Thälern ist die Luft von schwer aufliegendem Gewichte sehr zusammen gedrücket, und folglich viel tüchtiger alle stößigen Cörper in und ausser unsern Leibern in mehrere Bewegung und Wärme zu bringen, als die auf hohen Gebirgen, welche in grosser Dünnung stehet, ihre Schnellfederlein freyer öffnet, und folglich eine geringere Kraft in unterliegenden Schnee und Eiß, ja auch m die stutzigen Säfte der Thieren und Pflanzen ausübet. Von dieser Betrachtung ist meines Bedünckens sonderlich die Ursache herzuleiten, warum der Schnee eher in niedrig liegenden, aber ebnen Landen wie die Niederlande find, als auf hohen Bergen schnalze. Nun -778 __Vierte Berg-Reise Nun komme ich zu der» Eiß-Bergen des Schweizerlands, welche eins der vornehmsten Naturwundern, so sich in unsern Landen sturen, ausmachen, und deßwegen aufs genaueste beschrieben zu werden verdienen. - - - - Olacies Nie Xlatris ab alvo Lxcipir, Lr teneros clorar in knZoris ^rcus Vierte Berg - Reife Berge selbst in unserm Schweizerland zeigerr, welches denn die Viele und Grösse der Ratur-Wundern unsers Lands bekräftiget. Gleichwie aber alle Abgötterey bey den, einfältigen unwissenden Pöbel eher als bey den Gelehrten Platz findet, also gehet es auch hier. Die Bewundrung, so als ein in unsrer Einbildung ausgerichtetes Götzenbild anzusehen, verliehret ihr Ansehen nicht wenig bey denen, welche mit offnen, das ist, von dem Glanz der Natur-Wissenschaft beleuchteten Augen unsre Gletscher oder Eißberge ansehen. Diese liegen also zwischen hohen Bergen eingeschlossen, daß fie von der Sonne gar nicht oder wenig können beleuchtet werden, oder so hoch, daß sie die Sonnenwärme, aus oben gegebnen Ursachen, nicht kan auflösen. Gemeiniglich siehet man die Fern-Stöcke an derjenigen Bergseite, welche gegen Mitternacht siehet, und die mittägige Sonne nie»nalen geniesset. Es soll uns denn nicht fremd vorkommen, wenn die mittägige Seite, so von der Sonne mag bestrahlet werden, von Schnee und Eiß befreyet, schön grün und fruchtbar ausstehet, also zu einer Zeit einem, der durch ein mit solchen Gletschern besetztes Thal reiset, einerseits der angenehme Sommer, anderseits aber ein trauriger Winter vorkommt. Von der Gletschern Weite, Grösse, Höhe, Länge und Gestalt läßt sich nichts gewisses schreiben, weilen sie, nach Beschaffenheit des Orts, verschieden sind. An etlichen Orten kleben sie an den Bergwänden hie und da in Gestalt grosser Felsen, anderstwo aber stellen fie ganze etlich ioo. Schuhe hohe, lange und breite Berge vor. Merck- würdia ist ihr Zu- und Abnehmen, da die Aelpler sich bereden, daß sie 7. Jahre zu - und gleich so viel wiedrum abnehmen. Solte dieses wahr seyn, so könte es einen Vorzeiq der Jahrs-Witterungen an die Hand geben, wie sie beschaffen, weilen das Zunehmen der Gletschern «ine mehrere Jahrs-Kälte, das Abnehmen hingegen eine grössere Wärme zu seiner Ursach hat. Hievon aber habe ich noch keine Gewißheit. Das ist gewiß, daß die Gletscher m korms 8rr->rorum, La- gerweife in die Höhe wachsen, also daß der den Winter über aufden Gletscher aefallne Schnee bey ankommender Frühlings- und Sommerwärme erstlich verschmilzet, bald darauf aber in Eiß verwandelt wird, da denn die untermischte irdische Theile sich an den Boden des neuen Kran sencken, und einen schwärtzlichten Strich formiren, welche Striche p^aiiei übereinander also stehen, daß man daraus, gleich als aus denen sogenannten Jahren der Bäumen, von dem Alter urtheilen karr. Das des Kosten Jahrs. i6i Das Wesen der Gletschern ist Eiß, und bleibt Eist, bis es wie- drum zu Wasser wird. Welches wider diejenige wahrzunehmen, welche vorgeben, oder sich einbilden, daß dieses Berg-Eiß endlichst) erhärtet werde, daß es seine Eiß-Art ablege, und zu Stein werde, woraus denn der irrige Wahn von den Cristallen gekommen, daß deren Materie anders nichts als ein verhärtetes Eiß sey; wovon zu andern Zeiten ein mehrers. Wahr ists, daß dieses Eiß harter als ein anders, und langsamer zerschmelzet, aber falsch, daß es jemalen zu Stein werde, k.mier in obangezognem Ort schreibet den Gletschern eine solche Reinigkeit zu, welche nichts fremdartiges und unreines zulasse, sondern alles unsaubre, als Stein, Sand und Erde von sich ausstosse. Wenn dem also, so lieget die ehrlich-gesinnte Beschreibung der Kälte bey daß sie Longregseio NomoZeneorum Le No leroxencnrum , eine Sammlung gleicher und fremdartiger Theilen sey, über einen Haussen, und könten unsre Aelpler wider diesen grossen Mann aus dieser Erfahrung, die sie haben, viel mehr schließen, die Kälte sey die Wärme, oder Longreg-ilio bomogeneorum, Lc 8e- tzrexrcio NeccrotzenLorum, eine Sammlung gleichartiger, und Scheidung ungleicher Theilen. Wenn wir aber die Sache recht besehen, so wird sich finden, daß weder Aristoteles recht hat, noch die Aelpler. Jener nicht, weilen diese Oellnruones, ob sie wol an steh selbst wahr wären, das Wesen der Kälte und Wärme nicht ausdrücken. Diese, weilen sie deß Titul cie kHl.>ciis aus keiner andern ^ c, als die in ihrem eignen Hirn gewachsen, gestudirt; sie sehen etwas, und wissen nicht, woher es kommt. Sie sehen mit Augen, daß die Gletscher sich von Jahren zu Jahren vergrößern, und ihre Gränzen immer weiter fortstrecken, so daß, zum Exempel in dem Grindelwald, ehemalen an einem gewissen Ort eine zu Ehren der H. perroneiiX gewidmete Ca- pelle gewesen, wo jezund ein tieffer Gletscher lieget, und also auch die schönsten graßreichen Alpen mit ihren Hüttlein nach und nach bedecket, ja mit vieler Erde, Sand und Stein fortgestoßen worden, daß dieser Gewalt auch die größten Felsen nicht widerstehen können. Diß alles sehen die Aelpler mit einer einfältigen Bewundrunq, und halten solche Felsenrückung vor eine Säuberung der Gletschern, da aber doch eine andre Ursache darunter stecket. Dasjenige Wasser, welches von hinter, der Bergen abfließet, oder in der, Eißspälten selbst sich stecket, brauchet einen weiter,, Raum, wenn es zu Eiß wird, (Wiedenn alles Eiß grösser ist, als das Wasser, aus dem es entstan- ll. Theil. T den, i6r _ Vierte Berg »Reise _ den, und deßwegen obenauf schwimmet) drücket derohalben den ihm vorstehenden Eißhauffen, stößet dasselbe, und mit ihm alles, was im Wege stehet, mit solcher Gewalt fort, daß nicht nur die größten vorstehenden Felsen zu weichen gezwungen werden, sondern die Eiß- Berge selbst mit grossem Knall zerspalten, und Liesse Schrunden werfen, welche denen, so darüber reisen, höchft-gefährlich sind; und auch aus einer andern Ursache entstehen können. Wer in heutiger Natur-Wissenschaft nur ein wenig geübt ist, dem ist bekannt, wie die Luftkugel zu Sommerszeiten und das ganze Jahr hindurch bey vorstehender Witter-Aenderung sehr dünn, und an ihrer schweren Drück- kraft nicht wenig geschwächet ist. Wenn denn bey solcher Beschaffenheit der äußern aufliegenden Luft die innere in den Bläßlcin des Berg-Eises (darinn sie häuffig auch mit Augen zu sehen) enthaltene und dabey zusammen gedrückte Luft ihre Ausdehnkraft oder kl-uticUXr ausübet, geschiehet das mit solcher Gewalt, welche auch die dicksten Eißfelsen zerspalten mag, auch unter erschröcklichem Knall; wobey wir denn, gleich als im Vorbeygehen, lernen können, wie die größten Bcwegkräfte der Natur von den kleinsten Cörperlein ausgeübet werden , wie hier Bera-grosse Eißklumpen von den schwachen Schncll- federleiu der Luft, anderstwo die dicksten Holtz-Läden und Bretter von den zwischen ihre Zäserlein sich eindringenden Wasserdünsten. Hieraus ist zu sehen, daß die donnernde Zerspaltung der Gletschern von dem krachenden Eiß auf überfrornen Seen zu unterscheiden ist; dort ist das Fundament die Ausdehnung der innern und Schwächung der äusser« Luft, hier aber wird die innere in den Löchlein des Wassers enthaltene Luft in die Enge und näher zusammen getrieben, und übet die äussere ihre Drückkraft mit solcher Gewalt aus, daß die Eiß-Tafel an einem oder vielen Orten zerspalten muß, gleich wie bey einer Luft- Pompe, änriis pncum-rica, die blosse äussere geftärckte Luft die Glaser entzwei) drücket oder in Stücken zerbricht. Wer bey den Gletschern vorbey reiset, der hat sich wol vorzusehen, daß ihm die von ausgedehnter innern Luft auseinander getriebne und zerbrochne Eiß-Fel- senftücke nicht auf die Scheitel fallen. Es ist diß eine seltsame Art Minen, so ohne Pulver zerspringt, wie denn solche mit grossem Schrecken jene Holländer erfahren, welche in ihrer Schiffahrt nach Novz Lembiz ein Stück Eiß von 82. Schuhen unter dem Wasser, und 16. über demselben, angetroffen, welches plötzlich den io. August, um welche Zeit auch sonderlich unsre Gletscher brüllen, in mehr als 422. des i-ssten Jahrs._ i6z 422. Stücke zersprungen, so daß sie vermeynt, es müsse alles zu Grunde gehen. Es hat hierüber der gelehrte und wolberedte Jesuit Daniel Barroli in seinem 1 rsN. äel Okisccio. p. m. 97. nicht unfeine Gedancken. Nun wende ich mich zu Benennung derjenigen Orten des Schweizerlands/ wo die Eiß-Felsen oder Berge, Gletscher und Firn genannt, anzutreffen. Im Grindelwald, Berner-Gebiets, sind sonderlich zwey berühmte Gletscher, der einte und kleinere hinter Incerlachen , liegt zwischen zweyen Bergen Eiger und Merrenberg , hat an seinem Rücken oder gegen Mittag den hohen Schneeberg Fieschh-rn ; der andre wird gemeiniglich und vor andern aus der grosse Gletscher ge- nennet, füllet das zwischen zweyen hohen Bergen Merrenberg und Schreckhorn oder wcrrerhorn liegende Thal aus. sDer grosse Gletscher bey dem Ursprung der Aar erstrecket sich bis in den Grin- deiwald io. Stunden weit.^ Von diesen Gletschern hat Räbmann von Bergen p. 20 r. folgendes gesprochen: Bey perronell am Berg fürwahr, Ein grosser Gletscher hanget dar, Hat gantz bedeckt dasselbig Ort, Mir Häußren muß man rücken fort. Der Mettenberg an obrer Seit' Darauf das Schrickshorn seht man weit, Hat auch sem Weyden b'sonderbar. Der ander Gletscher obenhar, Der noch der grösser ist im Land, Darmir würckt Wunder Gottes Hand. An diesem Gletscher hoch aufgabt Das werrerhorn mit seinem Grac Darhinter in dem HaßlbLand, weil da die Thal zusammen gand, Ein Gletscher auch da hanget hin, Mir seinem Brülen hört man ihn. Ein mehvers ist bey kterian lopogrspb. Uelv. p. 26. ^aZner. Ulll. blsr.«siv. rch. zusehen; und sind curieusen Liebhabern die Gemählde sonderlich anzurühmen, in welchen der berühmte Landschaften-Mahler Hr. Felix Meyer von Wittterthur die von ihm selbst nach der Natur gezeichneten Grindelwaldischen Gletscher vorstellet. X 2 An i§4 Vierte Berg, Reis?_ An den Wänden der Bergen Gcheideck und Bändern sind auch Gletscher zu sehen. In dem UrnelEebiete sind auch Gletscher auf windgällen, Rinder-Alp-Srock, Beistenberg, und Geschiner-ettpen. So auch in den Gurenen-Alpen, welche theils den Urnern zuständig, theils dem Gottshause Engelberts angehören, und aufdem hohen Tirrllsberg< Engelberger Herrschaft. ' In pündren , wo der Hintere Rhein entspringt, ist ein Gletscher, darüber man zwey Stunden der Länge, und eine Stunde der Breite nach zu aehen hätte, die Höhe ist an vielen Orten mehr als 2. oder z. Kirchen-Thürme, und mag er Sand und Felsen eines Hauses groß wegtreiben. Er ist so glatt, daß die Gemßthiere theils wegen-er Glätte, theils weaen der treffen Spülten sich nickt darüber wagen, sondern sich von den Jägern eher dabey erschieffen lassen. Dieser Gletscher langet bis ungefehr anderthalb Stunden an das Dorff Himer.Rhem genennt. Auf dem Berge Ribhalpen ist auch ein hoher aber nicht weiter Gletscher. In dem Bergellerthal , auf dem hohen Berg I> cli Dosn genannt, ist ein Gletscher, aus welchem ein Wasser fließt, das hernach den l-Ago 6 i voan ausmachet. In Engadin ist auch ein Gletscher Hettschiel genennt. Weiters bey T am ins und Taveesch, nach dem Zeugniß Hrn. v. und Stadt-ArzteS von Muraltm kmi. irrnKÄ. ,669. PAZ. rtO. Im Walliffer-Lande ist auf dem Berg 8>ivio, (der sonst auch Zilvius, ktolr, Austelbera, und vor andern aus -er Gletscher genennt wird,) ein ewiger Firren, der nimmer zerschmelzt, bey 4. Italienischer Meilen breit, darüber man Sommerszeit zu Pferde und Fuß aus dem Ober-Walliß in das Augstthal wandelt. Zu oberstindem Walliffer-Lande, unweit von den Gränzen des Ursern Thals, jenseit der Furca, sind zwey namhafte Gletscher, welche (und nicht eine kleine lautere Quelle, die von den Anwohnern aezeiget wird) den Ursprung des Rhodans ausmachen, der obere ist kleiner, der untere aber grösser. Von selbigen habe oben ein meh- rers gemeldet. In der Grafschaft Gargans in dem Thal Lalfeusen sind auch Gletscher, re. Ehe des ,705 ten Jahrs. 16s Ehe ich diese Materie von den Gletschern verlasse/ finde ich mich schuldig/ noch etwas von deren Nutzen anzudeuten/ icbwil zwar nichts von dem melden/ daß sie/ gleich dem Schnee/ als Kübl-Helme anzusehen seyen/ welche die aus den Bergen aufsteigenden Dünste verdicken / und von völliger Ausrauchung Hinterhalten/ noch auch von dem/ daß fiedie unterirdische Wärme zurückhalten/ damit fie nicht verfliege/ noch auch von dem/ daß sie der namhaften Flüssen , als der Rhone/ des Rheins re. und gar vieler beständig fließender Bächen Ursprung find, sondern allein von dem Trinckaebrauch ihrer Wassern. Wer solte meynen/ daß die von zerschmelzten Gletschern abflies- sende Wasser die köstlichsten und gesundesten unter allen Wassern de- Schweizerlands wären? Eine seltsame Sache. Man förchtct steh, und nicht ohne Ursache/ in grosser Sommerhitze/ oder bey schweif- sendem Leibe/ vor einem Trunck kalten Wassers/ weilen die Durch- dämpfung des Leibs/ so-annzumal starck ist/ sich plötzlich hemmen, und das Geblüt in seiner Bewegung still stehen kan. Wir selbst haben bald alle Jahre traurige Exempel von Vergreisenden/ welche in ihrer grossen Müdigkeit ganz durstig fich bey eurem eristall-lautem Brunnen niedersetzen/ und etwan dabey einschlaffen, aber nimmer wieder erwachen; oder von andern/ welche fich eine Heiserkeit an den Halß trincken/ auf die hernach eine Schwindsucht erfolget; oder von andern/ denen die zugezoane unordentliche Geblüts-Bävegung allerhand Fieber und (Kettenstiche erwecken. Wer dergleichen Exempel lesen Wil/ der findet fie bey ^lallinicr cie geliäi ?otus ^bulu. ^nton. perlio rle poru csliäo csp. 12.»z. Lckenk. Obs. s.ib. III. obs 44. Ist ein lauterer Trunck kalten Wassers so gefährlich/ so wird man sich desto mehr vor dem Schnee- und Eißwaffer zu hüten, ja selbige zu fliehen haben, wie die Pest! Ich gestehe, daß diese Gründe allein mir allen Muth benehmen, etwas von den Gletscherwaffern zu versuchen, und ich lieber Lust habe meinen durstigen Mund und Leib Wetters fortzutragen, als mich durch einen solchen Trunck in Gefahr meines Lebens zu ftürtzen. In diesem Fall lachen unsre Alpenbewohner aller unsrer Vernünftelungen, und trincken Hertzhaft allen fremden Gästen solche milchweiße Gletschcrwaffer zu, versichern auch aus langer Erfahrung, daß diß die gesundesten Wasser von allen, und man davon trincken könne, in nüchtern oder vollen Magen, so viel mau wolle; hierdurch habe ich auch mich bereden lassen, und bezeuge aus eigner Erfahrung, daß ich mit grosser Lust , ohne einigen darauf erfolgten X s Scha- i66 Vierte Berg, Reise _ Schaden, von dergleichen Wassern zimlich viel getruncken, und in meinen Berg-Reisen die Firn-Wasser mir endlich als so viele Kraft- wasser vorkommen, von welchen ich selten weggegangen, ohne meine matten Glieder dadurch zu erlaben. Diesem Narzäoxo pt^tico habe ich mehrmalen nachgesinnet, und folgende Muthmaßungen abgefas- set: Ein kalter frischer Trunck Wasser ist nicht nur uns Menschen, sondern auch den unvernünftigen Thieren, hiermit allen mit einem lebenden, beweglich- und empfindlichen Kunst-Leibe versehenen Geschöpfen von Natur angenehm. Die neun ersten Monathe unsers Lebens ernähret uns das warme Mutterblut, so bald wir aber aus Licht kommen, sehnen wir uns nach frischem Wasser. Es beliebet dasselbe nebst dem Nutzen die Annehmlichkeit, welche lcztere einige Europäische sonderlich gegen Mittag liegende Völcker so weit getrieben, daß sie die Kälte der Trüncken auf den höchsten Grad, zu eignem Schaden, treiben, und in der größten Sommerhitze sich in C-chnee- und Eißgruben belustigen, auch allerhand Arten ersinnen, das gemeine Wasser oder den Wein in denselben zu erkälten. Es wird das kalte Wasser von jedermann vor das beste Mittel wider den Durft angesehen, von den Arzneyverständiaen aber insonderheit den Gallsüch- tigen beliebt, erwachsnen eher als jungen, Männern eher als Weibern, in allerhand hitzigen Kranckheiten, Fiebern, Entzündungen, Kopfschmerzen, hitzigen Mägen, Blutflüssen, Erbrechen, Durchlauff, und vielen andern Leibs-Gcbrechen, äusserlich angelegt, oder innerlich getruncken. Wir wollen kurz sehen, wie das kalte Wasser in unsern Leibern würcke, und daraus unsre Schlüsse auf gegenwärtige Materie von den Gletscherwaffern machen. Ein frischer kalter Trunck Wasser würcket in die Feuchtigkeiten, welche er antrift, oder in die Zäserlein derjenigen Theilen selbst, welche er vorbey paßiret. Sind die im Magen oder Gedärmen anwesende Feuchtigkeiten scharff, saur- etzend, oderaallicht, wie sie denn selten oder niemal ohne solche sind, iö thut das frische Wasser treffliche Dienste, indem es dieselben dämmet, temperirt, ihnen ihre Schärffe benimmt, und deßwegen oftmalen in dem Gallengrimmen und sonsten den Gallsüchttgen gute Dienste leistet. Wenn hingegen viel zähen Schleims vorhanden, so ran das Wasser mehr schaden als nutzen, oder so es zu sich genommen wird, muß es mit andern schichten oder gewürzten Speisen und Ge- träncke begleitet werden, damit dadurch die Schleimrigkeiten aufge- lößt und abgeführt werden. Kommt das kalte eingenommne Wasser des 1725 ten Jahrs. rFy durch die Milchadern ins Geblüt hinüber/ so wird es alle allzustarcke Bewegung desselben hemme«/ die im Aast begriffne sonderlich flüchtige Theile besänftigen/ und von gänzlicher Ausrauchung durch die Porten der Schweißlöchlein zurücke halten/ die Schärffe mildern, und in Kraft seiner Schwere durch die ordentliche Harngänge ausführen. Die Zäsern so rvol der Speisröhren als des Magens und Gedärme werden bey Ankunft -es kalten Wassers auf eine höfliche Weise erschreckt oder zusammen gezogen/ folglich geftärcket/ weilen die Geister selbst/ so sich in ihnen aufhalten/ in die Enge getrieben/ ihre keltische Beweakraft besser ausüben können. Hierdurch werden die Speisen besser von dem Magen umfangen und gckochet, und können alle Gedärme die in ihnen sich aufhaltende nutzbar- oder verwerffliche Feuchtigkeiten leichter forttreiben und ausführen; die vorher offen qe- standne Löchlein der Drüsen werden in so weit geschlossen/ daß sie ihre Säfte nicht mehr so häuffig von sich geben, und auch das Geblüt nicht mehr so leicht seinen Durchbruch durch dieselbe nehmen kan. Absonderlich mußjezt-beschriebneWürckung von demGletscherwaffer erfolgen, weilen sich unter denselbigen häuffige auch ins Gesicht fallende Stücklein Eiß befinden, welche mit würcklichcr Kälte an die Zäserlein und zwischen ihnen liegende Drüßlcin ankommen; und sich also nicht zu verwundern ist, wenn die Anwohner der Alpen in Heilung der rothen Ruhr sich mit Nutzen des Gletscherwaffcrs bedienen, wozu auch eine subtile weisse Erde etwas helffen mag, welche jezt-benannte milchweiße Eißwaffer gemeiniglich mit sich führen, als welche die Schärffe der etzenden Feuchtigkeiten zugleich vortrefflich mildern kan. Wem die Zusammenhaltung und Correspondenz aller spaunaderichten Theilen des ganzen Leibs bekannt ist, der soll sich nicht verwundern, wenn von einer durch Mittel eines einigen kalten Truncks geschehener Zu- sammenziehung der Speisröhren- Magen- und Darm-Zäsern der ganze Leib augenblicklich erfrischet und gestärcket wird. In Betrachtung dieses altes fraget sich nicht unbillich, ob nicht die ^ecijc, auch in den hitzigen Fiebern freygebiger gegen den Patienten, in Zulassung eines frischen Truncks Wassers seyn können? 8 enecL muß diese Waft serlust auch empfunden haben, weilen er Epist. 78. die Patienten vor unglücklich hält, denen nicht erlaubt ist ai Kelco zu trinckcn. o m- kelicem ^grorum! guare, yuis non Vinc» I^ivem cliluic, quia non lli- scrrem ?orionis luse, qusm capsci 8c;/pl>o milcuit, renovsr krsLla in- luper Olscie. Diese Reeommmdation der Malten Geträncken ist nicht 168 Vierte Berg-Reise nicht dahin gemeynt, daß sich dadurch die Liebhaber von ihrem warmen Thee- und Caffeetrincken abschrecken lassen, welchen lch meines Orts wol erlaube, ja selbst cinrathe, mäßig und mit Vernunft, fortzusetzen; anbey aber anzeige, daß sie durch unmäßiaen Gebrauch desselben ihre Gesundheit völlig werden zu Grund richten. Gestalten die in unsern Helvetischen Landen je mehr und mehr einreissende LAssee-vebrmcKes die Zäsern des Magens schwachen, dessen Saur- hcbel verderben, viel Gallen und Bläste pflanzen, das Geblüt entkräften, und sich also zu Blon- oder Dunstigkciten und allerhand Verstopfungen den Weg bahnen. Wie auch ein übermäßiges Thee- trincken das Geblüt und Geister in allzustarcke Bewegung setzet, und die allgemeine Leibesküchc, den Magen, verderbet. Nunmehr, nachdem wir diese Natur-Wunder, die Gletscher, genugsam betrachtet, ist es Zeit unsern Marsch weiters fortzusetzen, damit wir, nicht verspätet, zu rechter Zeit ins Nachtquartier kommen. Weilen der Weg den wir zu wandeln haben, immer dem Rhodan- Flusse auf der Seite gehet, als finden wir bequemen Anlaß, denselben mit allen seinen Räncken, so weit wir kommen werden, eigentlich abzuzeichnen, und in eine besondre Charte zu bringen, welche vielleicht zu seiner Zeit auch das Licht sehen möchte. Dißmal wird sich der geehrte Leser mit einer Philosophisch-Geographischen Beschreibung des Wallisser-Lands vergnügen, welcher ich auch diejenige merkwürdige Sachen, die mir, als einem Naturforscher, sonderlich vorkommen, untermischen werde. Die Rhone. So bald die Gletscher-Wasser sich mit der kleinen Brunnquelle des Rdodans vereinigt, ftürtzet sich dieser namhafte Fluß, den die Wallisser gemeiniglich Rorren, die Franzosen kolne. kkolne, die Italiener ll-Koä-mo nennen, mit schaumichtcr Ungestümheit zwischen hohen Felsen herab, rmd ist gleichsam von hier bis in die Ebne des Thals als ein einiger, zuweilen einwenig absetzender, doch immer fortgesetzter Wafferfall anzusehen. Nachdem er etliche Ruthen weit fortgelassen, empsäugt er von der Grimsel, einem Berge Berner-Gebiets, den Meyenwanger-Bach, fliestet denn fort von Mitternacht gegen Mittag, in dem Thal selbst aber nach einer halben Circulkrümme von 2. bis z. Stunden, allezeit von Morgen gegen Abend. vnittwastn. Oberhalb dem Derffe Umerwasen, in dem Weg selbst ist anzu- mercken, wie dessen Felsen von dem Wasser ausgespült, und gleichsam Wellenweise auSgehölt worden. Dieses Wasser aber kan kein anders _des lösten Jahrs. 1 69 anders seyn, als die Rhone selbst, welche nun so. und mehr Schuhe ticffer die Furcken abrauschet als in den ersten Jahren nach der Sünd- fiuth, in welchen sie über unsern Weg selbst gelösten. Mehrere Exempel dergleichen in die Treffe fressender Berg-Wassern findet der Sonstige Leser an dem Tamina-Bach bey Pfefers, und dem hincern Rhein in der via klaia. An dem Fusse des Bergs Furcken (es beliebe der Leser neben meiner Beschreibung LMon. n xi. cap. 4.. und ^mier volles. p. ir. rc. zuhalten, welche beyde auch aus eigner Erfahrung geschrieben) sind zwey Dörffer, das einte diß- das andre jenseits des Rhodans Unterwasen, Unterwassern, und Oberwald, deren Ein- Olmmld. wohner sich und ihr Vieh vornemlich von den Alpen und Vor-Alpen oder Vorlassen nähren, welche sie auf der Furcke haben. Gegen Mittag öffnet sich zwischen den Bergen das Gerenchal, Agemthai. Ageremhal, Vsliis heraus, durch welches der Elmi-Fluß, Limius, ab - und in den Rhodan siieffet. krumpf bemercket allhter, daß auf dieses Wasser vielleicht die gesehen, welche von dem Rhodan geschrieben, als ob er in seinem Ursprung von Mittag gegen Mitternacht fijeffe. Es habe« die Edlen Von Arncn, cle ^IN3, äe /^r3)zno inferiore, dieses Gerenthal ehmals vor eigen, mit hohen und niedern Gerichten besessen, welche aber hernach in solcher: Mangel gerathen, daß sie den Einwohnern selbst ihre Gerechtigkeiten und Freyheiten verkaufst, die sie nun unbekranckt genießen, und ihre Amman oder Richter aus ihrem Mittel erwehren. In dem Dorffe Unterwasen sahen wir eine Art Gebäude, welche An wol verdienet diß Orts eingerücket zu werden, und in der ersten Tafel K-riaMss. von Cristallen bin. L. vorgebildet stehet. Man kan es ein Kornhäuß- "»>' lein nennen, weilen die Walliffer ihr Korn darum auftehalten, und so wol vor der Fäulung, als den Mäusen sicher bewahren; jene wird durch die aller Orten herzukommende Luft verhindert, diese aber durch die hölzernen Säulen abgehalten, auf denen der obere Theil des Gebäudes stehet, welche oben mit runden den abgebrauchten Mühlsteinen fast gleichen Steinen bedeckt werden, über deren untere Fläche die Mäuse nicht kommen können, und also zu dem Korn keinen Zugang finden. Von Unterwasen reiseten wir noch diesen Abend eine kleine Stunde gen GeMen, Lellils, LslieUio lupei-ioi-, welches die oberste Pfarr- Gtstilm. Kirche im Zehnden Gsms, Lonvemu Lomel'isrum, (denn es ist zu II. Theil. Ä WG Griinßlr». Ursprung dir Aar«. Höh« W GeAilen. D.iv.Aul. Ulrich«». 1 72 Vierte Berg-Reise wissen, daß das Land Walliß in gewisse Quartiere, die sie Zehnden, cenlens; nennen, abgetheilt ist,) auf rechter Seite des Flusses, an dem Fusse des hohen Bergs Grimßlen. Dieser Berg Grimßlen, Grimsel, 6rimüiia, gehört auch zu den Lepontischen Gebirgen, als ein fortgesetzter Grat der Furcke, und theilet das Haßlethal, Berrrer-Gebiets, von Walliß. Auf dieser Grimsel, Bernerischcr Seite, wird der Aaren Ursprung gezeiget, welcher, so viel man aus der zum Steigen erforderlichen Zeit von 4. Stunden abnehmen kan, ungefehr in gleicher Höhe mit dem Ursprung andrer oben gedachter Hauptflüssen seyn wird. Es ist die Strasse aus Walliß, von Gestilen her auf die Grimsel, sehr wild, und Winterzeit mit Schnee beschlossen. Luiiiimunnus lüb. 1. wer. »elveric. fangt die alte Breite des Helvetier-Lands, welche Lsekr i8ooOO. Schritte erachtet, von der obersten Höhe dieses Bergs an, von welcher er bis auf die Spitze des Bergs ^ur«. iz verriere genannt, eine Linie ziehet; wird aber hierum von andern widerlegt, als von kiumin. tteiv. p. 10. Über diese hohe und enge Bergstraße hat Lerck- wich Herzog von Zäriugen, seine Soldatm geführt, als er in Walliß eingefallen, wovon 6uiIl,M3Nn. Ner. ttsblpurg. I.ib. VI. czp. l. In Gestilen hatten wir diesen Abend die Höhe des Quecksilbers im 22. Zoll; woraus wir geschlossen, daß dieses Dorff tieffer liegt als die Furcke 2082., -er Gotthard 1400., Urselen und Tavctsch 40. Schuhe, oder in gleicher Höhe; höher aber als Ayrol 520., Stäg 2800., Zürich, nach heut gemachter Observation, i s2O.Zür.Schnhe. Nach oftgedachter Orsclusriori-Tafel ist die senckelrechte Hohe über dem Mittelländischen Meer z 326. Paris. Schuhe nach Mariocce, und nach Eaßino 4110. Eine halbe Stunde unterhalb Gestilen, auch an der rechten Seite des Rhodans, liegt das Dorff Ulrichen, uiricg, bey welchem zwey Schlachten geschehen, die einte A. irn. zwischen den Landwirten, und Herzog Berchtold von Zäringen, welcher damals mit dem Lande Walliß, wegm der von Kayser knäerico ksrbarossa ihm übergebnen Kaftvogtey des Bistums Sitten, in Streit geriethe. Die andre A. 14^9. in dem Krieg zwischen BischoffWilhelm von Sitten, gebohren von Raron, und den Landleuten, als die Berner mit Bevhülff deren von Freyburg, Solothurn und Schweiz den 29. Sept. über die Grimßlen, denen von Raren, ihren Bürgern, zu hülff zogeg, und die Dörffer Gestilen, Oberwald und Uuterwasen verbrennten. des lösten Jahrs. 171 In diesen beyden Streiten, zu deren Angedencken zwey Crenze auf der Matten stehen, haben, nach der Chronicken Bericht, die Walliffer den Vortheil erhalten. Eine oder anderthalb Stunde unterhalb Ulrichen, auch an der mitternächtigen Seite des Flusses, ist das schöne Dorff und Pfarr . Münster, ^onsüerium, welches mit fetten Wiesen und Aeckern um- Munster, geben ist. Auf lincker Seite des Flusses, fast gegen Gestiken über, stund Im Loch. vor diesem ein Frauen-Clösterlein, wird jezt im Loch gencnnt. Gegen Mittag öffnet sich das Emnen.Thaf Valii«. eine Amen. gute deutsche Meile zwischen hohen Bergen; und gehen durch die- ses Thal zwey Pässe gegen das Meyländische, der einte über den reifst, Nify, gegen Ayrol ins Livinerthal; der andre gegen Bomnare ins Eschenthal über den Grieß, Gn'eßberg, 6 rieüus, welcher nach Simlers Muthmaßung einigen Seribenten Anlaß gegeben haben mag, dieGraischenAlpgebirge, Lrzfts ^ipes, inWallis zusetzen; welcher Meynung auch ^nronius ^iLmgncg zr, seyn scheinet, der in einer zu Rom herausqcgebnen Land-Tafel des Schweizerlands nicht nur den kleinen St. Bernhards-Berg, sondern auch die am Sim- peler gelegene Wallisser-Gebirge, denen Graischen Alpen zurechnet. Durch das Egmen-Tbai stießt ein Wasser, das auch Eginen heißt, und den Rhodan mercklich vergrößert. Von Mitternacht her empfängt der Rhodan auch bisdahin einige Bäche, welche aber gegen dem Elmi- und Eginen-Waffer fast nicht zu rechnen. Eine kleine Stunde unterhalb Münster folget das Dorff Reg- REiM». ringen, Reckingen, Kecmgium, und gerad darauf Glurinen, 6 lu-ZU"*"' ring. Ritzlg, Ritzikon, kirricium- Liells, Biel, allwo eine Pfarr-SclbliM, Kirch und Brücke über den Rhodan. Unterhalb Biel folget Gelb- Waid. ligen und Wald, welche auch kleine Flüßlein oder Bäche dem Rhodan übergeben. Ueber diesen Bezirck hat ehemals eine edle Frau von Greniols geherrschet, daher derselbe auch noch jezund die Grafschaft Granioks heißet; es haben sich aber die Einwohner von dieser Herrschaft entledigt, und leben jezt nach den Sitten und Sazungen des Lands Wal- liß, sie setzen in Civtl-Sachen ihre eigne Richter, in Malesitz-Sachen aber unterwerffen sie sich dem Gericht zu Amen, als Zugehörige des Gornser-Zehendens. In dieser Dörffer Gegend ist eine steinerne Brücke über den Ä s Rho- 172 _ Vierte Berg-Reise_ MülliSach. Rhodan, und folget das Dörfflem Müllibact), wo- her der berühmte Marchäus Schyner, Bischoff und Cardinal von Sitte»/ gebürtig war. Es hat dieses Dorff Mühlen, welche ein in den Rhodan von Mittag abfließendes Wasser treibt. Arnen. Alsobald unter Müllibach liegt Arnen, Aernen, MIM , ein grosser schöner Hauptflecken des Zehenden 6oms: 8mmpf setzet ihn eme gemeine Schweizer-Meile, oder iz. Stunden Fußwegs unter Münster. Hier finden fich schöne von Steinen aufgebaute und rnit steinernen Blatten oder Schiefern bedeckte Häuser, da sonst in Ober-Walliß die Häuser von Holtz gebauet, und die Dächer mit Lerchcnen-Schindlen beleget find. Allhier, wie oben bereits angezeiget, wird das Blutgericht von Seiten des Gomser-Zchenden gehalten ; und ist Welcher Bischoff, von Ober-Gax gebürtig gewesen, welcher die Ober-Wallisser, so vor A. 1475. dem Savoyischen Biß- thum einverleibet waren, wicdrum an das Bißtum Sitten gebracht. Mnn-Lluß. Unterhalb Arnen fliestet die Sinn, Bynn , Dünn, Vmna . m den Rhodan. Es scheidet dieser Fluß den Gomser-Zehenden auf mittägiger Seite von der Herrschaft Möril, und entspringt auf zwey Meilenweit von seinem Ausfluß im Lengenrhal, Vsile lonZz. öm- liulo inkenore, auf dem Berg Albrun, Allbrunn, Albrun, ^Ikru- nio, und lauffet das Binnerchal, Dynnerchal ab. Ueber den Berg Albrun gehet eine Strasse nach dem Fürftenthum Meyland ins E- schenthal acrr Petz. Vor Amen über, auf der nördlichen Seite des Rhodan^ jenseit der Brücke, liegt das Dorff und Pfarr Viefth, Dirsch. Vlctckz, zu Unterst im Vrescherchal, welches fich auf eine Meilwegs ins Gebirg erstreckt, und auch einer: aus dem Firn entspringenden Fluß dem Rhodan übergibt. Unfern von Viesch ist vorzeiten ein Frauen-Clofter gewesen, welches aber in Abgang kommen, so daß unter der Regierung kä-urk-ei, Bischoffs zu Sitten, die Einkönftm Höhe m dieses Clofters an die Kirche zu Arnen verwendt worden. Allhier zu Mesch. Viesch h^ten wir heute, als den i 2. August, des Quecksilbers Höhe irr: 22. Zoll. 8.Scrup. Züricher; woraus wir geschloffen, daß wir tieffer wären als Geftilen 640. Schuhe, als die Furea 2720., Urfe- ren- und Tavetscberthal sgo., Gotthard 2040.; höher aber als Al- torff l28o., und über das Mittelländische Meer, nach Mariorre Rechnung 2544., nach Laßino aber zc>2i. Pariser Schuhe. Auf mitternächtiger Seite folget das Dörfflein Laax, bey welchem fich der Gomser-Zehenden endet. Unter- des rasten _ ryz Unterhalb Laar stoffcn die mittägig- und mitternächtigen Wal- lisser-Gebirge zusammen/ also daß dem Rhodan nur gleichsam so viel Platz gelassen wird / als zum Durchfluß nöthig ist, und diese enge Clauß, im Fall der Noth, mit gar wenig Mannschaft wider allen feindlichen Gewalt bewahret werden kam Es wird der Vorbühel auf mitternächtiger Seite, so zunächst an den Rhodan stößt, in alten Instrumenten klonre l)el lupenoris. UfDeifch, Dieftstalden genennet, und scheidet den Gomser-Zehenden von der Herrschaft Möril. Diese Herrschaft hat ihre besondern hohen und niedern Gerichte/gehört gleichwol zu dem Rarer-Zehenden, (obgleich derselbe unter dem Briger- und Visper-Zchenden liegt) dessen dritten Theil sie ungefehr ausmachet, darum sind sonderlich zwey Dörffer, Gramois, Greniols, OEisia, welches auf lincker Seite des Flusses, auf einer graßreichen Höhe, bey dem Eingang in das Bynnerthal, liegt. Man gehet von Laaxüber eine gewölbte Brücke dahin, welche von einem Felsen zu dem andern geführt ist, die mir viel förderlicher als die Teufelsbrücke im Urner-Lande vorgekommen. Dieses Graniols hatte ehemals feine besondre Herren, derethalber aber nicht gewiß, ob sie mit denen von Möril einer Familie gewesen. Mitten in der Herrschaft, welche an Dieststalden anfangt, und eine Meilwegs bis an den Fluß KKL hinab gehet, der zwischen Mö- rel und Bakers in den Rhodan laufft, ist das Dorff Mörel, Möril, Morgig, ^lorjAiz, auf rechter Seite der Rhone, eine Meile unterhalb Amen; hat auch eure Brücke über den Fluß auf Grem'ols. Allhier fängt der Weinwachs an; wiewol dieser Rebensafft bey weitem nicht so gut, als im Untern-Walliß. Oberhalb Möril , in dem ganzen Gomserlande, ist es vor die Weinreben zu kalt, und die Luft zu hoch , wie aus den Barometrischen Observationen, so bisher in Walltß gemacht worden, zu ersehen ist. Oberhalb Möril finden sich einige kleine Dorffer, zerstreute Wohnungen, und gute Alpen, als Bieren, Lire:». Gobisberg, rc. und oberhalb diesen der höhe Berg Anrhonien getrennt. Unten neben dem Dorffe Möril , gegen Mitternacht auf einer hohen Flu, siehet man noch kleine Üeberbleibseln des Schlosses Manggepan, dessen Besitzer, weil sie gar zu tyrannisch regiert, von Grafen Peter von Savoy, und den Landleuten überzogen und ausgereutet worden. Dieser Freyherren von Möril, so Z) z auf Uf DeM Graniol-. MSttl. Ma»ssep«k> Dirrenberg. Naffa-Fluß. Briger-Ze- henden. Nater». Tlu. Weingarten. Blatten, Birgisch. _Vierte Berg-Reise aufMangepan gesessen, Wapen war ein schwarzer Büffelskopf, aus dessen Nase zwey Rocken-Aehren hervor gewachsen, welches das Dorff Möril annoch führet. Srumps und äimler sind in der Meynung, daß die Freyherren von Raren deren von Möril Erben gewesen, und nach Abgang die Herrschaft an Raron kommen, weswegen annoch dieselben dein Rarer-Zehenden einverleibet sind. In dieser Gegend ist auch das Schloß Dirrenberg, Direber^z, gewesen, von dem annoch der Berg, auf dem es gestanden, den Namen hat. Dieses ist auch, vielleicht zu gleicher Zeit mit dem Schloß Mangepan, zerstört worden. Der Fluß Maffa, welcher zwischen Möril und Naeers liegt, und den Beiger-Zehenden von der Herrschaft Möril scheidet, entspringt gegen Mitternacht in hohem Gebirge an einem Gletscher, lauft denn durch Älerftb, Alersch-Thal fort, übergibt endlich, nachdem es zwey Meilen gelösten, seine ungestüme trübe Firnwasser dem Rhodan, vorher aber gehet eine steinerne Brücke über dieses Wasser. Nun folget der zweyte Zehenden des Obern-Wallisser-Landes, so von Narers und Brig den Namen hat, gemeiniglich aber der Briger-Zehenden, Lonvenws üngjznu«, genennet wird. Dieser fängt beydem Wasser Maffa an, und ist zimlich groß, welches unter anderm daher kan abgenommen werden, weilen in der Pest, so A. 1465. durch das Wallisser-Land gienge, von Bria und Naters über 1000., und vier Jahre hernach 1400. Menschen gestorben. Der Flecken Naters liegt auf der rechten Seite des Rhodans, eine Meile unterhalb Mörii, an einem felsichtcn doch nicht unfruchtbaren Ort, hat zimlich schöne von Stein aufgeführte Häuser, und viel Weinwachs. Nahe bey diesem Flecken auf einem erhabnen Felsen oder Flu, liegt das alte und ftarcke Hauß Flu genennt, so ehemals ein Edel- Sitz deren von der Flu, oder Fluherren, Oominorum 3 §3X0, war, gehört nun dem Buchest von Sitten. Es liegt auch oberhalb Narers, nicht weit von der Brücke, so über die Maffa gehet, eine Anzeigung des alten Schlosses Weingarten, ^inzzrra, welches ehemals die Edlen von Weingarten besessen, so aber abgegangen. Hinter Narers gegen Mitternacht liegt die Pfarr-Kirche ^lomi, in klonübus; so auch die Dörffer Blatten, Llsns, und Birgisch, Lireilcum. Gergy -es lösten Jahrs. r^s Gerad unterhalb Narers jft eine schöne mit zwey Gewölben von Steinen gebaute Brücke über den Rhodan, welcher daselbst mit grosser Ungestümheit durchstreifet. Bey dieser Brücke ist A. r 36s. eine Gräfin von Vtsp mit ihrem Sohn erschlagen worden. Allhier fliestet ein Bach in den Rhodan, der aus Bell - Alpen herkommt/ und weiter durch Rischinen fortlaustt. Auf lincker Seite des Rhodans, vor Narers über/ liegt der andre schöne Hauptstecken Lng, LriZ-, und eine halbe Stunde darunter Glyß, 6l>l3, also daß Naters, Bng und Glyß einen gleich- wincklichterr Triangel gestalten. Brig scheinet von -m viberis den Namen zu habem als woltc man sagen/ vibeng-i, oder v-bei-icus vi- cus, der Viberorum Hauptstecken. Es liegt derselbe an dein Bergwasser Zzkins. Galtinen, welches gegen Mittag auftzwoMeilenweit an dem Berg Gimpelen, 8empronm8, entspringt/ über welchen ein namhafter Paß ins Herzogthum Meyland gehet, und gehet über diß Wasser/ ehe es sich in den Rhodan ergießet/ eine schöne von Steinen gewölbte Brücke. Gegen Aufgang und Mittag hat Brig einen graßreichen Berg/ der Briger-Berg genannt/ auf welchem Thermen , Blecken, am Riede, in der Schleiche liegen. Und nächst oberhalb dem Flecken auf einem Bühel stund ehemals ein Schloß, in der Holle genannt, von dessen Zerstörung sich in den Chronicken nichts gewisses findt. Aufdem Simpilen-Berge liegt die Pfarr Gimpilen, zu welcher zwey Thäler gehören/ swischenbergen und Alpinen, inrcr kiomes, äipia. in welchen die Briger köstliche Alpen besitzen/ sonderlich zu Gt. Jacob und im Ganter. Es wollet« einige Geschichtschreiber/ daß lulios über diese Berg-Strasse des Gimpilens (sonst auch 8 cipioni 8 kt0N8. Gümpeler, Lempisno, 8 emprc>mc>, 83 Mpione, 8 r. klcrmb, LriZz, der Brigeebern genennt) sein Heer/ als er in 63IÜZM zöge/ geführt habe, und zu dessen Angedenckcn eine Schrift in Felsen einhauen lassen/ welche aber so verblichen, daß man sie nicht mehr leset« könne. Es zeigen aber unsre Vaterländischen Skribenten, Tschudi, Gimbr, rc. daß dem nicht so sey, wenigstens könne diß derjenige Zug nicht seyn, den I. keil 6sit. beschreibet. Zu Brig', allwo die Herren Jesuiten ein schönes Clofter haben, hatten wir um 4. Uhr Nachmittags die Höhe des Quecksilbers im rz. Zoll, 8 -. Skrupel; woraus wir abnahmen, daß dieser Ort Bris. Galtinen Bergwasser. Simpeln. Bn'ger. Berg. Höhe» Brig. I?6 Vierte Berg-Reife Ort tieffer liege als Geftilen 1482., Viesch 742., Fmca zs^O., Gotthard Z48O./ Ayrol 960.; höher aber als Altorff 442., und als Zürich, wenn der heutigen allda gemachte» Observation zu trauen, nur 42. und 8o. Züricher Schuhe. Nach Mariom Rechnung wäre die senckelrechte Höhe des Fleckens Brig über das Meer nach Caßino aber 1742. Pariser Schuhe. D. Aug. Den i z. August reißten wir weiters nach der Länge des Rho- ^ dan-Fluffes fort, erstlich auf G lvß, 61 , 53 . einen kleinen wolgebauten luftig liegenden Flecken, welches vielleicht von dem Griechischen feinen Namen hat. Denn allda ist eine sehr schöne Kirche zu unser Lieben Frauen , zu welcher von dem Obern- und Untern- Wallis grosse Wallfahrten geschehen. . Von Glyß war Georg auf der Flue gebürtig, dessen Ouicciar- «linus und lovius in ihren Gcfchicht- Büchern mit grossem Lob ge- dencken; er war ein Mann von grossem Ansehen, Stärcke und Reichthum, der sich in den Italienischen Kriegen sehr berühmt, und sonderlich um Franckreich so verdient gemacht, daß er durch Mittel des Königs krrmcisc, aus der Gefängniß zu Rom loßkommeu, dahin er durch Anstiftung seines Feindes ^rrkri, Cardtnals und Bischoffs von Sitten, gesetzt worden, den er auch aus dem Land vertrieben, endlich aber A. 1529. selbst, um des Landvolcks Aufstand auszuweichen, flüchtig worden, und zu Vivis am Genfer-See gestorben, so daß er nicht einmal derjenigen Begräbniß gemessen können, welche er zu Giyß in der Kirche, die er erweitert, vor sich und feine Kinder zu- rüften lassen. An der Altar-Tafel in seiner Capelle ist er mit seiner Gemahlin, 12. Söhnen und n. Töchtern in Lebensgröße mit dieser Überschrift abgemahlt: 8. VIK6I8I8 Xlälkl 6X0K6I68 86?Lll- 8/rX0 XIII.L8 LOIOH 8^66. H8 Ll' VOI'^VH ?-Z-rK0dI. U^XLOIö68 8615 66X1 LX 6X0U L^XW8 XXIII. 6LNVI58L1. Ist also dieser Georg von der Flüe auch unter diejenigen zu zehlen, welche viele Kinder gezeuget; deren Erzehlung ich auf eine andre gelegnere Zeit verspare. Alte Mmr. Ungefehr eine halbe Stunde unterhalb Glyß ist eine Maur oder Landwehre, welche sich von den angränzenden Bergen bis an den Rhodan ziehet, und mit den dazwischen aufgerichteten Thürmen, deren des hosten Jahrs. r?7 deren kleine Uebcrbleibsel noch zu sehen, zu Abhaltung der einbrechenden Feinden gedicnet. Es ist aber ungewiß, wenn diese Art Linien gemacht worden. Einige halten sie vor ein Römisches Merck, welche es zu ihrer Sicherheit gebauet, als sie über den Gmipelberg in Oziücn gezogen. Andre aber sehen sie vielmehr vor eine Zwischen- Maur an, welche die Ober-Wallisser gebauet, um sich vor dem Einfall der Unter-Walliffern, oder Sedunern, zu versichern, die vorzeiten gar viel herrschsüchtigen Adels, und viele vesie Edel-Sitze, als Disp, Raron, zum Thuen, Lauck, Greder, Suren, re. gehabt. Nachdem aber beyde Völcker sich miteinander verbunden, ist auch diese Scheid-Linie in Abgang gerathen. Neben dieser Landwehre stießet ein Wäßerlein, Gamftn genanrit, in den Rhodan, welches aus den mittägigen Alpen Her'msgarren, Mundwald, Finilen, Gettschon, Terminen, Rorberg,rc. herkommt. Auf der rechten Seite des Rhodans, eine Stunde unterhalb Brig, so man über die Brücke gehet, kommet man zu dem Briger- Vder (k»lyjfer-Bade, knAlx, VibericT. Es ist dieses Bad von Natur warm, liegt in einer anmuthigen Ebne, wenig Sckritte von der Rhone, mit schönen Wein- und Baumgärten, Aeckern und Wiesen umgeben, an dem Fuß eines hohen Bergs, Mund genannt, der gähe aufsteiget. Dre Quelle des Bads liegt sehr tieffinder Erde, so daß man vor diesem die Badkästen hat müssen eingraben, welche aber hernach die Unbequemlichkeit hatten, daß ihnen der Ablaust gesperrt war, und man sie, um sie zu reinigen, ausschöpfen mußte. Es dienet dieses Bad in der Rand, Messenden Geschwüren, und andern äußerlichen Schaden, so auch in dem Krampf, Zittern der Glieder, Podagra, Hauptflüssen, Sausen der Ohren, Unfruchtbarkeit der Weiber. Ist hingegen denen schädlich, so ein schwaches Haupt haben, so auch den Fiebrigen, und die von hitziger Leber und Nieren sind. Vor 220. und mehr Jahren war dieses Wasser noch nicht zum Arzney-Gebrauch, und von den nebenlauffenden kalten Quellen, allein im Sommer den Anwohnern zu einer Ersetzung, abgesondert, weilen sie nach ausgehaltncr Tags-Arbeit sich darinn des Abends abwaschen, und ihre müden Glieder erquicke» konten. A. 1471. hat Antoni Walcker von der Obrigkeit des Orts Erlaubniß und Freyheit erhalten, der rechten warmen Quelle in die Felsen hinein nachzusetzen, und, mit Anwendung zimlicher Unköften, ll. Theil, Z das Gamseil- Bach. Brig«. rd«r Glyffer- BaV. 178 Vierte Berg-Reise das aus den Felsen lebendig hervorquellende warme Wasser durch lcr- chene Canäle irr die Badkästen abgeleitet, und dabey eine bequemeHer- Lerg zum Vortheil der Bad-Gästen aufgebauet; welches alles Peter Owlig von BrigA. 1521. verbessert, erweitert, und der Quelle 6. Schritte in den Felsen hinein nachgesetzet. Heut zu Tage ist dieses Bad überall im Abgang, und fast ohne Gebrauch. Wir fanden weder Wirth, noch Gaste, noch Badkästen, ausser zweyen in dem Felß- loche stehenden Zubern, darein sich ein Bad-Gast in der Finsterniß sezen, und nach feinem Gefallen aus dem Canal, da die Quelle stehet, Wasser schöpfen, sich also selbst abwarten, und, gleich in denen Wirthshäusern des Königreichs Spanien, Speiß und Tranck, wenn er etwas gemessen wil, mitbringen kan. Hr. 0. Mannhaft von Brig erzehlte uns, daß dieses Briger-Ba- den Gleichsüchtigen, welche man fönst in Bäder zu setzen grosses Bcdencken trägt, so auch denen mit dem Kaltwehe behafteten, vortrefflich dienlich sey, und berichtete zugleich, daß würcklich einige Briger des Vorhabens seyen, dieses Bad wiedrum ins Aufnehmen zu bringen. Und wäre gewißlich zu wünschen, daß es ins Merck gerichtet würde. Denn es tönten sich dieses Heil-Bads mit grossem Vortheil alle Obcr-Wallisser, insonderheit diejenigen Arnvohner bedienen, welche Armuth halber die weitere Reife ins Läucker-Bad nicht wol unternehmen können, oder denen eine solche Berg-Reise Zustands halber beschwerlich ist. Es gibt aber die Situation -er Quelle eine nicht geringe Hinderniß zu Ausführung dieses Vorhabens, denn sie gar zu tieff, und in gleichem Horizont mit dem Rhodan-Fluß lieget, dessen Wasser alsdann, wenn sie sonderlich zur Sommerszeit groß angewachsen, sich mit dem natürlich warmen Wasser vermischen, und gar das Land überschwemmen können, wo sie nicht mit grosser Mühe abgehalten werden. Von den Mineralien, so in diesem Briger-Wasser enthalten, hat der Schwefel die Oberherrschaft, den man mit der Zunge schmecket, und mit der Nase riechet, der auch, so er abgetröcknet wird, eine Flamme von sich gibt. Lsspsrus Lollinus hat in seiner Schrift cle Scciunorum Itiermi8, dem Schwefel, Alaun und ein Metrisches Salz zugeleget- weilen das graulichte nach Schwefel riechende Pulver, welches durch Einsiedung dahinten bleibt, einen süßlicht zusammen ziehenden Geschmack hat, woraus denn die Würckung unschwer abzunehmen. Ich habe, so viel es die Zeit zulassen wollen, folgende Proben gemacht: Aus Anschüttung des ludiimirtenQuecksilbers, des Geistes von Grün- _ des rasten Jahrs» 47- span, pulverisirterr Salpeters/ und Etz-odec Scheidwassers, erhebt sich ein Rauch, doch so daß das Wasser durchscheinend bleibt; es wird aber durch Anmischung des Weinstein-Salzes milchweiß. Die kalte Quelle, welche sich ungefehr 8. oder iv. Schritte von der warmen ausserhalb der Felßhöle zeiget, ist auch schwcfltcht, wie theils aus dem Gerüche, theils aus gleicher jezt angebrachten Aenderung mit des Weinstein-Salzes Vermischung abzunehmen ist. Wir sezten nun unsre Reise weiters in dem dritten oder Visper- Kisper.Ae. Zehenden fort, welcher oberhalb Glyß anfängt. Zu diesem Zehen- hendrn. den gehören schöne und weite gegen Mittag liegende Alpen, zu zweyen Thälern, Gaffer- und Marrer-Thal, v^llis LE» Le klanis, welche zwey oder drey Meilen weit hinter Visp an das Herzogtum May- land angränzen, jenes öffnet zwey Pässe dahin, den einten über den Berg Anrrun in das Dorff Anerun, Mayländer-Gebtets, den andern über den Magganaderg, sonst auch auf Fö und Xi-tNis genannt, in das Dorff welches, wie das obere, dem n«- varer-Biftum einverleibet; von diesen Bergen fliesten zwey Wasser ab, welche zu Gralden zusammen kommen, und sich alldort mit einem stärckern Fluß vereinigen, welcher in die fünfthalbe Meilen weit von Visp in den Gegenden Linilen, kimls, äroIeitL, Areleir, und in Monr, entspringet, von wannen ein Paß über den Augstaler- berg gehet, 8yIvlU8, kok, Glettscher , Austelbern genannt, in das Augstal, und A/ayer- oder Rrainecrhal, dem Herzog von Savoyen zugehörig. Gleich wie zu hinterst in dem Gafferrhal die Pfarr Saß liegt, also ist die hinterste Pfarr in dem Marchal Marc, Man. . vier Meilen oberhalb Visp. Eine Meile unterhalb Matt folget Test, oder Däfth, OZrK, ; die Pfarr zu St. Morizen DW. hat ein eignes Wässertem und Thal-Geländ aus dem Gebirge Herfür, das Däschchal geheißen. Eine Meile unterhalb Test liegt auf linckcr Seite des Flusses die Pfarr davon das Thal den Na- dass», men Gassemkal hat. Eine Meile unterhalb Gaffa liegt das oben gemeldte Dorff Gralden, eine kleine Meile oberhalb Visp, bey de- Gilden, neu die aus dem Matter - und Safferthal zusammen fließende Berg- Waßer den Namen Visp, oder Vispach, Fischdach annehmen, von welchem auch der ganze Zehenden und dessen Hauptflecken den Namen her hat. Oberhalb Stalden zwischen beyden Thälern liegt ein fruchtbarer Berg, und aufdemselbendas Dorffund Pfarr Gren- chen, Lrencbk, daran hinten der Rierderg, kiecherZius Xlons, auf Gttnchtii. Z 2 rvl- iZo_ Vierte Berg- Reift _ ^ welchem schöne Alpen sind, ftößt. Vor Stachen über, gegen Auf- gang, liegt das Dorff und die Pfarr Ternrinen, vermin». Das Dorff Grenchen kan sich der Geburt zweyer berühmt-gelehrter Männern rühmen. Der einte ist Simon i^iMomus, in Griechischen und Lateinischen Sprachen trefflich erfahren, so hernach Professor zu Straßburg geworden, und daselbst in noch jungen Jahren A. ^4Z. gestorben. Der andre 'rkomss pigrerus, von einer Felß- Platten, oder platten Felsen also genannt, der über sein Geburts- hauß hervor geraget. Oberhalb dem Zusammenfluß des Rhodans und derVijp, ist der Hauptflecken visp, velpia, welcher wol gebauet, und zwey Kirchen hat, die einte zu St. Martin, die andre zu Unser Frauen. Oberhalb diesem Flecken ist vor diesem das Schloß Hübftvburgen gestanden, welchen Namen auch ehemals der anliegende Flecken selbst gehabt, ehe er sich von dem Visp-Fluß her nennen lassen. Es war diß der Sitz der alten Grafen von 0lsp, deren Herrschaft sich auch zum theil über der Seduner Landschaft erstrecket, und hernach erbsweise auf die Grafen von Lign6rs gekommen, welche auch den Titnl von Visp an sich nahmen. Aus dieser Familie war jene Gräfin, welche mit ihrem Sohn änromo unterhalb Naters an der Rhodan-Brücke A. i Z6s. erschlagen worden. Es ist hernach die Burg zu Visp von Graf Peter von Savoy mit Hülff etlicher Landleuten zerstört worden. A. i Z88. aber geschahe bey Visp eine blutige Schlacht zwischen Grafen von Savoy, und den Wallissern, in welcher jene das kürzere gezogen, und in die 4200. Mann vcrlohren. Sonsten ist noch zu melden, daß Visp als ein Stammhauß vieler adelicder Geschlechtern kan angesehen werden, und sich daher die besten edelsten Familien des ganzen Lands herleiten. Es sollen die Edlen zu Visp eine eigne Kirche vor sich gehabt haben, in welche den Gemeinen nicht erlaubt gewesen zu gehen. Eine Meile unterhalb Visp auf rechter Seite des Rhodans ist Raren, Raron, ksromg» derHauptflecken des vierten Zehenden Ra- ron, welcher zwo Kirchen hat, die einte zu St. Roman, die andre zu St. German. Nächst bey St. Romans Kirche sind die alten Ge- mäure des Schlosses Raron zu sehen, welches ein Sitz der Freyherren von Raron war, von welchen ^üntterus schreibt, daß sie zu der Orrlionum Zeiten unter die 4. Freyherren des Reichs gezehlt worden. Dieses Hauffs aus welchem verschiede Bischöffe gewesen, ist zulezt des lösten Jahrs. iZr so mächtig worden/ daß die Landleute Anlaß genommen/ ihre Ueber- macht abzuthun, in einem offnen Krieg ihre Schlösser zerstöret, und die Freyherren aus dem Lande verjagt. Der lezte dieses Geschlechts war Peter, oder perermann von Raron, welcher von wegen seiner Mutter die Grafschaft Toggenburg, nach des leztcn Graf Friedrichen Meiden A. 1436. ererbt, und A. 1469. an Abbt Ulrich von St. Gallen verkaufft, mit Vorbehalten des Land-Rechtens, so die Toggenburger mit beyden Lobl. Orten, Schweiz und Glarus hatten, nebst ihren alten Freyheiten. Er starb endlich A. 1479. in hohem Alter, und wurde im Closter Rüthi, Züricher Gebiets, begraben, daselbst auch sein Schild und Helm, mit dem güldnen Adler in rothem Felde, aufgehängt zu sehen. In der Gegend bey Raron fängt stch das Weingewächs an zu mehren, und sammlet sich hier sonderlich ein weisser frischer und lieblicher Wein. Jenseit des Rhodaus, vor Raron über gegen Mittag, sind schöne weydreiche Berge, und viel kleine Dörfflein oder Nachbar- schäfftlein, als Emd, Terbil, Bürgen, Birthen, Eggen, Alba, Unterbächen, Aergisch, Thurtmanthal und Eysthol, itt welchem leztcn Silber-Erz mmr treffen; zwischen Visp und Thurtman liegen sonst keine namhafte Dörfer, sondern nur hie und da abgesonderte Gebäude, als Thurtig, Deckenried am Stein. Unsre Nachtherberg war zu Dortmann, Thurrmann, vor-ro- rburtmmtt. MZNNIZ, einem Dorff, in dem Hauß des Hrn. Gasmers, Ritters und Gubernators, welcher, obgleich er 86 . Jahre alt, an Leibs- und Gemüthskräften noch ganz frisch war. Aufrechter Seite des Rhodan-FlusseS unterhalb Raren ist die D.r 4 .Au-. Pfarr und Dorff Gestiken, unter Gestilen, Gestelen, 6elblz, O- Gesiilra. NeUio inkerior, und nahe dabey die überbliebnenGemäuredes Schlosses ;um Thurn, welches ein Sitz der Freyherren von Thurn war, von welchen sich die Edlen Herren Zur Lauben von Zug herschreiben. Neben Gestiken fliestet die Lunya in dm Rhodan, ein Wasser rM.xiur. welches gegen Mitternacht hinter dem Gebirge Bierschhorn entspringt , neben dem Lersschenberg, über welchen ein Paß ist gen Landerstag, ins Frutinger-Thal, Berner-Gebiets. Es hat dieses Thal selbst den Namen Letschthal, Lettscherchal, l.erclcbi- VMg, Letschth«. in welchem etliche Dörfflein sind, als Blatten, Liematten, Wissen- matten, Myler, Recdetten, Lippe!, Lerden. Es gehört noch in dm Rarer-Zehmden. Z r Den §Kr Vierte Verg-Aekfe tiuckek'Ae benden. känck. Den 14. August rechten wir fort in den fünften oder Läucker- Zehenden, welcher von dem Hauptfleckcn Leuck, Läuck, 1-eucz, also genennt wird, so eine Meile unterhalb Raren an der rechten Seite des Modems aufder Höhe liegt, so daß wir über eine Brücke zu pas- siren hatten, und auf lincker Seite die Herberg an der Sust sahen, allwo die Kauffmanns-Güter, so vorn Genfer-See heraufkommen, ausgeladen, und weiter gen Visp, und so fort durch das Safferthal in Italien geliefert werden. Auf dieser Seite ist auch der Ullgra- ben, eine grosse weite von den Bergwassern eingefreßne Grube, allwo vor alten Zeiten der Flecken Leuck gestanden seyn soll. Dieser Flecken liegt nun in einer wolbewahrten Höhe, hat schön rothes Weinge- wachs, ein wolgebautes Rahthauß, und etliche Schlösser, deren eins vor diesem den Freyherren von Raron zuständig war, aber A. 141s. zerstört worden, das andre aber dem Btschoss von Sitten gehörte. Es liegt dieses Leuck fast mitten indem Land Walliß, weßwegcn auch daselbst gemeiniglich die Gesandten von Seiten des Bischoffs, und der sieben Zehenden des Lands, zusammen kommen, ihre Staats-Geschaffte abzuhandeln. Verschleime Es ändern sich auch hier die Sprachen; oberhalb Läuck redet Sprachen m man Deutsch, unterhalb Läuck ein verderbt Französisch. Beyderseits ' aber, sonderlich in den Hauptstecken, befleißet man sich der Französisch- Italienisch- Deutsch- und auch Lateinischen Sprache, welche ihnen wegen der Nachbarschafft mit dem Berner- und Urner-Gebiete, Italien, Savoy, und Genfer-See, beynahe nöthig sind. Ja es ist sich zu verwundern, (und, weilen es zum Lob der Wallissern trefflich dienet, nicht vorbey zu gehen,) daß oft auch die gemeinsten Leute, als Taglöhncr, jezt-ernennte vier Haupt-Sprachen fertig und zierlich reden» Hier bey Läuck endet sich unsre Reise durch das Walliffer-Thal, welches ich um so viel weitläuftiger nach Anleitung Simlers, Stumpfen, und meiner eignen Anmerckungen, beschrieben habe, weilen es sich leicht zutragen kan, daß ich eine ganze Land-Charte von Walliß mit der Zeit verfertige, welche mit bißheriger Beschreibung überein kommen soll. Wind« in Ehe wir aber den Läucker-Berg besteigen, mercke ich noch an, W-Nß. haß hje Winde, welche das Walliffer-Lan- durchwehen, gemeiniglich Ost-West - und Süd-Ost-Winde sind, weilen sich dieses Thal der Länge nach von Morgen gegen Abend erstrecket. Die Süd - Ost- Mr>- des 1725 ten Jahrs. i8z Winde, weilen sie von Italien her wehen, sind gemeiniglich warm, sonderlich wenn der Süd die Oberherrschaft hat, die Morgen- oder Ost-Winde sind gemeiniglich kalt, heissen auch der kalte Fön, weilen sie von den Gotthardischen Eiß- und Schneebergen herkommen; die Abend-Winde aber bringen den Walliffern, wie andern Völckern, Regen zu. Den rauhen Nord- oder Biß-Wind halten die hohen Gebirge ab, die das Walliffer-Land von dem Bern-Gebiete scheiden, welches auch die Ursach der herrlichen Fruchtbarkeit dieses Lands, sonderlich des Untern-Walliß ist, an Wein, Korn und andern Früchten, nebst dem, daß die Sonne mit ihren Strahlen den ganzen Tag das Thal beleuchten und erwärmen kau. Von dem Flecken Leuck reißt«, wir immer in die Höhe durch ein D-la reu». Thal, welches von der Dala durchkosten wird , einem Wasser das gegen Mitternacht an der Gemmi entspringt, und unterhalb Leuck sich in den Rhodan ergießt. Fast in Mitte zwischen dem Flecken Leuck, und dem Bad, paßirten wir das Dörfflein Inna, in ^jnna, und langten endlich in dem Leucker-Dad selbst an, welches unten an der Gemmi liegt, und in nächst folgendem Tagwerck insbesonder beschrieben werden soll, wie es auch solche Mühe, in Ansehung seiner köstlicher Würckungen und grossen Ruhms, den es in der Welt hat, verdient. Wir