251
welcher Bezeichnung man damals etwas ganz anderes verstand, wie wirsofort sehen werden). Diese Lieder, deren Sensl gegen zweihundert com-ponirte, alle mit derselben graciösen Bewegung, mit demselben Fluß derStimmen (ein Schritt in die große Septime ist ein vereinzeltes Wag-niß!), mit derselben idealen Schönheit, sie haben Sensl den Ruhm ein-getragen für den größten deutschen Liedercomponisten zu gelten.
Leider sind die Texte oft recht trivial ausgefallen, und wollen garnicht zum musikalischen Festanzug passen.
Da klagt es in einem Liede:
Was ist die Welt, geldHat allein preiß, fleißbraucht yedermannniemand sicht anwz der selen schaden kann.
Oder der Pessimist singt anderswo:
Was Wirt es doch, des Wunders nochso gar ein seltzams leben?
Als yetzund ist alle Welt voll istmit vntrew vbergeben.
Gut Wort — arg tück
vil grüß — bös blick
das ist der sit (die Sitte) aufs erden
es günd keiner mer
dem andern ehr
wz wil noch darauß werden?
Und nun wird breit ausgesponnen, wie Einer dem Andern in dewWeg trete, ihm afterrede, und was dergleichen Freundschaftsbezeugungenmehr sind. Namentlich der „Kläffer" ist ein böser Kumpan, in derHälfte aller Lieder weiß man von ihm zu erzählen. Recht komisch wirktdas Lied von der Geduld mit dem feierlich verhallenden Refrain: 0 ?a-tientiu! Was aber geradezu unerträglich wird, das sind diese steifleinenenLiebeslieder, die allzu frappant an den Meistersänger an der Hobelbankoder auf dem Schneidertische erinnern, und wo die „Dichtung" unbeholfen,hinter der schönen Musik nachhumpelt: ,