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und Goethe, so wenig war seiner Zeit Lessing der erste An-greifer gewesen. Und die Frage über Recht und Unrecht derLernen drängt sich soinit in die wichtigere zusammen: wannund wie lange sollen auf dem Gebiete der Kunst und Lit-teratur, um des scheinbaren Friedens willen, die wahrhaftHochstrebenden und die eigentlich genialen Kräfte den stumpfenWiderstand, das Mißwollen und die Verleumdung, den klei-nen geheimen Krieg der Mittelmäßigkeit ruhig ertragen?wann ist der echte Künstler berechtigt, dem Halbkönner undStümper gegenüber zu treten? Wessen Antwort hierauflautet, daß schon im Bewußtsein des höheren Wollens undKönnens eine llberhebung liege, daß der Lebende alle Unbillder Lebenden zu erdulden und der Nachwelt die Revision desProzesses zu überlassen habe, für den sind und bleiben dieLernen eine Ausschreitung, ein litterarischer Frevel, den ledig-lich die sonstige Größe und der glänzende Erfolg ihrer beidenUrheber geheiligt haben.
Wird aber die Frage nicht so gestellt, sondern behauptet,die Lernen seien ein mutwilliger Einbruch in den Friedender deutschen Litteratur, in die Gehege vieler tüchtiger, red-licher, wenn auch beschränkter Schriftsteller, und zwar einEinbruch aus persönlicher Gereiztheit über den kritischen Miß-erfolg der Schillerschen Monatsschrift „Die Hören" gewesen,so will man die wahre Geschichte der Lernen nicht kennen,greift aus dem Schiller-Goetheschen Briefwechsel einige äußer-liche Punkte heraus und schließt aus gelegentlichen Äuße-rungen, denen hundert andere entgegenstehen, daß den Lenkenkein tieferer Anlaß zu Grunde liege, als der Verdruß gereizterJournalisten über einige scharfe Kritiken anderer Zeitschriften.
Schon vor den Angriffen der meisten deutschen Journaleauf die „Hören" hatte Schiller (an Goethe, Jena , 15. Juni1795) eine gewisse kampflustige Stimmung geäußert. „Ichhabe schon ehemals daran gedacht, daß wir wohl thuen wür-den, einen kritischen Fechtplatz in den Hören zu eröffnen.Nur dürften wir, glaube ich, das Heft nicht aus den Händen