Classiker und Romantiker.
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Auguste Böhmer versuchte sich nach der Lectüre in Knittel-versen . 1 Friedrich Schlegel 2 und Tieck in der ZiebingerPeriode 3 dachten an einen Faust. Am deutlichsten undwiederholt erkannt ist der Einfluss des Faustfragmentes aufTiecks Parodie »Der neue Herkules am Scheidewege « 4 5Er führt uns den Autor verdriesslich und missmuthig inder Situation des verzweifelnden Faust am Pulte vor. Inziemlich steifer dramatischer Form treten die verschiedenenMenschen nach und nach auf und wieder ab, welche anseinen Gedichten Antheil nehmen. Zuerst der Fremde,der alle Berühmtheiten aufsucht, um von ihnen in Reise-berichten zu erzählen : er erinnert an den Schüler, der demMephisto sein Stammbuch vorlegt. Dann der Schauspieler,welcher Rollen sucht: wie im »gestiefelten Kater« und inandern Märchenkomödien Tiecks wird hier das Theater aufdem Theater parodirt. Dann der Recensent, welcher ohneGründe verurtheilt u. s. w. Wie in Goethes FrankfurterFarcen schweben dem Dicher bestimmte Personen vor:Tieck selbst ist der Autor und von seinem PoetischenJournal ist im Journal selbst die Rede. Der alte Mann,der das Genie läugnet und sich auf Lessing beruft, der sichals Geist erscheinend von ihm lossagt, ist Nicolai, wie ihnFichte eben als alt und lebenssatt abconterfeit hatte. DerBewunderer, der alles bis zur Religion treibt, ist Brentano 3 ...Wie Tieck aber auch sonst die Goetheschen Farcen benutztund etwa im Prolog zum Antifaust ein Seitenstück zuGoethes »Götter Helden und Wieland« beabsichtigte, soschwebt ihm hier neben dem Faust des Künstlers Erde-wallen und Apotheose vor. Die Handlung des GoetheschenDramolets wird aus der Sphäre der bildenden Kunst in dieLiteratur übertragen und nach Tiecks Art leider auch ge-dehnt und verbreitert. Dem verzweifelnden Künstler er-scheint nicht, wie bei Goethe einmal, sondern dreimal tröstenddie Muse. Altfrank, ein Typus aus Moscheroschs Gesicht»das Totenheer « 6 und Vertreter der deutschthümelndenRichtung, weist ihn im derbsten Tone des Götz auf denrechten Weg; nachdem der neue Herkules den falschenRuhm von sich gewiesen, wird ihm der wahre Ruhm zuTheil, der wie in Goethes Farce in der inneren Befriedigung
1 Holtei I, 27fr. Caroline I, 250fr.
2 Aus Schleiermachers Leben III, I40. Caroline I, 244.
s Köpke II, 156. Holtei I, 13.
* Poetisches Journal I, 81 ff. und Schriften XIII.
5 Aus Schleiermachers Leben III, 190.
6 Tiecks Schriften XI, S. LIXff.
Goethe-Jahrbuch X.
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