Jahrgang 
10 (1889)
Seite
192
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Abhandlungen.

der Druckschrift auf den Römer zu liefern seien, sonderndass er ausser der ihm dictirten beiden Geldstrafen eineZeitlang auf die Mehlwage in Personalarrest zu legen sei.Die letztere Drohung wurde allerdings am 6. Februar wiederzurückgenommen; aber einer weitern Reclamation Deinetsbezüglich der weggenommenen Exemplare wurde nichtFolge gegeben. 1

Über den Ausgang des Streites genügt eine kurze Dar-legung um so mehr, als die Urkunden immer spärlicherwerden. Die Verhandlungen zogen sich in die Länge, daman das Urtheil der Leipziger juristischen Fakultät ab-warten musste, welcher man im Februar 1773 die Aktenüberschickte. 2 Inzwischen schied der bedeutendste Gegnerder Frankfurter Gelehrten Anzeigen, Senior Plitt, am5. April 1773 aus dem Leben. Der frühe Tod des oft ver-höhnten Gegners gab Deinet Anlass zu einem auf Effektberechneten Rührstück, durch welches er das Publikum fürsich zu gewinnen suchte. Er sammelte nämlich für dasBegräbniss des verstorbenen Seniors, sowie für eine Pensionzu Gunsten der Wittwe. Da er ferner den Wunsch hegte,dass Bahrdt an Pütts Stelle treten möge, erbat er sichvon diesem eine theologische Schrift, um von dem Ertragderselben die des Hauptes beraubte Familie zu unterstützenund damit zugleich für den Freund Stimmung zu machen.Es ist unerfreulich zu lesen, wie er sich darüber lustigmacht, dass er »für einen halben Heiligen passirte« unddass dem ehrlichen Schlosser Thränen über seinen Edelsinnin die Augen traten. Bahrdt schämte sich nicht, die Comödiemitzuspielen; doch ging sein Wunsch nicht in Erfüllung.Frau Plitt dankte für jeden Antheil an dem Ertrage dervon Deinet bei diesem Anlass herausgegebenen Übersetzungdes Römerbriefs und bat den Theil der Vorrede, der sichauf ihren Mann beziehe, zu streichen, so dass Deinet klagte,dass auch die unschuldigsten seiner Handlungen vergiftetwerden müssten. 3 Zum. Senior aber wurde der gelehrteArnstädter Superintendent Mosche berufen. Von nun anbetheiligte sich das lutherische Predigerministerium in keinerWeise mehr an der ganzen Angelegenheit; der letzte Ein-trag im Protokoll galt einem im Januar 1773 für Goezeausgestellten Zeugniss, dass derselbe »weder an das ganzeMinisterium, noch ein einzelnes Mitglied um die Unter-drückung der hiesigen Gelehrten Anzeigen geschrieben habe. 4

1 Schöffenprotokoll vom 10. Februar.

2 Brief von Deinet an Bahrdt (II, 152).

3 Brief an Bahrdt, II 162 (Brief vom 8. Mai).

4 Protokoll vom 20. Januar 1773.