Ceich predigt. öein Menſch etwan in einem ſündlichen Sall begriffenwurde, ſo helfft jhr/ die geiſtlich ſind/ einem ſolchen
wider zu recht mit dem Geiſt der Sanfftmůt/ vnd ſi-he auff dich ſelber/ daß auch du nicht verſůchet wer-
deſt. Trage einer des andern laſt/ vnd alſo erfüll etdas Geſaͤtz Chriſti. öWann aber der Menſch feiner begangenen Sünden hal
ben ver ſůcht/ vnd in feinem Gewiſſen angefochten wurde/ alſo
daß jhne die eynbildung des göttlichen Zorns/ vnnd forcht derVerdamnuß anhebt zu aͤngſtigen/ vnnd er mit der verzweiff-
lung genug zu kaͤmpffen hat: So geraͤuchet auch ſolches den
Gott ſeligen zu gůtem.
Dann anfangs werden fie hiedurch zu rechter Erkanntnußder Sünden verlaͤrtet/ der ſchandligkeit ſchaͤdlichkeit vnd gre-
wels der ſelbigen. Dann gleich wie man einer Kranckheit/ſo etwan ein zeitlang in dem Leib des Menſchen heimlich ver-
borgen ligt/ nichts achtet/ biß ſich dieſelbige durch die ſchmer-tzen vnd wehtagen offenbahret: Alſo traͤgt auch der Menſchder Sünden ſchlechte rechnung/ ehe vnd dann das Gewiſſenauffwacht/ vnd den Menſchen anhebt ſchmertzlich zu nagen.
So wirdt/ demnach/ der Menſch deſto hefftiger angelrie-
ben/ hifff/ rath vnd troſt zu lichen/ hey vnſerem Erloͤſer Jeſu
Chriſ o: alß der allein das Gewiſſen ſtillen kan. Dannenher Gal 24.
das Geſatz ein Zucht laͤit er zu Chriſto genennet wirdt: Die-weil wann das Geſatz den Menſchen keiner Sünden in ſeimGewiſſen vberzeugt/ anklaget/ verdam̃et vnd richtet/ er noth-
hblben gedrungen wirdt fein Zuflucht zu Chriſto zu nemmen/alß der dem Geſatz vnd Gerechtigkeit GOttes für vns ein ge
nůͤge gethan hat.
Vnd wird hernaher die Gůtthat vn ſerer Erlsſung durchChriſtum / deſto ſcheinbarer vn ſeren Augen/ ja Hertzen fuͤr-geſtellet: daß wir erkennen/ wie groſſe vrſach wir haben/ alß
die
39fa
ge*