mercken heute noch an, daß daselbst unser Wettcr- glaß die Höhe von 21. Zoll, i.Scrup. gezciget, woraus wir abnahmen, daß dieses Bad hoher liege als Brig 1560., Viesch?oo., Ge- stinen, oder Ober-Gestilen 80., Altorff 2220., tieffer aber als die Fnrcke 2Ooo., und Gotthard 1920. Züricher Schuhe. Nach des Nlariotti Rechnung ist die Höhe des Leucker-Ba-s über dem Meer zz?8. Pariser Schuhe. Wir bemercken überdiß, -aß in der Alp Aß>, in der Pfarr Leuck, ein kaltes Schweftlwasser ist, welches vor das Fieber, Raud, und Er. andre Hautschädcn, innerlich und äusserlich, gerühmt wird. Es sol- Kupfer- und len daftlbst, wie auch zu k^mes. Lupfte- und Gold-Erz seyn. sold-eu. Das Mallifjer- oder Leucker-Bad, IkermL I^eueenles, t^u-D. i;. Airg. cmL, ^eucianX, I^eucers bey 6eorgio ^gricols, findet sich auch bey MEsser. dkat. blelv. p. 100. bey 8imlcr c!e VsIIe8. p. 20. b. Lol- lmo äe 8eöunorum Ikermis, bey 8imler p. >4Z. beschrieben; auch hat davon Lonlknrinus (üsttellus, voÄ. von Sitten, ein besonder Traetätlein geschrieben, welches Deutsch und Latein zu Lyon und Sitten A. 1647. m 8 . heraus kommen. Ich habe es auch in lM. bey dem i84 Vierte Berg-Reise dem Wirth zum Missen Creuz in dem Bad / Französisch gesehen. Die beste Beschreibung ist, so viel mich bedünckt, des Loiüm. aus welchem ich auch die nöthigen Berichte meistens ziehen/ dieselben aber mit meinen eignen Amnerckungen untermischen werde. Es soll dieses Heil-Bad zuerst von den Viehhirten oder Sennen, oder von den Jägern erfunden worden seyn; denn der Ort, da es stehet, jezt zwar zahm, bebauet, mit schönen Gebäuden gezieret, und mit graßreichen Weyden umgeben, vorzeiten aber wild und fast unbrauchbar gewesen; denn von der Morgen-Seite wird das hohe Thal -a das Bad ist, mit hohen unwandelbaren Gletschern beschlossen; gegen Mittag ist gleichfalls ein hoher unersteiglicher Berg; gegen Abend sind dicke und finstere Wälder, jezt noch s'Holy im Thal ge- nennet, durch welche die Dala in der Treffe ablaufet, und iezt eine Straffe auf Leuck gebauet ist; gegen Mitternacht ist der hohe Gem- miberg' welcher auch nicht erfteiglich wäre, wenn nicht bey Anlaß des Bads die Kunst die in der Natur vorkommenden Hindernissen überwunden hätte. Mit einem Wort, es kam in diese abgelegne Wildniß niemand, als die Gemse und andre dergleichen Bergthiere, und die ihnen nachgestellet. In den folgenden Zeiten aber hat man angefangen die Wälder auszuftocken, die Alpen vor das Vieh zu gebrauchen, Sennhütten und andre Gebäude aufzuführen, so daß nun das Bad sich einem Dorfe gleichet. Ungewiß aber ist die Zeit, wenn die Erfindung des Bads, oder jezt-qemeldte Wegraumung geschehen; vermuthlich aber hat sich dieses alles vor etlichen ioo. Jahren zugetragen, wie auch dessen Anzeig ein alter Thurn ist, welcher nach etlicher Meynung von einem Freyherren von Thurn, als eine Schutzwehre wider den Einfall der Bernern, ist aufgebauet worden; glaublicher aber ist eine alte Sage, welche einem Edlen Maus die Aufrichtung desselben zuschreibet. Der Quellen sind sonderlich fünfe an der Zahl. Die erste und größte, welche auch eine Mühle zu treiben ftarck genug wäre, findet sich an der Straß, mit einem breiten Stein bedecket. Von dieser Quelle werden zweydrittel zu dem Hauß-und Wasch-Gebrauch angewendet, eindrittel aber stießet in das grosse Bad, welches unter freyem Himmel, doch mit einem Dach bedecket ist, und wol iro. Schuhe in dem Umereyß hat. Es sind in diesem grossen Kasten drey eingefaßte Bäder, eins vor die Manns- die andern vor die Weibspersonen. Der andre Brunn entspringt unter dem Wirthshaus zum des i-o;ten Jahrs. i8s zürn Missen Creutz, und fließet auch in das grosse Bad. Ein dritter Brunn diente ehemals allein den vornehmem Gasten/ nun aber den gar elenden mit äußerlichen wüsten Schäden behafteten und deßwegen zu scheuenden Patienten; und wiedrum ein ander besonder Bad vor die Bader und Schärer. Die vierte Quelle liegt von dem grossen Bad eine zimliche Weite ah in der Wiesen, unter obbemeld- tem Thurn, sie ist sonderlich den Aussätzigen und sousten mit wüsten Schäden behafteten Leuten, welche unter andern nicht leicht geduldet werden, gewidmet. Die fünfte und oberste Quelle wird das Heil-Brünnlein genennet, weilen es vor andern aus in Heilung allerhand Hautschaden kräftig seyn soll. Es ist dieses Leucker-Wasser lauter, ohne Geruch, und so heiß von Natur, daß man bey den Quellen die Hände nicht darinnen halten, die Eyer sieden, und die Hüner von ihren Federn ablediaen mag, läßt sich aber ohne Schaden trincken. colimus hielte dafür, dieses Wasser fließe über Kupfer, Vitriol, Gold und Kalck, weilen die Erde von demselben roth gefärbt werde, und auch ein solcher Badstein sich ansetze, welcher, ob er um etwas weiß, an Gestalt und Geschmack einem Kalck gleich. Es soll in dem Mayen etliche Tage nacheinander, von eben dieser weißen Kalck-Materie, trüb lauffen, und dannzumal von den Anwohnern zu Sitten absonderlich gebraucht werden, weilen es ihnen zur selben Zeit am kräftigsten zu seyn be- -üncket, vornemlich, wenn der April und Maymonat einen grossen Grad der Wärme ausgehalten. Aus diesen wiewol annoch trüben Quellen der in dem Leucker- Bade sich befindenden i-iAreclienrim, leiteten die alten Deckel -je Würckungen desselben her. Sehet, wie? Weilen das Kupfer ein Mittel-Metall zwischen dem Gold und Silber, gleich die Venus ein Mittel-Planet zwischen der Sonne und dem Mond ist, als wird dieses Kupferführende Heilwasser warm und trocken im dritten Grad seyn, folglich erwärmen, auflösen, trocknen, zusammenziehen, hiemit sonderlich in kalten und feuchter» Kranckheiten dienen. Sehet, wie der Philosophische, auf den vier Rädern der sogenannten ersten Cigerl- schaften mit des Aristotelis und der Schul-Lehrern Pferden bespannte Wagen auch über die hohen Walliffer-Berge einherfähret, und, gleich als auf Flügeln, auch an solche Orte hinkommt, da sonst die Wägen unbrauchbar sind? Sehet, wie es so leicht hergehet, alle Kranckheiten aus der reichet» vierfachen Quelle der Warme, ll. Theil. A a Käl- 186 Vierte Berg- Relst _ Kälte/ Feuchte und Tröckne herzuleiten/ und also auch die Arzneyen, so sich auf jene schicken, auszusinden? Der kalckichte Badstein ist warm und trocken im vierten Grade, er erwärmet und tröcknet deßwegen, obgleich er wenig Bewegung hat, noch mehr als das Wasser, welches denen seltsam vorkommen wird, die das Wesen der Wärme der Bewegung zuschreiben; überdas aber entlehnen sie etwas aus dem Schatz der sogenannten zweyten Eigenschaft, und be- mercken, -aß der Badfteinum etwas beiffe, die Wunden und Schäden reinige, und das wilde Fleisch verzehre. Hiemit wird dieses Leucker-Waffer allen Kranckheiten dienlich seyn welche von einem feuchten kalten Gehirne herkommen, den Schnuppen, und allen Hauptflüssen, (welche die alten sich als einen aus dem Hirn in den Rachen, Nase, auf die Brust und Magen abfallenden Regen vorgestellet) den flüßigen duncklen Augen, allerhand Zuständen der Ohren, des Rachens und daselbst liegender Theilen ; dem schwachen nicht wol däuenden Magen und schlechter Eß- lust; denen Engbrüstigen und mit schwacher Lunge versehenen, den Miltzsüchtigen, denen so dem Grimmen und Nierenwehe unterworf- fen, und auch den Wassersüchtigen; wie solte man wol diese aus dem Rodel der Badqäftcn ausschltessen? Es bestehet ja vornemlich ihr Anliegen in der Kälte und Feuchte, zweyen in den Leib des Menschen einbrechenden Feinden, welche besser nicht, als mit der Warme und Tröckne sich abtreiben lassen, nach der gemeinen Grundregel des grossen wppocrsris, und aller Kunftbeflissenen, comrzriz contrsriis cu- rsnwr? Sehet Wie man die armen wassersüchtigen Patienten, denen gemeiniglich alle Bäder mehr schädlich als nützlich sind, weiß nach den Realen der Kunst und Wissenschaft, en korme, wie Voliere zu reden pflegte, in das Grab zu liefern? Sehet, wie man ohne einen Unterscheid der Kranckheit und dcro Ursachen zu machen, tt^öropi- cis Omnibus, allen Wassersüchtigen, zu Leuck die lezte Oelung gibt? oder, besser zu sagen, den Kranckheiten abzuhelfen weiß, solte eS auch mit Aufopferung der Patienten geschehen. Ich laugne nicht, daß etwan eine allgemeine sonderlich in den äussern Gliedern steckende Wassersucht, welche die Kunstverständigen ^näkrcsm nennen, durch die zusammenziehende Wärme des Bads und erfolgende Entledigung der Wasser-gefässen von ihrer ausdehnenden Last des stillstehenden Fließwassers zum Trost der Krancken können weggehoben werden. Wo wil man aber hin mit denen im holen untern Leib oder der Brust des rasten Jahrs. -87 liegenden Wassern, in der gemeinen Bauch- und Brust-Wassersucht, sonderlich wenn dieselbe bereits so lang angestanden, daß sie mit Engbrüstigkeit, Abnehmen des Leibs, hartschwülstiger Verstopfung der Leber, und andrer innern Gliedern begleitet wird? Ich bilde mir ein, -aß dergleichen unschuldige, von unerfahrnen, oder besser zu reden, unwissenden Aerzten in die Bäder gesandte Patienten das Opfer seyn müsserr, welches vor andern auf dem Altar -er Nygej- aufgeopfert werden soll. Eine gleiche Bewandtniß hat es auch mit den Engbrüstigen, und mit schwacher Lunge versehenen, welche so wenig nacher Leuck, als in andre von Natur warme Bäder Hinkehren sollen, ohne wolbedachten Rath verständiger Aerzten, von deren Zahl ich alle sogenannte przNicos ^ecjicinL, Schinder und Kalber-Aerzte ausschliesse, welche von der Beschaffenheit des Leibs, den verfchied- nen Arten der Kranckheiten, den Würckungen -er Ursachen und Arzneyen, sich solche Vorbilder in ihrem Gehirne machen, wieder Blinde von den Farben, und ihre zuweilen glückliche Austräge dem blos- sen blinden Glück zu dancken haben, auf welches hin die Patienten ihren Leib barschen müssen. Ich überlasse einem jeden die Freyheit seinen Leib zu übergeben, wem er wil, und schreite zu den übrigen Würckungen des Leuckerbads fort. Wenn man es trinckt, so soll es den Leib öffnen, aber zuweilen eine Harnftrcnge verursachen, Wetters die schwache Bärmutter stärcken, die Fieber vertreiben, den Nieren-und Blasenstein ausführen, die Hufftkranckheiten, Podagra, und andre Gliederschmerzen wegnehmen, den Kramps und Zujanr- menzichting oder Einschrumpfung der Nerven hemmen, sonst auch allen Zuständen der Nerven, der conrr3ttur, Lamheit und Schlag- fiüssen abhelffen; den anfangenden Außsatz heilen, die gebrochncn und wieder eingerichteten Beine besteiffen, die müden Glieder erquicken, bößartige stressende Geschwüre, Raud und andre dergleichen Hautschäden curiren, Wunden, die nicht wol oder recht gehcilct, wiedrum öffnen und zuschliessen. Man könte noch einen viel weitläufigern Rodel von den Zuständen, in welchen dieses Heilbad kräftige Würckungen leisten kan, ausfertigen. Damit aber, glaube ich, ist wol dem Bad und dessen Besitzern, aber nicht den Patienten selbst gedienet, weilen die nicht auf blosse Lesung oder Ausstreichung solcher Tugenden sollen gelüstig werden, das Wallisser-Bad zu besuchet!, sondern nach gegebnem klugen Rath eitles verständigen Arztes, deme beydes die Beschaffenheit der Kranckheit und die Natur des Bads be- Aar kamt, 788 _ Vierte Berg-Reife kannt, sich richten. Jene ist so verschieden/ als die Kranckheiten und Naturen der Menschen selbst/ diese aber ist beständig und verdienet wol, und mttgrösserm Fleiß als bisher geschehen, untersucht zu werden, damit man sich einer genauen Beschreibung des Bads als einer Richtschnur bedienen könne, die Heilung der Kranckheiten darmch abzumessen. Ich meines Orts ran mich zwar nicht rühmen, so genügsame Proben von diesem Leucker-Wasser gemachet zu haben, als zu einem genauen Eramcn nöthig wären; die enge eingeschranck- te Zeit schnitte mir eine solche Untersuchung ab. Dennoch haben mir, gleich als im Vorbeygehen, folgende wenige Proben so ich gemachet, die Augen in so weit ausgethan, daß ich nun aus der Erfahrung dieses Bads halber ganz andre Gedärmen abfasse, als ich zuvor aus der Beschreibung andrer gehabt, welche beretts vor fast anderthalb hundert Jahren ihre Gedancken hierüber eröffnet. Aus Anschüttung des Weinstein-Salzes nun beobachtete ich, daß dieses Wasser sich in ein milchweißes dickes Wesen geändert, und auch bald hernach schneeweiße Flocken sich zu Boden gesetzet. Aus Angieffung des Scheidwassers erhebte sich ein Räuchlein. Aus Vermischung der gestoßenen Gallapflen zeigte sich eine bräunlichte Farbe. Durch Anmischung des Salpetergeists, und Pulvers, des ä-ki-moniso Geists, des Grünspan-Geists, des sublimirten Quecksilbers, folgte keine Aenderung. Das vornehmste Gemercke, bey welchem man die Würckungen dieses Wassers erkennen soll, ist meines Bedünckens das gelbe oder braungelbe Pulver, welches sich sonderlich bey den Quellen und in den Canälen häuffia ableget; es ist eines saurlicht zusammenziehenden Geschmacks, und gehet oder gahret hitzig auf, wenn es mit dem Scheidwasser angefeuchtet wird. Dieses Pulver hat mit seiner gold- hochqelben Farbe unsern alten xieMcis also in die Augen geleuchtet, daß sie kecklich ausgegeben, es stieße dieses Bad-Wasser über Gold und Kupfer. Gewiß ist, daß seine Würckungen die Kräften (ich verstehe die Medieinalische, nicht Politische) des Golds übersteigen. Doch halte ich auch vor gewiß, daß dieses Pulver keine Gemeinschaft mit dem Gold, wol aber mit dem Eisen habe, und als ein wahrer natürlicher Lrocus kisttis anzusehen seye, und daß aus dieser Grundquelle alle die vornehmsten Tugenden dieses Walliffer-Bads herzuleiten seyen, von welchen man wol rühmen kan, daß sie die Kräften aller übrigen Heil-Badern und Mineral-Wassern des Schweizerlands über- _ d es 172 7 tett 'Jahrs? 155 übersteigen. Denn in Ansehung der natürlichen Wärme läßt sich allhier das finden , was man in andern von Natur warmen Bädern sucht. Der subtile vitriolisch - martialische Saltzgeist gibt dem Wasserbade die Würckunqen der Saurbrünnen, und hat endlich der abgelegte Lrocub so wöl in dem Stande seiner Vermischung mit dem Wasser, als nachdem er gesondert, seine besondern köstlichen Heilkräfte. Es verdienet die Wichtigkeit -er Materie, daß wir um etwas eigentlicher und weitläuftiger ausführen, was vor Würckunqen von dem Leucker-Bade aus jezt qefundnem Grundsatz zu hoffen seyen. Sehen wir die irdische, und vitrtol-salzichte Theile an, so werden jene die scharffen sonderlich in dem Magen und den Gedärmen liegende Feuchtigkeiten in sich schlücken, diese aber die allzugeschwinde Bewegung-er herrschenden flüchtigen Theilen hemmen, und beyde zugleich das Geblüt versässen, die wilden Geister besänftigen, die nervosischen Zäsern zusammen ziehen, und damit die innern Glieder, ja den ganzen Leib stärcken; folglich kan ein verständiger Arzt den äusserlich - und innerlichen Gebrauch dieses Wassers denen anrathen, welche einen so verderbten schlappen Magen haben, der die Speisen oder Arzneyen nicht wol halten kan; oder denen, welche eine so scharffe Materie in ihren Gedärmen haben, daß diese, beständig qereizet, zu oftmaligen Durchläuffen Anlaß geben; oder denen, welche von schweren lanZ angehaltenen Kranckheiten endlich durch einen Durchbruch der schädlichen Materie durch die Drüsen der Därmen erledigt, aber dadurch an den Verrichtungen ihrer Däuung sehr geschwächt worden; so können sich auch dieses Wassers insonderheit innerlich mit gutem Nutzen die bedienen, welche von allzuscharffem Geblüt dem Nasenbluten oder andern dergleichen Blutvergiessungen durch andre Naturgänge allzuoft unterworffen sind. Geben wir ferner Achtung, wie obbenennte salz-vitriolische Theile in Kraft ihrer spitzigen Gestalt, und durch besondre Leitung des Wassers, in innerlichem Gebrauch durch alle kleinsten Aederlein dringen, die schleimrige tartarische hie und da sich anhängende Unreinigkeiten auflösen und abführen, ja wie auch selbst die irdischen sonst zusammenziehenden Theile zufälliger Weise sich öffnen können, indem sie die wilden sauren verbitternden Satten in sich schlücken und ausführen. Wenn, sage ich, wir diese eröffnende Heilkraft des Walliffer-Bads mit offnen Augen ansehen, so finden wir eine reiche Arzneyquelle vor unzählich viele Anliegen, welche nern- lich von Verbitterung der Säften, Verschleimerung der Wasser- und A a Z Blut- Vierte Berg-Reift Blntgefässen, ihren Ursprung nehmen. Ja , ich kan sagen, ein allgemeines Mittel wider einen allgemeinen Feind; denn wir gewißlich keinen so ernsthaften/ so beständigen/ so gemeinen/ sostarcken Feind unsrer Gesundheit haben/ als die Verstopfungen. Diß ist die Büchse p-m^or-e, aus welcher bald alles Unheil entstanden. Alle Gattungen Fieber/ Hinterhaltuna der güldnen Ader/ der monatlichen Rei- sucht/ re. sind unartige Kinder dieser feindhäßigen Mutter. In den irdisch-martialischen Theilen/ wo solche die Oberhand über die Salz- theile haben/ lieget so wol bey innerlich-als äußerlichem Gebrauch eine köstliche Versüssungs-Kraft, welche die sauren scharffen Salien des Geblüts unter das Joch bringet/ und absonderlich die von ihnen herrührende Raud/ Aussatz/ und andre dergleichen flieffende Haut- Schäden heilet. Richten wir unsre Augen absonderlich auf die salz-vitrioltschen Theile/ so haben wir uns besondrer schweiß - und harntreibender, auch selbst den zähen Magenschleim durch das Erbrechen ausführender Kräften/ zu getrosten/ deren sich ein verständiger Arzt mit grossem Vortheil bedienen karr. Ich sage nochmal/ ein verständiger Arzt, weilen das vornehmste irr vernünftiger Zueignung jezt-beschriebner Würckungen des Bads lieget. Zumalen bald der äußerliche Gebrauch allen denen Patienten, bald der innerliche allein, bald beyde zugleich, oder nacheinander, und zwar in gewisser Masse und Ordnung einzurathen; bald muß der ^eckcus seinen mehrern Trost auf die irdischen, bald auf die Salz - bald auf die Wasser-Theile sezen, und diese von jenen, und jede voneinander abzusondern, ja selbst unter den Quellen einen Unterscheid zu machen wissen, wie meines Bedünckens die in freyem Felde stehende Quelle, das Goldbrünnelein genannt, zu innerlichem Gebrauch vor andern aus mir dienlich vorkommt. Zu welchem Ende dann den Beftehern oder Eigenthums-Herren von dergleichen köstlichen Bädern, zu ihrem Nutzen und der Badgästen Heil, einzurathen wäre, daß allezeit ein wol- erfahrner und gelehrter kkäicus beyhanden seyn möchte, dem durch allerhand sowol Chymische als Praktische Proben, des Bads wahrhafte Natur und Würckungen bekannt, der denn bey allen sich bege- bcnden Anlässen einem jeden Bad-Gast mit Rath und Trost zu begegnen wüßte; ja ich darffkccklich sagen, der in dem Lencker-Bade Mst allein an dem vorhandenen Ooco kiarüs und dessen vernünftigen ^ «D>-> -/« ^cr^L5r'E / X ) ^ »> MMM DNM^VWWWMMMi ^eo^re^r.M ^ )^ttn^küc-^li'/Nret^en.!!jii, /e^cii, ^«üii-^eli. ^«as i^Lt- äie-^eiiri.' ^era^ rii^ -üä-ler-o^^r-rttis,^ r^Ln-ri-lL^ Äoc/>^ei^ A,t>^7EUn unö ^' öes ^oc^Lacl): dcLii to^i^LlM. ^17H«U^L1VA I: i^attbe öü-- 5esLel)L5 in- loiio ^r^e-.^sett: EelrechLe höße tiri'6«>HtLnc^ schü^sr. ^E. öM^m^crDa^, I, E' A. äas hell Haö, (^.AeMck,^W LsEtl. D. E leirr/o cm //-I eißeetterc MmhmiZt.- (^.em 5^ ^ ivachlßcm^ u^ öemfet^ctt^ l^er ^au^eir^ee ^.chr ^aüjr aaf öer ^an^m... . .lMM-UKMMK» des i-osten Jahrs. izr gen Zubereitungen eine ganze Apothee fünde. Ich schreibe diese Anmerkung nicht ohne Grund, weilen so wol in diesem Walliffer- als vielen andern Heil-Bädern -es Schweizerlands dieser vornehme Punct der Bad-Ordnung schlechtlich in Acht genommen wird, und die Gäste mchrmaleu ihnen selbst, oder einer geringen Anleitung des Bad-Wirths überlassen werden, oder im Nothfall der Beyhülff eines anwesenden Schrepfers oder Chirurgs geleben müssen; dieses aber schreibe ich ohne und Nachtheil derjenigen r^eäicorum . welche zuweilen von benachbarten Orten in die Bäder beruffen werden, und allda zu der Bad-Gästen Trost etwas Zeit bleiben können. So viel sey nungeredet von dem Leucker- oderWalliffer-Bad. Aus 2OO. Schritte ungefehr von der warmen Quelle kommen Mav-Brila- aus der Erde andre eißkalte May-Brünnen hervor, von welchen ei- «">». ner Unser Lieben Frauen Brunn genannt wird, weilen er nur zwischen zweyen der H. Jungfrau Maria gewidmeten Festen fliestet. Es meldet Loiiinus, bey 8 imler Vsiie;. p. ! 4 s. b. daß zu seiner Zeit die Bad-Gäste sich dieses Brunnens, wenn sie sich in dem heissen Bade erhitzet, zur Abkuhluna bedient haben, wiewol zu ihrem eignen Schaden; er zeiget dabey die eigentlichen Ursachen dieses so ordentlich unterbroch- nen Lauffs an, welche mit dem, was im i. Theil Bl. 342. von dergleichen Maybrünnen beygebracht worden, übereinkommen. Nunmehr vermeynen wir in dem Leucker-Bade, was einem Naturforscher zu wissen nöthig ist, gesehen zu haben. Es ist Zeit daß wir aufbrechen, und uns gegen dem Bern-Gebiet, und so weiters gegen dem Vaterland wenden. Wir haben bereits genug Berge bestiegen, aber noch einen zu überwinden, welcher uns heute genug zu schaffen . gibt. Dieser ist der Gemmi, Gemmiberg, Gämmi, 6emmlU8,HAMl*> welcher von seiner Höhe und wilden Räuhe den Namen ä 6emim , vom Seufzen haben soll, weilen die welche ihn besteigen, oft wegen der Arbeit und Gefahr, frischen Athem zu schöpfen und zu seufzen Anlaß und Ursach haben. Denn dieser Berg von der Leucker- oder Walliffer-Seite sehr gähstotzig, und geradenwegs in die Höhe führt, durch krumme, schmale, hie und da in Felsen einaehauene, mit hölzernen Zwerchbalcken gleich als Brücktet« belegte, und hin und wieder mit Mauerwerck unterstützte Wege, welche denen, so dem Schwindel unterworffen, oder sonst dergleichen Bergstrassen niemalen erfahren , leichtlich einen Schrecken einjagen können, und viele dahin verleiten, daß sie sich über dieser: gefährlichen Weg nicht zu gehen getrauen, !-r Vier te Berg, R eise_ trauen, sondern sich durch besondre dieser Arbeit erfahrne Männer tra- tragen lassen. Herr Lieutenant Bodmer von Amsoldingen, seines ersten Herkommens von Zürich, dißmalen in Diensten des Hochlöbl. Stands Bern, ein erfahrner Ingenieur, mein sehr werther Gönner und Freund, hat die Mühe genommen, diesen seltsamen Weg A. 1701. Geometrisch abzumessen, und in einem perspektivischen Plan vorzustellen, und in allem bis zur Daube iOno. Schuhe gefunden, welches die oberste Höhe, bey welcher einem Reisenden erlaubt ist, in einer offnen Herberg auszuruhen, in deren er beydes die Person des Gastgebs, und des Gasts verwetten, und mit demjenigen Lranck oder Speisen, welche er mitbringt, sich ergötzen kan. Höhe auf Allhier fiel das Quecksilber in unserm Wanderftab auf ly.Zoll , der Gemmi. 9. Scrupel, woraus wir geschloffen, daß dieser Ort in senckelrechter Höhe über das Bad 1600., Brtg zmo., Viesch rzOO., Geftilen 1680., Altorff z6oo.; niedrer aber als die Furcke 400., Gotthard Z2O. Züricher Schuhe. Nach Marione kommet die Höhe über das Meer 54Z7., nach Laßmo aber 7486. Pariser Schuhe. Dauben. Aus der Gemmi reiset man fort neben dem Dauben-See, Du- Ste. ben-Gee, welcher sich ungefehr eine halbe (nicht aanzc) Meile in die Länge ziehet, und mit hohem Berg-Jochen ringsum eingefaffet ist. Dieses Sees gedencket auch 8imier äe -vipib. psZ. iri. b. und I4elv. p. s 8. Er soll oft in dem Sommer sehr wenig Wasser halten, und scheinet nicht so fast lebendige Quellen zu haben, als ein Zusammenfluß von Regen- und Schnee-Wasser zu seyn. Neben diesem See beliebe der eurieuse Reisende wellen-formige in die harten Felsen eingedrückte Hölen in Acht zu nehmen, welche Vielleicht den Sündfluth-Wellen, als sie über diese annoch weiche Gebirge hergefahren, zuzuschreiben sind; wenn wir diese Unebenheiten der Felsen dem Schnee-Wasser selbst nicht wollen zuschreiben, und sagen, daß auch dieses durch langes Stillstehen in solchen Grüblein die Felsen erweichen, oder mit seinem Abfluß über höhere Felsen dieselben also aushölen könne. Ich habe dergleichen Aushölungen hin und wieder auf den Spitzen hoher Alp-Gebirgen angetroffen, und schreibe sie eher der ersten, als lezt-angebrachten Ursache zu. ffmtingt» Nachdem wir auf der Gemmi einige Stunden fortgervandert, thal. kamen wir ins Bern-Gebiet, und zwar gen Randelstag, Lander- «anvkWg. ^ so daß erste Dorff im Frmiger, Hrminger-Thal, klming'-, _ _ des kosten Jahrs. r-z Vzliis, und den Namen von der Brücke bat, welche alldort über die Kander gehet. Wir reisten aber diesen Abend weiters gen Randel- Aanvrr. brück fort/ vor deren über liegt Frutingen, krulin^s, von dem das 6 ruck» ganze Thal seinen Namen hat. In Kanderbruck hatten wir heute Abends und den folgenden Morgen bey Heller Luft die Höhe des AU -» Quecksilbers 2z. Zoll, 4.Serupel/ woraus zu schließen/ daß dieser Ort tiester als die Gemmi 2820., Leuckerbad/ welches 7. Stunden von dannen abliegt 1222., Viesch 520., Gestiken uro., Furcke Z220., Gotthard z 12s. Züricher-Schuhe, und mit Morst ungefehr in gleicher Höhe; 8 slvo Lrrore Lxperimenti, Sc ipllus Lslculi. Den 16. August reiseten wir nach der Länge der Kandel/ das D.I-.AUS. Frutingerthal ab. Die Wandel, Ränder, K»nclela, ein ungestümes Bergwasser/ Kandr». entspringt auf dem Berg Engstlmgen, nach dem Bericht biili. ltelv. I4sr. p. 76. , nach 8rump6o aber Linon. Qib. vm. c. r. auf dem an die Walliffer gränzenden Gebirge ksvvin. worinn er aber irret/ denn der Berg Ramm, k3vink,8, welchen 8imier vail. p.2s. b. in den Sitter-Zehenden setzet, den PaßinsStebenthal, 8immis Vsilis. nicht aber ins Frutingerthal giebst, daher jeztgedachterStumpfauch darin zu verbessern, daß er dre Kandel durch das Siebenthal führt, durch welches die Simmen, Limm», abstiesset, welche sich hernach mit der Kandel vereinigt, wie in der Geigerischen Land-Charte des Schweizerlands zu sehen. Es berichteten mich die Einwohner des Frutinger- Thals, daß die Kandel ihren Ursprung in der Alp Gaster, z. Stunden hinter Kanderstäg habe, bey welchem Dorff sich mit der Kandel der Bach Alp, welcher aus einem Berg-See in Oüfchmen Herkömmt, mischet. Das Frutinger-Thal heisset bey Lcec'o velcript. Äocckom. p. 2;). b. Queres Vztiis, allwo er auch den erst angezognen und selbst in die Land-Charte gebrachten Fehler von der Kandel Ursprung und Fortgang verbessert. Unser Marsch gienge von Kandelbruck durch Schwan«. Gchwandi, da wir vorher aus lincker Gerte das Dorff wengi vor- bey giengen; weiters kamen wir durch Rien, Müuinen, und end- Müll'ine». lich über ein Berglein gen Faulen.See am Thuner-See. Fauim-S«. Bey Müllinen, unweit unterhalb Kandel, in einer Wiesen, Mineral, quiüet aus der Erde ein Mineral-Wasser hervor, welches zwar ohne Gebrauch, aber ohne Zweifel zu grossem Nutzen der Anwohnern tönte angewendet, und theils gebadet, theils getruncken werden. Es ll. Theil. Bb leget Überschwemmungen von der Kandel. Wie selbige «btnheben. Zrutnlger- Thal. 194_ Vierte Berg, Reise leget einen martialischen Oocum, oder Saffranfarbichte Erde ab, welche gleiche Probe mit obbeschriebnem Lroco desLeucker-Bads aushaltet. Der Grünspangeist, ^gustorr, und Sublimar machen in diesem Wasser keine Aenderung; von Anmischung aber des Weinstein- Salzes wird es milchweiß; von den Gallapfeln purpurbraun. Der Lrocus selbst geräth durch Anschüttung des Etzwaffers in eine Gäh- rung, und lasset zugleich einen starcken Geruch von sich spüren. In dem Dorff selbst sahen wir im Vorbeygehen Christian Müllmann, einen noch lebhaften Mann von ioo. Jahren. Der Randel-Fluß wendet sich in dieser Gegend auf der linckcn Seite, und leeret sich unterhalb dem Thuner-See in die Aare aus, nachdem er zuvor den Einwohnern des Frutinger-Tbals grossen Schaden zugefüget, weilen er nicht innert seinem Runß bleibet, sondern seine Herrschaft über die flach an ihm liegende Güter ausbreitet, und ftlbige mit Sand und Steinen überführt. Weilen nun bemeldten Schaden der Kandel abzuwenden die Wuhr und andre bisher gebrauchte Mittel unzulänglich sind, so hat man hochweißlich zu berathen angefangen, ob nicht die gänzliche Ver- derbung dieses Lands durch eine andre Leitung der Kandel, unterhalb dem Berg hindurch in den Thuner-See, könte Hinterhalten werden, indem sie vermuthlich ihre imgestüme Art verltchren, und sich über den ganzen See also ausbreiten würde, daß man von Effeetui- rung dieses Mittels an dem Thuner-See selbst nichts zu besuchten hätte, und vielleicht der Aare Lauff unterhalb dem Thuner-See auch in mehrere Richtigkeit gebracht werden könte. Es horchten aber die Thuner und andre Anwohner des Sees, daß durch vorhabende Leitung der Kandel in den See, dieser sich bey anbrechenden Wald- wassern also auflassen möchte, daß daher die Überschwemmung des flachen sehr fruchtbaren Lands zu besorgen wäre. Zu Erörterung dieser Frage gehöret eine Mathematische Ausrechnung der Wassern der Kandel, der Weite des Sees, und des Lauffs in die Aare, woraus sich zeigen würde, wie hoch der See, auch bey der größten Menge der Wassern, welche er von der Kandel empfangen würde, in der Höhe anwachsen könte. Das Frurmger-Thal, welches wir jezt durchwandert, erstreckt sich in die vier Meilen; war ehemals unter der Herrschaft besondrer Freyherren von Frmingen genannt, von welchen es an die Wal- liffer-Feeyherren von Thurn kommen, von denen einer Herr An- toniu« des r-osten Jahrs. 19s ksmus U. i z6s. zu Zeiten Kayfers Lsroii iv. denen von Bern viel Verdruß zugefüget, hernach aber A. 1400. dem hochlöbl. Stand Bern seinen ganzen Theil um eine gewisse Summe Gelds verkaufft, welche die Einwohner selbst erlegt, und dadurch sich von dem Joche ihres Herren loßgewickelt. Wir begaben uns zu Faulen-See zu Schiff, und langten MendS eh««, zu Thun, TNunum, Tkuna, Ounum an, welches eine schöne Stadt zu Ausgang des Sees in die Aare, an einem lustigen Ort gelegen, welche sich in zwey Theile abtheilet, deren der einte jenseit -er Brücke dem Aergäu zugehört, der andre aber diffeits in dem Uchtland lieget. Diese Stadt und Schloß hatte vorzeiten ihre eigne Grafen, von Thun genannt, von deren endlichen Abgang man nichts gewisses in den Chronicken findet. Von diesen Grafen kam diese Vtadt und Herrschaft an die Grafen von Lykurg, und von diesen an die Stadt Bern, bey Anlaß eines A. izro. begangnen Mords an der Person Graf Eberharren von Kvburg, dessen man seinen Bruder Hartmann beschuldigte, welcher die Herrschaft eine Zeitlang zu Lehen empfangen, nachdem er Thun an Bern verkaufft. Man zeiget noch im Schnecken des Schlosses, da die Mordthat begangen worden, einige von vergossenem Blut überbliebne Flecken, von welchen man vorgibt, daß sie fich nicht abwaschen lassen. Ob diese schwarzlichte Flecken, welche an denen senckelrechten Seiten der steinernen Tritten, und nicht auf denen wagrechten, gczeiget werden, noch übrige Anzeigen eines Bluts seyen? wil ich weder bejahen, noch verneinen; hiemit nicht untersuchen, ob, und wie weit ein warmes Blut fich in -en harten - sonderlich den Sandstein könne eindringen ? oder, ob etwas anders zähes auf dieser Stiege verschüttet worden, welches sich nicht leicht verliehret? oder, ob es Gott sonderbar also verhänget, daß ein so unschuldig vergossenes Blut nmsse, so lang das Schloß stehet, den Greuel der begangnen That zeigm, und Raach über die Thäter schreyen? gleich auf einem solchen Mordplatz zu immerwährendem Angedencken, jene mit blutrothen Blättern bezeichnete Buchbäume beydem DorffBuch in der Frey-Herrschaft Wülflingen, deren im I. Theil Bl. 1. gedacht wird, sollen aufgewachsen seyn. Es ist Thun A. 1375. völlig an Bern kommen, mit Behaltung eigner schöner Freyheiten der Stadt, Kraft deren sie ihre eigne Obrigkeit selbst erwehren, re. B- r Von 196 __ Vierte Berg-Reise _ Thun«« Von der Gtadc Thun hat der Thuner-See, l-scus l'kumus, S«. I'kuninus r^iyconio, vunensis, den Namen, welcher ungefehr anderthalb Meilen lang, und eine halbe breit ist. Von diesem See liefet man eine seltsame Gesthicht bey ^mon. äe 6elbr krsncor. .lll. c. 86. sä ^.L.6i s.nach8mLer.., Gestiken 1600., Furckcn Z680. Gotthard zsoo., und mit Zürich ungefehr in gleicher Höhe, oder nach heutiger Observation, noch 40. oder so. Schuhe tiesser, weilen allda die Hohe des Wettcrglasses 2z.Zoll, 9. Serup. und 2z. 9z. war. Nach Mariorri Rechnung wäre die Höhe der Stadt Thun über das Mittelländische Meer 1479. nach Laßmi aber 1614. Var. Schuhe. D. l7. »ug. Den l 7. August besuchte ich Hm. Johann Rubin , r^eä. l)oK. dessen Freundlichkeit, Gottesforcht und Arbeitsamkeit ich nicht übergehen soll anzurühmen. Die von der Practie und andern Haußge- schäfften übrige Stunden wendet er zu allerhand sonderlich geistlichen Uebungen und Betrachtungen an, unter welchen ich dißmal eine über die Offenbarung Johannis gemachte Auslegung in i9.iomi8 in 410. nenne, eine Verzeichniß aber andrer seiner Schriften auf einen arr- schwalbtn- dem Anlaß verspüre. Er verehrte mir 1) die sogenannten Gchwal- Stemlem. ben-Scemlein, Lkeliciomos Wnersles, welche fiel) in der Herrschaft Sauen, hinter Rötsthunmd, Bemer-Gebietö, in einer kaum zwey Schu- -97 _ öes r 72 skm Jahrs. Schuhe breiten Grube finden. Diese Steinlein find hell und glatt, als wären fie polirt, an Farbe weiß, gelb, aschfarb, blaulicht, an Gestalt ablang, auch rund, auch wol vieleckicht. Sie werden etwan von den Landstreichern umher getragen, und vor wahre Schwalbensteine verkauft, welche die Kraft haben sollen, die Augen zu reinigen, midie Unreinigkeiten so in selbige gefallen, auszutreiben. lob. vspr. klamm in seiner lieiv. ämic, Sr nov. cap. 7. p. 42. zehlet diese Stein- lein unter die natürliche Seltenheiten des Schweizerlands. Omi. ksdr. ttilclanus dem. II. Obs. I Z. gedenckct derselben Steinlein auch, ohne Benennung des Orts. Dieser Schwalbensteinen halber ist wol zubemercken, -aß fie mit den Lbeiiäomis. oder Schwalbensteinen bey plmio I.ib. XXXVII. cap. 10. nicht zu vergleichen, ja daß auch selbst von diesem Plinianischcn Schwalbensteine mehr gerühmt wird, als sich in der That findet. Es ist gemein, daß in den Nestern der Vögeln allerhand kleine Kieselsteinlein gefunden werden, und die Ur- sach, warum fie sebiqe abschlücken, anderstwoher bekannt. Unsre vorhabenden mineralischen sogenannten Schwalbcnsteinlein haben ja die Kraft, die Stäublein und andre eingefallne Unreinigkeiten aus den Augen wegzubringen. Es ist aber diese Würekung nicht diesen Steinlcin eigen, sondern allen andern glatten Steinlein gemein, wie dann bekamt, daß zu dem Ende auch die Krebsauqen gebraucht werden, re. 2 ) Ist mir von obberühmten Hm. v. Rubin ein weißes dunckles inwurfflichte Cörper steh brechendes Frauen-Eiß, Seiendes rt>ombol6aÜ8, seu -rnöroclamas, aus dem Grindelwalde dargebottM ^ worden, welches fich auch nahe bey Thun findet, aber Schönheit und Lauterkeit halber nicht mit jenem Appenzellerischen Steine, dessen Beschreib-und Abbildung im i. Theil B1.i68. zu finden, in Ver- qleichung zu setzen, z) Einige Cristallen aus dem Grindelwald LUMm. und Haßlerhal , welche aber auch an Grösse und Schönheit gegen denen Gotthardischen nicht zu rechnen. 4) Jener reine natürlich durchsichtige Schwefel , Luipbur vivum seu virZinevm, welcher zu Sex, (kaÄiacum) in der Herrschaft (^guücZia) -es Bern-Ge- biets hcrvorgegrabcn wird, er ist den Anwohnern unter dem Namen -es Windschwefels bekannt, weilen dessen Rauch bey erlahmten Menschen und Viehe, denen, nach unsrer Redensart, ein böser wind worden, gebraucht wird. Ich habe bisdahin wenig natürlich durchsichtig gewachsene Schwefelarten gesehen, welche dieser Berncrischen an Schönheit beykommen, und keine, die sie übertreffen; und Miste Bb z ich S-8 Vierte Berg-Reife Sirieraki. hr Wasser. Gchneidt- >v«h«. und Dluinenstei- IM'Vad. Guriiigel- Bad. Iucki- Lrünnelein. Schwefel- Demin bey Krakligen, tu Riggi' sperg. Der Lind- Dach. DaS Weks- senburger- Dad. ich keineswegs, daß diese Gattung Schwefel zu innerlichem Gebrauch, sonderlich ln denLungen-Kranckheiten, vortrefflich dienlich wäre. In der Gegen- um Thür» sind innerhalb wenig Stunden folgende Heil-Bäder oder mineralische Wasser anzutreffen, welche aber dißmal die Zeit nicht zuließe zu besuchen und in die Prob zu nehmen, ich habe aber den hierüber nöthigen Bericht von obbemcldtem Hrn. ooK Rubin eingenommen. Das Gchneiörweihec Alaun - Bad. Das Blumensteiner k Bad, özlneum Llumenlleinenle, indem Dorfs Bmmenstein, welches die Leinwand, vermuthlich von einem enthaltenen Ooco xi^nis, ganz roth machen soll. Dieses Bads ge- dencket auch unser sel. Hr. o. ^r. tleiv. p. 109. -aß es Eisen und Vitriol führe, und die Durchlänffe stille. Das Gurnigel-Bad , welches getruncken und gebadet wird, eines säurlichten Geschmacks, und selbst gleich den Saurbrünnen getruncken wird, und gute Würckung in der Schwachheit des Magens, und Glieder-Zustanden zeigen soll, re. p. 1,0. Das Iucki-Brünneiein, ein sehr kaltes Wasser, in welches die Anwohner sich in allerhand Kranckheiten, auch ohne Ausziehung der Kleidern, ganz kalt eintüncken. Ein solcher Brunn ist auch bey Dießbach am Gchlag.wege, welcher ins besonder in der sogenannten xuZraine, NemicrLm», und andern Hauptschmerzen gerühmt wird. Es gehören diese zwey Wasser in die Zunfft jener Ra'rwche-Brünnen, welche hm und wieder in Schweizerischen hohen Gebirgen zu Heilung dieser Kranckheit angewendet werden. Von denen aber werde anderstwo zu schreiben Anlaß haben. Bey Rrattigen all dem Thuner-Gee ist ein Gchwefelbrunn, welcher alles, worüber er fließt, schwärzet. Ein solches Wasser findet sich auch gegen Riggifperg, welches eines simren Geschmacks, aber vor ungesund gehalten wird. Eine Stunde von Thun ist der Lindbach, ein Schwefelbad, welches zunutz gezogen wird. In der benachbarten Herrschaft wimmis, im Niedern Gie- benchal , ist das Weissenburger-Bad, welches wol verdienet an diesem Ort beschrieben und angerühmt zu werden, sonderlich nach Anleitung des hochgelehrten und erfahrnen Herrn Ioh. Jacob Ritter, X 4 eä.l)oK.von Bern, dißmaligen Besitzers dieses Bads, von dem er __ des rasten Jahrs. 19- er A. 1696. eine Beschreibung heraus gegeben, in deren dieses Mineral-Wasser in dem Hauptwehe oder i^igrgme gerühmt wird, dem Schwindel, Entzündung der Augen, Verstopfungen des Hirns, des Nerven, dem noch nicht veralteten Sausen der Ohren, der Schwachheit des Gehörsund Gesichts, allzuvielemSchlafe, ^popieKisch- und Uarzlicischen Zufällen, Geringhcit des Geruchs und Geschmacks, Entzündungendes ganzen Leibs, als der Lunge, Leber, Miltz, Nieren und Eingeweid; Unreinigkeiten des Geblüts, Verstopfung der Brust, Hertzklopfen und Husten, so ohne Verletzung edler Theilen; verlohr- ner Effens-Luft, Schwachheit des Magens, übermäßigen Durst, Gelbsucht, und Kaltwehe, Grimmen von Wein und Zorn, allerhand Kranckheiten der Mutter, Hinterhaltung der monatlichen Reinigung, und derselben Ueberstuß, Unfruchtbarkeit, Bauch-Lenden- und Nierenwehe, Grimmen, versteckten Harn, Brüchen, Miltz- Kranckheit, und anfangender Wassersucht; Abschweinung der Gliedern, erlahmten und erfrornen Gliedern, Contracturen und Lähmung, hinterlaßner Geschwulst von Fiebern, Schmerzen der Gold-Ader; Wunden an Menschen und Viehe, aller bösen Raud, Oel-Schenckel, sistulirten Schäden, umfressenden Geschwüren, anfangenden Aussatz, andern verborgnen Kranckheiten zwischen Haut und Fleisch, ver- reuckten, gebrochnen und übel geheilten Gliedern, Geschwülsten, und verstockten Geblüte, in Därm-und andern Gichten junger Kindern, 'abzuhelfen. Der Farbe nach beschreibt er das Wasser, daß eö etwas blaulicht, klar und hell, gleich anderm reinem Wasser, ohne Geruch und Geschmack gleich anderm Brunnenwasser, ausser daß nebst der natürlichen Süßigkeit zulezt eine gering gesalzene Säuruuq empfunden wird. Am Gewicht ist es anderm reinen Brunnenwasser gleich. Nach geschehener Abrauchung im Feuer bleibet ein subtiles Pulver, ohne Geruch und Geschmack, über, ausser einer gar geringen Nässe, woraus, samt den goldfarbigen Steinen und beyue- aendcm gelbrothem Sande, welchen das Wasser ableget, obgemeldter Hr. 0, Ritter schliesset, daß es Gold und Eisen, Vitriol, Alaun und ein wenig Salz führe, folglich einer durchdringenden, zertheilenden, öffnenden, verzehrenden, subtilisirenden, reinigenden, kühlenden, ausziehenden, auflösenden, stärckenden, abwischenden und heilenden Natur sey. Von dem innerlichen Gebrauche schreibet er, daß man es Morgens nüchtern trincke, so viel der Magen ertragen möge, ohne -aß es sonderlich nöthig sey gemächlich auf- und abzusteigen, ausser in L00 Vierte Berg-Reife _ den zwey ersten Taaen, da man ein viertel - oder halbe Maß nehmen hernach auf eine/ zwey/ und gar drey Masse steigen könne: es gehe zeitlich wtedrum durch den Harm und verrichte auch das (einige durch den Stulgang. Einigen Personen/ welche es frühe im Bett trinken/ verursache es eine zarte Durckdämpfung/ und treibe es auch hernach durch den Harn. Solche Trinck-Cur werde innerhalb i s. Lis 22. Tagen/ je nach Beschaffenheit geendet. Den äußerlichen Gebrauch schränket er ein in Baden und Wäsche»/ Aufschnupfen durch die Nase/ und Ueberbinden mit Leinwand. In den Zuständen des Untern Bauchs sitze man bis an den Gürtel oder die Weiche hinein; in den Kranckheiten der Brust bis unter/ auch über die Achseln; einige lassen ihnm zu Stärckung der Nerven durch kleine Canäle das Wasser über das Haupt und Glieder ablauffen. In dem Hauptwehe, Entzündungen der Auge«/Verstopfungen des Hirns/werde grosser Nutzen durch täglich nüchternes Aufschnupfen beygetragen/ und die Augen durch Waschen am Morgen und Abend gestärcket. Zu Heilung alter und neuer Wunden/ verbinde man dieselben des Tags dreymal, je nach Beschaffenheit/ mit ins Wasser getünckten Lumpen, und werde auch dieses Mittel in allerhand Geschwülste»:/ Entzündungen/ umkreisenden Geschwüren, und bösen Schäden vor die Hand genommen. Die übrigen Regten, welche er des Badens und Lebens halber verschreibt, sind mit andern von Natur wannen Bädern gemein. Was ich bis dahin aus Herrn v. Ritters Bad-Beschreibung gezogen, dem unterwerffe ich mich billich, bis ich durch mehrere sowol Chymische als Cur-Proben eines andern berichtet werde, um so mehr, weilen ich nicht selbst an dem Ort gewesen, und allein zu Bern von einer Maß dieses Wassers, die ich abrauchen lassen, 22. Gran eines weii- fen fast unschmackhaften Pulvers erhalten, welches mir schier wie die Mondsmilch vorkam. In mehrerer Nachfrage berichtete man mich, daß in der Nähe der Weiffenburgischen Badquelle eine Höle sey, darin» sich viel Mondsmilch (l-Zc t.unr) findet. Und vermuthe ich, wenn dieses Mineral sich je mit dem Wasser vermischet, daß daher, nebst dem gelbrothen Sande, so das Wasser ableget, und meines Trachtens ein Lrocus kisrlis ist, die edlen Würckungen dieses Heil-BadS meistens herzuholen seyen, unter denen billich die Kraft soll ange- rühmet werden, welche dieses Wasser vor vielen, ja fast allen andern Bädern aus, zum Trost der tteü.corum oder Dörrsüchtigen zeigen sott, welche, wie bekannt, die Bäder sonst nicht vertragen können, des i7üst§tt Jahrs. Lor imd/ wo sie darnach gelüsten, wie diß oft geschiehet, den Tod, menschlicher Weise zu reden, durch derselben Gebrauch befördern. Ich habe selber die Balsamische Kraft in der Person Hrn. A.W., meines hochwerthen Herrn und Freundes, welcher als ein verschäzter tteKicus m diß Wciffenburger-Bad gereiset, von -annen aber in sehr gutem Stande wiedergebrachter Kräften, zugenommenen Leibs re. zurückgekommen. Gewißlich, wenn keine andre Würckungen diesem Bad zugehörten als diese einige, so verdiente dasselbe ein hohes Lob, mehrere Lxperimen», und genaue Untersuchung seiner Eigenschaften. Wir kommen wiedrum auf Thun, um auf der Aare nach Reift von Bern abzufahren. Es hat dieser Fluß zwischen Bern und Thun Thun n«ch etliche Stunden in die Länae einen ganz unrichtigen Lauff, dessen die Anwohner meistens den schregen Einfluß der wilden Kander zuschreiben, welche sich oft in die Aare mit Ungeftümheit ergießet, die anliegenden flachen Güter über der Aare Bett hie und da mit Sand und Steinen ausfüllet, daß diese sich aufschwellet, über das Land ermesset, sich mit Gewalt einen neuen Runß machet, weßwegen diese Schiffahrt von Thun auf Bern, erfahrne und der Landsgegend wol berichtete Schiffleute erfodert. Wie diesem unordentlichen und unbeständigen Lauff der Aare, zum Trost der Anwohnern, durch Leitung der Kander in den Thuner-See, vermuthlich könne begegnet werden, davon ist oben bereits gehandelt worden. Heute langten wir glücklich zu Bern, Bärn, Lsrnz an, in der B«a. Haupt-Stadt des zweyten und mächtigsten Cantons Löbl. Eydgnoß- schaft; in deren historische, politische und geographische Beschreibung ich mich nicht wil einlassen, theils weilen die engen Schmucken mir solche weite Ausschweiffung verbieten, theils, weil ich dadurch von meinem Endzweck würde abgeführt werden. Wer obangeregte Nachrichten verlangt, der findet sie bey Herrn Stumpfen, Gunter, Gtätt- ler, und andern Vaterländischen Scribenten; und also auch das, was in der Stadt würdig zu sehen, in Herrn v. xiercurio bfttlorico. Auf der Bibliothek, welche anfänglich aus den hinterlassenen DM-nxe Büchern des berühmten ^cob, konZLrüi bestanden, hernach aber mit r« einer aroffen Anzahl andrer von Zeit zu Zeit gemehret worden, und in schönen Gebänden sauber unterhalten werden, sind von einem Reisenden insonderheit folgende Antiquitäten oder Ueberbleibseln des Alterthums anzuumcken; ll. Theil. Ck Eine 222 Vierte Berg-Reif e _ Eine grosse Anzahl alter Griechischer und Römischer Münzen, denen fast 60. rare dlummi Lrseteaci ^ngIo- 5 Lxonici, und knAlo- 6aUici beygefüget sind. Ein ehrme Todten-Lampe, l^mpss fepuickrslis, welche eine Stunde von -er Stadt in einem Grabe geftmden worden, nebst einem Todtenkopfvon ungemeiner Grösse, welcher aber bald zu Aschen verfallen, dabey auch ein sehr grosses Schwerdt. Ein Bildniß Uercuiis in Erz. Ein Xlercunus. Ein ^pis unter -er Gestalt eines Ochsen. Diese drey jezt-be- mnnte Stücke sind klein, und gehören unter die l^rer oder Hauß- Götter: sie sind zu Xöoucion gefunden worden. Ein Finger-Ring, an welchem Hercules mit einem Leuen vorgestellt wird. Der ist zu via,. unterhalb Lausanne an dem See gefunden worden. Eine Lampe von vier Oeffnungen, so vielleicht in einem heydni- schen Tempel, und zu Averdon gefunden worden. Sccelpicz, ein Messer, so ehemals zu Schlachtung der Götzenopfern gebraucht, und aufdem Berge bey kierre permis gefunden worden. Verschiedne Todtenkrüqe, Om-e lepulckraier, von feiner Erde. Ein meßinger Kopf von Lebens-Grösse, mit bleyschwerer Materie ausgefüllet, scheinet einen Kayser, oder General vorzustellen. Eine trefflich schöne Vorstellung einer Opferung , bey welcher der Priester nebst dem Ochsen, in Erz zu sehen. Diese drey lezten Stücke fand man zu vuii, allwo das alte carpenrrn stund, und eine Ritterliche Colonie war. Ein mit Edelgefteinen versetztes Altar-Blatt des mächtigen, kühnen, und dabey unglücklichen earoii. Herzogen von Burgund, welches man nach der Schlacht zu Lranlon in dem Gezelt des Herzogs eroberte. Unter andern Natur-Sachen finden sich auf der Bibliothee folgende Mineralien aus dem Canton Bern: Mit Baumblättern beschwängerte Tug- oder Toff- Steine, loti ^rborum kolüs prregnames, welche sich bey Toff finden; dergleichen gibt es hin und wieder im Schweizerland in sogenannten versteinernden Wassern, in deren lettichtes landichtes Wesen, welches -ch ableget, die von den Bäumen abfallende Blätter ihre Gestalt öes ryosten Jahr». Lsz eindrücken, welche hernach in dem erhärteten Toff-Stein bleibet. Es sind diese Blätter von denjenigen Blättern und Kräutern wol zu unterscheiden , welche sich in denen Schiefern in- und ausserhalb den Bergwercken und Steinbrüchen finden, und meines Bedünckens unter die Ueberbleibseln der Sündfluth zu zehlen sind. Mond-Milch V0N Meissenburg, b.ac I^unL V^eillenbur^enks. Greinzünglem, Lloüoperr-e aus der Mabern-Llue bey Bern; dieses sind Zähne von dem Meersisch Lsrckzriz, Hay gcnennet. Rother und gelber Lolus aus dem Grindelwalde. Steinkohlen, Lsrbones kollile!, ^ilkrnrkrace5, welche sich oberhalb i-uür),, jn -er Herrschaft i-suknne finden. Kuglichte durchsichtige Kieselsteine, Oillr!lmi8ilices, aus welchen falsche Diamanten können geschliffen werden. Man findet sie in den Weinbergen um ^ubonne am Genfer-See. Verschrenckt-viereckichtes Fraucn-Eiß, 8eiemres rkomboickles, aus einem Berge der Vogtey Imeriachen. Ein schwarzes Creui/welches man in der Herrschaft Gchencken- berg, m mitten eines Buchbaums gefunden, als man denselben zum Kochgebrauch voneinander gespalten: Ueber welche seltsame Begebenheit rch mir vorbehalte zu emer andern Zeit, gel. Gott, mit meh- rerrn zu reden. Ausserhalb der Porten der Stadt Bern ist das sogenannte Schwefel. Schwefel-Brünnlein welches viel von der Bürgerschaft zum Ba- br^nnlem den gebraucht wird. Diese Nachricht gibt Hr. ^gncr Uill. i^-r. ttelvec. P2Z. lLs. Ich bemercke bey diesem Anlaß, daß sich bey dem Gebrauch der Mineral-Wassern vornemlich die Wahrheit jenes Sprüchleins zeiget: Klunclu8 re^iwr Opimombus, und zwar nicht nur in Ansehung des gemeinen Volcks, sondern auch selbst der Gelehrten. Man findet hie und da berühmte Heil-Wasser, welche grossen Zulauff haben, aber auch in Ansehung ihrer trefflichen Würckun- gen verdienen besucht zu werden. Andre liegen öde, da man aber auch durch ein scharffes Examen nichts sonderbares findet, welches der menschlichen Gesellschaft zunutz kommen könte; oder in ihrer Nähe andre weit kräftigere Wasser, welche den Vorzug mit Recht haben. Es gibt auch solche Heil-Wasser, welche, in Ansehung ihrer i«gre. «liefen und daher zu hoffenden Würckungen, wol verdienten vielen andern vorgezogen zu werden, die aber ohne Gebrauch liegen, entweder, weilen deren Besitzer damit keine Mühe haben, oder solche Na- C e r tm- 224 Vierte Berg-Aeist _ turschätze für sich und die Seinigen allein gebrauchen wil, und andern nicht gönnet, oder mit zeitlichen Mitteln so wol versehen, daß er nicht nöthig hat mit Aufrichtung eines Bads sich zu bereichern; oder es sind solche Wasser so un- und abgelegen, daß man nicht leicht dahin kommen, auch nicht ohne grosse Kosten die nöthigen Gebäude aufrichten kan, und der zu nothwendigem Auffenthalt und zur Lust dienenden Lebensmitteln Zufuhr schwer ist; oder endlich, weilen sie nicht berühmt sind, und die Mode nicht ist, dahin zu gehen. Es gibt endlich auch solche Wasser, welche wider Verdienen einen grossen Zulauff haben, und ihren Jnnhabern zu grossem Nutzen gereichen, ich sage, Wider Verdienen, weilen sie nur etwas weniae unschmackhafte Erde oder Lett mit sich führen, oder ein wenig weisses Pulver, welches gemeiniglich vor Alaun angesehen wird, und solche Würckungen zeigen, welche man oft so gut oder besser bey nächst-gelegnem Brunnen, Fluß oder See haben konte. Wenn zu dergleichen Wassern eine bequeme Lage, eine nahe gute Schnabelweide, lustige von verschiednen Orten zusammen kommende Gesellschaft, eine hochaufgcmützte Beschreibung, eine gelehrte oft intereßirte Recommendation, und verschiede Exempel Krancker, welche von ihren Anliegen curirt worden, (die aber gleiche Würckung auch von andern gemeinsten Wassern zu hossen gehabt hätten) kommet, wenn, sage ich, solche Sachen zusammen stimmen, so laufft jederman zu, der Ruhm erschallet in allen Landen, man lagert sich hauffenwcise bey einem solchen Wasser, welches oft nur innerhalb einem Jahr einen Patienten curirt. An Beyspielen solcher Wassern, qu» lunt Lc videncur, viciencur, Lr non lunr, von lunr. SL nvn viclenwi-, fehlet es mir nicht. Ich wolle nicht einmal ausser die Gränzen der Eydanoßschaft, ja nicht ausser den Can- ton Zürich gehen, und bald von allen solchen Orten Exempel zeigen, es ist aber schwer und kützlicht, in Sachen einen Entscheid geben, welche den Privat-Nutzen oder Nachtheil nach sich ziehen. Ich wil auch nicht ausdrücklich sagen, in welche Ordnung unser vorhabendes Schwefelwaffer gehöre, welches bisdahin mit gutem Nutzen, vor- nemlich äusserlich , in der Raud und andern Hauptschäden gebraucht ist, diesen Sommer aber (A. i?os.) auch innerlich vielfältig probirt, und gleich einem Saurwasser getruncken worden, also daß alle Morgen eine grosse Wallfahrt zu diesem Heil-Bad, als einem Tempel khZcM, von beyderley Geschlecht, Jungen und Alten, ja nicht nur von krancken oderArzney-bedürftigen, sondern auch gesunden, gesche- des i-osten IahrS7 _ras hen ist. Mit was Würckung, ist mir unbewußt: Ich übergiebe mich dißfalls dem Urtheil und Erfahrung der Herren von Bern, welchen eine mehrere genaue Untersuchung so wol der enthaltenen Mineralien als daher zu hoffenden Würckungen fleißigst recom- mcndire. Ich habe in meinem Auffenthalt zu Bern verschiedne si- caijsche und saure Salze und Geister mit diesem Wasser vermischet, aber keine Aendrung gespürt, als allein von dem Weinstein-Salze, welches diesem, wie allen andern Schwefelwaffern, ja auch den meisten Brunnenwassern, eine milchweiffe Farbe gibt. Von 8 . einge- sottnen Maaßen blieb mir ein gelblichtes in etwas zusammen ziehendes Pulver, am Gewicht 44. Gran. Ehe ich von Bern verreise, wil ich auch etwas von der respeeti- ven Höhe dieser Stadt melden. Den i8. August war das Quecksilber in unserm Wetterglase D. ii.ms. »4. Zoll z. Scrupel. Wenn wir mit dieser Höhe die gestrige vergleichen, so wir zu Thun hatten, so finden wir Bern nur 40. Schuhe tieffer liegen als Thun; und als Frutingen 520., Gemmi 3720., Gotthard 3642., und Zürich 80. oder 120. Züricher-Schuhe; oder nach denen heut zu Zürich angemerckten Graden, allwo Vormittag 2Z.Zoll 8 . Scrupel, Nachmittag aber 2z. 7. waren, 200. oder gar 280. Schuhe. Welchen Observationen ich um so weniger trauen kari, weilen zu Zürich die Luft vormittag zwar hell und sehr warm gewesen, auf den Abend aber ein ftarckes Wetter mit Regen und Hagel eingefallen, also daß der Regen die folgende ganze Nacht durch gewähret hat. Was die resp. Höhe der Stadt Bern gegen Thun be- trift, so scheinet in Ansehung des Falls der Aare der Unterscheid von 40. Schuhen nicht genugsam, es ist aber zu wissen, daß die Stadt Bern über den Aaren-Ftuß sehr hoch liegt. Den 19. August hatten wir zu Bern unbeständige Witterung, D.n.«t§. bald helle Luft, bald Regen, und gegen dem Abend Donner und Blitz. Das Quecksilber hatte die Hohe von 3 3. Zoll, 8 . Scrupel, in welchem Grad es auch zu Zürich in meiner Studier-Stube den ganzen Tag gestanden. Nach dieser Observation wären diese beyde Haupt-Städte der ersten Cantonen Löbl. Eydgnoßschaft in gleicher Situation, oder in einer Horizontal-Linie. Und könte dieser heutigen obgleich bey unbeständigem Himmel gemachten Observation desto mehr Glauben zugestellt werden, weil auch zu Zürich die Luft vormittag hell gewesen, und Abends um 9. Uhr starcke Regen eingefallen. S e z Den 2c>6 Vierte Berg-Reist D. A»s. Den 20. August war die Höhe des Quecksilbers 24. Zoll, i. Scr. Vormittag, und aufden Abend 24. Zoll, zu Zürich aber 2z. Zoll, s.Serupel; also daß der Unterscheid 82. oder 122. Schuhe. rv.-».A»g. Den 21. August hatten wir Vormittaa bey Heller Witterung zu Bern 24. Zoll, zu Zürich aber 2z. Zoll, 8 ^Scr. und 2z. z., da der Unterscheid ist 162. und 122. »..-.Aug. Den 22. August Morgens bey neblichter Luft war zu Bern die Höhe des Quecksilbers 2z.Zoll, 8. Scr., zu Zürich aber 23. sz. und 2z. 6. da der Unterscheid 162. oder 222. Schuhe. HA ru Aus diesem allem schließe ich, daß Bern tieffer liege als Zürich Dcm. ungefehr 122. Schuhe, oder mit Zürich in gleicher Situation. Hierzu aber braucht es mehrere Observationes, und genaue Zusammentra- gung derselben, so an beyden Orten mit gleichen Instrumenten, und nicht nur etliche Tage, wie dißmal geschehen, sondern etliche Monathe vorgenommen werden muß, wenn man etwas gewisses heraus -ringen wil. Wenn wir Zürich und Bern in gleiche Höhe setzen, nach dem Fundament der 2s. Zollen, n. Serup. nach der Pariser Leiter, so kommet die Höhe dieser beyder Städten über dem Meer nach Marione 1638., nach Laßmo 1828. Pariser Schuhe, von welchen, wenn wir 252. Schuhe abziehen, die Höhe der Stadt Paris über das Mittelländische Meer, so kommen dort heraus 1480., hier 1675. vor die respektive Höhe zwischen Paris, Bern und Zürich: alles ungefehr. ». Aus. Den 22. August fuhren wir von Bern ab auf der Aare, und «üren. übernachteten zu Suren, kyrenelia, welches Städtleitts halber kU-rn- tikius im Zweifel stehet blclver. p. 268. ob diß der alten Römern ke- Höbe da. rinelca sey. Das Quecksilber hatte allhier, Abends nach ftarck aus- aegoßnem Regen, die Höhe von 24. Zoll, 2;. Srrupel. Nach dieser Rechnung wäre Buren 362. Schuhe tieffer als Bern, welches unmöglich. Es ist der Wahrheit ähnlich, daß das Quecksilber nach ge- fallnem Plazreqen wiedrum um 2. oder z. Skrupel gestiegen, und also die Höhe zwischen Bern und Büren ungefehr 122. oder is2. Schuhe sey. Zu Zürich ist auch diesen Abend von 4. bis 9. Uhr Nachmittag ein starcker Regen gefallen, nach welchem den folgenden Morgen das Wetterglaß 2z.Zoll 8 i.und 9.Scrupel gezeiget, welches beute vor dem Reg-rn 2z. Zoll 9. Ser. hatte. Den 2S7 __öes 7 70 sttn Ja hrs. Den rz. Attgust kamen wir auf Bruck, eine Stadt im Aergeu, also genannt von einer steinernen Brücke, welche alldort über die Druck, schäumende und zwischen engen Klippen tieffdurchflieffende Aare führt. Des nachfolgenden Tags, welches der 24. August war, durch windlsch, vincionissz. über die Grafschaft Baden nach Zürich. Wmdlsch. Zu Gebesdo, ffin der Grafschaft Baden, welches Dorff beyde Tkbt-dorss. RelWons-Uebungen hat, lasen wir folgende alt Römische Ueber- schrift, welche verkehrt in der Kirchen-Maur stehet: xi^xci xiOOLZU XXXIII. «xc: Q. L^IV8 8LOU^DV8 (^X0^^tSlU8 VL«.LCUl§l)U8 tt 8 L. Und über der Haußthüre des Reformirten Pfarrers — LI^UDIO X1L0ILO I.L6 XXI. (ZVIL-r^L LIU5 ^7"riLU8 ?