früh zu Bette, nachdem man in einem Tingeltangel ausrangierteArtistinnen von Sydney beklatscht und einen Kinematographen be-wundert hat.
Die einzige Aufregung des Monats stellt die Ankunft und Ab-fahrt des Dampfers von und nach Sydney dar, wo alles, was etwasauf sich hält, ein bis zwei Stunden auf dem Kai steht und Unbekannteneifrig mit Taschentuch oder Sonnenschirm winkt; eine Zerstreuung,die in ihrer Unschuld und als Symptom für die in diesem tropischenSeldwyla herrschende Langeweile rührend wirkt.
Da in Noumea selbst keine Industrie ist und der starke ExportNeukaledoniens an Mineralien Noumea umgeht, hofft man, die in denletzten Jahren angelegten Nickelschmelzereien möchten der Stadt neuesLeben zuführen; einstweilen machen sie sich aber nur durch Qualmbemerkbar.
Der vorzügliche Hafen Noumeas sollte einst eine Flottenbasisbilden und wurde stark befestigt. Auch errichtete man eine Reparatur-werkstätte für Kriegsschiffe und baute Depots und große Kasernen.Nachdem man hieran bedeutende Summen verwendet hatte, ändertedas Ministerium seinen Plan; man verzichtete auf Noumea als Flotten-basis, sandte die großen Munitionsvorräte wieder nach Frankreich zurück und läßt jetzt die schönen schweren Geschütze in den Hügel-forts verrosten und die Kasematten verfallen.
Trotz Verbottafeln kann man jene befestigten Hügel besteigenund hat dort schöne Blicke über die Umgebung von Noumea , dieaber keinen tropischen Eindruck macht. Abgerundete Hügel rahmeneine Landschaft mit Heide und zähem Buschwerk ein. Bloß in denTälern finden sich da und dort Bäume. Dennoch lohnt der Gang aufeinen der nahen Hügel, denn es bietet sich ein prächtiger Blick aufdie Bergkette im Innern, die in der Ferne in lebhaft blauem Dunsteverschwimmt, während an den näheren Hängen die mineralhaltigeErde purpurn durch den Duft schimmert, so daß man erstaunt ist,wieviel Farbenpracht diese arme Natur entwickeln kann. Auf deranderen Seite sehen wir der Küste entlang, wo runde Hügelkuppenim Meere zu versinken scheinen, wo man die Brandung an wohlaus-gebildeten Atollen schäumen sieht, und fern am Horizonte das Barrieren-riff erkennt, das ganz Neukaledonien wie ein fester Wall umgibt unddurch das nur wenige enge Kanäle zum offenen Ozean führen.
Am 1. Mai langte der „Pacific“ von Sydney in Noumea an undnahm mich am 2. Mai mit nach den Neuen Hebriden.
Es war ein trauriger Regentag, als wir abfuhren. Mißmutigstanden die Passagiere auf dem feuchten Verdeck und sahen zu, wie
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