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Observations géologiques sur le Jura soleurois / par A. Gressly
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2>omterstag26. Samat 1950

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Die Innenansitiht des Dornacher Heimatmuseums mit dem lichterfiillten Chor, in dem die Flügel-tiirchen des Reliquienschreins , die Nepomukstatue und die Aitarbilder aus der BüsseracherKirche sichtbar sind. Links im Schiff sind die Lanzen der Landsknechte zu einem Strauss ge-bunden und daneben stehen weitere Beutestiicke aus der Schlacbt bei Dornach

Das Schatzkâstlein der Schwarzbuben

Ton alten Kunstschâtzen und den Zeugen grosser Mânner im neuen Helmatmuseumder St. Mauritiuskirche in Dornach

Die Schwarzbuben sind das heimatfrohe Vôlk-lein in den beiden Bezirken Domeck und Thiersteinan den südlichen Hàngen des vorderen Birstales.Albin Fringeli, ihr kundiger Sânger, hat in Ra-dio und Presse schon oftmals von ihnen erzâhlt, vonihrem lebendigen Brauchtum und ihrem bâuerlichenLeben. Schwarzbuben? Diese Bezeichnung hat ihrebesondere Bewandtnis und nicht etwa mit der Haut-farbe etwas zu tun. Der ITame entstammt jenemUebernamen, den die alten Abgeordneten der beidenBezirke sich bei ihren Ratskollegen in Solothurn zu-gezogen hatten. Als eifrige Solothurner und amts-bewusste Bürger waren sie nâmlich immer in ihrerbesten schwarzen «Rustig» zu den Tagungen erschie-

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Diese wundervolle barocke Nepomukstatue ausrotem Sandstein ist vor den Witterungseinflüs-sen, denen sie auf der Brfistung der alten Dorn-acherbrücke ausgesetzt war, an diesem Orte ge-schfitzt. Verklârt im Lichte, das aus den goti-schen Fenstern einfâllt, steht sie plastisch in-mitten der Fresken und alten Kunstwerke.

nen und sind offenbar die feierlichsten Ratsherrengewesen und darin jedenfalls aufgefallen. Heutebedienen sie sich des Namens elber, und er hat seineneckische Spitze verloren. Dieser Eifer der Altenaber beweist, wie die Dornecker und die Thierstei-ner schon damais ihre kantonalen Aemter in hohen

Ehren hielten und betonte Solothurner gewesen sind,genau wie noch heute.

Neben dem erwâhnten Albin Fringeli gibt es imheutigen Schwarzbubenland Mânner wie OttoKaiser, Boder, Baumann usw., denen an der altenKultur ihres kleinen Lândchens etwas gelegen ist.Ihren Bemühungen ist es innerhalb weniger Jahregelungen, in Dornach ein Schatzkâstlein heimischenKulturgutes zu schaffen, wie man seinesgleichennicht so schnell antreffen wird. Schon die historischeWürde der alten St. Mauritiuskirche, welche bereitsim Schlachtholzschnitt von 1499 mitten im Kampf-getümmel zu sehen ist, birgt etwas Gediegenes insich. Im Juli 1940 hatte sich der Stand Solothurndieses Denkmal durch Kauf gesichert und der Kirchegleichzeitig die künftige Bestimmung mit der «Stif-tung Heimatmuseum des Schwarzbubenlandes» ge-wiesen. Zur Renovierung sind dann noch allerhandflüssige Mittel nôtig gewesen; sie wurden aber ausden beiden Bezirken freudig beigesteuert. Und am12. Juni 1949 war es soweit, dass man dieses seltenschône und inzwischen mit historischen, künstleri-schen und wissenschaftlichen Zeugen aus der enge-ren Heimat gefüllte Muséum der Oeffentlichkeitübergeben konnte.

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Muséum? Mir schien es eigentlich mehr, vorallem dem Leben des Landes und der Leute nâher.Als ich es besuchen wollte, fand ich das eiserne Gar-tentor, das die Kirche umgibt, geschlossen. Der En-gelwirt von nebenan weist mich an Herrn Hâner,dort gegentiber im alten Hause, und in der Tat, dasTôchterlein des Sigrists übergibt mir die Schlüssel.Damit gehort die ganze kostbare Sammlung, die ichin der Kirche vorfinde, mir allein. Man ist sich anehrliche Leute gewôhnt im Schwarzbubenland...

Die Erbauung der St. Mauritiuskirche muss insehr alte Zeiten zurückreichen und ihre Anfângeliegen selbst für den Historiker im dunkeln. Daserstemal wird eine solche 1301 erwâhnt, und tat-sâchlich finden sich noch bauliche Fragmente ausromanischer Zeit. Die Kirche hat im Laufe derJahrhunderte manchen Kar'pf aus der Nâhe ge-schaut und ist selber in grôsster Gelahr gewesen(so wurde sie in der Zeit des Schwabenkrieges nurmit knapper Not von Benedikt Hugi, dem Vogt desSchlosses Domeck, vor Brandschatzung bewahrt).Baulich ist sie von jeder Epoche ein wenig berührtworden. So kamen bei der Renovation des Choreszum Beispiel Wandmalereien zum Vorschein, die derBasler Denkmalpfleger Riggenbach auf die Zeit um1600 schàtzte; bei der Restaur,°rung ist die Jahrzahl1597 entziffert worden. Diese Fresken, ziemlichlàdiert und fragmentweise vorhanden, boten denbeiden Künstlern Ernst Wolf und Ernst BuchnerGelegenheit, in der Rekonstruktion des noch Vor-