^X0l^U8 Dieser Stein ist A. 1698. bey dem Zusammenfluß -er Aare und Reich gefunden worden. Hiemit hat unsre dieses Jahr unternommene Berg-Reife Beschlußw chr glückliches Ende, weßwegen ich dem höchsten Gott vor verliehene R"te. Leibs- und Gemüths-Kräften demüthiasten Danck abstatte. Ende der vierten Reise. Die Die Künste Werg-Weise. In dem Jahr 1706. Erlernung der Wissenschaften, und insonderheit derjeni- gen, welche zu der Natur-Historie gehören, haben diese an- genehme Beschaffenheit, daß die Begierde m denselben immer grösser wird, je weiter man darin fortkommt. Ich habe diesen Fortgang der Begierde an mir selbst erfahren. Es sind nun bald i s. Jahre verflossen, seit dem ich angefangen mich auf die Natur-Historie des Schweizerlandes zu legen. Dieses ist ein bergichtes Land, und mit vielen Seltenheiten angefüllt; sie sind aber so beschaffen, daß die Beobachtung derselben nicht geringe Mühe erfordert. Es braucht viele Arbeit, Unkosten und Gefahr, daß diejenige, welche nicht sehr fest auf ihrem Vorhaben stehen, dadurch leicht könten abgehalten werden. Ich hatte zwar auch viele Ursachen, in Ruhe zu leben, meine Arzney-Uebung, meine Hauß-Geschäfte und andre Dinge könten nuch davon abhalten, daß mich deßwegen niemand tadeln könte. Allein die Begierde unser Land allzeit mehr zu durchsuchen, ziehet diesem allem vor. Diese Begierde verdient allein einiges Lob, wenn schon der Ausgang nicht allemal erwünscht ist, und rch gleich nicht vorsehen kau, daß ich zu einem erwünschten Ende kommen werde, welches wegen dem Mangel fremder Hülffe, wegen der Schwierigkeit der Sache selbst, und wegen der Entlegenheit der zu erforschenden Dingen, nicht zu hoffen ist. Hier ist also eine neue Prob meiner Bemühungen, eine neue Berg-Reise. Den 17. Brachmonat. Wrrffr von Nachdem ich in Zürich die Höhe des Quecksilbers im Barometer Surich. auf 2Z". 8 "/. beobachtet, und die fernere Beobachtungen, welche in meiner Abwesenheit mit diesem Instrument sotten vorgenommen werden, veranstaltet, langte ich Morgens um 4. Uhr über den See in _Fünfte Berg-Reife des 1706??» Jahrs. Lotn Horgen an. Von da bestieg ich den Horger Berg, und gteng nach Waltcrschweil, wo ein Mineral-Bad ist, welches ich schön an einem andern Orte beschrieben habe. (->) Hier war/ nach einem kleinen Regen, Nachmittags um 2. Uhr die Höhe des Quecksilbers im Barometer 25". 6^". Wenn man also die Höhe desselben in Zürich setzet, wie wir sie diesen Morgen und auch des Abends gehabt, so ist Walterfchweil um oder 120. Schuhe höher als Zürich, (b) Nachdem der Himmel wieder hell geworden, sezten wir unsre Höhe des Reise fort aufZug, woselbst es Abends starck geregnet hat. Nachdiesem Quecksilbers Regen war um 6. Uhr die Höhe des Quecksilbers in Zug 2z". 9^". in Zürich 2z". 8^". Daraus ist aber von-er respeetiven Höhe dieser zwey Ocrter nichts zu schließen, weil die Beschaffenheit der Luft ungleich war. (c) An Zug war die Luft schon von den wässerigen Theilen befreyt, und also mehr elastisch, daß sie das Quecksilber wol um i; "/. höher hat halten können, als in Zürich, allwo die Dünste die Luft noch anfüllten. Eben so wenig läßt sich aus -er folgenden Beobachtung schließen, da den andern Morgen das Quecksilber in Zug auf 2z". 9"/., in Zürich aber aufrz". 8^". stunde. Denn ich weiß aus andern Beobachtungen, daß die Stadt Zürich mit ihrem See, und die Stadt Zug mit dem ihrigen ungefehr in gleicher Höhe liegen. (c>) Den i8. Jumi. Von Zug, dem viiten Orte der Eydgnoßschaft', begaben wir uns auf Zuger Set. den Zuger-See, auf welchem nahe bey Chan, die Lorez stießt. An ' diesem See liegen, nebst der StadtZua,folgendeOerter: Zur lincken, II. Theil. Dd Ober- (a) Nemlich m dem!. Theil/ Bl. 2 ;c>. u.f. (l>) Man muß in dieser Berq.Reise/ so oft von der Höhe des Quecksilbers geredl wird/ immer Züricher Schuhe und Zoll verstehen. (c) Ich weiß nicht ob ich schon erinnert habe/ daß diese Art/ die resvective Höhen der Omrr abzumessen/ ganz ungewiß ist/ weil die kuft selten an zweyen entlegnen Orten gleich beschaffen/ wie wir hierrtn Erempet haben/ daß das Quecksilber in Zug höher gesiandrn/ais in Zürich/ da es doch noch neffer/oder wenigstens eben so tieffhätte stehen sollen. (i Zo. kecles 'I'iZcirinoz, abzquc stelpecstu llsb>iro ack Lraciurrionem hstariorriauLw, Oallmiananr LULM^ue in leguemilruL llmeribus obscrvguäv, SIS Untekqelun- k«ne Häuser. GrosseFische in dem Iu- g»'Ser. Ni«le Ca> stamen- Bäum». AvtU-Fischr Lunfre Berg - Reife Oberweil, Walckweü, Gt. Adrian, wo eine diesem Heiligen ge- widmete Capelle steht/ welche an der: Canton Schweiz gränzet. Zur rechten liegen Lham, Buchenas, Ryfch, Böfchenrorr, im Kiemen, welches das lezte Vorgebirge des Zuger-Sees ist, und in das Lucerner-Gebiet gehört. Es ist sehr reich an Holz, welches den Zu- gern zu gute kommt. Endlich liegen an diesem See in dem Canton Schweiz, Arr, ein schöner Flecken, andemFußderRigi, welcher wegen der Roßmarin-Pflanzung und einem Brunnen-Bette, welches aus einem Stein gehauen, merckwürdig ist, desgleichen Immenste, wo eine Landung der Schiffen ist. Von dem Zugcr-Scc kan man folgende Merkwürdigkeiten beobachten. Ehe wir von Zug abfuhren, zeigte man uns an dem Ge- stad den Ort, wo i4Zs. den 4ten Tag Merz Abends um s.Uhr zwey Reyhen Häuser in das Wasser qesuncken, und dabey 62. Personen, nach dem Zeugniß unsrer Jahr-Bücher, umgekommen sind. Stumpf In dem VI. B. z I. Cap. Bl. s I s. Sprenger in der Züricher-Chronie bey diesem Jahr. Ein fast gleiches Unglück begegnete 1594. da nach Hallers Ldronic, B. l-iv. C. 4. vier Häuser in dem See versuncken sind. Die Einwohner schrieben fast all dieses Unglück den Karpfen zu, welche nach und nach in dem See die Fundamente der Häuser untergraben, daß sie endlich kraft ihrer Schwere untergesuncken. Eben diese Karpfen und die grossen Forellen sollen die Ursache gewesen seyn, daß zu Gsctlieben einem Dorff an dem Unter-See unweit Costanz, 1692. den L um den Mittag, einige Häuser ver- suncken sind. Ich muß bey diesem Anlaß sagen, was ich von den Zugern von der Grösse und Menge dieser Fischen in dem Zuger-See gehört habe, daß sie nemlich Karpfen fangen von 50. bis 90. Pfund schwer; Hechte von so. Pfund. Ein Fischer soll auf einmal 40. Centncr Brachfmen (Lypnnug 1-uus) gefangen haben. An der Seite des Sees, insonderheit zur lincken, wachsen die Castamen Bäume in grosser Menge, welche denn die Einwohner mit grossem Gewinn in die benachbarte Orte vcrkauffen. Mit diesen Bäumen sind zur lincken folgende Höhen bcsezt: Der Geißboden, Walckweiler-Alp, Roßberg über das Dorff Dberweil, und Rötelberg; insonderheit aber die, welche sich gegen Art erstrecken, von dem mittlern Vorgebirge des Sees, da Eyerlen und Laucer- scbrveil liegen. Die lezte von bemeldten Höhen, der Rotctberg, hat seinen Namen von den Fischen, welche Rötel genennt werden. Geß- des >7o6ten Jahrs. 2ir Gegner Bl. 120 l . und ?lldrowand B. V. Cap. 47 . nennen ihn Um- b >3 minor. Die Torgochwallier und Westmorlander "rne llecicllsrre of^in^näermsre, Icklk^ot. p. 196. Wvaufder I. Tafel eine Abbildung voll diesem Fische zu sehen. Diese sehr rare und niedliche Art Forellen findet sich zwar auch in dem Aegri-See jm Canton Schweiz; allein die in dem Zuger-See find viel besser und schmackhafter, insonderheit diejenige, welche an dem Fuß des RötelbergeS in einem gewissen Strich, von diesem Berge bis an das vorüber liegende Gestad, im Riemen genannt, gefunden werden. Die Beschaffenheit dieses Strichs ist wol zu bemercken, wenn man die Ur- siich wissen wil, warum diese Fische hier und sonst in keinem andern Orte des Sees gefunden werden. Das untere Gestad des Sees ist von Erde, das obere aber von Felsen, deren Lager zu beyden Seiten gegen den See gesenckt find, daß ich nicht zweifle, sie flössen in Mitten des Sees, in der Liesse (welche hier am größten seyn soll) in einem rechten oder spitzigen Winckel zusammen. In dieser Treffe nun halten fich die Rötel, welche eine Stein-Forellen Art find, viel lieber auf, als wo der Grund von Erde ist, wie insonderheit bey Cham. Sie bleiben um so viel lieber hier, wenn aus den Ritzen der Felsen Wasser hervor quillt, wie die Fischer behaupten wollen. Diese führen zum Beweiß dessen an, dass diejenige, welche in dem See schwimmen, auch mitten in dem Sommer, wenn fie an diese Oerter kommen, eine grosse Kälte empfinden, und daß hingegen in dem Winter diese Oerter des Sees nicht zufrieren. Von der Art diese Fische zu fangen, schreibt au bemeldtem Orte folgendes: » Man sagt, daß fie weder mit Netzen, noch durch ein Aas können gefangen werden; sondern die Fischunq wird nur zu der Zeit vorgeuommen, wenn fie um die Brüt abzustoßen an seichte Oerter kommen. Die Netze, welche man auf Englisch Hammels nennet, werden in das Wasser gesezt und mit einem Aas versehen, hernach ganze Tage und Nächte darin gelassen, da denn die Fische fich freywillig hinein begeben. ,, Bey unswerden fie in den lezten Monaten des Jahrs an dem Angel gefangen. Diemeistevon diesen Fischen find r. oder i l. Spannen lang. Der größte und schwerste, der in dem Zuger-See ist gefangen worden, hielte 6 . Pfund nach dem gemeinen Gewicht, er lst dem Hrn. o. Müller vor wenig Jahren gebracht worden. An dem Zuger-See bemercket man, wie an dem Zürich-See, Der Auqer. im Maymonat schwefelgelbe Flocken auf dem Wasser, welche den See M«. Dd 4 Schwe- LiL F rmfce Berg - Reist Schwefel-Blumen gleichen/ und davon man insgemein sagt, daß der See biüher. Von der Ursache dieser Begebenheit ist man nickt -einer Meynung. Einige sagen, dieft Flocken kommen aus der Liesse -es Sees, und seyen ein Auswurff voll der Erde, welche stch um -iest Zeit reinige, wie etwa das Geblüt im Früh-Jahr auf verschiedne Weise gereintget wird. Andre halten davor, es seyen die Blumen von verschiedncn See-Pflanzen, oder der Staub von den männlichen Theilen der Pflanzen. Endlich stnd noch andre, welche diese Beae- benheit von den Tannen und Fichten herleiten, deren gelber Staub, welcher in der Blüthe ist, von dem Wind in den See getrieben wird, welcher lezten gar wahrscheinlichen Meynung Erhard Esther, in der Beschreibung des Zürich-Sees, Bl. 15 Z. Beyfall gibt. (e) Winde auf Von den Winden, welche aufdiesem See am gefährlichsten sind, Zugev. muß der Mittag - oder Süd- und der Süd-West-Wind bemercket ^ werden, welchen die Schiffleute die Werrer- Fön nennen, weil er sehr schwere Ungewitter erreget. Wir hatten auf diesem See zwey entgegengesetzte Winde: in der untern Luft wehrte der Nord- und in der obern der Süd-Wind, welcher uns klares Wetter versprach, obgleich der Rigiberg mit dickem Nebel umhüllet war. Von Immenser gierigen wir auf Lüßnacht, von einer Schiss- ländung zu der andern, von dem Zuger-See zu dem Lucerner- oder iv. Waldstädten-Sce, durch eine Erd-Enge von ungefehr einer halben deutschen Meile. Anfangs geht man nach und nach in die Höhe D>e dou "und hernach wieder herunter durch eine dunckle Strasse, die hole «äffe. Gaffe genannt. Die stille Dunckelheit dieser Strasse war sehr bequem zu Ausführung jener heroischen That, da Wilhelm Teil, der edle Vertheidiacr der Schweizerischen Freyheit A.1Z07. den tyrannischen Landvogt mit einem Pfeil erschossen, welcher neben andern gewalt- thä- Ich hab« aufeinem kleinen See / der zu dem Schloß Wenden (unweit Andelfin- gen/m dem Cankon Alrich gelegen) gekött/ auch etwa« dergleichen beobacht«. In dem Früh Jahr/ und auch wenn der See noch mitEiß bedeckt ist/ ist er voll rother Flocken/ welche dem äußerlichen Ansehen nach der schleimichten Materie vollkommen ähnlich/ die sich in dem Wein-Eßig erzeug«. Ich betrachtete diese Materie durch ein VergröffcrungS-Glaß/ welche- sehr starck vergrößerte/ und sahe/ daß es eine Pflanze/ von dem Geschlecht derjenigen/ wäre/ welche klickest NxK- nennt. Man könic diese Art nennen Lyllin aquÄtica purpurn lukti- äistimL, siiLmemi; pzrtim rgmosi;, pattUD nou rLmoiiL. Vlilttlchl silld Vt« Flocken/ von welchen der Verfasser redt/ auch so «wall. -es! 7 o§cen Jahrs. 2i z thätigen Handhabern der Oefterreichischen Rechten unsern Voreltern Anlaß aegcben, das unerträgliche Joch, womit sie gedruckt wurden, abzuschütteln, und sich iu die vorige Freyheit zu setzen. Von Teilen kan man sagen: Lrutus erar nobis Veo 6uilli>lmus in arvo, ^llereorVinösx, blllorque l^rannum. Welcher Lob-Spruch ihm in -er Aufschrift an der Capelle, welche mitten an diesem Weg steht, durch welchen wir nun gehen, gegeben wird. Der Tyrannische Landvsgt aber siel, gleich dem Hamman, in die Grube, welche er Tellen gegraben hatte, der auf Befehl des Land- vogts solle auf das Schloß Rüßnachr gebracht werden, das nicht weit von dem Dorff Küßnacht in dem Canton Schweiz liegt, durch welches wir nun über den See nach Lueern gehen. Aufdem Lucerner- oder, wie er insgemein genennt wird, dem IV.Waldstädren-Gee, (*) den Ioh. Leopold Cysar, Stadtfchrtt- der in Luzern, A. 1661. in einem besondern Buch beschrieben hat, soll vor andern Winden aus insonderheit der rlord-west-wmd am meisten stürmen, welchen auch die Zuger förchten. Er wird an beyden Orten Artus, welclxs so viel ist, als Twerdis, oder Zwerch- Bis, das ist, Heden, oder Selten- r77ord--wind, gencnnet. Nachdem wir von Küßnacht abgefahren, hatten wir den Pilatus- Berg vor lins über im Gesichte, an welchem wir morgen die Stärcke unsrer Füssen versuchen wollen. Um den Mittag langten wir in Lucern, einer sehr angenehmen an dem See gelegnen Stadt an. Sie macht mit ihrem Gebiete den dritten Ort der Eydgnoßschaft, und den vornehmsten von den Catho- lischen Cantons aus, wo der Päpstliche Nuntius und der Spanische Abgesandte ihre ordentliche Residenz haben, und wo die Catholischm Cantons in ihren Angelegenheiten zustimmen kommen. In dieser Stadt haben wir verschiedenes, das die Natur-Historie angeht, zu betrachten. In dem vornehmsten Zimmer des Rahthau- ses, wo sich der Naht versammelt, hänget Jod. Heinrich Weg- mans, eines Lueerncrischen Feldmessers Land-Carre des Lucerner Gebiets , welche wol würdig ist gedruckt zu werden. Man hat sie Dd z auch (*) Nach den lV. Waldstädkrn/ Lucern/ Uci/ Schweiz und Unterwaiden/ Welche an diesem See lugen/ also genenntt. >v Wald. städteu-Se«. Lucent. Merkwürdigkeiten daselbst. Überbleibsel eines Riefen. 2!4 _ Fünfte Berg-Reise _ auch in kleinerer Form von des Verfassers Händen auf der Bürger- Bibliothee in Zürich, und ich habe in diesem Jahr einen Abriß davon gemacht mit einem Register und Hinzusetzung der Wapen der Schlössern in dem ganzen Cänton Lueern. In dem Archiv des Rabthaufes werden einige wenige Ueber- bleibfel von einem Riesen aufbehalten, welche zu Reihen (einem Dorff irr der Laudvogtcy Willisau, Lucerner Gebiets) A. i s?7. unter einem sehr alten Eichbaum hervorgegraben worden, die aber sehr leicht und zerbrüchlich sind. Es sind nur noch drey Stücke von diesem Riescri-Bein-Gerüfte: ein Stück von dem Lassen-Bein, und die zwey OL Orpl, wie ich muthmasse. Ich finde in HaUers enronico xl.1. L. s. aus der Erzehlnng einiger Bürger von Zürich, die es selbst gesehen haben, daß die Füsse unter dem Knie e. Schuhe lang gewesen; das Schinbein unter dem Knie z. Ellen dick, die Knie-Scheibe fast einer Elle breit; das dicke Bein über dem Knie Ellen dick; ein Gelenck von dem grossen Zehn einer halben Ellen lang; eine Rippe Elle breit. Indessen melden unsre einheimische Geschichtschreiber nichts von diesem Riesen, wer er gewesen, oder Woher er gekommen, ob es ein Cyclops aus den Hölcn des Bergs na, oder einer von der gottlosen Schaar, welche sich ehemalen verwegen vorgenommen haben, den Himmel zu bestürmen. Gewiß die verwegene Jünglinge, wer sie immer gewesen, hatten Ursach, sich vor allen andern Ländern aus in die Schweiz zu begeben, um da ihr Vorhaben auszuführen. Sie wollen die Götter zum Streit ausfodern, derowegen war nöthig nahe an den Himmel zu steigen, ja Berge auf Berge aufzuthürmen pervius ur 6erct conZellig ^lolibur ^Mer. Nirgend könte diß besser geschehen, als in unserm Vaterlande, da die Alp-Spitzen dem Himmel näher find, als an immer einem Orte. Von unsern Bergen kan man sagen: l^rlZseuL llcANi pgllentis klistus M3N68 «MOL, »cgue srrre 8lZANÄ pzluclir ^ lupera lellure pZler; rsm lon^s per /^urLS Lritzirur1'ellu8 Lc (loelum inkercipil umbrz. - - - - sbeunr in Fontes. ^sixlU8 ^tbo8 Isauro. Kdo6opeql.ic gchunölz X^>msnei, Ollsgue cum ?elio, cumque llemo celleric OMr/r. Lir.. 3 » des rasten Jahrs. 2rs Ich würde von diesem Riesen/ als unserm Stammvater / unser Geschlecht herleiten/ wenn ich nur gewisse Urkunden dazu hätte/ und würde auch daher den Ursprung nehmen von der so berühmten und durch so viele Kriege bis auf unsre Zeiten bewiesenen Starcke unsrer Nation/ wenn ich den geringsten Beyfall bey den Lesern vermuthen könte. Es sind zwar einige/ welche behaupten wollen/ daß wir von der Art unsrer Vorfahren abgefallen/ daß jene sehr grosse und fast Riesen-artiqe Menschen gewesen; sie weifen uns auf die Grösse und U. ^ Stärcke der meisten heutigen Alp-und Thal-Einwohnern/ insonderheit im Iselwaidberg nahe bey Brienj/ und in dem Grindel-Thal, Bcrner-Gebiets; sie zeigen uns in einem gewissen zerfallenen Bein- hanse in dem Talftiser Berg-Thal/ in der Grafschaft Sargans/ Men- fchen-Gebeine / welche die ordentliche Statur der Menschen übertreffen / und von der unaeheuren Grösse der alten Einwohner daselbst zeugen. Es ist aber von Gebäuden nichts mehr übrig/ als eine Ca- pelle/ welche von den Sennen der benachbarten Bergen besucht wird/ und einige Ueberbleibsel von Häusern. In dem Züricher Gebiet selbst sind bey dem Schloß Uecikon Menschen-Gebeine von fast unglaublicher Grösse hervorgegraben worden / deren Wagner in der ttilt. dkr. »eiv. p. i s r. gedencket. In dem Thal Vreei, an einem Orte Lsmpo cle Quco genannt/ wo zu Zeiten des 4 >. Ambrosli, Bi- schoffs zu Mayland/ eine grosse Schlacht wider die Arrianer gehalten worden/ sind auch Riesen-Gebeine gesunder! worden/ wie Sprecher l^IIacl. llber. h.x. p. 276. und Guler velcr. Kketi» XI. p. 171. bezeugen. , Sie führen ferner das Zeugniß ^uin an/ welcher die Torper der erschlagenen Gallier (darunter auch die Hel- vetier gezehlt wurden) und Deutschen bewundert, und dieselbe wunderbare Lörper, desgleichen Törper von wunderbarer?lre und Grösse nennt. Ilirtiu8 ve Lello ^friesno I. V. Sie MhMM auch Gründe von der Art des Landes her/ nach welcher insgemein die Einwohner geartet sind. Denn weil die Schweiz mit den höchsten Bergen angefüllt/ sehr hohe Bäume und grosses Vieh hervorbringt/ so müßten auch die Einwohner nach der Beschaffenheit deS Landes gestaltet seyn; denn es scheinet/ daß die Berge vor die Einwohner so woh als die Einwohner vor die Berge gemacht sind. »ill. Nat. tteiv. p. 14s. Ueberdiß erzehlen sie uns aus den Helvetischen Jahr-Büchern selbst von Riesen,Stärcke und Grösse. Von Hutobock oder leutobecb dem Heerführer der ligurinorum, Li6_._ Fünfte Berg-R eis e droi-um, Qmbrorum uttd i'euconum, einem Mann von ungemeiner Grösse, welcher über die Kriegs-Zeichen hervor gegangen, t.. kior. L- III. L. z. ?. 0ro6us »ilior. h,. V. c. 16. Er ist von dem Römischen Bürgermeister L.r^rio jn dem i o^tenIahr vor der Geburt Christi ge- tödtet worden. Dieser Züricherische Riese wäre gewiß nicht kleiner gewesen, alsderLueernerische, wenn es wahr wäre, was )ac.Tiffoc, und l 7 li'c.Habigot (deren Glaubwürdigkeit Oällenci. IN virsyeireskii l^.in. p.205. schwächet) in besondern Büchgen von seinem Beinge- rüft sagen, welches 25. Ellen lang gewesen, und A. i6iz. bey dem Schloß l-^ngon, nahe bey Lsinr 8.omzm, einem Städtgen in dem Delphinat, (cbWer, Vesomion?.i. »p. 47. fetzet es nicht weit von Leau,ep3>re um Vienne herum) ist gefunden Worden. Von Mario Roüst und Conrad Engelhard von Zürich und deren sonderbarer Dapferkeit schreibt lovms »Ul. h. xv. Von Melchior peeerman von Lueem, Iost Meyer von Neu-» kirch aus der Landvogtey Rotenburg, Caspar Leurold von Münster, )ost Rudolf Beding von Schweiz, Hans petaror von Münster, und einiger andrer Lucerner Bauren ausnehmender Stärcke handelt Cysat Beschr. des iv. Waldftädten-Sees,Bl. 144. Von Weibel Arnold Iordin rühmt >vms ttill. H..XI. eine ungeheure Stärcke. Von den edlen winckelrieden von Unterwalden hat einer den erschrecklichen Drachen umgebracht, und das Vaterland von dieser wilden Bestie befreyt; der andre, Arnold, hat in der Sempacher Schlacht viele feindliche Spieffe auf einmal zusammen gefaßt, und den Schweizern einen Weg zu den Feinden und zu dem Sieg ge- bahnet. Von Hans Wahl, einem Glarner, wird ungemeine Dapferkeit tn Sprechers kk^r. H..IV. p. no. gerühmet. Von RudolfTschudi von Gkarus wird tn einem Stammbaum von Herman Herman eine besondre Grösse und Stärcke, und unter anderm auch dieses gerühmt, daß er in einem Treffen einm jungen Fichtenbaum aus der Wurzel herausgerissen, womit er neun von seinen Feinden niedergeschlagen, die übrige aber in die Flucht gejagt hat. Von dem Ernheer (welcher also genennt ward, weil er einem ganzen Heer gleich war) einem Thuraäuer, wird geschrieben, daß er gewohnt gewesen, über die Flüsse zu schwimmen, und sein Pferd hinter des i-^ten Jahrs. 217 tcr sich nachzuziehen, wenn es sich gleich widersetzen wolte. Dieser hat die Feinde wie das Heil abgemähet, und sie wie Vogel an seinem Spieß über den Rücken hangend getragen, n-vemm. IM. bohr. IV. P3Z. rc>8- Ich tönte diese Berzeichniß der Helvetischen Halb-Riesen noch vergrößern, wenn es die Zeit zuließe. Ich muß aber wieder aufun- sern Lueernerischen Riesen kommen, welcher zweimal im Bildniß vorgestellet ist, davon das einte an der äußern Seite des Thurns vor jedermans Augen steht, mit folgender Aufschrift: In der Gran Luzern da unden Bey dem DorfsReyden bar man funden (gefunden) Schröklich grosse Menschen Gebein, Under einer Eich auf einem Reyn. (kleine Höhe) Die (Dberkeir derselben Starr, G'lehrren Leuchen die zug'schikt harr Weiche nach der Proportion, Geomerriich das Maß han gnon (haben genommen) Hiemic erscheint unfehlbar g'wiß, Wann auftechr gestanden dieser Riß Sey er gstn (gewesen) mir der Länge gleich Vierzehen mahl diesen Strich; Beschäl)' im 1^77. Jahr. Gort weiß, wie lang er vor da war, Was man g'funden noch b'halren werden, Was übrig verbleibt in der Erden. Nebendicser Aufschrift ist eine Linie, welche 14. mal genommen die Länge des Riesen ausmachen soll. Diese hier beygesezte Linie macht die gleiche Läme aus wenn man sie 42. mal nimmt. Indem Rabthause selbst ist eine Tafel, auf welcher das ganze 8ceiel(n. nach dem Gutachten Felix piarers, eines Baslmschcn vie- rlici, welchem die Untersuchung dieser Gebeinen von dem Rath zu Lueern ist aufgetragen worden, von Ioh. Bock gemahlt ist. Diesem Gemählde ist folgende Aufschrift in Lateinisch-und Deutscher Sprach heygeW : Verzeichnis eines Riesen beinern Eörpers, dessen etliche Stück Beins, als von dem Rnochen und Röhren der Schenckeln, ?t mschmen, von der Achsien, Lassen, Wirren oder wirb l des Rückgradts und andern Stücken der Rippen und Haupt-Schidlen, samt dem untersten Daumen,Bein, Sporen- L> Theil» Er Bein 218 Fünfte Berg-Reise Dem und Kniescheiben, die fast gany gewesen, (daraus man auch am meisten, daß diese Gebeine von einem Menschen herkommen, dieweil sie an ihm viel anders dann an andern Thieren gestaltet, hat abnehmen können) im Lucerner-Gebiet im Schweizerland, bey einem Flecken Beyden genannt, unter einer alten Eichen, die niedergefallen, gefunden, und der Ober- keit zu Luzern zugeschickt sind worden, nach welcher Gliedmaß und Proportion, des ganzen beinern Lochers Grösse und Statur, von eines rechten Menschen Torpers Linien ist ausgezeichnet und abgemessen worden durch l) Felix plattern, Gcadc-Arzt und professorn zu Basel, und durch Meister Hans Bock, den Mahler daselbst, gemahlt, den Edlen Herrn Schultheiß und Bäht der Stadt Luzern präsentirt und überschickt, im Jahr pzlms. Schuhe. Handbreite. 7 . IO. 13 . - 8 . 14 . 20 . 19 . 27 . 21 . 30 . Lhrjsti 1^84. im Monat nrlii Es verdienet auch hierüber gelesen zu werden, was Felix Pla- ter selbst von diesen Gebeinen sagt : OKlervLt. Kie 6 ic. l.111. L. 586. -ltkunslius I^irckerus vergleicht diesen Helvetischen Riesen mit andern, und urtheilet, daß " Ellen. Goliath lang gewesen 64. Der Schweizerische Riefe - 9. Der Cörper des Orestes, welcher aufBefehl des Oraeuls -ervorqegraben worden SvhN - Ein Cörper, welcher aus dem Berg Creta hervorgegraben worden - EinesRiescn, welcher zuTingen in Mau- ritanien hervorgegraben worden Der Riese, welcher auf dem Berg Lrice gesessen - - Setzet 6oo. S.^uncl.fukt. b..vm. b.eÄ. 11 . p. 56. Und p. 58. scheinet es, als wenn er an unsers Lueernerischen Riesens Würcklichkeit zweifle, weil ausser den Rippen, Sckinbein und Schenckeln, weder das Haupt, noch die Hände, noch die Füsse können gezeiget werden, welches die Sache verdächtig mache. Indessen halt er ^7- des Goliaths, des Schweizerischen Bissens und des Orestes Grösse vor möglich, die übrige aber vor Mährgen, welchem ich auch Beyfall gebe, weil ich wol weiß, 46. 92. iz8. 60. 120. iZc). 2O0. 400 . IZ 8 . des ryo^ken ^ahrs. S19 Weiß/ -aß oft, und auch hie und da in Fürstlichen Raritäten-Cam- mern, und andern Sammlungen von Curiojitäten, gegrabne Zähne von Elephanten, und andern grossen Thieren vor Riesen-Zähne ge- zeiget werden. Allein ich komme nun von dem menschlichen Riesen, auf die Be- Don den trachtung der Ungeheuern unter den Thieren, ich meyne die Drachen, Drache», an deren Würcklkchkeit noch viele zweiseln. Hier habe ich bequemen Anlaß eine gantze Historie von den Helvetischen Drachen zu geben. Neben der Seltenheit dieser Materie, gibt mir auch diß dazu einen Grund, weil stch die meiste in dem Canton Lucern aufhielten; dazu kommt noch eine gantz neue Begebenheit von einen; Drachen, welcher vor wenig Wochen nahe bey wrUisau soll gesehen worden seyn, die ich unten erzehlen werde, ungeachtet es ein leeres Gedicht des Mähr- genliebenden Volcks ist, damit nicht etwa jemand in das könftige dieses Gedicht vor eine wahre Historie halte, und den merckwürdigen Anzeigungen der Drachen zuzehle, welche zu Lucern aufbehalten werden, nemlich eine Abbildung eines Drachen auf einem Meßkleide; und der Drachen-Stein, dessen Beschreibung in dem ersten Theil Bl. 420. u. f. f. zu finden ist. Ich halte aber ungeachtet dessen, was ich dort zur Beglaubigung Drache», der Historie von dem Drachen-Stein angebracht habe, davor, -aß die- ser Stein ein Agar-arrigei Riese.stein ist, welcher durch eine besondere Kunst, so wie er aussteht, qemahlet worden, davon man in genauer Betrachtung einige Anzeigungen entdecken kan. Mir ist die Kunst bekannt, welche hie und da ausgeübet wir-, dadurch die härteste Agat und Chalcedonier mit beliebigen Figuren so können bemahlt werden, daß die Farbe in die Substanz -es Steins, ohne die geringste Zcrfressung, hinein dringet, und für natürlich kan ausgegeben Werden st) Von dem Drachen-Stein komme ich auf die Drachen selbst, deren ganze Historie, in so fern fic die Schweiz angehet, ich hier anbringen wil, theils weil ich es versprochen habe, theils weil ich versichert bin, daß die Abhandlung einer so delicaten Materie von der Natur- Historie nicht unangenehm seyn werde. Ich kan mich nicht E e r gnug Ls. ;2.4-r. Nieukof. Limlck. Reißbeschreibung p. ; 8 . 6 r. 9L. 114. rs2. t.smbec. Niki. Vinciobon. L VII p Z97. zu sehen. Diese Chinesische mit Drachen gezierte Schiffe verdienen mit des eklmsrri p),nrX, welcher von dem Lelieropkor, ist getödet worden, verglichen zu werden, welcher rn-x« 7,xsi„> xsov?« sm'^sv , ev «ke , auf einem Schiff führe, an dessen Vordertheil ein Löwe, an dem Hinkerrheil aber ein Drache war, wie man in plulLrchi Buch cie Virtur. kiulierum sehen kan. So auch mit den Böotischen Schiffen bey dem kuripicles in der ixhiLenis in /wliäe, welche den Lsc!mu8 in ihren Wapen hatten, welcher einen güldnen Drachen in den Schnabeln der Schiffen hatte. Bochart glaubt, daß aus diesen Erdichtungen der Poeten die Einbildung von den Flügeln der Drachen hergekommen, »iero- Lrr des knockten Jahrs. 2oir. ^ib.m. c. 14. P-4N- Ich wil NM1 die Mühe nicht nehmen, die Erzehlungen von geflügelten und uugeflügclten Drachen, welche in allen lv Theilen der Welt sollen gesehen worden seyn, allenthalben her zusammen zu schreiben; man kan sie hie und da bev den Thier-Geschichtschreibern lesen. ^okllmi.ttill.Nsr.8erpenr.^.II. p. Sperling und Lirchmayer in besondern Dillenärionen von dem Drachen, kircber.^unkl tubc.i.. VIII p. 89 und andre. Von mir wird in einer so dunckeln Sache niemand mehr fodern, als eine historische Beschreibung der Schweizerischen Drachen, nach der Ordnung der Cantons, wie ich dieselbe in gedruckten oder geschriebnen Urkunden gefunden, oder aus Erzehlungen gehört habe. (s) Ee z In (s) Eh« ich den in der Nalur.Historie unerfahrnen keser zu den folgenden Erzehlungen lasse/ muß ich zu seiner Warnung eine Anmerckuna lucher setzen. Man kan durch fleißige Beobachtung drrWercken der Namr einige allgemeine Gesetze erst« decken/ nach welcher sie gehet/ und die sie rnrmal übertritt. Wenn nun eine Ers teblung etwas m sich hält/ das den allgemeinen Gesetzen der Namr zuwider ist / so hat man das best« Recht/ diese Erzehlung entweder ganz oder doch zum Theil vor falsch zu halten. Nach solchen Regeln nun müssen die folgenden Erzehlungen von den Drachen beuriheilet werden. ES ist z. Seine beständige Regel der Natur/ daß kein Thier ist/ rrclches aus Theilen von verschicdnen Tlassen der Thieren zusammen gesiezt ist. Z. E. ein Thier das den Kopf von den vier« füßigen Erd Thieren / Flügel oder Füsse von den Vögeln / einen Schwanz von Fischen hat/ streitet wider dar bemeldte Gesetz. Also muß niemand glauben/ daß ein solches Threr in der Welt ist / wenn gleich ein Reisender uns überreden wolle/ ein solches gesehen zu haben. Diesemnach dörfen wir kecklich sagen/ daß in den folgenden Erzehlungen die Umstände gewiß falsch sind wo von Flügeln der Drachen geredt wicb/ weil Flügel haben den Vögeln/ und nicht den Schlangen zusteht. Hat man aber nicht vierfüßlgeThiere und Fische die Flügel haben 7 Ich antwort«/ daß freylich bekannt und wahr ist / daß es einige vierfüßige Thiere und Fische gibt/ welche fliegen/ aber sie haben solche Glieder zum Fliegen/ die mit den Flügeln drr Vögel und der vermeyntrn Drachen keine Aehnltchkeit haben. Bey den Fleder-Mäusen z. E- sind die Flügel nichts anders/ als eine Haut/ wel. che von einem Fuß zu dem andern gehet; er sind Füsse/ die etwas anders gestal. trt sind/ als die Füsse andrer Mäusen. Bey den Fischen sind es Floßftbern / welch«/ wie die Floßfedern andrer Fischen/ aber grösser sind. Also beweist dieser nicht« wider den angebrachten Satz. War dir ungeflügelten Schlangen mit vier Füssen betrifft/ so sind es entweder eine Art von Crorobillen/ oder/ wir ich lieber glaube/ «in Gedicht. Denn daß «ine Schlange würckliche Füsse haben soll/ streitet wider die Einrichtung der Gebeinen/ welche die Natur den Schlangen gegeben hat. ES kan aber wol seyn/ daß in der Schweiz einige Schlangen sind gesehen worden/ deßwegen aber sind sie nicht den erdichteten Drachen zuzuzehlen. Ich LL2_ Fünfte Berg, Aeife _ In dem Canton Zürich Aufdcm FrumA-Berg, in der Herrschaft Hor>en Gax, sollen zwey Drachen, oder sehr grosse Schlangen gesehen worden seyn ; eine ohne Füsse, die andre mit Füssen, welche von Wagnern also beschrieben werden: »Hans Einner, aus dem Dorfs Frumftn, in der Herrschaft Hohen Gax ein ehrbarer und glaubwürdiger Mann, welcher noch jezo im Leben ist, hat mir heiliglich bezeuget, daß er vor > 2. Jahren gegen dem Ende des Monats April auf den benachbarten Berg, der Frumsen-Berg genannt, gegangen sey, und daselbst an einem Ort, in der Hauwezen genannt, eine fürchterliche schwarz-grüne Schlange gesehen habe, welche zuerst um sich gewunden war, hernach aber sich aufgerichtet hatte. Ihre Länge war wenigstens 7. Schuhe, die Dicke aber wie eines Wiesbaums; (K) der Kopf war einem Katzenkopfe nicht unähnlich; sie hatte aber gar keine Füsse. Er sagte mir ferner, daß er sie geschossen, und durch Hulffe seines Bruders Völlig gelobtet hätte; und daß vor dem Tode dieser Schlange die Einwohner sich beklagt haben, daß die Euter ihrer Kühe ausgeleeret werden, ohne zn wissen, wer es gethan hat; daß aber dieses Uebel hernach aufgeboret habe. n-,r. Ue!v. p, 247 Lr 2 57. „ Das zweyte Exempels welches eben dieser p- 25 berichtet, ist folgendes: » Hans Büeler aus der pfarrey Sennward, ein Mittglied des Consistom, gicng vor i e. Jahren im Sommer auf den Frumser-Berg, und sahe an einem Orte, das Erlawäldlein genannt, an dem Lalenbach ein schwarzes Thier aus den Dornbüschen hervorkriechen, welches vier Emtze Beine hatte; die Dicke war wie eines Wiesbaums; auf dem Kopf hatte dasselbe einen Busch (oder Kamm) einen halben Schuh laug. Er hat aber die ganze Länge des Thiers nicht können beobachten, weil der Hintere Theil des Leibes noch indem Gesträuch verborgen war. » In diesem legern, wie auch in dem folgenden Exempel und habesrldstindemCaiiron Zürich Matern gesehen/ die wol 6 . Schuhe lang gewe« sen; soll man sie deßwegen unter die Drachen üblen/ wle die Schlangen in folgen, dem ei st n Eremvel ? Wer indessen die Art der abergläubischen und leichialaiibf. gen Menschen/ insonderheit m den vorigen Zeilen/ kennt / der wird sichüber ei« rüge von den folgenden Erzehlungen nicht wundern. ^l,)H>ie»banm/ oder Heubauw/ist ein langes rundes Stück Holtz/mitwelckcm dar auf einen Wagen geladene Heu / vermittelst jwener Seiler zusammen gedrückt Wird. Seine Dicke 'st eben nickt bestimmt. ZiMMUN sind sie ungefehr M Durtvoussa-emui halben Schuh dick. des rasten Jahrs. 2LZ und in vielen andern haben wir Füsse und Büsche. Bochare hält die füßtgen Drachen vor erdichtet, ».ewr. b..iii c. 14 weil keiner von den alten den Drachen Füsse zuaeschrieben hat; und der H. Augustin it.ik in.6e 6enes. c. 9. ausdrücklich lehrt, daß sie keine Füsse haben. Da hingegen die neuere fast allen Drachen Füsse zuschreiben. Gca- liger sagt bey Geßnern: Alke Geschlechter der Drachen haben Füsse. Ein verwunderlicher Widerspruch. Die Erfahrung, welche der ganzen Sache das größte Gewicht gibt, ist vor die leztcre Meynung. Ich habe oft bey mir gedacht, ob nickt die füßige Drachen ohne Flügel vor eine Art von unterirdischen Eidexen könne gehalten werden, welche die meiste Lebenszeit in unterirdischen Grössten, mit weniger Nahrung und vielleicht von blossem Erden-Saft lebend, zubringen. Wenn diß wahr wäre, so könte dem Bocharc ohne Schwierigkeit aller Zweifel benommen werden. Von den Büschen urtheilet Bocharc mcht günstiger, welcher deßwegen den Plinius zum Be- weiß anführt, der l->K. xi. c. Z7. unter anderm schreibt, daß keiner gefunden werde, der die Büsche der Drachen gesehen harre. Und rz. Das wundert mich, warum Juba geglaubt, daß die Drachen Büsche haben. Hingegen sind die meiste Schweizerische Drachen mit solchen gesehen worden, und unter den Alten sind viele, welche den Drachen solche zugeschrieben haben. So sagt Ovi- dius in dem 4. Buch der Verwandlungen in der i s. Fabel: b.ubricA permulcem crillzti Lolls Orzcoim. Und in dem 7. Buch von dem Drachen, welcher das güldne Vlies bewachet hat: ()ui crilpä b.inguisque tribus prseiiAnis. Und phüostratus in dem z. B. im 2. Cap. schreibt insonderheit den Berg-Drachen Büsche zu, wenn er spricht: >rrXe«rnusvoi;^L <5vv«i-E«vv^svq vs, ^ crvv»- «c n-oxs. d. j. Diesen wachsen auch Büsche, den jungen zwar kurze, den alten aber lange und grosse. Aus diesem Kennzeichen, wenn es wahrhaft ist, kan man urtheilen, daß der Drache auf dein Frumsen-Berg auch einer von den alten gewesen, und zwar männlichen Geschlechts, wenn wahr ist was ^lisnus schreibt l-.it, ix. c. 60. 0 H§«>cop, 0 «WV 1-av Der Drache männlichen Geschlechts hac einen Busch. Caspar Gilg ein Bauer von Bonstetten, welches fast an-ert- halbe Meilen von Zürich gegen Abend liegt, bezeugte gegen Herrn Bursch- 224 F ünfte Berg -- Reise Bürscblm, Pfarrern daselbst, daß er zweymal, nemlich das erstemal vor s. Jahren mit seinem nun sel. Vater, das zweytemal aber in dem Maymonat dieses Jahrs, um den Mittag, als er auf seinem Acker den Pflug triebe, in dem Gsolbrmmen eine Bestie acschen, vier Schuhe lang, mit vier Füssen, welche fast zwey Finger lang und breit, deren Halst ungefehr eines Arms dick und mit einem gelben Ring umgeben war. Das Thier war sonst schwarz/ und hatte eine gelbe Crone auf dem Kopf. Dieses schreibt mir bemeldter Herr Pastor in einem Brief vom »6. August, welches auch von seinem Vorfahren dem Herrn Hardmeyer, Pfarrer zu Assholtern, bestätiget wird. Hieher gehört auch der grosse Wurm, welchen man A. is n. zu Eglisäu gesehen den Rhein hinunter schwimmen, ob man gleich nicht weiß, von was vor einer Gestalt, Färb oder Grösse er gewesen, und ob er Füsse gehabt habe oder nicht, indem nur folgendes davon steht: In dem 'ijahr (isn.) sahe man zu Eglisau einen grossen wurm den Rhein hinunter fahren. Landauers winrerchurer Chronik lvllc. in diesem Jahr. Von was Art diejenige Schlange gewesen, davon wir in der Historie Carls des Grossen eine Legende haben, welche in Heinrich Brennwalds, lezten Probsts -es Closters Einbrach, geschriebner Chronik erzehlt wird, ist auch unbekannt. Die Erzchlung verdienet hier beygebracht zu werden, obgleich kein einiger Funcke der Wahrheit darin erscheint. „ Carl der Grosse hat, als er sich in Zürich in dem Ehorherren-Hause zum Loch aufhielt, an dem Orte, da die H. Märtyrer von der Tbebaifchen Legion, Felix und Rcgula sind enthauptet worden, eine Säule mit einer Glocke daran aufrichten, und damit jederman anzeigen lassen, daß diejenige, welche wider andre Recht begehrten, diese Glocke, so oft -er Kayser bey -er Mittags-Mahlzeit wäre anziehem und Recht erhalte»! solten. ES begab sich aber an einem Tag, -äst der Kayser, nachdem er die Glocke gehört, seinen Bedienten befohlen hinzugehen und zu sehen, wer da wäre um Recht anzuhalten ; nachdem diese niemand gesehen und wieder zurück gekommen, auf anhaltenden Glocken-Thon aber noch einige mal hin und wieder gegangen, ohne jemand zu sehen, befahl ihnen der Kayser daß sie hingehen, und aufdas, was etwa ferner geschehen möchte, gestissen A ht haben solten. Bald hernach kommt ein grosser wurm, schwingt sich um den Strick, und ziehet also die Glocke an. Diese so ungewohnte Sache wurde dem Kayser, von denen die es gesehen hatte,y _des i7<26ten Tlahrs. 22s gleich hinterbracht. Er steht vom Tisch auf, um dieser Schlange so wol, als deu Mensthen Recht zu halten. Nachdem er auf den Plaz gekommen, bücket fich die Schlange vor ihm, und kriecht gleich an das Gcstad des Wassers hin, wo eine Kröte von unaemeiner Grösse in ihrem Nest über den Eyern fitzt. Nachdem der Kayser dieses gesehen, spricht er das Urtheil über die Kröte, daß fie solte verbrennt werden. Einige Tage nach vollzognem Urtheil stellt fich die Schlange bey Hof ein, und nachdem fie vor den Kayser gelassen worden, und sich vor ihm gebückt hatte, kriecht sie auf den Tisch, stößt den Deckel von einem Pocal, legt einen kostbaren Stein in denselben, und geht nach gemachter Reverenz wieder hin. Durch dieses Wunderwerck und die Heiligkeit des Orts, als auf welchem das Blut der H. Märtyrern geflossen, wurde der Kayser bewogen, zu Beförderung der Ehre Gottes, hier eine Kirche zu bauen, welche die Wasser-Rirche genenut wird, und nun vor die Bürgcr- Bibliothee, die Natur-und Kunst Cammer dienet. Den bcmeldten Stein aber hat der Kayser als eine grosse Kostbarkeit aufgebebt, und seiner Gemahlin zum besondern Liebcs-Pfande gcschenckt. Er hatte aber die Kraft eines Liebes-Trancks. Denn von der Zeit an, da die Kayserin den Stein besessen, hat ihr Gemahl sie niemal verlassen können, und ist allemal in grosse Betrübniß gekommen , wenn er »licht bey ihr war. Die Kayserin erkennte die Würckung dieses Steins, und sie verwahrte deßwegen denselben in ihrer leztm Kranckheit unter der Zunge, damit er nicht etwa in die Hände eines andern Frauenzimmers kommen möchte, welche der Kayser nothwendig deßwegen lieben, und darüber der andern würde vergessen müssen. So wurde also die Kayserin verbalsamirt und mit diesem Stein begraben; weil aber ihr Gemahl ihre Abwesenheit nicht vertragen konte, so wurde sie wieder ausgegraben, und 18. Jahre lang immer dem Kayser nachgcfthrt. Indessen war einem von den Hofleuten die Kraft dieses Steins bekannt, der suchte ihn denn durch dm todten Cörper der Kayserin, findet ihn endlich unter der Zunge, und behält ihn vor sich. Nachdem dieses geschehen, kam die grosse Liebe, welche der Kayser vorher gegen seine Gemahlin hatte, auf diesen Hof-Bedienten, ohne welchen derselbe nun nicht mehr leben konte. Es begab sich aber, daß der Ritter auf einer Reise nach Cöln, wegen eines gefaßten Unwillens, den Stein an einen stinckendcn Ort bey einem warmen Brunnen hinge- ll. Theil. * Ff worf- 226 ^ Fünfte Berg- Reise worffen, daß ihn hernach niemand wieder bekommen konte. So fiel plötzlich die Liebe gegen den Ritter, an deren Stelle ein besonders Verlangen kam, nach dem Orte da der Stein lag. Dieses zog die Stiftung der Stadt Aachen nach sich, und in derselben der kostbaren Cathedral-Kirche, zu welcher der Kayser Chorherren gesezt, welche er mit den Chorherren in Zürich zu beständig währender Brüderschaft verbunden hat.,, Das ist gewiß, daß Carl der Grosse A. 800. in Zürich gewesen, welches aus dem Vergabungs-Brief zu beweisen, dessen Beschluß also abgefaßt: m lUureAo im- perii llli X. iplius Lsroii Imp. I .Niölione XIII. Chr OdO. Ich vergönne nun dem Leser ein freyes Urtheil, diesen Schlan- aen-Stein denjenigen zuzuzehlen, welche zur Erläuterung der angeführten Drachenstein-Historie dienen, und im übrigen diese Erzeh- lung als fabelhaft zn verwerfen, oder vor möglich zu halten. Ich stehe in nicht geringem Zweifel, ob dieser ungenannte Legenden- Schreiber, aus welchem Brcnnwald seine Nachricht genommen, seine Erzehlung von der Ablegung des kostbaren Steins auf die Tafel des Kaysers, nicht jener Fabel des oüalis, eines Venetianers, abgelehnt habe, welche ich bald, bey Anlaß der Lucernerischen Drachen, die durch den ganzen Winter bey einem Küster (Böttner) gewohnt haben, anführen werde, oder ob diese aus jener entstanden sey. Ich wil von Der ganzen Historie nur einen kleinen Theil anführen, welcher hieher gehört. Als er (der Bauer, welcher die Schlange und den Vitalis aus der Grube erlöst hatte) speißre, kam die erlöste Schlange zu ihm hin, und harre einen kostbaren Stein in dem Mund, welchen sie dem Bauren, als ihrem Erretter, auf feinen Teller hinlegte, und sich im Lircul spielend herum drehere, als wenn ste ihm vor die erwiesene Wolrhat danckce, darauf zischte sie ganz lieblich, und gieng, ohne jemand zu verletzen, wieder fort. Endlich muß ich den Züricherischen Drachen die vierfüßige Bestie noch zuzehlen, welche vor einigen Jahren irr Birrentoo im Wellenberg bey dem Dorf Weiningen, schön gefärbt, mit einem Katzenkopf und Busch, im übrigen aber schlangen-förmig, auf dem Stamm eines alten umgefallenen Baums ist gesehen worden. Ich komme nun zu der Historie der Drachen In dem Canton Bern. „ Darin ist eine alte Stadt, genannt Burgdorff, welche von zwey Bru- des i^O^ten Jahrs. 227 Brüvern ist erbaut worden, deren der einte Gymrarn, der andre Beln-am hieß. Diese gienqen A. 7^2. durch die grossen Einöden und Kläfften der Berge auf das Jagen, und nachdem sie lange hin und wieder hermngeirret, kamen sie an einen Bera, wo ein entsetzlich grosses Unthier, ein Drache, sich in einer liessen Höle aufhielt, welcher dortherum auf dem Land alles Vieh wegraubte. Als dieser die Ankunft der zwey Ritter vermerckte, sprang er mit grosser Heftigkeit auf sie zu, und verschlang sogleich Beltram, den jünqern davon, ganz lebendig; Syntram aber sezte sich mit seinen Mitgefährten mit Spieffen nnd Degen so tapfer zur Gegenwehr, daß er endlich die Bestie erlegte, von welcher er seinen Bruder noch lebendig heraus schnitt. Dieses geschah an dem Ort, wo heut zu Tage bey Bern die Capelle der H. Margareth steht, welche die bemeldte Brüder zum Andencken dieser That aufbauen, und die ganze Geschichte darin abmahlen lassen, welches noch jezo zu sehen ist.» Dieses berichtet Ly- sar Beschr. des Iv. Waldstadren-Sees p. 175. und aus ihm Air- fher in rvtuncio subrerr. I^b. VIII. PZH. 94. Cysat aber bcrufft sich auf Jacob Man. Oester- eichlsche Historie, und Wagner hat folgendes: »Nachdem das Schloß der Stadt Burgdorffangefangen worden zu baue»!, sind nach dem Bericht der Helvetischen Jahr-Bücher zwey sehr grosse Drachen, welche sich in einer Hole aufgehalten, angetroffen worden; noch heut zu Tag wird die Hole, welche bey dem Schloß liegt, das Drachenloch genennt.» Indem Xhscell. dlsr.Hurios.(^erm. Oec.II an. i. F. rrs. geschiehet einer Schlange Meldung, welche A. r§8o. zu Anfang des Frühlings von Bauren bey Lausanne ist gefangen worden, und so dick gewesen, als das dünnere und dickere Betn bey einem Menschen, auch, welches sehr außerordentlich ist, Obren gehabt hat. Von dein H. Lear. dessen Einsiedler-Hütte wir bald besehen werden, geht unter den papistischen Scribenten das Gerücht, daß er in einer Hole an dem Tbuner-Sce, durch Gebett und das Zeichen des Creuzes einen grossen Drachen getödtct habe, ehe er die Hole bewohnt hat. S. Ll) istl. Cathsl Helv. p. szr. 677. In dem Lanton Lucerri. Es ist keine Landschaft in der Schweiz, welche mehr Drachen zehlen kan, als diese, wie sich aus dem folgenden zeigen wird. Die Gelehrten zweifeln so sehr an den geflügelten Drachen, daß sie die- Abcn verwerffen, wenn sie schon die füßigen Drachen zugeben. Bo- Ff 2 chare 228 Fünfte Berts- Beise charr führt zwar eine Menge alter Skribenten an, welche den Drachen Flügel zuschreiben, und dennoch verwirfft er dieses, als erdichtet. Ich wil aus den vielen Stellen, die er anführt, nur wenige beyfügen. Orpkeus sagt in seinem Lobgesang über die Ceres: Oviä. I-i.IV. kaltor. inque vraconer Bangt, Lc alifero tollitur -^xs Lerez. dlaullisnus t.. i. von dem Raub der Proserpina: imuols vraconum >/lembra reZens, volucri qui pervia nubila lraäla 8ignant, Lt placicli8 Numeölanc krena Veneris. Alle, welche die alten Götter-Fabeln beschreiben, sagen, daß die Leres durch geflügelte Drachen m der Welt herum getragen worden, um den Menschen den Gebrauch des Getraydes zu lehren. S.Hygim. 47. Fab. und das vii. B. von Astronomischen Dingen in Opmchus. Die Alten erzehlen, daß die Lirce oft in eben diesem Wagen gefahren. Valerius Flaeius im VII B. Dr aügeri Lircen rapuere Vrecone8. Der Canton Lucem gibt uns mehr als eine Historie davon. Die erste erzehlt Rircher in seinem vlunu.üibr.ic. aus einem Briefvon Christoph Gchorer, eines Lucernerischen (Kircher schreibt unrecht eines Solothurnerischen) Landvogts, welchen er an ihn geschrieben: „ Als ich (spricht er) in dem Jahr ^49. bei, Nacht den hellen Himmel betrachtet, sahe ich einen glänzenden Drachen aus einem Loch einer sehr grossen Felß-Klippe an dem Vilatus-Berg, mit sehr schneller Bewegung der Schwingen vorüber fliegen. Er war sehr groß, mit einem langen Schwanz und Halß, der Kopf endigte fich in einen zackichten Schlund: Im Fliegen warst er Funcken von sich, wie das glüende Eisen, wenn es geschmiedet wird. Ich dachte anfangs, es wäre etwa eine feurige Luft-Erscheinung, allein nachdem ich alles fleißig beobachtet habe, erkannte ich, so wol aus der Bewegung, als aus der Beschaffenheit der Gliedmassen, daß es ein würcklicher Drache wäre.» S. Wagners Hili. I4zt. tte!V. pa§. 2 s 2. Die zweyte Historie ist diejenige, welche schon bey der Beschreibung des Drachen-Steins ist erzehlt worden. Die dritte Historie von zweyen auch geflügelten Drachen ist folgende, welche auch Kircher an bemeldtem Ort erzehlt: » Es war zu Lucern ein Böttner, (Küster) welcher an einem 22 ) des r7s§ten Jahrs. Tage ausgegangen war in den dicken Wäldern und Bergklüften, zu Verfertigung der Weinfässer Holz zu suchen, er verirrte steh aber, und wußte nicht mehr, wo er wieder auf den Weg kommen könte. Nachdem er nun den ganzen Tag und einen guten Theil der Nacht herum geirret, und hernach ein wenig ausgeruhet hatte, wolte er gegen Tag seinen Weg weiter fortsetzen, weil es aber noch dunckel war, stürtzte er in eine grosse Grube; doch bekam er weiter von dem Fall keinen Schaden, weil er in weichen Lett fiel. Diese Grube hatte an den Seiten noch Liesse Gänge, und weil der gute Mann kein Mittel vor fich sah, aus der liessen Grube heraus zu kommen, so wagte er fich in einen dieser Gängen, um zu versuchen, ob nichts zu seinem Heil da wäre. Es begegnen ihm aber zwey abscheuliche Drachen, durch deren Anblick er halb tod geworden. Er geht wieder in die Grube zurück. Die Drachen streichelten ihn so wol mit dem Schwanz, als mit dem Halß, thaten ihm aber sonst nichts widriges. In diesem elenden Zustande blieb der Mann sechs ganzer Monat lang, „emlich vorn 6. Wintermonat bis auf den 10. April. Womit hat er aber wol sein Leben unterhalten ? Eine erstaunliche Sache! Er sah, daß die Drachen keine andre Speise hatten, als daß sie einen salzichten Saft, welcher durch die Ritzen -er Felßwänden flösse, aufleckten ; da er nun also nichts anders vor fich hatte, folgte er dem Exempel der Drachen, und nährte fich also ein halbes Jahr lang mit diesem Erd-Saft. Nachdem nun der Frühling angekommen, und die Luft anfienge wärmer zu werden, so wollen auch diese Drachen aus ihrem Winter-Quartier gehen, um bessere Kost zu suchen. Der erstere fleugt, nach vorhergemachter starcker Bewegung der Schwingen, aus der Grube fort, und da sich der andre auch reisefertig macht, er- greifft unser Böttner die Gelegenheit, und hängt der Bestie an den Schwanz, welche ihn denn aus der Grube fortgeführt, worauf er den Drachen verließ, und nach gefundenem Weg seine Reise nach Lucern fortsezte und bey den Seinigen wieder ankam, denen er denn seine Geschickt erzehlte. Weil er aber (damit ich das vornehmste nicht vergesse) seine Erlösung der Vorbitt der heiligen Mutter zu dancken hatte, so wolte er zu immerwährendem Andencken ein Denckmahl stiften. Er liesse also ein Meßkleid machen, auf welches die ganze Geschickt gestickct war, welches noch bis auf diesen Tag in der Kirche des H. Leodegarius in Lucern zu sehen ist. Der Böttner aber, dessen Magen die gewohnte menschliche Speisen nicht mehr vertragen 2 f 3 kon- _ Fünfte Berg-Reise _ konte, starb zwey Monat nach feinem Ausgana aus der Drachen- Höle.„ Cvsat schreibt p. 17; - -es angezognen Buchs/ daßdie ganze Historie dieses Böttuers, wie er in der Hole zwischen den Drachen sizt, durch den Nadel-Stich vorgestellet sey; ich habe aber nur die Drachen gesehen / und einen davon abgezeichnet. Wenn ich meine Meynung sagen darff, sodüncktmich, daß dieses Mcßkleid von Chinesischer Arbeit/ und der Drache von der Art und Figur ist/ wie in den Chinesischen/ insonderheit in dem Kayserlichen Wapen. Rircher sagt noch dazm daß die Wahrheit der Sache durch eine öffentliche Be- theurung in der Kirche des H. Leodegarius bekräftiget sey. Allein auch hievon habe ich nichts erfahren können. Ja es scheinet/ daß das Gegentheil aus Cysat tönte erwiesen werden; indem er die Nachlässigkeit oder Unbedachtsamkeit ihrer Voreltern beklagt/ daß sie weder den Tag/ noch das Jahr/ noch den Namen des Mannes in ihren Jahrbüchern aufgeschrieben haben/ indem einige wollen/ die Geschichte habe sich vor rov., andre aber vor 1 zs. Jahren zuaetragen. Viele schreiben die Ursach davon einer Feucrsbrunft zu/ durch welche die meisten Urkunden der Cathedral-Kirche verlohren gegangen. Ich habe aber nach meiner Heimkunft von dort aus erfahren/ daß in den Urkunden der Kirche das 1420. Jahr/ in welchem sich die Geschichte soll zugetragen haben / ausgedrückt werde. Dieses ist also eine wunderbare/ aber doch nicht die einige Historie ihrer Art. Marhäus Parks erzehlt in seiner grösser» Historie der Engelländer in dem Jahr 1195. fast eirr gleiches von einem Vcnetianer/ welcher Dualis hieß. Dieser siel in eine Grube/ welche den Löwen / Bären und Wölfen gegraben war. Da traff er nun einen Löwen und eine Schlange an; weil er aber mit dem Zeichen des * sich verwahrt hatte/ blieb er einen ganzen Tag und langer ohne Schaden daselbst, und wurde endlich von einem Bauren erlöst. Eine andre noch ähnlichere Historie erzehlt P. Ludwig Rlcheom in dem Lorereanischen pilgrim, Cap. IZ 8 . aus Ic>h. Fischers . Bischoffs zu Rochestcr, A. Is26. Wider den ^coismpzchus herausgcgebnen Buch/ von einem Priester, welcher im Anfang des Winters auf einer Reise nach Italien auf den Alpen sich verirret, unb unter einem Hangenden ausgefreßnen Felsen, in Gesellschaft verschiedner Schlangen, den ganzen Winter zugebracht, und mit den Schlangen eben so, wie der Böttner mit den Drachen, durch den Erd-Saft sein Leben erhalten hat. Von 2zr des 1726«» Jahrs. Von füßigen nicht geflügelten Drachen haben wir in dem Canton Lueern folgende Exempel: Den ersten beschreibt oben bemeldter Schorer ans der Erzeh- lung eines Jägers, meinem Brief an Rircher, mit folgenden Worten: » Der Jager hieß Paul Schumperlin, welcher an einem Berg Flue genannt, welchen er des Jagens wegen besteigen wolte, an dem Eingang einer grossen Hole, in dem Jahr 1654. um den St. Jacobs- Tag, einen Drachen angetragen. Er hatte einen Schlangen - Kopf, der Halß und Schwanz waren gleich lang, er gieng auf vier Füssen, die einen Schuh und drüber hoch waren; an dem ganzen Leib war er schuppicht, und mit vielen grauen, missen und braunen Flecken besprengt. Der Kopf war einem Pferde-Kopf nicht unähnlich. So bald er den Jäger aeschen, erschütterte er seine Schuppen und begab sich in die Hole. » Der zweyte Drach oder die grosse Schlange ist in dem Jahr 1499. den 26. May, so dick als ein Kalb und acht Ellen lang, mit hervorstehenden Ohren, zu Lueern bey der Reuß-Brücke gesehen worden, als er aus dem See die Reuß herunter geschwommen, h^coliken. cle Nrorliß. s ro. Etterlin Sck)W. Chronik H 2 . Stumpf. Beschr. der Schweiz, im vn. B. C. 7. Schillings Lu- cerner Chronie p l 19 Der dritte ist noch jezt am Leben, wenn die Erzehlung wahr ist, -aß er unlängst zu Oftergau auf dem Blurren- Elel, ungefehr eiire Stunde von Willisau, von vielen sey gesehen worden. Er soll zweyfüßig seyn, ungefehr einen halben Schuh dick, schuppicht, grünlichter Farbe, und mit einem dicken Kopf. Ich habe mir Mühe gegeben, die Sache gründlich zu erforschen, habe aber erfahren, daß das Gerücht ganz ungegründet gewesen; wovon ich also die Nachwelt habe berichten wollen, damit sie solchen falschen Erzeh- lungen keinen Glauben zustelle. Den vierten trägt auch ein ganz neues Gerücht herum. Er soll von einem Einsiedler an dem Berg Rigi, über dem Dorff Wäggis, vor der Thür seiner Hütte gesehen worden seyn. Ich habe aber hievon auch nichts gewisses erfahren können. Im Lanton Unterwalden. Hier haben wir eine merckwürdige Begebenheit, welche Stumpf in seiner Chron. ^ n B. 2. Cap. aus Ecrerlms Chronie p 7 beschreibet, und Wagner«. dkr. tteiv. psZ. 245. „ Von dem Jahr an, da die Schweiz zuerst angefangen hat gereinigt zu werden, ist eine greuliche Schlange, welche unsre Jahrbücher einen Lind, wurm nennen, Lzr Fünft e Berg-Reise^__ nen/ und ein erschrecklicher Drache in dem Ünterwaldner-Land gefunden worden. Dieser machte stch so wol hinter Menschen als Vieh, daß daher das Dorff Oedweiler seinen Namen empfangen hat, welches so viel ist, als ein verlassener Hof. Als nun einer von den dortigen Landsleuten, wegen einem begangnen Todschlag, sich ausser dem Land aufhalten mußte, versprach er diese Bestie tod zu liefern, wenn er wieder würde zu Gnaden angenommen werden. Dieses wird ihm mit vieler Freude verheißen. Er macht sich an den Drachen, und erlegt ihn glücklich; als er aber das blutige Scbwerdt, vor Freude über den Sieg, in die Luft schwang, fielen einige Tropfen Blut davon an feinem Leib, welches ihm denn plötzlich das Leben nahm. Die Hole, welche der Drach bewohnt hatte, ist noch zusehen, und wird insgemein die Drachen-Höle genennt. „ Diesem setze ich noch bey das Beingerüst eines Drachen, welches auf dem Berg Staffelwand in einer liessen Hole, in dem Jahr 1602. gefunden worden, nachdem der Drach durch einen von einem Erdbeben erregten Bergfall umgekommen, wie Riecher aus dem Bericht des bemeldten Schorers erzehlt. Ein anders Beingerüft ist an dem Vilatus-Berg, an der Untcrwalder-Seite, aus einem Loch hervor- aegraben worden, wie der Jacob von Garnen, der es selbst gesehen, an Wagnern berichtet hat. S. Ueiv. p. r; 5. „In dem Jahr 1689. den 9. Julii, wurden mir einige ausgegrabne Drachen-Gebeine zugebracht, welche folqendergestalt beschaffen waren: i) Der halbe Kiefer des Drachen mit einem sehr grossen Vor- der-Zahn, seine Länge war iä. viertel Ellen und einen halben Zoll, das Gewicht ??. Unze. 2) Ein Vorder-Zahn besonders, dergleichen zwey in dem obern - und zwey in dem untern Kiefer sind, seine Länge ist 1;. viertel Ellen, die Dickes Viertel, das Gewicht2.Unzen, z. Drachmen; sie waren weiß lind glänzend, wie die Pferd-Zähne. 3) und 4) Zwey Stock-Zähne, deren Breite z. Viertel einer Ellen, ein jeder wog ;. Unze, r. Drachm., die Wurzel dieser Zähne ist gelb, die Cronc aber weiß. 5) und 6) Zwey Klauen von den Füssen, welche stumpf und aschfarbig waren, ein jeder wog i. Drachm. 7) Das Schcnckel-Bein, gelblichster Farbe, seine Lange war ^.Viertel einer Elle, es hatte aber die beyden Ende-Knochen nicht mehr, sein Gewicht war 2. Unzen, z. Drachm. „ Dieses schreibt Wagner in einem Ich muthmasse, daß diese Ueberbleidsel nicht von einem Drachen, sondern von einem Bären seyen. In dieser Muthmaßung bestätiget des i7o6ren Jahrs. 