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Südsee, Urwald, Kannibalen : Reisen in den Neuen Hebriden und Santa-Cruz-Inseln / Felix Speiser
Entstehung
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Der außerordentliche Reichtum der Inseln an Kokospalmen lockteschon in den siebziger Jahren die ersten weißen Koprahändler nachden Inseln. Diese waren fast alle gestrandete Existenzen, die entwederdem Bagno in Noumea entstammten oder sonst Grund hatten, dieZivilisation zu scheuen. Solche Individuen ließen sich bei irgendeinerAnkerstelle in der Nähe größerer Dörfer nieder, bauten sich eine Stroh-hütte und tauschten die Kopra der Eingeborenen gegen allerlei Warenein: Streichhölzer, Tabak, Pfeifen, Kaliko, Äxte und Messer, haupt-sächlich aber Feuerwaffen und Schnaps. Kleine Segelschiffe, meist vonNoumea aus, versorgten sie mit Waren und holten die gesammelteKopra ab. Anfangs machten sie bedeutenden Gewinn, demoralisiertenaber durch Alkohol und anderes die Eingeborenen, und lebten mit ihnenin beständigem Streite, weil sie durch Raub der Frauen und andereBrutalitäten die Eingeborenen reizten und weil sie ihrem Charakternach überhaupt nicht in der Lage waren, sich Ansehen zu verschaffen.Die häufigen Ermordungen solcher Händler durch die Eingeborenenkann man zum mindesten begreiflich finden, wie auch die späterenMorde in der Mehrzahl natürliche Racheakte an den Weißen für Miß-handlungen aller Art gewesen sind. Die mühelose Erwerbung so an-sehnlicher Vermögen lockte trotz der Gefahren immer mehr Weiße nachden Inseln, so daß mit den Jahren die Küsten der friedlicheren Inselnvon zahlreichen Handelsstationen besetzt wurden, deren Besitzer sichaber bald Konkurrenz machten, was zur Folge hatte, daß heute derKoprahandel kaum mehr für den Weißen, sondern nur noch für denEingeborenen einträglich ist.

Bei der in früheren Jahren leichten Beschaffung der eingeborenenArbeitskräfte ist es nicht verwunderlich, daß aus solchen Handels-stationen sich bald kleine Pflanzungen entwickelten, meist Franzosen gehörig, die sich erst in Meie bei Port Vila , dann in Port Havannah,Port Sandwich, Epi und später am Canal du Segond festsetzten. Besonderslegte die Soc. Franc, des N lles Hebrides an allen den genannten OrtenPflanzungen an. Von diesen sind aber die meisten wegen Mißwirtschaftnie zum vollen Ertrage gekommen. An schädlichen Einflüssen geselltesich nun zu den schon erwähnten die Plantagenarbeit. Die Pflanzer ver-schafften sich Arbeiter auf jegliche Weise, entführten sie aus denDörfern, trieben sie mit Gewalt auf Schiffe, entfachten Kriege, um dieEingeborenen zu zwingen, auf den Werbeschiffen Zuflucht zu suchen,und was dergleichen Mittel mehr sind. Auf den Pflanzungen über-anstrengte und mißhandelte man die Schwarzen, nährte sie ungenügend,gewöhnte sie an Alkohol und moralische Hemmungslosigkeit, ließ sieohne medizinischen Beistand verkommen, prellte sie um ihren Lohn und

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