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Da fiel ihm Zimmermann um den Hals, drückte ihn an seine,Brust und vergoß selbst tausend Thränen."
Hirzel hinterließ als Gastgeschenk seinem Freunde ein Blatt Hexa-meter, worin er die Frau seines Wirthes besang, wie er denn Zimmer-manns ganzes Leben bis zu dessen Abreise von Brugg mit seinen aus-dauernden Hexametern begleitet hat.*)
Einen kurzweiligeren Gesellen fand Zimmermann in SalomonGeßner, welcher auch in seinem Hause in Brugg erschien und den erdann nach Schinznach, dem Versammlungsorte der helvetischen Gesellschaft,begleitete. Sie verkehrten viel mit einander und eines Tages, zwischenHabsburg und der Aare sich ergehend, theilte Geßner seinem Freundemit, er beschäftige sich mit dem Gedanken, „amerikanische Idyllen" zuschreiben, offenbar um für seine idealen Hirten einen unberührten Bodenzu gewinnen. Aber es kam nicht dazu, Geßner blieb seiner heimat-losen Schäferei getreu. Daneben war er aber ein lustiger Schelm,wie ihn Kleist, der Verfasser des Frühlings, nennt und dem Jdyllen-dichter kommt das Verdienst zu, Zimmermann zu dem ausgelassenstenGelächter seines Lebens gebracht zu haben. Geßner, in Schinznach voneiner heftigen Kolik befallen, ließ ihn zu sich rufen. Zimmermann eiltemit beklommenem Herzen hin, aber kaum hatte er mit dem Krankenein paar Worte gewechselt, als dieser den Ausdruck seines Leidens mitverzweifelten Sprüngen und sprechenden Geberden so toll karikirte, daß,der Arzt und der Patient nicht aus dem Lachen kamen.
Alles dieses haftete an Zimmermanns Brugger Hause und der ausseiner Dachkammer Überblickbaren Landschaft. So mag er es ungerneverlassen und, als den 12. Juli 1768 sein Reisewagen aus dem Thore
*) Auch Wieland schwärmte für die Frau Zimmermanns: „Ein Brief von deinerFrau", schreibt er noch in feiner ersten Manier, „lehrt mich besser, was das Gute undSchöne ist, als Plato und Aristoteles, und, wenn sie mir entrissen würbe, würbe ich-ihr in die Welt der Engel nachfolgen." Das hatte gute Weile.