2 zz mich eine Beobachtung von dem i7i8tenJahr, in welchem in einer Hole eines sehr hohen Bergs/ die Öber-Urner-Gchrvendi genannt/ einige Knochen gefunden/ und vor Ueberbleibsel eines Drachen ausgegeben worden/ welche aber meines Urtheils nichts anders sind/ als die Ueberbleibsel eines Bären, welcher vielleicht in dieser Hole sein Winterquartier gehabt/ und wegen verfallenem Eingang hat Hungers sterben müssen. Ich komme auf Den Canton Glarus. Im Sommer des 1717ten Jahrs traff Joseph Gcherer von Ne- ftls/ an dem Fuß des Glärnisch-Bergs, eine halbe Stunde von Glarus/ ein Thier am welches einen Katzcn-Kopf, und in demselben hervorragende Augen hatte; es war einen Schuh lang/ mit einem dicken Leib, hatte vier Füsse, und etwas wie Brüste an den Bauch herunter hangen; der Schwanz war auch einen Schuh lang; sonst war der ganze Leib schuppig und bunt gefarbet. Der Mann hat dasselbe mit einem spitzigen Stock durchstochen, es soll ganz weich und voll giftigen Bluts gewesen seyn, so daß ihm von einem einigen Tropfen das Bein so aufgeschwollen, daß er einen ganzen Monat lam damit zu thun hatte. Ich habe den Hrn. Tfthudi, Pfarrer zu Schwanden, gebetten, daß er durch einen ehrlichen Mann den Gebeinen dieses Thiers nachfrage, worauf er mir im April 1718. einige »herschickt hat, welche ich unter meinen raren Stücken aufbehalte. Herr Tftkudi stdicktc mir auch die eigenhändigen Briefe des Schulmeister Stemmüllers, welcher die Nachfrage von den Gebeinen gehalten hat, und berichtete mich zugleich, daß auf der Alpweyde Roßmale eine Art grosser Eidexeu sich befinde. Im Canton Appenzell. Hieher gehört folgende Historie, welche ich aus Wagners IM. t^elv p 250. genommen: » Als Hans Egereer, genannt Martis Hans, ein ehrlicher 70 jähriger Mann, aus dem Dorff Lienz in der Herrschaft Sax, vor 22. Jahren in der Alp Cammor, welche nahe an der Herrschaft Sax liegt, sich aufgehalten hatte, hat er an einem Ort, im weUcrsche^-Gang genannt, einen erschrecklichen Drachen angetroffen, welcher sich unter einem Felsen aufhielt. Er hatte einen ungeheuren Kopf, eine in zwey getheilte Zunge, welche er weit vor den Mund heraus streckte, er war schwarz mit gelben Strichen, der Rücken war von dem Kopfe bis an den Schwanz knotiqt, der Bauch aber war goldgelb; an dem Vordcrtheil des Leibes hatte er II. Theil. G g ein 2Z4_Fünfte Berg-Reife_ ein paar Füsse, ungefehr einen Schuht lang; den Hintertheil aber konte der Mann nicht recht sehen, doch bemerckte er einen sehr langen Schwanz, welcher etliche mal umgewunden war. Als er den Mann gesehen, hat er sich aufgerichtet, und wie eine Gans durch die Nase geblasen, von welchem Hauch der Mann mit Hauptwehe und dem Schwindel überfallen worden, auch wurden ihm die Augen sehr geschwächt, und er glaubt gewiß, daß sich die Bestie an ihn gemacht haben würde, wenn er nicht davon geloffen wäre. - Nachdem er aber hernach Arzneyen vor die Augen gebraucht, hat er die vorige Schärffe derselben wieder erlanget. Dieses hat mir Herr Pfarrer Denzler von Sennwald, in der Herrschaft Hohen-Sax, aus der Erzehlung des Mannes sechsten, der noch lebt und ganz glaubwürdig ist, berichtet.» Bis dahin Wagner. Die gelbe und schwarze Farbe dieses Drachen, werden unter ächte Kennzeichen gezehlt. Avmzenna schreibt, daß sie gelb und schwarz aussehen, und kUicander, <5«^? >w«vovlL , beschreibe den gelb und schwarzen Drachen. Die Würckung dieses Drachen auf den Egercer, entscheidet die Frage, ob die Drachen vergiftig seyen oder nicht. Primus in dem XXIX. B. 4. C. Aetius und Iftdorus schreiben, daß die Drachen kein Gift haben. Daher schreibt Nicander, daß die Drachen-Bisse wenig schmerzen; andre hingegen, welche ihnen Gift zuschreiben, sagen, daß sie sehr empfindlich und schädlich sind, insonderheit, wenn sie etwa giftige Kräuter gegessen, wie Aelianus in seiner Hist. im 6. B. 4. C. sagt. In den warmen Ländern in Afriea und Arabien sind solche Thiere, wie leicht zu erachten, weit vergiftiger, als in kalten Ländern. Orscones peitiferos srcien8 fzcit Xkricg, sagt Lucanus. Daher haben die Aethiopische Schützen bey dem Helioäorus, welche nur kleine, aber mit Drachen-Gift bestrichene Pfeile hatten, einen schnellen Tod gebracht. Die H. Schrift selbst schreibt den Drachen Gift zu, im 5. B. Mos. XXÄI. zz. Ihr wein ist Drachen-Gift. Buch der Weißh. XVI, 10 . Deine Rinder konten auch die giftigen Zähne der Drachen nicht beschädigen. Der Pater Clemens, ein Capueiner, bezeuget in feiner Beschreibung der Appenzeller Bergen, daß vorzeiten auf dem Berg Wand Drachen gesehen worden. Pündtner-Land. Dieses ist ein so bergichtes und mit Holen angefülltes Land, -aß es wol seltsam wäre, keine Drachen da zu haben. Von solchen Thieren, welche des i7O6ten Jahrs. »zs welche A. 1559. und vorher gesehen worden, schreibt Joh Labricius von Chur, vom 18. Herbftm. dieses Jahrs an Hrn. Bullmger also: ,, Das Gerücht von jenem Drachen war nicht überall leer, aber, wie es geht, durch öftere Erzehlungen verfälscht und vergrößert. Augu- stm von Saiis, ein glaubwürdiger Mann, erzehlt iins, im Beyseyn beyder Bürgermeister und andrer Ehren-Männer, daß der Drache würcklich gesehen worden, aber nur von zweyen, und zwar von einem jeden besonders, jedoch soll ihre Erzehlung übereinstimmen. Er sagte aber, daß dieses so seltsam nicht sey, als das, was einem Pündtner, welcher auch noch lebt, vor zo. Jahren begegnet: Dieser hatte einen sehr grossen Wurm, welcher auf einem Felsen lag, geschossen, der so vcrgiftig war, daß auch die Luft, welche über ihn her währte, den Mann des Gesichts beraubet, und seinen Leib so aufgeblasen, daß er keine Hoffnung des Lebens mehr hatte. Er kontc aber mit grosser Mühe noch nach Hause kommen, und nachdem er den seinigen den Ort, wo die Schlange gewesen, angezeiget, sey sie einige Tage hernach getödtet worden. „ Dieses hat Wagner in der n,ü. Klar. kilc. Sehr seltsam ist, was mir Herr Perer von Juvale, Pfarrer zu Stul im Bergumer-Gericht, in einem Brief vom 29. Oktober 1702. erzehlt: „ Es begab sich in dem Jahr 1696. zu Anfang des Augusti, als ein Kühehirt Barcoiome Alegro de Dome, aus dem Plükser* Gebiet, die Kühe aufdem BergJoppmsch zur Weyde trieb, daß er auf dem Gipfel des Berges, welchen er allein bestiegen hat, meiner Liessen Grube (in un grän) An der nördlichen Seite des Berges, ehe man auf den Gipfel kommt, sind die sogenannte Püams-Seen, (denn es sind zwey, einer etwas tieffer, als der andre) oder vielmehr Lachen, von welchen ich weiter nichts mehr zu schreiben habe, als was ich schon ehemalen angezeiget, daß die Erzeblungen davon nichts als erdichtete Fabeln sind. 'Die Mittags-Scite des Berges, welche in den Canton Unter- walden gehört, hat uns viele Mühe gemacht. Sie ist steil, hat viele Wälder und untermischte Weyden, durch welche man nach Alpnach herunter acht. Vor hundert und mehr Jahren war es noch schlimmer, indem diese ganze Seite des Bergs mit Holz bewachsen war, Welches nun immer mehr ausgehauen wird, weil diejenigen, welche das Holz fallen und verkohlen, denselben Strich Landes, da es gestanden hat, vor sich zu weyden behalten können. In (i) Ein gleicher berichtet Hr.Linneus von den kappla'ndtschrn Tannen/ welch« alle gegen Norden qanr kahl sind. S. klora I.appomca. Wir treffen aber auf unsern Dergm noch mehrrreDiirge an/ die sie mit den den den ?ol»8 ltrgendtn Ländern q mem haben/ z E. die weisst Färb der-aasen und vielleicht noch an. drerTdterm; die EiS-Dergr; einige Pflamen/ als einige unV8»ri- frasar, welche Wartens bey den SpttzberaischtN Bächen gelesen hat. des -7s6len Jahrs. 241 IndemDorffMnach, wo emeSchifflarrdurrg ist, hatten wir Höh« r«, die Höhe des Quecksilbers 2 z". 8^". In Lueern aber war sie heute 2z". 9^"., deren geringer Unterscheid von einem Scrupel uns nicht * hindert, die Höhe dieser bevden Oerter gleich zu setzen, weil sie beyde an dem See liegen. Es ist glaublich, daß das Quecksilber in Lueern auch auf diese Höhe von 2 z". 8"^. herunter gefallen. In Zürich war heute die Höhe 23". 7^". Das Quecksilber in dem doppelten kleinen Barometer, welches von dem bis auf den 76. Grad gestiegen, hat eine merckliche Verdünnerung -er Luft angezeiget, auf welche den folgenden Abend ein häuffiger Regen mit Blitz und Donner erfolget. Kraft dieser Beobachtung ist meine Stndierstube in Zürich 122. Schuhe höher als Lueern, Alpnach und andre an dem See liegende Oerter; und der IV. Waldstädten-See hat fast eine gleiche Höhe mit dem Zürich-See, welches ich auch schon an einem andern Ort erinnert habe. Der 22. Brachmonat. An dem Alpnacher Gestad hatten wir die Höhe des Quecksilbers 23". 8^". Es war hell und warm. Da wir abfuhren, nahm ich meinen Abriß von dem Lopper- und Bürgen-Berg, neben welchen von ferne der Gchwcizerhaken, und zur rechten Seite der Murer- schwander- Berts gesehen wird, welche alle diesen Theil des Sees wie ein Amphttheatrum umgeben. In diesem fast überall mit Bergen umschloßnen Arm des Sees, BestzMg, haben wir ein Erempel von beständigen Winden. Denn bey Unter- Wind«, gang der Sonne fängt der Abend-Wind an, welcher bis um 9. Uhr Vormittag des folgenden Tages währet, zu welcher Zeit der Morgen-Wind anfängt, welcher bis auf den Abend währet. An diesem Arm des Sees sind auch einige Brunnen/ welche verdienen hier angezeigt zu werden: An dem Gestad selbst zwischen dem Lopp- und dem Rsrzberg ist ein Maybrunn, dessen Wagner i-mt. »e! v. p. rz,. aus Ly- fats Beschreibung des lv. Waldstadten-SeesBl. 248. gedruckt. Ein andrer ist an dem Bürgender^, welcher auch wie die May- Maybrunn. brünnen zu Anfang des Sommers feinen Laufs anhebt, aber oft an einem Tag acht oder zehen mal aufhört und wieder anfängt. (K) warmer aus Eyfar an bcmeldtem Orte. II. Theil. _ Hh _An (lr) D^Ursach dikfer Deaebenheit ist ohne Zweifel eben diese/ welche macht/ da- der ErWltt-'Drunn nur Morgen-und Abends stich; daß ein Bach zu 242 Fünfte Berg - Reise _ Schwefel- An der Lopp ist ein kalter Schwefel- Brunn/ welcher bald in Brunnen, den See stießt. Ebendieselben. Der in dem Rotzloch, welchen wir gesehen und versucht haben, hat mehr Wasser; er zeiget den Schwefel, so wol dem Geruch als dem Geschmack nach an. Man braucht denselben zum Trincken, Baden und Kochen. Er kommt an verschiednen Orten hervor,laufft aber bald in den dort vorüber flieffenden Rorchach Es ist eine Capelle und Papier-Mühle da. Weil wir hier eine Stunde lang bleiben mußten, so zeichnete ich indessen zwey Prospekte ab. St««?. Von Roizioch giengen wir zu Fuß bis auf Srany, (^-»rlo) welches vor diesem, nemltch vor dem r i so. Jahr der Haupt-Flecken des ganzen Cantons, nun aber nur des Untern-Thals ist. Es ist eine schöne Kirch daselbst, mit schwarzem Marmor mit weiften Adern, welcher unweit davon im wieftnberg ist gebrochen worden, ausge- zieret. Nicht weit von Stantz ist das Dorff Oedweil-r wo der oben beschriebne Drach war, welchen wincketried gelobtet hat. Ts.Drwi wilm seiner Historie in dem Jahr i2so. behaupten, daß dieserWinckel- ricd derjenige gewesen, welchen der Kayser >riedr»cb, als er von dem Vabst Gregorius X in Bann gethan worden, wegen seinen tapfern Thaten zum Ritter gemacht hat. Die Historie ist in der Kirche zu Oedweiler abgemahlt. Nachdem wir Stantz verlassen, giengen wir nach dem Lauff des Flusses Aa, durch woftenscbieß und Grafenohrt, welches vorzeiten ein Sitz der Grafen von Habspurg war, nun aber ein Lusthauß der Engelbergischen Mönchen ist. Endlich kamen wir am späten Abend von dem gefallenen Regen sehr naß und müde in das Eloster Engelberg. ^ Der in LerlcMre bey trocknem Witter doch/ und bey nassem ga„r seicht ist/ und viel. leicht auch/ daß der Brunn an dem Cumer-See/ den der jüngere plinius kp. L.. IV. §.; o. beschreibt/ alle Lage dreymal anwächst und wieder fällt. ES ist nenNich ganj wahrscheinlich/ daß solche Brünnen durch einen von der Natur ge« bildeten Canal/ mit einem andern Waffersammler communictren; wenn nun dieser voll ist/ so steiget daS Wasser durch den gekrümmten Canal/ und stießt durch denselben heraus/ solang/ als etwas darin ist; hernach steht der Brunn stille/ bis die innwendige Höle wieder angefüllt ist/ daS kan mm in r/ r/ 6. oder s. Stunden/ in einem oder vielen Tagen geschehen. S. Schcuchzers ttxciroZr. blelv. Bl. r»9. und kllilolvtrlr.1r»nsLÄ» n. Z84> 24Z des r^Sten Jahrs. Der 21. und 22. Brachmonat. Cl°st« D». Wir blieben zwey Tage in diesem Closter. Den 21. Tag hatten wir selbers. die Höhe des Quecksilbers 22". und den 22. war sie 22". 2^". bey Hellem Himmel. In Zürich war an diesen beyden Tagen Vormittag die Höhe 2z". 7/"., und hernach 2z". 7^". Daher mache ich den Schluß, daß Engelberg über den Horizont meiner Studier- Stube iz6o., oder wenigstens 1220. Schuh erhaben sey. Der Schreiber dieses Closters ist Herr Tschudi, aus dem Hoch- Von dem Adelichen Geschlecht, welches in dem 12. und folgenden Jahrhundert W vA im Namen der Acbbtiffin von Seckingen die Meyerschaft uber Glarus ZMuvi. gehabt hat. Bey diesem habe ich zu meiner grossen Freude zwey Kilc. gesehen und durchlesen, welche beyde zu unsrer Vaterländischen Historie vortrefflich dienen. Eines ist von eigner Hand des grossen Aegidius Tschudi (dessen Lebens-Beschreibung ich an einem andern Ort geben werde) geschrieben. Es enthält eine Historie von den Wapen der Adelichen Geschlechtern in der Schweiz, aus welchem, wie aus einem Trajanischen Pferd, ein grosser Theil des Oesterreichischen Adels herkommt. In diesem einigen Theil sind nicht weniger als tausend Wapen mit ihren Farben gemahlt. Das andre ist der Tschechische Stammbaum, oder das Geschlecht-Register dieser Familie, welches, theils aus den alleraltesten Urkunden, theils aus den Schriften des gelehrten Aegidius Tschudi, Landammans zu Glarus, durch mehr als 820. Jahre fortgesezt ist von Hermann Herman, ).L. ,628- Ich brachte also diese zwey Tage mit Ausschreibung derjenigen Sachen zu, welche mir aus diesen Schriften zu der Natur-Historie, Geographie und Wapenkunst dienen könten. Der 2z. Brachmonat. Am frühen Morgen war die Höhe des Quecksilbers 22". i^"., und H°he des in Zürich auf meiner Stube 2z". 7z/"., daher die mittlere Höhe des zu Ar. Closters aüf 12 80. Schuhe kommt. b«rg. Nachdem wir hier Abschied genommen, seztcn wir unsre Reise weiter gegen Abend fort. Anfangs bestiegen wir einen gähen Wald, hernach grenzen wir durch Alpen, und hernach wieder über ein steiles Berg-Joch, wornach wir in die Trübü-Akp, und an den Trubii- Berg-S«. See kamen, welcher zu dem Unterwaldner-Gebiet gehört, und von dem Eiß-und Schnee-Wasser, welches von dem Tuclisderg stießt, Unterhalten wird. Wagner gedenckt desselben in der Mt. w-u. «eiv. Hh 2 k- 57- 244_Fünfte Berggeist__ p. 57 unter dem Namen Trüppr- oder Trüpii-Gee, und thut hinzu, daß er grosse Grunvein halte. Dttg Ivch. Voll hier mußten wir noch mehr Berg-Joche besteigen, ehe wir auf die oberste Höhe, auf Joch genannt, kamen, wo die Gränz- Steine des Bewer-Gebiets, und der Herrschaft Engelberg find. Diese oberste Höhe erreichten wir um ro. Uhr Vormittag, und beobachteten die Höhe des Quecksilbers auf 19". 2'". Daher wir geschlossen, daß wir rzro. Schuh höher als Engelberg, und 3620. Schuh höher als Zürich wären, (l) welches fast eben die Höhe des Gotthard- Beras ist. Wir hatten aber zu beyden Seiten noch höhere Joche, zur ttncken den Ochsenstock . Rauchstock, Tittlisberg, welche mit ewigem Schnee und Eiß belegt find; zur rechten hatten wir den Geißberg. kngstler. Wir giengen von hier hinunter, die sehr rare Beschaffenheit des Brunn» Engstler-Brunnens zu besehen, wovon ich in der ersten Reise von 1722. schon was gesagt habe. Allein es glückte uns nicht recht, denn die Sennen waren noch nicht da. Also war ich den 18. August des bemeldten Jahrs zu späth, jezt aber zu früh ankommen. Ich ließ aber dennoch aus den untern Hütten des Engftler-Thals einen herkommen, der seine Weydcn nahe bey diesem Brunnen hat, und fich im Brachmonat und Heumonat hier aufhält, damit ich von diesem die Nachricht bekommen könte. Dieser bezeugte aus vieljähriger Erfahrung, mit Uebereinstimmung aller Einwohnern dieses Thals, nebst dem, was ich an angezognem Ort hievon erzehlt habe, daß er ordentlicher Weise Morgens und Abends, und oft nach vorhergegangenem unter- (l) Der Leser bedenck« bey dieser Ausrechnung die erste Anmerckung des Verfasser- bey dieser Rerse/ daß er nemlich die Bestimmung der Derg-Höhen hier nicht eigentlich nach den Mariotlischen oder Caßinischen Tafeln genommen habe/ daß also diese angegebene Höhe zu gering ist. Denn wenn man setzet / wrc e- der Verfasser hier gethan/ daß der Unterschied mischen Zürich und dem Berg Joch 4. Zoll ? 4 . Ltn. des Züricher Schuhes ist/ so kommt dte Höhe etwa- ander- heraus. Zürich liegt ungefehr 1; 68 . Schnhehoch. Die mittlere Höh« der Quecksilber- ist da» selbst r 6 . 6 . Pariser; wenn man nun 4. Zoll 5 5. Lin. Züricher davon abzieht/ so bleiben ungefehr 21. Pariser/ nach welcher Rechnung die Höhe dieses Berg- über da- Meer 7162./ und überZürich 5594. Schuhe ist. Dieser Redockroa kan man sich auch in andern Fällen bedienen/ wenn man gern die Höhe gewisser Oerler wissen wil/ welche der Verfasser ia diesrr Reise bestimmet hat. Die Der» hültttß des Züricher Decimal-Zoll- t»dem Panser/tst ungefehr wie 20. tu -7. 24 < des Jahrs. unterirdischem Geräusch/ hervorkomme/ wodurch die Gruben, welche, wie wir gesehen/ ungefehr zwey Schuhe tteffsind/ allgemach angefüllt werden, und endlich so viel Wasser übergiessen, daß davon ein Mühl- Rad könte getrieben werden; daß der Brunn oft zwey bis drey Stunden/ oft aber die ganze Nacht hindurch bis auf den Morgen siieffe; daß er zu Zeiten auch ganz abstehe/ insonderheit/ wenn was unreines darin gewaschen werde; welchen Umstand alle, mit denen ich davon gesprochen- bekräftiget haben. Das Wasser soll sehr kalt und klar seyn/ und von dem Vieh mit grosser Begierde eingeschluckt werden, welches als wie mit Fleiß auf dessen Hervorquellung wartet, damit es eher von diesem, als von andern auch klaren Wassern, welche in der gleichen Alp in grosser Menge hervorquellen, trunken könne. Dieses Wasser sol auch mit so sanftem Geräusche über die Alp hirn- siiessen, daß es den Thau von den Pflanzen nicht abspült, welchen man mitten in dem Brunnenwasser auf den Pflanzen leicht soll unterscheiden können, (m) Wir haben keinen Grund, an der Wahrheit dieser Sache überhaupt, wenn einer gleich wegen einigen besondern Umständen zweifeln wolte, zu zweifeln, und müssen derowegen auf die Erklärung einer so seltsamen Sache bedacht seyn. (n) Das ganze Engstler-Tbal geht von Morgen gegen Abend, und ist voll von den allerreinsten und klarsten Wassern. Man siehet zu beyden Seiten, insonderheit an der lincken (wenn man hinunter geht) einen Wasserfall nach dem andern mit vielem Vergnügen. Im Gencel (ist eine Alp in diesem Thal) siehet man in einer Weite von ungefehr 20. Schuh, fast eben so viele Bäche aus den Ritzen der Felsen hervorkommen, deren die meiste ftarck genug wären ein Mühl-Ra- zu treiben; daß ich also davor halte, daß diese Berge inwendig sehr viele Wasserbehälter haben. An dem Weg haben wir hin und wieder rothe Schifer-Steine, auch Stein-Kohlen und Eisen-Er; angetroffen, welches in dem Berg Baumgarcen, zur rechten des Eugstler-Thals ausgegraben, und in dem Muhlethal geschmelzt wird, wo wir, nachdem wir von dem Regen recht naß geworden, die Nacht-Herbera genommen. Hier war Hhz die (m) ES ist «in Umstand/ dm derEngstler.Dach mit vielen andern gemein hak / daß der Thau davon nicht «kgrrvaschen wird/ und vielleicht ist eS bey allen kleine» Wassern so. (n) Herrn Hermans Erklärung steht in der U^ärosrsplüsttelv. Bl. "9. Sehet »des die Anmerck. (K) Bl. »41. -4». 34^_ Fünfte Ber g-Rekse die Höhe des Quecksilbers um 7. Uhr Nachmittag 22". 7"/. Daher ich urtheile/ daß das Müllethal 2800. oder 2742. Schuhe tieffer liegt, als die oberste Höhe über welche wir heute gekommen find; wenn man nemlich setzet, daß das Quecksilber nach dem Regen um einen Serupel höher gestiegen sey, als es bey beständig-hellem Wetter gewesen. Dieses Bernerische Thal ist 420. Schuhe tieffer, als das Engelbergische. .., . Der 24. Brachmonat. HMkthal. Von dem Mullethal mußten wir durch das Haslerhal gehen, welches vor andern Landschaften des Berner-Gebiets seine besondre Freyheiten hat, und nicht durch Landvögte, sondern durch Ammans regiert wird, welche aus dem Volck emehlt werden. Dieses Thal ist reich an Weyden, und Wassern, welche in dem Dorff Müllethal und unterhalb demselben von allen Orten her zusammen fließen. Von Morgen her kommt der Engsteln-Bach, welcher zu unterst in dem Engstlerthal den Namen Gemeler-Waffer bekömmt, und mit grossem Brausen durch die zertheilte Felsen an dem Dorff hinfließt. Ein wenig Hieher kommen von dem Berg Sust, welcher an den Canton Uri gränzet, und aus der Trifft-Alp andre Wasser, und unter diesen die Trifft, welche von derjenigen muß unterschieden werden, die, nach Wagners Bericht, aus dem Berg Joch entspringt, und in den iv. Waldstädten-See fließt, (ttiit. Uclv. 928-57.8r.) wovon ich aber bis dahin noch nichts in Erfahrung gebracht habe. Vielleicht hat unser Geschichtschreiber durch den See auf Joch, welcher zwar klar ist, aber wegen dem Eißwasser keine Fische hat, den Engftler-See selbst, wovon oben, und durch die Trifft den Engst- ler-oder Genrler-Bach, welcher hernach in die Trifft fließt, verstanden. Aus dem Müllethal fließt das Wasser schon in Gestalt eines Flusses oft mit grossem Geräusch über die Felsen ab, unter dem Namen des Gademer- Wassers. Unterhalb dem Dorff Weiler vereinigt sich dieses Wasser mit der Aare, deren erster Ursprung, nach der meisten Vorgeben, aufdcm obersten Joch -es Berges Grimsel ist,an einem Ort da immer Eiß vorhanden, im Aaren genennt; andre sagen, -aß sie ihren ersten Ursprung auf dem Berg wecrerhorn habe, und daß sie voll verschiednen Bergen und Thälern noch andre Bäche empfange, aus welchen das GeUner- und das Urbach-Wasser mir bekannt »st. Zur rechten des Dorffs Weiler siehet man die Ueberbleibsel des Schlosses auf Resti, neben welchen der Alcbach und Mühlebach, des i-vSten Jahrs. 247 und zur lincken der Reich enbach aus der Alp Gckekdeck, hinfliessm. Die Weite zwischen Mühlethal und Haste wird zwey Stunden geschätzt. Das Dorff und Kirchspiel Hasle erstreckt sich weit, indem das ganze Thal dazu gehört, welches bis auf die Höhe der Bergen geht. Von Hasle geht man der Aare nach durch platte Wcyden in drey Stunden nachBneny, welches Dorff an dem Bnenyet - G e Anm. liegt, und den sogenannten Brientzer-Raftn den Namen gibt, welche aus dem ganzen Haslethal dahin gebracht, und hernach in andre Länder geführt werden. Der Srientzer-See erstreckt sich ungefehr drey Stunden weit. An der rechten Seite desselben sind die DörfferOderriedt, rriedec- riedt und Rrnckenberg,wo ein eingefallenes Schloß ist. Unten an dem See liegt das Closter ^merlachen Hincerlachen welches nun ein Schloß tst, und von seiner Lage zwischen dem Thuner- und Brientzer- See so (imer l^scum) genennt wird. Mitten auf dem engen Erd- Strich zwischen den beyden Seen, liegt das Städtgen Umer-Seen, (unter Seven) welches wir vorbey gegangen, damit wir in dem Gasthof zum Neuen Hauß an dem Gestade des Thuner-Secs über Nacht bleiben könten. Hier war die Höhe des Quecksilbers 2z". 5^"., daher ich muth- maffe, daß die beyden Seen 720. Schuhe tieffer liegen, als das Dorff Muhlethal, von welchem wir heute morgen bey neblichtem Wetter weggegangen. In Zürich war das Quecksilber auf 2z". Der Unterscheid ist also z<"., welches 240. Schuhe beträgt, um welche Zürich tieffer liegt, als bemeldte Seen. Der 2^. Brachmonat. Nachdem wir von bemeldtem Gasthof eine Stund weit auf dem Einsten«. See fortgefahren, landeten wir, um die Einsiedler-Hütte des H. Beats Hsn« de« zu sehen. Dieser war ein edler Engelländer, welcher vor seiner Be- ' kehrung zum Christenthum Gueeomus, nach seiner Tauffe aber, welche ihm Bmnabas mitgetheilet, Bear, oderMacarms, genennt wurde. Er wurde von Perrc>, damals Bischoff zu Antiochien, ferner in dem Christlichen Glauben unterrichtet, in dem 40. Jahr seines Alters zum Priester geweyhet, und hernach in die Schwer; geschickt, unsre Voreltern zu bekehren. Man sagt, daß dieser heilige Mann einige Zeitlang den Helvetiern das Evangelium mit solchem Fortgang gepredigt habe, daß ihn Petrus bey seiner Zurückkunft nach Rom zum ersten Helvetischen Bischoff gemacht habe. Daher soll er seine 248 Fünfte Berg-Reise Gemeinde noch nierml besucht, und insonderheit den Bernew, Lu- ceriiern Untcrwaldnern, Freyburgern, Solothllruern, Schweizern und Pündtnern gepredigt haben. Endlich aber hat er, des Hcrum- reisens überdrußig sich hier einen beständigen Sitz erwehlt, daß er in dieser Hole, welche wir nun besuchen, ein Einsiedler-Leben führen möchte. Diese Erzehlung ist aus den Legenden heraus genommen, und von den Römisch-Catholisch- Schweizerischen Geschichtschreibern fieißjg beschrieben worden, als von Murer in »elveus KnNs; Lang Grundriß der alten und neuen heutigen cacholischen llelveri», im 2. B.!«Cap. rc. Die verbesserte Erzehlung davon kan man in Hör- tingers Helvetischen Rirchen-Geschichten Bl. 82. lesen. Dieser Ort ist in -er That so beschaffen, daß sich ein einsamer Mensch vergnügt hier aufhalten kan. Es ist eine Höle, welche wol hundert Schuhe über den See erhöhet, und von den darüber Hangenden Felsen ganz eingeschlossen ist, daß man darin vor dem Wind und Regen sicher seyn kan. Man hat von derselben eine angenehme Aussicht über den Thuner-See, und an das vorüberliegende Gestad, welches einem Menschen, der einer freyen Luft gewohnt, sehr angenehm ist. In -er Nahe kan man sich an den Bäumen und ihrem Schatten, an dem Gesang der Vöaeln, und an -er natürlichen Eintheilung dieses Gewölbes ergetzcn, welches gleichsam in verschtedne Zimmer eingetheilet ist, unter welchen man des Heiligen Schlafzimmer noch zeiget. Insonderheit aber können Augen, Zunge und Gemüth sich an dem sehr klaren und zimlich grossen Bach, welcher in dieser Höle hervor kommt, und theils mit angenehmen Lispeln durch die Höle fortstießt, theils aber ausserhalb derselben verschleime Fälle macht, ersetzen. Kurtz, es würde sich ein jeder grosser Monarch freuen, eine solche Höle in seinem Garten zu haben; und also ist leicht zu vermuthen, daß ein Mensch, der -es gesellschaftlichen Lebens uberdrüßig ist , hier vergnügt wohnet. Die Ueberbleibsel von einer Mauer, welche noch vorhanden, sind meines Erachtens nicht von dem Heiligen selbst angelegt, sondern von einer Capelle, welche hernach ihm zu Ehren hieher gesezt worden. Zur lincken Seite des Thuner-Sees liegen die Dörffer Balmgen, Leistngen, Merlingen, Rallingen, das Schloß G-griöweil, Faulen-See und Gpietz, der Sitz der Freyherren von Erlacb. Hier landeten wir, um das Schloß, die Gärten, und andre daselbst befindliche Dinge zu besehen, unter welchen die Andenekungs-Zeichen des _ des l7Lbor. 3 c Honor. 8 Lturl 3 näem piorum lnälu extinälus cl. xxm. ^pr. XIVLI^I. ^Ur 3 ti 8 I.XXII. dlec non ^odilillimz s 6kt^kL^kIIL0 ^ilerz ezv8äem Lonjox, c^use prrier xi. rzuoz Lx priore iuscepil xxrv. eum besvit I_.iberi8 ^ebu8 humZni8 excml 3 L kruckolos. An dem Bodmerischen Hause find zwey Gärten. Einer zu den Bäumen, welcher nach der Form eines Irrgartens gebaut ist, der andre vor die Blumen und Kräuter, in welchem ich zu meinem grossen Vergnügen viele Alp-Kräuter, mit grossem Fleiß gepflanzet, gesehen habe, und unter diesen das blühende L^nZ,um momgaum lsu- kolium cspiwlis Oipkci Alp-Ge. tzx crzchlete uns verschiednes von einer seltsamen Geschickt: ^lche aber mehr aus der Geisterlehre, als aus der Naturlehre muß auf- des i7v§ten Jahrs. 25 r aufgelöset werden. Es geschicht nemltch zu Zeiten, wenn die Sennen auf den Alpen sind, daß in der Nacht eine Stimme gehört wird, als wenn ein Senn ruffte, welcher Stimme denn die Kühe alsobald, unter der Anführung der Meister-Ruhe, nachgehen. Wenn nun der Hirt mit seiner wahren Stimme nicht wieder zurück rufft, so kommen sie fort, daß man sie nicht finden kan. Drey Tage hernach aber finden sie sich in ihren ordentlichen Alpen, mit angefüllten Eutern, wieder ein. Ferner erzehlte er uns von dem Brunn im Grimm, zu hinderst im Siebenthal in Schwenden, welcher unter die martialische Brünnen gehört, und alles roth färbet. S. I. Theil Bl. z i z. Von dem Unsthlitt-Brunn bey wimmis, in welchem eine Materie, die wie Unschlitt oder Fett, das vom Schimmel angeloffen ist, aussieht. Unterweilen ist sie roth geftreimt. Wenn man sie aufbehaltet, so bekommt sie in wenig Tagen den Gestanck -es faulen Fleisches. Das Wasser selbst ist ohne Geschmack, und purgirt den Leib. Von dem Berg Stockhorn, dessen Gespräch mit dem Berg Niesten Räbmann m einem Gedicht erzehlt hat. Seine Höhe soll nach einer geometrischen Abmessung 225,. Schuhe seyn. Von dem Untern, Giebenchal, wo viele melancholische Leute seyn sollen. Den 26. Brachmonat. In der Stadt Thun war die Höhe des Quecksilbers 2?". 7'"., in Zürich 2z". 9z/".; nach welcher Beobachtung Zürich 200. Schuhe niedriger wäre. Von hier giengen wir der Aare nach auf Bern, die Haupt-Stadt des ganzen Gebiets, wo wir uns zwey Tage lang aufhielten. Bey Herrn Landvogt Ott sahe ich ein Stück Buchen-Holz, welches in der Landvogtey Schenckenberg, von ungefehr mit einer Axt gespalten, und inwendig mit einem schwarzen Ereuz bezeichnet ist, gefunden worden. (0) I i 2 Den ( 0 ) Ich bahr hier eine ziemlich lange Stelle weggelassen/ weil sie in der Verfassers k-IerbLiio äiluviano p.u. Z6. nach der I. Ausgabe von Wort zu Wort steht. Ich mercke dem Leser/ der dieses Buch nicht aufschlagen kan / r» gefallen nur dieses an/ daß der Verfasser gar wahrscheinlich macht/ daß dieses Bild mit einem Messer in den noch jungen Buch-Baum geschnitten worden/ und daß her» «ach das Holz wieder darüber gewachsen. Unschlitt« Brunn. Stockhor«. Höbe des Quecksilber- zu Thun. Bern. 2gr les LourAois. An der Canzel steht folgendes villickon: OKobris quum 8 ol ivic ter guintus in 0K0 I-.UX VirX Onllri luxir in Orbe nc>v,'. Ueber der Thür der Kirche war der H. Ulrich vor der H. Jungfrau Maria kniend, und die Königin Berrha (welche aegen dem Ende des ix Jahrhunderts die Kirch gebauet hat) das Modell von der Kirche in der Hand haltend, in Stein ausgehauen, mit dieser Aufschrift: V>rgo pia me Nenka Lcamaria 6c iimril l)iricu§ infriAiens inimici, clat Vomus Honori8 vcl frcienlikus 6c pgrncliium. Allein weil es Nach dtM alten Aberglauben röche, ist es weggenommen worden. Daher die Papisten zu sagen pflegten, die Neuenburger hätten die H. Jungfrau weggenommen, und den Teufel stehen lassen, welcher an der Seite der Thür in Stein gehauen ist. Der i. Heumonat. Die Höhe des Quecksilbers war zu Neuenburg 2z". 9/". wie in Zürich. Ehe wir diese Grabsclmft verlassen, muß ich noch mit einem Wort anzeigen, daß daselbst sehr viele gebildete Steine gefunden werden, deren Beschreibung ich bis auf einen andern Anlaß verspäte. (p) Nachdem wir von Neuenbnrg verreißt, kamen wir durch r^eustadl-, weuville, konneville, welche an dem Bieler-Gee liegt, nach Diel, welches sonst auch Liellz, kipermis, Lipennium, pelenifcz, rerinelc», Lienne. Liennz, Byel, genenntwird, wo wir auch übernachteten. Den 2. Heum. kamen Wir durch Golochurn nach Arwangen, und den Zten durch ArburI, Arau undMellingen, nach Zürich. II. Theil. K k (p) Der Verfasserhat eine Beschreibung davon an dieKöniglich-PreußischeGeseS« schast der Gelehrten geschickt, sie ist aber memalen gedruckt worden. Ende der fünften Reise. Die Höhe des Barometers in Pariser Zolle». Höhe des Quecksilbers 1« Pftfers. 2s8_ W )o( W _— In dem Jahr 1727 ?CH erfahre täglich, wie schwer die Arbeit ist, die ich mir füv- genommen habe, die natürliche Merkwürdigkeiten der -- Schweiz zu beschreiben. Ich muß immer arbeiten, ich muß zu grossem Nachtheil meiner Hauß-Geschäften, meiner Arzney- Uebung, und mit grossen Unkosten Reisen anstellen; ich muß die Berge besteigen, die Thäler durchwandern, die Kraft aller Elementen empfinden. Hitze, Frost, Regen, Hagel, Wind und oft die wilden Sitten eines in »»bezähmter Freyheit lebenden Volcks, andrer Hindernisse zu geschweige». Allein dieses alles kan mich nicht abschrecken. Meine eigene Begierde, der Beyfall und die Aufmunterung von verschiedenen Königl. und andern Gesellschaften der Gelahrten, find mir ein Grund Wetters fortzufahren. Ich verreißte abermal den i sten Heumonat Abends von Zürich, nachdem ich vorher die Beobachtungen des Barometers angeordnet hatte. Die Höhe des Queckstlbers war an diesem Tage 26". z/"., die Luft schickte fich nach und nach zum Regnen an. Ich nahm den gewohnten Weg über Lachen, Wesen, Wallen- stadt, Ragaz, nach Pftfers, wo ich der: i?ten diß angelanget, und mich neun Tage, um die Cur zu gebrauchen, aufgehalten habe. (g) In Pftfers war die Höhe des Queckstlbers im Barometer den i8.und 19. Heumonat rz". 9^".; das Wetter war hell. Den ri. Nachmittag um i. Uhr 2z". 8 ^". Es war hell und warm. ^ Den (^.. ,K7 <2Är/Ä .ix—«..>i.i ^ k GM - (^26lr6i16t^ v»«?-«! rsSLiVVI'^ 6iLII?11S xisMS/V ^TowMxr. ° - )K ^^DEkMMMr LH7F '-.rx^U^> L.« »'.« -M ^LL i X7??/ /l/x/XX'/X/X 87?L^ liiliei? ^Vi I^L ^ ^ L---" - M»'»"' /X ^ Vi -o L S >«.^>» »--L» -1 t ' E? " MME ?ML ^ Z"' >'-x L2/Lr7r^ . '/^x M iE^ // (7HH,.-^ -ÄMpVrsL- ^lons V 77l a Ix xM^S L » «"»" ^7F »-xM cTr'/N-Lx 5 xM M? j' ^ o > >M^ , O ^ ^k?S7r^ ^ ^LrroE^ xL^P- UIKlitUL. - ^ o - 2loTLS 5^tL?r. OÄ^xM^s 6Lv(LMs8 (DllT^sr^o o/ ^ s^>-7? IÄ_ Ä ° s? ' N n o 2? ^ "'7 ^^rno ^LLa^s^ ^,--ÄbL ^ILZF .. .. X tz . !M^Q??rLr^2x .-' >»,M' W. '^V'V 1^ rL^-LS^L^> 7 ?« McFis ,— M X, ? >> 7 ». 7 . 027mio Ii2i6>in Mrulcl^ Älons -^Lrss^ro ''- 8.MLI71gx »»M -..^/'/'/'^?v/ E-Xx^H xV7^i2/^ ^i2x-ix-!7 ?'.-« OL8 - -i Ud>--x 7 ^ 1ij-r/rs7rA x> ,.x1//x/'?7 ! SS- -MirZ - VS>.".. LTTTMr^L? 7'X' ^^M7F k d»>' VVOTHIS ?K^Är/. - ^Lr^/TML» 5!1.E Mons o /oX^ SA ^ 1 ^ o o 2)^72^? <8<7rLLM^ /?^V^L77LL 8oVL 4r 2r^s?b^ <>Q7/rML7^L7L7 1^1 ^ / ^A/^ür.0 c_§i ^ -> o M xlxv'Ls Lrx x>v .„«^« L j -XM« „./ - >i2^^s^x i ii? kni ^ Z, ^« ^«Nii /r K OII^ kiel' 8 i. L Er. - r2i.x?)_^L^7° i D^LÄ »-7 o -ilLiS'ir'LvrLrx «B> x<" r LSäilü-8 Sixö.8 MV^HL ^LM^OOMIL^rv (II^VLMsL^SI L2? L0RMIM8I, W xeseenieD eil g.ee>ELii6inis delmesitA M OxIMILIL ^V>xli SLLO/V^ V.M.^LLHI'IseLI.IxxUüsÖ rinne LLei irrei^gx eiues eil 8nrrriÄni8 N^ri'II.8LII2"I'LRI, 8.6^.vL06IL.^V^VlW. ^4/rÄxr^rxrx 6xrxv»xMrxxs , //, ,>, roxs /x^xrL^v °. R"E M .. .' 0 .. L^7rL?^7^ 7^ ^S^ÜL''.. Ik'RLFLeL. xL^LLn..r> L Z .r--' ^^O^e/Tx ^2/'MM^) ^ lO -/^- ^ ü __ .. XX ' , ° ^^'^«X-Ä^ xx xx>^ L DM X—x„ / ix x»-^M XiMWMs o Xl^H Kb K LLs . exes^rrirx ÄNÄL7Lr->. - >c^r/7rL^L> . s ^ILL^Le^IIL^ I^VMl'Fc ^ <5^^r7Lr^7^^L7r^ L^sir^a? st^ lvIIIUII! MM ^ MLIWIL8 4 Sechste Berg- Reise des 1727 12» Jahrs. 259 Den 22. Vormittag eben so, am Abend aber, da es donnerte, fiele dasselbe z. Linie. Den 2z. Vormittag 25". z"/. Um den Mittag und Abend war es trübe. Den 24. Morgens und die ganze vorhergehende Nacht regnete es, und den ganzen Tag war es unbeständig. Die Höhe des Quecksilbers war 2;". z/". Den 25. war es unbeständig. Um 7. Uhr des Morgens war das Quecksilber auf 2s". 4/". Nachmittag 2s". z"'. 0) Bey Pfefers findt man verschiedne gebildete Steine, (s) Unter andern wurde bey der Quelle eine sehr schöne Teil, Muschel gefunden, welche ganz löchricht und schwarz war, von der Art derjenigen, welche in dem 8pcc. i^ick. käeiv. p. 27. ist beschrieben worden. Die Quelle dieses Gesund-Brunnens lag vorzeiten so. Schuhe Bad-Quelle höher, als jezo. An den Felsen hangt eine rothe bolarische Erde; auch findt man Anzeigungen eines etwas Missen Tosssteins, welcher die Felsen, wie eine Rinde, überzieht. Ueber dem Badhause an dem Weg findt man in den Schiefer- Schiefer- steinen hin und wieder Stücke von Eisen-Erz, welche mit braunen steine, holz-artigen Zäsern durchflochten sind. Die etwas schwarze Schie- ferfteine selbst sind von zweyerley Art: die einten sind weicher, zärter, und lassen sich zerreiben; die andern sind härter, und dienen besser zu Gebäuden. Vor dem Badhauß über ist eine hohe Felßwand, welche mir, Barometri- obgleich mit einiger Gefahr, Gelegenheit gab, die mechanische und barometrische Abmessung der Bergen zu vergleichen, und zugleich den Unterschied der Mariottischen und Caßinischen Ausrechnungen zu untersuchen. Kk 2 Zu (r) Ich habe in der am Ende stehenden Tafel, Pfefers nicht unter die Oerter gezehlt, deren Höhe mit einiger^Gewißheit ist bestimmet worden, ungeachtet daselbst die meisten Versuche sind angestellt worden. Sie sind abertheils nicht genug be« schrieben,theils milden Höhen des Quecksilbers in Zürich vor mich nicht verständlich genug verglichen worden. Wenn wir aber aus den hier beschrieben Beobachtungen 25". 6 ^". ungefehr vor die mittlere Höhe des Quecksilbers daselbst annehmen, so kommt die Höhe dieses Orts über das Meer auf 2492., über Zürich 924. Schuhe, welches gar wahrscheinlich ist. S. die Barometri» schen Beobachtungen der Hl. Berg-Reise. (5) Sehet indem!. Theil Blatt 84. r 6 o Sechste Berg-Reise Zu oberft an dieser Wand ist ein Baum, von unqefehr waagrecht hervorgewachsen. Von diesem ließ ich durch meinen Bedienten, wtewol mit grosser Gefahr, einen Faden herunter gehen, wodurch wir eine Höhe von 766. Züricher Schuhen gemessen. Die Höhe des Quecksilbers war unten an dieser Wand, nemlich an dem Tamina- Bach 2z". 2"/.; bey dem Baum aber 22". 4^". Wobey zu merken, daß die Abzehlmrg nicht von der Höhe des Quecksilbers in dem untern Behältniß genommen worden, wie sonst geschehen ist. (c) Aus diesem Unterschied von Linien, kommt nach Manorre, wenn man die Verdünnerung der Luft in der Höhe von 766. Schuhen nicht achtet, eine Höhe von 600. Schuhen, nach Caßmi aber 67s. Inder Tafel des Manocce, nach dem Züricher Maß eingerichtet, bekommt man vor 2z". i^". im Barometer 19^. Schuhe vor die Höhe des Tamina über das Meer, und vor 22". 4^". 2669. Schuhe vor die Höhe des bemeldten Baums; wenn man also die erstere Zahl von der andern abziehet, st bekommt man vor die Höhe der Fetßwand 75 z. Schuhe. Nach Laßmi bekommt man vor 2z". iz"/. im Barometer 21;/. und vor 22". 4z"/. Z l 56^. Zieht man diese Zahlen voneinander ab, so hat man vor die Höhe der Wand 999^. Also ist diese Wand nach der würcklichen Abmessung 766. Nach der Tafel des Marione 7s z. Nach - des Laßmi 999. woraus klar zu sehen, daß die Mariottische Tafel der Caßinischen, welche doch solte verbessert seyn, noch vorzuziehen ist. Ja man kan leicht sehen, -aß die Mariottische Regel mit der mechanischen Abmessung vollkommen überein kommt, wenn man betrachtet, daß der Faden, an welchem ein Gewicht von ungefehr einem Pfund war, in einer solchen Weite nothwendig muß mehr ausgespannt werden, als wenn (r) In der OrcoxrapliiL ttelvetlT Bl. 2°. hat der Verfasser die Höhe dieser Felswand 714. Pariser Schuhe, und den Unterschied der Höhe des Quecksilbers ic>. Pariser Linien angegeben. Welches auch sein Sohn in den ?UiIo 5 . Irans. n. 40;. also bestimmet hat. Allein es ist entweder in dieser Bestimmung, oder in der Messung der Höhe des Quecksilbers ein offenbarer Fehler. Denn es folget aus dieser Bestimmung, daß Pfefers nicht einmal 1200. Schuhe über dem Meer ist, (S.den Anhang meiner Reisebeschreibung X >.) welches doch, nach allen andern Beobachtungen, falsch ist. Sehet die AnilMckuns (-Y Bl. 9-. und die hinten angesetzte Tafel. des !727ten Jahrs. 261 wenn man ihn sonst mißt. Von dieser Zeit hat mein Bruder eine andre Tafel verfertiget, welche zwischen die Mariottische und Caßini- sche fällt, die ich in der 8roickeio§rsph. ttelv. Blatt 24. eingerückt habe. (u) Den 25. Heumonat war die Höhe -es Quecksilbers im Barometer zu Pfefers Nachmittag 2s". 4/". Das Wetter unbeständig. Zu Raaatz aber auf den Abend 2 s". Den 26sten um 7. Uhr Vormittag war es eben so. Der Himmel trübe. Ragay ist ein Flecken in der Grafschaft Sargans, unweit dem RaM. Rheyn. Da wir unsere Reise diesem berühmten Fluß nach sortierten, habe ich vermittelst der Magnet-Nadel alle merckliche Krümmungen desselben, bis aufseinen ersten Ursprung in dem Rhevnwald, mit der richtigen Lage der angelegenen Dörffer, einflieffenden Bächen und anliegenden Bergen, abgezeichnet, mit den richtigen Namen eines jeden Orts, Berges und Baches. Auf diese Beobachtungen gründet sich die in dem Jahr 1712. von mir herausgegebene Land- Charte des Schweizerlandes. Der Weg vor: Ragatz nach Chur dem Rhein nach ist fast eben, mit dem "ssmarix, kdsmnus oler foi ölc. und andern Weiden bewachsen. Von den Dörffern werde ich nur diejenige bemercken, durch welche wir gekommen sind, die übrigen werden in meiner Land-Charte angezeiget. Der erste Ort also, wo sich unsre heutige Reise anfängt, ist Ra- garz, kaZutmm, KALIUM, in der Grasschaft Sargans; der Abbt und Fürst zu Pfefers hat verschiedenes da, das zu den niedern Gerichten gehört. Es liegt an dem Taminenbach, (Tamingenbach, von Güter unrecht Camingenbach gencnnt) und nicht viel über einen Flintenschuß weit von dem Rhein. Es ist daselbst ein starcker Paß aus Pundten in Deutschland und in die Schweiz. Eine Stunde davor: ist die untere Zoll-Brücke über den Rheyn, und eine Viertelstunde weiter hin ist die obere Zoll-Brücke über den kleinen Fluß Landquark, (b.3r>83ri, b. 0 NAzri.) K k z Ungc- (u) ES wird hiedurch bestätiget, daß die wahren Hohen der Oerter ungefehr in dar Mittel fallen zwischen der Caßinischen und Mariottischen Bestimmung; wie Herr «taßini selber angemercket hat, (Sehet im k. Theil Bl. zr.Anm.(r) ), und daß die Scheuchrerische Tafel besser ist, alL diese beyde. 262 Sechste Berg - Reife Ungefehr eine halbe Stund von diesen Brücken liegt Makany, (Malanizes, r^slanlium, in der Herrschaft Maven- feld in dem X. Gerichten Bund. Dieses Dorff hat eine angenehme und fruchtbare Lage, und anfdem nächst dabey gelegnen Berg sind drey alte zerftöhrte Schlösser Unter-Rauchenberg, Rlingenhorn und weineck. Dieser Ort hat in dem Krieg zwischen dem Hause Oesterreich und den Pündtnern sehr vieles erlitten, und ist auch angezündet worden. Von der ersten Zoll-Brücke kommt man in einer Stunde zu dem Dorff Zitzers, (Liceres, Li^riz,) welches M den Gottshaus- Bund gehört, und dem Vierdorffer-Quartier zugezehlt wird, wovon die drey übrigen sind Ig'», inmmis (inmomium) und Unterratz, (Vsces, värium inferius). Diese Landschaft gehörte vorzeiten den Herren von Aspermonc, von welchen sie an den Bisthoff von Chur gekommen, jczo aber ist sie ein Theil von der freyen Pündtne- rischen Republie. Wenn man von Zitzers weiter gegen Chur hingeht, so siehet man an einem Berg das alte Schloß Rauch - Aspermonc. Dessen Benennung Güler kb-er. p. 6. von den Kucamiis, von den Rauchen herführt. Von Zitzers nach Chur ist kein Dorffmehr, als Maffans, (kizielsnus) wo ein Siechenhauß ist, das zur Stadt gehört. Chur. Die Stadt Lhur (Luris, Loirz, eor-i) liegt in einer fruchtbaren und angenehmen Gegend, welche Wein und verschiedne andre Früchte gibt, an dem Fuß der Bergen, die gegen Morgen und A- bend über die Stadt stehen. Sie ist berühmt wegen dem dortigen Sitz der Biscböffen, wegen dem Vorrecht indem ganzen x.Gerichten Bund, (welche aber vor wenig Jahren, in Ansehung der Macht des Bürgermeisters, der vorher beständiger Präses war, durch Vermittlung der Ständen Zürich und Bern, um etwas ist eingeschränkt worden,) und endlich wegen den öftern Bunds-Tagen und kleinern Zusammenkünften, welche da gehalten werden. Zu Chur war den 26. Heum. Abends die Höhe des Quecksilbers 2s". Den 2?ften aber um 6. Uhr des Morgens 2s". i ; und um 4. Uhr des Abends zu Tusis, zu oberft in dem Domleftbger-Thal, 2s". 4>". ems. Das erste Dorff, durch welches wir von Chur aus gekommen, ift Embs, (Ems, Amades, Amides,) welches auch Kber-Ems genennt wird, zum Unterschied des andern Dorffs gleiches Namens, ras an der rechten Seite des Rheyns, dem Rheynwald gegen über, liegt. des r7Q7ken ^ahrs. 26z liegt. Es gehört in die Herrschaft Rezun, und hat noch Überbleibseln von einem alten Schloß gleiches Namens. In der rten Stunde kamen wir auf Reichenau, wo ein Schloß und zwey Brücken sind, Wegen der» Zusammenlauff des Hintern und vordem Rbeyns, bey welchen man Zoll bezahlen muß. Tfthudi gibt in seiner «siv. Kilc. wegen diesem Zusammenfluß dem Orte selbst den Namen Eon- Lusmia. Nachdem wir über diese beyde Flüsse gegangen, kamen wir weiteres durch folgende Oerter: Bonaduy, (Lon-eNuIcium, keneclucium,) welches Dorss auch unter der Rezimischen Herrschaft steht, und zu der roten Gemeinde des Grauen Bundes gehört. Rezim (K.KXNUM, lt.c7.iins, It.ke7.iim, so viel als kliLkiz imz, K37ÜN8) ein Dorff und Schloß, welches seinen Namen von dem Rhäms, der Thuseiern Führer, bekommen hat. Hier ist die ordentliche Residenz des Abgesandten, welcher im Namen des Hauses Oesterreich die Regierung führt. Dieses Schloß ist eine halbe Stund weit von Rcichenau. Von Rezim kommt man ungefehr in drey Stunden nach Tu- fis. An dem Weg liegt Eaes, (Ocmm, e-iciL?) wo vorzeiten ein Schloß war, Camera genennt, und ein adeliches Nonnen-Closter, welches in dem Jahr 720. von dem Bischofs Victor dem II. geftifftet worden. Dieses Cars liegt in dem Domleschgcr-Thal, eine halbe Stund von Tnsis, und gehört zu der u ten Gemeinde des Obern - oder Grauen-Bunds. TuslS (l'usciL, 1uü>n3, l'kuscorum Vicus, l'kuscia, l'kuiciznz Vi- Lust«, cur, lotczns. iKuMs,) ist ein berühmtes Städtgen in dem Dom- leschger-Tbal, von den Tuseiern erbaut, welche die o-uii lsnones aus Italien vertrieben haben. Eine besondre Zierde dieses Städtgens ist das hochadeliche Geschlecht von Rosenroll, welchen das alte und feste Schloß Baldenstem an dem Zusammenfluß des Rbeyns und der Aibm gelegen, zugehört. Aus diesem Geschlecht muß ich insonderheit Hrn. Rudolfs von Rosenroll gedenckcn, welcher Vicsrius des Veltleins ist, und neulich Abgesandter des Grauen Bundes, zu Erneuerung der Bündniß zwischen der Pündnerischen Republtc und dem Stand Zürich, war. Ich würde hier etwas zu seinem wolver- dienten Lob schreiben, wenn es die enge Freundschaft, in welcher ich gegen ihn verbunden bin, erlaubm würde. Neben 26°4 Sechste Berg-Rerse Nova-Dach- Neben Tusis fließt der Nolla hin, welcher unterhalb dem Stadt- gen in den Rheyn fließt. Er theilt das Domkeschger - und Scharm ser-Tbal, und hat seinen Ursprung ungefehr drey Stunden von hier auf Lepms, einem rauhen jedoch von den Bergleuten bewohnten Ort, an dem Fuß des sehr hohen Berges Gpitz-Beuerm, von den Einwohnern auch Horn getrennt. Von hier fließt er durch das Thal, welches zu beyden Seiten mit einer weichen, leicht aufzulösenden und schwarzen Morast-Erde belegt ist, welche er immer mehr ausspület, und dadurch neue Quellen entdecket, die mit dem Schnee - und Regenwaffer den Bach also verftärcken, daß die zu Tusis, an dem Heintzenberg, und die übrige Einwohner des Domlcschqer-Thals, grossen Schaden davon haben. Denn er unterhält ihre Aecker, Wiesen und die Häuser selbst. Werrn nun diese stucken und auf dem Wasser fortaetriebcn werden, so zerbrechen sie die Dämme, zerreißen die Brücken, und verändern selbst den Lauff des Rheins und der in denselben fließenden Albel, deren Bette von dem durch den Nolla hergeführten Morast und Steinen so angefüllt wird, daß sie den gewohnten Weg zu verlassen, und einen andern durch die ticffliegende Wiesen zu nehmen gezwungen wird. Berg Spitz. Den hohen Berg Gpitz-Beuerr'n habe ich selbst nicht bestiegen; Neuerm, gher nach meiner Abreise gieng oben bemeldter Herr von Rosenrot! dahin, welcher mir folgende Beschreibung davon gemacht: VonTu- fls kommt man in 6. Stunden hinauf. Man geht mehr gegen Abend als gegen Mittag, immer in die Höhe, einmal mehr, das andre mal weniger. Insonderheit ist die Höhe, welche man in der lezten Stunde zu besteigen hat, sehr! beschwerlich. Auf dieser Höhe siehet man, wegen beständig starckenWind, nur wenig und sehr kleine Kräuter, und keinen eimgen Graßbusch, vielweniger Bäume. Die Schwierigkeit dieses Aufsteigeus kommt nicht nur von der grossen Steilheit her, sondern vornemlich von einer weichen Morast-Erde, (die dort Guftr genennt wird) welche zwischen den rauhen ohne Ordnung liegenden Felßfteinen liegt, und worauf man keinen festen Fuß haben kan. Die senckelrechte Höhe dieses Bergs über Tusis, welche bemeldter Herr von Rosenrot! mit einem Barometer gemessen hat, ist nach Marione Z Z6o., nach Laßini aber 378O. Schuhe, wenn mau auch die nach und nach abnehmende Dichte der Luft nicht mit in die Rechnung nimmt. Die Aussicht von diesem Berg (welche sonst bemeldter Herr selten haben konte) ist sehr weitläuftig und angenehm. Man des i^ten Jahrs. 26s Man sieht über die Reyhen der Bergen und Thäler hin. Unser Beobachter hat gegen Morgen und Mitternacht hin fünf Reyhen hintereinanderstehender Berge gesehen/ davon die lezte zu dem Be- ztrck der Grafschaft Tvrol gehört/ aus welchem allein leicht zu Messen ist/ wie sehr dieser Berg über die andere erhöhet ist. Hellte gierigen wir durch die v,a malz, an deren Anfang das v,s m-,i-> Dorff Romaglia, und am Ende eine steinerne Brücke über den Rheylr ist. Hier gehet man in das Gchamser-'Lhal, (vaüiL sex- ammengs) welches also genennt wird / entweder von den sechs kleinen Flüssen, (lex ^mnes) welche in diesem Thal in den Rheyn sties- sen / oder von Lassam, welches einen Felsen bedeutet. Daher wil Sprecher kkaer. Lkron. U VI. p. 267. daß dasselbe in den Land- Charten Stein-Thal (Vaiii8 I^apiclaria) genennt werde. Dieses Thal macht mit dem Rheynwald ein besonders Hoch-Gericht im Obern Bund. Die Herrschaft darüber kam von den Freyherren von war an die Grafen von Werdenberg, und von diesen an den Bischofs von Chur/ von welchem sich die Scharnier A. 1458. mit 3220. Gulden loßgekaufft haben. In diesem Thal grenzen wir durch die Dörffer Airs, (8iic8) welches mit Rasche,m die erste von den vier Direeturen des Thals ausmacht/ und durch Anders, welches mit pl'gnol und Särenburg, einem zerstörten Schloß, und Ferrara, die zweyte Directur macht. Wir speißten zu Ander zu Mittag, und sezten unsre Reise Wetters fort. Wir kamen neben Barenburg vorbey, durch sehr schlimme Wege,^ in dreyen Stunden, vor welche man wol vier rechnen kan, nach Splngen, Nahe bey diesem Dorff ist das Srolrenwasser, welches roth färbet. Ein andrer klarer Brunn ist im Vogtswald, der wider das Fieber gebraucht wird. Dell 29. Heumonat war die Höhe des Quecksilbers im Barometer zu Splugen Morgens um s. Uhr 2z". Um z. Uhr Nachmittag war dieselbe in der Alpe lan porca, (zurPorte) beyder Quelle des Hintern Rheyus 21". 4^. Abends um 8. Uhr in dem Dorff Hinter Rheyn 2z". o"/. Nun wollen wir unsere Reise nach dem Ursprung d,es Rheyns fortsetzen. Eine halbe Stunde von Splügen ist Medels wo nun eine Kirche aufgebaut wird. Eine Stunde von Splügen ist Msm-ra, M, wo die Lands-Gemeinden gehalten werden. Noch eine halbe U. Theil. L l Stund 266 Sechste Berg-Reise Stund weiter ist Nuffenen, (Novens) und eine Stunde von da das Dorff zum Hintern Rheyn. Diese beyde Dörffer hatten Anfangs nur eine Kirche, nun aber machen sie zwey besondre Kirchspiele aus. Ursprung Von dem Dorff zum Htntern-Rheyn rechnet man drey Stun- U HEM bis zu dem Ursprung des Rheyns. Der erste halbe Theil von dieser Weite ist eben, angenehm, und geht durch fette Alpen, der andre halbe Theil aber ist rauh und bergicht. Wir bestiegen die Hü- ael der rechten Seite auf die Alpen zum Pore genennt, welche den Bergamasker Schafen zur Weyde dienen. Die Italienische Schaf- Hirten, welche alle Jahr etliche tausend Schafe hieher treiben, (woran sie den Pündtnern grosse Mieth-Zinse bezahlen) führen hier ein sehr einfältiges und elendes Leben. Ihre Speise ist ein Brey von Wasser und Reiß-Mehl, das Fleisch von den entweder todtgefallenen oder durch Kranckheit gestorbenen Schafen. Das beste, das man in diesem einsamen Winckel haben kam ist der Schaf- Ziger, von welchem wir auch was gekostet und gefunden haben, daß er weit zär- ter und schmackhafter ist, als der Kühe - und Geiß-Käs. Die Käse werden in Italien verführt. Die Wohnungen dieser Hirten sind sechs-schühige Hütten, welche an einen Felsen von unordentlich aufeinander gelegten Steinen aufgebauet, und mit Schiefer-Steinen oder Ziegeln etwas bedeckt sind. Das Bett ist von weichen Heu mit einer dünnen Decke; im übrigen ist alles garstig und abscheulich genug, wie es die Beschaffenheit des Orts mitbringt. Der Alp gegen über, in welcher wir von einem Italienischen Hirten gantz freundlich sind bewirthet worden, ist das paradieß, eine andre Alp, welche unten an Eiß-Hügeln liegt. Der Anlaß zu dieser Benennung ist gewiß weder von der Annehmlichkeit, noch Fruchtbarkeit, noch von einer andern Aehnlichkeit mit dem alten Paradieß, hergekommen, so daß ich den Verdacht habe, sie möchte aus Schertz so genennt worden seyn. Nachdem wir die Eiß-Hügel, da der Hintere Rheyn seinen ersten Ursprung hat, abgezeichnet hatten, kehrten wir wieder in das Dorff zum Hintern-Rhein zurück. Die Berg-Joche, welche dem Rheyn die erste Wasser geben, und auch die, so wir Morgen besteigen werden, haben folgende Namen: ^viculs. der Vogel, Luimen ävicuiL. Lolmen clel Oicello, oder Ocello , kontier Uel l^cello , Wie ihn die Pündtner, und kionre cle Uccelio, wie ihn die Italiener nennen; sonst werden sie auch der Gt. Bernhards,Berg genennt Luimen cle §, _des I7o7ten 7?ahrs. 267 äe 8. Lernkzröino, -er St. Bernhardt«/ weil diesen Heiligen zu Ehren eine Capelle daselbst aufgebauet war. Sie sind ein Theil von dem äciula. welches Pündten von dem Masaxer-Thal scheidet, und Masam- wo auch eine Quelle sowol vor den Rheyn, als die xious ist, welche ^ durch das bemeldte Thal fließt, rrnd endlich in den Tefln fällt. Spree«, k-n. KK-r. i.. vii. Dieser Schrifftsteller sagt auch, daß daselbst an dem Ursprung des Rheyns noch Ueberbleibseln von einer alten Capelle seyen, welche den Nymfen vorzeiten gewidmet war. Diesen Berg beschreibt cdyrrXU8 in seinen Innere Venelo. p. 54. x 5. Ustvecio8 Icslis chrimil XIons visier ab oris psrs äclulL Lernkarllinnm ctixere Xlelauci. Ljus in3cceÜ38 numczusm conungere Kupes Ver poluir, nonkuc öäcckus, ?kjtc»melr, Lercsv« d^on allür. Bey und in dem Dorff zum Rheyn ist ein weicher Sand-Stein von gelblichter Farbe, wie Ocher, man braucht ihn zum Schreib-Sand. In dieser Gegend hat es auch Eisen-Adern, sie werden aber nicht gesucht. Den zo. Heumonat war die Höhe des Quecksilbers in dem Dorff Hinter-Rheyn Morgens um s. Uhr 2z". 0/". wie gestern Abend. Um io. Uhr aber war dasselbe auf demjenigen Gipfel des St. Bernhard-Bergs, über welchem der Weg geht, 22". n"/. und um 7. Uhr des Abends zu Major 25". 6"^. Von dem Dorff Hinter-Rheyn giengen wir über den Rheyn, St.-Am. und bestiegen bald hernach denjenigen Theil des ^vicuia, welcher ins- v«n--verg. besonder der St. Bernhards Berg gcnennt wird, über welchen der ordentliche Weg aus dein Rbeynwalver-Thal in das Masaxer-Thal geht. Auf dem Gipfel des Berges, woraufkeine Bäume mehr wachsen , trifft man hin und wieder eine sumpfichte etwas von Erd - Hartz haltende Erde an, welche die Anwohner vor Torff gebrauchen könten. Wenn man auf der mittägigen Seite des Berges herunter geht, so kommt man zuerst in das Dorff St.Bernhardt», über welchem der Ursprung der viour jst, j« den Alpen ae kiugi» und Vi^non ge- nennt, welchen wir mit allen Quellen, nach unserm Gebrauch, abgezeichnet haben. Nahe bey dem Dorff quillt in einer Wiese ein Sauer- Brunn Sa«r. hervor, welcher viel von einem Eisen-Erocus führt, und nicht ge- braucht wird, oh er gleich allem Ansehen nach von grossen Nutzen und L l 2 vie- Masox. Berg?ur> rulr. Dergfall. 