Neue Mittheilungen.
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Es bleibt noch einiges zu sagen über die in dem zweitenBriefe genannten Persönlichkeiten. »Die liebe Königinn«zunächst. Auch von ihr, der Freundin Lenzens, sind in HerdersNachlass Briefe erhalten, siebzehn an der Zahl, an Carolineund (zum kleinern Theil) an deren Schwester, die Geheim-räthin Hesse in Darmstadt, geschrieben (1773 — 75). Ich ge-dachte sie einmal zu einem kleinen Zeit- und Lebensbildezu verwenden, und freue mich, dass dieser Gedanke jetzt vonanderer Seite zur Ausführung gebracht wird. Es kann eineinteressante Darstellung geben, wie dieses ältliche, nicht un-wirthschaftliche Mädchen die Mode der Empfindelei mitmacht,auf einem ihrer Landsitze (sie hatte deren zwei) sich ein»Elysium« anlegt, fast wie Lila (Luise von Ziegler) in Homburg,und sich da mit den Schatten der Freunde unterhält, wie sieim Mondschein spazieren geht »bis elf Uhr«, wie sie mit Lenzsich befreundet, wie Goethe in ihren Gesichtskreis tritt u. s. f.»Der Consulent Königin älteste Tochter ist die einzige Freundin,die ich dort habe«, schreibt Caroline Flachsland im September1770 an Herder nach Strassburg. »Sie ist hässlich, hat aberein gutes Herz«. Das erstere räumt die Königin selbst ein,von dem zweiten zeugen ihre Briefe sattsam. Unermüdlichist sie, die von Bückeburg, wo nichts Ordentliches zu habenwar, einlaufenden »Commissionen« zu besorgen: Putz fürdie junge Frau, Tuch zum Priesterrock für Herder u. dgl.So, als fürsorgliche und »geschäftige« Freundin (sie nenntsich selbst so) erscheint sie nun auch in dem Briefe Cornelias.
Das in Strassburg geknüpfte Verhältniss wurde von SeitenLuisens treu gepflegt, ihre Gedanken sind oft nach dem Amt-hause in Emmendigen gewandert. Ich reihe aus den Briefenan Caroline und die Räthin Hesse hier einige Stellen an, dieauf Cornelias Lage und Leid Bezug haben.
20 Hornung 75 (A Madame Hess nee Flachsland ä Darm-stadt) »Von unsrer lieben Schlosserin habe ich jetzt schonlange kein Briefgen mehr bekommen, ich verzeihe es ihraber in der Unruhe, die sie jetz quält, ja könnten wir ihrgemeinschaftlich helfen! . . . Ich möchte unsre Schlosserinnäher kennen, sie ift sehr zurückhaltend in ihren Briefen,vielleicht weil (sie) zu beschäftigt ist, wenn es nur nicht Kältegegen mir ist, dann ich möchte von ihr geliebt seyn. alsohat sie ihnen geschrieben und von mir geredt. ich hoffe siethut bald ein gleiches an mich.«
12 April 75 Nachts um 11 Uhr (an Caroline): »Ja dieSchlosserin und ich kennen einander faft alle Wocheschreiben wir einander, aber jetzt habe ich schon seit 14 Tagenkeine Nachricht von ihr. ich hoffe nicht, daß es wegen