Jahrgang 
8 (1887)
Seite
94
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Neue Mittheilungek.

Anftatt Ew. Excellenz von mir zu reden, redete ichIhnen tausendmal lieber von Ihnen und von meinem Gefühlfür Sie. Aber dazu versagt mir die Feder den Dienft, undes kommt mir unbescheiden vor Ihnen mit Worten auchaus dem innerften Herzen zu sagen was ftrenge Wahrheitift. Hätte ich einft noch das Glück Sie zu sehen, dannwürden Sie es in meinen Blicken lesen, und so könnte esIhnen nicht läftig seyn. Gehauen Sie nur die Äusserungdaß Sie zu sehen, wie Italien und Griechenland zu besuchenmein liebfter Wunsch ift: ich bin es schon an sich rechtwohl zufrieden in dieser ftürmischen Zeit zu leben : aberIhr Zeitgenosse zu seyn und Sie persönlich kennen lernenzu können läßt mich die Zeit lieben.

Nehmen Sie diesen Brief und das Buch mit gleicherGüte auf wie den erften Schritt den ich wagte mich Ihnenzu nähern, und genehmigen Sie die Ehrerbietung womitich mich Ew. Excellenz Wohlwollen empfehle.

Niebuhr.

76.

Seitdem die Fortsezung der römischen Geschichte durchdie öffentlichen Begebenheiten, welche mich fortgerissen,und dann durch persönliche zerftörende Schicksale, Verhaftund Gram unterbrochen w 7 orden, habe ich keine Gelegen-heit gefunden, oder passend geachtet Ew. Excellenz meineVerehrung zu äussern. Möchte mein, Ihrer Aufmerksam-keit so lange entrücktes Andenken, Ihnen, da ich mir eszu erneuern erlaube, mit gleichem Wohlwollen und gleicherGunft wieder bewußt werden!

So lange ich erwartete in Deutschland fortzuleben be-ruhigte ich mich immer mit der Hoffnung das nächfte Jahrkönne eine Gelegenheit herbeyführen Sie zu sehen. Jeztda ich nach Italien gehe, wahrscheinlich um nie wiederüber die Alpen zurückzukehren, hört diese Täuschung auf.Ich habe auf verschiedenen Wegen zu erfahren getrachtet,aber vergeblich, wo Ew. Excellenz sich in den nächftenMonaten aufhalten würden, um meine Straße darnach zu