26g _ Sechste Nerg, Reise _ vieler! andern vorzuziehen wäre, welche minder von besagter Materie führen. Er hat einen sehr durchdringenden Geschmack. Nachdem wir hier zu Mittag geeffen, reißtcn wir weiter fort den Berg herunter nach dem Dorff^lox (kiikucus, Blocke.. Kw- laucum, XäonsLxum, Lrime oder Lreme öemelum foult genennt) welches mit noch sieben andern kleinen Dörffern das erste Viertel dieses Thals ausmacht. Diese Dörffer, welche nicht weit voneinander Wegliegen, und nur ein Kirchspiehl ausmachen, haben folgende Namen: l-.es, Le/«MLabis, Le-ra,' Hnäerslg; Ooire; ^nron; b.oZigri, Ourba. Eine Viertelftund Unterhalb dem Dorff Lreme oder Masox, ist das Schloß dieses Namens, welches an dem Eingange^des Thals auf einem hohen von dem Feind kaum zu besteigenden Hügel steht, und sthr vest war. Es war der Sitz des Gräflichen Geschlechts, das daher seinen Namen hatte, gleichwie auch das ganze Tbal daher Ma- soxer-Thal genennt wird. Es ist aber A. l s2i. aus Befehl der ganzen Pündtnerischen Republte zerstört worden. Es stehen aber die Mauren, welche fast Schuhe dick sind, noch da, und an jeder Ecke eil, Thurn, daß es also im fall der Noth bald könte beveftiget, und damit das ganze Thal vor einer Armee beschlossen werden. In dem Dorff werden noch zwey Canonen von Ertz aufbehalten, welche von dem Schloß dahin sind gebracht worden, die lezte Überbleibseln von dem berühmten Hause von Trwulk, welches A. 1494. das Mafaxer-Thal von dem lezten Grafen von Masax, Johann pe- rern, gekaufft hat. Sie Wessen ungefehr 24. Pfund. Sie führen den Namen Jod. Jacob Trwulc von Mayland, welcher zwey Jahr nach der Erkauffung des Thals, nemltch A. 1496. zu dem Obern - oder Grauen-Bund getretten. Eine Stunde unterhalb Masox liegt 8o3ren, wo auch Lavetz- Steine, wie zu Cläven, gegraben werden. Den z i. Heumonat verreißten wir von Masox, um über den hohen Berg kurcuia, aus dem Masoxer- in das Clävner-Thal, zu gehen, welches wir auch, ungeachtet der grossen Schwierigkeiten die wir zu überwinden hatten, glücklich vollbracht haben. Zu oberst an dem kurcui» jst »och ein ander Berg-Joch, Al- schinfcl) genennt, von welchem im Brachmonat A. 170s. ein gutes Stück mit grausamem Getös herunter gefallen ist. Die tieffe Spälte und Ritzen an dem dabey liegenden drohen neue Einfälle. Um 3§9 _ ^ des 1727km Jahrs.' Um 12. Uhr war die Höhe des Quecksilbers auf dem kurcM» bey Hellem Wetter 21". Abends um 8. Uhr aber hatten wir zu Cläven 26". n"/. Von den Clävischen Wind-Hölen, und Lavetz-Steinen, woraus Clevn. nun auch Thee- und Coffee-Gestbirre gemacht werden, wie auch von den Ueberbleibftln des Fleckens Plurs, welche unweit Cläven in dem Palast der Edlen von Vercema können gesehen werden, haben wir schon an einem andern Ort gehandelt. In diesem Palast ist der Stamm-Baum des adelichen Geschlechts; der erste der hier steht, ist Oipino äe ls ?orra VUlgneis, 8itznore äel Lsttello c!i Vertcms, l i oO. und bald hernach wird angezeiget, daß dieses Geschlecht i146. nach Plurs gekommen. Nachdem ich nun hier den berühmten Hrn. Jacob Hermann von Basel, welcher nach Padua verreißte, die Professor-Stelle in der Mathematte anzunehmen, verlassen hatte, nachdem er mir die ganze Reise über getreulich beygestanden, nahm ich mir vor, nachdem Fluß kiLira nach, auf 8vAlic> hinzugehen. In drey Stunden kam tch von Cläven dahin, nachdem ich durch drey verschiedne Gebiete gegangen. Das erste ist das Clävner Stadt- Gebiet, wo im Namen der Pündnerilchen Republie ein Commissarius regiert. Das zweyte ist die Plursische Landvogtey, welche durch den Fluß riuvia von dem Clävner Gebiet unterschieden ist. In diese gehören plurs und V,I 1 s. Jn diesem Gebiet stürtzt ein Bach, k^accia genennt, von dem 8->voAnio in das Thal hinunter, welcher einen sehr schönen Wasserfall macht, an welchen wir wieder, wie 170z, hingegangen, da wir die Sonne hinter uns hatten. Wir konten also die rare und angenehme Natur-Geschicht, einen ganz runden Regenbogen, sehen. Wie dieses zugeht, habe ich in der x/iereoroioxis bleivec. p. 89. erklärt. Das dritte, welches bey ck i^uver unterhalb Latt3le§nz BerMer. anfängt, ist das Bergeller-Gebiet, (Bregeller- Gebiet) das Ber-Tdal' netter-Thals - Gebiet. Dieses Thal macht einen Theil des Gotts- Hauß-Bundes aus, und erstreckt sich bis an den Fuß des Berges lojz, nemlich bis auf eslaccis, welches auch noch in die Bergeller Gemeinde gehört. Es wird in zwey Theile abgetheilet, welche das alte Schloß Lsttelmur (k^urum, kturi.) dessen auch ^mcimnug ge- dencket, in die zwey Gerichte, loprs porr» und mtrz porrr, theilt, Ll? wel- 27-Z Sechste Berg - Reife welcher Theilung und Benennung ohne Zweifel die Enge des Thals unterhalb diesem Schloß, Anlaß gegeben hat , indem dieselbe gleich einer Porte, das untere Thal von dem obern absondert. Der Fluß Rers-Fluß. nicra Er Marra hat bey Lsl-trckjg gleichsam zwey Hörner, indem zwey Quellen hier zusammen kommen; eine kommt aus dem Berg cli Serr, welcher derjenige Theil von dem Septiner-Berg ist, den ich A. i?oz. bestiegen habe. Man kan daselbst die Quellen von drey Flüssen sehen, welche in drey verschiedne Gegenden fliesten, nemlich der Mera, des Rheyns, der hernach in die rubel fließt, und endlich sich in dem Domleschger-Thal in den Hintern Rheyn ergießt. Dieser Arm der Mera, von welchen wir reden, wird von den Casatschern äqus cli viaror genennt, und von den ältesten Bürgern vor die eigentliche Quelle der Mera gehalten. Der andre Arm, dem wir ein ftückwegs nachgegangen, erstreckt sich durch das Thal cb korZano. bis an das Tha! und den Berg rMenM. Die Casatschier nennen diesen Theil OräieAmg. rvLliv. 8ogiio, ein uralter Sitz des hoch-adelichen Geschlechts von Gaus , gehört zu dem Thal lopra ?orlsm. Wir hielten uns hier vier Tage lang bey dem Herrn von Salis auf, von welchem wir sehr viele Freundlichkeit und Gutthaten empfangen haben. Wir hatten da insonderheit einen vergnügten Aufenthalt, wegen dem gelehrten Urn- gange mit dem Hoch-Edelgebohrnen Herrn Fridrich Amon von Gatts , Hauptmann Sr. Königl. Mas. von Franckreich, und Di- reetorn des Gottshauß-Bundes, einem sehr gelehrten und klugen Herrn; mit seinem Herrn Bruder dem Hoch-Edelgebohrnen Herrn Rudolfv. Salis, gewesenen Gubernator des Veltleins; deßgleichen mit der Hoch-Edelgcbohrnen Frau Horrensia v. Gatts und Gugel- berg, deren rare Gelehrtheit in der Gottesgelehrtheit und Naturlehre der gelehrten Welt schon bekannt ist, und deren Erfahrung in der Arzney-Wissenschaft schon manchen Krancken in dieser Gegend, da sonst keine Aerzte sind, aufgerichtet hat; endlich mit der Hoch-Edel- gebohrnen Frau Margarethe v. Gatts, der Schwester bemeldter zwey Herren; bey welchen noch der Hoch-wohlgebohrne Herr Mar- . cus Barbo, von Cremona, und seine Gemahlin, waren. Von dte- von den sem Herrn, welcher ein sehr fleißiger Naturforscher ist, habe ich zuerst Gkmse-Bal- gehört, daß die Gemse-Kugeln von dem Kraut, Hirschzunge (In- uu- cttomsne8) genannt, herkomme, davon er wenige Wochen vor unsrer Ankunft in dem Magen eines Gcmses, in einer noch nicht ganz festen Kugel, des i7O7ken ^ahrs. 271 Kugel, fast noch ganze Blättergen gefunden. Bey diesem Anlaß nmß ich auch einer andern Anmerckung gedencken, welche ich von einem Jäger, Georg Schäm, habe, daß die Gemse-Kugel in den Gemsen gezeuget werde, ehe sie ein oder höchstens zwey Jahr alt sind, weil in den erwachsenen Gemsen die Adern der Blätter und Zäsern der Wurzeln sich nicht mehr zusammen ballen, sondern ganz verdaut werden. Die Herren von Gatts sagten mir, daß die Winde in dem BeMller-Thal meistens beständig seyen. Daß nemlich Vormittag der Morgen- und Nachmittag der Abend-Wind wähe, welches aus eben der Ursache herkommt, welche die Winde auf dem Wallenstädter- Sec beständig macht, c» daß oft die West-Winde mit dem Nord- Wind um dem Septimer- und Berg, wo nemlich die Thäler in einem Mnckel zusammen stoßen, miteinander streiten, und ganz entgegen gesetzte Würckungen hervorbringen. Wenn der West- Wind die Oberhand behält, und doch nicht über den Septimer-Berg herüber geht, so wird das Thal vor dem tvisioig. nemlich das Bergel- ler-Thal ganz angefeuchtet. Hingegen wenn der Nord-Wind die Oberhand behält, so wird das hinter dem Viziop liegende Inn-Tdal ausgetrocknet. Wenn aber der West-Wind, nachdem er die Oberhand behalten hat, über den Kisiop hingeht, so werden die Thäler hinter diesem Berg angefeuchtet, das davor liegende Bergeller-Thal aber ausqetröcknet. Wenn der Nord-Wind die Oberhand behält, und in das Bergeller-Thal kommt, so wird es davon angefeuchtet, hingegen die Jnn-Thäler ausgetrocknet. In dem Bergeller-Thal soll insgemein Regen folgen, wenn der West-Wind vor 9. oder 1 o. Uhr Vormittag wahrt, hingegen Helles Wetter, wenn er erst Nachmittag zu wähen anfängt; weil es in jenem fall ein Zeichen ist, daß dieser Wind die Oberhand behalten, und daß viele Dünste in der Luft sind, hingegen in dem andern fall ist es ein Zeichen, daß die Luft von der Hitze ausgedähnet ist. Die Ursach des erste»! ist diese: Der West- Wind hat das eigen, daß er Dünste mit sich führt, aus deren Verdichtung der Regen entsteht; wenn also dieser Wind nicht kan über den lojs hinkommen, sondern in dem Bergeller-Thal muß stehen bleiben, nnd noch von dem Nord-Wind, der von hinten ein in das Thal kommt, zurück gehalten wird, so ist ganz natürlich, daß die Dürrste zusammen getrie- Wmde in dem Be-gel- leoLbal. (x) S. in dem l. Theil/ Bl. Obere Tn> «»bin. 272 Sechste Berg,Reise getrieben und in Regen verwandelt werden. Wenn aber der Abend- Wind der: Nord-Wind überwieget, und über den hm wabet, so werden zugleich die Dünste mit hinüber getragen, und dort in Regen verwandelt, da es irr dem Bergeller-Thal helle bleibt. Eine gleiche Bewandtniß hat es, wenn der Nord-Wind überwieget, mit den daraus folgenden Würckungen. Zu 8-^0 war den z. August um io. Uhr Vormittag die Höhe des Quecksilbers 24". 8^". das Wetter trübe. Den 4. August bey Hellem Wetter 24". 8^". Den 5. August Vormittage bey Hellem Wetter, 25". 0"/. Nachmittage 24". 8"^. der Himmel mit Wolcken bedeckt. Den 6. August nahmen wir von 8oK>io Abschied, und reißten vollends durch das Bergeller-Thal hin. Nachdem wir von 8o§> >o in das Thal hinunter gekommen, sahen wir zur rechten den Ort, wo vor diesem ^uro gestanden hat, eine Stadt, deren kmonm in seinem Iliner-trio gedenckt; wie auch die Ueberbleibseln von dem Schloß Lr> Nelmur, welches die Clävner und Plurser A. I2?l. eingenommen haben. Wir giengen durch folgende Dörfer: ^uimra, welches zu dem Thal loprs?orrz gehört; 8lsmpz; LorM nuovo und Vespr-z ; zu La- tslck aber speißten wir zu Mittage. Dieses Dorf ließt bey dem Zusammenfluß der beyden Aermen der Msira an den Füssen des Septi- mer- und ktsioja- Berges, wo sich auch die Straffen scheiden. Der Heil. Gaudemr'us liegt da begraben, welchem zu Ehren ehemals ein Closter nicht weit von dem Dorf stunde, dessen Überbleibseln an dem Weg noch gesehen werden. Nachdem wir den Berg Klaiojz überstiegen hatten, kamen wir in das Obere Engadin, in (^0 ci'Oeno. an dem Haupt des Inn-Flus- ses gelegen, welches ein anders grosses Lon venr -es Gottshauß-Bun- des ist. Es iftdaselbft zwar rauh und kalt, aber angenehm und fruchtbar. Die erste Quelle des Jnnflusses ist auf dem kiome m 8erce. einem Theil des Septimer-Berges; denn von diesem fließt ein Bach, ?iig genennt, welcher aufder Ebne bey ^aiojs, venZ, äqua 6 oen genennt wird, und bald hernach in den
  • L- L7Z des 1707»» Jahrs. VL pl3NL, (8yivä plzng) an dem Fuß -es Julier-Berges, den ich An. 170z. bestiegen habe; 8. xäauririo. welches Dorff wegen dem Sauerbrunnen berühmt ist, der nur eine Viertelstunde weit davon hervorquillt, und alle Jahr von den Welschen, Savoyern, Piemontesern, Deutschen und Schweizern in Menge getruncken wird. Ich habe an einem andern Ort von der Natur dieses Wassers gehandelt, (y) Von Lslsrlck bis klaloja ist es I. Stund, von ktslojz bis 8iklin 1^. von da auf8eiv3 Plans I. und von da auf St. Moritzen I. Stund; hier blieben wir übernacht. Den 7. August um 7. Uhr Vormittag war die Höhe des Quecksilbers bey unbeständigem Wetter 22". 7"/. Heute giengen wir den Inn-Fluß nach durch Oeieiins, (d.i. der schnelle Inn, weil daselbst der Inn aus dem St. Moritzer-See zwischen engen Felsen durch schnell stießt) Lsmsös, Levers, sl bome. Hier verliessen wir den Jnn-Fluß, um den Berg Albula zu »berstet- Berg Mu- gen. Dieser Berg wird sonst auch genennt Albulenberg, rubeln, ^ rlelbelen, Eibelen, Albäll. Als wir auf die Höhe desselben kamen, wo wir uns weder unter Felsen noch Bäumen schützen kontcn, mußten wir ein schweres Wetter aushalten. Es donnerte, strahlte und blitzte; der Wind war Nord-West mit grossem Regen und Hagel, welcher so heftig war, daß die Pferde davon wild wurden, und einige mit den Reutern bis zu einer Senn-Hütte davon gelösten. Zu oberst aufdem Berg bey dem Creutz sind die Gränzen des Obern Engadins und des Bergünischen Gebiets. Das heruntersteigen auf der Abend- Seite dieses Berges ist sowol im Sommer als im Winter gefährlich, theils wegen den grossen Steinen, theils wegen den Schnee-Ballen, oder Lauwen, welche herunter stürben. Insonderheit ist ein Ort über dem Wirthshsuse, zum weiften Grein, am gefährlichsten. An dem Weg über eben diesen, Hause zeiget man einem zwey beständig sties- sende Brünnen vor dem Ursprung der Albe!, welches aber ein Irrthum ist, sowol, als wenn die Wallenser neben den ungeheuren Eiß- Bergen zwey kleine Brünnen vor den Ursprung der Rhone ausgeben. Von der Abend-Seite des Bergs Albula stießen gar viele Bäche, die hernach die Albe! ausmachen. Von dem Wirthshause zum weiffen Stein rechnet man zwey Stunden bis nach Bergün, und noch zwey Stunden von Bergün ll. Theil. M m nach (7) Ntlvlich in der Ulvörosraphia blsIveriT Bi. r; 8 » Sechste Berg - Reise 274 nach Lilisur, bey welchem Kupfer, Bley und Silber-Adern sind, welche nun nicht gebraucht werden. Oberhalb Filisur sind die Überbleibseln des Schlosses Greiffen- Alvaneller. stein. Eine halbe Stunde von Filisur ist das Alvaneller-Bad , wel- D«d. ches seinen Namen von dem Dorff Älve-neu, (Hivum novum) hat, dessen auch Wagner tteiv. Lur. p. n 7. gedencket. Es ist ein kalter Schwefel-Brunn, welcher aus der reichen Quelle gleich in den Kessel geleitet und da gesotten wird. Es ist kein Zweifel, daß solche Schwefel-Brünnen in den äufferlichen Kranckheiten der Haut gute Dienste thun. Hier schwimmt der Schwefel in Form kleiner Zäsergen über dem Wasser, und hängt sich an den Canal und andre Sachen, über welche er hinfließt. An dem Kessel, wo das Wasser gesotten wird, setzt sich ein weisser ungeschmackter Toffftein an, wie in andern Toff- wassern. Unter den Schwefel- Zäsergen finden sich kleine lebende Würmer, denen ähnlich, aber kleiner, die ich in dem Rüschliker- und einem andern Wasser gefunden habe. Die Menge des Schwefels in diesem Wasser wird auch durch den starcken Geruch verrathen, welcher insonderheit Sommerszeit fast bis auf einen Büchsenschuß ' weit vernommen wird. Nachdem wir dieses Bad gekostet, kamen wir in iz. Stunden durch Brientz, Brinyolsen, nachLentz, wo wir zu Mittage gewiesen, und um 1. Uhr Nachmittag bey unbeständigem Wetter die Höhe des Quecksilbers 2z". 7^". hatten. Diesen Abend kamen wir durch das Churwalder-Thal nach Chur, durch Perpsn, Ehurwalden und walix. Den 9. August war die Höhe des Quecksilbers zu Chur des Morgens 2z". 7/". und am 10. August 2z". 8"^. Den August verreißten wir von Chnr nach Zürich, nachdem wir von dem Woblgebohrnen Hrn. Hercules von Salis, und Hm. v. Lavier viele Freundlichkeit empfangen hatten. Diese Nacht blieben wir in Wallenstatt, die folgende in Rapperschweil, und den i2ten kamen wir glücklich in Zürich wieder an. Ende der sechsten Reise. Die HZ (°) ZM 27s '4Z):wrvs:c:v'S:ov:co:r>Z:co!co:os;corc>2:l>s:co!c>s:c>s:c-'S!co:(84'" Die Webende Werg-Weise. In dem Jahr 1709. F^^Leichwie man überhaupt nichts unternehmen soll/ zu dessen Eingang. GAB) Ausführung man nicht alle erforderliche Stücke hat/ so ist dieses ins besondre in der Natur-Historie, und am allermeisten in der Natur-Historie des Schweizerlandes, wohl zu beobachten. Die Luft, die Unkosten, die Mühe und Arbeit, die Gründe der Naturlehre, ein jedes von diesen Stücken allein ist nicht genug. Sie müssen alle beysammen seyn. Ich habe nun bald i s. Jahre lang alles angewendet, was in meinen Kräften gestanden hat, um zu dem mir vorgesetzten Endzweck, der Beschreibung der Natur-Historie des Schweizerlandes, zu gelangen. Ich habe alle Jahr Reisen gethan, um selbst den Augenschein der Dingen einzunehmen. Mit was vor Fortgang ich so viele Reisen gethan habe, wird gel. Gott mit der Zeit meine Natur-Historie des Schweizerlandes zeigen, welche ich unter dem Schutz E. Hochwcisen Magistrats in Zürich herausgeben werde, . davon gegenwärtige Reise zwar nicht einmal ein kleiner Theil ist, indessen auch etwas weniges zu dem Merck beytragen wird. (?) Den rs.Brachrnonat, an welchem ich über den Züricher-See Züricher, nach Horgeu verreißt bin, war die Höhe des Quecksilbers in meiner S«e. Stube um s.Uhr des, Morgens 26 ". 6^". Pariser, der Himmel Mm 2 helle. (2) Von der Natur-Historie der SchweizerlandeS, «vrlche der Verfasser herauSgr« den wolle, sind nur;. Theile in Deutscher Sprach, in der Bodmertschen Drucke» rev in Zürtch, herausgekommen. Der erste: OrenZrapIria, beschreibt die Elemente, Gränzen und Berge. Der zweyte: »^roArLpKia, die Flüsse, Seen, Brünnen und Bäder. Der drille: Läerevrol. Lc Or^ioZrapKia, dir Lust-Geschichtrn und Minrralirn. 2?6 Grebende Berg« _ helle. Auf dem Zürich - See ist eine ungemein schöne Aussicht. Man hat kleine Hügel vor sich, die mit Aeckern und Weinbergen bepflanzet sind; über diese erheben sich nach und nach andre immer grössere Berge/ welche sich zugleich von dem Auge immer mehr entfernen: zulczt stehen die höchste Glarner- Schweizer- und Bündner-Berge, welche mit ewigem Schnee und Eiß bedeckt sind. Was man an den beyden Ufern des Sees zu beobachten hat, das habe ich an einem andern Orte erzehlt. Ich habe auch eine Un- 8. ' terfuchung von dem Rüschliker Schwefel-Bad gegeben, welches nun anfangt wieder gebraucht zu werden, nachdem es fast i so. Jahr und darüber ohne Gebrauch gewesen. So haben auch die Bader, wie andre Dinge, ihre Abwechslungen. Ich besorge aber, man werde dieses Bad, über seinen eigentlichen Gebrauch, wider die Unrei- nigkeiten der Häut, wider die Geschwüre, Schwachheiten der Glieder, re. noch wider andre Schäden gebrauchen wollen, die es nicht heilen kan. Dieses Wasser fließt durch einen Torff- Boden; woraus zu muthmassen ist, daß dieses sonst reine Brunnenwasser in dem Durchfluß durch einen solchen Boden die schweflichte und erd-ölichte Theile annehme. Wenn man Gold hinein legt, so wird es an der Farbe erhöhet, und das Silber wir- etwas schwarz. S. UyllroZrapK. »eiver. ?3Z. Z1O. Gternkch. ueber dem Dorff Horgen, dahin wir nach drey Stunden gekom- men sind, ist das DorssRäpfnen, Rapfnach, über welchen eine Steinkohlen-Ader ist, die ich in dem vorigen Jahr unter der Aufsicht des Wohl-Edelgeb. Hrn. Jacob Efchers, der hernach Bürgermeister geworden, untersucht habe. Es geschah auf Befehl von dem Hochweisen Naht, welcher durch die Erforschung des Torffs und der Steinkohlen in ihrem Lande, dem Holtz-Mangel trachtet vorzukommen. Die ganze Sache verdienet hier erzehlt zu werden. Der Schluß, darin die Nachsuchung ist befohlen worden, ist den isten Brachm. des vergangnen i?o8ten Jahrs gemacht, und vor dem Ende des Jahrs erfüllt worden. Man hat vieles entdeckt, welches dem Volck zum Nutzen dienen wird. Zwischen Horgen und Kapfnach sahe man einige Anzeigungen der Steinkohlen, an dem Meiiibach, Aabach im Aa-Tobel. und selbst in den Wiesen und Feldern, welche tieff und abhängend lagen. Man hat aber aus der Vergleichung dieser Orten unschwer abnehmen des rasten Jahrs. 277 nien könne»/ daß nur eine einige Lage Steinkohlen bogenweise durch den ganzen Berg gehe. Im Aa-Tobet war eine Ader von zwey Zollen, und einen Schuh weiter hinunter war eine andre von drey Zollen; wenige Zolle unter dieser eine andre dickere von 8. Zollen, daß also die ganze Ader, wenn alles zusammen htenge, i z. Zoll ausmachen würde. Die obere, mittlere und untere Lagen sind von Felß- steinen. Unmittelbar über diesen Steinkohlen liegt ein Lager von einer schwärzlichten Erde, welche fast so hart ist, und so aussiehst, wie die Steinkohlen selbst, und viel Schwefel halt; indessen verhindert die allzugroffe Menge der Erdtheilen, daß sie nicht brennen können. Vier Schuhe unter dem untersten Lager ist ein schwarz-grauer Mergel, welcher voll Meer-Schnecken und Muscheln ist, dergleichen auch in den Englischen Steinkohlen-Adern gefunden werden, die also, wie die Lager selbst, eine Anzeigung der Sündstuth sind. Wir haben aber irr den untern Lagern der Steinkohlen selbst eine Menge zerbrochener Muscheln angetroffen, welche ganz weiß und wie caleinirt waren. Alts unzehligen Steinkohlen-Stücken war eines, das wie ein Busch von zusammengebundenen Halmen aussähe. Hieher gehört folgendes: ^Ic^omis acceciens kaiciculus seu ßenicolstus I_zpi8 talcia- rim X/lampuli frumsmarilkiru coalicus, incer emrocbos Lc ^lc^onia sm- bitzens. l^uiä. tatbopb. Lrir. n. los. ^rr VirZultum corzilmum Leaumontii ? ?bilos. Trans. n. kig. r6. Lru8b-Iron, und örusk- Iron ore , Eisenertz, <-revv. >^us. 8oc. llegise Tzb. 22 . Welches er Mit diesen Worten beschreibt Bl. ZZO. Ir conUüerk o5 8lraic rouncl, lonZ tt^ris, zbour rbe rbilrnels, ok s smai knitinZ-pin, bolt uprigbr, Me tke brillles o5 s Lrusk, or rbe Tbcer ok a 3cU5 bemsni ?jscis Neicriprus konstelerio. Leisner. p. zs. I.Lvzreco perlimiüs. Icbtk^ol. p. 18s- Sie halten sich in der Liesse des Thuner-Sees auf, kommen aber gegen dem Sommer in die Höhe, um sich, wie es scheinet, an dem Eiß-Wasser, welches aus dem Grindel-Thal in den See fließt, zu ergehen. Von da schwimmen sie die Aare hinauf, welche aus dem Brientzer-See kommt, in grosser Menge, bis nach Untersten, wo sie durch einen Damm aufgehalten und gefangen werden, und dem Landvogt zu Interlachcn, wie auch dem Schultheiß zu Untersten, welche das meiste von der Fischerey haben, grossen Gewinn bringt. Um 6 . Uhr Abends war die Höhe des Quecksilbers in der Stadt Untersten 2s". 9"^. Das Wetter zweifelhaft. Den 29. Brachmonat war die Höhe des Quecksilbers zu Untersten 2s". 8 "^. der Himmel trübe und ungewiß, daher wir selbst zweifelhaft waren, ob wir in den Grindelwald, die Gletscher oder Eißberge zu besehen, gehen wollen oder nicht. Wir förchteten den Regen, welchen uns die Wolcken auf den Grindeler Alpen, und um die Spitze des Berges Niesen, welche dieselbe oft bedeckten, zu drohen U. Theil. Nn schie- Gletscher ii dem Grin- VNivoid. Lügibach» 282_Siebende Berg-Reife schienen. Denn es ist ein Zeichen des guter; Wetters, wenn die Wolcken über die Spitze dieses Berges stille stehen. Daher das Sprüchwort: wenn der Niesen hat einen Hur, so ist das Wetter guc. Allein ob wir gleich den Regen zu förchten hatten, so Worten wir doch, eine so rare Sache zu besehen, uns nicht Hinterhalten lassen. Wir verreißten also, und kamen nach einer Stunde in das Dorff winterschweil, von dort auch irr einer Stund nach Zwey- litschinen, und von da in 2. bis Z. Stunden nach dem Grindelwald. Ich werde mich hier nicht aufhalten eine Beschreibung von den Gletschern oder Eißbergen zu geben, weil es schon an einem andern Ort geschehen ist. Die beyden Gletscher im Grindelwald, welche wir nun besehen, stvffen an dem Hintern Theil des Mettenberges zusammen, und machen daselbst einen erschrecklichen Eißklumpen aus. Von da gehen sie zwischen den Kläfften der Bergen herunter. Es stießen zwey Bache von denselben, der weiffe und schwarze Litschm. Der erste hat seinen Namen von dem missen Eißwaffer, der zweyte von einer schwarzen Erde, welche er mitführt. Sie vereinigen sich gleich unterhalb dem Dorff Grmdelwald, und behalten den Namen Litschm. Ueber dem untern Gletscher ist ein Berg, der ein durchgehendes Loch hat, durch welches die Sonne den i Zten Hornung scheinet. Eben daselbst ist ein Ort, da auch selbst in dem Winter kein Schnee bleibt, welches eine unterirdische Wärme, die villetcht von den Gletschern selbst eingesperrt wir-, oder auch eine warme Quelle anzeiget. Von der Natur und den Würcknngen -es Gletscherwassers habe ich an einem andern Orte gehandelt. Ich thue nur dieses hinzu, daß man mit denselben die Leinwand viel weiffer als mit andern Wassern waschen kan. Nicht weit von dem untern Gletscher war noch vor wenigen Jahrenein zu Zeiten lauffeuderBrunn, der Lügibach sd.t.Lügenbach) genannt, welcher oft plötzlich mit grosser Gewalt hervor sprang, und sich auch gleich wieder setzte. Er hat villetcht eine Aehnlichkeit mit dem Engstler-Brunn, wovon anderstwo gehandelt worden. Beyde hat Herr Haller, Pfarrer im Grindelwald, ein Bürger von Zürich, selbst gesehen, und hat zur Erklärung solcher Brünnen eine nicht ungereimte Meynung. Er glaubt nemlich, daß in dem Berg ein Felß, m Form eines Hebels über einem andern Felsen liege, welcher sich des 1709km Jahrs. 28 Z über demselben als seinem Ruhepunct bewegt, wenn er auf der einen Seite mit Wasser beschwert wird , und hernach, wenn das Wasser weg geronnen, wieder in seine vorige Lage kommt. In dem Wirthshaus im Grindelwald war heute, nemlich den rasten diß, um 2. Uhr Nachmittag bey zweifelhaftem Wetter die Höhe des Quecksilbers 24". 4/". und den zoften Morgens um 8. Uhr bey Hellem warmem Wetter 24". 5"/. In Zürich war das Wetter den 2ssten den ganzen Tag unbeständig, bald war es helle, bald regnete es ein wenig. Die Höhe des Quecksilbers war daselbst 26". s^". Höhe über dem Meer. Nach Mariotte. Nach Laßmi. In Untersten hatten Zoll. Lin. Leisen. Schuhe. Leisen. Schuhe. Wir 2s. 8. 327. 2. 347. 4. Grindelwald 24. 4. 49s. 5. 60s. 0. Zürich 26. 54. 200. O. 2i2. z. Unterschied zwischen Un- - terseen und Zürich 107. 2. izs. i. Grindelwald und Zürich 29 s. s. 392. 3. Untersten und Grindelwald 188. 3. 257. 2. Nachdem wir den zosten von Grindelwald wieder zurück gekommen, begaben wir uns auf den Thuner-See, welcher s. Stunden lang und eine halbe breit ist. In einer Liesse von 140. Klassier gibt es Äele und Forellen, welche am Angel gefangen werden. Wir fuhren in dreyen Stunden nach Faulenfte. Von da kamen wir durch das Dorff Aeschi, am späten Abend in das Dorff Mül- lenen, welches iz. Stunden von Faulenste liegt. Den i. Heumonat Morgens um 6 . Uhren war die Höhe des Quecksilbers in dem Dorff Mullenen 2s". 7^". Der Himmel war den ganzen Tag helle. Von da giengen wir durch das Frmmger- Thal. Wir kamen durch Randeibrück i. Stunde, Landelgrund I. St. Randelstäg 1. Stunde, wo die Höhe des Quecksilbers um n. Uhr 42". 2/". war. Ich habe aber ein anders Glaß genommen, als ich bis dahin gehabt habe. Von da giengen wir weiter über den Gemmi.Berg , welcher an vielen Orten mit Schnee bedecket war, zu der Wacht-Hütte zur Daube genannt, in s. bis 6 . Stunden. Hier war die Höhe des Quecksilbers am Abend 21". z/". In Zürich war es an diesem Tag auch hell, und eine grosse Hitze. Die Höhe des Quecksilbers Morgens 26". ü^". Abends 26". sEs war also N 2 nach LhimrSrt. MAenm. Gemnii- Berg. 284 Siebende Berg-B«se Mucker- Bad. nach den heutigen Beobachtungen Mariotre. LaßMi. Zoll. Lm> Lotsen. Schuhe. Leisen. Schuhe. zu Müllenen 25.7. zi8. 5. Z62. z. Kandelftäg 24. 2. 522. i. 642. i. zur Dauben zi. z. 974. 5 . iZ 6 z. z. Zürich _19 4. Z. 228. z. Untersch.MscheuMülleuen u.Kaudelstäg 221. 2. 277. 4. Kandelstaa und zur Daube 4t4. 4. 72z. 2. Müllenen und zur Daube 656. 2. 1221. 2. Zürich und zur Daube 780. 2. 1155. 2. Die Höhe des Gemmi-Berges über das Meer komt nach der heutigen Beobachtung nach Mariorre 5849. Pariser Schuhe, nach Las- sim aber 8181. Nach einer andern Beobachtung, die ich A. 1705. den ! 6 . Aug. gemacht habe, kommen 54Z7. und 7486. Schuhe heraus. Vielleicht kommt dieser Unterschied von der Verschiedenheit der gläsernen Röhren, welche ich gebraucht habe. Wir wurden heute noch recht müde, da wir von dem Wachthaus zur Daube durch den in Stein ausgehauenen Weg den Berg herunter nach dem Leucker- Bad giengen. Der Weg ist in der ivten Berg-Reise beschrieben, und in der Abbildung vorgestellt worden. Den 2. Heumonat war die Höhe des Quecksilbers in dem Leu- ker- oder WaUisser-Bad um 12. Uhr Vormittag 2Z". 9"/. Also ist seine Höhe Z°u. An. nach Mariocre. nach Caßkm. in dem Bad 2z. 9. 581. 4. 7 Zi. 0. in Zürich 26. 64. 188. s. 222. 2. Unterschied Z92. 5. 529. 2. Das Wetter war an beyden Orten zweifelhaft. In dem Bad liessen sich die Wolcken unter die Gipfelnder Bergen herab, und die Höhe des Quecksilbers war auf den Abend 2Z". 8^". In Zürich regnete es den Tag über oft, am Abend aber fiel ein stärckerer Regen, 1"^. Den z. Heumonat war es an beyden Orten gleichfalls unbeständig. In Zürich regnete es am Morgen iz. An. Am Abend war es trüb und ungewiß. In dem Bad um s. Uhr früh 2z. 8. In Zürich 26. 7z. Aufden Abend im Bad 2z. 8z. In Zürich 26. 7^__ , Unterschied 41s. i. 562. 4. Den 594. i?7. 749. 189. 416. i. 28 ? des lysMn Jahrs. Den 4. Heumonat war es den ganzen Tag warm und helle au beyden Orten. Mariotte. Laßini. Zoll. Lin. Leisen. Schuhe. Leisen. Schuhe. In dem Bad um ?.Uhr früh 2z. 9. ?8i. 4. ?zr. 0. In Zürich 26. 8 r. i 66 . 5. 176. 2. Unterschied 414. 5. 554. 4. Die größte Abweichung in dem Unterschied zwischen diesen beyden Oertern, ist nach Mariotte 22. Ruthen, nach Caßtnt aber 25. Ruthen 4. Schuh, welche vielleicht durch sonstige Beobachtungen wird verbessert werden. An diesem Tag verreißten wir aus dem Leucker- Bad, um unsern Weg durch den untern Theil des Walliffer-Landes fortzusetzen. Ich habe dieses Bad schon A. 1705. untersucht, und in derivten Berg-Reise auch beschrieben, deßwegen werde ich dasselbe dißmal übergehen. Doch muß ich folgendes, das zu allgemeiner Betrachtung der warmen Bäder dienet, anmercken. (2) Nn z Ich (L) Es verdienen dieProben dieses Bads angeführt zu werden, welche Hm v. Geßner gemacht, und die Herr O. Haller in der Beschreibung der Berg» Reise, die er A. i?; 4 . gemacht, beschreibt. S. lempe »clvcüca 1 . 1 . p. ,-7». 1) Eine Maß von dem Heil-Bad / welches etwas über vier Zlpothekec Pfund Wasser hält, hat durch die Einsiedung 41. Gran Salz gegeben, wel» ches aschfarbig mit ein wenig roth untermenget, zart, zusamenziehend, und etwas bitter war. Die Theile desselben scheinen durch das Vergrößrungs» Glaß cylindrisch. 2) Der obere Brunn / der Gülle/ welchen die Gallapfel.Tinctur fast schwarz machet, (die andere werden weniger schwarz,nach folgender Ordnung: der Gold - Brunn, das Heil - Bad, der Gemein »Brunn, und der Kupfer» Brunn) gibt durch Einsiedung eben so viel Wassers, 5;. Gran Salz, welches ganz anders ist, als das vorige. Es ist aschfarbig mit einigen untermengten weissen Staubgen, bat einen starcken Geschmack, ist scharffund befördert den Speichel mehr, als das vorige. ;) Der untere Brunn/ der Gülle / der Kupfer» Brunn genannt, gibt 70. Gran von einen gleichen Salz, das aber noch schärffer ist, und nicht so viel weiffesbat. DieseQuellewird wenig gebraucht. Wenn man etwas alkalisches angießt, so sezt diese Quelle am meisten Materie zu Boden, hernach der Gold-Brunn, denn der Gemein-Brunn, am wenigsten das Heil-Bad. 4) DerGemeinrBrunn/ welcher am meisten gebraucht wird, gibt er. Gran eines scharffen aber wäßrigen Salzes, welches sehr viele weisse cylindri» sche Theilgen untermischt hat; die Theile desselben sind wie ein kleiner Pinsel gestaltet. 285 Siebende Berg» Reise Annitrckutig von den warmen Bädern. Ich habe schon seit langer Zeit getrachtet, die verschiedne Meynungen von dem Ursprung solcher Bäder miteinander zu vereinigen/ bin aber niemalen zum Zweck gekommen. Endlich hat mir in dieser Sache die Betrachtung von der Lage der Oerter einiges Licht gegeben. Die meisten wannen Bäder in der Schweiz , zupftftrs, Baden, Leuck, auch das Eariö-Bad in Böhmen, und vielleicht noch andere, liegen in treffen Thälern, wo die Erde so aufgesessen ist, daß gar keine Holen da sind, indem die Erde alles angefüllt hat, da sie niedergcsuncken ist. Wenn ich diesen Umstand recht erwege, und neben dem aus verschiednen andern Begebenheiten der Natur vor gewiß annehme, daß in der Erde desto grössere Hitze ist, je tteffer sie liegt, so begreiffe ich unschwer, daß an den Orten, wo warme Bäder sind, die innere Erde und Felsen eine grössere Wärme haben, als an andern Orten, wo die Erde lucker ist, und die innerliche Wärme deßwegen leichter davon gehen kan. Daß man den Ursprung der warmen Bädern vielmehr daher suchen müsse, als in der Zusammenkunft eines äciäi und ^i"i>, bestätiget insonderheit das Pfeferser- Bad, welches von allen Schweizerischen und vielleicht auch von allen andern Warm-Bädern darin abgeht, daß gar nichts von Schwefel oder Alaun, und fast nichts von andern mineralischen Theilen in dem Wasser angetroffen wird; daß es also nichts ist, als ein reines warm gemachtes, oder nach meines Bruders Muthmaßung, in der Erde diftillirtes Wasser, welches weder Geschmack noch Geruch Der Gold-Bruun gibt 52. Gran von einem Salz, welches von dem Salz des Heil-Bads wenig unterschieden aber zarter ist. Der Gebrauch dieses Bads ist äusserlich und innerlich. Innerlich vor die Kranckheiten des Magens,und die Stockung der kleinsten Theilen; äusserlich dienet es den Schlagflüßigen, den alten Geschwaren, und vertreibt oft verschiedne IVIorbo; cllronic»;. (b) Ich wil, ohne meine Gedancken über diese Meynung zu eröffnen, eine andere hier anführen, und der Beurtheilung der Leser überlassen. Ein gewisser Verfasser berichtet in seiner ?Moire äerÄnAulanres naturelle; cl'Huxle- terre, ci'Lcolle Le clu ?a>; cie Oalle;, daß bey den berühmten Badern zu Bath in 8ommerlet;lnre eine weiffe Kalck-Erde gefunden werde, welche das Wasser strodeln macht, wenn man sie darein legt. Daß eine solche Erde auch in den Wallisser Badern sey, kan man aus Collms Nachricht schlieffen, welcher sagt, daß das Wasser in den ersten Tagen, wenn es hervorkomt, trübe und 287 des rasten Jahrs. Der warme Brunn in dem Lencker-Bad, welcher mitten auf der Gaffe neben dem allgemeinen Bad hervorquillt/ und nicht nur zum Trinckerh sondern auch zum Waschen gebraucht wird; so auch das goldene Brunnelein, welches in das allgemeine Bad fließt, legen einen etwas schwarzen Sand ab/ welcher durch eine ftarcke Calcina- tion sich nicht ändert/ als daß er etwas weißer wird. Der gelbe martialische Crocus aber/ welchen die obere Quellen/ die in den Wiesen auslaussen/ ablegen/ bekommt von der Caleination eine braune Farbe. Nun setzen wir unsere Reise fort und zwar erstlich nach Leuck, von da nach Girren. Diese Reise macht man bald zu Fuß/ bald zu Pferde/ bald auf Wäger,/ wie es die Gelegenheit mitbringt. Meine Gefährten kamen an der nördlichen Seite der Rhone durch das Dorff Galges/ ich aber auf der südlichen Seite durch Felder/ Wälder und Sand-Hügel/ nach Gideris, welches ein schöner Flecken SSm«. ist/ der ungefehr 24. Stunden weit von Leuck liegt. Eben so weit ist es auch ungefehr von Sideris nach Girren, wohin wir AbendS um Sitte». 7. Uhren gekommen/ und die Höhe des Quecksilbers auf 26". z/". gesehen haben. Es war den ganzen Tag über helle und warm. In Zürich war es eben so. Marione. Laßmi. Die Höhe des Quecksilbers Jov. 2in. Lochn. Schuhe. reisen. Schuhe, warm dem Bad 2Z. 9. s8l. 4. 7Z1. 0. Zu Zürich 26. 84 . 166. 5. 176. 2. Sitten 26. z. 228. 0. 248. z. Unterschied zwischen Zürich u. Sitten sr. i. 72. 2. - - Sittenu.demLeucker-Bad zsz. 4. 482. z. Zu Girren bin ich von dem Bischoff/ Hrn. Franc. Joseph von Ober- Gax sehr freundlich empfangen worden. Den weiß sey. IndemPfeferserBadstndtmanbey und in der Quelle eine gelb. rothe subtile Erde. S. l Theil Bl. 84 . und keccker sagt in seiner 8udrcrr. p. 46. nach der Stahlischen Ausgabe §Llcm leu potius Lrust-un LrxrH lupernatari lolitam «0» copiols pr^lertim in lUermir oblervrvimus. Ist hieraus nicht wahrschein, lich, daß die Warme dieser Bader von einer solchen Kalck-Erde herkommt? Indessen ist wol zu beobachten, daß eben nicht alle warme Bader von dieser Ursache herkommen. Es gibt einige, die gar schweflicht sind: bey diesen kau die Warme wol von den warmen schweflichten Dünsten herkommen. 288 Siebende Berg-Reife Den s. Heumonat Morgens um 8 . Uhren war die Höhe des Quecksilbers zu Sitten 26". 2^". In Zürich um 7 .Uhr 26". daß also der Unterschied eben so ist, wie gestern. Es war an beyden Orten sehr warm und helle. Abends um s. Uhr war die Höhe zu Sitten 26". i^". In Zürich 26". 7z/". In dieser sehr alten Stadr sind noch gar viele Uebcrbleibsel des Alterthums, sowol in den Mauren, als Münzen (welche durch ganz Wallis sehr rar sind) und Aufschriften. Oberhalb der Stadt habe ich unweit der Rhone einen weissen Gips-Srem in ganzen Felsen angetroffen; desgleichen Felsen, welche durch die Sonnen-Hitze gleichsam calciuirtwaren, aufweichen ein weißer, aschfarbiger oder auch ocher-gelber Staub sitzt, der öfters gesalzen ist und einen Salpeter-Geschmack hat. Den 6 . Heumonat war die Höhe des Quecksilbers Morgens um 4. Uhr 26". 24"/. In Zürich den ganzen Tag 26". 6 ^". daß also der Unterschied um 4.Lin. ist, da er vorher sch und 6 . gewesen. An beyden Orten war es schön Wetter. Abends um s.Uhr war die Höhe des Quecksilbers zu Marnnach 26". Zoll. Lm. Toiftn. Schuh«. Toisen. Schuhe. Also ist zu Sitten die Höhe 26. 2z. 25z. 2. 255. 2. Zürich 26. sz. 188. 4. 202. 0. Martinach 26. z. 228. 0. 248. z. Unterschied zwischen Sitten«. Zürich 44. 4. sZ. 2. - - Zürich u. Martinach zs. 2. 46. z. - - Sitten u.Martinach s. 2. 6 . s. Wir giengen durch Gundeö, St. Peters Brücke, welche der Bi- schoff unterhalten muß, Ridun und Gaßon. Martinach. Zu Martinach suchten wir die Römischen Aufschriften, deren Simler Vsles p. zo. gedencket, vergebens: Sie sind verlohren; ohne Zweifel bey Anlaß der Wiederaufbauunq der Kirchen, und wegen der Unachtsamkeit der Priestern. Es ist also von dem alten 0 a. Neben dem Dorff fließt ein Bach, ^vznldn genannt, welcher auf eben dem Berg entspringt, die dilöms jn dem Wallisscr-Land, nach dem zu Beck bekannten Spruch dilerne Lc 1'?»vznlon Viennenr cl'uns meme i^Izi'kon. In den ävznlon fließt oberhalb Beck noch ein anderer, Oi-iene ge- nannt, welcher neben dem Salzberg vorbey läufft. Auf dem Berg ^N2laäe oder ^nviacle liegt eine Steinkohlen-Ader verborgen. Auf dem Berg kiorele wird L iubll 3U 6ellus tle Levieux, in den härtesten Felsen hin und wieder Bley-Ertz angetroffen, und eben da wird der gediegene Schwefel mit vieler Mühe herausgehauen, dessen auch Wagner liiü. tlclv. p. ZZ4« unter dem Namen 8ulpkur vivum, leu vjr^insum Lirrinum linceriüimum f>elluci6um, gedencket. Saltz-Tru. Wir besahen mit Vergnügen die Salz-Gruben, 3U konöemenr, ben zu -u klellus cie lengiL, wo zimlich reiche Saltzbrunnen sind, die vor den vierten Theil des Berner-Gebtets Salz genug geben. Es werden zwey Quellen gczeiget, die alte, die nun abgegangen, und die neue, die in recht gutem Stand ist. Das Wasser wird von da theils nach Levieux, theils nach llocke geleitet, wo es ausgekocht wird. Die Ableitung geschiehet, wie man uns erzehlt hat, mit erstaunlichen Unkosten, und wird durch io. bis 12 tausend hölzerne Canäle, fast drey Stunden weit, in die Pfannen geleitet, wo es gekocht wird. Ehe es aber noch in die eiserne Pfannen gelassen wird, wird es in einem langen Behältniß, das ungefehr 200, Schuhe lang, und io. Schuhe breit, und mit einem Dache wider den Einfall des Regenwassers versehen ist, geführet. Hier werden der Ordnung nach Stroh-Büsche, ungefehr 8. Schuhe lang, ausgehänget , an welche das Wasser aus dem Behältniß gesprüht wird. Hiedurch nehmen die Strohhalmen die irdischen Theile -es Saltzwassers an sich, welche sich nach und nach bis auf eines Fingers dick an denselben anhänget. Das Stroh wird alsdenn weggethan, und all dessen statt frisches genommen. Diese Tropfsteine sind nicht nur eylindrisch, sondern oft so angewachsen, daß der ganze Klumpe einen 8rsirA,lem »molum, oder Baum- Tropfstein vorstellet. Insonderheit aber verdienet die innerliche Zusammensetzung bemerckt zu werden, indem Strahlen vom Mittelpunct bis an den Umcreyß heraus gehen, welches von dem gleichen Zusammenhange der Theilen mit dem Strohe herkomt. Die Materie dieser Tropfsteinen ist weiß-gelb und glänzend, wie der von 2YI des l7O9ten Jahrs. von Natur erzeugter Tropfsteinen. Ich hoffe, diese Beobachtung werde der Frage, von der Erzeugung der eigentlichen Tropfsteinen, der runden, gelben und der cylindrischen Eisen, Schwefelkießen, wie auch -er Luchssteinen, welche alle auf solche Weise geftrahlet sind, einiges Licht geben. Nachdem das Wasser auf solche Weise gereiuiget ist, wird es hernach in die Pfannen geleitet und eingesotten. In den Pfannen setzt sich wieder eine salzichte Materie zu Boden, welche von Zeit zu Zeit abgeschlagen wird, damit ste dem Sieden nicht hinderlich sey. In dem Berg wo die Quellen selbst sind, habe ich folgendes beobachtet: 1) Daß Salz mitten in einigen Felsen steckt; welches klar anzeiget, daß dieses Salz würcklich festes Salz (8-»l loMe) ist, welches von dem Wasser in dein Berg aufqelößt wird. 2) Ein Gchwefelwaffer, welches aus der untern Stolle, die vor wenig Jahren wegen der frischen Luft ist gegraben worden, hervorstießt, und einen ftarcken Schwefel-Geruch hat, auch eine schweflichte Materie an den Boden anhängt. ;) Schwefei-Adern, welche hin und wieder in Form eines gelben oder roth-gelben Wassers aus den Felsen hervorrinnen. 4 ) Eine weisst Erde, welche auch mit Schwcfeltheilchen angefüllet ist, und oft die Spalte der Felsen ausfüllt. Vor der untern Stolle findet fich ein weisser Alabaster, der von bemeldter missen Erde herkommt. Als ich diese -lach Hause genommen und ausge- tröcknet, wurde ste ungemein hart, daß sie sich fast wie der gemachte Gyps poliren ließ. 5) äu ?->ne, l>3NL ZU clessus ö'Olon, ist eine andre Salz-Quelle, die aber viel kleiner ist, als die beschriebene. Marioere. Laßini. Höhe des Quecksilbers Zoll' Lin. Toisen. Schuhe. Leisen. Schuhe. ZuÄeckum?.UHrVorm. 26. zz. 222. 2. 241. 4. /^ikonäemeritUNHO.U. 2s. O. 420. 2. 471. o. Bey dem Ausgang der untern Stolle um n. Uhr 2s. s. Z42. O. Z§2. 4. Untersch. zwischen Beck und -- den Salz-Gruben 119. 4. in. 0. DieHöhe des ganzen Schachts s8. 2. 78. 2. Die Historie dieser Salzgruben, und eine besondre Begebenheit von der Entzündung der Schwefel-Dünsten, wodurch einige Menschen beschädigt worden, findet man in meiner tt/ciro§r^yjL neiv. x-L- Zoo. O 0 2 Zu Schwefel- wasser. Schwefel- Adern. Alabaster. ^illeneute. KV«vris«. LosattN«. 292 Siebende Berg, Reife Zu Deck erzehlte mir ein geschickter Wund-Arzt, ie Vz 6 e. eine besondre Begebenheit. Es war ein Mann, Ioh.Iac. Schuster, welcher an der Wassersucht tödtlich kranck war, er machte ihm einen doppelten Schnitt, einen in dem Ober-Leib oberhalb der leztcn Rib- be, den andern in dem Unter-Leib unter derselben. Es rinnten 22. gemeine Berner Maß Wasser heraus. In ungefehr 7. Monaten ward er durch balsamische Einspritzungen und innerliche Wund-Mittel wieder ganz gesund. Ich Habs ihn selbst gesprochen, und die Merck- male der beyden Schnitten gesehen. Es ist seltsam, daß der Mann in währender Kranckheit keinen Husten gehabt, und allezeit gut geathmet hat. Der Wund-Arzt urtheilte meines Erachtens nicht unrecht, daß das Uebel in dem fleischichten Umcreyß des Zwerch-Fells gewesen. Den 9. Heumonat kamen wir Morgens bey guter Zeit nach Villeneufe, penne t.ocus, oder pennj Qucvs vorzeiten genannt, ein kleines Städtgen zu Oberst an dem Genfer-See. Hier giengen wir aufden Genfer-See, um nach Vevzis. Divis, zu fahren. Wir hatten einen fatalen Sturm, aus welchem wir doch, weil die Schiffleute zu allem Glück nicht thun tonten, was sie gern wollen, errettet worden. Neben Divis stießt ein wildes Wasser in den See, U Vevz.se genannt, welches aus den Berner und Freyburger Bergen Holtz und Steine mit sich führt, und den Gärten, Aeckem, Weinbergen und Wieset« grossen Schaden thut. Die Herren von Berti haben demselben abzuhelffen schon grosse Unkosten aufgewendet, ihm ein bequemes Bett zu graben. Heute war das Wetter ungestühm, sowol hier als in Zürich, an beyden Orten wähete der Süd-Wind, der Regen war in Zürich L.Lin. hoch. Den ro. Heumonat sezten wir unsre Reise zu Lande weiter fort nach Losanne, einer alten Stadt, wo ein Bifchtum war, und noch jezt eine berühmte Aeademie ist. Die Höhe des Quecksilbers war heute bey unbeständigem Wetter um 6. Uhr Nachm. 26". i^". In Zürich war sie um 4. Uhr bey gleichem Wetter 26". 6"/. Kommt also heraus nach Marioere. Caßini. 244. z. 269. o. vor Losanne. 194. Z. 22z. z. v or Zürich. Unterschied so. o. 6s. z. Den d es r^sztsn Jahrs. _ 29 z Den uten diß war die Höhe des Quecksilbers um 7. Uhr früh 26". 1 z"/. In Zürich um 9. Uhr 26". s"/. Au beyden Orten war es unbeständig Wetter und Regen, der in Zürich 2. Lin. gab. Wir verreißten an diesem Tag, und kamen durch kleben«, eine den Frey- burgern und Bernern gemeine Landvogtey, nach Roerdon, wo die Höhe des Quecksilbers Abends um 6. Uhr 26".4/". war, nach welcher Beobachtung dieser Ort nach Man'orre 6 . und nach Laßmi 7. Ruthen höher liegt, als Losanne. Hieraus würde auch folgen, daß der Genfer-See und der Neuburger-See, an welchem Werden liegt, ungefehr in gleicher Höhe sind. In dem Dorff^lcens in der Herrschaft Licksiens,sahe ich au der Thür eines Baüren-Hauses einen sehr schönen grünen runden Stein, welcher in Ansehung seiner Politur und Härte mehr unter die Jaspis, als unter die Marmor tönte gezehlt werden. Durch was vor einen Zufall er in diese Nachbarschaft gekommen da er gesunder, worden, weiß ich nicht; es scheinet, er sey in den alten Zeiten von fremden Orten hieher gebracht worden. Den i2. Heumonat war das Quecksilber um 5. Uhr Morgens 26". In Zürich um 9. Uhren 26". 7/". Der Unterschied ist also heute 6 . Lin. da er gestern s i. war. Wir kamen heute über den Neuburger-See nach lTkeuendurg (Neuickrrei), wo um z. Uhr Nachmittag die Höhe des Quecksilbers 26". 5"/. war. Zoll. Lin. Loisen. Schuhe. Lvisen. Schuhe. Neuburg 26. 5. 225. 4. 221. 4. Zürich _26. 7. i8 z . 2. 195. z. Unterschied 22. 2. 26. i. Ich darf aber diesen Beobachtungen nicht allzuwol trauen, weil das Wetter ganz unbeständig war, und Neuburg ungefehr so hoch liegt als Averdon, indem beyde an dem See liegen. Es ist hier nicht der Ort von den verschiednen Mineralien zu handeln, welche man in dem Neuburgischen antrist; es wird an einem andern Orte geschehen. Die versteinerte Sachen die man dort sindt, habe ich in einem besondern Traetat beschrieben, welchen ich der Königlichen Gesellschaft der Wissenschaften in Berlin geschickt habe. Ich habe auch vieles in der ^creoroloZia Le OrxäioZrgxklL ttelveti» bereits erzehlt. Den i z. Heumonat war die Höhe des Quecksilbers Morgens um s. Uhr wie gestern r6". 5"/. in Zürich aber 26". 6^". Das Wetter war an beyden Orten unbeständig. Auf Nvttbvn. Schöner Marmor. NeittNburg. Neuenbu» ger-See. 294 Siebende Berg-Reise des ryoyten ^ahrs. Auf dem Neuenburger See sieht man oft an dem Abend halb- eireulförmige parallele Striche/ wie ich von dem Schloß, da der Gu- bernator zu wohnen pflegt, gesehen habe. Sie sind, in Ansehung der Farbe, von dem übrigen Wasser des Sees unterschieden. Die Ursache mögen die in dem See quellende Brünnen seyn, deren Wasser von dem Einfluß der Sionne so getrieben werden. An diesem Tage fuhren wir über den See, von dem Süd-Win- getrieben, welcher auch in Zürich wähete. Aus dem Neuenburger See fuhren wir durch die Broja, welche als ein Canal den Murter- und Neuenburger-See aneinander hängt. Hernach fuhren wir über den Murter-See nach Murren. Wir giengen noch durch Munch- weiler bis auf wieflispurg, welches eine Stund weit vonMünch- weiler ist. Den 14. Heumonat kamen wir durch ^e?,erie und Mou auf Lreybury, und ich reißte diesen Abend noch auf Bern, wo wir uns den i s. diß aufhielten. Den i 6 . kamen wir bis nach Büren, welches das alte Römische perinelcs ist. Den 17. über Brugg nach Baden, und den 18ten langten wir G. L. glücklich in Zürich an. Ende der siebenden Reise. In dem Jahr 1712 jJe Absicht dieser Reise war fürnemlich, die Lage der Land- macht grafschafft Toggenburg abzuzeichnen, und einige Barome-Ren«, trische Versuche zu machen, welche der berühmte Herr Abbt k'Knon, Vorsteher der Konigl. Gesellschaft der Wissenschaften, und Herr ^Lrsicjj. ein Mitglied derselben, von mir begehrt haben. Ehe ich aber von Zürich abreißte, machte ich in dem Hause des Hrn. kormoncl einige barometrische Versuche mit eben der gläsernen Röhre, die ich auf der Reise gebraucht habe. Man macht einen ordentlichen Barometer, dessen Röhre zz. Zoll lang ist, und mißt die Höhe des Quecksilbers von der Oberstäche dessen, das in dem untern Gefäffe ist. Hernach füllt man die Röhre so, daß oben z. Pariser Zoll Luft übrig bleiben, da die übrigen 30. mit Quecksilber angefüllt sind. Man richtet hierauf die Röhre in die Höhe, und siehet > wie hoch dasselbe steht, und wie weit sich die darin gelassene Luft aus- gedahnet hat. Hernach läßt man oben in der Röhre 6. Zoll Luft, darnach 9, 12, 15, i 8 , 21. u.s.f. und sieht immer wie hoch hierauf das Quecksilber steht. Ich hatte also den -5. Herbstmonat um 8 . Uhr Vormittag in einer Röhre, die z z. Zoll lang und 2. Lin. weit war, die ganze Höhe des Quecksilbers 26. Zoll 4. Lin. zwischen 9. und ic>. Uhr 26". 4z"/. Es war helle, jedoch zeigte«: sich einige Wolcken. Raum, darin Luft Raum der ausgelassen worden. des Quefllbers. gähnten Luft. 3". 19". ^".zweymal. 12". sz/". r6. 8. is. 74. 16. 74. zwevmal. is. 8. Raum 6 . Achte Berg-Reise 296 Höh- r-s Qmckstlbers. gelassen worden. 9" 12 . Is. 18. 21 . 24. 27. Zo. 14". ii. 9. 9. 7. 7. s. Z. 1. Raum der sus- gedähntenLuft. 18". 2O. 22 . 22 . 24. O' Z. 6 . 7. 8^. 11. zweymal. 9. zweymal. 7^. 6 . z. zweymal. z. zweymal. 6. zweymal. 4. zweymal. .. ... Diese Röhre habe ich auch auf der Reise gebraucht, daher die Uebereinstimmung der Versuchen desto gewisser ist. Indessen wil ich doch die andren Versuche nicht übergehen, die ich den s. und 6ten diß mit einer andern Röhre gemacht habe, welche ungefehr halb so dick war, als die erstere. Den 2sften war Morgens um 8. Uhren die ganze Höhe des """ ' . der leere Raum war 6". 1"/. 27. 28. ZO. ZI. 0. II. 7i. ic>z. ,/// Leerer Radm. Höhe des Quecksilbers. Ausgedehnte Lust. 6". 16". z"/. 16. 2z. 16". o"st 9. i z. z. zweymal. 19. O. 12. 10. ii. zweymal. Nachmittage. 21. ckr. is. 8. 9. zweymal. 2Z. 6. 18. 7. 0. zweymal. 2s. Z» 21. s. 4. zweymal. Den 6. war die ganze Höhe 26". z 27. //, 0. 24. z. 9. 27. 6. 27. 2. 31« ZO. 0. Z0. - ii. ZI. 4. Nachmittag auf Rapperschweil. Die Ordnung der Dörffern, durch welche wir gekommen, und die alle in dem Züricher Gebiet liegen, sind folgende: Riespach j. Stund. Zolliken i. St. Gold- bach^. St. Rüßnacht z. St. Ehrlenbach St. Herrliderg s. St. Meilen 1. St. Uetiken St. Männidorff^. St. Stä- ftn, des Listen Jähes. 297 fen z.St. Scbiemen-See, Ucikon ' . St. Feldbach Stund, Rapperschweil Stund. Auf der andern Seite des Sees iStunden von der Stadt ist Torff. das Dorff Rüsi-hliken, bey welchen einige hundert Schuhe hoch über den See Torff abgestochen wird/ welchen man auf einer benachbarten Wiese zwey bis drey Tage lang austrocknet/ und hernach in ein dazu gemachtes Gebäude/ wo die Luft recht dazu kommen kan/ hinlegt. Die Tieffe der Gruben ist ungefehr 12. Schuhe; wobey zu merckcn/ daß die oberste Lage schwarz und schwer / die untere aber brauner oder röther und leichter sind. Zu unterst liegen Stücke von sehr grossen Tannen mit ihren Aesten. Unter dem Torfs- Lager ist ein halbfchübiges aschfarbiges Erd- oder Lett-Lager / in welchem sehr viele kleine Schnecken und Muscheln sind. Wo ich immer diese Erde habe ausarabcn lassen/ da habe ich allezeit eine grosse Menge solcher Schnecken gefunden. Sowol die Schnecken als Muscheln sind von der Art derer, die im Wasser und nicht auf dem Lande leben. In dein Torff selbst sindt man Haselnüsse und Tannzapfen; wovon ich in dem Uerbano chiuvjZno inehrers gemeldet habe. Der bemeldte Umstand/ daß der Torff oben schwerer ist als unten/ verdienet einige Aufmerckfamkeit/ und scheinet den Gesetzen der Schwere / und dem Untersincken der schwerern Materie/ entgegen. Dasjenige, was das obere Lager schwarz und schwerer macht, ist ein bituminöser Erdsafft, welcher in die Löcher dringt, und die Zäscrn des Torffs zusammen bindet. Der ganze TorA Grund ist Anfangs mit diesem Erdsafft angefüllt gewesen, nach und nach aber von dem Wasser ausgeschwemmt worden, wodurch er gezwungen gewesen in die Höhe zu steigen, weil er leichter ist als das Wasser. Diese Erklärung läßt sich durch die Beobachtung bestätigen, die ich an dem Ort selber gemacht habe. Aus dem schwerern Torff wird durch die Destillation eine Menge von dem bituminösen Erdöl herausgebracht, aus dem leichtern aber fast keines. Jene haben auch, tvenu sie angezündet werden, einen stärckern Geruch, als diese, und währen in dem Feuer auch viel länger. Am meisten ist zu bemercken, daß eben dieser schwarze und schwere Torff, wenn er an dem Regen gelegen hat, eben so wird wie der leichtere. Ich thue zu dem, was ich in dem l^er- bzrio ckluvjzno gesagt habe, noch diß hinzu, daß alle Proben die man mit dem Torff vornimmt, zu erkennen geben, daß sein Ursprung in dem Pflanzen-Reich zu suchen ist., ^ II. Theil. P p Drey 298 Achte Bere?« Reise Drey Stunden von Zürich ist das Dorff Horden, und über demselben Rapfnach, wo Steinkohlen gefunden werden, mit welchen in einem besonders dazu gemachten Ofen die Steine in ir. Stunden zu Kalck gebrennt werden. In der Insul Uffnau soll den i. Herbftm. A. isrz. der berühmte und gelehrte Ritter Ulrich Hurren gestorben und auch begraben worden seyn. Wagner meldet in dem l^erc. »eiv. daß ihm diese Grabschrift gemacht worden: Uic Lgues nurntu8 jacer, Orarorgue 6ilertas, Uuttenus Vaces, LsrmineL: Ln5e potens. Man siehet aber dißmal nichts mehr weder von seinem Grab noch von dieser Aufschrift. Zu Ionen, einem Dorff unweit Rapperschweil, war ein Römischer Altar mit dieser Aufschrift: e. n ekovidl. 8. b.. o. v. v. Lajus Oökavius ?rovinu5 8tgruit I^ocus l)3tu5 vecrero Vecurionum. Diese Aufschrift kau nicht mehr gelesen werden, weil der Stein darauf sie steht, unvorsichtiger Weise in die Mauer der Kirche daselbst ist gesetzt worden, daß die Schrift gegen der Mauer steht, (c) Den iO. Herbftmonat mengen wir von Rapperschwcil über die Brücke nach Hürden, welches Dorff der Stadt vorüber liegt, und den Namen von den Hürden, oder geflochtenen Zäunen in dem See hat, wodurch die Mische in die Reusen geleitet werden. Die Rap- perschweiler stehen in der Meynung, daß der See vorzeiten an dem Ort, da die Brücke steht, in viele kleine Acrme getheilet gewesen, daß also viele kleine Brücken gewesen, wo nun eine einige über den ganzen See geht. Diese Brucke ist i8sO. Schritte lang, und auf Befehl des Herzogs Albrechts II. von Oesterreich angefangen, und von seinen Söhnen Rudolf dem IV. und Leopold üi. zu Ende gebracht worden. Die Rapperschweiler müssen dieselbe in gutem Stande halten, und nehmen deßwegen einen Zoll davon ein. (c) Der Herr Pros. Hagenbuch in Zürich, welcher mit ungemeinem Fleiß und Kenntniß die allen Aufschriften in der Schwel; gesammelt,und mit gelehrten An» merkunaen beleuchtet hat, war, wir er mir selber er;eblt/ so glücklich/ daß er die» sen Stein konie aus der bemeldten Mauer heraurnehmen / und wieder in seine rechte Stellung setzen laßen, daß du Aufschrift nun wol wiesen ist. des l 71 oren Jahrs. 299 Zwischen Hürden und Altendorff sind sehr schöne dichte Leb- Zäune, welche von der Straß erhöhet sind, und wider einen Anfall von Seiten des SeeS dienen tönten. Wir giengen auf Lachen, und durch die Landschaft March in das Glarnerland. Heute giengen wir durch folgende Oerter: Hürden z. St. Altendorff 4. Lachen Galgenen Sibnen Schübelbach 4. Bumken Rychenburg H Diese alle sind in der Landschaft March. Bitten z. lMder-Urnen-Bad z. l 7 tider-Urnen Ober-Urnen^. lTkäfels z. v^etstal Glarus^. Diese sind alle in dem Glar- nerlande. Den r r. und i2ten entschlossen wir uns zu Glarus den Frey- berg zu besteigen, wovon in der IV. Berg-Reise ist geredt worden. Wir erhielten die Freyheit denselben zu besteigen, damit wir die Herden von Gemsen sehen, und auch einige Barometrische Beobachtungen daselbst anstellen tönten. Wir hatten auch von der Obrigkeit die Erlaubniß, eines von den Gemsen niederzuschiessen. Wir nahmen also neben andern den Hrn. Trümpi, einen von den ge- schwornen Freyberg-Schützen, mit uns, welcher einige Jahre hernach von einem Berg herunter todt gefallen. Eine Art des Todes, welche bey den Gems-Jägern nicht ungewohnt ist. Wir giengen also Morgens bey guter Zeit durch das Dorff Mitlöde H Stund, Schwanden z. St. Wir bestiegen den Frey- Berg nach dem Lauff des Nüdernbachs, durch die Alpen lTkeuen- Hütten, Niedern. Ennen-Seven gen Aueren, wo Wir das erste barometrische Experiment gemacht haben, welches wir bald anführen werden, beym Attli-Hütte, Ratzmatt, wo wir die Nacht zimlich elend zugebracht haben, Obern , auf der Matte , auf Scherff, Blattenstock, an welchen beyden Orten wir unsre Versuche wiederholt haben. Den folgenden Tag, nemlich den 12. Herbstmonat, stiegen wir durch viele Umwege, weil wir keinen Wegweiser hatten, den Berg hinunter nach Elm, wohin wir Nachmittag um 2. Uhren, recht müde, gekommen. Doch giengen wir an dem gleichen Tag noch durch Matt I. St. Schwanden r. St. nach Glarus zurück, wo wir übernacht geblieben. Den uten war also die Höhe des Quecksilbers auf der Alp Ennen-Seven gen Auren um I. Uhr Nachmittag bey Hellem Wetter, in der grösser» Röhre, 2z". i v^.zweymal, das Quecksilber war m dein untern Behältniß i. Zoll tieff. Pp 2 Zuruck- Freyberg. ZOO Achte Berg-Reise Zurückgelassene Lust. Höhe des Quecksilbers. Ausgedehnte Luft. z". 18". 7 ". iZ". 6">. 6. is. 7 r. 16. 4 - 9 . iZ. 3 . 18. 7 . 12. 11. il. 2O. 9 . Is. 9 . 0. 22. 9 . 18. 6. n. 2s. 0. 21. 4 . n. 26. eo. 24 . Z. 0. 28. 10. 27 . i. 4 . ZO. s. Zo. 2. Zl. 8. >v»e rvtvrueriv uu» /. vevc vcv yeuei» ,cvv^v mit Vielen Dünsten angefülltem Himmel (denn auf den Abend regnete es) auf Gcherff, einem hohen Joch des Freyberges, die ganze Höhe des Quecksilbers 21". 8 "^. der leere Raum 10". z'". Zurückgelassene Lust. Höhe des Quecksilbers. Ausgedehnte Lust. Z". 17". 6>". 14". 6"/. 6. ^4. 7 . 17. Z. 9 . 12. 6. 19. 6. 12. 10. s. 21. 6. is. 8. s. 2Z. 6. 18. 6. 5 . 2s. Z. 21. 4 « 7 . 27. 1. 24. 2. 9l-. 29. ! 2» 27 . I. 4. Z 0 . 6. Zo. O. 2. ZI. 8. den, einen fast kugelrunden Agac-Grem von sehr schöner Leibfarbe gefunden, -er beynahe einem Lalcedsmer gleicht, und einen andern von sehr starckrother Farbe. An eben diesem Tag war die Höhe des Quecksilbers um 9. Uhr Morgens auf dem Blarren-Grock an dem Freyberg 2l". 6 /". Zurückgelassene Luft. Höhe des Quecksilbers. Ausgedehnte Luft. Z". 14". 6/".zweym. 6. 14. s. 17. z. 9. 12 . 4. 19. 6. 12 . 10. 44. 21. s. Is. 8. 7. 2 Z. 4 r. 18. des 7 7 raten Jahrs. Zurückgelassene Luft. Höhe des Quecksilbers. Ausgedähnte Luft. i8. 21. 24. 27. Z2. 2s. Z. 27. Z. 29. o. Zo. s. zr. 6. Z. In dem Dorff Elm, welches in dem kleinern Thal lieat, war die Höhe des Quecksilbers um z. Uhr Nachm. 24". io,„. In Zürich war sie den i tten, Morgens um 9. Uhr, 26". 7"" und um 4. Uhr Nachm. 26". 7z?". wir wollen setzen 25". 7z'". So bekommen wir vor die Höhe der Stadt Zürich nach Mariorre. Laßini. 1066. HZ2. Z4is. 4278. s4Z7. 7484. s60O. 7761. 2s44. Z22I. In Ennen-Seven - Auf Gcberff Dlatrenstock - Elm Also waren wir über Zürich erhöhet In Ennen-Gewen AufGcherff Blattenstock Elm - 2Z4I. ZI46. 4Z7I. 6Zs2. - 4s Z4. 6629. 1478. 