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2 (1858) Meine grössere Reisen in Ostafrika
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keine Wohlthat erzeigt wurde. Kein Wunder, daß sich einGeist der Unzufriedenheit unter den unterjochten Fürsten undVölkern verbreitete, den die grimmigsten Feinde der Portugiesen(wie gegenwärtig der Engländer), die Muhamedaner in Afrika und in Asien , zu vermehren suchten. Die anfängliche Begeisterungin Portugal , die alle Klassen von Menschen in fremde Ländertrieb, ließ nach, denn sie war gesättigt durch die großenErrungenschaften. Die Successionskriege, welche 1580 zwischenPortugal und Spanien ausbrachen, nöthigten die portugiesischeRegierung, ihre Truppen nach Europa zurückzurufen. DieKolonien konnten nicht mehr gehörig unterstützt werden, unddie Gouverneure mußten sich größtentheils mit eingeborenenSoldaten behelfen, wodurch die große Schwäche ihrer Herrscheroffen gelegt und ein Geist der Empörung, der Verdorbenheit,der Zerrüttung und der Tyrannei erzeugt wurde. Die obersteRegierung, im Bewußtsein ihrer Unmacht, mußte zu allemschweigen und froh sein, wenn nur einigermaßen ihre Machtund ihre Einkünfte gedeckt waren.

Ueber Alles dieses kam noch das Umsichgreifen anderereuropäischer Staaten zur See. Holland errichtete 1595 eineKompagnie zum Handel in fremden Ländern, und sandteunter dem wackeren Kaufmann Hutmann 4 Schiffe, welchedas Kap der guten Hoffnung, Madagaskar , die Maledivenund die Sonda-Jnseln besuchten und die dortigen Verhält-niße der Portugiesen und der Eingeborenen kennen lernten.Auch England erhob sich unter der großen Königin Elisabeth.Schon im Jahr 1597 war Franz Drake, 157!» Stephens,1587 Cavendisch nach Indien , und 1591 Jacob Lancafternach Sansibar gekommen, und 1600 bildete sich in Englanddie indische Handelskompagnie, welche die Frucht jener Er-forschungsreisen war.

Frankreich wurde erst später unter Colbert (1664) mitIndien bekannt. Portugal hatte so Rivalen, Feinde undWidersacher im Ueberfluß. Im Westen von Europa warenes die Holländer und Engländer, und im Osten die Türkenund Perser, welche die Macht Portugals zu brechen suchten,