Einleitung.
Der denkwürdige Kampf gegen die tagesgültige littera-rische Flachheit, Roheit und eitle Anmaßung, den Goetheund Schiller mit ihren Lernen im Schillerschen „Musenalma-nach für das Jahr 1797" eröffneten und der vor nun einemJahrhundert die deutsche litterarische Welt in so leidenschaft-liche Bewegung setzte, wurde, wie alle litterarische Fehde, inseinen Einzelheiten den nachfolgenden Generationen dunklerund gleichgültiger. Zahlreiche Lernen waren schon zur Zeitihres Erscheinens, trotz aller Deutlichkeit, vielfach gedeutetworden, von Jahrzehend zu Jahrzehend wurden der Leseweltihre Beziehungen fremder, zuletzt die Lernen als Ganzesunverständlich. Der nachwirkenden Resultate einer luftrei-rrigenden Polemik erfreute man sich dabei freilich ungestört,die Distichen, die Schiller wie Goethe aus dem Zusammen-hang ihrer gemeinsamen poetisch-kritischen Produktion herausirr ihre Gedichte aufnahmen, galten mit Recht als glänzendeZeugnisse des idealen Sinnes und der hohen Kunstan-schanung der Dichterdioskuren. Der Lernen selbst aber inihrer Gesamtheit bemächtigte sich die Litteraturgeschichte, diekritische Erläuterung, die hier ein reiches Feld fand. Von1833 an, wo ein erster vollständiger Wiederabdruck aus demMusenalmanach für 1797 erschien (Die Lenien aus Schil-lers Musenalmanach für das Jahr 1797. Geschichte, Abdruckund Erläuterung derselben. Danzig 1833) bis auf die jüngsteZeit, bildeten die Lenien einen dankbaren Stoff historischerund ästhetischer Belehrung. Mit mehr oder minder frischenFarben, je nachdem es vor dem innern Auge der Erläuterer