1889. Die meisten Alpen auf dem Freyberg, über welche wir gekommen, gehören dem Blumerischen Geschlecht, und halten mehr als 2Oo. Grösse. Ein Stoß ist eine gewisse Weite, auf welcher eine Kuh, oder Mrd, oder z. Fülle, oder 2. junge Rinder, oder 4. Kälber, oder endlich 7. Ziegen oder Schafe durch den Sommer können ernähret werden. Wer auf eine Alp, ob sie gleich ihm eigenthümlich zugehört, mehr Vieh treibet, als die Anzahl der Stössen, welchem dem Land-Rodel aufgeschrieben sind, zuläßt, der wird ein Uebersiösser genennt, und deßwegen gestrafft. Es geschiehet hauptsächlich den Armen zu gute, welche keine eigene Weyden haben, und nur etwa ein paar Kühe an einen gemietheten Ort treiben, daß also ihre Kühe immer genug Nahrung haben, welches nicht seyn würde, wenn die andern mehr Kühe auf die Alp treiben wollen, weil nicht alle genug Nahrung finden würden. Der ei ste Ueberstoß kostet eine Lronen, der andre zwo, der dritte wird überhaupt gestraft. (cl) Pp Z Die (ck) Die Anzahl aller Stössen in dem Gramer« Land kommt ungefehr auf rroo-,.; ZO2 Achre Berg - Reise Die Anzahl der Männer von beyden Religionen in dem Glar- «erlaub erstreckt sich bis auf Z422. Die Reformirten aber find viel stärcker an Mannschaft als die Catholische. Die Hütten, in welchen wir übernacht geblieben, find sehr niedrig , kaum io. Schuhe hoch von der Erde bis an die Gipfel der Dächer. Die Urfach ist, bannt die Lauwen, welche etwa herunter fallen möchten, über die Hütten hinüber Wessen, ohne fie zu verletzen. Den iz. Herbstmonat verreißteu wir von Glarus durch Nec- stal z. St. Mottlö I. St. Wesen I. St. Dieser Ort, welcher unten an dem Wallenftatter-See liegt, und vor den Durchzug sehr nothwendig ist, gehört in die Landvögtey Güster, hat aber seine eignen Freyheiten. Zu Wesen hatten wir um 12. Uhr, bey trübem Wetter, die Höhe des Quecksilbers 26". Wir »nachten unsere gewohnten Versuche, deren Ausgang war wie folget. Zurückgelassene Luft. Höbe des Quecksilbers. Ausgedehnte Luft. z". 19". n"/. 21". 6. 16. 8 . r is. Z. 9. 14. Z. 17. 8. 12. II. II. 2c>. O. Is. 18. 21 . 9 . 8 . 7 . 6 . s. Z. 22. Z. 24. 5. 26. 8. 24. Z. Z. 28. 0. 27. I. 6. ZO. s. zo. z zi. 8. In Zürich war die Höhe des Quecksilbers Vorn». 26". 6z/". Nachm. 26.6z. nach welcher Beobachtung Zürich höher wäre, als Wesen, welches doch nicht seyn kan. Ich schreibe den Unterschied den Röhren zu. Wir wolten von Wesen über die Berge, welche über dem Dorff Auf Ammon find, in das Toggenburg hinübergehen, allein der Regen so viel Kühe können also daselbst unterhalten werden. Wenn wir also setzen / daß ein« Kuh nur -c>. Gulden jährlicher Einkünfte gibt / welches doch sehr we» nig ist/ so kommt der jährliche Nutzen von den Alpen schon auf-40000. Gulden/ welches vor ein so kleines Land/ darin nicht mehr als; 400. Männer find/ genug ist. _ des ryraten Jahrs. zoz Regen und die Gefahr des Wegs hielten uns davon ab. Wir fuhren also über den See nach Wallenstarr, wo nicht weit voll dem Gestad eine Nagel-Schmitte, in welcher, das durch einen hölzerner, Canal herunterfallende Wasser die Luft, an statt des Blasebalgs, durch einen von der Seite des erstem gehenden andern Canal, auf den Feuerherd treibet. Wir gierigen diesen Abend noch bey dem Dorff Tftherlach vorbey, durch Berfthis nach Llums, welches eine Stund weit von Wallenstatt liegt. Zwischen beyden Örter, sind auf den Riedterr verschiedne Schwefelwaffer. In dem Dorff Flums blieben wir bey dem Hm. Land-Amman Good übernacht. Die Herren Gooden haben, wie wir schon an einem andern Ort gesagt haben, das Sargansische Stahl-Bergwerck im Bestand. Der Stahl wird folgendergeftalt geschmolzen. Sie schmelzen zu Murg an dem Wallenftatter-See das Ertz zum erstenmal, was hier herauskommt, wird Roch-Eisen genannt; das zweytemal werden die Miggelen geschmolzen; das drittemal die Maßten, der oft schwarze runde Flecken, welche sie Rosen narren, hat. Dieser Stahl wird von einigen Schmieden besonders gemcht. Den 14. Hcrbstmonat gierigen wir mit Hm. Gooden durch Halb-Meil St. Gmmacsch z. Heiligen Creuy 4. Sargans um die Stahl-Gruben, zu welchen man von Sargans fast zwey Stunden lang muß in die Höhe steigen, zu besehen. Man geht durch einen in Felsen gehauenen ungefehr zoO. Schritte langen Gang in die Gruben, in welcher das Ertz dißmal an zwey Orten gegraben wird; an einen Ort das Roch-Ery , über welchen das Sckwartz-Ertz liegt, jenes von I z. dieses von 2 . oder mehr Schuhen. An dem andern Ort ist wieder ein Rorh-Ery i z. Schuhe, und über dernselben das Meli , ungefehr von 4. Schuhen. Aus der Vermischung dieser drey Arten, Roch , Schwarz und Meli wird der Stahl gemacht. Die Scnckung der Schachten ist von Morgen gegen Abend. Das Ertz wird in den Gruben durch das Feuer bezwungen, welches die Arbeiter am späten Abend anzünden. Über dem Eingänge ist in einem Felß ein schöner kbom- ?iin. oder wie ich ihn nenne, von welchem ich ein Gespräch zwischen dem l>linius und 8Llm»smL geschrieben habe, welches in der öibliocksqus dtioilie 1 ?. XVII. p. 192. und lc/leteorol. tteiv. p. l ZA. zu finden ist. Bald in dem Anfang der Grube tropft ein sehr kaltes und gesundes Wasser herunter, von welchem die Berg- Sarganft- sche Stahl- Gruden. Kdom-g-A«- tu. Achte Berg-Reise Z04___ Bergleute, ohne die geringste Beschwerde daher zu haben, in grosser Menge trincken. Ich habe tu dieser Grube, ungefehr zc>c>. Schritt von dem Eingänge, die Barometrischen Versuche gemacht, um die Beschaffenheit -er unterirdischen Luft zu erfahren. Es war Helles Wetter. Die ganze Höhe des Quecksilbers war 24". 4"'. und 24". 3^".. Höhe des Quecksilbers. Ausgedehnte Luft. 3". 18". 9"'. 13". 1"'. 6. is. 9. 16. 1. 9. 13. s. 18. s. 12. n. 3. 20. 7. 1s. 9. 1. 22. 9. 18. 7. 0. 24. 10. 21. 4. ii. 27. 0. 24. 3» 0. 28. 10. 27. 1. 4. 3O. 6. 3O. 3. 31. 6. mel die Höhe des Quecksilbers, und die Aüsdähnung der Luft in 3 . und 9. Zollen eben so gefunden; mehr konte ich wegen Mangel der Zeit nicht beobachten; ick hielte es auch nicht vor nöthig, indem die Gleichheit dieser drey Fällen, mir auch eine Gleichheit irr den übrigen glauben machte. Ich muß aber noch bemercken, daß die Luft irr der Grube, wegeu dem den vorigen Tag angezündten Feuer, etwas verdünnert, und der Ort gleichsam erwärmet gewesen. In Sargans war die Höhe des Quecksilbers um z. Uhr Nachm. 26". s"/. der leere Raum s". 5^". In Zürich 26". 8^". Wir haben also vor die Höhe über das Meer nach Mao. Caßmi. vor Zürich 1034. 1096. Sargans 1234. izzo. Stahel-Gruben 297s. 3630. Z048. 373 s. Diesemnach wär die Höhe über Zürich In der Stahl-Grube 1941. 2534. 2014. 26Z9. In Sargans 200. 234. Diesen Abend giengen wir noch auf wanau, einem Flecken in der Landvogtey Sargans, welcher 1. St. von Sargans liegt. Der Berg, welcher über den Stahl-Gruben liegt, wird Belftis genannt. Die- des 17roten Jahrs. zos Dieses ist ein altes Rhätisches Wort, dergleichen man in dieser Gegend mehrere findet, als nemlich in der Herrschaft Werdeuberg, Gams, Sax, und in dem Rheynthal, z. E. prscla. Ztracls, d. i. przmm. 5U3MM, ein Ort in der Gegend Wartau, zu pl end essen, prznäerc, Buppen, d. i. eines von den obersten Jochen des Berges, an welcher« Altftätten liegt. Den 15. Hcrbstmonat. Nachdem wir von Wartau verreißt, setzten wir unsere Reise durch folgende Oerter fort: Sevelen r. St. Räfis z. St. Buchs, Werd-übe; g i.St. Grads Gar z. Frumsin ^ Forstek z. St. Hier wohnten vorzeiten die Freyher- §»rsteck. ren von Sax; nur» ist es der Sitz eines Landvogts von Zürich. Dieses Schloß ist mit einem Wald umzäunet, erhöhet, und vor den ersten Anlauff dcr Feinden mit Mauren und einem Wall versehen. Eine halbe Stund weit von dem Schloß stießt ein Bach aus einem Felsen hervor, welcher dem Vorgeben nach seinen Ursprung in dein Di'ssentisser-See, in den Appenzeller-Alpen auf dem Berg Gamor, haben soll. In dem Wald nahe bey Forsteck ist ein Schwefel-Wasser, und ein anders bey dem Dorff Sar. Es ist merckwürdiq, und insonderheit einem Landvogt daselbst Anmersunr zu wissen nöthig, daß das Vieh, welches in dem Schloß-Wald und v°»dn» den dabey liegenden Wiesen erzogen wird, auch in den benachbarten M. Dörffern wohl ist und fett wird, da hingegen das andre Vieh, das aus den allernächsten Orten in des Landvogts Güter gebracht wird, nicht gesund bleibet, sondern gar bald ftirbet. Einige Bauren halten davor, daß das in dem Wald erzogene Vieh, weil es viel Erdbeeren hat, davon gesund bleibet; da hingegen dasjenige Vieh, das an niedrigen sumpfichten Orten erzogen worden, in dem Wald nicht mehr gut fortkommen kan. Nachdem wir in dem Schloß die Mittags-Mahlzeit genommen hatten, gieugen wir aufScnnwald z. St. welches das erste Kirchspiel dieser Herrschaft war; in der Lientz Rueiz. (welches das erste Dorff in dem Rheynthal, Röm. Cath. Rel.) HirtzensprunF wo man durch enge Wege geht; Robelwand Ropelwies Aktstätten z. In der Kirche zu Sennwald liegen die alten Freyherren von Hohen-Gax begraben, (c) II. Theil. Q . 19 Ich IZ. II. 9 . 7 . 5 . 3 . i. O. // i/// L . 2 . 7i. 7 . 3 . ich ich 4 . i. Ausgedähnte Luft. ,/ 12 15. 18. 20 . 22 . 24 . 26 . 28. 30 . Zi. 9 9 . Z. 3 . 5. 8 . 8 . 7 . i. IO. In St. Gallen besahen wir sowol die öffentliche Stadt- Bibliothek, als auch des Fürsten seine; an beyden Orten ist eine mcrckliche An- Merckwürdigkeitseit vielen Jahren von Reisenden mit grosser Verwunderung ist in Augenschein genommeinvorden, weil derselbe so lange Zeit unverweslich geblieben, und nicht nur der Farbe und dem Ansehen nach einem erst verbliche, nen Leichnam gleich gewesen, sondern überdlß die Haut und das Fleisch ganz weich und beweglich behalten hat. Wenn ihn jemand besehen wolle, so wurde eine Oeffmmg in die Mauer der Grufft gemacht, welche hernach alsobald wieder zugemauert worden ist. Doch soll er nun mehr ausgedörret und etwas schwarz seyn. Dieser Cörper ist vor;. Jahren aus der Grufft gestohlen, hernach aber, nachdem die Diebe entdeckt, wieder dahin gebracht worden. Mehrere Nachricht hievon findt man in der Vermischten Sammlungen alter und neuer Merkwürdigkeiten/ welche dem historischen Mcrcurio beygefüget sind, welcher A. 1741. in Zürich herausgekoiMen, I. Stück Bl. n. n- ff. des 17 l ölen Jahrs. 307 Anzahl von Handschriften. In der Bürger- Bibliothek sind ver- schie-ne sowol Theologische als Historische Handschriften von Joach. Vadian und Gchobl'nger. In des Fürsten Bibliothee sind überall 1204. Handschriften, welche hernach bey Anlaß des Togqenburger- Krieqs theils von dem Abbt weggetragen, theils nach Zürich und Bern geführt worden sind. Den 17-Herbstmonat verreißten wir Nachmittag von St. Gallen nach Herisau, wo wir übernacht geblieben. Die Höhe des Quecksilbers war heute um 6. Uhr zu Herisau bey trübem Wetter 24". 5^". Zurückgelassene Lust. Höhe des Quecksilbers. Ausgedahnte Lust. 2^. 19". ^/// » « 9.". 0"/ s. If. 0. 12. 4» 8. IZ. 2. Is. 2 . 26. O. 5. 26. n. In Zürich war die Höhe dazumal 26". 4;./". Also haben wir nach Mariorre. Caßini. vor Herisau 2367. zz6o. Zürich izoi. izzO. Unterschied 1566. 22ZO. Den i8. Herbstmonat reißten wir von Herisau wieder ab, und giengen über die Gchweminberger-Brücke, und durch das Dorff gleichen Namens, in die Grafschaft Toggenburg, diese Landschaft, von welcher nun seit einigen Jahren so viel gesprochen worden, zu besehen, und davon eine Land-Carte zu machen. Diesen Abend kamen wir nach Schwarzenbach, wo wir übernacht geblieben. Wir kamen durch folgende Oerter: Auf der Ecke z. Stund, Burgau Oberglarr Flaaweyl L. Niederglarc Ware Nieder-Utz- weil Hänau Niederstarren Gchwaryenbach Den rsten kamen wir nach Lichrenfteig, und hernach weiter durch folgende Oerter: Ionschweil z. St. Lürispurq z. Thier- dag z. pirschweil Dietsurc,-. Langen stau Lichrenfteig^. Warrweil z. Lappel 1 . Stund, wo wir in Gesellschaft Hrm v. Srägers übernacht geblieben, welcher uns auf Befehl des Land- Rahts zu dem Ursprung der Thür, und von da wieder zurück nach Lichrenfteig begleitete. Den 2oten setzten wir unsre Reife durch folgende Oerter fort: Rrummenau 1. St. Sidwald, Neu Gr.Johann Neßlau z. Qq 2 Zum ZQg ^ Achte Berg-Reise des 17121?»Jährst Zum Scem 1. Grarckenbach 1. Air Gr. Johann z. Von da giengen wir wieder nach Lichtcnfteig zurück. Den riten kamen wir durch Langcnsteg 1. St. Dierfurth z. pltschweü z. Moßnang z. Friedlingen InTreyen^. Brunnen z. Tobelaker nach Fischingen I., wo wir übernacht geblieben. Den 22ten kamen wir nach Ryburg. Den 2zten durch Ee- tenhausen St. BiUiken Grafirall x. Tagelschwang Diecliken 1. Rieden wallissellen H. Gchwamendingen nach Zürich I. Stund. Ende der achten Reise. Tafel über die Barometrische Beobachtungen der vorhergehenden Reise. Anmerkung. Der Herr klaralsti, aufdeffen Ersuchen der Verfasser diese Beobachtungen gemachthat, hat in Paris auch solche gemacht / und nach denselben die Regeln abgenom» men, nach welchen sich die Luft daselbst verdonnert. Mit diesen Regeln hat er unsers Verfassers Beobachtungen in folgender Tafel verglichen, welche weiter keiner Erklärung nöthig hat, als daß man bemercke, daß Rechn, s0 viel bedeutet, als die Vielheit der Zollen und Linien, wie sie nach der Marxistischen Regel seyn sollen, und Beob. wie sie nach den Beobachtungen unsers Verfassers sind. ^ AS« Wesen. 26.Z. 7.L. Zürich. 26. 4. Stahlgrube zuSargans. 24. 4 . Auf Ennen« Seven. 2 Z. IO. Auf Scherst. 21. 8. Auf dem Blattenstock 21.Z.6.L. Lx) 3. Zolle n.ii^.Rech. 12. i.Beob. u. Linien 12. Z.R. 12. 6.B. der ausge iz. i.R. iz. i.B. dähnren 13 . 6 .R. 13. 6 .B. Luft. 14. 8.R. 14. 6.B. 14. 7.R. 14. 6.B. »-r «» iz.Untersch. 3.U. o.U. O.U. 2.U. i.U. Z 6. 15.6. Rechn. is.z.Beob. is.ioz.R 15. 7 .B. 16. 4 .R. 16. i.B. 16. 7.R. 16. 4.B. 17. 6.R. 17. 3.B. 17. ^.R. 17 . Z.B. 3. Unters. 3i.u. 3.U. 3.U. 3.U. 3.U. rr ^ 9. 18.4. Rechn. 17. 8.Beob. 8. Unters. 18. 7 .R. 18. o.B. 19 . o.R. 18. s.B. 19 . 2.R. 18. 7 .B. 20. i.R. 19. 6.B. 20. i.R. 19 . 6.B. 7. U. 7. U. 7.U. 7.U. 7.U. Barometrische Beobachtungen der vsrhergehnden Reise. rr. is. ^ -8. -e-r Z- D» 21. rs rr 24. 27. ZO. Wesen. Zürich. Ctahlgrube Auf Ennen-. zuSargans.l Seven. Auf Scherst. Auf dem Blattenstock 2o. 9. Rechn. 20.11.R. 2O. io.R. 21. 4.R. 22. 4.R. 21. IO.R. 2o.o.Beob. 20. Z.B. 20. 7.B. 2O. 9.B. 21. 6.B. 21. s.B. 9. Unters. 8. u. 3.U. 7.U. sz. u. s.U. 22.8. Rechn. 2Z. z.R. 2Z. 2.R. 2Z. Z.R. 2Z. Z.R. 22. z.Bcob. 22. 6.B. 22. 9.B. 22. 9.B. 22. 9.B. iz. 4z.B. 5. Unters. 6z. U. s.U. 6.U. 6. U. r^.o.Rcchn. 24. 9.R. 2s. o.R. 2s. 2.R. 2 s. 4.R. 2 s. 6.R. 24. iv.Beob. 24. 8.B. 24. IO.B. 2s. O.B. 2s. Z.B. 2s. Z.B. 2. Unters. I. u. 2 . u. 2.U. I.u. z. u. 26.4. Rechn. 26. 74. R. 26. 8.R. 26. 8.R. 26.I1.R. 27. i.R. 26. Z.Beob. 27. O.B. 27. O.B. 26. IO.B. 27. I.B. 27. Z.B. 4. Unters. 4z. U- 4.U. 2.U. 2.U. 2 . u. 28.4. Rechn. 28. 2.R. 28. 2.R. 28. z.R. 28. s.R. 28. 4.R. 28.8.Beob. 28. H.B. 28. IO.B. 28. IO.B. 29. z.B. 29. o.B. 74.Unters. 9.U. 8. u. 7.U. 7z. U. 8.U. 29.7. Rechn. 29. ni.R 29. 7.R. 29. 6.R. 29. s.R. 29. 8.R. ZO. b.Beob. ZO. 74.B. ZO. 6.B. ZO. s.B. ZO. 6.B. ZO. s.B. io. Unters. 8.U. n.U. n.u. 9. u. s.U. zl.o. Rechn. Z I. 24. R. ZO. o.R. zo. O.R. ZI. I.R. Zr. o.R. zo. 8.Beob. zl.IO4.B- Z l. 6.B. Zi. 8.B. zi. 8.B. Z l. 6.B. s.Unters. 8.U. 6.U. 8.U. 7. U. 6.U. Aus dieser Tafel siehet man, daß die Verdmmerung der Luft nahe bey dem Horizont des Meers andre Reglen beobachtet, als in der Höhe. Woraus denn ferner folget, daß aus den Beobachtungen, welche man von der Verdun- nerung der Luft macht,keine allgemeine Reglen können gemacht werden,welches dasjenige bestätiget, was die Gelehrten schon lange von den Mariottischen Versuchen erinnert haben. Diese Tafel sindet sich auch in den klein, äe l'^cscl. 14o^. stes Sciences, l'än. 1711. Qa 3 Die Mägniwril. Seltsames Orgelwerck. Svlothmn. «er«. 310_E )o( M_ M8888888838888888 88888888888888ZN Die In dem Jahr 1711. 2z. May verrcißten wir von Zürich, und kamen auf den Mittag nach Mellingen. In Mägenweil, welches nicht vILV weit davon liegt, ist ein schöner Steinbruch, dessen Steine insonderheit vor die Brunnen-Better gebraucht werden. Man findet verschied»? Gchlangenzungen (OlossoperrL) in diesen Steinen, und neulich hat man mir auch einige versteinerte Knochen daher gebracht. In den Lentzburger Steinbrüchen werden auch Gchlan- genzungen und steinerne Muscheln gefunden, (k) Zu Rupperschweil sahen wir eil, Orgelwerck, welches von einem Bauren erfunden worden. Es enthält verschiedne Vögel, deren ein jeder den Gesang feiner Art hören läßt. Den 24ten verrcißten wir von Ära»; und den 2sten kamen wir nach Golochurn, wo wir von Se. Excell.dem Grafen i^uc, des Königs von Franckreich Abgesandten, sehr freundlich empfangen, und bey der Mittags-Mahlzeit behalten worden. Den 26ten kamen wir nach Bern, wo ich vor allen Dingen mich von dem neulich daselbst geschehenen Strahl-Exempel berichten liesse. Die Beschreibung desselben ist folgende: Den ( k) Ich zweifle nicht daran, daß ein Kenner in dem Steinbruch zn Mägenweil viele nützliche Beobachtungen machen könte. Denn er enthalt gar viele Dinge, die man sonst nicht antrifft. Ich habe würcklich Holz und Kohlen in Steinen angetroffen, die daherkommen, und eine Menge glatter Muscheln, deren viele ganz weich, und mit einer grünen auch weichen Materie umgeben oder angefüllt waren. Neben diesem enthalt dieser sonst harte Stein viele Stücke von vermoderten Steinen und andern verfaulten Sachen, die ganz weich sind. Neunte Berg-Reise des 17iv ten Jahrs. z ri Den 2O.May hat der Strahl Abends um 7. und 8 .Uhren in den Refich-Thurn geschlagen, und in den zu beyden Seiten desselben stehenden Häusern seltsame Wartungen ausgeübet. Der erste Schlag gienge gerad unter dem obersten Knopf an der Spitze des Tburns ln das von Eisenblech gemachte Rohr, aufwelchem der Knopf stehet; dieses Rohr wurde in einer Schnecken-Linie geöffnet/ das Strahlfeucr fuhr von da in den Daehstnhl mit solcher Gewalt/ daß von allen vier Seiten Ziegel herunter flogen. Die Kupferbleche/ mit welchen der Gang unter der Glocke überzogen war/ wurden abgerissen; an der obern Zeit-Tafel, welche gegen Westen siehet, wurde die Zahl IV. ausgelöscht, und die Tafel selbst auf der einten Seite zusammen gewickelt; an der Zeit-Tafel auf der Ost-Seite wurde die Zahl v. ausgelöscht, und an beyden Seiten sahe man einen schwarzen Strich. Die unterste Thür des Thurns wurde an einer Ecke durchbohret. Zunächst an dem Thurn steht das Eckerische Hauß, welches zu besonderm Glück leer gestanden hat: In diesem Hause hat der Strahl bald in allen Zimmern seine Mackt ausgeübet. Der Einbruch geschahe an einer Ecke an dem Thurn in dem obern Boden des Hauses, und man sahe da grosse Steine auswärts gerücket, allerley hölzern Haußgeräthe in tausend Splitter zerrissen, ohne daß dadurch dem Bette, Büchern, und vielem Hanf, der dort gehangen hat, der geringste Schaden geschehen. Von hier fuhr der Strahl hinunter auf den zweyten Boden, in welchen wiedrum die Steine hin und wieder aus den Mauren gedrückt,, und die Fenster, wie aufdem obern Boden, zerbrochen worden; man sahe an der Mauer und an dem hölzernen Tafelwerck einen schwarzen Brandflecken. Von diesem Boden fuhr der Strahl wciters auf den untern, da wieder viele Fenster zerbrochen, und die Küchen-Geschirre auf die Erde geworffen worden. In einer Kammer wurde ein Kiftgen, samt einem Spiegel, in taufend Stucke zerschlagen; die Schuhe, und andre Sachen die aufdem Tisch gelegen, in die Höhe gehoben, und auf die Oberschwelle abgelegt. Einige zerschnittene Stücke Papier und hölzerne Splitter blieben in dem obern Boden des Zimmers stecken; die Gemächer aber, die gegen Abend liegen, blieben unberührt, doch sahe man auch hin nnd wieder einigen Schaden an der steinernen Wendel - Treppe. Zu untcrft in dem Haufe fand man einen zerspaltenen Laden. In dem zweyten daran liegenden Wagnerischen Hause wurden auch einige hölzerne Geschirre zerbrochen. Von der obern mittägigen Seite des Zi2 Neunte Berg-Reise des Thurns spnhrte man in 5. rrachcinander stehenden Häusern die Würkungen des Strahls. Das erste hat die Gefängnisse; in einem Gemach waren zwey Personen, deren die einte gctödtet worden. Bey Besichtigung des Cörpers fand man die Haupt-Haare und den Bart wie auch die Kleider verbrennt, und den Bauch aufgeschwollen, einen Brandssecken bey dem Nabel, und einen schwarzen Striemen, der sich von dem Nabel bis zu äusserst an den Fuß gezogen; die andre gefangne Person vcrlohr von allzustarckem Glanz das Gesicht. In andern Häusern wurden die Fenster zerbrochen, daß das zerschmolzene Bley hin und wieder in der Wand stecken geblieben. Das zweyte und dritte Hauß haben keinen grossen Schäden erlitten, nur daß, wie in den andern, einige Steine aus der Mauer gestoßen worden. In dem vierten, welches eines Schlossers Haust war, ist der Strahl unten durch die Mauer in die Werckstatt gefahren, und hat im Durchgänge von einer Wand zu der andern etwas Holtzwcrck zerschmettert, das Eisen ist davon schwarz und blau angeloffen. Es erzehlte mir ein Kupferschmid, der gleich dem Thurn vorüber wohnt, und dieser Geschichte zugesehen, daß er zwey Schläge aufeinander gehört, und an der Abendscite des Thurns eine Feuerkugel herunter fallen gesehen, welche sich in viele Sterne zertheilt; er verglich sie mit einer Carcaffe. Die Häuser (that er hinzu) die von dem Strahl getroffen worden, schienen ihm in vollen Flammen zu stehen, auch habe ein dichter Rauch seiu eigen Hauß angefüllt. Von diesem Rauch fand marr auch das Eckerische Hauß angefüllt, nachdem man in dasselbe gekommen. In gleicher Zeit traf der Strahl das hölzerne Bild des grossen Lhristoftels, das über der Pforte steht, und schlug ein Stück von einem eisernen Gitter herunter. An gleichem Abend war an dem Genfer-See ein Hagelwetter, welches doch keinen grossen Schaden gethan. Etitsame Mit diesen Würkuugen des Strahls karr man die von einem AwmWe Bernerischen Chymico A. 1707. gemachte Beobachtung vergleichen. GkiHM. Er wolle den Sp-Nirri äicsiiläwm machen, zu welchem er, um ihn recht starck zu bekommen, anstatt des Wassers, Brandtenwein nahm. Sein Sohn mußte dem Geschäfte warten. Er war drey Schritte von dem Feuer weg, und lehnete sich an ein Fast. Die Retorte und der Recipient, welcher 27. Maß hielte, zersprungen, wodurch der Operator sehr verletzt worden, indem ihm die Stücke von dem Glas in des 17Uten Jahrs. ziz in den Leib, und insbesonder in den Hals hineingefahren, davon eines erst A. r?lo. herausgenommen worden. Es war auch ein seltsam nadelförmiges Stück, welches unten in der Fußsohle steckte, und dahin gekommen, ohne den Schuh zu verletzen. Der Knall der zersprungenen Gelassen, war wie von einer Canonen von 20. Pfund, und wurde durch die ganze Stadt gehört, daß die Nachbarn, in der Meynung das Hallst wäre eingefallen, hergeloffen kamen. Der dabey stehende, und andre im Hause, wurden davon eine Zeitlang stumm. Drey Schritte von dem Reeipienten stunden verschiedne Glaser mit allerley flußigen Materien unterschiedlich angefüllt; diese waren ausgeleert, und in sehr subtilen Staub verwandelt, den es mitten durch die anstehende hölzerne Wand geschlagen hat. Diese Geschichte habe ich von Hrn. wüd, welcher die Erzehlung so aus dem Mund des Chymici selbst hat. Den -7,28. und 29. May blieben wir in Bern, und besahen die Der susiere bey Anlaß des sogenannten äusseen Grandes allgestellte prächtige Stand von Waffen- Ucbullgen. Dieser äussere Stand ist eine Schatten- Re- gierung, welche junge Leute führen, und in Berathfchlagnng und Entscheidung einiger Streitigkeiten den innern Grand, d.i. diewürck- liche Regierung, nachahmen. Sie haben ihre Schultheisse, Seckel- meister, Rathsherren und Vögte über einige zerstörte Schlösser. Sie haben aber weiter nichts als den Namen. S. Loxyom. inü. ?oi. i ro. Den zoften kamen wir um den Mittag nach Thun, und gicn- Meiians gen das Merck zu besehen, an welchem man damals um den Ränder- vor Kondor. Bach arbeitete, welcher durch viele Ueberschwemmungen einen grossen Strich Landes weggenommen hat, und vermuthlich noch mehr wegnehmen würde, weßweqendenn ein Hoch-Lobl. Stand Bern beschlossen, diesem wilden Wasser einen andern Weg zu geben, und dasselbe durch einen Berg in den Thuner-See zu leiten. Vmr dem neuen Eingang der Kander in den Canal bis zu ihrem Auslauffin die Aare, ist eine Weite von 12020. Schritten, jeder von zz. Schuhen. Der Durchmesser des neuen Canals an dem Einfluß wird 272. Schuhe breit, und die Höhe, welche man abtragen muß, ist i §2. Schuhe. Die Länge des neuen Canals ist zooo. Schuhe. In dem Graben hat man noch nichts angetroffen, als eine zim- lich dichte Staub-Erde, in welcher oft Hölen etliche Schuhe groß angetroffen werden, welche überall mit einer harten Rinde umschlossen II. Theil. R r sind. Zl4 Neunte Berg-Reise sind. In diesen Hölen finden sie Steine/ welche trockn genennt werden. An andern Orten Haben sie auch Lager von dem äeienke kaicolo angetroffen. Mrawercke Wir giengen auch in Begleit Hrn. Pros. Eirin, eines Arme- ' niers, Griechischer Religion / die neuen Bergwercke der Herren Mischern zu besehen, welche in dem Berg an der Kander fast eine Stunde in die Lange gehen. Wir sahen daselbst unter den seuerstein- artigen Felsen ein Lager von s -10. Zoll, von einem sehr feinen etwas gelben Thon, woraus Kochgeschirr gemacht wird/ welches das Feuer sehr wol aushält; unter diesem Lager ist ein anders von Kieselsteinen, 2. Zoll; unter diesem ist noch eines von gelbem mit braun untermengten Thon; unter diesem ein aschfarbichter Mergel; und endlich ein sehr seltsames Lager von Holz, welches an der Luft theils hart wird, theils in Stücke zerspringt. Von diesem unterirdischen Holz ist merckwürdtg, daß die Stämme und Aeste nicht rund, sondern etwas platt zusammen gedrückt sind. Nichts destoweniger haben sie an einigen Orten die Rinde, ja gar die Blatter noch. Dieses Holz läßt sich verbrennen, und gibt ern gar starckes Feuer, daß man es an statt der Steinkohlen gebrauche,: tan. Der Grund, warum dieses Holz zusammen gedrückt und platt ist, ist meiner Meynung nach dieser: weil dasselbe von dem Wasser der Sundstuth ganz weich gemacht, und hernach von dem darüber gekommenen Felßlager ist zusammen gedrückt worden. Diejenigen welche den Satz von der Ueberschwem- rnung nicht annehmen, kommen dadurch auf die Gedancken, ob nicht die Natur so verschiedne Arten Holz in der Erde selbst vielleicht aus Lett gestaltet hätte: mich aber beftärcken diese Beobachtungen in der Meynung von der Überschwemmung; denn wie solte dieses Holz nicht zusammen gedrückt worden seyn, von so viel Millionen Centnern die darüber liegen. Fast ein gleiches siehet man an dm gegrabnen Fischen, welche auch zusammen gedrückt sind, daß man nichts mehr siehet, als das Ohren-Bein und die Schuppen; deßgleichen an un- zehligen Schnecken und Muscheln, welche zerdrückt und zerbrochen sind. Alle Fische, welche man in dem Ominger-Stetnbruch findet, haben den Rückgrat noch, weil nur wenige Steine darüber liegen. Sttinkoh. Dm Z i. Tag verreißtm wir von Thun, und besahen die neuen len. Steinkohlen-Grubcn, welche an der andern Seite der Aare über dem Dorff Erla sind, welches Dorff eine Viertelstunde von Gtäffisburg ist. Diese Steinkohlen sind pechschwarz, das Lager ist gegen Mittag ge- __ Jahrs. zis gesenckt. Anfangs war es nur 4. Zoll dick, hernach aber immer mehr/ daß es nun Schuh dick ist, über denselben ist ein blauer Mergel über diesem Felsen, an welchen hin und wieder Schwefelkieß anhanget. Neben dem Dorff wurde ein Brunn gegraben, in dessen oberstem Lager ein Mergel gefunden worden, in welchem verschiedne Bildnisse von Pflanzen eingepräget sind. Den i. Brachmonat reißte ich durch das Lueerner-Gebiet. In dem Closter Werdenstein habe ich eine kleine Bibliothek und unwissende Brüder angetroffen. Der Titel der Bücher-Verzeichniß lautet also: dscsloxus lAbrorum cominemium in LiblioMccs k.k. minimo- rum Lonvemus ^eräenlieinenlis. Geendet den io. dlovembr. 1718. Ende der nennt - und lezten Berg-Reise. Rr s Sum- Summe, der auf allen Reisen gemachten Beobachtungen mit dem Barometer/ zur Bestimmung der Höhen verschicdrier Oerter über das Meer. §. i. Auserlesene Beobachtungen des Verfassers, dadurch die Höhe des Oueck- filbers an verschiednen Orten, mit der Höhe desselben in Zürich verglichen wird. 1) Zürich/ 2s.Zoll7;.Litt. Var. Gla- rus/ rs. Zoll 7. Lm. 2) Zürich 26. s. Unterschächen rs. 0. z) Zürich 26. s. St. Maria 22.11. St. Anna 24. i. 4) Zürich 26.7. Beydem f auf dem BergFurca 21.7. Gestilabeydem Berg Grimsel 24. s. Viefchrs. 4. Brig 26. 6. s) Zürich 26.7. Thun 26. 8. 6) Zürich 26. 4. Bern 26. 9. 7) Zürich 26.7. Bern 26. 9. 8 ) Zürich rs. 6. Bern 26. 8. 9) Zürich 26. z. Bern 26. s. Zürich 26. s. Lungern »s. z. Aufdem Brünig, wo man übergeht/ 24. 4. n) Zürich 26. sz. Unterseen 2s. 8. Grtndelwald 24. 4. 12) Zürich 26. s. Müllenen 25. 6. Kandelftäg 24. 2. zur Daube auf dem Gemmiberg 21. z. i z) Zürich 26. 6°-. Leucker-Ba- 2z. 9. 14) Zürich 26.7 z. Leucker-Bad rz. 8. n - 26. 7^. ----- 2Z. 8 r.j 15) Zürich 26.8z. Leucker-Ba-2z. 9. Sitten 26. z. 16) Zürich 26. 8. Sitten 26. 2z. - - 26.7z. -26.1z. 17) Zürich 26. 6z. Sitten 26. 2z. Martinach 26. z. 18) Zürich 26. 4z. Sitten 26. i. 19) Zürich 26.4. Beck 26. iz. 20) Zürich 26. s. Beck 26. zz. in der Salzgrube zu öcvieux au kon- ciemenc 2s. o. An detN Auögattge der untern Stolle daselbst. 25. s. 21) Zürich 26. 6. Losanne 26. iz. 22) Zürich 26. 6. Losanne 26. iz. Z)verdon 26. i. 2z) Zürich 26. 7. Werden 26. iz. 24) Zürich 26. 7. Neuburg 26. s. 2 s) Zürich 26.7z. Auf dem Blatten- stock an dem Frevbcrg i,n Glarner- land 21. 6. Elm 24. iO. Auf Scherst an dem Frevberg ri. 8. 26) Zürich r6. 8. Sargaus r6. s. Stahlgrube 24.4. 27) Zürich 26. 44. Herifau 24. sz. 28) Mittlere Höhe des Quecksilbers bey den Capueinern auf dem St. Gotthards-Berg ".6. via. Kova ex lummis Hlpibus. 29) Mittlere Höhe des Quecksilbers in Zürich 26. 6 . Wenn man nun diese Höhen des Quecksilbers soreducirt, daß man allemal bey Zürich soviel wegnimmt, oder hinzuthut, bis r6.6.herauskommt, und hernach die gleiche Zahl von den Beobachtungen desgleichen Tages abziehet, oder hinzu thut, so bekommt man die mittlere Höhe des Quecksilbers, an bemeldren Orten. Z. Ex. d-lo. 1. ist Zürich 25. Glarus 25. 7. Weil in Zürich das Quecksilber ir. Lin. über die mittlere Höhe ist, so ziehe ich von der Höhe zu Glarus so viel ab, und so bekömmlich -5,5r. vor die mittlere Höhe des Quecksilbers zu GlaruL k Barometrische Beobachtungen. §. 2 . Name der Oerter. Mittlere Höhe Quecksilbers. Höhe über dem Meer. hDt. Anna, aufder Mittägigen Seite des Zoll. LiN. Schuhe. St. Gorchard-- Bergs 24. 2. 3843. Beck in dem Bern-Gebiet 26. LL. 1830. Bern - F - 26. 8. 1420. In dem Salzwerckern;u Lev/e«^- au konäem. 2s. I. 2899. An dem Ausgang der Untern Stolle das. 2s. 6. 2492. Dlacrenstock an dem Freybcrq im Glarnerland 21. 4^ 7220. Bng in dem Wallisser-Land 2,64. 1642. Drünigberg, wo man übergehet - 24. s. 3s79. Elm jm Glarnerland 24. 8». 6720. Furca- Berg, bey dem t daselbst - ri. 6. 7049. Gestila im Wallisser-Land wemmi-Berg, bey demWachthauß zur 24. 4. Z666. Daube genannt - - 21. 4. 7276. Glarus rs. sz. 2sZ2. Gorchard-Berg bey den Capucinern 21. 6. 7O49. Grindelwald - - 24. 4l. 3622. Herisau im Appenzeller-Land - 24. 7. 342s. Randelstäa im Bern-Gebiet 24. 3. 37s4. Leucker-Bad - - 2Z. 7. 448r. Losanne 26. iz. 1926. Lungern - - 2 s. 4. -6sZ. Sr.Waria in Pündten rz. 0. 5is4. Müllenen, imBermGebiet - 2s. 7. 2412. Isieufcharel 26. 4. 1717. Sargans - 26. Z. 179 Gcaylgrube daselbst 24. 1. 3933. AirsGcherffan dem Freyberg im Glarnerland 21. 6x. 6993. Der Berg Srella 9s8s. (*) Sitten in Wallis - - 26. 1983 Untersten im Bern-Gebiet 2s. 82'. 2284. Thun - - - 26. 9. 1347. Unrersthächen 2 s. 0. 2982. Viesch itl Wallis - - 2 s. z. 2734. Tverdon 26. I. 1944. Zürsch - - - 26. 6. is68. M Diesen hat der jüngere O. Schluchzer, ein Bruder unsers Verfassers gemessen. E. ?üü. 406. R r z Barometrische Beobachtungen. Von den vielen Beobachtungen, welche der Verfasser gemacht hat, habe ich nur diese herausgezogen, weil mich dünckte, daß denselben am meisten zu trauen wäre. Von den Beobachtungen der v. Berg-Reise habe ich gar nichts genommen, weil der Verfasser selbst erinnert hat, daß sie nicht accurat sind. Indessen muß niemand glauben, daß alles, was wir hier angeführt haben, gut sey. Es sind augenscheinliche Fehler dämm: allein es ist einmal ein Anfang, den andre fortsetzen können. Ich bedaure, daß der Verfasser uns nicht umständlichere Nachricht von der zu Pfefers gemachten Beobachtung gegeben hat, die er in der vi. Berg-Reise beschreibt ; denn es ist die einige, die man mit völliger Gewißheit hätte brauchen können, wenn er alles beschrieben hätte. Da wir aber nicht wissen, wie er die Höhe des Quecksilbers im Barometer gemessen hat, so ist sie ganz unbrauchbar. Dieses gibt mir Anlaß, diejenigen, welche solche Beobachtungen machen wollen, zu erinnern, daß sie alle Umstände, insonderheit ihren Maßstab, und die Art, wie sie die Höhe des Quecksilbers gemessen haben, genau zu beschreiben. Der Verfasser sagt bey der Beschreibung des Experiments zu Pfefers: Es ist zu mercken, daß die kUessung der Höhe des (Quecksilbers nicht von der Oberfläche desselben in dem untern Gefäß genommen worden, wie sonst geschehen ist. Das verderbt das ganze sonst sehr schöne Experiment. Das Quecksilber war unten an der Felßwand rz". 2"/. Züricher, und 766. Schuhe Züricher, höher, 22". 4z/". Der Unterschied ist 7"". Züricher, oder, wie er es bestimmet hat, Pariser. Also geben ro"/. Pariser 766. Züricher- oder 714. Baris. Schuhe. Daher wurde folgen, daß Pfefers nicht über nzi. Schuhe Paris, über dem Meer erhöhet wäre, (S. meine Reisbefchr. Bl. 56.) da doch Zürich schon i s68. Schuhe höher ist, und Pfefers wol noch 600. bis 720. Schuhe höher liegt als Zürich. Wir können also setzen, daß Pfefers wenigstens rroo. Schuhe über dem Meer liegt. Daher folget, daß man an statt der Lin. Pariser, um welche das Quecksilber gefallen ist, ungefehr 9. Linien setzen muß. Ich muß noch eins erinnern. Es glaube niemand, -aß in der Schweiz nicht höhere Berge sind, als die, deren Höhe hier bestimmt wird. Denn die höchsten Gipfel sind nur selten zu besteigen. Derowegen haben wir keine Beobachtungen, welche auf den obersten Gipfeln der höchsten Berge find gemacht worden. Ungefehr kan man sagen, daß der höchste Berg in der Schweiz ivooo. Schuhe hoch über das Meer ist. ENDE. Einiger Nachrichten von besondern egebenheiten m der Natur, Die von A.i/«7. biö i7Zl.vvm ftl. Hn. Ucheuchzer, als demVerfasscr unsers vorhabenden Wercks, der Lreßlauischen Gesellschaft der Naturkündiger, sind mitgetheilet worden/ Well sie zur Erläuterung und Bestätigung verschiedner in dem Ersten Theil dieses Wercks enthaltener Merkwürdigkeiten dienen, auszuziehen/ und hier beyzufügen nöthig erachtet habew Historie des Blitzes in Zürich den zo. May 1718« * Luft war Vormittags sehr heiß und helle, doch so, daß hin und her noch Wolcken zu verspüren waren. Die äiri- ruäo Laromelri war, wie den vorhergehenden Tag, 26//. s/". mein Thermometrum aber zz". der Wind varirre zwischen West * Dieses Stuck ist zustutzen in den Breßlauischen Sammlungen der Natur -, und Kunst»Geschlchten, im lVlen Versuch von ^o. 1718. ^.1079. und die« net, mit den zwey nächstfolgenden Stücken, zu Bestätigung dessen was indem I. Theil dieses Wercks »5 5. Leq versteigen, so ohne Zweifel eilt Zeichen des entzündten Russes (kuii- ginis gccenl-e) war: hierauf warf es über das Dach gegen Mitternacht die nördliche Kappe der Feuermauer mit Gewalt herab auf die Gaffe. Dieser also einschlagende Blitz formirte vielerlei) Acrme oberem»«, welche verwunderns-würdigeWürkungen thaten, und in folgendem sollen erzehlet werden: Nemlich auf dem obersten Boden, unter dem Dache, ward ein hölzerner Laden und die innere Fenster-Rame zerbro» cheu, ja in lauter Stücke zersplittert, ohne daß dem Fenster selbst, welches in einem hölzernen Gitter bestand, einiger Schade geschehen, als durch dessen Löcher der kamus kuimmcus, der von aussen einzufallen schiene, leicht durchstreichen konte. Wobey zu erinnern, daß gemeld- ter Laden, und alle forthin zu benennende Gemächer, gegen West liegen. Im folgenden, von unten hinauf dem dritten Bödem übte dieser Blitz seine Würkungen in zwey Gemächern aus, nemlich in der Küche und Stube. In der Küche wurde von dem Blitz, der aus der Höle der Feuermauer Herabfuhr, der Camin zerschlagen und die Steine über den Herd geworffen : hierauf fuhr dieser Strahl aufs Fenster, und suchte hieselbft einen zwiefachen Ausgang, einen durchs Fenster selbst, an dem er die Scheiben auswärts drückte, und die meisten zerschmetterte, ohne das Bley zu verletzen; der andre berieb die Mauer, und schien an selbiger über den Fußboden der Küche her- abgefahren zu seyn. Er drang zugleich in die Stube vermittelst eines Lochs, so er in den obern Winckel des Ladens bohrte: (die Laden aber waren alle zu:) In zwey Fenstern wurden die Glas-Scheiben zerschmettert, ausgenommen zwey derselben, worauf das Wapen des Convents und Abbts zu Wettingen gemahlet ist: Er machte zugleich einen Riß in die Mauer, wodurch er den Ausqang gesucht zu haben schien; weil er aber solchen nicht gefunden, so zog er sich zurücke, und fuhr über das eiserne Stänglein, so die Glas-Scheiben von besondern x^ütur-Geschlchten. Z2r guer über zusammen hält, gleich hin von einer Extremität zur mwern über drey Fenster, zerriß und schmelzete die bleycrnen Ringe, und rieb die rothe Farbe am Stänglein ab. Hierauf folgt der andre Boden, von unten hinauf zu rechnen, als woselbst sich" ein wahrer Schauplatz der Güte und Gewalt Gottes darstellete. Wir wollen unsern ersten Eingang in die Küche machen. Hieher war der Blitz auch durch die Feuermauer gefahren, schlug das aufgehangene Fleisch herab, und begrub es unter den Ziegel-Schutt. Den Bratspieß, der an seinem ordentlichen Orte hieng, drehete es in lauter schlangen-för- mige Cireul; die Fenster-Scheiben wurden auseinander gerissen, und die zurückgebliebenen blaulicht, als von Rauch, gefarbet; vier zinnerne Schüsseln wurden hin und wieder an den Rändern und in der Flache angeschmolzen, ja eine von selbigen war, als wäre sie aus- gefressen; das meiste erdene Geschirr wurde in seinen Behältern zerbrochen , ja die Mauren hin und wieder beschädiget. Ohngeachtet nun gleich diese Blitz-Strahlen hin und wieder fuhren, so ist doch, welches der sonderbaren Güte Gottes beyzumessen, weder die Tochter, noch die Mägde, im geringsten nicht verletzet worden. Diese Effecte schienen herzurühren theils von dem Strahl oder k->mo> der aus dem Camin Herabfuhr, theils von einem andern, der sich längst der innern Mauer hernieder zog. Die vornehmste Handlung dieser Tragödie geschahe in der Stube: hierein fuhr der Strahl durch den obern Winckel des Fensters gegen Mitternacht, an dem theils Scheiben zerschmettert, theils mit einer raucherichten Farbe überzogen waren. Es stand hieselbft auf dem innern Absatz des Fensters ein klein eylin- drisches Gefäß von verzinnten Eisen (Sturtz,) so ein Stück von Spiel-Zeug der Kinder war: Dieses war im obern Rande in der Fuge geschmolzen und durchlöchert, nichts deftoweniger blieb es auf seiner Stelle unverändert sieben, wcraus die wunderbare Schnelligkeit des Blitzes zu erkennen; hierauf wendete sich der Strahl, und fuhr durch den Winckel eines Gestells und durchs Gewölbe in den untersten Stock. An diesem Winckel stand ein Tisch, und am Tische die Tochter; die aber, ausser dem Schrecken, keinen Schaden nahm. Aber im Ercker saß der Sohn von Jahren, so wenig Minuten zuvor nach Hause kommen war; dieser, nachdem er nur zu seinem Erlöser geseufzet, wurde bald ersticket, ohne daß man das geringste Zeichen einer Verletzung an ihm wahrnehmen konte. Wobey denn denen Naturkündigern zu untersuchen anheim gestellet wird, ob die, ll. Theil. Ss so Z22 Zusätze einiger Nueim'cbten so durch den Blitz ersticket werden, ein laut Geschrey von sich zu geben vermögen, oder ob dieser Mensch durch plötzliche Lon^UiEs crtödtet worden? Dieser Zweifel wird hierdurch noch vermehret, daß man sonst in diesem Erckcr, weder an Glas-Scheiben, noch Erzittern, das geringste Zeichen des Blitzes mercken tonte. Endlich stand in dem untersten Theil des Hauses am Fenster, so in den Hof qieng, ein Bette, woselbst die Fenster von dem von aussen eindringenden Blitze zerschlagen, und die Mauer ausser- und innerhalb des Gemachs beschädiget worden, ohne daß das Stroh, so mit im Zimmer lag, den geringsten Schaden genommen. Unter der Lauben ist das Gewölbe durch den Blitz, so durch die Stube geschlagen, zerrissen worden; es fand aber der Strahl alsbald einen Äusgang durch die Mauer über den Fenstern, und verletzte alsdenn eine Magd, so am Brunnen stand, am Arme, wovon sie alsbald eine höchst-schmertzhafte Jnstam- mation bekam; sie hatte zu der Zeit einen gläsernen Becher voll Wasser in der Hand, welches sie also, nachdem es vom Blitz ganz heiß worden war, zu Hause brachte. Bisher habe ich den Effect des Blitzes, so das Reinhardische Hauß betroffen, erzehlet: solchem gleich über, unaefehr 40. Fuß weit , befindet sich das Lavaterische; welches aber, ausser einer Verdunckelung der Farbe, keine Beschädigung erlitten. In dem Reinhardischen verspürte man bis auf den folgenden Tag einen schwesiicht- und salpetrischen Geruch. Dieses ist hierbey noch merckwürdig, daß von dem an die Feuermauer schlagenden Blitz, der in die freye Luft fahrende kamus -der Strahl schneller als in einem Augenblick in einen Nuß-Baum im Dorff Hottingen, so eine Viertelstunde von der Stadt liegt, gefahren, an dem er von dem Gipfel bis an den Fuß Herabfuhr, und überall die Rinde abschlug, am Fusse aber den Baum selbst schmetterte, und die abgerissenen Stucke mit grosser Gewalt über zo. Fuß weit hinwarf, so von unterschiedener Grösse waren« Meh- von besondern ^amr-Geschicbten. Z2Z Mehrere merkwürdige Begebenheiten des Blitzes und andrer Wetter/ so sich im Heumonat 1719. in der Schweiz und andern Orten zugetragen. * En i. Heumonat war es ganz hell/ aber heiß; die Winde bliesen von Nord-West und Nord. Der Thermometer stiege zu dem zzz. Grad, und der Barometer bis zu 26". 6 z/". Die Hitze nahm die Nacht hindurch nichts ab; Morgens frühe gegen z. Uhren begäbe sich folgendes nicht weit von meinem Haufe: Am Morgen frühe um gedachte Stunde sicnge der Himmel an mit Wolken bedeckt zu werden/ die Blitze leuchteten/ man hörte ein Gcmürmel als wann von weitem ein Wetter ankommen würde; der Himmel zöge eine fürchterliche Gestatt an; die von der aufgehenden Sonne gleichsam arrgezündeten Wolken schienen fast wie fester. Gegen Niedergang zeigte sich ein ungemein schöner Regenbogen von rothen insonderheit und grünen Farben/ welche von den in der Luft schwebenden Wolken zum theil durchschnitten wurden. Es folgte darauf eirr starckcr Platzregen, und gleich bey Anfang desselben schösse ein Strahl, welcher des Tischmachcr Ricdmanns Schorstem oder Camin traft, der sogleich einen unter denr Dach gelegt,en Balken zerrissen, in eil, Gemach auf dem obersten Boden des Hauses eingedrungen, und die an gedachtem Balken Hangenden Hcmbder angezündet, die aber bald in das Wasser getaucht und gelöscht worden. Von da gienge der Strahl der innern Wand gedachten Hauses nach hinab bis fast zu dem untersten Boden, streuete in dem Vorbeygang den von der Mauer abgestreiften Kalch durch das Gemach hin und her, und zerrisse drey Fenster, woran das Bley geschmolzen, und die Glas-Scheiben hin und wieder mit einer grünen Farbe besprenget wurden. Von dahin führe er durch ein kleines Loch -er Maur nach weiters hinab in die Stube, allwo er drey Fenster ein oberes und zwey untere zerrisse, die Fenster-Riegel teneltt«) zu zehen Schuhen weit warft, und eine Tochter, die auf dem Banck fasse, verletzte. Von da spränge der Strahl gleich einer Feurkugel in die Mitte des Boden Ss 2 in * Sihe obgedachtt Breßl. Samlnng im Henm. A. 1719. LIalL. 1 V. Hrc.m. PSL- 86» z 24 Zusätze einiger Nachrichten in der Stube zurück/ und zerbräche die Klammer/ welche den Boden mit dem Banck zusammen fügte. Aus dieser Stube dränge er in ein gerad unten gelegenes Gemach des untersten Bodens hinunter/ all- wo er den Gips von der Maur abgestreift, und hin und her zerstreuet, die Glas-Scheiben zerbrochen, mit schwärzlichten Flecken besprengt, das Bley geschmolzen, und endlich durch ein kleines Löchlein im Fenster seinen Ausgang genommen, und steh in der Gaffe berge stalten zerstreuet hat, daß es dem vorüber wohnenden Hru. Hirzel vorkommen, als wann ein ganzer Zuber mit Feuer in die Gaffe herunter geworffen würde. Der Tochter, welche von dem Strahl oben an die Schultern ist getroffen worden, wäre die rechte Seiten mit dem Hintern Theil des Leibs ganz entzündet, welches von dem angezündten Hembd vielmehr seinen Ursprung hatte. Der Schmertz wäre so wie von angeschüttetem heiffen Wasser, anfangs nicht so groß, hernach aber heftiger, mit keinem Fieber oder Vcrrückung der Sinnen begleitet. Es entstünde allein ein wiederholtes Erbrechen; ein Zeichen eines durch den Krampf zusammen gezognen Magens, welches vielleicht durch den Dunst von dem Strahl, (mit welchem die Stuben angefüllt worden) oder von dem Zusammenhang der Nerven, herkäme. Die darauf folgende Nacht und beyde Tage wurde sie, wellen neue Wetter entstanden waren, mit neuen Lonvullionen und Bangigkeit überfallen. An eben demselbigen Morgen schössen aridere Strahlen nahe bey den Dörffern Wollishofen und Zolliken. Gegen Abend des gleichen Tags zeigten sich wieder neue Merck- mahle des erzürnten Himmels; man sahe gegen Norden blitzen, es stiege ein stotzichtes Gewölle auf, welches von der untergehenden Sonne so beleuchtet wurde, daß jederman eine gleiche wie am Morgen wo nicht noch schlimmere Tragödie befürchtete; dann es untermischte sich der schwarzen-gleichsam eine Feurfarbe: Allein diese Wolken wurden durch einen stärcken West-Wind von uns weggetrieben, so daß der Himmel zwar wiedrum hell wurde, die fortdauernde Hitze über nichts destowenigcr ein Zeichen des zukünftigen Uebels wäre. Dann gegen n.Uhren sammlcte der West-Wind wieder gnders Gewölk, allein es wurde von dem gleichen Winde wieder fortgetrieben, und verschwände gegen Mitternacht. Hernach an dem drittelt Tag aber, um z. Uhren des Morgens, stetige es wieder an zu blitzen und zu donnern, und siele ein ftarckerer Platzregen, als gestern, doch ohne vsn besondern VIatur Gestiebten. z 2 s daß es Wetters Schaden bey uns verursachte. Bey den Dörfern aber zu Dübeiidorff/ Pfeffikon, Wangen und Volketschweil wurden die dahin getriebnen und zusammen gezognen Wolken resolvtret, oder vielmehr in einen Hagel von einer Eyes-Gröffe coniinnZiret, daß daher soviel Schaden an Saat und den Hauß-Dächern entstanden, daß nur allein das Dorff Pfeffikon einen Schaden von 120000. Dach- Ziegeln erlitten hatte. Gegen Abend dieses zten Tags dito wurden zwey Bäume nahe bey Altstatten von dem Strahl angezündet. Zwischen 1i. und 2 2. Uhren fimge es wieder an zu blitzen, zu donnern und mit Strahlen zu schiefen, und stete zugleich ein so starcker Regen, daß des Morgens die Tiefe desselben in der Erde 6 z. lin. wäre. Der 4te Taa dieses Monats wäre wiedrum förchterlich. Morgens bliesen Süd- und West-Wind. Der Himmel schiene steh mehr zum Regen als aber zu einem Wetter anzustellen, obgleich der Barometer wie gestern in einer gleichen Höhe war, in dem einten 26". 4 ? und in dem andern 26". Von dem Mittag an änderten sich die Wind in Nord und Nord-Ost, daher es wieder hell ward, doch sehr heiß; gegen Abend sammlete sich Gewölk; die Barometer sielen eine Linie; um 9. Uhr sahe man blitzen; der Himmel wurde fast ganz glatt mit Wolken überzogen, es fienge an zu regnen; es bliese ein starcker West-Wind; die Donner und Strahlen zündeten nahe von hier an. Um i1. Uhren ungefehr bey einem starcken und häufigen Regen (welcher von 9. Uhren bis um Uhren Morgens des zten Tags lo.lin. Tiefe war) schösse der Strahl in des Gschwor- nen Müllers Hauß, gerad vor über dem Wirthshauß zu Hirßlanden, wobey folgendes beobachtet: Die ersten Schläge, so viel als ich aus den Umständen schliefen können, trafen die mittägige Seite des Hauses, allwo der Strahl an der innersten Mauer anstieß, und sich eine weite Oefnung in die Wand machte, indeme er, gleich einem Maur- brecder, grosse Steine ausgestoffen; da indessen ein Theil des Strahls ein Fenster in der Weber-Stuben, unten in der Erden gelegen, zerbrochen, und den Pfosten an gleichem Fenster entzwey spaltete; ein andrer Theil aber, welcher irr die Erden gienge, hebte etliche Gaffen- Steine in dem Boden nahe bey der mittägigen Thüre auf. Es geschahe daher auch, daß eine Kuh in dem nahe dabey gelegnen Stall, vielleicht aus Schrecken, von dieser Zeit an ihren ordinart Stand geändert, und beständig auf die Seiten gestanden. Der grössere Theil Ss 3 indes- Z26 Zusätze einiger Nachrichten indessen des Strahls stiege der zerbrochenen Maur nach hinauf in die Höhe, zerrisse in der Stuben die Fenster, Pfosten und Riegel, und zerstrcuete die Scheiben und Splitter durch die Stuben hin und her. Durch Gottes besondre Güte ist unterdessen in der Nebcnkammer, wo die Eheleute gelegen, nichts begegnet, ausser daß die Nagel an dem Schloß, welches abfiele, gelößt und von ihrem Ort weggerückt wurden. AuS der Stube stiege der Strahl über fich, zerrisse die Fenster und Pfosten in einem andern Gemach, führe weiter hinauf, und hängte steh an einen Dack-Balcken, dessen Riß nach er fast bis an den Gipfel des Dachs fortführe; von da spränge er über an einen andern Balcken mehr gegen Aufgang gelegen, aufdessen einen Seite er wieder herab fuhr, nachdem er ungefehr iso. Dach-Ziegel und Laden, so die Oestliche Seiten-Wand des Hauses beschließen, weggestoßen und zerschmettert. Alls dieser Seiten führe der Strahl hinab, zerrisse die Maur in dem obersten Boden vom Dach, verbrannte im Vor- beygang einiges Gespinst, so zum Web-Stuhl bestimmt, und zerrisse eine hölzerne Kisten, die an der Maur anstünde und mit Frucht ge- füllet war. Auf dem zweyten Boden von dem Dach zerbräche er einige Glaß-Scheibcn, stieße die Pfosten an den Fenstern hinweg, die weggestoßenen Steine warffe es in das Schlaf-Gemach, ohne daß es der Tochter, die nächst dabey in dem Bett läge und der Magd, die in einem andern wäre, weitern Schaden zufügte, als daß ihnen das Gehör von dem Gewalt des ThonS bey zwey Stunden fast vergangen. AuS diesem Gemach fuhr der Strahl weiter hinunter in den Wein- Keller, allwo er seine lezte Gewalt ausgeübet. ES wurden daselbst zwey gläserne Flaschen, die mit distillirten Wassers angefüllet waren, zerbrochen, ohne das umstehende zu beschädigen; eine hölzerne in der Mitte aufgerichte hohe Säule, welche das obere Täfelwerck aufhielte, wurde zerrissen, ohne andern der hin und wieder liegenden Fassen und des darin enthaltenen Weins Schaden. ES waren in allem 8. Gemächer, in welchen der Strahl seine Würckung ausgeübt. Ungefehr in gleicher Minute schösse der Strahl in den Limmat- Fluß nahe bey den Bädern zu Baden, zu grossem Schrecken der Bad-Gästen. Viele Wetter, welche die ungemein grosse Hitze, und die zusam- mengetriebnen Wolken samt den häuffigen Blitzen unS gedrauet, verjagte meistens der Nord-Wind. Die Z27 vem bes-nd em ^7amr,(Veftl)Ichten. Die öffentlichen Zeitungen berichten/ daß an gleichem Tage, an welchem wir oberzehltcs Wetter über unsern Horizont gehabt, zu Frankfurt und Straßbnrg gleich erschreckliche Blitz - Donner- und Hagel-Wetter, zu groffem Schaden der Fenstern in der Stadt, und der Früchten auf dem Feld, anderstwo aber heftige Platzregen entstanden seyen. Den 24ften dieses drauete uns der Himmel um 8. und 9. Uhren wieder eine neue Ungestüme. Es bliese von Anfang ein Nord-West- Wind, der die Wolken dem Albis-Berg nach gegen die Gränzen unserer Landschaft triebe. Da fie dahin getrieben waren, stunden ste da ganz schwarz und dick, ergossen sich endlich in einem Schlag-Regen, in dem ein Süd-West-Wind zugleich bliese, der sich in einen Süd- Süd-Ost, und endlich in den Ost-Wind selbst veränderte. Wir hörten von ferne das Gemurmel des Donners, wir sahen häuffig blitzen, so daß endlich auch über uns der Himmel mit Wolken bedeckt wurde, die sich in einen dicken Regen auflößten. Indessen schösse der Strahl meine Scheur aufHerrliberq, die mit Fruchten angefüllet war, und daher verbrannte; die Viele des damals gefallenen Regens wäre sz. Lin. Ich habe bey diesem Anlaß angemerckt, daß die Wolken, welche über unser Zürich-Gebiet getrieben werden, wann sie gegen die höher» als die unsrige, die Schweizer-und Glarner-Gebirge, anstoßen, wegen dem Widerstand den sie antreffen, entweder still gestellt, oder im Regen und Ungewitter aufgelößt werden, oder daß die Winde zurück prellen, und ein dein vorigen ganz widrigen Weg nehmen; daher auch die Ursach herzuleiten, warum unser Zürich-Gebiet so vielen Donner- und Hagel-Wetter unterworffen, da dergleichen Wetter in den Warner-und Schweizer-Cantons, in Bündten und andern Alp- Gegenden sehr seltsam sind. Zu Trieft in Jstrien, nachdem was uns die Zeitmigen melden, ist ein entsetzlich Hagel-Wetter gewesen, wodurch alle Saat in dem Feld zu Grund gegangen, von einem ftarcken Sturm eine Menge Bäum aus der Erde gerissen, Häuser abgedeckt, die Glocken zu Ophiena und Paffowiz aus ihrer Stelle weggerückt wurden, so daß die ganze Erndte und Herbst an diesen Ortm verlohren seye. Man sagt, es seye zu Lsunsrz ein Hagel eines Schuhes Grösse im Diameter gefallen. Man thut hinzu, es seyen vor Anfang des Unqewitters viele Sterne in der Luft gesehen worden, die hin und her geloffen, darauf -8. Strahlftreich geschahen^ als wann so viele Canonen wären abgelöst worden. Es Z28 Zusätze einiger Nachrichten Es gierige ein Gerücht bey uns, daß in dem Lueerner-Gebiet irgendwo aus der Erde eine Menge Dürrste wie ein Rauch aufgestiegen, welche sich in eine schwarze Wolke zusammen gezogen, und unter einem entsetzlichen Wetter viele Strahlftrciche ausgeworffen habe. Auf wciters Befragen schriebe Hr.v.Cappeler von Lueern, den isten Heum. daß freylich in währender grossen Hitze in diesem Monat zum zweyten und dritten mal aus dem Dorfs bey Rußweilen, bey Zuschauen seines Bruders, eine dicke schwarze Wolke Morgens frühe aufgestiegen, daraufzwaren sogleich kein Wetter erfolget; allein etliche Tage vorher, sonderheitlich im Entlibuch, seye ein runder und abgeschliffener Hagel, von der Grösse einer Welschen-Nuß und auch eines Eves, gefallen, in dessen Mitte öfters ein dünnes Spreuer eingeschlossen gewesen. Historie eines Strahls/ der den s.Augstin. 