handenen ein wirklich wundervolles Werk zu schaf-fen, das dem alten Raume herrlich ansteht. Dieserf reskenbemalte Chor, in dessen Westwand ein klei-îer Reliquienschrein mit zwei zierlichen schmied-Msernen Flügeltürchen bei der Renovation zum Vor-schein gekommen ist, birgt die historischen Kunst-werke und stellt das Herz des Muséums dar. Es ste-hen da im schrâg aus den hohen Fenstern einfallen-den Licht die barocke Nepomukstatue, die auf derBirsbriicke gestanden hatte, femer zwei kunstvolleFlügel des ehemaligen Seitenaltares von Biisserach,ein prâchtiges, handgeschriebenes Missale aus demKloster Beinwil , Ofenkacheln aus dem Kloster Ma-riastein, alte Glocken und ein formschôner gotischerTaufstein. Eine wirkliche Fülle von Kunstwerkenaus der Kulturgeschichte von zwei kleinen Bezirken,und man wird weit gehen miissen, bis man sie insolch gedrângter Fülle in einem lândlichen Muséumantrifft.

Im Schiff mit seinem warmen rotgeplâtteltenFussboden treten einem die Zeugen der Volkskunst,der prâhistorischen und geologischen Forschung ent-gegen. Es sind profane Dinge, aus denen man nichtnur das wirkliche Leben und Treiben der Bauem,die Schônheit ihrer Dorfer und Brâuche spürt, son-dera aus denen einem auch grosse Einzelpersônlich-keiten, géniale Schwarzbuben entgegentreten. Vor-erst liegen aber da einmal unter einer Vitrine dieprimitiven Werkzeuge der âltesten Schwarzbuben,wenn man die 15 000 Jahre alten Renntierjâger sonennen darf. Jedenfalls hatten sie in den Hôhlen desKaltbrunnentales Station gemacht, als sie jeweilsvor dem kalten Winter nach Südfrankreich undSpanien zogen. Theodor Schweizer hat die Fâhrtedieser Eiszeitmenschen entdeckt, hatte sich die Mühegenommen, mit Spachtel und Erdsieb die Hôhlen-boden zu untersuchen und dabei allerhand Feuer-steinmesser, Schaber und Knochennadeln, Elchzâhneund gar mit Ocker gefârbte Schmuckstücke vonmondânen Jâgersfrauen gefunden. Die Funde sindaus neuester Zeit, und es tritt einem aus der Vitrineeine ganz neue Welt der engeren Heimat entgegen.

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Der kleine, kraushaarige Amanz Gressly, einberühmter Geologe aus Bârschwil , ist verdienter-massen in einer ausführlichen Schau im Heimatmu-seum zur Geltung gekommen. Als Mensch ist erheute noçh im Volke der Schwarzbuben lebendig, ob-wohl er 1865 gestorben ist. Die alten Leute erzâhlennoch so deutlich von ihm, als ob sie ihn persônlichgekannt hâtten. Ein Beweis, wie sich Originalitât,verbunden mit echter Menschlichkeit, in den Gene-rationen zu halten vermag. Gressly hat das Schwarz-bubenland gekannt wie kaum ein zweiter. Geklei-det, auftauchend und verschwindend wie ein Kes-selflicker, hat der géniale Geologe die Tâler undKalkgrâte durchzogen, immer auf der Suche nachVersteinerungen, auf der Fâhrte geologischer Ver-mutungen. Zu den Menschen i$t er nur gekommen,wenn der Hunger oder das Wetter ihn zu ihnen trieb.Plotzlich tauchte er verhudelt und verwettert in derKüche eines abgelegenen Bauemhofes auf, machtesich über den Kessel mit den «Sâuhârdôpfeln» herund stillte den knurrenden Magen. Daneben hat ertrotz seiner gesellschaftlichen Unbeholfenhelt in denbesten Hâusem verkehrt. Man kann aus Briefen dieKlagen der gastgebenden Hausfrauen nachlesen, diesich über seine Unordentlichkeit beklagen; undtrotzdem nahm man den genialen Forscher in Ge-lehrtenkreisen gerne auf, half ihm über die kalteWinterszeit und seine dauernden Geldsorgen hinweg.In Neuenburg logierte er üfters bei Professor Desor;die Frauen sagten dort von ihm: «J’en aurais peur,si je le rencontrais dans un bois. Mais les enfants,ces physiognomistes d’instinct, ne devaient pas lecraindre.»

