Jahrgang 
10 (1889)
Seite
247
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Miscellen.

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bin zu Haus«. »Will dich bewirthen« auf 1,37 »Restez huitjours dans ma grange«. »Je vous attends jusquä dimanche«und 1,38 »Venez cette nuit, mon eher? Pur den groben Tonin 127,10 »Mag der*** dich holen« auf 1,37 »Ya-t-en, chien,que je ne te voie!« 1,37 »Creve, malheureux!« und 1,39»Va-t-en, gueux!« Für 127,6 endlich: »*** auf einem Kissen«auf 1,39 »Deux tetes sur un oreiller«, woraus sich die obenschon gebrauchte Ausfüllung ergibt.

Es erhellt, dass der Inhalt des Goetheschen Romaneszwar nicht aus dem »Dictionnaire« zusammengestellt ist, aberdoch die Hauptpunkte: heisse Liebe, Spott dagegen, einStelldichein und eine derbe Abfertigung daher entnimmt. DieOrdnung der Glieder, der Zusammenhang ist ganz Goethe eigen,so wie auch die neckische Auffassung, wenn diese Deutungrichtig ist. Die Vorlage bot nur eine Fülle von Beispielen,ohne Verbindung, ja ohne Zwiegespräch. Sollte Goethe auchnichts anderes beabsichtigt haben ? ist seine Ankündigungeines »kleinen Romans« nicht genau zu nehmen? DieSchwierig-keit der Auslegung, besonders der bezeichneten Stelle, aberauch der meisten andern Zeilen, denen ein zusammenhängenderSinn nur durch fortwährendes Errathen der Nuancirung derStimmen abzugewinnen ist, könnte darauf hinführen.

Verschiedene Situationen und Stimmungen, welche inirgend einem Theile eines Romanes verwerthbar sind, könntenin Zeichen und Reimworten vorgelegt sein, ohne dass einZusammenhang bestehen müsste. Eine Werbung in den erstenZeilen, allerlei trübe Stimmung 126,5-11, Briefverkehr 126,28-31,Liebesgenuss 126,32127,6, Abweisung 124,7-10. Aber, wenndie Absicht wäre, gewisse Motive mannigfaltig zu behandeln,so müsste 126,14, 19, 20 zur zweiten Gruppe, 126,15-is zur vor-letzten Gruppe gestellt sein.

Eben so wenig gelingt der Versuch, eine Ordnung nachder Gleichartigkeit der gesandten Zeichen zu finden; zwarsind Rüben und Carotten, weisse und blaue Trauben, Haarevom Tiger und der Gazelle u. s. f. zusammengestellt, undverbinden Zuschrift und Antwort, aber viel öfter folgen ganzverschiedenartige Geschenke auf einander. Die Zeichen habenüberhaupt keinen Werth für den Romanstoff; sie dienen ledig-lich als Vorderreim; sie haben keinen sinnigen Inhalt; mankönnte allenfalls noch in 127,4 »Myrten: Will dich bewirthen«und 127,5 »Jasmin: Nimm mich hin« einen solchen suchen,auch 125,27 vom Tiger zu dem »Krieger«, 126,1 von »Stroh«zu »Ich brenne lichterloh«, aber sonst nirgends; ja ein Reim-band wie 126,19 »Rosenfarb : Die Freude starb« knüpft Gegen-sätzliches zusammen. Goethe hat überdies eine innere Be-deutung der Geschenke eigens abgelehnt (124,5. 6), sich volleFreiheit des Reimens gelassen und darum auch nirgends, wo