1719. in Zürich gefallen. * 8. Augstm. um IO. Uhren Morgens siele unter Donnern und Blitzen der Regen 6. litt. tief. Merckwürdig tnsbesonder wäre die Begebenheit eines Blitzes. Die Stellung dieser fürchterlichen Luft-Geschichte wäre von West gegen Ost. Es schlüge vor- derft in das Escherische Hauß im Seidenhof, und in demselben in das erste Gemach auf dein obersten Boden gegen Abend gelegen; von da stiege der Strahl über sich in das Schlaf-Gemach der Mägden zwischen einer Magd und zwey Kindern, durchbohrete das Täfelwerck ohne einigen jener oder dieser» Schaden, und beftreuete die Dach-Ziegel mit dem von den Mauren abgestreiften Sand. Von daher führe das Feur in alle aufdiesem Boden und insgesamt in alle in dem ganzen Hauß 8. an der Zahl sich befindende Gemächer; in den untersten Boden schösse es durch den Schüttftein hinein, daß die in der Küche stehende Magd das vorbeystiegende Fcur wiedrum ohne einigen Schaden verspürte. Die lezte Bewegung des Strahls geschahe gegen das heimliche Gemach. Es waren alle Gemächer, und insbesonder dasjenige worin die Kinder lagen, ganz mit Rauch angefüllet. Und dieses zwar waren die Würckungen des ersten Theils dieses Strahls, der von dem West-Wind dahin getrieben wurde. Dcs- * Ist in gedachten Breßlauer Sammlungen im Augstm. A. 1719. Llass. IV. Har.V. zu finden. von besondern N^arur-Geschlchten. Z29 Desselben andrer Theil führe geradenwegs auf den runden oder waltzeu-förmigen Thuen bey dem Ncmrwcger-Thor. dcrwiedrum in zwey Theil sich theilte. Desselben ersterer Theil beschädige das oberste Thürnlcin, und warffe die Dach-Ziegel hinweg; der andere dränge unter das Dach hinein in die Wohnung. Der erste wäre es/ so der in der Küche stehenden Magd den Koch-Topf oder Pfanne/ den sie in der Hand hielte/ weggeschlagen. Von da fiele er in einen graben Winckel gekrümmt die Treppe hinunter/ und sichre in einem neuen gcbrochncn Winckel gegen das Fenster/ allwo der Wächter Seyfrig fasse/ dessen Leib wunderbare Würckungen von diesem durchdringenden Feur empfunden; ein schwarzes Zeichen in Gestalt einer Binde wurde ihme aufgebrennt/ die nahe bey dem lincken Ohr-Läppleiu an- sicnge/ und über den vordem Theil des Halses und die Brust schlan- genweisc bis zu der Scham fortluffe; von da wieder übersich in Gestalt erhabener Striemen und über den Bauch wieder durch das lincke Schienbein hin bis auf den kleinsten Fuß - Zehen. Er bliebe eine Zeitlang in Ohnmacht liegen ; nachdem er wieder zu sich selbst gekommen/ wäre sein Athem so schweflicht/ -aß ihn die Umstehende kaum ertragen konten/ ja auch des folgenden Morgens röche sein Haar nach Schwefel. Der Krancke empfände in den beschädigten Theilen keinen Brand / sondern in den innern Theilen des Leibs, gleichwie in einem hitziger, Fieber mit Verstopfung des Stuhlgangs. Da ihme aber alsobald eine Ader geöfnet, und er mit schweißtreibenden Metrischen Sachen traetiret wurde, so wäre er bald wieder völlig genesen. ^ An gleichem Abend wurde in dem Dorff Basserstorff der Kirchner oder Sigrist durch einen Strahl erstickt, da er die Glocken in der Kirche lauten wolte. Von dem Donner-V)etter im Augstrn. I/2O. * die Hitze sowol hier als vornemlich an andern Orten, so vil es sich aus dem Erfolg schließen läßt, ungemein zugenommen, so hat es die Nacht zwischen den 27. und 28ten Augftm. erschreckliche 11. Tbeil. T t Tra- * Dieses Stuck ist in mehrgedachten Breßlauer Sammlungen im August 1720. Slals.i v. zu finden. Zusätze einiger Nachrichten ZZ2 Tragödien gespielt. Gerad zu Anfang derselben/ da die Winde aus Süd- und Süd-West bliese«/ fienge es an feurig wetterleuchten und heftig zu donnern: auf diesen Sturm erfolgte ein wenig Regen, und schienen da und dort zwischen den Wolken die Sterne hervorzuleuchten ; es führe unterdessen fort nur ein wenig zu blitzen.. allein es wurde alle Augenblick feuriger / und ungefehr 2. Stund vor Mitternacht mit nngcmein heftigen Donnerschlägen begleitet. Sodann liesse sich alles wieder gut an/ oder schiene vielmehr alles böse verschwunden zu seyn. Dann die dritte 8ccne, welche das Wetter in dieser Nacht gespielt/ Ware die allererschrecklichste: Die Blitze nahmen gegen i.Uhren Nachmitternacht wieder ihren Anfang/ und erlangten einen solchen Grad des Lichts und der Helle / als kaum je- malen weder dieses noch vorige Jahr geschehen. Nicht weniger starck und den Strahlstreichen nicht ungleich waren auch die Donnerschläge, denen sogleich die Blitze allezeit wieder folgcten. Endlich endigte alles mit einem sehr dicken Platz-Regen; die Grösse der Tropfen machte vermuthen und verursachte nicht geringe Forcht, es möchte anderftwo Hagel gefallen seyn: und in der That waren es verschiedne Dörffer an dem Zürich-See/ als Herrliberg, Ueriken, Mämdorf, Wädenschweil, Horgen, und andre Ort jenseits demAlbis-Bcrg, in dem Amt Lappel und im Zuger-Gebiet, welche nicht wenigen Schaden von einem starcken Hagel, der hin und wieder die Grosse eines Eyes hatte,erlitten haben. In der Stadt Kayserftuhl wurde ein Hauß von dem Strahl angezündet und verbrannt. Der dicke Nebel, so auf den Regen erfolgete? wäre Ursach eines andern Wetters. So schrieb man auch aus Gchafhausen: Den 28. August ist zu Bern ein so ftarckes Ungewitter von Blitz, Donner und Hagel gewesen, daß fast keine Glas-Scheibe an den Fenstern gantz geblieben; es sind auch die Früchte, so noch auf dem Felde gestanden, durchgehend davon verderbet, und viele Bäume samt der Wurzel aus der Erde gerissen worden. Den Tag vorher hat sich auch ein solches Wetter zu Neuburg ereignet, welches die ganze Nacht durch gedauret und grossen Schaden verursachet. Welchcrgeftalt dieses Ungewitter um Ocms noch viel heftiger gewesen, solches besagt die keizrion von Venedig r Gegen Ende des Augusti ist um Lrems so ein heftiges Wetter gewesen, dergleichen bey Menschen-Gedencken nicht gesehen worden, indem Hagelfteine gefallen, so über 6. Pfund gewogen, wodurch viele Menschmund Vieh erschlagen worden. Be- von besondern Natur-Geschichten. ZZi Beschreibung eines Donner-Wetters/ so den 25. Irrt. 172z. in der Schweiz gewesen. * 2s. Heumonat, ungefehr um halbi. Uhr Nachmitternacht, bey österm Wetterleuchten und heftigen Donnerschlägen, schoß der Strahl in die Kirche bey dem Creutz, nicht weit von der Stadt entlegen, und zwaren vorderst in das Thürnlein auf die mitternächtige Seite desselben: Von da, nachdem er etliche hölzerne Schindel herunter geschlagen, führe der Strahl einem Eisen-Drat nach, welcher die Glocke und das Uhrwerck vereinbarte. Unter dem Dach theilte sich der Strahl in vcrschiedne Theil gegen Abend und Morgen, daher die Dach-Balcken hin und wieder beschädiget und oben aus der Maur gegen Mitternacht Kalck und Stein weggeschlagen wurde. Der erstere Strahl indessen führe dem gedachten Drat in der Länge der Kirche nach auf der mittägigen Seite fort bis zu einem gerad aufwärts aufgerichteten Gehäus, worin das Uhrwerck eingeschlossen war: Auf eben diesem Weg wurde der Eisen-Drat viermal abgebrochen, und an den Enden des Bruchs qeschmeltzt. In gedachtem Kasten wurde das Uhrwerck ein wenig von seinem Ort weggerückt, die hölzerne Bretter zerschlagen, in deren einem der Weg des Strahls gar deutlich tonte wahrgenommen werden, indem er sich cntzwey theilte, und mit einer Rauchfarb bestricken war; er durchborete auch ein Wand-Brett, und übte endlich seine lezte Gewalt aus an der obern Thürschwelle, indeme er die Maur durchgrube. Man bemerckte überdas, daß die Zeit-Tafel auffenher beschädiget, und das v. m der Sechser-Zahl ausgelöscht war. Es verdienet, daß man in dieser Er- zehlung wol bemercke theils die viel-ästichte Zertheilung des Strahls, theils sein beständiges und anderstwo auch angemercktes Anhangen an die Metall, in was für einer Stellung sie immer seyn mögen: dann der größte Theil dieses Eiseu-Drats, ungefehr 40. Schuh, wäre ganz horizontal, da nur der kleinere Theil, von i8. Schuhe ungefehr, pcrpendieular wäre. In dem benachbarten Dorff Hottingen wurde in eben dieser Nacht, und vielleicht in gleicher Stunde, eine Magd, aus dem Dorff T t 2 Gos- * S. Mchrg.Bressl.Samml.imIulio 172;. Llaü.IV. ZZ2 Zusätze einiger N^rchriebken Goffau gebürtig, von einem Strahl getroffen, und Her rechten Seiten des Leids gebrannt; und da sie durch den Schlag zu Boden geworffen wurde, zerbräche ihro das Schlüssel-Bein, und wurde de§ folgenden Tags darauf in den Spitthal gebracht. In eben dieser Nacht, zwischen z. und 4. Uhr des Morgens, siele der Strahl in die Kirche in dem Dorff Egg, Zürich Gebiets, schlüge das obere Fähnlein hinweg, dränge unter das Dach-Gewölbe, zersplitterte etliche Balcken, und einen aus denselben zündete es an; das Feur aber wurde bald gelöscht. An der Zeit- Tafel wurde das u aus der Zwölfer-Zahl, und das 1 aus dem xi ausgetilget. Beschreibung des Sturm- und Donner-Wetters / so im Shriftm. 1725. wie an vielen andern Orten/ so auch in der Schweiz bemerckt worden. * Veränderung des Winds,welche den i 8 . Christmonat 172s. geschehen, wäre sehr merckwürdig; als an welchem Tag sich die Winde von Mittag gegen Süd- und Süd-West abänderten. Die ganze Luft schiene m unzchliche Wirbel herum getrieben zu werden und Wolken zusammen zu treiben; daher hin und wieder Häuser und Scheuren umgeworffen, und eine unzchliche Menge Ziegel von den Dächern herunter geworffen worden. Man sahe gegen Norden und Süden blitzen, und, was bey dieser Jahr-Zeit rar ist, so schösse der Strahl in den Kirchen-Thurn zu Wtnterthur, und zerrisse den Eisen-Drat, so den Hammer gegen die Glocke ziehet, cntzwey, in- deme er an dreyen Orten oberhalb dem Wächterhäußlein geschmel- zet, und das geschmolzene gegen das Ende zu in die Gestalt einer Gabel zugespitzet wäre. Unterhalb dem Wächterhäußlein wurde ein Balcke, gegen Mitternacht gelegen, angezündet, und ein andrer auf ihn geworffen. Wo die Tafel ist, um die Stunden des Tags anzuzeigen, waren vier Zähne an beyde Räder angeschmolzen, daß sie hernach kaum mit Gewalt von dem Uhremnacher konten abgesondert werden; allwo zwaren einige Tropfen von geschmolznen Eisen, aber keine Merckmale des aus-und eingefahrnen Strahls zu entdecken waren. Diesem fügte belobter Herr Pros Gcheuchzer folgende von Tw- * S. Ged.Breßl.Samml. A. 17^- Dkttiirbr. cl-ckr.lV. Hrr- 1 . p. «4«. von besondern lTkamr-Geschl'chten. zzz Trogen den Jan. 1726. datirte Relation bey: Das lezthitt im Deeembr. den i8tenTag vorgefallene stürmtge Ungewitter hat allhiec incirca um 4. Uhr Abends seinen Anfang genommen; man sahe zwar schon um 2. und z. Uhr ein sehr schwarz und dickes Gewölcke von Süd-West, von West und insonderheit von Norden her aus dem Thurgau approchircn, so daß auch die kleinen Kinder, welche auf den Feldern herum liessen, zusammen sagten, sie wollen nachHauß, es komme ein Ungewitter. Das Ungewitter selbst nahm seinen Anfang mit schwachen Blitzen und Donnern, es nahm aber dergestalt zu, daß man auch in der größten Sommer-Hitze keine hellleuch- ternde Blitze gesehen; den Donner hörte man ebenfalls, jedoch wegen dem heftigen Brausen des Windes und Getöse der kleinen Hagelsteinen, konte man selbigen, nach Proportion der Blitzen, so starck nicht wahrnehmen. Der größte Sturm liesse sich um halb 5. Uhr verspüren; er beraubte viel Häuser und Städel ihrer Dächer, (welche hier, wie bewußt, von kleinen aufeinandergeschlagnen Schindeln bestehen,) zerrisse auch einige bis auf die Wohnstube herunter, und warst ein paar hinter der Sicern (einem Fluß) vollends (ohne selbige zu zerreissen) zu Boden. An verschtednen Orten dieses Lands und der umliegenden Gegenden hat es die größten Tannen und Bäume, theils aus der Wurzel gerissen, theils in einem Schnall abgebrochen, (wie denn uns und andern in dieser Gemein-, kan i zo. und mehr Schuh langen Tannen beschchen,) theils auch aufdie Weise herumgedrehet und abgewunden, wie man diejenige Ruthen oder Weiden zu winden pflegt, mit welchen man die sogenannte Bürdelein oder Holzbüschlein einbindet; welcl)es bey so grossen Tannen - Bäumen wunderlich anzusehen war. An einigen Orten hat dieser Sturm die stärcksten Männer und Pferde zu Boden geworffen. In der Gemein- Bühler Hat er (wie lnir der Pfarrer berichtet) einen jungen Knaben mit einem Korb voll Brot aufgehoben, etliche 120. Schuh weit getragen, und in ein Währten oder Haussen Schnee geworffen, bey welcher Fahrt oder Ritt der Knab ein jämmerlich Geschrey geführt. In besagter Gemeind und zu Hensau hat dieser Sturm die Fahnen-Stangen auf dem Glocken-Thurn gebogen, re. Zu Ror- schact) und der Gegend solle der Strahl an verschiednen Orten und auch in die Kirche selbst eingeschlagen haben, welches leztere aber und das bey Bürgien Hauß und Stall, ob es darvon angezündet worden und verbrennet, mir nicht für gewiß bekannt ist. In der Gemeind L t 3 Rmi Z Z4 Zusätze einiger Nachrichten Ruti und daran gränzendern Rheynrhal hat es würcklich gehagelt. In Summa, es wäre viel von diesem Sturm zu specifieiren, wenn es die Noth erforderte, rc. es hat incirca 12. bis is.ma! sehr ftarck schlitzet, darauf viel Schnee mit anhaltender grimmigen Kalte (welche der von A. 1709. fast beykommt,) erfolget, so daß auch an einigen Orten die Baume zersprungen, rc. Der Barometer war in wahrendem Sturm 24". und bey dieser Kalte 24". ch". und 7"^. Von dem grossen Feur - Ueceoro oder -Luft - Zeichen/ so den 22. kebr. 171?. gesehen worden, Vk-Lco s.l^mpss volans, fliegender Drache genannt. * S ereignete sich den 22km Hornung gegen Abend ein merck- würdiges ^iereoron oder Luft-Zeichen, so in einem weiten Erd-Bezirck, nemlich in Italien, in der Schweiz, in Franken und Schwaben, Sachsen, Böhmen, und auch in Schlesien obser- viret wurde. Wie dieses Phönomenon in Venedig und andern Italienischen Gegenden, wie auch in der Schweiß wahrgenommen worden , davon wurden von unserm Hm. Pros. I. I. Gcheuchzer folgende Nachrichten der Breßlauischen Gesellschaft der di2t.curios.mit diesen Worten mitgetheilt: Merckwürdig wäre die feurige Luft- Geschichte, welche den 22. Hornung Abends um 7. Uhren im Züricher- Zuger- Baßler- Schafhanscr- Appenzeller- und Toggenbur- ger-Gebiet unter verschiedener Gestalt erschienen. Die meisten Nachrichten hatten, es feye eine feurige Kugel gewesen, in der Grösse des Monds, die aus den Wolken hervorkommen, und durch ihre Erscheinung den ganzen Horizont beleuchtet, so daß einigen der Himmel vorkommen, als wann er mit Milch überschüttet Ware. Welche in den Häusern waren, die sahen einen doppelten Blitz. Es sind deren, die einen Schweiff gleich einem Balcken oder Spieß gesehen; andere, denen es wie ein fliegender Drache vorkommen. Einige spürten * S. Mehrged. Breßl. Samml. A. 1719. Febr. cigsri.IV. ^rt. III. pr§. 169. i m VH. Vers. Und dienet ;ur Bestätigung und Erläuterung dessen, was in dem I. Theil der Natur-Geschichten p.287. gemeldet wird. —-_vsn besondern LIatur-Gestbichten. ZZs tcn einen Schwefel-Geruch, der durch den Luft hin zerstreut wäre. In dem Dorff Oberglatt sahe ein Baur zuerst den Himmel ganz feurig seyn, darnach dieses Feur sich in der Runde in eine Kugel zusammen ziehen, hernach aber wieder sich in Gestalt eines Bretts aus- dahnen. Bey uns sahen einige eine feurige Klüngel oder Kugel auf das nahe bey unserer Stadt gelegene Sil-Feld fallen. Souderheit- lrch merckwurdig war, was Herr Joh. Caspar Scheuchzer in einem -err i.Merz vonAugspurg aus an mich gegebenem Schreiben berichtet, daß man daselbst um gleiche Stunde, wie bey uns, einen feurigen Drachen habe gesehen über die Stadt Hinfliegen, durch dessen Glanz die ganze Stadt so beleuchtet worden, daß (welches auch bey Nils üngemerckt ward) man ein in der Strasse liegendes Stück Geld hätte erkennen können. Die Bewegung dieser Luft-Geschichte gienge von Niedergang gegen Aufgang , in Gestalt einer schlangen- förnngen Wolken, die sich in der Hohe je mehr und mehr krümmete. Herr l-suremiu8 pLlaroius schriebe von Venedig, den I.Merz, folgendes an mich: Den 22.Hornung, ungefehr 2. Stund nach Niedergang der Sonne, erschiene plötzlich in der Luft eine feurige Kugel, oder vielmehr ein feuriger Klump von länglichter Figur, und ftlrnd geradenwegs von Süd gegen Nord-West, mit gleich-geschwinder Bewegung hinlauffend, wie man es ungefehr bey Messenden Sternen wahrnimmt. Es war dieser Klump von zimltcher Grösse, und so wie er uns vorkäme, ungefehr dreymal grösser als der Mond, zudem von einem sehr hellen Glanz, so daß er das Monds-Licht weit übertraf, und so wie es einigen Zuschauern vorkäme, warsse er Funken von sich. Er hatte seinen Laust in kurzem, innert einer Vater-Un- fers Zeit geendet; es schiene aber, als wann er Funken hin und her answarffe und hinter sich liesse, welche den Weg, den dieser Feuer- Klump gemachet, mit ihrem Schimmer bezeichneten, und von längerer Dauer waren. Man glaubte hier Anfangs insgemein, es seye diese Luft-Geschieht nicht in einer gar hohen Luft-Revier erzeuget worden. Allein, da es sich aus Briefen, so aus Istrien ankommen, welches mehr als 100. Meilen von hier entfernet ist, erhellet, daß eben diese Luft-Geftbicht theils in gleicher Stund und an gleichem Ort, theils aber auch mit ganz gleichen Umständen, seye bemercket worden, so läßt es sich daher ganz richtig Messen, daß dasselbe in einer hohem Luft-Gegend müsse gewesen seyn. In dem Dorff Lützelflud, Berner-Gebiets, 4. Stunden von -er Stadt in -er Landvogtey Brun- ZZ6 Zusätze einiger Nachrichten Brundiß, sahe man zwey feurige Kugle,,, ohne Knall oder Schaden, von dem Himmel fallen. Herr» Gysi, von Uran, schriebe vor, dem roten Merz 1719. es seye zuerst eine kleine Wolke erschienen, aus welcher ein röthlichter Glanz hervor geschienen , und hernach sich durch den ganzen Horizont hin zerstreuet habe. Von Stein am Rheyn schreibt Herr Ulrich Holtzhalb, Pfarrer dieses Orts, es seyen von dem Glanz dieser Luft-Geschichte, so sich über die ganze Stadt hin ausgebreitet, die Gassen dergeftalten beleuchtet gewesen, daß man einen Pfenning der in der Strasse gelegen hätte sehen können, und ein jeder seye auf die Muthmaßung gekommen, es seye eine Feurs- brunst in der Nachbarschaft. Die Gestalt dieser Luft-Geschichte haben einige einem Kopf, andere einem Sternen, wieder andere einem Dreyangel verglichen; in dem Erfolg aber, einem brennenden Balken, der'aus der Balkens-Dicke sich in einer, dünnen Schweif endigte: die Bewegung dessen gienge von der lincken Seite der Stadt über den Scheiner-Berg hin von Norden gegen Westen. Von dem Schloß Hohenwiel wäre der Bericht, daß es ein feuriger Drache mit einem sehr grossen Kopf und einem balken-förmigen Leib gewesen. Von Steckborn schreibt mein Bruder, der des Pfarrers Stell vertritt, es seye dieses! Luft-Gesicht in Gestalt eines langen Pfeilers daselbst gesehen worden. Hin und wieder sahe man die Berge mit Feuer ganz umgeben, das Feuer von dem Himmel fallen, und daß die Kleider der Leuten, so auf der Strasse gewesen, vorn Feuer berührt wurden, dieses hat man in dem Dorff Hottingen bemercket. Diejenigen, welche auf dem Zuger-See von Fmmenfee gen Zug fuhren, verspürten einen warmen Dunst durch die Luft hingehen, und bemerckten, daß der See, da er vorhero ganz still wäre, nach diesem Luft-Gesicht sich sehr ftarck bewegte und zu wallen ansienge: Es erzehlte dieses ein Bürger von hier, der zu selbiger Zeit auf dem Zu- ger-See wäre. Von Trogen aus dem Appenzeller- Land schreibt Herr v. Zellweger unterm 25. Merz: Die Berichte von diesem Luft-Gesicht seyen sehr ungleich; vielen seye es vorkommen, als wann der Himmel gleichsam gespalten wäre, welches man ein ekslmL heif- set, und die umstehenden seyen gleich als mit einer Himmel-blauen Farbe umgeben worden. Den Bauren die jenseit der Rhone wohnen, welche von den Bergen dieses Luft-Gesicht sahen, käme es vor als wann Feur vom Himmel fiele: andere sahen dreymal nacheinander blitzen: wiedrum andere sahen den Himmel sich gegen Aufgang öffnen, von besondern Natur-Geschichten. ZZ7 öffnen, und ein Strahl gegen Süd-West auswerffen. Dieses Luft- Gesicht haben klonr-mariu?, Lapdmz und Kirchmayer, unter dem Titel einer fliegenden Flamme oder Fackel, beschrieben. Von einer sogenannten Feur-Rugel. * 26. Jenner A. 1721. Morgens zwischen i. und 2. Uhren sahe man hier in Zürich gegen den untern Theil der Stadt eine feurige Kugel. Zu wmrerrhur sahe man zu gleicher Zeit bey duncklem und neblichtem Himmel eine feurige Luft-Geschicht über den Heiligen-Berg, ungefehr einer Ruthen hoch: Diese schiene nach einem vorgegangenen ftarcken wiewol gebrochenen Knall fortgetrieben zu werden gegen die Kirch dieser Stadt, und an einem Ort, genannt Eichholteren, herabzufallen, welches ein Räb-Berg ist, der gegen die mitternächtige Seite dieser Stadt lieget. Da dieses Kie- reoron an vorigem Orte verschwunde, so erschiene gegen Mittag ein neues, welches wieder, nach vorgegangenem Knall, allein in einer höhern Gegend, gegen dem Irchel - Berg fortgetrieben wurde. Es zeugeten die Wächter, daß während dieserm Phänomenen die Stadt so beleuchtet gewesen, daß man auch das kleinste Ding in den Gassen sehen können. Zu Ge. Gallen um gleiche Stund sahen die Wächter gegen Aufgang eine hellscheinende Nöthe, als wann eine Feurs- brunst wäre, welche sich bald darauf in einen solchen hellen Glanz veränderte, womit die ganze Stadt so beleuchtet wurde, daß man die Ziegel auf den Dächern hätte zehlen können: dieser Glanz währete z. oder 4. Minuten. Andere erzehltcn, sie hätten einen Blitz von obbedeuteter Dauer gesehen, und einen darauf erfolgten Donnerschlag gehöret: Ander!' käme es vor, als wenn eine feurige Kugel auf die Erde gefallen seye; wieder andere sagten, es seyen Sterne in der Stadt gefallen an einen Ort, der Brüel genannt wird. Zu eben dieser Zeit, so wie mein Bruder von Geeckbörn schreibet, haben die, welche Morgens frühe durch das Thür-Thal reiseten, wahrgenommen, daß warme Dünste aus der Erde heraufstiegen, worauf Blitze und Donner erfolget. Aus dergleichen Luft-Geschichten möchte jemand eine üble vcholmon der Luft für das könftige schließen; allein ll Theil. U-u es * S. geb. Breßl.Samml. LlrLIV. ^rt.r. z ZT Zusätze einiger lTlachrichten es ist vielleicht das Gegentheil, nemlich die Reinigung derselben: dann die Marsilianer und andere Einwohner dieser Provinz durch die Erfahrung aelernet, daß die Luft durch den Schwefel verbessert werde. Von diesem und dergleichen Phänomene diesen und folaende Tage, gab eine andere Relation von Bern folgendes: Den 25 Jan. ist eine feurige Kugel über diese Stadt um Mitternacht gesehen worden, welche endlich eine Meile von hier auf die Erde gefallen. Den 26sten hat man eben dergleichen um eben die Zeit gesehen. Den 27. und 28sten zeigte sich eine Fenr-Säule auf dem benachbarten Gebürge, welche sich endlich, doch ohne sonderlichem Getöse, zerschlage», woraus z. Kugeln entstanden, welche alle einen besondern Weg genommen. Von ungewöhnlichen in der Schweiz 1719. im Heumonat aus der Luft gefallenen Bläßgen oder Lu//r§. * Q S hat sich in diesem Monat eine besondere Luft-Geschichte im Toggenburg, sondcrheitlich in dem untern Theil desscl- den, von dem l4ten dieses bis auf den i 8 ten zugetragen; da nemlich vielfarbige Bläßgen oder öuiiX hey Auf- und Niedergang der Sonne in grosser Anzahl auf die Erde gefallen, so daß sie, wenn man sie mit den Landen aufsienge, verschwanden, und nur ein kleines Ständchen meistens von aschen-farbe hinterliessen, das, wie man sagt, gleich als ein blaulichter Rauch aufstiege. Der Durchmesser wäre 2. bis z. Finger breit; die Dauer dieses Regens, oder so man lieber wil , dieses bläsichten Thaues, war von ein bis anderthalb Stunde. Es schiene, als wenn feurige Balken von hoch - rother Farbe aus der Sonne sich hervorzogen, und aus diesen Balken diese Bläßlein ausgingen. Eben solche Bläßgen wurden auch in dem Canton Schweiz, in dem Weggithal, und gegen Schafhausen in dem Dorff Raftz wahrgenommen. Die auf- und niedergehende Sonne schiene in der ganzen Schweiz mit einer blut- oder feur-rothen Farbe bezogen, und, welches von blossem Auge oder durch ein Fern- * Sihe gedachte BreKl. SMmg im guko 1719. ClsLIV. -VruIV. von besondern Natur-Geschichten. _z Z9 Fernglaß konte gesehen werden, mit einem Ctrcul umgeben. Die ärbmolpbger aber wäre so voll voll Dünsten , daß man die Sonne ohne einige Beschwerde anschauen konte. Es ist dieses völlig die gleicheLuft-Geschicht von Bläßgens oder Lulüs, dieA. issz.denri. Brachm. zu Lculs im Engadin ist angemerckt, und in unsrer r^e- reorol. «elv. P.96. beschrieben worden/ und kan nicht wenig Licht der angenommenen Meynung derjenigen heutigen Philosophen geben, welche die in die Höhe steigende Dünste als so viele kleine Bläßgen ansehen. Es läßt sich also aus dieser raren und ungewöhnlichen Luft-Geschichte das Messen, was täglich begegnet, da wir das, was geschiehet, nicht in Acht nehmen : Gleichwie in der Arzney- Kunst die unrichtige Beschaffenheit der Drüsen, und der Blut oder Wasser führenden Gefäßen in Kranckheiten, uns gleichsam beyder Hand führen zur Erkantnuß der natürlichen Ordnung der Theilen, welche öfters auch die schärfsten Vergrößrungs-Gläser nicht entdecken. Es muß aber die Materie, aus welcher unsere obbeschriebene Lull» entstanden, sehr zähe und schleimtcht gewesen seyn, daß sie, ohne zu zerbersten, aus zwey Finger im Durchmesser habe können ausgedäh- net werden. So liesse es stch urtheilen, wann das wahr wäre, was man insgemein sagt, und was das erste Gerücht mitbringt. Woran ich aber sogleich mich nicht begnügen wollen, sondern alsobald an Hrn. Pfarrer Judas Um'ger in Lichtenfteig geschrieben habe, welcher in seiner vom iv. Augstm. an mich gegebnen Antwort mich mehr als eines Skrupels entlediget: An obgedachtcn Tagen, nemlich den 14. 15.16. und i?ten, zwey Tag vor und zwey Tag nach dem Neu- Mond, käme denen, so in den Thälern wohnen, die Sonne an dem Toggenburgiscken Horizont dunckel oder blut-roth scheinend und weit grösser als gewöhnlich vor, weilen nemlich die Sonnen-Strahlen durch die dicke Dünste, mit welchen der Himmel gleichsam beschlossen gewesen, gebrochen wurden. Dergleichen dicke Dünste in der -ubmospbLr heissen sie eincn Heudamps. Innert diesen vier Tagen hatte die Sonne bey Tag ein ganz bleich und traurig Gesicht. Von obgedachten Bläßgen oder Luft-Kugeln erzehlct gedachter Mann folgendes: Man habe in diesen vier Tagen in den Thälern und auf Hügeln, eine Stunde nach Aufgang und vor Niedergang der Sonne, dergleichen Blasen, und zwar bald ganz rothe, bald blaue, asch-farbe, schwarze, jede von besonderer Farbe, gleich der Sonne an Grösse, demercket: und wenn einmal das Auge von diesen Bildern einge- Uus rwm- Z4I_ Zusätze einiger Nachrichten rromnien gewesen, so sahe der Zuschauer, gegen was für eine Gegend des Himmels er sich wendete, die ganze ^molpk-rr mit dergleichen vielfärbigen Kugeln angefüllet. Einigen kamen diese Luft - Kugeln in Gestalt eines /cmpkl-ichegrrum > zur rechten und lincken Seite der Sonne in Ordnung gestellt, vor, und zwaren die einte Reyhe derselben von rother, die andere aber von blauer Farbe. Andere ver- meynten, es sielen dieselben in das Wasser auf die Felder und Zaune , da dann hernach ein asch-farber dampfichter Nebel aufstiege. Wiedrum andern schiene es, als wann diese Luft-Kugeln gegeneinander anstiegen, und in einer unordentlichen Bewegung herumflogen. So lang diese Luft-Geschicht währete, wurde die Erde mit keinem oder einem sehr geringen Thau befeuchtet; es fiele auch innert diesen vier Tagen kein Regen noch Haael, noch sahe man blitzen oder hörete donnern. Bemeldter Herr Uttiger schreibt, er seve um dieser sehr seltsamen Luft-Geschichte willen zum drittenmal spazieren gegangen, und Habesich nicht genug verwundern können, daß die bey ihme stehende ihme gleichsam mit dem Finger die fliegenden und fallenden Luft-Kugeln gezeiget, deren er doch keine mit seinen eignen Augen sehen können. Doch das besonderste ist dieses, daß diejenigen, welche auf höhern Bergen wohnen, oder auf ihren Weyden gewesen, weder die Sonne scheinen, noch die dicken Dünste, noch auch die bisher erzehlte Luft-Kugeln gesehen haben; daraus sich schließen laßt, die unterste Gegend der ^chmolpNrr stye sonderheit- lich mit dicken Dünsten angefüllet gewesen, da hingegen die obere hell geblieben. Diese ganze Luft-Geschicht endlich scheinet es, könne als ein optisches Gesichtspiel, oder als ein Betrug unserer Augen, angesehen, und mit demjenigen verglichen werden, da einer, der die Sonne mit starren Allgen anschauet, hernach, ob er die Augen gleich zuschließet, das Bild der annoch scheinenden Sonne siehet oder zu sehen vermeynt, und sie zwaren siehet durch verschiedne Farben als roth, blau und so ferner, untergehen, bis sie völlig verschwindet. Fernere Nachricht von den Luft-Bläßgen. * S ist dieser Tagm wieder begegnet, was man den 27. Heum. im Engadin, und den 17. und i 8 ten Heum. 1719. im Toggenburg und Appenzellerlaud für ein Wunder angesehen: nein- § S. oftged.BrrKl. Saml. im ^sumo äe l?>l. p.6»s. _von besondern l 77 amr,Geschichten. Z4r nemlich -te Luft-Geschicht von den vielfarbigen Kugeln in der Lust, und das zwaren etliche Tage nacheinander, von dem -. Heum. als dem Pfingfttag an, bis auf den 2O. Heum. A. 1721. Es wurden mir von Hrn. Pfarrer Vogel von Dubendorff, Züricher Gebiets, in einem Schreiben vom 7. Heum. folgende Umftänd aus dem Mund derer die es selbst gesehen, davon berichtet: An dem Pfingst-Sonntag schiene die Sonne auf den Abend nicht Heller als der Vollmond; da etliche Bauren aus dem Dorff Gstng dieselbe anfchaueten und betrachteten, bedunckteessie, als wann ein dickes schwarzes Wölklein der Sonne entgegen lauste, dieses Gestirn sich hinter dasselbe verberge und bald hernach wieder hervorkäme. Dieses Wölkgen zertheilte sich bald darnach in kleinere Wölklein oder Kügelein, die hin und wieder aufdie Aecker, Wiesen, und auch vor den Füssen der Zuschauern niederfielen, und sogleich wie ein dünner Rauch verschwanden ; da indessen das Ort, wo sie herunter gefallen waren, eine Zeitlang gelb schiene, allein ohne daß man das geringste Merckmal von dem, was herunter gefallen, bemercken konte; es seyen dergleichen küglichte Wölklein vor den Köpfen der Umstehenden vorbey geflogen, und haben einige Männer diese fliegenden Kügelchen mit den Händen aufgefangen, ohne daß sie weder etwas warmes noch kaltes deßhalben gespürt haben. Ein Baur von Dübendorff, der Montags nach Pfingsten, Abends um 6. Uhr, über das Hegnauer Feld ritte, sahe die Sonn in eine Wolke hineingehen, und bald daraufaus dieser Wolke eine unzehliche Menge Kügelchen, von der Grösse -es Monds, aufsteigen, welche hernach sich gleichsam in Haussen zertheilt, und auf beyden Seiten feines Pferds auf die Erde gefallen seyen , so -aß er selbige auch mit dem Hut habe auffassen können; diejenige, welche der Sonne naher gewesen, schienen von blut- oder feur-rothen Farbe, die entferntem schwärzliche, und die ihme am nächsten waren, so weiß als der Schnee zu seyn; jedoch von denen, die zu Boden gefallen und verschwunden seyn, feye nichts, das einem Rauch gleichst, aufgestiegen. Der nemliche Mann bezeugte, er habe Morgens darauf am Dienstag, etwas gleiches bey Aufgang der Sonne in seinem Hauß wahrgenommen. Ein anderer erzehlte, diese Luft-Kugeln seyen th- me zuerst roth, hernach blau vorkommen, und je näher sie gegen der Erde gekommen, je kleiner haben sie ihn auch bedunckt, so daß die, welche er mit den Händen aufgefangen, nicht grösser als ein Pfenning gewesen: das gleiche habe er gesehen am Dienstag Abends, da Uuz er Z4L Zusätze einiger Nachrichten er auf Bremgarten reißte. Viele, denen diese Luft-Kugeln mit den Fingern gewiesen worden, bezeugen, sie haben gar nichts gesehen. Es ist hernach Lieut.Rämi den 8. Heum. zu mir kommen, der diese Luft-Geschieht, da er zu Dübendorff die Soldaten in den Waffen übete, auch gesehen, und ganz genau betrachtet hatte: Ersähe nem- lich gegen Abend von der Sonne gleichsam ganze Häuffen Kügelchen ausgehen ; jeder Haussen bestünde aus 22. -der zo. unterschiedenen Kugeln, deren die einten von dunckel-blauer, die andern von blut-ro- ther Farbe, und voneinander abgesondert waren: endlich seyen vier Kügelchen nicht grösser als eine Glaß-Scheibe herbeygestogen, die ganz hell in grader Linie an dem Horizont dieses Ackers schimmerten. Es seyen hin und wieder dergleichen Kügelchen auf die Aecker heruntergefallen, und wann sie an dem noch stehenden Getreyd angestoßen, so seyen sie verschwunden, andere seyen, ohne die geringste darauf erfolgte Verändrung oder Bewegung des Getreyds, in kleinere Kügelchen von der Grösse eines Eyes zertheilt worden: die dunckel-blauen habe man von Anfang bis zu End dieses Schauspiels, ungefehr ein Stund lang, die rothen aber nicht allzeit, gesehen. Eben dieser Rämi hat öfters in diesem Monat, und zwar nicht nur an einem Ort, eine grosse Menge dergleichen Luft-Kügelchen gesehen. Mehrere Nachricht von diesen LufdBIäßgen. * §A^A ich von Baden wieder zurück reißte, begegnete mir den r r. Heumonat, was ich schon längstens gewünscht, nemlich das angenehme Schauspiel jener vielfärbigm und gleichsam aus her Sonne ausgehenden Luft-Blaßgen oder Kugeln zu sehen; von welchen ich schon vorher vermuthete, daß es ein lauterer Betrug des Gesichts feye; worvon ich nun gänzlich überzeuget bin, seit dem ich selbst ein Auge-Zeug dessen worden, und eine zimliche Zeitlang Proben hiervon machen können. Die Sonne schiene durch den Nebel hindurch, welcher sonst fast alle Tage in diesem Monat den Horizont bedecket hatte: So oft ich aber dieses Gestirn angeschauet, so viel ich es nemlich ohne Verletzung des Gesichts anschauen börste, so oft kam es mir, so ich die Augen von der Sonne abwendete, vor, als wann diese Kugeln, die gleich als aus der Sonne ausgiengen, zur rechten und * S. mehrged. Breßl. Saml. im ^nuar. »7»». ärr.-. P.4S. von besondern Natur-Geschichten. Z4; und bücken in dem Nebel herumflögen , ja den Augen allenthalben nachfolgend, sich auf die Felder niederlieffcn, und auf die nahe bey stehenden Dorn-Häge setzten: sie warm voll schwarzer, blauer/ grüner und hoch-rother Farbe, an Grösse und Figur unterschiedlich; je näher sie den Augen kamen, je mehr ihrer an der Zahl und je kleiner waren sie, sonderheitltch die grünen; die einten waren rund, die andern ablang-rund oder ey-sörmig, andere von einer ungewissen und erweiterten Figur: die Sonne selbst wurde öfters von denselben ganz bedecket und umgebm; ich habe auch die Sonne eine Zeitlang in ihrem Mittelpunkt dnnckler, an dem Ran- aber hellglänzend gesehen; so wie nemlich das dem Aug eingedruckte Bild der Sonne, welches eine Zeitlang, wann man auch gleich die Angel: von der Sonne abwendete, bliebe, eine mehr oder minder stärckere Bewegung in den Augen-Nerven verursachte. Von der Ueberfchütttmg des wannen Bads zu Leuck im Wallifser-Land durch die Schnee» Lauwen oder Schnee-Fälle. * ^>F^Nter die geheimen Züchtiqungs-Gerichte Gottes ist nicht un- Mich zu zehlen diejenige traurige Begebenheit, welche die Helfte des Dvrffs Leuck, oder des warmen Bades, mit gemeinschaftlichem Untergänge derer daselbst befindlichen Menschen und Thiere, auf einmal und zu einer Zeit betroffen. Es hat sich dieses unglückliche Schicksal dm 17. Imner A. 171s. Abends zwischen 7. und 8 . Uhr, zu welcher Zeit bereits ein groß Theil derer Leute zu Bette lag, begeben. Denn nachdem 4. ganzer Tage lang ein grosser Schnee aus der dicken Luft herab gefallen, und die um und um liegenden Berge und Wälder ungewöhnlich hoch bedecket, so hat sich Plötzlich eine ungeheure Schnee-Last von einem hohen Felsen des Tor- remschm Gebürges losgerissen, und irr den fast von Bäumen ent- blöß- * Dieser Bericht istmehrbel. Breßl. Societät »onvem sel. -hrn. Scheochzer mitgetheilt, und moftged. Saml. subito. 171K. imsLnuario IV.^rt. 4. p. 54. rr. ringerM worden, und mag zur Ergänzung dessen, was in dem I. Theil der Natur-Geschichten von p. zv; - von diesen Schnee-Lauwen fehlet wird, dienen. 344 Zusätze einiger Nachrichten blößten darunter liegenden Wald gestürtzet, sich aber nicht in dem Striche und Gegend gehalten/ wie sonst zu geschehen pflegen/ sondern zwerch über auf dem Oeftlichen Theil des Dorffs mit solcher Gewalt gezogen/ daß binnen eines Vaters Unsers lang alle daselbst befindliche Gebäue, Hütten, Scheuren/ Ställe/ und Dächer derer Bäder von Grund aus niedergerissen/ und 61. Personen mit dieser Schnee-Last überschüttet und begraben worden/ von denen aber/ aus sonderbarer Gnade Gottes, und vermittelst derer aus der Nachbarschaft zueylen- den Leute, 19. Personen lebendig hervorgezogen worden, deren zu dato noch 12. am Leben, 7. aber nach empfangenen heil. Sakramenten gestorben. Durch diese erbärmliche Niederlage ist der beste Theil dieses Dorffs zu Grund gegangen, zugleich die vornehmsten Gebäue, als derer Bischöffe von des Kardinals , und JacoLi Kiene», sonach Art und Beschaffenheit des Orts vorzeiten zierlich erbauet worden, und sonst zu Teutsch Sommer-Häuser genennet werden: il. das Hauß des edlen Herren K^erra, c?o«sie« und die Lapelle des H.L§«re»/tt, die Wirthshäuser zum Lreuy, zur Lro- ne und weissen Pferde, mit allen Bad - und andern Gebäuen, Hütten und Hirten-Häusern, deren Zahl sich auf;c>.belaufft, zugeschwei- gen derer, so zwar stehen blieben, aber dergestalt beschädiget worden, daß sie ohne Erneuerung nicht bewohnet werden können. Doch, welches Gott zu dancken, sind die Gesund - Quellen an keinem Theile verletzet worden, als die in ihrer alten Wärme und Kraft, wie vormals , hervorquellen, ausser daß die Behälter, Verfassungen und Bade-Apartements selbst von Grund aus über einen Haussen gerissen worden. Es könte zwar alles in den vorigen guten Stand gesetzet werden, wofern nur theils der Ort von Natur sicher wäre, oder durch Kunst und Fleiß verwahret würde; welches auch nicht unmöglich zu seyn scheinet, wenn nur in dem über dem Dorffe liegenden Walde hohe und ftarckeDämme aufgeworffen, und hierdurch dieserley Schnee- Stürtzungen abgehalten oder gebrochen würden. Von der Haupt- Ursache dieses traurigen Zufalls sind allerley Urtheile gefallen, die aber darinne meist einstimmig gewesen, daß die Göttliche Gerechtigkeit die Üppigkeit derer Bad-Gaste, und den schändlichen Mißbrauch der Gaben Gottes, so bey einigen Jahren her ungezähmt und wider alle Scham daselbst im Schwange gangen, habe heimsuchen und strafen wollen: welches insonderheit daraus abzunehmen, daß diese Niederstürtzung fast wider die Kräfte der Natur geschehen ist. Unter andern 345 von besondern Natur-Geschichten. andern aber kommt folgende Begebenheit einem Wunderwercke bey- daß unter denen Leuten, so unter den Schnee begraben worden, sich zugleich ein tapferer Jüngling von der besten Hoffnung, Namens Ke/)ba»«j Rochen, befunden, der mit Heller Stimme Gottes Lob sang, da er doch 8. ganzer Tage und Nächte unter dem Schnee in grosser Kälte und Hunger in dem innersten Winckel eines Wein-Kellers aestecket, und zwar so enge eingezwengetgewesen, daß er wegen des cingcstürtzten Gebäucs nicht so viel Platz behalten, daß er den Leib aufrichten oder wenden können, sondern nur mit gekrümmeten Leibe also stecken müssen. Nachdem er nun nach gedachten s. Tagen ans Tage - Licht wieder hervor gezogen wurde, hat er mit zur Erde gebogenen Knien die Göttliche Barmherzigkeit angebetet, und sich seiner Sünde schuldig gegeben; als ihn auch die Umstehenden unter die Aermc griffen, und ausrichten wolten, bat er inbrünstig, sie möchten ihn nur auf der Erde einher kriechen lassen, denn es gebühre sich nicht, daß er ferner aufrecht einher gehe, den die göttliche Züchtigung so tieff erniedriget hätte. Als man ihn in das nächste Hauß gebracht, hat er sich nichts mehr angelegen seyn lassen, als durch die heilige Busse den Göttlichen Ricdterftuhl, vor welchen er bald durch den Tod gefordert zu werden vorgab, zu versöhnen; nachdem er auch dieses heil. Merck verrichtet , und noch ganzer 8. Tag hindurch kranck gelegen, zugleich die heftigsten Schmerzen an Beinen und Zehen, so von Frost fast gar ertödtet worden, ausgestanden, so hat er endlich am Tage Maria Reinigung, unter häufigem Weinen der Umstehenden, so ihnen das bußfertige Herze des Sterbenden, und die Ergebung in Gottes Willen, ausgepreiset, seinen seligen Geist aufgegeben. Mehrere lTlachrichten von den Schnee-Lauwen/ so A-1720. gefallen. * ^S sind in diesem Monat (Jenner) hin und wieder viele Schnee-Lauwen von den Alpen herabgerollt. Eine solche Schnee-Lauwe, die von dem sehr hohen Appenzeller-Gebürg Tumor heruntergefallen, erstickte4. Kinder, zerbräche der Mutter einen Arm und Bein, ftürtzte ein Hauß um, und risse Bäume aus der Erde: Ein Knab wurde bey z. Klafter in die Höhe geworfen, u. Theil. X x Ein * S. ostgeb.Breßl.Saml. ^».1720. februar. Lla6>. lV. ^rr. 6. p. 19,. Z4.6 Zusätze einiger Nachrichten Ein Mann (welches fast unglaublich, doch von vielen Leuten bestätiget ward) wurde von dem Wirbel, der durch diese Lammn entstanden, bey zwey Thürnen hoch aufgehoben, so daß er über einen Buchen- Wald hingeflogen, und ohne einigen Schaden wieder auf die Erde hinab gelassen wurde. Es erzehlte derselbiqe, es seye ihm in den Lüfteu gewesen, als wann ihm der Bauch mit Stricken starck zugezogen und gleichsam zerschnitten wurde. In dem Momafuner Thal wurden 17. Häuser durch Schnee-Lauwen eingedruckt. Den Hornung, gegen 8. Uhr des Abends, bedeckte eine fthr grosse Schnee-Lauwe in dem Dorff wttan m dem untern Engadin 26. Häuser; von welchen i Z. völlig umgekehrt und von diesem Schnee-Strohm weggerissen, r z. aber zu bewohnen unbrauchbar ge- machet wurden. Ein und sechzig Menschen wurden mit den Häusern bedeckt: doch an gleichem Abend wurden 25. wider Verhoffen, theils beschädigt theils unbeschädigt, doch lebendig aus diesem Schnee- Grab hervorgezogen. Den nächst darauf folgenden Tag wurde eine ledige Tochter, nachdem sie 18. Stunden lang begraben gewesen, und am dritten Tag wiedrum eine andere, von dem Fall an nach Verzug von64.Stunden, hervor gezogen, welche aber nach ^.Stunden selig entschlafen. Diese Töchtern wurden befragt, ob sie unter dem Schnee Schmerzen verspürt hätten? Sie antworteten, sie seyen, nachdem die Häuser umgefturtzt, eine Zeitlang gleich als mit einer Sinnlosigkeit überfallen worden und entschlafen, und in dem Schlaf seye es -er jünger« Tochter vorkommen, als wann des Nachbars Hauß brenne, und die Mutter (die damalen unter dem Schnee schon todt wäre) mit vielem Schnee herzulauffe, um das Feur zu löschen. Man bemerckte hin und wieder verwunderns-würdigeBegebenheiten: Ein neunzig-jähriger Mann wurde von dem Ofen, darauf er gesessen, -er Länge der Stuben nach fortgestoffen, und käme endlich, mitsamt der Tochter (die wenig Tag vorhero einen Sohn geboren hatte und annoch in der Kindbett wäre) samt noch zwey andern Weibern gesund und unversehrt oben über den Schnee hervor, da unterdessen der Tochtermann, ein starcker Mann, und das Söhnlein, welche in gleichem Gemach gewesen, um das Leben kamen. In e«em andern Hauß kamen von 18. Personen, die in einer gleichen Stuben gewesen, 8. darvon, aber wurden getödtet. In einem andern benachbarten Hauß sind 7. Personen beyeinander gewesen, und darunter 4. Jüngling, welche ihre Psalmenbücher in den Handen hatten, und ihr Sterbens- von besondern Namr-Geschichten. 347 bens-Lied jungen, diese wurden nach zwey Tagen mit ihren Psalmenbüchern, aber todt, gefunden. Dieses hat der Herr vor: Rosenrot!, von Tusis, aus den sichern Nachrichten von dem Pfarrer deffel- bigen Orts mir mitgetheilt. Au Disentis wurde dem Abbt ein Stall mit 35 . Stuck Vieh von einer Schnee-Lauwe weggetragen. Zu Tamin wurden 18. Ställ, darin kein Vieh wäre, mit einem Theil des Walds und vielen hohen Tannen von der Wurzel weggerissen. In dem Gaviener Bezirck wurden einige Ställ zu Samen, und darunter einer mit Vieh und den darbey gelegenen Hölzern weggerissen. In dem Thal des H.Antoni zu Rädigow wurde ein Hauß mit einer Schnee-Lauwe bedeckt, und eine Frau erstickt, ohne daß es dem Kind das an ihren Brüsten hienge, Schaden zufügte. In dem Rheyn-Wald bey dem Dorff Hmrer- Rheyn wurden drey Männer, die Heu wegtragen wollen, von einer Schnee-Lauwe zu tod gedruckt. Nicht weit von Speluga wurden 6. Ställ nebst sehr grossen Lerch- und Tannen-Bäumen fortgerissen, ohne Menschen oder Vieh weiteren Schaden zuzufügen. In Langenwifen wurden gleichfalls 8. Ställ, ohne andern Schaden, fortgeschleppt. Zu cr/en»a im Obern Engadin wurde von einem heftigen Wind ein Thurn umgcstossen. Ein gleiches Schicksal wiederfuhre auch dem Thurn zu Latsch, in der Gemeint» Bergun. Es siele auch das Thürnlein zuaufdarnieder. Dieses ist mir von vorbe- lobten Edlen Herrn mitgetheilet worden. Den l s. Hornung wurde in der Landvogtey Hohen-Sax, Züricher-Gebiets, eure Stunde vor Tag, Jacob Dinner, aus dem DorffFrümsen, mit seinem Weib und 4 . Kinder, samt 4 . Kühen, deren z. noch errettet worden, von einer Schnee-Lauwe bedecket. Die Wiese wurde ganz mit Sand überzogen, und ungefehr 200. fruchtbare Bäume umgerissen. Bey Nacht zwischen dem 15. und i§ten fiele eine sehr grosse Schnee-Lauwe über das Dorff Enneda im Glarner-Gebiet, in den Ennet-Bergen, welche durch die Vorsehung des Allerhöchsten an einem erhabenen Hügel des Bergs angestoßen, und sich in zwey Theile Lx 2 gethei- Z48 Zusätze einiger Nachrichten gctheilethat; da sie sanften, wo sie ganz herunter gefallen wäre, einen grossen Schaden dem Dorff zugefüget hätte. Indessen ward ein kleines Häußgenso unten an dem Berg gelegen, samt einer Senn-Hüt- ten, bedeckt, und4.Küh, i.Ochs, 2. junge Rind und 20. Geiffcn (welche alle, ausgenommen eine einige Kuh, den 27.Fcbr. todt gefunden wurden) darunter begraben. In dem Häußgen wurde Adam Trümpi, der unverehlicht und 42. Jahr alt wäre, nebst seines Bruders Sohn vorn s. Jahren, Fridolin Trümpi, todt gefunden. Einen noch grossem Schaden thäte eine Schnee-Lauwe, den i8tcn dieses, eben in dem Glarner-Gebiet in dem Dorff Enge, in dem kleinern Ober-Sernfluß-Thal. An einem erhabenen Ort im Gipfel, eine halbe Stunde von dem Dorff Enge, wohnete Samuel Marti, mit feiner Frauen, Larharina Flurs und 8. Kindern. Dieser, da er aus der Kirchen zu Matt heimgekommen, mit feiner Frau und Kindern zu Mittag geeffen, und ab Tisch gebetet hatte, wurde plötzlich mit seiner ganzen Haußbaltunq von einer Schnee-Lauwe überfallen, und das zimlich neue Hauß von seinem Ort weggerückt. Die Mutter, die auf eine erbärmliche Weise zerftoffen wurde, fände man mit-4. Kindern lebendig, da hingegen der Vater mit 4. Kindern, die alle weiblichen Geschlechts, todt geblieben. Von dem Vieh bliebe nichts übrig, als eine Kuh, ein Ochs, zwey fast erwachsene Kälber, und einige Schafe. Der Mann wäre erst vor wenigen Tagen wieder von Basel zurück gekommen. Vor die Wittib und Kinder wurde den lezten Merz in allen Pfarr-Kirchen eine Steur gesammlet, und ware zu Glarus 72. zu Schwanden aber z z. Gulden gefallen. Von Lueern schreibt Hr. v.Cappeler, esseye den i8. Hornung, Abends um 4 . Uhr, in Walliß der halbe Theil des Dorffs Ober.Ge- Gestilen von einer Schnee-Lauwe unterdrückt, und 85. Menschen samt dem Dorff-Priester erstickt worden. Im Beiger. Zehnden seyen gleichfalls 40. Personen um das Leben gekommen. Das Leucker-Bad seye aufs neue mit etlichen Häusern verwüstet worden. In dem Vischer-Thal seye eines Edelmanns Hauß, welches schon, bey SOQ. Jahren gestanden, vom Boden weggerissen und bedeckt worden, wobey der Edelmann nebst z. Kindern und 4. Knechten ums Leben gekommen. Die Glocken seyen von dem Gewalt der Luft, so durch den Fall der Schnee-Lauwe beweget wurde, von ihren Oertem weggerissen und in den Kirchhof herunter geworffen worden. Den vsn besondern Nntur-Gescblchten Z49 Den 18. Hormmg (so lautete die lhec-isl - Nachricht von gedachten: Schnee-Fall zu Ober-Gcftilen) begegnete dieser sehr betrübte Zufall zu Ober-Gestücn : Es hat das Volck karrn: aus der Kirchen kommen/ und ein jeder sich nacher Hauß begeben können/ sofienge sogleich der Himmel an dunckel zu werden/ und hat sich gleichsam in einem Augenblick der Schnee von dem Berg gelößt/ und nachdem er die Bäume mit den Wurzeln/ Felsen und alles was ihm in dem Weg stunde/ mit solcher Ungestüme und Gewalt mit sich fortgerissen, daß, da es eine mit Käß angefüllte Hütte gegen die Kirche angestoßen, der Last des Schnees, auch gegen allen Widerstand der Natur, Berg hinan um die Kirche heruingeloffen, und zugleich drey andere Gebäu gegen Aufaang der Sonne mit sich fortgenommen, und eines aufdas andere htngeworffcn; eserfolgete darauf, daß mehr als hundertund zwanzig andere Gebäu darnieder geschlagen, in allem vierhundert Stück Vieh durch diesen Fall ersticket, und fünfund achtzig Menschen unter dem Schutt begraben wurden, welche alle, ausgenommen ein Mann und ein Knäblein, so man vermißt, gefunden worden; drey darvon wurden lebendig aus dem Schnee hervor gezogen, welche aber bald hernach, nachdeme sie mit dem H. Sakrament versehen worden, auch verschieden sind. Die übrigen indessen fände man säst alle in gleicher Stellung todt, wie und wo einen jeden der Tod überfallen hatte: Etliche bey dem Tisch sitzende, einige in den Stall mitten unter dem Vieh, andere theils auf der Straffe, theils zu Hauß oder bey der Haußthur stehende; der Priester dieses Orts wurde in seinem Hauß, ein Buch in den Händen haltend, gefunden. Man vermeynt dennoch, dieser ungemein betrübte Zufall seye nicht so fast dem Gewalt des herunterfallenden Schnees als einem grausamen Sturmwind zuzuschreiben; indeme man sahe, wie durch dessen Gewalt das Hauß -es Hrn. Major Taftners, und das zwar ein sehr grosses Gebäu, in die Luft aufgehoben wurde, und bald darauf wieder herunter fiele und zerberstete; da es indessen den Eigenthums- Herrn mitten von -er Gasse weggenommen, und in ein sicherers Ort hingeführet hatte. Es entstund daher auch ein erbärmliches Geschrey von Beschädigten und andern, und die Bestürtzung wurde bey allen desto grösser, weilen theils der Wind ungemein wütete, theils aber auch der Rhone-Fluß von dem häuffigen Schnee anließe, und alles weit und breit überschwemmete, welches beydes die Weg und Zugänge versperrte, und alle Hoffnunazu einer menschlichen Hülffe be- X l 3 nähme. Zusätze emiger Nachrichten nähme. Es schiene vornemlich dazumal, als wenn die ganze Natur zu dem Untergang dieses unglücklichen Dorffs Ober-Gestilen sich zusammen vereiniget habe: indeme theils eine dicke Finsterniß einfiele/ und die Winde eine unerhörte Gewalt ausübeten / theils der Schnee hin und wieder 4. bis 5. Klassier tieff wäre, und die Rhone aus ihrem Ufer austrate, theils aber auch das Feur in dem ungeheuren und mit allerhand Sachen vermischten Haussen selbst anfienge zu wüten, und einen allgemeinen Untergang zu dräuen: bis endlich des folgenden Tags der Himmel sich sonstiger erzeiate, die Benachbarte herbey kommen, das Feur löschen, und den Nothleidenden mit Hülffe und Trost begegnen können: da dann die Todten aus dem Schnee- Haussen hervorgezogen und ehrlich begraben wurden. Den isteii dieses, gegen 7. Uhr des Abends, wurde das unten an dem Gotthard - oder Gt. Bernhards - Berg gelegene Dorff, konr-üne genannt, von einem ungeheuren Last zusammengefallenen Schnees völlig zu Grund gerichtet, indeme fünf und dreyßig Häuser auf dem Boden weggerissen, und 2z. Menschen begraben wurden, von denen die meisten sogleich verdruckt, andere aber (welches wunderbar scheinen könte) haben in Mitten unter dem Schnee, unter welchem sie fast verschmachtet waren, durch das Feur umkommen müssen; so daß auch diejenigen zwey Elemente, deren das einte sonst zu des andern Verderben würcket, einander zu dem Untergang der Menschen helffen müssen, und dasjenige, was vor dem Schnee sicher und unversehrt geblieben wäre, hat das inwendig um sich fressende Feur verzehren, und der Schnee, der die Dächer und alles andre bedeckte, das innert den Gebäuen herumfahrende Feur bey drey ganzen Tagen lärm unterhalten müssen: andere sind nach etlichen Tagen aus diesem Schnee-Grab hervorgezogen worden, und nachdeme sie mit den H. Sakramenten versehen worden, gestorben. Po» von besondern Natur-Geschichten. Zsr Von einer plötzlichen Überschwemmung, so den 27. Augftm. 172z. in der Schweiz geschehen. * En 22. Augstmonat, nachdeme sich zu Zürich die vorgehende Nacht die ^cNmolpkXr, zwischen s. und 6. Uhr Nachmittag, um rrz. Lin. erleichtert, da der Barometer zimlich hoch war, bey uns zu Zürich 26". 8^". zu Lueern 26^. 12"^., erlitte die kleine Stadt zu Lueern eine plötzliche Ueberschemmung, so daß innert wenigen Minuten alle Häuser mit Wasser umgeben waren. Es untermischte sich dem Wasser allerhand Gezeug, Sand, Lett, Hölzer, Balken und eine völlige geschrenckte Bruck, die über den Krien-Bach führte, welches alles hin und wieder die Maur völlig zu verderben dräuete. Die Forcht vor einem grösser» Schaden währete drey Stund lang. Die Ursach einer so plötzlichen Überschwemmung wäre ein Wirbel-Wind so aus dicken Wolken Herfürbrache, welche ein Süd-Süd-Weft Wind, der von den Einwohnern Haßli- Fön genannt wird, herzugebracht, ein Nord-Wind aber gegen dem Pilatus-Berg zusammen getrieben hatte. Von dem gleich als mit Eymern herab gefallenen Regen wurden alle in der Nähe gelegene Bäche angefüllt, insonderheit aber wurde der Runs von dem Krien- Bach, so iz. Stund von der Stadt gegen Süd-West lieget, ob er gleich 12. Schuh tieff wäre, mit Stein und Holz so angefüllt, daß er seine Dämme zerrissen, und an s. unterschiedlichen Orten gegen die Stadt über das Ufer hinlieffe: da dann in kurzer Zeit 36. von allerhand Gattung Mühlen zerrissen wurden. Aus Lucern selbst crtheilete man folgende Beschreibung: ,, Sonntags den 22. Augstm. gegen s z. Uhr Abends, da der Tag sonst fein mit Sonnenschein untermischt, aber dunstig war gewesen, und der Barometer auf 26". io/". Parts. Maß stunde, welches Maß sonsten bey uns schön Wetter anzeiget, wurde unsre kleine Stadt, die Süd-West mit der Reuß von der grossen abgesondert, zimlich niedrig lieget, mit einem gählin- aen und unversehenen daher stürmenden Ueberguß des Wassers überfallen, also daß fast in einem Augenblick ein jedes Hauß zu einer Jn- sul geworden. Das Wasser, so wild und tobend daher stürmete, hatte * S. rnehrged. Breßl. Saml. im Augusti 17»;. LIa 5 §. IV. Art. i. p. 176. 352 Zusätze einiger Nachrichten hatte bald alle Gemeinsame abgeschnitten. Es liesse mit Sand, Lätt, und allerley Gehöltze rc. häuffig voll, ja es führte gar grosse Bau- höltzer durch die niedere Gaffen, zerrisse die gemauerte Port, höbe die Brücke über den Krien-Bach auf, und schleppte solche zum Theil hinweg, deren Brückftück sich an andre schwellten, welches denn einen solchen Ucberfluß verursachte, der nicht ohne Schrecken und Furcht eines jämmerlichen Schadens, der auch das gemeine und partikular Wesen in der That betroffen, anzusehen war. Dieses Elend daurete bey z. Stunden, ehe sich das Wasser gesetzet. Es wird hiervon folgende Ursache angegeben: Gegen 5. Uhr Abends brach ein schwaches Gewölcke, so zuvor derS.S.W. (bey uns Hasli-Fön genennt,) zugetragen, und der Nord- oder Bvßwind bey dem Pilatus-Berq aufqe- häuffet, nebst wenig Donnerkläpffen, und ein und andrem Strahl, m einen Wolckenbruch aus. Dieser füllete schier augenblicklich alle am Berg gelegene Ströme mit häuffigem Wasser also an, daß des daraus entstehenden Krien-Bachs sonften über 12. Schuh tieffes Bett, welches anderthalb Stunden von der Stadt gegen Süd-West liegt, und gegen Nord-West gerichtet ist, mit klein und grossen Steinen, ab - und ausgerissenen Wuhren, Tannen und Gehöltz, in verwunderlich geschwinder Zeit ausgefüllet wurde, also daß das wilde Wasser beyderseits über seine Wuhren den Ausbruch genommen. Oben- her hat es ihme ein neues Bett aufgefressen, gegen der Stadt zu in 5. Orten sich theils überaoffen, theils eingebrochen, alles benachbarte Geländ überloffen, verschwemmt, aufgerissen, Steine, Sand und Holtz mitgenommen, zs. Mühlwerckcr, als Hammer- Eisen- Sensen- Nagel- Kupfer-Schmieden, Pulver- Loh - Gerb- Walck-Müh- len, Sägen, re. unnütz gemacht und verderbet. In Summa allen wiewol vorher besorgten, und ohne grosse Kosten nicht zu ersetzenden Schaden verursachet. Dieser wilde Bach hat schon vor vielen Jahren vieles Uebel gedrohet und gethan, und hat 8 r. kranciicus v. der einmals in der Nachbarschafft war, den Anschlag gegeben, wie dieser Bach möchte in ein bequemes Bett geleget werden, dessen Rath auch gut befunden worden. Nun aber bey Anwachs der wegen mitgerissenen ungeheuer grossen Steinen und Gehöltz angefüllten Bett ist alles zernichtet, und ferneres grosses Übel, neben aller nun im Merck Achenden Vorsorge, auf erfolgende Regen- Witterung zu besuchten. Von von besondern T^amr-Geschichten. ZsZ Von dem grossen Wolken-Bruch und Überschwemmung/ so zu Vivis im Welsch-Berner-Gebiet im Heum. 1726. gewesen. * dem Heumonat fiele die grosse Ueberschwernmung zu Vivis ein, wörvon Hr. Kl-cUsr folgendes an mich schriebe: „ Frey- tag Abends den s. dieses, zwischen io. und 12. Uhr des Nachts, ift zu Vivis eine solche Ueberschwemmung gewesen, als man noch memalen nicht gesehen hat nur durch einen Wolken-Bruch entstehen, der in den Bergen, so oben an und vor Vivis heraussen find, gefallen ift. Der Bach i» Vcv^/e genannt, so auf der Seite von Vivis vorbey fließt, und der einen breiten Runs und eine grosse steinerne Brücke hat, ift mit solcher Heftigkeit überloffen, daß es einen Theil der Brücke Wegnahme, alle Mauren, die dcrLänge des Ufers nach gewesen, niedergerissen, grosse Quaderstein und eine solche Menge Holtz mit fich fortgetrieben, daß man den Werth desselben auf ungefehr 2000. Franken geschähet. Allein die Wuth des Wassers stillte fich da noch nicht, es dränge in die Gasse hinein, welche gegen die Brücke gehet, und überschwemmete alle Läden und Häuser an derjenigen Strasse bis gegen 8 . Schuh hoch, und auch auf dem obersten Boden, so daß der Strom aus einem Wirthshauß einen junger, Welschen Hahn, ohn- gcacht seiner Flügeln, wegnähme. In einem Kram-Laden wurde ein Kind in der Wiegen gleichsam durch ein Wunder errettet; das Wasser höbe die Wiege allgemach auf, und triebe fie bis andieTreppe, so an den Fall-Laden anstieß, allwo fie stehen bliebe, so daß man fie, ohne andern Schaden des Kinds, als daß fich etliche weiße Blasen auf feiner Haut gezeiget, hat herauf ziehen können. Es find etliche Personen in ihren Bettern crtrunckeu, und die Better wäret, verdorben. Dieses Gewässer ergösse fich hernach auf den Marckt-Platz, der fich bis an das Ufer des Sees erstreckt, Mete die Gärten, und dränge in die Keller an einer Gaffe, die an den Marckt-Platz anstoßt, allwo es einige Mauren umgerissen, etliche Gewölber wancken machte, und allenthalben eine solche abscheuliche Menge von Schlamm und Koth herzuführte, daß man Mühe genug hatte, dasselbe wieder wegzuthun, welches einen grossen Gestanck verursachte. Zu gleicher Zeit fiel ll. Tbeü. Z) y der * S. oftged.Breßl.Saml. im ssulio 1726. LIzlz. iv. p.98. z54 Zusätze emlger Nachrichten der Strahl mitten in die Stadt, nemlich aussenher an das Eck an der Maur des Spittals, und von da dränge er durch ein Loch, das man fast nicht gewahr wurde, in eine Kammer hinein, allwo es eine halbe Pique oder Spontan des Spitthalmeisters antraft, davon es das Holz zerbräche, ohne dem Eisen etwas zu schaden. Allein wieder Mfdas Wasser zu kommen, so wäre der Gewalt desselben so gross daß es eine ganz neue 9. Schuh dicke Maur umwarffe. welche die Herren von Vivis angefangen hatten an dem Ufer des Sees und im Wasser aufzurichten, um eine starcke Brücke zu machen; es hatte die Stuck von dieser Maur so weit hinaus getrieben, daß man auch heut zu Tag kein Merckmahl mehr davon siehet: man glaubet, es habe sie in einen liessen Abgrund, der nahe hierbey nicht weit von dem Ufer des Sees ist, hinausqestoffen. Man karr den Jammer in dieser Stadt nicht genug ausdrucken. Man rechnet den Schaden (die nothwendige Unkosten um das, was das Wasser verderbt, wieder anzubessern mit ritt begriffen) auf mehr als i00000. Thaler. Es sind zwey Häuser auf beyden Seiten der Brücke, und eine Mühle oben an der Brücke, völlig zu Grund gerichtet. Die Pfarr von xionilre-mx, welche gegen Aufgang nahe bey Vivis lieget, hat so Vieh ja man sagt noch mehr erlitten, als Vivis, durch eben eine solche Wafferfluth, so sich in den daselbst vorbeyflieffendenBach, i-> Noie genannt, ergossen. Es ist eine Menge Lands und viele Juchart Wein-Räben völlig weggespült worden. Ich kenne daselbst eine einige Familie, welche an weggenommenem und beschädigtem Land zooo. Francken verrohren hat. Diese Wafferfluth hat grosse Senten, so auf den Alpen in diesen Gegenden stnd, völlig verderbt, das Vieh und die Hütten samt der Erden weggespült, so daß man heut zu Tag nichts mehr davon siehet, als die blossen Felsen. Zu gleicher Zeit haben verscbiedne Ort in dem Can- ton Freyburg, so angränzend sind, grossen Schaden erlitten, so daß in dem Dorff, >e Lknei 8. l)em8 genannt, 7. Häuser von dem Wasser weggerissen worden. Endlich hat sich dieses Ungewitter auch in dem untern Walliffer-Land erzeiget, viele Dörffer und Höf, so an dem Ufer -er Rhone liegen, überschwemmt; der halbe Theil davon wurde durch Ueberschwemmuna, und durch das Feur vom Himmel, zerstört und zu Grund gerichtet, so daß sich die armen Einwohner benöthiget sahen, in die Wälder zu fliehen, auch sich unter dm Ruinen ihrer Häusern aufzuhalten. Einige Tage nach dieser entsetzlichen Ueber- schwemmung (indeme das Waldwasser, die Vevaile. feinen vorigen RunS vsn besondern Olatur-Gefchichten. zss Runs verlassen) hat man daselbst an einem Ort, der nahe bey dieser Stadt ist, eine Quell von Mineral-Wasser entdeckt, die gleich ist mit denen Quellen von Lausanne, und Koii, und die etwas von Eisen, Vitriol und Alaun führet, wovon viele Personen mit guter Würckung getrunckcn; wann dieselbe bestehen tönte, so würde durch diese Entdeckung der Schaden, so diese Stadt erlitten, zum Theil ersetzet; allein es ist zu horchten, daß man dieselbe bald ver- ltehre, und das Waldwaffer, wann es wieder in sein voriges Bett laustet, sie von neuem bedecke. Von der grossen Überschwemmung / so im Herbstmonat 1726. im Glarnerland begegnet. * iOn dem 4. Augstmonat an bis zu dem rsten Herbstmonat ist es beständig hell und heiß Wetter gewesen, so daß dieses schöne Wetter fast so vielen Schaden brauete, als die ausserordent- liche Feuchte in dem Augstmonat des vorigen Jahrs verursachet hat, fonderheitlich an gäben Orten : die Erde wurde völlig aufgetröckmt, die Quellen und Brünnen verlohren sich, die Pflanzen wurden welch die Wiesen verdorreten, und die Wein-Räben, fonderheitlich an denen Orten wo ein fandichter und sonst trockner Boden ist, fiengen an vor Durst zu verwelcken, und die Trauben wurden hin und wieder ganz verftrupft, und wie gebraten, eh sie zu ihrer Heiligung gekommen ; so daß es ein trauriger Anblick, sonderlich in der Grafschaft Baden und in dem Siqgentbal, gewesen, und neben der Erde auch die Einwohner nach einem Regen vergeblich geseufzet, indeme hin und wieder in den Städten und Dörflern die rothe Ruhr gras- sirte. Allein diesen Mangel des Wassers ersetzte der daraufvon der Mitte des Monats bis zu Ende desselben gefallene Regen überflüssig; ja es fiel eine solche Menge Wasser vom Himmel , daß hin und wieder in denGlarner- Sarganser- Urner- und Schweizer Thälern alle Bäch und Flüsse, zu grossem Schrecken und Schaden der Einwohnern, überliessen. Folgendes schriebe Hr. PfarrerJoh. Heinrich Tschudi von Schwanden unterm Herbstmouat an mich: Ich Zy L kau ^ S> Mehrg. Breßl. Sammt. im Lspreinbr. 