Gressly wurde in geologischen Kreisen in sehrjungen Jahren berühmt durch sein epochenmachen-des Werk: «Les observations géologiques sur le Jurasoleurois». Mit der unglaublich reichen Dokumentie-rung von 4200 Spezies in 8000 Exemplaren belegte erseine damais revolutionierenden Theorien. Er be-wies darin die engen Wechselbeziehungen der Ge-steinslehre mit der Versteinerungskunde. SeinerLehre von der Faziesbildung kam dabei die grôssteBedeutung zu. Er unterschied die Korallenblldungund die dickschaligen Versteinerungen von Meertie-ren, die in der Brandung gelebt haben mussten wieHaarsteme, Seeigel, Austera von den Schlammfa-zies als Produkte des Absatzes in ruhiger Bucht, alsoden dünnschaligen Ammonshôrnem, Donnerkeilenusw. In einer Karte stellte er das Ergebnis seinerStudien zusammen und an Hand der Funde konnteer die Küsten des damaligen Meeres in unserer Ge-gend genau rekonstruleren. Im zweiten Abschnittseines Werkes beschrieb er die Jurafaltung und imdritten behandelt er jene Formationen, die nach derJurafaltung entstanden sind.

Es war schon lange zu wünschen gewesen, dassAmanz Gressly auch als Wissenschafter einmal sei-

nen Landsleuten nâhergebracht wurde. Er verbrachteim grossen ganzen ein unglückliches, von stândigermaterieller Not gepeinigtes Leben. In seinen spâte-ren Jahren hatte er auch den aargauischen, basel -landschaftlichen und Berner Jura geologisch bear-beitet, hatte die Anfânge des in Entwicklung begrif-fenen Bahnbaues erlebt und Tunnelforschungen amalten Hauenstein, bei St. Ursanm und Chaux-de-Fonds mit international anerkannter Sachkenntnisund Prâzision durchgeführt. Aber schon mit 47 Jah-ren ist er einem epileptischen Hiraschlag erlegen,einem Leiden, das ihn lange verfolgt hatte. Ein sorg-fâltig ausgewâhlter Teil seiner Gesteinssammlung,die schon so manchen Geologen ins Entzücken ver-setzte, gibt jetzt in Dornach von seinem unermüdli-chen Schaffen Zeugnis. Exemplare der Werke, die erverfasste und die über ihn verfasst wurden, sind aus-gestellt; seine brüchige, klobige Gesteinssammel-tasche und der Geologenhammer liegen auch dabei.Und über allem schaut gutmütig und mit leuchten-den Augen das Portrât dieses seltsamen Schwarz-buben.

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Ausser Gresslys von den Jahrtausenden erzâhlen-den Steinen sind es neben den bâuerlichen Gerât-schaften, den Beutestücken a’ s der Schlacht beiDornach , den sauberen alten Kupferstichen im be-sonderen die Oelgemâlde und Holzschnitte AugustC u e n i s , die uns interessieren. Sie illustrieren dieDorfer und Landschaften des Bezirkes in passendenFarben, und ihr künstlerisches Niveau ist schon da-durch belegt, dass sie sich als moderne Werke durch-aus mit dem Historischen vertragen. August Cueniist zwar kein Schwarzbube dem Heimatscheine nach,sondera ein gebürtiger Dittinger aus der bernischenNachbarschaft des Birstales; heute wohnt er inZwingen. Aber seinen Werken und seinem Wesennach kônnte er ebensogut ein Schwarzbub sein. Inseiner Naturverbundenheit, der Liebe zu seinerKunst u. seiner eigenbrotlerischen Wanderei gleichter Gressly aufs Haar. So findet er jene Punkte dersolothumischen Landschaft, deren Atem er in sichhat und die seinem Pinsel entsprechen. Er ist eigen-willig in seiner Kunst, und München , das er in sei-ner Jugend besuchte, vermochte ihm wohl Technik,nicht aber einen konfektionellen Stil beizubringen.Er malt genau so handwerklich, so glâubig unddurchgeistigt wie er lebt. Das Kaltbrunnental mitdem Ibach, die Dürfer mit ihren ausser jedem Winkelgebauten Hâusem, mit unordentlichen Misthaufenund malerischen Kirchtürmen, ailes das lasst er auf-leben in einer eigenartigen impressionistischen Farb-gebung; jedes Bild ein Propagandastück für denHeimatschutz. Er ist schon betagt und ait geworden,denn er hat sehr viel gearbeitet. Immer noch lâsstes ihm keine Ruhe und er ringt mit sich selber undmit dem Pinsel. Die Genugtuung von Dornach ist ihmzu gonnen, denn die Bilder im Heimatmuseum sindganz seinem Geiste nach untergebracht.

Nun suchen wir den ungefugen Kirchenschlüsselwieder aus der Tasche hervor, blicken noch ein letztesMal nach dem hellen Chor, dann schliessen wir dieknarrende Kirchentüre zu und schreiten zum Sig-ristenhaus zurück, wo man die Schlüssel zum Schatz-kâstlein der Schwarzbuben für weitere dankbareBesucher bereithâlt... H. T., B.

Wm

Das glâserne Réservât des Geologen AmanzGressly . Versteinerte Schnecken, Ammonshorn-chen und sonstige Fundstücke aus der altenErde, die Steinsammeltasche und der Geologen-hammer geben Zeugnis vom Schaffen diesesgenialen Mannes