G.v. Loeper: Zu Goethes Gedichten »Trilogie der Leidenschaft«. 175
dankte er damals, also vor dem Karlsbader Aufenthalte,der gedachten, am 5. August zuerst erwähnten Frau MarieSzymanowska und der Berliner Opernsängerin Frau Milder.Das »ganz herrliche«, das »köstliche« Spiel der Ersterenwird am 14. und 16. August, der »unvergleichliche« Ge-sang der Andern am 15. erwähnt. Am Montag dem 18.-findet sich notirt »Gedichte in die zwei Albums vollbrachtund geschrieben«, nämlich das erwähnte »Aussöhnung«und ein kürzeres an Fräulein Wolowska, Schwester derKlaviervirtuosin, beide sowohl deutsch als französisch. DerGedanke des ersten Gedichts (V. 15 fg.) von der Hingabedes Herzens an die Geliebte erscheint in der Elegie(Strophe 13) gesteigert zum »Streben, Sich einem Höhern,Reinem, Unbekannten, Aus Dankbarkeit freiwillig hinzu-geben«. Die Liebe führt hier zum »Frieden Gottes«(Strophe 14). In der erhöhten Stimmung, welcher dieStrophen 13 und 14 der Elegie entstammen, befand derDichter sich schon in Eger, wohin er sich am 20. Augustzu einem nur fünftägigen Aufenthalte mit Rath Grünerwieder begeben hatte. Denn er schreibt von hier am 22.an Nees von Esenbeck von der Marienbader Zeit, bei Erwäh-nung der »Verhältnisse sehr guter Menschen« zu ihm: »Eskam augenblicklich der Friede Gottes über mich, der michmit mir selbst und der Welt ins Gleiche zu setzen, sanft undkräftig genug war«, mit dem, den tiefsten Grund der Elegieaufdeckenden Zusatze: »Wie doch alles Höhere im Wissen-schaftlichen und so durchaus alsbald ethisch wirkt und soviel sittlichen Vortheil bringt«, — »und so durchaus«, d. h.und so überhaupt, so in allen Dingen, so auch im Ver-hältnisse zu Menschen!
Diese Äusserungen zeigen, wie ganz die Elegie, ferndavon Gervinus’ Vorwurf eines seelenleeren Brütens undVernünftelns 1 zu verdienen, dem von Schiller aufgestelltenBegriffe 2 der modernen Elegie entspricht, dass nämlich die
1 Geschichte d. deutschen Dichtung V, 649.
2 Abhandlung »über naive und sentimentalische Dichtung«.