1726. LlalL.IV. Arr. s. p. ^48. zs§ _ Zusätze einiger Nachrichten kan nicht umhin etwas zu berichten von der Wassers-Noth, die wir in der paßirten Woche fast im ganzen Lande gehabt, und dergleichen noch niemand bey uns erlebet. Am Mittwochen den i?ten oder i8ten dieses regnete es sehr starck, und auf den Alpen siele ein noch zu der Zeit ungewohnt grosser Schnee. Am Dienstag Abends stenge es wiedrum an warm zu regnen, und weil solchergestalt der Schnee auf den Höhen fast auf einmal zerfchmoltze, auch die durch die lange Hitze ausgedörrte Erde das Wasser nicht so wie sonst an sich zöge, wurden die LLmh, die Geenst, und andre kleine Bäche so ungestüm, und mit solchem Ueberlauff angetrieben, daß man schon bald nach Mitternacht in vielen Häusern sich nicht mehr sicher wußte, wie denn auch hier und zu Enneda noch vor Tage verschiedene an der LLmh wohnende sowol sich selbst, als auch das beste von ihren Mobilien, daraus salviren mußten. Es war ein grosser Lerm, und menschliche Gegenwehr umsonst; da es aber hier ohne sonderlichen Schaden abgelösten, so hörete man doch bald von viel grösserem Jammer von andern Orten des Lands, sonderlich aus den beyden Thälern hinter Schwanden, da viele Felder auf den Grund verwüstet, und nicht nur mit Lett und Sand, sondern auch mit grossen Haussen von Steinen überführet, etliche auch gar wegaespühlet worden. Nur im Linrhthal wird der Schade auf IO 0 O. st. geschähet. Daselbst wurde ein Hauß übem Haussen, und an einen andern Ort, gewissen, doch, wie man versicherte, nicht ohne eine special-Vorsorge Gottes, indem solches dem fast neuenPfarrhause uud Kirche zum Schirm gedienet, weil die LLmh schon angefangen ihren ungestümen Lauff dahin zu nehmen, und aber durch jezt-bemeldtes Hauß auf einen andern Lauff gewiesen wurde. Es sind aber noch andre Häuser in dem Fundament zernichtet, daß fast nicht mehr sicher darinnen zu wohnen; von der neuen bis zur alten, d.i. Römischen Kirche, soll alles gleich einer offenen See gewesen seyn. Ein wiewol nur kleines Hauß wurde zu Mach weggespület. Zu Glarus mußte man noch vor anbrechendem Tage Sturm läuten, weil es schiene die LLmh wolle ihr gewöhnliches Bett verlassen, und völlig in den Flecken Hineindringen, so aber mit grosser Noth verwehret worden, dem Flecken selber aber zu grossem Nachtheil gedienet, daß die Wuhr-Tannen beider Linth-Brücke gegen Enneda, welche zur Wasser-Leitung für etliche Mühlen dieneten, zugleich weggerissen wurden. Näffels, (wo ein junger Knabe geblieben) wie auch Ober- und Nieder, Urnen von besondern Natur-Geschichten. 357 haben, mit denen anliegenden Wiesen, auch vieles erlitten. Von Mollis und Stiren höret man wenig. Es kostete auch verschicdne Brücken, als nebst andern die beyden bey Glarus über die Linch, und eine bey Schwanden über die Sernft. Die gedeckte Bruck all- hier, für die man sehr besorget war, ist aufrecht geblieben. Der Rege» an diesem betrübten Tage hat zwar zeitlich aufgehöret, und ver folgende Samstag war schön und hell: Um io. Uhr Vormittag ward nicht nur zu Glarus, sondern auch zu Mirlödi Sturm geläutet, mit dem Bericht, daß die Linch, so aus dem Mnthaler-See fließt, auf selbiges Dorff mit Macht einbrechen wolle. Man begehrte eilende Hulffe, und man liesse zu, von hier viel Männer, von Glarus Männer und Weiber, Herr Decan und ich kamen auch an den Ort, und hatte man gewiß grosse Mühe, dem besorgenden Übel vorzukommen. Der Weg in Rlönchal soll dergestalt ruiniret seyn, daß es entweder gar unmöglich denselben zu repariren, oder daß solches nicht anders als mit etlichen ic-oo. fl. geschehen kan. Sehr viele gehauene Hölzer, auch ganze vom Boden ausgeriffene Bäume wurden weggeschwemmet, vieles so gar bis auf Westen getrieben, weil von Kassels bis dahin ebenfalls eine offene See gewesen. Weil Enneda von Glarus aus Mangel der Brücken abgeschnitten, so hat am Sonntag ein Herr Candidat, Gchmrd, eine Predigt am ersten Ort unter freyem Himmel gehalten, welches auch der Pfarrer zu Nieder-Urnen thun müssen, weil die Kirche daselbst noch voll Schlamm war. Wie die Linch in einem ungewohnt grossen Uber- lauff hier zu Schwanden A. 1629. vor der Pest gestiegen, ist bey einem Merckmahl an einem grossen Stein an der Linch zusehen; es befindet fich aber, daß dißmal selbige noch völlig i z. Schuh höher gestiegen. Wünsche, daß so traurige Natur - Geschichte uns zur Warnung vor noch grösserem Unheil dienen. N« s Von Zusätze einiger Nachrichten Zs8 Von einem Berg-Fall / so den zo. Hemn. und i.Augftm. A.r 725. in dem Glarrierland geschehen. * ist mit Stillschweigen mit Nichten zu übergehen der Berg- Riß, so den zo. Iul. und zu Anfang des Auausti geschehen, und zu einer Senckung des Berges oberhalb des Dorffs Bilten, in dem Gebiete von Glarus, Gelegenheit gegeben, und selbigem, wie die Rede gehet, fast den gänzlichen Untergang ange- dräuet. Das ist gewiß, daß von Ergteffung des Bachs und von Her- abwältzung derer Steine viele Dörffer und Vorwercke mit Sand und Steinen überschüttet, Ställe und Gebäue niedergerissen worden, namentlich des Hrn.Ioh.RudolphOßwalds, Caspar Aryetheuers, Caspar Höffri, Jacob Zemers, Elisabeth Speichln, deren Familien hierdurch in Armuth versetzet worden. Eine umständlichere Er- zehlung hiervon kan folgendes an mich von Hrn. Dinner abgelassenes Schreiben ertheilen, so also lautet: Vortrefflicher, Hochgeehrter Hr. Doctor ! Damit Jh. Ercell. von hiesigem Berg-Fall oder Schlipt den verlangten Bericht und damit einige Satisfaktion geben tönte, mußte mich von denen Alp-Knechten und andern, denen die vornehmsten Umstände am besten wissend zu seyn glaubte, infsrmiren lassen, deren Erzehlung nun dahin lautet: Der Ort sey ein gewisser Distrikt oder klein Thälein an dem Berge, von der Kirche eine gute halbe Stund in die Höhe gelegen, zwischen zweyen kleinen Bergen oder Höhen, deren die eine der rothe Berg, der andre Düfibort heißet,, an einigen Orten ein wenig abhängend gewesen; an einigen Orten ganz eben, leimicht, sumpsig, morastig, ohne Zweifel von denen daselbst sich befindenden kleinen Quellen oder Brunnen, so keinen Ablaufs hatten, besetzt mit etwas Wald von Tannen und anderm Gehölz, samt grossen und kleinen Steinen, der oberhalb einen Felsen und unter- * Auch isi dieses Stück von uns. scl. Hm. Scheuchzer mehrbelobt. Gesellschaft M Breßlau mitgetheilt, und in oftged. Samt. im August A. 1725. cHs.lV» Hrr. 6 . p. 187. eingesetzt morden, und dienet ;ur Bestätigung dessen, was von. . dieser Materie in dem I. Theil der Natur - Geschichten p. 28 7. gehandler wird. von besondern Natur-Geschichten. ZsA unterhalb auch einen solchen, drüber hinab einen Liessen Fall, der Rohrfall genannt, hatte. In dieser Gegend habe man schon mitten im Jul. it.v. hin und wieder in der Erde, sonderlich dem daselbst durchgehenden Alp-Weg nach, grosse Spält oder Riffe wahrgenommen, und etwas Wassers darinnen, in den folgenden Tagen auch die oberste Erde von den Steinen ledig, ohne daß sie wissen wollen, einiges Knallen vorher gehöret zu haben. Als aber einige den 24ten besagten Monats daselbst durchpaßirten wiewol zu ungleicher Zeit, haben sie ein Knalleih vor Entsetzen fast nicht wissend, wo, doch vermeynend unter der Erden, gehöret, die einen, als wenn kleineres, die andern, als wenn grösseres Geschoß loßgebrannt werde, andere, als wenn es donnerte: und so soll es auch in folgenden s. Tagen, bald gar ftarck, bald minder starck gehöret worden seyn. Ebeli diese haben auch damals einige Tannen allgemach sincken, und eben so auch Stein, als zöge man sie mit Seilern herunter, umwältzen, und in dem Morast fortrücken, gesehen, sie selbst aber hätten Mühe gehabt, sich aus dem Schlamm zu retten. Eben dieses Tags hebte es an, viel solcher Materie zusammen zu stoßen, unten in der Enge der beschriebenen Gegend zu sammle«, und dann über bedeuteten Fall in die darunter in dem Tann- Wald liegende Rüfi hinunter zu stürben. Es continuirte also in die iO. Tage. In den drey ersten, als ganz hellen Tagen, brachte es das herunter gefallene morastige Wesen, so mit Wasser nur so angefeuchtet war, daß es kümmerlich fortkommen mochte, samt etwas Steinen, bis zu den ersten Häusern, so einen Musqueten-Schußweit hinter der Kirche stehen, hinab. An dem Abend des drittm sienqe es an, und in einigelt folgenden Tagen führe es fort sehr starck zu regnen, und so hiemit die Sorge grösser zu werden. Dann da zu verschiedenen Zeiten und öftermalen des zusammen qeschlipten Schlamms, nachdem viel Wasser dsrhinter gekommen, grosse Haussen etwa» samt Tannen, etwa» mit grossen Steinen, deren einige 2. Klaffter, einige mehr-ick (doch nicht vom obern Felsen gerissen, wiewol auch welche darvon abgebrochen, aber dorten bey denen, so in vorigen Jahren abgespalten, liegen geblieben) seyn sollen, die Wand herunter gewissen worden, mit solchem Prasseln und Knallen, daß es dem Verlaut nach zu Grynau, Uynach und derer Gegenden gehört worden: wiewol die größten Steine in dem Wald geblieben, hat es doch auch zimlich grosse und kleinere mit vielem Morast durch die Runs, fo nun an theils Orten ro. an theils 20. und an einigen zo. und Z6<2 Zusätze einiger Nachrichten mehr Schuh tieff eingefreffen, bis un die Weyde geschleppt, ein alt Hauß unnütz gemacht, ein anders samt Stall, ftarck, ein doppeltes nur um etwas besetzt, beschädiget, 4. oder s. Gärten rumstet, ein Hauß ».Hofstatt fast ganz, ein ander Stück Guth zum Theil mit groben Sachen, andere mit kleinerer Materie überführt und besudelt, und so auch an Vieh-Weyden ein zimliches verwüstet. Bors künftige wollen einige nichts böses mehr vermuthen, weilen in der oben beschriebenen Gegend (so an meisten Orten sich mit weniger: gesenckt,) es wiedrum fest und still, bey langwierigem Regenwetter nicht mehr gcschlipt, und das Wasser durch die gemachte Runs nun freyen Abzug hat. Andere aber stehen in der Furcht eines noch grossem Schadens, weil die herabgestürtzte Materie geringe sey gegen der droben annoch zusammen geftossenen, an der Seite des rothen Bergs liegenden, die von einem sehr grossen Stein aufgehalten wird, und ohne anders weichen müßte, wenn der Stein weichen thäte. Wer von mehrern dergleichen Schweizerischen Berg-Fällen etwas lesen wil, der findet solches in Ruhm-gedachten Hrn.Prof.Gcheuch;ers OreoZrapkiz p. 127.^4. ^).M:wMrc>0!wrw:c>):c<>:c<)!c<>!c^.'w:cl0rc-Z:e<>:«>!0-2rc<>;c<>:(kH-' Von einem Erdbeben so A. 1720. gewesen.* ^L^l En 2O. Christmonat verspürte man zu Gk. Gallen, im Thür, gäu, bis gegen Costanz und Stein ein Erdbeben, hier aber in Zürich nur sehr wenig. Man bemerckte selbiges ferner im Appenzeller-Land, zu Reinegg bis gegen Altstätten, ja auch jenseits des Boden-Sees zu Lindau, Termangen uudLangenar- gen, rc. so daß der ganze Ober-See beweget wurde. Es geschahe diese Erschütterung am Morgen um halb 6. Uhr, wovon die Häuser zitterten, und hin und wieder Scheiterhauffm umgeworffen wurden. Jacob Wetter, ein onäMams 8. r^i. der in seiner Studier-Stube dem Studieren obläge, hörte einen entsetzlichen Knall, weßwegen er um * S. oftged.Breßl. Samml. im Decembr. A. 1720. Llnix.IV. ^rr. 5. p. 644. unv dienet zur Ergänzung dessen, was in dem l Theil der Natur-Geschichten von p. i 8 S. bis i-s. von dieser Materie gehandelt wird. _von besondern kT^atur- Geschichten. um sich sahe und gegen dem Fenster liesse, da dann das Hauß so ge- wancket, daß er beynahe an die Wand gefallen wäre. Etwas besonders ist dieses, was der Rorschacher-Bott erjehlet, daß, da er an einem Ort, auf dern Brüel genannt, sich halb auf die Erde niedergeleget, und auf die Eröffnuna der Pforte gewartet, habe die Erde unter ihme gezittert, aus welcher solch warme Dünste aufgestiegen, daß er glaubte, wann er nicht sogleich aufgestanden, so wäre er in Gefahr kommen zu ersticken. Zu Roagweil nahe bey Arbsn zerrisse die Manr an dem Schloß an zweyen Orten, und zu Morschweilen die Kirche. In dem Schloß und an andern Häusern zu Arbon wurden die Ca- mine oder Schorftein von den Dächern hinunter geworffen, und bekäme die Maur von dem Schloß drey Riffe, welches dcrgcsialten erschüttert worden, daß man selbigen Tags keine Thüren in diesem ganzen Gebäll beschließen können. Ein gleiches wiederfuhr auch dem Hauß des Hrn. von Aeberzen, an welchem die Maur zerrissen, und das Camin auf die Erde hinunter geworffen wurde. In einem mit Frucht beladenen Schiff an dem Geftad des Sees bemerckete der Hüter desselben eine wunderbare Erschütterung der Säcken, und daß sie gegeneinander anstießen, so daß er aus Forcht rathsamer erachtet, zu Fuß durch das Wasser bis ans Land zu gehen, als länger in dein Schiff zu bleiben. Um 8. Uhr wurde zu Sr. Gallen eine neue doch geringe Erschütterung verspüret; und käme es Hrn. vecsn oder än- riiles Gcherer. welcher mir dieses überschriebe, vor, als wann vielleicht in der Nähe ein grosses Faß mit Waaren angefüllt mit Gewalt auf die Erde geworffen worden, da doch nichts dergleichen geschehen. Im Appenzeller-Land wehrte zu selbiger Zeit ein sehr ftarcker Wind die Ziegel von den Dächern, sondcrheitlich aber von dem Capueincr- Clofter, risse Bäume und Camin darnieder, so daß die Einwohner vor Schrecken nichts von dem Erdbeben verspüret haben. Zu Sr. Gallen wchcte ein Tag vor dem Erdbeben, nemlich den isten, ein ftarcker Süd-Wind, absonderlich gegen Abend und die ganze Nacht hindurch, der einen Gcstanck und Staub mit sich fübrete, so daß man meynte, die Einwohner des Obern Thurgäus erweckten einen solchen Staub. Woraus eine außerordentliche Wärme erfolgte; daher die Thermometer um etliche Grad stiegen, und bey uns unter einem Süd-Süd- Wcst-Wind heftige Platz-Regen fielen. Von Trogen im Appen- zeller-Land schreibt Herr o. sellweger , der Erdbeben habe kaum eine Minuten lang gewähret, und seyen die Häuser davon ftarck er- ll. Theil. Z z schüt- Zusätze einiger lTkaebrichten schüttert worden. Ein Mann, der um diese Zeit von Hause gieng, nachdem er etliche Schritt weit fortgegangen, verspürte ein Gemür- mel, und nachdem dieses vorbey wäre, bemerckte er, daß die Häuser unter einem starrten Knallen erschüttert wurden: er schriebe dieses (nach der Art dieser Nation, welche alle ungewöhnliche Dinge den guten oder bösen Geistern zuschreibet,) einem Gespenst zu. Im übrigen habe weder ich noch andere dieses Erdbeben verspüret, wohl aber die aus der Erden aufsteigenden Dünste. Der Barometer fiele an selbigem Tag zu dem untersten Grad, den er jemalen erreicht hat: Soware auch der meinige den iZten 26". den roten 26". z"( gewesen: indem ein ftarcker Süd-Wind zwey oder drey Tage denselben herunter gedrucket hatte. Von einem Erdbeben so sich A. 1721. zugetragen.* ^S verdienet eine besondere Anmerckung derjenige Erdbeben, ) so fich den z. Heumonat ein Viertel nach 8. Uhr Vormittag zugetragen, den man zu Bajel am ftärcksten verspüret, besonders diejenige Bürger, welche in hohem Gemächern wohncten, denen käme es vor, als wann ihnen die Dächer auf die Köpf herabfallen wollen: viel weniger aber verspürten es die, welche auf den Gaffen herum giengen, deren viele gar nichts gemercket; andere, die das Wanken einem eigenen Schwindel zuschrieben, oder ein solches Wanken verspürten, wie in einem auf beyden Seiten bewegten Schiff; andere vermeynten, die Häuser wanken: Es gienge diesem, wie es einige beobachtet, ein Gemürmel unter der Erde vor, als wann etliche Gut- schen daher liessen: die Glocken wankten hin und wieder und erthön- ten; einige Schorftein oder Camin wurden herunter geworffen, und die Wände zerrissen; viel flohen aus den Häusern, aus Forcht darunter begraben zu werden. Es waren zwey Erschütterungen; durch die erstere zitterten nur die Fenster und Wände; durch die andere aber, welche sogleich darauf erfolgte, wurden die Wände mit Knallen aufgetupft. Dieses Erdbeben wurde in dem ganzen Canton Basel verspürt, insonderheit auch zu wallenburg, und in dem Bißthum hin * S. ostzed. Breßl. Saml. im ^ulio 17»!. Lias;. IV- r> p- von besondern iTlamr-Geschichten. Z6z hin und wieder mit Schaden der Häusern; so auch zu Müllhausen, und in der Marggrafschaft Baden , im Elsaß bis Men Straß- burg. Das gleiche Erdbeben beobachtete man auch zu Bern und in dem Berner-Gebier: Zu Bern, wie man schreibt, ein wenig vor 9. Uhr: allein der Unterschied zwischen Bern und Basel ist vielleicht vielmehr in den Uhren zu suchen, als aber in dem Erdbeben. Diejenige, welche damalen zu Pferd waren, verspürten gar nichts. Man bemerckte auch zu Luzern eine, aber sehr geringe Erschütterung, und das zwaren in den niedern als den hohem Orten der Stadt. Von dem Gcwölb iu der Jesuiter-Kirche daselbstFnd einige Stück von dem Gipswerck herunter gefallen. In dem Zürich-Gebiet verspürte man eine Erschütterung jenseits dem Albis-Berg in der Herrschaft Rnonau ; disseith des Aldis auch, allein nur wenig; wie auch zu Erlibach an dem Zürich-See. Zu Zürich vermeynte kaum der einte und andere etwas verspürt zuhaben: ferner auch zu Richcer- sihweilen, und gegen Einstedeln. Von dem Erdbeben zu Eglisau/ im Zurich- Gebiet / so sich den z. Augstm. A. 1725. zugetragen. * ^S ist merckwürdtg das Erdbeben, so sich zu Eglisau in dem Zürich-Gebiet zugetragen, wovon damaliger Herr Pfarrer Haug in der: an Hrn. und mich abgelassenen Schreiben eine völlige Nachricht gegeben hat, welche hier mitgetheilet wird. Das Schreiben an Ihro Hbchw. Herr Obrift-Pfarrer lautet also: «Den vergangenenFrcytaq,welches derz.Augstm.wäre, um 2.Uhr Nachmittag, hat die gewaltige Hand des Allmächtigen Gottes die Gegend, welche der Stadt und Gemeinde zu Egiijau zur Wohnung dienet, durch ein solch ftarckcs Erdbeben erschüttert, daß auch die ältesten Leute einmüthig aussagen, es seye diese Gegend durch ein Erdbeben bey ihrer Lebcns-Zeit niemalcn so erschüttert worden. Es hat sich daffclbigc sehr weit ausgebreitet, und auf beyden Seiten des Rhcynstuffes die äussersten Gränzen berühret, so daß auch die Töß- rieder (welche, wann auch gleich zu Eglisau ein starckes Erdbeben ge- Zzr we- * S. ostged. Breßl. Saii'.ml. im August A. 1725. LI2i5.lV. An- 7. p. 189. ?64 Zusätze einiger Nachrichten Wesen, dennoch nichts verspüret hatten) gleichfalls heftig davon erschrecket worden. Man hörete einen Thon, gleich als wann eines der größten Stucken abgelassen wurde, und zwar wärederThon nicht so gebrochen, wie etwa» vor dem, sondern gantz hell wie ein Donner- schlag : das Zittern des Bodens, der Häuser, und selbst auch der Brücke, welche beyde Seiten des Rheyn-Flusses vereiniget, wäre viel stärcker, als was man jemalen bis dahin beobachtet hatte; man erzehlet, daß Steine aus den Mauren gefallen, und Fässer eins auf das andre mit Gewalt seyen geworffen worden. Und doch, welches die Güte Gottes gegen uns gewesen, zeiget sich nicht der geringste Schaden an Häusern oder eine Oefnung der Erden, in welcher wir lebendig hätten können verschlungen werden. „ Folgendes schriebe gedachter Herr Pfarrer an mich: ,, Der Gebrauch des Petersthaler Saurbrunnen, den ich zu Rheynfelden, einem in unserer Vaterländischen Hiftori nicht unbekannten Ort, davon gemachet, hat mich die einte und andere Wochen verhindert, daß ich keine Briefe an sie abgegeben. Sie wissen sechsten wol, wie träg, etwas ernsthaftes zu behandeln, oder etwas wichtiges zu unternehmen, diejenigen find, die sich einer Trinck- oder Bad-Cur bedienen, und nur um die Gesundheit ihres Leibs und Ermunterung ihres Gemüths besorget sind, ich hätte schier gesagt, gut Vöglcin sorgen lassen. Diß ist auch die Ur- sach, warum ich Denenselben, welches ich sonsten hätte thun sollen und auch gethan hätte, von dem Erdbeben keinen Bericht abgestattet habe. Es kommt noch darzu, daß ich gehoffet, ich könte etwa« nach meiner Abwesenheit etwas mehrers und umftändlichers davon bey meiner Zuruckkunft berichten, und Ware anbey versichert, daß die Haupt-Umstände dieser Sach Ihnen aus dem Schreiben, so ich an Jhro Hochwürd. unsers Hrm^nulles abgehen lassen, bekannt gemacht würden. Nun da ich wieder nacher Hauß in meine Studier-Stube zurückgekommen, so unternehme, Denselben dasjenige davon zu berichten, was mir bekannt, und von glaubwürdigen Zeugen eröffnet worden. Alle, mit denen ich deßwegen geredt habe, sagen Unmuthig aus, dieses seye die allerftärckste und gewaltigste Bewegung gewesen, so sie jemalen verspürt haben: es seye vorhero ein Knall geschehen, gleich wie von einer Carthaunen, und so wie sie sich erinnern vor zwey Jahren gehöret zu haben, da die Pulver-Mühle in Zürich zersprungen. Der Thon seye nicht so gebrochen und stumpf gewesen, als daß sie vermuthet hätten, es wäre nur allein in den von besondern l77amr-Geschl'chten. Z6s Höhlen der Erde geschehen/ sondern viel Heller/ so daß andre verminten, sie haben einen starcken Donnerschlag gehöret: es seye darauf sogleich der Stoß oder die Erschütterung der Erde erfolget/ der seines gleichen nicht gehabt. Einige die auf Stühlen fassen / verminten, sie würden aufgehoben; andere die dem Ackerbaue oblagen/ meynten unter dem psiügcn/ der Erdboden wolle unter ihnen wegweichen. Ein Vorgesetzter/ welcher bey seiner Scheuer (die auf der rechten Seiten des Rheyns, allein etwan zoo. Schritt weit von dem Rheyn gegen den Berg zu/ und in einer Ebne bey einem Fisch- Teich/ so der Stadt-Mühle zugehöret, lieget) stunde/ versicherte/ er habe nichts anders erwartet/ als daß das ganze Gebäu ihme auf den Kopf herunter falle; das Wasser in dem Teich seye sehr starck beweget worden; diese Erschütterung habe auch die Ziegel auf dem Dach und den Kalch/so selbige fest machte/ voneinander gesondert/ so daß einige Stück Kalch herunter gefallen. Die Brücke/ über welche der Haußmeister oder Ober-Aufseher über die Frücht, ungefehr gegangen/ vedünckte ihn als wann sie von ihrem Ort wolte weggerückt werden. Zwey-und dreyjährige Kinder/ die das Zittern der Häuser wahrnahmen/ sagte»,/ das Hauß habe gemacht bauten heyer,/ oder Habe sich gleich einer Wiege von einer Seite zur andern beweget. Die Schüler so in der öffentlichen Schul versammlet gewesen / waren / da auf das Zittern des Hauses die Fenster heraus gefallen / hinzu gelösten / um zu sehen/ was für ein Wunder da geschehe / und da sie es vernahmen/ in äusserste Forcht und Schrecken gesetzet worden; und was als etwas besonders von diesem Erdbeben anzumercken verdienet/ ist/ daß auch die Tößrieder ein gleiches Erschüttern der Häuser verspüret haben; oberhalb Tostrieden, gegen die Ziegelhütte von Eglisiru, erschreckte ein Prasseln u,H Knallen die Leut m den offnen Feldern/ welches bisdahin bey keinem Erdbeben oder bey den wenigsten ist wahrgenommen worden. Es bemerckten demnach andere/ d,e fast erste und allerstärckste Bewegung mit einem Krachen begleitet/ habe ihren Ursprung von dem Berg her gehabt/ welchen wir von der einten Seite her den HohenEgg, von der andern aber die Risse heiße,,/ wohindurch derFuß-Weg gegen Buchberg und Rüedimgen (zwey Schafhau- serDörffer) gehet/ und der/ wie bekannt/ von runder Erden angefüllet ist/ und dessen beyde Seitm mit einem zimlich Liessen Thal (welches unsere Leut Tobel heißen, und das von Wald-Wassern ausgehö- let worden/) unterschieden sind; hernach seyen die Häuser/welche man Zz Z m Z66 Zusätze einiger Nachrichten in der Burg heißet, mit einer stärckeren Bewegung als sonsten erschüttert worden, diese Bewegung seye aber über den Rbeyn gegen die lincke Seite desselben fortgegangen, und an der Rheynhalde habe sie angestoßen und geendet: dann es seye die Erschütterung nicht weit über unsern Gränz-Sänlen hin gespüret worden, kaum 1220. Schritt von dem Rheyn entlegen. Auf der lincken Seiten aber seye alles durch Thäler und Hügel, den Weg hin der gegen Schafhausen führet, bis gegen das äusserste Dorffim Zürich-Gebiet, mit Namen Sulgen, erschüttert worden, insbesonder aber diejenigen Häuser und Güter, die an gedachtem Berg HohenEgg liegen. Es ist sich aber zu verwundern, daß weder die Buchberger noch die Rüedlingcr, uns gegen Aufgang gelegen, noch die Hündwanger auf der rechten Seiten des RheynS, noch auch wir zu Rheynfeiden, welches Egli- sau gegen Aufgang auf der lincken Seiten des RheynS lieget, nicht die geringste Bewegung verspüret haben. Was nun für eine natürliche Ursach dieser Erschütterung seye, und ob zu dieser Zeit, da wir ftärckere Erdbeben verspürt, auch eine grössere Menge schweflichter und salpetrischer Materi sich gesainmlet habe, oder was für Unheil dieses Innere dräuen möchte, überlasse ich Gelehrtem, als ich bin, zur Beantwortung. Das einige bleibt mir übrig, daß ich Gott vor seine Gnade den demüthigsten Danck erstatte, nach welcher er es so geleitet, daß diese ftarcke Erschütterung keinen Schaden verursachet, und ihne flehentlich bitte, daß er unsere Erde, die er aufdaS Wasser, ja gleichsam auf nichts gegründet, durch seine allmächtige Kraft beveftigen, und alles Unglück und böse Zu- fäll, welche wir mit unsern Sünden wol verdienet haben, und täglich verdienen, von uns abwenden wolle. Wormit nach tausendfältiger Begrüßung Sie der Gnade des Höchsten anbefehle, und gegen mich mit Ihrer Liebe beständig fortzusetzen bitte. Mehrerer Erläuterung halber habe ich eine Äerzeichniß derjenigen Erdbeben beygefüget, welche von Anfang meines Dienstszu Egiisau bis anjezo sind verwirret worden. Egiisim/ den io. Augstm. i7»5. Verzeichnis; derjenigen Erdbeben / so in währendem meinem Pfan-Dienst zu Eglisau sind bemercket worden: 1) Den 29. Christin, um halber 8 . Uhr Abends, A. 1714. 2) An gleichem Tag um 9. Uhr AbcndS. z) Den von besondern Nckmr-'Geschichten. Z67 z) Den s. April um halber 8. Uhr Abends, A. 1716. 4) Den 6. Heum. um 4. Uhr Nachmittag A. - 717. s) Den i8. Christm. um 8. Uhr Abends, in gleichem Jahr. 6) Den 27. Christm. just Mittags um 12. Uhr, in gleichem Jahr. 7 ) Den 17. Heum. um s.und 6. Uhr Nachmittag, A. 1718. 8) Den io. Christm. um s.und 6. Uhr Nachm. in gleichem Jahr. 9) Den 26. Hornung um halber 8. Uhr am Morgen, A. 1722. 10) Den i z. April um die Mittagszeit, A. 172z. i.r) Den z. Augstm. um 2. Uhr Nachmittag, A. 172s. Von einem abermaligen Erdbeben / so A. 1726. zu Eglisau sich zugetragen. * ^^On dem Erdbeben zu Eglisau schriebe Herr Pfarrer Haug fol- gendes an mich: ,, Ich klopfe nun zum drittenmal innerhalb ^ einer Jahrsfrist bey Ihrer Thüren an, weilen es dem Herren, vor dessen Angesicht die Erde erzittert, und die Himmel zerschmelzen, zum drittenmal innerhalb einer kurzen Zeit gefallen bat bey uns anzuklopfen , und unsere Erde zu erschüttern. Zu demjenigen Erdbeben, welches den z. Augstm. des vergangenen Jahrs uns erschrecket hatte, und da zu dem den 16. Hornung dieses laussenden Jahrs noch ein neues hinzukäme, hat sich noch ein drittes gefüget, welches wir den 7. Heum. am Sonntag gleich um 7. Uhr Morgens oder wenige Minuten nach 7. Uhr, verspüret haben, und mit einem gleich empfindlichen Erschüttern der Häusern, als wann ein Korn-Sack oder ein Stein wäre niedergeworfen worden; in andern Häusern aber wurde fast nichts verspürt. Im übrigen erzehlen die Unsrigen, diese Erschütterung seye auch denjenigen, welche jenseits dem sogenannten Hiltenberg gegen Glacefelden wohnen, die bisdahin von dergleichen Erschütterungen nichts gewußt, empfindlich gewesen. Wir haben daher der Gute Gottes demüthigen Danck zu erstatten, daß er uns wiederum mit einem väterlichen Winck rühren, und nicht in seinem Zorn nach Verdienen strafen wollen. Derselbe wolle auch ferner alle Erdbeben (wovor wir ihn in den öffentlichen Gebettcrn unsrer Kirchen erflehen,) gnädiglich von uns abwenden. * Sihe oftged. Breßl. Saml imssulio^o. 1726. Llalr-lV. Hrr. r. p.ioc-. Z 68 _ Ausätze einiget' sTlnehrichken »tz 88888888 8 88 8 §8 8 8H 8^8 8 8 8 8888888ßK^ N-ürfflichter und Pyramiden - sonniger klioz^korischer ^n^roclaniant) aus dem Berner - Gebiet. * * MKN der Gegend Bn'entz ist in einem weiß-grünlichten Thon ^ A. zwischen einem Felsen ein Stein entdeckt worden, eine Mittel-Gattung zwischen dem Crystall und Talck, bald ganz bald halb durchstchtig, uusärbicht, etwan auch grün von Färb, an der Figur verschieden; man karr ihm mit Recht den Namen des änäroö 3 M 3 nt§ (*) geben, mit dem Zunamen, des leuchtenden, wie solches aus denen mit ihme angestellten Proben erhellen wird. Er hat viele und verschiedne wunderbare Figuren; dann es gibt würfflichte, acht-eckichte, pyramideu-förmige, rauten-förmige, dreri- eckichte, ablang-aevierte, bald von gleicher, bald von ungleicher Figur : Es lassen sich aber diese Figuren alle ranqiren unter die drey- eckichten Pyramiden, in welche auch die kleinsten Milchen dieses Steins im Feur sich zertheilen oder zerspringen. Bildt man sich ein, daß ein Sechseck aufeinandergelegt werde, so kan es geschoben werden, daß in der Mitte ein Quadrat entstehet, und auf diese Art in dem etwas irregulairen mit sechs und vier Ecken einacschloßnen Cörper (wie dessen Netze sich auf den Seiten zeiget) in der Mitte Würffel formirt werden. Dieses kan vielleicht ein Licht geben, wie diese Würffel entstehen, ob gleich es sehr schwer fallet zu erklären, wie drey-eckichte Pyramiden Würffel abgeben können. Es sind die Winckel dieses Steins entweder von 62°., da nem- lich drey in dem Winkel eitler Pyramide sich vereinigen, oder von 122°., wo nemlich zwey von voriger Gattung in der gleichen Fläche zusammen kommen. Wann man diesen Stein über ein Licht haltet, so wird man bald sehen, daß er Spalten wirfft und zerspringt, und daß er hernach * Von eben diesem Stein hat Hm pwsellor kourAuer von Neuenburg eine um» stündliche Nachricht an die ^c^Icmie äes Sciences überschickt, welche sich findet flick. clc 1 'Hcacl. koMle cies Sciences 1724 . pa§. ; 8 - 6 i. Läir. inIVrn , , , (*) Eine reine Art von Talck in regulären rautenförmigen Stucken. von besondern Natur-Geschichten. nach entweder durch dazwischen kommende feurige Fittichen oder sonst mit leichter Mühe aufgelöst werde, und zwar irr oben gemeldte drey- eckichte- acht-eckichte- Pyramiden- und andere Figuren. Das aber, so vor: ungefehr entdeckt worden, ist sonderbar zu bemercken, daß er, wann er glüend von dem Feur weggenommen wird, gleich einem ?Ko8pkoro m dem Dunkeln leuchte und ein blau- lichtes Flammgen von sich gebe: Ich sage, ein Flammgen; dann es ist in diesem Stein ein zarter Schwefel, welcher , wann er entzündet wird, aus den Spalten aller Orten hervorleuchtet, und dieses Flam- gcn ausmachet, auch sich durch den Geruch verrathet und die Nase kitzelt. Wann durch wicderhohlte Kraft des Feurs der Schwefel aus den poris dieses Steins verfliegt, so verliehet er völlig seine pbospkori- sche oder in den: Dunkeln leuchtende Kraft. Man kan dieses Phänomenen noch besser wahrnehmen, wann man diesen Stein in einem Schmeltz-Degel feurig macht und an einen dunklen Ort tragt, dann da ist er von einem blasen Flammgen auf allen Seiten umgeben und glänzet wie ein Saphir. Wann dieser Stein glüend in etwas kaltem abgelöscht wird, so wird man sehen, daß er viele Spalten wirfft, lind sich dann gar leicht in kleinere Milchen vertheilen läßt. Sonderbar aber ist dieses merckwürdig, daß dieser Stein, wann er in eiriein Schmeltz-Degel glüend gemacht wird, von seiner Durchsichtigkeit nicht nur nichts verliehre, sondern noch durchsichtiger werde, und ein solcher Stein, wann er vorher undurchsichtig gewesen, auf diese Art gereiniget werde. Der, so grünltcht ist vor: Färb und dem Smaragd gleichet, hält mehr Schwefel in sich als ein anderer, leuchtet auch in dem Dunkeln mehr, wann aber der Schwefel verflogen, wird er ganz unfähig. Das stärckste Calcium-Feur in einem Wind-Ofen greifft ihn nicht au, er kan auch mit Glaß-Galle nicht in Fluß gebracht werden, ja es geht ihm auch an seiner Durchsichtigkeit nichts ab, da man das Gegentheil beobachtet an dem Cryftall, welcher solche in dem Cal- einir-Fcur verliehet und weiß wird, nemlich wegen unzahlich vielen Spalten, aus welchen die eingefallne Strahlen häuffig zurückprallen; so auch in dcm Talck, welcher völlig in Kalch oder Gips verwandelt wird. n Theil. Aaa Wann Zusätze einiger Nachrichten Wann aber unser Stein zu Pulver gestossen, und mit dem pul- verisirten Bologneser-Stein vermischt, oder mit Wasser zu einem Teig gemacht wird, so kommt er über dem Fcur in gemeldtem Wind- Ofen in einen Fluß, und gibt einen festen pkospkorum. welcher an dem freyen Luft, wann gleich die Sonne nicht scheint, in der Dünkle gleich einer brennenden Kohle glänzt; sonderbar wann man zu ge- meldten Pulvern noch Alaun mischt, und die flüßige Materie auf gissende Kohlen legt. Wann ich von dem grunlichten Stein 6 . Quintlcin und z 6 . Gran genommen, und durch Calcinir-Feur den Schwefel davon getrieben habe, so hat es sich gefunden, daß 6 .Quintl. und ss.Gran übrig geblieben, hiemit i. Gran abgegangen. Von einem andern unfarbichten habe 4. Loth, i. Quintl. und so. Gran genommen, diese haben, da sie von dem Calcinir-Feur noch warm waren, 4. Loth, 2. Quintl. und zz.Gr. und hiemit 5. Gran mehr, da sie aber kalt worden , zi.Gran, oder i. Gran mehr, gewogen. Ein anderer halb-grüner hat zu 8 . Loch 2. Quintl. und i z.Gr. annoch warm von dem Feur weggehoben, am Gewicht 8 . Loth, 2. Quintl. 11. Gran, erkaltet aber io. Gran ausgeworffen. Nach der ersten Prob halten 2. Loth des grünlichten Steins i -/?. Gran Schwefel, nach der dritten M?. Gran. Die zweyte Prob zeiget, daß diese Gattung Steine, gleich wie viele andere Mineralien, von dem dazwischen kommenden Feur, am Gewicht zunehmen. Wann man diesen Stein in Tinkturen von verschiedenen Farben gelegt, haben sie ihn nicht verändert; wann man ihn aber mit ge- pülverten Operment und Schwefel in einen verkleisterten Tiegel gethan, hat er über dem Calcinir-Feur, auch in seinem innern Wesen, eine dem Agd- oder Bernstein gleichende oder auch röthlichte Färb an sich genommen, in so weit nemlich jener Schwefel durch die Spalten gedrungen, da hingegen die übrigen Theile des Steins keine fremde Färb angenommen, welches sehr angenehm zu sehen war. Wann dieser Stein in einem eisernen Löffel über starckes Feur gehalten wird, leuchtet er in dem Dunckeln nicht mit gleicher Färb, dann bald gibt er eine blaulichte, bald eine qrünlichte, bald ein purpurmäßige Färb von sich: vielleicht kommt diese Verschiedenheit her von der Vermischung des metallischen Schwefels mit dem Schwefel des Steins, gleichwie andere Flüß, nach der Vermischung mit besondern Metallen, auf besondere Arten gefärbt werden. Es von besondern Namr-Gesebicbren. Z7I Es vermehret dieser Stein seine pkoxpborische Art weder bey der ersten noch bey der andern Brennung, sondern es wird in dem Fortgang ein ftärckerer Grad des Feurs erfordert, und nimmt sein Glanz nach und nach ab, bis er, wann der Schwefel gänzlich verräncht, völlig vergehet. Bey der zweyten Brennung danret das Licht nicht so lang als bey der ersten, bey der dritten nicht so lang als bey der zweyten, und so weiter. Wann der Stein leuchtend gemacht, und hernach in heißes Wasser gethan wird, behaltet er eine Weile seinen Glanz, da hingegen ein glüendes Eisen von dieser Eintanchung seine Rothe sogleich verliehet. Der Schwefel, so in den poris des Steins enthalten, widerstehet um so da länger, als der enge Raum derselben den Einfluß des Wassers hiudert. Wann dieser Stein zu Pulver gestoßen, und durch das Ver- grösserungs-Glaß betrachtet wird, so verliehet er seine ordentliche Figur, und kommt in ganz ungleichen Gestalten vor. Wann zwey flache Stück von diesem Stein im Dunkeln aneinander gerieben werden, so geben sie auch ein Licht von sich, aber nicht ein so Helles, als der flache Diamant, wann er an Glaß gerieben wird. Die eigentliche Schwere dieses Steins gegen dem Wasser ist wie Z iM. zu r. item rM. zu i. Es wird dem geneigten Leser verhoffentlich nicht unlieb seyn, wann wir ihme auch die Gedaucken des gelehrten Herrn o. Cappe- lers hierüber communieiren, wie er solche in zweyen Briefen den 9. und 29. Dce. 172z. aus Lucern an unsern sel.Hrn. Scheuchzer überschrieben: Erster Brief. ^Ero mit besonderm Fleiß angestellte und an mich überschriebene Oblcrv!itionen von dem?Ko 5 pKorischen Crystall, oder, wann es beliebt, pkos- pUorlschen , habe ich durchlesen, und weiters aufdie Prob gesetzt, sonderbar habe ich mir den Grund seiner viel und vielerlei) geometrischen Figuren, die er, wann er zerbrochen wird, an sich nimmt, zu untersuchen vorgenommen: wie weit ich darin reußirt, lasse ich Sie selbst urtheilen. Ich wil setzen (dessen Möglichkeit anderwärts soll gezeiget werden) daß um zählich viele Kügelchen (von was Gattung sie seyen, ist hier nicht nöthig zu wissen) in ein Dreyeck der Fläche nach, als welche Ordnung für sie am bequemsten ist, gelegt Aaa - wer» Z72 Zusätze einiger Nachrichten werden, so daß allezeit zwey Kugeln von der dritten berühret werden,und wann mehrere sind, eine allezeit umgeben werde von sechs andern, die auf der gleichen Fläche liegen, wie wir solches sehen an den Scheiben in den Fenstern, und hier in l vorstellen. In dieser mitKügelchen besetzten Fläche, von welchen voraus gesetzt wird. daß sie durch eine dazwischen kommende Materie miteinander verbunden werden und in einen festen Cörper zusammen wachsen, können nach derselben verschiednen Neyhen verschiedene Figuren abgeschnitten werden, und zwar i) dreyeckichte, die allezeit gleiche Seiten haben, wie aKc, nKp. r) Rauten, oder Rauten-förmige, wieapcr, äefA. ;) irrcgulaire ungleichseitige Viereck, wie blclm, sbtf. 4) Fünfeck, slilclc, und s) Sechseck, xblclir. Alle diese Figuren werden entweder an dem Grund ober an den Seiten verschiedener Stücken unsers Steins wahrgenommen. Wann wir nun ein ander Lager von Kügelchen setzen, welche in den Zwischen» Räumen der ersten etwelchermaffen liegen, aber einander nicht unmittelbar berühren, so werden die Linien, welche die Mittelpuncten verknüpfen, einen Winckel von 72. Graden ausmachen, welcher der feste Winckel eines regulairenlctrscckri, wie lDlVI r. ES fege auf dieser Lage eine andere, auf dieser wiederum eine neue, und so eine aufder andern, so oft als es beliebig anzunehmen, so werden alle diese Kügelchen ihre Stelle bekommen, wie es die 2te Figur anzeiget. Man bilde sich nun ein, daß dieses von Kügelchen aufgeführte Gebäu nach einem perpendicular« Schnitt, welchen die Linie av knxl. anzeiget, zerschnitten werde, so sehen wir, daß, wann die Kügelchen nach ihren Neyhen eine von der andern genommen werden, hieraus verschiedene Figuren entstehen; So ist IVISk ein schiefer Triangel, welcher in einem OÄacäro durch den Schnitt von dem Winckel einer seiner gleichseitigen Triangular-Flächen nach der Mitte der gegenüberstehenden Seiten formiret wird. ist der Umfang eines durch die Mitte zerschnittenen ungleichseitigen Vierecks, wie auch LvL?. ^LLklist eine fünseckichte, HLl) 8 81 eine sechseckichte Fläche, welche entstehen durch den Durchschnitt von Stucken, so mit einigen Flächen eingeschlossen werden, wie dann der Stein in dergleichen Stücke zerbricht. . , , In der zten Figur stelle ich besonders ein aus dergleichen Kügelchen bestehendes Detraeckrum vor, dessen Spitze in O. Man setze daß die von den an einander stoßender Kügelchen sormirte Seite KLO weggenommen werde, so bleibt das lerraccirum Le 8 noch übrig. Nimmt man auch die äussersten Kügelchen weg, so entstehet ein oLbaeckrischer Cörper, so mit 4. Triangeln und 4. Sechsecken eingeschlossen wird. Wann die Kügelchen OIS weggenommen werden, so kommt ein Cörper heraus mit ungleichseitigen Triangeln ä L, OX, L 8 . Nimmt man ferner von diesen das Kügelchen v weg, so wird oben eine Triangulär» Fläche formiret. Wolte man diese Figur etwas grösser annehmen, so könteman deutlich die mehrere Figuren, die dieser Stein annimmt, darinnen zeigen; so aber glaube, daß die angeführte Exempel schon genugsam seyen. Die 4te Figur zeiget den Profil von eben diesem Tetra-äro. Die 5 und 6te Figur weisen die Durchschnitte an, welche nach verschiedenen Lagen der Kügelchen können gemachet werden, und sich auch würcklich in diesem Stein befinden, wie dann selbige sich zeigen, wann der Stein glüend gemacht, und hernach in kaltes Wasser geworffen wird. Die 7te Figur zeiget die verschiedene Formen an, in welche dieser Stein auf solche Weise zerspaltet. Dem- von besondern Natur-Geschichten. Z7Z Demnach Messe aus diesem allem, daß die angenommene Ordnungder Ncyhen und Theilen sich würcklich in diesem Stein also befinden. Es laßt mir aber die Zeit dermalen nicht zu, umständlicher den Grund darvon auszuführen, und solle hiervon das mehrere in meiner Beschreibung der Crystallen abgehandlet werden. Übrigens könte man läugnen, daß Schwefel in diesem Stein enthalten seye, und sagen, daß er nach Beschaffenheit seiner pororum fähig seye, feurige und leuchtende Thcilchen in sich zu fassen und zu verschlingen, welche den Stein, weil er durchsichtig ist, so lang feurig vorstellen, als selbige in Bewegung bleiben und der erforderliche Grad der Wärme unterhalten wird, dann das Flämmchen, so um den Stein herum sich zeiget, beweiset nicht genugsam, daß es von dem darin enthaltenen Schwefel her» rühre, weilen dieser Stein, wann er noch stärcker gebrennt wird, dieinderihnum» gebenden Luft herumfliegende Theilchen in ein Flämmchen entzünden kan, daher auch der Geruch entstehet. Diese Meynung unterstützet, daß dieser Stein, wann er feurig gemacht ist, mehr wigt, auch seine feurige Färb sich anders verhält in einem Tiegel, und anders in einem eisernen Löffel. Diesem widerstreitet nicht, daß er nach der dritten oder vierten Brennung kein Licht mehr von sich gibt, dann dieses kan daher kommen,daß die natürliche Beschaffen» heit seiner pororum, welche geschickt wäre, die leuchtenden Feur»Theilchcn in sich zu fassen, durch wiederholte Brennungen entweder zernichtet oder erweitert wird: daher kommt vielleicht die nach diesen Brennungcn beobachtete mehrere Durchsicht tigkeit und der geringe Abgang an dem Gewicht. Auch der Bernoullianische Grund beweißt nichts, daß der erst feurig gemachte und hernach in siedend Wasser getunckte Stein annoch ein wenig zu gläntzen fortfahre, weilen, wie er selber wil, der Schwe» ftl, so in den pori« des Steins verborgen lieget, wegen dem engen Raum derselben, welcher den Einfluß des Wassers verhindert, desto länger widerstehen kan, dahin» gegen ein glüendes Eisen seine Rothe gleich nach der Eintunckung verliehret. Man gebe nur Acht auf den Unterscheid zwischen dem Eisen und einem Stein, das erste ist ein von Natur dunckler Cörper, dessen äussere Fläche von dem umliegenden Wasser gedruckt und verdunckelt wird, deßwegen seine innere Theile, ob sie gleich noch eine Zeitlang feurig bleiben, nicht können gesehen werden: das Gegentheil aber geschie. het in einem durchsichtigen Stein. Diesemfügcnoch hinzu, daß derpkoxpkorische Crystall auch eine eleLbnsche Kraft habe, wie der Crystall selbst, und andere sowol mehr als weniger präliose Steine. Auszug aus dem 2te«i Schreiben. WAS den vielförmigen Crystall betrifft, so ist zu erinnern, daß letzthin die Winckel desselben nicht genau bestimmet habe; der Winckel L in der 4ten Figur hat 71°. von den andern ^ O. haltet jeglicher 54°-; Da aber Euer Wohl»Edel von mir verlangen, daß die Formirung des Würffels anzeige, so gestehe aufrichtig, daß ob ich gleich eine grosse Menge dieses Steins durch das Feur sowol als das Wasser zertheilet, ich dannoch niemalen einen ordentlichen Würffel oder liexaeärum, dessen Winckel 90°. ausmachen, hervorbringen können, wohl aberoÄ»cckm, deren cör» perlichcr Winckel an dem Spitz der beyden gegenüberstehenden Seiten 71*. und der Winckel an der viereckichten Grundfläche von 109°, gewesen. Obwohlen ich Aaa ; zwar 274 Zusage einiger Nachrichten zwar nicht so glücklich gewesen/ daß einen Subum hatte hervorbringen können, so zeigtdannoch meinelttcone, daß dergleichen in diesem Stein können entstehen; allein selbiger kan nicht völlig regulär herauskommen, die einten Winckel sind völlig recht wincklicht, die andern von 109", anderevonx-i", auch werden nicht alle, son- dern nur die entgegen gesetzten Seiten gleichförmig, indeme die Grundfläche dessel- den ein Viereck, dessen zwey Seiten unvollkommen,weilen die Kügelchen daselbst aus ihren Lagen müssen zertrennet werden, die Seiten aber, welche mit den Schenckeln des Winckels O in der 4ten Figur parallel, sind dargegen mehr regulär, indeme hier die Lage der Kügelch en keine Hölen oder Gruben formiren kan. Siehe hierüber die i. und rte Figur. 2L8D ÜSiKV ÜZ8VSWW LÄiZD QLKN 2ÄKD Bergeller-Thal, ;i. 269. Bern/ 201. äussere Stand allda, zrz. deren Gebiet, 192. Bernhards -Berg, 267. Bewegung geschiehet auf verschiedene Weis, 125. Bläsgen oder Bulla/ so aus der Luft gefallen, ;;8. 440. Blaktenberg/ zp. Blitze in Zürich, Historie, ziy. Llur-Flecken, so nicht vergehen, 19 5. Brienzer-Kase, 247. See, 281. Briger- Berg, 175. Bad, ,177. Brucke zitternde, 1,4. gewölbte, 14«. Brunn von seltsamerBeschaffenheit/i i. r6. 20. 2«. 64. 244. Buner/ dessen Bereitung, ;«. /^^stee-Oebauchen stnd schädlich, 16z. Larfunkelsteine/ 1^4. Lafatsch von einem Bergfall verwüstet, Chur, Stadt, 262. Bbb Lhx- 378 Register. Cbpmischc Beschicht, seltsame, ;ir. Clarider- Alpen, seltsame Beschicht davon, 8;. Llau»/ Weydreiche Alp, 84. Cristalle/ 8. n. 297. deren Beschreibung, roz. Art, ic>4. plloxpllori- scher, ;?i. vielförmiger, ,7;. sechs- eckicht, 44. wo sie anzutreffen, 129. woraus sie gezeuget werden, iz°. ist kein verhärtetes Eys, 161. Cristall- Mine/ 7;.. 94 . Elevener-Gebiet, 27. 269. Iamante falsche, r. 45. D-semis/Closter, i;9. Döneloch/ 67. Donner-Wetter, ^29. ;;2. Drachen/ deren Betrachtung, 219. Steine, ill. ob sie vergiftig, 2,4- ob es solche Thiere gebe, 2)7. Durnagel-Bach, ist ungestüm, 7«. /LDelgesteine/ wie sie gezeuget wer- ^ den, m. Eidexen grosse, 2;;. Eigcnthal/ 2j 9. Linsidler-Hütte, curiose, 2s2. angenehme, 248. Einwohner erste, ob sie auf den Bergen oder in den Thälern gewohnt, 74. Eisen- und Silber-Erz, 69. Llico veranlaset den Italienischen Zug, 88 . Engadin/ 272. Engelberg/ Closter, 10. 24;. Enger Paß, 21. Engstler-Brunn, 244. Thal, 245. Erdbeben grosse, 79. )6c>. Erde rothe, 6. 84. Erhaltung wunderbare, 62. 82. 144 . ;4s. , 46 . Z5Z. . „ von Erlach/ Generalen, Grabschrlft, 249. Erz/ wo gegraben werde, ;o,. Eys ist grösser als das Wasser, 161. ein grosses Stuck davon zerspringt, 162. Beschreibung der Eysbergen/ 15z. schwimmende, 159. Aß steinernes, 1 e. Kt. Felix und Negula Brunn, 71 . Bnrg, 40. Feur-Mereoron, oder Luftzeichen, 1 14 . Zeuriger Drach, r?s. Kugel, lb. ,;7. Feurstcine/ deren Nachwach» sung, 127. Firn/was genennt werde, 159. Frrn- Wasscr trinken ist gesund. 165-, Fische grosse untergraben die Häuser, 210 . Flimser-Berg, ;8. aufder FIüc/ Georg, 17s. Fön/ Mittags-Wind, 87. Forellen/ sehr rare, 211. Frauen-Eis, 197. Zreyberg/ 299. ist der Gemsen Flucht- haus, 69. reyburg/ Hauptstadt, 252. urca/ hoher Berg, 144. 252. St. ^Alleu/ Closter, Bibliothek ak. Gebesdorf/ alte Römische Überschrift allda, 207. Gebirge rauhe, sind doch fruchtbar, 77. Geigerische Land-Cart verbessert, 6r. Geiß-Käs, guter, 17. Gcmmiberg/ 191. Gcmsthiere/45.66.164. deren Fluchthaus, 69. Aufenthalt, 299. Gems- Ballen/ 20. Anmerkung davon,270. Gems-Sulzen/ 8i. Geschichrseltsame, 8;. Gespenst auf den Alpen, 250. Gcrraxd-Steine, 4. Glarnerland/ ys. 61. wie starck allda die Mannschaft, 102. Gletscher/ Is8. 282. Erzehlung davon, 66. deren Nutz, 165. Gold- und Silber-Erz, 11 . Gokchard/ Beschreibung davon, 97. dessen Strasse, 92. Gra- Register. Z79 Granaten/ Edelgestein,1)4. Graniols/Dorfs in Wallis, 171.17;. Grindelwald/ 16;. allda vergrößert sich das Berg-Eys, 161. Guppen/ Berg, 67. ^Agel-Wetter, grosses, ;-7. Haslethal/ 246. Häuser am See werden vvn Fischen untergraben, 210. Hecht grosser 71. Heiden-Häuslein, 75. Heu-Nebel, 20. Hoggen oder Hacken/ Berg, 6. Holz unterirdisches, ;i4. Hospital/ Dorf, 96. Acobs Muscheln, 5. Jäger komt IN grosse Gefahr, 82. Znsecre/ 19. Iulier-Bcrg, ;6. Ander-Fluß, 19;. dessen Ueber« schwemmungen, 194. Ableitung, Las feißre, 9§. Liese-Steine, 2. Lornhäuslein/ eine Art davon, 169. Lorn-Leirer/ oder Kescane, 140. Rreiden/ 86. Lrienbach thut Schaden, ; 52. Lümmich-Stein, 81. Rupftr ist ein Mittel-Metall, 139. Ku« chen-Gefäffe davon, so uuverjinnt, ist schädlich, 9. OAchen/ Flecken, <4. Lavcyr Steine, 28. Lausten/ Wafferfall allda, 24. Läugelbach/ ?e> Lauwen/ 71. 10;. ;4,. deren Beschreibung, 9». 9Z- Z49. Leichnam wird gestolen, ;o6. Leuck/ Hauptfiecken in Wallis, 132. Anmerkungen von demBad allda,289. Lindwurm greulicher, 2;i. Linsen-Steinr, Linr/dero Ursprung, 74. Liviner-Thal, i;6. Lochseiten-Bad, 70. Lucern/ Stadt, 21;. Luckmannier-Berg, i;8. Luft/dessen Eintheilung, 156. Treib» Kraft in den Bergen, 18. wunderbare Luft-Zeichen/ ;;4. ;;9- Lügibach/ 282. Anggcpan,Schloss inWallis, 17;. Marcaftre goldfarbige, 9. March/ Landschaft, 94. Marienbild in einem Stein, r;9, Marmor/ n. schwarzer, 44. 68. 77- 91. schöner, 29;. Martialisches Wasser, 26. ;6. 291. Martinnch/ 288. Martins-Loch, ;8. 49. Masox/ Dorfin Pündten, 263. Maur alte in Wallis, 176. Mäuse/wo sich keine aufhaltm, 290. Mäp-Brünnen, n. 20. 191. 241. Medelser-Thal, i;9. Mera-Fluss, 270. Mergel/ 9. 277. ;i9. fetter, ;9. Metalle im Land Schams, 29. Milchgefäffe/ deren Name, 141. Mineralische Wasser, i;9. 19z. 198- Mitte/ kleine und grosse, 7. Mönchstein/ 41. Gt. Moritz/kleines Stadtlein, 289. dafigerSaurbrunn, ;4. 27;. Murter Schlacht/Angedenken davon, -9;. Muftc aufber Sand-Alp, 74. (V)äftkser-Fchrt, 60. k^atnr-Spiele, 40. 44. Vieuendurg/ 296. Nierenstein/ ;r. diesen/ Berg, 282. t^olla/ oderötvlla-Bach, 2;. 264. Dbd 2 OrM Z82 Register. O Rgel grossem Lueern, 218. seit» sames Orgel-Werck/ ;io. A^Amen-Bruck, 76. pfefers/ Closter, 18. Bad, rsy. ptiTnomenon an der Sonne, 42. Pilams-Berg, 2,3. See, 240. blurs/ Flecken, -8. 29. pündtnerischer Sprache verschiedene Gattungen, 142. ^ 2 gay/ Flecken, 261. Rapperschweiler-Bruckk, 298. Raren/Flecken in Wallis, 18°. Regen/ was solchen vorsage,, 10. Regenbogen runder, 29. schöner, 7;. Relcane, oder Kornleiter, 140. Reuß/ Fluß, 92.145. dessen Ursprung, 148. 266. Einthei» l4t- , Rheins Ursprung, lung, 149. Rhone/ dessen Ursprung, i s 2. 168. Riese grosser, 214. deren Beschreibung, 216. Römische Weg, 45. Rötel im Zuger-See, 211. Rüfin/ wird einetteberschwemmung ge» nennt, 18. 55. Rvschlicker-Bad, 276. von ^klAlis/ vornehm Geschlecht, i«>. Salpeter/ ;6. Salzgruben zu 8 evicux, 290. Säumer und Saum-Roß/ i;2. Saurbrunnen verrühmte, 14 . 267. Schächenchal/ 84 . Schiefcrsteine von allerhand Farben, 19. 45. 245. 259. Schlange/ grosse, 222. Schmi-ke ohne Blasbalg, 298. Schnee/ wo er nicht bleibe, 67. war» um er eher in der Tieffe als in der Hö» he schmilze, 157. Nutzbarkeit der Schneedergen/ 15 s. Schwalbensteinlein/ 196. Schwanden/ Flecken, 62. Schwefel durchsichtig, 197. Schwefel-Brünnen/ 7. 198. 20;. 242. 252. 274. Schwefel-Ries/ 1. 277. Schwefel-Wasser/ 18;. 291. See blühet, 212. Seen bey» 1;. und auf den Bergen, r i7- 241. Seifte vermischt sich nicht mit einem gwiffen Wasser, 65. Selentkes Rhombvidalis, 101. Sente/ 141. Serner-Berg, 12. 11. Silber- und Gold-Loch, 6. SillenenamStag, 9->. Silrhal/ 6. Girren/ alte Stadt, 288. Soglto/ Lage davon, 10. ein uralter Sitz, 270. Soi/ Berg, 115. Sohn ist unbarmherzig gegen die Mut» ter, 81. Spitz-Beuerin/ Berg, 264. Spreitenbach/ Waldwaffer,;. Stahl-Gruden zu Sargans, i»i. Stanz/ Hauptflecken, 242. Steine curiose. ,2. i§8. gebildete, 6?. Steinbruch schöner, 110. Stein-Rolen/276. 298. ;i4. Steinbock-Räfer/ 19. Stoß/ Ueberstösser/ was? zoi. Srralschläge/ deren seltsame Würkun- gen, zu. ;2c>. 12;. 128. Stral- steine/ 2. Srurmwetter grosses, 112. Sündflut/ Reliquien davon. 68.192. 277. ;e4. Surenen-Berg, 9. k>Amin-Bach, 19. »5. ^ Tannen/ besondere Lage der Aesten daran, 240. Tavetscher/ 140. Tauriscer/ was für Völker, 89. Tcll/ Wilhelm, Lodspruch, 21;. Lesin/ Register. ?8i Tesin/Fluß, i;4. i;5. i; 7 - l47. Teufels-Brucke, 94 . Thals Dertieffung, 24. Thee Trincken sol mäßig geschehen, i sz. Thun/ Stadt, 195. See, »96. Titlisberg/ ro. Tödlibcrg/ hoher, 7;. Toggcnburg/ Grafschaft, 107. Torff/ wo er abgestochen werde, 297. Tropfsteine/ woher sie kommen, 290. Tusis/ Städtlein, 22. 26;. 1 t eberfchwemmungen urplötzliche, ;5I. ;54. Verstopfungen / darfur dienet das Walliffer-Bad, 190. ViLmalL, Bergstrasse, 2 ;. 265 . Vikeri, was für Völker, 151 . Vieh ru Forsteck, bleibt an einem Ort gesund, am andernnicht, ;<-5. visp/ Flecken in Wallis, 130. Ulrichen/ Dorff, dabey zwey Schlachten geschehen, 170. Unschlin-Brunn, 251. Unterwaldncr-Land, 279. Urner/ die alten Tauriscer, 87. Urnen/ Ober, 60. Nieder, 5 p. Bad allda, 56. 57. Urfeler-Thal, 95. Käs, 96. Ursem-Thal, 144. AldstLdtm-See. 8. waldrvasser/ ^7. 66. Wallenstädter-See, 17. wallisser Land, 168. verschiedene Sprachen allda, 132. Bad, 13;. 134. 284. Anmerkungen darüber, 285. wird ruinirt, ;4;. . Wasser gesundes, 26. 165. seltsame Würkung, 24. sonderbare Eigenschaft, 64. wildes, 292. Wasserfalle/ 24. 29. 84. 146. 289. Wasserflur grosse, ,5;. Wasser-Rirch zu Zürich, 225. Wassersüchtiger wunderbar curirt, 292. ihnen sind die Bäder nicht nützlich, 186. weg schmal und gefährlich, ;8. Weinkeller gute, 27. welsfifche sind sehr begehrt, 256. St. wendels Capell, 71. wiflifpurg/ 254.. Wildheuer/was für Leute, 66 . winde beständige, 241. 271. so nach gewisser Ordnung wehen, 86. wind- hölen/ 27. Wolkenbruch grosser, 59. ; 5 ). Wunder-Geschicht, 8 «. würffel/ wie gebildet werde, 127. zu Badengefunden, 174. deren Be« trug Entdeckung, ,76. wurm grosser, 224. 2 IAr von Schaafen, rss. ^ Zuger-See, 21«,. Züricher-See, 275. » » Druck-Fehler in den Berg-Reisen. Blatt 2. lin. 2. von unten auf, leset, (denn sie sind fast alle an beyden Enden spitzig ) sich hervorthun. Bl. z. am Rand soll i.Taf. 2.Fig. ausgelöscht werden. Bl. 7. ltn. 27. an statt Lavezer-Gee, leset Lawerzer-Gee. Bl. 24. lin. z. an statt hindurch, leset, hiedurch. Bl. 30. lin. i s. an statt in dem Tellinifchen Thal, leset, in dem Valtelin. Bl. 3 s. lin. 27. als ich dieses Wasser, leset, als ich dieses sehr ftarcke und fast wie eine Dinte schmeckende Wasser auf der Waag untersucht, befände es sich, daß es das schwerste - - Dl. 231. lm. 8. an statt angetragen, leset, angetroffen. Bl. 323. lin.i e. um i Uhr Morgens, leset, um i Uhr Abends. Bericht, wohin die Kupfer gehören. I. Theil. 'lab. I. Abmessung der Berg-Höhen pa§. 18 lab.II. Bereitung des Käses/ samt darzu gehörigen Erklärung paZ. 5 - lab. m. iv. v. ?ro 5 peLl des alten Pseferser-Bads/ mit beygedruckter Lxpiicauon der Kupfem pag. 8z lab. V. L. krolpeN des neuen Bad- und Gasthauses zu Pftfers/ gleich hinten an eben gemeldte LxM- cation. lab. VI. lab. VII. lab. VIII. lab. IX. - lab. X. lab. XI. Überbleibsel der Sündfluth » - » - » - - s - s - s SS* lab. XII. » » lab. xni. Mond-Regenbogen lab. xiv. Waltenschweiler Bad lab. XV. Luzerner Drachen-Stein lab. XVI. Zulier.Berg in Pündten lab. xvii. Glarnerischer Schab-Zieger-Reibe lab. xvm. Sonnen-Finsternuß von,?o6. PLZ.I4- pa§. ,5^ pag. ix- pa^. 164 paZ. 167 pa§. i/r paZ. 25z pa§. ZLv pag. 42s P38- 4Z5 paZ. 442 paZ-445 Bericht, wohin die Kupfer gehören. II. Theil. Charte des Glarner-Lands pn§. 56 Panten» Bruck - - s 76 Teufels - Bruck pa§. 94 Gotthards»Berg » - - -L Erystallen i»b. L p^. uz . lad. II. - » » pAA. ii 8 s und lab. Hk« paZ. 124 Ursprünge der Reuß s - - PÄZ.I45 Gletscher auf der Furca/ samt dem Ursprung der Rhone paZ-152 Gemmi-Berg » - » paZ. 191 Charte vom Pündtner- Land xgg. 258 Nö. Dirs« Chart« ist in der ersten Läirion nicht ;u finden / und hi«r in Erläuterung dieser Berg«Reise beygefügt worden. Würffllchter und Pyramiden-förmiger pkoHKor,scher ^näroäamsm x»a§. z 6 8