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Abhandlungen.
Er war auch weit entfernt sich jenem unliebsamenRathschlusse zu unterwerfen. Als der Kanzleibote ihmdenselben am 17. September insinuirte, erklärte er, dasser als reformirter Christ sich unmöglich dem evangelischenMinisterium unterwerfen könne. 1 — Ferner brachte dieNummer vom 22. Sept. (No. LXXVI) im Anschluss andie Recension einer Schrift: »Meine Vorsätze« eine ent-schiedene Selbstvertheidigung des Recensenten der Struen-see’schen Bekehrungsgeschichte. Er weist darauf hin, dassgegen ihn gepredigt worden sei und bemerkt dazu: »Wirbitten doch ein vor allemal unsere Leser, keine Ketzereyenin unserm Blatt zu suchen; so werden sie gewiss keinedarinn finden !« — Am Schlüsse sagt er noch: »Und dannbitten wir noch eins: uns nicht ehe zu beurtheilen, bisman uns versteht «. Sofort erhob Senior Plitt, auf dessenletzte Sonntagspredigt angespielt war, neue Beschwerde,und Deinet wurde darauf am 24. September nochmalszur Befolgung des Rathsschlusses angehalten, so dass erbeinahe den Muth verlor, wie aus einem Schreiben anRaspe hervorgeht.
Um diese Zeit trat Goethe selbst für Deinet ein, daSchlosser ihm die Vertretung übertragen hatte. Er reichteein Gesuch ein, in dem er eine weitere Frist von 14 Tagenin Betreff der Goeze’schen Angelegenheit erbat. DiesesSchreiben mit dem eigenhändigen Vermerk: Cpt GoetheLt. ist ganz geschäftsmässig abgefasst und enthält auchsachlich nichts Bedeutendes; beacbtenswerth ist nur derehrerbietige Ton des jungen Licenciaten im Vergleich mitder Sprache Schlossers und mit seinen eignen sonstigenübermüthigen Äusserungen in dieser Angelegenheit. Goethe,der in seinem ersten Processe, den er geführt, bereits einenVerweis erhalten hatte, musste vermuthlich vorsichtigerauftreten, als der ältere Freund, dessen Stellung bereitsgesichert war. Goethes Schreiben 2 lautet:
1 Deinet betont überhaupt oft sein reformirtes Bekenntniss. Am26. Sept. schrieb er an Bahrdt: »Solche Wege schlagen die Orthodoxenein, um mich calvinisches Würmlein zu zertreten« — und am 7. Nov.schliesst er einen Brief an diesen lutherischen Theologen mit der selt-samen Wendung: Ich verharre mit reformirten Gesinnungen der Auf-richtigkeit u. s. f.
2 Das Schreiben hat folgende Adresse:
Ad Amplissinum Senatum.
Unterthäniges Memoriale, mit geziemender Bitte umb Erstreckungeiner weiteren Frist, auf 14 tage; Mein Johann Conrad Deinets Hoch-fürst. Waldeckischen Hofraths;
Die Recension der Götzischen Betrachtungen in den GelehrtenAnzeigen betr.